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Full text of "Neue Jahrbücher für Philologie und Paedogogik"

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Neue 

JAHRBÜCHER 

für 

Philologie und Paedagogik, 

oder 

Kritische BfbUotheh * 

ffir das 

Schul- und Unterrichtswesen. 



In Verbindung mit einem Vereine von Gelehrten 

herausgegeben 
von 

M. Johann Christian Jahn 

and .. _. - * * 

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Vrot.Me*nhol&Ktot*~* -: v 



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VIRRZEHBTTESR JAHRGANG. 

Vierzigster Band. Erstes Heft. 



Leipzig, 

Druck und Verlag von B, G. Teubner. 
1844. 



Kritische Beurtheilungen. 



I. Handbuch der lateinischen Synonymik von Ludwig 

Doderlein. Leipzig, 1840. Fr. Chr. Wilh. Vogel. X u. 245 S. 8. 

Unter Berücksichtigung von desselben Verfassers hat eint 
sehen Synonymen und Etymologieen. Erster Theil. 
Leipzig 1826, bei Fr. Chr. Wilh. Vogel. XXXIV u. 200 S. Zweiter 
Theil. Ebendas. 1827. XII u. 228 8. Dritter Theil. Ebendas. 1829. 
VI u. 346 S. Vierter Theil. Ebendas. 1831. XVI u. 482 S. Fünfter 
Theil. Ebendas. 1836. XIV u. 392 S. Sechster Theil. Ebendas. 
1838. VIu.418S. gr. 8. 

II. Liber dif/e*rentiarum linguae Latinae^ conscriptus 
a F. G. Jentzen. Auch unter dem Titel: Sammlung der 
sinnverwandten Wörter der lateinischen Spra- 
che (1 100 Nummern umfassend). Ein Hülfsbuch für die mittleren 
und böhero Classen der Gelehrtenschulen. Altona, Hammerich. 1831. 
19 Bogen. 8. 

III. Synonymisches Handwörterbuch der lateini- 
schen Sprache von Dr. Ludwig Ramahorn. Leipzig, in der 
Baumgärtner'schen Buchhandlung. 1835. XXXXVIII u. 381 S. kl. 8. 

Unter Berücksichtigung von desselben Verfassers Lateini- 
scher Synonymik. Nach Gardin - Dumesnil's Synonymes La- . 
Uns neu bearbeitet und vermehrt von Dr. Lhdwig Ramshom. Erster 
Theil. Leipzig, in der Baumgärtner'schen Buchhandlung. 1831. CXX 
und 522 S. Zweiter Theil. Ebend. 1833. X u. 659 S. gr. 8. [Siehe 
diese NJbb. Bd. 10. S. 109—126.] 

IV« Synonymisches Handwörterbuch der lateini- 
schen Sprache für angehende Philologen von Ernst Karl Ha- 
bicht, Professor and Rector des Gymnasiums zu Buckeburg. Zweite, 
verbesserte Ausgabe. Lemgo, Meyer'sche Hofbuchhandlung. 1839. 
XII und 528 S. gr. 8. 

V. Lateinische Synonymik für die Schuler gelehrter Schalen, 
zum Gebrauch beim Lesen der lateinischen Schriftsteller und Abfassen . 

1* 



4 Lateinische Sprachwissenschaft 

lateinischer Stilübungen , von Dr. Friedrich Schmalfeld , Lehrer am j 

konigl. Gymnasium zu Eisleben. Dritte, verbesserte und vermehrte 1 

Auflage. Einleben, Verlag von Georg Reichardt. 1839. XII und ( 
506 8. 8. [Siehe diese NJbb. Bd. 19. S. 115—128.] 

VI« Lateinische Synonymik zunächst für die obern Classen j 

der Gymnasien bearbeitet von Dr. Ferd. Schultz, Gymnasiallehrer j 

in Arnsberg. Arnsberg 1841. Verlag von A. L. Ritter. XII und ) 

321 S. kl. 8. 

» 

JJl.it vollem Rechte hat man es, und zwar vorzüglich in neuerer 
Zeit, anerkannt, dass, da in der lateinischen nicht minder wie in 
jeder andern reicher ausgebildeten Sprache sinnverwandte Wörter 
einzeln sowie neben einander sehr häufig vorkommen, eine ge- 
nauere Kenntniss dieser Wörter in ihren verschiedenen Beziehun- 
gen und Sinnabstufungen nicht allein für den , welcher seine eig- 
nen Gedanken in lateinischer Sprache richtig und angemessen aus- 
drucken will, unerlässig sei, sondern auch demjenigen unentbehr- 
lich, welchem es überhaupt darum zu thun ist, tiefer in den 
Geist dieser Sprache einzudringen, um den wahren Sinn der in 
Ihr abgefassten Schriftwerke gehörig zu erfassen und die Schön- 
heit der lateinischen Sprachdarstellung in den einzelnen Fällen 
richtig zu beurtheilen. 

Deshalb hat man zwar schon in frühester Zeit auf eine gehö- ; 
rige Scheidung und Beurtheilung sinnverwandter Wörter und Re- * 
densarten Bedacht genommen , ohne jedoch die lateinische Syn- , 

onyraik als eine selbstständige Wissenschaft anzuerkennen ; allein 
zu keiner Zeit ist das Studium der Synonymik der lateinischen 
Sprache so eifrig betrieben und durch mündliche Vorträge auf 
gelehrten Anstalten , sowie durch in Druck erschienene Schriften 
so fleissig gefördert worden, wie in den jüngst verflossenen Jahr- 
zehnten, und zwar zu nicht geringem Vortheile der Sprachstudien | 
im Allgemeinen, sowie des lateinischen Sprachstudiums insbe- 
sondere« Denn während man in älterer Zeit das Studium der I 
lateinischen Synonymik mehr nur in rhetorischer und stilistischer I 
Hinsicht betrieb, hat»man in der neuern Zeit mit Recht begon- t I 
nen, von einem allgemeinen und rein wissenschaftlichen Gesichts- j 
punkte auszugehen , und ist auf solchem Wege auch zu weit um- j | 
fassenderen Resultaten gekommen, als in der frühern Zeit. Man i 
hat das so lange entweder ganz vernachlässigte oder wenigstens : | 
höchst einseitig betriebene und doch in jeder Hinsicht eben so ' 
wichtige wie interessante Studium der Etymologie der lateini- | 
sehen Sprache aufs Neue geweckt, und indem man bei den ety- 
mologischen Forschungen auf der einen Seite den Bildungsgang, 
den die lateinische Sprache bei ihrer Entwicklung genommen, 
an sich vorurtheilsfreier betrachtete, andrerseits aber auch bei 
Benutzung fremder Sprachen unbefangener zu Werke ging, hat 



Lateinische Synonymik« 5 

man einen weit sichereren Boden für diesen Theil der Sprachfor- 
schung erhalten, wie solches vorher der Fall keineswegs war. 
Alan hat sich nicht langer bei Erforschung der lateinischen Wur- 
zelwörter, wie früher geschehen, auf eine einzelne verwandte 
Sprache, wofür eine Zeit lang vorzugsweise die griechische 
galt, beschränkt, sondern in besserer Einsicht über, das wahre 
Verhältniss sich zunächst an die lateinische Sprache selbst, so- 
dann aber, wo diese nicht ausreichend erschien, an die übrigen 
mit der lateinischen im Verhältnisse der Verwandtschaft stehenden 
Sprachen gehalten, je nachdem das, was sie boten, für den ein- 
zelnen in Frage stehenden Fall den geeigneten Aufschluss ge- 
währte. Und wenn man auch das Studium der lateinischen Ety- 
mologie noch gar nicht, auch nur relativ, bis zu einem gewissen 
Abschlusspunkte gebracht betrachten kann, so hat man dock 
schon jetzt herrliche Resultate gewonnen und wenigstens einen 
Weg angebahnt und einen Grund gelegt, worauf in der Folgen 
zeit mit unfehlbarem Erfolge weiter fortgebaut werden kann« 
Doch wollen wir damit keineswegs ausgesprochen haben, dass 
die Lehre von den lateinischen Synonymen hauptsächlich und vor- 
zugsweise auf die Etymologie zu basiren sei, und dass Alles auf den 
aufgefundenen Ursprung eines Wortes in synonymischer Hinsicht 
ankomme; es sind vielmehr nicht selten aus der richtig darge- 
legten Etymologie falsche Resultate für die Synonymik gezogen 
worden, und, handelt es sich um eigentliche synonymische Be- 
stimmungen, so kann nur das durch die Etymologie und em- 
pirische Beobachtung des Sprachgebrauchs gewonnene Resul- 
tat in Betracht kommen; allein eben um diese Resultate für 
die Synonymik zu gewinnen, müssen die etymologischen For- 
schungen vorausgehen, und so sind grade durch das erneuerte 
Studium der Synonymik auch jene Studien hervorgerufen und 
auf 's Neue belebt worden, die nun hinwiederum das Studium der 
lateinischen Synonymik in höherm Sinne wecken und wissen- 
schaftlich begründen halfen. 

Das Studium der lateinischen Synonymik ist nun aber nicht 
blos, wie in dem Obigen angedeutet worden, in seinen Resultaten 
erfreulich, im Zusammenhange mit der übrigen wissenschaft- 
lichen Forschung nützlich und segensreich , sondern auch in rein 
pädagogischer Hinsicht von der grössten Wichtigkeit, weil nichts 
jüngere Leute, ja, selbst Knaben, mehr anzieht, als das Heraus- 
finden und Unterscheiden ähnlicher Begriffe und Wörter, nichts 
aber zugleich auch den Verstand mehr schärft, als das Aufsuchen 
und Auffinden von Aehnlichkeiten und Unähnlichkeiten ; und, da 
die lateinische Sprache nach dem ganzen Gange der europäischen 
Cultur und nach dem Emporkommen so vieler romanischer , also 
von ihr abgeleiteter und mit ihr in fortwährendem Zusammen- 
hange bleibender Sprachen in ungern Schulen und Bildungsan- 
stalten nebst den vaterländischen Sprachen stets die Sprache 



6 Lateinische Sprachwissenschaft. ' - 

bleiben wird, welche eine hauptsächliche Berücksichtigung erfor- 
dert, trotzdem dass ihre Schwestersprache, die griechische, rei- 
cher und gebildeter genannt zu werden verdient, so ist mit Recht 
auch das Studium der Synonymik vorzugsweise an die lat. Sprache 
angeknüpft worden. Dieser, in neuerer Zeit vorzüglich, aner- 
kannte unverkennliche Einfluss des Studiums der lateinischen Syn- 
onymik auf die formelle Bildung, welche die höhern Lehran- 
stalten hauptsächlich 111*8 Auge zu fassen haben, hat es nun wohl 
auch veranlasst, dass die lateinische Synonymik nicht nur in wis- 
senschaftlicher, sondern auch in rein pädagogischer Hinsicht in 
der neuesten Zeit so vielfach betrieben und bearbeitet worden ist, 
wie die oben an die Spitze gestellten Titel beweisen. 

Bei einer im Ganzen so jung begründeten Wissenschaft 
wird es aber an sich nicht uninteressant, auch zur richtigen Beur- 
theiiung der oben bezeichneten Schriften nicht unwichtig sein, 
eine gedrängte Uebersicht der gesammten hierher gehörigen Lite- 
ratur vorauszuschicken, ehe wir uns zur Beurtheilung des gegen- 
wärtigen Standpunktes dieser Wissenschaft und der einzelneu 
hierher einschlagenden neuern Schriften wenden« 

Abgesehen von den alten Schriftstellern selbst, die entweder 
gelegentlich sinnverwandte Wörter und Begriffe scheiden, wie 
z. B. Cicero in mehreren seiner philosophischen Schriften, oder 
ganz absichtlich, wie dies z. B. in mehreren Stellen Varro's und 
den übrigen Grammatikern, in einem besondern Abschnitte: De 
differentiis verborum p. 421 — 448. ed. Merc. auch von Nonius 
geschieht, und wozu ebenfalls reiche Ausbeute aus dem Corpus 
iuris civilis, namentlich aus dem Titel de verborum significatione 
entlehnt werden kann, abgesehen also von den Angaben der Alten 
selbst, worüber man vergleichen mag, was in dem Werke von G. 
Fabricius: Libellus veterum grammaticorum de proprietate 
et differentiis sermonis Launig item de verbis apud Terentium 
collectus a G. Fabricio. Ed. op. M. Iac. Fabricii [Lips. 1569. 8.], 
zusammengestellt ist, ward in der frühern Zeit, wie dies bereits 
oben bemerkt worden, die lateinische Synonymik zunächst in 
stilistischer und rhetorischer "Hinsicht bearbeitet, wie 
z.B. in dem früher hochgeschätzten Werke von Laurentius 
Valla: De Linguae Latinae elegantiis libri sex, was seit dem 
Jahre 1476 vielmals aufgelegt ward und eine Zeit lang in Aller 
Händen sich befand, und neben allgemeinen grammatischen und 
phraseologischen Bemerkungen auch sehr treffliche synonymische 
Andeutungen gewährt. Einen gleichen Weg geht trotz seines 
■pecielleren Titels auch das Werk von Hieronymus Cingu- 
larius: Synonymorum collect anea^ Colon. 1522., sowie auch 
nur in gleichem Sinne hierher gehören: Rud. Gocienii Ob- 
servationes Linguae Latinae, Lichae 1595., zuletzt noch zu 
Leipzig 1624 wiederholt. Seinem Ziele rückte etwas näher, doch 
(ebenfalls nur noch zum Zwecke der Stilistik Bernhard Wide- 



Lateinische Synonymik. 7 

mann in seinem Werke: De proprietate et differentüs Lathd 
ser mortis, Genevae 1602. Am bekanntesten ist ausser Laurentius 
VaJIa's angeführtem Werke die Schrift von AusoniusPopma, 
die ebenfalls grammatische, synonymische und phraseologische 
Bemerkungen unter- und durcheinander enthält: De differentüs 
verborum libri IV. Antv. 1606. cum additamm. /. Fr. Hekelii. 
Ups. 1694., sodann cura Adami Dan. Richter i, Lips. et Dresd. 
1/41. 8., zuletzt von Messerschmid, Leipzig 1769. 8., an 
welchem Werke noch zwei Nachtrage von J. CL Strodtmann: 
Centuriae differentium apud Lat. vacum ab Ausonio Popma tiet 
omissarum vel curatius explicandarum, in den Actis Societ. 
Latin. Jen. II. p. 15 sqq. III. p, 56 sqq. gehören* 

Als ein Uebergang zur Synonymik Im eigentlichen Sinne ist 
das französische Werk zn betrachten, was zu Snde des vorigen 
Jahrhunderts unter folgendem Titel erschien: Synonymes Latin* 
et leurs differentes signiflcations avee des exemples tires des 
meilleurs auteurs, par M. Gardin- Dumesnil^ welches Werk 
oftmals aufgelegt worden und neuerdings wieder in Paris im Jahre 
1827 in zwei verschiedenen Ausgaben herausgekommen ist von 
N. L. Aehaintre als nouvelle Mitten revue [Paris, Delalain. 
1827. 46 Bgn. 8.] und als quatrieme ddition revue , corrige'e et 
augmente'e par J. P. Jannet [Parts, Maire - Nyon. 1827. 8.]. 
Der Verfasser dieser Schrift , der eine ziemliche Anzahl sinnver- 
wandter lateinischer Wörter zunächst nach Ausonias Popma's 
Vorgange behandelt, dabei aber viel fremdartigen Stoff mit auf- 
genommen hatte, ohne tiefer in den Geist der lateinischen Spra- 
che selbst einzudringen, hatte ursprunglich sämmtliche Beispiele 
bios mit dem Namen des Verfassers ohne Angabe der Schrift und . 
des Buches, woraus sie entlehnt waren, angegeben* Diesen 
Mangel suchte einigermaassen die deutsche Bearbeitung dieser 
Schrift: Versuch einer allgemeinen lateinischen Synonymik* 
Aus dem Französischen des Hrn. Gardin- Dumesnil von Joh. 
Chr. Gottlob Ernesti. Drei Theile. Leips. 1799. und 1800. 8. 
abzuhelfen, Insofern der deutsche Bearbeiter die. fehlenden Ci- 
tate, so oft er die Stellen im Gesner' sehen Thesaurus linguae 
Latinae fand , nachtrug, sonst aber ebenfalls nur die allgemeinen 
Angaben des Verfassers beibehielt, im Ganzen aber doch das Ma- 
terial wohl um ein volles Dritttheil vermehrt gab. Nur theilweise 
gehört hierher Smitson's Geist der lateinischen Sprache 
[Leipz. 1804. 8.], der auf 142 SS. unter der Rubrik »Genauere 
Bestimmung fast gleichbedeutender Wörter"^ freilich ohne nur 
ein Citat zu geben oder irgend einen historischen Beweis zu 
fuhren, oft in etwas vornehm philosophischen ternrinis, wie 
schon Döderlein in der Vorrede zum ersten Bande seiner laU 
Synonymen und Etymologieen S. XXX. ganz richtig bemerkt, 
einige synonymische Bestimmungen trifft, die jedoch nicht ganz 
zn übersehen sind. Dies wären ungefähr die frühern Leistungen 



8 Lateinische Sprachwissenschaft. 

In Bezug auf die lateinische Synonymik, die höchstens eine Idee 
von der Aufgabe nnd dem Umfange dieser Wissenschaft zu geben 
im Stande sind. Denn ein andres englisches Werk von J. Hill: 
The Synonymes of the latin langvage with critical disputations, 
Edinb. 1804. 4., was schon Döderlein fruchtlos anf drei der reich- 
sten Bibliotheken Deutschlands gesucht hat, habe auch ich nicht 
erlangen können und bin deshalb nicht im Stande, es in den 
Bereich meiner Untersuchung zu ziehen* 

Nachdem in der Zwischenzeit nur gelegentlich ffir lateini- 
sche Synonymik in den Wörterbuchern, Commentaren und Hand- 
buchern des lateinischen Stils gewirkt worden war, in welcher 
Hinsicht namentlich zu erwähnen, sind: Web er 's Uebungsschule 
[Frankf. 1825.], Aug. Grotefend's Materialien lateinischer 
Stilübungen [Hannover 1824.] , sowie J. Ph. Krebs* verdienst- 
liche Anleitung zum Lateinischsehreiben [Frankfurt 1822.] und 
der später aus ihr hervorgegangene Antibarbarus der lateini- 
schen Sprache desselben Verfassers [dritte umgearbeitete und 
vermehrte Auflage. Frankf. a. M . 1843. XVI u. 821 S.] , begann 
im Jahre 1826 Ludw« Döderlein seine vortrefflichen, in sei- 
nem grössern oben erwähnten Werke dem Publicum vorliegenden 
synonymischen und etymologischen Forschungen, welche in sechs 
. Bänden einen reichen Schatz hierher einschlagender Untersuchun- 
gen und Bemerkungen enthalten , und von denen man mit Recht 
behaupten kann, dass durch sie erst der Grund und Boden gewon- 
nen worden ist, auf welchem die lateinische Synonymik als Wis- 
senschaft nach und nach an- und aufgebaut werden wird. 

Noch ehe Döderlein* s verdienstliche Forschungen dem 
Publicum vollendet vorlagen, trat folgendes Werk an's Licht : Syn- 
onymisches Handwörterbuch der latein. Sprache für angehende 
Philologen von Ernst Karl Habicht {Prof. u* Rector d. Gymna- 
siums zu Bückeburg) [Lemgo 1829. 8.], dessen Verfasser sich 
anfangs blos zu seinem Privatzwecke Collectaneen synonymischen 
Inhalts angelegt und in dieser Absicht die grössern Werke seiner 
Vorgänger sorgfaltig benutzt und fleissig excerpirt hatte , später 
jedoch , als er sich entschlossen , das Werk dem Drucke zu über- 
geben, das fremde Bigenthum durch ChHfern, soweit es anging, 
von seinen eignen Bemerkungen zu unterscheiden suchte. Seine 
Arbeit war auch so, für jene Zeit namentlich , nicht ohne Ver- 
dienst, insofern sie nicht nur Vieles aus den grössern Werken 
geniessbarer, mehr berichtigt und schärfer bestimmt, sondern 
auch manches ganz Neue gab. Dies war wohl auch der Grund, 
warum der Verfasser von dem unter Nr. II, oben aufgeführten 
Liber differentiarum linguae Latinae, F. G. Jentzen, jene 
Schrift fast durchgängig seiner Arbeit zu Grunde legte, weshalb 
Hr. Habicht in 6er Vorrede zur zweiten Auflage seiner Schrift 
nicht ganz mit Unrecht sie als einen hier und da dasselbe berich- 
tigenden Auszug aus seinem synonymischen Handwörterbuehe 



Lateinische Synonymik. 

bezeichnet hat. Dass aber dorch diese Schrift, wenn sie auch 
zur Verbreitung synonymischer Kenntnisse in ihrem Kreise bei- 
getragen haben mag, die Synonymik der lateinischen Sprache als 
Wissenschaft wenig oder gar nichts gewonnen hat, bedarf wohl 
kaum erst einer besondern Darlegung von Seiten des Recensenten, 

Inzwischen wünschte der Verleger des Gardin - Du- 
ra e s n i 1 - Ernesti' sehen Werkes eine neue Auflage dieser 
Schrift zu veranstalten und gab dadurch die äussere Veranlassung* 
zu dem grössern, im Ganzen sehr gediegenen Werke von Ludw. 
Ramshorn, was wir bereits in diesen Jahrbb. Bd. 10. S. 109 — 
126. einer kurzen Beurtheihmg unterworfen haben und auch noch 
wegen des unter Nr. III. aufgeführten Synonymischen Hand- 
wörterbuchs der lotein. Sprache von demselben Verfasser spater 
noch berücksichtigen werden , in welchem der verdiente Verf. des 
grössern Werkes seine Forschungen den jungem Freunden der 
Wissenschaft zuganglicher zu machen strebte« Ein Jahr darauf, 
im J. 1886, erschien die erste Auflage von Dr. Friedrich 
Schmal feld's Lateinischer Synonymik, deren dritte , im Jahr 
1839 erschienene Auflage oben, unter Nr* V. aufgeführt worden 
ist und von» uns noch in nähern Betracht gezogen werden wird; 
ihr folgte im Jahr 1839 die zweite ebenfalls oben (Nr. IV.) auf- 
geführte Auflage von Habicht' 8 Synonymischen Handwört er- 
bliche der tat ein. Sprache. Im J. 1840 gab auch Ludw. Do- 
der lein dem wiederholt an ihn gestellten Wunsche derer nach, 
welche die wesentlichsten Resultate seines ausführlichen Werkes 
ober lateinische Synonymen und Etymologieen in einem Hand- 
buche zusammengedrängt zu sehen verlangten , und arbeitete das 
unter Nr. I. aufgeführte Handbuch der tat ein. Synonymik aus, 
dem im folgenden Jahre, gleich als ob auch jetzt noch dieses 
Feld der Wissenschaft, das, genau genommen, nur kurzlich erst 
angebaut worden war, der ununterbrochenen Bearbeitung und 
Pflege bedürfe, die unter Nr. VI. bemerkte Lateinische Synony- 
mik von Dr. Ferd. Schultz folgte. 

Hiermit wäre wohl so Alles wenigstens dem Namen nach 
angegeben, was in Bezug auf lateinische Synonymik in der neuern 
Zeit geleistet worden ist; denn Frid* Lübkeri Synonymorum 
libellus [Schleswig 1836. 13 S. 4.], der die wissenschaftliche Ab- 
handlung eines Gymnasialprogramms bildet, an sich von sehr 
geringem äussern Umfange, ist weder dem Reo. noch der Red. 
dieser Zeitschrift zugekommen, und die gelegentlichen Beitrage, 
wie z. B. in Prof. K. Reisig's Vorlesungen über latein. Sprach- 
wissenschaft. Herausgegeben von Dr.Fr.Haase, Oberlehrer. 
[Leipzig 1839. XVIII u. 885 S. 8.] S. 300 fg., in Ferd. Hand 's 
Lehrbuch des latein. Stils [zweite Aufl Jena 1839. S. diese 
Jahrbb. Bd. 32. S. 258.] S. 152 fgg., können hier doch nicht 
eigentlich in Betracht kommen. 

Gehen wir nun zu der Beurtheilung der von uns oben ver- 



10 , Lateinische Sprachwissenschaft. 

zeichneten Schriften gelbst über, so- brauchen wir wohl kaum erat 
so bemerken, dass bei dieser Beurtheilung unsre Hauptabsieht 
dahiu gebt, nicht sowohl die synonymischen Leistungen im Alige- 
meinen und den grössern Umfang dieser Wissenschaft überhaupt, 
der fast iu's Unendliche geht und in seiner Allgemeinheit nie 
vollkommen erschöpft werden wird , in's Auge au fassen, sondern 
den engern Kreis vielmehr, in welchem die lateinische Synonymik 
ais Unterrichtsgegenstand auf höhern Lehranstalten erscheint 
oder erscheinen soll, nicht zu überschreiten und die Bucher vor- 
zugsweise unsrer Beurtheilung zu unterwerfen, die in neuerer 
Zeit ziemlich zahlreich zu diesem specielleren Zwecke ausgear- 
beitet, worden sind. Dies wurde, wenn wir uns auch nicht aus- 
drücklich dahin aussprachen , schon aus unsrer Zusammenstellung 
der oben bemerkten Schriften hervorgehen. Dass wir aber aiich 
bei diesem speziellen Zwecke die grössern Werke, namentlich 
wenn ein und derselbe Verfasser in beiderlei Hinsicht thätig 
gewesen ist und sich nun , wie dies beiDöderlein und R a m s - 
hern der Fall ist, auch bei dem aus rein praktischem Gesichts- 
punkte abgefa88ten Werke nicht selten auf seine wissenschaft- 
lichen Forschungen zurückbezieht, nicht ausser Acht lassen kön- 
nen, versteht sich wohl von selbst. 

Was nun die speciellere Beurtheilung jener einzelnen Schrif- 
ten anlangt, so roussten wir in der That im höchsten Grade unge- 
recht und übelwollend sein, wollten wir in Abrede stellen, dass 
die Verfasser jener Schriften alle , ein jeder in seiner Weise, sich 
redlich bestrebt hätten, nützliche Bücher zu schaffen, und dass 
ihre Absicht in grösserem oder geringerem Grade von allen in 
gewisser Hinsicht erreicht worden wäre , obschon die eine jener 
Schriften mehr, die andre weniger der Idee entspricht, die sich 
Rec. von einem Lehrbuche der lateinischen Synonymik gemacht, 
den Anforderungen genügt > die Rec. an ein solches Buch machen 
zu müssen glaubt. 

Beginnen wir mit dem Handbuche der latein. Synonymik von 
Lu-dw. D öder lein, dem eigentlichen Schöpfer einer wissen- 
schaftlichen Synonymik der latein. Sprache, so bekennt der Hr. 
Verf. selbst , dass dasselbe als ein Auszug aus seinem grössern 
Werke anzusehen sei, und wir müssen deshalb auf die grössere 
Arbeit desselben Verfassers mit einigen Worten zurückgehen. 
Bekanntlich hat derselbe seit 1826 eine Reihe längerer wissen- 
schaftlicher Abhandlungen etymologischen und synonymischen In- 
halts bekannt gemacht, welche zwar die gründlichsten Forschun- 
gen in diesem Gebiete der Sprachwissenschaft an's Licht brachten, 
jedoch eines gemeinsamen Bandes ermangelten, und, indem sie 
keine klare Uebersicht über den eigentlichen Umfang und haupt- 
sächlichsten Stoff der latein. Synonymik gewährten, weder von 
Gelehrten noch Lernenden zum Handgebrauche benutzt wer- 
den konnten. Denn wenn schon der sechste und letzte Band, 



Handbuch der Iatein. Synonymik von Doderlein. 11 

der, genta genommen, ans einem Gesammtregister Aber den In* 
halt. der fünf ersten Bücher besteht und nebenbei die tiöthigen 
Ergänzungen und Zusätze erhält, den Gebrauch dieses an sich 
höchst trefflichen Werkes zu erleichtern geeignet schien, so 
blieb doch das Aufsuchen in fünf andern Bänden, die noch dazu 
ziemlich zahlreiche Excurse und Parerga enthielten, immer noch, 
wo es einer schnellen Belehrung galt, ziemlich beschwerlich. Das 
war wohl der Grund, warum man von mehreren Seiten ein Hand« 
buch von demselben Verfasser zu erhalten wünschte, das eine 
leichtere Uebersicht gewährte und den Lernenden selbst auch in 
die Hände gegeben werden könnte. Deshalb entschloss sich der 
verehrte Hr. Verf., den vorliegenden Auszug aus seinem grossem 
Werke auszuarbeiten, obschon, wie er selbst sagt, innerhalb der 
zwölf Jahre, seit. er die lange vernachlässigte lateinische Synony- 
mik zu bearbeiten angefangen hatte , der Markt durch die gleich- 
artigen Arbeiten von Habicht, Ramshorn, Jentzen, Schmalfeld 
mit synonymischen Handbüchern fast überfüllt worden war. 

Wir können es dem Hrn. Verf. nur Dank wissen, dass er 
sich durch diesen Umstand von seinem guten Vorhaben nicht ab- 
schrecken Hess, nicht nur weil eben durch diesen Auszug der Ge- 
brauch seines grössern Werkes wesentlich erleichtert worden ist, 
indem man vorerst in den meisten Fällen die Hauptresultate 
schnell erfahrt und nur in zweifelhafteren und da , wo man aus- 
fuhrlichere Belehrung wünscht , erst nach dem grössern Werke 
zu greifen hat, sondern weil der Hr. Verf. a,uch noch manche 
Berichtigung und Ergänzung angebracht und die Darstellung selbst 
so klar und präcis zu bewirken gewusst hat, wie sie in dem grös- 
sern Werke desselben Verfassers, sowie in den übrigen Schriften 
der neueren lateinischen Synonymiker nur selten zu finden sein 
möchte« 

Um nun aber in diesem Handbuche alles Wesentliche, was 
das grössere Werk für Synonymik darbietet, zusammengedrängt 
geben zu können, schlug er folgenden Weg ein. -Erstens Hess 
er alle etymologischen Deductionen weg, und da er dabei auf sei-- 
nen Grundsatz, die Etymologie mit der Synonymik in Verbindung 
zu setzen, nicht völlig verzichten wollte, so fügte er das Etymon 
eines jeden Synonymum, wenn dasselbe nicht entweder gar zu 
sehr auf flacher Hand lag, oder umgekehrt gar zu zweifelhaft 
erschien, in Klammern eingeschlossen bei, im Uebrigen auf seine 
„lateinische Wortbildung" verweisend. Zweitens Hess er alle 
Parallel - und Belegstellen , welche keine stringente Beweiskraft 
zu haben schienen, fallen und theilte nur die synonymischen locos 
classicos, Stellen, in denen die Alten im Flosa der Rede und 
nicht mittelst grammatischer Reflexionen Synonyma einander ent- 
gegengesetzt und auf diese Weise unterschieden hätten, in es- 
tenso mit und stellte, wo solche fehlten , oft verschiedene Stellen 
eines und desselben Schriftstellers, in denen er die Proprietät 



12 Lateinische Sprachwissenschaft. 

des Ausdrucks zu beachten schien , nebeneinander. Drittens 
kamen alle kritischen und exegetischen Excurse in Wegfall, sowie 
viertens die ausfuhrliche* Behandlung griechischer Synonyma, 
obschon der Hr. Verf. bemüht war, als Entschädigung dessen den 
möglichst genau entsprechenden Ausdruck sowohl der griechi- 
schen als der deutschen Sprache aufzusuchen und dem lateini- 
schen Synonymum an die Seite zn setzen. Fünftens liess er 
die Ansichten andrer Synonymiker in diesem Handbuche unbe- 
rücksichtigt, sowohi der alten lateinischen Schriftsteller , wie die 
des Varro, Cicero, Agroetius, Pseudofronto, Pseu* 
dopalaemon, als der neueren Synonymik er , Popma, Hill, 
Duraesnil, Smitsota, Habicht, Ramshorn, Jentzen 
und Andrer, und wies nur, als Ersatz dessen, auf solche in dem 
umfassenderen Werke enthaltene Anführungen in Parenthesen 
hin. Sechstens blieben in dem Hand buche die allzu seltenen 
und allzu fein unterschiedenen Synonyma weg, nicht dass der 
Hr. Verf. das in dem grössern Werke in solcher Hinsicht Ge- 
gebene damit zurücknehmen wollte, nein er schlösse« nur aus, als 
in diesem Handbuche, das mehr der Praxis, der Schule, speciell 
der Kunst des Lateinschreibens dienen sollte, überflüssig. Dazu 
hat nun der Hr. Verf. noch, um die Bequemlichkeit des Gebrauchs 
dieses Handbuches zu fördern, das Register gleich in den Con- 
tent verwebt; auf welche Weise jeder wenigstens auf den glück- 
lichen Zufall hoffen könne, gleich beim ersten Nachschlagen 
das zu ^finden , was er suche , ein Glück , was bei einem geson- 
derten Register natürlich unmöglich sei. 

Sollen wir nun unser Urtheil über die Brauchbarkeit dieses 
Handbuchs beim Vortrage über lateinische Synonymik abgeben, 
so können wir aus innigster Ueberzeugnng uns nur dahin aus- 
sprechen, dass dasselbe von allen bisher vorhandenen uns das 
zweckmässig6te zu sein scheint in Bezug auf die latein. Synony-' 
mik im engern Sinne, d. h. auf die Synonymik der lateinischen 
Wörter. Denn es enthält nicht nur mit möglichster Pracision 
fast alles Wesentliche, sondern theilt auch noch die wichtigeren 
Stellen der leichteren Uebersicht willen ausführlich mit, ohne an 
Bogenzahl die übrigen Handbücher auch nur zu erreichen, ge- 
schweige gar zu überschreiten. Dass nun aber dieses unser Ur- 
theil nur im Allgemeinen ausgesprochen sein soll, dass bei allen 
diesen Vorzügen des Döderlein' sehen Handbuches die Hand- 
bücher der übrigen Synonymiker bisweilen' im Einzelnen dieselben 
Artikel nicht nur reicher und vollständiger als das Döderlein'sche, 
sondern auch richtiger und fasslicher geben, brauche ich wohl 
bei dem ehrenhaften Streben der üebrigen nicht erst besonders 
noch zu bemerken, sondern führe nur noch im Allgemeinen als 
einen Nachtheil des D öd er lein' sehen Handbuches an, dass der 
Hr. Verf. noch immer allzusehr an der Etymologie des Wortes bei 
Bestimmung des Sprachgebrauchs festzuhalten scheint. Denn ob- 



Handbach der latein. Synonymik von D3 der lein. IS 

schon er die Etymologie in dem kleineren Werke absichtlich weg- 
liess und das Etymon , was nicht selten an sich höchst unwahr- 
scheinlich ist, nur in Klammern beigab, so konnte ersieh doch, 
wie es scheint, von seinem -Verfahren, den Sprachgebrauch eines 
Wortes mehr a priori nach der Etymologie, als a posteriori nach 
der Gewohnheit des Volkes zu bestimmen , auch so nicht abwen- 
den lassen. Doch er ist, wie schon angedeutet , in dem kleineren 
Werke behutsamer in dieser Hinsicht aufgetreten, und wir wollen, 
zurrfäl da, wie schon oben angegeben ist, die Etymologie der latei- 
nischen Sprache in gar mancherlei Hinsicht noch nicht so gefördert 
worden ist, wie andre Theile der lateinischen Sprachwissenschaft, 
nicht mit dem Hrn. Verf. über das Einzelne in dieser Beziehung 
hier rechten und nur gelegentlich unsre verschiedene Ansicht 
durchblicken lassen. Lieber bemerken wir in Bezug auf die Be- 
stimmung des Sprachgebrauchs im Allgemeinen einiges offenbar 
Falsche, was der verehrte Hr. Verf. bald möglichst aus seinem 
Handbuche zu entfernen haben wird , und fügen da gelegentlich 
auch das mit an , was. zwar nicht an sich falsch , doch noch nicht 
deutlich und genau genug von dem Hrn. Verf. bestimmt zu sein 
scheint. 

S. 1. sind Abesse, Deesse, Deficere richtig geschieden. Es 
hatte nur noch können bemerkt werden, dass auch dann, wenn 
abesse mit dem Dativus im Sinne von deesse gebraucht wird, die 
Färbung der Rede eine andre ist, wie z. B. bei Gic. de legg. 
I, 2, 5. abest enim historia tüteris nostris etc. , was etwas milder 
ausgedruckt ist, als deeet; es geht ab, ist noch nicht da 
ti. s. w. Nicht ganz richtig ist auch S. 2. die Trennung von ab- 
undare und redundare angegeben, wenn behauptet wird, das 
eine stehe mit Lob, das andre mit Tadel. Richtiger spricht 
Hr. D. selbst im grösseren Werke Bd. 6. S. 3.: Abundare heisst 
ganz voll sein bis zuroüeberfliessen, redundare übervoll 
sein und mithin überflies sen. Doch hätte das Ganze der Ety- 
mologie gemässer aufgefasst werden sollen. Demnach heisst ab- 
undare abströmen, wo ein Gefass so voll ist, dass davon ein 
Theil abströmt, redundare heisst zurückströmen, wo ein Ge- 
fäss so voll ist, dass ein Zurückströmen und also oft wohl falsches 
Abfliessen stattfindet; daher ist nun abundare meist vom Ue- 
herflusse in gutem Sinne , redundare öfters in dem Sinne eines 
falschen Ueberflusses gebraucht worden. So in der Stelle des 
PI in. Ep. V, 6, 36. Aqua curvato lapide suseipitur, gracili 
marmore continetur atque ita oeculte temperatur, ut impleat 
nee redundet, so dass es voll macht, aber nicht zur 
falschen Seite überlauft. So bei Cic. Hortens. ap. Nou. 
p. 384, 20. Merc. Tum intellegas quam iltud non sit necessarium 
quod redundaU Demnach steht de oraU III, 4, 16. mit Recht 
gegenüber: ut neque in Antonio deesset hie ornatus orationis 
neque in Grosso redundaret. Doch dass die von Lob und Tadel 



14 {lateinische Sprachwissenschaft. 

hergenommene Unterscheidung, wie wir sie oben etymologisch 
unbegründet fanden , auch dem Sprachgebrauche nach unhaltbar 
sei, seigen Stellen, wie Cic. adfam. III, 10. § 5. Orell. Praeser- 
Um quutn tu omnibus vel ornamentis vel praesidiis redundares, 
iUi , ut levissume dicam, multa deessent, deutlich genug. Denn 
hier Ist durchaus keine tadelnde Beziehung in den Worten zu finden. 
Dagegen kann abundare wenigstens den Begriff des Lobes nicht 
involviren, wenn es bei Cic. de divin. 1, 29, 61. heisst: nee inopia 
eneeta nee satietate adfluenti, quorum utrumque praestringere 
aeiem mentis solet, sive deest naturae quippiam sive abundat at- 
que adfluit) oder bei Suet. Calig. 57. Cruore scaena abundavit. 
S. 7. heisst es bei Hrn. D. unter dem Artikel Aeger etc. also: 
„Morbus und valetudo bedeuten- eine wirkliche Krankheit, und 
iwar morbus [mürbe] objeetiv die Krankheit, weiche den Men- 
schen befällt; valetudo aber subjeetiv den Zustand des Kran- 
ken, doch erst im silbernen Zeitalter; dagegen invaletudo nur 
eine Unpäßlichkeit (IV, 172.)." In diesen Worten sind 
naclf des Rec. Ueberzeugung zwei Unrichtigkeiten enthalten. 
Erstens ist es falsch, dass erst im silbernen Zeitalter vale- 
tudo subjeetiv den Zustand des Kranken bezeichnet habe, 
zweitens ist ein Wort wie invaletudo nach allen Indicien, die 
wir über dasselbe haben, An der altern Latinität nie vorhanden 
gewesen. Bleiben wir zuvörderst bei der letztern Behauptung 
ttehen, so verweist über das Wort invaletudo Hr. D. auf sein 
grösseres Werk Bd. 4. S. 172. , woselbst zum Belege desselben 
drei Stellen Cicero 9 s, nämlich ad Altic. VII. ep. 2. und ep. 5. 
und Lael. 2, 7. beigebracht sind. Wir wundern uns, dass Hr. D. 
noch im J. 1831 , ja sogar noch im J. 1840 an ein latein. Wort 
invaletudo in Wirklichkeit denken konnte. Das Wort findet sich 
oft, wie Orell i mit Recht zu Cic. ad Attic. VII, 2, 2. bemerkt, 
in Petrarcha's Briefen, steht aber bei Cicero weder in diplo- 
matischer Hinsicht noch durch den Zusammenhang gesichert da, 
und mit vollem Rechte hat bereits Orelli die Form invaletudo 
aus Cicero's Texte entfernt. Denn ad Attic, üb. VII. ep. 2. § 2. 
liest er nach „Cod. in marg. 1584. Margo Crat. Lambin." Vale- 
tudo tua me valde cönturbat, und ebendas. ep. 5. § 1. Valetu- 
dine tua moveor, nach derselben handschriftlichen Auetoritat. 
An beiden Stellen ist valetudo ganz passend. Ganz so, wie an 
der ersten Stelle Cicero schreibt: Valetudotua me valde con- 
turbat, sagt nach ihm Plinius Ep. üb. VII. ep. 19. § 1. Angit 
me Fanniae valetudo. Und sowie anch wir da, wo aus dem 
ganzen Zusammenhange es hervorgeht, wie man unsre Worte 
aufzufassen habe, zu sagen pflegen: in Rückzieht auf meine Ge- 
sundheit, über Deine Gesundheit ängstige ich mich, und dergl. 
mehr, so konnte auch der Lateiner sein valetudo auf gleiche 
Weise brauchen und hat es nachweislich sehr oft so gebraucht; 
nur acheinen die ersten Abschreiber von Cicero's Briefen, sowie 



Handbuch der latein. Synonymik von Döderlein. 16 

die Herausgeber! nicht gewöhnt an den Sprachgebrauch der bes- 
sern Zeit, etwas ängstlich. über das Verständniss jener fiteile 
gewesen zu sein und corrigirten so nach der Sprechweise ihres 
Zeitalters invaletudo an beiden Stellen hinein. Dies ist auch an 
mehreren andern Stellen Cicero 's geschehen, nicht Mos. im 
LaeUus cap. 2. § 8. , wo Hr. D. ebenfalls das Wort invaletudo 
irrthümüch in Schutz nimmt, sondern auch im Cato mau cap. 11.' 
§ 35. An beiden Stellen schlitzen die meisten und besten Hand- 
schriften valetudo, während entweder nur sehr geringe Hand- 
schriften oder die altern Ausgaben das unlateinische invaletudo 
auch dort bieten. In der ersten Stelle heisst es: guod autem hie 
iVowt* in coUegio nostro non adfuisses , valetudinem respondeo 
causam , non maestitiam fuisse , wie Cod. Pithoeanus, Erfurt. 
Vindob. II. und die meisten übrigen Handschriften lesen, während 
nur Cod. Bern, und Basil. bei Orelli , Cod. Vind. L und Haenel. 
bei mir (nachweislich geringere Handschriften) die Interpolation 
invaletudinem geben. Noch misslicher steht es im Cato mai. 
mit der Lesart invaletudo. Denn dort schützen alle bekannten 
Handschriften, unter ihnen Cod. Reg. I. Erf. Trevir. Basil., die 
gewöhnliche Lesart: At id quidem non proprium aenectutü 
Vitium est, sed commune valetudinis, während, ein Umstand, 
dpr für jenes Wort charakteristisch ist, nur die Excerpta Bedae 
et Eybii nach dem Sprachgebrauche ihrer Zeit invaletudinis 
haben , aus denen wohl auch Manutius das Wort aufgenommen 
hat. Da nun in vielen andern Stellen dieselbe Unart alter Ab- 
schreiber, wie hier, das Wort valetudo, wenn es von angegriffe- 
ner Gesundheit stand, nach dem Sprachgebrauche ihres Zeitalters 
mit dem unlateinischen invaletudo verwechselte, so kann nach 
des Rec. fester Ueberzeugung kein Zweifel bleiben, dass auch in 
den Briefen ad Atticum valetudo festzuhalten sei. Denn dieser 
Gebrauch des Wortes valetudo, von dem Zustande des Kranken 
subjecüv, ist alt und bei Cicero auch sonst gebräuchlich, wie 
z. B. ad Attic. lib. IX. ep. 23. § 1. Modo valeres. Scrtpseras 
enkn te quodam valetudinis gener e tentari; ad fam. lib. XIII. 
ep. 20. tum ara etiom (medici), quam sum expertus in valetur 
dine meorum, um einer grossen Anzahl andrer Steilen, wo sich 
die. Bedeutung von valetudo aus dem übrigen Zusammenhange 
weit leichter ergiebt, nicht zu gedenken, wie adfam. lib. XIV. 
ep. 4. §6. Oodium Philhetaerum , quod valetudine oculorum^ 
impediebatur , hominem fldelem 9 remisi; ebend. lib. IV. ep. 1. 
§ 1. molesteque te ferro , quod me pröpter valetudinem tuarn^ 
quum ad urbem accessissem, non vidisses; oder in L. Pisonem 
eap. 6. § 13. Meministine — excusatione te uti valetudinis, quod 
diceres vinolentis te quibusdam medicaminibus soler e cur ari? 
Derselbe Sprachgebrauch steht nun aber auch bei den übrigen 
Schriftstellern schon in der bessern Zeit fest, wie bei Caesar 
bell. civ. üb. I. cap. 31. Hie venientem Vticam navibus Tubero- 



16 Lateinische Sprachwissenschaft« 

netn portu atque oppido prohibet, neque adfeetum valetudine 
filium exponere in terram patitur, und üb. HI. cap. 2. Et gravis 
auctumnus in Aputia circumque Brundisium, ex satuberrimis 
Galliae et Hispaniae regionibus , omnem exercitum valetudine 
temptaverat, und sicherlich nahm auch Justin, lib. XXL cap. 2. 
den Ausdruck valetudinem conti ahere, den übrigens auch Plin. 
JEpp. lib. VII. ep. 19. § 1. anwendet, von seinem Gewährsmann 
Trogus Pompeius mit herüber, wenn er also schreibt: Sub- 
latis deinde aemulis in segnitiam lapsus saginam corporis ex 
nimia luxuria ocuhrumque valetudinem contraxit etc. Mit die- 
ser Darlegung aber, die nach meiner Ansicht es hinlänglich be- 
weist , dass das Wort invaletudo durchaus einer sichern Begrün« 
düng ermangelt, und dass ah den Stellen, wo man es fälschlicher 
Weise in Schutz nahm, unbedenklich valetudo festzuhalten sei, 
ein Wort, was schon in alter Zeit von einem Krankheitszu- 
stande gebraucht worden ist, ist nun der Beweis zugleich mit 
geführt worden, dass auch Hrn. Döderlein's vorausgehende Be- 
merkung, valetudo werde- nur erst im silbernen Zeitalter von 
dem Zustande eines Kranken gebraucht, ganz falsch ist. Dies 
ergieht sich von selbst aus den oben angeführten Stellen und 
Messe sich, wenn es nQthig wäre, noch mit vielen andern Stellen - 
erhärten, wie z. fi. mit Cic. Disp. Tusc. lib. V. cap. 39. § 113. 
Ut enim vel summa paupertas toter abilis sit y si liceat, quoi . 
jquibusdam Graecis quotidie: sie caecitas ferri facile possity si 
non desint subsidia valetudinum. '• 

Abgesehen von einigen andern Unebenheiten, die der Hr. 
Verf. bei einer neuen Auflage selbst verbessern wird, finden wir 
wieder S. 44. einen Artikel, den wir durchaus nicht gutheissen 
können. Er lautet: „Comitari. Deducere. Prosequu 
Comitari heisst begleiten im eignen Interesse, äxokovftsiv; 
deducere aus Freundschaft, mit Dienstfertigkeit; prosequi 
aus Hochachtung, mit Feierlichkeit, nooitipTtuv (VI, 73.) fc * 
Dieser Artikel klingt fast räthselhaft und wird auch durch die 
Verweisung auf das grössere Werk Bd. 6. S. 73. nicht weiter auf- 
gehellt oder gerechtfertigt; denn dort lautet er fast ganz gleich, 
nur dass ein Chat aus Tacit. Dial.9. angefügt ist. Gewiss ist 
das von Hrn. D. eingeschlagene Verfahren nicht das richtige. 
Denn der Synonymiker darf nicht sowohl auf die Absicht , womit 
Jemand das, was diese Wörter ausdrücken, verrichtet r Rücksicht 
nehmen, als vielmehr auf das, was diese Wörter ihrer ganzen 
Natur nach an sich bedeuten. Denn auch bei deducere sowie 
bei prosequi kann ein eignes Interesse obwalten , nicht blos bei 
comitari; dagegen kann auch das comitari aus Ehrfurcht, Hoch- 
achtung oder Dienstfertigkeit hervorgehen. Der Artikel musste 
ungefähr so sufgefasst werden: Comitari, von comes y eigent- 
lich zum Begleiter gemacht werden, Begleiter sein, ist der allge- 
meine Ausdruck dafür, dass man in Jemandes Umgebung eich 



Handbuch der latein. Synonymik von Doderlein« 17 

befindet, mag er nun fortgeben oder zurückkehren oder an irgend 
einem Orte verweilen; deducere heisst aber bekanntlich bloa 
nach Hanse begleiten, proseqm Jemandem, der einen Weg 
oder eine Reise antritt, das Geleite (bis auf eine gewisse Strecke) 
geben; es sind also ihrer ganzen Natur nach diese Wörter unter 
einander verschieden« Man wird mir sagen, dass dies Alles 
Hrn. D. gewiss nicht unbekannt gewesen sei ; und nicht mit Un- 
recht ; denn auch ich zweifle nicht daran , dass er das Alles recht 
wohl gewusst habe. Doch warum schlug er den ganz falschen 
Weg ein, um die Bedeutung dieser Wörter in synonymischer 
Rucksicht darzulegen? Denn auf die Weise, wie er den Unter- 
schied jener Wörter bestimmen will , wird ein Anfanger keines- 
wegs einen richtigen Begriff von der eigentlichen und wahren 
Bedeutung jener Wörter bekommen , wohl aber auf dem von uns 
eingeschlagenen Wege, den nicht nur der Ursprung der Wörter 
selbst, soll d er n auch der stehende Sprachgebrauch als den richti- 
gen erscheinen lässt. Denn grade aus der Stelle des Tacitus, 
welche Hr. D. selbst im grossem Werke a. a. O. beibringt, konnte 
er ersehen, dass weder der Begriff von Dienstfertigkeit mit 
deducere, noch der von Hochachtung mit prosequi an sich 
verbunden sei. Denn wenn es im DiaL de oratoribus cap. 9. 
heisst: quis Saleium nostrum, egregium poetam, vel si hoc 
honorißcentius est, praeclarissimum ratem, deducit attt salu- 
tat aut prosequitur?, so sollen alle jene Ausdrücke deducere, 
salutare, prosequi nur die äussere Achtung ausdrücken, die man 
wohl einem Redner, nicht aber einem Dichter zolle; sie können 
also keineswegs nach dem Verhältnisse des Unterschiedes von 
Dienstfertigkeit und Hochachtung unterschieden werden, "sondern 
der zu machende Unterschied ist grade dort mehr vielleicht wie 
an jeder andern Stelle aus ihrer eigensten Natur und wahren Be- 
deutung herzunehmen. Um noch etwas an diesen Artikel anzu- 
knüpfen, so halte ich es für eine Unterlassungssünde des Hrn. 
Verfassers , dass er neben comitari nicht stipare, was namentlich 
in den Participien stipatus neben comiiatus, stipante neben com- 
itante caterva u. s. w, mit dem allgemeinen Ausdrucke synonym 
zu stehen scheint und eher als prosequi und deducere, die im 
Grunde nur dadurch als mit comitari sinnverwandt erscheinen, 
weil wir im Deutschen einen und denselben Ausdruck für alle diese 
Begriffe haben, hierher gehörte, mit beachtet hat. Denn die 
Zusammenstellung von satelles und stipator, welche Wörter 
später einen besondern Artikel geben, machte doch eine kurze 
Bemerkung unter comitari \ die das Buch nicht übermässig gross 
gemacht haben würde, nicht überflüssig. 

Als durchaus falsch müssen wir auf der folgenden Seite 
(S. 45.) es rügen , wenn Hr. D. noch immer an der Ableitung des 
Wortes concio [richtiger contio] von con und eiere , mittelst der 
griechischen Form xiciv, festhält. Denn da, wo die historische 

iV. Jahrb. f. PhiL u. Päd. od. Krü. Dibl. Bd. XL. Hft. 1. 2 



18 Lateinische Sprachwissenschaft. 

Ueberlieferung so sichere Anbaltpunkte wie grade bei diesem 
Worte gewährt, muss jedwede vagere Vermuthung ausgeschlos- 
sen bleiben. Abgesehen nämlich davon, dass fast stets die vorzüg- 
lichsten Handschriften contio, nicht concio, schreiben, wie der 
Cod. Palimps. von Cicero de republica (s. üb. I. cap. 4.), der 
Cod. Medicens in Cicero's Briefen (s. Manutius zu den Brie- 
fen adfatn. üb. II. ep. 12.), ferner Eilend t 's Handschriften in 
den Büchern de oratore (s. diesen Gelehrten zu üb. I. cap. 9. 
§ 35. vol. I. p. 24.), abgesehen davon, dass selbst die allen In- 
schriften nicht concio, sondern coniio bieten, wie bei Gruter 
506. und 507, (■/ Heusinger zu Cellar. Orthogr. p. 212.), 
so gewähren uns auch noch alte Sprachdenkmale eine vollkomra- 
nere Einsicht in die Entstehung dieses Wortes, wie dies bei kei- 
nem andern Worte so entscheidend der Fall ist. Denn dass 
contio aus conuentio, vermöge der Ausspräche coventio (weshalb 
ich nur an unser Covent erinnere) , mittelst Flussigwerdung und 
endlicher Auslassung des u in coentio und so in contio contrabirt 
wurde, deuten nicht nur ältere Grammatiker, wie Varro de 
ting. Lat. VI, 43. ed.Muell., an, sondern es geht dies auch noch aus 
der ehernen Tafel des Senatusconsultum de Bacckanalibm un- 
umstössüch hervor. Da nämlich dort statt der später gewöhnlichen 
Redensart in contione edicere geschrieben steht HAECE NTEI 
IN CONVENT10N1D EXDEICATIS, so kann nicht der geringste 
Zweifel obwalten , dass eine Contraction aus conventio jenes Wort 
ins Leben gerufen habe, zumal wir die Analogie in coniuncti, . 
erst coiuncti) dann coincti oder councti, endlich cuncti, noch 
eben so deutlich haben. Wo also solche Zeugen sprechen, wie 
wollen wir mit unserm Analogisiren, mit unsrer Mengung von 
Griechischem und Lateinischem, in con und xian/, Sicheres ? 
' finden? Doch ich will und mag mich nicht näher auf Hrn. Dö- 
derlein's Etymologisiren hier einlassen, da ich wohl bei einer 
andern Gelegenheit darauf zurückkommen werde, und die Etymo- 
logie nicht immer so eng mit dem Grundbegriff eines Wortes zu- 
sammenhängt , wie hier« Denn contio reiht sich sodann an com- 
itia [von con und tre, Uum] , coetus [coitus] , conventus civium 
Romanorum in den Provinzen auf eine sehr passende Weise an 
und nimmt so das richtige Mittelglied in jener Wortreihe ein« 
Doch dies nur beiläufig. Denn wir lassen absichtlich rein etymo- 
logische Bemerkungen bei Seite, obschon sehr oft sich hier Ge- 
legenheit bietet, von des Hrn. Verfassers Ansichten abzuweichen. 
So gleich 49., wo aeternus als Adjectiv von aetas betrachtet 
wird , warum nicht als Adjectiv von aevum , mittelst der uncon- 
trahirten Form aevüernus, wie der Hr. Verf. selbst im grossem 
Werke Bd. I. S. 1. ganz richtig nach Varro's Vorgange gethan 
hat? Nicht aetas, sondern aevum schüesst den Begriff der 
Ewigkeit in sich. 

Kehren wir zurück zu dem rein synonymischen TheUe des 



Handbach der latein. Synonymik von Doderlein. 19 

Baches , so finden wir das Wort contingere unter cjem Artikel 
accidere S. 2 fg. von dem Hrn. Verf. nicht richtig aufgefasat. 
Dort heisst es: „Accidere und evenire bezeichnen günstige und 
ungünstige Ereignisse, aber die accidentia unerwartete, über- 
raschende, die evenientia erwartete, vorhergeahnte Vorgänge; . 

| — dagegen contingere, obvenire, obtingere nur glückliche 

Ereignisse* Die accidentia sind Werke des Zufalls, die eve- 
nientia Resultate vorangehender Handlungen oder Vor- 
fälle, die contingentia Gunstbezeigungen des Glückes, die 
obtingentia und obvenientia Gaben des Looses." Wir gehen 
recht gern zu, dass accidere und evenire richtig geschieden seien, 
obschon dies mehr -auf rein etymologische Weise geschehen 
konnte; denn accidere [qc-cidere] entspricht ganz wörtlich un- 
gern* Zufall [Zu -fall], und es schliesst dieses Wort an sich 
allerdings einen innerlicheren Zusammenhang der Begebenheiten 
unter einander aus, evenire [e -venire] bedeutet wörtlich hervor- 
gehen und dies bedingt einen gewissen innerlichen Zusammenhang 
und kann deshalb kein ganz unerwartetes , wenigstens nicht leicht 
ungeahntes Resultat geben. Doch abgesehen von dem Gange, 
den der Hr. Verf. bei dieser Entwicklung wohl hätte nehmen 
sollen, so ist es offenbar unrichtig, wenn es heisst : contingere, 
obvenire und ohtingere gelten Mos glücklichen Ereignissen, 

! und wir wundern uns, dass Hr. D. auch im grössern Werke Bd. 5« 

S. 339 fg., wo fast wörtlich dasselbe gelehrt wird, nicht vor- 
sichtiger zu Werke gegangen ist. Ob contingere von etwas 
Glücklichem oder etwas Unglücklichem gesagt werde 
oder nicht, braucht der Synonymiker zunächst nicht zu unter- 
suchen. Seine Pflicht ist es vielmehr, vorerst die eigentliche 
und wahre Bedeutung des Wortes festzustellen, und daraus wjn) 
sich dann der speciellere Gebrauch, wie von selbst, herausstellen, 
ohne dass man Gefahr läuft, etwas Verfehltes zu lehren, wie dies 
Hrn. D. begegnet ist. Denn während accidere das Zufällige, 
evenire das aus gewissen Verhältnissen oder Begebenheiten Her- 
vorgehende bedeutet, mag dies glücklich oder unglücklich sein, 
so bedeutet contingere , von con und taxigere,, eigentlich das sich 
Zusammenfügende, was sich fügt, wie wir wohl zuweilen 
sagen, und da dieser Ausdruck, obschon er Gleichgültiges, ja 
sogar gradezu Unglückliches nicht ausschliefst, doch mejir auf 
etwas Congruentes, Passendes und Schicfdjches hinführt, ward 
er vorzugsweise von glücklichen Ereignissen gebraucht. Doch 
würde eine wissenschaftliche Synonymik ganz unrichtig zu Werjte 
gehen, wollte sie, statt a priori die eigentliche Bedeutung da,r 7 
.zulegen und ans ihr den Gebrauch zu entwickeln, apqstßriori 
beginnen und , wie es Hr. D. gethan, von dem Gebrauche zurücjc- 
schliessen lassen auf die ßedeutung des Wortes. Mag dies in 
einigen fällen gleichgültig sein — - - wiewohl auch dies nicht; 
doch wir wollen es zugeben — , in den meisten wird es zu Uf\~ 

2* 



20 Lateinische Sprachwissenschaft. 

richtigkciten fahren. Oder was soll der junge Leser, der nach 
Hrn. Döderlein's Handbuch oder auch nach desselben Verfassers 
grösserm Werke — denn dort steht Bd. 5. S. 339 fg. , wie oben 
bemerkt, im Ganzen dasselbe — die Lehren der lateinischen Syn- 
onymik sich angeeignet hat, sagen, wenn er z. B. in Cicero'« 
Disput, Tu8C. lib. V. cap. 6. § 15. liest: Quis enim polest mor- 
tem aut dolorem metuens, quorum alterum saepe adest, alterum 
semper impendet, esse non miser? quid, si idem, quodple- 
rumque fit , paupertatem , ignominiam , infamiam timet , si de- 
bilitatem, caecitatem, si denique, quod non singulis homini- 
bus, sed potentibus pöpulis saepe contigit , servitutem: potest 
ea timens quisquam esse beatus? Soll er sich auch dort con~ 
tigit von einem glucklichen Ereignisse vorstellen? Gewiss nicht. 
Er kann nur zu dem Schlüsse kommen, dass Hr. D. Falsches 
gelehrt habe, wie es auch an dem ist. Auf gleiche Weise wird 
es ihm ergehen, wenn er, um nur bei Cicero stehen zu bleiben, 
in der Catil. I. cap. 7. § 16. liest: Venisti paullo ante in senatum. 
Quis te ex hac tanta frequentia , tot es tuis amicis et necessa- 
riis salutavit? Si hoc post hominum memoriam contigit 
nernini, vocis exspeetas contumeliam , quom sis gravissunio 
iudicio taciturnitatis oppressus? Denn auch dort ist an kein 
glückliches Ereigniss für Catilina zu denken. Ebensowenig 
in der Stelle ad fam. lib. XI. ep. 16. § 2. Orell. Nam Clodianis 
temporibus — a Gabinio consule relegatus est: quod ante id 
tempus civi Romano Romae contigit nemini. Siehe noch de 
oratore lib. IT. cap. 4. § 15. Philipp. II. cap. 7. § 17. und ver- 
gleiche Fr. Ellen dt zu Cic. de orat. lib. II. cap. 12. §49. 
toI. II. p. 184. Und was sagt Hr. D. zu der bekannten Stelle des 
Pacuvius bei Cicero ad Herenn. lib. II. cap. 23. §36., die 
also lautet: 

Velut Orestes modofuit rex, modo mendicus f actus est: 
Naufragio res contigit. Nempe ergo haud fortuna obtigit? 
Unter solchen Umständeu musste Hr. D. jedenfalls seine Regel 
anders steilen und seinen Unterschied von wesentlichen Merk- 
malen, nicht von ausserwesentlichen oder wenigstens mit dem 
Worte an sich in keinem Verhältnisse stehenden entnehmen. Auf 
gleiche Weise, wie bei contingere, müssen wir aber auch von 
Hrn. D/s Definition in Bezug auf obtingere und obvenire ab- 
weichen. Denn auch diese Wörter involviren weder ihrer ganzen 
Natur nach den Begriff eines glücklichen Ereignisses , noch haben 
sie diese ausschliessliche Bedeutung durch den Gebrauch erhalten, 
wie sich leicht durch mehrere Stellen beweisen lässt, so z. B. 
-durch Terent. Andr. act. III. sc. V. v. 2 sq. Atque-hoc con- 
fiteor iure Mi obtigisse, quando quidem tarn iners, tarn nullt 
consili sum, oder Cic. Catil. IV. c. 2. § 3. Deinde, si quid ob- 
tigerit^ aequo animo paratoque moriar und durch die eben 
angeführte Stelle des Pacuvius bei Cic. öd Her. II, 23, 36.; 



Handbuch der Iatein. Synonymik von Döderlein. 21 

in Bezug auf obtingere durch Cic. Philipp. IL cap. 33. § 83. Id 
igitur obvenit vitium, quod tu tarn Calendis Ianuariis futurum 
esse provider as et tanto ante praedixeras , wo mindestens von 
einer gleichgültigen Sache obvenire gebraucht ist, oder durch 
Cic. de offic. üb. II. cap. 21. § 74. Sin quae necessitas huius 
muneris alicui reipublieae obvenerit — malo enim [alienae] 
quam nostrae ominari^ neque tantum de nostra, sed de omni 
republica disputo — danda erit opera, ut omnes intelligant , si 
salvi esse velint, necessitati esse parendum ^ wo offenbar von 
einem unglücklichen Ereignisse die Rede ist, in Bezug auf ob- 
venire. Auch hier zeigt sich Hrn. D.'s Annahme als falsch» Will 
man uns nun aber einwenden, dass er den allgemeineren Sprach- 
gebrauch ^ nicht sowohl einzelne als Ausnahme anzusehende Stel- 
len, bei seinen synonymischen Darlegungen im Auge gehabt habe, 
so können wir erstens entgegnen, dass eine gute Regel 
schon der Ausnahme kein Thor lassen darf, zweitens aber, 
und dies gilt namentlich von den beiden letzten Ausdrücken, dass 
bei dem im Ganzen nicht so gar häufigen Gebrauche von obvenire 
und obtingere nicht einmal in der. Mehrzahl der Stellen jene 
Worte an sich günstigen, sondern eher gleichgültigen Ereignissen 
gelten und um so weniger jener Sprachgebrauch als synonymisch 
feststehend betrachtet werden konnte. 

Als eine Unterlassungssünde erwähnen wir noch , dass unter 
dem Artikel: Clangere. Clamare. Vociferarn S. 41. das in pro- 
saischer Darstellung so häufig vorkommende clamitare ganz unbe- 
rücksichtigt geblieben ist, obschon assentari und assentiri und 
ähnliche Wörter mit Recht aufgeführt worden sind. Unter cuU 
mus S. 53. konnte vielleicht auch hasta gramine a aus Cicero 
Accus, lib. IV. cap. 56. § 125. mit erwähnt werden, da dieser 
Ausdruck mit dem bei Fl in. 16, 36, 65. arundo Indica, canna 
aVIndia der heutigen Italiener, ganz synonym erscheint. 

Nicht ganz einverstanden können wir uns auch mit dem Ar- 
tikel: Cur. Quare. S. 55. erklären. Er lautet: „Cur [aus quare? 
oder Xü5g?] dient sowohl zu wirklichen Fragen, als zu Ausrufen 
in Form der Frage; dagegen quare blos zu, solchen Fragen, 
welche wirklich eine Antwort erwarten (VI, 33.)." Denn obschon 
wir dagegen , wie Hr. D. den Gebrauch der Wörter bestimmt hat, 
nichts einzuwenden haben, so vermissen wir doch auch hier die 
gehörige Entwicklung dieses Gebrauchs aus der Etymologie der 
Wörter selbst. Cur > ursprünglich quoi rei oder cuiret\ wie sich 
diese Form noch unverändert in des Plautus PoenuL 3,31. 
erhalten hat (vgl. F. Hand TurselL vol# II. p. 175.), dann in 
cuire, endlich in cuir und cur verkürzt, fragt eigentlich, wozu 
etwas geschehe, und wird, da das Wort mehr und mehr abge- 
schliffen und yerkürzt worden war , mehr für eine blosse Frag- 
partikel angesehen, während quare?, aus welchem Grunde?, viel- 
mehr seine ursprüngliche Bedeutung bewahrt hat, wie es ja auch 



22 Lateinische Sprachwissenschaft. 

die ursprüngliche Form noch deutlich und unverändert zeigt. 
Von diesem Gesichtspunkte hätte Hr. D. hier sowohl als auch im 
grössern Werke Bd. 6. S. 93. ausgehen sollen, und würde so 

Sefunden haben, dass nicht blos im Gebrauche, sondern auch in 
er Bedeutung selbst diese beiden Wörter verschieden sind. 

Unter dem Artikel: Differre. Proferre. Procrastinare etc. 
S. 63 fg. [auch im grössern Werke selbst Bd. 6. S. 102.] vermisse 
ich ungern comperendinare , was namentlich, wenn es gericht- 
lichen Verhandlungen galt und ihre spätere Ansetzung durch die- 
ses Wort bestimmt werden sollte, häufig mit procrastinare, wenn 
auch mit Unrecht v für synonym gehalten worden ist. Ich habe 
über die eigentliche Bedeutung dieses Wortes auch in diesen ge- 
richtlichen Redensarten gesprochen zu Cicero 's spmmtlichen 
Beden Bd. II. S. 680 fg. 

Unter dem Artikel: Ferocia. Ferocitas etc. S. 83. vermisse 
ich feritas und das aus diesem hervorgegangene ejferitas oder 
eeferitas [s. diese Jahrbb. Bd. 33. S. 209 fg.], denn diese Wörter 
gehören unbedingt zusammen und sind auch in dem grössern 
Werke Bd. I. S. 44. zusammen erwähnt worden. Was nun aber 
das Vfortferox und seine Sippen ferocitas und ferocia spezieller 
anlangt, so vermisse ich bei Hrn. D. im kleinern Werke sowohl 
als namentlich im grössern eine deutlichere Minweisung auf die 
angehängte Silbe os , die ebenso in atrox und einigen andern 
Wörtern erscheint, von Hrn. D. selbst auch bei der Form trux 
von torvus zu Grunde gelegt wird. Sie muss ursprünglich eine 
bestimmtere Bedeutung gehabt haben und ist wohl mit oculus und 
oittopai in Verbindung zu bringen, so dass sie das äussere Aus- 
gehen angedeutet haben wird, also ater schwarz, atrox 
schwarz und finster aussehend, drohenden Blickes. [Ich sehe 
jetzt, dass Hr. D. selbst im grössern Werke Bd. I. S. 38. dieselbe 
Meinung in Betreff jener Endsilbe aufgestellt hat, und so war 
vielleicht nur eine Hinweisung darauf nöthig.] Dies verträgt sich 
nicht blos mit dem von Hrn. D. im grössern Werke Bd. I. S. 44 fg. 
vorgetragenen Unterschiede zwischen feritas und ferocia, son- 
dern giebt dafür erst die richtige Erklärung, indem ferus den 
seiner Natur nach Wilden, ferox den wenigstens wild Aussehen- 
den , in seiner äussern Erscheinung sich als solchen Darstellenden 
bezeichnet , und es sonach, um mich Hrn. Döderlein's eigner 
Worte zu bedienen, unnatürlich sein würde, wenn man einem 
Wesen, dem die volle und eigentliche feritas zukommt, die Ei- 
. genschaft der ferocia beilegen wollte. 

Unter dem Artikel: Fluvius. Flumen. Jmnis. S. 89. ver- 
misse ich die Feststellung des Unterschiedes von fluvius und flu- 
men sehr. Denn auch zugegeben, dass amnis einen Strom, 
einen grössern und gewaltigen Hauptfluss, bedeute, fluvius hin- 
gegen nnd flumen, wie unser Wort Fluss, von einem gewöhn- 
lichen Fluss gebraucht werde, so kann es doch für den, welcher 



Handbuch der latein. Synonymik von Doderlein. 23 

tiefer in die Sprachsynonymik einzudringen strebt, ja selbst für 
den gewöhnlichen Gebrauch dieser Wörter keineswegs gleichgültig 
sein, ob er von einem und demselben Begriff bald fluvius ^ bald 
flumen ohne allen Unterschied zu sagen habe, oder ob auch dann 
noch ein Unterschied der Bedeutung stattfinde und es nicht eins 
und dasselbe sei , ob ich auch von einem bestimmten Flusse das 
Wort flu vius oder flumen brauche. Jeder wahrhaft Wissenschaft« 
lieh Gebildete wird der letztern Ansicht sein und einen Unter- 
schied der Bedeutung auch noch zwischen fluvius und flumen 
annehmen und die innere Vorstellung, welche Jemand von einem 
Flusse sich macht , verändert finden , je nachdem der Ausdruck 
fluvius oder flumen steht. Auch wird es gar nicht schwer sein, 
die unterscheidenden Merkmale sowohl dnreh die Etymologie als 
auch durch den Sprachgebrauch selbst festzustellen. Denn flu- 
' was, ursprünglich adjeetiv, heisst eigentlich der Fliessende 
[qo'os] und bezeichnet, zum Sabstantivbegriffe erhoben, den 
vollen FIuss oder, um mich anders und deutlicher auszudrucken, 
den FIuss mit Allem, was darum und daran ist; flumen dagegen 
[xo ylvouevov), ursprünglich Adjectivum oder Participium neutri, 
bedeutet nicht den FIuss als einen Vollbegriff, sondern zeigt 
ihn nur in der Eigenschaft des Dahingetragenwerdens, als passive, 
fliessende Masse; deshalb ist es gekommen, dass von einem und 
demselben FIuss nicht sowohl der Plural fluvii gebraucht wird, 
als vielmehr der Plural flumina , wM flumen einen Specialbegriff 
des Flusses, fluvius den Hauptbegriff in sich schliesst. Was 
nun den Sprachgebrauch selbst anlangt, so wird es in der ge- 
nauem Darstellung und in» der speciellen Zeichnung eines Bildes 
besser gethan sein , bald flumen bald fluvius zu sagen , je nach- 
dem der eine oder andre Begriff eines Flusses mehr festgehalten 
wird; obschon wir damit nicht ausgesprochen haben wollen, dass 
es auch viele Stellen geben könne, wo es ganz einerlei ist, ob man 
sich den FIuss so oder so vorstellt, und dass da diese beiden Aus- 
drücke sich wechselsweise vertauschen lassen. Nicht ganz richtig 
ist es auch, wenn S.153. behauptet wird: ^infitias [ä{upcc6iag] ire 
wird nur mit der Negation verbunden und entspricht der Re- 
densart: nicht in Abrede stellend Es sollte heissen : in 
Prosa. Richtiger hat Hr. D selbst Bd. IV. S. 32. genrtheilt. Da 
nun aber die Wendung bei Cicero, Cäsar und den bessern Pro- 
saisten gar nicht vorkommt , so hätte Hr. D. lieber sagen sollen : 
„infitias ire, in der classischen Zeit aus der Schriftsprache fast 
ganz verbannt, wird von den geringeren Prosaisten nur mit vorher- 
gehender Negation gebraucht." 

Obschon wir in Bezug auf einzelne in diesem Handbuche 
vorgetragene Lehren noch diese und jene Bemerkungen machen 
könnten, wollen wir doch nicht weiter in diesem Felde fortfahren, 
da das Wenige, was wir bisher bemerkt haben, genugsam bewei- 
sen kann, dass wir das Buch nicht blos oberflächlich eingesehen 



24 Lateinische Sprachwissenschaft. 

haben, der Verf. aber gewiss selbst bei einer neuen Revision des 
Werkchens das finden wird , was der Nachbesserung bedarf. Im 
Allgemeinen müssen wir aber noch wiederholen, dass Hr. D. wohl 
besser gethan hätte, die Synonymik der Formen nicht blos gele- 
gentlich, wie dies bei Aeger und aegrotus S. 7., bei Aequus, 
par, aequalis, parilis S. 7 fg., bei Albus und albidus S. 11., 
bei Anima und animus S. 17., bei Fetus, vetustus, veter nus 
S. 19., bei Fhtclus und fluentum S. 21., bei Assentiriumd assen- 
tariS. 25., bei Canere und cantare S. 33., bei Cupido und cu- 
piditas S. 55., bei Esterus, externus, extrarius und extraneus 
S. 77 fg., bei Humanitus, humane, humaniter S. 104. und an 
einigen andern Stellen geschehen ist, zu berücksichtigen, son- 
dern, wie Ramshorn mit Recht gethan hat, in einer allgemeineren 
Uebersicht festzustellen und bei den einzelnen Fällen blos auf 
dieselbe zurückzuverweisen, da dadurch der junge Leser zum 
eignen Nachdenken sowohl mehr Stoff als Veranlassung gefunden 
haben würde. Doch wir wollen bei dieser Uebersicht weniger 
das im Auge behalten , was wir uns unter Synonymik vorstellen, 
als vielmehr das , was man bisher gewöhnlich darunter verstanden 
hat, and deshalb schliessen wir diese Bemerkungen mit der Wie- 
derholung des bereits oben ausgesprochenen Lobes , dessen diese 
Synonymik der am häufigsten vorkommenden lateinischen Wörter 
in hohem Grade würdig ist. 

Für eine neue Auflage, die wir der kleinen Schrift recht 
bald wünschen, bemerken wir überdies noch folgende Schreib - 
oder Druckversehen. S. 78. Z. 23. heisst es: „Cic. Rull. II, 34. 
Nos autem hinc Romae, qui vener amus , tarn non hospites 
etc."; dies giebt gar keinen Sinn. Die Stelle ist Cic. de lege 
agr. IL cap. 34. § 94. und ist zu lesen : Nos autem , hinc Roma 
qui vener amus , tarn non hospites etc. oder auch, wie wir in 
unsrer Ausgabe nach Handschriften gethan haben: Nos autem, 
qui hinc Roma vener amus etc. Zu S. 84. Z. 24. bemerke ich, 
dass in Cicero's Disp. Tusc. üb. IV. cap. 29. § 63. in der Ue- 
bersetzung aus Euripides nach guter handschriftlicher Auctorität 
patiendo eeferut neuerdings von Orclli, Moser, Tregder und 
mir geschrieben worden ist, die Stelle also nicht zum Beweise 
für das Simplex ferre dienen kann. S. 122. Z. 7. v. u. lautet die 
Ueberschrift des Artikels: Labi. Cadi, statt: Labt. Cadere. Ich 
würde diesen Schreib- oder Druckfehler kaum der Erwähnung 
werth halten, wenn nicht auch S. 32. Z. 19. codi s. labi gedruckt 
stände. S. 171. Z. 19. wird citirt: „Cic. Verr. * * Iste petit a 
rege et eum pluribus verbis rogat, uti ad se mittat. Auch im 
grössern Werke heisst es Bd. V. S. 230.: „Cic. irgendwo im Vcrr. 
Iste petit a rege" etc. Wir wollen als ein kleines Scherflein das 
Citat nachtragen. Es muss heissen: Cic. Accus, lib. IV. cap. 28. 
§ 64. Iste petit a rege et eum pluribus verbis rogat, ut id [nicht 
uti ohne id] ad se mittat. S. 192. Z. 9. v. u. Z. 8. 6., sowie auch 



Lat. Synonymen and Etymologien von Doderiein. 25 

S. 32. Z. 12« wird cachinnüri aufgeführt. Cachinnari ist aber 
kein lateinisches Wort , sondern nur cachinnare, g. Zumpt zu 
Gic. Accusat. üb. III. cap. 25. § 62. vol. 481. Freund im Lex. 
ii. d. W. S. 203. Z. 1. v. u. lese man: in usque dum etc. statt in 
usque dum etc. Sonst ist der Druck von Wilh. Vogel Sohn 
gut und correct. 

Wenden wir uns., ehe wir Hrn. D. ganz verlassen, noch ein- 
mal seinem grössern Werke zu , so haben wir es bereits oben als 
das Werk bezeichnet, das zuerst die lateinische Synonymik wis- 
senschaftlich begründen half, insofern es auf etymologischem und 
genetischem Wege die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes zu 
erklären und den Sprachgebrauch auf historischem Wege syn- 
onymisch festzustellen suchte. Dass in dieser Hinsicht von Hrn. D. 
Grosses und Dankenswerthes geleistet worden sei, brauchen wir 
nach dem oben Angedeuteten nicht zu wiederholen, und wir 
wollen hier nur das berühren , was nach des Rec. Dafürhalten von 
Hrn. D. etwas stiefmütterlich behandelt worden zu sein scheint; 
ich meine hauptsächlich die Synonymik der Wort formen. Denn 
wenn schon der Hr. Verf. bei den einzelnen Wörtern eine in der 
Regel richtige Deutung von den Endformen der Wörter gegeben 
hat, so würde doch eine übersichtliche Zusammenstellung grade 
in dieser Hinsicht von grossem Nutzen gewesen sein, und der 
Hr. Verf. würde über einzelne Wörter, wenn er die Endformen 
derselben überhaupt schärfer in's Auge gefasst gehabt hätte, nicht 
blos kürzer, sondern auch bestimmter sich haben aussprechen 
können. Auf Einzelnes aus dieser Classe werden wir später 
zurückkommen; hier bemerken wir nur noch, jedoch keineswegs 
in den allgemeineren Tadel derer ganz einstimmend , welche na- 
mentlich die etymologischen Erörterungen des Hrn. Verf. weniger 
gütheissen zu können glaubten , dass uns die Etymologien , welche 
der Hr. Verf. hier und da, wenn auch mit einiger Zurückhaltung, 
aufgestellt hat, bisweilen ziemlich gesucht erschienen sind, nicht 
selten auch auf historischem Wege sich gradezu als falsch nach- 
weisen lassen. In dieser Hinsicht habe ich bereits oben, zunächst 
in Rücksicht auf das kleinere Werk, das Wort concio, richtiger 
contiO) hervorgehoben. In beiden Beziehungen aber, in welchen 
ich, wie eben ausgesprochen, worden ist, nicht so ganz mit dem 
Verehrten Hrn. Verf. übereinstimmen kann, will ich mein allge- 
meiner ausgesprochenes Urtheil durch Behandlung einiger Stellen 
des grössern Werkes selbst zu rechtfertigen suchen. 

Bd. I. S 67 — 71. bespricht Hr. D. das Wort pessum in den 
Wendungen pessum dare, pessum ire n pessum abire u. s. w., 
und nachdem er die gewöhnlichen Etymologien des Wortes als 
eines Substantivbegriffs von dem griechischen ßvdog oder ßvööog 
verworfen, behaupteter, pessum sei aus perversum , pervesum, 
per sunt entstanden , folglich so zu fassen wie perdüum ire und 
dergl. mehr; er hält sonach die übergetragene Bedeutung von 



26 Lateinische Sprachwissenschaft. 

pessum für die eigentliche, nimmt eine mindestens ganz unge- 
wöhnliche Zusammenziehung für seine Etymologie in Anspruch 
und giebt uns auch keine Auskunft über die syntaktische Schwie- 
rigkeit, dass, während perditum ire u. dgl. m. stets activ steht, 
perversum ire oder pessum ire passiv aufzufassen sei. Ich glaube, 
dies seien Schwierigkeiten genug, die sich seiner Erklärung ent- 
gegenstellen. Doch es lä'sst sich der von ihm eingeschlagene 
Weg auch als ein historisch falscher nachweisen. Denn abge- 
sehen davon, dass Hr. D. selbst bekennen mnss, pessum dare 
werde vorzugsweise von einem Schiff gebraucht, das in den 
Grund gebohrt werde, und auch in den Fällen, wo es, wie in 
der einzigen Stelle aus Cicero, Fragm. ap. Quintil. üb. VIII. 
eap. 6. § 47« Hoc miror enim querorque , quemquam hominem 
ita pessum dare alter um verbis teile, ut etiam navem perforet, 
in qua ipse naviget, die Wendung pessumdare übergetragen 
stehe, liege doch diese Bedeutung noch zu Grunde, abgesehen 
also davon , dass der Hr. Verf. selbst es fühlte , dass pessum dem 
Sprachgebrauche nach ursprünglich zu Grunde bedeutet haben 
könne, lässt sich auch noch durch eine andre Stelle zeigen, 
dass dies wirklich die ursprüngliche und eigentliche Bedeutung 
sei, eine Stelle, die Hr. D. mit Unrecht ganz unbeachtet gelassen 
hat. Sie findet sich bei Columella de re rust. lib. XII. cap. 6. 
§ 2. ed. Schneid., wo pessum ire, offenbar in der eigentlichen 
Bedeutung, also gebraucht ist: Est et aliud murine maturae 
experimentum ; narn tibi dulcem caseum demiseris in eam, si 
pessum ibit, scies esse adhuc crudam: siinnatabit, maturam, 
wozu man noch vergleichen kann Mela III, 9. Locus adeo ad 
sustinenda quae incidunt infirmus, ut folia etiam proximis 
decisa frondibus non innatantia ferat , sed pessum penitus acci- 
piat. Hier passt nicht mehr perversum ire , sondern einzig und 
allein auf den Grund oder zu Boden gehen im eigentlichen 
Sinne. Wenn nun aber diese "offenbar ursprüngliche Bedeutung 
des Wortes auch in allen übrigen Formeln entweder noch ganz 
eigentlich dasteht oder doch in der Uebertragung noch als die 
ursprüngliche zu erkennen ist, 'wie in pessum subsidere bei 
Lucret. VI, 588., in pessum sidere bei Luc an. III, 674. und 
tropisch bei S e n e c a Const. Sap. 2. , in pessum abire bei P 1 a u - 
tu 8 Rud. II, 3, 64., in pessum merger e bei Prüden t. praef. 
in Sym. 2, 36.', in pessum deiieere bei Apul. Met am. 5., in 
pessum premere bei Plautus MostelL V, 2, 49. und in dem 
eigentlichen und übertragenen Gebrauche von pessum ire und 
pessum dare, so wird man sich wohl nach einer Etymologie des 
Wortes umzusehen haben , die mehr als die Ableitung von per- 
versum der eigentlichen Bedeutung desselben Genüge leistet. 
Diese ist nicht schwer zu finden, und von den Sprachforschern 
bereits richtig augedeutet. Denn es lässt sich wohl die Ver- 
wandtschaft dieses Wortes mit atdov, ttigee, nötig und pes, 



Lat. Synonymen und Etymologien von Dödcrlein. 27 

fielleicht auch mit mtitiov ♦) gelbst, sofern es das Breft, worauf 
gespielt wird, also den Boden des Spieles bedeutet, nicht ab- 
leugnen, und sonach wäre pessum, als alter Accusativus auf die 
Frage wohin?, ursprünglich soviel als nedovds und entspräche 
unsern Ausdrücken zu Boden und namentlich dem in übertrage- 
nem Sinne üblicheren zu Grunde vollkommen. Da Hr. D. im 
kleinern Werke S. 168. diese seine frühere Etymologie dadurch 
zurücknimmt, dass er zu pessumdare in Klammern ns^ov ftslvat 
setzt, so wollen wir nicht ausführlicher auf das Unstatthafte 
seiner frühern Auffassungsweise hinweisen , bemerken nur noch, 
dass , wenn er pessumdare , indem er nt^ov deivai verglich , so 
aufgefasst wissen wollte , dass pessum eigentlich Adjectivbegriff 
gewesen, er auch jetzt noch im Irrthume sich befindet, da diese 
Etymologie kaum auf das einzige pessumdare anwendbar sein 
würde, viel weniger auf die vielen andern von uns oben bereits 
bemerklich gemachten Wendungen , wie pessum ire , abire, sab- 
sidere, sidere u. dergl. m. 

Ein sehr gefährliches Spiel treibt Hr. D. auch, wenn er Bd. I. 
S. 177. Bd. IV. S. 182 fg. und auch noch im kleinem Werke S. 218. 
dem Wortstamme insolens, insolenter und insolentia eine doppelte 
Etymologie und ursprüngliche Bedentung zu Grunde legt und in- 
solens in der eigentlichen Bedeutung ungewohnt auf in und soler e 
zurückführt, in der intensiven Bedeutung aber' von übermüthig 
auf in nnd salire diese Wörterfamilie zurückgeführt wissen will 
und also zwar ein llomonymum in dem Worte anerkennt , keines- 
wegs aber die Bedeutungen zu vereinigen und* auf einen gemein- 
schaftlichen Ursprung zurückzuführen strebt. , Denn gesetzt auch, 
dass insaliens (gleich dem insultans) ohne Schwierigkeit in ineo- 
lens übergehen konnte — wir wollen darüber vor der Hand 
schweigen — , so liegen doch beide Bedeutungen an sich sehr 
nahe, fallen auch an vielen Stellen fast ganz zusammen, dass« man 
nicht die gewöhnliche Auffassungsweise als leichter und natür- 
licher betrachten sollte, zumal da grade die Lateiner, deren 
Sprache an Wurzelwörtern nicht sehr reich war, sehr leicht die 
ursprüngliche Bedeutung eines Wortes auf einen ähnlichen Be- 
griff übertrugen und sodann an dieser Uebertragung, wie an der 
ursprünglichen Bedeutung selbst festzuhalten pflegten , wie sich 
aus einer grossen Zahl ähnlicher Fälle nachweisen lägst. Es war 
also wohl hier der Weg einzuschlagen, den Cicero selbst de 
invent. lib. I. cap. 28. § 42. einschlägt, wenn er sagt: Quare hoc 
in gener e — quid quaque ex re soleat evenire^ considerandum 

*) In etwas anderm Sinne hat pessum Hr. D. selbst Bd. 6. S. 267. 
mit neoGog, dem Würfel, von nsoslv, in Verbindung gebracht in der 
Bedeutung : zu Fall bringen. Etymologisch vielleicht nicht mit Unrecht. 
In sprachlicher Hinsicht lägst sich jedoch jene erste Bedeutung nicht 
mehr erkennen. 



28 Lateinische Sprachwissenschaft. 

est hoc modo: Ex arrogantia odium, ex insolentia 
arrogantia, wo er offenbar insolentia als den ursprünglich 
schwächern Begriff der arrogantia voranstellt- Was nun aber 
den eigentlichen Sprachgebrauch anlangt, so grenzen hier, wenn 
man im Sinne der Römer. die Sache beleuchtet, jene beiden Be- 
gaffe von Gewohnheit und überhobenem Wesen so ganz 
nahe zusammen , dass man aus der Gleichheit der Form mit vol- 
lem Rechte auch eine ursprüngliche Gleichheit der Bedeutung 
für beide Fälle abnehmen kann. Dem Römer, dessen Staat sich 
durch eine strenge Beobachtung des Herkömmlichen einen ge- 
sicherten Rechtszustand geschaffen, war der mos und die con- 
suetudo Alles, und sie vertrat ihm die Stelle des Rechts und 
Gesetzes; kein Wunder also, wenn er das, was gegen die Ge- 
wohnheit, gleichviel ob in Sprache und Rede oder im Betragen 
und Benehmen, oder im Thun und Handeln, verstiess, in issfälli- 
ger aufnahm, schärfer rügte, misstrauischer , ja besorglicher an- 
sah, als ein Volk, dessen Zustände gesetzlich begründet und 
nicht so sehr von Sitte und Gewohnheit abhängig sind, als der- 
einst die römischen es waren. So entwickelte sich für die Wort- 
formen insofern, insolenter , insolentia ausser der eigentlichen 
Bedeutung des Ungewohnten bald die des Auffallenden, 
Befremdlichen, Ueberhobenen und Uebermü thigen, 
so jedoch, dass es schwer ist, eine bestimmte Grenzlinie zwischen 
beiden Bedeutungen zu ziehen, zugleich aber auch insofern die 
ursprüngliche Bedeutung des Ungewohnten auch dann noch 
festgehalten wird,* wenn schon die andre Bedeutung des Wortes 
mehr und mehr hervortritt, weil die insolentia immer und ewig 
nur eine Bezeichnung des äussern Benehmens eines Mannes 
geblieben , nicht seiner eigentlichen Denkart und Handlungsweise 
geworden ist. Nach dem Gesagten bliebe uns nur noch übrig, 
an einigen Beispielen zu zeigen, wie nahe beide Bedeutungen an 
einander grenzen und wie wenig die Alten selbst beide Begriffe 
geschieden haben, um die gewöhnliche Erklärungsweise gegen 
anderweitige Einwürfe sicher zu stellen. Wie nahe insolens an 
odiosus grenze, zeigt sich z. B. deutlich durch Gic. Orat. cap. 8. 
§ 25. quod [dicendi genus) — Athenienses vero funditus repu- 
diaverunt, quorum semper fuit prudens sincerumque iudicium, 
nihil ut possent nisi incorruptum audire et elegans. Eorum 
religioni quum serviret orator, nulluni verbum insolens, nul- 
lum odios um ponere audebat. Denn es hat hier insolens die 
ursprüngliche Bedeutung des Ungewohnten nicht ganz verloren, 
zeigt aber schon auf das Auffallende und Ueberladeue hin. Ganz 
ähnlich ist in derselben Schrift bald nachher cap. 9. § 29. insolens 
und ineptus zusammengestellt : Dicat igitur Attice venustissimus 
Ute scriptor ac politissi?nus Lysias — , dum int eile gamus hoc 
esse Atticum in Lysia, non quod tenuis sit atque inornatus, 
sed quod nihil insolens aut ineptum. Nahe an die ursprüngliche 



Lat. Synonymen and Etymologien von Doderlein. 29 

Bedeutung, nur dass es, wie in den obigen Stellen, schon in 
Hinneigung znra Tadel gebraucht ist, steht insolens auch persön- 
lich bei Cic. de orat. üb. II. cap. 87. § 358. Quare ne in re nota 
et pervolgata multus et insolens sim, locis est utendum multis 
ittmtr.ibus espiicatis etc. Hier lässt sich imolens lediglich in 
der Bedeutung von insolitus denken und doch greift es schon in 
die abgeleitete Bedeutung, welche Hr. D. aus in-saliens mit 
Unrecht herleiten will, über; ein sicheres Zeichen des gemein- 
samen Stammes beider Bedeutungen. Auch in der Rede pro P. 
Sestio cap. 56. § 119. Non sum tarn ignarus, iudices , caussa- 
rum, non tarn insolens in dicendo^ ut omni ex gener e oratio- 
tiem aveuper et ornnis undique flosculos carpam atque delibem, 
zeigt schon das parallel stehende ignarus auf die ursprungliche 
Bedeutung von insolens hin , jedoch ist auch dort der schlimme 
Sinn schon sichtbar genug, den die Lateiner mit diesem Worte 
zu verbinden frühzeitig durch den Sprachgebrauch gewöhnt 
waren. Kein Wunder also, wenn in Stellen wie Disp. Tuscul. 
IIb. V. cap. 14. § 42. quem — temperantia quom a lubidine 
avocet tum insolenli alacritate gestire non sinat , die ursprung- 
liche gleichgültige Bezeichnung des Ungewohnten allgemach mehr 
in den Hintergrund trat und das Wort insolens das Auffallende im 
schlimmen Sinne bedeutete. Haben ja im Lateinischen ähnliche 
Uebergänge an unzähligen Stellen stattgefunden , in welcher Hin- 
sicht ich nur an den Gebrauch des Participium confidens erin- 
nere. Was ist an sich unschuldiger, als das Wort Vertrauens- 
voll; und doch war durch den Sprachgebrauch in der gebildeten 
Sprache zu Cicero's Zeit confidens kaum noch in gutem Sinne 
anwendbar. Cicero selbst sagt Disp. Tuscul. üb. III. cap. 7. 
§14. Qui fortis est, idem est fidens, quoniam confidens 
mala consuetudine loquendi in vitio ponilur , duetum verbum a 
confidendo, quod laudis est. Ein gleiches V erhält niss findet 
auch in Bezug auf insolens statt. Cicero und die bessern latein. 
Stilistiker, ein Umstand, auf den bisher weder die Lexikographen 
noch die neuern latein. Stilistiker genügend aufmerksam gemacht 
haben , brauchen imolens nur dann in der ursprünglichen Bedeu- 
tung, wenn entweder durch einen beigesetzten Genitivus, wie 
insolens belli, insolens infamiae, insolens malarum artium etc., 
oder durch die ganze Zusammenstellung, wie in den oben ange- 
führten Stellen aus Cic. de orat. II, 87, 358. pro P. Sestio 56, 
119., die eigentliche Bedeutung des Wortes unverkennbar da- 
steht, weil der Sprach gebra uth , wie bei confidens, zu sehr für 
den schlimmeren Sinn des Wortes entschieden hatte; und es hat 
deshalb für den an den spätem reinclassischen Sprachgebrauch 
Gewöhnten etwas Auffallendes, wenn es bei Tercnt. Andr. V, 
4, 4. heisst: Quid tu Athenas insolens ? Ein gleiches Vcrhält- 
nis8 zeigt sich auch bei den übrigen abgeleiteten Formen, bei 
insolenter und insolentia; so wenn es bei Cic. de invent. lib. I. 



30 Lateinische Sprachwissenschaft» 

cap. 28. §43. heisst: deinde [quaeritur] natura eins evenire 
volgo üoleat an insolenter et raro, wo offenbar insolenter. im 
eigentlichen Sinne, jedoch schon neben raro auf das Auffallende 
hinzeigt; mehr noch tritt Letzteres, aber ebenfalls noch in An- 
lehnung an die eigentliche Bedeutung des Wortes, hervor bei 
Cic. oral, cap. 52. § 176« Gorgias autem avidior est generis 
eins et iis feslivitatibus — insolentius abutitur : quas Isoer at es 
— moderatius temper avit. Wer verkennt hier die ursprüngliche 
Bedeutung von insolenter, praeter consuetudinem et morem, und 
gleichwohl nähert sich die Bedeutung des Wortes schon ganz 
entschieden der schlimmen Bedeutung derselben Wortform; und 
anch da , wo insolenter gradezu im schlimmen Sinne steht , lässt 
sich die ursprüngliche Bedeutung gar nicht verkennen« So wenn 
es bei Ca es. bell. civ. I, 45. heisst: Hoslem insolenter atque 
acriter nostros insequentem supprimit , und ebendas. III, 46. In- 
solentius atque audacius nostros premere coeperunt, oder bei 
Cic. Philipp. IX. cap. 3. § 7. declaravit quam odisset senatum, 
quom auetorem senatus exstinetum laete atque insolenter tulit, 
wo man praeter solitum morem in insolenter noch deutlich sieht, 
jedoch das Tadelnswerthe des Benehmens von Antonius schon 
ganz klar bezeichnet wird. Eben so leicht lässt sich diese 

, Entwicklung des Sprachgebrauchs aus einem und demselben- 
Worte auch bei dem Substantiv insolentia darthun. Auch hier 
gilt die stilistische Regel, dass die bessere Prosa insolentia nur 
mit einem Genitive oder unter näherer Bezeichnung des ursprüng- 
lichen Verhältnisses in der eigentlichen Bedeutung. aufzuweisen 
hat. Sodann ist auch bei dem Substantiv derselbe Gang der 
Sprachentwicklung sichtbar, so wenn es in Cicero 's Büchern 
de orat. üb. III. cap. 13. § 50. heisst: tantaque insolentia ac 
turba verborum, ut oratio, quae lumen adhibere rebus debet, 
ea obscuritatem et tenebras afferat etc., oder im Brutus c. 82. 
§ 284. Insulsitatem enim et insolentiam tamquam insaniam 
quandam orationis odit etc., oder in Cicero's Philipp. IX. 

\ cap. 6. § 13. Mirifice enim Servius mqiorum continentiam dili- 
gebat: huius saeculi insolentiam vituperabat, wo die Abwei- 
chung von der frühern Sitte, der continentia der Alten gegenüber, 
offenbar tadelnswerth und als eine Ueberhebung der schlimmsten 
Art erscheint, und dem Worte insolentia offenbar mehr vqu insolens, 
als insaliens im Sinne des Hrn. Verf. anklebt. Aber auch in den 
Stellen, die der Hr. Verf. selbst anführt, um die Ableitung von 
insaliens = insuüans geltend zu machen, lässt sich die ursprüng- 
liche Bedeutung des Wortes noch deutlich genug nachweisen, wie 
wenn es in Cic. Accus, üb. IV. cap. 41. § 89. heisst: An vero 
ex hoc Uta tuersingularis signißcatur insolentia, superbia, con- 
tumacia? Hier ist insolentia offenbar der schwächste Begriff, 
es ist das gegen Gewohnheit und Sitte verstossende Benehmen 
des Gegners; super bia bezeichnet aber weit entschiedener, ich 



Lat. Synonymen und Etymologien Von Doderlein« 31 

machte «igen als etwas Positives , den Uebermuth, während 
das folgende coritumacia der aus dem Uebermuthe hervorgehen- 
den Handlungsweise immfer näher tritt. Wer möchte da be- 
haupten, das« insolentia nicht auf in-solens sich zurückfuhren 
Hesse? Ein gleicher Fall findet bei den übrigen Stellen statt, 
und wie misslich es mit Hrn. D.'s Verfahren stehe, zeigt sich 
deutlich, wenn er Bd. IV. S. 182., nachdem er die Homonymie 
von in-8olens und in-saliens (insultans) ausgesprochen, fort- 
fährt: „Aus dieser Homonymie ist eine schwierige Stelle in Cic. 
fiep. I, 40. zu erklären: Tarquinio exaeto mira quadam exsul- 
tasse populum insolentia libertatis. Man muss nämlich inso- 
lentia zweimal und zwar in verschiedener Bedeutung denken, 
erst als mit Uebermuth zu mira exsultasse^ dann als aus 
Ungewohntheit zu libertatis. Den gleichen Sinn sucht Moser 
durch Einschiebong von licentia zu gewinnen/ 6 So Hr. D., allein 
was wäre das für ein Sprach Wirrwarr, wenn insolentia in dem einen, 
und insolentia in dem andern Sinne wirklich verschiedenen Pri- 
mitiven angehörten? Wie weit einfacher und richtiger zeigt sich 
Cicero 's Rede, wenn man insolentia t seiner eigentlichen Be- 
deutung gemäss, als die Ungewohntheit der Freiheit 
und das aus derselben hervorgehende überhobene 
Benehmen ansieht. Ist es hier Hrn. D. auffallend, dass inso- 
lentia libertatis nicht einfach die Ungewohntheit derFrei- 
heit bedeutet, sondern dass dem Worte schon ein Beigeschmack 
des Ungebundenen anhaftet, so finden auch wir die Rede prä- 
gnant, allein keineswegs tadelnswerth , weil dem Worte inso- 
lentia, wie wir oben gezeigt haben, frühzeitig jene Nebenbezie- 
hting durch den Sprachgebrauch geworden war und eben der 
Sprachgebrauch dem tüchtigen Stilisten Cicero jene Kürze an 
die Hand gab. Allein weit gefehlt, dass diese Stelle durch jene 
von Hrn. D. angenommene Homonymie aufgehellt werde, so ist 
sie grade von der Art, dass sie die vermeintliche Homonymie in ' 
ihr Nichts zurückfallen lässt, sofern Cicero alles Sprachgefühl 
verleugnet haben würde, hätte er sich eine so auffallende Ver- 
mischung verschiedener Begriffe zu Schulden kommen lassen. 
Doch dies wird hinreichend sein, Hrn. D.'s falsches und in vieler 
Hinsicht sogar gefahrliches Verfahren , was er bei Erklärung des 
Wortes insolens eingeschlagen, in das gehörige Licht zu setzen. 
Ich wende mich dem zweiten Theile seines grössern Werkes 
zu , nicht um , wie in einer eigentlichen Recension dieser Schrift, 
alles Einzelne , womit ich mich nicht vereinbaren kann, zu be- 
sprechen, sondern um an einigen charakteristischen Stellen zu 
zeigen, worin meine Grundsätze von des Hrn. Verf. ganzer Be- 
handlungsweise der latein. Synonymen abweichen. Ich wähle 
dazu Artikel 40.: Lumen. Lux. In bar. [Bd. II. S. 66 — 70.], um 
so lieber, da auch im Handbuche, welches zunächst hier in Be- 
tracht zu ziehen war, S. 134 fg. der Artikel im Wesentlichen auf 



32 Lateinische Sprachwissenschaft. 

dieselbe Art bearbeitet worden ist, wie im grossem Werke, Es 
fehlte hier, nach meinem Dafürhalten, Hr. D. ebensowohl in 
theoretischer als in rein praktischer Hinsicht , wenn er zunächst 
den Unterschied von lumen und lux also stellte: „Lumen ist der 
erleuchtende Lichtkörper, wfe tpiyyog; lux [ksvxrj] die ausge- 
strömte Lichtmasse, wie q>dog." Dies ist theoretisch falsch, 
Weil so lumen, mag man es nun von lucmen [richtiger lucimen) 
contrahirt in lumen, wie der Hr. Verf. will, ableiten oder auf 
den Stamm Xtvco, wovon ksvdöG) eine Art Frequentativum zu 
sein scheint, wie speetare von dem veralteten spicere, unmittel- 
bar zurückfuhren , so dass luimen , contrahirt lümen , ganz gleich 
mit Xtvoutvov, in Licht gesetzt, wäre, keine passive Auffassung, 
welche die Form ihrer ganzen Natur nach verlangt, sondern viel- 
mehr eine active erfordern würde, lux hingegen, was seiner 
ganzen Abstammung nach mehr primitiv erscheint, eine abge- 
leitete und passive Bedeutung erhalten müsste. Dies liegt meiner 
Ansicht nach Alles ganz klar vor. Doch lassen wir die Theorie, 
die jedoch nie bei der Wortforschung unbeachtet bleiben darf, 
bei Seite und betrachten den Sprachgebranch nach den Stellen 
der Alten selbst, so bestätigt sich auch so Hrn. D.'s Lehre keines- 
wegs, vielmehr nöthigt sich auch hier die umgekehrte Auffas- 
sungsweise lins wie von selbst auf. Lux ist das Licht, objeetiv, 
lumen ist die Beleuchtung, der Zustand des in's Licht Gesetzt- 
seins, also mehr subjeetiv, oder, wenn man lieber will, das erste 
mehr activ , das letzte mehr passiv. Es war also keine an sich 
falsche Bemerkung von Casaubonus zu Suet. Caes. cap. 31.: 
„Nam lux a sole est et naturalis, lumen est q>ag itoirixo v", 
wenn man sie nur cum grano salis anwendet. Doch wir wollen 
die Wahrheit unsrer Unterscheidung jener Wörter an geeigneten 
Stellen der Alten selbst zeigen und werden dabei auch die mit 
berücksichtigen, aufweiche Hr. D. bei seiner Lehre haupt- 
sächlich fusst. 

Ich behauptete, lux sei der objeetive Begriff Licht, lumen 
der subjeetive oder passive, Beleuchtung, und glaube diese 
Unterscheidung überall durchführen zu können, ohne dass irgend* 
wo eine Abweichung von dem eigentlichen Gebrauche, in der 
guten Latinität wenigstens, anzunehmen wäre. Denn insofern 
stimme ich mit Hrn. D. vollkommen überein , wenn er Bd. IL 
S. 66. seines grössern Werkes die nach Cic. de finib. Hb. III. 
cap. 14. § 45. Ut enim obscuratur et effunditur luce solis lumen 
lucernae angenommene Unterscheidung , dass lux von der Sonne, 
lumen von Laternen und ähnlichen Lichtern gesagt werde, als 
unstatthaft verwirft. Denn sowohl der Sonne kann lux und 
lumen, je nach Umständen, gleicher Weise beigelegt werden, 
als auch einer gemachten Leuchte oder Lampe; allein ein Unter- 
schied wird stets bleiben , ob ich das eine oder das andre Wort 



Lat. Synonymen imd Etymologien yon Döderleio. 33 

brauche. Lux ist aber nicht die ausgeströmte Licht- 
in aase, wie Hr. D. will, sondern des Licht als solches 4 ich 
möchte eher sagen, das Licht als haftende Materie. Denn spricht 
der Lateiner von lux soiis , so hat er im eigentlichen Sinne Mas 
das Licht, welche die Sonne ihrer ganzen Natur nach besitzt» vo* 
Augen» ohne alle Rücksicht darauf, ob es ausgeströmt oder auf ei- 
nen andern Gegenstand übergetragen worden oder nicht, also die 
Leuchtkraft, die leuchtende Materie der Sonne, um mich so aus- 
zudrucken; erscheint dieses Licht bisweilen als wirklich ausge- 
strömt, so liegt dies nicht in der äussern Form des Wertes, son- 
dern nur in dem eigentlichen Begriffe Licht, sofern dies seiner 
Natur nach seine Strahlen aussendet und so leuchtet. Erwähnt 
der Lateiner aber lumen solis, so denkt er nicht mehr an das 
Licht der Sonne als das Element, woraus sie besteht und durch 
das sie wirkt, sondern -er denkt sich dem Wortsinn nach eigent- 
lich nur die passiv hervorgerufene Beleuchtung durch die Sonne, 
So kann man von eiuer Sonnenfinsterniss sagen : Obiecta luna 
toUitur lumen solis, nicht aber lux so/ts , weil die Leuchtkraft 
der Sonne bleibt, blos die durch sie bewirkte Erleuchtung der 
Erde aufgehoben wird. Es wäre also, wollten wir die von Hral. 
D. gebrauchten Ausdrücke auf unsre Unterscheidung anwenden, 
grade das Gegentheil von dem anzunehmen, was er wilL Lux 
wäre der erleuchtende Lichtkörper, lumen das ausgeströmte Licht, 
oder die Beleuchtung. Doch wir wollen uns nicht länger bti de* 
allgemeineren Darlegung aufhalten, sondern gehen lieber auf ein- 
zelne Stellen über. Wenn also Cicero de ßn. a. a. 0»aagt: 
ebseuralur ei offundilur face solia lumen lucernae, sagt er Fol- 
gendes: Es wird durch das Licht der Sonne, d.h. dareh 
die positive Lichtkraft der Sonne, das durch eine 
Leuchte hervorgerufene Licht, oder die Beleuch- 
tung durch eine Leuchte, überstrahlt und verdun- 
kelt. Hier meint er nicht, dass die Leuchtkraft (die lux) der 
Leuchte selbst verdunkelt werde, sondern nur das durch sie ver- 
breitete Licht (lumen). Nicht so, richtig wäre es gewesen, hätte 
er umgekehrt gesagt: obscuratur et offundilur lumiUe soft* lux 
lucernae. Denn wenn schon hier lumine so/is, obgleich nicht so 
richtig als luce solis, durch die Beleuchtung, welche 
die Sonne hervorbringt, gesagt werden konnte, so wäre 
doch lux lucer nae nicht ganz richtig gewesen , insofern das Licht 
deivSonne nicht das Licht der Leuchte, ihre Leuchtkraft selbst, 
überstrahlt und verdunkelt , sondern nur die von ihr ausgehende 
Beleuchtung. Etwas ganz Anderes ist es, wenn in der bekannten 
Stelle aus Cicero pro M. Caelio cap. 28. § 67. es heisst: neu 
idem iudicum comissatorumque compectus: lux denique lange 
alia est solis ac lychnorum. Hier heisst es wörtlich : Die 
Leuchtkraft der Sonne ist eine ganz andre als die der 

A*. Jahrb. f. Phil. u. Paed. od. Krü. Bibl. Dd. XL. Ufi. 1. 8. 



84 Lateinische Sprachwissenschaft. 

Kronleuchter [des lattres] *)• Es denkt sich also Cicero hier 
das Weht einet Leuchters , wenn auch das Game von dem Men- 
schen künstlich hervorgebracht ist, nach der einmal getroffenen 
Vorkehrung ebenso, wie bei der Sonne, als die naturliche Leucht- 
kraft, welche dem angezündeten Leuchter inwohnt, und so stellt er 
lux solis ac lyehnorum hier gani richtig zusammen , ob wir schon 
in der Stelle aus de fin. 111, 14, 45. in einer andern Beziehung 
turnen lucernae als das Richtige anerkennen mussten. Denn je 
nach dem, was man in dem einzelnen Falle sagen will , kann man, 
wie wir schon oben bemerkten, bald den einen, bald den andern 
Ausdruck von einem und demselben Lichtkörper brauchen. Stel- 
len wir zum Beweise dessen zwei andre Stellen Cicero's ge- 
gen einander. De re publAib. Vi. cap. 16. § 16. (s. Somn. Scip. 
cap. 3. §. 8.) heisst es : es quibue erat ea minuma , quae uliuma 
a caelo 9 cituma terris, luce lucebat aliena**). Es spricht Ci- 
cero von dem Monde, der durch die Sonne erleuchtet ward. 
Hier sagt er : luee lucebat aliena, was nicht bedeuten kann , wie 
Hr. D. will: „der Mond wird durch das ausgestrahlte Licht 
eines fremden Lichtkörpers selbst ein Licht verbreitender Licht- 
körper", sondern .es bedeutet wörtlich nur : er leuchtete mit 
Hülfe einer fremden Leuchtkraft, sofern nämlich das 
Licht der Sonne auf ihn wirkte und er durch dieses fremde Licht 
selbst leuchtend erschien. Hier ist der Umstand, dass der Mond 
Licht empfangen und mit diesem hinwiederum geleuchtet habe, 
nur mit lucebat angedeutet , aliena luce bezieht sich aber nicht 
auf das von der Sonne materiell empfangene Licht oder die Be- 
leuchtung, sondern nur auf die fremde Ur kraft, durch welche er 
leuchtete {lucebat). Man sieht, dass auch hier lux" nur das primi- 
tive Licht bezeichnet, nicht das übergetragene. Halten wir eine 
andre Stelle Cicero's de divin, lib. II. cap. 43 § 91. dagegen: 
Docet enim ratio mathematicorum — , quanta humilitate luna 
feratur terram pene contingens; quantum absit a proxuma Mer- 
curii Stella, multo autern longius a Venerie; deinde alio inter- 
vallo dietet a eole, cuius lumine coümtrari putatur. Hier findet 
ein umgekehrtes Verhältniss statt, und Cicero sagt: von der 
Sonne, durch deren Licht (Beleuchtung) er, wie 

*) Man wurde in dieser Stelle höchst unrecht tbun, wollte man, wie 
die Ausleger gethan, unter lychni blosse Lichter in gewöhnlichem 
fiinne verstehen; es ist eine Anspielung auf das elegante Treiben der 
Cregner; und deshalb nennt Cicero auch die Kronleuchter in der graeci- 
sirenden Sprache der Vornehmen lychni, wie er anderwärts auch des h/eh- 
mtcAu* im gleichen Sinne gedenkt, grade wie unsre vornehme Welt 
Lüstre, nicht Kronleuchter u. dgl« mehr spricht. 

**) Sonderbarer Weise citirt Hr.Doderlein Bd. 2. S. 6 f. diese Stelle 
so: lAina lueere luee aliena dicitur, quod a sole lumen suum mutuetur, 
gleich als .ob dies Alles Worte Cicero's waren. 



Lat. Synonymen und Etymologien von Doderlein. 35 

man glaubt, erleuchtet wird. Hier spricht er nicht mehr 
von dem Urlicht der Sonne, sondern von dem von <|er Sonne aus- 
geströmten Lichte, was nur in Bezug auf den Mond passiv, ab 
Erleuchtung, erscheint. Cicero konnte wechseln und an der er- 
sten Stelle lumine lucebat alieno sagen , d. h. er leuchtete durch 
ein von fremdher entnommenes Licht, an der zweiten: cuius luce 
eollustari putatur d. h. durch deren Urlicht er, wie man glaubt, 
seine Erleuchtung erhält. Gehen wir nun etwas naher auf den 
Sprachgebrauch selbst ein, so sehen wir,, dass unsre Unterschei- 
dung vollkommen gerechtfertigt wird, erstens durch die Ge- 
gensätze« Denn fax» das' absolute Licht, hat zum Gegensatze das 
Nichtlicht, oder die Finsterniss, lumen die Beleuchtung, das in's 
Licht Gesetztsein , hat zum Gegensatze den Mangel an Beleuch- 
tung, also den Schatten. Meine Weise rechtfertigen folgende 
Stellen: Cic. Philipp, IL cap. 31. § 76. Nam quod quaerebas 
quomodo redissem, primum luce % non tenebris. cf. ad Quint. 
fr. üb. I. ep. 1. cap. 2« § 9. ist am virtutem^ moderationem animi, 
temper antiam non latere in tenebris neque esse ab di tarn, sed in 
luce Asiae, in oculis clarissumae provinciae atque in auribus 
omnium gentium ac nationum esse positam ? und pro rege lfe- 
iotaro cap. 11. § 30. Res enim Deiotarus vestram familiam — 
e tenebris in lucem evocavit. Dagegen P 1 i n. h. n. üb. XXXV. 
cap. 11. § 11. Tandem se ipsa ars distinxit et invenit lumen atque 
umbrasetc. ibid. s. 40. § 131. Lumen et umbras custodivit atque 
ut eminer ent e tabulis picturae maxime curavit. tf. PI in. episU 
lib. III. ep. 13. Nirgends konnte hier lux st. hinten stehen, indem 
nicht von dem absoluten Lichte, sondern nur von der Beleuchtung 
in diesen Stellen die Rede sein kann. Aus demselben Grunde sagt 
man vom Gemälde nicht: in bona luce ponere tabulas pictas, 
weil das beste absolute Licht die schlechteste Beleuchtung für 
ein Gemälde sein kann, sondern nur, wie Cicero im Brut. cap. 
75. § 261. tum videtur tarn quam tabulas bene pictas collocare 
in bono lumine. So steht also lux der Nacht entgegen, lumen 
dem Mangel an Licht; es kann demnach bei Nacht wohl lumen vor- 
handen sein, nicht; aber lux, so bei C i c e r o de divin. lib. I. cap. 36. 
§ 79. Noctu lumine apposito experrecta nutrix animadcertit 
puerum etc. So auch in der bekannten Stelle aus Suetonius 
Caes. cap. 31. Dein post solis occäsum occultissimum Her 
rnodico comitatu ingressus est , et quum luminibus exstinctis 
decessisset.via^ diu errabundus tan dem ad lucem duce re petto 
— pedibus evasit. Zweitens wird unsre Unterscheidung ge- ~ 
rechtfertigt durch die in Betreff beider Substantive stattfindenden 
Uebertragungen. Denn es war nach unsrer Begriffsscheidung . 
ganz in der Ordnung , wenn man luce clarius, solis luce clarius 
u. s. w. sagte, und die natürlichste Benennung für den Tag zu 
sagen lux, nur mit ganz verändertem Sinne und dichterisch lumen. 
Zu lux bedarf es keiner Belege. Man braucht es sogar in der ein* 

3* 



86 Lateinische Sprachwissenschaft. 

Wachsten Darstellung: Centemma haec lux est etc. Ueber lumen 
kann man die bekannte Stelle aus Ennius' M.edea{%. Eurip. Med. 
t. 352 sq.) bei Cic. pro Rab. Post. cap. 11. § 29. ad Atlic. Üb. 
VII. ep. 26. § 1. Si te secundo lumine hie offendero, moriere., ver- 
gleichen. Es ist dies der zweite Eintritt des Lichtes, also immer 
nicht das absolute lacht, sondern nur die eintretende Erleuch- 
tung» So wenn lux von dem Tageslichte auf das Lebens- 
licht übergetragen wird, wo lumen ungebräuchlicher ist; ferner 
wenn lux für Heil und Rettung gebraucht wird, und man sogar 
tucem adferre u. dgl. m. sagt, während man im eigentlichen 
Sinne nur lumen adfene und zwar ganz natürlicher Weise sa- 
gen kann ; ferner wenn es von dem Lichte der Oeffentlichkeit und 
in dergleichen Fällen mehr steht , wo die Uebertragung von dem 
absoluten Lichte zu entlehnen ist. Dagegen sind die Uebertragun- 
gen von lumen immer von der Art, dass sie anf die von uns oben 
angenommene Hauptbedeutung leicht zurückgeführt werden kön- 
nen. Lumen, die Erleuchtung, ward übergetragen auf den Sinn des 
Gesichtes, insofern durch ihn das geistige Licht angezündet, die 
geistige Erleuchtung herbeigeführt wird, und so sagte man /w- 
mina gradezu von den Werkzeugen dieser Lichtempfätigiiiss , in 
der guten Latinität nicht lux; nicht einmal bei O vidi us in den 
Metamorph, üb. XIV. v. 197. Quam nu(lum aut leve sil da- 
mnum mihi lucis ademptae, möchte ich adempta lux von dem ein- 
gestossenen Auge des Cyclopen, so wie bei Statius Theo. XI. v. 
585. effossae — vestigia lucis steht, verstehen, sondern nur von 
dem ihm durch jene Uebeithat entzogenen Tageslicht. Ferner 
ward lumen übergetragen auf die Erleuchtung der Gebäude, wie 
in der juristischen Formel: ne officiatur luminibus, und zwar 
mit vollem Rechte, weil ja lumen ganz eigentlich die Erleuchtung 
ist, und sodann galten lumina gradezu für Fenster nach der- 
selben Vorstellung, wie wenn lumina für A ugen stehen. End- 
lich wird auch durch die Verbindung mit den Zeitwörtern nnsre 
Ansicht bestätigt. Man sagt adimere und aeeipere lucem , von 
dem Lichte, dessen Anblick man entzieht, oder erhält, dagegen 
nicht exstingere lucem, sondern lumen; apponere 9 adferre lumen 
oder lumina, im eigentlichen Sinne, nicht apponere oder adferre 
lUcem, und was dergleichen mehr ist. Betrachten wir nun noch 
die übrigen Stellen, worauf Hr. D. seine Lehre baut, so zeigen 
sich diese, wie von selbst, in unserem Lichte. Hr. D. gtebt im 
Handbuch S. 135. noch an: Curtius VIII, 2, 21. Sed aditus spe- 
cus aeeipit lueem ; interiora nisi allato lumine obscura sunt. 
Hier steht zuerst ganz richtig aeeipit lucem, sofern das Tages- 
licht in den Eingang der Höhle eindringen kann , also Licht ab- 
solut ; sodann aber nisi allato lumine, wenn nicht eine künstliche 
Erleuchtung herbeigebracht worden, ist, etwas in Licht Gesetztes, 
was nun seiner Natur nach wieder Licht und Helligkeit verbreitet. 
Sodann Cic. Acadd. IV, 8, 28. [die Stelle steht in den Acad. prior. 



Lat. Synonymen and Etymologien Ton Doderleih. 37 

Kb. IL cap. 8. § 26.]. Si ista vera «tut*, ratio omnis toüüui\ 
quasi quaedam lux lumenqve vitae. Hier erscheint nach unsrer 
Unterscheidung der Wörter Jux zunächst als absolutes Licht, sie 
ist das Licht des Lebens, ohne sie wird Nacht im Leben des 
Menschen sein« Die Vernunft wird nun aber, sofern sie hell 
und Licht an sich ist (lux, nicht lumen , wie Hr. D. will), znm 
lumen vitae, d. h. sie erleuchtet das Leben, sie wird die Lebens« 
erleuchtung (wie man Welterleuchtung sagt); dies bezieht sich 
auf lumen, nicht wie man nach Hrn. D.'s Lehre annehmen müsste» 
auf lux. Auch in Bezug auf die Unterscheidung der Wörter lux 
und lumen in tropischem Sinne können wir Hrn. D. nicht gans 
beistimmen , wenn er S. 135. im Handbuche (und ahnlich in 
grössern Werke Bd. 2. S. 67.) sagt: „Auch in tropischem Sinne 
bedeutet lumen die Auszeichnung, lux nur die Klarheit- 
Cicero nennt Man. 5. Korinth Graeciae tolius lumen, aber Catil. 
IV, 6. Rom lucem orbis terrarum; nämlich Korinth wird mit ei« 
nem flimmernden Licht verglichen, Rom aber diejenige Stadt ge- 
nannt, in Vergleich mit welcher alle andern Städte nur im Dunkel 
liegen.' 6 Hier seheint es anfangs, als nähere sich Hr. D. unsrer 
Auffassungsweise, doch ist es nicht der Fall. Die Stellen schei- 
den, sich leicht. Lux orbis terrarum wird Rom genannt, das Licht 
des Erdkreises, weil es die Herrscherstadt war, von der , wie von 
der Sonne alles Licht ausging, Korinth heisst Graeciae totius lu- 
men, weil es mehr als ganz Griechenland in's Licht gestellt war 
und so hervorglänzte; es ist sonach weit weniger, ein lumen 
alieuius civitatis zu sein, als eine lux» 

Waren wir bei Verfolgung dieser Begriffe etwas ausführlich, 
so geschah es. nicht, um Hrn.' D. eine Einzelnheit als unrichtig 
nachzuweisen , sondern nur darauf hinznzeigen, dass die Form- 
lehre an sich eine grössere Beachtung hätte finden sollen. Denn 
war hier einmal ein tüchtiger Grund gelegt, so brauchte dann in 
den einzelnen Fällen nur einfach die Gattung des einzelnen Wor- 
tes angedeutet zu werden. Damit wollen wir es aber keineswegs 
ausgesprochen haben , dass Hr. D. nicht selbst in den einzelnen 
Fällen dies ganz richtig wahrgenommen und benutzt habe ; denn 
dann würden wir ihm Unrecht thon — ; nur hätte dies durchgän- 
giger geschehen sollen. Zum Belege dessen wählen wir noch eine 
sehr leichte Unterscheidung, die der Wörter abstihentia und 
conlinentia, Bd. 2. S 210 fg. (Handb. S. 147 fg.). Hier hat Hrt 
D. diese beiden Begriffe im Grunde richtig unterschieden, jedoch 
nicht so streng an dem eigentlichen Wortsinne festgehalten, als es 
hätte geschehen können. Conlinentia bedeutet das Streben eines 
Menschen, sich in Schranken zu halten, abslinentia hingegen das 
Streben, sich von etwas zurückzuhalten. So hätte er auch an der 
Stelle des S ueton. Claud. cap. 32., die er Bd. 2. S. 210. also an- 
fuhrt: Dicitur etiam meditatus edictum, quo veniam dar et cre- 
pitumflatumque ventris in conoivio emittendi, quum periclita- 



38 Lateinische Sprachwissenschaft. 

tum ' quendam prae pudore ex (warum nicht et ?> confinentia 
reperisset nicht rütteln sollen. Denn prae pudore et continentia^ 
was Hr. D. erwartet zn haben seheint, war an jener Stelle kaum 
möglieh. Der -Sinn ist folgender: quum periclitatum quendam 
prae pudore ex eo , quod sese contincret seil, a crepitu flatuque 
ventris , reperisset. So giebt ex continentia einen sehr passen- 
den Sinn; prae continentia wurde dagegen gar keinen Sinn haben. 

Doch will ich mich "bei diesem umfangreichen Werke nicht 
länger aufhalten, bemerke nur noch, dass der Hr. Verf. in den 
folgenden Bänden immer tiefer in die von ihm so schön begrün- 
dete Wissenschaft der lateinischen Synonymik eingedrungen ist 
und die von ihm in diesen letzten Abtheilungen niedergelegten 
Forschungen des Belehrenden und Anregenden immer mehr bieten. 
Besonders zeichnet sich der sechste und letzte Band aus, der eine 
Uebersicht des ganzen synonymischen Stoffes gewährt und, wenn 
auch bisweilen nur kurze, doch im Ganzen höchst lehrreiche An- 
deutungen über Wort- und Bedeutungs - Lehre der lateinischen 
Sprache giebt , auf welche Rec. vielleicht bei andrer Gelegenheil, 
unter geeigneter Berücksichtigung der Beilage dieses Bandes: 
Zur lateinischen Wortbildung, von demselben Verfasser, 
zurückkommen wird. 

Rec wendet sich von Hrn. D., dem er sich wegen vielfacher 
Belehrung aufrichtig verpflichtet fühlt, sogleich zu dem unter 
Num. III. aufgeführten Ramshorn'schen Synonymischen Hand* 
Wörterbuch der lateinischen Sprache, da das Jentzen'sche 
unter Num. II. aufgeführte Werkchen bereits oben S. 8. hinläng- 
lich charakterisiert worden ist und keine weitere Bemerkung nö- 
thig macht. 

Man würde Unrecht thun , wollte man die im Ganzen sehr 
verdienstvollen Forschungen des verewigten Ramshorn auf dem 
Felde der lateinischen Synonymik den D öd er le i n 'sehen an die 
Seite stellen oder denselben wohl gar vorziehen. Denn jenen 
Gelehrten leitete nur der innere Beruf auf das Studium der latei- 
nischen Synonymik, er setzte dasselbe Jahre lang fort und wid- 
mete ein gutes Theil seines Lebens den einmal unternommenen 
Lieblingsbeschäftigungen ; diesen führte wohl zunächst eine / 
äussere Veranlassung dem specielieren Studium der lateinischen 
Synonymik zu, das aber, auch er mit Liebe ergriffen und redlich 
fortgeführt hat, wie nicht blos sein grösseres Werk, über welches 
wir zu seiner Zeit in diesen NJbb. berichtet haben , sondern auch 
dieses kleinere Werkchen beweist, mit dem wir es hier vorzugs- 
weise zu thun haben. Ja es hat die Ramshorn'sche Bearbeitung 
der lateinischen Synonymik sogar Einiges vor den Döderlein'schen 
Werken insofern voraus, als Hr. Ramsh. der Formenlehre an sich 
grössere Aufmerksamkeit geschenkt und ihr einen besondern Ab- 
schnitt schon in seinem grössern Werke gewidmet hatte. Ein 
solcher ist nun auch seinem synonymischen Handwörter- 



Ramshorn: Synonymisches Wörterbuch der lat Sprache, 99 

b u ch e S. \ II - XXXXVI1I. vorausgeschickt und im Ganzen ziem- 
lich zweckmässig eingerichtet, wenn er auch in manchen Punk- 
ten zu allgemein gehalten, zu wenig dem apeciellen Zwecke 
angepasst ist , bisweilen auch wohl offenbare Unrichtigkeiten 
enthalt 

Zu den letztern rechnen wir, wenn es S. XXV. heiaat: „es, 
6. üis (bei Adjectiven) bedeutet ein bestehendes Sein in oder 
auf dem im Stamme Genannten: Coeles (coelum) im Himmel be- 
findlich, coelites die Himmelsbewohner, ales (ala) 153. ales 
equus, deus\ pedes (pes) zu Fuss, und ein Fussgänger, eques 
der zu Pferde sitzt, ein Reiter." Man sieht, dass sich Hr. R. von 
dem Entstehen der Silbe es, itis keine richtige Rechenschaft ge- 
geben und seine Annahnie als die der blossen Probabilität, nicht 
als die der tiefern Forschung, wie dies in der Regel bei D. der 
Fall zu sein pflegt, erscheint, -es, das sich noch besser äussern 
Genitivus -itis in seiner Urform erkennen lässt, ist durchaus nicht 
die Bezeichnung des blossen Seins an oder auf einem Stamme; 
sonst müsste diese Form weit häufiger erscheinen, als es der Fall 
ist; auch lässt sich davon keine etymologische Rechenschaft ab- 
legen. Betrachtet man die Wörter, an denen sie sich findet, über- 
sichtlich und vergleicht ihren Gebrauch im ganzen Redezusammen- 
hang, so kann es keinen Augenblick zweifelhaft bleiben, dass diese 
Wörter hauptsächlich da gebraucht werden , wo von einer Bewe- 
gung auf irgend eine Weise die Rede ist. So sagt man pedes pro- 
fectussum; qui adhucpedües fuerunt, equites facti sunt , und 
nur von diesem ersteren Begriffe aus ist dann der allgemeine Zu- 
stand einer Person mit jener Form bezeichnet worden. Es hängt 
also -tVis (-es) offenbar mit dem Zeitwort eo, ire (itumj eng zusam- 
men , und pedes (ped-es , ped-itis) ist ein F u s s g ä n g e r , oder 
ein zuFnssGehender im eigentlichen Sinne, eques {equ-es, 
equ-üis) ein zu Pferde Gehender (Reisender), also ein Reiter, 
ales («J-es, al-itis) eigentlich ein Flügel-Gänger, d. h. einer 
der sich mit Flügeln fortbewegt, coeles (coel-es, coel-iiis) ist 
eigentlich eiu Himmels ganger, d.h. der zum Himmel geht, 
weil er dort seinen Sitz und seine Heimath hat. Wenn dann djese 
Adjectivform , wie dies vorzugsweise bei coeles und ales in man- 
chen Steilen der Fall ist, übergetragen auch in anderem Sinne er- 
scheint , so ist , wie dies auch anderwärts öfters geschehen ist, 
die ursprungliche Bedeutung durch den Gebrauch etwas verwischt 
worden. Von den von Hrn. R. in der Note angeführten Substan- 
tiven passt blos noch miles hierher, was sonach einen Tausend- 
ganger, einen bei einer Schaar von Tausenden Marschirenden, 
nicht einen bei einerSchaar von Tausenden Befindlichen, wie Hr. R. 
will , bezeichnen würde, und das von Hrn. R. übersehene comes 
(eigentlich comes) Mitgänger, Begleiter, was mit Recht 
Schmalf eld in seiner tat. Synonymik S. 177. (3. Aufl.) bereits 
dahin erklärt hat. Nicht ganz richtig ist es auch, wenn S. XI. 



40. Lateinische Sprachwissenschaft. 

• 

als eigentlich lateinische Form da» Adjeetivnm eus ron Kigenna- 
men gebildet aufgeführt und mit: „Verrea y Marceliea se. sacra % 
dem Verres gewqftete Feste", erläutert wird. Jene Fennen sind 
blos dem griechischen Bf^paZar, MaozsAAua nachgebildet und es 
schwankt deshalb auch die Lesart in den Stellen bei Ci c e r o immer 
zwischen Verrta und Ferrea^ Marceüia und Marceliea. Es war 
also diese Farm wohl vorerst zu übergehen, zumal sie in synony- 
mischer Hinsicht nicht weiter hervortritt. 

Nicht streng genug an die eigentliche Urform hat sich der 
Hr. Verf. gehalten, wenn er S. XXXI. die Neulralendung auf mew, 
wie in tegumen^ specimen H subtemen u. 8. w. als schwankend »wi- 
schen activer ond passiver. Bedeutung aufführt. Denn ihrer gan- 
zen Natur nach kann diese Form, welche genau mit dem Partiet- 
pium Passiv! Praesentis der griechischen Sprache zusammenhängt, 
nur passive Bedeutung gehabt haben , und , wenn bei der Über- 
setzung bisweilen ein Activbegriff dafür substituirt wird, so liegt 
doch in der Endform diese Activkraft keineswegs, sondern in de» 
ganzen Begriffe, und zwar nur indirect. Zu wenig an der ur- 
sprünglichen Form bei der Erklärung ist auch festgehalten S. 
XXIX. wenn Hr. R. die Worte Cicero' sz Noctuabundus ad me 
vemt cum epistola tua tabellarius erklärt : „wie ein Nachtvogel 
(ftoctod)"« Dies führt ganz ab von der ursprünglichen Wortbe- 
deutung und leitetauf einen Nebenbegriff, der mit der Form noctua« 
bundus gar nichts weiter zu schaffen hat, als dass beide Formen 
von dem gemeinschaftlichen Hauptbegriffe nos stammen. Noctuus 
bedeutete Alles, was in der Nacht vorhanden, thätig und wirksam , 
ist,- und so hat davon auch die Nachteule (noctua) ihre Benennung 
erhalten. Von jenem Adjectiv noctuus ward nun auch ein Verb um 
noetuari des Nachts umherschweifen gebildet und davon ist 
noctuabundus eigentlich das Passiv« m Futuri Medii der Griechen, 
bedeutet also den, der Hang und Neigung zu nächtlichem Umher- 
gehen oder Reisen hat. Wenn weder das Adjectivum noctuus 
noch das Dep. noetuari sich sonst noch in der lateinischen 
Sprache zeigt , so thut das zur Sache nichts ; auf ihr ursprüng- 
liches Vorhandensein fuhren jene abgeleiteten Formen deutlich 
genug, und der Sprachforscher muss häufig jene Mittelglieder nach 
der Analogie suppliren. 

Fragen wir nun nach dem Zusammenhang dieser vorausge- 
schickten Lehre von den Endformen mit dem eigentlichen Haupt- 
abschnitte des kleinen Werkchens, so ist derselbe, wie bei dem 
grössern Werke desselben Verf., ziemlich lose, wenn auch nicht 
selten Verweisungen in beiden Abschnitten vor und zurück statt- 
finden ; der eigentlichen Wissenschaft der Synonymik ist nicht ge- 
nugsam vorgearbeitet worden. Rec, der in besondern Lehrvor- 
trägen die lateinische Synonymik von Zeit zu Zeit behandelt hat, 
ist immer der Ansicht gewesen, dass weder die Formenlehre noch 
lexikalische Untersuchungen an sich in eine Synonymik gehören, 



Ramshorn: Synonymisches Wörterboch der lat. Sprache. 41 

sondern dass vielmehr die Kenntnis» davon vorauszusetzen, und hl 
der Synonymik nur das zu behandeln sei, was zur Unterscheidung 
der Wortforroen, der Wörternund Redensarten unter einander zu- 
nächst dient. Er hat deshalb seine Vorträge über lateinische Syn- 
onymik in drei Hauptabschnitte zerfallen lassen und in dem e r- 
sten die Synonymik der Wortformen * in dem zweiten die 
Synonymik der Worter 9 in dem dritten die Synonymik der 
Ausdrücke abgehandelt. 

In der ersten Classe wurden die verschiedenen Formen 
der Substantiva , Adjectiva, Adverbia, sodann der Stammverba, 
der abgeleiteten und am Ende verlängerten Zeitwörter, der Com- 
posita , und zwar zunächst in synonymischer Hinsieht behandelt, 
so dass an einzelnen Beispielen die allgemeinen Aehnlichkeiten 
und Unterschiede gezeigt wurden. 

Rec. zeigte also- an Beispielen , wie scriptio % scriptura^ 
scripta* .und scriptum die synonymischen Verhältnisse , welche 
in Bezog auf Endformen stattfinden, auf folgende Weise: 

Scriptio, önis, f. ist die Handlung des Schreibens 
(der Form nach) i n ihrer Vollendung, Cic. Brut. 24, 94 
nulla res tantum ad dicendum prqficit quantum scriptio. ad Altic. 
X, X7,2.0r. Crebro refricat lippitudo, non illa quidem perodiosa, 
sed tarnen quae impediat scriptionem meam. adfam. IX, 12, 2. 
quam (oratiunculam) velim sie, legas , vt causam tenuem et ino- 
pem nee scriptione magno opere dignam ; sodann dleHandlung des 
Schreibens von Büchern , Schrift stellerei im engern Sinne, 
Disp. Tusc. V, 41, 121. a quo non modo impulsi sumtis ad phitoso* 
phiae scriptiones, verum etiam lacessiti; ferner die vollendete 
Handlung des Schreibens , die Abfassung oder die Fassung durch 
Buchstaben , wie bei Cic. de invent. I, 38, 68. Omnes leges — 
ad commodum reipublicae referre oportet et eas ex utilitate 
communis non es scriptione , quae in litteris est, interpretari. 
So weist also scriptio auf die vollendete Handlung des Schreibens 
überall zurück; einen ganz andern Sinn gewährt dagegen das syn- 
onymische 

scriptura, ae, f. die Handlung des Schreibens (der 
Form nach) in ihrer Vorbereitung; es ist nämlich scriptura 
offenbar mit scriptum*, ö, um verwandt und bezeichnet zunächst 
die Handlung dessen, der schreiben will, der das Schreiben mit 
aller Vorbereitung unternimmt; also drückt dies Wort die Art 
und Weise aus, wie das Sehreiben in Wirklichkeit tritt, oder 
die Handlung des Schreibens nach dem, wie sie in Wirklichkeit 
tritt, wie z. R. bei Cic. de orat. I, 33, 150. Si subitam ei 
fortuitam ordlionem commetdatio et cogitaiio facile vincit, hano 
ipsom profecto assidua ac düigens scriptura super abit, sodann 
adfam. XV, 21. § 4. Ea, quae scriptura persecutus es , sine 
summa amore cogitare non potuisii. In beiden Fällen hätte kön* 
nen auch scriptio stehen, allein das Wort scripiura bedeutet die 



42 Lateinische Sprachwissenschaft. 

Handlung des Schreibens nach einer andern, mehr formellen 
Seite hin. So auch, wenn es bei Martialis I, 67. heisst: 

Erras, meorumfur avarc librorum, 

Fieri poetam posse qui putcu tauft, 

Scripturä quanti eonstet et tomus vUis. 
wenn du glaubst ein Dichter zu werden bedürfe kei- 
nes andern Aufwandes als was die Schrift (in rein 
formeller Hinsicht) kostet u. s. w. Man vergleiche noch Plau- 
ens adfam. X, 8, 5. Quo nomine etiam Q. Furfanio legato — 
pUtra etiam verbo quam scripturä mandata dedimus. Gaecina • 
ad fam. VI, 7, 1. cum mendum scripturae litura toltitur, wo 
offenbar scripturä mehr auf das formelle Schreiben zu beziehen 
ist; so auch bei Cicero selbst de invent. If, 40, 117. Deinde ex 
superiore et ex inferiore scripturä docendum iV/, quod quaera- 
/wr, fieri perspieuum, wo «s von der formellen Abfassung des 
Testamentes zu verstehen ist. Hieraus ergiebt sich, warum man 
in der Regel genus scripturae , nicht scriptionis sagte, weil ja 
hier auf die Form das Meiste ankam, so bei Gaecina adfam. 
VI, 7, 3. Genus autem hoc scripturae non modo liberum, sed 
incitatum atque elatum esse debere quis ignorat ? N e p o s praef. 
§ 1. Non dubitofore plerosque — qui hoc genus scripturae leve 
et non satis dignum summorum virorum personis iudicent etc. 
Dahin schlagt nun auch das ein, was Ter ent. Phorm. pr.ö.sagt: 

Quiita dictitant, quas antehae fecit fabulas, 
Tenui esse oratione et scripturä levi, * 

was so ziemlich dem entspricht, was er Andr. prol. 11 sq. sagt : 
Non ita dissimüi sunt argumento , sed tarnen 
Dissimüi oratione sunt faetae ac siilo, 

ohne dasselbe zu bedeuten, was wir Stil nennen, Art der Ab- 
fassung. So ward dann auch scripturä von dem gesagt, was ge- 
schrieben war, nämlich blos der Form der Abfassung nach 9 wie' 
T e r e n L Adelph. pr. 1. 

Postquam poeta sensit scripturam suam 

Ab iniquis observari etc. 

Tac. Ann. IV, 32. Nemo annales nostros cum scripturä 
eorum contenderit, qui veteres populi Rom. res composuere, wo 
es zwar auf den Inhalt des Ganzen geht, jedoch bei den einzelnen 
Ausdrücken an den Geschichtsvortrag selbst gedacht wer- 
den muss. Aebnlich Sueton Calig. 41. cum per ignorantiam- 
scripturae multa commissafierent, wo an die Form des Gesetzes 
gedacht wird. Und so wäre denn für die Stilistik das synony- 
mische Resultat leicht gefunden, dass, wenn ein Snbstantivum 
nothigist, für den Ausdruck „Lesart" scripturä noch das pas- 
sendste Wort wäre. Steht ferner scripturä für Weidegeld, so 
ist es eigentlich das Einschreiben in bester Ordnung und Form 
und die dafür zu erlegende Gebühr, wie beiCic. de imp. Cn. 



Ramshora : Synonym. Wörterbuch der lat. Sprache. 43 

Pomp. 6« Von diesen beiden, an sich, wie wir gesehen, ver- 
schiedenen Substantiven ist aber die dritte Form 

Scriptus, «s, m. noch mehr verschieden. Sie bedeutet die 
Handlung des Schreibens nicht für den einzelnen Fall, sondern 
als Hauptbeschäftigung, die Schreiberei als Erwerbszweig, 
die Lohnschreiberei, wie z. B. Fi so bei Gell. VI, 9. sagt: Ca. 
Flavios, patre Ubertino natus, scriptum fadiebat, und weiter 
unten: neque sibi placere , qui scriptum faeer et , curulem aedi- 
lem fieri. Cn. Flavios dicitur tabulas posuisse , scriptu se ab- 
dicasse^ und so spricht auch Liv. IX, 46. von demselben Vor- 
falle: quem aliquattto ante desisse scriptum facere arguit Macer 
Licinius, worüber man, schon um die äussere Form sicher zu 
steilen, vergleichen mag Fronto ad amic. II. ep. 6. ed. A. Mai. 
Fuerunlne omnes et sunt ad hoc loeorum, quibus umquam Scri- 
pt us publicus Concor diae latus est, decuriones? Von dieser 
Form sowohl, als auch von den beiden erstem ist wiederum 
verschieden 

Scriptum , i, n. 9 das Participium perf. pass., allemal so viel 
als itf, quod scriptum est und concret zu fassen, wenn es schon 
bisweilen mit scriptio und scriptura scheinbar synonym steht, wie 
ad Herenn. I, 11, 19. cum in scripto [aut es scripto] aliquid 
controversiae nascitur, und ebenda«, weiter unten: ex scripto 
et sententia nascitur controversiae Cum videtur scriptpriß volun- 
tas cum scripto ipso dissentire, wofür de invent. I, 38, 68. es 
scriplione, bei Sueton. Cal. 41. in etwas andrer Fassung scri- 
ptura stand. Man vergl. noch Gic. Brut. 39, 145. Ita — multa 
tum contra scriptum pro aequo et bono disit etc. Sodann scri- 
ptum soviel als Concept, wie im Brut. 88, 301. pro Cn* Plane. 
30, 74. adQuint. fr. (II, 8, 5. Or.; endlich die Schrift, als das 
Geschriebene, wie ad fam. IV, 4, 1. Facile cedo tuorum scri- 
ptorum subtilitati et etegantiae ; de orat. II, 46, 194. id quod 
a Democrito et Piatone in scriptis relictum esse dieunt. 

Daäs solche synonymische Zusammenstellungen nicht nur 
sehr vortheilhaft zur Beurtheilung des Ganzen, sondern auch 
unerläßlich zur richtigen Auffassung des Einzelnen seien, leuchtet 
ein, und um so mehr hätten wir gewünscht, dass die in der 
llamshorn'schen Einleitung vorausgeschickte Formenlehre mehr 
vom rein synonymischen Gesichtspunkte aus abgefasst worden 
wäre, wie ich so eben an einem Beispiele gezeigt habe. 

Wie viel bei Beurtheilung des Einzelnen von der gehörigen 
Liebersicht des Ganzen abhängt, will ich gleich noch an einer 
andern Wortclasse zeigen. 

Wir haben die verwandten und von einem Zeitworte abge- 
leiteten Substantivs actus; actio; acta, orum; agmen; alle vier 
sind Verbalsubstantivs von agere; alle m'ehr oder weniger ähn- 
licher Bedeutung unter einander, jedoch von der Art, dass sie 
einander nicht selten gradezu entgegengesetzt werden. 



44 Lateinische Sprachwissenschaft. 

Actus, us, m. drückt wie scriptae das in's Leben Treten des 
Stammbegriffes als ein Ganzes und ohne Motivirung aus. So 
erstens im eigentlichen Sinne vom Treiben des Viehes, 
wo nicht eine einzelne Handlung, sondern der Gesammtbegriff 
der Handlung stark hervortretend bezeichnet werden soll, wie 
bei Gic. de republ. II, 40, 67. von dem Führer des Elephanten: 
guoeumque vott levi admonitu, non actu, inflectit iüam feram. 
Daher das Recht zu treiben. Habeo actum, ich habe das 
Recht hinzutreiben , muss man sagen , weil es da dem Gesammt- 
begriffe gilt; habeo actionem wurde, wenn auch actio wie ex- 
actio in der eigentlichen Bedeutung noch üblich wäre, dagegen 
immer nur bedeuten : ich habe die einzelne Handlung des Trei- 
bens, und es würde eher andeuten: ich habe ein Treiben vor, 
ich muss es ausfuhren; daher steht bei Cie. pro A. Caecina 
26,74. Aquae duetus, haustus, Her, actus a patre , sed rata 
auctorüas harum rerum omtiium a iure civili sumitur, weil es in 
allen diesen Fällen sich nicht um's Einzelne, sondern um den 
Gesammtbegriff handelt, z. B. Ulpian Big. VIII, 3, 1. Actus 
est ius agendi vel iumentum vel vehiculum : ita qui Her habet, 
' actum non habet; qui actum habet , et iter habet. Sodann be- * 
deutet actus die Handlung ihrem (resammtumfange nach, im 
dieser Bedeutung, in der guten Latinität namentlich, sehr oft 
von einar Haupthandlung in einem Drama, wie bei Gic. de sen. 
19, 76. Neque enim histrioni, utplaceat, pera§enda fabula est, 
modo in quocumque fuerit actu probetttr. In solchem Sinneist 
actus nicht etwa als eine einzelne Handlung gedacht, wenn dieser 
Begriff auch zur Gesammthandlung des Draroa's als ein einzelner 
Theil des Stückes erscheint, sondern es bedeutet dieses Wort 
auch hier eine Handlung im grossem Umfang, also ein in sich ab- 
geschlossenes Ganze; und steht so den einzelnen Auftritten und 
kleinem Zwischenhandlungen gradezu entgegen, wovon sogleich, 
bei der Begriffsentwicklung von actio, ein Weiteres berichtet 
werden wird. 

Actio, onis, f. nämlich, was in der ersten Bedeutung Trei- 
ben nur noch in den Compositis erscheint, drückt die einzelne 
Verrichtung einer Sache mehr der vollendeten ThätigJceK nach 
aus und unterscheidet sich so von actus, dass jenes Wort den Ge- 
sammtbegriff, dieses die einzelne Thätigkeit bezeichnet. Deshalb 
ist es auch gekommen, dass man sagt: mons difficüis accessu, 
nicht accessione, diffieüe est dietu, nicht dictione, warum man 
perditum ire, dictum iri in alter Zeit gebildet hat, weil in allen 
diesen Fällen nicht an die einzelne Handlung gedacht werden 
kann. So steht nun bei Gic. de offic, I, 5, 17. ad eas res pa- 
randas tuendasque, quibus actio vitae continetur, ebend. c. 35. 
§ 127. Itaque nee actio rerum illarum aperta petulantia vacat 
nee orationis obscenitas. So auch de offic. II, 1, 3. deinde ipsie 
scriptis non ea, quae nunc, sed actiones nostras mandaremus 



Ramshorn : Synonym. Worterbach der lat Sprache. - 45 

etc., wo actus nostros, wenn es auch die Sprechweise CScero's 
erlaubte, einen (altchen Sinn geben wurde; nicht seine sämmt- 
liehen Verrichtungen, sondern nur einzelne hervortretende Hand- 
lungen seines Lebens will er beschreiben; ähnlich Cic. Disput. 
Tusc. I, 3, 6. sed mandare quemquam litteris cogitaliones suas 
etc. Daher Ist der Ausdruck actione* bald stehend geworden Ton 
öffentlichen Staats- oder gerichtlichen Rechts -Verhandlungen, ' 
wie bei Cic. adfam. IX, 9, 2. Discessu enim illorum actio de 
pace sublata est, sodann im gerichtlichen Sinne, die Klage gradezu, 
wie Cic. in Q. Caecil. 5, 18. Civibus quom st^nt ereptae pecu- 
niae, civili fere actione et privato iure repetuntur, und so in 
vielen andern Fällen. In solchem Sinne hat nun, getreu der ur- 
sprünglichen Bedeutung dieser Substantivform , der Sprachge- 
brauch es mit sich gebracht, dass actio für den einzelnen Theil 
einer grössern Verhandlung der Art gebraucht wird, wie z. B. bei 
Cicero's Anklage des V er res, s. Cic. Accus, üb. 1,30,75. 
Quid ego nunc in altera actione Cn. Delabellae Spiritus — pro- 
feram? ebenda«. Hb. II, 6, 16. Sed intellegere potuistis prior e 
actione etc. Aus dieser strengern Scheidung der Substantiv- 
formen lisst sich auch eine Stelle Cicero's leicht erklären, 
die von den Synonymikern, soviel ich weiss, mit Unrecht bisher 
ganz übersehen worden ist, gleichwohl aber sehr wichtig für die- 
sen Theil derselben ist. Sie findet sich adfam. V, 12, 6. Or. 
Quo mihi aeeiderit optatius, si in hac aententia fueris , ut a 
continentibus tuis scriptis, in quibus perpetuam rerum gesta- 
rum historiam complecteris, secernas hanc quasi fabulam rerum 
eventorumque nostrorum: habet enim varios actus muUasque 
actiones et consiliorum et temporum. Hier sind varii actus zu- 
nächst die Haupttiandlungen , Hauptabschnitte, Acte, dagegen 
actiones die einzelnen Handlungen, Unterabteilungen, Auf- 
tritte; die ganze Stelle giebt also folgenden Sinn : denn sie 
bietet verschiedene Haupthandlungen (Acte) und 
viele Seenen dar, sowohl hinsichtlich der Pläne, 
als der Zeitverhältnisse. Madvig'a Conjectur: habet, 
enim varios actus mutationesque et consiliorum et temporum % 
hat mit vollem Rechte schon Orelli verworfen. 

Verschieden von diesen beiden Ausdrucken ist ferner 
Actum, t, n», besonders im Plural acta, orum, wie scripta, 
das durch actiones Hervorgebrachte, wie bei Cic. Philipp. I, 7, 
18. Ecquid est quod tarn proprie dici possit actum eius, qui 
iogatus in re publica cum potestate imperioque versatus sit 9 
quam lex? Quaere actaGracchi: leges Semproniae proferentur. 
Quaere Sullae: Corneliae. Quid? Cn. Pompeii tertius consu- 
latus in quibus actis constitit? nempe in legibus, und so noch 
öfters in demselben Capitel. In ganz anderm Sinne, wie diese 
ihrer ganze« Natur nach passive Substantivform , steht 



46 * Lateinische Sprachwissenschaft. 

Agmeny tili«, n«, eigentlich ro uyoutvov, das Geführte, 
also der Zug einer Heerde, eines Heeres, wo sieh diese Gegen- 
stände als etwas Passives zeigen, so bei Cic. de orat. I, 4*, 210. 
Tum adiungeremus de exercitu, de castris^ de agminibus, de 
signorutn collalione dicere etc. Sodann auch der Heereszug 
oder das siebende Heer selbst, insofern sich solches als etwas 
Geführtes zeigt. Obgleich in der eigentlichen Bedeutung noch 
gebräuchlich, unterscheidet sich doch das Wort wesentlich von 
dem oben behandelten actus, was die volle Handlung reurä- 
sentirt. 

Fasst man so die einzelnen Formen in synonymischer Hin- 
sicht mehr zusammen, so wird sich nun auch für die richtige Be- 
urtheilung aller übrigen Fälle die gehörige Analogie wie von 
selbst abnehmen lassen. Nach dem zwischen actio und actus 
bestehenden Unterschiede wird man tactio und tactus zu unter- 
scheiden haben und so dem jungen Freunde der Wissenschaft 
leicht begreiflich machen können, warum man wohl sub factum 
cader e, nicht sub tactio aem cader e u. dergl. m. sagen könne, 
wie bei Cic. de univ. 5. Qua es coniunctione caelum ita aptum 
est, ut sub nspecium et tactum cadat, warum aber in Stellen, 
wie bei Cic. Disput. Tusc. IV, 9, 20. et qualis est haec aurium 
(näml. voluptas) , tales sunt oculorum et tactionum et odoratio- 
num et saporum, grade tactiones stehe, nicht taclus^ weil nicht 
die Berührung eines Gegenstandes an sich, sondern nur gewisse 
Beruhrungen eine angenehme Empfindung gewähren. Wir verken- 
nen nicht , dass Hr. Ramshorn Aehnliches, namentlich in der Ein- 
leitung zum grössern Werke, vorgebracht; er hat aber Alles 
weniger, wie dies in vorliegenden Beispielen von uns geschehen, 
in eigentlich synonymischer Hinsicht gethan , und dies hätte um 
so nothwendiger geschehen sollen , weil dies Feld sehr gross ist, 
und so leicht die eigentliche Synonymik dabei aus dem Ge- 
sichtskreise verloren wird. Wie wichtig grade solche Untersu- 
chungen für die Synonymik als Wissenschaft sind, geht schon 
daraus hervor, dass sich in den einzelnen Fällen der Unterschied 
ohne jene allgemeineren Untersuchungen nicht so leicht heraus- 
stellen wird, wie bei discessus und discessio, bei corruptio und 
corruptela, bei congressus und congressio, und weil so es nur 
klar wird , warum der Lateiner von einem und demselben Stamm 
vorzugsweise eine einzelne ; oder nur einzelne von den möglichen 
oder auch hier und da wirklich vorhandenen Formen eines Nomens 
gebraucht hat. Wie dies in den obigen Beispielen bei einzelnen 
Formen des Nomens geschehen ist, so mussten nun auch in sol- 
chem Sinne ähnliche Formen andrer Substantiva, ferner der Ad- 
jeetiva, Adverbia und der Zeitwörter, aber allemal mit beson- 
derer Beachtung der Synonymik behandelt werden. Und in dem 
Grade , in welchem sich auf solche Weise der Stoff für den zwei- 
ten! Haupttheil der latein. Synonymik, der die Synonymik der 



fUmshorn : Synonym. Wörterbuch 'der lat. Sprache.« 47 



l 



Wörter umfasste, minderte, in demselben Grade wird die Unter- 
scheidung in dem erwähnten «weiten Theile auch bestimmter und 
zuverlässiger, und so wäre dieser Weg, welchen Hr. R. wenig- 
stens theil weise mit Gluck eingeschlagen hat, gewiss auch für die 
übrigen Lehrbücher der lateinischen Synonymik nur erspriesslicb 
gewesen. Denn wendet man uns ein, dass auf diese Weise der 
Stoff allzusehr anwachse, so ist dies einestheils nur scheinbar, 
weil ja, wie ich oben bemerkte, die Unterscheidungen der einzel- 
nen Wörter um so leichter und kurzer sich beurtheilen' lassen, j 
anderntheils aber auch gar nicht nachtheilig an sich , weil nicht i 
die Menge der behandelten Artikel den Hauptvorzug einer latei- i 
nisehen Synonymik , namentlich als Lehrbuch, ausmacht, sondern * ; 
die geeignete Behandlung der schwierigeren Artikel Denn es 
ist von dem Rec. bereits früher in diesen Jahrbb. ausgesprochen 
und au einigen Artikeln auch deutlich genug gezeigt worden, 
dass viele Artikel, die auch heutzutage noch in der lateinischen 
Synonymik behandelt werden, keineswegs in dieselbe gehören. 
Selbst Döderlein, dessen Auswahl in seinem Handbuche im 
Ganzen musterhaft ist, hat sich noch Einiges in der Art zu Schul- 
den kommen lassen, wie wenn er S. 6. Aedificium, Domus, Ae- 
<fc«, Familia zusammenstellt, wo aedificium ganz unnöthiger 
Weise mit behandelt worden ist, weil es auch in keiner andern 
Sprache als der allgemeinste Begriff mit domus verwechselt wer- 
den kann; so wieder S. 102. bei dem Artikel Homo. Mas. Vir. 
Homunculus. Homuncio. Homullus, wo homo ebenfalls mit mas 
und vir nichts weiter zu schaffen hat ; dagegen die drei letzten 
Wörter homunculus, homunciq, homullus besser in einer allge- 
meinen Uebersicht mit den übrigen Deminutivis ihre Erläuterung 
gefunden haben würden. Noch weniger streng in der Auswahl 
ist nun aber die Mehrzahl der Verfasser der übrigen synonymi- 
schen Handbücher gewesen, wovon später noch die Rede sein 
wird. Wäre man also sparsamer in dieser Hinsicht gewesen , so 
würde man nicht nur jenen ersten von uns nöthig erachteten 
Theil der lateinischen Synonymik in einer gewissen Vollständig- 
keit haben aufnehmen können , sondern man würde auch an den 
zweiten Haupttheil nach der von uns oben gemachten Eintheilung 
dieser Wissenschaft noch einen dritten haben anschliessen können, 
der bisher ganz weggelassen worden ist, allein zur Synonymik 
als Wissenschaft im höhern Sinne nothwendiger Weise gehört, 
ich meine die Synonymik der Syntax. In diesem letzten Theile 
der latein. Synonymik mussten nun syntaktische Unterschiede 
festgestellt werden, die bisweilen fast schwieriger, auf jeden 
Fall eben so bildend sind , wie die Unterscheidungen der Wörter, 
s. B % welcher Unterschied stattfinde zwischen hoc tempore und 
in hoc tempore i hoc Ubro und in hoelibro, his scholis und in 
his scholis, zwischen hae causa, hac de causa, hac es causa, 
zwischen tesCumento, e testamento, per testamentum, zwischen 



£8 Lateinisch« Sprachwissenschaft. 

poetridie uhipostero die (denn waren, diege Formen ursprünglich 
auch ganz gleich, so hat der Sprachgebrauch doch einen leichten 
Unterschied eingeführt), zwischen nequeo und non queo, was 
namentlich in rhetorischer Hinsicht gar nicht bedeutungslos ist; 
aher auch noch andre Fragen waren hier zu beantworten und z. ß. 
zu zeigen, was für ein Unterschied stattfinde zwischen Constru- 
ctionen, wie mattet tibi und manet te, weil man. bis auf .die 
neueste Zeit hinsichtlich dieserConstructionen geschwankt hat, in 
deren ersterer das Verbum martere mehr' intransitiv erscheint und 
nur das Bleiben, das Vorhandensein in eine mittelbare Beziehung 
zu der Person kommt, welche im Dativ steht, wie z. B. bei Cic 
Philipp. II, 5, 11. Qais autem meum constitutum praeter P. Clo- 
dium qtii vituperaret inventus est ? euius quidem tibi fatum, 
sicttti C. Curioni manet, quoniam id domui tuae est, quod fuit 
iliorum utrique fatale (es bleibt dir), während in der andern 
Construction mit dem Accusativ martere eine weit grossere trans- 
itive Kraft gewinnt und so unmittelbar auf die Person übergeht, 
wie in dem Briefe des M. Antonius bei Cic. Philipp. XIII, 
20, 45. Sin autem me aliud fatum manet, praecipio gaudia 
suppliciorum vestrorum (mich erwartet), oder ganz ähnlich 
bei subire aliquam rem oder siibire alicuirei, welche beide Cou- 
atructionen vorkommen, doch die eine mehr im übertragenen 
Sinne, die andre mehr im eigentlichen, wie wenn man sagt sub- 
ire periculum, wobei das Wort subire als ein rein transitives 
Zeitwort erscheint und nicht mehr an die eigentliche Entstehung 
des Wortes gedacht wird, z. B. bei Cic. de prov. com. 17, 41. 
quamvis escipere fortunam , subire vim atque iniuriam malui, 
wo subire ganz einen Begriff wie suscipere vertritt; ähnlich pro 
P. Quinctio 31, 97. Denique ipsius inimki voltum superbissu- 
mum subiit; dagegen subire moenibus, wie bei Cic« in Q. Cae- 
cü. 14, 46. Poterisne eius orationi subire ? Invidiam vide modo, 
etiam atque etiam considera, wie man nach glaubwürdigen Zeug* 
nissen herzustellen hat (s. meine Bemerkung in Cicero'« sämnttL 
Reden Bd. II. S. V sq.), Wirst du dich der Rede desselben unter- 
%iehen können ? , wo die ursprüngliche Uebertragung mehr her- 
vortritt, wie der Pseudoasconius p. 117,9. ed. Bait. richtig 
sah, der bemerkt: Poterisne eine orationi subire: 
Translative dixit ut magno ponderi subire, wozu man ver- 
gleichen kann Virgil's Aen. VI, 222. Subiere feretro , und VII, 
161. Muroque subibant. Es wurde zu weit fuhren, noch mehre- 
res Einzelne beispielshalber hervorzuheben ; allein dass ein reicher 
Stoff für die Synonymik grade in diesem syntaktischen Theilc ent- 
halten sei, sieht man leicht ein, obschon die Syiionymiker den- 
selben wenig oder gar nicht beachtet haben* Denn nur unwill- 
kürlich sind ihnen diese Unterscheidungen jezuweilen uuter die 
Iland gekommen, wie z. B. Döderlein Bd. I. S. 155 fg. ganz 
richtig einmal zwischen curru und in curru, navi oder in navi 



Ranwhorn : Synonym. Worterbach der lat. Sprache. 40 

vehi unterscheidet, ohne sonst diesen Theil der Synonymik einer 
besondern Betrachtung zu würdigen. 

Doch kehren wir nach diesen allgemeinen Bemerkungen zu 
Hrn. Ramshorn's synonymischem Handwdr ter buche zurück, so 
ist dasselbe unter denen, welche zum speciellen Gebrauche fir 
Schüler bestimmt sind, das umfangreichste, indem es 1044 Ar- 
tikel enthalt, während Schmal feld nur 627, Schultz 479, 
selbst Habicht nur 960 Artikel giebt. Wir möchten aber darin 
nach dem oben Geäusserten nicht grade einen besondern Vorzug 
finden , da eher eine Verminderung der Artikel als eine Vermeh- 
rung zu solchem Zwecke wünschenswerth erscheint und viele Ar- 
tikel ohne Nachtheil für die Synonymik als Wissenschaft fuglich 
hätten wegbleiben können. 

Für überflüssig muss ich erklären den Artikel 26.: Adhibere, 
Uti, da in dem Worte anwenden etwas ganz Anderes liegt als 
gebrauchen, und Uli und usurpare u. s. w. noch unter Artikel 
1040. unterschieden sind; ferner Art. 53. Agricola, Arator, Co- 
tonus, wo wenigstens das Wort arator seiner ganzen Natur nach 
etwas Specieileres bezeichnet; sodann Art. 70. Ambo, Vterque, 
Duo, Bini, Par, der wenigstens zu viel enthält, denn ambo und 
duo, beide und zwei, kann Niemand verwechseln; auch möchte 
ich den Art. 81. Animosus, Fortis, Strenuüs nicht grade not- 
wendig finden. Zu weitschweifig ist auch Art 108. Arrogans, 
Super bus^ Insolens, Fastidiosus etc. , sowie Art. 143. Bardus, 
HebeSy Stupidus, Absurdus, Ineptus, Insulsus, Stultus, Fa- 
tuus, Ihsipiens etc., ferner Art. 146. Benignus, Beneficus, 
Liberalis, Munificus, Largus, Prodigus, Profugus, Art. 158. 
Caedere, Secare, Scindere etc. Auch Art. 162. Calcar, Sti- 
mulus u. s. w. war nicht grade uöthig, sowie Art. 164. Calere, 
Tepere u. dgl. m. nicht erst zu unterscheiden war; denn warm 
und lau sind der Sache nach ganz verschiedene Begriffe. Auch 
passt Art. 235. Commendare gar nicht zu Committere und den 
folgenden Wörtern. Unpassend war es, Artikel 254. Confu- 
gere und Perfugere besonders zu unterscheiden , da der Unter- 
schied aus der Präposition klar ist und nicht in diesen Theil der 
Synonymik gehört. Denn wie umfangreich roüsste dann die Samm- 
lung werden, wenn alle Composita, und zwar so leicht verständ- 
liche, einzeln behandelt werden sollten. Ebenso hätte Art 262. 
Consilium und Praeceptum nicht besonders aufgeführt sein sollen, 
denn Roth und Vorschrift lässt «ich doch ohne grosse Muhe 
unterscheiden. Auch konnte der Artikel 268. Contemtus, Vilis t 
' Abiectus füglich wegbleiben, da diese Wörter in jeder andern 
Sprache den Begriffen nach«, die sie repräsentiren , strenger ge- 
schieden sind. Ferner gehörte der Artikel 273. Conveniens, Con- 
sentiens, Consentaneus nicht hierher, denn conveniens und 
eonsentiens brauchen nicht erst synonymisch geschieden zu wer- 
den, consentiens aber und consentaneus gehörten in die Lehre 

JV, Jahrb. f. Phil. u. Päd. od. Krit. Dibl. Bd. XL. Hfl. I. 4 



50 Lateinisch« Sprachwissenschaft. 

yon den Endformen. - Ebensowenig gehört der folgende Artikel 
274. Convincere, Revincere, Persuadere hierher; denn die 
ersten beiden Worte unterscheiden sich Mos durch die Präpo- 
sition, das letzte aber hat gar nichts mit den ersten beiden seinem 
eigentlichen Sinne nach gemein. Ferner möchte ich auch Artikel, 
wie 291. Crux, Furca, Patibulum , durchaus nicht in einer latei- 
nischen Synonymik aufgeführt wissen , da alle diese Wörter , ob- 
schon sie alle Marterwerkzeuge bedeuten , doch an sich ganz ver- 
schiedenen Begriffen angehören , und sollen alle, ähnliche Dinge 
bezeichnende Ausdrücke hierher gezogen werden, so hätte auch 
equuleus u. dgl* m. aufgeführt werden müssen. Keineswegs waren 
sodann Artikel, wie 305. Currere, Euere, Volare, zu einer be- 
sondern synonymischen Behandlung geeignet; denn laufen, 
stürzen, fliegen sind ihrem ganzen Wesen nach schlechter- 
dings verschiedene Dinge. Wie in den ersten drei Buchstaben, 
wo selbst ein flüchtiges Auge sogleich vieles Ueberflüssige ent- 
deckt, so findet dasselbe Verhältniss auch in den übrigen statt, 
und es ist; dadurch die Bogenzahl des Werkes ohne wesentlichen 
Nutzen bei weitem zu gross angewachsen ; ein Vorwurf, der be- 
kanntlich mehr oder weniger auch das grössere Ramshorn'sche 
Werk trifft. 

Was nun die Ausarbeitung des Einzelnen anlangt, so hat 
Hr. R. hier vielen praktischen Takt bewährt und die Unterschiede, 
namentlich bei der zum Zwecke dieses Handbuches unternomme- 
nen Revision des Ganzen, < bisweilen noch besser als im grössern 
Werke selbst, bestimmt, obschon auch so noch Manches geblieben, 
wo man nicht ganz mit dem verewigten Verfasser einverstanden 
gein kann , wie z. B. wenn im kleinern Werke Art. 29. , im grös- 
sern Art 511. das Wort ephebus unter latein. Synonymen aufge- 
führt wird, ohne dass der junge Leser darauf aufmerksam gemacht 
wird, dass dieses Wort, sowie das ähnliche dica (dicam scri- 
bere, dicam impingere) und mehrere andre Ausdrücke ähnlichen 
Ursprungs, nur da von den Lateinern gebraucht worden ist und 
gebraucht werden konnte, wo von griechischen Zuständen und 
Verhältnissen die Rede ist, wie bei Cic. de nat. deor. I, 28, 79. 
Athenis quum essem , e gregibus epheborum vix singuliformosi 
reperiebantur , und Terent. Andr. I, 1, 24. h postquam ex- 
cessü ex ephebis etc. , wofür Cicero pro Archia poeta 3, 4. , ob- 
schon von einem Griechen sprechend , es doch in einer gericht- 
lichen Rede für des römischen Nationalcharakters würdiger fand, 
zu sagen : Nam ut primum ex pueris excessü Archias etc. Es 
durfte also, wenigstens im kleinern Werke, diese Gebrauchs- 
eigen thümlichkeit nicht unan gemerkt bleiben. 

Nicht passend finde ich Art. 126. die Zusammenstellung 
von auctoritas und gratia. Denn wenn auch öfters auctoritas et 
gratia. Ansehn und Gunst, sich neben einander gestellt fin- 
den, so sind beides doch hinlänglich verschiedene Begriffe. 



Habichtes synonym. Handwörterbuch der lat. Sprache. 51 

Falsch ist es ferner, wenn es im kleinem Werke S. 115. 
heisst: „Stilus, die Schreibart, die Art der Darstellung der 
Gedanken durch Worte und Schrift, die die Verbindung und 
Anordnung der Wörter und Sätze berücksichtigt: Stilus opti- 
mus dicendi effector et raagister. Cic." Jene Bedeutung: von Al- 
ias, die Rcc. gradezti in Abrede stellt, konnte am allerwenigsten 
durch jene Stelle Cicero's, welche de oraU 1, 33, 150. im Zu- 
sammenhange also lautet: Caput autem est, quod, ut vere dicam, 
minume facimus — est enim magni laboris quem plerique fugi- 
mus — quam pturumum scribere. Stilus optumus et praestan- 
tissumus dicendi effector ac magister etc., bewiesen werden, wo 
stilus offenbar blos die Uebung im Schreiben andeuten soll. Auch 
die im grössern Werke Bd. I. S. 362. beigebrachten Stellen Gic. 
Orat. 44, 150. Brut, 45, 167. beweisen nicht, was Hr. R. will. 
In der letztern heisst es: Titii orationes tantum argutiarum, 
tantum esemplorum , tantum urbanitatis habent, ut pene Attico 
stilo scriptae esse videantur (eigentlich : so dass sie beinahe mit 
attischem' Griffel geschrieben zu sein scheinen, oder, wie wir 
sagen würden, aus attischer Feder geflossen zu sein scheinen)., 
in welcher Stelle gewiss nicht an die Schreibart, sondern 
nur an die Production durch die Feder gedacht wird; in der 
zweiten Stelle heisst es : Nolo tarn minuta haec constructto ap- 
pareat: sed tarnen stilus esercitqtus efficiet facile hanc viam' 
cömponendi, wo stilus esercitatus fast mit unserm Ausdrucke 
„eine geübte Feder" übereinkommt , also auch ganz anders auf- 
zufassen ist und keineswegs das darthut, was Hr. R. will. 

Es würde uns zu weit führen, wollten wir noch mehreres Ein- 
zelne, wo wir nicht beistimmen können, aus diesem Werkchen her- 
vorheben; deshalb gehen wir zu Nr. IV., der 2. Auflage von Ha- 
bicht' s synon. Handwörter buche der lat. Sprache über, welches 
Werk wir bereits oben S. 8. im Allgemeinen charakterisirt haben. 
Es zeigen sich aber« auch noch in der zweiten Auflage die Spuren 
der ersten Entstehung des Buches, insofern sich dasselbe mehr 
als die übrigen Werke der neuern Zeit an die frühern synonymi- 
schen Bestimmungen anlehnt, sie bisweilen auch unter Nennung 
der ursprünglichen Gewährsmänner wörtlich giebt; so aber, wenn 
es gleich in vielen Stellen sehr schätzbare Beiträge zur lat. Sprach- 
kunde darbietet und gewisse Unterscheidungen sehr scharfsinnig 
und mit tiefer Sprachkcnntniss entwickelt, doch nicht wie aus 
einem Gusse hervorgegangen ist und noch Vieles, was wohl an 
sich zu wissen nützlich sein mag, allein aus der lätein. Synonymik 
als Wissenschaft ausgeschlossen bleiben musste, enthält. Um 
dem Hrn. Verf., dessen Arbeit auch Rec. zu schätzen weiss, da 
sie in einer Zeit unternommen wurde, wo die Hülfsmittel keines- 
wegs so reichlich flössen, nicht Unrecht zu thun, hält sich Unter- 
zeichneter für verpflichtet , diese seine Ansicht mit einigen Be- 
legen zu unterstützen. 

4* 



52 Lateinische Sprachwissenschaft, 

Hr. H. beginnt mit dem Artikel : Abducere. Abigere. Ab- 
ripere. Abstrahere. A v eller e. Hier waren die Unterscheidungen 
abducere, obigere, abstrahere offenbar ganz überflüssig , da cfa- 
cere, agere, frohere, an sich verschiedene Begriffe, zwar in 
gewissen Fällen scheinbar synonym stehen können, keineswegs 
aber so besonders in den Compositis mit der Präposition a. Eh6r 
hätte abripere, avellere, decerpere einen synonymen Artikel 
bilden können. Ein gleiches Verhfiltniss findet auch bei dem 
zweiten Artikel: Abducere, Deducere, statt. Noch auffallender 
ist es aber, wenn S. 6. folgender Artikel (8.) steht: „Absolvere. 
Concedere. Absolvere, dnoyiyveiöxEiv , freisprechen. 
Concedere, dnoXvuv, dnakkdrtsiv , freigeben. Latae 
deindc leges, quae regni suspieione consnlem absolverent. 
Liv. II, 8. — Ut concessisti illum senatui, sie da hunc 
populo. Cic. p. Ligar. c. ult. — So könnte man im echten La* 
tein sagen: Pilatus Barrabam concessit Iudaeis." Denn solche 
Artikel kann die Synonymik nicht berücksichtigen. Concedere 
hat an sich gar nichts mit dem Begriff absolvere zn schaffen, 
eher könnte man dimittere\ missum facere, aber auch diese 
nicht, mit absolvere in ein synonymes Verhältnis» bringen. Das« 
aber dieses concedere ein absolvere hier zufällig involvirt, gehört 
gar nicht zur Sache; nach demselben Principe musste auch dare, 
'wie die citirte Stelle Cicero's beweist, in ein gleiches Verhältniss 
gebracht werden. Concessisti illum senatui heisst im Lateini- 
schen immer und ewig nur: du hast ihn dem Senate überlassen, 
der ihn sich ausbat , wenn man auch im Deutschen übersetzen 
kann: du hast ihn dem Senate zu Liebe freigegeben. 

Auch Artikel 15. lässt Manches zu wünschen übrig. Dort 
heisst es unter Anderm: »Contingil wird von glücklichen und 
evenit von gleichgültigen Ereignissen gebraucht." Dass erstere 
Bemerkung nicht richtig sei, haben wir bereits oben gegen Dö~ 
derlein geltend gemacht; wohl wird ein Zusammentreffen, 
ein Zutreffen in der Regel erwünscht kommen, allein dass 
das Glückliche dem Worte nicht an sich anklebe, ist durch 
Stellen bewiesen worden. Noch auffallender ist es, wenn 
Hr. H. ebend. S. 11 fg. noch im J. 1839 einen Unterschied zwi- 
schen usu venire und usu evenire synonymisch begründen will, 
ohne nur mit einem Worte zu erwähnen, dass die Wendung usu 
evenire von vielen und namhaften Gelehrten gar nicht als eine 
lateinische anerkannt worden ist; man vergl. nur Orelli in der 
Einzelausgabe von Cicero's Tnscul. (Zürich 1829) S. 354 — 356. 

Art. 18. Acclamatio. Plausus. durfte , wenn überhaupt jene 
Wörter synonymisch zu scheiden waren, das Wort favor nicht 
fehlen, da es zu Ende von Cicero's Laufbahn im Sinne einer 
äussern Beifallsbezeigung gebraucht zu werden anfing, vgl. Cic. 
pro P. Sestio 54, 115. Quid ego nunc dicam, quibusviris aut 
cui generi civium maxume applaudatur? und sodann: eivero, 



Habicht*» synonym. Handwörterbuch der lat. Sprache. 53 

gut pendet rebus levissumis, qui rumore et, ul ipsi loquuntur, 
favore populi tenetur et ducitur, plausum immortalitatem , sibi- 
lum mortem vtderi necesse est, vgl pro Rose. Com. 10, 29. 
Quam enim rem et exspectationem, quod Studium et quem 
favorem secum in scaenam aituUt Panurgus und Spalding. ad 
Quintil. vol. III. p. 239. 

Sonderbar nimmt sich Art. 20. & 14. das Wort arripere 
neben accusare und arguere aus, da arripere, nämlich in iutti- 
cium oder accusandi causa , doch gar nichts an sich mit jenen 
beiden Wörtern gemein hat und fast noch eher vocare wegen des 
häufigen in ius vocare, oder wenigstens letztere Wendung zu- 
sammen, hier hätte angeführt werden können. 

Ueberflüssig waren Artikel, wie der 30. ,j Actor. Adiutor. 
War ein Vormund krank , so besorgte ein von dem Prätor ange- 
setzter Stellvertreter die vormiindschaftlichen Geschäfte« Der- 
selbe hiess actor bei gerichtlichen, adiutor bei bürgerlichen' 
Handlungen. S. Heiheccii antiquit. Rom. syntagma ad Instit. 
üb. I. tit. 23. § H.'S weil in ihm nicht der eigentliche Wortsinn 
erläutert, sondern nur ein zufälliger gerichtlicher Gebrauch an- 
gegeben wird, und dieses Feld sich aus den römischen ge- 
richtlichen Alterthümern bis in's Unendliche" vermehren Hesse. 
Dazu haben in jenem Falle actor und adiutor, was Hr. H. nicht 
einmal entwickelt hat, ihre ursprünglichen Bedeutungen nicht 
verloren. Actor war der Vertreter, der anstatt eines Andern 
dessen Geschäfte fiihrte, adiutor nur der Gehülfe, der bei dem 
Geschäfte, was der Andre vornahm, mithalf. Es ist also hier 
die ursprungliche, in jedem Lexikon angegebene Bedeutung fest- 
gehalten und nur auf ein gerichtliches Verhältnis« angewendet, 
welcher Fall sonach nicht besonders in der Synonymik aufzu- 
führen war. 

Wenn sich ferner bei Hrn. H. S. 21« die Angabe findet: 
„Bei Anführungen von Schriftsteilern wird nur apud gebraucht, 
doch voii neuem Latinistcn auch in mit dem Ablativ, z. B. legitur 
apud Terentium und in Terentio", so kann man billig fragen: 
Wozul Auf den Sprachgebrauch der Neuem war doch in einer 
lateinischen Synonymik nicht Rücksicht zu nehmen. 

Auch Art. 38. stellt sehr leicht zu unterscheidende Begriffe 
zusammen in den Wörtern: Adimere. De-, Diripere. Furari. 
Lairocinaru Rapere. Surripere. und lässt dazu noch einen Be- 
griff fehlen, der mit furari, rapere häufiger noch zusammensteht,' 
nämlich auferre. Diese und andre Artikel konnten entweder 
ganz wegbleiben oder mussten auf eine Minderzahl von Wörtern 
reducirt werden. 

Besonders aufgefallen ist Rec. auch Art. 59. Aerarium. 
Ft8cu8, woselbst es heisst: „In der Zeit der römischen Repu- 
blik war aerarium die Casse von Privatleuten, ./fcc«« die des 
Staats, so genannt, weil man bei den Römern das Geld in 



54 Lateinische Sprachwissenschaft 

fiscos oder Weidenkörbe, wie bei uns in Säcke, fasste u. s. w. u 
Zwar konnte aerarium nöthigenfalls auch von der Schatzkammer 
von Privatleuten gebraucht werden, obschon in der guten Zeit 
der Römer wohl nur Wenige eine besondere Schatzkammer 
nöthig hatten ; allein es galt doch von jeher dieser Ausdruck vor- 
zugsweise dem Staatsschatze, was aus unzähligen Stellen 
der Alten abzunehmen ist. Fiscus bedeutete aber nie_zur Zeit 
der Republik die Staatscasse, wie Hr. H. will, sondern in ge- 
wissen Fällen wird durch den Ausdruck fis cm«, der Korb , -worin 
öffentliche Gelder verpackt wurden, nur auf den Ursprung einer 
Geldsendung hingewiesen, wie bei Cic. Accusat. üb. III. cap. 85. 
§ 197. Quaternos HS, quos mihi senatus decrevit, et es aera- 
rio dedit, ego habebo et in cistam transferam defisco, woselbst 
aber unter fiscus an sich nicht die Staatscasse verstanden wird, 
sondern nur 'die Schatulle, in welcher das Staatsgeld versendet 
war, zugleich aber, wie dies in der Ordnung war, durch aerarium 
die Staatscasse bezeichnet ist. Als man aber unter den Kaisern 
anfing, ausser der Staatscasse, über weiche dem Kaiser als Staats- 
oberhaupt die Verfügung zustand, noch eine kaiserliche Privat- 
casse zu bilden, so hiess die erste, wie schon zur Zeit der Re- 
publik , aerarium fort , die letztere von ihrem Aufbewahrungsort 
aber fiscus, Schatulle des Fürsten im engern Sinne. Der Irrthum 
bei Hrn. H. ist so gross, dass ich ihn für einen Schreibfehler 
erklären würde , wenn nicht die ganze Darlegung seine Angabe, 
welche, wie ich jetzt eben sehe, dem ungenauen Dumesnii 
(s. Dumesnii - Ernesti Bd. 2. S. 52. „Vor Cicero's Zeit war fiscus 
die Staatscasse und aerarium die Casse von Particuliers.' fc ) nach* 
geschrieben ist, als eine absichtliche crscheinenliesse. 

Artikel 72. Agnoscere. Cognosöere. Pernoscere. Recogno- 
scere. würde man ebensowenig vermisst haben, und Art. 99. Arni- 
ms. Coniunctus. Familiaris. Gratus. Hospes. Intimus. Necessa- 
rius. ist wenigstens zu weit ausgesponnen. Sonderbar finde ich 
auch Art. 107. Anclabris. Mensa sacra , da das erste Wort wohl 
mir auf Festus' Auctorität beruht und so einzeln Stehendes zur 
Aufnahme in die Synonymik minder passend scheint. * Art. 117. 
Annuntiare. Denuntiare. E-, Ob-, Pro-, Renuntiare. war 
keineswegs in jener Ausdehnung zu geben, zumal der Unter- 
schied meist auf der vorgesetzten Präposition beruht. Der fast 
nur landwirthschaftliche 130. Artikel : Arare. Iterare 8. offrin- 
gere. Proscindere. Tertiare. gehörte wohl ebenfalls weniger in 
eine allgemeine lateinische Synonymik. 

Es würde ans zu weit führen, noch mehrere einzelne Artikel 
hervorzuheben; wir glauben die von uns oben aufgestellte Be- 
hauptung, dass weniger eine sorgfältige Auswahl bei Aufnahme 
der einzelnen Artikel in's Werk obgewaltet haben möge , als viel* 
mehr ein gewisser Zufall, herbeigeführt dadurch, ob schon synony- 
mische Bestimmungen über einen Gegenstand sich vorfanden oder 



Schmalfeld: Lateinische Synonymik. 55 

nicht, genugsam mit Vorstehendem gerechtfertigt zu haben. 
Hätte Hr. H.* also manchen überflüssigen Artikel weggelassen, 
andre gedrängter gegeben , so würde er Platz gewonnen und auch 
solche Wörter mit haben aufnehmen können , die man jetzt ver- 
geblich in dem Werke sucht. 

So vermiest man in dem Werke eine Zusammenstellung der 
Wörter ferre, tolerare^ sustinere^ während sich nur ein Artikel 
Ferre. Patu Sinere. S. 243. findet, veranlasst und lediglich sich 
anfügend der Ciceronischen Stelle aus Catilinaria I, 5. p. init. 
Non f er am, non patiar, non sinam. S. 93. findet man Andere, 
Conari. Moliri. Niti. zusammengestellt, es fehlen aber animum 
inducere, sustinere u. s. w. in der Bedeutung über' 8 Herz 
bringen. Ueberhaupt fehlen öfters Wörter gänzlich, die mit 
Recht von den übrigen Synonymikern in den Kreis 'ihrer Unter- 
suchungen gezogen worden sind , wie z. B. contaminare , ingui- 
nare, polluere; ferner fehlt acceptus neben gratus, iucundus 
u.s. w., adigere, cogere, welches letztere nur im Sinne von 
völligere S. 142 fg. eine Berücksichtigung gefunden hat ; es fehlt 
efn Artikel wie affari, allogui, appellare; agrestis, rmticm, 
rusticanus u. s. w. Leicht kann diesem Uebelstande in einer 
neuen Auflage* die wir dem Werke bald wünschen, abgeholfen 
werden , wenn nur die allzu einzeln stehenden Wörter beseitigt 
und dafür häufig gebrauchte aufgenommen werden. Gewiss wird 
der fleissige Hr. Verf. in der neuen Auflage Dinge verbessern, die 
nach den neuesten Forschungen gradezu unrichtig sind, wie 
z. B. die Annahme einer synonymisch von discidium zu unter- 
scheidenden Form dissidium, die nach Madvi-g's Excurs IL 
zu Cic. de finib. p. 812 — 815. in Wegfall kommen muss, oder 
die nöthigen Nachträge geben, wie z. B in Bezug auf den im 
Ganzen sehr gut entwickelten Unterschied von ignominia und in- 
famia (Art. 521.) die Bemerkung, dass die ignominia wieder auf- 
gehoben werden konnte, die infamia ewig anklebte, worüber 
man vergleichen kann C E. Jarke: Versuch einer Darstellung 
des censorischen Strafrechts der Römer (Bonn 1824) S 96 fgg., 
meine Bern, zu Cic. sämmil. Reden Bd. I. S. 624 fg. Nichts mag 
der Hr. Verf. unterlassen, das Blich immer auf dem Standpunkte 
zu erhalten , den der stete Fortschritt der Wissenschaft verlangt. 

Was ferner Nr. V. anlangt, so stimme ich im Allgemei- 
nen vollkommen mit dem Lobe überein, welches ein andrer Rec. 
in diesen NJbb. Bd. 19. S. 115 fgg. der lateinischen Synonymik 
von Schmalfeld ertheilt hat, kann aber doch nicht verhehlen, 
dass das Buch im Einzelnen noch gar Manches zu wünschen 
übrig lässt, und auch noch in seiner dritten Auflage nicht selten 
Spuren von Flüchtigkeit zeigt, die jetzt wohl hätten verwischt 
sein können. Doch wollen wir dem fleissigen, unterrichteten und 
strebsamen Hrn. Verf. mit diesem Ausspruche nicht wehe thun, 
sondern , ihm zu einer baldigen neuen Auflage Glück wünschend, 



56 Lateinische Sprachwissenschaft. 

lieber auf einige von diesen schwachen Seiten seiner Schrift hin- 
weisen, damit er, künftighin selbst achtsamer, in der neuen Bear- 
beitung Alles das entferne, was jetzt noch stört. 

Spuren von Fluchtigkeit sind es aber jedenfalls, wenn der 
Hr. Verf. seinen Vorgangern ohne genauere Prüfung offenbare 
Unrichtigkeiten nachschreibt, wie z. B. Art. 379. S. 237., wo 
Hr. Seh. ganz so, wie Do derlei n Bd. 2. S. 67. citirt hatte, 
wahrscheinlich aus einem altern Synonymiker: Cic. Somn. 3, 8. 
Luna lucere luce aliena dicilur , quod a sole lumen suum mu~ 
tuetur, selbst auch „Cic. Somn. Scip. 3. Luna lucere luce aliena 
dicitur, quod a sole lumen suum mutuetur" wörtlich nach* 
schreibt, gleich als ob dies Alles Worte Cicero's wären, der au 
jener Stelle nur giebt: quae ultuma a caelo, cituma a terris, 
luce lucebat aliena, wie wir bereits oben gegen D. bemerkt 
haben. War es nun schon eine Nachlässigkeit von Hrn. Döder- 
iein, der jedoch dieses Versehen neuerdings in sein Handbuch 
nicht hat übergehen lassen, so ist es eine noch weit grössere von 
Hrn. Schmalfeld, der demnach nicht einmal in der dritten 
Auflage die von ihm aus Andern aufgenommenen Stellen nachge- 
schlagen hat. Man möge uns nicht einwenden, dass dies Ein- 
zelheiten seien; Rec. wurde dergleichen Dinge in seiner Re- 
cension nicht an. die Spitze gestellt haben, wenn sie nicht öfters 
wiederkehrten. So citirt Hr. Schm. wieder Art. 465. S. 295. 
„Ridebant convivae, cachinnabatur ipse Apronius. Cic. Verr. 
III, 25." Auch hier schrieb er seinen Vorgangern blindlings nach 
und änderte die falsche Lesart derselben in 'eine noch fehler- 
haftere um, ohne auf die Quelle selbst zurückzugehen. D ö der- 
lei n Bd. 3. S. 251. sowie Ramshorn Bd. 2. S. 464. (in dem kl. 
Werke S. 302.) hatten nämlich fälschlicher Weise citirt: Cic. 
Verr. III, 25. Ridere convivae, cachinnari ipse Apronius, dar- 
aus machte nun Hr. Schm. seine Lesart, indem er den Infinitivus 
historicus, um seinen jungern Lesern verständlich zu sein, in 
das Imperfectum umwandelte. Hätte er die Stelle selbst nach- 
geschlagen, so würde er gesehen haben, dass an derselben alle 
Handschriften nicht cachinnari, sondern cachinnare lesen , und 
dass er wenigsten?, wollte er sich dergleichen Aenderung über- 
haupt erlauben, cachinnabat hätte schreiben müssen. Da nun 
aber in der ganzen Latinität, ausser in jener früher corrupten 
Stelle Cicero*s, nur die Activform cachinnare vorkommt, so 
■ musste durchaus blos cachinnare von ihm angeführt werden. 
Ueberhaupt hat Hr. Schm., was ich hier beiläufig bemerke, die 
Begriffe nicht gehörig geschieden, wenn er sagte: „Ridere 
lachen; cachinnari, xay%aXäv, laut lachen, jubeln." Denn 
erstens ist jubeln ganz etwas Anderes als lachen , sodann ist laut 
lachen für cachinnare in vielen Stellen noch zu wenig, es ist 
nicht blos ein lautes Lachen — denn jedes Lachen ist dem 
Lächeln gegenüber laut — , sondern es ist ein heftiges, aus- 



Schmalfeld: Lateinische Synonymik. . 57 

gelassenes , unanständiges Lachen , oder, wie man in einigen 
Provinzen Deutschlands spricht, ein Ködern, wie sich von 
selbst aus der von Hrn. Schon, mit Unrecht nicht aufgenommenen 
Steile aus Cic. Tusc. IV, 31, 66« tarnen in eis ipsis (Jbonis) po- 
tiundis exsullans gestiensque laetitia turpis est, ut si ridere .con- 
cessum sit, vituperetur tarnen cachinnaiio ergeben hatte' Doch 
werden wir spater Mehrere» der Art noch zu berühren haben; 
ich kehre jetzt zu der mehr in Aeusserlichkeiten sich zeigenden 
Flüchtigkeit des Hrn. Verf. zurück, damit man nicht sage, der- 
gleichen Versehen stehen einzeln und müssen nachsichtsvoller 
benrtheilt werden. Denn Art. 377. S. 236. lesen wir wieder: 
^Aerem amplectitur immensus aether. Cic. Nat. D. II, 36." Nun 
ist es aber doch hinlänglich bekannt und durfte am allerwenigsten 
einem praktischen Schulmanne entgehen, dass «er, aether bei 
Cicero und den guten Prosaisten überhaupt nicht airem und 
aether em, sondern aera und aether a im Accusativus haben. 
Auch hier zeigt es sich , dass Hr. Schm. mit einer gewissen Un- 
achtsamkeit seinen Vorgängern folgte, die aus eigner Machtvoll- 
kommenheit jene Stelle Cicero's so zugestutzt hatten, wie z. B. 
Ra ms hörn Bd. 1. S. 45. Art. 64. (im kl. Werke Art. 42. S. 14.) 
auf gleiche Weise citirt. Bei Cic. de nat. deor. II, 36, 91. steht 
nun aber nicht aerem, sondern sich auf das Vorhergehende be- 
ziehend sagt Cicero dort: Hunc rursus amplectitur immensus 
aether etc., was auf animali spirabilique natura , cui nomen est 
aer etc. zurückgeht. Da nun aber, wie bemerkt, Cicero sonst 
stets aera, nicht aerem, im Accusativus bildet, wie z. B. de nat. 
deor. I, 10, 26. Post Anasimenes aera deum statuit etc. und 
cbendas. 15, 39. tum ea, quae natura fluerent atque manarent* 
ut aquam et terram et aera etc. , ferner in den Arateis v. 48. 
(282.) Quae volat et setpens geminis secat aera pennis — denn 
anderwärts kommt der Acc. bei ihm nicht weiter vor, da auch de 
nat. deor. I, 15, £0., woraus sich bei Nizolius und sonst citirt 
fand : aerem , qui per mare manaret , Neptunum esse disputat 
Chrysippus^ nicht dies, sondern: quique aer per mare mana- 
ret , eum Neptunum esse geschrieben steht — und ebenso Ci- 
cero von dem sinn- und formverwandten aether den Accusativus 
aethera , nicht aether em braucht , wie de nat. deor. 1, 15, 39. 
u. 40. diese Form sich findet, so musste also auch Hr. Schm., 
wollte er jenes Beispiel selbstständiger geben, schreiben: Aera 
amplectitur immensus aether etc. Mögen dies Kleinigkeiten sein, 
so- sind es doch solche Kleinigkeiten, die grade jungen Leuten 
nicht falsch vorgemacht werden dürfen. Es ist deshalb immer 
tadelnswerth, in solchen Dingen Unrichtigkeiten sich zu Schul- 
den kommen zu lassen. Mit gleicher Nachlässigkeit heisst es 
an einer andern Stelle bei Hrn. Schmalfeld (Art. 153.) 
S. 97.: „Cic. Tusc. 11,22, Marius, rusticanus »tr, sed plane 
virfuit. Id. Deiotarus optimus paterfamilias et diligentiasimus 



58 Lateinische Sprachwissenschaft. 

agricola et pascuarius habebatur." Wir wollen nichts darüber 
sagen, ob es nicht richtiger, ja auch pädagogischer gewesen wäre, 
die erste Stelle Cicero 's aus Tusc. II, 22, 53. lieber so abzu- 
kürzen: C. Marius, rusticanus vir, sed plane vir, cum secaretur 
-— vetuit se adligari, weil so es deutlicher hervorgetreten sein 
wurde, dass rusticanus auf die grössere Abhärtung der Landleute 
hinzeige, sodann auch dem Schüler ein ganzes Bild mit wenig 
Worten vorgeführt worden wäre; doch abgesehen davon, welche 
Nachlässigkeit des Hrn. Verfassers zeigt sich an dem zweiten Bei- 
spiele! Warum ward zuvörderst hier blos „Id. u citirt, ohne An- 
gabe der Stelle , aus welcher Schrift Cicero's , was doch sonst in 
der Regel im Buche geschieht? Warum aber auch sogar ein' 
ganz unlateinisches Wort pascuarius in Cicero's Rede eingesetzt? 
Hätte Hr. Schm. nur einige Aufmerksamkeit der Stelle geschenkt, 
so würde er neben ihrem Platze pro Deiotaro 9, 27. auch die 
richtige Lesart pecuarius statt des Undings pascuarius gefunden 
haben. Denn dort heisst es: ut non solum tetrar cha nobilis, 
sed optumus paterfamilias et diligentissumus agricola et pecu- 
arius hoher etur. Mit gleicher Nachlässigkeit findet sich Arti- 
kel 314. S. 197. das Citat: „Solum tarn esile et macrum est, 
quod arairo perstringi non possit. Cic. Agrar. II, 15." Hier 
geben die Worte Cicero's, wie sie Hr. Schm. angegeben, er-' 
stens gär keinen Sinn, zweitens ist auch das Citat selbst 
falsch. Die Stelle findet sich de lege agrar. II, 25 (nicht 15), 67. 
Quod solum tarn esile et macrum est, quod aratro perstringi 
non possit ? 

Ueberhaupt ist Hr. Schm. bei der in den meisten Fällen 
allerdings unerlässlichcn Abkürzung der angeführten Beispiele 
nicht glücklich gewesen und . zeigt leider dabei auch nicht 
selten, dass ihn kein tieferes Sprachgefühl dabei geleitet 
hat. So citirt er S. 26. aus Cic. Or. II, 1. Nobis opiniofuit, An- 
tonium omnino omnis erudilionis expertem fuisse, obschon in 
der Stelle Cicero's: Magna, nobis pueris — opiniofuit — M. 
Antonium etc., nobis pueris Ablativ ist und nur zur Zeitbestim- 
mung dient, offenbar also Cicero's Worten durch jene .Decur- 
tation etwas ganz Anderes und noch dazu Falsches untergelegt 
wird. Mag das in Bezug auf das synonymisch behandelte Wort 
gleichgültig Bein, so ist es doch nicht in allgemein sprachlicher 
Hinsicht; und wozu soll der Schüler Stellen, die ihm vielleicht 
später einmal selbst vorkommen, falsch auffassen lernen? Etwa, 
ut dedocenda discat ? Auch billige ich Ergänzungen , wie z. B. 
S. 34. „Si scrobibus superabit terra repletis, spissus ager [durch 
Druckfehler steht bei Hrn. Schm. agger] est. Virg. Georg. II, 
235.", keineswegs. Mag immerhin der junge Leser als Abwechs- 
lung und Aufmunterung den metrischen Rhythmus vernehmen 
und sich wohl auch einmal an einer nicht sofort deutlichen Stelle 
etwas plagen müssen, ich würde einfach citirt haben: sin — 



Schmalfeld : Lateinische Synonymik. 59 

scrobibus superabit terra repletis, Spissus ager. Virg. Georg. 
II, 235 sq. Auch S. 39. war in dem Beispiele ans G i c. pro Ar eh. 
3. (§ 4) die handschriftliche, wenn auch etwas schwierige Les- 
art : Post in ceteris Asiae partibus eunet aeque Graeciae 
— eiv8 adventus celebrabantur etc. , welche mit Recht auch die 
neuesten Herausgeber festgehalten haben, beizuhalten, und nicht 
eunetaque Graecia zu schreiben« Ziemlich nachlässig ist auch 
S. 59. aus Cic. Tusc. V, 20. angeführt: Dionysius a filiabus 
suis, quum tarn essent adullae, ferrum removü. Denn dort 
heisst es im ganzen Zusammenhange: Quin etiam ne tonsori Col- 
lum committeret, tondere filias suas doeuit. Itasordido an- 
cillarique artificio regiae virgines, ut tonstriculae, tondebant 
barbam et capillum palris. Et tarnen ab his ipsis , quotn tarn 
essent adultae, ferrum removü etc. * Dass die Stelle verkürzt 
werden musste, versteht sich von selbst; allein es musste doch 
im Sinne und der Sprechweise des ursprünglichen Verfassers ge- 
schehen , und so war offenbar nicht a fitiabus suis zu schreiben, 
welche Form Cicero nach der gebildeten Sprache seiner Zeit hier 
nicht setzen konnte, und überhaupt absichtlich vermieden zu 
haben scheint; 8. K. L. Schneider' s Formentehre der tatein. 
Sprache Bd. I. S. 26., R am s hörn Lat. Gramm. S. 41. Auch 
S. 75. war in dem Beispiele aus Cic er o ' s Tu sc. IV, 31. wohl die 
handschriftl. Lesart: confidere decet, timere non decet, die 
auch Moser neuerdings nach des Rec. Vorgang anerkannt hat, 
beizubehalten, statt der unnützen Conjectur: cavere decet etc. 
Doch dies mag noch gehen; lesen wir aber bei Hrn. Schm« 
S. 76. fernerweit folgendes Kauderwelsch : „V i r g. Aen. HI, 4 r 
37. Verendi maior quaedam vis est, quam colendu Cic. Amic. 
83. Iunonis primum prece numen adora", so weiss man in der 
That nichts ,was man von dem Fleisse und der Sorgfalt des Hrn. 
Verfassers, mit welcher er bereits zum dritten Male vor dem • 
Publicum erscheint, sagen soll. Denn abgesehen davon, dass 
auch die Buchdruckerei dabei einige Schuld haben mag, und es 
sich durch eine Conjectur leicht finden lä'sst, dass das erste Citat * 
heissen soll: Virg. Aen. III, 437. Iunonis magnae primum prece 
numen adora, was macht man mit den Worten: Verendi maior 
quaedam vis est^ quam colendi r die nach des Hrn. Schm. unge- 
wisser Angabe, wie es scheint, aus Cic. de amic. [doch wohl § *?.] 83., 
entlehnt sein sollen? Auch hier muss wieder die Conjecturalkritik 
nachhelfen. Wahrscheinlich hatte Hr. Schm. oder der Synony- 
miker, aus dem er corapilirte, Cic. de amic. cap. 22. § 82. vor 
Augen, woselbst die Wörter colere und vereri sich also entgegen- 
gestellt sind: neque solum colent inter se ac diligent, sed etiam 
verebuntur, verwechselte aber, als er die Stelle eintrug, die er 
zu seinem Buche benutzte,. die Erklärungsworte irgend eines 
Interpreten: Verendi maior quaedam vis est^ quam colendir 
mit den Textesworten, wie solches ihm im Vereine mit Hrn. Död. 



60 Lateinische Sprachwissenschaft. 

auch mit der oben erwähnten, aus Cic. Somn.'Sc. 3, 8. angeführten 
Stelle ergangen ist. Aber welche Nachlässigkeit ! Nimmt man nun 
su diesen grobem Verstössen noch hinzu , dass in den einzelnen 
angeführten Stellen gar oft Wortstellungen sowohl, als andre Aeus- 
serlichkeiten ganz ohne Noth verändert worden sind, wie z. B. 
S. 249. aus Terent. Andr. 1, 1, 117. citirt wird: Venu ad me 
postridie clamitans, obschon alle glaubwürdigen Ausgaben und 
Handschriften lesen: Venit Chremes postridie ad me clamitans, 
weshalb wenigstens: Venit postridie ad me clamitans zu citiren 
war, wie ferner S. 443. aus Terent. Andr. III, 5, 2. citirt wird: 
Peru, atque hoc confiteor iure mi obligisse, quandoquidem tarn 
iners, tarn nullius consilii sum, statt des zum Verse not- 
wendigen tarn riulli consili sum, was doch Schüler der Gelehrten- 
schulen, für welche Hr. Schm. schreibt, verstehen lernen müssen, 
so wird wohl des Rec. Verlangen billig sein, das er hiermit an den 
Hrn. Verf. förmlich und öffentlich stellt, dass derselbe, -bevor er 
das Publicum mit einer neuen Ausgabe, die wir seiner Schrift auch 
um ihrer selbst willen bald wünschen, beschenkt, die Anführungen 
Stelle um Stelle noch einmal nachschlagen , die Fehlgriffe besei- 
tigen, die Citate berichtigen und, wo es nöthig ist, besser ge- 
stalten möge! Sollte das in einer neuen Auflage gegen des* Rec. 
Erwarten nicht geschehen , so wird er Hrn. Schm. noch stärker 
zurecht zu weisen wissen. Aber nicht Mos an den Hrn. Verf., 
der bei seiner im Uebrigcn aufgewendeten Mühe noch zu ent- 
schuldigen ist, musste Rec. im Interesse der Wissenschaft und 
des Publicum« diese Mahnung richten, sondern er muss ein Glei- 
ches auch gegen den Hrn. Verleger aussprechen, der mit dieser, 
dritten Auflage sündhaft verfahren ist. Wir wollen nicht davon 
sprechen, dass die Schrift schärfer, der Abdruck selbst besser 
sein sollte — denn an ein Schulbuch, das zugleich billig sein soll, 
ist Rec. dergleichen Anforderungen zu machen nicht gewohnt — , 
aber was ist für eine Correctur durch das ganze Buch hindurch 
geübt worden? Die S. 505. und 506. beigegebenen Zusätze und 
Berichtigungen enthalteu kaum ein Zehntheil der groben Druck- 
versehen, die den Gebrauch der Schrift nicht nur stören, sondern, 
nach des Rec. Ueberzeugung, für jüngere Leser fast unmöglich 
machen. Auch ist diese grenzenlose Nachlässigkeit des Hrn. Ver- 
legers um so auffallender, da bereits von dem frühern Rec. in 
diesen NJbb. Bd. 19. S. 117. dieselbe Rüge nachdracksvoll aus- 
gesprochen worden war, er also zu gesteigerter Aufmerksamkeit 
sich verpflichtet fühlen musste. Damit meine Rede nicht zu 
übertrieben erscheine, will ich nur die nicht angezeigten 
Druckversehen hier aufführen , welche sich dem Auge des Rec 
bei ganz flüchtiger Durchsicht unwillkürlich aufgedrängt haben. 
ß. 2. Z. 32. steht tetuast.de tua. S. 6. Z. 2. u. 3. v. u. steht 
&i>Qa st. üvqcl, ovo* st frva. S. 10. Z. 24. $d(p st. £da>. ebend. 
Z. 8. v. u. iiaoiö&ai 8t ptttutöai. S. 11. Z. 29. Divin. II, 29. 



Schmalfeld : Lateinische Synonymik« 61 

st. Divin, I, 29. S. 15. Z. 6. polest, st. polest? S. 19. Z. 20. 
Spiritu 8t. spiritu. S. 21. Z. 22. obsidendam a fundamentis st. 
obsidendam, a fundamentis. S. 27. Z. 2. Ter Heaut. st. Ter. 
£fe<ztfl. S. 32. Z. 1. u. 2. mirißcies st. mirificis. S. 41. Z. 18. 
apellare st. appellare. S. 44. Z. 22. vestes famulari st. roste 
famulari. S. 63. Z. 17. naturem st. naturam. ebend. Z. 9. v. u. 
fepog st. fepo'g. S. 76. III. 4. 37. st. III. 437. [davon ist oben aus- 
führlicher die Rede gewesen, ausserdem sind wohl erst in der 
Buchdruckern die Zeilen versetzt worden.] S. 78. Z. 28. auras 
st. aures. S. 83« Z. 17« autoritate st. auctoritate, wie der Hr. 
Verf. sonst immer schreibt. S. 97. Z. 25. essent. Latine st. 
essent, Latine. S. 108. Z. 14. v. u. ambutate st. amputare. 
S. 185. Z. 3. ▼. ii. Nogotiatiores st. Negotiatores. S. 210. Z. 8; 
Ter /%orm. st. Ter. PAorro. Z. 6. v. u. a/iewtV st. aliquid. S. 229. 
Z. 24. martere st. manare. S. 236. Z. 2. v. u. kevxog st. Awxog. 
S. 237. Romo st. Roma. So geht es das ganze Buch hindurch, 
und selbst noch im Index zeigen sich bei dem oberflächlichsten 
Gebrauche dieselben Mängel, wie S. 463. Sp. 1. Z. 15. 146 st. 
147. S. 484. Sp. 2. Z. 9. v. u. lychnis st lychnus. So Vieles 
und so Auffallendes stiess uns fast gegen unsern Willen ausser 
den bereits in den Zusätzen bemerkten Fehlern auf, und wer 
noch mehr haben will, mag das Buch selbst einsehen. Kann 
man nun da nicht billig an den Hrn. Verleger die Frage stellen, 
warum er bei einem Werke, das er zum dritten Male druckt, 
nicht einmal die Achtung vor dem gelehrten Publicnm hatte, für 
eine gute Correctur zu sorgen? Wendet er uns ein, dass das 
Buch zu Erfurt, nicht unter den Augen des Hrn. Verfassers ge- 
druckt worden sei , so kann man füglich fragen , warum er sich 
nicht in einem solchen Falle an einen tüchtigen Erfurter Schul- 
mann gewendet habe, wie z. B. der gelehrte Kritz ist, der ge- 
wiss , um der gnten Sache willen , eine Revision nicht abgelehnt 
haben würde. Meint er, dass durch eine bessere Correctur der 
Preis zu hoch geworden sein würde, so ist er sicher im Irrthume. 
Denn Jedermann wird lieber einige Groschen mehr bezahlen , als 
einen so fehlerhaften Druck gebrauchen wollen. Also auch an 
den Hrn. Verleger geht die Mahnung, künftighin mehr Sorgfalt 
auf den Druck des Werkes zu verwendeu. 

Wenden wir uns von diesen Aeusserlichkeiten ab und mehr 
einmal dem eigentlichen Kerne des Werkes zu , so wollen wir 
zwar des Hrn. Verf. Streben, seinem Ziele so nahe als möglich 
zu kommen, nicht verkennen, können aber doch nicht umhin, ihn 
auch hier auf einige, wie Ree. glaubt, nicht unwesentliche Schwä- 
chen seines Werkes hinzuweisen. So kann sich Rec. mit Artikel 
14. ß. 11. nicht einverstanden erklären, wenn zuerst potus den ein- 
zelnen Trank als Trinken eines Trunkes und als den genommenen 
Trunk, potio das Trinken im Allgemeinen als Handlung, und den 
Trank im Allgemeinen bedeuten soll. Denn mögen diese Wörter 



62 Lateinische Sprachwissenschaft. 

in einzelnen Beispielen scheinbar so aufgefasst werden können, so 
widerstreitet diese Auffassung doch offenbar der Analogie. Potus 
ist das Trinken im weitesten und allgemeinsten Sinne, als starker 
und ungeteilter Begriff, potio bezeichnet die Handlung des 
Trinkens und dient als abstr actum pro concreto auch für den 
Trank selbst", wie in dem Beispiele aus Cic. de ftn. 1, 11. Cibo 
et potione famem sitimque depellimus. Ferner ist temulentus 
falsch mit besaßen wiedergegeben. Es ist dies theils offenbar zu 
stark theiis auch dem Urbegriff jener Endung, die D öd er lein 
sehr richtig gedeutet hat , wenn er sie auf olere zurückführte, 
s. Bd. 1. S. 42. Bd. 5. S. 331. gradezu widerstreitend. Temu- 
lentus bedeutet, den , welcher sein Berauschtsein nicht verheim- 
lichen kann, es vielmehr in seiner äussern Erscheinung deutlich 
verräth, also ganz richtig D ö d e r 1 e i n Bd. 5. S. 331. vinolentus 
und temulentus , d. h. vinum und temetum redolens. In diesem 
Sinne steht nun aber auch grade in dem von Hrn. Schm. ange- 
führten Beispiele das Adjectiv temulentus ganz deutlich da. Denn 
in Cicero' s Rede post redit. in senatoCap. 6. § 13. steht nicht 
etwa, wie Hr. Schm. mit gewohnter Nachlässigkeit citirt: proces- 
sit temulentus , sondern vielmehr: processit — composito capülo, 
gravibus oculis, fluentibus buccis, pressa voce et temulenta. 
Wie passt da Hrn. Schmalfeld's besoffen? Es ist pressa vos et 
temulenta die schwere und. den Rausch verrathende Stimme. 
Aehnlich, wenn schon von der Person selbst, steht nun auch te- 
mulentus bei Cic. pro P. Sestio cap. 9. § 20. qui non modo 
tempestatem impendentem intueri temulentus ^ sed ne lucem qui- 
dem insolitam a&picere posset, er, der den Rausch nicht 
verbergen konnte. Wie temulenta vox von Cicero gesagt 
ward, so brauchte nun auch M. Caelius bei Quinct. IV, 2, 123. 
temulentus sopor auf gleiche Weise, in welchen Fällen insge- 
sammt der Begriff besoffen wie die Faust aufs Auge passt. Diese 
eigentliche Bedeutung des Wortes erkennt auch Piin. h. n. XIV, 
13. s. 14. an , wenn er sagt : Cato ideo propinquos feminis oscu- 
lum dare [tradidit] ut scirent an temetum olerent. Hoc tum 
nomen vino erat, unde et temulentia appellata. Ganz an temu- 
lentus schliesst sich nun auch vinolentus an, was Hr. Schm. eben- 
falls nicht ganz richtig mit: „voll Weins, weinberauscht" wieder- 
giebt, nur dass temulentus, wie temetum, aligemeiner auf be- 
rauschende Getränke hinzeigt, vinolentus specieli auf Wein. In 
der eigentlichen, ursprünglichen Bedeutung steht nun vinolentus 
z. B. bei Cic. in Pison. 6, 13. Me mini st ine — escusatione te uti 
valetudinis, -quod äiceres, vinolentis te quibusdam mejlicamini- 
bus solere curari, wo Arzneien zu verstehen sind, die ein gut Theil 
Weinzusatz haben, also vinum redolent, sodann auch angewandt 
bei Personen, die ziemlich viel Wein haben und in ihrem Zu- 
stande die Wirkungen desselben verrathen, wie z, B. in der auch 
von Hrn. Schm. benutzten Stelle aus Cic. de lege agr. 1, 1, 1. 



Schmalfeld: Lateinische Synonymik. 63 

Haec — iitrum esse vobis consilia siccorum, an vinolentorum 
somnta — videntur ? Hier also , wie öfters anderwärts , musste 
Hr. Schul* mehr in das innere Wesen der behandelten Synonyma 
eingehen ; es genügte durchaus nicht , einige parallele deutsche 
Ausdrücke dagegen zu setzen. 

Im Vorbeigehen bemerke ich, dass Artikel 42. S. 23.' das 
Vf ort fiscus, ein Korb von Weidengeflecht, zumeist zur Aufbewah- 
rung und Versendung des Geldes gebraucht, neben corbis,fiscina 
u. s. w. ganz übersehen worden ist, wiewohl auch eine Erwäh- 
nung des ursprünglichen griechischen , aber in der lateinischen 
Vulgärsprache nicht selten gebrauchten cophinus hierher gehörte. 

Artikel 47. S. 23. ist die Unterscheidung, welche Hr. Schm. 
zwischen artifes und opifes macht , sprachlich begründet und im 
•Ganzen wohl auch von den Lateinern so im Gebrauche beobach- 
tet worden; jedoch hätte er bemerken sollen, dass je nach dem 
Ideengange und Zusammenhange opißces auch von Künstlern höhe-» 
rer Art gebraucht werden könne, was am füglichsten unter Ver- 
weisung auf C i c e r o ' s Tusc. I, 15, 34. Sed quid poetas ? Opi- 
ßces post mortem nobilitari volunt: quid enim Phidias sui sinnt- 
lern speciem inclusit in clipeo Minervae etc. geschehen konnte. 

Bei Artikel 60. Palam, publice etc. S. 34. finde ich die schon 
bei Gelegenheit der Rec. von Ramshom's gross, lat. Synonymik 
in diesen Jahrbb. Bd. 10. S. 125. gerügte Erklärung von palam 
durch öffentlich, vor Jedermann auch bei Hr. Schm. wieder. 
Es durfte nicht jene leicht falsch zu verstehende Bezeichnung ge- 
braucht werden, sondern eher offen, nicht heimlich , daher so 
oft palam et aperte, laut und offen gesagt wird. So in der be- 
kannten Wendung testamentum palam facere, über welche man 
nachsehen kann ü 1 p i a n. Dig. XXVIII, tit. 2, 1. 21. 

Artikel 106: S. 70. hätte wohl sollen von dedicare die erste 
und eigentlichste Bedeutung förmlich und öffentlich an- 
sage n , zu Grunde gelegt werden, wie solche noch in der bekann- 
ten Formel in censu dedicare vorkommt, worüber man unsre Be- 
merkung zu Cicero' s sämmtL Reden Bd. 3. S. 894. einsehen kann. 
Zu den von uns dort angegebenen Stellen füge ich jetzt noch hinzu 
V a rr. L. L. V, 160. ed. O. Müll, et omnes in censu villas inde 
dedicamus aedes. Aus dieser ursprünglichen Bedeutung ist spä- 
ter erst die religiöse erwachsen. Darnach wird sich ergeben, 
dass dicare und dedicare nicht ganz richtig von Hrn. Schm. ge- 
schieden worden sind. 

Artikel 110. S. 73. finden wir folgende Unterscheidungen: 
^Comitart\ selten und bei Dichtern auch comitare, begleiten, d. i. 
nebenhergehen, zur Seite sein. Pco-sequi, begleiten , d. i. als 
Begleitung, meistens Ehren halber, einem folgen. Stipare 
mit einer Schaar umgeben, dass Niemand entwischen oder dazu 
kann." Welche sonderbare Unterscheidung zwischen comitari 
nebenhergehen und prosequi, als Begleitung — einem folgen*? Hr. 



64 Lateinische Sprachwissenschaft. 

Schm. hat gar nicht auf das Wesentliche janer beiden Ausdrucke 
Rücksicht genommen. Denn sowohl qui comitatur, als auch qui 
prosequitur , geht nebenher. Offenbar musste Hr. Schm. so un- 
terscheiden: Comitari (von com-es, der mitgeht) bedeutet mit 
Jemandem eine Reise machen , mit ihm gehen und kommen und 
ihn, wo er auch sein mag, gleichmassig begleiten, prosequi ist nur 
das Geleit geben, so dass man nach einiger Zeit ihn wieder 
vertagst: wenn solches in der Regel ehrenthalber geschieht, so 
liegt dies in der Sache , nicht im Worte. Dabei hätte nun aber 
Hr. Schm. doch nothwendiger Weise auch auf ein anderes Wort 
mit Rücksicht nehmen müssen , was das Gegentheil von prosequi 
bezeichnet, nämlich deducere, das Geleit nach Hause geben. 
Ausser dem ist es sonderbar, dass Hr. Schm. sagt, comitare %z\ 
selten und dichterisch, was wahr an sich ist, dagegen nur ein ein* 
ziges Beispiel anführt, wo grade das Wort comitatus, wie von 
comitare , passiv steht. Es hätte deshalb eine kurze Angabe we- 
gen dieses sogar häutigen Gebrauches von dem Participium Per- 
fecti nicht fehlen sollen; auch war wohl zu bemerken , dass Ci- 
cero da, wo er comitari mit einem Objecte verbindet, was bei 
ihm nnr im übertragenen Sinne geschehen ist, er dies in den Da- 
tivus setzt, wie TuscuL V, 24, 68. tardis enim virtus nonfacile 
comitaiur und ebendas. 35, 100. ceteraque, quae comitantur 
huic vilae. In gleicher Weise war aber über das Zeitwort stipare 
zu bemerken, dass es in unserm Sinne meist nur im Participium 
Praesentis Activi wie stipante cohorte, caterva , oder, wie in dem 
angeführten Beispiele aus Cicero, im Participium Perfecti Passivi 
8tipatu8 gewöhnlich sei. 

. Da Hr. Schm. vorzugsweise, wie auch der Rec. in diesen 
Jahrbb. mit gebührendem Lobe anerkannt , auf die classische La- 
tinität Rücksicht genommen hat, so war wohl auch Artikel 111. 
S. 73. auf den passiven Gebrauch von adulari, z. B. bei Cic. de off, 
1, 25. mit einem Worte hinzuzeigen und die Construction adulari 
alt quem für die classische, s. Cic. de divin. II, 2. in Pison. 41., 
adulari alicui für die minder gewählte Sprache anzumerken. 

Falsch ist es auch, wenn Artikel 113. S. 75. behauptet wird, 
adorare habe ursprünglich anbeten bedeutet; es bedeutete ein- 
fach ansprechen, und ward nur später vorzugsweise von der feier- 
lichen Ansprache an die Götter und in Nachahmung dessen auch 
an Menschen gebraucht. 

Artikel 151. S. 9% kann die Angabe: „situm esse = gele- 
gen sein, von Städten, kleinen Inseln u. dgl." leicht zu Missver- 
ständnissen für den Anfänger Veranlassung geben, der meinen 
könnte, es sei situm esse nur so und nicht anders zu brauchen, wel- 
cher Annahme dagegen die bekannten Wendungen : Hicsitus est etc. 
sodann haec situ sunt ante eculos etc. widersprechen, die freilich 
Hr. Schm. ganz unberücksichtigt gelassen hat. Es musste demnach • 
die Sache allgemeiner gefasst werden: situm esse werde zunächst 



. Schmalfeld: Lateinische Synonymik. 65 

tod einem ganz passiven Gelegtsein gebraucht, wie Bie situs est< 
aef Grabschriften, sodann ernte oculos sita, wie posita, salutem 
in aliqua re sitam esse, wie positam, ferner von Städten, In- 
seln, Personen (wenn dabei auf die Lage als Volk Rücksicht ge- 
genommen wird) n. s. w. 

Zu Artikel 210. S. 134. bemerke ich, dass contaminare ge- 
wiss ursprünglich nicht durch Antasten besudeln hiess, 
sondern durch ein Vermengen verschiedener Dinge durch einander 
verunreinigen, worauf schon das bekannte Ter enzische contaminari 
non decere fabulas führt; worüber man sehe Grauert histor. 
und pkilolog. Analeleten S. 118 fgg., besonders S. 120. 

Wenn Hr. Schm. Artikel 235. S. 146. iychnus gleichbedeu- 
tend mit lucer na erklärt, so mag das dem eigentlichen Wortsinne 
nach nicht falsch sein, allein der Lateiner war gewohnt bei Iych- 
nus an eine Beleuchtung mit höherem Prunke zu denken und so 
musste dies auch Hr. Schm. in Bezug auf Iychnus und lychnuchus 
erwähnen, s. das oben Bemerkte S. 34. *\ Wenn ferner Hr. 
Schm. zu demselben Artikel Anm.*) S. 147. nach Döderlein, 
den er in solchen etymologischen -Beziehungen öfters ausschreibt, 
ohne ihn zu nennen, bemerkt: „Laterna, urspr. Adjectivform, 
ist gebildet von XapntYiQ , wie paternus von äät^o", so hätte er 
zugleich die einzig richtige Schreibart lanterna für dieses Wort 
in Anspruch nehmen sollen. Denn ausser der Etymologie, die je* 
derifalls auf das griechische kJjiita) mit seinen Sippen zurückweist, 
sowie die von fenestra, Fenster^ auf cpalvcs, <pctlvs6&at y führen 
auch die diplomatischen Zeugnisse aus dem Alterthume offenbar 
auf jene Schreibung zurück. So ist nicht nur in Cicero's Rede in 
L. Pison. 9, 20. lanternario nach Cod. Palimps. Taurin. und den 
übrigen glaubwürdigen Handschriften von mir jetzt hergestellt, 
sondern es muss auch ad Atlic. IV, 4, 5. linea lanterna st. linea 
laterna aus Cod.Medic. sine alanterna hergestellt werden. Auch 
nahm schon früher Pareus im Lex. Critic. für Plaut Aul. II J, 
6, 29. quasi lanterna Punica, für Veget. Mit. 4, 18 fin. In 
lanternis portant lucernas, diese Orthographie auf gleiche Weise 
in Anspruch. Nimmt man dazu Gloss. Philoxen. Lanterna, 
(pavog , sowie den Gebrauch der romanischen Sprachen lanterne 
(frz.), lanterna (ital.), so kann kein Zweifel bleiben, dass diese 
Schreibweise die einzig richtige ist« Die Schreibart laterna 
entstand wohl theils durch die Kürzung Interna, theils durch die 
Vulgärsprache, die sich gern Alles leicht «achte, und kam des- 
halb bei den Grammatikern fn einiges Ansehen, weil man laterna 
falschlich auf lateo zurückführte, quod in ea lucerna lateret, 
eine herrliche Ableitung, schlimmer noch als lucus a non lucendo, 
weil man die Laterne anzündet, nicht um das Licht zu verbergen, 
sondern um es erst recht zu benutzen. Ihr widerstreitet bekannt- 
lich auch der Gebrauch der Dichter, die in dem Worte stets die 
erste Silbe lang brauchen. Hr. Schm. durfte also die Schreibung 

N. Jahrb. f. Phil.u. Paed. od. Krit. Bibl.ßd. XL. Hft. 1. 5 



66 Lateinische Sprachwissenschaft. 

lanterna nicht übergehen, die Döderlein Bd. 6: S. 190., der 
ebenfalls noch unentschieden spricht, wenigstens als ebenbürtig 
mit aufführt 

In Berücksichtigung des bessern classischen Sprachgebrauchs 
hätte Hr. Schm. Artikel 260. S. 108. zu infitias ire bemerken sol- 
len , dass die besten Prosaiker sich des Ausdruckes nicht bedient 
haben , und dass er wohl meist der Umgangssprache angehörte, 
die, anfangs durch die Komiker repräsentirt, später auch wieder 
in der Schrift sich geltend machte. 

Vergessen ist Artikel 285. S. 180 fg. bei clangor, sonus etc. 
die Unterscheidung von clamare, vociferari, clamilare u. s. w., 
welche sich auch nirgends anders in dem ganzen Buche findet, 
allein zu wesentlich ist, als dass sie in einer lat. Synonymik fehlen 
könnte. 

Artikel 308. S. 194. war zu su ff teere zu bemerken, dass 
auffielt st. satie est , erst der spätem Prosa angehört. 

Artikel 316. S. 197. ist abundare und redundare nicht ge- 
nug geschieden, wenn es bei Hrn. Schm. heisst: „abundare (von 
unda) abfliessen, austreten, im Ueberfluss da sein, Ueberfluss 
haben; re-d-undare - -. überfliessen , überströmen, auch übertra- 
gen ; beide von unda" Ueber den eigentlichen Unterschied der 
Wörter ist oben gesprochen. Der Zusatz „beide von unda" ist 
bei Hrn. Schm. nach dem Vorhergesagten ganz überflüssig. 

Artikel 326. S. 204. Accidit, contingit etc. fehlt usu venire, 
was neben evenire nothwendiger Weise zu erwähnen war* 

Zu Artikel 335. bemerkt Hr. Schm. in der Anm. 2. S. 211. 
Folgendes: „In den Redensarten, wie: Jemanden glücklich, besser 
u. 8. w. machen, steht facere und reddere; und zwar jenes, wenn 
überhaupt gesagt ist, dass Jemand in einen Zustand komme \ die- 
ses, wenn bezeichnet wird, dass der bisherige Zustand, in welchem 
Jemand etwas war , in den angegebenen verändert wird. Tkemi- 
stocles peritissimos belli navalis fecit Athenienses Nep Them. 2» 
Ferociorem reddidit civil atem und gleich darauf mare tutum 
reddidit. Ibid." Hr. Schm. hat den Unterschied vielleicht richtig 
geahnet, keineswegs aber klar und deutlich angegeben, dabei auch 
über den classisohen Gebrauch der Wörter die gehörigen Bestim- 
mungen ausser Acht gelassen. Der Unterschied besteht keines- 
wegs allein in Rücksicht auf einen frühern Zustand. Denn sowohl 
bei facto aliquem meliorem als auch bei reddo aliquem deterio- 
rem, wird ein früherer Zustand vermöge der Sache selbst, die 
man ausspricht, supponirt, kann also bei der Unterscheidung der 
Ausdrücke nicht besonders benutzt werden. Geht man aber auf 
den eigentlichen Wortsinn beider Wörter zurück, so ist facere 
einfach etwas in einen Zustand versetzen , bewirken , dass etwas 
so und nicht anders sei, bei r edder e wird aber an ein früheres 
Empfangen gedacht und aasgesprochen , dass nach einer zeitwei- 
ligen Behandlung etwas in einem gewissen Zustande gleichsam 



Schmalfeld: Lateinische Synonymik. 67 

wieder abgegeben werde; es wird also die Behandlung einer Sache 
etwas mehr hervorgehoben. So konnte Cicero pro A. Caecina 
10, 28. qui quom ita Vehemenz acerque venisset , ut — etiam 
mihi videretur irasci, ita eum placidum moüemque reddidi, ut 
etc. eben so gut sagen /ect, es wurde demungeachtet der frühere 
Zustand , der ja mit ausdrücklichen Worten bezeichnet worden 
war, auch bei diesem feci nicht in den Hintergrund gestellt wor- 
den sein, durch reddidi zeigt aber Cicero mehr auf die eigent- 
liche Behandlung des Mannes hin. So ad Attic. IX, 17, 2. Tu, 
quaeso\ cogita , quid deinde. Nam me hebetem molestiae red- 
diderunt. Hier konnte nuch fecerunt gesagt werden; dies würde 
bedeutet haben : das Ungemach hat die Einwirkung auf mich ge- 
habt, dass ich stumpf bin; es steht aber reddiderunt , wodurch 
angegeben ist, dass die Einwirkung des Ungemachs von längerer 
Dauer auf Cicero gewesen ist , und dass er durch das dem Unge- 
mach in die Hände Gegebensein, um mich so auszudrucken, in je- 
i nen Zustand versetzt worden ist. Aus diesem Gebrauche geht 

} nun auch wie von selbst hervor, was der gebildete Ausdruck 

sanctionirt hat, dass man statt /actus est melior nicht leicht 
redditus est melior, statt fit melior, nicht leicht redditur melior 
sagte; ein Umstand, den Hr. Schm. mit Unrecht unberücksichtigt 
gelassen hat. 

Bei Artikel 343. S. 216. musste neben coepisse auch auf 
coeptum esse und den verschiedenen Gebrauch der Activ- und 
Passivform für die classische Zeit hingewiesen werden. 

Zu Artikel 348. S. 219. Pergere, continuate gehört noch 
proficisci, wegen pergam und proficiscar ad reliqua u. dgl. mehr. 

Artikel 349. S. 220. ist cunctari ganz falsch erklärt durch: 
„zaudern, d. i. Scheu, Bedenken vor einer Arbeit, Unterneh- 
mung haben , und darum anstehen , sie zu thun". Cunctari — 
coiunctan, coinctari, cunctari, ist an sich halten, und ab- 
sichtlich zaudern, wie ja Hr. Schm. in der Aora.*) (warum 
Dicht im Texte selbst?) richtig angiebt. 

Merkwürdig ist es, dass Hr. Schm. Artikel 360. S. 360 so 
ausführlich über die drei verschiedenen Arten der comitia spricht. 
Dies gehörte in ein Handbuch der römischen Alterthümer, nicht 
in eine lateinische Synonymik. 

Noch bemerke ich , dass Hr. Schm. in der Anmerkung zu 
Art. 430. S. 269. Döderlein's falsche Etymologie von pessum 
dare aus pervers um dure zu der seinigen gemacht hat, ohne 
auch nur seinen Gewährsmann mit einer Silbe zu erwähnen. Wir 
beneiden ihn nicht um diese Acquisition , s. das oben Bemerkte 
S. 25 fgg. 

Wir haben hiermit ungefähr die Hälfte des Buches durch- 
gemustert und, wie das Angegebene beweist, noch so Manches 
auch an dem eigentlichen Kerne desselben entdeckt, was der 
Ueberarbeitung und Nachbesserung bedürfen wird. Indem sich 



68 Lateinische Sprachwissenschaft. 

Rec. vorbehält, die zweite Hüfte des Buches vielleicht bald in 
einer neuen Auflage durchzugehen, die wir dem Werke von 
Herzen wünschen , glaubt er durch seine Rüge eher im Interesse 
des vorliegenden Buches als zu dessen Nachtheil gesprochen zu 
haben , da sich dasselbe nur durch eine angestrengte Sorgfalt des 
Hrn. Verfassers, durch bessere Correctur von Seiten der Verlags- 
buchhandlung auf dem Standpunkte wird erhalten können, 
welchen dasselbe durch die Gunst der Schulmanner, wie wir 
überzeugt sind, auch nicht ganz mit Unrecht, bisher einge- 
nommen hat. 

Was nun endlich die unter Nr. VI. aufgeführte Lateinische 
Synonymik von Ferd. Schultz anlangt, so hat sie der Hr. Verf. 
nach einem streng durchgeführten Plane mit nicht zu verkennen- 
der Sachkenntniss und unleugbarem Lehrtalente zu rein dogmati- 
schem Zwecke ausgearbeitet und, indem er, wie sein zuletzt ge- 
nannter Vorgänger, die alphabetische Anordnung verliess , jedoch 
nicht, wie jener, von Aeusserlichkeiten begann, sondern den 
ganzen StotF in drei Haupttheile (I. Verba S. 1 — 89. , II. Nomina 
S. 90 — 248., III. Particulae S. 249—297.) vertheilte, die ver- 
schiedenen Artikel mehr Von dem innersten Wesen des Menschen 
aus geordnet, so dass er z. B. bei den Verbis mit „1) Cogitare, 
meditari, commentari, deliberare, reputare, sentit & — denken" 
den Anfang macht, sodann mit „2) Meminisse, reminisci, recor- 
dari — sich erinnern" fortgeht und in der Ordnung fortfahrt, dass 
er die Wörter, die ein Erkennen, ein Bemerken, ein Ferste- 
hen, ein Nichtwissen, ein Glauben, abschätzen u. s. w. be- 
deuten , an einander anreiht und an die Innern Thätigkeiten des 
Menschen die äusserlichen , weltlichen und bürgerlichen Hand- 
lungen desselben knüpft, dagegen die Nomina mit „1) Anima, ' 
animus, Spiritus — Geist, Mens, ratio, ingenium, indoles — 
Verstand, geistige Anlage" anfängt, Begriffe, wie Kenntniss, 
Wissenschaft, hehrer, scharfsinnig, listig u. s*-w. folgen lässt 
und sodann nach und nach mehr den Aeusserlichkeiten sich zu-< 
wendet. Hätte mit dieser Anordnung der Hr. Verf. weiter nichts 
gewonnen * als dass seine Reihen etwas consequenter geworden 
als z. B. bei SchmalfeUd , so wäre dieser Gewinn nicht gross , da 
auch nach seiner Ordnung ein Specialindex unerlässlich geblieben; 
allein durch diese Ordnung des vorhandenen Stoffes hat das kleine 
Buch wesentlich gewonnen, weil so die Begriffe, welche in syn- 
onymischer Hinsicht am wichtigsten sind, vorzugsweise einer Be- 
handlung unterworfen, diejenigen Wörter hingegen, welche 
Aussen- und sinnlich- wahrnehmbare Dinge bezeichnen, wie von 
selbst mehr in den Hintergrund gestellt worden sind. Und da 
nun der Hr. Verf. noch ganz absichtlich dahin strebte, Alles, was 
in letzterer Hinsicht überflüssiger zu sein schien , was dem ein- 
zelnen Gebrauche angehörte oder in das eigentliche Bereich römi- 
scher Antiquitäten verfiel, wegzulassen, so hat er ein Werkchen 



Schultz; Lateinische Synonymik. 60. 

geschaffen, das hinsichtlieb der Zusammenstellung des Stoffes 
wenig zu wünschen übrig lässt, hinsichtlich der Scheidung der 
Begriffe zwar von der D 5 der lein 'sehen kleinem Arbeit bei 
weitem übertroffen wird , aber doch zum Gebrauche auf Schulen 
mehr als das Döderlein'sche Handbuch, das Torzugsweise beim 
akademischen Gebrauche nützliche Dienste leisten wird , geeignet 
zu sein scheint. Freilich wird der Hr. Verf. in einer neuen Auf- 
lage, weiche er dem Vernehmen nach vorhat, mit aller Anstren- 
gung darauf hinzuarbeiten haben, dass er das im Ganzen gut 
zusammengebrachte und zusammengestellte Material hin und wie- 
der erweitere, namentlich aber noch von manchen Fehlern rei- 
nige, die auch er sich hat zu Schulden kommen lassen. 

Um dem Hrn. Verf. zu beweisen, mit welcher Aufmerksam- 
keit wir seine kleine Schrift durchgelesen haben , wollen wir ihn 
auf einige Ergänzungen und Berichtigungen , die er noch wird 
vorzunehmen haben, hinweisen und wir werden, sowie er sich 
vorzugsweise an Cicero und seine Zeitgenossen gehalten hat, uns 
ebenfalls vorzüglich an diese halten, dies Eine noch nebenbei 
bemerkend, dass Hr. Seh. (Vorrede p. V.) nicht ganz richtig in 
literarhistorischer Hinsicht geurtheilt hat, wenn er neben Ci- 
cero und Cäsar zunächst Nepos als Vertreter der classischen 
Prosa anreihte. Nepos spielte eine untergeordnete Rolle und 
erhob sich nie zu der Höhe , auf welcher Cicero und Cäsar durch 
ihre Thätigkeit als öffentliche Redner sich in Hinsicht auf Sprach- 
form und Darstellung emporgearbeitet hatten, und es finden nur 
zu oft bei ihm Wendungen und Ausdrücke der Umgangssprache 
Schutz und Aufnahme, wozu non dubito fore, infitias ire u. dgl. m. 
gehört. Er war also longo intervallo nach jenen beiden, wenn 
Hr. Seh. so will, der dritte, und verdient wenigstens nicht mehr 
Beachtung als die übrigen Zeitgenossen Cicero's und nament- 
lich die, welche mit ihm in geistigem und brieflichem Verkehr 
standen. 

Bei nnsern Bemerkungen wollen wir um der Kürze willen 
uns streng an die Folge der Artikel halten. 

Art. 9. S. 5; ist es nicht ganz richtig, wenn Hr. Seh. sagt: 
„FeMe, wollen, enthält die Vorstellung des Subjects, dass es 
das Object verwirklichen könne. 64 Wie oft können wir das , was 
wir wollen (volumus), nicht verwirklichen: Sic ut quimus^ 
aiunt, quando, ut volumus, non licet. Ter. Andr. IV, 4, 10. Es 
wollte der Hr. Verf. wohl eher das sagen , dass volo den Versuch 
zur Ausführung dessen, was man will, in Aussicht stelle. 

Art. 10. S. 5. citirt auch Hr. Seh. aus Cic. Ttiac. IV, 31. 
fälschlich: Cavere decet, timere non decet^ statt confidere 
decety timere non decet, und es dünkt uns überhaupt , als habe 
Hr. Seh. trotz seiner in der Vorrede S. VIII. ausgesprochenen 
Versicherung die von seinen Vorgängern entlehnten Citate nicht 



70 Lateinische Sprachwissenschaft. 

so fleissig berichtigt, wie solches nothig war« Schlagende Bei- 
spiele werden wir hierzu noch später anführen. 

Art. 11. S. 6. hat Hr. Seh. ebenfalls nicht das Wahre gese- 
hen, wenn er sagt: „Adamare, lieb gewinnen, bezeichnet 
eben nur den Beginn der Liebe." Es ist dies nicht ganz richtig: 
adamare entspricht wörtlich unserm sich in etwas verlieben, und 
sowie dies von dem Beginne der Handlung gilt, so zeigt es auch 
zugleich einen verschiedenen Grad der Liebe an. Ein Mann, 
der seine Frau liebt, vir, qui amat uxorem suam, wird nichts 
zu thun unterlassen, was zu ihrem wahren Nutzen und Frommen 
ist ; ein Mann, der in seine Frau verliebt ist, vir, qui ad- 
amavit uxorem suam , wird vielleicht ihr zu Gefallen mehr thun, 
als ihr nützt und frommt. So ist es nun gleich in dem von Hrn. 
Seh. gebrauchten Beispiele aus Cic. Acad. prior. 11,3,9. (so 
hätte Hr. Seh. citiren sollen statt Acad. IV, 3.) Sed nescio quo- 
modo plerique errare malunt, eamque sententiam, quam ad- 
amaverunt, pugnacissume def ender e % quam sine pertinacia 
quid constanlissume dicatur exquirere. Denn hier deutet offen- 
bar adamaverunt auf eine Art Vorurtheil hin, was öfters mit 
einem Verliebtsein , wie wir oben bemerkt, verbunden zu sein 
pflegt. Auch de erat. 111, 17, 62. zeigt adamarat nicht ohne 
einen leisen Anhauch von Ironie auf Antisthenes' Liebe zur 
patientia et duritia in Socratico sermone hin, wenn schon in 
mehreren andern Stellen ein inbrünstiges Liebgewinnen einer 
Sache ohne jenen ironischen Anstrich durch dies Wort bezeichnet 
wird, wie de oraL III, 19, 71. Auf diesen Unterschied von ad- 
amavisse und amare und auf die Intensivkraft von adamasse, 
gegenüber dem amare^ zeigt auch Seneca JSp. mor. 71. § 5. 
vol. I. p. 296. ed. Fickert. ganz deutlich hin, wenn er sagt: Hoc 
st persuaseris tibi, et vir tut em adamaveris {amare enimparum 
[zu wenig] est): quiequid illa conligerit id tibi — faustum 
felixqüe eriU Denn Döderlein Bd. 4. S. 99. spricht. über die 
Sache nicht mit der gehörigen Klarheit. Allerdings ist adamare 
keine Verstärkung von amare an sich , sondern eine Art inchoati- 
vnm liebgewinnen; allein diePerfect- und Plusquamperfectform 
adamavi und adamaram, in welcher bei Cicero jenes Wort 
allein vorkommt, setzt das Liebgewinnen, das Sichverlieben vor- 
aus und nimmt dann den Begriff als etwas Gewordenes und nun 
wirklich Existirendes als ein Verliebtsein, und so wird aller- 
dings adamavi und adamaram in der gebildeten Prosa, deren 
Hauptrepräsentant Cicero ist, ein verstärkter Begriff für Lieben 
grade wie unser Verliebtsein, weshalb Seneca jenen 
Gegensatz recht füglich machen konnte. Die Lexikographen 
haben bis auf die neueste Zeit hierin noch nicht genug gethan, 
obschon Freund u. d. W. richtig angab, dass Cicero Mos das 
Perfect und Plusquamperfect brauche , was Hr. Seh. anzugeben 



Schultze: Lateinische Synonymik. 71 

nach seinem Plane und seiner sonstigen Gewohnheit mit Unrecht 
unterlassen hat. 

Gleicherweise musste Art. 12. S. 6« bei dem Worte irasci 
darauf hingewiesen werden, dass es zunächst inZorngerathen 
bedeutet, und nur erst iratum esse parallel zu suscensere (wie 
wohl statt succensere zu schreiben ist) steht. 

Art. 13. „Indignari, aegreferre — worüber unwillig sein" 
finde ich nicht grade gut gewählt, da beide Begriffe sich stärker 
scheiden; zu aegreferre musste wenigstens das sinnverwandte 
moleste ferre , was ja in der gebildeten Sprache und namentlich 
auch im Umgangstone so häufig vorkommt, verglichen werden, 
wie z. B. bei Cic. ad Alt, XV, 15, 2. Or. De BuciUano Sestium 
jmto non moleste ferre. 

Zu Art. 16. S. 7. »Patt, ferre, sinere — leiden u hätte 
wohl tolerare mit verglichen, oder besser Art. 124. mit diesem 
gleich vereinigt werden können. 

Art. 20. S. 9. ist in der Stelle aus Cic. Verr. IV, 15. (§ 33.) 
statt: Aecessit ille ad argentum et contemplari unum quodque 
otiose et considerare coepit , wie Hr. Seh. die Steile falschlich 
gestaltet hat, einfach zu schreiben: Aecessit ad argentum: con- 
templari unum quidque otiose et considerare coepit. 

Art. 21. S. 9. war aus Ter. Andr. III, 3, 4. zu citiren: Au- 
sculta paucis: et quid ego te velim et quod tu quaeris scies. 
Dies erfordert der Terenzische Sprachgebrauch notwendiger 
Weise, s. Adelph. V, 3, 20. Ausculta paucis, nisi molestum est, 
Demea. Ueber die Zusammenstellung von ausculta: scies vgl. 
Phorm. V, 8, 6. Iam scies : ausculta. 

Art. 22. S. 10. musste bei Olere, olfacere, odorari, nament- 
lich in Bezug auf das erste Wort , redolere mit berücksichtigt 
werden. 

Ebendas. Art. 23. hat sich Hr. Seh. durch seine Verkürzung 
eines Beispiels aus Cic. ad fam. VII, 26. § 1. Or. einen offen- 
baren Sprachfehler zu Schulden kommen lassen, wenn er schreibt: 
Ita ieiunus er am, ut ne aquam quidem gustarem; bei Cicero 
stehen die Worte weit anders also: quum quidem biduum ita 
ieiunus fnissem , ut ne aquam quidem gustarem. Biduum fui 
konnte wohl die Folge haben: ut ne aquam quidem gustarem, 
nicht aber das einfache ita ieiunus eram. 

Ebendas. Art. 24. hätte auf das Wort narrare mit Rücksicht 
genommen werden sollen , namentlich wenn es im Umgangstone, 
wie in quid narras? male narras u. s. w. steht, 8. C4c. Tusc. 
ff, 6, 16. Male, hercule, narras. Es scheint, als habe Hr. Seh. 
Art. 28. S. 12. von narrare dies angeben wollen; da musste er 
aber wenigstens dahin verweisen. 

Zu Art. 25. S. 11. bemerke ich, dass infitias ire gar nicht 
bei Ci cer o vorkommt (Hr. Seh. sagt: „bei Cic. wohl gar nicht u ), 
und überhaupt, wie das von Hrn. Seh. mit Unrecht gar nicht 



72 Lateinische Sprachwissenschaft. 

erwähnte diffiteri wohl nur der Umgangssprache angehörte, die, 
wie ich oben bemerkte, grade Nepos mehr repräsentirt 

S. 12. Art. 27. durfte neben „poUicert\ promittere, spondere 
— versprechen" das bei Cicero so oft vorkommende recipere und 
in se recipere nicht übergangen werden. 

Art. 28. war neben morem gerere auch des Wortes morige- 
rari mit zu gedenken, da es ebenfalls der bessern Zeit angehört. 

Art. 43. war neben „andere , conari — wagen" auch susti- 
nere, vielleicht auch animum inducere, übers Herz bringen, 
mit zu erwähnen« 

Art. 45. S. 21. muss das Citat aus Cic. Verr. II, 34. (§ 84.) 
also berichtigt werden: angebatur animi necessario, quod domum 
eius etc., statt tangebatur animi dolore necessario , quod etc. 
Auch Zumpt hat in den Add. diese handschriftlich allein be- 
glaubigte Lesart angenommen. 

Art. 49. S. 23. war neben indulgere, connivere etc. auch 
veniam dare^ concedere u. s. w. aufzufuhren. 

Art. 52. S. 24. fehlt neben quaerere, scrutari etc. inquirere, 
da das Wort in dieser Form eine etwas andre Bedeutung als das 
Verbum simplex quaerere gewinnt 

Art. 54. S. 26. war heben monstrare, demonstrare ,. asten- 
der e, declarare^ significare das sinnverwandte indicare not- 
wendiger Weise mit zu berücksichtigen. 

Art 56. S. 27. musste neben aecusare etc. mit aufgeführt 
werden postulare im gerichtlichen Sinne'; vielleicht expostulare 
mit erwähnt sein. 

Art. 58. S. 28. war in dem Beispiele aus C i c. Philipp. II, 5. 
zu schreiben: cuius quidem tibi fatum, sicuti Curioni, manet, 
statt Clodii fatum te , sicuti Curionem , manet, und dabei der 
Unterschied zwischen tibi manere und te manere kürzlich mit 
anzudeuten. Siehe das oben Bemerkte. 

• Art. 66. S. 31 fg. war neben laudare, celebrare, praedicare 
das in der Ciceroiiischen Prosa so übliche prae seferre mit auf* 
zuführen. 

Art. 68. S. 32« war neben explicare, explanare etc. das in 
ähnlichem, wenn auch verschiedenem Sinne gebräuchliche illu- 
strare um so mehr mit zu berücksichtigen, weil es oft in den 
Schriften der Neuern nicht ganz richtig gebraucht wird. 

Art. 74. S. 35. ist in der Bemerkung: „Uebrigens braucht 
Cicero wohl nur das Particip amictus"-, das Wörtchen „wohl" 
zu streichen. 

Ganz fehlerhaft ist Art 78. S. 37. aus Cic. Tusc. I, 13. 
citirt: lnitiatus est, quae traduntur, mysteriis. Dies giebt gar 
keinen Sinn. Bei Cicero steht: Reminiscere, quoniam initiatus 
es, quae traduntur (oder tradantur) mysteriis. 

Art 91. S. 42 fg. ist contaminare nicht ganz richtig in Bezug 
auf Ter. Andr. prol. 16. mit verdorben, verhunzt erklärt 



Schnitze: Lateinische Synonymik. 73 

worden. Den eigentlichen Sinn des Worte« in jener Stelle haben 
wir oben angegeben. 

Art. 98. S. 48 fgg. fehlt das öfters vorkommende, selbst von 
Cicero (de inv. 11,2.) nicht ganz vermiedene anteriore oder 
anthtare. 

Art« 101. S. 47. Mestituere, reflcere etc. mnsste notwen- 
diger Weise sarcire, damnum infectum reddere mit erwähnt sein. 

Art. 104« S. 48. war auf arma capere und arma sumere 
Rücksicht zu nehmen, s. Ed. Wunder zu Cic* Plancian. 36, 88. 
p. 223 sqq. 

Art. 121. S. 57. war wohl, um das jugendliche Auge nicht 
zu verwöhnen , die Activform plectere nicht einmal mit in der 
Ueberschrift , sondern gleich plecti passivisch aufzuführen. Auch 
ist das Deponens puniri oder poeniri mit Unrecht ausser Acht 
gelassen , da es echt ciceronisch ist. 

Art. 126. S. 61. konnte, wenn es oben Art. 49. nicht ge- 
schehen war, wenigstens hier veniam dare mit erwähnt werden. 

Art 139. S. 68 fg. war neben praebere, praestare, suppe- 
ditare auch impertire mit aufzufuhren. 

Art. 145. S. 72. ist es nicht ganz richtig, wenn Hr. Seh. 
sagt: »Comperendinare eigentlich nur von einer neuen gericht- 
lichen Vorladung auf den übermorgigen Tag, wiewohl die- 
ser Zeitpunkt nicht immer so streng zu fassen ist." 
Siehe das über das Wort von mir zu Cicero* 8 sämmtl. Reden 
Bd. 11. S. 680 fgg. Bemerkte. 

Art. 147. S. 75. fehlt neben aeeidit etc. usu venit. 

Art. 163. S. 83. war wohl noch am Schlüsse des Artikels eine 
Parallele zwischen vendi und venire (venum ire) zu ziehen. 

Art. 170. S. 85 fg. fehlt das Wort deducere neben comitari 
und prosequi. Auch ist es nicht ganz richtig, wenn es S. 86. 
zum Schlüsse heisst: „Auch ist fast nur das Particip (stipatus) 
gebräuchlich." Denn das Participium Praesentis stipante choro 
u. s. w. kommt ja ebenfalls nicht selten von S. Liv. XLII, 39, 2. 
tum 8atellitum turba stipante. 

Art. 180. S. 91. ist in dem Beispiele aus Cic. Tusc. I, 19. 
jetzt cupiditas veri videndi herzustellen, s. meine Nachträge 
und Berichtigungen zu Cicero's Disputt. Tuscull. (Leipz. 1843.) 
S. 24 fg. 

Art. 181. S. 92. ist in dem Beispiele aus Cic. Tusc. I, 24. 
jetzt wohl zu schreiben: quod semper tale sit, quäle si7, quam 
Idsav appellat Ute etc., 8. die eben angeführte Schrift S. 30 fg. 

Art. 187. S. 96. hätte fraudulenlus nicht Mos mit den 
Worten: „Fraudulentus ist der, welcher durch List und Betrug 
den Andern um das Seinige bringt: betrügerisch" abgefertigt 
werden sollen. Es bezieht sich eben so oft auf Sachen, und 
bezeichnet alles das, wo Betrug mit im Spiele ist, wie in dem 



74 Lateinische Sprachwissenschaft. 

von Hrn. Seh. selbst benatzten Beispiele aus Cic. de offic.IU, 21. 
fraudulenlae venditiones beweisen. 

Art. 207. S. 109. rausste unter Cupido bemerkt werden, 
dass dfeses Wort bei Cicero nur gebraucht wird, wenn vom 
Cupido die Rede ist. Denn der Zusatz „wohl nicht bei Cic." 
ist auch hier su ungewiss. 

Falsch ist es, wenn es Art. 227. S. 123. heisst: „Die Sedu- 
litas zeigt sich in einer äussern Beweglichkeit und Geschäf- 
tigkeit in der Arbeit", da ja grade dem eigentlichen Wortsinn 
gemäss (se-dolo) dieser Ausdruck auf den redlichen Willen, 
den man bei etwas zeigt, geht. 

Nicht richtig ist es, wenn Art. 244. S. 135. zum Belege * 
dafür, dass stilus den Ausdruck und Charakter einer Dar- 
stellung, namentlich in Rücksicht auf Schriften, Cicero oraU 
I, 33. Stilus est optimus dicendi effector atque magister und 
Cic. Brut. 26* Unus 8 onus tolius orationis est et (dem stilus^ 
gewählt wird. An der ersten Stelle ist durch stilus blos auf die 
Uebung im Schreiben hingewiesen , wie aus dem Zusammenhange 
der Stelle selbst hervorgeht und anderwärts bereits bemerkt wor- 
den ist. An der zweiten Stelle ist davon die Rede, dass eine und 
dieselbe Schrift nicht von mehreren Verfassern herrühren könne, 
und es war also auch hier wieder auf unsern ähnlichen Tropus: 
sie scheint durchgängig aus einer Feder geflossen 
zu sein, hinzuzeigen. 

Art. 264. S. 156. hat Hr. Seh. seinen Vorgängern falsch das 
Beispiel: „Temulentus processit, Cic. red. in sen. 6." nachge- 
schrieben; wir haben oben gesehen, dass dort steht: processit — 
presset voce et temulenta, was die Sache grade hier nicht wenig 
ändert. 

S. 151. ist in dem Beispiele aus Cic. Tusc. IV, 14. statt 
scruposis zu schreiben scrupulosis, s. unsre oben erwähnten 
Nachträge zu der Stelle S. 163 fg. 

Mit Ueb ergehung mehreres Andern bemerke ich nur noch, 
dass das Art. 323. S. 194. erwähnte Wort laterna oder richtiger 
lanterna durch das gleichfalls ciceronische lanternarius sicher- 
gestellt« wird und dass es zur Bezeichnung des speciellen Gegen- 
standes unentbehrlich sein möchte. 

Art. 347. S. 209. war zu dem Begriff Vermögen noth wen- 
diger Weise auch res hinzufügen,, wie es in dem bekannten Witz- 
worte : Quid huic homini de est praeter rem et virtutem ? und 
öfters gebraucht wird. 

Art. 366. S. 222. hat Hr. Seh. seinen Vorgängern ebenfalls 
das falsche aerem nachgeschrieben , statt des ciceronischen aera 
in der Stelle au« Cic. de nat. deor. II, 36.; ebenso Art. 403. 
S. 245. das falsche cachinnabatur von Schmalfeld angenommen in 
dem Beispiele aus Cic« Verr. IV, 25. Ridebant convivae; ca- 



Ritter'a Erdkunde, Westasien. 75 

chinnabatur ipse Apronius, statt Ridere convivae, cachinnare 
ipse Apronius. 

Auf alles (Jebrige, was wir uns noch notirt haben, wollen wir, 
so Gott will , bei einer neuen Auflage noch einmal zurückkommen 
und geben Hrn. Seh. bis dahin noch Bedenkzeit für diese «nd jene 
Behauptung. Nur auf das Eine machen wir ihn noch vorläufig 
aufmerksam, dass Art. 426. S. 257. fälschlicher Weise aus Cic. 
Verr. I, 38. citirt worden ist ; Forsitan meliores Uli aecusatores 
habendi sunt, statt habendi sint^ und dass, wenn forsitan nicht 
zu einem einzelnen Worte im Satze gehört, wie bej Cic. pro 
Ligar. 12, 38. Longiorem oratio nem c aus sa forsitan postulai, 
tua certe natura breviorem, sondern enger mit dem Zeitworte 
verbunden wird, Cicero überhaupt nie den Indicativ mit dieser 
Partikel zusammengestellt hat. 

Der Druck und die Ausstattung der kleinen Schrift ist gut. 
Druckfehler sind uns seltener aufgestossen , wie S. 39. Z. 19. 
seipta st. scripta, S. 90. Z« 14. v. u. Isolentia st. Insolentia, 
S. 129. Z. 11. nullam st. nullum. 

Reinhold Klotx. 



Die Erdkunde im Verhältniss zur Natur und 
zur Geschichte des Menschen oder allgemeine 
vergleichende Geographie als sichere Grundlage des 
Studiums und Unterrichts in physikalischen und historischen Wissen- 
schaften von Karl Ritter, Dr. und Prof. p. ord. an der Universität 
und allgemeinen Kriegsschule in Berlin und Mitglied der kön. Akade- 
mie der Wissenschaften etc. Zehnter TheÜ. Drittes Buch. West" 
Asien. Zweite, stark vermehrte und umgearbeitete Ausgabe. 
Auch mit dem besondern Titel: Die Erdkunde von Asien , 
von Karl Ritter. Band VII. Erste Abtheilung: Das Stufenland des 
Euphrat- und Tigris- Systems. Berlin 1843. Gedruckt und verlegt 
bei G. Reimer, gr. 8. VIII u. 1150 S. Preis 4 Thlr. 25 Sgr. 

Karl Ritter's Name ist längst ein europäischer geworden, ja 
mehr noch. Der Zweck dieser Anzeige kann also nicht der sein, 
das gelehrte Publicum überhaupt von Neuem auf die „Erdkunde" 
aufmerksam zu machen, sondern nur der, solche Gelehrte, wel- 
che die Geographie weniger in den Bereich ihrer Studien gezogen 
haben , darauf hinzuweisen , dass mit diesem sehnten Theile der 
Erdkunde, welcher von dem Stufenland des Euphrat- und Tigris - 
Systems handelt , der Hr. Verf. bereits auf einem Ländergebiet 
angelangt ist, welches selbst lange Zeit welthistorischen Völkern 
zum Schauplatz ihrer Entwicklung gedient, mit welchem die bei- 
den cla88ischen Völker des Alterthums mehr als mit den östliche- 
ren Landen Asiens in Berührung gekommen, auf dessen Beschrei- 
bung daher, im Ganzen wie im Einzelnen, ihre Schriftsteller mehr 



76 '. Geographie. 

als bei' jenen einzugehen Veranlassung gefunden, und dessen 
gründlichere Kenntnis« so natürlich dem Erklärer ihrer Autoren 
auch häufiger als Bedürfniss entgegentreten muss. Sind die bis- 
herigen Theile der Erdkunde jedem der historischen und physi- 
kalischen Wissenschaften Beflissenen unumgänglich nothwendig, 
so ist schon dieser zehnte es in demselben Maasse auch für den 
Philologen., für den Schulmann ; und die folgenden werden, indem 
sie, wie die Vorrede ausspricht — ungesäumt, über Arabien, 
Palästina, Kleinasien uns dem befreundeten Europa näher fuhren, 
je mehr sie nach Westen hin Licht verbreiten, desto vielseitigeres 
Interesse gewähren , ein desto grösseres Publicum auch unter den 
Nicht- Geographen gewinnen. 

Die Methode des hochverdienten Hrn. Verf. hier als bekannt 
voraussetzend — einzelne Uebelstände in der Behandlung des 
Stoffes wird der billig denkende Leser in der Vorrede hinlänglich 
entschuldigt finden — giebt Referent, um den oben bezeichneten 
Zweck zu erreichen, nur eine allgemeine Uebersicht des Inhalts, 
woraus allein schon die ausserordentliche Reichhaltigkeit dieses 
Werkes in die Augen springen wird. Einzelne theils erweiternde, 
theils berichtigende Zusätze , meist historisch - geographischer 
oder historisch -topographischer Art, glaubt Referent dabei wohl 
mit unterlaufen lassen zu können, ohne befürchten zu müssen, 
dass er den Schein gewinne, den Meister meistern zu wollen. 

Mit dem siebenten Theil der Erdkunde oder dem sechsten 
Band von Asien (erschien 1837) beginnt die Darstellung von 
West- Asien. Die erste Abtheilung, eben jener sechste Band, 
enthält die Uebergänge der Naturformen von Ost- zu West- 
Asien (Stromsystem des Indus; Hindukusch; Kabul; Turkestan); 
die zweite Abtheilung behandelt West -Asien oder die iranische 
Welt in zwei Bänden , dem siebenten (1838) und achten (1840). 
Im letztern ist der Verf. schon in das QuelJgcbiet des Euphrat 
und Tigris vorgedrungen, hat die östlichen oder linken Zuflüsse 
des Tigris aus dem iranischen Hochlande beschrieben und über 
dieses bis dahin sehr wenig oder gar nicht bekannte Land durch 
Benutzung der Reiseberichte aller Zeiten bis auf die neuesten 
Entdeckungen ein ganz neues Licht verbreitet. Von der dritten 
Abtheilung nun, welche „die Uebergänge in den Naturformen von 
Hoch -Iran zum Tieflande und zu Vorder -Asien" zum Gegen- 
stand hat, enthält der vorliegende neunte Band (als zehnter Theil 
der Erdkunde) nur erst den ersten Abschnitt, „die Wassersysteme 
und Stufenländer gegen Süden, das Stromsystem des Euphrat und 
Tigris" umfassend. 

In der bündigen Einleitung (S. 1 — 6.) wird auf die eigen- 
tümliche Weite teihiDg der zwei grossen Zwillingsströme des 
Euphrat und Tigris hingewiesen, deren Wiege zugleich diejenige 
der vorderasiatischen Menschengeschichte sei, deren Stromrinnen 
von jeher nicht nur Reiche, Völker, Sprachen, sondern auch 



Ritter'« Erdkunde, Westasien. 77 

Vorder -Asien selbst in zwei verschiedene Welten, in die arabi- 
sche in Südwesten und persisch - medische in Nordosten , mit der 
assyrisch -babylonischen in ihrer Culturmitte, getheilt, duroh ihre 
belebende Ader inmitten der Wüsten mehr noch als der Nil die 
Augen. aller orientalischen Herrscher, wie der Forscher ihrer 
Geschichten auf sich gezogen und in alter wie in neuerer Zeit die 
grosse Fürth vom Orient zum Occident gebildet haben, ein« Be- 
stimmung, die bei einer künftigen höhern Ausbildung des Pla- 
neten und seiner Bevölkerungen noch zu ganz andern Functionen 
ihrer Gestaltungen führen werde. 

Erstes CapileL 

Historischer Rückblick auf die Stromgebiete des Euphrat und 

Tigris. (S. 6— 284.) 

1. Quellen ältester Zeit. (S.,6— 66.) Hier erhalten wir 
Herodofs zwar nicht vollständige, aber höchst schätzbare Be- 
schreibungen, Xenophon's Marschbericht von Cyrus' des Jüngern 
Feldzug nach Babylonien - (Schlachtfeld von Cunaxa; medische 
Mauer; vgl. S. 217. 219. u. f.) und von seinem eignen Rückzug 
zum und an dem Tigris aufwärts zum Quellenlaud des Euphrat in 
Hocharmenien erläutert; dann ebenso was uns aus der Zeit 
Alexandeis des Grossen von vorhandenen oder neu gegründeten 
Städten, Canälen u. s. w. überliefert wird, der bekanntlich dem 
untern Theile dieses Stromgebietes eine besondere Aufmerksam- 
keit geschenkt hat. 

2. Zur Zeit der Selevciden, der römischen und byzanti- 
nischen Kaiser ^ unter parthischen und sassanidischen Herr- 
schern. (S. 66— 174.) Die Beschreibungen und einzelnen Noti- 
zen des Strabo und Plinius, die Feldzüge eines Trajarivs, Septi- 
miüs Severus, Julianus, der Untergang der Sassanidenherrschaft 
und ihrer Residenz Ktesiphon durch die Fortschritte der erobern- 
den Araber werden benutzt zur Darstellung der frühern Zustände 
dieses Ländergebiets und erläutert durch Vergleichung späterer 
Berichte und an Ort und Stelle gemachter Untersuchungen der 
neuesten Zeit. Dass bei solchem Verfahren ganz andre Resultate 
gewonnen werden als in den gewöhnlichen Darstellungen jener 
Feldzüge, wobei man wenig mehr als eine Landkarte — voll 
willkürlicher Positionen — zum Grunde legte, das lässt sich 
erwarten. So enthält auch des Barons Felix Beaujour Voyage 
militaire dans f empire Othoman etc. avec cinq cartes gdographi- 
ques (Paris 1829. 2 Voll.) im zweiten Bande die Feldzüge der 
Zehntausend, Alexanders, Trajan's, Jultan's, — aber Alles, wenn 
auch klar und lebendig beschrieben, doch ohne wirklichen Gewinn 
für die Wissenschaft selbst, da der Verfasser, wie noch die mei- 
sten französischen Gelehrten auf diesem Gebiet des Orients, fast 
nur von der Auctorität d'Anville's abhängig ist und, meist nur von 
der Karte ablesend, die Länder, Marschrouten u. dgl. beschreibt. 



. 78 Geographie. 

In Bezug auf den Tigriszufluss Nymphaeus oder Nymphius 
'S. 93. hat übrigens jetzt Herr von Hammer- Ptirgstall seine in 
den Wiener Jahrbüchern der Literatur Bd. XIV. S. 254. aus der 
türkischen Geographie mitgetheilte Notiz geankert; in seinem 
neuesten historischen Werke: Geschichte der Iichane, d. i. der 
Mongolen in Persien. Erster Band. (Darmstadt 1842. 8.), sagt 
er S t 187., jener Fluss heisse heutzutage der Goldfluss und ent- 
springe im Norden der Stadt Miafarakain aus einer Quelle, weiche 
Bekr's Quelle heisse. Dazu setzt er die Anmerkung: „Aini Haus 
ile mu8erama bu ainden, d. i. aus einer Quelle, welche Baden- 
quelle heisst. Es ist also irrig, wenn Saint Martin in seinen 
Mdmoires sur l'Arme'nie Th. I. S. 96. sagt, der Nymphius heisse 
jetzt Aynal haoudh. u — Ueber den „Fluss Kuman zwischen 
Ersen und Miafarckin", an welchem, nach C. d'Ohsson's Histoire 
des Mongols depuis Tchinguiz - Khan jusqu' ä Timour Bey ou 
Tamerlan (4 Voll. 8. La Haye 1834—35.), der Prinz Tschuschkab 
aus dem Gefechte mit Argun's Feldherrn Arkassun entkam 1289, 
giebt die Erdkunde keinen Aufschluss, ebensowenig, wie über den 
Karaman, an welchen Hr. v. Hammer in der Geschichte der 
llchane I, 381. dieselbe Begebenheit versetzt. — 

Zu Gunsten der S. 96. erwähnten Meinung Quatremere's, 
dass richtiger Barima als Batmann geschrieben werde , Hesse sich 
vielleicht auch das BctQccpaL bei Theophylactus Simocatta üb. V. 
cap. 14. anführen. 

3. Zur Zeit des Chalifats. (S. 175 — 239.) Eine sehr 
belehrende Untersuchung über die in der arabischen Periode neu 
aufblühenden Hauptstädte am Euphrat und Tigris, nämlich El 
Basra oder Bassora als bedeutendes Handelsemporinm, Cufa als 
erste Chalifen- Residenz (hierbei Mehreres über Cadesia, Hira 
nnd ihre Umgebungen), Wasit und seine Umgebungen, Bagdad 
die Chalifenstadt der Abassiden und ihre Umgebungen mit dem 
Lande der Canäle zum Euphrat und Tigris bis Tekrit und Wasit. 

In Bezug auf das 638 angelegte Cüfa ist S. 183. bemerkt, 
dass es syrisch Akula hiess. Den Umstand, dass es in der dem 
Moses von Chorene zugeschriebenen Geographie schon genannt 
wird — wie auch das erst 635 erbaute Basra — und zwar mit 
dem armenischen Namen Agogha oder Gogha (gesprochen: 
Agola oder Gola, so dass er dem Namen des von Piinius H. N. 
IV, 2. in jener Gegend erwähnten arabischen Volksstammes der 
Achoali noch ahnlicher klingt) hat Saint Martin im 2. Band seiner 
Mdmoires historiques et ge*ographiques sur l'Arme'nie (Paris 1818. 
u. 1819.) mit zu der Beweisführung benutzt , dass jene Geo- 
graphie nicht von Moses Chorenasti (Mitte 5. Jahrh. p. C.) her- 
rühren könne; wiewohl aus diesen und aus allen übrigen zur 
Unterstützung dieser Behauptung gesammelten anachronistischen 
Angaben nnr so viel erhellt, dass eben diese Angabe nicht von 
Moses sein könne, sondern spätere Einschiebsel in der Whiston- 



Ritter'* Erdkunde, Westasien. * 79 

«eben Ausgabe (vgl. Erdkunde Th.X. S. 566.). Uebrigens scheint 
derselbe Name wiederzukehren in dem S. 191. erwähnten Dair 
Akul (nicht Dar Akus) am Tigris unterhalb Madain, welcher Name 
S. 232. mit Monas teri um anfractus erklärt wird. Ferner konnte 
S. 184. in Bezug auf die knfische Schrift verwiesen werden auf 
Silvestre de Saey's Me'moires sur diverses autiquitäs de la Ferse 
p. 129. und 156., wo auch (wie S. 62. citirt ist) S. 325—27. über 
den berüchtigten Palast Khurnak oder Khawrnak bessere Beleh- 
rung zu finden ist als in v. Hammer- Purgstall's Geschichte des 
osmanischen Reichs Th. III. S. 557«, der über die Ableitung un- 
sere „Schabernak" auf Vater's Sprachstrahlen verweist. 

Endlich was die aus dem Euphrat abgeleiteten Canile be- 
trifft, welche in diesem und dem vorigen Abschnitt dieses ersten 
Capitels den Gegenstand genauerer Untersuchung bilden und auf 
weiche der Hr. Verf. noch mehrmals in diesem Bande zurück- 
kommt, sei es dem Ref. vergönnt, eine Notiz aus der mongoli- 
schen, unmittelbar auf den. Untergang desChalifats (1258) folgen- 
den Periode nachträglich beizubringen/ Unter der Regierung des 
Sohnes und ersten Nachfolgers Hulagu's, nämlich des llchan 
Abaka (reg. 1265 — 1282) und unter der gerechten Verwaltung 
seines Wesirs Schemseddin von Dschuwein erhob sich nicht nur 
Bagdad, wo dessen Bruder Alaeddin Atamülk sein Stellvertreter 
war, wieder aus dem Schutt der Verwüstung durch Hulagu, son- 
dern auch auf die Grabung eines Ganais wurden mehr als 100,000 
Goldstücke verwandt, um damit Mesched Ali und die Umgegend 
zu bewässern. Ueber dieses verdienstliche Werk hinterliess Ttid- 
scheddin Ali, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des 
Canals aus dem Euphrat und mit der Urbarmachung der todten 
Ländereien beauftragt war, eine besondere Abhandlung. So aus 
des Hrn. v. Hammer- Pnrgstall's Geschichte der Ilchane Th. I. 
260. • — Der fünfte Nachfolger Abaka's, der* llchan Gazan (reg. 
1295 — 1304), liess in derselben Gegend, im District Halla d. i. 
Hilleh oder Hellah, einen Canal graben, der das Wasser des Eu- 
phrat nach Mesched Hussein führte, die trockne, wüste Ebene 
von Kerbela bewässerte und dieselbe in ein so fruchtbares Land 
verwandelte, dass sie einen Ertrag von mehr als 100>,000 Tughars 
Korn gab, besser als das um Bagdad gewonnene. Dieser hiess 
nun der „obere Canal des Gazan" zum Unterschied von dem 
„untern Canal des Gazan", der vom Euphrat zu dem Mau- 
soleum des Segid Abulwefa führte. Noch ein dritter „Canal des 
Gazan" war nach dem östlichen Saum der Wüste gegraben. So 
aus der schon erwähnten Histoire des Mongols vom Baron C. 
d'Ohsson Bd. IV. p. 278. — 

4. Volkszustände in den Euphrat- und Tigris -Land- 
schaften im XI L bis XV. Jahrhundert nach jüdischen , christ- 
liehen und mohammedanischen Augenzeugen: des Rabbi Ben- 
jamin von Tudela Berichte über die zu seiner Zeit im Euphrat-» 



80 Geographie. 

lande vorhandenen Gemeinden jüdischer Glaubensgenossen (1173) ; 
Marco Polo* 8 von Venedig Berichte von den Tigris« und Etiphrat- 
stidten und ihren Fabrikaten (1300); Ebn Batuta's aus Tauger 
Wanderung zu den, den Moslimen geweihten Orten durch das 
Euphratland (1346). (S. 239—284.) 

Den an sich schon schätzbaren Mittheilungen des spanischen 
Rabbiners Benjamin von Tudela, der zwar als Handelsmann den 
Orient bereiste* , aber zugleich die Synagogen , Schulen und Ge- 
meinden seiner Religionsverwandten kennen zu lernen eifrigst 
bemüht war, hat der Hr. Verf. über die jüdische Population im 
Euphratlande aus der Zeit de* Exils und über die Hypothese 
von den verlornen zehn Stämmen Israels einen Excurs einver- 
leibt (S. 246 — 252.), worin die Angaben früherer und neuerer 
Zeit in den Brennpunkt kritisch - historischer Beleuchtung ge* 
' bracht, über die Localität des Verbannungslandes, des Habor 
(Chaboras), des Gosan, der Städte oder Gegenden Halali, Hara 
u. a. zu Resultaten führen , die zum Theil die bisher gäng und 
gäbe gewesenen, ja selbst manche der in dem vorhergehenden 
Bande der Erdkunde enthaltenen Annahmen wesentlich berichti- 
gen und so zur Förderang der biblischen Alter thumskunde ein 
Namhaftes, beitragen.* 

Zweites Capitel. 
Das armenische Hochland, das Quellland des Euphrat, Tigris, 
und Araxes mit dem Fan- See und Ararat. (S. 285 — 645.) 
„Nachdem wir", sagt der Hr. Verf. , „in chronologischer 
Reihe uns auf einem von der Weltgeschichte nAch allen Rich- 
tungen und durch alle Jahrhunderte hin so merkwürdig gleichsam 
durchaderten Boden, dem beinahe kein Naturverhältniss unverän- 
dert und unumwandelt geblieben, den verschiedensten Zeiten und 
Bestrebungen nach, wo die Aussaaten der wechselndsten Ge- 
walten hundertmal aufgingen und eben so oft wieder zerstört 
wurden, zu orientiren versucht haben, da nur aus der Ver- 
gangenheit die Gegenwart ihr wahres Verständniss gewinnen 
kann : so gehen wir nun zu dieser nach ihren Raum Verhältnissen 
oder zu den eigentlichen speciellen geographiechen Betrachtun- 
gen über. Auch in diesen tritt uns wieder eine Fülle von That- 
sachen entgegen, die wir, zumal in ihren wichtigsten Theilen, 
den Forschungen des letzten halben Jahrhunderts verdanken , die 
wir hier zum ersten Male in ihrem organischen , gleichsam inner- 
lich gewachsenen Zusammenhange, dem Wesen nach, so vollstän- 
dig als möglich, mit gewissenhaftester Angabe der Quellen, aus 
denen sie geflossen sind , vorzuführen haben. Denn hiermit allein 
nur kann die Erkenntniss der Wahrheit wachsen und der Wissen- 
schaft selbst ein wirklicher Dienst geschehen, damit sie sich 
selbst bewusst werde, was sie schon in Wahrheit besitze, um 
nicht unnütz immer wieder in beschrankter Unwissenheit, wie 



Ritter'« Erdkunde» Westatien. 81 

dies noch meistens in Gebrauch kt, Bellest auf Bellest m hiufc», 
sondern wirklich zu Resultaten und netten Aufgaben forisu- 
schreiten durch frische Beobachtung und neue Forschung, da tia> 
so erst inne werden wird, dass des Unbekannten und Wissen*-, 
werthen viel mehr und Höheres vorhanden Ist, als des schon Be-. 
kannten. — Wir folgen enserrn herkömmlichen Gange der Unter« 
Buchung, von den Höhen au den Tiefen« von den Quellen au den 
Mundungen fortschreitend , weil dies die geographische Bahn ist,, 
welche die Natur selbst nicht blos dem Laufe der Gewisser, son- 
dern allem Uebrigen und aelbst auch dem Entwicklungsgange der 
Völkerschaften auf ihren Stufenlandsehaften vorschrieb. So keh- 
ren wir auerst auf dem Hochlande Armeniern, dem Quellgebiet 
aller Evphrat- und Tigrisgewasser^ in welche aber augleich das 
QuetUand dee Arases eingreifend ist, ein, und gehen von den 
östlichen Naturgrenzen desselben, dem armenischen Hochlande 
und dessen beiden Hauptformen aus, die uns daselbst als dessen 
grosse Grenzmarken erscheinen, der hohe Arafat (s. Erdk. IX. 
S. 767. 869. 015. 916. 919-923.) und der Alpensee eon Van* 
bis au welchen beiden unsre frühere Untersuchung schon fort« 
geschritten war (s. Erdk. 8. 763. 784. § 27. S. 972 — 1009.)." 

1. Erläuterung. Der Van- See und seine Umgebungen* 
(S. 286 — 356.) Die Contoure dieses merkwürdigen Alpensees, 
die bisher so willkürlich auf den Karten eingetragen waren, kön- 
nen erst durch die astronomischen Beobachtungen und Boussole-» 
aufnahmen der neuesten Beisenden (Southgate 1887, Braut und 
Glascott 1838) berichtigt werden. Vor wenigen Jahren war er 
mit leinen Umgebungen eine terra incognita, gegenwartig sind, 
sie eine reiche Fundgrube für das Studium des Antiquars und 
des Sprachforschers geworden, namentlich durch die aus uralter* 
aemiramidischer Zeit stammenden Keilinscbriften und Skulpturen 
tu Van und in dessen Umgebungen, von dem unglücklichen Pro«* 
feese* Fr. Ed. Schulz aus Giessen 1827 entdeckt und copirt und 
aus dessen Nschlass im Journal asiatique (Paris 1840) bereits 
bekennt gemacht, woraus nun Hr. Prof. Bitter — er war es, der 
zuerst und awar schon 1818, in der ersten Ausgabe der Erdkunde 
(IL Tbl. ß. 746.), die Aufmerksamkeit auf diese merkwürdige Le~ 
calitet hingelenkt hatte — zu der schon im vorigen Bande der 
Erdkunde S. 984— 990. berührten Historie dieses höebst inter- 
essanten Monuments, sowie dem dort (8.991 — 93.) gegebenen 
Verzeichnisse von Felsscnlpturen und Inscriptionen , hier noch 
(S. 303— 819.) des Entdeckers Bericht seinem Wesen nach für 
die Wissenschaft und die Vervollständigung künftiger Beobach- 
tungen vollständig aufbewahrt hat. 

Hierauf folgen aus der jüngsten Entdeckungsreise J. Brant's 
(1838) die Beschreibung des Nordufers des Van -Sees bis Akhlat, 
eines Ausfluges nach dieser Stadt und der ersten Besteigung des 
Sipen-Tagh (6. 319 — 310; ferner aus jener und andern Reisen 

JV. Jahrb. /. Phü. u. Päd. od. Kr it. Bibl. Bd. XL. Hfl. 1. 6 



82 Geographie. 

und sonstigen zuverlässigen Quellen die Beschreibung des Nord« 
ostweges vom Van -See über den hohen Ala-Tagh zur Murad- 
Quelle nach Diyadin und Bayazed; eine Beschreibung dieser 
Stadt und statistische Nachrichten über das nach ihr benannte 
Paschalik, S. 331 —356., die letztem aus Uschakoff 's Geschichte 
der Feldzüge des Gen. Paskewitsch in der asiatischen^ Türkei 
1828 — 1829. Ans dem Russischen Ton LammKein. Leipzig 1838. 
2 Thetle. 8. 

Es mögen dem Ref. folgende einzelne Bemerkungen ver- 
gönnt sein. Das S. 321. erwähnte Kurdische Residenzschloss 
Bargt Kaleh oder Beigir (Bargerey; Berghiri bei Schulz, s. 
Erdk. IX. 989.) am Bendi Mahi Su d. i. am Fischufer -Fluss 
(ebend. S. 923. Bund y Mohey genannt aus Monteith) ist ohne 
Zweifel die von den Armeniern Pergri, von Edrisi bei Jeaubert 
T. IL p. 320. 325. 326. Barkuri, von Abulfeda Berkeri, bei 
Cpnstantinus Porphyrogenitus de administr. imperio (cap. 44.) 
JJbqxqI genannte Feste, die er mit andern zu seiner Zeit (950) 
als muselniäiini8ch , aber dem byzantinischen Reiche tributär be- 
zeichnet; tfnd die 1038 von den Byzantinern, 1053 vom Seid- 
schuken Toghrul Bey erobert wurde , wie aus Saint Martin's Me- 
moire» sur l'Arme'nie T. 1. p. 137. und T. II. su ersehen ist. Wir 
bemerken dies, weil der Hr. Verf. weiterhin (S. 773.) , wie wir 
sehen werden , dieses IJbqxqI sowie das ebenfalls vom Kaiser 
Constantinus Porphyrog« a. a. O. genannte Xkiaz als „uns unbe- 
kannte -Festen" angiebt. Es ist aber Xkiaz^ welches der kai- 
serliche Statistiker in der wohl corrumpirten Ueberschrift des 
44. Capitels von XccXtdv unterscheidet, dann aber dreimal mit 
"Aq^is und negxgl, dreimal mit 'AXt^Lks zusammenstellt - 
als zusammengehörige Bestandteile eines Fürstenthums, schwer- 
lich eine andre Feste als XaXidz selbst, welches er ebenso 
dreimal mit "Aq£sq und IIbqxqI zusammen nennt; in XaXidz 
aber ist die Uferstadt und Feste Akhlat am Van -See nicht zu 
verkennen, welche Edrisi nach Jeaubert V Ausgabe T. IL p. 320. 
Halat, p. 329. Kkilat, p. 325. Khalat nennt, wie Abulfeda und 
andre Orientalen. Man vergleiche Sajnt Martin's Me'moires T. I. 
p. 103. u. a. Stellen des T. II. Auch Hr. v. Hammer- Purgstall 
(Gesch. der Ilchane 1, 173.) hält Chliat für Akhlat, der über die 
Alterthumer dieser im Mittelalter *o berühmten Stadt und Feste 
auch in der Encyclopadie von Ersch und Gruber im Art. Acblath 
das Denkwürdigste zusammengestellt hat« 
_ Ferner, der Fluss Bendi Mahi ist auch historisch von eini- 
gem Interesse. Timur's Prinz Miranschah nämlich verjagte, nach 
Scherifeddin, im J. 1395 den Turkmanen Kara Jusuf hier aus 
seinem Lager, nachdem er dessen Renner aus den Defiie'en von 
Kar äderte (d. h. Schwarzthal) zurückgedrängt hatte. Der Her- 
ausgeber Scherifeddin's, Petis de la Croix (Delf. 1723.), nennt tien 
Karaderre als damaligen Grenzfluss der Türkei gegen Persien, 



Ritter'« Erdkunde, Westasien. 83 

und auf alten Karten, z. B. auf Rhode*« Partes confines triam 
magnoruin imperiorum , Austriaci, Russici et Osmanici (1785. in 
6 Folio -Blättern), heisst der zunächst östlich an der türkischen 
Grenze, gegen Norden über Kotura und Khors dem Ara&es zu- 
eflende Bergstrom wirklich Karadere. 

Auch jenes Städtchen Adeljivaz oder Aadildschüwas mit 
seinem hohen Felscastell ist nicht nur, wie aus Hrn. v. Hammer's 
Geschichte des osman. Reiches und aus seiner Asiatischen Türkei 
nach dem Dschihannüma in den Wiener Jahrbb. 1821 Bd. XIV. 
erhellt, in der türkischen Geschichte und Geographie bekannt 
(erobert von Solimann 1533, belagert von den Persern 1554), 
sondern schon zu Timur's Zeit, der nach Scherifeddin im J. 1387 
und 1394 den Ort unterwarf nebst Eklat d. i. Akhlath (Petis de 
la Croix schreibt Adelgiaonz, und Manger in seiner Ausgabe des 
Ahmed Ben -Arabschah, 2 Voll. 4. Leovard. 1767., macht T. I. 
p. 163, gar Abdol gjauz daraus). Ob hier die von Saint Martin 
I* 105. in der Nachbarschaft von Akhlat erwähnte alte Stadt 
Ardzge im Gau Feznuni mit ihrer für uneinnehmbar geltenden 
Feste zu suchen sei, ob es das obige kccöxqov 'Aktllxs des 
Constantinus Porphyr, und die Stadt Arkestya in Abuifarnoseh's 
syrischer Chronik sei — das bleiben immer noch schwer zn 
lösende Fragen. 

Endlich „ Bayazed oderBajesid, auf einer Vorhohe des Alla- 
dagh gelegen", heisst es S. 321., „scheint keine ahe Stadt ztt 
sein. 4 ' Die Angabe — z. B. bei Uschakoff a. a. O. Th. I. S. 83. — , 
dass sie ihren Namen vom Sultan Bajazeth, der hier im J. 1400 
im Kriege gegen Tamerlan ein festes Schloss erbauen üess , er- 
bauen habe, ist von dem Hrn. Verf., wohl mit Recht, ganz' un- 
berücksichtigt geblieben. Woher Petis de la Croix weiss, - dass 
sie die von Timur 1387 und 1394 eroberte Feste Aidin sei, ist 
dem Ref. unbekannt. Ungewiss ist es auch, ob sie, wie Jeaubejt 
— freilich mit einem Fragezeichen — andeutet, schon bei Edrisi 
II. p. 329. vorkommt, wo er hinter Khilat und Ardjis den Ort 
Badjasis folgen lässt. 

2. Erläutet ung. Der Ararat, Aghri dagh (Arghi dagh) 
mit seinen Umgebungen. (S. 356 — 456.) 

1. Das Apobatärium am Arafat nach den ältesten Tra~ 
ditionen. 
' 2. Fortschritt der Quellen und Hülfsmittel zur armenischen 
Geographie. 

3. • Zugänge zum Ararat, zumal von der kaukasischen 

Nordseite. 

4. Die nächsten Umgebungen des Afarat und das obere 
v Stufenland des Araxes mit seinen Zuflüssen. . 

Dies sind die in antiquarischer, literarhistorischer und rein 
geographischer Hinsicht gleich interessanten Segmente dieser Er- 
läuterung. In dem letztern ist auch der Kriegsschauplatz des 

*6* 



84 Geographie. 

russisch- türkischen Feldmigs von 1828 nnd 1829 im 
«eben Hochlande, zumal um Kars und am Soghanln dagtf beschrie- 
ben, nebst einer bündigen Zusammenstellung der merkwürdigsten 
Ereignisse dieses Krieges (nach Uschakoff), und endlich werden 
die Feste Kars nebst dem Paschalik und Strom gleiche« Namens 
(Kars-tschai oder Akhurean, Arpatsehai = Harpasos bei Xeno- 
phon), die Ruinen der alten Capitale Am und andrer benachbarten 
altarmenischen Städte besehrieben. 

Es wfirc dem Hrn. Verf. bei dem Reichthum an Quellen und 
Hfilfsmitteln, die ihm au Gebote stehen , ein Leichtes gewesen, 
alle Abschnitte mit derselben Fülle von historisch merkwürdigen 
Daten auszustatten, wie diea bei einzelnen Partien, bei einzelnen 
Localitateu geschehen ist. Es würde aber eine solche Consequens 
das ohnedies starke Volumen des Werkes übermassig erweitert 
haben ; darum wohl hat der Hr. Verf. es vorgezogen , gar Man - 
ches jener Art nur gana kurz zu berühren >oder gänzlich zu über«» 
gehen, dabei aber auf Werke au verweisen, worin man sich eines 
Nähern belehren kann. Indess Eins und das Andre glaubt Ref. 
hier doch zur Sprache bringen zu dürfen, solches nämlich, was 
weder der Text noch die in den Noten citirten Hülfsmittel be- 
rühren nnd was doch für den Historiker von entschiedener Wich- 
tigkeit zu sein scheint. 

Es zieht von dem Antrat in westlicher Normaldirection ein 
schlangenförmig mehrfach gekrümmter Gebirgszug, als Haupt* 
Wasserscheide zwischen dem gegen Westen fliessenden Miirad 
oder sudöstlichen Quellann des Buphrat und dem gegen Ost eile»* 
den Araxes, bis zu des letztern Quellrevier, das dem des Fset 
oder nordwestlichen Quellarm des Buphrat ganz benachbart ist, 
nämlich am Binghöl Tagh d.h. Tausend - Quellen - Gebirge , im 
Rücken von Eroerum. Dieser lange Gebirgszug führt in seinen 
einzelnen Theilen sehr verschiedene Localnamen, die bei den 
Kreuz- und Quer -Routen, welche uns die Erdkunde zur Orienti- 
rung auf diesem bisher so wenig bekannten Hochlande mittheilt, 
mehrfach hervortreten. Unter ihnen ist von besonderer Wichtig- 
keit der Ala- Tagh oder Ala-Dagh d. h. Schöner Berg (eigent- 
lich : bunter , scheckiger Berg) , unter dessen Namen auch wohl 
der ganze Höhenzag susammengefasst wird (nach S. 470.) , nnd 
der mit dem Atta dagh d. i. Gottesberg (S. 345. 346.) nicht ver- 
wechselt werden darf. Jener wird sehr oft genannt (S. 24. 79. 
335. 380. 382. 413. 427. 461 470. 475. 507. 646. 653.). Aber 
nirgends wird angedeutet, dass es der hi der Geschichte der 
Ilchane oder Mongolenkaiser in Persien so oft erwähnte Alatalt 
sei. Es acheint jenes Alpenrevier von jeher ein Land der Pferde- 
zucht gewesen zu sein; seitdem aber Hulagu, der Ilchane erster 
(reg. 1256 — 1265.), sein Sommerlager hier aufgeschlagen (1262) 
und einen Palast erbaut hatte (1264; vgl. C. dlOhsson's Histoire 
des Mongols T. III. und v. Hammer -PurgstalTs Geschichte der 



Ritter's Erdkunde, Westasien. 85 

Ilchane Th. I. S. 228.), seitdem war der Alatak auch seiner 
Nachfolget beliebter Semmeraufenthalt« z. B. seines Sohne» 
Abaka (reg. 1265— 1282)> bis in die letzten Zeiten Ihrer Herr* 
schaft* wo noch an demselben Alatak die awei Kronprätendenten 
Musa and Mohammed 1336 eine Entscheidungsschlacht lieferte»; 
Auch Timur suchte häufig die kühlen und frischen Orasungen 
dieser Alpen von tausend Quellen, J^nen AUUagh und Binghöl- 
Tagh auf, um seine Reiterschaaren von den verheerenden Kriegs- 
lagen ausruhen d. h. au neuen sieh kräftigen au lassen, z. B« 
1887 („am Alatak, in der Ebene von Abara Serai"), 1394, 1400, 
1402, 1403, wie atfs Scherifeddin zu ersehen Ist, dessen Ueber~ 
setzer oft wunderliche geographische Noten macht 9 z. B. den 
Bingböl f 1994) au einem Dorf Mineegheul am Berge Joüdi macht 
und ihn (1403) Mencoui Yeilak [Jailak r= Alpenweide, Sommer- 
aipen] nennt, so daes dagegen Tavernier'a Mingol — was als 
Entstellung S. 402. gerigt wird, während 8. 330. Bing«! *) steht 
— immer noch verständlich genug ist. 

Unter den verschiedenen Fassagen , weiche über dies merk- 
würdige Gebirge fahren, wird S, 350. aus Uschakoff Th. I. S. 93. 
•diejenige angeführt, welche „von Bajesid nach Knlpi im Araxes- 
Thal ab Befahrbarer Weg 101 Werst weit über Hastanlu Geduk 
d. b, den Hassanin -Rücken fuhren." Ob Geduk oder Geduk im 
Türkischen Gebirgsrücken heisse (nach Uschakoff I, 78.) oder 
einen Eiigpass bezeichne (nach Burnes, s. Erdk. VIII, 497.), soll 
uns hier nicht kümmern. In der Geschichte des osmanischen 
Reiches erwähnt aber Hr. v. Hammer ~ Pnrgstall zwei Schlachten, 
welche die strategische Wichtigkeit jener Passage ansser Zweifel 
setzen* Bei Karahissav scherki nämlich d. i. dem östlichen Kara- 
hiesav, am Berge Turkmantaghi schlag Jnsuf Pascha die Rebelleu 
1095, und am Passe Kara Hasan- Kedügi („Spalt des Kara 
Hasan", wie Hr. v. H. P. übersetzt), in der Ebene Kelurat schlug 



*) Obiges Binghöl, eigentlich Bmg-ghöl d. i. Tausend 8ee,i, Tau- 
send Quellen, schreibt Uschakoff oder dessen Uebersetzer schon unkennt- 
licher Binngol. Aber in zahlreichen tatarischen Namen heisst noch jetzt 
grade ming uftd nicht hing „tausend". Wir verweisen nur, der Kurze 
wegen, auf das Namen- and Sachverzeichnis* zu K. Ritter's Erdkunde 
von Asien, bearbeitet von J. L. Ideler. Berlin 1841. — • Uebrigens ist 
der Wechsel von B und M in vrestasiatischen Namen überaus häufig. So 
heisst Bambuk auch Mambtfk, Baabelk bei Wilh. r. Tyrus auch Malbec, 
der Flosa bei Rumkaleh Marzeoan oder Af ersesen auch Rarzeman ; aus 
den Moslimen haben , wie die deutschen MuSelraaeoer , so die Slaven im 
Mittelalter Biserminen , Bösermanen, Bosanmanen gemacht, welchen letz- 
tern Namen sie auch noch jetzt bei den TscberkcsSen fahren , nach Klap- 
roth, der auch für wahrscheinlich halt, dass der Name der sudrassischen 
8tadt Backmuh aas Mahhmud entstanden sei, „da die Rossen und Türken 
gern B statt M setzen". 



86 ** Geographie. 

sie der Grosswesir Muradpascha am 4. Sept. 1608. Die Lage des 
sonst wenig bekannten Ortes Karahissar, welches ehedem eines 
der Sandschakale von Erserum bildete (S. 754), Hesse sich hier- 
aus ungefähr bestimmen ; über die Ebene Kelurat haben wir sonst 
nirgends Auskunft gefunden. 

Auch der Theil des erwähnten Alpenztiges, welcher Koseh- 
dagh S. 330., Kussa dagh S. 345., Kossa dagh S. 355., Kusseh 
dagh S. 655. (wo der Name ais „Berg ohne Bart d. h. waldloser 
Kegel" erklärt .wird) oder Kus Dag im türkischen Dschihannoma, 
auch wohl Djedek (= Geduk, Gedük = Bergrucken) genannt 
wird, und durch dessen Kossa Dagh- Pass oder Kuzsa dagh- 
Pasa (S. 355. 401. 654 655.) zwischen Topra Kaleh und Deli 
Baba , auf der von Bajesid über Hassankaleh nach Erserum fuh- 
renden südlichen Karawanen - und — wegen des steten Uebcr- 
flusses an Holz und Heu allezeit brauchbaren — Militärstrasse 
wahrscheinlich Xenophon mit seinen zehntausend Hellenen aus 
dem Lande» der Chaoi in das der Phasianoi zog *), wird bei Scheri- 
feddin ausdrücklich als Kiosatak namhaft gemacht bei Timor's 
Feldzug des Jahres 1394. Dies fuhrt uns auf einen wichtigeren 
Punkt. Timur nämlich hatte , nachdem sein rechter Flügel unter 
Mirsa Mirenschab die Betlisstrasse hinauf (wie einst Xenophon) 
in die Ebene von Musch gestiegen war, sein Heer in derselben 
zusammengezogen, veranstaltete im Sommer grosse Jagden um 
Akhlath am Van -See, unterwarf Aidin (Bajesid?), nahm die 
Huldigung des Taharten, Fürsten jon Ersendschan, zu Utsch 
Kilissa an (d. i. Kloster. Dreikirchen, aber nicht in dem unter 
dem Namen Etschmiadzin bekannteren im Westen von Eriwao, 
sondern in dem am oberen Marad , im Paschalik Bajesid , in der 
Ebene von Alischgerd, 3 Stunden westlich von Diyadin und 6 von 
Musch, vgl. S. 350 — 52. 652. 664 — 65.), brach dann — um 
den auf seine Festung trotzeuden Fürsten von Awenik zu unter« 
werfen — aus seinem Lager um Alischgerd oder Alaschgerd 
(das altarmenische Vagharsch agerd , 5 Stunden von Utschkiiissa, 
s. S. 330. 345. 351. 654 — 55.) auf, überstieg den Kiosatak und 
erschien nach zwei Tagen (!) vor Awenik, welches er dann nach 
langer Belagerung einnahm. Erst im Herbst, nachdem er um 
Kars und am Bing ghöl gelagert, brach er gegen Georgien auf. 
So nach Scherifeddin's Erzählung (in der französ. Uebersctzung 
von Petis de la Croix, ed. Delf. 1723. T. II p. 299—312. Livr, III 
c. 43.). Hat hier Petis de la Croix nicht eben so schlecht über- 
setzt, als er die genannten und andre Localitäten commentirt hat, 
so bleibt gar kein Zweifel übrig, welchen Weg Timur, um nach 
Awenik zu gelangen , genommen habe , nämlich aus dem Gebiet 
des Murad gegen Norden über den Kusseh-dagh. Es kann 



*) So nach S. 657., während S. 387. (nach Rennel) die westlichere 
Roate von Musch nach Erserum angenommen war. 



Ritter's Erdkunde, Westasien. 87 

aber alsdann jenes Awenik nicht identisch sein der — allerdings 
1387, nach Scherifeddin, ebenfalls von Timor eroberten — Stadt 
Wan, wie zuerst Petis de la Croix ohne Weiteres behauptet, 
dann auch Manger, der Herausgeber des arabischen Biographen 
Timnr's *), Th. IL p. 333. gläubig angenommen und so selbst 
die Erdkunde in erster Ausgabe von 1818 Th. II. S. 746., in der 
jetzigen Ausgabe Th. IX. S. 981. wiederholt hat**). In letzterer 
wird S. 982. auf Saint Martina oft erwähnte Memoire* sur 1' Ar- 
m<fnie T. I. p. 138. verwiesen. Dieser identificirt die Stadt Wan 
dem altarmenischen S chamir amager d (Semiramisstadt) oder Va- 
napert, Vanagerd^ dem Buana des Ptolemäus und Iban der By- 
zantiner, bemerkt auch, wohl au« armenischen Quellen, dass es 
im Tierzehnten Jahrhundert nahe derselben noch Ruinen von Mo* 
numenten gegeben , welche die Einwohner den alten Königen von 
Asien zugeschrieben und deren Festigkeit selbst Timnr's Zerstö- 
rungswut getrotzt hätten, und sagt p. 139., dass sie Timur im 
J. 1392 **) erobert und ein grosses Blutbad angestellt habe; aber 
dnrehans gar nichts sagt er von der Identität der Orte Wan und 
Awenik. /Vielmehr weist derselbe Th. 1. S. 100. der von Timur 
und seinen Nachfolgern „oft" belagerten und eroberten Feste 
Awemk eine ganz andre Stelle an: „Avnig^ heisst es dort unge- 
fähr, oder Avenga amrots d. i. Feste Avenga , persisch Avenic, 
türkisch Djevan Kalaah, vulgär - armenisch Djxvan Khatä , eine 
sehr berühmte Feste der neuarmenischen Geschichte, liegt im 
Lande Pasin, im Norden des Aras, zwischen den zwei Festen 
Hasan Kalaah oder Hasan Khald im Westen and Mejengerd (arme- 
nisch; oder Medjenkerd (türkisch) im Osten ; sie steht gegen- 
wärtig [1818] unter einem Sandschak des Pascha von Kars (nach 
dem Dschthannuma p. 407.), scheint das thxötqov 'dßvtxov 
[oder xdexQOV tov 'Aßvtxov] bei Constantinus Porphyrog. de 
adtninistr. imper. cap. 115. zu sein, welches d'Anville in seiner 



*) Ahmed Ben Arabschah, Ahmedis Arabsiadne Vita et Reruni 
gestarum Timnri Historia. Arabice et Latine ed. S. H. Manger. 2 Voil. 
4. Leovard 1767. 

**) Aach das Jahr 1392 bei K. Ritter, wie bei St. Martin, der 
»ich übrigens ober das Factum selbst auf eine ans unzugängliche armeni- 
sche Quelle (Thom. Medzop'h Hist. de Timour fol. 65, 73. in MSS. Ar- 
men. Nr. 96.) beruft, ist unrichtig. Scherifeddin wie Ahmed Ben Arab- 
~ schab geben 1394 an. Die Jahre 1391 und 1392 bringt Timor auf dem 
Fetdzuge nach Kiptschak gegen Tochtamisch zu; erst im Spätjahr 1392 
bezieht er, von dort zurückgekehrt, die Winterquartiere am Sihun oder 
Jaxartes. Vgl. Charmoy Expedition de Timour i lenk contre Togtamiche 
Khan de 1'OuIous de Djontchy en 1391 in den Merooires de l'Academie de 
St. Petersbourg 1835. Serie VF. Tom. V1H. (Sciences politiques, histoire, 
Philologie); ferner pag. 344. in v. Hammer -Pürgstall's Geschichte der 
goldnen Horde im Kiptschak. Pesth 1840. 



88 Geographie. 

Geographie abregde T. IL p. 101» mit der grossen Stadt Ani, der 
Capltale von Armenien *), verwechselt hat" u. 8. w. 

Das hier erwähnte Hasan Kaleh d. h. Hasans Schlösse Haupt- 
stadt und Feste in Ober -Pasin, am nördlichen Quellfluas des 
Arax.es, 7 Stunden östlich von Erserum, lehrt uns die Erdkunde 
hinreichend kennen and ?en dem alten Theodeeiopolis wohl unter- 
scheiden, S. 380—303. Auch das Schloss Mejengerd oder 
Medschengert, Medschnekerd , lernen wir als ein ruinirtes Fels* 
castell am Karasu oder Khantschai oder Murts (Musis bei Ptinius), 
der vom Soghanlu oder Zwiebelgebirge gegen Südost dem Ars* 
suflicsst, ebenda S. 407. 412. 420. 421. aus dem russischen Ar- 
meebericht bei Uschekoff Tb, IL S. 73 — 75. keimen t und selbst 
auf gewöhnlichen Karten ist es als Medschnekerd eingetragen **). 
Aber von Dschetran Kaleh erfahren wir S. 424« nur so viel /das* 
ehedem eines der Sandschake oder Kreise des Pasohaliks Kars 
diesen Namen getragen* Als „Civankala" finden wir den Ort auf 
ütern Karten. 

Worauf nun des gelehrten und "besonnenen Saint Martina 
Behauptung sich stützt * hst Ref. nicht zu ermitteln vermocht. 
Was uns dabei am meisten irritirt, ist, dass der Hr. Verf. der 
Erdkunde & 4£8. in Bezug auf Mejengerd auf Saint Martin s oben 
excerpirte Stelle verweist, ihm also dessen Meinung über Awenik 
nicht entgangen sein kann. 

Aber auch Hr. v. Hammer -Purgstall in seiner Geschichte 
des osmanischen Reiches Bd. IL S. 680« behauptet, dass Avenic^ 
Aunik, Awanik des Scherifeddin gänslich verschieden sei von 
Wen, indem er die Ansicht des Petis de la Crofr verwirft, selbst 
aber die Position der fraglichen Festung durchaus nicht näher 
bestimmt. Ein Schloss Autiik erwähnt derselbe ebenda Bd. III. 
S» 720. auf Sultan Solimaii's Rückmarsch von Tauris her, 1547, 
wo es heisst, er habe auf der Ebene des Schlosses Aunik gelagert 
Und Tags darauf in Wan. Er bemerkt dabei, dies Schloss sei 
verschieden von Amik oder Aamik s womit wohl das von Saint 
Martin a. a. O. S. 137. als Stadt und Feste erwähnte Amig, vul- 
gär Amk'har (von deren Lage und von deren Existenz wir sogar 
in neuem Itinerarien und auf neuern Karten nichts gefunden) 
„östlich am Van -See, gegenüber seiner Insel Limn, und sudlich 



*) Ueber Ani, das 'Avlov der Byzantiner (Cedrenus), handelt Saint 
Martin I, 112 fg. und die Erdkunde S. 439 fg. 

**) Auf der unglaublich fehlerhaft gezeichneten Karte in „Beschrei- 
bung des letzten rassisch-türkischen Krieges von Baron von Ehrenkreuts, 
königl. preuss. Hauptmann und Ritter des eisernen Kreuzes. Coblenz 
1831., figurirt der Ort unter dem Namen Manazgord, ebenda, wo 
Reichard's Kleinasien Mantzikert and die oben erwähnte Karte von 
Rhode (1786) ein Manzikerd ansetzt, nämlich am oder nahe dem Södafer 
des Aras ! 



' Ritter'a Erdkunde, Westasien. 80 

von Bergfalri" gemeint ist. Endlich nennt Bf. V, Hammer -Purg* 
stall noch ein Aumxk unter den Schlössern, die 1533 an Soliman'e 
Greseweair Ibrahim eapitulirten, nämlich zusammen mit Bajesid 
und den im Uebrigen uns unbekannten Schlössern Tenos, Walten, 
Iobtieflan u« a. In dem Reisebericht des castilisohch Embassadetira 
Gonzalez de Clavigo, der 1404 — 6 , an den Hof Tiraur's in Sa- 
markend gesandt s seinen Hib- und Heimweg durah Armenien 
nahm und der in diesem Bande der Erdkunde leider gänzlich 
unbeachtet geblieben ist, wird S. 101. *) eine Stadt Auniqui 
genannt, die., soviel wenigstens Red Aus den rätselhaften Local- 
namen auf der ganzen Route Von Arsinga (Ersendschan) am Eu> 
phrat bis Mact und Hol (d* i. Ahoi) in Aserbeidachan achliessen 
su dürfen glaubt, eher einer Stadt im Gebiet des. Aras, also wohl 
unserm Aunik oder Awenik, entspricht als der bekannteren Wan. 

Wir sehen also, hier bietet aioh noch Manches au reich- 
licher Nachlese, noch MaAchös aar Berichtigung und Fest- 
stellung dar. 

Sehr begierig sehen wir ferner den Resultaten entgegen, 
welche die Erdkunde in einem folgenden Theile über die Ruinen 
von Artasata und von Totoin , die S. 400« nur gelegentlich 
erwähnt sind , bringen wird : ob Saint Martin'» Ansicht (Mrfmoiree 
snr l'Armeme 1. S. 91. und 119 ) wirklich begründet ist, dass daa 
armenische Towin oder Tewin , byzantinisch Dubios oder Tibion, 
Tibe, syrisch Adabyn, arabisch Dowin oder Dewin, völlig iden- 
tisch sei der Stadt Debil oder Dabil, deren Namen in dieser 
Form nur durch einen sehr alten Copistenfehler in die meisten 
arabischen Schriftsteller übergegangen. . Nach des Ref. Ansicht 
ist Edrisi'a Beschreibung von Dubil (ed. par Jaubert T. IL p< 320., 
besonders p. 324—25. 328. 329.) für die Identität. Aber Abul- 
feda — wenigstens in dem Excerpt, welchea uns in Albertus 
Schulten» Index geographicus zur Vita Saladini (Lugdun. Batav. 
1732. Fol.) unter dem Artikel „Armenia" vorliegt — unterschei- 
det Dubil oder AI Dabü 70° 20' long. 36° 25' lat, von Dawin 
72° long. 38° lat. , wornach also jenes Dabil in Südwest von Da- 
win zu liegen käme. Wir finden dort die Notiz >, dass aus Dawin 
Saladin's Vater Ejub stamme« Schultens misslieher Zusatz unter 
dem Artikel „Dawyn", dass dieses, der Stammort Ejub's, nahe 
Tiflis gelegen sei, ist sogar in gute Bücher übergegangen , z. B, 
in Rehm'8 Geschichte des Mittelalters. Ein Towin oder Dowin 
oder Dawin in der Nähe von Tiflis ist nns nicht bekannt ge- 
worden. Aber das« sich zu Towin in der Nachbarschaft des alten 
Artaxate und dea jetzigen Eriwan im X. Jahrb. arabische Emire 



*) Goncalo Argote de la Monteria HisUniü de Gran Tamorlan 
e itineraxio y enarradon dei viage-, y rslacioa da la embajada de Gon- 
zalez de Ciaingo. Madrid 1782. 4. 



90 Geographie. 

vom Kbalifat unabhängig gemacht *), dasa im XL Jahrh; die 
Seldschuken die Stadt nebst Gebiet kurdischen Emiren über- 
Hessen , dies wie die übrige Geschichte der merkwürdigen Stadt 
ist aus Saint Martin's trefflichen M&noires zu ersehen. Abulfeda 
sagt, dass Saladin von Geburt ein Kurde und zwar ans dem Tribus 
Rawad sei; andre zuverlässige arabische Quellen bei Schul tens 
a. a. O. nennen Dawin in Aserbeidschan ( — über die Grenzen von 
Aserbeidschan , Arran und Armenien herrscht bei den arabischen 
Schriftstellern eine unglaubliche Meinungsverschiedenheit und 
Confusion — ) als Ejub's Geburtsort. Wenn nun noch C. Niebuhr 
in seiner Reisebeschreibung Th. II. S. 331. hörte, dass Dowin 
im Koj Sandschak (dies Koi liegt in Türkisch Kurdistan etwa 
12 Meilen östlich von firbil oder Arbela und 10 M. südöstlich von 
Rawandis) der Geburtsort Ejub's sei (s. Erdkunde IX. S. 616.), 
so lässt sich dies etwa so vereinigen , dass Ejnb aus der Tribus 
Rawad stammte, aber zur Zeit der Kurdenherrschaft im armeni- 
schen Towin oder Dowin sesshaft war, und dass die Kurden von 
Rawendus oder Rawandis erst später den Ruhm auf ihr obscures 
Dowin übertrugen. — 

Um auf „Dabil" zurückzukommen, so hat Fr. Stüwe in sei- 
nem Werkchen „Die Handelszüge der Araber unter den Abassiden 
in Afrika, Asien und Ost -Europa. Berlin 1836; Nebst Karte." 
es als „Armeniens Capitaie Debil^ (die Verstümmlung des Namens 
in Deinel erwähnend) in die Nähe des Ararat setzen zu müssen 
vermeint, von welchem diese Stadt ihre Färbestoffe zu ihren 
Purpurteppichen erhalten habe **). — ■: 



*) Ueber die Dynastie der Beni Scheddad in Towin, Arran u. s. w., 
welch« Hidschret 340—468 d. i. 951—1076 n. Chr. Geb. herrschte und 
welche bisher den europäischen Historikern unbekannt geblieben, han- 
delt, die Reihenfolge der Herrscher aus dem Schehrifade mittheilend, 
der rassische Akademiker Ch. von Frähn in „Erklärung der arabischen 
Inschrift des eisernen Thorflugeis zu Gelathi in Imerethi" p. 543. in den 
Mlmoires de l'Academie de St. Petersbourg Serie VI. T. III. (Sciences 
politiques etc.) 1836. 

**) Vom Purpur und von der Farbe sagt Edrisi (bei Jaubert -T. II. 
324 — 25.) nichts bei Hervorhebung der unübertrefflichen Wollenwebe- 
reien, Teppiche, Filze, Polsterwaaren und andern Fabricate, wo- 
durch Dabil berühmt war. Dass am Ararat seit ältester Zeit ein die 
Cochenille ersetzender Purpurwurm zur Scharlachfarberei gesammelt 
werde , .wissen wir aus Parrot's Reise. Vgl. Erdkunde S. 456. — Auch 
die Position von Dcdbul oder Dibal, der ehemals volkreichen Hafenstadt 
der arabischen Provinz Sind , im Mündungsland des Indus , hat Stüwe 
irrig angegeben , da er der lateinischen Uebersetzung Edrisi's folgt, 
welche sie 3 Tagereisen westlich von der Mündung des Indus setzt, 
statt 6 Million, wie die berichtigende Note Jauberts ausdrücklich 
bemerkt. 



. Ritter's Erdkunde, Westasien. Ol 

Aber wo*u hier solche Abschweifungen? Allzufern liegt du 
Behandelte keineswegs, und wenn es, wie etwa noch Nachfol- 
gendes, zu genauem Untersuchungen anregt, so ist ein Zweck 
erreicht, den der billige Leser zu würdigen verstehen wird. 

3. Erläuterung. Der Ararat, Aghri Dagh (Arghi Dagh) 
mit seinen Umgebungen. Fortsetzung» (S. 456 — 514.) 

1. Die Araxes- Ebene. S. 456— 463. 

2. Fr. Dubois ümwanderung derselben, S. 463 — 479., 
wobei die nöthigen Erläutertingen über die uralte Feste 
und Götterstadt der heiduischen Armenier, Armavir, ge- 
geben werden. S. 465. 

3. Das Dorf Arghuri oder Agorri am Nordfuss des Ararat 
und das St. Jacobs- Kloster. S. 479 — 485. 

4. Der grosse Ararat und seine dreimal wiederholte Erstei- 
gung (durch Parrot). S. 486—495. 

5. Resultate über die Gebirgsbeschaffehheit des grossen 
Ararat^ über seine Flora, seine ewige Schneegrenze 
und seine Seitehattraction. S. 496 — 504. 

6. Der kleine Ararat und seine Ersteigung. S. 504 — 507. 
Anmerkung. Das Erdbeben und der Einsturz des Ararat 



(1*40). S. 507 — 514. 
ufdi - ' 



Auf dieses Segment allergrösstentheils rein geographischen 
und naturwissenschaftlichen Inhalts folgt ein andres, das durch 
die reichlichsten Mittheilungen aus dem Gebiete der Archäologie, 
Philologie, Ethnographie, Historie, Literatur- und Kirchen- 
geschichte das vielseitigste Interesse gewährt, in allen diesen 
Beziehungen eine grosse Lücke ausfüllt in der Kenntniss des arme- 
nischen Hochlandes und gewiss dahin wirken wird , die in vielen 
Büchern verbreiteten , ganz irrigen Ansichten von Armeniens Be- 
wohnern, ihrer Sprache, Literatur, Religion u. s. w. zu ver- 
drängen. Die Fülle des hier zusammengedrängten , lichtvoll ge- 
ordneten Stoffes' ergiebt sich schon aus dem Inhaltsverzeichnis?, 
das wir, übersichtlich zusammengestellt; ohne unterbrechende 
Auszüge oder Bemerkungen hier folgen lassen. 

4. Erläuterung. Etschmiadzin, der Patriarchensitz der 
Armenier* Ihre Literatur und Sprache; ihre Colonien und 
Verbreitungen in der alten Welt. (S. 514 — 645.) 

1. Etschmiadzin oder Vtschkilisch d. i. Dreikirchen, der 
Patriarchensitz Armeniens an der Stelle der alten Ca» 
Intal* Fagharschabad. S. 514—38. (Kirche, Kloster, 
Klosterleben, lürchenarchitektur, Inscriptionen , Tiridates 
Bekehrung durch Set. Gregorius Illuminator, Kloster- 
bibliothek.) 

2. Fortschritt der Kunde des armenischen Landes und 
Volkes durch die Wiedererweckung der altarmenischen 
Literatur und durch das wiedererwachte Studium der 



93 Geographie. 

armenischen Sprache seit Anfang den 18. Jahrhunderts. 
8.539—577. 
3* Sprachverwandtschaft der Armenier; eingewanderte 
Colonien der Fremdlinge in* Armenien; Auswanderun- 
gen der Armenier und ihre Verbreitungen über die alte 
Welt. S. 577 -610. 
' 4. Die national - armenische Kirche und die mit der römi- 
schen unirte; die schismatischen Armenier; d\e papi- 
stischen Armenier; ihre Patriarchen; ihr Katholikos 
und dessen Residenzen. Das armenische Klosterwesen^ 
die Schulen , die Druckereien und die Bibliothek zu 
Etschmiadzin. S. 610— 634. 
5. Fragmentarische Schilderungen der Armenier in ihrem 
gegenwärtigen Zustande nach verschiedenen Augenzeu- 
gen und von verschiedenen Standpunkten. S. 634 — 645. 
Ref. kann sieh nicht enthalten, indem er den Hauptzweck 
der ganzen Anzeige, indem er daa Interesse der Mehrzahl von 
Lesern dieser Blätter im Auge behalt, dieselben mit dem Inhalt 
der zweiten dieser fünf an und für sich gleich schätzbaren Unter- 
abtheilungen noch genauer bekannt zu machen , als dies deren 
blosser Titel vermag. Die wesentlichsten Punkte also sindx arme- 
nische Studien überhaupt; Paris seit dem 19« Jahrb. Hauptsitz 
armenischer Sprachkenntniss; die Mechitaristen-Congregation auf 
San Lazaro zu Venedig; Verdienste der deutschen Sprach- 
gelehrten Dr. Petermann und Dr. Neumann in neuester Zeit 
Armenische Schrifterfindung durch den' Heil. Mesrop; armeni- 
sche Poesie, Architektur; Besiegung und Bekehrung der Idolen- 
anbeter, einer Hindu - Colonie im Lande Daron; im 4. Jahrh« 
n. Chr. Geb. Periode des Aufblühens der Wissenschaften , der 
, armenischen Literatur, in welcher der Debersetzungsfteiss den 
vorherrschenden Charakter abgiebt. Die armenischen Classiker, 
besonders Moses von Chorene (geb. o. 370 -f 489). Nicht nur 
theologische Werke, nicht nur die der alten Kirchenvater, son- 
dern auch die Dichter, Philosophen, wie die Historiker und Phi- 
lologen wurden in das Armenische übersetzt; man kanu annehmen 
— fahrt der Hr. Verf. fort S. 568. — dass ein Dritiheil der 
griechischen Literatur und darunter viele später verloren ge- 
gangene Werke im Armenischen aufbewahrt wurden. Nach 
vorhandenen Spuren hofft man, nnd [nach Brosset's Catalogue de 
la bihliotheqne d'Edshmiadzin. Petersh. 1840., der pagT 85. 
Nr. 181. eine armenische Uebersetzung des Q. Curtius in der 
dortigen Bibliothek als vorhanden aogiebt] nicht ohne Wahrschein- 
lichkeit, den ganzen Diodor von Sicilien^ den ganzen Polybius 
und Q. Curtius, die Chronik des Syneellus, des JuHhs Afticanus 
unter de» armenischen Manuskripten wieder aufzufinden* wie man 
die Chronik des Eusebius, die Gramflkttik d«» Divnysius Thras, 
Werke des Piaio und Aristoteles in Davide Vorbereitungen 



Ritter's Erdkunde, Wertasien. 93 

wledcrgefundlen hat, und Stellen von vielen andern Historikern. 
Die sonst verlornen historischen Werke des Chaldiert Berosus 
(s. oben S. 356.) , die roodicinischen Schriften von Hippokrales, 
von Galenus, die Gedichte von Homer werden häufig wie im Ar* 
menischeii existirend von Moses und Andern citirt; von Berosus, 
den Moses Chorenasli benutzte, scheinen noch im 12. Jahrb. die 
Werke vorhanden gewesen au sein. Von der ganaen historischen 
Bibliothek des Diod&r von Sieüien , von den Werken des Olym- 
fiodor, des Andronicus aus Rhodus, von den Gedichten des 
KMimaehos waren wenigstens armenische Uebersetaungen vor- 
handen" u. s. w. 

Ferner, ist die Rede von dem Eintiuss der Syrer und Perser 
auf die armenische Literatur und S. 575 fg. von den nach dem 
einheimischen Literaturschats bearbeiteten neuesten Geogra- 
phien des alten wie des neuen Armeniens von dem oft erwähnten 
Saint Martin imd dem erst unlängst verstorbenen gelehrten 
Mochitaristen Pater Lucas Indshidshean (Beschreibung der 
ganaen Erde in 12 Bänden, und Alterthümer des armenischen 
Landes). „Er berichtigt Stellen des Strato, dem er Namen* 
Verstümmlung vorwirft, weil er die armenischen Benennungen, 
s. B. Dsophk in Eco yyvtf, Egecheaa in './4 x t JU 17 f 7, Arta»had 
in 'AQx&iaxct verwandle und andre anders wiedergebe; shad 
wie gerd bedeute nur Stadt, das Erbaute, wie abad der Perser. 
Auch Ptolemaeus wird, lehrreich für künftige Editoren dieses 
misshandelten Autors, zurechtgewiesen, wo öfter Verschiebun- 
gen der nördlichen und südlichen Districte vom Araxes aum Eu- 
phret u. s. w. vorkommen" u. s. w. 

Ganz in derselben Weise hat übrigens auch St. Martin — 
den Indshidshean tadelt, weil er arabfschen, persischen und tür- 
kischen Geographen folgend und dadurch die einheimischen alt- 
armenischen zu berichtigen wähnend , erst gar manche Irrthümer 
eingeführt habe — eine ganze Reihe von Verbesserungen im 
Test des Strabo und Ptolemaus vorgeschlagen in seinen Me*- 
meires sur l'Armenie. Allein so annehmbar auch viele derselben 
erscheinen mögen, ein kritischer Herausgeber der Alten wird 
doch sehr auf seiner Hut sein müssen, dieselben ohne Weiteres 
in den Text aufzunehmen, da ja doch immer noch die Möglichkeit 
denkbar ist, dass Strabo, Ptolemaus u. A. wirklich so geschrieben, 
wie wir lesen , dass sie manchen Namen fehlerhaft überkommen, 
manchen der griechischen Aussprache aoeomraodirend selbst ver- 
stümmelt haben. In manchen Fallen, allerdings bei schwanken- 
den Lesarten, wird die Beachtung der alteiuheimischen Namens- 
formen den Ausschlag geben können. So, um nur ein Beispiel 
anauführen , bei Tacitus Annal. üb. XIV. cap. 24. , wo ohne 
Zweifel die armenische Landschaft Daron (d. i. Land des Tauros- 
Binganges, syrisch Tarlm, Daran, Ba-darun) der Provinz Duro- 
penn bezeichnet wird mit dem Namen regio TauranUium, dessen 



94 „ Geographie. 

unerhörte Form so den verschiedensten Lesarten, Taurantium, 
. Tauramnitium , Taiirannitium ,' Tauraünitium, Tautauntium u. a», 
und zu einer mindestens eben so unerhörten Etymologie (a Tauro 
et amne!!) behufs der Feststeilung der einen Variante Taiiran- 
nitium (assimilirt aus Tauramnitium) Veranlassung gegeben hat 
Soviel Ref. weiss, hat zuerst Saint Martin (MeTnoires I. p. 99.) 
auf die Identität dieser Namen hingewiesen und Hr. Prof. Ritter 
S. 649. sie erwähnt mit Verweisung auf Neumann in der Zeitschr. 
für die Kunde des Morgenlandes Bd. I. S. 396. Ebenso billigt 
derselbe S. 817. die Conjectur Saint Martin's, dass bei Strabo 
XI. p. 528. TaQMvLxris statt des von allen Codd. dargebotenen 
Ta^asvltrjg^xu lesen sei. — Ref. bemerkt noch überdies, dass 
ebendasselbe Daron oder Tarun zu verstehen sei in dem uQ%ovta 
zov Tccqco bei Gonstantinu9 Porphyrogenitus de Cerimoniis aulae 
Byzantinae üb. I. c. 24., wo Reiske, sich bemühend diese Loca- 
lität naher nachzuweisen, förmlich Blindekuh spielt, indem er 
schwankt, ob Dara in .Ober -Mesopotamien oder lieber das von 
Abulfeda in Thabarestan oder Hyrcania erwähnte Dara gemeint 
sei, wiewohl er sich schon aus demselben Constantinus de ad mi- 
nie tr. irop. cap. 43., wo die Herrschaft TaQciv und ihr Beherr- 
scher TctQ(oylz7}s mehrmals genannt wird, eines Bessern be- 
lehren konnte oder vollends aus der Stelle de Cerimoniis Hb. II. 
cap. 48. p. 396. ed. Lips., p. 687. ed. Bonnens., wo der aQ%mv 
zov TaQ(5 in Armenia genannt wird mitten unter andern armeni- 
schen Herrschaften, unter welchen Reiske selbst in dem ikftncg 
das Mtisch oder Mos der armenischen Geographie erkannte uno* 
so dem Canton Daron nahe genug war, da eben Musch dessen 
Hauptstadt war. 

Drittes Capitel. , 
Der obere Lauf des Euphrat oder seiner beiden Quellen des 
Murad und Frat bis zu ihrer Vereinigung. (S. 645 — 825.) 
Wiederum ein überaus reichhaltiges Capitel , grösstentheils 
zwar rein geographischen und topographischen Inhalts — weshalb 
wir hier die Unterabtheilungen, de^r Kürze wegen,/ übergehen 
wollen — aber auch ausgestattet mit den mannigfaltigsten Erör- 
terungen über historisch merkwürdige, für den Freund der com- 
parativen Geographie interessante Loyalitäten, von denen wir nur 
die allerwichtigsten, zum Theil nur andeutend hervorheben, mit 
der Bitte an den geneigten Leser, aus dieser blossen Aneinander- 
reihung von Einzelheiten nicht einen Schluss machen zu wollen 
auf die Darstellungsweise des Hrn. Verf. , die in diesem Capitel 
eben so wissenschaftlich zusammenhängend , eben so lichtvoll als 
in den andern ist. Es wird uns hier die Configuration des arme- 
nischen Hochlandes mit seinen vier Hauptgebirgszügen S. 742. 
(vgl. S. 906. 907. 911.) , die Plastik oder das System seiner Pla- 
teaubildung mit Gebirgsketten S. 773. (vgl. S. 835. 836.) zur 



Ritter's Erdkunde, Westasien. 95 

lebendigsten Anschauung gebracht, ohne welche alles andre Über 
die Landesnatur Beigebrachte doch nur mangelhaft oder gar nicht 
verständlich» sein wurde. Freilich für bequeme Leser, welche, 
durch gewöhnliche Gompendien und Handbücher verwöhnt, nur 
Euitheiliingen , Begrenzungen, statistische Bevölkerungs- und 
ähnliche Verhaltnisse und so viele andre, oft nur von Landkarten 
abgelesene oder aus Tabellen entnommene und daher, wegen der 
steten Wandelbarkeit solcher Dinge, oft schon, ehe sie nieder- 
geschrieben sind y wieder unwahr gewordene Notizen in nuce bei- 
sammen zu finden vermeinen nun für solche ist die Erd- 
kunde nicht geschrieben , sondern für das Studium der Wissen- 
schaft, wie der Titel sagt. Sehr schön bemerkt der Hr. Verf. 
•S. 754.: „Es würde eine blosse Täuschung sein, zu wähnen, dasa 
man durch eine vollständige Aufzählung und Beschreibung von 
jenen willkürlichen Theilungen wohl auch zu einer vollständigen 
Kenntniss eines Ganzen gelangen könnte. Dazu kann nur die Ver- 
folgung nach einem organischen Zusammenhange führen, dem 
wir hier nachgehen, in welchem alle wesentlichen Verhältnisse 
wirklich vollständig erschöpfend sich von selbst hervorheben, 
sobald ihre Kenntniss nur vorausgegangen ist." 

S. 646. Der Murad oder südöstliche Quellarm des Euphrat 
ist der Arsanias bei Plinius und Tacitus, der Omiras bei Plinius, 
der Jrsines bei Procopius. 

S. 662 ff. Das Paschalik von Musch (vgl. 676—00.), der 
ehemaligen Hauptstadt des wichtigen Hochthaies Daron. 

S. 665. Die Stadt Melazgherd (Malazgherd , Melesgerd, 
Menasgerd , Bf elezgherd S. 649.) , nach der Erdk. IX. 994. mo- 
dernisirt aus M anazgherd , vollständiger Manawazgherd , als ein-» 
stige Residenz des armenischen Zweiges der Manawaz* Prinzen 
und ebendort als das bei den Byzantinern oft erwähnte Mavrfy- 
xUqt anerkannt. Dies hat St. Martin in den Me'moires T. I. 105. 
schon im J. 1818 hinlänglich auseinandergesetzt, und dennoch, 
wie fuhr man mit diesem Mcivt&xUqt um! Wofür musste nicht 
Melazgherd gelten ! Die Stadt ist strategisch und dadurch auch 
historisch von Wichtigkeit. Seit dem 9. Jahrb. Sitz mohammeda- 
nischer Emire, in den Kriegen der Armenier, Byzantiner, Seld- 
schuken u. s. w. häufig belagert, wurde sie auch denkwürdig 
durch die «Niederlage und Gefangennehmung des Kaisers Roma- 
aus IV. Diogenes 1071 durch den Seldschuken Arslan. ein Factum, 
welches auch an einen Ort Zahra geknüpft wird, nach dessen 
Position wir uns aber in der Erdkunde und in andern Hülfsmitteln 
vergeblich umgesehen haben« 

S. 682. Der Karasu , ein Quellfluss des Murad , ist der 
Teleboas des Xenophon. 

S. 725. Etymologie des JNamens Euphrat, wobei wir 
erinnern, dass hebräische Wurzelstecherei sogar den * Namen 
des paphlagonisch-bitbynischen Grenzflusses Parthenios auf die 



96 Geographie. 

hebräische Wursel „farra" d. i. »fruchtbar machen« zurück- 
geführt hat. 

S. 737. Elegia, in der Geschichte des Trajanus 115 n. Chr. 
und de« Vologeses 162. näher bestimmt als IUdscha 2 Stunden 
westlich von Erserum, sowie Satala, anf welches der Hr. Verl 
8. 829 — SO. lurüokkommt Dort wird die Position von Satala In 
Lori ermittelt, im W. des Passes von Karakulak (welcher 25 Stun- 
den westlich von Erserum), und ein «weites unteres Elegia am 
Euphrsl, das bei Plinius H. N. V, 20. erwähnte, nachgewiesen 
als das jetaige Telek an der vom Euphrat umflossenen Halbinsel 
von Kharput, welche die Alten Elegosim nannten und innerhalb 
- welcher die wahre Quelle des Tigris liegt. 

S. 740. Der Berg TAec&es* auf Xenophon's Marsch und das 

Gymnias desselben. Der Hr. Verf. kommt S. 825« darauf surück 

und verspricht die Verschiedenheit der Erklärung der Marschlinie 

* der zehntausend Griechen welter unten vollständig au erörtern* 

In diesem Bande geschieht dies noch nicht. 

S. 742. Die Gebirge Scydises und Paryadres der Alten. 
S. 746 — 768. Die Ebene, das Paschalik und die Stadt 
Erzerum, das altarmenische Garin oder Karin, das byzantinische 
Tkeodosiopolis , das Arzen ev Rum der Araber. 

8« 76!^. Ebene von Terdschan, Dersene bei Plinius, Jferv 
sene bei Strabo (vgl. S. 81.), wie nach Mannert, Saint Martin 
I, 44., v. Hammer's Gesch. des osraan. Reichs II, 559. nicht mehr 
su bezweifeln ist. Mohammed II. sehlug hier 26. Juli 1473 den 
berühmten Usun Hasan. 

S. 770 ff. Erzingan, Ersendschan, eine in der Geschichte 
des Mittelalters überaus wichtige Stadt, die schon S. 270. be* 
sprachen ist. Wir bemerken, dass sie vor Josafa Barbaro (1471) 
auch schon (1404) von dem oben erwähnten eastilisehen Ger 
sandten Gonzales de Clavigo S. 91 'ff. beschrieben und 8. 217. 
berührt wird unter dem Namen Arsinga. Vielleicht wird der 
Hr. Verf. in einem nächsten Bande, bei Gelegenheit der nörd- 
lichen und östlichen Stufenlandschaften des armenischen Hoch- 
landes, auch auf dieses Spaniers Reisebericht eingehen und Auf« 
schlass geben iiber die von ihm S. 216. erwähnte Ruinenstadt 
Alesquiner (?), die er nebst Aumian (?) und Asseron (d. i. Er- 
icrum) die drei grössten Städte Armeniens nennt, sowie (S. 102.) 
die grosse Calmarin (?) am Fluss Corras die älteste Stadt u. e, w. 
Welchen Namen der Stadt Ersei}dschsn „auf dem olasaischea 
Boden des alten Armeniens" die Griechen und Römer gegeben« 
ist schwer zu ermitteln. Saint Martin I, 71. schweigt darüber, 
fuhrt nur die altarmeuischeir Namen Erisa, Erez, Arrins an. 
Der Hr. Verf. stellt es S. 273. als wahrscheinlich hin, dass sie, 
zuerst als Aziria bei Ptolemäus, als Aurea Coraana oder Xqvötj 
Ko)iava bei Procopius und erat später wieder bei Constantinua 
Porphyrogenitus de administr. imperio eap. 44« vorkommt §J» 



Ritter's Erdkunde, Weatasien. 97 

"Agtsg, welche er stets mit den uns unbekannten Festen XU ix 
und IJbqxqI zusammen nenne, von denen er sage, dass, wenn 
sie im Besitz des Kaisers blieben, das römische Reich vor den 
Ueberfallen der Perserheere gesichert sei , da sie zwischen Ar- 
menien und der Römer grenze gelegen — „die Eingange zu Ibe- 
rien wie . zu Pontus und nach Syrien beherrschten 14 . Letztern 
Zusatz hat Ref. bei dem kaiserlichen Berichterstatter nicht ge- 
funden. Wir haben schon oben Chliat als Akhlat, Percri als 
Barghiri angesprochen. Eben jene stete Zusammenstellung mit 
beiden fuhrt uns dahin, in dem Arzes eine dritte Uferstadt des 
Vau -Sees, nämlich Ardjisch, das Arsesa und Arsissa des Ptoie- 
mäus und Andrer zu erkennen, was der Hr. Verf. selbst gethan 
Erdk. IX. S. 786., und vor ihm Saint Martin 1, 136. Noch Edrisi 
1150 nennt (T. II. p. 328. bei Jaubert) diesen „festen Platz Ardis 
auf der Grenze der Römer" und bemerkt, dass zwischen ihm und 
Hissn Ziad (d. i. Kharput) ein Baum wachse, dessen Frucht der 
Mandel ähnlich sei und die man mit der Schale esse, süsser denn 
Honig. 

S. 774 ff. Interessante Untersuchung über die antiken San- 
ctuarien im Gebiet von Ersendschan: den Taranaghi (zJctQavtööa 
des Ptolemaus) und den Berg Sepuh Beschreibung einer Pilger- 
fahrt nach dem Kloster Lusauoritsh in Set. Gregorys Eremus. — 

Wir können Ersendschan, dessen im Mittelalter weit aus- 
gedehntes Gebiet eine besondere Statthalterschaft bildete, nicht 
▼erlassen, ohne auf einige Localitäten hinzuweisen, über welche 
die Erdkunde bei Gelegenheit des Uebergangs von Armenien zum 
kleinasiatischen Hochlande vielleicht nähern Atifschluss geben 
wird. Der. Seldschuken Sultan Alaeddin Keikobad von Rum 
schlug im J. 12§g. den Chowaresmier Dschalaleddin Mankberei 
„bei Nissi . Tschemen im Districte Ersendschan". Gewöhnliche 
Karten geben ein Tschemen gegen Westen von Ersendschan, 
unweit südwärts von Diwrighi. Eben jener Alaeddin eroberte die 
Stadt 1235. Sein Nachfolger Ghias eddni Kei Khosru verlor sie 
an deren Zerstörer, die Mongolen unter Baidju Nujan 1243, nach 
deren Sieg „im Gebiete Ersendschan". . Die Mongolen lagerten 
bei dem Stadtchen Akschehr (ein solches haben gewöhnliche 
Karten fast so weit westlich von Diwrighi als dieses von Ersend- 
schan) ; der Sultan von Rum kam von Siwas her und lagerte ihnen 
nahe, am Berge Kuffa dagh oder Koset ag (nach Reschideddin), 
dessen Namen „Schmutzberg" bedeuten und der früher Alaku 9 
Alakju geheissen haben soll. Nach dem Berge und nach dem 
Stadtchen wird die Schlacht benannt. Vgl. C. d'Ohsson Histoire 
des Mongols T. III. p. 81. und Geschichte der Uchane von Ham- 
mer- Purgstall TJi. I. S. 10ß., wo man die Quellen angegeben 
findet. — Bei demselben „Akschehr von Ersendschan, im Ge- 
biet des Danischmend" schlug 27. Apr. 1299 Uchan Gazan's Feld- 
herr Kutlukschah den rebellischen General Sulamisch. 

N. Jahrb. f. Phil. u. Päd. od. KrÜ. Bibl. Dd. XL. U[U I. 7 



96 Geographie. 

S. 78S. Die Feste Am oder Kamach, Camacho Ka[ia%a 
der Byzantiner, der altarmenische Tempelort, das Schatzhaus, 
die Statte der arsacküschen Königsgräber. 

S. 795. Biwrighi entschieden das TstpQixij der Byzantiner, 
ob aber Nieopolis, die Siegesstadt des Pompejus, immer noch 
zweifelhaft. Die Vermnthung des Hrn. Verf. S. 915. , dass die 
bei Ebn Batuta genannte Stadt Birki dieses Tephriki sei, gewinnt 
an Gewisiheit durch Abd Ailatif (herausgegeben von Silvestre de 
Sacy, p. 470.), der Hidschret 626 d. i. 1228 n. Chr. eben hier- 
her nach „Deberki" einen Ausflug machte. 

S. 809 ff. Kharput , armenisch Kharpert , Garperd , bei 
den Byzantinern Xccqzoxb und — fügen wir hinzu — bei Wil- 
helm v. Tyruslib. XJI. c. 17. Quartapiert genannt, bei den Sy- 
rern Kortbert oder wie bei den Arabern Hissn Zeyad u. s. f., wird 
hier als Strabo's KaQxcc&i6x8pTa rijg ZaHprjviJQ , .bei Plinius 
„Tigri proximtim Carcatkiocerta" erkannt, in welchem Mannert 
Th. V. 2. S. 239. nichts Anderes als Amida d. i. jetzt Diarbekr, 
Saint Martin dagegen 1. 1. p. 96. sowie Jos. v. Hammer -Purg- 
stall noch in der Gesch. der Ilchane Th. 1. S. 186. das spätere 
Martyropolis erkennen wollten, d. i. das jetzige Miafarekin. 

S. 812 — 25. „Nachtrag und Berichtigung zum dritten Ca- 
pitel (Dies diem docet)". 

In dem Vorworte S. VI. findet dieser Nachtrag seine Recht- 
fertigung. Mit am wichtigsten für die aite Geographie ist, dass 
der Hr. Verf. die transtigritanische Provinz Mosoene nicht mehr, 
wie er selbst friiher getfaan und wie dies gewöhnlich geschehen, 
4er Hochebene von Musch, sondern nach dem Vorgange Saint 
Martin's dem Kurdendistrict von Mikes oder Mukusch östlich von 
BHlis entsprechen lässt. Dann die Ehrenrettung des Ptmws 
gegen Mannert, der ihm die gewaltigste Unwissenheit und Nach- 
lässigkeit vorwirft. 

Viertes Capitel. 
Der mittlere Lauf des Euphrat von dem Zusammenfluss des 
Frat und Murad durch Mesopotamien zum Lande der Canäle 
im alten Babylonien. (S. 826—1115.) 
1. Erläuterung. Der vereinte Euphratlauf durch die 
Taurusketten bis zu seinem Eintritt in die Ebene Mesopota- 
miens, s. 826— 98. 

Den Eingang bildet „die erste Be schiffung des Euphrat von, 
Kjeban Maaden bis Samosata", mitgetheilt, wie schon gar Man- 
ches in dem vorigen Capitel, aus dem Werke eines verdienten 
preußischen Officiere, von Moltke's Briefe über Zustande und 
Begebenheiten in der Türkei 1835—39. Berlin 1841. 8. -Es 
werden die durch diese Expedition, wie durch andre Reisen ge- 
wonnenen Resultate benutzt nicht mir zur Darstellung der Confi- 
guration des Landes, sondern auch zur Aufhellung vieler historisch 



Ritter's Erdkunde, Westasien. Od 

bedeutsamer Punkte, namentlich der alten Geographie. So finden 
wir über den westlichen Euphrat -Zafluss Melaa Belehrung, wie 
sie bisher nirgends gegeben werden konnte; ferner über Malatia, 
das alte Melitene, auf einer uralten Handelsstrasse, auf welcher 
■ugletch der Cuttus der Mylitta in Vorderasien gegen Werten 
fortschritt und mit ihm die Sage von der Semiramis als Gründerin 
der Stadt, womit in Verbindung gebracht wird die Keüinschrift 
bei Kümürhan am Euphrat *), sowie das sehr merkwürdige 
Irrigationssystem dieser Landschaft, namentlich zu Asbusi, 
welches eine nackte Ebene in einen paradiesischen Garten ver- 
wandelt hat und dessen erste Anlage dem hohen Alterthum, viel- 
leicht den Zeiten der Semiramis' angehören dürfte, wie die ähn- 
lichen Anlagen der Paradiese bei Ecbatana am Orontes, die des 
Tak i Bostan bei Kermanschah (s. Erdk. IX. S. 110. 368. 375.), 
des Sheriman Sa bei Artemis und des Gikourab bei der jStadt Van 
am Van- See (Erdk. X. S. 294. 303 ff.). 

Es möge dem Ref. die nachträgliche Bemerkung gestattet 
sein, dass jenes Asbusi\ der Sommeranfenthalt von Malatia's Be- 
wohnern, von den Orientalen wirklich zu den irdischen Para- 
diesen gezahlt wird. Die genaueren Geographen und eifrigen 
Moslimen begnügen sich nämlich nicht mit den Tier bekannten 
Paradiesen (Thal von Ghuta bei Damask, Auen von Obolla an 
der Mündung des Euphrat, Thal Schaab Bewwan in Farsistan, 
Ebene Soghd um Samarkand) , sondern nach dem Vorgange des 
Korans, in welchem, wie sieben Himmel, so acht Paradiese 
angegeben werden, zählen sie ausser den vier obigen noch vier 
andre: das Thal von Tebris, das Thal von Mamschan md zu Ha- 
madan (Ecbatana), das Thal des Bosporus und eben jenes Asbusi. 
So nach Hrn. v. Hammer* Pnrgstall (Gesch. der Ilchane Th. I. 
S. 196«), der, auf Ewlia's Beschreibung von Malatia und auf das 
Dschihannnma des Hadschi Chalfa sich beziehend, dieses Thal 
Sebusi nennt, bewässert vom Ftuss des Messias. 

S. 881. wird auf die falsche Darstellung dieses obern Theils 
des Euphratlaufes auf den bisherigen Karten seit d'Anville's Vor- 
gang selbst bis auf Rennel, dann auf die Bedeutsamkeit dieser 
Stromstrecke in dem* Maximum der Annäherung zum syrischen 
Meere aufmerksam gemacht. Dann folgt S. 882 ff. die beleh- 
rende Schilderung der sehr wichtigen Gebirgspassagen durch 
den Taurus aus Melitene nach Commagene mit den drei Euphrat- 
zuflössen Kakhtah oder Kiachta, Fluss von Adhman und dem 
Göksu. 



*) Mit Verweisung auf „K. Ritter, Mitteilung der von dem kon. 
preuss. Ingenieur -Hauptmann Hrn. v. Mühlbach am obern Euphrat ge- 
machten Entdeckung einer Keil-Inscription, im Monatsbericht über die 
Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde *u Berlin. 1840. I. Jahrg.". 

7* 



100 Geographie. 

Bei Gelegenheit der nach Mannert's (Th. VI. 1. S. 507.) 
Vorgang S. 882. geschehenen Identificirung des Marsyas der 
Alten (Plin. H. N. V, 21.) mit dem nahe unter Rumkalah in den 
Euphrat gehenden Fluss, den Hr. v. Moltke Marsifan, schon 
Abulfeda Marzeban und — fügen wir hinzu — Hadschi Chalfa 
im Dschihannuma 598 Merseban nennt, sieht sich Ref. veran- 
lasst, denen entgegen zu treten, die von dergleichen auf „blosse 
Namensähnlichkeit" hasirte Identificationen durchaus ganz und 
gar nichts wissen wollen. Freilich wohl, ein Verfahren, wie wir 
es von Kruse, Reichard u. A. angewendet sehen , die Allesund 
Jedes zu bestimmen wissen, indem sie, unbekümmert um ander* 
weitige Beweisgrunde und nicht ahnend , dass man ohne Kennt* 
niss der neuern Sprachen , namentlich der orientalischen und sla- 
vischen , auf den Gebieten des Qstens fort und fort den gröbsten 
Fehlgriffen ausgesetzt ist, sich lediglich nach dem Klang der 
Namen, ja oft nur einer Silbe richten, verdient allerdings das 
Misstrauen und den Tadel, der ihm bereits von besonnenen Ge- 
lehrten zu Theil geworden. Aber mit jenen Hirngespinsten ohne 
Weiteres die durch Namensähnlichkeit gestützten Combinationen 
der „Erdkunde" auf gleiches Niveau stellen und verwerfen — 
das sah Ref. häufiger Ignoranz als wahrhafte Kritik thun. Es 
sollen hiermit keineswegs alle in der „Erdkunde 11 vorkommenden 
Hypothesen der erwähnten Art in Schutz genommen werden; der 
Hr. Verf. selbst hat hier und da frühere Annahmen in darauf fol- 
genden Untersuchungen zurück zu nehmen sich veranlasst ge- 
funden. Wir heben nur hervor, dass seine derartigen Bestim- 
mungen im Ganzen nicht allzu häufig und in der Regel von trifti- 
gen Gründen unterstützt sind, die er nur nicht jedesmal weit- 
läufig auseinander setzt. Wir setzen in dem vorliegenden Falls 
keinen Zweifel in die Gleichstellung des Marsyas und Marsifan. 
Die Tenacität antiker Namen ist eine bekannte Sache; dass auch 
das Alterthum seine Balhorn's hatte, wird Niemand bestreiten 
wollen. Ohne daher entscheiden .zu können , ob die Alten diesem 
Fluss den ihnen geläufigen Namen Marsyas gaben , weil ihnen def 
einheimische orientalische ähnlich klang, oder ob umgekehrt die 
Orientalen den classischen Namen verstümmelten, bemerken wir 
hier nur, dass das türkische Marsifan oder Merseban, das ara- 
bische Marzeban bei Abulfeda, das armenische Barzeman (s. 
Saint Martin T. I. p. 196. Erdk. X. 938.) nichts andres ist als das 
persische Marzban (Erdk. VIII, 490. 491.) oder armenische Barz- 
man, d. h. Grenzwächter, Markgraf. Ob sich dieser Name in 
dieser Localität auf ein historisches Factum beziehe, hat Ref. 
nicht .ermitteln können, ebensowenig als wie die antike Stadt 
Phazemon im Pontus zu ihrem türkischen Namen Marsiwan oder 
Mersifan gekommen ist. 

S. 896. Begierig sind wir, im folgenden Bande zu erfahren, 
ob die wahre Lage von Germanicia mit Sicherheit ermittelt sei, 



Ritter's Erdkunde, Westasien. 101 

das hier nur beiläufig erwähnt und nicht identisch dem jetzigen 
Marasch gesetzt , sondern östlich davon angegeben wird. Soviel 
wir wissen , hat zuerst Assemani in den Noten zu den Actis S. Si- 
meonis Stylitae p. 402. den Ausspruch gethan: Quae Syris et Ara- 
bibus v6lgo Marhas dicitur, Latiuis Germanicia. Aber er hat 
diese Behauptung nirgends erhärtet Schon Köhler zu Abulfeda's 
Tabula Syriae hat sie verworfen, wie Busching in seinem Meister- 
stück, Erdbeschreibung von Asien, dritte Ausgabe (1792) S. 127« 
bemerkt. Gleichwohl sagt — und das ist von Gewicht — der 
gelehrte Saint Martin T. I. p. 200. , Marasch heisse armenisch 
auch Kermanig , syrisch Germaniki , bei den Byzantinern Genua- ' 
nicia. Aber den Beweis bleibt auch er schuldig. Noch Hr. 
von Hammer - Pnrgstall in seiner Geschichte der Uchane (1842) 
Th. I. S. 286. folgt derselben Ansicht. Reiske in seinem Com* 
mentar zu Constantinus Porphyrog. de Cerimoniis aulae Byzantinae 
(ed. Bonn. Vol. III. p. 576 ff.) schwankt, ob dies Germanicia s. 
Germanicopolis s. Adata bei Glycas p. 295. ( — Busching ver- 
stand dabei a. a. O. eine Stadt Glycae! — ) das von Edrisi, Abul- 
feda u. A. erwähnte al Hadath, oder ob es, weil ein geographi- 
sches Fragment bei Banduri (in dessen Noten zu Constant. Porph. 
de Thematibus, ed. Bonn. Vol. III. p. 281.) rsouavixta 2Jvgla$ 
7] vvv TelsöavQa, Moipov ös xqtjvcu habe, nicht vielmehr das 
in der Nähe von Hadath erwähnte Tel Sauran der Araber sei. 
Auch erwähnt er ein Germuk im mittleren Abstand zwischen 
Amida (Diarbekr) und Maresia (Marasch), aber nur nach Land- 
karten. Ref. sah es nur auf ganz unzuverlässigen Karten, noch 
im Osten des Euphrat. 

2« Erläuterung* Syrische Vorstufe des Taurus gegen 
Mesopotamien, von Samosata bis zur Südwendung des Euphrat 
hei Balis und Thapsakus. S. 898 - 1003. 

Auf sehr werthvolle Mittheilungen rein geographischer Art 
— hypsometrische, geognostische , Klima- und Vegetationsver- 
hältnisse — folgen S. 925 ff. schätzbare Erörterungen 

a) über die denkwürdige Stadt Samosata nebst einer kurzen 
Geschichte von Commagene, wobei wir nichts vermissen als die 
völlige Uebergehung der von den Alten häufig erwähnten Stadt 
Ar samosata , die Plin. VI, 9. ein oppidum Euphrati proximum 
nennt. 

b) Ueber Rumkaleh oder Kalat ev Rum S. 931 ff. — Nach 
Hrn. v. Hammer -Purgstallj Gesch. der Uchane Th. I. S. 403., wo 
nach altem Herkommen Rumkaleh mitZeugma und Bir mit Birtha 
identificirt wird (wie schon S. 310), erhielt diese Feste vom 
ägyptischen Sultan Eschref , der 1291 Syrien von den Kreuz- 
fahrern gereinigt hatte, statt des Namens Römer - oder Griecheo- 
schloss den eines „Schlosses der Afoslimen", welcher aber nicht 
von Bestand war. — 

Das auf S. 942. erwähnte „Kaisun, das uns unbekannt," 



102 Geographie. 

Siebt Edrisi ah Hisn (Scbloss) Kaisuni an auf der Route von Me- ' 
tene nach Tarsus und zwar zwei Tagreisen jenseit Bahsana 
(Behesni) und vier Tagreisen von Hisn Sfansur ( Adiaman) ; Saint ~ 
Martin Th. I. p, 194« erwähnt es, mit dem armenischen Namen 
Srhesun, K'heson, syrisch Kischun, als Residenz des armenischen 
Fürsten Basil (t 1H2). 

c) Ais Anmerkung S. 959 — 1003.: »lieber das Land der 
Zeugmus am 'Euphrat von Samosata bis Thapsakus" — eine 
Monographie, weiche der Hr. Verf. hat besonders abdrucken 
lassen und in welcher er diesem für die Geschichte aiier Zeiten 
so wichtigen Passage -Gebiet desEuphrats die gründlichste Un- 
tersuchung widmet, die er mit den Worten schliesst: „Also in 
derselben Reihe und Ordnung ganz den natürlichen Localitßten 
entsprechend, wie sie aus der Euphrataufnahme und den Messun- 
gen nach Ptolemätis' Angäben und denen der Tabula Peutinge- 
riana, soweit diese ausreichen, hervorgehen« Ueberall zeigen 
Monumente der Gegenwart, dass hier die Vergangenheit ihre 
. Spufen zurückliess, deren nähere Erforschung von der nächsten 
Zukunft zu hoffen und zu erwarten sind.' Eine solche Unter- 
suchung würde fruchtbarer für die Kenntnis* des Alterthums 
wie der Gegenwart ausfallen , als die oft so unnütz wieder- 
holtet* Klagen und Vorwürfe der frühern Unwissenheit^ spä- 
tem Verstümmelung und Verderbniss des aus dem Mittelalter 
Ueber lieferten^ von einem einseitigen Standpunkte aus, zu des- 
sen Beurtheilung vor Allem erst ein eben so tiefes Eindringen _ 
in die Sachen wie in die blossen Formen anzurathen sein 
möchte." 

Es that wirklich Noth , dass auch einmal unser Hr. Verf. die 
Methode Reichard's und seine 'willkürlichen Satzungen beleuch- 
tete, dessen Aucterität selbst bei Gelehrten und namentlich leider 
auch in der Schulwelt so festgewurzelt ist, dass man Angriffe 
jüngerer, aber unbefangener und gründlicher Forscher noch 
immer vornehm und schulmeisternd zurückweist, gleich Schnipp- . 
eben, die Pygmäen einem Herkules schlügen. Mit dem voll- 
kommensten Rechte behauptet H. Kiepert *): „Reichard's Karten- 
werk hingegen, welches bei dem Mangel besserer Karten einen 
ganz unverdienten Ruf erlangt hat, ist so nachlässig in der Situa- 
tionszeichnung, so willkürlich in der speciellen Topographie, • . • 
. . . überhaupt so voll der absurdesten Fehler, dass es Jeden, der 
ihm Vertrauen schenkt, eher über die gewissesten Punkte ver- . 
wirren als über ungewisse aufklären kann und nicht die mindeste 
Rücksicht verdient; namentlich ist sein Kleinasien ein Muster 



*) In „Fünf Inschriften und fünf Städte in Kieinasien. Eine Ab- 
handlung topographischen Inhalts von Johannes Franz. Nebs.t einer 
Karte von Phrygien und einem Entwurf nach Ptoiemäus gezeichnet von 
H. Kiepert. Berlin 1840. (pg. 40.) 



Ritter's Erdkunde, Wesüwien. 103 

einer Karte wie sie nicht sein soll, und von allen Karten dieses 
Landes unbedingt die schlechteste." 

3. Erläuterung. Die syrische Vorstuf* gegen Mesopota- 
mien bis Thapsakus. Fortsetzung. Historische Verhältnisse. 
S; 1003 — 31. 

1) Kriegszustände am Euphrat, welche bis zu dem Jahr 
1839 zur genauem geographischen Kenntniss der mittleren Eu- 
phrallanäschaften geführt hatten, bis zum Schlachttage von 
Nhib (23. Juni 18 39). S. 1004 — 12. 

Wer hätte denken sollen, dass deutsche Officiere mitwirken 
mussten, am Euphrat die Heerhaufen des legitimen Sultans gegen 
die Schaaren des ägyptischen Emporkömmlings zu leiten; dass 
deutschen Officieren es vorbehalten war, hier Eroberungen — 
auf dem Gebiete der Wissenschaft zu machen! Hören wir dar- 
über den Hrn. Verf. S. 1010.: „Die Officiere des neutralen Preus- 
sens, von Moltke^ von Mühlbach und Laue, hatten grosses Ver- 
trauen und Einfluss als Militairs im Lager zu Malatia gewonnen. 
v. Fischer diente dem Pascha von Konia und verschanzte die Ein« 
gange durch die cilicischen Pässe, v. Vincke befestigte Angora 
und orgauisirte die Truppen des Izzet Pascha. Ihren sorgsamen 
Beobachtungen und verdienstlichen geographischen Arbeiten und 
Sammlungen aus dieser höchst bewegten Zeit, während der 
grössten Anstrengungen bei ihrer amtlichen Stellung, bat die 
Wissenschaft einen grossen Schatz ppsitiver Daten zu verdanken, 
der die bisherige Geographie in ihrer Kenntniss der Levante, und 
zumal eines grossen Theils von Syrien, Kleinasien und dem Eu- 
phrat- und Tigrislande, aus der bittersten Armuth und grenzen- 
losesten Verwirrung gerettet hat , aus der ohne ihre Ergebnisse 
sich herauszuwinden zur Zeit noch unmöglich gewesen sein würde. 
Und hiermit sei diesen, einst zum Theil meinen sehr werthen 
Schülern, nun meinen verehrtesten Freunden, mein innigster ' 
Dank dargebracht für diese seltnen wissenschaftlichen Leistungen 
an sich, wie für die edle Anspruchslosigkeit, mit der dieselben 
mir gestattet haben, davon öffentlich zum Besten der Wissenschaft 
Gebrauch zu machen.'* 

Hören wir aber auch den Schluss dieses Abschnitts: „Schon 
am Mittage des ersten Schlachttages (23. Juni 1839) war Alles 
entschieden, das ganze noch übrig gebliebene Türkenheer auf 
der Flucht nach Cilicien und Melitebe, mit ihnen die Europäer, 
und — daher hier die Grenze der geographischen Beobachtung 
und des dort kaum erst begonnenen landschaftlichen Studiums. 
Denn dass seitdem die Unsicherheit und die alten Verwirrungen 
des Orients mit allen den Hemmungen zum Fortschritt wissen- 
schaftlicher Erkenntniss und zumal in Syrien von Neuem hervor- 
traten, ist bekannt und hier nicht weiter im Einzelnen nach- 
zuweisen." 



104 Geographie« 

2) Die Schiffbarkeil des Euphrats Von Bir abwärts und 
die Dampf schifffahrts - Expedition auf dessen Strom durch 
Colonel Fr. Chesney (1834 — 1837). 

Von Colonel Chesney's Werk jfiber die Euphratexpedition, 
dessen Druck erst gegenwärtig von der Admiralität in Gang ge- 
setzt wird, hat der Hr. Verf., wie es im Vorworte S. VIL heisst, 
schon einen wichtigsten Theil aus der Handschrift, sowie der 
noch unedirten Karten durch die zuvorkommende Liberalität des 
Autors wie der englischen Behörden mit benutzt. Die wesent- 
lichsten Ergebnisse der Expedition theilt der Hr. Verf. S. 1027. 
vorläufig mit: „Die ganze Beschiffung des Euphrats abwärts von 
Bir und des Tigris abwärts ton Mosul bis zum persischen Golf 
und eines grossen Theiles der Seitenarme des Euphratsystems in 
dessen Deltalande bis tief nach Susinan hinein ist glücklich durch- 
geführt. Die Nivellirung des Mittelmeers von Skanderun und 
dem Orontes bis Bir, behufs einer künftigen Canalisation oder 
Eisenbahn- Verbindung zwischen beiden Enden der fluviatilen 
und maritimen Dampfschifffahrt , ist ausgeführt, das nördliche 
Mesopotamien genauer erforscht, viel Material zur- genauem 
Kenntniss Nordsyriens ~ gesammelt , die Aufnahme des ganzen 
mittlem und untern Euphratlaufes und des untern Tigrislaufes, 
mit Ausnahme sehr weniger Stromstrecken, zu Stande gebracht. 
Auch zwischen dem Euphrat und Tigris wurden Nivellirungen 
gemacht und neue Positionen früher unbekannter Localitäten 
durch Querreisen von einem Strome zum andern gewonnen. Die 
Grenzkette des Taurussystems gegen Syrien wurde hypsometrisch 
und geologisch näher bekannt, ihr Verhältniss zu Mesopotamien 
in besseres Licht gesetzt und im ganzen Stromgebiet des Shat el 
Arab dadurch der Navigation, dem Commerz, der Civilisation 
neue Bahnen eröffnet, und die Möglichkeit einer permanenten 
Dampfschifffahrts - Verbindung seiner äussersten Enden dadurch 
ausser Zweifel gesetzt." 

Dass durch Benutzung solcher Hülfsmittel, wie sie bisher 
noch keinem Forscher zu Gebote standen, über diese Gegenden 
ein ganz neues Licht verbreitet werden konnte, vor dem aller 
Wust in den bisherigen Büchern und Karten verschwinden muss, 
lässt sich leicht ermessen. 

4. Erläuterung. Die syrische Vorstufe. Forlsetzung: 
die Vf er orte zu beiden Seiten des Euphrat. Bir abwärts bis 
Thapsakus. S. 1032 — 1115. 

Wir müssen uns darauf beschränken, aus diesem überaus 
reichhaltigen Abschnitte nur die Titel der wichtigsten erörterten 
Localitäten hervorzuheben, unter welchen die Erläuterungen über 
Bambedsch oder das alte Hierapolis eine bündige, in jeder Be- 
ziehung höchst interessante Monographie bilden, S. 1041—1061. 
Ferner das Gestimschloss oder Kalaat orNedschem, Balis oder 
Barbalishar, Kalaat Jiaber oder Castell Dschaaber, das Schlacht- 



Ritter's Erdkunde, Westasien. 105 

feld Saffain, das alte Sura, Sergiopolis, die alte palmyrenische 
Strasse zürn Euphrat, Ruinen und Inschriften von Taibe, das 
Wüstenreisen überhaupt, das verschwundene Thapsakus. Diese 
und andre historisch wichtige Localitaten bilden den Gegenstand 
der weitern Untersuchungen , in welchen durch die umfassendste 
Gelehrsamkeit und scharfsinnige Kritik gana neue, sichere Re- 
sultate gewonnen werden. 

Fünftes Capitel. 
Der Stromlauf des Belik (Bilecha) im obern Mesopotamien 
und sein Mündungsland mit der Stadt Rakka (Nicephorium, 
Callinicum). (S. 1115 — 1149.) 
Ausser der in dieser Ueberschrift genannten Localität wird 
in. den drei Erläuterung»- Abschnitten eine Reihe andrer aufge- 
hellt; so besonders auch das Schlachtfeld der Niederlage des 
Crassus am Balisgus; ferner die Landschaft Mygdonia in -ge- 
schichtlicher Beziehung. 

„Die zunächst folgende merkwürdige Uferlandschaft des, Eu- 
phrat ist diejenige, in deren Gegend sich bei Kirkesium der Aha- 
bur .... in den Hauptstrom ergiesst. Da seine Quellen aber 
sehr nahe dem Tigrisstrome entspringen , und an seinem Strom- 
gebiete die wichtigsten Localitaten zur Kenntniss der innern 
Landschaften des obern Mesopotamiens liegen, so werden wir 
erst dieses Ländergebiet und den obern Lauf des benachbarten 
Tigrisstromes selbst* verfolgen müssen, ehe wir zum mittlem und 
untern Mesopotamien, mit den beiden gegen einander stark con-_. 
vergirenden und einander ungemein sich nähernden mesopotami- 
schen Strömen vom Tigris zum Euphrat und ihren insularisch ein- 
geschlossenen Ufergebieten oder den mesopotamischen , in der 
nächsten zweiten Abtheilung unsrer Untersuchungen zurück- 
kehren." 

Mit diesen Schlussworten kündigt der Hr. Verf. den Gegen- 
stand des folgenden Bandes der Erdkunde an. Es wird ihm in 
diesem wie in dem vorliegenden eine Menge von Naturverhält- 
Hissen und historisch merkwürdigen Localitaten zum ersten Mal 
an's Licht treten zu lassen , eine Menge von Hypothesen zu be- 
seitigen oder durch Thatsachen zu ersetzen vorbehalten sein. Die 
Schwierigkeit des Bereisens überhaupt und vollends des genauem 
Durchforschens dieses merkwürdigen Terrains, des nördlichen 
Mesopotamiens- und gildarmenischen Grenzlandes am obern Tigris 
und seinen Zuflüssen hat uns bis auf die neueste Zeit über die 
wichtigsten Localitaten in völligem Dunkel gelassen und einer Un- 
zahl von Annahmen Raum gegeben, die nun der Bestätigung oder 
Widerlegung entgegensehen. 

So sind wir gespannt, endlich einmal etwas Begründetes 
über die Lage und die etwaigen Ruinen von Tigranocerta zu 
erfahren, da die seit d'Anville und Mannert noch immer gewöhn- 



106 Geographie. 

liehe Gleichsetzung mit Sert nichts als rfen Klang einer Silbe für 
sich hat (vgl. Erdk. X. S. 88.) und gegen Saint Martin's allerdings 
plausiblere Annahme (T. 1. 165—173.), es sei jene Capitata 
keine andre als das spätere Amida, das jetzige Diarbekr, sich 
doch gar Manches einwenden lässt. 

Auch auf das zwischen Diarbekr und Hossn Keif gelegene 
Matha (s. Macd. Kinneir Journey p. 425.) wird die Erdkunde 
kommen und — mag dieser Ort wirklich das von Theophylactws 
Simocatta üb. 11. cap. 18. (wohl gemerkt,, bei der Geschichte des 
Jahres 587!) erwähnte Mar^ccQcov cpgovQiov in der Nähe 
des durch ein Felscastell geschützten Ortes Bscovöaig sein 
oder nicht' — wohl auch kritisch eingehen auf die, soviel wir 
wissen , erst von Hrn. Jos. v. Hammer- Purgstall in seiner Gesch. 
des osman. Reiches Bd. II. 448. und noch neuerdings in der Ge- 
schichte der goldnen Horde im Kiptschak (Pest 1840.) S. 240. 
aufgestellte Behauptung, dass in diesem „Schloss der Matscha- 
ren" ebenso wie in der Ruinenstadt Madschar an der Kuma *) 
sich der Name der Ungarn oder Magyaren erhalten habe, von 
denen nach der Auswanderung aus Lebedien ein Theil südlich in 
der Richtung nach Persien gegangen sei. In seiner Geschichte 
der Ilchane Th. I. S. 191. , wo er von Mardin v , vom Berge Masius 
(Dschudi), dem Volksstamme der Mardi spricht, wiederholt er 
sie nochmals: „Wenn irgendwo in Asien noch Spuren der Ungarn 
anzutreffen sein sollten , so dürfen dieselben ausser Sibirien noch 
in den Eichenwäldern des Masius, in dem Volksgemisch der Um- 
gegend su suchen sein. Denn hier herum kennt Theophylactus 
Simocatta das Schloss der Magyaren und den Pass der Sahiren 
( — Ref. erinnert sich dort nur von einem ZdntiQ nq dviJQ gele- 
sen zu habeu — ), welche die Namen der Ungarn sind, die bei 
dem Auszug aus dem Lande zwischen der Wolga und dem 
Dnjepr sich südlich nach Persien wandten. Matha ist vermut- 
lich das Schloss der Magyaren und Beiramkai vielleicht das alte 
Beidnm." (Sic!) — 

Dass nordische Völker über den Kaukasus frühzeitig so weit 
nach Süden vordrangen, ist nichts Unerhörtes. Zu dem, was 
die Erdkunde X. S. 589. über die Einwanderung einer Bulgaren- 
Colonie in Inner - Armenien beigebracht, vergleiche man in Hrn. 
v. Hammer's Geschichte der goldnen Horde S. 450. die ans Abul- 
faradsch S. 248. (s. Deguignes X, 241.) entnommene Notiz, dass 
Kiptschaken und Chasarcn im Jahre 1121 auf einem Ausfall 

*) In der Geschichte der Osmanen sagt der gelehrte Orientalist 
ausdrücklich, dass jenes Madschar ebensowenig mit den Madscharen 
gemein habe, als der Terek mit den Türken. Was ihn seitdem von 
dieser durch Klaproth (in seiner Reise in den Kaukasus Bd. I. 8. 402— 
34.) hinlänglich begründeten Ansicht abgebracht haben mag, ist uns 
-unbekannt. 



Ritter's Erdkunde, Westasien. 107 

gegen Georgien und Mesopotamien bis Telbaschar kamen. Auch 
weiss übrigens Ref. ganz wohl, dass die Zccßeigoi, ein unbezwei- 
felt nrali8ches Volk , im Jahr 516 durch die kaspischen Pforten 
in Armenien, Cappadocien u. s. w. einfielen, 531 wieder Arme- 
nien , Ciiicien und andre römische Lander durchplunderten und 
später noch bis 585 in den kaukasischen Landen bald als römische, 
bald als persische Bundesgenossen erwähnt werden. Aber es 
darf nicht unbeachtet bleiben , dass jenes Mcct£Aqg>v tpQOVQiov 
fast genau «SCHMahre vor jenem Auszug der Magyaren aus Lebe- 
dias (Constant. Porphyrog. de administr. imperio c. 39.) erwähnt 
wird und dass der arabische Stamm -Name Modhar oder Masar *) 
im nördlichen , lange vor dem Auftreten Mohammeds von arabi* 
sehen Einwanderern bevölkerten Mesopotamien (s. Erdkunde X. 
S. 1142.) denn doch zur Erklärung von Theophylakts Margccpot 
näher liege als der der Magyaren. Was ehemals Hrn. v. Hammer 
(Gesch. d. osman. Reiches Bd. II. S. 448.) verleitete, das eben 
erwähnte und auch in der Erdkunde X. S. 94. 95. berührte Hossn 
Keif für das berüchtigte Perserschloss rikiyegdcsv mit dem Burg- 
verliess Arftri zu halten, ist uns unbekannt, wenn nicht auch 
hier die £aßstQoii wenigstens indirect, die Schuld tragen (vgl. 
Theophylact. üb. II. c. 5. qppouoiov riXiysQÖcw . . . . ov n6$(in 
BevdoöaßsiQ&v). Gegen wirtig vermuthet er es, in der Ge- 
schichte der Ilchane Th. I. S. 190., in der That sehr weit ent- 
fernt von Hossn Keif, nämlich in der berühmten Assassinenburg 
Girdkuh unweit Damaghan in Kuhistan. Aber auch diese An- 
nahme hat nichts^ gar nichts für sich als die Silbe gird, gerd. 
Ref. wird an einem andern Orte nachweisen, dass jenes Giligerd 
noch jetzt unter diesem Namen existirt, an einer von Hossn Keif 
und von Girdkuh sehr entfernten Stelle, und eilt von diesem Ge- 
biete hinweg, auf dem eine sorgfältige und unbefangene Be- 
nutzung der Quellen Resultate für die comparative Geographie 
liefert, die von den in den bisherigen Karten und Handbüchern 
niedergelegten, zum Theil völlig aus der Luft gegriffenen, gleich- 
wohl aber selbst von namhaften Historikern und Geographen als 
ausgemachte Thatsachen aufgenommenen Bestimmungen gänzlich 
verschieden sind und ihre Bestätigung oder Berichtigung mittelst 
der jüngsten Reiseberichte in der Erdkunde finden werden. 

Zum Schliiss theilt Ref. einige kürzere Notizen nebst Be- 
richtigung einiger kleinen Versehen und störenden Druckfehler 
mit, welche der Hr. Verf. \\i den S. 812 ff. eingeschalteten „Be- 
richtigungen'' 1 und in dem S. 1149. folgenden „Verzeichnis« von 
notwendigen Verbesserungen und Druckfehlern'* übersehen hat. 



*) Dass schon bei Polyaenus Strateg. VII, 6. § 4. ein Medier Mcc- 
taqriQ auftrete, was in der Geschichte des osman. Reiches Bd. II. 455. 
bemerkt wird, ist unsres Bedünkens völlig bedeutungslos. 



108 Geographie. - 

Seite 54. Zeile 4. von oben werden 6 Millien bei Edrigi = 
l\ Stunden gesetzt im Widerspruch zu S. 53. Z. 2. ti. 9. v. u. 

S. 56. Z. 5. v. u. lies „im 17. Jahrh." statt „im 16. Jahrh." 
(s. S. 54. und 268). 

S. 59. Z. 1 — 2. v. o. ist berichtigt S. 164. 

S. 134. Z. 8. v. o. lies „1170 n. Chr. Geb." st. „1160". 

S. 173. Z. 1. v. o. lies 637 n. Chr. Geb.; ebenso S. 1139. 
Z. 10. v. o. (Vgl. Rehin Handbuch der Gesch. des Mittelalters. 
Erster Band. S. 230. und 393.) 

S. 191. Z. 17. v. o. lies Dair Akul st. Dair Akus (s. S. 232.). 
Das hier erwähnte Es 8ib wird auch in der mongolischen Ge- 
schichte erwähnt. Der Ilchan Gazan empfing hier in seinem Hof- 
lager die fluchtigen Emire Syriens im J. 1299 nach d'Ohsson. 

S. 231. Z. 5. v. u. lies 12 Millien st. 12 Meilen. 

S. 235. Z. 1. v. u. lies SW. st. SO. 

S. 237. Z. 13. v. u. lies Caene st Coene. 

S. 238. Z. 1. v. o. 1. sind 21 st. sind 11 (nach Edrisi S. 147.). 

S. 238. Z. 18. v. o. lies Rafeka st. Raseka. 

S. 243. Z. 10. v. u. lies Julian st. Jovian. 

S. 243, Z. 15. v. o. Der zu Ur (worüber vgl. S. 159, ) ge- 
machte Zusatz „dem heutigen Ürfa (Orfa) u ist zu streichen , da 
er nur zu Edessa statthaft wäre, über dessen historische Bedeut- 
samkeit und Benennung vgl.S. 113 — 117. 125. 134—35. u. 961. 
Es ist Ur wohl auch antiker Landesn&me gewesen , gleichbedeu- 
tend etwa dem nördlichen Weideland Mesopotamiens. Woher die 
Juden auch gegenwärtig in Georgien Ur ier heissen, wie Uscha- 
koff in der Gesch. der Feldzüge in der asiat. Türkei Th. I. S. 43. 
angiebt , ist eine andre Frage. 

S. 249. Z. 18. v. u. „Cutha, einer Landschaft um Babylon" 
stimmt nicht mit S. 261. Z. 9. v. o. „Kota (d. i.dithaea) am Ära- 
rat (d. i. am Jebel Judi) u . Man vgl. S. 203. Z. 2. v. o. 

S. 270. Z. 18. v.o. Der Zusatz „der Nachfolger Holagu 
Khans" ist zu streichen oder zu ändern in „der Vorläufer Holagu 
Khans" (sowie das Jahr richtiger 1243). Denn Holagu brach erst 
am 1. Jan. 1256 über den Dschihun in Persien ein. Man vgl. 
d'Ohsson Histoire des Mongols und von Hammer- Purgstall's Ge- 
schichte der Uchane Th. I. S. 90. «18. ' 

S. 355. Z. 1. v. o. 1. Tschawtschewadse, wie S. 418. Z. 12. v. u. 

S. 380. Z. 4. v. o. Der Zusatz „im W. von Etschmiadzin" ist 
zu tilgen. Pallas selbst hat ihn auch gar nicht. Er meint näm- 
lich an der bezüglichen Stelle einen ganz andern, den untern 
Arpatschin, der noch weit unterhalb Eriwan in den Araxes sich 
ergiesst. 

S. 387. Z. 1. v. u. „etwa 4 Stunden" stimmt nicht mit den 
„2 Stunden" S. 393. Z. 17. v. o. 

S. 397. Z. 9. v. u. Der Alpensee Tschildyr Gol tritt schon 
im 16. Jahrhundert in der osmanischen Kriegsgeschichte hervor: 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 109 

am 10. Aug. 1578 siegten die Türken unter Mustafa über die 
Perser unter Tokmak Khan bei dem Teufelsschloss oder Tschüdir 
nordwestlich über dem See Waneti. Vgl. v. Hammers Gesch. 
des osman. Reiches. 

S. 421. Z. 5. v. u. 1. 19. Juni (naml. alten Stils) st. 19. Juli« 

S. 453. Z. 15. v. o. lies mäandernde st. männdernde. 

S. 577. Z. 2. v. o. lies ^ÄQai^vov ntdtov. 

S. 606. Z. 9. v. u. steht Turkmentschai am Ara&es. Es liegt 
aber nur 4 Meilen nordwestlich von Miana. 

S. 629. Z. 1. v. u. lies Haghpad st. Hochpad (nach Saint Mar- 
tina Me*moires sur l'Armdnie T. 1. p. 85.). 

S. 742. Z. 7. v. o. lies 6 ZxvdlöTjg st. 6 ZxvÖotdrjs. 

S. 774. Z. 12. v u. Auch Hr. v. Hammer lässt Gumathene 
dem armenischen Gamach oder Kemakh entsprechen. Allein Am- 
mianus Marcellinus setzt es ja ausdrücklich in Westen und nicht 
weit von Amida (Diarbekr) an, und hat überdies noch die Variante 
Comagene. 

S. 938. Z. 6. v. o. „Dsopkh (ob Dosb , einer Insel im Van - 
See, s. oben S. 621. und Th. IX. 785.)". Allein S. 811. wird ja 
diese Inselfeste und Patriarchen -Residenz an den Se* Goldschik 
im S. von Kharpat gesetzt, und zwar ganz richtig, nach Saint 
Martin a. a. O. T. I. p. 55. und IL p. 196. 

S. 963. Z. 6. v. u. lies 72 Midien. 

S. 985. Z. 12. v. o. und Z. 2. v. u. Kantarah heisst im Arabi- 
schen Brücke; daher Alcantära in Spanien. 

Sollte es dem Ref. gelungen sein , durch diese Anzeige den 
in deren Eingang bezeichneten Zweck zu erreichen , so glaubt er 
der Wissenschaft selbst einen Dienst erwiesen und so einen, frei- 
lich nur kleinen Theil der Schuld abgetragen zu haben, in welcher 
er bei dem hochgeehrten Hrn. Verf. als dessen mehrjähriger 
Schüler steht. 

Berlin. Dr. Pohberw. 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 



Die klassische Philologie in ihrer Stellung zur Gegenwart ist ein 
Aufsatz in der, Deutschen Vierteljahrschrift Juli — Sept. 1843 Nr. 23. 
S. 46 — 78. überschrieben , welcher im Allgemeinen mit Bernhardy's 
Abhandlung über die Stellung der romischen Literatur zur Gegenwart, in 
dem literarisch - historischen Taschenbuch Ton Prutz für 1843 eine 
gleiche Aufgabe hat und uns über die gegenwartig noch erforderliche An- 
wendung der classischen Philologie belehren will, dessen ungenannter 



100 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

Verfasser aber als ein sehr scharfer Gegner der philologischen Gymnasial- 
lehrer und 4er classischen Philologen auftritt. Den philologischen Unter- 
richt in den Gymnasien laset er so entartet und unbrauchbar geworden 
sein , dass selbst Directoren und Lehrer derselben erklärt haben sollen, 
das bisherige Unterrichtsverfahren und die bisherige Einrichtung der- 
selben könne sich nicht lange mehr halten und es müsse über lang oder 
kurz eine totale Veränderung eintreten. Von der classischen Philologie 
aber versichert er , sie sei so carricaturartig geworden und habe so viel 
Abgeschmacktes, Abgedroschenes, Veraltetes, Geistloses, Unnützes, 
so viel Ueberspanntes auf der einen und Niedriges und Gemeines auf 
der andern Seite, dass sie für die gegenwärtige Zeit gar nicht mehr 
passe und er darum das Tadelnswerthe und Lächerliche derselben ihren 
Jüngern und Vertretern zum klaren Bewusstsein bringen und in theophra- 
■ stischer Weise ein Conterfeit von ihr aufstellen wolle. Dieses Conterfeit 
Ist freilich so entworfen, dass der Verf., unbekümmert um die Fort- 
schritte, welche die classische Philologie seit Anfang dieses Jahrhunderts 
und namentlich in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, und unbekannt 
mit der in jeder Wissenschaft nöttrigen Unterscheidung zwischen den 
edlen Meistern und handwerksmässigen ßetreibern derselben, eine An- 
zahl Schwächen der philologischen Handwerker als allgemein herrschende 
Gebrechen des ganzen Standes aufstellt und sie durch eine Anzahl Pe- 
dantereien des vorigen Jahrhunderts vermehrt , dass er die verschiedenen 
philologischen Beschäftigungen bunt untereinander mengt und gewisse 
Geschäfte durch Versetzung auf einen falschen Platz zu Verkehrtheiten 
stempelt , dass er eine Reihe kleiner Huifsbeschäftigungen aus ihrem Zu- 
sammenhange reisst, sie zu alieinigen Hauptbeschäftigungen der Philologen 
macht und somit deren Geschäft in «ine lächerliche Kleinigkeitskrämerei 
verwandelt, dass er über den Werth vieler philologischen Bestrebungen, 
die am rechten Platze unentbehrlich sind, keck abspricht und Dinge, 
deren Wesen er offenbar nicht versteht, sofort als albern und unnütz 
verdammt., und durch Zusammensetzung aller dieser Verdrehungen ein in 
der That recht grässliches Bild der Philologie herausbringt. Mit ihm dar- 
über rechten zu wollen, würde nur ein Kampf mit Windmühlen werden, 
und beweisen, dass man mit den Richtungen der Gegenwart nicht be 
kannt sei. Vor Zeiten herrschte in der literarischen Kritik einmal die 
Sitte, dass, wenn man ein neuerschienenes 3uch recht herabwürdigen 
wollte, man nicht nur dessen Mängel und Gebrechen aufzählte, sondern 
zugleich die Person des Verfassers auf alle Weise schmähte und be- 
schimpfte; gegenwärtig aber haben gewisse kritische Vorfechter und 
Reformatoren zu dem viel wirksameren Mittel gegriffen , dass sie , wenn 
sie ihre wissenschaftlichen Ansichten vortragen wollen , erst den ganzen 
Stand derer, welche auf diesem Wissenschaftsgebiete arbeiten, entweder 
als unwissend und dumm oder als geistig verschroben und moralisch ver- 
worfen vorführen , was wahrscheinlich den Vortheil bringen soll , dass 
ihre Lehre um so entschiedener als neue Weisheit hervortrete. Der 
Verf. versteht sich auf dieses Mittel sehr gut, und verwendet mehr als 
zwei Drittheile seines Aufsatzes zu jenen Auseinandersetzungen und zu 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 111 

der Beweisführung , dass die Philologen in vielen Stacken selbst nicht 
mehr wüssten , wozu sie berufen seien , and dass bis jetzt noch keiner 
' derselben gelernt habe , seine Wissenschaft philosophisch aufzufassen nnd 
richtig, zn definiren nnd zu begreifen. Zum Beweis dafür zählt er die 
Definitionen der Philologie auf, welche von F. A. Wolf im Museum der 
Alterthumsw. I. S. 124., Böckh im Rhein. Museum 1827 S. 41., Schelling 
in den Vorles. über die Methode des akad. Stud. S. 76., Matthiä in der 
Encvklop. nnd Methodol. der Philologie S. 1. , Mutzell in den Andeutun- 
gen über das Wesen and die Berechtigung der Philol. , Salgo (Haase) in 
Vergangenheit und Zukunft der Philol. , Milhäuser über Philologie etc., 
Otfr. Müller in den Götting. gel. Anzz. 1*06 St. 169., Ihlefeld im Qued- 
linburger Gymnasialprogramm von 1838, Mager in der Pädag. Revue 
Juli 1840 S. 8., einem Ungenannten im Conversati.onslex9s.on der Gegen- 
wart IV. S. 156., Freese in der Abb.: der Philolog — eine Skizze, Jahn 
in diesen NJbb. 35, 230. und Kirchner in der akäd. Propädeutik S. 350 ff. 
gegeben worden sind, verwirft eine jede mit ein paar Worten als unrichtig 
nnd lässt nur der Kirchner'schen die Gnade widerfahren, dass sie im 
Allgemeinen das Wahre treffe, aber zu breit sei. Dabei darf man natür- 
lich nicht verlangen , dass diese Definitionen alle tren und genau ange- 
führt seien, und noch weniger, dass der Verf. die zu ihrer Begründung 
* beigegebenen Erörterungen gelesen habe : denn dann würde er mit vielen 
derselben nicht so schnell fertig geworden sein, oder gefunden haben, 
dass mehrere der genannten Gelehrten unter Philologie etwas Anderes 
verstehen, als was der Verf. voraussetzt. Um dann zur Darlegung seiner 
eignen Ansicht zu gelangen, beginnt er mit einigen flüchtigen Bemerkun- 
gen über die Bedeutung des Wortes tptXoXoyog bei den Griechen nnd Rö- 
mern, kümmert sich dabei nicht Jim das Verhältnisse in welchem die 
Worter (piloXoyog und cpiXococpog zu einander standen , und noch weniger 
um das hierher gehörige Buch von Lersch, die Sprachphilosophie der 
Alten , sondern findet nur , der Begriff tpiXoXoyog sei schon bei den Alten 
so proteusartig , dass man ihn unmöglich durch eine Definition bestimmen 
könne. Unwillkürlich drängt sich ihm zwar die Bemerkung auf, der 
cptXoXoyog sei schon damals ein Forscher über Sprache und Rede gewe- 
sen; allein weil er bei der Sprachforschung immer nur an die niedere 
grammatische* und lexikalische Sprachbetreibung zu denken scheint, so 
kommt er nicht in^ Reine und findet es sehr tadelnswerth , dass die mei- 
sten Philologen immer noch die Definition Wowers , phäologia est peritia 
linguarum et andarfg ci^%moXoyiag cognitio, für wahr halten. Er selbst 
aber stellt S. 66. folgende Erklärung auf: „Wir definiren (classische) 
Philologie, im praktischen Sinne genommen, wie es der Etymologie des 
Wortes zunächst entspricht, als das Streben, im theoretischen Sinne als 
die Wissenschaft, mit Hülfe einer genauen und gründlichen Kenntnis» der 
griechischen und römischen Sprache und mit Hinzuziehung der notwen- 
digen archäologischen und historischen Kenntnisse, zumeist dieser beiden 
Volker und ihrer allseitigen Verhältnisse , die Literatur derselben nach 
ihren mannigfaltigen Seiten zu verstehen und aus ihr diejenigen Kenntnisse 
und Resultate, den Genuss und die Bildung zu ziehen, deren wir jetzt 



112 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

noch bedürfen und uns erfreuen mögen." Zar Rechtfertigung dieser De- 
finition weist er darauf hin, dass, obgleich wir gegenwärtig in vielen 
Stücken des Wissens weiter sind als die Alten, wir dieselben doch sowohl 
im Allgemeinen als im Besondern noch immer nicht missen können , weil 
ihr Geschmack, ihre Bildung, ihr Urtheil, ihre Thatkraft, ihre Werke, 
ihre Erfindungen , ihre Handlungen , ihre Aeusserungen , ihr politisches, 
wissenschaftliches und Kunstleben für uns und für die Nachwelt immer 
erregend, ermunternd und erhebend sein und bleiben werde. Desgleichen 
giebt er zu beherzigen , dass die meisten unsrer Wissenschaften auf das 
ciassische Alterthum gebaut sind und dort ihre Anfänge haben, dass unsre 
Juristen, Mediciner, Philosophen, Staatsmänner, Geschichtsforscher und 
Kunstler von dort die wahre Begründung ihres Wissens holen müssen, 
and überhaupt die Kunde eines so edlen , so hochherzigen nnd so idealen 
Volkes , wie die Griechen und in manchem Betracht aUch die Römer 
gewesen sind, einen reichen und grossartigen Genuss gewähre. Um nun 
diese Vortheile aus dem Alterthum zu ziehen , sei das Studium der classi- 
schen Literatur und folglich auch die Kenntniss der classischen Sprachen 
nicht zu entbehren, und es werde also die Philologie immer auf den 
Gelehrtenschulen und Universitäten fortbestehen müssen. Nur aber soll 
sich der Lehrer der Philologie hüten, in diesen Unterrichtsanstalten blos 
für die kleine Zahl derer thätig sein zu wollen , die sich etwa heutzutage 
noch den philologischen Studien widmen, sondern sich vielmehr eines 
allgemeineren und tieferen Betreibens seiner Wissenschaft befleissigen, 
d. h. er soll sich bestreben, das totale Alterthum kennen zu lernen und 
in sich aufzunehmen, damit er über Alles und über jedes Einzelne Rechen- 
schaft zu geben und zu belehren wisse. Er soll., wie ein G. Hermann, 
Böckh, Lobeck und Otfr. Müller, sich eine umfassende Kenntniss des 
Alterthums aneignen, durch strenge, gründliche, vor- und umsichtige 
Methode für das Studium andrer Wissenschaften und Beschäftigungen ein 
edles Vorbild sein , nicht durch massenhafte Gelehrsamkeit sich hervor- 
thun, sondern durch geistvolles, philosophisches, kritisch - ästhetisches 
and ideelles Auffassen , Ordnen , Beurtheilen , Zerlegen für gegenwärtige 
nnd zukünftige Fälle zur Anwendung und Benutzung. Er soll allseitig 
vorgebildet zum ' Alterthum herantreten, es allseitig betrachten und all- 
seitig von ihm lernen , um das Gelernte Andre wieder zu lehren ; er soll 
nicht mit Variae Lectiones, Conjecturen und müssigem Schwelgen im 
alleinigen Genüsse der äussern Form classischer Literatur sich begnügen, 
sondern Alles, was Juristen, Politiker, Historiker, Kunstforscher, My- 
thologen u. A. ermittelt haben, sich aneignen, eine möglichst vollständige 
nnd allseitige Kunde des gesammten Alterthums sich erwerben und sie 
zum allgemeinen Nutzen der Gegenwart verwenden. Wer es soweit 
nicht bringen kann, der soll wenigstens in der niedern Region des Stu- 
diums der classischen Sprachen und in der Handhabung der betreffenden 
Literaturen sich ein ideelles und für die Gegenwart nützliches Ziel suchen, 
d. h. durch eine rationale und ideelle Behandlung der griechischen und 
lateinischen Sprache lehren, wie das Studium jeder Sprache und das 
Sprachstudium überhaupt zu betreiben sei und von welchen philosophi- 



Bibliographlache Berichte und Miscellen. 118 

ecken, physiologischen und logischen Principien man dabei ausgehen 
müsse, am den ganzen merkwürdigen Organismus dieses Bandes der 
Völker and der Menschheit recht zu begreifen; er soll ferner an den 
Schriften and der Literatur jener beiden Volker offenbar machen , was 
Literatur überhaupt bei einem Volke* bedeute and welchen Standpunkt 
sie im Reiche der Dinge einnehme , wie jedes literarische Prodact mach 
seiner Eigentümlichkeit zu behandeln , aufzufassen and za würdigen sei, 
and welche Vorzüge und Schönheiten, oder Mangel and Schwächen jedes 
Schriftwerk auch der Griechen und Römer an sich trage. Die Erklärer 
deutscher Schriftsteller, ein Weber, Viehoff, Hofmeister, sollen ihm 
dabei als Muster der Nachahmung dienen , und seine grammatischen Sta- 
dien .soll er aus den Werken eines Becker , Herling , Grimm und fiopp 
befruchten« Dagegen soll der ganze Pedantismus philologischer Kleinig- 
keitskrämerei bei Seite gelegt, und überdem das Lateinisch - Sprechen 
and Schreiben auf den Universitäten. und unter den Gelehrten aufgegeben 
werden« — Die Leser, erkennen aus den mitgetheilten Hauptpunkten 
jenes Aufsatzes, dass in demselben der classischen Philologie eine ziem- 
lich hohe Aufgabe gestellt ist, welche, richtig verstanden, am Ende auch 
so ziemlich alle praktischen Zwecke dieser Wissenschaft umfasst. Die 
theoretische Seite ist freilich fast ganz bei Seite gelassen; doch der Verf. 
will eben nur die Philologie in ihrer Anwendung auf die Gegenwart 
betrachten, und scheint zu glauben, dass das Heranbilden von Philologen, 
welche ihre Wissenschaft in der angegebenen Weise zu betreiben im Stande 
sind, nicht mehr zu den Zwecken der Gegenwart gebore. Ausserdem 
aber hat er durchaus vergessen , dass die classische Philologie auch als 
Lehrmittel in den Gymnasien eine Anwehdung auf die Gegenwart hat, 
nnd da er das jetzige Treiben der Gymnasiallehrer für so verkehrt hält 
and doch auch schwerlich voraussetzen kann, dass die oben geschilderte 
ideelle Anwendung der Philologie auch schon in den Schulen geübt wer- 
den soll, so hätte er wohl über diese Anwendung der Philologie , auf 
den gegenwärtigen Gymnasialunterricht Einiges sagen sollen. Jedenfalls 
reicht es nicht aus, die oben erwähnten deutschen Sprachforscher und 
Schrifterklärer als Muster empfohlen «u haben , -zumal da dieselben eben 
ao 9 wie die vorhergenannten vier Philologen, in ihren Bestrebungen 
ziemlich weit auseinander stehen und zum Theil entgegengesetzte Rieh« 
taugen der Sprachforschung repräsentiren. Allein auch das, was der 
Verf. wirklich besprochen hat, steht theilweise mit einander in Wider- 
spruch und leidet an einer auffallenden Vermengung der verschiedenartig- 
sten Dinge, indem nämlich Wesen und Zweck der Philologie, Stoff und 
Form der Literatur, und die theoretische und praktische Seite der philo- 
logischen Thätigkeit bunt unter einander gemischt sind. Der Definition 
darf man es , weil sie die Philologie nur in ihrer Stellung zur Gegenwart 
bestimmen will, vielleicht nicht zum Vorwurf machen, dass sie das phi- 
lologische Wissen nur als das Mittel zur Ausbeutung der griechischen 
nnd römischen Literatur ansieht, und also die Sprachkenntniss nicht als 
Wesen der Philologie, sondern nur als Mittel derselben hinstellt. Allein 
der Verf. sucht auch die Ausbeutung der griechischen, und romischen 
AT. Jahrb. f. Phil. u. Paed. od. KrÜ. Dibl. Bd. XL. Uß. I. 8 



114 Bibliographische Berichte und Misceilen. 

Literatur im Ganzen nur in der Erkenntnis, Beurtheilung und Benutzung 
ihres Stoffes für gewisse Wissenschaften und Künste, welche sich in 
ihren Anfängen und in Jhrer Begründung an das classische Alterthum 
anlehnen und ohne jenes nicht vollständig erkannt werden können 5 ' 
dadurch aber macht er die Philologie nur zu einer Hülfe Wissenschaft ent- 
weder für die Geschichte oder für jene einzelnen Wissenschaften, und 
man sieht gar nicht ein, warum er sie noch als selbstständige Wissen- 
schaft stehen lässt. Fasst man nämlich die Anforderung des Verf. in's 
Auge , dass die Philologen namentlich das von Juristen, Politikern, Histo- 
rikern, Kunstforschern u. s. w. aus dem Alterthum Ermittelte sammeln 
und sich aneignen sollen ; so will es scheinen , als waren sie gar keine 
Männer der Wissenschaft mehr, sondern nur die A ehrenies er auf dem 
Felde fremder Wissenschaften. 'Und wenn es die Philologie nur mit 
einem stofflichen Ausbeuten des Alterthums zu thün hat , so begreift man 
wieder nicht, was ihr die rationale und ideeile Sprachbehandlung soll) 
diese folgt nun nicht notbwendig aus der Definition der Philologie , ist 
für sie nur eine Hülfswissenschaft^ und inuss also ab besondere Wissen- 
schaft von der Philologie getrennt werden.- Der Grund, warum der Verf. 
in diese und andre Irrt hü ra er und Vermengungen verfallen, ist, dass er 
von der Anwendung der Philologie auf die Gegenwart eben nur die eine 
Seite ihrer Benutzung für gewisse Wissenschaften und Künste aufgefasst 
und dabei die materielle und formelle Ausbeutung des Alterthums nicht 
unterschieden hat. Fast alle Wissenschaften, die der Verf. angeführt 
hat, lehnen sich allerdings nur in ihrem Stoffe an das Alterthum an; 
aber der Künstler lernt an der Form , und neben ihm hätte der Verf. 
noch den Redner, den Dichter, den Aesthetiker u. A. erwähnen sollen, 
da es bekannt ist, dass unsre Dicht- und Redekunst, überhaupt unsre 
schonen Wissenschaften viele ihrer Gesetze vom griechisch -romischen 
Alterthum entnommen haben und noch Vieles von ihm werden entnehmen 
können. Vorgeschwebt haben dem Verf. diese Dinge allerdings: dies 
sieht man aus einzelnen seiner Aeusserungen und aus manchen Anforde- 
rungen , welche er an die Philologen macht; aber sie sind ihm eben so 
wenig klar geworden , als das Wesen der Philologie überhaupt. Damit 
der Verf. dies nicht für eine leere Anklage halte und sich auch überzeuge, 
dass wir Philologen doch vielleicht noch wissen, was wir mit unsrer 
Wissenschaft wollen und wozu wir berufen sind ; so will Ref. statt der 
weitern Nach Weisung über die in dem Aufsatze enthaltenen Irrthümer 
vielmehr einige Andeutungen über Wesen und Zweck der Philologie fol- 
gen lassen, vorher aber dem Verf. noch versichern, dass diejenige An- 
wendung der Philologie auf die Gegenwart, welche er aufgestellt hat, 
schon längst bekannt und bereits von vielen Philologen weit besser erör- 
tert ist, so dass er also mit seinen Anklagen etwas behutsamer und ge- 
mässigter hätte sein sollen. Das Wort (pdoXoyog bezeichnet von der 
Zeit an , wo man damit einen dem cpiXoaotpos entgegengesetzten Forscher 
zu bezeichnen anfing, nichts Anderes als einen Forscher über Rede und 
Sprache, und Sprachforschung ist die Philologie gewesen, so lange sie 
besteht. Der Verf. hat dies nur darum verkannt, weil die verschiedenen 



Bibliographische Berichte und Mise eilen. 115 

Zwecke , zu welchen man die Sprachforschung betrieben hat, auch ver- 
schiedene Anwendungen and Gestaltungen derselben hervorgebracht haben, 
und weil er diese letztern mit dem eigentlichen Wesen der Philologie 
vermengt hat. Der classische Philolog oder überhaupt jeder Philolog 
ist nämlich Sprachforscher zuerst in theoretischer Hinsicht, wenn er als 
Grammatiker die Gesetze der Wort- und Redebildung der Sprache, mit 
welcher er sich beschäftigt, aufsucht und feststellt, oder als Rhetoriker 
und Stilistiker die Gesetze der Kunstrede und Stilgattungen erforscht, 
oder als Lexikograph , * Etymolog und Synonymiker sich mit dem Wort- 
schätze beschäftigt und Worter sammelt, sichtet und nach Ableitung, 
Bedeutung und Verwandtschaft bestimmt; und er übt dieselbe theoreti- 
sche Forschung in höherer Weise und mit Annäherung an die Philo- 
sophie, die er dann als Hülfe Wissenschaft braucht, wenn er die gefun- 
denen Sprach- und Stilgesetze der. einen Sprache durch Vergleichung mjt 
andern Sprachen zu allgemeinen Gesetzen der menschlichen Rede erhebt 
und deren Umfang und Abstufung feststellt, oder wenn er von den ge- 
fundenen Spracbgesetzen auf die allgemeinen Denkgesetze des mensch- 
lichen Geistes zurückschliesst und auf diesem Wege entweder die Denk-, 
Geschmacks- und Gesinnungsweise, überhaupt den geistigen Entwick- 
lungszustand des einzelnen Volkes, oder die allgemeinen Gesetze des 
geistigen Schaffens in der Sprache und somit die Gesetze der verschie- 
denen Thätigkeiten des menschlichen Geistes überhaupt aufsucht und ent- 
wickelt. Der Philolog macht aber von seiner Sprachforschung einen 
' praktischen Gebrauch, wenn er entweder als Interpret die Schriften 
eines Volkes erklärt und deutet, oder sie als Kritiker in ihrer Unverdor- 
benheit und Echtheit herzustellen und zu erhalten sucht, oder sie als 
Kunstrichter beurtheilt und würdigt , oder wenn er als Realphilolog den 
in diesen Schriften enthaltenen Stoff genau und klar nach den Sprach- 
gesetzen ermittelt und dadurch diesen Stoff für andre wissenschaftliche 
Forschungen vorbereitet und tauglich macht. Er tritt aber aus seinem . 
philologischen Gebiete heraus, benutzt die Philologie nur als Mittel oder 
als Hülfswissenschaft und wird Forscher auf dem Gebiete einer andern 
Wissenschaft, sobald er entweder die bei der Interpretation, Kritik und 
Kunstrichterei zu beobachtenden Regeln um ihrer selbst willen erörtert 
und zu allgemeinen Gesetzen oder zum wissenschaftlichen System zu ge- 
stalten sucht, oder den aus den Schriften des Volks ermittelten Stoff 
benutzt, um ihn für die besondern Wissenschaften, zu denen er gehört,' 
zu verarbeiten, oder ihn zu irgend einer historischen Forschung zu 
.•verwenden. Dieses so eben erwähnte Heraustreten des Philologen aus 
seiner Wissenschaft und das Ueb ergehen in eine andre haben in neuerer 
Zeit ausser dem Verfasser des obigen Aufsatzes gar Viele nicht gehörig 
beachtet, und darin liegt eine Hauptursache, warum das Wesen und die 
Bedeutung der Philologie so oft verkannt worden ist. Aber es giebt 
auch noch eine weitere praktische Anwendung dieser Wissenschaft , näm- 
lich die, Andere in der Sprache, welche man philologisch betreibt, zu 
unterrichten 5 und dieser Sprachunterricht hat wieder einen doppelten 
Zweck, indem entweder die Lernenden die Sprache für irgend eine 

8* 



116 Bibliographische Berichte and Miscellen. 

praktische Anwendung gebrauchen sollen, oder die erworbene Sprach- 
-kenntniss bei ihnen selbst als Mittel zu ihrer geistigen Ausbildung ge- 
braucht wird. Da nämlich die Sprache das Product der geistigen Thätig- 
keit des Menschen ist, und da man an diesem Product die "Art und Weise 
dieser geistigen Thätigkeit, d. h. die allgemeinen Gesetze, nach denen 
der Mensch seine Erkenntnisse, Gedanken, Gefühle und Witlensbestre- 
bubgen als Begriffe, Ideen, Urtheile, Schlüsse u. s. w. ausbildet und 
kundgiebt, erkennen kann; so ist sie eben das Mittel, alle diese geistigen 
Thätigkeiten in dem Lernenden gesetzmassig zu entwickeln und zum Be- 
wusstsein zu bringen , oder demselben zum freien und selbstständigen 
Gebrauche derjenigen Gesetze zu verhelfen , welche sich als die allge- 
meine Norm des menschlichen Erkennens , Denkens , Urtheilens , Fühlens 
und Strebens herausstellen. In der classischen Philologie sind in den 
verschiedenen Zeiten ihres Entwicklungsganges meistens nur einzelne 
Seiten ihrer Anwendung vorherrschend gepflegt worden , und namentlich 
ist ihre höhere Anwendung auf die Erkenntniss der den geistigen Thätig- 
keiten zu Grunde liegenden Gesetze und dadurch wieder ihr Gebrauch 
für die Bildung Und Entwicklung des menschlichen Geistes erst in der 
neuern Zeit zum klaren Bewusstsein gekommen und erst seitdem mit 
grosserem Erfolg behandelt worden. Allein im Einzelnen*haben schon 
die Griechen diese Anwendung gekannt, weil sie die Sprache zu philo- 
sophischen Forschungen benutzten; und dass die griechische und romi- 
sche Sprache ein geistiges Bildungsmittel für unsre Jugend sei, dessen 
ist man sich seit der Zeit der Reformation bewusst, wenn auch die rechte 
Anwendung dieses Bildungsmittels nur allmalig zur bestimmten und klaren 
Erkenntniss gekommen ist. Somit aber hat diese classische Philologie 
k eine weit umfassendere Anwendung auf die Gegenwart, als ihr der Verf. 
des obigen Aufsatzes zuschreibt, und sie erforscht die Sprache und Lite- 
ratur der Griechen und Römer nicht Mos um ihrer selbst und um der 
Geschichte dieser Völker willen und weil dort die Anfange und Grund- 
lagen von den meisten unsrer exaeten Wissenschaften zu suchen sind, 
sondern noch weit mehr darum, weil der ganze Bildungsgang unsres 
Volks und der neuern gebildeten Völker überhaupt aus dem griechisch - 
römischen Alterthum hervorgegangen ist, weil unsre schönen Wissen- 
schaften und Künste in ihren wesentlichsten Gesetzen an dasselbe Alter- 
thum sich* anlehnen und aus ihm immer noch reiche Nahrung schöpfen, 
und weil wir endlich in den Sprachen jener beiden Völker die Gesetze 
der geistigen Thätigkeit des Menschen am meisten naturgemäss, rein 
und harmonisch ausgeprägt und namentlich auch auf der Stufe der geisti- 
gen Entwicklung offenbart finden , welche für die geistige Kraft der Ju- 
gend am leichtesten begreiflich ist, so dass eben deshalb diese beiden 
Sprachen das angemessenste Bildungsmittel derselben werden. Es wird 
also die classische Philologie auf unsern Gymnasien und Universitäten 
nicht Mos deshalb gelehrt, weil ohne sie der künftige Theolog, Jurist, 
^Mediciner, Philosoph, Staatsmann , Historiker etc. nicht zur vollständi- 
gen und« gründlichen Erkenntniss seiner Wissenschaft gelangen kann: 
denn wäre dies nur der Fall, so wurde der Verf. allerdings mit vollem 



Bibliographische Berichte and Miscellen. 117 

Rechte darauf hingewiesen haben, das* sich die elastischen Philologen, 
vorherrschend mit der Ermittlung und MittheUung des Stoffes der grien 
chischen und römischen Literatur und mit der materiellen Erkenntnis« des 
Alterthums zu beschäftigen haben. Ebenso wurde er dann recht haben, 
dass er die formale Sprachbehandlung in eine sehr untergeordnete -Stel- 
lung bringt, weil sie eben nur das Mittel zum Zwecke sein und blas für 
die Erlernung jener Sprachen und die richtige Deutung der Schriften ihre 
Anwendung finden würde. Allein die formale Sprachbehandlung wird 
selbst zum Zwecke, wenn man durch sie die Gesetze des Schonen, die 
Grundlagen ides reinen menschlichen Geschmacks und das wahre Wesen 
der formalen oder schonen Wissenschaften auffinden will. Der Verf. hat 
diesen Punkt beiläufig mit berührt, aber nicht in seiner Bedeutsamkeit 
erkannt und deshalb die Thätigkeit des Philologen für diesen Zweck 
unbeachtet gelassen. Wäre er sich der Sache mehr bewusst gewesen, 
dann hätte er vielleicht darauf hingewiesen, wieviel z. B. unsere Poesie 
in ihrer formalen Gestaltung von dem classischen Alterthum gewonnen 
hat, *un/I wie der Streit der sogenannten classischen und romantischen 
Dichter vielleicht nur durch die Sprachforscher zur Entscheidung ge- 
bracht werden kann, indem diese theils auf psychologischem Wege, theils 
aus den Spracherscheinungen nachzuweisen vermögen , dass der Dichter 
seine Empfindungen bald in der Richtung und Anwendung auf die Zu- 
stände der Aussenwelt , bald als reine und abgeschlossene Regungen sei- 
nes innern Gemüthes vorfuhren kann; dass er im erstem Falle diese 
Empfindungen mit den sinnlichen Anschauungen der Aussenwelt in Ver- 
bindung setzt und sie eben darum in der sinnlichen und bilderreichen 
(tropischen) Sprache der Phantasie ausspricht, zu welcher der Rhythmus 
als ein wesentlicher Bestand theil gehört, im letztern Falle aber für seine 
vori der Körjjerwelt ferngehaltenen Empfindungen nur in der metaphori- 
schen, abstracten, emphatischen und figurirten Gefühlssprache den ent- 
sprechenden Ausdruck. findet und den Reim zum wesentlichen Hülfsmittel 
hat, indem ja die Empfindung sich am natürlichsten in Tonen und im 
Gesänge ausspricht; dass also die rhythmische Phantasie -Poesie des 
griechisch-römischen Alterthums wesentlich mit dem vorherrschend sinn- 
lichen Gefühlsleben beider Völker, die moderne Gefüblspoesie mit dem 
durch das Chris tenthom herbeigeführten innern Gemüthsleben zusammen- 
hängt. Desgleichen konnte er bei dem gegenwartig eingetretenen Be- 
dürfniss einer öffentlichen Staafsberedtsamkeit die Philologen darauf hin- 
weisen, in welcher Weise sie die kunstgemässe Gestaltung derselben aus 
dem Alterthum abzuleiten und die Jugend an den Mustern Griechenlands 
und Roms dafür vorzubilden haben, wozu die auf vielen Gymnasien 
neuerdings eingeführten sogenannten praktischen Redeübungen eine be- 
sondere Veranlassung geben. Zweitens wird die formale Sprachbehandr 
long auch selbst zum Zweck in dem Falle, wenn die classischen Sprachen 
als Bildungsmittel für die Gymnasialjagend gebraucht werden/ Und 
eben diese Anwendung der classischen Philologie für die Gegenwart hätte 
der Verf. ganz besonders in's Auge fassen sollen : denn von dem Augen- 
blick an , wo man durch die rationale Sprachforschung zu der Erkenntniss 



118 Bibliographische Berichte and Miscellen. 

gelangte, dass man von den verschiedenen Erscheinungen und Formen 
der Sprache anf die Gesetze des Denkens und Urtheilens zurückscbtiessen 
nnd dadurch, eben auf die Ausbildung der Denk - und Urtheilskraft ein- 
wirken könne, sind die elastischen Sprachen ein unnmstösslicher Grund- 
pfeiler der Gymnasialbildung geworden, und wurden ihre Geltung be- 
halten müssen, auch wenn die oben erwähnten Anwendungen nicht vor- 
handen waren. Wer dies nicht anerkennen will, der muss erst die aner- 
kannten Wahrheiten umstossen, dass keine Wissenschaft so unmittelbar 
nnd allseitig auf die Erkenntniss der Thätigkeit der geistigen Kräfte des 
Menschen hinfahrt, als die Sprache, das unmittelbare Product dieser 
Thätigkeit; dass zu dieser Erkenntniss die Muttersprache für sich allein 
nicht ausreicht, weil man in ihr erst durch die aus fremden Sprachen 
geschöpften Verschiedenheiten und Gegensätze ein klares Spracbbewusst- 
sein schaffen kann ; dass zur Erzeugung des letztern die ausgebildeten 
lebenden Sprachen Europas weniger taugen, als die alten classischen, 
weil sie in ihren SjSrachgesetzen nicht so genau erkannt sind und nicht 
so viele 'Unterschiede darbieten als jene; dass endlich die griechische 
nnd lateinische Sprache in sich die Vorzuge vereinigen, sowohl die am 
naturgemässesten und vollkommensten entwickelten Sprachen des Alter- 
thums zu sein , als auch die Denk - , Urtheils - und Gefühlsweise dieser 
Volker, namentlich der Griechen, auf derjenigen Entwicklungsstufe zu 
offenbaren, welche der Erkenntnisskraft des jugendlichen Geistes am 
nächsten steht. Alle diese Punkte sind in der neuesten Zeit vielfach 
von philologischen Schulmännern mehr oder minder vollständig ausein- 
ander gesetzt worden , und Ref. hat die hierher gehörigen Andeutungen 
selbst in dem von dem Verf. getadelten Aufsatze in den NJbb. 35, 231 ff., 
sowie schon früher im Conversationslexikon der Gegenwart in den Arti- 
keln Philologie und Gymnasium gegeben. Hätte der Verf. jene Mitthei- 
lungen genauer angesehen und gewürdigt, und dabei bedacht, dass man 
an einer fremden Sprache rationale Erörterungen , welche zur geistigen 
Bildung fahren, mit dem Lernenden nicht eher anstellen kann, als bis 
man ihm eine feste positive Sprachkenntniss in den zu erörternden Gegen- 
ständen bereitet hat, so wurde er auch über manche vermeintliche Klei- 
nigkeiten und sogenannte Pedanterien des philologischen Unterrichts 
anders geurtheilt und sie als nothwendige Bedingnisse einer gründlichen, 
und erfolgreichen Lehrweise angesehen haben. Doch darüber wollen wir 
mit demselben nicht weiter rechten: es gnügt die Nachweisung, dass wir 
Philologen eine weit umfassendere und einflussreichere Anwendung der 
classischen Philologie auf die Gegenwart erkannt haben und zu erstreben 
suchen, als er in seinem Aufsatze dargelegt hat, und dass wir gewichtige 
&runde für uns haben, wenn wir die Philologie trotz seiner Einreden 
auch fernerhin für Sprachforschung erklären. Der Umstand übrigens, 
dass gegenwärtig so oft s unsre philologischen Bestrebungen angegriffen 
und getadelt werden, muss uns allerdings darauf aufmerksam machen, 
wie viel Unklarheit über unsre Wissenschaft im Publicum noch herrscht, 
und wie sehr wir, nicht um unsrer eignen Rechtfertigung, sondern um der 
guten Sache willen, nöthig haben, eine bessere Einsicht davon zu ver- 



.Bibliographische Berichte and Miscellen. 110 

breiten. Und dazu wünscht Ref. nach durch die vorliegende Auseinan- 
dersetzung einen kleinen Beitrag gegeben zu haben. [J.] 

Der zweite Jahrgang des Literarhistorischen Taschentuch*, heraus- 
gegeben von R. £. Prutz [Leipzig, Engelmann. 1844. 363 8. gr. 8.], 
enthält folgende fünf Aufsätze: 1) Das französische Siebengestirn, eine 
Dichtergruppe des sechszehnten Jahrhunderts, von Dr. K. A. Mayer in 
Oldenburg (S. 1 — 73.), eine Charakteristik der Dichter Jodelle, Ron- 
sard, Joachim Dubellay, Anton des Baif, Jean Dorat, Remi Belleau und. 
Pontns de Thyard ; 2) Shakespeare in seinem Ferhältniss zur deutschen 
Poesie, insbesondere zur politischen , von Fr. Vischer (S. 73 — 131.) ; 
3) Daniel von Czepko von Dr. Aug. Kahlert (S. 131—153.), eine 
literarhistorische Skizze über einen Dichter der altern schlesischen Schale, 
welche als Nachtrag zu des Verf. Schrift: Schlesiens Antheü an der deut- 
schen Poesie , gelten kann; 4) HegeVs ursprüngliches System, 1798 — 
1806, von Karl Rosenkranz. (S. 153—243.); 5) Ludwig Holberg, 
ein Beitrag zur Geschichte der dänischen Literatur in ihrem Verhältnis* 
zur deutschen , von dem Heraasgeber (S. 243 — 383.). 

The Classical Museum. Nr. I. [London, John William Parker« 
(Leipzig, Weigel.) 1844. 140 S. gr. 8.] Unter diesem Titel ist in 
England eine neue philologische Zeitschrift eröffnet worden , welche sich 
mit der Sprache und gesammten Alterthumskunde Griechenlands und Roms 
and gelegentlich auch mit der Geschichte und Literatur, des Vaterlands, 
und des Orients, jedoch mit Ausschluss der biblischen Literatur, be- 
schäftigen will, and aus Beitragen verschiedener Gelehrten zusammen- 
gebracht wird. Die Redactoren haben sich nicht genannt. Den Haupt- 
inhalt der Zeitschrift, sollen Originalaufsätze des angegebenen Inhalts bil- 
den, welche indess auch Uebersetzangen von Abhandlungen ausländischer 
Gelehrten oder gedrängte Tnhaltsauszüge aus wichtigen Schriften des 
Auslandes sein können. Daran reihen sich dann kurze Anzeigen und 
Nachrichten aber neu erschienene Schriften, Miscellen aus Zeitschriften 
des Aaslandes, Universitätsnachrichten and eine Bibliographie der wich- 
tigeren neaerschienenen philologischen Bucher. Das vorliegende erste 
Heft enthält S. 1 — 34. einen raisonnirenden Bericht and Inhaltsauszug 
aus Bock h's metrologischen Untersuchungen etc. von George Grote, 
S. 34 — 40. den von Ross bekannt gemachten Hymnus auf die Isis mit 
den Ergänzungen von Welcker und Bergk und Verbesserungen von Dr. L. 
Schmitz, S. 41 — 81. einen Bericht über die zweite Ausgabe von Lea- 
ke's Topography of Athens von A. P. Stanley, S. 82 — 85. topogra- 
phische Erörterungen zu vier Stellen des Herodot aus neuern Reise- 
berichten von Dr. L. Schmitz und Prof. George Long, S. 85 — HO. 
eine geographische Abhandlung über einen zweiten Cimmerischen Bospo- 
rus und einige Flüsse am mäotischen See von W. Plate, S. 110 — 111« 
vergleichende Etymologien der Worter caesaries, inquam, animus, putus, 
ovpovg, itötvia, yactyo von Dr. W. Smith, S. 112—124. über die Be- 
deutung and den Ursprung des Wortes to tirl [in der Phrase to tirl at the 



120 Bibliographische Berichte und Miscelten. 

pkt in schottischen Balladen] von G. C. Lewis. S. 125—134 folgen 
dann die Notices of recent publications , S. 135 — 137. die Foreign int*L- 
ligence, S. 137 — 138. statistische Notizen über einige deutsche Univer- 
sitäten und S. 139 — 140. Works recently pnbliahed in England. Mit 
Ausnahme der Originalaufsatze von Plate, Smith und Lewis und der Er- 
örterungen des Hevodot, sowie der angehängten Bibliograph^ ist fast 
Alles ans deutschen Schriften nnd Zeitschriften entnommen. 

Der Bohnenkönig.] Der auf der ersten Tafel der von Eck 
Gerhard herausgegebenen archäologischen Zeitung von 1843 abgebii* 
dete Marmorkopf aus der Sammlung des Fürsten Talleyrand zeigt in 
archaistischem Stil einen Männerkopf mit langem,, keilförmigem Bart, 
einem ernsten Gesicht nnd einer metallenen Stirnkröne, und wird gegen- 
wärtig von den Archäologen gewöhnlich für einen Königskopf gehalten, 
nur dass man nicht weiss , ob man darin einen Krösus , oder einen Poly- 
krates, oder den etruskischen Porsenna erkennen soll. Der franzosische 
Akademiker Petit-Radel hat ein Memoire über diesen Kopf geschrie* 
ben , und weil er in den Verzierungen der Krone Bohnenblutben entdeckt 
zu haben glaubte, so hat er darin entweder den in Attika verehrten 
Bohnengeber (Kväpitris) , der nach Pausan. I, 37, 4. an der heiligen 
Strasse nach Eleusis einen Tempel hatte , oder den von Hesychius s. v. 
nvapitrjg erwähnten Bohnen -Bakchos erkennen wollen. Der lange Bart 
namentlich soll für Dionysos sprechen , verbietet aber auch nicht an ein 
Königsgesicht oder etwas Aehnliches zu denken , und man könnte mit 
gleichem Rechte den Kopf des Bohnenkönigs darin finden. Leider hat 
aber nach einer Mittheilung in dem Tobing. Kunstblatt 18$3 Nr. 79. ein 
berühmter Botaniker erklärt, es finde sich in den Zierrathen der Krone 
auch nicht eine entfernte Spur von Aehnlichkeit mit Bohnen oder einem 
andern naturlichen Gewächse, sondern* höchstens könne man in der 
hintersten Einfassung derselben französische Lilien nachgebildet finden. 
Panofka hat zu dem Winkelmannsfeste 1842 in Berlin „ eine "Vorlesung 
über den Kopf gehalten , und wegen der Milde und des ernsten Nachsin- 
nens, das sich in dem Gesichte ausprägt, einen Erd- oder Unterwelts- 
gott, und zwar den in Lebadea verehrten Orakel- Gott. Trophonios darin 
erkannt. Vgl/ Pausan. IX, 39, % Auch er legt dabei auf die Krone ein 
besonderes Gewicht, und hält die zwischen den Palmetten vorhandenen 
Zierrathen für Gränatblüthen oder andre Blumen , welche auf einen Gott 
der Nahrung (rpoqp?J) . und des Wachsthums hinweisen sollen. Der Be- 
richterstatter in dem Tubing. Kunstblatt a. a. O. meint, man könne aber 
auch den Kopf auf den Amphiaraos deuten, der ein mit Trophonios in 
mehrfacher Hinsicht verwandtes Wesen war und' nach Pausan. I, 34, 2. 
in Oropos einen Tempel und eine marmorne Bildsäule hatte. -Sicher 
steht eine Beobachtung, nämlich dass der Kopf ein sehr schönes Marmor- 
monument in archaistischem Stil ist. 



I 



Schnl- ii. Uiuversitatsnachrr., Befördern u. Ehrenbezeigungen. 121 

Schul- und Universitätsnachrichten, Beförderungen 
und Ehrenbezeigungen. 



Athen. Die dasige Otto - Universität hat im verflossenen Jahre 
einen gewaltigen Stoss dadurch erlitten , dass erst wegen der bedrängten 
Finanzverhältnisse und hierauf durch jlie ausgebrochene Revolution meh- 
rere Professoren und namentlich alle deutschen Gelehrten entlassen und • 
die letztern gewaltsam ans dem Lande getrieben worden sind. Vgl. NJbb. 
36, 229. ßei dem Mangel gelehrter Griechen, welche die Wissenschaften 
auf einer Universität gehörig vertreten konnten, ist diese Maassregel 
eine überaus verderbliche und kann nur zur Niederdrückung der begon- 
nenen Bildung führen^ zumal da bei den obwaltenden Parteionkämpfen 
auch die angestellten einheimischen Lehrer jeden Tag entlassen werden 
können. Die entstandenen Lucken hat man. dadurch auszufüllen gesucht, 
dass die früher entlassenen Professoren Benthylos und Manusis wieder 
angestellt, die Lehrstellen der Professoren Landerer, Feder und Herzog 
den Griechen Xenkelosy Strumboa nnd $ allig as übertragen und zum 
Professor der Geschichte und der Philosophie der Geschichte, wofür 
anfangs der Dr. Eduard Mosson bestimmt war, der Grieche Pylarinos 
erwählt worden ist. Als Professor der griechischen Literatur ist bereits 
seit 1842 der frühere Professor an der ionischen Akademie in Korfu Kon- 
etant. Jsopios eingetreten, dessen wissenschaftliche Tüchtigkeit schon 
durch seine Eigcty<oyrj slg rrjv ilkrjvmriv cvvza&v [Korfu 1841.] und die 
2zot%sia rijff hlXr}vtH7Js yQcc(iuctziit7Jg [Ebenda».] bekannt ist, und welcher 
auch die im Winter 1842 — 43 auf der Otto -Universität über Pindar 
gehaltenen Vorlesungen im Auszuge unter dem Titel 77}? vno K. 'Jaco- 
Tciov dg nivdaQov sigaycayrjg , ysvofievrjg iv zip 'O&owety ncevemazTipfa 
itazd ri\v %uiiBQivrjv h^afirjVLav zov 1842 — 43. c%oXccazi%ov ftrovs, cvvotyig 
[Athen 1843. gr. 8.] hat drücken lassen. Nach der Beurtheilung dieser 
Vorlesungen im Leipz. Repert. d. deutschen und aus!. Lit. 1843 Hft. 30. 
S. 160. sind dieselben in einem schonen Neugriechisch, das dem des 
Korais ähnelt, geschrieben 1 , und enthalten beachtenswerthe und reich- 
haltige Erörterungen über Hermeneutik und Kritik im Allgemeinen und 
aber Pindar's Leben, Gedichte, Sprache nnd Metra, und allgemeine 
Bemerkungen zur Erklärung der 'Eniviida. Der Verfasser ist ein Schüler 
Bockh's, darum mit der hierher gehörigen deutschen Literatur bekannt, 
und überhaupt einer der grössten* Philologen Griechenlands. 

Bonn. Die Universität war im Winter 18|^ von 559 Studenten 
[127 Ansiändern, 65 evangelischen und 98 katholischen Theologen, 178 
Juristen, 87 Medicinern und '131 znr philosophischen Facultät Gehörigen] 
and 42 nicht immatriculirten Zuhörern, im Sommer 1843 von 615 Stu- 
denten und 49 nicht immatriculirten Zuhörern besucht, und zählt in jetzi- 
gem Winter 650 Studenten [wovon 160 Ausländer sind und 122 der katho- 
lischen, 70 der evangelischen Theologie, 212 der Jurisprudenz, 107 der 
Medicin, 141 den philosophischen Studien sieb befleissigen] und 57 nicht 



122 Schal- and Universititsnachricbten, 

immatriculirte Zuhörer, welche in der evangelisch -theologischen Facultät 
Ton 4 ordentlichen and l ausserordentlichem Professor und 2 Privat- 
docenten, in der katholischen von 2 ordentlichen und 2 ausserordentlichen 
Professoren und 1 Pri vatdocenten , in der juristischen von 7 ordentl. und 
2 ausscrord. Proff. und 2 Privatdocc, in der medicinischen von 8 ordentl. 
und 1 ausserord. Prof/ und 3 Privatdocc. , in d eis philosophischen von 21 
ordentl. und »7 ausserord. Proff. und 9 Privatdocc. und 6 Lectoren und 
Exercitienmeistern unterrichtet werden. Vgl. NJbb. 35, 217. und 348. 
In der evangelisch -theologischen Facultät ist dem Prof. Dr. Nkzsch der 
Charakter eines Oberconsistorialrathes und dem Prof. Dr. Bleck das Pra- 
dicat eines Consistorialrathes beigelegt worden. Aus der kathol. - theo- 
logischen Facultät sind die Professoren Dr. Achterfeldt und Dr. Braun 
entfernt worden und ersterer Domher am Munster geworden , letzterer in 
die philosophische Facultät übergetreten. Dagegen ist im Sommer 1843 
der Subregens des kathol. Seminars in Speyer Dr. Dieringer als Professor 
und provisorischer Inspector des am 8. Mai 1843 wiedereröffneten kathol. 
Convictoriums berufen worden. Der zweite Repetent an diesem Convict 
Priester Hub. AnU Frz. Blum hat im Mai 1842 durch öffentliche Ver- 
teidigung von Thesen die Wurde eines Licentiaten der Theologie erlangt« 
In der juristischen Facultät ist an die Stelle des zum Curator und ausser- 
ordentl. Regierungsbevollmächtigten bei der Universität' ernannten Geh. 
Oberregierungsrathes Dr. von Bethmann - Hollweg der Oberappellations- 
rath Dr. Friedr. Blume aus Lübeck als ordentl. Professor mit demJPra- 
dicat eines Geh. Justizrathes berufen, der ausserord. Prof. Dr. Cl, Per- 
thes zum ordentlichen und der Privatdocent Dr. J. F. Budde zum ausser- 
ordentlichen Professor ernannt worden , und der Dr. Holschner hat sich 
als Privatdocent neu habilitirt. In der medicinischen Facultät hat der 
Geh. Hofrath und Professor Dr. Hartes* das goldene Ritterkreuz des 
griechischen Erlöserordens und den rothen Adlerorden 3. Classe erhalten. 
In die philosophische Facultät ist seit Michaelis 1842 der Hofr. Dr. Frdr. 
' , Chph. Dahlmann als ordentl. Prof. der Staatswissenschaften und deut- 
schen Geschiebte berufen; der Senior der Facultät Geh. Regierungsrath 
Prof. Dr. Karl Diedrich Hüllmann feierte am 15. April 1842 sein 50jähr. 
Dienstjubiläum und empfing bei dieser Gelegenheit den rothen Adlerorden 
$. Classe mit Eichenlaub. Dem Professor Dr. Brandig ist der Charakter 
eines Geh. Regierungsrathes , dem Oberbibliothekar Prof. Dr. Welcher 
das Ritterkreuz des franz. Ordens der Ehrenlegion , dem Professor Dr. 
Lobell der rothe Adlerorden 4. Classe verliehen worden. Zum Antritt 
der Professur hat der Prof. Dr. Chr. Lassen eine Dissertatio de Tapro- 
bane insula [1842. IV u. 24 S. gr. 4.] und der Professor Dr. F. JF. A. 
Ar gelander eine Dissert. de fide uranometriae Bageri [1842. 23 S. gr. 4.] 
geschrieben. Dem Prof. Lassen ist vor kurzem eine jährl. Gehaltszulage 
von 300 Thlrn. und für die Handbibliothek des philologischen Seminars 
ein ausserordentlicher Zuschuss von 100 Thlrn. bewilligt worden. Am 
18. October 1843 feierte die Universität das Fest ihres 25jährigen Be- 
stehens , und bei dieser Gelegenheit haben der Gurator Geh. Oberregie- 
rungsrath von Bethmann - Hottweg und der Professor Gustav Bisehof den 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 128 

rothen Adlerorden 3. Classe mit der Schleife , die Proff. Consistorlalrath 
Dr. Sack, Domcapitular Dr. Schob, Dr. Walter, Dr. Mager, Dr. Nau- 
mann und Dr. Kutan den rothen Adlerorden 4. Classe erhalten» Im 
Index scholar, hSbem. a, 1842. bat der Professor Dr. RUschl die auf den 
König Friedrich Wilhelm III. gehaltene lateinische Gedächtnissrede ab- 
drucken lassen; im Index schoL aettiw. a. 1843. über die Zeit der Ab- 
fassung und Auffuhrung des Trinummus von Piautus verhandelt und nach 
Abweisung der irrigen Meinungen Anderer p. XII. das Resultat aufge- 
stellt: „Ultimo artis Plautinae decennio una cum Asinaria, Bacchidibus, 
Curculione, Milite, Poenulo, Rudente, Truculento etiam Trinummus 
tribuenda est" ; im Index schol. hibern. a. 1843. aber Meleiematum Ffau- 
tinorum spechnen onomatologum herausgegeben, und darin ein Verzeich- 
niss der bei Piautus vorkommenden griechischen Eigennamen zusammen- 
gestellt. Zur Feier des Geburtsfestes des Königs am 15. Oct. 1842 
erschien : De filio in feudum succedente ad II. F. 45. disputatio von dem 
Decan der juristischen Facultät Dr. Pet. Frz. Deiters [24 S. gr. 4.]. Zur 
Erlangung der philosophischen Do ctor wurde sind erschienen: Theoria 
galvanismi von Hob. Friese aus Eibingen [1842. 80 S. gr. 8.] ; De Duride 
Samio, inprhnis de eius in rebus tradendis fide von Gtfr. Eckert* au« 
Gladbach [1842. VI u. 32 S. gr. 8.]; Phocaica, diss. philol. von Frdr. 
Wüh. Thkquen [1842. II u. 58 S. 8.], eine umfassende Untersuchung 
ober die Stadt Phocäa, worin der Verf. erst die Topographie derselben 
(S. 1—5.), dann deren Geschichte von ihrer Gründung (1044 v. Chr.) 
bis zu den Zeiten des Königs Antiochus III. von Syrien (S. 6 — 25.) 
erörtert, S. 26 — 58. über Regierungsform, Handel, Colonien [Mas- 
silia, Alalia, Velia, Maenace, Emporiae in Europa, Lampsakus und 
. Amisus in Asien und Hellenium in Aegypten], Götterculte und Privatleben 
verhandelt und über Alles dieses die abgerissenen Nachrichten der Alten 
mit vielem Fleiss gesammelt hat ; Quaesiiones Terentianac von WiUi. Ihne 
[1843. 38 S. 8.] , worin zur Begründung der Vermuthung , dass Volcatius 
Sedigitius in seinem Kanon der rom. Komiker ausschliesslich ihr Vcrhält- 
niss zu ihren griechischen Vorbildern berücksichtigt habe, dargethan 
werden soll, dass dem Terenz mit Recht die sechste Stelle angewiesen 
sei, und dies an der Andria, dem Eunuchus und den Adelphen weiter 
dargethan und gegen Grauert und K. Fr. Hermann vertheidigt wird; 
Artificum liberae Graeciae tempora von Heinr. Bruun aus Worlitz [1843. 
VI u. 46 S. 8.] , worin besonders über die Samischen Künstler Rhoikos, 
Theodoros und Telekles und dessen Sohn Theodoros (S. 2—6.) , über. 
Ageladas (S. 6—17.), Kanachos aus Sikyon (8. 18 f.), Kallon aus Ae- 
gina(S. 19— 23.), Aristokles aus Sikyon (S. 23— 27.), Phidiäs (S ? 28 
— 33.) und Potyklet (S. 33—39.) sorgfaltige Untersuchungen angestellt 
und mehrfache Irrthümer der Archäologen aufgedeckt sind; Observationes 
criticac in Propertium von Heinr. Keü aus Mecklenburg [1843. 54 S. 8.], 
eine mit Einsicht, Fleiss und Soharfsinn angestellte Untersuchung über 
den kritischen Werth der Handschriften des Properz und ihr Verhältniss 
zu einander, wodurch für die Kritik dieses Dichters eine neue Grund- 
lag« gewonnen wird. Der Verf. sucht darzuthun, dass unter den be- 



124 Schal- und Universitätsnachrichten, 

kannten Handschriften des Properz der sogenannte Codex Neapolitanus 
der beste und zuverlässigste, und von den Interpolationen, welche die 
Von ihm repräsentirte Handschriftenfamilie in so reichem Maasse hat, 
noch ziemlich frei sei. Zu ihm gebe der Codex Mentel. in Leyden eine 
solche Ergänzung, dass man aus beiden die ursprungliche Beschaffenheit 
dieser Handschriftenfamilie ziemlich sicher anfanden könne. Ihnen zu- 
nächst an Werth stehe der Codex Groninganus, der eiue zweite Classe 
repräsentire , aber allerdings schon bedeutende Interpolationen habe r und 
eine dritte Classe werde von dem Codex Vallae , den excerptis Puccii 
und den Codd. Vaticanis et Collaticaoo gebildet, „Si quis diversa codd. 
Propertianorum genera discerncre velit, tres constituere poterit familias : 
quarum prima, quae, quamquam multis libris continetur, satis ex Neap. 
praesertim assumto Mentel. cognoscitur, quia incorruptissimam eius habe* 
mus notttiam, pro fundamento criticae artis habenda est, caute usurpata 
altera, quam Groiiing. continet, summam affert utilitatem, tertia denique, 
quam Bernardini Vallae codex prae se ferre videtur, ut optima est, ita 
exigua propter incertam testimoniorum fidem utilitate." Alle drei Clas- 
sen gehen nicht soweit auseinander, dass sie nicht auf eine gemeinsame 
Urquelle zurückgeführt werden könnten, und von S. 25. an sucht .daher 
der Verf. die Beschaffenheit des Urcodex , aus dem alle geflossen sind, 
und die in ihm bereits vorhandenen Fehler, welche zu den herrschenden 
Verderbnissen Veranlassung gegeben haben, zu ermitteln. Zur Gewin- 
nung der aufgestellten Resultate hat der Verf. naturlich eine Anzahl 
schwieriger Stellen kritisch erörtern und sie in Folge der neuaufgestellten 
Handschriftencharakteristik anders gestalten müssen , als es von Lach- 
mann, Jacob u. A. geschehen ist. Naturlich beruht die Richtigkeit 
dieser Textesänderungen hauptsächlich auf der gemachten Handschriften- 
schätzung; jedoch ist Hr. K. auch in den schwierigeren Stellen meisten- 
theils bemüht gewesen, sie aus Sinn, Zusammenhang und Sprachgebrauch 
zu begründen : was ihm gewöhnlich wohl gelungen ist. Zur besondern 
Beachtung sind noch einige umfassendere Spracherörterungen zu em- 
pfehlen , weil sie durch fleissige Sammlung der betreffenden Stellen des 
Properz zur Erkenntniss seines Sprachgebrauchs dienen , z. B. über den 
Gebrauch des Plusquamperfects in Sätzen , wo man ein andres Tempus 
erwarten sollte , S. 19 — 21. , über Bedeutung und seltenen Gebrauch der 
Verba edocere, enecare, cvincere*,- etnori, elatrare, emirari S. 27 f. [wo 
in der Stelle ^es Horat. Od. I, 5, 8. Schneidewin's Conjectur Heu mira- 
bitur, sowie Tibull. I, 6, 34. Servare, heu frustra clavis inert gebilligt 
wird], über parenthetisch eingeschobene Sätze bei Properz, wodurch 
scheinbar der Zusammenhang gestört wird , S. 37 f. , über den Properzi- 
schen Gebrauch der Partikeln sed und at S. 41 f. und über die Gegen- 
überstellung der Partikeln aut — vel 9 sive — aut, nee — aut etc. 
8. 48—52. [wobei zugleich in Ovid. Metam. I, 545 ff. Ritschl's kühne 
Aenderung: Impatlensque morae, Tellus, ait, hisce vel istam, Qua nimium 
placui, mutando perde figurata, gutgeheisseh wird]. Auch hat der Verf. 
gelegentlich ein paar Stellen andrer Schriftsteller zu verbessern gesucht, 
wie z. B. in Virg. Ciris 5. Tum mens curet eo dignum sibi quaerere car- 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen, 125 

men und Vs. 161. Heu nimium eerta et nimium terrentia visu, in Veliei. 
Paterc. I, 18. Una urbs AtUca pluribus artis eloquentiaeque , quam um- 
versa Graecia , operibus floruit. [J.] 

Freiburg im Breisgan. Die dasige Albert -«Ludwigs -Universität 
war im Winter 1842—43 von 253 Studenten [86 mittheol. , 78 mit 
Jurist., 79 mit medic. nnd 10 mit philos. Studien beschäftigt] und im 
Stromer 1843 von 228 Studenten besucht, wovon 75 der Theologie, 66 
der Jurisprudenz, 77 der Medicig und Chirurgie und 10 philosophischen 
Wissenschaften sich widmen wollten. Von den Lehrern derselben [s. 
NJbb. 35, 219 f.] haben in der theol. Facultät der geistl. Rath und Prof. 
Dr. Frz. Xav. Werh und der geistl. Rath und Domcapitular Prof. Dr. Joh. 
BapU von Hirscher das Ritterkreuz des Zähringer Lowenordens erhalten 
und der geistl. Rath und Prof, Dr. Frz. Ant. Staudenmaier ist zum Dom- 
capitular der Diocese ernannt worden. In der juristischen Facultät ist 
der Hofr. Dr. Heinr. Amann seiner Functionen als Mitglied der Facultät 
entbunden worden uud hat dafür eine Erhöhung seines Functionsgehaltes 
als Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek erhalten; als ordentlicher 
Professor des Strafrechts und des deutschen Privatrechts ist der bisherige 
ausser ord. Professor an der Univ. in Berlin Dr. F. A, von Woringen 
berufen worden.. In die medicinische Facultät ist der Prof. Dr. Stromeger 
von der Universität in München berufen, dagegen der Medicinalrath 
Dr. Ign. Schworer von der Direction des chirurgischen Klinikums ent- 
bunden; in der philosophischen Facultät die ordentl. Professur der Phi- 
losophie dem Prof. Dr. Sengler von der Universität in Marburg über- 
tragen worden, und der Prof. Dr. WÜh. Weich hat von Sr. Durchlaucht 
dem Herzoge von Sachsen - Coburg und Meiuingen das Ritterkreuz des- 
Sachsen - Ernestinischen Hausordens erhalten. Der geistl. Rath und Prof. 
Dr. Heinr. Schreiber hat im Jahr 1842 zur Vermählungsfeier der Prinzessin 
Alexandrina ein historisch - archäologisches Programm, Die Feen in Eu- 
ropa, und zum Geburtstage des Grossherzogs eine historisch - archäolo- 
gische Monographie, Die ehernen Streitkeile, zumal in Deutschland, 
[Freiburg b. Groos. VIII u. 192 S. gr. 4. mit 4 lithogr. Tff.] heraus- 
gegeben. Die letztgenannte Abhandlung ist eine sehr vorzugliche Unter- 
suchung über die Streitkeile, welche durch 43 Abbildungen dargestellt, 
nach Namen, Formen, Befestigung, Gebrauch und Metallmischung be- 
schrieben und nach ihren Fundorten in und ausserhalb Deutschland ver- 
folgt worden sind. Was sich historisch über diese Streitkeile ermitteln 
lässt, hat der Verf. mit besonderm Fleiss zusammengestellt, und eben so 
sorgfaltig und ausführlich über deren Deutung sich verbreitet. In letz- 
terer Beziehung hat er sich natürlich nur auf dem Gebiete von Vermu- 
thupgen halten können , und namentlich die langst bestrittene Annahme 
mit Eifer vertheidigt , dass diese Streitkeile eine keltische Nationalwaffe, 
der sogenannte Kelt, gewesen sind, und zugleich zu beweisen gesucht, 
dass die framea des Tacitus von ihnen durchaus verschieden sei. Gegen 
viele dieser Vermuthungen , namentlich gegen den keltischen Ursprung 
dieser Werkzeuge, lassen sich* gegründete Ausstellungen erheben [vgl. 
Wilhelmi in den Heidelb. Jahrbb. 1843 Mai u. Juni S. 419—424.]; den- 



126 Schal- and Universitatsnachrichten, 

noch aber bleibt die Abhandlang sowohl durch das darin niedergelegte 
historische Material, als noch mehr durch die scharfsinnigen Combinatio- 
nen eine überaas wichtige, and ist dermalen die gediegenste Unter- 
suchung über diesen Gegenstand. [J.] 

Greifswald. An der dasigen Universität haben im Jon! vorigen 
Jahres die Professoren Dr. Kosegarten, Geh. Medicinalrath Dr. Berndt 
und Dr. Schamann den rothen Adlerorden 3. Classe mit der Schleife, und 
die. Professoren Superintendent Dr. Figelius [nicht Einelius, wie in NJbb. 
35, 220. steht, wo auch S. 221. der Name Hänefeld in Hünefeld zu ver- 
bessern ist] and Dr. Niemeyer denselben Orden 4. Classe, sowie kurz 
vorher der Geh. Med. Rath Dr. Berndt und der Prof. Dr. Hornschuch den 
schwedischen Wasaorden erhalten« Der ordentl. Prof« der Theologie 
Consistorialrath Dr. Vogt ist zum Mitgliede des Consistoriums in Stettin 
ernannt. Von der landwirtschaftlichen Akademie in Eldkna ist der 
Director Prof. Dr. Pabst als Geh. Finanzrath und vortragender Rath im 
Ministerium des kön« Hauses 2. Abtheilung nach Berlin berufen, und 
dafür der Prof. Dr. Baumstark zum Director derselben ernannt worden. 
Der Lehrer Dr. C. Grebe an derselben hat sich seit 1842 die Rechte 
eines Privatdocenten bei der philosophischen Facultät erworben. Vgl. 
NJbb. 35, 220 ff. u. 349. und 37, 230« In dem Index scholarum aestw. 
a. 1842. hat der Prof. Sehömann eine Untersuchung über die Hesiodei- 
schen Weltalter [14 S. gr. 4.] -mitgetheilt und im Index sehoU labern, 
a. 1842 — 43. De iure hereditario Athenienshim [12 S. gr. 4.] mit beson- 
derer Beziehung auf Schelling's Schrift verhandelt und gegen Bunsen and 
Schilling die schon in der Hall. Lit. Zeit. 1840 EgBl. 67. ausgesprochene 
Ansicht weiter begründet, dass das Recht des Vaters an das Erbe des 
Sohnes vor dessen Geschwistern und sonstigen Cognaten zwar wahr- 
" scheinlich im attischen Rechte gesetzmassig bestimmt gewesen sei, aber 
durch kein sicheres Zeugniss eines alten Schriftstellers und namentlich 
nicht aus des Isäos Rede über Philoktemon bewieset werden könne. 
Zur Erlangung der philosophischen Doctorwürde sind folgende zwei Ab- 
handlungen erschienen: De carmine latino, quod Peroigüium inscribitur, 
von Gast. Heinr. Heidtmann , [1842. 62 S. gr. 8.] , worin der Verf. erst 
über die Beschaffenheit der Festfeier verhandelt, dann den Appulejus als 
Verfasser des Gedichts nachzuweisen sucht und endlich eine Reihe Emen- 
dationen zu einzelnen Stellen desselben mittheilt; De legislatione decem- 
virali dissert. inaug, philologica von Karl Ad. Aug. Wüh. Häckermann 
aus Greifswald [1843. 151 S. gr. 8.], eine etwas umständliche und breite, 
aber auf gründliches Quellenstudium und umsichtige Forschung begrün- 
dete Untersuchung über die Decemviralgesetzgebung , in welcher der 
Verf. nicht positiv seine Ansicht über dieselbe mittheilt, sondern nur eine 
Reihe der von Niebuhr und Göttling (in der Gesch. der rom. Staatsver- 
fassung) darüber aufgestellten Ansichten bestreitet, dabei aber die von 
Niebuhr und Göttling gesetzte Grundansicht so wankend macht, dass 
daraus eine ganz andre Auffassung des Wesens dieser Gesetzgebung her- 
vorgeht, und man sehr geneigt wird, die von dem Verf. S. 150. auf- 
gestellte Thesisf „Legislationen! decem viralem multo magis ad ius pri- 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 127 

• 
vatum quam ad publicum pertinere contendo", als wahr anzuerkennen. 
Bas Hauptverdienst seiner Abhandlung besteht darin, dass er überall auf 
streng geschichtlichem Grunde und durch sorgfaltige Sammlung und Prü- 
fung der vorhandenen Zeugnisse nachweist, warum Niehuhr's und Gött- 
ling's Behauptungen nicht gelten können, und überhaupt scharf unter- 
scheidet, was sich aus den Quellen als zuverlässig ergiebt und was sieh 
nur vermuthen lässt. Die Abhandlung zerfallt in drei besondere Ab- 
schnitte: De loco quodam Polybü S. 4 — 9. , De duabus legibus difodeckn 
tabularum S. 9 — 58. und Quatenus decemviri rempublicam ordinasse cen- 
gendi aint S. 58 — 146. Der erste Abschnitt bezieht sich auf die Quellen 
der 12 Tafel -Gesetze, und bestreitet die von Gottling S. 314. aus Poly- 
bios XII, 16. gemachte Folgerung über die Gleichheit eines Gesetzes des 
Zaleukos mit einem Zwölf- Tafel -Gesetz« Der Verf. stimmt im Allge- 
meinen der Niebuhr- Göttlingischen Ansicht bei, dass die Zwölf- Tafel - 
Gesetze der Hauptsache nach aus dem altern römischen Hechte entnom- 
men , im Einzelnen aber auch aus griechischen Gesetzen in Athen und 
Unteritalien entlehnt worden seien, und er hat S. 66. die Stellen der 
Alten zusammengestellt, welche auf die griechische Abstammung einzelner 
Gesetze hinweisen; aber dass das von Dionys. Halic. XI, 30 sq. und 
Livius III, 44; erwähnte Zwölf - Tafel - Gesetz nicht mit dem von Poly- 
bios a. a. O. erwähnten Gesetz des Zaleukos gleich sei und also daraas 
wenigstens die Abstammung römischer Gesetze von Gesetzen des Zaleu- . 
kos nicht gefolgert werden könne, hat er durch genaue Erörterung der 
betreffenden Stelle dafgethan. Im zweiten Abschnitt verhandelt er zuerst 
ober das von Gellius XX, 1. erwähnte Schuldgesetz [in Dirksen's Veber- 
sicht der bisherigen Versuche zur Kritik und Herstellung des Textes der 
Zwölf- Tafel -Fragmente tab. III. fragm. 6. p. 726.] und erklärt die 
Worte tertm nundmU pariis secanto, ü plus minusve secuerunt, aefraude 
esto , mit Niebuhr II. S. 668 ff. von einer wirklichen körperlichen Zer- 
stücklung des zahlungsunfähigen Schuldners, nicht von der Subbastation 
seines Vermögens, wie Gottling S. 323. will, dessen Deutung ausfuhrlich 
bestritten wird. Weit- wichtiger ist die S. 27. beginnende Erörterung 
des zweiten Gesetzes, de capite civis nisi per maximum comitiatum ne 
ferunto [bei Dirksen tab. IX. fr. 2. vgl. Cic. de legg. III, 4. u. 19. pro 
Sext. 30. u. 34. de republ. II, 36.], wo durch die sorgfaltigste Prüfung 
der alten Zeugnisse und der römischen Staatsverhältnisse dargethan wird, 
dass unter dem maximus comitiatus nur die Comitia centuriata verstanden 
werden dürfen , und die von Niebuhr angenommene , von Gottling weiter 
fortgeführte Umänderung der Comitialverfassung , welche . durch die De- 
cemviraigesetzgebung bestimmt worden sein soll, gar nicht stattgefunden 
habe. Der Verf. beginnt hier eine ausfuhrliche Untersuchung über das 
Verhältniss der Comitia curiata , centuriata und tributa zu einander , die 
im dritten Abschnitt weiter fortgesetzt wird und wesentlich zur Begrün- 
dung der Beweises dient, dass die Decemviralgesetzgebung keinen wei- 
tem Zweck gehabt habe , als die Herbeiführung einer faovoplct und lorj- 
foqCüij wie es Dionys. Hai. X, 1. u. 50. und II, 27. nennt, und die Be- 
gründung einer positiven Gesetzgebung und bürgerlichen Gerichtsord- 



128 Schal- a. Universitätsnachrr., Befördern u. Ehrenbezeigungen« 

nnng [,,ut certa legum praescriptione ins sancirent, secundnm quodliti- 
gantium controversiae dirimerentur"] , und dass die durch Niebuhr gel- 
tend gemachte Meinung Ton einer durch die Zwölf- Tafel - Gesetze be- 
wirkten grossen Umänderung der Staatsverfassung, der Ständeverhält- 
nisse und der Nationaleintheilung theils nnerweisbar sei, theils mit den 
geschichtlichen Zeugnissen gradezu in Widerstreit stehe. Niebuhr's Mei- 
nung, dass bis zu der Decemviralgesetzgebung weder die Patricier an 
den Tribnscomitien, noch die Plebejer an den Curiatcomitien ^Antheil 
gehabt hätten, ist schon von Schümann in den Indicibas scholar. univers. 
Gryphisvald. 1831 und 1832 bestritten worden, und Hr. H. verstärkt 
Schömann's Ansicht durch neue Gründe. Aus der Lex Hortensia, welche 
wie bereits zwei frühere Gesetze [Livius III, 55t und VIII, 12.] den in 
den Comitiis tribntis gefässten Beschlüssen bindende Gesetzeskraft für 
das ganze Volk beilegte, hätte Schömann nicht folgern sollen, dass durch 
dasselbe die Patricier von diesen Tribuscomitien ausgeschlossen worden 
seien. Das Comitienverhältniss ist überhaupt durch die Decemvirn nicht 
verändert, sondern in der Anordnung des Servius Tullius beibehalten 
worden. Von Servius an haben die Comitia centuriata das Gericht über 
-Capitalverbrechen gehabt [Cic. de legg. 11^ 19. pro Sext. 30.] und das 
vermeintliche Pärgericht der Patricier über Angeklagte ihres Standes in 
den Curiatcomitien lässt sich durch kein geschichtliches Zeugniss erwei- 
sen, wohl aber durch viele Zeugnisse bestreiten. Vor den Tribus- 
comitien, denen das übrige Gerichtswesen zugewiesen war, sind wohl auch 
in einzelnen Fallen Capitalverbrechen, z. B. des Coriolan, Caeso Quintius, 
M. E>rius Camillus, gerichtet worden, weil seit 262 n. R. £• die Tribu- 
nen jeden Patricier vor das Volksgericht ziehen konnten, aber dann 
wurde entweder die Todesstrafe nicht verhängt (wie bei Coriolan) oder 
nachträglich in den Centuriatcomitien ausgesprochen (wie bei Caeso 
Quintius nach Iiiv. III, 11. u. V, 32.). Die Comitia curiata hatten schon 
durch Servius Tullius ihre Bedeutung verloren und behielten nur in Folge, 
der den Curien zustehenden Pflege der Sacra gentilicia und publica die 
Verhandlungen über Adoptionen, Testamente, öffentliche Verfluchungen 
und dergL , sowie in Bezog auf das Staatswesen, die Augurienpflege und 
das Bestätigungsrecht bei den Centuriatsversammlungen und den Beamten- 
wahlen , das dann in die auctoritas patrum überging. Dies Alles hat Hr. 
H. sorgfaltig und durch gründliche Erörterungen über das Comitienwesen, 
über die sacra gentilicia und publica , über die den Patriciern in früherer 
Zeit zustehende Gesetzerklärung , über den Umfang und die Anwendung 
des Bestätiguogsrechts der Curien , über die Bedeutung der auctoritas 
patrum etc. so begründet, dass dadurch die abweichenden Ansichten 
Niebuhr's, Gottling's u. A. entweder ganz zusammenfallen oder höchst 
zweifelhaft werden, und eine Reihe wichtiger Resultate für die richtigere 
Bestimmung der Centurial Verfassung und der Decemviralgesetzgebung 
gewonnen sind. Die genauere Prüfung des Einzelnen muss einem andern 
Orte vorbehalten bleiben. [J.] 



Neue 

JAHRBÜCHER 

für 

Philologie und Paedagoglk, 

oder 

Kritische JBihUotheH 

für das 

Schul- und Unterrichtswesen. 



In Verbindung mit einem Vereine von Gelehrten 

herausgegeben 

von 

JH. Johann Christian Jahn 

und 

Prof. HeinhoM XJot*. 




VIERZEHNTER JAHÄCKAHTCt. 

Vierzigster Band. Zweites Heft. 



Leipzig, 

Druck und Verlag von B. G. Teubner. 
1844. 



Kritische Beurtheilungen. 



Lehrbuch der Theorie des lateinischen Stils. Zum 

Schul - und Privatgebrauch verfasst und mit den erforderlichen anti- 
barbaristischen Bemerkungen begleitet von Friedr. Adolph Heinichen 9 
Dr. der Philosophie und Prorector des Gymnasiums zu Annaberg. 
Leipzig, Verlag von K. F. Köhler. 1842. XVI u. 324 S. 

.Herr Prorector Heiniehen, der es in der Vorrede seiner 
Schrift S. III. mit Recht anerkennt, dass die lateinische Stilistik 
in theoretischer Hinsicht in der neuesten Zeit in hohem Grade 
vervollkommnet worden sei, hatte bei Abfassung des vorliegenden 
Baches die Absicht, ein Lehrbuch des lateinischen Stils zu liefern, 
^ das den Bedurfnissen der Schule ebensowohl als den Forderungen 
der Wissenschaft entspräche und dem Schüler oberer Gymnasial- 
dassen, sei es bei dem Privatstudium oder bei dem Vortrage des 
Lehrers, ebenso von Nutzen sein könnte, als dem Lehrer bei der 
Erläuterung und weitern Ausführung der wichtigsten Lehren des 
lateinischen Stils und bei Leitung der lateinischen Stilübungen. 
Denn keines der vorhandenen neuern Werke über lateinische Sti- 
listik, meinte er, entspräche diesen Anforderungen vollkommen, 
sofern der Entwurf einer Theorie des lateinischen Stils von A. 
Matthiä eben nur ein Entwurf sei und bei vielen Vorzügen, 
die der Hr. Verf. anerkennt, doch mehrere sehr wichtige Lehren 
und Regeln des Stils entweder ganz übergehe oder nur .sehr fluch« 
tig andeute, die Theorie des lateinischen Stils von Grysar da- 
gegen streng genommen den Namen einer Theorie des latei- 
nischen Stil 8 nicht fuhren könne, weil dieser nur ein Drei- 
zehntheil des Buches von "Grysar gewidmet sei , das Uebrige aus' 
einem ziemlich unlogisch geordneten Gemenge von grammatischen, 
lexikalischen, antibarbaristischen und synonymischen Bemerkun- 
gen bestehe, wie der Rec. in diesen NJbb. Bd. 6. S. 5 fg. gezeigt 
habe, F. Hand 's in mehrfacher Hinsicht ausgezeichnetes Lehr- 
buch des lateinischen Stils aber endlich zum Schulgebrauche 
minder geeignet erscheine, weil es einesteils zu wenig Material 

v 



132 . Lateinische Sprachwissenschaft. 

biete, aDderntheils auch noch zu wenig übersichtlich gearbeitet 
sei und das Wichtige von dem minder Wichtigen nicht sorgfältig 
genug scheide. Wir bekennen, dass wir soweit mit dem Hrn. 
Verf. einverstanden sind, zumal auch er, wie Rec. dies bereits 
öffentlich in diesen NJbb. Bd. 32. S. 243 fgg. gethan hat, die 
Verdienste des Lehrbuchs von Hand im Uebrigen vollkommen 
anerkennt. 

Was nun aber die Ausführung dieses an sich richtig gefassten 
Planes anlangt, so will Rec. zwar keineswegs behaupten, dass 
sie eine misslungene sei, kann aber doch nur ein bedingtes Lob 
über die Arbeit des Hrn. Heinichen aussprechen, sofern. er es 
zwar gern und bereitwillig anerkennt, dass der Hr. Verf. in rein 
praktischer Hinsicht das Studium der lateinischen Stilistik durch 
vorliegendes Werk um ein gut Theil gefördert habe, allein nicht 
gleicher Weise in rein wissenschaftlicher Hinsicht^ oder, damit 
man nicht glaube , dass die Wissenschaft des lateinischen Stils 
gar nicht durch vorliegende Schrift gefördert worden sei, will 
Rec. sich dahin erklären, dass der Hr. Verf. mehr in praktischer 
als in wissenschaftlicher Hinsicht geleistet habe. Denn wenn wir 
auch nicht' in Abrede stellen wollen, dass der Hr. Verf. über die 
lateinische Stilistik als Wissenschaft nachgedacht habe, so scheint 
er doch nicht so tief in das Wesen der lateinischen Sprachdarstel- 
lung überhaupt eingedrungen zusein, dass seine neue Bearbei- 
tung der Theorie des lateinischen Stils diese Wissenschaft bedeu- 
tend hatte fördern können. Er hat mit Glück und Geschick das 
von Andern Geleistete in eine festere Form, gedrückt, allein 
überall merkt man es seinem Buche an, dass es nicht wie aus 
einem Gusse hervorgegangen , dass es fast nur fremde Bestand- 
teile enthält, kurz dass der Verf. nicht vollkommen Meister sei- 
nes Stoffes gewesen ist. 

Es ergiebt sich dies nicht blos aus dem eigentlichen Inhalte, 
sondern auch aus der Darstellungsweise des Hrn. Verf. selbst, 
sofern er einestheils sehr viele wörtliche Citate aus andern neuem 
Schriften in einer Fassung aufgenommen hat, welche sich für ein 
Lehrbuch für Gymnasien nicht zu eignen scheint, wofür er lieber 
die Resultate und zwar in der für seinen Zweck geeigneten Form 
in seine eigne Darstellung hätte aufnehmen sollen ; anderntheils 
aber auch, weil er selbst dann, wa er nicht wörtlich citirt, doch 
das von Andern Aufgestellte nicht so seinem Werke einverleibt 
hat, dass man annehmen könnte, er habe Alles vorher in wccum 
et sanguinem verwandelt gehabt. Zwar werden wir im Verlaufe 
uhsrer Recension noch der Beispiele genug in beiderlei Hinsicht 
erwähnen müssen, wollen aber jedoch, und zwar vorerst mehr 
zur Charakteristik dieses Verfahrens des Hrn. Verf. als zum Be- 
lege unsrer Behauptung, hier gleich einige Stellen beispielshalber 
besprechen. In ersterer Hinsicht mag gelten, was Hr. H. S. 227. 
aus Reisig 's Vorlesungen S. 828 fg. anführt, wo Reisig's Defi- 



Hein leben: Lehrbuch d. Theorie d. latein. Stils. 133 

nition von der Periode mit folgenden Worten schliesst: „Dagegen 
efne Rede , worin willkürlich Satz an Satz gefugt wird , kann in's 
Unendliche fortgehen; z. B. die Reden der Waschweiber sind 
keine Perioden; sie können Tag und Nacht fortgehen." Es ist 
dieser Schluss in einem Lehrbuche für Gymnasien , was den Stoff 
ernst und zusammengedrängt geben soll, unpassend, stehtauch 
gar nicht in Harmonie mit dem Tone des früher Gesagten; bei 
Reisig ist es leichter zu entschuldigen, da er in seiner mündlichen 
Rede nach gewohnter Weise das Piquante suchte und fand. Als 
Beispiel der andern Art mag gelten , was bei Hrn. H» S. 169 fg. 
steht. Dort führt Hr. H. unter den Constrnctionen , die, weil sie 
leicht Zweideutigkeit des Ausdrucks herbeiführen, zu vermeiden 
seien, auf die Construction des Gerundium, wenn zwei Dative 
mit demselben in Verbindung treten, z. B. filio parcendum est 
patri, wo man nicht wisse, ob der Sohn den Vater, oder der 
Vater den Sohn verschonen soll, und fährt dann wörtlich also 
fort: „Es ist daher statt des einen Dativs a mit dem Ablativ so 
setzen, obgleich diese Structur sonst nicht grade gewöhnlich ist. 
So schrieb Cic. pro leg. AI. 2, 6. aguntur bona multorum civinm, 
quibus est a vobis et ipsorum et reipublicae causa consuiendtim. 
Vgl. Cic. pro Mi!. 38, 104. o dii immortales, fortera et a vobis 
conservandum virum. An dieser Stelle steht zwar blos ein Dativ 
mit dem Gerundium, allein dennoch tritt a vobis ein, weil der 
Dativns auch als Dativus commodi im Sinne von für euch ge- 
nommen werden könnte. Nur wenn bei einiger Aufmerksamkeit 
des Lesers eine andre Auffassung, als der Schriftsteller beabsich- 
tigt, nicht stattfinden kann, ist die Construction mit dem dop- 
pelten Dativ anwendbar. So bei Cic. pro leg. M. 22, 63. aliquando 
isti prineipes et sibi et ceteris populi Romani auetoritati paren- . 
dum esse fateantur; de orat. I, 23, 105. gerendus est tibi mos 
adolescentibvs ; pro Deiot. 13, 35. cum existimaret , multis tibi 
multa esse tribuenda. Auch scheint die Construction mit der Prä- 
position a bisweilen deshalb vorgezogen worden zu sein, um die 
Person, von der die Handlung ausgeht, mehr hervorzuheben. 
Vgl. Cic. ad fam. 3, 11, 3. 15, 4, 11. 9, 3. pro Sulla 8, 8.; Klotz 
in den Jahrbb. f. Philot Bd. 32. H. 3. S. 268 f. J. 1841." Hier 
sieht man ganz deutlich, wie Hrn. H. der Stoff erst unter der 
Hand und bei der Bearbeitung sich darbot oder aufdrängte. Denn 
er will zunächst von Vermeidung einer Zweideutigkeit, die durch 
das Gerundium mit doppeltem Dativ entstehen könnte, sprechen; 
braucht aber sofort ein Beispiel, wo ein doppelter Dativ nicht im 
Spiele ist, aas Cic pro Mil. 38, 104. Er will nun aber in den 
Fällen der Zweideutigkeit die sonst nicht grade gewöhnliche Con- 
struction mit a gesetzt wissen. Was will das sagen: die nicht 
grade gewöhnliche? Warum wird diese Construction nicht 
gleich ihrem Wesen nach bezeichnet? Sodann gestattet er, wo 
keine Zweideutigkeit der Rede so leicht entsteht, auch den dop- 



134 Lateinische Sprachwissenschaft 

pelten Dativ, belegt dies mit Beispielen und giebt dann noch de 
gelegentliehe Not ix, dass bisweilen die Construction mit der Prä- 
position deshalb Torgeiogen worden zu sein scheine , um die Per- 
son, von der die Handlung ausgehe, mehr hervorzuheben. Kann 
man da behaupten, dass Hr. H. so Alles in succum et sanguinem 
verwandelt und dann daraus seine Schrift habe hervorgehen las- 
sen? Gewiss nicht. Denn entweder war gleich vornherein die 
Sache anders zu fassen und die Regel allgemeiner zu stellen, oder 
doch, wenn wir auch das Einschachtelungssystem des Hrn. Verf. 
wollten gelten lassen, wenigstens das beiläufig Beigebrachte gleich 
vornherein richtig darzustellen. Es musste zum Wenigsten zuerst 
gesagt' werden statt: „obgleich diese Strtictnr sonst nicht grade 
gewöhnlich ist", vielmehr: „eine Structur, die auch sonst in 
gewisser Hinsicht gebraucht wird", so wäre wenigstens auf die 
nachtragliche Bemerkung am Schlüsse von Hrn. H«'s Darlegung 
hingewiesen und die Sache gleich vornherein in ein richtiges Licht 
gesetzt gewesen. Sodann mussten die Beispiele, wo Cicero diese 
Construction mit a beim Gerundium gewählt hat, auch wo kein 
doppelter Dativ eingetreten wäre, besonders hervorgehoben und 
ebenfalls mit der eigentlichen Bedeutung jener Construction in 
nähere Verbindung gebracht werden. Deshalb hätte Hr. H. wohl 
am besten gethan, gleich vornherein sich als Meister des von ihm 
zu behandelnden Stoffes zu zeigen und seine Bemerkung unter c. 
also zu fassen: „c. Man hat bei der Construction des Gerundium 
besonders darauf zu achten, dass bei Bezeichnung der Person, 
von der die Handlung ausgehen soll, keine Undeutlicbkeit ent- 
steht. Denn da bei dem Gerundium die handelnde Person vor- 
zugsweise durch die lockerere Angabe mittelst des Dativus, 
seltener durch die bestimmtere mit der Präposition a und 
dem Ablativus bezeichnet zu werden pflegt; so kann bei der Con- 
struction mit dem Dativus leicht, wenn die Sache selbst nicht ganz 
plan vorliegt, Zweideutigkeit entstehen, sei es, dass ein dop- 
pelter Dativus diese herbeiführen, oder dass die Beziehung des 
Dativus an sich auf zweierlei Weise gefasst werden könne; in 
welchen beiden Fällen man die bestimmtere, auch sonst nicht 
ungewöhnliche Construction mit a und dem Ablativus eintreten 
lässt, wie z. B. bei Cic. de imp. Cn. P. 2, 6.: Aguntur bona mul- 
torum civium, quibus est a vobis et ipsorum et reipublicae causa 
consvlendum, wo die bestimmtere Bezeichnung um deswillen ein- 
tritt, weil der doppelte Dativus leicht zu Missverständnissen fuhren 
• könnte; eine Zweideutigkeit andrer Art könnte entstehen, wenn 
Cicero in derselben Rede cap. 8. § 20. geschrieben hätte : In quo 
maxime laborandum est ne forte vobis quae diligentissime pro- 
videnda sunt contemnenda esse videantur, weil so vobis nicht 
nur mit dem Gerundium, sondern auch mit dem Zeitworte vide- 
antur in nähere Beziehung treten könnte ; deshalb schrieb auch 
dort nach dem einstimmigen Zeugnisse der Handschriften Cicero: 



Heinichen f Lehrbuch d. Theorie d. latein. Stils. v 135 

In quo masime laborandum est, ne forte a vobis quae diligen- 
tissime prövidenda sunt contemnenda esse videantur, und glei- 
cherweise pro Mit. 38, 104. O di immortales, fortem et a vobis, 
iudices, conservandum vir um! weil dort der Dativus vobis auch 
als reiner Dativus commodi hätte aufgefasst werden können. Und 
so hat man in allen den Fällen, wo das Ausgehen der Handlang 
von einer Person bestimmter hervortreten soll, die Construction 
mit a und dem Ablativus der mit dem blossen Dativus vorzuzie- 
hen, wie bei Cic. pro Sab.perd. reo 2, 4. rem nullam maiorem, 
magis periculosam, magis ab omnibus providendam etc., ad 
fam. III, 31, 3. Or. De mercenariis testibus a suis civilaiibüs 
notandis etc., wo die Beziehung ebenfalls leicht misszudeuten 
war; auch tritt in folgenden drei Stellen Cicero's, wo das Zeit- 
wort puto mit im Spiele ist, wie ad fam. XV, 4, 11. Or. Idque 
— tarnen admonendum potius te a me quam rogandum pttfo, 
ibid. ep. 9« § 3. Quae mihi a Parthis nuntiata sunt, quia non 
putabam a me etiam nunc scribenda esse publice, propterea ne 
pro familiär itate quidem nostra volui scribere , und pro P. Sulla 
8, 23. Sed tarnen te a me pro magnis caussis nostrae consuetu- 
dinis monendum etiam atque etiam puto , mit vollem Rechte die 
Construction mit a und dem Ablativus ein, weil, wenn nicht das 
Ausgehen der Handlung von einer gewissen Person bestimmter 
hier hervorgehoben werden sollte, es besser gewesen wäre, über- 
haupt die Bezeichnung jenes Verhältnisses zu unterlassen, da, wenn 
ich sage : te monendum puto , die Handlung doch zunächst ab 
von der Person, der das puto angehört, also von mir, dem Spre- 
chenden, ausgehend gedacht wird, folglich ein beigesetztes mihi 
fast tautologisch wäre; was aber nicht der Fall ist, wenn a me 
steht, weil dies einen stärkern Nachdruck auf jenes Verhältnis» . 
legt. Bei allen diesen stilistischen Notwendigkeiten scheut sich . 
jedoch der Lateiner nicht, die sonst gewöhnlichere lockere Ver- 
bindung mit dem Dativus für diese Construction eintreten zu las- 
sen, wenn keines der oben erwähnten Hindernisse stattfindet, 
und so steht auch gar nicht selten, wenn Alles klar vorliegt, ein 
doppelter Dativus in diesem Falle, wie bei Cic. de imp. Cn. Pomp» 
22, 64. Aliquando isti principes et sibi et ceteris populi Romani 
universi auctoritqti parendum esse fateantur , Accusat, lib. III. 
cap. 43« § 103« Sentio, iudices, moderandum mihi esse iam 
oralioni meae etc. , de oral. I, 23, 105. Gerendus est tibi mos 
adolescentibus etc." Hätte Hr. H. seine Vorschrift also abge- 
fasst, so wyrde man sich leicht überzeugt haben, dass er Herr 
seines Stoffes gewesen; er wurde jedem Missverständnisse vor- 
gebeugt und für alle spätem Untersuchungen das richtige Princip 
festgestellt haben; so aber wankt und schwankt seine Darstellung 
und hat keinen innern Halt. 

Ausserdem haben wir es hier gleich im Allgemeinen noch zu 
rügen , dass Hr. IL nicht selten bei seinen zahlreichen wörtlichen 



136 -Lateinische Sprachwissenschaft. 

Citaten in« den Schriften andrer, theilweise auch früherer Ge- 
lehrten Bemerkungen anfahrt, die in einem keineswegs ganz rei- 
nen Latein abgefasst sind ; sowie dies nun an sich zu vermeiden 
war, so musste Hr. H., zumal in einem Lehrbuche des latein. 
Stils, zu Nutzen und Frommen seiner Jüngern Leser wohl hier 
und da eine Verwahrung anbringen oder, da dies für seinen spe- 
cialen Zweck wohl erlaubt war, stillschweigend den minder guten 
Ausdruck mit einem bessern vertauschen. Beispiele der Art fin- 
den sich fast überall. So steht S. 5. aus Ernesti Opuscc. philo!, 
p. 127, si quid subneglectum videatur, was den jungen Leser 
leicht zu dem Gebrauche von subnegligere u. s. w. verleiten kann. 
Es kommt aber im Lateinischen weder subnegligere noch sub- 
neglectus irgerids vor. Mancherlei ist in dieser Hinsicht auch an 
dem langern Citate aus Clericus Art criU vol. I. p. 137 sq., 
was Hr. H. S. 9. aufgenommen hat, auszusetzen. Selbst einiges 
aus des grossen Lateiners Eichstädt Deprecatio Latinitatis 
Academicae S. 46. Entlehnte durfte in diesem Lehrbuche für 
Schüler nicht ohne Berichtigung bleiben. Denn es steht ja der 
Satz: circumloquendi ambiguitaie ob&curare malunt, quam vo~ 
cabulis novis vel novo modo compositis, interdum quoque 
hibridis, sed düutidis tarnen rerumque notioni aptis, ad 
communem omnium inteüigentiam patefacere , wegen der Wort- 
stellung interdum quoque hibridis in grellem Widerspruche mit 
dem, was der Hr. Verf. selbst S. 188 fg. gelehrt hat, und es muss 
schon der Gymnasiast heutzutage frühzeitig erfahren, dass in die- 
sem Falle zu schreiben war: interdum hibridis quoque. Denn 
nicht interdum tritt als etwas Neues hinzu , sondern hibridis. In 
besserer Prosa unzulässig ist auch, was S. 47. aus derselben 
Stelle Eichstidt'8 steht: quis — non ausit scribere^ statt: 
quis — non audeat scribere ? Eichstadt'sches Latein ist es fer- 
ner, wenn es ebendas. S. 47. heisst: nomen contumeliosum — 
tribuni plebis et eoncitoris reipublicae. Denn man kann 
wohl sagen concitor belli , wie dies sehr häufig vorkommt, auch 
wohl concitor vulgi, wie bei Liv. 45, 10., allein wer hat je con- 
citor reipublicae gesagt? Denn dabei wird dem Worte respublica 
eine falsche Bedeutung unterlegt. Falsch steht auch noch aus 
ebenderselben Schrift Eichstädt's S. 48. nonnisi verbunden, 
was Hrn. Heinichen's eigner Regel widerstreitet., Doch wir wol- 
len, obschon durch Eichstädt selbst provocirt, ihm dennoch 
nicht zu nahe treten , da er unsre Achtung verdient in Bezug auf 
das, was er geleistet hat, unsre Nachsicht in Bezug auf das, was 
auch seiner Darstellungsweise noch abgeht ; möge aber auch er nicht 
ohne Grund an der von uns hier und da aufgestellten Sprachnorm 
mäkeln; sonst müsste unser Tadel einmal etwas entschiedener und 
derber über seine, der letzten Vollendung bisweilen noch entbeh- 
renden Schriften kommen. Denn nicht an dem Gebrauche einzel- 
ner Worte mäkle ich, sondern ich dringe hauptsächlich auf gram* 



Heimchen : Lehrbuch d. Theorie d. latein. Stils. 137 

ma tische Richtigkeit und Richtigkeit des Ausdrucks, ohne 
welche alle stilistische Kunst nichts ist Doch wir wollen bei der 
grossen Achtung, die auch wir vor dem Namen Eichstidt haben, 
diesen leicht Anstoss erregenden Punkt nicht weiter erörtern, son- 
dern wenden uns lieber wieder der Schrift des Hrn. H. selbst zu. 
Hier finden wir den Hrn. Verf. schon § 9. nicht ganz im 
Klaren mit dem Grundgesetze und obersten Principe, das, wie 
er sich ausdrückt, in Bezug auf lateinischen Stil überhaupt und 
Correctheit insbesondere zu beobachten und stets im Auge zu 
behalten sein. soll. Er stellt seine Hauptregel mit folgenden Wor- 
ten auf: „Man rieht« sich beim Lateinischschreiben vorzüglich 
nach dem Sprachgebrauch and der Ausdrucks- and Darstellungs- 
weise der besten lateinischen, echt classischen Schriftsteller des 
sogenannten goldenen Zeitalters (von der Zeit des Sulla bis auf 
die Zeit des Augustns), und unter diesen vor Allen nach Ci- 
cero, und nächst ihm nach Cäsar, Livius, Sallust als Mei- 
stern des lateinischen Stils , aber man ahme weder diese Schrift- 
steller überhaupt noch den Cicero insbesondere ausschliesslich 
und sklavisch nach. Unbedingt verwerflich ist demnach für uns 
nur das Unlateinische, Barbarische, sowie Barbari- 
emen mit ihren verschiedenen Arten, und Solöcismcn." 
Auf diese Weise mochte ich keineswegs das Princip angeben, 
nach welchem die lateinische Stilistik angebaut werden soll. Weit 
richtiger hatte dies bereits Hand vor Hrn. H. bestimmt, wenn er 
von einer Normalidee des allgemein Gültigen in der lateini- 
schen Sprachdarstellung sprach, die man sich durch Vergleichung 
und Beobachtung aus sämmtlichen lateinischen Sprachdenkmalen, 
die auf uns gekommen sind, abzunehmen habe; und später erst 
die Schriftsteller bezeichnete, welche dieser Normalidee am be- 
sten entsprochen haben, und folglich auch von uns vorzugsweise 
nachzuahmen seien. Denn nur so werden wir zu einem sichern 
Resultate kommen , und es wird sogleich im Principe jeder sklavfr- 
gehen Nachahmung des einzelnen Schriftstellers der Weg ver- 
sperrt sein. Hr. H. scheint dies selbst gefühlt zu haben , wenn 
er in der Begründung seiner Hanptregel § 10. S. 14. sich also 
ausdrückt: „Durch ein gründliches und fortgesetztes Studium 
wahrhaft classischer lateinischer Schriftsteller hat man sich daher 
atieh zuvörderst die Idee echter Latinitä't zu bilden und den Ge- 
schmack zu läutern", nur beschränkt er diese Aeusseruqg gleich 
wieder mit dem Zusätze : „und erst dann wird es selbst in stilisti- 
scher Hinsicht rathsam sein, nachclassische , spät- und nculatei- 
nische Schriftsteller zu studiren". Dass aber das von Hand und 
Andern aufgestellte Princip ein falsches sei, wird Hr. H. schwer- 
lich beweisen können , da grade nur dadurch jeder falschen Beur- 
theilung vorgebeugt wird; findet er es aber für jüngere Leser 
nicht deutlich genug, so befindet er sich sicher im Irrthume. 
Denn es ist. doch gewiss selbst für Schüler keine so schwere Auf- 



138 Lateinische Sprachwissenschaft. 

gäbe, tu begreifen, dam der Nachahmung des Einzelnen eine 
richtige Beurtheilung des Ganzen vorangehen müsse. Denn da 
nur die Idee das Vollkommene ist, die Ausfuhrung der Idee alle- 
mal mangelhaft bleibt, so kann man auch lediglieh der Idee nach- 
eifern, die sich jedoch nur von dem Ganzen abnehmen lässt, 
sofern da das Eine das Andere ersetzt und ergänzt, keineswegs 
aber der einzelnen Ausführung der Idee entnommen werden kann. 
Wenn man nun aber in moralischer Hinsicht schon jungem Renten 
dies zu begreifen und zu erfassen anmuthen kann und anmuthen 
muss, warum soll man es nicht in der Wissenschaft können, zu- 
mal da durch diese Begründung der Wissenschaft auch der Erfolg, 
den sie haben soll, gesichert wird? Ja Hr. H. muss sich auch 
schon selbst wieder S. 19. an den allgemeinen (Seist der 
Sprache halten, den man bei dem Studium einer Sprache, wie er 
sich minder gewählt ausdrückt , hinwegbekommen wolle, und 
bekennt sich also selbst zu unsrer Doctrin, ohne sie jedoch in der 
Grundregel gehörig begründet zu haben. Ich lasse also diesen 
Streit fallen, 'bemerke nur noch, dass die Art und Weise, wie 
Hr. H. das Grandgesetz festzustellen suchte, den besten Beweis 
davon liefert, dass der Hr. Verf. seiner eigentlichen Aufgabe sich 
gleich vornherein nicht gehörig bewusst war und sich so auch 
hier nicht als Meister des zu behandelnden Stoffes gezeigt hat. 

Was das § 10. und 11. zur Begründung der § 9. aufgestellten 
Hauptregel Gesagte anlangt, so können wir uns mit einigen Aeus- 
serungen des Hrn. Verf. auch hier keineswegs befreunden. Z. B. 
wenn er § 10. S. 16. die unter Cornelius Nepos' Namen vor- 
handenen Vitae excellentium imperatorum aus der Reihe muster- 
gültiger, echt classischer lateinischer Dichter ausgeschlossen wis- 
sen will , so scheint er keineswegs eine richtige Idee von der Art 
und Weise der Entstehung jener Bücher zu haben. Es würde, 
Rec zu weit abführen, wollte er seine Ansicht in Betreff jener 
Lebensbeschreibungen ausfuhrlicher darlegen, allein das, was 
Hr. H. aufstellt, kann er durchaus nicht billigen. Denn wiewohl 
Nepos, obschon ein Mann, der mit den literarischen Notabili- 
täten seiner Zeit, auch mit Cicero geistig und literarisch ver- 
kehrte, nicht zu den Geistern erster Grösse zu rechnen sein 
möchte und, wie es scheint, zu Atücus, wenn auch in freund- 
schaftlichem , doch etwas abhängigem Verhältnisse gestanden hat, 
bei dessen literarischen und buchhändlerischen Unternehmungen 
er ein thätiger Gehülfe gewesen zu sein scheint, so ist seine 
Sprache und Darstellungsweise doch immer die des goldnen Zeit- 
alters, und kein Stilistiker, wenn er auch noch so scharf über 
jene Lebensbeschreibungen herfällt, wird etwas an sich Unfptei- 
nisches oder auch nur gradezu Ungeschicktes in der Sprache jener 
zu einem speziellen Zwecke leichter und kürzer gearbeiteten Le- 
bensbeschreibungen nachweisen können , wenn auch ihr Verfasser < 
nicht den Höhepunkt seines Zeitgenossen Cicero-, dem aber aii\ch 



Heinichen: Lehrbuch d. Theorie d. latein. Stils. 13Ö 

- » 

kein andrer Zeitgenosse hinsichtlich der Kunst des Vortrags 
gleichkam, in seiner Darstellung erreicht hat und diesem weift, 
sehr weift nachsteht. Deshalb magNepos, dessen Schriften sich 
wegen ihres leicht fasslichen Inhalts sehr zur Lecture für jüngere 
Leute eignen, immerhin seinen lange innegehabten Platz be- 
haupten; und höchstens war in stilistischer Hinsicht zu bemerken, 
dasa er mit Vorsicht nachzuahmen sei, keineswegs aber durfte er 
ans der Reihe mustergültiger Prosaiker ganz ausgeschlossen 
werden. Denn er liefert einen nicht unbedeutenden Schatz echt 
lateinischer Wörter und Ausdrücke, und sein Vortrag zeichnet 
sich bei einzelnen Mängeln durch Deutlichkeit und Klarheit nicht 
wenig aus. § 11. vermisse ich ausser einer allgemeineren literar- 
historischen Ucbersicht auch manches speciell hierher Gehörige, 
wie z. B. der für seine Zeit treffliche Stilist Q. AsconiusPe- 
dianus um so weniger ganz unbeachtet bleiben konnte, da die 
echten Commentare desselben grade für die wissenschaftliche 
Darstellung in lateinischer Sprache so vielfache Ausbeute liefern. 
Man sieht aber auch hieraus , dass Hr. H. mehr seine Vorgänger 
benutzte, als neue Quellen aufsuchte. 

Der Fleiss und die Sorgfalt, womit Hr. H. bei Ausarbeitung 
seiner Schrift die neuern Hülfsmittel benutzt hat, verbürgt es 
uns, dass er in einer neuen Ausgabe, die wir dem Buche bald 
wünschen , 'gewiss auch die alten Quellen selbst besser aufsuchen 
und benutzen werde, und so wollen wir in den noch folgenden 
Bemerkungen ihn nur noch auf einige leicht zu beseitigende, jetzt 
aber anstössige Einzelheiten aufmerksam machen, und werden 
nur beiläufig auf die bereits öfters gerügten Mängel in Betreff der 
Anordnung, Bearbeitung und Benutzung des vorhandenen Stoffes 
zurückkommen. 

Leider zeigt sich aber auch im Einzelnen so vieles Falsche in 
Hrn. H/s Schrift , dass wohl auch in dieser Hinsicht eine neue 
Auflage des Buches einer sorgfältigen Durchsicht und Nachhülfe 
bedürfen wird. Wir wenden uns zu § 13., der also lautet: „Man 
vermeide alle vorclassischen, nur dem ersten oder zweiten 
Zeitraum der lateinischen Sprache (§ 10.) angehörigen Wörter, 
Formen, Constructionen , Ausdrücke, sobald sie durch classische 
ersetzt sind und nicht ein besonderer Grund ihren Gebrauch 
rechtfertigt." Dagegen haben wir nichts einzuwenden , billigen 
es auch, dass sich der Hr. Verf. in den diesem § beigegebenen 
Erläuterungen bestrebt, an einzelnen Beispielen das im § Gefor- 
derte deutlich zu machen ; nur hat er mehrere dieser Beispiele 
ganz falsch gewählt und dabei wiederum gezeigt, dass er mit der 
Geschichte der lateinischen Sprache wie in allgemeiner % so auch 
in specieller Hinsicht nicht vertraut genug gewesen.. So führt er 
z. B. auf assentio und assensi st« assentior und assensus swwi, 
und bemerkt, dass diese Formen als Archaismus zu vermeiden 
seien. Dass das Activuro nur in wenigen Fällen zu brauchen sei, 



140 Lateinische Sprachwissenschaft. 

glaubt mch Rec. stilistisch annehmen zu müssen , allein als Ar- I 

chaismus die active Form aufzuführen wird Niemand über's Herz 
bringen , der den Gebrauch dieser Wortformen historisch genau 
kennt. Denn man könnte jene Formen mit ebendemselben Rechte 
für neuern wie für altern Gebrauchs ausgeben , wie eine genauere 
Betrachtung des Sprachgebrauchs gleich zeigen wird. Zwar ' 

haben die altern Dichter, wie Plautus, Accius, auch Pom- 
ponius (über diese s. Non. p. 469. 16. ed. Merc), die active 
Form im Präsens und Perfect gebraucht, allein dass der Sprach- 
gebrauch schon in alter Zeit sich bereits für das Deponens ent- 
schieden hatte, geht aus dem bekannten Fragmente des Varro I 
de hing. hat. üb. VIII. ap. Gell. 11, £5, 9. (vgl. Varr. ed. C. O. 
Müller, p. XL VI.) Sentior nemo dicit et id per se nihil est: 
assentior tarnen fere omnes dicunU Sisenna unus as- 
sentio in senatu dicebat; et eum postea multi secuti, neque \ 
tarnen vincere consuetudinem potuerunt (cf. Quint. I, 5, IS. 
p. 96. ed. Spalding.) so deutlich hervor 9 dass darüber kein Zwei- 
fel obwalten kann. Wenn nun aber gleichwohl assentio sich auch 
noch zu Cicero* s Zeit behauptete und an drei sichern Stellen 
von diesem mustergültigen Schriftsteller selbst und zwar im Per- 
fect angewendet worden ist , ad fam. V, 2, 9. sedens m assensi, 
ad Quint. fr. II, 1, 2. Philippus assensit Lentulo^ ad Attic. II, I 
1,8. Censuit hoc Cato, assensit senatus (vgl. Fr. Ellen dt zu 
Cic.de orat. 1, 24, 110. vol. I. p. 76., um de öffic. I, 6, 18., wo 
neuerdings ebenfalls Zumpt assentiamus hergestellt hat, da doch 
hier die Lesart zweifelhaft ist, inzwischen ausser Acht zu lassen), 
so musste schon dadurch bewiesen sein, dass assentio nicht als 
Archaismus betrachtet werden könne. Nun aber ist es hinlänglich 
sicher gestellt, dass die spätem Prosaiker von Livius an nicht 
selten die active Form neben der des Deponens brauchen, s. Dra- 
kenb. ad Liv. 35, 52, 1. Tom. XI. p. 543. ed. Stuttg., Sueton. 
Vespas. 6. Quint. IX, 3, 7., der gradezu sagt: ideoque frequens 
permutatio est et pleraque utroque modo efferuntur^ luxuria- 
tur, luxuriat ; fluctuatur, fluctuat; assentior^ 
assentio; wie kann man da nun Hrn. H. noch zugeben, dass er 
dem Sprachgebrauche dieser Wortformen gehörig historisch nach- 
gegangen sei, wenn er behauptet, die active Form sei als Ar- 
chaismus zu vermeiden, welche zu allen Zeiten in der lateinischen 
Sprache sich zeigt? Sie ist, wie wir oben gesagt haben, zu 
meiden oder wenigstens nur selten zulässig, nicht aber als Ar- 
chaismus, sondern als durch den Sprachgebrauch minder sanetio- 
nirt. Es musste also hier dieses Verhältnis» vorerst ganz ausser 
Acht bleiben. Unter clepere fehlt die Stelle Cic. de repubL 
IV, 5., die um deswillen anzuführen war, weil sie die einzige in 
Prosa ist und eine scheinbare Ausnahme von Hrn. H.'s Behauptung 
macht, wiewohl auch dort Madvig zu Cic. defin.\,25,7b. 
p. 748. nur Dichterworte zu finden glaubt. Falsch ist es ferner, 



Heinichen : Lehrbach d. Theorie d. latein. Stils. 141 

wenn Hr. H. ebendaselbst punior als veraltete und in einem guten 
Stil unzulässige Form erklärt. Denn ein Wort, was ein so bedeu- 
tender Stilist wie Cicero in der Form poeniri mindestens fünf- 
mal gebraucht hat, Philipp. V11I, 2, 7. pro Milonc 13, 33. Tu sc. 
I, 44, 107. de offic. I, 2~>, 88» de invent. II, 27, 80. 28, 83. cl. 
Quint. IX, 3, 6., kann doch gewiss nicht als Archaismus angesehen 
werden, zumal die active Form bei diesem Schriftsteller nicht 
häufiger vorkommt als das Deponens. Auch möchte ich st* statt 
shriß keineswegs als Archaismus bezeichnet wissen« Die Form 
blieb gewiss in der Umgangssprache auch bis in die späteste Zeit, 
und hat sie nicht Cicero selbst pro Rose. Am. 16, 48. Tusc. II, 
18, 42. recht glücklich angewendet , um nicht su erwähnen , dass 
er auch in Orot. 45, 154. diese Form noch nicht als eigentlichen 
Archaismus bezeichnet? ' Es war also die Form wohl mit unter 
den Wörtern aufzuführen, die am gehörigen Orte auch in guter 
Prosa bisweilen gebraucht werden können. 

Sehr dürftig ist der dem Werke als Erläuterung zu § 14« 
beigegebene Antibarbarus ausgefallen, sehr dürftig sagen wir, 
weil er fast nichts als einen sehr magern Auszug aus dem bekann- 
ten Buche von Krebs enthält, wiewohl wir hiermit nicht be- 
hauptet haben wollen, dass das Urtheil von Krebs (s. dessen 
Antibarbaros S. XIV. Dritte Ausg.) falsch sei, der den Auszug für 
den Zweck des Hrn. H. in gewisser Hinsicht zu gross fand. 
Wollte nämlich Hr. H. seiner Stilistik einen kleinen Antibarbarus 
beigeben, was ich an sich gar nicht tadelnswerth finde, so musste 
er ihn als Anhang hinter sein Werk setzen, wie auch der Reo. 
seinen Vorlesungen über lateinische Stilistik in der Regel einen 
solchen beigegeben hat; allein dann musste er nicht das zum 
grossen Theil längst Bekannte von seinen Vorgängern entlehnen, 
sondern durch eigne Beobachtungen, die dem eifrigen und 
aufmerksamen Forscher sich stets darbieten, die Sache inter- 
essanter zu machen suchen; auf. das in seinem Werke im Systeme 
Bemerkte am gehörigen Orte zurückverweisen ; auch im Antibar- 
barus selbst noch mehr auf die einzelnen formellen und syntakti- 
schen Verhältnisse Rücksicht nehmen , als es bisher in derglei- 
chen Sammlungen geschehen ist. So würde dieser Anhang eine 
nützliche Beigabe für das Buch geworden sein, geeignet, dem 
Jüngern Leser an einzelnen Beispielen gleichsam als Repetition 
das im Werke selbst Besprochene noch einmal vorzuführen ; jetzt 
giebt jene Sammlung, zur Erläuterung des § zu gross,. zum Er- 
sätze eines grössern Antibarbarus viel zu klein , nur einen ziem- 
lich leeren Ballast des Buches ab. 

Auch finden wir das. Material weder überall glücklich ge- 
wählt, noch ganz richtig. Bei abiturire, abiturientes , was Hr. 
H. mit Recht tadelt, wird ah Ersatz angegeben: abire cupere^ 
abire cupientes, abitum parare. Fohlte Hr. H. nicht, dass alle 
diese Ausdrücke etwas Anderes sagen, als die Neuern mit den 



142 Lateinische Sprachwissenschaft. 

Formen abüurire, abüurientes Sollten? Denn äbire cupien- 
tes kann man keineswegs von den Schülern sagen, deren Abgang 
bestimmt ist , wenn man nichts als dies ausdrücken will. Es durfte 
also hier Hr. H. nicht bei den von seinem Vorgänger Krebs 
angegebenen Surrogaten stehen bleiben, sondern musste vielmehr 
bemerken, dass der Lateiner sehr oft durch das Präsens, nament- 
lich durch das Participium Praesentis solche Verhältnisse be- 
zeichne, wo wir eher ein Futurum erwarten; so also nicht blos 
mortem dixit, sondern auch abeuntes von Schülern, die abgehen 
wollen, oder will man bestimmter sprechen, abituri, discedentes 
oder discessuri, i{, qui abituri sunt, discessuri sunt, tt, qui 
abibunt) discedent etc. 

Unter absque konnte wohl bemerkt werden, was Krebs in 
der neuen Auflage mit Recht nachgetragen hat, dass zwar bei 
Cic. ad Attic. 1, 19, 1. Or. wohl festzuhalten sei: Quod nullam 
a me epistotam ad te sino absque argumenta ac sententia per- 
venire, was Haase zu Reisig's Vorlesungen S. 217. Anm. 264« 
mit Recht, unter Berufung auf Qu int iL VII, 2, 44. an etiamsi 
nuüa ratione ductus est, impetu raptus sit et absque sententia, 
in Schutz nimmt , jedoch wohl nur als alterthümliqhe Wendung, 
die natürlich nicht nachzuahmen sei. 

Nach abusivus war wohl auch abusio zu bemerken, das nicht 
wie abusus, sondern nur als terminus technicus für das griechi- 
sche xazccxQrjtiig gebraucht werden kann. 

Neben coelitus als Adverbium konnte auch coelites, worüber 
jetzt Krebs u. d. W. zu vergleichen ist, mit aufgeführt werden. 

Neben dissensus S. 33. war jetzt dissidium als uulateinisch 
zu bezeichnen. 

Bei eripere war nicht blos auf die Construction mit dem Da- 
tivus, sondern auch auf die fast häufigere eripere aliquid ab ali- 
quo hinzuweisen. S. diese N Jbb. Bd. 32. S. 265. 

Nebeu peccator S* 39. war wohl pedestris oratio als minder 
classisch aufzuführen, dasselbe aber nicht blos, wie Krebs gethan 
hat, mit prosa oratio- zu ersetzen, sondern vielmehr durch das 
echt classische soluta oratio, was Krebs hier nicht hat, aber unter 
prosa mit aufführt, wie es auch Hr. H. daselbst mit Recht angiebt. 

Professur a und professoratus S. 41. konnten wohl ganz weg- 
fallen, da mau mindestens heutzutage professio fast allgemein 
gewählt hat. 

Manches Hesse sich in der Art auch über § 15., der gewisse 
.nachclassischc oder- auch' ganz neulateinische Wörter in Schutz 
nimmt, sagen; doch da wir in der allgemeinen Fassung desselben 
mit Hrn. H. einverstanden sind , so wollen wir an dem Einzelnen 
nicht mäkeln , zumal hier auf das subjective Gefühl eines Jeden 
das Meiste ankommt, und das meinige grade hierüber von dem 
des Hrn. H. etwas mehr abzuweichen scheint. Dies bemerke ich 
noch im Allgemeinen, dass es allerdings öfters bequemer ist, ein 



Heimchen: Lehrbuch d. Theorie d. iatein. Stil«. 143 

neoerfundenes Wort zu brauchen, statt sich nach einem passenden 
Ausdrucke oder einer geeigneten Umschreibung im Sinne der 
Alten umzusehen. So billigt zwar Hr. H. S. 51. mit mehreren 
Gelehrten pedantiemus u. s. w., allein es lagst sich ein Pedant 
In unserm Sinne doch recht fuglich auch durch echt lateinische 
Wörter ausdrücken, wenn man nur auf die jedesmalige Bedeutung 
des Wortes im einzelnen Satze Rucksicht nimmt und nicht Wort 
und Wort übersetzen zu müssen glaubt, kurz lateinisch und nicht 
deutsch denkt. So kann man einen Pedanten nach Umstanden 
mit homo difficilis, morosus, tetrtcus, acriculus, wiebeiCic. 
Tu8c. III, 17) 38. die acriculue — eenex Zeno, bisweilen wohl 
auch, wie Krebs im Antibarbarus S. 566« vorschlagt, mit pu- 
tidu8 und ineptus umschreiben, Pedanterie mit morositas, 
difficultäe^ 8. Gic. pro L. Murena 9, 19. acerbitas, s. Cic de 
sen. 18, 66. severitatem in senectute proho et eam eicut alia 
modicam, acerbitatem nullo modo^ diritas morum, u. s« w. aus- 
drucken, und nur dann wäre mit einer Entschuldigung etwa ein 
Wort wie pedantiemus zu gestatten, wenn man im Sinne der 
Neuern über diesen Begriff als einen stehenden und gemachten 
sprechen will. Auch kann paedagogue mit einer umschreibenden 
Angabe für Pedant gebraucht werden, s. Sueton. Net. 37. 
Plaut. Ps. I, 5, 32. 

Am allerwenigsten möchte ich in dieser Hinsicht mit Hrn. H. 
S. 52« 8ubinvitu8 u. dergl. in Schutz nehmen , da pene invitus 
oder eine ahnliche Wendung den Sinn vollkommen wiedergiebt 
und jene Znsammenstellung jeder alten Auctorität ermangelt , in 
welchem Sinne Rec. auch bereits oben eubnegleetum bei Ernesti 
tadelte« Etwas Anderes ist es z. B., wenn diese Zusammenstel- 
lung bereits in einer andern Form da ist, wie wenn man nach sub- 
insuleus auch subimulee brauchte, weil hier wohl nur ein Zufall 
die alte Auctorität nicht gewährt, da Cicero von eubabsurdus 
doch selbst sub absurde gebildet hat, nach subamarue bildete *h4- 
amare, oder nach subeontumeliose bei Gic ad Attic* 11, 7, 15., 
umgekehrt subcontumeliosus, eubarrogansnicTk subarroganter bei 
Cic. Acad, II, 36, 114. u. drgl. jn.; auch kann man unbedenklich 
z. B. bei Bezeichnung von Farben, wenn auch die Zusammen- 
setzung mit sub bei einem Adjectiv der Art nicht durch alte Aucto- 
rität verbürgt ist, bei specieller Bezeichnung ein vorhandenes Ad- 
jectiv mit sub zusammensetzen ; vielleicht mit Recht auch aus dem 
öfters vorkommenden subblandiri auf die Möglichkeit oder das 
einstige Vorhandensein von eubblandus schliessen, allein nach sub- 
offendere zu bilden eubnegligere^ wie Ernesti, nach su biratus 
aber subhwi tue , wie Bf ur et gethan hat, steht uns nicht zu, da 
man- aus sichern Stellen der Alten schliessen kann, dass auch 
solche Verbindungen nach dem stehenden Sprachgebrauche beur- 
thellt wurden und nicht sofort einbürgerten, selbst wenn sie schon 
einmal gebildet worden waren. Denn wenn Quintil. 1, 5, 65. 



144 Lateinische Sprachwissenschaft. 

et, quo Cicero utitur % sub absurdum, VI, 3, 23. et f ut verbo 
Ciceronis utar, dicitnus atiqua subabsurda, deib Gebrauch 
von ' subabsurdus mit Cicero'« Anctorität belegen zu müssen 
glaubt, so sieht man daraus deutlich, dass sich selbst die Alten 
nicht soviel erlauben zu dürfen glaubten, als die Neuern sich 
aneignen, deren 'Gefühl in solchen Fällen keineswegs so fein und 
geübt sein kann, wie das der Alten selbst war« Wir werden also 
hier die Freiheit der Bildung auf gewisse Adjectivclasseu, welche 
der Bezeichnung der Farbe, des Geschmacks einzelner Dinge, 
überhaupt mehr äusserlichen Verhältnissen angehören , beschrän- 
ken raüßsen, uns aber im Uebrigen nach dem von den Alten selbst 
festgestellten Sprachgebrauche zu richten haben, wenn wir nicht 
ins Blaue hinein schreiben wollen. 

§ 16. giebt Hr. H. Winke über den Gebrauch griechischer 
Wörter und, indem er mit Recht den Gebrauch im Allgemeinen 
beschränkt, so gestattet er für einzelne, namentlich technische 
Ausdrücke den Gebrauch griechischer Wörter sehr gern. Wir 
sind mit ihm in der Hauptsache vollkommen einverstanden, hätten 
es jedoch noch erwähnt gewünscht , dass um so leichter griechi- 
sche Wörter in's Lateinische übergehen konnten, weil die Latei- 
ner, ja selbst auch die Griechen, beide Sprachen als verwandt 
und nur dialektisch verschieden anzusehen gewohnt waren , also 
eine Aufnahme eines Wortes in die eine ans der andern Sprache 
als keine grosse Sünde angesehen zu werden brauchte, ebenso« 
wenig als wenn jetzt die stammverwandten germanischen Spra- 
chen das eine oder andre Wort aus einer andern germanischen 
Sprache entlehnen oder genau genommen nur ihrem Stamme 
wieder zuführen. Und so entlehnten ja auch die Griechen na« 
meutlich mittelst der Berührung beider Völker in Grossgriechen- 
land und in den verschiedenen Provinzen des römischen Reichs 
manchen Ausdruck aus der lateinischen Sprache r 

In Bezug auf Einzelnes finden wir den Ausdruck S. 54» „Ci- 
cero — in seinen Briefen an den Halbgriechen Atticus'* 
nicht gut gewählt. Unter den einzelnen Wörtern konnte auch 
aeiher und aer mit aufgeführt werden, die wenigstens in der 
classischen Zeit noch nicht vollkommen eingebürgert waren , so- 
fern nur die griechischen Accusative aeiher a und aera in der 
bessern Zeit vorkommen , welcher Fall es auch mit Pan, Genit 
Panos, Acc. Pana, ist, mit Adelphoe als Komödientitel urdgl. m. 

Was die einzelnen von Hrn. H. gewählten Beispiele anlangt, 
so musste für Catalogus nicht blos indes substituirt werden, 
sondern auch das echt lateinische tabulae, wie Auctionskatalog 
tabulae auctionariae u. dgl. m», was die Juristen schlechtweg mit 
auctionalia, wie edictalia gebildet, bezeichneten, ein Ausdruck, 
der im juristischen Latein auch jetzt noch zulässig sein möchte. 

Offenbar falsch ist.es aber, wenn es S. 58. bei Hrn. H. 
heisst: „Tyrannus, tyrannis, tyrannice kann zwar im Sinne von 



Heinichen: Lehrbuch d. Theorie d. latein. Stil«. 145 

Monarch, Monarchie, monarchisch gebraucht werden 
(vgl. Monarcha), aber nicht st. crudelis, saevus, crudelitas^ 
saevitia u. s. w." Darnach könnte ein junger Lateiner veranlasst 
werden zu sagen Tyrannus Borussiae, tyrannis Sasoniae u. 
dgl. mehr, was doch offenbar fehlerhaft, ja lächerlich sein würde. 
Es rausste also Hr. H. darauf aufmerksam machen, dass im Latei- 
nischen eben so wie im Griechischen, tyrannus und tyrannis nur 
von dem Herrscher und der Herrschaft gesagt werden könne, die 
in einem Freistaate auf minder gesetzmässige Weise aufgekommen 
sind, wie dies in einigen amerikanischen Staaten jetzt der 'Fall 
ist, und wie der Dr. Francia wohl tyrannus provinciae Cispla- 
tanae (Paraguay) genannt werden kann, aber kein europäischer 
Monarch. 

In den Beispielen zu § 18., wo Hr. H. von dem nicht zu 
gestattenden Gebrauche acht classischer Wörter in falscher Be- 
deutung spricht, ist uns ebenfalls Mancherlei aufgefallen, wovon 
wir hier nur Einiges hervorheben wollen. S. 70. heisst es: „Auch 
diserte bedeutet mehr beredt, bändig," nicht „ausdrücklich"« 
Dies mag für Gicero gelten, für Livius, den Hr. H. doch mehr 
anerkennt als jeder andere Stilistiker, gilt es nicht; $r sagt z. B. 
lib. XXI. cap. 19. § 3. Quum inLutatii foedere diserte additum 
esset, ita id rat um fore, si populus censüisset, wo 
diserte i wie ÖLa^Qi]di]v 9 grade unser ausdrücklich bezeichnet, 
lib. XXXIX. cap-« 28/ § 12. Disertissime enim planissimeque in 
eo scriptum est Chersonesum et Lysimachiam Eumeni 
dart, und so möchte wohl auch diese Bedeutung als unverwerf- 
lich anzuerkennen sein. 

Wenn Hr. H. S. 71. sagt: „Facere damnum, detrimen- 
tum heisst nicht Schaden verursachen, Zufügen, obgleich facere 
dolorem, iniuriam, contumeliam so gesagt wird, sondern Scha- 
den erleiden", so wollen wir zwar in Bezug auf den nicht 
classischen Gebrauch nichts dagegen einwenden , doch hätte wohl 
Hr. H. zu Vermeidung von Missverständnissen hinzufugen müssen, 
dass die Juristen auch damnum facere im Sinne von Schaden 
verursachen von jeher zu sagen gewohnt waren, was nicht 
blos die Stellen des Corpus Iuris civilis, wo jene Wendung tor- 
kommt , wie Dig. lib. IX. tit. 2. 1. 30. ," sondern auch die 
bekannte und selbst von Cicero Top* c. 4. gebrauchte Wendung 
damnum infectum genugsam beweist. In Bezug auf das gleich- 
folgende contumeliam facere bemerken wir, dass nicht zuerst 
Hand jene Wendung im Sinne des Antonius in Schutz nahm, 
sondern schon der Sprachgebrauch zu Quintilian 9 s Zeh sich ge- 
lodert hatte, 8. dessen ins tit. orat. lib. IX, 3, 13., obschon 
auch wir diese Wendung für nicht nachahmungswerth halten. 

Im Vorbeigehen bemerken wir, dass S. 83. Hr. H. mit Un- 
recht Latinum, Graecum als Neutra für unlateinisch erklärt, und 
in der Stelle bei Cic. Tusc.lU, 14, 29., wo in Latinum am- 

J*. Jahrb. f. PhiL u. Päd. od. KrÜ. Dibl. Bd. XL. U(U 2. 10 



146' Lateinische Sprachwissenschaft. 

vettere vorkommt, sermonem hincugedacbt wissen will. Da teh 
neulich aber das Unstatthafte dieser Annahme ausführlicher in die- 
sen Jahrbb. gesprochen habe, so verweise ich Hrn. H. und den ge- 
neigten Leser dahin zurück, so wie ich aus demselben Grunde 
über Hrn. H.'s Bemerkung 8. 88. „Demori, sterben , bei Cicero 
nur demortuus, sonst ungebräuchlich", weiter nichts bemerke, 
als dam demori niemals sterben, sondern hinweg sterben be- 
deute, und dam in diesem Sinne auch demori gebraucht werden 
könne, wenn der Zusammenhang es fordert 

Es wurde uns zu weit fuhren , wollten wir alles Einzeln noti- 
ren, wo wir nicht ganz mit dem Hrn. Verf. übereinstimmen ; deshalb 
will ich nur noch du und jenes hervorheben, wie es mir grade 
bei einer nochmaligen Durchsicht des Buches in die Augen fallt. 

S. 90* schreibt es Hr. H. Hand nach , dass man; nichts er- 
schlies8en könne in Bezug auf den Gebrauch de* Adjectives/*wii- 
neus, wenn es Cicero nur einmal Tusc. II, 8, 20. und zwar da, 
wo er griechische Verse metrisch wiedergiebt, gebraucht habe. 
Dies ist falsch. Denn wollte man sagen feminea vestis statt 
vestis muliebris, so würde, man offenbar gegen den lateinischen 
Sprachgebrauch Verstössen, wie ein Jeder fühlen wird, der mehr 
gelesen hat. Etwas andres ist es, wenn Cicero in jener poeti- 
schen Stelle sagt: Sed feminea vir, feminea interimer manu-, 
da sieht man gleich an der ganzen Fügung, warum dieses Adje- 
ctiv gebraucht worden ist. Wollte man dagegen sagen : Qodms 
cum veste feminea domi Caesaris deprehensus est, so würde 
, dies wahrhaft läppisch sein, da in diesem Falle nur muliebris ge- 
braucht wird. Auch haben ja in der Folgezeit femineus fast nur 
die Dichter gebraucht und zwar zumeist im eagero Sinne, so wie 
Cicero a. a. 0. es als Dichter brauchte. 

S: 92. missbilligt Hr. H. den Gebrauch von suo Marie pn- 
gnare in unserer Zeit; ich glaube, mit Unrecht. Denn in solcher 
sprichwörtlichen Wendung denkt man durchaus nicht mehr an den 
Mars der Alten im eigentlichen Sinne und so mag man immerhin 
suo Marte pugnare für unser auf eigne Faust kämpfen brauchen. 
Ein gleicher Fall ist es mit der Wendung invita Minerva, die 
mit einem eingesetzten ut aiunt, invita, ut aiunt, Minerva, wohl 
auch heut zu Tage von uns noch gebraucht werden kann, da auch 
sie als eine gemachte Formel durchaus ünsre Aufmerksamkeit 
nicht so sehr für ihre einzelnen Bestandteile in Anspruch nimmt, 
als dass sie störend werden könnte. S. diese N. Jahrbb. Bd. 32. 
S. 255 fg. 

Aufgefallen ist es uns, dass Hr. H. die Form sollicitudmibus 
unter Berufung auf H aase su Reisig' s Vorlesungen S. 135. 
sehr selten nennt, da grade dort eine ziemliche Anzahl Stellen an- 
gegeben sind, wo sie vorkommt Eher konnte sie als für prosaisch« 
Darstellung su schleppend erklärt werdeil, was wohl Cicero, 



Heinichen : Lehrbuch d. Theorie d. iatein« Stils. 147 

nnd die bessern Prosaiker abgehalten haben mag, sich ihrer zu' 
bedienen. 

Falsch ist es ferner, wenn Hr. H. 8. 115« bemerkt: „Auf 
ahnliche Weise tritt mit dem Superlativ auch bisweilen der Positiv 
in angemessene Verbindung, wie z. B. bei Cic. p. Mil. 27, 74. ab 
equite Romano, splendidissimo et forti viro« Vgl. Mattbiä z. 
d. Bt. nnd §. 40, 1." Es ist aber hier weder die Sache noch das 
gewählte Beispiel richtig. Denn was das letalere anlangt, ao ha- 
ben die neuesten Ausgaben jener Rede nach der besten hand» 
schriftlichen Auctorität jetzt sämmtlich im Texte: quem üb eqmiie 
Romano splendido et forti, M. Paconio^ non impetrasset ; und 
so war am allerwenigsten dies Beispiel hier anzuführen. Was aber 
die Sache anlangt, so wollen wir zwar die Möglichkeit einer sol- 
chen Zusammenstellung in gewissen Fällen nicht wegläugaea, 
können aber doch nicht umhin zu bemerken, dass bei Cicero und 
den bessern Stilisten die meisten Stellen, wo man eine solche Zu- 
sammenstellung in ihren Texten fand, nach Handschriften theils 
corrigirt sind , theils noch corrigirt werden müssen. Sehr richtig 
urtheilte in dieser Hinsicht bereits Zumpt zn Cic. Accus* lib. 
HL c. 90. § 210. , wenn er zu seiner nach den besten Handschrif- 
ten aufgenommenen Lesart : antiquissimorum clarissimorumque 
bemerkt : „Vulgo antiquorum et clarissimorum, quod magnam ha- 
bet offensionem propter diversitatem graduum. Eam enim concum*- 
latem diligeatissime cbeervat Cicero et quis non elegantiae stu» 
diosus?'i und dazu nun noch nachweiset , daas in derselben An- 
klage IIb. IV. cap. 17. g 37. nach Handschriften: prompt* hominis 
£t experientts % statt premptisehni hominis et esperientis zu 
sehreiben sei, hingegen lib. V. cnp. 67. § 172. in morte misera 
atque indigna st. in morte misera atque indignissima , in der 
Rede pro Sulla ,32, 90. in hacfortuna miserrima ae luctuosissima 
st. misera ae luctuosissima; und dass auf gleiche Weise die ofcen 
cttirte Stelle aus der Rede pro Milane nach den besien Hand- 
schriften zu emendireh sei. Die Zahl der von Zumpt angeführ- 
ten Beispiele Hesse sich leicht vermehren, *Je mit Cic de not. 
deor. I, 21, 5 8., wo mehrere Handschriften und mit ihnen \ ictoriu«, 
Mauritius und Lauabin mit Recht geschrieben haben : de re obscura 
atque difficili^ st. der Vnlgala de re obscura atque difficiUinw, 
doch will Rec. diesen Gegenstand nicht weiter verfolgen, be- 
merkt nnr noch, dass S a 1 u s t i u s freilich in seiner manierirten und 
die altere Sprache nachahmenden Atisdriiekswjase die alten Red- 
ner anders sprechen läset, wie den Consul Lepidus adpop. 
Born. Cap. 1. quibus per ceteras gentis masumi et clari estis, 
oodann indem Briefe des Mithrida'tes Cap. 1. bostes opportüni 
et seelestissimi, allein er scheut auch andre Zusammenstellungen 
■feht, die Cicero sorgfältig >sied , wie in der Oratio L. Philippi 
in senatu ,csp. 9« quos per fidem out periurio vidm*ti und was 
dergL mehr ist. 

8 10* 



148 Lateinische Sprachwissenschaft. 

Im Vorbeigehen bemerkend dass S. 183. dag Beispiel aas 
Gic Tu$c. I, 42. Aleidamas quid am wegfallen inuss, weil 
dort nach guter bandschriftlicher Auctorität jetzt Aleidamas qui- 
dem herzustellen ist, und dass S. 158., wo es heisst: „Nur we- 
nige Präpositionen erscheinen mit einander zusammengesetzt ah 
Ein Wort" vor allen Dingen dein mit aufzuführen war , will ich 
mich mit Uebergehung mehrerer Kleinigkeiten den spatern Par- 
' tien des Buches zuwenden. Hier fallt aus S. 180. zuvörderst auf, 
dass Hr. H. sagt: „Besonders werden die Begriffe der Zeit und 
der Tageszeiten oft durch Adjectiva ausgedrückt. Dahin gehören 
frequens, er eher , rarus, perpetuus, annuns, vernus, aestivus^ 
auctumnaliS) hibernus, hodiernus, crastinus , diurnus, noctur- 
nus, matutinuSy meridianus, serus, vespertinus u. dgi." und 
dabei gar keine Beschrankung ausspricht. Denn ein gut Theil je- 
ner Adjectiva vertreten nur im poetischen Gebrauche die Begriffe 
der Zeit und der Tageszeiten. 

Noch auffallender ist es aber und es mag dieser Fall vorzugs- 
weise zum Beweise dienen , wie wenig bisweilen der Hr. Verf. so 
ganz mit dem, was er lehrt, bekannt gewesen ist, wenn er auf 
derselben S. 180 fg. sagt: „Auf ähnliche Weise hängt die Wahl 
der Gonstmction des Comparativs der Adjectiva mit dem Abla- 
t i v oder mit quam von der Rücksicht auf Klarheit und Bestimmt- 
heit der Rede ab, und wo die geringste Undeutlichkeit eintreten 
könnte oder die Gomparation recht deutlich hervorteten soll, ge- 
brauchen die besten lateinischen Schriftsteller, namentlich Cicero, 
die Umschreibung mit quam , insbesondere in Negativconstructio- 
nen oder bei Fragen, die negativen Sinn haben. Gaes. B. O. 5, 
13. Hibernia est dimidia '(lies dimidio) minor, ut aestimatur % 
quam Britannia. Liv. 1, 22. Hie non solum proximo regt 
dissimilis , sed feroeior etiam quam Romulus. fuit. Cic. p. 
Plane. 2. Nullum est eertius amicitiae vinculum quam con- 
sensus consiliorum et vqluntatum. de orat. 2, 8. Qui actor est 
in imitanda, quam orator in suseipienda veritate iueundior? 
Vgl. Klotz in den Jahrbüchern f. Philologie Bd. 32. H. 3. S. 267. 
J. 1841." Gegen diese Aeusserungen des Hrn. H. muss sich Rec. 
um so bestimmter aussprechen, weil sein Name zum Belege des 
Gesagten beigefügt worden ist. Es hat aber hier der Hr. Verf. 
die Bemerkung des Rec. missverstehend Wahres und Falsches, 
vermischt Wahr ist es und von dem Rec. auch a. a. O. ausge- 
sprochen , dass die Wahl der Vergleichungsweise mit quam oder 
dem Ablativus wohl bei guten Stilisten zumeist Rucksicht auf 
Deutlichkeit und Klarheit der Rede bestimmt hat. Denn wo der 
leicht falsch zu deutende oder in die Rede minder gut aufzuneh- 
mende Ablativus nur im Geringsten undeutlich jschien, haben Ci- 
cero und die besseren Schriftsteller sofort quam dafür eintreten 
lassen. Unwahr ist es aber und von dem Rec. a. a. O. keineswgs 
ausgesprochen, dass die Construction mit der Partikel quam im- 



Heimchen: Lehrbuch <L Theorie d. iatein. Stils. 149 

besondere, in Negativconstructionen oder b€\ Fragen , die negati- 
ven Sinn haben, Statt gefanden» .Wie konnte auch Rec. so Et- 
was behaupten, der recht wohl wusste, dass Cicero und die Bes- 
seren vorzugsweise in solchen Fällen die Ablativconstruction bei 
der Vergleichung gewählt haben? Auch spricht er mit deutlichen 
Wort das Gegentheil von dem aus, wenn er daselbst sagt: „So 
hat zum Beispiel Cicero sehr oft in Negativconstructionen oder 
bei Fragen , deren Sinn auf die Negation hinausläuft, die Corapa- 
ratfon durch den Ablativus gemacht — , weil in solchen Fällen der 
Vorwurf der Comparation (an sich) mehr hervortritt. Ob man 
schon Unrecht thun würde, wollte man bei Cicero lediglich den 
Ablativus in Negativsätzen annehmen." Es musste also Hr. H. 
das Verbältniss so bestimmen : „Wo man ganz deutlich und be- 
stimmt sprechen will, wie bei Definitionen, Ortsbeschreibungen 
u. s. w., oder wenn die Rede durch die Ablativconstruction min- 
der deutlich und klar erscheinen würde, braucht man die Con- 
struction mit quam beim Comparativ , wohingegen das Verständ- 
niss leicht, die Rede zusammengedrängt ist, braucht Cicero und 
die Bessern auch die Ablativconstruction , namentlich in sprich- 
wortlichen oder öfters vorkommenden kurzen Wendungen, wie luce 
clariu8) mea vita carior^ vir tute inferior a u. dgl. m., besonders 
aber in Negativsätzen und in Fragen, die die Negation vertreten, 
weil hier das Verbältniss der Coraparative an sich mehr hervor- 
tritt, obschon auch in solchen Fällen, wo Rücksicht auf Deutlich- 
keit es fordert, die Construction mit quam bisweilen vorgezo- 
gen worden ist." Auf diese Weise erfahrt man die Sache so, wie 
sie ist; bei Hrn. H. steht aber gradezu Falsches beigemischt. 
Denn da so viele Grammatiker früher angenommen hatten , dass 
Cicero blos bei Negationen und in negativen Fragen die Ablativ- 
construction beim Comparativ gewählt habe, aus dem Grunde 
weil sie dieselbe in sehr vielen Fällen fanden, wie kann man da 
grade das Umgekehrte aufstellen wollen? Doch genug davon. 

Wir wenden uns zur folgenden S. 181. Hier beschreibt Hr. 
H. die Art und Weise, wie der Lateiner den Begriff des unbe- 
stimmten deutschen man bezeichne , und beschränkt die Sache 
auf folgende fünf Fälle: „Der Lateiner bedient sich," sagt er, 
;,zur Bezeichnung des deutschen man der dritten Person des 
Plnralis, wenn eine ganze Classe und Gesammtheit von Individuen 
gemeint ist {dieunt^ putafit), der Pronomina quia n aliquis, quis- 
piam, wenn aus einer bestimmten Classe irgend einer ange- 
deutet wird (dicat quis, si quis dicat), der ersten Person des 
Pluralis , wenn der Redende sich mit einschliesst (dieimus) , der 
zweiten Person des Singular und Plural, wenn lebhafter und 
nachdrücklicher gesprochen werden soll (dicis , nescires , finge\ 
des Passivum, wenn ganz unbestimmt und allgemein das Subject 
der Handlung anzugeben ist (dicitur, vivitur)." Wir wundern 
aas, dass Hr. H. einen sechsten Modus, dieses Verhältniss auszu-. 



150 Lateinische Sprachwissenschaft. 

drucken, der so ganz aus dem inneren. Wesen der lateinischen 
Sprache und aus der eigentlichsten Individualität des lateinischen 
Volkes mit seiner Offenheit hervorgegangen ist und auf welchen» 
Kec. bereits anderwärts gelegentlich aufmerksam gemacht hatte, 
gana ausser Acht gelassen hat« Es ist dies die erste Person des 
Singularis, durch die, mit etwas grösserer Hervorhebung der 
sprechenden Individualität, nicht selten jenes von uns durch ein 
besonderes Wörtchen angedeutete Verhältniss bezeichnet wird, 
und es ist diese Redewendung nicht blos in einzelnen Fällen, son- 
dern an unzähligen Stellen der Alten , für den Leser kaum fühl- 
bar, eingetreten, s. B. bei Cic. 7Vi5C.IV, 22, 50. wo es heisst: 
De Afrieano quidem y quia noiior est nobis propter recentem 
memoriam, vel iuxare possum, non illum iracundia tum 
inflammatum fuisse^ cum in ade M. Allienum Pelignum scuto 
proteserit gladiumque hosti in peetus infixerü. De L, Bruto 
fortosse dubitarim an propter infinüum odium tyranni ec- 
frenatiu8 in Ar untern invaserit. Video enim utrumque conti- 
nus ictu eecidisse contraria* Hier wurden wir sagen: Ueber 
Africanus — 'könnte man sogar eidlich erhärten, der 
Lateiner sagt mit Hervorhebung seiner Individualität: vel iurare 
possum; sodann würden wir sagen : In Betreff desL. Bru- 
tus könnte man vielleicht in Zweifel sein, der Latei- 
ner sagt aber gleicher Weise : fortosse dubitarim. Endlich 
wurden wir in dem letzten Falle sagen: Man ersieht aus der 
Geschiebte, man weiss ü. s. w., der Lateiner sagt aber auf 
gleiche Weise: Video enim etc. Ganz ähnlieh hiess es in dem- 
selben Buche Cap. 3. § 5. Stoicum Diogenem et Academicum 
Garneadem video ad Senatum ab Atheniensibus missos esse 
legatos. Ja es kommt dieses video auf gleiche Weise an Stellen 
vor, wo die Neueren, diese acht lateinische Sprechweise verken- 
nend, mit Unrecht sogar Aenderongeu sich erlaubt haben , wie in 
derselben Schrift Cicero's Buch 1. Cap. 34. § 82, Sedfac, ut isti 
votunty animos non remanere post mortem: video nos, siita 
fii/, privari spe beaiioris vitae, wo Wolf und Orelli vides st, 
video substituh-ten, video aber, nach unserem Ausdrucke man 
sieht, ganz in der Ordnung ist; so auch de offic* I, 12, 34, 
liquidem etiam ülud animadverto etc., wo Sturenburg. 
früher, in Verkennung jenes Sprachgebrauches, schreiben wollte: 
Etiam animadverte illud .etc., vgl. noch Cic. Tuac. 1,8, 
15. Quia si mori etiam mortuis miserum esset , infinitum quod- 
dam et sempiternum malum habet emus in vita; nunc video 
(sieht man) calcem % ad quam quom sit deeursum, nikü sit 
praeterea estimescendum , s. meine Bemerkung zn Cicero's 
Tuscul. S. 22. & 386. S. 443. und vorzüglich S. 112. und in die- 
sen NJahrbb. Bd. 12. S. 40., woselbst auch das griechische ähnlich 
gebrauchte 6oc5 bei Demosth. p. 28. p. 141. ed. Reisk. vergli- 
chen worden ist. Diese so tief in das Wesen des lateinischen 



Heiakheit: Lehrbuch d. Theorie d. totem. Stils. ' 151 

Spraeheharakters eingreifende Redewendung würde Hr. H. gewig« 
nicht vergessen hoben, wenn er mehr bemüht gewesen wäre, tie- 
fer in den Geist der lateinischen Sprache einzudringen, nicht blos 
das von den Meisten bereits Angemerkte für seine Zwecke zu 
benutzen. 

In Bezug auf die Wiederholung eines und desselben Wortes 
spricht Hr. H. S. 182 fg. § 74. im Ganzen richtig; es hatte kön- 
nen noch benutzt werden Cic' Lael. 2, 8. Quaerunt quidem, C. 
Laeli, multi, ut est a Fannio dictum, sed ego id respondeo 
qued anhnadverti, te dolorem, quem aceeperis cum summt viri 
tum amicisaimi motte , ferre moderate nee potuisse non commo- 
veri nee fuisse id humanitatis tuae : quod autem his Nonis in 
coilegio noetro non adfuisses, valetudinem respondeo cau- 
sam, non maeetitiam fuisse, wo man früher das zweite respondeo 
ohne Noth strich* und ebenda«. Cap. 16. § 59. Quia etiam ne>- 
eesse erit eupere et optare, ut quam saepissime peccet amicus, 
quo plures det sibi temquam ansas ad reprehendendum : rursum 
autem reete f actis commodisque amieprum nee esse erit angt\ 
doiere , meidere mit unserer Bemerkung S. 101 fg. S. 176 fg. 

Auf die Partie des Buches, worin Hr. H. S. 185—224. die 
Regeln der. Wortstellung abhandelt, will Rec. nicht tiefer ein- 
gehen, obschon er in nicht unwesentlichen Punkten von dem Hrn. 
Verf. abweichen muss, , da er den Gegenstand m einer Rec. nicht 
gnügend genug behandeln kann; nur auf offenbare Unrichtigkeiten 
im Einzelnen will Ree. Hrn. H. hier beiläufig aufmerksam machen. 
So muss & 190. jetzt nee quidem neben ne quidem gestrichen 
werden , nach dem was M advig im dritten fixeurse zu Cic. de 
flmb. beigebracht hat. 

S. 191. masste der Gebrauch von dem nachgesetzten de sti- 
listisch auf qua de und zwar nur in gewissen Formeln beschränkt 
werden, weil, wenn auch qua de in den Büchern ad Herenn. 
IT, 29, 46. IV, 12, 17., quibus de in der Schrift de invent. II, 48, 
141. vorkommt, Cicero doch in seinen stilistisch vollendeteren 
Schriften den Gebrauch auf quo de beschränkt hat. 

Ganz falsch ist aber, wenn Hr. H. S. 192., wo er bemerkt, 
dasa die Lateiner da, wo ein zu einem Substantiv gestelltes Pro- 
nomen oder Adjectfv mehr betont werde, dasselbe vor die Präpo- 
sition gestellt zu werden pflege, grade die beiden Beispiele : eam 
ob rem , ea de caussa , wählt. Denn eam ob rem hat kein latei- 
nischer Schriftsteller gesagt, sondern stets ob eam rem, denn wo 
das Pronomen na betonen war, sagte man dann lieber harte ob rem\ 
ea de eaussa hingegen kommt ebenfalls nur höchst selten St. hac 
de eaussa in ähnlicher Beziehung vor. Es nrasste also Hr. H. 
hier Beftbweadfger Weise andre Beispiele wählen, zugleich aber 
▼er 4er Wortstellung eam ob renr, statt sie ab die gewöhnliche 
yb empfehlen, förmlich warnen. 

Auf derselben Seite spricht Hr. H. im Ganzen richtig über 



152 Lateinische Sprachwissenschaft. 

die Falle, wo die Präposition nicht unmittelbar vor dem von ihr 
abhangigen Casus steht und beschrankt diesen Gebrauch mit Recht 
Mos auf die Fälle , wo der von der Präposition abhängige Casus 
mit einem andren Worte oder mehreren zusammen einen Begriff 
ausmacht und durch dieselbe näher bestimmt wird; jedoch hat 
er, wie wir glauben, diese Fälle selbst nicht genug geschieden. 
Denn sehr häufig sind z. B. die Fälle, wo es heisst ad iudiciorum 
certamen, in infimi generis hominum condicione u. d$l. mehr, 
oder post vero Sullae victoriam u. s. w., ebenfalls nicht unge- 
wöhnlich a nescio qua dignitate (de orat. 2, 8.), seltner schon , 
solche , wie nee in bella gerentibus (Cic. Brut, 12.), in suum 
cuique tribuendo (Cic. ibid. 21, 85.), honore digni cum ignomi- 
nia dignis (adfam. 12, 30.), welche als in gewählter Prosa nur 
seltner zulässig hätten bezeichnet werden sollen. Denn wenn 
schon die von Hrn. H. gegebenen Beispiele sich um das Doppelte 
vermehren lassen, in welcher Hinsicht Rec. aus seiner Sammlung 
beispielshalber noch hinzufugt Cic. deuniv. 12. Qui autem im- 
moderate et intemperate vixerit, eum seeundus ortus in fi- | 

guram muliebrem trantferet: et, si ne tum quidem flnem vitio- \ 

rumfaciet, gravius etiam iaetabitur et in suis moribus si- i 

millimasfiguras peeudum etferarum tramferetur etc., wo 
Lambin ohne Grund in simiUimas suis moribus flguras umstellte, 
und sich vielleicht auch bei Cic. de orat. II, 75, 305. Quid? si 
quae vitia aut incommoda sunt in aliquo iudice uno aut pluri- 
bus, eatu in adversariis exprobrando non intelligas te in 
iudices invehi: medioere peccatum est? wo man gegen die Hand- 
schriften in hat entfernen wollen, vertheidigen lässt, da, weil 
adversariis exprobare ein geschlossener Begriff ist, in adversa- 
riis exprobrando sprachlich nicht unmöglich ist, etwa in dem Sinne 
wie: ea tu dum adversariis exprobras: so ist doch bei alledem 
diese Construction sehr selten und nur bei einer gewissen Gedrängt- 
heit der Rede zulässige es war also in stilistischer Hinsicht vor 
derselben eher zu warnen, was von Hrn. H. nicht geschehen ist. 

Auf derselben S. 193. giebt Hr. H. folgendes Beispiel : quam 
quisque didicit artem , in ea se exerceat , hier ist didicit st. du 
dieerit mindestens auffallend; warum gab Hr. H. das Sprich- 
wort nicht in der Fassung, wie es bei Cic. Tusc. I, 18, 41. 
steht: Quam quisque norit artem, in hac se exerceat? 

Unrecht ist es auch, wenn Hr. H. S. 195. zum Belege, dass 
man nicht Mos ut ait Ennius, sondern auch ut Ennius aü gesagt 
habe, Cic. Tusc. I, 26, 64. anführt: philosopkia — quid est 
aliud, nisi, ut Plato ait, donum, ut ego, inventum deorum? 
Denn grade dort lassen die besseren Handschriften insgesammt 
ait fallen und es lässt sich die Weglassung des Zeitwortes in je* 
nem Falle sehr wohl rechtfertigen , s. meine Bemerkung zu der 
Stelle S. 83. und die Nachträge und Berichtigungen zu Cicero s 



Heimchen : Lehrbuch d. Theorie d. latein. Stil«. 153 

Tusculanen (Leipzig 1843) S. 32 fg. Es kann also eine solche 
Stelle nichts beweisen. N 

Falsch ist auch , wenn Hr. H. S. 196. mihi crede des Häu- 
figere, erede mihi das Seltnere nennt. Ich möchte eher das Um- 
gekehrte behaupten, crede mihi war die gewöhnliche und in den 
Umgangstone gewiss gebräuchlichste Wendung*, sie wurde rheto- 
risch gehoben durch die schärfere Betonung des Pronomens in 
mihi crede und so ward dies sodann in 4er gewählten Prosa in 
feierlicher Rede dem gewöhnlichen crede mihi vorgezogen, s. 
meine Bemerkung zu Cicero*s Tusculanen S. 100. 

ZuS. 197., wo Hr. H. über die feste und durch den Sprachge- 
brauch bedingte Stellung gewisser mit einander verbundener Wör- 
ter spricht, war wohl auch aufzufuhren aequum et bonum, 8. 
meine Vorrede zu Cicero's Reden Bd. LS. XXIX., usus etfruetus, 
oder usus frucius , usus et auetoriias oder auch usus auetoritas, 
pactum et conventum oder pactum conventum, s. ebendas. S. 
XII. S. XXV. und S. 483 fg. S. 496., was von Hrn. H. theilweise 
S. 272. berücksichtigt worden ist. Denn auch diese Wortstellun- 
gen sind stehend und möchten rucksichtlich ihrer Verbindung sti- 
listisch so zu scheiden sein, dass in höherer und freierer Darstel- 
lung die Verbindung mit et, da aber, wo das Verhältniss mehr 
technisch bezeichnet wird , die geschlossene Verbindung ohne et 
am angemessensten sein würde. . * 

Noch bemerke ich,, dass S. 213. wohl das Beispiel aus Cic. 
Tusc. II, 4, 12. iis ut wegfallen müsse, weil dort die besten 
Handschriften ut iis lesen, eben so S. 217. in dem Beispiele aus 
Cic. Tusc. I, 16, 38., wo zu schreiben ist cum honore diseiplinae 
etc. st. des fehlerhaften tum honore etc. 

In Bezug auf die S. 219. besprochene Wortstellung per mihi 
brevis u. s. w. war wohl noch ganz besonders darauf hinzuweisen, 
dass sie nur, wenn die Pronomina unbetont seien, eintreten 
könne, z. B. nicht. Cic. LaeL 4, 16. Pergratum mihi fecerisi 
epero item Scaevölae, wo Orelli mit Unrecht per mihi gratum 
vorschlug, auch nicht ad Attic. V, 20, 10. utrique nostrum 
honestum esistimo: tum mihi erit pergratum. Denn wenn schon 
die Regel selbst Hr. H. S. 217. richtig gefasst hat, so belehren 
doch entgegengesetzte Beispiele in solchen Fällen leichter. 

Wir brechen Wer ab und lassen das zweite Bnch lieber ganz 
anberücksichtigt, als dass wir zu Abgerissenes über dasselbe bei- 
brächten, 

Mag der geehrte Hr. Verf., in dessen Person wir einen 
wackern sächsischen Schulmann ehren, diese meine Ausstellun- 
gen so hinnehmen , wie sie geschrieben sind , im reinen Interesse 
der Wissenschaft und des Unterrichtes. Wir wünschen der schon 
in pädagogischer Hinsicht sehr nützlichen Schrift viele Leser 
und werden uns freuen, wenn der Hr. Verf. in einer neuen 



154 Romische Literatur. 

Auflage , die wir der Schrift von Herren gönnen, untre Winke 
nicht unbeachtet lässt; gern auch bereit, ihm für diesen Fall pri- 
vatim Mehrere« noch mitzutheilen. 

Reinhold Klotm. 



1) Kritik und Erklärung der Oden des Horaz. Ein 
Handbuch wir tiefern Auffassung der Oden des Horaz. Von H. 
Dunteer. Braunschweig bei Meyer sen. 1840. VI und 390 S. 12. 
Zweiter Theils Die Satiren. Ebenda 1841. 467 8. Dritter 
Theil: Der Episteln erstes Buch. Ebend. 1843. 536 S. 

2) Commentar zu Horaz* s Oden Buch I— III. Von Dr. 
Friedrich Lübker, Conrector an der königl. Domschale zu Schleswig. 
Schleswig bei M. Bruhn. 1841. XIV u. 552 S. gr. 8. 

3) Die Horazische Lyra in ihrer Eigentümlichkeit und Inte- 
grität, mit besonderer Beziehung auf ein Herder'sches Unheil und 
die Hofmann-Peerlkamp'schen Zweifel beleuchtet und theil weise mit 
deutscher Nachbildung bearbeitet von Wüh. Monich, Subrector am 
Gymnasium Fridericianum in Schwerin. Berlin b. Gropius. 1841. 
V u. 328 S. 8.. 

4) Qu. Hör a tii Flacci Opera omnia. Recensuit et illu- 
stravit Fr. Gu. Doering. Editionem novam curavit Gustavus Regel» 
Tom. I. Lipsiae, sumtibus librariae Habnianae. MDCCCXXXIX, 

5) Des Qu. Horatius Flaccus Satiren erklärt von L. F. 
Heindorf. Neu bearbeitet von E. F. Wüstemann. Mit einer Ab- 
handlung von C. G. Zumpt: Ueber das Leben des Horaz und die 
Zeitfolge seiner Gedichte , namentlich der Satiren. Leipzig bei F. 
L. Herbig. 1843. XVIII u. 532 S. gr. 8. 

6) Horaz. Eine literarhistorische üebersicht von Wüh. Sigm. Teuffcl, 
Doctor der Philosophie. Tubingen bei Ludw. Fr. Fueß. 1843. VIII 
und 52 S. 8. 

Den Zweck dieser Schriften, sowie ihre wirklichen Leistun- 
gen, ihr Verhitttniss zu den Anforderungen der Gegenwart und ihre 
wechselseitige Beziehung übersichtlich darzulegen , wird und soll 
die Aufgabe de» Berichterstatters sein. 

Der Verf. von Nr. 1« will keineswegs einen vollständigen 
Cemmentar geben, sondern nur Andeutungen y das Weitere der 
Beurtheilung des gebildeten Lesers überlassend und nur die 
Hauptgesichtspunkte feststellend. Sein Standpunkt ist der ästhe- 
tische, welcher das Eindringen in das Wesen jedes einzelnen Ge- 
dichts und die Kunst des Horaz zum Zweck hat Daher glaubt« 
er auch in der Erklärung 6i» Folge der gewöhnlichen Anordnung 
verlassen «i dürfen. In dieser Weise spricht sich Hr. Dr. Düntzer 
I. S. IV. «her die ihm vorsckwebeude Idee selbst aus. Dieselbe 



Horatiana. 155 

hat ihn auch im zweiten und dritten Bande bei Erklärung der 
Satiren und Briefe geleitet, obgleich mit ungleichem Erfolge« 
Dieser letztere Umstand ist jedoch keineswegs als eine Abwei- 
chung von der betretenen Bahn zu betrachten, sondern er wurde 
durch das Wesen der Dichtungen, wie es unsbedüokt, herbei- 
geführt« Kurz, die Bearbeitung der Satiren und Episteln scheint 
uns bei weitem gelungener , als die der Oden , obgleich auch dort 
viel Willkürliches mit unterliuft und der Leser zur tiefern Auf* 
fassung gar oft nicht angeleitet, sondern nur auf behaglicher 
Oberfläche herumgeführt wird. Dabei will Ref. keineswegs in 
Abrede «teilen, das* Hr. D. durch seine gewandte und natürliche 
Sprachdarstellung im Ganzen einen recht angenehmen Eindruck 
auf das Gemüth des Lesers macht und dass er manche Saite an* 
schlagt, die früher in der Art nicht vernommen wurde, aber an 
ein »Handbuch zur tiefern Auffassung" dürften grossere An- 
sprüche zu machen sein« Doch wenden wir uns zunächst zu den 
Oden. Dass Mitscherlich und Döring in ihren Cammcutaren und 
nach denselben Orelli vorzugsweise beflissen gewesen sind, die 
verborgensten Gedankeoachattirungen an daa Licht zu ziehen, 
die feinen Gewebe der überspringenden Ideen bemerklich . zn 
machen und zwar durch vorzügliche Berücksichtigung des latei- 
nischen Sprachidionte, wird kein Unparteiischer zu leugnen wagen. 
Auch hat Lot eye in seinem »Commeatar über die Oden des Ho- 
raz für Schulen" (Rastatt 1814.) für den damaligen Standpunkt 
recht Ersprießliches geleistet. Um diese Vorgänger- zu über- 
treffen, war es durchaus erforderlich, da die meisten Oden auf 
einem historischen Grande ruhen, den Zeitpunkt festzustellen und 
die Veranlassung zu ermitteln, welche diesem und jenem Gedichte 
sein Entstehen gegeben und, wo auch dies nicht möglich war, vor 
Allem und bei allen den Hauptgedanken eines Gedichte aufzufin- 
den, um mit diesem, wie mit einem Hauptschlüssel, die tiefere a 
Innerlichkeit aufzuschliessen. Dabei waren alle Erläuterungen, 
um die Gebersicht des Ideenganges nicht zu erschweren, in unter- 
gesetzte Anmerkungen zu verweisen, wie dies Loreye gelhau hat« 
Wie weit Hr. Dr. Düntzer von dieser Anforderung noch entfernt 
ist* braucht nicht weiter dargethan zu werden, da sein Buch sich 
bereits in Vieler Händen befindet. Was er für „tiefere Auffas- 
sung" halten mag, das ist unstreitig sein Symbolisken , wobei er 
häufig Gefahr läuft, in dem, was der Dichter als formale Hülle 
und gleichsam als ästhetisches Blätterwerk gebraucht, einen tiefern 
Sinn zu finden. Ueber diese Verirrong des fleissigen Schrift- 
erklären haben sich bereits Ameis in diesen blättern (NJbb. 
1840. XXVIII. 4. S. 412—19.) und Gernhard in zwei Schalpro- 
graromen (De compositione carmiHvm Horatii explananda. Part L 
Vimar. 1841. und Part. II. Vunar. 1842.) nebst Jahn (NJbb. 1842. 
XXXIV. S. 470— 80. und 3. S.352.) ausgesprochen, lief, erklart 
sich in vollkommener Uobereinstimmung mit dem Urtheile dieser 



156 Römische Literatur. 

Gelehrten , welche auf strenge Scheidung der antiken und moder- 
nen Poesie dringen , über Welche der Verf. selbst in der Einlei- 
tung Bd. I. S. 11 ff. mit vieler Einsicht gesprochen hat. Wenn 
er aber daselbst sagt, dass „sehr wichtig und in seinem wahren 
Umfange noch keineswegs erkannt bei den Alten und besonders 
bei Horaz das Symbolische sei", so ist er leider in eine Untiefe 
gerathen, aus der er sich nicht herauszuretten vermag. So fuhrt 
denn das Symbolische, welches auf Vergleich ung und Zusammen- 
stellung gegründet wird , in Verein mit einem zweiten Princip, 
dem Gegensatze i auf allerhand spitzfindige Erklärungen, die der 
naturlichen Einfachheit des Alterthums schnurstracks entgegen 
laufen. Diese Erscheinung wird nur durch einen gewissen Stand- 
punkt erklärbar, auf welchen der Verf. in theologischer oder phi- 
losophischer Hinsicht von seiner Subjectivität gestellt worden ist. 
Abgesehen von dieser Seite können wir auch nicht wünschen, 
dass des Verfassers Art, die alten Schriftsteller, wie hier den 
Horas, zu erklären, zur Mode werden möge. Denn das populäre 
Mundrechtmachen und ästhetische Zerlegen fuhrt, da es meist 
von dem sprachlichen Elemente sich entfernt halten muss, die 
Jünger der Wissenschaft unausbleiblich dem Götzen unsrer Zeit, 
der plauderhaften Vielwisserei und der oberflächlichen Universa- 
lität, zu. Dabei hat uns, wir können es nicht verhehlen, der 
schneidende und absprechende Ton missfallen, mit welchem der 
Verf., zumal im zweiten und dritten Thcile, hier und da Anders- 
denkende bekämpft. Oft scheint sogar die Mühe vermieden zu 
sein, die Gegengründe recht anzusehen oder wenigstens dem 
Leser vorzuführen, damit dieser in den Mittelpunkt des Streites 
gestellt sich sein eignes Urtheil bilde. Die Einleitung zum 
zweiten Bande stellen wir weit über die des ersten , da sie über 
die Entstehung und den Geist der römischen Satire das zer- 
streute Material in belehrender Uebersicht giebt. Was über die 
Satire des Ennius S. 8 ff. und zu Sat. I, 10. S. 262. beigebracht 
wird, hat seine Erledigung in Hermanris gründlicher Schrift 
(Progr. de Satirae Romanae auctore ex sententia Horatii Serm. 1, 
10, 66. Marb. 1841 ) gefunden. Vgl. insgemein Roth' 8 Programm 
zum Jubelfeste der Erlanger Universität: De Satirae natura com- 
mentatio. Noribergae MDCCCXLIIL Recht gut wird auch die 
alte Nachricht, dass sich Horaz in eine Schreiberstelle eingekauft 
(scriptum quaestorium comparavit), gegen die moderne Skepsis 
in Schutz genommen (S. 38. und S. 409.). Hoffentlich wird die- 
selbe auch durch Wüh. Ernst Weber* s desfallsige Erörterungen 
(Archiv 1843. IX. 1. S. 83—84.) und ZümpVs „Abhandlung" 
S. 18. auf lange Zeit verstummen. Dass die scribae dem Ritter- 
stande zunächst gestanden, wollen wir nicht In Abrede stellen. 
Indess dürfte es gerathener sein, den Ritterstand, welchen sich 
Horaz offenbar Sat. 2, 7, 53. beilegt, demselben auf eine andre 
Weise zu vindiciren. Wenn es auch Weber'n nicht völlig gelun- 



Horatiana. 157 

gen sein sollte (a. a. 0. S. 90 — 92.), so bleibt dessen Hypothese 
immer beachtenswerte Vergeblich hat Ref. zu jener Stelle ein 
tieferes Eingehen auf den fraglichen Gegenstand der Ritterwürde 
gesucht, ebenso bei der Beschreibung des Tigellins Sat. 1, 3, 7. 8., 
zu welchem Zwecke von demselben gesagt werde, dass er das 
Io Bacche bald in der höchsten, bald in der tiefsten Tonart ge- 
sungen habe. Unstreitig wollte der Dichter das Widersprechende 
in dem Charakter des Mannes vollständig ausmalen und streifte 
daher an die griechische Bezeichnung älg äiä itaööSv an , welche 
Lucian. Prometh. in Verb. 6. vollständiger so giebt: Sözb tq tmv 
povömäv xovto , 8\g dtä xaö&v slvcu tqv agpoviav , äno xov 
o&vtdzov ig to ßaQvratov. Vgl. Hermann zu Lücian. Quomodo 
hist. conscr. oporteat p. 48. Diese Fälle führen wir hier beiläufig 
an, um in concreto zu zeigen, wie die „tiefere Auffassung" zu 
nehmen oder nicht zu nehmen sei. Und fürwahr, wir könnten 
dieselben zu Dutzenden vermehren y wo wir unter billigen Anfor- 
derungen ein Eingehen auf den Grund zu finden hofften, aber 
nicht fanden. Doch wollen wir hiermit keineswegs leugnen, neue 
Ansichten, und zum Theil überraschende, gefunden zu haben. 
Wir geben als Beispiel die faba Pythagorae cognata Sat. 2, 6, 63., 
welche der Verf. gegen Heindorf und Fr. Jacobs als ein altes 
Gericht dargestellt findet, als „die Verwandte der Bohne, die 
Pythagoras schon kannte und gern ass, eine Urenkelin derselben". 
Dabei wird anf den bekannten Sprachgebrauch verwiesen, dass 
hei Vergleichungen der Kürze wegen statt des verglichenen Ge- 
genstandes der Gegenständ, dem etwas angehört, gesetzt wird, 
mit Anführung von Heinrich zum Juvenal S. 136. nebst Reissig 
und Haase S. 679. (Mehrere Beispiele giebt unser Commentar zu 
Epist. 1, 1, 83. p. 89. nebst Ellendt zu Gic. de Or. 1,4, 15.) 
Aber womit soll der Beweis geführt werden, dass Pythagoras 
selbst die Bohnen nicht verboten , sondern dass sie vielmehr seine 
gewöhnliche Kost gewesen seien ? Etwa aus dem Aristoxenus bei 
Gell. 4, 11«? Mag die Sache an sich so sein, das spätere Alter- 
thum hielt sich an die Ueberlieferung. Vgl. den SchoL Cruq-, zu 
d. St. und Heinrich zum Schol. luv. 15, 173. p. 433. — Eben so 
neu ist die Erklärung von 2, 67. vernasque procaces Pasco libatis 
dapibus, d. h. ich speise die muthwilligen Sklavenjungen mit 
Kuchen. Dieselbe gründet sich auf die Ansicht, dass unter coe- 
nae deum wirkliche Götterfeste gemeint seien, bei denen man 
grosse Mahle angestellt habe. Das den Göttern geweihte Mahl, 
die dapes dis libatae, bestand freilich aus liba, Kuchen. Da aber 
der Dichter die gewöhnlichen Freuden des Landes schildert, so 
dürften die nur zu Zeiten einfallenden Götterfeste nicht an ihrem 
Orte, und OrelWs Erklärung: Mahle wie die der Götter ^ nicht 
unpassend zu nennen sein. Dagegen hat die Schlusserklärung 
dieser Satire unsern ganzen Beifall, sowie nicht minder "die Ein- 
gangs aufgestellte Zeitbestimmung, nach welcher jenes Gedicht 



158' Romische Literatur. 



Ende des Jahres 723 oder dem Anfange des Jahres 724 zu- 
fallt Doch wir verlassen jetzt auch diesen Theil der Horazischen 
Dichtungen, auf die wir unten hin und wieder, vergleichungsweise 
Rüoksicht nehmen werden, um auf die Erklärung der Episteln 
überzugehen. Dieser wird eine Einleitung vorausgeschickt, wel- 
che den Faden der Horazbiographie und der schriftstellerischen 
Productivität da wieder aufnimmt, wo denselben die Einleitung 
in den Satiren fallen Hess. Wenn die in neuerer Zeit oft bespro- 
chene- Stelle Ep. 2, 2, 51. psupertas impnlit audax, ut versus 
facerem, ganz nach unsrer Ansicht gegen Kirchner^ Franke u. A. 
(IL S. 40.) gedeutet wird, so können wir doch die Erklärung der 
folgenden Worte, welche quod non desit von dem erworbenen 
Muhme verstanden wissen will, nicht beistimmen. Gegen diese 
Ansicht spricht nicht nur der ganze Zusammenhang, sondern auch 
Juvenal , falls ihm diese Stelle 7, 62. vorgeschwebt haben sollte, 
wie uns wahrscheinlich dünkt. Bemerkens werth ist, dass der 
Verf. seine frühere Ansicht über den Abschluss der drei Oden- 
bächer aufgegeben hat und auf Franke 9 8 Seite getreten ist. Dass 
des letztern Ansicht noch gar sehr dem Zweifel unterworfen sei, 
glauben wir in unsrer letzten Anzeige erwiesen zu haben« Wenn 
der Verf. mit Recht Denen sich zuwendet, welche einen (nicht 
Mos formellen) Unterschied zwischen Satire und Brief annehmen, 
demzufolge ihm die Satire die objective , die Epistel die s*tb- 
jective Entwicklung der Anschauung des Dichters ist: so ist nicht 
genug vor einer andern, aus jener Ansicht sfich leicht ergebenden 
Voraussetzung zu warnen, als ob Alles, was der Dichter an eine 
Person schreibe, auf dieselbe direct oder iarfirect zu beziehen 
aei. Die Briefe sind oft nichts anders als des Dichters Selbst- 
gespräche an irgend einen Freund gerichtet, Herzensergiessun- 
gen, bei denen ein Gegenstand von seiner Licht- oder "Schatten- 
seite erfaast und dem Freunde zur Betrachtung vorgelegt wird. 
Eben wegen dieser subjectfven Gestaltung und des freien Hervor- 
«trömeas aus einem nach Mittheilung gleichsam sich sehnenden 
Herze« wies Ref. in der Einleitung seines Commentar's, um doch 
' die Episteln auch einer Normaiclasse der Dichtung zuzuführen, 
dieselben der lyrischen Dichtungsart zu, weshalb er von dem 
trefflichen Scholrath Hein eine» Widerspruch erfahren hat. Die 
Nichtachtung oder Unkunde jenes Verhältnisses, das wir uns 
solchergestalt zwischen dem Schreiber und dem Empfanger des 
Briefes zu denken haben, hat oft die letztern in Sehimpf und 
Schande gebracht. Auch Hr. Düntzer hat sich von jener Ansicht 
noch nicht ganz lossagen können; daher sieht er in Epist. 1, 11. 
etat Aufforderung an den Bultatios, nach Rem zurückzukehren, 
da nach unserm Dafürhalten der Dichter vor der Auswanderungs- 
uad Reisesucht überhaupt nur warnen will. Derselbe wendet sich 
nber an den Buüatiii* als an den vielgereisten und erfahrnen Bfann, 
mit dem er wohl ein Wort dieser Art sprechen koutfte. Aber 



Horatiana. 150 

wozu Imben nkht die Ausleger den armen Bullatina gemacht! 
(Man vergl. unsern Commentar zu dieser Epistel.) Ganz Im Sinne 
nnarer Anschauungsweise spricht Fr. Jacob Im Lübecker Schul- 
programm 1841 {Einige Bemerkungen über den heutigen Stand- 
punkt der Pädagogik und zu Horaz) über die Aehnlichkeit und 
Unährilichkeit der Satire und Epistel, sowie über die angeredete 
Person in beiden sich ans. Um unser oben ausgesprochenes Ur- 
theil über diesen Tbeil der Bearbeitung zu begründen, geben wir 
eine Interpretationsprobe aus Epistel 12. und 13. Wenn man 
auch dem Erklärer zugeben mag, dass der an den Iccius gerichtete 
Brief kein Empfehlungsschreiben sei, sondern vielmehr den Zweck 
habe, „den über seine neue Stellung und sein Leben in Sieilien 
etwas unmuthig gewordenen Iccius aufzumuntern": so ist doch 
sprachlich schwer zu begreifen, wie in den Anfangsworten: Fru- 
ctibus Agrtppae Siculis, quos colligis, Icci, Si recte frueris, der 
Gedanke liegen soll: „Wenn du das Glück deiner Stellung als 
Verwalter des Agrippa gut zu gemessen weiset". Nach dieser 
Erklärung muss denn freilich die copia maior zu einer copia fru- 
endi, wie man aus frueris leicht ergänzen könne, gepresst werden.. 
Hr. Dünlzer übersah, dass der Dichter den noch nicht ganz 
zufrieden gestellten Iccius an das ihm so beliebte Thema der 
avTCCQxela erinnert, und die Worte: non est ut maior — possit 
tibi, ihr Licht uns Sat. 1, 1, 45 ff. empfangen. Wenn V. 7.' Si 
forte in medio positorum abstemina — Vivis mit Recht gewarnt 
wird, positorum nicht als Genitiv zu medio nehmen, so folgt dar- 
aus noch keineswegs, dass die in medio posita die ganz geringe 
Kost des Landmanns oder Bürgers bedeaten; denn der Ideengang 
führt von selbst zu der naturlichen Erklärung: „Wenn du als 
Verwalter eines grossen Gutes , folglich inmitten aller dir zu Ge- 
bote stehenden Genüsse, dennoch kärglich lebst, so — ". V. 21. 
Verum aen piscis seu porvum et caepe trucidas , Utere Pompeio 
Grospho etc. In der Interpretation dieser Worte jagt ein Irrthum 
den andern. Der verzeihlichste ist, dass Hr. Düntzer nach Nie- 
buhr's Vorgange auch die pisces mit Fr. Jacobs, Schmid und 
Oreüi von der geringen Kost versteht. Keineswegs! Vom römi- 
schen sowie auch vom griechischen Standpunkte aus gehört der 
Genuas der Fische zu den kostbaren Gerichten, wie man dies ans 
der Lecture der Satiren und des Athenaeus sattsam wahrnehmen 
kann. Und was nöthigt uns, an die schlechten Salzfische zu 
denken? Die alten Erklärer sahen ganz richtig, wenn sie jene 
Worte fassten: „Magst du köstlich oder kärglieh leben, so — u . 
Aber sonderbar klingt es in dem Munde eines Horazerklfirers, 
„dass Iccius sich wohl darüber beklagt habe, dass die Kost auf 
Sieilien ihn nicht behage, wo man nur Fische und Laueh und 
Zwiebeln esse, Fleisch und sonstige Speisen gar nicht kenne". 
Wie reint sich eine solche Behauptung mit den zum Sprichwort 
gewordenen dapes, mensae Skulae zusammen Man schlage nur 



160 Romische Literatur, 

den Athenäen« 12, 3, 6. p. 518. 527. Casaub. oder die In unserm 
Commentar nachgewiesenen Stellen nach, und die schlechte Kost 
der Sicilianer wird sich als ein Hirngespinst erweisen. Und 
gesetzt, die alten guten Zeiten hätten sich in Sicilieu geändert, 
stand es nicht beim Iccius als dem Verwalter ansehnlicher Lande- 
reien eines Agrippa, sich in jeden beliebigen Genuss zu setzen? 
Aber der abscheuliche Lauch und die elenden Zwiebeln! Wollen 
wir denn glauben, die Sicilianer hätten nur Derartiges gegessen? 
Hrn. Düntzer entging hier aus vorgefasster Meinung die Proteus- 
natur unsere Dichters. Iccius hatte bekanntlich einige Jahr früher 
einen Feldzug in dem Morgenlande mitgemacht und, war mit den 
morgenländischen Zuständen vertraut genug , um den Scherz des 
Horaz auszudeuten, der, abgesehen von dem den ägyptischen 
Priestern sowie den Syrern verbotenen Genüsse der Fische r in 
Absicht auf Lauch und Zwiebel hinlängliches Licht aus Juv. 15, 9. 
Porrum et caepe nefas violare ac frangere morsa empfängt. Eben- 
dasselbe bezeugten Prudent. Perist. 259. und Minutius Felix im 
Octav. 28, 10. Hierdurch wird denn auch das Verbum trucidas 
aufgeklärt. Der im vorigen Verse genannte Empedocles mit sei- 
nem pythagoreischen Glauben von der Metempsychose läset nicht 
zweifeln, dass der launige Dichter in der zuvor berührten Philo- 
sophie weiter fortging. Schon Wieland hat dies in das hellste 
Licht gesetzt, Döring half sich mit einem Zeugma, und. Hr. 
Düntzer findet in dem trucidare nur eine scherzhafte Uebertra- 
gung des Abschlachten« auf die Pflanzenwelt, wie Martial. 11, 31. 
So wird die launige Stelle ganz und gar verdreht und in ein wahres 
Zerrbild verwandelt. Warum aber der Dichter den schlechten 
Tisch seines lieben Freundes zum Gegenstande seines Scherzes 
mache, glauben wir in der Epistola angedeutet zu haben, die wir 
muthraasslich den Iccius an den Horatius schreiben lassen, wobei 
wir von der Gonjecturalkritik ebenso nach unsrer Weise Gebrauch 
gemacht haben, wie früher Fr. Jacobs in derselben Sache nach 
seiner Weise. — Doch hören wir Hrn, D. weiter. In den Wor- 
ten: Utere Pompeio Grospho et, si quid petet, ultro defer; nil 
Grosphus nisi verum orabit et aequum. Vilis amicorum est an- 
nona, bonis ubi quid deest, wird die Vermuthung ausgesprochen, 
„Iccius habe bei Pompejus Stolz und Vornehmheit geargwöhnt, 
weshalb sich jener zurückgezogen, indem er geglaubt habe, dieser 
wolle übermässige Ansprüche an ihn machen, welcher Argwohn 
freilich geeignet gewesen , ein freundliches Verhältniss im Keime 
zu erstickend Bekanntlich haben alle frühern Ausleger die Sache 
umgekehrt und den Grosphus. der Freundschaft des Iccius und 
seiner freundlichen Aushülfe empfohlen sein lassen. Die Worte 
Vilis etc., obwohl im Allgemeinen ausgesprochen, schienen ihnen 
von selbst auf ein derartiges Verhältniss hinzuweisen. Warum 
der neueste Ausleger den sensus communis seiner Vorgänger Lu- 
gen straft, wissen wir nicht Ebensowenig können wir Hrn. 



Boratiana. 161 

Buntster begreifen, wenn er Y. 27. 28. ins imperiumque Phraates 
Caesaris accepit genibus minor den Genitivus Caesarig mit ius im« 
periumque zu verbinden anstössig findet und denselben lieber zu 
genibus -zieht Zu Imperium soll nun populi Romani gedacht 
werden. Welcher Leser der lateinischen Dichter weiss es nicht, 
dass ein gewichtiges Wert, wie hier und 13, 18. der Genitivus 
Qaesaris, häufig in den Anfang des folgenden Verses tritt? Meh- 
rere Beispiele weist unser Gommentar nach. Uebrigens werden 
hier jene Worte ebenso verbunden, wie Sali« Jug. 14, 1. ius et 
imperium oder Liv. 36, 30, 9. ius iudiciumque, was wir zum Behuf 
unser« Commentars anfuhren. Der folgende dreizehnte Brief an 
den Vinnius Asella veranlasst Hrn. D. ebenfalls seinen eignen Weg 
hier und da zu wandeln. Horaz beauftragt jenen, uns unbekannten 
Mann, seine Gedichte dem Augustus nicht nur zu überbringen, 
sondern auch in geziemender Weise selbst zu überreichen. Der 
ganze Brief, wahrscheinlich zur Erheiterung des Augustus er* 
dichtet, ist im damaligen Zeitgeschmacke höchst drollig ge- 
schrieben. Das cognomen Asella giebt Stoff zu einem erheitern- 
den Wort- oder Witzspiele. Daher V. 6. Si te forte raeae gravis 
uret sarcina cbartac, Abiicito potius etc., worin man bis jetzt den 
Gedanken sab, Hr. Vinnias Asella möge die Last des Packets von 
sich werfen, wenn es ihm Beschwerde mache. Nein, sagt Hr. 
Düntzer , „dass er dem hohen Herrn seine Aufwartung machen 
soll , . das quält und ängstigt ihn". Ferner abiicito : „er solle den . 
Auftrag gar nicht übernehmen, bildlich: er solle jetzt gleich die 
Last abwerfen". Nachdem der Dichter seinen lieben Packträger 
auf alle Weise instruirt hat, ruft er demselben V. 19. die Worte 
zn: Vade, vale, cave ne titubes mandataque frangas. Der Dich- 
ter sehliesst mit einem Wunsche zur glücklichen Reise und sagt 
nach Hrn. D. Folgendes aus; „Gehe, leb wohl, versieh mir 
Nichts und halte die Ordre!" Dabei wird der „unglückliche« 
Vorstellung" gedacht, dass das Gedicht auf der Verglekhung 
mit dem Esel ruhe , woruach hier an das Straucheln des aus Un- 
vorsichtigkeit oder unter dem Drucke der Last sturzenden Esels 
zu denken sei. Auch der Referent wird unter diesen unästheti- 
schen Gläubigern wegen eines Aufsatzes im Archiv II, 585. er- 
wähnt. Derselbe kann jedoch nicht umhin, auch heute noch diese 
Ansicht in Schutz zu nehmen. Einmal sind dergleichen Namen* 
und Wortspiele der Alten ganz und gar nicht anstössig, obgleich 
der geschmackvolle Quintüian in ihnen (5, 10, 31.) ein frigidum 
argumentum findet. Aber Victor ius (Var. Lectt. 36, 24.)* durfte 
um griechische Beispiele nicht verlegen sein, er hätte eine grös- 
sere Ausbeute in Cic. de Or. 2, 59—71. finden können. Der 
fleissige Sammler, Qa&par Barth, schüttelt zwar zu dergleichen 
Namensdeutungen (Claud. Coos. Honor. p. 465 sqq.) ebenfalls 
bedenklich den Kopf, giebt dieselben aher in Stat. Silv. 1, 2, 71. 
72. Tbeb. 6, 172. grossmütbjg zu. Für den Horaz haben wir 

IV. Jahrb. f. Phil. w. Päd. od. Kr it. Bibl. Bd. XL. Hft. % \\ 



162 Romische Literatur. 

bereits Epist. 1, 6, 22. 10, 49. dergleichen Anspielungen zu be- 
merken Gelegenheit gehabt« Zweitens fährt das titubes von 
selbst zur richtigen Deutung des frangas , ja ein Wort erklärt sich 
durch das andre. Daher können wir freilich nicht titnbare von 
dem Stottern in der Rede oder von Etwas versehen oder gar mit 
Rappoldt von der Vergesslichkeit nehmen; auch kann mandata 
frangere hier nicht wie fidem, foedus, leges frangere gebraucht 
sein, wie der Hr. Verf. meint, sondern ist auf das Packet zu 
beziehen, welches der Dichter seinem Asella aufzubürden die 
Güte gehabt hat* Kurz , Orelli hat hier die Sache auf den Nagel 
getroffen. Dieser Erklärung gedenken wir noch mehr Halt und 
Beweis in unserm nächsten Fasciculus zu geben. Ueberbaüpt 
können wir bei dieser Gelegenheit nicht umhin ', vor jener ein- 
seitigen Geschmackskritik zu warnen , der zumal das jüngere Ge- 
schlecht sich hingiebt, nach welcher über unfertig scheinende 
Dinge des Alterthums entweder kurzweg der Stab gebrochen oder 
deren Vorhandensein durch allerhand künstliche Umdeutungen 
zweifelhaft zu machen versucht wird« Indem wir den fleissigen 
Hm« Düntzer jetzt verlassen, hoffen wir den Leser durch die 
gegebenen Beispiele hinlänglich in den Stand gesetzt zu haben, 
selbst zu beurtheilen, auf welchem Grande die Interpretation 
desselben ruhe und in welcher Art und Weise sie sich bewege. 

Der Verfasser von Nr. 2., Herr Conrector Dr. Lübker^ wel- 
cher seines Vorgängers Commentar nur zum Theil benutzen 
konnte, erklärt sich in dem seinem hochverehrten Lehrer, Hrn. 
Etatsrath Dr. Nitzsch , gewidmeten Vorworte gradezu gegen das 
symbologisirende Verfahren des Hrn. Dr. Düntzer \ Die leitenden 
Ideen, welche er in dieser Beziehung aufstellt, werden die Billi- 
gung jedes dem antiken Geiste des Alterthums zugewandten Le- 
sers erhalten. * Denn zu der wahrhaften Natur des Symbolischen, 
insofern es die vollendete Einheit der innern Bedeutung und äus- 
sern Gestalt ist, erhebt sich das Bildliche in der Horazischen 
Poesie nirgends, am allerwenigsten darf man das eigentlich Histo- 
rische oder Factische als solches geltend machen. Ausgenommen 
wird mit Recht das Mythische beim Horaz, insofern es bisweilen 
ein bildlich didaktisches Element bildet« Eben 60 besonnen er- 
klärt *sich Hr. Dr. Lübker gegen das neuerdings beliebt gewordene 
Verfahren , zu viel in einer Form oder Sache zu finden und aus 
unbedeutenden Zufälligkeiten ein System innerer Notwendigkeit 
zu bilden. Als Beispiel wird Cahn aufgeführt, der in seiner 
Trias quaestiouum Horatianarum zufolge der Vertheilung der an 
Bfäcen gerichteten Oden an Anfang, Mitte und Ende der Bücher 
\\. s. w. ein Princip der Odenvertheilung selbst machen wolle und 
aus der Gleichmässigkeit des Versmasses der ersten Ode des 
ersteir und der letzten des dritten Buches die gleichzeitige Her- 
ausgabe dieser drei Bücher folgern, sowie umgekehrt Düntzer 
aus den vielbesprochenen Worten an Mäcen, diiecte quem vocas, 



Horatiana. 163 

sich berechtigt glaube, die gleichzeitige Erscheinung der beiden 
ersten Bacher anzunehmen. Eben so gefahrlich dünkt ihm die 
befangene Stimmung und das ästhetische Vor urtheil, durch wel- 
ches offenbar die eigentümliche Kritik Peerikamp's hervorge- 
rufen worden sei. Gegen diesen kämpft denn Hr. Lübker am 
meisten an. Jedoch dürfte er zuweilen gegen den scharfsinnigen 
Kritiker zu weit gegangen sein, indem er nämlich das Sinnlose 
und Klaffende eines Gedieh ts nachweist, wenn dieser oder jener 
Vers nach Peerlkamp's Dafürhalten ausgefallen ist. Unstreitig 
sucht sich dieser das Fehlende anderweitig zu ergänzen, was 
durch die nacharbeitende fremde Hand als verwischt von ihm ge- 
dacht wird« Uebrigens verzichtet Hr. L. auf die Gabe eines voll- 
ständigen Commentars; er will nur viele noch schwebende Fragen 
lösen und seine Leistung an die eines Orelli und Döring -Regel 
anlehnen, dieselben berichtigend oder ergänzend. Diese Tendenz 
ist von dem Leser um so fester zu halten, damit er nicht wegen 
der fragmentarischen Leistungen gegen den Hrn. Verf. ungerecht 
werde. Und so nehmen auch wir das Werk für das, was 'es sein 
will, und heissen es willkommen, weil dasselbe manche schwie- 
rige Punkte aufhellt und zu weitern Forschungen vielfach Gele- 
genheit bietet. Dabei bemerken wir noch, dass, da der Hr. Verf. 
stets auf einem philologisch/- dialektischen Boden sich bewegt, 
seine Darstellung nicht immer eine dem Gemüth zusagende Stim- 
mung zurücklagst. Dass der, Commentar an geeigneten Orten 
treffliche Spracherörterungen gebe, lässt sich von dem Verfasser 
der Grammatischen Studien von selbst erwarten. Obwohl Ref« 
in den Grundansichten über das Alterthum überhaupt, sowie über 
Horaz insbesondere mit dem Verfasser sich conform erklärt, so 
möchte er doch über gar Manches seine abweichende Ansicht 
aussprechen, wenn er nicht bei dieser Gesaromtanzeige auf das 
vela coutrahere bedacht sein müsste» Die erste Ode des ersten 
Buches ist in neuerer Zeit ein so vielfacher Gegenstand der Dis- 
cussion geworden, dass man auf die Gewandtheit und den Ge- 
schmack eines Gommentators sicher schüessen kann, je nachdem 
er sich des reichlichen Materials bemeistert. Hr. Lübker erkennt 
in dieser Ode mit Herder und Eichst ä dt eine feine Ironie, ohne 
jedoch des letztern Ansichten durchweg gut zu heissen , z. B. 
V. 35. Quod si me etc., welcher Vers mit Hermann' 8 [ehemali- 
ger] Beweisführung geschützt wird, dass er als Schlüssel zum 
Verstandniss der beiden ersten Verse zu betrachten sei, welche 
ohne diesen ein ganz überflüssiger Zusatz sein würden! Dies 
dürfte leicht ungenügend befunden werden, da die ersten zwei 
Verse als Zueignung des Dichters persönliches Verhältniss zu 
seinem hohen Freunde im Allgemeinen darstellen, hier aber der 
Gedanke hervorzuheben war, dass, wenn zu dem Genüsse der 
hohen Musengunst auch Ma'cenas' Kennerbeifall hinzukomme, der 
Dichter sich hochbeglückt preisen werde. Ueberdies hat Her- 

11* 



164 Römische Literatur. 

mann jene Meinung selbst. aufgegeben. Wiewohl dieselbe nicht 
stichhaltig war, so durfte er doch nicht in der Dissertatio de 
primo carmine Horatii. Lips. 1842. die zwei ersten und swei letz- 
ten Verse aus Liebe zu einem Strophengesetze wegschneiden. 
Hatte der scharfsinnige Hermann, sofern es ihm wirklich mit 
seiner Beweisführung Ernst gewesen i^t, was Ref. in Abrede stel- 
len mochte, Hrn. Lübkefs Interpretation der ersten zwei Verse 
beachtet, so wurde er sicherlich nicht jenes Paradoxon aufgestellt 
haben. Ausser Jahn in diesen Jahrbb. 1842.. XXXVI. 3. S. 338 
— 40. hat Eichstädt in dem Programme zum Prorectorats Wechsel 
die IV. m. Febr. anni MDCCCXLIII. (De primo carmine Horatii 
iterum scripsit — ) sich der verdächtigten Verse angenommen und 
deren Verhältnis» zum Folgenden richtig und schön auseinander- 
gesetzt. Wenn der Hr. Verf. die terrarum dominos von deos zu 
trennen verbietet, indem er sagt, eine solche Trennung wäre wohl 
nur die Folge von der falschen Auffassung des evehere ad deos 
gewesen, welches nicht bedeute: „fit die Nähe der Götter er* 
heben, unter sie, in ihte Gemeinschaft versetzen, denselben 
gleich machen, sondern soweit emporheben, dass man das, wozu 
man erhoben wird, ist oder wenigstens in seinem Sinne ist 9 zu 
sein glaubt": so dürfte mehr noch die Wortstellung jene Isoli- 
rung veranlasst hahen. Und fürwahr die Verbindung jener Worte 
terrarum dominos — deos steht nur dann ästhetisch fest, wenn 
man mit Eichstädt in der ganzen Zeichnung des pulveren Olym-r 
picum ceüegisse den Anflug leichter Ironie gewahrt. Hr. L. ist 
unsers Erachten» über diesen Punkt zu leicht hinweggegangen 4 
denn wenn man auch die terrarum dominos nicht eben von Köni- 
gen versteht, die in Olympia mitkämpften, so lassen sich die 
Worte recht gut auf die Olympiensieger überhaupt beziehen, die 
ja auch coelestes Od. 4, 2, 17. genannt werden. So nahm Voss 
die Stelle und neulich Otto Wirz im Archiv 1S41. VII. 2. S. 318. 
Ob V. 11 — 14. Gaudentem patrios Andere sarculo etc. das Bild 
des wahren Lebensweisen darstelle, der seinen frohen Math bei 
schwerer Arbeit in dem ererbten , unerweiterte» Besitze seiner 
Väter bewahrt, möchte zu bezweifeln sein, da der Dichter, um die 
Lust und die Liebe des kühnen Seefahrers (V: 15 ff.) und dessen 
jagen nach Gewinn gleichsam in den Vordergrund zu stellen, uns 
in v dem Gaudentem Andere einen armen Landmann vorhält, der 
im Schweisse seines Angesichts Heber sein ererbtes Gütchen be- 
arbeitet, als dase er unter solchen Wagnissen und Gefahres, wie 
sie der specultreade Grosshandler zu. bestehen hat, reich werden 
will. Eichstädt ist hierbei ganz folgerecht verfahren (p. 16. 
N. 29.). Dieser Ansicht steht Gaudentem durchaus nicht ent- 
gegen, da es die Freude an jedem beliebigen Zustande ausdrückt. 
Wenden wir uns von dem rein Exegetischen au dem Sprachlichen 
hin, so begegnen wir zunächst einer schönen Bemerkung über 
die Infinitive des Präsens und Perfsqts bei coUegisse S. 10., fer- 



Horatiana. 165 

ner S. 14. über tergemiuis tollere honoribus, was Hr. Lübker für 
den Dativ nimmt in localer oder finaler Bedeutung., wie Od. 1, 
16, 17. 24, 18. , worin wir jedoch demselben nicht beistimmen. 
Der Römer verfuhr bei den Verben tollere und efferre nach einer 
andern Analogie, wie die Beispiele bei Orelli zu dieser Stelle und 
her Wolf zw Tac. Ann. 1, 2. beweisen. Den Unterschied, welcher 
zwischen tollere und efferre gemacht wird, findet Eichstädt 
(p. 12. N. 17.) mit Recht zu subtil. Die Erörterung non pro- 
prius in proprio horreo V. 9. ist recht umfassend, doch steht es 
hier wohl dem publicis horreis entgegen, wie auch Eichstädt 
bemerkt. Beim Festhalten der Lesart dimoveas V. 13. giebt der 
Verf. abermals eine durchgreifende Bemerkung über die mit dia 
und de zusammengesetzten Verba , wobei er mit Jahn' 8 desfal fei- 
ger Ausführung zu Virg. Ge. 2, 8. an einem Ziele zusammentrifft. 
Indess tragen wir grosses Bedenken, jenen aufgestellten Canon 
in praxi durchgangig anzuwenden. Sinn und Gefühl, auch wohl 
fehlerhafte Gewohnheit setzte zuweilen bei den Alten die eine 
Form fest, wo die andre nach strenger Logik besser gewesen 
wäre. So schreiben wir mit unsern Handschriften Ep. 1, 15, 10. 
nach dem Vorgänge Meine ke 8 und Jahns diversoria, obgleich 
Grammatiker und Lexikographen diese Form mit dem Obel be- 
zeichnen. Mit grosser Vorsicht geht auch Eüendt bei Cic. -de 
Or. 2, 57, 234. zu Werke. Im vorliegenden Falle hat sich Eich- 
städt mit Peerlkamp für deraoveas entschieden, was wir als eine 
stärkere Zeichnung nicht tadeln mögen, obschon für den ein- 
fachen Gedanken dimoveas ausgereicht haben würde. Ueber den 
Conjunctivus oder Indicativus nach est, sunt qui — S. 9., wozu 
Regel hier die Horazischen Beispiele gesammelt, darf künftig 
nicht unberücksichtigt bleiben, was Fr. Jacob im Lübecker Oster- 
programm 1840. S. 10. mit grosser Klarheit dargelegt hat. 

Dass die tiefere Erfassung der zweiten Ode: Ad Augustum 
Caesarem, in der Zeitbestimmung derselben ruhe, haben die ge- 
lehrtesten Commentatoren einstimmig erkannt. Auch unser Verf. 
schlägt zur Deutung dieser im echt römischen Prophetentone ge- 
schriebenen Ode den historischen Weg ein. Obwohl er anfäng- 
lich zu schwanken scheint , ergreift er doch zuletzt Frankens Hy- 
?othese , nach welcher die Abfassung in den Anfang des Jahres 
25 vor Augüstui Rückkehr aus dem Oriente gesetzt wird. So 
gewandt auch Hr. Dr. Franke die Waffen seiner Dialektik zu füh- _ 
ren weiss , so stehen doch der von ihm vertheidigten Sache zwei 
Dinge entgegen. Einmal wird die Ode nicht mit einer jüngst ge- 
schehenen Tiberüberschwemmung in Verbindung gesetzt , woge- 
gen sich jedes gesunde exegetische Gefühl sträubt. Diesen Um- 
stand hat unlängst auch Weber (Archiv 1843. IX. 2. S. 290.) mit 
wohlbegründeter Abfertigung geltend gemacht. Zweitens wird 
Augustus abwesend, d. h. noch im Morgenlande weilend, gedacht, 
da doch die ganze frische Färbung des patriotischen Gedichts den 



166 Rumische Literatur. 

Herrscher wo nicht in Rom anwesend, doch in Italien gegen* 
wartig voraussetzt. Hierzu kommt noch ein Widerspruch , in 
weichen sich der gelehrte Urheber der Hypothese wider seinen 
Willen verwickelt hat. Er kann nämlich nicht umhin, die Worte: 
Neve te nostris vitiis iniquum Ocior anra Tollat, auf Augustus mit 
Agrippa geführtes Censoramt zu beziehen. Und wer sieht nicht, 
dass dieses nicht der abwesende , sondern der gegenwartige Herr- 
scher bekleiden konnte? Ja, aus Dio Gassius 52, 42. gebt un- 
widersprechlich hervor, dass jenes Amt nach dem dreifach glor- 
reich gehaltenen Triumphe, also in die Mitte des Jahres 725 bis 
726 anzusetzen ist. Daher sehen wir uns auch jetzt noch nicht 
mit unsrer ehemals vertheidigten , das Jahr 727 voraussetzenden 
Ansicht aus dem Felde geschlagen. Vgl. NJbb. 1836. XVI. 1. 
S. 50. Wenn wir daselbst mit Grotefend n. A. den Zweck der 
Ode in die Empfehlung der Herrscherwürde des Augustus, welche 
der Dichter an die prodigiöse Tiberüberschwemraung anlehnte, 
setzten: so halt uns freilich Hr. Dr. Franke den Satz entgegen 
(p. 139.): Neque enim post ann. 727., quo Augustus Imperium 
iam sumpserat et ita coufirmaverat , ut de ruentis imperi rebus 
(v. 25.) et de scelerum expiatione (v. 29.) ncquaquara posset 
mentio fieri. Allerdings nicht post annum 727., aber erwähnt 
nicht auch der Dichter in der offenbar 727 geschriebenen Od. 1, 
35. der cicatricum et sceleris V. 33.? Und was nöthigt uns denn, 
V. 25. die ruentis imperi res auf die Noth der Gegenwart zu 
beziehen? Liegt nicht die stille Bedingung darin: Wer wird das 
Reich aufrecht halten, oder welchen Schutzgott soll das Volk 
anrufen, wenn des Reiches mächtiger Halt ihm fehlt 1 Nach Dio 
Cassius 53, 8. hatte ja Octavian kurz zuvor, ehe er mit dem 
Ehrennamen Augustus begrüsst wurde, die Staatsverwaltung 
niederzulegen erklärt. * Sonderbar klingt auch der Einwand, dass 
der Dichter den Namen Augustus in einer der Feier de* pater 
atque prineeps recht eigentlich geweihten Ode im Jahre 727 
nicht hätte auslassen dürfen. Wir erwidern: der Dichter ent- 
hält sich des Namens, um auf seine Weise denselben an- und 
auszudeuten. Hält man diesen Gesichtspunkt fest, so wird 
Keiner mehr befremdend finden , dass Hqraz hier den Octavian 
pater nennt, welche Ehrenbenennung derselbe erst im Jahre 752 
erhielt. Vergleicht man überdies alle Gedichte, in welchen H. 
des Augustus gedenkt, so wird sich des Dichters veränderte Ge- 
sinnung in Absicht auf den Augustus und die steigende Verehrung 
desselben kundgeben. Aber eine solche Verherrlichung, wie sie 
hier gefeiert wird , dürfte für die frühere Zeit beispiellos erfun- 
den werden. Erst nachdem der Herrscher seine glorreichen Tri- 
nmphe gefeiert, seine Bestimmung als ultor Caesaris erfüllt zu 
haben und die Last der Regierung wegen seiner Kränklichkeit 
abzulegen feierlich erklärt, jedoch die Uebernahme auf dringendes 
Bitten seiner Freunde aufs Neue verheissen hatte, durfte der 



Horatiana: 167 

Dichter in die allgemeine Volksfreude einstimmend sagen: Seros 
in coelum redeas etc. Dies scheint auch unser Verf. gefühlt zu 
haben , wenn er S. 34. „des Dichters Gesinnung als eine ganz 
entschiedene , seinen politischen Standpunkt schon über den 
Wendepunkt hinaus, die Zeit der Bürgerkriege im Wesentlichen 
vorbei" in dieser Ode gewahrt. Ans demselben Grunde können 
wir auch dem eben so feinfühlenden als scharf scheidenden 'W. 
E. Weber , welcher die Abfassung dieses Gedichts in den Früh- 
ling des Jahres 723 vor die Schlacht bei Actiura setzt, unsre Zu- 
stimmung nicht geben. Dass unser Verfasser wegen Ode 3. ad 
Virgilium dem Hrn. Dr. Franke abermals zu viel eingeräumt und 
gegen die Persönlichkeit des Dichters seinen Zweifel ausgespro- 
chen hat, haben wir zu einer andern Zeit berührt (XXXVII. 4. 
S. 356.). Daher kann hier nicht unbemerkt bleiben , dass dieser 
Zweifel nicht ohne nachtheiligen Einfluss auf die Erklärung des 
Gedichts selbst geblieben ist. Unter den gelehrten Vortheidi- 
gern der Lesart siccis oculis haben wir ungern llgen ad Scolia 
Graec. p. 205. vermiest Geschickt sucht derselbe das ov ovx 
iitijk&s vyQÖv diog auf diese Stelle anzuwenden. Hingegen Axt 
ad Vestrit; Spur. 3, 1. p« 89 — 90. meint, der Dichter habe aus 
metrischem Zwange statt siccis oculis i. e. siccus suis oculis die 
Enallage des Epithetons gesetzt, ohne dabei zu bedenken, dass 
sicci oculi so viel sei als oculi lacrimis carentes. Dass aber die 
Alten in ihren Darstellungen zum Theil einen andern Gebrauch 
von den Thronen machten , als wir zu fühlen gewohnt sind , hat 
recht gut Osenbrüggen zu Cic. pr. Mil. 38. p. 146. nachgewiesen. 
Fragen wir nach Hrn. Lübkers Urtheile über die schwierigste 
aller Oden, 1, 28. ad Archytara, so erhalten wir folgende Ant- 
wort: 1) dass in dem Ganzen die Gedanken des Dichters in seiner 
Person , ohne Wechsel durch Dialog , vorgetragen seien ; 2) dass 
Archytas dort nicht als halbverscharrter Leichnam liege, sondern 
förmlich begraben sei ; 3) dass weder von Anspielungen noch von 
griechischer Farbe des Gedichts die Rede sein könne, vielmehr 
der echt römische und der echt horazische Geist darin zu erken- 
nen sei. Welchen Einfluss Weiskes Abhandlung auf diese Fas- 
sung gehabt habe, liegt am Tage. Jenen hatte Gerber mit gröss- 
tenteils glücklichen Waffen bekämpft. Da traten aber mehrere 
rüstige Kämpfer theils für die neue, theils für die alte Ansicht in 
die Schranken, zuletzt Gernhardt de compositione Carminum Ho- 
ratii explananda Particula III. (Weimar 1843. p. 3 — 8.) im&Eich- 
s(ädt (Paradox. Horat. Spec. XII. Jen. MDCCCXLIII.). Wenn 
Letzterer, welcher die ersten sechs Verse dem nauta, die fol- 
genden dem Archytas zuschreibt, Recht haben sollte: so dürfte 
das alte Wort sich bewähren, dass das Neue nicht immer wahr 
und das Wahre nicht immer neu sei. Indem wir Hrn. Dr. Lüb- 
ker's Commentar jedem nach tieferer Forschung verlangenden 
Schulmanne empfehlen, fühlen wir uns zu dem offenen Gestand- 



168 Romische Literatur. 



genothigt, dass auch da., wo man seiner Meinung nicht 
sugethan sein kann, das Gefühl der Achtung, welche dem griuid«- 
liehen Forscher als ein natürlicher Tribut von selbst zufällt, nim- 
mer geschwächt wird. 

Hr. Subrector Monich, der Verfasser von Nr. 3. 9 hat durch 
die »Beleuchtungen horaziacher Lyrik" (Schwerin 1837. 4. Pro- 
gramm) und durch die „Horazischen Tableaux und Skizzen" in 
Jahn's „Archiv" 1841. VII. 1. S. 75 — 87. von seiner Anschauungs- 
und Interpretationsweise bereits dem Leser einen Vorgeschmack 
gegeben. Wir leugnen nicht, dass der in seinem Kreise hoch- 

Seachtete Gelehrte im Einzelnen viel Feingesuchtes und Scharf- 
uarchdaefetes in diesem Bache niedergelegt habe, aber da die 
Idee des Gänsen mehr in der Aeusserlichkeit der Versformen und 
in einem gewissen Schematismus der Gedanken ruht , so müssen 
wir dieselbe voh unserm Standpunkte aus als unzureichend er- 
klaren. Indess wird die Schrift das Gute haben , einer bis jetzt 
wenig beachteten Seite der horazischen Lyrik, als den Tonstellen, 
den Gedankengruppirungen und dergleichen, die gebührende 
Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wenn Hr. Monich seinen Stand- 
punkt als conservatw und die Sphäre, in der er sich bewegt & als 
eine ästhetische bezeichnet, so hat er treffend sein Verhältnis« 
zu der modernen Aesthetik, welche wie Saturn die eignen Kinder 
Terschlingt, angedeutet. Wenn daher seine Aesthetik einerseits 
keine auflösende und zerstörende ist, so rnuss ihr auch andrer- 
seits das Lob ertheilt werden , keine nebelnde oder luftig schwe- 
bende zu sein. Namentlich sah er sich durch die kritischen Son- 
den eines Peerlkamp und der Haitischen Jahrbücher, welche 
jenter an den Text der horazischen Lyrik , diese an die geistige 
Befähigung des Venusiners zu einem Lyriker gelegt hatten, auf- 
gefordert, der grossen Ciasse von Verehrern altclassischen 
Schriftenthums das Wesen der horazischen Dichtungen zn ent- 
hüllen. In welcher Art und Weise dies geschehen, wollen wir 
mit des Verfassers eigensten Worten berichten. „Man muss — 
so sagt er S. II. — die Sphäre, in welcher , die Art, wie sich die 
horazische Lyrik darin bewegt, die künstlerische Abgeschlossen- 
heit seiner Odenganzen bei scheinbaren Unregelmässigkeiten der 
einzeln beschauten Glieder angeben, muss nachweisen, dass von 
einem so harmonisch in einander greifenden Ganzen , kein noch 
so winziges Theilchen, geschweige denn grössere Massen , oder 
gar das Ganze ohne Gewalttätigkeit gefernt werden kann. Man 
muss die poetisch - plastischen Gebilde mit eingewebter Reflexion 
— denn das sind die Oden dieses Dichters — in das geeignete 
Licht, gleichsam an den gehörigen Standpunkt, wie einst des 
Phidias Gebild, bringen, um den Meister und seine Werke, jenen 
vor Beschadung, diese vor Zerstümmelung zu bewahren. Man 
muss den musternden Blick gewöhnen au diese kleine, saubere, 
wohlgeregelte Mosaik, an diese schön geordneten architektoni- 



Horatiana. 169 

sehen Massen mit der Qnlmination in der Mitte, an diese Be- 
leuchtung des eleganten und concinnen Baues, an diese Säulen- 
Stellung im Quincunic, diese Staffage, diese Scenerie, ans der 
sich zu Anfange der Bau erhebt, an diese schattirenden , rhyth- 
misch-graphischen Tinten, die leichte, lebendige Individualist 
rang in Trichotomieen mit Hervorhebung des mittleren Gliedes. 
Man nrass so inne werden, dass man hier mehr eine Künstler», 
denn eine Dichternatur vor Augen bat." Um dann zuvörderst ein 
möglichst genaues Bild von der Individualität des Dichters nach 
dessen lyrischen Erzeugnissen zu entwerfen, werden S. 17 — 20« 
die Oden in gewisse Rubriken gebracht, in welchen Horaz als 
Mensch und als Bärger zur Anschauung kommt; die Oden selbst 
zerfallen nach ihrer DisposkiomweUe in zwei Hauptgattungen: 
Beßexionsoden und Situationsodenr Dabei wird die Ansicht be- 
stritten, dass Horaz seine Muse auch ohne eine bestimmte Ver- 
anlassung zu einer Helferin für Staatszwecke gleichsam gemies- 
braucht habe, indem das Gesetz geltend gemacht wird, dass der 
Dichter nur das, was als innere oder äussere Erscheinung auf 
seine Individualität stark eingewirkt, seinen Saiten als ein Begei- 
sterter habe vertrauen müssen. Demnach erscheinen von selbst 
alle den Augustus feiernden Oden 1, 2. 12. 35. 37. III, 1, —6. 14. 
IV, 4. 5. 14. 15, als patriotische Ergüsse eines hochbegeisterten 
römisch -augusteischen Bürgers, ohne bestimmte Richtung auf 
Staats-, persönliche, oder wohl gar selbstsüchtige Zwecke, der 
vollen Seele entströmt. Nur das Carmen See. trägt einen rein 
öffentlichen Charakter. Merkwürdig ist, was Hr. Momch für die 
chronologische Auffassung der Epoden und Oden S. 229 ff. bei- 
bringt, lu den erstem lässt er den Dichter die Flegeljahre der 
Genialitat durchleben; als die in früher Jugend geschriebenen 
sind die 8., 12., 4., 6., 10. zu betrachten. Ueberhaupt fallt die 
ganze Epoden- und Odensphäre in drei Stadien. Das erste Sta- 
dium umfasst die Zeit kupz vor der Sehlacht bei Philippi bis 
gleich nach der Schlacht bei Actium (A. D. 710—723).. Dahin 
gehören viele Epoden und aus dem ersten Odenbuche Od. 14. 15. 
37. 5. 8. 13. 19. 23. 25. 27. , aus dem zweiten Od. 5. und 8. Das 
zweite Stadium bildet die Zeit von der Schlacht bei Actium bis 
zur Parthersache ( A. U. 723 — 734). Demselben fallen folgende 
Oden zu: I, 28. 7. 6. 10. 11. 16. 18. 21. 22. 29. 30. 33. II, 6. 7.; 
(von 729 — 734) I, 32. 1. 2. 3. 4. 9. 12. 17. 20. 24. 26. 31. 
34. 35. 36. 38. II, 1 — 4. 9—20. Das dritte Stadium giebt die 
Zeit von A. U. 735—742. Es enthält zwei Abschnitte: das dritte 
Buch, 737 veröffentlicht; dann das vierte Buch, etwa so zu ord- 
nen : IV, 8. 9. 1. 10. 13. 7. 11. 12. 6. Carm. See. 2. 4. 5. 14. 15. 3. 
Nur wenige sind als vor 737 gedichtet anzunehmen ; es gehören 
alle mit Ausnahme des Säculargesanges der Zeit von 739 oder 740 
bis 742 an. Aus dieser Aufstellung erhellt zur Geniige, wie we- 
nig der Hr. Verf. auf Frankens chronologische Forschungen giebt. 



170 Komische Literatur. 

Uebrigens ergeben sich aas Hrn. M — s. Theorie einige zum Theil 
recht überraschende „Bemerkungen für richtige Textbestim- 
mung" S. 193—226. Dahin rechnen wir Od. 1, 16, 8. wo Si 
geminsnt geschützt wird. „Denn für si spricht", wie es S. 195. 
heisst, „II, 14, 2. III, 3, 7. ferner die drei Anführungen vorher, 
wo schon aeque angebracht ist , bezüglich auf ut , so dass non sl 
nach aeque eine besondere Steigerung bewirkt. " Allerdings ist 
die quaternio der Beispiele, auch in den Satiren und Episteln, ohne 
Beispiel. Vgl. unsre Bemerkung zu Epist. 1, 11, 17 — 19. Und 
daher ist Bentleys Conjectifr si geminant, welche auch Peerlkamp 
scjiiitzt, sehr wohl begründet. Vgl. Lübker S. 131. Od. 1, 25, 20. 
wird dem Euro gegeu Hebro das Wort geredet, wobei nicht sowohl 
die Fälschung Evrus, Ebrus, Hebrus in Anschlag komme, als die 
Ideenassociation des Eurus, über welche der Hr. Verf. sagt: 
„Vorher wird das Weib auf das Brausen des thracischen Windes 
aufmerksam gemacht. Der Wind soll ihr den Gedanken in der 
Seele regen, dass sie gleichsam wie dürres Laub verstürmt sei. 
Dem mit Eis und Schnee bedeckten Hebrus (III, 25, 10. Ep. I, 
3, 3.) kann man jedoch nichts zum Verschwemmen übergeben." 
Od. II, 3, 14. Nimium breves (is) flores amoenae (os) rosae. „Er- 
steres, Tonstellung: Nimium breves rosae amoenae flores. Wenn 
dies nicht entscheidet, der bedenke: Amoenus ist der allgemeine, 
feststehende, brevis der specielle zufällige Begriff. Eine kurz 
dauernde Rose ist unwahr, denn sie erzeugt sich immer wieder ; 
wohl aber die BHithe ist von kurzer Dauer." Diese Beispiele 
mögen auch auf das kritische Gebiet dieser Schrift aufmerksam 
machen ! 

N. 4. Hr. Dr. Regel, Doring's Enkel, hat uns in vorliegender 
Ausgabe einen Doeringius redivivus gegeben, der eben so sehr 
des Heransgebers Pietät gegen die Manen des Verstorbnen, als seine 
Kenntnisse und seinen Geschmack beurkundet. Ohne hierin die 
Frage einzugehen, wie weit der Döringische Horaz den Zwecken 
der Schule, in der er heimisch geworden ist,- entsprochen habe 
und noch entspreche, steht die Erfahrung fest, dass die der 
Schule längst entwachsnen Horazleser am liebsten sich den D ö- 
r i n g zum Führer erwählen. Die Gründe dieser Erscheinung lie- 
gen so offen da , dass darüber kein Wort zu verlieren ist. Daher 
wollen wir nur dem Zwecke dieser Blätter gemäss darüber berich- 
ten , was Hr. Dr. Regel für die Vervollkommnung des Werkes 
gethan hat. Dahin rechnen wir zuvörderst die dem Texte beige- 
gebenen kritischen Bemerkungen, theils in blosser Angabe der 
Varianten, theils in ausführlichen Rechtfertigungen bestehend. 
Dadurch hat die Ausgabe nicht Mos für die Schule , sondern auch 
für jeden dilettantischen Leser gewonnen. Denn auch Letztere 
verlangt zuweilen das zu wissen, worüber die Männer von Fach 
als pro ara et focis kämpfen. Dann hat der Herausgeber Manches 
in Doring's Noten gestrichen, -was als unhaltbar dem Zwecke der 



Horatiana. 171 

Schule nur nachtheilig sein konnte, hat hin und wieder Döring'« 
Erläuterungen limitirt und nach bestem Willen und Wissen Eig- 
nes hinzugefügt. Auch der Text hat sich der nachbessernden 
Hand des neuen Herausgebers fügen müssen, jedoch so, dass der 
Leser von Dörings Ansicht in Kenntniss gesetzt wird. Dass Hr. 
Regel auch darin, meist einen glücklichen Griff gethan habe, kön- 
nen wir zu unsrer Freude versichern, ohne dem Satze ; nuila regula 
sine exceptione, zu nahe zu treten. So schrieb Döring Od. 2, 3, 8. 
interiore nota Falerni. Qua pinus ingens albaque populus Um- 
bram hospitalem consociare amant Ramis, et, obliquo laborat 
Lympha fugax trepidare rivo: Huc vina et — ferre jube etc. 
Bekanntlich haben Andere diese dritte Strophe mit der vorher- 
gehenden in enge Verbindung gesetzt, statt Qua das von den 
meisten Handschriften beglaubigte Quo setzend. Allein die weite 
Entfernung des Relativums von seinem Bezugsworte gramine 
macht uns die Stelle fast unerträglich , so treffend auch der Ge- 
danke an sich ist, wie Dünfaer nachgewiesen hat. Daher ver- 
band Döring nach Müscherlictis und Andrer Vorgange mit Recht 
Qua mit Huc. Letzteres, das für eo steht, darf Niemandem 
auffallen (wie noch Lübker fürchtet), der die bestimmtere poeti- 
sche Sprache dem prosaischen eo nachsetzt. Der Gedanke selbst 
ist natürlich und des Horaz's würdig, welcher» nachdem er des 
Delius Frcudengenuss V. 6 — 8. angedeutet, nun an die ausge- 
malte Oertlichkeit (V. 9—12.) der behaglichsten Scenen die Auf- 
forderung zum Frohsinn knüpft. Leicht erklärlich ist die Va- 
riante Quo für Qua , da man ersteres auf gramine bezog, ^gl. 
auch Sciopp. Verisim: 1, 16. p. 39« Doch mögen wir Quo im 
Sinne für ubi noch nicht ganz verwerfen , da die handschriftliche 
Auctorität für die eine oder andre Form stets schwankend ist. 
GrössreSchwierigkeit bietet wegen seiner sonderbaren Varianten der 
11. Vers dar, wo Orelli quo et schrieb und Haupt (Obss. crit. 

Lips. 1841) ramisque, et conjicirte, worin ihm Hermann 

(JNJbb. 1841. XXXHI. 3. S. 248.) widerspricht, welcher in Falle, 
dass in ramig der Fehler stecke, vermuthet, der Dichter habe 
cannisque et geschrieben. Hr. Regel hat, die Spuren der 
Handschriften verfolgend, so geschrieben: Quo p. i. a. p. 
Umbram h. c. a. Ramis? quid o. 1. Lympha f. tr. rivo? Jenes 
Quo steht demnach weder für ubi , noch im Bezug auf das Vor- 
hergehende, sondern in der Bedeutung: quem in usum, cui bono. 
Zur Vergleichung wird Epist. 1, 5, 8 sqq. geboten. Allein diese 
schnell einfallende Frage scheint sich weder mit der ruhigen Be- 
trachtungsweise der vorhergehenden, noch mit dem gehaltnen 
Ernst der folgenden Strophe zu vereinbaren. Indess hat RegeCs 
Erklärung die Zustimmung Jacob' s in Zimmerm. Zeitschrift u.s. w. 
1840. S. 522. und von Jans in den Münchn. Gel. Anz. 1841. S. 
729. erhalten. Uebrigens war V. 3. Hermanns Conjeetur (de 
differentia prosae et poeticae orationis disputatio 1. p. 22.) : tem- 



172 Römische Literatur. 

perato, so wie V. 14. Wakefieltfs: Flores Amyntae ferrejube 
rosae (Siiv. Grit. I. p. 149.) zu bemerken. Da Müscherlich V. 
19. 20. et exstructis in altum Divitiis potietur heres durch aedes 
altas, magnis sumtibus exstructas erklart, so war hier eine Ge- 
genrede am rechten Orte, etwa durch Vergleichung des ölßog 
Gxl>rjXog bei Pindar, des exstruere divitias Sat. 2, 3, 95. und bei 
Petron. Vgl. Burm. das. p. 415. Doch wir wollen über das, 
was uns hier und da 211 fehlen scheint oder einer Verbesserung 
bedurft hätte, nicht weiter rechten, sondern das Gegebne bis zum 
Empfange eines Bessern bescheiden hinnehmen. 

Dass Heindorf 8 Commentar über die Satiren als ein TCtrjfta 
ig äsl und nicht als äyrnviöfia slg ro nagaxQ^fia axovstv zu be- 
trachten sei, wird mit Hrn. Prof. Wüstemann ein Jeder unter- 
schreiben , welcher gründliche Sprach - und Sacherörterungen 
zum Eindringen in den Geist des Dichters und des Alterthums 
überhaupt für geeigneter hält als das blos räsonnirende oder rein 
exponirende Verfahren. Seit mehrern Jahren waren die Exem- 
plare der Heindorf sehen Ausgabe vergriffen, und Hr. Prof. 
Wüstemann erhielt von der neuen Verlagshandlung den Auftrag, 
jene Ausgabe aufs neue ans Licht zu stellen. Dies ist denn wirk- 
lich in vorliegender, zeitgemäss bearbeiteter Ausgabe geschehen,. 
Denn dem neuen Bearbeiter lag tot allen Dingen , wie Hr. Prof. 
Wüstemann über sein Verfahren selbst erklärt, die Verpflichtung 
ob, in Heindorfs Geist und Manier die Resultate dessen, was seit 
1815 sowohl für gründlichere Erforschung der lateinischen 
Sprache und des römischen Alterthums im Allgemeinen , als auch 
für die Erklärung des Horaz insbesondre geleistet worden ist, 
dem Commentar angedeihen zu lassen. Eine strenge Sichtung 
des vorhandenen Materials und präcise Kürze bei der Bearbeitung 
desselben war um so unerlässlicher, als einerseits die Hülfsmittel, 
welche zu Gebote standen, ungemein reich waren, andererseits 
der Heindorf 'sehe Commentar bereits einen Umfang hatte, der 
eine bedeutende Erweiterung nicht als rathsam erscheinen lies». 
Um daher für die neuen Zusätze Raum zu gewinnen, Hess Hr. 
Prof. Wüstemann die häufigen , jetzt mehr zugänglichen Erklä • 
Hingen der Scholiagten, theils alles das weg, was jetzt in allen ' 
grammatischen Lehrbüchern zu lesen ist und verkürzte hin und 
wieder, ohne den Hauptinhalt zu verdunkeln, die Bemerkungen 
des frühern Herausgebers» Auch in dem Texte nahm er Aende- 
rungeh vor. Sind dieselben auch nicht ohne Erwähnung und zum 
Theil ohne Motivirung geblieben, so dürfte es jedoch rathsamer 
gewesen sein , die jedesmaligen Abweichungen gleich unter dem 
Texte aufzuführen nnd die andern Lesarten eines Fea^ Kirchner^ 
Oreili in das Bereich zu ziehen, wie ungefähr Regel in dem 
JPört'ftg'schen Horaze zu Werke gegangen ist. Das Buch würde 
durch eine solche übersichtliche Zusammenstellung noch mehr 
gewonnen haben;- denn einem Leser der Horaz- Satiren 1cann und 



Horatiana. 173 

darf die Kenntnis* der hauptsächlichsten Varianten nicht erlassen" 
werden. Dankbar rühmt <ler neue Herausgeber die Hüifsmittel, 
welche ihm an Theil geworden sind. Da dieselben auf die Bear« 
beitung selbst einen wesentlichen Einfluss gehabt haben, so dür- 
fen wir sie dem Leser nicht vorenthalten. Für das erste Buch 
nämlich standen die Collegienhefte von Reissig und Heinrieh zu 
Gebote, in Folge dessen wir deren Bemerkungen hin nnd wieder 
eingeschaltet finden. Die des erstem haben jedoch unsrer Er- 
wartung nicht ganz entsprochen. Nicht selten haben dieselben 
etwaa Parodoxes und sind so ganz in Reissig s Manier , wie wenn 
Sat. 1, 5, 36. prunaeque batillum von der Kohlenschaufel verstau* 
den wird, [welche der lictor dem Schreiber Aufidiua statt der 
fasces, als Beweis der Kleinstaaterei, vorgetragen habe. Ausser- 
dem wurden die von Fr. Jacobe, so wie die von dem Uoterzeich; 
neten dem Handexemplare der fleindorf sehen Ausgabe beige- 
schriebenen Bemerkungen und anderes der Art aus den Sammlun- 
gen eines Fr. Aug. Menke, Dübner, Georges, Reinhard, Jacob 
und Seebode hier und da benutzt. Um die Aufklärung zweier be- 
strittener Stellen machten sich derOberconaistorial-DIrector Bret- 
schneider und der Naturforscher Lenz (1, 9, 69. 2, 4, 20.) ver- 
dient. Zumpt's Aufsatz, dem man das Verdienst grosser Klarheit 
nicht absprechen wird , wenn auch das Resultat nicht ganz befrie- 
digen sollte, wird weiter unten zur Sprache kommen. Noch ist 
im Allgemeinen zu bemerken, dass auch der Index rerum, welcher 
früher auf die Seitenzahl basirt war, eine höchst mühevolle Um- 
arbeitung erfahren hat und jetzt auf die Verszahl der einzelnen 
Satiren verweiset. Der Index auetorum aber, welcher das schönste 
Zengniss von Heindorf a Sammlerfleisse und grosser Belesenheit 
giebt, ist ganz neu hinzugekommen. 

^Nach dieser allgemeinen Darstellung gehen wir auf Einzel- 
nes über, um die Vorzüge der neuem Ausgabe vor der altern in 
ein noch helleres Licht zu stellen; denn der neue Herausgeber 
hat auf jeder Seite theils verbessernde Winke, theils werthvolle 
Zusätze gegeben, welche eben so sehr von seinem Fleisse, als 
von seiner Kenntniss des horaziachen Sprachgebrauchs ein rühmli- 
ches Zeugttiss ablegen. Wer verlangte nicht nach näherer Kunde 
über die vielbesprochnen tricesima sabbatfca? Ohne die von 
Lambm und Torreniiue geschützte Passafeier oder das von JBö* 
der vertheidigte Laubhüttenfest einer weitern Erörterung zu un- 
terwerfen (da das wunde Fleck jener Erklarungsweisen zu Tage 
liegt), stellt der hochverehrte Theolog Bretschneider zu Sat. 1, 
9, 69. die Meinung auf, dass tricesima sabbatha ein fingirter Name 
sei und scherzweise erfunden,, so dass gar kein bei den Juden 
existirendes Fest angezeigt werden solle. Diese Meinung scheint 
uns jedoch aHzn kühn und mehr geeignet, den Gordischen Kno- 
ten zu zerhauen als zu lösen. Und würde nicht dieser Scher« von 
einem mir so aus der Luft gegriffenen Feste dem Dichter als aol- 



174 Römische Literatur. 

ehern grossen Eintrag thnn? Gewinnt dagegen nicht vielmehr 
die Stelle an humoristischer Laune, wenn wir ein wirkliches 
auch den Nichtjaden ziemlich bekanntes Fest annehmen dürfen? 
Hierzu kommt, das6 Horaz — nach dem Gang der Darstellung — 
in die Wirklichkeit eines solchen Festes nicht den geringsten 
Zweifel setzt, sondern seinem schalkhaften Freunde auf eine 
andre Weise beizukommen sucht: Nulla mihi — Reliigio est. 
Wenn Bretschneider ferner, behauptet, dass „eben so das 
Schweigen an den tricesimis sabbatis nur ein ganz fingirter Um- 
stand sei," sfo scheint er uns einen fremden Zug in die Darstel- 
lung zu legen. Wie konnte wohl Horaz in der ablehnenden Rede 
des Aristius ein Gebot des Schweigens gewahren , da sie dennoch 
mit einander manches Wort wechseln? In dem secreto ioqtii liegt 
unseres Erachtens' nur die Andeutung eines wichtigen Geschäftes» 
oder irgend einer penibeln Sache, welche Aristius wegen der Hei- 
ligkeit des Tages nicht vornehmen mag. Diesen Sinn haben auch 
Heindorf und Wüstemann in jenen Worten gefunden. Wir sehen 
uns daher genöthigt , obwohl mit Bedauern, auch über diese neue 
Erklärung das Anathema von Seiten der unparteiischen Kritik 
auszusprechen. Doch geben wir hierdurch die Sache noch kei- 
neswegs verloren. Man höre nur auf, das Wort sabbata in seiner 
engen Bedeutung für Sabbat oder Woche zu nehmen. Es war 
natürlich, dass Griechen und Römer das fremde Wort ron jedem 
.Feste verstanden, welches sie die Judengenossen feiern sahen. 
Vgl. Sirmond zu Apollinar. Epist. 1, 2. p. 9. ed. II. Paris. 1652. 
und E. A. Schulzii Exercit. philo!, fasc. nov. Hag. Comit. 1774. 
p. 8—10. Ruperti zu luv. 6, 159. Suet. Aug. 76. Sowohl bei 
dieser Voraussetzung, als auch bei der Annahme einiger Unkennt- 
niss des fremden Cult von Seiten des Horaz kömmt uns der 
dreissigste Tag des jüdischen Monates von selbst entgegen. Die- 
ser Tag , so wie der erste des nächst folgenden Monates war ein 
heiliger, wie noch jetzt jeder jüdische Calender bezeugt (Rosch 
Chodesch). Vgl. Waehner Antiquit. Ebraeorum Vol. II. p. 119. 
§ 255. Auch sollen noch jetzt bigotte , zumal morgenländische 
Juden an dem jedesmaligen letzten Monatstage, wie ein gebilde- 
ter Jude dem Ref. versichert hat, das sogenannte kleine Versöh- 
nungsfest (Jörn Kip Katon) feiern. Auf die Neomenien führt auch 
die etwas unklare Erklärung sämmtlicher Scholiasten. Auf welche 
Weise die von Heindorf angeführten Gelehrten, Scaliger und 
Seiden, dieselbe Meinung vertheidigt haben, ist dem Ref. zur 
^eit unbekannt. Gesner und Schuhe a. a. O. haben sich gleich- 
falls für sie entschieden, und es ist in der That zu verwundern, 
warum Keiner der neHern Gelehrten anf diese Ansicht eingegan- 
gen ist. Denn Hr. Düntzer verfiel anfänglich S. 217. auf den 
Trauersabbat vor dem Wochenfeste, giebt aber S. 466. diese 
Meinung wieder auf , indem er , wie BreUchneider meint, 
Aristius nenne auf gut Glück den dreißigsten Sabbat als Haupt- 



Horatitfna. 175 

festtag mit Verweisung auf Pere. 5, 179 ff. Mark 4, 4, 7. Wenn , 
Heindorf die Worte des Aristius V. 71. unus Multorum ganz rich- 
tig durch „{$£ rcav nokkcov , der nicht vermag sich über die ge- 
wöhnliche Denkungsart zu erheben" erklärt, so sticht der oben- 
genannte E. A. Schulze eine andre Ansicht (p. 7. 8.) geltend zu 
machen: „Unus multorum seil., quibus religio et simul religio 
Iudaeornm curae cordique est. Multi seil, tunc temporis inter Ro- 
manos aliasque gentes erant, qui quidem non palam nomen suum 
inter Iudaeos profitebantur , nee eorum sacris initiati erant, in 
multis tarnen Iudaeorum more et legibus vivebant etc." Der gram- 
matischen Erklärung aber, welche Hr. Prof. Wüstemann hier ein* 
schaltet, dass es in Prosa unus de oder ex multis heisse, wünsch- 
ten wir eine andre Fassung« Denn ausser Sat. f, 10, 42. Unus 
vivorum bedient sich Horaz überall, selbst iu den lyrischen Ge- 
dichten (Od. 3, 11, 33), der herkömmlichen Redeweise. Vgl. 
unsre Bemerkung zu Epist. 1, 6, 59. p. 333. Ausserdem ist jene 
Construction auch der Prosa nicht ganz fremd, z. B. Tac. Ann. 3, 
19. uua ömniura liberorum miti obitu decessit. — Die zweite 
neueste Erklärung über Sat. 2, 4, 20. Pratensibus optima fungis 
Natura est; aliis male creditur (von dem Naturforscher Lenz) ver- 
breitet in der That ein recht erfreuliches Licht über jene Stelle. 
Denn die Wiesenschwämme sind meistens essbar und selten giftig, 
während der, welcher im Walde dergleichen sucht, auch auf gif- 
tige gerathen kann , daher der Zusatz : aliis male creditur. Doch 
wir wenden uns jetzt zu den von dem neuen Herausgeber gemach- 
ten Zusätzen selbst. Sie sind theils grammatische , theils erklä- 
rende, theils rein kritische. Unter den grammatischen vermissen 
wir eine Zurechtweisung Heindorfs, welcher Sat. 1, 1, 94. parto 
quod avebag durch parto eo, quod etc. erklärt. Allein dass das 
eo überflüssig sei, hat die rationelle Grammatik längst bemerkt. 
Sat. 1, 2, 133. denique fama wird dagegen richtig gegen Heindorf 
durch überhaupt, jedenfalls gedeutet. Viele Beispiele dieser 
bei Aufzählung mehrerer Gegenstände gebräuchlichen Partikel hat 
auch Ellendt zu Cic. de Or. 2, 72, 293. gesammelt Wenn Sat. 
1, 1, 108. zu Nemon' ut mit Recht erinnert wird, dass die Worte 
nicht als Ausruf der Verwunderung genommen werden können, so 
müsste jedenfalls auch Nemo ut geschrieben werden , wie Hein- 
rich wollte. Eben so ist es wohl einem Versehen zuzuschreiben, 
wenn 1, 10, 27. Scilicet ohWtos patriaeque patrisque, Latine etc. 
statt ohlitus geschrieben steht. Heindorf Hess sich hier durch 
Bentley verführen. Sat. 1, 4, 11. wird tollere gegen deri frühere 
Herausgeber, wie billig, durch tilgen erklärt. Eben so beifalls- 
werth ist V. 26. die Lesart: Aut ob avaritiam autmisera ambitione 
laborat, wie wir dieselbe vor Zeiten gegen die Conjectur ab ava- 
ritia vertheidigt haben. Doch möchten wir mit Orelli^ dem Hrn. 
Wüstem, folgt, kein Zeugma annehmen, wie ob avarit. miser est 
et ambitione laborat , wogegen schon der ähnliehe Gedanke 1, Ö, 



176 Römische Literatur. 

129. vita solutorum mitera ambitione gravique streitet. Unsere 
Steile hat auch Häacke in Quaest. Hör. Part 1. p. 13. besprochen. 
Wegen des Constructionswechsek , an welchem man den meisten 
Anstoss genommen , bieten wir noch Tac. Ann. 2, 42, 1. non ob 
crimina ~, sed angore — implevit. 1, 7, 8. per uxorium ambitnm 
et 8imili adoptione; 2, 37, 2. Nee ad invidiam ista, sed concilian- 
dae misericordiae refero. Sali Jug. 7, 1. neque per Tim neque 
insidiia opprirai. Vgl. Fabri das. und Ruperti's Index a. Tacit. 
p. 812. — In derselben Satire ist auch das risum Excutiat sibi 
V. 34. gegen das frühere tibi wieder au Ehren gekommen. Das 
in neuester Zeit so viel besprochene Ibant octonis referentes idi- 
bns aera Sat 1, 6, 75. wird gegen Heindorf 8 sonderbare Deu- 
tung der octonae im Sinne K. Hermann' 8 von dem Schuljahre ge- 
nommen, welches 8 Monate dauerte; aera heissi das lumpige 
Schulgeld, welches die Schulknaben in Venusia zahlten. Wenn 
wir. auch unsrerseits früher ein Rechenexempel in dieser Stelle 
fanden als Symbol der realistischen Schule, so glauben wir jetzt, 
dass nach dem von Hermann geltend gemachten Gegensätze die 
obige Interpretation sich wohl rechtfertigen lasse. Vgl. auch 
Düntzer zu dieser St* p. 160. Dagegen nimmt es uns wunder, 
den Hrn. Herausgeber in einer andern oft besprochenen Stelle, 
nämlich Sät. 2» 2, 29. Carne tarnen, quamvis distat nihil, hac magis 
iüa, auf der Seite derjenigen zu sehen, welche magis für Schüs- 
sel nehmen und den Vers so interpungiren: Carne tarnen, quam 
vis , distat nihil hac magis üla. Aber abgesehen von dem seltenen 
Gebrauche des magis. in dieser Bedeutung, das nicht leicht ein rö- 
mischer Leser wegen der Nähe von distat nihil anders als im ge- 
' wohnlichen Sinne der Comparation nehmen konnte , wie kommt 
auf einmal die Schüssel zur Sprache? Wodurch wird tarnen mo- 
tivirt? Fragen, die nicht zu lösen sein dürften. Alles aber geht 
den natürlichsten Ideengang , wenn man das obige vesceris hinzu* 
denkt, wie wir früher diese Stelle (NJbb. XXVIII. S. 245.) aus« 
gelegt haben. Der Einwurf, dass der Dichter nicht sagen könne, 
es sei kein Unterschied zwischen dem Fleische beider Vögel, er- 
scheint völlig grundlos, wenn man annimmt, dass derselbe einräu- 
mend spricht , um dem Gegner um so schärfer den Einwand au 
machen, dass er vom äussern Scheine geblendet werde. Mit die- 
ser , bereits von Gesner aufgestellten und von Kirchner adoptir- 
ten Ansicht stimmt im Ganzen auch Düntzer überein, nur dass er 
nach lila und patet ein Punctum setzt und folgenden Ideengang 
gewahrt: „Sag einmal, isst du denn diese Federn, die du so ge- 
waltig preisest, und hat denn der Pfau, wenn er gekocht auf dem 
Tische liegt, noch dieselbe Pracht an sich, wie früher ? Der An* 
geredete erwidert: Ja, wenn auch im Fleische kein Unterschied 
ist, will ich doch dieses lieber, als jenes essen. Nun, sagt Ho- 
raz, so ist es offenbar, dass du durch die blosse Unterschieden* 
heit des äussern Ansehens dich täuschen lägst. Nun, meinetwegen 



Horatiana. 177 

sei es«" Obgleich Hr. Düntzer übersehen hat, das« der Dichter 
auch in. dem Folgenden nur sich selbst die Fragen vorlegt, ohne 
Antwort eines Andern abzuwarten, so dürfte doch diese seine Er- 
klärung die beste unter allen von ihm in dem Satirenbuche gege- 
benen sein. Mit Unrecht widerspricht Hr. Prof. W. seitiem 
Vorgänger V. 27. cocto nuhs adest honor idem? wenn er statt 
Pracht Werth will ,* insofern des Pfauen Fleisch nicht besonders 
schmecke. Allein jene Worte sind nur eine nähere Erläuterung. 
der vorigen Frage: Num vesceris ista, Quam laudas, pluma? 
Und in dieser Epexegese liegt auch der Grund von dem leichten 
Ergänzen des vesceris im . folgenden Verse. Dagegen ist V. 38. 
leiunus raro stomachus gegen das von Heindorf vertheidigte rari 
mit Recht geschützt worden. V. 55. Si te alio pravnm detorseris, 
wo Heindorf nach Bentley's Vorgange pravus gab; dass beide 
Lesarten dem Sinne angemessen sind , bemerkt Hr. Düntzer S. 
278. — V. 84. ubique Accedent anni etc., wo Heindorf mit 
Bentley ubive geschrieben hatte. Letzteres hat bereits Kirchner 
mit Recht verworfen. Ihm stimmt auch Düntzer bei. Zugleich 
wird von W. und D. V. 86. gegen Orelli geeifert, welcher nach 
volet das Punct strich und tibi quidnam etc. verband , wodurch 
ubique — volet zu einem Vordersatze wird. Bei V. 89. Rancidum 
aprum antiqui laudabaut etc. zeigt sich Hr. Düntzer sehr ungehal- 
ten , dass bei Heindorf, Kirchner und Orelli kein Wort über 
den Zusammenhang dieser abgebrochen stehenden Verse sich 
finde, da doch hier offenbar das Vorhergehende durch die Idee 
verbunden werde: »Man muss auch etwas für eine andre Zeit 
sich aufsparen.'* 

V. 95. wird noch mit Heindorf interpungirt : Das aliquid 
famae, quae carmine gratior aurem occupet? grandes rhombi etc. 
Schicklicher durfte hier das Fragezeichen mit einem Komma zn 
vertauschen sein nach dem von uns zu Epist. 1, 1, 89. p. 93. erör- 
terten Sprachgebrauche. Auch Düntzer spricht demselben das 
Wort. Bei dem Ausdrucke famae aliquid dare konnte auf Eupertim 
Tac. Ann. 1* 7, 8. verwiesen werden. Wenn auch nicht zu läug- 
nen ist, dass V. 100. vectigalia magna Divitiasque habes eine 
Uebertreibung ist, so scheint doch mit Unrecht Düntzer die 
vectigalia als Privateiukünfte in Zweifel zu ziehen ; denn ausser 
den von Heindorf und Wüstemann angeführten Stellen spricht 
auch Cic. Parad. 6, 3. quam magnum vectigal parsimonia etc. für 
diesen Gebrauch. Vgl. Liv. 28, 39. Cic. ad Attic. 12, 19. Dage- 
gen dürfte umgekehrt reditus von Staatseinkünften bei keinem 
mustergültigen Schriftsteller gefunden werden. — V. 119. Sive 
operum vacuo gratus conviva per imbrem Vicinus fasste Heindorf 
von den regnigten Tagen im Sommer, vielleicht durch die falsche 
Erklärung von V. 124. verleitet. Dagegen bemerkt Hr. Wüste* 
tnann^ wenn das Getreide noch nicht reif gewesen, woher denn 
die Nüsse und die getrockneten Trauben? Mithin sei die Regen* 

2V. Jahrb. f. Phil. u. Paed. od. Krit. Bibl. Bd. XL. Hft. 2. 12 ' 



/ 
178 Römische Literatur. 

seit sä versteh«. Auch uns scheint diese winterliche Zeit, wo 
im traulichen Kreise Bekannte und- Nachbarn sich zusammen- 
sehaaren , der hier geschilderten Scenc angemessener. Hr. 
Düntzer denkt sich die Zeit, wo man des Regeng wegen nickt ar- 
beiten konnte. In der bis fetzt noch immer streitigen Steile V« 
123. culpa potare magistra wird von Wüstemann diejenige Partei 
ergriffen, welche meint, daes, wer einen Fehler gemacht, einen 
Becher weniger bekommen habe. Dagegen scheint ans aber doch 
das Wort magistra au streiten, weil der magister eonvivii das Trin- 
ken wohl gebot , aber nicht verbot. Demnach iförfte Turnebus 
Ansicht , nach welcher das Trinken die Strafe war, gar nicht ver- 
werflich sein. Dieselbe Meinung hat auch Düntzer, den wir^ 
nicht als Autorität, sondern, wie hier immer, der Vergleichttng* 
wegen anfuhren. Wenn , wie wir beispielsweise bei dieser Satire 
gezeigt haben , Hr. Prof. Wüstemann , seinen Vorgänger bald er- 
gänzt, bald verbessert, so lasst sich allerdings der Wunsch nicht 
bergen, dass es noch öfterer geschehen sein möchte, z. B. 2, 1, 2. 
wegen extendere, wobei auf Bentley zu Epist. 1, 5, 11. verwiesen 
wird« Dass Bentley aber hier nicht das Rechte sah, glauben wir da- 
selbst gezeigt zu haben. So war 2, 3, 278. vor allen andern Oew- 
zer's Symbol, und MythoI.(3. Ausg.) l.Th. 1. H. S. 16»., wo Hein- 
dorfs unrichtige Ansicht bekämpft wird, zu nennen; so 2, 1, 71. 
wegen der Erklärung von afferre aliquid in scenam Eilend? s vorsieh« 
tige Limitation zuCic. deOr. 3, 40, 162. p. 425, Hinsichtlich des sunt 
qui mit dem in die. oder Conj. 1, 4, 24. ist wegen der rationeHen 
Entwicklung dieser Structur höchst beachtenswert!! Ä*. Jaeob's 
Lübecker Schulprogr. 1840. Ebenderselbe findet S. 12. fo Sat. 
1, 5, 56. equus ferus das von Aelian H. An. 16, 20. beschriebene 
Einhorn angedeutet. In Bezug auf Augnstus Siegelring, den er 
dem IMäcenas oder Agrippa übergab (2, 6, 39»), vgl. Bvumärm 
IV. S. 290. N. 25. Die Bemerkung zu Sat. 1, 0, 1., dass man 
nicht sagen dürfe via sacra, sondern sacra via, können wir in die- 
ser negirenden Allgemeinheit nicht gut heissen; denn obwohl die 
letztere Wortstellung die gewöhnlichere ist, wie bereh& Gfot&ng 
gezeigt hat, so finden sich doch auch für diese von Horati ge- 
brauchte mehrere Beispiele als: Plin. H. N. 1», 1. Sueton. Vftell. 
17. Ascon. zu Cic. pr. Milen. 14. p. 48, ed. OreH. elf Bait. 
und auf mehreren Inschriften «bei OreÖi, z. B. margantaria de vis 
sacra N. 4148., cabatores de via sacra 'N. 4155., flaturarius de via 
sacra N. 4192. 93, unguentarius de via sacra N. 4300, obwohl 
nicht zu tiuignen, dass die umgekehrte Ordnung ebendaselbst N. 
4149. 4156. und p. 266. (geromarii de sacra via) gefunden wird. 
Bei Sat. 1, 6, 120. ebenndus Marsya war die schöne Parallelstelle 
bei Sidon. Apolliaar. Carm. 13, 35 sqq. Nam mtno Musa loquax 
tacet tributo , Quae pro Virgilio Terentioque Sextawtea legi! un- 
ciasque fisci Marsyaeque timet manum ac rudentem , Qui Phoebi 
ex odio'vetusftiore Nunc suspendia vatibus mtnatur, für die ge- 



Horatiana. 179 

wohnlich e r auch ronfieissig geschützte, Erklärung nicht zu ober- 
gehen. Mit Recht wird Heinrich'* Conjectnr Voltu minorem ver- 
worfen; eben so dessen sonderbare Interpretation zu 2, 5, 55. In 
der Juvenalansgabe 15, 53. S. 538. Zu Sit. 2, 1, 44. nt pereat 
*— Nee quisquam noceat wird zwar richtig bemerkt, dass hier nee 
statt neve beim Conjuactiv stehe, wie öfters beim Livitis (Fabri 
zu Liv. 22, 10«), aber es durfte nicht unerwähnt bleiben, dass nee 
und neque sogar nach einem negativen Satze vorkomme, wie Od. 
1, 11, 2. ne quaesieris — nee Babylonios tentaris numeros. Vgl. 
Orelli zu Ä. P. 189. Andre Beispiele dieser Art s. in dem fixeura 
zu Epist. 1, 11, 23. p. 121—124. Wenn ans diesen und ähnlichen 
Beispielen zur Genüge erhellt, dass die Lateiner nur die Negation 
festhielten , ohne die Prohibitive ausdrücklich zu setzen : so darf 
man nach derselben Analogie n£c, neque quidem für et tte quidem 
als unzulässig nicht erklären wollen, wie noch neuerlich Madvig 
zu Cic. de Fin. p. 816 sqq. gethan , obgleich seine Beweisführung 
in thesi vortrefflich zu nennen ist. Vgl. Jahn zu Virg. Ge. 1, 126. 
Aber „grau ist alle Theorie" n. s. w. Doch wir brechen hier ab, 
um Zumpfs Aufsatz: ^lieber das Leben des Horaz und die 
Zeitfolge seiner Gedichte , namentlich der Satiren" S. 3 — 42. 
nach seinem wesentlichen Inhalte den Lesern dieser Blätter vor« 
zufuhren. Da es in der Natur der Sache liegt, da, wo die Ge- 
schichtsdata fehlen, zu einer Vermuthung zu greifen, so ist dies 
Letztere, wie oft es auch geschehen, stets mit einer solchen Be- 
sonnenheit und Gemessenheit geschehen, dass man gern der ru- 
higen Erörterung folgt, auch wenn hin und wieder ein Zweifei 
sich regt. Dahin rechnen wir die Vermuthung über den Namen 
des Horatius S. 3.; über die coactores S. 5», über des jungen Ho- 
ratius Plan, durch das Studium der griechischen Sprache und Li- 
teratur sich in Athen zu befähigen , Lehrer der Grammatik in 
Rom sa werden S. 6., über dessen Kriegsdienst in Asien im Win- 
ter 43 auf 42. Treffend wird auch über die vielbesprochene 
Stelle Od. 2, 7, 9. Tecnro Pbilippos etc. bemerkt, dass sich R. 
allerdings zu den Flüchtigen zähle und von sich anssage, sein. 
Schild nicht schön zurückgelassen zu haben , ohne sich damit ei- 
nes besondern, auf ihm persönlich lastenden Vorwurfes zu zeihen, 
obgleich er die Charakterstärke der Wenigen anerkenne, die 
in der erwählten Parthei verblieben seien oder sich den Tod ge- 
geben hätten. Zu keinem von beiden habe er den Beruf in sich 
gefunden. Aus eben so triftigen Gründen wird der junge Krieger 
als ein nicht proscriptus betrachtet und , falls er sein Gut in Folge 
der Ackerveriheilung verlor, sei dieser Verlust nicht als Strafact 
zudenken, sondern weil Venttsia mit ihrem Gebiete dtn Vete- 
ranen und Triumvirn als colonia militarfs angewiesen worden sei. 
Appian. B. C. 5, 12. Die bekannte Steile aber Epist. 2, 2, 51., 
weiche seit Kirchner* s Interpretation so oft und so verschieden 
gedeutet worden ist, wird dahin erklärt, dass Horaz zunächst 

12* 



180 Römische Literatur. 

Verse gemacht habe, «m sich seinen Lebensunterhalt zu erwerben, 
wie der Dichter selbst durch den Gegensatz: sed quod non desit 
htbentera, bemerklich mache. Dabei wird vermuthet, dass Ho« 
raz Gelegenheitsgedichte jeder Art , in Anderer Namen , in sei- 
nem Namen, für Bezahlung oder für Gunst, gemacht habe. Die 
Annahme des ersteren Falles dürfte jedoch manchem nicht unge- 
gründeten Zweifel unterliegen. Wichtiger noch ist die Annahme, 
welche die Bekanntschaft mit Mäcenas in das Neujahr 40 setzt, 
während man gewöhnlich dieselbe um das Jahr 37 statt finden 
lässt. Auf diesen Umstand wird dann weiter unten die Abfassung der 
Satiren gegründet, über die wir unsere Zweifel nicht unter- 
drücken können. Demnach wäre nur das Jahr 713 (41 vor Chr.) 
das Jahr der Entbehrung für Horaz gewesen ; S. 10 — 11. Horaz 
war seit dieser Bekanntschaft znnächst Mäcenas literarischer Ge- 
sellschafter. Denn Mäcenas war nicht nur ein Freund der Litera- 
tur, er war, wie es S. 13. heisst, selbst Dichter und gab seine 
Gedichte heraus, wozu er eines rathgebenden Genossen bedurfte. 
[VglrLübker zu Od. 1, 1, 29. und Bernhardy, Grundriss der 
Rom. Lit. S. 103.] Besprochen werden dann die äussern Bedin- 
gungen dieses Verhältnisses von S. 13. bis 14., worauf mit grosser 
Umsicht Horazens staatsbürgerliche Stellung als scriba erörtert 
wird» Hierin stimmt der Verf. im Ganzen genommen mit W. JE. . 
Weber's desfallsiger Untersuchung [Archiv 1843. IX, 1. S. 78 — 
93.] überein. Das Amt eines Scriba war' nicht nur ein Staats- 
dienst , sondern auch mit fester Besoldung verbunden , was aas 
dem Ausdrucke: scriptum quaestorium comparavit, als vom Er- 
werb einer nutzbaren Sache, gefolgert wird. Dabei nimmt der 
Hr. Verf. ferner an, dass Horaz nicht etwa schon vor seiner Auf- 
nahme in Maecenas' Freundschaft Scriba gewesen , sondern viel- 
mehr erst später diesen Staatsdienst durch Mäcenas 9 Vermittlung 
empfangen habe. Wer nämlich förmlich als Scriba angestellt 
und besoldet zu werden gewünscht, der habe auch dem Volke eine 
Caution leisten müssen. Eine solche sei in der Regel durch Ver- 
pfändung eines Grundstückes geleistet worden, was aus Cicero'» 
drittem Buche der Verrinischen Reden Cap. 79. geschlossen wird. 
Demzufolge habe Mäcenas seinem Horaz ein Grundstück abgetre- 
ten oder ihm das Geld -zum Kaufe desselben gegeben , um von 
einer andern Seite noch besser für ihn sorgen zu können , ohne 
sich selbst der Annehmlichkeit und des Vortheils seiner täglichen 
Gesellschaft zu begeben. Daher habe Horaz den Schreiberdienst 
wahrscheinlich nur bei Mäcenas verwaltet, wenn dieser bei der 
* mehrmals eintretenden Entfernung Caesar's von Rom, mit Vollmacht 
über Rom und Italien bekleidet , die Geschäfte zu leiten gehabt 
hätte. In Folge dieser Vermuthung ist Horaz länger Scriba ge- 
wesen, als man zeither anzunehmen für gut erachtet hat. Sat. 2, 
6, 36. Nach dieser Erörterung geht der Hr. Verf. zur Beschrei- 
bung der Sabiuischen Villa und des Hauses zu Tibur über, wobei 



Horatiana. 181 

er an der früher ausgesprochenen Meinung festhält, dass jenes 
Haus das eigentliche Herrenhaus der Sabinischen Meierei gewe- 
sen, ja dass mit nichts zu erweisen sei, als höchstens durch die 
unzuverlässige Tradition , dass Mäcenas ein Wohnhaus zu Tibur 
gehabt habe, und sogar das Gegeiitheil zu vermuthen stehe, weil 
Horaz seinen Gönner aus Rom öfters dahin einlade, Od. 3, 29. 
vgl. Od. 1, 20. 3, 8. Hinsichtlich des ersten Panctes verweisen 
wir der Kürze halber auf unsern Excurs zu Epist. 1, 8., hinsieht-" 
lieh des zweiten will es uns bedanken, als sei der Schluss zu rasch 
und demnach ohne überzeugende Beweiskraft gefolgert. Wenn 
in der erstem Ode der Dichter den vornehmen Freund auffordert, 
Rom zu verlassen, so geschieht es in der unverkennbaren Absicht, 
denselben aufzumuntern , sich der Sorgen um Staat und Zukunft 
zu entschlagen; was in Mäcen's eigner Villa zu Tibur eben so gut 
geschehen konnte als in Horazens Tiburtinischen Hause. Die 
andren Oden 1, 20. und 3, 8. lassen es völlig unentschieden, an 
welchen Ort der Dichter den hohen Freund eingeladen habe. 
Üebrigens bleibt es immer misslich, eine durch das Alterthum 
gleichsam geheiligte Sage in Zweifel zu ziehen. Vgl. Hase in 
Beckers Taschenbuch 1824 S. XVI ff. Welcher andre Schrift- 
steller gedenkt namentlich der- Villen des Cicero , obgleich der« 
selbe deren so viel hatte? Und sollte Mäcenas nicht da ein Ei- 
genthum besessen haben, wo die Römer so gern weilten ? Aber 
wie dem auch sei, mehr noch bezweifeln wir die Richtigkeit der 
vom Hrn. Verf. aufgestellten Zeitbestimmung der Satiren. Er 
setzt nämlich deren Anfang in das Jahr 714 und den Abschluss 
vor das Jahr 32 v. Chr. (722 Roms) und zwar den letztern aus dem 
Grunde, weil gar keine Andeutung des grossen Kampfes zwi- 
den beiden Triumvirn Caesar und Antonius darin enthalten sei. 
Wir würden diesen Grund an und für sich gar nicht unwahrschein- 
lich finden , wenn der Dichter ausserdem gar nicht über das , was 
seine und Aller Brust bewegen musste, sich ausgesprochen hätte; 
aber das. hat er gethan und zwar in den Epoden 7. 1. 9. und später 
Od. 1, 37. Hr. Prof. Zumpt verhehlt sich selbst die Schwierigkeit 
einer solchen Annahme nicht, indem er in Bezug auf Sat. 2, 5, 
62., wo Atigustus Grösse geweissagt wird, einräumt, so könne 
Horaz unmöglich vQr dem actischen Siege von dem nachherigen 
Augnstus reden , da er erst nach Besiegung des Antonius mit den 
Parthern in Verbindung gekommen sei. Demnach wagt er die. 
Vermuthung, dass diese Ferse in die früher verfasste Satire 
nachträglich bei der Herausgabe gesetzt worden seien. Dass er 
durch diese Hypothese seiner Beweisführung den grössten Eintrag 
gethan , liegt am Tage. Auch hat Hr. Prof. Wüstemann S. 418. 
gegen dieselbe gerechte Zweifel erhoben , in Absicht deren wir 
uns mit diesem Gelehrten völlig einverstanden erklären. Demge- 
mäß sehen wir uns genöthigt, jene Satire nach Antonius 1 Bezwin- 
gung, mit Kirchner und Valckenaer, etwa in das Jahr 725, nicht 



182 Römische Literatur. . 

aber mit dem Hrn. Verf. in das Jahr 716. zu setzen. Eben so 
sind wir in unsrer frühem Ueberzeuguug, nach welcher wir. mit 
Jahn, ßrotefend die sechste Satire des zweiten Buches dem Jahre 
724 («o auch Walckepaer, hingegen Kirchner und Franke dem 
Jahre 723) aufteilten, durch Zumpt's Zeitbestimmung (Jahr 
720) nicht wankend geworden. Denn wenn derselbe S. 38. sagt, 
dass an Mäcenaa' Verwaltung nach der Actischen Schlacht zu den- 
ken, die Abwesenheit jeder Andeutung- in Betreff des grossen 
Kampfes verbiete: so müssen wir einem solchen Grundsatze wider« 
sprechen. Wie kann das Schweigen über einen Gegenstand, zu- 
mal bei einem Dichter, ein Beweisgrund für die Nichtcxistenz ei- 
ner Sache werden 1 Und wird die Frage aufgeworfen, was denn 
die Daker sollten , die ja damals gar nicht gefährlich gewesen 
(wesshalb das schreckliche Gerücht auf den Verlust des Vor- 
postens Siscia in Pannonien im Jahre 719 oder 20 bezogen wird): 
* so war die Furcht vor selbigen nicht ohne allen Grund. Es war 
bekannt, dass sie sich zum Vortheil des Antonius erklart hatten 
und wahrscheinlich damals zu einem Einfalle Miene machten, wel- 
cher um so grössere Furcht erregen musste, als im Jahre 724 
Oetavianus mit dem Heere im fernen Osten weilte« Vgl. Bio 
Cas*. 51, 22. Orelli zu Od. 3, 6, 13. Hinsichtlich der andern 
Frage, wo die Veteranen ihre Versorgung erhalten würden (was 
Hr. Prof. Zumpt auf die Ackervertheilung 719 bezieht), trifft 
gleicher Weise das Jahr 724 vollkommen zu. Denn die Acker- 
vertheilung fand im Winter des Jahres 723 bis zum Frühjahre des 
Jahres 724 s|att. S. die Anführungen in Kirchner'« Quaest. Horat. 
p. 19. oder Walckenaer I. p. 420. Die sonstigen Umstände und 
Zeitlagen, welche diese Satire voraussetzt, hat Hr. Prof. fPüste* 
mann in einer eingeschalteten Bemerkung zu Heindorfs Einleitung 
SC 427. treffend bemerkt. Eben so wenig wie hier können wir 
dem Verf. S. 25. beistimmen, wenn er über die bekannte Stelle in 
der Vita Horatii sich also erklärt: „Nach Sueton's Erzählung be- 
merkte Augustus selbst, als er später, vielleicht erst geraume Zeit 
nach der Publication , Horaz' Sermonen im Zusammenhang las, 
diese Zurückhaltung des Dichters und äusserte sich darüber." 
Allein da der Biograph hinzusetzt, dass Horaz darauf die dem Au* 
gustus gewidmete Ecloge geschrieben habe, also Epist. 2, L, so 
wäre es höchst unklug von Seiten des Dichters gewesen 9 wenn er 
jenen Brief (der wenigstens nach dem Jahre 737 geschrieben sein 
rouss) so viele Jahre nach obiger Bemerkung an die bezeichnete 
Adresse geschickt. Daher sind unter den sermones lectos quosdam 
wohl nur die Briefe des ersten Buches gemeint, wie die Ausleger 
längst angenommen haben. Auch dürfte Augustus nicht sowohl 
die spärliche Erwähnung seiner Persönlichkeit verstanden haben, 
als dass der Dichter nicht in dem einen oder andern Stücke ihn 
angeredet, d. h. die epistolarisch- dichterische Unterhaltung an 
ihn gerichtet habe. Dem Wunsche des Mächtigen ward genügt, in 



Horatianä. 183 

jener .bekannte», ziemlich laufen und der erhabenen Person wür- 
digen Zusendung. Noch bemerken wir, das« nach iZumpt'a An- 
sicht die beiden Bucher der Satiren zusamtaenedirt worden sind ; 
die desfrllsigen Grunde werden S. 26, 27. mit grosser Umsicht 
dargelegt. Als die letzte aller Satiren nimmt er die dritte dea 
zweiten Buches an — geschrieben im Jahre 721. „Horaz hatte 
seine Arbeiten," wie es S. 42. heisst, „einzeln einem erlesenen 
Kreise vorgelesen , mehrere hatten ihren Weg in ein grosseres 
Publicum schon gefunden. Auch als Horas nicht mehr in dieser 
Gattung arbeitete, hielt er die Sammlung noch einige Zeit zurück, 
ehe er sie den Sosiern zur Verbreitung übergab, und behielt so 
die Gelegenheit, noch ein und das andere zu verbessern oder hin- 
zuzusetzen [wie oben die Weissagung über Caesar Octavianus Sat 
2, 5, S. 34.]. Ich halte es für wahrscheinlich , dass er sie zu- 
gleich mit den Bpoden erst am Schfess des' Jahres 30 vor Chr. 
herausgab." Dw Aufstellung der übrigen Satiren, gegen welche 
wir ebenfalls mit Ausnahme von 1, 7. und von 1, 5. einige Zwei- 
fel erheben möchten, übergehen wir jetzt, da zu erwarten steht, 
dass da* gediegene, ancb ausserlich wohl ausgestattete Werk bald 
ein Gemeingut der Lehrenden und Lernenden sein werde. Uebri* 
gens wird durch die dargelegten Gruadztige des Zumpt'sche* Auf- 
satzes keinem die. Bemerkung entgangen sein, dass die chronolo- 
gische Bestimmung der Horaz-Gedrchte , „welche durch Kirchtier 
und Gr tiefend um ein Bedeutendes weiter gefördert ward, durch 
die neuern Versuche verwickelter und theüweise verwirrter wor- 
den sei , weshalb dar Wunsch so nahe liegt, dass bald ein zweiter 
Maesen auftreten möge, der in die chaotischen Massen Ordnung 
bringe und mit dem Lichte der Combioation die dunklen Tiefen 
erhelle. Ueber die Leistungen de« Hrn. Dr. Streuber in Basel 
(„Ueber die Chronologie der Uorazischen Dichtungen. Basel, 
pieukirch 1843") kann Ref. zur Zeit noch kein Urtheil abgeben. 
Der Verf. von N. 6., Hr. Dr. Teuffei, hat in den vorliegenden 
Bogen [bei massigen Anforderungen] eine recht brauchbare 
Ueberstcht der Horaz- Literatur und der Entscheidungsmomente in 
des Dichters Leben gegeben. Zunächst war dieselbe für Paulys 
Real- Eh eye lopädie der classischen Alterthumswlssenschaft be- 
stimmt; jedoch ertheilte der Herausgeber gern seine Erlaubnis«, 
dvn Aufsafcs zum Voraus besonders abdrucken zu lassen , wobei 
der Verf. ausser der grössern Gemeinnützigkeit auch den Um« 
»tarnt berücksichtigte, dass er am ersten dadurch in den Stand ge- 
setzt werden würde., indem er die Arbeit der Einsicht der Kenner 
unterstellte , dem Aufeatce vor seinem Abdrucke die grösst-mög- 
tiehste Richtigkeit und Zuverlässigkeit zu leihen, Das Ganze 
zerf&Ht in folgende Rubriken: I. Persönliche Verhältnisse des 
Herrn 8. 1— 18. 1. Namen. 2. Leben. IL Charekter S. 13 — 
19. IIL Werke des Horaz. 1. Ihre Ordnung. 2. Aöfassrnngs- 
veii. $• Die einzelnen Gattungen, a) Satiren, b) Briefe, c) Epo- 



184 Römische, Literatur. 

den. d) Oden S. 20—52. Wir können den Hrn. Verf. das Zeug- 
nis« geben, dass er das Wichtigste in lichtvoller Ordnung mitge- 
theilt habe. Da er jedoch auffordert , sowohl zur Verbesserung 
dieses als zur Erleichterung eines grossen Werkes Beiträge zu 
geben, so fügen wir Einiges, sei es für jetzigen oder künftigen 
Gebrauch, hinzu; zu S. 2. über Horatius Namen Zumpt's Auf- 
satz S. 3. ; über Horazens Schreiberamt S. 7. darf künftig eben- 
derselbe, so wie Webe?* Abhandlung a. a. O. nicht fehlen. 
Ueber Horatius Landgut vgl. auch Some Account of an Excur- 
sion from Rome to Horace's Sabine Farm in Classical Journal 1824 
p. 216—232. Zu S. 18. Prof. Dr. Hempel im Bromberger 
Schulprogr. 1840: „Wie Horaz zum Herolde des monarchischen 
Princips geworden." W. E. Weber im Archive 1843. IX. 2. S. 
280. Die S. 19. unbestimmt angeführte Schrift L. Böttger's 
führt den Titel: Oratio de jurisprudentia Horatiana. Herbom. 
1801 , dazu füge man J. F. Junghaus Diss. de judicio Horatiano. 
Lip8. 1777 nach Grundier in Schweppes römischer Rechtsge- 
schichte. 3. Aufl. S. 1061. Held : „Pädagogische Lebensbilder 
aus den Gedichten des Horaz." Bayreuth 1839. Auch haben 
wir irgendwo die Schrift erwähnt gefunden: Horatii Logica, ed. 
J. P. de Crosa. Lausanne (12.). — Zu S. 25. Francisc. Ullrich 
de Satiris Horatianis Commentatio, im Breslauer Schulprogr. 
1827. — S. 28. ist Mascow statt Moscow zu lesen. Vgl. auch 
C. L. Rothii de Satirae natura Commentatio. Noriberg. 1843. — 
Ueber den Brief an die Pisonen & 32. s. Fr. Jacob's Lübecker 
Schulprogramm 1841. „Einige Bemerkungen über den heutigen 
Standpunkt der heutigen Pädagogik und zu Horaz." — Zu S. 
41. H. Meibomii parodiae Horatianae. Heimst. 1588, und Virgilii 
Horatiique nontmlla loca a stricturis Baumgartenii , Baylii etc. 
vindicare tentat E. L. D. Hu eh. Lips. 1756. — Zu den Ge- 
sammtausgaben der Werke S. 46 ff. muss die von Mit scher lieh 
übergangene edit. des Michaelis de Mar olles. Edit. altera. Lute- 
tiae Parisiorum apud Guillelm de Layne Bibliopolam juratum cet. 
MDCLX. gefügt werden. Sie ist dadurch schätzbar, dass sie in 
ihren kürzen , in französischer Sprache geschriebenen Bemerkun- 
gen Guyet's annotata enthilt , welche meist nur in Verwerfung 
einzelner Verse bestehen. Ebendaselbst fehlt auch die durch ihre 
Seltenheit werthvolle Ausgabe : Quinto Horacio Flaco Poeta ly- 
rico. Jus obras con declaracion magistral en lengua Castellana. 
Por Juan Villen de Biedma. En Granada por Sebastian de Mena 
1599, ferner die wegen James TunstalFs Bemerkungen beachtens- 
werte Bearbeitung: The Works of Horace in English Verse etc. 
London 1759. 2 Volum. Uebersehen ist auch die Ausgabe von 
Combe. London 1792. 2 Vol., die von Bothe. Lips. 1822 Ueber 
einzelne Oden bemerke zu S. 44. Od. 1, 28. Eichstadii Paradox. 
Horat. Spec. XII. Jena 1843 , über Od. 1, 1. Godofr. Herman- 
nus ; Dissert. de primo carmine Horatii. Lips. 1842, dazu Eich- 



Müller: Französische Grammatik. 185 

städt de primo carmine Horat. Jen. 1843.; über Od. 2, 20. Alex. 
Dominicas: Commentar. in Horat. Carm. XX. Hb. IL et Carm. 
XXVII. lib. IlL Confluent. 1841., über Od. 4, 8. Gerber's Latein. 
Gratulationsschrift zum Jubelfest des Geh. Raths von Kaufberg. 
Sonders. 1842;, über Od. 1, 12. Eichstadius: Index scholarum 
in Univ. lit. Jeneng. per hieihem a. 1839. habendarum.. Jenae pro- 
stat in libraria Braniana p. 1 — 6. Vgl. überhaupt Fr. Wüllner: 
Coinmentatio de aliquot carminibus Horatii. Düsseldorf. 1833. — 
Zu Od. 1, 1. S. 43. ist auch nachzutragen Otto Wir% „über die 
Oeconomie der Ode 1, 1." in Jahn's und Klotz's Archi? 1841. 
VII. 2. S. 318 — 19. — Zu Schulze über Od. 3, 3. vgl. K. L. 
Struve in den histor. und literar. Abhandlungen der königl. deut- 
schen Gesellschaft zu Königsberg. Ebendas. 1830. Beachtens- 
wert« ist ebendesselben Gelehrten Gratulationsschrift dem Hrn. 
Dr. G. E. Klausen , Prof. und ttect. des königl. Christianeuni zu 
Altpna u. s. w. gewidmet Königsberg gedr. b. Härtung. 1836» — 
Im Allgemeinen F. Ch. Frenzel: Lectiones Venusinae. Isenaci 
1835. und Nader manni Commentarii in Horatium. Munst. 1835. 
(Od. 1; 3, 17. 3, 21, 13. und Bpist. 1, 1, 9.). Wenn Hr. Dr. 
Teuffei S. 41. die von ihm früher bearbeitete „Charakteristik des 
Horaz* als „zu aprioristisch gehalten und alte und neue Lyrik 
vermengend" nach seiner jetzigen Ueberzeugung selbst bezeich- 
net, so geben wir ihm vollkommen' Recht und hegen zu seinem 
Vorwärtsstreben die Hoffnung, er werde immer mehr einsehen, 
dass der philosophische Standpunkt, auf dem seine aubjective' 
Aesthetik ruht, ihm bei Beurtheilung der Horazischen Lyrik einen 
Streich gespielt habe. Uebrigens ehren wir die Aufrichtigkeit 
des Bekenntnisses, welches er in der Vorrede gegen Beinen Re- 
censenten, den Hrn. Conrector Lübker, ablegt. 

Obbarius. 



Franzosische Grammatik für Gymnasien. Nebst den notbigen 
Aufgaben zum Ueb ersetzen aus dem Deutschen in's Französische. 
Von Dr. H. A. Müller» 1. Abtheilung: Für die mittleren Gymnasial- 
classen. X u. 170 S. 11^- Sgr. 2. Abtheilung: Für die obern Gym- 
nasialclassen. IV u. 300 S. 22^ Sgr. Jena, Hochhausen. 1843. gr. 8. 

Wenn in einem Gebiete der Wissenschaft eine neue Bahn 
gebrochen wird , so äussert sich dies auch gewöhnlich sehr bald 
auf dem entsprechenden praktischen Gebiete. Becker brach neue 
Bahn für die wissenschaftliche deutsche Grammatik; Männer der 
Praxis bearbeiteten sehr bald nach Becker'schen Principien deut- 
sche £cfai/grammatiken. Schifflin brach *) Bahn für eine wissen- 
schaftliche französische Grammatik ; Hr. Dr. Müller zu Fulda ist 



*) Wissenschaft!. Syntax der franzos. Sprache. Essen 1840. 



186 Französischer Sprachunterricht. 

der erste, der die Ton Schifflin gewonnenen, in wissenschaftlicher 
Fora vorgetragenen Resultate zu einer Schalgrammatik verar- 
beitet. Er ist indes« nicht ein unfreier Nachbeter SchifHin's, 
sondern hat „in manchen Punkten einen von diesem abweichenden 
Weg der Begründung eingeschlagen", oft andre Eintheilungs- 
gründe aufgestellt und vieles von Schifflin gar nicht Berührte 
hinzugefügt. Den etymologischen Tbeü hat er ganz unabhängig 
von diesem Grammatiker bearbeitet' 

Der Verf. hat sein Buch für Gymnasien bestimmt, and be- 
folgt in demselben die Methode , die in den auf Gymnasien übli- 
chen Grammatiken classischer Sprachen sich angewendet findet, 
ohne dass er speciellen Besag auf analoge Erscheinungen in den 
alten Sprächen nimmt. Ja er tadelt in der Vorrede sogar ein 
solches Verfahren und sagt: Mit solchen Citaten wird mehr Sand 
in die Augen gestreut, als wirklicher Nutzen gestiftet. Das ist 
zu hart. Einerseits ist doch vorauszusetzen, dass, wer für Gym- 
nasien eine, wenn auch französische, Grammatik sehreibt, das- 
steche Bildung besitzt und nicht erst nothig hat, hierfür sich ein 
doch sehr trügliches Zeugniss durch Citate ans elastischen Gram- 
matiken au verschaffen» Andrerseits sind Hinweisungen auf ana- 
loge Erscheinungen in andern Sprachen, mit denen der Schüler 
sich beschäftigt, durchaus nicht nutslos. Freilich darf eine sol- 
che Hinweisung nicht in einem blossen Citate einer Grammatik 
bestehen, sondern die Analogie muss in wenigen Worten (oft ge- 
nügt ein einsiges) vorgeführt werden, wie es der Verf. auch selbst 
zweimal (in § 737. und § 829.) gethan hat. Verwandte Erschei- 
nungen in verschiedenen Sprachen mit einander au vergleichen, Ist 
bei jedem Lernenden ein so natürlicher und nutzlicher Procass, 
als dass man ihn nicht beim Unterrichte benatzen sollte. 

Wie der Verf. sichdem Inhalte nach an Schifflin anschliesst, 
ohne jedoch auf die Worte des Meisters zu schwören, so schliesst 
er sich der Methode nach an die oben bezeichnete Form, eben- 
falls ohne sein selbstständiges fJrtheil aufzuopfern. Er ist durch- 
aus Herr seines Stoffes, vertheilt denselben mit richtigem Takte 
in geeignete Gruppen und stellt die einzelnen sprachlichen. Er- 
scheinungen mit Schärfe und Bestimmtheit in ihren resp. Aehn- 
lichkeiten nnd Unterschieden dar. Seine Sprache -ist gedrängt, 
ohne darum im Geringsten unklar zu sein. Die meisten Regeln 
erscheinen daher in viel kürzerer Form als in den meisten andern 
Grammatiken. Alle Folgerangen, die sich aus. gegebenen Regeln 
machen lassen, hat er als überflüssig und darum die Auffassung 
des Lernenden erschwerend weggelassen. Dadurch hat ersteh 
Raum gewonnen für manches Nene sowohl in der Etymologie eli 
in der Syntax. Der Etymologie hat er einen neuen Abschnitt im 
Capitel von der Bildung nnd Abtheilung der Silben hinzugefügt. 
Im Uehrigen aber besteht das Neue nicht in Hereinziehung andrer 
Gebiete der Sprachwissenschaft, sondern in Vervollständigung 



H Malier: Französische Grammatik. 187 

des Materials und Ausfüllung der so zahlreichen Lücken innerhalb 
des der Schulgraromatik anheimfallenden Gebietes. Es sind daher 
eine Menge sprachlicher Eracheinungeq in diesem trefflichen 
Buche zur Erörterung gebracht , nach denen man in den andern 
Schulgrannnatiken vergeblich sich umsieht. Aöch diese stehen 
natürlich nicht als ein Aggregat einzelner Beobachtungen da, son- 
dern werden von allgemeinen Gesichtspunkten aus als nothweu* 
dige Consequenzen oder wohl begründete Abweichungen nachge- 
wiesen. Da nun ausserdem einem jeden der beiden Theile aehr 
zweckmassig gearbeitete Aufgaben zum Uebersetzen aus dem 
Deutschen in 's Französische beigegeben sind , so ist -das Buch 
den Gymnasien durchaus zu empfehlen und wird gewiss in den- 
selben bald eine allgemeine Geltung finden , und ein Bedeuten* 
des dazu beitragen , dass endlich die so ganz unsystematisch ge- 
arbeiteten Grammatiken eines ScbaJFer, Hirzel und Consorten aua 
den gelehrten Bildungsanstalten- verschwinden. 

Dass übrigens dem Verf. trotz seines grossen Fleisses, sei- 
ner reichen Kenntniss und «eines grammatischen Talentes ein- 
zelne UngenauigkeJten sich eingeschlichen haben, wird der ganz 
naturlich finden, der die Schwierigkeit solcher Arbeiten kennt. 
Der Verf. ist auch bescheiden genug, um selbst (Vorr. VIII) an- 
zuerkennen, dass er nicht möge überall das Richtige getroffen 
haben. Wenn nun Rec. , der das ganze Buch mit dem gespannte- 
sten Interesse durchgelesen bat, im Nachfolgenden seine ganz 
in's Einzelne gehenden Bemerkungen. hinzufügt, so wünscht er 
dadurch trotz der abweichenden Ansichten doch nur ein Aner- 
kenntnis« der Tüchtigkeit des Buches au geben. Je tüchtiger 
ein Schulbuch ist, je mehr seine Verbreitung wunsebenswerth 
erscheint, um 4esto mehr ist es die Pflicht des Rec*, auf das 
Einzelne einzugehen und die etwaigen Ungenautgkeiten und Un- 
richtigkeiten hervorzuheben und zu berichtigen, während es an- 
drerseits reine Zeitvergeudung wäre, bei den Dutzeudbüchern 
mehr zu thun , als im Allgemeinen ihre Unbrauchbar keit und Ver- 
kehrtheit nachzuweisen. 

Was nun zunächst die Vertheilung des Lehrstoffs in einen 
etymologischen und in einen syntaktischen Theil der Grammatik 
betrifft, so bemerkt Rcc, dass sie im Allgemeinen mit grosser 
Umsicht und richtigem pädagogischen Takt geschehen ist Doch 
kommen auch manche Regeln zertrennt vor und wären besser im 
Zusammenhange gleich im ersten Theile gegeben worden, so 
z. B. § 135. und 634., für deren Trennung und theilweise Wie- 
derholung kein Grund einzusehen iat. Zugleich wäre es zweck- 
mässig, wenn bei Regeln des ersten Theileg, die in der Syntax 
weiter besprochen werden, durch einfache Paragraphencitirung 
auf die weitere Erörterung hingewiesen würde, so § 148. und 
643., die übrigens am besten auch zu einem einzigen § zusam- 
mengezogen werden könnten. Ueberhaupt sind sokhe Hin- und 



188 Französischer Sprachunterricht. 

Rückbeziehungen von grossem praktischen Nutzen und können 
nicht durch den Index ersetzt werden. Die Buttrnann'sche mitt- 
lere Grammatik giebt dazu in der neuesten Auflage 6in treffliches 
Muster. 

Im Einzelnen wäre Folgendes zu erwähnen. 

Die Lehre von der Aussprache ist recht übersichtlich und 
gründlich behandelt. Indess ist dies ein so weitschichtiges Ge- 
biet ,- dass da bei der grossten Gründlichkeit immer noch' Einiges 
zu bemerken bleiben wird. So ist bei § 2. hervorzuheben , dass 
die Regel vom stummen oder besser accentlosen e nicht erschö- 
pfend gegeben ist. Es wird nämlich hier wie so häufig nur die 
Function des e als Schwa (wie in venir) angegeben und noch von 
seinem völligen Qniesciren am Ende eines Worte (ferme) gespro- 
chen, wahrend ihm doch noch eine ganz eigenthümliche Aus- 
sprache, einem kurzen ö ännlich, zukommt (le, nie, ne etc.), die 
nicht nur in den einsilbigen Wörtern erscheint, sondern auch ge- 
wöhnlich in der ersten von zwei oder mehreren hinter einander 
folgenden Silben mit accentlosem* e. Das Wort devenir giebt 
beide Aussprachen, passt also nicht zu der Regel in der Form, 
wie sie der Verf. gegeben hat. — h vergleicht der Verf. mit dem 
eh in nehmen. Das ist indes» trügerisch , da grade die deutsche 
Aussprache eines solchen eh provinciell verschieden ist. — Die 
Anmerkung dieses § gehört zur Lehre vom Accente nach § 31. 

§ 7. ist die neuere Aussprache des 11 wie zwei deutsche j 
unerwähnt geblieben (meilleur = meijjör). 

§ 8. „eu lautet wie u in gageure" etc. könnte zu dem Irr- 
thum verleiten, als ob auch das zweite g hart zu sprechen ist. 
Uebrigens ist den genannten Wörtern chargeure hinzuzufügen, 
und zu bemerken , dass in Europe und Eug&ne das eu bald wie ö 
bald wie ü gesprochen wird. — oe = oa nicht Mos in po&le, 
sondern auch in moeile und co?ffe und den Ableitungen, sofern 
sie in dieser Orthographie noch vorkommen. — Bei oi hätte eine 
allgemeine Bemerkung über den frühem Gebrauch des oi statt ai 
in den bestimmten Verbalformen sowie in Wörtern wie faible etc. 
hinzugefügt und zugleich bemerkt werden sollen, dass das Ad- 
jeetivum roide im discoürs soutenu mit oi geschrieben und ge- 
sprochen wird , in der Conversation aber mit ai. 

§ 10. ch wie k in vielen griechischen Wörtern. Hierzu sind 
gar keine Beispiele angegeben , wie überhaupt der Verf. mit den 
Beispielen sehr sparsam ist. Hier aber waren sie um so nöthiger, 
als manche dieser Wörter die Aussprache des ch im Stamme an- 
ders haben als in der Ableitung, z. B. ch t= k in patriarchal, 
aber = seh in patriarche , = k in archdtype und archföpiscopal, 
während in den meisten andern mit arch beginnenden Wörtern = 
seh. Besonders war auch orchestre (ch = k) zu erwähnen , da 
man dieses Wort sonderbarer Weise sogar im Deutschen oft Or- 
schester gesprochen hört. Zu den nora. prop., in denen ch wie 



Maller: Französische Grammatik, 189 

geh , gehört noch das häufige Rachel. -— In aspecl, circonspecl 
und respect hört man, wie auch Girault-Duvivier bezeugt, oft 
das blosse c gesprochen. 

In § 12. zu bemerken, dass g in gangr&ne nicht beide Male 
wie k zu sprechen , sondern nur das erste Mal, Auch in bourg 
istg = k. 

In § 13. ist unerwähnt geblieben , dass gl bisweilen wie das 
deutsche Ij lautet, wie in Broglie, irabroglio. — Bei gu 1) ist 
die Regel nicht Mos auf die Adj. fem. auf gu zu beschränken, 
sondern zu der Allgemeinheit zu erheben: gu = gü vor e, z. B. 
la cigue der Schirling. 

Bei § 14. wäre es zweckmässig , auf den Wechsel der Aus- 
sprache in le h&os und l'h&oine aufmerksam zu machen. 

§ 15. Das 1 ist ferner stumm in les aulx, mäiil und nicht 
blos in den nom. prop. auf auld und ault , sondern wenn es über- 
haupt in denselben vor d, n, t steht , z. B. Saulnier. Bei gentil 
ist noch zu erwähnen, dass das 1 mouillirt wird, wenn es vor 
einem Vocale oder stummen h steht (gentil enfant, gentil hoipme). 
— 11 ist nicht mouillirt in vielen nicht erwähnten nom. pr., z. B. 
Achille. — mil, Hirse, mouillirt, mil, tausend, nicht mouillirt. — 
In Sully ist die Aussprache schwankend. 

§ 16. m ist nicht stumm in automnal. — Die Aussprache 
der lat. Endung um ist nicht berücksichtigt. 

§ 17. en zwar nasal , aber mit dem JSvocal nicht blos in den 
Fölkermmen auf &n , sondern überhaupt in den Namen auf een 
(Sadue&n) und in den meisten Fremdwortern (abdomeo). hymen 
und examen hört man auch ohne Nasalton. 

§ 20. In altier und l^ger ist das r schwankend in der Aus- 
sprache. 

§ 21* Das 8 stumm in Nom. pr. nicht blos in den genannten, 
sondern noch in vielen historischen und geographischen, z. B, 
Nismes, Crespy, Aisne, Rosny, Avesnes, Besme, l'Hospital u. a. 
Am Ende hört man s auch in gratis, l'oremus, m&is, prospectus, 
selten aber in Alexis. 

§ 22. ti zwar — ssi in Substant. auf tie und tion, aber nicht, 
wenn x oder s vorhergeht, z. B. nicht in dynastie, mixtion. 

§ 23. w auch in einzelnen Wörtern wie w (Wasington, West- 
minster). 

§ 24. x wie weiches s auch in deuxi&me und deuxi&mement, 
wie scharfes s auch in Auxonne, während man Aix in der Pro- 
vence auch Aex gesprochen hört. — Xerx&s lautet Gzerc&sse. 

§ 26. d und t nach r werden nicht- geschleift (ilpartaujourd 1 
hui ; regard aimable). — In den § 10. unter et angegebenen 
Wörtern wird c geschleift. Wünschenswerth wäre hier auch 
eine Bemerkung über die Verschiedenheit der Aussprache und 
des Schleifens in der Umgangssprache und in der ernsten Sprache, 
worüber Knebel„(§ 11.) schon recht Brauchbares beigebracht hat. 



190 Französischer. Sprach unter rieht. 

Auch rermisst man eine Angabe über Dehnung ata V«*als vor 
verdoppelten Consonanten, besonders tot 11 uni rr. Die End- 
buchstaben s und x machen lang: säe, sei, p&t, sacs, «eh, pöts. 
Vor mm nnd nn bleibt der Vocal fcnrs: consttnne. 

Die Lettre von den Aceenten- § 29 sqq. ist sehr gründlich 
bearbeitet, doch ist zu I, 7. zu bemerken, dass viele soleher 
Verba anch ohne Aecent sich finden, besonders wenn sie mit zwei 
Consonanten beginnen. Zn § 30. ist noch zu erwähnen , dass 
die Wörter auf <£ge meistentheiis den Actitns anf dem vorletzten e 
haben. Als Unterscheidungszeichen steht der Gravis auch auf 
des. — Zu III, 2. gehören die pron. poss. disj. nötre, vötre. 
Als Unterscheidungszeichen steht der Circumfiex in du, erü, mür, 
sür, tu. 

Für die Formenlehre ist nun zunächst im Allgemeinen zu 
bemerken, dass der Verf. die technischen Ausdrücke der Gram- 
matik lateinisch giebt. Dagegen ist gar nichts einzuwenden, nur 
igt es jedenfalls erforderlich, dass der Schüler auch mit den 
französischen Benennungen bekannt wird, weshalb sie wenigstens 
einmal, sobald der Begriff zuerst vorkommt, auch in ihrer fran- 
zösischen Form müssen genannt werden. Hin nnd wieder hat 
dies der Verf. auch gethan , aber durchaus nicht überall. 

§ 39. hatte kürzer und fasslicher gegebnen werden können, 
wie es auch Kn. gethan hat. 

§ 42, 4. ist nicht richtig ausgedrückt. Wörter, „die nur 
als Substant. gebraucht werden können", haben ganz gewiss das 
Zeichen des Plur. Das nur ist sicherlich ein sinnentstellender 
Druckfehler. Uebrigens sind hier noch die aus fremden Sprachen 
herüber genommenen Wörter zu erwähnen (les op&a), von denen 
les ddbets und les placets Ausnahmen machen. 

§ 43. Die Subst. auf al, plur. — als, sind hier nicht voll- 
ständig angegeben. Cf. Schiffiin's II. Curs. § 3. — Bei nasal ist 
zu bemerken , dass mau os uasaux Nasenhein sagt. — Zu § 43, 3. 
verron im Plur, bald mit x, ball mit 8. — Zu 43, 4, noch fer- 
mail und tramail. 

§ 45. Von den Pluralibus tantum hatten die gebräuchlichsten 
(wie moeors) angeführt werden sollen. — Die Liste' der im 
§ 45. und 46. angegebenen Wörter ist nicht vollständig, braucht 
es übrigens in einer ^cAu/grammatik auch nicht zu sein; nur 
hätten dann die Eingangsworte nicht lauten müssen: „Die Wörter, 
welche etc. sind", sondern: die wichtigsten. / 

Zu § 48, 2. gehört auch les coq-a- l'ane. 

Zu § 51, 4. Äthanes, Naples, Narva u. v. a. 

Zu § 52, 2. raisfti. — Nach der Ann. dieses § ist der ganze 
§ 647. überflüssig. Uebrigena konnte hier darauf aufmerksam 
gemacht werden, dass man sich hüten nrass, entier wie tont in 
derartigen Verbindungen zu constrmren. 



Maller: Französische Grammatik. 191 

In § 51. ist h «uter die Feminina gesetzt, indes* findet mm 
trotz der Ton der Akademie selbst angegebenen Regel fest immer 
haspire*. 

Zu § 57* 8. noch labeur, equateur, le couleor d'olive und 
ähnliche. 

In § 58. bitten die Subst. angegeben werden sollen', die im 
Sing, ein andres Genus haben als im Plur. (ddltee, orgue, amour, 
paqucs). 

Das Verzeichnis* in § 59. ist sehr reich, steht aber eben 
deshalb nicht in richtigem Verhältnis» zu den in § 45. und 46. 
gegebenes. Ist aber einmal das Verzeichnis« so ausgedehnt, dass 
es fast Vollständigkeit beansprucht, so konnte auch noch bemerkt 
werden le grand oeuvre der Stein der Weisen, la pourpre die 
Purpurschnecke, la pourpre des raisins, und avant-midijils masc, 
wahrend doch apres -midi, apres -dine'e, apres - soupe*e als fem/ 

Zu der allgemeinen Regel in § 60. hätten unter die Bei- 
spiele auch Partlcipien (ahne', airae*e) aufgenommen werden sollen. 
Uebrigens ist lobend hier hervorzuheben, dass die Motion der 
Subst. und Adj. zusammengefasst, und nicht wie sonst gewöhnlich 
ganz unnöthiger Weise in zwei Abschnitte zerspalten ist. 

Bei § 65. fehlt als Ausnahme de*vot , f. devote. Ueberhaupt 
sind bei diesem Abschnitt (§ 64 sqq.) manche Ergänzungen- zu 
machen, wobei zweckmässig Schifflin's 2. Cursus zu Rathe gezo- 
gen werden kann. — Die im § 67. * angegebene Motion des 
Subst. devinenr, f. devineresse, ist nach der Akad. dahin zu än- 
dern, dass devin im fem* devineresse hat, devineur aber devineuse. 
— So ist auch in § 68. noch hinzuzufügen docteur — doctoresse, 
diacre — diaconesse, pair — pairesse. — Auch hätte über die 
Motion der zusammengesetzten Adjectiva etwas Näheres angege- 
ben werden sollen mit Beziehung auf § 49. 

Zu § 71. war zu bemerken, dass die Adj. feu und demi nur 
im Sing, gebraucht werden, dass demi zwar auch im Plur. ge- 
bildet wird , aber nur als Subst. 

Bei 75, 5. konnte noch erwähnt werden , dass auch in Wen- 
dungen wie vers fes une beure das s in les nicht nach une hinober 
geschleift wird. 

Die Angabe (78, 3.) aber den Unterschied von second und 
denxieme ist nicht gegründet. In der zu Paris 1834 erschienenen 
zweibändigen Ausgabe des. Tel&naque ist der zweite Band tome 
denxieme bezeichnet. 

§ 81, 2. Aber auch vom Monde sagt man le dernier quartier. 

Lieber die" Stellung der pron. conj. ,vor dem Verbum ist in 
§ 90. eine neue, aber sehr einfach, klar und fasslich gegebene 
Kegel aufgestellt und verdient lobende Hervorhebung. 

Die in § 592. Anm. gegebene Beschränkung des nie in § 99. 
hätte hier wenigstens durch ein Citat jener Beschränkung ange- 
deutet werden sollen. Aehnliches hätte bei den meisten der 



192 Französischer Sprachunterricht. 

nachfolgenden §§ geschehen sollen, die grossentheifa Beschrän- 
kungen oder Erweiterungen in den entsprechenden Capiteln der 
Syntax erfahren. 

In § 110. nimmt der Verf. eben eignen Accus, des Pron. rel. 
in der Form qui un, und zwar einzig und allein der Theorie zu 
Liebe, dass die Praeposit. mit dem Acc. verbunden werden. In 
der ganzen französischen Sprache kommt das Relat. qui als reiner 
(Objects-) Accusativus niemals vor. Wenn nun die möglicher 
Weise mit einem Relat. zu verbindenden Praep. mit qui und nicht 
mit que verbunden werden , so ist doch nichts einfacher und na- 
türlicher, als dass man folgert, die Präpos. werden im Franz. 
nicht mit dem Acc, sondern mit dem Nomin. verbunden, statt 
zu folgern, es habe behufs Verbindung mit Präpos. eine eigne 
Accusativform des Relat. gegeben. Hieraus ergiebt sich denn 
auch, dass § 126. ganz snüssig und überflüssig ist. 

Die § 135. gegebene und § 634. wiederholte Regel muss 
dahin festgestellt werden, dass die Wahl zwischen on und Ton 
durchaus freisteht bis auf zwei Fälle: 1) folgt nach on ein 1, so 
steht das blosse on; 2) folgt nach que-on die Silbe con, so sagt 
man nie qu'on con (-quiert) , sondern que Ton. 

Dass personne und rien (138.). und quelque chose (etwas; 
142.) masc. sind, hätte noch schärfer hervorgehoben werden 
sollen. 

Autrui (141.) kommt im alten Kanzleistil auch ohne Präpo- 
sition von 

Bei der Lehre vom Verbum ist zunächst wieder zu erwähnen, 
dass der Verf. die technischen Ausdrücke nur zum Theil franzö- 
sisch angiebt. Dabei muss zu 152, II. bemerkt werden, dass das 
erste Cond. besser als Cond. simple oder präsent bezeichnet wird, 
zumal ja das zweite Cond. pass<£ heisst, nicht aber Cond. IL — 
Der Conjunctiv wird franz. ebensogut Conjonctif als Subj. ge- 
nannt. — Nicht das Plusq. L , sondern das Plusq. II. pflegt man 
AnteVieur schlechtweg zu nennen. — Das Fut. II. heisst häufiger 
noch Fut. compose' als passe*. — Die Infin. nennt man gewöhnlich 
Inf. present und Inf. passd — Die 3 Participien 1) part. präsent 
(G&ondif), 2) part. passe', 3) part. compose'. üeber den Druck 
ist zu bemerken, dass es sich nicht gut macht, wenn bei den 
grammat. Kunstausdriicken in franz. Form zum Theil deutsche, 
zum Theil lateinische Buchstaben gewählt werden (z. B. Sparttcip 
pass^). 

Bei § 156. würde eine Ueberschrift „Fragende und vernei- 
nende Form" die Uebersichtlichkeit erleichtern. 

§ 166. Auch die Verba auf ^ger sind von der gegebenen 
Regel ausgenommen. — Bei Gelegenheit der Accentbestimmung 
im Verbum fehlt die Bemerkung über die Setzung des Circnmflex 
in der 3. impf. conj. und in 1. u. 2. pl. de'f. 



Müller: Franzosische Grammatik. 198 

Der (echt praktisch gefasste § 169. gehört eigentlich in die 
Syntax, wenigstens hätte auf die weitere Ausführung der hier 
nur für den ersten Bedarf gegebenen Regel noch verwiesen wer- 
den sollen. 

Zu § 173. hatte aus 551. etwas ober die Stellung des Pro- 
nomens beim negativen Imperativ angegeben werden müssen. 
Auch vermisst man hier bei dem Abschnitt D. eine Besprechung 
der Erscheinung, dass Verba in activer und reflexiver Form bei 
fast gleicher Bedeutung vorkommen (augmenter und s'augmenter 
wachsen)« Es ist nur (175.) der Fall erwähnt, dass dasselbe 
Verbum transitive und intransitive Bedeutung bei gleicher Form 
haben kann, und auch dies ist mehr vorausgesetzt, als hinlänglich 
klar für einen Anfänger erklärt. 

Im § 181. hätten des praktischen Nutzens wegen die bedeu- 
tendsten der hierher gehörigen Verba (courir, marcher, ren- 
contrer etc.), besonders diejenigen, die im Deutschen anders 
conjugirt werden , einen Platz finden müssen. Auch konnten zu 
175. die Verba, die bei der Conjugation mit avoir eine ganz andre 
Bedeutung haben als bei der mit etre, einzeln mehr hervorgeho- 
ben werden , zumal da 179. eine überraschende Fülle zeigt. 

Ein vierter Fall zu 185. und überhaupt ein weiterer Ge- 
brauch von il est ergiebt sich aus § 555. 

Im § 192. sind die Nebenformen von asseoir (j'assois etc.) 
gar nicht erwähnt. — Bei voir fehlt das Futur. 

199. nouveau kommt auch als Adverb, in dieser Form vor in 
Verbindung mit Partie, (voilä des vins nouveau perce's; un nou- 
veau converti). Bei Part., die sich auf Subst. fem. gen. beziehen, 
soll es nur in une fille nouveau -ne*e sich finden. 

Wenn in § 206. bei sentir bon die deutsche Bedeutung steht, 
so darf sie auch nicht bei rester court fehlen. Ueberhaupt wäre 
an mehreren Stellen die Uebersetzung wünschenswerth. 

Zu §218. gehören auch de dessus, de dessous, de chez etc., 
denn sie stehen in ganz gleicher Kategorie mit au dessus , en de- 
dans etc., nur dass wir im Deutschen für diese eigne Präpositionen 
haben, für jene nicht. Wenigstens hätte ihrer bei 232. Erwäh- 
nung geschehen sollen. 

In tfer Lehre von der Grundbedeutung der Praep. ä und de 
(220. 232.) weicht der Verf. von Schifflin ab, nähert sich ihm 
aber doch wieder später, wodurch Inconsequenzen entstehen. 

241. hors ohne Präpos. kommt auch in der bei hors de ange- 
gebenen Bedeutung vor (hors la loi). 

258. partant ist nicht blos in Rechnungen gebräuchlich, wie- 
wohl es allerdings überhaupt selten ist. 

Der ganze Abschnitt vom weiteren Gebrauch der Conjunctio- 
nen (263 sqq.) wäre besser in die Syntax gebracht. 

Das zehnte Capitel, von der Wortbildung, ist für eine franz. 
Schulgrammatik ziemlich neu. In den lat. und grieeb. Gramma- 

A. Jahrb. f. Phil. i«. Paed. ad. KriU Bibl. Bd. XL. UfU % 13 



194 Französischer Sprachunterricht. 

tüten ist es bekanntlich schon alt, wird aber in der Praxis sehr 
wenig benutzt. Es wird freilich auch hier in vorliegendem Falle 
für* das eigentliche Erlernen, also zum Schulgebrauch , wenig 
gewonnen , zumal wenn die gewonnenen Resultate so wenig Un- 
terscheidendes haben (305. 306. 307. 308.). Indess für das tie- 
fere Erkennen der Sprachgesetze ist auch ein solcher Abschnitt 
Ton wesentlichem Verdienst. — Mit diesem Gapitel ist die For- 
menlehre geschlossen, und bevor Referent zur Besprechung des 
zweiten Theiies übergeht, hält er es für seine Pflicht, als beson- 
dere gelungen noch hervorzuheben § 47. 54 sqq. 110, 3. 205 sqq. 
238. 239. , sowie überhaupt das ganze siebente Capitel. TheiU 
ist in diesen hervorgehobenen Abschnitten durchaus Neues ge- 
liefert, theils das Alte in neuer, klarer und scharf bestimmter 
Form. So hat auch die Lehre vom Pronomen durch eine neue 
Gruppirung eine ganz andre Gestalt gewonnen. 

Beide Abteilungen unsrer Grammatik haben als Anhänge 
Aufgaben zum Ueber setzen aus dem Deutschen in's Französische, 
die 60 eingerichtet sind, dass die Vocabeln unter dem Texte 
stehen... Diese von Vielen gebrauchte Einrichtung hat besonders 
für Anfanger, wo noch gar nichts als bekannt vorausgesetzt wer- 
den darf, wegen der Fülle der untergeschriebenen Wörter einer- 
seits, wegen der notwendigen Wiederholungen und theilweisen 
UnVollständigkeiten andrerseits ihre Missstände. Wiederholun- 
gen sind nicht zu vermeiden , da nicht von einem jeden Schüler 
das ganze Üebungsbuch durchübersetzt werden kann, und da, 
selbst wenn dies geschähe, doch so Manches vom Lernenden ver- 
gessen wird. Unvollständigkeitcn sind nicht zu vermeiden , da das 
im weitern Fortschreiten voraussätzüch Gewusste doch immer 
sehr relativ ist. Am zweckmäßigsten erscheint es daher immer, 
auch für die ersten Anfänger Wörterbücher einzurichten, die zur 
Erleichterung für's Kind ja zunächst auf kleinere Abschnitte be- 
schränkt werden können, und wobei es unbenommen bleibt, ein- 
zelne Angaben , die nicht eigentliche Vocabeln sind (wie 5, 14. 
21*6, 14. 25. 7, 16. etc.), unter den Text zu setzen, oder in 
denselben parenthetisch aufzunehmen. 

Die Syntax hat nun nach SchiffliVs Vorgange von unserm 
Verf. in der Schulgrammatik eine vollständige Umgestaltung er- 
fahren. Hatte er schon in der ersten Abtheilung Lobenswerthes 
geleistet und vieles Neue gegeben', so hatte er hier ein noch viel 
reicheres Gebiet, und so ist denn auch die Ausbeute hier eine 
viel ergiebigere gewesen. Im Einzelnen ist Folgendes zu be- 
merken. 

Zunächst ist kein Grund vorhanden, bei der hergebrachten 
äussern Eintheihing stehen zu bleiben und das Capitel von der 
Wortstellung von dem die Inversion behandelnden zu trennen. 
Beide (also cap. 1. und cap. 18.), die wesentlich zusammengehö- 
ren, mussteh auch im Zusammenhange behandelt werden. Auch 



Maller: Französische Grammatik« 195 

hatte der Abschnitt § 821 sqq. gleich mit hineingezogen werde* 
sollen. Zu 345. ist zu bemerken, dass, wenn mehrere indirecte 
Objecte von demselben Verbum abhängen, das mit de formirte 
gewöhnlich dem Dativobject voranstellt. 

Das zweite, wichtige Capitei, von der Concretion handelnd» 
findet sich in den meisten Grammatiken noch gar nicht sefbst- 
ständig bearbeitet, und ist daher hier eine um so dankenswerthere 
Erscheinung. Bei § 376. ist jedoch zu bemerken, dass der dritte 
Fall nur möglich ist, wenn beide Attribute eiuem uud demselben 
Gegenstande zukommen, so dass der Fall also eigentlich gar 
nicht hierher gehört. In der mustergültigen Sprache dürfte 
schwerlich ein Fall, wie der besprochene, aufzuweisen sein« Die 
drei andern Fälle unterscheiden sich aber so: Der erste ist das 
Tun et lautre; beide Gegenstände werden in ihrer Getreu» theit, 
vereinzelt gedacht. Der zweite ist tous les deux; von neiden ist 
in der Weise die Rede, dass weder Zusammengehörigkeit noch 
Getrenntheit besonders hervorgehoben werden. - Der dritte ist 
tous deux; von beiden als zusammengehörig, oder wenigstens 
zusammen gedacht, wird als von einer Einheit gesprochen. 

Bei 381. konnte noch erwähnt werden , dass einander näher 
bestimmende Farbenadjectiva unveränderlich bleiben (des rubans 
rouge fonce'; des cheveux chatain clair). 

In dem ersten der beiden § 384. angegebenen Fälle steht das 
Adj. dem Subst. immer nach. 

§ 386. geht zwar über das Bekannte hinaus, und stellt etwas 
Neues auf, die Form" wäre aber für Schüler etwas deutlicher zu 
wünschen. Auch ist unerwähnt geblieben, dass die Apposition 
nicht declinirt wird. — 

Auszunehmen sind in § 393. die mit ihren Hauptstädten 
gleichnamigen Länder (ausser ie Hanovre) und mehrere, selbst 
grössere Inseln, wie Venise, Naples, Candie, Chypre. 

Bei 394, 2. hätte erwähnt werden sollen, dass dieselbe 
Sprechweise stattfindet, wenn das Attribut nicht im Gegensatz 
zu einem andern Attribut ist, sondern auch wenn dasselbe bleibt, 
denn man sagt ebensowohl le commerce de la France und Indu- 
strie de la Prusse , als man auch sagt le commerce de la France 
et i'industrie de la France. Ferner ist zu erinnern, dass bei 
Nr. 1. auch der Artikel steht, sobald das Attribut nicht biosein 
ganz andres ist, sondern auch sobald es durch einen Zusatz sich 
selbst entgegengesetzt wird (le roi de la France d'atftrefois et le 
roi de la France d'aojourd' hui). Es verhält sich die Sache näm- 
lich so: In Nr. 1. ist blos der Fall besprochen, dass gleichartige 
Substant. durch verschiedene Attribute entgegengesetzt werden, 
in Nr. 2. dass ungleichartige ebenfalls durch verschiedene. Nun 
ist noch 3. möglich, dass ungleichartige bei denselben Attributen 
(T Industrie de la France et le commerce de la France) einander 
entgegengesetzt werden , und 4. dass gleichartige bei denselben, 

1«$ 



196 Französischer Sprachunterricht. 

nur dass diese letzten dann freilich durch einen Zusatz sich seihst 
entgegengesetzt sind (das Beispiel von oben). 

Die Fassung des § 398. ist ungenau. Der Artikel wird in 
dem fraglichen Falle bei Ländernamen nicht gesetzt, wenn der 
.Ländername (de France) nur das Verbum modificiren soll, ganz 
ebenso wie er in le roi de France das Subst. modificirt. Wenn 
nun aber der Verf. fortfahrt: „Denkt man sich aber das Land 
nicht im Gegensatze zu einem andern Lande, so kann man auch 
den bestimmten Artikel setzen", so ist dies nicht zu vereinen mit 
§ 382. , nach welchem der Artikel ja grade dazu dient , den Ge- 
gensatz zu bezeichnen. — Am zweckmässigsten wird diese ganze 
Hegel gleich mit der in 394. vereinigt, wo dann dieselben Katego- 
rien eintreten, nur dass das Subst., hier Verba das Attribut 
erhalten. 

Zu Perse und Egypte in § 396. und 397. gehören noch Pa- 
lestine, Syrie, Siberie (lex exile*s en SibeVie). 

In 400. verhält es sich mit dem Zusätze ebenso wie in 398. 
Nicht „wenn sie im Gegensätze zu einer andern Himmelsgegend 
stehen", sondern wenn das durch sie modificirte Subst. im Ge- 
gensatz zu einem andern ähnlich modificirten steht. 

Zu 407. gehören auch: etre la cause Ursache sein, *ux de*- 
pens auf Kosten, sonner le creux, arriver le premier etc.; aber 
je vous souhaite un bon voyage, une bonne nuit. Auch ist bei 
entendre la raillerie lieber gleich hier auf § 418. zu verweisen, 
als umgekehrt von dort auf hier. 

409. Nicht blos bei Ausrufungen, sondern auch bei exclama- 
torischen Anreden, selbst in Briefen, so Salvandy im Don Alonzo 
15,6. Adieu, l'ami de mon coeur, puisses-tu m'aimer encore. 
Ueber den ähnlichen Gebrauch des Artikels im Griech. s. Her- 
mann in der Leipz. Lit. Zeit. 1807 p. 1762, 

Die im § 413. angegebenen Redensarten mit fehlendem Ar- . 
tikel bei Präpositionen hätten noch vermehrt und grossentheils 
mit der Bedeutung begleitet sein sollen. Es ist ausserordentlich 
praktisch , solche eigenthiimliche Sprechweisen auch für ein blos 
mechanisches Erlernen übersichtlich zusammen zu stellen. 

Aus § 415. geht hervor, dass man gewöhnlich sagen wird, il 
est Francais, aber c'est un Francais, worauf aufmerksam zu 
machen war. 

Zu dem ganzen , wichtigen und sehr tüchtig gearbeiteten Ca- 
pitel vom Artikel rauss aber noch schliesslich bemerkt werden, 
dass es sich besser und übersichtlicher hätte gruppiren lassen: 
Artikel bei Personen, Art. bei Appositionen, bei Ländernamen 
etc.; Setzung, Auslassung des Artikels. Dergleichen Übersicht« 
liehe Anordnungen sind für ein Schulbuch gar wichtig« 

Es ist schon oben bemerkt worden, dass der Verf. bei der 
Lehre von den Präpositionen de und' a von Schifflin zum Theil 
abweicht, hl § 428 sqq. sucht er die alte Theorie (de als den 



Maller: Französische Grammatik. 197; 

Walen Ursprung bezeichnend) mit der neuen zu verbinden, und 
sagt z. B. dabei, das Ausgehen von einem Gegenstande erweise 
sich in dem subjectiven Gen. als ein Angehören, und in dem ob- 
jectiven als ein Ausgehen und Herrähren: Le livre dufils; le 
- desir de la gloire. Es ist mir nun aber rein unmöglich zu begrei- 
fen, wie solche Grundbedeutung des Ausgehens in so extreme 
Bedeutung wie des Besitzes u. dergl. umschlagen könne. In le 
livre du fils ist das Buch jiie und nimmer vom Sohne ausgegangen 
und dadurch der Besitz entstanden (dadurch wäre der Verlust ent- 
standen) , sondern dieser Besitz ist dadurch hervorgerufen , dass 
der Sohn zu dem Buche herangetreten ist, in ein bestimmtes Ver- 
haltniss zu demselben sich gesetzt und es somit modificirt hat. 
In le de'sir de la gloire geht der Wunsch nicht vom Ruhme aus, 
sondern zum Ruhme hin. Der Wunsch an und für sich ist durch- 
aus unbestimmt, seine Sphäre wird durch den Ruhm abgegrenzt, 
also wiederum durch den Genitiv modificirt. 

Die in 432. besprochene Eigentümlichkeit ist hier so vor- 
getragen, als ob sie schon vorher des Weiteren erörtert wäre 
und als bekannt hier blos unter eine bestimmte Kategorie gebracht 
werden sollte. Uebrigens ist der Gegenstand nicht erschöpft, 
was am besten beim Pronomen interr. geschehen wäre. Dass 
auch, mit etwas anderm Sinne, der Nom. stehen könne, ist ganz 
unbeachtet geblieben. 

435, 2. Darüber, dass de beim Part, auch fehlen kann, vgl. 
Schiffl. W. S. § 312, 2. 

436. ist für Anfänger etwas zu gedrängt und hätte mehr aus- 
geführt werden sollen. 

In der Aum. zu 437. muss das Citat 428. wohl in 394. ver- 
wandelt werden, da es sich hier um die Bedeutung des Artikels 
handelt, von der in 428. gar keine Rede ist. 

454. liefert ein reiches Verzeichniss von Verben, die in 
eigentümlicher Bedeutung die Präp. de bei sich haben. Bei 
Weitem praktischer aber würde dies Verzeichniss sein, wenn ein 
jedes dieser Verba diese seine eigenthümliche Bedeutung bei sich 
hätte, und eine besondere Reihe im Texte einnähme. Es würde 
dies zwar etwas mehr Raum erfordert haben, diese Rücksicht 
darf aber hierbei nicht in Anschlag komm en. Bei dem vorliegen- 
den Druck werden die Verba übersehen und nicht gelernt, wäh- 
rend bei abgesetzten Zeilen das Lernen ausserordentlich erleich- 
tert ist. Dasselbe ist zu sagen von § 479. und § 500. 

456. ist nicht klar genug ausgedrückt. — 462. ist mit 459. 
zu einem § zu verschmelzen. Ueberhaupt ist die Lehre von der 
Präp. de nach Adj. (455 sqq.) zu zersplittert ; Aehnliches gilt 
nachher von der Präp. ä, wo sich z. B. 479. mit 475. verbinden 
lisst, 490. mit 487. , 489. mit 488. 

481. ist für den Lernenden auch nicht klar genug. Die ge- 
nannten Verba regieren im Deutschen wie auch im Lat. den Acc, 



158 Französischer Sprachunterricht. 

e. Inf., Im Frenz, aber den Dat. c. Inf., aobald dieser Inf. noch 
ei» Obj. bei sich bat, nnd zwar so, dass das Obj. des verb. fin., 
weiches zugleich Subj. des Inf. ist, im Frans, in den Dativ tritt. 

Die in ihrer grammatischen Geltung schon bestimmten Aus- 
dritele emsathr nnd immediativ worden im § 498. zu geh ma- 
chen sein. 

Die häufigere Humtfugung der Bedeutung im § 499. ist um 
so winischenswerther, als viele dieser Verba anch eine den Acc. 
zulassende Uebersetznng haben , und andrerseits einzelne der- 
selben (z. B. eroire) ja nach ihrer verschiedenen Construetion 
anch eine verschiedene Bedentnng haben. — In diesem § wäre 
anch der Ort, der eigenthnm liehen Erscheinung zn erwähnen, 
das* das Verbnm obeir activisch zwar den Dativ regirt , passivisch 
aber wie ein Verb, transit. construirt wird : il obeTt i son raaitre, 
son makre est ohel? 

Bei der Behandlung der Casnsfehre ist gleich die Lehre von 
der Rectum der Verba r der Knebel einen eignen Abschnitt ge- 
widmet hat, mit angenommen. Das ist freilich systematischer, 
praktischer aber ist doch jenes Verfahren und zwar weil es die 
Uebersfcht erleichtert. Jedenfalls wenigstens hatten nach dem 
siebenten Capitel diejenigen Verba nochmals zu einer Ilaren An- 
schauung zusammengestellt werden sollen , welche in verschiede- 
ner Bedentcing verschiedene Construetionen zulassen , wie z. B. 
joner, changer n. v. a. Ebenso wären anch in manchen andern 
Fallen solche vergleichende Zusammenstellungen wünschens- 
wert«, wie bei den mit de nnd ä zu construirenden Adj. etc. (il 
est difüciie de faire nnd i. e. d a faire). So wäre anch in § 503. 
eine Zusammenfassung der Regeln von der Zeitbestimmung wiin- 
schenswerfh, wenigstens eine Verweisung auf die vereinzelten 
Regeln« 

In § 506, 1. ist das zweite stets nicht gegründet» In Paria 
findet sich an- den verschiedenen Ecken einer nnd derselben 
Strasse rue TteiUe da temple und vleilte tue du temple. — 50$. 
widerspricht auch zum Theil dem § 512. 

Die Regel 511. ober die nach ihren Subst. stehenden Ordi- 
nalzahlen bedarf noch einiger Erweiterungen» Rüg. Sue, Myst. 
de Paris, sagt mitten im Texte: ii ne put donner a R. que quelques 
connaissanceg preroieres, und so auch Solvandy I. c. Le souventr 
des impressions premieres reeoit du temps le charme de ces con- 
toecs lointaines que nous ne verrous plus. 

514. grand in der Bedeutung snperieor stellt nie vor femme. 

In der Erklärung des Beispiels Nous ne trouv. etc« (527.) 
wäre hervorzuheben, dass der Hauptsatz als negirt im Nachsatz 
eigentlich ne verlangt, dass aber die Negation des Hauptsatzes 
nur formell ist, ihrem Wesen nach durch das Conditionne! auf- 
gehoben erscheint oder wenigstens so, dass ihr die Entschieden- 



Muller t Französische Grammatik. 199 

heit und Bestimmtheit genommen ist. — Vor Inf. steht ne im 
Nachsatze niemals. 

Der Unterschied von ne-pas plus qtie und ne-pas plus que 
ne hätte in 528. seine Stelle finden können. 

Die Wendung (537.) „nach folgenden Beispielen 1 ' Ist auffal- 
lend in einer sonst mit wissenschaftlichem Geiste gearbeiteten 
Grammatik. Die Schwierigkeit löst steh auch ganz einfach durch 
die Bemerkung, dass ce qui als Nominat. , ce que als Accus, des 
Relativsatzes erscheint« 

544. Auch auf die Wendung noüs dtions 4 denx sollte auf- 
merksam gemacht werden. 

551. gehört schon in den § 91. 

'560. Auch die Wiederholung des Pron; als Subj. ist noth- 
wendig, und zwar 1) wenn der eine Satz affirmativ , der andre 
negativ ist (je ne le connais pas de vue, mais je le connais de 
reputation) ; 2) wenn die Verba in verschiedenen Zeiten steheil 
(je viens de Paris et j'y retournerai bientöt) ; 3) wenn das erste 
Verbum ein directes Object hinter sich hat (je connais ton cousin 
et je 1'aime) ; 4) wenn die Sätze durch andre als die Conjunctio- 
nen et, ni und ou mit einander verbunden sind (vous serez heu- 
reux,.puisque vons prefeYcz la vertu aux richesses). 

In 561. wären die beiden Ausdrücke können und muss besser 
gesperrt zu drucken. 

In 595. vermisst man die Bemerkung, die wenigstens in einer 
Anmerkung gegeben werden konnte, dass man in ähnlicher Weise 
auch de setzt, und awar ohne Artikel, ohne possess., sobald ein 
Adj. bei dem Subst. des Schmerzes steht: j'äi de terribles manx 
de t&te. 

596. Die Poss. stehen häufig im Franz., wo wir im Deut- 
schen den bestimmten Artikel, oder gewisse Adjectiva oder das 
blosse Subst. setzen (Oni, mon pfcre, ja, Vater; oder: ja, lieber 
Vater. — Mon pere Ta dit, [der] Vater hat es gesagt). 

Die Kommata in 598. vor a sind überflüssig. 

610. Dasselbe findet statt, wenn das Prädicat ein Infin. ist. 
Ein Beispiel dazu in § 741. 

Im zweiten Abschnitt des § 633. ist quelque unveränderlich, 
weil es daselbst als Adverb, erscheint. 

Zu 636. war hinzuzufügen, dass man on nicht auf zwei ver- 
schiedene Snbjecte in derselben Periode beziehen darf, also nicht 
sagen : on donna f ordre d'attaqner et Ton attaqua. — Und zur 
Anm. dieses §, dass on auch für die erste Person Sing, gesetzt 
wird, und zwar nicht blos von Schriftstellern in den Vorrieden. 

Zu 657 sqq. findet sich ein treffendes Beispiel in Mignet 
Hist. de la rdv. IX. p. 322. Les aecuses avaient des d&enseurs; 
ils n'en eurent plus, On les jugeait individuellement; on les 
jugea cn masse etc. 



200 . Französischer Sprachunterricht. 

Zu 690. gehören noch die Impers. il parait, il s'ensuit, U 
r&ulte und aus § 705. il arrive. 

709. Es wäre nicht unpraktisch, wenn für den Lernenden 
noch mehrere dahin gehörige Ausdrücke aufgeführt wSren , wie 
il est juste, quel bonheur, c'est un miracle etc. Ebenso 710. de 
peur (crainte) que ohne vorhergehendes Verbura. 

743. Die Verba, welche ursprünglich sinnliche Wahrneh- 
mung bezeichnen, nachher aber auch zur Bezeichnung geistiger 
Wahrnehmung gebraucht werden etc. 

758. voir de mit dem Inf. — Mol. Misant. II, 1. Parlons a 
coeur ouvert, et voyons d'arreter etc. Dies hätte wenigstens in 
776. zugleich mit voir a, Sorge tragen, berücksichtigt werden 
können. 

Auf die in § 781. besprochene eigentümliche Erscheinung 
hätte vor 762. wenigstens verwiesen werden sollen, da man diese 
Regel in dem Abschnitt „III. Inf, mit der Präp. a" zu suchen be- 
rechtigt ist. 

776. aimer mieux mit und ohne de vor dem zweiten Iofin., 
mit de bei Willensvorzügen, ohne de bei blossen Geschmacks- 
sachen: j'aime mieux lire que jouer. — Im Ganzen ist bei diesem 
§ zu bemerken, dass die ganze Zusammenstellung sehr würde 
gewonnen haben, wenn mit treffenden Bezeichnungen und pas- 
senden Beispielen die verschiedenen Bedeutungen angegeben wä- 
ren, wie dies zum Theil bei Knebel mit gutem Erfolge geschehen 
ist. — exhorter fehlt in der Liste. 

Bei 777. wäre vor dem Irrthume zu warnen, als ob „anfan- 
gen mit" immer durch commencer par gegeben werden raüsste, 
da es doch bei etwas verschiedener Bedeutung commencer avec 
heisst. 

Wie mot und goutte (828.) stehen auch andre Ausdrucks- 
weisen , de ma vie , je ne sortirai de trois jonrs. cf . 845. 

843. Aehnlich sagt Rousseau : Qui lie voit que etc. 

821. DieAdverbia der Ordnung, und die 212,6. angegebenen 
der Zeit können auch vor dem Verbum stehen: Je ferai premiere- 
ment cela, secondement j'apprendrai etc. — 11 fait beau temps 
aujourd' hui , demain il pleuvra. 

823. Wenn beide Negationen vor einem mit einem Fron, 
conj. verbundenen Infin. stehen, so tritt bei Rousseau dieses 
Fron, gewöhnlich zwischen beide Negationen, bei andern Schrift- 
stellern aber gewöhnlich unmittelbar vor den Inf. — tout steht 
wie vor dem Partie. , so auch vor dem Inf. . 

854. autant — autant am Anfange eines Vordersatzes und 
eines Nachsatzes sind von dem bezüglichen Adjectiv getrennt, 
ebenso plus — plus und moins — moins. 

858. pas davantage ebensowenig. . 

In 887. wäre ein Vergleich mit comme an der Stelle (eu roi 



Moller: Französische Grammatik. 20t 

und corneae roi). Das comme in dieser Bedeutung ist gar nicht 
besprochen. . 

878. d'avec wird gesetzt, wenn behufs irgend eines geistigen 
Processes erst eine Zusammenstellung und darnach eine Tren- 
nung nöthig gedacht wird. 

In § 900. und 901. verhalt es sich mit dem Zusatz von de 
und par wie es 907. angegeben ist. Besser also diese .Erklärung 
gleich in 900. 

Zu 942. gehören auch Erscheinungen wie {Salvandy. Don. 
Alonz. 8, 2.) En effet, le pe'ril une fois passe*, viennent les chati- 
mens, wodurch die im § gegebene Regel noch eine Erweiterung 
erfährt. Hierbei konnte ferner noch die Eigentümlichkeit be- 
sprochen werden , wenn mit Ergänzung eines ausgelassenen dej& 
oder ähnlicher Wörter Sätze mit dem Verbum beginnen und das 
Subject folgen lassen, wie Entrent deux cavaliers ; restent quel- 
ques chapitres etc. 

Die Voranscbiebung des Prädicats ahne irgend einen der 
933 — 947. angegebenen Grunde, blos des Nachdrucks wegen, 
findet sich unter Andern bei Eug. Sue Myst. de Par. II. chap. 13. 
Cheval, manteau, chapeau, tout est couvert de neige; dpre est 
la f roidure , glaciale est la bise , sambre est la nuit qui s'avance. 
Und ibid. II, 20. in einem abhängigen Satze : Je sais bien, mes en- 
fants , que noir est leur pain , mais c'est du pain ; dur est ieur 
grabat, mais c'est un lit; chätifs sont leurs enfants, mais jlg 
vivent. 

In dem Abschnitt 948 sqq. vermisst man eine Besprechung 
der Inversion in der Poesie. 

Sowie im etymologischen Theile einzelne Abschnitte als be- 
sonders gelungen hervorgehoben zu werden verdienen, so und in 
noch höherem Maasse ist dies bei der Syntax der Fall. Zunächst , 
ist gleich auf das Cap. von der Stellung der Adjectiva aufmerk* 
sam zu machen , welches mit Einsicht und Klarheit gearbeitet 
manchen traditionellen Wust aus diesem Abschnitt entfernt und 
Bedeutendes an Neuem liefert. Daran schliesst sich der Abschnitt 
von der Comparation der Adjectiva. Ferner §§ 554 sqq. sowie 
der Abschnitt über die Pronominalpartikel en (578 sqq.), der aus~ 
gezeichnet genannt werden kann. Ferner § 600. 716. 724 sqq. 
sowie das ganze wichtige 12. Capitel (vom Indicativ und Con- 
junetiv) in seiner Eintheilung sowohl als in seiner Durchführung. 

Das zu beiden Abtheilungen der Grammatik dienende Regi- 
ster ist mit grosser Sorgfalt ausgearbeitet und gewährt zur leich- 
teren Orientirung einen wesentlichen Nutzen. Einzelne Artikel 
hätten noch aufgenommen werden können, z. B. „Absolute Con- 
struetion 502. 781. 787. 788." Die Phrase ce n est pas que sucht 
man im Index wohl eher unter ce als unter &tre. Sonst möchte 
sich nicht leicht ein in der Grammatik behandelter Gegenstand 
finden, der im Index vergeblich gesucht würde. 



262 Griechische Literatur. 

Um noch ein Wort über das Aetissere der Einrichtung au 
sagen , so sind dtirch das ganze Buch fortlaufende Seitenparagra- 
phen gegeben , ohne dass aber die einzelnen Gapitel wieder be- 
sondere Kegelnummern haben, wie z. B. bei Zumpt. Es ist diese 
altere Einrichtung indess doch vorzuziehen, weil man dadurch 
die Möglichkeit gewinnt, umfangreiche Regeln in verschiedene 
Abschnitte zerfallen zu lassen und ihnen dabei doch den Charakter 
des Ganzen zu bewahren , was durch die blosse Paragraphen- - 
zähhing sehr erschwert wird. So würde u. A. 504. u. 505. unter. 
etne Nummer kommen. 

Ferner ist zu bemerken , dass besonders in der Syntax dem 
Drucke nach fast Alles als gleich wesentlich behandelt erscheint; 
es ist fast Alles in den Haupttext gebracht und die Zahl der An- 
merkungen ist unverhältnissmässig gering. Das erschwert den 
praktischen Gebrauch. Für ein .Schulbuch ist eine grössere Son- 
derung des Wesentlichen und täglich Vorkommenden von dem 
Abweichenden und Seltneren durch den Druck zu geben. Erst 
rouss von dem Schüler das Gerippe in dem Grossgedruckten er- 
lernt werden können, für die weitere Ausführung kommt dann 
der kleinere Druck mit den Anmerkungen, z. B. 699 — 701. 
gross, 702— 704. klein. 

Die Zahl der Druckfehler ist sehr gering, für ein- Schulbuch 
sehr empfehlend. Ausser den vom Verf. selbst schon angegebe- 
nen sind die bedeutendsten: I. p. 106. boucher st. honende; If v 
14. le Mecque st. la; 48. College; 95. Z. 6. e*te* ausgelassen; 107* 
das Citat 612. in 610. zu verwandeln. 

Die äussere Ausstattung des Buches ist gut, und da auch der 
Preis vom Verleger massig gestellt ist , so zweifelt Rec. nicht, 
dass der schon oben ausgesprochene Wunsch, durch dasselbe 
viele der schlechten, unsystematischen Grammatiken verdrängt zu 
sehen, recht bald in Erfüllung gehen wird. 

Holzsapfel. 



£sV0(pC0VT0g Kvqov 'Avdßuöig. Mit erklärenden Anmer- 
kungen zunächst für den Schulgebrauch der mittleren sowie für die 
Privatlectüre der ohern GymnasialcFassen herausgegeben von G. 
Grqff, Oberlehrer am königl. Gymnasium zu Wetzlar. Leipzig, bei 
E. B. Schwickert. 1842. XII u. 315 S. 8. 1 Thlr. 

Der Herr Herausgeber bemerkt in der Vonrede, die Anabasis 
pflege mit solchen Schülern gelesen zu werden, welche die For- 
menlehre der Hauptsache nach , sowie auch Einiges von der Syn- 
tax erlernt und einige Uebung im Uebersetzen gehabt hatten« 
Für solche böten sich nun bei der Vorbereitung so zahlreiche 
Schwierigkeiten dar, dass selbst fleissige Schüler, wenn sie nicht 
besonders begabt seien, nicht selten den Mutfai allmälig sinken 



Xerioph. Aaabasii , heransg. toi» Graff. 203 

Hessen, alles selbsttätige Streben aufgaben und alle Luat an dem 
Erlernen der Sprache verlören. Diesem Uebelstandc vorzubeu- 
gen, habe er sich entschlossen, vorliegende Ausgabe zu veran- 
stalten, die in ihren Anmerkungen durch Fragen und Winke aller 
Art mt alles Wichtige und besonders auf das Grammatische auf- 
merksam machen, dnrch stete Hinweisung auf die bekanntesten 
Grammatiken (von Bnttmann, Matthiä, Rost und Kühner) sowie 
auf das Lexikon (von Passow) den Schüler zum selbstthätigen 
Nachforschen auffordern und ihm schwierige Partien der Gram- 
matik sowie eigentümliche Ausdrücke mit kurzen Worten andeu- 
ten , keineswegs aber dem TJnfleiss oder der Lässigkeit des Schü- 
lers Vorschub leisten solle. Der Schüler solle bei der Präpa- 
ration das Angedeutete sorgfältig nachschlagen und sich zu eigen 
machen, so dass der Unterricht des Lehrers nnr im Wiederholen, 
Berichtigen, Erweitern und festeren Begründen bestehe. — Mit 
diesem Plane ist Rec. durchaus einverstanden. Was die Durch- 
führung desselben im Einzelnen betrifft, so hätte er zwar aller- 
dings nicht Weniges anders gewünscht, findet aber doch diese 
Ausgabe im Ganzen mit solchem Fleiss und solcher Sorgfalt, mit 
einer so genauen Berücksichtigung der Bedürfnisse der Schüler 
gearbeitet, dass er kein Bedenken trägt, dieselbe als höchst nütz- 
lich und ihrem Zwecke der Hauptsache nach durchaus entspre- 
chend zu empfehlen. Wir könnten hiermit unsre Anzeige schlies** 
sen; da wir aber nicht blos wünschen, sondern auch hoffen, dass 
das Buch sich eines allgemeinen Beifalls erfreuen und bald eine 
zweite Auflage nöthig werden möge, so erlauben wir uns, den 
Hrn. Herausgeher auf Einiges aufmerksam zu machen, was wir 
bei einer solchen verändert zu sehen wünschten. 

Erstens nämlich scheint es dem Rec. , als habe Hr. Gr. nicht 
selten zu viel gegeben. Zwar bemerkt derselbe in der Vorrede 
ganz richtig, dass es sehr schwierig sei, in dem Mittheilen und 
Weglassen die rechte Mitte zu finden, und kein Herausgeber 
wird es hierin jemals Allen recht machen können; allein in der 
Voraussetzung, dass es Hrn. Gr. nicht unerwünscht sein werde, 
auch die Ansicht eines Andern über diesen Punkt zu vernehmen, 
will Rec. doch Einiges herausheben, worin er mit dem hier beob- 
achteten Verfahren nicht übereinstimmt. So möchten z. B. An- 
merkungen über Accente, wie sie in den ersten Capiteln ziemlich 
häufig sich finden, jedenfalls als etwas für den beabsichtigten 
Zweck des Boches Ünnöthiges zu betrachten sein. So heisst et« 
zu 1, 1, 1. bei xaldsg: „Der Accent nicht auf der Casus- Endung 1 
s. Buttm. § 43. An. 4.", ferner ebenda», zu accids: „Warum ist 
xaids ein Properfep. 4 ? s. B. § 11, 4." Auch zu I, 1, 2. handeln 
wieder drei Anmerkungen auf ähnliche Weise iiber Accente. Statt 
solcher Anmerkungen über Accente hätten wir eher eine Bemer- 
kung über dag orthotonirte ol 1, 1, 8. erwartet mit einer Verwei- 
sung auf Buttm. § 14. 2. 2. vgl. mit § 14. 7. (Rec. verweist der 



204 Griechische Literatirr. 

Kurse halber nur auf diese Grammatik.) Andre Anmerkungen 
mii8sten wegbleiben, weil sie die Sache dem Schuler zu sehr 
erleichtern und ihm eignes Nachdenken ersparen , wie wenn I, 2, 
36. not. 32. unten ttQavog zu xqccvt) angegeben ist, I, 2, 17. 
not. *. tct%vg zu ^artov, I, 2, 26. neL&o zu Unnas, I, 8, 18. not. 
24. <p&8yyofiat zu IqpfrJylato, I, 9, 31. not. 18. za66(o zu ra- 
xaytiivog, II, 3, 10. avkav zu aukmöiv. Häufig sind Ausdrücke 
übersetzt, die nicht die geringste Schwierigkeit darbieten, und. 
worüber den Schüler jedes Lexikon belehren kann , wie I, 2, 20: 
txißovkevsiv „nachstellen", I, 2, 26. (tsxsnepnsTO „beschickte, 
herief er" (dies wiederholt I, 3, 8.), 1,3, 5. aigyGößai „sich 
wählen, vorziehen, im Med." Vgl. noch I, 3, 10. not. 60. u. 62., 
I, 3, 11. not. 68., 1, 3, 13. not. 79. u. 80. Was soll endlich eine 
solche Uebersetzung nutzen, wie wir sie I, 99, 22. finden, wo 
4c5ga ds %kü6xa plv olpai slg yt wv dvrjQ iläfißavs zum Theil 
übersetzt ist mit „gewiss ein einziger Mann seiend" ? — Ferner 
würde man wohl die hier und da angegebenen verschiedenen Les- 
arten nicht vermissen , wenn sie fehlten , da der diese Ausgabe 
benutzende Schüler doch nichts damit anzufangen weiss. Wir 
sind zwar keineswegs der Meinung, dass die Kritik in den mitt- 
leren Glassen ganz unberücksichtigt bleiben solle; allein wir glau- 
ben , dass nur dann auf dieselbe eingegangen werden dürfe, wenn 
der Schüler aus innern Gründen , welche zu erkennen entweder 
seine eignen Kenntnisse hinreichen, oder eine kurze Andeutung 
des Commentars oder des Lehrers ihm möglich macht, selbst zu 
heurtheilen vermag, welche Lesart die richtige sei. Wir wollen 
ein Beispiel, das uns grade aufstösst, geben. Es heisst nämlich 
I, 2, 25. in vorliegender Ausgabe ävo X6%oi zov Mivwvqg Gzga- 
zsvparog ditcilovxo. — rjöctv 8s ovzoi BKcttöv (snaöTog) oxki- 
zcu. Dazu bemerkt Hr. Gr. : „Kr. ergänzt hier das collectivisehe 
sxaözog als Apposition zu stccczov, wo allerdings das Prädicat im 
Plural folgen konnte, s. Matth. § 303." Hier konnte Hr. Gr. 
eine für den Schüler verständliche und belehrende kritische An- 
merkung gewinnen, wenn er etwa so. sagte: „exaözog als Appo- 
sition zu ovrot, sc. ot ko%oi [nicht zu execrov] ist von Krüger ein- 
geschoben. Warum 1 s. III, 4, 21. und IV, 8, 15." Wo dagegen 
nur äussere, diplomatische Gründe für die oder jene Lesart spre- 
chen, ist die Angabe einer Variante für die Leser, welchen diese 
Ausgabe bestimmt ist, ohne allen Nutzen. Freilich finden wir 
nicht selten die durch die besten Handschriften gebotene Lesart 
in Hrn. Gr.'s Ausgabe, welcher sich hierin fast ganz an Krüger 
anschliesst, nur in der Anmerkung, während die weniger beglau- 
bigte Vulgata im Texte steht; und unter diesen Umständen wür- 
den vielleicht Manche es nicht billigen , wenn der Hr. Heraus- 
geber die andern Lesarten nicht angegeben hätte. Hätte sich 
aber derselbe im Text genauer an die vorzüglichsten Codd. ange- 
schlossen, so würde gewiss Niemand die Angabe der Vulgata 



Xenoph. Anabasis, herausg. von Graft 205 

verlängern. — • Endlich meinen .wir, dass in vielen Anmerkungen 
eine blosse Verweisung auf die Grammatiken genügte und es un- 
nöthig war, die Regel selbst noch bald kürzer, bald ausfuhrlicher 
anzugeben, wie, um nur ein Beispiel anzuführen, in Not. 13. zu 
I, 1, 1«, wo zu aagtav itvy%avs bemerkt ist: „Die Yerba finit., 
welche wir beim Part, in der Bedeutung des Adv. ausdrücken, 
während das Part, den Hauptgedanken enthält, s. Buttm. § 144. 
Anm. 8." u. s. w. 

Zweitens vermisst man aber auch zuweilen, jedoch nicht gar 
häufig, eine Anmerkung an Stellen, wo der Schüler entweder 
einer Unterstützung bedarf, oder wo seine Aufmerksamkeit auf 
eine seltnere Form oder Ausdrucksweise zu lenken ist , über die 
■er sonst vielleicht , ohne sie zu beachten , hinwegeilt. So hätten 
wirf, 1, 5., wo in den Worten % xai svvo'Cxäg fyoisv avwp der 
Schüler nach .dem lateinischen Sprachgebrauch vielleicht aiz& 
erwartet, eine Note gewünscht. S. Buttm. § 127. 3. — I, 2, l£. 
war der Schüler auf die Genitivform Evsvvteiog durch Verwei- 
sung auf Buttm. § 50. Anm. 5. aufmerksam zu machen; ebenso 
I, 2, 21. auf OQsav (B. § 49. Anm. 3.). I, 2, 23. war bei ijAatfs 
unten ilavva anzugeben (erst § 20. steht zu ügykctösv unten 
slgskavvo). I, 8, 17. ta qxxkayys verdiente die Form des Arti- 
kels eine Bemerkung. 

Drittens wollen wir Hrn. Gr. auf einige Versehen und fälsche 
Erklärungen aufmerksam machen , die wir uns notirt haben. I, 1, 
10« xal alxsl avzöv slg öig%iklQvg %evovg xal tquov prjvav 
pitöov. Hr. Gr. deutet hier an, dass slg circiter bedeute, und 
so nahmen es allerdings auch Andre; aber die andre Erklärung, 
wornach man slg dig%Movg %ivovg mit piö&ov verbindet, so dass 
der Sinn ist: „er bittet ihn um dreimonatlichen Sold für 2000 
Söldner", ist unstreitig die richtige. Dies zeigen die folgenden 
Worte: r O de Kvgog dld&öiv ccvzcp slg xszQaxLg%iktovg xal ?g 
\ir\v&v ptöftov , die man nicht erklären kann : „Kyros aber giebt . 
ihm gegen 4000 Söldner und Sold für 4 Monate." Es ist nämlich 
ganz unglaublich , dass Kyros dem Aristippos die Truppen selbst 
gegeben habe, er, der Alles aufbot, um so viele hellenische 
Soldtruppen, als nur möglich, an sich zu ziehen, der also gewiss 
nicht eine so bedeutende Zahl derselben zu einem ungewissen 
Unternehmen hergab, wobei er Gefahr lief, dieselben zu ver- 
lieren. Er gab also nur das Geld, wofür Aristippos sich erst eine 
Kriegsmacht anwerben sollte, wie er ja auch nach § 9. dem Kle- 
archos nicht Truppen gab, sondern nur Geld, mit welchem dieser 
warb. — Zu I, 2,24. nkyv ot tä xajtrjkelcc %%ovTsg ist bemerkt: 
„zota/v als Präp. mit Gen., also hier: sc. zovzcov, oft wird aber 
aber auch der Gen. durch einen Satz umschrieben". Das Un- 
richtige dieser Anmerkungen braucht nicht erst hervorgehoben 
zu werden, — I, 3, 5. dyctyaiv slg xovg ßaQßccQovg wird slg in 
feindlichem Sinne durch gegen erklärt. Es heisst vielmehr: in's 



206 Bibliographische Berichte und Miscellon. 

Land der Barbaren, unter die Barbaren* wie Krüger z. d. 81« und 
Poppo im Index richtig bemerken. — • I, 3, 8. Kvqqq di tovtotg 
dxoQmv ts xaX kvuqvpBvag psrsjc^ßssTO %6v KlktQiov heisst es 
in der Note: „Mangel leidend , verlegen, bedenklich seiend, ge- 
wöhnlich mit Genitiv, selten, wie hier, mit Dativ, der wohl 
mehr auf kvuovftsvog au beziehen ist" ßec. begreift nicht, wie 
Hr. Gr., wenn er Poppo'« Note gelesen hat, oder wenn er sich 
anch nur an die Stelle I, 5, 13. erinnerte, dies sehreihen konnte. 
— I, 4, 1. Big 'Itftfovg., trjs Kiktxlag iöpttTjv nokiv, hxl tjj &cc- 
katvy oUovtttvfjv, psy aktiv xal evöctipovcc* Hr. Gr. ' erklärt 
vlxovpsihiv : „bewohnt, d.h. liegend, xBipivrjv". Dies würde 
wohl auf unare Stelle passen; allein da nokig oUovpevri mehr 
wie einmal in der Anabasis so vorkommt, dass es dies nicht heis- 
sen kann , sondern im Gegensatz zu einer nokiq igi]ßf] nur eine 
bewohnte Stadt bezeichnet, so wird es unstreitig auch hier so zu 
nehmen , also nicht mit inl %y ftakatTj} zu verbinden und kein 
Komma vor diese letztern Worte zu setzen sein. — I, 4, 3. a( 
ds vrjeg c$Qpovv xaxa ztjv Kvqov öxtjvijv wird hier übersetzt: 
„fuhren gegen das Zelt hin, landeten bei etc." Es heisst viel- 
mehr: „sie lagen dem Zelte des K. gegenüber vor Anker." — 
II, 1, 4. anayyikkixt 'AQtaltp ort rjpsig ys vixäpev ßaötkia. 
Hier erklärt Hr. Gr. vtxcoyLbv als Praesens historicum. Das Rich- 
tige giebt er zu § 11. not. 75. — Ein sehr störendes Versehen 
findet sich IV, 5, 35., wo kxsx&xazo von Ixxuxk® abgeleitet wird. 
Druckfehler sind dem Rec. in dem auch äusseHich recht gut 
ausgestatteten Buche verhaltnissmässig nur wenige aufgestoftaeu. 
Störend ist zu I, 7, 3. not. 52. äupcJUirc st. hmptk*la%B m 

F. K. HerÜein. 



Bibliographische Berichte und Misccllen. 



Das von Fr. Räumer herausgegebene Historische Taschenbuch Cur 
1844 [Neue Folge. Fünfter Jahrgang. Leipzig bei Brockhaus] enthält 
sechs historische Aufsätze, nämlich: Freiherr Hans tfats&aner von Job* 
Vjoigt [die gediegenste Darstellung des Buchs]., Die letzten Zeiten des 
Johanniterordens von Alfred Reumont, Gothas Mutter von K. G. 
Jacob, Prinz Leopold von Braunschweig von G. W. Kessler, und 
<lann von besonderem Interesse für die Leser unsrer Jahrbücher : Leibnitz 
in seinem Verliältniss zur positiven Theologie, eine akademische Vorlesung 
von A. B ö c k h , und die Gründung der Universität von Königsberg von 
L. Gervais mit Bezug auf die bevorstehende dritte Säcularfeier der- 
selben geschrieben. 



Bibliographische Bericht« and Mi sc eile». 907 

In de» Mitmoires et Documenta public por la weUt6 oVhistoire et 
oVarehfologie de Oeneve Tome II. [Genf, Julien. 1842.] ist ausser der Ab- 
handlung De VinstituUon de« ouvriers monnoyera du samt empire rommn et 
de leurs parUtnents pur J* J. Chaponniere namentlich der Apercu sur s 
rhütoire de Genbse par G. Mali et von allgemeinerem Interesse, indem 
der Verf. darin darthut, wie Qenf durch seine theologische Schule und 
die Anfange zur Begründung des Protestantismus wichtig and unabhängig 
geworden ist» 

Die in London 1843 erschienene 2. Abtheilung des 12. Bandes vom 
Journal of the Royal geographical society , enthält ausser andern geogra- 
phischen Reiseberichten einen Bericht über eine Aufnahme eines Theils 
der Seeküste Kleinasiens und über eine Reise in das Innere von Lycien 
in den Jahren 1840 und 1841 von dem FlottcnoffLcier Bracon Hoskyn, 
zu welchem der Oberst Leake Bemerkungen über elf aufgefundene In- 
schriften hinzugefugt bat. Wie wichtig überhaupt die antiquarischen 
Forschungen vorf Lycien für die claSBische Alterthumskunde sind , indem 
durch sie grosse Bereicherung unsrer Kenntnisse , von der kyklopischen 
und griechischen Baukunst und ihren Gegensätzen zur persischen und 
ägyptischen , eine Menge griechischer und phrygischer oder; lycischer 
Inschriften, zahlreiche Todtenstätten mit griechischen und vorgriechischen 
Gräbern, viele Städteruinen etc. aufgefunden worden sind, das ist in einem' 
Aufsatz im Edinburgh Review April 1843 des Weitern nachgewiesen. 

Die römische Akademie für Archäologie hatte für 1842 die Preis- 
fragen gestellt: 1) Geborte die schwere Münze (aes grabe), welche nicht 
römisch ist und keine Inschrift trägt, einzig italischen Völkern an, und 
welchen unter diesen? 2) Wurde dieselbe vor dem 4. Jahrhundert Roms 
geprägt? 3) Welche Folgerungen ergeben sich aus der Vergleichung 
dieser Münzen mit den Kunstdenkmälern der alten Volker Italiens und 
deren jenseits des Meeres, um festzustellen, von wo der Ursprung und 
Fortschritt der Künste selbst ausging? Den Preis hat der Dr. Achille 
Gennarelli gewonnen und seine Preisschrift ist unter dem Titel:. La 
tnoneta e i monumenti primitivi delVltaÜa antica messt in rapporto chrono- 
logico oon qualU delle altre nazione cwili delV antichitd auch bereits im 
Druck erschienen. Er schreibt darin das aes grave den italischen Völ- 
kern als Münze zu, meint, man habe Schon lange Zeit vor dem 4. Jahr- * 
hundert Roms in Italien die Kunst, Geld zu machen, gekannt und über- 
haupt schon früh eine hohe Cultur gehabt , und läset die Etrusker die 
Erfinder der Kunst sein, das bis dahin rohe Erz mit einem Zeichen zu 
Versehen. Sie sowohl als andre italische Völker hätten gegossene und 
geprägte Münzen neben einander gehabt, weil nur die grössere Metall- 
masse öle Veranlassung zum Guss gegeben habe. XTübinger Kunst- 
blatt 184a Nr. 79.] 

Erklärung der räthselhaflen Umschriften der Consecrationsmünzen 
de» Romulus, von W. Chassot von Florencourt. [Trier, Litz- 



908 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

sehe Buchh. 1843. 28 S. 8.] Die Münzen, welche der römische Kauer 
Maxentius auf den frühen Tod seines sechsjährigen Sohnes Caesar Ro- 
mulus prägen liess, enthalten hinter den Worten Dfoo Romulo die unver- 
' ständlichen Buchstaben NV, deren Deutung selbst Eckhel nicht zu finden 
wusste. Eine im Jahr 1825 in Rom vor der Porta Capena gefundene 
Inschrift [Nr. 1069. bei Orelli] auf denselben Romulus fängt mit den 
Worten an: D1VO. ROMVL.O. N. M. V., und dies deutete Nibby in 
der Schrift del circo volgarmente detto di Caracalla [Rom 1825. 4.] p. 25. 
durch nobüis memoriae vtro, wornach man auf den Münzen nobÜiviro 
lesen musste. Man könnte dies durch die zu Romulus Lebzeiten geprägte 
Bronzemünze bestätigen, wo die Umschrift der Ruckseite lautet: M. 
AVR. ROM VLVS. NOBILIS. CAES. Der Herausgeber der obigen Schrift 
findet aber diese Deutung unangemessen, namentlich weil er einen sechs- 
jährigen Knaben nicht vir genannt wissen will« Der Grund ist richtig, 
und vielmehr war zu erwähnen, dass die Römer in Titeln nicht nobüis 
vir, sondern vir nobüis, wie vir ÜLustris, amptissimus etc., sagten. Der 
Verf. will jene Buchstaben vielmehr nominis venerandi und auf der In- 
schrift nominis maxime venerandi gelesen wissen, und beweist in gelehrter 
Weise, dass die Wörter venerandus und venerabilis als Epitheta der Im- 
peratoren und Caesaren vorkommen. Die Richtigkeit der Deutung ist 
aber dadurch keineswegs dargethan : denn eben so leicht könnte man nu- 
mini vener abüi, nomini venerßndo u. A. daraus machen, und durch ähn- 
liche Abbreviaturen aus Inschriften und Münzen erläutern. [J.] 

Die MarceUus - Schlackt bei Clastidium. Mosaikgemaide in der Casa 
di Goethe zu Pompeji, Ein archäologischer Versuch von Dr. Heinrich 
Schreiber, der Zeit Prorector der Universität zu Freiburg im Br. 
[Universitätsprogr. Mit 4 lithogr. Tafeln. Freiburg 1843. 4.] Das aus- 
gezeichnete Mosaikgemälde mit der Darstellung eines Kampfes zwischen 
griechischen oder römischen und barbarischen Reitern, welches 1831 in 
der Casa di Goethe oder Casa del Fauno zu Pompeji aufgedeckt wurde 
und zuerst im 8. Bande des Museo Borbonico und dann im 4. Heft von 
Oesterley's Denkmälern etc. und öfter abgebildet erschien, ist bekannt- 
lich von den meisten Gelehrten für eine Schlacht Alexander'» gegen Darius 
angesehen worden, wenn man auch darüber nicht einig werden konnte, 
ob es eine Darstellung' der Schiacht bei Issus , oder am Granicus oder 
bei Arbela sei. Vgl. NJbb. 7, 232 f. Für die Schlacht bei Arbela erklärte 
sich Niccolini im Museo Borbonico, für die Schiacht am Granicus 
Aveliino im Giornale del regno delle due Sicilie, für die Schlacht bei 
Issus Quaranta und Andre, und die deutschen Gelehrten stimmten bei, 
so Vieles sie auch in der Einzel - Erklärung anders deuteten. Vgl. Schorn 
im Tubing. Kunstbl. 1832 Nr. 100. und 1835 Nr. 50 , Osann in Ailgem. 
Schulzeit. 1832, II. Nr. 33 f., Hirt in Jahrbb. f. wiss. Krit. 1832, II. 
Nr. 12., Gervinus in Heidelb. Jahrbb. 1833, 2. S. 142—163. und 1835,9. 
S. 926 f., Otfr. Muller in Götting. Anzz. 1834 St. 122. und in Hall. LZ. 
1835 Nr. 110., Welcker im Rhein. Museum für Philo!. Bd. III. Hft. 2. 
Die Hauptschrift darüber ist: Quadro in mosaico seoperto in Fompei a di 



Bibliographische Berichte and Miscellen. 209 

34« Ottobre 1831, descritto ed esposto in alcune tavole dimoetratwe dal 
Cav. Antonio Nicotin o« Seeunda edizione con aggiunte deW Autore. 
[Pinto, presso i fratelii Giachetti. 1832. 98 8. u. 12 Kpftff. FoL], eine 
erweiterte und bereicherte Umarbeitung des Aufsatzes im Museo Borbonico 
mit den dort gegebenen Abbildungen, worin zugleich die Erörterungen 
von Avellino und Quaranta aufgenommen sind, und wo man auch die 
Frage erörtert findet, ob das Mosaik die Copie eines Gemaides von Phi- 
loxenos oder Apelles sei. Für Deutschland erschien eine Abbildung und 
Beschreibung, sammt Nachweisung der wesentlichsten Erklärungsver- 
suche , in der Notiz über den am 24. Oetober 1831 im sogenannten Hauet 
de* Faunue zu Pompeji aufgefundenen Mosaikfus9boden 9 herausgegeben 
von Heinr. C. von Minutoli. [Berlin, Steffen. 1835. 15 S. 4. mit 
einer lithogr; Tafel.] Die meisten der genannten Gelehrten wollten in 
dem Manne auf dem Streitwagen den Darius , in dem ansprengenden Rei- 
ter den Alexander, in dem Durchstochenen einen persischen Heerführer 
erkennen, und waren jedenfalls darin einig, dass es ein Kampf zwischen 
macedonischen und persischen Reitern sei. Dagegen erhob sich zunächst 
CataldoJanelliin dem Journal II progresso delle sctenee, deüe lettere 
et delle Arü vol. VIII. p. 36 ff. [Napoli 1834.], und deutete das Gemaide 
zwar auf die Alexanderschlacht am Granicus, wollte aber die barba- 
rischen Reiter nicht für Perser, sondern für Lyder, Phryger und etwa 
medische Hyrkaner angesehen wissen , weil sie keine Tiaren , sondern 
nur Citren tragen, und verneinte, dass der Bogenführer auf dem Wagen 
Darius sei, weil derselbe nur eine gewöhnliche Tiara, nicht die spitze 
und mit einem Busch versehene Tiara oofhj der persischen Konige und 
ebensowenig die diesen zukommende Tonica fUöoXtv*n trage, * und weil 
die Biga für den König ebenfalls zu gering sei, der wenigstens auf einer 
Quadriga fahren müsse« Darum erkannte er in dem fahrenden Bogen- 
fuhrer den phrygischen Satrapen Arsites oder Arsamenes und in dem nie- 
dergestossnen Reiter den hyrkanischen Feldherrn und ionischen Satrapen 
Spitrobates oder Mithridates. Noch weiter wich der Graf von Pal in 
ab und wollte die Schiacht auf einen Kampf des Ventidius mit dem parthi- 
schen Königssohne Pacorus deuten. Eine andre Bekämpfung der An- 
sichten von Avellino, Quaranta, Niccolini, Bönucci u. A. enthalt die 
Schrift: R gran Musnico Pompejano spiegato) eritiche osterwSin quanto 
into'mo a quello « e finora scritto , descr. di altri capolavori (Carte , dl 
Gius. Sanchez [Napoli 1835.], deren Verfasser den Kampf des 
Hektor und Achill am skäiseben Thore nach der Beschreibung des Dictys 
Cretensis auf dem Mosaik dargestellt sein lasst. Vor ihm hatte der 
römische Gelehrte Luigi Vescovali in dem Diseorso sul gran Mu- 
Boico di Pompeji, letto alla Pont. Accademia di Archeol. Ü di 15. Decemb. 
1832 sogar schon geleugnet, dass die barbarischen Reiter überhaupt 
Orientalen sein konnten, und das Gemälde für einen Kampf zwischen 
Griechen und Galliern bei der Flucht der letztern vor Delphi erklart. 
Und dieser zuletzt erwähnten Deutung nähert sich die Erklärung des 
Hrn. Prof. Schreiber* Er beweist sehr geschickt, dass die beiden 
Hauptgestalten des Bildes , der Bogenschütze auf dem Wagen und der 
N. Jahrb. f. PkU. u. Päd. od. KrU. BiU. Bd. XL. Hfl. % 14 



210 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

ansprengende Reiter, nicht Darin» and Alexander sein können, weil bei- 
den der von allen Künstlern des Alterthums anerkannte Typus fehlte find 
weil überhaupt nicht der Bogenschütze, sondern der Durchstochene der 
Mittelpunkt des Gemäldes ist,' — was ein arger Verstoss des Künstlers 
sein würde, wenn er eine Dariusscblacht hatte darstellen wollen. Dagegen 
erkennt er aus den Kleidern, Waffen, Heergerathen und Verzierungen 
die Darstellung eines Kampfes zwischen Romern und Kelten, und sucht 
darzutbuik, dass die Kapuzen der fliehenden Barbaren und die buntgegit- 
terten Stoffe ihrer Kleider nothwendig auf Gallier hinweisen , indem die 
erstem ganz mit der Kopfbedeckung der Abendländer im Mittelalter zu- 
sammenträfen und buntgegitterte Stoffe noch jetzt den Nachkommen der 
Kelten in Hochschottland eigentümlich seien. Ja selbst das Fähnlein, 
das den fliehenden Kriegern als Heerzeichen diene , sei oben mit einem 
Hahn geschmückt gewesen, der jetzt wieder die Banner der Franzosen 
ziere. Und somit wird das Gemälde zur Darstellung eines Römersiegs 
im Kriege der insubrischen Gallier gegen die romischen Consuln Mar-* 
cellus und Cornelius. Die Insubrer hatten nämlich das streitbare Bruder- 
volk der Gäsaten über die Alpen herüber zu Hülfe gerufen , und der Gä- 
satenkonig Virdumar machte 220 v. Chr. mit 10000 Mann einen Verhee- 
rungseinfall in das romische Gebiet. Marcellus zog ihm mit geringer 
Macht entgegen, traf ihn bei Clastidium, südlich von Pavia, und erfocht 
einen glänzenden Sieg, indem er gleich zu Anfange des Treffens eigen- 
händig den Konig Virdumar erschlug und dadurch die Gallier in Bestür- 
zung und in die Flucht jagte. Dieser Consul Marcellus nun ist der an- 
sprengende Reiter auf dem Mosaikbilde, und der Niedergestochene also 
der König Virdumar. Marcellus , der ein Freund der Kunst war und die 
R$mer, wie er sich selbst rühmte, durch die aus Syrakus fortgeschleppten 
Kunstschätze zum Kunstsinn erweckt hatte, mag durch einen griechischen 
Maler jenen Sieg über Virdumar für seinen Triumphzug haben darstellen 
lassen, und dieses Gemälde hat wahrscheinlich ein Bewohner Pompejis 
darum einer Nachbildung für werth erachtet, weil er es in Beziehung zu 
dem Jüngern Marcellus, dem frühverstorbenen Schwiegersohne August's, 
bringen wollte. Dies ist der Hauptinhalt der Deutung des Hrn. Sehr., 
welche er überall in sehr gelehrter Weise erhärtet hat. Um sie glaublich 
zu finden , muss man freilich zuvorderst mit dem Verf. darin einverstan- 
den sein, dass die Kelten ein so hoch gebildetes und „in Technik und 
Geheimlehre" ausgezeichnetes Volk gewesen sind, als er voraussetzt. 
Die Nachrichten, welche wir bei Cäsar über die Gallier finden, wollen 
allerdings nicht recht zu dem reichen Schmucke und zu der guten Bewaff- 
nung passen, womit die Barbaren - Reiter des Mosaikbildes versehen sind. 
Namentlich widerstreiten die reichgeschirrten Pferde und der kunstvolle 
Streitwagen , auf welchem der Bogenschütze flieht , und nach beiderlei 
Beziehungen scheint der dargestellte Kampf immer noch in den Orient zu 
gehören, wenn auch die Beziehung auf Darius und Alexander durch die 
vorliegende Schrift ziemlich schwankend geworden ist. Darf man auf die 
Gesichtsbildnng der kämpfenden Barbaren und auf den Umstand , dass es 
ein Reitergefecht ist, etwas geben; so scheint es, als sei auf dem Ge- 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 211 

mälde vielmehr % ein Kampf zwischen Römern und.Numidiern oder Mauri- 
taoern dargestellt, [J.] 



Artemis Hymnia und Apollon mit dem Armband, eine Spiegelzeich- 
nung , herausgegeben von Emil Braun. [Rom 1842. IV u. 8 S. Fol.] 
Auf einem etruskischen Metalispiegel sind zwei Figuren, eine männliche 
und eine weibliche , mit den Beischriften AP VL V und ARTVMES ein- ' 
geritzt, welche sich einander gegenübersitzen. Die männliche trägt ein 
Armband um den linken Arm, die weibliche spielt die Lyra und hinter ihr 
steht ein Körbchen , zwischen beiden aber hängt ein Kranz. Diese Fi- 
guren erklärt Hr» B. wegen der Beischriften für Artemis und Apollon, 
and erkennt aus dem Armbande und dem Kranze, sowie aus dem Gegen- 
übersitzen der Figuren , dass eine Hochzeitsscene dargestellt sei. Weil 
nun Eustath. z. II. XX, 70. p. 1197. sagt : xa#' "Outjqov usv xccciyvrjrr] 
'AnoUcovoe Jj'AftBiuf, natu tivag de (pvamatioovs yvvn , so folgert er 
daraus, dass auf dem Spiegel ebenso eine Vermählung des Apollo und 
der Artemis vorgefahrt sei, wie er in seiner Schrift über den Tages 
[München 1839. Fol.] bereits aus einer andern alten Zeichnung eine ehe- 
liche Verbindung zwischen Herakles und Pallas Athene hat darthun wollen. 
Natürlich wird nun auch angenommen, dass in irgend einem griechischen 
Localmythos Apollon und Artemis als eheliches Paar gedacht worden sein 
möchten. Der Leier wegen erkennt er in der Artemis eine Artemis 
Hymnia, welche nach Pausanias VIIT, 13, 1. in Arkadien verehrt wurde, 
aber dort freilich eine durchaus jungfräuliche Göttin ist, wie die Angabe 
des Pausanias beweist, dass ihre Priester in der strengsten Kenschheit 
leben mussten. Darum hat auch Müller in den Doriern I. S. 372, das 
'Tfiy/a fälschlich für gleichbedeutend mit 'Tpivaia anfgefasst.' Die Be- 
weise , welche Hr. Br. für die eheliche Verbindung der Artemis mit 
Apollo vorbringt , sind mit Ausnahme der Angabe des Eustathius nur auf 
die Attribute des erwähnten Spiegelbildes gebaut, und darum natürlich 
mehr als schwankend. [J.] 



Zu den merkwürdigen etruskischen Gräbern bei Castel d'Asso, 
Norchia und Bilda, welche bisher namentlich wegen ihrer architektonisch 
verzierten Facaden für einzig in ihrer Art angesehen wurden , hat man 
sehr ähnliche in den toskanischen Maremnen nahe bei Sovana [ehemals 
•Suana] gefunden, über welche der Kunstler Aisley eine Schrift heraus- 
zugeben gedenkt. 

• 'In Algier ist , nach einer Mittheilung von Lenormant im Joornal des 
Dlbats , eine wohlerhaltene Marmorbüste mit königlicher Stirnbinde ge- 
funden worden, welche den letzten König von Mauritania Tuigitana, 
Ptolemaus, welcher 20 n. Chr. zur Regierung kam, vorzustellen scheint, 
da die Gesichtszüge auffallende Aehnlichkeit mit dem auf Münzen vor- 
kommenden Kopfe diaaes König» haben solleu. Die Büste wird in das 
kön. Mnseum nach Paris gebracht werden; 



14* 



212 Schul- und Universitätsnachrichten, 

Schal- und Umversitätsnachrichten, Beförderungen 
und Ehrenbezeigungen. 



Athen« , Nach dem Rechenschaftsberichte , welchen der abgehende 
Universitätsrector Archimandrit Michail JpostoUdes, bei Uebergabe des 
Rectorats an seinen Nachfolger Professor Mopias, am 30. Sept. 1843 in • 
der Plenarsitinng des akademischen Senats abstattete , war die Univer- 
sität damals von 142 Stndirenden besucht« von denen 49 im Studienjahr 
1842 — 43 neu eingetreten waren und 15 der theologischen, 42 der juri- 
dischen, 43 der medicinischen und 42 der philosophischen Facultat 
angehörten. 

Berlin. Im Ministerium der geistlichen« Unterrichts- und Medi- 
cinalangelegenheiten sind seit vorigem Jahre die Geheimen Regierungs- 
rathe Dr. Brüggemann und Dr. Euere • sowie der bisher commissarisch 
beschäftigte Regierungsrath Tzschimer zu vortragenden Räthen, der 
letzte mit dem Charakter eines Geh. Oberregierungsrathes ernannt« und 
derselbe Titel und Rang ist auch dem Geh« Regierungs - und vortragen- 
dem Rathe Credi ertheilt worden. Der Consistorialrath und Hofprediger 
Dr. Snetklage ist zum Oberconsistorialrath bei demselben Ministerium 
ernannt; im kon. Consistorium der Prediger Dr. Pischon mit dem bei- 
gelegten Titel eines Consistorialrathes seines Dienstverhältnisses als As- 
sessor entbunden , dagegen die Universitätsprofessoren Oberconsistorial- 
rath und Hofprediger Dr. Stroms , Oberconsistorialrath Dr. Twesten und 
Dr. Hengstenberg zu wirklichen Mitgliedern desselben erwählt worden« 
Der Architekt von Quast ist mit dem Rang und Titel eines kon. Bauraths 
zum Conservator der Kunstdenkmale des Königreichs ernannt • und hat 
deshalb bereits im vorigen Jahre die Provinzen desselben zu bereisen 
angefangen, um diese Denkmäler zu untersuchen und für deren Erhaltung 
oder Wiederherstellung Sorge zu tragen. Dem Bischof Dr. Boss ist der 
Stern zum rothen Adlerorden 2. OJasse mit Eichenlaub, dem Prediger 
Moliere und dem Superintendenten Pelkmann der rothe Adlerorden 2. Cl. 
mit Eichenlaub verliehen worden. Die Akademie der Wissenschaften hat 
den Gesandten der Verein« Staaten von Nordamerika in Berlin JFheaton 
zum Ehrenmitgliede gewählt« aus dem Nachläse des verstorbenen Dr. 
Werneck in Salzburg die von demselben nach mikroskopischen Forschun- 
gen gemachten Zeichnungen und Beschreibungen um den Preis von 100 
'Ducaten angekauft, dem auf einer wissenschaftlichen Reise begriffenen 
Naturforscher Morüz Wagner zur Fortsetzung seiner Forschungen eine 
Unterstützung von 500 Thlrn. und dem Professor Koch aus Jena und 
dessen Begleiter Dr. Rosen aus Berlin für die wissenschaftliche Reise 
nach dem Kaukasus 1000 Thlr. bewilligt, wozu Se. Maj. der König noch 
andre 1000 Thlr. aus Staatsfonds hinzugefugt haben. Für die kon. Biblio- 
thek ist 1842 die bedeutende Sammlung von Sanskrit -Mannscripten des 
Sir Robert Chambers um den Preis von 1250 L. St. angekauft worden. 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 213 

und der Amanuensis der kaiserl. Höfbibliothek in Wien von Kmrqjmn bat 
für dieselbe auf seine Kosten eine Abschrift der Wiener Handschrift Ton 
Hans Jacob Fugger's Oestereicbischem Ehrenwerke in 8 Foliobanden ma- 
chen lassen und dafür von Sr. Maj. dem Konige die grosse goldene Me- 
daille für Wissenschaft erhalten« Der Oberbibliotbekar, Geh. Oberre- 
gierungsrath Dr. Pertz ist zum ordentl. Mitgliede der philos; Classe der 
Akademie der Wissenschaften erwählt , dem Bibliothekar Dr. Spicker von 
Sr. Maj. dem Konige von Frankreich das Ritterkreuz des Ordens der 
Ehrenlegion verliehen, dem Custos bei der Musikaüenbibliothek Dr. Dähn 
eine jahrliche Besoldung von 500 Thlrn. ausgesetzt worden. Auf der 
Universität studirten im Winter 1842—43 1746 Studenten [536 Ausl., 
385 in der theol., 545 in der jur., 355 in der medicin. und 461 in der 
philos. Facultat] und 411 nicht immatriculirte Zuhörer, im Sommer 1843 
1554 Studenten [264 Inl. und 93 Ausl. in der theol., 339 Inl. u. 137 Ausl. 
in der jur., 235 Inl. u. 91 Ausl. in der medicin. und 260 Inl. n. 135 Ausl. 
in der philos. FacJ und 434 nicht Immatriculirte, und im gegenwartigen 
Winter sind ausser 437 nicht Immatriculirten 1656 Studenten [343 mit 
94 Ausl. in der theol., 550 mit 156 Ausl. iu der jur., 320 mit 100 Ausl. 
in der med. und 443 mit 157 Ausl. in der philos. Facultat] anwesend. 
Für dieselben lehren in der theol. Facultat 5 ordentliche , 1 Ehren - und 
4 aus8erord. Professoren und 5 Privatdocenten , in der Jurist. 6 ordentl. 
und 4 ausserord. Professoren , 1 Akademiker und 6 Privatdocc. , in der 
medicin. 14 ordentl. und 11 ausserord. Proff. und 12 Privatdocc. , in der 
philos, 30 ord. und 27 ausserord. Proff. und 29 Privatdocc. Vgl. NJbb. 
35, 103. In der theol. Facultat ist der ausserord. Prof. Dr. Joh. Joaeh. 
Beüermann am 25. Oct. 1842 verstorben, der Licent. F, Piper ausserord. 
Professor geworden, und statt des ausgetretenen Licent. Philippi haben 
sich die Licent. Just» Ludw. Jacobi, Kahnis, Schaf und Reuter als Do- 
centeh habilitirt. Aus der Juristen - Facultat Ist der ausserord. Prof. 
Dr. F. A. von Woringen als ordentl. Prof. des Strafrechts nach IFrbi- 
burg gegangen, der Privatdoc. Dr. Sehneider zurückgetreten, und der 
vor kurzem verstorbene Dr. Eüendorf hat nicht, wie NJbb. 35, 103. an- 
gegeben ist, zu dieser Facultat gehört. Der frühere Prof, in Dorpat, 
Hofrath Dr. von Madai, welchem die Erlaubniss zu Vorlesungen ertheilt 
worden war, ist vor kurzem nach Wiesbaden in die Dienste des Her- 
zogs von Nassau berufen worden. An Savigvy's Stelle ist seit Michaelis 
1842 der Prof. Dr. Georg Frkdr. Puchta aus Leipzig mit dem Titel eines 
Geh. Justizrathes eingetreten, der Privatdoc Dr. Freiherr von Richt- 
hof en 1843 hat eine ausserord. Professur erhalten, und der Dr. Ihermg 
hat sich als Privatdoc. habilitirt. Der ordentl. Professor Dr. Fr. Jul, 
Stahl hat 1841 pro loco in Ictorum ordine rite obtinendo das Programm 
De matrimonio ob errorem rescindendo [19 S. gr. 4.] in herkömmlicher 
Weise vertheidigt. In der medicin. Facultat ist der Privatdoc. Dr. C. 0. 
MHseherUch zum ausserord. Prof. ernannt, der Medicinalrath Dr. E. A. 
Gräfe hat wieder angefangen als Privatdoc. Vorlesungen zu halten , und 
die Dir. L. Böhm, C. B. Reichert und J. Schöller sind neue Docenten 
geworden. Jedoch hat der als Prosector fungirende Dr. C. B. Reichert 



314 Schul- und Universitätsnachrichten, 

yor kurzem einen Ruf als ordentl. Prof. nach Dorpat angenommen. Der 
Geb. Medicinalrath Dr. Bares ist zum Geh* Obermedicinalrathe ernannt, 
die Geh. Obermedicinalrathe Dr. Busch und Dr. Schönlein haben den rus- 
sischen St. Wladimirorden 3. Ciasse, nnd der Geh. Medicinalrath Dr. 
Dieffenbach den russischen St. Annenorden 2. Classe erhalten. Der Pro- 
fessor Dr. Chr. Gottfr. Ehrenberg schrieb 1841 pro loco in facult. obti- 
nendo : De tmjrrhae et opotalpasi ab Hemprichio et Ehrenbergio in itinere 
per Arabiam et Habessiniam detectü planus part. I. [6 S. gr. Fol.] Am 
zoologischen Museum sind im yor. Jahre der Privatdoc. Dr. Troschel und 
der Dr. Friedr, Stein als zweiter and dritter Custos angestellt , letzterer 
aber vor kurzem zum fünften ordentl. Lehrer an der städtischen Gewerbt 
schule ernannt worden. Für den botanischen Garten nnd die Herbarien 
in Schoneberg ist die Dotation jahrlich um 2015 Thlr. aus Staatsfonds 
vermehrt. Aus der philos. Facultät ist der Privatdocent Dr. JFilh. Mar* 
chand ak ausserord. Prof. der Chemie nach Halle, der Privatdocent 
Dr. F. Minding als Prof. der angewandten Mathematik nach Dorpat, 
der Privatdoc. Dr. Franz Vorländer als Prof« nach Marburg gegangen, 
der Dr. Seebeck zurückgetreten , nnd der ausserord. Prof. Dr. Lepsin* 
auf einer Reise in Aegypten abwesend, Der orjdentl. Prof. Dr. Dove hat 
vor kurzem einen Ruf an die Universität in Freiburg erbalten nnd wird 
denselben annehmen. Dagegen sind die Professoren Dr. P. A. Huber von 
Marburg und Dr. Geher von Basel als ordentl. Professoren berufen, 
der Archäolog des Musenms Dr. Ed. Gerhard und der Assistent bei der 
Sculptnrengallerie Dr. Panofka zu ausserord. Professoren ernannt, die 
Drr. phil. A. W. F. Schultz, L. George, K. Rammeisberg, E. Be&rich, 
Oybulski, Nie. Delhis, Karl Fortlage, Simon, Theod. Mundt, Hirsch, 
Märker, Schmolders, Helfferich, Curtius, Gumprecht und J. O. Ellendorf 
als neue Docenten eingetreten , nnd auch die Akademiker Dr. Encke und 
Dr, Joe. Grimm und der Geh. Rath Dr. von Schellin g halten Vorlesungen* 
Letzterer hat den Rang eines Rathes der ersten Classe, den Charakter 
eines wirklieben Geh. Oberregierungsrathes und die Erlaubniss zur Fort- 
führung des Pradicats als Geh. Rath erbalten. Dem Regiernngsrathe 
nnd Prof. von Raumer. ist das Pradicat eines Geh. Regierungsratb.es, 
dem Geh. Medicinalrath Professor Dr. P. Ermann der rothe Adlerorden 
2. Classe mit Eichenlaub, dem Geh. Regiernngsrathe Prof. Steffens der 
rothe Adlerorden 3. Classe mit der Schleife, dem ausserord. Professor 
Dr. Helving eine Gehaltszulage von 300 Thlrn., dem Geh. 'Oberregie- 
rangsrathe Prof. Dieterici nnd den Proff. Dr. Ranke und Dr. Magnus das 
Ritterkreuz des würtembergischen Kronenordens, dem Geh. Regierungs- 
ratbe Prof. von Raumer der franzosische Orden der Ehrenlegion ver- 
liehen worden. Statt des verstorbenen Professors Dr. von Seymour ist 
der Dr. SoUy zum Lector der englischen Sprache . ernannt. Von den 
zahlreichen Universitätsschriften sind dem Ref. nqr einzelne bekannt' 
worden. Im Prooemium zum Index scholarum für das Winterhalbjahr 
1841 — 42 hat der Geh. Oberregierungsrath Prof. Dr. Boeckh die Frage 
erörtert, ob die griechischen Tragiker immer nur Tetralogien oder auch 
einzelne Stucke auf die Buhne gebracht hätten. Zuvorderst ist die mehr- 



Beförderungen nnd Ehrenbezeigungen. 215 

fach aufgestellte Ansiebt, dass nur dann vier Stucke einer tragischen 

Didaskalie Tetralogie geheissen , wenn sie, wie z. B. die.Lykurgie des 
Aescbylos , den zusammenhangenden Verlauf Einer Geschichte dargestellt - 
hatten, und dass dagegen der Name Trilogie nur auf den Zusammenhang 
der 3 Tragödien hinweise, als unbegründet verworfen und die Erklärung 
des Tfarasyllos bei Diog. Laert. HI, 56. festgehalten. * Sodann folgert der 
Verf. aus den Worten des Suidas über Sophokles: x«l avro? r*o|e tov 
doapee noog doccfia crya>VL&o&ca , aXla un % tetoaloytctv , Sophokles habe 
zuerst die Einrichtung herbeigeführt, dass man nicht mehr mit Tetra- 
logien, sondern mit Tragödie gegen Tragödie kämpfte und also jedes 
einzelne Stuck dem Urtheil unterworfen wurde und für sich den Sieg 
davon tragen konnte. Dieser Kampf mit einzelnen Tragödien soll beson- 
ders an den Lenäen stattgefunden haben, wofür die Worte Piatons, ors 
tjj nQcaty zoaytpBia ivfarioev 'Ayd&tov , bei Athen. V. p. 217. A, als Be- 
weis benutzt worden sind. In dem Prooemium zu dem Verzeichnis» der 
Sommervorlesungen 1843 hat derselbe Gelehrte auf 8 S. 4. aus Sophocl, 
Oedip. Col. 117 — 206. die Vertheilung des Chorgesanges an die einzel- 
nen Cboreuten erörtert unjl ist darin im Allgemeinen der Ansicht Her- 
mann^ beigetreten, nur dass er die Verse 139. und 141. A», Im, d§ivog 
fikv oqäv , dswog öe tlXvblv — Zsv ccXs£tjtoq , xlg od* 6 nqiaßvg , nicht 
an zwei Personen vertheilt, sondern Einem Choreuten zuweist, wodurch 
der ganze Chorgesang symmetrischer in 15 Kommata gebracht und der 
Uebelstand beseitigt ist, dass der Halbchor erst aus acht und dann aus 
sieben Personen bestehen soll. Die von Hermann anapästisch gemesse- 
nen Verse sind zu choriambischen gemacht, was mehr zur zweiten Hälfte 
des Chorgesangs passt. Die Verse 207 — 254. will Bockh nicht, unter 
15 Personen , sondern nur unter 7 Choreuten vertheilt wissen , hat aber 
diese Vertheilung nicht weiter nachgewiesen. Im Verzeichnis» zu den 
Wintervorlesungen 1843 — 44 sind auf 10 S. 4. Nachtrage zu den metro- 
logischen Untersuchungen mitgetheilt, und namentlich wird der Unter- • 
schied zwischen Xixqa und fivä durch genauere Abschriften der Tauro- 
menitanischen Inschrift [Metroi. S. 294 ff.] bestätigt und aus Vitruvius 
und Heron. BsXoitowKu p. 142. bekräftigt, sowie über die Verschieden- 
heit des Munzfusses in Italien und Sicilien weiter verhandelt. Die latei-i 
nischen Reden, welche Hr. Prof. Bockh zum Geburtstage des König« 
gehalten hat, sind gedruckt erschienen, und von ihnen ist besonders die 
am 15. October 1842 gehaltene [und auch in deutscher Uebersetzung 
unter dem Titel: Rede zur Feier des Allerh. Geburtstages Sr. Maj. des 
Königs Friedr. Wilhelm IV. in der Fr. W. Universität zu Berlin gehalten 
von A. Bockh) aus dem Latein, übersetzt von Dr. Driesen. Berl., Springer; 
1842. erschienene] zu beachten, weil sie in echt freisinniger und beredter 
Weise die wahre Liebe zum Vaterlande und zum Fürsten schildert. Vgl. 
Deutsche Jahrbb. 1843 Nr. 6. S. 21 — 24. Am 3. August 1843 wurde 
von der Universität die Gedächtnissfeier zur Erinnerung an den verstor- 
benen König Friedr. Wilhelm III. begangen und der von dem derzeitigen 
Rector Geh. Regierun gsratb Friedr. von Raumer gehaltene und später im 
Druck erschienene Vortrag [Leipzig, Brockhaus. 1843.] schildert den 



216 Schul- und Universitätsnachrichten, 

bodenlosen Zustand Preussens unter dem Ministerium Hardenberg'«, um 
diesen Staatsmann gegen erhobene Anklagen zu rechtfertigen und die 
weise Besonnenheit des Königs anzudeuten. Zu Ehren des zum Minister 
ernannten Professors von Savigng hat die Universität am 2« Mai 1842 ein 
besonderes Fest gefeiert und die Juristenfacultät dazu ein sehr wichtiges 
Programm herausgegeben: Qtunti et Marei Minueiorum sententia inter 
Genuat€8 et Feturios dicta. Firo Ulustr. et excelL Frid. Chr. de Savigng, 
Aug. Borussiae Regie Ret ludiciariae et Legutn ferendarum emendanda- 
rumque Administro Inthno , mandatum a Rege Potent, illustre officium ex 
deereto Ordinis Ictorum BeroUnenrium ut gratularetur, edidit et ülustravit 
Ad. Aug. Frid. Rudorff, iur. utr. D. P. P. O. ordinis b. t Decanus. 
[Berlin , Dummler. 1842. IV u. 20 S. gr. 4.] Die hier besprochene , im 
Handelstribunale zu Genua aufgehangene Erztafel ist bekanntlich schon 
oft abgedruckt, aber noch nicht gehörig erklärt und namentlich in ihrer 
juristischen Bedeutung sehr vernachlässigt worden, indem auch ihr gründ- 
lichster Erklärer, der Marquis Serra in Genua, sie nur für topographische 
Erörterungen benutzt hat. Darum hat Hr. R., nachdem er die Geschichte 
ihrer Auffindung und Aufbewahrung erzählt, über Gestalt und Schrift sich 
verbreitet und die reichhaltige Literatur über dieselbe zusammengestellt 
bat, deren Text nach Serra S. 4 — 7. wieder abdrucken lassen, den Inhalt 
erörtert und namentlich die Minutii qui sententiam dixerunt auf das Sorg- 
fältigste besprochen und eine genaue juristische Deutung derselben hinzu- 
gefugt. Am 9. December 1843 feierte die archäologische Gesellschaft 
Winckelmann's Geburtstag und als Festprogramm dazu erschien i Die Hei- 
lung des Telephos von Ed. Gerhard. Nebst einer Abbildung. Es ist dies 
die Zeichnung eines dem Prof. Gerhard gehörigen etruskischen Metall- 
spiegels von seltener Schönheit in Hinsicht auf Erfindung und Ausfuhrung 
des Gemäldes, welches die Heilung des Telephos durch Achill'* Speer 
darstellt, wobei Achill emsig um den Telephos besorgt und Agamemnon 
* als Ordner des Ganzen anwesend ist. Gerhard erklärt das Gemälde und 
vermuthet, daas es eine Nachbildung eines Gemäldes von Parrhasios sein 
könne. Von den in den letzten Jahren zur Erlangung der philosophischen 
Doctorwürde erschienenen Dissertationen sind hier zu den bereits in dem 
bibliographischen Verzeichniss unsrer NJbb. 39. Hft. 4. erwähnten noch 
nachzutragen: DissertaUo de Cratylo Piatonis von Ernst Moritz Dittrich 
aus Görlitz [Berlin 1841. 40 S. 8.]; Diss. JdsU quibus causis factum sie, 
ut legum ferendarum in ecclesia catholica potestas solis Romanis pontificir 
hus deferretur von Joh. Otto Ellendorf aus Westphalen [1841. 118 S. 8.]; 
De vita Aeschinis oratoris pars prior von Friedr. Ewald Stechow aus Span- 
dau [1841. 17 S. 4., ist später auch als vollständige Schrift erschienen, 
s. NJbb. 35, 289 ff.] ; Quaestiones lexicales de radicibus Graecis von Mari. 
Jos. Savelsberg aus Aachen [1841. 59 S. 8.] ; Diss. de personarum usu in 
iudis ecenkis apud Romanos von Beruh. Wüh. Holscher aus Husum in 
Westphalen [1841. 60 S. 8.]; Emendationes Iulianae von Joh. Horkel aua 
Berlin [1841. 54 8. 8.]; Diss. de mancipiorum commerdo apud Romanos 
▼on Georg Böger aus Berlin [1841. 36 S. 8.]; Diss. de Dinarchi Attici 
oratoris vita et dictione von Joh. Gli. Herrn. Adler aus Schlesien [1841. 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 217 

46 S. 8.]; Specim. dt»«, de fdbula Romanorum palliata et togata, quae 
inprimu sie vocantur, van Heinr. Gu*U Pohl aus Pommern [1841. 45 8. 
8.]; Findiciarum quatuor primorum Poloniae regum speeimen von PhÜ. 
jint. Dethier aus Kerp [1841. 28 S. 8.] ; Du«, de ramis tnfinitk curvarum 
ätgebraicarum ordink IF. von Witold Milewski [1842. 82 S. gr. 4.]; Diss. 
de compositione fossUiam Edsebergitkr Scapolithi et Mejonith von Em. 
Theod. Wolff [1843. 46 8. 8«]; Imponderabüium, praesertim elcctricüatia 
theoria dynumica, cum appendice de imaginibus, quae face, ealore, etectri- 
citaie proereantur. Dks. inaug. physica von Gast Karaten ans Berlin 
[1843. 48 S. gr. 4.]. Ausfuhrlicher erwähnt Ref. Wüh. WattenbacK* 
Doctordissertation De quodringentorum Athenk f actione [Berlin b. Besser« 
1842. 68 8. gr. 8. 10 Ngr.], eine auf genaue Beachtung des Thukydides 
gestutzte Untersuchung über die Volksbewegungen in Athen nach .der 
sicilischen Katastrophe , die sich namentlich auch durch klare Darstellung 
auszeichnet. Kruger und Droysen und nach ihnen Scheibe und Vischer 
haben die Vermuthung aufgestellt, dass der Umsturz der Volksregierung 
in Athen am Ende des peloponnesischen Kriegs durch geheime Umtriebe 
einer antidemokratisch - oiigarchischen Partei vorbereitet worden sei, 
deren Existenz znr Zeit der Schlacht bei .Tanagra Thukydides bezeugt 
habe. Büttner und K. Fr. Hermann in den Berl. Jahrbb. f. wiss. Krit. 
1842 Nr. 16 — 19. hatten aber schon dagegen geltend zu machen gesucht, 
dass die Hetarien nach Perikles' Tode nur als Vereine erschienen, welche 
ohne Staatspläne blos personliche Vortheile im Auge hatten und höchstens 
in dem Falle mit den Staatsangelegenheiten sich beschäftigten, wenn sie 
einen ihrer Führer an's Ruder bringen wollten. Wattenbach beweist nun 
des Weiteren, dass in den Bewegungen nach der sicilischen Katastrophe 
nirgends eine Spur von antidemokratischer Tendenz zu finden sei, dass 
in Thukydides nirgends von einer oiigarchischen Partei vor Einsetzung v 
der Probulen die Rede, und dass dieselbe erst mit der Verschworung 
in'» Leben getreten zu 'sein scheine, die unter Alkibiades' Einfiuss zur 
Errichtung einer oiigarchischen Regierungsform angestiftet wurde* Zur 
weitern Begründung dieser Ansicht sind die Ereignisse in Athen von der 
Wahl der Probulen an bis zum Umsturz der Herrschaft des Rathes der 
Vierhundert genau nach Thukydides dargestellt. Vgl. Curtius in Jahrbb« 
f. wiss. Krit. 1843, I. Nr. 95. Die Dissertatio inaug. De SophocUs Scho- 
liorum Laurentianorum varik lectionibus von Gust. Georg Wolff aus Ber- 
lin [Leipz. 'gedr. b. Andrä. 1842. 38 S. gr. 8.] ist später in erweiterter 
Gestalt in den Buchhandel gekommen, und enthält eine sehr fleissige und 
gelehrte Untersuchung über Entstehung, Zusammensetzung und kritischen 
Werth dieser zuerst in der Edit. Romana a. 1518. und dann in vollstau- 
• digerer Gestalt von Gaisford herausgegebenen Schollen , bei denen der 
Verf. erst die verschiedenartigen Bestandtheile und die Mittel zu ihrer 
Erkenntniss nachweist , die Spuren der mehreren Grammatiker , welche . 
sie erweitert haben, verfolgt, im Allgemeinen aber den Didymus als 
Hauptverfasser darzustellen und die von ihm benutzten Quellen zu 
erforschen sucht, dann aber in einem zweiten Theil, von dem nur der 
Anfang in der Dissertatio enthalten ist,, den kritischen Gebrauch der 



319 Schal- and Universitätsnaohrichten, 

Schollen für die Teitesverbesierung des Sophokles in den verschiedenen 
Anwendungen und weit allseitiger , als es von Wnnder geschehen , be- 
spricht und im Einzelnen verfolgt, dabei natürlich auch eine grosse An- 
zahl von Stellen des Sophokles kritisch erörtert. Auch die Ephenaca von 
Ernst Guhl [Diss. inaug. 1813. VI n. 34 8. 8.] sind in erweiterter Gestalt 
[Berlin, Nicolai. 1843. XVI u. 210 S. 8] in den Buchhandel gekommen, 
und bringen eine fleissige Untersuchung über die Geographie, Geschichte, 
Götterculte, Literatur und Kunst von Ephesus, umfassen die Geschichte 
von der ältesten Zeit bis zum Jahr 41 v. Chr M verhandeln in dem Ab* 
schnitt über 'die Gotter und Tempel besonders über die Diana Ephesiaca, 
deren ältester Name Opis gewesen sein soll , und sind namentlich wegen 
der reichen Zusammenstellung des Materials eropfchlenswerth, wenn auch 
der Verf. den Forschungen seiner .Vorgänger Öfters zu schnell und zu 
bereitwillig vertraut und für Verfassung und Regierung der Stadt Böckh's 
Corpus Inscrr. Graec. nicht genug ausgebeutet hat. Die Dissertatio 
inaug. De Odgsscae libro undecimo quaetUonum caput primum von Jul. 
Fr*. Lauer aus Tanglim in Pommern [1843. 25 S. gr. 8.] ist der Anfang 
einer auf Wolfs Ansichten gestützten Untersuchung über die Entstehung 
der homerischen Gedichte aus verschiedenen einzelnen Gedichten, welche 
daher mit allgemeinen Erörterungen über diese Entstehung anhebt und 
die Widersprüche und Interpolationen theils aus der Verbindung Ursprung« 
lieh getrennter (Sedichte, theils aus den bei der gemachten Verbindung 
nothig gewordenen Einschaltungen, theils aus zufalligen Erweiterungen 
der Rhapsoden ableitet. Der Verf. will vornehmlich das 11. Buch der 
Odyssee als ein vielfach interpolirtes nachweisen, und versucht es zu- 
nächst an der Erzählung von Elpenor Vs. 51 — 83., welche weder zum 
Zwecke des Buches passe noch sonst mit dem Gange des Ganzen in Ein- 
klang stehe und darum spätem Ursprungs sein möge. [J.] 

Bonn. Bei der Universität ist der Privatdocent Dr. Ludw. Urltehs 
zum ausserordentl. Professor der philosophischen Pacultät für das Fach 
der Archäologie und alten Geschichte ernannt worden, und kurz vorher 
haben die Professoren Geh. Hofrath Dr. Harless, Dr. Dies und Dr. Ritter, 
sowie die Privatdocenten Licent. Kinkel, Dr. Folkmuth und Dr. ürlichs 
eine Remuneration von je 100 Thlrn. , die Privatdocenten Dr. Birnbaum 
und Dr. Heimsoeth eine gleiche von je 50 Thlrn. erhalten. Dem ausser- 
ordentlichen Professor Dr. Schopen ist als solchem ein Jahrgehalt von 
JQO Thlrn., als Gymnasiallehrer eine Gehaltszulage von 100 Thlrn. be- 
willigt und dem Professor Dr. Freytag von Sr. Maj. dem Könige bei 
Ueberreichung seines Werkes: Arabum proverbia, ein Zuschuss von 
200 Thlrn. zur weitern Herausgabe arabischer Werke gewährt worden. 

Braunsberg. Am dasigen Lyceum regium Hosianum haben für das 
gegenwärtige Winterhalbjahr in der theologischen Facultät die ordentl. 
Professoren Dr. Ant. Eichhorn und Dr. Pet. Theod. Schwann, in der 
philosophischen Facultät die ordentl. Professoren Dr. Mar. Gideon Ger- 
lach [Directer des Gymnasiums] und hör. Feldt und der Privatdocent 
Max. TrüUchel Vorlesungen angekündigt. Der Professor der Theologie 
und Regens des bischoflichen Priesterseminars Dr. Kart DUtcrs von DU- 



Beförderungen and Ehrej)bez.eigungen. 219 

iersdorf ist im vorigen Jahre mm Doracapitular an der Kathedralkircbe 
in Frauenburg^ernannt worden. Im Index lectionum per kiemem a. 1843 
— 44. inrtituendarum stehen : Dr. Law. Feldtii Observatwne» Barometri 
et Thermometri Brunsbergae a. d. 1, Jan. u*que add. 1. lul. 1843. imti* 
tutae. [Braunsberg gedr. b. Heyne. 12 (8) S. gr. 4.] 

Breslau. Die Universität zählte im Sommer 1843 653 Studenten 
[von denen 12 Ausländer waren und 101 zur evangelisch -theologischen» 
186 zur katholisch -theologischen, 107 zur juristischen, 110 zur medici- 
nischen und 143 zur philosophischen Facultat gehorten] und 58 nicht im- 
matriculirte Zuhörer, und ist in gegenwärtigem Winter von 63 nicht 
immatriculirten Zuhörern und 703 Studenten [6 Ausländern , 94 evangel», 
204 kathol. Theologen, 128 Juristen, 114 Medicinern, 163 zur philosoph. - 
Fac. Gehörigen] besucht , welche von 4 ordentl. und 1 ausserord. Proff* 
lind 3 Privatdocenten in der evangel. -theologischen, von 3 ord. Proff. 
und 1 Privatdocenten in der kathol. - theologischen , von 5 ordentl. und 
2 ausserord. Proff. und 2 Privatdocc. in der juristischen , von 10 ordentL 
und 1 ausserord. Proff. und 4 Privatdocc. in der medicinischen und von 
17 ord. und 8 ausserord. Proff., 7 Privatdocc., 4 Lectoren und 6 Kunst* 
lehrern in der philosophischen Facultat unterrichtet werden. Vgl. NJbb. 
37, 347. u. 35, 450. Tn der evangel. -theol. Facultat ist der Consistorial- 
rath Prof. Dr. Hahn im vorigen Jahre , nachdem der GeneraUuperinten- 
dent der Provinz Schlesien Dr. Ribbeck unter Ernennung «um wirklichen 
Oberconsistorialrathe für ausserordentliche Dienstleistungen beim Mini- 
sterium der geistlichen Angelegenheiten seiner bisherigen Amtsverhält- 
nisse entbunden worden war, neben seiner Professur zugleich mit der 
Verwaltung des Amtes eines Generalsuperintendenten provisorisch beauf- 
tragt und ihm der Titel Oberconsistorialrath beigelegt worden. Der Con- 
sistorialrath Prof. Dr. Böhmer hat eine Gehaltszulage von .100 Thhm. 
erbalten. In der kathol. -theolog. Facultat ist den 3 Professoren Drr. 
Baltzer, Demtne und Movere nnd dem Privatdocenten Lic. Weht zu Weih- 
nachten jedem eine Remuneration von 100 Thlrn. bewilligt worden. Der 
Domherr Dr. Ritter ist seit dem Juli vor. Jahres auf sein Ansuchen seiner 
Professur der Kirchengeschichte entbunden, und der geistliche Eatli und 
Spiritual des Klerikalseminars Jander vor kurzem zum Professor der Pa- 
storal- und Moraltheologie gewählt worden. In der Juristen - Facultat 
ist der Privatdocent Dr. Ludw. Giteler zum ansserordentl. Professor er- 
nannt; der Prof. Dr. Gaupp hat eine Gehaltszulage von 100 Thlrn., der 
Prof. Dr. Wilda eine gleiche von 200 Thlrn., der ausserord. Prof. Dr, 
Wasserschieben eine Remuneration von 100 Thlrn. erhalten. In der me- 
dicinischen Facultat lehren die ord» Professoren Regierungs- und Geh« 
Medicinalrath Dr. Wüh. Herrn. Georg Hemer, Geh. Medioinalrath Dr, 
Traug. Wüh. Gust. Benedict, Geh. Medicinalrath Dr. Ad. Wüh. Otto 
[erhielt im vor. Jahre den rothen Adierorden 3. Classe mit der Schleife], 
Geh. Medicinalrath Dr. Joh. Wendt [erhielt im vor. Jahre den rothen 
Adlerorden 2. Classe mit Eichenlaub], Dr. Joh. Evang. Purkinje, Dr. Joh, 
Wüh. Ed. Theod. Hensehel, Medicinalrath Dr. Jul. Wüh. BetseVLer, Dr« 
Joh. KarlLeop. Barkoto [Prosector am anatom. Theater], Dr. Heinr. Bob. 



2£0 Schul- und Üniversitätsnachrichten, 

Goppert, der Prof. honorarius Regiernngs- und Medicinalrath Dr. Karl 
ImAw. Klose, der ausserord. Prof. Sanitätsrath Dr. Karl JM. Wüh. Hemer 
und die Privatdocc. Drr. Karl Hemprich, Küster, Joh. Jos. Seidel, K. 
Wüh. Klose, Hofrath /. Aug. Burchard, Heinr. Neumann, Wüh. Sachs 
und Prof. Dr. Kuh* Zu Anfang dieses Jahres haben der Medicinalrath 
Betschier and der Prof. Purkinje eine Gehaltszulage von je 100 Thlrn. 
und der Geh. Medicinalrath Benedict und der Prof. Barkow eine Remu- 
neration von je 100 Thlrn. erhalten. Auch in der philosophischen Fa- 
cultät ist zu gleicher Zeit den Proff. Ambroseh und Röpett eine Gehalts- 
zulage von je 100 Thlrn. und den Proff«. Geh. Hofrath Weber, Nees van 
Esenbeck, Sehneider, Braniss, Kummer, Frankenheim und von Bogus- 
Utwski eine Remuneration von je 100 Thlrn. bewilligt worden. Der aus- 
serordentliche Prof. Dr. Kutzen ist zum ord. Professor der Geschichte, 
die Privatdocenten Dr. Th. Jaeobi und Dr. G. E. Guhrauer zu ausserord. 
Professoren, ersterer für deutsche Sprache und Literatur, letzterer für 
allgemeine Literaturgeschichte -ernannt. Der Director des Friedrichs - 
Gymnasiums Professor K. Fr, Kannegiesser hat zu Ostern 1843 sein Amt 
niedergelegt und ist, weil er Berlin zu seinem Wohnort gewählt, auch 
aus der Reihe der Privatdocenten der philosoph. Facultat ausgetreten. 
Als Privatdocenten sind jetzt noch thätig die Drr. Ludw. Müller, Frdr. 
Wüh. Wagner, Gust. Freytag, Karl Gust. Kries, Joh. Konr. Schauer, 
Ludw. Alex. Koch und Ad. Ferd. Dufios. Die Habilitationsschrift des 
ordentl. Professors der Mathematik Dr. Kummer enthält De residuis cubicis 
disquisUhnes nonnullae analytkae. [Breslau 1842. 18 S. 4.] Im Index 
leett. hibern. a. 1842— 43. ist voiTdem Professor Dr. J. A. Ambrosch her- 
ausgegeben: Proeli locus alter a Nie. Leonico Thomaeo latine versus 
[12 S. 4.] und im Index leett. aestiv. a. 1843. von demselben: Quaestio- 
num ad Dionysü Halie. antiquitates Rom. perttnentium pari. IL [8 S. 4.] 
Zum Rectorätswechsel am 24. October 1842 hat der Oberbibliothekar 
und Professor Dr. P. Jos % Elvenich als abgehender Rector lovitae Rupien 
oratio de imitatione maiorum [IV u. 18 S. gr. 4.] herausgegeben. Als 
Inauguraldissertationen zur Erlangung der philosophischen DoctorwSrde 
erschienen: Systematis crystallorum rhombici adumbratio von Joh. Gust. 
Ad. Kenngott aus Breslau [1842; 45 S. gr. 8.] und Quaestionum de Xeno- 
phontis historia graeca speeimen von Jos. Spüler, Collaborator am Gymn. 
in Gleiwitz. [Breslau, Leuckart. 1843. 51 S. gr. 8.] Die letztgenannte 
Abhandlung bringt sehr beachtenswerthe Untersuchungen über Xeno- 
phon's Hellenica, nämlich p. 3— 26., Quaeritur quae ratio intercedat 
inter Thucydidem et Xenophontem, eine schärfsinnige Beweisführung, 
dass sich die Hettenika genau an das Werk des Thukydides als Fort- 
setzung anschlössen , und man weder mit Peter die zu Anfang der Helle- 
nika erwähnten beiden Schlachten für identisch mit den von Thucyd. 
VIII, 95. und 104 — 107. geschilderten ansehen, noch mit Sievers zwi- 
schen beiden Werken eine Lücke von 40 Tagen annehmen darf; p. 27 — 
34., Quae ratio inter duos priores et reliquos Hellenicorum libros inter- 
cedat, eine auf äussere und innere Grunde gestutzte Rechtfertigung der 
Niebuhr'schen Ansicht, dass die zwei ersten und die fünf letzten Bücher 



Beförderungen, und Ehrenbezeigungen, 221 

der Hellenika ursprünglich zwei getrennte Theile gewesen seien, obschon 
man nicht mit Niebuhr eine verschiedene Gesinnung des Schriftstellers 
m beiden Theilen, nämlich in dem erstem unbefangene und gerechte 
Anerkennung der Athener, in dem letztern parteiische Vorliebe für die 
Lacedämonier annehmen dürfe; p. 34 — 51., Historia graeca quo tempore 
scripta sit, die versuchte Nach Weisung, dass die ersteren iwei Bücher 
bald nach Xenophon's Ruckkehr aus Asien (in Begleitung des Agesilaus), 
die fünf letztem gegen das Ende seines Lebens in Korinth (zwischen 358 
— 354 t. Chr.) geschrieben seien. Eine andre beachtenswerthe Inaugu- 
raldissertation ist die Schrift De Q, Fabio Pictore , antiquiitimo Roma- 
norurn hirtorico pari. J. von ExpedUus Baumgart [Breslau 1842* 52 S. 4.] r 
und bringt nebst fleissiger Sammlung des hierher gehörigen historischen 
Stoffe mehrfache neue Ergebnisse über diesen alten Historiker, denen 
man freilich nicht überall trauen darf, weil der Verf. öfters Hypothesen 
früherer Gelehrten sofort für ausgemachte Wahrheiten angesehen hat. 
In Cap. 1. p. 1 — 4. unterscheidet der Verf. zunächst den Q. Fabius 
Pictor von den Historikern Numerius und Serviua Fabius Pictor und von 
Fabius Maximus Servilianus, zählt die romischen Schriftsteller aus der 
gens Fabia (ohne gehörige Sichtung) auf, zeigt, dass über die genealo- 
gischen Verhältnisse des Q. Fabius Pictor nichts bekannt ist und also die 
Annahme, dass er 535 n. R. E. Proquaestor gewesen und an dem galli- 
schen und punischen Kriege Antheil genommen, nicht erwiesen werden 
kann , lässt ihn aber (mit Widerlegung der Zweifel Whitte's) nach Delphi 
gehen , setzt dessen Geburtsjahr 50} und das Todesjahr nach Beendigung 
des zweiten punischen Krieges, beweist auch, dass der 586 gestorbene 
Praetor und Flamen Quirinalis Q. Fab. Pictor der Historiker nicht sein 
kann. Der Beweis, dass der Historiker nach dem zweiten punischen 
Kriege gestorben sei, ist in Cap. II. de Fabii scriptis p. 4 — 26. dadurch 
gefuhrt, dass dessen Annalen die Geschichte des Römervolks von der 
Ankunft des Aeneas bis zum Schluss des zweiten punischen Kriegs um- 
fassten. Dass diese Annalen griechisch -geschrieben waren, ist mi^t noch 
mehr Gründen, als bei Krause, bewiesen, die Ursache dieser griechi- 
schen Schreibweise mehr in der noch nicht entwickelten latein. Prosa, 
als in beabsichtigter Belehrung der Griechen gesucht, und die unter des 
Fabius Pictors Namen vorkommenden lateinischen Fragmente einem Jün- 
gern Fabius Pictor, zwischen der Zeit des Cato und Piso , beigelegt. 
Ueber Titel, Form und Beschaffenheit der Annalen ist p. 24—26. ver- 
handelt, aber nichts Sicheres ermittelt, weil die in Cap. 3. p. 26 — 37* 

. zusammengestellten Fragmente von keinem alten Schriftsteller wörtlich 
citirt worden sind und also über die Schreibart keinen Aufschluss geben* 
Dionysius von Halic hat die meisten, aber alle verstümmelt und ver- 

. ändert. Bei einzelnen Fragmenten bleibt es zweifelhaft, welchem Fa- 
bius sie gehören* In einem 4. Cap« p. 38 — 52. , De Fabii chronologia, 
wird Niebuhr's Vermuthung, dass sich Spuren dieser Chronologie bei 
Diodor finden sollen, widerlegt, und in einem gegenwärtig noch fehlenden 
5. Capitel will der Verf. De fide atque auctoritate Q. Fabii verhandeln. 
VgL Hertz in Jahrbb. f. wiss. Krit. 1843, 1. Nr. 32. Von den medicini- 



222 Schul- und Universitätsnachrichtefi, 

sehen Doktordissertationen verdienen hier erwähnt zu werden: Poeseos 
medU aevi medicac speeimina nonnuüa minus cognita von Philipp Rosen- 
thal , De Elephanüasi Graecorum et Arabum von Karl Ludw. Heer .und 
Curae sanüaUs puhlieae apud veteres exempüa von Jos. Schneider, welche 
alle drei im Jahr 1842 erschienen sind. [J.] 

CfflUSTTANiA. An der dasigen Universität ist vor zwei Jahren her- 
ausgegeben worden: De Sanehuniathone ehtsque interprete PhÜone Byklio 
commentaüo, scripsit F. L. Vibe> litt. Graec. prof. [Christ, typis Grön- 
dahl. 1842. 41 S. gr. 4.], eine offenbar durch Wagenfeld's Betrug her- 
vorgerufene Untersuchung, worin mit vorzüglicher Sorgfalt das Wesen 
der Philonischen Uebersetzung des Sanchuniathon untersucht und die 
klare Erkenntnis« über diesen Gegenstand bedeutend gefördert ist. Ob* 
gleich Eusebius die Bruchstucke aus Philo 1 « Schrift so mitgetheilt hat* 
dass man von ihnen keinen sichern Schluss auf die Beschaffenheit 
derselben machen kann, so hat Hr. V. doch durch scharfsinnige Combi* 
nationen und dadurch , dass er die gewöhnlich dem Porpbyrius beigelegte 
Stelle aus Eusebius in Orelli's Ausgabe der Sanchuniathon. Fragmente 
p. 40 sqq. durch Vergleichung von Euseb. praep. evang. IV, 16. als Phi- 
lonisch erweist, mit grosser Wahrscheinlichkeit dargethan, dass Philo 
das Buch des Sanchuniathon nicht etwa treu übersetzt, sondern frei bear- 
beitet und mit allerlei andern Notizen und eignen Erörterungen durch- 
zogen habe , und dass man überhaupt dieses Philonische Buch gar nicht 
für ein Geschichtswerk , sondern nur für eine Darstellung religiöser und 
mythologischer Gegenstande ansehen dürfe, und wenigstens die von 
Bochart aufgebrachte Annahme, als sei nur das erste Buch theologischen, 
die übrigen echt historischen Inhalts gewesen , durchaus auf keinem zu- 
reichenden Grunde beruhe , vielmehr mit den aus Eusebius erkennbaren 
Thatsachen gradezu in Widerspruch stehe. Nebenbei ist auch der Be- 
weis gefuhrt, dass die chronologischen Data über das Leben des San- 
chuniathon , die man aus der von Eusebius aufbewahrten Stelle des Por- 
phyrius entnommen hat, höchst zweifelhaft und verdachtig sind, weil jene 
Worte des Porphyrius in sich zu offenbare Irrtbumer und Widerspruche 
enthalten und wahrscheinlich aus missverstandenen und verdrehten Anga- 
ben des Philo hervorgegangen sind. Diese Resultate , welche der Verf. 
zugleich in sehr klarer und fliessender Rede und in gutem Latein dargelegt 
hat , geben hinlängliches Zeugnis» von der Bedeutsamkeit dieser Abhand- 
lang und werden dem Philo Byblius in der Literaturgeschichte eine we- 
sentlich veränderte Stellang anweisen. Aus den vorhergehenden Jahren 
erwähnen wir hier von derselben Universität noch zwei Programme mit 
dem Titel : Solentda aeademica in memoriam Sacrorum per Lutherum 
reformatorum ab Universitäre Regia Fridericiana agenda indick CoUe- 
gium academicum. Das entere enthält: Epistola, quam ad Io. ZV» Mad- . 
trigium, cel. Prefessorem Danum, de qvSbusdam locis GrammaUeae latmae 
misit L. 0. M. Juberty litt, latin. in Univ. Christ. Lector, [Christianiae 
typis GrSndahl. 1889. 16 S. 4.] , und enthält beachtettswerthe und wohl- 
begründete Berichtigungen zu Madvig's AbhandL De forma sentenüarum 
inierrogatharum in oratione obUqua (1837.), namentlich den Nachweis, 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 223 

dass Mftdvig das allgemeine Wesen des Fragsatzes zu einseitig aufgefasst 
und diejenigen Fragen, auf welche blos mit Ja oder Nein geantwortet 
werden soll , ganz unbeachtet gelassen , und dass er in der Erörterung 
der indirecten Fragen mehrere Stellen der Alten falsch verstanden und 
grammatisch unrichtig bebandelt hat. In der letzteren stehen: Obser- 
vationes criticae in primam Ciceronis Antonianam, auetote L. C. M. Au- 
bert, litt. lat. Professore [Ibid. .1841. 14 S. 4], dankenswerthe und 
sorgfaltige Erörterungen von 7 Stellen dieser Rede, indem der Verf. 
Cap. 7. die Lesart quod idem non faeere potuit, ut multis mu.Ua pro- 
missa nonfecit, statt der Vulgata faeere non potuit, treffend verthei- 
digt; Cap. 11. die Worte mihi, ne gravuu quidpium ätoam, .... fortu- 
natior videretur in Parenthese zu setzen gebietet , damit man nicht etwa 
fortuna fortunatior verbinde; Cap. 11. am Ende sehr scharfsinnig die 
Worte so abtheilt: Sed üdem ilti mecum: „Non idem tibi adversario Cae- 
sarh licebU, quod Pisoni socero"; et simul admonent quiddam, quod cave- 
bimus: „nee erit iustiör in senatum non veniendi morbi causa, quam mor- 
tis", so dass die letzten Worte noch zur Warnung der Freunde geboren 
Und nicht Worte des Cicero selbst sind; Cap. 13. in proximo altero, 
tertio , denique reliquis eonsee, diebus , das proximo und altero für gleich- 
bedeutend erklärt und eins von den beiden Wortern als Glossem gestri- 
chen wissen will; Cap. 14* Uli eratvita, Uli seeunda fortuna, wegen 
des Gegensatzes zwischen dem Antonius orator und dem Consul Antonius, 
zu lesen vorschlägt. In Cap. 6. vertheidigt er in den Worten Quos qui- 
dem doleo in suspicionem populo Rom. venire non modo metus etc. mit 
Madvig die Lesart non metu und übersieht, dass der Sinn der Stelle sein 
muss: „ich beklage, dass diese bei dem Römervolke nicht blos in den 
Verdacht der Furcht kommen, was schon schimpflich genug ist, sondern 
dass sie sogar , der Eine aus dem , der Andre aus jenem Grunde , der 
Würde ihrer Stellung nicht genügen." In Cap. 10. wirJ die Lesart 
Quaerunt autem , quid sit etc. statt Quaero etc. hergestellt und folgende 
Beweisführung hinzugefügt: Si ad sequentem piai)6iv, qua Antonios indu- 
citur, et ad veram sub ea latentem argumenta tionem respicitur, satis 
patet, id agere hoc loco Ciceronem, ut demonstret, leges illas promul* 
gatas , etiamsi latae nondum sint , et quamvis ad eas repellendas instknta 
reipubHcae arma — intercessionem scilicet — praebeant, nihilo tarnen 
minus maximopere esse metuendas, qoamquäm hominibus minus suspiciosis 
res aliter se habere videri posset. Sed satis iam apparet, ad haec, quae 
dialogo inter adversarium Antonium et suarum partium homines exponit, 
non quadrare iilud quaero, ad Ciceronem ipsum relatum. Cicero, qui 
ipse veritatem rei aperiret et sciret, quid metuendum esset, irallo modo 
talia quaerere poterat. Optime vero, ut moneret cavendum esse, homi- 
nes suae partis minus, quam ipse erat, suspicaees talia quaerent es vel 
obiieientes inducere potuit, quos ergo iam refhtat, verum Antonii animum 
declarans." Allein au6h hier hat der Verf. nicht- bedacht , wieviel die 
Stelle gewinnt, wenn man das eingelegte Zwiegespräch zwischen Anto* 
nius und Cicero stattfinden lässt, und dann wird Quaero wohl hinlänglich 
gerechtfertigt sein. [J.] 



224 Schul- und Universitätsnachrichten, 

Prkibüeg. Die dasige Albrecht -Ludwigs -Universität ist in gegen- 
wartigem Winter von 244 Studenten besucht, von denen 69 Ausländer 
sind, 77 Theologie, 68 Rechts- und Cameralwissenschaften, 81 Medicin, 
Chirurgie und Pharmacie, 18 philosophische Wissenschaften studiren. 
Die Professoren Hofrath Dr. Frommher* und Medicinalrath Dr. Ign. 
Schworer haben das Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen er- 
halten; der Professor Dr. Dave von der Universität in Berlin ist als 
ordentl. Professor der Physik berufen worden. 

Giessen. Die Studentenzahl der dasigen Universität betrug in 
Winter 1841—42 446, worunter 111 Ausländer, im Sommer darauf 472 
[wovon 105 Ausl. waren, 77 evangel., 37 kathol., 2" judische Theologie, 
110 Jurisprudenz, 64 Medicin, 8 Chirurgie, 11 Thierarzneikunde, 28 
Cameralwissenschaften, 21 Architektur, 45 Forstwissensch. , 9 Philoso-, < 

phie und Philologie, 60 Pharmacie und Chemie studirten], im Winter 
1842—43 445, im Sommer darauf 470, und in gegenwärtigem Winter 
478, nämlich 113 Ausl., 78 evangel., 28 kathol. Theol., 112 Jur., 55 
Medic, 9 Chirurgen, 11 Thierarzneibeflissene, 49 Cameral. , 13 Arcbi- *l 

tekten, 40 Forstleute, 15 Philosophen und Philologen, 68 Pharmaceuten j 

und Chemiker. Für diese Studirenden halten Vorlesungen in der evan- 
gelisch- theologischen Facnltät, nachdem der Geh. Kirchenrath und Pro- 
fessor Dr. Dieffenbach am 26. Nov. 1843 verstorben ist, die ordentlichen 
Professoren Dr. Credner, Dr. Knobel und Dr. Fritzsche, der ausserord. 
Professor und Universitätsprediger Lic. theol« und Dr. phil. Frdr. Herrn. 
Hesse [seit 1842 von der Universität Breslau hierher berufen], der vor 
kurzem zum ausserord. Professor ernannte Lic. theol. und Dr. phil. Baut 
und der Privatdocent Lic Zimmermann; in der kathol. - theol. Facultät 
die ordentl. Professoren Dr. Löhnis, Dr. L. Schmid und Dr. Fluck, der 
im vor. Jahre von Munster berufene ausserord. Prof. Lic. LuUerbeek und 
der Pfarrer Härtnagel , v welcher unter Belassung in seinem Pfarramt zum 
ausserord. Prof. ernannt ist; in der Jurist. Facultät die ordentl. Proff. 
Geh. R«th Dr. von LoAr, Geh. Justizrath Dr. Birnbaum, Dr. Weiss, 
Dr. von Grolmann und Dr. Seü und die Privatdocc. Dr. Sehmidi und 
Dr. Seitz; in der medicin. Facultät, nachdem der Prof. Dr. Flagge die 
erbetene Entlassung erhalten hat, die ordentl. Proff. Geh. Medicinalrath 
Dr. Nebel [vor kurzem zum Geh. Rath ernannt], Geh. Medicinalrath 
Dr. von Bitgen , Geh. Medicinalrath Dr. Wübrand y Geh. Medicinalrath 
Dr. Baiser, Medicinalassessor und Kreisthierarzt Dr. Für, Dr. Wernher, 
Dr. Theod. Bischoff [seit vor. Jahr aus Heidelberg als ord. Professor der 
Physiol. und Director des neuzuerrichtenden physiol. Instituts berufen], 
Dr. Ph. Fhobus [seit vor. Jahr aus Nordhausen als Professor der Pharma- 
kodynamik berufen, früher Privatdocent und Prosector in Berlin] und der 
vor kurzem zum ordentl. Professor ernannte Prosector Dr. Wübrandl der 
Repetent Dr. Wetter und die Privatdocc. Dr. Hofmann, Dr. Mettenheimer, 
Assistenzarzt Dr. Winther und Phyaikatsarst Dr: Stammler, wozu noch 
der vor kurzem zum Hofrath ernannte Repetent bei dem Entbindungs- 
institut Dr. Wehn kommt; iu der philosoph. Facultät für Philosophie die 
ordentl. Proff. Oberstudienrfth Dr. Hiüehrand und* Dt. Schmid und die 



r 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 225 

Privatdooc. Dr. SeUUmg [vor kurzem zum nasserer« 4 . Professor ereassftt], 
Dn KrSnlein and Dr. Carrtore, für Mathematik, Technologie, Physik 
and Chemie die ord. Professoren Dr. Umrfenbach, Dr. Buff, Dr. Ie«m>, 
Dr> üTftdpp und Dr. H. von Rkgcn [vor kurzem cum ord. Prof. ernannt^ 
die ansaerord. Professoren Dr. Kopp uod'Dr. Zsmuntnsr [beide vor kur- 
zem zu ansserord. Proffi., ersterer für Physik und Chemie, letzterer für 
Mathematik, emaaot] and der Privatdocent Dr. Fre$tnm8, für Natur- 
wissenschaften der ord. Prof. Dr. von Küpetein, für Staats- and Camera^ 
wmsemichaften der Geh. Regierungsrath and ord. Prof. Dr. Smsttfteifexer 
and der Forstmeister and Prof. Dr. fieser , für Geschichte der Professor 
Dr. äfttajrfr, Ar eriental. Sprachen der Prof. Dr. Futter*, für dassisohe 
Philologie and neuere Sprachen der ord. Prot Dr. Ot<m», der Professor 
Dr. Adrim und der Collaborator des Seminars Dr. Otto. Im Janaar 1845 
hat der seit mehreren Jahren entworfene und wiederholt begutachtete 
allgemeine StmümpUm für d» grouhertogl. hemsehe Landemnwertitdt 
an Giemen die allerhöchste Bestätigung erhalten und ist bald darauf ge- 
druckt [Giemen, Heyer. 1643. 72 S. 8.] und den Stadirenden nur Be- 
achtung übergeben worden. Er soll die Stadirenden aber die vollstän- 
dige Umfassung and zweckmässige Einrichtung ihrer Facultitsstadien 
belehren and enthalt für das Stadium jeder der einsehen Fachwissen- 
schaften vier Hauptäbcrsichten, nämlich 1) Zosammenstellung derjenigen 
Disriplinen, aber welche sieh der gesammte Stadienkreis der betreffenden 
Fachwissenschaft erstreckt, and zwar so y dass neben den Hauptdiscipli- 
nen auch die Vorbereitung-, Hölfi- und Nebendisciplinen aufgetaut 
sind; 2) Reihenfolge, in weicher die einzelnen Lebrvorträge jeder Fach- 
wissenschaft am zweckmassigsten gehört werden, jedoch nur in allgemei- 
ner Empfehlung der Zweckmässigkeit, nicht als bindende Norm ; 3) Be- 
stimmung .derjenigen Vortrage, deren fleiesiger Besuch Voraussetzung 
der Zulassung aar Prüfung ist, mit der doppelten Nebenbcstimmuiig, dass 
das Ministerium des Innern and der Justiz auf besonderes Gesuch von 
diesen Vortragen Dispensation ertheiien kann, and dass es bei den Voff- 
bereitangsrertragen ober UiwVersaJgeschichte , reine Mathematik, Logik, 
Psychologie n. dergl. dem Studirenden überhaupt freisteht, ob er sie 
hören oder sonstwie die Kenntniss dieser Wissensehaftsnweige sich erwer- 
ben will, im letztem Falle aber ebenso, wie bei eingeholter Dispensation, 
Tor der Facultftsprofong eine besondere Prüfung über diese Discipliaen 
bestanden werden muss* 4) Ueberslcht derjenigen Disciplinen, weiche 
Gegenstand der Fneukitsprdfung sind. Aeht verschiedene StndiettplSöe 
sind in diesen Vorschriften geschieden, and dabei ist der Studie nplao der 
philologischen and inexhcmatisehen Gymnasiallehrer nur einfach gerechnet. 
Ffir die phHoiogfecbe* Studien ist folgender Plan gestellt: I. Fachwissen- 
schaften. A. Systematische. Philologische Encyktopidie, griechwehe und 
iateiniseiie Grammatik, griechische and römische Litei*ürgeschicb*, 
griechische and rSmfome AHerthümer, Archäologie, «ite Gescl»»te, 
Metrik, Theorie des latein. Stils. Bi Exegese der HauptscjÄiftateller 
nach den Gattungen, o. Griechische. Kpiker (Homer, HepWd)» Lyriker • 
N.Mrt.f.I%il.u.Paed.od. EHL BW. Bd. XL. Bfi. %. - *& 



226 Schul- und. Universitätsnachrichten, 

(Pindar), Dramatiker (Aesehylus, Sophokles, Euripides, Arutophanes), 
Historiker (Herodot, Thukydides, Xenophon), Philosophen (Plato, Ari- 
stoteles), Redner (Demosthenes). 6. Römische. Epiker (Virgil), file- 
giker (Catull, Tibull), Dramatiker (Plautus, Terenz), Horatius (Persius, 
Juvenal) , Historiker (Sallust, Livius), Cicero. Es wird nicht erwartet, 
dass der Studirende über sämmtlich genannte Schriftsteller Vortrage höre; 
die wichtigeren werden in der Hauptabtheilung II. namhaft gemacht und 
für manche tritt das philologische Seminar ergänzend ein. II. Neben - 
und Huifswissenschaften. Encyclopädie der Wissenschaften , Psychologie, 
Aesthetik, Geschichte der Philosophie , Universalgeschichte, Geschichte 
des römischen Rechts , allgemeine Sprachlehre , v Grammatik und Exegese 
des Sanskrit, Mathematik, Physik, Pädagogik, sowie für theologische 
Fachlehrer hebräische , syrische und arabische Grammatik und Exegese 
hierher gehöriger Schriften , zumal des Alten Testaments , und oriental. 
Literaturgeschichte. — Es hat dieser Studienplan mehrfache Angriffe 
erfahren und man hat, z. B. in der Mannheimer Abendzeitung, vornehmlich 
dagegen eingewendet, dass in demselben die Studirenden nur als künftige 
Staatsbeamte betrachtet sind, somit aber die philosophische und rein 
wissenschaftliche Bildung dem banausischen Fachstudium aufgeopfert und 
die aus der wissenschaftlichen Gediegenheit hervorgehende Charakter- 
bildung der Jagend beeinträchtigt ist. Den erheblichsten und detaillirtc- 
sten Widerspruch findet man in den Bemerkungen über den Studienplan 
etc. von dem Geh. Rathe A, E. Schleiermacher [Giessen, Jonghans. 1843. 
75 S. 8.] , worin namentlich die Mängel der einzelnen Studienpläne , vor- 
nehmlich des philologischen, mit begründeten und unbegründeten Ein-. 
Wendungen angegriffen und im Allgemeinen getadelt ist , dass die Rück- 
sicht auf die Praxis des Berufslebens viel zu sehr vorwalte, und dass 
diese Studienpläne schon an sich die Studienfreiheit beschränken, noch 
mehr aber durch das dbergrosse Vielerlei ihrer Vorschriften zum Besuche 
von allzuviel Collegien anregen und dadurch das Selbststudium hinter- 
treiben. Gegen diesen Angriff hat der Geh. Rath und Universitatskanzler 
Dr. von lande eine Erwiderung auf die Bemerkungen etc. [Giessen, Jong- 
hans. 1843. 69 S. gr. 8.] erscheinen lassen, worin er die Nützlichkeit und 
Notwendigkeit eines solchen Regulativs für die rechte Betreibung der 
Studien zu erweisen sucht und über die Entstehung des vorliegenden 
Studienplans die nöthigen geschichtlichen Nachweisungen giebt. Schleier- 
macher's Tadel gegen den philologischen Studienplan aber hat Professor 
Osann in der Beleuchtung der Bemerkungen des Geh* Roths Sehleier' 
maeher über den Theil de» Studienplans > welcher die Candidosen des 
Gymnasiallehramts aus dem phüolog. Gesichtspunkte betrifft [Giessen 
1813. 40 S. 8.], bekämpft und in einzelnen Punkten abgewiesen, in andern 
wenigstens beseitigen wollen. Die Sache wird, da sie zu tief in das 
Universitätsleben eingreift, wahrscheinlich noch weitere Besprechung 
finden , falls man nicht etwa erwartet, dass dieser ganze Studienpian 
darum wenig 'Einfluss auf die Studirenden üben wird , weil das zu Vie- 
lerlei der vergeschriebenen Discipiinen sofort auf die Unmöglichkeit hin- 
weist, dieselben, innerhalb der drei Universitätsjahre alle zu betreiben, 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 227 

and weil der Student eben darum sich nnr auf die Collegia beschränken 
wird, welche als unerlässlich für die Prüfung vorgeschrieben sind. [J.] 

Greifswald. Die dasige Universität zahlte im Sommer 1843 219 
Studenten, von denen 202 Inländer and 17 Ausländer waren. 

Hajllb. Die dasige Universität war im Winter 1842 — 43 von 667 
Studenten [160 Ausländern, 424 zur theol«, 81 zur Jurist, 107 zur med« 
and 55 zur philos. Facultät Gehörigen] und 11 nicht immatriculirten Chi- 
rurgen and Pharmaceuten, im Sommer 1843 von 662 Studenten [144 Aus- 
ländern, 382 Theol., 104 Jur., 119 Med. und 57 mit philosoph. Wissen- 
schaften Beschäftigten] und 11 nicht Immatriculirten besucht, and. zählt 
in gegenwärtigem Winter 17 nicht immatriculirte Zuhörer und 645 Stu- 
denten, von denen 301 Inländer und 90 Ausländer zur theologischen, 
91 Inl. ü. 4 AusL zur Jurist., 68 InL u. 37 Ausl. zur medic, 43 Inl, u. 
11 AusL zur philosoph. Facultät geboren. Vgl. NJbb. 36, 236. In der 
theol. Facultät lehren die ordentl. Professoren Consistorialrath Dr. F« A. 
Theluck [seit vor. Jahre auch zum Mitglied des Consistoriums in Magde- 
burg ernannt], Dr. J. A. L. Wegscheider , Consistorialrath Dr. K. Thilo, 
Archidiaconus Dr. B. A. Marks , Superintendent Dr. Chr* Fr. Fritzsche, 
Consistorialrath Dr. Jul. Muller und der seit Michaelis vor. Jahres an 
Geeenhts 1 Stelle von Marburg berufene Dr. Hupfeld, die ausserordentl. 
Professoren Dr. H. E. F. Guerike, Dr. H. A. Niemeyer [Director der 
Franke'schen Stiftungen]., Archidiaconus Dr. Chr. L. Franke and Dr. A. 
F. Dohne, und der Privatdocent Inc. th. und Dr. phil. K, Schwarz; in 
der juristischen Facultät die ordentlichen Professoren Geh. Justizrath 
und Ordinarius der Facultät Dr. L. Pernice, Dr. K. Witte, Dr. L. A. 
Th* Laepegree, Dr. K. F. Dieek und Geh. Justizrath Dr. E. Henke und 
der Privatdocent Dr. K. E. Pfotenhauer. " Der Senior der Facultät and 
Director dtt Schoppenstuhls Dr. E. F. Pfotenhauer ist am 23. Aug. vor. 
Jahres gestorben [NJbb. 39, 232.] , nachdem er kurz vorher sein öOjähr. 
Jubiläum gefeiert und zu diesem Feste den rothen Adlerorden 3. Classe 
erhalten hatte; der Prof. Dr. Laapeyres wird dem Vernehmen nach einem 
Rufe an die Universität Erlangen folgen. Dagegen ist der Professor 
Dr. Keller von der Universität in Zürich als ordentl. Prof. des Civü- 
rechts berufen , und der Dr. Eckenberg wiederum als juristischer Docent 
eingetreten. Lehrer der medicinischen Facultät sind die ordentl. Proff. 
Geh. Medicinalrath Dr. P. Krukenberg, Dr. L. H. Friedländer, Dr. E. 
oV Alton, Dr. E. Blasius und Dr. A. F. J. Hohl und die Privatdocc. und 
Drr. J. Roeenbaum, L. Kr ahmer, E. Mayer und K. C. Th. Litzmann. 
Vor kurzem ist auch der frühere Professor an der Univ. in Dorpat, 
Hofrath Dr. Volkmann als Professor der Medicin berufen worden. In 
der philosophischen Facultät sind ordentl. Professoren Dr. G. A. Raabe, 
Geh. Hofrath und Stipendiaten -Ephorus Dr. J. G. Gruber, Dr. G. W. 
Gerlach, Dr. med. J. S. C. Schweigger, Dr. J. F. Gtfr. Eiselch, p* 
med. E. F. German, Dr. H. F. ff. Hinrichs, Dr. iur. M. H. E.JP&er, 
Dr. Gtfr. Bemharäy, Dr. iur. H. Leo, Observator Dr. A. Ropnoerger, 
Domprediger Dr. L. G. Blanc, Dr. med. D. F. L. von SpHechtendahl, 
Dr. phil. et Lic theol. E. Rüdiger, Dr. A. F. Pott, Dr^- E > Erdmann, 

15* 



2fl8 Schau und Urtiversitatsnachrichten, 

Dr. L. A. Sohnke tmd Dr. med. K. ff. E. Burmeisieti ausserordentliche 
Proff. die Drr. phH. A. Weist, J. C. Gart*, B. Ulrici, /. ScktMwr, 
Af. DMftcfcef [seit 1842 im ansserord. Prot der Gei chiente und histor. 
Hülfswissenschaften ernannt], Ä. F. Marehand [seit vorigem Jahre als 
ansserord. Prof. der Chemie von der Univ. Berlin hierher vorsetzt]* and 
K. Steinberg [im vor. Jahre «um ausser ord. Prof. der Chemie ernannt]; 
Privatdocenten die Dir. ph. Chr. A. Buhle, Generalmajor s. D. G. J. 
von Hoyer, Ant. Sprengel, Fr. Stäger, Wüh. Batiket, Bug* täs e nh ardt, 
F. A. Arnold und 6. F. h. Weissenborn , Leetor der nenern Sprachen 
der ffirstl. Schaumburg. Hofrath Dr. B. Cr. Hoilmmn, und Tier fixer* 
citienmeister. Zorn ordenrtl. Professor der classischen Philologie and 
Knnstarcbiologie ist, da der ansserord. Prof. der Archäologie Dr. Ad. 
SchSll sa Anfange des Tor. Jahres als grossherz. Weimar. Hofrath und 
Director der Zeichenakademie nach Weimar berufen worden war, der 
Prof. Dr. Ludw. Boss Ton der Univ. in Athen ernannt, aber noch auf 
zwei Jahr beurlaubt, um seine wissenschaftlichen Forschungen in Grie- 
chenland nnd der Türkei fortzusetzen. Der Prof. Dr. Bernhard^ hat im 
ror. Jahre den rothen Ädlerorden 4. Classe erhalten , nnd dem Geh. Hof- 
rath Dr. Chruber ist, als er am 25. December desselben Jahres sein ÖOffthr. 
Amtsjubitäom unter offentl. Theilnahme der Universität, der Franke'schen 
Stiftungen, des thüringisch «sachsischen Vereins nnd andrer Behörden 
and Gesellschaften feierte [vgl. Hall. Courier vom 24. Dec 1845}, der- 
selbe Orden 3. Classe verliehen und dessen Sohne A. O. Grübet, Lehrer 
am Pädagogium, von der philosoph. Facultat die Würde eines Doctors* 
der Philosophie verliehen worden. Vom 1. Jan. 1844 an haben die Pro- 
fessoren Guerike, Dieck, Laspeyres, Blasius, Germar, BiaHger, Pott, 
Sohnke, Ulrici Und Schatter eine Gehaltszulage ton Je 100 Thirn., die 
Professoren Dohne und Sttinberg eine Besoldung von je 200 Thirn. und 
zu denselben Zeit die Professoren Witte und Rosenbaum tmd der BibftV 
theksecretair Fbrstemttnn eine atisserord. Remuneration von Je 100 Thirn. 
erhalten. Im vorigen Jahre waren 600 Thlr. zur Unterstützung stndl« 
render Sohne von Geistlichen nnd Lehrern ausserordentlich bewilligt, 
125 Thlr. als Zuschüss für das zoologische Museum nnd 1500 Thlr. zur 
Gründung eines antiken Kunstmuseums ausgesetzt worden. Der htdex 
teholarum per aestaiem anni 1643. habendarum enthalt Meiert Co M Me n - 
tationis Andocidiae Sextae particula tertiä sive de Lexicis Rhei&rick [Halle 
gedr. b. Hendel. XXIV S. u. 10 8. Verzeichniss der Vorlesungen* gr. 4.]> 
und als Fortsetzung dazn sind in den Einladftngsschrilten ztt hedn ver- 
schiedenen Stipendiaten - Reden Particula quarta bis duodecitHtt W2 und 
43 [jede 1 Bgn. 4.] erschienen, weiche S. 1—56. derselben Abhandlung 
de lexicis rhetoricis umfassen. Hr. Prof. Meier hatte in Partie. I. et II. 
die Untersuchung Ober die Geschichte der Lexikographie bei den Grie- 
chen damit begonnen , dass er Wesen , Zweck und Einrichtung der alten 
griechischen Lexika und Glossarien auseinandersetzte, dfe verschiedenen 
Gattungen der ti&ig und ylmoaca unterschied und die ersten Anfinge der 
Lexikographl* von den Sophisten bis zn den Alexandrinern herab literar- 
historisch erörterte. Vgl. NJbb. 36, 256 f. In Partie. IIL nun beginnt 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 2S9 

er mit gedrängter Aumählnng<der GJassegrapheu, welch« von Kröte« Pfrga- 
nteejus und NicanderKolopboniuaanals Lexikographen ernannt werden und 
entweder ykmoc*9 wap/ftT«? oder «so* npoiW nai 4* apet«* ti&mv oder 
laViKos JLs£ctff geschrieben haben «ollen. Daran reibt «ich S. VII— XVL 
eine literarhistorische Unserau cha ag über die Atticistea, welche von Ari- 
stoptauies Bycanlias nnd Krates Pergamenu* an bis auf Thomas Magbier, 
Moschopulus und Christepulu* Magister herab aufgezahlt «nd nach ihres 
Zefeverh&Mssen und Schriften vorgefahrt werden, und 8* XVI— XXII. 
aind fei gleicher Welse diejenige« Lexikographen nnd Glossographea be- 
handelt, welche über einzelne eder mehrere griechische Dichter und Pro- 
saiker juber Honter, Antiniacbas, Lyriker, Tragiker, Komiker, Aerzte, 
Philosophen, Herodot, Thukydides] Gioseaj nnd li£eig geschrieben haben« 
Nachdem nun auf diese Waise zuvörderst .gewissermassen das Personal- 
Verzeichnis* dieser griechischen Sprachforscher gewannen ist 5 so wird in 
Partie. IV — XII. die Untersuchung zu den Material der alten Lexica und 
Glossarien fortgeführt nnd zn ermitteln gesucht, was von alten Lexicis 
rhetoricis för uns noch übrig ist. Lexica rhetorica aber hiessen weht blos 
solche Worterverzeidpisse, welche «her die griechischen Redner , «w- 
dern überhaupt alle, welche über griechische Prosa angelegt und gear- 
beitet worden waren, and fattfvtV Alftf wird deshalb nicht selten gra- 
dezu als der Gegensatz «u «omj**k?} Ae£*f genannt. • Hr.« Prof. M«. hat 
nun zavtrderst die in dem Commentar im Hemer enthaltenen rhetorischen 
Glossen gesichtet nnd sie auf ein dreifaches JUexhcon' rhetoricon zurück- 
geführt, welches JSustathins für seine i^y^nsig benatzt und excerpirt hat. 
Das erste ist das Lexikon des Aeiius Dieuystns, von welchem es eine 
| zwiefache Bearbeitung gegeben hat, und aus-welebem IS« 6— 15. die zahl- 

i reichen Fragmente, welche Eastatbius als daraus entnommen namhaft 

1 gemacht hat, in alphabetischer Reihenfolge zusammengestellt sind« Vm 

zweite jist ein Lexicon rhetoricon des Pausanias, dessen Fragmente 
8« 17—30. in gleicher Anordnung gesammelt sind. Eine dritte Zusam- 
menstellung bieten S» 31-T-36. die ytawoo* «nd U£ug ^totnx«/, welche 
Eustatbius als ans einem ittdaidp Ac&xöV fatQQiwp oder aus fatoyinu 
fts£t*£ za fear« uretgtaW entnommen anfuhrt. UeJxerali ist übrigens bei 
den einzelnen .Glossen auch Angefahrt, wieweit- sie in die Lexiea des He- 
sychiaa, Buidas, fitym. M. etc. übergegangen sind. Von S, 3£~*-5$« folgt 
eine- äfaalicbe Untersuchung über das Etymolegicnm Magaum, welches 
zmn wenigetea aus *wei früheren rhetorischen Lexicis compilirt ist» 
dessen Verfasser ober nur in den ersten Buchstaben die Entlehnung der 
einzelnen Glossen £* tov §rj%OQtftav mit einiger Sorgfalt bezeichnet und 
von dem Buchstaben * an diese Bezeichnungen nur noch sehr selten hia- 
zogefagt bat« Auch hier hat Hr. M. 8. 38—56. diese Gjeasea znsam- 
«langestellt, und sie zugleich darnach mbrJcirt* ob sie bei Harpekcatiou, 
Budes, Photins, oder bei Besyohius und Zonaras wiederkehren, nndj 
sie im Btymoiogicuni die Benciehnnng der Entlehnung h rov fa% 
laben oder nicht.. Die AbhanoHaag ist damit noch nicht voll*****' and 
t wird in den nächsten Fortsetzungen eine gbriche Untersuch*»*? aber das 
Lexikon des BMant» bringen, welche auf 8. 56. berei* Angefangen **• 



290 Schal- and Universitätsnachrichten, 

Die Wichtigkeit dieser ganzen Erörterung für die Literargeschichte der 
griechischen Lexikographie "und far die genauere Würdigung der noch 
vorhandenen Lexica und Glossarien liegt so am Tage, dasa sie gar nicht 
weiter nachgewiesen zu werden braucht, und das Verdienst des Hrn. 
Prof. Meier ist um so rühmender anzuerkennen, je weniger bisher auf 
diesem Felde geleistet worden ist. Zu der Partie, tertia dieser Abhand- 
lung hat übrigens Hr. Prof. M. S. XXD — XXIV. noch einen besondern 
Epilog hinzugefügt, worin er das im Winterhalbjahr 1842— 43 erfolgte 
Ableben des Universitätscurators Delbrück und der UiriversHatsprofesso- 
ren Schmelzer, Veigtel und Gesenius bespricht und besonders den Tod 
des zuletzt genannten als einen schweren Verlust für die Universität 
beklagt. Was er dabei von dessen segensreicher Lehrthätigkeit und sei- 
nem Binfluss auf die Studirenden erwähnt, das kann zur Ergänzung und 
Berichtigung des unreifen und schiefen Urtbeils dienen , welches in der 
Schrift: Gestmus. Eine Erinnerung für seine Freunde, [Berlin, Gärtner. 
1842. 45 ST. 8. £ Thlr.] ausgesprochen ist. Dieselbe enthalt nämlich die 
Erinnerungen eines jungen Mannes, der als Student in Halle des Ver- 
storbenen Vorlesungen besucht und die empfangenen Bindrücke recht 
lebendig geschildert hat. Br ruhrot das lebendige Interesse, welches 
Gesenius in seinen • Vorlesungen bei seinen Zuhörern erregt habe, und 
erkennt in ihm den ausgezeichneten empirischen Sprachforscher an , der 
als Interpret des Concreten in der Sprache sowohl für feine Beobachtung 
des Gegebenen, wie für scharfe Sichtung, Ordnung und Schematisirung 
desselben, ein entschiedenes Talent gehabt habe; aber er glaubt doch 
dessen praktisches Wirken gering anschlagen zu müssen , weil derselbe 
nichts Ideales gehabt und für die rationale Erfassung der Sprache, sowie 
für die Deutung der poetischen Sprache nicht geeignet gewesen sei« Das 
Einseitige dieses Urtheils ist schon in der Hall. LZ. 1843 Nr. 38. gerügt 
und braucht hier nicht weiter aufgedeckt zu werden. [J.] 

Heidelberg. Auf der • dasigen Ruprecht - CaroHnischen Universität 
studiren in diesem Winter 673 Studenten [455 Inländer und 218 Aus!., 
und von den Lehrern [s. NJbb. 35, 223. und 37, 467.] ist im Laufe des 
▼ergangenen Jahres aus der theol. Facultat der Privatdocent Lic. Seisen 
ausgeschieden und als Pfarrer nach Nonnenweyer gegangen, in der Jurist. 
Facultat der Geh. Hofrath und Prof. primär. Dr. Zachariavon Lingenihal 
gestorben , der ordentl. Prof. Dr. WaXch [schon seit 1842] ausgeschieden 
die Drr. Muncke 9 Oppenheim , Fein und Friedlander als Privatdoeenten 
eingetreten , und dem Professor Dr. Sartorhis von Zürich die Erlaubnis*, 
Vorlesungen zu halten, ertheilt worden. In der medicin. Facultat sind 
seit 1842 die Drr. PucheU d. jung. , Nuhn und Quuwmann als Privat- 
docenten eingetreten, und der Dr. Alex. Ecker von Freiburg als Pro- 
sector am anatom. Theater angestellt; im vor. Jahre hat der Geh, Rath 
Prof. Dr. Tiedemann das Ritterkreuz des Griech. Erlöserordens- und der 
Geh. Rath Prof. Dr. CheUus das Ritterkreuz des bayerischen Hausordens 
vom bell. Michael erhalten; der äusserordentl. Prof. Dr. Theod. Bisckqg 
wurde zum ordentl» Prof. der Anatomie- und Physiologie ernannt, folgte 
aber zu Michaelis 1843 einem Rufe an die Universität in GffiSSEtf; da- 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 231 

| gegen sind vor kurzem der Prof. Dr. Karl Pfeuffer in Zürich als ordentl.' 

Prof. der allgemeinen und speci eilen Therapie und Director der Poly- 
kliuik und der Prof. Dr. Henle von ebendaher als ordentl. Professor der 
Anatomie und Physiologie berufen worden und werden zu Ostern 1844 
ihr Amt antreten. In der philos. Facultät sind die Privatdocc. Fortlage 
und Probst ausgeschieden [ersterer ist nach Berlin gegangen] , dagegen 
der Dr. Hartwig als neuer Privatdocent für neuere Sprachen eingetreten, 
der Privatdocent Dr. Delffs zum ausserord. Prof. der Chemie ernannt, 
und der ordentl. Prof. Dr. Leonh. Spengel von der historisch -philosophi- 
schen Classe der Akademie der Wissenschaften in Berlin zum correspon- 
direnden Mitgliede erwählt, dem Geh. Rathe Prof. Schlosser vor kurzem 
vom Grossherzog das Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen ver- 
liehen worden. Der ausserord. Prof. Dr. Karl hudw. Kaiser hat zum 
Antritt seiner Professur eine sehr gelehrte Dissertatio de interpolatore 
Homerico [Heidelberg gedr. b. Reichard. 1842. 36 S. 8.] herausgegeben, 
worin er , von einigen durch Aristarch und andre Alexandriner verdäch- 
tigten Versen der Uiade ausgehend, die verschiedenen Classen der Inter- 
polationen in der Uiade aufzählt und mit Citaten belegt, namentlich über 
Stellen, welche zum Gedicht in irgend einem Widerstreit stehen, über 
Wiederholungen gleicher Gedanken und gleicher Verse und über £*cr£ 
XBydfuvu sehr ausführlich verhandelt und am Sehluss auch noch einige 
Interpolationen der Odyssee als Nachtrag zu der Abhandlung De dwersa 
Homerieorum earminum origine nachträgt. Alle diese Interpolationen der 
liias-und Odyssee sollen von einem athenischen Dichter aus der Zeit des 
Pimstratus herrühren und , eben dadurch entstanden sein, dass man beide 
| Gedichte aas verschiedenen einzelnen Gedichten zu Einem Ganzen zu- 

sammensetzte. Ueber jene ursprunglichen Gedichte, aus denen die Uiade 
bestehe, wird eine weitere Untersuchung in einer besondern Schrift ver- 
sprochen , und vorläufig S. 36. die Erklärung abgegeben : „Unum Pro- 
fiten in fine liceat , at xiv t(g uz xatccQ'vrjTmv ccvdoconcop iyofjrai , quid 
tandem fiat Homero, si tot versus ei abiudicare coner, respondeam, 
hunc ipsum videri esse "O/jjjoov, cuius opera Hias et Odyssea, quales 
nunc legimus , conglutinata est." Zur Erlangung der philosoph. Doctor- 
wurde ist eine Dissertatio de Xenophane Colophonio von hudw. Berg 
[Heidelb. b. Groos. 1842. 31 8, gr. 4.] erschienen, und ausserdem fol- 
gende akademische Schrift zu erwähnen: Sacra nataUda Prmcipis beat. 
mein. CaroU Friderici, Badarum quondam Magni Ducis 9 Heidelbergensis 
tit. Unwershatis quondam Restüutoris 9 die- XXII. Novembr. 1842. pie cele- 
brat Academia Ruperto- Carola, simul praemia Commissionibus victricibus 
decreta renunüat Frid. Tiedemann. Disseritur de Sotnniis. [Heidelb. 
Groos. 31 S. 4.] Es ist eine Abhandlung über das Wesen der Träume 
nach 'den psychologischen Bedingungen des Schlafes, in welcher nament- 
lich die Bemerkung durchgeführt ist , dass die Träume nur aus dem Jfr- 
innerungsvermogen hervorgehen und ihr Material stets aus dero< was 
früher im wachenden Zustande empfunden worden, entnehmen ^und dass 
also der Mensch von Dingen, die er noch nicht kennt, niemals träumt, 
nie vorwärts, sondern nur rückwärts empfindet. Der Jüngling kann sich 



232 Schal- and Universitätsnachrichten, 

daher, im Traume nie als Greis vorkommen, und es ist ein psychologischer 
Verstoss, wenn Jean Paul iu der Neujahrsnacht eines Unglücklichen 
einen Jangling von seinem Greisenalter träumen jässt, [J-] , 

Königsberg. Die Universität war im Winter 1841—42 von 369 
Studenten (worunter 28 Ausländer) und 22 nicht immatrienlirten Chirur- 
gen und Pharmaceuten, im Sommer 1842 von 352 Studenten (mit 25 Aus« 
laadern) und 49 nicht immatrienlirten Chirurgen, im Winter 1842—43 
von 350 Studenten (mit 23 Ausländern) and 16 Chirurgen, im Sommer 
1643 von 19 Chirurgen und 358 Studenten [20 Ausländern , 80 zur theol., 
72 zur Jurist., 78 zur medicin., 178 aar philos. Facultat Gehörigen], im 
Winter ^843—44 von 341 Studenten [14 Ausländern, 75 der theo!., 71 
der Jurist, 77 der medicin,, 118 der philos. Studien Beflissenen] und 
18 Chirurgen besucht. Aus 4er theol. Facultat ist im vorigen. Jahre der. 
Consistorialrath and Professor primarius Dr. Kotier seiner Aemter als 
Prediger und Professor entlassen ,. mit einer Pension von 1796 Thlrn. in 
den Ruhestand versetzt and ihm der rothe Adlerorden 3. Classe mit der 
Schleife ertheilt, der Professor Dr. Cäsar von Lengerke mit Gehalts- 
erhöhung ans der theologischen in die philosophische Facultat versetzt 
und an der Stelle des verstorbenen von Bohlen zum Professor der oriea? 
tatischen Sprachen ernannt worden* In der theoJL Facultat lehren jetzt 
die erdentl» Professoren Superintendent Dr. Gebeer 9 Consistorialrath «ad 
Hofprediger Dr. Sieffert, Consistorialrath und Superintendent Dr. Lehr 
nerdt, V>T.Hüvernick [s. NJbb. 32, 2J8.] und Consistorialrath Dr„ lhmtr 
[seit vor. Jahre von der Univ. Kiel als erdentl. Professor und Mitglied 
des Consistoriums berufen] und'die Privatdooc. Hülfeprediger Dr. Becker 
und Prediger Dr. h, A. Simon II« In der juristischen Facultat lehren 
die erd. Professoren Tribunalsrath Dr. Sehweickuri , Dr. Santo, Dr*f»o» 
Buehhols, Dr. Jacobson und Tribunalsassessor J)r. Simean I.-; in der me- 
diciniseben Facultat die ordentL Professoren Geh. Medicinalrath Da Karl 
Frfodr. Burdach I., Geh. Medicinalr, Dr. Sacht, Medicinalr« Dr. Seerig 
und Medicinalr. Dr. Rathke, und dazu sind im vor. Jahre der ausserord. 
Professor Dr. WMu Cruee nnd der praktische Arzt Dr. Georg Hirsch au 
ordentl. Professoren ernannt worden. Ausserordentl. Professoren dieser 
Facultat sind der Director der Hebammenlehranstalt Dr. Heyn, Dr. Ernst 
Burdach II. und der im vor. Jahre dann ernannte Privatdoe. Dr, Burom» 
In der philos. Facultat sind ordentl. Professoren der Geh. Regierungsrath 
Dr. Bessel, 4er Regierungsrath Dr„ Karl flfemr« flogen I. , der Geh. Ra*> 
gSerungsrath Dr. hobeck 1. , Dr. Drumswn, Geh. Regiernagsr. Dr. Voigt, 
Stipendiencurator und erster Uaiversitatsdepositarius Dr. Schubert, Dt, 
Meyer, Dr. /aecet, Dr. Pulk, Dr« Er**t Jug. Magen IL, Dr* Neumann 
[gegenwartig Prorector], Dr. Rosenkranz, Dr. von Lengerke und der 
Inepeetor des Coliegii Albertku Dr. Moser; ausserord. Professoren der 
lejpeoter der kwi. Freitische Dr. Richelot, der Sehnlrath Dr, Lucas [seit 
kurzem an Jachmanns Stelle zum Provmzialsehttkath «nd Mitglied 4ßB 
PmvkiElalsehiilcollegiums ernannt], der Gj9nne^oberlebr«r Dr. Inste** 
Dr. Taute imd die im vor. Jahre aeuernaimten ausserevd, Professoren 
P*> Grube und Dr. Nesselmann; Privatdocentea der Pferrer Dr. Gregor, 



Beförderungen and Ehrenbezeigungen. £88 

dar Gyiuiaeialprofeaftor Dr. Merleker, der Gyiunaeialoberlehrer Dr. Znav 
rfcr, der Divisionsprediger Dr. Bmpp f Dr. Genua«, der Bibliothek * Am* 
nannsi* Dr. Lobeck IL, pr. ßo6 riefe, Dr, MichaeUs, Dr. fiame, Dr. SM 
«ad Dr. Herbst. Data kommen noch 6 Sprach* und Ezercitienmeieter. 
Zu Anfang dieses Jahres iet den Professoren Simsen, et« BucMafs, /s> 
snfteoR, Sechs, Lehrs und Taute aad des Priratdocenten Gerwrn und 
Miehaelis eine Remuneration tob je 100 Tfclrn, aus Staateleada über- 
wiesen «od roa der Akademie der Wissenschaften ia Berti» dem Pr#C 
Dr. Azoter 'vierhundert Thaler aar Fortsetzung seiner Versuche aber die 
Wirkungen der Gasarten in der Sphäre des Lichts bewilligt worden« 
Desgleichen wurden rom Ministerium zum Ankauf von Grundstücken für 
den betoiimchen Garten 1700 Tbk. ausserordentlich bewilligt. Die Uni- 
versität hat im vorigen Jahre nenn Statuten erhalten, welche smter dem 
4. Mai 1843 von Sr. Maj. dem Konige vollzogen worden send, nnd wird 
Ha gegenwärtigen Jahre ihr drittes Sacnlarfeat feiern , wozn nie Tor- 
laefige Ankündigung der PriTatdoeent Dr. Eduard Geeeeee tn r* Räumer'* 
historischem Tasckeabueae für 1844 Die Gründung der Unhetmtmt Kö- 
nigsberg und deren Säeularfeier m den Jahren 1644 nnd 1744, ein Aet- 
trmg eur bevorstehenden dritten Smcnlarfeier , hemnsgegeben hat. Von 
den verschiedenen Universitömschcsften kennt Äef. nnr dem Titel nach 
da» diesjährige Oeterprograaune Coftetbnat saerme epkcepi Oeergü u Fe* 
lentis fesio resurrectionis J. Chr. et feste Penteeostes «. 1524. tn eectose 
cuthedraU Reghmontanu kabitae. Ex autegrepho mdidit et praefmtm est 
A. RmL Gebeer. [1843. 24 S. gr. 4.] , nnd die Eäaiadiingssahrift aar Ge- 
däahtaissfeier der Erhebung Preussens nam Königreich: De verbis qulm t m e 
cenmgationis ran dem Geh. Regierangsrath Prof. Lobeck [Königsberg 
b. Hartnng. 1843. 15 S. 4.]. Derselbe Gelehrte hatte nur Feier des Ge- 
burtstages des Königs De nominibus primae declinationis in ag purum est- 
enntibm dmertatio l. [1843. 15 S. 4.], sowie im Jahr 1842 hei aw4 
andern Gelegenheiten De nonumibus graeei sermonis quormm eharaeter est 
labialis [1842. 15 S. 4.] nnd De nomiwaems querum ehmraeter est guttural* 
dissertatio IL [8 8. 4.] geschrieben. 

Münster. Die dasige akademische Lehranstalt war im Sommer 
1843 Ton 201 Studenten besucht, worunter 24 Ausländer und -33 Alumnen 
des bischöflichen Seminars, nnd erhalt seit dem 1. Januar 1843 zur Erhö- 
hen«; 4er Lehreigehalte, Vermehrung der Leaniettee nnd Verbessert»« 
den Stets der Shmiothek and wissenschaftlichen lurätarte einen jährliche» 
Zneehuas wem 8000 Thsrn. aus Staatsfonds. Für den gegenwärtigen 
Winter haben Sn der theologischen Facuität dfe ordentliahen Pro f es a e ren 
Dr. Georg *eaWrmatt», Dr. ffetnr. Schmüiling, Dr. jftav Bertlage, Da. 
hör. Reinke nnd Dr. Dkkhef (seit vor. Jahre fem daasgea Gjmmnsinm 
ab erdeotL Ftraf. der Moraltheelogie berufen] und der ansaerord. ProiV 
Dr. Ad. Cappenberg, in der philosophischen Facultät die •ordentL *>*- 
fessoven Dr. AFtia. Esser, Domherr Dr. Lud». rVutferaanwn, Dr^smv 
Bemr. Graue* , Dr. Fr*. WinkweUy Dr. Chetph. Güdernum« «ndDz. 
fieeek* [seit vor. Jahre Tom Gyinnashmn in Oeblenz eis ordentL Professor 
der nanalachea Literatur und der GescWcbt» der dn ntsrfce n Nationatttte- 



234 • Schul- und Universitätsnachrichten, 

ratur berufen] , der ausserordentl. Prof. Dr. Fr*. Becks und die Privat- 
docenten Chatph. Schlüter, Vr. Jos, Schmedding und Gymnasiallehrer 
Ijeop. Schipper Vorlesungen angekündigt. Der ordentl. Professor der 
Theologie Dr. Frz. Neuhau* ist seit vor. Jahre mit einer Pension von 
450 Thlrn. in den Ruhestand versetzt, die ordentl. Professoren der phi- 
losophischen Facultät Dr. Heinr. Rolling und Dr. Chetph. Schlüter sind 
1841 verstorben, und der Privatdocent Theod. Lutterbeck ist als Prof. 
der Theologie an die Universität Giesseri berufen« Der ausserordentl. 
Professor Dr. Cappenherg wurde zu Anfang dieses Jahres zum ordentl. 
Professor der Theologie ernannt, verliess aber wenig Tage nachher die 
Akademie , um sich als Missionair nach Amerika zu begeben. Der Pri- 
vatdocent Dr. Schmedding hat vor kurzem eine ausserordentl. Remune- 
ration von 100 Thlrn. erhalten. In dem Prooemium zum Index lectionum 
per men$e8 aestiv. a. 1842. habendarum [6 8. 4.] steht eine zeitgemasse 
Ermahnung der, Stodirenden zum eifrigeren Betreiben der sogenannten 
philosophischen Studien auf der Universität, wobei zugleich eine alte 
Verordnung vom Jahr 1784 und 1789 mitgetheitt wird , nach welcher in 
Munster die Stodirenden erst ein Examen in den philosophischen und 
mathematischen Wissenschaften zu bestehen hatten, bevor sie zur Theo* 
iogie übergehen oder sich zum Concursus pro titulo mensae episcopalis 
melden konnten. Im Index lectt. Jribem. a. 1839 — 40. ist S. 4 — 8. Cice- 
ro'* Spruch, tantum scimus, quantum memoria tenemus, erörtert und 
durch Beispiele aus dem Aherthum die Pflege des Gedächtnisses und die 
Erwerbung eines reichen , klaren Wissens empfohlen. Im Index lectt. 
aestio. a. 1839. hat der Prof. Dr. Frz. Winiewski 8. 3—22. über den 
dritten Chor aus Sophokles 9 Antigone verhandelt und nachdem er Sinn 
und Ideengang desselben kurz angegeben, besonders über die schwierigen 
Verse 607 — 610. sich verbreitet, und dieselben gegen die vielen Anfech- 
tungen dadurch zu rettep gesucht , dass er genau nach den Handschriften 
und Scholien und nur mit Veränderung des fynsi in eqnmv (worauf die 
Schotten fuhren) diese Verse so schreibt: 

to t faeizcc xoti xo fidlXov 

uai to tcqIv inttQ%ioei 

VOflOQ SB*, OvSlv FoffttV 

&vctTeiv ßtoTco ndpKolij i*zog axaq. 
tmd deren Sinn fölgendermaassen gestaltet: „Tuam, Jupiter, quis homi- 
num fastus cobibere possit potentiam? Quam neque somnus omnia domans 
iabefactat unquam , nee rotatu indefesso volventes deum menses. Senii _ 
expers regis fulgentem Olympi splendorem. Et haec lex obtinebit et 
nunc et in posterum, ut Juit ante; ea vero vitae mortalium per omnes 
civitates (vim auam exserens) nequaquam accedens sine pernicie. . Namque 
spes vaga multis quidem mortalium fruetum sui praebet ; multorum antem 
dtriudit leves cupidiries; ex improviso opprrmit mentis error, priusquam 
igni ardenti pedem admoverit." Quorum omnium sententia haec est: lex, 
quae cemitur in Iovis invieta potentia, valebit semper, sed in vitammor- 
talium non sine pernicie. Nam homines pravis cupidinibus trahuntur ad 
seeiera, per sceUra ad perniciem. Die Rechtfertigung dieser Erklärung 



Beförderungen und Ehrenbezeigungen. 385 

ist auf eine genaue Erörterung des ganzen Zusammenhanges der Stelle 
nnd der einzelnen Worte derselben begründet, und namentlich auch die 
Bedeutung des inoconieei besprochen , welches zwar nicht valere bedeute, 
wohl aber ao%tlv int ti, sujfjffcere, suppctere. [J.] - 

Paderborn. Die dasige theol. Lehranstalt, das Seminarium Theo- 
dorianum , ist seit Anfang dieses Jahres nen organisirt worden und wird 
von jetzt an aus einer philosophischen und einer theologischen FaeuttSt 
bestehen. Die philos. Facultat hat vier Lehrstuhle 1) für Philosophie, 
2) für Philologie und Geschichte, 3) für hebräische Sprache, 4) für 
physikalische Wissenschaften, und der Studiencnrsus ist auf ein Jahr fest- 
gesetzt. In der theol. Facultat dauert die Studienzeit für theoretische 
und praktische Ausbildung vier Jahre, und zwar so, dass die Studirenden 
erst nach dem vollendeten zweiten theologischen Jahr in das Klerikai- 
seminar eintreten und den praktischen Uebungen sich zuwenden können. 
Hier bestehen besondere Lehrstuhle 1) für Exegese, Einleitungs- und 
Hilfswissenschaften , 2) für Kirchengeschichte, Kirchenrecht, Patristik 
und Archäologie, 3) für Dogmatik, Symbolik und Dogmengeschiebte, 
4) für Moraltheologie und Pädagogik. Die praktischen Anleitungen und 
Uebungen, sowie die Vorlesungen über Pastoraltbeologie werden von 
dem Regens und Subregens des Klerikalseminars besorgt. Alle Vorlesun- 
gen sind übrigens mit angemessenen Repetitionen verbunden. Die Lehrer 
für die neuerrichteten Lehrstuhle sind theils schon ernannt, tbeils sollen 
sie demnächst berufen werden. Der gegenwärtige Regens des Klerikal- 
seminars 17. Schulte ist vor kurzem zum Doracapitular bei der Kathedral- 
kirche ernannt worden. 

Preussen. Bei dem am 21. Januar in Berlin gefeierten Kronungs- 
und Ordensfeste ist unter Anderen folgenden Gelehrten eine Ordensaus- 
zeicbnung verliehen worden: Der rothe Adler orden 1. Classe mit 
Eichenlaub in Brillanten dem wirklichen Geh. Rath von Humboldt; der 
Stern zum rothe n Adlerorden 2. Classe mit Eichenlaub dem 
Geh. Legation srathe und Gesandten Dr. Bunsen in London; der rothe 
Adlerorden 2. Classe mit Eichenlaub dem Oberconsistorialrath und 
Professor Dr. Neander in Berlin , ohne Eichenlaub dem Bischof Arnold* 
fti Trier und dem Geh. Rathe von .Schellmg in Berlin; der rothe Ad- 
lerorden 3. Classe mit der Schleife dem Prof. Ör. Hecker in Berlin, 
dem Geh. Mfcdieinalrathe und Prof. Dr. Krukenberg in Halle, dem Re- 
giertmgs- und Schulrathe Lange in Berlin, dem Consistorialrathe Prof. 
DrVTWfcritf Halle und dem Obe&onsistorialrathe Prof. Dr. Twerten in 
HBerlitrJ' de* rothe Adlerorden 4. Class e dem Director Bonneü am 
«Frledrieb» J Wilhelms -Gymnasium, dem Medicinalratbe und Prof. Dr. Fro~ 
'9fep,?'dem Prof. Dr. Gabler und dem Hofratbe und Prof. Dr. Joe. Grimm 
•W Berlin ftitom «eh» Jifstizrath und Prof. Dr. Hencke in Balle, dem Prof. 
'MsHebgirtenW'gJh Bfcrltn, dem Prof. Dr. Leo in Halle, .dem Prof. Dr. 
Mtignv* toftarlin; dem Consistorialrathe und Prof. Dr. Müller U Halle, 
•dem Geh. Regierungsifetfte und OberbibRothekar Dr. Perte, dem, Prof. 
SeMennger am Museum, dem Stadtschulrath Schübe und .den Professoren. 
Dr. Steiner orid Dr. Trendelenburg iir Berlin. Im vorigen Jahre haben 



280 Schill- «nd Uaif ersitatsnachrichten, 

bei besonderen Gelegenheiten der Superintendent «nd Pfarrer Dr. Harjtr 
mann im Düsseldorf den rothee Adlerorden 2. CJasse mit Eichenlaub, die 
Gjnnsmsialdirecteren Haeenbmlg in Patbui, Dr. Hemelhaeh in Stettin und 
Dr. Müller in Coslin, der Gymnasiallehrer Afenne in Bonn, der cmeritirte 
Gymnasiallehrer SehnaubeU in Oppeln (bei der Feier «eines 50jährigen 
Priestejry«b.U*ftNne) «nd der Rector Ziegner in Landaber«; den rotfcen Ad- 
lerorden 4» Cime, und der Staatsrat« und Prof, t»ft Kru$e in Derpat 
für die Uebeireiohung »eines Werke« Neer+tiwnica die goldne Medaille 
für Wissenschaft erhalten. Der I*opoldinisch-CwoUnischen Akademie 
der NaUurferscner in Breslau ist zur Herausgabe ihrer Schriften eine ans- 
serordenükoa Untor*tnt«ung von 300 TWrn. , dem Dr. Henrich in Bonn 
nn einer wissenschaftlichen Reise nach Wien eine gleiche von 200 Thlnu, 
dem Geographen MuUckeH in Berlin zur Herausgabe «eine« historisch - 
geographischen Atlas des deutschen Landes und Volkes anf 5 Jahr eine 
jähr lieh« Unterstützung von 200 Tidrn« «nd die Subseription auf 26 Exem- 
plare bewilligt worden. Zur Vertbeilnug an die Gvsana^albibli+fheken 
werden 26 Exemplare von Biese* • Philosophie des Aristoteles und 30 Exem- 
plare Ten Gerhard'* archäologischer Zeitung angekauft. Für da« Jahr 
1844 sind su Direktoren und Mitgliedern der wissenschaftlichen Prüflings- 
ceasanssienen ernannt: in Berlin zum Direktor der Regiernagsschnlrath 
isangM «nd zu Mitgliedern der Gjminasialdirector Mmneke und die U«i- 
vevsUässf^essere» Lqeyngj-Dimhiet, TrendeUrAurg, Guste» Bot* und 
Twesten; in KopiasBBfte «um Director der Prof. Lobeek and sn Mitglie- 
dern die Proff« Schubert, Rasenkranm, JaeM, Lehnsrinod Hauke; in 
Breslau zum Director der Prof. Elvenich und zu Mitgliedern die Proff. 
Hasm, Kutten* Mummer, BShsuer, Movers «nd Geppertj in Greifs- 
wa.t» snm Dkeotor 4er Prof« Dr. GriMterfund an Mitgliedern die Proff« 
Schümann, BurthoM, ftMeitrotft , MattMes «nd Horwehueb; in Halle 
snm Director der Prof« Leo und zu Mitgliedern die Proff. Bernkmrju, 
Boeenherger, Erdmann, Müller «nd Burmeister; in Bomn süss Director 
der Prof. Ptücker «nd zn Mitgliedern die Proff. BUschl, LobhU, Brandt*, 
Sack, Bälger* und Gurt. Bischof; in MÜNSTER zum Pirecter der Consi- 
atoriat- und Schulrath Wagner nnd sn Mitgliedern die -Pxeff. Gudermann, 
WinieuBski, Gremert, Esser t Beck» «nd Vieckhoff. Aul de« 6 Univerw- 
ssnen und der nkademischea Liehraostek in Munster stedirten m Sommer 
1810 &63 Minder «nd 767 Ausländer and zwar evengeL Theo), 940 Jni« 
«nd 20» Ansl», kein* TheoL 405 Int «nd 27 Aus*., Jiiriapiufenz «06 Jol- 
«md 161 AuaL. Medicin 718 JnL ««£394 Ansl«, «hilol «ed .philo*. Wvh 
seiischaften 665 Jai, «nd 146 Aast, Cameralia 139 *nl. und 27 Ansl,?* jm 
Winter 1840—41 3640 InL und/831 AusI«, imnOich ewig« Therf..OM {• 
'220A., Joate.Teeo1. 4081. 24 A«, Jnrisprud« 8*£ L 106, A«„ Medioin 
«f04 I. 211 A«, Phüoi. n. Phil«. 666 I« 162 A*i .(*mertaji« : |io4 fc,«M*'i 
hm Sommer 1841 3526 SnU and 765 Ansl, «nd «** ^a W> ;«N^v«37U . 
226 A-> knnWTheoi. 396 I. 20 A., Juris»*. 806 I. J^A., ttetfej» 70»*% 
169 A«, *hü\ «. Philo«, 579 L 157 A«, Cameralia 171 X- » A*; im;f¥j«tftr 
,1*41-42 3602 InL «ad 882 Ansl. , «amJiob c*«ng> Timei. 877 I. 256 A«, 
kein. Thnoi. 420 1. 27 A«, Jurispr. 809 1. 229 A^ Medtdn; «81 1. **4 A„ 



Beförderungen und Khrenbeseigasgen. 88? 



Pntfol. aad Pailos. 595 I* 176 A., CaawrtlU 330 I. 31 k* Im J 
1843 waren 4379 und im Winter darauf 440S Studenten , darunter 341 
and 165 Adelige, 4038 und 4041 Bayerische, 8667 and 8606 Inländer, 
813 «Ad 901 Aasländer, 1186 und 1093 evangelisches 4*5 and 433 kataa» 
lisch« Theologen, 1003 und 993 Juristen, 837 und 816 Meärfaer, 779 
and 848 Philologie und Philos epWe Studirende, 350 and 335 Ctaeiftlistea« 
Von den Inländern dieser beiden Semester stammten aas der Provinz 
Preassen 486 and 469, aus Pose» 167 und 174, an» Brandenburg 586 and 
589, aas Pommern 325 und 335, am Schlesien 718 and 689, aa* 8aensett 
638 und 530, ans Westpbalen 381 and 375, au» der Itoefepre+ins 457 
and 449, ans Weufchatel 7 und 5u Ven dem Ministerin« der Unterrichts* 
angeiegenheiten ist ven allen Universitäten ein Gutachten darüber ein» 
geholt werden, ob nicht die akademische Unterrichts* eise dabin abw- 
andern gel, dass die akroamasischea Vertrage mit dialogischen Unter** 
redongen abwechseln and der vortragende Lehrer in jeder leisten Woche 
des Monate sich durch Fragen, die er an seine Zäherer richtet, über-* 
sengt, was sie von dem Vorgetragenen begriffen habe». Dem Vernehmen 
nach haben sieh die Universitäten Königsberg and Greisswald dafür, die 
Universitäten Berlin, Halle and Bona dagegen erklärt» Als Vorläufer 
an dieser Anfrage kana man die Schrift des Prof. Bist hoffte Bona, Eini- 
ges, mos den deutschen Unmer$kä*en N<Xh f*at [Bona 1843. XIX u. 310 S. 
&}, ansehen, worin er in vier getrennten Auniätscn ebensoviel iar feh. 
lerhsft gehaltene £inricbtnngen der Universitäten angefochten and be- 
kämpft hat. Während nämlich der «weite Aufsatz S. 71—139. von der 
Stellung «ad Tätigkeit der akademischen Lehrer handelt and die Fer« 
derang stellt, dass den ordentlichen Professoren ihre Aufgabe, ihr Wir- 
kungskreis and ihr Recht nicht durch das Auftreten ven ausserordensJ. 
Professeren und Privatdocenten. in demselben Lehrfache and mit gleichen 
Vertragen geschmälert werde ; der dritte Aufsatz die verbotenen Verbin- 
dungen aal Universitäten bespricht, und der vierte £• 185 ff. für die 
Universititspromotionen, namentlich für die medicinischen, strengere 
Prüfungen fordert, und bei den letztern die theoretische Präfaag ein Jahr 
vor der praktischen gehalten, dagegen aber ^im Staatsexamen in Wegfall 
gebracht wissen will: so kämpft der erste Aufsatz S t 1—70. eben- gegen 
den monologischen Vortrag in den sogenannten Collegien and verlangt die 
Einführung einer eokratischen Lehrweise, bei welcher vornehmlich dem 
Lernenden das Fragen and Antworten anstehen soll. Der Verf. hat die* 
sen Verschlag mit einer Reihe beachtenswerlher Grande gerechtfertigt, 
aaf mehrere fest anabweisbare Mangel der akreamatischea Vertrage hin- 
gewiesen, and einneble aaf den Universitäten bereits gemachte Versuche 
eretewatischer Lebrwe&e aufgezahlt. Im Gänsen ist aber seine Er5rte*> 
rang des Gegenstandes sn einseitig and geht weder aaf das- Wesen und 
die Unterrichtsaafgabe der Universitäten, noch aaf den rechten Gebranch 
der akreamatischen nad erotematischen Vorträge hinreichend and tief 
geftng ein. Er hat, wie es scheint, die Doppeftfrage nicht gehörig 
unterschieden ,_ wie weit erotematische Vorträge aaf der Universität an 
sich ein Bedürfais» sind, and wie weit durch sie nur gewissen fehler*- 



238 Schul- and Unlversitätsnachrichten, 

haften Zustanden entgegengewirkt werden soll. Der letztere Paukt 
scheint far ihn der wichtigste gewesen zu sein; denn er will durch seine 
sokratische Lehrweise namentlich bei den Lehrern das viele Dietiren and 
das Hinaustreten aber die Fassungskraft der Zuhörer, bei den Studirenden- 
das mechanische Aufnehmen des Lehrstoffes als todten Wissens wegbringen. 
Richtiger hatte er darauf hinweisen sollen, dass es überhaupt akademische 
Vorlesungen giebt, für welche um ihres Inhalts und Zweckes willen die 
erotematische Lehrweise die angemessenste ist. Dahin gehören viele Vor« 
trage der philosoph. Facqltat und überhaupt alle diejenigen, welche nicht 
sowohl das positive Wissen des Studirenden fördern , als ihn vielmehr in 
seiner allgemeinen geistigen Ausbildung und namentlich; in der Entwicklung 
seiner intellectuellen Kräfte vorwärts bringen Sollen, überhaupt auf dem- 
jenigen Gebiete des Unterrichts fortbauen , auf weichem blos die allge- 
mein humanistische Bildung erzielt werden soll. Es sind- dies namentlich 
die Vorträge über theoretische Philosophie und über allgemeine Mathe- 
matik und Naturwissenschaften, sowie die allgemeinen exegetischen Vor- 
lesungen, welche als unmittelbare Fortsetzung des Gymnasialunterrichts 
den Zweck haben, das höhere Erkenntnis»- und das speculative Urteils- 
vermögen vollends cur Reife zu bringen, und welche man daher in Süd* 
deutschland den Lyceen und Lycealclassen als Unterrichtsgegenstände 
angewiesen hat. Dagegen ist es bei allen akademischen Vorträgen , in 
welchen irgend ein positives Wissen als systematisches Ganze dem Zu- 
hörer vorgeführt wird, was er zunächst nur verstehen, erfassen und sei- 
nem Gedächtniss einprägen soll, zwar überaus heilsam, wenn der Leh- 
rer in der Erörterung« weise des Einzelnen nicht blos die Erkenntniss - , 
sondern auch die Urtheilskraft des Zuhörers in Anspruch nimmt; aber 
dialogische Lehrweise kann hier nur zum Zerreissen des systematischen 
Zusammenhanges und zur zwecklosen, ja zweckwidrigen Ausdehnung des 
Unterrichtsganges fuhren. Bei ihnen also erotematischen Vortrag vor- 
schreiben , das heisst entweder an der Befähigung des Lehrers zweifeln, 
dass er sich mit seinen Erörterungen der Fassungskraft seiner Zuhörer; 
gehörig accommodiren könne, oder bei dem Zuhörer voraussetzen, dass 
er für solche Vorträge noch nicht geistig reif sei. Einen dritten Fall 
nämlich , dass die eingelegten Fragen den Beweis geben sollen , ob der 
Zuhörer gehörig Acht gegeben und repetirt hat, darf man gar nicht hier- 
her rechnen, weil er nur die Rechtfertigung der sogenannten Repetitorien 
und Ezaminatorien enthält , welche blos ein Bedürfniss für geistesschwa- 
che und arbeitsscheue Studenten sind. Aber dialogische Coilegia sind 
wiederum angemessen, wenn der Student die systematischen Vorträge 
bereits gehört und eingeübt hat, und wenn er das durch sie erstrebte 
positive Wissen entweder praktisch anwenden lernen oder an ihm zur- 
höhern und eignen Speculation über die Wissenschaft geführt werden 
soll. Jeder weitere Gebrauch der dialogischen Vorträge jedoch stört 
und verrückt das. Wesen und die Aufgabe der Universität, oder setzt 
mangelhafte Elemente derselben voraus, welche auf andre Weise beseitigt 
werden müssen. Will man nämlich etwa dadurch das übermässige Dieti- 
ren einzelner Universitätslehrer , oder die zu gelehrte und zu abstracto 






Beförderungen and Ehrenbezeigungen. 289 

s 

Haltung ihrer Vortrage, oder bei den Studirenden faa mechanische JBia- 
lernen der Facultätswissenschaft beseitigen ; so greift man jedenfalls das 
Uebel nicht am rechten Platz an und untergräbt die vermisste Selbst» 
thatigkeit der Studirenden vollends ganz. Leider ist gegenwartig schon 
auf den Gymnasien darum , weil man von dem Schüler für die Abiturien- 
teuprüfung ein zu vielseitiges positives Wissen verlangt, weil man die 
Hülfewissenschaften ^des Gymnasialnnterrichts besondern Fachlehrern in 
die Hände giebt und von diesen als selbstständige Wissenschaften behan- 
deln lässt, und weil man die geistige Entwicklung des Schulers blos durch 
den Unterricht und durch gestellte Aufgaben erstreben will und der 
Selbsttätigkeit desselben zu wenig Raum und Aufmunterung giebt, der 
Uebelstand eingerissen, dass derselbe gewöhnlich nur zur Einübung 
einer positiven Wissensmasse und zu blos mechanischer Geistesentwick- 
lung gelangt, aber weder zur geistigen Lebendigkeit und selbstständigen 
Herrschaft über sein Wissen, noch zu der Selbsttätigkeit und Charakter- 
starke gebracht wird, welche auf die eigne Kraft vertraut und mit eigner 
Anstrengung wissenschaftliche Schwierigkeiten überwinden und überhaupt 
selbst beobachten und prüfen will und kann« Kommen' nun solche mecha- 
nische und aller geistigen Selbstständigkeit bare und ledige Kopfe zur 
Universität, so fühlen sie zunächst gar nicht das Bedürfnis*, durch die 
allgemeinen philosophischen Wissenschaften und durch freies Selbststu- 
dium sich zur geistigen Lebendigkeit und wissenschaftlichen Selbststän- 
digkeit zu erheben, sondern sie wollen eben nur für das künftige Examen 
positives Wissen sich einprägen und verlangen darum eben Vorlesungen, 
wo ihnen der zu erlernende Stoff in die Feder dictirt wird. Und weil 
nun die gewählte Facultätswissenschaft so viel positiven Stoff zum Lernen 
bietet, und nicht wenige Universitätslehrer den seltsamen Weg verfolgen, 
dass sie Alles , was über einen Lehrgegenstand etwa zu wissen nöthig 
scheint, in der angesetzten Vorlesung bis in's Kleinste hinab umfassen 
wollen und deshalb für Kirchengeschichte , Dogmatik , Institutionen - und 
Pandektenrecht u. dergl. einen zweijährigen Cursus mit 6 — 10 wöchent- 
lichen Vorlesungen brauchen : so hat der Studirende, der natürlich seinen 
akademischen Cursus in drei Jahren vollendet haben will, gar keine Zeit 
mehr, selbstthätig in diesen Wissenschaftsgegenständen zu arbeiten oder 
sich neben der Facultätswissenschaft noch um allgemeine und humanisti- 
sche, d. h. den reinen geistigen Menschen ausbildende Wissenschaften zu 
kümmern« Hier also liegt der Hauptgrund des Dictirens und des mecha- 
nischen Lernens, und das Verlegen der Candidatenprüfüng auf die Uni* 
versität, so sehr sie in andrer Beziehung heilsam ist, befördert das 
Letztere, weil sich der Prüfende leicht zufriedenstellt, wenn der Ge- 
prüfte recht viel von den Ansichten zu wiederholen weiss , welche jener 
in den Vorlesungen vorgetragen hat. Die durchgreifenden Mittel zur 
Beseitigung dieses Uebels ergeben sich aus der gerügten Beschaffenheit 
des Uebels selbst, und eine bedeutende Abhülfe dafür würde •vielleicht 
schon gefunden sein, wenn man einerseits denjenigen jungen Männern, die 
sich zu Universitätslehrern, namentlich für die allgemeinen Wissenschaften, 
ausbilden wollen, die Verpflichtung auflegte, sich vorher eine Zeitlang 



240 Schul- n. Uraverritatsiiacbrr., Beforderr« u» Ehrenbezeigungen. 



auf einem s^rteingwrishteten Ctynmastum in der Lehrmetbodik zu üben und 
dft# Fassungskraft des Jugendlieben Geistes nebst de» MiUeln *u seine* 
AiiUldoiff daselbst kemsoa an lernen; andrerseits auch die akademischen 
Lehrer selbst mit des Gymnasien in engere Verbindung traten und sieb 
mit der dort erstrebten State det Biidnng and wissenschaftlichen Entwich> 
long f enan bekannt machten , na entweder ebne Sprang auf derselben 
fortsubauen , oder sieb mit den Gymnasien darüber zo verständigen , bis 
an welcher beben Itawickluugsstnfe die dchüler gebracht werden nsassen» 
— Die 113 Gymnasien des Königreichs Preossen waren im Winter 1838 
—39 ron 21823, im Sommer 1839 Ton 21738, im Winter darauf von 
21946 Schalern besucht , welche in dem meierst genannten Halbjahr von 
964 ordentlichen and 622 HuBslehrern, im «weiten Halbjahr von 968 
ordentlichen und 527 Hilfslehrern unterrichtet wurden. Im Schuljahr 
1841—42 sabiten die 109 deutschen Gymnasien [mit Ausschluss der Pro* 
Yinc Pesen] 19862 Schäler« Die 18 Gymnasien der Provins Brandenbarg 
hatten fan Sommer 1840 3938, im Winter darauf 3840, im Sommer 1841 
3804, im Winter darauf 3783, im Schuljahr 1842 3683 Schuler; die 21 
Gymnasien der Provins Sachsen im Schuljahr 1842 3342 Schuler (Vgl* 
NJbb. 38, 187.] , die 18 Gymnasien der Rbeinnrovin* an derselben Zeit 
3516 Schüler [vgl. NJbb. 34, 466.], die 11 Gymnasien in Westphalen im 
Sommer 1840 1762, im Winter darauf 1763, im Sommer 1841 1791, im 
Schuljahr 1842 1848 Schaler und die 13 PregymnasieQ und 2 höhern 
Stadtschulen su den drei zuerst genannten Zeitpunkten 478 , 476 und 467 
Schüler, die 20 Gymnasien in Schlesien im Winter 1842—43 4563 Schfi* 
ler [vgl. NJbb. 38, 104.] , die 7 Gymnasien in Pommern im Sommer 1840 
1602, im Winter darauf 1567, im Sommer 1841 1546, im Winter darauf 
1544, im Schuljahr 1842 1498 Schaler, die 14 Gymnasien in Prenssen 
im Schuljahr 1842 2713 Schüler [vgl. NJbb. 37, 471.], die 5 Gymnasien 
in Posen im Sommer 1840 1243, und im Winter 1841—42 das Marien* 
gymnasium in Posen 395, dos Friedrich -Wilhelms -Gymnasium ebendas. 
179 , das Gymnasium in Lassa 224 , das Gymnasium im Bromberg 198, 
das Gymnasium in Trzemeszno 263 y die Realschule in Afeserita 177 
Schuler. Von sammttichen Gymnasien wurden 1840 1177 und 1841 1073 
Schüler für die Universität geprüft und davon 1060 und 1046 für reif 
erklärt* Dann kamen im letztem Jahre 89 Abiturienten, die ausländische 
Gymnasien besucht hatten, von denen 79 das Zeugniss der Reife erhielten. 
Vergleicht man diese Abiturieatemahl mit dem Schulerbestand der Gym- 
nasieU, so ergiebt sich leicht die Berechnung, das» mehr als die Hälfte . 
der Gymnasialschuler nicht für das Studiren vorbereitet wird. Ueber 
die verschiedenen Verordnungen, welche an die Gymnasien erlassen wor- 
den sind, werden wir in einem der nächsten Hefte berichten, und erwäh- 
nen hier blos das im vorigen Jahre ergangene Gebet, dass auf allen Gym- 
nasien Redeubungen und freie Vortrage in deutscher Sprache als ein per- 
manenteiwUnterriehtsgegenstand eingeführt werden seilen. PO 



Neue 

JAHRBÜCHER 

für 

Philologie and Paedagogik, 

oder 

Kritische JBihUotheH 

für das 

Schul- und Unterrichtswesen. 



In Verbindung mit einem Vereine von Gelehrten 

herausgegeben 

▼OB 

M. Johann Christian Jahn 

und 

Prof. Meinhotd, JBJotsu 




Vierzigster JBand. Drittes Heft. 



Leipzig, 

Druck und Verlag von B. G. Teubner. 

1944. 



Kritische Beurtheilungen. 



Antibarbarus der lateinischen Sprache. In zwei Ab- 
theilungen, nebst Vorbemerkungen über reine Latinität, von Dr. J. 
Ph. Krebs, herzogl. Nassauischem Ober - Schulrathe. Dritte, um- 
gearbeitete und vermehrte Auflage. Frankfurt a. M., Druck und 
Verlag von Heinrich Ludwig Brönner. XIV u. 821 S. gr. 8. 

V örüegendes Werk , welches Rec. bereis in seiner zweiten Be- 
arbeitung in diesen N Jbb. ausführlicher besprochen hat , ist auch 
in dieser neuen Auflage von dem würdigen Hrn. Verf. mit so viel 
Sorgfalt und Fleiss erweitert und verbessert worden, dass eine 
blosse Anzeige von seinem abermaligen Erscheinen hier um so 
weniger am Orte sein würde, je mehr der grosse Einfluss des- 
selben auf den öffentlichen Unterricht in den alten Sprachen nicht 
allein durch kritische Blätter, sondern auch thatsächlich durch 
den vielfachen Gebrauch des Buches selbst anerkannt worden ist, 
und je mehr grade bei derartigen Arbeiten kleine Berichtigungen 
und Zusätze, die wohl ein jeder Rec. von seinem subjeetivea 
Standpunkte aus zu machen sich berufen fühlen wird , nicht füg- 
lich ausbleiben können. 

Wir würden aber dem fleissigen Hrn. Verf. grosses Unrecht 
thun, wollten wir eher jene Zusätze und Ausstellungen unsrer- 
seits beginnen, ohne vorher mit einigen Worten wenigstens 
die wesentlichen Verbesserungen und vielfachen Zusätze, welche 
in dieser neuen Auflage von dem Hrn. Verf. selbst angebracht 
worden sind, anerkannt zu haben. 

Denn obgleich Hr. Kr. sich von den Kritikern, welche eine 
gänzliche Umarbeitung seines Buches von ihm gewünscht hatten, 
sich nicht hat bestimmen lassen , diese vorzunehmen , so hat er 
doch keinen Fleiss und keine Mühe gescheut, Alles das aufzu- 
nehmen und zu verbessern, was jetzt, ohne den Plan des Ganzen 
zu stören, aufgenommen und verbessert werden konnte. 

So ist das vorliegende Werk auch in seinem äussern Um- 
fange mindestens um ein Drittheil erweitert worden; und es kann 
in der That Niemand dem verehrten Hrn. Verfasser den Vorwurf 

16* 



244 Lateinische Sprachwissenschaft. 

des Unfleisses und der Unachtsamkeit machen, sollte er auch noch 
an dieser neuen Bearbeitung das und jenes auszustellen haben. 
Es hat Hr. K. zuvörderst die einleitenden und grammatischen Er- 
örterungen wesentlich verbessert und vielfach erweitert, und 
ausserdem, dass der erste Theil des Werkes bis auf 73 Seiten 
angewachsen ist, hat auch die erste Abtheilung des zweiten 
Theiles S. 77 — 96. eine grössere Ausdehnung gewonnen , woge- 
gen der eigentliche Antibarbarus S. 97 — 821. als der Haupttheil 
des Werkes eben in dieser neuen Bearbeitung keineswegs zurück- 
geblieben ist. Denn während er in der zweiten Auflage (von 67 
— 515.) 448 Seiten füllte, nimmt er jetzt 724 Seiten fast noch 
engern Druckes wie vorher ein. Da nun aber Hr. K. nicht Mos 
neue Zusätze machte, sondern auch die alten Artikel, wenn sie 
jetzt nicht mehr nöthig schienen, theils ganz entfernte, theils 
ganz neu arbeitete, kann man schon aus dieser mehr äusserlichen 
Darlegung abnehmen , wie viel diese neue Auflage vor der alten 
'voraus hat , und wie wesentlich die Verdienste sind , welche sich 
der Hr. Verf. durch diese abermalige Bearbeitung seiner Schrift 
um alle die erworben hat, welche sich für diesen Theil der Sprach- 
wissenschaft interessireir. 

Dass er auch bei dieser neuen Aullage tu mehrfacher Hinsicht 
durch verschiedene kritische Beurtheilungen seines Werkes unter- 
stützt worden sei, bekennt der Hr. Verf. selbst und dankt in der 
Vorrede p. XI. namentlich für die schriftlichen Mittheilungeni 
welche ihm zwei sächsische Gelehrte, Hr. Gymnasialdireetor Dr. 
Fr. Ed. Raschig zu Zwickau und Hr. Gymnasiallehrer Dr. C. 
W. Dietrich zu FVeiberg, ganz unerwartet gemacht hatten. 

Wenn wir nun gleichwohl hier und da einige Ausstellungen 
su machen finden, so wollen wir damit dem Hrn. Verf. keinen 
eigentlichen Tadel bereiten, sondern haben bereits oben bemerk- 
Bch gemacht, dass Zusätze und Berichtigungen, wie bei allen 
menschlichen Erzeugnissen überhaupt, so namentlich bei derarti- 
gen Arbeiten nicht leicht ausbleiben können. Wir wollen uns 
aber bei denselben diesmal vorzugsweise an den eigentlichen Anti- 
barbarus halten. In Bezug auf den ersten Theil bemerken wir 
nur das Folgende in literarhistorischer Hinsicht. Das von Hm. K. 
mit Recht angeführte gelehrte Programm von Karl Georg 
Jacob De usu numeri pluralis apud Latinos (Numb. 1841. 4.) 
ist raft einigen Zusätzen und Verbesserungen wieder abgedruckt 
in dem zu diesen NJbb. gehörigen Jrchive für Philologie und 
Pädagogik Bd. 8. Hft. 2. S. 165 — 207. (Leipz. 1842.), und e* 
war schon auf diesen Abdruck um deswillen Rücksicht zu nehmen, 
eben weil es nicht ein blosser Abdruck geblieben ist. Sodann 
konnte Hr. K. im zweiten Theile Abth. I. S. 85. bei Aufzählung 
der Literatur der latein. Synonymik wohl auch der Schrift von 
F. 6. Jentzen: Liber differentiarum linguae Latinae, con- 
scriptum a R G. Jentzen, auch unter dem Titel: „Sammlung der 



Krebs*: Aatibarbarns der latein. fijpracb^/ 24§ 

sinnverwandten Wörter der latein. Sprache (1100 Numjnero um« 
Aasend), Ein Hiilfabucli für die mittleren und höheren Ckssen 
der Gelehrtenscbulen." (Altona 1831. gr. 8.), gedenken, sowie 
wir uns auch Wundern, dass Hr. K. das Hundbuch der fate&ri- 
sehen Synonymik von Ludwig D öd er lein (Leipz. 1840. 8.) 
ganz unerwähnt gelassen hat, um so mehr, da grade jenes Hand- 
buch nach seines Verfassers eigner Aeussemng (Vorrede S. VII.) 
„speeiell der Kunst des Lateioschreibens dienen soll 44 und also 
vorzugsweise hierher, gehörte. Im Vorbeigehen bemerken wir 
auch, dass es etwas sonderbar klingt, wenn S. 91. Terenz ein 
Halbgrieche in Bezug auf die von ihm gebrauchten Wörter 
genannt wird.— Scheute sich ja selbst „Cicero nicht auszusprechen, 
dass ihm die Auctorität dieses Dichters grade in dieser Hinsieht 
gnögte. Wellte Hr. K. damit sagen, dass Terenz insofern als 
Halbgrieche erscheine, weil er griechischen S^off bearbeitete, 
ao mussie er sich .anders ausdrucken ; auch behandelten sehr viele 
römische Schriftsteller mehr oder weniger griechischen Stoff, 
ohne deswegen als Halbgriechen zu erscheinen Doch dies sind 
Kleinigkeiten , über welche wir nicht weiter mit dem Hrn. Verf. 
hadern wollen. 

Wenden wir uns nun dem eigentlichen Antibarbarus zu, so 
vermissen wir unter dem Artikel „Abesse, mit tantum verbunden" 
S. 104. eine Berücksichtigung der wenn auch seltneren«, aber doch 
nicht unlateinischen Wendung: tantum abest ab *o, ut etc,„ wei- 
che dann angewendet zu werden pflegt, wenn man mit einem ge- 
wissen Nachdrucke die Beziehungen des Einzelnen hervortreten 
lassen will und das, tantum abest, ut etc. nicht so sehr ab eine 
gemachte und so zu sagen abgehrauchte Wendung erschei- 
nen soll, wie es z« B. bei Cicero J)isp. Tusc. 1, 31, 76. heiast; 
Tantum autem abest ab eo, ut malum mors *£/, quod tibi dudum 
videbatur „ ut asrear ne homini nihil sit non malum aliud certe, 
sed nihil bqnum aliud potius etc„ oder hei Mvius XXV, 6, 11.: 
Tomen tantum abfuit ab eo, uf ulia jgnpminia iis exercitibus 
qvaereretßtr 9 ut et urbs fiofno per #um exercitum, qui ab Alliß 
Veios transfugerat , reeiperaretur 9 et Caudinae le&iones etc., 
und .ähnlich, hei C-äsar de beüo Gn/k V, 2, 2. naves longas 
XXVJI1 iuvenil instruetas neque multum abesse ab eo quin* 
paucis diebus deduci possent. Wie nun diese Construction schon 
um deswillen zu erwähnen war , weil sie von mehreren Kritikern 
verdächtigt worden ist, so möchte auch die Wortstellung: abest 
ab eo ut etc. und niemals anders, einige Beachtung verdient haben. 
Im Uebrigeu sehe man Moser zu Cic Tusch l. und mich zu 
derselben Stelle in der Ausgabe S. 10L, in den Nachtrügen &38. 9 
sowie Held zu der Stelle aas Cäsar $. 137. 

Ueber ac v-or ^inem Vopale stimmen wfr Hrn. K. bei dem bei, 
waa er S. 111. über den .stilistischen gebrauch dieser Aorejhuqg 
sagt; allein man hat doch neuerdings wieder ac vor Vncalen we~ 



246 Lateinische Sprachwissenschaft. 

nigstens f&r Varro noch in Ansprach nehmen wollen, s. K.'O. 
Müller zn Varro de ling. Lat. IX, 9. p. 199 sqq., und so ist 
wenigstens in allgemein sprachlicher Hinsicht noch immer nicht 
unbedingt abzuurtheilen , zumal da die spatern latein. Schrift- 
steller, will man nicht gar zu oft ändern, entschieden ac vor Vo- 
calen anzuwenden kein* Bedenken trugen. Dies nur zur Wahrung 
in rein sprachlicher Hinsicht; in stilistischer Hinsicht sind wir mit 
dem Hrn. Verf. vollkommen einverstanden; das Uebrige gehört 
nicht weiter hierher und wird von. uns bei andrer Gelegenheit aus- 
führlicher erörtert werden. 

Offenbar falsch ist S. 116. der Artikel: „Accusabilis, tadelns- 
werth, zwar hur einmal, aber bei Cicero, und nicht verwerflich 
neben vituperabilis, reprehensione dignus w. a." Accusabilis 
bedeutet an der einzigen Stelle, wo es bei Cicero und wohl über- 
haupt in der bessern Latinitat vorkommt, nicht tadelnswert^ 
sondern anklagenswerth irn eigentlichen Sinne, also s. v. a. qtti 
accusari potest vel accusandus est; konnte demnach auch gar 
nicht mit vituperabilis , reprehensione dignus zusammengestellt 
werden. Dies lehrt Cicero s Stelle selbst ; denn Disput. TuscuL 
IV, 35, 75. heisst es : ut si tarn ipsa illa accusäre nolis, stupra 
dico et cor rupielas et adulteria, incesla denique, quorum 
omnium accusabilis est turpitudo , sed ut haeo omittas etc., 
wozu Ochsner in den Eclog. p. 104. richtig bemerkt: „accusa- 
bilis, die man anhängig machen, gerichtlich belangen kann u , sowie 
F. A. Wolf (in meiner Ausgabe S. 473.): die turpitudo kann so 
weit getrieben werden, dass man sie öffentlich anklagen kann. 
Wenigstens liegt Etwas von diesem Begriff in accusabilis." Hr. 
K. wird sich sonach selbst überzeugen , dass accusabilis , wenn 
auch azal Xsyo^svov, recht fuglich in lateinischer Prosa ange- 
wandt werden könne, jedoch nur in der eigentlichen Bedeutung: 
„anklagenswerth^ gerichtlich zu belangen". Falsch' hat neulich 
auch Ellen dt zu Cic. de orat. II, 22, 99. vol. II. p. 212. accusa- 
bilis durch das griechische fisfiitios wiedergegeben, von welcher 
Bedeutung,' wie eben gezeigt, das Wort eben so weit entfernt 
ist , wie von dem lateinischen vituperabilis: 

Zu dem Art. acerbus S. 117. bemerke ich, dass ich Ruhn- 
ken wegen des Ausdruckes acerbo delectu keineswegs recht- 
fertigen, sondern nur die Quelle seines Irrtlyims nachweisen 
wollte, wenn ich Cic. Balb. 5, 11. de prov. cons. 2, 5. verglich. 

S. 120. vermisse ich das an sich gut lateinische Wort ad- 
omare, was sehr oft falsch gebraucht wird, und schon aus dem 
Grunde hier aufzufuhren war, weil die bessere Latinitat für ge- 
wisse Formen sich vorzugsweise entschieden hat. Es heisst näm- 
lich adamare ursprünglich liebgewinnen, kommt aber in der 
elastischen Periode nur im Perfect und Plusquamperfekt vor in 
der Bedeutung: sich (in etwas) verliebt haben, es mit 
Hintansetzung andrer Dinge oder Personen Vorzugs- 



Krebs: Anübarbarus dar latein. Sprache. 247 

weise lieben, und wird so bisweilen, fast wie odisse, als ein 
Fräsen» -Begriff benutzt, so bei Cic. de orat. ill, 19, 71. Si 
veter em ülum Periclem aut hunc etiam — Demosthenem sequi 
voltis et si illam praeclaram et eximiam speciem oratoris per- 
fecti et pulcritudinetn adamastis. So und bisweilen mehr noch 
der ursprünglichen Bedeutung sich nähernd kommt nur adamavi 
nnd adamaveram bei Cicero vor, wie Accus* lib. II. cap. 34. 
§85. lib. IV. cap. 45. § 101. pro L. Flacco Gap. 11. §25. pra 
Mtl. Gap. 32. § 87. de orat. III, 17, 62. ad fam. lib. II. cap. 4. 
§ 2. Orell. Acad. post. II, 3, 9. bei Non. p. 69, 6. aus Academ. 
lib. II.: Qui enim serius honores adamaverant , vis admittuntur 
ad eos, nee satis commendäti muüitudini posaunt esse , wofür 
früher falsch gelesen wurde adhamaverunU Sonach steht stili- 
stisch fest, dass aiamare an sich nicht heftig lieben, wie! 
froher oft falschlich angegeben wurde, sondern Mos liebgewin- 
nen heisst, dass aber in dieser Bedeutung Gicero und die bes- 
sern Stilistiker, wie noch Seneca ep. 71. §5., nur das Perfect 
adamavi und das Plusquamperfect adamaveram gebraucht haben, 
wornach wir uns beim eignen Schreiben au richten haben werden. 
S. 127. vermisse ich eine Rücksichtsnahme auf das auch in 
neuerer Zeit im juristischen Latein (vgl. mutuum adiutorium\ 
oft gebrauchte Substantiv Adiutorium, was Gicero, da es ge- 
wiss schon zu seiner Zeit im Gebrauche da war,' absichtlich ver* 
mieden zu haben scheint. Denn wenn man früher das Bruchstück 
aus den Oeconomicis bei ~C o 1 n m e 1 1 a lib. XII. praef. § 1. , die 
Worte: deinde ut ex hac eadem societate mortalibus adiutoria 
seneetutis nee minus propugnacula praeparareniur, anfahrte., so 
acheinen diese wenigstens der äussern Form nach auch aus andern 
Gründen nicht genau, aus Cicero 's Oeconomicis entnommen zu 
sein. Da das Wort aber sonst gute Auctorität, wie die des 
Asiuius Pollio bei Suet. gramm. 10. (die Stelle ist keines- 
meg8 zu ändern), des Seneca Epist. 31, 5.» Asconius p. 19, 
26. Bait, Quin t iL I, 1, 27. und öfter, so auch Inscript. Rein. 
cL 2. n. 82., für sich hat, so kann es zur Abwechslung des Aus- 
drucks in gewissen Fällen allerdings angewendet werden. 

Bei adiuvare erwähnt Hr. K. S. 128* in der Note der! echten 
Form adiuverunt. Er hätte dabei vielleicht auch auf das Schwan^ 
kende zwischen adiuturus und adiuvaturus hinweisen sollen , zu- 
mal da er iuvare selbst nicht speciell in dieser Hinsicht er* 
wähnt hat. 

<• Unter dem Artikel aer S. 136. vermisste Rec. zuerst die An-* 
gäbe, dass Gicero ifci Accusativ nur aera, nicht aetem, sage; 
fand aber, als er nachschlug, bei Hrn. K. selbst in iea gramma- 
lischen Bemerkungen § 32. S. 22. die falsche Angabe, dass'Gi-r 
cero, obschon er nur. Pana und aetkera im Accusativ gesagt, 
gleichwohl aerem in demselben Casus« gebildet habe. Dass dies 
unrichtig sei, hat Rec. bei andrer Veranlassung in diesen NJbh, 



248t Lateinispfce Sprachwissenschaft. % 

Bfl> 40. S. 57. geneigt. Jfettn dort bat «r itacbgewiejefl, des» in 
fctien drei Stellen, wo 4er Aecusatfe jenes Wertes bei Cicero vor* 
kommt, aera siebe, wie <fe *al» «bor« I, 10, 26. u. 15, 39« und in 
den <Araieis r. 48, (282.), nicht aerem % was erst «oa den Spatel», 
wenigstens weht tos Cicero, gejumebt worden ist, während Ctta* 
risius p. 97. Futsch, die Forst aetherem ausdrücklich verwirft. 

6. 15D. .bezeichnet Hr. K. <gau* sichtig atiudere eis einen 
minder lateinischen Ausdruck für unser Anspiele*! auf Etwas, 
doch unter .den echt lateinischen Wendungen , welche er dafür 
anfuhrt, vermisse ich eanesthdls neben signifteare aliquid das 
zurückhaltendere signifieare de aLiqua re, sodann noch mehr den 
hei Anspielungen auf Peritonea fast «tobenden Ausdruck in der 
diplomatisch feinen Sprache der Römer, describere atiquem, wie 
hei Cic. ad Quint.fratr; üb. IL ep. 5. § 3. Respondü ei vehe- 
menter Pompeius Crassumquß deseripeit , pro P. Sulla cap. 29» 
§82. Sed qma sunt descripti consulares, de hü tantum 
mihi dicendum piüavi etc. , pro Milone cap. 18. § 47. Dei&de 
*ofttt, iudices, fuisse qui in hat rogatione suadenda dicereni 
Milmds manu caedem esse faetam^ eansüio vero maioris alt« 
cuiust me videlieet lalronem ae dcarium abieeti homines et 
perditi describebant y und hei Horas Sat. 1,4,3. Si qui» 
erat ddgnus describi^ quod malus ac für etc. Siehe! unsre Be- 
merkung zu Gicero'a Reden Rd. 3. S. 915. 

S. 155. entscheidet sich Hr. K. gegen den Gebrauch dea 
Wortes amnestiß durch folgenden Artikel: *,Amnestia 9 die Amner 
riie, Vergebung eines Staatsverbrechens , ist erst Sp. L. (spat 
lateia.) und ohne Umschreibung (wie, sie sich hei Valer. Max. IV* 
1, 4* findet : haec obtwio^ quam Athenienses [Graeci] ipunfitlaw 
vacant) nicht aneuwenden ; man gebrauche dafür obtivio, venia et 
oblivio, abolilio facti. So Quinül. IX, 2, 97. sub pacta aha* 
lition i e." Hr. K hatte noth wendiger Weise Cicero« eigne 
Aensaerung in der Philipp. I. cap. 1. § 1., die offenbar, wie he* 
reite die Ausleger bemerkt haben, auf den Atisdrmdc ipmrfltla 
geht, yergteichen sollen. Dort äussert steh Cicero-, indem er 
von der bekannten Senateskzung nach dem Tode Cäsar 7 * im 
Tempel der Tel las spricht, dahin: in quo templo^ quantum in 
mefuü, ieoi ftmdamenta paeis Atheniensiumque renovaoi oeiut 
exernplum: Graecum etiam verbum uswrpavi, quo tum in se- 
dandis diseordiis usa erat civitas ilia , atque omnem memoriam 
discordiarum oblivione sempiterna delendam censui. Denn mag 
nun Cicero damals das Wort cifjtv^6ti a gebraucht haben, wie die 
Mehrzahl der Ausleger, nach dea ILee. CJefaiereeogung mit Recht, 
annehmen, oder., wie Muret. Var % lect. XI, 45. woHte, den 
Ausdruck uq fianjöiKatulv^ so beweist diese Stelle doch erstens, / 
dase die lateinische Sprache, zuCieero's Zd& wenigsten«, keinen 
ganz entsprechenden lateinischen Ansdruok für jenen Regriff 
kannte* dass also wir auch jetzt noch in gewissen Fallen, wo dio 



Ksebt: Aatibarbaroa der latefe. Sprach* 849 

Notwendigkeit es erfordert, zur Anwendimg des «etapgeebenden 
griechischen Ausdrucks berechtigt sind; zweitens gieht jene 
Stelle zugleich noch «im Umschreibung jenes Begriffes aa die 
Hand, welche Hr. K. in dieser Vollständigkeit nicht gegeben hat. 
Den» eblivio^ venia ei oStivio* äbolilio facti drücken noch kei- 
neswegs das aus, wer wir wnter Amnestie in politischem Sinne 
verstehen Dort habe*» wir «her in den Werten: ommm memo- 
riam disoordiurum oblivtone sempüerna delere eine ganz tref- 
fende Umaehrettwag von dem, was wir unter dem Ausdrnck „eine 
Amnestie nach p0liti*.chen Unruhen geben" ver- 
stehe«. Snnaeh war eine Berücksichtigung grade es dieser Stelle 
von Seiten des Hrn. K. bier ganz Hncrläseiicb. 

Unter Animadverwm S. 150 fg. wind mit ftecbt bemerkt, 
das* ommodwrsQ nicht gradenn öur beiebrend<e Bemerkung 
atebe; dagegen kennte bewerfet <wei4en, was Hr. K. awsjttiaehJies- 
seu sehntet, dass (mim&dvereum, wenn eueh uiehj bk>s als reiner 
Substantivbegriff , wir Umschreibung dessen dienen Jtenu, wns wir 
Beobachtung z. B. in Betreff «der Nntureraebeinnngen u» s. w. 
nennen , wie jn der Stelle Cicero'« de not. riepr. II, 49, 125, 
lllud vero ab Aristotele animadversum% a qua pleraque , quis 
peiest non mirari? 

Unter dem Artikel Animus* vo Hr. K. S. 161. v#n dem 
Ausdrucke tausend Seelen u. dergl. epricbt , konnte auch mit be- 
merkt werden, daaa bisweilen dafür neben «*ptto, was mehr zäh- 
lend ist, euch mortales gebraucht werden könne., wie evmee 
mwtales, mdti mortales, über welche Ausdrucke HkjK. selbst 
unter dem Art. mortalis ganz richtig gesprochen hat. 

-• Unter dem Art. Anonymu* hat Hr. K. mit Becfct beroeckt 
aunCäc. Catil. 111,5.: lilterae sine nomine scriptae^ asch 
«ma auctore u. dgl. in. Vergessen ist die Stelle CJ^ero'n pr* 
Gi. Flaue, 23, 57. &<* et* quid sj#e mpike manobit mui quid erU 
eiusmodi , «4 non esstet aueter etc. , wo die Atooeyimtat «ehr 
breit umschrieben ist. 

Unter dem Art. applaudere irill Hr. K. die Stelle Cieero's 
pre Seetio 54, 115. verdächtigen, woselbst applaudaMur vorr 
kommL leb glaube, mit Unrecht. Cicero bat mehrere solcher 
&U€t% fcyopeva, wie adservire in den Tuscul. II, 24, 56., über 
»reiches Wnrt Hr. K. selbst S. 178. ganz richtig geurtheilt hat, 
nad mehrere aedre, welche ihrem geringen TJfeeiie nach EJiendt 
zu €ic. de wat. M, 22, 94. vol. IL p. 211 «qq. besprochen hat? 
Auch Ist jenes Wort in der Stelle Cicero'*; Quid ego nunc dicam^ 
quibus viris mut eui generi civium mesurae appluudatur ? dem 
Sinne nach ganz passend, indem das Zu klatsche» mehr hervor- 
treten «dl. Es wurde also applaudere auch für die bessere Lad- 
nstät tu dient «peoieUen Hinsiebt beizubehalten sein. 

Btwas sonderbar klingt es, wenn es S. 177. bei Hrn. K. in 
Besag auf ussentiri und assentire heisst: „Beide Formen sind 



250 Lateinische Sprachwissenschaft. 

zwar In der bessern Prosa gleich üblich, die «weite aber ist bei 
Cicero und den Uebrigen vorherrschend, und verdient daher im 
Gebrauche den Vorzug. Vgl. Heusing. Einend, p. 450 — 452. und 
Ellendt z. Cic. Oral. I, 24, 110." Denn es sind nicht beide For- 
men gleich üblich, sondern, wie grade der an der zweiten Stelle 
angeführte Ellen dt vol. I. p. 76. bemerkt, assentior- ist bei 
Cicero regelmässig und kommt mehr denn fünfzig Male vor, die . 
active Form steht aber nur im Perfect sicher und zwar blos an 
drei Stellen; also ist sie doch nicht gleich üblich, sondern fast 
unüblich. Auch haben ja schon ältere Grammatiker, wie Yarro 
bei Gell. II, 25, 9. cl. Quin 1 1, 5, 55., bemerkt, dass der Sprach- 
gebrauch sich für das Deponens entschieden hatte. 

S. 230. vermisst Rec. eine Berücksichtigung des Ausdrucks 
comperendinare. Es neigst allemal blos aufdendrittenTag 
anberaumen, wird aber von den Neuem insofern häufig falsch 
gebraucht, als sie es öfters im Allgemeinen von einer spätem An- 
beraumung brauchen , weil scheinbar in juristischem Sinne nur 
der juristische dritte Tag, nicht der bürgerliche bei comperen- 
dinare gedacht wird; siehe meine Bemerkung zu Cicero'« 
8ämmtlichen Reden Bd. 2. S. 681. 

Zu S. 260. ist über mihi crede und crede mihi noch nach- 
zusehen, was Rec. in den Nachträgen zu Cicero 9 8 Disp. Tusc. 
(Leipz. 1843.) S. 66. bemerkt hat. 

S. 279. befremdet uns der Artikel: „Demori , sterben, ist 
vielleicht nur als Verbum finitum alt und spät lat. , aber in der 
bessern Prosa nur als Particip demorluus gebräuchlich, wie bei 
uns verstorben für gestorben. Es genügt mori, wiewohl demor- 
tuus als classisch nicht vermieden zu werden braucht." Der 
Artikel ist insofern ganz falsch, als Hr. K. nicht auf die getrennte 
Bedeutung von mori und demori Rücksicht nimmt, welche Dö- 
d er] ein in seinen Latein. Synonymen und EtymoL Bd. 3. S. 182. 
bereits ganz richtig festgestellt hat. Demori heisst wegsterben^ 
nicht sterben, es wird also durch dies Wort das Ab- oder Weg- 
gehen mittelst des Todes von einem Posten, von einer bestimmten 
Zahl, aus einem gewissen Kreise bezeichnet, wie z. B. bei Gic. 
AccusQt. üb. IV. cap. 50. § 124» Quom esset ex veterum numero 
quidam Senator demortuus, et quom ex titroque gener e par nu- 
merus reliquus esset, veter em cooptari necesse erat legibus etc. 
So bekanntlich in der althergebrachten und immer fort geführten 
Wendung in demortui locum, wie bei Cic. Accus, lib. IV. cap. 5* 
§9. Sanxerunt (maiores nostri), ne quis emeret nisi in 
demortui locum. Aber auch daiw^: wenn ein bestimmter 
Kreis, aus welchem der Abgang durch den Tod statthat, nicht 
ausdrücklich bezeichnet wird, hat das Wort seine ursprüngliche 
Bedeutung nicht verloren , sondern da giebt der, Zusammenhang 
das Uebrige an die Hand, wie z. B. bei Cic. ad Attic. Xtftyll,7. 
AUi enim sunt alias, nostrique familiäres fere demortui. ; Denn 



Krebs: Anübarbarns der latein. Sprache. 251 

mich dort ist die ursprüngliche Bedeutung nicht verloschen: es 
betest: sie sind weggestorben, was in riäherer Beziehung m den 
Kreise seiner vertrauteren Freunde steht. Zwar kommt nun in 
diesem Sinne fest immer das Participium Perfecti vor, allein wenn 
der Redebedarf es erfordert, wird man sich auch nicht zu scheuen 
brauchen, die Präsensformen anzuwenden, wie z. B. es Ulpian 
thut Pig. IV, 4, 11, § 5. ut demoriantur mancipia, praedia ruant 
etc. Nur brauche man nicht dem ort statt des einfachen mori> 
wenn man einfach sterben bezeichnen will. Davor hätte ffc K. 
hauptsächlich warnen sollen. Auch versterben , was er vergleicht; 
passt nicht, blps wegsterben. Die Uebertragung demori aUquem, 
in Jemanden sterblich verliebt sein, hätte Hr. K. neben- 
bei, als der Sprache der Komiker eigentümlich, bezeichnen sollen» 

In Bezug auf depellere mit dem Dativus stimme ich nicht so. 
ganz mit des Hrn. Verf. Ansicht, welche er S. 280. ausspricht, 
dass diese Wendung zu meiden sei, überein. Denn da Cicero 
sich nicht scheute , diese Verbindung in einer Rede , wie in der 
gewiss echten post red. in senatu 8, 19. , zu brauchen und in den 
Tusc*\W, 32, 77. wenigstens in Verbindung mit dem Worte t rä- 
dere anzuwenden, so würde es doch, abgesehen von der Stelle 
adfam. V, 20, 4., von uns allzu ängstlieh sein, solche Constru- 
ction absichtlich zu meiden , wenn nur die durch den Dativus aus- 
gedruckte Beziehung sonst im Zusammenhange nicht undeutlich 
ist. S. meine Nachträge zu. Cicero 9 s Disput Tusc, S. 149. Auch 
nehme ich das daselbst über die Stelle aus Gic. adfam.\^ 20, 4. 
Bemerkte nicht zurück, da dort depelleretur , wenn man es nicht 
mit den vorhergehenden Dativen verbindet, zu isolirt stehen würde. 

Mit Recht behauptet Hr. K. S. 282. , dass deputare alt latei- 
nisch sei und der altern Dichtersprache eigentümlich*). Nur 
inusste er zu gründlicher Heilung des Irrthuros der neuern Pro- 
saiker, wie des Muretus, Bunellus u. dgl., die Stelle be- 
merken, woher jener Irrthum kam. Es ist die Cicero's Disput. 
Tusc. III, 27, 65., wo Cicero nach Anführung des Verses: 

Malo qtddem me quovis dignum deputem, 
also in eigner Rede fortfahrt: Malo se dignum deputat^nisi 
mher siL Glaube aber ja nicht Hr. K., wie er dies anderwärts 
bei einer ähnlichen Bemerkung von meiner Seite gethan hat, dass 
ich damit den Gebrauch des Wortes in Prosa rechtfertigen wolle. 
Ich habe bereits in den Nachträgen zu jener Schrift S. 143 fg. 
bemerkt, dass Cicero dort nur wegen der vorausgehenden Dich- 
terworte diese Wendung in seine Rede eingewebt liabe. Ist es 
aber nicht recht human, die Quelle des Irrthums nachzuweisen, 
wenn man dadurch zugleich entschuldigt und deiri künftigen Irr- 
thume grundlich vorbeugt? - 

*} Die Stelle Cic de prov. eons. 13, 33. steht en einzeln und ist 
kritisch noch nicht ganz gesichert. 



258 Laieinisehe Sprachwissenschaft 

Sswas sonderbar ist S. 288. die Bemerkung, dass die* flr 
das bekannte c*a*a oder #s kaum angewandt meiden Um«, 
indem es fiär diese gewöhnlichen Wörter meistens viel z« vor- 
nehm und unpassend «ei. Von %u vornehm kann hier gar nicht 
die Hede sein, sondern nur etaen, dass jener Ausdruck rein grie- 
chischen, nicht römischen Verhältnissen gilt. Denn die Wen- 
dungen dieam tcribere* dicam tmpmgere möchte ich in der Thal 
nicht fiur vornehmer als in ins tweare, litsm interniere «. dgl. m. 
halten. VieBeicfat versah sich Hr. K. nur im Ausdrucke. Die 
Sache hat er gewiss auch so , wie wir, im Gänsen aufgefssst 

Zu S. 293. bemerkt Rec, dass über den sogenannten abse- 
Inten Gehrauch von dignus jetzt noch C. W. Dietrich in seinen 
Quaestt. grammatt. im Archive für Philol. und Pädag. Bd. $. 
8. 487. zu vergleichen Ist. 

8. 297. scheint Hr. K. geneigt zu sein , das streitige 8iza£ 
BtQrjfiivov disperditio in Cicero's Philipp. HI, 12, Sl. damit 
beseitigen zu wollen, dass er ad düpertitionem urbis vorschlagt. 
Rec. würde, wenn die Lesart zu Indern wäre, dann lieber mit 
L am bin und Garatoniari direptionem (vielleicht alterthümlich 
disreptionem geschrieben) seine Zuflucht nehmen , da die beste 
Vaticanhandschrrft dispersionem hat. Doch hat disperditio neu- 
erdings auch Eilend t zu Cic. de orat. II, 22, 94. vol. iL p. 211. 
in Schutz genommen. 

lieber doctm und seinen Gebrauch bemerke ich zu S. 303. 
noch, dass jetzt auch der eben genannte C. W. Dietrich a. a/ 
O. S. 485 fgg. zu vergleichen ist. 

Zur Bekräftigung des Substantivs efferitas S. 314. fuge ich 
jetzt noch Cic. Tusc. II, 8, 20. hinzu unter Berufung auf meine 
Bemerkung in den Nachträgen zu jener Schrift S. 75 fg. 

S. 323. konnte wohl auch Ephebus aufgenommen werden mit 
der Bemerkung, dass das Wort nur griechischen Verhältnissen 
gelte, wie Cic de naU deor» I, 28, 79, -sagt: Atfiems quum 
essem, e gregibus epheborum vis zinguli reperiebantur , ja 
Cicero selbst, wohl nicht ganz unabsichtlich* jn öffentlicher 
Rede auch von den Griechen Rieses Wort vermieden habe, indem 
er in der Rede für den Griechen Archias cap. 3. § 4. statt die 
von Terenz {Andr. I, i, 24.) gebrauchte Wendung ßxeedere ex 
ffhebis zu bemitzen, lieher sagte: ut prjtww ex pwri* *x$emt 
Jtrchia* etc., ein Wink, dem auch wir nachzukommen haben 
werden , so dass ex ephebis expedere in gelehrten Schriften *u> 
Jässig wä*re A in einem Bede vortrage lieber ex ptieris exceiere 
anzuwenden sein möchte. 

S. 354. ist jetzt wohl das gewöhnlich im poetisch «ektitrte 
Wort feminatus , was sich auf Cicero's Auetori tat Disp. Tute. 
D, 9, 21. gründet, als ein Unding zu beseitigen, unter Verwei- 
sung auf des Bec. Anmerkung zu jener Stelle in den angeführten 



\ Krebs s Anttbafbaras de* latefct. Sprach«. 253 

Nachträgen S. 7fr fg. Dtnr Cicero bat dort sicher «kfcft Afc 
feminat* virtus adflicta oeeidit, sonder n etfeminat* virtus ata 
geschrieben. 

Zu S, 385i bemerken wir, dass das von Hm. Kveba 
hi Schatz genommene Atcne, hocne f es bacne natura u. a. w. 
neuerdings- Bf adrig an Cfc» de fia. p< 75. bestritten tat«, dm 
wenigstens eine Berücksichtigung verdient hätte* In der von 
Hrn. H, benutzten Stelle s*s 14*. XXXVHi* 4». hat aüerdiögs, 
wie schon Madvig bemerkt 1 Kreyssig am Handschriften Ante* 
e*i« hergestellt. Doch wird die Sache bei der Leichtigkeit der 
¥«rweuhsltfijg immer schwankend bleiben. 

Wenn freier für ülustrare, », B» mit cemmentariis, liebe» 
esplanare oder ein ähnliches Wort auf einem Titel winsoht*, so 
hat er wohl nicht ee Unrecht, wie Hr. K. S. 908. meint. Denn 
iliustrare ist allerdings etwas Andere» als unser erklären. Man 
vergleiche noeh des Ree, Bemerkung an C i c, Tusc I, 1, S. 5. 

Wenn Hr. K. S. 39». unter dem Artikel indtari bemerkt] 
„Das Partie, imitatee^ passivisch gebraucht, wie nicht selten im 
N. L., für imüafihne eimutatus, beruht mir auf einer gewiss 
verdorbenen- Stelle in Cie, Timaeu* c. 5., wo die Handsohrr. und 
Ausgg. intttata et effieta eimmlacrahtibeu, wo aber mit Pinsger 
sn lesen ist; cum ingressa et imitata est effieta simulacra, durch 
welche Aeiiderung es seine aetive Bedeutung behält 41 , so können 
wir ihm hierin keineswegs beipflichten* Uten» was annichst die 
Stell« aus Cicero' 8 Tknaeus cap« 3. (nicht cap. 5. v wie Hr. K. 
sehreibt) anlangt, so erlaubt daselbst nicht einmal der Sinn eine 
andre Lesart, als die handschriftliche. B» betest dort nach 
Orelli's Textesbestimmtuig: Omni oraüoni cum Hs rebus , de 
quihus espMeat) videtur esse cognatio* Ituque quum de re 
stabili et immutabüi disputat, oratio talis eit, quatis Uta quae 
neque redargtä neque revinci potest* Quum autem ingressa est 
imitata et effieta simulacra, bene agi putat, si simiUtudinem 
veri eonsequätmr. Hier passt nun die von Finzger empfohlene 
Lesart, die noch dazu auf blosser Conjectur beruht: quum autem 
ingressa et imitata est effieta simulacra> bene agi putat etc. T 
wie die Faust aufs Auge» Denn es kann dort, wie in dem vor- 
hergehenden quum — disputat, auch hier nur der einfache Be* 
griff stehen: quum — ingressa est, hingegen sollen ja die ree 
stabilis et immutabüi» und die imitata (imüatione espressa) et 
efßcta sfanukma hier sich ganz besonders untereinander ent- 
gegenstehen, weshalb Cicero reeht wohl daran that, auch an fter 
zweiten Stelle, wie im ersten Gliede, doppelte Adjectiva zu 
setzen. Diesen Sinn erfordern auch P lato 's Worte im Timaeus 
p, 29. A. ed. H. Steph. p. 24, 16. ed. Bekk. 7 ÜÖe ovv neql re 
ehrivog nccl nepl xov naoadelypectog atitiig diootötsovi wg Squ 
tov g koyovs, mvn&Q slöcv ifyiyijtat, tovt&v avt<5* nai Jvyfs- ' 
vteig ovtag* rov pfar ovv (lovlftov xcel ßeßatov %eX (letä toü 



264 Lateinische Sprachwissenschaft. 

xaxayavovg uovluovg xa\ dusxanreitovg^ xad' oöov xs dve- 
kbyxxoig MQoötjnu koyoig dvcu xal a*ivqrot£, xovxov du pyölp 
iXtelxstv xovg öh xov *Qog psv ixslvo äxst,%a6div- 
tog, ovxog dh elxovog slxoxag dva Xoyov xs ixslvanr ovxag 
%xL Ausserdem aber, das* an jener Stelle selbst der Sinn keine 
andre Lesart zulässt, Ist nun auch in rein sprachlicher Hinsicht 
nichts gegen den Gebrauch von dem Particip imüatus in passiver 
Bedeutung einzuwenden, da einerseits an und für sich kein Grund 
vorhanden war, warum das Participium Perfecti von imitari nicht 
eben so gut wie die gleichen Participia einiger andern Deponentia 
von Cicero in passiver Bedeutung gebraucht werden konnte; an- 
drerseits aber auch der sonstigen löblichen Sitte unsres grossen 
Stilisten insofern dabei zur Gnüge geschehen ist, als nicht allein 
der ganae Zusammenhang keine Missdeutung jenes Partidpiums 
gestattet, sondern auch die zunächst beigefügten Worte selbst 
den ohne Noth Bedenklichen sofort noch auf den richtigen Weg 
des Verständnisses geleiten. Warum* soll nun aber imüota nicht 
so bei Cicero stehen können, da dort Hr. K. selbst s. B. intet- 
pretatus* medüatus und andre Participien mehr in jener passiven 
Bedeutung bei Cicero anerkennt? Was nun aber den passiven 
Gebrauch jener Participien selbst anlangt, so haben wir oben im 
Allgemeinen bezeichnet, was ungefähr die Verhältnisse seien, 
unter welchen Cicero denselben anerkennt, und wollen, da Hr. K. 
nicht specieller darauf eingegangen ist, mit einigen Beispielen 
unsre Theorie bekräftigen. Wie also hier imitata et efficta enger 
verbunden sind un<l so das Verständnis» erleichtern, so steht bei 
Cic de harusp. respons. 17, 37. Aaec, auae nunc es Etrusds 
libris in te conversa atque interpretata dicuntur y wo- 
selbst nicht der geringste Zweifel über die Auffassung von. inter- 
pretata obwalten kann, de offic. I, 8, 27. Leviora enim sunt ea 9 
quae repentino aliquo motu accidunt, quam ea, quae meditata 
et praeparata inferuntur^ Philipp. II, 34, 85. Non enim abiectum 
abstuleras, sed attuleras domo meditatum et cogitatum scelus y 
vgl. Philipp. X, 2, 6. quod verbum tibi non excidit, ut saepe.fit, 
fortuüo: scriptum , meditatum, cogitatum attulisti^ und Accus. 
111,36, 130. quam improbam, quam manifestum, quam confes- 
sam rem pecunia redimere conetur; pro Gn. Plane. 4, 10. eblan- 
düa i/Zö, non enucleata esse suffragia; oder es wird auf eine 
andre Weise jenes Participium als passiv zu fassen bezeichnet, 
wie wenn es bei Cic. de legg. II, 12, 29. heust: quod nos prope 
idem Graecum interpretatum nomen tenemus, wie ähnlich bei 
Liv. XXK1I, 11,4. Haec ubi ex Graeco carmine interpretata 
recüavü; ferner bei Cic. in C. Verr. act. I, 16, 48. Eiusmodi 
res, ita notas, Ha testatus, ita magnas, ita manifestas pro- 
feram etc., vgl. in diesem Sinne auch die angeführte Stelle aus 
Cic. Philipp. 11, 34, 85. X, 2, 6«, oder es wird eine so einfache, 
so offen liegende Construction gewählt, dass keiner Zweideutig-. 



Krebs: Aatibaxbaras «der lateiiu Sprache. 255 

keit Baum bleibt, wie bei Cic. Tuac. III, 14, 30. eint eemper 
omnia hamim humana meditata^ oder ebenda». 15,32. nam 
neque vetustate minui mala nee fieri praemeditata le- 
tttora,, nach der bekannten Construction, nach welcher gleich 
vorher stand: Si enim in re essent, cur fierent provisa 
leviora, oder in Catil. I, 10, 26. Ad huius vitae Studium me- 
düati Munt Uli, qui feruntur, Labores *tft , und was dergleichen 
mehr ist. Denn es lassen sich in stilistischer Hinsicht eher Winke ' 
zum Selbstverständniss geben, als sich ein systematisches Regel- 
werk aufstellen läset. 

Doch wir kehren zu Hrn. Krebs zurück, der bei dem Artikel 
Inesse S. 420. vielleicht gleich die SteUe de offic. I, 42, 151. 
Quitos autem artibus out pruäentia maior inest aul non medio- 
eris utilitas quaeritur etc. namhaft machen konnte, um jedem 
Einwände wegen «einer Behauptung, dass nnr inesse in aliqua re, 
weniger inesse alicui rri, gesagt werden könne, vorzubeugen. 
Denn dort wählte Cicero jene Wendung nur, weil er schon das 
folgende quaeritur ia Gedanken hatte; s. diese NJbb. Bd. 12. 
S. 51, Bd. 32. S. 260., «ugieich kann aber jene Stelle Hrn. K. 
zum Beweise dienen, dass nicht bios Salhist und. der altere Pli- 
nius jene Construction sich erlaubt haben. 

Auffallend ist es, dass Hr. K. S. 442. für valetudo in der 
Bedeutung Krankheit nur des Jüngern Piinius Auetoritat anführt. 
Es kommt »so schon öfters bei Cicero vor, wie Rec. in diesen 
NJbb. Bd. 40. S. 14 fg. unlängst gezeigt hat. 

Es würde uns zu weit führen, wollten wir Alles das noch 
erwähnen, wo wir in Kleinigkeiten mit dem hochverehrten Hrn. 
Verf. nicht harmoniren; deshalb will ich nur noch einige wenige 
Stellen hervorheben, wo ich Hrn. K. auf falschem Wege finde, 
weil seine Auetoritat an mehreren dieser Stellen auch Andre ent- 
weder bereits irregeführt hat oder noch irre führen könnte. 

So verwirft Hr. K. S. 458 fg. das Neutrum Latinum für unser 
Wort das Latein durchaus und will S. 459. die Redensart bei 
Cic. Tuac.lih, 14,29. so erklärt wissen, dass dabei sermonem 
hinzugedacht werden müsse, sowie er auch vorher .0. 375. in 
Bezug auf den Ausdruck Graecum eine gleiche Ansicht geltend 
zu machen gesucht hat. In dieser, wie wir gleich darzulegen 
gedenken, falschen Ansicht hat Hr. K. aber auch an Heinichen 
in dem Lehrbuche der Theorie des lateinischen Stils (Leipzig 
1842.), über welches wir in diesen NJbb. Bd. 40. S. 131 fgg. 
Bericht erstattet haben, S. 83. einen Nachfolger gefunden, der 
die Stelle Cicero 's auf gleiche Weise aufgefasst wissen will. 
Beide Gelehrte scheinen hier nicht besonnen genug zu Werke 
gegangen zu sein, der eine, dass er Falsches aufstellte, der andre, 
dass er es ungeprüft fortpflanzte. Denn was zuvörderst die Stelle 
Cicero 's Tusc. III, 14, 29. betrifft, so scheint es uns unmöglich, 
in jener Stelle etwas Anderes zu erkennen, als ein Neutrum 



256 Lateinische Sprachwissenschaft. 

LatitmiiL Es sagt CScero: Itaque apud Euripidem a 1%ese* 
dieta laudantur: licet enim, ut saepefäcmnus, in Latinum iUa 
conoertere* Woher eoH da dam zu m Latinum ergänzt werden 
sermonem? Etwa am dm Zusammenhange? Da steht aber 
nichts veu der Art in jener Stelle« Oder nach dem bleesea Shunt 
Wie seil man da aber bei «n Latinum an eio Bf ascuKnum «er»»e» 
mm dental, da je gar sieht» auf ein Bfesouliaem hiaseigt, son> 
den der sonstige Gang der Sprache nar a«f einen Neatralbegrtff? 
Oder kommt etwa irgendwo Latimus, seit oermo, nie SubeUntir 
vor, wenn nicht sermo schon in der Rede da istl Oder hat ein 
Lateiner irgendwo gesagt: e Graeca in Latinum eonvertere, ohne 
das Wort lingua hinzuzufügen? Leicht wird sieh Jedermann, 
der jene Steile ruhig in Augenschein nimmt, überzeugen, das« in 
Latinum nur neutral gefirot werden könne. Wenn nun sehen die 
Betrachtung jener Stelle an sich uns über ihre Auflassuageweise 
nicht in Zweifel lisst, so kann noch weniger die Sache zweifelhaft 
bleiben, wenn wir uns nach dem Sprachgebranehe der Lateiner 
überhaupt umgehen. Denn wenn wir auch Cieero's Tuen* I, 8, 
15., wo es beisst: A. Et recto quidom. Sed quam tandem est 
Epickarmi Uta sententia* M. Bmori mala, oed me esse mar- 
tuum nihil aestumo. A. hon agnosco Graecum, wiewohl die 
neuesten Herausgeber mit Recht sammtÜeh. darin übereinstimmen, 
das* Graecum dort als Neutrum an fassen sei, nicht hervorheben 
wollen, well früher einige in der That Graecum den Griechen 
übersetzten, so kommt doch einestheik • Graeco, e Latin*, in 
Graecum and in Latinum sehr häufig da tot, wo ebensowenig wie 
in Cieero's Tuee. 111, 14,29. sermo in Gedanken hinzugefügt 
werden kann, andemtheüs ist aber auch der Plural Graeco and 
Laiina an häutig, als dass man seinen Gebrauch wegleugnen 
konnte, und so gewinnt man auch dadurch einen Beweis für die 
Neutra Graecum und Latinum. Sprechen wir tob den erstem 
Stellen zuerst, so steht bei Quint I, 6, 3. Omnia tarnen haec 
esigunt acre iudiciums analogia praeeipue, quam proxime 
ex Graeco trausferemtee im Latinum, propottionem voca- 
perunt, wo es Graeco in Latinum ganz so gesagt wird wie unser 
au» dem Griechischen nie Lateinische, sodann bei dems.ll, 1,4. 
grammatice, quam in Latinum transferentee litteraturam 
voeaverunt, ferner noch bezeichnender: Vettere Graeca in La* 
tinum veteres nostri oratores Optimum iudicaoant, wo sehen daa 
beistehende Graeca deutlich die Möglichkeit, die Neutra in die- 
sem Sinne anzuwenden, anzeigt. So braucht nun Quinn^an auch 
e Graeco, a Graeco u. s. w. auf gleiche Weise. Ausser der oben 
angeführten Stelle I, 6, 3. vergleiche man I, 6, 13. Praeterea 
quoniam utrumque a Graeco duetum sit, ad eam ratianem 
recurram etc., ibid. § 37. cum aiterum ex Graeco sä mani- 
feetum duci, aiterum ex vocUms avium, 111, 4, 12. utrumque 
nomen ex Graeco crediturßuxisse, VIII, 3, 33. Malta ox Graeco 



Krebs: Antibarbaras dor lafc Sprache. 257 

fermata novo ac plurima a Sergio Fktvio. IX, 3, 17. Es Gtaeco 
vero translata vel Sahistii plurima , quäle est: Vulgo atnat 
fieri. Nimmt man nun noch dazu aus Qu int. V, 10, 1., wo es 
heisst: Enthymema, quod hos commentum sane aut com* 
mentationem interpretemur , quia aliter non possumus*, 
Graeeo melius usuri, unum intellectum habet^ so kann man wohl 
an dem Gebrauche des Neutrums nicht wohl zweifeln. Was nun 
die oft vorkommenden Pluraie Laiina und Graeca . anlangt , so 
kommen schon bei dem einzigen Quintilian sehr oft dieselben 
vor, wie z. B. 1, 4, 7. Desintne aliquae nobis neeessariae lit- 
terae* non cum Graeca scribimus — , sed proprio in Latinist 
ebendas. § 16. ne in Graecis id tantum notetur. ibid. 7, 17. sicut 
in Graecis accidit. I, 6* 31. sive illa ex Graecis orta träctemus. 
sodann I, 1, 14. Non longo — Latina subsequx debent. X, 5, 4. 
Sed et illa ex Latinis conversio multum et ipsa cöntuterit , und 
gleich vorher § 3. quia plerumque a Graecis Romana dissenti- 
unt. 'Wie man nun zu diesem Pluralen kehlen Sdbstantivbegriff 
suppliren kann, so ist dies auch bei dem Singular unmöglich. 
Statt also die Neutra Latinum , Graecum u. s. w. gaiiz zu ver- 
werfen , hatten jene Gelehrten vielmehr auf die Bedeutung jene* 
Wörter und ihren Gebrauch hinzeigen können.. Da würd ersieh 
denn ergeben haben, dass allerdings nicht Latinum und Graecum 
so viel sei als Graeca und latina lingua, sondern dass diese Wör- 
ter, wo sie substantivisch gebraucht sind, eine mehr concreto 
Bedeutung haben, Wie sie in den Wendungen ex Latino in Grae- 
cum convertere, ex Latino interpretari, Graecum agno&co, La- 
tina subsequi debent u. dgl. m. deutlich genug sich zeigt, und 
so war jener Gebrauch nicht zu verdächtigen , am allerwenigsten 
die Stelle Cicero's, von der wir ausgegangen sind, so zu er- 
klären, wie es die Herren Krebs und. Heinichen gethan. Denn 
jene Erklärung ist sprachlich ganz unzulässig. 

Vorbeigehend bemerken wir, dass solche Sprächschnitzer 
wie z. B. S. 463. Libellum st. Ubellm, von Hr. K. nicht aufzuneh- 
men waren , wenri schon ein Neuerer einmal so geschrieben hat. 
Was wäre da nicht aufzunehmen , wenn jeder Fehler der Art auf- 
genommen werden sollte 1 Oder ist Hrn K. die Dissertation, die 
also begann : Arnplum est medicinae cantpum etc., unbekannt ge- 
blieben? 

Ueber naeS. 513 hätte vor allen Dingen bemerkt werden sol- . 
len dass es überhaupt nicht anders vorkomme als vor Pronomini- 
bus und zwar, wie Hr. K. selbst angiebt, an der ersten Stelle des 
Betheuerungssatzes. 

Auf derselben Seite zu Ende führt Hr. K. unter dem Artikel 
nataltSy aus Cic. Philipp. II, 6, 15. dar e natalitia an, allein dort 
liest die beste Vaticanbandschrift: Bat nataliciam in hortis 9 
was ich mit Orelli (in den Oratt. sehet.) in den Text genom- 

IV. Jahrb. f. Phil. u. Paed. od. Krit. ßibl. Bd. XL. Hft. 3. 17 



258 Griechische Epigraphik. 

inen habe. Es ist zu natalicia Im Gedanken coena zu nehmen. 
Sonst kommt der Plural natalicia in diesem Sinne nicht weitet vor. 

Ueber non modo st^ non modo non S. 531. ist jetzt noch zu 
vergleichen Hr. €. Eggers in dem treffliehen Quaesliomm 
Tullianarum Spechnen (Altona, 1842 4.) S. 19 fg., der die von 
mir in der Anmerkung zu Cic. Tuse. S. 191 fg. aufgestellte An- 
sicht gegen Ellen dt in Schutz genommen und überhaupt höchst 
einsichtsvoll über jene Wendung gesprochen hat. 

Doch wir brechen hier ab, dem hochgeehrten Hrn. Verf. 
Ar abermalige Belehrung durch seinen Fleiss herzlichst dankend. 

Die äussere Ausstattung des Buches ist gut; Druckfehler sind 
uns ausser den hinter der Vorrede S. XV. und XVI. bemerkten, 
noch mehrere aufgestossen. 

Leipzig. Reinhold Klotx. 



Griechische Epigraphik. 
Erster Artikel* 
Die Beschäftigung mit den epigraphischen Ueberresten des 
hellenischen Alterthnmes hat neben eigen thnm liehen grossen Rei- 
zen auch ihre ganz besondern Schwierigkeiten. Allerdings ist es 
zunächst eib aufmunternder, jede Kraft des Geistes zur Entfal- 
tung ihrer Thätigkeit weckender Gedanke, Denkmäler zu erklären 
und zu ergänzen, die durch die Stürme so vieler Jahrhunderte ge- 
rettet unmittelbar von jenem hochbegabten Volke anf uns gekom- 
men sind und getreuer als die vom Anfang' an handschriftlich fort- 
gepflanzten Werke den Stempel aller seiner Eigentümlichkeiten 
an sich tragen. In höherem Grade denn das viele Mittelglieder zwi- 
schen der Abfassungszeit der Urschrift und der Gegenwart vor- 
aussetzende Pergament, regt der beschriebene Stein oder die Erz- 
tafel unsere Phantasie auf und versetzt uns je nach dem Inhalte 
des Lebhaftesten gleichsam mitten in die mannigfachen Lebens- 
kreise der reich entwickelten Griechen weit *). Während ausser- 
dem kaum noch von* irgend woher, weder aus Konstantinopel noch 
vom heiligen Berge Athos noch von der johanneischen Patraos, 
eine erhebliche Bereicherung der handschriftlichen Literatur zu 
hoffen steht, werden fast täglich neue inschriftliche Ueberbleibsel 
an das Licht gezogen, so dass die Epigraphik sich fort uud fort 
eiuen gewissen Reiz der Neuheit und Frische bewahrt. Bei den 

*) Merkwürdig und komisch zugleich' ist das Interesse, welches- 
mcf)t selten Neugriechen , die des Lesens and Schreibens unkundig sind, 
an den Inschriften nehmen. Sie vermuthen nämlich, es seien irgendwo 
Schätze vergraben, die diese Bachstaben anzeigten, daher sie den Er- 
klärungen der Reisenden in der Regel keinen rechten Glauben schenken, 
vgl. Ulrich's Reis, und Forschungen in Griechenland Bd. 1. 8. 125,, Ross 
Reisen auf den griech. Inseln des äg. Meer. II. S. 54. 



Griechische Epigraphik. 250 

Verwüstungen , welche ebeu so sehr wie die Zeit und die Ele- 
mente die Rohheit alter uud neuer*) Barbaren angerichtet hat, 
liegt ein immer noch staunenswerter Reichthum im Original ge- 
retteter oder durch Copien seit dem 15. Jahrhundert erhaltener 
Monumente inschriftlicher Art vor. Eine früher angestellte Be- 
rechnung, nach der etwa sechstausend längere oder kürzere Titel 
übrig wären, bleibt schon heut zu Tage weit hinter der Wirklich- 
keit zurück , und wer mag ermessen , weiche Ausbeute dem leb- 
haft angeregten Forschungstriebe der Gegenwart und der Später- 
lebenden aufbewahrt ist , wenn all den schönen dereinst helleni- 
schen Ländern Europens und Asiens wieder eine glücklichere 
Zeit aufgeht! Einleuchtend genug» ist dagegen schon jetzt der 
reiche Gewinn, welchen dte Inschriften uuserer Kenntniss des grie- 
chischen Lebens nach allen Seiten hin bringen. Wurden sin 
schon ehemals namentlich in sachlicher Beziehung von einseinen 
Gelehrten tüchtig ausgebeutet, wie z. B. in der Staatshaushaltung 
der Athener und in Tittmann's griechischen Staatsverfassungen, 
so traten sie besonders seit dem Erscheinen des grossen Bockh'- 
schen Werkes mehr und mehr in ihr Recht, als zweite grosse 
Gattung antiker Schriftwerke zn gelten und bei den Forschungen 
der mannigfaltigsten Art berücksichtigt zn werden. Seit F. Zf. 
L. Ahreni Preisschrift (de statu Atkenarum poUtico et litte- 
rario mde ab Achaici foederis interitu usfue ad Antomnorum 
tempora, Gottingae 1829), die C.,F. Hermann die erste Frucht' 
des Corpus loser . Graec. nannte, bis zu desselben Gelehrten vor- 
trefflichen Werken de dialectis Aexd. u. de diai. Dorica und bis 
zu Lob eck' 8 Pathologien Sermonis Graeei Proleg omena ist 
kein bedeutenderes Werk über griechische Sprache oder Alter- 
thümer erschienen , zu dem die Inschriften nicht mehr oder min- 
der ihren Beitrag geliefert hätten. Erinnert sei hier nur an 
Beckers Gharikles, an Krause'* Heileaika , an C. F. Hermann'a 
herrliches Lehrbuch der griechischen Staatsalterthümer in seinen 
drei Annagen, und an die neue Ausgabe von Waehsmuth's helle- 
nischer Alterthumskunde, in welcher diese Quellen eine ganz an- 
dere Berücksichtigiihg gefunden haben als in der ersten. Gans 
neuerdings ist endlich auch auf die archäologische Bedeutung und 
künstlerische Geltung der Inschriften hingewiesen worden : eine 
Seite der Betrachtung, welche in der That bisher zu wenig Berück- 
sichtigung gefunden hatte **) . 

Wie lohnend es nun aber aueh für den Anbau so vieler Ge- 
biete der Alterthumswi8senschaft erscheint, die Inschriften mit sn 
Rathe zu ziehen, so schwierig ist es zum Oefteren, dieselben dem 

*) Ross Reis, u, Reiseront. dnreh Griechenland Bd. 1. S. 64 — 5. 

*) Dr. E. Curtius: über das Ferhältnias griech. Inschr. sur bilden- 
den Kunst, ein Vortrag am WLakehnaiinsfost den 9. Decbr. 1843 zu Ber- 
lin in der archäolog Gesellsch. gelesen. 

17* 



260 Griechische Epigraphik. 

Verstandnisse zu eröffnen. Jedermann weiss , wie Vortreffliches 
der Gründer der wissenschaftlichen Epigraphik , Boeckh , für so 
viele Titel in Herstellung und Erklärung geleistet hat. Häuften 
sich aber selbst für ihn die Schwierigkeiten hin und wieder so 
sehr, dass er sichere Resultate zu geben nicht vermochte**), in 
wie viel höherem Grade muss das öfters für Denjenigen der Fall 
sein, welcher nicht mit gleichem Scharfsinn, eben so glücklicher 
Combinationsgabe und gleich umfassender alle Räume des Alter- 
thums durchdringender Gelehrsamkeit ausgerüstet, und nicht eben 
so geübt — wer aber wäre diess? — auf diesem Felde philologi- 
schen Wirkens ist In der That, es bedarf gar häufig des Zu- 
sammenjrommens eines Vereines von nicht wenigen Bedingungen 
und Verhältnissen, um hier das Gelingen der kritischen und exe- 
getischen Thätigkeit au verbürgen. So scheint es z. B. eben nicht 
schwierig, Titel von den Steinen abzuschreiben; allein wie er- 
schwert wird diese Arbeit oft durch den Zustand der Steine und 
die Stelle, wo sie sich befinden ; wie fehlerhafte Copien von an- 
_ zähligen Inschriften laufen um ; wie bedeutend weichen nicht sel- 
ten verschiedene Abschriften eines und desselben Denkmales von 
einander ab! Und das gilt nicht etwa blos von Copien, die 
in früherer kritisch minder sorgfältiger Zeit Halbgelehrte oder 
Dilettanten, durch Zeit und Verhältnissie während der brutalen 
Türkenherrschaft gedrängt, ra9ch und flüchtig genommen haben: 
auch unsere Tage liefern hierzu fortwährend Belege genug. Ist 
man aber auch sicher, eine zuverlässige Nachbildung des Steines 
vor sich zu haben, welche Menge äusserer Umstände müssen dann 
bei etwaiger Ergänzung und Deutung wieder sorgfaltig berück- 
sichtigt werden! So ist es, um nur Beispielsweise Einiges anzufüh- 
ren, von Belang, genau den Fundort einer Inschrift zu wissen, die 
Länge der einzelnen Zeilen zu kennen , die Lücken und Verstüm- 
melungen der Tafel , die Buchstabenformen u. dgl. m. zuverlässig 
angegeben zu sehen« Auf die genaue Bekanntschaft aber mit al- 
len Beziehungen des hellenischen Alterthumes, auf die Notwen- 
digkeit eines Vertrautseins mit den epigraphischen Monumenten 
selbst, besonders wo solche nur aus sich zu erklären stehen und 
die Bücherliteratur keinen Anhalt gewährt, oder auch wo Ver- 
dachtsgründe, gegen die Aechtheit obwalten, auf diess Alles 
braucht kaum hingedeutet zu werden. 

Bei einer solchen Sachlage lässt sich schon vermuthen, dass 
die Geschichte dieses Studiums, wie es sich vom rohen aber im- 
merhin verdienstlichen Sammeln durch Cyriacus Anconitanus bis 
auf die Gegenwart herab durch Boeckh's unvergängliches Ver- 
dienst zu einer wissenschaftlichen , von Franz sehr gut übersicht- 
lich gemachten Disciplin gestaltete, merkwürdige Phasen durch- 

*) Man denke nur an C. J. Nr. 2. vgl. mit ülrich's Reisen and For- 
schungen I. S. 31. 



Griechische Epigraphik. 261 ' 

laufen haben müsse ; und das hat sie denn auch in der That. Sie 
zu schreiben, was noch nicht geschehen, erfordert zwar viele 
Hülfsmittel, dürfte aber anziehend und lohnend sein. Auch er- 
heischt schon die Gerechtigkeit , in gebührender Ehre das An- 
denken der Männer zu erhalten, welche öfters mit Gefahren, 
Blühen und Kosten dem Anbau der jugendlichen Wissenschaft ob- 
gelegen haben. Uns Peutschen aber muss es zur wahrhaften 
Freude gereichen, dass der Ruhm unseres Namens auch auf .die- 
sem Gebiete des Würdigsten vertreten wird. Einem Deutschen 
ist es gelungen, das grosse Unternehmen einer Sammlung und 
Herausgabe sämmtlicher griechischen Inschriften zu verwirklichen, 
nachdem es Italiener und Franzosen des vorigen Jahrhunderts 
wiederholt vergebens angestrebt hatten; Deutsche im Vaterland 
bearbeiten fort und fort mit Erfolg einzelne Gebiete der Wissen- 
schaft; Deutsche haben während der letzten zehn Jahre bis auf 
die jüngste jammervolle Katastrophe wetteifernd mit ehrenwer- 
then Engländern und Franzosen treufleissig für Auffindung und 
Bekanntmachung des epigraphischen Stoffes gewirkt und gesorgt» 
Neben andern, wie dem tiefbeklagten C. O. Mueller, der den 
Keim zu jähem Tode durch unermüdetes Abschreiben delphischer 
Titel während der glühenden Sonnenhitze in sich pflanzte, neben 
H. N. Ulrichs, den gleicherweise ein früher Tod, veranlasst durch 
krankenden Undank, vor Kurzem hinwegraffte*), neben dem hoch- 
gebildeten Diplomaten Prokesch von Osten und Anderen ist hier 
vorzugsweise der Mann zu nennen, welchen schnöde Verabschie- 
dung so eben von der Stätte erfolgreicher Wirksamkeft vertrieben 
hat. Hr. Dr. Ludwig Ross aus Holstein, ehemaliger Oberconser- 
vator der Alterthümer im Pelopfonnes und ordentlicher Professor 
der Archäologie an der Otto's Universität zu Athen, hat seit dem 
Jahre 1832 durch Veröffentlichung zahlreicher neu entdeckter 
Inschriften in Jahns und Seebode's Archiv, in den Intelligenz- 
blättern der Halleschen Allg. Litt. Zeitung, in den Schriften des 
archäologischen Instituts, in denen der Münchner Akademie, in 
dem Kunstblatt , in kleinern akademischen Abhandlungen, in zwei 
besondern Sammlungen, die gleich des Näheren besprochen wer- 
den sollen , so wie durch liberal an' andere Gelehrte mitgetheilte 
Abschriften , wie z. B. die der grossen Urkunden über das See- 
wesen des attischen Staates, einen gerechten Anspruch darauf er- 
worben , hier in einer Uebersicht des für die epigraphische Li- 
teratur während des letzten Decennium's Geleisteten wegen seines 
rastlosen glücklichen Bemühens mit vorzüglichem Lobe genannt 
zu werden. Seine erste Sammlung kam 1834 unter folgendem 
Titel -heraus : 



*) Vgl. den Nekrolog in der Allgem. Zeit. 1843. Beilage Nr. 338. 



262 Griechische Epigraphik. 

Inacriptiones Graecae iniditae. Collegit ediditque Ludo- 
vieu* Bommub HoLsatus PhiL D. AA. LL. M. etc. Fasciculus I. In- 
fant inscriptiones. Arcadicae, La corneae, Argivae, Corinthiae, Megari-s 
cae, Piiocicae. Naupliae e Hthogra^hia regia , typis C. A. Rhallis. 
Seiten III praefat, 39 in klein Quart, 8 Steindrucktafeln mit den 
Facsimilen aammtlicher Titel. 

Das auf Kosten der Regierang erschienene Werkchen, wel- 
ches dem König Otto als primitiae renascentis in Graecia optima- 
rum artiam sttidli gewidmet ist, wurde trotz mancher Mangel, 
die an überwinden Griechenland damals noch nicht die Drittel bot, 
von den deutschen Archäologen wie billig mit Freuden begriisst ; 
siehe die Anzeigen von O. Möller in den Cötting. Gel. Anz. 1836 
6. 1149—1157., und von Osann in der Zeitschrift fnr Alterthttrns- 
wiss. 1837. Nr. 56 — 58*). Eine nochmalige Besprechung in die* 
sen Jahrhochern mnss sich durch sich seihst rechtfertigen. 

In der Vorrede, datirt Athenis mense Novembri 1834, .giebt 
Hr. Ross Auskunft über die Entstehung seines auch in typogra- 
phischer Beziehung nicht eben leicht herzustellenden Buches und 
erkürt , dass er nur von ihm selbst auf seinen Reisen durch das 
griechische Festland copirte und zwar entweder noch ganz unbe- 
kannte oder doch noch nicht genau abgeschriebene Titel veröffent- 
liche. Bei der Abfassung des Commentar's standen ihm freilich äus- 
serst wenig literarische Hül&mittel zu Gebote (Reis, und Reise- 
ront.LVorr.VI.), kaum dass er noch durch Boetkh's Yermittelung 
rechtzeitg von der Liberalitat der Berliner Akademie das Corpus 
loser. Gr. erhielt. Trotzdem sind die exegetischen Leistungen 
des Hrn. Dr. Ross nicht unverdienstlich, wie auch die Sorgfalt 
loblich ist, mit der er seine Copien angefertigt hat. Und sind 
auch viele seiner Titel nur Bruchstucke, so haben doch mehrere 
anch von diesen einen nicht geringen Werth namentlich für die 
genauere Kenntniss der Dialekte. 

I. Inscriptiones Arcadicae. A. Tegeae et vicinae regionts. 
Ueber Nr. 1. hat Ref. in den Analecta Epigraph, et Onom. p. 64 
fg. eine Muthmassung aufgestellt, die so weit diess bei einem der* 
artigen Bruchstücke nun eben möglich ist, den fecifali von Ken- 
nern erhalten hat. Nachmals ist ihm eine neue Abschrift Lenor- 
mant's in der weiter unten zu erwähnenden Sammlung von Le 
Bas Heft 1. Nr. 16. S. 84. bekannt geworden, welche, im Ganzen 
weit unvollständiger als die Rossiscbe, die a. a. O. vorgetragene 
Oonjectur weder bestätigt noch unmöglich macht. Gelegentlich 
dieses Dentungsversuches sei hier nur noch bemerkt, dass in der 
Inschrift Nr. 4$. bei Stephäni (Reise durch einige Gegenden des 



*) Kurz besprochen ist die Sammlung anch im Bulletino delT insti- 
tuto per Paano 1835. S. 190. Französische Berichte sind dem Referen- 
ten nicht zn Gesicht gekommen. 



Ross: Inscriptione* Graecae.. 263 

nordl. Griechenl. S. 71.) schwerlich in 'Egpcti*. i. Knaben-Prie- 
ster des Trpphoniüs zu denken ist, sondern an ein Weihgeschenk 
dem c Egud von Epheben dargebracht. Nr. 2. zu Tegea (Reis, u. 
Reiserout.' I. 67.) bestätigt durch Z. 1—2. ini ieQSog 'Hgaxtelda 
die Annahme Boeckh's von der Eponymie der Priester in jener 
Stadt, C. I. Gr. L 701. b, Franz. Elera. Epigr. Gr. 324. Aus dem 
Bruchstück Nr. 3. unter einem Hautrelief Pan's (Reis, u. Reise- 
rout. I. 70.) lässt sich nichts entnehmen ; zu vergleichen wa* Pau- 
sanias VIII. 53. 5. ix Ttyiocg lovzi ig %r[v Aaxtovixqv Utt, f»av 
ßcjuog H aQiötiQä tifc oöov Ilavog, fett de xmlAvmlov Jiog. 
Nr. 5. ist eine Grabschrift, Wo der Name 'AtpQodii vorkommt, der 
Hrn. LeBas (5. cahier, lies de (a mer Egee, Nr. 245. S.173.) un- 
erhört war und auch noch in Pape's Wörterbuch der griechische« 
Eigennamen fehlt. Nr. 6. auf einem Cippus: 'AQWtL&v %tug% 
kann mit Nr. 15. 8. 83. bei Le Bas (Agtötctv %<üqb) identisch 
scheinen. Nr. 7. ist besonders wegen der Form IJoöoidäv oder 
Iloeoit&vög merkwürdig, s. Ahrens de dial. Aeol. 233. und über 
andere der vorliegenden arkadischen Titel S. 231. Hr. Rosa 
giebt dann S. 3. einige Nachträge zu Tegeatischen schon von 
Boeckh und Leake edirten Inschriften. Dabei ist nachzutragen, 
dass C. I. Nr. 1527. jetzt auch bei Le Bas S. 81. steht, wo KtOr 
JU*[o>w vermutbet wird, und Nr. 1528. ebendas. v. 12. S. 79.: 
0ik6koyog xal — savtoig ' 
Ovgßavh %<uQtl 
EvcpQOövvs %alQB 9 

&QB7ite %aiQe. ™ ' -. 

Endlich hat Rosa selbst später das Fragment eine« Psephisma 
der övvodog rüv ytQovtwv zu Tegea in dem Intelligenzblatt der 
Hall-Lit. Zeit.l838Nr.40.publicirt. ■ ff ^ 

. B. Mantine«e. I« Nr. 8. S. 4. hiess die Frau auf dem Grab- 
steine wohl nicht 'Attky sondern *Aykl* (Welcker Sylloge epigr. 
Nr 70 p 103.). Nr. 9. enthält Bruchstücke gewisser Freilas- 
sungsurkunden, vgl. Osann a. a. O. Nr. 57. S. 465. Neu ist da- 
rin Z. 7. der jsi l w0fioi>tvm', für den sonst in derartigen Drkur- 
den ein ßeßauotfa oder fidgtvg auftritt. Dagegen ist 6. 11. 
schwerlich ikev&sgaöav auf dem Steine ursprünglich gewesen, 
welcher Form auch L. Dindorf in Stephanus' Thes. s. W 
ein sie angehängt hat. Die sehr abgetretene als Treppenstufe die- 
Tiende Platte zeigt noch * von H; die Beispiele fehlenden Ang- 
»eiits wie & Q% ixt%x6vzi C. I. Nr. 1458. 3., ntzaöxtvatev in ei- 
ne» Titel aus dem Jahre 118 n. Chr. bei Letronne Recneil d. 
fnscr.Grecq. et Lai. de l'Egypte S. 156. und avavBovto in der 
Inschrift von Rosette Z. 35. stehen sehr vereinzelt; das letzte 
kann um so «her dem Steinmetzen Schuld gegeben werden, wen 
dieser nach Letronnne's wahrscheinlicher Annahme ein des Grie- 
chischen nicht sehr kundiger Aegyptier war.— C.Thelpusae (jetzt 
Vanaena) Nr. 10. ist die metrische Grabschrift einer lovAt« 



264 Griechische Epigraphik. 

üoftovöcc, so verstümmelt, dass nur einzelne Versglieder erkenn- 
bar sind. D. Megalopolis S. 6. : Nr. 11. ist eine genauere Gopie 
von G. I. Nr. 1537., wiederholt bei Le Bas I. Nr. 10. S. 43— 60. 
und also ergänzt: 

Imperatori Gaesajri Aug(usto) et civitati ita [censente senat- 
u ut promiserat Anni[us 
Verujs Tauriscus pontem fecit. 

Avto%o\itxoQi KaiöaQi xai tjj 7t 6 Xu ["Avviog BiJQog r j 

TccvQtöHog inolijCs rrjv y£q>vgav xa&cbg [wdtfjßto, x- •] 
azd xb Soyfia tav övvsögav, lq> c5 [ösdoxzcu 
ijUBiv] avzov to ivvofuov xccl ßakaviov [vtcsq äv 
. 5. 1%h %QS(ipdzmv iiä ßlov. 

Nr. 12., C. I. Nr. 1536., wird] wohl als das Kabinetstfick der 
ganzen Sammlung zu betrachten sein, nur dass Hr. Ross trotz sei- 
ner etwas vollständigeren Gopie den Inhalt nicht erkannt hat. Ref. 
glaubt im ersten Gapitel seiner Analecta erhärtet zu haben, dass 
der Stein das Mcgalopoli tische Decret über die Ehren des ver- 
götterten Philopoemen enthielt; wegen 6ziq>avcAzn für özstpct- 
vovza Z. 44. s. Ahrens de ling. Gr. dial. II. 536. 

II. Inscriptiones Laconicae S. 8. A. Spartae , Amyclarum et 
vicinae regionis..- Dieser Abschnitt beginnt mit dem Bedauern, 
dass trotz eifrigen Nachspürens zu Sparta nur wenige ganz unbe- 
kannte Titel gefunden worden seien ; auch von den zahlreichen 
durch Fourmont dereipst dort copirten haben sich nicht viele und 
diese zumeist in verderbter Gestalt erhalten. Hr. Ross erhebt 
zu Nr. 47. S. 14. an unrechter Stelle Klage über Fourmont's be- 
kannten aus kläglichster Eitelkeit hervorgegangenen Vandalismus ; 
noch genauer spricht hierüber Le Bas mit löblicher Unparteilich- 
keit im 2. Cahier (Laconie) S. 95. zu Nr. 47. Von den 200 — 
' 300 .Fourraont'scheh Inschriften hat die französ. wissenschaftl. 
Commission in der Morea nur eiif wieder entdeckt ; unter diesen 
sind auch die, welche vor hundert Jahren noch unverletzt waren, 
jetzt alle mit Ausnahme einer einzigen beschädigt, Wie viel oder 
wie wenig nun man bei diesem Verluste auf Fourmont's Zerstö- 
rung schieben mag, bemerkenswerth bleibt es, dass dieser nur 
so Sparta und Mistra , nicht zu Argos so frevelhafte Vernichtun- 
gen ausgeübt hat, vgl. Le Bas. 3 cah. p. 75 fgd. Nr. 13. ist die 
Ehreninsohrift unter einer Statue des schon bekannten P. Ael. 
Damooratidas. Nr. 14. das Bruchstück von G. I. N*. 1363., kehrt 
noch kurzer bei La Bas wieder II. Nr. 30. S. 119. Von den un- 
bedeutenden Fragmenten Nr. 15 — 19. ist, wie Osann bemerkt hat, 
Nr. 16. ein Ueberbleibsel von G. 1. Nr. 1353.; Nr. 19. hat Le Bas 
S. 146. Nr. 39.; Nr. 20. steht im Gorp. Inscr. unter Nr. 1238.; Nr. 
21 — 8. sind Bruchstücke aus der Kaiserzeit, hin und wieder mit 
leserlichen Eigennamen ; über Nr. 22. vgl. Anal. Epigr. et Onom. 
;p. 76.; in Nr 25., bei Le Bas N. 34. S. 128., war EIHJHMOV 
wohl weder im dtj^ov noch B7CLÖ^ov y was beides der letzte 



Ross: Jnäcriptiones Graece. 265 

Herausgeber vorschlagt, sondern es durfte geheissen haben XQog], 
Hhccötov x&v [nolixav] te %a\ h3tidripov[vx(ov. Das artige Epi- 
gramm welches, Nr. 29., unter dem Bildnisse eines Demokrates 
als eines vtog'EQptlas dessen Synepheben gesetzt haben, ist von 
Welcker im rhein. Mus. 1842 S. 214. wiederholt. Nr. 30. stand 
wahrscheinlich unter der Statue eines InitaQxag NwqcpSQog. 
Wiederum nur Bruchstucke -geben Nr. 31 — 4.; darunter ist Nr. 33. 
in alter thum liehen Schfiftzügen beachtungswerth : tnoiq&rj ^ wie 
Franz liest Eiern. Ep. Gr. p. 231. Not. oder ixotee—inoiqe— 
Ixottjös nach Ahrens de dial. Dor. p. 9. u. 76. ; letzteres scheint 
bedenklich. . Nr. 34. a. ist tagimv und b. tctQBvg, beides mit dem 
Spiritus asper. Die unvollständige N. 35. ergänzt Franz in den 
Berl. Jahrb. für wiss. Kritik 1842 August Nr. 34«: IlQatovlx[a] 
— 'AtoQQÖlxa — dvtfrrjxe x[äv dsxdxav mit Hinweisung auf C. I. 
Nr. 1837. d.' und e. v II. p. 986. a. Nr. 36—41. bezieben sich 
auf Antoninus Pius (Zctvl 'Eksv&BQlco 'Avxcovelva UaxrJQi,), vgl. C. 
I. Nr. 2179. mit Boekh's Note v. IL p. 192. b. Von Nr. 42. giebt 
Osann a. a. 0. S. 467 — 8. eine eigenthümliche Deutung: er er- 
kennt auf dem zur Hälfte abgebrochenen Steine eine an den 
Dionysos gerichtete Invocation in lauter Vocativen, z. B. Z. 3. 
ßoxQVOXQoepe; Hr. Ross dagegen giebt den Stein als einen cippus 
sepulcralis an und Ref. neigt auch dahin, den Titel für eine 
Grabschrift zu halten : 

Xa]iQB Etcoqb 

Uq\otcoi\ xat 

xeKv]oxQOcpe 

tfiöag $]x7j sZynovra i'f. 
Ueber die Zahlreichen , welche man auf der lithograph. Tafel 
selbst nachsehen muss, Tgl. Franz. El. Ep. Gr. p. 351 u. 352. ; 
der Name Znogog erscheint auch in der attischen Inschrift 
Boeckh's Nr. 275. 1. 27., und die Ehrenbezeichnung xsxvoxQocpog 
bei Ross fasc. II. Nr. 122. 5. und Nr. 109. 8. (xsHvoxQO<pt]<5aöa). 
Die Nrn. 43 — 46. sind ebenfalls Grabtitel; in Nr. 43. wird der 
Name Kaxiag von Osann S. 468. und Ross S. 13. vielleicht ohne 
Grund verdächtigt (Zaxlag Nr. 2430. v. IL p. 357. b.); steht aber 
die Lesart nicht fest, zu welcher Vermuthiing indess die Litho- 
graphie keinen Anlass bietet , so ist wohl zunächst an Xaglccg zu 
denken. Der Ausfall des Artikels bei EiQrjvq Idlip avögi eben- 
daselbst ist in solchen spätem Monumenten häufig genug, s. z. B. 
C. I. Nr. 3389. 3390. 3758. Nr. 47. (C. I. Nr. 35.) ist kein alter 
Titel sondern ein erst von Fourmont eingehauener Name, zum 
Ersätze muthmasslich für so viele echte durch den Edeln zur Un- 
leserlichkeit entstellte Inschriften. Erwiesen hat diess aus Au- 
topsie Göttling, Neue Jen. Litt. Zeit. 1842 Nr. 66. * ' 

Ohne* Belang sind Nr. 48. , einzelne Buchstaben als Marken 
auf steinernen Werkstucken, und Nr. 40. a. und b., Namen der 
Töpfer auf irdenen Lampen (Franz El. Ep. Gr. p. 344.) Nr. 50. 



286 Griechische Epigraphlk. ' 

«lebt taf 3 Ziegels durch eine Form eingedruckt: dufxottog \ 
jlfriv#g | <pU[og]; Osann versteht S. 469. bei dapoöiog das No- 
men jcipapo?, denkt bei 'A&dvetg an die Bestimmung der Ziegel 
zur Bedachung eines Heilfgthums der Athene und sucht in <&*X — 
den Namen des Fabrikanten. Auf dem Facsimile ist (S. 15. a.) 
übrigens die Inschrift viel zu gross gezeichnet. ' 

Zum Schluss des Abschnitts werden mehrere bei Boeckh and 
Leake schon edirte Titel nach ihren jetzigen Aufbewahrungsorten 
vermerkt. Auch soll hier nicht vergessen werden, dass Hr. Ross 
in dem Intel!; Bl. d. Allg. L. Z. 1837 Nr. 48. die Gopie einer rath- 
selhaften, zu Sparta in einer kleinen Kapelle eingemauerten In- 
schrift nachträglich mitgetheilt hat, da die erste genommene Ab- 
schrift bei Herausgabe der Inscr. ined. verloren gegangen war. 
Die Buchstaben werden als vollkommen leserlich geschildert; Ref. 
bekennt aber, von den fünf kleinen Zeilen auch nicht eine einzige 
zu verstehen, und vermuthet, dass ein neues Fourmont'sches 
Spasschen wie bei Nr. 47. zu Grunde liege. Ein zweiter Nach- 
trag ist die 1840 in Sparta von Ross gefundene Inschrift, welche 
er in den Reis, und Reiserout. I. S. 22. hat abdrucken lassen: 
r H«o'Ats] trjv östivotdttpf xal cpiXoöocpaxdxTjv xal svyevs<Srdxr]v 
'HguxXtiav Tsiöafuvov nagä tjj ayiaxdxy *Og%la 'Agtspidi 
lögvöaxo^ dgsxrjg ndörjg xal 6&q>Q06vvijg xal svösßetag evsxcc, 
itQogda&iihov to ävdX&pa tov ngoöcpiXeöxdzov äv&gog avt^g 
Mag* Avg. Evxvpavov tov \Evzv%tavov\. Dies in 15 kurzen 
Zeilen; darunter: 
"AXXrp> JlrjveXoneiav lyiivaxo xvdaXlfHj %%<&v 

Zndgxrjv Tiöafievov &e67teöirjv dvyazga. 
Toli) pijxiv fyv ij& ij&ea xal voov itölov 

"Egya x 'Aüqvalqg ijös öaocpgoövvyv. 
Tavtxi xal yivog %<5%tg ixqtvpov, r HgdxXua^ 

f HgaxXiovg 9 Qolßov^ ngög di t"OXv(iiuadcw 
' Oi 6s xaxoi%ophvriv edgcaöw dvTjgstrpavtf alg 

Avtoxaöiyv^xijv ftäxov ig eov dfpcvot. 
Das letzte Distichon steht kritisch nicht fest; Hr. Ulrichs (S. 24. 
Note) schlug vor: 

Oi 0e xaxoi%opsvrjV avgcuötv dvygelilfavtf, alg 

Avvoxaöiyvtixrjv däxov ig eov xd&iöav. 
B. Gythei S. 16. Nr. 51. steht unter der Statue eines M. Au- 
rel. Lysicrates ; Nr. 52. ist eine schon von Boeckh Nr. 1469. und 
von Leake Nr. 28. mitgetheilte Felseninschrift, die auch in der 
vorliegenden Gestalt nicht deutbarer wird, und ebensowenig hat 
Le Bas die noch dazu unvollständigere Copie Tr&el's (Nr. 52. 
S. 166.) zu erklären gewusst. Auch sind diesem die frühern Pu- 
blicationen ganz entgangen. Mutmasslich hat man Wegbestim- 
mungen (Z. 5. odov) vor sich. Nr. 53. auf einer Grablampe Aov- 
xtov. Nachmals hat Hr. Ross in den Reisen und Reiserouten ein 
Paar Inschriften gegeben, die, früher .bekannt, in diesem Hefte 



Ross: Iiwcriptiones Graecae. $67 

ihre Stelle gefunden haben worden: S. 3. opofi | ^jcs&rflpoi« 
«rpps | Msööfjvrjv, S. 4. dasselbe, nur stark beschädigt; S. 8. 
rechts auf der Hauptseite einer grossen Marmorplatte des Isqov 
der "AQttpig Aiyivärig: Xccqtoq Ev&vxX&og te$evg \iQtipitoQ* | 
gteolsvldag 2£i5#v>dios fc(>si/g 'Aftlpitog. \ NixyQazog &i&- 
vog* 2/r$a[ToxAqg] 2Jr<>atGjvos, ausserdem: 'Aßsaraiv koXig \ — 
Mo66%ov tov Mev — ; S.O. auf der linken kürzern Seite der- 
selben Platte: &]eccg dipvdzi6[og \ &eä]g Aipvdzid[oQ und S. 9. 
auf einem ähnlichen Gesimssteine: Avq. IlQupog \ djyoi/odirqs 
ti]g &sag AijivccTi&og* 

III. Inscriptiones Argivae S. 17. Nr. 54. Argis: ein iambi- 
acheg, am Ende des 1. Verses vielleicht vom Anfang an nicht aus- 
gefülltes Distichon auf einer Hermessäule: 

'EQpjjg Slxaiog elfi[i] xal ps UlatitxMjg 
lorqti' £kev%ov tw[v] Sixalcov xdölxm[v* 
Das letzte £ der L Zeile ist aus der Copie von Tre'zel und Edg. 
Quinet, nach welcher Le Bas cah. 4/ Nr. 59. S. 193. das Epigramm 
herausgegeben und mit einem weitläufigen Commentar (S. 193. 
201. namentlich über dein sonst unbekannten 'Egfiijg älxaiog) ver- 
gehen hat. Ebendaher ist &Lev%ov statt des Rossischen $Xty%ov, 
wie Nr. 46. "EXzv%s %ccIqs. Nach Ross und Le Bas wiederholte 
Welcker im Rhein. Mus. 1842 fi. 213. die Verse, wo er sich zu- 
gleich gegen Osann's Deutung auf einen christlichen Hermes, 
d. h. den Heiland selbst, erklärt. Inzwischen hat Hr. Prof. Osann 
seine Interpretation von Neuem zu erhärten gesucht in der Com- 
mentalio.de gemma sealpta Christian«, Gissae 1843., S. 16 — 7. 
Die höchst merkwürdige alte Inschrift Nr. 55. ist von Franz El. ' 
Ep. Gr. Nr. 28. S. 70 fgg. nach O. Mueller (Gott. Gel. Anz. 1836 
S. 1152.) des Besten hergestellt und erläutert. Eine in nicht 
ungewöhnlicher Form (Osann a. a. O. S. 471. Franz El. Ep. p. 340.) 
abgefaßte Grabschrift Nr. 56. Evrvxe %aiQB. XaiQS xe &u erweist 
sich schon durch das xe (C. I. Nr. 1051. 1. p. 554. a. Nr. 3574. 
Nr. 3625. v. II. p. 903.) als «ehr späten Ursprungs. Von Nr. 57. 
hat Franz in den Berlin. Jahrb. 1842 Aug. Nr. 34. die 3. Zeile 
vortrefflich ergänzt: vnsg tdv noXw, vgl. C. I. Nr. 1121. 13. 
Nr. 58. lehrt zwei argivische Künstler &ev6<pUog und Urgdtwv 
kennen. Nr. 59. endlich, ein lateinischer Titel (Q. Caecilio Cai 
filio Metello imperatori Italic! quei Argeis negotiantur) , wurde 
von Le Bas (4. cah. Nr. 60. S. 207.) und dem Referenten (Anal. 
Ep. et Onom. p. 80.) auf den Besieger des Andriscus bezogen ; 
Osann S. 473. dachte dagegen an einen Jüngern Metellus, den' 
eifrigen Anhänger des Pompeius. Für welche Ansicht man sich 
auch entscheiden mag, immer wird Z. 1. statt C. F. zu lesen sein 
Q[uinti] F[Uio], obgleich auch die* Tre'zel-Quinet'sche Abschrift 
ein C giebt. Dagegen hat diese Z. 3. ganz deutlich Argeis und 
negotiantur, während Osann nach dem Steindruck bei Ross nicht 
abgeneigt war, Arceis und necotiantur zu schützen. Mit Glück 



268 Griechische Epigraphik. 

und Scharfsinn hat übrigens Le Bas die Vermuthung ton Rose 
zurückgewiesen, dass der Boeckh'sche Titel Nr. 1137. identisch 
mit dem eben besprochenen sei. Le Bas stellt diesen 33. 206, 
gewiss richtig vielmehr also her : 

Q. Marcium Q. F. Regem 

Italici qui Argeis. negotiantur. 

Koivtov MäaQxov Kotv- 

rot; vto v 'Prjya 'ItaXol ot 

lv"Agysi itQctypazfVoitsvoi* 
Noch erwähnt Hr. Boss S. 18. b, dass in C. I. Nr. 1151. das letzte 
Wort 'Avt&QWTog, nicht 'Aks&xgdtovg sei, Tgl. Le Bas Nr. 57. 
S* 187 — 8., welcher eine ohne Weiteres hingestellte Form Ev~ 
3tQaj;t66t] nachzuweisen schwerlich im Stande ist. 

IV. Inscriptiones Corinthiae S. 19. Der Ertrag der Forschung 
war in Corinth nur ein sehr geringer; von dem Gefundenen reicht 
nichts über Jiil. Caesar hinauf, und die Verwüstungen des lejtzten 
Türkenkrieges haben unzweifelhaft noch manches Denkmal ver- 
nichtet, das mindestens aus der romischen Periode erhalten war. 
Nr. 60. ist das Bruchstück eines latein. Titels, wahrscheinlich auf 
einen Nigrinus. Nr. 61. a. b. c. aus einem unterirdischen Gewölbe 
der Pirene (Blatter f. liter. Unterh. 1833 Nr. 183.) sind Verewi- 
gungen der Pietät der Steinmetzen (hccq{iccqccqloi, vgl. Ross Rei- 
sen und Reiserouten I. 44.) in der hinlänglich bekannten Form: 
ifiviJG&r] . 6 Silva xov Öslvog In dycc&cp (Franz El. Ep. Gr. 
p. 336., Plutarch. de curiosit. XI.). Das erste fnnfzeilige Stück 
ist schon im Corp. Inscr. unter Nr. 1107., aber in nur 3 Zeilen. 
Der Genitiv NHVFAJOZ lautet bei Ross Nfaidog, und dieser 
Name ist vielleicht richtig. Es könnte nämlich von vtJiIho ein 
Nfftylas, Nijipig ebenso gebildet sein, wie von öciöa Ucoölag^ 
£<aöig, idog. Dann ist ebds. der Name Otkcovag nicht zu über- 
sehen ; derselbe Mensch heisst Nr. 61. b. Ottcw, falls dort nicht, 
wie sehr wahrscheinlich ist, noch AE auf der jetzt abgebrochenen 
Ecke gestanden hat. Hr. Ross vergleicht S. 20. neugriechische 
Formen wie 6 KvxXanccg, 6 ncctigag und- accentuirt 4>U&va$; 
Ref. erinnert an Nscivag C. I. Nr. 3034. , Ahcoväg bei Suidas, 
@sa>väg (Steph. Thes. Par. IV. 2. 349.), GEONA oder &ESINA 
Nr. 2111. (v. II. p. 1003. b.), Gsmvtg Nr. 1816. 2. und Geovelvy 
Nr. 2110. c. p. 1003. a.; möglich, dass auch Ktedvrjg (Steph. 
Thes.) und Teteöcivijs C. I. Nr. 2953. 8. 21. hierher gehören. 
Diese ganze Classe von Eigennamen verlangt noch eine eindringen? 
dere Untersuchung *). Ein neues Wort hat Nr. 62. 'EnacpQofitag 
nal 'Afttivoöcigov psfiogiov; in Nr. 63. ist blos Kbqxvq- ersicht- 
lich. Ehe wir nun Hrn. Ross nach Megaris und Phokis begleiten, 
sei die Aufzählung einiger neuen Inschriften aus dem Peloponnes 



*) Vgl. Jtcov Jloovtj, Z&tpqmv SaxpQÖvrj, Lobeck Patholog. Serm, 
Gr. p. 32. 



Rossi Inscriptioiies Graecae. 269 

angeschlossen, welche in dem 1. Bande der Reisen und Reise-* 
muten stehen: S. 29. auf einer Grabstelle von der Form, welche 
der Phliasia eigentümlich ist: Zamvgov | 'AQiötoßovkov, S.30. 
ebenso: IkaöLxXeog \ ®[so&v]ov , 'Enixgdxsog; S. 31. dasselbe 
Fragment wie C. 1. Nr. 37. oder doch ein sehr ähnliches; S. 42. 
ein Bruchstuck aus der Sikyonia, worin vasg Svaplav, 'dtjpq* 
Hutv&vtcov und 12 noXig y <&Xeiaöl<x>v xaxd tö ilttjtpiöpa erkenn- 
bar scheint; S. 44. in derselben Landschaft in einer Kirche des 
heil. Athanasius unter dem Dorfe Stimanga: 

'Evftdds x[e]iz[at] adsl- , , 

<pog dya&og xo ovopa Ntxo- 

Cxgaxog pagpagdgtog , diä töv 

q>6ßov xov 0]b]ov öciygova ßlov dt- 

«!«<?. [sf] xig xov deöxoxov X[gi6xo]v 

21qo<5sq%st(u vneg naxgog " 

xal ddeXcpcjv GwtpQOva xal 

XQiözöv ßlov xokixsvödus- 

vog , itolvxoftqtog naga naxgog 

xal ddeXyäv. 9 Hyogd0&q ds y d^xi?, 

Uv&a x[s]Zt[(u] , naga &Bodcig[ov] MtoXiwvog %gvdv[ov kvog 

Kai ijxtosog]. 
V. lnscriptiones M egaricae S. 21. Nr. 64 — 66. von gerin- 
ger Erheblichkeit. Zu Nr. 64. .MsXdpnovg \ 9 A%ea — ? in cippo 
sepulcrali, vgl. C. 1. Nr. 3348. 2. KkavSlov MtXayLitov. Nr. 65. 
hat den Namen f Hgdxa>V) s. Curtius Anecd. Delph. p. 93. c, Lo- 
beck Patholog. Serm. Gr. 521. ; Ob das deutlich erscheinende AI- 
nokkcovta auf dem späten Grabsteine Nr. 66. wirklich als aus der 
Volksaussprache geflossen zu betrachten oder ob es blosser Feh-, 
ler des Copisten sei, weiss Ref. nicht, er gedenkt aber der Vor- 
schrift: KA&12ÖAOP02 AlUXAAUIOl (Kayiöoäagog Al- 
0xkanup) ,' Kunstblatt 1835 Nr. 67. p. 279. b. 

Vi'. Inscript. Phocicae S. 22. Diesen schickt Hr. Ross die 
Bemerkung voraus, dass er während eines blos achttägigen Auf- 
enthaltes in Phokis bei einer Hitze von 35° Reaumur im Schatten 
nur wenig habe sammeln können; seine Erwartung aber auf viel 
reichere Ausbeute ist seitdem bekanntlich in Erfüllung gegangen, 
s. E. Curtius' Anecdota Delphica, Berolini 1843., Ulrichs' Reis, 
und Forsch. 1. Bd. S. 31. 67. 115«, dess. Topographie und In~ 
Schriften von Tithora im N. Rhein. Museum II. 4. S. 544—560., 
Leake trav. in the north. Gr. Nr. 67. ist ein fast vollständiges, 
leicht hergestelltes Proxeniedecret der Delphier für den Hera- 
kleoten Aatöxag (welcher Name im C. I. Nr. 3782. 1. v. II. p.970. 
wiederkehrt). Z; 1. war zu lesen ag%ovxog U&ömdxgov zov 
Alaxlda (Curt. Anecd. Delph. Nr. 33. p. 71.) und Z. 6. statt 
djiBtötiv Inl xdv ixxktjölav vielmehr knsk&cbv (Anal. Epigr. 
p. 81,); über die Dative Z. 13. lvzvy%avovxoi$ und Z. 24. dyd- 
voig s. ausser Ross selbst Z. 24. b. Ahrens de dial. Aeol. p. 236. 

/ 



270 Griechische Epigraphik. 

Nr. 68. und 60. sind Bruchstücke von Ebreninschriften unter zwei 
dem 'AuoXXew I7v$io$ geweihten Statuen zweier Manner; Nr. 68. 
dürfte für xov delva] Marvos AtXyov das richtige K]Xicovog sein, 
was dort ein üblicher Name war, Curt. Anecd. p. 94. a. Nr. 70. 
ist wieder eine Proxenie aus der Zelt, wo die Aetoler Hieromne- 
monen waren (Curt L J. p* 50.)« Dabei bietet das Stack zugleich- 
eine Aehnliehkeit und Verschiedenheit mit dem Titel Leake's trav. 
In the north. Gr. Nr. 99. III. Beide Decrete betreifen den Athe- 
ner KaXXutXrjg KaXXtxXiovg , der, in Aetolien wohnhaft, feoo~ 
xriQvi war und für untadelige Führung im Dienst alle Ehrenrechte 
der Proxenoi erhält. Nun stimmen die eigentlichen Beschlüsse 
von l'dogs an hei Leake und Boss buchstäblich überein; allein die 
Praescripte sind ganz anders, wie z. B. Leake beginnt: htl Ilgcco- 
xov (JIqol6%ov Curt. Anecd. p. 95. a.) ag%ovTog, Rosa dagegen: 
ln\ 'Ayivvxa &g%. Derselbe KaXXixXrjg kommt zudem auch auf 
andern* delphischen Titein als Geehrter vor, Tgl. Curt An. p. 77. 
zu Nr. 42. In unsrer Inschrift ist Z. 4. statt iegoxfjgvxsmv her- 
zustellen teQOKTjQVJcsv&v, Franz Jahrb. f. wiss. Krit. a. a. O. Zu 
Nr. 71. S. 27. handelt Hr. Boss von. dem heutigen Dorfe Chrysrf, 
Crissa jund Cirrha ; genauer ist diese Materie von Ulrichs wieder 
aufgenommen worden in den Reisen und Forsch. Bd. 1. Cap. 2. 
Die Inschrift, wenn auch selbst nur ein Brnehstück, gewährt eine 
Vervollständigung des Titels Nr. 1710. A. bei Boeekh um etwa, 
die Hälfte, 7 Zeilen. Dass Nr. 72. xagt^ag \ iöiaxtxov eine voll- 
ständige Inschrift sei, ist schwer zu glauben, man möchte Z. 2» 
Idifp xbhxo vermuthen. 

' B. Tituli Sttrienses S. 29. Hier theiit Hr. Boss zuvorderst 
seine Entdeckung zweier Städterufnen von Sxugtg oder £xtgtg 
mit (Pausan. X. 3. 2. liest man jetzt die letztere Form). Der 
Pericget beschreibt nur die neuere Stadt ; die ursprüngliche lasst 
Ross sehr wahrscheinlich' im phokischen Kriege zerstört werden. 
Spater siedelten sich die alten Einwohner auf dem Hügel wieder 
an , wo jetzt das Kloster des Heil. Lucas erbaut ist. Nr. 75., 
unter den Trümmern der altem Stadt gefunden , ist die Freiias- 
aungsurknnde einer Sklavin Eingang und ihres Kindes dtogtcw. 
Die Formeln sind die sattsam bekannten ; Z. 10. wird st pr^ novq- 
eavvi — xd ägia gut von dem Herausgeber erläutert; Z. 15. ist ' 
das Participium Perf. Pass. dq>$piva und Z. 17. vo rjpttov zu be- 
merken ; das Wort öWAayoy ti* Z. 14. kommt später auch sonst 
noch vor, Stephen. Thes. II. & 1650. Ueber der eigentliche» 
Urkunde steht mit etwas grössern Sehriftzügen OlXcw X&ovg- 
yög.| 'AöxXaittfö. Dabei nimmt Hr. Ross an, der Steinmetz habe 
seinen Namen mit der Weihong deshalb voranstellen dürfen, weit 
er die Eingrabung zu Ehren des Gottes unentgeltlich verrichtet 
habe. Allein mit weit grösserer Wahrscheinlichkeit vermitthet 
Ulrichs im N. Rhein. Mus. 1843 S. 551. nach sicherer Analogie, 
der Stein sei ursprünglich die Basis eines Weihgesehenke« des 



Ross : loscripiiönei Graecae. 271 

PMlon an den Asklepios gewesen; weh spater habe man dann auf 
demselben noch die Freilassungsurkunde eingetragen« Gleiche» 
Inhalt wie Nr. 73. haben die lückenhaften Nr. 74. a. and b. In » 
bat Ref. den Namen EwOei Z. 3. aufzufinden geneint AnaLEpigr* 
ps. 83. Ebenso war Z. 6« und in b. 17. no&Ugov (naml. agyvQiov) 
zu lesen, Widern- dies AdjectWuro für ngooiegog steht, Ulrichs 
a. a. O. S. 553. In b heisst die Freizulassende Z. 2. 7. 8. nach 
des^Herausgebers ausdrücklicher Versicherung 'Eapsgig, was Hr. 
Ross jnit* Recht dem Evdpegig für gleichbedeutend hält. Das 
dreimalige Vorkommen der verkürzten Form lasst wohl aof eine 
dialektische Aussprache schliessen, welcher der Ref. nur 6xea£a> 
an die Seite zu stellen weiss, Tgl. Roeckh zu Nr. 2344. v. II. 
jk 275. b. Weniger wahrscheinlich ist es, dass auch in der The- 
rmischen Inschrift C. I. Nr. 2476. p. Nr. 36. E AMEP die glei- 
che Form gelesen wurde; Boeckh ergänzt p. 1090. Evapsgog. 
Ebendas. b. 2. ist xal Bt&vg 'Agi- zu lesen , Anal. Ep. p. 84. 
Nr. 75. ist muthmasslich das Weihgeschenk einer Jagdgesellschaft 
{ot KvvayoL Z. 1.) wie Nr. 1106«. (&rwsvxoQeg üväQtg); s. auc\ 
Orelii Nr. 4118. (collegium venatorum). Von Nr. 76. , einer Eh* 
remnschrift auf einen Kaiser, sind nur Trümmer übrig; Nr. 77. 
hti <$iko%foa ist ein Grabtitel in der bei Phocenscrn und Böotiern 
üblichen Fassung, ?gl. Franz El. Ep. p. 340., Specks» Onom. 
Gr. p. 103. Schliesslich trägt Hr. Ross zu C. I. Nr. 1724. b., 
1749. 1730., welche Inschriften jetzt im erwähnten Lucas-Kloster 
aufbewahrt werden , Einiges nach-. 

- C. Tituli Ambrysenses (oder Ambros. Schubart und Wals zu 
Pausan. X. 36. 1.) S. 34. Nr. 78. inl Mivmvu, Nr. 79. zÄgtxpat \ 
'dgiötoxg | <dz!;ixQcc-~. Nr. 80. muthmasst Hr. Ross 

inl) Tipia 

Q>tXa>]vetöo. 
Er beruft sich dabei auf andre Grabinschriften, wo der Genitiv 
auf ü statt öv ausgehe; indessen steht dieses o sicher für ov nach 
alter Schreibweise, und statt OiX&vüdrig verlangt Ref. (bilavi- 
örjg y bis ihm OiXaivsvg sicher nachgewiesen ist. Die angenom- 
mene Form mit dem Diphthongen scheint ihm eben so unrichtig 
als das auch von Hrn. Ross vermuthete 'AgiötcovBtdTjg , vgl. Anal. 
Ep. S. 167., wozu jetzt nachzutragen ist, dass in O. Mueller's 
Archäol. Mittheil, aus Griechenl. herausg. v. Schoell Bd. I. S. 128w 
geschrieben ist AHHTONE1K. 27, also 'dgrttovetxog. — Sonst 
sah Ross zu Ambryssos (Dystomo) noch die Inschriften Nr. 1740. 
1745. 1747.; Dr. E. Curtius aber publicirt im N. Rhein. Museum 
1842 S. 101. einen mit dem sehr entstellten Titel Nr. 1729. bei 
Roeckh identischen: 'AXxalog, \ Adpitgcnv^ | 'dpyidapos I <2o- 
gant \ "l<5i | 'Avovßi | täv naötdda | xal %6 itgoitvXov* 

D. Tituli Daulienses. Nr. 81. ist ein mangelhafter Verkauf 
mehrerer Sklaven zur Hierodulie der Athana Polias. Der Name 
der Stadt lautet Z. 1. davUa wie auch in einer andern Inschrift, 



272 Griechische Epigraphik. 

Ton der hier S. 36. Mos der Anfing mitgetheilt wird. Z. 10. fin- 
det sieh dvatB&ixavti und Z. 13. 15. 18. dvaxs&spivovg , wie 
Nr. 75. 15. ctvatsdeptva^ Z. 16. u. 17. ijpiöov. Sonst hat hier 
die herstellende und ergänzende Kritik noch Manches au thun 
übrig, s. B. Z. 23. stand schwerlich to dvdygcapov, sondern, 
worauf auch Lücke und Buchstabenform hinweisen, das solenne 
dvttygcctpov trjg dvaftiöecog. Bbendas. schlagt Ref. statt des 
Rossischen nagd xov Eaganluov Ugatia tov t<ß Zccgdnsi vor: 
nagd tov Uaganlava hgatzvovta t<ß 27. Zwar hat tegazevHV 
gewöhnlich den Genitiv des betreffenden Gottes bei sich , aber 
auch der Dativ war im Gebrauch, s. die Inschriften von Tithora 
im N. Rhein. Mus« 1843 S. 553. 1. 2. S. 554. II. 2. S. 556. IV. 3, 
S. 557. V. 3. S. 558. VI. 2. — Z. 17. ist 7tagpei[vdta>6av , was 
der Stein giebt, beizubehalten, Ross bat S. 35. nagup. Nr. 82. 
ist ein Proxeniebruchstück, Nr. 83. ein Grabstein und Nr. 84. eine 
Weihung '4gt&(udi Uaxelga* 

B. Titulus Hyampoliticus (jetzt Bogdana) Nr. 85. unter der 
Ehrenbiidsäule eines N. N. des Xenopeithes Sohn, die tö xoivov 
tov &ß>K&av errichtet hatte. 

Als Epimetrum erscheint unter Nr. 86. das Fragment einer 
Sklavenfreilassung aus Koroneia in Böotien, wiederholt von E. 
Curtius Anecd. Delph. p. 21 — 2. mit einigen neuen Ergänzunga.- 
vorschlägen. Ein Index rerum. et verborum inprimis memorabilium 
(1 Seite) beschliesst das Werkeben. 

Nachdem im Obigen die Inschriften bemerklich gemacht sind« 
welche die Herren Ross und Le Bas gemeinschaftlich haben, sol- 
len nun , bevor zum 2. Hefte der Rossischen Sammlung fortge-* 
gangen wird, möglichst kurz noch die Titel aus den x Landschaften 
des Peloponnes verzeichnet werden , welche bei Le Bas entweder 
ganz neu oder nur neue Abschriften schon bekannter, auch inf 
dem Corp. Inscr. Gr. abgedruckter Stücke sind. 

fnscriptions Grecques et Latines recüeillies eti Orece patf 
la commission de Moree et expliqdees par Phil. Le Baa 7 1. cah. Paris 
1835. 8. 

Messdnie. Nr. 1. Die 3 letzten Zeilen einer Säuleninschrift 
im Stadium zu Messene: Uaßelvog dito Evdapta[g] \ Tgotptpog 
dno 'Eitu\[<p]QO&tiTOv. . Die Leute scheinen Sieger zusein; die 
Bezeichnung des Sohnesverhältnisses mit dno s ist ungewöhnlich, 
auch werden, was nicht sehr häufig ist, Beide nach der Mutter 
angeführt, denn 'EjtacpQodslxov kommt von 'EnacpQodeizöv. Den 
Beispielen, womit Le Bas S. 5. diesen Brauch erläutert, füg« 
hinzu Spec. Onom. Gr. p 90., C. I. Nr. 1967. 1. 6. 7. Nr. 1967. b. 
v. IL p. 990. b. Nr. 1997. c. p. 992. b. Nr. 1957. b. p. 989- b. 
Nr. 1957. g. p. 990. a. Le Bas bemerkt, dass noch heutzutage 
in Griechenland der Sohn einer Wittwe ebenso bezeichnet werde. 

Nr. 2. S. 6 — 11. auf einem Architrav bei dem Stadium zu 



Le Bas : Iascription« Grocques et Laiines. 273 

Messene: 'Agtmv %u[Iqb oder *A. %a — [ävi&rjxe. Nr. 3. (S. 12 
— 4.) = C. I. Nf.1460. Nr. 4. (S. 15 — 19.) = Nr. 1297. Die 
Jahresbezeichnung hovg pig besieht Le Bas S. 16. auf die Äera 
tod der Schlacht bei Actium: 127 n. Chr.; für diese Zeit spricht, 
was Le Bas nicht anführt, auch der Name Mßiog Alhavog. 
Nr. 5. ist C. I. Nr. 1496. S. 20 — 5.$ de* Herausgeber nimmt das 
Zeichen in der 2« Zeile für dvyatsQ, pijxeQ dl: 
Evuokvfi %alQB 
'Axipyxov &vyar$Q, pJjxeQ dl'Azipyxov 
2m£o(iii'qg • 
Die Uebersetzuog: Adieu, Eumolp4, fiile d'Athn&us, et mfcre 
d'Atim&us [^poux] de Sozom^nd, ist nicht zu rechtfertigen.. Der 
letste Genitiv steht allein und bezeichnet nmthmassUch eine 
zweite Verstorbene. 

Nr. 6. S. 26—30. == C. I. Nr. 1318., Franz El. Ep. Nr. 130. 
p. 289. Dass hier Zaiftlöa x(al) Alktavov für xov x#i AlHa- 
vov gesagt sei, ist dem Referenten mitsamvt dem Namen Uat~ 
Üldag etwas problematisch; auch die Ton Letronne Recueil oV 
Inscr. Gr. et Lat. de J'Eg. 1. p. 44. sneulich beigebrachten Bei- 
spiele Ton Auslassong des Artikels schlagen nicht recht durch. 
II. Arcadie. Nr. 7. S. 33—38. aus Phigalia: 
MAZl S. 35. : dapaölag oder S. 36. Z. 3. oajiiooyoig fco!? 
PA TONI M(*Qa%wviog 

MIOPrOIE danLOQyolg 

4&PON ÖUQOV 

oder & 38. Aapacla | xai Zxq&xcjvi \ SapnoQyolg | öwqov. 
Nr. 8. = C. I. Nr. 1539. ans Megalopolis S. 39— 4L; zu lesen 
ist IIiözoTtQdzti %*iQt; 8. über die Vocativform Specim. Onom. 
Gr. p. 33. Gelegentlich handelt Le Bas über Pistocrstes, 'den 
Vater des Philosophen Pyrrhon (Pausan. VI. 24. 4.); an ihn hier 
zu denken ist jedoch, wie sich jener selbst nicht verhehlt, etwas* 
luftig. Nr. 9. S. 42. vielleicht üeoig x^ovloig. Die 3 Bruch- 
stücke Nr. 11. S. 61 — 75. fügt der Herausgeber zu folgendem 
Titel zusammen: 

e H noXig 
Tißigiov Kkaväiov TIolv- 
ödpavTa aUÄviov <iyoQav6pov f 
TtQoödefcatiavTjS xo dvaktofia 
zijg övyazQÖg avzov, Tt,ß. de Klavdlov Qluxölov 
yvvaixog KXavöiag Alxxr^g rj iv&uds ' 
xalv fttaiv iksixovQytjösv vxsq xqg Av- 
xaifiixmv (pvkijg. 
Dieser Versuch weicht sicherlich sehr von dem Original ab; die- 
sem glaubt der Unterzeichnete mit nachstehendem Versuche 
näherzukommen: 

• *H u)6Ug 
Tf/J. KJLalvÖLOV Ho— . 

N. Jahrb. f. Phil, u. Paed. od. Krit. Bibl. Dd. XL. Uft. 3. 18 



274 Griechische Epigraphik. 

ytv6p]evov äyoQavo[pov 

[xQOödttafit]- 

vrjg xo d[v\dkoiia 

Ttß. Kka[vä]lag [27a>- 

kltrrjg [x]ijs ade]k- 

<prjg vnhQ xrjg Av- 

xatix[mv] cpvkijg. 
Das Einzelne zu begründen, bleibt einem andern Orte vorbehalten. 
Nr. 14., aus Tegea, wie die folgenden, ist eine Grabschrift : Xal- 
QSte | @b]6xqizs, 7 Jyt]6töTQate; Nr. 17 = C. I. Nr. 1516. ; Nr. 18. 
— Nr. 1530.; Nr. 19. und 20. sind unbedeutende Bruchstücke; 
Nr. 21. --= Nr. 1521. 

Der 2. Cahier (Laconie) giebt als 1. Classe die schon von 
Fourmont copirten Stucke: S. 97. Nr. 22. ^ 1352.; S. 100. 
Nr. 23. vollständiger in C. I. Nr. 1357.; S. 103. Nr. 24. 1. u. 2. 
sind Trümmer von Nr. 1369.; S. 106. Nr. 25. von Nr. 1381., 
S. 109. Nr. 26. von Nr. 1398., S. 113. Nr. 27. von Nr. 1340., 
S. 115. Nr. 28. von Nr. 1361.; S. 118. Nr. 29. ist Nr. 1501. mit 
den Lesarten K\AOrO£ (Evkoyog Le Bas) Nixauvg und rkv- 
xav. S. 123. Nr. 31. = Nr. 1240. 1. 11 — 21., S. 124. Nr. 32. 
=^ Nr. 1245. 16 — 17. Die 2. Classe enthalt den nach Fourmont 
entdeckten Titel S. 125. Nr. 33. = = C. I. Nr. 1471. S. 129. fol- 
gen als 3. Classe lue'dites: Nr. 35. S. 129. hat auch Leake trav. 
in the Mor.; Nr. 36. S. 133. ergänzt Le Bas: 'Huokig | Tiß. K\. 
'Agfioveucov BQaöldov | xov d^iokoymtaxov ßovayov xal j arpca- 
xov tsQia xrjg Ueßaötrjsi aQ%iSQea | äs tc5v Etßaözav xal xav 
fai&v | JiQoyovcov avx<5v. Nr. 37« S. 137. 'TmIq trjg opovoiag 
t <dv £cjtJqwv xal xov dibg 'Okvpalov Kkavdiog — ö dya&ög 
'Aftrjvccv vkhg xav Zwvaöiarv dnolxcov xal xäv SvftßQaQCOv, 
So Herr Le Bas aus: 

HZOMONOIAZ 

KAITOTEAET&EP1 

TMIHOTKAATMOZ 
ArA®02A®HNAN 

NA4EONAIIOIKSI 

&TJNNAPO 
Ref. mag die ganze Herstellung nicht vertreten. Bruchstücke 
ohne Belang sind Nr. 38. S. 146., Nr. 40. S. 147., Nr. 41. S. 148. 
Zwei andre Fragmente Nr. 42. S. 148. setzt Hr. Le Bas also zu- 
sammen: 

Ho. Me(ppiog) AvöivzUrjg Q>ikddek<pog xal 
Aafioö&iveia AvoivtUov TIo. Mk. roQyiitnlSav 
&ikad6kq>ov AvölvbIxov vlov xov — 
Statt AvdivtlxTjg erwartet man Avölveixog und am Schlüsse 
ddtktpov. Nr. 43. S. 151. lautet nach Le Bas: Mavikla 'AtpQO- 
dhq reo liicp dvögl (el) Bi(ei) frvvlcp xal xkxvtp IsQxvkklavi 
(ivstag %aQiv. Dass diese Emendation nicht durchweg richtig, 



Le Bas: Tnscriptions Grecques et Latines. 275 

der Titel auch überdies schon herausgegeben ist, wird anderwärts 
dargethan werden. Nr. 44. S. 152 — 5. ist eine 6zeiiige Inschrift 
aus dem Jahre der Welt 6300 oder 6362 am 20. August auf Er- 
bauung einer Fontaine zu Mistra, in 5 herzlich schlechten Hexa- 
metern. Nr. 45. S. 156. giebt ein Stück aus einem Titel vom 
Jähre 1802 n. Chr. 

Amycles S. 157. Nr. 46. ist die unvollständige Nr. 1445. bei 
Boeckh. Der Herausgeber bemerkt beiläufig S. 159. in der Note, 
dass die richtige Messung 'Ekldvixog ist, s. Specim. Onom. Gr. 
p. 55. Nr. 47. S. 159. entspricht dem Titel Nr. 1485.; Nr. 48. 
ist (S. 160 — 2.) die etwas reichhaltigere Copie des Steines 
Nr. 1474. nach Lenormant's Abschrift : 

— ^tifutyou, 'Apvxkattov , exatopßaloig löitsiöaxo 
'ditolX&voq itgonokog, xazd xovg vopovg. 
Nr. 49. S. 163 — 4. die zwei ersten Zeilen einer latein. Inschrift: 
DIISCASTORIETPOLLUCrSACRVM 
DOMVSAVGVSTIDISPENSATÖR. 
Magne, Nr. 50. S. 165.: Avgr\Ua.g 9 A\vftLag rifc <&i\kagl<5tov. 
Loucou, Nr. 52. S. 167 — 71.: Zrjöig Magxiavtj „tu vivras, ö 
Marciana", welche Formel gelehrt erläutert wird. Nr. 53. S. 172. 
ist das Ueberbleibsel einer Aufschrift unter der Bildsäule Traian's. 
3. Cahier, Argolide, Paris 1837. 

1. Classe: Fourmont'sche Inschriften. Nr« 54. S. 176. (die 
Seitenzahlen der einzelnen Cahiers laufen fort) steht. im C.I. unter 
Nr. 1126., nur ergänzt Hr. Le Bas S. 178., weil in seiner Copie 
eine 11. Zeile mit dem blossen O ist: <p xccl iilft](piöavt[o r]o 
[XQvöoyoQSiv fjiBTct nog](pVQctg (vgl. Nr. Il23.), welche Restau- 
ration alles Lob verdient. Nr. 55. S. 181. erscheint der vielbe- 
handelte Titel Nr. 1129. (Anal. Epigr. p. 8). Die Abschrift Qui- 
net's gewährt keine neuen Hülfsmittel; Hr. Le Bas liest S. 186. 

®B0togCöi]v Ttktoov racplrj öogog rjde xix$v&8 
avgopov 'dgyst&v ftvpdv äcpsvta nöXsu 
Der Preis ist hier noch zu erringen. 

2. Classe: Nachfourmon tische Titel. Nr. 58. S. 189. ist C. I. 
Nr. 1122. Nr. 61. S. 208 — 226. findet sich den 4 ersten Zeilen 
nach auch bei Boeckh Nr. 1145.; hier hat die Inschrift aber noch 
16 dazu. Sie ist ein Verzeichnis» von Geldstrafen (xaradtxai)^ 
welche die Amphictyonen von Argos auferlegt haben ; über letz- 
tere wird das wenige Bekannte beigebracht, Leider ist die Copie 
Quinet's eine wenig zuverlässige, wie denn überhaupt die Treue 
und Sorgfaltigkeit der von Le Bas benutzten Abschriften seiner 
Herren Landslcute viel zu wünschen lasst. Le Bas selbst spricht 
von des letztgenannten Dichters Stranges berues S. 209. 

Von den fünf Zeilen der Nr. 62. S. 227. heisst die letzte 
ä <pvXä tc5v IIcxnyvkcDV. Aus einer Copie Quinet's Nr. 63. 
S. 228. macht, wohl nicht ganz glücklich 9 der Herausgeber: 

18* 



276 Griechische Epigraph!*. 

KXavdla NiGalov xccbag vntöx Bt0 x & 
yvpvdöiov xal xo ßakavelov ty iavtrjg 
naxQlöi i>. ß. 
Nr. 64. S. 230. igt die Erneuerungsinschrift einer Kirche der 
vneoctyta Gteoroxog aus dem Jahre 1669. Nr. 65. S. 233. steht 
schon C. I. Nr. 1183. 

Nauplie Nr. 66. S. 235. ^= Nr. 1162. Nr. 68. S. 240. bezieht 
sich auf den Tempel des UnvQiölcjv vom Jahre 1702. 

Epidaure, zuerst schon bekannte Inschriften: Nr. 69. S. 241. 
= Nr. 1180., nur um den Anfang 'Tytict vermehrt; Nr. 70. 
S. 244. = Nr. 1169. IneMites endlich sind Nr. 71. S. 247. 
VJtfxAqftic) und Nr. 72. S. 248. in 4 Zeilen Bv%äv \ 'AötvXaT- 
öag, | NixotpdvrjQ 'Aötlanup. Kehren wir jetzt zu Hrn. Rosa 
zurück. In etwas grösserem Quartformate, auch viel sauberer 
und anstandiger gedruckt, erschien acht Jahre später: 

Tnscriptiones Graecae ineditae. Collegit ediditque'Lu- 
dovicus Rossius Holsatus in universitate Othonia P. P. O. institnti 
Gall. Academm. Berplin. et Monac. instit. archaeol. Rom. socius. 
Fasciculus H. Insunt lapides insularum Andri, li , Teni, Syri, 
Amorgi, Myconi, Pari, Astypalacae, Nisyri, Teli, Coi, Calymnae, 
Leri, Patnri, Sami, Lesbi , Therae,. Anaphae et Peparethi. Atbe- 
nis e typographeo regio 1842. II S. praef. 93 in 4. 2 lkhograph. 
Inschriftentafeln. 

In der Widmung an Hrn. Geh. Rath Boeckh berichtet der 
Herausgeber zuerst von dem Unfälle, der auf nicht erklärte Weise 
bald nach Herausgabe des 1. Hefts dieser Sammlung das Manu- 
script eines 2. mit vielen attischen, megarischen und insulari- 
schen Titeln zwischen München und Leipzig verschwinden machte. 
Als dann einige Jahre später der Plan einer Fortsetzung wieder 
aufgenommen wurde , däuchte es am angemessensten, ein neues 
Heft zunächst als Beilage und Urkundeubuch zu den zwei Bänden 
der Reisen auf den griechischen Inseln des ägäischen Meeres 
(Stuttg. u. Tübing. bei Cotta. 1840 u. 1842.) *) erscheinen zu 
lassen , so jedoch , dass hier nur unedirte oder bisher nicht genau 
veröffentlichte Monumente mitgetheilt wurden. Die erstgenannte 
Ciasse von Inschriften hat aus einem sehr achtuhgswerthen Grunde 
Hr. Geh. Rath Boeckh (praef. vol. IL) den Nachträgen des 2. Ban- 
des des C. I. Gr. nicht einverleibt, weshalb vorläufig , bis der- 
einst wieder Addenda zum Corpus geliefert werden, die Rossi- 
sche Sammhing den Epigraphikern unentbehrlich bleiben wird. 
Im Allgemeinen nun vorweg ein ausführlicheres CJrtheil über das 
vorliegende Werkchen zu fällen, ist kaum noch nöthig, da es als- 



*) Entgangen ist Hrn. Ross das Gemälde des Griech. Arcnipelagus 
von Fr. Murhard (Berlin in d. Vossischen Buchh. 1807. u. 8.), 2 Bände, 
die über Czio nicht hinauskommen. 



Rots: Inscriptiones Graecae. 277 

btld eine rege Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und schon 
in zwei Auzeigen von Hrn. Prof. Wclcker (Rhein. Museum 1843 
S. 321 — 39.) und Hrn. Dr. E. Curtius (Neue Jen. Lit. Zeit. 1843 
Nr. 109. u. HO.) besprochen worden ist. Dasselbe bietet zuerst 
eine grosse Anzahl interessanter, für Sprachkunde und Sachwis- 
senschaft lehrreicher Titel ; sodann hat auch der Hr. Herausgeber 
für das Verständniss der mit gewiss vielen Muhen zusammenge- 
brachten Denkmäler mannigfach in sehr löblicher Weise gesorgt, 
wenngleich im Einzelnen Widerspruch erhoben und weitere Auf- 
klärung versucht werdeu muss. Begleiten wir nun die Inschriften 
der einzelnen Inseln mit kurzen Bemerkungen, auch dasjenige 
andeutend, was nach Hrn. Ross von andern Gelehrten für die- 
selben geleistet worden ist. Die Zahlen der Titel schliessen sich 
denen des 1. Heftes unmittelbar an. 

Andni8 S. 1. Nr. 87 — 92. Aus dem Verzeichniss von Magi- 
straten Nr. 87. (C. I. Nr. 2349. c, Inselreise II. S. 14.) sei nur 
der neue, in Nr. dl. wiederkehrende Name 'ßßdoptoxog hervor- 
gehoben. Bei Nr. 88. (Nr. 2349. d.) vergl. zu Z. 3. %6 ngovaiov 
in Letronne's Kecueil d. Inscr. Grecq. et Lat. p. 90. u. 125. ro 
ttQovaov, was auch Dr. E. Curtius im Rhein. Mus. 1842 S. 101. 
anfuhrt. Nr. 89. = C. I. Nr. 2349. i., Inselr. II. 17. Nr. 90. 
ist das Ueberbleibsel einer Statueninschrift eines Kfach]vv{iog 
Nt,xox[Xsov$* Nr. 91. a.b. c. o tonog mit dem Genitiv eines Be- 
sitzers, sei es, dass ein Platz im Gymnasium oder Theater (Franz 
El. Ep. S. 338., Geppert: die altgriech. Buhne p. 109—10.), 
sei es, dass die Grabstätte (Franz p. 342. Note) bezeichnet wurde. 
Ersteres, auch von Ross angedeutet, scheint hier glaublicher, da 
es drei Männernamen auf demselben Steinblock sind. Nr. 92. 
(Inselr. II. 2L.) ist eins der interessantesten und das umfänglichste 
Stück der ganzen Sammlung: ein Hymnus auf die Isis. Hr. Ross 
hat nur die erste und letzte der 4 Columnen abschreiben können, 
47 und 33 th eil weise lückenhafte Hexameter; eines Herstellungs- 
versuches hat er sich gänzlich erhalten. Statt seiner machte sich 
alsbald Hr. Prof. Sauppe in Zürich an das Werk ; 

TMNQ2 EI2J I2IN. Hymnus in 1b im. Ab L. Rossw reper- 
tum priraum distinxit emendavit annotavit Hcrmannus Saupphu. 
Turici prostat in libraria Meyeri et Zelleri. MDCCCXLII. 25 S. 
inkl. 4 

In der Vorrede des dem grossen Isispriester Oken sinnig ge- 
widmeten Schriftchens handelt der Hr. Verfasser (S. 7 — 9.) vom 
Isiscultus auf Andros selbst, zu Mitylene, aufChios, Samos, De- 
los, Faros, zu Epbesos, an vielen Orten des Festlandes von Hellas 
(über Ti&OQa vergl. die Titel Ulrichs' im Rhein. Museum 1843 
S. 544 fgg., über Smyrna Boeckh zu Nr. 3163. v. II. p. 719. b., 
Nr. 3724.) , in Sicilien und in Rom, wo die Göttin seit den Sulla- 
nischen Zeiten verehrt, von Staatswegen aber erst im Jahre 711 



278 Griechische Epigraphik. 

durch Errichtung eines Tempels aufgenommen wurde. Auch die 
Griechen haben , soviel namentlich aus den Inschriften gefolgert 
werden kann, kaum früher denn Im 1. vorchristl. Jahrhundert die 
Isis und die andern ägyptischen Gottheiten bei sich heimisch wer- 
den lassen. Der in Rede stehende Hymnus ist aber von einem 
noch weit jungern Datum (S. 10.). Aus Gründen der Palaeogra- 
phie, der Orthographie und der Sprache setzt Hr. Sauppe, der 
S 11. auch ein Verzeichniss hier vorkommender, nur von spatern 
Epikern gebrauchter oder von unserm Sänger erst gebildeter 
Wörter giebt, den Verfasser (S. 12.) in das Zeitalter des Nonnus. 
Der Stein aber mit dem Hymnus habe zu dem Isistempel auf An- 
dros gehört (S. 7. u, 12.), wie der Hymnus im Tempel des Zeus 
Ammon aufbewahrt wurde (Pausan. IX. 16. 1.) ; der Inhalt end- 
lich finde sich merkwürdiger Weise bei Diodorus I. 27. vorge- 
zeichnet, wo die Aufschrift einer Isissäule zu Nysa in Arabien 
also angegeben ist: 'Eycb'Iölg üyn 1} ßaölktööa ndörjg xcigag, rj 
jiaiösv&tiöa vjco r EopoV) xal oöa iya kvoßödexrjöa^ ovdsig 
avxd dvvaxcct kvöai. lyci slfii rj xov vsaxdxov KQovov %vyd~ 
rrjQ TtQBOßvzdtrj. lyci situ, yvvtj xal adtkcprj 'Oölgtöog ßecöiXsag. 
iyai tlyu r\ noutr] xaonov av%Q<ojtoig evqovöcc. iyü dpi fit]Tr]Q 
"SIqov xov ßaötXscjg. eyco dpi tj Iv xcp aöxocp to5 xvvl InixhX- 
kovöa. iftol Bovßaözog yj nofag c$xodo(ijjdr]. %&Zqs %uIq& AX- 
yvnxog rj dotyccöd ps. Schliesslich wird die Vermuthung aus- 
gesprochen, das schwarze Marienbild zu Einsiedeln in der Schweiz 
sei von Hause aus auch nur ein Isisbild *) (S. 13.). Es folgt S. 14 — 
25» der Hymnus in Uncialen, auf den Gegenseiten in gewöhnlicher 
Schrift; anter dem Texte stehen zuerst die kritischen und exege- 
tischen Anmerkungen in je 2 Columnen , darunter über das ganze 
Blatt weg eine lateinische Uebersetzung. In eine tiefere Beur- 
theilung des von Hrn. Prof. Sauppe Geleisteten einzugehen , ist 
hier nicht möglich. Darum nur so viel, dass diesem für den ersten 
Anlauf Vieles sehr wohl gelungen ist. In einzelnen Punkten hat 
dagegen Hr. Prof. Welcker a. a. O. S. 326 — 34. mehr geschafft, 
während wiederum hier und da die Sauppe'sche Bearbeitung Vor- 
züglicheres giebt, als das dort Gebotene ist. Manches haben 
nachmals auch Hr. Prof Bergk in der Zeitschr. f, Altertb. 1843 
Nr. 5. 6. 7. und Hr. Comthur G. Hermann ebds. Nr. 48. verbes- 
sert; auch ist in dialektischer Beziehung Einzelnes von Ahrens 
berührt worden, wie col. I. 10. r Egpdv (ein schöner Fund Baiter's 
bei Sauppe) de dial. Dor. p. 568. u. 571., IV. 1. opä p. 575., 
ßaöUqiog und yovqiav I. 19. 39. IV. 1. p. 571. Eine neue Aus- 
gabe mit Zuratheziehung aller dieser verdienstlichen Arbeiten 
wäre wohl an der Zeit, zumal die Hoffnung, eine vollständigere 



*) Ueber die Isis bei den Deutschen s. J. Grimm's deutsche Myth, 
2. Ausg. S. 236. 



Rosa: Inscriptionea Graecae. 279 

Abschrift des Steins zu erhalten , unter Griechenlands gegenwär- 
tigen Verhältnissen nicht so rasch in Erfüllung gehen möchte. 

los. S. 6. Nr. 93 — 97. Dass Hr. Boss die Inschriften aus 
dem seltenen Boche des holländ. Grafen Pasch de Krienen (Breve 
descrizione dell' Arcipelago etc. Livorno, 1773 in 8., Inselreise 
I. 155 fgd.) hier nicht mitgetheilt hat, bedauert Ref. um so mehr, 
weil jene auch im Corpus Inscr. Gr. nicht gefunden werden und 
die Frage über ihre Aechtheit wohl nicht von Jedermann so be- 
jahend entschieden werden dürfte, als Hr. Boss selbst diess gethan 
hat. Nr. 93. ist das unvollständige Ehrendekret für einen um die 
Jeten verdienten Rhodier , dem der Kranz (Z. 6.) in sein Vater- 
land überbracht (vgl. Nr. 2270. Nr. 2332.) und an den Helieia 
(Z. 7.) öffentlich verkündet werden soll. Nr. 94. sind zwei ziem- 
lich alte Bruchstücke (E für EI, für OT) ; das erstere handelt 
über die Bcweidung eines Tempelgebiets, das andere ist von einer 
Proxeuie übrig (Aivifttov Z. 2.?*). Auch Nr. 95. giebt drei 
Bruchstücke derselben Art von Urkunden mit Erwähnung eines 
Heitigthums des pythischen A pol Ion. In A. 3. steht dvql[&(ia f 
während C. 4. dvdtk&pa gelesen wird ; Boss führt S. 10. das Corp. 
Inscr. Nr. 2347, C. 61. an: ANHAQMA, Boeckh v. IL p. 278.b , 
Nr. 2*271. 53. p. 1038. a. Ref. erinnert an das jonische Arjßci~ 
xag für Aaßcixotg Nr. 2268. v. II. p. 224. b., obschon dieses dem 
ävqlana freilich nicht ganz ähnlich ist. Ferner ergänzt Ross A. 
3. tÖ ävrjXaticc itagaüxivdöuv, wo vom Zeitworte nur öuv übrig 
ist; die Rechtfertigung soll C. 4. geben wo xo de dvaka>(icc 
hccqccö — in gleicher Weise ausgefüllt wird. Allein an der 1. 
Stelle ist die Lücke für das Supplement zu klein; dann verstösst, 
wie der Hr. Herausgeber wohl fühlte , das Futurum gegen den 
Brauch. Deshalb sei iiaQ(x6%üv vorgeschlagen. Uebrigens ge- 
hörte der Stein zu einem Eckwandpfeiler des Tempels , auf die 
öfters Proxenien eingegraben wurden , vgl. Meier's erschöpfende 
Jiibelschrift de proxenia sive de publico Graecorum hospitio, 
Halis, 1843, S. 24. Noch ist dem Unterzeichneten in C. 4. xovg 
xodxtoQag??] xovg afi<pl Sidörpf oder Qiaoijv der Eigenname 
(hueusque incognitum) bedenklich , und mag er ihn nicht durch 
Siaöog (C. I. Nr. 284. I. 38.) schützen. Vielleicht ist Ggaö^jv 
von (doccörjg für 0gaöiag zu lesen: &aksag Qakjjg, 'Egpectg 
'Egtifjg; Tetfiijg C. I. Nr. 2442. v. IL p. 359., 4riwg Nr. 2096. g. 
p. 1000. b.; ja ®Qct6rjg selbst steckt möglicher Weise in 'Hodörjg 
der Smyrnaeischen Münze bei Pape. 

Eine Proxenie ist weiter Nr. 96.; Z. 3. xo ds dvdk&ficc] 
dovvcueig xr\v dvayQatprp> xovg EFAO.Er... wird man durch 
die Schriftzüge gewiss weniger auf ngdutogag (Ross) denn auf 
iakoyslg geführt, wie dann auch Nr. 95. B. 6. und C. 5. herzu- 
stellen wäre. Bei der Note: supplevi %<üoag ex simili formula 
plebiscitorum quorundam Atticorum zu Z. 4. xo ifijtpiö^a] ancev 
elvai slg qyvXaxifv tov örj^iov nal tyg [%(üQag dachte Hr. Ross 



280 Griechische Epigraphik. 

wohl an die Seeurknnden des att. St. & 467.: tavta-lf livm 
aitavta Big tpvXccxqv zrjg xcbgccg. Die Weibinschrift Nr. 97. ist 
im C. I. Nr. 2447. f. 

Tenus S. 12., Nr. 98—105. Das 1. Stack ist ein langes 
Verzeichnis» von Magistraten nach zwei Halbjahren (C. 1. Nr. 
2Ö2— 6.) ans römischer Zeit (Z. 31 KoCvtog M&qxov). Z. 20. 
war TTP02 etwa Ztitvgog wie Z. 23. und Nr. 2329. 2336. Nr. 
99. rechts und links wie am Anfang und Ende verstümmelt scheint 
ein Ehrenbeschluss für Einen gewesen zu sein, der heranschiffende 
Feinde abgewehrt hatte, Z. 6. to]vg ini7tksvöavta[g , Z. 10. 
roifg nokBfiUivg. Nr. 100. enthält Namen von Leuten rijg 
e Taxiv&ldog (pvkrjg , kann sein von Seesoldaten. Neu ist der 
Name 1. 5. Kovtpoxgttog, ebendas. 7. stand vielleicht BL]ztov; ein 
KksocpQ(xör]g (Z. 4.) erscheint auch C. I. Nr. 202. 6. In der 
Grabschrift eines Oryesiers Nr. 101. ist die Ausfüllung von 
dANIB in rioxtSavu = IIoöBidciviB sehr fraglich. Das inter- 
essante Stack wird besser von Boeckh unter Nr. 2338. 8. v. II. 
p. 1056. a. erläutert: recensus publice confectus dotium, quae 
maritis novariim nuptarum datae erant, et hypothecarum, maxime 
fnndorum pro dote obligatorum. Zum ersten Male fand Ref. hier 
die Namen 'Efinsdla Z. 5. und Nixrjötta Z. 12. 13., wie auch 
Z. 9. der FvQaevg aus der zehnten seither unbekanuten Teni- 
schen Phyle bemerkenswerth ist, s. Ross S. 16. Nr. 103. 7. 9. 
dieses Stück, ein Fragment, nennt Z 8. noch überdiess ein Olov 
'Taxivftixov, Z. 1. stand wohl: JtodwQog 9 dyX®x[Qazovg — » 
Qiovxog oder 'AyXG>x[aQiiov statt JTzJSlK. In dem Lieberbleib- 
sei eines heroischen Epigrammes bacchischen Inhaltes Nr. 104. 
Ist Z. 3. Ba%%oiö nicht ohne Analogie (Eaq>q>d Boeckh praef. G. 
I. v. I. p. XXI., v. 11. p. 27. b., Nr. 1850. 2. iy Ba n iSäv, 2&q>- 
q>ov Nr. 1927.), falls der Stein wirklich die Aspirate doppelt 
und nicht K hat. Die Grabschrift Nr. 105. um ein Kreuz (Fac- 
sim. Taf. 1.) lautet: ®&g farjg* Otxtdiov diayegov ta daöitoty 
pov rc5 ayl<a 'IöidrigcQ. 

Syrns Sl 17. Nr 106—111. Nr. 106.=C. I. Nr. 2347.b. Nr. 
107. (Inselr. II. 27.) unter einem Weihgeschenke für Poseidon 
und Amphitrite, Z. 4. AM&1TP1TEI in altertümlicher Schreib- 
weise, wie so oft EPMEI, C. I. Nr. 1462. 3., Nr. 2078. IL Nr. 
2367. c, Nr. 2386. 4., Nr. 3799. 2., Letronne Recueil Nr. XXXII. 
10., Nr. XXXV. 16. Neu ist Z. 3. rig%Bgavi,&. Den Poseidon 
erweist eine ebenfalls hier mitget heilte Aufschrift (Nr. 2347. h.) 
als 'A<$<pikBiog. Nr 108.=C. I Nr. 2347. i. Nr. 109., zuvor von 
D. E. Curtiu* im Rhein. Mus. 1842 S. 103. Nr. 4 bekannt ge- 
macht, ist ein Ehrendekret aus ziemlich später Zeit auf eine Verstor- 
bene, BeQvsLxr] (W. Dindorf im Paris. Stephan. II. 1. 225., BbqvbixI- 
iriS G. I. Nr. 444. 3., während bei Ross Nr. 178. b. S. 63. der 
Stein BsqbvbIxt] hat). Diese war agxsivij (Z. 4. Rosa S. 20. u. 
praefat. p. 2., uQiutig C. I. Nr. 2162.) und Priesteriu der Deine- 



Rosa: Inecriptianes Graecae, 881 

ter und Köre (Z. 5.) gewesen ; auch wird sie Z. 8. als xwvoigo- 
yrjöaöa (Rosa Nr. 122. 5.) gerühmt. Bei svöxytiovav (xijv dva- 
OtQoqtqv) Z. 3. denkt Hr. Rosa S. 20. wieder an die Pelasger- 
spracbe, worüber auf Ahrens de diai. Dor. p. 563. verwiesen sei* 
Noch ist Z. 11. die Infinitivform öxsqtccvolV) welche auch Curtius 
giebt, au beachten, sowie Z. 10. der Ausdruck rov nQoßtßw- 
xotcc zqovoV) bei dem nicht unpassend an des Sophokles al nag- 
ek&ovöcu oöoi Antig. 1213. Oedip. Col. 1397. erinnert werden 
konnte. Nr. 110. hat nur die eine lückenhafte Hälfte des Boeckh- 
scheu Titels Nr. 2347. k. p. 1060. Auch Nr. 11 1 M zwei metri- 
sche Grabschriften auf demselben Steine, stehen im C. I. Nr. 2347. 
o. und p. p. 1061. — Zu all diesen Titeln kommt nun noch einer 
auf einer Felsplatte am Wege bei der Kapelle des Heil« Mammae, 
ohne Deutung mitgetheilt in der Inselreise II. S. 54. und vielleicht 
also au lesen; 

"E[g]aötg ps i[n\otrfc$% 
9 E[jt]a(idvov[ogn 
Die Richtigkeit dieser Erklärung vorausgesetzt, hat man anzuneh- 
men, dass die Inschrift zur Charakterisirung irgend eines Werkes, 
vielleicht eines Weihgeschenkes gedient habe. Der Name"/£oa0t£ 
für 'Egaöiag wäre zwar neu, aber nicht ohne Analogie von"Ega- 
öog und den vielen mit 'Egaöi — beginnenden. 'Enaptivtav war 
ein nicht ungewöhnlicher Name, C. I. Nr. 3649. und Pape's Wör- 
terbuch. Die Trennung von "Egaöig und 'EicapHvovog ist leicht 
nachzuweisen: C. I. Nr. 1194. 'dgiözofievqg dve&rjxs 'Aks£la xa 
ddpaxgi tot X&ovia 'Egniovsvg. 'Slgo&sog slgydöaro 'Agysio^ 
dazu Boeckh p. 595. a. Mit dem Ausdrucke stimmt auf der Sigei- 
schen Inschrift xal (a tnolrjöiv AXöcoxog xal ddtXtpol C. I. Nr. 8., 
Franz EL Ep. Nr. 32., und das nicht seltene tovös dvi&rjxe (näm- 
lich dvdgtdvta oder xgCnoda) lässt sich ebenfalls anziehen , Mei- 
ueke delect. poet. anthol. Gr. p. 236. Dabei leugnet Ref. nicht, 
dass nach den Schriftzügen in der 1. Zeile auch oöov (mit dem 
Spiritus asper) stecken könne; doch gelang ihm nicht damit einen 
Zusammenhang zu gewinnen. 

Amorgus S. 23. Nr. 112— 144.; über einige latein. Titel s. 
Iuselreise II. S. 42. Note 4. Nr. 112. ist die Grabschrift eines 
noch lebenden Kagnog (£#) bei Errichtung einer gewölbten 
Gruft; Nr. 113. eine ziemlich erhaltene Proxenie; Nr. 114. gym- 
nastischen Inhalts: Verzeichniss des Gymnasiarchen, des Hypo- 
gymnasiarchen und der Epheben. Anführung» werth sind Z 7. 
Evcpguyhvris von Evtpgäg und Z. 10. Ttfitjxgdtyg. Für Evdxris 
schlagt Ross (Z. 8.) EvdXxtjg vor, nian sehe jedoch Bernhardy 
über IloXvdxijg zu Suid. noXLov%og, Lobeck. Patholog. Sermon. 
Gr. p. 521. , xmdi Uavaxla = Ilavdxua C. I. Nr. 2151. 3. v. IL 
p. 177. a. Anderweitig schon erhaltene Amorginer - Namen sind 
'dkxipidav und KgizoXaog (C. I. Nr. 2264. c.) und Ilagpeviav 
Nr. 2264. e. Zu der öffentlichen Grabschrift Nr. 115. S. 26. auf 



282 Griechische Epigraphik. 

einen Jjgmg vergleiche man, was zuletzt Rots aber diese nament- 
lich auf den Inseln ganz gebrauchliche Verehrung der Todten in 
der Inselreise Bd. II. S. 18 — 19. erinnert bat. Grabschriften 
sind auch Nr. 116. (Evölxatog) und Nr. 117. (77paxrtxo$); das 
gleichartige Epigramm Nr. 118. in jambischen Senaren hat Hr. 
Ross unberührt gelassen. Die bei Weitem besser conservirte 
rechte Hälfte scheint etwa so gelautet zu haben: 

r O pov6oTi%vriq p ixxgicpsi Kakklxgixog, 

xäöav pddrjöiv vpvonoiov kvdidovg' 

sli (xsxga d' ijftrjg ctg ävrjgxofifjVj tote 

a&gog elg aöxgtnxov (pxöptjv xönov. 

tyug ccnavxa pv&ov^ svoöet %ivt. 
Hier ist Z. 2. vpvojiotov und die Ergänzung des 4. Verses einer 
brieflichen Mittheilung des Hrn. Prof. Frans in Berlin zu danken. 
Z. 3. lässt sich vielleicht auch aV^oop^i', was die überlieferte 
Schreibart ist, vertheidigen ; zu Z. 5. vergl. C. 1. Nr. 3706. 3. 
Xcciqs nagodtlxa' Eyvaxag' Iggcoöo, vylaiVB. bvoöbi. In 
Nr. 119. läuft 'dyX&xdgovs in alterthümlichen Zügen von. der 
Rechten zur Linken, Facsim. Taf. I. Die 7. Zeile der öffent- 
lichen Grabschrift der Milesier zu Aegiale auf einen Verstorbenen 
undeutlichen Namens hiess wohl: öxgatijyfov x&v %Bg\ Eiga- 
tfxtva Szgdiavog; Z. 8. vermnthet Boss r Eksvq , was sehr unge- 
wiss ist, man kann auch 'EkBvfrBglav lesen. Gelegentlich berührt 
der Herausgeber die bekannte Streitfrage über die Milesier in 
Attika S. 27. und entscheidet sich dahin, dass diese kein Demos 
gewesen. Die Inschriften Nr. 121. und Nr. 122., von denselben 
Milesiern in ziemlich später Zeit (S. 30.) gesetzt, erweisen einen 
echt menschlichen , auch anderwärts (C. I. Nr. 2775. b. fgg. v. II. 
p. 1109.) vorkommenden Zug, indem die Hinterlasseneil eines 
Xgvötnitog (Nr. 121. r= Nr. 2264. b.) und die Tochter eines 
'A&qvaiog getröstet werden, ausserdem dass der Verstorbene alle 
Ehren erhält, welche ä&okoyoi xarotgd/Lttvot ££ fOovg empfan- 
gen, Nr. 122. Dieser letztere Stein hat dazu noch zwei kurze 
Titel : 6 ötjfiog Eaxqgixov 9 A&qvatov iqgfoav und Ev(prj(ila Ev- * 
ßoi/Aot;, im G. I. Nr. 2264. f. Das Grabepigramm Nr. 123. (Fac- 
sim. Taf. 1 ) besteht aus zwei Hexametern, denen zwei Penta- 
meter folgen. Die Schreibart xaftiöovxBg hat schon Ross S. 31. 
belegt (Ahrens de dial. Dor. p. 36., lq>BlÖB Boeckh v. II. p. 774. b.); 
der durch Conjectur gesetzte Accusativ rjg&v (aus iJQ&av?) 
scheint sicher. Von den ganz kleinen Grabschriften Nr. 124. und 
125. findet sich letztere im C. I. Nr. 2264. g. , ebenso Nr. 126. 
unter Nr. 2264. u., von Ross auch durch Anführung einer un- 
edirten attischen Inschrift S. 32. erläutert. Nr. 127. enthält in 
23 Zeilen das vollständige Alphabet von A — Sl eben so viele 
Male; die Arbeit eines sich übenden Steinmetzen. Nr. 128. ist 
ein kurzes Ehrendecret der Samier auf einen Arkesiner 'Aya&ivog. 
Der im Bruchstück einer kaiserlichen Epistel Nr. 129. erwähnte 



Ross: Inscriptiones Graecae. 288 

(Z. 8.) d$6g Zsßaöxog war vielleicht Hadrian, der, wie bekannt, 
auch die griechischen Inseln besucht hat, Ross S. 34. Nr. ISO. 
unter einer Bildsäule des Kaiser Claudius. Von dem Grabepi- 
gramm Nr. 131. (Facsim. Taf. I.) , dessen junges Alter schon die 
Form der Buchstaben verräth , ist der letzte Vers deutlich : Iv 
tisAd&QOiöi fonwv &Xo%ov xal vtjma tixva; der Name de« Ver- 
storbenen scheint KaX6xv%og (Z. 5.) gewesen zu sein (G. I. 
Nr. 2472. b. p. 378.) und ist ziemlich später Bildung. 

Eine metrische Curiosität weist Nr. 132. auf: 77 navaQlönj 
Zitovdrj Iv&dds xslfiai ixav xa, Tgl. Welcker a. a. O. S. 326. 
Auch Nr. 133. ist ein Grabtitel, wo statt des Rossische u ty pqrpl 
öy Tv%iilG) Z. 6 — 7. auch tjj prjxQi Evxv%ü8i (für Evxv%lfo 
Nr. 3320. 3574., Anal. Epigr. 131. 'A&fjvasig) gestanden haben 
könnte. Nr. 134. ist das Amorginische Exemplar von C. I. 
Nr. 1716., s. Ross fasc. I. p. 22. b. Derselbe bringt hier den 
Zusammenhang zwischen Amorgos , Argos und Sikyon in Erinne- 
rung S. 36. In Nr. 135. weiht ein 'Aya&ivog etwas an Ai6w6og 
KiöGoxopLCtQ; zu dem vom Herausgeber S. 36. angezogenen zlio- 
vvöog Kiööog der Acharner (Pausan. I, 31. a. E.) s. noch den 
Homerischen Hymnos auf den Gott V. 1. Kiööoxofiav 4i6vvöov. 
Nr. 136. bezieht sich auf Tempelangelegenheiten , Nr. 137. auf 
emen'AnoTQOJtcaog, den Herakles oder Apollon. Nr. 138— 43. 
sind Namen auf Grabstellen ; herauszuheben ist Nr. 142. 'AyX&- 
diötqgi vergleichbar mit 'EQpofaötog C. I. Nr. 3064. 16., Nr. 
3081. 3. Aus Nr. 143. entnahm Ref. den neuen Namen r Tytd£mv. 
Nr. 144. ist ein Bruchstück : Z. 3. Hm<5i7cgdxr}g (nicht ZwxQatTjg 
mit Ross) £vQax6öLog, wobei an die alte Bemerkung gemahnt 
werden konnte, dass ZcoGlag, Etoöig ein bei den Sikulern sehr 
übliches Nomen proprium war, Krueger zu Xenoph. Anab. I, 2, 9. 

Myconns S. 38. Nr. 145. (Inselreise II. 32.) enthält lücken- 
haft zuerst Z. 1 — 9. ein Verzeichnis« von allerlei Tempelgeräth, 
dann eine Berechnung über heilige Gelder und Ausgaben an die 
Sieger in den UoölÖna (Z. 16.). Einzelne Zeilen wie 10. 13. 
29. sind absichtlich getilgt; hier waren muthmasslich Schuldner 
aufgeführt gewesen, die nachmals gezahlt hatten ,' vgl. Boeckh 
€. 1. I. p. 258. a. 259. a. Z. 8. ist KEPKU02ANA vielleicht 
nach G. I. Nr. 2681. 2. tö dvakrjfi(ia xal t^v ini avxov xbqxIö« 
(v. II. p. 466. b. 9 Dr. E. Cnrtius im Rhein. Mus. 1842 & 111.) 
zu erganzen; Z. 11. ZHKEITOTAIMEPIOZ: 6 Suva] 'Ety- 
xiöxov d (zehn Drachmen). 'fysgtog — ; Z. 20. . . 2. FTPIA- 
TH2J EvgvKQdttjg; Z. 22 fgg. 'AnoModuQog Kv&x[yv6g fÄra- 
x]$v slg aftka H (exaxov dQcc%(iag). xal rj ßvgöcc [fyovöa oder 
l&Qovöa] elalov [%]ovg IIIL Derselbe Mann aas Kyzikos , des 
Apollodoros Sohn*), erscheint als Sieger im Pankration C. I. 



*) Zwei andre Apollodoros aus Kyzikos siehe im C. L Nr. 1780. 
und bei Marquardt , Cyzic. und sein Gebiet S. 173. 



284 Griechische Epigraphifc. 

Nr. 15«D. 24., welchen Titel Boeckh v. L p. 772. b. zwischen 
Olympias 135 — 140 setzt. Hieraus ergiebt sich annähernd das 
Zeitalter auch der in Rede stehenden Inschrift. Die Weiterfuh- 
ruug des Verzeichnisses durch den Nominativ xal r\ ßvgaa xzl. 
hat nichts Befremdendes; nach Boeckh in den Metrologischen 
Untersuchungen S. 17. fasste ein %ovg neun Pfund Oel. 

Faros S. 40. Nr. 146 — 152. b. Pie Berechnung über ein 
den Chiern geliehenem Capital , den Zins und den Zinseszins (zo- 
xog dxo xohov) Nr. 146. ist im C. I. Nr. 2374. b. v. II. p. 1072. 
Dort steht auch Nr. 147., die Proxenie für "AQtjxog ' Aöts .. .opov 
Xiog Nr. 2374. c; den Vater nennt Hr. Geh. Rath Boeckh 'Aözei- 
voxog , Ref. wollte früher '^tftspovo/iog. Z. 14. lautet es dtxag 
ttQOÖlxovq (Nr. 148. 13.) idv xi ddcxrjzai statt des sonst üblichen 
ftoo&Wav, vgl. Meiert angeführte Abhandlung S. 18. 

Desgleichen ist die Proxenie Nr. 148. im C. I. Nr. 2374. d. 
wiederholt, wo Z. 4. der Name '^p/öro^os (AP1LTQXOMME 
rAAOKAEOS) nach Coujectur mit 'J$t6t6Ko%og vertauscht 
wird. Falls zu ändern ist, bietet sich 'AQrtzovovpi MtyccXoxXsog 
wohl noch eher dar. Ohne Zweifel vortrefflich aber ist Boeckh's 
Besserung Z. 3. 'AytiaVi da 'Ayikyg und "Ayslog sonst nachge- 
wiesene cbiische Namen sind. Der Onomatologe hat sich Z. 2. 
noch 'Aöfisvoqxxvtog zu notiren. In Nr. 149. "Eqg>$ Kal6ccQog 
iQysniöTdtrjg xov lazopLov iÖQvaazo nimmt Ross S. 42. den 
KaiaaQ für einen libertinus. Alan dürfte jedoch iovkog zu er- 
gänzen haben, s. Letronne's Recueil Nr. XVI. und Nr. XVII. 
p. 151., C. I. Nr. 3382.1., Nr. 3738. II. 2., Schaef. Lamb. Bos. 
Ellips.-p. 117. Nr. 150. a. ist das Bruchstück eines weiter nicht 
bestimmbaren öffentlichen Beschlusses, Nr. 150. b. das einer äva- 
ygcccpr] von Tcmpelgeräthschaften (C. L Nr. 2384. g.), Nr. 150. c. 
sind Mos vereinzelte Buchstaben aus 6 Zeilen. Ebenso ist die 
Grabschrift Nr. 151., aus römischer Zeit, nach der rechten Seite 
hin ganz verstummelt/ Nr. 152. a. b. bringt zweimal einen un- 
deutlichen, anscheinend lateinischen Namen, Herrao — , dazu 
unter a. die Zahl CCXCV oder CCCXCV, s. Iiiselr. IL 67. und d. 
Facsim. Taf. I. Nr. 152. b. ist ein in das Griechische übersetztes 
Rescript des römischen Senates, aus dem J. 204 n. Chr., an einen 
auf Paros lebenden Consularen, der belehrt wird py tlvak ina- 
vaysg 6vyxXr}zix(p dypov 'Papaiav axqyti &vov vno$i%&6%ai 
(vgl. Welcker a. a. O. S. 325.). Die Consul- Namen stehen wie 
gewöhnlich im Dativ; der Genitiv ist, wenn auch nicht ganz un- 
üblich , doch seltener. 

Astypalaea S. 45. Nr. 153 — 164. Nr. 153. a. unter einer 
Statue des M. Aur. Antoninus s. im C. I. Nr. 2495. p. 1099. a., 
und das Bruchstück Nr. 153. b. unter Nr. 2488. b. p. 1098. Hier 
ist Z. 4. NsLTCcdagi anscheinend der Name des Grossvaters, ver- 
dächtig, sicher dagegen Z. 10. die Ergänzung von Ross & 46.: 
tö nXri&ogzo 'JözvnaXaUav mch Nr. 2487. und 2488.$ s. noch 



Ross : Jnscriptiones Graeeae. 38$ 

C. I. Nr. 73. b. 21. v. I. p. 892. b. ßovXsvöco'mg «v 2po) SqhHx* 
tlvai doKij navxa 'EQV&Qatwv xtß nkijftei x«l 'A&tjvatmv xoi 
xäv gwßagmf * Diodor. Sicut. XVII. 9. tov nktj&ovg (d. i. air«*- 
rtöv) tntxvQWöavTog xijv yvdtirjv. Die Weihung des oixog xn- 
xaäxtvog an Apollon, Nr. 154., 8. in C. I. Nr. 2491. c. p. 1099.«.,, 
vgl. Nr. 2336. b. 9. p. 1055. bttpekfiöetidvov x&v tov dtopvöw 
olxmv. Nr. 155.: Tipoxkeux Zkvavigov dlxxvwet, wo Eiv. 
neu ist; Nr. 156. Evavogka (Ahrens de dkl. Dor. p. 566. Eva- 
yogia) xai rogyd* Kogtx. Nr. 157. ist die Grabschrift (<6ytaiPS 
Z. 4.) eines Bovktvtlvdg ^ vergl. Eüxgaxlvog und I*(0XQaxims 
Anal. Ep. p. 124. Der leider sehr verstümmelte Marmor Nr. 158. 
Ton ursprünglich 43 Zeilen zu etwa je 40 Buchstaben giebt ein 
Decret, man ersieht nicht welcher Stadt, zu Ehren der Astypa- 
laeer, die jener bei Bedrängnissen durch Seeräuber nachdrücklich 
Hülfe geleistet hatten. Ausser dem, was schon Hr. Ross S. 49 — 
50. ergänzt hat , lässt sich noch Folgendes muthmassen, natürlich 
ohne dass auf Sicherheit Anspruch gemacht wird , Z. 17. : 

atpskovxav (xmv nngax&v) ix tov] tsgov xijg 'AQxipiiog tijg 
[Mowv]%i*g [itttttila iktv&jeQa xt xal Sovka, diagna6avxwv 
de xal tu [xxTJvtj xäv x]aro[ixovv]tcov iv xw %a&t<? x*l 
xolg ntg[ixstp&v}oig t&rotg, [ot 9 Aöx]vnakctulg — 
Statt der^prspig M*vvv%(a (Z. 17. APTEMI402THEA... . 
|| XI AS) setzt Boss nach Z. VS.iMENJHEIAZ) die "A. Mbv- 
dqota. Allein schon Dr. E. Curtius, N. Jen. LH. Zeit. 1843 
S. 447. b. , hat sehr gut bemerkt , dass die erstere herzustellen 
sei, wobei er, an dorthin geflüchtete Frauen denkend, den Tem- 
pel der Artemis Monychfa an der ephesischen Küste (Strabo IX. 
639. III. p. 173. Taochn. Gurt, de portnb. Athen, comment. p. 27.) 
versteht. Ob mit dieser Localität das Rechte getroffen ist, bleibe 
unentschieden; das aber will Ref. bestätigend hinzufügen, dass 
Z. 29. MEN4H2IA& KAlKAKOTPn überhaupt nicht Msv- 
örjölag, sondern kyötccg xal x*xovQy[avg zu lesen ist. Derselbe 
schlug Z. 18. xmöta vor, weil im Folgenden offenbar von Kin- 
dern die Rede ist, welche die Piraten geraubt, die Astypalaeer 
aber ihnen abgejagt und auf ihrer Insel mit Nahrung und Unter- 
richt versorgt hatten (vgl. Piutarch. Them. X. , Was- auch Gurtius 
andeutet) , bis dieselben in ihre Heimath ungefährdet zurückge- 
bracht wurden: Z. 30. ei£img xijg eavx&v (i[Eyakotl>v%tag xal 
tijs?] ypstsgag gapa?; Z. 35. xgog xs xijv xafl 1 ' rtfiigav [rpo* 
<ptjv?] Z. 36. Bv6xrjfio^vvf]V^ Z. 37. 6]g nsgi t«5v töttov 
x[ixv]mv, Z. 39. xs xai uaidelag. Nr. 159. ist das Bruchstück 
eines öffentlichen Ehrendecrets; über den Imperativ dovtco Z. 7. 
s» Ahrens de dial. Dor. 572. und über dyadog ccvdgccg Z. 3. dens. 
S. 565. Z. 8. ergänzt der Herausgeber ANAfiirOAE in 9 Ava£t- 
nokipq>, es konnte aber auch 'Avafrnoket heissen. Das schon 
sonst bekannte Heiligthem des Askiepios auf Astypalaea (Ross 
S. 50.) wird Z. 6. erwähnt Nr. 130. = G* I. Nr. 2495. v. II. 



286 Griechische Rpigraphik. 

p. 1099. a. Auch iu Nr. 161. s. Nr. 2490. v. II. p. 1098. a., mir 
dass bei Rosa Z. 4. Nixoö&svevg, nicht 'Avdooö&s'vtvg gelesen 
wird. Du Fragment Nr. 162. betrifft die Belohnung von Öixa- 
6taii die aus einer andern Stadt auf Verlangen nach Astypalaea 
nur Entscheidung schwebender Streitigkeiten geschickt worden 
waren (Ross S. 52.); ein Brauch, wofür das Corp. Inscr. Gr. mehr 
denn einen Beleg darbietet, s. z. B. Nr. 2334. b. v. II. p. 1052. 
Nr. 163. stand unter der dem Zsvg 2J&ztJQ und dem däpog ger- 
weihten Statue eines gewesenen dyooavopog: MjqXi%og 'Iaöt- 
%ksvg. Beide Eigennamen kann der Unterzeichnete anderweitig 
nicht belegen; mit dem erstem scheint MaXL%a zusammenzuhän- 
gen (attischer Titel von Ross mitgetheilt im Bullettino 1842 S. 51. 
Götting. Gel. Anz. 1843. S. 499.). Die sehr mitgenommene iam- 
bische Grabschrift Nr. 164. auf einen 'AgxBfiijvidag überlässt der 
Ref. glücklicheren Restauratoren, nur die 2 letzten Verse hofft 
er nicht ganz «bei also nachgebildet zu haben : 

xovqxx yivoixo ßa>Aog, ooti&v d' ano 

ycti' intpigovöa xaonov ävfteöiv ßoiioi. 
Nisyrus S, 53. Nr. 165—8. Das erste Stück (Face. Taf. I. 
Inselr. II. S. 71.) halb auf einer Mauer halb auf einem vorsprin- 
genden Thurme enthält die Bezeichnung : dito tov tat%sog öapo- 
clov to %<oolov ntvte mliag (vgl. Curtius a. a. O. S. 447 — 8«, 
Haase Lucubr. Thucyd. S. 53. , Livius I. 44.). Dass Ross TO 
TEIXE in tov r., nicht red, überschrieb, billigt auch Ahrens de 
dial. Dor, p. 563. Nr. 166. ist ein Brief des Königs Philippos von 
Macedonien, des Demetrios Sohn, an die Nisyrier und deren Ant- 
wort, um Olymp. 145. 2, vgl. Ross S. 55. Dieser giebt das kön. 
Schreiben folgendermaßen : 

BaÖiXsvg OlXntJCog Niö[v]otoig %<*l- 

qsiv. 'AtpeötaXna KaXXtav noog 

vpäg ovxa xal r^uv övvföi] xal u- 

pitBQOV TioXttTjv, eldag de [a]tir- 
5 ov *vvov\v ov\z[a] tjj %cXh xal nokX- 

äxig vneQ vpüv dal;uoo[a]pevov %go- 

g 1(18 h> tb [v](ilv nag avt<p drj dvyüXa- 

i vplv a [e]ßovX6(jifjv vpäg sldtjöat. 
Dass Z. 7. u. 8. der Zusammenhang aufhöre, ist offenbar; indess 
lägst sich die von den Herren Ross S. 55. und Welcker a a. O. 
S. 325. nicht gehobene Schwierigkeit leicht abstellen. Z. 7. muss 
für ENTETMINI1AP gelesen werden 

ENTETAAMAI; dieses IvxixaXyLai bringt Alles in Ord- 
nung, während mit iv xs vpZv natf — durchaus nichts anzufan- 
gen ist. Z. 1. hat nach der Copie der Stein NiötQtocg, was Curt. 
a. a,. O. S. 448. a. schwerlich mit Fug für eine berechtigte Neben- 
form ansieht. Allerdings liegen Analogien für den Wechsel des 
i und v vor; allein auf die Auetoritat der vorliegenden, auch 
sonst von Irrthümern nicht reinen Abschrift ist nicht- sicher zu 



Röss: Inscriptiones Graecae. 287 

bauen. Z. 8. war für ANBOVAOMHN zu geben ä rjßovXo^v^ 
der Infinitiv slötjöai aber (alibi non videtur obvius esse, Rosa 
S. 55.) ist anderweitig im Pariser Stephan. III. 1. p. 198. C. unter ( 
sidso belegt. Aus der nicht vollständig erhaltenen Antwort der 
Nisyrier sieht in sprachlicher Rucksicht Ahrens de dial. Dor. 574. 
Z. 13. *ap, ebds. ßaöiXk&g S. 575. , Z. 16. ßaöikrj ebds., Z. 16. 
dsdcixsv an S. 565. u. 573. ; Ross schrieb unnöthiger Weise und 
ohne dass eine Lücke auf dem Stein dazu berechtigte, öedaxivcu. 
Derselbe handelt S. 55. über Inl Av6txgdxtog dapiBQyov S. 55. 
Nr. 167. auf einer Basis: Zm^lfjtijv 9 E*aq>Qä 'AvxiQ%löa. Nr. 168. 
enthält sieben Sepulcraltitel mit blossen Nameji: aus a. ist zu er- 
wähnen KvdgoyevBv$i aus e. 'Epßgoxov. Das Stück f. lautet 
nach der Abschrift: Kgvcov xal 'Aya&oiidog xal Xgvöov cot* 
xixvov ccvxcäv. Hr. Ross liest aber beidemal Kqvöov, was ihm 
soviel wie Kgolöov ist ; besser scheint es, auch am Anfange Xgv- 
6ov herzustellen. Xgvöog (XQVöog) als Sklavenname (Aristopb'. 
Wesp. 1243.) ist schon von Pape angeführt; dass auch freie Leute 
so heissen, zeigt C. I. Nr. 276. IV. 14. , Nr. 485. 3. Den sonder- 
baren Frauennamen 'Aya&ovfy ovöog, schützt vielleicht der andre 
Znöovg C. I. Nr. 2001. v. II. p. 62. 

Telus S. 56 — 8. Nr. 169. nach der Abschrift des englischen 
Schiffslieutenant Brocke ist ein in eine Treppe vermauerter, nicht 
mehr durchweg leserlicher Stein mit Ehrenbezeugungen der Te- 
uer für Aristomenes, des Aristobulos Sohn, gewesener UganoXog. 
Die Erwähnung dieser Würde benutzt der Herausgeber geschickt 
zum Erweis einer Verwandtschaft zwischen den Tellern und den 
Gelensern auf Sicilien S. 59. Es scheint aber der tsgauokog vom 
teQSvg verschieden gewesen zu sein, wenn anders der Unterzeich- 
nete Z. 4 fgg. richtig supplirt: 

cdgt&stg rs UgauoXog inl hgl<og A- 

scaxglxov kdifato tag xo&odovg xal tä teXiöpccTa OQ&45g 
. xal dixaiag cpxovopyGs' östöpov xs ysvoji&vov xa&atge&tvx&v 

xmv %Bi%imv xcel rc5v xvgycDV diaöeiG&kvrciyv — . 
Deber diese Thürme, gesetzt dass es nicht die der Stadt, son- 
dern einzeln auf den Feldern stehende waren, s. Inselreise II. 45. 
Note 6. Der Infinitiv Z. 8. dvotxoöopfiftiiiisiv dürfte nicht in 
avoixodoprj&ijusv gekürzt werden, Ahrens de dial. Dor. p. 565. 
573. 576. Derselbe treffliche Gelehrte scheint S. 565. auch Z. 9. 
nccXog xal Xvöixtkog und Z. 10. dngoyaölöxog als Adverbien fest- 
halten zu wollen. Z. 11.: dXXä xal xau d^iigav? %güav Iv näöw 
ixxBvrj n<xQS%6(A6vog. Z. 14. tä i%%v6yLtva Ahrens a.a. O. S.574. 
Cos (S. 58.) hat Hr. Ross nicht selbst besucht; die Inschrif- 
ten Nr. 170 — 78. verdankt er dem engl. Flottenkapitain Graves 
und dem Lieut. Helpmann; doch giebt es dort noch weit mehr 
beschriebene Steine. Nr. 170. auf einem Grabaltar, wie sie die 
griechischen Inseln (Inselr. I. 36. II. 90. Anal. Epigr. p. 21.) häu- 
fig aufweisen. Neue Namen sind Z. 3. MaxagLvov, Z. 5. Evtyv- 



288 Griechische Epigraphik. 

%lag, wie in Nr. 171. (a. b. c.) gleichen Inhalts ebenfalls auf 
einem Altar (Facsira. Taf. I.) c: 'Agapazlvr}. Ebenda, in a. hat 
der Stein Ev%aglC6tov rov Ev%agL&cov mit der heutzutage ge- 
nugsam bekannten Verdoppelung des Zischlautes, ivaQlöGazo 
C. I. Nr. 3312. 10. Nr. 172. (Face. Taf. I.) r Ex*zalog x«r? om^ov. 
In dem Namenverzeichnis« Nr. 173. wird Z„ 3. 2JsipdxT]g von 
Ross 8. 59. auf Iklpog, £tfiog zurückgebracht, dem die noch 
jetit brinchllche Endung aicrjg (axog^ dwov) angefügt sei, Tgl. 
Inselr. IL 72. Note 6.; Dr. Gurtius erinnert, dass der Name auch 
einen Perser bezeichnen könne, s. Lobeck. Patholog. Sermon. Gr. 
p. 312. Ob Z. 7. IIPONTI0ANHE durch ngmxotpdvTjg rieh« 
tig hergestellt ist oder ob etwa ITga^itpdvrjg zn setzen war, sei 
dahingestellt. Von der metrischen Grabschrift Nr. 174. -sind ein 
Pentameter, 2 Hexameter und zwei Pentameter übrig. Nr. 175. 
Ist ein sehr interessantes Ehrendecret des xoivov tcjv 6vpx*+ 
Qtvo[i8vmv xdg dtit ( Tix tov (Ross S. 71.) für zwei ixiprjvuu 
(Boeekh C. I. v. II. p. 1133.a.) ccvTBTtdyyekroi. Das Stück ist 
vollständig oder doch leicht zu ergänzen bis auf den Anfang Z. 1. 

im M . . APXOT NixotpQovog, prjvog 

'Agzapixtov — , 
Der Herausgeber äussert S. 61., $andg%ov oder xmpdgxov sei 
durch das deutliche M ausgeschlossen. Ref. wurde , bei gleich 
folgender Monatsangabe (Franz El. Ep. p. 324.) und bei der be- 
stehenden Einrichtung der kmpqvioi, im tit]vdg%ov vorschlagen, 
wenn er das Wort in der Bedeutung „Vorsteher während eines 
Monats" besser bekräftigen könnte als durch prjwryvQxrjg „mo- 
natlich bettelnd herumziehender Priester der Kybele". Erwähnt 
sei jedenfalls der Eigenname Mrjvag%og (oder MhaQXogl} im 
Plautus» 8. Ritschi ind. schol. p. mens, hibern. 1843. Bonn, 
p. VIII. a. , und der entsprechende 'Ag%epir]vldag. Z. 17. fehlt in 
oxcog ovv xal pexd tavtf algovfuvoi imurfvioi der Artikel un- 
angenehm; er wird wohl nach xal in der Abschrift ausgefallen 
sein. Z. 20. lies statt NtxayoQuv plv xal Avxatftov inaivioat,: 
Ntxayogav re x. A. i. , und Z. 22. nicht ix\ %a atgiöet xai t« 
svtießsla, sondern xal fori (ETI) tv6. Auch Z. 20. xd dvdkmpa 
TÖ ysvofiBvov ig zdv Oralav t[t] || öavxov ot Taptai ist das Zeit- 
wort gegen den Brauch: man erwartet pegiödvx&v. Dialektisch 
sind zu bemerken Z. 4. 23. «ap, 18. ngoftvpoxiQog avzog x*q- 
e%(Dvrat , 23, zog foos x«i zog dapozag , Z. 6. dxav Ahrens 
a. a. O. 575., und 19. elöozeg Ahr. ebend. ; palaeographisch, wenn 
es sicher ist, C für II wie in Nr. 169. Das Fragment Nr. 176. 
6 ödfiog] 6 AkaGagvixdv zeichnet sich durch die neae Form 
(sonst 'AkifteQva) ans. Zu Nr. 177. 6 däpog Zsßaorolg ösolg 
zo ßäpa s. Franz El. Ep. p. 334. Unter Nr. 178. sind zwölf 
kurze Grabschriften zusammengefasst, die, ausgenommen c, wo 
£«£$£ hinzutritt, nur aus Namen bestehen. Ans dem* Vorkommen 
von 'ExaxaZog Nr. 172. und 'Exazalcc, 'Exaxtöwgog und c £farrf»-> 



Rom: frsariptiones Graaoae. fQß 

vvpog hier schliesst Ross S. 63. mit Grund auf Gulfas der Hebte, 
weaa auch wohl nicht ton sacra celeherrima zu sprechen war, da 
diese bei den Schriftstellern nicht erwähnt zu werden scheinen» 
Nene Namen sind in d. 'AvtidrjiMg, in k. IlXmSmwtg und in hl 
'AysixovLq. In e. Hest Hess nOUA10TAOTUN10T\\MAPK 
OTTIOVPOTOOT RonUov Aovxaviov; sollte nicht Aovut- 
viov Arianii beizubehalten sein? 6. C. I. Nr. 2641. 5. Aviavim 
Xtti Aviaviog* 

Calymna, jetzt Calyranos, S. 63. Nr. 179 — 87.; von dieser 
Insel hatte mag zuvor Iceine Inschriften. Eine genaue Karte nach 
der Aufnahme des Kapit. Graves gab Ross dem 2. Bande der Im- 
seireise bei Nr. 179. m 5 Zeilen Ntxodapog *Agaxoywao {bqbvq 
dw&HOQmv z6v vaov oui %a äfalpcn* dioöxoQoig xal %<ß 
4 «>«. Vollständig er halten fataoch Nr. 180.-, die Baris einer 
Statue des Kaiser Claudius ; dagegeo ist Nr. 181. (Ineelr. IL 98.), 
unter der eines Tib. Ctaud. Xenophoo, lückenhaft. Ebenso lässt 
sich der grössere Titel Nr. 182. S. 65. wegen vieler ßefeete in 
seinen 26 Zeilen nicht sicher errathen. Hr. Boss stand von jedem 
Entzifferungsversuche ab und glaubte nur Z. 18. u. 23. ein neues 
Adjectivum Sianoga zu lesen. . Diese Bereicherung der Gräcität 
ist jedoch höchst wahrscheinlich keine. Betrachtet man die über- 
lieferten Zöge Z. 18. TA^IArOPAr, Z. 23. TAJIAFOPA 
PAUIA; nimmt man dazu Z. 17. TQPArAl/llSlS^ Z. 7. TA4 
IA<WPArA, Z. 5. ßtta inttgonw, Z. 22. FPOMKOJE (*oö- 
dixog oder jcgodixovg, PJatarch. Lycurg. 3. xovg ztov igcpavmv 
ßaöikecov hnitQOTtovg Aaxsdaipovioi nQodlxmg eivopafyw) : dann 
wird man mit dem Unterzeichneten es wohl glaublich finden, 
Z. 7. 17. 18. u. 23. habe zd 4iay6(wt i^möia gestanden, und der 
ganze Titel betreffe, Pupillen -Angelegenheiten. Z. 1. zu Abvv- 
xidöcc s. Ahrens de dial. D. p. 569.$ neu ist Z. 3. der Name 9 Axqo< 
zifavg. Nr. 183. a — g. sind ganz kurze Grabsteine, auf denen 
zum Oeftern (a. c. d. e. f.) der Name 'HgayoQag gelesen wird, 
vgl. Anal. Epigr. p. 155. Zu der Frau in b. <£lkzu>v Ihufivtxav, 
xazd qtvGiv öi Aapo^h»ov a. Ahrens a. a. O. S. 558.; OUfsiov 
wie Tlsiötvixog fehlen sa den bisherigen Namenbüchern.. Der 
Name 'HqvxIvov m g. beruht wahrscheinlich auf falscher Lesung 
statt 'Hgoxlimv oder 'HqccxMwv (kaum für 'Hpaxlelcw, was 
Ross S. 66. auch anfuhrt), bigleichen traut Ref. hei Nr. 184. 
DtQaxovixiog Ev£qivzov dem Vatersnamen nicht, abschen Hr. 
Ross versichert, der Stein habe dieses monstrum neminjs ioau&i- 
tum, hinzufügend: qui lapides Graecos tractare solent, hand 
Ignorant, reperiri in iis noraina tarn insolcntia, ut nullum iam, 
quamvis portentosum , non admitti posse tfdeatnr, 8. 67. Ueber 
einen sa allgemeinen Satz lässt sich eben nicht streiten , zumal in 
der That enriose Belege za demselben vorhanden sind (ßtolotog 
Analect. Epigr. p. 104.); hier wagt der Unterzeichnete aber deich 
ein Evipgdvzov oder Evxquvzov zu vermuthen. Grabtitel sind 

N, Jahrb. f. Phil. u. Päd. od. Krit. Bibl. Bd. XL. Hfl. 3. 19 



290 Griechische Epigraphik. 

ferner Nr. 185. a. (KXtvtpavxoq ©Bvyivov. Evtpafila dl&vog} 
und b. Sevoxkstdag Mvaöawida^ letzterer ein neuer Name. 
Nr. 186. giebt zwei Zeilen aus dem Ende eines Ehrenbeschlusses 
der Kalymnier ; Z. 2. tlxovi] paQpaQlva „aus buntem Marmor" 
Ross S. 67. Nr. 187. die Aufschrift eines pvrjpsiov bemerkt zu- 
gleich mit, für wen alles Avq. 'dnsklijg reiitkkov dieses be- 
stimmt habe. Nachträglich seien dann hier noch die zwei Zeilen 
angeschlossen ans der Inselr. II. 98.: NA . . PHSAÜAFOAA 
6 dsiva] va[xoi]ri6ag 'Ax6k,k[a>vi , und von der Linken zur Rech- 
ten in altertümlichen Zügen ^Ilavaxstag, über welche Heilgöttin 
neben Apollo Ross dort weiter spricht 

Lerus S. 88. Nr. 188. Da dieses Bruchstück unstreitig der 
merkwürdigste Titel der ganzen Sammlung ist, falls sich die auch 
* in der Vorrede am Schluss festgehaltene Deutung des Hrn. Ross 
bewahrt, und da der Unterzeichnete andrer Ansicht ist, so setzt 
er zuerst das ganze Fragment mit den Ergänzungen des Heraus- 
gebers hierher: , 
Z.2. svv]ow[v] xal xgodvplav dixatav naQs[%6]fiBvo[g 
'ig] xovg iv xjj vrjöcp xaxoixovvxag xdiv [nok- 
txav ' dsdo%&ai xjj ixxkrfila lx[yvrj6&cci 
5 r Ex]axavov vno xcov olxyxog&v xmv ik Aegm 
dJQStrjg evsxa xal ixiftsktiag fjv [E%u 
7c]sqi avzovg' vitdg%Biv öl xal q>iklccv r Exux[al& 
itokkqv xal svvoiav naga xav iv xy viq6(0 
jtaxoixovvrwv xal avzto xal ixyovoig • vo [dl 
10 il>qq)i6(ia xoöe dv[aygail>]ai Big Gxqkrjv 
ki%Lvriv xal 0xfj6ai xaxcc xr\v dyogdv onog 

xavta : — xa%dntg 

ttjrqqHötai, i[iu]<Sx[ekktö]&ai xolg dvägdöi toig 
yjQTjpevoig pBxä 'AgtörocpccvBvg xov / 

15 JJxQopßtiov — 
Ueber den Gehalt dieses Decrets braucht selbstredend nichts 
weiter gesagt zu werden. Ebenso ist ausgemacht, dass die be- 
seht iessenden olxrjTOQBg Milesier waren , indem die S. 69. beige- 
brachten Steilen eine Besetzung der Insel Leros von Milet aus 
. unwiderleglich erhärten ; allein auf den blossen Namen 'Exatcclog 
baut Hr. Ross, auch nach Welcker's Urtheil a. a. O. S. 324. , viel 
zuviel, wenn er darunter den berühmten koyoitoiog versteht. 
Zuerst nimmt er mehr, als in ihr liegt, aus der Stelle Herodot's 
V. 125. : r Exaxalov — xov 'Hyqödvdgov dvdgog koyoitoiov — 
iq>BQ8 rj yvcifiT], iv Abqco — rjj vjy'tfo xzZ%og oUödourjödßSvov 
('Agiözayogrjv) r}6v%lav aysiv, rjv ixniöy ix xi\g Mikijxov 
tauxa ob ix xavtyg ogfiBc&iisvov xaxBksvöetöai ig xrjv Mlky- 
xov' xavxa pev dij 'Exaxalog övveßovkBvs. Aristagoras ging 
(c. 126.) nicht nach Leros, sondern nach Tfiracien, und von 
einer damaligen Einnahme der Insel milesischer Seits verlautet 
nichts. Diese ist (S. 70. und Inselr. II. S. 119. N. 5.) eine reine, 



Ross : Inscriptiones Graecae. 291 

durch weiter Nichts gestützte Vermuthung von Ross. Eben so 
ganz ungewiss ist daher Alles , was von den Verdiensten des He- 
kataeus um die neue Colonie gefolgert wird, die sich dieser 
gleichsam als olxiötrjg und itgo&vog daheim zu Milet erworben 
habe und wofür er eben in der vorliegenden Inschrift belohnt 
wurde. Ueberdies ist viel glaublicher, was Curtius a. a. O. 
S. 448. aus Herodot grade umgekehrt seh liegst, dass nämlich 
Leros schon milesisch war, als Hekataeos dem Aristagoras an- 
rieth, sich dorthin zurückzuziehen. Zweitens würde es sehr 
bedenklich sein, selbst in einer ionischen Inschrift aus so früher 
Zeit das Vorkommen von H, iß, EI und QT, was alles der Stein 
bietet, anzunehmen, während zugleich die Buchstabenformen 
durchaus nicht mit einem so hohen Alterthume stimmen. Zum 
Dritten fragt sich , wo denn der ionische Dialekt der milesischen 
Bewohner auf Leros geblieben ist; im oben mitgetheilten Texte 
will er sich gar nicht zeigen. Endlich lässt sich viertens viel- 
leicht auch noch aus der ersten, obschon verstümmelten Zeile 
ein Beweis gegen die Hypothese des Hrn. Ross entnehmen: 

&AITSlIJE£lTTrX. N 
Vor dieser Zeile ist noch eine als ganz unleserlich bezeichnet. 
Nun lehrt einige Bekanntschaft mit dem üblichen Formelwesen, 
dass der Anfang des Beschlusses etwa so gelautet habe : "Edote 
xy IxxXrjöla tcdv oIxt]t6qcov xgüv IX Aegcp * 6 dsiva eins (oder 
xov dslvog yvciiir] Franz El. Ep. Gr. p. 325. Nr. 4.)- dya&jj 
tvxy' lituSri 'Enazalog — ©AITSIIAESI xvyydvti dvrjg dya- 
%6g cSv Kai svvolccv xal ngoftvplav dixalav naQE%6psvog. In 
den Uncialen muss demnach der Vatersname des Hekataeus 
stecken, und ist die ionische Genitivendung — deco ersichtlich. 
Nun wird aber der Vater des Geschichtschreibers, so viel be- 
wusst, überall 'HyrjöccvÖQog geheissen (Voss de hist. Gr. p. 15. 
und 16. Westerm.), und da dieser Name schwerlich aus jenen 
Buchstaben herauszulesen ist, so ergiebt sich auch hieraus, dass 
der Hekataeus der Inschrift ein andrer ist , wie denn dieser Name 
ein gewöhnlicher war. Ein 'Exaxcttog 'Agxificavog aus Milet 
selbst kommt im C. I. Nr. 2855. 8. vor; noch andre s. bei Pape 
und Nr. 2625. Nr. 2675. Nr. 2688. — Die Z. 7. u. 12. wahrge- 
nommenen Formen AOTOTH und TAOTA (S. 69.) für avxovg 
und tccvza, wozu cpsöyuv und 'Eondfiovog (Boeckh C. I. v. IL 
p. 995. a.) verglichen werden, sind weiterer Aufmerksamkeit zu 
empfehlen; Z. 13. scheint das vom Referenten herrührende hm- 
ÖTBlksö^ca erträglich. 

, Patmos S. 70. Nr. 189 — 90. Der erstere, ausserordentlich 
schwer zu copirende Titel ist ein Beschluss des koivöv xäv Xap- 
nadiötcSv xäv Iv IIdxft(p xal psxexovzcov xov dksifißaxog zu 
Ehren eines r Hyq<$<xvdgog Msvsxgdxov. Z. 1. sucht Ross nach 
iffi Z&itokiog in AITOME. SIN02 S. 71—2. eine Bezeichnung 
des eponymen Magistrats; vielleicht hiess es aber blos hui 2®- 

19* 



292 Griechische Epigraphik. 

MoXiog Avtopidmvog für tov Jvto tildavog, und dies statt Av- 
TOfxsdovtog, wie Mki&v, ovog, Lobeck Aglaoph. p. 732. not. d^ 
der obrigkeitliche Titel wird auch anderwärts nicht selten weg- 
gelassen, z. B. Ross Nr. 191. A. 1., Voemel im Frankfurt. Osfter- 
Programm 1843 S. 8. Zn Z. 2 — 3. iLBtB%6vt<ov tov aAslpparog 
s. G. f. Nr. 3085. 1. ot $<prjßoi xal ot vioi xal ot phti%ovxtg %ov 
yvpvcrtiov und Nr. 2347« k. A. 13. p. 1059. tolg zijv ytQovoiav 
litte%ov6iv. Ueber ««fr* tÖiav Z. 6. ist S. 72. das Nöthige bei- 
gebracht. Z. 5. mochte itgvg tovg ETN . . . ElE xcel nokltag 
nicht mit Ross in GvyfEVSig, sondern in övvzskelg zu ergänzen 
sein, wo die övvteKslg eben die kapitctö iöt et l sind; Tgl. öwisksiv 
dg xo Kvvoöaoyeg und Aehaliches, Specim. Onom. Gr. p. 117. 
Z, 15. lies statt Sjcmg Ixdavstti&wai vielmehr £x0 k av£lga>vrcrt, 
nämlich doaflmi diaxoöiau Aus Z. 17. . . TAEIMAlATrO 
dEXELSAI hat Hr. Ross S. 72. ein seither unbekanntes Sopta- 
ötfiala (sumtus- in dies festos lampadistis impendendi) zu Tage 
gefordert , ohne indess selbst viel auf diese Conjectur zu geben. 
Da Z. 13. vorhergeht: InriyytXxai f Eg(iijv Xtfyvov dvadyönv 
(C. I. Nr. 3521. 11. inrjyyzXzTn dva%rfiuv iptaXag dt/o, Nr. 2906. 
4 ) , so dachte Ref. an tu 'Egpcdxx vnodsieö&ai. Er lässt dies 
jedoch freudig gegen die schone Besserung zu %ifiata (Nr. 2954. 
B. 6. tu ftipava tolg dyajviötalg uv^üavru^ Nr. 3082. 18.) 
fallen, welche er brieflicher Mittheilung des Hrn. Prof. Franz 
verdankt. Nicht übel ist auch Ross'ens Vorschlag Z. 20. %qvö(5 
ezi(pivcp dnö %gvöd>v 'AXsizdvdgav nsvtsS. 72. zu Z. 21. uysiv 
de avxov xal incivvpLOv rjfxtgav s. jetzt Letronne Recueil p. 84. 
Z. 22, stand vielleicht $ de tsQ(D0vv[ii rov e Ep(iov förco] *Hyri- 
ödvdgov, wegen hgeaö. vgl. Anal. Epigr. p. 28. not. 2. und C. I. 
Nr. 3494. 10. tag dQ%iegewövvag. Eine bisher nirgends gefun- 
dene Wurde ist Z. 11. die des iqvöovo pog t&v ActputaitGtcSv 
(Xgvöotpogog Nr. 2929. 18. v. II. p. 588. b .). Ueber das merk- 
würdige Grabepigramm Nr. 190. (Facsim. Taf. I.), worin die^o- 
tspig Sxvftiri und die r Exdtij erwähnt werden, verweist der Un- 
terzeichnete vorläufig auf Hrn. Prof. Welcker's Behandlung a. a. O. 
S. 334 —9. Eine nochmalige Herstellung dürfte vom Hrn. Pr. 
Franz zu erwarten sein. 

Samus S. 74. Nr. 191 — 95. In mehreren kurzzeitigen Oo- 
lumnen enthalt Nr. 191. ein Verzeichniss von vecoTtoicu aus der 
Kaiserzeit, nach einer Aera, die muthmasslich vom Siege Octa- 
vian's bei Actrom datirt (Ross S. 72.), z. B. Z. 7. hovg gy tr^g 
Kalöagog vUrjg. In Nr. 4. heisst es: Itu (L Franz El. Ep. Gr. 
p. 375.) 8* ti\g xoXtovlag. Fälschlich schreibt der Herausgeber 

p. 76. col. A. 2. ~diovv<5iog Mqtgoßlov, <pvasi Ss — z/opa- 

GcoKXrjg Ilu&ddog. dapaöaxXrjg ist so wenig ein griechischer 
Name wie das von Meineke deiect. poet. anth. Gr. p. 115. besei- 
tigte notittxdQijg. Man hat zu lesen: <pvöei dl Aa\i** Z&xkfjq 
üv&ddog : über den Mannesuamen Ilv&dg 8. Boeckh C. I. v. II. 



Ross: Inseriptiones Grsecae« 293 

p. 705. b. p. 851. b. Anderswoher «ach nicht not irt sind in Nr. 5. 
Nvfupoxlrjg , in Nr. 6. 'Ovtftliovi ebenda», zeigt JlavKXQdxov 
(Nr. 169. 13. xKai??) eine SteiameUenorthographie, die nicht 
unerhört ist, Anal., ICpigr. p. 164. Nr. 192. ist da» Bruchstück 
einer Statuenaufschrift des Commodus. Nr. 193. verdient eine 
besondere Beachtung: r O djip og 6 MrjXtav UxQSißcoviav 0Ü.C)- 
tigav rqv iavtov xqo&vvv x*l sv&Qyitw *m dta vqv 'I&tyoQccs 
rijg ZJwyevovg &vyaiQog sugapttiitat/ frsaig. Einmal gehört 
nämlich diese Proxenie dem Zeitalter nach zu den jüngstes, 
Meier de publ. Gr. hosp. p. 9. ; sodann reiht sich dieses Beispiel 
einer Frau als hqo&vos dem von Ross nicht angeführten, ob- 
schon gewiss gekannten an, welches die Inschrift von Lamia 
bietet, Nr. 11. bei Stephaai: Reise durch einige Gegenden des 
nördl. Griechenlands, und schon früher in der Athenischen £g>if» 
ptpig apzcuoAoptxq 1837 (Welcker Rhein. Museum 1839 S. 642 
— 4.). Nr. 194. und 195. sind Weihungen an Kaiser Hadrian; 
zu der le tatern: 'dya&fi %v%tq' 'Aöqlccvcj KclIöuqi /hX 'Olvpulq* 
'Emyavei ZtttiJQt, xai xtlöxy s. in dieser Sammlung Fase« t 
Nr.38fgg. 

Lesbus S. 179. Nr. 196, = C. I. Nr. 2190. b. t. II. p. 1Ö27. b., 
wo gut IJgoTikov für TqxXqv gemuthmasst wird. Der Mann war 
ptekav norjt^g xal HQO(pr}zr}Q tov ZJuw&iGyg , wobei 'Anokloavog 
eben so ausgelassen ist wie in Plutarch Pyrrh. 31. ^ rot» Avxtov 
fcgoipfjtis AitoXkmvlg, denn Xylander's 'AttökAcwog hat dort 
keine handschriftliche Gewähr, Sintenis v. II. p. 261. Auch die 
Paar übrigen lesbischen Inschriften findet man jetzt alle im G. I, 
Nr. 197. a. = 2197. h. p. 1028. b.; Nr. 197. b. = 2197. c* 
Nr. 197. c. =s 2197. d. (Mvu6ccv$qq$ ist ein neuer Name); Nr. 
197. d. = 2197. f. ; Nr. 197. e. = 2197, e, 

Thera S. 80. Nr. 198 — 221., au der schon reichen Nachlese 
im C. I. v. II. p. 1084. noch ein hübscher , vielfach früher Ermit- 
teltes bestätigender Zuwachs. Nr. 198. ist der lückenhafte Be~ 
achluss eines koltov über die Geldschenkung einer 'AQyea Alm* 
vog aus dem Geschlechte der Aegiden au irgend welchem religiö- 
sen Zwecke, s. Boeckh au Nr. 2476. g. p. 1088. b. Wegen der 
Form '%kZ. 3. vgl. Ahrens de dial. Dor. p. 566. und wegen 
MaXiixnog Z. 13. dens. p. 556. Der Name KsQÖvvofiog (Nr. 
199. Facs. Taf. II.) in altertümlichen Buchstaben von der Rech- 
ten zur Linken soll (S. 82.) so viel als KtQdmvvßog sein, aus 
x&QÖog und ovvfLa (Nr. 2138. d. p. 1011. b., Nr. 3524. 7. xqqöo- 
vvpdcdeö&cu, 17. nQoGQvvpaoiag). Wenn nur nicht ksqöoq 
und vifAG) die Bestandtheile sind. Nr, 200. ~ C. I. Nr, 2476. i. 
Nr. 201. ist eine Grabschrift: a. KQitocpviov, b. <Dticaog, des- 
gleichen Nr. 202.« a. JfaAAtMOflTfiog, b. &di0t9HQ<iv£ag. Nr. 
203. ist eine gerade auf Thera oft vorkommende Heroisirung 
eines NeixdvaQ AapQXQaxovg , Nr. 204. die einer Frau 'Est- 
tvxicc, desgl. Nr. 205.; Nr. 206. die eine* vios W«S (Franz: 



'294 Griechische Bpigraphik. 

Fünf Inschriften und fiinf Städte in Kleinasien. Berl. 1840. S.5.); 
desselben Inhalts mit Personen aus theiiweise schon bekannten 
theraeischen Geschlechtern sind Nr. 207 — 14. Neue Namen 
darin sind TsQntkaog Nr. 207., Kv&yQog Nr. 214., Evagtöiog 
Nr. 212., falls hier nicht EvccQtötog stand; Nr. 207. hat Rosa 
äyrjQmösv in ä<pr]Q(D'C£sv geändert, aber Nr. 213. cctprjQci'Cöav 
geduldet. Verdächtig ist das Imperfectum ätprjQm&v Nr. 214. 
Nr. 215. und 216. sind Ehrendccrete auf zwei Frauen; die andre 
(Z. 3.) war wohl nicht HvpccQSvg yvvij^ sondern Ev(hÜq6vq. Nr. 
217. a. &iXqQatos *AyvXl8a Koolv&iog, b. Nov[uJvloq 9 j4qts(H- 
ödgov ZidijtfjQ. Nr. 218. = C. I. Nr. 2469. c; Nr. 219. = 
Nr. 2476. g. Nr. 220. (Facsim. Taf. II.) enthält drei Anagraphen 
(A, B, Ca u. Gb) ans später Zeit, leider mit vielen Lücken und 
Compendien der Schrift, die nichts recht deutlich sind, obschon 
Einzelnes scharfsinnig von Hrn. Ross ergründet ist. Es sind, 
soviel ersieht man, Verzeichnisse von Besitztümern landwirt- 
schaftlicher Art (yrjg önoolpov , a/iffiAoi/, iXecov [iXcamv, al- 
Xs&v], ßovv, ovov, iCQoßata, dovXovg), Ross S. 87 — 8. Den 
Anfang A. 1. liest Ref. so: d sonor lag Evcpooövvrig ^vyatgdg 
üag^yoglov ; der Herausgeber hält Ztsö7rorla für einen Eigen- 
namen; doch sehe man Z. 6. öeöitorlag Jlagtjyoglov l£ dxo- 
yoayrjg Aovxiavov und Z. 9. ösönotlag üagijyoglov övvnXq- 
Qovopav (?) f£ cc7toyoacprjg 2Jxe7ttixov; eine neue dsönotia be- 
ginnt mit B. Z. 1. Das Wort dBönotta, welches von PoIIux auf- 
geführt wird (Steph. Thes. Paris s. v.) scheint hierdurch gesi- 
chert zu sein. Nach jedem der angegebenen Praescripte folgen 
dann eine Menge männlicher und weiblicher Eigennamen, zum 
Theil sehr später Bildung (Ross S. 88.) , mit Angabe der Besitz- 
tümer; man hat vielleicht zinspflichtige Bauern oder Sklaven zu 
verstehen. Aus B. 35. sei nur 'AöxXtjTiiög erwähnt, Spec. Onom. 
Gr.. p. 18. Mit dem ganzen Titel ist das auf der ersten Tafel ab- 
gebildete Bruchstück aus Astypalaea zu vergleichen, wo neben 
allerlei unverständlichen Siglen die Namen OeoäovXov, 'A%iXXk- 
ttdg, Bd$$og, BccTgd%ov, <d aq> viov offenbar sind. Nr. 221. 
stand unter dem Bildniss eines Erbpriesters des Asklepios { 7 A<yX&- 
q>dvt]V GsoxXslda vedtsgov , nicht mit Ross : GeoxXeidav)', von 
dem Geschlecht handelt Boeckh über die theraeischen Inschriften 
S. 56 fgg. 

Aus Anaphe S. 89. sind zu den schon früher von Hrn. Ross 
mitgetheilten und im G. I. v. II. p. 1091 fgg. nachgetragenen Ti- 
teln nur zwei neue gekommen: Nr. 222. nocet öxXeva Tipccöa- 
yoga 'AöxXtjrtifp xccgiörrjgiov und Nr. 223. ®t(yxXti8a$) Ka-avg 
vitsg tov ddbXcpov AyXcocpav&vg. 

Bei Peparethus S. 90. rauss zuerst die Entdeckung hervor- 
gehoben werden , dass die heutige Insel Scopelus das alte Pepa- 
rethus ist, wie Hr. Ross des Weitern darthut; vgl. noch Curtiust 
a. a. O. S. 449. Nr. 224. = C. I. Nr. 2154. d. p. 1021. a. , wo 



Fittbogen: Observationes Livianae. 295 

Z. 6. XcugeXtavog für XaigcuXiavcg {xi = xat', xite, %£qb) wohl 
geduldet werden durfte. Nr. 225. = Nr. 2154. c. p. 1021. a.; 
Z. 4. ist, wie man an letzterer Stelle sieht, r Ixs6tog Nsixowqpov 
2Jq>yxTiog zu lesen. Dieser Mann war (Z. 3.) aQ%iSQ$vg xrjg 
IJekstvovölov noksmg, wodurch sich die Dreizahl der Städte auf 
Peparethos (Panormos, Peparethos) vervollständigt, Ross S. 91« 

Ein Index rerum, verborum,* Dominum inprimis memorabilium 
steht S. 92 — 93. Die zwei Tafeln geben die Facsimilen von 
Nr. 91. 105. 119. 123. 13L 143. 152. a. b. 165. 171. a. 172. 187. 
190. 199. und (II.) Nr. 20L a. b. 202. a. b. 220. Druck und Pa- 
pier sind, wie schon oben bemerkt, sehr anständig; der Druck- 
fehler sind sehr wenige und diese unbedeutender Art, nur S. 76. 
Z. 3. vom Ende hätte nicht quem paragraphum gesetzt werden 
sollen. In Betreff, diese Blätter zu schliessen, erfährt der Unter- 
zeichnete, dass Hr. Dr. Ross einen Ruf als Professor der Archäo- 
logie nach Halle erhalten habe; mit dem herzlichen Wunsche, 
dass sich dieses Gerücht bewahrheite, legt er die Feder nieder. 

Pforte. Karl Keil. 



Veber einige der neuesten Erscheinungen in der 
Livianischen Literatur» 

1) Observationes Livianae. Scripsit Chr. W. Fittbogen. Fran- 
cofurti ad Viadrum 1842. 8. 

2) Emendationes Livianae» Scripsit Em. Guil. lFdbri. No- 
rimbergae 1842. 8. 

T. Dass die Kritik und Interpretation des Livius theils der 
mangelhaften Collationen der vorzüglichsten alten Handschriften 
wegen, theils in Folge der einseitigen Anwendung , die man mei- 
stentheils von denselben gemacht hat, noch immer im Argen 
liege, ist gewiss keinem Sachkenner verborgen geblieben« So 
erfreulich es also ist, dass sich in unsrer Zeit die Liebe der Ge- 
lehrten diesem ausgezeichneten Schriftsteller, dessen Werth zum 
grossen Nachtheile historischer und sprachlicher Studien in neue- 
rer Zeit zuweilen verkannt worden, wieder zugewandt hat , eben 
so dankbar verdient auch jeder nur einigermassen bedeutsame 
Versuch aufgenommen zu werden, der die Förderung des wich- 
tigen Gegenstandes auf dem einen oder andern Wege zum Zwecke 
hat. Auf eine sehr angenehme Weise ward ich daher überrascht, 
als ich die von mir im Messkatalog übersehenen Observationes 
Livianae des Hrn. Oberlehrers Fittbogen in Frankf. a. d. O. in der 
Zeitschrift für Alterthumskunde vom Hrn. Schulamtscandidaten 
Bessler in Zeitz als eine der Aufmerksamkeit jedes Freundes Li- 
vianischer Leetüre ganz vorzüglich zu empfehlende Schrift be- 



206 Römische Literatur. 

stichnet fand. Denn konnte ich auch bei mancher der besproche- 
nen schwierigeren Stellen nicht recht deutlich aus der Recension 
erkennen, was Hr. Fittbogen eigentlich gewollt und wie er seine 
Ansicht zu beweisen gewusst, so. sah ich doch das wenigstens, 
dass er sich weder mit dem von mir beobachteten Verfahren, die 
Oeberlieferungen der ältesten Handschriften wieder in ihr Recht 
einzusetzen, noch mit meinen Erklärungsversuchen bestrittener 
Stellen einverstanden erklären wolle: und da ich fast mit eben so 
grossem Vergnügen einen auf die alten Texte gerichteten Angriff, 
wenn er In ernster Absicht und mit Scharfsinn, vor Allem aber 
mit dernöthigen Sachkenntnis» gemacht wird, mit anzusehen 
pflege, als ich das, was die ältesten Bücher bieten, sobald es 
durch änseere und innere Gründe als beglaubigt und gerechtfer- 
tigt erscheint, vertheidige, so konnte ich kaum den Augenblick 
erwarten, wo ich die Fittbogen'sche Schrift selbst in Händen 
haben würde. Ich habe sie jetzt und zwar mit Aufmerksamkeit 
gelesen, leider aber nichts weiter daraus gelernt, als wie wahr 
sich auch hier wieder das alte Wort zeigt, dass Kritik nicht Jeder- 
manns Sache ist: und ich würde das Büchelchen getrosten Mu- 
thes zu den Donationen des Hrn. Otto gelegt haben, wenn Hr. 
Fittbogen nicht auch eine Hauptbasis meiner Recension der ersten 
Decade des Livius wankend zu machen versucht hätte durch die 
in den Dedicationsworten freilich nur so hingeworfene Bemerkung, 
dass von den beiden zur Constituirung des Textes von mir beson- 
ders berücksichtigten Handschriften die eine zwar — wahrschein- 
lich wohl die raedieeische — unter allen Manuscripteu der ersten 
zehn Bücher den grössten Werth habe, dass aber die andere — 
also die noch ältere Pariser — durchaus nicht so hoch anzuschla- 
gen sei, als es von mir geschehen. Da nämlich, wenn Hr. Fittb. 
in dieser Erklärung Recht hat, die Festigkeit meiner Argumen- 
tationen einen sehr empfindlichen Stoss erhalten müsste, indem 
— - was freilich Hr. Fittb. wohl nicht bedacht hat — wenn der 
von mir benutzte Pariser Codex für unbedeutend erachtet werden 
darf, die aus derselben Recension hervorgegangene' medieeische 
Handschrift eben so werthlos erscheinen muss: so erfordert es 
das Interesse der Wissenschaft, mit einiger Aufmerksamkeit theils 
jenes Urtheil in Erwägung zu ziehen, theils die Verfahrnngs- 
weise des Hrn. Fittb. überhaupt zu beleuchten* um zu sehen, 
mit welchem Rechte er es sich unterfangen bat, über ernste Ar- 
beiten Anderer so zuversichtlich abzuurtheiien. 

Was nun den ersten Punkt betrifft, so ertaube ich mir Fol- 
gendes zu bemerken. Als ich nsch Paris gekommen war, um 
den auf der königl. Bibliothek als ein Htifi^Xiov bewahrten Putea- 
nus der dritten Decade sorgfältig zu studiren , war mein Augen- 
merk natürlich auch darauf gerichtet, ob sich unter den vielen 
dort vorhandenen Livianischen Handschriften noch sonst ein werth- 
volles Buch finden lasse, das vielleicht für die erste Decade von 



Fittbogen: Observation©« Livianae. 297 

Belang werden könnte. Denn wenn auch für diesen Theil das 
• schöne, in der Laurentianajzu Florenz bewahrte Manuscript die 
reichste Ausbeute zu versprechen schien, so war doch zu beden- 
ken, dass dieses Buch aus dem elften Jahrhunderte herrührt, wo 
sich bekanntlich die Abschreiber schon mancherlei Freiheiten in 
der Behandlung der alten Texte erlaubten, und dass der von Bea- 
tus Rhenanus beobachtete Grundsatz, der Revision jedes einzel- 
nen Theiles immer .zwei alte und bewahrte Bucher zum Grunde 
zu legen, damit die Autorität des in beiden Ueberlieferten um so 
grösser werde, und in bedenklichen Stellen das eine zum Com- 
mentare des andern diene, nicht genug berücksichtigt werden 
könne. Das aber stand fest, dass als Grenzpunkt das zwölfte 
Jahrhundert anzusehen sei, und dass ein solches Buch, von dem 
man sich wahren Nutzen für die Berichtigung dieses Werkes ver- 
sprechen durfte, der Recension des Glementianus und Nicomachus 
Flavianus Dexter oder der des Victorianus, aus denen die Bücher 
des Rhenanus und das bekannte Med iceer Buch hervorgegangen 
waren, angehören müsse. Und hierbei leitete uns nicht sowohl 
das nicht in allen seinen Theilen richtige Urtheil Niebuhr's, der 
sich fragm. oratt. Cicer. pro Font, et Rab. p. 82. dahin erklärt, 
dass die Manuscripte der ersten Decade des Livius, so bedeutend 
ihre Zahl auch immer sein möge, aus dem einen Exemplar, das 
Nicomachus Flavianus für seine Freunde verbessert, herzuleiten 
wären: sondern jahrelang fortgesetzte eigne Studien, die den 
grossen Werth der Bücher , die dem Rhenanus zu Gebote stan- 
den, ungeachtet aller Verunglimpfungen, die der treffliche Mann 
deshalb von einigen Bearbeitern des Livius hatte erfahren müssen, 
in das hellste Licht setzten. Man kann sich also wohl denken, 
wie glücklich ich war, auf der Pariser Bibliothek zwei Hand- 
schriften der ersten Decade aus dem zehnten Jahrhunderte zu 
finden, von denen sich die eine zwar bald als unbrauchbar für 
meinen Zweck erwies, da in ihr die alte Schrift fast in jeder 
Reihe ausradirt und durch eine weit jüngere Hand ergänzt wor- 
den, die andre aber den im Ganzen schön geschriebenen Text 
nach des Nicomachus und Victorianus Recension unentstellt bot, 
zugleich von einer kundigen Hand an den Stellen, wo offenbare 
Fehler des Abschreibers zu erkennen waren, berichtigt. Zwar 
war das Buch nicht eben leicht zu lesen, da die Wörter darin 
noch fast gar nicht von einander getrennt erschienen, auch die 
Mühe nicht unbedeutend, die eine sorgfaltige Aufzeichnung der 
von der ersten Hand nicht selten sich findenden scheinbaren and 
wirklichen Versehen verursachte, wenn gleich die wirklichen Feh« 
ler meist nicht so häufig und nicht so arg waren, als in dem nichts 
desto weniger mit Recht so hoch gesehätzten Puteanus: aber um 
so grösser auch der Geuuss, fast überall in diesem Codex die 
Lesarten des Mediceer Buches und, was noch wichtigerschien, 
der Handschriften des Rhenanus wiederzufinden. Lind bei ge- 



298 Römische Literatur. 

nanerer Vergleichung mit dem Mediceer Manuflcrfpt zeigte sich 
nicht blos im Allgemeinen die grösste Uebereinstimmung in allen 
-wesentlichen Punkten, die bei zwei Handschriften aus verschie- 
denen Zeiten nur irgend möglich ist, sondern dass in dem Pariser 
Mannscript , als in dem altern Buche , auch noch bei weitem we- 
niger die Spuren alter Formen verwischt waren , wie sie sich, im 
Puteanus und in den ältesten und besten römischen Inschriften 
und Handschriften finden, was bei Livius, über dessen angebliche 
Patavinität wir noch so wenig im Klaren sind , von ganz besonde- 
rer Wichtigkeit sein musste: und dass von den in dem Mediceer 
Codex so überaus häufig mit in den Text genommenen Randbe- 
merkungen sich in dem Pariser Buche fast nichts Aehnliches fand, 
mit Ausnahme einiger vereinzelten Stellen, wie gleich im ersten 
Capiteldes 1. Buches, wo nomen unfehlbar aus einer Randglosse 
in den Text gekommen ist: — so dass, wenn man alle diese Vor- 
züge gehörig in's Auge fasste, und nicht übersah, dass manche 
Theile des Medic. Buches sehr flüchtig und deshalb sehr fehler- 
haft geschrieben sind, man wohl hatte zweifelhaft werden können, 
ob nicht der Pariser Handschrift der Vorzug selbst vor der Medi- 
ceer gebühre. Dass ich dessenungeachtet im ersten Bande mei- 
ner grössern Ausgabe mich nicht so ausgesprochen, dazu be- 
stimmte mich der ganz eigenthümliche Vorzug des Med. Buches, 
dass ein, ich weiss nicht welcher, gelehrter Abschreiber die ab- 
weichenden Lesarten verschiedener alter Handschriften hier mit 
einer fast nie sonst gefundenen Aufmerksamkeit theils in einzel- 
nen Worten, theils in mehreren zusammengestellt hatte, wodurch 
— abgesehen von der sonstigen Vortrefflichkeit des Buches — 
nicht nur jener Nachtheil, sondern auch der, dass ein späterer, 
wenn auch nicht grade unwissender, doch seinem Genius ohne 
die rechte Gelehrsamkeit folgender Abschreiber nicht selten Les- 
arten aus dem vorgefundenen Material bildete, die keineswegs 
für echt Livianisch gehalten werden können, bei weitem über- 
wogen wird. Wie weit übrigens diesen beiden Handschriften 
selbst die ältere Harlejanische nachstehe, zeigt der zweite Band 
meiner Ausgabe fast auf jeder Seite. Ohne uns indess auf diesen 
an den bewussten Stellen besprochenen Punkt hier noch einmal 
einzulassen, so bleibt das doch ausser allem Zweifel, dass jener 
Pariser Codex zu den werth vollsten Büchern dieses Abschnitts 
gehört: und dieses Urtheil wird jeder Sachkenner, der nicht 
blos auf Lesarten der einen oder andern Stelle oberflächlich hin- 
gesehen, sondern das Buch eines aufmerksamen Studiums gewür- 
digt hat, gewiss ohne Bedenken unterschreiben; jeder, der es 
aus der Erfahrung kennen gelernt hat, welchen hohen Werth 
lateinische Handschriften überhaupt haben, die vor dem Ende 
des zehnten Jahrhunderts geschrieben sind. So lange also Herr 
Fittbogen uns den Beweis schuldig bleibt, dass diese Pariser 
Handschrift, die unter der Nr. 5725. in der königl. Bibliothek 



Fittbogen : Obaervationes Livianae. 299 

aufbewahrt wird, nicht aus dem zehnten Jahrhunderte stamme, 
was die Schriftzüge und alle äussern diplomatischen Kennzeichen 
auf das Unwiderleglichste zeigen, und woran auch bisher kein 
Kenner alter Handschriften gezweifelt hat; so lange er nicht wird 
nachgewiesen haben, dass der in diesem Buche überlieferte Text 
mit den Büchern des Rhenanus und der Medic. Handschrift (plut. 
63. 19.) in keinem wesentlichen Punkte übereinstimme; oder, so 
lange er uns nicht davon überzeugt, dass wir einer andern zuver- 
lässigeren Quelle als den Recensionen der vorher bezeichneten 
alten Gelehrten folgen müssten und folgen könnten — : so lange 
wird jene Erklärung desselben, dass diese Pariser Handschrift 
keineswegs so hoch anzuschlagen sei, als es von mir geschehen, 
für eine übereilte, auf durchaus gar keinem reellen Grunde be- 
ruhende und deshalb mit den aus ihr hergeleiteten oder möglicher- 
weise herzuleitenden Folgerungen in sich selbst zerfallende Aeus- 
serung angesehen werden müssen. 

Was nun zweitens den eigentlichen Inhalt der Fittbogen- 
sehen Schrift betrifft, so bietet uns dieselbe in sieben Abschnitten 
Versuche, einzelne in den ersten vier Büchern enthaltene schwie- 
rigere Stellen theils durch Conjectural- Kritik, theils durch eigen- 
tümliche , von den bisher bekannt gewordenen Erklärungen ab- 
weichende Auffassung weisen in das rechte Licht zu setzen, wobei 
denn, wie es die Sache an die Hand gab, auch einige andre ver- 
wanSte Stellen beleuchtet werden. Ausserdem ist noch ein achter 
Abschnitt aus B. 7. Cap. 22. hinzugefügt, der sich über die bei 
Livius zuweilen vorkommenden Wiederholungen einzelner Wörter 
in denselben Sätzen ausläset. Hr. Fittb. hat bei jenen Erläuterun- 
gen die Folge der Bücher beobachtet: wir wollen in der nachfol- 
genden Betrachtung einen andern Weg einschlagen, wie er uns' 
der Sache angemessen scheint. In zwei der besprochenen Stellen 
glaubte nämlich Hr. Fittb. bei dem, was die alten Handschriften 
bieten, stehen bleiben zu können, sobald dasselbe richtiger als 
bisher geschehen, aufgefasst werde; in einer dritten meinte er 
der Mediceer Handschrift in ihrem ganzen Umfange folgen zu 
können, wo man bisher zwei Lesarten verbunden hatte sehen 
wollen; in einer vierten Stelle glaubte er einer Emendation, die 
sich schon in alten Handschriften findet, folgen zu müssen; in 
einer fünften wollte er das, was die alten Bücher boten, durch 
Annahme eines Anacoluth retten; in einer sechsten und siebenten 
sah er kein ander Heil, als wenn er durch Verbesserung der alten 
Lesart den ursprünglichen Text wiederherzustellen suche. Gehen 
wir nun nach der von uns angegebenen Ordnung das Einzelne 
etwas genauer durch. v 

So werden wir S. 23. auf 4, 24. hingewiesen , wo Livius er- 
zählt, dass Mamercus Aemilius, der eines mit Etrurien bevor- 
stehenden Krieges wegen zum Dictator erwählt war, als der ge- 
fürchtete Krieg nicht zum Ausbruche kam , seine Dictatur wenig- 



900 ~ Romische Literatur. 

ateno dadurch denkwürdig zu machen gesocht habe, das« er die 
tonst auf fünf Jahre ausgedehnte Gensur auf eine anderthalbjäh« 
rige Dauer beschränkte. Hier fahrt nun der Schriftsteller nach 
Angabe aller bewährten Handschriften so fort : depösito suo ma- 
gktratu, modo aiiorum magiatratui imposito fine alteri, cum gra- 
tulatione ac favore ingenti populi domum est reduetns. Bekannt- 
lich hat diese Stelle den Erklärern. zu vielen Bedenklichkeiten 
Veranlassung- gegeben. Schon der Schreiber des Leipziger Co- 
dex Hess die Worte „roagistratu modo aiiorum" aus, indem er 
unfehlbar an der Wiederholung des Wortes magistratus Änstoss 
nahm; der Schreiber des LoveL 4., der übrigens ein werthvolles 
Buch zum Original gehabt hatte, .wollte „modo aiiorum magistra- 
tni flne imposito alteri" gestellt wissen ; und Sigonius meinte die 
_ Worte fine altert mit einigen Jüngern Handschriften streichen zu 
dürfen. Auch J. Fr. Gronov wollte diese Worte getilgt wissen, 
indem er sie- für eine Interpretation der Worte modo aiiorum 
hielt; Stroth und Ingerslev liessen sie ganz aus dem Texte weg, 
während Kreyssig und Becker sie wenigstens in Klammern stehen 
liessen. Bei sorgfältiger Auffassung der Stelle ergab sich uns 
die vollkommenste Richtigkeit alles dessen, was die alten Bücher 
enthielten. Zweierlei stellt hier Livius, der sich in Gegensätzen 
dieser Art so sehr gefällt, zusammen, die Dictatur des Aemilius 
und die Censur: ^ene legte derselbe nieder, ehe er es brauchte; 
dieser bestimmte er eine kürzere Dauer , als sie ursprünglich ge- 
habt hatte. Dass aber, um dies letztere zu bezeichnen, finis hei 
weitem deutlicher war als modus, das in dem hier nöthigen Sinn 
nur ans dem Zusammenhange verstanden werden konnte, bedarf' 
keiuer Erklärung; und dass finis auf die Beschränkung der Zeit 
eben so gut bezogen werden konnte, als kurz vor der obigen 
Stelle temporis modus gesagt war, wird keinem Leser des Livius 
zweifelhaft sein, der Stellen wie 30, 1«: „P. Scipioni uon tem- 
poris sed rei.gerendae fine — prorogatnm imperium est" nicht 
ausser Acht lässt. Modo aiiorum konnte also nichts weiter be- 
deuten, als dass Aemilius in jener Beschränkung der Censur sich 
durch die den übrigen Staatsämtern gesetzmässig bestimmte Zeit 
habe leiten lassen, sowie es auch kurz vorher hiess „aiios magi- 
stratus annuos esse"; und wenn er dafür nicht ein Jahr annahm, 
so mochte ihn dabei die Rücksicht bestimmen , dass einmal nicht 
alle Staatsämter auf die Zeit eines Jahres angewiesen wären, und 
dass, wenn er aus einer fünfjährigen Dauer eiue anderthalbjährige 
mache, er sich nicht nur alles Mögliche erlaube, sondern auch 
bei dem stehe bleibe , was sich in der Verbindung des Consulats 
und der Dictatur ergebe, von denen das eine Amt auf ein Jahr, 
das andre auf sechs Monate ertheilt zu werden pflege. Dies aber 
drückte eben modus auf das Passendste aus, da die Bedeutung 
dieses Wortes nicht auf eine völlige Gleichheit, sondern nur auf 
eine Annäherung der Verhältnisse zweier Gegenstände hinwies. 






Fittbogen: Observation e« Livianae. 301 

So glaubten wir mit Fug und Recht folgenden Sinn, wie wir ihn 
in nnsrer Ausgabe ausgesprochen haben , in dieser Stelle anneh- 
men su können: „nachdem er «ein Amt niedergelegt und nach 
Maassgabe der übrigen Staateämter Jener andern Würde eine knr- 
, zere Dauer bestimmt hatte, so" u. s. w. Dieser unsrer Erklärung 
stellt nun Hr. Fittb. folgende Bedenken entgegen: erstens müsse 
modus hier „Beschränkung" bedeuten, wie in der kurz vorher«»' 
gehenden Stelle temporis modus; m weitem setze Livius dem 
Worte modo den dazu gehörigen Genitivus immer vor; drittens 
hätte der von uns angegebene Sinn nicht so einfach ausgedrückt 
werden können, da kein andres Amt auf anderthalb Jahre ausge- 
dehnt gewesen; viertens sei unsrer Erklärung die Stellung der 
Worte entgegen. Was nun den ersten Punkt betrifft, so ist es 
keine Frage, dass in der kurz zuvor stehenden Stelle temporis 
modus den von Hrn. F. angegebenen Sinn hat:- — soll aber darum 
der in modo so gewöhnlich hervortretende Sinn einige Reihen 
nachher und nicht einmal in demselben Satze nicht Riegen können? 
Wenn Hr. F. alle die Stellen , in denen ein und dasselbe Wort in 
demselben Satze bei Livius und überhaupt bei jedem guten Schrift- 
steller vorkommt, aufmerksam erwägt, wie oft wird er da finden, 
dass der« Grundbegriff des Wortes durch die jedesmalige eigen- 
tümliche Verbindung eine Menge von Nuancen gewinnen kann, 
wodurch meist jede Unannehmlichkeit, die in der schnellen Wie- 
derholung desselben zu liegen schien,, gehoben wird. Man vgl. 
z. B„ unsre Auffassung von clamor 4, 37. , von iacere 6, 14. und 
Aehnliches. Was den zweiten Einwurf betrifft, so hat Hr. F. 
zwar darin ganz recht, dass der Genitiv diesem Worte bei Livius 
voranzugeben pflege: aber hat sich Hr. F. auch nach dem Grunde 
dieser Erscheinung gefragt? Es ist dies darum geschehen, weil 
in jener Verbindung der Nachdruck auf dem verglichenen Gegen- 
stande ruhte, und also modo sich demselben als das unbedeuten- 
dere Wert anschloss: an unsrer Stelle lag aber sowohl auf alio- 
mm als auf modo, das hier in einer umfassenderen Bedeutung 
zu nehmen war, ein grösserer Nachdruck, was zu bezeichnen der 
Schriftsteller passend die entgegengesetzte Stellung wählte, und . 
wählen konnte , da jene andre Verbindung durch keine absolute 
Notwendigkeit gefordert wurde. So setzte ja Livius auch nicht 
immer bei in modum den Genitiv vor: z. B. 21, 41.: in modirm . 
fugientium. Jener Ansicht zufolge muss Hr. F. auch 22, 52. 
„omnis cetera praeda" umstellen, weil man fast allgemein ceteri 
omnes sagte; und wie vieles Andere nicht noch. Der dritte Ein- 
wurf fallt für den, der die Stelle im Zusammenhang betrachtet 
hat, von selbst, da der Gegenstand erst in den dicht vorher- 
gehenden Worten von Livius gehörig erörtert worden, in der 
nachfolgenden Stelle also, wo die Hauptbeziehungen des Bespro- 
chenen zusammengefaßt werden sollten, die gemachte Andeutung 
nicht nur genügte, sondern eine nochmalige Auseinandersetzung 



802 Romische Literatur. 

höchst schleppend geworden sein würde. Sollte sich übrigens 
Hr. F. darum in unsre Erklärung nicht finden können , weil das, 
was wir .mit finem imponere bezeichnet wissen wollen , mit mo~ 
dum imponere bezeichnet werden müsste, so werden ihn selbst 
unsre altern Wörterbücher belehren, das* finem imponere so gut 
wie finem facere, etatuere\ gesagt wird. Was nun aber die 
Stellung der Worte betrifft, so wundern wir uns in der That, 
dass Hr. F. , der so gern für einen Kenner Livianischer Darstel- 
lungsweise gelten möchte, sich grade in diesem Punkte so uner- 
fahren hat stellen können. Die Worte „fine imposito alteri magi- 
stratui" konnten in gewählterer Stellung auf zweierlei Art ver- 
bunden werden, entweder durch „fine magistratui alteri imposito" 
oder durch „magistratui imposito fine alteri", Stellungen, die 
jeder Kundige für eben so entsprechend dem Genius der latein. 
Sprache als gewöhnlich bei Livius halten wird. Dass nun hier 
aber der letztern Verbindung der Vorzug gegeben ward, bedingte 
der in „deposito suo magistratu" gegebene Begriff T und weil in 
dem andern Falle der stärkere Nachdruck, der auf alteri liegen 
musste, auf fine würde gekommen sein« Wie eigentümlich übri- 
gens Livius oft die Worte folgen lässt, nicht selten ganz abwei- 
chend von der Verbindungsweise Cicero's, wird jeder Kenner des 
Livius wissen. Oft haben sich theils die Schreiber jüngerer Hand- 
schriften, theils neuere Herausgeber Aenderuogcn darin erlaubt, 
während Anderes, das nicht -minder auffallend erscheinen konnte, 
stehen gelassen ward. Man vergL z. B. Stellen wie 6; 6. „quae- 
que belli alia t empor a poscent": im Prooeraium „dum prisca tota 
illa mente repeto": 5,41. „arcemque tot am solam belli speciem 
tenentem" : 7, 38. „cum omnia ea — xomperta et aetate hoher et 
et usu doctus" : 8, 6« „si quando unquam severo ullum imperio 
bellum administratum esset": 23, 33. „admodum hostes pro ho- 
spitibus comiter accepit u : 25, 18. „mancnte memoria etiam in 
discidio publicorum foederum privati iuris" und anderes Aehn- 
liche. Wie oft müssen nach dem Puteanus und allen guten Hand- 
schriften der dritten Decade die Worte anders gestellt werden, 
als noch bei Becker zu lesen ist! Uöd abgesehen von diesen 
leichteren Verbindungen, die sich meist nur auf einige Worte 
erstrecken : wie oft finden wir bei Livius , wenn er eine Menge 
von Nebenbegriffen oder genauere Angaben historischen Details 
in eine grössere Periode zusammendrängt, Participial - Sätze mit 
mehreren Gonjunctionen gehäuft, so dass man nach der uns geläu- 
figen Ausdrucks- und Verbindungsweise sich nicht immer leicht 
zurecht findet. Dass dem starksinnigen Genius der Alten alle 
diese Verbindungsarten weit näher lagen als uns, ist keine Frage: 
wie würde man sonst den Gesängen eines Horaz mit wahrem 
Genuss haben zuhören können, wenn den Alten die Wortfolge 
in seinen Gedichten eben so wunderlich erschienen wäre, als uns 
Nachbildungen dieses mit so feinem Takt für das Schickliche 



Fittbogfen : Observationen Livianae. 503 

begabten Dichters, wie sie Klopstock in den Anmerkungen zu 
seiner Ode „der Kranz 44 gegeben hat, erscheinen müssen. Doch 
wir verlieren Hrn. F. aus dem Auge. Was will denn nun er an 
der besprochenen Stelle? Obgleich er sich über das Einzelne 
noch nicht ganz klar geworden ist, so gicbt doch auch er die 
Worte fine altert nicht auf, bleibt aber bei der von Drakenborch 
beobachteten Interpunction , nach welcher dieselben zwischen 
Kommata gesetzt werden, hält dann diese Worte für eine Wieder- 
holung des in „deposito suo magistratu" enthaltenen Sinnes, und 
fügt folgende Uebersetzung nebst eingeschobenen Erklärungen 
hinzu: „nachdem er sein Amt niedergelegt, und nachdem er 
anderer (t. e. das eine) Amt beschränkt, das andere aber (vor 
der Zeit) beendigt hatte". Abgesehen davon, dass hier unmög- 
lich magistratui aliorum gleich alteri magistratui sein kann, 
und abgesehen von der Erklärung „i. e. das eine u — welch eine 
schleppende, in jeder Beziehung unstatthafte Wiederholung wird 
hier dem trefflichen Schriftsteller aufgebürdet! Konnte sich Hr. 
F. in unsre Erklärung nicht finden, wie nahe lag dann die Con- 
jectur „modo aliorum magistratunm imposito fine alteri", da meist 
„magistratom" zusammengezogen ward, und im folgte, vor dem 
nicht selten ein m ausgefallen war. Durch diese Aendernng käme 
nicht nur ein grösserer Nachdruck auf modo aliorum, sondern 
wäre auch der anscheinend schwierigeren Construction vorge- 
beugt, wenngleich freilich dadurch der auf alteri liegende Nach- 
druck geschwächt werden müsste. Jedenfalls würde aber auch 
nach dieser Auffassung imposito fine verbunden bleiben. Dass 
übrigens Livius hier fine in dem von uns angegebenen Sinne ge- 
nommen wissen wollte, lehren andre Stellen, wo er sich über 
denselben Gegenstand ausläset, auf das Ueberzeugendste ; z. B. 
9, 33.: „Ap. Claudius censor circumactis decem et octo mensibus, 
quod Aemilia lege finitum censurae spatium temporis erat — 
nulla vi compelli ut abdicaret potuit u . „P. Sempronius erat tri- 
bunus pl., qui finiendae censurae intra legitimum tempus actib- 
nem susceperat". 9, 34. „ira finitae potestatis Mam. Aemilium 
— aerarium fecerunt u . — Wir haben mit Fleiss diese Stelle 
ausführlicher behandelt, da dieselbe auch von anerkannt tüchti- 
gen Kritikern in Zweifel gezogen worden , und wollen im Folgen- 
den nur die Hauptgesichtspunkte der von Hrn. Fittb. behandelten 
Stellen hervorheben. 

Einen argen Missgriff scheint uns Hr. Fittb. (S. 13.) 3, 11. 
gemacht zu haben, wo er zwar den Werth der ältesten Ueber- 
lieferung nicht verkannte, aber zu einer Verbindung der Buch- 
staben seine Zuflucht nahm , die keineswegs für richtig gehalten 
werden kann. Wir hatten dort nämlich mit den* ältesten Ausgaben 
und J. Fr. Gronov „neque suum cuique ius modum faciebat, sed 
virium spe sed manu obtinendum erat quod intenderes" für die 
echte Lesart gehalten , weil sich auch in dem Pariser Codex set 



304 Römische Literatur. 

manu geschrieben find, wiewohl eine jüngere Hand das * ge- 
strichen hatte. Es zeigte sich nämlich in den alten Büchern, 
dass Livius, der überhaupt von der Anapher so hantigen Gebrauch 
gemacht, auch diese* sed nicht selten wiederholt habe, sobaM 
der an der «werten Steile enthaltene Gedanke aoit grösserem 
Nachdruck hervorgehoben oder der vorhergehende Ausdruck 
gleichsam berichtigt werden sollte. So ist 3, 46. „non petutautiae 
«uae sed Verginio absenti aed patrio nomini et libertati" gewiss 
allein das Rechte, weil der Deeenvir nicht sowohl die Abwesen- 
heit des Verginius oder diesen gar selbst in Schutz nehmen, son- 
dern sich den Schein geben wollte, als ob er in seinem Verfahren 
sich nur von der dem väterlichen Namen und der Freiheit schul- 
digen Rücksicht leiten lasse. So Ist 8, 34. „non L. Papirium sed 
tribunos sed pravum populi fadichnu" ; 24, 14. „non se — sed 
consulem M. Marcelhim sed universos patres" aus den angefahr- 
ten Gründen allein die ursprüngliche und wahre Lesart. Dass 
übrigens fast überall in solchen Stellen das « von einer Jüngern 
Hand ausgestrichen ward, beweist nicht, wie Hr. F. glaubt, die 
Unzuverlässigkeit der Ueberlieferang, sondern nur den Unver- 
stand des Aendernden« Wie viele Stellen ähnlicher Art konnten 
wir anfuhren, wo schwerlich Hr. F. mit der in gut gemeinter Ab- 
sicht ändernden Hand eines jungern Schreibers sich einverstanden 
erklären würde : so ist z. B. 6, 30. Setiam nicht Mos eine Cen- 
jectur des Sigonhis , sondern steht richtig in unsern beiden älte- 
sten Handschriften PM , wiewohl das « falschlich von den Ab- 
schreibern zu dem vorhergehenden, Worte gezogen , und daher 
wenigstens in P nachträglich gestrichen worden, in ähnlicher 
Art will nun auch Hr. F. an der obigen Stelle verfahren, indem 
er das 8 zwar für richtig hält , aber mit spe verbindet , damit fol- 
gender Sinn entstehe: „neqoe simm ouique ius modum fociebai 
sed virinm spes, et mann ofctmendutn erat quod inten d eres". 
Wahrlich eine so leichte Conjectur, dass kein Mensch etwas da- 
gegen haben konnte , wenn nur der Sinn an «ich eine solche er- 
laubte. Wie aber ist es möglich, vir tum spes auf modum facie- 
bat zu beziehen ! Modum facere heisst doch hier nichts Anderes 
uls einem ein Mätns und Ziel %el%en y so dass, wenn es auch den 
- Sinn von leiten gewinnen sollte, «s denselben doch immer nur mit 
der Nebenbeziehung des Beechränkenn haben kann. Man vergl. 
34, 4. 34, 2. 9, 14. So passend also Livius sagt, dass Keiner 
innerhalb der durch seine persönliche Stellung ihm zur Pflicht 
gemachten Schranken stehen geblieben sei, Keiner sich durch das 
ihm zu Gebote stehende Recht habe leiten lassen , so unpassend, 
würde virium spes darauf bezogen werden. I)ie virium spes, 
d. h. die Hefftiang, dass man in dem zu beginnenden Streite ent- 
weder durch eigne Stärk« oder 4en Beistand der Freunde obsie- 
gen werde, diese Aussicht feuerte eben an, Jene Schranken zu 
überschreiten, wie so oft Gewalt dem Recht in den Weg tritt, 



Fittbogen: Observation Livianae. 805 

und passt daher einzig und allein zu dem Folgenden. Da mm 
aber dieser Ausdruck, etwas undeutlicher scheinen konnte, sowie 
denn auch Hr. F. bezweifelt , ob „virium spe aliquid obtinere" 
gesagt werben könne, so fügte Livius sed manu hinzu , um so den 
Leser ausser allem Zweifel über den Ausdruck zu setzen. — Bei 
dieser Gelegenheit können wir nicht unterlassen, besonders jün- 
gere Kritiker des Linus aufzufordern, so behutsam als möglich 
in der Verbindung und Trennung der Buchstaben und Silben zu 
Werke zu gehen, und sich nicht nur durch diese oder jene Auf- 
fassung eines wenn auch alten Buches allein leiten zu lasseh , so- 
bald nicht der Sinn der Stelle damit in vollem Einklänge steht. 
Wäre dies z. B. 10, 9. gehörig berücksichtigt worden, so würde 
man gewiss nicht im Rhein. Museum 1842. I, 3. die Behauptung 
aufgestellt sehen, dass allein die Medlc. Lesart „nunc uix seruoa 
| ero ita minetur", „jetzt würde kaum ein Sktave seinem Herrn 
so drohen", den ursprünglichen und echten Text enthalte. 

. S. 26. werden wir auf eine Stelle aus 4, 35« verwiesen, die 
den Gelehrten bisher zu mancherlei Conjecturen Veranlassung 
gegeben hat Ohne uns indess auf eine Widerlegung jener filtern 
Ansichten einzulassen, wollen wir gleich das anführen, was in 
den beiden besten Handschriften an dieser Stelle enthalten Ist, 
und dann sehen, was Hr. F. für die ursprüngliche Lesart fallt. 
In dem Medic. Codex findet sich nämlich Folgendes: „spectacu- 
Inm comitate etiam hospitiutn ad | qua consenserant consilio pu- 
blic© oon | sensu uenerant aduenis gratius afuit u ; in dem Pariser 
dagegen: „spectaculum comitate etiam hospitium ad quam publico 
ceneensa uenerant aduenis gratius adfuit". Der Schreiber der 
Pariser Handschrift hatte also in seinem Original entweder nur 
das, was er hier niederschrieb, vor Augen, oder er glaubte zwei 
verschiedene Auffassungsweisen derselben ursprünglichen Worte 
vor sich zu sehen, und wählte daher das, was ihm als das Pas« 
sendere erschien, ohne freilich, wie man späterhin wollte, ad 
quam in ad quod zu verändern. Es ist dies eine der Stellen, 
wo ein behutsamer Kritiker die Ansieht gewinne» muss, dass es 
sich sie mit ganzer Evidenz werde darthun lassen, was wirklich 
von Liviusr geschrieben werden« Denn sollte man sich auch mit 
uns dahin vereinigen, die erste Lesart des Med. Buches „ad 
quam consenserant consilio publice 44 für die echtere zu halten, 
so wird es immerhin unausgesaacht bleiben , ob nicht die zweite 
Lesart darauf hinweise, dass Livius „ad quam consilio publico 
consenserant" geschrieben habe. Wie dem auch sei, so viel 
scheint uns ausser allem Zweifel , dass wir hier von dem Medic. 
Schreiber, wie so oft, zwei verschiedene Lesarten aufgeführt 
sehen. Hr. F. ist dagegen der Ansicht, dass Alles, was das 
Medic. Buch an dieser Stelle biete, von Livius geschrieben sei, 
und zwar besonders aus dem Grande , weil in jenem Codex nur 
dann zwei Lesarten neben einander gestellt wären, wenn sieb 

N. Jahrb. f. Phil. u. Päd. od. Krit. Bibl. Bd. XL. Hfl. 3. 20 



306 Römische Literatur. 

dieselben auf ein einseines Wort besögen. Dass er sich indess 
hierin geirrt habe, wird er bei aufmerksamerem Studium des in 
jenem Buche überlieferten Materials aus Steilen wie 1, 14. „qtii- 
que cum eo equites erant" wohl schon selbst erkannt haben. Ist 
nun aber das von uns in den Text Genommene wirklich das , was 
Livitis geschrieben hat, so möchte wohl vielleicht nur Hr. F. noch 
die Worte consensn uenerant in Schutz nehmen: wir wenigstens 
können darin nichts weiter als eine falsche Zerlegung des Wortes 
consenserant finden, wie sie in altern Handschriften, und na- 
mentlich in dem Puteanns der dritten Decade, so häufig vor- 
kommt, wie auch die aus 30, 10. von uns angeführte Stelle zeigt. 
Auch in dem adfuit, was Hr. F. als echt aufgenommen wissen 
will, können wir nichts weiter als ein Versehen der Abschreiber 
finden, vielleicht wie so oft in ahnlichen Stellen der dritten De- 
cade durch das kurz vorhergehende aduenis herbeigeführt. Denn 
wenn auch sehr gut gesagt werden konnte speetaculum adfuit^ 
oder wie Hr. F. anfuhrt: „speetaculum nobis gratissimum adest", 
so würde sich doch schwerlich in der obigen Verbindung mit den 
Worten „comitate etiam hospitium gratius" ein adfuit rechtferti- 
gen lassen, einmal weil der Nachdruck keineswegs auf adfuit, 
sondern auf gratius liegt, und weil keine weitere Beschreibung 
folgt , die ein so hervorgehobenes adfuit erwarten lassen musste. 
3, 5. (S. 8.) will Hr. Fittb. nicht mit unsern Handschriften 
PM cum geschrieben wissen , sondern billigt eine wahrscheinlich 
von dem Abschreiber des altern Harlejanus zuerst gemachte Con- 
jeetur, die auch Becker in den Text aufgenommen hatte: „qui 
(hostes) caede legati et consulis vulnere accensi nulla deinde vi 
sustineri potuere, quin compulsi in castra Romani rursus obside- 
rentur neespe nee viribus pares: venissetque in periculum summa 
rerum , ni T. Quinctius peregrinis copiis cum Latino Hernicoque 
exercitn subvenisset", ohne auch hier wieder das, was c\ie bes- 
sern Handschriften boten , schärfer in das Auge zu fassen. Dass 
Livius an non sustinere häufig einen Gedanken mit nisi anknöpfe 
(wie 7, 7. u. 15.), war bekannt; nicht weniger, dass er sehr oft 
quin folgen lasse, wie 2, 19. „sustineri ira non potuit quin ex- 
templo confligerent". Nichts konnte daher auf den ersten An- 
blick richtiger scheinen, als dass auch an der obigen Stelle quin 
für cum zu setzen sei , da man den mit cum eingeleiteten Gedan- 
ken nicht als eine die Zeit bestimmende Nebenbestimmung -ansah, 
sondern abhangig von sustineri machte. Zwar missfiel der Wech- 
sel der Subjecte, aber er schien durch die Worte nee spe nee 
viribus pares der Deutlichkeit halber grade nothwendig zu Wer- 
den« Indess eine richtige Auflassung der Verhältnisse muss die 
Verknüpfung mit quin als unstatthaft zeigen. Der GonsiU Spurius 
Furius hatte sich im Gebiete der Herniker mit den Aequern in 
einen Kampf eingelassen, ohne zu berücksichtigen, dass der 
Feind ihm an Truppenzabl weit überlegen sei. Gleich beim 



Fittbogen : Observationes Liyianae. 307 

ersten Angriffe zurückgeschlagen, zog er sich in sein Lager zurück 
und hielt sich ruhig, bis die Feinde, die sein Lager blokirten, 
mit Rücksicht auf ihre günstige Lage sorgloser und nachlässiger 
werden wurden. Als dies , wie er erwartet hatte , bald geschah, 
machte er aus der porta decumana einen gldfcklichen Ausfall, 
ohne jedoch die Feinde zu weit zu verfolgen, damit nicht von 
einer andern Seite her sein Lager angegriffen werde. Bei diesem 
Ausfall Hatte sich sein Bruder, der Legat Furius, zu weit vor- 
gewagt und war Von den Seinen abgeschnitten und niedergehauen 
worden. Auf die Nachricht von der Umzingelung seines Bruders 
rückt der Consul mit Ungestüm wieder vor, wird aber verwundet 
und nur mit Mühe in das Lager zurückgebracht. „Jetzt, heisst 
es (wenn man nämlich quin liest), konnten die Feinde, deren 
Muth durch den glücklichen Erfolg ausserordentlich gewachsen 
war, durch nichts mehr zurückgehalten werden, die Römer, die 
ihnen weder an Begeisterung noch an Truppenmasse gewachsen 
waren, von Neuem zu blokiren". Wer fühlt nun hier nicht, wie 
überaus matt dieser Schlnss wird, da nach ihm die Aequer.um 
nichts weiter gekommen waren, als was schon vor dem Ausfall 
von ihnen berichtet worden. Wie ganz anders, gestaltet sich das 
Ganze, wenn wir mit PM cum obaiderentur beibehalten: dann 
bezeichnet jener Gedanke die Richtung, durch welche die Aequer 
nun endlich an das Ziel ihrer Wünsche zu kommen suchten , in 
einer Bemerkung, die sich zwar aus der Sachlage von selbst ver- 
stand, a.ber doch dadurch wieder nothwendig wurde, dass der* 
Vermut^ung vorgebeugt werde, als ob das römische Lager so- 
gleich habe erobert werden können: und an nulla vi sustineri 
potuere schliesst sich dann unmittelbar das, wafe folgt, an: „ve- 
nissetque in perictilum summa rerum, ni T. Quinctius subvenisset", 
nach einem bei Livius so überaus häufigen U ebergange. So bietet 
also die Steile folgenden Sinn: „und die Feinde, ermtithigt durch 
den Tod des Legaten und die Verwundung des Gonsuls, konnten 
jetzt, als sie die in das Lager zurückgetriebenen Römer, die 
ihnen weder an Muth noch an Truppenzahl gleichkamen, von 
Neuem blokirten, durch keine wenn, auch noch so kräftige Gegen- 
wehr in ihrem Ungestüm aufgehalten werden: und es würde auf 
das Aeusserste gekommen sein , wenn nicht in dem entscheiden« 
den Augenblicke T. Quinctius den Römern zu Hülfe gekommen 
wäre". Dass aber sustinere in dieser Art sehr häufig für sich 
allein von Livius gesetzt worden, wird jedem Leser desselben 
hinlänglich bekannt sein. Wir führen zur Vergleichung hier nur 
8,30. an: „eques — detraxit frenos equis atque ita concitatos 
calcaribus permisit ut sustinere eos nulla vis posset'S 3, 63. 10, 
28. 21, 11. und 40. u. a. m. So. können wir denn auch nicht der 
Auffassung des Hrn. Heerwagen , dem wir für manche Belehrung 
in seiner Recension des 1. Bandes unsrer Ausgabe in den Münchn. - 
Gel. Anz. 1843, 80—84. sehr dankbar sind, beipflichten, indem 

.20* 



308 Römische Literatur. 

er ctflfc, das er beibehalten will, durch „<fa u erklart. — Eben« 
•owenig können wir Hrn. Fittbogen's Erklärung in den gleich fol- 
genden Worten billigen, wornach er peregrinis copusTur andre 
Bundestrjuppen, als Latiner und Herniker stellten, angesehen 
wissen will. Livflis setzt hier peregrinis copiis, wobei cum über- 
haupt ganz fehlen konnte, vor, um den Gegensatz, der in summa 
rerum auf ein ans römischen Burgern bestehendes Heer hinwies, 
auf das Stärkste hervorzuheben. In dem vorhergehenden Cap. 4. 
lesen wir, dass, als die Nachricht von der unglücklichen Lage 
des Consuls Furius nach Rom gekommen war, der andre Consul 
Aulns Postumius den Auftrag vom Senate erhielt, ein Heer in der 
Stadt au werben. Aber nicht dieses, sondern das Bundesgenos- 
senheer, das seit den Zeiten des jungern Tarquinius den Römern 
last immer au Gebote gestanden hatte, sollte den bedrängten Rö- 
mern unter der Anführung des Quinctius zur Hülfe eilen. Da dies 
indess nicht vollzählig war, so mussten erst neue Trappen zur 
Ergänzung von den Latinern, Hernikern und Antiaten gefordert 
werden. Dass diese Truppen ein röm. Feldherr anführte, war 
ganz in der Ordnung, da sie ja immer nur unter röm. Auspicien 
fochten , es musste denn etwa die Lage der Stadt so bedenklich 
sein, dass bei einem plötzlich entstandenen Kriege die Bundes- 
atädte' die Weisung erhielten, sich selbst zu schützen (3, 6.). 
Man vergl* hierzu ausserdem , was über die bezüglichen Einrich- 
tungen des Tarquinius 1, 52. erzählt wird , 8, 4. 5. 6. und beson- 
ders 8, 8. 9, 7. : „dimissus deinde auxiliorum apparatus". Wenn 
übrigens Hr. F. meint, dass ein Appositions-Satz der obigen Art, 
wie wir in unsrer Ausgabe annahmen, nicht vor die Präposition 
gesetzt werden konnte, so ist er gar sehr im Irrthum, und der 
gute Doujatiii8 hat doch einmal richtiger als Hr. Fittbögen die 
Sache erkannt. Ohne uns jedoch auf die Stellen einzulassen, wo 
nicht alle Handschriften übereinstimmen , so verweisen wir Hrn. 
F. nur auf 8, 7. : „me quidem cum ingenita Caritas liberum tum 
specialen istud virtutis deeeptum vana imagine decorfs in te mo- 
vet", wo Hr. F. doch wohl schwerlich deeeptum aaf speeimen 
wird beziehen wollen. 

Am auffallendsten aber hat Hr. F. seine Unfähigkeit, eine 
grössere Livianische Periode aufzufassen, bei einer von uns 4, 54. 
„auc$ores fuissfe" u. s. w. nach den alten Handschriften wieder- 
hergestellten Stelle gezeigt, wo er sich einbildete, ein Anakoluth 
annehmen zu müssen (S. 31.). Dass freilich die Stelle durch die 
Menge von Participien ihre Schwierigkeiten hat, geben wir gern 
zu, aber ein Kritiker des Livius, der mit so vornehmem und so 
zuversichtlichem Ton über Andere abspricht, sollte doch der- 
gleichen zu verstehen im Stande sein. Rhenanus hatte mit Recht 
darauf aufmerksam gemacht, dass das von Froben aus dem Texte 
entfernte hi vor muUarum nach der Angabe seiner Handschriften 
wieder einzusetzen sei. Es war indess nicht Ai, sondern ii zu 



Fittbogen: Observatione» Livianae. 309 

schreiben* da die ältesten Bücher dieser Decade Anboten. Dada 
dies namlicli die richtige Auffassung sei, lehrten uns der Putea» 
nus und Lorschheimer Codex , in welchen Büchern wir fast ohne 
Ausnahme 11 fanden , wenn die Jüngern Handschriften vom 1& 
Jahrhunderte an A*Y , noch jüngere vom Anfang des 13. Jahrhun- 
derts At boten. So steht z. B. 2t>, 12. im Put. unumexiis, im 
' Colb. es Am, im Bamb. es Ais. Dies zeigt sich auch in der Zer- 
legung von cumis, deis und ähnlichen Wörtern, wo meist nur 
dann cum Am, de Ata in Jüngern Buchern geschrieben ward* 
wenn von altern Abschreibern nach einer falschen Auffassung cum 
«s, de m, statt cumis, deis, gesetzt worden. Sigoniua und 
J. Fr. Gronov wollten nun dies hi wieder entfernt wissen, weil 
sie von dem Pronomen aus einen neuen Vordersatz glaubten an- 
fangen zu müssen, und dann keinen Nachsatz fanden» Gronoy 
setzte deshalb auch ein Kolon nach ostentantes s und darin sind 
ihm die spätem Herausgeber gefolgt. Becker hat zuerst wieder 
einen richtigen Uebergang vermittelt, indem er jenes Kolon in 
ein Komma umwandelte: ostentantes, das also von Gronov als 
Accusativ zu creatos bezogen war, konnte nach dieser Interpun- 
ction auch als Nominativ zu cum adfirmassent bezogen werden, 
eine Verbindung, die sich durch den Zusammenhang als die allein 
rechte ausweist. Diese Verbindung und eine solche Stellung des 
cum hält nun Hr. Fittb. nicht nur für nicht Livianisch , sondern 
sogar für unlateinisch. . Wie gelächelt über diese Verkennung 
einer so ganz gewöhnlichen Erscheinung Livianischer Redeweise 
wird bei jener Erklärung desselben gewiss jeder Kenner des Li- 
viu8 haben, sobald nämlich, wie an der obigen Stelle, vor cum 
noch meist Participial- Sätze, die zu dem mit cum verbundenen 
Verbum gehörten, vorgesetzt worden. Wir verweisen hier nur 
auf 6, 35. cum trepidassent, 7, % cum statuisset, 4, 56. cum im- 
pulisset, al. Ward nun wie hier das Pronomen ti vom Schrift- 
steller noch vor multarum hinzugefügt, so wollte er dadurch die 
Beziehung des in ostentantes liegenden Subject6 zu adfirmassent 
stärker hervorheben , und der Beziehung auf creatos vorbeugen, 
wiewohl Jeder, der die Satzglieder ihrem innern Werthe nach 
zn verbinden versteht, diese richtige Beziehung schon von selbst 
festhalten würde* Nachdem nämlich Livius in den Worten aueto- 
re8 fuisse bis creatos das historische Factum an sich hingestellt 
hat, geht er auf eine weitere Erklärung des Verfahrens der Tri- 
bunen ein, und giebt uns in dem zu cum adfirmassent gehörigen 
Satztheil die Gründe an, wie die Tribunen diese ihre Absicht zu 
erreichen im Stande gewesen seien. Wollte man ostentantes 
mit dem, was dazu gehört, so auf creatos beziehen, als ob eben 
jener Verheissungen wegen die Icilier vom Volke zu Tribunen 
gewählt worden wären , so bedarf es wohl nicht erst unsrer Er- 
klärung, dass ein solcher Sinn lateinisch unmöglich durch das 
. Participium Praes. ostentantes hätte ausgedrückt werden können. 



310 Römische .Literatur. 

Ebensowenig kann dies ostentante* den Grand sn auctores fuisse 
haben angeben sollen , tbeils weil dies ebenfalls nicht durch jenes 
Participium aasgedruckt werden konnte, theils und besonders weil 
der Grund dieser Veranlassung erst in dem von cum adfirmassent 
abhangigen Satztheil aufgestellt wird. So musste und so konnte 
eich allein nur die Auffassung der ganzen Stelle ergeben, wie wir 
sie in unsrer Ausgabe angegeben haben. Wie will dennniun Hr. 
F. die Stelle gefasst wissen? Auch er lässt das Pronomen hi 
stehen, beginnt aber von demselben einen neuen Satz, hilft sich 
dann durch ein Anakoluth und nimmt den nachfolgenden mit ita>- 
que beginnenden Satz als das, was dem Schriftsteller als Nach- 
satz vor der Seele geschwebt habe* Nein, solche Auffassungs* 
weisen wollen und dürfen wir einem Livius nicht aufzwingen las- 
sen , wenn derselbe auch zuweilen bei der Fülle dei Nebeubezie- 
hungert, die er, um ein vollkommenes Bild seiner Anschauung 
und des überreichen historischen Stoffes zu geben, nicht über- 
gehen konnte, in eine längere Periode zusammenfassen sollte, 
was wir nach dem Genius unsrer Denk - und Sprechweise in meh- 
rere Sätze zerlegen würden. Man vgl. z.B. 8,11. adfirmando etc., 
und den auch von Hrn. F. berührten Satz 21, 6. consules tunc etc. 
Auch in der gleich auf die obige folgenden Stelle „quaestu- 
ramque eam non honoris ipsius fine aestimabant u können wir uns 
nicht für Hrn. F.'s Ansicht, der finem geschrieben -wissen will, 
erklären. Hr. F. ist freilich dabei durch unsre Schuld in der An- 
gabe der Medic. Handschrift irre geleitet worden, indem auch 
dort wie im Pariser Buche fine von dem ersten alten Schreiber 
herrührte, und erst durch die dritte verbessernde Hand ,,fine u 
gesetzt war, was wir freilich zu bemerken vergessen hatten. Hr. 
F. übersetzt nun so: „die Quästur schätzten {veranschlagten [!]) 
sie nicht als die Grenze (Maass , Machtbefugniss) dieser Ehren- 
stelle selbst", oder: „in der Quästur schätzten sie nicht die 
Grenze 'der Ehrenstelle selbst" (!). J. Fr. Gronov hat die Be- 
deutung von fine und den Sinn der Stelle vollkommen richtig ge- . 
fasst, und wir erklären sie daher so: „deshalb glaubten die Ple- 
bejer in der Erlangung der Quästur einen herrlichen Sieg errun- 
gen zu haben ; und sie nahmen diese Quästur nicht Mos nach der 
Bedeutung und dem Umfange des Amtes selbst, sondern glaubten, 
dass ihnen nun auch der Weg zum Consulate und zu Triumphen 
eröffnet sei". Wenn man finem schreiben wollte, so müsste man 
auch wohl honorum erwarten: stände, freilich ipsius nicht, so 
. könnte auch honoris finem richtig sein. 

Ebensowenig scheint uns Hr. F. adeo an der vorhergehenden 
Stelle (das wir in ähnlicher Art wie tarn bei einem Superlativ er- 
klären würden: Tac. Ann. 1, 53.) richtig gefasst zu haben, indem 
er die bezügliche Stelle so übersetzt : „als diese sogar dem sehr 
gierigen Volke eine Menge grosser Dinge in Aussicht stellten, 
jedoch versicherten" — (!). Kaum wird Jtaan seinen Augen trauen! 



Fittbogens Obserrationes Livianae. 311 

Welch einen * Blick lägst uns hier Hr. F. in den Sehatz seiner 
durch das Studium der Alten und namentlich des Livius gewonne- 
nen ästhetischen Gesammtbildung thun , und welch einen Genuas 
und was sonst noch wurde er den Gegnern altclassischer Studien 
bereiten, wenn er in dieser Art den ganzen Livius übersetzen 
wollte! 

Nun bleiben uns noch zwei Stellen (S. 17. und 1.) übrig, wo 
Hr. Fittb. auch eine Emendation des Textes versucht hat. Die 
eine ist 3, 37., wo er statt fortuna, qua ein das Ganze verflachen- 
des fortuna quadam setzen will , wozu ihm Bauers Conjectur 
fortuna iniquet gefuhrt zu haben scheint. Hr. Heerwagen (in 
dem angeführten Münchn. Blatte) wollte qua so erklären: „da 
das Glück; wo irgend ein Wunsch geltend gemacht wurde, auf 
Seite des Mächtigeren war." Aber obgleich qua bei Livius sehr 
oft die Bedeutung von wo hat, so dürfte doch hier ein Zweifel 
an der Richtigkeit jener Auffassung entstehen , da jenes qua auf 
die Patricier- Jünglinge, also auf Personen bezogen sich sprach- 
lich wohl nicht nachweisen lassen möchte : sollte es aber auf die 
örtlichen und sachlichen Verhältnisse bezogen werden, so müsste 
man hier wohl — abgesehen von der Möglichkeit einer solchen 
Beziehung — den verallgemeinernden Sinn nicht sowohl in quid- 
quidy als vielmehr in qua ausgedrückt erwarten. Wir können 
noch immer nicht von unsrer Erklärung abgehen, nach welcher 
wir qua in der allgemeinsten Beziehung auf fortuna nahmen : „da 
der glückliche Erfolg , mit der Aussicht auf den (man verzeihe 
uns den Ausdruck) was auch immer begehrt worden, auf Seite 
des Mächtigeren war 44 . Eben jene Gewissheit, dass der Besitz 
der in Beschlag genommenen Gegenstände ohne Erfolg von den 
eigentlichen Eigenthümern werde streitig gemacht werden, flösste 
jene Dreistigkeit und Kühnheit ein, womit man den Wunsch fasste 
und ausführte. — Ausserdem wollte Hr. F. 2, 59. statt „a/if 
gaudere sua clade atque ignominia" geschrieben wissen in aliis 
„im Uebrigen", was nicht in aliis bezeichnet, sobald man bei 
demselben Subjecte stehen bleibt, sondern alioquin. Sowie 
2, 43.' berichtet wird, dass die Reiterei den Feind zum Weichen 
gebracht, das Fussvolk aber nicht habe nachrücken wollen: so 
kann auch hier alii nicht auf die römischen Soldaten bezogen 
werden, welche den Feind vom Walle zurücktrieben, sondern 
geht allein auf die, welche nicht einmal in dem Augenblick, wo 
Alles auf dem Spiele stand, die Waffen ergreifen wollten, damit 
die bedenkliche Lage des von ihnen auf das Aeusserste gehassten 
Appius durch sie in "keiner Hinsicht gebessert werde. Mit dieser 
Auffassung, wie sie der Text einfach an, die Hand giebt, steht in 
engster Verbindung das, was vorher bemerkt worden, „non vin- 
cere tantum noluit sed vinci voluit", sowie das, was Dionysius 
9, 50. über denselben Vorfall berichtet. Auch der Infinitivus 
histor., über den man selbst für die historische Darstellung noch 



812 Römisch« Literatur. 

oft gans unzulängliche Ansichten äussern hört, kann nicht be- 
. denklfch sein: wie mannigfaltig derselbe angewandt ward, mögen 
Stellen wie in 1, 42. 4, 39. 5, 39. 9, 7. 26. 23, 27. 25, 10. u. a. 
zeiget!. Ueber alii vergl. man 25, 15. , wo J. Fr. Gronov das 
erste au ergänzende alii richtig aus dem vorangehenden Satze 
entwickelte : 26, 6. al. — Doch wenden wir ans endlich von 
dieser ftai Gänsen unerfreulichen Untersuchung, die aber die 
Sache, für die wir arbeiten, noth wendig machte, zu einem inter- 
essanteren Gegenstande auf dem Felde der Livianischen Literatur 
hin, den Emendationen zum 26. Buche, womit Hr. Fabri die 
Freunde des Livius im vorigen Jahre beschenkt hat 

11. Schon im Jahre 1837 hatte Hr. Prof. Fabri die beiden 
ersten Bücher der dritten Decade mit einem deutschen Comraeu- 
tare herausgegeben, und sich darin als einen tüchtigen Kenner 
Livianischer Darstellungsweise und als einen Mann von feinem 
und richtigem Takte gezeigt. An vielen Stellen, wo sich bei ge- 
höriger Auffassung der Verhältnisse die Unzulänglichkeit der von 
früheren Herausgebern für ihre Abweichungen von den alten 
Handschriften angeführten Gründe nachweisen Hess , stellte, er 
den diplomatisch überlieferten Text wieder her, und erwarb sich 
dadurch "ein grosses Verdienst um die Berichtigung der dritten 
von ihrem Verfasser mit besonderer Vorliebe gearbeiteten Decade. 
Eben dieselben trefflichen Eigenschaften bewährte Hr. Fabri in 
der mit einem latein. Commentar 1840 erschienenen Fortsetzung 
seiner Arbeit, die das 23. und 24. Buch umfasste, so dass gewiss 
jeder Freund der römischen Literatur der baldigen Erscheinung 
eines neuen Bandes mit aufrichtigem Verlangen entgegensieht. 
Nur ein Wunsch blieb natürlich den Freunden des Livius noch 
übrig, dass Hr. F. nicht blos auf dem betretenen Wege stehen 
. bleiben, sondern in der Aufsuchung eines vorzüglicheren Textes 
noch einen Schritt weiter gehen möchte. Denn da bereits im 
Jahre 1839 auf die Vortrefflichkeit des dem Hrn. F. so leicht 
zuganglichen Bamberger Codex vom grösseren Theile der dritten 
Decade, dessen Werth man in früherer Zeit gänzlich verkannt 
hatte, hingewiesen worden, so konnte man auch in dem ein Jahr 
darauf erscheinenden Bande erwarten, darauf Rücksicht genom- 
men zu sehen. Indess Hr. F. hatte sich wohl darum noch nicht 
darauf einlassen wollen , well dieser Bamberger Codex erst mit 
dem 7. Cap. des 24. Buches beginnt, und mithin die Einheit der 
übrigen , mehr dem Drakenborch'schen Text sich anschließenden 
Bearbeitung hätte stören können. In den jetzt von ihm heraus- 
gegebenen Emendationen aber, sehen wir ihn ganz auf Unter- 
suchungen des in jener schönen Handschrift enthaltenen Textes 
gerichtet, und eine grosse Anzahl von Stellen aus dem 26. Buche, , 
die im Einklang aller bewährten alten Bücher wieder herzustellen 
waren , sind von ihm zuerst nach ihrer richtigen Geltung aufge- 
faßt und kritisch gesichert worden. Vor Allem nämlich war es 



Fabri: Emendationes Li,vianae. 313 

su ragen, dass unsre Texte die bei Livius oft so eigentümliche 
und ausdrucksvolle Stellung der Worte, die so ganz ans dem 
innersten Wesen des gedrungenen Charakters ihres Verfassen 
hervorgegangen ist, dass Abweichungen den Eindruck des Ganzen 
nur stören können , noch immer nicht in der gehörigen Ordnung 
überlieferten: und so finden wir in diesen Emendatiönen eine 
Menge von Aeuderungen in der erwähnten Beziehung, die sich 
bei aufmerksamer Berücksichtigung des tieferen Zusammenhanges 
als unbestreitbare Berichtigungen ergeben. Ausserdem waren in 
den Liebergängen der einzelnen Satztheile nicht selten ganz falsche 
Conjunctionen von den Schreibern jüngerer Handschriften aufge- 
nommen,, die selbst die Gronove und Crevier noch nicht wie sich'« 
gebührte verdrängt hatten. Alle diese, sowie mehrere andre 
Stellen,' wo der Sprachgebrauch überhaupt noch viel zu einseitig 
gefasst war, wurden, zur wahren Bereicherung nicht Mos des Li- 
vius in ihr gehöriges Licht gesetzt und grammatisch begründet. 
Ausserdem finden wir natürlich auch eine nicht unbedeutende 
Zahl solcher Stellen, wo das,* was die alten Bücher boten, nicht 
seinem ganzen Umfange nach für richtig anerkannt werden konnte, 
und wo sich Hr. Fabri genöthigt sah, durch Conjecturen den 
ursprünglichen alten Text wieder aufzusuchen. An jeder dieser 
schwierigeren Stellen ; denen freilich aus demselben Buche eine 
nicht kleinere Zahl fast noch mehr Schwierigkeit bietender , bis- 
her noch keineswegs gehörig erörterter Versehen hinzugefügt 
werden könnte, finden wir uns durch die Auseinandersetzungen 
des Hrn. F. beiehrt und unsre Ansichten Erweitert und berichtigt, 
und wenn wir auch nicht überall mit den gewonnenen Resultaten 
zufrieden gestellt werden sollten, so ist doch auch hier nie etwas 
bemerkt worden , das nicht von einer und der andern Seite aus, 
und abgesehen von dem in noch altern Handschriften dieser De- 
cade enthaltenen Material, als billiglings- und beifallswürdig 
erscheinen müsste. 

So sehr wir indess den Werth des Bamberger Codex auch 
anerkennen und so richtig uns das Meiste, was wir in diesen 
Emendatiönen aus demselben entlehnt sehen, erscheint, so er- 
lauben wir uns doch Hrn. Fabri noch auf Einiges aufmerksam zu 
machen, das bei gehöriger Berücksichtigung den Werth der von 
ihm zu erwartenden Fortsetzungen seiner Bearbeitung noch um 
Einiges erhöhen könnte. Es ist nämlich Hrn. F. bei der Beur- 
theilung des in jenem Codex enthaltenen Textes ebenso gegangen, 
wie dem Referenten in seiner auf denselben Codex basirten Aus* 
gäbe des 30. Buches, dass er aus Freude über den gefundenen 
Schatz den Werth desselben zuweilen höher anschlug, als er es 
verdiente. Es kann nämlich auf das Bestimmteste bewiesen wer- 
den , dass alle Handschriften , die wir bis jetzt von der dritten 
Decade kennen gelernt haben, au! den unter der Nr. 5730. in der . 
königl. Bibliothek zu Paria aufbewahrten Puteanne zurückgehen, 



314 Romische Literatur. 

und zwar dergestalt, das» die- nächsten alten Bücher zwar im 
Ganzen denselben Text mit ihm bieten, aber da9s die Abschreiber 
an allen den Stellen — und die Zahl derselben ist nicht klein — , 
welche von der ersten Hand nicht ganz richtig geschrieben zu 
sein schienen , und wo eine andre bessernde Hand das Rechte 
wiederherzustellen versucht hatte, bald der einen bald der andern 
Auffassung folgten, selten so, dass sie die erste ursprüngliche 
Hand in ihre Abschriften mit aufnahmen. Am meisten ist dies 
noch von dem Abschreiber des altern Mediceer Buches dieser 
Decade und von dem der Pariser Abschrift Nr. 5731« geschehen ; 
ja dieses letztere Buch hat vor dem andern noch darin einen Vor- 
zug, dass der Schreiber desselben noch ein andres werthvolles 
Original zur Seite hatte, aus dem er nicht selten das, was im 
Puteanus verschrieben war, so wiederherstellte, dass über die 
Richtigkeit fast kein Zweifel erhoben werden kann. Der Schrei- 
ber des Bamb,. Codex ist hierin aber meiste ntheils seinen eignen 
Weg gegangen, und hat somit Conjecturen zum Vorschein ge- 
brächt, die sich von dem altern Texte oft gar sehr entfernen. 
Um nur einen kleinen Beweis hiervon zu geben, verweisen wir 
auf den Anfang des achten Capitels. An dieser Stelle steht im 
Colb. Cod. vollkommen richtig „Hannibal quo die Vulturnum est 
transgressus u , im Put. dagegen „hannibal quodeuultur | numest- 
transgressus", wo also das t in die wie öfter in diesem Worte 
ausgefallen war. Was thut nun der Schreiber des Bamb. Codex 4 ? 
Auch er fand de statt die; statt aber das kleine Versehen wie der 
Colb. zu berichtigen, nimmt er, ohne auf den Zusammenhang zu 
sehen , de als Präposition und schreibt „hannibal quo de uulturao 
est transgressus u . Dieses Vulturno , wiewohl sich dasselbe auch 
in andern Codd. findet, hätte also Hr. F. nicht in Schutz nehmen 
sollen. Weiterhin steht in demselben Capitel im Put. „senatus- 
magistratibusiriforöpraestostsi | quitconsuleuelint". Die m. 2. des 
Colb. Codex, in dem ebenfalls consule stand, ergänzte die Silbe 
re, und dieses consulere passt genau in den Zusammenhang. Der 
Bamb. Schreiber aber schrieb ohne Weiteres : „si quid consules 
uelint", obgleich das dicht dabei stehende magistratibus eine 
solche Wiederholung nicht nur als unnütz erscheinen lägst, son- 
dern auch als ungenügend, da der Schriftsteller in dem Worte 
magistrafus nicht Mos die Consuin hatte bezeichnen können. 
Dazu kommt zweitens , dass in dem Puteanus nicht selten ganze 
Wörter ausgefallen sind, wie das darauffolgende que zeigt, wo 
sehr selten in dem Bamb. Codex, öfter in dem zweiten Pariser, 
auf eine Lücke der Art durch die Conjunction hingewiesen ward, 
während freilich die von J. Fr. Gronov und Crevier gemachten 
Collationen fast keine Spur solcher Versehen enthalten« Herr 
Böttcher, dem wir in seiner Ausgabe der Stellen, die sich in der 
dritten Decade auf die Sicilischen Verhältnisse bezieben , die Be- 
richtigung so mancher bisher vernachlässigten Stelle verdanken, 



Fabri: Emendationes Livianae. 315 

hat auch auf den berührten Punkt, sobald es die ihm gemachten 
Mittheilungen an die Hand geben, aufmerksam gemacht; aber so 
richtig er meistentheils die wunden Stelle herausfühlte, sich doch 
in seiner Berichtigung auch wieder zuweilen irre führen lassen. 
Wir wollen davon nur ein Beispiel anführen. So lesen wir 25, 28 
noch bei Becker: „interfectis iis et multitudine ad concionem vo- 
cata, et iuopiam quam ipsi inter se fremere occulte soliti erant, 
conquesti, quamquam tot mala urgerent, negarunt fortunam accu- 
sandam esse , quod in ipsorum esset potestate quam diu ea pate- 
rentur 1 *. Hier glaubte nun Hr. Böttcher mit der Tollsten Be- 
stimmtheit annehmen zu können, dass, da die ältesten Hand- 
schriften „inopiamque quae ipsi a hätten, ein Wort vor inopiam 
ausgefallen sei, das wieder ergänzt werden müsse, und schrieb 
deshalb „labem inopiamque, quae ipsi" u. s. w. Ob jene An« 
nähme desselben jeder gebilligt, bezweifeln wir sehr. Der Put 
hat so : „uocatainopiamquequaeipsi", der Colb. und Bamb. : „uo- 
cata inopiamque que ipsi". Es ist also hier derselbe Fehler im 
Put. gemacht, der fast auf jeder Seite desselben vorkommt, dass 
quequae geschrieben ward, während quaeque geschrieben werden 
musste; und es weist dieses quae auf alles das hin, was man 
gegen die Tyrannei der Gewaltherren freilich mehr in stillen Kla- 
gen anzuführen gepflegt hatte. Auf die Pest konnte hier nicht 
hingewiesen werden , da sie nicht als unmittelbare Schuld jener 
Präfecten anzusehen war; auch ist nicht abzusehen, warum sich 
darüber nur in verstohlenen Klagen die gepressten Herzen hätten 
Luft machen sollen. Jene Stelle , wenn wir noch occuUi mit den 
alten Büchern lesen, muss also folgendermassen heissen: „inter- 
fectis iis et multitudine ad contionem vocata, inopiam quaeque 
ipsi inter se fremere occulti- soliti erant, conquesti, quamquam 
tot mala urgerent, negarunt fortunam accusandam esse , quod in 
ipsorum esset potestate, quam diu ea paterentur". 

Dazu kommt ferner, dass der Bamb. Codex in der Stellung 
der Worte zwar meistentheils mit dem Puteanus, Colbert. und 
Medic. übrreinstimmt, aber doch auch nicht selten wieder von 
jenen drei Büchern abweicht, ohne dass sich ein hinreichender 
Grund der Aenderung erkennen Hesse. Das Concinnere und 
scheinbar Livianische der Stellung kann uns allein nicht immer 
leiten, denn sonst müssten wir z. B. 8, 1. glauben* dass in dem 
JiOvel. 4. „quos in acte viros amisissent" richtiger die Hand des 
Schriftsteilers erhalten sei, als in sämmtlichen alten Handschriften 
der ersten Decade, welche „quos viros in acie amisissent" bieten. 
Und welch eine unglaubliche Anzahl ahnlicher Stellen könnten 
wir nachweisen, wo jüngere Abschreiber auf die dem Schrift- 
steller geläufigere Verbindungsweise — wir wollen glauben — 
nur aufmerksam hatten machen wollen. So dankenswerth also 
die Bemühungen des Hrn. F. auch in der erwähnten Beziehung 
jBiud, so dürfte er doch an mancher Stelle den Werth seines 



316 Römische Literatur. 

Codex hierin überschätzt haben. So wäre z. B. mit dein Bamb. 
Codex nicht an schreiben Cap. 22. „neqne ego, inquit, veströs - 
mores"; Cap. 51. „sinnt! corpora animosqtie", und ebendaselbst 
„captae famam Carthagiois". Nicht selten finden wir ferner den 
Bamb. Codex in der Angabe der Pronomina unzureichend. So ist 
Cap. 33. im Put geschrieben: »ciimquerereturequi | campanorum 
— -bene | meritusderep.nos|traes8et" ; im Bamb. „cum qäaererefur 
qui campanorum bene meritus de re p. nostra esset", wo Hr. F* 
„ecquis campanorum" gefunden haben und geschrieben wissen 
will Der Colb. Schreiber hat den grade in* dieser Verbindung - 
nicht seltenen Fehler des Put. erkannt und deshalb richtig ge- 
schrieben „ecqui campanorum". So ist auch in ahnlicher Art 
24, 14« allein im Put. von der ersten, Hand richtig geschrieben 
„eftumquam"; die zweite Hand unterstrich das *, und so haben 
alle spätem Bücher, der Colb. so gut wie der Bamb», nur „ntim- 
quam". Auch in den Verben findet sich im Bamb. Codex zuweilen 
Unrichtiges, nicht blos in Zusammenziehungen wie 26, 29., wo 
allein Put. m. 1. decrqsset, Put. m. 2. Colb. Bamb. al. decreuissfet 
haben, sondern auch in den Temporibus und Modis, z.B. Cap. 13. 
Put. Colb. necarimus, Bamb. necaremus; Cap. 29. Put. Colb. con- 
uerterint, Bamb. conuerterent; Cap. 41. Put. Colb. uicerimus, 
Bamb. uiceremus; Cap. 31. Put. Colb. debuerint, Bamb. debil- 
er an t; Cap. 49. Put. Colb. fuerit, Bamb. fuerat, u. a. Auch In 
den Conjunctionen weicht der Bamb. Cod. zuweilen vom Put. und 
Colb. ab; so haben z. B. Cap. 27. Put. und Colb „nocte ac die", 
Bamb. „nocte et die". Mit vollem Rechte hat Hr. Fabri die dem 
Livius von Jüngern Abschreibern aufgedrungenen Wörter, wie 
Cap« 11. tunc, Cap. 12. autem, Cap. 50. merito u. a. wieder zu- 
rückgewiesen; an andern Stellen dagegen, wie Cap. 47., war 
captaeque nicht zu streichen, da es richtig im Put. steht, wäh- 
rend freilich schon der Colb. „expugnate q quaedam" hat. Gleich 
darauf folgt im Put. „opes beüica«tas u , wo * für p verschrieben 
worden; die m. 2. strich taa aus, und so lesen wir im Colb. Bamb. 
al. nur „opes bellicas". In andern Stellen ist Hr. F. ohne eigne 
Schuld durch falsche Angaben dessen , was im Put. stehe , irre 
geleitet, wie Cap. 48., wo ^meritum uirtusqire" nicht nur im 
Colb., sondern auch deutlich im Put. steht. 

Wir kommen hierbei noch auf einen grammatischen Punkt, 
über den man bisher noch nicht ganz im Klaren zu sein schien. 
Dass nämlich keineswegs überall da, wo statt des Gerundiums das 
Gerundivum stehen konnte, dasselbe' auch von den alten Schrift- 
stellern gesetzt sei, ist eine Annahme, über deren Gewissheit 
kein Kundiger mehr in Zweifelist. Die Frage ist nur, wo die 
besten Handschriften in diesem Falle das Gerundium haben, und 
ob gute Sthriftsteller hierin ganz willkürlich au Werke gegangen 
fieien. Das Letztere können wir nach sorgfältiger Erwägung 



Fabri: Emendationes Livlanae. 317 

dessen, was die ältesten Bücher bieten, durchaus nicht bestätigt 
finden, besonders nicht in gewissen Verbindungen, wo der ent- 
weder in dem Verbo oder in dem Objecto liegende Begriff stark 
hervorgehoben werden musste, oder wo das Gerundium anfeinen 
einzelnen speciellen Fall hinwies , wahrend das Gerundiv um o>n 
' feu bezeichnenden Gedanken zu einer grossem Allgemeinheit ähn- 
licher Ffille erweiterte. So musste z. B. 30, 13. nach allen altert 
Büchern „in adloquendo vietorem* allein. als das Richtige erschei- 
nen, während „in adloquendo victore u da seine Stelle fände, wo 
überhaupt das , was bei einer an einen Sieger zu richtenden Aus- 
rede zu berücksichtigen wäre , bezeichnet werden sollte. Gegen 
diese Annahme widerstreiten mir scheinbar Stellen wie 22, 12. 
„premendoque superiorem, qvae pessime ars nimis presperis 
multorum successibus crevit, sese extollebat", als ob auch hier 
der vorangehende Gedanke in seiner Allgemeinheit gefasst wäre. 
Abgesehen von solchen Stellen , wo der Deutlichkeit wegen das 
Gerundium bleiben musste, wie 6, 20. „facta dictis aeqnando", 
8, 11. „nova priscis praeferendo 4 *, 8, 14. „miscendo humana di- 
viniVS finden sich noch eine grosso Anzahl von Stellen, wo fn 
unsern' gewohnlichen Texten immer noch fälschlich das Gerundi- 
vum aufgeführt steht. Da indess die alten Schriftsteller, wenig- 
stens nach der Angabe der ältesten und besten Handschriften, 
des vorher angegebenen Unterschiedes sicli nicht immer bei ihren 
Darstellungen bewusst gewesen sind, so kann uns auch hier wie- 
der nur die Autorität der am wenigsten von Abschreibern und ab- 
sichtlich veränderten Handschriften leiten. Zu ' diesen unver- 
fälschten Handschriften' können wir aber nach dem Vorstehenden 
den Bamb. Codex nicht ganz rechnen, und deshalb aueb in Bezog 
auf das Besprochene 26, 8. nicht billigen, was Hr. F 1 . aus ihm 
entnehmen wollte: „ad prohibendum obsidione patriam", da nicht 
nur der Colb., sondern auch der Put prohibendam haben. So 
häufig bei Livius der Ablativus des Gerundiums in der erwähnten 
Beziehung fet, so dürfte doch bei dem Accosativns grosse Behut- 
samkeit nöthfg sein , wenn wir uns nicht selbst hinter das Licht 
führen wollen. Deshalb würde ich auch 30, 14. „ad iungendum 
amicitiam", 30, 37. „ad dissnadendum pacem", was der Bamb* 
Codex angiebt , keineswegs jetzt noch für richtig halten. Auch 
42, 5. (um noch eines von Hrn. F. angeführten Beispieles zu er- 
wähnen) steht in der Lorsch heim -Wiener Handschrift nicht „ad 
spernendum originem", sondern spernendam. Dasselbe , was 
vom Ablativ .gesagt ist, findet auch beim Genitiv des Gerundiums 
in der fraglichen Verbindung seine Anwendung, und schwerlich 
mochte an einer Stelle wie 25, 40. Livius das GernndiVHra ge- 
braucht haben : „inde primnm initium mirandf graecarura artium 
opera lieentiaeque huic sacra profanaque omnia vulgo spoliancH 
factum est". Ueber den bei Livius nicht seltnen Dativ haben wir 
uns schon anderwärts ausgesprochen. Man vgl. 3, IS. und 7, 22. 



318 Römische Literatur. . 

Doch hüte man sich wohl, den Ablativ in derartigen Verbindun- 
gen, wie 25, 40. ferendoque, für den Dativ zu nehmen. 

lieber einen Punkt haben wir uns schliesslich noch zu recht- 
fertigen« Wir hatten nämlich in unsrer Ausgabe den bekannten 
Velkstribun 3, 9. Terentillus und seine 'lex Terentilla genannt, 
und so auch in der revidirten Textesausgabe wieder drucken 
lassen. Hr. Fabri macht uns dies zum Vorwurf und verweist uns 
auf das, was die alten Handschriften böten, und was Niebuhr 
2, 313. über diesen Namen gesagt habe. Indess so leicht, als es 
scheinen könnte, sind wir denn doch nicht über diesen Punkt 
weggegangen* Auch wir wussten, dass Niebuhr C. Terentüius 
geschrieben wissen wollte, und dass ihm die Neueren mehrfach 
darin gefolgt seien; haben uns aber aus Gründen mit der Ansicht 
desselben nicht befreunden können. Denn was das Diplomatische 
betrifft, so haben zwar an der ersten Stelle, wo des Tribunen 
Erwähnung. geschieht, die besten Codd. Terentüius und Teren- 
tüliu8 s aber keineswegs an den folgenden; und es ist also an 
jener Stelle entweder einem alten Schreiber derselbe Gedanke 
eingekommen wie Niebuhr'n , oder es ist Terentilius daselbst aus 
jenem Versehen entstanden ,' das wir in den alten Büchern beim 
doppelten / so oft finden. Wie oft findet sich nicht Regiliensis 
statt Regiliensis und Aehnliches! So wird Hr. F. auch 24, 7. im 
Bamb.Clod. regulum gelesen haben, während in altern Büchern 
regillum, steht, und alle, auch der Bamb., Cap. 8. regillus haben. • 
So Bamb, 38, 39. traliis statt trallis u. a. Jener Volkstribun hat 
weder Terentillus noch Terentilius, geheissen, welche letztere 
Form sich weder durch Handschriften (jene eine Form ausgenom- 
men), noch durch irgend eine vollständig erhaltene Inschrift be- 
stätigt findet, sondern. C. Terentius, wie ihn Dionysius 10, 1. rich- 
tig nennt. Der Name Terentillus sollte in seiner Deminutivform 
wahrscheinlich eine Herabwürdigung des Tribunen ausdrücken) 
und scheint ihm schon in alten Zeiten von den Aristokraten Roms 
gegeben zu sein. Dass Livius aber den Namen grade in dieser 
Form beibehielt, dazu Vermochte ihn wohl auch die Ueberein- 
stimmung mit der nach ihrem Urheber genannten lex. Wenn 
übrigens Niebuhr an den C. Balbillus bei Tac. Ann. 13, 22. (um 
der Dichter nicht zu erwähnen) gedacht hätte, so würde er nicht 
so schnell über die Sache abgetirtheilt haben. Bekanntlich findet 
sich diese Deminutiv. Endung. besonders in Frauennamen, wozu 
man z. B. Dio Gass. 77, 1. vergleiche: r\ ükavzlkXa x«l ö ravrqg 
äSektpog JJkavviog. 

Wir scheiden übrigens mit der gefühltesten Hochachtung 
von Hrn. Fabri, da wir unter den neuern Bearbeitern des Livius ' 
keinen zu nennen wussten, der ihn an Gelehrsamkeit, an Scharf- 
sinn und vor Allem an Takt überträfe: zugleich aber auch mit 
dem herzlichen Wunsche, dass er mit der in diesen Emendationen 
versprochenen Fortsetzung seiner trefflichen Arbeiten recht bald 



J 



Bibliographische Berichte and Miscellen. 819 

alle Freunde des Linus erfreuen möge. — Einen folgenden 
Artikel wollen wir der Beurtheilung der in vieler Beziehung 
werthvollen und vielfach anregenden Quaestiones Livianae vom 
Hrn. Dir. Kästner widmen. 

Alschefsku 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 



Praktische Anleitung zum Erlernen des Ebräischen. Von Dr. S« 
Herxheimer, Herzoglich Anhalt - Bernburgischem Landesrabbiner. 
2. vermehrte und verbesserte Auflage. [Berlin bei Schröder. 1843. 
76 S. 5 Ngr.] Die .erste Auflage dieser Anleitung erschien blos als 
Anhang des von dem Verfasser herausgegebenen Kinderfreundes für 
Israeliten, der Referenten nicht zu Gesicht gekommen ist. Diese 2. Auf- 
lage enthält nach des Verf. Angabe Vieles , was die 1. Auflage entbehren 
musste, doch gebot die Rucksicht auf die von dem so äusserst billigen 
Preis bedingte Raumersparniss, auch in dieser Auflage noch Manches der 
mundlichen Nachhülfe des Lehrers, die .auch in den vollständigeren Gram- 
matiken nicht entbehrt werden kann , zu überlassen. Sie unterscheidet 
sich von der ersten durch Vermehrung der Regeln , die überall kurz ge- 
fasst sind, und dadurch, dass die Uebersetzung der Haupt- und Für- 
wörter, deren Bildung der Lernende noch nicht kennen gelernt, in den 
Uebungsstucken bis zum irregulären Verbum hin beigefugt ist. Das 
Büchlein zerfallt in 60.$§, die tbeils die grammatischen Regeln, theiltf 
hebräische und deutsche Aufgaben zum Uebersetzeu enthalten. Die 
ersten 9 §§ enthalten das Allernoth wendigste über Namen, Schreibung,. 
Eintheilung der Consonanten und Vocale, über das Schwa, Dagesch, 
die Litterae quiescibiles , den Ton, das Metheg, den Artikel« Dann 
folgt der erste Psalm mit übersetzter Aussprache zur Leseübung* $ 10. 
enthält die persönlichen Fürwörter im Nominativ, § 11—33. das regel- 
mässige Zeitwort nebst Aufgaben zum Uebersetzen, Fragen zur Wieder« 
holung und Verdeutlichung; § 34—49. das unregelmässige Zeitwort und 
zwar zuerst die Verba 23, dann die verba quiescentia und § 47. die verba 
geminantia SW; § 50 — 54. handelt von den Hauptwörtern, von den 
Hauptwörtern mit Suffixen, Präpositionen mit Suffixen,, von den übrigen 
Fürwörtern, vom Zahlwort; § 55. und 56. enthält Aufgaben; $ 57. und 
58. handelt vom Adjectiv , § 59. von den Adverbien , $ 60. von den 
Binde- und Empfindungswörtern, Die Uebung zu § 60. enthält Bei- 
spiele zu § 59. und 60. und über gleichlautende Wörter. $ 55. und ÖO. 
enthalten zugleich Uebungen im Lesen des Unpunktirten. S. 61 — 76» 
enthalten das ebräisch- deutsche und das deutsch -ebräische Wortregister. 
— .Die Methode ist im Allgemeinen die Seidenstucker'sche, nur das» der 



320 Bibliographische Berichte and Miscellen, 

Verf. S 12. die Uebersetzungsubungen gleich mit vollständigen Sätzen 
beginnt , in denen die Uebersetznng der Haupt- and Fürwörter beige- 
fügt ist, so das« der Schaler nur die Zeitworter in dem Wörterverzetch* 
niss nachzuschlagen hat. Die Sätze sind theüs ans dem A. Testamente 
entlehnt oder alttestamentlichen Aussprüchen nachgebildet« Die deut- 
schen Aufgaben schliessen sich in der Regel genau an die hebräischen ia 
Bezug auf den Inhalt an, auch ist die deutsche Ausdrucksweise der 
hebräischen theilweise angepasst. Der Verf. gfebt auch einen hebräi- 
schen und einen deutschen Brief zum Uebersetzen. Ueber das Zuviel 
oder Zuwenig des grammatischen Stoffes ist mit dem Verf. nicht zu 
rechten ; für die ersten Anfanger enthält das Buch im Allgemeinen genug, 
bei einzelnen §§ mochte der eine vielleicht etwas mehr, der andre etwas 
weniger Ausführlichkeit wünschen. Im Einzelnen hat Ref. zu bemerken, 
dass der Verf. bald Praeteritum, Futurum, Infinitiv, Imperativ und Par- 
ticip, bald aber Vergangen, Zukünftig, Mittelwort, Wort an sieh, Be- 
fehlsweise sagt, dass die deutsche Art der Interpunction (von der hebräi- 
schen ist nicht die Rede) stattfindet, dass von Metheg und Makkiph die 
Rede ist, diese aber gar nicht angewendet sind, dass das Dagesch öftör 
ausgelassen ist. Leider sind weit mehr Drackfehler stehen geblieben, 
als man in einem Schulbuche erwarten sollte; auch findet sich kein Ver- 
zeichnis» derselben dem Buche angehängt, *fe5."i S. 29., keinen Dagesch 
8. 30., Wa-r*.! S. 32., nV Inf. Cal S. 33., nfrpart. Cal S. 41., naorj 
S. 45., 1^40 Inf. Pyal S. 36., lf«M^ 8. 47. gehören wohl auch zu den 
Druckfehlern. Aufgefallen ist Ref.SöttJö 8.21. als Part. pass. Hiph. 
und Iffl&fn S. 22. als Part. Hoph., nhxo als Part. pass. Hiph. und nS^n 
als Part. Hoph. S. 42., 30*8 ahrPart* pass. Hiph. , 30*n als Part. Hoph.. 
8. 45. , und S. 33. : er wird vor seiner Zeit eingetban zn seinen Vätern. 
Die Wahl und Qlethode und die Anordnung des Buches weist wohl darauf 
hin , dass der Verf. sein Buch nur für israelitische Schulen bestimmt hat, 
in denen es gewiss auch nicht ohne Nutzen wird gebraucht werden können. 

[W. Buddeberg.] 

Paränesen für studirende Jünglinge auf deutschen 
Gymnasien u^nd Universitäten. Gesammelt und mit Anmerkun- 
gen begleitet von Friedrich Traugott Friedemann, der Theol. • 
und Philo«. Doctor , Herzogt. Nass. Oberschulrath und Director des Cen- 
tral - Staats - Archivs zu Idstein, correspond. Mitglied der Landesregie- 
rung für das höhere Unterrichts wesen , Ritter des K. Niederländischen 
Lowenordens. Sechster Band. [Brannschweig, Mayer sen. 1841. 8. 
1 Thlr. 20 Gr.] Es sind jetzt fünfzehn Jahre verflossen, seitdem ich 
zum ersten Male aufgefordert war, über den ersten Band der Paränesen 
zu sprechen *). Jetzt habe ich dieselbe Veranlassung für den sechsten 
Band erhalten , der zugleich der letzte der ganzen Sammlung sein wird, 
und komme derselben gern nach, weil es sich um ein gutes Buch handelt. 
Wer in der angegebenen Reihe von Jahren die schriftstellerische Wirk- 
samkeit des Hrn. Friedemann mit prüfender Aufmerksamkeit verfolgt 



*) In der Jen. Allgem. Lit. Zeitung 1827 Nr. 232. 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 821 

hat, kann nicht anders sagen, als das? sie eine unermüdliche, den edel- 
sten Interessen der Menschheit nnd der deutschen Jngend gewidmete 
Thätigkeit gewesen sei. Wie ihn Beruf nnd eigne Neigung zur altdas- 
sischen Philologie gefuhrt hatten, so ist auch selbst nach seinem Aus- 
scheiden aus d>m praktischen Schulleben seine ausseramtliche Thätigkeit 
dieser Wissenschaft geweiht gewesen , in der er mit dem vollsten Rechte 
das Hauptelement der Humanitätsbildung erkannt hat , Welche der Jung- 
ling aus den Gymnasien für die ideale Seite des Lebens mitnehmen soll, 
wenn er nicht in Gemeinheit versinken will. Einem solchen Elemente 
aber sind in den letzten zehn Jahren andre Elemente störend , ja feindlich 
in den Weg getreten , die Errichtung von Real - und höhern Bürger- 
Schulen, die Angriffe zelotischer Theologen, die Verdächtigung der elas- 
tischen Studien, vor allen Dingen der Materialismus der Zeit und die 
Unwissenheit Vieler in der Sache des classischen Unterrichts. Denn 
unsre Zeit gleicht einem Menschen, der sich übel befindet, ohne bestimmt 
zu wissen, warum oder wie, und deshalb bald diese bald jene ärztliche 
Hülfe sucht. Man glaubt wahrzunehmen , dass fast nichts so ist , wie es 
sein sollte oder konnte , und deshalb schreit man von allen Seiten nach 
Verbesserungen, um den Fortschritt zu befordern, und will alles Alte 
auf die Seite werfen. In einer so bedenklichen Zeit ist Hr. Friedemann 
ein treuer Anwalt der philologischen Studien geworden, aber nicht einer, 
der streng und starr am Buchstaben früherer Gesetze und Verordnungen 
hängt, sondern ein solcher, der besonnen und gewandt stuf dem festen 
Boden seines guten Rechts steht und den Einfluss der Gegenwart auf 
seinen Clienten nicht verkennt. So hat er die Sache desselben in 
den sechs Bänden seiner Paränesen gefuhrt, hat die Stimmen der aus- 
gezeichnetsten Philologen, Geschäftsmänner, Theologen, Philosophen, 
Schulmänner und Rechtsgelehrten hier in einen Sprechsaal vereinigt, 
damit die gegenwärtige Generation an solchen Aussprüchen und Abhand- 
lungen lernen sollte, wie die edelsten Geister des Jahrhunderts die alt- 
classischen Studien ansehen, wie sie festhalten an dem, was die Erfah- 
rung von Jahrhunderten gutgeheissen hat, und wie sie keinen hohem 
Zweck kennen , als dass die Gegenwart mit diesen grossartigen Erinne- 
rungen befruchtet werde. Denn die Erinnerung, sagt Tegnär *), wohnt 
in der Vorzeit, aber die Theilnahme in der Gegenwart. 

Werfen wir nun einen Blick auf den Inhalt der ersten fünf Bände, 
so wird jeder Unparteiische zugeben müssen , dass die wichtigsten Fra- 
gen , welche im wissenschaftlichen Leben und auf dem Gebiete allgemei- 
ner Geistescultur jetzt besprochen zu werden pflegen , erörtert und in 
ihrem Verhältnis« zur Philologie berücksichtigt worden sind. Von politi- 
schen Dingen , von constitntionellen Fragen und monarchischen Grund- 
sätzen und andern ähnlichen Gegenständen ist freilich mit Ausnahme der 
verständigen Worte Tittmanris (Bd. III. S. 130 f.) nirgends die Rede. 
Und das auch mit Recht. Dergleichen Erörterungen, die ohnehin schon 
durch die leidige Zeitungsleser ei der Jugend weit näher gebracht werden, 



*) In den sechs Schulreden S. 32. 
y, Jahrb. f, PhiL «. Päd. od. KrÜ. DibL Bd. XL. Hfl. 3. 21 



322 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

als es derselben erspriesslich sein kann, gehören nicht auf die Schale 
und können auf der Universität nur bei einer tüchtigen historischen 
Unterlage gedeihen. „Ich will nicht gern, hat der ehrwürdige Arndt 
gesagt , dass meine Jünglinge Politiker sein sollen" *). Und obgleich 
die mächtige Einwirkung der Naturwissenschaften auf das Jahrhundert 
in mehreren Aufsätzen von Goethe, Dilthey und Dresch durchaus nicht 
verkannt ist, so haben doch die feurigsten Anempfehlungen der Eisen- 
bahnen, Dampfmaschinen oder ahnlicher Lieblingsmaterien in der Conver- 
sation der Gegenwart in den Paranesen für studirende Junglinge keinen 
PlaU finden können« Denn sie sorgen und wirken doch nur für den Leib 
und bezwecken nur den Gewinn. Aber men» agUat molem, der Geist 
soll Lenker und Herrscher sein, nicht Knecht noch Nachzügler. Sehen 
wir ans dagegen auf andern Gebieten menschlichen Wissens um, so fin- 
den wir aber die classische Bildung und die Methode classischer Studien 
die gehaltvollen Abhandlungen von F. A. Wolf, Fr. Jacobs, Thiertch, 
Fr. Roth, Niebuhr, Bockh, Rekberg, Herder, Heyne, Sir Hob. Peel, 
-Goethe, Hegel, Humboldt, Tegne'r, G.Hermann, FrUztehe, Bernhardy 
und Andern, über Latinita t insbesondere von Docen, Creuzer, Hand und 
BotHger, über Gracitat von Böckh, Bernhard^ K. F. Weber und Tegner, 
wo "überall, sowie auch an den folgenden Rubriken, Ei. Friedemann 
reiche, literarische Zusätze als Beitrage aus der eignen Schulmanns- 
«rfahrung beigesteuert hat. Ueber die Verbindung der deutschen Mut» 



*) In den Fragmenten über Menschenbildunf Th. II. S. 201. Wir 
wollen die ganze Stelle hersetzen: „Ich will nicht gern, dass meine 
Junglinge Politiker sein sollen, zufrieden, dass sie die höchsten Begriffe 
von menschlicher Kraft, cosmischer und politischer Grosse, vom poeti- 
schen und heroischen Leben mit allem Schönsten und Grösstea des Alter- 
thnms empfangen. Sie sollen die Bluthe noch nicht verlieren, die Wahr- 
heit der Dichtung und der Mythus soll ihnen noch das Höchste bleiben. 
Wer politisch wird, nimmt eine gewisse Farbe, wie ein Fafke, der auf. 
den Raub schiesst, und bindet sich irdisch an die Erde fest, um so un- 
seliger, je weniger ihn das Leben noch bindet. Was soll aus dem Jüng- 
linge werden, dessen Leben noch nirgends eingreift und der seinen Geist 
fesselt, ehe es der Leib noch ist? Ich sage daher grade aus: alle poli- 
tischen Erziehungen taugen nichts und machen halbe Barbaren". Ueber 
diese, Frage, inwiefern die Schule die Erscheinungen und Verhaltnisse 
berücksichtigen könne, schrieb A. Wiwowa eine lehrreiche Abhandlung 
im Programme des Leobschutzer Gymnasiums vom J. 1834« Eine von 
FriUche, damals in Grimma, am 4. September 1832 über diesen Gegen- 
stand gehaltene und auch^ gedruckte Rede haben wir nicht gelesen. 
Wetsenberg dagegen will in seiner Schrift „über Elementarbildung" 
(Constanz 1835.) zeigen, wie die. Volksschulen auf Belebung des con- 
stitutionellen Sinnes einwirken können. Die Englander werfen es zwar 
(s. Raumer's Briefe aus England I. 76 f.) den Deutschen vor, dass sie 
keine politische Erziehung hatten. Aber dafür kommen auch bei uns 
keine solchen Falle vor, wie im April 1837 in der Etonschule, wo der 
Director Dr. Hawtrey seinen Schulern zur Erinnerung an die Wahl 
eines conservativen Parlaments -Mitgliedes ein Pensam schenkte. Ailgem. 
Zelt 1837 Nr. 124. 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 323 

tersprache mit den alten Sprachen lesen wir Stellen yon W. v. Humboldt, 
Schüler, Thkrsch, Hieeke, Spalding und HerUng, aber das Stadium der 
alten Sprachen als Vorbereitung cor Philosophie von Creuzer, über Hei- 
denthum und Christenthum , aber geistige und sittliche Bildung erfreuen 
die Leser längere Abschnitte aus den Schriften Manso's, Fr. Jacobs*, 
Solger*s, Tzschirner's, Reinhard'*, Schleier macher's, Cousin'» und andrer 
wackern Männer. Die europäischen Verhältnisse der deutschen Literatur 
haben Goethe und A. W. v. Schleget besprochen, über Classicismus und 
Romanticismua hat der Herausgeber längere Abschnitte aus den Büchern 
Bout erweck' 8 , Ancfflon's, Solger* s, Jean Paul' 8 und Goethe' 8 mitgetheilt» 
des letzten Verhältniss zu griechischer Bildung ist durch Auszüge aus 
Schriften von Jbuntzer, Hinrichs, Reck und Begehe der Jugend erläutert 
worden. Ueber Universalgeschichte ist Schillert vortreffliche Rede, 
über Cicero's Philosophie ein Aufsatz von Herbart ausgewählt worden« 
Sonst sind die Angelegenheiten der Gymnasien nach Disciplin, Interpre- 
tationsmethode der Classiker, Prlvatfieiss , Studienplan und andern Ru- 
briken in Stellen aus Greveru»\ W. E. Weber' s , TMerscKens , Baum» 
garten-Crusius', Niemeuer*s, F. .A. Wotfs, Ä. MatlhioTs, Fr. Jacobe* 
und Deinhardfs Büchern behandelt worden, wo wiederum Hr. Friedv- 
mann ergänzend, vermittelnd und beweisend eingetreten ist. Die ver- 
schiedenen Lebensfragen auf deutschen Universitäten, als über die Be- 
stimmung des Gelehrten und den Nutzen der Wissenschaften für den 
Staat, über die Methode des akademischen Studiums und über akademi- 
sche Freiheit, über Duelle, über staatsverderbliche Richtungen und ge- 
heime Verbindungen, über encyclopädische Studien, sind in Auszügen aus 
den Schriften berühmter akademischer Lehrer, eines Fichte, Scheüing, 
Geliert, Garve, Steffens, Rosenkranz, Tktmann, Thilo, beleuchtet 
worden« Im vierten Bande finden wir die von Welcher verfasste Anwei- 
sung für die Mitglieder der philosophischen Facultät zu Bonn. Ebenso 
ist auch , um die verschiedenen Richtungen der Zeit theils lobend theils 
tadelnd zu bezeichnen , Hase^s Votum über das junge Deutschland auf- 
genommen, Fiatner' 8 Rede „Caricaturen der Idee" und Döderlein's Pro- 
gramm über Misologie, Präcocität und Plebejität. Es wird aus diesen 
Anführungen ersichtlich sein , welch ein reiches Material nützlicher Le- 
bensbetrachtungen und Erfahrungen in den Stimmen der ersten Geister 
unsrer Zeit der Jugend dargeboten ist. Dass dieser die Gelegenheit ge- 
geben ward, sich solcher Aussprüche zu bedienen, erachten wir als eine 
wesentliche Forderung des wissenschaftlichen Lebens, während der Gang 
des gewöhnlichen Lebens nur zu oft die Gemeinschaft mit dem Leersten 
und Schwächsten aufzwingt. Und so betrachten wir es auch als ein 
gutes Zeichen für das Streben nach dem Hohem, dass nach zehn Jahren 
die zweite , reicher ausgestattete Ausgabe des ersten Bandes nothwendig ' 
geworden ist, und finden die verdiente Belohnung der gemeinnützigen 
Bestrebungen des Hrn. Dr. Friedemann in dem Beschlüsse des konigl. 
preussischen Ministers der geistlichen und Unterrichts - Angelegenheiten, 
Hrn. Eichhorn, eine Anzahl vollständiger Exemplare der Paränesen zur 

21* 



324 Bibliographische Berichte und Mitteilen. 

Vertbeilung an Rohere Lehranstalten ankaufen zu lassen *)• Möge auch 
dies dem Buche viele Freunde und Leser verschaffen ! 

Der sechste Band schliesst sich nun würdig, an die frühem Bande 
an« Er wird eröffnet mit mehreren Abhandlungen über den heutigen 
Begriff der altclassischen Philologie, zuerst von Ottfried Mütter, dann 
von «Ali« Mützelly von K. Mühauser, von zwei ungenannten, aber sach- 
kundigen Männern, aus dem Brockhausischen Converaationslexikon der 
neuesten Zeit und Literatur und aus dem ConversaUondexikon der Gegen- 
wart, und suletst von L. W. E. Mager, Alle diese Aufsatze, in denen 
verschiedene Ansichten repräsentirt sind, schliessen sich an die ver- 
wandten im ersten Bande an und verdienen auch ihrer äussern Form nach 
alles Lob , nur will uns die oft spielende Schreibart des Hrn. Mager, 
der, ohne sich über seine philologische Tüchtigkeit irgendwie, als etwa 
durch seine Schrift über die deutsche Bürgerschule **), ausgewiesen zu 
haben, hier in so ehren werther Gesellschaft erscheint, nicht recht ge- 
fallen. So gleich der Anfang seines Aufsatzes, den Hr. Friedemann aus 
der „Pädagogischen Revue" ***) entlehnt hat: „Die Philologie hat, wie 
es scheint, die Natur eines sideratus Proteus, wenigstens scheint die 
ausserordentliche Fülle von Namen, womit man seit Jahrhunderten den- 
jenigen Theil der Philologie, den Wolf Altertumswissenschaft nennt, 
belegt hat, auf eine solche Aalsnatur hinzudeuten." % Der Herausgeber 
hat an mehreren Stellen literarische Zusätze gegeben und auf S. 2. ver- 
schiedene Darstellungen der neuesten Zeit über Begriff, Wesen und 
Werth der altclassischen Philologie nachgewiesen« Zu diesen gehören 
etwa noch die geistreichen Skizzen K. Fr. Hermann'* in der Zeitschrift 
für Alterihumswissenschqft vom J. 1835 Nr. 26. 27. 1836 Nr. 126. und 
Bernhardts in der Allgem. IM. Zeitung 1810 Nr. 85., die Vorrede O, 
Hermann 1 * zu einer von J, C. A. Claras gehaltenen akademischen Rede 
(Leipzig 1839.) und die warme Empfehlung der lateinischen Literatur in 
des Grafen Folchmo Schizzi Schrift: Sülle principali opere di Mario Gi- 
rolamo Vida e sutta utüitä in generale deüo studio della Ungua latina 
(Mailand 1841.). Auch dürften wohl bei einer andern Gelegenheit die 
beredten Worte drei deutscher Gelehrten, die weder Philologen vom 
Fach noch Schulmänner sind , diesen Paränesen eingereiht werden , näm- 
lich des verdienten Staatslehrers Chr. Joe. Kraus in Hagen' s Schrift von 
der Staatslehre (Königsberg 1839.) S. 413 ff., Varnhagen von Ense's in 
seinen Denkwürdigkeiten und Fermisehten Schriften Tb. II. S. 360 f. der 
ersten Ausgabe und Friedrich von Baumerts in den Briefen aus England 



*) Es ist vielleicht nicht überflüssig zu erinnern, dass Bd. 1. 1 Thlr.' 
12 Gr. kostet, Bd. 2. (1833.) 1 Thlr. 4 Gri, Bd. 3. (1836.) 1 Thlr. 
4 Gr., Bd. 4. in 2 Abtheilungen (1839.) 2 Thlr. 6 Gr., Bd. 5. (1840.) 
1 Thlr. 12 Gr. 

**) Gegen die doch sehr beachtungswerthe Ausstellungen in den 
Blättern f. hter. Unterhaltung 1841 Nr. 52 — 55. gemacht sind. 

***) Hr. Mager ist, soviel wir wissen, ein Deutscher. Wozu denn 
dieser französtrende Titel einer Zeitschrift, die doch vorzugsweise für 
deutsche Leser bestimmt ist? 



Bibliographische Berichte and Miscellen. 325 

Th. II. 8. 289. 290. Bei dem letztern ist es nur zu bedaaern , dass 
selbst der längere Aufenthalt in England ihn nicht hat von seiner Animo- 
sität gegen die lateinischen Schreib- und Sprechübungen heilen können, 
die nicht blos hier (S. 288.) sich ausspricht, sondern auch aus der zur 
Eröffnung des wissenschaftlichen Vereins in Berlin am 3. Januar 1843 
gehaltenen Rede hervorblickt. — II. Das Wesen der deutsehen Uni- 
versitäten, in zwei reichhaltigen Auszügen aus Schleiermaeher's und Stef- 
fens* Schriften* Zur künftigen Benutzung erinnern wir noch an den treff- 
lichen Aufsatz Savigmfs über Wesen und Werth der deutsehen Univerr 
sitäten in Ranke's Histor. poliU Zeitschrift (1832.) IV. 8. 569—592. mit 
Joe. Grimm' 8 gediegenen Bemerkungen in den Göttmg. gel. Anzeigen 
1833 Nr. 34. 35. und v bei einer andern Gelegenheit ebendas. Nr. 12., 
ferner an Cousin' s bekanntes Werk Th. I. S. 173 — 180. Uebers. und an 
van Heusdds Briefe über das Wesen und die Tendenz des höhern Unter- 
richts S. 146 ff. — III. Anreden an die studirende Jugend Frankreichs 
(in's Deutsche übersetzt) von Cousin, Marc- Gir ardin und Salvandy. Eine 
sehr gute Wahl, um die Verkehrtheit der französischen Preisverteilun- 
gen in höhern Lehranstalten zu zeigen , deren eitles Schaugepränge auch 
in den eine Zeitlang französisch gewesenen deutschen Provinzen am 
Rhein niemals hat rechten Anklang finden wollen. In den Reden aber 
haben alle drei Verfasser sich auf das Redlichste bemüht, der schädlichen 
Ceremonie eine ernstere Seite abzugewinnen und schlechten Einflüssen 
vorzubeugen. — IV* Ueber die Natur der menschlichen Sprache über- 
häuft und über den Charakter der verschiedenen Sprachen insbesondere, 
von WÜh. von Humboldt , aus dem ersten Bande des berühmten Werkes 
über die Kawi- Sprache. Wenn man weiss, wie selten dies Werk ist 
und wie Viele vergeblich darnach trachten , es zu lesen und zu studiren, 
so erscheint es schon als etwas sehr Verdienstliches, das Allgemeinste 
und Verständlichste für den nächsten Zweck der Paränesen aus demsel- 
ben ausgewählt zu haben. — V. Ueber Theorie und Praxis, von Solger 
(aus dessen nachgelassenen Schriften) und von Savigny (aus der Vorrede 
zum ersten Bande des Systems des heutigen römischen Rechts). Das 
letztere Stück Besonders ist in mehr als einer Hinsicht lesenswerth , auch 
durch die klare, elegante Schreibart,, so dass es recht passend die Schü- 
ler auf den Gymnasien zur Verehrung des berühmten Mannes führt, zu 
dessen Füssen diejenigen unter ihnen, welche sich dereinst der Jurispru- 
denz widmen, jetzt zwar nicht mehr sitzen können, den sie aber doch 
als einen der berühmtesten Rechtsgelehrten und als eine Zierde des deut- 
schen Vaterlandes für immer betrachten werden. Hat doch erst kürzlich 
ein Franzose, Eduard Laboulage, in einem eignen Schriftchen (Essai 
sur la vie et sur les doctrins de Fr. Ch. de Savigny. Paris 1842.) mit 
grosser Begeisterung Savigny's Verdienst gerühmt. Diese Erscheinung 
ist um so erfreulicher, je bitterer und ungerechter seit dem Jahre 1838 
die Angriffe auf Hrn. von Savigny und seine Freunde in den Deutschen 
Jahrbüchern gewesen sind. — VI. Die Lüge im wissenschaftlichen und 
im Künstlerleben von Heinroth (aus dessen Buche über die Lüge), mit 
besonderer Berücksichtigung der Aeusserungen ScMUer's, Humboldts, 



326 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

AncÜlorCB und Niebuhrs im fünften Bande der Paranes eo. — VII. üeber 
das Studium der Naturwissenschaften in Gymnasien, von Düthey* Der 
Abdruck dieser geistreichen*, im J. 1810 gehaltenen Rede (sie ist hier 
Ton Hrn. DUthey mit mehreren Zusätzen bereichert) zeigt zur Gnuge, 
wie wenig abhold der Heraasgeber dem Stadium der Naturwissenschaften 
auf Gymnasien ist. Nur übergreifen sollen sie nicht in andre Disciplinen 
und verdrängen , was ihre Vertheidiger nicht recht kennen oder mit Vor-, 
artheil betrachten. — VITf. Ueber HegeYs Eimtheüung der Naturwissen- 
schaften von Rosenkranz (ans dessen Kritischen Erläuterungen des Hegel- 
sehen Systems) und XI. Einleitung in die Philosophie der Geschichte von 
Hegel. Dass auch Aaszuge des berühmtesten Philosophen unsrer Zeit in 
diesem Bande nicht fehlen, zeugt von Hrn. Friedemann's anparteiischer 
Denkungsart. Hegel's Ansichten sind in die Theologie, Jurisprudenz, 
Aesthetik and Geschichte za tief eingedrungen, als dass sie ignorirt wer- 
den können« Von den beiden hier gegebenen Stucken ist für jüngere 
Leser namentlich das zweite passend , weil es aus einer der populärsten 
Schriften Hegel's entlehnt ist, die tiefsten Kenntnisse und ausgebreitet- 
sten Forschungen zeigt and in stilistischer Beziehung alle Empfehlung 
verdient. — IX. Die Lebenskraft oder der Rhodische Genius, von Alex, 
von Humboldt (ans dessen Ansichten der Natur). Wenige, aber sehr 
eindringliche Worte eines Mannes , dessen europaischen Rahm der deut- 
sche Jungling ahnen muss, ehe er ihn ganz zu begreifen versteht. — 
X. üeber den Einfluss der classischen Alterthumsstudien auf deutsehe 
Nationaüiteratur , besonders im achtzehnten Jahrhunderte durch Chr. G. 
Heyne in Göttingen. Von R. E. Prutz (Bruchstücke ans dessen Schrift: 
Der Gottinger Dichterbund). Dazu bemerkt der Herausgeber: „Je mehr 
in neuester Zeit die Kritik und die Production der lebenden jungern Phi- 
losophen , Dichter und Historiker nicht blos die Fahne der Unabhängig- 
keit von altclassischen Traditionen aufzustecken pflegt, sondern sogar 
eine offene und tief in's Praktische eingehende Reaction , besonders auch 
für das höhere Unterrichtswesen, beabsichtigt und durchfuhren will, um 
so mehr Anerkennung verdient es, wenn Einzelne der Genannten ihre auf 
dem Wege besonnener Forschung gewonnenen abweichenden Urtheile 
ohne Bedenken aussprechen , von der Macht der Wahrheit überwältigt. 
Wenn dabei manche Klagen über pedantische Verkehrtheiten erscheinen, 
die der Philologie oder vielmehr den Philologen mit grnsserm oder gerin- 
gerem Rechte tadelnd beigelegt werden, so trifft ein solcher Vorwurf 
selten die Herren der Wissenschaften und ihre wahren Nachfolger , son- 
dern immer nur falsche und schwache Junger. Vgl. Paranesen Bd. 1. 
S. 348 ff. Bd. 6. S. 18 f. und Beitrage zur Verfass. der Gymnas. H. 1. 
S. 188 ff." Zur weitern Erörterung dieser Satze fuhrt Hr. Friedemann 
aus , dass der altclassische Philölog sieb jetzt gegen die neuesten Bewe- 
gungen der Philosophie und Geschichte , die sein eigentümlichstes Ge- 
biet so tief berühren , nicht gleichgültig verhalten darf, sondern dass er 
ihre Ergebnisse entweder anerkennen oder wahrhaft wissenschaftlich 
widerlegen muss, da auch seine Wissenschaft, wie alle menschliche Wis- 
senschaft, in Philosophie und Geschichte wurzelt. Selbst Heyne, der 



Bibliographische Berichte and Miscelien. 

überall gegen die metaphysische Specnlation protestirt, habe, wiewohl 
nnbewusst und gleichsam wider Willen , in der Mitte der durch Philoso- 
phie und Geschichte hervorgerufenen Fortschritte gestanden (S. 316 f.). 
Wir finden in diesen Worten eine neue Bestätigung dessen, was wir im 
Anfange dieser Anzeige zur Charakterisirung der Bestrebungen unsers 
Hrn. Herausgebers gesagt haben; Von Heyne darf man übrigens nicht 
sagen, dass er sich der Geschichte jemals entzogen habe; was aber die 
Philosophie betrifft, so wird kein Verstandiger ihre Wichtigkeit im All- 
gemeinen für die Philologie, wie für jede Wissenschaft, leugnen wollen« 
Wenn Heyne sowie Winckelmann • sich durch dieselbe wenig berührt ge- 
funden haben , worüber Goethe ein merkwürdiges Wort (Sämmtl. Werke 
XXXVII. 52.) gesprochen hat, und wenn Niebuhr, der Zeitgenosse 'eines 
Fichte, Hege) und Schleiermacher, nach Lieber'» Erinnerungsbuche 
(S. 128.) alle Sorge trug, dass sich die Metaphysik nicht in seine histo- 
rischen Studien mische, so entstand eine solche Abneigung wohl mehr 
aus der Furcht, die ihnen so heiligen Wissenschaften der Geschichte und 
Philologie durch die Angriffe Unkundiger und den Missbrauch der Specn- 
lation beunruhigt und entweiht zu sehen , als aus Hass gegen alle Philo- 
sophie *). Niebuhr hat freilich dafür bei 'Hegel keine Anerkennung ge- 
funden , und die Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte tragen 
die deutlichsten Spuren dieser Abneigung: m. s. S.292. 294. 311. 312. 

Mögen nun auch die Ansichten über den Einfluss der neuern Philo- 
sophie auf die philologischen Studien und über das Zuviel und über das 
Zuwenig in Anwendung der erstem noch auf längere Zeit hin verschieden 
bleiben , so erscheint doch die Aufnahme des längern Abschnitts aus dem 
wohlgearbeiteten Buche des Hrn. Prutz als eine sehr gluckliche Wahl. 
Denn dadurch erhält unsre vaterländische Literatur in einer ihrer bedeu- 
tendsten Perioden die gebührende Berücksichtigung auch in diesem Bande 
der Paraiiesen, wie in dem vorhergehenden fünften Bande, und tritt in 
zweckmässige Vereinigung mit dem Studium der alten Literatur. Mag 
eine solche Vereinigung, wie ein jedes System .der Vermittlung und der 
rechten Mitte, sich noch nicht des Beifalls der extremen Parteien zu 
erfreuen haben, so bleibt sie doch bei allen scheinbaren Widerstrebungen 
das letzte und unverrückbare Ziel für die Bildung des deutschen Volks, 
ja man wird sein Vaterland um so mehr lieben , je mehr man die classi- 
schen Studien ehrt. Sie sind, wie es von Grimm am 24. Februar 1843 
in einer denkwürdigen Rede an die Berliner Studirenden laut ausgespro- 
chen worden ist,' „die Grundlagen unsrer (d. h. auch der deutseben) Bil- 
dung; sie zeigen uns immer das einfach Menschliche; zu ihnen kehren 
wir immer wieder, wenn wir uns an dem reinen Schönen erfreuen wollen. 
Die classischen Studien können nie verdrängt, ihr Werth soll nicht Ter- 
ringert werden. Das Studium des deutschen Alterthums will sie auch 
nicht verdrängen; es will nur eintreten in das Recht, das ihm gebührt, 



*) Man vgl. JT. Fr. Hermann: „ßin Wort über das Verbaltniss der 
neuern speculativen Philosophie zur classischen Alterthumswissenschaft." 
Heidelberg 1829. 



398 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

und den Platz wieder gewinnen , ans dem es vertrieben ist". Und da« 
ist eine lange Zeit hindurch bei • uns in Deutschland durch ganz andre 
ungünstige Erscheinungen und Verhältnisse geschehen, als durch die clas* 
sischen Studien« Denn Manner, wie Leibnitz, Winckelmann , Lessing 
und Herder, wurden die classischen Studien niemals so hoch und werth 
gehalten haben, wenn sie von ihnen eine Beeinträchtigung der nationeilen 
Interessen gefurchtet hatten. [K. G. Jacob.] 

Sententiae M. Terentii Farronia maiori ex parte in*- 
editas ex codice ms* Bibliotheeae Seminom Patavini edidit et commen- 
tario ülustravit Dr. Vincentius Devit, Academiae Lipsiensis Socius 
atque in Seroinario Patavino Professor. Aceedunt tdia Farronis ekudem 
fragmenta et duo M. Tullü Ckeronia, nondum inter ea, quae vulgo 
eduntur , deeeripta et epecimen quoddam operia mordlia philosophiae Fene- 
rabilis HüdeberU, quod in eodem codice habetur, [Patavii typis Seminarii 
MDCCCXLIII. 100 S. 8.] Hr. Dr. Vincenz Devit zu Padua hat sich 
durch vorliegendes Schriftchen kein geringes Verdienst um die lateinische 
Literatur erworben, insofern er eine nicht unwichtige Sammlung von 
Denkspruchen des um die Literatur seines Volkes so hoch verdienten 
M. TerentiusVarro zum grossem Theile in dem vorliegenden Buche 
das erste Mal durch den Druck bekannt macht , zugleich aber auch so 
gelehrt und umsichtig sich über dieselbe ausspricht, dass man überall 
den unterrichteten und nur nach sorgfaltiger Prüfung urtheilenden , Ge- 
lehrten wiederfindet. Dazu hat der gelehrte Hr. Verf. ausser zahlreichen 
Fragmenten Varro 's aus griechischen wie lateinischen Schriftstellern, 
die bisher noch nicht gesammelt waren, auch noch zwei, wenn auch 
kleinere, doch gar nicht unwichtige Bruchstucke Cicero's S. 6. u. 81. 
nachgewiesen und in dem Probestucke aus des gelehrten .Erzbischofes 
von Tours, Hildebert, Werk über Moralphilosophie, welches 
Werk er in derselben Handschrift , welche die Sentenzen des Varro ent- 
hielt, weit vollständiger % fand, vortrefflich dargelegt, wie grosse Vor- 
züge jene Handschrift vor der Pariser Ausgabe jenes Werkes vom Jahre 
1708 voraus hat; was mit um so grossem Danke anzuerkennen ist, da 
dieses Werk einestheils zur Charakteristik des literarischen Treibens in 
jener Zeit nicht wenig beiträgt, anderntheils aber auch für die classische 
Philologie selbst wegen Zahlreicher Citate und Erinnerungen aus dem 
classischen Alterthume gar nicht unwichtig zu nennen ist. Es wird zur 
Begründung des über Hrn. Devit 's Leistung ausgesprochenen günstigen < 

Urtheils nur eines kurzen Berichtes über den specielleren Inhalt der vor- < 

Hegenden kleinen Schrift bedürfen. Nach einer kurzen, aber gut abge- 
fassten Dedication an den berühmten Joseph Furlanetto zu Padua 
(S. 3. u. 4.) belegt zuvorderst Hr. D. Varro' s tiefe Gelehrsamkeit und 
Sentenzenreichthum durch das doppelte Zeogniss des h. Augustinus 
und M. Tullius, Cicero mit folgender Stelle des Ersteren aus der 
Schrift De Civitate Bei 6, 2.: „Qaut M. Farrone curiosius ista quaesivit? 
quis invenit doethu? quis consideravit attentius? quia disünxü acutius? 
quia düigentkis pkmuaque conscripsit? gut, tometsi minus est suavia eloquio, 



Bibliographische Berichte und Miscelleo. 320 

doetrina tarnen aique sententiis üa refertus est, ut in omni erudkione, 
quam noe saeeularem, Uli autem liberalem vocant, studiosum rerum tan* 
tum wie doceatf quantum studiosum verborum Cicero deleetaU Denique 
et ipse Tuünu huic tale testimonium perhibet, ut in libria Aeodemicis dicot, 
com, quae ibi versatur , disputationem se habuisse cum M. Farrone, ho» 
mine, inquit, omniumfacile acutisaimo et, eine ulla dubi- 
tatione doctieaimo. Non aU eloquentiaaimo velfacundis- 
eimoj quoniam revera in hacfaeultate multum impar est, aed omnium, 
inquit, facile acutisaimo. Et in eis libria, id est Academicia , mW 
cuncta dubkanda esse contendit, addidit sine ulla dubitatione 
doctieaimo" , aus welchen Worten sich Cicero*» eignes Zeugnis« 
ergiebt, zugleich aber auch von Hrn. Devit ein Ciceronisches Fragment 
nachgewiesen wird, was bisher noch in keiner Fragmentsaromlung auf- 
genommen war. Hierauf wendet sich Hr. D. zu den verschiedenen bisher 
bekannten Sammlungen Varronischer Sentenzen selbst und bespricht S. 7« 
die Sammlung bei C. Barth in dessen Adveraariorum üb. XV. cap. 19., 
die nur achtzehn solcher Denkspruche enthalt, welche Barth in einer 
zwar nicht zu alten , aber doch wenigstens ein Jahr vor Erfindung der 
Buchdruckerkunst geschriebenen Handschrift gefunden zu haben behaup- 
tet; sodann geht er zu den Varronischen Sentenzen über, welche sich 
bei Vincentius Bello vacensis in dem Speculum historiale Hb. VIT. 
cap. 59. zusammengestellt und zerstreut in desselben Verfassers Speculum 
doctrinale finden (S. 8.) , und gelangt so zu der aus jenes Schriftstellers 
m "Werken zusammengestellten Schneider sehen Sammlung , hinter dessen 
Varro in den Scriptoribus Ret RusUcae Tom. I. Pars II. p. 241 fgg., 
welche schon bis zu 45 Denksprüchen angewachsen ist (S. 9.), Und 
nachdem er sodann noch die Jo. Conrad Or ellische Sammlung in 
dessen Poetarum veterum Latinorum carminibus sententiosis (Lips. 1822.) 
und in dem Supplementum dazu (Lips. 1824.) besprochen hat (S 10 — 
12.), wendet er sich zur nähern Beschreibung der Sammlung . Varroni- 
scher Denksprüche, welche in dem Cod. Biblioth. Semin. Patav. Nr. 101. 
(81 Blatter in Quart) enthalten ist (S. 12 — 15.)« Diese Handschrift ent- 
hält nämlich eine zweimal so starke Sammlung Ton Denksprüchen unter 
Varro' s Namen, wie die bisher bekannten, und zwar inmitten mehrerer 
andrer wichtigen alten Schriftwerke in folgender Ordnung: I. Isagoge 
ad moralem phüosophiam (vom Erzbischof Hildebert) S. l-r-45. 

II. Seneca de quatuor virtutibus (eine dem Seneca früher beigelegte 
Schrift, die auch in der Collectio Class. auet. Taurini 18S2. unter des 
Seneca's Excerpten Tom. IV. p. 425 sqq. herausgegeben worden ist). 

III. Ein eingeschobenes Blatt Ton andrer Hand („complectens indicem 
operis Albertani de Consolatione per Rubricas et quaedam Tersibus de- 
scripta de vitiis capitalibus eorumque prognatis"). IV. Excerpta ex epi- 
stolis Senecae ad Lucäium , nämlich Epist. I — LXXIII. , jedoch in einer 
andern Reihenfolge wie in den gewöhnlichen Ausgaben, S. 52 — 71« 
V. Proverbia Varronis ad Paxianum, S. 71 — 75. VI. Proverbia Sene- 
cae aeeundum alphabetum, S. 75. bis zu Ende« Es sind dies die be- 
kannten Denksprüche des Publius Syrus, mit einigen Beigaben aus 



890 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

Seneca. YIL Auf der Scblossseite die Angabe des Inhalts der Hand- 
schrift selbst. Ausserdem benotete Hr. D., wie er S. 16. berichtet, noch 
eine Sammlung von sechzehn Varronischen Denksprüchen ans einer andern 
Papier-Handschrift derselben Bibliothek (Cod. Ms. Biblioth. Semift. Pa- 
tav. Nr. 126.), die zwar keine neuen Sentenzen enthalt, jedoch in kriti- 
scher Hinsiebt nach des Hrn. Verf. Bemerkung sieb nicht unbrauchbar 
erweist. Er nennt diese Handschrift Cod. II. Ferner erhielt Hr. D. 
von dem Edlen Joseph Riva zu Vicenza noch eine dritte Handschrift, 
die unter einigen andern Sentenzen des Varro einen Denkspruch enthalt, 
welcher sich in der grossem Sammlung Cod. I. nicht findet. Er nennt 
diese Handschrift Cod. III. Nachdem Hr. D. sodann noch S. 18 — 22« 
die Inschrift dieser Sentenzen in den verschiedenen Handschriften be- 
sprochen und in Bezug auf den Beisatz ad Paxianum im Cod. I. es un- 
gewiss gelassen hat, ob man dafür ad P. Axianum, da ein Af. Axianus 
bei Cic od Atüc. XV, 29. erwähnt werde, ein Q. Axius aber als Freund 
des Varro selbst De re rustica IIb. III. cap. 2. erscheine, welcher Name 
vielleicht wegen einer Adoption zn der Umwandlung Axianus Veranlas- 
sung habe geben können , zu schreiben oder ad Paxianum beizubehalten 
habe , giebt er S. 22 — 41. zuvorderst die Sammlung des Cod. I. mit den 
sammtlichen Varianten aus den übrigen Handschriften und sonstigen Cita- 
ten und mit Namhaftmachung der Sentenzen, welche schon bei Schnei- 
der und Barth sich finden. Es sind dies 157 an der Zahl. Hierauf 
folgt S. 42 — 44. ein Anhang Varronischer Sentenzen, welche sich in der 
grossem Sammlung des Cod. I. nicht finden, Nr. 158 — 165., also 8 an 
der Zahl. Sodahn lässt Hr. D. S. 45— 59. andre längere oder kürzere 
Bruchstucke aus Varro's Schriften folgen, welche in der Zweibruckner 
Ausgabe noch fehlen , und zwar zuvorderst aus lateinischen Schriftstel- 
lern, Nr. 166— 204., denen sich S. 69 — 79. Bruchstucke Varro's aus 
.griechischen Schriftstellern Nr. 205 — 228. anschliessen. Zu der erstem 
Classe werden dann S. 80. nachtraglich noch zwei Brachstucke Nr. 229. 
und 230. mitgetheilt. Dagegen steht S. 81. ein bisher noch unbeachtetes 
Fragment aus Vincentii Bellovacensis Spec. doctrin. 5, 12., wie folgt: 
„Tulhus in Dialogo ad Hortennum." 

„Nutta quidem virtus esse potest, nisi gratuita sit; nam quae volu- 
ptate quasi tnereede aUqua ad officium impetthur, non est virtus, sed 
faüax quaedam mutatio ac simulatio virtutis." 

Zuletzt giebt Hr. D. S. 82—94. aus Hildebert's Opus phüoso- 
phiae nwralis noch eine längere Probe nach der erstgenannten Handschrift 
der Bibliothek des Seminariums zu Padua, die eine baldige Bekanntma- 
chung des ganzen Werkes durch den Druck , welche der Hr. Verf. ver- 
heisst, höchst wünschenswerte erscheinen lässt. Den Schluss des Gan- 
zen bildet S. 95 — 100. ein Index in M. Terentü Varronis sentenüas et 
fragmenta. Wir freuen uns, einen so tüchtigen Philologen im echten 
deutschen Sinne in der Person. des Hrn. Prof. Dr. Devit zn Padua jenseits 
der Alpen zu besitzen , und hoffen , dem Hm. Verfasser bald wieder bei 
ahnlicher Gelegenheit zu begegnen. [Reinhold Klotz.] 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 331 

Einen grossen Beweis, wie deutscher Fleiss und deutsche Gründ- 
lichkeit immer mehr Anerkennung selbst in dem entferntesten Auslände 
findet, giebt die im September des vorigen Jahres zu Andover, einer 
Stadt in der Ländschaft Massachusetts in den vereinigten Staaten Ton 
Nordamerika, erschienene englische Uebersetzung von des herzogl. Nas- 
saQischen Oberscbalratbes Prof. Dr. Krebs vortrefflicher Anleitung zum 
Lateinischschreiben. Der Uebersetzer ist Hr. 8 am. H. Taylor, erster 
Professor der Philips r Akademie zu Andover. Die Dankbarkeit des- 
selben hat ein schönes Exemplar dieser Uebersetzung an den ehrwürdigen 
Verfasser des Werkes gelangen lasse» mit einer höchst schmeichelhaften 
und die hohen Verdienste des deutschen Gelehrten dankbarst anerkennen- 
den Zuschrift, in welcher sich derselbe auf das Urtbeil deutscher Jour- 
nale, namentlich sogar auf die NJbb. f. Philol. und Pädag. beruft, durch 
welche er, leider zu seinem Zwecke zu spät, von dem Erscheinen der 
neunten Auflage jener Schrift unterrichtet worden sei , während er selbst 
nur nach der achten Auflage arbeiten konnte. Da jene Uebersetzung 
noch ganz neu und wahrscheinlich noch nicht zur nähern Kenntnis« der 
meisten Leser dieser NJbb. gelangt ist, so theilen wir den vollständigen 
Titel mit: Guide for wrking laiin consisting of rules and examples for 
practice by John Philip Krebs , Doctor of Philosoph) and principal SchooL 
atreetor inthe Dutchy of Nassau* From the German by 8am. H. Taylor, 
Principal qf Philips Academtf. [Andover: Allen, Morril and Ward well. 
New York : M. H. Newman. 1843. 8.] Vorangeht prefaee to the Ame- 
rican edition [unterschrieben: Andover August 1843.], worin zuvorderst 
einige Lebensnachrichten von dem deutschen Verfasser mitgetheilt wer- 
den , die freilich einige Irrthumer enthalten. Woher sie Hr. Taylor habe, 
giebt er nicht an. Dann kommt der Uebersetzer in derselben auf das 
Buch selbst, auf dessen Plan und Bearbeitung, wobei er zum Theil die 
Vorrede von Krebs zu Grunde legt. Soweit wir es mit dem Krebs'schen 
verglichen haben, hat er nur da geändert, wo die englische Sprache mit 
der deutseben nicht übereinstimmt, worüber er sich auch in der Vorrede 
auslässt. Ausserdem hat er den Antibarbarus weggelassen , kennt jedoch 
auch die zweite grossere Ausgabe desselben, freilich noch nicht die dritte, 
welche ihm der verehrte Hr. Verf. , schon um der guten Sache selbst 
willen nicht gleichgültig gegen eine solche Auszeichnung, als urzideooov 
zu schicken gedenkt, mit der Aufmunterung, dass Hr. Taylor, da er 
auch von dieser Schrift sehr günstig urtheilt, dasselbe ebenfalls in s Eng- 
lische übersetzen möge. 

Doch auch das deutsche Vaterland ist bei dieser Auszeichnung des 
hochverehrten deutschen Gelehrten nicht gleichgültig geblieben. Denn 
ausserdem, dass das würdige Schulcollegium zu Weilburg demselben 
freudig bei dieser Veranlassung Glück wünschte, so erhielt der greise 
Verfasser schon den Tag naeh Empfang des amerikanischen Briefes von 
einem Lehrer an einem Institute zu Weilburg, E. C. Francke, eki 
gedrucktes grosses Blatt des Inhalts : Ftro amplissimo , doctissimo Ioanni 
PhtUppo Krebsio Duc Nass. a consü. summ, senatus tchoh, cum etu« über 



882 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

Grimm«, qui est de via ac raüone Juane scribendi, Andoverae m Britan- 
nieum esset translaius* 

Fix suavis redüt natu* TIBI solis ad ortus, 

Perlustrare avidus pectore digna suo f 
Hesperias TU navigio celeri petis oras ; 

Orbem terrarum nomina FESTR/i tenent. 
Made TÜA virtute, probt fama ivit ad astra, . 
Cordibus in nostris est TIBI fidus amor. 
Weilburgi Gratulationem ex animo facto 

A. A. XIV. CW. lan. MDCCCXLIV. fij. C. PRANCKE. 

Zum Verständnisse der ersten zwei dieser Verse entnehmen wir aus 
einer Mittheilung des Hrn. K. vom 22. December des vorigen Jahres Fol- 
gendes: „Mein jüngster Sohn ist Doctor in holländischen Diensten auf 
Java. Im Jahre 1841 — 42 im October war er anf Urlaub bei uns und 
reiste im November wieder zurück. Auf Befehl des holländ. Colon. - De- 
partements bereit er jetzt Java und sucht die herrlichen Mineralquellen 
auf und untersucht sie« Auch ist er Willens, die vielen noch unbeschrie- 
benen Alterthumer der Insel zu untersuchen und zu beschreiben. Erst 
im October h. a. erhielt ich Nachricht von seiner glücklichen Ankunft. 
. Er hat eine sehr gefahrvolle Reise gemacht im Kampfe mit den damaligen 
Stürmen." 

Möge der Höchste noch recht lange das Leben des ehrwürdigen 
Greises schirmen! 

Zugleich notiren wir folgende Weilburger Schulprogramme, die 
unsres Wissens noch nicht in diesen NJbb. aufgeführt worden sind : An- 
kündigung der am 16. September 1840 zu haltenden dreihundertjährigen 
Säcularfeier des herzogt. Nassauischen Landes -Gymnasiums zu Weilburg* 
Von Dr. tFüh. Metzler, herzogt. Nassauischem Dberschulrathe und Di- 
rector, [Weilburg, Druck von L. E. Lanz." 16 S. 4.], was ausser dem 
Programm zur Festfeier einige einleitende Worte des Verfassers und meh- 
rere poetische Versuche verschiedener Zöglinge des Gymnasiums ent- 
halt; ferner: De Iove Hammone Syntagma I. Conscripsit et Gymnasü 
WeUburgensis lustrationem vernalem DD. X1IL XIF. XF. mensis Aprüis 
anni MDCCCXL. habendam indbnt Christianus Iac. Schmitthenner , Gym- 
nasü Professor, [Weilburgi, ex ofncina L. Aem. Lanzii. 76 S. 4.], wovon 
die wissenschaftliche Abhandlung (S. 2 — 58.) von grosser Belesenheit 
und nicht geringem Fleisse, sowie von einer nirgends zu verkennenden 
genauen Bekanntschaft des Hrn. Verf. mit seinem Gegenstande zeugt und 
eine baldige Vollendung der ganzen Untersuchung höchst wunschens- 
werth erscheinen lässt; sodann: Disputatio de loch duobus Piatonis, pro- 
gramma, quo ad Gymnasü WeÜburgensis lustrationem vernalem DD. L 
et IL mensis Aprüis anni MDCCCXLL habendam invitat F. R. C. Krebs, 
Gymnasü Professor. [Weilburgi, ex officina L. Aem. Lanzii. 40 S. 4.], 
in welchem der Hr. Verf., ein würdiger Sohn des Obcrschulraths Krebs, 
S. 2 — 10. zwei Stellen Plato's, Menex. cap. XIV. und Gorg. cäp. XVI* 
init., mit Umsicht und Besonnenheit bespricht. [R. K.] 



Bibliographische Berichte and Miscellen. 833 

Einige Oden des Horast in humoristischem Gewände; grammatisch, 
kritisch, historisch und philosophisch erläutert von Carlo del Re. Er- 
stes keft, [Berlin, Springer* 1843. 8. £ Thlr.] Eine sogenannte humo- 
ristische Bearbeitung der ersten sechs Verse des ersten Horaziscben Ge- 
dichts als Satire auf die Philologen nnd Bearbeiter der alten Classiker. 
Ein Hofmeister erklart seinem dämmen Zöglinge diese Verse in folgender 
Weise. Im ersten Verse wird aus Maeeenas, atavis edke regibus , ge- 
macht: Moecenas: at avis et! üe regt husl und dafür folgende Deutung 
gegeben: „Eine Versammlung Unzufriedener hat eben beratschlagt, auf 
welche Weise sie sich der königlichen Gewalt entledigen will , und hat 
dabei ihren Präsidenten Frissmieh mit vielen Klagen ^behelligt. Horaz 
beginnt nun seine Ode mit der Scblussrede des Präsidenten, und der 
erste Vers heisst: „Moecenas d. i. Frissmieh [tritt auf und spricht:] 
Aber der Vogel [d. i. der Kukuk] auch! Geht zum König, ihr Ochsen! 
et steht nämlich für etiam; ite regt für ite ad regem, und bus ist zusam- 
mengezogene und gräcisirte Form für boves," In dieser Manier wird 
die Deutung fortgesetzt; aber der Verf. besitzt nicht Witz und Sprach* 
kenntnisse genug, um sie geistreich und vielseitig zu machen, sondern 
verliert sich in einer zu grossen Einförmigkeit. Es ist in dieser Manier 
schon Besseres geliefert, z. B. die bekannte Erklärung des Schiller'schen 
Liedes von der Glocke, das, nach ein paar tausend Jahren wiederaufge- 
funden, von einem Philologen in den ersten Versen interpungirt wird« 

Fest gemauert in die Erden 

Steht die Form. Aus Lehm gebrannt 

Heute muss die Glocke werden! etc., 

worauf er beweist, dass die Deutschen aus Thon gebrannte Glocken ge- 
habt haben. Will Hr. Del Re von seiner Arbeit wirklich eine Fort- 
setzung liefern, wie er verheisst; so rathen wir ihm, sich erst um die 
mehrfache Interpretationsweise dieser Manier genauer zu kümmern, damit 
die künftigen Hefte minder langweilig werden, als das gegenwärtige ist. 

HO 

In Oestreich ist bereits seit mehreren Jahren an sämmtliche Bezirks- 
obrigkeiten der Monarchie die Aufforderung erlassen, die vorhandenen 
oder neuaufgefundenen Antiquitäten genau zu beschreiben und zu copiren, 
und diese Schilderungen und Copien an das k. k. Münz- und Änüken- 
cabinet in Wien einzusenden. Man hat daselbst auf diese Weise bis 
jetzt 389 Inschriften von antiken Denkmälern zusammengebracht, die aus 
Nieder, und Oberöstreich , Steyermark, Kärnthen, dem Triester- und 
Kustengubernium, der Militärgrenze und Siebenburgen stammen. In den 
Wiener Jahrbuchern für Literatur und Kunst hat man seit Band XLV. 
angefangen , in dem Anzeigeblatt von Zeit zu Zeit solche Inschriften mit- 
zutheilen. In dem Anzeigeblatt zu Bd. CU. hat der Custos J. G. Sei dl 
angefangen, unter dem Titel Epigraphische Excurse eine Sammlung und 
Bearbeitung der Inschriften aus Cilli, dem alten Celeja in Mittel - Noricum, 
mitzutheilen. Es sind 7 Inschriften, von denen 6 schon in Gruter's 
Sammlung stehen. Die siebente, noch nicht edirte lautet: 



334 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

C. IVLIVS. VEPO. DONATVS. 

CIVTTATE. ROMANA. VIRITJM. 

BT. IMMVNITATE. AB. DIVO. AVG. 

V1VOS. FKCIT. 8IBI. ET. 
BONIATAE. ANTONIAE. CONIVGL 
ET. SVIS. 
Augustus hatte also diesen C Julias Vepo mit dem Bürgerrechte and der 
Immunitat belehnt, ehe Celeja Manicipium wurde. Auf der siebenten 
Inschrift kommt ein gewisser Cupitua vor, dessen Name sieb nach Hrn. 
S. unter dem Namen Kupitach in Cilli bis in die neueste Zeit erhalten hat. 

T » . [J ' ] 

In Paris ist vor kurzem von der historischen Commission der erste 
Band einer leonograpkie chräienne herausgegeben worden , welcher auf 
600 Quartseiten die Histoire de Dieu enthält. Derselbe bietet nämlich 
mehrere hundert Holzschnitte von Bildern, auf welchen Gott Vater, Gott 
Sohn, der heilige Geist und die Dreieinigkeit dargestellt sind. Diese 
sind von Paul Durand nach Miniaturen, Bildsäulen, Glasmalereien, 
Fresken,