Skip to main content

Full text of "Neues Archiv für sächsische Geschichte und Alterthumskunde"

See other formats


Neues Archiv 



für 



Sächsische Geschichte 



und 



Altertumskunde 



Herausgeg-eben 



Hubert Ermiseh 



Achtundzwanzig-ster Band 



.^^SD 



Dresden 1907 
Wilhelm Baenseh, Verlagshandlung. 



MGETTY CENTER 
ÜBRARY 



Inhalt. 

Seite 

I. Über Totenbestattung im 1 6. Jahrhundert, vornehm- 
lich in Zwickau. Von Professor Dr. Otto Langer 

in Zwickau i 

II. Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 
Von Dr. E. Zimmermann, Direktorialassistent an der 
Königlichen Porzellansammlung in Dresden ... 17 

III, Das Zeithainer Lager von 1730. Von Archivrat 

Dr. Hans Beschorner in Dresden. (Mit Karte) . . 50 

IV. Kleinere Mitteilungen 115 

1. Zur Kanonisation Bennos. Von Oberlehrer Lic. 
Dr. Otto Giemen in Zwickau. S. 1 15. — 2. Dr. Johann 
von Kitzscher im Dienste des Deutschen Ordens. 
Von Pfarrer Hermann Freytag in Reichenberg 
(Westpreufsen). S. 117. — 3. Kleine Beiträge zur 
sächsischen Gelehrtengeschichte. Von Oberlehrer 
Lic. Dr. Otto Giemen in Zwickau. S 122. — 4. Fried- 
rich Wilhelm, Sohn des Moritz von Sachsen -Zeitz, 
ein unbekannter Wettiner. Von Hofrat P. E. Richter 
in Dresden. S. 135. — 5. Georg Heinrich Sappuhn. 
Von Rektor Professor Dr. Otto Eduard Schmidt 
in Würzen. S. 135. — 6. Zur Cronsch witzer Aus- 
grabung. Eine Erwiderung. Von Oberlehrer Dr. 
Clemens Pfau in Rochlitz. S. 137. 
Literatur '144 

Nachrichten 176 

V. Joachim von Schleinitz, kursächsischer General- 
quartiermeister unter Johann Georg I. Von Dr- J. 
H. Gebauer, Oberlehrer an der Königlichen Ritter- 
akademie in Brandenburg a. H 187 

VI. Das Zeithainer Lager von 1730 (Schlufs). Von 

Archivrat Dr. Hans Beschorner in Dresden . . .200 

VII. Christian Benjamin Geifsler. Ein Beitrag zur Ge- 
schichte der Bauernunruhen d. J. 1790. Von Hell- 
muth Schmidt in Leipzig 253 

VIII. Topographisches vom alten Rochlitz. Von Ober- 
lehrer Dr. W. Clemens Pfau in Rochlitz . . . .269 



IV Inhalt. 

Seite 

IX. Kleinere Mitteilungen 305 

I. Eine Leipziger Kleiderordnung von 1506. Von 
Oberlehrer Lic. Dr. Otto Giemen in Zwickau. S. 305. 
— 2. Ein Epigramm von Hieronymus Emser. Von 
demselben. S. 320 — 3. 30 weitere Dohnische 
Schöppensprüche. on Dr. med. Georg Schlauch 
in Dohna. S. 321. — 4. Das Wappen des Bistums 
Meifsen. Von Regierungsrat Professor Dr. Eduard 
Heydenreich in Dresden. S. 329. 
Literatur 336 

Nachrichten . 370 

Register 377 



Besprochene Schriften. 



Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte. Heft 17 — 20 (Georg 

Müller) 347 

Berendt, Die Beziehungen Anhalts zu Kursachsen 1212— 1485 

(Wäschke) 337 

Brück, Friedrich der Weise als Förderer der Kunst (Felix Becker) 146 
Curschmann, Die Diözese Brandenburg (Rieh. Becker) . . . 349 
Däbritz, Die Staatsschulden Sachsens 1763 — 1837 (Wuttke) . . 344 

Döhler, Diplomatarium Joachimsteinense (Lippert) 151 

Erphurdianus Antiquitatum Variloquus, bearbeitet von R.Thiele 

(F. Gels) 336 

Gärtner, Quellenbuch zur Geschichte des Gymnasiums zu Zittau 

I. (G. Müller) 348 

Hiltebrandt, Die polnische Königswahl von 1697 und die Kon- 
version Augusts des Starken (Ziekursch) 343 

Kaemmel, Sächsische Geschichte (Beschorner) 144 

Ludwig, Die Entstehung der kursächsischen Schulordnung von 

1580 (G. Müller) 34° 

Mangner, Geschichte der Leipziger Winkelschulen (G. Müller) 155 
Meiche, Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der 

Sächsischen Schweiz (Ermisch) .152 

Rautenstrauch, Luther und die Pflege der kirchlichen Musik in 

Sachsen (Wustmann) 339 

Schulze, Paul, Das Dresdner Volksschulwesen im 18. Jahrhundert 

(G. Müller) 156 

Sturmhoefel, Kurfürstin Anna von Sachsen (Beschorner) . . 341 
Voretzsch, Der sächsische Prinzenraub in Altenburg (K. 

V. Kauffungen) . 145 

Weicker, Die Haltung Kursachsens im Streit um die unmittel- 
bare Reichsritterschaft (Friedrich) 148 

Wetzel, Die Genesis des am 4. April 1813 eingesetzten Zentral- 

Verwaltungsrates (Friedrich) 34^ 

Wostry, König Albrecht II. (Ermisch) 338 



I. 

über Totenbestattung im 16. Jahrhundert, 
vornehmlieh in Zwickau. 

Von 
Otto Langer. 



Kill Zwickauer Bürger, Mitglied der Verwaltung des 
Gemeinen Kastens^), zeichnete im Jahre 1561 alles das auf, 
was ihm in Hinsicht auf Kirche, Schule und Gemeinen Kasten 
in Zwickau bemerkenswert zu sein schien -j. Seine Arbeit 
führt keinen Titel. Am Anfang hat er lediglich bemerkt: 
,,Eine Vorrede uff difs vorzeichnus 1561". Er hat das ,, Ver- 
zeichnis", wie er versichert, angelegt, damit er sich daraus 
unterrichten könne, da ihm wegen seiner ,,grosen sauern 
arbeyt" sein ,,gedechtnus und gehör gantz entpfallen und ent- 
nommen" sei. Die Arbeit besteht aus vielen, meist kurzen 
Sätzen, die oft inhaltlich nicht zusammengehören, und ist 
stilistisch recht mangelhaft, macht aber gerade dadurch den 
Eindruck, dafs das, was der Verfasser mitteilt oder fordert, 
den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, dafs er also wirklich 
berichtet, wie es war oder doch sein sollte. Daher enthalten 
seine Aufzeichnungen eine Reihe von Angaben, die neben 
dem, was die Kirchenordnungen usw. bieten, Beachtung ver- 
dienen. Hier will ich nur einige am Schlüsse befindliche 



') Obgleich uns die Namen der „Kastenherren" zu dieser Zeit 
vollständig; überliefert sind, ist mir doch noch nicht möglich gewesen, 
festzustellen, welcher von ihnen mit unserem Anonymus identisch ist. 

-) Das ßändchen in Schmalfolio fand ich unter den noch un- 
geordneten Beständen des Zwickauer Stadtarchivs; jetzt A* C laiJ. 
Es besteht aus zwei Teilen: der Abschrift einer kurfürstlichen 
Polizeiordnung vom Jahre 1555 und dem „Verzeichnis". 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. 1.2. I 



2 Otto Langer: 

Sätze hervorheben. Nachdem er Kirche, Schule, BibHothek 
und Gemeinen Kasten behandelt hat, kommt er noch auf den 
Totengräber tuid seine Pflichten zu sprechen. 

Der Totengräber soll an sauberen Orten die Gräber 
graben und jedem Menschen sein eigenes Grab machen und 
nicht zwei oder drei zusammen begraben, es ,,were denn, 
das es inn sterbenslaufften wegen der menge nit kont under- 
komnien werden". Er soll ,,den Gottesacker rein und sauber 
halten, das nit stein darauf liegen, auch nit schwein noch 
Genfse ader ander vich dorauff gehen lasen" ^). Er soll 
,, Achtung geben, uff das nicht die Pauren oder die knaben 
ire Unlust dahin werfl:en oder kericht hineinschütten. Die 
gepeine, so aufsgegraben w^erden, sal er an ein sonderlich 
ort zusamme in ein grabe bescharren; dieSerche und den 
wao' en nicht unter dem volck stehen lassen ader under 
das volck füren, sonderlich in sterbenslaufften"; er 
soll ,,die Schwangeren und Sechswochnerin an ein sonder orth, 
do nit vil leuth hinkommen, begraben, da die weyber ein 
sonderlich Superstition an denselben haben'-); die toten 



^) Im Mittelalter widmete man in Deutschland den Kirchhöfen 
und Gottesäckern keinerlei Pflege, so dafs sie, wie das ja auch jetzt 
noch in katholischen Gegenden, z. B. in Tirol, zu beobachten ist, 
einen trostlosen Anblick darboten. Hierin Wandel zu scharten sind 
die Behörden in den protestantischen Ländern seit Beginn der 
Reformation unablässig bemüht; doch hatten sie mit fast unüber- 
windlicher Gleichgültigkeit zu kämpfen, und noch 1573 mufs die 
Brandenburger Visitations- und Kons.- Ordnung „den Rethen in 
Stedten, auch Schultzen und Gemeinen in Dörflern hiermit im ernste 
aufliegen, das sie dieselbigen allenthalben mit Mauren, Plancken 
und andern guten Zeunen, auch Schrancken und Thüren wol und 
mit Fleifse allenthalben also vermachen, das keine Schwein, Kühe 
oder ander Viehe daraufl kommen können. So soll auch in Stedten 
nicht gestattet werden, das darüber gefahren oder Mist, noch ander 
Unflat, wie bifshero geschehen, dahin geschüttet werde." (Richter, 
Kirchenordnungen II, 367.) Übrigens kam es, wie wir in dem „Ver- 
zeichnis" lesen, in Zwickau vor, dafs sich Hunde, Gänse, Ziegen 
und auch Schweine während des Gottesdienstes vom Kirchhof aus, 
der aber nicht mehr Gottesacker war, in die Kirche verirrten, da 
während des Gottesdienstes aus Besorgnis vor etwaiger Panik die 
Türen olfen stehen muisten, weshalb die Kirchenväter einen „Hunds- 
peitscher" zu halten hatten. 

-) M.Hippe, Die Gräber der Wöchnerinnen (Mitteilungen der 
Schles. Gesellschaft für Volkskunde 13, loift.) gibt folgende aus der 
Breslauer Kirchen- und Schulordnung von 1528 (vgl. Drechsler, 
Sitte, Braucli u. Volksglaube in Schlesien I, 307) genommene Stelle: 
„Es sollen auch die Totengreber, wo sie eme Sechswecherin be- 
graben wollen, ejm fleifsig aufl'mercken haben, dorait sie nicht graben 
am wege, do man pflegt zu gehen oder viel zu scliaflen hot, sondern 



über Totenbestattung; im 1 6. Jahrhundert. 3 

corper sittlich und mit vornufft in das grab legen 
und nicht wie ein unvornufftig thier hineinwerffen; 
auf bevelh niemandt mit dem Sarch hineinlegen". 

Aus den im Druck hervorgehobenen Worten mufs ohne 
Zweifel der Schlufs gezogen werden, dafs man in Zwickau 
bei Begräbnissen auf dem Gottesacker die Toten ohne Sarg 
ins Grab zu legen pflegte, ja dafs es der Verfasser unserer 
Handschrift sogar für durchaus unstatthaft hält, einen Leichnam 
mit dem Sarge oder im Sarge zu begraben. Dieses Ergebnis 
scheint aber der landläufigen Annahme, dafs im allgemeinen 
in Deutschland seit vielen Jahrhunderten vmd jedenfalls bereits 
im 16. Jahrhundert der Sarg beim Begräbnis verwandt, der 
Leichnam im Sarge liegraben wurde, zu widersprechen. 
Freilich, als ich mich über die in der christlichen Kirche 
herrschenden Begräbnissitten unterrichten wollte, mufste ich 
die Entdeckung machen, dafs man zwar genaue Untersuchungen 
angestellt hat über die Art der Totenbestattung bei den alten 
Ägyptern und den Inkas, bei den wilden ^'ölkern Afrikas 
und Asiens, wohl auch bei den alten Juden und den Christen 
in den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche, dafs man 
sich aber wenig dannii gekümmert hat, welche Bräuche bei 
der Beerdigung im Mittelalter und in den letzten Jahrhunderten 
in Europa und vor allem in Deutschland geherrscht haben ^j. 
Und doch müfsten für deutsche Volkskunde und kirchliche Sitte 
eino-ehende Forschunoen dieser Art recht fruchtbar werden. 

Hier soll es sich aber nur um die Frage handeln: Wurden 
wirklich, wie jene Worte zu beweisen scheinen, im 16. Jahr- 
hundert in Zwickau — und also doch auch im weiteren Um- 
kreise dieser Stadt — die Toten ohne Sarg zur Erde be- 
stattet? 

Ohne Zweifel war der Sarg im Mittelalter bekannt und 
wurde überall da angewandt, wo es sich um Beisetzung in 
einer Gruft, also in der Kirche handelte; es war aber zunächst 
der Steinsarg-), der hier Verwendung fand, nicht der Holz- 



yndert an eynem winkel oder an der Mauer, do man am wenitisten 
zu thun hot". — Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube, 2. Aufl., 
gibt keine Auskunft. 

') Das gilt sowohl von der neuesten Auflage der Realencyclopädie 
für protestantische Theologie, als auch von Wetzer und Welter, 
Katholisches Kirchenlexikon (2. Aufl.), wo man vergebens Belehrung 
über Sarg und Totenbrett sucht. 

-) Es genügt, an den Steinsarg zu erinnern, den Krienihiltl für 
Siegfried herstellen liefs (Nibelungenlied Avent. XV'IIj, oder an den 
Sarg Ottos I. im Magdeburger Dome. 

I* 



Otto Lanier 



»^ 



sarg, der erst später gebräuchlich ward ^), und die Toten wurden 
auf dem Totenbrette-) oder der Bahre zur Gruft getragen 
und hier, wie es im Nibelungenliede heifst, ,, besargt". Und 
ebenso steht es fest, dafs in einigen Gegenden Deutschlands, 
namentlich in den Alpenländern, die Toten bis vor nicht 
ferner Zeit auf dem Brette hinausgetragen und ohne Sarg 
begraben wurden''); und hie und da verwendet man wohl in 
Europa den Sarg auch jetzt noch nicht*), wie es ja auch in 
einigen Klöstern und Orden Brauch ist, ohne Sarg zu be- 
graben. 

Indessen sind das doch nur vereinzelte Erscheinungen, 
und in Deutschland wird jetzt jedenfalls der Tote überall im 
Sarge beerdigt. Wann ist aber diese Sitte herrschend ge- 
worden? Und wie verfuhr man im i6. Jahrhundert? 

Liest man die bei Richter und neuerdings bei Sehling 
abgedruckten Kirchenordnungen, Anweisungen für Visitatoren 
usw. durch, so mufs es auffallen, dafs sich hier das Wort 
,,sark" fast gar nicht findet^). Und doch bot sich oft genug 



^) Doch wurde bereits Rudolf von Habsburg in einem einfachen 
Holzsarge bestattet, s. Grauert in der Beilage zur Allg. Zeitung 
1906 Nr. 246. 

-) Das Totenbrett, auf dem die Kaiserin Bertha, Heinrichs IV. 
erste Gemahlin, von Mainz nach Speier getragen wurde, ist bei den 
jüngst vorgenommenen Nachforschungen in den Kaisergräbern des 
Doms zu ispeier aufgefunden worden. Vermutlich wurde das Toten- 
brett so verwandt, wie es nach den Leges ßajuvariorum tit. XIX 
c. 8: Cum cadaver humo immissus fuerit et lignum insuper positum, 
geschehen sollte; s. darüber Alb. Hellwig, Das bajuwarische 
Totenbrett, in der Beilage zur Allg. Zeitung 1906 Nr. 246. — Dafs 
man im Mittelalter die Toten „ott ohne Sarg" begrub, bemerkt 
Gruppe, Kulturgesch.desMA.il, 107. Dagegen ist Kreutzwald 
(in dem Artikel ,, Begräbnis" bei Wetzer und Welter) der Über- 
zeugung, dafs ,,seit ältester Zeit und durch das ganze M A. herab" 
der Leichnam feierlich in die Kirche getragen und hier im offenen 
Sarge ausgesetzt wurde. 

^) In Zürich z.B. noch im 18. Jahrhundert; anderweit sicher 
noch viel länger. S. in dem Aufsatz: „Religiöse Volksgebräuche 
im Bistum Augsburg" im Katholik LXXXIII, 531 — 533: 5. Das 
Totenbrett. 

^) In holzarmen (legenden Spaniens steht wohl in einer Ecke 
der Kirche der Sarg zu allgemeiner Benutzung. Aber in dem 
Artikel: „Religiöse Volksgebräuche im Bistum Augsburg" im Katholik 
LXXXIII, 533 lesen wir: „In Uttenhofen, O.-B., konnte man noch 
vor 50 Jahren auf dem Dachboden der Kirche einen zum Aufklappen 
eingerichteten hölzernen Sarg sehen, mittels dessen die Leichen 
vom Sterbehause zum Grab befördert wurden". 

'■') Aufgestofsen ist mir das Wort sarg — abgesehen von der 
gleich zu erwähnenden Verordnung der Visitatoren für Olsnitz 1582 
(Sehling, Die evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts I, 



über Totenbestattung im 1 6. Jahrhundert. 5 

Gelegenheit, es zu gebrauchen, da sich die Ordnungen usw. 
auch mit den Toten, den Begräbnissen und den Kirchhöfen 
zu befassen hatten^). Finden sich darauf bezüghche Be- 
stimmungen, so wird vor allem ein geordnetes christliches 
Begräbnis gefordert. ,,So sollen auch — heifst es in der 
„Constitution und [den] Artikeln des geistlichen Consistorii 
zu Wittenberg 1542"-) — die commissarien darauf achtung 
geben und verschaifung thun, das es mit den sepulturen oder 
begrebnissen ordentlich und gleichförmig gehalten werde und 
sonderUch, das sich nimands unterstehen, abends und frü, one 
vorwissen des pfarrherrns heimlich zu begraben ... Zu 
dem, das es nicht allein wider christlichen, sondern auch der 
beiden brauch ist, menschliche leichen, wie ein as oder 
vihe, one orebürliche cäremonien heimlich hinzu- 
schleifen." Am Tage also und unter bestimmten Zere- 
monien, die jedoch allen Prunk und jeden Luxus ausschlössen^), 
sollten die Toten „zur Erde bestattet (bestettiget)" oder 
„begraben" werden'^). Doch soll der Tote nicht sogleich be- 
erdigt werden, sondern man soll ihn ,,ein weil ligenn lassen"'^), 
ihn frühestens acht, zehn oder zwölf Stunden nach dem Ein- 



I, 621) — nur in der Ordnung Kurfürst Augusts von 1580 (Sehling I, 
I, 374), wo in dem Beispiele einer Leichenpredigt die Erzählung von 
der Aufervveckung des Jünglings von Nain aus Lukas VII gegeben 
wird: „und rüret den sark an und die träger stunden". 

1) Wären Särge gebraucht worden, so würden bald Vorschriften 
wegen der Kosten nötig gewesen und gemacht worden sein, wie in 
der Ordnung Kurfürst Augusts (Sehling a. a. O. S. 439) „der un- 
nütze kosten mit ausgeben "der vielen trauer binden und anderm, so 
bis daher bei den begrebnissen an etUchen orten gebreuchlich 
gewesen und die leute damit nicht wenig beschwert werden", gänz- 
lich abgeschafft werden soll. 

■-) Sehling a. a. O. S. 203. Ebenso in der Schweinfurter Kirchen- 
ordnung 1543 (Richter, Kirchenordnungen II, 23): „Drumb sollen 
die todten nicht als heimlich und stillschweigend hingetragen und 
verscharrt werden ..." 

^) Die „Artikel gemeiner Verschaffung" aus der Visitation in 
Thüringen 1533 (Sehling a. a. O. S. 195) nehmen allerdings unter 
Hinweis auf Wittenberg drei Begräbnisklassen an: „gemein mensch", 
„mittelmessige burger" und „redliche leute"; später findet sich aber 
diese Scheidung nicht mehr, es wird vielmehr, wie oben, betont, 
dafs die Begräbnisse „ordentlich und gleichförmig gehalten", „der 
Christen verstorbene cörper christlich und ehrlich beleitet und be- 
graben werden" und dergl. 

^) Man hat an ein Beerdigen im eigentlichen Sinne zu denken, 
wenn man in den obenerwähnten Thüringer Visitationsartikeln liest: 
„Wen man nue zu grab kommen ist, weil man die leich zu- 
scharret, so singt der Schulmeister usw." (Sehling a. a. O.). 

°) Sehling a. a. O. S. 565 (Gnandstein 1540)- 



6 Otto Langer: 

tritt des Todes begraben^). Beim Begräbnis wird wohl in 
der Regel der Tote auf einer Bahre hinausgetragen, doch 
ist ohne Zweifel auch das Brett allein, wenn es auch an 
keiner Stelle in den Kirchenordnungen usw. Erwähnung findet, 
noch häufig gebraucht worden-). Der auf der Bahre oder 
dem Brette liegende Leichnam sollte mit einem Tuche bedeckt 
sein. ,,Und so ein mensch stirbet" — heifst es in der Ver- 
ordnung der Visitatoren für das Amt Leisnig 1529 — , ,, ordnen 
wir visitatores, das die bahr oder (!) leichnam nit heimlich, 
sunder am ofi^entlichen tag mit einem weifsen tuch bedackt 
und mit christlichem deutschen gesang .... zu grab getragen 
und begraben soll werden'^-"). Ebenso lesen wir in der 
,, Gemeinen verordnmig und den artikeln der Visitation in 
Meifsen und des Voitland 1533": ,,So ein mensch stirbt, soll 
der leichnam nicht heimlich und in der nacht, sondern am 
tage und öffentlich (andere Lesart: ordenthch) mit bedackter 
par, wie hievor gewonlich gewesen, mit wissen des pfarrers 
und beisein desselben oder caplan oder custers und der nach- 
barschaft mit christlichem deutschen gesang ehrlich begraben 
werden"*). 

Als Begräbnisstätte dient zunächst überall der Kirchhof 
im eigentlichen Sinne, der Raum, der die Kirche umgibt, so- 



*) Hallische Kirchenordnung 1541 (Richter I, 341): „Es soll 
auch niemand vor 8 oder 10 Stunden begraben werden''. „General- 
Artikel und gemeiner Bericht" für Kursachsen vom 8. Mai 1557 bei 
Sehling a. a. O. S. 320: „Do jemand von Gott .... von diesem 
Jammerthal abgefordert wurde, sol derselbige nicht also bald be- 
graben, besondern zum wenigsten zwelf stunden doheim im hause 
behalten werden". Dagegen verlangt die Hennebergische Ord- 
nung von 1582 (Sehling I, 2, 316), dafs die Toten „aufs wenigste 
nach 15 oder i6 oder nach gelegenheit mehr stunden" begraben 
werden. 

-) Freilich habe ich weder bei Richter noch bei Sehling das 
Totenbrett ausdrücklich erwähnt gefunden. Aber wenn die Bahre 
nicht angewandt wurde — und dals das nicht durchweg geschah, 
zeigt vielleicht die im Texte gleich zu erwähnende vStelle — , so 
l)lieb nur das Brett übrig. Und wenn, wie gleich anzuführen ist, 
aus den eingepfarrten Dörfern um Ölsnitz die Toten auf Wagen 
zum Ölsnitzer Kirchhof gefahren wurden, so lagen sie doch wohl 
noch nach uraltem Brauche auf dem Totenl:)rette. Übrigens lebt, 
wie Wendungen in der volkstümlichen Redeweise bezeugen, nocli 
heute in manchen Gegenden Sachsens im Volke die Erinnerung an 
den Gebrauch des Leichenbretts. 

^) Sehling I, i, 610, ebenso S. 661: Herzbergisch kreis u. amt 
Schlieben (1529). 

') a. a. O. S. 189 und ebenso für Gnandstein (1540 S. 565), Oschatz 
(1540 S. 625) usw. 



über Totenbestattung im 1 6. Jahrhundert. y 

dann auch, wie es in Zwickau der Fall war^), der für Begräb- 
nisse bestimmte, vielleicht schon vor der Stadt gelegene 
Gottesacker, der aber gleichfalls Kirchhof genannt ward. 

Der Kirchhof oder Gottesacker soll umfriedet sein, aber 
nicht nur deshalb wird das gefordert, um ihn in sauberem 
Zustande zu halten und vor Vermireinigung zu schützen, 
sondern auch aus einem anderen Grunde. ,,Es soll derwegen 
der kirchhof mit vleifs befridet werden, domit die thier 
den corper nicht widerumb ausgraben"-), heifst es in den 
„Generalia. aller derfer im amt Beizig 1534", und in der 
Ordnung des Kurfürsten August von 1580 wird also bestimmt: 
,, Nachdem sich auch an etlichen orten begeben, das die 
todten cörper durch unvernünftigen thier, da die kirch- 
höfe nicht zum besten verwaret, weil sie nicht tief in die 
erden gelegt, ausgegraben worden, sol jedes orts obrigkeit 
diese Verordnung thun, das die greber für die alten und er- 
wachsenen leute aufs wenigste eines mannes tief, desgleichen 
auch der kinder also gegraben werden, das dergleichen nicht 
mehr zu besorgen"'^). 

Niemand kann angesichts dieser klaren Worte zweifeln, 
dafs hier an einen Sarg nie zu denken ist, dafs vielmehr stets 
als selbstverständlich angenommen ist, dafs der Tote ohne Sarg 
beerdigt wird. Aber der Sarg mufs, wie sich ja aus jener Stelle 
in unserm Manuskript ergibt, doch gelegentlich verwandt worden 
sein ; in welcher Weise, zeigt uns eine Verordnung der Visi- 
tatoren für Ölsnitz 1582, die zugleich auch den besten Beweis 
dafür gibt, dafs noch zu dieser Zeit die Toten in dieser 
Gegend ohne Sarg begraben wurden. „Die leichen von land 
— lesen wir dort — sollen uf wagen und pferden allein 
bis zum thor oder sonst gewissen ort vor die stat bracht 
werden und alsdenn in ein sark uf ein bar, welliche — 
also Bahre und Sarg — der rat wil schaffen, der procefs 
nach durch etliche bauersleut getragen werden; sollen auch 



1) Gottesacker in Zwickau 1521 angelegt, s. Herzog, Chronik 
von Zwickau I, 169. Bereits in der Bremischen Kirchenordnung 
von 1534 wird geradezu empfohlen, vor der Stadt einen Begräbnis- 
platz anzulegen: ,,Und wäre wol geraden, sunder lick thor tidt der 
pestilentie, dat ein Erb. Radt vorschaffede wor buten vor der Stadt 
einen gemenen Kerckhoff, alse des by den olden de brück gewest 
ys" usw. (Richter, Kirchenordnungen I, 247). 

-) Sehling a. a. O. S. 529. — In der „Ordination der dorfer des 
Churfurstenthums Sachsen dem Jungfrauen closter Plotzk zustendig. 
1529" (a. a. O. S. 626) heifst es: „. . . . domit den toden von den 
thiern nicht unehr widc-fahre". Ebenso S. 647 Gommern betr. (1329)- 

') a. a. O. S. 439. 



8 Otto Langer: 

alle dorfschaften einlegen und ein schwarz leichentuch schaöen 
(und auch ein geringes, do etwas zwo leichen würden), 
welliches — also zunächst das gute Tuch, aber natürlich auch 
das geringe — im hospital soll verwahret werden, darinnen 
sie es sollen abfodern und wieder einantworten; wie es denn 
die leut auch gewilligt"^). Hier wird also, und zwar — sehen 
wir von jener Stelle aus dem Evangelium Lucä ab — zum 
ersten Male der Sarg erwähnt ; aber er ward nicht etwa mit 
dem Toten begraben, sondern fand nur für die feierliche 
,,procefs" Verwendung. Beim Grabe wurde der Leichnam 
herausgehoben und ins Grab gelegt, der Sarg wurde ebenso 
wie das Bahrtuch für weiteren Gebrauch aufbewahrt"-). — 

Es kann wohl angesichts all dieser Zeugnisse darüber 
kein Zweifel sein, dafs man im aUgemeinen im 1 6. Jahrhundert 
nicht nur in Zwickau, sondern überhaupt in Deutschland die 
Toten auf Kirchhöfen ohne Sarg zu begraben pflegte. Aber 
die Quellen sind, was Zwickau anlangt, noch keineswegs 
erschöpft. 

Im Jahre 1582 wurde Zwickau von einer furchtbaren 
Pest heimgesucht, ,,also dafs 1500 Menschen daran gestorben". 



1) a. a. O. S. 621. 

-) Natürlich ward der Sarg auch nicht geschlossen, sondern war 
offen, wie der, in dem der Jüngling von Nain lag. Auch das mufs 
sehr lange Brauch gewesen sein. Goethe läfst im Qavigo 5. Akt 
Clavigo rufen, nachdem die Bahre und der „bedeckte ' Sarg nieder- 
gesetzt worden ist: ,, . . . Ich mufs sie sehen! (Er wirft das Tuch 
ab. Marie liegt weifsgekleidet ... im Sarge . . .)". Dagegen hob 
der Ritter in dem von Goethe 1771 im Elsafs aufgezeichneten Volks- 
lied, an das der Schlufs des Clavigo gemahnt (Strophe zitiert von 
Erich Schmidt, Clavijo, Beaumarchais, Goethe in Charakteristiken II, 
115) „den Ladendeckel ab und schaut ihr unter die Augen''. (Anders 
in des Knaben Wunderhorn: „Es spielt ein Ritter mit seiner Magd".) 
So erklärt es sich auch, wenn in einem der Bilder zu Shakespeares 
Hamlet, auf die ich zufällig in Urania, Taschenbuch auf das Jahr 
1820, stiefs, Ophelia im offenen Sarge im Grabe liegt; sieht man 
freilich im Hamlet genauer zu, so findet man, dafs Ophelia ohne 
Sarg ins Grab gelegt wird. Laertes: „Lafst noch die Erde weg, 
bis ich sie nochmals in die Arme fasse. (Springt ins Grab.) Nun 
häuft den Staub auf Lebende und Tote!" — Dafs in Sachsen hier 
und da die Leichen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch 
im offenen Sarge auf den Kirchhof getragen worden seien, ver- 
sicherte mir ein älterer Geistlicher. Und noch um 1870 war es in 
der Umgegend von Zwickau, z. B. in Reinsdorf, Brauch, dafs zwar 
der Sarg geschlossen auf den Kirchhof getragen, dann aber über 
das oifene Grab gesetzt und nochmals geöffnet wurde; am offenen 
Sarge wurde die Grabrede gehalten. Damit hing wohl das Deck- 
geld, das die Sargträger erhielten und das dann verboten wurde, 
zusammen. 



über Totenbestattung im 1 6. Jahrhundert. ^ 

So berichtet Engelhard Forstmann, der damals Vorsteher des 
Gemeinen Kastens war. Und da nun, fährt er fort, zu be- 
sorgen war, ,,das Gott umb unserer Sünden willen solche 
Straffe hinforder und zu anderer Zeit mehr über uns mocht 
schicken und kommen lassen und die Zeit Ordnung so woll 
von noten als itzt gescheen ist, habe ich mir zum besten, 
da ich dis erlebe, unnd, [falls es] wider zu versorgen an mich 
kemmen sollte, mir zum Gedechtnis, wie es die Jahr gehalten 
und hinfort noch besser zu halten ist, furgeschrieben. Lebe 
ich aber nicht, so schreib ichs euch, meinen Nachkommen am 
Gasten, zum besten hiermit hin." 

Diese Arbeit, etwas breit zwar wie alles, was Forstmann 
geschrieben, aber doch recht wertvoll, hat sich im Stadtarchiv 
erhalten^). Angeheftet sind ihr noch verschiedene auf die 
Pest bezügliche Aufzeichnungen, auf die Forstmann stiefs, 
als er 1592 auf dem Rathause ,, neben Mag. Wolfgang Reyer 
die Brieffe und anders in Ordnung gebracht"-). Zunächst 
,,Etzliche ungeverliche Artickel inn sterbslaufften zu bestellen 
imd zu haben", die von mehreren Händen geschrieben sind; 
sodann ,,Eine trewhche Erinnerung vmd Warnung an einen 
Erbarn Radth zw Zwickow" vom Stadtpfarrer Nikolaus Haus- 
mami; ferner ,, Bestallung des Pestilentzartztes Wolffen Hoflf- 
manfs von Geringsroda (!)" u. a. Beigelegt waren dem Hefte 
noch kurze die Pest betreffende Artikel, die Stephan Roth 
geschrieben: ,, Bestellung der Krancken inn dieser fehrlichen 
zeit der Sterbenslauffte". Hausmanns Eingabe an den Rat 
setzt Herzog'^) offenbar mit Hinsicht darauf, dafs er die Schweifs- 
krankheit als ,,jvingst gewesen" bezeichnet, diese aber 1529 
die Stadt heimsuchte^), ins Jahr 1530. Gegen Ende des um- 
fangreichen Schriftstückes lesen wir nun: ,,Mit dem Begräbnis 
— nämlich in Pestzeiten — werdet ihr wohl mas treffen, wie 
und wo, wie tieff tzu graben se}', dan awch awfsehen, da 
von nothen ist, wan awch die Toden Corper tzw begraben 
sein, frw oder spatt, damit nicht alle weit mit lawfft über den 
Kirchoff; ist awch noth zu bedencken, dan es tzw den tzeiten 
gar unbeqwem ist mit den toden alweg tzw grabe gehen 
umb der dünst willen, die bein gräbern ist. So sieht 



1) A*C 12a (i). 

-) Es wurde damals das noch jetzt benutzte LJrkundenrepertorium 
angelegt; 1594 war die Arbeit beendet. 

ä) Er hat es auf dem Schriftstück vermerkt. 

■*) s. Herzog II, 218. — Hierin findet sich auch die bekannte 
Stelle über die dichte Bevölkerung Zwickaus, aus der Herzog I, 226 
einige Worte abgedruckt hat. 



lo Otto Langer: 

man wol, das die iugent iürbitzig ist und wil am nesten beym 
grabe sein und nein kucken, wan die toden awfgedackt 
werden, davon dann ymmer vergifftigunge folget." Er 
empfiehlt schliefslich, die Leichen nicht auf Bahren zu tragen, 
weil es gefährlich sei — ,,die tücher sind dann auch nicht 
reine" — , sondern auf einem Wagen zu fahren, der freilich, . 
damit die Erschüttermig nicht zu grofs werde, nicht mit Eisen 
l)eschlagen sein dürfe. 

Aus jenen Worten ergibt sich nun ganz klar, dafs in 
Zwickau — und zwar nicht etwa blofs in Pestzeiten, sondern 
bei allen Beerdigungen — die mit einem Tuche bedeckte 
Leiche ins Grab gesenkt und das Tuch dann weggezogen, 
der Tote ,, aufgedeckt" wurde. Vom Gebrauche des Sarges 
hören wir hier überhaupt nichts; dagegen wird in den „Un- 
geverlichen Artickeln in sterbslaufften usw." vorgeschrieben, 
dafs die Leichen der von der ,, Ungnade", d. i. der Pest dahin- 
gerafften Menschen nicht feierUch begraben, ,, sondern uff ein 
glegene stunde frue zu sauchen (? =^ zu Seuchenzeiten?) uff 
einen wagen in einer Truhen hinaus zum begrebnis gefurd" 
werden, d. h. sie sollen im Sarge oder einem Kasten hinaus- 
gefahren, aber natürlich nicht darin begraben werden. Engelh. 
Forstmanns Angaben lassen darüber keinen Zweifel zu. 

,,Zu dieser Zeit", d. h. zur Zeit der Pest — so lesen wir 
dort — , ,, bedarf man sonderlichs 4 Todentreger, sowoll, da das 
sterben zu n3anpt, eyn pferdt unnd einen forrman . . . Das 
pferdt erhelt der Gasten. Der pferdtstall ist gewest im toden- 
haus, da der wage und sarck sint; kont mans aber wo 
anders haben, wers besser. Die Serck und Wagen hat 
man an die Mauer getain und mit breten e3-n Verdecknis 
gemacht, das man die nicht gesehen hat." In der Not sollen 
auch der Totengräber und seine Gesellen mit tragen helfen. 
Zunächst aber haben sie die Gräber herzustellen. ,,Zwey 
greber sollen sie eynen tag machen, darin des morgens für 
mittage getragen, das andere grab, daryn nach Mittage ge- 
tragen werde. Sollen das so gros und breit machen, als sie 
personen haben, darzu das, wie gemelt, allzeit 3 Ellen über 
der Leich bliebe. Sollens aber also machen: wen sie eyne, 
2, 3 oder mer personen neben e3'nander legen, das sie allezeit 
solche personen oder leichen mit Erden zu decken, darnach 
aber mall mit Erden zu decken, darnach abermall e}!! ander 
Schicht legen und abermall Erde däruff, das mans ke}'ns syhet, 
und so viell sie dieser Schicht machen, das alsdcn 3 Ellen 
nber der obern Schicht se}^ und bleibe, damit keyne ver- 
gifftung aus den grebern andere jar kommen möge . . . ." 



über Totenbestattung im i6. Jahrliun !ert. il 

Wenn nun aber auch bei dem hier empfohlenen Ver- 
fahren der Sarg völHg ausgeschlossen war, so verstiefs es 
doch zu dieser Zeit (1582) nicht mehr gegen Sitte und Her- 
kommen, Tote im Sarge zu beerdigen. Denn Engelh. Forst- 
mann schreibt noch folgendes: „Dem Todengreber ist ernstlich 
zu bevelen, das er keynen mit dem Sarcke lege, er 
habe den zuvor vom Gasten eynen zettel, das er das 
thun soll. Welche Zettel mit des Castens poletzeichen^) 
sollen versiegelt sein und des Vorstehers namen darunther 
sthen, das si (!) schreibet (!) und solch Sarckgeld empfahet (!), 
denn hie an dem Gasten gelegen." 

In seine Arbeit hat später Engelh. Forstmann Bemerkungen 
und Zusätze eingefügt, wenn etwa eine Bestimmmig auf- 
gehoben wurde oder Ergänzungen sich nötig machten. So 
auch hinter der letzten Stehe. Die Bestimmung, dafs nur 
gegen einen Erlaubnisschein Leichen im Sarge begraben 
werden dürften, liefs sich nämlich für die Dauer nicht aufrecht 
halten, und so sah sich denn Forstmann genötigt, durch jene 
Worte einen Strich zu machen und darunter zu bemerken: 

,,Nota. Die Sarckgelt abgangen, dorumb auch 
nicht zu l)evelen." — 

Wann wurde es nun den Bürgern Zwickaus erlaubt, ihre 
Toten auch ohne für Geld erworbenen Erlaubnisschein im 
Sarge zu begraben? Schlägt man die Rechnungen des Ge- 
meinen Kastens-) auf, so findet man unter den Einnahmen 
der siebziger und achtziger Jahre regelmäfsig auch verzeichnet 
,, Sarggeld'", sei es nun unter besonderer Rubrik, sei es in 
Verbindung mit dem Läutegeld wie 1572/73 S. 396: „Ein- 
nahme Leutgeldt und von den Personen so mit den 
Sarcken begraben werden"; seit 1593 aber oder genauer 
vom Rechnungsjahre 1593/94 an wird diese Einnahme nicht 
mehr gebucht. 

Veranlassung hatte dazu eine Beschwerde der Handwerker 
gegeben, die diese gegen das Sarggeld und gegen Engelh. 
Forstmann auf dem Schlosse vor den kurfürstlichen Kom- 
missaren =^) erhoben. Die Handwerker forderten Aufhebung 
dieser Einrichtung; sie führten Klage gegen den Verwaher 
der Kasse des Gemeinen Kastens, gegen Engelh. Forstmann, 



') d. i. Siegel; vergl. ital. bollo = obrigkeitliches Siegel, bollato — 
besiegelt. 

2) Stadtarchiv A*B (Rechnungen). 

^) Es erschienen im Juni 1593 kurfürstliche Kommissare in 
Zwickau, um Streitigkeiten zwischen Rat und Bürgerschaft zu 
schlichten; s. Herzog II, 353- 



12 Otto Langer: 

der angeblich dem Totengräber die Weisung gegeben hatte, 
falls kein Sarggeld bezahlt sei, den Toten aus dem Sarge 
,, herauszuschütten". Die Folge war, dafs am 9. Juli 1593 das 
Sarggeld abgeschafft wurde.' Genauere Kenntnis über diese 
Vorgänge verdanken wir wieder imserem Engelh. Forstmann, 
der zu seiner Rechtfertigung einen ausführlichen Bericht auf- 
setzte und ihn durch den Kastenschreiber der im September 
1593 aufgestellten Rechnung des Gemeinen Kastens für das 
Jahr 1592/93 einverleiben liefs. Dieser Bericht ist aber für 
die hier behandelte Frage so wertvoll, dafs ich es für nötig 
halte, ihn hier einzufügen. 

„Dis Sarckgelt ist von den 9. Julii 1593 nicht mehr eingefordert 
wordenn, dahero das die Bürger unnd Handtwerger sich für den 
Fürstlichen Commissarien alhier uff dem Schlos beschweret habenn, 
dasselbe ferner tzu gebenn, und mich Engelhart Forstman, be- 
schuldiget, dafs ich dem Thodengreber bevholen, wer nicht gelt 
gebe, den sol er aufs dem Sarck schütten und b 1 o s in die erden 
iegenn. Dieweil ich aber bey ihrer Clage für den Herren Com- 
missarien nicht gewesen, viel weniger dartzu erfordert worden, 
sondernn dem Rath bevholen wordenn, uns gegen einander zu ver- 
hörenn, und da sich ihre Clage in warheit also befinde, mir einhält 
zu thua und das Sarggelt abschaffen: nachdem aber diese verhör 
bifs dahero nicht gescheen und diese Castens Rechnung gemacht 
worden und Ihr, unsere kommende Vorsteher, Wissenschaft haben 
möget, warumb das Sarggelt nicht mehr eingefordert worden und ich 
etwas uff ihre Clage antworte, so thue ichs in dieser Rechnung also : 

Dafs Sarggelt zu nehmen habe ich nicht geordnet, dann ich 
viel zu wenig dartzu gewesen, sondern ist vor 21 Jahren lauts Gasten 
Rechnung von dem Pfarrer und Rath umb genügsamer Ursach willen 
den armuth zum besten geordnet und, wafs einkommen in 21 Rech- 
nungen, alle Jhar inn beysein und angehör des pfarrers und Raths 
berechnet wordenn und under dieser Zeit cu zween underschied- 
licher malen vom Rath und Pfarrer uns Vorstehern bevholen wordenn 
über diese Einnahme tzu haltenn. 

Die weil mir nun die gantze Einnahme des Kastens bevholen, 
habe ich diis Sarggelt auch innehmen mufsen und habe selbst von 
meinen verstorbenen dafs Sarggelt gegebenn. Das ich aber meiner 
Cleger beschuldigung nach diesen uncristlichen ernnst und die grofse 
Unehre den Verstorbenen solte beweist habenn, das, wehre mir 
nicht gelt gegebenn, das solcher vonn den Thodengräber uff meinen 
bevhel aufs dem Sarck solte aul'<geschüttet werden, daran geschiet 
mir zum höchsten unrecht; denn die Thodten also verunehren, ist 
in meine gedancken niemals kommen, viel weniger habe ichs be- 
vholen, ist auch von den Thodengräber niemals meinem bevhel 
nach gescheen, seind darumb meiner Cleger beschuldigung wieder 
mich iautter beschmutzunge und ungegründete ufflagen. 

Ich binn in dieser Einnahme viel gelinder gewest als zunehmen 
geordnet wordenn. Urmd das ich meine gelindigkeit inn diesem 
Jhar mit gründe und warheit beweise, thue ich dais also: 

Von Michaelis Ao. 1592, wen sich unfser Jhar und Einnahme 
anfehet, bifs uff den 9. Julii Ao. 1593 seindt 42 Wochen; darinnen 
seindt verstorben und begraben wordenn 143 personen, welche alle 



über Totenbestattung mi 1 6. Jahrhundert, 13 

mit nahmen bey den Kirchnern, wie gebreuchhch vertzeichnet worden, 
idls 87 personen bey dem Kirchner zu unser frauenn, 56 personen 
bey dem Kirchner zu S. Katharinen. Von diesen 143 personen allen 
habe ich nicht mehr den von 23 personen Sarggelt 8 fl, i gr. 9 Pf. 
bekommen, da doch zum meisten alle mit dem Sarg be- 
graben werdenn. 

Was nun in diesem Jhar gescheen, das ist zu vorigen und ver- 
gangenen Jahren auch gescheen, wie die Jhar Rechnungen aus- 
weisen. Und wenn ich gleich über dieser Einnahme Vheste gehalten 
hette, were mir solches zuthun gevholen gewest; habe mich aber 
alzeit nach gelegenheit unnd Vermögen der Verstorbenen gerichtet, 
und was ich eingenommen, hab ich nicht mir eingenommen unnd 
behaltenn, sondern dem Gasten unnd den Armen und das richtigk 
berechent — um derowegen der Handtwerger ungegründte Clage 
unnd unbillige uflage zum Danck nehmen, das ich bey dem Kastenn 
die grose muhe, Sorge unnd bekummernufs habe, das ihnen und 
ihren Kindernn Kirchen- unnd Schuldiener gehalten, Hospitahen und 
eine grofse menge armer leute mit besoldung unnd aufsteilen (und) er- 
haltenn werdenn und andere Kastens Sachen inn guter Ordnung unnd 
Richtigkeit haltenn helffe. Engelhardt Forstman 

meyn handtschrift." 

So gelangen wir mit dieser Untersuchung zu folgendem 
Ergebnis. 

Während bei Beisetzungfen in Kirchenofrüften der Sarof 
regelmäfsig verwendet wurde, herrschte im 16. Jahrhundert 
— in Zwickau und natürlich auch in einem weiteren Umkreis — 
bei Beerdigungen auf Kirchhöfen zunächst ein anderer Brauch. 
Der Sarg w-urde nämlich anfangs überhaupt nicht benutzt, die 
Leiche wurde vielmehr nach altem Herkommen auf dem Brette 
oder der Bahre auf den Kirchhof getragen und ins Grab 
gelegt. Bevor man die Erde darauf warf, wurde das Tuch, 
mit dem nach der Vorschrift die Leiche zu bedecken w^ar, 
heruntergenommen. Da aber mit diesem Verfahren für die 
Träger leicht Ansteckungsgefahr verbunden war, so wairde 
der Sarg (Truhe) eingeführt, damit darin die Leichen hinaus- 
getragen oder gefahren würden. Und damit es feierlicher 
aussehe, wurde später über den Sarg das Bahrtuch gedeckt'). 



1) In den Rechnungen des Gemeinen Kastens finden wir seit 
1586 87 das Bahrtuchgeld verzeichnet. Es bringt aber nicht viel ein, 
jede Benutzung kostet 2 Groschen, und nur wenige gebrauchen es. 
Wahrscheinlich hatten auch die bedeutenden Zünfte, wie das später 
Brauch ist, ihre besonderen Leichentücher. Engelh. Forstmann 
bemerkt in seinem Bericht über die Pest usw.: „Wen das gelt von 
den Leichtüchern auch zum Gasten wider kempt, ist hir innen 
grosser vleis zu haben mit auff sehen (!) die dem Gasten eyn kome, 
den es viell zu dieser zeit tregt undt darvon eynkompt. Der Kyr- 
gener hat des woll genossen, den es tregt so viell als das leutten 
aufserhalb der grofsen Glocken und will woll sagen mehr; denn er 



14 Otto Langer: 

Der Sarg selbst wurde aber nicht mit ins Grab gesenkt, viel- 
mehr immer wieder benutzt und an dem alten Brauche, den 
Toten unmittelbar ins Grab zu senken, festgehalten. 

Es lag nun nahe^ dafs der bei Beisetzungen übliche 
Brauch als vornehmer empfunden wurde und dafs wohlhabende 
Einwohner, wenn es ihnen nicht möglich war, die Beisetzung 
in der Kirche zu erwirken, jedenfalls ihre Angehörigen und 
sich selbst im Sarge bestattet wissen wollten. Und in der 
Tat fafste am ii. Februar 1549 der Rat der Stadt Zwickau 
folgenden darauf hinzielenden Beschlufs^): 

„Todensarch. Dieweyl es «leichwol ein wolstand ist, so ein 
ehrbarer burger oder Bürgerin mit einem sarch zur erden gestadt 
werdenn, darumb ist durch bede Rethe beschlossen wurden, das 
man hinfort, doch nach gelegenheit, vergönnen solle, das dy 
todten mit einem sarch zur erden gestadt unnd begraben werden 
sollenn." 

Indessen scheint dieser Beschlufs noch nicht den Emp- 
findungen der grofsen Menge entsprochen zu haben, vielmehr 
wurde vermutlich dort wie im Kreise der Geistlichen ein 
solches Verlangen noch als Hochmut und Überhebung emp- 
funden. Und jedenfalls vertrat diesen Standpunkt der Ver- 
fasser unsres ,, Verzeichnisses" vom Jahre 1561, der ja auf 
das entschiedenste fordert, dafs überhaupt nicht gestattet 
werde, jemand im Sarge zu begraben. Aber die Anschauvmg 
änderte sich, und nach kurzem erschien die Forderung, den 
Toten im Sarge begraben zu dürfen, nicht mehr unbillig, 
wenn es auch zuerst nur vereinzelte waren, die dieses Vor- 
recht begehrten. So wurde denn 1572 in Zwickau die Be- 
erdigung im Sarge gegen eine Geldabgabe an den Gemeinen 
Kasten gestattet; im Rechnungsjahre 1572/73 wird das „Sarg- 
geld" zum ersten Male verzeichnet. Aber es waren ihrer 
anfangs doch nur wenige, die von der Erlaubnis Gebrauch 
machten; im ersten Jahre wurde das Sarggeld zweimal gezahlt: 

,,i fl. 3 gr. eingenommen von Leonhardt Rosenlecher, das 

sein weib im Sargk begraben worden; 
2 il. 6 gr. Ursula M. Kuhncns Wittbe von Freibergk auch 

entricht, das ihr herr mit dem Sarck begraben 

worden"; 
1573/74 nur einmal: 
,,i d. 3 gr. entpfangen von Markus Messerkramers Wittben, 

das ir hauswirt seliger im Sargk begraben worden" ; 

keyns weg giebt, er bekome zuerst gelt. Wem das one gelt sali 
gegeben werden, soll des eyn zettel vom Gasten bringen." 
') Ratsprotokoll 1549 Bl. 25. 



über Totenbestattung im 16. Jahrhundert. 15 

1574/75 nicht, iSJS/l^ finden wir 6 Posten, darunter ,,3 fl. 
Georg Maurers Erben", 1576/77 7 Posten, darunter ,,4 fl. 12 gr. 
Christoph Kirsch, das sein weib, die von Bora, mit dem Sargk 
begraben worden"; dann 5, 8, 13 und (1580/81) 15 Posten. 
UrsprüngUch scheint wenigstens i fl. 3 Gr. für die Lizenz 
gefordert worden zvi sein; aber an diesem Preise konnte man 
nicht festhalten, und 1580/81 finden wir neben i fl. 3 Gr. und 
,,für Sarck und Leittgeldt" 2 fl, 18 Gr. noch 18, 12 und sogar 
IG Gr. angegeben, insgesamt 14 fl. 4 Gr. 

Gerade zu dieser Zeit scheint aber die neue Mode sehr 
um sich gegriffen zu haben: von den 1500 Menschen, die 
nach Forstmann von der Pest dahingerafft wurden, ist doch 
ein recht beträchthcher Teil im Sarge begraben worden, oder 
genauer, ist doch für sehr viele das Sarggeld bezahlt worden, 
nämlich 1581/82 für 185 Personen und 1582/83 — die Pest 
wütete noch im Herbst des Jahres 1582 — noch für 157. 
Die Lizenzgebühr betrug jetzt gewöhnlich 12 Gr. für Er- 
wachsene, 6 und 3 Gr. für Kinder; doch zahlte Matthes Spring 
für sein ,,kleens Mägdlein" 10 Gr. 6 Pf. Dann sinkt die Zahl, 
1583/84 sind es 22, 1584/85 38, darunter, was sehr bezeichnend 
ist, ,,6 gr. Wolff Brückners Taglöhners Weib". 

Wir sehen also, wie die Sitte um sich griff, wie jetzt 
sogar i\rme, die doch der grofsen Ersparnis halber an dem 
alten Brauche hätten festhalten sollen, der neuen Sitte ihren 
Tribvit zollten. Wir begreifen auch, wenn sich unter solchen 
Umständen das Verlangen geltend machte, von dem Sarg- 
geld befreit zu werden, wenn man zu erreichen suchte, dafs 
der Tote auch ohne den Erlaubnisschein des Gemeinen 
Kastens mit dem Sarge begraben wurde. Vergebens suchte 
Forstmann das Interesse des Gemeinen Kastens zu wahren^); 
vergebens wies er immer und immer wieder den Totengräber 
an, nur gegen Erlaubnisschein im Sarge zu begraben. Der 
Totengräber sah sich oft genug genötigt, w^ollte er nicht 
böses Ärgernis erregen, im Sarge zu beerdigen, ohne dafs 
für den Toten das Sarpo^eld orezahlt war. Endlich erhoben 
die Handwerker Beschwerde vor den kurfürstlichen Kom- 
missarien; und da es inzwischen vermutlich auch anderweit 
Brauch geworden war, Tote im Sarge ohne besondere Er- 
laubnis zu beerdigen, so konnte auch in Zwickau nicht mehr 
am Sarggeld festgehalten werden: am 9. Juli 1593 wurde 



') 1584/85 ist fol. 54'i bemerkt: „An Sarchgeldt eingenommen 
15 fl. 12 gr. Steigt gegen dem jhärigen umb 3 fl." Und ähnliche 
Notizen finden sich auch weiterhin. 



l6 Otto I^anger: Über Totenbestattung im 1 6. Jahrhundert. 

es abgeschafft. Und wenn auch in Zwickau und anderweit 
noch immer manche die Toten nach alter Weise beerdigen 
liefsen, nach und nach verschwand — von Pest- und Kriegs- 
zeiten abgesehen') — dieser Brauch mehr und mehr, und 
schliefslich galt es als selbstverständlich, im Sarge zu Ije- 
graben. Und hatte man sich früher bei Begräbnissen gröfster 
Einfachheit beflissen, so wurde jetzt, zunächst vom Adel, 
gewifs aber bald auch von wohlhabenden Bürgern, dabei 
solcher Prunk entfaltet, dafs die Obrigkeit einschreiten mufste. 
Endlich wurde auch mit dem Sarge nach der Auffassung der 
Obrigkeit übermäfsiger Luxus getrieben, und es wurde des- 
halb in der sächsischen Kleiderordnung vom 21. Februar 1750 
befohlen: [n.] ,,Zu Bekleidung der Leichen und Ausschlagung 
der Särge dürfen keine andere als innerhalb des Landes 
fabrizierte Waaren genommen werden" -). — 

Es ist vielleicht nicht zu erwarten, dafs sich für diese 
Frage in anderen Archiven eine Antwort von ähnlicher Be- 
stimmtheit findet, wie es hier der Fall war ; aber wunderbar 
wäre es doch, wenn man nunmehr nicht auch anderweit auf 
Belege für diese Art von Bestattung stofsen sollte. Und wenn 
meine Untersuchung Anlafs böte, in dieser Richtung Nach- 
forschungen anzustellen, so würde ich das als den besten 
Lohn derselben betrachten. Aber es verlohnt sich, solche 
Untersuchungen nicht blofs auf jene Zeit zu erstrecken; es 
scheint mir vielmehr sehr dankenswert zu sein, wenn auch 
die Begräbnisgebräuche, die noch im vorigen Jahrhundert 
geherrscht haben, von älteren Geistlichen aus ihrer Erfahrung 
oder nach den Angaben alter Leute gesammelt vmd auf- 
gezeichnet werden. Nur zu schnell verweht unsere Zeit die 
Sj)uren alter Sitten und Bräuche, und nicht immer werden 
glückliche Funde gestatten, die vergangenen Zeiten und die 
in ihnen herrschenden Anschauungen so zu beleuchten, wie 
es mir dank der Reichhaltigkeit des Zwickauer Stadtarchivs 
vergönnt war. 



') s. Codex Augusteus I, qoi 2 (Verordnung vom 2. Dez, 1713): 
„dafs . . . , wo kein absonderliclier Pestkirchhof vorhanden • • . ■ 
auf die ordentliche Kirchhöfe an einem abgesonderten Orte . . . die 
Gräber ein paar Fufs tiefer als sonst gewöhnlich gemachet, nicht 
minder die darein gebrachten Leichen mit ungelöschtem Kalck, wo 
solcher zu haben, überschüttet werden sollen . . . ." 

-; Codex Augusteus, C^ontin. I, 752. 



IT. 

Wer war 
der Erfinder des Meifsner Porzellans? 



Von 

E. ZurMEKMANN. 



Es giljt in jeder Wissenschaft Streitfragen, die nicht zur 
Kühe kommen wollen, obwohl sie für die grofsen Massen 
längst entschieden sind, ja diese kamii noch ahnen, dafs sie 
überhaupt noch Streitfragen darstellen. 

Zu diesen gehört im Gebiet der Keramik die Frage nach 
dem Erfinder des Meifsner und damit des europäischen Por- 
zellans überhaupt. 

Durch nun bald zwei Jahrhunderte hindurch ist es der 
ganz allgemeine, niemals ernstlich erschütterte Glaube ge- 
wesen, dafs der Erfinder oder vielmehr der Nacherfinder 
dieses kostbaren keramischen Erzeugnisses Johann Friedrich 
Böttger gewesen ist, jener Apothekerlehrling und Alchimist 
aus Schleiz, den der König August der Starke am Anfange 
des i8. Jahrhunderts in seinen Landen gefangen hielt, dafs er 
ihm seine vermeintliche Kunst, Gold auf künstlichem Wege zu 
gewinnen, zu seinem reichlichen Vorteil erzeige. Als solcher 
ist Bötto-er immer eine der bekanntesten, volkstümlichsten 
Persönlichkeiten Sachsens gewesen, ja auch Gegenstand seines 
Ruhmes und Stolzes. Als solchen hat man ihm in Meifsen, 
an der Stätte seiner Taten, sein Denkmal gesetzt, als solchen 
kennt ihn die o^anze Welt. Für alle diese Kreise ist die 
Erfinduno- des Porzellans unzertrennbar mit seinem Namen 
verknüpft; man würde hier nicht wenig erstaunt sein, erführe^ 
man, dafs es in dieser Hinsicht noch eine Frage gibt, dafs 
Böttgers Erfinderruhm auch nur im geringsten in Zweifel ge- 
zogen werden kann. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. i. 2. 2 



l8 E. Zimmermann: 

Dennoch hat es gewisse Zeiten gegeben, ja es gibt diese 
gerade jetzt wieder, die dies mit ganzer Entschiedenheit ge- 
tan haben, die behaupteten, nicht ßöttger, der ehemahge Gold- 
macher und alchimistische Windbeutel, vielmehr der seiner- 
zeit hochberühmte sächsische Gelehrte Walter von Tschirn- 
hausen, der Mathematiker und Ph3'siker von Weltruf, der Edel- 
mann und kaiserliche Rat am Dresdner Hofe, sei der Erfinder 
des Porzellans gewesen, Böttger hätte nur das von jenem ge- 
fundene Geheimnis nach dessen plötzlichem Tode übernommen, 
es für die eigene Erfindung ausgegeben. Böttger sei, so 
sagen diejenigen weiter, die die letzten Konsequenzen dieser 
Ansicht ziehen, überhaupt gar keine Erfindernatur gewesen, 
nur ein durchaus rml^edeutender Handlanger, ein Schwindler, 
der völlig unrechtmäfsiger Weise von den Resultaten der 
Arbeiten eines anderen gelebt hätte. Er sei demnach nicht 
blos auf dem Gebiete der Goldmacherei als ein Charlatan 
anzusehen, er sei auch auf dem der Keramik ein frecher Be- 
trüger gewesen. Zeit sei es, dem wirklichen Erfinder des 
Porzellans die ihm so lange vorenthaltenen Ehren endlich 
zurückzugeben, dem vermeintHchen, bisher geglaubten die- 
selben wieder zu entziehen und ihn als das für alle Zeiten 
hinzustellen, als was er sich jetzt endlich offenbart hätte. 

Auffallend ist, dafs diese Angriffe gegen die bisher ganz 
allgemein geglaubten Verdienste Böttgers sich in Perioden 
wiederholt haben, ebenso auffallend aber, dafs sie bisher nie- 
mals durchzudringen vermochten. Sie sind, wenigstens so- 
weit sie der Vergangenheit angehören, kaum ausgesprochen, 
schon wieder verhallt, ohne auch nur eine, wenn auch noch 
so kleine Schar von Anhängern gefunden, geschweige denn die 
Öffentlichkeit irgendwie merklich erregt zu haben: sie haben 
den allgemeinen Glauben an das Erfindertum Böttgers niemals 
ernstlich zu erschüttern vermocht. Dennoch läfst die stete 
Wiederkehr dieser Angriffe, die stets zu denselben für Böttger 
so ungünstigen Schlüssen gelangen, von vornherein die Ver- 
mutung erstehen, dafs in dieser Angelegenheit tatsächlich 
etwas nicht in jeder Beziehung klar sein kann, dafs es hier 
Punkte geben mufs, an denen der Zweifel — und immer wieder 
— ansetzen kann, und da gerade die jüngste Gegenwart 
eine jener Perioden zu sein scheint, in denen diese Zweifel 
wieder mit aller Macht auftreten, ja da sie diesmal auch 
bereits in die breitere Öffentlichkeit gedrungen sind, so ist 
es sicherhch an der Zeit, die ganze Frage nach dem Erfinder 
des Meifsner Porzellans hier noch einmal vorzunehmen und 
alle Bedenken, die gegen die Erfinderschaft Böttgers von 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 19 

ihrem ersten Auftreten an bis zur Gegenwart geltend gemacht 
worden sind, noch einmal auf ihre Ursachen hin zu prüfen. 
Denn es ist die Aufgabe derjenigen Wissenschaft, die man die 
(leschichte nennt, nicht allein das in der Vergangenheit Ge- 
schehene auch für die Gegenwart wieder in voller Klarheit 
und Wahrheit erstehen zu lassen: es ist auch ihre Pflicht, 
die Verdienste um die Förderung der Menschheit denjenigen, 
denen sie gebühren, zuzuweisen und damit die Dankbarkeit 
der folgenden Generationen an die richtige Stelle zu leiten. 



Die Behauptung, dafs nicht Böttger, sondern Tschirn- 
hausen der Erfinder des europäischen Porzellans gewesen sei, 
ist zum ersten Male schon zu Böttgers Lebzeiten ausgesprochen 
worden, freilich nur wenige Monate vor seinem Tode, als er 
bereits für einen totkranken Mann galt. Damals ^) behauptete 
ein gewisser Bussius, der zuerst Kassierer, dann Sekretär bei 
der für die Meifsner Porzellanmanufaktur eingesetzten Kom- 
mission war, in einem vom 19. Januar 17 19 datierten Berichte, 
in dem Böttger u. a. auch der Trunksucht, der Treulosigkeit, 
der schlechten Administration, kurz aller möglichen Schand- 
taten angeklagt wurde, ,,dafs die Porzellanerfindung nicht von 
Böttger, sondern von selbigem Herrn von Tschirnhausen her- 
komme und dessen schriftliche Wissenschaft ihm durch den 
Inspektor Steinbrück zugebracht worden sei". Hier wird also 
tatsächlich Böttger ganz unumwunden die Erfindung des 
Porzellans abgesprochen, ohne dafs freilich im Geringsten Be- 
weise für die auch damals ganz neue Behauptung gegeben 
werden. Doch schon diese Behauptung ist durch das ganze Jahr- 
hundert hindurch ohne jeghche Wirkung gebheben. Man hat 
ihr damals, als sie ausgesprochen ward, anscheinend nicht die 
geringste Beachtung geschenkt: sie ist mitsamt dem Berichte 
in den Akten der Porzellanmanufaktur verschwunden und dort 
über 100 Jahre vergessen worden, bis sie nach jener Zeit, 
wieder aufgefunden, von neuem, wie unten gezeigt werden wird, 
den Zweifel an Böttgers Erfinderschaft rege machte. 

Ganz unabhängig von diesen Anschuldigungen erfolgte der 
zweiteVorstofs gegen Böttgers Erfindertum, freilich erst 12 Jahre 
nach dessen Tode. Damals, d. h. im Jahre 173 1, erschien in 
der zu dieser Zeit viel gelesenen, zu Dresden erscheinenden 



1) Vgl. den Aufsatz von Hern pel in der Ersch und Gruberschen 
Encyklopädie XI, 289 ii. 

,* 



2' 



20 E.Zimmermann: 

Zeitschrift „Das sächsische Curiositäten - Cabinet" eine Ab- 
handkmg über Tschirnhausen, betitelt ,,Die denkwürdigste 
Lebensbeschreibung des Weltberühmten Herrn Ehrenfried 
Walther von Tschirnhaus auf Kiefslingswaldau und Holzen- 
berg Sr. Königl. Maj. aus Pohlen gewesenen hochbestallten 
Rath, ingleichen Nachricht von seinen Schriften und seltenen 
Erfindungen", in der — nun vor aller Öffentlichkeit und mit 
merkbarem Nachdriick, ja ganz ersichtlich zu dem Zwecke, 
einen allgemeinen Irrtum zu beseitigen — der Mann, dem 
diese Lebensbeschreibung galt, als der wirkliche Erfinder des 
Porzellans, Böttger dagegen nur als der Verbesserer der Masse 
hingestellt wird. ,,Denn eben der Herr von Tschirnhausen", 
so heifst es hier, ,,ist derjenige, so die Massen zum Porcellain 
am ersten glücklich erfunden, und hat sie erst nach ihm der 
bekannte Baron Bötticher völlig ausgearbeitet und zu Stande 
oebracht. Der Todt nehmlich unterbrach alle schönen Be- 
mühungen des Herrn von Tschirnhausen, welche die Welt 
itzo nicht mit Golde bezahlen kann"^j. Freilich Beweise für 
diese neue Behauptung gibt auch dieser Verfasser nicht. Es 
handelt sich hier eben wieder lediglich um eine blofse Be- 
haupttfhg, die auf die Autorität dessen, der sie ausspricht, 
geglaubt werden mufs. Auch sie hat daher in keiner Weise 
den Glauben gefunden, den sich der Verfasser von ihr ganz 
sicher versprochen hat. 

Aber freilich ein merkwürdiges Schwanken hinsichtlich 
dieser Frage durchzieht nach Böttgers Tode dennoch die wissen- 
.schaftliche Welt. Behauptungen der verschiedensten ja un- 
mittelbar sich widersprechenden Art stellen sich gegenüber. 
Da ist zunächst Iccander, der in seiner im Jahre 1730 zu Dresden 
erschienenen Beschreibung Meifsens ganz ohne Umschweife 
erklärt, dal's auch Tschirnhausen im ,, vorigen Jahrhundert 
Porzellan aber ohne Effekt gearbeitet habe"-). Sieben Jahre 
früher berichtet der Breslauer Arzt und Polyhistor Kundmann: 
,,Nach der Zeit hat der berühmte Herr von Tschirnhausen 
in Dressden dem damaligen Herrn Baron Bötticher eine 
Methode eröffnet, wie man auch allda könnte dem Sinesischen 
gleichendes F^orcellain machen; welches dieser auch aus einer 
geschwemmten aschfarbigten Land Erde, wie selbige unlängst 



'j Sachs. Curiositäten -Cabinet. Drittes Repositorium. Dresden, 
bey Peter George Mohrenthalen 1732. 

-) Iccander, Das wegen seines Altertums, Ruhms und lustigen 
angenehmen Gegend in ganz Europa bekannte krmigliche Meilsen 
in Sachsen (Dresden 1730J S. 53. 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 21 

von einem guten Freund erhalten, zu Stande gebracht"^). 
Hier wird also Tschirnhausen schon ein wesentUcher Anteil 
an der Porzellanerfindung zuerkannt. Diese Stelle findet sich 
dann im Jahre 1741 in Zedlers Universallexikon in der dem Por- ' 
zellan gewidmeten Abhandlung nachgedruckt"). Weit unbe- 
stimmter hat man sich wieder an anderen Stellen ausgedrückt. 
So sagt Budäus in dem „glorreichen Leben Friedrich Augusts, 
König von Pohlen" nur, dafs Böttger das Porzellan ,, durch Ver- 
mittlung Tschirnhausens" erfunden hätte '^l, während Milly in 
seiner bekannten Abhandlung ,,Die Kunst das echte Porzellan 
zu verfertigen" berichtet: „Herr von Tschirnhausen erfand eine 
Komposition zu Porzellan, welche allem Ansehen nach eben 
dieselbe war, die in Sachsen gebräuchlich ist^), eine Ansicht, 
die sich dann noch mehrfach in den Schriften der Zeit nach- 
gedruckt findet-^). Ein unmittelbares Absprechen der Erfindung 
Böttger gegenüber ist aber allem Anscheine nach in diesem 
Jahrhundert nicht wieder erfolgt. 

Dies geschah erst wieder am Beginne des folgenden Jahr- 
hunderts und war in der Hauptsache eine Folge des nun wieder 
in den Akten aufgefundenen oben erwähnten Berichtes von 
Bussius. Es geschah in der von Hempel für die Ersch und 
Grubersche*^) Encyklopädie geschriebenen Biographie Böttgers. 
Auch Hempel nahm an, dafs jener schon oben erwähnte Stein- 
brück, der anfangs Gehilfe Tschirnhausens, dann nach dessen 
Tode Böttgers gewesen war und später Inspektor der Manu- 
faktur und Schwager Böttgers ward, Böttgern das von Tschirn- 
hausen entdeckte Geheimnis übermittelt hätte, und er ward 
in dieser Ansicht scheinbar noch dadurch bestärkt, dafs sich 
ein Schriftstück aus dem Jahre 1715 vorfand, dessen Titel 
er: „Nachrichten von denen im Kursächsischen Erzgebirge 
befindlichen und raren Gesteinen u. s. w. von J. H. Stein- 
brück, Inspektor der Manufaktur des sächs. Porzellans 1715 
mense Majo zu Dresden" nennt, ferner durch eine Anzeige 

i| Vgl. Braun, Joh. Christ. Kundmann als Quelle für die Kunst- 
geschichte des X\11I. Jahrhunderts, in Schlesiens Vorzeit in Bild 
und Schrift N. F. III, 109. 

-') Ygl Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und Natur- 
wissenschaften Nr. 19, V (1900), 535. 

ä| Budäus, Glorreiches Leben Friedrich August, Königs von 
Pohlen usw. 2. Auflage. Leipzig 1734- 

^) Abgedruckt in Schauplatz der Künste und Handwerke XIII 

^) Siehe B. We inert, Topog. Geschichte der Stadt Dresden 
U777), S. 339. ^ 

*') Ersch und Gruber Encyplopädie XI, 279—293. 



2 2 E. Zimmermann: 

Böttgers vom ii. April 1709, ,, welcher gestalt er eine ganz 
neue Art von massiven Glasstücken zu machen wisse, aus 
welchen schätzbare Sachen, so aller Welt Admiration ver- 
dienen sollte u. s. w.". Denn beide Angaben schienen, da 
Tschirnhausen mit ganz besonderem Eifer ganz Sachsen auf 
seine kostbaren und verwertbaren Gesteine hin durch Jahre 
hindurch geprüft hatte und gleichfalls künstliche Edelsteine 
hergestellt haben sollte, nur die Bestätigung der Annahme 
zu sein, dafs Böttger und Steinbrück sich Tschirnhausens 
geistiges Eigentum angeeignet und für das ihrige ausgegeben 
hätten. Auch berief sich Hempel auf das Zeugnis Fontenelles, 
der in seinem Eloge de Mrs. Tschirnhaus ^), das er nach dessen 
Tode in der Pariser Academie des sciences vorgelesen, berichtet 
hatte: ,,Mr. de Tschirnhaus revint ä Paris pour la quatrieme (et 
derniere) fois en 1701 et fut assez assidu ä l'academie: 
Pendant ce sejour ä Paris il fit part ä Mr. Homberg d'un 
secret qu'il avait trouve aussi surprenant que celui de tailla 
ses grands verres; c'est de faire de la porcellaine toute pareille 
ä Celle de la Chine; .... Mr. Tschirnhaus avait donne ä 
Mr. Homberg sa porcellaine en echange de quelques secrets 
de chimie" usw. Hier schien es in der Tat ganz deutlich 
zu stehen, dafs Tschirnhausen das Porzellan erfunden hätte, 
ein Zweifel daran schien kaum noch möglich. 

Doch auch diese nunmehr in voller Öffentlichkeit vor- 
getragenen Angriffe gegen Böttgers Erfinderruhm hatten keinen 
gröfseren Erfolg als alle vorhergehenden. Es ist mir nicht 
bekannt, dafs sie in irgend einem über Böttger oder Tschirn- 
hausen handelnden Werke oder Aufsatze der folgenden Zeit 
Aufnahme gefunden hätten, ja sie wären vielleicht gänzlich 
in Vergessenheit geraten, hätte sie nicht C. A. Engelhardt, 
der erste und bisher einzige beachtenswerte Biograph Böttgers, 
in seiner Biographie dieses Mannes noch einmal angeführt, 
nur um sie gründlich zu widerlegen und Böttger seinen alten 
Ruhm zu bewahren. 

Wiederum fast ein ganzes Jahrhundert lang ist dann 
Böttgers Erfinderruhm unangetastet gebliöben. Man hat ihm 
sein Denkmal in Meifsen gesetzt, man hat ihm auch sonst bei 
allen Gelegenheiten den schuldigen Dank abgestattet. Erst 
der allerjüngsten Zeit ist es vorbehalten geblieben, hier wieder 
eine Änderung eintreten zu lassen, und gleich von zweien, wie 
es scheint gänzlich voneinander unabhängigen Seiten sind 
die Angriffe gegen seinen vermeintlich falschen Ruhm von 



^ *) Fontenelle, Eloges des academiciens. i. Ausgabe. 1708. J 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 23 

neuem erfolgt. Zunächst durch Reinhardt in seinen in dem 
Jahresbericht der Fürsten- und Landesschule St. Afra in Meifsen 
1903 abgedruckten „Beiträgen zur Lebensgeschichte von 
Ehrenfried Walther von Tschirnhaus". An Beweisen seiner 
Ansicht o-]aubt er deren drei zu besitzen. Zunächst handelt 
es sich um eine bisher schon ganz allgemein bekannte, zu 
diesem Zwecke aber bisher noch nicht ausgenutzte Angabe 
der ersten vorhandenen Lebensbeschreibung Tschirnhausens 
in der damals hoch angesehenen Gelehrtenzeitung der acta 
eruditorum^), die schon wenige Monate nach dessen Tode 
am Anfange des Jahres 1709 erschien und neben der Lebens- 
schilderung dieses Mannes auch das Lob seiner Verdienste in 
den Wissenschaften singt. Sie besagt: ,,Unum memoramus, 
quod massam, ex qua vasa Porcellana confici possunt, aptissi- 
mam in nostra regione invenit, ut vasa inde facta, quamvis 
minori longe pretio parentur, bonitate tamen aequent orien- 
talia, id quod justi harum rerum aestimatores candide testati 
sunt". Hier schien gleichfalls, wie in den oben erwähnten 
Angaben Fontenelles, aufs allerdeutlichste Tschirnhausen als 
Porzellanerfinder angegeben zu sein. Weiter werden die oben 
bereits angeführten Angaben der im Sächsischen Curiositäten- 
Cabinet vom Jahre 1 7 3 1 erschienenen Lebensschilderung Tschirn- 
hausens wiederholt, und dann wird schliefslich als einziger 
neuer Beweis ein bisher noch nicht beachteter Brief Böttgers 
herangezogen, den dieser unmittelbar nach Tschirnhausens 
Tode an den damaligen Statthalter des Königs, den Fürsten 
von Fürstenberg, schrieb, in dem von einem ,, kleinen porcellan 
becherchen, so Herr von Schürnhausen gemacht", berichtet 
wird, den damals in der durch Tschirnhausens Krankheit und 
Tod entstandenen Verwirrung ein Arbeiter desselben mit 
mehreren Wertsachen zusammen sich angeeignet hatte, doch 
allem Anscheine nach, da dieses Becherchen damals als etwas 
ganz Besonderes, als der Träger eines grofsen Geheimnisses galt. 
Nur drei Jahre später, im vergangenen Jahre, hat dann 
Hermann Peters in einer bisher nur als Manuskript vorhandenen 
Abhandlung gleiche Versuche wie Reinhardt unternommen. 
Was aber bisher über diese bekannt geworden ist^), gibt nicht 



') Elogium Ehrenfridi Waltheri von Tschirnhaus. Acta Eru- 
ditorum publicata Lipsiae Calendis Januarii Anno 1709. S. 41 — 48. 

-) Vgl. in den Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und Natur- 
wissenschaften V (1906), 534, den Bericht über den Vortrag von Paul 
Diergart: Was wissen wir gegenwärtig von der Erfindung-sgeschichte 
des europäischen Porzellans mit Benutzung eines Manuskriptes des 
Herrn Peters-Hannover. 



24 



E. Zimmermann: 



die geringsten neuen Argumente oder Beweise. Es scheint 
lediglich ein Teil der vorher angeführten Stellen gewesen zu 
sein, die ihn zu seiner Ansicht geführt haben. Man kann daher 
diese Darstellung, die leider einen ziemlich dilettantischen Ein- 
druck zu machen scheint, bei der folgenden Untersuchung 
über die Berechtigung aller dieser soeben aufgeführten Be- 
hauptungen und Ansichten wohl ganz aufser acht lassen. 



Bevor diese Untersuchung angestellt werde, ist es zu- 
nächst unumgänglich nötig, aufs allergenaueste festzustellen, 
was wirklich Authentisches und Glaubwürdiges über Tschirn- 
hausens Verhältnis zu den damaligen Bestrebungen, das Por- 
zellan zu erfinden, und zu dessen endlicher Erfindung, nament- 
Hch aus seiner eigenen Zeit, berichtet wird. Vor allem aber 
gilt es sich darüber völlig klar zu werden, worin diese Er- 
findung bestand, womit sie begann, womit sie endete. Erst 
dann wird es überhaupt möghch sein, den Anteil, der Tschirn- 
hausen an dieser Erfindung gebührt, genau festzustellen, erst 
dann möglich sein, zu erkennen, ob dieser ein ganzer, ein 
teilweiser oder gar keiner war. Denn die Erfindung des Por- 
zellans war, wenn sie in logischer Weise vor sich gegangen, 
d. h, nicht lediglich, wie man lange geglaubt hat, die Folge 
eines blofsen Zufalls gewesen ist, die Aufeinanderfolge von 
mehreren Entwicklungsstufen: es galt zunächst das Prinzip 
der Zusammensetzung dieses rätselhaften Stoffes theoretisch 
zu erkennen, d. h. in der Hauptsache das Wesen seiner ver- 
schiedenen Bestandteile, es galt weiter auf Grund dieser Er- 
kenntnis die richtigen Materialien in der Natur aufzufinden, um 
diesen Stoft" dann in der Praxis erstehen zu lassen, schliefs- 
lich die Technik seiner Bearbeitung so zu erlernen, dafs man 
ihn wirklich zu dem zu verwenden vermochte, zu dem man 
das Porzellan damals zu verwenden pflegte. Das besondere 
Prinzip der Zusammensetzung lag darin, dals beim Porzellan 
gegenüber den sonstigen in der Keramik verwandten Materi- 
alien, die fast alle in der Natur beinahe schon fertige 
Töpfertone darstellen, hier zwei ganz verschieden geartete, 
ja sogar entgegengesetzte Stoft'e miteinander verbunden werden 
mufsten, ein in der Gluthitze des Brennofens beständiger und 
ein dort schmelzender, flüssiger. Diese für die Keramik ganz 
neue Erkenntnis war die eigentliche Schwierigkeit der ganzen 
Porzellannacherrindung, diejenige, die, da sie der ganzen bis- 
herigen Keramik so gänzlich fern lag, diese Erfindung in der 
Hauptsache so lange verzögert hatte. Die Gewinnung der 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 25 

richtigen Materialien beruhte dann auf der Auffindung des in 
der Natur an vielen Stellen in reinem Zustande vorkommenden 
Kaolins als des feuerfesten Bestandteils, und des Feldspats 
als flüssigen. Hier konnte naturgemäfs der Zufall eine grofse 
Rolle spielen, hier war. der Erfolg lediglich vom Probieren 
und Experimentieren mit immer neuen Erdarten zu erhoffen. 
Aber selbst dann war, ganz abgesehen, dafs auch noch 
immer die beim Porzellan gleichfalls ganz besonders geartete 
Glasur fehlte, mit dem erfundenen Stoffe nicht allzuviel an- 
zufangen, so lange man es nicht verstand, die vielen techni- 
schen Schwierigkeiten, die das Porzellan bei seiner praktischen 
Verwendung darbietet, zu überwinden. Alle diese drei Etappen 
erforderten zu ihrer Überwindung eine ganz besondere origi- 
nale Begabung. Vorurteilslos mufste, wer dieser schwierigen 
Aufgabe sich unterziehen wollte, an sie herantreten, er mufste 
einen grofsen Teil dessen vergessen, was sonst die Keramik 
lehrte, mufste immer neue Auswege finden, wenn immer neue 
Schwierigkeiten sich einstellten. Nur als eine Folge aller dieser 
Schwierigkeiten ist es zu erklären, warum das Porzellan der 
Chinesen für uns Europäer so lange ein Problem blieb, warum 
seine Lösung, obwohl sich nicht die schlechtesten Köpfe ihrer 
Zeit darum bemühten, über 200 Jahre gedauert hat, undschliefs- 
lich, als es erfunden ward, das Verdienst des glücklichen Er- 
finders als ein so grofses da stand, ja bis auf den heutigen 
Tag noch da steht, dafs man immer ein so grofses Interesse 
daran gehabt zu haben scheint, den wirklichen Erfinder end- 
gültisf festzustellen. 

Was ist nun Tschirnhausens erkennbares, beweisbares Ver- 
dienst an dieser ganzen Entwicklung gewesen? Hat er, wenn 
nicht — was feststeht — an allen Etappen, so doch wenig- 
stens an einer derselben einigen oder gar den Hauptanteil 
gehabt, so dafs ihm daraufhin wenigstens ein Teil der Er- 
findung zu gute gerechnet werden mufs? Um diese Frage 
klarzustellen, sei jetzt die Feststellung alles dessen, was wirk- 
lich Begründetes über Tschirnhausens Verhältnis zur Porzellan- 
erfindung berichtet worden ist, vor allem was die eigenen 
Zeitgenossen hierüber ausgesagt haben, begonnen. 

Fest steht zunächst, dafs Tschirnhausen, dessen eifrigstes 
Bestreben dahin ging, Sachsen, seinem Vaterlande, in einer 
Zeit, in der nach dem Vorbilde Frankreichs allgemein der 
nationale Industrialismus erwachte, eine einträgliche Industrie 
zu verschaffen, mit allem Eifer und aller Konsequenz sich 
auch an das wichtigste industrielle Problem seiner Zeit machte, 
dessen Lösung, da sie zunächst konkurrenzlos dastand und 



20 E. Zimmermann: 

Europa auf diesem Gebiete von China und Japan gänzlich 
unabhängig machen konnte, eine ganz ungewöhnliche Einnahme- 
quelle zu werden versprach. Da er aus ähnlichen Gründen 
schon früher ganz Sachsen auf seine Gesteine und Erden hin 
untersucht hatte, so lebte er sicherlich der Hoffnung, dafs 
hierbei das Auffinden der zur Porzellanfabrikation notwendigen 
Materien sich für ihn wesentlich erleichtern dürfte. 

F^t steht weiter, dafs Tschirnhausen lange schon, bevor 
Böttger im Jahre 1701 in Dresden erschien und hier mit seiner 
Goldmacherei sich abquälte, mit obigen Bestrebungen begonnen 
hatte, d. h. noch, am Ende des 18. Jahrhunderts, und dafs er 
eine Zeitlang und gerade damals der festen Überzeugung ge- 
lebt hat, das Porzellan auch wirklich erfunden zu haben. 

Weiter läfst sich authenthisch nachweisen, dafs er dann 
nach einer ganzen Reihe von Jahren — fest bestimmen läfst 
sich zunächst nur das Jahr 1708 — die Erfindungsversuche mit 
Böttger wieder aufnahm, dafs aber die erste Nachricht von 
der nun wirklich geglückten Erfindung des Porzellans, die 
dann zur Begründung der Meifsner Manufaktur geführt hat, 
erst vom März des Jahres 1709 stammt. Damals zeigte Bött- 
ger dem König diese Erfindung mit mehreren anderen an und 
bat um Einsetzung einer Kommission zu ihrer Prüfung^). In- 
zwischen jedoch war Tschirnhausen ganz unerwartet nach 
kurzer Krankheit am 11. Oktober des vergangenen Jahres 
gestorben. Er hatte das Ende dieser Entwicklung nicht mit 
erlebt. 

Für Tschirnhausens eingehende Beschäftigung mit dem 
Problem des Porzellans noch im 17. Jahrhundert dient zunächst 
als Zeugnis ein von Leibnitz an Tschirnhausen geschriebener 
Brief vom 20. Oktober 1694. Es heifst hierin: ,, Dürfte ich 
wohl umb ein stückgen von ihrem mit dem Brennglas ge- 
schmolzenen porcellan bitten, darauff angeflogen gold, dabei 
man siehet, wie es gleichw^ohl dem glass die Farbe mitteilet". 

Doch gesetzt selbst, die Theorie Tschirnhausens hätte 
dadurch aufklärend gewirkt, dafs sie die landläufige Ansicht 
der Zeit von einer besonderen ,, Porzellanerde" dauernd be- 
seitigt und auf diese Weise wenigstens den Ausgangspunkt 
für das Suchen nach dem Geheimnis des Porzellans richtig 
bezeichnet hätte, der scharfe Gegensatz zwischen den beiden 
Hauptbestandteilen dieses Stoffes, zwischen^ dem feuerbestän- 
digen und dem schmelzbaren, der erst die eigentliche Haupt- 



') Vgl. hierüber meinen Aufsatz in dieser Zeitschrift XXVII: 
In welchem jähre wurde das Meifsner Porzellan erfunden? S. 73. j' 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 27 

eigeutümlichkeit des Porzellans ausmacht, war dadurch noch 
in keiner Weise erkannt. Das schwierigste Stück der theo- 
retischen Erkenntnis war damit immer noch erst zu leisten. 
Dafs Tschirnhausen aber auch dieses damals schon getan hat, 
dafs er damals schon irgendwie die Natur der Porzellan- 
bestandteile gekannt hat, dafür fehlt jegliche Nachricht, wie 
auch jeglicher Anlafs es zu vermuten. Wir haben daher auch 
nicht das geringste Recht, diese für die ganze Weiterent- 
wickelung dieser Bestrebungen so wichtige Tat an dieser 
Stelle schon Tschirnhausen zuzuschreiben. 

Wie aber stand es mit den rein praktischen Resultaten der 
damaligen vermeintlichen Porzellanerfindung Tschirnhausens? 
Was ergab sich, wenn er seine Theorie in die Praxis um- 
setzen wollte? Die Angaben Fontenelles, denen wir die 
Nachricht von Tschirnhausens obengenannter Theorie ver- 
danken, enthalten hierüber nichts. Doch besitzen wir ein anderes 
Zeugnis, freilich das einzige, das sich aus dieser Zeit hierüber 
erhalten hat. Es findet sich in dem schon in meinem ersten an 
dieser Stelle veröffentlichten Aufsatz über das Jahr der Por- 
zellanerfindung erwähnten, im Besitz der Königlichen Porzellan- 
sammlung zu Dresden befindlichen Bericht vSteinbrücks aus 
dem Jahre 17 17, der nichts weniger als eine vollständige 
Darstellung der ganzen industriellen Tätigkeit Tschirnhausens 
und Böttgers bis zum Jahre 17 17 gibt. Dieser Bericht, 
wie schon damals gesagt, hier aber wiederholt werden mufs, 
stellt sich als ein ungemein klar und sachlich geschriebenes, 
281 Seiten umfassendes Schriftstück dar und war zur Vorlage 
für den König August den Starken bestimmt. Er ist die 
wichtigste QueUe, die wir über Böttgers industrielle Bestre- 
bungen besitzen, und kann auch als eine der allerzuverlässigsten 
gelten. Denn sie stützt sich zunächst, wie man heute noch 
auf dem Dresdner Hauptstaatsarchiv nachprüfen kann, wo es 
nur irgend anging, auf die Dokumente, die Akten der Zeit. 
Im übrigen hat keiner den ganzen hier geschilderten Be- 
strebungen so nahe gestanden wie ihr Verfasser. Er war 
anfangs Erzieher der Söhne Tschirnhausens gewesen, dann 
sein Gehilfe bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten. Nach 
Tschirnhausens Tode ward er die rechte Hand Böttgers, bald 
auch sein Schwager und schliefslich Inspektor der Meifsner 
Porzellanmanufaktur. Er erscheint allen, die vorurteilslos an ihn 
herantraten und seine ganze Lebensgeschichte kennen, als ein 
durchaus ehrlicher, zuverlässiger, gewissenhafter und beschei- 
dener Mensch, der niemals selbstsüchtige Absichten verraten, 
niemals von Ehrgeiz sich geplagt gezeigt hat. Er ist sicherlich. 



28 E. Zimmermann: 

wie ich schon früher gesagt, unter allen Leuten, die damals mit 
Böttger und seinen Bestrebungen in nähere Berührung gekommen 
sind, die allers\'mpathischste Persönlichkeit gewesen. Dieser 
berichtet nun in dem Kapitel, in dem er von dem Bestreben 
Böttgers, auch eine Fa3-encefabrik zu begründen, spricht: 
,, Dieser von Tschirnhaus hatte bereits ao. 1699, bevor der 
H. von Böttger in Sachsen kommen, sich mit porcellain- 
Machen bemühet, und weifse unglasierte Gefäsgen bev denen 
Töpfern und in der Glashütte zu Dresden brennen lassen, 
hat es aber nachgehends wieder davon abstrahiret, weil ihm 
vielleicht die Glasur nicht bekannt gewesen oder Er aus 
anderen Ursachen zu dieser invention kein rechtes Vertrauen 
gehabt" 1). 

Was geht aus diesem Zeugnis hervor? Dafs Tschirn- 
hausens praktische Ergebnisse auf dem Gebiet der Porzellan- 
erzeugung in keiner Weise brauchbar waren, dafs man von 
einer wirklich gelungenen Porzellanerfindung damals in keiner 
Weise sprechen konnte. Ja wenn Steinbrück berichtet, dafs 
Tschirnhausen in seinen Glashütten und bei den Töpfern 
in der Stadt sein Porzellan damals hat brennen lassen, so 
läfst diese Nachricht es so gut als ausgeschlossen erscheinen, 
dafs die von ihm verwandte Masse die wirklich echte oben 
charakterisierte Porzellanmasse o-ewesen sein kann. In den 
Ofen einer Glashütte und denen gewöhnlicher Töpfer — um 
solche kann es sich damals nur gehandelt haben, da es in 
Dresden keine anderen gab — kann man die echte Porzellan- 
masse nicht gar brennen. Dafür erfordert sie einen zu hohen 
Hitzegrad, den nur eigens hierfür gebaute Öfen gewähren 
können, deren Konstruktion neues Nachdenken, neues Experi- 
mentieren erfordert hätte. Von derartigen Dingen ist aber 
niemals in dieser Zeit die Rede. 

Doch mehr als alles andere beweist Tschirnhausens ganzes 
späteres Verhalten in dieser Angelegenheit den damaligen vollen 
Mifserfolg, ja das Angelangtsein an einem völlig toten Punkt. 
Er, der so eifrig darauf ausging, Sachsen eine grofse gewinn- 
bringende Industrie und auch sonstige neue Einnahmequellen 
zu verschaflen, er, der Schleifmühlen und Glashütten anlegt 
und vom König subventionieren läfst, er läfst jetzt diese ver- 
meintliche Erfindung des Porzellans, die tausendmal wichtiger 
und gewinnbringender war als alles üljrige, was er bisher 
für die Industrie Sachsens unternommen hat, völlig liegen. 
Man hört zunächst nichts von weiteren Versuchen auf diesem 

'j Steinbrück a. a. Ü. S. 47. 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 



29 



Gebiet, nichts von dem Bestreben, nun auf seine Erfindung 
hin ernstlich eine Porzellanmanufaktur zu begründen, mit 
anderen Worten, nichts von der geringsten Ausnutzung seiner 
scheinbar epochemachenden Erfindung, die für ihn eine ganz 
selbstverständliche gewesen wäre. Ja, als im Jahre 1703 von 
Tschirnhausen einmal Bericht abgefordert wird über seine 
ganze bisherige industrielle Tätigkeit, da weifs er über alle 
übrigen Unternehmungen die genauesten positiven Angaben 
zu machen, über die Porzellanerfindung und ihre Ausnützung 
aber berichtet er: 

„Des Porcellains wegen habe dieses wenige mit Dero hohen 
Erlaubniss gedenken wollen, dafs der Herr Baron Kannenstein zeit 
dero Abwesenheit in Dresden gewesen, und diese Invention wie vor- 
mals noch von mir verlanget auch darnach diese Sache ferner durch 
Brieffe urgirt. Nun hätte es zwar höchstnöthig gehabt, meinen 
Credit zu retten und da so lange hiermit aufgehalten worden: Ich 
habe aber dennoch etwas Geduld noch haben wollen etwan dem- 
jenigen Projekt und Memorial nach, so selbst die Ehre gehabt zu 
übergeben eine erfreuliche Revolution hierüber zu vernehmen" '). 

Gewundener, ausweichender kann man sich doch wohl 
kaum ausdrücken, als es hier geschieht. Man wird stark an 
die Anworten erinnert, die Böttger gab, wenn man endlich 
von ihm das gewünschte künstliche Gold verlangte'). Kurz, 
wer Tschinihausens Tätigkeit kennt und seine ganzen Bestre- 
bungen, der wird sofort erkennen, hier hat allem Anscheine 
nach eine grofse Selbsttäuschung vorgelegen, die sicherlich 
als solche sich offenbart haben wird, sobald man in die eigent- 
liche Praxis treten w-ollte. 

Diese Selbsttäuschung aber wird aller Wahrscheinlichkeit 
nach darin bestanden haben, dafs Tschirnhausen es ergangen 
ist wie allen seinen Vorgängern auf dem Gebiet der Porzellan- 
erfindung, die sich in völlig gleicher Weise gerühmt hatten, 
das chinesische Porzellan nacherfunden zu haben, und aus 



1) S. HStA. Loc. 7416. 

■-) Übrigens ist Tschirnhausen keineswegs ein so bescheidener 
und gewissenhafter Gelehrter gewesen, wie man allgemein auf Grund 
des elogiums in den acta eruditorum anzunehmen pflegt. Kein 
geringerer als Leibnitz, mit dem Tschirnhausen eine Zeit lang im 
eifrigsten Briefwechsel stand, hat ihn einen Menschen genannt, der 
„bissweilen ein wenig zu geschwind gehet und doch dabej' gar hoch 
spricht; ich möchte ihm aber candorem dabey wünschen, den er 
zwar otft recommandirt, aber nicht allemahl selbst übet". Diese Be- 
urteilung ist doch für einen Gelehrten etwas bitter. Unter diesem 
Fehler scheinen auch seine wissenschaftlichen Taten gelitten zu 
haljen. Vgl. Weifsenborn , Lebensbeschreibung des E. \V. von 
Tschirnhaus (Eisenach 1866) S. 203 fl. 



5 E. Zimmermann: 

der vermeintlich echten Porzellanmasse auch bereits Gefäfse 
herzustellen gewufst hatten: sie hatten alle, wie oben schon 
kurz angedeutet, eine Masse zusammengebracht, die äufserlich, 
d. h. namentlich hinsichtlich der Farbe und der Durchschein- 
l)arkeit, dem echten Porzellan glich, innerlich aber, d. h. vor 
allem hinsichtlich ihrer Festigkeit (da es sich so gut wie 
immer um eine Art Glasmasse, um eine ,,Fritte", gehandelt hat, 
nicht aber um ein wirkliches keramisches Produkt) aller jener 
Vorzüge entbehrte, um derentwillen das Porzellan so geschätzt, 
seine Nacherfindung damals so lebhaft anerstrebt ward. Weich - 
oder Frittenporzellan nennt die Technik heute diese Surrogate, 
man sollte sie eigentlich gar nicht mehr mit dem Namen 
,, Porzellan" belegen, der immer nur Verwirrung angestiftet 
hat, vor allem auch, wie später gezeigt werden wird, in der 
hier zur Untersuchung stehenden Frage, ja vielleicht allein 
Schuld daran ist, dafs es noch immer hinsichtlich des Er- 
finders des wirklich echten Porzellans eine Frage gibt. 

Somit ergibt sich aus allen Berichten der Zeit, dafs man 
mit allergröfster Wahrscheinlichkeit annehmen darf, dafs Tschirn- 
hausen damals weder theoretisch das Prinzip des Porzellans 
gekannt, noch diesen Stoff praktisch hat herstellen können. 
Die \yeiterentwicklung dieser Bestrebungen, die zweite 
Periode der Porzellanerfindung, die der gemeinsamen Arbeit 
Böttgers und Tschirnhausens, macht diese Annahme zur Ge- 
wifsheit. Sie zeigt nach allem, was wir über sie wissen, aufs 
allerdeutlichste, dafs damals die Arbeiten zum Zwecke der 
Porzellanerfindung wieder gänzlich von neuem begonnen 
wurden, dafs sie von einem gänzlich anderen Punkte als vor- 
dem ihren Ausgang nahmen, und dafs nur deshalb, weil man 
von diesem neuen Ausgangspunkt ausging und dadurch auf 
ganz andere Wege gelangte, man endlich an das Ziel kam, 
das allen diesen Bestrebungen von Anfang an zu Grunde lag. 

Wir sind heute genauer orientiert, auf welche Weise 
schliefslich das Geheimnis des echten Porzellans in Dresden 
aufgedeckt und seine Masse wirklich zum ersten Male ge- 
funden wurde. Wir wissen jetzt ganz genau, dafs diese Ent- 
deckung im Verlauf der alchimistischen Untersuchungen 
fiöttgers und Tschirnhausens erfolgte, als eine fast logische 
Folge der durch diese Untersuchungen festgestellten Resultate. 
Schon von anderer Seite') ist vor einigen Jahren — aber 



fc. 



^) Heintze, Beitrag: zur Geschichte der europäischen Porzellan- 
fabrikation. Zeitschrift für Arc^iitektur und Ingenieurwesen (1878) 
S. 387. 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 31 

weil an entlegener Stelle, viel zu wenig beachtet und da- 
her kaum noch von der Wissenschaft benutzt — ein früher 
völlig unbekannter Bericht des 18. Jahrhunderts über Böttgers 
alchimistische Tätigkeit und seine sich daran anschliefsenden 
keramischen Bestrebungen veröffentlicht worden, em Bericht, 
dessen Darstellung innerlich so wahr und folgerichtig erscheint, 
dafs an seiner Glaubwürdigkeit in der Hauptsache nicht ge- 
zweifelt werden kann. Eine so logische Aufeinanderfolge von 
Tatsachen, Untersuchungen, Feststellungen und hierauf sich 
aufbauenden Weiterbestrebungen kann niemals nachträglich 
zusammenerfunden werden, um für das Phänomen der endlichen 
Porzellanerfindung eine Erklärung zu geben. Hier mufs in 
dieser späteren Darstellung ein älterer Bericht oder eine 
sichere Tradition verarbeitet sein. In diesem Bericht wird 
nun aufs allerdeutlichste geschildert, dafs und wie Böttger 
imd Tschinihausen von ihren eingehenden alchimistischen Unter- 
suchungen aus fast wie von selber auf die Idee kamen, auch 
keramische Versuche zu unternehmen, wie sie hierbei anfangs 
noch gar nicht auf die Gewinnung von Porzellan ausgingen, 
wie aber dann ein zur Überwindung gewisser keramischer 
Schwierigkeiten neu eingeführtes Prinzip sie auf den Gedanken 
brachte, auf Grund desselben Prinzips auch das Porzellan 
zu suchen, das dann auch tatsächlich auf diese Weise nach 
vielen Versuchen glücklich gefunden ward. Es ist hier nicht 
der Ort, die Darstellung dieser Entwickelung mit ganzer Aus- 
führlichkeit vorzuführen. Es ist bereits vom glücklichen Auf- 
finder dieses Berichtes unternommen worden und wird auch 
vom Verfasser vorliegender Untersuchung an anderer Stelle 
versucht werden. So viel jedoch mufs hier gesagt werden, dafs 
dieses neu entdeckte Prinzip eben das oben angegebene des 
Porzellans, d. h. das des Vermengens zweier sich im Feuer 
entoeo-engesetzt verhaltener Bestandteile war, dafs auf diese 
Weise zunäch.st das noch heute so sehr geschätzte bekannte 
rote oder Böttgersteinzeug gefunden ward, das man damals 
schon für Porzellan hielt, und dafs dieses nun so glänzend 
bewährte Prinzip dann weiter entwickelt und auf weifslar- 
bige Stoffe systematisch übertragen, die Entdeckung des Por- 
zellans herbeiführte, sobald den Suchenden die richtigen 
Materialien in die Hände fielen. 

Dreierlei ist bei diesem Berichte für die hier vorliegende 
Frage von gröfster Wichtigkeit: zunächst eben, dafs man da- 
mals bei den keramischen Versuchen, die zur Porzellanerfin- 
dung führten, wieder ganz von vorne anfing, weiter dafs man 
als Endziel anfangs noch gar nicht die Erfindung des Por- 



22' E. Zimmermann: 

zellans ansah, endlich dafs das Prinzip, das scWiefsUch zu 
dieser Ertindung führte, erst jetzt ganz neu, ja zunächst nicht 
einmal im Hinblick auf diese, gefunden ward. Was ergibt 
sich aus diesen drei Feststellungen mit zwingender Gewalt? 
Ganz ohne Zweifel, dafs diese letzten keramischen Ver- 
suche nichts mit jenen früheren, scheinbar geglückten 
Tschirnhausens zu tun gehabt haben, dafs sie nicht als eine 
blofse, nur noch glücklichere Fortsetzung derselben zu gelten 
haben, sondern dafs sie einen gänzlich neuen Anfang dar- 
stellen, einen Anfang, bei dem man zunächst betreffs der Her- 
stellung des Porzellans ebenso klug war, als wenn Tschirn- 
hausen sich früher niemals mit diesem Problem beschäftigt, 
ja niemals jenen Stoff erfunden hätte, den er damals für Por- 
zellan gehalten und ausgegeben hatte. Für die wirkliche 
Porzellanerfindung sind demnach jene früheren Versuche 
Tschirnhausens völlig bedeutungslos gewiesen. Auf Grund 
dieser — das ist das wichtige Endresultat dieser ganzen bis- 
herigen Feststellungen — gebührt ihm darum auch nicht 
der geringste Anteil an ihr, weder hinsichlich der Erkenntnis 
des Prinzips, noch hinsichtlich seiner praktischen Durchführung. 

Was Tschirnhavisen früher erfunden und hergestellt hatte, 
kann tatsächHch demnach nur eines jener Porzellansurrogate 
gewesen sein, wie sie bisher alle vermeintlichen Porzellan- 
entdecker hergestellt hatten, eine jener Glasmassen, die, weil 
sie \veifs und durchscheinend waren, für Porzellan gehalten 
wurden. Diese Ansicht ist auch bereits ziemlich früh mit 
grofser Sicherheit ausgesprochen worden, ohne dafs man 
freilich die Quelle, aus der sie stammt, heute noch feststellen 
könnte. Schon Engelhardt, der spätere bekannte Biograph 
Böttgers, hat in seiner Besprechung Meifsens in Merkels Erd- 
beschreibung Kursachsens über Tschimhausens Porzellane be- 
richtet: ,, Tschirnhausen erfand eine Art Porzellan, wozu ihn 
wahrscheinlich die Glasmacherei führte, allein es war mehr 
glas- als porzellanartig" \). Diese Angabe Engelhardts ist viel- 
fach wiederholt worden. Sie fand ihre Erweiteruns: durch 
Graesse"-), der von ,, einem glasartigen Porzellan, das aber 
weder die Härte noch die l'euerbeständigkeit des chinesischen 
besafs, also eine Art Milchglas (verre de phosphat ä chaux)" 
gesprochen hat. 

') Merkel , Erdbeschreibuno; Kursachsens, bearbeitet von Engel- 
hardt V, (1806) 236. 

') Graesse, Beiträge zur Geschichte der Gefäfsbildnerei, Por- 
zellanfabrikation (Dresden 1853), S. 26. 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 33 

Für das vermeintliche Gelingen dieser Versuche liegt 
dann der Beweis in jener oben schon erwähnten Angabe 
Fontenelles in seinem bei Tschirnhausens Tode vor der Pariser 
Academie des sciences vorgelesenen eloge de Tschirnhausen, 
nach welchem Tschirnhausen im Jahre 1701 während seines 
vierten und letzten Aufenthaltes in Paris dem holländischen 
Chemiker Holmberg die Mitteilung von seiner Porzellan- 
erfindung gemacht hätte. Aus diesem Berichte geht klar 
hervor, dafs wenigstens damals Tschirnhausen selber ganz 
fest an seine Erfindung geglaubt hat, es geht auch daraus 
hervor, dafs er schon damals das Porzellan nicht mehr für 
einen ganz besonderen, in der Natur als fertig vorkommenden 
Stoff ansah, vielmehr, der Wirklichkeit durchaus entsprechend, 
als ein Gemisch verschiedener Erden d. h. Stoffe. ,,0n a 
cru jusqu'ici, que la Porcellaine etait un don particulier, dont 
la nature avait favorise les Chinois, et que la terre, dont eile 
est faite, n'etait que dans leurs pays. Cela n'est pas ainsi, 
c'est un melange de quelques terres, qui se trouvent com- 
munement partous ailleurs, mais qu'il faut s'aviser de mettre 
ensemble." So berichtet Fontenelle in seinem eloge auf 
Grund dessen, was Tschirnhausen ganz allgemein über seine 
Erfinduno^ damals mitoeteilt zu haben scheint. Tschirnhausen 
trat mit dieser Ansicht entschieden über das hinaus, was da- 
mals noch ganz allo-emein über die Natur des chinesischen Por- 
zellans geglaubt und in vielen Büchern weiterverbreitet wurde. 
Von einer besonderen ,, Porzellanerde" und einer wunderlichen 
Zubereitung derselben ist damals viel auf Grund phantastischer 
Reiseberichte über China gefaselt worden. Er trat mit seiner 
Ansicht aber durchaus nicht über die Anschauungen der kerami- 
schen Praktiker weder seiner Zeit noch der vorangegangenen 
hinaus. Von allem Anfange, d. h. von der Wende des 16. Jahr- 
hunderts an, als man in Italien in der Zeit der Blüte der 
Majolika sich auch an das damals schon so aktuelle Problem 
des Porzellans gemacht und Erzeugnisse zu Wege gebracht 
hatte, die man, da sie in mehreren Punkten dem Porzellan 
ähnelten, auch fälschlich für solches hielt, bis zu den gerade 
zu Tschirnhausens Zeit in Frankreich wieder unternommenen 
Versuchen, die zuerst in Ronen, dann in St. Cloud zu ähn- 
lichen Resultaten führten, hat man das Porzellan durch das 
Zusammenmischen aller möglichen, in der Hauptsache freilich 
der Glaserzeuorunp; entnommenen Bestandteile herzustellen 
gesucht. Was Tschirnhausen über die Natur des Porzellans 
und die Art es herzustellen gesagt hat, war also durchaus 
keine neue Entdeckung. Die Praxis kannte sie längst. Diese 

Neues Archiv f. S. G. u. A, XXVIII. I. 2. 3 



iA E.Zimmermann: 

scheinbar neue Feststellung des Prinzips des Porzellans konnte 
daher auch keineswegs der Anlafs zu seiner Entdeckung 
werden: aber auch darin lag kein Fortschritt der theoretischen 
Erkenntnis, dafs Tschirnhausen behauptete, dafs die Bestand- 
teile des Porzellans sich überall in der Natur und nicht blofs 
in China, wie man von der ,, Porzellanerde" angenommen, 
vorfänden. Auch hierin waren wieder die Praktiker der 
Keramik scheinbar schon weiter gewesen als die Theoretiker: 
sie hatten zu ihren Surroo-aten stets die Materialien ihres 
Landes verwandt, sich nicht etwa die Rohstoffe des Porzellans, 
wie es später mehrfach geschehen, aus China kommen lassen. 
Tschirnhausens theoretische Erkenntnis des Porzellans gab 
mithin, wenigstens soweit wir dies heute noch zu beurteilen 
vermögen, der damaligen Keramik keine neuen Wege auf 
ihrer Suche nach dem Geheimnis des Porzellans an. Ihr ist 
daher auch zimächst kein irgendwie besonderes Verdienst zu- 
zuschreiben. 

Vielleicht war Ursache dieser Ansicht, dafs man glaubte, 
in der damals noch im Japanischen Palais zu Dresden-Neustadt 
aufgestellten Porzellan- und Gefäfssammlung einige Proben 
der Tschirnhausenschen Kvmst zu besitzen. Schon Engelhardt 
selber erwähnt in der angeführten Merkeischen Erdbeschrei- 
bung^) bei Erwähnung dieser Sammlung, dafs sich dort auch 
,, weisses Porzellan" befände, ,,das lange vor Böttcher der 
bekannte Baron von Tschirnhausen 1630 (!) aber freilich nicht 
so gut als das Meifsner fertigte". Klemm, der erste wissen- 
schaftliche Leiter dieser Sammlung, bezeichnet dann diese 
Stücke genauer. In der ersten Auflage des ersten Führers 
dieser Sammlung, die im Jahre 1834 erschien, wird auf 
,,6 kleine Krüge aus einer milchglasartigen Masse, welche 
durch Tschirnhaus gefertigt wurden", hingewiesen, in der 
zweiten Auflage-), die sieben Jahi'e später folgte, ist dann 
merkwürdiger Weise nur noch von zweien die Kede. Worauf 
die Bestimmung dieser Krüge als Tschirnhausensche beruht, 
ist freilich nirgends ersichtlicli. In den alten Inventaren der 
Sammlung, die noch aus dem 18. Jahrhundert stammen, das 
erste sogar noch aus dem Jahre 1721, hnden sich derartige 
Erzeugnisse nicht angeführt. Allzu grofses Vertrauen kann 
man daher diesen Bestimmungen nicht entgegenbringen, zumal 
damals ja nicht einmal ihre Zahl feststand. Ebensowenig 
läfst sich noch heute mit voller Sicherheit die Anwesenheit 



') Merkel a. a. ü. V, 29. 

-) Klemm, Die kgl. sächs. Porzellansammlung (1843). 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 3^ 

dieser Krüge in der Porzellansammlung nachweisen. Aller 
Wahrscheinlichkeit nach sind jedoch mit diesen einige kleinere, 
seltsame Henkelkrüge gemeint gewesen, die sich in der Tat 
in jeder Beziehung als Versuchsstücke ausnehmen-'). Ihre 
Mache ist noch sehr unbehilflich, sie sind sämtlich verschieden 
ausgefallen , sowohl hinsichtlich der Farbe wie der Glasur. 
Vor allem aber, es sind ganz unverkennbar Fritten- und Weich- 
porzellane, auf keinen Fall Erzeugnisse aus echtem Porzellan, 
kurz, handelt es sich hier wirklich um Tschirnhausensche 
Erzeugnisse, dann sind sie in keiner Weise ein Zeugnis dafür, 
dafs Tschirnhausen das echte Porzellan erfunden hat, dann 
beweisen sie vielmehr gleichfalls mit Sicherheit, dafs er, als 
er um die Wende des 17. Jahrhunderts seine Porzellan- 
krügelchen machte, sich hinsichtlich der Porzellanerfindung 
noch völlig auf einem Abw^eg befand. 

Doch mag auch jenes erste ,, Porzellan" Tschirnhausens 
kein wirkliches gewesen sein, kann es als gänzlich aus- 
geschlossen gelten, dafs Tschirnhausen durch dieses Böttger 
den Ruhm der Porzellanerfindung je wird streitig machen 
können, so scheint doch durch jenen oben besprochenen 
Bericht des Meifsner Manuskripts, in dem uns in so über- 
zeugender Weise der ganze Gang der endlichen Erfindung des 
Porzellans geschildert wird, die Möglichkeit gegeben zu sein, 
Tschirnhausen mit dieser Porzellanerfindung enger in Ver- 
bindung zu setzen, ja ihn vielleicht trotz alledem zum Erfinder 
des Porzellans zu machen. Ausdrücklich bezeichnet dieses 
Manuskript die Arbeiten Böttgers und Tschirnhausens, die zu 
dieser Erfindung führten, als gemeinsame oder w^enigstens zur 
gleichen Zeit gemachte. Nirgends erlischt hierbei die Tätig- 
keit Tschirnhausens, an keiner Stelle tritt der Tod dieses 
Mannes dazwischen, der nach der landläufigen, auch von mir 
in meinem ersten Aufsatze an dieser Stelle vertretenen Ansicht 
der endlichen Erfindung des Porzellans vorangegangen ist. 
Kann da nicht Tschirnhausen bei diesem zweiten Suchen nach 
dem Porzellan am Ende seines Lebens noch der Erfinder des 
echten Porzellans greworden sein? 

Zunächst könnte darauf hingewiesen werden, dafs diese 
Darstellung hinsichtlich dieses Punktes durchaus im Wider- 
spruch steht zu anderen Nachrichten, ja Dokumenten, die 
diese Erfindung erst im Jahre 1709 erfolgen lassen, also nach 
dem Tode Tschirnhausens. Diese Dokumente, die ich in 
meinem ersten Aufsatz an dieser Stelle, dem über das Jahr 



') Sie sind zur Zeit ausgestellt im Pult 67 A. 



3* 



^6 E. Zimmermann: 

der Erfindung des Porzellans, bereits angeführt habe, auf die 
ich daher hier nur zu verweisen brauche, gehören der un- 
mittelbaren Zeit dieser Vorgänge an, sie entstammen aucli 
ihrer nächsten Umgebung und können daher als mindestens 
ebenso glaubwürdig gelten wie jener Meifsner Bericht, ja 
eigentlich als noch glaubwürdiger, da dieser einer späteren 
Zeit anzugehören scheint. Ein teilweiser Irrtum, der sich auf 
eine teilweise Unrichtigkeit der Tradition stützt, erscheint da- 
her durchaus nicht ausgeschlossen. Er kann sich aber gar wohl 
auf die Angabe der Personen, die bei der Erfindung beteiligt 
waren, beziehen, da dieser Bericht ganz ersichtlich durchaus 
nicht eine historische Darstellung der Erfindung bieten 
soll, sondern in allererster Linie der Methode derselben. Die 
Personen, die sie durchgeführt haben, die Zeit, in der sie er- 
folgt ist, erscheinen hierbei ganz gleichgültig: eine zeitliche 
Angabe findet sich nirgends, auch Böttger und Tschirnhausen 
werden nur einmal ganz am Anfang mit Namen genannt. 
Hernach wird die ganze Darstellung der Arbeit ganz gleich- 
mäfsig in der dritten Person Pluralis durchgeführt. So kommt 
es, dafs auch die Erfindung des Porzellans zum Schlufs als eine 
gemeinsame erscheint. ,,Auf diese Art sind sie auch zu dem 
w-eisen Porcellaine gelanget." Mit dieser Wendung schliefst 
diese Darstellung, ohne dafs jedoch irgendwo ein besonderes 
Gewicht auf diese Gemeinsamkeit der Arbeit gelegt oder die 
endliche Erfindung als eine gemeinsame betont worden wäre. 
Kann es da nicht möglich sein, dafs hier die Erwähnung des 
Todes des einen Teilnehmers einfach vergessen worden i.st? 

Doch diese Frage ist an sich für die hier vorgenommene 
Untersuchung ziemlich belanglos. Gesetzt, selbst der Verfasser 
hätte sich geirrt, hätte zu Unrecht die endliche Erfindung des 
Porzellans als eine gemeinsame hingestellt, es ist dann noch 
immer Raum genug vorhanden für die Vermutung, dafs die 
gemeinsame Arbeit beider wenigstens noch zur Entdeckung 
des Prinzips des Porzellans geführt hat, damit zu jener Tat, 
die doch wohl als die wichtigste, die eigentlich bahnbrechende 
innerhalb der Porzellanerfindung zu gelten hat. Dann aber 
wäre die Möglichkeit gegeben, Tschirnhausen als wenigstens 
immer noch teilweisen Erfinder des Porzellans anzusehen. 

Da aber erhebt sich die für diese ganze Untersuchung 
ungemein wichtige, aber bisher noch von keiner Seite in 
Betracht gezogene Frage: wenn beide Männer, Tschirnhausen 
wie Böttger, in gleicher Weise für die Erfindung des Por- 
zellans in Frage kommen, mufs da unbedingt Böttger hinter 
Tschirnhausen zurücktreten, kann da Böttger allein als der 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 



37 



nehmende, Tschirnhausen dagegen nur als der gebende Teil 
aufgefafst werden? Mit anderen Worten: ist man dann irgend- 
wie berechtigt oder gezwungen, ohne das geringste Zögern 
Tschirnhausen als den alleinigen Erfinder zu betrachten, Böttger 
nur als seinen Handlanger, der nichts als der Ausführer seiner 
Erfindung nach seinem frühen Tode wurde? Diese Frage 
hängt eng mit der nach der Persönlichkeit Böttgers zusammen, 
mit der Frage: war Böttger ein Charlatan oder ein Gelehrter, 
war er nur ein ,, hergelaufener'' Apothekerlehrling und aber- 
gläubischer Alchimist oder ein ausgebildeter Apotheker und 
wissenschaftlicher Vertreter der Chemie, wenigstens nach den 
damaligen Begriffen? Diese Frage ganz zu beantworten, ein 
volles abgerundetes Bild dieser seltsamen Persönlichkeit zu 
geben, ist an dieser Stelle nicht möglich, es soll bei anderer 
Gelegenheit nachgeholt werden. Nur soviel kann auch hier, 
wie in meinem ersten Aufsatze an dieser Stelle, gesagt werden, 
dafs Böttger zu seinen Lebzeiten, obwohl die bedeutendsten 
Leute, darunter Gelehrte und Praktiker, wie Tschirnhausen 
selber, mit ihm in die innigste Berührung kamen, ja zum Teil 
seine Arbeiten sorgfältig beaufsichtigten, ohne Unterbrechung 
das denkbar gröfste Ansehen genofs, dafs sich, soweit bekannt, 
nicht eine einzige ernsthafte Stimme aus dieser Zeit findet, 
die seine Begabung anzweifelt. Erstaunliches Lob hat ihm 
Steinbrück in dem erwähnten Manuskript der Porzellansamm- 
lung gespendet: es ist die Schilderung eines wirklichen Genies, 
die hier vor den Ohren des König-s erfolgt. Steinbrück 
nennt ihn geradezu einen ,, Erfinder", einen inventor rerum, 
,,wie deren in loo Jahren kaum einer vorkäme". Als solcher, 
ist er dann auch sein ganzes Leben lang behandelt worden. 
Derselbe Steinbrück spricht dann aber weiter auch von 
dem geistigen \^erhältnis zwischen Böttger und Tschirnhausen. 
Wir erfahren '^), dafs Tschirnhausen, der in keiner Weise an 
die Alchimie und ihre Lehren geglaubt hatte, durch Böttger 
teilweise für dieselbe gewonnen wurde, er erwähnt weiter 
das Erstaunen Tschirnhausens, ,,mit was vor Fähigkeiten 
Herr von Böttger die Mathematica, so Er ihm gezeiget, be- 
griffen und \\'ie geschwind Er darinnen fortgegangen". Dieses 
Ansehen ist Böttger durch das ganze 1 8. Jahrhundert bewahrt 
geblieben. So weit mir bekannt, hat während dieser ganzen 
Zeit niemand auch nur im geringsten Böttger als Intelligenz 
anzuzweifeln gewagt. Erst dem Beginn des 19. Jahrhunderts 
ist diese neue Anschauung vorbehalten geblieben. Die damals 

1) a. a. O. S. 19. 



2 8 E. Zinimetmann: 

im Gefolge des Aufblühens der Naturwissenschaft allgemein 
anhebende Verachtmig der Alchimie und ihrer Vertreter traf 
auch Böttger mit der vollen Wucht ihrer Überzeugung, machte 
ihn zum Aufschneider und Windbeutel, zum Glückspilz, ja sogar 
zum Betrüger, der sich in keiner Weise gescheut haben sollte, 
sich mit fremden Federn zu schmücken. Sind wir aber wirklich 
zu solcher Umänderung des Urteils über diese Persönlichkeit 
post festum berechtigt? Fliefsen uns heute wirklich in dieser 
Frage die Quellen reichlicher als den Zeitgenossen und ihren 
nächsten Generationen? Ich glaube, man darf mit Bestimmt- 
heit behaupten, Böttgers geistige Befähigung ist durch das 
Zeugnis und Verhalten seiner Zeitgenossen ihm gegenüber so 
aufser allen Zweifel gestellt, dafs man in dieser Beziehung 
nicht die geringste Veranlassung haben dürfte, ihm die Er- 
findung des Porzellans abzusprechen und ihn hinter Tschirn- 
hausen zui'ückstehen zu lassen, l^lofs weil dieser ein zünftiger 
Gelehrter war. 

Aber es scheint auch Gründe zu o-eben, die Böttoer in 
dieser Beziehung Tschirnhausen gegenüber sogar überlegen 
sein lassen. Zunächst noch einmal die Frage: wie war der 
ganze Gang der Porzellanerfindung gewesen? Tschirnhausen 
hatte sich lange Zeit vor dem Erscheinen Böttgers in Dresden 
mit der Erfindung des Porzellans abgequält. Er war zu 
einem Erfolg gelangt, der sich später als Mifserfolg heraus- 
stellte. Da kommt Böttger hinzu, die Arbeit wird noch ein- 
mal ganz von vorne begonnen, von einem Ausgangspunkt 
aus, der zunächst ausschliefslich aus den Bestrebungen Böttgers 
hervorging, und nun auf einmal gelingt die Erfindung, gelingt 
sie wirklich: das Prinzip des echten Porzellans wird wirklich 
erkannt, das echte Porzellan wirklich hergestellt. Für wen 
ist da die Wahrscheinlichkeit gröfser als Erfinder? Für Tschirn- 
hausen, der, so lange er allein arbeitete, mit diesem Problem 
nicht zustande gekommen war, oder für den Neuankömmling, 
während dessen Mitarbeiterschaft die grofse Erfindung end- 
lieh gelingt? Auf diese Frage bedarf es wohl kaum einer 
Antwort. 

Doch Steinbrück scheint in seiner kurzen Darstellun«!' der 
Erfindung des Porzellans direkt anzudeuten, dafs Tschirn- 
hausen und Böttger hinsichtlich der Methode des Suchens 
nach dem Porzellan ganz verschiedener Meinung waren ^) und 



^) Auch Enpjelhardt in seiner Biographie Böttgers S. 190 führt 
einen Punkt an, wo Bi'ittger und Tschirnhausen über einen wissen- 
schaftUchen Punkt verschiedener Meinung waren. 



Wer war der Erfinder des Meilsner Porzellans? 30 

dafs Böttgers Ansicht schliefslich siegte. Tschirnhausen, so 
berichtet er^), glaubte, das Geheimnis des Porzellans mittelst 
Schmelzens finden zu können, ,,wie er denn unter anderem 
sein porcellan (d. h. sein erstes, fälschlich als „Porzellan" 
ausgegebenes Produkt) dadurch erfunden". ,,Hier wieder hat 
zwar Herr von Böttger obstat gehalten und behauptet, dafs 
die Brennspiegel durch ihr Schmelzen eine Sache nicht in 
ihrem Esse liefsen, sondern destruierten und endlich ein neues 
Produktum hervorbrächten." Tatsächlich hat ja auch Tschirn- 
hausen, wie früher erwähnt, Porzellanschmelzversuche unter- 
nommen. Niemandem aber kann heute zweifelhaft sein, dafs da- 
mals Böttger den fortgeschritteneren Standpunkt einnahm, mit- 
hin in dieser für die Porzellanentdeckung so wichtioen Sache 
Tschirnhausen überlegen war, ja dafs er hier eine Methode 
ausschlug, die ihn wahrscheinlich ebensowenig wie früher 
Tschirnhausen zu wirklicher Porzellanerfinduno- oeführt hätte. 
Denn, wenn Steinbrück auch hinzufügt, dafs Böttger ,, nichts 
desto weniger sich eines solchen Spiegels bediente", so kann 
dies gar wohl zum Schmelzen und Untersuchen der Einzel- 
stoffe geschehen sein. Steinbrück selber läfst es zw^eifelhaft, 
ob Böttger ,, durch diesen oder einen anderen chimischen Weg" 
das Porzellan gefunden hat. Dann aber nennt Steinbrück-) an 
anderer Stelle Böttger geradezu ,, einen besseren Chemiker als 
Tschirnhausen", der eben in erster Linie Physiker und Mathe- 
matiker war. 

Tschirnhausens und Böttgers keramische Arbeit dürfte 
überhau])t im allgemeinen bisher als eine zu gemeinsame auf- 
gefafst worden sein. Zunächst steht fest, dafs jeder von beiden 
in Dresden sein eigenes Laboratorium hatte, da in einem Be- 
soldungsreglement vom 12. Januar 1708 ,,für das von Böttger 
(also nicht auch von Tschirnhausen!) angenommene Personale" 
Arbeiter sowohl für Böttgers ,, Laboratorium auf der Vestung" 
wie für das ,, Laboratorium by dem Tzschirnhaus" angeführt 
werden'^). Böttger hat damals auch doppelt soviel Arbeiter 
zur Verfügung gehabt wie Tschirnhausen. Auch erscheint 
hier Tschirnhausen unter den Leuten, die damals wie der 
Kammerrat Michael Nehmitz und der Leibmedikus Bartelmei 
Böttger nur zur Beaufsichtigung seiner Arbeiten beigegeben 
waren; Tschirnhausen, der vermeintliche Mitarbeiter Böttgers, 
erhält sogar bedeutend weniger Besoldung als der Kammerrat 



^) Steinbrück a. a. O. S. 26. 
-) Steinbrück a. a. O. S. 47. 
^) Engelhardt a. a. O. S. 260. 



40 



E, Zimmermann : 



Nehmitz. Schon auf Grund dieses Aktenstückes ist es fast 
unmöglich, Tschirnhausen wirklich als einen gleichwertigen 
Mitarbeiter Böttgers anzusehen. Doch die folp-enden Akten 
der Zeit wissen dann überhaupt noch kaum etwas von Tschim- 
hausens Tätigkeit auf diesem Gebiet zu berichten. Kaum iindet 
sich in ihnen noch einmal der Name Tschirnhausen. Nicht 
einmal bei den wichtigsten Handlungen, wie z. B. den Eides- 
ablegungen der in die Geheimnisse der Arbeiten Einzuweihen- 
den, ist Tschirnhausen weder als Mitarbeiter noch als Beauf- 
sichtigrer Bötto^ers als anwesend bezeichnet. Die auf dem 
Dresdner Hauptstaatsarchiv befindlichen, auf die keramischen 
Bestrebungen dieser Zeit bezüglichen Akten drehen sich über- 
haupt sämtlich um Böttger als den geistigen Mittelpunkt der- 
selben. Von ihm erwartet man die Lösung des Problems, die 
Ausführung aller Arbeiten. Es ist undenkbar, dafs, wenn 
Tschirnhausen damals anhaltender mit Böttger gemeinsam 
gearbeitet und wirklich ernsthaft nach den gleichen Zielen 
gestrebt hätte, sein Name nicht häufiger in diesen Akten er- 
wähnt worden wäre. Kurz, aus den Dokumenten der unmittel- 
baren Zeit oreht nirgends eine o-emeinsame Tätiokeit Bötto;ers, 
wie sie das Meifsner Manuskript scheinbar schildert, hervor. 
Doch es gibt ja noch einen und keinen ganz wertlosen 
Bericht aus dieser Zeit, der unumwunden von einer schein- 
bar völlig gelungenen Porzellanerfindung Tschimhausens 
spricht, den man in Anbetracht, dafs er gerade am Anfang 
des Jahres 1709 erschienen ist, wenn man will, gar wohl mit 
der letzten und wirklichen Porzellanerfindung in Verbindung 
bringen kann. Es ist das bereits oben') genannte, in den 
Acta eruditorum erschienene Elogium Tschirnhausens, in dem, 
um es noch einmal zu sagen, berichtet wird, dafs Tschirn- 
hausen eine Masse erfunden hätte, aus der Porzellangefäfse 
hätten hergestellt werden können, die den chinesischen gleich- 
kämen. Von welcher Porzellanerfindung ist hier die Rede? 
Von der ersten vermeintlichen Tschirnhausens aus dem Ende 
des 17. Jahrhunderts oder der sich gerade damals vollziehen- 
den? Ja sie kann sich zur Not sogar auch auf die der Porzellan- 
erfindung vorangehenden Herstellung jenes schönen roten 
„Böttger -Steinzeugs" beziehen, das man damals ganz all- 
gemein und noch für lange Zeit für Porzellan ansah. Diese 
dreifache Beziehungsmöglichkeit der viel benutzten Stelle 
zeigt zur Genüge, dafs sie schwerlich berufen ist, Klarheit 
in die hier in Untersuchung stehende Frage zu bringen. 

') Vgl. S. 23. 



Wer war der Er linder des Meifsner Porzellans? 41 

Stellt sie doch aufserdem noch allem Anscheine nach eine 
starke Übertreibung dar, eine von jenen, die man freilich in 
Elogien nicht gerade übel zu nehmen pflegt, da die Tatsache 
doch sicher feststeht, dafs es damals, d. h. im Anfang des 
18. Jahrhunderts, durch keine der eben genannten Erfin- 
dungen möglich war Erzeugnisse herzustellen, die denen aus 
chinesischem Porzellane gleichkamen, am wenigsten durch 
die des echten Porzellans, deren Erzeugnisse nachweislich, 
als Böttger im April dieses Jahres die Porzellanerfindung 
zum ersten Male durch eine Kommission prüfen liefs, noch 
so unbefriedigend erschienen, dafs diese Kommission es noch 
nicht einmal für nötig hielt, über diese Erfindung, wie sie es 
hätte tun sollen, an den König zu berichten^). Am wahr- 
scheinhchsten ist wohl, dafs an dieser Stelle des Elogiums 
Tschirnhausens erste ,, Porzellanerfindung" gemeint ist, die- 
jenige, deren Verfehltheit Tschirnhausen später selber einge- 
sehen haben mufs. Dafür scheint auch schon die Unbestimmt- 
heit des Ausdrucks dieser Stelle zu sprechen: es wird durch 
dieselbe keineswegs erzählt, dafs Tschirnhausen das Porzellan 
erfunden hat, sondern nur eine Masse, aus der vasa porzellana 
hergestellt werden konnten, d. h. Porzellan- oder auch nur 
porzellanartige Gefäfse, Diese Gewundenheit des Ausdrucks 
kann ein Zufall sein, doch auch die Folge des Bewufstseins, 
dafs die Masse, die Tschirnhausen allein erfand, nicht das 
echte Porzellan war, sondern nur ein verwandter Stoff. Man 
kann ein Surrogat des Porzellans kaum besser in Kürze be- 
schreiben, als es hier geschehen ist. 

Doch einerlei, welche der keramischen Erfindungen dieser 
Zeit mit dieser Stelle der Acta eruditorum gemeint sein kann, 
auf alle J^älle führt sie zu einer Erwägung, die den bisherigen 
Resultaten dieser ganzen Untersuchung noch einen ganz be- 
sonderen Nachdruck zu creben vermao-. Hier haben wir aus 
der unmittelbaren Zeit der Erfindung des Porzellans eine Be- 
hauptung von angesehenster, viel beachteter Stelle, nach der 
Tschirnhausen durchaus als Porzellanerfinder erscheinen könnte; 
diese Stelle ist sicher von allen, die Böttger damals nahe 
standen, gelesen worden, da diese sich ganz ohne allen Zweifel 
auch für das Leben dieses Mannes, der in Böttgers Umgebung 
eine so grofse Rolle gespielt hatte, interessieren mufsten. Sie 
werden sogar die erste Lebensdarstellung dieses so bedeutenden 
einflufsreichen Mannes und allbekannten Einwohners Dresdens 
mit ganz besonderem Interesse verschlungen haben. Dennoch 



') Vgl. meinen ersten Aufsatz im Bd. XXVII dieser Zeitschrift. 



42 E. Zimmermann: 

galt allen diesen Leuten, der ganzen näheren Umgebung 
Böttgers, dem Könige selbst Böttger sein ganzes Leben 
hindurch als der alleinige völlig unbestrittene Erfinder des 
Porzellans. Niemand von jenen, die gegen Böttger, den 
jungen seltsamen Mann aus der Fremde, ob seiner ständigen 
alchimistischen Blamage mifstrauisch geworden oder ihm auch 
aus anderen Gründen nicht freundlich gesinnt waren, dachte 
jemals daran, allein schon auf Grund dieser Stelle der Acta 
eruditorum Böttger die Porzellanerfindung abzusprechen. Sie 
beliefsen stillschweigend dem Fremdling diesen Ruhm, obwohl 
hier scheinbar einer der angesehensten Gelehrten der Zeit, 
ja sogar ein einheimischer, den alle kannten, zu dem viele 
von ihnen die intimsten Beziehungen gehabt hatten, seiner- 
seits Anspruch darauf zu erheben schien; sie beliefsen ihm 
diesen Ruhm, obwohl, wenn spätere Generationen es noch 
nachträglich herausfinden zu können glaubten, dafs Tschirn- 
hausen der Erfinder des europäischen Porzellans war, es 
sicherlich damals auch Menschen gegeben haben müfste ■ — 
und zwar in der allernächsten Umgebung Böttgers und Tschirn- 
hausens selber — , die in dieser Angelegenheit den wahren 
Sachverhalt kannten und ihm zu seinem vollen Rechte hätten 
verhelfen müssen^). Wahrlich, wenn irgend etwas gegen das 
Erfindertum Tschirnhausens und für das Böttgers spricht, 
dann ist es das Nichtbeachten dieser Stelle zugleich mit der 
allgemeinen Anerkennung des Erfindertums Böttgers seitens 
seiner eigenen Zeit! Es ist einfach undenkbar, dafs hier in 
diesem festen Glauben einer ganzen Zeit eine völlige Selbst- 
täuschung vorliegen kann, eine Täuschung, die auf so un- 
sicheren Füfsen stand, dafs spätere Zeiten sich mit leichter 
Mühe ihr noch entziehen konnten. 



Wie aber verhalten sich gegenüber diesen Feststellungen, 
die Tschirnhausens Ansprüche auf die Erfindung des echten 
Porzellans in das richtige Licht haben setzen sollen, jene 
oben angeführten Behauptungen, die der Ausgangspunkt 
dieser ganzen Untersuchung geworden sind? Sind die Gründe, 



') ^'or allem hätte man doch erwarten können, dafs Holmberg, 
dem Tschirnhausen 1701 in Paris das C Geheimnis seiner Porzellan- 
erfindung unter dem Versprechen, es bis zu seinem Tode zu be- 
wahren, anvertraut hatte, da er Tschirnhausen lange überlebte, sich 
veranlafst gesehen hätte, den Sachverhalt zu Gunsten seines ver- 
storbenen Freundes richtig zu stellen. 



Wer war der Erlinder des Meilsner Porzellans? 43 

die sie dazu führten, Tschirnhausen zum Erfinder des Porzellans 
zu proklamieren, wirklich Tatsachen und Beweise, oder sind 
sie die Folge mangelhafter ünterrichtung, von Irrtümern 
und Mifsverständnissen, die neue Irrtümer und Mifsverständ- 
nisse im Gefolge gehabt haben? 

Zunächst, wie verhält es sich mit der Behauptung des 
damahgen Sekretärs Bussius, der noch im letzten Lebensjahre 
Böttgers die Behauptung aufstellte, dafs diesem durch Stein- 
brück die oresamte Wissenschaft Tschirnhausens nach dessen 
Tode zugetragen worden sei, darunter auch das Geheimnis 
des echten Porzellans? Woher weifs Bussius diese Tatsachen, 
die er hier ganz ohne Beweise gibt, woher war er, der nur 
ein Beamter der Manufakturkommission war, klüger als alle 
jene anderen Herren, die mit dem ganzen inneren Getriebe 
dieser Angelegenheit aufs engste und von Anfang an in Be- 
rührung gekommen waren? Schätzen wir diese Behauptmig 
Bussius' nicht höher ein, als sie eingeschätzt zu werden ver- 
dient, als schriftUch fixierten Fabrikklatsch, den es zu allen 
Zeiten in solchen Anstalten gegeben hat, entstanden zu einer 
Zeit, da bei der sichtbaren Abnahme der Lebenskräfte Böttgers 
alles in der Manufaktur drunter und drüber ging, Parteien 
entstanden, die sich gegenseitig nichts Gutes wünschten, 
nichts Gutes übereinander redeten. Als solchen, als Fabrik- 
klatsch, scheint auch die Mitwelt diese Behauptungen Bussius' 
aufgefafst zu haben. Es ist ihnen ja damals, wie erwähnt, 
nicht die geringste Folge gegeben worden, der Glaube an 
Böttger, als den Erfinder des Porzellans, in den Kreisen, denen 
sie zu Ohren gekommen, nicht im geringsten erschüttert wor- 
den. Soll daher diese völlig beweislose Behauptung eines 
einzelnen Marmes für unsere Zeit beweiskräftiger sein, als 
sie es für die eigene Zeit, die, wie schon oben gesagt, ihre 
eigenen Vorgänge doch noch ganz anders kontrollieren konnte, 
gewesen ist, soll sie für uns beweiskräftiger sein als der ganze 
übrige feste Glauben einer Zeit, der Glaube von Menschen, 
die die Verhältnisse dieser Zeit viel besser kannten und kennen 
mufsten, als jener einzelne, der doch in einem ganz anderen 
Abstand von ihnen stand als jene. Über das Zeugnis dieses 
Mannes kann man daher wohl zur Tagesordnung übergehen. 

Wie verhält es sich aber weiter mit jenen Angriffen und 
Behauptungen, die Böttger nach seinem Tode die Ehre seiner 
Erfindung streitig machen wollten, beginnend mit den Be- 
hauptungen der Lebensbeschreibung Tschirnhausens im Säch- 
sischen Curiositäten-Cabinet und endigend mit denen der aller- 
letzten Jahre? Wodurch erklärt sich jenes merkwürdige 



44 



E. Zimmermann: 



Schwanken in dieser Frage, das so ziemlich das ganze i8. Jahr- 
hundert anhält? Ich glaube, es genügt schon auf eine ein- 
zige Quelle, einen einzigen Ursprung hinzuweisen, um für 
alle diese seltsamen Widersprüche gegen die eben versuchten 
Feststellungen den Ausgangspunkt zu finden. Es ist die 
mangelnde Kenntnis des i8. Jahrhunderts hinsichtlich des Por- 
zellans selber gewesen, der Mifsbrauch, der mit dieser Be- 
zeichnung damals getrieben ward, dann schliefslich, dafs in 
unserem Jahrhundert die Tatsache dieses damaligen allge- 
meinen Mifsbrauches nicht genügend bekannt gewesen, nicht 
genügend beachtet ward und darum zu ganz falschen Folge- 
rungen und Behauptungen Anlafs geben mufste. Ich habe auf 
diese Sache bereits in meinem ersten Aufsatz an dieser Stelle 
mit allem Nachdruck hingewiesen. Hier sei noch einmal mit 
demselben Nachdruck wiederholt, dafs, wer heutzutage es 
unternehmen will, über die Geschichte der Keramik vom 
15. Jahrhundert an im allgemeinen und über die des Porzellans 
im besonderen zu schreiben, sich vorher darüber völlig klar 
sein mufs, dafs die Erwähnung des blofsen Wortes ,, Porzellan" 
ohne irgend welche nähere Bezeichnung oder Charakterisie- 
rung noch nicht die geringsten Schlüsse hinsichtlich des Vor- 
handenseins des wirklich echten harten Porzellanes gestattet. 
Porzellan hiefs damals alles — darüber kann nicht der ge- 
ringste Zweifel herrschen — , was irgendwie dem Porzellan 
innerlich oder äufserlich verwandt war, die Fayence, sowie 
die treueren Nachahmungen des echten Porzellans, schliefslich 
sogar alles Keramische, das aus China kam, somit auch jenes 
schöne, feste, rote Steinzeug, das Böttger durch sein ,,Böttger- 
steinzeug", damals ,, Jaspisporzellan" genannt, nachgeahmt hat. 
Diese Unklarheit der technischen Bezeichnungen gab damals 
eine grofse Verwirrung, für unsere Zeit hat sie scheinbar eine 
noch gröfsere bewirkt. Sie dürfte auch die Unklarheit über 
den Erfinder des echten Porzellans in erster Linie verschuldet 
haben. 

Zunächst schon im 18. Jahrhundert selber. Welche Un- 
kenntnis, welche Konfusion hinsichtlich des Begriffs ,, Porzellan" 
zeigt schon der obengenannte Breslauer Arzt und Pol3'histor 
Kundmann, der nach Bussius der erste war, der Tschim- 
hausen an der Erfindung des Porzellans einen grofsen Anteil 
zuschrieb! In demselben Absatz, wo er dies zu tun versucht, 
heifst es am Anfange: ,, Nirgends so viel als mir wissend, ist 
das Ost - Indische Porcellain in Europa besser nachgeahmt 
worden, als wie zu St. Cloud, nahe bei Paris noch bis dato 
geschiehet." Nun aber ist gerade das Porzellan von St. Cloud, 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? 45 

wie jeder, der die Geschichte dei- Keramik zur Genüge kennt, 
ein typisches Beispiel jener obgenannten ,, Weich- oder Fritten- 
porzellane". Kundmann hat demnach keine Ahnung von dem 
Unterschiede dieses und des echten Porzellans gehabt. Er 
ahnt gar nicht, dafs die Erfindung des Porzellans durch Böttger 
etwas ganz anderes gewesen ist wie die der Masse von 
St. Cloud. Da kann er wohl schwerlich als vollgewichtiger 
Zeuge hinsichtlich der Frage nach dem Erfinder des Meifsner 
Porzellans betrachtet werden. 

Geradezu verhängnisvoll aber dürfte dann die obener- 
wähnte Mitteilung der Acta eruditorum über Tschirnhausens Er- 
findung einer Porzellanmasse für die Nachwelt geworden sein, 
die nicht mehr auf die Geschehnisse selber, sondern nur auf 
die Berichte über dieselbe sich zu stützen vermochte. Diese 
eine Notiz an dieser so hervorragenden Stelle dürfte allein 
schon genügt haben, um das ganze Schwanken dieses Jahr- 
hunderts in dieser Frao-e zu erklären. Man mufste sich da- 
mals genötigt sehen, zwei sich scheinbar völlig widersprechende 
Traditionen, die dieser Gelehrtenzeitschrift und die der grofsen 
Menge, zu vereinigen, um Klarheit über diesen so wichtigen 
und interessanten Punkt zu erlangen, man tat es, indem man 
das Verdienst der Erfindung auf beide Männer verteilte oder 
gar jetzt Tschirnhausen, dem berühmten Gelehrten, den gröfsten 
Teil derselben zuwies. Dafs diese Vermutung hier keine will- 
kürliche ist, dafür spricht schon stark genug der Bericht des 
Sächsischen Curiositätencabinets vom Jahre 173 1. Klingt es 
doch, indem er Tschirnhausen zum Erfinder der ,, Masse" 
des Porzellans macht, die Böttger nur verbessert und aus- 
gearbeitet hätte, fast wie eine Übersetzung jener Stelle der 
Acta eruditorum, in der gleichfalls zunächst nur die Rede von 
der Erfindung einer Masse ist, die aber, wie oben zu zeigen 
versucht worden, niemals die Masse des echten Porzellans 
gewesen sein kann. Der Verfasser dieser Lebensbeschreibung 
Tschirnhausens hat aller Wahrscheinlichkeit nach Tschirn- 
hausen ziemlich nahe gestanden'), er war ihm vielleicht sogar 
verpflichtet. So mag er die Stelle der Acta eruditorum 
mit stark parteiischem Auge gelesen haben, so mag er es 
für nötig gehalten haben, hier eine ,, Rettung" vorzunehmen, 
die Tschirnhausens Verdienste um ein ganz beträchtliches er- 
höhen sollte'-). 



J) Vgl. Reinhardt a. a. O. S. 40. 

-) Wie sehr man den Nachrichten über Tschirnhausens Porzellan- 
erfindung, die aus dessen eigenen Kreisen stammen, mifstrauen mufs, 



aS E. Zimmermann: 

Dafs ihm freilich die Mit- und Nachwelt keinen Glauben 
geschenkt hat, dafs ein gewisses Schwanken hinsichtlich der 
Person des Erfinders des Porzellans durch das ganze Jahrhundert 
hindurch bei vielen bestehen blieb, dafs ist doch wohl Beweis 
genug, dafs die Behauptung dieses Verfassers nicht so be- 
gründet, nicht so zuverlässig war, wie sie sich gab. So blieb 
der Einflufs der Stelle der Acta eruditorum, unterstützt dvirch 
die allgemeine keramische Begriffsverwirrung dieser Zeit, be- 
stehen, ohne dafs jedoch wie erwähnt, während dieses ganzen 
Jahrhunderts von neuem ein Angriff gegen Böttgers Erfinder- 
ruhm unternommen wäre. 

Hempels völlige Absprechung am Beginn des 19. Jahr- 
hunderts sucht sich dann freilich auf Beweise zu stützen. 
Doch es ist zunächst nur der oben charakterisierte Bericht 
des Sekretärs Bussius, den er zu diesem Zwecke herbeizieht, 
daneben auch die Stelle der Acta eruditorum und schliefslich 
Fontenelles Äufserung in der Akademie. Das dreifache Zeugnis 
gegen Böttger schien erdrückend zu werden. Doch wir 
wissen jetzt, wie wenig beweiskräftig für die hier vorliegende 
Frage alle diese drei Aussagen sind. Nur wer den damaligen 
Begriff des Wortes Porzellan nicht kannte — und den kannte 
bei der damaligen allgemeinen Unkenntnis der Geschichte 
der Keramik sicherlich kaum einer — , konnte in ihnen 
wirklich so kräftige Beweise erblicken, dafs sie die Be- 
rechtigung zu so kühnen Angriffen gegen Böttgers alten Ruhm 
gewährten, konnte wirklich meinen, mittelst ihrer einen groben 
historischen Irrtum korrigieren zu dürfen. Doch Hempel 



zeigt übrigens auch die Grabschrift, die ihm sein Bruder freilich erst 
im Jahre 1739 unter sein Grabmonument in Kiefslingswalde setzen 
liefs. Es heifst da in deutscher Übersetzung (vgl. Sächsisches Curio- 
sitäten-Cabinet 1739 S. 314): 

„Worüber man bey unserer Zeit erstaunet, auch in Zukunft be- 
wundern wird 

In den durchscheinenden Porcellanen 
(porcellanae pellucidae omnis coloris) 

So die Indianischen Gefäfse in Glantz, Schönheit, Härte und Dauer- 
hafhigkeit unter allen Europäern übertrifft die erste Probe gemachet." 

„Durchscheinende Porzellane von allen Farben" hat die 
keramische Industrie noch bis auf den heutigen Tag nicht erfunden. 
Diese Angabe ist also barer Unsinn. Wäre aber hiermit überhaupt 
die Porzellanerfindung, die zur Begründung der damals fast schon 
zwanzig Jahre bestehenden Meifsner Manufaktur gemeint, dann wäre 
dies doch wohl mit ziemlicher Sicherheit in dieser Grabschrift zum 
Ausdruck gebracht worden. Diese auffallende Zurückhaltung hier 
an einer Stelle, wo man sonst den Mund doch ziemlich voll zu 
nehmen pflegt, sagt mehr als genug. 



Wer war der Erfinder des Meifsner Porzellans? a'i 

rückt jetzt, namentlich auf Grund des Berichtes des Bussius, 
die Behauptung in den Vordergrund, dafs Böttger durch 
Steinbrück, seinen späteren Schwager, nach Tschirnhausens 
Tode das von diesem aufgedeckte Geheimnis des Porzellans 
übermittelt worden wäre. Steinbrück beginnt damit jetzt 
zum Betrüger zu werden, zu einer Kreatur Böttgers, die mit 
schlauer List und grofsem Raffinement Tschirnhausen seinen 
Ruhm, seine ganzen industriellen Verdienste zu entziehen 
gesucht, um sie seinem neuen Vorgesetzten und späteren 
Verwandten zuzuwenden. Was aber sind für diese Übeltaten 
Steinbrücks die Beweise? W^ir haben oben gesehen, dafs 
Hempel aufser auf die oben besprochene Angabe des Bussius 
auch noch auf ein Manuskript hinweist, betitelt: ,, Nachrichten 
von denen im kursächsischen Erzgebirge befindlichen edlen 
und raren Gesteinen u. s. w. von Steinbrück, Inspektor der 
Manufaktur des sächs. Porzellans u. s. w. Anno 171 5 mense Majo 
zu Dresden". In gleicher Weise soll Steinbrück, so wird 
dann kühn geschlossen, auch die übrigen Manuskripte und 
Aufzeichnungen Tschirnhausens besessen und Böttger über- 
mittelt haben. 

Doch ganz abgesehen davon, dafs die Erfindung und 
Herstellung des Porzellans doch wohl eine etwas zu schwierige 
Sache gewesen sein dürfte, als dafs man sie einfach vom 
Papier hätte ablesen und nachmachen können; was findet sich 
in Wirklichkeit auf dem Titel jenes noch heute in der Hand- 
schriftensammlung der Kgl. öffentl. BibHothek zu Dresden 
befindlichen Manuskript Steinbrücks? Es heifst da ausdrück- 
lich, dafs die hier gebrachten Nachrichten ,,theils aus eigener 
Erfahrung, theils auch aus bewehrter Leute Schriften" stammen 
und in der Einleitung dieses Manuskripts wird dann unter 
den bewährten Leuten ausdrücklich Tschirnhausen genannt. 
Ein Weglassen, ein Unterdrücken desselben ist nicht erfolgt. 
So verliert dieses Manuskript jegliche Beweiskraft für die 
beabsichtigten Zwecke, die Anschuldigungen gegen Stein- 
brück sinken in Nichts zusammen, und Steinbrücks Charakter 
dürfte damit wieder so dastehen, wie er oben zu charakterisieren 
versucht worden ist. 

Doch Reinhardt bringt in seinem Aufsatz über Tschirn- 
hausen schliefslich noch ein neues Argument zu Gunsten 
Tschirnhausens herbei, jenes kleine „Porzellanbecherchen", 
das ein Arbeiter Tschirnhausens bei dessen Tode gestohlen 
und vergraben hat. Auch hier ist wieder nur ganz allgemein 
das Wort Porzellan gebraucht. Man darf daraus keine Schlüsse 
ziehen, die anderen Ansichten entgegenlaufen. Wem fallen 



48 E. Zimmermann: 

aber bei diesem ,, becherchen" nicht sofort jene „kleine Krüge" 
ein, die angebhch die Porzellansammlung zu Dresden von 
Tschirnhausens Hand noch am Antang des 19. Jahrhunderts 
besafs und vielleicht auch jetzt noch besitzt'). Auf alle 
Fälle ist es doch sehr viel wahrscheinlicher, dafs dies 
,, Becherchen" eines der früheren Erzeugnisse Tschirnhausens, 
deren Existenz feststeht, gewesen ist, als schon ein Produkt 
aus jener darnach schon jetzt erfundenen Masse, die noch 
nach Monaten nachweislich so unvollkommen sich darbot, 
dafs an ihrer Brauchbarkeit noch völlig gezweifelt wurde. 
Und so zeigt auch dieses Argument nur wieder, wie ungemein 
verwirrend auf die hier in Untersuchung stehende Frage der 
damals so unklare Begriff des Wortes Porzellan zu allen 
Zeiten gewirkt hat und wie dringend erwünscht es ist, dafs, 
wer sich an die Frage der Erfindung des Porzellans heran- 
wagt"-), diese Unklarheit vorher begriffen hat und sich ihrer 
beständig bewufst bleibt. Nur dann kann er wirklich er- 
spriefslich auf diesem Gebiete arbeiten. 



Was dürfte nun das Endresultat dieser ganzen Unter- 
suchungen sein, dasjenige, was sich aus ihnen als ganz sicher 
oder doch wenigstens als das Wahrscheinlichste für alle Ver- 
mutungen ergibt? So gut wie feststeht, dafs Tschirnhausens 
er.ste vermeintliche Porzellanerfindung hinsichtlich der Er- 
findung des wirklich echten Hartporzellans völlig resultatlos 
verlaufen ist, so gut wie feststeht, dafs die praktische Her- 
stellung des Porzellans, die wirkhche Erzeugung der Porzellan- 
masse erst nach Tschirnhausens Tode gelang. Nicht fest 
steht dagegen, ob das Prinzip des Porzellans erst damals 
erkannt und angewendet worden ist, ob nicht doch schon 
zu Tschirnhausens Lebzeiten dasselbe aufgefunden und aus- 
probiert worden ist. Aber ebenso wenig steht dann fest, 
dafs Tschirnhausen in diesem Falle der Entdecker dieses 
Prinzipes, weder der alleinige noch der teilweise, gewesen 
ist, ja es kann dies eher als unwahrscheinlich denn als 
wahrscheinlich bezeichnet werden. Somit dürfte auf Grund 
dieser F'eststellungen und Wahrscheinlichkeitsvermutungen für 



') Siehe oben S. 35. 

'-) Es ist übrigens ein merkwürdiges Zusammentreffen, dafs auch 
über die Zeit der Erfindung des chinesischen Porzellans aus ganz 
ähnlichem Grunde, d. h. wegen falscher Auslegung des chinesischen 
Wortes „Porzellan", die Ansichten lange geschwankt haben. 



Wer war der Erfinder des Meii*sner Porzellans? ^n 

uns auch nicht die geringste zwingende Veranlassung vor- 
liegen, Tschirnhausen einen wesentlichen Anteil an der Er- 
findung des Meilsner, des europäischen Porzellans zuzuweisen, 
den man Böttger, dem bisherigen vermeintlichen Erfinder, 
abziehen müfste, ja nicht einmal den geringsten, den irgend 
welche Beweise und Tatsachen festlegen. Und so mufs — 
das kann nach allem, was hier gesagt worden ist, nur das End- 
resultat dieser ganzen Untersuchung sein — , der alte Ruhm 
Böttgers als Porzellanerfinder, der zu seinen Lebzeiten so 
gut wie von keiner Seite angefochten ward und sich dann 
auch durch fast zwei Jahrhunderte hindurch siegreich gegen 
alle Anfechtungen erhalten hat, auch ferner bestehen bleiben 
und kann ohne die geringste Einschränkung wieder neuen 
Glanz erhalten an dem zweihundertjährigen Jubiläum dieser 
Erfindung, das schon in wenigen Jahren herannaht. 



Neues Archiv f, S. G. u. A. XXVIII, i. 2, 



III. 

Das Zeithainer Lager von 1730. 

(Mit einer Karte hinter S. 113.) 

Von 
Hans Beschorner. 



Wie bereits in dem Aufsatze über die „Beschreibung-en 
und bildlichen Darstellungen des Zeithainer Lagers" in dieser 
Zeitschrift XXVII (1906), 103 — 151, betont worden ist, kann 
hier nicht entfernt daran gedacht werden, eine umfassende 
Darstellung der grofsen sächsischen Truppenschau im Juni 1730 
zu geben. Es ist vielmehr lediglich beabsichtigt, in einerii 
ersten Kapitel ganz allgemein das Campement, das seiner 
Zeit so grofses Aufsehen in der Welt gemacht hat, zu schil- 
dern und die wichtigsten Fragen, die an dieses Ereignis an- 
knüpfen, zu l:)erühren, in elf weiteren Kapiteln aber auf eine 
Keihe von Einzelheiten einzugehen, die für sich genommen oft 
vielleicht unwichtig erscheinen, im Zusammenhange betrachtet 
aber doch wesentlich das Gesamtbild vervollständigen und be- 
leben helfen. Dinge, die bereits in dem ,,Staatskalenderbericlite" 
(a.a.O. S. 118 Nr. 21) oder bei von Mansberg (a. a. O. S. 104 f. 
Nr. i) ausführlich behandelt sind, wurden entweder ganz un- 
berücksichtigt gelassen oder, nur mit einem Hinweise auf diese 
beiden Arbeiten kurz erwähnt. Überhaupt ist auf diese beiden 
Darstellungen, die das Beste sind, was wir bisher über das 
Zeithainer Lager Ijesitzen, stets in weitgehender Weise Be- 
zug genommen. 

Ganze grofse Kapitel, die in einer erschöpfenden Mono- 
graphie über das Zeithainer Lager nicht fehlen dürften, sind 
hier weggelassen worden, so vor allem die Kapitel über die 
Neuorganisation des Heeres, die dem Campement voraus- 



Das Zei thainer Lager von 1730. 51 

ging, über die Neuuniformierung, über die Neubewaffnung, 
über die Verpflegung der Truppenmassen usw. Auch konnten 
die eigenhändigen Aufzeichnungen Augusts des Starken nicht 
in dem Mafse berücksichtigt werden, wie es vielleicht wün- 
schenswert gewesen wäre. Erst wenn diese von der Königl, 
Sachs. Kommission für Geschichte herausgegeben sein werden, 
wird man voll erkennen können, wie sehr alle das Zeithainer 
Lager betreffenden Mafsnahmen den eigensten Anregungen des 
Königs entsprangen, wie sehr der König der eigentliche Mittel- 
punkt der Veranstaltungen war, in denen man mit vollem 
Rechte eine der gröfsten Verwaltungsleistungen aller Zeiten 
erblickt hat. 

Die beigegebene Kartenskizze im Mafsstab i : 100 000 ist 
auf Grund der Generalstabskarte i : 100 000 und der von der 
Abteilung für Landesaufnahme des Kgl. Sachs. Generalstabes 
1906 veröffentlichten Karte ,, Truppen -Übungsplatz Zeithain" 
I : 25000 (dazu noch eine besondere Karte ,, Artillerie-Schiefs- 
platz Zeithain" 1 125 000) gezeichnet. Sie soll vor allen Dingen 
Lage und Gröfsenverhältnisse des Manöverfeldes von 1730 
im Verhältnis zu den heutigen Zeithainer Exerzierplätzen ver- 
anschaulichen; aber sie soll gleichzeitig auch ein Hilfsmittel 
sein, die zahlreichen in dem Aufsatze vorkommenden topo- 
graphischen Einzelheiten besser verfolgen zu können. 

I. Das Zeithainer Lager im allgemeinen. 

Wer 1729 oder Anfang 1730 von auswärts nach Kur- 
sachsen kam, dem mufste die Emsigkeit auffallen, mit der alle 
Verkehrseinrichtungen in Stand gesetzt wurden. Die oft in 
trauriger Verfassung befindlichen Strafsen wurden ausgebessert, 
die Zürnerschen Meilensäulen, die vielfach umgestürzt waren, 
wieder aufgerichtet oder, wo man ihre Setzung bisher über- 
haupt unterlassen hatte, endlich aufgestellt^). Die Brücken, 
über die die Strafsen führten, wurden auf ihre Haltbarkeit 
untersucht und die Sicherheitsmafsregeln ,, wider die Räuber 
und Diebe" in den Städten und auf dem Lande verschärft'-}. 



^) Vgl. HStA. Dresden, Akten der Amtshauptmannschaft Marien- 
berg Nr. 6: Mandat vom 29. November 1729 wegen Erneuerung der 
Wegweiser in Anbetracht „der künfftiges Jahr sonderlich bevor- 
stehenden starken Frequentirung der Strafsen". 

-) Vgl. das diesbezügliche Mandat vom 13. April 1730 und sein 
Zustandekommen in Loc. 30638 f. 28—49. (Alle Aktenstücke, die sich 
in Kapitel II aufgezählt finden, sind, wie hier, so auch immer im 
folgenden, mit den dort gewählten Abkürzungen bezeichnet.) 



4* 



ti Hans Beschorner: 

Kurz man tat, was man für das reisende Publikum tun konnte, 
und auch den Gastwirten in den Städten und auf dem Lande 
war es anzusehen, dafs sie mit einer starken Zunahme des 
Verkehrs in nächster Zeit rechneten. 

Wer aber Dresden besuchte und hier einen BUck in Hof- 
und Verwaltungskreise tun konnte, mufste staunen über die 
fieberhafte Tätigkeit, die bei den verschiedenen Behörden 
herrschte. Das Oberhofmarschallamt und alle mit dem Hofe 
in Beziehung stehenden Dienststellen hatten alle Hände voll 
zu tun. Geradezu beängstigend aber war der Betrieb ])ei den 
Militärbehörden. Tagtäglich, man kann beinahe sagen stünd- 
lich, trafen bei dem Geheimen Kriegsratskolleorium und beim 
Feldmarschallamte eigenhändige Weisungen vom Könige ein 
und veranlafsten tausende von Befehlen und Instruktionen an 
die unteren Kommandobehörden. Unaufhörlich trafen auch 
beim Zeughause neue Uniformlieferungen von Hübotter und 
Schaaf in Grofsenhain und anderen Fabrikanten des Landes 
ein oder Waffensendungen von Friderici in Suhl, Clanberg 
in Solingen, aus Dresden und Olbernhau. Ja, selbst an aus- 
ländische Firmen, z. B. Celle, Berlin, Lüttich (Luik) wandte 
man sich zuletzt, da die heimische Industrie nicht imstande 
war, alle die vielen bestellten Waffen und Ausrüstungsstücke 
rechtzeitig zu liefern^). 



^) Auf die Neuuniformierung und Neubewaftnung der sächsischen 
Armee in den Jahren unmittelbar vor dem Zeithainer Lager kann 
hier nicht näher eingegangen werden. Man vergleiche darüber im 
allgemeinen den Bericht des Staatskalenders G. 4 Sp. 2 bis H. i 
Sp. 3, der bei Schilderung der Zeithainer Parade auch ziemlich aus- 
führlich der neuen, farbenprächtigen Uniformen gedenkt, ferner die 
„Übersicht der sächsischen Armee im Jahre 1730" bei Schuster 
und Francke, Geschichte der sächs. Armee, S. 366!, die 9 farbigen 
Tafeln „Abbildung der Königl. polnischen churfürstl. sächsischen 
Kriegstruppen im Zeithayner Lager vom Jahre 1730" in F. Hauthals 
Geschichte der sächs. Armee in Wort und Bild (2. Aufl. Leipzig 1859) 
und M. Thierbachs Arbeit über „die Handfeuerwaffen der säch- 
sischen Armee" (Zeitschrift f histor. Warenkunde 111(1903 04), 89—96, 
126 — 137, 160 — 170, 191 — 199, besonders 126 — 129), zu der A. Diener- 
Schönbergs Aufsatz über die „Geschichte der Gewehrfabrik zu 
Olbernhau in Sachsen" (m den M. Thierbach zu seinem 80. Geburts- 
tage gewidmeten „Beiträgen zur Geschichte der Handfeuerwaffen" 
S. 155 — 195; Nachtrag dazu in der Zeitschrift f. histor. Walfen- 
kunde IV, 3 (1906), 88 f.) willkommene Ergänzungen bietet. Flinten, 
Säbel, Degen, Spontons u. dergl., die im Zeithainer Lager getragen 
wurden, besitzen das historische Museum und die Arsenalsammlung 
zu Dresden in grofser Zahl; desgleichen verfügen die Armeesramm- 
lung (z. B. Unißrmierung Ba i — 10, auch B'' i — 18 und C i — 15) und 
das Kupferstichkahinett daselbst über zahlreiche Uniform bilder aus 
alter und neuer Zeit, die Soldaten in den 1730 getragenen Monturen 



Das Zeithainer Laster von 1730. ^3 

Ganz besonders lebhaft ging- es in der Grofsenhainer 
Gegend zu. Alle Dörfer in weitem Umkreise, bis Mühlberg 
und jenseits der Elbe weit über Riesa hinaus, trafen Anstalten 
zur Unterbringung und Beköstigung ungezählter Gäste. Da 
die Schlösser, Rittergüter und Wirtshäuser für den erwarteten 
Fremdenandrang bei weitem nicht ausreichend erschienen, so 
wurden Ställe und Scheunen in Schlafsäle umgewandelt, und 
jeder Bauer, der nur irgend eine Stube entbehren konnte, 
richtete diese, so gut es gehen wollte, als Fremdenzimmer 
ein. Auf den Feldern aber nordöstlich Riesa, zwischen 
Lichtensee, Wülknitz, Streumen, Radewitz, Glaubitz und Zeit- 
hain konnte man schon seit dem Frühjahre 1729 den Feld- 



darstellen. An letzteres (Ca 88 s) wurden im Jahre 1846 vom Haupt- 
staatsarchiv 28 die sächsische Infanterie und Kavallerie 1730 be- 
treffende farbige Uniformzeichnungen abgegeben, die zu dem 
Aktenstück Loc. 1056 Acta varia (t. 183!) gehörten. Zwei andere 
grofse und sehr schön ausgeführte Zeichnungen von Grands Mus- 
quetaires, deren wirkungsvolle Uniform eine Modellpuppe in der 
Arsenalsammlung veranschaulicht, liegen noch in Loc. 436 Acta 
Militärsachen bei. Vol. IV f. 91— 94. 

Von Akten kommen für dieses weitschichtige Thema, das 
interessant genug wäre, einmal gesondert behandelt zu werden, so 
ziemhch alle zum Zeithainer Lager gehörigen und aulserdem noch 
viele besondere Akten in Frage, die hier nicht aufgeführt werden 
können. Wie sehr sich August der Starke selbst um die Neu- 
uniformierung und -bewaffnung seines Heeres kümmerte, lehren die 
eigenhändigen Bemerkungen, die man allenthalben in diesen Akten 
findet, vor allem aber das Faszikel 12 in Loc. 2097, das nur „Mili- 
tärische Bekleidungs- und Bewaffnungs- Vorschriften König Augusts IL 
von Pohlen" enthält. Als besonders beachtenswert sei daraus hervor- 
gehoben, dafs der König f. 21 (bez. 25) ausdrücklich den Offizieren 
eigenmächtige Änderungen an den Uniformen, wie sie häufig vor- 
gekommen waren, verbietet: „II est a ordonner que les officiers ne 
fassent rien changer aux armes, spontons, hellebardes, epees, dra- 
peaux, 6tendards, curasses, mais que les conserveat dans l't^tat 
et mt^sure oü ils les recoient et qu'on a ordonn6. L'experience 
a donne que chacun a change . . . ii sa fantaisie; mais si se trouve 
quelquechose a mt-lioriser, que le dissent On verra, si ce[la] sera 
une chose ä permettre". 

Mit der Neuequipierung wurde durchaus radikal verfahren. 
Alles wurde neu, von der Uniform der Generale (vgl. Loc. 2097 
a. a. O. f. 22 und Loc. 1064 f. 148) bis hinab zu den Knöpfen und 
Flintensteinen der Gemeinen. Für die Offiziere waren diese ^lafsnahmen 
besonders hart. Da ihnen „auf die anzuschaffen erforderte kost- 
bahre und ordinaire, folghch doppelte Mundirung soviel abgezogen 
wurde", blieb ihnen, wie Wackerbarth in seinem grofsen Immediat- 
berichte vom 8. Mai 1730 (Loc. 1056 I f. iSz^) rneinte, „kaum von 
ihrem Tractament soviel übrig, ihr Leben damit kümmerlich hin- 
zubringen". Am 28. Mai „legte der gantze Hoff, wie auch die Armee, 
die neue Livree und Montur an" (OHA. I f. 6^). 



54 Hans Beschorner: 

messer Dietze mit seinen Gehilfen sehen, wie er die Fluren 
ausmafs und in grofse Risse brachte, während in dem nahen 
Gohrischwalde hunderte von Bauern und Bergleuten damit 
beschäftigt waren, einen Teil des Gehölzes niederzulegen, 
die Wurzehi zu sprengen und aus dem Boden herauszureifsen. 
Seit dem Herbste 1729 blieben alle diese vermessenen Felder 
unbestellt^). Wo sonst Saaten sprofsten, da wuchs jetzt unter 
der künstlerischen Leitung des durch den Zwinoerbau be- 
rühmt gewordenen Landbaumeisters Pöppelmann aus Holz 
und Leinwand eine luftige Stadt empor mit langen Strafsen, 
weiten Plätzen und kunstvollen, nach dem Geschmacke der 
Zeit steif und symmetrisch angelegten Gärten. Alles, was 
man nur wünschen konnte, war vorhanden in dieser improvi- 
sierten Leinwand - und Bretterstadt mit ihren teilweise ziem- 
lich entlegenen Vorstädten, zu denen man die Dörfer Rade- 
witz, Streumen, Glaubitz, Zeithain und Moritz ruhig rechnen 
konnte. Da waren anmutige Sommerpalais mit den zugehö- 
rigen Ställen und Wirtschaftsgebäuden, grofse Speicher und 
Schuppen, Schlacht- und Backhäuser, Küchen, Kneipen, Ver- 
kaufsstände usw. Ja selbst ein eigenes Kirchlein, Lazarett, 
Postamt und Komödienhaus fehlten nicht! 

Südöstlich aber des Gohrischwaldes liefs man bis nach 
Streumen, Radewitz und Zeithain hin einen 4 km breiten und 
etwa 5 km langen Platz frei, dessen Ausdehnung durch sechs 
gefällige, ebenfalls von Pöppelmanns Meisterhand geschaffene 
Sandsteinpyramiden gekennzeichnet wurde. Sorgfältig ebnete 
man diesen Platz, belegte ihn, zum Teil wenigstens, mit 
Rasen und steckte durch bunte Pfähle gewisse Richtlinien 
ab. Ungefähr in der Mitte aber führte Pöppelmann einen 
zierUchen, mit Wall und Graben umgebenen Pavillon auf, 
von dessen Fenstern aus man weithin die Gegend übersah-). 

Man kann sich denken, wieviele fleifsige Hände durch 
alle diese Vorbereitungen in Bewegung gesetzt wurden. Aber 
das rege Treiben, das seit dem Herbste 1729 in der Zeit- 
hainer Gegend herrschte, steigerte sich noch, als der nächste 
Mai ins Land zog. Auf allen gröfseren Strafsen von Dresden, 
aber auch von Leipzig her sah man lange Wagenreihen in 



^) Über diese Tätigkeit Di atz es, dem der Oberstleutnant 
Fürstenhoff zur Hand ging;, und die schwierige ,Jndemnisation 
dererjenigen Vasallen und Unterthanen, deren Grundstücke zu dem 
grofsen Campement bey Mühlberg gezogen worden", vgl. Kapitel III. 

-) Über das ganz aus Zelten bestehende „Armeelager", das 
„Hauptquartier" bei Radewitz und die sonstigen in den Dürfern der 
Nachbarschaft errichteten Bauten vgl. Kapitel IV. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 55 

der Richtung auf Zeitliaiii sich bewegen. Diese Wagen, 
meist vier- und sechssjDännig, waren hoch bepackt mit allem, 
was der Mensch nur irgendwie zu seines Lebens Nahrung 
und Notdurft braucht. Gleichzeitig aber glitten zahllose 
mächtige Kähne, von denen zum Zeichen freier Durchfahrt 
blau-gelbe Fähnchen wehten, den Eibstrom herab und lieferten 
in die bei den Dörfern Moritz und Nünchritz gelegenen Lager- 
häuser allerhand Nahrungsmittel und Efswaren ab: Getreide, 
Gemüse, Fleisch und Wildpret, Fässer voll Wein und Bier, 
daneben auch Kisten mit Waffen, Fahnen, Uniformstücken 
u. dergl. Auch an allerhand Kostbarkeiten fehlte es nicht. 
Alles , was die Silberkammer, das Grüne Gewölbe und das 
Holländische Palais irgend an Silber, Gold und Porzellan ent- 
behren konnten, wurde zur Stelle geschafft, auch manch 
neues kostbares Service auswärts bestellt^). 

Hatte man aber bisher nur Handwerks- und Geschäfts- 
leute eilfertig durcheinander laufen sehen, so begann Mitte 
Mai das Bild sich mit allerhand Uniformen zu beleben. Am 
10. Mai trafen das Bataillon Janitscharen und zwei Schwadronen 
Grenadiers ä cheval ein und bezogen ihre Zeltlager am Süd- 
westrande des grofsen Manöverfeldes. Es folgten an den 
nächsten Tagen die anderen Regimenter, die Infanterie-Regi- 
menter „Königlicher Prinz", „Herzog von Sachsen-Weifsenfels", 
„von Löwendal", „von Wilcke", „von Böhn" und wie sie 
sonst alle heifsen, bis am 23. Mai die ganze sächsische Armee 
versammelt war"-), zusammen über 50 Schwadronen und gegen 



1) Nähereshierübervo;!. namentlich in Kapitel VI. Die Transport- 
wagen mufsten von den Untertanen im Lande bespannt werden. 
Die nötigen Pferde und Knechte zusammen zubekommen, machte 
grofse Mühe; vgl. Loc. 1056 II f. 167 f. (daselbst zahlreiche „Speci- 
ficationen derer "Knechte und Pferde, so zu Bespannung der Proviant- 
Wagens und Zelt-Caleschen bey der Armee oder den einzelnen 
Regimentern erfordert worden"). Die Kähne Ueferten namentlich 
Christoph Weber (3 grolse Schiffe), Gottfried Krieger (6 Schiffe 
und 5 Käffer) und Barthel Weber (1 Kahn). 

-) Über das Einrücken der Regimenter vgl. von Mansberg 
S. 289, dazu Loc. 1056 I f. 105c und f. 146g: f., II f. 222—235 und f. 
3691!., Acta variaf. 161, 163, 193, Loc. 106411731, Loc. 10931 Vif. 
129! und Vll f. if., Loc. 10947 Paquet Ordres f. 270 — 394, OHA. 
I f. 99! Die Versammlung der Truppen war nicht schon am 18. Mai, 
sondern erst am 23. beendet. An diesem Tage, an dem auch zum 
ersten Male die „Retiraite nach geschehenem Kanonenschufs geblasen 
wurde" (OHA. I f. 4), trafen als letzte die ,, Ulaner oder Tartarn" ein, 
die so grofses Aufsehen machten; vgl. über sie Staatskalender G. i 
Sp. 3, von Mansberg S. 295, Militärwochenblatt XCI (1906) Nr. 40, 
auch diese Zeitschrift XXVII, 114. — Zu der „Lista derjenigen 
Generals-Persohnen , welche während der grofsen Revue Dienst thun 



e6 Hans Beschorner: 

30 Bataillone, d. h. mit den „Überkompleten", den zahlreichen 
Wachtmannschaften ') und Proviantknechten etwa 30000 Mann-). 



werden", bei von Mansberg S. 290 vgl. Loc. 1056 I f. i, II f. 212 f. Was 
die einzelnen Offiziere, vom General bis hinunter zum jüngsten 
Kadetten, an Equipage, Fourage, Extrazulagen usw. bekamen, er- 
sieht man aus Loc, 1056 II f. 80 — 144, woraus von Mansberg als Beispiel 
den Fourierzettel des Herzogs zu Sachsen -Weifsenfeis mitteilt, und 
aus Loc. 1056 Acta varia f. 39 f. 

') Das Campement zog natürlich eine Menge Gesindel in die 
Gegend. Am 18. Juni lieferte z. B. der Amtsfrohn nicht weniger als 
1 1 Vagabunden und Bettler, die sich im Hof lager herumgetrieben 
hatten, und einen ,,Kerl, so am 15. auf dem Pavillon einem Cavalier 
die Uhr stehlen wollte", nach Grofsenhain ins Amt ab (OHA. 

I f. 20 b). Deshalb und zur Aufrechterhaltung der militärischen Ord- 
nung mufste ein grofser Wachtapparat, über den von Mansberg S. 294 
einiges bringt, aufgeboten werden. Welche Schwierigkeiten das 
Stellen der verschiedenen Wachen für den Hof, die Fürstlichkeiten, 
das Lager usw. machte, ersieht man am besten aus dem langen 
Promemoria Wackerbarths vom 16. Juli 1729 Loc. 1056 II f.24— 50, dem 
zahlreiche Pläne und Tabellen beigegeben sind; dazu Loc. 1056 
Acta varia f. 40 f. Gegen Feuersgefahr wurden noch besondere 
Vorsichtsmafsregeln getroffen. Das königliche Palais und die Küchen 
wurden z. B. von 11 Feuerwächtern und 5 Zimmerleuten (OHA. 

II f. 133I, das Illuminationsgebäude von 20 Gemeinen und 2 Unter- 
offizieren (Loc. 1093 1 f. 68), die ausgedehnten Magazine von einem 
Invaliden-Bataillon zu vier Kompagnien bewacht, die aus den 2^'., 
Wittenberger und den 3 Invalidenkompagnien zu Eisleben, Wermsdorf 
und Meifsen gebildet worden waren (vgl. Kriegsarchiv, Loc. 2219 
Acta das vorhabende Campement der dienstleistenden Invaliden- 
Kompagnien betr. 1729). 

-) Die 30000 Mann in Zucht zu halten, war nicht leicht. Deshalb 
wurden genaue Lager Vorschriften erlassen, die in der „Disposition 
g6n6rale, wonach sich die Armee bey der Grofsen Revue zu regu- 
liren", (Loc. 1056 II f. 249—298, Loc. 10947 Paquet Ordres f. 178 — 250, 
Loc. II 005 General-Dispositiones Fascikel II) und in dem ,, Reglement 
qui contiendra la discipline necessaire convenable aux lois militaires, 
comme aussi de pr(§voir ä l'occasion du campement en lui-meme 
et aux environs du concours extraordinaire" (Loc. 10947 Paquet Ordres 
f. 572 — 583), enthalten sind. Erstere, die nicht mit den in Kapitel X 
besprochenen „Dispositiones zu den Manoevern" verwechselt werden 
darf, besteht aus dreizehn meist umfänglicheren Kapiteln, die die 
Ausgebung der Parole (I), die Rapports (II), die Wachten (III, mit 
4 Tabellen als Beilagen), die Ordonnanzen (IV, mit einer Beilage), das 
Piquet (V), die Ronden und Visitirung der Lager- und Feldwachten 
(VI), die Honneurs (VII), den Gottesdienst (VIII), die Reveille (IX), die 
Retraite (X), die Schaar-Wacht (XL das Pferdetränken (XII) und das 
Fourage-, Holz- und Strohholen (XIII) behandeln. Letztere kommt 
namentlich von Seite 578 in Betracht und ist an beachtenswerten 
Einzelheiten reich. U. a. wurde die Zahl der im Lager geduldeten 
Weiber auf das AUernotwendigste beschränkt. „Hunde, so zur Jagd 
gebraucht werden, mit ins Lager zu bringen", wurde verboten, „weil das 
zum Campement der grofsen Revue destinirte Terrain beynahe mitten 
im Gehege gelegen". Das Jagen in diesen Gehegen wurde allen, 



Das Zei thainer Lager von 1730. cy 

Gleichzeitig mit den ersten Regimentern war der König, 
August der Starke, und sein Hofstaat ,,aus Leipzig über 
Würzen und Kalbitz im Hauptquartier bey Rädzgen (Rade- 
witz)" eingetroffen, nachdem er bereits einmal vom 3. bis 
5. April vorübergehend im Lager geweilt hatte, vun sich 
mit eigenen Augen vom Stande der Arbeiten zu über- 
zeugen-^). Vom 10. Mai an musterte er täglich vom Morgen 
bis zum Abend die einzelnen Regimenter und übte persönlich 
mit ihnen schwierige Bewegungen, während er zwischendurch 
,,die Handpferde, die neuen Jagd-Chaisen, Phaetons, Berlinen, 
Wurstwagen'' und die sonstigen Vorkehrungen besichtigte. 
Mit welchem Eifer der König bei dem Einexerzieren seiner 



auch den Offizieren, aufs nachdrücklichste untersagt (Loc. 10947 
Paquet Ordres f. 107 f., Loc. 10931 VILf. 17). Wie streng die Disziplin 
gehandhabt wurde, lassen die zahlreichen Strafen (meist 6 — 12 maliges 
Gassenlaufen durch 300 Mann) erkennen , die Wackerbarth an einem 
einzigen Tage, dem 28. Mai, für Desertion, verübte Deuben, Strafsen- 
raub u. dergl. verhängte. Der Korporal Vollmer erhielt zwei Tage 
Kurz-Gewehr -Tragen, des Tages vier Stunden, und die Musketiere 
P. Schlencker , M.Simon und G. Poetzsch sechsmaliges Gassenlaufen 
durch 300 Mann „ihres Verbrechens halben, dafs sie den Maleficanten 
Blancken aus der Wache entspringen lassen" (Loc. 10931 VII f. 60 — 62). 
Namentlich für die Offiziere war der eigenartige Erlafs vom 1 1 . April 1730 
(Loc. 10947 Paquet Ordres f. 50 — 61, dazu Loc. 10931 VII f. i9f). 
„Nachdem zur Genüge bekandt", heifst es darin, „dals bej^ der be- 
vorstehenden grofsen Revue nicht allein viele und grofse Fürsten 
und Herren, sondern auch Generals und andere Persohnen von 
Distinction erscheinen werden und Ihro Kgl. Maj. einen jeden nach 
Standesgebühr mit aller Ehrerbietung und zu bezeugen vermögender 
Civilitaet begegnet wissen wollen", so soll solches durch die Generale 
den Offizieren und Mannschaften bekannt gegeben werden. Die 
Offiziere und Soldaten sollen „alles vermeyden, was jedem Frembden 
den mindesten Anlafs zum geringsten Miisvergnügen zu verle5'hen 
fähig". Alle Discurse, die dazu Gelegenheit geben, seien zu ver- 
meiden. Der iibermäfsige Trunk sei zu unterlassen, „da zuweilen 
beym Tnmcke Sachen auffs Tapis kommen, die öffters nicht so übel 
gemeynet, als sie bei solcher Beschaftenheit aufgenommen werden". 
Soupers, Bälle oder Spiele am Abend und „alle die Nächte con- 
sumierenden Amüsements" wurden während der Revue verboten, damit 
die Herren Offiziere beim Dienste frisch seien. Statt der Abend- 
unterhaltungen sollen sie sich „im voraus mit dem bekannt machen, 
was sie den folgenden Tag beym Exercice zu vollbringen hätten", usw. 
Dafür will der König, wenn alles gut gegangen ist, den Soldaten 
nachher ,,jede und alle Ergötzlichkeit, so der bej der Miliz intro- 
ducirten Disciplin, auch ergangenen Ordres und m das Land ema- 
nirten Ordonanzen und Mandaten, folglich auch Ihro Kgl. Maj. Dienst 
und eines jeglichen selbsteigenem Besten nicht zuwider, gahr gern 
vergönnen." 

^) OHA. J 31, Reisen in- und aufserhalb Landes 1729 und 1730, 
f. 129—139. 



5 8 Hans Beschorner: 

Truppen war, lehren folgende Einträge in dem ,, Diarium" 
OHA I fol. 2f.: „Am 19. May besah Ihro Königl. Maj. früh 
und nachmittags das Lager, früh zu Pferdt und nachmittags 
auf einer chaise roulante mit zwei Pferdten. Am 20. früh 
4 Uhr fuhr der König ins Lager und sah daselbst die völlige 
Cavallerie exerciren, kam auch erst mittags umb 2 Uhr zurück. 
Am 21. exercirte er nach der Tafel etliche Reo-imenter Ca- 
vallerie, am 22. liefs er die gantze Infanterie exerciren und 
Chargiren, so bis nachmittags umb 2 dauerte, am 23. war er 
wieder früh und nachmittags im Lager, am 24. sah er, zu- 
sammen mit dem Kronprinzen und den Ministers, die gantze 
Armee vom grofsen Pavillon aus moviren und chargiren, so 
bis umb 5 Uhr dauerte". Endlich exerzierte die ganze Armee 
am 26. Mai von 6 bis 3 Uhr unter den Augen des Königs 
und formierte die Linien. Am 28. Mai war alles so weit im 
Stande, dafs er die in tadellos neuen Uniformen und Waffen 
glänzenden Truppen seiner Schwiegertochter, der Kur- 
prinzessin Maria Josepha, und gleichzeitig dem französischen 
Gesandten, Marquis Monti, zeigen konnte, der aus politischen 
Gründen die folgenden Veranstaltungen mied^). 

Mittlerweile aber waren auch vmgezählte Fremde ein- 
getroffen. Von Fern und Nah strömten die Leute herzu, 
hoch und niedrig, arm und reich. An der Spitze der vom 
Hofe eingeladenen hohen Gäste, die in einem Umkreise von 
vielen Meilen in Städten, Dörfern, Schlössern und Rittergütern 
untergebracht waren, erschien der König von Preufsen, Fried- 
rich Wilhelm L Mit seinem Sohne, dem nachmaligen Friedrich 
dem Grofsen, und seinem aus beinahe 150 Offizieren bestehen- 
den Gefolge wurde er am 30. Mai in Kofsdorf feierlich emp- 
fangen und am folgenden Tage mit festlichem Gepränge ins 
Lager geleitet-). Ein grofses, von dem Hofmaler Alexander 
Thiele gemaltes Bild im Königlichen Residenzschlosse stellt 
diesen Einzug dar. Es bietet zugleich einen trefflichen Über- 
l)lick über die ganze Zeithainer Gegend mit dem Lager und 
allem, was dazu gehörte'^). 

') Vgl. von Mansberg S. 296; der daselbst erwähnte Brief ist zu 
finden Loc 1056 II f 363 t). Monti reiste ab, nachdem ihm der König 
am 29. INlai noch einige Regimenter Kavallerie vorgeführt hatte 
(OHA. I f. 61^ f.). 

-) Wegen des oft geschilderten Empfanges des Preufsenkönigs 
mit der l)erühmten Stallparade vgl. u. a, das in dieser Zeitschrift 
XXVII, 115 — 117, besprochene Gedicht U. v. Königs, Staatskalender 
Sp. G 1 f. und von Mansberg S. 293 f., 296, wegen derBesucher des 
Campements und ihrer Unterbringung Kapitel V dieser Arbeit. 

■') Vgl. diese Zeitschrift XXVII, 137 f. 



Das Zeithainer Lager von 1730. ^c^ 

Wozu nun alle diese Riesenvorl^ereitungen? Handelte es 
sich darum, eine glänzende Schaustellung zu veranstalten, 
ähnlich der von 17 19, da in Dresden mit verschwenderischer 
Pracht die Hochzeit des Kronprinzen und der habsburgischen 
Prinzessin Maria Josepha gefeiert wurde, oder ähnlich der 
von 1728, da derselbe Preufsenkönig und sein Sohn Fritz 
vier Wochen lang in Dresden mit ausgesuchtester Gast- 
freundschaft bewirtet wurden? 

Viel ist über das Campement bei Radewitz oder, wie es 
im Volksmunde heifst, das Zeithainer Lustlager geschrieben 
worden. Schon während und unmittelbar nach den Manöver- 
tagen erschienen zahlreiche Schriften, die in Prosa oder auch 
in Versen, bald ernst, bald launig, die Begebenheiten dieses 
denkwürdigen Juni darstellten und den Unwillen des Königs 
erregten; denn aufser dem uns vorliegenden Kupferstichwerke 
plante er noch die Veröffentlichung einer genauen amtlichen 
Beschreibung des Campements durch eine berufene Feder und 
liefs daher gegen die meisten Verfasser dieser minderwertigen 
Machwerke einschreiten^). Alle diese Schriften erzählten 
natürlich mit Entzücken von dem Glänze der Uniformen, der 
Pracht, die der König, seine hohen Gäste und sein grofses 
Gefolge entfalteten, von den pomphaften Veranstaltungen 
beim Empfange und namentlich bei der Verabschiedving des 
Preufsenkönigs , von den Theatervorstellungen, der Gaben- 
lotterie, dem Tafelluxus, dem grofsen Kuchen, der Bewirtung 
der ganzen Armee am letzten Tage, dem Feuerwerke und 
der Schlufsjagd bei Lichtenburg-). Aber die zeitgenössischen 
Schriftsteller priesen auch die militärischen Darbietungen in 
überschwänglichem Tone. Ebenso schroff verurteilten dann 
spätere Generationen mit wenigen Ausnahmen dieses ,, Lust- 
lager" Augusts des Starken als eine lächerliche militärische 
Spielerei, die dem Lande nicht, wie man manchmal liest, 
tausende, sondern gewifs Millionen gekostet habe und doch 
nur in Szene gesetzt worden sei, um die Welt durch ein 
Schauspiel von bisher noch nicht dagewesenem Glänze in 
Erstaunen zu setzen und damit auch alles von Ludwig XIV. 
Geleistete in den Schatten zu stellen^). Welche Auffassung 
ist nun die richtige? Wie müssen wir heute bei unserem 
Stande der Wissenschaft über das Zeithainer Lager urteilen? 



1) Vgl. diese Zeitschrift XXVII, 108 f. 

2) Über hierher gehöria^e Einzelheiten vgl. S. 52 Anm. i, S. 58 
Anm. 2, S. 72 Anm. 3 und die Kapitel IV, VI, VlI, VIIL 

3) Vgl. Kapitel VIH und den Schlufs von Kapitel X. 



6o Hans Beschorner: 

Bis in unsere Tage hinein war man gewöhnt, in August 
dem Starken den unverwüsthchen Genufsmenschen zu sehen, 
der, im Bunde mit Bacchus und Venus, das Leben nur von 
der heitersten Seite nahm imd sich um alles andere wenig 
kümmerte. Neuerdings ist man aber auf dem Wege, den 
Könipf auch noch von einer anderen Seite kennen zu lernen. 
Eingehende archivaHsche Studien, die seit Jahren, wie die 
Leser dieser Zeitschrift aus mehreren Aufsätzen wissen, l^rivat- 
dozent Dr. Haake zum Zwecke einer ausführlichen Lebens- 
beschreibung Augusts des Starken treibt, lehren uns, dai's 
dieser König denn doch etwas mehr war, als ein sein Leben 
nach allen Regeln der Kunst geniefsender Epikuräer, dafs er 
sich neben zeitraubenden Vero-nüo[uno^en auch viel ernster Arbeit 
gewidmet hat. Die Stöfse eigenhändiger Briefe und Entwürfe, 
die der genannte Gelehrte im Auftrage der Königl. Sachs. 
Kommission für Geschichte herausgibt, bringen den Beweis, 
dafs der König mit grofsem Fleii'se seinen Regierungsgeschäften 
oblag, dafs er tatsächlich der Mittelpunkt der inneren und 
äufseren Politik seines Staates war und sich namentlich aller 
militärischen Angelegenheiten von Anbeginn mit gröfster Liebe 
und Hingebung annahm^). Von Kindesbeinen an schwärmte 
er, wie er selbst mehrfach bekannt hat, für das Soldaten- 
handwerk und blieb zeitlebens ein begeisterter Soldat vom 
Scheitel bis zur Sohle. Konnte es für diese Soldatennatur 
etwas Schmerzlicheres geben, als die Erfahrungen des Nor- 
dischen Krieges, in dem die bisherige sächsische Heeresver- 
fassung völlig Fiasko machte? Es ist bekannt, wie August 
der Starke durch die Niederlagen der Jahre 1702, 1703 und 
1706 an der Düna, bei Klissow, Pultusk und Fraustadt, denen 
gegenüber die Siege bei Thorn, Kaiisch und Punitz 1704 
nichts zu bedeuten hatten, alle seine Hoffnungen scheitern sah, 
wie er Polen einbüfste und soo^ar den feindlichen Schweden 
seine sächsischen Länder preisgeben mufste. Diese Scharte 
auszuwetzen, war sein sehnlichster Wunsch. Aber er liefs sich 
nur erfüllen nach völliger Umgestaltung der sächsischen Heeres- 
verfassung, die im Kampfe gegen Karl XII. so gänzlich 
Schiffbruch gelitten hatte. So betrachtete er denn diese Um- 
gestaltung als eine der wichtigsten Aufgaben seines weiteren 
Lebens. 



') Zu dem Folsjenden v^l. meinen Aufsatz „Aui^ust der Starke 
als Suldat" in den von J. Jlberg und B. Gerth herausgegebenen 
Neuen Jahrbüchern für das klassische Altertum, Geschichte und 
deutsche Literatur 1905, 1. Abteilung, XV, 220—230. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 61 

Sachsen besafs zur Zeit des Nordischen Krieges bereits ein 
sogenanntes „stehendes Heer", aber diese auf Johann Georg III., 
den Vater Augusts des Starken, zurückgehende Schöpfung hefs 
noch, wie der Augenschein lehrte, viel zu wünschen übrig. 
Kein Regiment besafs beim Ausrücken die vorgeschriebene 
Sollstärke, Verluste im Kriege aber mufsten unersetzt bleiben, 
da ein geregeltes Ersatzwesen fehlte; denn der uns geläufige 
Gedanke, dafs jeder gesunde junge Mann seinem Landesherrn 
zur Heeresfolge verpflichtet sei, war damals den Untertanen 
noch völlig fremd. Die Waffen, ferner Uniformen und Aus- 
rüstungsstücke waren entweder in unzureichender Menge vor- 
handen oder, wenn doch vorhanden, in schlechtestem Zustande. 
Die nötige Munition liefs sich nur mit Mühe beschaffen, nament- 
lich fehlte es der Artillerie an schwerem Geschütz, um einio-er- 
mafsen gut befestigte Plätze mit Erfolg belagern zu können. 
Auch die ordentliche Verpflegung und Unterbringung der 
Truppen machte grofse Schwierigkeiten. Yov allem aber 
fehlte es immer an Geld, um die Soldaten pünkthch zu be- 
zahlen. War es unter solchen Umständen ein Wunder, wenn 
sich die Leute auf eigene Faust zu verschaffen suchten, was 
sie zu einem einigermafsen erträglichen Leben brauchten, 
und wenn so die Disziplinlosigkeit der sächsischen Truppen 
einen geradezu sprichwörtlichen Umfang annahm? 

Das alles mufste anders werden, sollte das sächsische 
Heer in Zukunft den Anforderuno-en ernster Krieefe o-e- 
wachsen sein. Am liebsten wäre August der Starke gleich 
1707 nach dem Abzüge der Schweden ans Werk gegangen. 
Aber er mufste sich gedulden; denn während sich Karl XII. 
in der Türkei herumtrieb, dauerte der Nordische Krieg für 
Sachsen noch bis in den Winter 17 16 fort. Namentlich die 
Belagerung von Stralsund hielt lange auf. Aber auch nach- 
dem friedlichere Zeiten eingekehrt waren, durfte der König 
seinen Ständen nicht grleich mit a^rofsen Militärforderuno-en 
kommen. Er sah sich im Gegenteil genötigt, den Bestand 
seines Heeres .stark zu vermindern. Aber sobald die Wunden 
des Krieges leidlich vernarbt waren, begann er mit den 
Reformen und setzte sie mit immer wachsendem Eifer bis 
an sein Lebensende fort. Der Erfolg war, dafs er 1733 die 
Augen mit dem Bewufstsein schHefsen konnte, seinem Sohne 
eine Armee von 30000 Mann zu hinterlassen, die wirklich den 
Namen eines gut funktionierenden stehenden Heeres ver- 
diente. Die einzelnen Truppengattungen setzten sich nun- 
mehr aus einer ganz Ijestimmten Anzahl fest in sich geglie- 
derter Regimenter zusammen, diese Regimenter aber blieben 



62 Hans Beschorner: 

fortan im wesentlichen unverändert bestehen, während früher 
die im Kriege gelichteten Regimenter einfach zu neuen zu- 
sammengeschweifst oder überhaupt aufgelöst worden waren.. 
Vor allen Dingen aber hatten diese Regimenter den Cha- 
rakter privater Unternehmungen verloren, der ihnen bisher 
mehr oder weniger innegewohnt hatte. Früher, namentlich in 
der Zeit des Söldnerwesens, hatte die Bildung der Regimenter 
in den Händen von Obersten gelegen, die mit diesem Ge- 
schäfte möglichst viel Geld zu verdienen trachteten. Von 
ihnen hatten die Fürsten beim Ausbruche von Kriegen die 
Regimenter gestellt bekommen und zufrieden entgegennehmen 
müssen, was ihnen an Offizieren, Mannschaften, Pferden, 
Waffen und Ausrüstungsstücken geliefert wurde. Das war 
nun anders geworden. Die Regimenter waren von jetzt ab 
staatliche Institute, an deren Spitze der Landesherr stand. 
Er überwachte die Vollständigkeit des Etats, er ernannte und 
beförderte die Offiziere, über die er zu diesem Zwecke genaue 
Konduiten führte, er ordnete Art der Bewaffnung, Bekleidung 
und Ausrüstung an, er sorgte für eine tüchtige Ausbildung 
der Mannschaften und hielt strenge militärische Zucht auf- 
recht i). 

Namentlich seit dem Jahre 1729 nahmen die Heeres- 
reformen einen erstaunlichen Umfang an, vielleicht in Rücksicht 
auf kriegerische Verwickelungen mit den Habsburgern, zu 
denen die politischen Verhältnisse") zu drängen schienen. Die 
ganze Armee wurde zunächst stark vermehrt. General Graf 
Wackerbarth erschrak nicht wenig, als ihm Frühjahr 1729 
der König aus Polen die geplante Heeresvergröfserung mit- 
teilte und zugleich seine Absicht zu erkennen gab, die ver- 
mehrte Armee 1730 in ein grofses Campement zusammen- 
zuziehen ''j. ,,Wie Pilze schössen ja jetzt, wenn es nach des 



*) Vgl. über die verwandten Vorgänge in PreufsenG. Schmoller, 
Die Entstehung des preufsischen Heeres von 1640 — 1740, in seinen 
„Umrissen und Untersuchungen" (1898) S. 247 — 288 (zuerst erschienen 
in der „Deutschen Rundschau" III (1877J, Heft iij. 

-) Über diese und das Verhältnis zwischen August dem Starken 
und Friedrich Wilhelm I. von Preufsen in den Jahren 1728 — 1730 
s. J. G. Droysen, Friedrich Wilhelm I., 2. Band (= Gesch. der 
preufsischen Politik IV, 3-), S. gSf., und P. Haake, La soci6t6 des 
antisobres, in dieser Zeitschrift XXI, 241—254. Darin auch mehrere 
treffende Bemerkungen über das Zeithainer Lager (S. 250 f.). 

") Völlig überraschend kam übrigens dem Grafen Wackerbarth 
die Nachricht nicht; denn in einem eigenhändigen Schriftstücke 
des Königs „vor den General Wackerbart" Loc. 2097 Nr. 15 f. i, das 
sjjätestens in den Sommer 1728 gehört, heifst es: „Les gardes-du-corps 



Das Zeithainer Lager von 1730. 63 

Königs Willen gehe, die Bataillone aus der Erde", meinte 
er und schrieb auch etwas derartiges seinem königlichen 
Herrn, diesem offen seine Verwunderung und seine Be- 
fürchtungen aussprechend. Als August der Starke die Äufserung 
las, brach er in ein herzliches Lachen aus und meinte: 
„Attendez! Je lui rephqueroi bien ses Champignons et je 
l'attraperoi sur le projet qu'il m'a envoj^e, de conserver le 
surplus de 4000 recrus." In mehreren Briefen enthüllte er 
dann dem erstaunten Generale seine weitgehenden Pläne und 
löste ihm — die Wendung kehrt mehrmals in den Schreiben 
wieder — ,,das Rätsel von dem Garten (oder den Gärten), 
worin die Kompagnien wie Champignons aus dem Boden 
schössen"^). 

Die Armee wurde aber nicht nur beträchtlich vermehrt, 
sie wurde auch vollständig neu eingekleidet, neu bewaffnet 
und nach neuen Exerzierreglements eingedrillt. Auf die 
Neuausstattung seines Heeres hat August der Starke nicht 
weniger Sorgfalt verwendet, als auf die Schaffung der neuen 
Exerziervorschriften-). Sachsen hatte bereits seit den neunziger 
Jahren des 17. Jahrhunderts ein festes Exerzierreglement, das 
den Namen ,, Anleitung zur Drillekunst" führte und auf den 
Generalfeldmarschall H. A. vonSchöning zurückging. Diesem 
ersten Versuche waren 1704 — 1705 neue, von den Generalen 
J, M. von der Schulenburg und J. H. von Flemming 
stammende Reglements für die Infanterie und Kavallerie ge- 
folgt, hatten aber, trotzdem sie mehrfach umgearbeitet und 



viennent l'annee 1728 dans l'october, Baudis 1729 juin, [les] chevalier- 
gardes et Baudis seront de ret[o]ur ä Varsovie 1730 septembre. 
L'annee 1729 au moi de juillet l'armee doit faire le long de l'Elbe 
divers campements ä 2 et 3 regiments et les generaux devaient 
etre partag^s, pour y assister. L'annee 1730 l'armee doit faire 
un campement general ä Torgau ou a Mülberg au mois 
de juillet. Les autres ann^es ils devaient toujours faire des 
campements le long des rivieres, [ä] Wittemberg 2 regiments de 
dragon, Pretzsch 2 regiments de cavallerie, Torgau 3 regiments 
d'mfanterie, Strehla 2 regiments d'infanterie, Meissen 3 regiments 
d'infanterie, Dresden 2 regiments de cavallerie, Pirna 2 regiments 
de dragon. 

^) Vgl. das Schreiben des Oberstleutnants und Generaladjutanten 
Carl Friedrich Pöppelmann an Wackerbarth vom 15. Juni 1729 
Loc. 10947 Pacjuet Ordres f. sssf und die verschiedenen Briefe des 
Königs Loc. 2097 Nr. 15 f-s», s^ und Loc. 1211 VlI» (Brief vom 6. Juli 
1729 aus Warschau). 

'-) Über die Akten zur Geschichte der sächsischen Exerzier- 
reglements, die im Folgenden nur kurz angedeutet werden konnte, 
und über das Verhältnis Folards zum Zeithainer Lager vgl. Kapitel X. 



64 Hans Beschorner: 

enveitert wurden^ doch auf die Dauer ihrem Zwecke nicht 
zu genügen vermocht. Deshalb hefs August der Starke in 
den zwanziger Jahren auf Grund der von seinen Generalen 
im Kriege gemachten Erfahrungen neue Exerzierreglements 
ausarbeiten, nachdem er die alten zunächst durch Interims- 
reglements ersetzt hatte. Der Entwurf des neuen Kavallerie- 
Exerzierreglements stammt aus dem Jahre 1720, der des neuen 
Infanterie - Reglements, das den Obersten Hildebrand zum 
Verfasser hatte, aus dem Jahre 1722. An diesen Entwürfen 
wurde noch lange herumgebessert. Namentlich wurden wohl 
die Neuerungen berücksichtigt oder zum mindesten erwogen, 
die der Chevalier J. Ch. de Folard in seinen 1724 erschie- 
nenen ,,Nouvelles decouvertes sur la guerre dans une disser- 
tation sur Polybe" und in seiner 1727 — 1730 veröffentlichten, 
mit breitem \vissenschaftlichen Apparat versehenen ,,Histoire 
de Polybe nouvellement traduite du Grec par Dom Vincent 
de Thuillier" vorgeschlagen hatte. Erst 1729 wurden die 
neuen Reglements endgültig in der Armee eingeführt und zu- 
nächst regimenterweise unter Aufsicht und Anleitung zweier 
Exerzitien meister (Oberst von Ludewig bei der Infanterie, 
Oberstleutnant von Milckau bei der Kavallerie) in besonderen 
Exerzier-Campements eingeübt. Oktober 1729 besuchte der 
König in eigener Person alle diese Übungslager und über- 
zeugte sich vom Stande der Dinge. ,,Ich weifs nicht", heilst 
es in einem der „remarquablen curieusen Briefe" vom 7. No- 
vember 1729^), ,,ob man observiret, dafs unser itztregirender 
allergnädigster Landes - Fürst jemahln sein getreues Sachsen 
auf einmahl also durchzogen und völlig durchreiset, auch in 
einer Zeit von vier Wochen eine Tour von 98'/.-, Meilen glück- 
lich zurückegelegt und darinnen Dero gesamte Armee besehen, 
allergnädigst beliebet, wie im verwichenen Monath October 
geschehen. — Der Anfang dieser Landes-Reise (bei der am 
24. Oktober die beiden Königlichen Majestäten August der Starke 
und Friedrich Wilhelm I. von Preufsen in Lübben zusammen- 
trafen) geschähe den 5. Oktober von Leipzig aus, da 

den gedachten 5. Oktolier in Gross-Zschocher das erste 
Reg. Guarde- Infanterie, 



') Iccander, Kurtzgefafstes sächsisches Kern-Chronicon (Zu- 
sammenfassung der „Remar(iual)len curieusen Briefe . . . merkwürdiger 
Begebenheiten ... im Churfürstentum Sachsen"), anderer Band, Leipzig 
1732, S. 636—638. Nicht ganz mit den Angaben Iccanders über die 
Inspektionsreise des Königs stimmt die „Tabelle des revues" in 
Loc. 3331 Lettres du comte de Wackerbarth au comte de Mann- 
teuffel 1728/29, f. 233, überein. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 65 

den 6. Oktober in Gröbern be}' Leipzig das Hackeborn. 
Cuirassier-Reg., 

den 9. Oktober in Kindelbrück das Weissenfelss. Reg. In- 
fanterie und das Goldacker. Drag. -Reg., 

den 12. Oktober zu Tröglitz bey Zeitz das Crüger. Reg, 
Cavallerie, 

den 14. Oktober in Zwickau das Höhnische Reg. Infanterie, 

den 15. Oktober zu Planitz bey Zwickau die Kattischen 
Dragoner, 

den 16. Oktober in Chemnitz das Printz-Gothische Res:. 
Infanterie, 

den 17. Oktober in Langenrinne bc}- Freyberg das Pr,- 
Friedr.-Reg. Cuirassier, 

den 18. Oktober in Dressden das March. Regfiment In- 
fanterie, item das Weimar. Bataill. Guarde, 

den 20. Oktober in Bautzen das Löwenthal. Reg. Infanterie, 

den 22. Oktober in Guben das andere Reo-. Guarde -In- 
fanterie, 

den 23. Oktober in Lübben die Klingenbergischen Dragoner, 

den 25. Oktober zu Zweta bey Torgau die Arnstadt. 
Dragoner, 

den 26. Oktober in Torgau die Cailaische Infanterie, 

den 27. Oktober in Grossenhayn das Wilckische Reg. 
Infanterie, 

den 28. Oktober eine Stunde von Grossenhayn die Cron- 
printz. Cavallerie, 

den 29. Oktober in Döbeln die Cronprintz. Infanterie 
die Revue passiret". 

Die Einführung dieser neuen Exerzierreglements, zu denen 
auch neue Reglements für die Garnisontruppen und neue 
Marsch-, Verpflegungs- und Besoldungsreglements traten, 
kostete natürlich viel Geld, ebenso wie die Anschaffung der 
neuen Waffen und die Anfertigung der neuen Uniformen. 
Aber das Geld war nützlich angewendet; denn es kam nun 
wirklich eine Armee zustande, mit der man, wie August der 
Starke befriedigt äufserte, etwas anfangen und sich im Felde 
sehen lassen konnte, die, wie er ebenfalls mit Genugtuung 
betonte, der Stellung Sachsens im Reiche entsprach und dem 
Lande die Möglichkeit gab, sich im Bunde mit anderen Staaten 
seiner Feinde zu erwehren^). 



*) Vgl. Loc. 2097 Nr, 2 f. 5 und 6, wo August der Starke in einem 
eigenhändigen Schriftstücke betont, ,,avoir mis l'arm^e sur un pied 
de s'en servire et de se laisser voir en campagne sur le pied de 



Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. i. 2. 



66 Hans Beschorner: 

Dafs August der Starke den Wunsch hatte, diese neu ge- 
schaffene und neu einexerzierte Armee einmal beisammen zu 
sehen, um sich an ihrem AnbHcke zu freuen und sie mit Ge- 
nugtuung der staunenden Welt zu zeigen, ist vom mensch- 
lichen Standpunkte wohl verständlich. So veranstaltete er 
denn im Juni 1730 das Zeithainer Lager, um hier die General- 
musterung über seine neu gekleideten und bewaffneten Truppen 
abzunehmen und im Anschlüsse daran die neuen Reglements 
auf ihre Brauchbarkeit beim Exerzieren in grofsen Verbänden 
zu prüfen. Dabei sollte sich auch praktisch zeigen, was von 
den theoretisch viel erörterten Neuerungen Folards zu 
halten war. 

Aber es leiteten Augu.st den Starken auch noch andere 
Gedanken, die ihn, wie seine Papiere lehren^), sehr lebhaft 
l)eschäftigt haben. Seit 16 Jahren hatte seine Armee nicht 
mehr im Felde gestanden, seit 18 Jahren hatte er selbst keine 
Gelegenheit mehr gehabt , seine Truppen gegen den Feind 
zu führen. Das war schlimm. Die alten Generale, die Er- 
fahrung besafsen und etwas von Truppenführung verstanden, 
waren tot oder abgegangen, die neu ernannten aber hatten 
keine Ahnung davon, wie es im Kriege zuging und was der 
Krieg eigentlich von ihnen verlangte. Handgriffe machen 
lassen und ein, vielleicht auch zwei Regimenter kommandieren, 
verständen sie allenfalls, meinte August der Starke. Das ver- 
lange man aber schon von jedem Major, während die Generale 
zu Höherem berufen seien. Ebenso ungewohnt aber, wie 
den Generalen, war den unteren Offizieren und den Soldaten 
die Bewegung in gröfseren Verbänden, Zudem kannten die 
Untergebenen ihre höheren Vorgesetzten gar nicht. Mufsten 
nicht diese Übelstände, die die Folge einer allzu langen 
Kriegsentwöhnung waren, nachteilig auf die Schlagfertigkeit 
der Armee wirken? Und weiter: Änderten sich nicht auch 
mit den Zeiten die miHtärischen Grundsätze? Die Alten, 
bekannte August der Starke einsichtsvoll, hatten hinsichtlich 
der Kriegsführung ganz andere Anschauungen, als wir Modernen, 
und auch unsere Nachkommen werden wahrscheinlich vieles 
ändern und einen andern Standpunkt einnehmen. 



25000 hommes", und an einer anderen Stelle, „avoir mis l'armoe sur 
un pied tel (jui conviens pour la Saxe laquelle, i>ar des alliances, se 
peut soutenir contre un ennemi qui l'a voulu atta(jue". 

') Vgl. die Ka])itel IX und XI, wo die wichtigsten Schriftstücke, 
auf denen die foli^ende IJarstellung l)eruht, im Wortlaute mit- 
geteilt sind. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 67 

Alle diese Erwägungen liefsen August dem Starken für 
Sachsen ebenso wie für alle mit Armeen ausgestatteten Staaten 
die Forderung als durchaus notwendig erscheinen, im Frieden 
schon den Krieg zu üben, d. h. vonZeitzuZeit sogenannte Campe- 
ments zu veranstalten. Diese Übungslager sollten den Gene- 
ralen, die er ,,die Seele der Armeen" nannte, und vor allem dem 
Chef en general Gelegenheit geben, mit gröfseren Verbänden 
Formations- und Frontveränderungen, Marschbewegungen und 
Manöver auszuführen , ähnlich wie sie die Majore (colonels !) 
mit ihren Regimentern übten, und zwar schnell und unter 
möglichster Ausnutzung des Geländes. So allein, äufserte 
August der Starke, lernten die Soldaten und ihre Führer schon 
in Friedenszeiten, was sie im Ernstfalle l^rauchten, und ent- 
behrten nicht aller Erfahrung, wenn es zum Kriege käme, 
sondern wüfsten sich vor dem Feinde zu benehmen. Ins Ein- 
zelne gehende Regeln liefsen sich dafür nicht geben. Die 
Ordre de bataille und die Art des Schiagens hingen stets 
von den besonderen Umständen ab und wechselten je nach 
dem Feinde, mit dem man es zu tun habe. Sache der Führer 
sei es, in jedem einzelnen Falle anzuordnen, was ihnen in 
Rücksicht auf Feind und Gelände zweckdienlich erscheine. 
Immer aber müfsten sie ihre Truppen in der Hand haben. 
Das sei jedoch nur möglich, wenn sie schon in Friedenszeiten 
daran gewöhnt worden seien, die verschiedenen Waffen sach- 
gemäfs zu handhaben und die mannigfaltigsten Bewegungen 
auszuführen, sodafs sie nach Belieben da verwendet werden 
könnten, wo sie gebraucht würden. 

Um die Truppen in Atem zu halten, erachtete es August 
der Starke für notwendig, dafs diese grofsen Armeeübungen, 
diese Kriegsschulen für Offiziere und Mannschaften, min- 
destens aller drei Jahre wiederholt würden, natürlich nicht 
immer in genau derselben Weise, sondern mit Änderungen. 
In den dazwischen liegenden Jaliren aber sollten kleinere 
Übungen, Regimentsexerzieren und separierte Camps, abge- 
halten werden, wie sie auch früher schon stattgefunden hatten, 
z. B. 1718 und 1728 bei Dresden, 1725 bei Elstra und 
gleichzeitig bei Pillnitz. August der Starke hat auch nach 
diesem Grundsatze gehandelt: 1731 begnügte er sich mit 
kleineren militärischen Übungen'). Dagegen veranstaltete er 
1732, ein halbes Jahr vor seinem Tode, bei Warschau 



') Vgl. Kriegsarchiv, Loc. 1842 Campements, worein sämtliche 
Gardes und Regimenter zu Pferde und zu Fufs der Musterung und 
des Exercircns halber ."iusammengezogen worden, 1731. 



5* 



68 Hans Beschorner: 

wiederum ein grofses Campement, das, wie die Akten und 
namentlich die in der Königlichen Bibliothek zu Dresden 
darüber vorhandenen Prachtwerke ausweisen, nicht viel hinter 
dem Zeithainer Lager zurückblieb ^). 

Ganz neu war dieser Gedanke der grofsen Armeeübungen 
nicht, wenn sie sich auch, wie ein Zeitgenosse, der bekannte 
General Schulenburg, bezeugt-), bisher in engeren Grenzen 
bewegt hatten. In Frankreich wurden bereits seit den 
Tagen Ludwigs XIV. von Zeit zu Zeit sämtliche Truppen zu 
gemeinsamen Lagern vereinigt, von denen das mit gröfstem 
Pompe 1698 bei Compiegne veranstaltete am meisten Auf- 
sehen machte, und auch in Sachsen hatte schon Johann 
Georg III. mehrmals, z. B. 1685 und 1688, ähnliche Exerzier- 
lager abgehalten'^). Ob August der Starke an das Vorbild 
seines Vaters gedacht, ob er sich der schönen Pariser Parade 
erinnerte, die er als Jüngling (1687) auf seiner Kavaliertour 
voller Begeisterung sah, bleibe dahingestellt. Jedenfalls wurde 
bei ihm der Gedanke, die grofsen, in bestimmten Zwischen- 
räumen wiederkehrenden Armeecampements in seinem Lande 



^) Genaueres über dieses Lager bei Warschau bringt Kapitel XI. 
Wegen der Truppenübungen bei Dresden 1718 vgl. Kap. X (das unter 
Nr. II aufgeführte Aktenstück), wegen ,,des zu einer Generalrevue 
anljeraumt gewesenen Campements bey dem Dorffe Elster (Amt 
Wittenberg) 1725" das Aktenstück Loc. 10944 (auch Loc. 1057 Die 
Verstärckung und Mol^ilmachung der Armee, ingl. das vorgewesene 
Campement bey Wittenberg betr., 1723, 1725; Loc. 10922 Ordres 
die zum Campiren bey Wittenberg destinirten Regimenter betr., 
1725; Loc. 10923 Revue im Campement 1725, mit dazu gehörigen 
Rissen und Plans), wegen des Pillnitzer Campements S. 75 und 76 
mit Anmerkung x), endlich wegen des „Campements bey Dressden 
(( )stra), worein die Regimenter Cronprinz-Cuirassirer, Frinz-Friedrich- 
CAÜrassirer und Klingenberg -Dragoner 1728 gezogen worden", das 
entsprechende Aktenstück im Kriegsarchiv Loc. 1841. 

-) S. in dem S. 69 Anmerkung i mitgeteilten Schreiben Schulen- 
burgs vom 7. Juli 1730. 

") Über die Entwickelung des Manövergedankens in den ver- 
schiedenen europäischen Ländern vgl. neuerdings die vom Grolsen 
Generalstabe herausgegebene Einzelschrift (Abteilung für Kriegsge- 
schichte II, Heft 28 — 30) „Die taktische Schulung der Preufsischen 
Armee durch Kernig Friedrich den Grossen während der Friedens- 
zeit 1745 bis 1756", Berlin 1900. Es kommen vor allem S. 391 und 
der Anhang Nr. 2, S. 657 f., in Frage. — Die beiden ersten sächsischen 
Exerzierlager bei Torgau 1685 und 1688 erwähnen Schuster und 
Francke, Geschichte der sächsischen Armee I, 112 und 113. Über 
letzteres ist ein besonderes Aktenstück vorhanden Loc. 10818 Campe- 
ment der churfürstl. sächfsischen Infanterie sowohl Cavallerie und 
Dragoner vor Turgau 1688. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 69 

einzuführen, geboren aus der Erkenntnis ihrer unbedingten 
Notwendigkeit und aus dem Zwange der Verhältnisse. 

Mit welcher Sorgfalt und Gründlichkeit der König alle, 
auch die kleinsten Vorbereitungen traf, ist erstaunlich, und 
man darf es dem eben genannten Schulenburg ruhig glauben, 
dafs unter allen Zeitgenossen er allein imstande war, sich 
eine derartige Schaustellung auszudenken, vorzubereiten und 
durchzuführen. Nur ein Mann von seinem Genie, von seiner 
Geschicklichkeit und seiner Grofsartigkeit konnte nach Schulen- 
burgs Ansicht ein so weitschichtiges Unternehmen, das nicht 
nur an sich schon eine Riesenarbeit bedeutete, sondern auch 
noch eine Unzahl einzelner Mafsregeln vmd Anordnungen er- 
forderte, ins Werk setzen und die für die Lösung all der 
schwierigen Aufgaben geeigneten Kräfte ausfindig machen'). 

Die erste Sorge des Königs war, nachdem er sich ein- 
mal für die Veranstaltung des Campements entschlossen hatte, 
einen geeigneten Platz dafür auszusuchen. An welche Gegen- 
den er vielleicht noch gedacht hat, lassen die Akten nicht 
erkennen. Jedenfalls entschied er sich für den oben näher 
beschriebenen zwischen Mühlberg und Grofsenhain, nachdem 
er ihn am 5. April 1729 zusammen mit dem Oberstleutnant 
Poeppelmann genau besichtigt hatte. Bereits Juni 1729 Hefs 
er von Polen aus dem Generale Wackerbarth den Situations- 
plan zugehen, auf dem das ,,Campement, la grandeur de la 
place pour les mouvements, oü doit etre mis le pavillon, la 
place choisie pour le quartier du Roy avec d'autres annotations" 
eingetragen waren, um ihm ,,eine umfassende Idee seiner In- 
tentionen" zu geben, und bat ihn, seine Ansichten darüber 



1) Mit Rücksicht auf das Zeithainer Lager schrieb Schulen- 
burg („Leben und Denkwürdigkeiten Johann Matthias Reichsgrafen 
von der Schulenburg" I [1834J S. 4971)' am 30. Juni 1730: „Le roi de 
Pologne est peut-etre l'unique sou verain qui soit capable de lui-meme 
d'imaginer et d'executer tout ce qu'on voudrait entreprendre, soit le 
s^rieux et le magnifique ou le divertissement. II serait ä souhaiter 
qu'il y eut phisieurs monarques, princes et souverains de son g^nie, 
de son habilett- et de sa magnincence." In einem Schreiben vom 
7. Juli 1730 aber meinte er: „II faudra convenir que le roi de Pologne 
a peut-etre autant de connaissance des affaires de guerre et sans 
doute plus que la plupart des g^neraux d'aujourd'hui, 6tant outre 
cela unique ä imaginer, ;i regier et ä disposer les choses le plus 
ä propos pour ces sortes de spectacles, et ce qu'il y a de plus ä 
admirer, c^est que ce.monarque est le premier mobile d'une aftaire 
d'une si grande ^tendue, qui n'exige pas seulement un grand travail, 
mais encore une infinite de reglenients et de dispositions de detail, 
ä quoi vient encore que tant de diff6rents genies doivent etre mis 
en 6tat de bien ex^cuter ce qui leur ä ete commis." 



70 



Hans Beschorner: 



zu äufsern^). Der Platz l^efriedigte den König in hohem 
Mafse. ,,Die Natur", so begründete er seine Wahl, ,, bietet 
hier nach vorn eine Ebene von 6000 Schritt ohne alle Hinder- 
nisse, zur Rechten einen Sumpf, zur Linken ein Gehölz und 
im Rücken einen Flufs, so dafs man von drei Seiten gedeckt 
ist und in der Front nach Belieben handeln kann. An dieses 
Gelände hat man sich zu halten, um die Schaulustigen zu 
befriedigen (eine der wenigen Stellen, wo der König auf die 
Zuschauer Rücksicht nimmt!). Hätte man andere Bodenver- 
hältnisse vor sich, würde man andere Anordnungen treffen. 
Aber für diesmal mufs das Publikum mit dem zufrieden sein, 
was es zu sehen bekommt." 

Wann sollten ferner — das war die zweite wichtige 
Frage — die Manöver stattfinden? Frühjahr, Herbst und 
Wintet kamen natürlich überhaupt nicht in Frage, Von den 
Sommermonaten aber boten auch die meisten ihre Nachteile. 
Abgesehen davon, dafs selbstverständhch die Felder un- 
bestellt bleiben mufsten, fehlte es im Mai an Gras und Heu, 
wenn man dies nicht in o-rofsen Matjazinen aufhäufte. Im 
Juli und August mufsten Menschen und Tiere allzu sehr unter 
Hitze und Staub leiden. Der September aber war seit alters 
her ausschhefslich der Jagd vorbehalten. Blieb also nur der Juni, 
und für diesen entschied sich auch schliefslich der König. 

Drittens aber: wie lange sollte das Campement währen? 
Unter 10 Tagen ging es auf keinen Fall. Beschränkte man sich 
auf diese kürzeste Dauer, so mufste jeden Tag exerziert werden. 
Das aber war für die Truppen zu anstrengend. Infolgedessen 
entschlofs sich der König, allemal zwischen zwei Exerzier- 
tage einen Rasttag einzuschieben und so die ganze Veran- 
staltung auf einige Wochen auszudehnen. Die Zahl der Wochen 
aber hing wieder davon ab, was man zeigen wollte. Alles 
im Kriege Vorkommende konnte man unmöglich bieten. Vieles 
wurde schon durch die Rücksichtnahme auf das eng begrenzte 
Manöverfeld ausgeschlossen. Ganz richtig äufserte der König: 
„Wollte man zwei in ganz getrennten Gegenden versammelte 
Armeen gegeneinander ojierieren lassen, so gestatten das ein- 
fach der Wassermangel, die Verlegung der Magazine, die Um- 
quartierung der Truppen und tausend andere Unbequemlich- 
keiten nicht. Wollte man aber eine Art Belagerung vorGrofsen- 
hain darstellen, so verbieten das ebenfalls die Unbe(iuemlichkeit 
des Marsches, die Verlegung der Magazine, die Unterbringung 

') Vgl. die beiden Briefe P()ppe]manns vom 5. April (aus Zeyd- 
han datiert) und 15. Juni 1729 Loc. 10947 Paquet Ordres f. 555!. und 564. 



Das Ztithainer Lai:;er von 1730. yi 

der Zuschauer und der Mangel an Zeit. Solche grofs an- 
gelegte Übungen, die etwa drei Monate dauern und ganz 
andere Magazine beanspruchen würden, mufs man späteren 
Jahren vorbehalten. Fürs erste sind sie undurchführbar." 
Aber auch wenn man die Lagerdauer statt auf drei Monate 
nur auf drei oder vier Wochen ansetzte, mufste man von 
vornherein auf viele wichtig^e Dino^e verzichten. So strich 
der König einfach die Vorführungen des Wacht- und Vor- 
postendienstes, Alarmes, Abmarsches und Hinterhaltes, der 
Fouragierung, Eskorte, Plünderung und Fascinage, die er in dem 
ersten Programmentwurfe auf die Rasttage angesetzt hatte. 
Ja trotz seiner ausgesprochenenVorliebefür alles Artilleristische 
und Fortitikatorische gab er es, wenn auch schweren Herzens, 
auf, die Verwendung der Kanonen, Mörser und Minen dar- 
zutun. Ursprünglich dachte er daran, für diese Vorführungen 
den II. Juni zu benutzen^), einen Sonntag, der gerade zwischen 
zwei Rasttage fiel. Der Morgen sollte der Andacht gewidmet 
sein und ohne militärische Übungen verlaufen. Aber nach 
Tisch sollte sich der Hof hinter das Lager begeben, um die 
hier in Parade aufgestellte Artillerie und Pionierabteilung zu 
besichtigen. Zunächst sollten diese Handgriffe zeigen, dann 
aber sich an ihre Geschütze begeben und mit ihren Kanonen 
und Mörsern hantieren. Mit Kugeln. und Bomben sollte gegen 
flüchtig aus Schanzkörben hergerichtete Befestigungen ge- 
schossen werden. Endlich sollte der Feind durch Feuer und 
unterirdische Minen zur Aufgabe seiner Stellung gezwungen 
werden. In dieser Weise wollte August der Starke die Be- 
Stimmung der Artillerie und die Tätigkeit der Mineure ver- 
anschaulichen, die sonst im Lager ganz unnütz waren. Die 
Schanzarbeiten sollten von den janitscharen, deren man sich 
vielfach als Pioniere bediente, während der Revue ausgeführt 
werden. Aus Mangel an Zeit mufste, wie gesagt, auch auf 
diesen Teil des Programms verzichtet werden. Übrigens sei 
noch bemerkt, dafs August der Starke streng von diesen 
artilleristischen Übungen das feu d'artifice, das Feuerwerk, 
schied, das bisher immer als Sache der Artillerie angesehen 



') Das Folgende ist im grofsen Ganzen eine Übersetzung der 
eigenhändigen Niederschrift Augusts des Starken Loc. 2097 Nr. 15 
f. 9 f. (Abschrift Loc. 10947 Paquet Ordres f. 506), die mit den Worten 
beginnt: „Comme pendant la revue on demontre en detail l'^cole 
de la guerre et ensuite comme on Joint ensemble tous ces pieces 
des dragons, [de laj cavallerie, Infanterie, artillerie, pour s'en servire 
en difterents mouvements, il serait dommage de ne pas produire la 
Service du canon, des mortiers et mines". 



-7 2 Hans Beschorner: 

worden war. „Es diene", sagte er, ,,dem Vergnügen, nicht 
dem Ernste, est bien pour la rejouissance, mais pas pour 
le serieux; deshalb gehöre es an das Ende der ganzen 
Revue" 1). 

Vom I. bis 23. Juni fanden mm die Übungen in genauer 
Anpassung an die Stärke der Truppen, die Beschaffenheit 
des Geländes imd die zur Verfügung stehende Zeit nach dem 
vorgesehenen-) Programme statt, das sich allerdings infolge 
der schlechten Witterung und der Erkrankung der beiden 
Könige etwas verschob. Eröffnet wvirde die Reihe der fest- 
Hchen Tage mit einer grofsartigen Parade, die der König 
über seine gesamte, von dem Generalfeldmarschall Grafen 
V. Wackerbarth befehligte Armee abnahm'^). An der Seite 
König Friedrich Wilhelms I, von Preufsen ritt er, umgeben 
von einer farbenprächtigen Ehrenwache vmd begleitet von 
einem glänzenden Gefolge, in dem auch die Damen ^) nicht 
fehlten , die zwei hintereinander aufgestellten Treffen ab 
und begab sich dann nach den Zelten, die vor der Front 
errichtet waren. Sobald hier alles versammelt war, begannen 



1) An der S. 71 Anmerkung i angegebenen Stelle. 

-) Vergl. Loc. 1056 II f. 371™, Acta varia f. 42, 49, 50, 134; Loc. 
1064 f. i; Loc. 10947 Paquet Ordres f. 547!; dazu OHA. I f. i02f. 

^) Die genaueste Schilderung der Parade mit Beschreibung 
der Regimenter im Staatskalender G. 3 Sp. 4 — H. i Sp. 3. Daselbst 
auch eine Bemerkung über die Kleidung des Königs. Das mit 
silbergefafsten „sächsischen Diamanten" (Zabeltitzer Kieseln) besetzte 
Zaumzeug und der grünsammetne Sattel mit Goldstickerei, den 
August der Starke im Lager bei Radewitz benutzte, sind im Histo- 
rischen Museum zu Dresden zu sehen (Katalog S. 199). Hinsichtlich 
der Eskorte, deren auch der Staatskalender (G. 2 Sp. i) gedenkt, 
besagt eine Nota OHA. I f. ii4t>: „Wenne beyde Könige ausfuhren, 
ritten nicht nur 9 Towarischen, so geharnischt waren, Tiegerhäute 
umb und kleine Fahnen in Händen, der eine aber den Rofsschweiflf 
führete, voraus, sondern es folgten auch 8 rot und gold propre ge- 
kleidete Ungarische Edelleuthe und soviel Pockojovien oder Pohl- 
nische Pages und 6 Türeken und soviel Paicken oder Pohlnische 
Heyducken in sehr prächtigen Kleidern zu Fusse, so jedesmahl also 
geschehen". Über die „kostbahre Kleidung derer sechs grofsen 
Caramertürcken, so nach der Arth, als selbige beym Einzug Ihro 
Königl. Hoheit der Prinzessin anno 1719 gewesen", gibt ein Befehl 
des Grafen Brühl vom 28. April 1730 Aufschlufs (Loc. 900 XXXI f. 116). 
Sie bestand aus „Oberrocken, Unterröcken, CafFtans, grossen Hosen, 
Echarpen, Turbans (davon die zwey ältesten zum Wechfsel jeder 
zwey bekommen), gelben saffianisclien türckischen Stiefeln (davon 
gedachte zwey auch zwey Paar und der Grölste überdieses noch 
ein Paar ganz grofse erhalten), cannefasnen Camisöhlern (jedem 
drey und hierüber jedem zwey Paar feine Strümpffe), weifs tuchenen 
Mänteln und rothen holländischen tuchenen türckischen Hosen". 
') Die Liste der im Lager anwesenden Damen s. S. 109 f. 



Das Zeithain er Lager von 1730. 73 

die zwischen den Bataillonen aufgestellten Geschütze, 24 schwere 
und 48 Feldgeschütze, den Salut zu feuern, der zweimal 
wiederholt wurde ^). Zum Schlüsse fand Parademarsch korps- 
und regimenterweise statt, wobei die einzelnen Truppen- 
gattungen in Kompagnie- bez. Schwadronfronten unter den 
Klängen der für diese Gelegenheit komponierten Parade- 
märsche'-) im Schritt vorbeidetilierten. 

Am 3. Juni begann dann das Einzel-Exerzieren, und zwar 
ganz allgemein in der Weise, dafs die verschiedenen Truppen- 
gattungen an verschiedenen Tagen unter mannigfachen 
Evolutionen nach dem Pavillon rückten, wo der Hof ver- 
sammelt war, sich um diesen herum aufstellten, ihre Griffe, 
Chargier ungen usw. zeigten und dann wieder, ebenfalls unter 
gleichzeitiger Vorführung von allerhand Formationsverände- 



1) Obwohl das Pulver bei dieser Gelegenheit, ebenso wie bei 
den folgenden Manövern, nach dem einstimmigen Zeugnis aller 
Berichterstatter nicht geschont wurde, war der Verbrauch nach 
unseren Begriffen nur gering. Der Soldat bekam 126 Patronen zu 
verschiefsen, auf deren Hülsen 16 Bogen Papier gingen, so dafs ein 
Bataillon 16 Riefs 4 Buch Papier brauchte; vgl. Loc. 10947 Paquet 
Ordres f. 147 — 177. Aufserdem wurden 60000 papierne Handgranaten 
ausgegeben; vgl. Thierbach a. a. O. S. 129. Den gesamten ., Munitions- 
aufgang bey der grofsen Revue" verzeichnet Loc. 14573 Pulver- 
mühlenbau 1731 und '1 732 betr. (am Schlüsse). 

*) Der Staatskalender J. 3 Sp. 4 berichtet zwar nur bei dem 
Feuerwerke, dafs die auf den Schiffen untergebrachten „Musicchors, 
welche von allen Trompetern, Pauckern und Hautboisten der gantzen 
Armee gebildet wurden", beim Vorbeidefilieren vor den hohen 
Herrschaften die Regimentsmärsche gespielt hätten, , .jedes Chor den 
March seines Regiments". Man darf aber mit Bestimmtheit an- 
nehmen, dafs diese Märsche auch schon bei der Parade am ersten 
Tage gespielt wurden. Sie sind, wie aus einigen Stellen in den 
Papieren Augusts des Starken hervorgeht, auf Anregung des Königs 
für das Zeithainer Lager komponiert worden und die ersten Bei- 
spiele von Regimentsmärschen in der sächsischen Armee; vgl. 
K. Xeefe, Die Entwicklung der kur- und königlich sächsischen bi- 
fanteriemusik von den ältesten Zeiten bis Ende des 18. Jahrhunderts, 
in dieser Zeitschrift XVIII (1897), 109 — 125 (namentlich i"2of.). Bisher 
wurden die Märsche der Regimenter: Er.-^te Garde (jetzt Grenadier- 
Regimenter Nr. 100 und loi), zweite Garde, Königlicher Prinz, 
Pnnz von Sachsen-Gotha (jetzt Regimenter Nr. 102 und 103), von Böhn, 
du Caüa (jetzt Regimenter Nr. 104 und 105), von Löwendal, Herzog 
von Weifsenfeis, von Drefsky (jetzt Regimenter Nr. 106 und 107), 
Marche bez. Graf Rutowski wieder aufgetunden und von O. Schmid 
1902 unter dem Titel „Die Infanterie- Märsche der vormaligen chur- 
fürstl. Sächsischen Armee 1729" bei C. A. Klemm (Leipzig, Dresden, 
Chemnitz) herausgegeben (eine andere Ausgabe mit farbigem Titel- 
blatt, das u. a. einen Grenadier von 1730 mit geschultertem Gewehr 
zeigt, bei Breitkopf u. Härtel). — Die Musikkorps der einzelnen 
Regimenter beschreibt genauer Staatskalerder G.4 Sp.4undH. i Sp.2. 



74 



Hans Beschurner: 



rungen und Marschbewegungen, ins Lager zurückkehrten. 
Leider wurde dieses Einzel -Exerzieren durch die kahe Witte- 
rung sehr gestört. Beide Monarchen zogen sich nämlich am 
Abend des 3. Juni infolge der „durchdringenden Kälte" ein 
böses Schnupfenfieber zu, das bei dem Preufsenkönige am 
5. Juni einen starken Gichtanfall mit ,,grofsen Schmerzen an 
der linken Hand und im linken Arm" zur Folge hatte und 
ihn veranlafste, aus seinem luftigen Prachtzelte nach ,,den 
vordersten Zimmern in dem königlichen Hause am Berge, so 
unser allergnädigster König räumte", überzusiedeln. Da beide 
Regenten einige Tage das Bett hüten mufsten, konnte das 
Einzel -Exerzieren, das am 3. Juni von den Dragonern er- 
öffnet und am 5. von der gesamten Kavallerie fortgesetzt 
worden war, erst am 10. weitergehen, und zwar fanden die 
Vorstellungen der Infanterie am 10., der Artillerie am 12. und 
der Lanzer am 13. nachmittags statt. Letztere stachen zu- 
sammen mit den Polnischen Husaren nach Ringen und brachen 
schliefslich ihre Lanzen an eigens dazu aus Stroh hergerich- 
teten Maschinen. Das Wetter blieb während all dieser 
Übungen schlecht. Zu der Kälte gesellte sich auch noch 
am 12. Regen und Wind. Durch diese Unbilden der Witterung 
wurde namentlich die Artillerievorstellung sehr beeinträchtigt, 
die zweifellos als ein Glanzpunkt aller; Darbietungen ge- 
dacht war. 

Auf diese Besichtigungen der einzelnen Truppengattungen 
folgten vom 15. bis 19. Juni Exerzitien der ganzen Armee, 
und zwar am 15. nach Folardschen Grundsätzen in Kolonnen, 
am 17. in Phalanges oder Linien und am 19. in Karrees. An 
die Leistungen der Truppen wurden hierbei die gröfsten An- 
forderungen gestellt. Bei den Phalanxübungen führte z. B. 
die ganze in drei Gliedern aufgestellte Armee eine Achtel- 
schwenkung um, die eigene Mitte aus! Die Karreeübungen 
hatten teilweise bereits den Charakter exerziermäfsiger Ge- 
fechte. So wurde u. a. gezeigt, wie sich die Infanterie in 
verschiedener Weise durch Karreebildung gegen anreitende 
Kavallerie schützt. Die gesamte Kavallerie machte vom 
Gohrischwalde her eine Attacke, wurde aber von der In- 
fanterie, die ein Breit -Karree gebildet hatte, abgewiesen. 
Als sich die Kavallerie hierauf, in zwei Abteilungen geschie- 
den, zu einem Angriff auf die beiden Flanken anschickte, 
formierte die Infanterie schnell Längs -Karree und fing mit 
den beiden Langseiten den dopj^elten Stofs auf. Hierauf zog, 
oder lichtiger gesagt, w ickelte sich die Infanterie, jede Kom- 
pagnie immer unter dem Schutze der anderen KomiDagnien, 



Das Zeithainer Lager von 1730. j^ 

nach dem Dorfe Streumen, von wo sie auf Umwegen erst gegen 
5 Uhr abends ms Lager zurückkehrte. 

Zwischendurch besichtigte der König von Preufsen an 
den Rasttagen einzehie Truppengattungen, z. B. am 14. und 
20. das Leibreginient Grenadiere (OHA. I. f. 18 und 21b), 
besah sich die Uniformen genau (vgl. Journal officiel bei 
von Mansberg S. 302) und hefs sich militärische Neuerungen 
vorführen, wie die Maultiere mit den türkischen Wasser- 
schläuchen am 2. Juni (Staatskalender H. i Sp. 3). Bei einer dieser 
Gelegenheiten hat er gewifs auch den grofsen Paukenwagen, 
der bei dem Artillerieexerzieren am 12. Juni seine besondere 
Aufmerksamkeit erregte, genauer besehen und zeichnen lassen 
(Staatskalender H. 2 Sp. i). Das Wunderwerk, das „im Jahre 1730 
kurtz vor dem in aller Welt berühmten Radewitzer Campe- 
ment von Herrn Gottfried Schmidt aus Lauban . . , erfunden" 
wurde und ,,aus zehn also in einer erhabenen Stellage 
rangirten Paucken bestand, dafs sie alle zehn von einer Person 
o-eschlaofen werden konnten", ist wohl beschrieben in dem 
Traktat ,,Von dem königlichen curieusen completen Paucken- 
spiel, dergleichen noch niemahlen vorher in der Welt gehört 
worden, und einem ingenieusen Pauckenschiff", Nr. 178 der 
,,Remarquablen curieusen Briefe .... im Churfürstenthum 
Sachsen 1731" (S. 806 — 808). 

Den Abschlufs der Manöver bildeten zwei Felddienst - 
Übungen gröfseren Stils. Bei der ersten handelte es sich um 
die Erzwingung eines Eibüberganges durch ein Armeekorps, 
ÄhnHche Übungen hatte August der Starke schon früher ge- 
sondert veranstaltet, z. B. 1725 bei Pillnitz; denn nach dem 
umfänglichen Aktenmaterial ist diese Pillnitzer Übung, an der 
die Garde du Corps, die Kadetten -Kompagnie, die beiden 
Infanterie - Regimenter Marche und Rudolstadt, zwei Kom- 
pagnien Artillerie und die drei Kompagnien des sogenannten 
Lusthäuser-Bataillons teilnahmen, durchaus ernst zu nehmen. 
Sie ist keinesfalls, wie man häufig lesen kann, nur eine be- 
sonders wirkungsvolle Nummer in dem reichhaltigen Programme 
der Festlichkeiten gewesen, die anläfslich der Hochzeit der 
Gräfin Auouste Constantia Cosel mit dem Oberkammerherrn 
Heinrich Friedrich Grafen von Friesen veranstaltet wurden. 
Es handelte sich dabei um die Erstürmung einer Befestigung, 
die an der Elbe aufo;eworfen war und durch eine Flottille von 
der Wasserseite her geschützt wurde. Lange wehrte sich die 
Besatzung gegen alle Belagerungskünste der Angreifer, mufste 
aber schliefslich doch den Widerstand aufgeben. Nachdem 
ein Teil der Schanzen durch Minen in die Luft gesprengt 



y6 Hans Beschorner: 

worden war (wobei, wie nicht nur der Volksmund, sondern 
auch die Akten zu erzählen wissen, 15 ausgestopfte Grenadiere 
mit aufflogen!), zog sie sich zunächst auf die benachbarte 
Eibinsel zurück, die in Eile mit Bollwerken versehen wurde, 
und suchte schliefslich auf der zu Hilfe gekommenen Flotte 
das Weite'). 

Gröfser als diese Pillnitzer Übung war das Manöver am 
21. Juni 1730 angelegt, dem der König mit seinen Gästen 
von einer auf dem linken Eibufer zwischen Riesa und Gröba 
gelegenen und mit 9 kostbaren grünen Zelten geschmückten 
Schanze zusah. Der Grundgedanke war der, dafs ein auf 
dem linken Eibufer hinter Gröba stehendes Armeekorps 
zwischen Gröba und Bobersen die Elbe überschreiten wollte. 
Um den zwischen Zeithain und Glaubitz lagernden Feind irre 
zu leiten, liefs der Führer des Korps, der General Wolff 
Heinrich von Baudis, ein paar Bataillone in die Nähe des 
Dorfes Moritz marschieren und unter dem Schutze einer 
Flotte mit grofsem Lärm einen Scheinübergang in Szene 
setzen. Während sich nun zwischen diesen und einiefen vom 
Feinde zur Aufklärung entsandtfen Bataillonen ein hitziges 
Gefecht entwickelte, begann die Baudisische Armee den ge- 
planten Übergang auf einer sogenannten Inventionsbrücke, 
d. h. einer Brücke, die erst längs dem Unken Eibufer lag und, 
aufsen mit Buschwerk versehen, vom jenseitigen Ufer nicht 
bemerkt werden konnte, dann aber über den Strom gezogen 
wurde. Die zuerst übergesetzten Truppen warfen, um den 
Übergang der Nachfolgenden zu decken, ein Retranchement 
in einem rechten Winkel auf, dessen Scheitel in der Richtung 
auf Röderau lag und dessen einer Schenkel sich an Bobersen, 
der andere an die Elbe (südwestlich Lessa) anlehnte. Während 
nun die feindliche Armee, die ihre Täuschung gemerkt hatte, 
in Doppelkolonne von Zeithain über Röderau heranrückte und 
den Angriff auf die Verschanzung von Promnitz und Röderau 
her eröffnete, segelte die Flotte, mit den bei dem Schein- 
manöver verwendeten Bataillonen an Bord, die Elbe hinunter. 
Eine die Durchfahrt hindernde Schiffbrücke bei Riesa wurde 
durch schwimmende Minen in die Luft gesprengt. Darauf 
gingen die Schiffe, nachdem sie die Trvippen ans Land ge- 

') Genau ist dieses Festungsmanüver, dem auch Hansch in 
seiner Geschichte des Köni<2;l. Sächsischen higenieur- und Pionier- 
korps (Dresden 1898) S. 82 einen längeren Abschnitt widmet, auf 
aktenmäfsiger Grundlage beschrieben in Über Berg und Thal 
XXVIII. Jahrgang (1905), S. 430—435 (,.,Die Pillnitzer Fest- und 
Manövertage Juni 1725"). 



Das Zeithainer Lager von 1730. yy 

setzt hatten, bei Lessa vor Anker und bombardierten mit 
ihren Geschützen den stürmenden Feind in der Flanke. 
Da mit Eintritt der Dunkelheit, abends V29 Uhr, das Re- 
tranchement noch nicht genommen war, mufste der Über- 
gang der Baudisischen Armee als gelungen betrachtet 
werden ^). 

Auch am 23. Juni, dem Tage des Combats, der Schlacht, 
wurden die vorhandenen Streitkräfte in zwei Armeekorps ge- 
teilt. Das eine, unter dem General Adolph Herzog zu Sachsen- 
Weifsenfels, nahm am Rande des Gohrischer Gehölzes Auf- 
stellung, das andere, von Wackerbarth befehligte, am gegen- 
überliegenden Rande des Manöverfeldes. Unter den üblichen 
Sicherheitsmafsregeln rückten dann beide Parteien, selbst- 
verständlich vom Pavillon aus gut sichtbar, gegeneinander 
vor. Von der Kavallerie wurden Patrouillen vorgeschickt 
und Feldwachen ausgestellt, die fleifsig ,,recognoscirten und 
zugleich alle, so sie verdächtig hielten, aufhüben, zu ihrem Kom- 
mandeur führten und examinirten". Dabei kam es zwischen 
den beiderseitigen Vorposten, den Ulanen und Husaren, zu 
einem hitzigen Vorpostengefechte, das infolge seiner Leb- 
haftigkeit bei den Zuschauern groisen Beifall fand. Mittler- 
weile hatten sich die beiden Armeen einander genähert, 
schwenkten zur Front, zur Schlachtlinie ein und gingen 
unter Kanonendonner und Flintengeknatter gegeneinander vor. 
Schritt für Schritt mufste die Wackerbarthsche Armee zunächst 
weichen. Bald aber wandte sich das Glück ihr zu. In ein- 
stündigem zähen Kampfe gelang es ihr, die Weifsenfelsische 
Armee bis in die Nähe des Gohrischer Holzes zurückzutreiben 
und sie schliefslich durch Bedrohving mit einem Kavallerie- 
Flankenangriffe zur Räumung des Feldes zu zwingen: sie ver- 
liefs ihre Aufnahmestellung am Rande des Gehölzes und trat 
den Rückzug durch dieses an. Nach diesem rühmlichen 
Erfolge marschierte Wackerbarth mit seinen siegreichen 
Truppen nach dem Lager zurück. 

Damit endeten die militärischen Darbietungen des Zeit- 
hainer Lagers, die auch schon bei flüchtiger Betrachtung durch- 
aus nicht den Eindruck machen, als seien sie nur auf Befriedi- 
gung einer schaulustigen Menge berechnet gewesen. Wer aber 
vollends sie unbefangen afi der Hand des grofsen, auf Befehl 



1) Eine ausführliche Schilderung dieses an interessanten Einzel- 
heiten reichen Manövers s. im Staatskalender H.4 Sp. i — I.2 Sp.i; 
desgl. s. 1.2 Sp. I — L3 Sp.i eine durch zwei einfache Skizzen er- 
läuterte Darstellung der folgenden Schlacht. 



y8 Hans Beschorner: 

des Königs herausgegebenen Kartenwerkes ^) und der verschie- 
denen in dieser Zeitschrift XXVII, 117 f., besprochenen amt- 
lichen und nichtamtHchen Berichte genauer prüft, kann sich 
gewifs dem Eindrucke nicht verschUefsen, dafs es sich um 
durchaus ernste Absichten handelte. Zweifellos war Auoust 
der Starke bemüht, seine neu geschaffene Armee der Welt 



') Über dieses Kartenwerk ist bereits in dieser Zeitschrift 
XXVII, i24f., ausführlich gehandelt. Die daselbst ausgesprochene 
Vermutung, ,,dafs es von Offizieren des Ingenieurkorps'', 
nicht aber von Zürner gezeichnet worden sei, bestätigt sich durch 
Loc. 10947 f. 252! In einer Registratur vom 3. März 1730 entschuldigt 
sich nämlich der Oberstleutnant Pöppelmann (nicht der Oberland- 
baumeister) bei mehreren Generalen, dafs verschiedene, näher be- 
zeichnete Pläne des Zeithainer- Lager -Werkes noch nicht vollendet 
seien ; sie würden aber demnächst fertig gestellt werden. Ungefähr 
in dieselbe Zeit gehört zweifellos die undatierte ,,Specification derer 
verfertigten Zeignungen mit kleinen Figuren von denen Mouvements, 
so im grofsen Campement bey Zeidhaj-n 1730 mit der Armee repre- 
sentiret worden, wieviel schon albereits in Kupffer gestochen und 
was sowohl an Zeignungen als Kupffern zu Complettirung des 
grolsen Werkes fehlt" (Loc. 1056 I f. 332t)— d). Danach sind 127 Zeich- 
nungen fertig, 61 auch schon gestochen; 64 dagegeu, das Hoflager 
und der Situationsplan müssen noch gestochen werden. Das Werk 
ist also halb fertig. Dafs es aber noch vor der Revue vollendet 
wurde, darf man annehmen. Zum mindesten wurden alle auf die 
Manöver bezüglichen Pläne vorher fertig gestellt; denn nach Loc. 
10947 Paquet Ordres f. 244 — 269 bekamen sie alle Generale, General- 
leutnants und Generalmajore im Laufe des März ausgehändigt, um 
mit ihren Offizieren an der Hand der Risse die Bewegungen und 
Manöver durchzusprechen. Nur die letzten Blätter, z. B. ,,die Plans 
von dem Tage du passage de la rivicre'', wurden erst m letzter 
Minute fertig und konnten daher erst im Lager selbst vei teilt werden. 
Übrigens wurden die Offiziere streng angewiesen, „die empfangenen 
Risse und Dispositiones äufsersten Fleifses zu secretiren und solche 
niemandem, denen sie nicht zu wissen nötig, zu communiciren". 
Ehe die Pläne in Kupfer gestochen wurden, prüfte sie der König 
sehr genau und änderte manches noch eigenhändig daran; vgl. Loc. 
1056 II f. 20. Auch entwarf der König, wie Loc. 1064 f. 285 zeigt, 
]iersönlich den Titel für das Kartenwerk. Er sollte ursprünglich lauten : 
,, Topographie du Campement de Zeithayn fait par les troupes de Saxe 
de Sa Majesie le Roy de Pologne oii on a represente les difterents 
Corps dont eile a ete composee, leurs ^volutions en particulier et en 
general, apres les avoir joints ensemble". An Stelle dieses Titels 
wählte man aber sj^äter doch einen anderen; vgl. diese Zeitschrift 
XX VII, 125. Unter den Titel wünschte August der Starke fol- 
gendes Register gesetzt zu sehen: i, le quartier royal, 2. tous les 
camps, 3. l'armee en parade sur 2 lignes, 4. exercice des dragons, 
5. revue de l'infanterie, 6. exercice de la cavallerie, 7. exercice des 
lanciers et picjuiers, 8. exercice de Tartillerie, 9. mouvements par des 
colonnes, 10. mouvements par des lignes, 1 1. meles (= melee) et combat 
de la cavallerie et Infanterie, 12. passage de la rivit-re et l'atta(|ue d'un 
retranchement, 13, bataille, 14. teu de joj'e ou de St. Jean, 15. sepa- 



Das Zeithainer Lasjer von 1730. yg 

in ihrem vollen, frischen Glänze, aber auch in ihrer trefflichen 
Schulung zu zeigen. \'ür allen Dingen lag ihm daran, den 
König von Preufsen, den er für künftige, vielleicht gar bald 
bevorstehende Kriege als Bundesgenossen geworben hatte und 
nun noch fester an sich ketten wollte, von der kriegerischen 
Brauchbarkeit seiner Truppen zu überzeugen^). Nach preufsi- 
schem Muster hatte er seine Armeereformen durchgeführt. 
Sein natürlicher Sohn Rutowski hatte in die preufsische Armee 
eintreten müssen, um deren Einrichtungen genau zu studieren. 
Proben der neu einzuführenden Waffen und Uniformen hatte der 
Preufsenkönio- meist erst zurBeo-utachtung vorgeleo^t bekommen. 
Aufmerksam hatte endlich August der Starke selbst mehrmals 
preufsische Truppen exerzieren sehen, das letzte Mal auf dem 



ration. Das Reg;ister ist in mehrfacher Hinsicht beachtenswert; 
u. a. ersieht man daraus, dafs ursprünglich in dem Kartenwerke auch 
eine Darstellung^ des grofsen Feuerwerks, die man entschieden ver- 
mifst (s. diese Zeitschrift XXVII, 140), geplant war. 

Dafs Andrea Zucchi tatsächlich das von Ingenieuroftizieren 
gezeichnete Werk gestochen hat und andere Stecher, wie Mylius 
und Krügner (vgl. diese Zeilschrift XXVII. 125), nicht in Frage 
kommen, lehrt der Eintrag indem ,, Aufsatz zur Neujahrsmesse 1732" 
Loc. 354 (Chatoullensachen): 600 Tir. dem italienischen Kupffer- 
stecher Zuchi wegen in Kupfer gestochener Platten vom Campement 
vermöge des mit ihm durch den Herrn Obristlieutenaiit Föppelmann 
geschlossenen Contracts". Den Druck besorgte Accisrat Weid- 
mann in Leipzig, der bei der Michaelismesse 1730 (Loc. 354 Cha- 
toullensachen) .,auf Abschlag des in Kupffer zu stechenden Campe- 
ments und [der] Militär- Exercices 500 Tir. zu Anschaffung des 
grofsen Imperial- Pappiers und 300 Tir. zu Anschaffung der Ku])ffer- 
Flatten'' erhielt. Er scheint zunächst nicht melir als 100 Exemplare 
gedruckt zu haben, für die er 7256 Tir. nach und nach bekam. 
Erst 1742 tauchen in den Chatoullensachen (Loc. 354) noch einmal 
264 Tir. für vier Exemplare auf Im Ganzen dürften sich nach 
diesen Angaben die Kosten für das Kartenwerk auf etwa 10 000 Tir. 
belaufen haben. Die Summe von 200000 Tir., die Vehse a. a. O. V, 
63, angibt, kann unmöglich richtig sein. Sie würde zu den an- 
deren Campement- Ausgaben in keinem Verhältnisse stehen. 

Das in dieser Zeitschrift XXVII, 135, bereits erwähnte Schreiben 
des Grafen Brühl vom 19. Oktober 1752, das die Neuherausgabe des 
Kartenwerkes durch den Conducteur Berggold betrifft, betindet 
sich mit drei anderen, auf die gleiche Angelegenheit bezüglichen 
Schriftstücken Loc. 1056 III f 164 — 170. Das kleinere Format, das 
Berggold wählen wollte, ist besonders in folgender Stelle hervor- 
gehoben: „So sind jedennoch auch sothane Kupferplatten deshalV) 
weiter nicht zu gebrauchen, weil Ihro Maj. der König (Friedrich 
August II.) nunmehro ein ganz anderes, von jenen weit unter- 
schiedenes Format approbirt und dabe}- das ein oder das andere 
annoch zu observiren anbefohlen haben". 

^) Dies und das Folgende näher ausgeführt bei Haake in dem 
S. 62 Anmerkung 2 genannten Aufsätze. 



8o Hans Beschorner: 

Tempelhofer Felde 1728 bei seinem Besuche in Berlin. Nun 
wollte er zeigen, dafs das preufsische Vorbild mit Erfolg nach- 
geahmt worden war, dafs sich die sächsischen Truppen den 
preufsischen an die Seite stellen liefsen. Freilich im letzten 
Auo-enblicke wurde er doch unsicher. Schon in seinem ersten 
Schreiben an Friedrich Wilhelm^), worin er die Absicht kund- 
gab, eine Revue über seine Armee zu veranstalten, und die 
Wahl des Zeitpunktes, am besten Mai oder September, seinem 
Freunde überliefs, fügte er den bescheidenen Satz ein: ,,Ich 
weifs, meine Truppen sind nicht so brillant, wie die Euren, 
aber vielleicht werden sie doch Gnade linden vor Euren Auo-en; 
indem man versucht, statt unterhaltender und scherz- 
hafter Schauspiele wirkliche militärische Übungen zu 
bieten." Auch in das förmliche Einladungsschreiben, das am 
IG. Mai 1730 nach Berlin ging, hatte er ursprünglich eine Be- 
merkung etwa folgenden Wortlautes einflechten wollen: „Könnte 
ich doch, das ist mein aufrichtiger Wunsch, Eurer Majestät 
gespannten Erwartungen entsprechen und darauf rechnen, dafs 
Eure Majestät etwaige Fehler auf Rechnung meiner eigenen 
18jährigen Untätigkeit und der 16 jährigen meiner Truppen 
setzen". Er schwankte jedoch, ob er so schreiben könnte, und 
versuchte eine andere Fassung: ,,Eine 1 8jährige Untätigkeit 
müfsten mich eigentlich zurückhalten, den erleuchteten Augen 
Eurer Majestät die Fehler zu zeigen, die sich vielleicht bei 
den Manövern meiner Truppen herausstellen; aber um Eurer 
Majestät Freude zu bereiten, werde ich alles, was ich in meinem 
Alter an Erfahrung noch besitze, zusammennehmen". So oder 
ähnlich wollte er schreiben, liefs aber schliefslich doch den 
Passus weg, da dieser nur geeignet war, ihn in den Augen 
seines Bundesgenossen herabzusetzen. 

Nur zu gern nahm Friedrich Wilhelm die Einladung an 
und versicherte in seinem Dankschreiben vom 13. Mai 1730 
seinem Freunde, ,,dafs er mit gröfster Freude die Gelegenheit 
ergreife, sich von seines Freundes richtigem Blicke bei der 
Veranstaltung kriegsmäfsiger tJbungen uud von der Güte 
seiner Truppen zu überzeugen". Ja in einem zweiten Schreiben 
vom 26. Mai sprach er sogar ,,von seiner äufsersten Ungeduld, 
seinen königlichen Freund umarmen und seine schöne Armee 
sehen zu dürfen"-). Geht schon aus diesen Schreiben her- 

') Dieses und die folgenden Schreiben sind wörtlich abgedruckt 
in Kapitel XII. 

^) Wenn der König hier von der „schönen Armee" Sachsens 
spricht, so ist das nicht nur eine höfliche Phrase. Friedrich Wil- 
helm I. hat fast immer einen (i, einstigen Eindruck von den sächsischen 



Das Zeithainer Lager von 1730. 81 

vor, dafs Friedrich Wilhelm die Einladung zu der Truppen- 
schau ernst nahm, so wird dieser Eindruck noch verstärkt 
durch die Briefe des nach Berlin gesandten sächsischen 
Kammerherrn Christian Levyn Grafen von Lynar an eine 
unp-enannte Person in Dresden, ü. a. heifst es da in einem 
Schreiben vom 22. Mai 1730, dafs der König von Preufsen 
,,alle Augenblicke bis zu der glücklichen Zusammenkunft zähle, 
die er mit Ungeduld erwarte", ja dafs er eines Tages sogar 
beim Vorüberreiten dem Grafen zugerufen habe: ,, Schon wieder 
ein Tag näher zur Parade"'}. Ganz gewifs aber hätte sich 
der Preufsenkönig nicht so auf die Zeithainer Tage gefreut, 
wenn es sich dabei nur um Gastereien, Theatervorstellungen, 
Feuerwerke und Bälle gehandelt hätte. Davon hatte er 
noch seit dem denkwürdigen Besuche am Dresdner Hofe von 
1728 genug, wo er mit derartigen, ihm nicht nur gleich- 
gültigen, sondern geradezu widerwärtigen Belustigungen bis 
zum Cberdrusse geplagt worden war. Und wenn sich Friedrich 
Wilhelm wiederholt in anerkennendster Weise über das Ge- 
sehene und die untadelhafte Haltung der sächsischen Truppen 
aussprach und mit vollster Befriedigung das Zeithainer Lager 
verliefs"-), so ist das ein weiterer Beweis für die Ernsthaftig- 



Truppen gewonnen, wie aus zahlreichen Äufserungen hervorgeht; 
vgl. O. Krauske, Die Briefe König Friedrich Wilhelms L an den 
Fürsten Leopold zu Anhalt -Dessau 1704 — 1740, an verschiedenen 
der im Register S. 845 angegebenen Stellen. 

*) Loc. 1057 Cammerexpeditiones f. 25 — 29: drei Briefe Lynars 
vom 18. April, 20. und 22. Mai 1730. Der erste, der nur den Ankauf 
einer ,,argenterie'' für 1300 Tlr. und einer Elenshaut (peau d'elan) 
betrifft, kommt für das Zeithainer Lager nicht in Frage. Dagegen 
enthalten die beiden anderen noch eine ganze Reihe bemerkens- 
werter Einzelheittn. U. a. ersieht man daraus, dafs Friedrich Wil- 
helm L vor der sächsischen Truppenschau durch die Besichtigung 
der in Berlin garnisonierenden Regimenter und durch die Feierlich- 
keiten anläfslich der Verlobung seiner Tochter Charlotte mit dem 
Prinzen von Bevern am 19. Mai den Kopf sehr voll hatte und infolge- 
dessen nicht dazu kam, sein Gefolge endgültig zu bestimmen [vg\. 
oben S. 1081. Am 30. Mai reiste der König, der gebeten hatte, den 
Capitain Haacke stets in seiner Nähe und von Keiserling bei dem 
Kronprinzen einzuquartieren, über Elstra und Zelle nach Kossdorf. 
Er traf daselbst mit den zur Teilnahme an der Revue komman- 
dierten Offizieren zusammen, die sich auf seinen Befehl mit kalter 
Küche und Wein versehen hatten und eifrig die Frage erörterten, 
ob auch für die Unterbringung der Pferde gehörig gesorgt sein 
würde. Auch die auswärtigen Gesandten, die im Lager voraussicht- 
lich anwesend sein würden, sind in einem der Briefe genannt. 

-) Vergl. z. B. die Bemerkung des Journal officiel zum 20. Juni 
(von Mansberg S. 3031, dafs ,,Leurs M^es furent toutes Deux fort 
satisfaites des exercices du corps des grenadiers", oder die Angabe 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. i. 2. 6 



32 Hans Beschorner: 

keit des Gebotenen, um so mehr, als der Preufsenkönig ge- 
rade während des Campements Schweres durchmachen mufste. 
Er hatte nicht nur körperUch viel zu dulden durch den tage- 
langen, heftigen Gichtanfall, der ihm gewifs die Freude viel- 
fach beeinträchtigte. Er hatte auch seelisch viel zu leiden 
durch die Mifshelligkeiten mit seinem Sohne Fritz, die gerade 
in den Zeithainer Tagen ihren Höhepunkt erreichten. Im Zeit- 
hainer Lager kam es zu jenem erregten Auftritte zwischen 
Vater und Sohn, der in letzterem unwiderruflich den Ent- 
schlufs reifen liefs, sich weiterer unwürdiger Behandlung 
durch die Flucht zu entziehen. Nur dem Umstände, dafs der 
sächsische Minister Graf Hoym dem Kronprinzen und seinem 
Freunde Kattedie erbetenen Pässe nach Leipzig verweigerte, 
ist es zuzuschreiben, dafs nicht bereits von hier die Flucht 
erfolgte, die zwei Monate später, am 5. August, bei Steins- 
furth ins Werk gesetzt wurde ^). 

Erscheint somit auf aktenmäfsiger Grundlage die bisher 
übliche Auffassung, die von einer militärischen Bedeutung 
der Zeithainer Tage nichts wissen will und in ihnen nur eine 
lange Reihe abwechslungsreicher Vergnügungen sieht, nicht 
haltbar, so kann im Gegenteil meiner Meinung nach die 
vStellung des Zeithainer Lagers innerhalb der militärischen 
Bestrebungen Augusts des Starken nicht hoch genug be- 
wertet werden. Seit den Tagen des Nordischen Krieges 
liatte der König deutlich erkannt, dafs Sachsen unbedingt ein 
tüchtiges, ganz anders als bisher geartetes Heer brauchte, 
wollte es in künftigen Kriegen mit Ehren bestehen oder sich 
auch nur, nach dem Grundsatze: Si vis pacem, para bellum, 
eines dauernden Friedens erfreuen. Nur eine Armee, wie er 
sie sich in der zweiten Hälfte seines Lebens geschaffen hatte 
und wie er sie nach ihrer Vollendung 1730 in der Mühlberger 
Ebene vorführte, konnte nach seiner Überzeugung ehien 
solchen Frieden verbürgen. So betrachtet, liegt ein tiefer 
Sinn in den meist nicht recht verstandenen Worten, die beim 
Schlufsfeuerwerke am 24. Juni in Riesenbuchstaben glänzend 



des „Lag;erpredigers" (vgl. diese Zeitschrift XX VII, 121 Nr. 34), der 
K()nig von Freufsen habe am 2. Juni fieäufsert, „dafs Sie in Sachsen 
sich wohl viel Proprete und Noblesse, aber dergleichen, als Sie 
gefunden, doch nicht imaginiret". 

') V^l. u. a. J. G. Droysen, Friedrich Wilhelm I., 2. Band 
(1869; =: Gesch. der preufsischen Politik IV 3'-) S. 106, L. von Ranke, 
Zwölf Bücher preulsischer Geschichte III (1874), 107, und nament- 
lich R, Koser, Friedrich der Groise als Kronprinz, 2. Auß. (1901), 
S. 32 f 



Das Zeithainer Lager von 1730. 83 

aufleuchteten und von einer entsprechenden Allegorie be- 
gleitet waren: 

Sic fulta manebit [sc. pax]! 

Auf eine s(jlche Armee gestützt, wird er dauern, der Friede! 



2. Die archivalischen Quellen für das Zeithainer 
Lager nebst Nachträgen zur Literatur. 

Akten sind über das Zeithainer Lager bei der Bedeutung 
und dem Umfange der Veranstaltung sehr reichlich vor- 
handen, namentlich wenn man alle die Akten über die Neu- 
formierung der Armee, über die Neubekleidung und Neu- 
bewaffnung der einzelnen Regimenter, über die Verpflegung usw. 
mit in Betracht zieht. 

Als die wichtigsten Aktenstücke für das Campement in 
engerem Sinne dürfen i. und 2. die beiden Vol. G^ Nr. 30 I und II 
des Oberhofmarschallamts-Archives in Dresden gelten 
(abgekürzt mit OHA. I und 11). 

Nächst diesen kommen aus den Beständen des Haupt - 
Staatsarchivs zu Dresden in Frage: 

3. Loc. 354 Acta Chatoullensachen 1697 — 1747 betr., 
Vol. I (abgekürzt Loc. 354 Chatoullensachen). 

4. Loc. 431 Gesammelte und zusammengetragene histo- 
risch -commissariatische Nachrichten von dem Chur-Sächssi- 
schen Kriegsstaat und dessen Wirtschafts -Verfassung . . . 
1682 — 1782 . . . ., so gefertiget und vollbracht im October 
des 1786^**° Jahres Elias Unger, Supernumerar. Com- 
missariats-Secretarius (abgekürzt Loc. 431 Unger). Aufser 
dem kurzen und in sehr überschwenglichem Tone gehaltenen 
Abschnitte über das Zeithainer Lager Bd. I, 31 f., kommen 
noch zahlreiche andere Partien dieses für die sächsische Armee - 
geschichte sehr wichtigen handschriftlichen Werkes in Frage. 

5. Loc. 900 Hof- und Obercämmerey-Cassesachen anno 
1730, Vol. XXXI (abgekürzt Loc. 900). 

6. Loc. 1056 Acta das [Anno 1730] bey Zeithayn zu 
haltende (bez. gehaltene) Campement [und grofse Revue der 
ganzen Armee] betr. 1729 — 1731, III Volumina und ein Bei- 
lagekonvolut ,,Acta varia das grofse Campement bei Radewitz 
und Zeithayn .... betr. 1730" (abgekürzt Loc. 1056 I, II, III, 
Acta varia). 

"'^ 7. Loc. 1057 Acta das bey Mühlberg gehaltene Campe- 
ment bei. 1730 und 1802/3 (abgekürzt Loc. 1057); darin ein 
besonders foliiertes Faszikel „Acta commissionis die in dem 

6* 



84 Hans Beschorner: 

Campement . . . vorgefallenen Cammerexpeditiones betr. (ab- 
gekürzt Loc. 1057 Cammerexi-)editiones). 

8. Loc. 1064 Das Campement zu Zeithain betreffende 
Schriften (abgekürzt Loc. 1064). 

9. Aus Loc. 2097 verschiedene P'aszikel der eigenhändigen 
Niederschriften Augusts des Starken, z. B. Nr. 13, 14 und 15. 

10. Loc. 6345 Das Anno 1730 bey Mühlberg gehaltene 
grofse Campement und besonders die Indemnisation . . . l3etr. 
1729 — 1735 (abgekürzt Loc. 6345). 

11. Loc. 10931 Ordres von des Generals en chef Grafen 
von Wackerbarth Exzellenz 1730, Vol. VI und VII (abgekürzt 
Loc. 10 931, VI und VII). 

12. Loc. 10947 Paquet Ordres die zum grofsen Cam- 
])ement be\- Zeithayn gemachten Veranstaltungen betr. 1730 
(abgekürzt Loc. 10947 Paquet Ordre.s). 

13. Loc. 10947 Rapports von der Armee im Campement 
be}^ Zeitha}!! de anno 1730 (abgekürzt Loc. 10947 Rapports). 

14. Loc. 10947 Musterberichte von der Cavallerie und 
Infanterie über die im Campement be\' Zeithavn gehaltene 
Musterung derer Regimenter de anno 1730. 

15. Loc. 10948 Generaltabellen de anno 1730 (monat- 
liche Übersichten über den Bestand des ganzen Heeres in 
Tabellenform). 

16. Loc. 35043 Das Lager bei Zeithayn betr. 1729!". 
(abgekürzt Loc. 35043). 

Andere Aktenstücke des Hauptstaatsarchivs, die sich auf 
ganz bestimmte, mit dem Zeithainer Lager zusammenhängende 
Dinge beziehen, z. B. auf die Indemnisationsfrage, auf die 
Kinführung der neuen Reglements usw., sind o:eh()rigen Ortes 
genau angegeben oder gelegentlich zitiert worden. Die drei 
Akten.stücke: 

17. Loc. 4637 Divulgirte Beschreibung von dem letzten 
Campement bei Zeitha3-n de anno 1730, 

18. Loc. 10745 Acta das dem Commercienrath Weide- 
mann . . . gestattete Privilegium betr. 1730. 

19. Loc. 30638 Dafs zu Mühlberg oder Zeithayn Anno 
1730 gehaltene grofse Campement betr., 

die sich fast ausschliefslich auf die publizistische Behandlung 
des Zeithainer Lagers beziehen, .sind Ijereits in dieser Zeit- 
schrift XW'II, 103 f., verwertet und erwähnt worden. Einige 
Nachträge daraus bringt der Schlufs dieses Kapitels. 

Aus dem Kriegsarchiv zu Dresden verdient haupt- 
sächlich der Aktenliand Loc. 2850 Acta das Campement der 



Das Zeithainer Lat^er vun 1730. 85 

Königl. Pohl, und Churfürstl. Sachs. Armee bei Zeithayn betr. 
1730, Beachtung. Dagegen bietet der handschrifthche Band: 
„Disposition generale" in der Bibliothek des General- 
stabes zu Dresden (B V Nr. 7450) nichts, was in den Akten 
des Hauptstaatsarchivs nicht auch enthalten wäre. 

Die Literatur, die über das Zeithainer Lager erschienen 
ist, wurde bereits eingehend in dieser Zeitschrift XXVII, 103 151 
(',, Beschreibungen und bildliche Darstellungen des Zeithainer 
Lao"ers von 1730"), besprochen. Von neueren Behandlungen 
.sei hier nur noch der Abschnitt ,,Das Zeithainer Lager" in 
O. Schusters und F. A. Franckes Geschichte der sächsi- 
schen Armee I (1885), 200 — 203, hervorgehoben [37b]; da- 
selbst findet sich auch am Ende des Bandes, Tafel IV, Skizze 
Nr. 6, eine recht brauchbare Orientierungskarte für das Zeit- 
hainer Lager. Von dem Aufsatze ,,Etwas Material zur Ge- 
schichte der .sächsischen Armee unter den beiden Friedrich 
August 1695 — 1763" in Schäfers Sachsen-Chronik I (1854), 
196 — 222, verdient die lange Anmerkung S. 218 f. ,, Säch- 
sische Armee im Lager bei Zeitha3'n 1730" [37c] namentlich 
wegen des darin enthaltenen ,, Verzeichnisses der be}- den 
Regimentern angestellt gewesenen Stabsofficiers" Beachtung. 

Zu der ungefähr mit dem Campement gleichzeitigen 
Literatur sei folgendes nachgetragen: Die von Clessel ver- 
öifentlichte ,, Nachricht von dem bevorstehenden Campement" 
(diese Zeitschrift XXVII, 107 Nr. 4) führte den Titel: ,,Kurtze 
Beschreibung und Vorstellung des kostbaren Lagers oder 
Sehens - würdigen Lust - Campements bey INIühlberg, welches 
von Ihro Königl. Maj. in Fohlen und Churfl. Durchl. zu Sachsen 
etc. kommenden Monats Junii dieses i73oten Jahres zu halten 
allergnädigst angestellet". Darunter eine Königskrone, durch 
die zwei Lorbeerzweige gesteckt sind. ,, Gedruckt in diesem 
i73oten Jahre." Die vier Seiten starke Druckschrift in Quart 
wies nach einer Einleitung im Umfange von einer Seite den 
,,curieusen Leser" auf die acht Pyramiden, den Pavillon, die 
Backöfen, die ,,96 heimlichen Gemächer für die Cavallerie" und 
die 90 für die Infanterie, die 300 Heuschober, die drei grofsen 
Eisgruben, das Hoflager, die Eibbrücken, „die grofse gegossene 
und sehr kostbare Statue Ihro Königl. Majestät zu Pferde, so 
en fronte orestellet werden soll", u. a. hin und veröffentlichte 
das Programm. Loc. 1056 I f. 272 f. enthält ein Exemplar 
dieser Clesselschen Schrift, ebenso fol. 318 ein Exemplar des 
auch schon in dieser Zeitschrift XX VH, 109, unter den 
beschlagnahmten Schriften erwähnten ,,Glückwimsches in Form 
einer Bataillon-Carree". ,,Bey dem von Ihro Königl. Majestät 



36 Hans Beschorner: 

in Pohlen und Churfiirstl, Durchl. zu Sachsen Herrn Friedrich 
August im Monath Junio 1730 höchst ruhmwürdig gehaltenen 
Campement wollte gegen seinen allerteuersten Landes -Vater 
seine allerunterthänigste Devotion durch einen in Form einer 
Bataillon - Carree gesetzten Reim und angehängten Glück- 
wunsch bezeugen Jxxx Gxxx Bxxx Typogr. Cult.", sagt der 
Verfasser — nach Loc. 1056 I f. 306 Johann Gottlieb Bauch — 
auf der ersten Seite (dem Titel). Auf S. 2 und 3 marschieren 
dann die den Glückwunsch bildenden Worte in Karreeform 
auf, dafs dem Beschauer die Augen übergehen. Auf der 
letzten (4.) Seite ist noch eine poetische Widmung an den 
König hinzugefügt. 

Aufser den S. 107 — 109 im XXVII. Bande dieser Zeit- 
schrift erwähnten Schriften, die behördhcherseits weggenom- 
men wurden, ereilte dieses Schicksal noch zwei 1730 er- 
schienene Schriften, die als „Nützliche Nachrichten" zu 
Leipzig ebenfalls ,,bey Joh. Paul Hoffmann, Bilderhändler in 
Herrn Baumeister Hohmanns neuen Hof in der Peterstrafse", 
zu haben waren und, wie das Clesselsche Schriftchen, auf 
allerhand Sehenswürdigkeiten des Lagers (u. a. auch auf 
,,Augusti Statua, die grofs und hoch zu achten",) aufmerksam 
machten. Die eine davon (ein Exemplar Loc. 1056 I f. 289 
und 294) trägt auf dem ersten der vier Quartblätter, das mit 
dem in kriegerischen Emblemen prangenden polnisch -sächsi- 
schen Wappen und einer in ein Dreieck gefalsten Huldigimg an 
die ,,Fridericorum triga Saxonica" (August den Starken, seinen 
Sohn Friedrich August und seinen Enkel Friedrich Christian) 
geschmückt ist, den Titel: ,,Le Campement Royal Saxon- 
Electoral, n'etant point fatal, n'a pas eu Son egal. Ihro Königl. 
Majestät in Pohlen und Chur-Fürstl. Durchl. zu Sachsen 
Sehens-, Wunder- und Ruhmeswürdiges Campement bey 
Mühlberg" [4b]. Die andere dagegen (zwei Exemplare Loc. 
1056 I f. 281 und 290) betitelt sich: „Anderweitige nützliche 
Nachrichten, vorstellend, was in dem von Sr. Kön. Maj. in 
Pohlen und Churf 1. Durchl. zu Sachsen Selbst-höchstpreifslich 
veranstalteten Campement der Gegend Mühlberg vornehmlich 
zu sehen und täglich zu observieren ist. Wegen besorglichen 
Nachdrucks, worinnen öffters viel weggelassen wird, ist in 
einem kleinen Kupferstich, gleich bei der ersten Nachricht, 
eine Bataille praesentirend, hierunter gedruckt worden (folgt 
der Stich). Leipzig 1730" [4c]. 

Vermutlich wurde auch noch eine vierte bei Hoftmann 
erschienene Schrift von acht Quartseiten beschlagnahmt, die 
Loc. 1056 I f. 317^ f. begegnet. Unter dem Titel „Kriegs- 



Das Zeithainer Lager von 1730. 87 

Operationen, wie solche in dem von Sr. Königl. Majest. in 
Pohlen und Churf. Durchl. zu Sachsen ordinirten Campement 
der Gegend Zeithayn unweit Mühlberg in folgender Ordnung 
täglich zu sehen anno 1730 (darüber eine Fortuna inmitten 
von allerhand Kriegsemblemen)" [4d] gibt sie das „Programm 
vom I. — 28. Jimi", die „Quartier -Lista" und das „Nahmen- 
Verziechnifs (!) derer Regimenter, so wie sie im Campement 
placiret", bekannt. 

Zu den verschiedenen poetischen Ergüssen Kittel - 
Micranders sei noch die Ode „Accelera, quisquis es! Taha 
si videre cupis, quae numquam vidisti, numquam visurus es" 
[lOe], nachgetragen, die den in dieser Zeitschrift XXVII, iio 
Nr. 10 ^ bis 10 '^j aufgeführten Gedichten in einigen Exemplaren 
(vgl. Loc. 1056 I f. 315 — 316^*^) vorausgeschickt ist („Dresden, 
bey Christian Robring"). Sie schliefst mit den Worten: 
,,Non morare! Appropera! Post haec occasio calva!" 

Zu Henrici-Picanders „AllerunterthänigstenGedancken" 
(diese Zeitschrift XXVII, 112 Nr. 14) möge noch bemerkt 
sein, dafs auch dieses von dem Verfasser dem Könige 
,,bei Dero hohen Nahmens - Fe5^er" überreichte Poem zu- 
nächst, ,, ungeachtet S. Kgl. Maj. hierüber selbsten ein alier- 
gnädigstes Wohlgefallen bezeigt", von der Leipziger Bücher- 
kommission ,, öffentlich zu verkaufen" verboten, am 18. Sep- 
tember 1730 aber freigegeben wurde (Loc. 4637 f. 19 — 32, 
dazu auch Loc. 30638 f. 16). ,,Dafs Ihro Königl, Mt. den 
Druck derer von Troemern gefertigten, halb teutschen und 
halb französischen Verse von dem Campement, falls nicht 
dabe}' ein besonderes Bedencken vorhanden wäre, allergnädigst 
verstattet hätte", besagt eine Registratur Loc. 4637 f. 13. 

Ohne selbständigen Wert ist eine Druckschrift, von der 
sich ein Exemplar in der Bibliothek des grofsen General- 
stabes zu Berlin gefunden hat und die den Titel führt: „Das 
jauchzende Sachsen, d. i. AusführUche Relation der be- 
sonderen Merckwürdigkeiten, die sich bey dem magnifiquen 
Königl. Pohlnischen und Chur-Fürstl. Sächsischen Lust-Campe- 
ment bey Mühlberg in Sachsen anno 1730 vom 3. Maij bifs 
28. Junii täglich zugetragen, nebst umständlicher Beschreibung 
der Beschaffenheit des Haupt-Lagers, Lagers der Armee, der 
grofsen Jagd, u. a. m. Zum beständigen ruhmwürdigen Ange- 
dencken entworfen von einem, der denen Lustbarkeiten Selbst 
mit beygewohnet (Verlag und Druckort weggeschnitten)" [22b]. 
Das Oktavbüchlein, das vor dem Titel eine künstlerisch wertlose, 
phantastische Darstellung des Zeithainer Lagers mit allerhand 
allegorischem Beiwerk in Kupferstich zeigt, ist im wesentlichen 



88 Hans Beschorner: 

ein Abdruck des Staatskalenderberichtes; nur hin und wieder 
sind kleine Anderunoren oder unbedeutende Zusätze ancrebracht. 
Hinzugefügt ist am Schlüsse ein Gedicht, das mit den Worten 
anhebt: „Lebewohl! Grofser August! Du hast nunmehro der 
Welt etwas gezeiget, was sie bey ihrem hohen Alter noch 
nicht gesehen", und mit einem frommen Wunsche weofen Fort- 
bestehens der Freundschaft zwischen Sachsen und Preufsen 
schliefst. ,, Der Himmel wolle nie dies Band der Liebe trennen! 
So wird sich Brandenburg und Sachsen glücklich nennen." 

Dagegen besitzt einen gewissen selbständigen Gehalt 
das bereits in dieser Zeitschrift XXVII, 119 X'r. 29, aufgeführte 
,, Journal exact''^), von dem Oberstleutnant Haedrich 
kürzlich (1906) unter dem Titel ,, Ausführliches Tagebuch 
oder eingehende Beschreibung aller Vorkommnisse in dem 
grofsen Lager Sr. Majestät des Königs von Polen und Kur- 
fürsten von Sachsen zwischen IMühlbero" und Radewitz in 
Sachsen in der N^ähe der Elbe", eine deutsche Übersetzimg 
in Heft XVIII und XIX (S. 5 — 30) der ,,Veröffenthchungen 
des Altertumsvereins zu Torgau" unter Hinzufügung einer 
sachlich belanglosen Einleitung gebracht hat. Dieses ,, Journal 
exact", das mit keiner der anderen Schriften ähnlichen Inhalts 
übereinstimmt, behandelt die Exercitien ziemlich kurz, die 
Festlichkeiten dagegen recht ausführlich und gedenkt mit 
Vorliebe aller vorgekommenen Unglücksfälle. Beigegeben 
sind das übliche ,, Verzeichnis der Tafeln" (mit Angabe der 
Service, Tafelleiter, Küchenchefs usw.), eine „Skizze des Lagers 
der polnischen und sächsischen Armee in zwei Treffen", eine 
,, Skizze des Vorbeimarsches bei der grofsen Parade am. i.Juni 
1730" und die üblichen Ansichten von Tiefenau, Wacker- 
barths Quartier usw. 

Nicht unerwähnt möge zum Schlüsse bleiben, dafs sich 
auch Goethe über das Zeithainer Lager geäufsert hat. Im 
siebenten Buche des zweiten Teiles von ,, Dichtung und 
Wahrheit" sagt er: ,,In allen souveränen Staaten kommt der 
Gehalt für die Dichtkunst von oben herunter, und vielleicht 
war das Lustlager bei Mühlberg der enste würdige, wo nicht 
nationelle, doch provinzielle Gegenstand, der vor einem Dichter 
auftrat. Zwei Könige, die sich in Gegenwart eines grofsen 
Heeres begrüfsen, ihr sämtlicher Hof- und Kriegsstaat um sie 
her, wohlgehaltene Trup])en, ein Scheinkrieg, Feste aller Art: 



') Erschienen, ,A Amsterdam chcs fac(|ues (le.s Bordes MDCXJXXX''. 
Ein Exemplar Ijesitzt der Torgduer Altcrtumsvercin in seiner Biblio- 
thek. 



Das Zeithainer Laisjer von 1730. 89 

Beschäftigung" genug für den äufseren Sinn und überfliefsender 
Stoff für scliildernde und beschreibende Poesie. — FreiUch 
hatte dieser Gegenstand einen inneren Mangel: eben dafs es 
nur Prunk und Schein war, aus dem keine Tat hervortrat. 
Niemand, aufser den Ersten, machte sich bemerkbar, und wenn 
es ja geschehen wäre, durfte der Dichter (U. von König) den 
einen nicht hervorheben, um andere nicht zu verletzen Er 
mufste den Hof- und Staatskalender zu Rate ziehen, und die 
Zeichnung lief daher ziemlich trocken aus; ja schon die Zeit- 
genossen machten ihm den Vorwurf, er habe die Pferde besser 
geschildert, als die Menschen. Sollte dies aber nicht gerade 
zu seinem Lobe gereichen, dafs er seine Kunst gleich da 
bewies, wo sich ein Gegenstand für dieselbe darbot? Auch 
scheint die Hauptschwierigkeit sich ihm bald offenbart zu 
haben; denn das Gedicht hat sich nicht über den ersten 
Gesang hinaus erstreckt." 



3. Die Beschaffung und Herrichtung des 
Manöverfeldes. 

Die Beschaffung des Manöverfeldes machte grofse Mühe, 
wie die umfänglichen, nur auf diese Sache bezüglichen Akten- 
stücke Loc. 35022 Nr. 260 und 261, Loc. 35023 Nr. 262, 
Loc, 35038 Nr. 503 und die zahlreichen Schriftstücke in fast 
allen zum Zeithainer Lager gehörigen Akten (namentlich 
Loc. 1056 Vol. L — III) bezeugen. Vor allem galt es, die Be- 
sitzer der in Frage kommenden Felder zu bewegen, diese im 
Jahre 1730 unbestellt zu lassen, und ihre allzu hohen Ent- 
schädimmo:ssummen auf ein amiehmbares Mafs zurückzuführen. 
Die schwierigen Verhandlungen führte eine Sonderkommission, 
die aus dem Geh. Kriegsrat J. von Bretschneider, dem Kammer- 
rat J. Chr. Hennicken und dem Obersteuereinnehmer Hofrat 
A. F. von Schönberg bestand und als Sachverständige den 
Kommissionsrat Bucher und den Amts Verwalter Bürger (zeit- 
weise für diesen den Amtmann Schumann) in Grofsenhain 
zuzog. 

Ohne genaue Kenntnis der Gegend und des Bodens 
konnte sie natürlich nichts anfangen. Deshalb liefs sie zu- 
nächst ,,die ganze Situation von der Stadt Mühlberg bis Grödel, 
Tieffenau und Gohrisch mit allen dazwischen liegenden Dörffern, 
Forweru-en und Hölzern" durch den Viceoberlandfeldmesser 
Christoph Moritz Dietze genau vermessen, der mit Unter- 
brechungen vom 25. September 1728 bis 30. Mai 1729, im 



(jO Hans Beschorner: 

ganzen 50 Tage, dazu brauchte und 271 TIr, 11 Gr. dafür er- 
hielt (nämhch 2 1 Gr. täghche Auslösung nebst Dach und Fach, 
dazu Lohn für 3 Handlanger, einen Anweiser, wenn ein solcher 
von den Untertanen nicht gestellt wurde, und zwei Schnur- 
zieher; vgl. Loc. 35043 f. iiof.); eine Nachmessung im De- 
zember 1729 und Januar 1730 (vgl. Rifs Nr. 4 weiter unten) 
war dabei nicht mitgerechnet. Das Ergebnis der Tätigkeit 
Dietzes waren zwei mehrere Meter messende Risse (,,in mitt- 
lerem Mafse"), die mit ihren noch gröfseren Konzeptrissen 
(„in grofsem Mafse") in der Kartensammlung des Hauptstaats- 
archivs, Rifsschrank XII Fach 2 Nr. 2 (K), liegen. Von den 
beiden in jeder Hinsicht vorzüglichen und für alle lokalen 
Studien in der Grofsenhainer Gegend unschätzbaren Plänen 
stellt der eine die ,, Situation von der Stadt Mühlberg und 
denen Forwergen Borschitz, Schweditz und Klein -Dröbig 
(== Klein -Trebnitz), auch alle zwischen selbigen und denen 
Dörffern Borack, Altenau, Fichtenberg, Kreynitz und Coben- 
Lhal (= Jacobsthal) liegenden Fkihren" dar, der andere die 
,,Delineation über die Situation von Cottewitz biss Grödel, 
Tieffenau und Gohrisch mit allen dazwischen hegenden Dörffern, 
Feldern, Wiesen, Teichen, Höltzern und Wegen". Aufser 
diesen beiden die ganze Gegend veranschaulichenden Orien- 
tierungskarten wurden aber noch diejenigen Fluren, ,,die zu 
dem bevorstehenden grofsen Campement geschlagen worden", 
in besondere Risse gebracht, die sich Rifsschank VIII Fach 3 
Nr. I — 5 (F, der fünfte in G) befinden. Davon stellt Nr. i 
das ,,Dorf Zeithayn, w^elches der Frau Geheimde Räthin von 
Benckendorffen nach Grödel, und das Dorf Gohlis, so ins 
Landschulenamt Meifsen gehört", dar, Nr. 2 das ,,Dorf Wülck- 
nitz, welches Sr. Excellence dem Herrn General en cheff 
Reichsgrafen von Wackerbarth zu dero Amt Zabeltitz gehört", 
Nr. 3 das ,,Dorf Lichtensee, welches dem Herrn Damm 
Siegmund von Pflug auff Strehla, Trebnitzer Anteils, gehöret", 
Nr. 4 die ,,Dörffer Zeithayn, Glaubitz, Streumen und 
Radewitz femerweit" (Dezember 1729 und Januar 1730) 
und Nr. 5 ,,die Glaubitzer Fluhren, welche unter dem 
Herrn General-Lieutenant Freyherren von Seifertiz gehören". 
Jeder dieser Risse ist mit einer summarischen Berechnung der 
j'uten, mittleren und schlechten Felder, sowie der Wälder und 
Wiesengründe versehen. Die genauen Unterlagen zu diesen 
Berechnungen sind in den sorgfältig geführten Ackerregistern 
enthalten, die zusammen mit den Einzelvermessungen der 
Acker, im Rifsschrank XII Fach 2 Nr. i (K) aufbewahrt 
werden. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 51 



Erst diese zuverlässigen Erhebungen setzten die Mitglieder 
der Kommission in die Lage, „nach Proportion und Beschaffen- 
heit der Äcker, der Aussaat, des Zuwachses und Ausdrusches" 
die Flurschäden richtig einzuschätzen (Loc. 1056 III f. 57f., 
Loc. 6345 f. 47^ f.) und mit den Feldbesitzern über die ,,In- 
demnisationen" zu verhandeln. Mit vieler Mühe „accordierten 
sie endHch", laut der unter dem 17. August 1730 erstatteten 
Relation (vgl. Loc. 1056 III f.31 — 48, dazuLoc. 6345 f. 150 — 167), 
„mit denjenigen, so bey währendem Campement bey Zeithayn 
an ihren Grundstücken Schaden gelitten", folgende Aqui- 
valent^elder: 



"Sj^ 






1. dem Pachter des Rittergutes 
Promnitz, Martin Haasen, vor 

alles und jedes 600 Tlr. 7 Gr. 10 Pf 

2. dem Rittergute Bobersen . . 75 >, 19 ,> ^ „ 

3. der Gemeinde zu Bobersen . . 85 ,, 7 ,, 

4. dem Dorffe Lessa 255 „ i 

5. denenRöderauischenEinwohnern 191 ,, 18 ,, 11V2 " 

6. der Gemeinde zu Moritz wegen 
derer ruinirten Feldfrüchte und 
abgehender Hutung für das 
Jahr 1730 ........ 152 „ 16 „ — „ 

7. der Gemeinde zu Zeithayn excl. 
des Holzes 165 „ 3 >5 6V4 „ 

8. dem Dorffe Lichtensee excl. des 
Holzes 61 ,, 6 „ — 

9. der Gemeinde zu Streumen . 28 ,, 21 ,, 3 

10. ,, „ ,, Glaubitz . . 222 ,, 8 

11. dem Dorffe Sageritz .... 53 >, 3 ,j 4V2 '> 

12. der Gemeinde zu Radewitz . 192 „ 19 „ 4V2 » 

Sa. 2084 Tlr. II Gr. 9^I^Pl 

,, Hierüber", heifst es weiter in dieser „Specification derer 
Aequivalentgelder", ,,sind bereits Monath December des ab- 
gewichenen Jahres von denen subdelegirten Commissarien 
denen be3den Dörfern Wülcknitz und Lichtensee vor die un- 
besäet gelassenen Felder, und zwar dem Dorffe Lichtensee 
638 Tlr, 21 Gr. 9 Pf., dem Dorffe Wülcknitz aber 549 Tlr. 
4 Gr. 6 Pf. zugestanden, auch allergnädigst approbiret worden. 
Mithin beträgt die ganze Summe der voriezo würcklich 
verglichenen und regulirten Aequivalentsposten 3272 Tlr, 
14 Gr, ^/^ Pf. Wenn nun auch die Cammerherrin von Wehlen 



?5 



ir> 



02 Hans Beschorner: 

zu Riesa vor die bey dem Feuerwerk erlittenen Schäden 
200 Tlr. , die Gemeinde zu Zeithayn wegen des wegge- 
hauenen Holzes 300 Tlr. vmd die Gemeinde zu Lichtensee 
wegen ihrer (von den Mierisch -Dragonern) abgebrannten 
Zäune in Länge von 2547 Ellen 200 Tlr. zum Aecjuivalent 
acceptirten, so würden solche Posten zusammen eine Summe 
von 3972 Tlr. 14 Gr. 3^/^ Pf, ausmachen." Diese Summe 
verringerte sich zunächst, nach Ausweis des Spezialreskriptes 
vom 30. Mai 173 1, auf 3272 Tlr. 14 Gr. ^/^ Pf. Da aber später 
4804 Tlr. 13 Gr. 8 Pf. Nachforderungen dazukamen (u. a. 200 Tlr. 
der Kammerherrin von Wehlen zu Riesa, 248 Tlr. 6 Gr. wegen 
der Zeithainer Holzschäden, 103 Tlr. wegen der Lichtenseer 
Vermachung, 102 Tlr. Streumer Düngergeld, 500 Tlr. dem 
Generalleutnant von Seyftertitz wegen des Rittergutes Glaubitz; 
vgl. Loc. 35038 Nr. 503), so kostete die ganze Indemnisation 
schliefslich 8155 Tlr. 9 Gr. 8'^/^ Pf., abzüglich der jährlich weiter 
zu bezahlenden Äquivalentzinsen (30 Tlr. z. B. der Gemeinde 
zu Moritz wegen der abgehenden Hutung), des Steuererlasses 
an verschiedene Gemeinden (an Streumen z. B. für das Jahr 
1729 198 Tlr. 19 Gr. 7 Pf. Land- und Pfennigsteuer), des un- 
entgeltlich verschiedenen Dörfern überlassenen Düngers und 
anderer Sondervergütungen. 

Eine Sache für sich bildete die Abtreibung desjenigen 
Stückes vom Gohrischholze, das in den Exerzierplatz hinein- 
ragte. Nach dem Staatskalender G. 2 Sp. 2 (danach v. Mansberg 
S. 291) besorgten dieses mühsame Geschäft, das der Oberst- 
leutnant Fürstenhoff nebst einem Kondukteur und einem 
Zimmermeister (Kreysser) unter sich hatte (Loc. 1056 I f. iPf. 
und 21), 500 Bauern und 250 Bergleute, nach Loc. 1056 I f. 36 
mufsten aber 400 Berghauer aus dem Ober- und Erzgebir- 
gischen Kreise hinzugezogen werden, da zur Fällung des 
Holzes und Applanierung des Platzes in der Erntezeit nicht 
die genügende Zahl Arbeiter in der Zeithainer Gegend be- 
schafft werden konnte. Die guten Stämme wurden zum Bauen 
des Pavillons und anderer Gel)äude verwendet, das weniger 
gute Holz zersägt und in Klafftern am Rande des Wäldchens 
aufgeschichtet. An ,,1 landarbeits- oder Ausroder- und Pla- 
nirungslöhnen" wurden nicht weniger als 10902 Tlr. 18 Gr. 
6 Pf. (dazu eine Nachforderung von 276 Tlr.) gezahlt (vgl. 
Loc. 35043 f. 21 — 24); davon entliel nur ein kleiner Teil auf 
die „Ferttigung der vier Thännne durch den Glaubitzer 
Morast". An Entschädigungen aber mufsten 330 Tlr. 41 Gr. 
I I'f. geleistet werden, nämlich 115 Tlr. 19 Gr. 6 Pf. für die 
Lichtenseer Bauernholzer und 215 Tlr. 11 Gr. 5 Pf. für das 



Das Zeithainer Lajsjer von 1730, 53 

Gohliser Pfarrholz, von dem ,,das Stück ohnweit von dem von 
Gohrisch nach Zeithayn gehenden Weg an bis an die soge- 
nannte Pfaffenecke, alhvo die Gohhsser und Zeithaynischen 
Felder aneinanderstofsen", d. h. 7^/3 Acker 28^2 Quadrat- 
rute (Acker = 300 Quadratruten) mit 1541 Stämmen Bau- 
holz w^eggeschlagen wurde, während es im Ganzen 16^/^ Acker 
^2 Quadratrute hielt (vgl. Loc. 6345 II f. 13 — 22 und 201). 

Über die Herrichtung des Manövcrfeldes durch Ver- 
senkung der Grenzsteine, Einebnung der Feldraine, Belegung 
gewisser Richtlinien (z. B. von der Mitte der Place d'armes 
nach dem Pavillon und von da nach den beiden nächsten 
Pyramiden) mit Rasen, Absteckung anderer derartiger Linien 
mit buntgestrichenen Pfählen usw. vgl. aufser den übrigen in 
Kapitel II angeführten Aktenstücken (z. B. Loc. 1056 II f. 374f. 
die Berechnung Fürstenhoffs) namentlich das daselbst genannte 
Aktenstück des Krieofsarchivs. Die sechs schlanken Sandstein- 
Pyramiden, die die Abgrenzung des Armeelagers und Manöver- 
feldes andeuteten, von Pöppelmann entworfen waren und 
2487 Tlr. kosteten (vgl. Loc. 354 Chatoullensachen 1729/30 
gegen Ende), hnden sich vielfach abgebildet, z. B. in dem 
offiziellen Kartenwerke, im Staatskalender usw. (vgl. diese 
Zeitschrift XXVII, 126, vor allem 136 und 139), und noch 
häufiger beschrieben. Beinahe in jeder über das Zeithainer 
Lager erschienenen Schrift ist eine mehr oder minder aus- 
führliche Bemerkung über sie enthalten; vgl. u. a. S[ommer], 
Die Gedächtnissäulen des grofsen Campements bei Zeithain, 
im ersten Bande des ,, Sammlers ... im Königreich Sachsen" 
(1838) S. 67f. Alle sechs Pyramiden, von denen die erste 
bereits im August 1729 durch den Maurermeister Schob fertig- 
gestellt wurde (Loc. 35043 f. 9), stehen noch. Allerdings hat 
die eine, die sich mitten auf dem heutigen Truppenübungs- 
platze befindet, durch Artilleriegeschosse stark gelitten, so 
dafs eigentlich nur noch der Sockel vorhanden ist. Mit den 
anderen geht man hoffentlich möglichst schonend um und er- 
hält sie dauernd in gutem Zustande als letzte Erinnerungs- 
zeichen an ein denkwürdiges Ereignis der sächsischen Ge- 
schichte. Dafs der König von Preussen diesen Pyramiden 
eine kupferne hinzugefügt habe, die oben mit den Kronen 
von Preufsen und Polen, jede im Werte von 1500 Talern, 
geziert war, ist wohl eine der Erfindungen des Mercure 
historiciue, die andere Schriftsteller gedankenlos nachgel)etet 
haben; vgl. diese Zeitschrift XXVIl, 107, dazu die erste der 
l^eiden S. 86 unter dem Titel ,, Nützliche Nachrichten" er- 
wähnten Flugschriften. 



94 



Hans Beschorner: 



4. Die Bauten und ihre Verwendung. 



Die Wirtschaftsgebäude. Die meisten Wirtschafts- 
gebäude und Vorratskammern standen bei N ü n ch r i t z (Ningritz), 
Grödel und Moritz in der Nähe der Elbe, um die Waren, 
die meist zu Wasser angefahren wurden, nicht erst weit trans- 
portieren zu müssen. Bei Nünchritz befanden sich u. a. ein 
grofser Warenspeicher, vier grofse Küchen mit besonderen, 
verdeckten Backöfen, vier Holz- und Kohlenschuppen und ein 
Schuppen zum Hauptkellereivorrat (OHA. II f. 31 — 35), bei 
Moritz u. a. mehrere grofse Schuppen, das grofse Backhaus 
mit 14 Öfen, der Ofen, der lediglich für das Backen des grofsen 
Kuchens errichtet war, und mehrere Wohnhäuser für den 
Proviant-Offizier, den Schirrmeister usw. (Loc. 1056 III f. 23 
und 135 f.). Weitere Magazine waren über die dem Manöver- 
felde benachbarten Dörfer verteilt und dienten meist zur 
Aufnahme des Hafers, der, da der Bedarf im Lande nicht 
gedeckt werden konnte, hauptsächlich aus Hamburg, Magde- 
burg, Mecklenburg und Böhmen bezogen wurde (Loc. 1056 II 
f. 76 und 145 — 175). Ein besonders grofses Hafermagazin 
befand sich in Borschütz, westhch Fichtenberg, südlich 
Mühlberg (Loc. 1056 II f. 7). 

Das Hauptschlachthaus des Hoflagers stand „bey der 
Mühle in Radewitz" (OHA. f. 3if.), während die Schlacht- 
häuser für die Armee ebenfalls bei Moritz lagen. Die Back- 
öfen bei Nünchritz und Moritz wurden nach den Angaben des 
Dresdner Bäckermeisters J. A. Zacharias gebaut, der „in 
seinen jungen Jahren Ihro Ka3's. Maj. im Felde sowohl in 
Backhäusern als Magazinen Dienste gethan und gute Wissen- 
schaft darbey erlangt hatte". Aufsein eingereichtes Promemoria 
hin wurde Meister Zacharias, der durch das Backen des wohl- 
gelungenen ,, grofsen Kuchens" eine gewisse Berühmtheit er- 
langt hat, verpflichtet, täglich für das ganze Heer 1 2 000 Brote 
zu backen. Für den Hof buk aufserdem täglich der Mund- 
und Hofbäcker Zugck 150 — 200 Schock Brote und Semmeln 
(OHA. II 149^1). Er hatte dazu ein eigenes, vier Öfen um- 
fassendes Hofbackhaus bei Moritz zur Verfügung, dessen 
Grund- und Aufrisse OHA. II 175! in bunter Ausführung 
bietet. Das nötige Mehl erhielt er aus der der Frau von Wehlen 
gehörigen Mühle in Riesa, die mit allen drei Gängen der 
Hof- und Militärverwaltung für die Dauer des Campements 
allein zur Verfügung gestellt worden war (OHA. II f. 137 '^ f-)- 

Aufser den erwähnten Magazinen undWirtschaftsgebäuden, 
sowie zahlreichen Ställen (drei z. B. bei Radewitz) sind an 



Das Zeithainer Lager von 1730. 55 

festen Gebäuden besonders der Pavillon, das königliche Palais, 
das Damenpalais, das Wackerbarthsche Quartier, die Kirche, das 
Komödienhaus, das Lazarett und das Postamt hervorzuheben. 

Der Pavillon, der den Mittelpunkt des Manöverfeldes 
bildete und eine anmutige Schöpfung Pöppelmanns war, ist, 
wi^ die Pöppelmannschen Pyramiden, oft dargestellt und be- 
schrieben worden; s. oben S. 93. Nach einer Berechnung 
vom 12. November 1729 (Loc. 354 Chatoullensachen) kostete 
er 5050 TIr. 14 Gr. Davon gingen, wie Pöppelmann in einem 
undatierten Anschlage bis ins einzelne ausführt, 1307 Tlr. 14 Gr. 
auf die Aushebung des Grundes, die Ausschalung des Grabens 
und die Beschaffung des Bauholzes für das unterste Stock- 
werk (zusammen 1500 Stämme, die in verschiedenen Forsten 
ausgesucht, gefällt, herangefiöfst und -gefahren werden mufsten). 
Dagegen brauchte Pöppelmann nach einem zweiten, ebenfalls 
sehr genauen Anschlage vom 20. Oktober 1729 für das zweite 
Stockwerk einschliefslich Tischler-, Schlosser-, Glaser- und 
Malerarbeit 3030 Tlr. 15 Gr. Letztere war allein mit 1264 Tlr. 
angesetzt. Die Leinwand, die zum Beziehen der beiden Decken 
und zum Verkleiden der Säulen gebraucht wurde, gab J. Gold- 
mann in seinem Anschlage auf 270 Tlr. 9 Gr. an. ,,Vor Bild- 
hauerarbeit endlich und andere zum Embellissement nötige 
Erfordernus" wurden 442 Tlr. in Ansatz gebracht. Kleinere 
Posten waren in diese Berechnung offenbar noch nicht mit 
aufgenommen; so kosteten z. B. die ,, beiden grofsen Fahnen 
von weifs und cremoissin Tafft, die das Dach gezieret und 
worinnen zwei Schachspiele mit den Worten Otia Martix 
stunden", 84 Tlr. 15 Gr. (Loc. 1064 f. 282). Sie werden heute 
noch im Historischen Museum zu Dresden aufbewahrt, ebenso 
die goldene Krone mit rotseidenen Vorhängen, die über der 
einen Balkonöffnung angebracht war. 

Das Palais für den König, das südlich des Dorfes 
Radewitz auf dem Grund und Boden des Radewitzer Bauern 
M. Kühne stand, nicht aber, wie man häutig lesen kann, an 
Stelle der abgebrochenen Glaubitzer Windmühle südwestlich 
Radewitz, war innerlich zweifellos sehr schön ausgestattet. 
Das lassen die Angaben im Staatskalender G. 3 Sp. i (danach 
von Mansberg S. 292) und gelegentliche Eintragungen in den 
Rechnungen erkennen, z. B. ,,8i Tlr. 14 Gr. Hoesen vor zwei 
Reiseschreibeschränke nebst Futeralen, welche ... ins Carape- 
ment in Königl. Maj. Zimmer geliefert worden", oder ,,198 Tlr, 
16 Gr. dem Tapetenmahler Krausen vor zwei Garnituren ge- 
mahlter Tapeten, welche in Königl. Maj. Hause im Campe- 
ment aufgemacht worden laut Hofftapezier Goldtmanns Attestat" 



96 



Hans Beschomer: 



(Loc. 354 ,,Eingelauffene Schuldposten"). Äufserlich aber war 
das Gebäude, dessen Pläne auch von Pöppelmann stammten, 
offenbar verhältnismäfsig einfach gehalten, wie aus dem Grund- 
risse des Hoflagers in dem grofsen Kartenwerke und aus den 
Ansichten des Hoflagers (s. diese Zeitschrift XXVII, 138 f.) 
mit Sicherheit hervorzugehen scheint. Ein Anschlag vom 
12. November 1729 (Loc. 354 Chatoullensachen, Concepte 
deren Verordnungen, welche zur König. Scatoulle ergangen, 
de anno 1729) gibt die Kosten dieses Palais, ,,das iio Ellen 
lanor und 26 Ellen breit war, nur aus einem Stockwerk be- 
stand und an be3den Enden mit zwei Pavillons geschmückt 
war", auf 4003 Tlr. 20 Gr. 6 Pf. an. Aus einem Anschlage 
Pöppelmanns vom 10. November 1729, der ursprünglich auf 
4412 Tlr. 12 Gr. lautete und alle Materialien (namentlich 
Bretter, Nägel und dergl.) sowie die Transportkosten dafür 
genau angibt, seien folgende Posten hervorgehoben, die dazu 
beitrao-en, uns eine Vorstellung von dem Bauwerk und seinen 
Einzelheiten zu g-eben: 



&' 



,,168 Tlr. dem Mauermeister vor zwey Camine, auch zwey 
Feuermäuern hinaus zu machen auf beyde Pavillons (u. a. 
30 Tlr. für 6000 Mauerziegel und 30 Tlr. vor die 2 Camine). 

246 Tlr. 16 Gr. an Tischlerarbeit, z. B. für 46 Fenster- 
rehmen ä 4 Ellen hoch, 2 Ellen weit,- vor 22 Fensterrehmen 
ä 3 Ellen hoch, 2 Ellen weit, vor 12 Glafsthüren ä 5 Ellen 
hoch, 2 Ellen breit, vor 18 eingefafste Thüren ä 5 Ellen hoch, 
2 Ellen breit. 

293 Tlr. 4 Gr. an Schlosserarbeit (wieder dieselben 
Türen und Fenster). 

310 Tlr. an Glasserarl:)eit , z. B. vor 46 grofse Fenster, 
jedes mit vier Flügeln von doppelt Glafs und lireit verzintcn 
Tafelbleg, vor 22 Fenster zu verglafsen auf l)e\den Sälen, 
vor 12 doppelte Glafsthüren mit Taffein zu verglafsen" usw. 

368 Tlr. vor Mahlerarbeit überhaupt". 

Das Damen])alais dürfte dem Königlichen Palais, zudem 
es eine Art Gegenstück l)ildete, ähnlich gewesen sein. 

Zu einem Palais für seinen Kronprinzen und dessen 
Hofstaat liefs August der Starke das Rittergut des Dorfes 
Tiefenau umgestalten, das nach dem Postlexikon XVIII, 
869, damals nur aus dem Gasthofe und 4 Häusern bestand. 
Ein auf den Umbau bezüglicher Befehl an den Oberland - 
baumeister Pöppelmann vom 23. März 1730 (Copial der 
II. Rent-Expedition 1730 Vol. I f. 161 'M.) lautet: ,, Lieber Ge- 
treuer. Hierbey hast du einen Aufsaz über Einrichtung des 



Das Zeithainer Lager von 1730. ny 

bey nechst bevorstehenden Campement vor Unsers Königl, 
Prinzens Liebden und Dero Hoffstadt angewiesenen Haupt- 
quartiers zum Tieffenau zu empfahen, mit Begehren, ihr 
wollet alles in Augenschein nehmen und wo bey dem Auff- 
saze an Holz und Gelde, auch Arbeiterlöhnen noch etwas 
zu erspahren, auch wie die Baumaterialien hernachmahls bey 
dem Bau zu Elsterwerda mit angebracht werden können, wohl 
überlegen und uns darüber zu weiterer Verfügung euern aller- 
unterthänigsten Bericht und pflichtmässiges Guttachten auffs 
schleunigste erstatten und gegenwärtigen Innschluss wieder 
mit einsenden". Danach war der Umbau des Tiefenauer 
Rittergutes, der sich wohl hauptsächlich auf das Innere bezog, 
nur ein vorübergehender. Der Aufsatz, auf den in dem 
Schreiben Bezug genommen ist, fehlt leider bisher noch. An 
die Instandsetzung Tiefenaus ging man deshalb so spät, weil 
der Kronprinz und seine Gemahlin ursprünglich daran dachten, 
mit in der Zeltstadt zu kampieren; vgl. das undatierte eigen- 
händige Konzept eines Briefes Augusts des Starken (Loc. 2097 
Nr. 14 f. 6): ,,Si la princesse veut et peut (am 25. August gebar 
sie den Prinzen Xaver), il serait plus commode qu'elle campät. 
Vous serez le mieu informe de sa volonte et de l'etat oü 
eile se portera dans ce temps lä, Les tentes se trouveront 
et je m'y suis prepare. Mais si le campement parait in- 
commode, il y a Tiefenau de Madame Pflug qui est une jolHe 
maison avec un jardin et qui n'est eloigne que de deux milles 
pas du pavillon d'oü on verra les exercices et mouvements. 
Sur quoi il faut que je soit informe ä temps. J'en vous envoie 
le plan de la Situation." 

Die Kirche, die bei dem Wackerbarthschen Quartier 
nicht weit von dem heutigen, 1730 noch nicht oder nicht mehr 
bestehenden Dorfe Mark-Siedlitz lag, war klein und nur 
lür den evangelischen Teil der Hofgesellschaft bestimmt. In 
ihr predigte jeden Sonntag der Hofprediger Dr. Gleich, der 
allemal eigens zu diesem Zwecke aus Dresden herbeigereist 
kam. Der König von Preufsen versäumte keinen dieser 
Gottesdienste. Am 4., 11., 18., 24. und 25. Juni fand er sich 
pünktHchst dazu ein (OHA. I f. 73 und II f. 39). — Für die 
Armee wurde an jedem Rasttage in feierhcher Weise Feld- 
gottesdienst gehalten, was auf die Zuschauer besonderen Ein- 
druck machte; vgl. z. B. die oben S. 86 besprochenen „Ander- 
weitigen nützlichen Nachrichten". Die Liste der im Zeit- 
hainer Lager fungierenden Feldprediger ist im „Sächsischen 
Curiositäten-Cabinet" abgedruckt; vgl. diese Zeitschrift XXVII, 
109a, dazu Loc. 4570 Derer Feldprediger Beförderung in 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVUI. 1. 2. 7 



q8 Hans Beschorner: 

Sachsen betr. 17 12 — 16, item die Annehmung derer benöthigten 
Feldprediger bei dem bevorstehenden Campement betr. 1730, 
und Loc. 10947 Paquet Ordres f. 63 — 80. Man hatte unter 
den Geisthchen „die tüchtigsten und exemplarischen Subjecta" 
ausgesucht, ganz l^esonders deshalb, weil ,,die Aufmerksamkeit 
des ohnfehlbaren grofsen Confluxus sovieler Frembden ein 
solches erheischet" (Loc. 1056 II f. 173^). 

Dafs das oft erwähnte Komödienhaus in Streumen 
kein besonderes Gebäude gewesen sei, könnte man vielleicht 
daraus zu folgern geneigt sein, dafs es nirgends abgebildet und 
auch auf keinem der ofticiellen Pläne eingezeichnet ist.') Dafs 
es aber nicht nur eine zu Schaustellungen hergerichtete 
Scheune oder dergl., sondern ein von Pöppelmann her- 
rührender besonderer Bau war, geht aus der Stelle des weiter 
unten (S. loi) mitgeteilten Pöppelmannschen Briefes hervor, 
in der der Oberlandbaumeister von der Versetzung des 
Theaters an einen anderen Platz und Verlängerung um 34 Ellen 
spricht. Über die musikalischen Darbietungen in dem Komödien- 
hause s. Staatskalender H. i Sp. 4 und von Mansberg S, 291. 
Die Stücke dagegen, die die in Streumen wohnenden Komö- 
dianten (OHA. I f. 36) aufführten, gibt das „Diarium" (OHA. I 
f. 12 f.), mit dem die Angaben des Staatskalenders nicht 
immer ganz übereinstimmen, folgendermafsen an: 

2. Juni war in Streumen die erste italienische Comödie. 
Was gegeben wurde, ist nicht gesagt. 

4. Juni nach der Tafel: musikalisches Konzert in Streumen. 

[6. Juni im Comödienhause Concert, wo sich die aus 
Venedig angekommenen 3 Castraten und 2 Sängerinnen hören 
liefsen: Staatskalender H. 4 Sp. 4]. 

9. Juni abends: italienische Comödie, betitelt ,,Comoedia 
dell'ortolano con li matrimoni fatti e disfatti". Nach dem 
Staatskalender H. i Sp. 4 soll auch am 8. Juni Comödie 
gewesen sein. 

II. Juni: italienische Komödie, und zwar ,,L'innocenza 
difesa dal cielo, con intermedi", ,, welche Ihro Königl. Maj. in 
Preussen mit anzusehen beliebten". 

14. Juni nachmittags: ,,Couielo et Arlichino discepoli di 
Cartusch condannati alla galera". Auch diese Aufführung 
l)eehrte König F'riedrich Wilhelm I. mit seiner Geo-enwart. 



•) Soviel mir bekannt ist, gibt überhaupt nur die Schreibersche 
Logieriingskarte (vgl. diese Zeitschr. XX VII, 136 Nr. 50; dazu S. iii f. 
dieses Aufsatzes) das Komcidienhaus bei Streumen als besonderes 
Gebäude an. 



Das Zeithainer Lager von 1730. ög 

16. Juni nachmittags: „L'aniaute lunatico con aiiichino 
finto cavagliere". Dem Stücke „wohnten beyde Majestäten 
nicht bei, sondern fuhren vorher miteinander nach der Armee". 

18. Juni nachmittags: ,,Li matrimonii conclusi negli Aruzzi, 
con intermedio in musica". 

20. Juni abends: „Covielo, arme e bagagho, con intermedii 
in musica", ,, wohin be3-de Könige nicht kommen". 

22. Juni: ,,Arhchino finto statua". 

25. Juni al^ends: itaHenische Comödie ohne nähere Be- 
zeichnuno; des Titels. 

Das Feldlazarett stand unweit des Dorfes Kreinitz 
nördlich Strehla; vgl. von Mansberg S. 294. Ursprünglich 
dachte man daran, zwei Lazarette in Mühlberg und in Bei- 
gern zu errichten und die Kranken zu Wasser dorthin be- 
fördern zu lassen, sah aber schhefslich der Weitläuftigkeit 
wegen davon ab. Das Kreinitzer Lazarett dürfte eine ziem- 
liche Ausdehnung gehabt haben; denn man machte sich, weil 
,,der Soldat nur ein wenig Stroh unterm Leibe und seine 
Montur zum Zudecken hatte", auf viel Fieber- und Ruhr- 
kranke gefafst. Mit der Einrichtung wurde der Hofrat Bar- 
tholomaei in Dresden betraut, der am 11. Mai 1730 den 
Befehl erhielt, sich unverzüglich ins Lager zu begeben und sich 
,, vornehmlich mit den wider das Fieber und die Difsenterie 
dienlichen Medicamenten zu versehen". Die Kosten der 
ganzen Anlage betrugen, einschliefslich Gratifikation für den 
Arzt und Apotheker und Anschaffung der Arzneien, 600 Tlr. 
(Loc. 10947 Paquet Ordres f. 5, 16, 18; Loc. 1056 II f. 393). 
Über den Gesundheitszustand der Armee während des Cam- 
pements geben die täglichen Frontrapporte und einige be- 
sondere Krankenberichte Aufschlufs, z. B. Loc. 1056 I f. 194° 
„Rapport, was vor krancke Mannschaft bey denen sämtlichen 
Regimentern zu Pferde vom Vorder- und Hintertreffen des 
rechten und linken Flügels sich im Campement l^ei Zeithayn 
befinden, den 4. Juni 1730". 

Das Feldpostamt, dessen oberste Leitung der Ober- 
postverwalter .Schuster hatte, während es der Oberpost- 
meister Ottmann und Postmeister Heinze einrichteten, 
befand sich in Glaubitz. Einige dazu gehörige Postzelte 
waren über das Lager verteilt. Über den ganzen Betrieb 
unterrichten vollkommen das ,,Ohnmafsgebliche Projekt, wafs 
bey Anlegung eines währender grofsen Revue benöthigten 
Feldpostamts unter andern mit zu reguliren seyn dürft'te", 
Loc. 1064 f. 271 — 274 und das ,, Reglement, wie die reutend- 
und fahrenden Posten bey der Königl. Pohhi. und Churfürstl. 

7* 



100 Hans Beschorner: 

Sachs. Armee im Campement be}^ Zeithayn ankommen und 
wiederabgehen", ein grofser gedruckter Anschlagzettel, der 
sich öfters in den Akten findet, z. B, Loc. 1056 f. 147 — 154, 
OHA. II f. 321, Loc. 1056 Acta varia f. 140! (der hand- 
schriftliche Entwurf) usw. Als Vorbild für dieses Reglement 
diente das von "dem bekannten Oberioostmeister J. J. Kees 
bearbeitete ,, Reglement bey dem Churfürstl. Sächfs. Hoff- 
Feld-Postamt im Reiche de anno 1693", das Johann Georg IV. 
erliefs, um bei Kriegszügen über ein geordnetes Feldpost- 
wesen zu verfügen; vgl. Loc. 1064 f. 261 f., wo sich auch eine 
Abschrift des letzteren befindet. Wie die Posten von Leipzig 
und Berlin nach Zeithain gehen sollten, ordnete August 
der Starke höchst eigenhändig an: Loc. 1064 f. 2 69 f. Er- 
öffnet wurde das Glaubitzer Postamt am 19. Mai, an welchem 
Tage ,,die erste fahrende Post abends umb 6 Uhr von hier 
nach Dresden abging, desgleichen auch die fahrende umb 
5 Uhr nach Leipzig" (OHA. f. 2'^). Die Leipziger Linie 
wurde so stark von Reisenden in Anspruch genommen, dafs 
dem Postwagen eine ,,Beycalesche" beigegeben werden 
mufste (Loc. 1056 I f. 194® f.). Überhaupt bewährte sich die 
Einrichtung des Postamtes; denn nach dem ,,Ohngefehren 
Extract, was seit gestandenen grofsen Campements das von 

Ihro Königl. Maj angelegte Feldpostamt eingetragen" 

(an Briefporto, Passagiergeldern, Stafetten- und Extra- 
posteinnahmen; vgl. Loc. 1057 Cammer-Expeditiones f. 17), 
brachte das Glaubitzer Postamt bei 2984 Tlr. Einnahmen und 
2142 Tlr. Ausgaben einen Überschufs von 842 Tlr.! 

Alle die im Vorhergehenden erwähnten gröfseren Bauten, 
zu denen das Holz, da das bei der teilweisen Niederlegung 
des Gohrischwaldes gewonnene bei weitem nicht ausreichte, 
aus der Liebenwerdaer Heide, aus den Cunnersdorfer und 
Schönauer Revieren (bei Königstein), avis dem Tharandter 
Forste und aus den Wäldern des Erzgebirges bezogen werden 
mufste (Loc. 1056 I f. 13 f. und i6f.), wurden, wie bereits mehr- 
fach erwähnt, nach Plänen des Oberlandbaumeisters Matthias 
Daniel Pöppelmann ausgeführt, der die Bauoberleitung 
hatte und für seine wiederholten Reisen nach Zeithain 133 Tlr. 
8 Gr. Auslösung erhielt (vgl. Rentkammerrechnung 1730, Aus- 
gabe für die beiden Quartale Reminiscere und Trinitatis, 
f. 363). Unterstützt wurde er, nach der Angabe Steches in 
der Allgem. Deutschen Biographie XXVI (1888), 420, von 
dem Landbaumeister Longuelune. Trotzdem drohten die 
Anforderungen, die an ihn vor dem Radewitzer Campement 
gestellt wurden, seine Kräfte zu übersteigen, wie ein ziem- 



Das Zeithainer Lager von 1730. loi 

lieh nervöser Brief ausseiner Feder vom 16. April 1730 lehrt 
(OHA. II f. 142 — 145). Eine geplante Kelleranlage in Glaubitz 
war auf Pöppelmanns Anraten unterblieben. Hinterher aber, 
am 14. April, fiel es der Hofkellerei ein, doch noch schnell 
einen Keller zwischen Grödel und Moritz bauen zu lassen. 
Der Landbaumeister sollte ihn ,, wenigstens 50 Ellen lang, 
16 — 18 Ellen breit und 2^2 Ellen tief auswerfen und ausschalen 
lassen, auch dabei zur Verwahrung des Inventarii über dem 
Keller einen Schuppen von 60 Ellen Länge und 20 Ellen 
Breite errichten". Er schlug es aber ,,in Eile" rundweg ab. 
Er wi.sse hierfür weder Hilfe noch Rat. Er habe weder Holz 
noch Bretter dazu. Die bereits bestellten langten gerade für 
den Schuppen an der Elbe. Auch sei der Keller nicht nötig; 
denn i. habe der König befohlen, dafs auf den herrschaft- 
lichen Ortern ein geeigneter Platz ausgesucht werden solle, 
2. sollten in Merschwitz (südlich Leckwitz) grofse und schöne 
Keller sein, 4. müsse er für den Hofbäcker und Hofmetzger 
auch noch das Schlacht- und Backhaus bauen und wisse nicht, 
wo er die Ziegel dazu hernehmen solle, da das Proviantamt ihm 
die 1000 Ziegel hätte wegnehmen lassen und die Preise für Ziegel 
ungeheuer in die Höhe gegangen wären, 5. hätte Königliche 
Majestät ihm noch allergnädigst befohlen, zwei Ställe, jeden 
von 70 Ellen, zu bauen, ingleichen 6. ,,das Comödienhaus umb 
^/o Meile weiterzubringen und noch umb 34 Ellen lenger zu 
machen", endlich 7. zwei Zimmer, jedes von 22 Ellen, ohne 
die vier Küchen im Campement und eine (Küche) vor die 
Gräfin Orzelska. Infolge dieser Überlastung erklärte er, ,,dafs 
er nichts geringes (d. h. nicht mehr das Geringste) übernehmen 
könne. Er sei ein Mensch, der nicht hetzen gelernt und mehr 
thun könne, als möglich sei. Er habe soviel an Arbeit schon 
übernommen, dafs er nicht eigentlich wissen könne, ob er 
auch noch werde stecken bleiben. Es sei kein Mensch da, 
der ihm secundire, und vom Gelde schreibe Lucas auch 
nichts". 

Die von Pöppelmanns Meisterhand zwar nur aus Facli- 
werk, aber doch ebenso gediegen wie geschmackvoll er- 
richteten Gebäude wurden nach beendetem Campement nicht 
sofort wieder abgebrochen. Die Schlüssel des Königspalais 
erhielt der Generalleutnant von Seiffertitz mit der nach- 
träglichen Weisung, dafs er das Haus ,, bewohnen und 
brauchen könne, jedoch dem Könige, wenn er in selbiger 
Gegend sich befinde, selbiges zu seinem eigenen Gebrauch 
jederzeit vorbehalten" solle (Loc. 1056 III f. 15 — 17, 42, 46, 54). 
Ebenso blieben der Pavillon, die drei Ställe bei Radewitz (die, 



I02 Hans Beschorner: 

nach Loc. 1056 III f. 124, hinterher die Gemeinde erhielt), die 
Magazine, Schlacht- und Backhäuser bei Moritz und viele 
andere Baulichkeiten stehen. Der König dachte offenbar daran, 
die Truppenübungen, die er für die nächsten Jahre plante 
(s. oben S. 67), an gleicher Stelle wieder abzuhalten. Des- 
halb wurden auch die vierzig Brunnen und die Eisgruben bei 
Moritz nicht zugeschüttet, sondern zugedeckt und mit Zäunen 
umgeben, ,,die ums Hauptquartier gezogenen Wälle und Gräben 
nebst denen darin hegenden Luststücken" nicht eino-eebnet 
und der vom Hauptquartier nach dem Armeelager führende 
Dammweg nicht beseitigt. Länger freiUch, wie bis 1734, 
haben das Königspalais, der Pavillon und das Backhaus 
bei Moritz nicht gehalten. Da sie im Februar dieses Jahres 
ein grofser Sturmwind ,,ineinanderwarf", beschlofs man, die 
drei Bauwerke für 400, 450 und 70 Tlr. zu verkaufen. Für 
den angesetzten Preis fand sich jedoch kein Käufer. Man 
mufste zufrieden sein, schliefslich von J. Uhlmann in Ratheu 
(d. h. Raden südösthch Frauenhain, nördlich Grofsenhain) für 
alle drei zusammen 500 Tlr. zu bekommen (Loc. 1056 III f. 124 
und 130 — 136). Nicht besser erging es den Magazinen, 
Wohn- und Backhäusern bei Moritz. Sie wurden 1736 durch 
eine Eibflut stark beschädigt und dann alles in allem für 
950 Tlr. an den Schiffseigner J. Ch. Weber in Pirna unter 
bestimmten Bedingungen auf Abbruch verkauft (Loc. 1056 III 
f. 140 — 142). 

Eine Leistung für sich war die Errichtung der das Armee- 
lager und Hauptquartier umfassenden Zeltstadt, über die 
man im allgemeinen Staatskalender G, 3 Sp. i f., von Mansberg 
S. 291! und die ,,Kurtze Beschreibung aller Gezelter im 
Sächfs. Hauptlager" im Sachs. Curiositäten-Cabinet von 1731 
(s. diese Zeitschrift XXVII, 109) vergleiche. Der schwierigen 
Sache nahm sich der König persönlich mit regem Eifer an. 
Eigenhändig stellte er Übersichten üb^r die vorhandenen und 
die neu zu beschaffenden Zelte auf und gab in Skizzen, die 
er wiederliolt änderte, an, wie er die Zelte im Einzelnen an- 
(jeordnet und einirerichtet haben wollte. 

Für das Hof lager wurden nicht lauter neue Zelte gekauft, 
sondern die vorhandenen Prachtstücke möglichst mit verwendet. 
Schon im Her])st 1728 begann man Aufstellungen darüber 
anzufertigen, was in Dresden, Warschau und den anderen 
königlichen Hofhaltungen an Zelten vorhanden war und was 
von den einzelnen Hofämtern, von dem Marschallamte, der 
Hofküche, der Hofkellerei, der Hufkonditorei und der Silber- 
kammer an ganzen und halben Markisen mit Wänden, an 



Das Zeithainer Lager von 1730. 103 

ganzen und halben Markisen mit Zelten, an Küchenschirmen, 
an grolsen, kleinen mid Pferdebaracken gebraucht wurde. 
Nach wiederholten Berechnungen, die immer wieder zu anderen 
Ergebnissen führten, gelangte man schliefslich für das Hoflager 
allein zu der stattlichen Zahl von 825 Zelten vmd Baracken. 
Viele alte Zelte konnten, wie gesagt, verwendet werden, viele 
mufsten aber auch entweder von dem Zeltschneider Gottfried 
Richter neu angefertigt oder von auswärts bezogen werden. 
Madame Torlo lieferte für 12000 Tlr., Andreas Contessa 
in Breslau für 6000 Tlr. Zelte, aus Wien kamen ebenfalls für 
6000 Tlr. Im ganzen beliefen sich die Kosten für neu besorgte 
Zelte auf 24449 Tlr. 8 Gr., ausschliefshch des ,, türkischen 
Zeuges, das zur Veränderung der vorhandenen Haupt- und 
Schlafzelter" neu bestellt wurde. Sehr genaue Auskunft über 
die ganze Zeltfrage geben namentlich die Faszikel ,, Zelter" 
in OHA. II f. 254 — 311 und in Loc. 1064 f. 31 — 118. In letz- 
terem liegen auch einige zum Teil sehr fein ausgeführte farbige 
Blätter, die uns einen Begriff von der bei den Zelten ent- 
falteten Pracht geben. Fol. 65 und 66 stellen das Äufsere 
zweier verschiedener Zelttypen dar: die eine Art war weifs 
und trrün gestreift und oben am First mit einer roten, aus- 
gebogten Kante versehen, die andere dagegen blau und weifs 
gestreift und oben, unten und in der Mitte rot verziert. Ein 
ganz besonderes Prachtzelt „in guttem Standt und so schoen, 
als noch keines von den vorhandenen gewesen", veranschau- 
hchen die Blätter 61 — 66. Höchstwahrscheinlich ist es das 
Loc. 1064 f. 83 erwähnte „groffe Taflfelzelt auff 36 Personen, 
aufswendig |aus] türckisch - grün gefärbtem Foderith, inwendig 
durchaus mit roth-türckischer Baumwollen -Leinwand gefüttert 
und mit Blumwerck ausgemacht", das 2700 Tlr. kostete und 
wohl mit dem f. 75 erwähnten „guten, so Spiegel aus der 
Türkey mitgebracht", identisch ist. Der Grundrils f. 61 zeigt 
ein Oval von 38 : 17 Ellen. Das Dach dieser 12 Ellen hohen 
Markise, deren „Umzirk 2 Ellen über dem ordinairen Zelt 
austrägt", ruhte auf drei Mittelstangen und bildete in der Mitte 
„so eine grade Linie, alfs ob sie auf dem Linial gezogen 
worden". An den beiden Schmalseiten befanden sich zwei Aus- 
gänge, an denen je nach Belieben „ein Balcon von 16 Stangen 
mit goldenen Knöpfen, 14 Ellen die Länge, 12 Ellen die Breite 
und 16 Ellen die Höhe", angesetzt werden konnte. Das Zelt, das 
aufsen aus weifs und grün längsgestreifter Leinwand bestand 
und oben von einem roten First abgeschlossen wurde (f. 62), 
war inwendig „meublirt von rothem Mosel-Bast, das Laub- 
und Blumen werck alles von Atlas", wie das die farbenpräch- 



104 Hans Beschorner: 

tige Aquarellskizze f. 63 in schönster Weise zeigt. Der Balkon, 
zu dem das Stoffmuster in Bleistiftausführung f. 64 gehört, war 
,,in der Decke von gleicher Form, wie das Zelt", und inwendig 
„wie dieses meubliret". 

Die Zelte waren mit türkischen Fufsböden versehen und 
mit Teppichen, Matten und dergl. verschwenderisch ausgelegt. 
Die 3273 Ellen spanische Matten, die zur Verwendung kamen, 
kosteten allein 2182 Tlr. (Loc. 354 Michaelismesse 1730). Das 
Mobiliar der Zelte war meist aus den Schlössern zu Dresden, 
Pillnitz und Moritzburg nach Zeithain überführt worden (Loc. 
1056 Acta varia £133). So wurden zu einem Giebel. in einem 
grofsen Schlafzelt und zu einem türkischen Pavillon „sechs 
Stück von den gestürmten Türckschen Tapeten, carmosin mit 
Goldt und Silber und grün[en] Gräntze[n], jedes Stück 9 Ellen 
lang und 2^/2 Ellen breit", verwendet (Loc. 1064 f. 87). Ein 
besonderer Luxus schien in den 128 Schlafzelten entfaltet zu 
sein, deren Ausstattung im allgemeinen mehrere Tabellen in 
Loc. 1064 (f. 74 und 86, dazu f. 7 9 f., 82, 84 f) angeben imd 
einige Blätter des bereits erwähnten Faszikels in Loc. 1064 
im besonderen kennzeichnen. Fol. 55 betrifft ein mit Kissen, 
Matratzen und dergleichen üppig ausgestattetes „königliches, 
von türckischem [Stoffe hergestelltes] , reich mit Golt 
eingewürcktes Pavilionbette", das 161 Tlr. 4 Gr. kostete, 
f. 58^ f. zwölf ,,Frauenzimmer-Pavilionbetten" für 1140 Tlr. 
12 Gr. und einige andere Damenbetten (eines von weifs und 
rosaem, mehrere andere von gestreiftem Damast usw.), f. 59 
ein ,,Canapee-Bett" für 142 Tlr. 3 Gr. 3 Pf. Nach einer 
„Specification dererjenigen Rechnungen, was [siebzehn mit 
Namen genannte Lieferanten] an Waaren zu denen Betten 
und andern Meublen geliefert und gefertigt haben", forderten 
die siebzehn Leute 19688 Tlr. — Gr. 9 Pf. und erhielten 
,,nach geschehener Moderation" 18 163 Tlr. 23 Gr. 9 Pf.! 

Für die Armee wurden durchgängig neue Zelte beschafft. 
Das Armeelager machte mit diesen neuen Zelten, den 
Schranken, die die Regimenter von einander schieden und 
in den Farben der Regimenter gestrichen waren, den mannig- 
fachen Gartenanlagen usw. einen schmucken Eindruck, zumal 
auch peinlich auf Reinlichkeit gehalten wurde. Eine be- 
sondere Zierde bildeten die vor der Front aufgestellten Fahnen, 
Pauken und Trommeln, die der König den Regimentern ver- 
liehen hatte. Nach der am 10. März 1729 ausgefertigten und 
vom König unterschriebenen ,, Specification derer Estendarten, 
Dragoner-, Infanterie- und Janitscharen-Fahnen, auch Paucken 
und Trommeln, wie solche nunmehro auf unsere allergnädigste 



Das Zeithainer Lager von 1730. 105 

Resolution durch den Accisrath Langen sollen geschaffet und 
gehefert werden"^), waren es folgende: 

/. Estendarfen: 

I weifse mit dem Königl. und Churfürstl. Wappen nebst 
einem blauen sammetnen Riemen, mit Gold gestickt 
und goldenen Prangen, vor die Chevalier- Garde. 
12 weifse, alle durchgehends mit dem Königl. und Chur- 
fürstl. Wappen und blauen sammetnen Riemen, mit 
Gold gestickt und goldenen Prangen, vor die Garde 
du Corps. 
12 ponceau mit dergl. sammetnen Riemen und goldenen 
Tressen vor die Baudis. Carabiniers. 

6 dunckelblaue mit dergl. sammetnen Riemen und golde- 
nen Tressen vor Crohn-Prinz. 

8 weifse mit dergl. sammetnen Riemen und goldenen 
Tressen vor die Commandirten. 

6 baille mit dergl. sammetnen Riemen und goldenen 
Tressen vor Prinz Priedrich. 

6 canel mit dergl. sammetnen Riemen und goldenen 
Tressen vor Hackeborn. 

6 citrongelbe mit dergl. sammetnen Riemen und golde- 
nen Tressen vor Criegern. 

Sa. 57. Diese 57 Stück Estendarten werden alle mit Gold 
gestickt. 

//. Drai{oner - Fahnen : 

8 weifse mit dergl. sammetnen Riehmen und goldenen 
Tressen vor die Grenadier ä cheval. 

6 bleumourentne mit dergl. sammetnen Riehmen und 
silbernen Tressen vor Klingenberg. 

6 dunkelblaue mit dergl. sammetnen Riehmen und silber- 
nen Tressen vor Arnstedt. 

6 papagoygrüne mit dergl. sammetnen Riehmen und 
silbernen Tressen vor Katte. 

6 grafsgrüne mit dergl. sammetnen Riehmen und silber- 
nen Tressen vor Goldacker. 

Sa. 32. Hiervon werden 8 mit Gold, die übrigen aber mit 
Silber gestickt. 



1) Loc. 1064 f. 259!, auch Loc. 1056 Acta varia f. isjf.; dazu die 
in fünf Exemplaren vorhandene, mehrfach abweichende „Specification" 
von früherem Datum Loc. 1064 f. 249 — 258, Loc. 14590 Extract, was 



lo6 Hans Beschorner: 

in. Infanterie -Fahnen: 

i6 weifs und Gold vor beyde Garden. 

8 citrongelb und Silber vor Cron-Princz. 

8 orelb und Silber vor Weifsenf eis. 

8 canel und Silber vor Dresky. 

8 cremoisin und Gold vor Märchen. 

8 bleumerent und Gold vor Loewendal. 

8 dunckelblau und Silber vor Gotha. 

8 baille und Silber vor Boehnen. 

8 papagoygrün und Silber vor Caila. 

8 grafsgrüne mit demWeymarischenWappen und Nahmen 
• vor Weimar und Garnison. 

4 gelb und blau mit dem Pohlen. und Litthauischen 
Wappen, worum ein blauer Royal -Mantel gestickt 
wird nach der gegebenen Zeichnung, vor die Grena- 
dier zu Fufs. 

I gelb und blau, gleichfalls nach der gegebenen Zeich- 
nung, vor die Janitscharen. 

Sa. 93 Stück. 

/ I '. Cu irafsier - Paucken : 

I Paar silberne mit ponceau und goldenen Pantroullen^) 

vor Baudis. 
I Paar messingene mit dunckelblau und goldenen Pan- 

troullen vor Cron-Princz. 
I Paar messingene mit baille und goldenen Pantrollen 

vor Princz Friedrich, 
I Paar messingene mit canel und goldenen Pantrollen 

vor Hackeborn. 
I Paar messingene mit citrongelb und goldenen Pantrollen 

vor Criegern. 



Sa. 5 Paar incl. der silbern. 

V. Dragoner -Paucken: 

I Paar küpflferne mit weifs und goldenen Pantrollen 
vor die Grenadier a cheval. 

I Paar küpfferne mit Ijleumerent und silbernen Pan- 
trollen vor Klingenberg. 

bey dem König!. Pohln. und Churf. Säclis. Hauptzeughaui'se allhier 
de anno 1729— 1751 an Infanterie- Fahnen zur Ausgabe gekommen, 
lind Loc. .431 Unger IV f. 235 b f. 

') Banderole (Bandrolle) = Tragband. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 107 

I Paar küpffenie mit dunckelblau und silbern Pantrollen 

vor Arnstadt. 
I Paar kttpfferne mit papagoygrün und silbern Pantrollen 

vor Katte. 
I Paar küpfferne mit grals-grün und silbern Pantrollen 

vor Goldacker. 



Sa. 5 Paar. 

IT. Dragoner -Trommeln. 

16 kupiferne mit vergoldetem Wappen vor die Grenadier 
ä cheval. 
4x12 küpfferne, alle mit versilberten Wappen, vor Klingen - 
berg, Arnstedt, Katte und Goldacker. 
I grofse küpfferne mit den Königl. und Churfürstl, 
Wappen, versilbert, vor die Janit scharen. 



Sa. 65 Stück. 

4 neue silberne Trompeten excl. der 12, so schon vor- 
handen, vor Baudis. 

Einen weiteren kostbaren Schmuck sollte das Armeelager 
in dem gegossenen Reiterstandbilde Augusts des Starken er- 
halten, dessen Aufstellung vor der Mitte des Lagerplatzes 
ernstlich geplant war, schhefslich aber doch nicht zur Aus- 
führung kam. Von ihm ist ja im Vorhergehenden und auch 
Band XXVII dieser Zeitschrift S. 107 f. wiederholt schon die 
Rede gewesen. 



5. Die Besucher und ihre Unterbringung. 

Was an ,, Fürstlichen Personen sich beym Campement 
1730 befunden", lehren die Listen OHA. I f. 127 — 130 und 
Loc. 1056 I f. 337, auch Loc. 1056 Acta varia f. 85 — 87 
(„Fürstliche Personen, so in Dörfer kommen"), aus denen der 
Staatskalender J. 3 Sp. i Auszüge bringt, während U. von 
König (vgl. diese Zeitschrift XXVII, 115 f.) S. 57—60 Anm. 
die genaue Sitzordnung bei der ersten grofsen Tafel angibt, 
die nach der ,, Einholung" stattfand. König druckt S. 9 f. Anm. 
auch die ,, Liste derer Ritter vom Pohlnischen Weisen 
Adler, so sich im Campement bey Radewitz 1730 befunden", 
ab, die OHA. I f. 105 und 106 bietet. Es waren 21 deutsche 
und 15 polnische Ritter. Für die Geschichte des Weifsen- 
Adler-Ordens ist es vielleicht von Wert, zu wissen, dafs über 
die Ordenstracht, die beim Empfange des Preufsenkönigs 



io8 Hans Beschorner: 

angelegt werden sollte, Unklarheit herrschte. Die Zweifel 
beseitigte der König, indem er anordnete, dafs die Herren 
nicht in grauen Hüten mit weifsen Federn, sondern ,,mit dem 
Couteau de chasse und einem schwarzen Huth, mit einer 
kleinen silbernen Tresse eingefafst, ohne Feder" zu erscheinen 
hätten (OHx'V. I f. 103!. und 112). Die „55 Herrn Fohlen, 
so in Grossenhayn einquartirt worden" und unter denen sich 
auch die vorerwähnten Ritter befanden, sind zusammengestellt 
OHA. I f. i29f. und Loc. 1056 f. 343, die ,, Hoffministers, 
Hofifcavaliers und Hoff bedienten, so mit ins Campement 
gangen 1730", OHA. I f. 143 — 151. Vgl. dazu auch noch 
die ,, Liste de ceux qui viendront au campement", Loc. 1056 
Acta varia f. 75 und das Faszikel Loc. 1064 f. 9 — 30, das 
lauter Zusammenstellungen der verschiedensten Lagerbesucher 
enthält. 

Die von G. W, Kröcher in Cofsdorf am 30. Mai 1730 
gefertigte und nach Regimentern geordnete ,, Liste derer 
[preussischen] Generals und Officiers, so die Kgl. 
Pohlnische Revue mit ansehen sollen", OHA. I f. 116 — 119 
(und 120 — 123, wo die Offiziere noch einmal einfach nach 
ihrem Range aufgezählt sind; vgl, dazu noch OHA. II f. 371 ^, 
Loc. 1056 f. 338 — 340 und Loc. 1056 Acta varia f. 82), ist 
abgedruckt bei von König a. a. O. S. 6 — 8 Anm. Die Namen 
der 18 preufsischen Generale, die mit in Zeithain waren, nennt 
von Mansberg S. 293 Anm. 20. Von den 147 Offizieren, 
über deren Wahl sich Friedrich Wilhelm lange nicht schlüssig 
werden konnte, so dafs Graf Lynar (s. oben S, 81) noch am 
20. Mai schrieb: ,,Le Roi la (d. h. die Liste) change encore 
journellement et ne peut se determiner lä-dessu", gehörten 
nur folgende 19 (oder 22) zum eigentlichen Gefolge des Königs 
(OHA. I f. 115): der Kronprinz, Generalleutnant von Grumbkow, 
die Generalmajore Herzog von Hol^tein, Gr.J Dönnhoff, 
Buddenbrook und Linger, die Obristen vonSydow, von Kröcher, 
von Kleist, von Derschau, du Mouhn, von Rochow und 
von Einsiedel, Major von Einsiedel, die Kapitäne von Bredow, 
von Wachholz, von Pohlenz und von Haake, die Leutnants 
Graf Wartensleben und von Kaiserling. Diese blieben auch 
allein bis zum Schluls aller Veranstaltungen, während die 
übrigen „Officiers, so nicht in Sr. Maj. eigener Suite waren", 
l)ereits am 25. Juni den Befehl erhielten, ,, vorauszugehen". 
Aufser dem eigentlichen Gefolge hatte Friedrich Wilhelm 
noch bei sich: den Etatsrat von Viereck, den Obristen 
von Pannewitz (von den Gend'armes), den Kriegsrat von Schu- 
macher, den Stallmeister Schack, den Kapitän von Helden 



Das Zeithainer Lager von 1730. 109 

und an Domestiquen für seine Person zwei Kammerdiener, 
einen Büchsenspanner, einen Fourier, einen Kammerlakaien, 
vier Jungen, einen Stallmeister, einen Bereiter und zwei Stall- 
jungen, für den Kronprinzen dagegen drei Kammerdiener, 
einen Pagen, einen Jäger, drei Jungen, einen Leibkutscher, 
zwei Vorreiter, zwei Reitknechte und einen Stalljungen (OHA. I 
f. i24f. , Loc. 1056 Acta varia f. 93 — 95). Alle preufsischen 
Oifiziere erschienen, wie der König, „in rothen mit Gold 
propre charmirten Kleidern, so alle nach einer Fa9on gemacht 
und charmirt waren" (OHA. I f. 11 '^ f., Staatskalender G. 2 Sp. i 
rmd G. 4 Sp. i). 

Von den im Lager anw^esenden Damen gibt von Mans- 
berg S. 292 einige an. Es waren im ganzen 90, nämlich 
nach OHA. I f. 140 f. (dazu Loc. 1056 Acta varia f. 78 f.) 
folgende : 

/. Dantes: i. Ihro Königl. Hoheit die Prinzessin, 2. Ihro 
Durchl. die Prinzessin von Weifsenfelfs, 3. Frau Gräfin von 
Bräunern, 4. Frau Oberhoffmeistern Gräfin von Waldstein, 
5. Frau Fräul.- Hoffmeistern von Rohr, 6. Fräul, Gräfin Königlin, 
7. Fräul. de Nehem, 8. Fräul. Gräfin von Waldstein, 9. Fräul. 
von Zehmen, 10. Fräul. von Horst, 11. Frau Cammerherrn 
von Sulkowska, 12. Fräul. Gräfin Orzelska, 13. Frau Gräfin 
Bilinska, 14. Frau Feldherrn Gräfin Pocreyn, 15. Frau W03- 
wodin Gräfin Oginska, 16. Frau Cron-Marschalln Gräfin Mnis- 
zeck, 17. Frau Fürstin Wiesnowiecka, 18. Frau Miesnickowa 
Fürstin Lubomirska, 19. Frau Starostina Zawisza, 20. Frau 
Gräfin von Gieleissen, 21. Frau Trabantenhauptmann Pro- 
hainques, 22. Fräulein Gräfin Oginska, 23. Frau Gräfin Mnis- 
zeck, 24. Frau Starosten Dunin, 25. Fräul. Dunin, 26. Frau 
Gräfin von Erpach, 27. Frau Oberhoffmarschalln Baronne 
von Loewendal, 28. Frau Geh. Cabinets -Ministern Gräfin von 
Werthern, 29. Frau Geh. Cabinets-Ministern Gräfin von Mann- 
teuffeln, 30. Frau Geh. Räthin und Canzlern von Bünau, 
31. Frau Geh. Räthin von Diefskau, 32. Frau Geh. Räthin 
und Oberstallmeistern von Lofs, 33. Frau Geh. Räthin von 
Bünau die jüngere, 34. Frau Ober-Schencken Baronne von 
Seyfferticz, 35. Frau Ober-Küch-Meistern Baronne von Seyffer- 
ticz, 36. Frau Gen. -Postmeistern von Neitschücz, 37. Frau 
Hoffmarschalln von Haugwicz, 38. Frau Trabantenhaujjtmann 
von Pflügen, 39. Frau Gen.-Lieut. Bösen, 40. Frau Gen.-Lieut. 
von Seyfferticz, 41. Frau Gen.-Lieut. Gräfin Castell, 42. Frau 
Gen.-Lieut. Pflügen, 43. Frau Generalmajor von Schulenburg, 
44. Frau Cammerherrn Gräfin Werthern, 45. Frau Cammer- 
herrn Gräfin von Schönfeld, 46. Frau Cammerherrn von Maxen, 



HO Hans Beschorner: 

47. Frau Cammerherrn von Füllen, 48. Frau Camnierherrn 
von Arnimb, 49. Frau Gen. -Major Pflügen, 50. Frau Cammer- 
herrn Gräfin von Gerfsdorff, 51. Frau Cammerherrn von Carlo- 
wicz, 52. Frau Obristen Baronne von Loewendal, 53. Frau 
Obristen von Block, 54. Frail Obristen von Ponigkau, 55. Frau 
Major von Wolffersdorff, 56. Frau Major Pflügen, 57. Frau 
Major Dossau, 58. Frau von Diefskau, gebohrne von Schöning, 
59, Frau Hauptmann von Heyden, 60. Frau von Gerfsdorff, 

61. Frau von Harrenberg, des Domherrn aus Magdeburg Frau, 

62. Frau von Bülav, 63. Frau von Bodenhaufsen , 64. Frau 
von Melzing, 65. Frau von Dehn auf Helffenberg, 66. Frau 
von Bösen. 

//. Fräuleins: 67. und 68. zwe}- Fräul. Gräfin von Mann- 
teuffel, 69. und 70. zwey Fräul. Pflügen, der Frau Trabanten- 
hauptmann Töchter, 71. Fräul. von Carlo witz, des Herrn 
Cammerherrns Tochter, 72. Fräul. von Lochau, 73. Fräul. von 
Niemegken, 74. Fräul. Melzmg, 75. Fräul. von Schmerzing, 
76. und 77. zwey Fräul. von Willfsdorff, 78, Fräul. von Diefskau, 
79. Fräul. von Seyfferticz, des Herrn Generals Tochter, 80. und 
81, zwey Fräul. von Seyffertitz, 82. und 83. zwey Fräul. von 
Maxen, 84. Fräul. von . . . . , der Frau Cammerherrn von 
Arnimb Schwester, 85. Fräul. von Starschedeln, 86. und 87. zwey 
Fräul. von der Heyden, 88. Fräul. von Arnimb, 89. Fräul. von 
Vittingshoff, 90. Fräul. von Leipzigern. 

Nur der kleinste Teil der hohen Gäste und ihrer Be- 
dienung konnte in dem Hauptquartier untergebracht werden, 
wie aus den verschiedenen Spezifikationen, Quartierlisten und 
farbigen Skizzen OHA. I f. I74f., I92f., 2i5f. und Loc. 1056 
Acta varia f. 77, 86, 189 f. (s. auch hier S. iii f.) hervorgeht, 
die den Plan des Hauptquartiers in dem grofsen Kartenwerke 
ergänzen. Für viele mufste in den Dörfern der näheren und 
weiteren Umgebung, in denen auch die übrigen Fremden 
Unterkunft fanden, Quartier gemacht werden; vgl. hierüber 
im allgemeinen von Mansberg S. 294. Selbst jenseits der 
Elbe wurde eine Menge von Zuschauern, auch vornehmen 
Standes, untergebracht. Die preufsischen Offiziere wohnten 
z. B. meist in Riesa. 

Um allen diesen den Verkehr mit dem Lager zu er- 
leichtern, wurden vier Brücken über den Strom geschlagen: 
eine Schiffsbrücke bei Moritz, eine Flofsbrücke oberhalb, eine 
Fafsbrücke unterhalb Promnitz, eine Klotzbrücke bei Bobersen 
(Staatskalender H.4 Sp.4 — Li Sp. ij. Die aus 26 Fährkähnen 
bestehende, 400 Schritt lange Schiff Ijrücke, die den Haupt- 
verkehr zu bewältigen hatte und deshalb am festesten her- 



Das Zeithainer Lager von 1730. iii 

gestellt war, stammte von dem Oberlandbaumeister Pöppel- 
mann und kostete nach einer genauen Berechnung Loc. 1056 
Acta varia f. 2 5 f. 1709 Tlr. 8 Gr.; dagegen leiteten den Bau 
der anderen Brücken Oberstleutnant Fürstenhoff (Flofs- 
brücke), Generalmajor von Wuttginau (Klotzbrücke) und 
Pontonnierleutnant Pap et e (Fafsbrücke); vgl. Loc. 1056 II 
f. 166, 172, 185, auch Hansch, Geschichte des Königl. Sachs. 
Ingenieur- und Pionier-Korps (Dresden 1898), wo sich S. 82!". 
einige nicht sehr zuverlässige Angaben über das Zeithainer 
Lao-er finden. Von dem Material der Flofsbrücke, zu der u. a. 
300 Schock Flechten und 300 Schock Keulen gebraucht wurden 
(Loc. 35043 f. 28), und von der Klotzbrücke konnte hinterher 
nur wenig wieder verwertet werden, da beide Brücken bei 
dem Hochwasser im Juli 1730 abtrieben und nur zum Teil 
wieder festgemacht werden konnten, wie der Feldartillerie- 
brückenschreiber J. Chr. Böhme in seinem ausführlichen Be- 
richte vom 9. Juli 1730 (Loc. 10947 Rapports 1730) schildert. 
Die 257 Fässer dagegen, aus denen die Fafsbrücke bestand, 
wurden zusammen mit den aus dem Verkaufe der Magazine 
bei Moritz gelösten 950 Tlr. (s. oben S. 102) und den übrig- 
gebliebenen, dort lagernden Holzvorräten dem Kammerjunker 
J. G. von Wehlen auf Riesa für die grofsen Schäden über- 
lassen, die er infolge Einschleppung der Rinderpest durch 
polnische Ochsen und Ruinierung seiner Wiesen durch das 
Feuerwerk erlitten hatte (Loc. 1056 III f. 151 f.). — Eine 
fünfte Brücke, die Inventionsbrücke, die nach Loc. 1056 
Acta varia f. 24f. 2009 Tlr. 8 Gr. kostete, diente nur mihtäri- 
schen Zwecken; s. oben S. 76. 

Die geographischen Karten, die die Verteilung der Campe- 
mentsbesucher auf die einzelnen Ortschaften veranschaulichen, 
sind bereits in dieser Zeitschrift XXVII, 136 f, besprochen. 
Von diesen stammt nur die ,,Accurate geographische 

Delineation des Ammtes Grossenhayn" mit der ,,Re- 

praesentation des Campements zwischen Mühlberg und 
Grossenhain" (Nr. 45) von dem Land- und Grenzkommissarius 
Zürner, der für diese ,,in Kupfferstich zu bringende Charte" 
und für einen sonst nicht bekannten ,, gedruckten Campements- 
Prodromum nebst Supplementen" um Privilegium nachsuchte; 
vgl. das Schreiben des Kanzlers von Bünau an den Kabinetts- 
minister von Hoym vom 13. Juni 1730 Loc. 1056 I f. Die 
,,Logierungskarte" (Nr. 50) dagegen geht zwar offenbar auf 
Zürners ,,Accurate geographische JDelineation" zurück, stammt 
aber, wie sich nachträglich herausgestellt hat, von dem 
Leipziger Kupferstecher Schreiber, über den G. Wustmann 



112 Hans Beschorner: 

auf S. 74 — 77 seiner Arbeit ,,Der Leipziger Kupferstich im 
i6., 17. und 18. Jahrhundert" (Neujahrsblätter der Bibhothek 
und des Archivs der Stadt Leipzig III, 1907J handelt. Die 
Karte, die mit der a. a. O. S. 109 unter Nr. 7 erwähnten 
,,Landcharte" identisch ist, wurde mitsamt der Platte beschlag- 
nahmt. Letztere befindet sich gegenwärtig im Leipziger Rats- 
archiv, dessen derzeitiger Direktor, Professor Dr. Wustmann, 
sehr scharfe Abzüo^e davon nehmen liefs. Die Originalkarte 
trug, wie man an diesen Abzügen sieht, in der Titelkartusche 
den Vermerk ,, Schreiber fecit", während dieser auf dem Nach- 
stiche, in dem die Karte sonst meist vorkommt, fehlt. Von 
dieser Logierungskarte liefs Schreiber auch Exemplare mit 
den kolorierten Ansichten des Pavillons, der Pyramiden usw. 
(s. diese Zeitschrift XXVII, 138! Nr. 53a — 531) auf der Rück- 
seite herstellen [50 b]. Auch diese Karte mit den von Schreiber 
herrührenden Ansichten wurde konfisziert, die Platte aber kam 
ebenfalls ins Leipziger Ratsarchiv imd wurde neuerdings zur 
Herstellung trefflicher Abzüge benutzt. Dank der Güte des 
Herrn Dr. Wustmann befindet sich jetzt sowohl von der 
Logierungskarte als von dem Blatte mit den Ansichten je ein 
Exemplar ii. a. im Königl. Hauptstaatsarchiv Rifsschrank A 
Fach 8 Nr. 15. 

Auch auf Zürner geht endlich eine dritte allgemeine 
Orientierungkarte zurück, die C. F. Boetins in Dresden ,,mit 
Königl. Pol. u. Chf S. Privilegio" stach [50c]. Das 25:12 cm 
messende Kärtchen (ein Exemplar davon OHA. I f. 205) ist 
bezeichnet als ,,Dehneation der Gegend von Dresden nach 
Torgau um das zwischen Gr.Hayn und Mühlberg für die 
Königl. Pohln. und Churfürstl. Sachs. Armee aptirte Cam- 
pement, aus richtigen Special-Charten extrahirt von X (Mono- 
gramm Zürners)," und wird durch folgende Listen erläutert, 
die am linken und unteren Rande der Karte auf breiten 
Streifen angefügt sind: I. Alphabetische Specification der um 
das Campement herum einquartirden Herrschafften. II. Liste 
derer bey der General-Revue campirenden K. P. u. Gh. F. S. 
Trouppen. III. Recensirung der auf Befehl Ih. K. M. in P. u. 
Ch. F. D. zu S. täglich vorfallenden Unternehmungen und 
Exercitien der campirenden Trouppen Anno 1730. IV. Register 
der notabelsten sonderlich um das Campement herum liegenden 
Orte. V. Register einicjer inn- u. ausländischen Städte ausser 
diesen Chärtgen, wie weit dieselben in geraden Linien .... von 
Königl. Haupt-Quartier zu Radewitz (vulgo Roetzgen) abliegen. 

Hinsichtlich der anderen a. a. O. S. 137 erwähnten ,,Logi- 
rungs-Charte" (Nr. 51) sei ergänzend bemerkt, dafs sie nach 



Das Zeithainer Lao;er von 1730. 115 

Loc. 1056 I f. 313!., wo sich das handgezeichnete und aus- 
gemalte Original befindet, von dem Oberingenieur und Oberst- 
leutnant Fürstenhoff stammt, der zusammen mit Dietze die 
Aufnahme der Zeithainer Gegend leitete (s, oben S. 54 Anm. i 
und S. 89!). Auf ihn geht wahrscheinlich auch noch der 
Rifs OHA. I f. 208 zurück. 

,,Vor die Frembden, so sich, das Campement zu sehen, 
in der Grossenhainer Gegend eingefunden", bekundete August 
der Starke ein lebhaftes Interesse. Um sich über sie einen 
Überblick zu verschaffen, Hefs er am 14. Juni 1730 eine 
Verordnung ergehen, in der alle ,,Besitzere derer adelichen 
und Fre3-güther, Verwalter und Pächter der Grossenhainer 
Gegend dienst- und freundlichst ersucht woirden, eine Speci- 
fication an allen in Dero Schlössern, Häufsern, Dörflfern 
und Vorwergken jetzo einlogirten und einlogirt gewesenen 
Frembden fertigen zu lassen und solche an die Oberhof- 
marschallamts -Expedition einzusenden". Königliche Trom- 
peter mufsten auf allen 88 in Frage kommenden Dörfern 
herumreiten und den Befehl ül:)ermitteln. Das Ergebnis der Ver- 
ordnung hegt in den zahlreichen Anzeigen OHA. I f. 231 — 293 
vor, auf denen wohl die ,,Ohngefähre Consignation derer 
Frembden, so das Campement bey Radewitz 17 30 besucht", 
OHA. I f. 131 — 139 beruht. Die ,, fürstlichen Persohnen, Herrn 
Pohlen und Preussen, sächsischen Hoft'ka valiers und Landadel, 
auch vielen Gelehrten und Kauffleuthe von allen Arthen" 
sind darin nicht berücksichtigt. Eine auch nur schätzungs- 
weise Angabe, wieviel Schaulustige das Campement in die 
Zeithainer Gegend lockte, ist in den Akten oder in der 
Literatur nicht zu finden oewesen. 

(Schlafs folgt.) 



Karte s. foljjeHde Seite. 



r^Äd ZcXkiscJiyu. 




DUoXs-ö^ 



10t> XOf ^>ooo 



icuy^ Jiovl nSO 




^eA VTTVv 5'!* *T'<x*i^ v^^x::A^-»~'Mc.-**: 



•.'\00000 



IV. 

Kleinere Mitteilungen. 



I. Zur Kanonisation Bennos. 

Von Otto Giemen. 

Die Bemühungen Herzog Georgs von Sachsen, die Kanoni- 
sation Bischof Bennos von Meifsen von der Kurie zu erwirken, 
reichen bis ins Jahr 1497 zurück. In demselben Jahre ging 
auch im Auftrage des Meifsner Domkapitels der Kanonikus 
Lukas Henil nach Rom, um dem Papste Alexander VI. den 
sehnlichen Wunsch des Kapitels vorzutragen. Im September 

1498 sandte auf Bitten des Kapitels Martin von Lochau, Abt 
in Altzelle, nicht weniger als drei Schreiben in dieser An- 
gelegenheit an Papst und Kardinäle. Alexander VI. ordnete 
daraulliin eine Voruntersuchung an und bestellte zu Kom- 
missaren den Bischof Johann von Naumburg und die beiden 
Äbte Martin von Zelle und Matthäus von Buch. Im Juni 1499 
konstituierte sich die Kommission in Zeitz und forderte durch 
einen Aufruf alle diejenigen, welche über Bennos Leben, Ver- 
dienste, Heiligkeit, Wunder und Verehrung Mitteilungen zu 
machen wüfsten, auf, am z. Oktober in Meifsen zu erscheinen und 
ihre x\ussagen zu Protokoll zu geben. Etwa 60 Zeugen wurden 
denn auch an diesem und den folgenden Tagen dort ver- 
nommen. Zum dritten Male trat die Kommission Anfang Februar 

1499 in Borna zusammen, und hier wurde nun der Meifsner 
Klerikus Lukas Hofmann abgeordnet, das gesammelte umfäng- 
liche Beweismaterial dem Papste zu überbringen. Wir hören 
noch, dafs dieser drei Kardinäle mit der Prüfung desselben 
beauftragte, sonst aber scheint er die Angelegenheit nicht 
weiter gefördert zu haben \). Grofse Hoffnungen setzte Herzog 



^) OttoLang^erin den Mitteilungen des Vereins für Geschichte 
der Stadt Meifsen II (1888), losfi. Eberhard Klein, Der heilige 
Benno (Meilsen 1904) S. 161 f. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. i. 2. 8 



Il6 Kleinere Mitteiluno;eii. 

Georg auf Raimund Peraudi, der als päpstlicher Legat zur 
Überbringung des Jubiläumsablasses nach Deutschland kam. 
In der zweiten Januarwoche 1503 hat der Herzog wohl per- 
sönlich in Meifsen oder in Dresden dem Legaten unter anderen 
die verschiedensten kirchlichen Verhältnisse berührenden 
Wünschen auch den, dafs er die Erhebung Bennos betreiben 
möchte, vorgetragen^). Und noch früher, unterm 3. Oktober 
1501 — kurz vorher, am 11. September, war der Vertrag 
zwischen dem Reichsregiment und Peraudi über die Zulassung 
der Jubiläumspredigt in Deutschland zu stände gekommen-) — 
hat Herzog Georg sich an Papst und Kardinäle mit der de- 
mütigen Bitte gewandt, dafs Peraudi mit der Förderung der 
Kanonisation beauftragt werden möchte. Die beiden Schreiben 
stimmen in ihrem wesentlichen Inhalt ganz überein, nur die 
Anredeformeln sind verschieden. Sie finden sich in gleich- 
zeitiger Abschrift in Cod. Chart. A 338 fol. i der Herzoghchen 
Bibliothek in Gotha. Das erste, an den Papst gerichtete, 
sei hier mitgeteilt. 

Ad summum pontificem. 

Beatissime pater! Post debitam obedientiam Deuota beatorum 
pedum oscula! Clementissime domine! Accepit iamdudum Sanc- 
titas vestra, quomodo Diuus Et venerabilis pater Benno, quondam 
dum vixit Misnensis ecclesie Antistes, varijs non tarn in viia quam 
post mortem choruscantibus signis et miraculis claruerit, Vnde etiam 
S. v. superioribus exactis diebus super huiusmodi negotio Reuerendo 
et venerabilibus In Christo patribus Numburgensi Episcopo et Celle 
veteris atque Buch Monasteriorum abl:)atibus dignata fuit inquisicio- 
nem committere, quemadmodum dihgentius inquisitio facta fuerit, 
Multis desuper productis testibus, quormn attestaciones S. v. trans- 
misse et publicate fuerunt. Quare obnixius et cum instantia Rogo, 
vt sanctitas vestra velit ReueTendissimo in Christo patri Domino et 
amico meo clarissimo Domino Raymundo tituli Sancte Marie Noue 
Presbytero Cardinali Gurtzensi per Gennaniam Legato committere 
huiusmodi negotium Latius tractare Juxta eiusdem S. v. arbitrium 
atque voluntatem. In quoS. v.Indubie sunimi retributorisRetributionem 
mercedemque prestolatura est copiosam Eiusque loci hominum de- 
uotionem teruentius inilammabit et augeat, qui etiam pro felici ve- 
nerabilis ecclesie regimine ac S. v. Incolumitate altissimum deuotius 
exorabunt. Feliciter valeat longeque superstes viuat S. v., cui me 
humilius commendo. Datum In Arce Dressen Die Tercia Mensis 
Octobris Anno domini Millesinioquingentesimoprimo. 



1) Felician Gefs, Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzog 
Georgs von Sachsen I (Leipzig 1905), Einl. S. XXXIIIf. 

-') Joh. Schneider, Die kirchliche und politische Wirksamkeit 
des Legaten Raimund Feraudi (Halle 1882J S. 65 ff. 



Kleinere Mitteilung:en. "^ 1 1 y 

2. Dr. Johann von Kitzscher im Dienste des Deutschen Ordens. 

Von Hermann Freytag. 

Im zwanzigsten Bande dieser Zeitschrift hat Bauch ein 
Lebensbild des meifsnischen Edelmannes Johann von Kitzscher 
gegeben, dabei aber mit Bedauern feststellen müssen, dafs 
für die Zeit von 1506 bis 1512 die Nachrichten über Kitzschers 
Leben recht dürftig sind. Diese Lücke auszufüllen, sollen 
die folgenden Zeilen dienen. 

Johann von Kitzscher hat während der Jahre 1508 bis 
15 12 im Dienste des Deutschen Ordens gestanden. 

Im Jahre 1507 war der Hochmeister Friedrich von Sachsen, 
der Bruder Herzog Georgs, nach Deutschland gekommen. 
Mit dieser Reise verfolgte er einen doppelten Zweck, den 
politischen, die Hilfe der deutschen Fürsten gegen den pol- 
nischen König, der ihm immer drohender entgegentrat, zu 
gewinnen, den persönlichen, in seiner Eigenschaft als Ko- 
adjutor des Erzbischofs von Magdeburg dem Befehl des 
Papstes zur Residenz bei der magdeburgischen Kirche, so- 
weit als möglich war, nachzukommen^). Als Wohnort hatte 
ihm sein Bruder das Schlofs Weifsensee eingeräumt, von 
wo aus er auch den Erzbischof Herzog Ernst von Sachsen, 
den Bruder des Kurfürsten Friedrich, besuchte. Auch stand 
er im Anfang des Jahres 1508 mit dem Kurfürsten selbst in 
Verhandlung, die dessen Eintreten für den Orden beim Kaiser 
zum Ziele hatte. Es gab während dieser Zeit Gelegenheit 
genug für Johann von Kitzscher, der damals des Kurfürsten 
Kanzler war, mit dem Hochmeister in Berührung zu kommen, 
auch ist nicht ausgeschlossen, dafs ihre Bekanntschaft schon 
älteren Datums war, ja, es ist wohl mögUch, dafs der Hoch- 
meister, dem man nicht mit Unrecht höhere geistige Interessen 
nachrühmte, auch Kitzschers literarische Arbeiten, zugleich 
Zeugnisse seiner Redekunst, kannte. Das dürfte für den 
Hochmeister, der überhaupt die Neigung hatte. Söhne seines 
Heimatlandes in den Dienst des Ordens zu ziehen^), Grund 
genug gewesen sein, auch Johann von Kitzschers Verwendung 
in diesem Dienste in Aussicht zu nehmen. 

Jedenfalls wurde, als es im Jahre 1508 galt, den Posten 
eines General - Prokurators des Ordens bei der Römischen 



1) Voigt, Geschichte Preufsens von den ältesten Zeiten bis 
zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens IX, 3 32 ff. 

-) Freytag, Die Beziehungen der Universität Leipzig zu 
Preufsen von ihrer Begründung bis zur Reformation, in Zeitschr. d. 
Westpreufs. Gesch.- Vereins XLIV, 24. 



8* 



Ii8 Kleinere Mitteilungen. 

Kurie neu zu besetzen, Kitzscher für denselben gewonnen. 
Da diese Stellung stets von einem Ordensmitgliede bekleidet 
wurde ^), so dürfte auch Kitzscher in den Orden eingetreten 
sein. Wenn ihm zugleich in dieser Zeit die Altenburger 
Propstei verliehen wurde, so ist dies vielleicht mit Hilfe des 
Herzogs Georg deswegen geschehen, um ihm eine sicherere 
materielle Lage zu bieten, als sie ihm der Orden bei seinen 
damaligen finanziellen Nöten gewähren konnte. 

Noch im Jahre 1508 mufs Kitzscher nach Rom gekommen 
sein, da bereits in einigen Schreiben aus den ersten Tagen 
des Jahres 1509 der Hochmeister auf seine Tätigkeit bei der 
Kurie Bezug nimmt. Diese Tätigkeit richtete sich zunächst 
auf die Gewinnung des Papstes für eine dem Orden günstige 
Behandluno: der Streitfrag-e bezügrlich des Verhältnisses des- 
selben zum Könige von Polen. Auf Grund des Friedens von 
Thorn vom Jahre 1466 verlangte dieser vom Hochmeister die 
Leistung des Lehnseides, der sich letzterer bisher entzogen 
hatte. Die Gegensätze hatten sich so weit zugespitzt, dafs 
man gegen Ende des Jahres 1508 lebhaft mit der Möglich- 
keit eines feindlichen Einfalls der Polen rechnete. Es gelang 
Kitzscher mit Hilfe des Ordensprotektois, des Kardinals St. 
Georgii, den Papst so weit für die Sache des Ordens zu ge- 
winnen, dafs dieser einige Breve, an den König von Polen 
und den von Ungarn gerichtet, erliefs, in denen er beiden 
Teilen alle Fehde und Feindschaft streng untersagte und die 
Streitsache selbst in Untersuchung nehmen zu wollen er- 
klärte -2). 

Auch zu den Kreisen der übrigen in Rom wohnenden 
Deutschen unterhielt Kitzscher Beziehungen. Im Jahre 1499 
hatte die Bruderschaft des deutschen Nationalhospizes St. Maria 
delFAnima in Rom beschlossen, eine neue Kirche für dasselbe 
zu bauen. Zu diesem Zwecke wurden im Jahre 1509 die 
namhafteren der in Rom anwesenden Deutschen um Zeichnung 
von Geldbeiträgen, die sie leihen oder schenken wollten, an- 
gegangen. Auch Kitzscher zeichnete 100 Dukaten '^J, 



*) Vgl. Voigt, Stimmen aus Rom über den päpstlichen Hof 
im fünfzehnten Jahrhundert, in Räumers historischem Taschen- 
buch IV, 54. Freytag, Die Geschäftsträger des Deutschen Ordens 
an der Komischen Kuria von 1309 bis 1525, ebenda XLIX, 189. 

^) Schreiben des Hochmeisters an Kitzscher d. iMontag nach 
Neujalir (5. Januar I und Freitag nach ( )uasimodogeniti (20. April) 1509 
bei Voigt IX, 364. 

"j Nagl und Lang, Mitteilungen aus dem Archiv des deutschen 
Nationalhospizes St. Maria dell'Anima in Rom (Rom 1899) S. 67 und 71. 



Kleinere Mitteilunuen. 



119 



Die folgenden Jahre brachten dem Ordensprokurator die 
dornenvolle Aufgabe, des Papstes Interesse für den Orden 
und seine Gunst in der obwaltenden polnischen Streitsache 
rege zu erhalten. Als daher der Hochmeister die Sache an 
Kaiser und Reich gebracht hatte, erhielt er den Auftrag, den 
Papst so vollständig wie möglich über die Gründe, die jenen 
dazu bewogen hätten, zu informieren, und als der Reichstag 
zu Worms 1509 beschlossen hatte, dafs Kaiser, Stände und 
Hochmeister den Papst bitten sollten, mit ihnen einen Bot- 
schafter an den König von Polen zu senden, der diesen zu 
einer gütlichen Verhandlung der Streitsache bestimmen sollte, 
da war es seine Aufgabe, den Papst dieser Bitte geneigt zu 
machen. Lange zogen sich die Verhandlungen hin, bis end- 
lich 15 10 der Legat Achilles de Grossis den Auftrag erhielt, 
dem ano^esetzten Verhandluno-stao-e in Posen beizuwohnen^). 
Freilich blieb, als im Jahre 15 10 der Tag eröffnet wurde, der 
Legat ohne Angabe von Gründen aus, und die Verhandlungen 
verliefen erfolglos. Alsbald erhielt Kitzscher den Auftrag, 
den Papst über den Verlauf der Tagung zu unterrichten 
und aufs neue seine Hilfe anzurufen'-). Erst im Herbst kam 
der Legat zum polnischen Könige und da seine Information 
nunmehr selbstverständlich eine einseitig polnische war, so 
entstand für den Ordensprokurator die Aufgabe, durch ge- 
nauen Bericht beim Papste den möglichen ungünstigen Folgen 
vorzubeugen'^). 

Am 14. Dezember 15 10 starb der Hochmeister auf dem 
Schlosse seines Bruders zu RochHtz. Am 13. Februar 15 11 
wurde dann im Kloster zu Zschillen der junge Markgraf 
Albrecht von Brandenburg in den Orden aufgenommen und 
noch an demselben Tage in Rochlitz zum Hochmeister ge- 
wählt. Alsbald erhielt Kitzscher die Instruktion, am päpst- 



Kitzscher nimmt in der Liste die zweite Stelle ein, während an 
erster Stelle sein Nachfolger als Ordensiirokurator, der spätere 
Bischof von Reval, Johannes ßlankenfeld, steht. Offenbar ist dessen 
Name wegen seines Ranges nachträglich an die Spitze der Liste 
gestellt worden. 

') Schreiben des Hochmeisters an Kitzscher d. Sonntag nach 
Vinc. Petri (5. August), d. 7. August, d. Abend nach Simonis und 
Judä (28. Oktober) 1509 und d. Mittwoch nach Palmarum (27, März) 
'1510. Voigt IX, 373. 375. 380. 

-1 Schreiben des Hochmeisters an Kitzscher d. Dienstag nach 
Dominici Confess. 16. August) 1510, Voigt IX, 384. 387 if. 

^) Schreiben des Hochmeisters an Kitzscher d. Mittwoch 
Simonis und Judä (30. Oktober) 15 10. Voigt IX, 391. 



J20 Kleinere Mitteilungen. 

liehen Hofe auch die Interessen des neuen Meisters in guter 
Acht zu haben ^), 

Der neue Hochmeister, ein Neffe des pohlischen Königs, 
hatte wohl gehofft, dafs dieser aus verwandtschaftlichen Rück- 
sichten ihm gegenüber nicht allzu schroff auftreten würde. 
Das Gegenteil trat ein. Der König liefs dem Hochmeister 
erklären, er möchte sein Amt nicht erst antreten, wenn er 
wie sein Amtsvorgänger ihm den Huldigungseid versagen 
wollte. Dann würde er selbst alle Blutsbande vergessen und 
als offener Feind seinen Forderungen Gehör verschaffen. Die 
Folge dieser Stellungnahme des Königs war, dafs der Hoch- 
meister noch ein volles Jahr in Deutschland verweilte, um sich 
bei den deutschen Fürsten und besonders auf dem Reichs- 
tage zu Trier bei den Reichsständen der Hilfe gegen den 
König zu versichern, ohne jedoch viel auszurichten. 

Bald nach dem am 5. Oktober 15 12 erfolgten Tode 
seiner Mutter, der Markgräfin Sophie, der Schwester des Königs 
von Polen, brach der Hochmeister von Ansbach auf, um seine 
Reise nach Preufsen anzutreten. Mit ihm zog sein Bruder 
Kasimir, der ihn bis Posen begleitete und sich von hier aus 
nach Petrikau begab, während der Hochmeister nach Preufsen 
zog. Der Zweck dieser Reise war der, die Bedingungen 
festzustellen, unter denen der Friede zwischen dem Könige 
und dem Deutschen Orden aufrecht erhalten werden könnte. 

Im Gefolge Markgraf Kasimirs finden wir nun Johann 
von Kitzscher wieder, der inzwischen sein Prokuratoramt 
in Rom aufgegeben hatte, wo an seine Stelle Dr. Johannes 
Blankenfeld-), der bekannte Hofjurist des Hauses Branden- 
burg, getreten war. 

Es handelte sich bei dieser Reise an den polnischen Hot 
keineswegs um eine dynastische Höflichkeitsbezeugung, wie es 
nach Bauchs Darstellung den Anschein hat, sondern um hoch- 
politische Verhandlungen, und Kitzscher ist nicht der Ge- 
sandte, sondern nur ein Glied einer zahlreichen und glänzenden 
Gesandtschaft. Aufser dem Markgrafen gehörten derselben 
an: der Komtur von Osterode Georg von Eltz , ein schon 
lange im diplomatischen Dienst erprobter Ritter, früher selbst 



1) Joachim, Die Politik des letzten Hochmeisters in Preufsen 
Albrecht von Brandenburg I (Leipzig 1892), 9. Auf diesem Werke 
beruht neben dem oben genannten von Voigt vornehmlich die fol- 
gende Darstellung der politischen Verhältnisse und Verhandlungen. 

2) Über ihn vgl. Seh nOring, Johannes Blankenfeld, ein Lebens- 
bild aus den Anfängen der Reformation (Halle 1905). 



Kleinere Mitteiluno;en. 12 1 

Ordensprokurator in Rom, lerner Bischof Job von Dobeneck 
von Pomesanien, der Lizentiat der Rechte Georg von Polenz, 
der Landkomtur von Hessen Dietrich von Cleen, der kur- 
brandenburgische Kanzler Dr. Stüblinger, die sächsischen Räte 
Günther von Bünau und Dr. Dietrich von Werther, der Haupt- 
mann von Hof Phihpp von FeiHtzsch, und endhch Johann von 
Kitzscher ^). Letzterer scheint der Sprecher bei der Be- 
grüfsungsversammlung gewesen zu sein, wobei er die später 
veröffentUchte Rede hielt'-). Dabei ist zu bemerken, dafs die 
Rede nicht, wie der Druck angibt, am lo. November ge- 
halten ist. Am 8. November war die Gesandtschaft zugleich 
mit dem Hochmeister von Posen aufgebrochen und kam erst 
am i6. November in Petrikau an'^). 

Wenn Kitzscher in der Rede an den Tod der Markofräfin 
Sophie anknüpfte, so war das wenig mehr als eine rhetorische 
Wendung. Der König war nach dem oben Mitgeteilten nicht 
der Mann, der sich durch verwandtschaftliche Rücksichten in 
seiner Politik beeinflussen liefs. Aufserdem hatte er von einer 
besonderen Zuneigung für die brandenburgische Verwandtschaft 
bisher wenig verraten. Hatte doch auch die verstorbene Mark- 
gräfin bis an ihr Ende vergeblich auf ihr Heiratsgut gewartet ''). 

Auch an den politischen Verhandlungen hatte Kitzscher 
teil. Als dieselben zunächst nicht vorwärts kamen, wurde eine 
Kommission eingesetzt, die das Friedensinstrument von Thorn 
vom Jahre 1466 artikelweise durchberaten und auf dieser 
Grundlage einen Ausgleich anbahnen sollte. In diese Kom- 
mission wurde von seiten des Ordens neben dem Bischof von 
Pomesanien und Dietrich von Werther auch Kitzscher ge- 
wählt. Das Ergebnis der Verhandlungen war ein am 4. De- 
zember aufgestellter Rezefs, der für den Orden einen sehr 
geringen Erfolg bedeutete^). 

Nach Schlufs der Tagung dürfte nun Kitzscher zunächst 
in Begleitung des Markgrafen zum Hochmeister nach Königs- 
berg gereist sein, wo man am 20. Dezember eintraf. Am 
7. Januar brach der Markgraf wieder auf und trat die Heim- 
reise an, die ihn durch Pommern und die Mark führte. 
Reiste Kitzscher mit ihm, so wäre er etwa Mitte Februar zu 
Hause gewesen*^). Die sächsischen Räte waren direkt von 



^) Joachim a. a. O. I, 33. 

'-) Bauch a. a. O. S. 313. 

'^j Joachim I, 33; Scriptores rerum Prussicarum V, 323. 

*) Joachim I, 10. 

s) Joachim I, 33ff. 2i9f. Voigt IX, 44oflF. 

") Scriptores rerum Prussicarum V, 326!"., 466; Joachim I, 39. 



122 Kleinere M tteiluns^en. 

Petrikau nach Hause zurückgekehrt und bereits Anfang- Januar 
angekommen^). Dafs Kitzscher nicht mit ihnen gewesen ist, 
scheint auch durch folgendes bestätigt zu werden. Die von ihm 
in Petrikau gehaltene Rede erschien am i6. Februar 1813 in 
Leipzig im Druck. Wäre er selbst auf kürzestem Wege nach 
Hause gereist, so hätte er die Herausgabe wohl selbst be- 
sorgen können. Das ist nicht geschehen. So dürfte die Ver- 
mutung berechtigt sein, dafs er, während ihn selbst seine 
Pflicht nach Königsberg rief, das Manuskript den sächsischen 
Käten mitgab und es dadurch ermöglichte, dafs seine Freunde 
ihm bei seiner Heimkehr das fertige Buch als Willkommen 
darboten. 



3. Kleine Beiträge zur sächsischen Gelehrtengeschichte. 

Von Otto Giemen. 

Kollegankündigungen des Joh. Honorius 
Cubitensis. 

Zu den in dieser Zeitschrift XIX (1898), 108 — iio aus 
Einblattdrucken der Zwickauer Ratsschulbibliothek mitgeteilten 
Kolleganzeigen Leipziger Professoren aus dem Anfang des 
16. Jahrhunderts füge ich einen Einblattdruck, der der Innen- 
seite des Vorderdeckels eines Foliobandes der Freiberger 
Gymnasialbibliothek aufgeklebt ist. Der Quartdruck kündigt 
zwei Kollegs des Joh. Honorius Cubitensis (vgl. über 
ihn diese Zeitschrift XXV, 297 f.) an, und Martin Lands- 
berg, der den Zettel gedruckt hat, benützt die Gelegenheit, 
die Studenten darauf hinzuweisen, dafs die zu den beiden 
Kollegs benötigten Bücher in seiner Buchhandlung vorrätig 
sind. Diese Blätter waren also nicht etwa dazu bestimmt, 
an das schwarze Brett angeschlagen zu werden, sondern 
wurden vorübergehenden Studenten in die Hand gedrückt oder 
auf andere Weise verteilt. 

Der Band enthält: i. Valerii Maximi dictorum et factorum 
memorabilium libri IX cum commentario Oliverii Arzignanensis, 
Venetiis: Joh. Forliviensis Gregoriusque fratres 1487 -), 2. Justini 
epitoma historiarum Trogi Pompeii, Venetiis: PhilipjDus condam 



') Schon am 9. Januar schreibt Herzog Georg, nachdem er den 
Bericht Dietrichs von Werther gehört, an den Hochmeister. 
Joachim I, 39. 

-) Proctor 4510. Jacijues Rosenthal, Incunabula typo- 
graphica I, 1435. 



Kleinere Mitteilungen. 



123 



Petri Tarvisinus 1479^). Ursprünglich gehörte der Band dem 
genannten Joh. Honorius, von dessen Hand auf dem Vorsatz- 
jiapiere folgende Einträge stehen: xxviij g. ego Johannes 
Honorius Cubitensis dedi venditori librorum, miniographo 
tres g., ligatori sex grossos. Darunter: Intimatio facta in 
studio Lipsensi. Ad communem studiosorum vtilitatem 
Magister Johannes Honorius Cubitensis Ubros valerij maximi 
acri cura et diligentia interpretabitur adducetque multos appro- 
batos auctores, quos ad historiarum declarationem facere 
putabit, grammaticos, oratores, poetas, philosophos et historio- 
graphos. Cras hora post meridiem sexta librum se];)timum 
in pedagogio incipiet etc. (So lautet eine offizielle Kolleg- 
ankündigung, die an das schwarze Brett angeheftet wurde!) 
Endlich auf einem anderen Blatte: vij g. ego Joh. Cubi. 
Exposui pro Justino et Floro. Von anderer Hand steht auf 
dem ersten Blatte noch folgendes: Hunc librum idem Magister 
Johannes Cubitensis ecclesie beate Marie Fribergensis legat 
d' mensis Junij anno quarto. 

Vor Mitteilung jenes Quartdruckes müssen noch die 
beiden Fragen beantwortet werden: Welche Bücher werden 
darin empfohlen, und in welches Jahr werden wir versetzt? 
Das Werk des Valerius Maximus erschien bei Martin Landsbers: 
zweimal, 1501 und 1506 (Panzer, Annales typographici IX, 
481, 11^ und 485, 181'^)-). Welches Buch aber ist an zweiter 
Stelle gemeint? Bei einer Vorlesung des Joh. Honorius über 
Metrik sollte es als Leitfaden dienen. Da kann nun wohl 



^) Hain Copinger 9651. Proctor 4274. Rosenthal I, 845. 

2) Mit diesem Autor hat Joh. Honorius sich übrigens viel be- 
schäftigt. Im Jahre 1503 druckte Jakob Thanner: Epitomata super 
novem libros Valerii Maximi de dictis factisque memorabilibus dili- 
genter et accurate a Magistro Johanne Honorio Cubitensi recollecta. 
Mit einem Epigramm des Mag. Andreas Boner aus Landau auf dem 
Titel und einem Vorwort des Honorius an Christoph Ursinus aus 
Krakau (Panzer VII, 147, 90). Das eine Exemplar der Zwickauer 
Ratsschulbibliothek befindet sich in dem Sammelband Yll. V. 4, der 
folgenden Eintrag aufweist: Emptus est über iste virginej partus 
1506 a me Conrado Glaser de lichtenuels [erst S. 1507 in Leipzig 
immatrikuliert] xiiij albis rotiferis et 4 nummis in nundinis estivalibus. 
Compactio 20 nummos constat. Das andere Exemplar ist in dem 
Sammelband XXIV. XII. 25 enthalten; am Ende steht handschriftlich 
folgendes Epigramm von Gregorius Bredekopf aus Konitz: 

Mgr. Gre. Laticephalus de Konitz Tetras: 
Hoc opus Abiegnus [= Thanner] vir doctus in arte Jacobus 

Exegit nitidum, Lips vbi pulchra nitet. 
Lips vrbes vincit studijs doctissima cunctas, 

Hie tutas sedes diua minerua tenet. 



124 



Kleinere Mitteilunsren 



ö^ 



nur in Betracht kommen das von Joh, May aus Römhilt ver- 
fafste und nach dessen Weggang aus Leipzig von Joh. 
Honorius erstmaHg 1488 herausgegebene Opuscukim de com- 
ponendis versibus hexametro et pentametro et de quibusdam 
Lyricis carminibus que maiori in usu habentur quam cetera 
'Hain 10537). Eine zweite Auflage erschien 1500 bei Jakob 
Thanner (Hain 10538)^). Beachtet man dies und erinnert 
man sich zugleich, dafs 1501 eine Ausgabe des Valerius 
Maximus bei Martin Landsberg erschien, so ergibt sich mit 
ziemlicher Sicherheit, dafs jene beiden Kollegs des Joh. 
Honorius ins Jahr 1501 fallen und also auch unser Einblatt- 
druck in dieses Jahr gehört. 

Magnas merito gratias historiographis homines debent, qui suo 
labore plurimum vite mortalium proifuere. ostendunt enim legeniibus 
preteritorum exemplis, quid nobis appetendum sit quidue fugiendum. 
Etenim si ea, que de mferis et quidem fabulose feruntur, multum 
conferunt hominibus ad pietatem ac iusticiam seruandam: quanto 
magis putandum est historiam veritatis assertricem tanquam totius 
Philosophie parentem mores nostros effingere ad virtutem? Propterea 
legendi sunt historici omnes, sed in primis, qui res gestas carptim 
et sub compendio collegerunt. Quo in genere valerius maximus se 
offert, qui et externam et romanam historiam curiose pariter ac 
eleganter neuem voluminibus comprehendit. Reliquos deinde rerum 
scriptores ordine perlegemus. Hinc variarum gentium mores, instituta, 
leges, hinc varias hominum fortunas, ingeniorum et vitia et virtutes 
excerpere poterimus. que res maxime in quotidiano sermone facun- 
diam et in varijs rebus cognitionem creabit. Itaque magister Joannes 
Cubitensis summa diligentia libros valerij maximi interpretabitur. 
Cras hora secunda incipiet secundum librum eiusdem. in quo hec 
omnia egregie continentur: instituta maiorum, disciplina militaris, ius 
triumphandi, censoria nota et virorum maiestas. In habitatione sua 
Collegij principis. 

Valerij maximi Liber secundus venditur per Baccalarium Mar- 
tinum Herbipolensem. 

Idem cras hora octaua incipiet artem carminum pulcherrimam 
et perutilem inprimisque necessariam non solum ad versuum struc- 
turam, sed cum ad cognitionem accentuum, tum etiam ad vniuer- 
;am prope litteraturam. in stuba communitatis Collegij principis. 

Exemplaria accuratissime impressa in domo Baccalarij Martini 
llerbipolensis venduntur stipe exigua. 

Vera sit ars nee enim satis est fore carmina pulchra, 
Si credas Flacco: dulcia sunto mage. 

Simon Behem. 

Erich Schmidt hat in seinem Buche: Deutsche Volks- 
kunde im Zeitalter des Humanismus und der Reformation, 



') Vgl. auch G. Bauch, Geschichte des Leipziger Früh- 
humanismus (Leipzig 1899; S. 31. 



Kleinere Mitteilungen. 125 

Leipzig 1904, S. 60 ff. einen trefflichen Gelehrten aus der 
ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Vergessenheit ent- 
rissen: Joh. Bohemus Aubanus, der erst Deutschordenspriester 
in Ulm und Mitglied des um den Arzt Wolfgang Richard 
sich scharenden Humanistenkreises war, Sommer 1522 nach 
Kapfenburg, nordwestlich von Ulm, übersiedelte, ,,in vitae 
suae calce" nach eingehendem Studium Lutherischer Schriften 
der Reformation sich zuwandte und 1555 starb. Aufser einer 
Gedichtsammlung ,,Liber heroicus" hat er ein für die deutsche 
Volkskunde hochbedeutsames Werk ,,de omnium gentium ri- 
tibus" verfafst, das zum ersten Male 1520 in Augsburg er- 
schien. Über seine Verwandtschaft weifs Schmidt S. 61 nur 
wenig mitzuteilen. Er hatte jedoch einen Bruder, der gleich- 
falls unsere Beachtung verdient. Joh. Bohemus schreibt näm- 
lich einmal in einem wahrscheinlich ins Jahr 1520 fallenden 
Briefe an Andreas Althamer in Schwäbisch -Hall, dafs er 
drei Briefe an Christoph Hegendorfer und einen an Joh. Hom- 
burg^) (beide in Leipzig) geschrieben habe ,,apud adolescen- 
tem discipulum fratris mei didasculi Monte S. Annae, qui per 
Lipsiam Wittenbergam ad utile Studium migrabit"-). An 
dieser Stelle kann nur Simon Behem, der Ende 15 16 oder 
Anfang 15 17 als Schulmeister nach Annaberg kam'^), gemeint 
sein. Dieser stammte also, wie sein berühmter Bruder aus 
Aub an der Gollach, einem rechten Nebenfiüfschen der Tauber. 
Im Sommer 1502 wurde er als ,, Simon Beham de Aw" in 
Leipzig (Matrikel I, 446), im Sommer 1505 als ,, Simon bemhe 
de aw" in Wittenberg immatrikuliert (Album S. 17). Am 
16. September 1506 wurde er hier zum Baccalaureus (,, Simon 
Bhoem de Ahu": Köstlin, Die Baccalaurei und Magistri der 
Wittenberger philosophischen Fakultät 1503 — 1517 S. 7), am 
3. Februar 15 13 zum Magister artium (,, Simon Beheim Au 
diocesis Herbipolensis": ebd. S. 26) und am 25. September 15 16 
zum Baccalaureus biblicus („Simon Behem de aw": Liber 
Decanorum p. 19) promoviert. Sehr bald darauf wurde er, 
wie schon erwähnt, Rektor der Annaberger Lateinschule. 
Dieses Amt bekleidete er jedenfalls noch, als ihm Christoph 
Hegendorfer die zweite Auflage seiner dialogi pueriles, 



') Beiträge zur bayrischen Kirchengeschichte III (1897), 171 ft., 
VII (1901), 281 ff. 

") Andreae Althameri vita . . . cura et studio lo. Arnoldi 
Ballenstadii (Wolfenbutelae 1740) S. 68. 

*) Christ. Frid. Wilisch, Incunabula scholae Annaebergensis 
(Annaebergae 17 12) S. 18. 



120 Kleinere Mitteilungen. 

die bei Valentin Schumann in Leipzig erschienen^), widmete. 
1528 finden wir ihn als Prediger des Evangehums in Joachims- 
thal, wo er jedoch nur dreiviertel Jahre blieb-), 1530 in Mühl- 
troff bei Plauen, wo er bei der Visitation von 1533 als ,,ein 
feiner, herrlicher, gelehrter, geschickter Mann befunden" 
wurde^), 1533 in Elsterberg "*), von 1537-1540 in Auerbach i. V., 
wohin er von Schmölln aus berufen wurde'). An wechselnden 
Schicksalen hat es ihm also nicht gefehlt. 



Zu Heinrich Stromer von Auerbach. 

Ein Brief von Dr. Heinrich Stromer von Auerbach, 
der sowohl G. Wustmann als auch mir*') entgangen war, be- 
findet sich im Weimarer Archiv (Reg. O. 182). Er ist an 
Spalatin gerichtet und datiert; Leipzig, 24. November 1538. 
Mit ihm übersandte Stromer seinem Spalatin eine bitterböse 
Satire auf Johann Eck: Threni magistri nostri Joannis Eckij 
in obitum Margaretae concubinae suae, quae obiit mens. Aug. 
anno 1538'). Charakteristisch für Stromer, der mit seiner 
reformationsfreundHchen Gesinnung gern hinterm Berge hielt ^j, 
ist, dafs er Spalatin bittet, doch ja niemandem zu sagen, dafs 



1) Die Widmung ist überschrieben: „Spectata et eruditione et 
pietate viro Magistro Simoni Phem amico suo". Einen Hinweis, wer 
gemeint ist, enthält die Stelle: „Mirum est, quam tote pectore tibi 
deditus sum, maxime cum videam te reipubhcae gubernandae pro- 
futuros vires in tue ludo instituere. In hunc enim vsum gymnasia 
iila instituta Plato auctor est." 

-j G. Loesche, Joh. Mathesius (Gotha 1895) I, 76. 

2) Kreyfsig, Album der evangelisch -lutherischen Geistlichen 
im Königreiche Sachsen 2. Aufl. (Crimmitschau 1898) S. 416. 

*) ebd. S. 152. 

•'^) ebd. S. 20. G. Planitz, Beiträge zur sächsischen Kirchen- 
geschichte XV (1901), 5. 

<>) Vgl. diese Zeitschrift XXIV (1903), 100— 1 10. 

') Wiedemann, Dr. Johann Eck (Regensburg 1865) S. 377 ff- 
Am 13. September 1538 hat Andreas Osiander gerüchtweise von dieser 
Satire gehört (G. Kawerau, Briefwechsel des Justus Jonas I, 297). 
Am 22. November schickte Christoph Baldauf aus Wittenberg wahr- 
scheinlich mehrere Exemplare an Stephan Roth in Zwickau (Archiv 
für Geschichte des deutschen Buchhandels XVI [1893], 180 Nr. 571). 
Eins befindet sich jetzt noch in einem einst Roth gehörigen Sammel- 
bande auf der Zwickauer Ratsschulbibliothek (II. VII. 36, 6). Ein 
anderes schenkte Roth seinem alten P^reunde Joseph Levin von 
Metzsch auf Mylau, der sich unterm 12. Dezember hochbeglückt 
dafür be.Iankte (Archiv S. 181 f. Nr. 576). Metzsch hat sich, wie sein 
Hauslehrer Balthasar Gosmar unterm 20. Dezember aus Mylau an 
Roth schreibt (ebd. S. 182 Nr. 577), königlich darüber amüsiert. 

"*) Vgl. meine Beiträge zur Reformationsgeschichte I, 25. 



Kleinere Mitteilungen. 127 

er ihm das Schriftchen zugeschickt habe. Ferner meldet er, 
dafs Martin Butzer auf der Durchreise nach Wittenbere:^) 
bei ihm geweilt und in Kürze zu ihm zurückkehren werde. 
Und noch von einem anderen interessanten Besuche weifs er 
zu berichten: ein italienischer Kollege, ein Doktor der Chirurgie 
Pollienus Massa aus Venedig-) sei bei ihm eingekehrt. 

Trenoruin librum cuiusdam Magistri nostri, qui iniquus est 
coniugio clericorura, tue dignationi mitto, qui non modo risum sed 
et cachinum tibi mouebit. Lepidus scriptor rem meretricem et 
scortacionem acu tetigit, vsus est in re spurca spurcis verbis; sed 
ne te longa locjuacitate onerem et te impediam in legendo ridiculo 
libro, receptui canam. vnum addam: ne dicas me tibi misisse librum. 
Vale in HJesu Christo nostro saluatore! Sed heus, vnum obmiserim, 
quod te scire volo. Martinus Bucerus recens mecum fuit, petiuit 
Wittenbergam. Itidem Pollienus Massa Chirurgiae doctor, qui 
nobiscum Phenice sunt rariores. hie est Venetus. llle, vt probe 
nosti, Sueuus Theologus admodum doctus, qui in breui ad me 
redibit. Quid boni agat, me praeterit . . . Datum celerrime Liptzs 
xxiiij Nouembris Anno nato saluatore Md xxx viij. 

Henricus Stromer. 
Unter die Adresse hat Spalatin geschrieben: 

Doctor Auerbacchius cum Epitaphio Margaritae 
Doctoris Eccij. Aldenburgae 1538. 

Briefe von Joachim Camerarius an die Fürsten 
Georg und Joachim von Anhalt. 

Die im folgenden aus dem Herzoglichen Haus- und Staats- 
archiv zu Zerbst veröffentlichten Briefe an Camerarius sind 
aufser zwei an Georgs Bruder Joachim adressierten an den 
Fürsten Georg von Anhalt gerichtet, der seit Juli 1544 als 
,,Koadjutor in geistlichen Sachen" der eigentliche Verwalter 
des Bistums Merseburg war. Vielleicht hat Melanchthon die 
Bekanntschaft der beiden vermittelt. Vielleicht reicht sie aber 
auch noch weiter zurück und ist durch ihren gemeinsamen 
Lehrer, den trefflichen Georg Helt von Forchheim in Bayern, 
eingeleitet worden. Zugleich freilich können sie seinen Unter- 
richt in Leipzig nicht genossen haben. Denn während Fürst 
Georg erst im Sommer 15 18 die dortige Hochschule bezoo-, 



/) Vgl. de Wette, Luthers Briefe V, 133 und Kawerau, 
Briefwechsel des Justus Jonas I, 305. 

2) Ist er identisch mit Nicolaus Massa, der in seiner Vaterstadt 
Venedig als Professor der Anatomie und praktischer Arzt bis zu 
seinem Tode (1569) wirkte? Über diesen vgl. Aug. Hirsch, Bio- 
graphisches Lexikon der hervorragendsten Ärzte aller Zeiten und 
Völker IV (1886), i6of 



J28 Kleinere Mitteilungen. 

wurde Camerarius bereits im Winter 1 5 1 2 in Leipzig inskribiert; 
im Sommer 15 18 aber ist er in Erfurt immatrikuliert. 

Die Briefe verbreiten erwünschtes Licht über einen der 
dunkleren Abschnitte aus dem Leben des Camerarius, nämUch 
über seine Schicksale.nach seiner Flucht aus Leipzig angesichts 
der drohenden Belagerung der Stadt im Januar 1547 durch 
Kurfürst Johann Friedrich. Bisher wufsten wir nur, dafs er 
seine Familie zunächst nach Merseburg und dann nach Arn- 
stadt brachte und selbst beim Fürsten Georg zuerst in Zerbst 
und dann in Dessau ein Asyl suchte^). Jetzt hören wir, dafs 
er noch viel weiter von seinem Musensitze verschlagen wurde. 

An Fürst Georg, Leipzig, 28. August (I5i6). 

Reuerendissimae paternitatis tuae verbis locutus quaedam mecum 
est Clariss. vir Anton. Musa, ad quae responsionem nieam tua r. p. 
ex illo cognoscere poterit. Ego autem de Doctore Joanne Forstero 
cum illo hii locutus, quae recepit se ad r. p. tuam relaturum esse'-). 
Fortuna sua insectatur hominem tuae r. p. non ignotum. Quo autem 
Consilio Dei, sie enim mihi persuadeo, fortasse intelligetur aliquando. 
Quid si redire eum in has regiones quamuis pedetentim ut dicitur 
oportet? Augusta Tubingam , Tubinga Noribergam, Noriberga in 
syluas Duringicas se contuUt^). Nunc has si transeat nobiscum erit. 
Ego quidem esse et Christianae pietatis amantiss. et virum doctiss. 
iudico. Quare et iam mea caussa complectetur eum benignitate sua 
r. p. tua."^ Me absente r. p. tua gratiss. munere curauit affici puer- 
peram meam. Sane puer hanc saepe exiccat*), ut irrigatione opus 



^) Georg Voigt in v. Webers Archiv für die Sächsische Ge- 
schichte XI, 2 54 f. 

'-) Joh. Forster hatte, weil er mit seinen Kirchen zuchtplänen bei 
der Hennebergischen Herrschaft nicht durchgedrungen war, sein 
Schleusinger Amt, das er am i. Oktober 1543 angetreten hatte, nach 
noch nicht ganz dreijähriger Tätigkeit niedergelegt. Vor dem i. Sep- 
tember 1546 hatte er darüber an Melanchthon geschrieben, der ihn 
an Fürst Georg verwiesen (vgl. Melanchthon an Camerarius i. Sep- 
tember 1546: Corp. Refonn. VII, 128! und Forster an Veit Dietrich 
4. November bei G ermann, Joh. Forster [Meiningen 1894], S. 45 3 ff)- 
Aus unserem Brief ersehen wir nun, dafs Fürst Georg sofort durch 
Antonius Musa (seit August 1 545 Superintendent zu Merseburg, vgl. 
meine Beiträge zur Reformationsgeschichte I, 80) bei Camerarius 
sich über Forster erkundigte. (Doch wurde dieser erst im März 1548 
als Superintendent nach Merseburg berufen.) 

^) Forster kam im August 1535 als Prediger nach Augsburg 
(vgl. auch Friedrich Roth, Augsburgs Reformationsgeschichte II, 
München 1904, S. 253), im Januar 1539 als Hebraist nach Tübingen, 
März 1542 als Propsteiverwalter bei St. Lorenz nach Nürnberg. 

^) Joh. Pfeffinger (seit August 1540 Superintendent in Leipzig) 
an Fürst Georg, Leipzig, Sonnabend nach Margarethe (17. Juli) 1546: 
d. Camerarij Hauffraw, Got hab lob, ist gestern (16. Juli) zwischen 
neun und zehen hora vormittag gelegen vnd einen Jungen son ge- 
boren, ist volgents getaufft und Gotnardus genannt worden. Ge- 



Kleinere Mitteilungen. T29 

sit, quae in quadam nunc boni potus penuria benigne procurata Uli 
fuit. Ago igitur summisse gratias p. tuae et cupio, si possim, in- 
seruiendo illi referre. Tuam r. p. Christus custodiat. Lips V. cl.VII br. 

An Fürst Georg, Erfurt, 12. März (1547). 

. . . Litteras r. p. tuae scriptas ultima die Februarij accepi 
Martij die X. Quo ipso die aduenerat tabellarius e Francis et ego 
uecturam iusseram conduci, qua uteretur familia mea, quam hodie 
dimisi, ut Schleusingium primum se conferat et ibi de reliquo itinere 
consilium capiat. His addidi Esromum meum '). Christum oro, ut 
omnes saluos et incolumes conseruet. Ego hie remansi, quod ad r. p. 
tuam literas mittere et quo in loco essent res meae signilicare uellem. 
Sane r. p. tuae litteras si accepissem maturius et Esromus minus diu 
affuisset, ad ea, quae scribit r. p. tua, studuissem accommodare pro- 
feclionem meam. Nunc et serius me aduenturum, quantumuis festi- 
narem, arbitrabar, et iter quod in manib. habebat familia explicandm^ 
erat. Video autem omnia in dies tieri difficiliora. Ideo opt. esse 
iudicaui, ut mei m patria sint, ubi deo fauente et apud notos faciliu,-; 
degant et minus sumtuum faciant. De me postea uidebo. Etsi sane 
mihi fuit acerbum rursum disiungi nos, et mea tarnen illis praesentia 
non multum profutura videbatur. Sed turba est aetate ac sexu imbe- 
cillis. Vervim de his nimium. Nunc igitur . . . si nihil est, cur tua 
r. p. arbitretur necesse esse, ut ad se reuertar, benigne illa hanc 
mihi veniam dabit, ut meis collocandis atque prospiciendis, quos 
negligere non debeo, operam omnem impendam. Sin iudicabit apud 
S'i esse me oportere, etiam hoc, ubi intellexero, obsequar uoluntati 
ipsius, si ullo modo fieri poterit. Molestiam et tarditatem et molitionem 
difficilern in hac nostra tortuna habent omnia. Satis enim, deo gratia, 
numerosa est et inlirma familia nostra et nos ad migrationes occasio- 
nibus oblatis uti cogimur. Caesarianae copiae dicuntur diuidi, ut 
pars per Noricum agrum tendat, ubi et colligi militem et expectari 
externas copias magnas ferunt, jiars Hassiam petat. Caesarem 
Spiram uenisse et Francofurtum tendere aiunt-j. Modo Bambergae 
eum expectare quidam dixerunt. Heri uenerunt huc equites circiter 
' XL ablegati ad Caesarem a Rege Daniae, ut narrabatur. Nisi deus 
exorari se passus fuerit, ut mitiget aerumnas et calamitates jiatriae 
meae, fieri aliter nequit, quam ut hoc verno tempore nouae clades 
atque miserae pululent et oriantur. Christus protegat ecclesiam suan:. 
Pfeffingerum audio in grauibus esse perturbationibus et ne extia 
pericula quidem, quod mihi magnum altert dolorem ^). Segenswünsche. 
Erphordiae IUI id. Martij. 



vattem der polnisch Herr, burgermeister Morichin vnd ich etc. 
(Original im Zerbster Archiv.) 

') Esrom Rüdinger, der wie Camerarius aus Bamberg stammte, 
1541 von diesem als Hauslehrer engagiert wurde, von Michaehs 1547 
bis Ende 1548 in Pforta wirkte, dann aber nach Leipzig zurück- 
kehrte, um Camerarius' älteste Tochter zu heiraten. (Vgl. E. Fabian, 
Realencj'klopädie^ XVII, 192 und P. Flemming, Beiträge zum Brief- 
wechsel Melanchthons, Naumburg a. S. 1904, S. 70). 

-) Vgl. Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Refor- 
mation' IV, 3 69 f. 

'•^) Pfeffinger hatte die Belagerung Leipzigs im Januar 1547 mit 
durchgemacht und wurde dann „durch etliche misgönner" bei Kur- 



iqo Kleinere Mitteilungen. 

An Fürst Georg, Würzbtirg, 7. Mai (154:7 j. 

. . . Quid nunc de tua r. p. et illustrib. fratribus, quid de Philippo 
et alijs araicis nostris fiat, sum in max. metu et curis atque anxie- 
tate conficior. Euentus autem et casus istius tanta atrocitas, quan- 
tam timere non potui, incredibili dolore animum meum excruciat^). 
Vbi uota igitur et preces pietatis? Sed scriptum est: De quacunque 
re consenseritis et petieritis credentes, eam accipietis^). De hde 
nihil dicam. Verum quanta fuit dissensio, quae disceptatio atque 
rixa de precibus, cum tuae r. paternitatis illae praeclarae de con- 
uersione animorum ad pacem a quibusdam exploderentur") ? Quid 
igitur in istä uarietate atque S-.acpopa exaudiretur, ut de alijs ad- 
uersationib. taceam?! Sed, ut aiebam, inopirata atrocitate et magni- 
tudine miseriae ac cladis et eorum, quae narrantur, horribili tristicia 
miritice terreor, et quorundam sermones in posterum quoque spem 
bonam praecidunt. Verum haec permittamus Deo. Philippo scripsi. 
Meam lamiliam ablegaui Noribergam, quam Christus custodiat^). 
Ego sequi cupio, sed hospitis amantissimi aduersa valetuda me re- 
morata fuit. Tuae r. p. inseruire cupio. Mandabit igitur illa confi- 
denter omnia, in quibus operam a me posse navari putauerit. Quid 
scriberem preterea neque habebam neque animo perturbatissimo ex- 
cogitare poteram. Hie res adhuc tranquillae sunt. Episcopus tarnen 
nobilitatera suam accersiuit, quae in hoc oppidum cras venire debet. 
Fuerunt rumusculi sparsi de expeditione Landgrafij. Sed nunc est 
Silentium. R. p. tuam cum suis omnibus Christus conseruet. Vuurce- 
purgi non. Maij. 

An Fürst Georg, Nürnberg, 22. Juni (1547). 

. . . Cum nactus occasionem uiderer literas istuc mittendi, neg- 
ligere illam nolui. De tuae r. p. et illustrium fratrum ipsius salute 
ac dignitate mirabiliter et fui et adhuc sum solicitus. Christum 
oro, ut uos subditosque uestros benigne tueatur et non patiatur 
opprimi hac belli calamitosissimi clade. Eo autem uehementius per- 



fiirst Moritz verdächtigt, „als solt er es mit seiner Obrigkeit nicht 
trewiich gemeinet haben" (Seifert, Beiträge zur sächsischen Kirchen- 
geschichte IV, 97 f.). 

') Anfang 1547 war Merseburg von den Scharen des Kurfürsten 
Joh. Friedrich besetzt, Dom und Stadt geplündert, das Hochstift mit 
einer schweren Kriegskontribution belegt, nach der Schlacht bei Mühl- 
berg aber, Anfang Mai, wieder von Moritz in Besitz genommen wordt n. 
Fürst Georg zog in das Feldlager vor Wittenberg, um mit seinem 
Bruder die Gunst des Kaisers, dem sie verdächtigt worden waren, 
zu erbitten (Fraustadt, Die Einführung der Reformation im Hoch- 
stifte Merseburg, Leipzig 1843, S. 200 11). — Melanchthon iloh nach 
der Schlacht bei Mühlberg von Zerbst weiter nach Braunschweig 
(Ellinger, Philipp Melanchthon, Berlin 1902, S. 530, Kroker, Katha- 
rina von Bora, Leipzig [1906], S. 253lf.). 

2) Matth. 18, 19. 

^) Über das von Fürst Georg im Auftrage des Herzogs Moritz 
zu Beginn des Krieges verfafste öffentliche Gebet um Erhaltung des 
Friedens und den Widerstand dagegen vgl. Fraustadt S. 195 ff. 

') Am 5. April weifs Melanclithon, dafs Camerarius „in Fran- 
ciam" gereist ist (Corp. Reform. VI, 471). 



Kleinere Mitteilungen. 15 1 

terretur animus meus, quo vos propiores periculo et ob certas caussas 
majore in discrimine esse scio. Sed manus Dei nostri ad protegen- 
dum sat est et grandis et potens. De Phil. Mel. cum mea tum alio- 
rum multorum anxietas fuit max., quem heri Northusiae esse com- 
peri'). Christus uirum opt. et max. utilem ecclesiae custodiat. Au- 
diui et Ant. Musam uita sua defunctum esse, quo ex casu et prop- 
ter rev. p. tuae dolorem dolorem coepi et detnmentum in hoc Ec- 
clesiae tuli grauiter-). Ego ea audiendo cognoui hoc tempore 
peregrinationis meae, ut de salutari pace Ecclesiarum desperarim. 
Hie tandem consedi post uarios casus ^) cum mea familia et est opus 
aliqua quiete nobis. Reuocari me curauit lUustriss. Princeps Mau- 
ricius, Sed confido eura Clementer ueniam daturum refutationi hoc 
tempore necessariae meae. Ergebenheitsbezeugung und Segens- 
wünsche Noriberg. X. Cal. Julij. 

An Fürst Georg, Nürnberg, 1. August (15i7). 

. . . Cum is, qui a tua r. p. prox. literas mihi attulit, proficis- 
ceretur longius, Petij ab eo, vt hac reuertens me compellaret, id 
quod fecit hodie sane properans. dedi igitur has illi literas ad r. p. 
tuam festinanter scriptas. neque erat, quid magnopere scriberem, 
praesertim tuae r. p. ministro ueniente iUinc, unde materia nunc 
literarum ferme suppetit. Nam praeterita iam propemodum eluximus. 
Optarim autem maiore interdum cum attentione animi illorum nos 
reminisci. Heri ad profundam uesperam literas*) accepi a Phil. Mel, 
ex quibus hoc unum intellexi fuisse eum cum alijs Theologis Vuitten- 
bergensibus Lipsiae^). Id mihi ideo satis fuit, quod hie uaria de 
itineribus ipsius ferebantur. De euentu indicti conuentus^) incre- 
dibilis est expectatio omnium, sed dispar. Ego qui Deum etiam 
aliquando suam omnipotentiam uelle ostendere animaduertere mihi 
uideor, illa minus curo. De his igitur satis. A tua r. p. summisse 
peto, ut hoc inanium literarum officium sibi gratum esse patiatur. 
Quam ualere feliciss. opto. Norib. Cal. Aug.'). 



') Hier war Melanchthon schon Ende Mai: Corp. Reform. VI, 547 ff. 

^) Musas Todestag steht nicht fest, er fällt aber wahrschein- 
lich in den Juli oder August 1547 (Fraustadt S. 202 und meine 
Beiträge I, 81). 

^) Also kam Camerarius schliefslich eher nach Nürnberg, als 
Melanchthon erwartet hatte (Corp. Reform. VI, 584). 

*) =: Corp. Reform. VI, 613 Nr. 3949 (Leipzig, 25. Juli). 

^) Nämlich zu dem von Kurfürst Moritz einberufenen Landtag im 
Juli (Seifert a.a.O. S. 99, Ifsleib in dieser Zeitschrift XIII, i89ff.). 

^) Der Reichstag zu Augsburg wurde am i. September eröffiiet. 

') Noch Anfang September weilte Camerarius m Nürnberg, wie 
ein Brief von ihm an Joh. Lang in Erfurt, datiert: „Noribergae 
Calendis VII bris", in Cod. A 399 f. 178 der Herzoglichen Bibliothek 
zu Gotha, beweist, in welchem Camerarius u. a. schreibt: „Hac cum 
Caesar transiret (24. März: Ranke S. 370), tota ciuitate sollicita et 
inquieta nostra domuncula contagio isto laesa non fuit. Itaque tunc 
etiam carui molestia hac belli, quae multis pacatis locis grauissime 
oblata fuit. Ego Lipsiam reuocor, sed ita sum defatigatus curis, 
doloribus, labore itinerum, ut nihil mallem quam aliquantisper hie 
quasi in conspectu patriae acquiescere . . . Nunc necessitati seruien- 
dum est et satis faciendum officio. Ducis Mauricii non modo non 

Neues Arcluv f. S. G. u. A. XXVIII. i. 2. Q 



1^2 Kleinere Mitteilungen. • 

An Fürst Georg, (Leipzig?), 39. Juni (1549). 
... Ea, quae tua r. p. clementer ad me misit, diligenter et 
fideliter asseruabuntur, et ad tuam r. p. quamprimum remittentur. 
Nunc futurum esse ferebatur, ut susciperetur deliberatio de editione 
ordinationis ecclesiasticae'), de qua inter pastores conuenit, quam, 
oro Christum, ut benigne fortunet ad honorem sui nominis et utili- 
tatem ecclesiarum. Quod autem quidam muenili magis impetu (juam 
pia necessitate haec oppugnant, id nimirum permittendum Deo est, 
cui sunt notae cogitationes et consilia nostra . . . ferijs S. Aposto- 
lorum Petri et Pauli. 

An Fürst Joachim, Leipzig, 18. Februar (1553). 

. . . Allatus est mihi piscis inquilinus fluminis nostri et Taae 
clementiae nomine dono datus. Ouod munus etsi per se esse gratiss. 
necesse est, tamen recordatio clementiae tuae mei magis commouet 
submissionem uoluntatis meae, de qua oro tua cl. omnia officia 
subiecti studij, quaecunque a me praestari poterunt, clementer sibi 
policeatur. A Philippe Melanchthone-) literas^) accepi, quib. signi- 
licat se iussum esse expectare Noribergae mandata de protectione 
synodica. Argentinenses et Wirtenbergenses nemo audire uoluit 
Trident[i], itaque significarunt amicis se de discessione cogi[tare] 
Litterae tamen fidei publicae seu salui conductus Noribergam 
Theologis Saxonicis missae fuerunt, et sessio indicta in diem XXV 
Januarij dilata in X Martij, ne Saxonici se excludi conqueri possint. 
Tuae dem. salutem, incolumitatem, vitam fortunasque commendo 
Christo saluatori. Lipsiae XII. Cal. Martij. 

An Fürst Joachim, Leipzig, 31. Juni (?). 

Dank für Geschenk. Ouae audiueram de infelicis belli clade, 
heri ad T, Cl. familiärem M. Vuolfgang.*) perscripsi. Nunc hie 
Silentium est. Quod si quid posthac cognouero, id Cl. T. submisse 
et studiose significaturus sum. Segenswünsche. Lips. XI. Cl. Jul. 



immutatur voluntas, sed augetur etiam Studium erga rem Eccle- 
siasticam ac .Scholasticam . . . Principes ... ad diem indictum con- 
veniunt Augustam (s. S. 130 Anm. 6), ijuae tot hospites non posse 
capere perhibetur. Nondum Caesar uUam manifestam vim aduersus 
Euangelicae doctrinae cultores usurpauit. Multis tamen in locis dicitur 
illa omitti et instaurari ritus priores . . ." 

') Am 18. März 1549 schickte Fürst Georg die von ihm mit 
etlichen Theologen in Merseburg ausgearbeitete neue Kirchen- 
ordnung an Kurfürst Moritz mit der Bitte, sie zu prüfen und mög- 
lichst bald im Drucke erscheinen zu lassen. Es fanden lange \'er- 
handlungen darüber statt, die mit dem Ergebnis endigten, dafs die 
Kirchenordnung nicht ven'itf entlicht wurde dlsleib in dieser Zeit- 
schrift XV, 224tf., auch W. Walther, Realencyklo])ädie VI, 522 und 
Fraustadt S. 180, 157 und die an beiden Stellen zitierte Literatur). 

-j Er war auf der Reise zum Trienter Konzil am 22. Januar 1552 
nach Nürnl^erg gekommen (Corp. Reform. VII, 931, Ellinger S. 549, 
Ifsleib in dieser Zeitschrift .\V, 235!., besonders aber Schornbaum, 
Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte XII, 278 ff.). 

") Corp. Reform. \TI, 938 f. Nr. 5047 (6. Februar). 

■*) Wahrscheinlich ist der Leibarzt Mag. Wolfgang Fuhrmann 
gemeint. 



Kleinere Mitteilungen. 133 

Ein Brief des Komponisten Joh. Rausch an Fürst 
Georg von Anhalt. 

Aus dem Zerbster Archiv sei auch noch der folgende 
Brief mitgeteilt, da er von einem bedeutenden sächsischen 
Komponisten des 16. Jahrhunderts stammt, von dem wir sonst 
ziemlich wenig wissen. Johann Reusch aus Rodach im Ko- 
burgischen studierte um 1538 unter Heinrich Faber in Naum- 
burg, kam darauf als Kantor an die Meifsner Stadtschule, 
1547 an die dortige Fürstenschule, wurde 1548 Rektor der 
Stadtschule, dann vom Meifsner Bischof zum Dechanten, 
später zum Kanzler des Stiftes Würzen berufen, endlich von 
Kurfürst August an den Hof gezogen vmd zum Geheimen Rat 
ernannt und starb am 27. Februar 1582^), Von seinen Kom- 
positionen sind folgende bekannt: Epitaphia Rhavorum, Wite- 
bergae 1550-j, Elementa musicae practicae pro incipientibus, 
Lipsiae 1553, Carminum nuptialium Hb. I, Lipsiae 1553, Melo- 
diae odarum Georgii Fabricii, Lipsiae 1554. Dagegen scheint 
das Werk, das er mit unserem Briefe am 13. Oktober 155 1 
Fürst Georg zusandte, unbekannt zu sein. 

... In initio belli germanici cum aliquando Illustris Gel. T. heic 
Misenae pernoctaret egoque tunc temporis (vt erat mihi Cantoris 
munus demandatum) inter alias Cantilenas, quas tum apud Illustrem 
Gel. T. honoris et ofticij caussa decantabam, etiam precationem piam 
ex Hieremia, quam pro ingenioli mei tenuitate numeris figurisque 
musicis donaueram, immiscerem. satis clementer et mira quadara 
humanitate ipsa mihi iniungebat, vt illam ipsam precationem, vt 
erat a me in harmoniam musicam contracta, descriptam ad te 
mitterem, mandabat etiam optimo seni Domino Laurenlio Schrütero, 
qui tum nostrae et linitimarum aliquot circa Ecclesiarum Super- 
iatendens erat^), vt certuni tabellarium, qui hinc ad uos iret, mihi 



^) Rob. Eitner, Ouellenlexikon der Musiker und Musikgelehrten 
VIII, 195. Mitteil, des Vereins für Geschichte der Stadt Meilsen I, 4 
(1884), 44. Vollhardt, Geschichte der Gantoren und Organisten 
von den Städten im Königreich Sachsen (Berlin 1899) S. 216. Georgii 
Fabricii ad Andream fratrem epistolae ex autographis primum editae 
ab Hermano Peter, Meifsen 1891 (Fürstenschulprogramm), S. 9. 

-j Vollhardt, Bibhographie der Musikwerke in der Rats- 
schulbibliothek zu Zwickau" (Leipzig 1893— 1896J Nr. 656. 

*j Laurentius Schröter aus Gotha, 1539 Pfarrer in Annaberg, 
1543 Domprediger in iMeifsen, 1545 auch Superintendent und Kon- 
sistorialassessor daselbst, legte 1547 sein Amt nieder (Kreyfsig, 
Album der evangehsch- lutherischen Geistlichen im Kgr. Sachsen, 
2. Aufl., Grimmitschau 1898, S. 13 u. 403; Manitius, Die^Einführung 
der Reformation in Annaberg, Annaberg 1840, S. 4; Seidemann, 
Jacob Schenk, Leipzig 1875, S. in; Kawerau, Der Briefwechsel 
des Justus Jonas 1, 357J. Wohin Schröter 1547 sich gewandt hat, 
könnte uns ein Brief \on einem gewissen Antonius \'arus an Joh. 



134 Kleinere Mitteilungen. 

significaret; poUicebamur tum (vt par erat) vterque suam operam. 
Sed quia Schröterus iniuria temporum coactus hinc discessit, neque 
ad illustrem Cels. T. scribere neque ipsi Cantilenam proraissam 
transmittere ausus fui. Nunc uero, postquam precacio illa vna cum 
psalmis aliquot germanicis in lucem prodijt, interniittere ron potui, 
quin Illustrem Gel. T. quoque exemplo donarem . . . Datae Misenae III 
Iduum Octobris Anno MDLI 

lUustris Gel. T. 
addictiss. 

Joannes Reuschius. 



Lang in Erfurt vom 2. Januar 1548 in God. Goth. A 399, f. 241b — 242a 
offenbaren, wenn icli über den ßriefschreiber und besonders seinen 
Aufenthaltsort etwas hätte eruieren können. Da andere viel- 
leicht glücklicher sind, füge ich den Brief bei. Er enthält noch 
andere schätzenswerte Nachrichten über Schröter, besonders die, 
dafs SchrcJter früher Diakonus in Torgau gewesen sei, wo Luther 
ihn gern aufgesucht habe. Jedoch werden in Friedrich Joseph 
Grulichs Denkwürdigkeiten der ^ altsächsischen kurfürstlichen 
Residenz Torgau, 2. Aufl. von Bürger, Torgau 1855, S. 258 als die 
ersten evangelischen Diakonen der Stadt vielmehr Valentin Tham 
und M. Balthasar Arnold genannt. Vgl. noch Enders, Luthers 
Briefwechsel VIII, 11 („Presbyteros ambos"). 

. . . Quod petis a me de concionatoribus hie vacantibus tibi 
scribi, hoc iacilius possum, quo crebrius cum eis quam alius quis- 
])iam versor. Horum duo sunt: alter Laurentius pastorem et su- 
perattendentem in oppido Misna vulgo Meifsen egit, qui et in 
consistorio ibidem tenuit, vir, ut uno dicam verbo, talis, qualem 
Paulus expostulat, qui docere potest et facere. Sic enira complexus 
videor nunquam satis laudandas huius viri dotes et virtutes. Quam 
constans assertor veritatis sit, uel ex hoc animaduertere licet, quod 
relicta vxore grauida et partui proxima tum charis liberis et fa- 
cultalibus amplis maluit esse profugus et in salutis suae discrimen 
venire quam veritatem mussitare. Adeo probauit hunc Laurentium D. 
Doctor Martinus Lutherus piae memoriae, ut, quando Torgis esse 
daretur, ubi et Diaconum egit, hunc prae multis alijs inuiseret, nee 
pauca, quae ex Luthero audiuit, int er conuiuia referre solet. 
Si prudentiam in rebus dubijs, grauitatera in magnis, patientiam in 
aduersis, animi moderationem m laetis desideres, absolutissima omnia 
in hoc viro offendes, sermonis pirci, mansuetus, lenis, hilaris et, ut 
res expostulat, est, eruditionis multae. Qua suauitate et gratia 
doceat, uix explico. Vtinam vero sie valetudine valeat, ut omnibus 
optimis dotibus, (juae in bono pastore requiri solent. Alter Johannes 
Molitoris etiam concionator hie acer et vehemens in suis concionibus, 
ne dicam calidus, plus valet natura quam arte, bonus doctor, 
solutior moribus et sermone, dignus tarnen, cui bene prospiciatur . . . 
Restat, ut impetrem a tua humanitate, ne hoc meum Judicium alijs 
diuulgetur . . . Datae postridie circumcisionis Domini mane sub 
lucem. Anno 1548. üpto tibi, vxori, natis et universae familiae 
toelicissimum noui anni auspicium. Antonius Varns. 



Kleinere Mitteilunsi;en. 135 

4. Friedrich Wilhelm, Sohn des Moritz von Sachsen-Zeitz, 
ein unbekannter Wettiner. 

Von P. E. Richter. 

Nach Posse, Die Wettiner, hat ein solcher Friedrich Wil- 
helm nicht pfelebt. Aber die K. öff. Bibliothek in Dresden be- 
sitzt unter vielen anderen kleinen aus der Pegauer Kirchen - 
bibliothek erhaltenen Drucksachen folgende 

„Formula der Trauer-Abkündigung". 

,, Eurer Christlichen Liebe ist zu vermelden, dafs der Allmächtige 
Gott, . . . Herrn Friedrich Wilhelm / Hertzogen zu Sachsen . . . am 
22Sten dieses Monats Aprilis, früh um 7 Uhr, von dieser Zeitlich- 
keit / . . . abgefordert, . . . Wann dann durch diesen Trauerfall . . . 
Herr Moritz, Hertzog zu Sachsen, . . . Postulirter Administrator des 
Stiffts Naumburg, . . . Vnser gnädigster Fürst und Herr: so wohl 
auch S. F. D. ... Gemahhn, ... in grosse Betrübnüs gesetzet, . . . 
Als haben . . . dieselbe die gnädigste Verordnung ergehen lassen, 
dals zu dessen Bezeigung das Orgelschlagen und Seitenspiel, so 
wohl in denen Kirchen, als auch aller anderer Orthen bei Zusammen- 
kunfften und sonsten bifs auf fernere Verordnung eingestehet werden, 
wornach sich also Eure Christi. Liebe zu achten, Amen." 

Moritz regierte vom 22. April 1657 bis zum 4. Dezember 
1681. Im Jahre 1662 hatte er Stadt und Amt Pegau von 
Kursachsen gekauft, und es dürfte obige ,, Formula" dorthin, 
wie in die andern Kirchorte des Fürstentums zur Verlesung 
von den Kanzeln oreschickt worden sein. Es handelt sich 
aber hier nicht etwa um ein Formular mit handschriftlich 
ausgefüllten Namen und Daten, sondern der halbe Bogen in 
Kleinquart ist durchweg gedruckt, und dagegen, dafs der bei 
Posse Tafel 34, 14 aufgeführte Friedrich Wilhelm gemeint sein 
sollte, spricht, dafs der Vater des Verstorbenen Moritz, aber 
nicht Moritz Wilhelm genannt wird, und dafs nach der For- 
mula der Betreuende am 22. April früh um 7 Uhr, aber nicht 
am 15. Mai nachmittags 4 Uhr gestorben. Wer kann über 
diesen Fall Auskunft geben? 



5. Georg Heinrich Sappuhn. 

Von Otto Eduard Schmidt. 

Zu den interessantesten evangelischen Predigern, die im 
letzten Drittel des 17. Jahrhunderts vor der allerorten er- 
starkenden Gegenreformation flüchtend in Sachsen Aufnahme 
fanden, gehört Georg Heinrich Sappuhn. 



136 



Kleinere Mitteilungen. 



t? 



In jungen Jahren (1680) war er Prediger in der ungarischen 
Stadt Eperjes geworden, die lange Jahre ihre „Libertät" und 
ihren evangelischen Glauben gegen den Absolutismus der 
Habsburp-er und die mit ihm verbündete katholische Reaktion 
verteidigte. Aber als 1687 der Kaiserliche General Caraffa 
das berüchtigte Blutbad über die Stadt verhängte, mufste 
Sappuhn froh sein, mit dem Leben davonzukommen und in 
Sachsen als Pfarrer des Eibdorfes Lorenzkirch bei Strehla 
unter dem Patronate des kurfürstlichen Kammerherrn und 
Trabantenhauptmanns Johann Siegmund von Pflugk auf Strehla 
und Kreinitz eine Zuflucht zu finden. Er war hier Pfarrer 
bis 1721, mid von ihm rührt nicht nur die handschriftliche, 
im Pfarrarchive verwahrte ,, Historische Nachricht von den 
Lorentzkircher Kirchspiel" (17 16) her, die sehr viel wertvolles 
kulturo-eschichtliches Material enthält, sondern auch eine in 
flüssigen Distichen abgefafste Grabschrift, die noch heute auf 
seinem an der Kirche stehenden Leichenstein zu lesen ist. 
Den Distichen voraus gehen folgende Worte: 

Georg Heinrich Sappuhn nat. Heilberg in Boruss. d. XV. Jul. 
MDCLX, post exil ab Hungaria hujus «Lorenzkirch» et duarum 
vicin. eccles. «Kreinitz und Jakobsthal» Pastor per annos XXXIV, 
denat. d. III. May, MDCCXXI, cum visisset in ministerio hie et in 
Hung. a. XLI., in conjugio a. XXXV. VIII liberorum utriusque sexus 
patri felicissimo cujus adhuc vivi vaticinium sequens. 

Es folgen nun die ersten Distichen mit Angaben über 
Sappuhns Herkunft, die ich, von einer falschen Lesart aus- 
gehend, leider im IIL Bande meiner ,, Kursächsischen Streif- 
züge" (S. 156 vgl. S. 393) falsch gedeutet habe. Es sei mir 
gestattet, hier den Fehler zu berichtigen. Die Verse lauteten 
in der mir vorliegenden Abschrift : 

Prussia me genuit, nutrivit Lechica tellus, 
Erudiit studiis, urbs tua, Grace, sacris. 

Pannonis ora virum vidit sacra verba docenteni, 
Et fuit Epperies pendula ab ore raeo. 

Ich habe a. a. O. Grace fälschlich auf das steiermärkische 
Graz bezogen und darnach auch Lechica tellus falsch ge- 
deutet. Nun erinnert mich aber Herr Fritz Oberndorfer in 
Graz, dafs die Verhältnisse der Universität Graz im letzten 
Drittel des 17. Jahrhunderts kaum das Studium eines evan- 
gelischen Geistlichen gestattet haben würden, da die Gegen- 
reformation dort längst jede Spur evangelischen Lebens ver- 
tilgt hatte; man könne eher an die Universität Krakau denken; 
dann würde Lechica tellus das Land der Weichselslawen be- 
deuten, die früher auch Lechiten und Lochen genannt wurden. 



Kleinere Mittf^ilunoien. I3'7 

Diese Deutung ist richtig. Denn Krakau kann deswegen 
sehr wohl als urbs tua, Crace, bezeichnet sein, weil Cracus, 
der Stammvater eines alten polnischen Fürstenhauses, der 
um 700 p. Chr. eine Burg auf dem Berge Wawel erbaut haben 
soll, als der mythische Gründer von Krakau gilt. Wir müfsten 
in diesem Falle freihch Crace statt Grace auf dem Leichen- 
stein lesen, und so steht, wie eine erneute Untersuchung des 
Steines durch Herrn Pfarrer Paul in Lorenzkirch beweist, 
höchstwahrscheinlich auch darauf geschrieben. Demnach w^ar 
Sappuhn am 15. Juli 1660 zu Heilberg in Preufsen geboren, 
wuchs unter den Lechen auf, studierte in Krakau und kam 
von dort erst 20 Jahre alt als evangelischer Prediger nach 
Epperies. Von dort vertrieben, wurde er am Sonntag Jubilate 
1687^) in Lorenzkirch investiert und starb dort am 3. Mai 172 1. 
Die Gabe srew^andter lateinischer Versifikation hat er auf 
seinen gleichnamigen Sohn Georg Heinrich Sappuhn vererbt, 
der nach Kreyisigs Afraneralbum von 1703 bis 1709 Zögling 
der Meifsner Fürstenschule St. Afra war. Soeben hat ihn 
E. Schwabe als den Verfasser einer kulturhistorisch inter- 
essanten Gedichtsammlung ,,Ludi et Epulae Afranae" (Misenae, 
Typis Spahnianis Ao. 17 10) nachgewiesen"-), in der er unter 
dem Pseudonym Geographus Laurentinus 5 afranische Feste: 
das Frühlingsspiel, den ,,Frefsburckhard", die Kirmes, die Fafs- 
nacht und das Windefest („vulgo das Wantzenfest", purga- 
torium) gar anmutig schildert. Der Lorenzkircher Pastorsohn 
hat aber auch die orientalischen Beziehungen seines Vaters 
wiederangeknüpft, denn in Kreyfsigs Album findet sich bei 
seinem Namen der Zusatz: ,,ist wegen seiner Erfahrenheit 
in der Türkischen Sprache von dem Grofssultan mit dem 
Prädikat eines , Türkischen Rates' begnadiget worden". 



6. Zur Cronschwitzer Ausgrabung. 

Eine Enviderung. 

Von Clemens Pfau. 

Im vorigen Jahrgange dieser Zeitschrift S. 410 f. geht 
der verdienstvolle Schleizer Archivrat Schmidt gelegentUch 
seiner Besprechung der Ausgrabung im Kloster Cronschwitz 



^) Eigenhändige Niederschrift Sappuhns im Pfarrarchive zu 
Lorenzkirch. 

-} N. Jahrb. für das klass. Altertum usw. IX (1906), 294! 



138 Kleinere Mitteilungen. 

näher auf verschiedene im genannten Kloster gefundene 
wichtige Grabplatten ein, die als „Deutschherrensteine" zu 
gelten haben. Diese Erörterungen richten sich in gewissen 
Einzelheiten gegen einen Aufsatz von mir „Grabdenkmäler 
von Deutschherren im Königreich Sachsen", den ich 1905 
in „Unserer Heimat" (Zwickau) veröffentlichte. Veranlafst ist 
Schmidts Studie wohl mit durch meine weitere Arbeit über 
diese Cronschwitzer Ausgrabung, welche Abhandlung ich im 
Frühjahr 1906 verfafste und an die Zeitschrift für Thüringische 
Geschichte und Altertumskunde schickte. Der Artikel konnte 
erst im Winter gedruckt werden; mit meiner Erlaubnis hatte 
aber Schmidt einen ausführlichen Bericht über den Inhalt 
vor dem Abdruck der Studie durch einen Rochlitzer Forschungs- 
genossen erhalten. Letztere beschäftigte sich ausführlich 
mit Schmidts eingehender Abhandlung „Die Ausgrabung im 
Kloster Cronschwitz" in der Zeitschrift für Thüringische 
Geschichte und Altertumskunde, 1906, konnte aber den dort 
ausgesprochenen Schlüssen hinsichtlich der Cronschwitzer 
Angelegenheit in der Hauptsache nicht zustimmen. Da Schmidt 
in seiner jüngsten Arbeit über die in Rede stehenden Denk- 
mäler verschiedenes Neue zur Begründung seiner Ansicht 
vorbringt, so möchte ich auf diese Ausführungen hier näher 
eingehen. Denn eine möglichst vielseitige Untersuchung 
betreffs der Deutschherrensteine scheint mir durchaus ge- 
boten, da letztere für unsere vaterländische Archäologie und 
für die Gesamtgeschichte des weitverzweigten Deutschherren- 
ordens von ziemlicher Wichtigkeit sein dürften. Im übrigen 
verweise ich auf meinen demnächst erscheinenden Aufsatz 
in der Zeitschrift für Thüringische Geschichte und Altertums- 
kunde. Ich habe in meiner ersten Studie als höchst wahr- 
scheinlich hingestellt, dafs sich eigenartige mittelalterliche 
Grabsteine, welche weder Jahreszahl, noch Aufschrift oder 
bildliche Darstellung des Verstorbenen aufweisen, sondern 
lediglich entweder mit einem benimbten Kreuz ohne Wappen 
oder mit einem unbenimbten Kreuz mit beigefügtem Schild 
versehen sind, aus verschiedenen Gründen auf Glieder des 
Deutschherrenordens beziehen müssen. Meines Wissens ist 
bisher noch kein Stein mit Schrift oder persönlicher Ab- 
bildung auf einen Deutschherrn, der im Orden keinen höheren 
Rang einnahm, nachgewiesen worden; alle mir bekannten 
Deutschherrensteine dieses letzteren Gepräges beziehen sich 
auf hervorragende Würdenträger. Darum dürfte die Vermutung 
sehr nahe liegen, dafs die einfachen, nicht mit Schrift usw. 
ausgezeichneten Steine regelmäfsig die Gebeine schlichter 



Kleinere Mitteilungen. I'Jq 

Ritter- oder Priesterbrüder deckten. Bestärkt wurde diese 
Annahme durch den Umstand, dafs derartige einfache Denk- 
mäler auch in Ortschaften vorkommen, in denen es, obgleich 
der Orden hier Besitzungen hatte, nie ein Ordenshaus gab, 
wo also offenbar kein höherer Würdenträger amtierte. Ferner 
finden sich Platten mit dem eigenartigen benimbten Kreuz 
mehrfach in Kirchdörfern, die zwar geistlich mit dem Orden 
in engster Beziehung standen, in deren Geschichte sich aber 
nicht die leiseste Andeutung ergibt, dafs die Deutschherren 
hier Besitzungen gehabt hätten. Ordenssteine mit Wappen 
fehlen hier. Wie die genannten beiden Gruppen von Ordens - 
gliedern sich statutengemäfs im Leben besonders durch die 
Farbe der Tracht unterschieden, so scheinen bei uns auch 
ihre Grabsteine angegeben zu haben, welcher Art der 
darunter ruhende Bruder war; möglicherweise geht die Sitte 
dieser ganz eigenartigen Steine auf Gebote mitteldeutscher 
Komture zurück. 

Obschon die Ordensstatuten von Grabsteinen nicht 
sprechen, waren solche Denkmäler bei den Deutschherren 
doch üblich, wie Beispiele in Marburg, Wechselburg usw. 
zeigen. Ich spreche hier von Steinen, welche sich durch die 
Aufschrift, durch die Ordenstracht des Verewigten, zum Teil auch 
durch aufgelegtes Ordensschild einwandfrei als Deutschherren- 
monumente kennzeichnen; sie reichen bis in die Mitte des 
13. Jahrhunderts zurück. Ich habe früher ausdrücklich hervor- 
gehoben, dafs die Deutschherren auf diesen Steinen ihre 
Zugehörigkeit zum Orden regelmäfsig zum Ausdruck brachten; 
keineswegs habe ich aber irgendwo gesagt, dafs auf jedem 
Grabstein eines Deutschherren ritterlichen Standes ein Wappen 
sein müfste. Letzteres war augenscheinlich nur allgemein üblich 
und nötig auf denjenigen Steinen, die keine Aufschrift und 
keine bildliche Darstellung des Verstorbenen in Ordenstracht 
vorführten, also auf Platten, wie sie besonders in Sachsen, 
zumal in der Rochlitzer Pflege, vorkommen. Wie hätte sich 
der Ritterbruder auf solchen einfachsten Steinen besser zu 
erkennen geben sollen als durch ein Wappenschild? Dafs 
ein Stein, der ein Deutschherrenkreuz mit einem beigesetzten 
Schild zeigt, auf einen Ritter zu beziehen sein wird, bedarf wohl 
keiner weiteren Begründung; dasselbe gilt von einem Denk- 
mal, auf welchem das Kreuz nicht neben dem Schild, sondern 
in demselben selbst liegt, d. h. auf welchem der Deutschherren- 
schild angebracht ist. Nie habe ich auf einem Stein, der 
sich durch Schrift, Trachtenbild oder auch noch Wappen als 
Deutschherrenstein ausweist, das benimbte Kreuz gefunden; 



T^o Kleinere Mitteilunsjen. 

dasselbe gilt von den zahlreichen Ordensmünzen und Siegeln, 
die doch regelmäfsig von ritterlichen Vertretern des Ordens 
herrühren, da letztere allein die Komturstellen und andere 
wichtige Repräsentationswürden innehatten. Meines Erachtens 
kann demnach der Kreuznimbus nicht der Ordensritterschaft 
zugesprochen werden, und ich mufs deshalb annehmen, dafs 
sich diejenigen einfachen Grabsteine, die lediglich ein be- 
nimbtes Ordenskreuz — ohne irgend welches Beiwerk — 
tragen, auf Priesterbrüder beziehen. Ein solcher denkbar 
einfacher Stein i.st derjenige, welcher gelegentlich der Cronsch- 
witzer Ausgrabung dem Landmeister und Klostergründer 
Heinrich dem Mittleren von Weida zuoreschrieben worden ist; 
ich kann dieses Denkmal nur für eine Grabplatte auf einen 
Mönch ansehen. Sollte sich wirklich einmal einwandfrei nach- 
weisen lassen, dafs auf einem Deutschherrenstein tatsächlich 
ein Schild neben einem benimbten Kreuz vorkommt, so würde 
man wohl mit der Möglichkeit zu rechnen haben, dafs das 
Denkmal zu einem Ordensbruder gehört, der ursprünglich der 
Ritterschaft, dann dem Mönchijtum als Glied zugezählt worden 
ist. Ich habe in der Studie in ,,Unsre Heimat" keineswegs 
meine Ansicht, dafs der schlichte Deutschherrenritter auf 
unserem schriftlosen, einfachsten Grabsteine seinen vStand 
durch ein Schild ausdrückt, mit dem Hinweis auf das Mar- 
burger Denkmal von dem 1241 verstorbenen Hochmeister 
Konrad von Thüringen begründen wollen, habe die an diesem 
Stein vorkommenden Wappen in meiner ersten Studie über- 
haupt nicht erwähnt. Er gehört zu den am reichsten ausge- 
statteten, aber nicht zu den einfachsten Denkmälern. Die vier 
von Schmidt in dieser Zeitschrift angeführten Steine können 
ebenfalls schwerlich bei der Erörterung über unsere Grabsteine 
einfacher Ritterbrüder in Frage kommen. Sie beziehen sich auf 
Hochmeister, Komture und stellen zum Teil durch den Namen, 
zum Teil durch das Bild des Verewigten in Ordenstracht den 
Verstorbenen fest. Von diesen Denkmälern haben zwei Wappen, 
die anderen keins. Sollte doch von irgend welcher Seite An- 
stofs daran genommen werden, dafs zwei Steine keine Wappen 
aufweisen, so möchte hervorgehoben werden, dafs diese beiden 
Steine entweder nicht in ihrer ursprünglichen Ausführung 
üljerliefert sein dürften, oder dafs sie vielleicht überhaupt 
nicht dem ursprünglichen Plan nach fertig gestellt sind. Die 
betreffenden Steine weisen, wie mir Herr Geh. Baurat Stein- 
l^recht in Marienburg gütigst mitteilt, nur Randumschrift auf. 
Die eigentliche Hauptfläche ist vollständig leer. Derartige 
Grabplatten erinnern stark an Münzen und Siegel, bei denen die 



Kleinere Mitteiliuifijen. 141 

Legende das Bild umgibt. Da sich die Steine ganz gewöhnlich 
in Gebäuden befanden, so wurden die Mitteltlächen wohl gar 
.nicht selten bemalt; Reste von Farben kommen öfters auf 
alten Grabsteinen vor. Die Malerei ging später verloren, 
und damit haben sie ein ähnliches Schicksal gehabt, wie so 
zahlreiche, jetzt leere Schlufssteine in Schildform, deren ur- 
sprünglich farbige Wappenbilder von Personen (Stiftern) der 
Nachwelt erhalten bleiben sollten. Sicher wirkte ein aufge- 
maltes Bild auf dem Grabstein ebenso schön, wie eine nur 
eingeritzte ümrifstigur; eine solche weist das Denkmal des 
von Schmidt angeführten Heinrich Dusemer auf. Die aufge- 
malte Figur innerhalb der eingehauenen Umschrift des Grab- 
Steines würde ein Ersatz ofewesen sein für die so oft an 



& 



derselben Stelle vorkommenden plastischen Darstellung des 
Verstorbenen. Mitunter mag es vorgekommen sein, dafs das 
Innenfeld des Denkmals überhaupt nicht ausgefüllt wurde, 
weil an letzterem dem Entwurf nach zwei verschiedene 
Meister zu arbeiten hatten, schhefslich aber nur einer sein 
Werk ausführte. Das gilt nicht nur von denjenigen Monu- 
menten, deren eingehauene Umschrift wohl eine Malerei um- 
schliefsen sollte, sondern au.ch von denen, deren Innenfläche 
für Metallbelag be.stimmt wurde. Bronzebelag auf Grab- 
.steinen kommt schon im Mittelalter vor; oft fehlt er freilich 
jetzt, und nur die Vertiefungen, in welchen er safs, und die 
vorhandenen Dübellöcher zeugen von ihm. Das gilt z. B. von 
einem mittelalterlichen Grabstein in der Wechselburger 
Schlofskapelle. Derartige Grabsteine mit eingehauener Um- 
schrift am Rande und Bronzebelag im Mittelfeld linden sich 
noch im 16. Jahrhundert ; ein solches Denkmal setzte man 
1568 dem Rochlitzer Bürgermeister und Chronisten Melchior 
Älathesius. Wahrscheinlich war auch dessen Sohn, dem 
Diakonus Balthasar Mathesius, -j- 1572, ein gleicher Stein ur- 
sprünglich bestimmt. Dieses Denkmal zeigt ebenfalls die 
übliche Randumschrift in edler Form; das Innenfeld bekam 
aber schhefslich einen panegyrischen Nachruf, dessen Schrift- 
formen sehr unvorteilhaft von denjenigen der Randaufschrift 
abweichen: zweifellos haben an diesem Stein zwei ganz ver- 
schieden gebildete Steinmetzen gearbeitet. Manches Grab- 
denkmal ist nie fertig geworden, weil es derjenige, dessen 
Gebeine es einst decken sollte, schon zu Lebzeiten anfertigen 
liefs; die Nachwelt sollte dann verschiedenes (besonders die 
Sterbedaten) eintragen, was aber schhefslich oft unterblieb. 
Ich erinnere nur an verschiedene Bronzeepitaphien in 
Nürnberg. Dafs es derartige Steine auch schon zu der Zeit 



1J.2 Kleinere Mitteilungen. 

eab, aus welcher die in Rede stehenden Deutschherrensteine 
stammen, beweist ein prächtiges Steinmonuinent, welches 
kürzhch in der Geithainer Kirche entdeckt wurde. Dasselbe, 
dem jetzt leider der obere Aufsatz fehlt, gehört der Zeit 
um 1300 an. Im Mittelfeld führt es in vornehmer Arbeit 
den Verewigten vor; in der reichgegliederten Umrahmung 
zieht sich ein Schriftband hin. Letzteres sollte zweifellos die 
Sterbezeit des Verewigten angeben; hinter den kräftig ein- 
gehauenen Worten anno — die — finden sich aber nur leere, 
abgemessene Flächen : die Zahlen sind nie eingeschlagen 
worden, 

Schmidt schreibt auch diejenigen einfachsten Deutsch- 
herrensteine in Cronschwitz, die weiter nichts als ein be- 
nimbtes Kreuz aufweisen, Rittern zu. In dieser Zeitschrift 
gibt der geehrte Forscher hierfür seine Begründung an: 
,,denn nach einer Urkunde des Bischofs von Naumburg von 
1239 hatte der deutsche Orden die weltliche Verwaltung des 
Klosters zu führen, während den Mönchen des Dominikaner- 
ordens dessen geistliche Aufsicht und die Seelsorge zustand. 
Es läfst sich aber nicht denken, dafs sich neben den Priestern 
der Predigermönche noch solche des Deutschen Ordens in 
Cronschwitz aufhielten, sondern die Verwalter werden Ritter- 
brüder gewesen sein." Mir erscheint diese Beweisführung, 
die doch mit grundlegend für die Beurteilung aller schriftlosen 
Deutschherrensteine sein müfste, leider wenig stichhaltig und 
annehmbar, wie aus einer Betrachtung der Cronschwitzer 
Klosterverhältnisse hervorgehen dürfte. 

Schmidt sagt in der Zeitschrift für Thüringische Geschichte 
und Altertumskunde — wohl mit allem Recht — selbst, dafs 
bei der Stiftung von Cronschwitz zwischen den Deutsch- 
herren und Dominikanern hinsichtUch ihres Anteils am Klo.ster 
,,ein förmlicher Streit" ausgebrochen sei, den der Bischof 
durch seine eingehenden Bestimmungen der Stiftungsurkunde 
,,sehr geschickt" vermittelte. Betreffs der Deutschherren ge- 
bietet nun letztere: ,,Statuimus in exterioribus vero circa 
temporalium gubernacionem yconomiam, procuracionem, dis- 
posicionem sive administracionem temporalium fratres predicti 
domus Theutonicorum gerent et exercebunt, quoscunque 
frater gerens vicem suppremi magistri in Alemannia pro 
tempore ad hoc decreverit deputare". Nirgends steht etwas 
in der Urkunde davon, dafs deutschherrliche Priesterbrüder 
von der Cronschwitzer Verwaltung ausgeschlossen sein sollten. 
Einen derartigen Hinweis müfste man meines Erachtens aber 
doch unbedingt erwarten, weil die Urkunde so ausführlich bei 



Kleinere Mitteilungen. 143 

jedem Orden angab, was ihm zukommt, weil das Fehlen einer 
Bestimmung darüber, dafs nur Ritterbrüder in Cronschwitz 
die Verwaltung ausüben sollten, einen Streit zwischen den 
beiden in Rede stehenden Orden sicher nicht beigelegt hätte, 
falls die Priesterbrüder der Deutschherren aus dem Kloster 
verwiesen gewesen wären. Spricht die Urkunde schlechtweg 
davon, dafs die Brüder der Deutschherren in Cronschwitz 
die weltliche Herrschaft ausüben sollten, so mufs man meines 
Erachtens annehmen, dafs in dieser Beziehung die Ritter und 
Priesterbrüder der Deutschherren gleiche Berechtigung hatten, 
dafs letztere, die doch im Orden nach Ausweis der Statuten 
so gefeiert waren, keine Zurücksetzung zu erdulden hatten. 
Nach dem Wortlaut der Urkunde dürfte anzunehmen sein, 
dafs von den Deutschherren regelmäfsig mehrere Brüder zu- 
gleich in Cronschwitz amtieren sollten. Da jedem ganz genau 
vorgeschrieben war, was er zu tun hatte, so konnten doch 
Priesterbrüder der Deutschherren recht gut friedlich neben 
anderen Mönchen im Kloster leben. Den Deutschherren stand 
das zu, was sicher viel Schreiberei und Rechnerei verursachte. 
Diese Aufgaben werden aber in erster Linie mönchische 
Insassen auf sich genommen haben, nicht die Ritter, die dem 
^^'affenwerk obliegen mufsten und mehr den Sicherungsdienst 
und die Repräsentation des Klosters nach aufsen hin ver- 
treten haben dürften. Mit dieser Ansicht liefse sich wohl 
am besten die Tatsache in Einklang setzen, dafs auch in 
Cronschwitz zwei Arten der sogenannten einfachen Deutsch- 
herrensteine vorkommen, mit und ohne Schild. 

Schliefslich möchte ich noch erwähnen, dafs ich auf 
mittelalterlichen Grabsteinen von Deutscherren in der Roch- 
litzer Pflege nie ein Tatzenkreuz angetroffen habe. Schmidt 
irrt offenbar, wenn er das Kreuz auf dem Rochlitzer Held- 
rungendenkmal als Tatzenkreuz bezeichnet. Meine frühere 
Abbildung l^eruht auf Photographie. Die oberen Enden des- 
selben sind mit Rosetten belegt, die an Vierpässe erinnern. 



Literatur 



Säclisisclie (Jeschichte. Von Otto Kaemmel. (Sammlung; Göschen, 
Band loo.) Zweite, durcho;esehene Auflage, Leipzig, G. J. Göschen- 
sche Verlagshandlung. 1905. 166 SS. 8". 

Die zweite Auflage von Kaemmels kleiner „Sächsischen Ge- 
schichte" weicht im Ganzen nicht wesentlich von der ersten Auf- 
lage ab, die 1899 erschien und in dieser Zeitschrift XXI (1900), 176 f., 
besprochen wurde. Nur hier und da zeigt sich der Text etwas er- 
weitert oder in stilistischer Hinsicht geändert. Irrtümer, die die 
erste Auflage namentlich bei den Zahlenangaben aufwies, sind viel- 
lach verbessert, wenn auch leider noch nicht durchweg beseitigt 
worden; ja bisweilen haben sich sogar neue Fehler eingeschlichen, 
wie z. B. das Jahr 13 12 (statt 1307) für die Schlacht bei Lucka S. 6 
in der „Inhaltsübersicht und Zeittafel", wo auch mehrere falsche 
Angaben der ersten Auflage stehen geblieben sind (z. B. S. 5 Konrad 
der Grofse 1024— 1056: statt 11 23— 11 56, S. 6 Fjiedrich I., der Kreidige, 
1306 — 1324: statt 1323, ebenda Wilhelm II. von Meifsen, 1382 — 1407: 
statt Wilhelm I.). 

Eine Karte, an der man sich wenigstens ungefähr die ver- 
schiedenen Territorialveränderungen veranschaulichen könnte, fehlt 
leider, noch immer. Dagegen ist dem Büchlein, dessen Satz wohl 
mit Rücksicht auf diese Erweiterungen etwas enger geworden ist, 
eine „Stammtafel des Hauses Wettin" und ein Register beigefügt 
worden. In ersterer stören leider mehrere Druckfehler (_z. B. Konrad 
der Grofsef 1156: statt 1157, Dietrich der Bedrängte-;- 1231: statt 1221, 
Friedrich Tutta-;- 1294: statt 1291, Johann Georg I. f 1659: statt 1656 1, 
ferner die Vermengung der beiden Gemahlinnen des 1838 gestor- 
benen Prinzen Maximilian (die erste, von der die Kinder Friedrich 
August II., Johann usw. stammen, hiefs Caroline von Parma) und 
mehrere veraltete Anschauungen. Seitdem wir das grundlegende 
Werk von O. Posse, Die Wettiner (Genealogie des Gesamthauses 
Wettin ernestinischer und albertinischer Linie, Leipzig 1897) besitzen, 
sollten für Dietrich von Landsberg, Albrecht den Entarteten und 
Friedrich den Freidigen nicht mehr 1283, 1314 und 1324 als Todes- 
jahre angegeben werden, sondern 1285, 1315 und 1323; auch ist 
längst erkannt, dafs Heinrichs des Erlauchten dritter Sohn nur 
durch einen Lesefehler den Beinamen „der Kleine" erhielt, während 
er tatsächlich Clem hiefs. Der Possesche Stammbaum ist auf- 
fallcndcrweibe in der „Literatur" (S. 3), die um einige wichtige 



Literatur. 



145 



Werke (von Lippert, Knothe und O. E. Schmidt) bereichert er- 
scheint, nicht mit aufgezählt und wohl überhaupt gar nicht be- 
nutzt worden. 

Dresden. Beschorner. 

Der sächsische Prinzenraub iu Altenbnrg:. Ein urkundliches Ge- 
denkblatt nach 450 Jahren. Von Professor Dr. Max A'oretzscli. 
Altenburg S.-A.; Oskar Bonde. 1906. 55 SS. S^. 

Die vorliegende, dem verdienten Forscher auf dem Gebiete der 
Geschichte des sächsischen Prinzenraubes, Professor Ernst Koch in 
Meiningen, gewidmete Untersuchung stellt einen erweiterten Abdruck 
des gleichnamigen Vortrages dar, den aus Anlafs des 450jährigen 
Gedenktages von jenem in der Geschichte einzig dastehenden 
Ereignis Professor Dr. Max Voretzsch in Altenburg, ein in der Ge- 
schichtswissenschaft durch seine Arbeiten zur Geschichte der Stadt 
Altenburg bekannter und geschätzter Forscher, am 18. Oktober 1905 
in der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Oster- 
landes gehalten hat. Der Verfasser dieser anregend abgefaisten 
Monographie versucht mit gewissenhafter Benutzung der bereits 
veröffentlichten Urkunden zur Geschichte des sächsischen Prinzen- 
raubes und der neueren Literatur über diese Begebenheit, sowie 
unter Zugrundelegung von seinen früheren Arbeiten (,,Die Bezieh- 
ungen des Kurfürsten Ernst und des Herzogs Albrecht von Sachsen 
zur Stadt Altenburg", Altenburg 1900 S. 7 u. f. — „Der sächsische 
Prinzenraub" in „Thüringen in Wort und Bild", Leipzig 1900 S. 237 u. f.) 
und mit Verwendung einiger von ihm erst neuerdings aufgefundener, 
sehr interessanter handschriftlicher Notizen ein Gedenkblatt zu ent- 
rollen, welches die Geschichte des sächsischen Prinzenraubes zu- 
verlässig, bei aller Kürze die Hauptpunkte erschöpfend, frei von 
allen Zutaten der Sage und entsprechend dem Stande der heutigen 
Forschung enthält. Seine Untersuchung, welche die verwegene Tat 
des Ritters Kunz von Kauft'ungen in durchaus gerechter und kriti- 
scher Weise beleuchtet und sie aus den damaligen Zeitumständen 
beurteilt wissen will, unterscheidet sich, nebenbei bemerkt, sehr von 
dem gleichnamigen, für Schule und Haus bearbeiteten Gedenkblatt des 
Lehrers B. Böttiger (Dresden. Franz Sturm & Co. 1905), welches jenes 
Ereignis ganz nach der alten landläufigen verurteilenden Ansicht 
darseilt und die sagenhaften Überlieferungen mit den Tatsachen ver- 
mischt, so dafs wir vor Benutzung von Böttigers völlig mifslungener 
und schiefer Darstellung eindringlichst warnen müssen. Nach kurzer 
Einleitung behandelt Voretzsch zunächst die Veranlassung zum 
Prinzenraube, die Vorbereitungen zur Entführung und die Ausführung 
des Planes, schildert dann die Verfolgung der Räuber, die Befi^eiung 
der Prinzen Ernst und Albrecht, die Verurteilung des Prinzenräubers 
Kunz von Kaulfungen und die sonstigen Bestrafungen, sowie die 
unmittelbaren Folgen jener Tat. Den Schlufs bilden Betrachtungen 
über den aus Anlafs des Prinzenraubes entstandenen Bergreihen 
und die an jenes Ereignis sich knüpfenden sagenhaften Überliefe- 
nuigen. Wir können somit die Lektüre dieses ansprechenden, vom 
Verlage hübsch ausgestatteten Schriftchens allen denen angelegent- 
lichst empfehlen, die sich für eine wahrheitsgetreue Schilderung jenes 
Ereignisses interessieren. Wir wollen ferner hotten und wünschen, 
dafs vorhegende Untersuchung dazu beitragen möge, die oft schiefen 
und falschen Darstellungen des sächsisc'ien Prinzenraubes aus den 



1 4.6 Literatur. 

populären Geschichtsdarstellungen und vor allem aus den geschicht- 
lichen Lehrbüchern unserer Schulen zu beseitigen. 

Mühlhausen i. Thür. K. v. Kauffungen. 

Friedrich der Weise als Förderer der Kunst. Mit 41 Lichtdruck- 
tafeln und 5 Textabbildungen. Von Robert Brück. (Studien zur 
deutschen Kunstgeschichte, Heft 45.) Strafsburg, J. H. £d. Heitz 
(Heitz & Mündelj. 1903. VIII, 336 SS 8°. 

Dieses Buch ist eigentlich keine Novität mehr, da es schon vor 
drei Jahren erschien. Aber Archivforschungen pflegen sich nicht so 
rasch einzuführen: wie sie in mühevoller Arbeit geschrieben werden, 
so fordert auch ihre Lektüre ein Opfer an Zeit, das man gar leicht 
auf jene idealen freien Stunden verlegt, die sich ein jeder wünscht, 
die aber so selten kommen. Daher wird es gut sein, daran zu er- 
innern, dafs in diesem Buche ein sehr reicher Schatz von teilweise 
neuen urkundlichen Nachrichten über Kunst und Künstler der deut- 
schen Frührenaissance dargeboten wird, der allen auf diesem Gebiete 
Arbeitenden willkommen sein mufs. 

Der Verfasser hat die archivalischen Studien Guilitts in extenso 
verwertet, aber dieses Material durch die Publikation der sämtlichen 
Amtsrechnungen und der Korrespondenz des Kurfürsten Friedrich 
im Weimarer Staatsarchive und durch die Kämmereirechnungen zu 
Wittenberg nicht unwesentlich erweitert. Er hätte schon des Dankes 
der Fachgenossen gewifs sein können, wenn er sich darauf beschränkt 
hätte, blofs diese Urkunden mit Anmerkungen zu publizieren, aber 
er hat auch gleich den weiteren Schritt getan, im ersten Teile seines 
Werkes auf Grund dieser Urkunden ein Lebensbild Friedrichs des 
Weisen als Förderers der Kunst seiner Zeit zu zeichnen. Man wird 
in diesem Teile, besonders in den allgemein gehaltenen Einleitungen 
der Kapitel, die Kunst der Darstellung und die letzte Ausfeilung 
bisweilen vermissen, aber im ganzen gewinnt man ein um viele neue 
Züge bereichertes Bild der imponierenden Herrschergestalt Friedrichs, 
der auch auf dem Gebiete der Kunst von keinem deutschen Fürsten 
seiner Zeit an Eifer und Geschmack und vielseitiger, bedeutsamer 
Wirksamkeit erreicht wurde. Kaum ein Jahr seiner langen Re- 
gierung ist frei von umfänglichen Neu- und Erweiterungsbauten von 
Kirchen und Schlössern in den verschiedenen Städten seines Landes. 
Neben und nach den Baukünstlern und Bauhandwerkem werden 
zahlreiche Bildhauer und Maler für die Innenausstattung der neuen 
Gebäude in Tätigkeit gesetzt. Die hervorragende Höhe von Friedrichs 
Kunstpflege spricht sich deutlich darin aus, dafs er eine lange Reihe 
der besten deutschen Künstler seiner Zeit beschäftigte, vor allen 
als einziger deutscher Fürst Albrecht Dürer 30 Jahre hindurch mit 
Aufträgen auszeichnete, Jacopo de Barbari und Lucas Cranach d. ä. 
als Hofmaler hatte und Künstler wie Wolgemut, Hans Burgkmair, 
'J'ilmann Kiemenschneider, Peter Vischer d. ä., Konrad Meit, Adriano 
Fiorentino zu bedeutenden Aufgaben heranzog. Eine besondere 
Liebhaberei Friedrichs, die geradezu in riesenhaftem Umfange be- 
triebene Sammlung von Reliquien in kostbaren Gehäusen, brachte 
der deutschen Goldschmiedekunst beachtenswerte Anregung. 

Der Verfasser schildert zuerst den Kurfürsten als Bauherrn 
und bringt neue Nachweise über den Hof baumeister Konrad Pflüger, 
einen unter dem Einflüsse von Arnold von Westfalen geschulten, 
sehr tüchtigen Architekten und Bildhauer, der besonders in Wittenberg 



Literatur. 



147 



am Schlosse und am Kollegium seine auf einfache, wuchtige Wir- 
kurgen ausgehende Kunst übte. Uno;ewöhnlich ausgiebig im Detail 
erweisen sich die in musterhafter Ordnung erhaltenen Rechnungs- 
l:)iicher über den Bau des Schlosses Hartenfels in Torgau, wo über 
jeden Schlüssel und jede Treppenstufe die Kosten verbucht sind. 

Das zweite Kapitel behandelt die Plastik unter Friedrich und 
bringt über die Arbeiten berühmter und auch neu auftauchender 
Bildhauer und Schnitzer willkommene Detailforschungen. So z. B. 
über das schöne holzgeschnitzte Chorgestühl in der Altenburger 
Schlofskirche, 1503 und 1516 datiert und mit den Verfertigernamen 
Nicolaus, Johannes und Ambrosius beide von Eilenburg, Heinrich 
Geins und Joachim B. bezeichnet ; ferner über die Grabplatten Peter 
Vischers in Meifsen und Torgau, über die Bronzebüste Friedrichs 
(im Albertinum) von Adriano Fiorentino (S. 100 oben 1448 ein Druck- 
fehler für 1488) und über die Medaillen Friedrichs. Auch über ver- 
loren gegangene wichtige Werke wie den Kruzifixus von Tilmann 
Riemenschneider und über die von Dr. Scheurl 1511 so hochgerühmte 
Doppelmadonna Konrad Meits wird eingehend gehandelt. 

Auch das dritte Kapitel, das der Malerei unter Friedrich ge- 
widmet ist, enthält interessante Notizen über bekannte und wenig 
bekannte Maler, wenn sich auch das Urkundenmaterial hier vielfach 
zu lückenhaft und wortkarg erweist. — Offenbar wandte der Kurfürst 
der Malerei bes^ondere Aufmerksamkeit zu vmd zog neben seinen 
Hofmalern hervorragende auswärtige Künstler zu bedeutenden Auf- 
trägen heran. Die Altäre, die M. Wolgemut (1503) und Hans Burgk- 
mair (1506) lieferten, sind leider verschollen, aber vielleicht sind in 
den Illustrationen einer von Spalatin verfafsten Chronik im Weimarer 
Staatsarchive Entwürfe von Burgkmair erhalten, worauf Brück hin- 
weist. Neu und interessant ist auch des Verfassers Vermutung, 
dafs Hans von Speier, der 1496 im x^uftrage des Kurfürsten ein 
Gewölbe in der Paulinerkirche in Leipzig ausm.alte, auch die Wand- 
gemälde im Kreuzgange daselbst schuf, die Gurlitt dem Niederländer 
Jhan zuschrieb. Dafs dieser Jhan, Hofmaler von 1491—95, mit Jan 
Mabuse identisch sei, sucht auch Brück eingehend nachzuweisen, 
aber meines Erachtens nicht mit dem vollen Erfolg der Evidenz. — Die 
zahlreichen urkundlichen Erwähnungen Dürers in Beziehung zum 
Kurfürsten werden hier noch einmal übersichtlich zusamraengefafst; 
sie reichen von 1494/95 — 1524 und erfahren nur auffälliger Weise von 
1509—1520 eine Unterbrechung. Diese läfst aber eher auf eine Lücke 
in der Überlieferung als auf eine wirkliche Unterbrechung der 
Beziehungen schliefsen. — Über Jacopo de ßarbari, der 1503— 1505 
Hofmaler Friedrichs war, wird mancherlei Neues beigebracht, freilich 
orientieren die Urkunden genauer über die Kosten seines Haushaltes 
als über die Art seiner Arbeiten; aber man erfährt doch mit Interesse, 
dafs er unter zahlreichen Gästen am 10.— 17. August 1504 auch Dürer 
und sein Weib in Wittenberg bewirtete. — Über L. Cranach, der 
1505 sein Hofrnaleramt antrat, fafst sich der Verfasser, offenbar im 
Hinblick auf die reichliche Cranach -Literatur der letzten Jahre, recht 
kurz. Wie viel Wichtiges aber auch hier noch für weitere Forschung 
übrig gelassen ist, lehrte kürzUch das Auftauchen des Triptychons 
von 1509 mit den Porträts Friedrichs und seiner Familie. Sehr 
dankenswert wieder ist die kleine Studie über den bisher wenig 
bekannten Nürnberger Illuminator Jacob Eisner, den geschickten 
und humorvollen Illustrator des „Gänsebuches" in der Lorenzkirche 
zu Nürnberg, von dem der Verlasser auch zwei für Friedrich den 

Neues Archiv f. S. G. u. A, XXVIII. i. 2. lO 



1^8 Literatur. 

Weisen 1507 illuminierte Perikopen in der Universitätsbibliothek in 
Jena und noch mehrere andere Arbeiten, darunter auch Porträts, 
nachweist. — Zum Schlüsse noch eins: die warme Begeisterung des 
Verfassers für seinen Stoff hat ihn verführt, Wittenberg als die Wiege 
der deutschen Renaissance und das Jahr 1504 als das Geburtsjahr 
derselben zu erklären. Das ist nun inzwischen von B. Daun (Kunst- 
chronik XVI, 151) zu gunsten Nünbergs berichtigt worden. 

Leipzig. Felix Becker. 

Die Haltung Kursachsens im Streite um die unmittelbare Reichs- 
ritterscliaft in den Jahren 1803 — 1806. Von Crottliold Weicker. 

(Bibliothek der sächsischen Geschichte und Landeskunde, heraus- 
gegeben von Gustav Buchholz. I. Band, 2. Heft). Leipzig, S. Hirzel. 
1906. HO SS. 8«. 

Trotz der die Rechte der Reichsritterschaft wahrenden sal- 
vatorischen Klausel, die Kaiser Franz IL seiner Bestätigung des 
Reichsdeputations - Hauptschlusses zugefügt hatte, mediatisierte 
Baiern am 9. Oktober 1803 die in seinen Ländern wohnenden Reichs- 
ntter, und alle Reichsstände, die in gleicher Lage waren, folgten 
dem Beispiel. Sachsen mifsbilligte den groben Rechtsbruch, stimmte 
aber trotzdem zu, als Preufsen vorschlug, die Sache dem Reichstag 
zur Entscheidung zu unterbreiten. Da wurde es durch kaiserliches 
Konservatorium nebst dem Erzkanzler, Österreich und Baden be- 
auftragt, die Rechte der Reichsritter gegen ihre Widersacher zu 
wahren, im Notfall „mit gewaft'neter Hand". Darob grofse Be- 
stürzung in Dresden, die jedoch nachliefs, als sich Baiern durch ein 
„Paritionsschreiben" dem Kaiser unterwarf. Obschon es den Worten 
die Tat nicht folgen liefs und die meisten übrigen Stände überhaupt 
nichts dergleichen taten, vielmehr die Vergewaltigung der Ritter- 
schaft weiter ging und daher am 26. März 1805 der Reichshofrat 
noch ein rescriptum excitatorium ergehen liefs, liefsen es die „Konser- 
vatoren" bei einigen höchst schwächlichen Monitorien an die fre- 
velnden Reichsstände, die weder sie selbst noch die Betroffenen 
ernst nahmen, bewenden ; nur von dem durch kaiserlichen Befehl 
ihm übertragenen Amte förmlich zurückzutreten, wie Frankreich 
April 1804 verlangt hatte, lehnte Friedrich August III. ab. Infolge 
Ausbruchs des Kriegs von 1805 verlief die Rechtsaktion im Sande, 
und die Reichsritterschaft als solche war verloren. — Sachsens 
Politik bestimmt das Bestreben, die Reichskonstitution nicht formell 
zu verletzen und doch Sachsens Interesse nicht durch Trennung von 
Preufsens Politik zu schädigen, den Reichsrittern womöglich zu 
nützen, aber dabei ja bei keiner Macht anzustofsen und selbst am 
liebsten ganz aus dem Spiele zu bleiben, endlich auch der Wunsch, 
dafs durch den Streit nicht der Einflufs des Auslandes wieder ver- 
stärkt werde. Die Art, wie es sich zwischen diesen entgegen- 
gesetzten Motiven hindurchwindet, ist für seine damalige Hilflosig- 
keit symptomatisch. Hierin liegt die Bedeutung der zumeist auf 
Akten des Dresdener Hauptstaatsarchivs beruhenden, gut ge- 
schriebenen Arbeit. Da indessen jene Einsicht sowohl an und für 
sich wie speziell inbezug auf Kursachsen nicht neu ist, darf man 
immerhin tragen, ob die Angelegenheit eine so eingehende mono- 
graphische Behandlung verdiente. 

Kiel. Fritz Friedrich. 



Literatul". 149 

Codex diplomaticus Lusatiae superioris II, enthaltend Urkunden 
des Oberlausitzer Hussitenkrieges und der gleichzeitigen die Sechs- 
lande angehenden Fehden. Im Auftrage der Oberlausitzischen 
Gesellschaft der Wissenschaften gesammelt und herausgegeben von 
Prof. Dr. Richard Jecht. II. Bd., umfassend die Jahre 1429— 1437 und 
einen Anhang. Görlitz, H.Tzschaschel. 1900— 1904. IV, 851 SS 8'^. 
Die Besprechung des I. Bandes hat Knothe in dieser Zeitschrift 
(XVIII, XIX, XXI) geliefert; die des IL Bandes, der ihm selbst zu 
seinem 80. Geburtstag gewidmet wurde, zu geben,' verhinderte ihn 
der Tod im Februar 1903. In vier Jahresheften hat Jecht seine Auf- 
gabe zu Ende geführt und darin einen neuen Beweis seines uner- 
müdhchen Fleifses und zugleich seiner strengen, wissenschaftlichen 
Selbstzucht gegeben, die sich nicht in Kleinigkeiten verliert, sondern 
das Hauptziel, die Fertigstellung des Ganzen, im Auge behält, ohne 
es dabei an Gewissenhaftigkeit im einzelnen fehlen zu lassen. 

Der Hauptanteil entfällt wieder auf die Görlitzer Stadtrech- 
nungen. Ihre Eigenart besteht darin, dafs sie nicht blofs die Aus- 
gabe und in oft ungenügender Kürze den Zweck, sondern mit ziem- 
licher Ausführlichkeit den Sachverhalt angeben, z. B. (S. i) nicht blofs 
„einem boten, der die brieft'e von der Sittaw brochte", sondern dazu 
„als von Fultsch wegin, ob sie der stad wolden helffen obir in, 
3 gr.", also gleich ein Regest des Briefes selbst, oder „Mathis Gey- 
zeler und Pauel Rinkengisser gen der Lobaw zu landen und steten 
das gewerb inzubrengin, als Mathis Geyzeler und her Hannus von 
Hoberg zu den fursten in die Slezie und landen und steten doselbist 
zogen umb die einunge mit in obir die keczer, und von hern Dupczken 
und Mikusch Panczir wegin und andir merliche gescheute, do sie 
obir nacht habin must dobleibin, i mr. minus 4 gr.". Diese Zu- 
sätze Hefern wertvollstes, rein geschichtliches Material, das um 
so beachtenswerter ist, als durch die wöchentlichen Eintragungen 
sich der Zeitpunkt der Ausgaben bez. ihres Anlasses mit ziemlicher 
Bestimmtheit feststellen läfst. Den Rechnungen reihen sich in bunter 
Menge Urkunden und Briefe, Berichte, Zeugen- oder Gefangenenaus- 
sagen usw. an, wobei Jecht mehrfach auf den vollen Abdruck selbst 
interessanter Stücke, die schon anderwärts genügend veröffentlicht 
waren, verzichtet hat, um den Umfang nicht zu sehr anschwellen 
zu lassen. 

Natürlich liegt das Hauptgewicht auf den Hussitenkriegen der 
Oberlausitz; daneben sind aber auch die Hussitenkämpfe der Meifsner, 
Niederlausitzer, Schlesier u. a. mit bedacht. Wie schon der Unter- 
titel andeutet, ist damit jedoch der reiche Inhalt nicht erschöpft, 
sondern Jecht hat zugleich alle wichtigeren, sonstigen kriegerischen 
und politischen Vorgänge in der Oberlausitz selbst oder an denen 
sie beteiligt war, berücksichtigt. Eine grofse Rolle spielen da die 
inneren Fehden, einerseits des Adels unter sich, wie die des Burg- 
grafen Wentsch von Dohna zu Grafenstein mit Gotsche Schaff zu 
Greifenstein 1429, des Ulrich von Biber stein zu Friedland mit Gotsche 
Schaff 1434, des Ulrich von Biberstein mit Thimo von Kolditz, dem 
Verweser der Oberlausitz, 1431 — 1433, des Ulrich von Biberstein mit 
Dietrich von Klüx 1433, andererseits der Städte mit dem Adel, so 
Zittaus mit Gotsche Schaff 1432, mit Ulrich von Biberstein 1433, 
Bautzens mit dem Burggrafen Heinrich von Meifsen, Herrn zu Plauen, 
1432, mit Gotsche Schaft' 1434, Görlitz' mit dem Burggrafen Heinrich 
von Meifsen 1432, mit dem Burggrafen Wentsch von Dohna 1432, 
mit Georg von Redem 1433, mit Heinrich Wildenstein 1433 u a. 

10* 



150 



Literatur. 



Wir bekommen besser, als aus allen bisherigen Quellen, ein 
Bild von den unheilvollen Wirkungen, die der jahrelang fortdauernde 
Zustand drohender äufserer Gefahren und innerer Unsicherheit her- 
vorrief. Zur Hussitennot gesellt sich der innere Zwiespalt, Fehden 
im Lande, ständige Sorge vor _,Verrätern und Brandstiftern inner- 
halb der Mauern, Angst vor Überfällen auf der Landstrafse mit 
Raub und Mord u. dgl. Die allerdings nicht immer ganz zuver- 
lässigen, weil erprefsten Geständnisse der Gefangenen lassen einen 
erschreckenden Einblick tun in die Verkommenheit besonders auch 
des kleineren Landadels, von dem zahlreiche MitgUeder im Verein 
mit ehrlosen Gesellen aus dem Bürger- und Bauernstande und mit 
fremden Landstreichern zu jeder Nichtswürdigkeit fähig waren; 
Knothe hätte hier für den Abschnitt über die sittlichen Zustände in 
seiner Geschichte des Oberlausitzer Adels (S. 103 f.) eine unerschöpf- 
liche Menge weiterer Belege finden können. 

Die wirtschaftlichen Schäden zeigen sich in der üblen Lage 
des Geldmarktes; die Zahlungen stocken, die Zinsen können nicht 
bezahlt werden; so hat Görlitz selbst, obwohl die reichste und 
mächtigste Stadt des Landes, wiederholt Mühe, sich der unange- 
nehmen Mahnungen und, wenn es geistliche Gläubiger sind, der 
drohenden geistlichen Strafen zu erwehren; Fürsten, der Kaiser selbst, 
der Papst und das Basler Konzil treten zu Gunsten der Stadt ein, 
damit sie Gestundung erlangt, weil ihre und ihrer Bürger Finanzen 
durch die grofsen Aufwendungen gegen die Ketzer erschöpft sind 
(so z.B. S. 409, 461, 463, 467, 47I) 477> 489» 493, 49^, S46f. u. a.). 

Über Klemigkeiten zu mäkeln, erscheint bei einer solchen Arbeit 
unangemessen; nur ein Punkt, die Wiedergabe zweifelhafter Buch- 
staben der Vorlage, sei hier zur Sprache gebracht. Wenn S. 468 
„senatus Strigoniensis" in der Vorlage (noch dazu einer Abschrift) 
dastehen soll und darunter der Rat von Striegau zu verstehen ist, 
wäre es bei der häutigen graphischen Gleichheit von u und n, die 
im 14. und 15. Jahrhundert oft absolut nicht zu unterscheiden sind, 
besser, in den Text das u einzusetzen, also ,,Strigoviensis" („Stri- 
goniensis" bezöge sich auf Gran in Ungarn == .,Strigonium"), S. 150 
(und 832) wäre ebenso, bei der Schwierigkeit der Scheidung zwischen 
c und t, in den Text, da Starzeddel zu verstehen ist, „Storcadel"' 
(nicht ,,Scorcadel") einzusetzen gewesen. — Unter den undatierbaren 
Stücken läfst sich Nr. 10 (S. 705) auf die Zeit bis spätestens 2. De- 
zember 1422 festlegen, da die drei Wettiner (von denen Wilhelm II. 
am 30. März 1425 starb) sich noch blofs Landgrafen von Thüringen 
und Markgrafen von Meifsen nennen, ohne den herzoglichen Titel 
von Sachsen, den sie seit Januar 1423 führen; da auch der als Haupt- 
mann zu Bautzen genannte Portzman von Gersdorf in diese Zeit 
gehört (I, 135 wird er zum März 1423 genannt) und der Friede, der 
als gebrochen bezeichnet wird, jedenfalls der vom 22. Juli 1421 ist 
(s. I 55!.), so bleiben als Daten des Briefes Nr. 10 nur der 26. No- 
vember 1421 oder der 2. Dezember 1422 übrig. 

Das Register, das 5. Heft von 104 Seiten bildend und den 
L und II. Band des Codex umfassend, mit seiner Fülle von Orts- 
und Personennamen, war eine grofse und schwierige Arbeit; 
E. A. Seeliger hat sie in lleiisiger und sorgsamer Weise ausgeführt. 
Wenn unter den Vorbemerkungen gesagt ist, die Sechsstädte als 
Ausgangspunkte und Ziele einfacher Botengänge seien nicht re- 
gistriert, so erscheint dies zunächst als mangelhaft; sieht man aber 
näher zu, so begreift und billigt man diese Beschränkung: umfafst 



Literatur. I c; i 

doch z. B. Zittau ganze zwei doppelspaltio;e Seiten lediglich voller 
Zahlen fnach oberflächlicher Zählung etwa iioo Zitate!), Bautzen und 
Löbau je fast i ^ , Seiten, Görlitz volle 7 Seiten. 

Dieser II. Band des Urkundenbuchs ist ein Werk, für das der 
Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, dem Herausgeber 
und dem Registerbearbeiter nicht nur die Geschichtsforschung der 
Oberlausitz den wärmsten Dank schuldet, sondern in vollem Mafse 
auch die Historiker sämtlicher vier Nachbarlande Meifsen- Sachsen, 
Niederlausitz, Schlesien und Böhmen. Jechts zwei Codexbände 
bringen im Bunde mit Grünhagens Geschichtsquellen der Hussiten- 
kriege (Script, rer. Siles. VI), Palackys Urkundlichen Beiträgen zur 
Geschichte des Hussitenkrieges und Höflers Geschichtsschreibern 
der hussitischen Bewegung (wozu noch einzelnes in den Script, rer. 
Lusat. und den Deutschen Reichstagsakten kommt) das überhaupt 
noch vorhandene Ouellenmaterial für diese zwei Jahrzehnte in solcher 
Vollständigkeit, wie es im östlichen Mitteldeutschland für keinen 
andern Zeitabschnitt sonst der Fall ist Die einzige gröfsere, noch 
ausstehende Bereicherung dürfte nur noch aus der Niederlausitz zu 
erwarten sein, wo für diese Zeit aufser den Urkunden auch Lübbener 
Stadtrechnungen vorliegen, die im Urkundenbuch der Stadt Lübben 
mit herausgegeben werden sollen. 

Dresden. W. Lippert. 

Diploinatarinni Joachimsteineiise. Die Urkunden der zur Herrschaft 
des freien weltadeligen evangelischen Fräuleinstifts Joachimstein 
gehörigen Rittergüter Radmeritz, Niecha, Markersdorf, Nieder- 
Linda, Tauchritz, Maltitz mit Tettichen, Küpper, sowie des Ritter- 
gutes Nieder-Leuba in Regesten bearbeitet und mit einer Geschichte 
der älteren Ortsherrschaften von Radmeritz und des Stiftes ein- 
geleitet von Pastor Richard Döhler. Erweiterte Sonderausgabe 
aus dem Neuen Lausitzischen Magazin LXXXI. Görlitz, 
H. Tzschaschel. 1905. 222 SS. (i — 192, 1^2^ — ^, 193 — 217.) 8". 
Mit I Abbildungstafel. 

Ganz anderer Art als die oben besprochene Publikation Jechts 
ist die Döhlers. Zunächst ist man bei dem Titel überrascht, dafs 
ein Urkundenbuch eines Stiftes gegeben werden soll, das erst im 
18. Jahrhundert gegründet worden ist. Das Bedenken wird aber bei 
näherer Berücksichtigung des Inhalts beseitigt, wie ihn schon der 
sehr ausführliche, etwas an die Titelungeheuer des 17. und 18. Jahr- 
hunderts gemahnende Untertitel zum Ausdruck bringt. Es handelt 
sich nicht um das Urkundenbuch des Fräuleinstiftes im engeren 
Sinne, sondern um die LTrkundensammlun^ des Stiftsortes Radmeritz 
selbst und aller zur Stiftsherrschaft gehörigen Güter, und zwar geht 
Döhler hierbei bis zu den ältesten Zeiten zurück. Aus seiner früheren 
Arbeit über Marienthal (Diplomatarium Vallis S. Mariae, besprochen 
von Knothe in dieser Zeitschrift XXIII, 346 f.) ist schon die Sorgfalt 
Vjekannt, mit der er arbeitet, wobei er sich in anerkennenswerter 
Weise auch in den historischen Neben- und Hilfsdisziplinen ge- 
nügend umgetan hat, um auch sie bei seinen Arbeiten mit berück- 
sichtigen zu können. 

Den Regesten ist eine eingehende Geschichte der Ortsherr- 
schaften von Radmeritz vorausgeschickt, die aber auch das wesent- 
lichste der Geschichte des Ortes selbst mit bietet, sowie seit dem 
Jahre 1722 die äufsere Geschichte des Stiftes Joachimstein, das 



152 



Literatur. 



Gründung, Dotierung und Namen dem kursächsischen Kammerherrn 
Joachim Sigismund von Ziegler und Klipphausen verdankt. Den 
aarstellende'n Teil schliefsen Listen der Stiftsverweser, Stiftshof- 
meisterinnen und Stiftsdamen von 1728—1905. Die Regesten reichen 
von 1380— 1843; sie sind so genau und ausführlich, dafs sie in der 
Tat den vollen Textdruck überflüssig machen, zumal stets die Orts- 
und Personennamen, der ganze Schlufsabschnitt mit den Zeugen-, 
Besiegelungs- und Datierungsangaben und aufserdem auch aus dem 
Texte selbst bemerkenswerte Worte oder Sätze in der originalen 
Fassung gegeben sind. Ein aufserordentlicher Fleifs steckt in den 
Anmerkungen, in die manchmal so viel urkundliches Material hinein- 
gearbeitet ist, um einen ganzen lokalgeschichtiichen Aufsatz daraus 
zu machen. Noch mehr gilt dies für die Exkurse über die einzelnen 
Ortschaften, die sich zu einer in knappster Form gegebenen Zu- 
sammenstellung des Quellenstoffes über den Gegenstand ausgestalten, 
so für Tauchritz (S. 65^, 86f., gof., 173!), Lomnitz (78f.), Xiecha 
(81 f.), Bora und Trattlau (97!), Linda (io3f.), Küpper (iiof.), .Markers- 
dorf(i44f.), Maltitz mit Tettichen und Thräna (183!). Die Übersicht 
der handschriftlichen Quellen zeigt, welche Fülle von Material dem 
Verfasser durch die Hände gegangen ist; neben dem Stiftsarchiv 
Joachimstein selbst, dem Hauptstaatsarchiv Dresden, dem Görlitzer 
Ratsarchiv, der Milichschen Bibliothek, der Bibliothek und dem 
Archiv der Oberlausitzischen Gesellschaft zu Görlitz sind es noch 
zahlreiche Pfarr-, Gemeinde- und Gutsarchive und andere Samm- 
lungen, die Ausbeute lieferten. Daran schliefst sich (wenigstens in 
der Sonderausgabe, im Magazin fehlt dieser Abschnitt) die Auf- 
zählung der Literatur, die mir aber einerseits etwas zu weit ge- 
steckte Grenzen zu haben scheint, denn manche Schriften, die ein 
einziges Mal benutzt sind, genügte es, an ihrem Orte zu zitieren, 
andrerseits — falls eine vollständige Bibliographie geboten werden 
sollte — teilweise zu knapp gefafst ist, da die Buchtitel oft verkürzt 
werden, die Druckorte mehrfach weggelassen sind u. dergl. Das 
Register der Orts- und Personennamen, das bei der Masse von 
Namen keine leichte Arbeit war, hat Pastor W. Krüner in Küpper 
in befriedigender Weise gefertigt. 

Bekanntlich soll der Codex diplomaticus Saxoniae regiae einen 
dritten Hauptteil erhalten mit der Urkundensammlung für die kleinen 
Städte, die Dörfer und Geschlechter. Wann dieser Teil ins Leben 
treten wird, ist unsicher; einzelne in seinen Bereich fallende Auf- 
gaben sind ihm bereits abgenommen worden, so das Lehnbuch 
Friedrichs des Strengen, das gut als allgemeiner Einleitungsband 
dieser Serie gepafst hätte; aber auch solche sorgsame, genügend 
ausführliche Zusammenstellungen des urkundlichen Materials, wie sie 
für die oben genannten Orte Döhler bringt, sind recht wohl ge- 
eignet, als Ersatz für die ausstehenden Dorfurkundenbücher des 
dritten Hauptteils des Codex zu dienen. 

Dresden. W. Lippert. 

Die Bargen und vorgeschichtlichen »ohnstätten der Sächsischen 
Schweiz. Im Auftrage des Gebirgsvereins für die Sächsische 
Schweiz herausgegeben von Dr. Alfred Meiche. Mit 79 originalen 
oder seltenen Bildern, Grundrifszeichnungen und Karten. Dresden, 
Wilhelm Baensch, Verlagshandlung. 1907. XII, 350 SS. 8". 

Die grofsen Verdienste, die sich der Gebirgsverein für die Säch- 
sische Schweiz seit seiner Begründung im Jahre 1877 um die Er- 



Literatur. 153 

schliefsung seines Gebiets für die Naturfreunde von nah und fern 
erworben hat, hegen vor aller Augen. Weniger bekannt ist es, dafs 
er sich von vornherein auch die wissenschaftliche und namentlich 
die geschichtliche Erforschung des Eibsandsteingebirges zur Aufgabe 
gemacht hat. Altmeister Rüge, der als Geograph und Geschichts- 
forscher gleich bedeutende einstige Leiter des Vereins, hat in den 
Jahren 1882, 1885 und 1887 Jahrbücher herausgegeben, die eine Reihe 
vortrefflicher Aufsätze zur Geschichte der Sächsischen Schweiz ent- 
hielten. Seitdem war es nur das Organ des Vereins, die Monats- 
schrift „Über Berg und Tal", die gelegentlich kleinere historische 
Beiträge brachte, unter denen man neben Minderwertigem doch auch 
manches recht Brauchbare findet, namentlich in den letzten Jahr- 
gängen, seitdem A.Meiche die Redaktion übernommen hat. Dr.Meiche, 
der derzeitige Vorsitzende des Vereins, ist es wohl auch, dem die 
Anregung zum vorliegenden Werke in erster Linie zu danken ist. 
In Verbindung mit einer Anzahl von Mitgliedern und Freunden des 
Vereins, die teilweise längst sich als Kenner und Forscher auf diesem 
Spezialgebiete bewährt haben, hat er in verhältnismäfsig kurzer Zeit 
ein Werk zu stände gebracht, auf das der Verem stolz sein kann 
und das auch über seine Kreise hinaus hochwillkommen zu heifsen 
ist, weil es eine empfindliche Lücke unserer landesgeschichtlichen 
Literatur ausfüllt oder richtiger auszufüllen anfängt: denn wir würden 
uns besondes freuen, wenn das Werk der Vorläufer würde einer 
Geschichte der sächsischen Burgen, die wir oft schmerzlich vermifst 
haben; das unkritische Buch von C. von Metzsch kann nicht dafür 
gelten! Zu einem solchen Werk müfsten sich Historiker und Archi- 
tekten verbinden. In dem vorliegenden Buche steht die geschicht- 
liche Forschung allerdings im Vordergrunde, und das ist begreif lieh, 
da der gröfsere Teil der hier zu behandelnden Burgen nur so geringe 
Reste aufzuweisen hat, dafs der Architekt nicht viel damit anfangen 
kann, wenn man nicht etwa den vom Herausgeber empfohlenen kührien 
Versuch wagen will, an der Hand der aufgefundenen Spuren eine 
dieser zumeist wohl aus Holz ausgeführten Burgen wieder aufzu- 
bauen — ein Versuch, dessen Gelingen immerhin recht zweifelhaft 
ist. Wo die besprochenen Burgen heute noch stehen, bieten sie dem 
Beschauer ein vom ursprünglichen so wesentlich verschiedenes Bild, 
dafs es schwer ist, Rückschlüsse auf den einstigen Zustand zu machen ; 
doch haben in diesen Fällen die Bearbeiter auch die Baugeschichte 
behandelt, soweit es die Quellen gestatten, und zu den Ausführungen 
Steches im ersten (und darum unvollkommensten) Hefte der Be- 
schreibenden Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler Sachsens 
manchen Nachtrag gebracht. Aber in erster Linie haben sie sich 
doch weniger die Baugeschichte, als die eigentliche Geschichte der 
Burgen und ihrer Besitzer zur Aufgabe gemacht, und diese Aufgabe 
haben sie in erfreulicher Weise gelöst; vor allem ist anzuerkennen, 
dafs sie sich durchweg auf den zuverlässigen Boden archivalischer 
Forschung gestellt haben und nur selten ein Mifsverständnis verrät, 
dafs einer oder andere auf diesem Boden sich nicht ganz sicher 
fühlt. Das Werk gibt über die nächsten Zwecke hinaus die wert- 
vollsten Aufschlüsse über die der Forschung noch so bedürftige Ge- 
schichte unseres späteren Mittelalters. Denn wenn uns auch Ludwig 
Schmidt in seinem mit erschöpfender Kenntnis der Literatur ge- 
schriebenen, einleitenden Aufsatze, „Zur Geschichte der Sächsischen 
Schweiz" bis ins 10. Jahrhundert führt, ja Joh. Deichmüller auf dem 
Pfaftenstein eine vorgeschichtliche Anlage schildert, die noch zwti 



je 4. Literatur. 

Jahrtausende älter sein mag, so läfst sich die beglaubigte Geschichte 
"der meisten unserer Burgen doch nicht viel über das 14. Jahrhundert 
zurück verfolgen; nur wenige ältere Nachrichten haben die fleiisigen 
Bearbeiter der Burg Stolpen (O. Mörtzsch), des mit dem Felskegel, 
auf dem es einst stand, verschwundenen Schlosses Liebethal (Georg 
Pilk), der Feste Dohna (G.Schlauch), deren Grundrifs erst neuer- 
dings durch Ausgrabungen klargestellt werden konnte, beizubringen 
vermocht; ob die ältesten Reste der Burg Weesenstein (V. Hantzsch) 
wirklich ins 10. Jahrhundert zu setzen sind, scheint mir sehr zweifel- 
haft, weil die Technik des Steinbaues in__unsern Gegenden damals 
wohl noch sehr wenig entwickelt war. Über den Sonnenstein hat 
0. Speck, der bewährte Kenner der Geschichte Pirnas, eine lesens- 
werte Skizze geliefert, die seine Schicksale bis zu Ende des 17. Jahr- 
hunderts verfolgt, während G. Pilk den Königstein nur bis zur Ver- 
wandlung der "Burg in eine Festung (1589) behandelt. Mit dem 
Lilienstem, den ebenfalls Pilk bearbeitet hat, beginnt die Reihe jener 
Bergschlösser, deren Spuren heute mehr oder weniger verwischt 
sind, so dafs, da auch die urkundlichen Quellen sehr dürftig fliefsen, 
es der eingehendsten Lokalforschung bedurfte, um auch nur ihre 
Namen und ihre Stätten festzustellen. Nur Lohmen (Beruh. Störzner) 
und Hohnstein (Alwin Bergmann) bestehen noch heute und haben 
eine bis zur Gegenwart reichende Cieschichte, und von Wehlen und 
Käthen sind wenigstens einigermafsen umfangreiche Reste vorhanden; 
gerade diese beiden Burgen haben in Meiche und Dr. med. Herbert 
Beschorner besonders fleifsige und gewissenhafte Bearbeiter gefunden. 
Einen eigenen Reiz aber bieten der Forschung jene Felsennester der 
I lerrschafttn Hohnstein und Wildenstein, die fast völlig vom Erd- 
boden verschwunden sind; für sie vor allen hat das vorliegende Werk 
eine epochemachende Bedeutung und hier hegt das besondere Ver- 
dienst des Herausgebers, der durch die bis ins Einzelne gehenden topo- 
graphischen Forschungen die unzulängliche archivalische Überliefe- 
rung verständUch machte und ergänzte. Er gibt uns zunächst eine 
Übersicht über die sogenannten „Raubschlösser" jener Gegend, der 
eine trelTliche Wegekarte und die erst neuerdings aufgefundene 
(")dersche Karte der Sächsischen Schweiz beigegeben ist, und be- 
handelt dann die Burgstätten um den Hohnstein (Hockstein, Warten- 
berg, Mühlberg, Frindsberg, Schwarzberg =Gofsdorfer Ruine, Schön- 
berg = Schandauer Schlolsberg) und die meisten der Burgstätten um 
den Wildenstein (Frienslein = vorderes Raubschlofs, Reischenstein, 
Falkenstein, Rabenstein = Lorenzstein, Heienberg, Ral)enberg = 
Rauraberg, den aufserordentlich interessanten Anibtein, den Neid- 
berg = Sebnitzer Schlofsberg). Der Wildenstein selbst, dessen alter 
guter Name hoffentlich bald" den Spottnamen Kuhstall verdrängen 
wird, hat Hans Beschorner zum Gegenstande einer scharfsinnigen 
Untersuchuns: gemacht, während den Winterstein (hinteres Raub- 
schlols) G. Pilk erschöpfend behandelt. Zahlreiche Abbildungen und 
namentlich treffliche Gnmdrisse (nach Aulnahmen von R. Mittelbach) 
erläutern di:se Ausführungen, die für ein bisher fast unbekanntes 
Gebiet der sächsischen Lokalgeschichte zuverlässige Grundlagen ge- 
währen. Olme Zweifel wird die Forschung auf diesen Grundlagen 
weiter bauen und noch manches neue Ergelmis liefern; hoffentlich legt 
davon bald eine zweite Auflage des Werkes Zeugnis ab. P'ür eine 
solche würde sich wenigstens die Aulnahme des Kuckucksteines em- 
pfehlen; Lauenstein und Bärenstein liegen schon weiter ab. Für die 
wissenschaftliche Benutzung des Buches würde ferner die Beifügung 



Literatur. 



^55 



eines Registers sehr zu wünschen sein; der Raum dafür Uefse 
sich leicht gewinnen, wenn die Redaktion den bei einem Werke 
so vieler Mitarbeiter unvermeidlichen Wiederholungen gegenüber 
den Rotstift walten liefse. — Dem Gebirgsverein und allen, die 
ihm bei der Herstellung des Werkes unterstützt haben, dem 
Herausgeber und seinen Mitarbeitern, auch der Verlagshandlung, 
die für trelfliche Ausstattung gesorgt hat, ihnen allen gebührt der 
wärraste Dank. 

Dresden. Er misch. 

Gfescliichte der Leipziger Wiiikelsclinleii. Nach archivalischen 
Quellen bearbeitet von C. F. Eduard Maiigner, Oberlehrer a. D. 
("Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs. Bd. VllL) 
Leipzig, Ferdinand Hirt & Sohn. 1906. VIII, 232 SS. 8". 

Durch die Veröft'entlichung des vorliegenden, von der Verlags- 
handlung gut ausgestatteten Bandes hat sich der Verein für die 
Geschichte Leipzigs ein Verdienst erworben. Von dem sachkundigen 
Verfasser wird hier eine Fülle neuen Stoffes dargeboten, dessen 
wissenschaftliche Verarbeitung sich nach den verschiedensten Seiten 
fruchtbar erweisen wird. Denn das Buch bietet Adel mehr, als der 
Titel in Aussicht stellt. Die Kulturgeschichte ist reich vertreten. 
Von jeher hat der verbummelte Studio, der es zu keinem Examen 
bringt, das Interesse erregt. Hier wird sein Bild in einer Menge 
von Figuren gezeichnet. Bei Johann Heinrich Sicul fragt man sich, 
in welchem Verhältnisse er zu dem bekannten Herausgeber des 
Leipziger Adrefskalenders bez. Adrefsbuches mit der Chronik steht. 
Aber viel wichtiger sind die Nachrichten, die über das Volksschul- 
wesen im weitesten Sinne geboten werden. Auf Grund urafänghcher 
Studien im Leipziger Ratsarchive und Dresdner Hauptstaatsarchive 
werden die verschiedensten Seiten beleuchtet, vor allem die Methode 
z. B. im iS. Jahrhundert. Peter von Hohenthal in seiner Bedeutung 
für die Hebung des Unterrichts tritt auch hier hervor. Seine Günst- 
linge zeichnen sich durch die „neue Methode" aus und führen andere 
in sie ein. Religionsunterricht spielt die Hauptrolle, aber auch andere 
Fächer treten deuthch heraus. Für den Rechenunterricht ergeben 
sich eine Menge kleiner Züge. Im 16. Jahrhundert hätte hier noch 
Isaac Ries, Sohn des Adam Ries, genannt werden können, der er- 
zählt, er habe sich „bei gemeiner Stadt etliche Jahr aufgehalten und 
die Jugend in Rechnen und Schreiben, soviel mir Gott Gnade ver- 
liehen, getreulich unterwiesen und exerzieret". Er berichtet dies 
in der Widmung seines Buches an den Leipziger Rat. Die Leipziger 
Stadtbibliothek hat es vor kurzem erworben. Der Titel lautet: Ein 
newes Nutzbar gerechnetes Rechenbuch auf allerlei Handtierung, 
nach dem Centner und Pfundt gewicht, alda der Centner für 
110 Pfundt gewürdiget, darinnen die Bezahlung in Einkauffen und 
Verkauffen, ohne sondere weitläuftige Rechnung gar behend zu 
linden: auch von allerlei Mafs, Ellen und Gewichtverkauff. Sampt 
mehr angehängten Tafeln auf die materialische Spezerei, neben Ver- 
gfleichung etlicher Müntz und Gewicht gerichtet. Desgleichen eine 
Wechselrechnung auf Müntz und Geldt etc. . Allen Kaufleuten, 
Händlern, Apoteckern, Schossern etc. und dem gemeinen Manne 
sehr dienstlich zu gebrauchen. Alles mit Fleils auf die Meifsnische 
Müntz und Währung gestellet und gerechnet durch Isaac Riesen, 
Bürger und Visierer zu Leipzig, vormals dergestalt in Druck nie 



1 



r6 Literatur. 



ausgegan2;en. Mit Churfürstlich Sächsischer Begnadung; und Freiheit 
in zehen Jahren nicht nachzudrucken. Anno 1580. Quart. 364 SS. 
— Von besonderem Interesse sind die Stunden- und Lehrpläne, z. B. 
S. 144 — 150, 182 — 185 und sonst, die Notizen über die gebrauchten 
Schulbücher, die Angaben über die Häuser und Strafsen, in denen 
Schule gehalten wurde; die Mädchenschulen sind mit vielen Notizen 
erwähnt, dabei auch Namen der Lehrerinnen und Berichte über die 
weiblichen Handarbeiten. Als erste urkundlich festgestellte Lehrerin 
Leipzigs tritt im Jahre 1592 Lucia Mihrmin auf, die „nur ettliche 
Jahr" Schule gehalten hat, vorher aber „be}- Churfürst Moritzen 
hochlöblichen Ehegemahll, beider christlichen Gedechtnufs, bis an 
L Churf. g. seliges absterben gedienet und aufgewartet". Dergleichen 
Miniaturbilder linden sich häufig. Auf die Soldatenschulen sei noch 
besonders hingewiesen. 

Leipzig. Georg Müller. 

Das Dresduer Yolksschubvesen im 18. Jahrhundert. Nach den 
Quellen des Dresdner Ratsarchives bearbeitet von Paul Schulze, 
Schuldirektor in Dresden. Dresden, O. & R. Becker. 1906. VIU, 
91 SS. 8«. 

Verfasser hatte bereits in der Festgabe für Franz Wilhelm 
Kockel Löschers Verdienste um das Dresdner Volksschulwesen be- 
handelt (vgl. XXn, 210 dieser Zeitschrift). Im vorliegenden 
Hefte bietet er weitere Beiträge in einem erweiterten Vortrage, den 
er im Verein für Geschichte Dresdens gehalten hat. Wertvolle Mit- 
teilungen macht er über die äufsere und innere Organisation der 
Armenschulen, sowie über die sonstigen Ansätze zu Volksschulen, 
die von der Stadt, der Polizei, der Garnison und einzelnen Privat- 
personen ausgehen: Ehrlichs Stiftung, die im 19. Jahrhundert einen 
nie geahnten Aufschwung genommen hat, sei besonders erwähnt. 
Eine Reihe kleiner Züge sind bemerkenswert, so die Ausführung 
über den schroffen Gegensatz, der zwischen den gesetzlichen Be- 
stimmungen und der Wirklichkeit bestand. Die Aufsicht z. B. war 
genau vorgeschrieben, aber immer von neuem ertönen die Klagen 
über die Vernachlässigung dieser Bestimmungen. So hebt Superinten- 
dent D, Tittmann noch 1820 hervor, dafs es mehr als je notwendig 
erscheine, die Privatschulen, Erziehungsanstalten und Armenschulen 
unter besondere Aufsicht zu stellen. Auch für die finanzielle Seite 
bringt Verfasser genaue Angaben: für die Löschersche Armenschule 
zahlte Reichsgraf Generalfeldmarschall Flemming 200, General- 
leutnant Graf von Wackerbarth 200 Gulden, Geheimer Kämmerer 
Steinhäuser 100 Tlr. u. a. m. Von den 10 Beilagen sei auf den Stun- 
denplan des Informators Johann Jakob Geilsler aus dem Jahre 181 1 
aufmerksam gemacht. 

Leipzig. Georg Müller. 



Literatur. i^y 

Übersicht 

über neuerdings erschienene Schriften und Aufsätze 

zur sächsischen Geschichte und Altertumskunde'). 

Von Viktor Hantzsch. 



B., A. Der protestantische Kirchenbau in Sachsen im 1 8. Jahrhundert: 
Dresdner Anzeiger. 1906. Nr. 241. S. 2 — 4; Nr. 243. S. zi. 

Bail, Arthur. Vom Rugegerichte. Zur Geschichte einer kleinen 
Stadt (Penig) im 16. Jahrhundert: Unsere Heimat VI (1906), i8f. 

Btam , Jacob N. Die ersten deutschen Übersetzungen englischer 
Lustspiele im 18. Jahrhundert. (Theatergeschichtliche Forschungen. 
Herausgegeben von Berthold Litzmann. XX.) Hamburg und 
Leipzig, Leopold Vofs. 1906. X, 96 SS. 8°. (S. 15 — 24: Die Leip- 
ziger Gruppe; S. 41 — 53: Die Dresdener Gruppe.) 

Jknndorf, Faul. Der alte Leipziger Johannis -Friedhof: Leipziger 
Kalender IV (1907), 149 — 162. 
„ Volkstümlicher Humor und andere Redensarten. Leipzig und 
Umgegend (sächsisches Niederland): Mitteilungen des Vereins 
f. Sachs. Volkskunde IV (1906), 143 f. 

Berbig, Georg. Spalatin und sein Verhältnis zu Martin Luther auf 
Grund ihres Briefwechsels bis zum Jahre 1525. (Quellen und Dar- 
stellungen aus der Geschichte des Reformationsjahrhunderts. 
Herausgegeben von Georg Berbig. Heft i.) Halle, C. Nietsch- 
mann. 1906. VI, 316 SS. 8*^. 
„ Die erste kursäclisische Visitation im Ortsland Franken. I.: Archiv 
für Reformationsgeschichte III (1906), 336 — 402. 

Beschorner, Hans. IJntergegangene Dörfer in Dresdens L'mgebung : 

Dresdner Anzeiger. 1906. Nr. 349. S. 7. 
„ V. Flurnamenbericht: Mitteilungen des Vereins f. sächs. Volks- 
kunde IV (1906), 95 — 97. 

Beschorner, Herbert. Bericht über die Ausgrabung der Cisterne auf 
dem Neurathen: Über Berg und Thal XXIX (1906), 80—82. Mit 
1 Grundrifs. 

Bdtelheim, Anton. Eine Charakteristik [Gustav] Kühnes von Berthold 
Auerbach: Die Nation XXIV (1906/07). Nr. 17. 

BfcutelJ, GfeorgJ. Stadtmuseum und Stadtgeschichte: Dresdner 
Anzeiger. 1906. Nr. 304. S. li. 

Blanclcmeister (Franz). Alte Leute im Erzgebirge: Kalender für 
das Erzgebirge und Vogtland. 1907. S. 45f. 
„ Schneeberger Vogelschiefsen in alter Zeit: ebenda S. 46—48. 

Bleibtreu, KarJ. Die Völkerschlacht bei Leipzig. Ein Gedenkbuch 
zu den Jahrestagen der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 
18. Oktober 1813. 4. völlig umgearbeitete und vermehrte Auflage, 
Leipzig, Theod. Thomas. 1907. 287 SS. 8". 



M Vgl. die Übersicht über neuere Erscheinungen zur Geschichte 
der Oberlausitz von R. Je cht im Neuen Lausitzischen Magazin 
LXXXII (1906), 272 — 280 und der Niederlausitz (auf 1905) in den 
Niederlausitzer Mitteilungen IX (1906), 446—454. 



i::8 Lit.ratur. 

Bhim, Hans. Die Deutsche Revolution 1848—1849. Mit 256 authen- 
tischen Faksimilebeilagen, Karikaturen, Porträts und Illustrationen. 
Jena, Eugen Diederichs. 1906. XIV, 488 SS. S« (S. ijöff.: Die 
"Märzbewegung im Königreich Sachsen; S. 393 ft'.: Der Maiaufstand 
in Dresden.) 

ß(<nhoff. Sächsische Stifter und Ordensniederlassungen einst und 
jetzt. Eine geographisch -historische Übersicht: Sächsisches 
Kirchen- und Schulblatt. 1907. Sp. 22 — 26. 38 — 41. 56 — 58. 87 — 91. 
(Forts, folgt.) 
„ Die Ephorie Annaberg. Eine kurze Betrachtung ihres Werde- 
ganges: Annaberger Wochenblatt. 1906. Nr. 253. 256. 259. 

V. Böse, Ernst. Die Entwicklung des Wappens der v. Böse: Der 
Deutsche Herold XXXVI (1905), 6—9. Mit 10 Abb. 

Briiclcner, Edmund. Die Glocken der Oberlausitz: Neues Lausitzisches 
Magazin LXXXII (1906), i — 222. 

V. Brunn, Kunz, gen. v. Kauffungen. Einige Bemerkungen über den 
Zusammenhang der Familien v. Konow, v. Brunn u. v. Kauffungen: 
Der Deutsche Herold XXXVI (1905), 135! 

Busch, W. Karl Peter Wilhelm Maurenbrecher: Allgemeine Deutsche 
Biographie LH (1906), 244—248. 

BuscJiick, B., und Hermann Ulbricht. Die Leipziger Tieflandsbucht. 
Mit 13 Abb., 2 Karten im Text, 3 Figuren, einer topographischen 
und einer orohydrographischen Karte. (Landschaftsbilder aus 
dem Königreiche Sachsen. Unter Mitwirkung bewährter Fach- 
leute herausgegeben von Em"'l Schöne."! Meifsen, H.W. Schlimpert. 
1906. 93 (3) SS. 8 0. 

Chmen, Otto. Die Einführung der Anatomie an der Leipziger Uni- 
versität i. J. 1519: Wissenschaftliche Beilage der Lpz. Ztg. 1906. 
Nr. 100. 
„ Johann v. Staupitz: Realencj'klopädie für protestantische Theologie 
und Kirche •= XVIII (1906), 781 — 786. 

Colditz, Hugo. Aus der Geschichte Schönburgs. Lichtenstein, Selbst- 
verlag, Druck von Otto Koch. (1907.) 80 SS. 8''. 

Consentius, Ernst. Christlob M3lius : Allgemeine Deutsche Biographie 

LH (1906), 545—558. 

Bähritz, WuUer. Die Staatsschulden Sachsens in der Zeit von 1763 
bis 1837. (Leipziger Diss.) Leipzig, Teubner. 1906. 157 SS. 8". 

JJeichmüUcr. Ein neuer vorgeschichtlicher Fund auf dem Pfaffen- 
stein: Über Berg und Thal XXIX (1906), 82!". 

Bibtlius, Franz. Nicolaus Seinecker: Realenc^-klopädie für protestan- 
tische Theologie und Kirche- XVIII (1906), 184—191. 

1) Hielt, Wilhelm. Federzeichnungen kursächsischer und meifsnischer 
Or;schaften aus den Jahren 1626 — 1629. Herausgegeben von 
Paul Emil Richter und Christian Krollmann. I-III. Dresden, 
C. C. Meinhold & Söhne. 1907. 27 SS. Text und 48, 55 und 39 Taft. 
(ju.-8'>. 

JJiUner, Konrad. Weitere Beiträge zur Heimatskunde Pegaus. 
Herausgegeben vom Vorstand des Museums zu Pegau. Nr. X 
bis XI: Zur Geschichte der geistlichen Gebäude in Pegau. (Mit 
I Abb.) — Zur Geschichte der Familien Dürr und (jleser in 
Pegau. — Eine Pegauer Erinnerung an Gustav Adolf. (Mit 
I Abb.j Pegau, Druck von Hermann Günther. 1906. 16, 16 SS. 8". 

JJithnann, Charlotte. Malerische Ruinen des Sachsenlandes: Unsere 
Heimat VI (1906), 16 f., 28—31. 



Literatur. 



159 



Döring, Oskar. Meisterwerke der Kunst aus Sachsen und Thüringen. 
Gemälde, Skulpturen, Schnitzaltäre, Medaillen, Buchmalereien, 
Webereien, Stickereien, Goldschmiedekunst. Herausgegeben von 
Oskar Doering und Georg Vofs unter ]\Iitwirkung hervorragender 
Fachgelehrten. Redaktion: Oskar Doering. (Neue Ausgabe.) 
Magdeburg, E. Baensch jun. 1906. 118 SS. Text und 128 Taff. fol. 

(Ebert.) Chronik der Privil. Schützengilde zu Wehlen a. d. Elbe. 
Pirna, Druck von K. P.Simon. 1906. 31 SS. 8^ 

Ehses, Stephan. Kardinal Lorenzo Campegio auf dem Reichstage 
von Augsburg 1530: Römische Ouartalschrift XX (1906), 54—80. 

Erinisch, Hubert. Aus den Jugendjahren des Dresdner Musikdirektors 
August Röckel: Deutsche Rundschau XXXIII (1906/07), 229—249. 

Estreicher, Karl. Bibliografia Polska. Tom XXI. Stölecie XV— XVIII. 
W ukladzie abecadlowym. (A. u. d. T.: Polnische Bibliographie. 
III. Abteilung. Bd. X. "Jahrhundert XV. bis XVIII. Alphabetisch 
geordnet. Der ganzen Sammlung Band XXL) Krakow, czcionkami 
drukarni Uniwersytetu Jagiellonskiego. 1906. IX, 550, IX SS. 8*'. 

Etlig, Franz Otto. Heimatkunde von Dresden. Dresden, Holze & 
Pahl. 1907. IV, 54 SS. Mit I Plan. 8». 

Feyerabend, L. Ein Einzelfund aus dem Grenzgebiet der Oberlausitz: 
Jahreshefte der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte 
der Oberlausitz II, \ (1906), 371 
„ Die bemalten Tongefäfse der Oberlausitz und ihre Beziehungen 

zum Süden: ebenda 38 — 55. 
„ Die Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Ober- 
lausitz: ebenda II, 2 (1906), 83—86. 

Fischer, Franz Louis. Arbeiterschicksale von F. L. Fischer, früherer 
Berirarbeiter in Zwickau i. S. Berlin-Schöneberj?, Buchverlag der 
„Hilfe". 1906. (IV), 141 SS. Mit i Bildnis. 8".^ 

Fischer, W. Die ältesten Schulgesetze des Gymnasiums zu Plauen: 
Neue Vogtländische Zeitung. 1906. Nr. 245. 

Flemming, Paul. Die erste Visitation im Hochstift Merseburg (1544 bis 
451: Zeitschrift des Vereins für Kirchengeschichte im Hochstift 
Merseburg III (1906), 145 — 210. 

Förstemann, Ernst Wilhelm. Bibliographie der Familie Förstemann. 
Leipzig, Otto Harrassowitz. 1906. IV, 49 SS. 8". 

Fränhel, Ludwig. Johannes Minckwitz: Allgemeine Deutsche Bio- 
graphie LH (1906), 411— 416. 

Freisen, Jose})!'. Der katholische und protestantische Pfarrzwang und 
seine Aufhebung in Österreich und den deutschen Bundesstaaten. 
Ein Beitrag zur Rechtsgeschichte der Toleranz. Mit Abilruck 
der Staatskirch enrechtlichen Erlasse. Paderborn, Ferdinand 
Schöningh 1906. XII, 195 SS. 8". (S.44lf.: Das Königreich Sachsen.) 

FrcnztJ, J. Steinzeitgefäfse in Burk und andern Orten in der Um- 
gebung von Bautzen: Jahreshefte der Gesellschaft für Anthro- 
pologie und Urgeschichte der Oberlausitz II, 2 (1906», 87 f. 

Freyer. Die rechtliche Stellung der sogenannten evangelischen Dom- 
kapitel Brandenburg, Naumburg, Zeitz, Merseburg: Archiv für 
katholisches Kirchenrecht LXXXVII (1907). Heft i.' 

Freytag, E. Rieh. Gedenkbäume in Auerbach i.V.: Nachrichten für 
Auerbach i. V. X (1906;. Nr. 29 — 31. 
„ Zur Ge.schichte der die Stadt Auerbach berührenden Eisenbahn- 
linien: ebenda Nr. 78 f. 
„ Mitteilungen über den früheren Bergbau bei Auerbach. Berg- 
ordnung für Auerbach 1503: ebendaXI (1907). Nr, 69 f. 



i6o Literatur. 

V. Freytag - Loringhoven. Studien nach Clausewitz. Neue Folge. I. 
Der Herbstfeldzug 1813. Mit i Skizze im Text und 6 Skizzen als 
Anlagen (Forts.): Viertel] ahrshefte für Truppenführung und Heeres- 
kunde III (1906), 430 — 448. IV (1907), 45 — 78. 

Geili. Steinzeitgefäfse in Burk und andern Orten in der Umgebung 
von Bautzen: Jahreshefte der Gesellschaft für Anthropologie und 
Urgeschichte der Oberlausitz II, i (1906), i — 9. 
„ Römischer Urnenfund von Nimschütz bei Bautzen: ebenda II, 2 
(1906), 118 f. 

Gensei, Julius. Im Dienste des Gemeinwohls. Gesammelte Vorträge. 
Mit 4 Abb. Leipzig, J. C. Hinrichs. 1905. (II), 252 SS. 8<». (S. 228 
bis 251: Leipzig um das Jahr 1835.) 

Georgi, Otto. Der sächsische Entwurf eines Wassergesetzes. Ein 
Beitrag zu seiner Beurteilung. Leipzig, Duncker & Humblot. 
1907. (II), 142 SS. 8«. 

Gerhardt, L. Die erste Jahresfeier der Völkerschlacht: Der Leipziger. 
1906. Nr. 4. S. 3—6. Mit 2 Abb. 

Germanicus. Pohtische Briefe aus Sachsen, i — 4: Die Grenzboten 
LXVI (1907). Nr. 2. 4. 

Goehel. Zwei Ritter der Ehrenlegion. [Major Probsthayn und Haupt- 
mann Bernhardt.] Ein Beitrag zur Geschichte der Reitenden 
Abteilung i. Königl. Sachs. Feldartillerie-Regiments Nr. 12. Rade- 
berg, Theodor Pfeil. 1906. IS SS. Mit 3Taff. 8». 

Götze, Alfred. Von der rechten Erhebung Bennonis ein Sendbrief 
(1524). Herausgegeben von A. G.: Flugschriften aus den ersten 
Jahren der Reformation. Halle, Rudolf Haupt. 1906. Bd. I. Hefts. 
S. i8s— 209. 

Grisehach, August. Das deutsche Rathaus der Renaissance. Berlin, 
Edmund Meyer. 1907. XII, 212 SS. Mit Abb. 8^. (S. 8s ff.: Ober- 
sachsen.) 

Groll, E. Das Kurfürstlich Sächsische Infanterie -Regiment „Prinz 
Maximilian", Stammregiment Nr. 10s, in der Schlacht bei Jena: 
Der Kamerad XLIV (1906). Nr. 39. S. 2 f. 

GrIiUidt, Max. Rede zur Feier des 7sjährigen Bestehens der Anstalt 
am I.November 1900: Bericht des Freiherrlich v. Fletcherschen 
Seminars zu Dresden -Neustadt über die Zeit von Ostern 1898 
bis 1906. S. 57 — 87. 

Grünberg, Paul. Philipp Jakob Spener. Band III: Spener im Urteil 
der Nachwelt und seine Einwirkung auf die Folgezeit. — Spener- 
Bibliographie. — Nachträge und Register. Göttingen, Vanden- 
hoeck & Ruprecht. 1906. VIII, 447 SS. 8". 

(Grüner, 0.) Dresdens neueste protestantische Kirchen. Den Besuchern 
des II. Tags für protestantischen Kirchenbau im September 1906 
gewidmet vom Ausschuis für Führungen. Dresden, Gerhard 
Kühtmann. 1906. 16 SS. Mit Abb. 8". 

Gidulel, Alexander. Die Gebildbrote der Weihnachtszeit im König- 
reich Sachsen: Wissenschaftliche Beilage der Lpz. Ztg. 1906. 
Nr. loi. 

B. Vor hundert Jahren: ebenda Nr. 90 f. 

(Haarhaus, Julius li.) C. F. Amelangs Verlag Leipzig 1806 — 1906. 
Ein Krinnerungsblatt für unsere 1^'reunde. (Leipzig, C. F. Amelang. 
1906.) 48 SS. Mit Bildnissen. 8». 

Mach, Arno. Künstlerische Grabdenkmäler (in Leipzig): Der Leip- 
ziger. 1906. Nr. 10. S. 3—5. Mit Abb. 



Literatur. 1 6 1 

TTantzsch, Viktor. Christian Gottlob Immanuel Lorenz (Geschicht- 
schreiber Grimmas): Allgemeine Deutsche Biographie LH (1906), 
78 — 80. 
„ Bernhard von Miltitz: ebenda 410 f. 
„ Andreas Möller, Freiberger Chronist: ebenda 440—443. 
„ Giovanni Maria Nosseni: ebenda 659 — 663. 

(Käntzschch) Kriegs-Unruhen, welche die Stadt Neustadt und Um- 
gegend betroffen (Forts.): Kirchliche Nachrichten für 1906 aus 
der Parochie Neustadt i. S. 14. Bericht. S. 22 — 41. 

Hüntzschel , G. E. Der Kalenderhandel in Sachsen: Jahrbuch für 
Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen 
Reich XXX (1906). Heft 4. 

llarig. Die Industriestadt Meerane i. S. in Wort und Bild. Chemnitz, 

A.Jülich. 1906. 92 SS. 8". 
„ Schlofs vmd Stadt Augustusburg. Mit 12 Jllustrationen. 2. über- 
arbeitete, verbesserte und erweiterte Auflage. Augustusburg, 
Paul Neubert. (1907.) 24 SS. 8°. 

IlartmaiuifJ. Theodor Körner und Wilhelm Faber du Faur: Euphorion 
XIII (1906), Heft 3. 

Härtung, Heinrich. Denkschrift zur Feier des hundertjährigen Be- 
stehens des Königlichen Steinkohlen werks Zauckerode. Mit 2 Tafl. 
und 1 Grubenrifsskizze: Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen 
im Königreiche Sachsen. Jahrgang 1906. S. A3— A128. 

Ileclccr, 0. A. Karls V. Plan zur Gründung eines Reichsbundes. 
Ursprung und erste Versuche bis zum Ausgange des Ulmer 
Tages (i 547). (Leipziger Historische Abhandlungen, herausgegeben 
von E. Brandenburg, G. Seeliger, U. Wilcken. Heft i.) Leipzig, 
Quelle & Meyer. 1906. IX, loi SS. 8». 

Ih'iimann, M. Zur Literatur des Krieges 1866: Beilage zur Allgemeinen 
Zeitung. 1907. Nr. 10. 

Hdhig. Die Steinkreuze im Königreiche Sachsen als Grenzzeichen : 
Mitteilungen des Vereins f. sächs. Volkskunde IV (1906), 120 bis 
131. Mit Abb. 

Hdmrich, Bichard. Geschichte der Bäcker-Innung zu Plauen. Plauen, 
Rudolf Kell. 1906. 55 SS. 8». 

(Herrmann, B..) Ein sächsisches Seminar vor 40 und mehr Jahren. 
Von einem seiner alten Schüler: Sächsische Schulzeitung. 1906. 
S. 629 — 631. 656f. 672f. 689 — 691. 703 — 705. 719 — 721. 

Ilerschel. Wolfsdenkmäler in der Umgebung Dresdens: Über Berg 
und Thal XXX (1907), 122 f. Mit 3 Abb. 

Ifeubner, Faul. Leipziger Einkommensverhältnisse: Leipziger Ka- 
lender IV (1907), 179—192. 

Hiecke, Johannes. Statuten und Gesetze der Lausitzer Prediger- 
Gesellschaft von 1791 — 1806. Aus den Urkunden des Gesellschafts- 
archivs zusammengestellt und herausgegeben: Jahresbericht der 
Lausitzer Prediger -Gesellschaft zu Leipzig XXXI (1906), 1 — 18. 

Ililliger, Benno. Gottsched: Leipziger Kalender lY (1907), 59—64. 

Hirsch, Ferdinand. Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte des 
Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. 19. Band: Poli- 
tische Verhandlungen, 12. Band. Berlin, Georg Reimer. 1906. 
VII, 907 SS. 8°. (S. 834—856: Verhandlungen mit Kursachsen.) 

Höfer. Das Kgl. Lehrerinnen - Seminar zu Callnberg. Festschrift zur 
Feier des 50jährigen Bestehens der Anstalt. Lichtenstein, Druck 
von Otto Koch & Wilhelm Pester. 1906. 88 SS. Mit 3 Taif. 8". 



162 Literatur. 

Hoffmann, August. Sachsens militärisches Verhältnis zum Deutschen 
Reiche: Der Kamerad XLIV (1906). Nr. 41. S. lyf. 

Holstein, Paul. Vom alten Matthäikirchhof (in Leipzig): Leipziger 
Kalender IV (1907), 257—262. 

Holz, Georg. Die Franzosenzeit in Sachsen und Leipzig. IL 1 807 : 
ebenda 35—43. 

Houigsheim, Paul. Der ,,limes Sorabicus": Zeitschrift des Vereins 
für Thüringische Geschichte und Altertumskunde XXIV = N. F. 
XVI (1906), 303 — 322. 

Hopf, Wilhelm. Die deutsche Krisis des Jahres 1866 mit einem 
Anhang: Die sogenannte Braunschweigische Frage, vorgeführt 
in Aktenstücken, Aufzeichnungen und quellenmälsigen Darstel- 
lungen. 3., durchgesehene und vermehrte Auflage. Hannover, 
Heinr. Feesche. 1906. XXII, 616 SS. 80. 

Houben, H. H. Gustav Kühne. Zu seinem hundertsten Geburtstage: 
Wissenschaftliche Beilage der Lpz. Ztg. 1906. Nr. loi: Dresdner 
Anzeiger. 1906. Nr. 356. S. 3! 

Iliihle, Emil. Heinrich von Treit<chke und sein Geburtshaus. Dresden, 
Druck von R. Lincke (1906.) 32 SS. Mit 2 Abb. 8". 

Hammel. Das Leipziger Volksschulwesen älterer Zeit im Urteile 
auswärtiger Schulmänner: Leipziger Lehrerzeitung XIII (1906), 

745- 
Hiittig. Die Orts- und Flurnamen der Amtshauptmannschaft Grofsen- 

hain als Quelle für den heimatlichen Geschichtsunterricht. 

Grofsenhain7 Herrraann Starke (C. Plasnick. 1906.) 40 SS. 8**. 
Hug-sJcens, Ä. Des Antonius Corvinus Schrift an den sächsischen 

Adel: Zeitschrift des Vereins für hess. Gesch. und Landeskunde 

N. F. XXIX (1905), 259—261. 
Jacobs, Ed. Hieronymus Nopp (Rektor in Schneeberg): Allgemeine 

Deutsche Biographie LII (1906), 647 — 652. 
.Jalcohi, H. Zum 14. Oktober: Unsere Heimat VI (1906), 5 — 11. 
Jecfit, Richard. Codex diplomaticus Lusatiae superioris III, enthaltend 

die ältesten Görlitzer Ratsrechnungen bis 1419- Im Auftrage der 

Oberlausitzischen Gesellschaft der "Wissenschalten herausgegeben. 

2. Heft, umfassend die Jahre 1391 bis 1399. Görlitz, H.Tzschaschel 

in Komm. 1906. S. 185—328. 8°. 
Jentsch, J. A. Der Name Pirna: Über Berg und Thal XXX (1907), 

117 — 119. 
John, Ernst. Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erz- 
gebirge (Forts.): Mitteilungen des Vereins für sächs. Volkskunde IV 

(1906), 103 — 116. 131 — 139. (Forts, folgt.) 
Jung, J. Anton Springer: Deutsche Arbeit VI (1906/07). Heft i. 

S. 6— II. 
K. Ein Gespensterspuk in der Superintendentur zu Glauchau im 

Jahre 1675: Schüaburgischer Hauskalender auf das Jahr 1907. 

S. 33—36. 
Kalkoff, Paul. Ablafs und Reliquienverehrung an der Schlofskirche 

zu Wittenberg unter Friedrich dem Weisen. Gotha, Friedrich 

Andreas Perthes. 1907. (II), 116 SS. 8". 

„ Der Briefwechsel zwischen dem Kurfürsten Friedrich und Cajetän: 
Zeitschrift für Kirchengeschichte XXVIl U9o6), 323—332. 

Kutvimel, Otto. Vor 40 Jahren. Erinnerungen. Leipzig, V. W. 
Grunow. 1906. 44 SS. 8". Auch in: Die Grenzboten LXV (1906). 
Heft 45 f. 48. 50. 



Literatur. 163 

Knmpcr, Otto. Die religiöse Erziehung der Dissidentenkinder im 
Königreich Sachsen: Fischers Zeitschrift für Praxis und Gesetz- 
gebung der Verwaltung XXXI (1906), 273 — 311. 

Karrig, 0. Das Sachsen-Grab bei Zwätzen: Der Patriot XII (1906). 
Nr. 10. 

Kmoerau, G. Johann Spangenberg: Realencyklopädie für protestan- 
tische Theologie und Kirche*' XVIII (1906), 563—567. 
., C3Tiacus Spangenberg: ebenda 567 — 572. 

KicUnnd, Alexander L. Die Schlacht bei Leipzig: Leipziger Ka- 
lender IV (1907), 119 — 130. 

Klotz, E. Das fragwürdige Todtenbein von Leipzig. (Satire auf 
die tieftraurige Historie vom Leben, Sterben und der Ausgrabung 
der Gebeine Johann Sebastian Bachs.) Herzerfrischender Bilder- 
bogen als ein Denkmal für einen in Leipzig vergessen verfaulten 
grofsen Künstler deutschen Geistes. Leipzig, Paul de Wit. (1906.) 
20 Bll. Mit Abb. 8«. 

Klötzer, Franz Ludwig. Heinrich Marschners Schul- und Chorzeit. 
Einladungsschrift zu der am Freitag, den 21. Dezember in der 
Aula des Johanneums stattfindenden Gedächtnisfeier. Zittau, 
Druck von Richard Menzel Nachf. 1906. 15 SS. 8*'. 

Kold, A. Geschichte und gegenwärtiger Stand des sächsischen Fort- 
bildungsschulwesens, zugleich ein Vergleich mit dem anderer 
deutscher Staaten. Ein Rückblick und ein Ausblick: Sächsische 
Schulzeitung. 1906. S. 640—645. 651 — 655. 

Kohut, Adolf. Neues über Christian Gottfried Körner: Monatshefte 
der Coraenius-Gesellschaft XV (1906), 189 — 207. 

Kölbincf, Wilhelm Imdioig. Die Geschichte der Verfassung der evan- 
gelischen Brüderunität in Deutschland mit besonderer Berück- 
sichtigung der kirchenrechtlichen Verhältnisse. Eine Vorlesung. 
(Berichte des theologischen Seminariums der Brüdergemeine in 
Gnadenfeld. Heft VII.) Leipzig, Friedrich Jansa. 1906. VIII, 
102 SS. 80. 

Kolde, Theodor. Johann Karl Seidemann: Realencyklopädie für pro- 
testantische Theologie und Kirche^ XVIII (1906), 154—157. 
„ Georg Spalatin: ebenda 547 — 553. 

(Krauß, F.) Führer für Taucha und Umgegend. Herausgegeben 
vom Hausbesitzer -Verein zu Taucha. Taucha, Emil Porzig in 
Komm. (1906.) IV, 54 SS. Mit i Karte, i Plan und vielen Abb. 
8^. (S. I — 15: Arthur Roisberg, Aus Taucha's Vergangenheit.) 

Krebs, Kurt. Vor 100 Jahren. Aufsätze und Urkunden zur Ge- 
schichte der Kriegsjahre 1806 bis 1815. (Mit 3 Bildern.) Leipzig, 
G. Kürsten. (1906.) XII, 243 SS. 8». 

Kretzschmar. Das sächsische bergrechtliche Kohlenabbaurecht 
(Kohlenbergbaurecht) und die nichtbergrechtlichen Abbaurechte : 
Sächsisches Archiv für Rechtspflege I (1906), 409—414. 

Krieg, Thilo. General Hermann v. Gersdorff. Ein Lebens- und Cha- 
rakterbild. Mit einem Bildnis in Lichtdruck. Berlin, Ernst 
Siegfried Mittler & Sohn. 1907. VH, 128 SS. 8". 

Krohn, Bichard. Schenau's Leben und Wirken. Der Gemeinde Grofs- 
schönau erzählt. Grofsschönau, Druck von Hermann Engelhardt. 
1906. 52 SS. 8«. 
„ Elias Zeifsig, genannt Schenau (Maler aus Grofsschönau): Gebirgs- 
freund XVIII (1906), 180—186. 

Kroker, Ernst. Reliquien Luthers und seiner Frau in Leipzig: Leipziger 
Kalender IV (1907), 197 — 218. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. 1.2. II 



\^A Literatüf. 

Kynaat, Bichard. Von der Gänsefeder zur Schreibmaschine. 1S56. 
1. November 1906. Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Be- 
stehens der Firma Eduard Beyer in Chemnitz, Chemische Fabrik 
für Tinten, Klebstoffe, Hektographenartikel und Schreibmaschinen- 
Bänder. (Chemnitz 1906.) 47 SS. Mit Taff. und Abb. 4''. 

Lampel, Joseph. Die drei Grafschaften der karolingischen und der 
Ottonischen Ostmark. (Vorträge und Abhandlungen, herausgegeben 
von der Leo -Gesellschaft. Heft 28.) Wien, Ma5^er & Co. 1906. 
19 SS. 8». 

Larraß. Zur Beurteilung der Überführung Königlich sächsischer 
Truppen zu den Verbündeten bei Leipzig am 18. Oktober 181 3. 
Nach amtlichen und zuverlässigen Quellen bearbeitet: Militär- 
Wochenblatt. 1906. Nr. 10. S. 385 — 406. 

Laube, Heinrich. Theaterkritiken und dramaturgische Aufsätze. Ge- 
sammelt, ausgewählt und mit Einleitung und Anmerkungen ver- 
sehen von Alexander von Weilen, ßd. I— II. (Schriften der 
Gesellschaft für Theatergeschichte Bd. VII— VIII.) Berlin, Selbst- 
verlag der Gesellschaft für Theatergeschichte. 1906. LI, 480 SS. 
Mit Bildnissen. 8". (Darin I, 5 — 74: Über das Leipziger Theater; 
II, 308 — 316: Gutzkow, Kühne, Marggraf; 410—417: Die Devrients; 
417—427: Eduard Devrient.) 

Lazius, Wolfgang. Karten der österreichischen Lande und des 
Königreichs Ungarn aus den Jahren 1545 — 1563. Herausgegeben 
von Eugen Oberhummer und Franz R. von Wieser. Innsbruck, 
Wagner. 1906. 55 SS. Text und 20 Taff. (Darin S. 16: Karte des 
schmalkaldischen Kriegsschauplatzes.) 

Lee, Heinrich. Deutsche Städtebilder aus dem Anfange des 20. Jahr- 
hunderts. Berhn, Carl Duncker. (1906,) VII, 496 SS. S*^. (S. 6ift.: 
Chemnitz, 95!?.: Dresden, i64ff.: Freiberg, 271 ff.: Leipzig, 3151!.: 
Meifsen, 400 ff. : Schneeberg.) 

Lehmann. Geh. Hofrat Prof. Dr. Ernst Förstemann 7. Mit Abb.: 
Globus XC (1906). Nr. 22. 

Leipoldt, Johannes. Sachsens Mitarbeit am Werke der Heidenmission: 
Sächsisches Kirchen- und Schulblatt. 1906. Sp. 497 — 503. 513 — 520. 

Leuschke, Alfred. Was erwartet die vaterländische Volksschule von 
der Synode? Leipzig, J. Klinkhardt. 1906. 57 SS. 8". 

lAehezeit, Martin. Jubiläumsschrift der Schülerwerkstätten für Hand- 
lertigkeitsunterricht des Gemeinnützigen Vereins zu Dresden 1881 
bis 1906. Herausgegeben vom Gemeinnützigen Verein zu Dresden. 
Dresden, O. & R. Becker. (1906.) 64 SS. Mit Abb. 8^ 

Licr, B. A. Johann Wilhelm Constantin Lipsius, Architekt: Allgemeine 

Deutsche Biographie LH (1906), 5—7. 
„ Martin von Lochau, Abt der Cistercienserabtei Alten -Zelle: 

ebenda 53—55- 
,, Johann Christoph Ludwig Lücke, Elfenbeinschnitzer: ebenda 

113-115. 

Linglce, A. Zur Geschichte der kursächsischen Hoffahne: Archiv 
für Kulturgeschichte IV (1906), 435—438. 

Lohe, Ernst. Der Staatshaushalt des Königreichs Sachsen in seinen 
verfassungsrechtlichen Beziehungen nach dem Stande der heutigen 
Gesetzgebung unter Berücksichtigung der geschichtlichen Ent- 
wicklung. 2., neubearbeitete Auflage. Leii)zig, Veit &. Comp. 1906. 
VI, 220 SS. 8". 



Literatur. 165 

V. Loehen, Otto Heinrich Graf. Gedichte. Ausgewählt und heraus- 
gegeben von Raimund Pissin. (Deutsche Literaturdenkmale des 
18. und 19. Jahrhunderts. Nr. 135. III. Folge Nr. 15.) Berlin, 
B. Behr. 1905. XVII, 171 SS. 8». (S. VII ff.: Biographische Ein- 
leitung.) 

Lorenz, Paul. Die Geschichte des Rochlitzer Tuchmacherhandwerks. 
(Diss.) Rochlitz, Druck von B. Pretzsch Nachf. (1906.) 126 SS. 8". 

Löscher, _F. H. 's Bornkinnl. Noch ein Stück erzgebirgischer Weih- 
nachtsherrlichkeit. Mit 2 Abb.: Kalender für das Erzgebirge und 
Vogtland. 1907. (S. 50—52.) 

M., G. Ein Nörgler über Leipzig 1787: Leipziger Kalender IV 
(1907), 169—177. 

Mangner, C. F. Eduard. Geschichte der Leipziger Winkelschulen. 
Nach archivalischen Quellen bearbeitet. (Schriften des Vereins 
für Geschichte Leipzigs. Bd. 8.) Leipzig, F. Hirt & Sohn. 1906. 
VIII, 232 SS. 8». 

Marchand, F. Das pathologische Institut der Universität Leipzig. 
Mit I Abb. im Texte und 3 Taff. (Arbeiten aus dem patholo- 
gischen Institute zu Leipzig. Herausgegeben von F. Marchand. 
Heft 3.) Leipzig, S. Hirzel. 1906. 64 SS. 8". (S. i — 11: Zur Ge- 
schichte der pathologischen Anatomie und des pathologischen 
Institutes an der Universität Leipzig.) 

3Iarlcgraf, Richard. Das sogenannte Franzosengrab bei Leipzig- 
Connewitz: Der Leipziger. 1906. Nr. 11. S, 8. Mit Abb. 

Mauke, Richard. Aus Heinrich von Kleists Briefen (über Dresden): 
Über Berg und Thal XXIX (1906), ii3f. 

Meiche, Alfred. Die Burgen und vorgeschichtUchen Wohnstätten 
der Sächsischen Schweiz. Im Auftrage des Gebirgsvereins für 
die Sächsische Schweiz und unter Mitarbeit von Alwm Bergmann, 
Hans Beschorner, Herbert Beschorner, Johannes Deichmüller, 
Viktor Hantzsch, Otto Mörtzsch, Georg Pilk, Ludwig Schmidt, 
Georg Schlauch, Oskar Speck, Beruh. Störzner herausgegeben. Mit 
79 originalen oder seltenen Bildern, Grvmdrifszeichnungen und 
Karten. (Jahrbuch IV des Gebirgsvereins für die Sächsische 
Schweiz.) Dresden, Wilhelm Baensch. 1907. XII, 350 SS. 8**. 

Meschwitz, Heinrich. Geschichte des Königlich Sächsischen Kadetten- 
und Pagen- Korps von dessen Begründung bis zur Gegenwart. 
Mit 14 Uniform-Tafeln, unter Benutzung von Originalen gezeichnet 
von Rosa Meschwitz, mehreren Lichtdrucken und Plänen, einem 
Quellen- und Biographienverzeichnis und 9 Anlagen. Dresden, 
Carl Damm. 1907. XI, 436 SS. 8**. 

?,. Metzsch, W. Friedrich August III., König von Sachsen. Ein Lebens- 
bild. 2. Auf läge. Berlin, Karl Siegismund. 1906. VIII, 247 SS. Mit 
Abb. 8". 

V. Älocller, Ernst. Die Elendenbrüderschaften. Ein Beitrag zur Ge- 
schichte der Fremdenfürsorge im Mittelalter. Leipzig, J. C. Hin- 
richs. 1906. (II), 176 SS. 8^. (S. 59 ff.: Die Provinz und das König- 
reich Sachsen.) 

Miiller, W. H. Leitfaden für den Unterricht in Verfassungs- , Ver- 
waltungs- und Gesetzeskunde des Königreichs Sachsen. Zur 
Selbstbelehrung für den sächsischen Staatsbürger und zum unter- 
richtlichen Gebrauch in Fortbildungsschulen und höheren Lehr- 
anstalten bearbeitet und herausgegeben. Leipzig, J. M. Gebhardt. 
1906. VI, 162 SS. 8". 



j(5f^ Literatur. 

Moltl-e, Sief/fried. Leipzigs Handelskorporationen. (Kramerinnune, 
Handlungsdeputierte, Handelsvorstand, Handelsgenossenschaft, 
die Leipziger Kaufmannschaft und die Kommunrepräsentation.) 
Versuch der Gründung sächsischer Handelskammern im 19. Jahr- 
hundert. Herausgegeben von der Handelskammer zu Leipzig. 
Leipzig, A. Twietmeyer in Komm. 1907. VIII, 249 SS. Mit i Abb. 
und 8 Taff. 8». 
„ Der Leipziger Kaufmannstand und seine Interessenvertretung: 

Leipziger Kalender IV (1907), 97 — iio. 
„ Leipziger Kanalsorgen vor 200 Jahren: ebenda 225—229. 

Montanus, H. Die alten Hammerwerke im Erzgebirge: Kalender 
für das Erzgebirge und Vogtland. 1907. (S. 26 — 32.) Mit Abb. 

Müller, Curt. Wiegenlieder aus Sachsen: Wissenschaftliche Beilage 
der Lpz. Ztg. 1906. Nr. 89. 

Müller, Georg. Ernst Julius Meier, Oberhofprediger: Allgemeine 
Deutsche Biographie LH (1906), 287—289. 

Müller- Brauel. Die Besiedelung der Gegend zwischen Elbe und 
Weser in vorgeschichtlicher Zeit: Globus XC (1906). Nr. 10. 

Müller- Fr aurcutli, Karl. Sächsische Volkswörter. Beiträge zur 
mundartlichen Volkskunde. Dresden, Wilhelm Baensch. 1906. 
115 SS. 8«. 

Naumann, Hermann Das Gräberfeld am Camina bei Königswartha : 
Jahreshefte der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte 
der Oberlausitz II, 2 (1906), 97 — 105. 

Needon, R. Der Teufelsstein bei Pliefskowitz: ebenda II, i (1906), 
21 — 24. 
„ Der Radisch bei Kleinsaubernitz: ebenda 24 — 26. 
„ Die Spittwitzer Schanze: ebenda 26—31. 

„ Der Steinwall auf der Schmoritz Eine frühgeschichtliche Eisen- 
schmelzstätte: ebenda 11,2 (1906), 125— 131. 

NfeedonJ, B. Vorgeschichtliches aus der sächsischen Oberlausitz: 
Wissenschaftliche Beilage der Lpz. Ztg. 1906. Nr. 98. 

Neeßc. Die Wartenbergische Fehde (1433— 1473): Vesperglocken. 
Unterhaltungsbeilage zu den Zittauer Nachrichten und Anzeiger X 
(1907). Nr. 39 f- ' , . 

Nenlce & Odermaier. Alt -Dresden wie es war und wie es noch ist. 
10 Postkarten nach eigenen Kunstphotographien in Photochemie 
ausgeführt. Dresden, Nenke & Ostermaier. (1906.) 10 BU. 8*^. 

Ney, (Julius). Reichstage in Speier 1526, 1529, 1542: Realency- 
klopädie für protestantische Theologie und Kirche* XVIII (1906), 
589 — 603. 

Ninck, J. Ludwig Richter. Ein deutscher Maler und Hausfreund. 
Seine Lebensgeschichte für Jung und Alt erzählt. Konstanz, Carl 
Hirsch. (1906.) 32 SS. Mit Abb. 8». 

V. der Osten-Sacken und V. lihcin, Freiherr. Mihtärisch- politische Ge- 
schichte des Befreiungskrieges im Jahre 1813. Band IIb. Der 
Frühjahrsfeldzug. Bautzen. Mit 6 Gefechtsplänen, 4 Skizzen und 
2 Übersichtskarten. Berlin, Vofs. 1906. XI, 574 SS. 8", 

r., M. Ernst Robert Osterloh, Leipziger Jurist: Allgemeine Deutsche 
Biographie LH (1906), 725 f. 

Faalzow, Hans. Ernst Förstemann \'. Zentralblatt für Bibliotheks- 
wesen XXIII (1906), 552 — 563. 
„ Ernst Förstemann f: Dresdner Anzeiger. Sonntags-Beilage. 1906. 
Nr. 50. 



Literatur. lö"? 

Pallas, Karl. Die Registraturen der Kirchenvisitationen im ehemals 
sächsischen Kurkreise, i. Abteilung. Allgemeiner Teil. Mit 5 Taff. 
(Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. 
Herausgegeben von der Historischen Kommission für die Provinz 
Sachsen und das Herzogtum Anhalt. Bd. 41 ) Halle, O. Hendel. 
1906. XVI, 240 SS. 8 0. 

Fanig, Paul. Das Schillerhaus in Gohlis und „Das Lied an die 
Freude": Der Leipziger. 1906. Nr. 9. S. i4f. 

Päßler. Geschlechts -Verzeichnis der Schierz'schen Familienstämme 
und ihrer Verzweigungen. Geyer, Druck von Bernhard Kreutel. 
(1906.) 150 SS. Mit 6 Taff. 80. 

Pfau, Karl Fr. König Georg von Sachsen. Ein deutsches Fürsten- 
leben. Dem deutschen Volke gewidmet. Mit einem Porträt. 
(Patriotische Hausbibliothek, i. Band) Leipzig, Karl Fr. Pfau. 
(1906.) 31 SS. 80. 

Pfau, W. C. Die Vorstellung des Drachens in Westsachsen. Mit 2 Abb. : 
Unsere Heimat VI (1906/07), 37—45. 

Pick, Behrendt. Stammbaum der älteren Ernestiner in Münzen und 
Medaillen: Aus den Coburg- gothaischen Landen. Heimatblätter, 
herausgegeben von R. Ehwald IV (1906), 62—68. Mit Abb. 

Pohle, Paul. Heimat-Atlas für Plauen im Vogtlande. Plauen, Rudolf 
Neupert jr. (1906.) 12 SS. 4". 

Posse, Otto. Die Siegel des Adels der Wettiner Lande bis zum 
Jahre 1500. Im Auftrage der Königlich Sächsischen Staatsregierung 
herausgegeben. II. Band. Buchstaben B und C. Dresden, Wilhelm 
Baensch. 1906. IX, 128 SS. und 56 Taff. 40. 

'*;. Paten, B. Franz Graf und Edler Herr zur Lippe-Biesterfeld- 
Weifsenfeld, kgl. Sachs. General der Cavallerie: Allgemeine 
Deutsche Biographie LH (1906), 5. 
„ Richard von Meerheimb, kgl. sächs. Oberstleutnant: ebenda 282 f. 

Puschmann, Adam. Das Singebuch des Adam Puschmann nebst 
den Originalmelodien des M. Behaim und Hans Sachs, heraus- 
gegeben von G. Münzer. Leipzig, Breitkopf & Härtel. (1906.) 
96 SS. Mit Taff 40. 

V. Baab, C. Schlofs und Amt Vogtsberg bis Mitte des 16. Jahrhunderts 
und das Erbbuch vom Jahre 1542. Plauen, Neupert. (1906.) III, 
527 SS. Mit I Karte. 8». 

Eeder, Emil. Zur Geschichte der Familie Schürer von Waldheim 
1598: Mitteilungen des Nordböhmischen Exkursionsklubs XXIX 
(1906), 366 — 368. 

Begeusberg, Friedrich. Von Skalitz bis Königgrätz. Stuttgart, F'inckh 
(W. Keller & Co.). 1906. 160 SS. Mit Abb. und 2 Karben. 8«. 

Beichel, Gerhard. August Gottlieb Spangenberg, Bischof der Brüder- 
kirche: Realencytlopädie für protestantische Theologie und 
Kirche'' XVIII (1906), 557-563. 

Beinhardt, 0. Aus der Kleinstadt. Ein Beitrag zur sächsischen Volks- 
und Volkswörterkunde: Dresdner Anzeiger. 1907. Nr. 42. S. 8. 

Beuter. Das evangelische Pfarrhaus der Jetztzeit als Amts- und 
Einfamilienhaus. Ein Beitrag zur Erbauung von Pfarrhäusern 
auf dem Lande an der Hand ausgeführter Bauten und Entwürfe, 
nebst erläuterndem Text und einem kurzen geschichtlichen Rück- 
blick. Dresden, Gerhard Kühtmann. 1907. 63 SS. Mit Taii. und 
Abb. 8*>. (Behandelt meist Pfarrhäuser in Sachsen.) 

Bichter, Julius Paul. Am Elbestrand 1866. Erinnerungen. Gera, 
Arthur Ma ina. (1906.) 68 SS. 8". 



i68 Literatur. 

Bictschcl. Heinrich. Festgabe zur Jubelfeier des Könislichen Seminars 
Nossen den 4. und 5. Oktober 1906. dargeboten von der Lehrer- 
schaft durch den derzeitigen Direktor. I. Zeittafel der Geschichte 
des Freiberg-Nossener Seminars 1798 — 1906. II. Verzeichnis der 
Lehrer und der ehemaligen Schüler des Nossener Seminars nach 
der Zeit ihres Eintritts 1856— 1906. Mit 12 Abb. und i Lageplane. 
Nossen, Druck von Emil Hensel. 1906. 93 SS. 8". 

Jioscnberg, Ä. Sächsische Dorfkirchen. Mit 10 Abb.: Daheim XLII 

(1906). Nr. 51. 
'Roßhach, Franklin. Das grofse Fürstenschiefsen zu Zwickau im August 
1573. Zwickau, Förster & Borries. 1906. 40 SS. Mit Abb. 8''. 

Bdth, F. Zur Geschichte des Reichstages zu Regensburg im Jahre 
1541. III: Archiv für Retormationsgeschichte IV (1906), 65 — 98. 
(Vgl. II, 250—307 und III, 18— 64.1 

Bunge. Klemm in den Kirchenbüchern von Herrenberg: Klemms 
Archiv. Nr. 19 (1906I S. 277! 

Büß, Balph. Afranisches Ecce 1906. 11. Heft. Dresden, Niederlage 
des Vereins ehemaliger Fürstenschüler. (Grimma, G. Gensei.) 1906. 
IV, 43 SS. Mit Bildnissen. S». 

S., R. Karl Ferdinand Adam. Zum 100. Geburtstag: Dresdner An- 
zeiger. 1906. Nr. 353. S. 2. 

Salioloivski, Paul. Heinrich Laube in Leipzig: Der Leipziger. 1906. 
Nr. I. S. 3f- Mit I Abb. 

Sfakoloioski], P. Sächsische Herrensitze. III: Rötha: ebenda Nr. 12. 
S. 10 f. Mit 5 Abb. 

Sander. Hermann Masius: Allgemeine Deutsche Biographie LH 
(1906), 226 — 230. 

Schaller, E. Zum Walpurgistage: Mitteilungen des Vereins für sächs. 
Volkskunde IV (1906), 97 — 100. 

Sdunffler, Heinrich Johannes. Grimmaisches Ecce 1906. 27. Heft. 
Dresden, Niederlage des Vereins ehemaliger Fürsten schüler. 
(Grimma, G. Gensei.) 1906. VL 93 SS. Mit Bildnissen. 8'^'. 
„ Ein Staat im Staate Sachsen [die Oberlausitz]: Dresdner An- 
zeiger. Sonntags-Beilage. 1907. Nr. 6 f. 
,, Ein katholischer Kirchenfürst aus dem Hause Wettin: Evan- 
gelischer Bundesbote für das Königreich Sachsen II (1906), 76-78. 

V. Schierbrand, H. Welche ^'erdienste hat sich das wettinische Fürsten- 
haus (albertinischer Linie) im allgemeinen um Sachsen und be- 
sonders um das sächsische Heer erworben (1089 — 1906)? Auf Grund 
geschichtlicher und archivalischer Quellen bearbeitet. Dresden, 
Buchdruckerei des „Kamerad" (F. L Staub). 1906. 70 SS. 8". 

Schlawe, Karl Heraldisch verzierte Bildnisse in der Breslauer Stadt- 
bibliothek (Kurfürsten und Herzöge von Sachsen): Der deutsche 
Herold XXXVI (1905), 64-66. 

Sehnt erlosch von Biesenthal. Die „Pragischen Kürschner" David und 
Daniel Lehmann, zwei Exulanten in Leipzig: Leipziger Kalender 
IV (1907), 283-285. 

Schmidt. Hermann. Die Schwedenschanze bei Kittlitz: Jahreshefte 
der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Ober- 
lausitz II, I (1906), 9 — 21. 
„ Der Doppelwall auf dem Rothstein bei Sohland: ebenda II, 2 (1906), 

131—143. 
„ Der Bielplatz bei Georgewitz: ebenda 143 — 152. 
„ Der Doppelwall auf dem Rothstein bei Sohland: Gebirgsfreund 

XVIII (1906), 153-157- 



Literatur. 169 

Schmidt, Ludwtr/. Katalog der Handschriften der Königl. Öffentlichen 
Bibliothek zu Dresden. Im Auftrage der Generaldirektion der 
Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft im An- 
schlufs an die von Franz Schnorr von Carolsfeld 1882 und 1883 
herausgegebenen Bände bearbeitet. 3. Band (enthaltend die A>i- 
teilungen N — R, a — d). Leipzig, B. G. Teubner. 1906. VH, 
538 SS. 80. 
Schmid, Otto. Geschichte der Dreyfsigschen Sing-Akademie zu Dres- 
den. Zur loojährigen Jubelfeier (5. März 1907). Herausgegeben 
von der Dreyfsigschen Sing-Akademie, zu beziehen durch F. Ries, 
Dresden. (1907.) 87 SS. S». 
Schmidt, Otto Eduard. Die Erwerbung der sächsischen Königskrone 
und ihre Bedeutung für unsere Zeit. Ein Gedenkblatt zum 11. De- 
zember 1906: Wissenschaftliche Beilage der Lpz. Ztg. 1906. 
Nr. 99. 
Schmidt, Budolf. Carl Christian Meinhold, Buchdrucker: Allgemeine 

Deutsche Biographie LH (1906), 303. 
Schmitz, Wilhelm. Die mittelalterlichen Metall- und Holztüren Deutsch- 
lands, ihr Bildwerk und ihre Technik. Mit 73 Tafeln und 65 Text- 
Illustrationen. Trier, Schaar & Dathe. 1905. 39 SS. fol. (Bl. i3f., 
50: Türen vom Dom zu Meifsen. 37: Tür der Marienkirche zu 
Zwickau. 42: Beschläge aus Meifsen und Dresden. 59: Tür der 
Jakobikirche zu Chemnitz ) 
Schön, Theodor. Die Einführung der Reformation im Schönburgischen: 

Schönburgischer Hauskalender auf das Jahr 1907. S. 29 — 31. 
Schönherr, J. Zum Gedächtnis des Prof. (Karl Gottlob) Schönherr: 

Sächsisches Kirchen- und Schulblatt. 1906. Sp. 694— 696. 
Schamcnm, Paul. Die Bedeutung des Historischen Museums zu 

Dresden: Dresdner Anzeiger. 1906. Nr. 313. S. 2 f. 
(Schur ig, Euqen.) Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Kgl. 
Sachs. ]\Iilitär Vereins Sachs. Grenadiere zu Dresden 1880 — 1905. 
Dresden, Buchdruckerei des „Kamerad" (F. L. Staub! (1905.) 55 SS. 
Mit sTaff. 8». 
„ Das Gefecht bei Schleiz am 9. Oktober 1806: Der Kamerad XLIV 

(1906.) Nr. 40. S. 10 f. 
„ Die Sachsen im Gefecht bei . Saalfeld am 10. Oktober 1806; 

ebenda Nr. 40. S. iif. 
„ Die Sachsen m der Schlacht bei Jena am 14. Oktober 1806: 

ebenda Nr.41. S. 9 — 12. 
„ Die Erhebung Sachsens zum Königreich: ebenda Nr. 50. S. 1 — 3. 
Nr. 51. S. 9f. 
Schwender, C. C. Döbeln i. Sa. in Wort und Bild. Chemnitz, A. 

Jülich. (1906.) 88 SS. Mit i Plan. 8°. 
Sef/nitz, Eugen. J. A. Hiller und die Anfänge der Leipziger Oper: 

Der Leipziger. 1906. Nr. 10. S. 7— 9. Mit i Abb. 
Seidel, 0. M. August Israel: Bericht des Sächsischen Seminarlehrer- 
vereins XI (1906), 48—52. 
[Seliger.] Königliche Akademie für graphische Künste und Buch- 
gewerbe zu Leipzig. Leipzig, Druck der Akademie. (1906.) 
16 SS. Mit 23 Taff. 8". 
Sellnick, H. Zur Beurteilung der Wassergesetzgebung für das König- 
reich Sachsen. Leipzig, Brückner & Niemann. 1906. 24 SS. 8". 
Seydel, P. Die Kolonisierung des nördlichen Miriquidi mit besonderer 
Berücksichtigung der Limbacher Gegend: Limbacher Tageblatt. 
1906. Nr. 69 — 74, 



lyo Literatur. 

Siegert, Gustav. Schulraeysters vffm Honstein bestallung. 1543: 
Leipziger Lehrerzeitung XIV (1906/07), 127. 

Singer, Hans W. Dresden. I. Die Kgl. Gemälde-Galerie. (Moderne 
Cicerone.) Stuttgart, Union. (1906.) VIII, 162 SS. Mit 100 Abb. 
und 2 Grundrissen. S*'. 

Sinz. Über Volkseide und Frondienste im 17. Jahrhundert: Mit- 
teilungen des Vereins für sächs. Volkskunde TV (1906), 139-143. 

Skala, Jalcuh. Dr. theol. Jurij Luscanski: Casopis Macicy Serbskeje LIX 
(1906), 139—146. Mit Bildnis. 

Skrine, Francis Henry. Fontenoy and Great Britain's Share in the 
War of the Austrian Succession 1741—48. With a Introduction 
by Field-Marshal Earl Roberts... Edinburgh and London, 

' William Blackwood and Sons. 1906. XVII, 380 SS. Mit Plänen 
und Abb. (Darunter i Bildnis des Marschall Moritz von Sachsen.) 8". 

Sperling. Einige Funde von Niedergurig bei Bautzen: Jahreshefte 
der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Ober- 
lausitz II, 2 (1906), 93 — 97. 

Steffen, Hugo. Baudenkmäler deutscher Vergangenheit. Berlin, Otto 
Baumgärtel. (1906.) (V), 108 SS. 4«. (Darin S. 100— 108: Schlofs 
Gohlis bei Leipzig. Mit 9 Taft.) 

Steinherger, Ludwig. Die Jesuiten und die Friedensfrage in der Zeit 
vom Prager Frieden bis zum Nürnberger Friedensexecutions- 
hauptrecefs 1635 — 1650. (Studien und Darstellungen aus dem Ge- 
biete der Geschichte. Im Auftrage der Görres- Gesellschaft und 
in Verbindung mit der Redaktion des Historischen Jahrbuches 
herausgegeben von Hermann Grauert. Band V. "Heft 2—3.) 
Freiburg, Herder. 1906. XXIII, 215 SS. 8». 

Störzner. Christian Heckel. Ein Lebensbild: Über Berg und Thal 
XXIX (1906), 94 f. 

Sturmhoefel, K. Der Friede von Altranstädt: Die Grenzboten LXV 

(1906). Nr. 47 f. 

Teichmann, A. Karl Otto Müller, Leipziger Jurist: Allgemeine 

Deutsche Biographie LH (1906), 521 f. 
Tholotovsky, Otto. Die sächsische Portoerhöhung im Jahre 1772: 

Archiv für Post und Telegraphie. 1906. S. 651—653. 

Tille, Armin. Vom Leipziger Dialekt: Leipziger Kalender IV (1907), 
285 f. 

Tost Eine Schwedenhöhle bei Wehlen: Über Berg und Thal XXIX 
(1906), 82. 

Uhle, F. Aus der Kampfzeit des Chemnitzer Rates: Chemnitzer 

Tageblatt. 1906. Nr. 522. 
„ Das „Konstitutionsfest" in Chemnitz: ebenda Nr. 408. 

UHzen-Barkhatisen. Franz Conrad Romanus, der Leipziger Bürger- 
meister und sein Geschlecht. Nebst Stammtafel: Leipziger Ka- 
lender IV (1907), 6f. 231—236. 

Undeutsch, H. Zum Gedächtnis an Oberbergrat Professor Dr. h. c. 
Julius Ludwig Weisbach anläfslich seiner hundertjährigen Geburts- 
tagsfeier. Freiberg, Graz & Gerlach (loh. Stettner). 1906. 15 SS. 
Mit Bildnis. 8». 

Uzanne, Octave. Les Deux Canaletto. Biographie critique illustree 
de 24 reproductions hors texte. (Les Grands Artistes, leur Vie, 
leur Oeuvre.) Paris, Renouar (Henri Laurens). (1906.) 127 SS. 8». 



Literatur. i y i 

V. Verdij du Vernots, J. Studien über den Krieg. 3. Teil: Strategie. 
Berlin, Ernst Siegfried Mittler & Sohn. 1905—06. 8«. (Heft IV, 
S. 48— 119: Friedrichs des Grofsen Feldzug im Jahre 1744 [in 
Sachsen und Böhmen]. Mit i Übersichtskarte. S. 122 — 127: Ein- 
zelne Bemerkungen zum Feldzuge Napoleons im Herbst 181 3 bis 
zur Aufgabe der Eibbasis. Heft V, S. 29 — 66: Aus dem Feldzuge 
von 1866. Mit I Skizze.) 

Voffd d. J, Johann Jalcob. Kurze Leipziger Chronik: Leipziger 
Kalender IV (1907), 237 — 248. 

Voifit, E. Das Eidbuch von Döben: Mitteilungen des Vereins für 
Sachs. Volkskunde IV (1906), loi — 103. 

Vollert, W. Die Entscheidung der Konkordienformel in der Lehre 
von der Glaubensgerechtigkeit in art. III. besonders gegenüber 
der Osiandtischen Lehre: Neue Kirchliche Zeitschrift XVII 
(1906), 623 — 628. 

Wagner, Georg. Die Bäckerinnung zu Geithain: Zentralblatt für 

Bäcker und Konditoren. 1906. Nr. 35. 
„ Beiträge zur Geschichte Geithains: 13. Wappen (Siegel) und 
Zeichen des Rats. Stadtfarben. 14. Die ehemalige Katharinen- 
kirche Geithain. 1906/07. 2 BU. gr. fol. 

Wagner, Bichard. Familienbriefe. 1832 — 1874. Berlin, A. Duncker. 
Vm, 304SS Mit 6 Bildnissen. 8". 

V. Wasielewslii, Wilh. Joseph. Robert Schumann. Eine Biographie. 
Herausgegeben von Waldemar v. Wasielewski. 4., umgearbeitete 
und beträchtlich vermehrte Auflage. Leipzig, Breitkopf & Härtel. 
1906. XXVn, 532 SS. Mit I Bildnis. 8«. 

Weher, Ludtvig. Carl Seffner: Der Leipziger. 1906. Nr. 9. S. 3 — 6. 
Mit Abb. 

Weber, Ottokar. Von Luther zu Bismarck. Zwölf Charakterbilder 
aus deutscher Geschichte. Leipzig, B. G. Teubner. 1906. 2 Bde. 
;(IV), 136 und 147 SS. 8«. (Bd. II, S. i — 18: Kurfürst Friedrich 
August I. von Sachsen.) 

Weddigen, Otto. Geschichte der Theater Deutschlands in 100 Ab- 
ihandlungen dargestellt, nebst einem einleitenden Rückblick zur 
Geschichte der dramatischen Dichtkunst und Schauspielkunst. 
IJMit zahlreichen Illustrationen, Faksimiles und Beilagen. Berlin, 
Ern.st Frensdorff. (1906). 2 Bde. XXVI, 1209 SS. Mit Taff. u. Abb. 
8^. (Bd. II, S. 529 — 564: Das Königliche Hoftheater in Dresden. 
5.565 — 567: Das Residenztheater in Dresden. S. 771— 792: Das 
Stadttheater in Leipzig. S. 1161 — 1164: Das Stadttheater in 
Zwickau.) 

Weichardt, C. Gerhards Garten in Leipzig: Daheim XLIII (1906/07). 
Nr. 4. 

Weicher, Gotthohl. Die Haltung Kursachsens im Streite um die un- 
mittelbare Reichsritterschaft in den Jahren 1803— 1806. Mit einem 
Anhang: Statistische Beiträge zur Kenntnis der Reichsritterschaft. 
(Bibliothek der sächsischen Geschichte und Landeskunde. Heraus- 
gegeben von Gustav Buchholz. I. Bd., 2. Heft.) Leipzig, S. Hirzel. 
1906. (IL, HO SS. 8». 

Weinhold, E. Chemnitz und Umgebung. Geschichtliche Bilder aus 
alter und neuer Zeit. Herausgegeben vom Verein für Chemnitzer 
'Geschichte. Chemnitz (O. May. 1906). VI, 170 SS. Mit Abb. und 
I Taf. 80. 

WifdemannJ. Hausnamen [in Dresden [: Dresdner Anzeiger. Sonn- 
tags-Beilage. 1907. Nr. 6. 



172 



Literatur. 



Wilhelm, Franz. Führer durch Bautzen und seine Umgebung mit 
mehreren Plänen. Bautzen, Georg Thomas. (1906.) 91 SS. 8". 

„ Urnenfunde bei Cannewitz: Jahreshefte der Gesellschaft für An- 
thropologie und Urgeschichte der Oberlausitz II, i (1906), 31 — 34. 

(Willcens, A.). Denkschrift zur Feier des 50jährigen Bestehens der 
Dresdner Steingutfabrik von Villeroy &Boch. 1856— 1906. Dresden, 
Druck von Römmler & Jonas. (1906.) 24 SS. Text und 20 BU. Abb. 
qu-4". 

IV'ijil-hr, Georg. Unsere Alterszulagen und ihre Geschichte. Zu- 
gleich ein Beitrag zur Geschichte der Lehrerbesoldungsfrage 
überhaupt: Leipziger Lehrerzeitung XIII (1905/06), 723 — 726 

739—743. 

„ Die Anfänge der Lehrerbesoldung in Sachsen: ebenda XIV 

(1906/07), 269—272. 291 — 293. 
„ Die Lehrerbesoldungsfrage zur Zeit des Sturmes und Dranges: 
Sächsische Schulzeitung. 1907. S. 53 — 57. 69 — 73. 

Wolf, Bernhard. Skizzen von der ehemaligen Kursächsischen Armee: 
Archiv für Kulturgeschichte IV (1906), 403—434. V (1907), 83 — 112. 
(Schlufs folgt.) 

V. Wolf, Karl. Der Feldzug in Rufsland 1812. Nach dem bisher 
unveröffentlichten handschriftlichen Tagebuche Karl von Wolfs : 
Unsere Heimat V (1906), 312 — 328. (Schlufs.) 

Wolf, Uichard. Die Markusgemeinde zu Chemnitz in den ersten 
fünfzehn Jahren ihres Bestehens. Nachrichten über ihre Begrün- 
dung; und Entwicklung im Einverständnisse mit ihrem Kirchen- 
vorstande zusammengestellt. Leipzig, Arwed Strauch. (1907.) 
32 SS. Mit Abb. 8°.' 

Woljf, Ernst. Robert Schumann. Mit 10 Vollbildern in Tonätzung 
und 6 Faksimiles. (Die Musik. Sammlung illustrierter Einzel- 
darstellungen. Herausgegeben von Richard Straufs. Bd. 19.) 
Berlin, Bard, Marquardt & Co. (1906) 86 SS. 8». 

(Wünschmann, Max.) Annaberg und Umgebung in Bildern. Anna- 
berg, 1906. 60 SS. qu.-S*'. 

Wnstmann, Gustav. Der Leipziger Kupferstich im 16., 17. und 
18. Jahrhundert. (Neujahrsblätter der Bibliothek und des Archivs 
der Stadt Leipzig. III.) Leipzig, Hirschfeld. 1907. 112 SS. Mit 
I Abb. 8". 
,, Leipzig einst und jetzt: Die Gartenlaube. 1906. Nr. 48. 
,, Ein Enkel Johann Sebastian Bachs: Wissenschaftliche Beilage 
der Lpz. Ztg. 1907. Nr. 8, 

Z. Am Napoleonstein (Zum 18. Oktober): Sachsen -Post I (1906). 

Nr. 3. S. 1-5. 

[Frhr. v. Zedtivüz, Ä.J Die Wappen der im Königreiche Sachsen 
blühenden Adelsfamilien (Nachträge): Dresdner Residenz-Kalender 
auf das Jahr 1907. S. 85-88. Mit 2 Taff. 

V. Zehmen, H. M. Genealogische Nachrichten über das Meifsnische 
Uradelsgeschlecht von Zehmen 1206 bis 1906. Als Manuskript ge- 
druckt. Dresden, Druck von Wilhelm Baensch. 1906. (Il),i65SS. 8°. 

Zeltirr, Julius. Herr von Monconys in Leipzig und die Naturalien- 
Kammer des Bürgermeisters C'hristian Lorenz von Adlershelm: 
Leipziger Kalender IV (1907), 77 — 91. 

Das Lehrerinnenseminar zu Callnberg. Ein Ge^enkblatt zur Feier 
des 50jährigen Bestehens 20. Oktober 1906. Mit 3 Abb.: Unsere 
Heimat VI (1906,07), 33 — 36, 



Literatur. iy3 

Nach fünfzig Jahren! (Geschichte der Dresdner Nachrichten): 
Dresdner Nachrichten, i. Oktober 1906. Jubiläums-Beilage. S. if. 

Der Kammweg im Erzgebirge: Gebirgsfreund XVIII (1906), 152! 

Festschrift. Herausgegeben zur Abgeordneten- und Jahresversamm- 
lung des Erzgebirgsvereins und zur Feier des 25jährigen Be- 
stehens des Erzgebirgszweigvereins Wiesenthal in Oberwiesenthal 
am 3., 4. und 5. Oktober 1906. Schwarzenberg , C. M. Gärtner. 
(1906.) 36 SS Mit Abb. 8». 

Samuel Klemms Haus in Freiberg: Klemms Archiv. Nr. 19 (1906). 
S. 284—286. 

Denkwürdigkeiten aus der Stadt Glashütte. Eine Festschrift zum 
400jährigen Stadtjubiläum am 7. Oktober 1906. Herausgegeben 
im Auftrage des .Stadtgemeinderates vom Prefsausschufs. 76 SS. S'*. 

UnsereGlocken: Dresdner Anzeiger. 1906. Nr.279.S2f. Nr.28o.S.2. 

Das Schillerhäuschen in Gohlis (Leipzig): Welt und Haus VI 
(1906 '07). Heft 4. 

50 Jahre der Dr. Güntz'schen Stiftung: Dresdner Anzeiger. 1906. 
'Nr. 269. S. I. 

Freilegung der Burgruine Karlsfried bei Zittau: Gebirgsfreund 
XVIII (1906), 61. 

Neue Sächsische Kirchengalerie. Unter Mitwirkung der säch- 
sischen Geistlichen herausgegeben. Die Ephorie Auerbach, be- 
arbeitet von den Geistlichen der Ephorie unter der Redaktion des 
Pfarrer em. Naumann. Nebst einem Bericht über die Schulver- 
hältnisse im Inspektionsbezirk Auerbach. 294 Spp. ; Die Ephorie 
Borna, herausgegeben von den Geistlichen der Ephorie. VI SS. 
und 1330 Spp.: Die Ephorie Marienberg, Lieferung i — 14. Sp. i 
bis 336; Die Ephorie Werdau, bearbeitet von den Geistlichen der 
Ephorie. 4q8 Spp. Leipzig, Arwed Strauch. (1906/07.) Mit Abb. 
und Taff. 4^. 

Fünf Jahre sächsischer Kirchengeschichte: Der Hausvater XVI 
(1906), 294-297. [!] 30—33. 77—81. [Schlufs folgt.) 

Bericht über den Zustand der evangelisch -lutherischen Landes- 
kirche im Königreich Sachsen auf die Jahre 1901 bis 1905 Zu- 
sammengestellt für die 8. ordentliche Landess3'node vom Evan- 
gelisch-lutherischen Landeskonsistorium. Dresden, C. C. Mein- 
hold & Söhne. (1906.) 185 SS. 4». 

Leipziger Skizzen. Heft i: Die Leipziger Messen. Von einem alten 
Leipziger. Leipzig, Teutonia -Verlag. 1907. 64 SS. 8'^. 

Urteile auswärtiger Schulmänner über Leipziger Schulwesen: Leip- 
ziger Lehrerzeitung XIV (1906/07), 65 f. 

Das Museum für Völkerkunde zu Leipzig und sein Begründer: 
Wissenschaftliche Beilage der Lpz. Ztg. 1906. Nr. 86. 

Die K. S. M 1 1 i t ä r V er e i n e 45 Jahre unter dem Protektorate Sächsischer 
Könige: Der Kamerad XLIV (1906). Nr. 42. S. 9! Nr. 43. S. 9f. 

Mirusblatt. Nr. 10—14. Leisnig, Druck von Herrm. Ulrich (Wölb- 
ung & Feiste). 1906. S. 145 — 224. 8'*. 

Kriegs -Unruhen, welche die Stadt Neustadt und Umgegend be- 
troifen (Forts.): KirchUche Nachrichten für 1906 aus der Parochie 
Neustadt i. Sa. 14. Bericht. S. 22—41. 

Karl Gottlob R ÖS sig (Professor in Leipzig 71806): Landwirtschaftlich- 
Historische Blätter V (1906), 36! Mit Bildnis. 

Zu Dr. Friedrich Wilhelm Schützes [Seminar-Direktors in Waiden- 
burg] 100 jährigem Geburtstag: Schönburgischer H^uskalender 
iauf das Jahr 1907. S. 2^ — 29. 



174 



Literatur. 



Ein Soldaten-Frej^ -Schein aus dem Jahre 1807: Der Kamerad 

XLIV (1906). Nr. 46. S. 20 f. 
Album academiae Vitebergensis ab a. Ch. MDII. usque ad a. MDLX. 

Ex autographo ediditCarolusEduardusFoerstemann. Vol.l. Lipsiae, 

Carolus Tauchnitius. 1841. [Anastatischer Neudruck. Halle, 
ijM. Niemeyer. 1906.] VIII, 373 SS. 4^ 
\'om Völkerschlacht-Denkmal: Unsere Heimat VI (1906), 2—4. 

Mit Abb. 
Wapler'sches Familienblatt. V^ereinsorgan des Waplerbundes. 

Nr. 27 — 31. Leisnig, Druck von Herrm. Ulrich (WölbUng & Feiste). 

1906/07. S. 417 — 496. 8^. 
Auf in die sächsische Schweiz ! Auf nach Wahlen! Herausgegeben 

vom Gebirgs -Verein, Sektion Wehlen. Leipzig, Druck von 

Frankenstein & Wagner. (1906.) 72 SS. Mit Abb. und Karte. 8". 

(S. iiff. : Geschichtliches über Wehlen.) 
Aus der Stadtgeschichte von Wehlen: Über Berg und Thal XXIX 

(1906), 79 f. 
Pastor Weidauer f: Allgemeine Evangelisch-lutherische Kirchen- 
zeitung XL (1906I, 471^474. 489—495. 
Der kursächsische Oberstleutnant aus dem Winkel: Der Kamerad 

XLIV (1906). Nr. 44. S. lof. 
Zinnwalder Glaubenstreue: Sächsischer Gustav Adolf- Bote XVII 

(1906), 29 -31. 
Das grofse Fürstenschiefsen zu Zwickau im Jahre 1573: Unsere 

Heimat V (1906), 301— 311. Mit Abb. 

Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte , herausgegeben im Auf- 
trage der „Gesellschaft für sächsische Kirchengeschichte" von 
Franz Dibelius und Theodor Brieger. 20. Heft (Jahresheft für 1906). 
Leipzig, Johann Ambrosius Barth. 1907. 259 SS. 8<*. 

Inhalt: S. Ifsleib, Moritz von Sachsen als evangelischer Fürst. 
1541 — 1553. — Albert Chalybäus, Sind „Alba" und Krause 
durch das Leipziger Interim in Sachsen eingeführt worden? — 
Otto Giemen, Ein Stammbuch aus der zweiten Hälfte des 
16. Jahrhunderts. — Derselbe, Zur Biographie Daniel Gresers.— 
[ Derselbe, Aktenstücke aus dem Zwickauer Ratsarchiv. — 
Theodor Distel, „Magister" Johann Gottfried ,.Lefsing'. 

Blätter für die Geschichte der Sächsischen Armee. 1906, Nr. 10—12. 
1907. Nr. I — 2. 

Inhalt: Die Sächsische Armee vor hundert Jahren. — General 
der Kavallerie Hans Gottlob von Zezschwitz, kommandierender 
General der Kursächsischen Truppen im Feldzuge 1806. — Ein 
tapferes Grenadier-Bataillon in der Schlacht bei Jena den 14. Ok- 
tolDer 1806. — V. Schubert, Charakteristik der Kriegführung im 
siebenjährigen Kriege, mit besonderer Beziehung auf den Kriegs- 
schauplatz in Sachsen. — B[u]ch[e]r, H., Zur 40jährigen Er- 
innerung an die Heimkehr der Sächsischen Armee aus Österreich 
und die Reorganisation des Heeres. — Die Sächsische Armee 
nach dem siebenjährigen Kriege. — C. v. Metzsch, Sachsen 
100 Jahre Königreich. Geschichtlicher Rückblick. — E. Schurig, 
Die militärischen Schicksale der Dresdner Augustusbrücke. — 
Das sächsische Suhl. — Die ersten Versuche mit Hinterladern. — 
Johann George Chevalier de Saxe oder Ritter in Sachsen. 



Literatur. 



175 



Dresdner Geschichfsblätter. Herausgegeben vom Verein für Ge- 
schichte Dresdens. XV. Jahrgang. 1906. Nr. 3. 4. 

Inhalt: Ernst Sigismund, Dreifsig Jahre Dresdner Kunst- 
ausstellungen (1801 — 30). Eine kunstgeschichtliche Studie. — 
C. Krollmann, Aufzeichnungen des Burggrafen Christoph zu 
Dohna über die Sehenswürdigkeiten Dresdens 1616 und 161 8. — 
R. Göhler, Zur Geschichte des Maiaufstandes 1849. — Hans 
Beschorner, Ergänzungen zu dem Berichte über die alte Orgel 
in der Friedrichstädter Kirche. 

Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins mit Bildern aus Freiher gs 
Vergangenheit. Herausgegeben von Konrad Knebel. Heft 42. 
Freiberg, Gerlach. 1906. III, 144 SS. Mit i Stammtafel. 8". 

Inhalt: O. Hübner, Die Familie Hilliger. — Wappler, Zum 
Gedächtnis des Freiberger Ehrenbürgers Geh. Rates Dr. Clemens 
Winkler und seiner Ahnen. (Mit Abb.) — W. Domansky, Ein 
Freiberger Kind am Ostseestrand (D.Johannes Mauki-sch 1617 bis 
1669). — Wappler, Lips Tullians vereitelter Anschlag auf den 
Freiberger Silberwagen. — Ein russisches Lob Freibergs. — 
Nossenis Bericht über Fertigstellung der kurfürstlichen Begräbnis- 
kapelle und damit zusammenhängende Anträge, namentlich auch 
betr. Kurfürst Moritz' Kleidung. 

Mitteilungen des Vereins für Geschichte Dresdens. Heft 20. Dresden, 
Wilhelm Baensch. 1907. VI, 86 SS. 8». 

Inhalt: Ernst Sigismund, Ferdinand von Rayski. Ein biogra- 
phischer Versuch. Mit 8 Taft, 

Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen. 26. Heft 
(zweites des VII. Bandes, S. 129—260). Meifsen, Louis Mosche in 
Komm. 1907. 8°. 

Inhalt: Schwabe, Ältere dramatische Aufführungen in Kur- 
sachsen, mit besonderer Berücksichtigung von Meifsen. — Erich 
Riehme, Markgraf, Burggraf und Hochstift Meifsen, ein Beitrag 
zur Geschichte der Entwickelung der sächsischen Landesherr- 
schaft. — Radestock, Zur Geschichte des Meifsner Wochen- 
markts. — Derselbe, Ein Streit des Gastwirts zum goldenen 
Löwen mit dem Rate zu Meifsen wegen Hafereinkaufs. 



Nachrichten. 



Die Königlich Sächsische Kommission für Grcschichte trat am 
9. Februar d. J. in Leipzig zu ilirer Jahressitzung zusammen. Der 
Vorsitzende, Seine Exzellenz der Kultusminister von Schlieben, er- 
("iffnete die Versammlung, indem er seines durch schwere Erkrankung 
zum Rücktritt veranlafsten Vorgängers, Exzellenz Dr. von Seydewitz, 
gedachte, dessen Verdienste um die Begründung und die bisherige 
Tätigkeit der Kommission durch seine Ernennung zu ihrem Ehren- 
mitgliede anerkannt worden sind. Geh. Rat Professor Dr. Friedberg 
begrüfste den derzeitigen Vorsitzenden und den mit seiner Stell- 
vertretung beauftragten Geh. Rat Dr. Waentig. Durch den Tod hat 
die Kommission im letzten Jahre die Mitglieder Geh. Rat Dr. Hassel, 
Direktor des Hauptstaatsarchivs zu Dresden, und Professor Dr. von 
Gebhardt, Direktor der Universitätsbibhothek zu Leipzig, verloren; 
ausgeschieden ist ferner Professor Dr. Buchholz infolge seiner Be- 
rufung an die Akademie zu Posen. Dagegen wurden Archivrat 
Dr. Beschorner in Dresden, Professor Dr. Boysen, Direktor der Uni- 
versitätsbibliothek, und Professor Dr. Kötzschke zu Leipzig neu zu 
Mitgliedern gewählt. 

Das geschäftsführende Mitglied, Geh. Hofrat Professor Dr. Lam- 
precht, wies in seinem Geschäftsberichte darauf hin, dafs die Finanz- 
lage der Kommission trotz der stattlichen Summe von 28000 Mark, 
die ihr für 1907 zur Verfügung steht, doch nicht unbedenklich sei, 
da die Zahl der Subskribenten sich fortgesetzt vermindere; es sei 
wünschenswert, mehr Fühlung mit dem Lande zu gewinnen. Über 
die Art, wie dies geschehen könnte, entwickelte sich eine längere 
Aussprache, wobei Geh. Hofrat Professor Dr. Bücher für die perio- 
dische Veröffentlichung kleiner darstellender Arbeiten, die auch für 
weitere Kreise bestimmt sein sollten, eintrat. Zur Klärung dieser 
Frage und zur Organisation der Werbung neuer Subskribenten wurde 
ein Ausschufs gebildet. 

Veröffentlicht hat die Kommission im Laufe des Jahres 1906: 
R. Brück, Die Malereien in den Handschriften des Königreichs 
Sachsen (Dresden, Meinhold & Söhne); V. Hantzsch, Die ältesten 
gedruckten Karten der sächsisch -thüringischen Länder 1550 — 1593 
(Leipzig, B. G. Teubner). 

Die historisch - statistische Grundkarte für Sachsen zeigt 
noch immer eine empfindliche Lücke, indem die von der 
Kommission für die Provinz Sachsen und Anhalt herzustellende 
Sektion 367/392 (Finsterwalde — Grofsenhain) auch im Jahre 1906 
noch nicht erschienen ist. Die bisher vom Herausgeber dieser Zeit- 



Nachrichten. 



177 



Schrift besorgte Verwaltung der Landesstelle für die Grundkarten 
(Hauptstaatsarchiv) ist auf seinen Vorschlag dem Archivrat Dr. Be- 
schorner übertragen worden. Die photographische Reproduktion 
der Flurkarte ist nahezu vollendet; es wurde beschlossen, das 
eine Exemplar der Aufnahme im Hauptstaatsarchiv aufzubewahren. 
Der Flurkartenatlas (Professor Kötzschke) hat noch keine wesent- 
lichen Fortschritte gemacht, während die Sammlung von Flur- 
namen (Archivrat Dr. Beschorner) in erfreulicher Weise anwächst. 
Die Vorarbeiten für das Historische Ortsverzeichnis, für das 
Dr. A. Meiche als Mitarbeiter den Bürgerschullehrer Dr. Pilk und den 
Bezirkschullehrer Mörtzsch herangezogen hat, sind fortgesetzt worden ; 
die Ämter Hohnstein, Lohmen, Moritzburg, Radeberg sind fertig, 
Stolpen, Pirna und Grofsenhain in Bearbeitung. Naturgemäfs wird 
noch eine Reihe von Jahren vergehen, bevor mit dem Drucke des 
Werkes begonnen werden kann. Auch die Publikation der 
Beschreibung des Bistums Meifsen von Seminaroberlehrer 
Dr. R. Becker ist noch nicht in nächster Zeit zu erwarten. 

Dagegen werden demnächst erscheinen die von Hofrat P. E. 
Richter in Dresden und Archivar Dr. C. Krollmann in Schlobitten 
besorgte Ausgabe von Dilichs Federzeichnungen sächsischer 
Städte aus den Jahren 1626— 1629 und der von W. Lippert heraus- 
trfegebene Briefwechsel der Kurfürstin Maria Antonia von 
Sachsen mit der Kaiserin Maria Theresia; beide Werke sind 
im Druck nahezu vollendet. Auch das schon für das Vorjahr in 
Aussicht gestellte erste Heft der Hauptwerke der sächsischen 
Bildnerei und Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts, 
herausgegeben von E. Flechsig, ist zu erwarten. 

Es wird ferner voraussichtlich mit dem Druck von Merx, Akten 
zur Geschichte des Bauernkrieges in Mitteldeutschland 
Bd. I, und von P. Haake, Briefe König Augusts des Starken, 
begonnen werden können. 

Dagegen kann W. Görlitz das Manuskript des I. Bandes der 
sächsischen Ständeakten erst für Ostern 1908, Ed. O. Schmidt 
den Briefwechsel zwischen Graf Brühl und Karl Heinrich 
von Heinecke erst für 1909 in Aussicht stellen. Über den Zeit- 
punkt der Veröffentlichung mehrerer anderer Werke, wie des 2. Bands 
der Akten und Briefedes Herzogs Georg (F.Gefs), des 3. Bands 
der Politischen Korrespondenz des Kurfürsten Moritz 
(E. Brandenburg), der Akten zur Geschichte des Heilbronner 
Bundes (J. Kretzschmar) , der Geschichte der amtlichen 
Statistik in Sachsen und der Geschichte des sächsischen 
Steuerwesens (R. Wuttke), der Geschichte des sächsischen 
Schuldenwesens (W. Däbritz), endlich der Ausgabe der so- 

fenannten Instruktion eines Vorwerksverwalters des Kur- 
ürsten August (R. Wuttke und Ermisch), der nur noch die Ein- 
leitung fehlt, kann nichts Bestimmtes gesagt werden. 

Eine besondere Gruppe bilden die Werke, die zusammen eine 
Geschichte des geistigen Lebens der Stadt Leipzig bilden 
und im Jahre des Leipziger Universitäts -Jubiläums 1909 fertig vor- 
liegen sollen. Die Literaturgeschichte (Witkowsky) wird wohl bis 
Ende 1907, die Kunstgeschichte (Kurzwelly) und die Schulgeschichte 
(Kaemmelj Anfang 1908, die Musikgeschichte, von der ein Teil des 
ersten Bandes von R. Wustmann bereits bearbeitet ist und die 
von A. Heufs fortgesetzt wird, bis Anfang 1909 im Manuskript ab- 
geschlossen vorhegen; leider hat Professor Dr. Böhmer, der die Ge- 



iy8 Nachrichten. 

schichte des kirchlichen Lebens zu schreiben übernommen hatte, 
von dieser Arbeit zurücktreten müssen. Auch die Ausgabe des Tage- 
buchs des Rektors Thomasius, einer wichtigen Ergänzung der Leip- 
ziger Schulgeschichte, ist gefördert worden. 

Der Vorschlag des Archivrat Dr. Beschorner, diejenigen (20—25) 
Blätter der ältesten Landesvermessung Sachsens von Mat- 
thias Öder, die nicht in die Ausgabe von Rüge Aufnahme gefunden 
haben, in Dreifarbendruck zu reproduzieren und etwa in Verbindung 
mit der Kommission für die Provinz Sachsen und Anhalt zu ver- 
öffentlichen, erregte wegen der Höhe der Kosten Bedenken. Da- 
gegen ward eine Veröffentlichung der Kirchenvisitationsakten 
aus den früheren Jahren der Reformationszeit ins Auge gefafst und 
die Herausgabe des Registrum dominorum marchionum Misnensium 
vom Jahre 1378, von dem die Kommission eine Abschrift hat her- 
stellen lassen, von Neuem dringend empfohlen. Es mag bemerkt 
werden, dafs sich seitdem für die Lösung dieser wichtigen und 
lohnenden Aufgabe in Archivrat Dr. Beschorner die geeignete Kraft 
gefunden hat. 

Im EönigL Sächsischen Altertamsverein hielten im Laufe des 
verflossenen Winters Vorträge Dr. Meiche ,,Die Raubschlösser der 
Sächsischen Schweiz" (5. November), Geh. Hofrat Professor Dr. Gur- 
litt „Die sächsische Kunst vor hundert Jahren" (3. Dezember), In- 
stitutslehrer Dr. Görlitz (Niesky) „Herzog Georg von Sachsen und 
seine Stände" (7. Januar), Oberstleutnant z. D. von Mansberg „Der 
Streit um die Lausitz 1440—1450" (4. Februar), Pastor Döhler „Die 
Beschiefsung und Einäscherung Zittaus am 23. Juli 1757" (4. März). 
Im Vorstande des Vereins trat dadurch eme Veränderung ein, dafs 
Geh. Hofrat Dr. Erbstein und Oberregierungsrat Dr. Ermisch eine 
Wiederwahl in ihre bisherigen Ämter ablehnten. Der letztere 
wurde zum zweiten Vorsitzenden, Regierungsrat Dr. Lippert zum 
Schriftführer gewählt und diesem durch Beschlufs des Vorstandes 
Archivrat Dr. Beschorner als aufserordentliches Vorstandsmitglied 
beigegeben. 

In der Oberlaasitzischen Gesellschaft der Wissenschaften za 
(xörlitz (250 Mitglieder) sprachen am 16. Mai 1906 Professor Dr. Jecht 
über Durocs Tod und Denkmal in Markersdorf, am 10. Oktober 
derselbe über kirchliche Altertümer der Oberlausitz und Pfarrer 
Jacob (Neschwitz) über Bartholomäus Ziegenbalg aus Pulsnitz. Die 
Gesellschaft veröffentlichte aufser dem 82. Bande des Neuen Lau- 
sitzischen Magazins das 2. Heft des 3. Bandes des Codex diplomaticus 
Lusatiae superioris (Görlitzer Ratsrechnungen 1391 — 1399), heraus- 
gegeben von R. Jecht, und eine Schrift von Möschler: Rekon- 
struktion der Dörfer Rennersdorf, Berthelsdorf und Grofshennersdorf 
bei Herrnhut. 

Im Verein für Geschichte von Anuaberg und Umgegend hielten 
Vorträge am 15. November Realgymnasialoberlehrer Dr. Meier über 
Christian August Clodius, ein Annaberger Stadtkind, am 6. Dezember 
Seminaroberlehrer Dr. Rühlmann über die Oktobertage vor hundert 
Jahren in der damaligen öffentlichen Meinung. 

Im Verein für Chemnitzer Geschichte (205 Mitglieder) hielt am 
20. November Realgymnasiallehrer Cand. Happach einen Vortrag: 
„Ein Chemnitzer Reformator des 18. Jahrhunderts". Veröffenthcht 
hat derVerein eine Schrift von E. Weinhold, „Chemnitz und Umgebung. 
Geschichtliche Bilder aus alter und neuer Zeit". 



Nachrichten. 



179 



Vorn Freibertrer Altertumsvereiii wird uns mitg:eteilt, dafs die 
Sammlungen des Vereins, die 18 Räume im König- Albert-Museum 
einnehmen, vom Vorsitzenden des Vereins, Bürgerschullehrer Knebel, 
dem zu diesem Zwecke der Stadtrat einen sechswöchentlichen Ur- 
laub bewiUigt hat, und vom Museumswart Bergamtsrat Wappler 
im verflossenen Jahre vollständig inventarisiert worden sind. Der 
Erstgenannte hat einen Führer durch die Sammlungen veröffentlicht 
und beschäftigt sich zur Zeit mit der Bearbeitung eines Haupt- 
katalogs, der den Mitgliedern als Heft zugehen wird. 

Der (ireschiclits- und Altertumsverein zu Leisuig, bei dessen 
an dieser Stelle schon erwähnten 40Jährip;en Stiftungsfest (5. März 
1906) aufser Oberregierungsrat Dr. Demiani auch Oberlehrer Dr. Pfau 
in Rochlitz zum Ehrenmitglied ernannt wurde, veranstaltete am 
9. Mai einen Ausflug nach Nimbschen und Grimma. Vorträge hielten 
Pastor Gerber über die Wenden zwischen Saale und Elbe, das 
Volk und seine Religion (30. Aprili, über Grimma und seine älteste 
Geschichte (25. Juni), über die Ehrlichmachung der sächsischen Leine- 
weber (17. Dezember), Kirchschullehrer Reinhold-Hochweitzschen über 
Wipprecht von Groitzsch (24. September und 29. Oktober), Hofrat 
Dr. Mirus über D. Zacharias Rivander (Bachmann), geboren zu Leisnig, 
Superintendent zu Bischofswerda (28. Januar 1907). 

Der Verein für Geschichte Meifsens wählte Professor Dr. Licht 
zum Vorsitzenden. In den Vorstand traten ferner ein Professor 
Dr. H. Heyden und Oberlehrer Dr. E. Höhne. Unter Führung des 
Pfarrer Weinberger fand eine Besichtigung der neu erbauten Luther- 
kirche im Triebischtale statt. 

Im Verein für dreschichte der Stadt Pirna hielten Vorträge 
am 17. Dezember Professor Speck über Inhalt und Verfasser der 
Continuatio Annalium Pirnensium, am 8. Februar Professor Kästner 
über Befestigungen und Feldlager bei Pirna im Jahre 1756. 

Der Verein für Rochlitzer Geschichte (93 Mitglieder), dessen 
Vorstand zur Zeit aus Oberlehrer Dr. Pfau als Vorsitzenden, Stadtrat 
Rechtsanwalt Dr. Kirsten als Schriftführer, Seminaroberlehrer 
Dr. Kötz als Kassierer besteht, hat wiederum verschiedene Aus- 
grabungen veranstaltet und sein Museum, für das ihm seitens der 
Staatsregierung weitere Räume zur Verfügung gestellt worden sind, 
vermehrt; so hat er das Rochlitzer Richtschwert erworben, das seit 
längerer Zeit aus Rochlitz verschwunden war und jetzt vom Sohne 
des letzten Rochlitzer Scharfrichters zurückgebracht worden ist 
Verschiedene Aufsätze des Vorsitzenden, die meist im Rochlitzer 
Tageblatt erschienen sind, sind als 5. Lieferung der „Einzelheiten 
aus dem Gebiete der Rochlitzer Geschichte" unter dem Titel 
„Skizzen vom alten Rochlitzer Handel und Wandel" zusammen- 
gefafst worden. 

Der Altertnmsvereiu zu Plauen i. \. hat seine Sammlungen, 
die im vormals Hohmannschen Hause (Herrenstrafse 5) eine über- 
sichtliche Aufstellung gefunden haben, vom 28. Oktober ab jeden 
S)nntag von 11 — 12 Uhr dem Publikum zur unentgeltlichen Be- 
sichtigung eeöftnet. Vorträge hielten am 9. November Dr. med. Wenzel 
über das Märchen vom Dornröschen in altdänischer Fassung und 
der Vorsitzende des Vereins A. Neupert über Dr. phil. J. G. Heynig, 
den deutschen Sokrates im Vogtlande, am 18. Januar Oberlehrer 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIU. l. ?. 12 



igo Nachrichten. 

Huster: „Aus einer Jöfsnitzer Chronik zur Zeit des siebenjährigen 
Krieges, nach Aufzeichnungen des Gutsauszüglers Meinelt in Jöfsnitz 
und nach Akten des Ratsarchivs", am 26. Februar Realgymnasial- 
lehrer Skolle über kurfürstliche Jagden im Vogtlande und Erzgebirge. 
Veröffentlicht wurde ein umfangreiches Werk des Ehrenmitglieds des 
Vereins General der Infanterie Dr. von Raab: Schlofs und Amt Vogts- 
berg bis Mitte des 16. Jahrhunderts und das Erbbuch vom Jahre 1542, 
auf das wir noch zurückkommen werden. 

In der Gesellschaft für Zittauer Geschichte wurden im letzten 
Jahre folgende Vorträge gehalten : Professor Dr. Neefse „Zwei Jahre 
Zittauer Geschichte 1422 und 1423" (4. April 1906), Pfarrer Sauppe- 
Lückendorf „Rat, Handwerker und Handel in Zittau nach 1635" 
(25. April), Kaufmann Nicolaus „Die Kriegsdrangsale der Oberlausitz 
181 3" (28. November), Professor Dr. Wilisch „Über das Ende der 
Zittauer Schulkomödie" (19. Dezember), Professor Dr. Neefse „Die 
Wartenberger Fehde" (30. Januar 1907). 

Die Abteilung für Geschichte (Historische Sektion) im Gebirgs- 
verein für die Sächsische Schweiz (Vorsitzender: Prof. Speck in 
Pirna, Stellvertreter Lehrer A. Bergmann in Dresden) hielt im ver- 
flossenen Winterhalbjahr (1906/07) Vortragsabende ab am 11, Oktober: 
Beiträge zur Geschichte Pirnas im siebenjährigen Kriege (Prof. Speck); 
am 8. November: Der Lilienstein (Lehrer Jentsch-Klotzsche); am 
13. Dezember: Die Beziehungen der FamiUe Luther zu Dohna 
(Dr. med. Schlauch -Dohna) und: Die Basalte der Sächsischen Schweiz 
(Jentsch); am 10. Januar: Volks- und Kinderlied in der Sächsischen 
Schweiz (Dr. Meiche- Dresden); am 14. Februar: Die Gründung des 
Kammerguts Ostra, ein Beitrag zur Lösung der Frage „Wo lag 
Wernten?" (Lehrer A. Bergmann -Dresden); am 14. März: Mythologie 
der Sächsischen Schweiz (Jentsch). Im Sommer 1906 wurden zwei 
Studienausflüge unternommen und zwar am 28. April nach Pirna 
(Führer: ProL Speck) und am 25. August nach der Wüstung Rein- 
hardswalde im Karswald (Führer: Kantor Störzner- Arnsdorf). — 
Kurz vor Weihnachten 1906 erschien das in der Hauptsache von 
Mitgliedern der Historischen Sektion unter Leitung von Dr. A. Meiche 
bearbeitete Werk über „Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohn- 
stätten der Sächsischen Schweiz". Es wird an die Mitglieder des 
Kgl. Sachs. Altertumsvereins und des Dresdner Geschichtsvereins 
zu dem Vorzugspreise von 2 M. 50 Pf. abgegeben. 

Der Verein für Sächsische Volkskunde hielt seine diesjährige 
Hauptversammlung am 7. September zu Dresden in Verbindung mit 
der Versammlung für Volkskunde und Volkskunst ab, über die wir 
an dieser Stelle (XXVII, 406) bereits berichtet haben. Im Vorstand 
trat insofern eine Veränderung ein, als statt des Oberstleutnant 
von Grünenwald und des Dr. K. W. Gruber, die eine Wiederwahl 
abgelehnt hatten, Regierungsbaumeister Dr. ing. Mackowsky zum 
ersten und Dr. Helmolt- Leipzig zum zweiten Schriftführer gewählt 
wurden; da letzterer bald darauf wegen seines Fortzugs von Leipzig 
zurücktrat, übernahm Dr. Gruber -Leipzig wiederum das Amt. Zu 
Beisitzern wurden Architekt E. Kühn und Geh. Baurat Wanckel in 
Altenburg gewählt. Die Mitgliederzahl hat sich auf 2375 vermehrt; 
die Bibliothek, das Archiv und das Museum sind bedeutend ge- 
wachsen. Vorträge hielten zu Dresden am 10. Januar Dr. Reuschel 
„Zur Psychologie des Volkslieds", am 15. Februar bei einem aii- 



Nachrichten. l8l 

läfslich des zehnjährigen Bestehens des Vereins veranstalteten Fest- 
abend Rektor Professor Dr. Schmidt- Würzen über Schleis Scharfen- 
berg und seine Umgebung in Geschichte, Sage und Dichtung. 

Das Museum des Königl. Sachs. Altertunisvereins zu Dresden 

wurde in den sechs Sommermonaten des Jahres 1905 insgesamt von 
14 139, in denen von 1906 von 14631 Personen besucht. Wenn diese 
Zahlen auch gegen die der Jahre 1903 und 1904 etwas zurückge- 
gangen sind, so beweisen sie immerhin noch ein recht grofses In- 
teresse, das die Allgemeinheit an dieser Sammlung nimmt. 

Seit einigen Jahren ist das Hauptaugenmerk der Museums- 
leitung auf Vorkehrungen für die Erhaltung der gesammelten Gegen- 
stände gerichtet, es ist dies aber ein Moment, dem man zumeist 
nicht die gebührende Beachtung zu zollen pflegt. Und doch dürfte 
wohl in jedem Altertumsmuseum nach dieser Richtung hin unendHch 
viel zu tun sein. Man mufs nur bedenken, dafs die meisten Gegen- 
stände erst, wenn sie unansehnlich werden, ins Museum kommen. 
Das Holz wird von Würmern zernagt, die Trockenfäule löst es in 
Mehl auf. Nur rechtzeitige und richtige Mal'snahmen können es in 
vielen Fällen vor dem völhgen Untergange bewahren. Das Holz 
ist, im Mittelalter wenigstens, zumeist bemalt. Die auf einem ge- 
leimten Kreidegrund aufgebrachte Farbe blättert aber mit der 
Zeit ab und droht mehr und mehr zu verschwinden, denn der Grund 
hält nicht mehr, da sich der Klebestotf verflüchtigt hat. Hier gilt 
es nun, Mittel anzuwenden, mit denen man den Grund wieder an 
das Holz befestigt. Wertvolle Textilien müssen unterlegt und an 
einzelnen Teilen des Futters aufgehängt werden, da sich ihre Be- 
schädigungen vielfach nur durcn ihr eigenes hängendes Gewicht 
vergröfsern. Irgendwelche Ergänzungen im Sinne des Alten, das 
Ansetzen von Nasen, Händen, Füfsen, von Attributen usw., eine früher 
viel gepflegte Restaurierungsmethode, wird jetzt streng vermieden, 
dafür aber mit allen Kräften dahin gestrebt, dafs den Beschädigun- 
gen Einhalt getan wird. In den beiden Berichtsjahren wurden nicht 
weniger als 27 gotische Altäre, 12 einzelne Altarflügel, 109 gröfsere 
und kleinere Holzfiguren, 30 verschiedene Ornamentteile und vier 
alte Mefsgewänder wiederhergestellt. In zwei oder drei Jahren hofft 
man, den ganzen Besitz in der angedeuteten Art pfleglich behandelt 
zu haben. " Berling. 

In Leipzig ist die Frage der Errichtung eines stadtgescliicht- 
lichen Museuuis endlich in Flufs gekommen. Der Gedanke, die 
Räume des alten Rathauses zur Unterbringung der älteren, stadt- 
geschichtlichen Abteilung des Ratsarchivs und in Verbindung damit 
eines stadtgeschichtlichen Museums zu benutzen, hat ja schon lange 
bestanden, auch hat der Rat der Stadt schon längst, noch ehe das 
neue Rathaus bezogen war, sich dieser Idee angeschlossen, und sie 
hat in den Kreisen des Rates und der Stadtverordneten mitgewirkt 
und ist ausschlaggebend gewesen bei den Beschlüssen, das alte 
Rathaus zu erhalten und zu restaurieren. Neuerdings sind aber nun 
auch von beiden Kollegien bindende Beschlüsse über die Ver- 
wendung des alten Hauses gefafst worden. Der im vorigen Sommer 
in Kissmgen verstorbene Leipziger Kunst- und Altertumshändler 
Jost hatte noch wenige Monate vor seinem Tode seine reiche 
Sammlung von Bildern, Waffen und Kunstgegenständen aus der Zeit 
Napoleons I. und der Befreiungskriege der Stadt zum Geschenk an- 
geboten jnit dem Wunsche, dafs sie in dem zukünftigen „stadt- 



iSz Nachrichten. 

geschichtlichen Museum im alten Rathause" Aufnahme finden möge. 
Dies gab den äufseren Anlafs, dafs Rat und Stadtverordnete end- 
giltig über die Verwendung des alten Rathauses Beschlufs fafsten. 
Die Jostsche Sammlung ist inzwischen bis zur Vollendung des Rat- 
hausumbaues in der alten Nikolaischule (am Nikolaikirchhof) unter- 
gebracht und dem Publikum zugänglich gemacht worden. Einen 
weiteren wichtigen Fortschritt aber hat die ganze Museumsangelegen- 
heit neuerdings dadurch gemacht, dafs der „Verein für die Ge- 
schichte Leipzigs" nach längeren Verhandlungen sich bereit erklärt 
hat, seine Sammlung, die noch immer im alten Johannishospital 
(hinter der Johanniskirche) untergebracht ist, bedingungslos der 
Stadt zu überlassen. Sie bleibt einstweilen noch in ihren bisherigen 
Räumen, wird aber, sowie der Umbau des Rathauses vollendet sein 
wird, von der Stadt übernommen werden. Der Umbau des Rat- 
hauses wird sich voraussichtlich noch bis Ostern 1908 hinziehen, 
da, namentlich im Anfange, grofse Schwierigkeiten zu überwinden 
gewesen sind. Der vielgepriesene Bau Hieronymus Lotters von 1556 
hat sich in vielen Stücken als leichtfertiges Flickwerk erwiesen. 
Daher galt es bei dem Umbau, nicht blofs auf die Verkehrsbedürf- 
nisse der Gegenwart Rücksicht zu nehmen (durch Unterführungen) 
und die zukünftige Verwendung des Hauses im Auge zu behalten 
(im Erdgeschofs durch völlig neue, den Anforderungen der Gegen- 
wart entsprechende Läden), sondern vor allem auch das ganze Bau- 
werk auf weitere Jahrhunderte hinaus zu sichern. Meinungs- 
verschiedenheiten bestehen augenblicklich nur noch darüber, ob das 
Archiv im Hauptgeschofs, das Geschichtsmuseum im Obergeschofs 
(Dachgeschofsi untergebracht werden soll, oder umgekehrt. Hoftent- 
lich werden aber hier schlielslich nicht Gefühle und Einbildungen, 
sondern sachliche Erwägungen den Ausschlag geben, und diese 
müssen jedem die Überzeugung aufdrängen, dafs die stadtgeschicht- 
liche Sammlung mit ihren unzähligen kleinen Ausstellungsgegen- 
ständen in den hohen Räumen des Hauptgeschosses (Saal, grofse 
Ratstube) gänzlich deplaziert sein würde, dagegen in den raäfsig 
hohen Kabinets, die im Obergeschofs entstehen werden, aufs über- 
sichtlichste würde verteilt und aufs bequemste betrachtet und studiert 
werden können. G. W. 

Die Stadt Glashütte feierte am 14. Oktober 1906 zur Erirtnerung 
an die Verleihung des Stadtrechts durch Herzog Georg (10. Februar 
iSo6)"ihr vierhundertjähriges Stadtjabiläum durch ein wohlgelungenes 
Heimatfest. Seine besondere Weihe erhielt die Feier durch den 
Besuch, den wenige Tage später, am 17. Oktober, Seine Majestät 
der König der Stadt machte. Auf die gelegentlich des Stadt- 
jubiläums erschienene Festschrift werden wir zurückkommen. 

Am 31. Mai 1907 will man in der altenburgischen Stadt Luc ka 
den 600jährigen (ledeuktag: der Schlacht hei Lucka feiern, jenes 
geschichtlichen Ereignisses, das für das Wettiner Fürstenhaus und 
sein Ländergebiet von so hoher Bedeutung gewesen ist. Aufser 
einem Heimatfeste mit mancherlei Veranstaltungen ist die Errichtung 
eines Brunnendenkmals auf dem Marktplatze geplant, das den Sieger 
Friedrich den Freidigen verherrlichen soll. Der zur Ausführung in 
Aussicht genommene Entwurf stammt von einem geborenen Luckaer, 
dem in Leipzig wohnenden Maler und Bildhauer Reinhold Carl. Er 
stellt in der Mitte auf hohem Postament, das von Brunnenbecken 
seitlich llankiert ist, die Kittergestalt Friedrichs dar, der hier gleich- 



Nachrichten. 183 

sam als Marktroland gegeben ist. Die Brunnenbecken sind rechts 
und links mit besiegten Schwaben geschmückt, die ihre Wunden 
kühlen; Ruhebänke geben einen seitlichen Abschlufs. Die Wappen 
des Hauses Wettin und das der Stadt Lucka sollen das Postament 
zieren, das Köpfe von Besiegten kapitälartig beleben. Das Denkmal 
soll bereits am 31. Mai enthüllt werden; sollte dies wegen Kürze der 
Zeit nicht möglich sein, so wird am Jubiläumstage die Grundstein- 
legung stattfinden. Mit der Abfassung einer Festschrift ist Prof. 
Dr. A. Schirmer in Eisenberg beauftragt worden, der in der Beilage 
zum Gvmnasialprogramm von 1905 die Schlacht bei Lucka als einen 
Wendepunkt in der Geschichte der Wettiner geschildert hat. 

Die Hauptversammlung des Gesaiiitrereins der Deutschen 
Gescliichts- und Altertumsvereine fand in den Tagen vi)m 24. bis 
28. September 1906 unter Vorsitz des Geh. Archivrat Dr. Bailleu und 
des Generalmajor z. D. Dr. von Pfister in Wien statt. Die Vertreter 
von etwa 50 der im Verbände vereinigten 172 geschichtlichen Vereine 
Deutschlands und aufserdem zahlreiche Geschichtsforscher und Ge- 
schichtsfreunde nahmen teil. Die Zahl der Vorträge war diesmal 
gröfser als sonst; auch in den Abteilungssitzungen entfaltete sich 
ein besonders rege Tätigkeit. Doch mag, da mit Ausnahme etwa 
eines \"ortrags von G. Wolf über Aufgaben und Grundsätze der 
deutschen Territorialpolitik in der Reformationszeit und der Berichte 
über die vom Gesamtverein angeregten oder geförderten Unter- 
nehmungen (Grundkarten, Archivinventarisation, histor.-geograph. 
Wörterbücher, Kirchenbücherverzeichnisse, Flurnamensammlung), 
die auch in Sachsen durchweg Ergebnisse erzielt haben, Fragen der 
sächsischen Geschichte nicht behandelt wurden, lediglich auf die 
demnächst erscheinenden Protokolle der Versammlung hingewiesen 
werden. Unter den Ehrungen und Vergnügungen, die der Ver- 
sammlung in reicher Fülle geboten wurden, verdienen der glänzende 
Empfang im Wiener Rathause und der Ausflug nach Schlofs Kreuzen- 
stein und Stift Klosterneuburg vor allem hervorgehoben zu werden. 

Auch der im Zusammenhang mit dem Gesamtvortrage am 
24. September in Wien abgehaltene sechste deutsche Archivtag war 
gut besucht und nahm einen sehr befiiedigenden \'erlauf. 

Die nächste Hauptversammlung des Gesamtvereins wird voraus- 
sichtlich Mitte September in Mannheim stattfinden. 

Die 10. Versammlung Deutscher Historiker wird in den Tagen 
vom 3. bis 7. September d. J. in Dresden unter Leitung desVorsitzenden 
des Verbandes Deutscher Historiker, Professor Dr. Gerhard Seeliger 
in Leipzig, stattfinden. Für die Vorbereitungen dazu hat sich ein 
Ortsausschufs unter Vorsitz des Herausgebers dieser Zeitschrift und 
des Professors an der Königl. Technischen Hochschule Dr. Gefs ge- 
bildet. Aus dem vorläufigen Programm teilen wir mit, dafs eine zwang- 
lose Vereinigung im oberen Saale des Königl. Belvedere am Abend 
des 3. September die Versammlung einleiten wird. Die Sitzungen 
finden am 4. — 6. September in der Aula der Technischen Hochschule 
statt; Vorträge sind bis jetzt angemeldet worden von Professor 
Dr. Caro- Zürich, Geh. Kirchenrat Professor Hauck- Leipzig, Pro- 
fessor Dr. Hintze- Berlin, Professor Dr. Jakob -Tübingen, Professor 
Dr. Kromaj^er-Czernowitz, Geh. Hofrat Professor l3r. Lamprecht- 
Leipzig, Professor Dr. O. Richter -Dresden, Professor Dr. Schulte- 
Bonn. Ein Festessen im Belvedere am 6. und ein Ausflug nach 
Freiberg am 7. September werden den Abschlufs bilden. 



1 84 Nachrichten. 

Der langjährige Direktor der Eöuigl. öffentlichen Bibliothek 
in Dresden, Geh. Hofrat Professor Dr. Schnorr von Carolsfeld, tritt 
am I.Juli Q. J. in den Ruhestand. Seine Stelle ist dem bisherigen 
Staatsarchivar Oberregierungsrat Dr. Ermisch, dem Herausgeoer 
dieser Zeitschrift, übertragen worden. 

Auch in der Leitung der Universitätsbibliothek zu Leipzig ist 
ein Wechsel eingetreten, indem an die Stelle des verstorbenen 
Professor Dr. von Gebhardt der bisherige Direktor der Universitäts- 
bibliothek zu Königsberg Professor Dr. KarlBoysen berufen w^orden ist. 

Am 10. November 1906 starb in Plauen der Konrektor des Kgl 
Gymnasiums, Prof. Dr. Julias William Fischer. Geboren am 
8. Februar 1846 zu Falkenstein i.V. als Sohn eines tüchtigen, jung 
verstorbenen Arztes, besuchte er 1859 — 65 das Gymnasium zu Plauen, 
wo bereits durch seine Lehrer Dietsch und Flathe seine Vorliebe für 
Geschichte angeregt wurde. Von Ostern 1865 an studierte er in 
Leipzig Philologie und Geschichte und promovierte daselbst 18Ü9 
durch die Dissertation „De fontibus Cassii Dionis". Nachdem er im 
August 1871 die Staatsprüfung abgelegt hatte, war er von Micha- 
elis d. J. bis Ostern 1874 am Vitzthumschen Gymnasium in Dresden, 
seitdem bis zu seinem Tode als Lehrer des Deutschen und der 
Geschichte an seiner früheren alma mater tätig. 

Fischer hat sich schon seit seiner Studienzeit vor allem der 
Erforschung der byzantinischen Geschichte zugewandt. Seine her- 
vorragenden Verdienste auf diesem Gebiete sind in dem soeben er- 
schienenen kurzen Nekrolog der Byzantinischen Zeitschrift (XVI, 417) 
in das gebührende Licht gesetzt worden. Hier sei nur seine Pnj- 
grammabhandlung von 1883 (Studien zur byzantinischen Geschichte 
des II. Jahrhunderts) erwähnt. 

Bei seiner ausgesprochenen Heimatsliebe hat sich Fischer jedoch 
auch viel mit der Geschichte des Vogtlands beschäftigt. Zahl- 
reiche, darauf bezügliche Aufsätze entstammen seiner Feder, die 
teils in den Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen, teils in 
den Plauener Lokalblättern erschienen sind. In den letzten Jahren 
war er besonders mit der Geschichte des Plauener Gymnasiums 
beschäftigt. Schon hatte er den gröfsten Teil des weitschichtigen 
Materials gesammelt und geordnet, als ihn ein plötzlicher Tod von 
der liebgewordenen Arbeit hinwegrifs. 

Fischer war ein Mann von reichem Wissen, scharfem Verstand 
und einer gefestigten, mit einer gewissen Herbigkeit gepaarten 
Lebensanschauung. Dabei war er ein anregender Lehrer, der es 
weder sich noch seinen Schülern leicht machte, sondern sie nötigte, 
in den Kern der Sache einzudringen. Er besafs eine vorzügliche 
TJnterhaltungsgabe, wobei ihm sein gutes Gedächtnis und seine rege 
Phantasie trefflich zu statten kamen. Const. Angermann. 

Am 15. Oktober 1906 starb in der Niederlöfsnitz Herr Rektor 
a. D. Oberstudienrat Professor Dr. Christian Gottfried Achmed 
Scholtze, nachdem seit seinem Übertritt in den Ruhestand erst 
wenige Tage über ein Jahr verflossen waren. Als Sohn eines 
Lehrers am 25. August 1840 in Leipzig geboren, war früh für ihn 
Lernen und Lehren die Luft gewesen, in der er atmete; aber zu 
seiner hervorragenden Lehrbegabung, die er am liebsten an der 
Geschichte sowie der Muttersprache und ihrem Schrifttum betätigte, 
gesellte sich bald ein ebenso bedeutendes Organisationstalent, das 



Nachrichten. 185 

ihm denn auch nach früher Bewährung in der Leitung der Real- 
schulen zu Frankenberg und Grimma in seiner letzten Stellung in 
Plauen i.V., wo die Königl. Realanstalt in Verbindung mit dem 
Gymnasium nicht hatte gedeihen können, die geradezu glänzende 
Leistung ermöglichte, in anderthalb Jahrzehnten, von 1890 — 1905, 
nicht nur eine städtische Realschule zur Blüte zu bringen, sondern 
nach einem Jahrzehnt in Verbindung damit auch ein gleich blühendes 
Realgj'mnasium zu entwickeln und den vereinigten Anstalten eine 
Schülerschaft von 650 Köpfen zu sammeln. 

Hier ist nicht der Ort, den Schulmann als solchen zu würdigen. 
Wohl aber gebührt hier dem Manne der Wissenschaft, dem Forscher, 
der er immer geblieben war und in erhofften längeren Jahren der 
Mufse wieder ganz zu sein gedachte, eine dankbare Erinnerung an 
die mannigfachen, immer gediegenen Gaben, die er namentlich den 
Freunden der Kultur-, Heimats- und Ortsgeschichte beschert hat, 
die erste schon als junger Realschullehrer zu Chemnitz, wie er denn 
auch einer der Gründer des rührigen „Vereins für Chemnitzer 
Geschichte" gewesen ist. 

Scholtze promovierte 1868 in Leipzig mit der Abhandlung „Die 
Beziehungen zwischen Rom und Hellas vom Sturze der Königs- 
herrschaft bis zum epirotischen Kriege", wie er auch in dem „Leit- 
faden der Geschichte für Realschulen", der früh Kulturgeschichtliches 
berücksichtigte, neben der Neuzeit (T. IV) vom Altertum „Die Römer" 
(T. I, B) bearbeitet hat. Die in diesen beiden Bänden eines Schul- 
l3uches vollzogene Verbindung tiefer, auf Vertrautheit mit dem 
Altertum gegründeter Einsicht in das Wesen geschichtlicher Ent- 
wicklung und rückhaltlosen Bekenntnisses zum grofsen deutschen 
Vaterlarde blieb auch wirksam, als sich seine Neigung in wachsen- 
dem Mafse der Kultur- und Geistesgeschichte seiner engeren und 
engsten Heimat zuwandte. Dem Jahresberichte der Chemnitzer 
Realschule gab er Ostern 1877 den ersten Teil einer Untersuchung 
,, Philander von Sittewald" bei, 1880 schrieb er zu demjahres- 
bericht der Frankenberger Realschule selbst die wissenschaftliche 
Beilage: „Die orientalische Frage in der öffentlichen 
Meinung des i G.Jahrhunderts", und ebenso zu dem der Plauener 
von 1884 den ersten Teil einer Abhandlung „Humanismus und 
Realismus im höheren Schulwesen Sachsens während der 
Jahre 1831 — 1851". Mit der Schule hängen auch die Schriftchen 
„Die Kulturgeschichte im historischen Unterricht"(Leipzig, 
Hirschfeld 1880) und „Die Anfänge des deutschen Realschul- 
wesens" (Frankenberg i. S., Rofsberg 1886) zusammen. Aus den 
Frankenberger Jahren liegt ein „Vortrag über Frankenbergs 
Lage und Geschichte" vor, in den Mitteilungen des Vereins für 
Chemnitzer Geschichte veröffentlichte er 1876 die eingehende Studie 
über ein Chemnitzer Stadtkind: „Johann David Beil. Ein Bei- 
trag zur Geschichte des deutschen Theaters" und 1877 die 
nicht minder wertvolle ortsgeschichtliche Abhandlung: „Aus be- 
drängter Zeit. Nach Berichten des Chemnitzer Amts- 
schössers Paulus Drechsler aus den Jahren 1639 und i 640." 
Auch wenn er im hiesigen Alpenverein z. B. über Oswald von 
Wolkenstein oder über Albrecht von Haller gesprochen hat, ist es 
nach persönlich von dem Verstorbenen vernommener Mitteilung 
nicht geschehen, ohne dafs erst eigene und neue Aufschlüsse aus den 
Landesbibliotheken zu Innsbruck und Bern ermittelt worden waren. 
Seit 1895 J^g ihm auch die Herausgabe der „Mitteilungen des Alter« 



i86 Nachrichten. 

tumsvereins zu Plauen" ob, und wie er diese Obliegenheit, vom 
Vereine zum Ehrenmitglied ernannt, auch bei der Übersiedelung 
nach der Löfsnitz beibehalten hatte, galt dort und im Dresdner 
Archiv fast alle seine Arbeit der Geschichte Plauens. Im März 1906 
hielt er im Plauener Altertumsverein in seiner gediegenen ein- 
dringenden Weise einen Vortrag über ., Plauen im Jahre 181 3"; 
mit unermüdlichem Eifer hat er die Entzifferung und Abschrift des 
Plauener Sta dtbuches von 1388 fertiggestellt und von den ge- 
planten Ausarbeitungen darüber eine besonders schwierige, die über 
das damalige Münzwesen, so gut wie vollendet. 

An der Schule, die die Stätte seines letzten bedeutsamsten 
Wirkens gewesen ist, dem Plauener Realgymnasium, wird der Ge- 
schichtsforscherfreude ihres ersten Leiters dauernd ein besonderes 
Denkmal errichtet bleiben in seiner wertvollen Büchersammlung von 
über 2200 Bänden; denn wenn der Verstorbene auch seinen gelegent- 
lich ausgesprochenen Willen, diese einmal der Anstalt zu vermachen, 
bei dem jähen Hereinbrechen des Todes nicht hatte niederschreiben 
können, ist er doch verwirklicht worden. Seine Witwe, Frau Therese 
Scholtze, sowie Gönner und Gönnerinnen der Anstalt, die den An- 
teil der anderen Erben ablösten, haben der Schule die ganze schöne 
Sammlung zum Geschenk gemacht. 

Plauen i. V. Th. Matthias. 



V. 



Joachim von Sehleinitz, 

kursäehsiseher Generalquartiermeister 

unter Johann Georg I. 



Von 
J. H. Gebauer, 



Zahlreich sind aus vergangenen Jahrhunderten die Bei- 
spiele, dafs Männer, die sich eine lange Zeit in der Gunst 
ihrer fürstlichen Gebieter sonnen durften, ein traurig jähes 
Ende fanden. Die Geschichte fast aller Staaten kennt solche 
Beispiele: Dänemark hat seine Struensee- und England seine 
Essextragödie, Preufsen den Sturz Eberhards von Dankelmann, 
Frankreich den des Marschalls d'Ancre. 

Besonders grell hat sich früher zu wiederholten Malen 
die Wandelbarkeit fürstlichen Wohlwollens im albertinischen 
Sachsen geäufsert. Das Schicksal des kurfürstlichen Leib- 
arztes Peucer und danach des Kanzlers Krell, der beiden 
Opfer des einst von den sächsischen Regenten fast stets mit 
Leidenschaft gepflegten Calvinistenhasses, ist allgemein bekannt. 
Nicht in dem gleichen Mafse aber gilt das von dem Unglück 
eines Mannes, der unter Johann Georg L einen Sturz von 
der höchsten landesherrlichen Gunst bis zur Schande und 
Verhöhnung tun mufste, des kursächsischen Generalquartier - 
meisters von Sehleinitz. 

Joachim von Sehleinitz, geboren zu Schieritz im Jahre 1577, 
entstammte einem seit langer Zeit im Meifsnischen angeses- 
senen Zweige des bekannten uradeHgen Geschlechts. Dem 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVHI. 3. 4. 13 



i88 J. H. Gebauer: 

Wettinischen Fürstenhause hatten die Schleinitze wiederholt 
tüchtige Diener und Räte gehefert, und aulserdem war die 
Famihe durch Reichtum und Umfang ihrer Besitzungen aus- 
gezeichnet^). Das wird auch Joachim die Wege zum schnellen 
Emporsteigen geebnet haben. Im Jahre 1598 nahm er, zwei- 
undzwanzigjährig, den ersten Kriegsdienst -j. Ob er ihn so- 
gleich unter sächsischen Fahnen tat, die damals wenig Ruhm 
zu bieten vermochten, mufs dahingestellt bleiben. Jedenfalls 
berief ihn sein Kurfürst schon in jenen Jahren, wo das Un- 
wetter des grofsen deutschen Krieges auch den obersächsischen 
Kreis Norddeutschlands in Mitleidenschaft zu ziehen begann, 
zum Generalquartiermeister seiner neugeworbenen Truppen'*). 
In diesem wichtigen Amte blieb er dann bis zu seinem 
trao-ischen Ende. 

Die glänzendste Zeit seiner Tätigkeit begann aber im 
Jahre 1635, wo Johann Georg in scharfer Schwenkung sich 
auf die Seite des bisher bekämpften Kaisers stellte, um nun 
als Generalissimus des Reichs gegen seine bisherigen schwe- 
dischen Bundesgenossen zu fechten. Neue grofse Werbungen 
wurden jetzt ins Werk gesetzt, und Schleinitz" Geschäftskreis 
dehnte sich gewaltig aus. Denn der ,, Ober-Generalquartier- 
meister" — Schleinitz führte als solcher nun den seltenen 
Titel Exzellenz — bekleidete eine der bedeutsamsten Stel- 
lungen in der ganzen sächsischen Armee; lag doch in dessen 
Hand damals wirklich noch die Sorge für die gesamte Unter- 
kunft und Verptiegung der Truppen, von der der ,, General- 
quartiermeister" heute nur noch seinen Namen, nicht mehr 
das Amt herleitet. 

Daneben besafs er als Oberst ein Regiment zu Fufs 
— zu 12 Kompagnien mit 2000 Mann gibt es ein Verzeichnis 



'j H. Wagener, Staats- und Gesellschaftslexikon (Berlin 1865) 
XVIII, 278. Vor allem aber: Geschichte des Schleinitzschen Ge- 
schlechts. Von einem Mitgliede des Geschlechts (Berlin 1897) S. 232 
bis 255. Doch sieht erklärlicht;r weise diese Familiengeschichte die 
Schuldfrage des Joachim von Schleinitz in günstigerem Lichte, als 
ich es vermag. 

-) So nach seinen Äufserungen in Leipzig 1642, wo er sagt, er 
sei 66 (!) Jahre alt und 44 Jahre Soldat. Vgl. H. Boettger, Die 
Ereignisse um Leipzig im Herbst 1642 (^ Hallische Abhandlungen 
zur neueren Geschichte 15, Halle 1882) S. 58. 

^) Gelegentlich einer Vernehmung im Frühjahr 1644 erklärt 
Schleinitz, er diene dem Kurfürsten „in die 20 Jahr bei jetziger 
seiner Charge". (Haiiptstaatsarchiv Dresden [St.A. Dr.] Loc. 9258: 
Artikull die Übergabe der Stadt Leipzig betr. 1644.) 



Joachim von Schleinitz. 189 

der kursächsischen Truppen von 1635 an^) — und warb 
später dazu auch noch ein Reiterregiment. 

Das Verhältnis des Generals zu seinem kurfürstlichen 
Kriegsherrn war ein aufserordentlich enges; er galt als seine 
„linke Hand" und übte wunderbaren Einflufs auf ihn aus. In 
Fällen, die ihn persönlich nahe berührten, rief Johann Georg 
stets zunächst nach seinem Schleinitz , und sobald der Ersehnte 
erschien, war auch des Kurfürsten ,, Furcht, Schrecken und 
Gefahr hinüber' '. Dann konnte er stundenlange mit ihm kon- 
ferieren und darüber selbst die Freuden der Tafel, die er 
sonst ungemein zu schätzen wufste, vergessen-). 

Um so schlechter stand sich Schleinitz im Heere. Der 
Oberst Vitzthum von Eckstädt, der als Oberst den Feldzug 
von 1635/36 in der sächsischen Armee mitmachte, verurteilt 
den General auf das allerschärfste. Er nennt ihn einen 
,, Wäscher", der ohne ,,esprit" und Kenntnis seinem Herrn 
immer nach dem Munde rede-^). Ein anmafsender Bramarbas, 
zeigt er Schneid nur da, wo er keine Gefahr läuft, und zieht 
sich alsbald feige zurück, wenn man ihm scharf entgegen- 
zutreten wagt. Auch dessen beschuldigt ihn Vitzthum, dafs 
er um seines ,, Profits" willen die Truppen habe hungern 
lassen. Den erbärmhchen Verlauf des Feldzuges, in dem die 
sächsische Armee dem Lande ihrer brandenburo^ischen Ver- 
bündeten zwar übel mitspielte, sich aber militärisch völlig 
unfähig erwies, setzte man deshalb auch grofsenteils auf des 
allmächtigen Schleinitz Rechnung, und wenn die Soldaten in 
allerlei giftigen ,, Versen" über solche Kriegsführung spotteten, 
so kam dabei am schlechtesten und gröbsten wieder der ver- 
hafste Generalquartiermeister fort^): 

„Der Herr ist des krieges ein kindt, 

„Sein General L.-^j blaudert in Wind, 

,,Der Commissarius ein unverständig Rind, 

,, Vorsichtiger und verständiger Leute keine statt find'". 

Oder in etwas anderer Fassung: 

,,Der Herr ist des krieges nicht kundig, 
,,Sein General L. noch unmündig, 
,.Der Commissarius ein grobes Rind, 
„Keiner Soldaten Rath statt find'". 



1) Fr. Budczies, Der Feldzug der sächsischen Armee durch 
die Mark Brandenburg 1635 1636 (Märkische Forschungen IV, 303 
bis 386) S. 309. 

-j Ebenda S. 306 und 340. 

^/ Ebenda S. 309. 

*) Ebenda S. 363. 

■^) Der Generalleutnant von Baudissin. 



13* 



igo J- H. Gebauer: 

Mag; nun bei der Kritik des Obersten Vitzthum der Ärger 
darüber mitgesprochen haben, dafs der Kurfürst, statt seine 
,, General-Offizierer" zu hören, sich meistens Rats allein bei 
Schleinitz erholte, und bei den Soldaten die leichtverständ- 
liche besondere Abneigung gegen den Oberquartiermeister, 
der sie nicht nach Wunsch verpflegte und ,,losierte": dafs 
die Anklagen und die Feindschaft gegen ihn nicht grundlos 
waren, bleibt unbestreitbar. Zunächst hat er unzweifelhaft stark 
— • und offenbar mehr noch als es sonst bei den Offizieren 
damals üblich war — in die eigene Tasche ge Wirtschaft et. 
Das erhellt aus seinem später konfiszierten Schuldbuch ^). 
Denn hier sieht man nicht nur viele sächsische Adlige, sondern 
selbst Mitglieder der kurfürstlichen Familie, vor allem Herzog 
August, den Magdeburger Administrator, bei ihm in der Kreide. 
Und dabei war der Grundbesitz des Generalquartiermeisters 
während des Krieges und gerade noch in seinen letzten 
Lebensjahren, wo das Land ringsum verarmte, noch um 
ein beträchtliches gewachsen. Dafs Schleinitz aber auch die 
Unbeliebtheit, die er sich nach den Vitzthumschen Zeugnissen 
im Heere gewonnen hatte, wirklich verdiente, zeigt der tiefe 
Hafs, womit man ihn auch vornehmHch in Leipzig, der Stätte 
seiner späteren langjährigen Wirksamkeit, bis an sein Lebens- 
ende verfolgt hat. 

Wiederholt schon hatte Johann Bauer, der schwedische 
Heerführer in Norddeutschland, nach seinem Siege über den 
Kurfürsten Johann Georg bei Wittstock (Oktober 1636) seine 
Züge bis nach Sachsen hinein ausgedehnt. Im Jahre 1637 
hatte er Torgau erobert und auch Leipzig Wochen hindurch 
arg bedrängt. Dann erschien er Anfang 1639 abermals in diesen 
Geo:enden. Dafs er es vor allem auf die reiche Handelsstadt 
Leipzig abgesehen hatte, konnte nicht zweifelhaft sein, und 
so schickte denn der Kurfürst Mitte Februar Leipzig einen 
besonderen Kommandanten in der Person seines geliebten 
Schleinitz. Mit ihm kamen 700 Mann als Besatzung in die 
Stadt, wahrscheinlich vom Regiment zu Fufs des Obersten 
Johann von Dieskau. 

Schleinitz führte der kurfürstlichen Instruktion zufolge 
das Kommando — nur in Leipzig selbst; die Feste Pleifsenburg 
unterstand aber weiter ihrem bisherigen Kommandanten, dem 
Oberstleutnant Christoph von Trandorf, der vor zwei Jahren die 
Stadt glänzend gegen Baner verteidigt hatte. Da der General- 



'j St. A. Dr. Loc. 9257. 



Toachim von Schleinitz. ic^i 

quartiermeister die Stadt öfters zu verlassen genötigt Avar, 
so ernannte Johann Georg für ihn auch einen Stellvertreter 
in der Person Dieskaus. Ihm sollte, so befahl der Kurfürst, 
in Schleinitz' Abwesenheit der städtische Rat gehorchen als 
wäre es jener selbst^). 

Die Laoe wurde in der Tat ernst. Bauer besetzte Zwickau 
und belagerte Freiberg, mufste dann zwar nach einer Schlappe 
die Belagerung aufgeben, erfocht aber bald einen glänzenden 
Sieg über die Sachsen und Kaiserlichen bei Chemnitz (14. April). 
Indes befreite dieser Erfolg der Schweden Leipzig von der 
augenblicklichen Gefahr: Bauer zog nach Böhmen ab. Doch 
verblieb Schleinitz weiterhin in seiner Stellung als Leipziger 
Stadtkommandant. 

Das Verhältnis zwischen Zivil und Militär in Leipzig war 
bisher, solange Trandorf in der Stadt befehligte, vortrefflich 
gewesen. Jetzt änderte sich das wie mit einem Schlage. 
Schon zu Anfang 1640 ergingen Klagen an den Kurfürsten, 
dafs der General durch Einquartierung, Verpflegung und 
Kontribution die Stadt in Grund verderbe und aufserdem 
zwischen Rat, Bürgerschaft und Universität Unfrieden säe. 
Insonderheit warf man ihm vor, er erhalte, obw-ohl inzwischen 
nach dem Abzug der Schweden die Besatzung wieder 
stark vermindert sei, doch den ganzen Stab auf Kosten 
Leipzigs -). 

Und diese Beschwerden verstummten trotz der Ver- 
mahnungen des Kurfürsten an Schleinitz nicht, wurden im 
Gegenteil im.mer lauter. So brachte auch der Sommer 1642, 
wo Schleinitz genötigt war, gegen einen etwaigen Anschlag 
des schwedischen Generals Königsmarck auf einige Zeit kaiser- 
liche Truppen in die Stadt heranzuziehen, wieder scharfe 
Zusammenstöfse. Unausrottbares Mifstrauen wurzelte sich 
gegen den Kommandanten fest, von dem niemand mehr an- 
nahm, dafs er der Stadt Bestes im Auge habe. 

Am grimmigsten wurde der General offenbar von den 
Söhnen der Leipziger alma mater gehafst. Er kränkte sie 
in unerhörter Weise, indem er ihnen ansann, ihm auf der 
'Strafse durch Entblöfsen des Hauptes ihre Reverenz zu zeigen ; 
er mifsachtete die alten Privileo-ien der Universität und scheute 
sich auch nicht, Einkünfte von Stiftungen, die zu Gunsten 



') Inbtruktion für Schleinitz d. d. 14. Febr. 1639. St. A. Dr. Loc. 
9258. Kurfürstlich Sächsische Befehliche an General Schleinitz, 
Oberst Diskau und den Rat zu Leipzig 1639 — 42. 

-) Böttger S. 35. 



1^2 JH. Gebauer: 

der Studierenden errichtet worden waren, in das Militärbudget 
oder vielmehr — wie man offen behauptete — in seine eigene 
Schatulle fliefsen zu lassen. Auf jede Weise flickte er den 
Musensöhnen am Zeuge herum, und es liefs sich leicht er- 
kennen, dafs in seinem Verfahren System lag; das Streben, 
die Akademiker als Stand herunterzudrücken, sprang überall 
hervor. Blickt man freilich genauer hin , so war die Feind- 
schaft zwischen Studenten und Soldateska ganz natürlich. 
Seit Jahrhunderten spielte der Student unbestritten die erste 
Rolle in Leipzig, und die Universität verwaltete ihre An- 
gelegenheiten mit gröfster Selbständigkeit und wachte eifer- 
süchtig über deren Wahrung. Nun gebärdete sich plötzlich 
ein neuer Stand als der erste auf der Welt, zusammengesetzt 
zum guten Teil aus hergelaufenem Gesindel, von ungebildeten 
und rohen Offizieren geführt, aber dank der kriegerischen 
Zeiten unentbehrlich und schnell emporgekommen. Der Soldat 
fühlte sich als Herr der Gegenwart und, wie er ahnte, auch 
einer langen Zukunft. Der Akademiker wollte aber und 
konnte nicht vergessen, dafs er in der Vergangenheit der 
Gebieter gewesen ; mit Verachtung sah er auf die Eisenfresser 
herab, die, so hoffte er, in besserer Zeit bald wieder in ihr 
Nichts versinken würden. So mufsten die beiden Stände mit 
ihren Ansprüchen scharf aufeinanderplatzen. Nichtnur in Leipzig 
ist das damals geschehen. Auch aus Frankfurt a. O. z. B. er- 
fährt man aus dem Jahre 1627, dem ersten Jahre der Be- 
satzung der Stadt durch kaiserliche Truppen, von allerlei Zu- 
sammenstöfsen zwischen Garnison und Universitätsangehörigen. 
Und zu einer gewissen Berühmtheit sind die Konflikte ge- 
langt, die noch Dreivierteljahrhundert später in Halle die 
Studenten mit den preufsischen Truppen des ,, alten Dessauers" 
bestanden. 

In trefflicher Weise illustriert diese hafserfüllte Stimmung, 
die sich in Leipzig bei den Studenten gegen das anspruchs- 
volle Militär und insonderheit gegen seinen Herrn und Meister 
Schleinitz angesammelt hatte, ein kleines Spottgedicht, das 
sich handschriftlich auf der Königlichen Bibliothek zu Berlin 
befindet. Und da es auch als Beispiel echter urwüchsiger 
Volkspoesie in wohltuendem Gegensatz steht zu der gespreizten 
platten ,, Kunstpoesie" jener Tage, so mag es hier im Ab- 
druck seine Stelle finden. 

„Eigendtliche vnd wahrhafftige beschreibung der zwischen 
einem Studenten vnd General Jochims Regiment gelieferten Schlacht. 
Geschehen den 24. Martij Ao. 1642. An Monsieur Don: Signeur Herr 
Ku'p'.e Jochim Flegel (wolt sagen Kleinwitz) oder Schleinitz." 



Joachim von Schleinitz. 



193 



Jochim vnd Sein Narr Andrefs^) 
War'n auf ein Studenten böfs 
Vmb ein Schlechte sache; 
Stierisch, flöhmisch sachens aufs, 
Vber d'Leber hef ihm d'Laufs — 
Jochim wirdt's wohl machen. 

Thät also bald drauf comandiern 
Die Scharwacht vmb zu charchirn 
Mit einem Studenten, 
Wie im Kriegen sich's gebührt, 
Darinnen er gar versiert — 
Jochim wirdt's wohl machen. 

Da nun er der Heros kam. 
Mit der Macht zue fallen an 
Den Jenign Studenten: 
Nam er sich in guete Acht, 
Wie er's sonsten Allzeit macht — 
Jochim wirdt's wol machen. 

Der Student gar nicht entlieflF, 
Sonder wider frisch angrif 
Die Feigen Soldaten; 
Thät frey auf Sie zu marschirn, 
Hawen, Stechen, Scharmuciern — 
Jochim wirdt's wohl machen. 

Da difs fühlet difs gesindt, 
Wollen Sie aufs forcht geschwind. 
Wie ihr brauch, entlauffen. 
Einer Sprach: das Gott erbarm, 
Wie wirdt mir mein Strumpf so 
Jochim kan nichts machen, [warm! 

Da difs Wimmern wird gehört, 
Jedermann die Flucht begert 
Nach der cor de guardi. 
Jochim ab'r vnd sein Andrefs 
Schrej^en frisch vnd waren böfs — 
Jochim wil's wol machen. 

Durch difs grosse Feldgeschrey 
Lieff" die Soldatest herbey, 
-^ue fahen den Studenten; 
Wie dann auch wardt expedirt 
Weil er sie allein carchirt. 
Jochim kan difs machen. 

Darob grosse Frewdt endstand, 
Die victory durch das Land 
Jochim liei's aufsrueffen, 



Das er mit authoritet 

Ein Student'n Bezwungen hat — 

Difs kan Jochim machen. 

Darauf Jochim halten thät 
Einen Rhat, mich recht versteht 
Mit seinem klugen rathe; 
Damit der Student verwarth 
Wurde nach Soldaten Arth — 
Jochim weist's zue machen. 

Anderefs nicht Sparen wolt 
Seine Klugheit, weil er solt 
Guten Lohn empfangen. 
Sprach: O Vatter, ey lafs ihn 
Führen zum Gefangnen hin, 
Vatter, wirst's wohl machen! 

Ey, Sprach Jochim, das Ist guet, 
Bruder mein, Andrefs, dein Huet 
Stecket voller Klugheit. 
Lasfs vns trinckhen, frölich sein, 
Meissen Ist ganz mein vnd dein — 
Ich, Ich wil's wol machen. 

Darauf sprach der Tapffer Man 
Ihr Soldaten, greiflfet an 
Den Dieb, den Studenten! 
Ins Stockhaus thut mir ihn führn, 
Ich will ihn lahn decoliieren, 
Jochim wil's wol machen. 

Weil nun Jochim approbiert 
Hat Andrefsens Rhat, drumb spürt 
Seine Thorheit eben. 
Wie der Rhat, so Ist der Herr, 
Was darf man für Zeugknufs mehr. 
Jochim weist's zu machen. 

Aber, Jochim, weifst Du nicht, 
Wie dort Jener Canon spricht 
Von Vnsern Studenten? 
Dafs Sie feste Hälse han. 
Wirst Sie ihn nicht abeschlan. 
Jochim kan nichts machen. 

Gott ein rechter Richter ist. 
Welcher Straft't zu aller frist 
Der Studenten Feinde, 
Liefs auch sein Gerechtigkeit 
Sehen an Jochim zur Zeit — 
Joch'm kundt's so nit machen. 



') Über die Persönlichkeit dieses ,, Andreas" — mit dem viel- 
leicht ein Oflizier aus des Generals Umgebung gemeint ist — habe 
ich Näheres nicht zu ermitteln vermocht. 



1^4 J- H- Gebauer: 

Schaffte das sein einige Frewdt, Darumb, Jochim, kom heran, 

Die Meer Katze, wurdt zur beut Wiltu sein ein weiser man, 

Dem sehr fromen Völckhlin, Soitu mir jetzt folgen: 

Dafs'r mit Schaden Kitiger würdt, Die Studenten Lasfs passiern, 

Nicht Studenten mehr vexiert — Sie werden Sonst dich mehrAgirn!.. 

Jochim solt's so machen. Jochim wirdt's so machen. 

Eine hübsche frische Studentenfehde also wider den an- 
mafsHchen Kommandanten, der nun gegenüber der verbrieften 
Universitätsgerichtsbarkeit nicht allein seine dreisten Pläne 
aufgeben mufs, sondern auch die Rache der gekränkten Kom- 
militonen in der Hinmordung seiner geliebten Meerkatze er- 
fährt ^). Was Wunder, dafs das Liedchen schnell bekannt 
wurde und dafs seine leicht fliefsenden Reime bald auf den 
Gassen erklangen. Der lustige Dichter — oder hatten mehrere 
witzige Burschen sich hier zu edler Kumpanei zusammen- 
getan? — fand auch Nachahmer, die in der Weise seines 
Poems den verhafsten General weiter zur Zielscheibe ihres 
Spottes nahmen; besonders der Kehrreim ,, Jochim wirds wohl 
machen" erwies sich als ,, Schlager", den man nun immer 
aufs neue verwandte. Hiefs es doch, dafs Johann Georg 
Bittsteller regelmäfsig mit diesen Worten an seinen allmächtigen 
Günstling wiese'-}. 



') Die Vorliebe für Meerkatzen scheint bei den Soldaten damals 
ziemlich verbreitet gewesen zu sein. Auch T1II3' liebte sie und die 
Affen sehr, so dafs man in der Mark zu sagen pÜegte: „Da kommt 
Tilly angezogen mit seiner Meerkatze''. (Vgl. Sam. Buchholtz, 
Versuch einer Geschichte der Churmark Brandenburg III (Berlin 
1767), 615. 

'^) Höchst bezeichnend ist in dieser Hinsicht auch der Bericht 
des Chemnitz (Schwedischer Krieg IV, 2, 148), wo er bei der Über- 
gabe Leipzigs durch Schleinitz spöttisch bemerkt: „Hatte es also 
Jochim diesmahl nicht wol gemachet!" In handschriftlichen Auf- 
zeichnungen des zeitgenössischen Brandenburger Dompfarrers Heui- 
sius, der dem Schicksal Schleinitzens eine längere Darlegung widmet, 
linden sich unter dem Jahre 1644 die Anfangsstrophen eines Ge- 
dichtes auf Schleinitz, das sich als genaues Seitenstück zu dem 
oben mitgeteilten darstellt und wohl auch in den Kreisen der 
Studenten seinen Verfasser hat, im übrigen aber nach den erhaltenen 
Proben mehr durch Derbheit als durch Witz ausgezeichnet gewesen 
zu sein scheint. Es lautet wie folgt: 

Jochim, hör zu ein mahl Jochim, deine Titel man 

Aller Flegel General Nicht wol all erzehlen kann 

Nicht viel wort ich mache. Kanst die rechnung machen, 

Monsieur Jochim, horestu nicht, Doch soll itzt mein warer reim 

Mein lied ist auf dich gericht. Nur dir wenig schencken ein, 

Jochim wirds wol machen. Jochim wirdts wol machen. 

Hlutaussauger, Bürgerfeind, 

Bawrenplacker etc. 



Joachim von Schleinitz. ige 

Beinahe vier Jahre hatte der Generalkommissar so seinen 
Leipziger Kommandantenposten zwar in steter Fehde mit Rat 
und Universität, aber von äufseren Feinden unbedrängt ver- 
walten können. Da zog im Oktober 1642 der Schwede von 
neuem heran. Torstenson überschritt, von der Lausitz aus 
die Elbe aufwärts rückend, den Flufs bei Torgau und wandte 
sich plötzlich gegen Leipzig. 

Die Besatzung der Stadt bestand nur aus zwei Kom- 
pagnien Fufsvolk und einer Schleinitzschen Reiterkompagnie, 
insgesamt 400 Mann. Aber Bürgerschaft wie Kommandant 
waren entschlossen sich zu halten, da im Abstand weniger 
Tagemärsche das kaiserliche Heer dem schwedischen folgte, 
mithin auf schnellen Entsatz zu rechnen war. Aus ihrer 
eigenen Mitte warben die Bürger neue Verteidiger, bezogen 
auch selbst die Wachen, schanzten und fochten. Und der 
Erfolg krönte solchen Eifer. Torstenson vermochte trotz 
heftiger Beschiefsung die Stadt nicht zu gewinnen, mufste 
vielmehr am i. November die Belagerung ganz aufheben, 
damit ihm das kaiserliche Heer unter Erzherzog Leopold 
Wilhelm, zu dem inzwischen auch noch sächsische Regimenter 
gestofsen waren, nicht seine rückwärtigen Verbindungen ab- 
schnitte. Er nahm nun bei Breitenfeld, eine Meile westlich 
der Stadt, seine Stellung. 

Die Freude der Leipziger über ihre Befreiung währte 
indes nicht lange. In der Frühe des 2. November brachte 
Torstenson den Verbündeten eine vernichtende Niederlage 
bei, und schon am Nachmittag erschien er wieder vor den 
Toren der alten Handelsstadt. 

Die Vorgänge, die sich um und in Leipzig in den nächsten 
Wochen abspielten, sind zu bekannt, als dafs sie hier noch 
einmal anders als in den gröbsten Zügen dargestellt zu werden 
brauchten. Von vornherein hatte man in der Stadt weni»; 
Vertrauen auf nochmalige Abwehr der Schweden; denn auf 
Entsatz war nach dieser Niederlage kaum zu hoffen, und 
Schleinitz hatte während seines vierjährigen Kommandos so 
gut wie nichts für den Fall einer langwierigen Belagerung 
gerüstet^). Es mangelte Proviant wie Munition, Holz zum 
Brennen und zum Verbauen. Und dazu verschärfte sich noch 
die Uneinigkeit zwischen Bürgerschaft und Rat wegen der 
Kontribution und der Hafs beider mitsamt der Universität 
gegen den Kommandanten. Schnell war man denn auch 
beim Parlamentieren , und da Torstenson seine Laufgräben 



1) Böttger S. 38. 



1^6 J. H. Gebauer: 

währenddessen immer näher an die Stadt und an die Pleifsen- 
burg herantrieb und durch energische Beschiefsung zumal 
dem Schlosse zusetzte, so liefs sich Schleinitz, obwohl er an- 
fangs der drängenden Bürgerschaft erklärt hatte, er wollte 
sich wegen einer schlechten Kapitulation in seinem hohen 
Alter nicht noch den Kopf vor die Füfse legen lassen, 
am 6. Dezember doch zur Übergabe von Stadt und Feste 
herbei. 

Eine solche Übergabe würde man bei ihnen nicht erleben, 
äufserten später schwedische Offiziere im Hinblick auf diesen 
Akkord. Und in der Tat hatte Schleinitz nicht nur unzweifel- 
haft voreilig kapituliert — der Oberstleutnant Trandorf er- 
klärte, er würde das Schlofs noch eine Woche haben halten 
können, und das gleiche versicherte hinsichtlich der Stadt der 
Oberstleutnant von Rohrscheidt — , sondern er hatte auch 
das Interesse der Stadt und Universität nicht im mindesten 
gewahrt. Nur für seine Truppen hatte er gesorgt; selbst die 
geflüchteten Kaiserlichen lieferte er den Schweden in die 
Hände. Zugunsten der Stadt vollends war gar nichts be- 
dungen, vielmehr hatte der Kommissar, so behauptete man 
wenigstens später, den Feinden mündlich die Bürger als 
,, widerwärtige Leute rekommandiert". Er selbst machte frei- 
lich auch geltend, Universität und Bürgerschaft hätten ihm 
nur Hindernisse bereitet und früher von Torstenson geradezu 
die Weisung entgegengenommen, ,,dem Alten den Hals zu 
brechen". Jedenfalls zieh ihn die allgemeine Volksstimme der 
Pflichtvergessenheit, und der alte Hafs machte sich auch 
diesmal wieder in allerlei Schmähgedichten Luft. So „dichtete" 
man ihm in Leipzig folgende Verse ^): 

„Wer mit lahmen Hunden hetzet, 

„Das Messer auf einem Peltz wetzet, 

„Leipzig mit Schleinitzen besetzet, 

„Der hat übel gehetzet, gewetzet und besetzet". 

Und ein anderer Reim lautete: 

„Schleinitzer Witz 

„Keyserlich Geschütz 

„Erfurter Munition-) 

„Hat Leipzig gebracht in Contribution". 



M E. Kroker, Leipzig in Liedern und Gedichten des dreifsig- 
jährigen Krieges (Schriften des Vereins für die Geschichte Leip- 
zigs, V, Leipzig 1896.) S. 94. Den zweiten Reim führt auch Chemnitz 
an a. a. O. 

-) Erfurt hatte den belagernden Schweden Munition geliefert. 



Joachim von Schleinitz. i^y 

Und ein langatmiges Gedicht über die Belagerung^) kündigt 

bereits dem Schuldigen Bestrafung an: 

„Es kann kein Mensche nicht das Ding vor billig; sprechen, 
„Auch wird die Obrigkeit und Gott sich an den rechen 
„Der vns so vbergibt, die wolgeplagte Stadt 
„Hat keine schuld durch aus an dieser losen that". 

Auch die städtischen Behörden schlössen sich alsbald 
dem öffentlichen Wahrspruch wider den Generalkommissar 
an. Kaum nämlich hatten seine Truppen die Stadt geräumt, 
um von schwedischen Abteilungen nach Dresden geleitet zu 
werden, als Rat und Bürgerschaft einen eingehenden Bericht 
über die Verhandlunoren der letzten Zeit und insonderheit über 
des Kommandanten Haltung an den Kurfürsten abschickten. 

Die Klagen fielen diesmal bei Johann Georg auf guten 
Boden. Hatte er doch, von den Leipzigern durch wieder- 
holte Botschaft um Verhaltungsmafsregeln gebeten, die Ver- 
teidigung bis zum äufsersten anbefohlen; und überdies hatten 
ihm sowohl der Erzherzog Leopold Wilhelm wie der Kaiser 
selbst Entsatz in Aussicht gestellt. 

So war der Empfang des Generals bei dessen Ankunft 
in Dresden am Vormittagf des 12. Dezember nicht eben 
freundlich. Noch am Nachmittag soll Johann Georg dem 
Kommissar befohlen haben, seine Rechtfertigung schriftlich 
aufzusetzen. 

Man sieht über die Anfänge der nun folgenden Unter- 
suchung gegen Schleinitz nicht recht klar. Wunderbar ist 
vor allem, dafs der Generalkommissar noch bis zum Schlufs 
des nächsten Jahres im militärischen Dienst geblieben zu sein 
scheint"). Das mag sich daraus erklären, dafs es zunächst auf 
die sehr langwierige Beschaffung des für ein kriegsgericht- 
liches Verfahren notwendigen Materials ankam, die der Kur- 
fürst seinem Geheimen Ratskollegium anvertraut hatte. Da- 
neben erhielt auch der Generalschultheifs der Armee die 
Weisung, die ,,Inquisitorialartikel" gegen Schleinitz aufzu- 
stellen^). Da er die zahllosen Bezichtigungen schliefslich erst 
in 124 Punkten zu vereinigen imstande war, so mag man sich 
ein Bild von der Schwierigkeit dieser Voruntersuchung machen "* ). 
Als man dann den Kommissar darüber hörte, mühte er sich 



1) Die Belagerung für Leipzig, 1642 In Teutzsche Reime ge- 
bracht von Einem Mitbelägerten. Erffurt | . . . 1643. Kgl. Bibl, 
Dresden Hist. Germ. C. 573. 15. 

^) Schleinitzsche Geschlechtsgeschichte S. 243. 

^) Befehl an den Generalschultheifs vom 19./29. Januar 1643. 

*) Die weitschichtigen Akten darüber im St. A. Dr. besonders 
Loc. 9258. 



198 J. H. Gebauer: 

natürlich, seine Schuld zu mindern, wobei er neben dem 
Obersten von Trandorf auch den verantwortlichen Leiter der 
Ingenieurarbeiten Dr. Christoph Pinckert, insonderheit aber die 
Leipziger der Pflichtversäumnis oder mangelnden Energie 
anklagte. Besonders steifte er sich darauf, nicht er habe 
sich bei den Kapitulationsverhandlungen von den Städtern, 
sondern diese hätten sich bei den Kapitulationsverhandlungen 
von ihm getrennt. Unter solchen Umständen mufste ein Heer 
von Leipziger Zeugen vernommen und konfrontiert werden, 
was sich als eine ungeheure und im vollen Umfange sogar 
ganz unausführbare Aufgabe erwies. Denn der schwedische 
Kommandant von Leipzig, Oberst Schulmann, verweigerte 
den nach Dresden Vorgeladenen grundsätzlich die Pässe, und 
ein Zeugenverhör an Ort und Stelle ging nicht an, solange 
Leipzig in den Händen der Feinde war. Aus dem Rat hatte 
sich allerdings auf eigene Gefahr der eine oder andere in 
Dresden eingefunden, besonders diejenigen, gegen deren 
Haltung bei der Untersuchung Klage laut geworden war und 
die sich rechtfertigen zu können meinten. Die hielt man 
nun zurück und verhörte sie immer wieder, liefs auch Schleinitz 
und die anderen auf ihre Aussagen schriftlich und mündhch 
antworten. 

Die Anklage gegen Schleinitz, dessen Lage mittlerweile 
auch der Umstand verschlechtert zu haben scheint, dafs er 
für die letzten Jahre die Rechnungsabschlüsse seines General- 
kommissariats nicht beibringen konnte, verdichtete sich in- 
dessen so weit, dafs ihm Anfang Mai 1644 der Generalauditeur 
Noa Johann Coccei in des Kurfürsten Auftrag den Arrest 
ankündigte. Da er bereits schwer leidend war und man auch 
seine früheren Verdienste in Anschlag brachte, so wurde ihm 
jedoch auf seine Bitte gestattet, den Arrest im eigenen Hause 
zu halten. 

Im Juli 1644 war die kriegsgerichtliche Untersuchung 
bis nahe vor die Urteilsfällung gediehen. Damit kein Fehl- 
spruch erfolge, vielleicht auch, um neben dem vermutlich 
harten Votum der Militärs ein milderes für den alten Freund 
zu erhalten, übergab Johann Georg die Leipziger Sache jetzt 
noch einem Ausschufs von sieben namhaften Juristen zur 
Begutachtung (9./19. Juli). 

Da entrückte ein mitleidiger Tod den Generalkommissar 
kurz vor der Urteilsverkündigung einer beschimpfenden Strafe. 
Am 31. Juli erlag der 68jährige Mann seinem durch die Auf- 
regungen des letzten Jahres gesteigerten Steinleiden. In aller 
Stille wurde die Leiche nach Schieritz überführt und dort ohne 



Joachim von Schleinitz. loo 

Zeremonien — so hatte der Kurfürst angeordnet — bestattet^). 
Johann Georg zeigte dennoch nicht übel Lust, des Ver- 
storbenen Hinterlassenschaft an Lehen und Erbe einzuziehen-). 
Aber die Juristenkommission, darüber befragt, erhob Bedenken, 
wenngleich auch sie Schleinitz für schuldig erachtete, ,,den 
üblen Accord heimlich, arglistig und gefährlicher Weise der 
Stadt Leipzig zu vorsätzlichem Schaden geschlossen" zu haben. 
Nur die zum eigentlichen Erbe gehörigen Besitzungen des 
Kommissars nebst seinem Dresdner Hause, entschied sie, 
dürfe der Kurfürst einziehen und vorläufig gerichtlich beleoen, 
nicht aber die alten Lehnsgüter, da hier ja auch andere 
Geschlechtsgenossen Mitbelehnte seien. Tatsächlich finden 
wir die Schleinitzschen Besitzungen in der nächsten Zeit unter 
Sequester der kurfürstlichen Amtskammer. 

Der endgültige Abschlufs des Prozesses erfolgte im 
Oktober 1644. Die Brüder des Verstorbenen, Heinrich von 
Schleinitz, der seit langen Jahren als Oberst über ein Kavallerie- 
regiment in kursächsischen Diensten stand, und Christoph von 
Schleinitz, kurfürstlicher Kammerjunker, erreichten es beim 
Kurfürsten, dafs Gnade vor Recht erging. Die dem Gesetze 
nach zulässigen Einziehungen fanden nur in sehr beschränktem 
Mafse statt, und sollten wohl mehr noch die Sühne bilden für 
die fehlende Rechnungsablage als für die Leipziger Übergabe. 

Bis über das Grab hinaus aber bheb Schleinitz der Hafs 
derjenigen treu, die in ihm einst als Studenten ihren unleid- 
hchen Widersacher gesehen hatten; und einer von ihnen, ein 
Theologe'^), schliefst seine Bemerkungen über den tragischen 
Untergang des Gefürchteten mit den Worten: So verachtete 
Gott die, welche ihn verachteten'^). 



1) Schleinitzsche Geschlechtsgeschichte S. 245. 

■'') St. A Dr. Loc. 9258. Der Herren Geheimen Räte etc. Bedenken. 

ä) Der oben (S. 194 Anm. 2) erwähnte Brandenburger Pfarrer 
Heinsius, der offenbar selbst als Student Schleinitz' Gewalttätig- 
keiten gegen die Akademiker kennen gelernt hatte. 

■*) Der unglückliche Trandorf hat bis zu seinem Ende im Früh- 
jahr 1650 in Haft gesessen, ohne dafs der Prozefs wider ihn zum 
Abschlufs kam, da Leipzig noch immer in Händen der Schweden 
war. Nach seinem Tode beantragte der Generalauditeur Coccei 
selbst, man möge wenigstens seine Hinterlassenschalt der Witwe 
ausliefern, da nachgewiesenermafsen Schleinitz der Hauptschuldige 
gewesen sei. Der Dr. Pinckert flehte ebenfalls Jahre hindurch ver- 
geblich um Befreiung aus seiner „Custodei". Sie scheint ihm nicht 
zuteil geworden zu sein, obwohl sich Pinckert einst anerkannte 
Verdienste um die Einrichtung der Akzise in Leipzig erworben 
hatte. Jedenfalls war er noch 1648 in Dresden als Gefangener. 



VI. 

Das Zeithainer Lager von 1730. 



Von 
Hans Beschorner. 

(Schlufs.) 



6. Der Tafelluxus. 

Was an Tafelluxus im Zeithainer Lager geleistet wurde, 
kann man zum Teil schon aus der dem ,, Feldlager oder Dia- 
rium" beigegebenen „Tafelliste" (s. diese Zeitschrift XXVII, 
I20 Nr. 31) und den Angaben bei von Mansberg (S. 294), 
6 Byrn (S. 108) u. a. über die Tafeln, ihr Service und ihre 
Bedienung ersehen. Die zwölf Tafeln, von denen drei mit 
goldenem, fünf mit silbernem und vier mit zinnernem Service 
gedeckt waren, hatten eine Länge von je 13 Ellen 6 Zoll und 
eine Breite von 3 Ellen 10 Zoll. Zu jeder gehörten acht 
2 Ellen lange und fast ebenso breite Beitische für das Silber 
und Getränke. Sechs Reservetafeln und sechzig Reserve- 
tische wurden bereit gehalten. Alle diese Tafeln und Tische 
waren von dem Hoftischler Hose, der auch den Pavillon 
mit sieben 4 Ellen langen und 3 Ellen breiten Tafeln versah 
und die Zelte mit 200 Tischen und 300 Lehnbänken ausstattete, 
neu gefertigt. 

Was die Hofhaltungen in Dresden, Warschau, Moritzburg, 
Pretzsch usw. an Tischwäsche und Service besafsen, mufsten 
sie nach Radewitz schicken. Vieles mufsten sie erst instand 
setzen lassen, die Dresdner Hofhaltung z. B. das ältere Zinn, 
das, aus 8 Potage-, 20 Mittel- und 100 kleinen Schüsseln, 
120 Assietten, 50 Küchentellern, 400 Tafeltellern, 40 Salz- 
fässern, 12 Suppenschalen, 150 Leuchtern und 20 Bechern be- 



Das Zeithainer Lager von 1730. 201 

stehend, für 953 Tlr. „nach der Form des Silbers" umgegossen 
wurde (OHA. II f. 182 f.; Loc. 354 „Aufsatz zur Neujahrs- 
messe 1732"). Aufserdem mufste natürlich viel neu an- 
geschafft werden. So wurden nach OHA. II f. 182 f. an Lein- 
wand gekauft: 20 Stück damastene Tafeltücher, jedes 16 Ellen 
lang und 6 Ellen breit, 150 Rehttücher von guter Hausleinwand 
auf Silber-, Schäiik- und Speisetische, 200 Mitteltücher zum 
Abtrocknen, an neuen tuchenen und ledernen Teppichen als 
Unterlage für die Tafeln für 585 Tlr. (Loc. 900 f. 18 f.), an 
Service i. ,,ein gantz silbern Service, welches in Leipzig 
verfertiget und von da ins Campement geliefert worden" 
(Loc. 35043 f. 65), 2. ,,des Graff Lützelburg Service", das 
mit 14000 Tlrn. bezahlt, also nicht einfach dem Grafen weg- 
genommen wurde, wie 6 Bym S. 109 Anm. i meint, 3. das 
von 6 Bj-m S. 105 genauer behandelte ,,in Berlin bestellte 
Silber", das 1408 Tlr. kostete, 4. ,,eine in Leipzig bestellte 
Plat de menage", 5. ,,zwei grofse zinnerne Tafelservice von 
enghschem Zinn, welche allhier (in Dresden ?) für 2160 Tlr. 
verferttiget werden", 6. ,,ein Tafelservice, zu dem der Mahler 
Wibelt unterschiedene Zeichnungen für 130 Tlr. lieferte", 
7. ,,vier grofse englische zinnerne Tafelservice, welche von 
London anhero kommen" und 5500 Tlr. kosteten, 8. ,,zwei 
in Leipzig erkaufte weifse silberne Epargnen (s. u.) und vier 
Terrinen", usw. An Silber ging auf die neuen grofsen Tafel- 
service, die 2365 Tlr. Macherlohn erforderten, 5335 Tlr.; die 
„Augmentation des silbernen, doppelt matt vergoldeten Tafel- 
services" kostete aufserdem noch 4000 Tlr. ^)! 

In welcher Weise die Königstafel bei den drei Gängen 
mit dem goldenen Service, dessen Stücke ö B\Tn S. 103 auf- 
zählt, gedeckt war, veranschaulichen drei grofse Zeichnungen 
in OHA. I f. 96 — 98. Bei den ersten beiden Gängen, die 
aus je 42 Gerichten zur Auswahl bestanden, bildete ein kunst- 
voller Tafelaufsatz, eine sogenannte Epargne (vgl. 6 B^rn 
S. 105 Anm. i), den Mittelpunkt der Anordnung. Um diese 
gruppierten sich Potage-, grofse, mittle und kleine Schüsseln, 
Assietten und Küchenteller, 48 an Zahl, die 24 Speiseteller 
nicht mit gerechnet, von denen allemal einer den Mittelpunkt 
jedes Gedeckes bildete. Was an Messern, Gabeln und Löffeln zu 
dem ,, grofsen goldenen Service" und zu dem sogenannten 
,, Pohlnischen Service" gehörte, lernt man aus dem ,,aller- 
unterthänigsten Vortrag" Loc. 1056 I f. 146^ kennen. Ganz 



^) Vgl. Loc. 1064 f. 278 — 284 und Loc. 352 an verschiedenen 
Stellen. 



202 Hans Beschorner: 

besonders kunstvoll war die Anordnung beim dritten Gange, 
„dem Konfektaufsatz" 

Aufser Gold, Silber und Zinn wurde bei den Tafeln, 
namentlich bei dem dritten, süfsen Gang und dem hinterher 
gereichten Kaffee (vgl. 6 Byrn S. iii), Porzellan verwendet, 
d. h. fremdländisches; denn dafs Meifsner Porzellan im Rade- 
witzer Hauptquartier gebraucht, ja dafs hier, wie man vielfach 
lesen kann, zum erstenmal von Meifsner Porzellan gegessen 
worden sei, läfst sich urkundlich wohl kaum nachweisen. Die 
Fabel beruht entweder auf Mifsverstehen der Worte des 
Staatskalenders J 4 Sp. 2 (dazu OHA. I f. 26): ,, Unter 
ersteren [Zelten] speisten dieses Mahl [d. h. bei der Verab- 
schiedung des Preufsenkönigs] die Könige mit der ganzen 
Suite auf Porcellain", oder auf der einfach aus der Luft ge- 
griffenen Erzählung des von Engelhardt (vgl. diese Zeitschrift 
XXVII, 121 Nr. 34) benutzten Lagerpredigers, der nach 
Engelhardt S. 71 berichtete: ,,Man speisete diesmal auf Por- 
zellan, damals eine Seltenheit, die alle fremden Herrschaften 
nicht genug bewundern konnten; denn Böttcher, der Erfinder 
des Porzellans, war noch nicht lange tot. Als Friedrich 
Wilhelm den ersten Teller in die Hand nahm, soll er lachend 
gesagt haben: Der heillose Apothekerbursche hätte wohl 
auch in meinem Berlin bleiben können. Das braune Zeug 
ist besser, als ich mir's imaginiret". An Porzellan, soweit 
es für Tee, Kaffee und Schokolade gebraucht wurde, besafs 
die Hofkonditorei (bez. die Hofsiiberkammer) einen kleinen 
Vorrat, nämlich nach der Spezitikation vom 22. April 1730 
(OHA. II f. 1991.) I. ,,an Jappanischem Porcellain auf die 
drei goldenen und die Dames -Taffein a) 21 Choccolade -Tassen 
(dabei 10 ohne Henkel), b) 21 Coffee -Tassen und c) 16 Thee- 
Tassen, II. an schlechtem Porcellain auf die vier silbernen 
Tafeln a) 2 Coffee- und b) 11 Thee -Tassen". Aufserdem 
waren noch 8 Paar Teetassen da, die aber teils zu klein, 
teils zu bestofsen waren, ,,so dals man sie füglich niemand 
praesentiren konnte". Der Bestand langte natürlich nicht 
entfernt für den Aufwand des Zeithainer Lagers. Es fehlten 
von I^ mindestens 11, von I'' 27, von I'^ 32, von 11^ 46, 
von IP 37 Stück, aufserdem alle gröfseren Schüsseln und 
Terrinen, die bei den ersten beiden Gängen zu Salaten und 
ähnlichen Gerichten nötig waren. Die Hofsilberkammer bat 
deshalb um Ergänzung ihrer Bestände für die Dauer des 
Campements aus dem Holländischen Palais, wo damals die 
kostbare Porzellansammlung des Hofes untergebracht war; 
vgl. J. Louis Sponsel, Kabinettstücke der Meifsner Porzellan- 



Das Zeithainer Lager von 1730. 203 

Manufaktur von Johann Joachim Kandier (Leipzig 1900). Der 
König entschied aber am 20. März 1730 (vgl. OH A. 11 f 1991'.; 
danach die Beiferkungen bei 6 Byrn S. 112), ,,dafs das be}' 
der Küche und Conditore}- benöthigte feine Porcellain nicht 
aus dero Vorrath [im Holländischen Palais] hergegeben werden 
sollte, dazumahl alle erforderten Sorten daselbst nicht zu be- 
finden seien. Der Oberkammerherr Graf Friese[n] solle sich 
vielmehr umthun, solches zu erkaufen". Er wandte sich des- 
halb an die Madame Elsabeth veue de Bastouches, die ein 
grofses Porzellanlager in Dresden hatte (vgl. 6 B3Tn S. 112 
und Sponsel a. a. O. S. 11 f.). In ihrem Gewölbe fanden sich 

I. ,,an Japanischem Porcelain a) 24 Paar Coffeetassen , jedes 
Paar ä 20 Gr., b) 10 Paar dergleichen andere Fagon ä 20 Gr., 
c) 12 Paar Theetassen ä 18 Gr., d) 12 Paar dergl. andere 
FaQon ä 18 Gr., e) 24 Paar dergl. noch andere Facon ä 18 Gr. 
und f) 21 Stück Choccoladetassen mit Henckeln ä 16 Gr., 

II. an auswendig ganz braunem, inwendig aber blau und 
weifsem Indianischen Porcelain a) 60 Paar Coffeetassen, jedes 
Paar ä 12 Gr., b) 20 Paar dergleichen andere Facon ä 12 Gr., 
c) 60 Paar Theetassen ä 10 Gr. und d) 12 Paar dergl. andere 
Facon ä 10 Gr., III. an blau und weifsem Indianischen Porcelan 
48 Stück Chocoladetassen mit Henckeln ä 12 Gr., in summa 
für 177 Tlr. 8 Gr. ohne Moderation." Davon kaufte der Hof 
durch den Vize -Hof -Sekretarius Gleichmann, nach vorheriger 
Besichtigung durch den Baron Le Plat und Mr. Teuffer, 
a) „12 tasses ä chocolade, b) 24 ä caffee, c) 36 ä thee, alles 
in Japanischem Porcellan", gab aber nicht die vorgeschriebenen 
Preise von 16 Gr. für a (das Stück), 20 Gr. für b (das Paar) 
und 18 Gr. für c (das Paar), sondern nur 9, 14 imd 14 Gr. 
Die Frau de Bastouches, die sich wegen Krankheit seit längerer 
Zeit schon nicht mehr um ihr Geschäft kümmern konnte, ging 
auf den Handel ein. In einem Briefe, Ziesar, den 30. März 1730, 
schrieb sie, ,,sie habe das Porzellan zwar nicht gesehen, könne 
daher auch den Preis nicht wissen. Sie sei aber mit allem 
einverstanden. Sie würde Sr. Excellens, der, wie sie wisse, 
nur Rechtes verlange, ihre ganze Boutique auch umsonst 
geben". 

Da aber diese von der Bastouches erhandelten Porzellan - 
tassen noch nicht langten und ,,die andern Dresdner Kauff- 
leuthe dergleichen nicht in solcher Quantität und nach dem 
Mafse hatten, schrieb Friesen deshalb nach Amsterdam und 
ordinirte solche[s] Porcellain von dahero". Es traf am 25. Mai 
durch Vermittlung des Leipziger Bankiers Dumont im Lager 
ein (OHA. I f. ^^l). So war das Kaffee-, Tee- und Schoko- 
Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. 3. 4. I4 



2D4 



Hans ßeschorner; 



ladenporzellan beschafft. Noch fehlten aber die Schalen, 
Schüsseln, Terrinen und Näpfe für die beiden Gänge der 
Mahlzeit und für den Konfektgang, nämlich, \vie im einzelnen 
Loc. 1064 f. iigf. genau angegeben ist, I. für die Küche 
6 Stück Schalen zu 20, 16 zu 16V2, 28 zu 15 Zoll und 2 grofse 
Terrinen mit Decker, IL für die Konditorei 2 Stück Schalen 
zu 20, 10 zu 16^2, 128 zu 15 Zoll und 88 Milchnäpfe. Da 
•diese Stücke in der Eile nicht aufzutreiben waren oder da 
auch vielleicht das Geld zu anderen Dingen nötiger gebraucht 
wurde, so gab der König schliefslich doch noch seine Ein- 
wilHgung, dafs aus dem Holländischen Palais folgende Porzellane 
ausgeliehen wurden (OHA. II f. 199!; Loc. 773 Das Schloss 
zu Dressden angehende Sachen 1676 — 1778 f. 93f.): I. an 
Jappanischem Porcellan a) 5 Stück Mittelschüsseln Nr. 206 
und 207, b) 58 Stück kleinere, und zwar von Nr. 210: 8, 
209: 6, 211: 3, 126: 3, 14: 4, 15: 7, 28: 8, 294: 13, 21: 2, 
133- 3> ^9- I' c) 53 Stück grofse Terrinen oder Spühlcompen 
ohne Deckel, nämlich von Nr 23: 4, 79: 2, 80: 2, 88: 5, 
96: 2, 81: I, 69: 6, 30: 4, 72: 6, 89: 8, 197: I und 
„12 Stück ohne Nummer, so der Madame Bastuchen zu- 
kommen", II. an blau und weissem Indianischen Porcellan 
a) 3 Stück grofse Schüsseln = Nr. 524, b) 92 Stück kleinere 
Schüsseln, nämlich von Nr. 138: 6, 137: 27. 301: 30, 510: i, 
302: 14, 140: 2, 329: 4, 139: 5, 332: 3, c) 47 Stück Terrinen, 
nämlich von Nr. 372: 5, 527: 6, 555: 6, 331: 5, 373: 16, 
374- 5' 532 ■- 4- Die Gesamtsumme der ausgeliehenen Stücke 
betrug 256. Dazu kam aber noch, ebenfalls am 14. März 1730, 
eine Nachforderung von 66 Stück, nämlich i. an Jappanischem 
Porcellan a) 5 grofse Mittelschüsseln (von Nr. 12: 4, von 
Nr. 132: i), b) 13 kleinere Schüsseln (von Nr. 22: 8, 85: 4, 
23: i), IL an blau und weissem Indianischen Porcellan 
a.) 4 Stück grofse Terrinen mit Deckeln (Nr. 547) und b) bis 
e) 44 kleinere Schüsseln (von Nr. 524: 4, 369: 6, 138: 6, 
301: 2 8j. 

Die zwölf Tafeln täghch mit ungezählten Speisen und 
Leckerbissen zu versehen, war keine Kleinigkeit. Ein ganzes 
Heer von Köchen war dazu aufgeboten, u. a. 89 fremde Köche, 
28 Beiarbeiter, 43 Küchenmägde und 23 Bratenwenderjungen 
(Loc. 1056 Acta varia f. 135!, OHA. II f. 65 f). Die fremden 
Köche waren wohl zum gröfsten Teile aus Paris, so die 
Küchenmeister Beruteaux (Barutau) und la Rue, die Bei- 
köche Roblein (Robelin) und Tappein (Tapinj, der aus 
Leyden gebürtige Pastetenbäcker Layderet und der Brat- 
koch Bonard, die Graf Divr}- in Paris besorgte (Loc. 900 



Das Zeithainer Lager von 1730. 205 

f. Syf., Schreiben vom 27. Februar 1730). Die Gräfin Orzelska, 
bei der öfters, z. B. am 4. mid 19. Juni, gewählte Soupers mit 
anschhefsenden Bällen (entweder ,,auf dem vorderen" oder 
,,auf dem hinteren Saale'' ihres Palais, d. h. des Damen- 
palais; s. oben S. 96) stattfanden, hatte ihr eigenes Küchen- 
personal, darunter sieben fremde Köche, einen Zehrgärtner 
und drei Bratenwender (OHA. I f. 13'^ und 21, II f. 67). 

Für Beschaffung der nötigen Lebensmittel war in weitest- 
gehendem Mafse gesorgt. Täglich traf eine ,,Küchen-Callesche 
mit Victualien aus Dresden" ein (OHA. I f. 12; Loc. 900 
f. 181.: ,,162 Tlr. Postgeld, die Küchenpost währendem Cam- 
pement zu führen"). Das Gemüse hatten die königlichen 
Gärtner in Annaburg, Pretzsch und Torgau zu liefern. Für 
die fehlenden ,, Gartensachen" mufsten die Leipziger und 
Dresdner Hofgärtner eintreten (OHA. II f. 83 — 91), Massen- 
haft lieferten sie „Erdbeeren, Artizschocken, grünen und Brech- 
spargel, Champignions, Weifskrauth, junge gelbe und weifse 
Rüben, Rettiesgen, grüne Petersilie, Petersilienwurzeln, Kräuter- 
salathe, Staudensalate, Gartenkresse, Pordulack, frische Gur- 
cken, Zuckerschoden, grüne Bohnen, Spinath, Sauerrampf, 
Kürbelkrauth, junge Zwiebeln, Porro, Schnittlauch, junge 
grüne Chalotten, Basilicum, Lorbeerblätter, Thiemian, Salbey, 
Staudenfenchel, Orangenblüthen, allerhand Bluhmen- und 
Orangenblätter zum Garniren". 

Um immer gehörigen Vorrat an frischen Fischen zu 
haben, wurden eigens für das Radewitzer Hauptquartier zwei 
Torgauer, zwei Moritzburger Teiche und der Dresdner Stadt- 
graben vorbehalten. Lachse lieferte die Elbe mit ihren Neben- 
flüssen (Loc. 900 f. 5 5 f.: ,,171 Tlr. den Fischern vor 171 Pfund 
Lachfs"), Forellen, die der Schösser in Augustusburg zu be- 
sorgen hatte, die Gewässer des Erzgebirges (OHA. II f. 41 f.; 
Loc. 35043 f. 50 und 67). Den Amtleuten zu Nossen, Meissen, 
Hayn, Mühlberg usw. wurde „schleunigste Fortschaffung . . . 
der vorfallenden Fischlieferungen . . . auf jedesmahlige vor- 
herige Anzeige des Oberlandfischmeisters" eingeschärft; vgl. 
den Befehl vom 13. April 1730 Kop. der II. Rent-Expedition 
1730 Vol. I f. 2oof. 

Das gemästete Vieh und die geräucherten Waren hatte 
der Hofmetzgermeister Johann Georg He3'ne ,,in grofser 
Quantität" zu Hefern (OHA. II f. 99), für das Wildpret da- 
gegen hatte der Oberjägermeister C. H. von Leibnitz (Leub- 
nitz) zu sorgen. Er war dafür verantworthch, dafs jede 
Woche ,,2 Kolbenhirsche, 2 Stücken Wild, 2 Wildkälber, 
4 Rehe, 4 Frischlinge, 6 alte und 8 junge Hasen, 20 Phaa- 

14* 



2o6 Hans Beschorner: 

sahnen und 50 Rebhühner" eingingen. Da aber mit diesem 
,, bisher geUeferten Wildpreth bey der so starcken Aufsspeisung 
unmöghch auszukommen war", so mufste er bald noch über 
,,die ganz ordenthche Lieferung" wöchenthch ,,4 Hirsche, 
6 Rehe, 6 Wildkälber, 8 Frischlinge, 16 junge und alte Haasen" 
beschaffen. Aufserdem wurde viel Federwild, namentlich 
Fasanen und Rebhühner, aus Böhmen bezogen. Die Vasallen 
der Zeithainer Gegend aber, die Mittel- und Niederjagd be- 
safsen, durften in der Zeit des Campements kein Wild nach 
auswärts verkaufen, sondern mufsten alles, was sie nicht 
selbst verzehrten, an die Hefküche abliefern (OHA. II f. 59, 
87 f., 99, 192 f., auch mehrere Einträge in den Rentkopialen 
der Zeit). 

Was die Küchen verwaltvmg, deren oberste Leitung der 
Oberküchenmeister von Seifertitz hatte, leistete, können wir 
am besten an dem in vieler Hinsicht höchst interessanten 
Speisezettel vom 4. Juni 1730 ersehen, der uns OHA. I 
f. 82 — 97 erhalten ist und eine gewöhnliche, alltägliche Speise- 
folge für den Mittag und Abend bietet, nicht etwa die einer 
besonderen Festlichkeit; denn mit dem intimen Feste zu 
26 Gedecken, das die Gräfin Orzelska am 4. Juni abends gab, 
hat er nichts zu tun. Das Menü ist für sämtliche zwölf 
Tafeln aufgestellt. Für jede der durchaus verschieden be- 
handelten Tafeln sind, wie dies damals üblich war, zwei 
Gänge vorgesehen. Das Servieren dieser zwei Gänge erfolgte 
in der Weise, dafs die ganze Tafel mit den verschieden- 
artigsten Gerichten besetzt wurde, so dafs sich jeder mit 
Hilfe der aufwartenden Bedienung nehmen konnte, worauf 
er gerade Appetit hatte. War der erste Gang abgegessen, 
folsfte der zweite Gang in einer neuen Reihe von Tellern 
und Schüsseln, die an Stelle der leeren gesetzt wurden. Nach 
dem zweiten Gange wurde die Tafel gänzlich abgeräumt, das 
Tischtuch gewechselt und dann der Konfektgang aufgetragen. 

Von dem im wesentlichen gut deutsch abgefafsten Menü, 
das bis auf einige unwesentliche Kürzungen vollständig in 
einem der nächsten Hefte des ,, Archivs für Kulturgeschichte" 
(herausgegeben von Steinhausen) abgedruckt wird, seien hier 
wenigstens einige charakteristische Proben mitgeteilt. Der 
erste Gang der I. oder Königstafel, der auf 10 Mittelschüsseln, 
lo kleinen Schüsseln, 18 Assietten und 4 Küchentellern an- 
gerichtet wurde, bestand aus folgenden Speisen: i. zwei Suppen 
von Kalbsbouillon mit 8 farcierten jungen Hühnern, frischen 
Gurken, Staudensalat und Portulak; 2. zwei Linsensuppen mit 
4 jungen zahmen Enten darin; 3. zweimal 56 Pfund englischem 



Das Zeithainer Lager von 1730 207 

Rinderbraten en ballon, garniert mit Marinade von 12 jungen 
Hühnern; 4. zwei 50 Pfund schweren Rindschwanzstücken 
naturel mit sauce hachee von gedörrten Trüffeln und Pfeffer- 
gurken; 5. zwei frischen, glassierten und gespickten Lachsen 
zu je 15 Pfund, garniert mit kleinen Pastetchen von zwei jungen 
Kapaunen und drei Schock Krebsen; 6. zwei geräucherten 
2 2 -Pfund-Schinken ä la crepine mit Sauce von 2 Pfund Karpfen 
und Champagner; 7. zwei Schöpskeulen zu je 18 Pfund, far- 
ciert mit 4 Pfund Schweinefleisch und Nierenstollen ä la braise, 
dazu Ragout von Karviol; 8. Pasteten ä l'anglaise von 16 Pfund 
Rindfleisch und 2 Hasen mit Blut und sauce hachee von 
Trüffeln und frischen Champignons; 9. Pasteten von 20 Pfund 
Schöpsenkeule mit Ragout von frischen Champignons und 
Schinkenessenz; 10. drei Pfund frischem und drei Pfund ab- 
gehobenem Lachs mit grünen Schoten ä l'anglaise und Butter; 

11. acht jungen Hühnern mit Steinkraut grillee in Papier; 

1 2. sechzehn Pfund mitPetersilie gespickter und gebratenerKalbs- 
lende und Staudensalat; 13. acht gekochten jungen Hühnern, 
farciert mit 3 Pfund Kalbfleisch, 8 Pfund Schweinefleisch und 
Rindermark, dazu Ragout von Spargel ä l'anglaise; 14. acht 
jungen Kapaunen mit grünen Stachelbeeren; 15. zwölf jungen, 
mit Schinken und Speck gespickten Tauben ä la braise mit 
Trüff"eln; 16. zehn jungen zahmen Enten, farciert mit Lebern 
ä la broche, dazu frische Gurken; 17. acht Poularden mit 
Essenz und Ragout von Schinken; 18. acht Pfund Rinds- 
kaldaunen en poupiettes, mit 2 Kapaunen farciert, mit Par- 
mesankäse paniert und mit sauce hachee angerichtet; 
19. zwanzig Pfund grillierten Schweinskoteletten mit warmer 
Remoulade; 20. drei en filet gebratenen Kapaunen mit grofsen 
Nudeln ä la creme und frischer Butter; 21. gebackenem Reis- 
kuchen mit i\-2 Schock Krebsen. 

Der zweite Gang dagegen setzte sich aus folgenden 21 
Doppelgerichten zusammen, zu denen wieder 10 mittlere, 
10 kleine Schüsseln, 18 Assietten und 4 Küchenteller not- 
wendig waren: i. Galantine von 36 Pfund Rindsköpfen, 
28 Pfund Schweinsköpfen, 6 Pfund frischem Schweinefleisch 
und 3 geräucherten Rinderzungen, garniert mit 8 Rinder- 
zungen; 2. abgehobenem Truthahn ä la daube'), mit Morta- 
dellawurst garniert; 3. kalter Pastete von 4 zahmen Gänsen 
en galantine mit 4 geräucherten Rindszungen; 4. gebackenem 
Mandelkuchen, garniert mit Torteletchen von Pistaziencreme; 



') d. h. nach Zedier, Universallexikon I, 900, „mit Wein, etwas 
wenig Wasser, Essig und gantzer Würtze abgekocht". 



2o8 Hans Beschorner: 

5. Torten von Mandelteig, garniert mit Torteletchen von ein- 
gemachten Kirschen und Pistaziencreme; 6. zwei Pfund ge- 
bratenem kleinen Frischling, 5 Pfund Wildkalbskeule, 3 Pfund 
jungem Reh und 6 jungen Taviben; 7. acht gebratenen jungen 
Kapaunen und 8 jungen Hühnern; 8. sechs gebratenen alten 
Kapaunen; 9. einem gebratenen Lamm und 8 jungen zahmen 
Enten; 10. zehn Pfund gebratenem Wildkalb, 6 Pfund Frisch- 
ling, 2 gebratenen Fasanen und 4 Rebhühnern; 11. gebackenem 
Creme von eingemachten Orangeschalen und Zitronat; 12. ge- 
backenen Spritzkuchen aus dem Schmalze; 13. Apfelsinen- 
kompott mit Äpfelgelee; 14. Artischocken mit weifser Sauce; 
i5.Profitroles^) mit Ragout von Kalbsmilch, 2 Schock Krebsen, 
Spargel und Trüffeln; 16. Spargel mit Öl; 17. Spargel mit 
weifser Sauce und Eidottern; 18. Kalbsohren en filet weifs; 
19. Brot, mit Pistaziencreme farciert und grilliert; 20. ge- 
rollten Eierkuchen, mit Parmesankäse glassiert; 21. Eiern mit 
Brot ä la crepine. Überdies gab es noch frischen Gurken- 
und Staudensalat. 

Der König afs von all diesen guten Dingen nicht mit, 
sondern liefs sich folgende Speisen servieren, die offenbar 
nach seinem besonderen Geschmacke zusammengestellt waren: 

1. neun Pfund Rindsschwanzstück ä Fanglaise mit Petersilien- 
sauce und jungen gelben Rüben, weifs, mit frischer Butter; 

2. sechs Pfund Schinken mit grünen Bohnen; 3. drei junge 
Hühner, mit einem Schock grofser Krebse farciert; 4. Torte 
mit Filet von 3 Poularden, Champagnerwein und frischen 
Champignons; 5. Schöpskoteletten zu 5 '2 Pfund mit Sauce 
von Verjus-); 6. grofse Klöser von Semmel und Speck mit 
Filet von einem Truthahn; 7. einen gebratenen jungen Kapaun 
und 2 Poularden; 8. vier Pfund gebratenen Wildkalbsrücken 
und 2 Tauben; 9. Artischocken mit Eis; 10. Spargel mit Ol; 
II. Eierkuchen mit Parmesankäse; 12. Semmeln, gefüllt mit 
Pistaziencreme. Salat von frischen Gurken. 



1) Zedier, Universallexikon XXIX, 775 : „Profiterols sind kleine 
Klöser von Kalbfleisch und Eyern, auch etvas Mehl in Butter". 

"-) Zedier, Universallexikon I, 815: „Verjus (Agresta, Om- 
phax usw.) ... ist ein Sattt, welchen man aus den grünen, unreitten 
und sauren Trauben macht ... Er dienet in der Küchen anstatt 
des Essigs . . . Ferner werden auch Agrest genennet eingemachte 
Weinbeeren, welche, wenn sie noch hart sind, von den Stengeln 
fein gemach abgerissen, rein gewaschen, wieder abgetrocknet, in 
einen reinen Hafen gethan, mit abgesottenem Essig übergössen und 
beschweret werden. Sie sind anstatt der Oliven zu gebrauchen. 
Noch heifset man Agrest den Saflt von unreiffen Trauben, wenn 
er mit Zucker und dem Gelben von Citronen zu einem Syrup ge- 
sotten wird." 



Das Zeithainer Lager von 1730. 209 

Die Genüsse der zwölf Tafeln stuften sich selbstverständ- 
lich nach unten hin ab. Von der neunten Tafel an gab es 
z. B. nur noch einen Gang. Immerhin war das, was die 
„Domestiquen" an der zwölften Tafel vorgesetzt bekamen, 
auch nicht zu verachten. Sie erhielten folgende Doppel- 
gerichte: I. Linsensuppe von 7 Pfund Schöpsenfleisch; 
2. Kräutersuppe von 2 Kapaunen; 3. gebratene Wildkeulen 
zu 28 Pfund; 4. vier gebratene Truthühner und 8 junge 
Hühner; 5. vier gebratene junge Gänse und 12 junge Tauben; 
6. abgehobenes Pökelrindfleisch; 7. abgehobene Pastete von 
Kapaun^); 8 Pastete von Lammfleisch mit SpargeP); 9. ab- 
gehobene Schöpskeule ä la braise'); 10. zehn Pfund Kalbs- 
schlegel mit Jus und frischer Butter^); 11. vier zahme Gänse 
ä la breche mit Stachelbeeren; 12. zwei Truthähne mit sauce 
hachee von gedörrten Trüffeln; 13. zwölf Pfund frisches 
Schweinefleisch mit gedörrten Erbsen; 14. sechs Pfund Kalb- 
fleisch mit Kapern und kleinen Rosinen; 15. Torten von ein- 
gemachten Kirschen, mit dergleichen Torteletchen garniert; 
16. Gänseklein schwarz; 17. vier Kalbsgekröse en fricassee; 
18. zwölf junge Hühner en fricassee mit Trüffeln; 19. ge- 
backene Torte von eingemachten Kirschen; 20. abgehobene 
Tauben mit Artischockenböden; 22. acht Pfund junge Tauben 
mit 2 Schock Krebsen en compot. Überdies Salat von frischen 
Gurken, grofsen Oliven und Staudensalat. 

War die täsfliche Zurichtuno- dieser zwölf Tafeln schon 
eine Riesenleistung, so wuchsen die Anforderungen, die an 
die Küchen Verwaltung gestellt wurden, noch wesentlich da- 
durch, dafs aufserdem zahlreiche Hofbeamte und Be- 
diente, die für sich speisten, verpflegt werden mufsten. Am 
4. Juni handelte es sich beispielsweise noch um folgende 
Gerichte: für den königl. Beichtvater 4 halbe Essen 
(i. Suppe von einem alten Huhn mit Nudeln; 2. Rindfleisch, 
2 Pfund, mit gantzem Gewürtz: 3. abgehobene Tauben mit 
Spargel; 4. ''4 gebratenes Lamm mit einem jungen Huhn), 
für den Hofkaplan 3 Essen, für die vier Küchenmeister 8 Essen 
(aus 16 Gerichten bestehend, darunter 2 abgehobene junge 
Hühner ä la Dame Simonie), für die königl. Kammerdiener 
und Leibbarbiere 4 Essen, auf den Hofküchenschreibertisch 4, 
für der Gräfin Orzelska Kammermädchen 6, für die sämt- 
lichen Küchenpersonen (inkl. der angenommenen) 51' 2 Essen 
(40 Pfund Rindfleisch, 108 Pfund Schöpsenfleisch, 40 Pfund 
Kalbfleisch, i Stück Kalbskopf ohne Füfse, i Stück Kalbs- 

') 7 — 10 nur einfache Gerichte, nicht doppelt serviert. 



2IO Hans Beschorner: 

lunge, lo Pfund gebratenen Hirschzemmel, 9 Pfund gebratenen 
Wildsbug); ferner für den General Sapi[ehja 3 Assietten, für 
den Reisestallmeister Bombsdorf 4 Teller (darunter 3 frische 
Lachse, V.2 Pfund, blau), für den Generalquartiermeister 
Reinard 2 Assietten, für den General Grumbkow abgehobenen 
gebratenen Kapaun, für den Generalmajor Linger 2 Assietten, 
für den Obristen Kröcher 3 Assietten, den königl. Hof- 
ofticianten 12 Essen (darunter abgehobenen Aal blau, 3 Pfund 
Karpffen schwartz), für die königl. Bereiter, Stallsekretäre 
und Stallschreiber 5 Essen (darunter 5 gebratene Wildsbüge 
zu 9 Pfund), für die königl. Bettmeister und Tapezierer 
8 Essen, für den Geh. Kammerschreiber Rüger 3 Assietten, 
für den Hauskellner 3 Assietten, für den Moritzburger Amt- 
mann 2 Essen, die königl. Leibwäscherin Lippin 3 Essen, 
die Konditorgesellen 4 Essen, für viele königliche und herr- 
schafftliche Bediente 6 Essen, für die kronprinzl. Lakais [einen] 
abgehobenen halben Schöps, den Janitscharen, so Speisen ge- 
tragen, 3 Essen, den französischen Köchen 4 Essen, den 
preussischen und fremden angenommenen Köchen 4 Essen, 
den königl. ]:)reuss. Leibschützen und Kammerlakaien 4 Essen, 
den königl. preuss. Kammerbedienten 4 Essen (darunter 2 ab- 
gehobene Hechte polnisch), für des königl. preuss. Kron- 
prinzen Kammerleute 3 Essen, für die fürstl. dessauischen 
Bedienten 5 Essen, für die prinzl. dessauischen Kammer- 
und anderen Bedienten 5 Essen, des Prinzen von Holstein 
Kammerdiener 2 Essen, für des Generals Grumbkow Bedienten 
2 Essen, den Bereiter-Scholaren 2 Essen, den Bockpfeifern 
abgehobenes Rindfleisch, für den Zeltschneider 2 Essen, für 
den Herrn Geh. Kriegsrat Schumacher 6 Assietten, für die 
Madame Poczyn 2 Assietten (i abgehobene Pastete von Wilds- 
kalb, 6 gebratene kleine junge Hühner polnisch). 

Für den Abend desselben Sonntags hatte die Hofküchen- 
verwaltung aufserdem noch für eine königliche Tafel (bestehend 
aus 8 mittlen, 10 kleinen Schüsseln, 16 Assietten und 4 Küchen- 
tellern), für eine Marschalls-Tafel (bestehend aus 10 kleinen 
Schüsseln und 10 Assietten) und für folgende Sonderabend- 
mahlzeiten zu sorgen: 4 halbe Essen für den königl. Beicht- 
vater (i. abgehobene Gans mit Stachelbeeren, 2. abgehobenes 
Kalbfleisch mit Capern, 3. abgehobenes Gebackenes, 4. 2 Vi Pfund 
gebratene Kalbsniere), 8 Essen den vier Küchenmeistern 
(16 Gerichte, u. a. 3 Pfund geräucherten kalten Schinken, 
abgehobenen Hecht polnisch, abgehobenes Gebackenes usw.), 
4 Essen den königl. Kammerdienern und Leibbarbieren, 4 Essen 
auf den Hofküchenschreibertisch, 5172 Essen den sämtlichen 



Das Zeithainer Lager von 1730. 2ll 

Küchenpersonen, inkl. der angenommenen; ferner 6 Assietten 
für den Herrn Kämmerer von Brühl (i. Kalte Schale von 
Rheinwein mit schwarzem Brot und kleinen Rosinen; 2. vier- 
einhalb Pfund mit grolsem Speck durchzogene und glassierte 
Kalbsscheiben mit Essenz von Schinken; 3. sechs junge Tauben 
mit Petersilie; 4. fünf Pfund gebratene Kalbsniere und 3 kleine 
junge Hühner; 5, gebackene Kirschtorte; 6. eine halbe Lamms- 
brust ä la St. Menhout; Salat von frischen Gurken), 4 Assietten 
für denWoywoden von Sendomir, 3 Teller für den französischen 
Residenten, 9 Essen für die königl. poln. und königl. preuss., 
ingl. fürstl. dessauischen Pagen, 6 Essen für der Gräfin Orzelska 
Kammerleute (u, a. auch Kalte Schale von Rheinwein, ferner 
gebackenen Hasenkuchen usw.), 2 Essen für den Zeltschneider 
und dessen Leute, endlich abgehobenes Rindfleisch und ab- 
gehobene gebratene Schöpskeule den Kammertürken. 

,,Sr. Königl. Majestät Abendtafel" aber bestand aus fol- 
genden Gerichten: i. abgehobene kalte Truthahnpastete. 
2. Abgehobenes ä la dauby von zahmen Gänsen in Gallan- 
tine. 3. und 4. eine zwanzigpfündige, gespickte und gebratene 
Kalbskeule mit Jus und frischer Butter. 5. und 6. Torten 
mit Creme von Pistazien, garniert mit Tortletchen von ein- 
gemachten Kirschen. 7. und 8. gebackene Hefenkuchen, 
ebenfalls garniert mit Tortletchen von eingemachten Kirschen. 

9. fünf Pfund frischer grillierter Lachs mit Sauerampfer. 

10. grilherte Lammsköpfchen mit Zitronensaft. 11. und 12. 
Terrinen mit 16 zerschnittenen jungen Hühnern und Brech- 
spargel. 13. Terrine mit Suppe sante von zwei Kapaunen 
mit Jus. 14. Terrine mit Kaltschale von Rheinwein, kleinen 
Rosinen und Schwarzbrot. 15. und 16, acht junge gebratene 
Kapaunen und 8 junge Hühner. 17. vier Pfund Rehrücken, 
zwei Rebhühner und 5 wilde Tauben. 18. zwei gebratene 
Frischlinge von 8 Pfund und 2 junge Hasen. 19. und 20. 
fünfzehn Pfund gebratene Rindslende ä la polonaise. 21. und 
22. neun Pfund gebratene Schöpsenlenden ä Tanglaise mit 
Staudensalat. 23. und 24. acht junge Kapaunen, farciert 
ä la braise mit Zwiebeln. 25. und 26. acht junge zahme 
Enten in Gallantine ä la braise mit Stangenspargel. 27. und 
28. Apfelsinengelee. 29. und 30. Blanc-manger von Mandeln 
(eine besondere Art Gelee von Mandelmilch). 31. bis 34. 
Spargel mit Öl oder mit weifser Sauce. 35. und 36. Torten 
von 12 jungen Tauben mit 2 Schock Krebsen ä la creme. 
37. und 38. Torten von jungen Hasen mit Champagner. 
Aufserdem Salat von Radieschen, frischen Gurken, Stauden- 
salat und grofsen Oliven. 



212 Hans Beschorner: 

Bei der Marschalltafel gab es dagegen abends: i. ein 
halbes gebratenes Lamm und 4 junge Hühner, z. acht ge- 
bratene junge Kapaunen. 3. drei Pfund gebratenen Reh- 
rücken und 6 Tauben. 4. einen gebratenen Frischling von 
4 Pfund und 4 junge zahme Enten 5. und 6. abgehobene 
Gallantine von zahmem Schweins- und Rindskopf nebst Rinds- 
zungen, mit Staudensalat. 7. und 8. Torten von eingemachten 
Kirschen, mit ebensolchen Törtchen garniert. 9. eine Schöps- 
keule von II Pfund ä la broche mit frischen Gurken. 10. eine 
Kalbskeule von 14 Pfund ä la broche mit Jus. 11. Torte 
von Lammfleisch mit Spargel. 12. Torte von 7 jungen 
Hühnern mit einem Schock Krebsen. 13. abgehobene zahme 
Enten mit Gurkensauce. 14. vier junge Hühner mit Sauce ä 
Tespagnole. 15. acht junge Tauben in Kompott mit Kalbsmilch. 
16. einezahmeGansmit eingemachten Kirschen. 17. und 18. ab- 
gehobene Artischocken mit Semmelbrühe. 19. und 20. Spargel 
mit weifser Sauce. Dazu Salat von Gurken und Staudensalat. 

Macht man einen ungefähren Überschlag, so brauchte 
die Hofküchenverwaltung an diesem einen Tage, einem ge- 
wöhnlichen Sonntage, nicht weniger als 751 Pfund Rind-, 
399 Pfund Kalb-, 377 Pfund Schöpsen- und 168 Pfund 
Schweinefleisch (einschliefslich der Wildschweine), 61 Rinds- 
zungen, 14 Lämmer, 4 Spanferkel, 91 Pfund Schinken, 
174 Pfund Wildpret, 12 Hasen, 489 Hühner (einschUefslich 
der Truthühner), 6 Fasanen, 169 Kapaune, 286 Tauben, 
92 Enten, 65 Gänse, 11 Rebhühner, 26 Schock Krebse, 
30 Pfund Lachs, 32 Pfund Hecht, 5 Pfund Karpfen, 15 Pfund 
Mettwurst und 26 Bratwürste. Dazu kamen noch 496 Pfund 
Rind-, 223 Pfund Kalb- und 12 Pfund Schweinefleisch, 41 Pfund 
Nierenstollen, 78 Pfund geräucherter Schinken, 24 Pfund 
frischer und 99 Pfund geräucherter Speck und 10 alte Hühner 
,,zum Zurichten derer sämbtlichen Speisen", d. h. zur Ge- 
winnung von ,, Bouillon, Ju, Coully, Farce und Braise", ferner 
55 Pfund geräucherter Speck zum Braten und ein grofser 
Vorrat von abgehobenen Schinken, Rindszungen, Rehkeulen 
(bez. -rücken), Rinderbraten, Gänsen ä la daube, Kalbs- und 
Schöpskeulen, von abgehobenen gebratenen Frischlingen, 
Kapaunen, Fasanen, Rebhühnern, Wildkeulen, Gänsen, von 
frischer Butter und Käse ,, abends vor viele hohe Herrschaftten, 
cronprintzliche, preufsische, dessauische und andere printz- 
liche Cammerbedienten, Secretaire, Laquayen und Stallleuthe''. 
Bei dieser Massenvertilgung kann man es schon verstehen, 
wenn allein in der Hofküche während des Campements bei- 
nahe 35000 Tlr. aufgingen! 



Das Zeithainer Lager von 1730. 213 

Zu dem Essen wurde selbstverständlich tüchtig getrunken. 
Wir wissen zwar nicht, was gerade an dem 4. Juni, auf den 
sich obige Speisekarte bezieht, getrunken worden ist, wohl aber 
haben wir OHA. I f. 89^ — 95 eine genaue Spezifikation, was 
,, Radewitz, Montags am i9ten Junii 1730, bey der König]. 
Hoffkellerey aufgangen". Es waren: 849 Bouteillen Tokaier, 
46 Champagner, 205V2 Burgunder, 8 Pontacq (d. h. Bordeaux), 
7 Ratafia Romano (Likör aus Spiritus und Fruchtsaft), 12 Eimer 
30 Mafs Rheinwein, 5 Eimer 7i',2 Mafs Landwein, i^., Mafs 
Kümmelbranntwein, 2^4 Mafs Chemnitzer Luftwasser (wohl 
auch ein Schnaps), 14 Flaschen Dünnsteiner, 28 Flaschen 
Selzer und 9 Flaschen Egerischer Sauerbrunnen. Auf diese 
summarische Übersicht, bei der die 241 Bouteillen Tokaier 
,,von differenten Sorten, 3 Bouteillen Champagner D, 1 1 Bur- 
gunder N, I Bouteille Ratafia Romano, die 103 Mafs Rhein- 
wein, 90 Landwein, '4 Kümmelbrandwein, '^ 4 Chemnitzer 
Luftwasser" nicht eingerechnet sind, ,,so bej' abermahligem 
militairischen Exercitio aufn Pavillon aufgegangen", folgen 
genaue Angaben, wie sich die konsumierten Getränke auf 
die einzelnen Tafeln und sonstigen Empfänger verteilten. An 
der Königs- oder ersten goldenen Tafel im Palais wurden 
z. B. mittags getrunken 43 Bouteillen Tokaier (von Sorte 
Nr. loiA: i, 28: 19, 56: 9, 195: 14), 8 Bouteillen Bur- 
gunder N, 16 Mafs Mosel-, 42 V2 Rhein-, 14 Landwein und 
^,2 Mafs Kümmelbranntwein; an der ersten silbernen, an der 
die preufsischen Offiziere safsen: 28 Bouteillen Tokaier (von 
Sorte Nr. 186C: 20, von 90: 8), 7 Bouteillen Burgunder N, 
5 Mafs Mosel-, 30 Rhein-, 8 Landwein, 2 Flaschen Dünn- 
steiner und 3 Flaschen Egerischer Sauerbrunnen. Dafs die 
Damen auch ganz gern ihr Glas tranken, lehrt die Angabe, 
dafs mittags an der Damentafel 24 Bouteillen Tokaier (von 
Nr. 168D: 5, 18: 6, 159: 13), 6 Burgunder, 3 Pontacq, 
13 V2 Mafs Rhein-, 6 Mafs Landwein und 3 Flaschen Dünn- 
steiner Sauerbrunnen aufgingen. Die 46 Bouteillen Tokaier 
(Nr. 18D: 17, 159: 6, 195: 20, 121: I, 182: 2), 4 Bouteillen 
Burgunder N, 3 Mafs Mosel-, 29 Rhein-, 11 Landwein, ^4 Chem- 
nitzer Luftwasser und i Bouteille Ratafia Romano, die die 
Gräfin Orzelska für ihr Fest am Abende des gleichen Ta^es 
erhielt, smd besonders aufgeführt. 

Der gröfste Teil der Getränke wurde natürlich bei den 
offiziellen Mittags- und Abendmahlzeiten an den zwölf Tafeln 
und von den (in der Spezifikation namentlich aufgeführten) 
Hofbeamten konsumiert, die zwar nicht an den Tafeln mit- 
afsen, aber doch ihr Quantum Wein geliefert erhielten Nicht 



21 A Hans Beschomer: 

gering aber war auch das, was die einzelnen Fürstlichkeiten 
und sonstigen hohen Gäste aufser der Zeit brauchten. So 
ist u. a. unter dem 19. Juni gebucht: der Kronprinz von Polen 
mit 2 Bouteillen Tokaier (Nr. 184) und einem Mafs Moselwein, 
der Kronprinz von Preufsen mit 2 Bouteillen Tokaier, i Bou- 
teille Burgunder, 3 Mafs Rheinwein und i Flasche Selzer, 
der Fürst Leopold von Dessau mit je einer Flasche Tokaier I 
und Burgunder sowie 2 Mafs Rheinwein, usw. Endlich kam 
noch in Frage, was ,,zu denen Speisen in Königlicher Hoff- 
küche erfordert" (am 19. Juni 23 Bouteillen Champagner K, 
20' Bouteillen Burgunder L, 33 Mafs Rhein- und 57 Mafs 
Landwein, überdies 14 Mafs Rheinwein zu Limonade in der 
Hofkonditorei) und was an Gnadengeschenken verausgabt 
wurde, z. B. i'o ^lafs Landwein ,,dem grofsen Finnländer, 
4 Bouteillen Burgunder in die Commödie auf hohen Befehl, 
IG Mafs Landwein vor die Musique bey der Gräffin Or- 
zelska", usw. 

Zum Schlüsse führt die Spezifikation, die vollständig ab- 
zudrucken keinen Zweck haben würde, den Bierverbrauch 
am 19. Juni auf, nämlich 4 Eimer Muskauer Weifsbier, 
40 Eimer Dresdner, 20 Wurzner Braunbier und 5 Pretzscher 
„Breyhahn"^). Das Weifsbier lieferte W. Hahnemann in 
Muskau, wöchentlich 20^24 sogenannte halbe Tonnen, das 
Braunbier der Hof brauereiverwalter Kanitzki aus dem Dresdner 
Hofbrauhaus, mindestens 50 Fafs die Woche, den Breihahn 
ein Pretzscher Brauer, nach und nach 50 Fafs (OHA. II 
f. 146, 149, 154). Für den besseren Wein kam die Dresdner 
Hofkellerei fast allein auf, doch beantragte sie vor dem Zeit- 
hainer Lager in einer ,,allerunterthänigsten ohnmafsgeblichen 
Erinnerung" vom 8. Dezember 1729 den Ankauf von 30 — 40 
Anthalen-) Tokaier, 3 Stübchen Champagner, 12 Burgunder, 
2 Pontacq, 3 Stübchen (zu 16 — 17 Eimern) Mosel-, i xMusca- 
teller-, 10 Rheinwein, 80 Mafs Chemnitzer Luftwasser, 80 Mafs 
Kümmelbranntwein, 200 Bouteillen Ratafia Romano, 20 Stoff'') 
Dantziger Branntwein von differenten Sorten und 20 Kisten 
Sauerbrunnen (8 Dünnsteiner, 8 Egerischer, 4 Seltzer, die Kiste 
zu 30 Krügen). Den Landweinbedarf mufsten die Hofkellereien 
in Torgau und auf der Festung Königstein mit decken helfen: 



*) Breuhahn, eine Art Weifsbier oder Gose; vgl. Grimm, Deut- 
sches Wörterbuch II (1860), 379 

-) Ante!, ein ungarisches Weinmafs (Dreieimermal's); vgl. Grimm 
a. a. O. I (1854), 497. 

■'j Dasselbe Weinmals, das bei uns häutig als „Stübchen" (s. o.) 
vorkommt und sonst auch „Staut" heiist. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 215 

erstere mufste 100, letztere 600 Fafs auf der Elbe nach 
Moritz senden (OHA. I f. 209 f.). 

Wichtig war für die Getränke ebenso wie für die Lebens- 
mittel eine gute, namentlich kühle Aufbewahrung. Es wurden 
deshalb an der Elbe vier Eisgruben angelegt, die nach Ein- 
tritt starken Frostes in den ersten Tagen des Januars 1730 
mit Eis gefüllt wurden (OHA, II f. 58), und zahlreiche gute 
Keller eingerichtet: drei Hauptkeller in dem zu Grödel ge- 
legenen Gute der Frau von Benckendorf geb. von Schleinitz, 
ein Nebenkeller unter dem Komödienhause zu Streumen, ein 
anderer unter dem Königspalais bei Radewitz und viele kleinere 
Keller unter verschiedenen Zelten und Markisen des Hoflag^rs 
(OHA. II f. 13^, 112 — 132, 141; vgl. auch oben S. loi). 



7. Die Lustbarkeiten. 

Für Belustigungen war im Lager bei Zeithain reichUch 
gesorgt, wenn auch diese durchaus nicht so in den Vorder- 
grund traten, dafs man die ganze Veranstaltung als einen 
grofsen Firlefanz aufzufassen berechtigt ist. 

Hauptsächhch für die Soldaten waren die Verkaufs- 
stände da, in denen Marketender alle möglichen Lebensmittel, 
Getränke und sonstige Waren feilboten. Am 12. Juni waren 
nach amtlichen Erhebungen 79 ,,Traitteurs, Kauffleuthe und 
Marquetainer" da, die ,,vom Oberhoffmarschallamte Concession 
erhalten hatten, bei itzigem Campement im Hofflager zu 
speisen, schenken und verkaufen". Aufserdem trieben aber 
auch noch aufserhalb des Hoflagers massenhafte Marketender, 
imter denen vor allem die Regimentsmarketender des Armee- 
lagers hervorzuheben sind, und Krämer ihr Gewerbe, letztere 
meist ohne besondere Erlaubnis dazu zu haben. Von den 
erwähnten 79 konzessionierten Marketendern des Hoflagers 
waren 19 Traiteure, 6 verschenkten Wein (meist Landwein, 
der aus der Hofkellerei bezogen werden mufste, daneben 
auch Mosel- und Rheinwein, einer Ungarwein), 3 Bier, 2 Bier 
und Wein, 4 Tee oder Kaffee (teilweise auch beides), 5 Brannt- 
wein. Die Tee-, Kaffee- und Branntweinverkäufer führten 
meist daneben auch Tabak. Ein Händler hielt nur solchen 
feil. In drei Ständen gab es italienische Waren, in einem 
Wurst und Schinken, in zweien Konfitüren. Neben den Efs- 
und Trinkbuden waren aber auch 15 andere mit allerhand 
Galanteriewaren vorhanden. Bilder suchten zwei Kaufleute 
an den Mann zu bringen, Strümpfe einer, Strümpfe und Bilder — 



2i5 Hans Beschorner: 

eine merkwürdige Zusammenstellung — einer, reiche Stoffe 
zwei, geschnittene Gläser drei, Porzellan zwei (davon einer auch 
,,Buder", worunter wohl Puder zu verstehen ist). Von überallher 
waren diese Händler zugereist, meist natürlich von Leipzig 
oder Dresden, aber auch aus Altenberg, Augsburg („Augs- 
burger Waren"), Aussig, Bautzen, Berhn, Breslau, Böhmisch- 
Kamnitz, Erfurt, Frankfurt, Halberstadt, Halle, Hamburg, 
Leisnig, Linz, Magdeburg, Mannheim, Meifsen, Öttingen, Prag, 
Radewitz, Ködern (bei Radeburg), Warschau, Weyda, Witten- 
berg, Wittgenau, aus Tirol, Griechenland usw. Vgl, OHA. II 
f. Zßf., 2iif., auch 229—253, wo eine Anzahl von Kon- 
zessionsgesuchen vereinigt ist. 

Alle im Lager Handeltreibenden mufsten ordnungsgemäfs 
die Akzise entrichten, für deren Vereinnahmung besondere 
Stellen an verschiedenen Punkten des Lagers eingerichtet 
waren. Hinterziehungen suchte man durch eine strenge Kon- 
trolle unmöglich zu machen (OHA. I f. 19!, Loc. 1056 I 
f. 1961, 201 1). Namentlich sah man darauf, dafs von den 
Getränken das vorgeschriebene Spundgeld gegeben wurde 
(OHA. II f. 219 -228, namentlich 226; Loc. 1064 f. 275 — 277). 
Natürlich seufzten die Marketender über die harte Bedrückung. 
Wackerbarth nahm sich ihrer warm an. In einer langen 
Immediateingabe vom 8. Mai 1730 (Loc. 1056 I f. 156 — 176 
und 186) warnte er den König vor den Vorschlägen des 
Kammerkollegiums, das zuviel Kapital aus dem Campement 
schlagen wolle. Er versicherte, ,,dafs er, wenn er aus einem 
Thaler eine Million machen könnte, es gewifs an nichts, so 
auf ihn ankomme, erwinden lassen würde", riet aber, die 
Impostsätze herabzumindern, wenigstens für die ständigen 
Re^imentsmarketender. Die meisten würden sich sonst durch 
die hohen Abgaben abschrecken lassen, überhaupt mit ins 
Lager zu ziehen. Die aber kämen, würden den Impost auf 
ihre Waren schlagen und es dadurch dem gemeinen Manne 
unmöglich machen, sich Lebensmittel zu kaufen. Weitere 
Folgen würden Ungehorsam, Aufruhr usw. sein; denn ,,der 
Hunger dulde keine Gesetze". Selbst König David habe 
sich an den Schaubroten im Tempel vergriffen! Wacker- 
barth erreichte wenig mit seiner wohlgemeinten Eingabe. 
Die festgesetzte Taxe wurde nur insoweit ermäfsigt, als alle 
Biere, Weine und Branntweine, die aus Akzisstädten kamen, 
frei passieren konnten. Alles andere dagegen mufste die 
vorgeschriebene Zise geben. •■ Damit aber die Händler, an- 
geblich wegen der Bedrückung durch die Akzise, die Preise 
nicht zu hoch hinaufschraubten, ordnete der König an, dafs 



Das Zeithainer Lager von 1730. 217 

sie jeden Tag die Einkaufspreise genau melden sollten. Auf 
Grund dieser Angaben, deren Richtigkeit die Profosse nach 
Möglichkeit nachzuprüfen hatten, bestimmte dann das General- 
kriegsgericht die Taxe, die streng innegehalten werden mufste 
(Loc. 1056 II f. 351 — 357, Loc. 10947 Paquet Ordres f. 47f.). 
Weniger für die Soldaten als für die hohen Gäste und 
die wohlhabenden Zuschauer war der ,, Glückstopf, so im 
Lager zu Se3'thayn von dem Italiener Bertholdi 1730 gehalten 
worden" (OHA. I f. 15, Vol. G Nr. 2 4^^ f. 542 — 582). Am 
6. Juni eröffnete ,, Andrea Bertholdi, sonst Pantaleone, ein 
italienischer Comoediant — zusammen mit Aquil. Ferrari — 
die allergnädigst accordirte Lotterie", die am 26. Juni ihr 
Ende fand. Für einen Taler Einsatz konnte man aller- 
hand schöne Dinge gewinnen, deren Wert gröfstenteils 
zwischen i und 5 Tlrn. schwankte; doch gab es auch 
kostbarere Dinge in grofser Zahl. Der wertvollste Gewinn 
war mit 64 Tlrn. angesetzt. Laut dem ,,Inventaire des marchan- 
dises contenues dans la lotterie au camp de Zeithain 1730", 
das in kulturhistorischer Hinsicht Beachtung verdient, konnte 
man in dem Glückstopfe zunächst allerhand Hausgerät ge- 
winnen: silberne Waschbecken mit Kannen, silberne vind ver- 
goldete Schalen, Spülnäpfe, Kohlenbecken (rechauds), Wärm- 
flaschen, Lüster, Leuchter in verschiedenen Gröfsen und Aus- 
führungen, Lichter (bougies, chandels, chandels de main), 
Lichtputzen (mouchettes avec la porte-mouchette), die mannig- 
fachsten Bilderbehältnisse (boites ä portrait, corbeilles d'argent 
ä Portrait usw.). Schreibzeuge (zum Teil mit Leuchtern), 
Schreibtafeln, Spiegel, silberne Scheren mit und ohne Etuis, 
Federmesser u. a. m. Auch Tafelgerät war stark vertreten: 
die verschiedensten Arten von Löffeln (cuilleres d'argent, de 
thee, ä potage, de voyage usw., meist in Etuis), Bestecke 
(couvert vermeil dore, etuit de 12 oder auch nur de 6 cuilleres, 
fourchettes et couteaux en metal, un pair de couteau et four- 
chette en argent), Teller, Becher (innen vergoldet oder anders 
ausgestattet), Tassen, Untertassen, Kaffee-, Tee- und Milch- 
kannen oder -topfe, Schokoladen-, Tee- und andere Siebe, 
Zuckerdosen, Salzfässer, Zahnstocher (curedents d'argent) oder 
Behälter dazu (etuis ä curedents d'argent). Nicht minder reich, 
wie an Haus- und Tischgerät, war die Auswahl an allerhand 
Kleidungsstücken, Ausrüstungs- und Toilettengegenständen. 
Wer Glück hatte, konnte bei Herrn Bertholdi gewinnen: 
Mützen (bonets de velour cisele, veloutes, de coton fin) 
Masken (masques de velour noir), Hutfedern (in grofser Zahl), 
Haarbeutel (bourses de peruque), Spitzentücher (fichus ä dames 



2i8 Hans Beschorner: 

de soie), Taschentücher in reicher Auswahl (riches, estampes, 
de soie, de Vienne, d'Inde fin), bald einzeln, bald zu mehreren, 
Manschetten (de mouseline) und Manschettenknöpfe, goldene 
und silberne Gürtel, Westen (vestes de tailles brodees en 
argent, de teile brodee), Schlafröcke (d'estoffe de France 
double de taffet), Herren- und Damenstrümpfe (seidene, ge- 
stickte, drapes noir, rosa, de fils blancs, de fils fins, ä coins 
riches, de fleurs), Strumpfzwickel (coins d'or ä bas), Schuhe 
(souliers brodes), Schuh- und Gürtelschnallen (boucles d'argent, 
ä Sienne), Spazierstöcke und Quasten dazu (noeuds de canne), 
Damen- und Herrenhandschuhe in verschiedenen Farben (bis- 
weilen gleich ein Dutzend), Herren- und Damenbörsen (in 
grofser Zahl, de soie, de velour, de metal, ä corbeille vert 
et d'argent), Flakons (auch boites oder pieces genannt) für 
eau de la reine, eau d'Hongrie und Balsam aus Porzellan, 
graviertem oder glattem Silber, bald mit, bald ohne Füllung, 
vollständige Rasierservice (nach dem hohen Preis zu urteilen, 
Haupttreffer), Pudermesser (de nacre). Kämme (etui ä 3 peignes 
d'ecaille), Taschentücher- und Handschuhkasten in verschie- 
dener Ausführung, zahlreiche Etuis aus Silber, Chagrin oder 
Schildpatt (bisweilen „mit Instrumenten"). Die ungezählten 
Tabakdosen wiesen grofse Mannigfaltigkeit in Stoff und Form 
auf; es gab tabatieres dorees, d'argent, d'argent ä carniol, 
d'argent grave, de pierre en argent, ecaillees, d'ecaille de mer 
en metal, d'ecaille de mer faconnee, d'ecaille de mer de Sienne, 
en ecaille ovale, ecaillees ä carniol, d'ecaille piquee, tabatieres 
ciselees avec peinture, emaillees ä 6 angles, ä corbeille en 
magazin, de nacre, d'agathe, ä jaspe vert, tabatieres ä por- 
trait, en ceuf, ä chasse ecaillees usw. Eine besondere Gruppe 
unter den Gebrauchsgegenständen bildeten die Waffen und 
Waffenteile, die Pferdeausrüstungsstücke und Jagdutensihen, 
wie Degen, Degenstichblätter (gardes d'epee aus Gold oder 
Silber), Degengehänge und Degenquasten, Pistolen, Flinten, 
Peitschen (fouets d'Angleterre ä mauche d'agathe, ä mauche 
d'ecaille),' Satteldecken (chabracjues ou housses riches), Jagd- 
messer nebst zugehörigen Stichblättern (gardes de couteau 
de chasse) und Jagdkörbe. Die niedrigsten Gewinne im Werte 
von I Tlr. bestanden in einem Pfund Imperialtee oder Spagniol- 
tabak (tabac d'Espagne), die höchsten dagegen, die 60 Tlr. 
und mehr wert waren, in Schmuck. Unter den zahlreichen 
Ringen mit einem oder mehreren Edelsteinen (Brillanten, 
Rubinen, Amethysten, Topasen und Granaten), den Uhr-, 
Fächer- und Scherenketten, den Fächern, den auf Elfenbein 
gemalten und mit Gold, Silber oder Schildpatt eingefafsten 



Das Zeithainer Lager von 1730. 219 

Bildern mag mancher künstlerisch wertvolle Gegenstand ge- 
wesen sein. Etwa 150 verschiedene Artikel waren in der 
Lotterie vertreten. Sie verteilten sich auf 1591 Gewinne, 
die einen Wert von 9616 Tlrn. 3 Gr. darstellten. 

Von den anderen Vergnügungen, die bei Gelegenheit des 
Zeithainer Lagers geboten wurden, von dem grofsen Kuchen, 
dem Feuerwerk, der Bewirtung der Armee, der Verabschiedung 
des Preufsenkönigs und der Schlufsjagd bei Lichtenburg ist 
so viel geschrieben worden, dafs es genügt, im folgenden 
auf die einschlägige Literatur zu verweisen und nur einige 
Einzelheiten, die man darin nicht findet, nachzutragen. 

Über den grofsen Kuchen, das für ihn eigens erbaute 
Backhaus und das Messer, mit dem er kunstgerecht zerteilt 
wurde, vergleiche man die meist auf aktenmäfsigen Grund- 
lagen (OHA. I f. 189) beruhenden Angaben im ,, Sächsischen 
Curiositäten-Cabinet" 1730 S. 146 — 148 (,,Kurtze Nachricht 
von dem in gantz Europa berühmten, d. 25.Junii 1730 zu 
Moritz bey Riesa in Sachsen glücklich gebackenen 13 Ellen 
langen Butter -Stollen"), Staatskalender J 4 Sp. 2, 6 Byrn, 
Hofsilberkammer S. 107 (danach von Mansberg S. 307) und 
diese Zeitschrift XX VII, 139, wo der Backsche Kupfer- 
stich behandelt ist, der das Backhaus und die Beförde- 
rung des ,, Striezels" aus diesem ins Lager veranschaulit:ht. 
Der Zeithainer Festkuchen wurde, wenn auch in etwas klei- 
neren Mafsen, 1732 im Czerniacho wer Lager (vgl. weiter unten 
S. 247ff.) nachgeahmt. In dem S.248 besprochenen Werke ist f. 99 
schönstens bildhch dargestellt, wie das Kuchenmonstrum, das 
am unteren Rande des Blattes genau beschrieben ist, in feier- 
lichem Aufzuge beim Schlüsse des Campements ins Lager 
geführt wurde. 

Ziemlich genaue Beschreibungen des Johannisfeuers, 
der Beleuchtung des wahrscheinlich von Pöppelmann ent- 
worfenen und von Zucchi ausgeführten Illuminations- 
gerüstes, des Wasserfeuerwerkes und der dabei ver- 
wendeten prächtig illuminierten Flotte geben Staatskalender 
J 3 Sp. I bis J 4 Sp. I, das ,, amtliche Journal" (vgl. diese 
Zeitschrift XXVII, 146 — 149) und von Mansberg S. 294f. und 
305 f. Das eigentliche Programm enthält die ,, Disposition zum 
Johannis-Feuer" (OHA. I f 154 — 160). Einen vielfach recht 
lehrreichen und anschaulichen ,, Bericht, was zu der am 
24. Juni 1730 bey Risa bey dem gewesenen Feuerwerck ange- 
zündeten Illumination gekommen", bietet das ,, Sächsische 
Curiositäten-Cabinet" 1730 S. I48f. Allgemeine Bewunderung 
erregte die Schnelligkeit, mit der urplötzlich das Illuminations- 
Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVUI 3. 4. ^5 



2 20 Hans Beschorner: 

gerüst im Lichte Tausender von Lampen erstrahlte. Das war 
das Verdienst der „hundert Gemeinen, die nebst dazu ge- 
hörigen Unteroffizieren, einem Capitain, einem Premier- und 
einem Sousleutnant zu Anzündung der Lampen bey der Illu- 
mination" am 24. Juni befehligt waren (Loc. 10931 Ordres 
f. 68). Nebenher sei bemerkt, dafs die mehrfach bei der 
Illumination verwendete Inschrift ,,Sic fulta manebit" Henrici 
(s. diese Zeitschrift XXVII, 112 Nr. 14) mit den Worten 

„ Hotlt euer Heyl nur mit Vertrauen, 
Die Stützen, so es unterhauen, 
Sind Pfeiler vor ein ewig Haufs "' 

übersetzt hat. 

In welcher Reihenfolge die von dem ,, Feuer- Faxs" ge- 
führten Fregatten, Schaluppen, Musikgondeln usw. an dem 
Schlosse Promnitz vorbeifuhren, von dessen Fenstern aus die 
hohen Herrschaften sich die ganze Herrlichkeit ansahen, ver- 
anschaulicht ein langer Streifen in Aquarellfarben Loc. 1056 
Acta varia f. 192. Über die Abbildungen der einzelnen Schiffs- 
typen ist bereits in dieser Zeitschrift XXVII, 140, gehandelt. 
Die prächtig ausgestalteten Schiffe waren mit nicht minder 
schön gekleideten Matrosen bemannt; vgl. darüber im all- 
gemeinen Staatskalender J I Sp. I und von Mansberg S. 294^ 
Nach einer Schuldenaufstellung, die in Loc. 354 am Ende des 
Faszikels 17291730 liegt, kostete die ,,Aptirung und Repa- 
rirung derer Schilfe, auch 6 Fregatten, und Erhöhung des 
Jagdschirmes" 5100 Tlr., nach einer Verordnung Brühls vom 
17. April 173 1 (ebenda) die Schiiferkleidung 1250 Tlr. Für Auf- 
treibung der 540 nötigen Schiffsleute mufsten die ,,Beambten, 
i;uch Räthe in Städten zu Hohnstein, Pirna, Dresden, Meifsen, 
Mühlberg und Torgau" sorgen, die am 15. April 1730 Weisung 
erhielten, ,,Speciticationen aller derer an und um den Elb- 
strohm wohnenden Schiffleuthe und Fischer, so zum SchifF- 
dienst tüchtig und würcklich zugegen seyn", dem Oberbauamte 
einzureichen (Loc. 35043 f. 52). — Das ,, Pastorale" oder die 
,,Egloga", die zum Schlüsse von den ,, Italienern" gesungen 
würde, war von dem seit dem 20. Februar 17 19 als Poeta 
Italiano am Dresdner Hofe angestellten Stefano Pallavicini') 
gedichtet und, wie M. Fürstenau, Zur Geschichte der Musik 
und des Theaters am Hofe zu Dresden II (1862), 169 (dazu 



') Vgl. Loc. 907 Die Operisten .... betr. 1712 — 1720 f. 131 f., 
auch Fürstenau a. a. O. S. 135. Mit diesem Pallavicini ist der be- 
kannte Opernkomponist Carlo Pallavicino nicht zu verwechseln, 
der 1688 als Oberkapellmeister in Dresden starb. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 221 

136 Anm,), angibt, von Giov. Alb. Ristori komponiert, 
nicht, wie man manchmal hören kann, von Hasse, der mit 
seiner berühmten Gemahlin Faustina erst am 7- Juli 173 1 aus 
Venedig in Dresden eintraf (Fürstenau a. a. O. S. 171; 
C. Mennicke, Hasse und die Brüder Graun als S\mphoniker, 
Leipzig, 1906, S. 376). Exemplare dieser ,,Egloga cantata 
dalla Musica di Camera di S. M. al campo di Radewitz", 
die der Hofbuchdrucker Johann Conrad Stoessel 1730 druckte, 
befinden sich u. a. OHA. I f. 161— 168 und in der König- 
lichen Bibliothek zu Dresden Lit. Ital A 500"'^ Das Sing- 
spiel war eine Verherrlichung des bewaffneten Friedens: 
Lidia und Tirsi werden aus ihrer zärtlichen Zwiesprache durch 
Perideo und Dorinda aiifgeschreckt, die die Nachricht von 
dem beginnenden Kriege bringen. Mopso, in dem wohl der 
rauhe Krieg verkörpert sein sollte, und Face, begleitet von 
Amoretten, erscheinen bald darauf und streiten hin und her, 
schliefsHch mufs aber Mopso doch der Face weichen. Ein 
Freislied des Coro (Chors) schliefst das Ganze wirkungsvoll 
ab. Betreffs der Kantate vgl. folgende Rechnungs vermerke 
(Loc, 354 ,,Eingelauffene Schuldposten" und ,,Extract derer 
noch rückständigen Schulden"): ,,7 Tlr. dem Hofbuchdrucker 
Stösseln vor 250 Exemplaria von des Falavicino Fastorale 
zu drucken, laut Palavicinis Attestat. — 10 Tlr. dem Buch- 
binder Homilio vor besorgte Falavicino -Poesie [im] Campo 
di Radewitz einzubinden. — 10 Tlr. dem Buchbinder Homilio 
vor 240, 50, 190 Stück Campo -di- Radewitz -Fastorale ein- 
zubinden, so Falavicino componirt". 

Neben dem Feuerwerke hat immer die Bewirtung der 
Armee und die Verabschiedung des Freufsenkönigfs 
am letzten Tage, an dem auch der grofse Stollen verspeist 
wurde, die Phantasie der Menschen am meisten beschäftigt; 
vgl. darüber ausführlich Staatskalender J 4 Sp. i — 4, das 
Journal officiel (in dieser Zeitschrift XXVII, 149 f.) und von 
Mansberg S. 306 f., dazu die bildlichen Darstellungen im 
grofsen Kartenwerke und bei Troemer (diese Zeitschrift 
XXVII, 141 Nr. 581. Die Bewirtung des ganzen Heeres, 
die in aller Stille vorbereitet wurde, weil sie eine Über- 
raschung sein sollte (Loc. 1056 Acta varia f. 69), und die 
unter Aufsicht der Obersten von Folenz (rechter Flügel), von 
Märchen (Infanterie im Zentrum) und von Dürrfeld (linker 
Flügel) musterhaft verlief, war kein billiges Vergnügen für 
den König. Die 162 Ochsen, die der Hoffleischer J. G. Heyne 
lieferte, kosteten allein 4389 Tlr. (Loc. 354 Rechnung vom 
2:. Juli 1730J, die 750 Eimer oder 54000 Kannen Wein aber, die 

IS* 



222 Hans Beschorner: 

als „Weinpresent" für die 30000 Mann nötig waren, zwischen 
1500 und 2000 Tlrn,; denn nach Loc. 1057 Cammerexpeditiones 
f. I f. sollten zu der Bewirtung der Armee 86 Fafs = 516 Eimer 
des schlechten Landweins, den Eimer zu 3 Tlrn., von der 
Festung Königstein nach Zeithain geschafft werden, diese 
■516 Eimer aber, die also 1548 Tlr. kosteten, sollten nur als 
Ergänzung zu dem wahrscheinlich stark gelichteten Wein- 
vorrate von 600 Eimern (zu 5 Tlrn.) dienen, den die Festungs- 
kellerei bereits früher (S. 2i4f.) geliefert hatte. Zu diesen hohen 
Ausgaben für Fleisch und Wein kamen noch andere beträcht- 
liche hinzu: für das Holz zum Braten der Ochsen, für Bei- 
kost, Brot usw. Die Holzteller, von denen die Soldaten afsen, 
Avaren verhältnismäfsig billig. Alle 24000 Stück kosteten blols 
300 Tlr. (Loc. 354 Chatoullens., Befehl vom 5. Mai 1730). Jeder 
Soldat erhielt einen solchen Teller, um ihn sich zur Erinnerung 
aufzuheben, nicht, um ihn auf Kommando in die Elbe zu 
werfen; vgl. von Mansberg S. 306!, der einen solchen ehemals 
ihm gehörigen, jetzt im Besitze der Hofsilberkammer befindlichen 
Erinnerungsteller mit Inschrift und den besonders ausgeführten 
Teller im Königlichen Historischen Museum zu Dresden genau 
beschreibt ; dazu die Bemerkungen in dieser Zeitschrift XXVII, 
105 f. Aufser dem in der Hofsilberkammer aufbewahrten 
Teller besitzt auch noch die Königliche Arsenalsammlung 
ein wohlerhaltenes Exemplar, das keinerlei Inschrift oder 
Schmuck aufweist (Geschenk des Herrn Feuerwerkshaupt- 
manns Wenig). 

Ausgaben für sich waren die Bewirtung der Offiziere 
durch ihre Obersten, denen ihre Auslagen dafür vom Könige 
zurückerstattet wurden, und die Lieferung des Rheinweins, 
den die Offiziere auf das Wohl des scheidenden Königs von 
Preufsen tranken. Ehe die Offiziere regimenterweise an 
Friedrich Wilhelm I. vorbeidefilierten und ihre Gläser auf 
sein Wohl leerten, sie hinterher in hohem Bogen klirrend zu 
Boden werfend, richtete der Höchstkommandierende, Graf 
Wackerbarth, einige in ihrer Fassung vielleicht nicht ganz 
belanglose Worte an den König. Die Ansprache, die August 
der Starke eigenhändig überarbeitete, lautete nach Loc. 1056 
Acta varia f 2': 

Sire. 

Le bonheur de voir Votre Majestc parmi nous, nous a inspir6 
tant de joie qua nous ne saurions nous empccher d'en donner des 
marques, avant de nous retirer de Sa presence. II ne nous manque 
pour rendre notre satisfaction complö-te que la permission de saluer 
encore Votre Majeste, pour nous congedier d'EUe et pour La supplier 



Das Zeithainer Lager von 1730. 223 

d'excuser le peu de contentement (Wackerbarth: satisfaction) qu'Elle 
a peut-etre trouv^ en nos exercices militaires. Nous tächerons de 
nous en acquitter plus ä Son gr6 ä l'avenir et nous serons toujours 
prets ä verser notre sang pour la gloire commune de Votre Majest^, 
du Roi n[otre] m[aitre] et de tous leurs veritables amis, 6tant avec 
beaucoup de d^votion [Votre Majest^ tres humbles serviteurs, oder 
ähnlich]. 

Was hierauf Friedrich Wilhelm I., der übrigens hinterher, 
am 26. Juni, ,,660 Ducats Spec. an das Oberhofmarschallamt 
zur Discretion vor die Hofstaat übersandte" (O HA. I f. 26^ f ), 
erwiderte, ist nicht bekannt. 

Über die Eibfahrt am 27. Juni, an der nur noch eine 
verhältnismäfsig kleine Zahl von erlauchten Gästen und Kava- 
lieren teilnahm, über die Besichtigung des Graditzer Gestütes 
unterwegs, die Landung bei Lichtenburg, die Unterbringung 
der Jagdgesellschaft auf dem kurfürstlichen Schlosse und die 
Schlufsjagd am 28. Juni 1730 ,,auf Annaburgischer Heyde, 
Zühlsdorfter Revier, im Brande an der Annaburgischen Strafse 
und [in den] Höllgründen", geben genaue Aufschlüsse Staats- 
kalender J 4 Sp. 4 bis K T Sp. 3 und von Mansberg S. 308 f., 
zu denen ergänzend hinzutreten das Hofjournal O HA. I 
f. 27^^ f. und 294 — 317, Loc. 1056 I f. 228«= — 228^, 334^» bis 
336 und Loc. 1056 Acta varia f. 56 — 59, 84. Die Strecke 
gibt O HA. I f. 317 an. Es wurden ,, gefangen, geschossen 
und gehazt 250 Hirsche, alfs 175 Kolbenhirsche und 75 junge 
Hirsche, 464 Stück Wild, 90 Wildskälber, 66 Reheböcke, 
21 Rehe, 10 Rehekälber, 9 hauende und 12 angehende 
Schweine, 38 Kej'ler, 63 Bachen, 81 heuerische Fri.<chlinge, 
18 Haasen und 2 Füchfse", zusammen also nicht nur ,,nahe 
an 1000 Stück" (von Mansberg S. 309), sondern 11 24. 



8. Die Kosten. 

Über die Kosten der glänzenden Veranstaltung bei Rade- 
witz tauchten bald die verschiedenartigsten Gerüchte auf und 
fanden nach und nach Aufnahme in die Literatur. Chr. E. 
Weifse behauptet in seiner „Geschichte der chursächsischen 
Staaten VI (1810), 63, dafs das Campement 968780 Tlr. 
gekostet habe, wovon allein 15000 Tlr. auf die Hauptgondel 
(gemeint ist wohl der Bucentaur) entfielen. E. Vehse, Ge- 
schichte der Höfe des Hauses Sachsen V (1854), 63, und 
nach ihm Böttiger-Flathe, Geschichte von Sachsen II 
(1870), 368, sprechen von 1 000000 Tlrn., rundeten also 



2 24 Hans Beschorner: 

wohl nur die Weifsesche Summe nach oben ab, J. G. Keylsler 
aber berichtet gar in seiner „Neuesten Reise durch Teutsch- 
land, Böhmen usw/' II (1741), 1049, von 5000000 Tlrn. und 
fügt zur Begründung seiner aufsergewöhnlich hohen Angabe 
hinzu, dafs allein ,,500 neue Betten mit Vorhängen von Taffe- 
tas verfertiget" worden seien und ,,die Nachtstühle vmd Nacht- 
geschirre allein bey 5000 Tlr. gekostet haben". 

Dafs das Zeithainer Lager einige Millionen Taler ver- 
schlungen haben kann, wenn man die Neubildung des Heeres 
mit allen dazu grehörigen Neuanschaffungen einrechnet, soll 
nicht geleugnet werden. Sieht man aber von diesen und 
ähnlichen Dingen ab, die nicht unmittelbar Vorbereitungen 
auf das Campement genannt werden können, sondern Schöp- 
funoen für sich sind, so dürfte die Gesamtsumme für das 

• T 

Zeithainer Lager wesentlich niedriger anzusetzen sem. in 
einem Vortrage vom 31. März 1730 (Loc 900 XXXI f. 9'^ und 
105) wurde ,,der Aufgang bej'm bevorstehenden Campement, 
der natürlich wegen der vielen Umstände nicht genau vor- 
hergesehen werden könne, auf 100 000 Tlr. über das ordent- 
liche Deputat" geschätzt. Dieses besondere Deputat wurde 
offenbar bewilligt, langte aber, wie das gewöhnlich der Fall 
ist, bei weitem nicht. Bei einer Berechnung Ende Oktober 
1730 stellte sich vielmehr heraus, dafs die Schulden der Hof- 
kasse, die Ende 1729 nur 62803 Tlr. 6 Gr. 8 Pf. betragen 
hatten, auf 186596 Tlr. 13 Gr. 7 Pf., also um rund 123793 Tlr. 
gestiegen waren. Diese 123793 Tlr. Defizit dürften haupt- 
sächlich dem Campement zur Last zu legen sein. Da aufser- 
dem noch für die Bedürfnisse der Hofküche 50000 Tlr. Vor- 
schufs „auf das geordnete laufende August -September -Deputat 
von der brauenden Bürger- und Kauffmanschafft in Zittau" 
erhoben wurden, so würde man auf 

100 000 Tlr. Extradeputat, 
123793 ,, Schulden, 
50000 ,, Vorschufs, 
Sa. 273793 Tlr. Gesamtkosten 

kommen, die der Juni 1730 verursachte. Dafs in dieser Summe 
aber längst nicht alle Ausgaben begriffen sein können, dürfte 
eine Zusammenstellung einzelner Posten ergeben, die teils an 
verschiedenen Stellen dieser Arbeit bereits erwähnt, teils m 
Loc. 1056 (z. B. II f. 5if.), Loc. 1064 f. 278—284 (be- 
sonderes Faszikel ,, Einige auf das Zeithainer Lager bezügliche 
Rechnungen"), Loc. 900 XXXI, Loc. 354 Chatoullensachen, 
usw. aufgeführt sind: 



Das Zeithainer Lager von 1730. 



225 



II 409 Tlr. 9 Gr 
21676 „ 12 „ 



81 „ 14 „ 

198 „ 16 „ 

26395 )^ 8 „ 

14000 „ — „ 

1408 „ — „ 

2983 „ — 5, 

2200c „ — „ 

4600 „ — „ 

18400 „ — „ 

47400 „ — „ 



30000 „ — 

8000 ., — 

2 1 60 „ — 

5 500 „ — 

5 335 » — 

2365 ;, — 

4000 „ — 



24449 „ 
18163 „ 



300 „ 

350 ), 

266 „ 

389 „ 

254 » 



3273 

3000 

10002 



17 



" 5) 
23 „ 



16 „ 



12 



ZU Silber und andere [n] ins Campement erforder- 
liche [n] Sachen. 

an das Bauamt. — Die 5050 Tlr. für den Pavillon 
(s. oben S. 95) und die 4003 Tlr. für das Königspalais 
(S. 96) dürften darin enthalten sein. Dagegen wer- 
den wohl als besondere Posten anzusehen sein: 
dem Tischler Hoesen (S. 95). 
dem Tapetenmacher (S. 95). 
an den Accisrat Stareken. 
vor das Graft- Lützelburg- Service, 
vor das in Berlin bestellte Silber, 
an Albrecht und Piper vor die in Leipzig bestellten plats 
de menage und nach Holland vorgeschossene Gelder, 
dem Stall vor bereits gekauffte Pferde, Wagens 
und Zelter. 

dem Pferdehändler Ziegler. 

dem Kauffmann Apel vor Betten, Zelter und Echa- 
braquen. 

an den Kauftmann Piper vor bestellte Zelter, Betten, 
Echabraquen. 
dem Kauftmann Lippold. 

dem Italiener Contesse in Breslau vor Zelter, 
vor zwey grofse zinnerne Tafelservise von englischem 
Zihn, welche allhier verferttiget werden, 
vor vier grofse englisch zinnerne Tafelservise, 
welche von London anhero kommen, 
vor Silber zu denen grofsen Tafelservisen (S. 201). 
Macherlohn an die Silberarbeiter (ebenda). 
Augmentation des silbernen, doppelt matt vei'gol- 
deten Tafelservises (ebenda), 
für Zelter (s, S. 103) und 

9 Pf. für die Einrichtung der Zelter (S. 104). Es ist 
fraglich, ob in diesem Posten folgende kleinere mit 
eingeschlossen sind: 

vor 120 Stück messingene Zeltleuchter mit 2 Tillen 
ä 2 Tlr. 12 Gr. 

vor zinnerne Giefsbecken nebst 100 darzugehörigen 
Kannen, welche in der Campagne sollen gebrauchet 
werden, ä 3 Tlr. 12 Gr 

vor 200 grofse, zinnerne, ovale Nachtbecken, welche 
gleichfalls in der Campagne sollen gebrauchet 
werden, ä i Tlr. 8 Gr. 

vor 106 Stellagen, worein die Deegen und Espon- 
tons vor die ganze Armee in denen preufsischen 
Zimmern rangiret gewesen. 

eine blaue preufsische Estandarte, mit Gold ge- 
stücket, nebst den Riehmen, alles mit goldenen 
Tressen und Prangen besetzet. 

Sicher für sich zählen die 

für spanische Matten (s. S. 104) und die 

dem Brodeur Wiedemann. 

für die Munitions- und Feuerwerkshütten und für 

die Feuerwerksmachine (die Feuerwerkskörper sind 

noch nicht mitgerechnet). 



220 



Hans Beschorner: 



5 loo Tlr. 

1250 „ 
3718 >, 



4389 
2439 

300 
10771 
10316 
34612 

3-61 
9647 
1087 



778 
3585 

600 

8155 

II 508 

2487 

604 



466 

I 000 



51 

)l 
5) 

)) 
)) 



585 „ 

1500 )) 

878 „ 

637 „ 






51 



16 



17 

19 

18 

10 

21 



12 
12 



23 



9 

59 

20 



22 



10 000 



— Gr. für Aptirung und Reparirung der Schiffe (S. 220). 

— „ für die Schifferkleidung (ebenda), 
für die Schiff- und die Inventionsbrücke (s.S. iii). 

Was die anderen Brücken kosteten, ist zunächst 
noch unbekannt. 

für die Ochsen und 

für das Weinpraesent (einschliefslich 439 Tlr. für 

Fracht vom Königstein und Gefäfse). 

für die hölzernen Teller bei der Separation (S. 222). 

6 Pf. vor die Obercämmerei. 
II Pf. vor die Hofkellerei. 

4^4 Pf. be}' der Hofküche. 

10 Pf. bey der Silbercammer. 
6 Pf. vor die Conditorey. 

11 Pf. bey der Gräfin Orzelska Küche. 

Kleinere Posten kommen wohl bei Küche und 
Kellerei noch dazu, z. B.: 
für Tuch zum Bekleiden der Tafeln (S. 201). 
(ungefähr) Fracht für Küchenfuhren zu Lande und 
zu Wasser. 

vor 100 Dutzend Weinglässer, 50 Dutzend Caravinen 
und 50 Dutzend Bierglässer. 
10 Pf. für Licht usw. 

zur Verfertigung der neuen Chaisen, Wurst wagen 
und dg]. 

für Einrichtung des Lazarets (S. 99). 
8 " 4 Pf. für die Indemnisation der Feldbesitzer (S. 92). 
7 Pf. für Niederlegung des Gohrischholzes (S. 92). 
zur Errichtung der sechs Pyramiden (S. 93). 
4 Pf. für Absteckung der Tracen auf dem Exerzier- 
platze, für die sechs Maschinen zur Sprengung der 
Fafsbrücke (15 Tlr. 2 Gr.), für die 216 Pyramiden 
zu den Lanciers-Übungen usw. (Loc. 1056 H f . 374 f)- 
vor den grofsen Daniel und Rofsschweifträger. 
dem Hofpoeten König „vor die poetischen Gedichte, 
so er über das grofse Campement bey Zeithayn 
verfertiget, als „Gnadensbezeugung" aus der könig- 
lichen Chatoulle (Verordnung Brühls vom 4. Sep- 
tember 1731, Loc. 354). 
für das Kupferstichwerk (s. S 79 Anm.). 



Rechnet man diese hier aufgeführten Posten zu.sammen, 
so ergibt sich eine Summe von weit über 400000 Tlrn., die 
also die oben angebene Summe von 273793 Tlrn. beträchtlich 
übersteigt. Bedenkt man aber, dafs uns diese Posten rein 
zufällig durch die Akten erhalten sind, während wir von 
anderen, zunächst wenigstens, noch keine Kenntnis haben, 
und bedenkt man ferner, dafs eine Unsumme kleinerer 
Po.sten, die zusammen wieder ein ganzes Kapital ausmachen, 
überhaupt nicht berücksichtigt wurden, so wird schon Weifse, 
der anscheinend auf aktenmäfsiger Grundlage .steht, mit seinen 



Das Zeithainer Lager von 1730. 227 

968780 TIrn. recht haben. Ohne die rein militärischen Aus- 
gaben dürften die Unkosten des Zeithainer Lagers mit Vehse, 
Böttiger -Flathe und anderen auf rund 1000 000 Tlr. zu ver- 
anschlagen sein. 



9. Gedanken Augusts des Starken über die Not- 
wendigkeit von Manövern und ihre Durchführbarkeit. 

Nachdem August der Starke erkannt hatte, dafs in be- 
stimmten Zeiträumen regelmäfsig wiederkehrende Manöver 
für eine Armee unerläfslich seien, und nachdem er beschlossen 
hatte, eine erste derartige grofse Übung mit allen zur Ver- 
fügung stehenden Truppen bei Zeithain zu veranstalten, sprach 
er seine Ansichten darüber wieder und wieder aus, an seiner 
Grundanschauung nichts ändernd, dagegen bald diesen, bald 
jenen Punkt näher ausführend. Es ist natürlich von hohem 
Werte, diese Auslassungen des Königs, in denen jer sich 
selbst über einen seiner Überzeugung nach überaus wichtigen 
Punkt des Staatslebens klar zu werden suchte, im Wortlaute 
kennen zu lernen. Die Niederschriften, von denen sich meist 
eine oder mehrere (verbesserte) Abschriften in den auf das 
Zeithainer Lager bezüglichen Akten befinden, in eine be- 
stimmte zeitliche Reihenfolge zu bringen, dürfte kaum mög- 
lich sein. 

I. Loc. 2097 Nr. 7 f. I (vgl. diese Zeitschrift XXI, 1900, 
S. 250) äufsert sich der König folgendermafsen: 

„La paix et l'inaction dans laquelle les troupes se trouvent, 
es)t tres nuisible aux troupes. L'iStat qui en tient, quoiqu'il les exerce 
en detail et par r^giment, ne considere pas que cela ne suffit pas. 
Les g6nt^raux demeurent oisifs, les vieux meurent qui ont l'exp6rience 
et savent comment se servire des troupes. Les nouveaux avancent, 
sans avoir d'exp6rience ou d'occasion ä l'apprendre, n'ayant vu que 
le maniment des armes et en detail un ou deux regiments faire 
l'exercice, [cej que chaque major doit savoir f.iire. II est donc tres 
necessaire qu'un t;tat qui tient des troupes, fasse des campements oü 
les gen^raux ä leur tete[s] fassent faire des mouvements, manoeuvres 
et marcher l'arm6e, comme le colonel son r^giment Par lä 11 
s'imprime et aux soldats en temps de paix ce qui se fait ä la guerre, 
et [aux gen^raux], comment s'en servir, quant on a la guerre et que 
l'occasion s'en präsente. 

Ces raisons m'ont port6 d'assembler l'arm^e apres un repos de 
12 ann^es, [pour lui en rendre l'idt^e, une chose], qui seroit bonne 
de suivre toutes les 3 anne^es en diff^rentes manieres, pour tenir les 
troupes en haieine." 

Die Abschrift in Loc. 10947 Paquet Ordres f. 507, nach 
der einige Stellen des Textes verbessert wurden, fügt am 



2 28 Hans Beschorner: 

Schlüsse noch die Worte „Mais cette armee qu'on presentera 
.... de ce qu'ils verront" an, die unten S. 236 nach den 
Aufzeichnungen des Königs mitgeteilt sind. 

II. ebenda f. 2: 

„L'oisivet^ et l'inaction 6tant tres nuisible aux troupes, [surtoutj 
un repos de 15 ä 16 annees. Las generaux, officiers et soldats 
oublient en ce temps leur m6tier de la guerre et Fcxercice. Les 
vieux meurent et les nouveaux ne savent le mutier et ce qui y 
apartient. C'est ce qui m'a oblig6 d'y mettre ordre. Les troupes 
ni les officiers se connaissent point, se n'6tant pas trouves assembl6s 
depuis ce temps lä. Ainsi on a 6t6 oblig6 de faire des nouveaux 
reglements d'exercice et en un mot de regarder l'armee quasi comme 
nouvelle. Pour [leur] donner de la connaissance, on les a assembl^es, 
pour leur faire faire ce qui apartient au mt^tier de la guerre, autant 
qu'un temps court peut permettre, ce qui dans les suites peut etre 
continue et augment6. 11 faut consid6rer le militaire comme une 
ecole oü on apprend ,1'alphabete', ce qui est Tarmure et ce qui en 
depend. , Buchstabiren' sont les exercices,, ,les mots' sont la for- 
mation des Corps, et ceux joints ensemble [enseignent] l'usage qu'on 
doit faire de ces corps, comme des paroles dont on se sert." 

Wegen der sehr mangelhaften Stilisierung, die, um in 
die flüchtig hingeworfenen Worte Sinn und Zusammenhang 
zu bringen, mehrfach zu Textänderungen nötigte, dürfte dieses 
Stück mit am frühesten niedergeschrieben sein. 

III. Loc. 2097 Nr. 14 f. 16: 

„L'inaction et l'oisivete dans les troupes est nuisible ä (Original 
wieder dans) une arm(^e et au metier de la guerre. II est rest6 
l'exercice ordinaire dans les r^giments [de l'jarmt^e au commun 
Soldat; mais cela ne sultit pas, si les generaux oublient, comment 
se servir de ces r^giments et de ces troupes. Les vieux meurent, 
les nouveaux avancent par degre en temps de paix, sans avoir eu 
[d'joccasion dans la paix de voir des mouvements de guerre. L'armee 
n'est [pas] ensemble, pour faire lä et lä [des] manceuvres. C'est pour 
cela qu'il faut assembler en temps de paix les troupes et leur iaire 
faire les mouvements et autres fonctions de guerre. La präsente 
[assemblee] est sur un terrain uni, et suivant le terrain on fera 
diff^rente disposition, Par lä les troupes, officiers, g6n6raux s'impri- 
ment ce qui est la guerre, et ne sont pas neufs, quant cela vient 
ä la guerre, devant I'ennemi. Si cela se pourrait faire tous les 
2 ou 3 ann6es, on rafraichirait la memoire. C'est ce motif qui m'a 
port6 d'assembler des troupes, de les faire [faire] des manoeuvres et 
[leur] donner l'exercice." (Der Schlufs ist unten S. 236 mitgeteilt.) 

IV. ebenda f. 7 f.: 

„On ne met pas en doute qu'un chef d'arra^e ne sache pas ce 
qui apartient au metier de la guerre et ce qui est praticable; nean- 
moins l'oisivete est pernicieux dans les troupes. Ainsi il est n6- 
cessaire de les tenir en exercice pas seulement particulier, mais aussi 
dans les t^volutions d'une armcie. Les anciens ont eu differents 
maximes, les modernes en ont chang6, et ceux qui suivront, trou- 



Das Zeithainer Lager von 1730. 229 

veront peut-etre [d'jautres choses dans les armees et manceuvres. 
Toujours il est necessaire pour cela qua les generaux fassent en 
temps de paix des camps et mouvements, pour ne pas laisser oublier 
aux officiers et troupes dans la tranquillit6 ce qui est utile et 
necessaire dans la guerre. — Les majors sont l'äme du r6giment, 
de meme les generaux de l'armee. Ainsi il est necessaire de las 
tenir en axercice. II arrive pendant la paix qu'on avance et on ne 
sait pas souvent ce qui convient au poste oü on parvient. Ainsi 
on a voulu faire voir pour un echantillon et par le corps qu'on 
präsente, differentes manceuvres, comme ils suivent: 

1. l'arrangement pour une revue, 

2. comme on rentre au camp, 

3. marche et retour des colonnes, 

4. mouvements par des lignes, 

5. differents carr6s, 

6. combat, 

7. attaque d'un retranchement. 

Les autres manceuvres seraient trop longues ä les representer, comme 
investir la place, le siege, le secours, parti, convoi, embuscade et 
[d'jautres d^tails. 

V. Loc. 2097 Notizen zu Manövern usw. f. 40 (aufserdem 
Loc. 12 II Vol. VII ^ am Ende von 1729 und Loc. 10947 
Paquet Ordres f. 530): 

Die Ursagen, soh mich bewegen, die Armes auf neien Fus 
zu setzen und sie in ein Campemang zusahmen zu zihen, seind 
folgende : 

1. das, nachdem 14. Jahres verflossen, das die Armes missig 
gewesen, der Soldaht und Generahl nicht beysahmen gewesen, 
welches hegst schedligen ist, 

2. [das] der Generahl — gemeint ist Wackerbarth — Alters 
wegen abgehet, 

3. [das] die neien, soh succedieren, nicht Gelegenheit gehabet, 
in Fridenszeit was zu lernen, obzwar die Regimenter en d6taille 
exerciren, 

4. welches aber nicht genugsam, sondern man mus wiesen, der- 
selben sich zu bedienen, wen man sie zusahmen hat. 

5. Also habes ich sie zusahmenzihen wohllen, umb einige 
militärische Bewegungen machen zu lassen nach dem Terrain, wie 
wier ihn fienden werden. 

6. Was nun projectiret, wie hier folget, werden die Generals 
ihre Meinungen sagen, auch anders forschlagen, 

7. nicht zweifelnde, sie werden alles wohl execoutiren und 
gedenken, das von fiellen Lenderen Zuschauer sich finden werden, 
denen wier nichtz zeigen miessen, soh sie Gelegenheiten gibet auss- 
zusetzen. 

Meine Gedancken seind in übrigen, das guht were, dergleichen 
Campements aller 3 Jahre zu magen, in 2 (d. h. wohl im 2. Jahre 
nach jedem grofsen Campement) separirtte Camps, in i (d. h. im 
I.Jahre) nach der Revue regimenterweisse, 3 oder 4 Wogen (jedes- 
mal), und das in September, woh nichtz in Felde. Auf diese Weise 
unsere Trupen in Friden geibet werden au metier de la guerre, so 
dass es ihnen in Kriegszeit nichtz Frembdes ist. 



230 



Hans Beschorner: 



VI. Loc. 10947 Paquet Ordres f. 567 (nicht eigenhändig, 
aber zweifellos, wie aus verschiedenen Wendungen klar wird, 
auf einen königlichen Entwurf zurückgehend): 

II est certain que lorsqu'un etat jouit d'une paix de longue 
duree, ses troupes perdent l'habitude des exercices militaires et la 
connaissance des Operations militaires auxquelles la guerre donne 
lieu, ä moins qu'on ne songe ä quelque expedient de les entretenir 
dans ces exercices et de renouveller dans leur esprit des Operations 
militaires qui doivent etre mises en execution dans une campagne. 
Pour parvenir ä ce but, il n'y a d'autre expedient que celui de faire 
assembler les troupes de temps en temps et de faire des campements. 
Mais il est. tres difficile, pour ne pas dire impossible, de repr^senter 
dans quelques semaines de temps qu'une revue ou campement peut 
durer, toutes les oper.itions militaires qui peuvent etre mises en 
execution dans une campagne qui dure une 6te entiere. 

VII. Loc. 1056 Vol. II f. 371^-^ (dgl. Loc. 1056 Acta 
varia f. 185 f): 

[Les] raisons qui doivent porter un etat ä entretenir pendant la 
paix une arm^e en exercice, sont les suivantes: 

1. L'arm(^e se trouvant oisive pendant une suite d'ann^es qui 
s'ecoulent en tranquillit^ et en repos, donne occasion par lä aux 
g^neraux de meme qu'aux soldats d'etre (§loignes Tun de l'autre, ce 
qui est tres nuisible ä tous les deux. 

2. Les anciens generaux experiment^s meurent. 

3. Les nouveaux qui surviennent, ne peuvent point se cultiver 
ni s'altacher au metier pendant la paix faute d'occasions, quoiqu'on 
exerce les regiments en detail. 

4 Ce qui n'est pas süffisant, mais le principale est, de leur 
apprendre le m(^tier ou Service de sorte qu'ils ne se trouvent pas 
neufs, quand l'occasion se presente 

5. Ainsi qu'il est necessaire de les assembler pendant la paix, 
pour les entretenir dans les mouvements militaires, suivant que la 
difference des situations et terrains obligent de les faire. 

6. Ayant ainsi fait voir les raisons et la n^cessit^ qui peuvent 
determiner un (itat ä faire des revues gen^rales, on croit nt^cessaire 
de donner une id^e des manoeuvres militaires qu'on y peut faire 
exercer, laquelle consiste: 

a) dans la revue en soi-meme qui fait voir le nombre et la 
qualite des troupes, 

b) dans l'exercice particulier des pieces differentes dont une 
armee est formee, comme des dragons, de la cavalerie, de 
l'infanterie, de l'artillerie. 

c) [dans la demonstration] de la maniere de s'en servir, quand 
ces pieces sont jointes ensemble, savoir 

par les differentes marches, 
par les diflerents arrangements, 
par les differents ordres de bataille, 
par les differents mouvements, 
par les combats, 
par les attacjues, 

par les retraites et autres choses qui appartiennent au 
militaire. 
Par ces manoeuvres on concevra le detail des fonctions de guerre. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 231 

Dieses und die beiden folgfenden Stücke liefen nicht von 
der Hand des Königs vor, atmen aber auch vollkommen 
seinen Geist. Möglicherweise sind es Bearbeitungen, die des 
Königs Gedanken durch den Grafen Wackerbarth erfahren 
haben. 

VIII. Loc. 1056 Acta varia f. 148 bis 150: 

Raisons qui doivent porter un prince ä faire de temps en temps 
des campements ou assembl(§es g^nerales de ses troupes. Les troupes 
6tant (Stabiles pour le soutien des 6tats doivent par cons6quent etre 
mises en Situation de pouvoir agir en toutes occasions oü le besoin 
pourroit le requerir. Ainsi, outre le principe que le soldat doit se 
faire du point d'honneur et d'iine noble ambition, il est tres necessaire 
qu'il soit instruit dans la parfaite connaissance des manoeuvres, ruses 
et entier exercice de la guerre, ce que les troupes ne sauroient 
acquerir dans des quartiers separt§s oü location leur manque de se 
former et de s'instruire de tout ce qui s'y pratique. II est donc 
important par ces raisons que les troupes s'assemblent de temps en 
temps en corps d^tach^s ou en general, tant pour apprendre le fond 
de l'art militaire que pour y prendre de l'ardeur pour leur metier 
et qu'elles puissent s'inspirer une noble emulation, outre encore qu'elles 
se mettront par lä en etat de pratiquer avec succes et reellement 
pendant la guerre ce que la theorie, la lecture et les relations 
d'autruy leur auront imprime. Une raison bien essentielle et des 

f)lus importantes au bien d'un etat est d'observer qu'une paix de 
ongue duree fait que, les vieux officiers manquant, toute une armee 
seroit composee ä la fin de jeunes gens sans experience. Ainsi pour 
eviter les inconvenients et les fautes qui pourroient en r6sulter, il 
est donc absolument necessaire de faire assembler les tioupes de 
temps en temps, pour que la science militaire dont les vieux officiers 
instruiront les jeunes, puisse [se] poster en eux comme par succession 
et que le prince puisse ä meme temps connoitre le genie et la capacite 
des officiers par l'application qu'ils apporteront au metier, [pour] 
s'en servir dans les occasions, dans les usages et dans les fonctions 
dont chacun se trouvera capable. Pour parvenir ä l'ordre de l'art 
militaire et que l'on puisse travailler sur un bon fondement, le 
premier point ä quoy l'on doit s'appliquer, est de faire bien connoitre 
ä chaque corps en particulier l'utilite de ses manoeuvres militaires 
et, apres que chaque corps en particulier sera bien instruit de son 
metier et s'en sera bien acquite, on pourra les joindre ensemble, 
pour en former une armee oü par differentes representations on leur 
imprimera les manoeuvres usitees dans une guerre. 

Ce sont donc ces considerations essentielles qui nous ont port^s 
ä former cette ann^e 1730 pour le premier de juin un campement 
g6n6ral de nos troupes et, comme la diversite des mouvements et 
manoeuvres en seroit innombrable, nous avons choisi Celles qui 
ont 6t6 cru les plus convenables pour le temps destin6 ä la durt^e 
du dit campement, et les avons ordonne, comme s'ensuit: 

la revue generale de l'armee, 
la manoeuvre des dragons, 
„ „ de la cavalerie, 

„ „ de l'infanterie, 

„ „ de l'artillerie, 



I. 


jour 


2. 


1) 


3. 


)5 


4. 


)) 


5- 


)) 



2 52 Hans Beschorner: 

6. jour: la manoeuvre des lanciers, 

7. „ : mouvements et marches sur treize colonnes avec l'arrange- 

ment de Tan-iee dans son premier ordre de bataille, l'attaque 
et la retraite sur huit colonnes, 

8. „ : mouvements et marches sur trois phalanges ou sept lignes 

avec l.arrangement de l'armee dans son premier ordre de 
bataille, l'attaque et la retraite par lignes, 

9. ,, : mouvements des differentes manieres de quarrt, attaque 

des quarr^s par la cavalerie et la retraite, 

10. „ : passage d'une riviere et l'attaque d'une armee retranchee, 

11. ,, : combat des deux armees et la retraite d'une des deux, 

12. „ : le feu de joye, 

13. „ : le festin de toute l'armee et la Separation. 

IX. Loc. 10947 Paquet Ordres f. 568 — 570 (auch Loc. 
12 II Vol. VII ^, am Ende von 1729): 

Raisons qui ont denn 6 occasion ä faire le campement. — Plu- 
sieurs raisons doivent porter un etat ä assembler ses troupes de 
temps en temps: 

1. Pour les entretenir dans l'habitude des exercices militaires, 
parce que, le Service de campagne etant tres different de celui des 
quartiers ou des garnisons, on se trouve expost^ ä de grands incon- 
v^nients, quand il est question de former un corps d'armee. 

2. Une longue paix iait disparoitre les vieux chefs, et les 
nouveaux, quelque habiles qu'ils puissent etre dans la theorie. ont 
besoin de plusieurs campagnes, pour se perfectionner par la pra- 
tique. Celle-ci ne s'acquiert que par l'habitude sans laquelle la 
bonne volonte, la valeur et le zele tombent souvent en defaut. 

3. Le seul moyen d'obvier ä ces inconvenients qui ont tant de 
fois expose le salut des etats, c'est de former des campements pendant 
Ici paix, d'y pratiquer le service de campagne et la manoeuvre mili- 
taire et d'\- representer au naturel. autant qu'il est possible, tous 
les 6v6nem"ents de la guerre et ceux qui se rencontrent dans les 
occasions inopinees et difticiles. 

4. Cet expedient ne peut manquer de dresser la jeunesse dont 
une armee se trouve remplie, cela forme le soldat, affermit et deter- 
mine les chevaux de la cavalerie, donne et repand des impressions 
g^n^rales du mecanisme militaire, de l'artillerie, du genie et de tout 
ce qui y a rapport (connoissance dont on se passe ;i regret, quand 
on est oblige d'entrer en action), il dresse (Sgalement le soldat ä 
sgavoir tirer parti des situations facheuses oü la guerre expose, loin 
des quaitiers et des villes, sous des climats difterents, dans des 
terrains ingrats ou des Saisons facheuses. 

Ce n'est qu'ä la faveur des campements que nous avons projett«^ 
(suivant le plan par nous regle pour chaque journee d'^ celui-ci) 
que nos troupes pourront se former aux opt^rations militaires, et 
c'est ä quoi les chefs auront soin de pourvoir, de sorte que l'officier 
et le soldat en puissent tirer toat le prolit necessaire et reraplir 
leur devoir dans l'occasion. C'est sur ces considerations que nous 
avons resolu d'assembler nos troupes au mois de juin et de les 
etablir par lä ;^ur le pied sui letjuel nous nous croyons indispensables 
de le taire pour l'avenir, enjoignant ;"i notre conseil de guerre et 
ä nos generaux de se regier sur le plan ci-joint: 



Das Zeithainer Laojer von 1730. 233 

A. 

L'armee qui s'assemblera, sera composee de quatre ordres, 
comme toutes celles de notre temps: l'infanterie, la ca Valerie, les 
dragons et l'artillerie. Les grenadiers qui sont attaches aiix regi- 
ments, n'en forment point. Ceux qui sont en corps sont renfernies 
dans celui de l'infanterie. La simple connoissance du pied et des 
exercices particuliers des ordres ci-dessus seroit inutile sans Celle 
de leurs fonctions jointes ou separees dans l^s marches, dans les 
ordres de bataille, les attaques, les rencontres, les retraites et les 
autres Operations qui appartiennent au militaire et qui demandent 
sans cesse des dispositions assaisojinees au terrain, au temps et aux 
autres situations oü Ton peut se trouver pendant le cours d'une 
guerre entiere. 

B. 

Quant ä la disposition pour les exercices et l'emploi du temps 
destine ä la duree du campement, nous en avons ordonne de cette 
maniere: i.jour la revue, 2. la manoeuvre des drasons, 3. la ma- 
noeuvre de la cavalerie, 4. la manoeuvre de l'infanterie, 5. la ma- 
noeuvre particuliere des lanciers, 6. la manceuvre de l'artillerie, 
7. la disposition des mouvements d'une marche, arrangement et 
retraite en colonnes, 8. la disposition des mouvements d'une marche, 
arrangement et retraite en lignes, 9. la disposition des mouvements 
des marches, arrangement et retraites en quarres, 10. la disposition 
d'une manoeuvre pour le passage d'une riviere, 11. le combat des 
deux armt^es, 12. le feu de joie, 13. la Separation du camp. 

On pourroit representer encore plusieurs 6v6nements non moins 
utils, comme: fourrages ä portee de l'ennemi, convois attaques et 
couverts, rencontre de partis, embuscades, escarmouches de postes 
avances, attaques de grandes gardes, pillages en ordre, fascinages, 
travaux militaires, c'est ä dire constructions, demolitions dans les 
Sieges, postes ou retranchements. Tout cela depend uniquement 
du premier parti qu'on scait prendre, sans rien oftrir de satisfaisant 
ä la vue des spectateurs, du cot6 de l'addresse ou de la rt§gularite. 
C'est pourquoi nous laisserdns cela aux jours de repos ou d'exercices 
particuliers, si on juge ä propos de le laire. 

Nous avons pris sur nous les dispositions marquöes dans les 
jours que nous avons choisi, parce qu'elles offrent des ex^cutions 
non moins necessaires que brillantes par l'ordre dont elles sont 
susceptibles, et que nous nous faisons une satisfaction personnelle 
de contribuer par nous-meme ä celle des etrangers que l'attachement 
au Service et le gout pour les exercices militaires attireront dans 
notre camp. 

Das unvollendete Schriftstück, das im allgemeinen 
klarer gehalten ist, als die ziemlich schwülstig ausgefallene 
Nummer VII, schliefst mit einigen Bemerkungen über die not- 
wendigen Reglements und mit einzelnen reglementarischen 
Bestimmungen. Eine deutsche Übersetzung desselben bietet 
Loc. 10947 Paquet Ordres f. 611 f. 

Aufser diesen meist allgemein über die Notwendigkeit 
von Manövern handelnden Stücken finden sich in den Papieren 



234 Hans Beschorner: 

des Königs noch mehrere eigenhändige Aufzeichnungen, die 
sich auf die Vorbereitungen zum Zeithainer Lager selbst be- 
ziehen. 

Die günstigste Zeit für Abhaltung desselben und seine 
Zeitdauer wird erwogen Loc. 2097 Nr. 12 f. 23^: 

Comme on a determiii6 que le campement doit consister en 
12 escadrons de dragon, 24 escadrons de cavalerie [et] 18 bastal- 
gon[s] [d'infanterie ?], 

1. il sera besoin de determiner l'ordre de bataille et ce qu'on 
veut faire le jour de la revue, 

2. quels manoeuvres militaires on pourrait faire les jours sui- 
vants que le campement durera, 

3. au dernier il faut determiner le temps de sa duree. S'il est 
court, il faut chaque jour autre chose, pour ne pas laisser ennuyer 
les Spectateurs. Si le temps est prolonge, on peut laisser un jour 
d'interva][le]. Mais toujours determiner les manoeuvres, soit long 
ou court! 

4. Le plus court ce pourroit etre 10 ou 12 jours comprise la 
revue, le plus long 3 semames. 

5. Le meilleur temps serait le mois de mal, quoiqu'il n'y a point 
d'herbe; auquel on peut pourvoir par les magasins. Le terrain on 
en prendra d'inculte. Le mois de juillet et aoüt est trop incommode 
par rapport du chaleur aux chevaux, les hommes patissent [aussi], 
et la poussiere [est] incommode pour les exercices et mouvements. 

Mit der „Liste des manoeuvres militaires qu'on presentera", 

beschäftigt sich Loc. 2097 Nr. 15 f. 34: 

En premier lieu la revue fait voir le nombre et la qualit6 
[des troupes]. 2. Les pieces dift"6rentes [fönt voir] en quoi ils 
consistent, et leurs exercices, des dragons, [de la] cavalerie, [d']in- 
fanterie, |d']artillerie. 3. [On fait voir] comme on s'en sert, quant 
ils sont ensemble, par les marches, arrangement, retraite, combat, 
attaque. 4. Les rejouissances apres des heureux succfes. Par ces 
4 articles on verra tant de detail des fonctions de la guerre. 

Ebenso Loc. 2097 Nr. 14 fol. 8^: 

„Les mouvements qu'on presente ä la revue, servent d'instruction. 
[Ils] sont formes Selon le nombre des troupes qui se trouvent et 
qui consistent en 28 bataillons et 42 escadrons. (^'a doit servir 
d'instruction aux generaux de former diflerents changemenis d'ordre 
de bataille, marches et retraite[sj, de bien observer le terrain et 
les intervalles, de faire les mouvements vite et de se ranger .sur- 
le-champ, de changer les fronts et ce qui en suit.'- So sollte das 
Zeithainer Lager werden „une ecole en general pour le chef de 
l'armee et ses generaux comme [pour] le commandant d'un regiment 
et son major, du bataillon et de l'escadron, de mt-me des brigades, 
des ailes et du corps de bataille. Ensuite selon le nombre [il] montre 
(nämlich der Chef de l'armee) ce qu'on peut faire.'' 

Auf Grund dieser Erwägungen stellte der König (Loc. 2097 
Nr. 14 f. i; eine gute, nicht ganz vollständige Abschrift 
Loc. 10947 Paquet Ordres f. 507 f. j folgenden Programm- 
entwurf auf: 



Das Zeithainer Lager von 1730. 235 

Mittwoch den 31, Mai : arrivee, 

Donnerstag; „ i.Juni: revue, 

Sonnabend ., 3 ,. : exercice des dragons, 

Montag ,, 5. ,, : exercice de la cavalerie, 

Mittwoch ,, 7 ,, : extrcice de l'infanterie, 

Freitag ,, 9. ,, : exercice des lanciers, 

Sonntag .. 11. „ : tirages, 

Dienstag „ 13. „ : mouvements par des colonnes, 

Donnerstag ,, 15. ., : mouvements par des hgnes, 

Sonnabend „ 17. „ : mouvements des carres, 

Montag ., 19. „ : attaque du retrancheraent, 

Mittwoch ., 21. ,, : combat des deux armees, 

Freitag „ 23. „ : feu de St. Jean, 

Sonntag „ 25. „ : Separation. 

Den 2., 4., 6., 8., 10., 12., 14., 16., 18., :o., 22. und 
24. Juni bezeichnete der König als ,,jours de repos", die ver- 
schiedenen „exercices particuUers" überlassen werden könnten. 

Si on veut, on pourroit faire ces jours ce qui se passe ä la 
guerre, comme: i. fourrage, 2. convoi, 3. parti, 4. embuscade, 5. fas- 
cinage, 6. alarme, 7. surprise des gardes avancees, 8. pillage, 9, — , 
10. — , II. — , 12. — . Mais ce sont des choses particulieres et 011 
las spectateurs ne peuvent pas prendre part, ni qui remplissent la vue. 

In einem zweiten, eigenhändig entworfenen Programme, 
,,Forleifige Eindeillunge der Dage des Campemens" (Loc. 355 
Eigenhändige Aufsätze . . . Vol. II f. iSgf.) sind diese ,,exer- 
cices particuliers" und einige andere, z. B. .,Visitirung des 
Lagers'- (am 2. Juni), „Visitirung der Wagten" (am 4. Junij 
mit aufgenommen. 

Si on voulait — fährt das Aktenstück Loc. 2097 Nr. 14 fol. i 
fort — representer deux armees en differents endroits et opposees 
l'une ä Pautre, il est ä considerer que notre terrain ne le permet 
pas ä cause de manque d'eau, transport du magasin, fatigue de 
decaraper et d'autres incommodites et fatigues. 

Si on voulait faire une espece de siege devant Hayn, il y 
auroit toutes les memes incommodites, savoir la marche, le transport 
des magasins, oü loger tous les spectateurs? Et combien du temps 
ne faudroit-il pas, pour faire ce siege? Cela seroit bon, tout deux, 
de le faire pour des autres revues, mais [pour] ce qa'on a projette 
pour le present, [c'est] impracticable, hors qu'on voulüt prolonger 
de trois mois et etablir d'autres magasins. 

Die erwähnte Abschrift fügt als Schlufs noch hinzu: 

„Pour representer un siege, on le pourroit representer sur le 
meme terrain, faisant une fortification ä Tentour de Promnitz ou 
Moritz, faire l'enveloppcr ä l'entour de Zeithayn et appuyer les 
deux alles ä la nviere, par oü on aura de l'eau aux deux ponts 
ä Glaubitz et ä Zeithayn, et l'eau ne manquera pas. Le transport 
des vivres descendra par la riviere, et les spectateurs seront loges 
comme ä la revue. Mais pour le quartier de la cour il le faudroit 
disposer autrement et se servir de la tente de chasse pour les 
spectacles. Au reste, la plaine demeurant derriere l'enveloppe, on 
peut representer touts les evenements de la guerre." 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. 5. 4. 16 



236 ■ Hans Beschorner: 

Über das Gelände bei Zeithain äufsert sich der König 
Log. 2097 Nr. 15 f. 41 (vgl. auch den Schlufs der bereits oben 
S. 228 erwähnten Abschrift Loc. 10947 Paquet Ordres f. 507) 
folgendermafsen : 

L'armee consiste en 48 escadrons et 24 bataillons. On a regle 
sur ce nombre les mouvements et evolutions qu'on peut faire et 
qui peuvent se faire ä la guerre. Le terrain nous donne une plaine 
en avant, un marre ä la droite et ä la gauche un bois, au dos une 
riviere, ainsi qu'on est couvert de trois cotes, et en front on peut 
agir suivant qu'on veut. Sur ce terrain on se regle, pour donner 
satisfaction aux spectateurs. Si l'on auroit d'autre Situation, on 
ferait d'autre disposition, pour content er les curieux; mais pour le 
present ils se contenteront de ce qu'ils verront. 

Ähnlich lauten des Königs Worte über den Manöverplatz 

in dem Schriftstück Loc. 2097 Nr. 14 f. 16 ,,L'inaction et 

Poisivete", dessen Anfang oben S. 228 mitgeteilt wurde und 

das mit einem nicht v/eiter wichtigen Programmentwurfe 

(,,Ce qu'on presentera, sera la revue . . . . un feu de joie") 

schliefst : 

L'armee consistera en 48 escadrons et 24 bataillons. Elle sera 
campee dans une plaine sur 2 lignes. Comme eile est sur un terrain 
uni, on lui fera faire les mouvements que le terrain facilite: ä gauche 
un bois, ä droite des marrees et en front point de difficultes d'avancer 
(Orig. d'avoir) jusqu'ä un village qui se trouve au centre d'une 
plaine de 6000 pas. 

Dafs August der Starke übrigens den Wert der Manö- 
ver keineswegs überschätzte, lehrt Loc. 2097 Nr. 24 f. 20^: 

En toute chose il y a des principes et encore plus dans le 
metier de la guerre oü on en a plus de besoin. Nous avons les 
regles des anciens et des modernes, et ils en viendront apres nous. 
Les ordres de bataille et la maniere de combattre sont differents et 
changent suivant l'ennemi avec qui on a ä faire, et c'est au chef 
de juger ce que croit convenable, et on ne peut donner point une 
regle. Le terrain, l'ennemi est divers. C'est ä la prudence du chet 
qu'il le faut remettre. Toujours il est bon de faire apprendre aux 
troupes divers mouvements et l'exercice avec divers armes et de 
ranger les troupes d'une facon qu'on puisse en peu de temps faire 
tel ordre (ju'on croit convenable. 

Nach den vorstehenden Äufserungen und dem, was in 
Kapitel X ausgeführt worden ist, wird man wohl in 
Zukunft die militärische Bedeutung des Zeithainer Lagers etwas 
höher einschätzen müssen, als das bisher meist geschehen ist. 
Diese Erkenntnis scheint sich allmählich auch schon in den 
Fachkreisen Bahn zu brechen, wie die S. 68 Anm. 3 angeführte 
Arbeit ,,Die taktische Schulung der preufsischen Armee" er- 
kennen läfst; denn der Verfasser meint zwar, dafs das Cam- 
pement von Kadewitz ein ,,nach französischem Beispiele in 



Das Zeithainer Lager von 1730. 237 

Szene gesetztes Lustlager'', trotzdem aber doch ,, nicht ganz 
ohne Vorteil für die kriegerische Ausbildung" gewesen sei. 
Anerkennender noch schliefsen O. Schuster und F. A. Francke 
den Abschnitt über „Das Zeithayner Lager 1730" in ihrer 
„Geschichte der sächsischen Armee" (S. 200 — 203) mit den 
Worten: „Jedenfalls ist das Campement bei Zeithayn für die 
sächsische Armee als ein hochwichtiges Friedensereignis für 
alle Zeiten zu betrachten und bildet für dieselbe eine licht- 
volle, angenehme Erinnerung". 



10. Die Exerzitien. 

Zum allgemeinen Verständnisse der 1730 bei Zeithain 
vorgeführten militärischen Übungen sei zunächst auf das um- 
fänghche Werk des königlich polnischen und churfürstlich 
sächsischen Infanterie -Obristlieutenants Hanns Friedrich von 
Fleming ,,Der vollkommene teutsche Soldat" (Leipzig, 1726) 
hingewiesen, das aut Grund der verschiedensten Reglements 
„die gantze Kriegs -Wissenschaft, insonderheit was bey der 
Infanterie vorkommt, ordentlich und deutlich vorträgt" und- 
gerade die sächsischen Verhältnisse wenige Jahre vor dem 
Campement bei Radewitz schildert. Von dem äufserst lehr- 
reichen Buche kommen namentlich die Kapitel 13 bis 19 
(= S. 215 — 252) des III. Teiles (,,Von denen mancherley 
Krieges -Operationen und -Expeditionen") in Frage, die von 
der Stell- und Zugordnung einer Compagnie, von der Stell- 
und Zugordnung eines Regiments, von der ordentlichen Stellung 
der Bataillons und Regimenter, von den Exercitiis als Hand- 
griffen und Doupplirungen, von Evolutionen oder Douppli- 
rungen, von den Handgriffen der Grenadierer, von den Com- 
mandowörtern und Bewegungen und endlich von denen Exer- 
citiis eines Piqueniers, ingleichen von dem Gebrauch der 
Schweinsfedern und Spanischen Reutern handeln und mit einer 
grofsen Zahl sehr anschaulicher Bilder ausgestattet sind. 

Zur besonderen Orientierung aber über die einzelnen 
Zeithainer Manöver, die vom im ersten Kapitel (S. 72 ff.) 
nur ganz allgemein skizziert werden konnten, mögen dienen: 

1. Das amtliche Kartenwerk, dessen erläuternder Text 
in dieser Zeitschrift XXVII (1906), 126 bis 133, abgedruckt 
worden ist; 

2. Staatskalender H i Sp.3 — I 3 Sp. i (mit einigen kleinen 
Zeichnungen); 

16* 



238 Hans Beschorner: 

3. Das Journal officiel, dessen erster Teil in der Wissen- 
schaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung 1885 S. 296 bis 
303 (von V. Mansberg), dessen Schlufs dagegen in dieser Zeit- 
schrift XXVII, 145 bis 151, abgedruckt ist; 

4. Die „Dispositiones zu den Manoeuvres 1730 im Lager 
bey Zeithayn", Loc. 1055 (auch in der Generalstabsbibliothek 
zu Dresden D V Nr. 7450). Diese „Dispositiones", die wie 
bereits erwähnt, mit der ,, Disposition generale" nicht ver- 
wechselt werden dürfen, enthalten in einem zwei Finger 
starken Bande ganz genaue Angaben über die einzelnen 
Griffe, Bewegungen und dgl. und die dabei angewendeten 
Kommandos. Sie waren das Ergebnis langwieriger Beratungen, 
die der König mit seinen Generalen pflegte. Welche Mühe 
ihr Zustandekommen machte, lehren die zahlreichen in den 
Akten vorhandenen Protokolle, Entwürfe, Vorschläge, Obser- 
vationes, Remarquen, Ordres und Ergänzungsbestimmungen 
(Loc. 411, Zu Vol. 1 — III Actorum gehörig, das bey Zeithayn 
zu haltende grosse Campement bei., 1729, f. 15 f.; Loc. 1056 
I f. ie3-g3, 86<=-g, 86v5f., ^2^1, 103 f., II f. 306—316, Acta 
varia f. 32, 73, 143 f., 165 — 167; Loc. 1064 f. 8, iSS''; 
Loc. 10948 Ordres, das neue Exercitien - Reglement . . . betr., 
de anno 1730), sowie die vielen Risse mit Truppeneintragungen, 
Zeichnungen von Truppenformationen und dgl. (Loc. 1056 
Acta varia f. 29, 30, 47, 48, 142, 156, 164, 168, 170; Loc. 
1064 f. 129; Loc. 10947 Paquet Ordres f. 508 '', 539^, 542, 
543, 552, 602, 608 usw.), worunter sich auch solche von des 
Königs eigener Hand befinden (Loc. 1056 I f. 92*^, 146**'*; 
Loc. 2097 Nr. 15 f. 31 und Nr. 22 f. 21). Da übrigens der 
König seinen Generalen zur Pflicht machte, ,,dafs die ihnen 
übergebenen Mouvements und alles Zugehörige dergestalt 
verschwiegen und verwahrlich gehalten werden sollten, damit 
niemand etwas davon bekandt werde", so sind die Dispositiones 
auch nie im Druck erschienen. 

Im wesentlichen beruhen diese ,, Dispositionen" natürlich 
auf den neuen Reglements, deren Entstehung vorn (S. 63 f.) 
kurz erörtert worden ist. Für genauere Feststellung der 
Geschichte der sächsischen Exercierreglements — nur 
solche, nicht allgemeine Dienst- oder sonstige Reglements und 
Ordonnanzen kommen hier in Frage • — - dürften besonders 
folgende Unterlagen von Wert sein: 

I. Loc. 10908, Militair-Reglements von Ihro Churf. Durchl. 
Johann Georg III. und Johann Georg IV., 1687, 1688 und 1692. 
In den allgemeinen Militärreglements und Milizordonnanzen von 
1692 tauchen bereits einzelne Exerzierbestimmungen auf. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 239 

2. Loc. II 005. Anleitung zur Drille- Kunst nach S. Exe. 
des Herrn Generalfeldmarschalls von Schönings Exercitio und 
Commando bey der Chursächss. Armee. 

3. Loc. 1155, Reglement, was bey der Infanterie in Feld- 
zügen zu observieren sey, ingl. die Kriegsexercitia anno 1704. 
Das Aktenstück enthält u. a. die von Flemming ohne Bei- 
fügung eines Datums unterschriebenen ,,Exercitia bellica, 
maniment zu fues", und die von Schulenburg am 9. August 
1704 durch Unterschrift vollzogenen ,,Musquetier- wie auch 
Grenadier -Exercitien". Ersteren geht ein Heft mit ,, Com- 
mando Wörtern" für das Fufsexerzieren voraus. 

4. Loc. 10909, Exercierreglements 1704, 1705, oder Neue 
Exercitien im Monath August 1704. Das Aktenstück enthält 
vor allen Dingen die von Flemming unterzeichneten ,,Exer- 
citia bellica, maniment zu Pferdt, 1705", aufserdem noch 
„Musquetier- und Grandier-Handtgriffe", die zwar auch am 
9. August 1704 von Schulenburg unterschrieben sind, aber 
von den ,, Musquetier- und Grenadier -Exercitien" in Loc. 1155 
abweichen. 

Das Flemmingsche ,,Maniement zu Pferde" und die 
Schulenburgischen ,,Mousquetier- wie auch Grenadier -Exer- 
citia" erschienen 1705 unter dem Titel ,,Exercitia bellica" 
bei Johann Zacharias Hempen zu Torgau im Druck. Die von 
Flemming stammende Vorrede, die auf die Notwendigkeit 
einheitlicher und streng zu befolgender Exerzierreglements 
hinweist, ist signiert: Dressden, den 7. Octobr. 1705. Dem 
Kavalleriereglement sind ein ,, Interimsreglement bey der 
Cavallerie" und mehrere Tafeln mit bildlichen Darstellungen 
beigegeben. Beide Reglements erschienen 1707 in Dresden 
auch gesondert; vgl. Königliche öffentliche Bibliothek zu 
Dresden, Hist. Sax. M. 276, 277, und H. F. Rumpf, Allgemeine 
Literatur der Kriegswissenschaften I (1824), 224, Nr. 3551. 

5. Loc. 10929, Allgemeine Regeln der Kriegsführung und 
Schlachten (von von Flemming, von Wilcken u. a.), 17 10 f. 

6. ,,Militair-Exercitia oder Handgriffe mit der Flinte, 
Chemnitz 17 11", erwähnt bei Rumpf a. a. O. I, 224, Nr. 3552, 

7. Loc. 10887, Auf die von Herrn Generalfeldmarschall 
Grafen von Flemming Exe. 171 1 vorgelegten sechs militä- 
rischen Fragen gegebene Antwort von 12 Regimentern Ca- 
vallerie. 

8. ,, Commando -Wörter nebst der Anweisung zu Exer- 
cinmg eines Regiments Dragoner, wie solche in dem den 
20. November anno 1717 von des Herrn Generalfeldmar- 
schalls von Flemming hochreichsgräffl. Excell. an die säch- 



2^.0 Hans Beschorner: 

sische Cavallerie gegebenen Exercitien-Buche anbefohlen und 
nachhero durch die Herrn Obrist- Lieutenants von Dürrfeldt, 
Leipziger und Milckau theils bey behalten, theils zu unter- 
schiedenen Mahlen geändert und endlich vollkommen appro- 
biret worden, folglich nunmehro durchgehend üblich": König- 
liche öffentliche Bibliothek zu Dresden, Msc. Dresd. Q. 216. 

9. ,, Neues Kriegsreglement oder Instruction von der 
gantzen Kriegs -Verfassung der Chur- Sachs. Cavallerie, 1720." 
Dieses Manuskript ist als Xr. 5126 in dem ,, Verzeichnis des 
antiquarischen Bücherlagers 1905" von List und Francke in 
Leipzig aufgeführt. Durch die auf der Rückseite des Titel- 
blattes befindliche Notiz , .Dieses Regliment wird zwar meisten- 
theils durch allerhand Interims -Reglements denen Regimentern 
bekannt gemacht, allein ganz, wie es hier ist, wird es nicht 
communicirt", scheint dieses ,,Kriegs- Reglement" nur als ein 
Entwurf characterisiert zu werden. 

10. Loc. 10929, Concept zum Reglement vor die In- 
fanterie, vom Herrn Obristen Hildebrand entworffen. Mense 
Octobr. 1722. 

11. Loc. 10948, Ordres, das neue Exercitien- Reglement 
und was wegen Introducirung dieserhalb in sämbtliche Re- 
gimenter Cavallerie und Infanterie verfuget worden, betr., de 
anno 1730. Dieses für die Geschichte der sächsischen Exer- 
zierreglements besonders wichtige Aktenstück enthält in dem 
besonderen Faszikel ,,Exercitien- Reglement von der Cavallerie" 
zwei voneinander abweichende Exemplare des neuen Kavallerie- 
Exerzierreglements und mehrere Abänderungsvorschläge dazu. 
Vom liegt ein Quartheft darin: ,, Disposition von dem Exer- 
citio, welches S. Hochgräffl. Exellence Herr Generallfeldt- 
marschall Reichso:raff von Flemming- mit dem löbl. Marchischen 
Regiment Infanterie gethaen bey Dressden anno 17 18 den . . .". 

Auf die Einübung der neuen Exerzierreglements 1729 in 
besonderen Campements beziehen sich: 

12. Loc. 6386, Die Zusammenziehung derer Compagnien 
an Cavallerie und Infanterie zu Erlernung derer neuen Exer- 
citien und das hierauf gehaltene grosse Campement zu Mühl- 
berg betr., 1729, 1730. 

13. Loc. 10945, Rapports und andere Schriften, das 
Campiren und wie die Regimenter die Revue vor J. K. M. 
passiret sind, betr., 1729. 

14. Loc. 10946, Interims-Disposition u. Reglement nebsten 
darüber ausgefertigten Ordres und Beylagen, die Mundirung 
der Regimenter Cavallerie und Infanterie, ingl. die Dressirung 
der Leute und Exercitia, a. w. d. s. anhängig, betr., 1729. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 241 

15. Kriegsarchiv Loc. 2108, Campements bey Langen- 
salza und Dressden, 1729. 

16. Kriegsarchiv Loc. 1833, Campements, worein die 
Garde du Corps und sämthche Regimenter zu Pferde und 
Fuss zu Erlernung und egaler Einführung derer neu vor- 
gegebenen Exercitien regimenterweise zusammengezogen 
worden, 1729. 

Im Anschlufs an die Übungen im Zeithainer Lager reichte 
der Herzog von Weissenfeis und der Exerzitienmeister Oberst 
von Ludwig eine ganze Reihe von Fragen und Erinnerungs- 
punkten ein. Um diese erledigen und ,,das Exercitien-Regle- 
ment in vollkommenen Standt und Ordnuno- setzen" zu lassen. 
ernannte der König eine besondere Kommission und befahl 
ihr, unter Zuziehung des Exerzitienmeisters von Ludwig, ,,das 
neugefertigte Exercitien-Buch und die diesfalls projectirten 
Reglements anderweit zu revidiren, die gemachten Annotata 
und was sonsten darinn geändert worden, alles und jedes in 
behörige Ordnung an gehörigen Orth und Stelle zu inseriren, 
das gantze Buch in seine Capita und Paragraphos erforder- 
licher Mafsen zu rangiren und einzutheilen, auch endlich ein 
Register, umb alles gleich nachschlagen und auffsuchen zu 
können, darüber zu fertigen" (Loc. 1093 1 VII f. 139 — 141). 
Ein Ergebnis war offenbar das ,, Interims-Reglement über 
Exercitia und Mouvements vor die Infanterie, Dressden 9. März 
1732", von dem die Königl. Bibliothek zu Dresden Msc. C. 89 
und Hist. Sax. M. 56, 57, mehrere schöne handschriftliche 
Exemplare mit sauberen Zeichnungen besitzt. Nur die ,, Plans" 
enthalten die beiden Quarthefte Msc. C. 66 und 67. 

Es verlohnte sich, auf Grund dieses Quellenstoffes die 
früheste Geschichte der sächsischen Exerzierreglements ge- 
nauer zu untersuchen und damit das Aufkommen der Exerzier- 
reglements in Deutschland überhaupt weiter zu beleuchten, 
wie dies bereits W. Erben, Kriegsartikel und Reglements 
als Quellen zur Geschichte der k. und k. Armee (in den Mit- 
teilungen des K. K. Heeresmuseums in Wien I (1902), i— 200), 
O. Redlich, Ein Exercierreglement aus der Zeit Prinz Eugens 
(eb. S. 55 — 65), und M. Jahns, Das Kriegswesen unter König 
Friedrich I. (im HohenzoUern-Jahrbuch IV (1900), 140 — 169) 
getan haben ^). 



^) Auch in Preufsen war damals Friedrich Wilhelm I. mit der 
Neubearbeitung der Exerzierreglements beschäftigt. Aus Besorgnis, 
dafs „die fre[mjde trappen uns nur nit vorkommen", beschleunigte 
er die Sache so sehr als möglich und veröffentlichte bereits am 
I.Juli 1730 das verbesserte Infanterie -Reglement, von dem er, wie 



2A2 Hans Beschorner: 

Bei der Erforschung der Geschichte der sächsischen 
Exerzierreglements würde eine der Hauptaufgaben mit in der 
Vergleichung der verschiedenen Reglements bestehen, um die 
Fortschritte festzustellen. Dabei würde in den zwanziger 
Jahren des 1 8. Jahrhunderts hauptsächlich auf den Einßufs zu 
achten sein, den die Folardschen Theorien auf sie ge- 
wonnen haben. An einzelnen Stellen wird sich dieser unzweifel- 
haft nachweisen lassen. Der Chevalier de Folard, der, von 
dem Studium der antiken Schriftsteller, namentlich des Polj'bius, 
ausgehend, sich für die taktischen Formen der Alten, für die 
Kolonnen, Phalangen und Keilstellungen begeisterte und in 
ihnen allein das Heil der Zukunft erbhckte, hat bei seinen 
Zeitgenossen grofses Aufsehen gemacht und die Kriegskunst 
des i8. Jahrhunderts nicht unwesentlich beeinfiufst, wie man 
des näheren aus ]\I. Jahns, Geschichte der Kriegswissenschaften 
II (1890), 1478 — 1498, ersehen kann. Es fehlte nicht an leb- 
haftem Widerspruch, meist aber fand er doch Anerkennung. 
Selbst Friedrich der Grofse hielt es der Mühe für w^ert, aus 
seinen Werken 1753 durch den Obersten von Sars eine Hand- 
ausgabe herstellen zu lassen und diesen ,,Extrait tire des 
commentaires du chevalier Folard pour Pusage d'un officier" 
höchst eigenhändig mit einer ,,sehr merkwürdigen Vorrede" 
zu versehen. Ja, er soll sogar — allerdings vergebhch — 
den greisen Folard eingeladen haben, nach Berlin zu kommen 
und seine Neuerungen praktisch vorzuführen. Dafs Folard, 
der seine Anschauungen von der Kolonnentaktik hauptsächlich 
in dem an mehreren Stellen seiner Werke abgedruckten ,,Traite 
de la colonne, la maniere de la former et de combattre dans 
cet ordre", niedergelegt hat, auch den leitenden militärischen 
Kreisen in Sachsen nicht unbekannt blieb, könnte man ohne 
weiteres annehmen. Wir besitzen aber auch mehrere deut- 
liche Zeugnisse dafür, dafs sich August der Starke mit den 
Werken Folards eingehend beschäftigte und seine Neuerungen 
im Zeithainer Lager erprobte. Bei aufmerksamer Durchsicht 
der gedruckten Campements-Beschreibungen mufs es auffallen, 
dafs viele von ihnen, z. B. der Staatskalenderbericht und das 
Campement-Lied (vgl. diese Zeitschrift XXVII, iio Nr. 10 ^^j, 



er am 5. Juli 1730 an Leopold von Dessau schrieb, hoffte, „dals es 
wierdt guhts tuhn". Vgl. O. Krauske, Die Briefe König Friedrich 
Wilhelms I. an den Fürsten Leopold zu Anhalt -Dessau (Berlin 1905) 
S. 454 Nr. 546 Die Besorgnis, dafs andere Länder Preufsen hin- 
sichthch der Ausbildung ihrer Truppen übertlügeln könnten, war 
offenbar durch das Zeithainer Lager, wenn auch vielleicht nicht erst 
geweckt,' so doch sicher gesteigert worden. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 243 

davon sprechen, dafs die Exerzitien ,,nach neuem Brauch" 
ausgeführt worden seien. Worin aber dieser neue Brauch 
bestand, sagt unzweideutig Friedrich der Grofse in seinen 
Memoiren des Hauses Brandenburg (Oeuvres 1, 159) mit 
den Worten ,,Le roi de Pologne qui etait venu ä Berhn 
Tan 1728, voulut ä son tour etaler sa magnificence aux 
yeux du Roi, en lui donnant des fetes toutes militaires. II 
rassembla ses troupes dans un camp aupres de Radeberg (!), 
village situe sur l'Elbe; les manoeuvres qu'il fit faire ä son 
armee, etaient une image de la guerre des Romains melee 
aux visions du chevaUer Folard", und ähnUch seine Schwester, 
die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, in deren Memoiren 
(Leipzig, H. Barsdorf, 1889, S. 168) es u. a. heifst: ,,Ce prince 
(ihr Bruder) partit le 30. [may 1730], pour aller au camp de 
Mulberg od le roi de Pologne Tavoit invite. Toute l'armee 
Saxonne etait rassemblee dans cet endroit, eile y fit les evo- 
lutions et les manoeuvres decrites par le fameux chevalier 
Follard". Vor allem liefs aber auch August der Starke hinter- 
her — und das sagt alles — dem Chevalier de Folard in 
Paris durch seinen natürlichen Sohn Moritz, den Marschall 
von Sachsen, ein Exemplar des grofsen offiziellen Karten- 
werkes überreichen. Folard war aufs höchste erfreut über 
diese Auszeichnung, die ,,ihm, dem einfachen Colonel d'in- 
fanterie, ein grofser König" zuteil w-erden liefs. In einem 
54 Folioseiten langen Briefe, der Paris, den 6. Oktober 173 1, 
datiert ist und gegenwärtig im Archiv des preufsischen Grofsen 
Generalstabes (IV 414) aufbewahrt wird, bedankte er sich 
umständlich für das ,,present si glorieux et honorable ä un 
officier epris de la noblesse de sa profession". Er betonte 
darin, dafs er sich von dem Marschall Moritz unmittelbar aus 
dem Campement habe Berichte schicken lassen und dafs er 
seine Rückkehr mit Ungeduld erwartet habe, ,,pour qu'il me 
fit la faveur de m'expliquer plus particulierement tout ce qui 
s'y etoit pratique de plus considerable ä l'egard des exercices 
de toute son armee si differents de ce qui s'etoit passe dans 
les autres camps qui s'etoient formes ä-peu-pres dans le meme 
temps". Dank der Güte des Königs, ,,der selber die Kriegs- 
wissenschaften so liebe und darin un grand maitre sei", 
besitze er nunmehr das Prachtwerk und könne alle Be- 
wegungen genau ,,etudier et mediter". Welchen Eindruck 
er freilich bei diesem Studium von den Zeithainer Manövern 
gewann, läfst das langatmige Schreiben nicht erkennen. Zwar 
rühmt er f. 35 die Verwendung der Kanonen in Zeithain, die 
ganz seinen Anschauungen entspräche, f. 42 die Achtel- 



244 



Hans Beschorner: 



Schwenkung der ganzen Armee um das eigene Zentrum, die, 
zur schiefen Schlachtordnung führend, ausgezeichnet in sein 
System passe, f. 43 die Märsche, deren Behandlung er in 
dem Kartenwerke ,,bien net et bien execute et fort sgavant" 
nennt (,,on seroit tres embarrasse de me faire voir dans aucun 
de nos militaires autant d'instruction dans presque tous les 
grands mouvements qu'on en trouve dans tout ce qu'Elle ä 
pratique au camp de Mulberg"), ferner f. 50 die Rückmärsche, 
die er nach eingehender Prüfung für schön und weise erklärt; 
endlich hebt er f. 52 das Manöver des vorletzten Tages, den 
Eibübergang und die Verteidigung des Retranchements, für 
dessen volles Verständnis nach seiner Ansicht einige Pläne 
mehr erwünscht wären, lobend hervor. Im übrigen geht er 
aber nicht weiter auf das in Zeithain Gebotene ein, sondern 
widmet sich ausschliefslich ,, seinem System" und verteidigt 
dies mit ermüdender Breite gegen die zahlreichen Angriffe 
seiner Gegner. Wer Folard und seine Neuerungen kennen 
lernen will, wird den Brief mit Nutzen lesen, für das Zeit- 
hainer Lager bietet er leider verhältnismäfsig wenig Greif- 
bares. Immerhin soll seine Bedeutung- nicht verkannt werden: 
er gibt uns die volle Gewifsheit, dafs August der Starke, 
oiTenbar durch die Vermittelung des Marschalls Moritz von 
Sachsen die Werke Folards kennen gelernt hatte und ,,sein 
System" von den Kolonnen, sowie seine Taktik im Zeithainer 
Lager ausprobierte, da sie, zum Teil wenigstens, seine Billi- 
gung gefunden hatten (vgl f. 4 des Schreibens, wo Folard 
versichert, hochgeehrt zu sein ,,que ses ouvrages sur la guerre 
et son Systeme des colonnes comme sa tactique avoient ete 
approuves de S. M.", und f. 13, wo er sich glücklich schätzt, 
,,parce que S. M. a approuve son S3steme des colonnes, mais 
encore [plus], parce qu'elles ont paru au camp de Mulberg 
inserees dans Ses lio^nes et sur les alles de Sa cavalerie et de 
Son infanterie"). 

Bei diesem Stande der Dinge wird man doch wohl den 
Wert der militärischen Übungen im Zeithainer Lager nicht 
so gering anschlagen dürfen, wie dies vielfach geschehen ist. 
Es waren nicht nur ,, Spielereien", wie Förster in seinem Buche 
„Friedrich August II." (1839), 272, meinte, oder ,, Schau- 
stellungen, die den Ernst des Krieges aus dem Auge ver- 
loren" (von Mansberg S. 281/282). Es waren vielmehr ge- 
rade, wie namentlich aus den in Kapitel IX mitgeteilten 
Schriftstücken hervorgeht, ernst gemeinte Vorbereitungen auf 
den Krieg. Nur war die richtige Art dieser Vorbereitung 
noch nicht getroffen. Mit unseren Manövern, deren Typus 



Das Zeithainer Lager von 1730. 24^ 

erst Friedrich der Grofse gefunden hat, darf man die 
Übungen nicht vergleichen. Sonst erscheinen sie allerdings 
leicht „wie künstlich einstudierte Carroussels und Quadrillen 
en gros". Auch Friedrich dem Grofsen, der, wie gesagt, 
als erster richtig erkannte, wie die Manöver zweckmäfsig zu 
gestalten seien, um auf den Krieg vorzubereiten, mufsten die 
Zeithainer Übungen komisch vorkommen. Er mufste ,,den 
Kennern recht geben, die die Ansicht vertraten, que ce camp 
etoit plutöt un spectacle theätrale qu'un embleme veritable 
de la guerre". Einen Vorwurf hat er, in richtiger Würdigung 
der Verhältnisse, August dem Starken kaum daraus gemacht. 
Er spricht zurückhaltend nur von den ,,Connoisseurs, die 
dieser Meinung seien"! Am allerwenigsten aber hat er daran 
gedacht, das Zeithainer Lager öffentlich zu verspotten, wie 
man das häufio^ lesen kann. 

Diese Legende, die wohl hauptsächlich durch Vehse 
(Geschichte der Höfe des Hauses Sachsen V, 63) verbreitet 
worden ist und ihren Weg in viele wissenschaftliche Werke 
gefunden hat, geht auf Friedrich Nicolai zurück. In seinen 
,, Anekdoten von König Friedrich IL von Preufsen", V. Heft 
(Berlin und Stettin 1791), schildert er S. 3 — 20 „das Lager 
bey Gatow" ausführlich, das Friedrich der Grofse 1753 ver- 
anstaltete, von dem er aber alle neugierigen Zuschauer fern- 
hielt. Um nun die öffentliche Meinung, die sich natürlich 
viel mit den geheimnisvollen Gatower Übungen beschäftigte, 
irre zu leiten, habe, so berichtet Nicolai, der König eine 
,, Beschreibung desjenigen, was in diesem Lager sollte seyn 
vorgenommen worden, nebst bej'gefügten Plan" durch den 
Oberstleutnant von Balby veröffentlichen lassen. Die anonyme 
Schrift, von der sich u. a. Exemplare in der Königlichen 
Bibliothek zu Berlin und in der Bibliothek des Ingenieurkorps 
zu Dresden befinden, führt den Titel ,, Erklärung und genaue 
Beschreibung der Manoeuvres, welche von dem Königl. Preufs, 
Corps, das zwischen dem Amte Spandau und dem Dorfe 
Gatow campiret, vorgenommen worden, so wie sie sämtlich 
auf einem beygefügten grofsen Plan marquiret sind. Mit 
Kgl. Freyheit. Berlin u. Potsdam bey Christian Friedrich Voss, 
1753"- — Nachdem Nicolai den Inhalt der seltsamen Schrift 
genau dvirchgesprochen hat, gibt er seiner Verwunderung 
darüber Ausdruck, dafs diese Darstellung, deren pamphleten- 
haften Charakter man selbst ,,bei wenigen militärischen Kennt- 
nissen" ohne weiteres erkennen müsse, vielfach ernst genommen 
worden ist, und wirft zuletzt die Frage auf, woher der König 
die Idee zu einer solchen Beschreibung nahm und warum er 



246 Hans Beschorner: 

gerade diese Idee gewählt habe? Er memt, die Frage lasse 
sich beantworten. Er selbst habe eine dunkle Ahnung gehabt, 
eigentlich aber sei die Entdeckung einem seiner Freimde zu 
danken: dafs nämlich „ein Teil der im Zeithainer Lager ge- 
machten Übungen Friedrich dem Zweyten zu jener erdicht e?en 
Beschreibung seines Lagers bey Gatow, die, wie gedacht, 
eigenthch nur eine Verspottung der Neugierde im Jahre 1753, 
nicht aber des ehemaligen sächsischen Lustlagers ist' 
dennoch hauptsächlich die Ideen gegeben hat". Die Behauptung^ 
die Nicolai oder sein Freund, wie man sieht, sehr vorsichtig ge- 
fafst und durch einen nur auf Zufälligkeiten beruhendenVer- 
gleich der Zeithainer Manöver mit den von Balby beschriebenen 
vergebhch zu begründen versucht hatte, gewann, von einem 
Werke in das andere übernommen, allmählich immer be- 
stimmtere Gestalt. Einen besonderen Nachdruck schien ihr 
Koser durch ein neues Argument geben zu können. In seinem 
Werke über Friedrich den Grofsen I (1893), 545 (dazu seine 
Ausführungen im „Hohenzollern-Jahrbuch" VII, 1903, S. i4f.), 
sagt er nämhch: „Die gedruckte , Erklärung' dieser Spandauer 
Manöver, vom Oberstlieutenant Balby verfafst, war freihch 
nichts anderes als eine versteckte Parodie auf die Beschrei- 
bung des sächsischen Lustlagers von 1730, in der man sogar 
den 22 Ellen langen Festkuchen, prächtig in Kupfer gestochen, 
veranschaulicht hatte; als Graf Podewils auf Befehl dem säch- 
sischen Gesandten Bülow ganz ernsthaft ein Exemplar über- 
reichte, gab dieser zu verstehen, dafs er die Absicht wohl 
merke, aber gern der Sündenbock sein und die Last derartiger 
Späfse tragen wolle". Dieses Argument ist aber ebensowenig 
stichhaltig als, nebenbei gesagt, die Behauptung, dafs der 
Festkuchen im Kupferstich werk abgebildet sei; nur die Stelle, 
wo er lag, ist in dem allgemeinen Situationsplane des Haupt- 
quartiers angegeben. In der Unterredung mit Podewils meint 
nämlich Bülow gar nicht das Zeithainer Lager, sondern das 
Campement bei Übigau unweit Dresden, das Juni 1753, 
also wenige Monate vor dem Gatower, stattgehabt hatte 
und von dem ein ausführliches, von dem Ingenieurleutnant 
C. S. Berggold gezeichnetes Kartenwerk mit erläuternden 
Bemerkungen herausgegeben worden war. Der Bericht 
Podewils vom 4. September 1753, auf den mich Herr 
Geheimrat Koser freundlichst aufmerksam gemacht hat, 
lautet nach der „Politischen Correspondenz Friedrichs des 
Grofsen" IX (1882): 

„Le sieur de Bülow sourit, porta sa main ä la barbe tt me lit 
entendre qu'il sentait fort bien que Votre Majeste continuait de 



Das Zeithainer Lager von 1730. 247 

prendre plaisir ä Se moquer de lui et de sa cour. II ajouta que ce 
Journal ^tait depuis huit jours entre les mains de tout le monde, 
mais qu'on savait ä quoi s'en tenir sur ce qu'il contenait, et il me dit 
ä mots couverts qu'on voyait bien que c'etait une parodie de celui que 
la cour de Dresde avait fait publier de son camp d'Uebigau . . . 
II me pria fort de ne rien dire de tout cela ä Votre Majest6, mais 
de le mettre simplement ä Ses pieds, finissant par me dire qu'il 6tait 
un pauvre Veteran rempli de bons sentiments pour Votre Majeste 
et qu'il voulait bien servir ä L'egayer ä ses depends dans la toule 
des occupations st^rieuses dont Votre Majeste Se trouvnit accabl(^e, 
pourvu que cela n'influät pas sur sa cour, qui naturellement devrait 
elre sensible ä tout cela, puisque, le public venant ä savoir de 
I^areilles badineries, cela retombait par bricole sur sa cour, et en 
me demandant, si je n'^tais pas charg6 de communiquer aussi ä 
d'autres ministres (^trangers le Journal en question, ou s'il devait 
etre le seul bon Hazazel et le plastron." 



II. Das Campement von Czerniachow. 

Nach Loc. 2097 Nr. 14 f. 10 hatten an dem Zeithainer 
Lager von jedem polnischen Regimente ein Kapitän und zwei 
Leutnants teilnehmen müssen, um bei dieser Gelegenheit den 
Dienst und die Exerzierweise des sächsichen Heeres kennen 
zu lernen und nach ihrer Rückkehr die gewonnenen Erfahrungen 
daheim zu verwerten. Die polnische Armee sollte in Zukunft 
nach sächsischem Muster organisiert werden Um dies noch 
vollkommener zu erreichen, veranstaltete August der Starke 
mit lauter sächsischen Truppen vom 31. Juli bis 18. August 1732 
in der Nähe von Warschau, bei dem Dorfe Czerniachow 
(südhch der Stadt), ein grofses Campement, das in allem dem 
Zeithainer Lager grlich, wenn es sich auch den Umständen 
entsprechend in bescheideneren Grenzen bewegte. Das offizielle 
Programm lautete: Donnerstag, den 31. Juli, etablissement du 
*camp, Sonnabend, den 2. August, revue generale, den 4. 
infanterie, den 6. cavalerie, den 8. grenadiers, den 10. lanciers, 
den 12. quarre plein, den 14. mouvement de Tarmee, den 16. 
attaque de cavalerie et infanterie, den 18. Separation. Die 
Anlage des Lagers erinnerte lebhaft an Zeithain. Über einer 
weiten, von der Weichsel und ihren Nebenarmen begrenzten 
Ebene, auf der das Heerlager stand und die Exerzitien statt- 
fanden, ragte auf einer Anhöhe inmitten gärtnerischer Anlagen 
ein einstöckiger Pavillon empor, dessen gefällige Formen den 
Erbauer Pöppelmann nicht verleugneten. Am Fufse desselben 
war die Batterie aufgefahren, die die Signale beim Exerzieren 
gab; der Abhang aber des Hügels nach der Ebene zu stufte 
sich in mehreren Terrassen ab, auf denen die Zuschauer 
Platz nahmen. 



248 Hans Beschorner: 

Eine genaue Beschreibung des ,,Campements zwischen 
dem Caninichenberg und Czernicho" und zwei in Kupfer ge- 
stochene Pläne bietet der Hof- und Staatskalender auf das 
Jahr 1733 S. E3 — F3. Erstere wird ergänzt durch ein amt- 
liches , Journal du pavillon de Belvedere vis -ä- vis du camp 
pres de Varsovie" und durch eingehende ,,Dispositiones" nebst 
,, Signalen", die sich mehrfach in den Akten linden. Von diesen 
dürften die wichtigsten sein: i. Loc. 3640, Akta, das von 
Ihrer Königl. Maj. in Pohlen Augusto II. 1732 bey Warschau 
gehaltene grofse Campement betr., wobey viel Original -Dis- 
positiones und dazu gehörige Original -Zeichnungen. 2. Loc. 
3645, Polonica, das Lager bey Warschau betr., 1732. 3. Ober- 
hofmarschallamt Vol. G. 30^=, Campements bey Czerniakow 
1732 und bei Übigau 1753 betr. 

Wie das Zeithainer, so wurde auch das Czerniachower 
Lager durch ein schönes Kartenwerk verherrlicht, das zwar 
bescheidener gehalten ist, aber auch an Pracht nichts zu 
wünschen übrig läfst. Das ,,sous la direction du G. M. Pauch" 
von ,,Cretien Guillaume Pfundt, Ing.-Capitain", gezeichnete 
Werk m kleinem Querfolio, von dem die Königliche öffentUche 
Bibliothek (Msc. Dresd. J. 13 und Hist. Sax. M. 58) und die 
Bibliothek des Königlichen Generalstabes (BV Nr. 75 21) mehrere 
Exemplare besitzen, führt den Titel: ,, Plans des differents 
exercices et mouvements miiitaires executez (bez. fait[esj) 
par les trouppes [Allemandes] de Sa Majeste le Roi de Pologne 
et Electeur de Saxe au Camp de Belvedere pres de Varsovie 
depuis le premier jusqu'au 26. d'aoust Tan 1732" und besteht 
in folgenden gestochenen Blättern: i. Titelblatt. 2. Plan 
generale du terrain entre laVistule et le pavillon de Belvedere. 
3. Particulier plan du quartier du Roy. 4. Plan du pavillon 
avec les lerras et les parterres, comme aussi d'un part de 
la batterie. 5. Plan du I««^ etage ... du pavillon. 6. Plan 
du W^^ etage ... du pavillon. 7. Elevation du pavillon de 
Belvedere du cote de l'eniree situe au couchant. 8. Elevation 
du pavillon de Belvedere du cote de la grande place d'exercice. 
9. Profil du j^avillon de Belvedere. 10. La revue, 2 plans. 11. 
L'exercice de Tinfanterie, 7 plans. 12. L'exercice de la cavalerie, 
14 plans. 13. L'exercice des grenadiers, 10 plans. 14. L'exercice 
du quarre i)lein, 8 plans. 15. L'exercice des lanciers, 13 plans. 
16. Les mouvements avec toute l'arm^e, 7 plans. 17. L'attaque 
du retranchement, 8 plans. 18. Plan de la Separation de l'armee 

Die Blätter selbst sind, wie schon gesagt, gestochen, 
die Truppejikadres mit der Hand ausgemalt. Handschriftliche 
Erläuterungen sind hinzugefügt. 



Das Zeithainer Lager von 1730. 24^ 

Durchweg mit der Hand sind dagegen drei Exemplare 
in der Königlichen BibHothek (Msc. Dresd. J. 20) und in der 
Generalstabsbibliothek (B V Nr. 7510, zwei Exemplare, davon 
eines unvollständig) hergestellt, die wohl als nicht zur Ausführung 
gelangte Originale anzusehen sind. Sie sind in wesentlich 
gröfserem Format gehalten und weisen einige Blätter auf, 
die sich in den erwähnten Kupferstich-Exemplaren nicht finden. 
Zunächst geht dem Titelblatt ein tigurenreiches Blatt voraus, 
das u. a. links die Batterie mit den 19 sechspfündigen Signal- 
geschützen, rechts die beiden grofsen Artilleriepauken zeigt. 
Unter der Batterie gewahrt man das Campement-Feld in 
seiner ganzen Ausdehnung mit dem Lager, über den Pauken 
dagegen einen Offizier, der das Programm entrollt. Be- 
sondere Aufmerksamkeit darf das in Wasserfarben sehr fein 
ausgeführte Blatt beanspruchen, das auf den Titel folgt und 
durch einige weitere Blätter erläutert wird: ,,Ein Particulair- 
Blatt, worauf zu sehen eine erhöhete Tribüne mit einem 
Machinen -Stuhl und Ihro Königl. Majestät Augustus IL darauf 
sitzende, welcher vor der gehaltenen grofsen Revue im Jahre 

173 1 bey Scholetz ohnweit Warschau auf denen nahe an dem 
Ujasdower Thiergartten gelegenen freyen Plätzen die ersten 
dazu gehörigen Mouvements und Exercitia angeführet und selbst 
commandiret." Die handschrifthchen Werke schliefsen auch 
mit Darstellungen der ,, Separation", doch ist dem aus den 
Kupferwerken .bekannten Blatte noch ein besonderes hinzu- 
gefügt, das eine ,, Vorstellung des Becker -Auffzuges beyn\ 
Schlufs des Campements" bietet und eine Verherrlichung des 
abermals, wenn auch etwas kleiner gebackenen ,, grofsen 
Kuchens" ist. 

Zwei umfängliche Gemälde, die das Czerniachower Lager 

1732 darstellen und von J. Chr. Mock gemalt sind, befinden 
sich im königlichen Schlosse zu Dresden, Prinzessinnengang. 



12. Briefwechsel zwischen August dem Starken und 
Friedrich Wilhelm L von Preufsen wegen des Zeit- 
hainer Lagers. 

Das erste Schreiben, das August der Starke an den König 
Friedrich Wilhelm L von Preufsen wegen des Zeithainer 
Lagers richtete, lautete nach dem eigenhändigen Konzept 
Loc. 2097 Nr. 15 f. 3: 

Nous sommes ä preparer une revue, pour voir en quel etat 
les troupes se trouvent, depuis qu'on s'est donn6 les soins de le^ 



jro Hans Beschorner: 

regier l'annee passee. Ils ne seront pas si brillantes qua les votres, 
mais, s'il }' a des curieux ä les voir, on tächera de donner ä 
la place des spectacles divertissants et comiques des 
militaires. Peut-etre plairont-[ils] autant [plus]. 

Si on save la commodit6, on en fixerait le terme; mais le plus 
comraode serait le mois de may ou septembre oü les chaleurs ne 
sont pas excessives, quoique le dernier est destintS pour la chasse 
durante. 

Wie aus dem Folgenden hervorgeht, ist der Brief Ende 
März oder ganz im Anfang April geschrieben Genaueres 
läfst sich zunächst nicht sagen, da dem Konzepte kein Datum 
hinzugefügt ist, das Original sich aber — wie bei den anderen 
Schreiben auch - bisher weder im Geh. Staatsarchiv, noch 
im Hausarchiv zu Berlin hat ermitteln lassen. 

Noch vor dem 8. April antwortete der König von Preufsen 
mit einer vorläufigen und wohl noch etwas unbestimmt ge- 
haltenen Zusage; denn in einem Briefe von diesem Datum 
(Geh. Staatsarchiv in Berlin, Kabinettsregistratur) nimmt 
August der Starke auf die Zusage Bezug: 

J'attendrai d'ailleurs avec la derniere impatience le 31. du mois 
de may prochain, me flattant d'avoir alors sürement le plaisir 
d'embrasser V. Majest6 ä la revue de mes troupes. 

Die eigentliche förmliche Einladung vom 10. Mai (Kon- 
zept Loc. :o92 Konvolut 124 Nr. 49) hatte folgenden Wortlaut: 

Monsieur mon frere. Quoique V. M. m'ait d6jä fait esperer 
qu'Elle honorerait de Sa prt^sence la revue que je suis r6solu de 
faire de mes troupes, je ne puis me dispenser de depecher expresse- 
ment mon chambellan le comte Lynahr, pour La prier encore une fois 
de ne pas y manquer, mais de se trouver, si Sa commodit6 le Lui per- 
met, le 31. de ce mois avant midi au camp de Radewitz et d'agreer 
l'accueil qu'on tächera de Lui faire pendant le peu de semaines que 
la dite revue durera. Mon unique but en tout ce que je fais, sera 
(Orig. etant) de contribuer, autant qu'il dt^pend de moy, au contente- 
ment de V. M.; je souhaite de tout mon coeur qu'Elle y en trouve 
et qu'Elle en soit d'autant plus convaincue qu'il n'y eut jamais 
d'amili6 plus tendre ni plus sincere (pe celle avec laqvielle je suis 
et serai toute ma vie, monsieur mon Irere, de V. Maj. le bon frere 
ei trfes fidfele ami Fred^ric Auguste. 

Ursprünglich hatte August der Starke den Eingang des 
Einladungsschreibens folgendermafsen gefafst (Loc. 2097 
Nr. 14 f. 8): 

Votre Maj. m'ayant fait esp6rer de me daigner de sa prt^sence 
k la revue de mes troupes, j'öse m'informer, si Elle le trouve agreable 
que ce soit le premier du juin. Je souhaite que je puisse repondre 
k son attente et satisfaclion et Elle attribuera les fautes ä une inac- 
tioi de 18 annees tant de moi que de 16 de mes troupes Si j'ose 
prier que l'arrivee de V. Maj. puisse etre le 30. de may, jour devant 
la revue, . . . 



Das Zeithainer Lager von 1730. 2^1 

Eine zweite Formulierung (eb. f. 7* und 7^) lautete: 

Une inaction de 18 annees me devrait faire hesiter de faire 
voir aus yeux eclaires les fautes qui se pourraient faire voir aux 
manoeuvres militaires, mais pour faire plaisir ä V. M., je rappellerai 
en ma memoire ce que mon age d'experience a laisse en memoire. 

Beide Textgestaltungen verwarf aber der König aus den 
vorn S. 80 angedeuteten Gründen und wählte die zuerst mit- 
geteilte. Der Eingeladene antwortete mit folgendem, Berlin, 
den 13. Mai 1730, datierten Briefe (Loc. 2092 Konvolut 123 
Nr. 26): 

Monsieur mon frere. J'ai re^u avec une tres sensible satisfaction 
la lettre du 10. de ce mois dont V. Maj. m'a honore et par laquelle 
il Lui a plu de m'inviter le plus obligeamment du monde pour la 
prochaine revue de ses troupes. Votre Maj. aura la honte d'etre 
persuadee qu'Elle n'aurait pas pu me faire un plus grand plaisir que 
de me rendre temoin de Ses justes dispositions dans l'exercice de 
la guerre et de la bonte de Ses troupes. Ainsi V. Maj. peut etre 
assuree qu'il n'y aura rien qui m'empecherait de me trouver le jour 
appointe ä Son camp de Radewiz. J'y trouverai certainement tous 
les Sujets d'un vrai contentement, mais aucun m'egalera celui d'em- 
brasser dans la personne de Votre Majeste mon meilleur ami, de 
jouir de l'honneur de Sa conversation et de Lui temoigner de bouche 
l'amitie la plus parfaite et la plus tendre avec laquelle etc. 

Gewissermafsen zum Danke für die Einladung liefs 
Friedrich Wilhelm I. am 24. Mai 1730 (Loc. 2097 Konvolut 123) 
August den Starken bitten, bei seinem gerade in diesen Tagen, 
am 23. Mai, geborenen Prinzen, der nach dem Kurfürsten 
von Sachsen zuvorkommenderweise August getauft wurde, 
Pate zu stehen: 

Monsieur mon frere. Mon major g^n^ral de Truchsess 6tant 
sur son d^part, pour aller faire sa r^verence k Votre Majeste et 
reprendre ses fonctions aupres de Sa personne, je lui ai ordonn6 
de L'assurer bien fortement de mes sentiments de tendresse. II aura 
d'ailleurs l'honneur d'apprendre ä Votre Majeste la nouvelle de 
l'heureux accouchement de mon epouse qui vient de me regaler 
d'un bon et brave gar9on. C'est ce qui m'a porte de choisir Votre 
Majeste comme mon meilleur ami pour parrain de ce eher fils qui 
a re9U aujourd'hui avec le bäpteme le nom d' Auguste. Je me flatte 
que Votre Majeste l'agreera et qu'Elle prendra part ä cette joye 
de ma famille. Elle y ajoutera, s'il Lui plait, la bonte de croire 
que personne ne sauroit etre avec tant de zele ni tant d'amitie, que 
je le suis etc. 

König August nahm natürlich die Patenstelle an und 
liefs seinen Dank am 28. durch den Generalleutnant von Pflug 
übermitteln, wobei er abermals seine Ungeduld versicherte, 
mit der er den glücklichen Augenblick erwarte, wo er die 
Genugtuung haben würde, seinen Freund zu umarmen. 
(Schreiben vom 27. Mai im Geh. Archiv zu Berlin.) 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIU. 3-4. ^7 



2C2 Hans Beschorner: Das Zeithainer Lager von 1730. 

Am 26. Mai nahm der Preufsenkönig noch einmal Gelegen- 
heit, seinem königlichen Freunde in Sachsen seine grofsen 
Erwartungen wegen des Zeithainer Lagers zu bekunden: 

Monsieur mon frere. Je ne saurois laisser partir mon general de 
Grumckow qui prend le devant pour rendre ses devoirs ä Votre Maj., 
sans le charger de ces marques de ma constante tendresse. II ne 
manquera pas de Lui faire un fidele rapport del'extreme impa- 
tience quej'aid'embrasser Votre Majeste et de voir Sa belle armee. 
Assurement je compterai les moments qui doivent me procurer cette 
sensible satisfaction, ayant l'honneur d'etre avec l'amitie du monde 
la plus parfaite etc. 

Das Dankschreiben, das Friedrich Wilhelm nach seiner 
Rückkehr am 30. Juni aus Berlin nach Dresden richtete, be- 
findet sich ebenfalls Loc. 2092 Konvolut 123 und lautet: 

Monsieur mon frere. J'ai l'honneur de mander ä Votre Maj. 
que je suis heureusement arrive ici, tout ä fait penetre des grandes 
civilites dont Elle a eu la bonte de me combler pendant mon sejour 
au campement de Radewiz. Ainsi Votre Maj. agreera, s'il Lui plait. 
que je Lui an marque ici une partie de mes obligations infinies et 
l'extreme satisfaction que j'ai ressentie et que je ressens encore 
d'avoir ete temoin de tous les beaux mouvements de Sa belle armee 
que j'ai trouvee dans le meilleur ordre du monde. Comme 
j en ai tire autant de profit et de plaisir que tous mes 
officiers qui ont eut l'honneur d'y assister, je prie Votre 
Majeste de croire que j'en onserverai toute ma vie un continuel 
Souvenir et une tres vive leconnaissance. Votre Majeste me fera 
aussi la justice d'etre bien persuadee que je n'oublierai jamais ce 
qui Lui a plu de me dire confidamment le jour de mon depart, et 
que j'en ferai un bon usage. Au reste je meurs d'envie de donner 
ä Votre Majeste des nouvelles preuves de la plus tendre et sincere 
amitie et de la haute estime que j'ai pour Elle et avec laquelle etc. 

Den Formen der Höflichkeit genügend, antwortete August 
am 5. Juli (Geh. Staatsarchiv zu Berlin): aus dem letzten Briefe 
habe er mit Befriedigung ersehen, dafs Se. Majestät ,,est 
heureusement revenue chez Elle et qu'Elle a ete contente 
du sejour qu'Elle a fait au camp de Radewitz et de Taccueil 
qu'on y a plu lui faire et aux officiers de Sa suite. La satis- 
faction qu'Elle m'en temoigne, est un pur effet de Sa bonte 
c|ui La porte ä agreer tout ce qui s'y est fait pour La 
desennuyer. Ce qui me rejouit le plus, c'est que l'accident 
que V. M. avoit ä Sa main droite, n'a pas eu de suite, surtout 
apres les fatigues du jour de la chasse". Der hier erwähnte 
,, Unfall mit der rechten Hand" kann sich nicht auf das 
Chiragra beziehen, von dem S. 74 die Rede war; vielmehr 
mufs der König noch ein besonderes Unglück gehabt haben, 
wie es scheint, ganz zuletzt nach der Jagd. 



VII. 

Christian Benjamin Geifsler. 

Ein Beitrag zur Geschichte der Bauernunruhen d. J. 1790. 



Von 
Hellmuth Schmidt. 



Nachdem sich seit dem Mai 1790 die Bauern im Meifsner 
Hochland gegen die Mifsstände, die aus dem übermäfsigen 
Wildhegen erwuchsen, in tumultuarischer Selbsthülfe erhoben 
hatten, wurde im JuU dieses Jahres in der Gegend von Lieb- 
stadt und Lauenstein ein erster Versuch unternommen, mit 
einem allgemeinen Revolutionsprogramm unter dem Landvolk 
einen Aufruhr zu erregen ^j. Der Tumultaufruf, der zu diesem 



') Vgl. Pölitz, Die Regierung Friedrich Augusts, Königs von 
Sachsen I, 22 4 ff., Gretschel, Geschichte des Sächsischen Volkes und 
Staates III, 23if., Böttger-Flathe, Geschichte des Kurstaates und 
Königreiches Sachsen II, 605 ff. und meine Abhandlung: „Die säch- 
sischen Bauernunruhen d. J- 1790", die im VII. B. der Mitt. d. Ver. 
f. Geschichte Meifsens erscheinen wird. — Die hier gegebene Dar- 
stellung beruht auf folgenden Akten des HStA.: 

1. Acta die unterm Landvolcke im Jahre 1790 ausgebrochenen 
Unruhen betr. Vol. I. Anno 1790. (Loc. 30749.) 

2. Acta die unter dem Landvolcke wegen der den Gerichts- 
herrschaften zu leistenden Dienste . . . entstandenen Un- 
ruhen . . . Anno 1790. Geh. Gab. Canzley. Vol. I. und IV. 
(Loc. 1095.) 

3. Acta commissionis entgegen den Seiler in Liebstadt, 
Christian Benjamin Geifsler, wegen ausgebreiteter auf- 
rührerischer Schriften. Anno 1790. (Amtsgericht Dresden 
Nr. 740.) 

4. Acta Bauernunruhen Anno 1790 betr. (Loc. 5513.) — Sie 
werden mit der in Klammer beigefügten Locatnummer bez. 
laufenden Nummer zitiert. 

17* 



254 



Hellmuth Schmidt: 



Zwecke unter den Bauern verbreitet wurde, ist in mehreren, 
unter sich übereinstimmenden Abschriften in den Akten er- 
halten^); als zuverlässigste Erkenntnisquelle für Wesen und 
Ziel der Aufstandsbewegung verdient er eine wörtliche 
Wiedergabe. 

Pro Memoria. 

Dem Städtchen Lauenstein wird hiermit wifsend gemacht, dafs 
nach reif 1. Überlegung endl. der Schlufs gefafst worden, eine glückl. 
Revolution zu machen, u. sind wir zu unserm Endzweck auf die 
i6. bis 18000 Mann in Bereitschaft. Unser eigen Wohl erfordert 
dieses, auf das schleunigste es ins Werk zu setzen, indem man in 
Erfahrung gebracht, dafs wenn wir nicht Ernst brauchen, eine der 
blutigsten Revolutionen ehester Tage ausbrechen wird. Unsere Ge- 
sinnungen dabey sind also diese; dafs wir lieber, anstatt Sachsens 
Unglück noch gröfser zu machen, dafs es wohl vollends gar zur 
Mördergrube werden könne, mit Gottes Hülfe weifsl. Gegenanstalten 
zu treffen, und unser geliebtes Vaterland lieber glückl. als unglückl. 
machen wollen. Wir wollen unsern theuersten Landesvater in unsere 
Mitte nehmen und wollen ihm Sachsens Unglück und Noth mit 
Nachdruck vorstellen, damit er sich ferner mit uns und wir mit ihm 
freuen, und ruhig und vergnügt leben können. Erstl, wollen wir 
uns insgesammt mit klingenden Spiel und fliegender Fahne bis in 
die Gegend Dresdens rücken, und hat sich ein Jeder dabey bis auf 
ein Paar Tage zu proviantiren. Da wird ein Commando von uns 
nach Pilnitz gehen, um dem Churfürsten unsere Gesinnungen vor- 
zutragen, von da werden wir mit unserm theuersten Landesvater 
einen triumphirenden Einzug in die Residenz Drefsdens halten. 

Unser Vortrag ist dieser: 

I., verlangen wir, dafs alle und jede Personen, die bishero 
Sachsenland unglückl. gemacht, gänzl. ihrer Würden u. Aemter ent- 
setzt u. nach Befinden groser Betrügereien auch ihre Güther con- 
fiscirt und zum gemeinen Besten angewendet werden sollen. 

2., wird national Garde vor unsern Churfürsten errichtet, eine 
zu Fufs und eine zu Pferde. Diese mufs aus Männern bestehen, zu 
denen man das Zutrauen haben kann, dafs sie für des Landes Wohl 
stets wachsam sind. Die zu Fufs ist beständig um den Landes- 
herrn, und ihr Chef mufs eine ansehnl. Bedienung bej' Hofe haben, 
damit sich keine Landesbetrüger mehr bey unsern Landesherrn ein- 
schleichen können. Die Garde zu Pferde soll des Landes Wohl be- 
sorgen, und genau auf alle Ungerechtigkeiten im Lande acht haben. 

3., Das Accis Wesen wird auf einen Fufs gesetzt, damit 
Sachfsenland sich nicht ferner Gottes Strafgerichte, mit so vieler 
schwerl. Entheiligung seines heil. Namens ausgesetzt seyn darf. 

4., Denen Rittergutsbesitzern werden engere Schranken gelegt, 
damit sie nicht mehr wie bisher geschehen, das Land zur Wüste und 
Einöde von Gerechtigkeit machen können. 

5., Hegungen des Wildes werden ferner nicht geduldet, indem 
solches viel zu den steten Fruchtmangel beiträgt. 

6 , Keine Juris practici werden ferner geduldet, die nicht wirkl. 
Gerichts Bestallungen haben, indem diese Blutigel das Land auf 
eine erbärml. Weise aussaugen. 

') Loc. 30749. Bl. I. Auszüglich bei Gretschel a. a. O. III, 232. 



Christian Benjamin Geifsler. 255 

7., Dem geistl. Ministerio müssen Verfassungsregeln gesetzt 
werden, welche der Ehre Gottes gemäser und unserer geheiligten 
christl. Evangel. Lehre heilsamer als bishero geschehen. 

8., wegen Fleisch- und Tranksteuer sind wichtige Erinnerungen 
zu machen. 

Auf Genehmigung dieser Punkte, wird mit dem gröfsten Eifer 
gehalten werden, und sind wir genöthiget, uns nicht das geringste 
vormachen zu lassen. Es ist die höchste Zeit, ein mal sehen zu 
lassen, dafs wir immer noch die alten braven und tapfern Sachfsen 
sind, die vor der Hand nur durch Tiranney und Druck, so klein- 
müthig geworden, aber nun ist die höchste Zeit vor den Rifs zu 
stehen, dafs unsere Mitbrüder schon vorgebohret haben. Denn 
liefsen wir uns dieses mal einschläfern, so werden wir in eine solche 
Sclaverej' gerathen, woraus keine Rettung mehr zu hoffen. Es wird 
aber auch zugl. einem jeden Orte angedeutet, durchaus keinen 
Pöbel mitzunehmen, und mufs ein jeder Ort allen Unfug der durch 
die Seinigen entstehen möchte, haften, indem wir in allen Stücken 
als vernünftige Sachfsen und nicht wie Franzosen und wüthende 
Niederländer handeln wollen, indem unser Endzweck dieser ist, des 
Vaterlandes Wohl und unsers Fürsten Glück auf einem dauerhaften 
Grund zu befestigen, damit wahre Frömmigkeit und gute Sitten in 
unserm Vaterlande wieder in thätige Ausübung kommen, nur der 
liebe Gott, als der Beherrscher alles lebendigen Fleisches wieder 
wie vor unsern Zeiten sein gnäd Wohlgefallen an unserm Sachfsen 
haben möge, dafs unser Land wieder zu einem so fruchtbaren Garten 
des Herrn wie ehedem werde, da sein Volk die Sachsen vor guter 
Wonne jauchzen, und die Herden in den fetten Auen und auf allen 
Hügeln und Bergen scherzten. Seyd Männer, gute Christen und 
treue Bürger Sachsens wie unsere Väter die tapfere Sachsen waren; 
so wird der liebe Gott Segen zu diesem wichtigen Schritte geben. 
Dieses wird aber auch zugl. allen und jeden Ortschaften angedeutet, 
dafs sie sich gleich nach Verlesung dieses aufmachen, der Sammel- 
platz von Lauenstein und Bärenstein ist in Liebstadt, Geisingen, 
Altenberg u. Glashütte und Dohna, derjenige Ort aber, der sich 
erkühnen sollte, die Citation nicht zu respectiren, kann sich einer 
fatalen Plünderung ausgesetzt sehen und an keinen erlangten Vor- 
theil Antheil haben. 

Dieser Aufruf und eine zweite längere Schrift ähnlichen 
Inhalts wurden dem Richter von Dittersdorf (einer Gemeinde 
im Gerichtsbezirk Lauenstein) am 8. Juli 1790 von einem 
ihm unbekannten Manne, der in der Frühe zu kurzer Rast 
in seinen Gutshof einritt, zur weiteren Bekanntmachung über- 
geben und von dem Richter seinen versammelten Bauern 
vorgelesen. 

Am selben Tage kam ein Reiter zu dem Richter des 
Dorfes Börnchen und forderte ihn auf, sich bei dem Ditters- 
dorfer Richter nach einer von ihm dort abgegebenen Schrift 
zu erkundigen und sie in Abschriften zu verbreiten. 

Einige Bauern hatten in dem Reiter den Seiler Christian 
Benjamin Geifsler aus Liebstadt erkannt, in Liebstadt selbst 
war bemerkt worden, dafs dieser Geifsler am S.Juli zu Pferde 



2e6 Hellmuth Schmidt: 

vor sein Haus geritten und hineingegangen war, einen Degen 
umgeschnallt und eine Kokarde von weifsem Papier auf 
seinen Hut gemacht hatte, abends dann bei einem Bürger 
zu Biere gegangen war und da im Rausch unter anderem 
geäufsert hatte: ,, Morgen werde ich mit 40000 Mann in 
Pillnitz seyn und dem Chur Fürsten ein Memorial übergeben". 

Der Gerichtshalter des adlich Carlowitzischen Gerichtes 
in Liebstadt erfuhr in Pirna, wo er seinen Wohnsitz hatte, 
am 9. Juli abends, dafs ,, reitende Boten mit aufrührerischen 
Briefen von Liebstadt aus in die benachbarte Gegend ge- 
gangen sein sollten", und begab sich daraufhin am 10. Juli in 
aller Eile nach Liebstadt. Als er dort auf Grund seiner Er- 
kundigungen eben Anstalten machte, Geifsler zu arretieren, 
traf er den Geheimen Rat von Bünau, den Schlofsherrn von 
Lauenstein, und bekam von ihm die zwei Tumultaufrufe 
Geifslers zu lesen, die man in Dittersdorf dem Herrn von 
Bünau als dem Gerichtsherrn ausgeliefert hatte. Bei der 
Festnahme Geifslers fanden sich noch zwei ähnliche Aufrufe 
unter seinen Papieren, und Geifsler gab beim Verhör unum- 
wunden zu, alle vier Schriftstücke geschrieben zu haben, er 
leugnete aber, dafs er sie selbst verfafst hätte, und gab an, 
ein ihm unbekannter Mann sei am 7. Juli ihm auf dem und 
dem einsamen Waldwege begegnet, habe mit ihm zunächst 
,,von dem Mangel der Nahrung und der Theuerung" gesprochen 
und dann die vier Schriften zum Abschreiben und Verbreiten 
ihm eingehändigt und dabei unter anderem gesagt: ,,in 
Dresden sey eine grofse Rebellion auf dem Tapete und da 
sey zu befürchten, dafs es auf Französische Art gehen möchte, 
durch diese Schriften solle vorgebeugt werden, damit das 
Land und der Landes Herr nicht unglücklich würden. ... Es 
dürften die Leute sich keine Gedanken darüber machen, es 
bringe Niemanden einige Gefahr, denn es ständen grofse 
Männer dahinter". Am nächsten Tage ist nach Geifslers 
Aussage der Unbekannte einer Verabredung gemäfs wieder 
mit ihm zusammengetroffen und hat sich die Originale der 
Aufrufe von Geifsler wiedergeben lassen, hat ihm nochmal 
Mut zugesprochen und ihm dann auch seinen Namen ge- 
nannt: ,,er hiefse Bibra und wohne auf dem Neumarkt in 
Dresden neben des Kaufmann Schmidt Laden in dem Hause 
linker Hand, wenn man vom Neumarkt her komme, parterre". 

Noch vor Geifslers Festnahme in Liebstadt und vor 
seinem Verhör waren in Dresden die ersten Schritte in dieser 
Angelegenheit getan worden. Vermutlich hat der Geheime 
Rat von Bünau sogleich, nachdem ihm der Tumultaufruf in 



Christian Benjamin Geifsler. 257 

die Hände gekommen ist, durch einen reitenden Boten von 
allem in Dresden Anzeige gemacht: denn schon am 9. Juli 
nachmittags, also etwa 24 Stunden später, als der Aufruf in 
Dittersdorf verlesen worden war, bekam in Dresden der 
Kanzler von Hopfgarten jene eingangs wiedergegebene Ab- 
schrift davon im Geheimen Konsilium zugestellt. Er teilte sie 
sofort den versammelten Geheimen Räten mit und liefs sie 
dem Amtmann von Pirna sowie den Beamten der benach- 
barten Ämter in Kopien und von einer Instruktion begleitet 
noch am selben Tage übersenden. ,,Auf eine behutsame Art" 
sollten diese Beamten in Erfahrung bringen, ob etwa ähnliche 
Aufrufe auch in anderen Gegenden verbreitet würden oder 
irgendwo Unruhen zu spüren w^ären. ,,Mit Güte und durch 
glimpfliche Vorstellungen" sollten sie dann solchen eventuellen 
tumultuarischen Bewegungen entgegentreten und ,,nur im 
Falle solches nichts fruchtete, durch das Aufbieten der Amts- 
folge oder im äufsersten Notfalle und dann mit der gröfsten Be- 
hutsamkeit und Mäfsigung" durch Heranziehung der zunächst- 
stehenden Truppen die Ordnung wahren. Das gleiche Datum 
wie diese Instruktion an die Beamten trägt das Konzept eines 
Berichtes an den Kurfürsten, in dem der Kanzler seine Mafs- ' 
nahmen darlegt und eine Anweisung des Militärs zur Assistenz 
der Zivilbehörden dem Kurfürst ,,submissest" anheimstellt. 

Man nahm es in Dresden sehr ernst mit der ganzen 
Angelegenheit. Als die Regierung am 10. Juli — freilich nur 
gerüchtweise — erfuhr, der unbekannte Reiter, der die 
Tumultaufrufe in Dittersdorf abgegeben hatte, sei der Seiler 
Geifsler aus Liebstadt gewesen, sandte sie dem Amtmann 
von Pirna zu der Instruktion des vorangehenden Tages sofort 
noch eine besondere Anweisung, die dahin ging, „gedachten 
Geifsler, wenn sich die Nachricht bestätiget, zu arretieren 
und ins Amt Pirna bringen zu lassen". Geifsler war, wäe wir 
wissen, am 10. Juh morgens bereits in Liebstadt durch den 
Gerichtshalter festgenommen worden; am 11. Juli wurde er 
in aller Frühe nach Pirna in die Amtsfronfeste transportiert 
und die Untersuchung gegen ihn fortgesetzt. In einem Privat- 
brief vom 1 3 . JuH legte der Kanzler dem Pirnaer Amtmann 
noch besondere Sorgfalt für Geifslers sichere Bewachung 
ans Herz, aber ehe der Brief abging, kam am 13. Juli 
mittags vom Kurfürsten der Befehl, Geifsler solle von Pirna 
nach Dresden gebracht und vom Dresdner Oberamtmann 
die Untersuchung weitergeführt werden. 

Einige Piketts vom Infanterie - Regiment Hartitzsch 
sicherten den nächtlichen Transport des ,,wohl und fest ge- 



258 Hellmuth Schmidt: 

schlossenen" Inkulpaten, und in der Dresdner Fronfeste 
wurde er in einem „besonders wohlverwahrten" Gefängnisse 
eingekerkert, ,,in welchem ehedem der berüchtigte Wochatz 
aufbehalten worden". Die weitere gerichtliche Untersuchung 
wurde noch am Tage von Geifslers Einbringung durch ein 
besonderes Reskript des Kurfürsten an die Landesregierung 
und deren entsprechende Instruktionen an den Oberamtmann 
geregelt und bezweckte zunächst die Aufklärung der Ver- 
fasserschaft der vier aufrührerischen Schriften. Jenen Bibra, 
den Geifsler als Verfasser in Liebstadt angegeben hatte, suchte 
man durch den Dresdner Rat ausfindig zu machen. Aber 
alle Bemühungen blieben erfolglos, obwohl in den Logis- 
Expeditions-Registern nachgeschlagen wurde und man alle 
Briefträger insgeheim ausfragte: schHefslich gestand Geifsler 
dem Amtmann ein, dafs seine Angaben über jenen Bibra 
unwahr und zu seiner eigenen Entlastung von ihm er- 
funden seien, 

Das Protokoll des Verhörs vom 16. Juli und der darauf 
und auf die Pirnaer Akten gegründete abschliefsende Bericht 
des Dresdner Oberamtmanns vom 20. Juli erhellen uns die 
Geifslersche Angelegenheit in allen Einzelheiten. In dem 
Protokoll findet sich auch eine eiofenhändipfe Unterschrift 
Geifslers: sie zeigt feste und gewandte, nur bei dem G ver- 
schnörkelte Schriftzüge. Geifsler besafs eine für seinen Stand 
nicht gewöhnliche Bildung. 1743 war er als Sohn des 
Schulmeisters in Holzkirchen bei Lauban geboren, seine 
Mutter war dort Kammerjungfer bei der Schlofsherrschaft 
gewesen. In herrnhutischer Sphäre, auf dem Pädagogium zu 
Markthennersdorf, war er dann erzogen worden, und daher 
stammt wohl jener eigenartige Einschlag religiöser Motive in 
seinen Ideen. Eigentlich sollte Geifsler Schulmeister werden; 
da ihm aber die Neigung dazu mangelte, gab man ihn in 
Görlitz zu einem Seiler in die Lehre. Auf der Wander- 
schaft kam er dann als Geselle nach Liebstadt, heiratete 
dort mit 22 Jahren eine Tochter des herrschaftlichen Ver- 
walters'), entlief aber zweimal seiner Seilerwerkstatt, um 
Soldat zu werden: 7 Monate war er Pfeifer in einer säch- 
sischen Grenadier -Kompagnie, später nahm er einmal von 
den Preufsen Handgeld , bis seine Frau nach ^^ ]^^^ durch 



') Vgl. Kopulationsregister des Liebstadter Kirchenbuchs anno 
1765 Eintrag 8. — Das Ehepaar verlor 1778 sein einziges Kind und 
adoptierte 1779 die Tochter eines preufsischen Soldaten „aus christ- 
licher Liebe". 



Christian Benjamin Geifsler. 259 

Zahlung von 20 Talern es ihm ermöglichte, den bunten Rock 
wieder auszuziehen und nach Liebstadt zurückzukommen. 
Dort trieb er nun sein Handwerk weiter, aber von seiner 
kümmerlichen Alltagsarbeit schweifte er wenigstens in Ge- 
danken oft wieder hinaus in die grofse Welt; am Sonntag 
und wenn ihm sonst Zeit übrig blieb, las er geistliche und 
historische Schriften, er hielt sich den „Teutschen Mercur", 
und 1772 trat er sogar selbst literarisch hervor mit einem 
,, Sendschreiben" in der literarischen Fehde des Döbelner 
Diakonus Sillig mit dem Stadtschreiber Wolf in Rofswein. Den 
Beginn und Fortgang der französischen Revolution verfolgte 
Geifsler aus seinem weltentlegenen Gebirgsstädtchen mit der 
lebhaftesten Spannung. Als er aber die Ideen dieser Be- 
wesfunof sich so rasch auch diesseits des Rheines verbreiten 
sah, wurde in ihm die Besorgnis rege, ,,dafs vielleicht in 
Dresden, da so eine grofse Anzahl Pöbel daselbst sei, eine 
Revolution ausbrechen könnte, wodurch dem Landvolke 
der empfindlichste Stofs versetzt werden dürfte", und, um 
einer solchen mifslichen Wendung der Dinge zuvorzukommen, 
hat er nach seiner Aussage jenen Zug der Bauern nach 
Pillnitz auf dem Wege der Selbsthülfe ins Werk setzen und 
„dem Kurfürst die allgemeinen Klagen des Landes zur Be- 
herzigung vorbringen" wollen. Sich selbst hoffte er dadurch 
„bei den Leuten ein Ansehen" zu verschaffen; ,, hiemächst 
hätte er auch die Absicht gehabt, sich unter der nach seinem 
entworfenen Plane zu errichtenden reitenden National-Garde 
zu engagiren in der Hoffnung zu avanciren; denn letzteres 
und einst bis zum Obristen hinaufzusteigen, wäre überhaupt 
seine Idee gewesen, so oft er sich beym Militari engagiret 
hätte". — Die vier Schriften habe er ganz allein, ohne eines 
anderen Menschen Beihülfe und Mitwissenschaft innerhalb 
4 Wochen heimlich entworfen, ,,die data dazu theils aus dem 
, Teutschen Mercur', theils aus dem Gerüchte im Publico 
hergenommen. Wenn er etwas gehört hätte im Publico, so 
hätte er wiederum einen Punkt angemerket". 

Ganz bestimmt war in dieser Weise aus dem politischen 
Tagesgespräch der Kreise, in denen Geifsler sich bewegte, 
der Punkt seines Programms entnommen, der die Aufhebung 
alles Wildhegens forderte. Darin war Geifsler ganz und gar 
Wortführer der gesamten bäuerlichen und kleinstädtischen 
Bevölkerung im oberen Müglitztale: denn gerade in diesen 
wald- und wildreichen Gegenden hatte die Kunde von dem 
erfolgreichen Vorgehen der rechtselbischen gebirgischen Bauern 
gegen den unerträglichen Wildschaden sofort auf aller Lippen 



260 Hellmuth Schmidt: 

jene Forderung laut werden lassen. Mit grofsem Geschick 
hat Geifsler die Erregung, die das verursachte, für seine 
persönlichen, weitergehenden Absichten nutzbar gemacht. Bei 
dem Dittersdorfer Richter zum Beispiel, dem er fremd war, 
hat er sich eingreführt und seine Überredungsversuche be- 
gönnen mit einem Gespräch über die Wildabschiefsung: ,,Wie 
es um die Jagd aussähe, ob sie schössen", hat er nach seiner 
eigenen Aussage zunächst den Richter gefragt, imd als dieser: 
„Bis dato noch nicht" erwidert, gerufen: ,,Nun hört doch 
alles auf". Hiernächst habe er ihn gefragt: ,,0b er ein ge- 
treuer Sachse sei . . ." usw. 

Der Dresdner Oberamtmann beurteilt am Ende seines Be- 
richtes Geifsler auf Grund seiner persönlichen Eindrücke mit 
einem gewissen Wohlwollen: er betont, dafs seine Unter- 
nehmung eigentlich aus einem freilich irregeleiteten Patrio- 
tismus entspringe, vor allem aber vermutlich aus einer perio- 
disch auftretenden, eigentümlichen Geistesstörung Geifslers 
zu erklären sei, deren sich der Inkulpat auch selbst jetzt be- 
wufst wäre. 

Diese Behauptung des Dresdner Oberamtmannes schien 
geeio-net, die ganze Angelegenheit in ein neues Licht zu rücken, 
und so suchte man mit tunlichster Beschleunigung Klarheit 
darüber zu schaffen, ob eine zeitweise Unzurechnungsfähigkeit 
bei Geifsler wirklich festgestellt und für die Zeit seiner Tat 
mit orenügender Sicherheit angenommen werden könne. Am 
2. August wurde Geifsler in seinem Gefängnisse von dem 
Gerichtsarzt auf Befehl des Kurfürsten eingehend untersucht, 
worüber in den Prozefsakten ein genauer Bericht des Arztes^) 
erhalten ist, der für Geifslers Wesensart wertvolle neue An- 
gaben bietet und vor allem wegen der hinreichend ausführ- 
lichen Schilderung der beobachteten und erfragten S3'mptome 
heute noch bis zu einem gewissen Grade eine Nachprüfung 
des Resultates ermöglicht. Er lautet wie folgt: 

prs. den 6ten Aug. 1790. 

Höchstem Befehle gemäs und auf schriltl. Requisition E.Wlöbl. 
Ammtes alhier habe ich Endes Benannter mich Dato zu dem im. Ammts- 
Arrest-Hause befindlichen Christian Benjamin Geifsler begeben, um 
dessen Gemüthszustand zu exploriren und ein gründliches Gutachten 
dieserhalb einzureichen. 

Zu Erreichung dieser Absicht habe ich mich mit Geifslern in 
eine Unterredung, die i Stunde lang gewähret, eingelassen und den 
Anfang mit der Frage gemacht: 



') AG. Dresden Nr. 740, Bl. 27. 



Christian Benjamim Geifsler. 261 

I., Wie befindet er sich auf das Aderlassen? 

Antw. : Vormittags ist mir Angst ums Herz. Ich habe gedacht, 
die Angst käme mir wegen der Meinigen, aber nun sehe ich, dafs 
es ganz was anders ist. Diese Angst kann ich Niemand beschreiben, 
sie mag wol von der gegenwärtigen Ruhe und Mangel an Be- 
wegung herkommen p. 

Ich fragte ferner: 

2., Hat er denn diese Angst auch sonst schon gehabt? 

Antw.: Ja! aber nur wenn die Zeit zum Aderlassen da war, 
darnach war's besser. 

Weiter: 

3., Hat er viel Krankheiten ausgestanden und welche? 

Antw.: In der Jugend habe ich das kalte und in 7jährigen 
Kriege das hitzige Fieber gehabt. — Bey fernerm Unterreden über 
diese Krankheiten und über seine Lebensart sagte er noch, was 
maasen er im g^en und loten Jahre seines Alters öfters aus der 
Nase geblutet habe p. 

4., Die Frage: Hat er guten Appetit? beantwortete er also: 

Antw.: Ja, den hätte ich wol, wenn ich nur immer das hätte, 
was mir bekommt; man kann nicht alle Speisen kalt essen, und 
gleichwol darf ich zu der Zeit, wenn mich meine gewöhnliche 
Angst befällt, gar nichts Warmes essen und trinken, sondern alles 
so kalt, als nur möglich, sonst wirds schlimmer. Da Geifsler auf 
diese Antwort tief stöhnte und ausrief: Ja, Du lieber Gott! so wurde 
die Frage aufgeworfen: 

£., Was hat er denn für einen Beichtvater? 

Antw.: N. N. Es ist ein braver Mann, fragen sie nur den, was 
er von mir hält; ich communicire 4 mal im Jahre p. Ich wolte das 
Wort nehmen, allein Geifsler fiel mir drein, sagend: Vorige Woche 
sehnete ich mich sehr nach Trost, da kam einer, ein Geistlicher 
(Lothius) aber mit Moses Donnerstimme und das war hart für mich, 
weil ich mich gerade zu der Zeit für Gott geschmieget und meine 
Handlungen bereuet hatte und mich nach Tröste sehnete. — Er 
schwieg einige Augenblicke stille und brach denn sehr heftig in 
diese Worte aus: Wenn ich nur Schreiberey hätte! Schreiben, ja, 
schreiben, das ist meine Sache, ich wolte gern alles, was ich schreibe, 
ins Amt geben p, — Er sprach vom Versemachen und sagte darauf 
indem er auf die Thür zeigte: Die nach mir in dieses Zimmer 
kommen, können aus dem, was ich mit einer Stecknadel an diese 
Thür geschrieben, viel Gutes abnehmen p. — Jetzt fragte er mich: 
Ist nicht heute der 2te August? Ich bejahete es und er fuhr so- 
gleich fort und sagte: Es ist mir be3-gefallen , dafs der August der 
wohlthätigste im Jahre ist; da nun unser Gnädigster Churf^irst 
August heifset, so habe ich gewünschet, dafs Seine bekannte Wöhl- 
thätigkeit auch auf mich würken und in Seiner Seele ein mitleidiger 
Gedanke für mich erwecket werden möchte. Er wurde sehr beredt 
und würde hier vieles gesprochen haben; allein ich suchte ihn nach 
Möglichkeit abzubringen, konnte ihn aber dennoch nicht hindern, 
folgendes annoch zu sagen, nämlich: Nun, soviel weifs ich, dafs, 
wenn ich nur einmal wieder frey bin, kein Mensch redlicher seyn 
und alle Menschen mehr zur Treue und Gehorsam anmahnen soll, 
als ich p. Seine Beredsamkeit nahm sehr zu und ich muste seinem 
Eifer durch die Frage: 



2^2 Hellmuth Schmidt: 

6., Wer waren denn seine Eltern ? Grentzen setzen. 

Nachdem er dieses beantwortet, fragte ich anderweit: 

7., Ob ihm nicht wissend, dafs einer derselben, oder aus seiner 
Freundschaft eben die Angst empfunden habe, über welche er oben 
(Quaest. 1., u, 2.,) gesagt, empfunden hätte, welches er sofort be- 
jahete und, dafs seines Grofsvaters Bruder, ingleichen seines Vaters 
Bruder, in ihren rüstigen Jahren ebenso gewesen, anführete, mit 
dem Zusätze, es verlöhre sich aber von selbst und mit ihm würde 
es auch bald vorüber gehen p. 

Noch mufs ich bemerken, dafs ich durch die gantze Unter- 
redung hindurch die Rede öfters abgebrochen und auf den Soldaten- 
stand und besonders auf das durch diesen Stand zu machende 
Glück gelenket und jedesmal wahrgenommen habe, dafs er beredt 
wurde und sein Gesicht sich aufklärte. Nichts aber brachte diese 
Würkung mehr hervor, nichts hatte mehr Einflufs auf sein Gemüth, 
als wenn man seine Handlung, Geschicklichkeit, Einfälle p. be- 
wunderte und lobte. So schien er stolz darauf za seyn, dafs er 
unter, oder mit adelichen Kindern erzogen worden und sagte ganz 
frey, dafs dabey die groben Spähne abgefeilet worden. Desgleichen 
freuete er sich inniglich darüber, dafs er auf seinem Grunde und 
Boden einen Quell, 'dessen Wasser gelind laxire. entdecket und ihn 
zu seinem, als des Erlinders Andenken, Geifslers Brunnen, wie 
Jakob den seinigen Jakobs Brunnen, genannt habe pp. 

Mein pflichtmäsiges Gutachten über den Gemüthszustand 
Christian Benjamin Geifslers ist demnach folgendes: 

Christian Benjamin Geifsler ist cholerisch - melancholischen 
Temperaments, welches seiner trockner Körper, sein dunkles Haar, 
seine ernsthaft -traurigen Augen und Gebeerden, selbst seine Dis- 
position zu Hoemorrhoiden die niemals zur Vollkommenheit gediehen 
und aus dem jugendlichen Nasenbluten sowol, als aus denen von 
gewissen zu gewissen Zeiten erfolgten Aufbrausen des Blutes er- 
klärbar ist. (Acta Liebst, fol. i. a und fol. 6. b.) 

Christian Benjamin Geifsler hat, wie aus Acten und aus der 
mit ihm gehabten Unterredung (vd. quaest. 7) hinlänglich zu ersehen, 
einen gewissen, an sich untadelhaften Stolz, oder auch nur eine 
Begierde, etwas Ansehnliches in der Welt vorzustellen, gehabt. 

Da nun ex historia et praxi medica bekannt ist, dafs, wenn in 
utroque sexu die natürlichen, oder gewöhnlichen Blutausleerungen 
unterdrückt, oder auch die von der Natur intendirten Blutaus- 
leerungen nicht erreichet oder hervorgebracht werden, nicht eben 
gar zu selten Gemüthszerrüttungen verschiedener Art daraus ent- 
stehen, so erreichet der Satz einen sehr hohen Grad der Wahr- 
scheinlichkeit, dafs nämlich bey Geifslern, wenn die Natur fruchtlos 
auf Herfürbringung der goldnen Ader gearbeitet hatte, eine würk- 
liche Zerrüttung der Sinne und des Verstandes Statt gefunden und 
so lange gewähret habe, bis die ermüdete Natur wieder ins alte 
Gleis einlenkte. 

Da ferner die tief und vest in die Organe seiner Einbildungs- 
kraft eingedrückte Idee, nämlich etwas Vornehmes zu werden, durch 
diese öfters recurrirenden Hämorrhoidalparoxysmen, eine Idea fixa 
geworden. 

Da eben diese Idea fixa durch das, während gedachter Paroxys- 
men, häuffig genossene spirituoese und erhitzende Getränk immer 
mehr und mehr genähret und verstärket worden. 



Christian Benjamin Geifsler. 263 

Da (vieleicht?) wol gar eine erbliche Disposition zu der Art 
Gemüthszerstreuung bey Geifslern Statt haben könnte, (vid: die 
Geifslerische Antwort auf die yte ihm vorgelegte Frage, ab initio.) 
Da endlich Geifsler, sobald die Paroxysmen vorbey und so 
lange sie nicht da waren, ein arbeitsamer, guter Bürger gewesen. 
(Vid. Act. Liebst, fol. 6 b.) 

So kann ich, ohne mein Gewissen und ohne meine unter- 
thänigste Schuldigkeit zu verletzen, kein anderes als nachstehendes 
Gutachten über den Gemüths-Zustand Geifslers erteilen, welchemnach 
Christian Benjamin Geifsler zu der Zeit, als er seine Auf- 
wiegeleyen schriftlich begann und als er sie nachgehends auszu- 
führen Willens war, als ein mit einer Idea fixa befafster Mensch, 
das ist, als ein Mensch, der nicht richtigen Gebrauch von seinen 
Sinnen und Verstände zu machen im Stande ist, das ist kurz und 
gut, als ein Narr, gehandelt hat, und dafür auch biUig als ein 
solcher zu behandeln seyn dürfte. 

Dresden, am 2ten Augusti 1790. 
L. S. D, Johann Gottlob Heise, Phys. 

Dieses ärztliche Gutachten hat das endgültige gericht- 
hche Urteil über Geifsler mafsgebend beeinflufst: die Leip- 
ziger Schöffen, denen man die Akten zusandte, erkannten 
Ende August in ihrem Spruch auf Geifslers amtliche Ver- 
wahrung und Beaufsichtigung an einem festen, sicheren Orte, 
doch nicht im Sinne einer Geifsler entehrenden Strafe, 
sondern einer polizeilichen Vorsichtsmafsregel gegen even- 
tuelle erneute Schädigungen des allgemeinen Besten durch 
seine ,, Narrheit". Die Dresdner Behörden hielten Geifslers 
Tat allerdings für .strafbar und vermochten sich dem medi- 
zinischen Gutachten durchaus nicht anzuschliefsen. Die Be- 
hauptungen des Amtsphysikus bezeichnete das Geheime 
Konsilium als ,, voreilig", und an die medizinischen Behörden 
wurde damals ein besonderes Reskript ,, wegen der bey Ab- 
fassung dergl. visorum repertorum zu beobachtenden mehreren 
Vorsicht" vom Kurfürst erlassen. Das Urteil der Schöffen 
wollte man aber gleichwohl nicht anfechten, und so wurde 
Geifsler am 27. September aus Dresden unter militärischer 
Bedeckung in das Zucht- und Arbeitshaus zu Torgau gebracht. 

Der unmittelbare Erfolg von Geifslers Bestrebungen ist 
durch die rasche Gegenwirkung der patrimonialen und der 
landesherrlichen Instanzen unbedeutend geblieben. Von Zu- 
sammenrottungen und dergl. hat man nach den Berichten aus 
Liebstadt und Lauenstein und vom Amtmann in Dippoldis- 
walde nirgends etwas verspürt, obwohl Abschriften des von 
Geifsler aufgestellten Programms unter den Bauern der 
Gegend in Umlauf waren. Denn auf einer aufrührerischen 
Schrift, die vermutlich von Dippoldiswalde ausging und am 



264 



Hellmuth Schmidt: 



17. Juli in Lauenstein laut Bericht des dortigen Bünauischen 
Gerichts^) beschlagnahmt wairde, fanden sich auf dem Um- 
schlag acht Punkte aufnotiert, die sich nicht wie der sonstige 
Inhalt der Schrift auf die rechtselbischen Jagdunruhen be- 
zogen, sondern abschriftlich auf eine Aufzeichnung zurück- 
gingen, die ein Altenberger Chirurgus nach der Erzählung 
eines Mannes aus Dorf Bärenstein gemacht hatte. In nächster 
Nähe von Dorf Bärenstein und im selben Patrimonialgerichts- 
bezirk mit ihm liegt das von Geifsler aufgesuchte Dorf 
Bömchen: mit grofser Wahrscheinlichkeit kann man an- 
nehmen, dafs bei diesen Zusammenhängen die acht Punkte auf 
dem Umschlag identisch mit den acht Forderungen in Geifslers 
Aufruf waren. Und dafs von der Abschrift dieser Auf- 
zeichnung mehrere Bauern ihrerseits wieder Abschrift ge- 
nommen haben, ist durch die spätere gerichtliche Unter- 
suchung des Falles ausdrücklich bezeugt. 

Der Eindruck, den Geifslers Ideen in der Gegend machten, 
spiegelt sich wieder in einem Brief-) des Dittersdorfer Pastors, 
der geschrieben ist am 8. Juli, wenige Stunden nachdem 
Geifsler sein Programm dort persönlich in Umlauf gesetzt 
hatte. ,,Seit zwei Stunden, heifst es darin, ist hier ein wahrer 
grofser Schrecken für mich entstanden. Ein reitender Bote 
aus Liebstadt hat von vielen bei sich habenden schriftlichen 
Aufforderungen zu einem formalen Aufstand ein Exemplar 
ins hiesige Gericht gegeben, wovon ich, da ich auf eine 
Viertelstunde den Lärmbrief in Händen haben konnte, in der 
Geschwindigtkeit folgende Hauptpunkte, auszeichnete: . . . ." 
Die Inhaltsangabe, die nun folgt, enthält eine ganze Anzahl 
Stellen, die sich in der eingangs abgedruckten Abschrift nicht 
finden, die aber wörtlich wiederkehren in einer ohne Namen, 
Datum und sonstige Bezeichnung in die Akten des Geheimen 
Kabinetts eingehefteten Aufruhrschrift'*), die dadurch mit 
Sicherheit als von Geifsler herrührend erwiesen wird. Un- 
gleich stärker als in dem Pro Memoria in der bisher be- 
kannten Form tritt darin die religiöse Färbung der Ideen 
Geifslers zutage; wie eine Predigt mutet vielfach der Text 
an und die Sprache wie die der alttestamentlichen Propheten; 

„Nunmehr ist die höchste Zeit aufzuwachen aus dem Schlummer, 
darinnen wir von Last und Druck betäubt gelegen, .... jezo ist die 
Zeit, wo man sich das unerträgliche Joch der Edelleute abschütteln 



') Loc. 30749 Vol. I, S. 62. Bericht vom 20. Juli 1790. 

2) Loc. 5513. 

*) Loc. 109s Vol. I, S. 47—54. 



Christian Benjamin Geifsler. 265 

kann, sie haben nach Göttlichem und menschlichem Recht nicht 
den Gerinsesten Behuf ihren Nebenmenschen wie bisher ohne alle 
Barmherzigkeit zu schinden, dieweil es vor Gott ein Gräuel, wenn . . . 
einer lebt in der gröfsten Wollust und der andere mufs seinen 
Bissen mit Seufzen und Wehklagen essen; ... so will es Gott unter 
einem Volk, das sich nach seinem Nahmen nennt, nicht haben .... 
du armes Sachsen! warum bist du denn so verunstaltet? deine 
Äcker und deine Weinberge versagen dir ihre Wirksamkeit" 

Mit der Zeit erwies es sich, dafs diese Ideen Kraft 
genug hatten, um auch ohne Betreiben ihres Urhebers weiter 
in die Massen zu dringen. Ein späterer Verhörsbericht der 
Schönbergischen Gerichte za Wingendorf und Hainichen^) 
gibt eine dafür charakteristische Szene wieder, die Anfang 
August sich in der Schenke des Dorfes Rossau bei Hainichen 
abspielte. Einige Soldaten waren dort einquartiert und einer 
von ihnen hatte eine Schrift bei sich, die er den Gästen 
vorlas und die solches Interesse erregte, dafs der Schulmeister 
geholt wurde und mehrere Abschriften davon anfertigen 
mufste, die die Gäste ihm mit einem Sechser oder einem 
Glas Bier vergüteten. Eine dieser Abschriften ist im Original 
erhalten: der Text ist im w^esentlichen ganz der des Geifsler- 
schen Pro Memoria. Ein Seiler aus Nossen, der mit in der 
Rossauer Schenke war, kannte die Schrift bereits und er- 
zählte, ,, diese Schrift sey allgemein unter Hohen und Niedrigen 
bekannt und der Anstifter se}^ eine grofse Person und schon 
bei Ihro Churf. Durchlaucht gewesen". Einem Gast aus 
Hainichen, der auch eine Abschrift haben wollte, sagte der 
Schulmeister: ,,Was will er sich's denn abschreiben, es haben 
ja schon viele Bürger in Hainichen." Der Betreffende nahm 
aber doch eine Abschrift und hat sie in Hainichen noch 
vielen Bekannten auf deren Verlangen zur Durchsicht borgen 
müssen"-). 

Andere Angaben in den Akten bezeugen, dafs in der 
Gegend von Waldheim '^j und Würzen Geifslers Programm 
hier und da in Abschriften weitergegeben wurde, und zwar 
auch unter Gebildeten, unter Pastoren und Lehrern; in Riesa 
fand es sich unter den Papieren eines berüchtigten Agitators. 
Im Schönburgischen hat es nachweislich bei einer der heim- 
lichen Zusammenkünfte der Untertanen vor dem Aufstand 



^) Loc. 30680 Acta die im Freiberger Amtsbezirk ausge- 
brochenen Unruhen betr. Vol. IV ». Bericht vom 28. Oktober 1790. 

"-) Vgl. auch Loc. 30751 Acta die unterm Landvolke 1790 aus- 
gebrochenen Unruhen betr. Vol. XI, S. 1651!. Verhörsaussagen des 
Rossauer Schulmeisters. 

3) Loc. 30751 Vol. X, S. 311 ff 



2 66 Hellmuth Schmidt: 

dort, ein Bauer zur Verlesung gebracht^), aber in diesen 
entfernteren Gegenden hatte man von Geifslers Person und 
Schicksal keine Kunde. Seine Autorschaft wurde vergessen 
oder blieb unbekannt, und es waren dafür derartige Fabeleien 
über den Urheber der Ideen in Umlauf, wie der Nossener 
Seiler sie in Rossau berichtet hatte. Dieser Seiler behauptete 
übrigens vor den anderen Gästen, den Autor der Schrift 
persönlich zu kennen: es sei ein vornehm aussehender Mann 
in einem grünen Rock gewesen. Hält man diese seltsame 
Angabe zusammen mit verschiedentlichen Aussagen von 
Bauern aus der Chemnitzer Gegend'-), in denen immer ein 
vornehmer Unbekannter in grünem Überrock als Urheber und 
Verbreiter des Geifslerschen Programms erscheint, so wird 
es in hohem Grade wahrscheinlich, dafs einer der Abenteurer, 
die in den Tagen der Bauernunruhen sich so zahlreich in 
Sachsen einfanden und hier im Trüben fischten, die Ideen 
des verhafteten Liebstadter Seilers als seine eigenen aus- 
gegeben und in der Rolle etwa jenes fingierten Bibra mit 
dem Programm eine Agitation in selbstsüchtiger unlauterer 
Absicht betrieben hat. 

Den Behörden ist von dieser ganzen Ausbreitung der 
Geifslerschen Gedanken bei der Heimlichkeit, mit der der- 
artiges geschah, in den wenigsten Fällen etwas bekannt ge- 
worden; das Bild davon, das sich aus den vereinzelten An- 
gaben der erhaltenen Akten zusammensetzen läfst, mufs darum 
notwendig unvollkommen bleiben: immerhin zeigt es hier und 
da, wie das Programm des Liebstadter Seilers unabhängig von 
dessen persönlichem Schicksal im weiteren Verlauf der Bauern- 
unruhen vielfach von Einflufs und Bedeutung gewesen ist. 

Geifsler hat nach seiner Einheferung in das Zuchthaus 
zu Torgau über 1 5 Jahre dort zubringen müssen, und während 
die anderen bäuerlichen Revolutionäre, die in Torgau in 
Gewahrsam kamen, nach spätestens 3 bis 4 Jahren entlassen 
wurden, harrte Geifsler vergebens auf einen Gnadenakt, der 
auch ihm die Freiheit wiedergab. Da wendete sich im Juli 1805 
seine Adoptivtochter und deren Mann an die Kommission zur 
Besorgung der Armen-, Waisen- und Zuchthäuser mit einem 
Gesuch um zeitweise Beurlaubung ihres Vaters^), Bei der 



1) Loc. 30681 Vol. VIII. Acta die in der Herrschaft Wechsel- 
burg etc. . . . ausgebrochenen Unruhen. Bericht vom 13. Dezember 1790. 

'-) Loc. 30680 Vol. II die im Chemnitzer Amtsbezirk ausge- 
brochenen Unruhen betr. 

3) Loc. 1095 Vol. IV. S. 279—280. Bericht der Land.-Regierung 
vom 7. August 1805. 



Christian Benjamin Geifsler. 267 

Entscheidung darüber forderte die Regierung von dem Tor- 
gauer Hausprediger und dem Anstaltsarzt ein Zeugnis über 
Geifslers Gesundheitszustand ein: beide erklärten, dafs Geifsler 
,,seit seiner Einlieferung in das Haus, also seit 15 Jahren, 
keine Spur von Verstandeszerrüttung an sich habe blicken 
lassen", und der Torgauer Hausverwalter bezeichnete Geifslers 
Führung in der ganzen Zeit als musterhaft und schlug vor, 
ob die Regierung nicht Geifsler völlig aus dem Hause ent- 
lassen wollte \). Nachdem die Instanzen sich geäufsert hatten, 
entschied der Kurfürst durch Reskript vom 12. Oktober 1805 -), 
,,dafs Geifsler gestattet werden möge auf einige Zeit zu den 
Seinen nach Liebstadt sich zu begeben", dafs aber das 
Carlo witzische Gericht dort ein wachsames Auge auf ihn 
haben und über seine Führung berichten sollte. 

Geifsler hatte von dem Urlaubsgesuch seiner Tochter 
Kunde und erwartete die Entscheidung darüber mit steigender 
Ungeduld, Als monatelang keine Verfügung aus Dresden 
einlief, gab er die Hoffnung auf einen günstigen Ausgang 
auf, und als man ihn im September vom Zuchthaus aus zu 
einem Seilermeister auf Arbeit schickte, kehrte er eines 
Abends nicht zurück, und alle Versuche seiner habhaft zu 
werden oder etwas über seinen Verbleib zu erfahren, blieben 
erfolglos"). 

Geifsler hat sich bei seiner Flucht zuerst „ins Anhaltische 
nach Brandenburg und von da durch Sachsen nach Böhmen 
und Schlesien und Österreich bis Wien gewendet, von wannen 
er durch Böhmen und die Lausitz zurückgekehrt ist. Seinen 
Lebensunterhalt hat er dabei teils durch Tagearbeit, teils 
durch seine Profession als Seiler gewonnen"*). Nach zwei- 
jährigem Umherwandern wagte er sich wieder in die Gegend 
von Liebstadt und wurde dort am 15. November 1807 in 
dem Dorf Döbra erkannt und angehalten. Wiederum gingen 
Berichte und Gutachten über ihn durch alle Instanzen, und 
obwohl die Geheimen Räte^) sich bei dem Landesherrn dafür 
verwendeten, dafs die Flucht aus dem Zuchthaus ihm ver- 
ziehen würde, entschied der König in seinem strengen Rechts- 
standpunkt durch sein Reskript vom 6. Februar 1808'), ,,dafs 



^) Loc. 109s Vol. IV S. 274 ff. Vortrag der Geheimen Räte vom 
18. September 1805. 

2) ibidem S. 281 mit Kabinettsextrakt vom 8. Oktober 1805. 

^) ibidem S. 285. Bericht der Land.- Regierung vom 2o.Märzi8o6. 

*) Loc. 109s Vol. IV S. 284ff. Vortrag der Geheimen Räte vom 
16. Dezember 1807. 

^) ibidem S. 297. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII, 3. 4. 18 



2 68 Hellmuth Schmidt: Christian Benjamin Geifsler. 

Geifsler sich der Begnadigung unwürdig gemacht habe und 
ins Zuchthaus zurückzubringen sei". 

Auf Geifslers inständiges Bitten, auf das Gesuch eines 
Seilermeisters in Liebstadt, bei dem Geifsler — mit seinen 
65 Jahren — als Geselle unterdes zu arbeiten begonnen hatte, 
und auf Verwendung des Herrn von Carlowitz, der mit dem 
kränkelnden, mittellosen alten Mann Mitleid hatte, erneuerten 
die Geheimen Räte') am 7. September 1808 ihren Vorschlag, 
Geifsler wenigstens urlaubsweise in Liebstadt bleiben zu 
lassen, und schliefslich gab der König dazu seine Zustimmung. 
Diese letzte Regierungsentscheidung über Geifslers Schicksal 
erfolgte fern von dem stillen Erzgebirgsstädtchen am 19. Januar 
1809 in Warschau-). Das Liebstadter Kirchenbuch läfst 
Geifslers Namen in den Sterberegistern der Folgezeit ver- 
missen, und so verliert sich die letzte Spur dieses seltsamen 
Lebens ins Dunkel. 



1) ibidem S. 298 ff. Vortrag der Geheimen Räte vom 7. Sep- 
tember 1808. 

■2) Loc. 1095 Vol. IV S. 308. 



VIII. 

Topographisches vom alten Roehlitz. 



Von 
W. Clemens Pfau. 



Allem Anschein nach hat unser Muldenstädtchen Roehlitz 
schon lange vor dem Eindringen der Deutschen als Ort be- 
standen; jedenfalls ist es nicht jünger als die zahlreichen 
Dörfer, die sich in seiner Nachbarschaft so dicht zusammen- 
drängen, dafs kaum eins in alter Zeit eine sehr bedeutende 
Ausdehnung erlangen konnte. Sie alle, obgleich sie nunmehr 
teils deutsch, teils wendisch benannt sind und als Rundlinge 
oder Strafsendörfer verschiedene Bebauungspläne und nicht 
gleiche Flurverteilung aufweisen, bestanden meines Erachtens 
bereits lange vor der Herrschaft des Ottonenhauses oder 
waren wenigstens durch einzelne Siedlungen, die vielleicht 
zerstreut innerhalb der im Grofsen und Ganzen festoreleorten 
Dorffluren lagen, vorgezeichnet. Die Gründe für diese Ansicht 
habe ich schon früher^) ausführlich erörtert. Hier möchte 
ich nur nochmals besonders auf die zahlreichen prähistorischen 
Einzelfunde (Scherben, Steinspäne, Kernstücke, steinernes 
Handwerkszeug, wie Beile usw.) innerhalb der Dorffluren, 
sowie auf die Stellen von Massenfunden gleicher Art im 
Gebiete der Ortsgrenze, die übereinstimmend im Bereich aller 
Ortschaften vorkommen, hinweisen. Dörfer wie Königsfeld, 



') Pfau, Topographische Forschungen über die ältesten 
Siedlungen der Rochlitzer Gegend (1900J S. 26ff. ; Geschichte der 
Töpferei in der Rochlitzer Gegend von den frühesten vorchristlichen 
Zeiten bis auf die Gegenwart (1905) S. 11, 3 2 ff. 



zyo 



W. Clemens Pfau: 



Sachsendorf, Amsdorf, Wickershain, Wittgendorf, Stollsdorf, 
Schwarzbach, Weifsbach, Topfseifersdorf verfügen über die- 
selben ergiebigen prähistorischen Massenfnnde auf der Mark 
wie wendisch benannte, z. B. Pursten, Seelitz. Vorgeschicht- 
liche Wälle und Gräber treten ebenfalls in verschiedenen 
Ortschaften sowohl wendischen als deutschen Namens 
(Rochlitz, Fischheim, Schwarzbach usw.) auf. Die Deutschen 
haben augenscheinlich die Dörfer der Rochlitzer Pflegre nicht 
begründet, sondern nur ausgebaut, den Ackerbau gehoben, 
den übermäfsig starken Waldbestand gelichtet, die innerhalb 
der bereits in Hauptzügen abgegrenzten Ortsflur vorhandenen 
Liegenschaften endgültig geteilt, vielleicht auch Waldwirtschaft 
treibende Ortschaften erst zu Ackerbau treibenden umsfe- 
wandelt. Die ganz eigenartigen Massenfunde auf der Flur- 
scheide halte ich in der Hauptsache für Überreste von Kult- 
handlungen, die gelegentlich von Flurumzügen, Flursegnungen, 
Opferungen, Bannungen u. ä. auf der Grenze stattfanden, und 
zwar meist da, wo die Marken von drei Ortschaften zu- 
sammenstiefsen. Ähnliche Kulthandlungen werden noch jetzt 
hier und da in katholischen Ländern ausgeübt; die Wurzel 
dieser Bräuche verliert sich im Dunkel der heidnischen 
Urzeit. In der Rochlitzer Pflege finden sich auf den Grenz- 
massenfundstellen vorsvendische, slawische und frühdeutsche 
Findlinge nebeneinander, eine Merkwürdigkeit, die darauf 
deuten dürfte, dafs diese Örtlichkeiten ungemein lange ständig 
zu gleichem oder ähnlichem Zweck benutzt wurden. Mit den 
vermutlichen Kulthandlungen dürften zahlreiche Sagen zu- 
sammenhängen, wonach in der Nähe dieser abgelegenen 
Stellen im Grenzg-ebiet granz »-ewöhnlich allerhand fabelhafte 
Unwesen, meist ohne Kopf (Pferd, Kalb, Reiter, Mann usw.), 
spuken sollen. 

Die heutige Rochlitzer Stadtflur besitzt zwei prähistorische 
Wälle und weist die meisten und reichsten Massenfundstellen 
im Grenzgebiet auf, nämlich auf dem Galgenberg, auf dem 
Schieferberg, auf der Brandsäule, am Münchswinkel, auf der 
wüsten Lade, auf dem Hospitalfeld, im Kifsling; es sind dies 
Stellen, auf oder bei welchen es stark umgehen soll. Der 
Reichtum an derartigen städtischen Fundg-ebieten ist sicher 
mit daraus zu erklären, dafs in der Stadtflur verschiedene, 
z. T. urkundlich noch nachweisbare Siedlungen eingegangen 
sind, deren wenige Bewohner in der Hauptsache nach der 
Stadt und den Vorstädten verzogen sein mögen. Sehr zahl- 
reich sind in der Stadtflur auf vielen Feldern auch Einzel- 
funde, besonders wendische Scherben und bearbeitete Feuer- 



Topographisches vom alten Rochlitz. 271 

steine, Findlinge, die sogar in den Gärten der Stadthäuser 
auftreten. Ich habe alle prähistorischen Funde der Gegend, 
nach den Ortsfluren geordnet, im Rochlitzer Museum zu- 
sammengestellt. Kein Dorf der ganzen Pflege kann sich 
hinsichtlich des Reichtums solcher Funde und der Fundstellen 
mit Rochlitz messen; man wird deshalb geradezu zu dem 
Schlufs gezwungen, dafs schon in urgeschichtlicher Zeit auf 
der Flur um Rochlitz herum das Leben und Treiben ein bei 
weitem regsameres war als auf den benachbarten und ent- 
legeneren Ortsgebieten. Unter diesen Verhältnissen läfst sich 
leicht begreifen, weshalb Rochlitz schon in frühgeschichtlichen 
Tagen eine besondere Bedeutung für die ganze Pflege als 
Vorort erlangte. 

Auf Rochlitzer Flur entstand eine deutsche Burg, die 
tonangebend und gebietend für die ganze Gegend wurde 
und wohl schon in der sächsischen frühchristlichen Zeit weit 
bekannt war. Durch eine Urkunde von Otto III. wurde 996 das 
westliche ,,RochHtzer Muldenufer" (ripa Rochilinze') mit als 
Gebietsscheide zwischen den Bistümern Merseburg und Meifsen 
festo-estellt: meines Erachtens hätte man damals schwerlich 
diesen Ortsbegriff in die Niederschrift aufgenommen, wenn 
Rochlitz zu jener Zeit ein unbedeutender Ort gewesen wäre. 
Thietmar von Merseburg berichtet bereits vom Burgward 
Rochelenzi, in dessen Gebiet der Bischof einen Wald mit 
Wildfängen inne hatte, wegen welcher Anlagen der hohe 
Herr 1018 selbst nach RochHtz kam. Die betreffende Be- 
sitzung war schon 974 an Merseburg durch Otto II. abge- 
treten worden. Bei seiner Anwesenheit in Rochlitz spendete 
Thietmar eigenhändio- das heilio-e Abendmahl. 

Der Begriff Burgward Rochlitz, d. h. Burgbezirk Rochlitz, 
setzt wohl das Vorhandensein einer Burg voraus. Ich ver- 
mute aus verschiedenen Gründen, dafs die Burg Rochlitz 
nicht von den Deutschen selbst an Ort und Stelle gegründet 
wurde, wie dies z. B. in Meifsen geschah; vielmehr scheinen 
die eindringenden Deutschen in Rochlitz eine vorhandene 
Wallanlage besetzt und allmählich zur Burg ausgebaut zu 
haben'-). 



^) Cod. dipl. Sax. reg. I, i, 276. Nach Posses Untersuchungen 
und Karten (im Cod. dipl. S. r. I,i, 178 und Anhang) mufs das 
Muldenufer schon 981 als Grenze gegolten haben. 

^) Nach Heine, Chron Rochlic. S. 32 berichteten Überlieferun- 
gen, die Stelle der Petri-(Schlol"s-)kirche habe ursprünglich eine 
heidnische Kapelle mit Götzen eingenommen. 



272 



W. Clemens Pfau : 



Dieselbe entstand auf einer ziemlich dreieckigen Berg- 
zuno-e, die als Ausläufer des Rochlitzer Berges beziehentlich 
des östlichen Teils davon, des Schlofsberges, erschenit. Aui 
letzterem, in der Nähe der westlichen Schlofsbrücke , habe 










ich wiederholt wendische Scherben, auch verschiedene ge- 
schlagene Feuersteine gefunden. Ganz besonders bemerkens- 
wert ist aber die Anlage der Burg (Fig. i); die Stelle der 
letzteren wurde zunächst durch einen mächtigen Einschnitt 
ganz vom Schlofsberg abgetrennt. Ob diese Vertiefung, in 



Topographisches vom alten Rochlitz. 2-73 

der jetzt „die Schlofsbach" läuft, ursprünglich schon von der 
Natur vorgezeichnet war oder ob die Schlofsbach erst nörd- 
lich um den Schlofsfelsen herumrann und nur nachträglich 
an dessen Westseite vorbeigeleitet worden ist, läfst sich nicht 
ausmachen. Fest steht nur, dafs die Wände in dem tiefen 
Westeinschnitt in ihrer jetzigen Gestalt durch Schrotarbeit 
geformt sind. Die abgetrennte Felsenzunge wurde weiter 
durch zwei parallel mit dem westlichen Einschnitt ver- 
laufende tiefe künstliche Einschnitte gegliedert: zwischen dem 
westlichen und mittleren entstand das Oberschlofs, zwischen 
dem mittleren und östlichen das Unterschlofs. Auf dem 
Ende der Bergzunge, vor dem östlichen Graben, erhob sich 
die uralte Petrikirche, die nach den Angaben verschiedener 
Chronisten'), welche sich auf einen alten Kelch berufen, vom 
Kaiser Heinrich I. gegründet worden sein soll; sie hiefs ehe- 
mals ganz gewöhnlich „Schlofskirche". Da sie ursprünglich 
inmitten des Gottesackers lag, der wiederum doch wohl von 
Mauern umgürtet war, so kann man sie als eine Art Vor- 
wehr zur Buror ansehen. Mit letzterer war sie in alter Zeit 
übrigens aufs innigste durch eine überdeckte Galerie ver- 
bunden, durch deren Hilfe 1644 die Kurfürstlichen die 
Schweden im Schlofs überrumpeln wollten"-). Die Rochhtzer 
Schlofsanla2:e mit ihren dreifachen Grabeneinschnitten er- 
innert sehr lebhaft an gewisse wendische Wallbauten, m der 
Rochlitzer Gebend besonders an die Wälle des Kötterner 
Borscheibergs hinter dem Rittergut Neutaubenheim. Hier 
ist auch eine dreieckige Landzunge, die gegen ihr Ende 
ziemlich schroff abfällt, durch drei Gräben quer geteilt. An 
den letzteren ziehen sich die Wälle hin. Hätte eine der- 
artio-e Anlaofe auf der Stelle des Rochlitzer Schlosses ur- 
sprünglich bestanden, so brauchten die Deutschen nur die 
Gräben immer mehr zu vertiefen und die Erdzüge, die an- 
fänglich wohl mit Pallisaden besetzt waren, durch Mauern zu 
verstärken oder zu ersetzen. Ich habe wiederholt^) die An- 
sicht ausgesprochen und besonders durch den Hinweis auf 
die einschlägigen Funde begründet, dafs die prähistorischen 
Wälle der Rochlitzer Gegend in erster Linie Kultstellen, die 
aber zu Zeiten der Kriegsgefahr zur Verteidigung dienen 
konnten, umschlossen. Mit einer solchen Annahme liefse sich 
wohl auch die Eigenart vieler Kirchen der weiteren Pflege 



1) Heine S. 33. 

-) Heine S 352. 

^} Top. Forschungen S. 36 ff. — Geschichte der Töpferei S. 35. 



274 



W. Clemens Pfau: 



erklären, wonach diese Gotteshäuser in ältester Zeit offenbar 
mit zu Verteidigungszwecken eingerichtet wurden. Das 
schönste Beispiel hierfür bietet die Kirche zu Geithain, von 
welcher Stadt der Bebauungsplan die gröfste Ähnlichkeit mit 
dem Rochlitzer hat: wo in Rochlitz die Burg mit der ältesten 
Kirche steht, im äufsersten Westen, da befindet sich zu 
Geithain auf einer Erhöhung die mächtige Kirche, deren 
Gottesacker rnit starken, durch Bastionen besetzten Mauern 
gedeckt ist. Eine ähnliche Wehranlage weist die Peniger 
Kirche auf. In dem Gottesacker zu Geithain kamen bei den 
Ausschachtungen gelegentlich der letzten Kirchenrestauration 
mehrfach wendische Scherben zu Tage. Ganz in seiner 
Nähe liegt Altdorf; die Grenze bildete ursprünglich wohl 
ein Wassergraben, welcher später ausgefüllt und mit einigen 
Anwesen besetzt worden ist. 

Die Rochlitzer Burg nahm in ihrer zugehörigen Flur 
zweifellos dieselbe Stelle ein, wie die vorgeschichtlichen 
Wälle der Pflege in ihren entsprechenden Dorffluren. Sie 
alle liegen, wie auch die ausgeprägten Massenfundstellen, 
regelmäfsig auf einem hervorragenden Buckel an oder auf der 
Ortsmark. Das Rochlitzer Schlofs ragt auf steilem Fels im 
Grenzgebiet des Rochlitzer Waldes und dessen zahlreichen 
benachbarten Feldern und Wiesen, die ehemals zur Burg 
gehörten. Die letzteren der Landwirtschaft dienenden Liegen- 
schaften wurden 1558 vom Amt vererbt und sind in Privat- 
besitz übergegangen. Ursprünglich besorgte ihre Bewirt- 
schaftung das in der Vorstadt gelegene amtliche ,,Schlofs- 
vorwerk" oder ,,der Viehhof", den das Amt 1558 mit ver- 
äufserte^). 

Im Mittelalter scheint aufserdem eine Art Vorwerk 
westlich vom Schlofs, mehr nach der Höhe des Rochlitzer 
Waldes, auf oder an den dort ausgesparten, von der Peniger 
Strafse durchschnittenen Feldern bestanden zu haben; wenig- 
stens finde ich in einem Verzeichnis über Waldfuhren-) von 
1722 eine dortige Stelle „Hoffestöckicht" genannt. Flur- 
namen der Rochlitzer Gegend, die mit ,,Hof-" gebildet sind, 
deuten regelmäfsig auf eingegangene ritterliche Besitzungen, 
die sich zum guten Teil auch urkundlich nachweisen lassen. 



') Abschrift des alten Vererbungsbriefes im Archiv des Roch- 
litzer Geschichtsvereins; vgl. dazu auch die ständigen Einträge in 
den älteren Amtsrechnungen. 

^) Aktenstück im Archiv des Rochlitzer Geschichtsvereins, aus 
der alten Bauverwalterei stammend. 



Topographisches vom alten Rochlitz. zj^ 

Alle jene urbar gemachten Liegenschaften, welche der Roch- 
Htzer Wald umschliefst und welche heute z. T. von Nofswitz, 
z. T. von Rochlitz aus bestellt werden, sind zweifellos uralt, 
waren offenbar schon in vordeutscher Zeit dem Forst abge- 
rungen: sie weisen nicht nur wendische, sondern auch bronze- 
zeitliche Scherben auf und ergeben sogar geschlagene Stein- 
späne, Kernstücke usw. 

Der Rochlitzer Wald bildete ein von unseren Vorfahren 
der Urzeit oft betretenes Gebiet. Angrenzende Dörfer haben 
ihre prähistorischen Massenfundstellen unmittelbar am Saum 
des Staatsforstes: Carsdorf, das im Mittelalter auch Carnitz 
hiefs, im ,, Rodeland" und ,, Steinberg", Wittgendorf im ,,Heedel- 
born", Sörnzig in der ,,Bile" und dem nordöstlichen Acker der 
„Adscher". Im Walde (schönburgischer Teil) selbst ist das 
Dorf Drosekowe, das 1208 dem Kloster Zschillen ^) mit zuge- 
wiesen wurde, als solches eingegangen; den einzigen Überrest 
bildet das Draschkengut. Der Porphyr des Rochlitzer Waldes 
fand schon in der Bronzezeit, zu Mahlsteinen verarbeitet, 
seine Verwendung; letztere habe ich wiederholt in urge- 
schichtlichen Gräbern angetroffen. Schliefslich bin ich auf 
Rodestellen innerhalb des Rochlitzer Waldes mehrfach wen- 
dischen Scherben, besonders auf dem ,, Hohen Berg", be- 
gegnet; von einer Waldrodestelle besitzt das Rochlitzer 
Museum einen zierlich gearbeiteten, sehr eigenartig geformten 
Steinhammer. Der sogenannte Katzenstein, ein Grenzfelsen 
des Staatswaldes am Sörnziger Adscherholz, weist am Fufse 
eine wallartige, künstliche Umgürtung auf. In der Erde 
kommen hier frühdeutsche und wendische Scherben vor; die 
lehmige Ausfüllung in den Felsenrissen ist durch Feuerglut 
wie verziegelt. AugenscheinUch ist auch der Katzenstein 
den vorchristlichen Grenzkultstätten zuzuzählen. 

Das landwirtschaftlich bestellte ehemalige Gebiet des 
Rochlitzer Schlosses war höchstwahrscheinlich ursprünglich 
die Flur eines unbedeutenden wendischen Dorfes, das wie 
Drosekowe untergegangen sein mag; seine Insassen sanken 
wohl in der Hauptsache zu Frönern der neuen Herren herab, 
die auf der alten Ortsflur das oben erörterte Vorwerk grün- 
deten und sich in der Wallanlage der eingegangenen Siedlung 
eine Burg bauten. Zu derselben gehörte in alter Zeit eine 
Flur, die so grofs war wie diejenige eines mäfsigen Dorfes. 
Dafs die spätere Stadtflur davon ursprünglich einen Teil 



') Cod. dipl. Sax. reg. I, 3, 69. 



276 



W. Clemens Pfau: 



bildete, läfst sich nicht beweisen, ist wohl auch kaum wahr- 
scheinhch. Waren aber Burggebiet und Fhir der Stadt 
schon anfänghch zwei verschiedene Ortsbereiche, so müfste 
man erwarten, dafs für dieselben anfangs auch zwei ab- 
weichende Namen vorhanden gewesen wären. In der Roch- 
litzer Gegend kommen mehrfach benachbarte oder nicht weit 
voneinander gelegene Ortschaften vor, deren Bezeichnungen 
sehr ähnhch klinoen. Ich verweise auf die Nachbarorte 
Zöllnitz und Seelitz (dialektisch Zillns und Sils gesprochen); 
letzteres heifst im Mittelalter und selbst im 16. Jahrhundert 
noch nebenbei Zelitcz, Zeelicz. Weiter finden sich in der 
Pflege Zetteritz, Zettlitz. Die vermutlichen Ortschaften auf 
der späteren Rochlitzer Gesamtflur hätten wohl auch zwei 
ähnlich lautende Namen besitzen können, so dafs leicht eine 
Verwechselung derselben und das allmähliche Verschwinden 
des einen eintreten konnte. Merkwürdigerweise lassen sich 
die ungemein zahlreichen Namensformen ältester Zeit für 
Rochlitz^) im Grunde genommen in zwei Hauptgruppen 
scheiden; die eine hat stets ein 1 im Anfang des zweiten 
Gliedes und regelmäfsig eine Spirans z, c gegen das Ende, 
die andere nicht: Rochelinze, Rochilinze, Rochelenzi, Rotlizi, 
Rochelinti (in diesen beiden das t Fehler für c?), Rochlezi, 
Rocheletz usw. — Rochider, Rochidech. Wenn auch die 
Schreibungen des Namens eines Ortes oft in ältester Zeit 
verschiedene sind, so geht doch wohl die Fülle der ab- 
weichenden Formen betreffs der Rochlitzer Benennung über 
das übliche Mafs hinaus. Die zweite sehr auffällige Gruppe, 
die in einer kaiserlichen Urkunde von 1046 vorkommt"), 
einfach als Schreibfehler der kaiserlichen Kanzlei auffassen zu 
wollen, halte ich für zu bedenklich. Vielmehr vermute ich, 
dafs die zwei Gruppen von Namen zwei verschiedene Orts- 
bezirke bezeichnen und dafs die kaiserliche Kanzlei den 
amtlich richtigeren Namen der Burg und des Burgwards 
überliefert, während bei Thietmar schon eine einzige Art der 
Namensform für beide Siedlungen verwendet wurde. 1046 
schenkte Kaiser Heinrich III. seiner Gemahlin Agnes die 
Burgwarde Rochideh, Cholidistcha, Lisnich. Möglicher- 
weise war dies nicht die erste kaiserliche Frau, welche 
Rochlitz besafs; auffällig ist jedenfalls, dafs die alte Über- 
lieferung, Kunigunde, Gattin von Heinrich II., habe die Roch- 
litzer Kunigundenkirche , die in romanischer Zeit bestand. 



') Pfau, Top. Forschungen S. 85. 
2) Cod. dipl. Sax. I, i, 312. 



Topographisches vom alten Rochlilz. 277 

gegründet, schon im Mittelalter anerkannt war; denn diese 
Kaiserin ist am betreffenden Bauwerk mehrfach als Kirchen- 
gründerin dargestellt. Sie starb 1031, ihr Gemahl 1024. 
Agnes bekam mehrere benachbarte Burgwarde des Mulden- 
gebiets zugewiesen. Höchst auffällig ist, dals die Vororte 
der beiden Nachbarämter Rochlitz und Borna schon in 
romanischer Zeit Kunigundenkirchen besafsen, obschon für 
damalige Zeit sonst Gotteshäuser, nach der Kunigunde be- 
nannt, in ganz Mitteldeutschland kaum nachzuweisen sind. 
Wenn Kunigunde persönliche Beziehungen zu Rochlitz hatte, 
so liefse sich wohl denken, dafs die kaiserliche Kanzlei 1046 
den Namen Rochideh, Rochider aus einer früheren urkund- 
lichen Vorlage herübernahm. 

Wenn auch derartige Urkunden fehlen, so mufs es doch 
als höchst merkwürdig erscheinen, dafs verhältnismäfsig viel 
aus alten Überlieferungen übereinstimmend mehr oder weniger 
sehr nahe Beziehungen zwischen dem sächsischen Herrscher- 
haus und unserem weiteren Muldengebiet vermuten läfst. 
Der oben erwähnte Kelch der Rochlitzer Petrikirche soll den 
Namen Heinrich I. und seiner Gemahlin getragen haben 
(Henricus et Matildis me comparaverunt). Die Bornaische 
Kunigundenkirche führte bis in das 16, Jahrhundert herein 
auch den Namen Köniorskirche. Der Urkunde Ottos III. 
von 996 verdanken wir die älteste Erwähnung des Roch- 
litzer Muldenufers. Dafs die Benennuns: verschiedener Dörfer 
der Rochlitzer Gegend (Königshain, Königsfeld, Ottenhain), 
sowie eines im Lehnbuch Friedrichs des Strengen namhaft 
gemachten, bei Rochlitz gelegenen Waldes Kunegszcwig 
ebenfalls der ältesten Königszeit entstammen können, mag 
nur nebenbei erwähnt sein. Ottenhain grenzt mit Königsfeld. 
Ottendorf liegt nicht weit von Königshain; diese Dörfer 
treten gewissermafsen paarweise auf. 

Eine zweifellos uralte zur Rochlitzer Burg gehörige An- 
lage zieht sich in den ehemals als ,, kleine und grofse Forsterei" 
benannten Waldteilen, südwestlich vom Schlofs, hin. Hier 
entdeckte ich die Reste von sehr ausgedehnten, geschlossenen 
Wildfängen, deren Verlauf sich noch klar verfolgen läfst. 
Sie bestehen in niedrigen Erdzügen, welche früher offenbar 
Verplankungen u dergl. getragen haben. Wenn bereits 
Thietmar von Merseburg im Rochlitzer Burgward Wildfänge 
besafs, so war dies damals wohl auch der Fall auf Seiten der 
Besatzung der Burg, und es ist demnach doch wohl nicht 
unmöglich, dafs die erhaltenen Rochlitzer Fangvorrichtungen 
schon zur Kolonisationszeit bestanden. Das Rochlitzer Amts- 



278 



W. Clemens Pfau: 



erbbuch von 1548 sagt gelegentlich der Aufzeichnung der 
Frondienste des Dorfes Carsdorf: „Die Einwohner semptlichen 
helfen die Schweine- und Wolfsjagten uff des Ampts Weldem, 
wan und so offt sie erfordert, thuen, helffen auch neben 
anderen an dem Wolffszaune, so uffm Walde stehet, wan es 
die Notturft erfordert und ihnen derhalben Bevehl geschehen, 
bessern und ausbuefsen." Die Frondienste der mittelalter- 
lichen Dörfer wurden wohl in der Hauptsache im Amt schon 
in der Kolonisationszeit festgelegt; waren Amtsuntertanen zur 
Frone an dem Wolfszaune des RochUtzer Waldes verbunden, 
so bestand diese Jagdvorrichtung demnach vielleicht schon 
in frühestdeutscher Zeit. Der Wolfszaun als solcher hatte 
wahrscheinlich schon damals, als das erste Erbbuch abgefafst 
wurde, seine Bedeutung verloren, weil die Wölfe im Amt 
um die Mitte des 16. Jahrhunderts ausgerottet waren \); sie 
tauchten nur vereinzelt wieder gegen Ende des dreifsigj ährigen 
Krieges auf. In den Amtsbüchern seit dem 16. Jahrhundert 
ist von dem Wolfszaun meines Wissens nie wieder die Rede; 
doch buchen sie öfters Kleinigkeiten (Pfähle u. dergl.) für die 
,, Wildbahn" im Wald. Frondienste für letztere habe ich 
nicht erwähnt gefunden; verschiedene Dörfer zahlten gegen 
Ende des 16. Jahrhunderts dem Rochlitzer Amt Jagdgeld-). 
Nach der Anstellunofsurkunde des Rochlitzer Försters Kinder- 
brück von 1496 hatte letzterer das Torschhefsamt der Burg 
inne'^j. 

Das Rochlitzer Schlofs mufs schon in romanischer Zeit 
sehr stattlich gewesen sein; sicher war es damals bereits 
zum o-uten Teil steinern. Darauf deuten nicht nur einzelne 
romanisch oregliederte Werkstücke, die an verschiedenen 
Stellen im Mauerwerk der jetzigen Burg eingesetzt sind, 
sondern auch ganze Bauteile. Der schwere, im Halbkreis 
geschlossene östliche Toreingang, in welchen die gotische 
Kapelle eingebaut ist, gehört zweifellos der romanischen 
Zeit an. Dies gilt auch vom Unterbau an der nordöstlichen 
Umfassungsmauer, deren Sockelgesims an den Stützpfeilern 
in der Hauptsache die Welle zeigt. Diese Pfeiler überliefern 
spätromanische Steinmetzzeichen, die vielleicht die ältesten 
im Lande sind, denn die eigenartigen Zeichen an der Nossener 
Kirchpforte lassen sich schwerlich als solche deuten. Als 
wichtigsten Baubestand des Schlosses aus gotischer Zeit 



') Pfau, Einzelheiten usw. I, 37. 
'^) Daselbst S. 32 
') Ebenda S. 53. 



Topographisches vom alten Rochlitz. 270 

müssen die beiden Türme ,Jupen" gelten, welche die west- 
liche Schmalseite, d. h. die für den Kriegsfall heikelste Stelle 
der Burg, decken. Hinsich thch der Eigenart, dafs letztere 
auf einer schmälsten Seite zwei Bergfriede aufweist, dürfte 
sie in Deutschland einzig dastehen. Die Jupen sind auf Grund 
chronistischer Angaben und unter Berücksichtigung ihrer 
baulichen Eigenart und der Steinmetzzeichen als um 1390 
erbaut anzusehen. Ich habe schon früher^) unter Berück- 
sichtigung der Steinmetzzeichen der Türme die Vermutung 
ausgesprochen, die Erbauer der Rochlitzer Schlofstürme 
dürften Werkleute aus Westdeutschland, aus dem Rheinland, 
gewesen sein. 1383 stellt Markgraf Wilhelm dem Steinmetz 
Nicol de Strazburg eine Urkunde aus, worin dem Werkmann 
Einkünfte verschrieben werden"-). Möglicherweise war dieser 
Künstler an den Jupen tätig. Um diese Zeit entstand auch 
die Rochlitzer Stadtmauer, an deren Untertor das landes- 
herrliche Wappen ,,der Werkmatz", worin sich als Marke 
ein gotisches n befindet, angebracht ist. 

Da die höchst einfache Rochlitzer Stadtanlage hinsicht- 
lich ihres Grundrisses eine ziemlich seltene im Lande ist, so 
möchte ich dieselbe tunlichst einsehend schildern. Der Dar- 
Stellung sei eine Skizze, Fig. 2, zugrunde gelegt, welche 
auf dem ältesten erhaltenen, in der KönigHchen Bibliothek 
zu Dresden befindlichen Stadtplan-^) fufst. Die von mir ein- 
gezeichneten Zahlen und Buchstaben dürften seine Be- 
schreibung erleichtern. 

Im Jahre 1681 brannte die Stadt Rochlitz ab; wegen 
ihrer Neuanlage pflog der Rat Verhandlungen mit der 
Regierung*). Um diese Zeit, aber wie noch später zu er- 
örtern sein ward, vor 1687, scheint auch der Plan entstanden 
zu sein. Bald darnach, 1699, stellte der Rat eine Beschreibung 
der Gebäude u. dergl. zusammen ''). Eine ähnhche Zusammen- 
stellung, die jedoch im Original nicht mehr im Ratsarchiv 
vorhanden ist, war bereits 1687 erfolgt; auf letztere bezieht 
sich mit das Quatemberkataster von 1782, w^elches die Stadt 
ganz genau beschreibt. 



1) Pfau, Geschichte des Steinbetriebes auf dem Rochlitzer 
Berg S. 79 und Pfau, Das gotische Steinmetzzeichen S. 66. 

2) HStA. Dresden, Kop. 30 Fol. 97. 

^) Mitgeteilt von Steche, Beschreibende Darstellung der Bau- 
und Kunstdenkmäler XIV, 56. 

*) Rochlitzer Ratsarchiv, Fach 587. 

^) Designalion — des — der Stadt Rochlitz gegenwärtigen 
Zustandes, Fach 736. 



280 W. Clemens Pfau: 

Das ehemals ummauerte Rochlitz erstreckte sich in der 
Hauptsache westöstHch und war im Grund genommen weiter 
nichts als eine grofse, mit Stadthäusern besetzte Strafse, ein 
Teil jenes grofsen Verkehrsweges, welcher von Geithain 
über Wickershain-Nofswitz nach Rochlitz und von hier über 
Städten-Erlau nach Mittweida führt. Ihn hatte in frühdeutscher 
Zeit höchstwahrscheinlich die uralte, sicher mit in slawischen 
Verhältnissen wurzelnde Rochlitzer Saupenschaft, die Gemeinde 
der 16 aus 5 Dörfern stammenden Landschöppen^), militärisch 
zu besetzen und zu schützen. Die Rochlitz am nächsten 
gelegenen Dörfer im Westen und Osten sind die wichtigsten 
Saupendörfer: Westlich Nofswitz mit einem der Saupenschaft 
angehörigen Erbrichter und zwei anderen Landschöppen, die 
das dortige am Dingstuhl der gesamten Saupenschaft ab- 
gehaltene Gericht zu hegen hatten; östlich Stöbnig mit einem 
ebenfalls der Saupenschaft zugehörigen Erbrichter und vier 
anderen Landschöppen. Die übrigen Saupendörfer besafsen 
keinen derartigen Richter. 

Die Achse von Rochlitz weist nach der Stöbniger Furt-), 
die ehemals den wichtigsten Zugang nach den östlich ge- 
legenen Ortschaften Geringswalde (mit Burg im ,, Fürsten- 
wald"), Hartha, Waldheim bildete. Noch im 18. Jahrhundert 
wurde dieser Muldenübergang benutzt; zu ihm hatte die 
Rochlitzer Hauptstrafse eine unmittelbare, vom Ratsquatember- 
buch als ,, Dresdner Strafse" bezeichnete Verbindung durch 
einen Fahrweg, welcher über die östlich vor der Stadt 
liegende „Neue Wiese" leitete, jetzt aber eingegangen ist. 
In der Untervorstadt zweigte sich ein südlicher Arm der 
Strafse ab, der über die Rochlitzer Furt, neben welcher 
schon frühzeitig die Brücke entstanden war, nach Mittweida 
führte. Die letztere gehörte ursprünglich zur Kunigunden- 
kirche und soll mit dieser von der Kaiserin Kunigunde an- 
gelegt sein. 

Nördlich zieht sich parallel zur Stadtmauer (im bei- 
gefügten Plan: n) die Breitegasse (23), jetzt Gärtnerstrafse, 
hin, die am Grimmaischen Tor (8) ihren Anfang nahm. Die 
„Breitegasse" bestand schon im Mittelalter; beispielsweise 
wird sie erwähnt in einer Urkunde von 1457''). In demselben 
Schriftstück findet sich auch das Grimmaische Tor genannt. 



1) Vgl. Pfau, Die Saupen vom alten Rochlitzer Landgericht (1900). 

2) Über die Geschichte der Strafsen, Furten, Stege, Brücken 
u. ä. vgl. Pfau, Einzelheiten aus dem Gebiete der Rochlitzer 
Geschichte V, i68ff. — Pfau, Topographi.'-che Forschungen S. Sgft. 

^) HStA. Dresden, Original 7550. 



Topographisches vom alten Rochlitz. 



281 




282 W. Clemens Pfau: 

das sich aber auch in älteren Aufzeichnungen, z. B, von 1442, 
belegen läfst. Der Rat hatte vor dem Grimmaischen Tor 
und in der Breitegasse Besitzungen. Zwischen letzterer und 
der Stadtmauer lag ehemals ein Graben, der jedoch gegen das 
Ende des 16. Jahrhunderts im Westen schon so weit ein- 
gegangen war, dafs die Schützengilde hier ihre Schiefsübungen 
(„Schiefsgraben") abhalten konnte M. 

Nördlich der Breitegasse zog sich, parallel zu ihr, ein 
Befestigungswerk hin, dessen ehemaliger Verlauf noch jetzt 
ziemlich klar zu verfolgen ist (m). Heutzutage wirkt die 
Anlage als ein kräftiger, teilweise unterbrochener, etwa 
I — 2 m hoher Wall, der stellenweise mit vielen gröfseren 
Steinen durchsetzt ist. Wie der alte Stadtplan angibt, ist 
das Schutzwerk mit vereinzelten Vorsprüngen verstärkt ge- 
wesen. Das Ostende verlief um 1681 da, wo jetzt das 
städtische Krankenhaus steht. Als man 1861 zu letzterem 
die Gründung vornahm, wurde an einer sehr versumpften 
Stelle die Grundmauer eines runden Baues freigelegt-), den 
man als Turm auffafste; vielleicht bildete derselbe einen mit 
Wassergraben versehenen Eckturm. Jedenfalls ist zu ver- 
muten, dafs diese alte Mauer noch eine weitere Verbindung 
nach dem Untertor (6) zu hatte. Im Westen des Walles 
grub man vor etwa einem Jahrzehnt ein Stück des auf- 
geschütteten Erdzugs ab, bei welcher Gelegenheit zahlreiche 
Mauersteine, sowie eine kleine, eigenartig geformte mittel- 
alterliche Streitaxt, die jetzt im Rochlitzer Museum liegt, 
gefunden wurden. Vor dem Wall zog sich früher ein schmaler 
Pfad, der sogenannte Pestweg (jetzt Albert-Strafse) hin, auf 
welchem der Überlieferung nach die nach Rochlitz ein- 
gepfarrten Dörfer ihre Pesttoten zur Beerdigung trugen. 
Nach Heines Chronik'') soll diese Befestigung die älteste 
Stadtmauer gewesen sein; man könne ,,es auch noch wohl 
erkennen, wo einige Thürme und Pasteyen gestanden haben. 
Der Platz zwischen dieser und der itzigen Mauer ist vormahls 
die alte Stadt genannt worden". Auch das Rochhtzer 
Quatemberbuch braucht den Ausdruck ,,alte Stadtmauer" im 
Gegensatz zu ,, Stadtmauer"*). Die angrenzenden Grundstücks- 
besitzer nennen jetzt das Verteidigungswerk gewöhnlich den 
„Wall". Noch vor ungefähr 80 Jahren hiefs es „die alte 



1) Pfau, Die ältere Geschichte der Rochlitzer Schützengilde 
S. 10. 

2) MündUche Angaben alter Arbeiter. 
=») S. 65. 

*) Z. B. S. 337, 340. 



Topographisches vom alten Rochlitz. 283 

Mauer"'); man rechnete damals zur ,, alten Mauer" noch mit 
eine altertümliche, noch jetzt bestehende Gartenmauer, die 
sich westlich vom Grimmaischen Tor am Weinberg dahinzog 
und einen Teil der Schlofsvorstadt umschlofs. Diese Mauer 
bildete in der Hauptsache die Umfriedigung des ehemaligen 
Schlofs Vorwerks oder des Viehhofs (13). — Offenbar ist die 
,,alte Mauer" nördlich der Stadt diejenige, welche im Roch- 
litzer Gerichtspachtbrief von 1464-) genannt wird. Die 
älteste Gerichtsverpachtung rührt von Markgraf Friedrich 
dem Strengen her"^), doch ist der Wortlaut dieses Schrift- 
stücks nicht übermittelt. In der Urkunde von 1464 heifst es 
bei Feststellung der Gerichtsgrenze u. a.: „von dem Grimmi- 
schen thore vortufs hinum, die schunen mit den wegen uf 
bieden siethen mit ingeschlossen, bifs an den pfarrers garten 
und uf die rechte handt bie der alten muwer hinab bifs an 
die neuen muwer". Demnach stiefs die alte Mauer doch 
wohl an die ,,neue". Wann jene angelegt ist, läfst sich 
nicht ausmachen. 1367 erliefsen die Gebrüder Friedrich, 
Balthasar und Wilhelm dem Rochlitzer Rat gewisse Leistungen 
auf sechs Jahre unter der Bedingung, ,,dafs dieselben rath- 
meister und purger bynne denselben sechs jaren die stad 
Rochlitz ane vorzok und ane alles hindernis bemuren und 
bevesten sullen mit einer guten vertigen muren, die sie auch 
bynen der tzyd vollbrengen sullen"*). Hier ist nur die Rede 
von einer einzigen, und zwar neuanzulegenden Mauer, und 
man darf deshalb wohl vermuten, dafs Rochlitz bis dahin 
keine wirklichen Mauern gehabt hätte. Eine solche Ansicht 
liefse sich durch den Hinweis bestärken, dafs der Rochlitzer 
Rat 1364 im Siegel noch ein Wappen führte, welches anstatt 
der später übHchen Mauer nur PalHsadenflechtwerk zeigte'^). 
Der Bau von 1367 — 1373 mufs die alte Mauer mit begriffen 
haben. Nirgends habe ich in der erhaltenen Stadtmauer 
ein romanisches Werkstück entdecken können, obgleich diese 
viel bearbeitete Porphyrsteine enthält. Wenn Heine, S. 64, 
vermutet, Rochlitz müsse schon vor dem 12. Jahrhundert 



^) Rochlitzer Wochenblatt 1820 ,,Über die Rochlitzer Stadt- 
mauer"; 1821 ,,Über das Grimmaische Thor und die alte Stadtmauer 
zu Rochlitz". Vgl. Pfau, Neudrucke aus alten Wochenblättern 
S. i8flf., 27 ff 

2) Abgedruckt bei Heine S. 223. 

') Vgl. Heine (S. 222), der sich auf Mathesius beruft. 

*) Diese Urkunde, ehemals in der Kunigundenbibliothek, ist 
abgedruckt Rochlitzer Wochenblatt 181 9; vgl. Neudrucke S. 15. 

5) Mitgeteilt von Steche a. a. O. XIV, 55. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVm. 3. 4. 19 



284 



W. Clemens Pfau: 



Mauern gehabt haben, so schemt mir dies unbegründet. 
Ähnliches dürfte von Kretzschmars Behauptung zu gelten 
haben, wonach Rochlitz als Marktort gegen Ende des 
12. Jahrhunderts planmäfsig gegründet und schon vor Er- 
richtung der Petrikirche ummauert worden sein soll^). Kretzsch- 
mar, der das Lehnsbuch Friedrichs des Strengen zitiert, gibt 
selbst an, dafs sich Rochlitz als Stadt und Marktort urkund- 
lich nur bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts verfolgen läfst. 
Meines Erachtens deutet überhaupt nichts darauf hin, dafs 
es viel früher schon Stadt gewesen wäre. Allem Augen- 
schein nach erhielt es seine Stadtberechtigung erst von 
Markgraf Friedrich dem Ernsten; denn in einer von dessen 
Urkunden'-), ausgestellt zu Eisenach 1336, kommt zum ersten 
mal der Ausdruck ,, Rochlitz hus und stat" vor. Die Stadt 
Rochlitz wurde damals mit anderen Besitzungen verpfändet. 
Vielleicht hängt mit der Verpfändung zusammen, dafs der 
wohl erst kürzlich zur Stadt erhobene Ort noch nicht gleich 
Mauern bekam. Die späte Erteilung der Stadtberechtigung 
an Rochlitz mag auch Grund mit gewesen sein, dafs es als 
Stadt nie eine besondere Bedeutung erlangte und dafs 
manches Vorrecht, wodurch Nachbarstädte, wie Grimma, 
Leisnig usw., ausgezeichnet wurden, ihm fehlte. Rochlitz hatte 
kein Stapelrecht; seine Bürger waren der Frone nicht ent- 
hoben; der Rat hatte das Gericht nur gepachtet usw. 

Da die ,,neue" Stadtmauer erst 1464 erwähnt wird, 
während die Urkunde von 1367, auch eine Stiftungsurkunde 
von 1433^), nur schlechtweg von der Stadtmauer spricht, 
so wäre es nicht undenkbar, dafs die ,,neue" um die Mitte 
des 15. Jahrhunderts entstanden ist. Anlafs zu dem Bau 
hätte der Hussitenkrieg geben können, in dessen Verlauf 
Rochlitz sehr schwer heimgesucht worden war. Sicher sind 
damals auch hier wie in so manchem andern Ort zahlreiche 
Einwohner unter dem Mordstahl der böhmischen Fanatiker 
verblutet; die Zahl der Bürger mag sich gar nicht unwesent- 
lich vermindert haben, und manches Bauwerk sank wohl 
in Trümmer. Dies schreckliche Ereignis hatte aller Wahr- 
scheinlichkeit nach umfassende Neubauten, die sich auch 
z. T. auf die Mauer erstreckten, zur Folge. Letztere rückte 
auf der Nordseite mehr an die Stadt heran. Die ,,alte Stadt", 



*) Die Entstehung von Stadt und Stadtrecht in den Gebieten 
zwischen der mittleren und der Lausitzer Neilse S. 58. 

2) Abgedruckt Schmidt, Urkundenbuch der Vögte von Weida, 
Gera und Plauen I, Nr. 764. 

") HStA. Dresden, Loc. 9903, Die Bleiche zu Rochlitz. 14331!'. Bl. i. 



Topographisches vom alten Rochlitz. 285 

die Breitegasse, war vielleicht so verwüstet, dafs sie kaum 
mehr als bestehend erachtet werden konnte; wenigstens gab 
es in den folgenden Jahrhunderten nur wenige Gebäude hier. 
Deshalb mag auch die alte Stadtmauer damals hinfällig ge- 
worden sein. Sie wurde wohl mit ersetzt durch die ,,neue", 
hinter welcher sich die ehemaligen Altstädter mit bergen 
konnten. Allem Anscheine nach war auch die neue Stadt- 
mauer stets unbedeutend. Nach den erhaltenen Resten zu 
urteilen, besafs sie nur eine Stärke von etwa 75 — 120 cm; 
oft liel sie, wie aus den Stadtrechnungen zur Genüge hervor- 
geht, stellenweise ein, und lediglich ihre Haupttore und 
wenigen Türme zeichneten sich durch kräftigere Bauweise aus. 
Dafs die Häuserverteilung innerhalb der Ringmauer jemals 
eine bedeutend andere gewesen wäre als wie sie die beigefügte 
Skizze (Fig. 2) angibt, ist schlechterdings nicht anzunehmen. 
Die ausgesparten Plätze waren offenbar nie mit wichtigeren 
Wohnhäusern besetzt. Wiederholt konnte ich in den letzten 
15 Jahren bei umfassenden Erdarbeiten (Schleufsen- und 
Wasserleitungsbauten u. dergl.) auf dem Hauptmarkt, den 
Strafsen und kleineren Plätzen beobachten, dafs hier keine 
Hausanlage nachweisbar ist; letztere müfste sich doch durch 
Reste gewisser Vorrichtungen, die im gewachsenen Boden 
angebracht sind (Düngergrube, Brunnen oder Wasserloch, 
Grundmauer, Keller u. dergl.), zu erkennen geben. Aber 
überall auf den öffentlichen Plätzen und Strafsen habe ich 
unter der deckenden Abfall- und Schmutzschicht, die sich 
in Rochlitz wie in jeder Stadt durch das tägliche Verkehrs- 
getriebe gebildet hat, nur unberührten gewachsenen Boden 
vorgefunden, natürlich die Stellen abgerechnet, wo ehemals 
die öffentliche Wasserleitung mit ihren ,, Pfützen" verlief. 
Diese Stränge, welche ziemlich nahe den Häuserreihen, 
parallel zu denselben, vorbeigehen, sind heute noch im Erd- 
innern deutlich erkennbar durch den sogenannten ,, ersoffenen" 
Boden, durch vereinzelte steckengebliebene Röhren und 
Pfützengeschränke. Im 16. Jahrhundert verfügte die Stadt 
über drei Wasserleitungen'), deren Gründungsgeschichte das 
Dunkel des Mittelalters verbirgt. Zwei kamen durch die 
Mulde in Röhren und führten die Quellen der ,,Libbe" und 
des ,, Junkerbergs". Die dritte übermittelte das offene Wasser 
der Schlofsbach, welches im ,, Röhrgrund", der zum Schlofs 
gehörte, abgefangen wurde. Das letztere Wasser, das so- 



^) Über Rochlitzer Wasserleitungen, Brunnenbauerei, Röhr- 
meisterei usw. vgl. Pfau, Einzelheiten V, 148 — 167 



19* 



286 W. Clemens Pfau: 

genannte ,, Bachewasser", speiste auch die Schlofsvorstadt 
mit verschiedenen amtUchen Gebäuden, wie Schlofsvorwerk, 
Pfarre. Da der Rat um 1528 durch Pflastereien und andere 
Erdarbeiten in der Oberstadt den Stadtgrund etwas hob, 
Hef das Bachwasser nicht mehr ordenthch herein, weshalb es 
mit Genehmigung Herzog Georgs 1529 höher gefafst woirde. 
1605 bekam der Rat noch eine vierte Wasserbezugsquelle, 
den sogenannten ,, Waldborn" im Amtswald beim Katzenstein 
an der ,,Adscher". Dieses Wasser hatte bis um das Ende 
des 16. Jahrhunderts allein das Schlofs versorgt; da der Fall 
aber zu gering war, gab der Hauptmann von Bünau damals 
diesen Quell für die Burg auf und leitete in letztere einen 
höher gelegenen aus dem Amtswald, ,,Nofswitzer Seite", 
herein, welches Wasser heute noch das Schlofs speist. Trotz 
der vier Leitungen wäre die städtische Wasserversoroamp; 
ganz ungenügend gewesen, hätten nicht zahlreiche Bürger- 
häuser eigene Brunnen (Ziehbrunnen und ,, Plumpen") angelegt; 
auch der Rat baute nach und nach verschiedene derartige 
Wasserschächte, die mitunter eine ziemlich beträchtliche Tiefe 
besafsen. Natürlich war die ergiebige Wasserversorgung 
von gröfster Wichtigkeit besonders für die brauberechtigten 
Häuser. Die Lage der letzteren im städtischen Bebauungs- 
plan erscheint mir als höchst bemerkenswert, da sie einen 
Rückschlufs auf die älteste Topographie der Stadt mit zu- 
lassen dürfte. 

Der Hauptbestand der Häuser im alten ummauerten 
Rochlitz wurde nicht nach Strafsen und Gassen eingeteilt, 
vielmehr nach der Lage im Stadtplan, eine Eigenheit, welche 
der Volksmund noch heutzutage gelegentlich zum Ausdruck 
bringt. Man nannte die seitlichen Häuserreihen Sommer-, 
Winter-, Morgen- und Abendseite, den Block in der Mitte 
die Mittelseite oder Mittelzeile (Fig. II, 3). Die Sommer- 
und Winterseite erstreckte sich vom Untertor (6) bis zum 
Obertor (7) am Ende der Burggasse. Da im Norden der 
Stadt die ,, Altstadt" vorlagerte, so mufsten hier besondere 
Verkehrswege aus dem Stadtinnern vorgesehen werden. Auf 
dieser Seite haben wir deshalb zwei Gassen, die ehemals, 
z. B. ganz gewöhnlich in den Stadtrechnungen des 17. Jahr- 
hunderts, ,,Babstgasse" (11) und ,, Buttergasse" (10) — mit 
Babstpforte und Buttergassenpforte — genannt wurden. 
Das Eckhaus am Eingang der Babstgasse gehörte ursprünglich 
der Bürgermeisterfamilie Babst. Die „Löwengasse" wurde 
nach dem dort liegenden Gasthof zum Löwen genannt. Dieser 
Name verdrängte allmählich die Bezeichnung „Buttergasse", 



Topographisches vom alten Rochlitz. 287 

wie der Ausdruck ,,Babstgasse" schliefslich durch die Be- 
nennung „Pfarrgasse" (Weg nach den „Pfarrfeldern") unter- 
drückt wurde. Auf der Südseite war nur eine Gasse nötig, 
die nach der uralten Baderei') (15) führende Badergasse mit 
Badertor (9). Vielleicht bestand, wie noch näher zu erörtern 
sein wird, ursprünglich auch ein Gang aus der Burggasse 
bei 16, der wohl nach einem besonders wichtigen Punkt der 
Stadtmauer führte ; derm letztere bildete hier eine stumpfe Ecke, 
die im Belagerungsfall besonders berücksichtigt werden mufste. 
Umschlossen von den Häuserreihen lagen der Markt (i), der 
eine Unterbrechung der Mittelzeile bildende Topfmarkt (4), 
welchen Namen ich aber erst 1695 genannt finde, die 
Kunigundenkirche (5) und das Rathaus (2). Nach dem Stadt- 
brand von 1681 wurde das steinerne Kornmafs, welches bisher 
beim Gasthof zum Löwen auf dem Kommarkt gestanden 
hatte, vor das Rathaus gestellt-); am letzteren brachte man 
auch andere Mafse (Weife, Elle u. dergl.) an, wie dort auch 
die steinernen Schandflaschen hingen"^). Die Freitreppe vor 
dem Rathaus diente zu gerichtlichen Verhandlungen, z. B. 
der Verkündigung von Landesverweisungen*). Der Rat unter- 
hielt am Rathaus eine steinerne Bank, für deren Ausbesserungen 
die Ratsrechnungen, z. B. 1674, wiederholt kleine Ausgaben 
buchen. Das Rathaus war 1529 gebaut worden, nachdem zu 
diesem Zweck vier auf dem Markt befindliche unbedeutende 
Häuser weggerissen worden waren. 

Auf dem Hauptmarkt stand ehemals das ,, Wachhaus", 
das die Stadtrechnung von 1679 erwähnt; 1693 wurde ein 
neues errichtet^). Es ist im Plan, Fig. 2, mit angegeben. 
Die Gasse westlich der Kunigundenkirche hiefs ,, Kirchgasse", 
die nordwesthche ,, Beutlergasse", die nördlich der Schule 
,, Schulgasse". 

Auf dem beiorefüo-ten Plan unterscheide ich die brau- 
berechtigten Häuser von den ,,Unbrauberechtigten"; ihre 
Lage liefs sich genau aus dem alten Quatemberkataster von 
1782 im Rochlitzer Ratsarchiv ermitteln. Die im Plan schräg 
schraffierten Gebäude mit Doppellinie in der Front sind brau- 
berechtigt; die mit Punkten versehenen und einfacher Front- 
linie waren dies nicht. Alle brauberechtigten Bürgerhäuser 



') Über die Geschichte der Rochlitzer Baderei und des Medi- 
zinalwesens vgl. Einzelheiten V, 34 — 75. 
^) Pfau, Einzelheiten V, 79. 
^) Nach Ausweis der Stadtrechnungen. 
•*) Einzelheiten V, 29. 
^J Pfau, Einzelheiten VI, 32. 



2 88 W. Clemens Pfau : 

lagen also in der Ringmauer nach der Burg zu; sicher gehören 
sie zu den allerältesten deutschen Wohnstätten der Stadt. 
Um die Kunigundenkirche herum, ferner an den Toren bestanden 
keine brauberechtigten Grundstücke; um das Gotteshaus zog 
sich im Mittelalter der Kirchhof, von dessen Vorhandensein 
noch heute die zahlreichen, dort im Boden vorkommenden 
Menschenknochen zeugen. An den Toren konnten offenbar 
deshalb keine brauberechtigten Häuser liegen, weil erstere 
in ältester Zeit frei zur Verteidigung bleiben mufsten. Das 
unbrauberechtigte Haus (i6) der Burggasse ist wohl erst sehr 
spät entstanden, als der Verteidigungszweck der Mauer ziemlich 
hinfällig geworden war. Wahrscheinlich ragte hier auf der 
Ecke der letzteren ein ähnlicher Turm wie auf der entsprechenden 
Stelle im Nordost bei 17, welch letzteres Bauwerk erst 1885 
abgetragen wurde. Zu ihm führte ursprünglich wohl ein eigener 
Weg; das Quatemberbuch sagt zu dem vor dem Turm stehenden 
Haus 61: ,, Hinter diesem Haufse an der Stadtmauer ist der 
Communpulverthurm und durch dieses Haufs der Zugang darzu". 
Das Gebäude war wahrscheinlich auf den betreffenden Weg 
so gebaut worden, dafs die alte Weggerechtsame als Last 
auf das Grundstück überging. Als der Pulverturm 1749 der 
Garnison mit eingeräumt wurde, wodurch dem davorliegenden 
Gebäude starke Belästigungen erwuchsen, stand der Rat dem 
betreffenden Besitzer Erleichterungen hinsichtlich der Ver- 
quartierung zu^). 

Am Obertor war nördlich ein unbrauberechtigtes Haus, 
das sogenannte „Schieferhaus", im Kataster als i^ bezeichnet, 
angebaut worden; es bestand schon bei der Konsignation von 
1687, ist aber dann mit i* konsolidiert worden. Ihm gegen- 
über befand sich ebenfalls bereits 1687 ein unbrauberechtigtes 
Haus, das bis heute selbständig geblieben ist. Da die Stelle 
dieses Gebäudes auf dem Plan, Fig. 2, noch unbebaut ist, 
mufs derselbe vor 1687 entstanden sein. 

Der westliche Hauptblock der Mittelzeile hinter dem Rat- 
haus setzte sich schon im 17. Jahrhundert aus einer Doppel- 
reihe von Gebäuden ohne Gärten zusammen. Nur drei davon 
galten als brauberechtigt; in ihren ursprünglichen Gärten 
u. dergl. sind wahrscheinlich die übrigen Anwesen nachträg- 
lich entstanden. Ähnliches dürfte von den Häusern bei der 
Kunigundenkirche, an der Kirch- und Schulgasse, gelten. 
Bei dem ersten brauberechtigten Haus (i8j an der Winter- 



') Ebenda S. 41- 



Topographisches vom alten Rochlitz. 289 

Seite stofsen die Erdarbeiter auf altes Grundmauerwerk, 
welches quer über die Strafse zu verlaufen scheint; viel- 
leicht hat sich hier eine Umfassungsmauer des Kirchhofs hin- 
gezogen. 

Für die Altstadt (Breitegasse) läfstsichkeinbrauberechtigtes 
Haus nachweisen, obschon dieselbe doch auch innerhalb von 
Mauern lag. Ihre Insassen waren ursprünglich wohl nicht 
ebenbürtig mit den andern Bürgern, vielmehr bildeten sie 
wahrscheinlich, wenigstens in der Hauptsache, anfangs den 
wendischen Bestand des Orts. 

Nach der 1739 konfirmierten und im Druck heraus- 
gegebenen ,, Brauordnung bey der Stadt Rochhtz" besafs die 
Stadt 112 brauberechtigte Häuser, welche zusammen 273V2 
Biere herstellen konnten; jedoch wurde damals beschlossen, 
dafs jährhch nur noch der vierte Teil erzeugt werden sollte. 
Die vollständige Zahl der Biere konnte offenbar nicht mehr 
wie ursprünglich abgesetzt werden, wahrscheinlich, weil der 
Stadt im Laufe der Jahrhunderte zu viel Konkurrenz hin- 
sichtlich der Brauerei auf den Dörfern entstanden war. Der 
Urspnmg vieler brauberechtigter Bürgerhäuser ist sicher mit 
in den Verhältnissen um die Kolonisationszeit zu suchen, als 
Rochlitz allmählich sich zur Stadt ausbildete. Später bekam 
es sein Bierprivileg, welches ihm ein gewisses Absatzgebiet 
innerhalb der Meile sichern sollte. Heines Chronik ^) berichtet, 
dafs Rochlitz die betreffende Verschreibung von Friedrich dem 
Strengen, zu dessen Zeit die Stadtmauern aufgeführt wurden, 
erhalten habe; die noch im Ratsarchiv-) überlieferte Be- 
stätigimg von 1748 verweist auf frühere Konfirmationen und 
sagt, dafs die Stadt das Privileg vom Kurfürst Ernst 1475 
erhalten habe. In diesem Jahr bereits schlössen Rochlitz und 
Mittweida einen Vertrag wegen ihrer Bierprivilegien, die durch 
verschiedene neuentstandene Dorfschenken beeinträchtigt zu 
werden Gefahr liefen'^). In dem Bierprivilegium \vird weder 
die Zahl der brauberechtigten Häuser, noch diejenige der 
Biere selbst angegeben. Nirgends habe ich auch nur eine 
Andeutung gefunden, dafs in nachmittelalterlicher Zeit ein 
Rochlitzer Bürgerhaus mit einer neuen Bierberechtigung 
ausgestattet worden wäre. Neuverleihungen von diesem Vor- 
recht an einzelne Grundstücke hatten doch nur Sinn, solange 
die Stadt ihre Erzeugnisse wirklich absetzen konnte, da sonst 



') S. 298. 

■-) Fach 501. 

^) Heine S. 299. 



2go W. Clemens Pfau: 

die alten brauberechtigten Häuser zu sehr geschädigt werden 
mufsten. Schwerlich sind die Rochlitzer brauberechtigten 
Häuser alle auf einmal gegründet worden; einzelne mögen 
allmählich noch nachträglich entstanden sein, aber immerhin 
noch im Mittelalter. Wie auf den Dörfern die späteren Güter 
meist immer kleiner wurden, nur noch Teile von Hufen um- 
fafsten, so scheint dies in Bezug auf die Brauberechtigung 
in Rochlitz ähnlich gewesen zu sein. Wahrscheinlich verfügten 
die ältesten Häuser ursprünglich über die stärkste Brau- 
berechtigung, die späteren über die geringere. Das der Burg 
am nächsten gelegene Haus, Nummer i der Burgstrafse, durfte 
das meiste Bier von allen Häusern, nämlich 4V2, brauen, die 
am weitesten abgelegenen, in der Mittelzeile und am Kunigunden- 
kirchhof herum, hatten nur die Brauberechtigung von je einem 
Bier. Die meisten starkberechtigten Häuser lagen in der Burg- 
strafse und am Markt. Im westlichen Teil des letzteren, also 
mehr nach der Burg zu, befanden sich auch die zwei einzigen 
Gasthöfe, Bär und Löwe, von welchen jeder vier Biere braute. 
Doch will ich nicht gesagt haben, dafs das Alter eines brau- 
berechtigten Hauses allein mafsgebend für die Gröfse seiner 
Brauberechtigung gewesen sein soll; sicher spielte dabei auch 
die Gröfse des Grundstückes, sein Wasserbezug, der Besitz 
seines Eigentümers usw. eine Rolle mit. Mitunter mag auch 
ein brauberechtigtes Haus geteilt worden sein, wie man 
schliefslich gelegentlich zwei benachbarte brauberechtigte 
Grundstücke zu einem zusammenzog. Während die Brau- 
ordnung von 1739 noch 112 brauberechtigte Grundstücke 
anführt, kennt das Quatemberbuch von 1782 nur noch iii, 
und im 19. Jahrhundert sind eine ganze Reihe gröfserer Häuser 
in der Stadt entstanden, von denen jedes zwei bis drei ursprüng- 
lich brauberechtigte Besitzungen umfafst. Aber allem Anschein 
nach ist für alte Zeit der Umstand, ob ein Haus schon sehr 
frühe bestand oder nicht, für die Verleihung der gröfseren 
oder kleineren Brauberechtigung mit mafsgebend gewesen. Die 
mächtigen, oft in zwei Stockwerken übereinander angelegten 
Keller und die tiefen Brunnen fesselte das brauberechtigte 
Haus an seine Stelle; das Unterirdische desselben hatte ehedem 
in der Regel mehr Wert als der oberirdische Bestand. Sicher 
waren die vier zum Zweck des Rathausbaues auf dem Markt 
um 1529 weggerissenen Häuser nicht brauberechtigt; sie 
waren zweifellos spätere Einbauten. Wie wir aus schriftlichen 
Verhandlungen, welche den Neubau der eingeäscherten Stadt 
1681 betreffen, erfahren, konnten selbst die Wünsche und 
Vorstellungen der Regierung gegen die Notwendigkeit, dafs 



Topographisches vom alten Rochlitz. 291 

die alten Kellereien wieder Stand und Bauweise der neuen 
Häuser bedingten, nichts ausrichten^). 

Die zwei eigentlichen Vorstädte der Stadt verdanken 
ihre Entstehung zweifellos zwei ganz verschiedenen Haupt- 
ursachen. In der Untervorstadt gruppieren sich die meisten 
Häuser um die Brücke; sie sind jedenfalls, im allgemeinen 
gesprochen, auch die ältesten des Stadtteils. Die von Nord 
nach Süd verlaufende Gasse, ehemals ,, Landgasse", jetzt 
,, Dresdner Strafse" benannt, stöfst mit der Achse unmittelbar 
auf die uralte Furt, die wohl schon zur Wendenzeit benutzt 
wurde. Neben ihr bildete sich dann die Brücke, nach welcher 
die dortige westöstliche Gasse ,, Brück engasse" getauft wurde. 
Beide Gassen bestanden schon vollständig im 16. Jahrhundert, 
wie die Bürgerverzeichnisse in den Amtsrechnungen ausweisen. 
In der Amtsrechnung von 1601/02 wird einmal ,,das Zollhaus 
unter der Brücken hinter den Heuserlein" erwähnt, welches 
Gebäude ich sonst nicht wieder genannt gefunden habe. Um 
1735 hatte die Garnison ein eigenes ,,Wachhäufsgen" auf der 
Brücke. Auf letzterer übte stets das Amt die Gerichtsbarkeit 
aus. Obgleich die Furt bei der Brücke noch im Quatember- 
buch von 1782 genannt wird und offenbar bis um diese Zeit 
nebenbei benutzt wurde, dürfte die Brücke doch bereits zur 
Kolonisationszeit allmählich entstanden sein, wie ihre höchst 
eigenartigen ehemaligen Zins- und Dienstverhältnisse an- 
deuten. 

In der Unterstadt lag nach Mathesius-) Bericht ursprünglich 
ein Anger, auf welchem im 16. Jahrhundert der Friedhof, das 
Hospital und die Kirche ,,zum Heiligen Geist" angelegt wurden. 
Der Gottesacker heifst 16 17 auch Spittelgarten*^); vielleicht 
war ein Teil davon die sogenannte ,,Spitelwiese", welche 
Amtsfröner aus Spernsdorf nach dem Erbbuch von 1548 zu 
hauen hatten, die aber später nicht mehr genannt wird. 

Der Friedhof bei der Kirche zum Heiligen Geist entstand 
1534*). Da nun 1538 bei der Kunigundenkirche die Schule 
gebaut wurde, so darf man hieraus wohl schliefsen, dafs dieser 
Friedhof um diese Zeit einging; nun konnten innerhalb seines 
Gebietes die unbrauberechtigten Häuser entstehen. 

Die Gerichtsbarkeit auf den Grundstücken der Untervorstadt 
war dem Rat stets mit verpachtet; er besafs hier auch mehrere 
Gebäude wie Kuttelhof, Meisterei, Hirtenwohnungen u. dergl. 

^) Einzelheiten V, 116. 

^) Heine S. 10. 

") Ratsarchiv, Kommissionsakten von 1617, S. 7. 

*) Heine S. 54. 



292 W. Clemens Pfau: 

Am spätesten scheint der untere Steinweg bebaut worden zu 
sein. Derselbe, sehr oft im Quatemberbuch genannt, schlofs 
sich an das Untertor an und verUef von West nach Ost. In 
den Amtsrechnungen des 16. Jahrhunderts werden die Roch- 
Ktzer Bürger, welche jährlich Holz auf dem Rochlitzer Wald 
kauften, ganz gewöhnlich nach den Strafsen oder Gassen, in 
welchen sie wohnten, aufgeführt. Nie kommen hier Bewohner 
des unteren Steinwegs vor, während die Leute der Land-, 
Brücken-, Fischergasse, des oberen Steinwegs usw. regelmäfsig 
auftreten. Die Stadtgrabenbrücke am oberen Steinweg wurde 
bereits 1529 aus Stein gebaut^), während diejenige am Unter- 
tor stets hölzern blieb-). Von letzterer zog sich nach Süden 
die Fischergasse hin; dort errichtete die Hospitalverwaltung 
im 18. Jahrhundert wegen Überfüllung des Hospitals Armen- 
häuser'^). Fischer- und Landgasse stofsen auf die ehemalige 
kurfürstliche Bleiche; letztere übernahm 1564 der Rat. Es 
entstanden nunmehr allmählich zahlreiche eingezäunte ,, Bleich- 
gärten" und Wohnhäuser hier^). 

Bei weitem wichtiger als die untere Vorstadt dürfte die 
obere sein, schon deshalb, weil die Erörterung ihrer Geschichte 
zur Untersuchung über das Rochlitzer Suburbium führen muf-;. 

Kretzschmar a. a. O. behauptet, letzteres sei die Roch- 
litzer ,, Altstadt", die nördUch der Stadt noch innerhalb der 
,, alten Mauer" gelegene Breitegasse. Einen Beweis für die 
Richtigkeit der Angabe suche ich vergebens. Wenn Kretzsch- 
mar anführt, dafs Heine ,, ausdrücklich betont", die Stadt und 
Altstadt seien ,, gerichtlich von einander geschieden gewesen", 
so irrt sich Kretzschmar; denn die Chronik sagt durchaus 
nicht das, was ihr zugeschrieben wird. Die beiden Stadt- 
bezirke waren gerichtlich nicht getrennt, waren vielmehr 
durch den Gerichtspachtbrief dem Rat zusammen übergeben. 
Einzelne Grundstücke der Breitegasse gehörten zur Pfarr- 
verwaltung, welche 1570 der Rat erwarb. Schon deshalb, 
weil die innerhalb der Mauer befindliche Altstadt am weitesten 
vom Schlofs lag und zur Gerichtsbarkeit des Rats gehörte, 
kann ich Kretzschmar in dieser Angelegenheit nicht zustimmen 

Das Suburbium müfste man meines Erachtens näher am 
Schlofs, zwischen diesem und dem Obertor der Stadt, suchen. 



') Rochl. Amtsgerichtsarchiv, ältestes Handelsbuch (15 13— 1537) 
Bl 185. 

-) Nach den Ratsrechnungen, z. B. von 1657, wird wiederholt 
am ,,Brickle vor dem Unterthor" mit Holz gebessert. 

^) Rechnungen der Hospitalverwaltung im Ratsarchiv. 

*) Heine S. 26 und Amtsrechnungen. 



Topographisches vom alten Rochhtz. 293 

Hier lagen schon in alter Zeit Gebäude, welche in Lehns- 
und Gerichtsangelegenheiten teils dem Rat, teils dem Amt 
unterstanden; die letzteren führten früher stets den Namen 
„Amtsvorstadt, Schlofsvorstadt". Diesen Stadtteil mufs man 
offenbar als das Suburbium, welches freilich im Mittelalter 
nicht stark ausgebildet war, auffassen. 

Die Häuserblöcke vor dem Obertor (12) nahmen allmäh- 
lich zwei ursprüngUche Anger ein, welche Mathesius noch 
anführt und die in ältester Zeit mit einigen Meierhöfen besetzt 
gewesen sein sollen^). Der nördliche Teil des Geländes 
gehörte zur Pfarrverwaltung, später zum Rat, der südliche 
zum Amt. Im Jahre 1520 tauschte-) Herzog Georg vom Roch- 
litzer Rat das Dorf Bedeln ,,mit eylf guten schogken jerlichs 
zinses, zwelf besessen mennern, erbgerichten und allen zube- 
horungen". Dagegen gab er aufser jährlichen Einkünften in 
Speriingsdorf (jetzt Spernsdorf) und Seelitz ,,zcinse und lehn 
auf allen Eckern, wysen und höltzern der dreyher forwergke, 
Weyschitz, Kofsehtz und Czafsnitz genandt, mit erbge- 
richten", — • ,, desgleichen auch nachfolgend zinse in der 
Vorstadt zu Rochlitz — ", ,,item i seh. 7 gr- i -v? innerhalb 
und aufserhalb der Stadt von den heusern worfzins alle jar, 
jerlich uff Walpurgis zu fordern und zwene tage margktrecht, 
yhnen vor neuntzen gr. angerechnet". Die hier genannte 
Vorstadt ist die Schlofsvorstadt. Nach der Tauschurkunde, 
welche alle Zinspflichtigen mit Namen und Abgabengröfse 
angibt, wurden dem Rat in der Vorstadt 19 Zensiten über- 
wiesen. Die Grundstücke der drei genannten Vor^verke bilden 
heutzutage den Hauptbestand der städtischen Ackerfluren. 

Zur Zeit, als sich dieser Tausch vollzog, bestanden wahr- 
scheinlich die Gebäude in der oberen Vorstadt, westHch der 
Baderei, noch nicht. Die Stelle vor dem Badertor wird in 
den Amtsrechnungen ganz gewöhnlich, z. B. in einer Buchung 
über einen Hauskauf von 1572, als ,, Baderberg" bezeichnet. 
Die Wohngebäude zwischen Baderei und Mühle bildeten sich 
wohl ganz allmählich im i6. Jahrhundert heraus. Sie gehörten 
mit Lehn- und Erbgericht zum Amt. In den Amtsrechnxongen 
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts werden einzelne dieser 
Häuser als ,,uff dem Graben" liegend bezeichnet, während 
das alte Handelsbuch, das bis 1537 reicht, kein solches Besitz- 
tum dort aufführt, trotzdem es doch Einträge über verschiedene 
Besitzveränderungen in der Vorstadt bringt. Beispielsweise 



^) Heine S. 10. 

-) Amtsgerichtsarchiv, ältestes Handelsbuch Bl. 264 — 267. 



294 



W. Clemens Pfau: 



kauft nach ihm 1525 Wolf Weber von Donat Hackentall das 
,,Haus vor Rochlitz bei der Mule'"^). Dasselbe lag entweder 
am ,, Mühlberg" oder am „Mühlplan", welche Ortsbezeich- 
nungen in den ältesten Amtsrechnungen ziemlich oft auf- 
treten, z, B. 1583. 

Die Häuser „uff dem Graben", beim Mühlgraben, konnten 
sich doch erst bilden, als die dahinter befindliche Stadtmauer 
schon stark an Bedeutung verlor und der ursprüngliche Wall- 
graben so verfallen war, dafs er schliefslich Land für Gebäude, 
Höfe und Zugänge herzugeben vermochte. In dem Gerichts- 
pachtbrief von 1464 werden Häuser ,,uff dem graben" nicht 
erwähnt, trotzdem man erwarten könnte, sie hier gebucht zu 
finden, wenn sie vorhanden gewesen wären. Es heifst da 
,,von der badestube hinauf bifs an die mohle". Nach dem 
Quatemberkataster stellten im 18. Jahrhundert die Tuchmacher 
ihre Rahmen vor der Stadtmauer beim Badertor auf, weshalb 
der Weg hier an dem alten Verteidigungsbau das ,,Tuch- 
rahmengäfschen" hiefs. Es lag auf dem zugefüllten Stadt- 
graben. 

Die ältesten Privathäuser der Schlofsvorstadt entstanden 
zweifellos in der Nähe des ,, hohen Hauses" (22) und der 
Mühle (14). Ihre Insassen mögen ursprünglich zum guten 
Teil Arbeiter dieser beiden Besitzungen, Taglöhner usw., 
gewesen sein. Auch in viel späterer Zeit noch gehörten 
diese Vorstädter in der Hauptsache durchaus nicht zu den 
vornehmen Einwohnern. In einer Eingabe an den Kurfürst 
sagt der Rat 1750, die Amtsvorstadt bestände meist aus 
,, Hütten, worinnen mehrenteils Tagelöhner wohnen, und werden 
solche nur Ambtsbothenhäuser genannt"-). 

Die alte Gerichtsgrenze unter den Liegenschaften der 
oberen Vorstadt ist nach der Urkunde von 1464 nicht recht 
klar: ,,Von der badestube hinuf bifs an die mohle und von 
der mohel fürüber bifs wieder zu dem gessichen". Das 
Gäfslein war der Ausgangspunkt der ganzen Weichbildsfest- 
setzuno; orewesen. Verständhcher wird letztere durch ein 
Aktenstück über die abermalige Grenzbestimmung des Gerichts- 
bezirks vom Jahre 1704, welches Schriftstück auch Heine in 
seinem Bericht über diese Angelegenheit benutzt hat^). Den 
Ausgang bei dieser späteren Grenzaufnahme bildet wieder 
eine Gasse, und die ganze Aufzählung der einzelnen Mark- 

1) Handelsbuch Bl. 132b. 

-) Ratsarchiv, Fach 426, Aktenstück über Servisangelegenheiten 
von 1749 — 17.54 Bl. 139. 

3) S. 400. 



Topographisches vom alten RochUtz. 295 

punkte entspricht genau der von 1464, Man fing am ,,Mühl- 
gäfschen" an. Die Ecke desselben nebst vier anderen der Pfarre 
(21) gegenüber und am Schulborn (bei 19) befindlichen Häusern 
und zwei Baustellen, ferner die Mühle mit zugehörigen Gärten 
und Gebäuden (14) und das ,,hohe Haus" (22) gehörten zum 
Amt. Die Mühlgrasse teilt den Liegenschaftsblock 12a. Pfarre 
(21), Schlofsvorwerk (13) standen ebenfalls, wie alles westlich 
davon Gelegene, unter dem Amt; die Liegenschaften östlich 
davon bildeten Ratsgebiet. 

Als Grenzbestimmung kommt das Mühlengelände sehr 
frühe vor; 1288 reicht Pfalzgraf Friedrich von Sachsen dem 
Kloster Buch eine Hufe mit der Fischerei auf der Mulde 
vom Dorf Kralapp ,,usque ad aggerem molendini in Roche- 
lizc"^). Der Name Mühlgasse läfst sich schon in älteren 
Amtsrechnungen, z. B. 1582, belegen; in der Rechnung von 
1604/05 kommt der Ausdruck vor „Ecke des Mühlgefslein 
gegenüber der Pfarre". 

Dafs sich das Rochlitzer Suburbium im Mittelalter nicht 
stärker entwickelte, lag zweifellos an den Raumverhältnissen 
der Schlofsanlage. Die Burg trat südlich ziemlich dicht an 
die JNIulde heran und die hier sich westlich erstreckenden 
geringfügigen Wiesen hatten ständig von den Überschwem- 
mungen-) zu leiden. Auf der Nordseite zog sich neben dem 
Schlofsgraben die tiefeingeschnittene ,,Geithainer Strafse" hin, 
am Fufs des ziemlich steilen angrenzenden amtlichen ,, Wein- 
bergs". Im Westen lag der Amtswald und die für die 
Unterhaltung der Amtsgebäude und ihrer Insassen wichtige 
Feldflur. Die Petrikirche mit ihrem offenbar ziemlich aus- 
gedehnten Gottesacker, der auch oft überschwemmt-^) wurde, 
lagerte sich dem Schlofs östlich vor; ihr zur Seite stand 
bis 1538 die Schule. Es konnten sich demnach im Mittelalter 
am Burgberg höchstens einige kleine Häuschen anschmiegen. 

In den alten Amtsrechnungen des 1 6. Jahrhunderts werden 
wiederholt die Häuser der ,,Schlofsgasse" (19) an der Petri- 
kirche, z. B. 1599, genannt; aus ihren Kaufspreisen zu 
schliefsen waren sie offenbar nur von geringer Bedeutung. 
Nach der Amtsrechnung von 1635/36 brannten 1635 neun 
Häuser der Schlofsgasse weg. Der Kurfürst Hefs ihre Er- 
bauung wegen der Feuersgefahr für Schlofs und Kirche nicht 
wieder zu, kaufte vielmehr die Stellen für 112 fl. und machte 



^) Schöttgen u. Kreyssig. Scriptores II, 206. 

-) Das Nähere darüber vgl. Pfau, Einzelheiten V, 157. 

^) Ebenda S. 15. 



296 W. Clemens Pfau: 

Gärten daraus. Wie aus den Amtsrechnungen weiter zu ent- 
nehmen ist, entstanden seit der zweiten Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts allmählich einige Häuschen „uffm Graben" beim 
Schlofs; das sind offenbar die Grundstücke, aus welchen sich 
später die Petrigasse an der Geithainer Strafse^j (20) in der 
Hauptsache entwickelte. Häuser „am Petrikirchhof " werden in 
den älteren Amtsrechnungen, z. B. 1577, wiederholt genannt. 

In der Nähe der Kirche lag bis zur Reformationszeit 
das Haus der Brüderschaft ,,der elenden Selen''. Das Besitz- 
tum bestand aus dem „Underhaus" und „Oberhaus". Ersteres 
wurde 1530, letzteres 1536 vererbt, und zwar an den Kirchner 
Fabian Junckwirt"-|. Augenscheinlich ist dieses Gebäude 
gleichbedeutend mit dem „Sehlhaus", welches-^) der oben 
erörterte Tauschvertrag von 1520 mit als Inhaber eines 
Vorwerksholzes erwähnt. 

Die Pfarre (21) befand sich in der Nähe des östlichen 
Petrikirchhofes; sonst grenzte derselbe an den Mühlplatz 
oder Mühlplan. Nach Eingehen des Friedhofes fiel der letztere 
offenbar zum guten Teil mit dem Gebiet des ehemaligen 
Begräbnisplatzes zusammen. Das ganze Gelände ist offenbar 
für die Geschichte des Rochlitzer Gerichtswesens von gröfster 
Bedeutung. 

Ursprünglich stand auf dem Mühlplan der Amtspranger, 
also bei der Gerichtsgrenze des Amtes; derselbe wird 1602 
ausgebessert, da er aus Holz war*j. 1605 erwähnt die Amts- 
rechnung den steinernen Pranger ,,ufin Peterskirchhof". 
1595 schaffte ein Zimmermann den Gefangenenstock aus 
„dem untern Zwinger", d. h. dem Wallgraben bei der Kirche, 
in den ,, lichten Turm". Demnach hatte das Gelände um die 
Kirche in alter Zeit eine gewisse Bedeutung für richterHche 
Strafvollstreckung und sicher haben hier auch Gerichts- 
verhandlungen im Mittelalter stattgefunden. Das geht aus 
folgendem hervor. 1290 regelte Pfalzgraf Friedrich Grenz- 
streitigkeiten zwischen dem unter Gerhardt dictus de Krosna 
stehenden Dorf Weiditz und dem zum Kloster Buch gehörigen 
Kralapp. Die Urkunde'^) über diese Angelegenheit ist aus- 
gestellt „in porticu ante castrum in Rochelizc"; aufserdem 
werden die Streitparteien als ,,coram nobis in Rochelizc ante 
ecclesiam in porticu venientes" bezeichnet. Es bestand 



') Über die Strafsen vgl. Pfau, Einzelheiten V, 168. 

-) Handelsbuch Bl. 221. 

3) Ebenda Bl. 266. 

■*) Aratsrechnung. Pfau, Einzelheiten V, 17. 

■'^) Abgedruckt bei Schottgen u. Kreyssig, Scriptores II. aiof. 



Topographisches vom alten Rochlitz. 207 

damals also vor der Kirche eine Gerichtshalle. Ebenfalls 1290 
übergibt Heinrich von Colditz das halbe Dorf Tierbaum dem 
Kloster Buch in einer Urkunde, welche den Ausstellunofs- 
vermerk trägt ,,Rochehzc in cimiterio". Höchst wahrscheinlich 
bildeten die hier angedeuteten, bei der Petrikirche tagenden 
Gerichtssitzungen das älteste Rochlitzer Landgericht, an 
welchem die 16 Saupen als Schoppen wirkten. An ihrem 
Dingstuhl zu Nofswitz kamen sie nur unter sich zusammen; 
sonst hatten sie bis in die neueste Zeit allerhand Gerichtshand- 
'ungen (Folterungen, Hinrichtungen, Aufhebungen u. dergl.) 
beizuwohnen. Der ,,porticus ante castrum — ante ecclesiam" 
ist wohl so ziemlich gleichbedeutend mit dem Rochlitzer 
,, Gerichtshaus", über welches 1528 ein Vertrag abgeschlossen 
wurde ^). Zwischen Rat und Landgericht waren ,, Irrungen 
und Gebrechen" vorgekommen wegen der ,, Frevel und 
Gerichtsbussen, die sich im Gerichtshause, weyl die Gerichts- 
personen allda vorhanden, begeben". Es wurde deshalb 
festgesetzt, dafs die Fälle in diesem „Hause zu Rochlitz, 
darinnen die Landgerichte gehalden" von Ostern bis 
Michaelis täglich bis 7 nachmittags „den Lantgerichten ader 
einem Amptmann zustehen", desgleichen diejenigen von 
MichaeUs bis Ostern täglich bis 4 nachmittags. „Was sich 
aber vor Gerichtsfelle nach dieser obberurten Zceit im Landt- 
gerichtshause, so doch das die Gerichte aufgegeben, erregnen 
würden, die sollen und mügen der Ratte zu Rochlitz von 
wegen irer Gerichte in ire Straff zu nemen gut Fug und 
Recht haben." Wo das Landgerichtshaus lag, geht aus der 
Niederschrift nicht hervor; doch greift man wohl nicht fehl, 
wenn man annimmt, dafs es am Mühlplatz, auf der Scheide 
zwischen Rats- und Amtsgerichtsgebiet, gestanden habe. 
Augenscheinlich ist es bald nach der Zeit dieses Vertrags 
eingegangen. In den Verzeichnissen der Amtsliegenschaften 
des 16. Jahrhunderts wird es nie genannt und keine Amts- 
rechnung bucht eine Ausgabe für dasselbe. In späterer Zeit 
fanden die Landgerichtsverhandlungen auf dem Schlofs in 
der Amtsstube statt, wie z. B. aus einem Rügenprotokoll 
von 1687 hervorgeht'-). 

Ein Strich vom Mühlplatz hiefs ehemals der ,,Urthelsplatz". 
Das Quatemberkataster^) von 1782 führt unter der Nummer 11, 
Abteilung Gärten vor dem Obertor, mehrere Grundstücke 



>) Handelsbuch Bl 167. 
-■) Pfau, Die Saupen S. 43. 
=*) Ratsarchiv Bl. 299. 



2q8 W. Clemens Pfau: 

der Reihe nach auf, die zwischen einem Stadtgrabengarten 
und der Schlofsaue lagen. Es heifst da: ,,iia — Johann 
G. Häfslers Garten zum Hohen Haufse gehörig, iib — 
der Küchen- oder Miethgarten am Urthelsplatze unterm 
Schlofse. HC — Der Schlofsgraben-Garten. 1 1 d — Königs 
Lohmühle am Schantzenberge." Da diese vier Grundstücke 
unter derselben Nummer eingetragen sind, so bildeten sie 
augenscheinlich ursprünglich einen einheitlichen Besitz (Amts- 
eigentum). Die „Schlofsaue mit Waschhaus, altem Teich 
und drei Fischhältern" wurden 1559 an Kaspar Seidel auf 
so lange verpachtet, „bifs ein regierender Herr adder eine 
Witwe uf solch Ampt verleibdinget und des Orts hofhalten". 
1685 wurde der Besitz einem Bürger vererbt^). 

Der Ausdruck ,,Urthelsplatz" erscheint mir auffällig, denn 
er bezieht sich doch nur auf gewisse gerichtliche Handlungen, 
nicht aber auf ganze Gerichtssitzungen. Es wäre wohl 
möglich, dafs die betreffende Örtlichkeit nur zur Verkündung 
gewisser Urteile diente, wie die Freitreppe am Rathaus auch 
von dem aus der Ratsstube tretenden Gericht zur Verkündung 
von Urteilen u. dergl. benutzt wurde. Bei der Petrikirche, 
also bei der Gerichtsstätte, befand sich in ältester Zeit eine 
,, steinerne Treppe", welcher Ausdruck als allgemein bekannte 
Ortsbezeichnung öfters in den amtlichen Büchern vorkommt. 
1528 wird ,,Jacoff Metzners Haufs uf der steinen Treppen 
liegend" verkauft-). Nach Einträgen in den Amtsrechnungen 
heifst sie mitunter die steinerne Treppe am Peterskirchhof. 
Zum letztenmal finde ich sie erwähnt in der Amtsrechnung 
von 1606 (,,Schlofsgasse an der steinern Treppe am St. Peters- 
kirchhof"), ihre Bedeutung scheint demnach nicht lange nach 
dem Untergang des Landgerichtshauses auch aufgehört zu 
haben. Sollte von den Stufen der Treppe aus mitunter das 
Urteil verkündet worden sein? 

Die Schlofsbrücke diente augenscheinlich Rechtsbeiständen 
als Geschäftsstelle. Wenigstens heifst es im Anfang eines 
Eintrags von 15 13 im Handelsbuch-'): ,,Auf heut montag 
assumptionis gloriosissime virginis Marie anno etc. xiii ist 
Lucas Spreher zu den achtbarn und wirdigen Herren, ern 
Conrado Schreckh, beider recht doctor, zu Geithain pfarrer, 
nach der vesper zu Sankt Peter zu Rochlitz uff die brücke 
vor dem schlofs kummen und angesaget wie das — — ". 



') Pfau, Einzelheiten V, 157. 
2) Handelsbuch Bl. 77. 
») Ebenda Bl. 5. 



Topographisches vom alten Rochlitz. 299 

Schreckh beteiligt sich auch noch an einer Gerichtshandlung 
1514^), kommt aber dann nicht mehr vor. Wahrscheinlich 
ist er um diese Zeit gestorben ; die Kirchengalerie weist ihn 
nur für die Zeit 1488 — ^1506 nach und gibt nichts über seinen 
Charakter als Jurist an-). 

Ursprünglich mag der Platz am oder bei dem Mühlplan 
auch zur Vollstreckung von Todesstrafen gedient haben. 
15 14 liefs Herzog Georg einen böhmischen Edelmann, Johann 
Günther, ,,vor dem Schlofs" enthaupten'^). Sonst wurden 
derartipfe Strafen an verschiedenen Stellen in Rochlitz voll- 
zogen: Enthauptungen an der neuen Wiese vor dem Untertor 
am Rabenstein, Grenze zwischen Amts- und Stadtgebiet; das 
Verbrennen bei der Brandsäule an der Seelitzer Grenze, Libbe; 
das Hängen auf dem Galgenberg, ursprünglich Kalchberg, 
auf der Gröblitzer Grenze. Die beiden letzten Hinrichtungs- 
stätten umfassen prähistorische Massenfunde ^), 

Rochlitz hat zweifellos im Mittelalter eine besondere 
Rolle im Gerichtswesen gespielt. Damit hängt vermutlich 
zusammen, dafs zur Aufrechterhaltung des 1383 von den 
Bischöfen Niclaus von Meifsen und Christian von Naumburg, 
sowie von Markgraf Wilhelm beschworenen Nürnberger Land- 
friedens nach einer weiteren in Chemnitz am 4. August 1384 
getroffenen Abmachung zum mindesten aller vier Wochen in 
Rochlitz vom Richter und acht Beisitzern eine gerichtliche 
Zusammenkunft stattfinden sollte'^). Vielleicht kam man hierbei 
auch auf der Gerichtsstätte am Peterskirchhof zusammen. 

Eine besondere Wichtigkeit mufs im Mittelalter das 
,,Hohe Haus" oder ,,Fre3-haus" der Schlofsvorstadt gehabt 
haben. Dasselbe (22) lag südwestlich vom Obertor nach der 
Mühle zu, unmittelbar vor der Zafsnitzer Muldenfurt. Bis 
zum Jahre 1588 bildete es ein ,, Mannlehn", welches durchs 
Amt vergeben wurde: der letzte, der es als solches inne 
hatte, war Hiob v. Milkau. Die Familie v. Milkau safs nach 
Ausweis des alten Handelsbuches*') schon 1529 darauf. Hiob 
verkaufte das Hohe Haus ,,an der Mulden gelegen" mit dem 
,,Hausrath darinnen" und dem dazu gehörigen ,,Obst- und 
Kretzgertlein" an Kurfürst Christian"). 1588 wurde der Besitz 

^) Ebenda Bl. 8. 
-) Ebenda XI, 42. 
^) Heine S. 62. 
*) Pfau, Einzelheiten V, 6ff. 
5) Cod. dipl. Sax. I. B. i, 82. 
®) Ebenda S. 192. 

"^ Rochl. Amtsgerichtsarchiv, Erbregistere und Ahnschläge über 
die zum Ambte Rochlitz ufs neue erkauften Güthere. 1587. ßl. 5sft". 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. 3. 4. 20 



■2 00 W. Clemens Pfau: 

weiter auf den Colditzer Forstmeister Sebastian Schmidt ver- 
erbt^). Wann es entstanden ist, läfst sich nicht ausmachen; 
ich vermute, dafs es in sehr früher Zeit angelegt wurde, und 
zwar vielleicht mit zu Verteidigungszwecken. In dem Ver- 
erbungsbrief (Amtsrechnung) wird es bezeichnet als ,,am 
Stege" befindlich; der letztere entstand im 1 6. Jahrhundert 
auf der Stelle der Zafsnitzer Furt, nachdem die Äcker des 
an den Rochlitzer Rat durch Herzog Georg vertauschten 
Vorwerks Zafsnitz in die Hand der Bürgerschaft überge- 
o-angen waren. Das hohe Haus und das Zafsnitzer Vorwerk 
hatten für den Kriegsfall wohl den zwischen ihnen liegenden 
Muldenübergang zu sichern, denn durch denselben konnte die 
Vorstadt und das Schlofs vom Feind unter Umständen leicht 
überrumpelt werden; auf letzteres hatte das ,,hohe Haus" im 
Kriegsfalle auf Verlangen einen tüchtigen Mann zu stellen-). 
Der Name „hohes Haus" erinnert lebhaft an die Bezeichnung 
,,das grofse Haus", womit der Volksmund das Rochlitzer 
Schlofs zuweilen noch heutzutage belegt und damit die ur- 
kundliche, mittelalterliche Benennung „Haus" für „Burg" 
überliefert. 

Wenn das hohe Haus und das Zafsnitzer Vorwerk 
ursprünglich wirklich eine militärische Wichtigkeit für die 
Sicherung eines Zuganges zum Schlofs besessen hätten, so 
bildeten sie wohl nur Glieder einer enggezogenen Kette ähn- 
licher Anlagen, die ehemals der Rochlitzer Burg vorlagerten 
und ursprünglich etwas wie kleinere Ministerialsitze gewesen 
sein mögen, bis sie zu Meiereien herabsanken und — wohl 
um den Ausgang des Mittelalters — ganz eingingen. Ich 
habe schon gesagt, dafs auf den auf dem Wald befindlichen 
Schlofsfeldern ein zur Burg gehöriger ritterlicher Hof gelegen 
haben mufs, von dem nur die Flurbezeichnung „Hofstöckigt" 
erhalten blieb. Am Grimmaischen Tor, also am Eingang zur 
Schlofsvorstadt, bestand bis in das 1 6. Jahrhundert das Schlofs- 
vorwerk. Ferner überwiesen die Gebrüder Friedrich und 
Sigismund 1433'^) einem Altar der Petrikirche u. a. „eine 
hofestat — dy do gelegen ist an statmauer", also wohl auch die 
Stelle eines eingegangenen Vorwerks. Die Kuppen des nörd- 
lich der Burg gegenüber gelegenen, zu ihr gehörigen Saubergs 
trug das Vorwerk Weydschitz, das 1520 der Rat eintauschte. 
Flurstücke auf dem Sauberg heifsen noch jetzt die „Weid- 



1) Amtsrechnung. 

'^) Archiv des Rochl. Geschichtsvereins, Erbregister um 1600. 

8) HStA. Dresden. Loc.9903 Die Bleiche zu Rochlitz 1433^- Bli- 



Topographisches vom alten Rochlitz. ^oi 

schitz", die ,, Mützenburg". Bei Poppitz erwarb ferner der 
Rat 1520 das amtliche Vorwerk Koselitz, das in einer Stiftungs- 
urkunde für das Altar Beatae virginis der Kunigundenkirche 
1408^) auch Koselich heifst und der Flur Kisseling, Kesseling, 
wovon ein Teil auch „Hofstatt" genannt wird, den Namen 
gegeben hat. Eine „Hofstatt über der Brücke" wird im alten 
Ratshandelsbuch (im Rochlitzer Amtsgericht) noch für die Zeit 
um 1700 angeführt. Vielleicht hängt mit diesem ursprüng- 
lichen Hof der Name des Junkerberges über der Brücke zu- 
sammen. Alle diese Höfe lagen an wichtigen Zugängen nach 
Rochlitz. In meiner „Geschichte des Dorfes Seelitz" -) habe 
ich ferner aus verschiedenen Erörterungen den Schlufs ge- 
zogen, dafs diese Ortschaft in ältester deutscher Zeit einen 
ritterlichen Sitz gehabt haben dürfte; Seelitz ist das erste 
Dorf über der Brücke. Nimmt man nun noch an, zu welcher 
Vermutung mehrere Umstände berechtigen, dafs auch die 
Saupenschaft, deren Hauptdörfer, Nofswitz und Stöbnig, un- 
mittelbar der Rochlitzer Flur angrenzen, ursprünglich von 
Bedeutung für die Sicherung der Strafsen und Flufsübergänge 
waren, so mufs man sagen, dafs die nächsten Zugänge zur 
Rochlitzer Feste augenscheinlich recht gut gesichert waren. 
Eine für das Schlofs zu Zeiten der Kriegsgefahr höchst 
bedenkliche Stelle ist in vorstehender Schilderung unerwähnt 
geblieben: die etwas abgelegene Furt bei Sörnzig. Das be- 
treffende Dörfchen, welches in südwestlicher Richtung die 
nächste Ortschaft von Rochhtz bildet, hegt hinter dem Wald, 
der es ursprünglich wohl ziemlich vollständig umschlofs. In 
ältester Zeit dürfte die Verbindung des Dorfes mit der Stadt 
recht ungünstig gewesen sein, denn der jetzige Weg an der 
Mulde hin, bei dessen Anlage eine Anzahl von Klippen und 
felsigen Böschungen weggeschroten werden mufste, war an- 
fänglich höchstens ein sehr dürftiger Fufspfad, etwa von der 
Beschaffenheit desjenigen, welcher von Sörnzig an der Mulde- 
seite nach der Draschke, dem eingegangenen Dorf Drosekowe, 
noch jetzt führt. Der Sörnzig -Rochlitzer Muldenweg, der 
unter allen Dorfwegen der ganzen Gegend am schwersten 
anzulegen war, hat sich höchstwahrscheinlich ganz allmählich 
ausgebaut und ist wohl erst sehr spät vollendet worden, zu 
einer Zeit, als man sich im Amt die Verbesserungen der 
Strafsen, ihre stellenweise Verlegung u. dergl besonders an- 



1) Abgedruckt bei Hörn, Lebens- und Heldengeschichte 
Friedrichs des Streitbaren S. 748. 
'-) Ebenda S. 26 ff. 



302 



W. Clemens Pfau : 



gelegen sein liefs ; das geschah im allgemeinen nicht vor dem 
17. Jahrhundert^). Im Mittelalter hatte Sörnzig nach Rochlitz 
nur einen einzigen zum Reiten und Fahren geeigneten Zu- 
gang, der über die waldige Höhe führte. Wegen der ver- 
steckten Lage des Dorfes konnte es und seine Furt von 
Rochlitz aus nicht beobachtet werden. Der Feind hätte des- 
halb in Sörnzig leicht übersetzen und durch die bis an die 
Burg reichende Waldung zu einem Überfall der Besatzung 
vordringen können, wenn letztere sich nicht in dem Mulden- 
dorf einen Vertrauensposten sicherte. Als im Schmalkaldischen 
Krieg 1547 die kaiserliche Partei in Rochlitz von den Kur- 
fürstlichen eingeschlossen werden sollte, ging ein Teil des 
heranziehenden Heeres durch die Sörnziger Furt-j. 

Nach dem alten Erbbuch des Rochlitzer Amtes besafs 
letzteres auf allen Dörfern zusammen nur drei Erbrichter, 
nämlich aufser den beiden aus der Saupenschaft nur noch 
einen in dem verhältnismäfsig unbedeutenden Dorf Sörnzig. 
Die übrigen bäuerlichen Richter und, was für das Rochlitzer 
Amt dasselbe scheint, die Heimbürgen (Hainburgen) wurden 
von den Erbherren gewählt oder verrichteten ihr Amt ,, zech- 
weise". Am Landgericht zu RochHtz traten die zwei Erb- 
richter der Saupenschaft nicht als solche, sondern nur als 
Schoppen auf; sie amtierten als Erbrichter lediglich in ihren 
Dörfern. Am Rochlitzer Landgericht mufste auch der Sörnziarer 
Erbrichter teilnehmen. Während aber die Saupen alle 14 Tage 
dort zu erscheinen hatten, ging der Sörnziger, der aufserhalb 
der Saupenschaft stand, nur alle sechs Wochen dahin, wie 
das Erbbuch angibt. Eine grofse Rolle hat er offenbar am 
Landgericht nicht gespielt; zweifellos war er hier auch nur 
Schöppe, denn das Landgericht tagte nach Ausweis der Ein- 
träge im alten Handelsbuch regelmäfsig unter dem Amtmann 
oder Hauptmann von Rochlitz. Merkwürdigerweise gab es 
in Sörnzig offenbar gar kein Dorfgericht; denn nach dem 
Erbbuch gingen die dortigen Einwohner ,,zur Wechselburg 
zu Gericht"; das Obergericht übte das Amt aus. Sörnzig 
war bald nach der Gründung des Klosters Zschillen (Wechsel- 
burg) mit fünf anderen Ortschaften letzterem geschenkt worden, 
welche Stiftung der Markgraf Konrad und der Graf Dietrich 
von Sumersenburc 1208 bestätigten^). 

Die Belegung eines Sörnziger Gutes mit der Erbrichter- 
würde stammt wohl aus sehr alter Zeit, etwa aus der Koloni- 

') Pfau, Einzelheiten V, 168 ff. 

") Heine S. 330. 

"J Cod. dipl. iSax. I, 3, 98. 



Topographisches vom alten Rochlitz. 303 

sationszeit. Dafs in dem Dörfchen die sonst im Amt so 
seltene Erbrichterwürde eingeführt wurde, dafs letzteres trotz 
der Abtretunor des Ortes an Zschillen dieses Erbrichteramt 
bestehen liefs, liegt meines Erachtens schwerlich in richter- 
lichen Erwäofuno-en. In Sachen des Obergerichts brauchte das 
Amt für Sörnzig keinen Erbrichter, wie es auch m anderen 
Ortschaften zu diesem Zweck keinen besafs. Höchstwahr- 
scheinlich war der Sörnziger Erbrichter ursprünglich, in 
ritterlicher Zeit, eine militärisch wichtige Person, ein Ver- 
trauensmann, ein Botschafter in Kriegsgefahr, ein Furtwächter. 
Die drei Rochlitzer Erbrichter besafsen wohl eine ähnliche 
Bedeutuna: wie die Inhaber von ritterlichen Sitzen oder die 
Ministerialen. Erst wenn man das Sörnziger Erbrichtergut 
als Glied in die Vorpostenkette der Rochlitzer Burg einreiht, 
scheint letztere als vollständig gesichert. 

Bei der Besprechung der Rochlitzer Vorstädte bliebe 
schliefslich noch die Frage zu erörtern, ob es ursprünglich 
auch eine Vorstadt vor dem Grimmaischen Tor gegeben hat. 
Dasselbe bildete ehemals offenbar ein Haupttor; Heine ^) sagt 
von ihm, es möge vor Zeiten auch ,, einen Thurm gehabt 
haben, wie es sich ansehen läfst". Der beigegebene Stadt- 
plan gibt dasselbe (8) an; zu Heines Zeit bestand es noch 
zum Teil. In der Konsignation der Stadt Rochlitz von 1760 -) 
werden von diesem Bauwerk nur die „Rudera" erwähnt. 
Seine Bedeutung hatte es offenbar sehr früh verloren, bereits 
vor dem Dreifsigjährigen Krieg. 1604 führte das Amt Ge- 
leitsbeamte auf dem Unter-, Ober- vmd Badertor ein, aber 
nicht auf dem Grimmaischen •^). Heine'*) erwähnt, dafs bei 
letzterem ehemals ein Anger gewesen sei; dieser wurde aber 
offenbar nicht zu einer Vorstadt umgeschaifen. 

Nach demselben Chronisten'^) wäre es ,,eine gemeine 
Sage", dafs die Stadtmauern ehemals bis Poppitz gegangen 
seien; die Stadt hätte das Gelände vor dem Grimmaischen 
Tor und der ,, alten" Mauer mit als Baugrund umfafst, d. h. also 
die sogenannten jetzigen ,, Pfarrfelder". Dieselben sind zwar 
ziemlich reich an abgeführten wendischen Scherben, aber mit 
Ausnahme einer kleinen Grundmauer habe ich nirgends etwas 
(Düngergrube, Keller usw.) entdecken können, was auf den 
ehemahgen Bestand von Häusern schliefsen liefse. In den 



1) S. 66. 

2) Ratsarchiv, Fach 736; Fol. 91. 
'*) Amtsrechnungen. 

') S. 10. 

') S. 65. 



304 W. Cl. Pfau: Topographisches vom alten Rochlitz. 

letzten 20 Jahren sind hier zahlreiche Häuser (Albert-, Bis- 
marck-, Seminar-, Bahnhofs-Strafse) entstanden, deren Grün- 
dungsarbeiten genügend Aufschlufs über das Bodeninnere 
gewährten. Unter der etwa 'j^ m starken Ackerkrume findet 
sich überall unberührter „gewachsener Boden". Hätten hier 
in ältester Zeit Anwesen gestanden, so müfsten dies die dürf- 
tigsten Hütten gewesen sein, die keine Spur ihres Daseins 
hinterlassen konnten. Das Gelände vor der alten Mauer 
gehörte zum Gerichtsbezirk des Amtes. 

Die einzelnen Privathäuser der Vorstädte und der Stadt 
kommen für meine topographischen Erörterungen im übrigen 
nicht weiter in Betracht. In den Vorstädten waren sämtliche 
als Privathäuser gegründeten Gebäude nicht brauberechtigt. 
Vor den Toren lagen auch die Scheunen, die bereits im 
Gerichtspachtbrief von 1464 erwähnt werden. 

Die Numerierung der Häuser geschah in den amtlichen 
Unterlagen nach dem Stadtbrande von 1681 im Jahre 1687. 
Die damals entstandenen Hausnummern wurden im Quatember- 
kataster 1782 mit gebucht; zu aller Zeit seitdem ist das 
stärkste brauberechtigte Haus der Stadt, das erste am Ober- 
tor, mit der Nummer i bedacht worden. Das Anbringen der 
Nummern an den Gebäuden trat viel später ein. Das früheste 
Beispiel einer angebrachten Hausnummer befindet sich in 
Rochlitz an einem Gebäude neben dem ehemaUgen Untertor; 
die Haustür trägt im Sturz die Jahreszahl 1788 und die 
Nummer 54, welche das Grundstück 1782 erhalten hatte ^). 

Über die ältesten Grenzbestimmungen und Grenzbe- 
zeichnungen in der Rochlitzer Gegend habe ich eingehend 
gehandelt in den ,, Topographischen Forschungen" usw. 
S. 27 ff. und in „Unsrer Heimat", 1906, „Über alte Grenz- 
steine in Westsachsen". Es dürfte hier genügen, auf diese 
beiden Arbeiten, welche Rochlitz im besonderen mit betreffen, 
zu verweisen. 



1) Nach dem Quatemberkataster. 



IX. 

Kleinere Mitteilungen. 



I. Eine Leipziger Kleiderordnung von 1506. 

Von Otto Giemen. 

Über sächsische Kleiderordnungen aus der Zeit von 1450 
bis 1750 hat L. Bartsch in zwei in den Jahren 1882 und 
1883 erschienenen Programmen gehandelt^). Er teilt sie ein 
in fürstliche, für das ganze Land bestimmte, in von weltlichen 
und geistlichen Herren für ein beschränkteres Gebiet erlassene, 
in städtische, und endlich kommen viertens hinzu die von den 
Rektoren und Professorenkollegien der Universitäten Leipzig 
und Wittenberg für die Universitätsangehörigen errichteten 
Kleiderordnungen. Von gröfserer Bedeutung sind nur die 
fürstlichen und städtischen. Von ersteren ist die . älteste die- 
jenige, die in der aus der gemeinschaftlichen Regierung Ernsts 
und Albrechts stammenden Landesordnung von 1482 enthalten 
ist. Wie weit die städtischen Ordnungen zurückreichen, läfst 
sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Die Landesordnung von 
1482 setzt solche voraus, und einzelne gegen den Kleider- 
luxus sich wendende Verordnungen finden wir bald nach der 
Mitte des 15. Jahrhunderts in Leipzig, Freiberg, Dresden, 
Oschatz und Borna. Wahrscheinlich aber sind solche Ord- 



') 39. und 40. Bericht über die Königliche Realschule I. O. nebst 
Progymnasium zu Annaberg, Annaberg 1882 und 1883. Dazugehört 
noch ein Aufsatz desselben Verfassers: Die sächsischen Kleider- 
ordnungen unter Bezugnahme auf Freiberger Verhältnisse in Heft 20 
der Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins S. i — 44. Vgl. die 
Besprechung dieser Arbeiten von H. Er misch in dieser Zeitschrift 5, 
260 f. Vgl. ferner Germann, Kurfürstliche Kleiderordnungen und 
ihre Durchführung in Meifsen, 5. Bd. der Mitteilungen des Vereins 
für Geschichte der Stadt Meifsen S. i — 14. — Über Kleiderordnungen 
im allgemeinen vgl. z. B. Georg Steinhausen, Geschichte der 
deutschen Kultur, Leipzig und Wien 1904, S. 314, 380, 3 94 f. 



3o6 Kleinere Älitteilungen. 

nungen z. B. in Leipzig schon früher errichtet worden. Die 
Motive zu dieser Gesetzgebung sind verschiedenartig. Tei.'s 
sind sie vorwiegend rehgiös-sittUcher Natur, indem sie sich 
gegen die in der Tracht bei Männern und Frauen offenbar 
werdende Schamlosigkeit, gegen Hoffart, Üppigkeit und Ver- 
schwendungssucht wenden, teils sind es mehr nationalökono- 
mische Erwägungen: durch Verbot ausländischer Stoffe sucht 
man die heimische Industrie zu heben, den heimischen Handel zu 
beleben und das Geld im Lande zu halten, durch Beschränkung 
des Luxus die Steuerkraft des Volkes zu erhöhen und die Arbeits- 
löhne und Lebensmittelpreise herabzumindern, Hauptgrund aber 
ist meist der, dafs in der Tracht die Unterschiede der einzelnen 
Stände zu Tage treten sollen. „Wenn man die Stendt nit me 
in der Cleidunge unterscheiden kan, das ist ein bös Anzeichen!" 
Dieses Wort Geilers von Kaisersberg war den Obrigkeiten 
und den höheren Ständen aus der Seele gesprochen. 

Meist sind die Kleiderordnungen verbunden mit anderen 
Polizeigesetzen, die dem übertriebenen Aufwand bei Taufen, 
Hochzeiten, Gastmählern, dem Spielen, Gotteslästern, Fluchen 
usw. steuern wollen und Sonderinstruktionen für die Wirte, 
Dienstboten, Dirnen usw. enthalten. 

Für Leipzig wurde eine Reihe solcher Polizeigesetze zum 
ersten Male 1463 erlassen^). Es sind, wenn wir die prinzip- 
lose Reihenfolge, in der die einzelnen Paragraphen neben 
einander stehen, einhalten, Bekleidungsvorschriften für die 
Dirnen, Gesetze gegen das Spielen, gegen Unzucht und Ehe- 
bruch;, gegen den übermäfsigen Aufwand bei Wirtschaften und 
Gastmählern, gegen Überflufs und Unsitte in der Kleidung der 
Frauen und jungen Männer, gegen das ,,slethfarn [^ Schlitten- 
fahren] iunger lute", gegen nicht standesgemäfse Kleidung 
der Dienstboten, Vorschriften für Schankwirte, über Getreide - 
kauf, gegen Waffentragen, gegen das Ausschenken fremder 
Biere, Wiedereinschärfung der Bestimmungen von 1454, be- 
treffend Hochzeiten, Kindtaufen, Gastmähler usw. In der 
Folgezeit kamen teils einzelne neue Verordnungen hinzu, wie 
die gegen die Schnabelschuhe-), teils wurden ältere Gesetze 
wieder in Erinnerung gebracht. Bisher kannten wir dann 
erst wieder eine Sammlung solcher Polizeigesetze in der 1544 
,, durch Valentin Bapst, in der Ritterstrafsen" prächtig ge- 
druckten ,,der Stad Leipzig allerley Ordnunge". Nun ist 
aber auch schon im Anfang des Jahres 1506 solch eine Ge- 



') Cod. dipl. Sax. reg. II, 8, Nr. 364 und 365. 

^) Nr. 404. 



Kleinere Mitteilungen. 307 

setzessammlung im Druck erschienen^). Johann Gottfried 
Well er hat 1762 zuerst auf sie aufmerksam gemacht: Altes 
aus allen Theilen der Geschichte, I. Band (Chemnitz 1762), 
S. 372 f. Seine Notiz ging dann über in bibliographische 
Werke, wie Emil Weller, Repertorium typographicum, 
Nördlingen 1864, S. 41, Nr. 359 und in die Leipziger Chroniken, 
wie z. B. Dolz, Versuch einer Geschichte Leipzigs, Leipzig 
1818, S. 149 f. Seit Weller hat aber niemand wieder den 
Druck in Händen gehabt. Das Exemplar, das er einst ein- 
gesehen, befindet sich jetzt noch in der Zwickauer Ratsschul- 
bibliothek, und zwar in dem Kostbarkeiten allerersten Ranges 
in sich vereinigenden Sammelbande XXIV. XII. 20. Da der 
Druck höchstwahrscheinlich Unikum ist und diese Gesetzes- 
sammlung sich als eine reiche Quelle für die Kultur- und 
Sittengeschichte erweist, gestatte ich mir hier einen kommen- 
tierten Neudruck zu bieten. Der Titel lautet: 

^tlic^e ber (Btat 2xp 
c§! gefe^ obir ber hux 

ger : buvgevm : aurf) anber inrooner 

trad)t : SIeibung : tuirtfd)afft : önb anberl to^ bes 9iatf)» 
orbnung önb [tatuten 
in funber!^eit gegcogen. 

Der Druck umfafst 12 Quartblätter. Titelrückseite und 
letztes Blatt leer. Bl. 11^ unten: Gedruckt in der fürstlichen 
Stadt Liptzk, durch /Jacob Tanner von Würtzburgk, mitbürger. 



1) Herr Professor Wust mann hatte die Güte, mir zwei auf 
diese Polizeiordnung sich beziehende Ratsbeschlüsse mitzuteilen: 1506 
Mittwoch nach Trium Regum [7. Januarj: Uff difsmal von der orde- 
nunge geredt und beslossen, das man ethche artickel vorwandeln 
solle, wie sie vorzeichent sein. — Freitag nach Trium Regum 
[9. Januar] : Uff difsmal beslossen, das man die ordenunge, wie vil- 
mal dovon geredt und vorzeichent, auch entlich mit dem marschalk 
[Heinrich von Schleinitz, vgl. Gefs, Akten und Briefe zur Kirchen- 
politik Herzog Georgs von Sachsen I (Leipzig 1905), 20 A. 2] beredt 
und durch die rethe beslossen ist und in einen begreif bracht, uff 
Dornstag 8va trium regum [Donnerstag = 15. Januar stimmt mit der 
Schlufsbemerkung des Druckes, aber Octava trium regum war 1506 
Dienstag den 13. Januar] sol aufsgehn lassen und vorkundigen der 
gemeine Utinam bono fato. Disse heren sein uff difsmall von allen 
dreien rethen [s. die nächste Anm.] vorordent, disse ordenunge zu 
hanthaben und die obertreter zu straffen: Johann Hommelfshan, 
Matt. Lichtenhan, Augustin Pantzschman. 



qo8 Kleinere Mitteilungen. 

Vorrede. 

NAchdem in dieser Stadt vormargkt, gesehen vnd öffentlich 
bfunden ist, das sich gemeine burger, auch hantwergs lewte vnd 
sunderlich ire we^-ber, kinder vnd gesinde, handtwergfs gesellen, 
knecht vnd meyde, auch ander inwoner kostlicher tracht an smugke, 
cleynoten vnd cleydernn, auch vil obriger vnnottürfftiger kost in 
wirdtschaft'ten ader hochzceyten, kindtewftenn, in kindt betten ader 
sechs Wochen vnd kirch gengen sich geflissen vnd gebraucht, ein 
teils ober gebür, das sich irem Stande nicht gezt}-mbt ader dem adel 
gle5xh, auch eyns teyls ober yr vormögen, dar aufs' dan gemeyner 
Stadt, iren bürgern vnd inwonern vnd die sich wesentlich älhie 
enthalden, vil abegunst, vorterb vnd Schadens erwachsen, auch bey 
andern frembden lewten , von den sulchs also gesehen, vil ergerniis 
vnd den Rethen vnd regirern von dem vnd anderm, das vngeordent 
eyn zce3-t lang vorbleben, vnd was geordent gewest, das man dorüber 
nicht gehalden, sundern übergangen vnd nicht gebüsset adder ge- 
stroftt ist worden, vil nachrede, auch von den bürgern vnd inwonern, 
die dem Rathe vnd gerichte vnderworffen, vil vngeho-'sams ent- 
standen, vnd befunden, das auch in der Stadt vill vntzucht, auch vü 
vnredliche Sachen wider got vnd seyne götliche geboth begangen 
vnd in mancherley weyse gar offenbar vnd vnuorborgen ane alle 
forcht vnd vnuorschemt geübet würden. Da durch dan alle drey 
Rethe') vff' beuehel vnd mit rathe des durchlauchten hochgebornen 
fürsten vnd herren herren Georgen Römischer königlicher maiestatvnd 
des heyligen reychs Erblicher gubernator in Frifsland, Hertzogen zu 
Sachsen, Landtgrauen inDöringen vnd Marggrauen zu Meyfsen vnsers 
gnedigen herren, vnd aufs eigener betrachtung, macht vnd gewalt 
inen von rechten zugelassen diefse nachuolgende ordenung zu forderst 
gotte zu lobe vnd ere, auch der regirung vnd geme5-ner Stadt zu gute, 
nutze vnd fromen, oberflössig vorterb, nachrede, sunde vnd laster 
zuuorkommen vnd zuuorhütten, so vil möglich ist, nach vor- [a ijt>] 
gehaltem zce3-tigen rathe eintrechtiglich beslofsen, geordennt, gesatzt 
vnd begriffen haben allen bürgernn, bürgerin vnd inwonern disser 
Stadt, dye dem Rathe vnd gerichte ader irer öberkeit vnderworffen 
sein, zuuorkündigen lassen. Solche ordenung vnd gesetze von den 
selbigen allen gehorsamlich ane Widerrede vnd vngewegert zuhalden 
be}' bufs, pene vnd straffe, dye dor inne vnd vff 3-des stücke gesatzt, 
von den öbertreternn der selbigen ordenung e^-nes ader meher stücken 
vnabelefslich von den herrn, die von Rethen auch dar zu vorordent 
sind, ein zu fordern vnd zunehmenn. 

[a ija] Gesetz von Cleydung vnd erstlich der in Rethen 

vnd anderer redlicher burger vnd hendeler, d3-e den in 

rethen gle3-ch geacht werdenn. 

BVrger die inn Rethen sein, vnd ander vsfserhalb der rethe, 
als nemlich redliche bürger, die von alders ires geschlechts redelich 



') Seit dem 15 Jahrhundert zerfiel der Rat in Leipzig in drei 
Gruppen. Jedes Drittel war ein Jahr lang im Amt, so dafs aller drei 
Jahre wieder dasselbe Drittel an die Reihe kam Das im Regiment 
"befindliche Drittel hiefs der sitzende Rat, die beiden anderen die 
ruhenden Räte (Wustmann, Geschichte der Stadt Leipzig I, 74). 
Alle wichtigeren Sachen wurden von allen drei Räten beraten und 
beschlossen (ebenda 85). 



Kleinere Mitteilungen 309 

vnd vormoglich herkomen, Auch redlich bürgers fsöne, die sich irer 
zcynfse ader lehengüter enthalden, Vnd redelich vormögliche kawflf 
leut, di von dem regirenden Rath sampt den sechs eldisten, als nem- 
lich von den andern beyden Bürgermeistern vnd vier Bawmeistern^) 
der ander zweyer Rethe eynirechtighch ader von dem me3'sten teyl 
bey iren pflichten, so sie zum Rathe gethon, do vor geacht vnd 
erkant werden, Sollen kein kleyt, das gefüttert ader vngefüttert 
vbir virtzig gülden wirdig ist, tragenn bei pene drej-er reynischer 
gülden. 

Den selbigen allen sollen zcobelne, hermelyn vnd lassitze 2) 
futter zu schawben, zu rogken vnd anderer cleydung, auch zcobelne 
mützenn ader Panet^), 3-edes stücke bey obgeschribener pene zw 
tragen vorpoten sein. 

Es sal ynen auch zw aller kleydung ane zw ioppen vnd wammes 
alles seyden gewant zw tragen vorbdtten sein, Aufsgeschlossenn 
Ztschamlot^), Settyn'') vnd Kartegk^) mögen sie zw Schwawben, 
Rogken vnd ander clej-dung gebrauchen, doch das dasselbig kleyt, 
wie vorbenxrt, vbir virtzig güldenn nicht wirdig se}', bev vorbe- 
stympter pene. Szunder zw ioppen ist \*nen allerley Sevden gewant 
zw tragen zwgelassen, Ausgeschlossen Güldene vnd silberne stügke, 
das 3'nen allen in aller tracht zwtragen gentzlich sal Vorboten sein 
bej' obgerurter pene. 

Sie soUen auch keine güldene ketten, güldene halfsbender ader 
[a iijb] Perlen schnüre tragen Bei pene eins reynischen gülden. 

Vnnd in sunderheit sollen ynen alles vorgült Silber wergk, 
Kuppffer adir messing, es sey an kettenn, halfsbender adir anderm 
geschmugk gentzlich vnd gar verboten sein Bei pene zwene rey- 
nische gülden. 

Inen sali auch zw aller tracht der klej'dunge, ausserhalb zw 
hawben, alles vntzen golt adir vntzen silber Bei pene eines R; f; 
zw tragen vorbotten sein. Doch das zw solcher hawben nicht mhr 
dan ein vntzen golt adir silber gebraucht werd. 

Vonn Clej'dung gemeyner bürger, handtwerger, hant- 
iwergs gesellen vnd arbeytender lewthe. 

Gemej'ne bürger, hantwerger, hantwergs gesellen vnd arbeitende 
lewt Sollen keyner kein kleidt, das von aufslendischem adir eyn- 
lendischem gewant vnderfüttert adir vngefüttert vbir Zwentzig gülden 
wirdig sey, tragen Bei pene dreier gülden Reinisch. 

Den selbigen sollen auch alles Rauchwergk von Zcobelnn, 
Mardern, Hermelein, Nortzen'), Lassitz vnd Feherügken zw schawben, 



^) Über die „Ältesten" vgl. Wustmann a. a. O. 85!, über die 
Bauherrn 84. 

-) ,,Das Tierchen, nach welchem dieses Grauwerk seinen Namen 
hat, ist ohne Zweifel das Wiesel (lasica, lasyce, läsotschka) der Polen, 
Böhmen und Russen" (Bartsch I, 13 A. '41. Vgl. ferner Deutsches 
Wörterbuch V, 2821 und Chroniken der deutschen Städte XXIII, 301 30)- 

^) = galerus, franz. bonnet: D.Wb. I, 11 17. 

*) Ein im Mittelalter hochgeschätzter feiner Wollenstoft', zunächst 
ein aus Kamelhaaren bereiteter: D.Wb. VIII, 21 19 f. 

'^) Eine geringere leichte Sorte Atlas: D.Wb. X, 642 vgl. Satin 
VIII, 1810. 

öj Atlas aus Brügge: D.Wb. V, 238 f. 

'j Nörz = der kleinen Fischotter, dasWasserwiesel: D.Wb.VII,9oo. 



^lo Kleinere Mitteilungen. 

zw rögken adir andre cleidung zw futtern, Auch mutzen adir panet 
do von zw machen, aufsgeschlossen vehe rügken, Des gleichen Güldene 
vnd silberne stügk, vnd alles seyden gewant zw tragen gantz Vor- 
boten sein Bei von emem iglichen stügke drei gülden reinisch zw 
bufs zw geben. 

Doch sollen Doctores vnd Licentiaten inn adir aufserhalb den 
Rethen, den solches von wirden ires Standes zw trafen gebüreth, 
Des gleichen die gefste, die sich zw Liptzk wesentlich nicht ent- 
halten, mit diesen obgeschriben Statuten nicht begriffen sein. 

[4a] Von Cleydung der in Rethen vnd anderer Redelichenn 
burger vnd hendeler weiber vnd töchter. 

Der burger in Rethen vnd anderer Redlichen bürger vnd hen- 
deler, die den in Rethen, wie vorberurt, gleich geacht werden, weiber 
vnd tochter sollen Güldene vnd silberne stügk, Scharlach, auch alles 
Seiden gewandt zw schawben, zw rogken, vnderrögken vnd zw aller 
kleidung bei pene sechs gülden reinisch vorboten, Aufsgeschlossen 
Ztschamlot, Tobyn^) vnd Kartegk sali ynen zw tragen zwgelassen 
sein, Doch das kein fraw adir iungkfraw keyn kleydt, das gefüttert 
adir vngefüttert vbir dreifsig gülden wirdig sei, tragen sal Bei ob- 
geschribener pene, Vnd wie wol ine hir mit Arras vnd Setyn zw 
tragen zwgelassen, Sal doch keine des eine ele vbir funfif groschen 
wirdig tragen Bei pene eins reinischen gülden. 

Des gleichen sali inen kein vntzen golt adir silber vsserhalb zw 
hawben, letzen vnd preylsen'-) zw tragen vorstadt werden. Doch 
das zw einer hawben nicht mher dan ein vntzen goldes adir silbers, 
Des gleichen das zw den andern stügken allen auch nicht mher dan 
ein vntzen goldes adir silbers gebraucht werde vnd also das yne 
nicht mher dan zwo vntzen goldis adir silbers in aller tracht sollen 
erleübt sein Bei pene dreier reinischer gülden. 

Güldene ketten adir güldene halfsbender, die gantz gülden sein, 
Sollen ynen zw tragen zwgelassen werden. Sunder alles vergült 
silberwerg. Aufsgeschlossen zw gorteln, harbandt vnd heiften, Dorzw 
vorgült kopffer adir messing, es sei an ketten, halfsbendernn, faberei 
adir anderm geschmugk, wor an das sei, sali yne bei pene eines 
R ; gülden vnd bei vorlust so schwer silbers, als die selbe gefelschte 
kethe, halfsbanth ader geschmuk am gewicht haben wirt, zw bufs 
zwgebenn gantz vorboten vnd ynen allein gut Golt ader vnuorgült 
Silber zw ketten, halfsbendern vnd anderm geschmugk sampt den 
[4b] vbirgülten gorteln, harbandt vnd heffte zw tragen zwgelassen sein. 

Inen sal auch allerley geschmugk von Perlen vnnd allerley 
edel gestein zw tragen vorboten seinn, Ausserhalb die iungkfrawen 
mögen vier lot perlen'') zw eynem bendichin tragenn. Doch das ein 
lot vbir vier gülden nicht wirdig sey. 

Sammeth, Atlas vnd Tamaschka*) sal frawen vnd iungkfrauen 
zw brustletzen zwtragen vnd ire kleider do mit zuuorbremen zcu- 
gelassen sein, Doch das dieselbigen seyden gewandt, es sei Sammeth, 
Atlas adir Tammaschken zw einem brustlatze vnd gebreme eines 



J) Gewässerter Doppeltaflfet: D.Wb. XI, 531. 
^) preis D.Wb.VII, 2092 breis II, 355: fimbriae manicae superae. 
=*) kleine Perlen. Die grofsen hiefsen „Zahlperlen" (Bartsch 
I, 14). 

*) -Damast: D.Wb. II, 701 1. 



Kleinere Mitteilungen. 311 

kleides alles zwsampt nicht meher dan drey virtel einer elen vnd 
dorubir nicht gebraucht werde, bey pene dreyer R; gülden. So 
mögen auch der in Rethen adir der, dy yne vorgleich geacht werden, 
weyber vnd töchter Atlas, Damaschken, Tobyn vnd anders, Szo 
man die ein vmb ein halben gülden vnd nicht dorubir kauffen mag, 
zw halfskollernn wol tragen. Also doch, das sie wider in kollern 
nach gebremen kein bundtwergk ') gentzlich vnd in aller tracht bey 
obberurter pene nicht tragen sollen. 

Zobelne, Mardern, Hermelin vnd Lassitz sali inen allinthalben 
zw kleydungen bei obgemelter pene zw tragen vorbotten sein. Doch 
mögen sie Lassitz vnd Vehewemmin zuuorbremen gebrauchen, also 
das dasselbige gebrehme vonn diesem ader anderm rauchwerck vber 
ein virtel einer elen nicht breit sei. Auch bey pene eines gülden 
re5-nisch. 

Es mögen auch frawen, iungkfrawen zw zcöppen vnd hawben 
Seyden als Taffant vnd zcendel-) tragen, doch nicht anders den das 
vngeuerlich dritthalb elen Taffant ader zcendel tzehen ein eines 
gülden wirdig sei. Bei pene dre}^ R; gülden. 

Der inn Rethen vnd anderer redlichen bürger vnd hendeler 
wie obinbenirt, auch die nicht hantwergk treyben, Weyber [5 a] vnd 
töchter sollen zw Schlayernn vnd anderer tracht nicht tewrer lej'n- 
wath tragen den der man zwu elen vor ein gülden reynisch keuften 
mag, bei pene eyns halben reynische gülden. 

Gemeyner burger vnd hantwergs leuth Wej-ber 

vnd Töchter. 

Gemevner bürger vnd hantwergs leut weyber vnd töchter 
Sollen keyne kein kleidt, das vnderfüttert adir vngefüttert vbir 
funffzcehen gülden reinisch wirdig. Auch keyne kürfsen''), die vbir 
acht gülden wirdig sey, tragenn bej- pene von einem itzlichen drei 
reinisch gülden zw pufs zwgeben. 

Inen sal auch güldene vnd silberne stück, Dorzw auch alles 
Seiden gewant zw Schawben, zw Rögken, vnderrögken vnd zw 
aller cleidung bei pene drei reinisch gülden zwtragen vorbotten sein. 
Abir zw brustletzen vnd tzuuorbremen sali inen Ztschamlot vnd 
Kartegk zwgelassen sein, Doch das zw Brustlatz vnd zw einem 
gepreme eines kleides alles zwsammen nicht mhr dan drei virtel 
einer ein gebraucht werden. 

Gemeine bürger vnd hantwergs weiber vnd Töchter Sollen 
haupt vnd halfsschmugk vbir funfftzehen gülden wert nicht tragen, 
bei pene eines R; gülden. Inen sollen von gutem golde adir vn- 
uorgültem gutem silber ketten, halfsbender sampt gürtel, harband 
vnd heff't vbirgült zwtragen zwgelassen sein. 

Es sal auch keins gemeinen bürgers, die den in rethen nicht 
vorgleicht werden, ader hantwergs töchter Perlen tragen. Sundern 
inen sollen die mit samptt allerlei edeln gesteyn zw tragen alle Vor- 
boten sein. Aufsgeschlossen zw einem Perlin bendichin, das vber 
sechs gülden nicht werd ist, sal in erlaubt sein. 

Es sali inen auch alles Seiden gewant zw Rögken vnd vnder- 
rögken ane zw zcöppen vnd zw menteln vorne zw vnter [51»] füttern 
zw tragen gantz vorboten sein. 

1) Pelzwerk vom nordischen Eichhorn: D.Wb. II, 531 und 527. 

2) Eine Art Taffet: Bartsch I, 13 A. 44. 

ä) Kursen, Kurse, Kursche -= Pelzkleid : D.Wb. V, 2820 ff". 



^12 Kleinere Mitteilungen. 

Gemeiner bürger vnd hantwerger weiber vnd töchter scllenn 
zw Schleyern vnd ander tracht nicht tewrer leinwat tragen denn 
der man vier ein vor ein gülden kewffen mag, Bei pene eins halben 
gülden R;. 

Es sollen dorbei alle Seidene vnnd donne tucher iungkfrawen 
vnd frawen allinthalben zwtragen gantz Vorboten sein, Bei bufs 
eins R; gülden. 

Keine fraw sali hinfürder in der hawben, in krentzen, in 
Spanen 1), noch mit Regers 2) ader andirn Strawfsfedern vffintlich 
gehen adir tantzen, Bei pene eins R; gülden. 

Frawen vnd iungkfrawen sollen mentel, rogke, kittel vnd kleidir 
nicht lenger dann der erden gleich tragen, Bei pene eins R; gülden, 
so offt eine des besehen adir zwtragen vbir funden wird. 

In allen obgeschrieben pungkten vnd artigkeln sollen der 
Doctores weiber vnd tochter der weiber vnd töchter, die in Reten 
sein adir ine gleich geacht werden , sich mit cleidung vnd anderm 
yne gleichmessig zwhalden verbunden sein, Bey pene eins itzlichen 
artigkels vbir der andern der obgerurten weyber vnd tochter kleidung 
gesatzt vnd aufsgedrugkt. 

Von der dienstmeyde cleydung. 

Dinstmeide suUen keynerlei Seyden gewanth, wie das nhamen 
hat, wider zw ermein, vnder menteln adir vndir rogken gefüttert adir 
zw gebremen an keynem end an allein zw zcoppen an yrer kleidung 
tragen. Des gleichen sullen sie auch keinerley von rauchwergk 
denn allein ein harschlecht^) gebreme, doch nicht vbir eins fingers 
breit, Auch keine brustletz noch keine geteylte färbe adir gewannd 
vorbrehmen aufswendig [6^]. Auch kein Doppel arras, Ztschamlot, 
noch Settyn zw keinem kleide tragen, dan vnderrögk von allerley 
gewande, dye mit seiden gewande vnd von allerlei gewürchte, auch 
von rauch werg als von Schonberg*) zuuorbremen, Setyn, Düppel 
arras vnd Ztschamloth sollen yne gantz vorboten sein zw tragen. 

Item Sie sollen auch nicht tragen Perlen adir Perlen bendichin, 
Corallen pater noster^). Güldene ringe, dorzu keinerley Spangen, 
Aufsgeschlossen Silberne adir vorgülte heffte, die mögen sie tragenn, 
Doch das die nicht haben am gewychte vbir zwey lot. Auch kein 
kleidt lenger dan das es vff die erden stosse, Kejn golt adir silber 
in brüstigen*'), zw schlingen vnd zw bortichen, in schnüren adir 
sust, auch nicht seyden schlingen adir offene nethe in ermein adir 
badekappen ''), Silberne noch güldene ketten. Auch kein kleyd vbir 
sechs gülden wirdig tragen, Bei pene eins halben gülden von itz- 
lichem stügk zw geben, so offt das vbirfaren wirdet. 



1) Span ^ eine im Mittelalter zeitweise modische ringelichte Haar- 
tracht: D.Wb. X, 1866. 

2) Reihers. 

^) Haarschlecht kommt im D.Wb. IV, 36 nur vor als Eigenschaft 
von Pferden, die von unreinem und staubigem Futter so werden. 

*) Schönwerk ^ feines Pelzwerk: Grimm IX, 1485. 

■') Rosenkränze: D.Wb. VII, 1503 und Wilhelm Schmitz, 
Das Rosenkranzgebet im 15. und im Anfange des 16. Jahrhunderts 
(Freiburg i. Br. 1903) S. 42 ft'. 

**) Bröstigen ^ Schnürbrust: D.Wb. II, 446. 

') Vgl. D.Wb. I, 1071. 



Kleinere Mitteilungen. 313 

Item mit diesen beiden gesetzen sollen alle dinstmeyde, es 
sind burgerstochter adir nicht, die vmb Ion dienen, begriffen seyn, 
Den auch in alle weg schönberg vnd bunthwerg futter zutragen ver- 
boten sein sal. Vnd des nicht mher dan vngeuerlichen einen sechsten 
teyl eines virtels von einer elenn oben vmb den halfs vnd forn bis 
auff das görtel vnd forder an andern örtern. Dan yn sali alleyn ein 
harschlecht gebreme an schawben ader andern gefütterten kleydern 
zwtragen erloübt sein, Bei pene von einem itzlichem stügk eins ort 
eines R; gülden. 

Es sali auch allen dinstmeyden Schleyer, schorletze, brostichen 
adir leybichin, badekappen vnd halfstücher von Synewoffen ^), Nider- 
lendischer adir andrer le^mwath, der man ein elln vor drey grosch 
kaufft, Vorboten sein, Bei pene von einem itzlichen stügk eines orts 
eines R; gülden 

Es sali keyne dinstmeyd schwe mit anderen hoen dan eytel 
[6i>] schwartz vnd das der knochel bedegkt werd tragen. Bei pene 
drei silberne groschen. 

Von heymlicher ader offinbaren dirnen-) tracht vnd 
Cleidung, sie sein im gemeinem hawfs adir nicht. 

Item heimlichen vnd offinbaren diernen ist vorbotten zwtragen 
alle gestigke, faberei. Silbern gürtein, Spangen, vorgillte heffte, alle 
Seiden gewandt, vnterrögke vnd alle gebreme von hermlen, lassitz 
ader der gleich. Aufsgeschlossen ingelegte adir von harschlecht ge- 
breme, das nicht vbir eins vingers breit, mögen sie tragen. Auch 
sind ine verboten Corallen pater noster, güldene ringe. Silberne adir 
güldene ketten bei vorlust der selbigen, wo die bei inen bfunden, 
Vnnd alles untzen golt adir silber zw schlingen, schnüren, zwbröstigen, 
badekappen adir sust, Lange mentel, kürschen, schawben, die mit 
anderm rauchwerg danmitSchmaschen*^), Künerügken adir Wammen*), 
Grotschen^) adir Hemstern gefuttert seint, Schlaier von Sinowoffen, 
Niderlendischer adir Hoelendischer leinwath, Schwebisch vnd ander 
leinwath, der man ein ein nicht vor drei groschen kewffen mag. 
Vnnd die heimlichen weiber adir diernen sollen nicht lenger mentel 
tragen dan die in stregken die lingken handt halb bedecken, also 
das man den dawmen an der handt sehen möge, Doch von keinerlei 
dan von gelem gewande mit einer digken blawen schnüre. Vnd 
welche in andern menteln befunden, die sollen der mentel vber die 
nachuolgende bufs vorfallenn sein. Bei pene von einem itzHchen eins 
halben gülden reinisch. 

Aber die gemeinen offinbaren diernen mögen kurtze mentell 
von wafserlei färb sie wollen, in der lenge wie vor berurt adir 



^) Chinesisches Gewebe? Vgl. Schmeller, Bayrisch.Wb.I, 2911. 

2) Auch in der Verordnung über die Kleidung der Dirnen Cod. 
dipl. Sax. reg. II, VIII Nr. 364 vom 30. März 1463 wird unterschieden 
zwischen den Huren „vff dem freyhen hufse" und den „heimlichen 
huren". — Im allgemeinen vgl. K. Weinhold, Die deutschen Frauen 
in dem Mittelalter, Wien 1897, S. 19 ff. und Steinhausen S. 406 1. 

^) = fein zubereitetes Lammfell: D.Wb. V, 944. 

*) Kühn bei den Kürschnern für Kaninchen, daher Kühnrücken, 
Kühnwamme: D.Wb. V, 2579. 

•^) Was für ein Pelz damit gemeint ist, weifs ich nicht. 



314 Kleinere Mitteilungen. 

kurtzer vnd zuuoraufs eia zceichen von einem gelen gewandes flegk 
eins schregkenbergisch groschen, der siben ein güldenn gilt, breit 
vff irem schleier vnd heupt tragen, Bei pene eins ort [Ba] eins gülden, 
Den die Margmeister bei iren pflichtenn einfordern vnd behalden, 
do durch das sie vff die vnd andere dirnen vnd Sachen deste bessern 
fleifs vnd auff sehen haben sollen. 

Wo abir die Margmeister dorinne seumig adir ymandis vor 
hengen adir nachlassen werdenn, den sali der Rathe sampt den 
eldisten selbst dorümb straffen, ein tag vnd nacht in den Torm legen. 

Item, welch man adir weip, sie sein bürger adir inwoner, solche 
heimliche adir offinbare diernen vnd weiber hawsen adir herbrigen 
wurd, der adir die sali dem Rate iedes halben iars von einer person 
ein halb schogk groschen geben. 

\'nd so offt vnd digk von wegen der selbigen diernen einer 
ader mhr in des burgers adir inwoners hawfs adir raithe einiche 
auffrhur vnd offinbarlich grofs auft'leuffte gemachtt würde adir ge- 
schrei, also das sie ein offinberlich, vnzcochtig vnd vnuorschempt 
lebenn hette adir triebe: Szo sali der selbig wirt, bürger adir in- 
woner, dem Rath ein schogk groschen zu bufs geben, Vnd solch 
bufs sali der Rath vnablessig vnd vnuormindert einfordern vnd 
nhemen. 

Die ienigenn, die solch auffVhur gemacht, was wesens adir 
standis die seint. Die sollen noch aussatzung der Rethe adir vnser 
Statut, vnd die dierne, vmb der willen der auft'lawff geschehen, noch 
gelegenheit vnd gröfse der auffrhur vnd verhandelung gestrafft adir 
von der Stad geweist werden. 

Würde auch imandis, es wher man adir weibs bilde, bfunden, 
der ader die vnredliche leut zw suntlichem handel ader wesen auft"- 
hielde vnd also zw mher laster, schände, vnere, adir zw ehebruch 
furdernis adir vorhengknis tete, do durch weiber, meide adir andre 
personen in vnzcüchtig leben adir wesen gefurt adir gebracht würden, 
den adir die sali man, wo sie sich [Bt>] anders zw peinlicher straft" 
weiter nicht vorwirgkit ader vorhandelt haben, ewig aus der stad 
zw weisen. 

Würde auch yndert eine heymliche adir offinbare dirnne in 
pfarkirchen, Clöster adir Capellen neben andere erliche personen 
adir sust in einem stull adir sunderlich gemacht gesefs treten adir 
sitzen. Sali darumb dem Rathe ein ort eines reynischen gülden, so 
offt das von ^nen adir von einer yeden besehen würdet, vorfallen sein '). 

Vonn wirdtschafften. 

Es sollen die burger, die in Rethen sind, aller lewthe, fso sie 
zw wirtschaft'cen biten vnd laden, vbir sechs tisch nicht haben vnd 
setzen. Vnd mögenn zweNerlei weyn vnd z\ve\erley frembde bir 
geben vnd nicht dorübir. 

Die gemeynen burger etc. sullen vbir vier tisch nicht habenn. 
Auch vbir eynerlei wein vnd eynerley frembde bir nicht geben, 
Doch mag ein yder, der die w^rtschaft't aufsricht, einen nachtisch 
haben, also doch, dals die geste dorinne beschlossen sevn. Aber 



^) In der Verordnung über die Dirnen vom 30. März 1463 heifst 
es einfach: „Sie sallen auch bei keine fromme frauwe in der kirchen 
in die stule treten". 



Kleinere Mitteilungen. qic 

der priester, der die Brawtmesse^j singet mit zweyen dynern als 
zweyen korschulern, Custoden vnd Organisten sali in die obbemelte 
zcal nicht gezcogen sein. Auch sollen sie keinen süssen wein zw 
tringken geben. Vnd der gemeine bürger adir hantwerger sollen 
keinen frembden, sunder allein landtwein geben. 

Item tzw Wirdtschafiftenn, Hochzceitenn adir einn wirdt seinen 
gesten sali nymandis vbir meinem tisch des morgenns vbir sechs 
essen vnd des abinds vber funff, Nach vff eyne malzceit vnd eine 
schvissel vbir sechserley gebratens, dor vnter mag er zwej^erley 
wilprat, wafserley das sey, vogel adir anders, geben, Doch das das- 
selbig gebratens zcymlicb angericht vnd überflüssikeit vormyden 
werden. Do mit sollen alle schaw- [b ij a] essen 2), hirschzcemeP) 
Vorboten sein zw geben. Von allen vnd itzlichen stügken obin- 
bemelt sali yderman, der das vbertrit, dem Rathe von iglicher person 
ein gülden . adir von itzlichem obgemelten stügk funff gülden Rei- 
nisch zw bufs vnableslich vorfallen sein. 

Vnd welcher adir welche person eyn wirt schafft aufsrichten 
will, der adir die soll vor der wirtschafft ein buchlin ader vor- 
zceichnufs von dem Rath haben vnd entpfaen, sich dornoch haben 
zwrichten vnd das selbige büchhn des dritten tags noch der wirt- 
schafft dem Rate wider antworten vnd sich gegen dem Rathe recht- 
uertigen, das er sich mit vfsrichtung der wirtschafft in allen stiigken 
noch aufsweysung des buchlins gehalden vnd das nicht vbirfarn 
habe, Bei obgerurter pene funff" gülden. 

Gemeyne bürger ader hantwerger sollen nicht mher den auff 
den morgen funff vnd auff' den abind vier essen vnnd vbir vierley 
gebratens, dorunder ein wilprat allein sein mag, nicht haben. Vnd 
zw gleich von itzlichem stügke, das vbirtretten wirdet, zw pene 
drey Reinische gülden vorfallenn sein vnableslich zw nhemen Vnd 
sich auch noch des Raths buchlin halten, Bei obgerurter pene. 



1) Im Laufe des lo. — 12. Jahrhunderts setzte die Kirche die 
Forderung durch, dafs die öffentliche Hochzeit (publicae nuptiae) 
— die Verlobung liefs sie als einen Akt des weltlichen Vormund- 
schaftsrechts aufser Betracht — in der Kirche durch den priesterUchen 
Segen nach Anhörung der Brautmesse gefeiert wurde. Den nächsten 
Schritt tat sie damit, dafs sie die weltliche Übergabe der Braut an 
den Bräutigam mit dem kirchhchen Akte zu verbinden suchte. Sie 
forderte daher die Verlegung des ersteren Aktes vor die Kirchentür 
in Gegenwart des Priesters; gleich darauf sollte in die Kirche ge- 
zogen und die Brautmesse gefeiert werden. Endlich verbot sie die 
Laientrauung (Weinhold I, 355; vgl. auch neuestens R. Stapper, 
Die älteste Agende des Bistums Münster, Münster 1906, S. iiof.). — 
Aus dieser und der durch ein * markierten Stelle auf S. 316 scheint 
sich zu ergeben, dafs damals in Leipzig die Eheschliefsung ,in facie 
ecclesiae' noch nicht gefordert wurde. Gefordert wurde eben nur, 
dafs die Brautleute vor dem Festmahl eine Messe hörten. 

-) Schauessen - Aufsätze von Speisen, die bei Festmählern nur 
zur Zier und nicht zum Verspeisen aufgetragen werden, wie zierlich 
ausgeputzte Schweinsköpfe, buntfarbige Gallerte u. dgl., zuweilen 
auch Nachbildungen von Speisen in nicht efsbarem Materiale: 
D.Wb.VIII, 2338. 

^) = Hirschziemer. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. 3. 4. 21 



3i6 Kleinere Mitteilungen. 

Item es solle n^-niandis zw hochzceiten vnd wirtschafften den 
gasten, so er gebeten, vbir drey mal zw essen geben bei pene sechs 
gülden, Vnd vbir ein tisch vbir zcehen person nicht setzen Bei pene 
von iglicher person eins reynischen guldenn, Aufsgeschlossen den 
frembden, den einer des andern tags im wegk zcyhen ein malzceit 
geben mag, dor zw vnnd dor bey der adir die die wirtschafft aufs- 
gericht nymandis laden adir haben sali dan Brawt vnd breutgams 
vater vnnd muter, brüder vnd Schwester zwsampt dem küchemeister, 
schengken vnd beyden brawtdienern. Vnd do mit sali yn vnd den 
iungenn gesellen yre aide gewonheyt adir CoUation, Szo man yne 
vormals vff den hochzceit tag aufswendig des hawfses [bijb] der 
wirtschaftt gegebenn hat, abgestelt seinn. 

Es sal hinfurder, vbrige kost, schadenn vnd vnrathe zuuor- 
meidenn, ein itzlich, es sei man adir weip, das d}^ wirtschaftt aufs- 
richt, bestellen vnd vororden, Das braut vnd breutgam mit sampt 
iren freunden vnuorzcoglichenn zw Newn schlegenn des Seigers 
vftem Rathawfs zw kirchenn gehenn, do selbst die stunde des got- 
lichenn ampt mefs zw horenn *, vnd das man zu Zcehenn schlegenn 
zu Tisch sitze, Bei pene funff guldenn R;, der adir die, so wider 
ditz gesetze tun, dem Rathe vnableslichen vnd vnuormindert zu 
geben vorfallenn sein sollenn. 

Es sollen auch alle fortantz, die man Walpernacht ader Rampel- 
nacht^) nennet, gantz vnd gar ab sein vnd nachbleiben, Bey pene 
drej'er gülden. 

Bey gleicher pene sollenn auch alle geschengke zw vorlobnis, 
essen, quese^) gantz ab vnd verboten sein. Vnd ab ymandis aufser- 
halben des geste zw hawfs laden adir bittin wölde. Doch nicht zw 
vbirfarunge adir hinder gehin vnser Statut vnnd gesetze, Szo sali 
dennoch ein yder 3'ne essen vnd trin^ken zw geben mit den vorigen 
Statuten vnd penen der wirtschafftt halben auff essen vnd tringken 
aufsgesatzt verbunden sein. 

Es suUen auch alle offenberliche nachtentz ''X dorzw man sun- 
derlich vmbgehen vnd biten lest, verboten sein vnd ane sunderliche 
erlawbung des Raths nicht gehalden noch zw gelassen werden, 
mancherley leichtuertigkeit, vnkost vnd vnnütze zcerung, so den 
bürgers fsönen, einwonern vnd andern do von entstehet, zuuormeiden, 
Bei pene sechfs giilden reynisch, die diselbigen bürgers fsöne, ein- 
woner adir dy sich wesentlich alhie enthalden, ein iglicher, der adir 
die solche nachtentz anrichten adir do bey sein vnnd mithalden, 
dem Rathe zw geben vnableslich vorfallen sein sollen. 

[biija] Von geschenck zu den wyrtschafften. 

Es sali nymands zw keiner zceit Brawt vnd breutgam vbir 
zcehen halb groschen adir ein ort eins gülden schengken, aufs ge- 



') Schon die Leipziger Polizeiordnung von 1454 (Cod. dipl. Sax. 
reg. II, 8, 349 Nr. 317) verbietet, dafs die Braut einen Tag vor 
der Hochzeit Jungfrauen zu sich lade und die bei sich über Nacht 
behalte, „das man dy Rammelnacht [offenbar von rammeln schäkern, 
spielen: D.Wb. VIII, 78] genant hat". Vgl. auch Weinhold I, 391, 
Zu Polterabend, nacht vgl. D.Wb. VII, 1989 und 1993. 

2j Quas Schlemmerei: D.Wb. VII, 2328 f. 

") l'Jber Nachhochzeiten und polizeiliche Beschränkung derselben 
in Lübeck vgl. Weinhold I, 391. 



Kleinere Mitteilungen. 2 17 

schlössen wilprat, Bei pene vnd bufs drei R; f;. Vnd vater vnd 
)nuter, btüder vnd Schwester braut vnd breutgams mögen schencken 
bette, küssen ader anders in malsen, wie vor geschehen ist. 

Item iungkfrawen vnd frawen, die sollen zw wirtschafften nicht 
vbir funff halbe groschen adir einen halben ort schencken, Bei pene 
eines halben gülden reynisch. 

Item Brawt vnd Breütgam sollen nymand, wider freunden noch 
frembden, zw der hochzceit schwe, badekappen, hembde adir der 
gleichen schengken, Bei pene drey R; gülden. Aufsgenomen die 
Brawt mag dem breütgam eine badekappe, hembde vnd krantz, auch 
beyden brawtdinern itzlichem einen krantz, vnd sust nymandis kein 
krantz mher noch sust ichts geben, Bei pene von itzlichem einen 
halben reynischen gülden \). 

Item Man sali in keiner wyrtschafft hinfurder den handtwergern, 
schustern, schneidern vnd andern, als Schülern, lewthern, hawfs- 
leüten, stadknechten noch sust nymands ausserhalb des hawses der 
hochzceit, er sei gebeten adir vngebeten, von der wyrtschafft soppen 
noch sust keynerley essen noch tringken geben ader vorschigken, 
Bei pene eynes rej^nischen gülden, Vsserhalben was man vmb gots 
willen-) geben will. 

Item Gleicher weifs sali es mit den Ersten messen ä) gehalden 
werden, Bey obgemelter pene, Aufsgeschlossen frembden, ab die von 
der malzceit zu der wirtschafft vngeessen komen. 

Es sali auch kein koch noch gesinde, helffer adir helfferin zu 
der köchenn gebraucht, keynerlei essen an fleisch, gar ader rohe 
adir wor an das sust ist, aus der küchen adir sust, ane wissen 
[biijb] vnd willen des ader der, die die wirtschafft aufsrichten, vor- 
geben, vorschicken ader selbst wegk tragen bei vormeydung adir 
vorlust seins dinsts vnd lohens. Man sali auch den kochen alleyn itz- 
lichem vff den abind zw schlaff trangk heim zu tragen nicht vbir ein 
halb Stöbgin bir. Auch dem selbigen koch von den, den sechs tisch er- 
lewbt sein, nicht vber zwen gülden Vnd von den, so vier tisch erlaubt, 
nicht vber dreifsig eroschen allinthalben zw lone geben werden. 

Es sali auch die brawt dem koch inns brauthun'') vnd denn 
pfeiffern ins begken iedem teil nicht öbir ein ort einns güldenn zw 
geschengke geben, Vnd sali auch allen vnd itzlichen, die wirdtschafft 
aufsrichten, vor adir nach bad^) zu bestellen verboten sein, Bei pene 
drei reinisch gülden. 

Von brautbette geschencke. 
Man sali autf das Brautbethe hinfurder kein Confeckt noch süssen 
wein geben Noch zw kindttewft'en, kirchen gehenn vnd in der dreien 



*) Über die uralte Sitte der Hochzeitsgeschenke und luxus- 
polizeiliche Verordnungen dagegen vgl. Wein hold I, 3 69 f., über Ge- 
schenke der Braut an den Bräutigam und die Brautführer ebenda 305. 

2) = als Almosen an Arme. 

^) =- Primizen. 

*) Am Morgen nach der Hochzeitsnacht brachte man den jungen 
Eheleuten ein gebratenes Huhn, das Brauthuhn, ans Bett. Über 
Polizeiverordnungen gegen den damit verbundenen Luxus vgl. 
Weinhold I, 387^ 

^) Das Brautbad war ursprünglich eine entsühnende Weihung. 
Seit dem 14. Jahrhundert wurden an diesem Tage üppige Schmause 
abgehalten: Wein hold I, 337!. 



3i8 



Kleinere Mitteiluno-en. 



ader sechs wochen kein kostung wider mit tladenn, kuchen adir 
anderm bei einem schock groschen silbernn möntze. Abir einen wein 
vnd ein frembd bir mag man wol schengken, ader keinerlei andern 
noch süssen wein geben ^). Des gleichen sali es zw begengknissen 
vnnd ihartagen auch gehalden werden. 

Es mag abir ein kindtbetterin, so sie zw kirchen gegangenn, 
den frawen, iso bei ir in iren nöten sein adir gewest, vnd sust ni- 
mandis, wol ein malzceit geben. 

Von gefatterschafft, Kindttewffen, Sechs vnd dreien 
wochen vnd Kirchgang etc. 

Auch sali nimandes, es sei Mannes adir Weybes bilde, das [lo*] 
zw gefattern gebeten wnrdt, zw dem kindttewften dem kinde der 
man nicht vbir tzehen halbe groschenn adir ein ort eines gülden 
Vnd die fraw adir iungfraw vbir funlT halbe groschen adir ein halben 
ort eines gülden, einlegen, Bei pene eins reinischen gülden"^). 

Von Czechen vnd Biergehen. 

Es sali nimandes, es sei inwoner adir hantwergs geselle, die 
iren meistern tagwergk gedieng adir sust arbeiten, an wergtagen zu 
den zcechen in keinen keller noch schenckhauls noch auch des 
heiligen adir wergketags zw gebrantem wein gehen vnd sitzen, Bei 
pene eins ort eines gülden. 

Es sali kein handtwergs man des wergtags vor der vesper zceit 
zum bire noch zum wein vnd zur zceche gehen adir sitzen. Auch 
in keinem keller vor der selbigen zceit vor adir nach mittage, Bei 
pene eines halben reinischen gülden. 

Es sali auch kein wirt noch Birschengk an wergk tagen orthe 
adir bierzcechen des stad volgks vor der vesperzceit, als vor zweien 
schlegen des Seigers, in seinem hawfs halten, bei pene eins halben 
R; gülden, Sündern an Feiertagen mögen sie Birgeste setzen vnd 
orthen^) in iren hewsern, wenne sich die heiUgen gotlichen ampt 
geendet haben vnd ehr nicht. Doch das der selbige Wirdt adir 
Bierschengk sulche Biergeste vnd zcheche Sommerzceit, als von 
Ostern bifs vff Bartholomei, vff den abind vmb newn hören, Vnd 
von Bartholomei bis vff ostern des abinds vbir sechs hören an der 
zceche nicht halten, Noch denne nicht mhr bier zwtrincken vor- 
kauffen ader geben lassen, Bei pene eins halben R; gülden. Welch 
wirt ditz an heiligen tagen nicht halden vnd vbirgehen wurde, das 
der selbige von einer itzlichen person, die bei im bfunden, ein halben 
gülden zw pene gebe. 

[lobj Vnd ein itzlicher Weinschengk sali sein keller, wen des 
Rats keller geschlossen, als nemlich im Sommer zw zcehen vnd im 
Winter zu newn schlegen des seygers vffem Rathaws, aufsgeslossen 
in merckten, auch zw schlissen. Bei der selbigen pene. Vnd welcher 



') Über die Besuche der Wöchnerin im Kindbett, die zu kost- 
spieligen Gastereien ausarteten, über die übertriebenen Geschenke, 
die von den Gästen der Kindbetterin aufs Bett gelegt wurden, über 
das Gepränge beim Kirchgang der Wöchnerin vgl. Wein hold I, 94 f. 

^) Über Patengeschenke: Wein hold I, 94. 

^) orten transitiv kennt das D.Wb. (MI, 1362) nur in der Be- 
deutung: in die Ecke, bei Seite schieben (Speise, Futter). 



Kleinere Mitteilungen. 5 ig 

schengk adir wyrdt das nicht tete vnd dorübir seinen keller offen 
liefs adir geste hild, der sali dem Rathe ein schogk groschen zw 
bufs vorfallen sein. 

Es sollen auch die Birschengken den Birgesten kein essenn, 
sunder rechte mafs geben, Bei pene eins halben gülden. 

Auch bei pene eins halben R; gülden kein Spil vmb gelt adir 
geldes werd in seinem haws zwgestaten, aufsgeschlossen umb die 
zcechen vngeuerlich '). 

Item Keyn tag arbeiter adir ander ledige gesellen sollen an 
wergktagen zw Bier gehen, Bei pene eins ort eins güldenn. Wo aber 
emer mher dan dreymal gebüst, also das er dorüber gantz vnge- 
horsam vnd vnstrefflich sein ader bfunden würde, den mag der Rath 
von der stadt weysen. 

Von mussig gehernn vnd dinstboten. 

Es sali kein wirt kein müssick geher vbir zwen tag herbrigen 
ane wissen vnd willen des Rats, Bei pene eins halben R; gülden. 

Item welche dinstboten, es sei hawfsknecht,schirmeister, encke-), 
ineyde, kochin, ader ander gemyet gesinde, ane redliche vrsach adir 
mit vnwillen vnd ane gunst seins herren ader frawen aufs dem 
dinste, zw welcher zceit das geschee, gehen vnd sich in der stad 
anderfswo ane dinste vnd redehche vrsache enthalden vnd müssig 
gehen wölte, Den adir die sali auch kein bürger adir inwoner im 
weichbilde vber zwen tag hawfsen noch herbrigenn bei obenn be- 
rurter pene. Vnnd dar zw sali der dinnstbothe seinnes lohens ganntz 
berawbet vnnd vor- [11 a] lustig sein. Vnd es sali vne sust kein 
burger adir inwoner zw dinste in einem iar auffnehmeri, Sundern sali 
die Stat ein iar meiden adir dem Rathe ein gülden zw bufs geben. 

Es sali auch kein dinstboth, knecht, mevde adir wevbes bild 
ir laden, kisten adir andre vorschlofsne beheltnifs an andernn örtern, 
hewsernn adir kammernn denne bei seinem herren adir frawen, dem es 
dienet, ire gerethe adir anders dar inne zuuorwaren, stehend haben, 
bey vorliefsung desselbigen beheltnifs vnd was dorinne ist, das dem 
Rathe vorfallen sein sali. Vnd der wyrt ader wirtin, der ader die 
solchs herbergen, suUen dem Rathe einen gülden zw bufs geben. 
Wer es abir gestolen, sal der gast vnd wirtt sein pene des rechten 
dorumb leiden. 

So auch ein bürger, bürgerin adir inwonerin einem andern 
seinen dinstbotten adir gesinde, es sey knecht adir magt, ane seinen 
wissen vnd willen abspenen, durch hocher gedinge adir ander wege 
abzciehenn vnd entwendenn, Szo das aufsfündigk würde, der adir 
die sali dem Rathe dorümb ein schogk groschen zw bufs zw geben 
vorfallen sein vnd dorzw den selbigen dinstboten nicht behaldenn. 
Vnd der selbige dinstbothe sali auch bei einem iar, dem negsten 
dornoch, in der stadt nicht sein noch dienen, bsunder dasselbig iar 
die Stadt meyden, aber dem Rathe ein gülden zw bufs geben. 

Von gemeynem bier der hantwerger Innunge. 
Item die handtwerger sollen nicht mher dan eines des iars zw 
des heiligen Leychnams adir vff welchen tag inen das sunst eben 



^) Über Spielbufsen in Zwickau 15 30 ff. vgl. diese Zeitschrift 
XXV, 64. 

2) =famulus rusticus: D.Wb. III, 483 f. 



220 Kleinere Mitteilungen. 

adir bequem sein wirdet, geme3^n bier tringken, Bei pene zcehen 
schogk groschen. 

Es sali auch allen vnd iglichen hantwergs gesellen, welchs hant- 
wergs die sein, ein vnd auis schencken mit kannen, krugen, [iit>] 
adir sust mit bawgken, pfeyffen ader ander Se^tenspil gantz ver- 
boten sein, des hinfur gantz ab zwstellen vnd zw meiden, Bei pene 
einem iglichen zw geben eins ort eins R; gülden. 

Beschlufs. 

Vnd ob imandes, so in dieser ordenung begriffen, was Standes 
adir wesens die selbig person sei, sulche ordenung in eynem adir 
mher stugken in itzlichem freuelich vbirgehen vnd dreimal strefflich 
funden vnd gebüst wurden, Die selbig person, es sey eyne adir mher, 
sollen, wo sie zum virden mal straffwirdigk vormargk für den Rathe 
furgefordert werden, Wo dan die selbig person in tracht der kleidung 
in einem adir mher stugken solche ordenung vbirgangen hette, sali 
der Rathe der selbigen person so vil gelts, als in berurter ordenung 
auff solche kleydung, in welchem werdt dyselbige sal getragen 
werden, gesatzt ist, bezcalen vnd hiraws geben vnd dyselbige klei- 
dung zw sich nemen. Ob abir imands in andern stücken vbir drei- 
mal bufsfelhg bfunden, diese ordenung vorechtlich halden vnd der 
nicht nachgehen würde. Die selbige person sali zwsampt der awff 
gesatzten pene in ander weifse hartiglich gestrafft werdenn. Wo 
auch eine ader mher sachen strefflich bfunden vnd den ihenen, die 
straften tun ader bufs einbrengen, sollen vormeldet vnd von den 
selbigen straff" ader bufs einzwbringern doran nachlafsung bfunden 
würde, dieselbigen sollen selber dreimal so vill verfallen sein, als 
die bufs sein wirt, die sie solden einbracht haben, die auch vnnach- 
lessig sali einbracht werden. 

Vorkündiget dornstag nach Felicis in pincis^) 
Anno salutis Millesimoquingentesimosexto. 



2. Ein Epigramm von Hleronymus Emser. 

Von Otto Giemen. 

Überaus zahlreich sind die Klagen über das unsittliche 
Leben der Geistlichen im ausgehenden Mittelalter. Ebenso 
zahlreich sind die Kundgebungen einzelner Bischöfe und 
Synoden gegen diesen Krebsschaden — ein Zeichen dafür, 
dafs jene Klagen zum guten Teil berechtigt waren, ein 
Zeichen aber auch dafür, dafs die Kirche immer wieder 
pflichtgemäfs dagegen einschritt. Unter den Gebieten, in 
denen es mit der Sittlichkeit des Klerus ,,sehr schlimm stand", 
nennt Janssen, Geschichte des deutschen Volkes seit dem 
Ausgang des Mittelalters, Bd. I (17. u. 18. Auflage, Freiburg i. Br, 

^1 15. Januar. 



Kleinere Mitteilungen. 321 

1897), S. 710 an erster Stelle Sachsen. Dafs aber auch hier an 
manchen Orten nicht so greuliche Zustände herrschten, wie 
wohl von übereifrigen Moralisten behauptet wurde, beweist 
das folgende Gedicht des Hieronymus Emser, das sich von 
Stephan Roth eingeschrieben auf der Innenseite des Einband- 
rückdeckels des Foliobandes XXIV. V. 1 1 der Zwickauer Rats- 
schulbibliothek findet: 

Hiero: Emfser. 

Ancillas Misne non amplius vndeuiginti, 

Quas illo secum tempore clerus alit, 
Jam non ancillas, sed dicis esse Sibyllas, 

Conferat etatem si quotaqueque suam, 
Secula cornicum quoniam superare videntur 

Scilicet et querne robora dura trabis. 
Expectas numerum? summam accipe: circiter annos 

Mille quadraginta grex simul omnis habet. 
I nunc et clero vitam die esse salacem, 

Si Veneris vetulis vsus inesse potest. 

Dürfen wir diesen Scherz ernst nehmen, dann gab es 
also um 1500 in Meifsen nur 19 Pfaffenköchinnen, die durch- 
schnittlich 55 Jahre alt waren. 



3. 30 weitere Dohnische Schöppensprüche. 

Von Georff Schlauch. 



& 



In der Arbeit über den Schöppenstuhl zu Dohna (s. diese 
Zeitschrift XXVI, 209 f.) ist S. 212 ein Eintrag von Th. Distels 
Hand im Archivverzeichnis III, 118 des Dresdner HStA. f. 10 
erwähnt: ,,1387 schon ein Rechtsgutachten der Burggrafen 
von Dohna (Original?) in der Milichschen Bibliothek zu Görlitz 
(Vol. 20; 18/19)." Den betreffenden Band suchte seinerzeit 
Professor Jecht vergeblich, erst in neuerer Zeit ist er ge- 
funden und mit seinem Inhalt ein beträchtlicher Zuwachs zu 
den bisher bekannten Dohnischen Schöppenurteilen gewonnen 
worden. In seinem Aufsatze ,,über die in Görlitz vorhandenen 
Handschriften des Sachsenspiegels und verwandter Rechts - 
quellen"^) beschreibt Professor Jecht den Kodex, den er als 
„ Systematisches Schöppenrecht, Informaciones und Weise des 
Lehnrechtes" bezeichnet. Der jetzt im Ratsarchive unter 
Varia 4, früher auf der Milichschen Bibliothek sub mspt. fol. 190 
aufgestellte Band, eine um die Mitte des 15. Jahrhunderts 



1) N. Laus. Magazin LXXXII, 223 f. 



?22 Kleinere Mitteilungen. 

angelegte Sammlung von Rechtssprüchen, enthält aut Bl. i 
bis 207^ Magdeburger Sprüche nach Liegnitz und Görlitz, 
dann bis Bl. 220^^ Dohnische, denen sich wieder Magde- 
burger, auch vereinzelte Leipziger und Hallische Urteile und 
eine Anzahl für unseren Zweck nicht in Betracht kommender 
Niederschriften anschliefsen. Auf diesen Band bezieht sich 
möglicherweise auch die bei Zepernick^) befindliche Notiz, 
nach der im Görlitzer Rathause vier Foliobände vorhanden 
sein sollten, in denen, ,, besonders in einem derselben, eine 
grofse Anzahl Dohnaer Schöppenurthel anzutreffen" seien. 
Dank der liebenswürdigen Vermittelung des Professors Jecht 
und durch das wohlwollende Entgegenkommen des Görlitzer 
Magistrats ist es mir möglich gewesen, den Kodex einsehen 
und die Dohnischen Urteile zu einer Ergänzung der eingangs 
erwähnten Arbeit benützen zu können. 

Bl. 207*^-) trägt am oberen äufseren Rande die Bezeich- 
nung Donynn, am unteren äufseren Rande die Worte 
Donysche Vrtel folgen. Die folgenden Seiten zeigen am 
oberen Rande eine spezielle Numerierung von I — XXXI, dann 
beginnt die bei 350 unterbrochene Zählung der Magdeburger 
Urteile mit 351 wieder. Die Randbemerkungen wie die 
Zählung sind ungenau, denn das erste Urteil beginnt bereits 
Bl. 207^ Zeile 26, und es sind nicht 31, sondern nur 30 Urteile 
aufgezählt. 

Auch diese Sammlung zeigt den alten Mangel an genauer 
Datierung. Nur ein Urteil (Nr. 24) trägt Datum und Jahres- 
zahl, letztere aber falsch, wie sich später ergeben wird, es 
enthält aufserdem einen Hinweis auf einen datierten Brief. 
Sechs weitere Urteile tragen das Datum der Ausstellung, 
und zwar: Nr. 23: Mitwoch noch Assumpcionis Marie; Nr. 25: 
Montag noch Letare; Nr. 26: Dinstag Valent.ini; Nr. 27: 
Montag vor Petri; Nr. 29: Montag nach Quasimodogeniti und 
Nr. 30: Freytag noch Allirgotisheyligin tage. Von ihnen ist 
nur Nr. 26 mit Wahrscheinlichkeit auf den 14. Februar 141 7 
zu bestimmen. Drei Urteile enthalten auch noch den Tag 
der Anfrage, Nr. 25: Mittwoch vor Gregori; Nr. 27: am Tage 
der IG 000 Ritter; Nr. 30: Mittwoch vor Simon Judä. 

Die Urteile sind namentlich deshalb interessant, weil 18 
von ihnen (Nr. i — 16, 20, 22) aus der Zeit der Burggrafen 
stammen. Leider sind auch die Einleitungen häutig ungenau. 
So beginnt die Sentencia des ersten Urteils mit den Worten: 



') Zepernick, Miscell. z. Lehnrechte I, f. XXII. 

-) Die Paginierung ist erst neuzeitlich mit Bleistift durchgeführt. 



Kleinere Mitteilungen. 323 

„Hirouff sprechin wir a. b. c. gebrudere houptmanne zcu 
Donyn vor ein recht." Das Wort „gebrudere" deutet doch 
sicher auf die Burggrafen hin, der Schreiber erspart sich aber 
nicht nur die Aufzählung der Namen, sondern fügt auch noch 
den sinnlosen Titel ,, houptmanne zcu Don}^" hinzu. Auch 
wo er die um die Wende des 14. Jahrhunderts lebenden vier') 
burggräfhchen Brüder, Otto Heyde III., Jeschke, Otto Mui 
und Jan, erwähnt, läfst er regelmäfsig Mul aus und hält Otto 
Heyde anscheinend für zwei Personen. Zwei Sentenzen (Nr. 2 
und 3) beginnen: ,,Wyr Otto heide Jeschko vnnd Jan ge- 
brudere burggrauen zcu Donyn", die anderen gröfstenteils 
„Wir Otto Jeschko heyde vnnd Jon" oder ,,Wir Otto 
Jefske usw.", eines (Nr. 11) nur ,,WyrJefsko usw." Aus dem 
Fehlen Muls den Schlufs zu ziehen, dafs die betreffenden 
Rechtsbelehrungen erst nach Muls am 11. März 1401 er- 
folgtem Tode erteilt worden seien, verbietet der Umstand, 
dafs ein bei Anton (s. u.) gedrucktes Urteil (Nr. 20) Mul mit 
aufführt. 

Das Urteil Nr. 17 nennt keine Aussteller (hirouff spreche 
usw.), Nr. 22 die Burggrafen und ihre Mannen (vnnd vnfser 
man), die übrigen Urteile sind von der Mannschaft (von, zu 
Donyn; der Dohnischen Pflege) gefällt, zum Teil unter Nennung 
des Hauptmanns, des markgräflichen Vogtes zu Dohna. Fünf 
Schöppensprüche werden erteilt durch Hans Bebrach, Vogt 
zu Dohna (18, 19, 27) oder unter Hans Bebrachs Siegel (21), 
„das wir mannschafft mete gebrauchin" (23); zwei durch 
Hans von der Oelsnitz, Hauptmann (24, 25), je eins durch 
Heinrich List (26) und Foltsch von Torgau (28), die 
beide als Hauptleute bezeichnet werden, zwei durch Apetz 
Kar ras (29: Apetz kaws houptman, 30: Dewps karas heupt- 
mann). Diese Namen ergänzen nicht nur die bisher bekannte 
Reihe Dohnischer Vögte, sie ermöglichen auch, zusammen- 
gehalten mit den Resultaten meiner ersten Arbeit, eine ge- 
nauere Bestimmung verschiedener Urteile. 

Ich hatte mich bereits früher für Gottschalks Ansicht 
ausgesprochen, dafs Hans Bebrach Vogt zu Dohna gewesen 
sei, wahrscheinlich um 1412. In dem von ihm gezeichneten 
Urteile Nr. 18 streitet nun Kwnhanns (kynnhanns) mit der 
Frauen, derselbe (kwnhans, kinhans) in Nr. 19 mit der Frau. 
Einen gleichen Streit betraf aber das Urteil Nr. 30 meiner 
ersten Veröffentlichung, der nach Knothe 141 1 zu gunsten 
der Frau Katharina, Leuthers von Gersdorf Witwe, und 



^) Der fünfte, Friedrich, kommt als Geistlicher nicht in Betracht. 



224 Kleinere Mitteilungen. 

gegen Hans (Jon) von Gersdorf auf Reichenbach, früher auf 
Kuhna, „dem Kuhnehans", durch die Mannen zu Dohna ent- 
schieden wurde. Zur selben Zeit war Hans von Bibrach mit 
seinem Bruder Gebhard Besitzer von Grofssedhtz bei Dohna ^). 

In Nr. 21 sprechen Jan und Heinrich Güter an, die 
Lutold innehat. Auf Angehörige der FamiUe Gersdorf scheint 
sich der Streit nicht zu beziehen, wie man aus den Vor- 
namen vermuten könnte (Leuther von Gersdorf wird urkund- 
hch auch einmal Leutold genannt [Knothe S. 220]), da Leuther 
schon 1408 starb. 

In Nr. 23 gibt Frenzel von Borna an: vier Brüder, 
Pritsche, Hanns, Witche und Ingram von Landskrone, hätten 
ihren Besitz so unter sich verteilt, dafs Pritsche den einen 
Teil bis an die Strafse auf dem Berge hinter dem Dorfe 
Damas (Dohms, Weichbild Lauban) bekam, die anderen aber 
die (Sommerauer) Heide von der Strafse ab und Frymsdorf 
(Primsdorf), Sommerau und andere Güter behielten. Nach 
ihrem Tode seien diese an Hentschels (Hans?) Kinder und 
seine Frau gekommen, die die Heide an den von Borna ver- 
kauft hätten. Nun erhöben Pritsche und seine Kinder An- 
spruch auf diese. Die Landskroner Zschaslau und Kalkreuter 
und Peter bestritten die Rechtsgültigkeit des Kaufes, da 
Hentschils Kinder unmündig gewesen seien, Nickel Lands- 
krone habe beim Vogt Einspruch erhoben und die Görlitzer 
Mannschaft demgemäfs entschieden. 

Wenn die Görlitzer Kopie in Bezug auf die Namen zu- 
verlässig ist, würde sie einen interessanten Beitrag zur Ge- 
schichte derer von Landeskrone bieten, nach Knothe (S. 329) 
wären sie schon seit 1366 nicht mehr in der Oberlausitz an- 
sässig gewesen. Von dem erwähnten Besitze gehörte Sommerau 
später denen von Biberstein, Dohms seit dem ersten Drittel 
des 15. Jahrhunderts zur Hälfte denen von Kaikreuth, die 
andere Hälfte und die Sommerauer Heide um 1507 Heinrich 
von Kittlitz auf Eisenberg, Primsdorf denen von Rechenberg 
(Knothe S. 664 und 641). 

Wenn im Urteile 27 die Anfrage am Tage der 10 000 
Ritter, die Antwort Montag vor Petri erfolgt, so können nur 
die Jahre 141 2 und 14 13 in Betracht kommen, da nur in 
diesen zwischen beiden Terminen eine Frist von fünf (141 2: 
22. Juni bis 27. Juni) und vier (1413: 22. Juni bis 26. Juni) 
Tagen liegt, die einer Anfrage aus Görlitz entsprechen würde. 



') Am 28 Januar 1412 erhalten sie einen neuen Lehnbriet' ( M e i c h e , 
Burgen u. vorgesch. Wohnst, d. sächs. Schweiz S. 127). 



Kleinere Mitteilungen. 325 

Hans von der Oelsnitz ist (Urteil Nr. 40 der früheren 
Arbeit) am 24. März 1423 bereits als Hauptmann genannt, 
ihm folgt am 8. Juli 1423 Apetz Karras'). Da er die Stelle 
noch am lo.Juh 1426 bekleidet (Urteil Nr. 41 der früheren 
Arbeit), kann das Datum der Anfrage aus Görlitz in Nr. 24 
,, Donnerstag vor Agnes 1424" nicht stimmen, um so weniger, 
als es 1424 auf den 20. Januar fällt, die Antwort ,, Montag 
vor Fabian Sebastian" (17. Jam;ar) also drei Tage vor die 
Anfrage fallen würde. Dagegen kann das Urteil auf die 
Jahre 1422 (15. Januar bis 19. Januar) oder 1423 (14. Januar 
bis 18. Januar) gelegt werden, in die es gehören mufs, da in 
der Anfrage auf einen Brief Bartholomäus Eberhards zu Görlitz 
vom 16. Oktober 142 1 Bezug genommen wird. Das nächste 
Urteil (Nr. 25) suchen dieselben Parteien. Die Anfrage ge- 
schieht aus Görlitz unter ,,Thamen von Gersdorf, des Haupt- 
manns der Mannschaft, Siegel" am Mittwoch vor Gregori 
(d.i. 1422: II. März, 1423: 10. März), der Bescheid erfolgt 
am Montag nach Lätare (d. i. 1422: 23. März, 1423: 15. März). 
Vergleicht man das Intervall von fünf Tagen zwischen Anfrage 
und Urteil in Nr. 24, so könnte man versucht sein, beide 
Sprüche in das Jahr 1423 zu verlegen. Tamme von Gers- 
dorf war seit 1420 Hauptmann zu GörUtz^), Bartholomäus 
Eberhardt, 142 1 Bürgermeister zu Görlitz, besafs zur gleichen 
Zeit das Gut Schönbnmn (südöstlich Görlitz-''), Verklagter 
beider Urteile ist Peter N., Richter zu Schönborn. 

Heinrich List war 1417 bis etwa 1420 Vogt zu Pirna*), 
als Vogt zu Dohna ist er nicht belegt. Nehmen wir an, dafs 
er beide Ämter zu jener Zeit verband, wie dies ja schon 
früher Günther sen. von Bünau tat, so weist uns die Tages- 
angabe des Urteils Nr. 26 „am Dienstage Valentini" auf das 
Ausstellungsjahr 1417, da nur in diesem der Valentinstag auf 
einen Dienstag (14. Februar) fiel. 

Foltsch von Torgau war vom 25. April bis 17. Mai 1405 
Vogt zu Dohna. Er war aber auch ungefähr 1420 — 1424 
Vogt zu Pirna und hätte in dieser Zeit, zwischen Heinrich 
List (bis 1420) und Hans von der Oelsnitz (bis 1423), die 
Vogtei Dohna mit verwalten können. Das völlig undatierte 
Urteil Nr. 28 verweist uns in den ersten Zeitraum. In ihm 
streitet Hans von Biberstein, Herr zu Sorau und Beiskau 



') HStA. Cop. 39 f. 76b. 

-) Knothe, Gesch. d. oberlaus. Adels S. 193. 

^) Ebenda S. 168. 

*) Meiche a. a. O. S. 107. 



326 Kleinere Mitteilungen. 

(Beeskow), mit Siegmund Bär, Bürgermeister zu Bautzen, um 
das Lehngut Radewar (Radibor nnw. Bautzen). Nach Knothe 
(S. 593) soll letzteres 1397 "^^"^ ,, Siegsmund Behr, Bürger 
zu ßudissin", gehört, 142 1 aber im Besitze von Gerhard 
von Bolberitz gewesen sein (Knothe S. 137); Johann II. 
von Biberstein (1346 — 1428) war Herr der obengenannten 
Besitzung-en. 

Apetzkaws und Dewpskaras endlich scheinen wieder 
mit dem schon erwähnten Apetz Karras identisch zu sein, 
der vom 8. JuU 1423 bis (mindestens) 10. Juli 1426 Vogt 
zu Dohna war. Er zeichnet Urteil Nr. 29 und 30, von denen 
nur letzteres das Datum der Anfrage (Mittwoch vor Simon 
Judä) und Antwort (Freitag nach Allerheiligen) trägt. Die 
zwischenHegende Frist ist zehn (1423) oder neun Tage (1424, 
1425), pafst also bei allen drei in Frage kommenden Jahren. 
Das Urteil selbst behandelt eine Willkür zwischen Coimann 
von Metzinrode und Friedrich von Rabenau, in der auf einen 
Brief des Thamme von Gersdorf an Hans von Penzig Bezug 
genommen wird. Die Anfrage unterschreibt Nickel von Gers- 
dorf vom Hörne, Hauptmann zu Görlitz. Ein Coimann 
von Metzrath besitzt nun 1422 — 1444 Liebeln (Knothe S. 367), 
ein zweiter, auf Reichwalde (Knothe S. 432) zitiert 1423 
Friedrich von Rabenau wegen Holzfrevels vor Gericht. Ein 
Nickel -Voitländer von Gersdorf war 142 1 Hauptmann zu 
Görlitz (Knothe S. 231), ein Hans von Penzig, der 14 19 eine 
Fehde mit Christoph von Metzradt auf Reichwalde hatte, safs 
auf Muskau (Knothe S. 41 5 f.). 

Auch einige der anderen Urteile gestatten mitunter durch 
die in ihnen genannten Personen eine etwas genauere Be- 
stimmung. In Nr. 8 (burggräflich) wird ein Heinze, ein 
Heinrich von Schreibersdorf, ein Ecke erwähnt. Ein Heinze 
von Schreibersdorf safs Ausgang des 14. Jahrhunderts auf 
Gruna (östlich Görlitz); den seltenen Vornamen Ecke führt 
ein Herr von Radeberg auf Holtendorf und Thiemendorf, 
dessen Bruder Jone um 1390 starb. 

Im Urteile Nr. 9 (burggräflich) wird ein Hans von Panne- 
witz als verstorben erw^ähnt. Knothe (S. 409) führt zwei 
dieses Namens an, einen 1397 zu Lossa (nordöstlich Königs- 
wartha), der aber noch 1435 lebt, einen zweiten 1350 auf 
Königswartha. 

Im Urteile Nr. 10 (burggräflich) handelt es sich um eine 
Geldschuld Peters und seines Sohnes Heinrich an Heinrich 
von Czirnhawse, zu der Hans von Sebin und andere Leute 
klagen. Wenn im Urteile „Peter von Hoberg und sein Sohn" 



Kleinere Mitteilungen. 327 

Urteil zu Donin holen liefsen, so könnten dies entweder die 
„anderen Leute" oder die Schuldner sein. Ein Peter von H. 
und Sohn Heinrich kommen jedoch nicht vor, dagegen 1378 
bis 1401 ein Peter von Grifslau auf Rudelsdorf, dem 1403 
bis 1433 ein Heinrich von Gr. daselbst folgt, nach Knothe 
(S. 251) wohl sein Sohn; ein Niklas von Gr., der im Urteil 
als Zeuge erwähnt wird, lebt um dieselbe Zeit. Vielleicht 
betrifft der Streit also die Familie von Grifslau. Da Knothe 
(S. 517) berichtet, dafs Heinrich Scerhusen und Hannus 
von Sebin 1385 um 100 Mark, die letzterer zu fordern hatte, 
in Görlitz verglichen wurden, fällt unser Urteil also nach 
dieser Zeit. 

Das Urteil Nr. 20 zeigt sich durch die angeführten beiden 
Lehnbriefe als identisch mit dem alten Urteile Nr. 7, das 
Anton veröffentlicht hat und das sich auf den 13. Januar 1390 
bestimmen liefs. Es zeigt so recht die Unzuverlässigkeit des 
Abschreibers, der im ersten Lehnbriefe nach ,, gegeben zu 
Prag an deme irsten" die Schlufsworte ,,Tage in Ottobris" 
vergifst. Wenn Anton im zweiten Lehnbrief das wohl richtigere 
Jahr 1382 hat statt 1388 und unter den urteilfällenden Burg- 
grafen auch Mul nennt, so war die ihm vorliegende Kopie 
wohl die bessere, obwohl sie bereits so vermodert war, ,,dafs 
ihr Dasein nicht mehr lange bestehen" konnte'). 

Die Urteilsfloskeln sind völlig dieselben wie in den bereits 
bekannten Schöppensprüchen, nur dafs die Burggrafen an Stelle 
des ,,wir sind um Recht gefragt worden" das zeremoniellere 
,, bekennen und tun kund, dafs wir um Recht gefragt sind", 
setzen. Die Formeln der Zuschriften sind die im Verkehr 
mit adeligen Herren gebräuchlichen: „Vnfsern vnuordrossen 
willigen dinst zcuuor lobesamer gestrenger gunstiger forderer" 
(Nr. 23), „Unfsern vnuordrossen dinst mit fruntlicher behege- 
lichkeyd Edelen weyssin hern, besundern gonner, ewer vor- 
sichtike3^t thw wir zcuwissin" (Nr. 28), ,, Bitte wir ewer weys- 
heid vnns zcu vndirrichten" (Nr. 25) oder ,,zcu vndir- 
we3'ssin" (Nr. 24). 

Die meisten Urteile zeigen durch die kopierte Anfrage 
oder durch Redewendungen, dafs sie schriftlich gegebene Be- 
scheide waren, und zwar solche eines freiwillig gewählten 
Schiedsgerichts, oder erbetene Ratschläge des im Gerüche 
gröfserer Kenntnis stehenden Gerichtes. Den schriftlichen 
Bescheid beweisen Äufserungen wie ,,hirouff spreche wir 
schrifftliche schault vnnd antwort als die vor vnns brocht 



1) Anton, Diplomat. Beiträge S. 227. 



328 Kleinere Mitteilungen. 

ist" (Nr. 26), „Des beten wir vns yn ewern vorsigelten briffe 
So ir das eh gethun moget wedir zuuorschreibin" (Nr. 23) 
und „Hirinne bitte wir ewre lobeliche weysheid vnns zcu 
vndirweyssin noch leenrechtis rechte vndir ewren Ingesigel" 
(Nr. 28). Im Urteil Nr. 10 haben die Parteien, nachdem ein 
Urteil von Dohna schon eingeholt ist, sich verglichen, die 
Sache niemals wieder vor Gericht zu bringen, sondern durch 
vier Schiedsrichter entscheiden zu lassen. Trotzdem reisen 
die Zeugen, Klaus Heller und Niclas von Grifslau, selbst 
nach Donin, wohl weil sie selbst keine Entscheidung fanden, 
und es wird auch noch ein dritter Spruch (Nr. 10) eingeholt. 
In ähnlicher Weise beschlielsen die Parteien in Nr. 28 ,,die 
[Sache] keyn Donynn [zu] schreibin", wenn sie nicht ent- 
schieden werden könne. In Nr. 28 ermächtigt Siegmund Bär 
die Mannen zu Friedland, falls sie selbst Recht nicht finden 
können, ,,das ir das holet an der stat do ir daz billich holin 
sollet noch leenrechtis rechte als recht ist". Sie holen es 
in Dohna und zeigen dadurch, dafs dessen Ruhm eben vorzugs- 
weise auf lehnrechtlichen Entscheidungen gegründet war. 

Diese Inanspruchnahme des Dohnaer Gerichts geschieht 
auch hier wiederholt durch die gleichen Parteien. So sind 
letztere dieselben in Nr. i und 22, in Nr. 5 und 7, in Nr. 18 
und 19, in Nr. 24 und 25, so ist in Nr. 11 bereits früher ,,das 
recht von Donyn her geteylt", ebenso, wie schon erwähnt, 
in Nr. 10. 

Wenn in der „Sentencia von Bekentnisse Neyn vnnd 
yo" (Nr. 4) die Burggrafen bekennen: ,,Eynn Jude qwam vor 
vnns vnd sprach" (ein Ritter sei ihm 30 Mark Groschen 
schuldig; Frenzel habe gebürgt; er begehre mit ihrem be- 
siegelten Brief als Beweis Gerichtes und Antwort) — ,,der 
Ritter antwortet" (er bekenne sein Siegel, doch die Summe, 
die er gern zahlen wolle, sei nur 10 Mark)^ — ,, Frenzel spricht" 
(er bekenne sein Siegel, die Summe wisse er nicht), so er- 
weckt das den Anschein, als sei das Urteil im offenen Ding 
gesprochen. Dann würde diese Schuldklage die Bd. 26, S. 231 
ausgesprochene Ansicht widerlegen, d^fs offene Dingsprüche 
des Dohnaer Schöppenstuhls nur lehnrechtliche Streitigkeiten 
betreffen durften. Wir finden aber die Redewendungen ,,kam 
vor uns", ,, spricht" und ,, antwortet" so oft in nachweisbar 
schriftlich gegebenen Bescheiden, dafs sie nicht als beweis- 
kräftig für ein Dingurteil angesehen werden dürfen. Eher 
schon könnte das Urteil Nr. 5 ein solches sein. Es trägt die 
Überschrift: ,, Sentencia. Mit orteylen behalden. Vor gehe- 
getter banck zwir frogin vmb recht ann vnns Ottenjeschkon 



Kleinere Mitteilungen. 329 

Heyde vnnd Jon ist also." Im Texte spricht der Kläger: 
sein verstorbener Bruder habe 120 Mark hinterlassen, die 
einer innehabe; er verlange seinen Erbteil (es sind mehrere 
Geschwister); der Antworter spricht: der Kläger und auch 
die Frau hätten das Geld angesprochen, die Frau es vor 
gehegter Bank gewonnen. Dem entgegnet der Kläger, er 
wolle nicht der Frau, sondern seines Bruders Geld. In diesem 
Urteile würde es sich also um Erbe in einem offenen Ding- 
spruche handeln. Aber auch hier scheint die ,, gehegte Bank" 
sich auf die erste Instanz, die den Dohnaer Ratschlag ein- 
holt, zu beziehen. 

Die Rechtsprechung des Dohnischen Schöppenstuhls um- 
falst auch in diesen 30 Sprüchen das bisher bekannte Gebiet, 
doch bieten zwei Urteile besonderes Interesse. In Nr. 23 
wird von Borne eines Friedensbruches beschuldigt, darauf 
entscheidet die Mannschaft unter Hans von Bibrach: ,,darüme 
fuget vnns doruff nicht zcusprechin Sintdemole das die sache 
vnuorantwortet ist". In Nr. 30 aber, die eine Willkür zwischen 
Colmann von Metzradt und Friedrich von Rabenau betrifft, 
die letzterer nicht gehalten haben soll, antworten die Mannen, 
„wenne wir abir willekore vorder keynn Recht sprechin". 
Sie entscheiden also nicht nur über Stadtrecht nicht (Bd. 26 
S. 235), sondern auch nicht über persönliche Verträge. Ob 
das vorder (= sonst) sich auf eine nicht genannte Bedingung 
bezieht, ist zweifelhaft, es könnte auch auf den Nachsatz 
zielen, in dem sie vorsichtig die eben gemachte Einschrän- 
kung ihrer Tätigkeit umgehen: ,, wenne wes sich yo der mann 
vorkoret das helt her mogelich". 

Zum Schlufs möchte ich noch darauf hinweisen, dafs eine 
Redewendung auf die Bezahlung der Urteile zu deuten scheint: 
„betten wir euch liebin hern vmb ewre forderunge Das 
wellin wir alletzit vordynnen". 



4. Das Wappen des Bistums Meifsen. 

Von Eduard Heydenreich. 

In der Literatur über das Wappen des Bistums Meifsen 
finden sich zahlreiche Irrtümer. Eine auch hinsichthch der 
Farben vollständige und richtige Beschreibung des Wappens 
ist nirgends gedruckt. Auch eine erschöpfende Verzeichnung 
der einschlagenden Literatur fehlt. 



3O Kleinere Mitteilungen. 

Kissel, Wappenbuch des deutschen Episkopats (Frank- 
furt a. M. 1891) S. 108 hat eine Abbildung des Schildes des 
Bistums Meifsen veröffentlicht; derselbe ist von Gold und 
Blau gespalten und zeigt auf der Spaltlinie eine heraldische 
Lilie mit verwechselten Farben. Als Quelle nennt Kissel 
Siebmachers Wappenbuch Dieses Wappenwerk zeigt in der 
Ausgabe von 1696 noch keine Abbildung des Meifsner Bistums- 
wappens, doch tindet sich eine solche in den Ausgaben von 
1705 und 1734, Tafel 11, aber ohne jede Quellenangabe. 
Das Wappen vom „Bisthumbe Meichsen" zeigt auch hier im 
Schild die Lilie auf der Teilungslinie. Dieses Wappen findet 
sich bereits 1608 als das Meifsner Bistumswappen bei Peccen- 
stein, Theatrum Saxonicum, S. 31. Ein noch älteres Vor- 
kommen der Lilie, freilich im ungespaltenen Schild, würde 
für den episcopus Misnensis auf dem Konstanzer Konzil vor- 
liegen, wenn nicht, wie weiter unten ausgeführt wird, diese 
Überlieferung in einem Frankfurter Druck des Jahres 1575 
Blatt 105 b sehr schlecht bezeugt wäre. 

Die Lilie ist eine der allerhäufigsten W^appenfiguren. La 
Chesnaye des Bois zählt in seinem Dictionnaire genealogique 
(1757) Tom III 5500 Familien, Städte und Korporationen allein 
in Frankreich auf, welche die Lilie führen ; und das Verzeichnis 
der europäischen Familien mit der Lilie im Wappen bei 
Ren esse, Dictionnaire des ligures heraldiques (Bruxelles 
1894 ff.) beträgt trotz der besonders vom Verfasser hervor- 
gehobenen Kürze seiner Darstellung doch noch 88 Spalten. 
Beispielsweise sei aus Grensers Aufsatz ,,Die Lilie in der 
Heraldik" (Zeitschrift des heraldischen Vereins ,, Adler" in Wien 
III, 1873, S. 89) hervorgehoben, dafs die von Schatz in Strafs- 
burg in allen Einzelheiten genau dasselbe Wappen führen, das 
bei Kissel, Siebmacher und Peccenstein als das des Bistums 
Meifsen ang^egeben ist. Wie leicht konnte ein solches Fami- 
lienwappen von einem derjenigen Bischöfe von Meifsen, deren 
Familien auch nach den Untersuchungen von Machatschek 
(Geschichte der Bischöfe des Hochstiftes Meifsen in chrono- 
logischer Reihenfolge, Dresden 1884) und Ebeling (Die 
deutschen Bischöfe bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, 2. Bd., 
Leipzig 1857, S- 205 ff.) unbekannt sind, oder von einem Mit- 
gliede des Meifsner Domkapitels geführt und dann irrtüm- 
licherweise für das des Bistums selbst gehalten werden! 
Auch kam es vor, dafs Wappen durch Schenkung, Verkauf 
oder letztwillige Verfügung von einer Person erworben wur- 
den, die mit dem das Wappen führenden Geschlechte nicht 
verwandt war (Kekule v. Stradonitz, Rechtsgeschäfte über 



Kleinere Mitteilungren 



ö"- 



331 



Wappen und Wappenteile, Jahrbuch der Gesellschaft „Adler" 
Neue Folge, 14. Bd., Wien 1904 und Ausgewählte Aufsätze aus 
dem Gebiete des Staatsrechtes und der Genealoorie. Neue 
Folge, Berlin 1907, S. 173 if.)- Dals das genannte Lilienwappen 
nicht das des Bistums Meifsen ist, ergibt sich schon aus dessen 
weiter unten zu besprechenden Siegelführung. 

Es hat ein Unstern über den Veröffentlichungen des 
Meifsner Bistumswappens geschwebt. Denn wenn das von 
Adam Berg 1576 herausgegebene Schrotsche Wappenbuch 
ein schwarzes Kreuz im gelben Schilde als Wappen des Bis- 
tums Meifsen darbietet, so ist dies ein völlig aus der Luft s:e- 
griffenes Machwerk. Seine Neuveröffentlichung durch Seyler in 
der neuesten Bearbeitung von Siebmachers Wappenbuch ( i . Band, 
5. Abteilung, i, Reihe, Bistümer und Klöster 1881, Tafel 7) hat 
nur Wert als ein Beitrag zur Geschichte der Fälschungen. 

Auch die Darstellung des Wappens Johannes III. von 
Kittlitz, Bischofs von Meifsen (1393 — 98), auf der soeben 
zitierten Tafel der neuesten Ausgabe von Siebmachers W^appen- 
buch enthält einen Fehler, insofern — entgegen dem sonstigen 
Gebrauch bei den Darstellungen des Meifsner Bistumswappens 
— neben der Bischofsmütze nicht nur der Krummstab, sondern 
auch das Schwert gezeichnet ist. Das mit dem Krummstab 
geschrägte blanke Schwert, das Zeichen des Blutbannes, 
führten nur die ehemals souveränen geistlichen Reichsfürsten 
(von Sacken, Heraldik, 6. Aufl , S. 121). Der Fürstenstand 
der Bischöfe von Meifsen ist umstritten. Man mag ihn theo- 
retisch für die ältere Zeit des Bistums nicht bezweifeln (vgl. 
Ficker, Vom Reichsfürstenstande I, 276; Gersdorf, Ur- 
kundenbuch des Hochstiftes Meifsen I, 1864, S, VIII), da die 
Namen der Bischöfe von Meifsen dort, wo sie als Zeugen in 
Kaiserurkunden erscheinen, nicht selten vor Bischöfen stehen, 
deren Reichsfürstenstand nicht dem geringsten Zweifel unter- 
liegt, und da ihnen auch in Urkunden die Prädikate princeps 
karissimus (1292), princeps devotus dilectus (1372) und ,,er- 
wirdiger fürst" (1475) beigelegt werden. Praktisch aber übten 
zwar die Bischöfe von Meifsen einige landesherrliche Rechte 
aus, besaisen jedoch keine unmittelbare Reichsstandschaft, 
sondern hatten bei dem mit fast ängstlicher Vorsicht be- 
handelten Verhältnis zu den Markgrafen von Meifsen Ver- 
anlassung, diese als Erbschutzherren, sich selber aber als 
partikulare Landstände und Landesbischöfe zu betrachten. Die 
Anerkennung dieses Verhältnisses geschah ausdrücklich 1542. 
Das Wappen des Bistums Meifsen entbehrt daher mit Recht 
des Schwertes. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. 3. 4. 22 



33: 



Kleinere Mitteilung:en 



?:>'■ 



Über das wahre Wappen des Bistums Meifsen gibt die 
Siegelführung der Bischöfe von Meifsen Auskunft, wie solche 
aus dem von Gersdorf in drei Bänden heraussfe^ebenen 
Urkundenbuche des Hochstiftes Meifsen ersichtlich ist. Diese 
Siegelführung hat Seyler in der Vierteljahrsschrift für 
Heraldik, Sphragistik und Genealogie 2. Jahrg. 1874, S. 33 ff. 
im Zusammenhang erörtert. Der erste, welcher ein Wappen 
des Bistums Meifsen führte, ist, wie auch Hauptmann, 
Das Wappenrecht (Bonn 1896) S. 134, mit Recht bemerkt, 
Johann II. von Jenzenstein (1375 — 79). Das spitzovale Haupt- 
siegel dieses Bischofs zeigt in einem gotischen Chore die 
beiden Heiligen Donatus und Johannes, unter dem Chore in 
einer torartigen Einfassung eine knieende Figur im bischöf- 
lichen Ornate, aufserhalb dieser Einfassung, rechts und links, 
zwei Wappenschilde. Von diesen zeigt das heraldisch linke 
das Geschlechtswappen des Bischofs, nämlich zwei Geier- 
köpfe, die aber hier mehr Schwanenköpfen ähnlich sehen, 
dagegen das heraldisch rechte zum ersten Male das Wappen- 
bild des Bistums Meifsen, nämlich das Lamm Gottes mit der 
Fahne. Das kleinere und Rücksiegel dieses Bischofs zeigt 
bis an den rechten Rand herausgerückt ebenfalls das Lamm 
Gottes mit der Fahne. Dieses Siegelbild des Bistums Meifsen 
findet sich von da an häufig, schon bei Johann III. von 
Kittlitz in Feld i und 4 eines gevierten Wappenschildes, 
dessen Feld 2 und 3 das Familienwappen des Bischofs auf- 
weisen. Das kleinere Siegel des Bischofs Dietrich III. von 
Schönberg (1463—76) enthält lediglich den Wappenschild 
des Hochstiftes, kein Familien wappen: über dem Lamm ein 
t, rechts und links davon die Buchstaben m und e. 

Die gewöhnliche Richtung, in welcher das Lamm des 
Meifsner Bistums einherschritt, ist von heraldisch links nach 
heraldisch rechts. Wenn Bischof Johann V. von Weifsenbach 
auf seinem kleineren Siegel unter dem Brustbild eines Priesters, 
der einen Kelch in der rechten Hand hält, zwei einander 
zugeneigte Wap})enbilder führt, von denen das heraldisch 
rechte das Lamm Gottes in der Richtung heraldisch links 
schreitend zeigt, während das heraldisch linke Wappen den 
Ochsenkopf, also das Familienwappen des Bischofs aufweist, 
so entspricht dies der später, namentlich bei Ehewappen, 
immer mehr üblich gewordenen Gewohnheit, die Wappentiere 
und Wappenteile tunlichst einander zugeneigt zu stellen. Aber 
auch separat kommt ausnahmsweise das Lamm in der Richtung 
nach heraldisch links schreitend vor, so im kleineren und 
Rücksiegel des Bischofs Johann IV. Hofmann (1427 — 145 1). 



Kleinere Mitteilungen. 7^7 

Abgesehen von der Richtung, in welcher das Lamm 
schreitet, finden sich noch drei Variationen: i, die veröffent- 
lichten Siegelbiider an Urkunden zeigen keinen Heiligenschein 
um den Kopf des Lammes; die Grabdenkmäler am Dom zu 
Meifsen bieten, soweit man nach dem Buch von Ebert über 
dieses Gotteshaus urteilen kann, bei Johann von Ysenberg, 
Thimo von Kolditz und Kaspar von Schönberg keinen 
Heiligenschein, dagegen die von Johann von Weifsenbach und 
Johann von Schleinitz einen solchen. 2. Das Lamm setzt 
bald den rechten, bald, den linken Fufs vor. 3. Die Fahnen- 
stange ist bald hinter, bald vor dem Rumpf des Lammes 
dargestellt. Schraffierung ist auf keinem der mir vorgelegenen 
Siegel des Bistums Meifsen wahrzunehmen gewesen. 

Wenn Seyler auf der angezogenen Tafel der neuesten 
Ausgabe von Siebmachers Wappenbuch ,,nach Siegeln" das 
Lamm auf einer Rasenfläche dahinschreitend abbildet, so ist 
dem entgegenzuhalten, dafs auf den von Seyler zu Grunde 
gelegten Siegelabbildungen ^) ein Boden oder Rasen, auf 
welchem das Lamm einherschreiten könnte, nicht ange- 
geben ist. 

Bei Grote, Stammtafeln, Leipzig 1877 (= Münzstudien 
desselben Verfassers, Bd. 9) S. 517 wird das Wappen der 
Bischöfe von Meifsen wie folgt beschrieben: ,,6 -fach h[och] 
g[e]th[eilt] g|old] b[lauj. Darauf Osterlamm w[eifs] mit Fahne, 
darin Kreuz w[eifs] in b[lau]". Die hier vorliegende Angabe, 
dafs der Schild des Meifsner Bistumswappens ,, hochgeteilt" 
oder, wie man sich jetzt deuthcher auszudrücken gewöhnt 
hat, „gespalten" geführt wurde, begegnet auch in dem äufserst 
seltenen, zu Augsburg 1483 erschienenen, mit zahlreichen 
Wappen ausgestatteten Buche über das Konstanzer Konzil 
(auf der Königl. öffentl. Bibliothek in Dresden-Neustadt Concil. 
39 m). Hier wird Blatt 138b unter anderen das Wappen von 
,,d(omi)n(u)s Petrus episcopus Mifsnensis" vorgeführt: der 
Schild ist fünffach von Rot und Gold gespalten, also nicht 
sechsfach, wie bei Grote angegeben wird. Auf die Farben 
jenes alten Druckes ist ein Gewicht nicht zu legen. Denn 
in den Drucken jener Zeit wurden die Wappenfarben erst 
nach erfolgter Drucklegung eingetragen, und zwar mit grofser 
Willkür, wie es demjenigen, der diese nachträgliche Kolo- 
rierung zu besorgen hatte, gerade pafste. Zu der Wappen- 



1) Vgl. Gersdorf, Urkundenbuch des Hochstiftes Meifsen 2. Bd. 
Tafel III und Seyler in der Vierteljahrsschrift f. Heraldik, Sphragistik 
u. Genealogie II (1874), 33 ff. 



334 Kleinere Mitteilungen. 

darstellung in jenem Konzilbuch vom Jahr 1483 ist jedoch zu 
bemerken, dafs der ohne Farbennachtragung vorliegende 
Druck ,,Costnitzer Concilium So gehalten worden im Jar 
tausend vier hundert und dreyzehn", Frankfurt a. M. 1575, 
Blatt 105 das Wappen des dominus Petrus episcopus Mis- 
nensis und das auf derselben Seite abgedruckte Wappen des 
dominus Johannes episcopus Warrinacensis miteinander ver- 
tauscht zeigt, also den fünffach gespaltenen Schild dem epis- 
copus Warrinacensis zuweist, dagegen dem dominus Petrus 
episcopus Misnensis einen gevierten Schild, in welchem in 
den ungespaltenen Feldern i und 4 eine Lihe und in Feld 2 
und 3 ein Wiederkreuz erscheint. Ferner w-ar zur Zeit des 
Konstanzer Konzils kein Petrus, sondern Rudolf von der Planitz 
(1411 — 27) Bischof von Meifsen. Dafs auch in den letzten 
Zeiten des Bistums Meifsen der Schild desselben in Wahrheit 
ungespalten geführt wurde, beweisen die im Kgl. Sächsischen 
Hauptstaatsarchiv aufbewahrten, höchst sorgfältigen Ab- 
bildungen von Siegeln des Meifsner Bistums aus den Jahren 
1524 und 1540. Ebenso zeigt das Grabdenkmal für Bischof 
Johannes von Schleinitz (-j- 1532) das Wappen des Bistums 
Meifsen mit ungespaltenem Schild (Ebert, Der Dom zu Meifsen 
1835, Abbildung zu S. 121). Als nach Säkularisierung des 
Bistums der Kurfürst und dann der Königr von Sachsen das 
Wappen des Meifsner Bistums weiterführten, taten sie dies 
ebenfalls im ungespaltenen Schild. Dies zeigen die ein- 
schlagenden Siegelstempel des Kurfürsten Johann Georg II. 
und des Königs Friedrich August (Kgl. Sachs. Hauptstaats- 
archiv, Schrank XXXIII, Kasten i, Fach 2 und Schrank XXXIII, 
Kasten 29, Fach 31). Wie übrigens der Graveur dazu kam, 
den Schild des Bistums Meifsen im vorerwähnten Siegel- 
stempel des Königs Friedrich August vollständig (nicht ge- 
spalten) blau zu gravieren, ist unerfindlich, da ein solcher 
Schild für das Bistum Meifsen nirgends sonst bezeugt ist. 

Glücklicherweise läfst sich das richtige Wappen des 
Bistums Meifsen auch hinsichtlich der Farben feststellen. 
Ursinus sah nämlich in der Domkirche zu Meifsen, wie er in 
deren Geschichte (Dresden 1782, S. 82) berichtet, das „Stifts- 
Wappenschild" ,,rot tingiert mit einem weifsen Agnus dei". 
Unter Berufung auf diesen Gewährsmann hat Georg Viktor 
Schmid ,,Die säcularisierten Bisthümer Teutschlands" I (1858), 
395 das Wappen bildUch veröffentlicht. Über die Farben der 
Fahne auf dem gemalten Bilde in der Domkirche zu Meifsen 
berichtet Ursinus nichts. Schmid hat die Fahne weifs mit 
rotem Kreuz veröffentlicht. Diese bei Ursinus fehlende An- 



Kleinere Mitteilungen. 33^ 

gäbe ist eine Zutat Schmids; dafs sie irrig ist, ergibt sich 
aus dem Folo-enden. 

Im Jahre 1504 erschienen in Meifsen mit zahlreichen 
Abbreviaturen die vom dortigen Bischof Johann von Sal- 
hausen (1457 — ^S^^) testgesetzten Statuta Synodalia epis- 
copatus Misnensis. Über diese Publikation berichtet sie selbst 
am Schlufs: „Statuta ista cum aliis eis adiunctis. Ex speciali 
commissione Reverendissimi in christo fratris et domini domini 
Johannis de Salhaufsen Episcopi Mifsnensis per venerabilem 
et eorregium virum dominum wilhelmum de Hetzschitz Utrius- 
que iuris doctorem pro tunc curie Episcopalis Mifsnensis 
Officialem generalem in ordinem premissum redacta et dili- 
genter perque Melchiorem Lotter in famoso opido Liptzk 
Merfseburgensis dyocesis. predicti domini Episcopi impensis 
pro conseruatione Status ecclesiastici sunt impressa"^). Das 
auf der Königl. öffentlichen Bibliothek in Dresden verwahrte 
Exemplar dieser Statuten (Hist. Saxon. L 85) enthält auf der 
Rückseite des Titelblattes ein mit seltener Schönheit sorsr- 
fältigst gemaltes Wappen des genannten Bischofs, nämlich einen 
quadrierten Schild, Feld i und 4 das Stiftswappen, Feld 2 und 3 
das Familienwappen des Bischofs, nämlich in Gold einen 
roten Greifenkopf, auf dem Helm mit rotgoldener Decke den 
Kopf des Schildes, durchbohrt von einem goldenen Pfeil, 
Das Wappen des Bistums Meifsen weist in vollkommenster 
Deutlichkeit alle Einzelheiten auf: der Schild ist ungespalten 
und rot; das Lamm schreitet nicht auf einem Boden oder 
Rasen und hat um den Kopf einen goldenen Heiligenschein; 
das als Fahnenstange dienende Holzkreuz ist naturfarben, die 
Fahne selbst blau, das Kreuz an ihr silbern. Bischofsmütze 
und Krummstab sind o^olden. Das Schwert als Zeichen des 
Blutbannes fehlt mit Recht. Das offenbar unter Aufsicht des 
Bischofs von Meifsen gemalte Wappen stimmt mit der vor- 
genannten Beschreibung bei Ursinus und ergänzt sie betreffs 
der Farben. 

Dementsprechend ist das Wappen des Bistums Meifsen 
wie folgt zu blasonieren: In Rot ein schreitendes, weifses 
Lamm Gottes mit goldenem Heiligenschein, ein 
naturfarbenes Holzkreuz tragend, an welchem eine 
blaue Fahne mit silbernem Kreuz flattert. 



^) Die Abkürzungen sind von mir aufgelöst, Orthographie und 
Interpunktion beibehalten. 



Literatur. 



Erpliurdianus Antiquitatiim Variloquus incerti auctoris nebst einem 
Anhange historischer Notizen über den Bauernkrieg in und um 
Erfurt im Jahre 1525. Herausgegeben von der Historischen Kom- 
mission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt. 
Bearbeitet von Dr. ßicliard Thiele, Direktor des Gymnasiums zu 
Erfurt. Mit 2 Plänen der Stadt Erfurt im XIII. unJ XVI. Jahr- 
hundert, (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und anderer 
Gebiete. 22. Band.) Halle, Hendel. 1906. X, 280 SS. 8». 

Der Variloquus — bereits von Eckart in den Scriptores rer. 
Germanicar. von Mencke tom. II, jedoch völlig unzulänglich, mit 
zahlreichen Lücken und Lesefehlern veröffentlicht — hat in Thiele 
einen sehr sorgfältigen und sehr belesenen Herausgeber und Be- 
arbeiter gefunden. In umsichtiger Weise antwortet er auf die 
Frage, wann und von wem diese Aufzeichnungen gemacht sein 
dürften, deren Hauptmasse, eine Chronik von der Gründung Erfurts 
in fränkischer Zeit bis zum Jahre 1355 mit einigen anhängenden 
Notizen, die das XV. Jahrhundert betreffen, er als „Annalen" im 
Gegensatz zu den an Bedeutung ungleich wichtigeren „Historien", 
der Zeitgeschichte (1509 — 1517), die den übrigen Teil des Variloquus 
ausmachen, bezeichnet Er bringt den Nachweis, dafs der Autor 
die aus wörtlichen Entlehnungen aus uns bekannten Quellen zumal 
Erfurtischen Ursprungs und einigen untermischten originalen oder 
nach ihrer Herkunft bisher noch nicht nachweisbaren Zusätzen be- 
stehenden Annalen zwischen dem Herbst 1508 und dem Frühjahr 
1514 zusammen geschrieben haben und dafs er mit dem V^erfasser 
der Historien identisch sein müsse. Er stellt weiter die ansprechende 
Vermutung auf, dafs dieser Verfasser der aus Erfurt gebürtige im 
W.-S. 1512/13 als Rektor der Universität, seit 151 3 als Pfarrer zu 
St. Michaelis in Erfurt tätige, 1521 an der Pest daselbst verstorbene 
Magister Johann Werlich gewesen sein dürfte. Man sieht aus der 
letzten Angabe, dafs die anhangsweise gegebenen Notizen über 
den Bauernkrieg von anderer Hand herrühren müssen. Beiden, 
den Historien und diesen Notizen, hat Thiele eine Fülle von sach- 
lichen Anmerkungen hinzugefügt, die der Reformationshistoriker 
mit grofsem Dank begrüfsen wird; handelt es sich doch um das 
„tolle Jahr" und seine nächste Folgezeit sowie um den thüringischen 
Bauernkrieg, Vorgänge, die trotz vieler darauf verwandter Mühe 
immer noch an vielen Stellen weiterer Aufklärung bedürfen. 

Dresden. Felician Gefs. 



Literatur. 337 

Die Beziehungen Anhalls zu Kursaclisen von 1212 -1485. Inaugural- 
Dissertation von Friedrich Berentlt. Halle 1907. 70 SS. 8''. 

Der Gegenstand, mit dem sich diese Arbeit beschäftigt, ist für 
die Geschichte Kursachsens und Anhalts von grofser Bedeutung, 
einerseits des älteren Familienzusammenhangs der askanischen 
Herrscher, andererseits der unmittelbaren Nachbarschaft der Gebiete 
wegen und der sich daraus ergebenden politischen und wirtschaft- 
lichen Fragen. Die vorliegende Dissertation ist nur ein Teil der 
ganzen Arbeit, die vollständig erst später im Druck erscheinen soll; 
sie umfafst eine knappe Darstellung der Beziehungen beider Staaten 
vom Jahre 1212 — 1347, und zwar in rein chronologischer Aufzählung 
der wichtigsten in das Bereich der Aufgabe fallenden Ereignisse; 
auf der letzten Seite wird m einem summarischen Überblick auf 
die Fortdauer guter Beziehungen bis zum 16. Jahrhundert hinge- 
wiesen. Die Arbeit des Verfassers erstreckte sich in diesem Teile 
mehr auf ein Aufsuchen der Beziehungen innerhalb der quellen- 
mäfsigen Überlieferung und Verdeutlichung des einzelnen Ereig- 
nisses durch Hinweis auf die allgemeinen geschichtlichen Verhält- 
nisse, das eine wie das andere mehr Sache des Fleifses und der 
Sorgfalt. Wir erkennen dabei an, dafs der Verfasser hierin Be- 
friedigendes geleistet und sowohl die originalen Quellen als die 
entsprechende historische Literatur für seine Zwecke ergiebig aus- 
genutzt und verwertet hat. Das Urteil des Verfassers, das sich in 
diesem Teile nur in der Kritik der Überlieferung und in der Stellung- 
nahme zu kontroversen Fragen zeigen kann, ist besonnen, unter 
anderem die selbständig von ihm S. 9 gegebene Erklärung ansprechend 
und der weiteren Prüfung wohl wert. Nur in einem scheint er mir 
nicht ganz angemessen zu verfahren, nämlich darin, dafs er per- 
sönliche Verhältnisse zu sehr in den Vordergrund rückt und von 
herzlichen Beziehungen spricht (z. B. S 56), wo doch nur die Wahrung 
wi'hlverstandener Interessen die Triebfeder sein konnte. Auf ein- 
zelne Fragen einzugehen, verbietet der hier gewährte Raum, doch 
will ich wenigstens darauf hingewiesen haben, dafs S. 39 doch wohl 
nicht von „Gebietsabrundungen" die Rede sein kann, da die dort 
genannten Ortschaften trotz ihrer Übergabe an das Coswiger 
Kollegiatstift bei Sachsen verblieben und nicht an Anhalt kamen. 
Auch dürfte die vom Verfasser S. 45 vorgetragene AnNicht von der 
Lage der Burg Reina mitten im Eibstrom nunmehr endgültig in das 
Inventar der Sage gewiesen werden, nachdem ernste Forscher, jüngst 
z B. E. Weyhe in der Landeskunde des Herzogtums Anhalt, Bd. II 
S. 586, die Unwahrscheinlichkeit dieser Schiffersage dargetan haben. 
Die Korrektur könnte etwas sorgfältiger sein, wir erwähnen nur die 
sinnstörenden Stufen für Hufen S. 48 und 49, superpacis für super 
pacis S. 46 und Sachsen -Zerbst für (Anhalt-)Zerbst S. 53. Insgesamt 
darf man die Arbeit, soweit sie vorliegt, als eine fleifsige und sorg- 
fältige bezeichnen, die wichtigsten Aufschlüsse freilich wird man 
von ihrer Fortsetzung zu erwarten haben, denn erst mit dem Aus- 
sterben der Askanier in Kursachsen beginnen die politischen und 
wirtschaftlichen Fragen, die eine Bearbeitung des Gegenstandes für 
die Landesgeschichte wertvoll und darum wünschenswert erscheinen 
liefsen. Möchte es dem Verfasser gelingen, in dieser Beziehung zu 
gesicherten und für die Landesforschung verwertbaren Ergebnissen 
zu gelangen. 

Zerbst. Wäschke. 



338 Literatur. 

König Albrecht II. (1437— 1439). Von Wilhelm Wostry. (Prager 
Studien aus dem Gebiete der Geschichtswissenschaft im Vereine 
mit den anderen Fachprofessoren der Geschichte herausgegeben 
von Ad. Bachmann. Heft 12 und 13,) Prag, RohUcek und Sievers. 
1906. 1907. III, 180 u. 196 SS. 8**. 

Die sympathische Persönlichkeit Herzog Albrechts V. von Öster- 
reich und seine kurze Regierung als deutscher, böhmischer und 
ungarischer König hat von jeher eine gewisse Anziehungskraft auf 
den Geschichtsforscher ausgeübt; wenn auch seit dem 1835 erschie- 
nenen Werke von Franz Kurz „Österreich unter König Albrecht dem 
Zweiten" ihm keine biographische Darstellung gewidmet worden 
ist, so beschäftigen sich doch mit ihm eine Reihe mehr oder weniger 
eingehender Studien vom Standpunkte der verschiedenen Landes- 
ge-chichtea aus. Der Verfasser, der die Regierungsgeschichte 
Albrechts im Zusammenhang zu behandeln sich zur Aufgabe ge- 
macht hat, sah sich daher im wesentlichen auf eine Rrivision jener 
Einzeluntersuchungen angewiesen, von der er kaum wesentlich neue 
Ergebnisse erwarten konnte; die Aufgabe war um so entsagungs- 
voller, als das Erscheinen der Reichstagsakten für jene Jahre, das 
in absehbarer Zeit bevorsteht, vermutlich noch manches neue 
Material zu Tage fördern wird. In der Tat weicht das Bild des Fürsten 
und seiner Politik, das W. entrollt, nicht wesentlich von dem ab, 
das bisher als richtig gegolten hat. Immerhin haben fleifsige Studien 
in den Archiven zu Breslau, Dresden, Eger, München, Prag und 
Wien eine Reihe neuer Einzelheiten ergeben, für die man dem 
Verfasser dankbar sein mufs; die wichtigsten (21 Nummern) 
hat er dem Werkchen als Beilagen im Wortlaute beigefügt. Die 
Darstellung ist geschickt gruppiert und , abgesehen von einigen 
Austriazismen („in Gänze", „diesbezüglich" u. dergl.), gewandt durch- 
geführt. Nach einer Einleitung, in der nach einer Charakteristik 
Albrechts sein Verhältnis zu seinem Vorgänger Sigismund nament- 
lich in reichspolitischer Beziehung besprochen wird, behandelt der 
Verfasser in sechs Abschnitten Albrechts Nachfolge in Ungarn, 
seine Wahl zum deutschen König, seine Nachfolge in Böhmen, seine 
Stellung zur weltlichen Reform und zur kurfürstlichen Neutralität, 
König Albrecht in Schlesien, König Albrecht in Ungarn und seinen 
Ausgang. Der vorletzte Ab.^chnitt berührt sich nahe mit einer Studie 
des Referenten über Schlesiens Verhältnis zu Polen und zu König 
Albrecht II. 1435 — 1439, die 1874 im 12. Bande der Zeitschrift für 
Geschichte und Altertum Schlesiens (und zugleich als Festgabe zum 
50. vSemester der historischen Übungen von Gf ort; Waitz) erschien; 
mit Befriedigung kann ich feststellen, dafs der Verfasser über ein 
reicheres Materiil verfügte, als mir damals zur Verfügung stand, 
und meine Darstellung in mancher Einzelheit berichtigt. Im ein- 
zelnen auf den Inhalt des Werkchens einzugehen, ibt hier nicht die 
geeignete Stelle. Nur darauf möchte ich hinweisen, dafs auch die 
sächsische Geschichte jener Zeit, über die Spezialuntersuchungen 
noch nicht vorliegen, manchen Gewinn aus der Arbeit Wostrys 
ziehen kann. Kurfürst Friedrich der Sanftmütige stand, völlig im 
Einklang mit der von Alters her reichstreuen Politik der Wettiner, 
auch diesem ersten Habsburger auf dem deutschen, böhmischen und 
ungarischen Throne von Anfang an treu zur Seite. Als er nicht 
imstande war, den feindlichen Zusammenstols mit Polen durch 
gütliche Vermittlung zu vermeiden, stellte er dem Könige ein be- 
deutendes Kontingent an Hilfsmannschaft, und gerade die sächsischen 



Literatur. 



339 



Truppen waren die einzigen, die in dem sonst ziemlich ruhmlosen 
Feldzug durch den Sieg bei Sellnitz am 23. September 1438 einen 
glänzenden Erfolg davontrugen, für den sie freilich nicht viel Dank 
ernteten. Im April 1439 kam es dann zu einem durch die Verlobung 
des Herzogs Wilhelm mit Albrechts Tochter Anna bekräftigten noch 
engeren Bündnisse zwischen König Albrecht und den wettinischen 
Fürsten. 

Dresden. Ermisch. 

Luther und die Pflege der kii'chliclien Musik in Sachsen (14. bis 

19. Jahrhundert). Von Johannes Rautenstrauch. Leipzig, Breitkopf 
& Härtel. 1907. VIII, 472 SS. S». 

Eine sehr fleifsige Arbeit, für unsere Vorstellung von der 
Kirchenmusikpflege namentlich in den mittleren und kleineren 
Städten Kursachsens — besonders zwischen 1550 und 1750 — nütz- 
lich und in Zukunft für die Musikhistoriker dieser Landschaft und 
Zeit unentbehrlich. Der Verfasser hat eine grofse Zahl sächsischer 
Staats- und Stadt-, Kirchen- und Schulakten, besonders aber die 
Archivalien der alten sächsischen Kantoreigesellschaften sorgfältig 
auf musikgeschichtliche Notizen hin exzerpiert und seine Sammlungen 
zu einer eingehenden, ganz hübsch lesbaren Darstellung aneinander- 
gereiht. Man wird sich aus folgenden beiden Zahlen einen un- 
gefähren Begriff von seiner Arbeit und ihren Ergebnissen machen 
können: das Ortsregister enthält 279 Namen, und unter diesen fallen 
z. B. allein auf Strehla wieder 49 Seitenhinweise. Für das aus- 
gehende Mittelalter, das am Anfang behandelt wird, ist das Material 
natürlich spärlicher; dafür ist Luthers Verhältnis zur kursächsischen 
Musikpflege einer möglichst quellengetreuen Darstellung unterworfen 
worden, doch ist der Verfasser gerade in dieser Frage nicht ganz 
auf den Grund der Probleme gedrungen. 

Wir erfahren zunächst mancherlei neues oder doch hier zweck- 
mäfsig zusammengestelltes über sächsisch-thüringische Pflegstätten 
des Kirchengesanges in vorreformatorischer Zeit, über die Kantoreien 
an Fürstenhöfen und Bischofssitzen, in Kloster- und Stadtschulen, 
über die Kaiandbrüderschaften und über die Musikpflege der spät- 
mittelalterlichen Laienbrüderschaften, die sich nach Maria, dem 
heiligen Jakob, Georg usw. oder dem heiligen Fronleichnam nannten. 
Darauf wird die Pflege der Kirchenmusik in dem nachreformatorischen 
Zeitraum von 1539 bis 1618 eingehend und überall an der Hand des 
Wortlautes der Quellen dargestellt: die Verfassungen der Kantoreien, 
ihre musikalische Tätigkeit und ihre fröhliche Geselligkeit werden 
vor uns lebendig. Der Abschnitt „Die Pflege der kirchlichen Musik 
in Sachsen während des 17. Jahrhunderts" zeigt dann trotz des Auf- 
blühens von coUegia musica und anfänglicher Begeisterung für den 
neuen konzertierenden Stil doch namentlich nach der Mitte des 
Jahrhunderts manchen Rückgang, der in dem Abschnitt über das 
18. Jahrhundert noch deutlicher zutage tritt. In den ersten Jahr- 
zehnten schliefslich des 19. Jahrhunderts hat das kirchenmusikalische 
Interesse des Kleinbürgertums nach Rautenstrauchs Ausführungen 
am tiefsten gestanden; seit etwa 1850 ist eine Besserung im Gange. 

Eine aas der Liebe zur Sache erklärliche zu günstige Beur- 
teilung ist es, wenn R. aus den lobenden Zeugnissen der Visitations- 
akten über die Tätigkeit der Kantoren des 16. Jahrhunderts folgert: 
„Sie erzielten fast durchweg eine Leistungsfähigkeit der Chor- 



340 



Literatur. 



Institute, wie sie in dieser Höhe bis in die Gegenwart herein nie 
wieder erreicht worden ist." Ich bin der Ansicht, dafs dieses alte 
Musizieren trotz Sicherheit und Selbständigkeit der Ausführenden 
und trotz gelegenthcher Koloraturen im Durchschnitt eine für unsere 
Ohren doch etwas grobe Sache gewesen ist und dafs die alten 
Chöre von der Präzision, Dynamik, aber auch dem abgeklärten 
Verständnis, wie es uns in den Reproduktionen unserer Thomaner 
und Crucianer erfreut, ziemlich weit entfernt gewesen sind. Sonst 
möchte ich an dem Gesamtbild, das R. entwirft, hier nichts wesent- 
liches korrigieren; am ehesten wird man vielleicht über die Grenzen 
der Hauptzeitabschnitte anderer Meinung sein können als er. 

Im einzelnen sei wenigstens folgender Irrtum beseitigt, der be- 
sonders geeignet ist, leicht weiterverbreitet zu werden. R. spricht 
S. 8 u. 9 über Möglichkeiten der Entstehung der lutherischen Melodie 
„Ein feste Burg'', ohne sich dabei den Quellen zu nähern, und 
schliefst: „Erwähnt sei noch, dafs Zeilen dieser Melodie als loci 
communes bereits im Minne- und Meistersang sich finden". Er 
zitiert dazu: „Cf. Jenaer Liederhandschrift und Kolmarer Codex" 
und bemerkt, er verdanke seine Angabe H. Kretzschmar. Die tat- 
sächlichen Unterlagen dieser Ausführungen sind wohl folgende. In 
Kretzschmars musikhistorischen Übungen in Leipzig habe ich ge- 
legentlich einer eingehenden Behandlung der Jenaer Melodien, der 
ich mich unterzog, darauf aufmerksam gemacht, dafs eine Spervogel- 
melodiezeile genau in Luthers „Vom Himmel hoch"' (zweite Zeile) 
wieder auftauche, auch die Möglichkeit des Weges dieser Zeilen- 
wanderung angedeutet und dafs sich Anklänge an den Anfang von 
„Aus tiefer Not" in der Kolmarer Hs. fänden. Die Melodie „Ein 
feste Burg" aber zeigt, soweit mir das Material bekannt ist, keine 
derartigen Anklänge. 

S. 126 hat R. versäumt, den längsten Abschnitt als eip Zitat 
aus Seifferts Aufsatz über „Die musikalische Gilde in Friedland" zu 
bezeichnen. Eine sehr kühne Behauptung steht S. 125: „da [durch R.J 
als festgestellt gelten mufs, dafs die Bezeichnungen Konstabier und 
Kaianden identisch sind"; wir möchten demgegenüber auf die beiden 
Artikel Konstabel und Kaland, dazu Kalandsbruder usw. von 
Hildebrand in Grimms Wörterbuch aufmerksam machen, wo sich 
manche lehrreiche Ergänzung zu Rautenstrauchs Ausführungen 
über beide Begriffe findet. Der Kenner des StolTes wird ge- 
legentlich gröbere lateinische Druckfehler (z B. S. 279 Deus sis 
adiutorium statt Deus in adiutorium, S. 283 Lidae Lossii statt Lucae 
Lossii) verbessern. Der S. 75 erwähnte Clemens Uttentalio stammt 
aus zwei unrichtig übersetzten Ablativen demente, Uttentalio 
(S. 93); S 75 ist Alexander Utendahl gemeint. S. 345 ist durch die 
falsche Übersetzung von substituantur gerade der entgegengesetzte 
Sinn erschlossen worden, als in den lateinischen Worten liegt. 

R. Wustmann. 

Die Eutätehniig der karsächsiächeii Scliulordimng von 1580. Auf 

Grund archivalischer Studien dargestellt von Frank Ludwig. 
(Beiheft zu den Mitteilungen der Gesellschaft für deutsche Erzie- 
hungs- und Schulgeschichte 13.) Berlin, A. Hofmann & Komp. 
1907. VIII, 176 SS. 8". 

Mit diesem Hefte tritt die Sachsengruppe der genannten Ge- 
sellschaft zum ersten Male schriftstellerisch hervor. Die gründliche 



Literatur. 



341 



Schrift hat eine doppelte Bedeutung. Sie enthält zunächst eine über- 
raschende Fülle fesselnder Züge zur Geschichte der Universitäten 
Leipzig und Wittenberg. Verwiesen sei z. B, auf das S. 96! ab- 
gedruckte Stück, eine eigenhändige Niederschrift des Kurfürsten 
August, in der seine Erregung über den seinen Bestrebungen ent- 
gegentretenden "Widerspruch Leipziger Professoren zutage tritt und 
dazu die Antworten Jakob Andreas, weiter auf die eingehenden 
Angaben über die Professoren und Studenten, Vorlesungen, Dis- 
ziplin usw. Dann aber ist von Wichtigkeit die Bestimmung des 
Verhältnisses der sächsischen Schulordnung zur württembergischen, 
durch Jakob Andrea vermittelten Quelle Mit der gröfsten Anschau- 
lichkeit und Sorgfalt werden die einzelnen Stadien der Entwicklung 
vorgeführt. Die Arbeit ist ein Vorläufer für die in Aussicht ge- 
nommene Herausgabe der sächsischen Schulordnungen, von denen 
zuerst die landesherrlichen erscheinen sollen. E. Schwabe hat dazu 
seit Jahren gesammelt. Dafs eine Menge Stoff an verschiedenen 
Orten verstreut liegt, zeigt die eben erschienene Studie von 
O. Giemen: „Zur ältesten Geschichte von Schulpforta", wo aus einer 
Handschrift der Königl. Bibliothek zu Bamberg die Beschwerde- 
artikel der Pförtner Lehrer über den Schulverwalter Michael 
Lemmermann zum Abdruck gelangen (Mitt. d. Ges. f. deutsche Erz.- 
und Schulgeschichte. 17. Jahrgang. S. 238 — 241). 

Leipzig. Georg Müller. 

Kurfürstin Anna TOn Sachsen. Ein politisches und sittenge- 
schichtliches Lebensbild aus dem XVL Jahrhundert. Von Kourad 
SturmhoefeL (Biographien bedeutender Frauen, in Verbindung mit 
anderen herausgegeben von Ernst Haberland. V). Leipzig- R., 
E. Haberland. O. J. 300 SS. 8«. 

Seine „Illustrierte Geschichte der Sächsischen Lande und ihrer 
Herrscher", von der 1898 und 1899 der erste Band in zwei Ab- 
teilungen erschien und den Eindruck eines gediegenen Werkes machte, 
hat Konrad Sturmhoefel leider nicht zu Ende führen können, da er 
von seinem Verlage in Stich gelassen wurde. Mit dem Übergange 
der Kurwürde von den Ernestinern auf die Albertiner 1547 bricht 
die Darstellung ab. Wir gehen wohl nicht in der Annahme fehl, 
dafs der Verfasser bereits für die folgende Zeit den Stoff gesammelt 
hatte und dafs er diesen nun zum Teil in der vorliegenden Arbeit 
verwertet hat, die weniger ein Lebensbild der Kurfürstin Anna, ge- 
borenen Prinzessin von Dänemark, als eine Geschichte Sachsens zur 
Zeit des Kurfürsten August mit vorausgeschicktem Abrisse der 
dänischen Geschichte von 1448 — 1548 genannt zu werden ver- 
dient. Nur in dem zweiten, kleineren Teile (S. 169 — 299), der die 
durch K. v. Webers Buch „Anna, Churfürstin zu Sachsen" (Leipzig 
1865), hinlänglich bekannte Rolle behandelt, die Anna „als Landes- 
mutter, als Vorsteherin eines fürstlichen Haushaltes, als Herrscherin 
über Garten, Küche und Keller, als sorgsame und liebende Gattin 
und Mutter" gespielt hat, tritt ihre Person recht eigentlich in den 
Vordergrund. In dem ersten Teile begegnet man dafür ihrer Ge- 
stalt um so weniger. Nur hin und wieder heifst es da, nachdem die 
Vorgänge in Dänemark während der ersten Hälfte des i6. Jahr- 
hunderts ausführlich geschildert worden sind, das sei der politische 
Hintergrund, von dem sich die Jugend der Prinzessin Anna abhebe, 
das seien die Anschauungen, in denen sie aufgewachsen sei. Das 



2^2 Literatur. 

ist aber auch so ^ut wie alles. Und fast genau so verhält es sich 
mit den späteren Zeiten. Eingehend werden die politischen Wirren 
Sachsens um die Mitte des 16. Jahrhunderts und namentlich auch 
die nicht gerade sehr sympathisch berührenden Bemühungen Kur- 
fürst Augusts um Unterdrückung des Kryptokalvinismus geschildert, 
aber wie weit seine Gemahlin persönlichen Anteil an diesen Ereig- 
nissen nahm oder gar in sie bestimmend eingriff, wird doch nur in 
verschwindend wenigen Fällea aus gelegentlichen Briefäufserungen 
nachgewiesen, die Sturmhoefel der Literatur entnommen hat und 
die er noch um einige bezeichnende Stellen hätte vermehren können, 
wenn er die ihm wohl unbekannt gebliebenen Aufsätze von 
Dr. B[erbig], Aus dem Briefwechsel einer sächsischen Landes- 
mutter (mit der Gemahlin Dorothea Susanna des Herzogs Johann 
Wilhelm von Sachsen Weimar, 1564 — 1584), im „Leipziger Ta^^eblatt" 
vom 6., 13. und 2o.Juli 1896 (Nr. 338, 351 und 364), herangezogen 
hätte. Aus diesen Äufserungen erkennt man ja, dafs die Kurfürstin, 
entsprechend ihrer ganzen Erziehung und Anschauungsweise, die 
Ansichten ihres Gemahls teilte und wohl auch gelegentlich seine 
Eiüschliefsungen beeinflufste. Urkundliche Zeugnisse dafür sind 
aber eben nur spärlich vorhanden, weil Anna fast immer um ihren 
Mann war und natürlich alle wichtigen Dinge, nameatlich auch 
solche, die sich auf die ReUgion bezogen, mit ihm mündlich besprach, 
dritten gegenüber aber diese in Briefen nur selten berührte. Infolge- 
dessen muls sich Sturmhoefel, wie gesagt, meist darauf beschränken, 
die Vermutung auszusprechen, dafs sie hier ihre Hand im Spiele 
gehabt, dort ihren Gemahl so oder so beeinflufst haben dürfte. 

Ob nach dem Gesagten Sturmhoefels Buch ganz in den Rahmen 
der „Biographien bedeutender Frauen" pafst, die Haberland seit 
1904 herausgibt und in denen er bisher Carmen Silva, die Fürstin- 
Mutter Maria zu Wied. Ellen Key, die Gräfin Lafayette und Katharina 
von Bora hat behandeln lassen, darf füglich bezweifelt werden. Die 
meisten Leser und namentlich Leserinnen, für die diese Biographien 
in erster Linie bestimmt sein sollen, werden gewifs die Schilde- 
rungen der Zeitkämpfe viel zu breit finden. Dagegen soll nicht 
bestritten werden, dafs Sturmhoefels ,. Kurfürstin Anna" trotz einiger 
kleiner Unrichtigkeiten, wie sie G. Wolf in den Mitteilungen aus 
der historischen Literatur XXXIV (1906), 444f-, ausgestellt hat, ein 
tüchtiges Werk ist und eine gute Zusammenfassung dessen bietet, 
was üoer die Haus-, Reichs- und Kirchenpolitik der Albertiner zu 
Lebzeiten des Kurfürsten August in selbständigen Werken und 
Zeitschriftenaufsätzen veröffentlicht worden ist. Neben der benutzten 
Literatur, die S. 300 kurz angeführt ist, hat der Verfasser ungedruckte 
Quellen nicht herangezogen. Das in der Leipziger Stadtbibliothek 
verwahrte „Verzeichnus, was vor Chur- und Fürsten auf dem Bev- 
lager Herrn Augusten .... 1548 zu Torgau gewesen", bildet wolil 
die einzige Ausnahme. 

Die Ausstattung, die der Verlag dem leider mit keinem Register 
versehenen Werke hat zuteil werden lassen, verdient uneinge- 
schränktes Lob. Papier und Druck des federleichten Buches .sind 
ganz vorzüglich. Der Einband zeichnet sich durch Gediegenheit 
unä vornehmen Geschmack aus. Die drei Bilder endlich, die die 
Kurfürstin im 20 und 33., den Vater August im 26. Lebensjahre 
darstellen, sind wohl gelungen. Alles in allem: ein Buch, das man 
schon seiner äufseren Vorzüge wegen gern zur Hand nimmt. 

Dresden. Beschorner. 



Literatur. 343 

Die polnische Königswall! von 1697 und die Konversion Augusts 

des Starken. Von Philipp Hiltebrandt. (S. A. aus „Quellen u. 

Forsch, aus ital. Archiven u, Bibliotheken, herausgegeben v. Kgl. 

Preufs. Hist. Institut in Rom", Bd. X, Hft. 1.) Rom, Loescher&Co. 

1907. 66 SS. 8«. 

H. schildert im allgemeinen richtig die Vorgänge der polnischen 
Königswahl Augusts des Starken, stellt aber dabei die durchaus un- 
haltbare Hypothese auf, August habe vor seiner Wahl keine Fühlung 
mit der Kurie gesucht, sei auch nicht formell zum Katholizismus 
übergetreten, sondern habe nur seinem Vetter, dem Bischof von Raab, 
eine Generalbeichte abgelegt und aus seinen Händen das Abend- 
mahl nach katholischem Ritus empfangen, um bei einem Fehlschlagen 
seiner Kandidatur den Glaubenswechsel unbehindert ableugnen zu 
können. „Sein sogenannter Übertritt . . . stellt im Grunde genommen 
nur das Versprechen des Kurfürsten an seinen Vetter dar, im Falle 
seiner Wahl den katholischen Glauben zu bekennen. Dafür hat ihm 
der Bischof das Attest vom 2 Juni 1697 (über seine Zugehörigkeit 
zur katholischen Kirche) ausgestellt. Der Bischof ging auf den 
Handel ein, weil er mit Hilfe des von ihm bekehrten zukünftigen 
Königs von Polen Kardinal zu werden hoffte." Der Bischof „gab 
das Attest in anfechtbarer Form, damit es (von August und) auch 
von ihm, wenn nötig, der Öffentlichkeit gegenüber für nichtig er- 
klärt werden konnte". 

Der Beweis beginnt mit der kühnen Behauptung, dafs damals 
der Einflufs des Papstes und die Macht des katholischen Klerus in 
Polen nii ht grofs gewesen wäre, weil man gelegentlich einen hohen 
Geistlichen mifshandelte, Kirchengüter mit Einquartierung belegte, 
weil der Rat von Warschau mit Mönchen in einen Konflikt geriet 
und die Republik mit dem Papste über das Patronatsrecht der 
Abteien haderte — als ob derartige Reibungen in dem von der 
Kirche wahrlich beherrschten Mittelalter, selbst in den Zeiten 
inbrünstigster Glaubenswut, nicht an der Tagesordnung gewesen 
wären. Trotz derartiger Vorkommnisse bleibt doch die Tatsache 
aufser Zweifel, dafs ein energischer päpstlicher Widerspruch alle 
Pläne Augusts im Keime erstickt hätte. Im übrigen verweise ich auf 
die Gründe, die P. Haake in der Hist. Vierteljahrsch. Bd. 10 S. 382 ff. 
gegen Hiltebrandt ins Treffen führt. Haakes Beweismittel lassen 
sich vermehren. Mag der von mir in der Zeitschr. f. Kirchengesch. 
Bd. 24 S. 98 Anm. i angeführte Brief Augusts mit dem Versprechen 
seines Öffentlichen Übertritts, wie Hiltebrandt S. 176 Anm. 3 will, 
tatsächlich an den Kardinal-Primas von Polen gerichtet sein, so 
mufste doch August mit Sicherheit daraufrechnen, dafs sein Schieiben 
dem Nuntius und damit der römischen Kurie mitgeteilt würde, was 
ja auch tatsächlich geschah. Wollte nun August, falls er nicht ge- 
wählt wurde, den "Religionswechsel ableugnen, so besafsen die 
kirchlichen Kreise in diesem Briefe das Mittel, August völlig zu 
kompromittieren. Deshalb hätte das dem Kurfürsten von Hiltebrandt 
zugemutete Doppelspiel von vornherein seinen Zweck verfehlt; was 
sollte also das zwecklose Versteckspiel nützen ? 

Vor allem das Risiko, dem August sich aussetzte, bestand nicht 
so sehr darin, dafs ihm der formell vollendete Übertritt zur katho- 
lischen Kirche nachgewiesen werden konnte, für seine streng 
gläubigen lutherischen Untertanen in Sachsen fiel erst in zweiter 
Linie ins Gewicht, ob August übergetreten sei oder übertreten 
wolle, für sie genügte es schon, dafs Augusts Bruch mit dem 



344 



Literatur. 



lutherischen Glauben der Väter zu tage trat. Nicht erst der positive 
Schritt, der Übertritt, sondern schon der negative, der offenkundige 
Abfall von dem herrschenden Glaubensbekenntnis, mufste die Ge- 
müter in Sachsen erregen. Hätte daher auch August nach dem 
Scheitern seiner polnischen Pläne seine Konversionsabsichten in 
Abrede gestellt, so würden doch die Verhandlungen Flemmings in 
Warschau, Augusts Reise nach Schlesien, die Konzentration säch- 
sischer Truppen an der polnischen Grenze, endlich Augusts Brief 
an den Kardinal-Primas nach seiner Publikation jedem, der sehen 
wollte, wenigstens soviel bewiesen haben, dafs August sich um die 
polnische Krone beworben habe und d.h., dafs er dem Protestantismus 
den Rücken zu kehren bereit sei, dafs er im Herzen schon längst 
mit ihm gebrochen habe. Welche Wirkung diese Erkenntnis auf 
seine Untertanen und die protestantischen Reichsfürsten ausüben 
wurde, liefs sich vorher nicht berechnen; darin bestand die Gefahr, 
der August trotzen mufste, eine Gefahr, die sich durch ein mit dem 
Vetter abgekartetes Spiel nicht besclnvören liefs. 

Zum Schlufs die ßemerkung: Der ötfentliche Übertritt Augusts 
vollzog sich nicht in Pikari, wie Hiltebrandt S. 19 und Haake in 
der Hist. Vierteljahrschr. Bd. 10 S. 390 wollen — gemeint ist die be- 
rühmte Wallfahrtskirche in Deutsch -Piekar in Oberschlesien — , 
sondern wie ich in der Zeitschr. f. Kirchengesch. Bd. 24 S. 102 aus- 
führte, bei den Breslauer Jesuiten; in Deutsch-Piekar wiederholte 
ihn August. 

Breslau. Ziekursch. 

Die Staatsschulden Sachsens in der Zeit Ton 1763 bis 1837. Inau- 
guraldissertation der philosophischen Fakultät der Universität 
Leipzig. Von Walter Däbritz Leipzig, Druck von B. G. Teubner. 
1906. VIII, 159 SS. 8«. 

Der geschichtlichen Darstellung der sächsischen Staatsschulden 
ist eine allgemeine Entwickelung der Staatsschulden in den deutschen 
Territorien während des XVTII. Jahrhunderts (S. i — 30) vorausgeschickt. 
Wir können uns mit diesem Gange der Untersuchung nicht be- 
freunden. Geht man, wie Däbritz, von der „Methode und (den) 
Ergebnissen der entwicklungsgeschichtlichen und entwicklungs- 
theoretischen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte" aus, so verliert 
man leicht den unbefangenen Blick für die richtige Würdigung der 
Akten und des Tatsachenmaterials; man ist dann nur zu leicht ge- 
neigt, sie in den Rahmen des schon vorhandenen theoretischen 
Schemas einzuordnen. Schlägt man dagegen den entgegengesetzten 
Weg ein: stellt man zuerst die geschichtliche Entwicklung akten- 
mäfsig klar, dann ist auch die Bahn frei, die aus der objektiven Dar- 
stellung abgeleiteten Ergebnisse mit dem Gange der allgemeinen 
geschichtlichen Entwicklung zu verbinden. Im ersteren Falle bleibt 
man abhängig von seinen Vorarbeitern, im letzteren kann man selbst- 
ständig zu ihnen Stellung nehmen. 

Vorwiegend im Anschlufs an Bücher werden in diesem ein- 
leitenden Kapitel in allgemeinen Umrissen Feudalismus, Kapitalismus 
und aufgeklärter Absolutismus kurz geschildert. Die Eigenart der 
deutschen staatlichen Verschuldung wird richtig gekennzeichnet: 
„entsprechend dem subsidiären Charakter der ständischen Finanzen 
vollzieht sich der Prozefs in den deutschen Territorien meist 
derart, dafs in erster Linie der Landesherr die Anleihe selbst auf- 



Literatur. 345 

nimmt und aus seinen Mitteln verzinst und tilgt, bis ihm der Schulden- 
dienst über den Kopf wächst, seine Rentkammer versagt. Dann 
erklären sich die Stände, oft nach langen Verhandlungen und gegen 
reiche Konzessionen, zur Bewilligung neuer Steuern für die Ver- 
zinsung, schlieislich zur Übernahme der Schulden selbst auf ihre 
Kasse bereit". Auf die politischen und wirtschaftlichen Ursachen 
wie Folgeerscheinungen dieses doch ganz eigenartigen Charakters 
der ehemaligen stänidischen Finanzpolitik wird aber leider nicht 
näher eingegangen. Und doch liegt hier der Schlüssel zum Ver- 
ständnis der späteren Entwicklung, des Kampfes zwischen dem 
Beamtentum, wie es im Laufe des XVII I. Jahrhunderts Macht und 
Einfiufs gewonnen hat, und den Ständen um die Finanzhoheit des 
Staates und damit schliefslich um den vorherrschenden Einflufs auf 
das gesamte staatspolitische Leben. Die weiteren Ausführungen von 
Däbritz: „fürstliches und landschaftliches Schulden werk stehen gleich- 
berechtigt nebeneinander. Geteilte Verantwortlichkeit aber bedeutet 
auch entsprechende Minderung des Verantwortlichkeitsgefühls" 
treffen deshalb auch nicht den Kern der Frage. Gerade das „öffent- 
liche Gewissen", wie es in den Landtagen sich zeigte, war für Klar- 
legung der Schuldenverhältnisse, verlangte, dafs Kommissionen ein- 
gesetzt würden, die Klarheit in die Verworrenheit der Einnahmen 
und Ausgaben bringen sollten, aber der ständische Staat hatte 
damals, weil er ohne ein festes Beamtentum die Macht der Stände 
fürchtete, Interesse daran, seine finanzpolitischen Mafsnahmen zu 
verschleiern. 

Von S. 31 — 159 wird unter Benutzung der Landtagsakten wie 
der vorhandenen Literatur die sächsische Staatsschuld im XVIII. Jahr- 
hunderts geschildert. Nach einer allgemeinen Erörterung über die 
wirtschaftliche und finanzielle Lage Sachsens um die Mitte des 
XVIII. Jahrhundert werden zuerst die Staatsschulden, dann die 
Steuerkreditkasse und die Kammerkreditkasse bis zur Begründung 
der Staatsschuldenkasse im Jahre 1834 behandelt. 

Für die ältere sächsische Schulden Wirtschaft finden wir zwei 
ihr eigentümliche Formen: i. Anlehen entweder bei Städten, Körper- 
schaften usw. als rrine Anlehen aufgenommen, oder, was bei 
gröfseren Anlehen fast durchgängig der Fall war, mit Verpfändungs- 
klausel usw. ausgestellt. Auf diese Form geht Däbritz kurz ein. 
2. Schuldaufnahmen einzelner Privatgläubiger. An den Messeterminen 
nahm die Steuerkasse in Leipzig jeden auch noch so kleinen Geld- 
betrag an, bei gröfseren wurde die Kündigungsfrist festgesetzt, bei 
kleineren fehlte sie. Sie konnten jederzeit der Steuerkasse auf den 
Messeterminen zur Auszahlung vorgelegt werden. Die Steuerkasse 
übernahm damals eine wirtschaftliche Funktion, die unserem heutigen 
Sparkassenwesen ähnelt. Diese ganze Geldaufnahme war mehr ein 
privatwirtschaftlicher als ein staatsrechtlicher Vorgang. Nur ganz 
kurz wird auf S. 51 diese Form der Geldaufnahme gestreift, nach 
ihrer Bedeutung für das sächsische Schuldenwesen aber nicht 
gewürdigt. 

Das sächsische Schuldenwesen hat nun nach unserer Auffassung 
im XVIII. Jahrhundert diese Formen abgestreift; es ist zum reinen 
Staatskredit übergegangen; fest normierte Beträge in staatlichen 
Schuldverschreibungen, keine Verpfändung von einzelnem Staatsgut 
mehr. Eine Geschichte des sächsischen Staatsschuldenwesens hatte 
m. E. in erster Linie die Aufgabe den Übergang aus der mehr 
privatwirtschaftlichen zur reinen staatswirtschaftlichen Geldaufnahme 



346 



Literatur. 



zu zeigen. Dieser ganze Entwicklungsgang ist uns bei Däbritz nicht 
klar genug gezeichnet. Und auch einen anderen Vorwurf können wir 
dem Verfasser nicht ersparen. Sachsen führte von allen deutschen 
Staaten zuerst, selbst vor England, 1772 Kassenbillets, Papiergeld ein, 
und schuf damit eine schwebende zinslose Schuld. Eine Arbeit, die 
über das sächsische Schuldenwesen handelt, hätte diesen wichtigen 
Vorgang ausführlich in einem eigenen Kapitel behandeln müssen. 
Das eigentliche Aktenmaterial des Hauptstaatsarchivs ist nicht in 
ausreichender Weise herangezogen worden. Die Arbeit macht 
einen fleifsigen Eindruck, sie wird an Wert sehr gewinnen, wenn 
sie, was zu erwarten steht, noch weiter ergänzt und vertieft wird. 
Dann werden wohl auch neben den wirtschaftlichen die politischen 
Motive, die jetzt etwas zu kurz kommen, voll berücksichtigt werden. 

Dresden. Robert Wuttke. 



Die Genesis des am 4. April 1813 eingesetzten Zentral-Verivaltung's- 
rates und seine Wirksamkeit bis zum Herbst dieses Jahres. Mit 
Benutzung archivalischer Quellen dargestellt von Dr. Paul Wetzel. 
(Dissertation.) Greifs wald, Buchdruckerei Hans Adler. 1907. 
HO SS. 8". 

Häusser, Seeley und Max Lehmann (Scharnhorst II, 578) waren 
der Meinung, der am 4. April 181 3 von Preufsen und Rufsland zur 
Organisierung der Erhebung gegen Napoleon in den norddeut- 
schen Rheinbundstaaten eingesetzte Zentral -Verwaltungsrat habe im 
wesentlichen den Absichten seines geistigen Vaters, des Freiherrn 
vom Stein, entsprochen. Der Verfasser vorliegender Greifswalder 
Dissertation zeigt im ersten Teile seiner Arbeit, wie weit die Befug- 
nisse dieser Behörde hinter denen, die ihr Stein beigelegt wissen 
wollte, zurückblieben und wie seine ganz radikalen, vom tiefsten 
Milstrauen gegen die Fürsten eingegebenen Vorschläge allmählich 
derart modifiziert wurden, dafs dem Verwaltungsrat jede durch- 
greifende Wirksamkeit versagt blieb. Stein wollte eine durch Zu- 
ziehung von Männern aus dem Volke demokratisch gefärbte Behörde 
mit diktatorischer Vollmacht, ein kurzfristiges Ultimatum an die 
Rheinbundfiirsten, deren keinem er einen Rechtsanspruch auf seine 
Souveränität zugesteht; endlich für das Volk das Versprechen, dafs 
man nach Wiederherstellung des Friedens ihm ganz allein die Ord- 
nung seiner Verfassungsangelegenheiten überlassen würde. Was 
aber durch Kaiser Alexanders Willen und Preufsens Nachgiebigkeit 
herauskam, war eine der Kontrolle der Monarchen unterworfene 
Kommission hoher Staatsbeamter mit dem Auftrage, mit den Rhein- 
bundfürsten Verträge über ihre Leistungen für die Befreiung Deutsch- 
lands abzuschliefsen und deren Ausführung zu überwachen; von 
jener Zusicherung an das Volk verlautet nichts mehr. Der Ver- 
fasser glaubt in verwandtschaftlichen Rücksichten auf den Herzog 
von Mecklenburg-Schwerin wenigstens eine der Ursachen finden 
zu dürfen, die Alexander zu seiner Entscheidung bewogen, und 
sieht in dieser mit Recht eine entschiedene Niederlage der von Stein 
vertretenen Grundsätze. 

Der zweite Teil von Wetzeis Arbeit beschäftigt sich mit der 
Wirksamkeit des Verwaltungsrates, dessen Präsident Stein wurde, 
und zwar 7,unächst mit seiner Tätigkeit im Königreich Sachsen. 
Beide verbündete Monarchen hatten kein Interesse an Sachsens 



Literatur. 



347 



gutwilligem Beitritt zur Allianz, da sie es als Kompensation für die 
von Alexander gewünschten, ehemals preufsischen Teile des Herzog- 
tums Warschau ins Auge gefafst hatten, und demgemäfs waren 
beide, besonders aber Alexander, anfänglich für ein scharfes Vor- 
gehen gegen Sachsen. Unter den vom Verfasser eingehend be- 
sprochenen Gründen, die sie zum Aufgeben dieses Standpunktes 
und zur Sendung des Generalmajors Heister an Friedrich August I. 
veranlafsten, dürfte die Rücksicht auf Österreich den Ausschlag ge- 
geben haben. Unter diesen Umständen machte die heftige Sprache, 
die Stein trotzdem in Dresden führte, geringen Eindruck auf die 
dortige, vom König eingesetzte Immediatkommission, und seinen 
Forderungen setzte sie den äufsersten Widerstand entgegen, denn 
die schwächhche Haltung der Verbündeten mufste sie ja geradezu 
ermutigen. Schlielslich erreichte Stein mit Mühe und Not, dals er 
statt der verlangten 500000 Taler ein Fünftel dieser Summe erhielt; 
erst nach der Schlacht von Grofs-Görschen schritt man zur Beschlag- 
nahme der öffentlichen Kassen, die etwa 230000 Taler ergab. 

Das Vorgehen des Zentral-Verwaltungsrates gegen die übrigen 
norddeutschen Rheinbundstaaten (sächsische Herzogtümer, beide 
Mecklenburg, Lübeck, Hamburg, Kurhessen, Anhalt) erfährt in den 
beiden letzten Kapiteln eine mehr oder minder ausführliche Er- 
örterung, auf die näher einzugehen sich aber in dieser Zeitschrift 
erübrigt. 

Die Arbeit beruht auf gewissenhaftem Quellenstudium; den 
Akten des Geheimen Staatsarchivs in Berlin smd zahlreiche noch 
nicht verwertete Aufschlüsse zu verdanken. Die einschlägige Lite- 
ratur ist gründlich durchgearbeitet, die Darstellung frisch und ge- 
wandt. Dem etwas temperamentvollen Urteile des Verfassers wird 
man im ganzen sicherlich beipflichten, wenn auch nicht ohne einige 
Vorbehalte. Der Souveränitätsdünkel der kleinen Fürsten war eine 
natürliche Folge der deutschen Territorialgeschichte, die man als 
solche begreifen mufs, und der herben Verurteilung des „kleinlichen 
Feilschens" der Schweriner Regierung hätte, da die Vorschläge des 
Grofsherzogs ein ziemliches Mafs guten Willens doch unzweifelhaft 
verraten, eine Erörterung der Leistungsfähigkeit des Landes wohl 
billigerweise vorausgehen sollen. 

Kiel. Fritz Friedrich. 



Beiträge zur sächsisclien Kircheugeschichte. Herausgegeben im 
Auftrage der Gesellschaft für sächsische Kirchengeschichte von 
Frauz Dibelius und Theodor Brieger. 17. — 20. Heft. (Jahreshefte 
für 1903 — 1906.) Leipzig, Johann Ambrosius Barth. 1904 — 1907. 
163, 156, 220 und 259 SS. S*'. 

Die vorliegenden vier stattlichen Hefte enthalten wie die 
früheren wesentlich Arbeiten zur Reformations- und neueren Kirchen- 
geschichte. Doch wird auch das Mittelalter berührt: O. Giemen 
weist (Heft 19, S. 120 — 124) auf Grund von Forschungen Schnürers 
nach, dafs die „sant gehulfen capel" zu Treuen das älteste Zeugnis 
für den aus Italien nach Deutschland gekommenen Kultus ,,der 
heiligen Hülfe" oder ,,Sante Unkommer" ist. Derselbe veröffent- 
licht eine Urkunde zur Geschichte des Zwickauer Knappenaltars 
(Heft 20, S. 253 ff). O. Bönhoff bietet Studien zur kirchlichen 
Geographie des Mittelalters in folgenden drei Arbeiten : Die Grenzen 

Neues .Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. 3. 4. 23 



248 Literatur. 

der Bistümer Naumburg, Merseburg und Meifsen untereinander. 
Weshalb fehlt die Parochie Altenhof bei Leisnig in der Meifsner 
Jurisdiktionsmatrikel? Bildete die Propstei Riesa ein Archidiakonat 
des Meifsner Hochstifts? In das Ende des Mittelalters führt 
F. Dibelius mit seiner Studie über Johann Tetzel iHeft 17) und 
Barth in seinen Mitteilungen zur Geschichte der Dresdner Kreuz- 
kirche iHeft i8t. 

Die Geschichte der Einführung der Reformation in einzelnen 
Gebieten ist mit mehreren, zum Teil umfangreichen Arbeiten ver- 
treten. G. Planitz behandelt die Ämter Rochlitz und Kriebfctein 
(Heft 17), Goldammer das Vogtland mit besonderer Berück- 
sichtigung der Ephorie Ölsnitz (Heft i8j, O. Giemen die Reforma- 
tionsgeschichte von Schiettau (Heft i8j. 

Von hervorragenden Persönlichkeiten, die zur Behandlung ge- 
langen, sei Herzog Heinrich (von Ifsleib. Heft 19), Kurfürst Moritz 
(von demselben, Heft 20), Daniel Greser (von O Giemen, Heft 20) 
und Johann Pfeffinger (von R. Merkel, Heft 19) erwähnt. In ein 
Stammbuch (Heft 20) haben sich Hieronymus Weller, Johannes und 
Paulus Mathesius u. a. m, eingetragen. Zur Liturgie bieten Otto 
Dibelius-Wittenberg (Heft 18) und O. Giemen (ebenda) Beiträge, 
zur Geschichte der kirchlichen Kleidung A. Chalybäus (Heft 20). 
Blanckmeister schildert Sachsens Beihilfe zur Erbauung evange- 
lischer Kirchen in Böhmen nach Erlals des Majestätsbriefes (Heft 19). 
R. Franke gibt einen Überblick über die Geschichte der Privat- 
beichte in Sachsen (Heft 19). Besonders verwiesen sei auf den 
ersten Versuch des Herausgebers Franz Dibelius, dem sächsischen 
Kalender zu einer wirkhch evangelischen Namenreihe zu verhelfen. 
Seine „Vorschläge sind S. 99 — iio in Heft 18 zusammengestellt. 
Eine Übersicht über die Geschichte der Frage geht voran. 

In die Mitte des 19. Jahrhunderts führen E. Luthardts Briefe an 
Henke, von Rade herausgegeben (Heft .18). Von besonderem Inter- 
esse sind die, die des Briefschreibers Übersiedlung von Marburg 
nach Leipzig und die ersten Eindrücke hier und in Dresden zum 
Gegenstande haben. 

Zum Schlüsse noch einen Wansch! Sollte sich nicht ein opfer- 
freudiger Landpfarrer finden, der zu den inhaltreichen 20 Bäaden 
ein Personen- und Ortsregister fertigte? Er würde sich den Dank 
der Leser und der Wissenschaft verdienen. 

Leipzig. Georg Müller. 



Qnellenbuch zur Gescliichte des (xjmnasiiims zu Zittau. I. Heft: 

Bis zum Tode des Rektors Christian Weise (1708). Bearbeitet von 
Dr.TheodorGJärtiier, Professor am Gymnasium zuZittau. (A. u. d.T.: 
Veröffentlichungen zur Geschichte des gelehrten Schulwesens im 
albertinischen Sachsen Herausgegeben im Auftrage des Sächsischen 
Gymnasiallehrer -Vereins. II. Teil: Urkundenbücher der sächsischen 
Gymnasien.) Leipzig, B. G.Teubner. 1905. V, 142 SS. 8*^. 

Mit vorliegendem Bande beginnt der Sächsische Gymnasiallehrer- 
Verein ein von langer Hand geplantes Unternehmen, die Herausgabe 
der Urkundenbücher der einzelnen Schulen. Das Zittauer G^'mnasium 
verfügt nur über wenige und dürftige Quellen. Aber der Bearbeiter 
hat durch eingehende Studien während reichlich zweier Jahrzehnte 
eine Menge Stoff aufgespürt und zusammengebracht. Unsere Kenntnis 



Literatur. 34g 

wird durch das Ergebnis seiner Studien wesentlich bereichert. Als 
Beispiel führe ich den Rektor M. Christian Keimann an, dessen 
3oojähriger Geburtstag am vergangenen 27. Februar gefeiert worden 
ist. Bezüglich der von ihm verfafsten Bücher war man bisher auf 
die unvollständigen Angaben von Ludovici und Otto angewiesen; 
hier werden auf Seite 88—90 nicht weniger als 24 gedruckte Schriften 
aufgeführt und aufserdem Manuskripte erwähnt. Zur Geschichte der 
Schulbücher finden sich zahlreiche Angaben, z. B. S. 17 in den Aus- 
gaben des Gotteskastens für arme Schüler. Verwiesen sei ferner 
auf die Mitteilungen über die Entwicklung der Schulbibliothek 
S. 112. Die Schulordnungen werden besonders auf Beachtung 
rechnen dürfen. Wir wünschen dem Verfasser, dafs es ihm gelingen 
möge, recht bald den zweiten Band zum Abschlufs zu bringen. 

Leipzig. Georg Müller. 

Die Diözese Braadeubur^. Untersuchungen zur historischen Geo- 
graphie und Verfassungsgeschichte eines ostdeutschen Kolonial- 
bistums. Von Fritz Carschmanu. Mit zwei Kartenbeilagea. 
Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Mark Branden- 
burg. Leipzig, Duncker und Humblot 1906. XV, 488 SS. 8*'. 

Die vorliegende ebenso umfangreiche wie gründliche Arbeit 
ist die erste der historisch-geographischea Bistumsbeschreibungen, 
zu denen 1898 von dem Herausgeber der Historischen Zeitschrift, 
Friedrich Meinecke, die Anregung gegeben worden ist. C.'s Werk 
liefert den Beweis, dafs man nicht sofort nach Ablauf der ersten 
Jahre das Erscheinen von einer ganzen Anzahl der in Angriff ge- 
nommenen Werke erwarten durfte. Dafs in dem nunmehr verflos- 
senen Jahrzehnt gearbeitet worden ist, zeigt sich darin, dafs in 
Zeitschriften usw. eine Menge Einzelfragen erörtert worden sind, 
die mit dem Thema m Verbindung stehen. — Nachdem das erste 
Werk erschienen ist, wird man der Frage nähertreten müssen, was 
streng genommen in die historisch-geographische Beschreibung eines 
Bistums gehört. Auch den Punkt wird die vorliegende Arbeit klären 
helfen. — Für die Leser dieser Zeitschrift ist in diesem Werke vor 
allem von Belang, was S. 3 5 ff. über die Gründung der drei sächsi- 
schen Bistümer Meifsen, Merseburg und Zeitz gesagt ist, ein Punkt, 
der in letzter Zeit ausführlich von Hauck im 3. Teil seiner Kirchen- 
geschichte Deutschlands behandelt worden ist, sodann die Ermittelung 
der Grenze der Diözesen Brandenburg und Meifsen S. 21 2 ff., wozu 
die beigegebene Karte zu vergleichen ist. Es grenzen aneinander 
die Sedes Jüterbog dioc. Brandenburg, und die Sedes Schlichen dioc. 
Misn. Hier ist zu bemerken, dafs das in den Visitationsprotokollen 
von 1529 (HStA. Dresd. Loc. 10598 Registration 1529, Bl. i a , vgl. 
Burkhardt Kirchenvisit. S. 30) genannte und von Burkhardt auf der 
Karte als fehlend bezeichnete Dietmanstorff unstreitig Dixförde Par. 
Schweinitz ist (von C. nicht genannt). Weiter wird verfolgt die 
Abgrenzung der Sedes Jüterbog gegen die Sedes Dahme dioc. Misn , 
die Enklave des Erzbistums Magdeburg Baruth und die Meifsner 
Sedes Zossen, die der Sedes Brietzen und Spandau gegen Zossen, 
sodann die von Spandau gegen Storkow. Das ist offenbar nicht die 
ursprüngliche Grenze der beiden Bistümer. Es wird nun zunächst 
S. 2i6ff. der Nachweis geführt, dafs die Lausitz, um die es sich hier 
handelt, nicht erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts vom Bistum 

23* 



350 



Literatur. 



Brandenburg an Meifsen kam, wie bisher angenommen wurde (doch 
vgl. dazu Hauck III, 135), sondern dafs bereits Bischof Folchold von 
Meifsen Anspruch auf die Lausitz machte. Die Urkunde Ottos I. 
von 971, in der er der Kirche zu Meilsen die fünf bekannten slawi- 
schen Landschaften überwies, ist ein Blankett, das der Kaiser dem 
Meifsner Bischof übergeben hat und das dieser ausgefüllt hat. Was 
der Bischof in diesem Schriftstück bereits als zu seiner Diözese 
gehörig bezeichnet, bestätigt Otto III. ausdrücklich 995 der Meifsner 
Kirche. Die genauere Festlegung der oben angeführten Grenze, 
die mit der politischen nicht überall zusammenfällt und also später 
entstanden sein mufs, wird darauf S. 219 ff. im einzelnen behandelt. 

Dresden. Rieh. Becker. 



Übersicht 

über neuerdings erschienene Schriften und Aufsätze 

zur sächsischen Geschichte und Altertumskunde^). 

Von Viktor Hantzsch. 



A., H. Die alten Befestigungen der Stadt Leipzig: Der Leipziger 

11(1907), 857. Mit I Abb." 
Am Ende. Bilder aus der Sächsischen Schweiz. I. Geschichtliches: 

Unsere Heimat VI (1906 07), 102 — 105. Mit Abb. 
v.ArchenhoIts, Johann Wilhelm. Geschichte des Siebenjährigen Krieges 

in Deutschland. Herausgegeben und durchgesehen von Max 

Mendheim. (Universalbibliothek. Nr. 134 — 137.) Leipzig, Ph. 

Reclam jun. (1907.) 504 SS. S''. 
Arndt, G. Der sächsische Hofprediger D. Mirus als Prediger in 

Halberstadt: Zeitschrift des Vereins für Kirchengeschichte in der 

Provinz Sachsen III (1906,07), 271 — 277. 
Arnold, E. M. Leipziger Reiseleben im Wandel der Zeiten: Der 

Leipziger II (1907 1, 6 — 8. Mit 4 Abb. 
Baltzer. Aus einem Studentenleben vor 90 Jahren: Sächsisches 

Kirchen- und Schulblatt. 1907. Sp. 406—411. 
„ Nachrichten über den Turm der Kirche zu Dohna: Kirchlicher 

Jahresbericht der Kirchgemeinde Dohna auf das Jahr 1906. S.2 — 10. 
Bär, Anto)i. Die Albrechtsburg in Meifsen: Heimatsklänge 11(1906), 

242—245. Mit Abb. 



') Vgl. die Übersicht über die neuerdings erschienene Literatur zur 
thüringischen Geschichte und Altertumskunde von O. Dobenecker 
in der Zeitschrift d. V. f. Thür. Gesch. u. Altertumskunde XXV = 
N. F. XVII (1907), 504—516. 



Literatur. gcj 

Bartsch, Clemens. Wo lag der Weibertausch?: Über Bere und 
Thal XXX (1907), i78f. 

Beil, Arthur. 1857— 1907. 50 Jahre im Dienste der Kameradschaft. 
Festschrift zur Feier des 50jährigen Bestehens des Kgl. Sachs. 
Militärvereins zu Taura. Taura, Druck von G. Delling. 1907. 
23 SS. 80. * ^ / 

„ Die Vergangenheit Tauras. (S.-A. aus dem Haushaltplane der 
Gemeinde Taura 1907.) Taura, Druck von G. Delling. (1907.) 
12 SS. 80. 

Benndorf, Paul. Der alte Leipziger Johannisfriedhof und die Rats- 
oder Hospitalgruft. Ein Beitrag zur Stadtgeschichte. Mit 70 Abb. 
in Lichtdruck nach photographischen Autnahmen des Verfassers 
und 2 Plänen des Friedhofes. Leipzig, G. Merseburger. 1907. 
XII, 96 Spp. Mit 48 Taff. QU.-80. 

Volkstümlicher Humor und andere Redensarten. Leipzig und 
Umgebung (sächsisches Niederland). Fortsetzung: Mitteilungen 
des Vereins für sächs. Volkskunde IV (1907), i76f. 

Berbig, G. Das Sequestrationsrecht im Ortslande Franken 1531 — 1534: 
Deutsche Zeitschrift für Kirchenrecht XVI (1906), 302 — 340. 
„ 29 Briefe des Kurfürsten Johann Friedrich des Grofsmütigen aus 
der Gefangenschaft 1547— 1552: Zeitschrift des Vereins für Thürin- 
gische Geschichte und Altertumskunde XXV=N. F. XVII (1907), 
251 — 290. 

Bernhardt, P. Geheimrat Professor Dr. Friedrich Möring 7: Über 
Berg und Thal XXX (1907), 154 f. 

Beschorner, Hans. VI. Flurnamenbericht: Mitteilungen des Vereins 
für sächs. Volkskunde IV (1907), 155! 
„ Zu dem Friedrich August-Denkstem an der alten Meifsner Land- 

strafse: Über Berg und Thal XXX (1907), 138. 
„ Kunstdenkmäler in Dörfern: Dresdner Anzeiger. 1907. Nr. 174. 

S. 3. 
„ Der geplante Wiederaufbau der Wüstung Kolmen 1708: Wissen- 
schaftliche Beilage zum Leipziger Tageblatt. 1907. Nr. 228. 

Blanckmeister , Franz. Meister Rietschel und der Fastor von der 
Annenkirche. Zur Entstehungsgeschichte des Wormser Refor- 
mationsdenkmals: Das Pfarrhaus XXIII (1907), 116 — 119. 

Bönhoff. Die politischen und kirchlichen Verhältnisse des mittleren 
Erzgebirges im Mittelalter: Glückauf XXVII (1907), 4 — 7. 21—24. 
33—37- 
,, Sächsische Stifter und Ordensniederlassungen einst und jetzt 
(Schlufs): Sächsisches Kirchen- und Schulblatt. 1907. Sp. 148 
bis 152. 
„ Die Herrschaft Schiettau im Mittelalter: Obererzgebirgische 

Zeitung. 1907. Nr. 165. 167. 169. 
„ Fragen aus der Ehrenfriedersdorfer Geschichte: Amts- und 
Wochenblatt für die Kgl. Amtshauptmannschaft zu Annaberg. 
1907. Nr. 81. S. 5f. 

Bonwetsch, Gerhard. Geschichte des Passauischen Vertrages von 
1552. Gekrönte Preisschrift. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht. 
1907. VIII, 216 SS. 80. 

Bornhai-, C Die Mediatisierung der Grafschaften Stolberg-Stolberg 
und Stolberg -Rofsla: Forschungen zur Brandenburgischen und 
Preufsischen Geschichte XIX (1906), 35 — 52. 

Brandenburger, Clemens. Polnische Geschichte. (Sammlung Göschen. 
Nr. 338.) Leipzig, G. J. Göschen. 1907. 206 SS. 8«. 



352 Literatur. 

Brüning, Adolf. Porzellan. (Handbücher der Königlichen Museen 
zu Berlin. Kunstgewerbemuseum.) Älit i66 Abb. im Text. Berlin, 
Georg Reimer. 1907. iIL, 230 SS. 8*^. (Darin S. 44 — 56: Johann 
Friedrich Böttger. S. 57 — 104: Meilsen von 1720— 1814.) 

Bücher. "Wilhelm Georg Friedrich Röscher, Nationalökonom: All- 
gemeine Deutsche Biographie LUI (1907), 486 — 492. 

BiichicaJd. Georg. Neue Beiträge zur Kenntnis der sächsischen 
Geistlichkeit in der Zeit der Reformation: Wissenschafthche 
Beilage der Lpz. Ztg. 1907. Nr. 12. 

Buchiccüd, Reinhard. Joachim Greflf. Untersuchungen über die An- 
fänge des Renaissancedramas in Sachsen. (Probefahrten. Erst- 
lingsarbeiten aus dem Deutschen Seminar in Leipzig. Heraus- 
gegeben von Albert Köster. Band 11.) Leipzig. R. Voigtländer. 
1907. X, 89 SS. 8«. 

Burlchardt, K. A. H. Zum ungedruckten Briefwechsel der Refor- 
matoren, besonders Luthers : Archiv für Reformationsgeschichte IV 
11907), 2, 184 — 212. 

[v. Bidtlar. Wilhelm.] Das Körner -Schiller -Denkmal in Losch- 
\\-itz. (Sonderbeilage zur Sächsischen Dorfzeitung und Eibgau- 
presse.) Blasewitz^ Hermann Bever & Co. (1907.) i Bl. "Mit 
3 Abb. 2*'. 

Cardaun$, L. Zur Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen vor- 
nehmlich in seinen letzten Regierungsjahren: Quellen und For- 
schungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken X (1907), 
loi — 151. 

Carlson, Ernst. Der Vertrag zwischen Karl XII. von Schweden und 
Kaiser Joseph I. zu Altranstädt 1707. Stockholm, P. A. Norstedt 
&Söner. (1907.) 71 SS. Mit Taff. 4*^- 

Giemen. Otto. Briefe von Hieronymus Emser, Johann Cochläus, Johann 
Mensing und Petrus Rauch an die Fürstin Margarete und die 
Fürsten Johann und Georg von Anhalt. (Reformationsgeschichtliche 
Studien und Texte. Herausgegeben von J. Grevmg. Heft 3.) 
^Münster, Aschendortf 1907. \TII, 67 SS. 8". 
„ Das Vorlesungsverzeichnis der Leipziger Universität vom Jahre 
1519: Neue Jahrbücher für das klassische Altertum XlX/XX(i907), 
112 — 124. 

Creutzhcrg. Heinrich August. Karl von Miltitz. 1490 — 1529. Sein 
Leben und seine geschichtliche Bedeutung. (Studien und Dar- 
stellungen aus dem Gebiete der Geschichte. Im Auftrage der 
Görres - Gesellschaft herausgegeben von H. Grauert. Band VI, 
Hefti.) Freiburg i. Br., Herder. 1907. IV, 123 SS. S'\ 

V. Degenfeld-Schonburg, Christoph. Graf. Schweinschädel und König- 
grätz. Meine Kriegserinnerungen als Kommandant des 7. Husaren- 
regiments. Wien, C. Konegen. 1907. 38 SS. 8^\ 

Deichmidier, J. Die Gegend von Dresden in vorgeschichtlicher Zeit: 
Dresdner Anzeiger. Sonntags-Beilage. 1907. Nr. 36 — 38. 

Doehler, Eichard. Geschichte des Dorfes Leuba in der königlich 
sächsischen Oberlausitz. Nach archivalischen Quellen bearbeitet. 
Zittau, A. Graun. 1907. IV, 201 SS. Mit 9 TartT 8'\ 

Drescher, G. Wie Alt-Leipzig baute: Der Leipziger II (1907), 437 f- 
Mit 5 Abb. 
„ Alt- Leipziger Höfe: ebenda 7 16 f. 904!'. Mit 9 Abb. 
„ Aus der \'orzeit unserer Heimat; ebenda 877 f. Mit 4 Abb. 

Einfeldt, W. Schlacht bei Lucka, 31. V. 1307, und Geschichte der 
Stadt Lucka. Leipzig, W. Belke. (1907.) 19 SS. Mit 2 Abb. 8". 



Literatur. 353 

V. Einsiedel, Kurt. Tagebuchblätter aus dem deutsch -französischen 
Kriege des Generalleutnants Kurt von Einsiedel, 1870/71 Major und 
Bataillonskommandeur im königlich sächsischen 3. Infanterie- 
regiment „Kronprinz" Xr. 102. Berlin und Breslau. S. Schottländer. 
1907. IX, 267 SS. 8^'. 

Erfurth, Bichard. Bilder aus der Kulturgeschichte unserer Heimat. 
Mit besonderer Berücksichtigung der Provinz Sachsen, des 
Herzogtums Anhalt und des Königreichs Sachsen. 2. vermehrte 
Auflage. Mit i Taf. : Vor- und frühgeschichtliche Altertümer. 
Halle, R. Mühlmann. 1907. V, 132 SS.' 8». 

Esche, F. A. Ein sächsischer Seeheld [Admiral BrommeJ: Sachsen- 
post I (1907). Nr. 39. S I — 3. Xr. 40. S i — 3. 

Ettig, Fr. Otto. Aus der Vergangenheit Dresdens. Dresden, Holze & 
Fahl. 1907. 19 SS. 80. 

F., Cr. Vater Grofsmann [Leipziger Superintendent]. Zu seinem 
50jährigen Todestage am 29. Juni: Der Leipziger II (1907), 735 f. 
Mit Bildnis, 

V. Feilitsch, Erwin. Zur Würdigung des sächsischen Kanzlers 
Dr. Xikolaus Krell: Neues Sächsisches Kirchenblatt XIV (1907), 
321—328. 337 - 344 

Finck, Emil. Erzgebirgs-Mu.«eum : Glückauf XXVII (1907), 57 f. 

Francke, Heinrich Gottlieh. Nachrichten über die Familie Francke 
in Weida. Nr. i. Abgeschlossen Ostern 1907. 46 SS. 8". 

Frank, G. Leopold Emanuel Rückert. Lausitzer Theolog: Allgemeine 
Deutsche Biographie LIII (1907), 573—576. 

Franke, Th. Praktisches Lehrbuch der Sächsischen Geschichte. Für 
die Volks- und Bürgerschule bearbeitet. 2. verbesserte Auflage. 
Leipzig, Ernst WunderUch. 1907. IV, 212 SS. 8". 

Franz, Adolf. Drei deutsche Minoritenprediger aus dem XIII. und 
XIV. Jahrhundert. Freiburg i. Br., Herder. 1907. XVI, 160 SS. 8". 
(S. 7— 46: Konrad von Sachsen. S. 47— 103; Frater Ludovicus 
aus Sachsen.) 

Freytag, E. Eichard. Sächsische Krieger- und Kriegespoesie aus dem 
Jahre 1866; Mitteilungen des Vereins für sächs. Volkskunde IV 
(1907X 156—163. 
„ Zur Bibliographie der Geschichte des sächsischen Volksschul- 
wesens: Sächsische Schulzeitung. 1907. S. 189! 259^ 287 — 290. 
301—303. 403 f. 447! 460-462. 478—480. 

V. Freytag -Loringhoven. Studien nach Clausewitz. Neue Folge. 
1. Der Herbstteldzug 1813. 4. — 5. Fortsetzung. Mit i Skizze im 
Text und 3 Skizzen als Anlagen: Vierteljahrshefte für Truppen- 
führung und Heereskunde IV (1907), 269—280. 524—533. 

F[riedenshurgJ, WfalterJ. Zur Vorgeschichte des Interim: Archiv 
für Reformationsgeschichte IV (1907), 213 — 215. 

Friedrich, Faul. Theodor Körner. Eine literarische Revision: Deutsche 
Monatsschrift VI (1907), 541 — 545. 

G. Der vogtländische Dichterjubilar L. Riedel, ein Sohn unseres 
Erzgebirges: Glückauf XXVII (1907), 88—92. Mit Bildnis. 

Gebser, K. Festreden für Schulen und patriotische Vereine zur 
Geburtstagsfeier des Königs Friedrich August von Sachsen. 
Leipzig, Alfred Hahn. 1907!^ 64 SS. 8**. (Darin: Gustav Küttner, 
Lebensbild des Königs. — W. Pasig, Die Besiedelung unseres 
Vaterlandes. — E. Fickelsc herer, Wie die erste sächsische 
Eisenbahn entstanden ist. — H. Wiesemann, Unser Vaterland 



354 



Literatur. 



vor hundert Jahren. — Otto Hanschmann, Vater August und 
Mutter Anna. — Wilhelm Naumann, Wie unser Sachsenland 
ehemals deutsch wurde.) 

Gerlach, Oskar. Elbe -Schiffahrts- Recht. Elbe- Akte, Strom -Polizei, 
Haupterwesen , Schifferdeutsch. Als Handsteuer für die Praxis 
zusammengestellt und kritisch bearbeitet. Dresden, C. Heinrich. 
(1907.) XI, 159 SS. Mit Abb. 8 <>. 

Gcrland, Bernhard. Das Könighch Sächsische Jagdrecht. (Leipziger 
Diss.) Borna-Leipzig, Robert Noske. 1906. XIII, 61 SS. 8". 

Gcebel. Kurzer Rückblick auf die loojährige Geschichte der Reitenden 
Abteilung des i. Königl. Sachs. Feldartillerie- Regiments Nr. 12. 
Auf Befehl der Reitenden Abteilung zusammengestellt. Königs- 
brück, Druck von A. Pabst. 1906. 66 SS. Mit 1 Taf. 8». 

V. Gottschan, Rudolf. Ein Leipziger Bürgermeister. Ein Bild 
deutscher Geschichte: Gartenlaube. 1907. Nr. 25 — 27. 
„ Die Schauspielkritik des Leipziger Tageblattes seit 1868 : Leipziger 
Tageblatt. Jubiläumsausgabe vom i.Juli 1907. S. 6—8. 

Greif, Wilfrid. Studien über die Wirkwarenindustrie in Limbach i. S. 
und Umgebung. (Volkswirtschaftliche Abhandlungen der Badischen 
Hochschulen, herausgegeben von Carl Johannes Fuchs, Eberhard 
Gothein, Karl Rathgen, Gerhard von Schulze-Gävernitz. IX. Band. 
2. Ergänzungsheft.) Karlsruhe, G.Braun. 1907. VII, 118 SS. 8**. 

Grüner, E. Ernst Bernhard Reichardt, eme biographische Skizze: 
Der Kirchenchor XVIII (1907), 28 f. 35. 

Gurlitt, Cornelius. Dresden. (Die Kultur. Einzeldarstellungen. Her- 
ausgegeben von C. G. Band 23/24.) Berlin. Marquardt & Co. (1907.) 
115 SS. Mit 29 Vollbildern in Tonätzuns:. 8". 
,, Alt- Dresden: Die Zukunft XV (1907). Nr. 40. 
„ Die kirchliche Kunst in Sachsen: Chrisiliches Kunstblatt IL (i907)> 
260 — 265. 

H. Teilnahme der Sachsen am Feldzuge in Polen vor 100 Jahren: 
Wissenschaftliche Beilage der Lpg. Ztg. 1907. Nr. 16. 

Haalce, Paul. Der Glaubenswechsel Augusts des Starken: Historische 
Vierteljahrsschrift X (1907), 382 — 392. 

Habbicht, H. Johann Hermann Schein. Ein Vorläufer Bachs: Wei- 
marische Zeitung. 1907. Mai 30/31. 

Hälsig, F. Brauch am Andreasabend. Aus der Harthaer Gegend: 
Mitteilungen des Vereins für säch«. Volkskunde IV (1907), i77f. 

Hamann, L. Bastei -Chronik 1857— 1907. Aus dem Archive der 
„Bastei", Verein jüngerer Buchhändler zu Dresden. Gelegentlich 
des 36. Stiftungsfestes 1893 herausgegeben. Fortgeführt und neu 
herausgegeben zur Feier des 50. Stiftung.sfestes 1907 von Adolf 
Beschoren. Dresden, C. Weiske. 1907. 87 SS. 8''. 

Hammitzsch, Martin. Der moderne Theaterbau. Der höfische Theater- 
bau. Der Anfang der modernen Theaterbaukunst, ihre Ent- 
wicklung und Betätigung zur Zeit der Renaissance, des Barock 
und des Rokoko. Mit 142 Illustrationen und 228 Anmerkungen. 
Von der Kgl. sächs. Technischen Hochschule zu Dresden ge- 
nehmigte Dissertation. Berlin, Ernst Wasmuth A.-G. 1906. VIII, 
207 SS. 4°. (S. i27ff., i35ff., 164«"., i9ift".: Dresden.) 

Hantzsch, Viktor. Oskar Adalbert GrüUich : Biographisches Jahr- 
buch X (1907), 197 — 200. 

Hardeland. Zum Gedächtnis des Zittauer Sängers Christian Keymann 
Allgemeine evangelisch -lutherische Kirchenzeitung XL (1907), 
417—420- 439—442. 



Literatur. 



355 



Harrivitz, Max. Verlorene Bücher und Peter Philipp Wolf [in Leipzig], 
ein vergessener Schriftsteller: Zeitschrift für Bücherfreunde X 
(1906/07), 433—452. Mit 4 Abb. 

Heber. David Samuel Roller, Pfarrer: Allgemeine Deutsche Bio- 
graphie LIII (1907), 449 f. 

Heepke, W. Die Erweiterung des Wasserwerkes der Stadt Mittweida 
i. S. (S.-A. aus dem „Journal für Gasbeleuchtung und Wasser- 
versorgung" 1906.) 40 SS. Mit 2 Taff. 8*^. 

Heerde, Otto. AJrefsbuch der Stadt Ehrenfriedersdorf, verbunden 
mit Fremdenführer. Nach amtlichen Unterlagen bearbeitet. 
Ehrenfriedersdorf, Otto Heerde. (1907.) 144 SS. 8". (S. i27ff. : 
Seidel, Beitrag zur Geschichte von E. und Beitrag zur Kirchen- 
geschichte von E.) 

Heimann, Frau,:. Die Landesverteidigung im Fürstentum Anhalt 
von der Auflösung der Union bis zum Einmarsch der Kaiser- 
lichen, Mai 1621 bis Januar 1626. Leipzig, Walther Fiedler. 
1907. 452 SS. 8". (Behandelt auch die gleichzeitige Politik Kur- 
sachsens.) 

Heintze. Mitteilung zu H. Peters Abhandlung über die Erfindungs- 
geschichte des europ. Porzellans: Zeitschrift für angewandte 
Chemie XX (1907), 302 — 304. 

Hermann, Karl. Zur Geschichte der Heidemühle bei Langebrück. 
Langebrück, C. H. Schmidt. (1907.) 23 SS. Mit i Abb. 8°. 

Herrlich, Hermann Ferdinand. Ein Beitrag zur Musikgeschichte der 
Oberlausitz: Der Kirchenchor XVIII (1907), 4if, 5of, 57f., 65! 
(Fortsetzung folgt.) 

Herschel, M. ßild.stöcke, Pest-, Marter- oder Stationssäulen: Über 
Berg und Thal XXX (1907), 133 f. Mit 3 Abb. 

Heubner, P. Die Bedeutung der Leipziger Messe für die Musik- 
instrumenten -Branche: Zeitschrift für Instrumentenbau XXVII 
(1907), 439-442. 

Hiltebrandt, Fh. Die polnische Königswahl von 1697 und die Kon- 
version Augusts des Starken: Quellen und Forschungen aus 
italienischen Archiven und Bibliotheken X (1907), 152 — 215. Auch 
als Sonderdruck: Rom, Löscher & Co. 1907. 66 SS. 8*'. 

V. Hinüber, Ernst August. Stammliste des Königlich Sächsischen 
Garde -Reiter -Regiments 1680 — 1905 Auf Befehl des Regiments 
zusammengestellt. BerUn, Ernst Siegfried Mittler & Sohn. 1907. 
VII, VI, 361 SS. Mit 2 Bildnissen. 8». 

Höfer, Faul. Die sächsische Legende zum thüringisch -fränkischen 
Kriege 531 n. Chr.: Zeitschrift des Vereins für Thüringische 
Geschichte und Altertumskunde XXV = N. F. XVII (1907), 
1 — 80. • 

Hof mann, Cölcstin. Khaa, d. h. Kühau und die von Kyau: Mit- 
teilungen des Nordböhraischen Exkursionsklubs XXX (1907), 
15—22. 

Hofmaiin, Beinhold. Heimatklänge aus dem Vogtland: Unsere Heimat 
VI (1906/07), 105 — 108. 134 — 138. 

Hottenroth, J. Der Streit der Kirch- und Schulgemeinde N. mit ihrem 
Schulmeister Christian Rost. 1782 — 1790: Mitteilungen des Vereins 
für Sachs. Volkskunde IV (1907), 170—174. 

Hübschmann, Paul. Der neue sächsische Truppenübungsplatz: Der 
Kamerad XLV (1907). Nr. 24. S. 9! Mit Abb. 

Jacobi. Reichenbach i.V. in Wort u. Bild: Heimatsklänge II (1906), 
248—253. 283 — 289. Mit Abb. 



oe5 Literatur. 

Jahns. Herkunft und Wesen des sächsischen Wasserrechts: Sächsi- 
sches Archiv für Rechtspflege I (1906), 82—92. 114— 118. 

Jecht, Bicliard. Der Zusammenstofs der Brandenburger und Böhmen 
in der Niederlausitz i. J. 1461 und seine Veranlassung: Nieder- 
lausitzer Mitteilungen X (1907), 1—50. 

Jentsch, J. A. Der Name Pirna: Über Berg und Thal XXX (1907), 
134—136. 

John, Ernst. Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erz- 
gebirge (Forts.): Mitteilungen des Vereins für sächs. Volkskunde IV 
(1907), 163-170. 205 — 209. (Schlufs folgt.) 

Johnen. Johann Richard Rätzsch, Stenograph: Allgemeine Deutsche 
Biographie LIII (1907), 2i8f. 
„ Karl Heinrich August Rätzsch, Stenograph: ebenda 219 f. 

Kaemmel, Otto. Ein Charakterkopf aus der älteren Leipziger Schul- 
geschichte: Die Grenzboten LXVI (1907). Nr. 26. 

V. Kauffungen, Kuns. Neueste Literatur zur Geschichte des sächsischen 
Prinzenraubes: Heraldisch-genealogische Blätter für adelige und 
bürgerliche Geschlechter IV (1907)- Nr. 4, S. 61—63. 

Kcmerau, Gustav. Paul Gerhardt. Ein Erinnerungsblatt. (Schriften 
des Vereins iür Reformationsgeschichte. XXIV. Jahrgang. Stück 4. 
Nr. 93.) Halle, Rudolf Haupt in Komm. 1907. 85 SS. Mit Bild- 
nis. 8». , ^ , 
„ Michael Stiefel, Anhänger Luthers und Mathematiker: Real- 
encyclopädie für protestantische Theologie und Kirche XIX» 
(1907), 24—28. 
„ (ohann Stigelius, Humanist: ebenda 42 — 45. 
„ Johann Stössel, Theolog: ebenda 59—61. 
„ Victorinus Strigel: ebenda 97—102. 
„ Synergismus, Synergistischer Streit: ebenda 229-235. 

Kekule von Stradomtz, Stephan. Über die mütterlichen Ahnen Richard 
Wagners: Richard Wagner-Jahrbuch II (1907)5 19—26. 

Kern, Arthur. Deutsche Hofordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts. 
II. Band. (Denkmäler der deutschen Kulturgeschictite. Heraus- 
gegeben von Georg Steinhausen. 2. Abteilung. IL Band.) Berlin, 
Weidmann. 1907. XVI, 263 SS. 80. [Darin S. 27-35: Hofordnung 
Herzog Albrechts des Beherzten von Sachsen, S, 36 f : Frauen- 
zimmerordnung des Herzogs Moritz von Sachsen (1541), S. 37—41: 
Regierungsordnung des Kurfürsten Moritz von Sachsen (1548), 
S. 41 — 50: Hofordnung des Kurfürsten August von Sachsen (1554), 
S. 50—66: Hofordnung des Kurfürsten Christian I. von Sachsen 
(1586), S. 66-79: Hofordnung des Kurfürsten Johann Georg I. von 
Sachsen (1637), S. 8of.: Trinkgeldordnung des Herzogs Moritz 
von Sachsen-Zeitz (1668), S. 81—83: Hofordnung des Herzogs 
Johann Adolf I. von Sachsen- Weifsenfeis (1680).] 

Kietz, Gustav. Die Zeit der ersten Rienzi-Aufführung in Dresden: 
Richard Wagner-Jahrbuch II (1907)» 426 f. 

Kietz, Gustav Adolf. Richard Wagner in den Jahren 1842— 1849 und 
1873—1875. Erinnerungen. Aufgezeichnet von Marie Kietz. 
2. Ausgabe. Dresden, C. Reifsner. 1907. V, 225 SS. Mit 2 Voll- 
bildern. 8". .. . ^ , 
Kietz, G. M. Eine alte Schuld [Übertritt Augusts des Starken zur 

kathoUschen Kirche]: Die Wartburg. 1906. Nr. 8. 
Kirschen. Johannes. Radeberg: Heimatsklänge III (1907)» 97— io6. 
Mit Abb. 



Literatur. 



357 



Kleinpaul, B. Die Christianisierung der Oberlausitz: Jahrbuch der 
Sächsischen Missionskonferenz XX (1907), 7 — 38. 

Koch, David. Kirche in Zinnwald: Christliches Kunstblatt IL (1907), 
251 — 253. Mit 2 Abb. 

Koch, Ernst. Paul Gerhardt auf der Fürstenschule Grimma: Dresdner 
Anzeiger. Sonntags-Beilage. 1907. Nr. 19. 
„ Oybiner Plauderei: ebenda Nr. 26. 

Koclid, B. Das Institut für gerichtliche Medizin der Universität 
Leipzig nebst Mitteilungen aus seinem Arbeitsgebiete. Fest- 
schrift zur Eröffnung des neuen Instituts am i. Oktober 1905. 
Leipzig, J. M. Gebhardt. 1905. 98 SS. Mit i Plan, 10 Textfiguren 
und loTaff. 8». 

Kohut, Adolf. Der sächsische Prinzenraub vor 450 Jahren. Nach 
urkundlichen Quellen : Heraldisch-genealogische Blätter für adelige 
und bürgerliche Geschlechter III (1906), 142!, 156 — 159. Nebst 
einer Erwiderung und Berichtigung von Kunz v. Kauffungen: 
ebenda 159. 
„ Leipziger Verleger. I: Anton Philipp Reclam: Der Leipziger II 
(1907), 603—605. Mit Bildnis. 

Kolde, Th. Neue Augustana- Studien: Neue Kirchliche Zeitschrift 
XVII (1906), 729 — 752. 

Korn, B. Die Necknamen der Kinder: Mitteilungen des Vereins für 
Sachs. Volkskunde IV (1907), i7sf. 

Kötsschlce, B Die historisch -geographischen Arbeiten im König- 
reich Sachsen. Im Auftrag der Königlich Sächsischen Kom- 
mission für Geschichte zusammengestellt von R. Kötzschke, 
H. Beschorner, A. Meiche, R. Becker. Leipzig, B. G. Teubner, 
1907. 84,(4) SS. 8». 

Krebs, K. Der Fürstenzug am königlichen Schlosse zu Dresden 
nach den Originalkartons von Professor W. Walther für den 
Geschichtsunterricht herausgegeben. Leipzig, F. E. Wachsmuth. 
1907. 14 SS. S^*. 

Krenkel, Erich. Das Polizeiverordnungsrecht in Sachsen. (Leip- 
ziger Dissertation.) Leipzig, Druck von Walter Wigand. 1905. 
80 SS. 80. 

Krondorf y F. W. Ein Rofsweiner Schulfest: Aus deutschen Bergen 
XXII (1907), 65—67. Mit 2 Abb. 

V. Kit geigen, Wilhelm. Jugenderinnerungen eines alten Mannes. 
Düsseldorf, W. Langewiesche-Brandt. (1907.) 471 SS. Mit Taff. 
und Abb. 8". 
„ Jugenderinnerungen eines alten Mannes. Mit i Photogravure 
und 16 Abb. nach Gemälden, Zeichnungen und Stichen und einem 
ausführlichen Vor- und Nachwort. 6. Auflage. Stuttgart, Ch. 
Belser. (1907.) XVI, 532 SS. 80. 

Kuhfahl. Der Falkenstein: Über Berg und Thal XXX (1907), 157! 
Mit 3 Abb. 

Kühn, Wilhelm. Fastnachtsfeierlichkeiten in Alt -Leipzig und Alt- 
Sachsen: Der Leipziger II (1907), 213! Mit i Abb. 
„ Die alte Leipziger Wasserleitung und der Marienborn: ebenda 

379 f. Mit 2 Abb. 
„ Die erste deutsche Rettungsgesellschaft in Leipzig: ebenda 660 

bis 662. Mit 6 Abb. 
„ Die Johannisfeier in Leipzig, der Überrest eines alten Leipziger 

Volksfestes: ebenda 679-681. Mit i Abb. 
„ Das Fischerstechen in Leipzig: ebenda 847 f. Mit 2 Abb. 



Tcg Literatur. 

Kukliuski, Jacob. Kahlenberg. Die Belagerung und der Entsatz 
Wiens 1683. 2. Auflage. Wien, G. Eichinger. (1907.) 84 SS. Mit 
Abb. u. 8 Taff. 8«. 

K fummer], FfriedrichJ. Hubert Ermisch. Illustrierte Zeitung CXXVIII 
(1907). Nr. 3324. S. 440—442. Mit Bildnis. 

Kamsch, E. Die Königliche Kunstgewerbebibliothek zu Dresden: 
Zentralblatt für Bibliothekswesen XXIV (1907), 97 — 108. Mit 
I Plan. 

Kiitrzeba, St. La Constitution de 1807 pour le Grand- Duche de 
Varsovie compar^e avec les autres constitutions de Napoleon: 
Anzeiger der Akademie der Wissenschaften in Krakau. Philol. 
u. hist.-philos. Klasse. 1906. Nr. 8. 

L., B. Rauschenbach im sächsischen Erzgebirge: Aus deutschen 
Bergen XXII (1907), 69 f. 

Lang, Alfred. Die Zschorlauer Mundart. (Leipziger Diss.) Borna- 
Leipzig, Buchdruckerei Robert Noske. 1906. 3 SS. 8". 
„ Grenzen, Unterschiede und Herkunft des Wtiterzgebirgischen: 
Zeitschrift für Deutsche Mundarten II (1907), 19—29. 

Laue, AI. Sachsen und Thüringen (190405): Jahresberichte der Ge- 
schichtswissenschaft XXVIII (1907), II, 160 — 238. 

Leonhardt und Finck, Emil. Zum 400jährigen Jubiläum der Priv. 
Freischützen- Kompagnie zu Annaberg 1507 — 1907: Annaberger 
Wochenblatt. 1907. Nr. 138. 144. 147. 156. 159. 162. 165. 168. 171. 
181. 183. 

Leszczynski, Stanislas. Correspondance inedite de Stanislas Lesz- 
czynski, duc de Lorraine et de Bar, avec le roi de Prusse Frederic- 
Güillaume I'« et Frederic II (1736— 1766) publiee avec une etude 
et des notes, par Pierre Boye. Paris, Berger -Levrault et Cie. 
1907. 89 SS. S''. 

LJer, H. A. Julius Woldemar Zeibig: Biographisches Jahrbuch X 
(1907), 189 — 192. 
,. Karl Robert Weilsbach: ebenda 207 f. 

Lietzmann, Hans. Die Wittenberger und Leisniger Kastenordnung. 
1522. 1523 (Kleine Texte für theologische Vorlesungen und 
Übuneen. Herausgegeben von H. L. Heft 21.) Bonn, A. Marcus 
& E.Weber. 1907. 24 SS. 8«. 

Löscher, F. H. Das Zwönitztal: Heimatsklänge II (1906), 15 — 20. 
53 — 56. 96—101. 131 — 136. 171 — 176. 200 — 213. Mit Abb. 

Ludtvig, Frank. Die Entstehung der kursächsischen Schulordnung 
von 1580. Auf Grund archivalischer Studien dargestellt. (Bei- 
heft XIII zu den Mitteilungen der Gesellschaft für deutsche Er- 
ziehunes- und Schulgeschichte.) Berlin, A. Hofmann & Komp. 
1907. (III), 176 SS. 8°. 

Müder, Guido. Ein verwunschenes Schlofs ( Wasserschlofs in Plauen- 

Dresden): Heimatsklänge II (1906), 295 — 298. Mit Abb. 
„ Die Frauenkirche zu Dresden: ebenda 345 — 349- Mit Abb. 

Mangler. Der Entwurf eines Wassergesetzes für das Königreich 
Sachsen: Sächsisches Archiv für Rechtspflege I (1906), 66—70. 

Markert, Fra)tz. Bilder und Skizzen aus Aue. IX: Das alte Rathaus: 
Unsere Heimat VI (1907), 165 — 167. 

Markgraf, Richard. Der Einflufs der Juden auf die Leipziger Messen 
in früherer Zeit: Archiv für Kulturgeschichte V (1907), 216—248. 
363—376. r . ^ ■ 

„ Ein Knabenraub und seine Sühne zu Leipzig m früherer Zeit: 
Der Leipziger II (1907J, 81 9 f. Mit i Abb. 



Literatur. 



359 



Mauchcr, Wühehn. Die sächsischen Erz- und Kohlenvorkommen. 

Freiberg, Graz & Gerlach. 1907. 40 SS. S''. 
May, Eberhard. Die Entwicklung der sächsischen Bierbrauerei. 

(Tübinger Diss.) Borna-Leipzig, Druck von Robert Noske. 1905. 

VI, 13s SS. 8". 
Menadier, J. Die Sachsenpfennige: Zeitschrift für Numismatik XXVI 

(1907). Heft if. 
V. Metzsch, Georg. Beiträge zur Geschichte adliger Familien aus 

den Kirchenbüchern der Umgebung Leipzigs: Mitteilungen der 

Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte. 

Heft II (1906), 128— T38. 
V. Metssch - Beichenbach , Karl. Geschichtliche Nachrichten über 

die Burg Altschönfels: Der Burgwart VIII (1907), 47 — 52. Mit 

2 Abb. 
Mitzschl-e. Stephan Roth, Zwickauer Theolog und Ratsherr: Allge- 
meine Deutsche Biographie LIII (1907), 564 — 567. 
[Möcliel, Hermann.] „Weihnachts-Komödie", welche Anfang des 

19. Jahrhunderts im Erzgebirge aufgeführt ward: Glückauf XXVII 

(1907), 7—12. 
V. der Mosel , Gurt. Handwörterbuch des Sächsischen Verwaltungs- 
rechts, II. Auflage. Leipzig, Arthur Rofsberg. 1907. IV, 896 SS. 8". 
Mfüller], E[d.] Ein Leipziger Studentenstreik. Erinnerung eines 

alten Herrn: Der Leipziger II (1907), 297 — 299. Mit i Abb. 
„ Die Abenteuer eines sächsischen Chevauxlegers während der 

Leipziger Völkerschlacht: ebenda 408 f. Mit i Abb. 
Müller, Geurg. Zur Gelehrten- und Schulgeschichte des Leipziger 

Kreises: Wissenschaftliche Beilage der Lpz. Ztg. 1907. Nr. 9. 
„ Bernhard Rüling, Theolog: Allgemeine Deutsche Biographie LIII 

(1907), 593— S9S- 
„ Visitationsakten als Geschichtsquelle: Deutsche Geschichtsblätter 
VIII (1907), 287—316. 

Muller, J. T. Die symbolischen Bücher der evangelisch-lutherischen 
Kirche, deutsch und lateinisch. Mit den sächsischen Visitations- 
Artikeln, einem Verzeichnis abweichender Lesarten, historischen 
Einleitungen und ausführlichen Registern. Besorgt von M. Mit 
einer neuen historischen Einleitung von Th. Kolde. 10. Auflage. 
Gütersloh, C. Bertelsmann. 1907. X, LXXXIH, 98? SS. 8». 

Müller., Karl. Obersächsische Feminina auf che (ke): Zeitschrift für 
Deutsche Mundarten II (1907), 29 — 34. 

Müller, Kurt. Aus der Heimat vergangenen Tagen. Bilder aus 
Geschichte und Sage der heimatlichen Landschaft, für Schule 
und Haus bearbeitet und herausgegeben. Leipzig, J. Klinkhardt. 
1907. V, 137 SS. 8». 

Müller, Walter Felix Die Teilung der Militärgewalt im deutschen 
Bundesstaat. Mit besonderer Berücksichtigung des Königreichs 
Sachsen. Leipziger juristische Inauguraldissertation. Leipzig, 
Veit & Comp. 1905. VI, 84 SS. 80. 

V. Mülverstedt. Die v. Drakendorf = v. Drachsdorf? Beiträge zur 
thüringischen und vogtländischen Adelskunde: Der Deutsche 
Herold. 1906. S. 30 — 34. Dazu: Zusätze und Ergänzungen von 
v. Obernitz: ebenda S. 86 f. 

Münzenberger, E. F. A. Zur Kenntnis und Würdigung der mittel- 
alterlichen Altäre Deutschlands. Ein Beitrag zur Geschichte 
der vaterländischen Kunst. Begonnen von M., fortgesetzt von 



360 



Literatur. 



St. Beissel. Bd. IL Mit 100 photographischen Tafehi. Frank- 
furt a. M , Peter Kreuer. 1905. 2". (S. 159 — 165: Königreich 
Sachsen.) 
Naumann, Friedrich. Württemberg und Sachsen: Süddeutsche 

Monatshefte IV (1907), 257—263. 
Nteße. Zur ältesten Geschichte der Johanniterkommenden in Zittau 
und Hirschfelde (1373): Vesperglocken. Unterhaltungsbeilage zu 
den „Zittauer Nachrichten und Anzeiger" X (igo?!!. Nr. 87 f. 
Nhiiecek, Ottokar. Das Reich des Slavenfdrsten Samo: S.-A. aus 
dem XXIII. Jahresberichte der deutschen Landes -Oberrealschule 
in MäUrisch-Ostrau. 1906. XV SS. 8°. 
Neumann, Angelo. Erinnerungen an Richard Wagner. Mit 4 Kunst- 
blättern und 2 Faksimiles. Leipzig. L.Staackmann. 1907. II, 341 SS, 
8<*. (S. 55 — 109: Der Ring in Leipzig.) 
(Oesfeld, Max.) Eine Reise ins Erzgebirge vor 100 Jahren: L'nsere 

Heimat VI (1906 '07), 112— 114. 
Fachali, Johanna. Moritz von Sachsen. Eine Charakterstudie. 
(Schriften für das deutsche Volk, herausgegeben vom Verein für 
Reformationsgeschichte. Nr. 45.) Halle a S., R.Haupt in Komm. 
1907. 28 SS. "80. 
Fache, Alfred. Geschichte des sächsischen Landtagswahlrechts von 
1831— 1907 und Beurteilung des Entwurfs der Regierung von 1903 
in der Zweiten Kammer am 3. Februar 1904, sowie der Entwurf 
der Regierung zur Reform des Wahlgesetzes vom 7. Juli 1907 
und dessen Beurteilung durch die Presse. Auf Grund amtlicher 
Unterlagen verfafst. Dresden, v. Zahn & Jaensch. 1907. 179 SS. 
Mit Bildnissen. 8". 
Fasig, Faul. Leipzig am Vorabend des grofsen Krieges 1870—71: 

Der Leipziger II (1907), 763! Mit 1 Abb. 
Faxise. Bilder aus dem Pleifsentale : Unsere Heimat VI (1907), 

129— 131. Mit Abb. 
Fenndorf, Balduin. Das Innungswesen im Königreich Sachsen seit 
Einführung der Gewerbefreiheit. Leipzig, Theod, Thomas. 1907. 
XVL 230 SS. 80. 
Ff au, Karl Fr. Anton Philipp Reclam, Buchhändler: Allgemeine 

Deutsche Biographie LIII (1907), 246—249. 
Ffaa, W. C Einzelheiten aus dem Gebiete der Rochlitzer Geschichte. 
Lieferung 6: Grundrifs der Rochlitzer Garnisonsgeschichte. (Son- 
derabdruck aus dem Rochlitzer Tageblatt 1907, zugleich Abhand- 
lung für die Festschrift zur Rochlitzer Feier des 40 jährigen 
Bestehens des 2. Kgl. Sachs. Ulanen- Regim-ints Nr. 18.) Rochlitz, 
Karl Meltzer. 1907. 145 SS. 8". 
Fletsch, F. Aus dem Tagebuch eines sächsischen Offiziers i. J. 1808: 
Historische Monatsblätter für die Provinz Posen VII (1906), 
1 13 — 126. 
Filk, Georg. Das älteste Darlehnswesen im Meifsner Hochlande. 
Eine wirtschaftsgeschichtliche SpezialStudie: Über Berg und Thal 
XXX (1907), 158-161. 181—183. 189-191. 
„ Der Valtenberg-Turm. Eine Plauderei bei seinem 50jährigen 

Jubiläum am i.Juli 1907: ebenda 169 — 171. Mit Abb. 
Fontinus, Max. Das älteste Leipziger Kaffeehaus: Der Leipziger II 

(1907), 326 f. Mit 3 Abb. 
V. Föten, B. Franz v. Rudorff, kgl. sächs. General der Infanterie: 
Allgemeine Deutsche Biographie LIII (1907), 585 f. 



Literatur. ß6l 

Pusch. Die Entwicklung der sächsischen Rindviehzucht während 
der letzten 20 Jahre unter besonderer Berücksichtigung der staat- 
lichen Mafsnahmen: Mitteilungen der Ökonomischen Gesellschaft 
im Königreiche Sachsen. 1906/07. S. 51 — 113. 

[Rachel, Paul.] Dr. Chr. Friedrich Krause's Lehr- und Erziehungs- 
anstalt in Dresden- Neustadt (1841-1873): Dresdner Anzeiger. 
Sonntags-Beilage. 1907. Nr. 9 — 11. 

Bachfahl, Felix. Wilhelm von Oranien und der Niederländische 
Aufstand. II. Band. i. Abteilung. Halle, Max Niemeyer. 1907. 
(II), 512, 42 SS. 8". (S. 85— 128: Die Heirat Oraniens mit Anna 
von Sachsen.) 

Rademacher, 0. Die Merseburger Bischofschronik. Übersetzt und 
mit Anmerkungen versehen. II. Teil (1136 — 1341). Merseburg, 
(F. Stollberg.) 1907. 39 SS. 8». 

Raebiger, Karl. Die Wegnahme der evangelischen Kirchen im 
Fürstentum Wohlau 1680 — 1706 und die Konvention von Alt- 
Ranstädt 1707. (Flugschriften des Evangehschen Bundes. Nr. 251. 
XXI. Reihe, 11.) Leipzig, Carl Braun in Komm. 1907. 36 SS. 8*^. 

Rauten Strauch, Johannes. Luther und die Pflege der kirchlichen 
Musik in Sachsen (14. bis 19. Jahrhundert). Ein Beitrag zur Ge- 
schichte der katholischen Brüderschaften, der vor- und nach- 
reformatorischen Kurrenden, Schulchöre und Kantoreien Sachsens. 
Herausgegeben mit Unterstützung der König Johann-Stiftung und 
des evangelischen Landeskonsistoriums. Leipzig, Breitkopf & 
Härteh 1907. VIII, 472 SS. S^. 

Regensher g, Friedrich. 1866. i. Band: Von Dresden bis München- 
grätz. Gitschin. Custoza. Mit Illustrationen und Karten. Stutt- 
gart, Franckh. (1907.) XII, 78, 80, 126 SS. 8°. 

Reinige, Hanns. Die Sukzession in Familienanwartschaften nach 
neuestem sächsischen Rechte. (Leipziger Diss.) Leipzig, Druck 
von Julius Klinkhardt. 1905. 63 SS. 8^. 

Reuschel, Karl. Die Volkssagen des Königreichs Sachsen: Wissen- 
schaftliche Beilage der Lpz. Ztg. 1907. Nr. 12 f. 

Richter, Ä. Die Christuskirche in Dresden -Strehlen. Der Christus- 
kirchengemeinde dargeboten vom Kirchenvorstand durch seinen 
Vorsitzenden. Mit 43 Bildern und Grundrissen. Stuttgart, Hoff- 
mannsche Buchdruckerei. (1907.) 15 SS. Text u. 32 SS. Abb. 4<>. 

Richter, Bernhard Friedrich. Über die Schicksale der der Thomas- 
schule zu Leipzig angehörenden Kantaten Joh. Seb. Bachs: Bach- 
Jahrbuch. 1906. S. 43—73. 

Richter, Eduard Emil. E. E. R.'s Niederschrift der von ihm selbst 
erlebten Belagerung Dresdens im Jahre 181 3: Mirusblatt. Nr. 15. 
1907. S. 228 — 231. 

Rost, Bernhard. Entwicklung und Stand des höheren Mädchen- 
schulwesens im Königreiche Sachsen mit besonderer Berück- 
sichtigung der letzten Decennien. Historisch -statistisch dar- 
gestellt. Tübingen (Leipzig, Roth & Schunke). 1907. XVIII, 
430 SS. 80. 

„ Die sächsischen Lehrerinnenseminare in ihrer geschichtlichen Ent- 
wicklung und ihrem gegenwärtigen Stande. Historisch-statistisch 
dargestellt, hauptsächlich nach der verwaltungsrechtlichen Seite. 
Ebenda 1907. VII, 164 SS. 80. 

„ Die gymnasiale Ausbildung der Mädchen im Königreiche Sachsen. 
Ebenda 1907. V, 40 SS. 8». 



362 



Literatur. 



Eudhart, Peter. Dr, Martin Luther und die die Reformation fördern- 
den Churfürsten und Herzooje zu Sachsen, Landgrafen zuThüringen 
bildlich dargestellt, ihre Wahlsprüche und Lebensbeschreibung 
nach Bibelabdruck 1744. Dresden-Blasewitz, Gustav Adolf- Verlag. 
1907. 31 SS. Mit Abb. 80. 

Schäfer, Fr. Wissenschaftlicher Führer durch Dresden. Im Auf- 
trage des Rates und in Verbindung mit den Ausschufsmitgliedern 
H. Bucherer, E. Nowack, A. Neumeister, K. Werner und G. Stahl 
herausgegeben. Dresden, v. Zahn & jaensch. 1907. X, 385 SS. 
Mit Plänen und Taft". 8". 

Scheel, L. Ein Besuch Dresdens im Jahre 1744: Dresdner Anzeiger. 
Sonntags-Beilage. 1907. Nr. 23 f. 

Schilbach, Wilhelm Der „Dampf auf der Flucht vor 40 Jahren": 
Der Leipziger II (1907), 32 — 34. Mit 2 Abb. 

Schirmer, Adolf. Die Schlacht bei Lucka, ein Wendepunkt in der Ge- 
schichte der Wettiner. Eine Jubiläumsgabe, im Verein mit dem 
Verfasser dargeboten von Hermann Schroedel auf Friedrichs- 
tanneck. Leipzig, Druck von Fischer & Kürsten. 1907. 36 SS. 4". 

Schlatich, Georg. Die Familie von Bora und das Freigut zu Dohna: 
Über Berg und Thal XXX (1907), 141 — 145. 
„ Heinrich" Gödings Mühle zu Mügeln bei Pirna: ebenda 153 f. 

Schmidt, Friedrich. Geschichte der Stadt Sangerhausen. Im Auf- 
trage des Magistrats bearbeitet, i.— 2. Teil. Sangerhausen, Selbst- 
verlag des Magistrats. 1906. VII, 916; IV, 613 SS Mit 5 TaflF. 8". 
(Darin I, 407—410 und 423 — 489: Sangerhausen unter dem Hause 
Wettin.) 

Schmidt, 0. F. Aus den Jugendjahren eines Romantikers (Karl 
von Miltitz): Zeitschrift' für Bücherfreunde XI (1907), 49—59- 
Mit 7 Abb. 

Schmidt, Wilhelm. Die Kirchen- und Schul Visitation im sächsischen 
Kurkreise vom Jahre 1555. IL Heft: Die wirtschaftlichen Ver- 
hältnisse. (Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte. 
24. Jahrgang. 3. Stück. Nr. 92.) Halle a. S., R. Haupt in Komm. 
1907. m, 88 SS. 8». 

Schneider, Bernhard. Der wendische Hochzeitsbitter (Braska). Ein 
Beitrag zur sächsischen Volkskunde: Mitteilungen des Vereins 
für Sachs. Volkskunde IV (1907), 184— 191. (Fortsetzung folgt.) 

V. Schroeder, Felix. Das Budgetrecht des Königreiches Sachsen. 
Leipziger juristische Inauguraldissertation. Leipzig, Veit & Comp. 
1906. VL 108 SS. 8». 

Schröder, Ferdinand. Maria Kunigimde von Sachsen, die letzte Aeb- 
tissin von Essen: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift 
Essen XXIX (1907), 1—47- Mit 3 Taff. 
„ Eine kanonische Wahl im Zeitalter des Josephinismus [Bestellung 
der Tochter Friedrich Augusts IL Kunigunde zur Koadjutorin 
der Reichsabtei Essen 1775]: Historisches Jahrbuch XXVII (1906), 
551 — 560. 729—738. 

Schubert, (Max Edmund). Die neue Ehrlich'sche Gestiftskirche: 
Jahresbericht des Ehrlich'schcn Gestifts. 1907. S. 3 — 14- 

Schumann, Cr. Die Gründung der Taubstummenanstalt zu Leipzig 
durch Samuel Heinicke. Nach den Akten dargestellt: Blätter 
für Taulwtummenbildung XX (1907), 193 — 206. 
„ M. Saixuel Seidel, ein Zeitgenosse und Freund Gottscheds, vor- 
nehmlich in seinen Beziehungen zu Leipzig: Wissenschaftliche 
Beilage der Lpz. Ztg. 1907. Nr. 5. 



Literatur. 363 

SchiwuunijFaiih Nosseniund die Walther. Erweiterter Sonderabdruck 
aus der Sonntagsbeilage des Dresdner Anzeigers. 1907. Nr. 20. 
Dresden, Buchdruckerei der Dr. Güntzschen Stiftung. (1907.) 
12 SS. 8". 
„ Baudenkmäler in Dörfern: Dresdner Anzeiger. 1907. Nr.i68. S.3. 
„ Die Augustusbrücke zu Dresden: Daheim XLIII (1907). Nr. 43. 
S. II — 14. Mit Abb. 

Schur ig, Arthur. Friedrich August der Starke. Ein zeitgenössisches 
Charakterbild. Aus dem unveröffentlichten Originalmanuskript 
von 1722 übertragen: Dresdner Neueste Nachrichten. 1907. 
Nr. 251. S. if. (Auch in andern Tagesblättern.) 

Sfchurigj, Efugeu]. Dresden 40 Jahre Grenadier-Garnison (1867 bis 
1907I: Der Kamerad XLV (1907). Nr. 11. S. 2f. 
„ Vierzig Jahre Schützen-(Füsilier-)Regiment Nr. 108. 1867 — 1907: 

ebenda >st. 14. S. 2. 
„ Die ..Pickelhaube'' in der Sächsischen Armee: ebenda Nr. 27. 

S. lof. Mit Abb. 
,, Der Königlich Sächsische Hausorden der Rautenkrone und sein 

hundertjähriges Bestehen : ebenda Nr. 29. S. i f. Mit Abb. 
„ Napoleons erster Besuch in Dresden (17. bis 22. Juli 1807): 

ebenda Nr. 29. S. 13! 
„ Das preufsische ,, Porzellanregiment" und die sächsischen „Dra- 
gonervasen": ebenda Nr. 33. S. i7f. 
„ Sächsische Künstler im Waffenrock: ebenda. 

Nr. 34. S. 17— 19. Nr. 36. S. i8f. Nr. 37. S. 17 — 19- Nr. 38. 
S. 17. 

Schwedler, W. Die sächsische Industrie in englischer Beleuchtung: 
Sächsische Industrie III (1907), 290 — 292. 304 — 306. 

V. Seidlitz, W. Kunstmuseen. Vorschlag zur Begründung eines 
Fürstenmuseums in Dresden. Leipzig, E. A. Seemann. 1907. 
(II), 52 SS. Mit 10 Taff. 8". 

Seyffert, OsTcar. Drei untergehende Dörfer [Quosdorf, Zietsch, Otter- 
schützj: Dresdner Anzeiger. 1907. Nr. 154. S. 2f. 
„ Über sächsische Volkskunst: Unsere Heimat VI (1906 07), 108 
bis III. 

Siebrnacher, J. Grofses und allgemeines Wappenbuch in einer neuen 
vollständig geordneten und reich vermehrten Auflage mit heral- 
dischen und historisch -genealogischen Erläuterungen neu her- 
ausgegeben. Der abgestorbene Adel der Sächsischen Herzog- 
tümer, bearbeitet von G. A. v. Mülverstedt. Lieferung 519! 522. 
Nürnberg, Bauer & Raspe (Emil Küster). 1907. 68 SS. Mit 
54 Taff. 4''- 

Singer, Hans W. Dresden. I. The Ro3-al Picture Gallery. Translated 
by Matt. Sampson. (The Modern Cicerone.) Stuttgart, Union. 
(1907.) X, 157 SS. Mit 100 Abb. und 3 Plänen. 8". 

SöhneJ, Hermann. Niederlausitzer auf mittelalterlichen Universitäten: 
Niederlausitzer Mitteilungen X (1907), 83—104. 

Sommerfeldt, Gustav. Aus dem Güterleben des 16. u. 17. Jahrhunderts. 
I. Christoph Bartsch aus Kamenz bei Achatius von Borck auf 
Romten bei Osterode: Mitteilungen der literarischen Gesellschaft 
Masovia zu Lötzen XII (1907), 154 — 158. 

Stieda, Wilhelm. Ein Landesgevverbeamt für das Königreich Sachsen. 
Leipzig, A. Deichert Nachf. 1907. 32 SS. 8*^. 

Str., E. 0. Lengenfelder Skizzen. II. Zur Geschichte der Tuchmacher- 
innung: Unsere Heimat VI (1907), 138—143. Mit Abb. 

Neues Archiv f. S. G. u. A. XXVIII. 3. 4. 24 



3^4 



Literatur 



Stühel, [Bruno]. Wilhelm Puckert, Geschichtsforscher: Allgemeine 
Deutsche Biographie LIII (1907), 141 f. 
„ Deutsche Bibliothekare [darunter die Dresdner Konrad Häbler, 
Theodor Peterniann. Otto Richter, Paul Emil Richter, Franz 
Schnorr von Carolsfeld, der Leipziger Gustav Wustmann |: 
Illustrierte Zeitung CXXVIII (1907) Nr, 3325. S. 472—475. Mit 
Bildnissen. 

Stuhl fauth, G. Eine Ludwig Richter-Erinnerung: Christliches Kunst- 
blatt IL (1907), 282 — 284. 

Theohald, L. Thomas Naogeorgus, ein Tendenzdramatiker der Re- 
formationszeit: Neue Kirchliche Zeitschrift XVn(i9o6), 764 — 794. 

Tille, Armin. Leipziger Leichenpredigten. Nebst Verzeichnis der im 
Besitze des Vereins für die Geschichte Leipzigs betindlichen 
Leichenpredigten unter Anführung der darin enthaltenen genea- 
logischen Tatsachen: Mitteilungen der Zentralstelle für deutsche 
Personen- und Familiengeschichte. Heft II (1906), 65 — 127. 

Tretf'tz, J. Paul Hassel: Historische Vierteljahrsschrift X (1907), 

I27f. 

Trotschlce, Erwin. Feuer! Aus Dresdens alten Tagen: Dresdner 
Anzeiger. Sonntags-Beilage. 1907. Nr. 25. 

V. Treitsch]:e. Heinrich. Ausgewählte Schriften, i. — 2. Bd. Leipzig, 
S. Hirzel. 1907. (II), 337, 357 SS. S°. (Bd. L 293— 305 : Die Völker- 
schlacht bei Leipzig.) 

Tschaclert, F. Sj-nkretistische Streitigkeiten: Realenc3'cIopädie für 
protestantische Theologie und Kirche XIX ^ (1907), 243 — 262. 

Tuxen, A. P. Felttogene i Nordtyskland og Baahuslen i Ostersoen 
og Kattegat 17 10 — 17 12. Udarbejdet ved Generalstaben af A. P. 
Tuxen, C. L. With-Seidelin, A. L. Hansen. (Bidrag til den Store 
Nordiske Krigs Historie udgivne af Generalstaben. III.) Kobenhavn 
& Kristiania, Nordisk Forlag. 1906. XI, 511 SS. Mit 7 Karten 
und Plänen. 8". 

Uhle, Paul. Die Kaiserhoffnungen der Wettiner in Geschichte und 
Sage. Ein Erinnerungsblatt am Schlachttage von Lucka (31. Mai 
1307): Dresdner Anzeiger. 1907. Nr. 149. S. 5! 

Vollcmann, Hans. S3'lvius Leopold Weifs, der letzte grofse Lautenist. 
Biographische Skizze: Die Musik. VI. Jahrgang (1907). XXIII, 
273—289. 

Walthcr, J. Der Fürstenzug am Königlichen Schlosse zu Dresden: 
Dresdner Anzeiger. 1907. Nr. 224. S. 2f. 

Walther, W. Der sächsische Fürstenzug. Leipzig, F. E. Wachsmuth. 
(1907.) 7 Bll. je 48,5 ' 146 cm. 

TFap^/j/fr. Vom bergmännischen Bildschnitzer Ernst Kaltofen in 
Dresden. Freiberg, Gerlach. 1907. 36 SS. S*^*. 

Weber. Der Leipziger Bank-Prozefs: Der Pitaval der Gegenwart 
II (1907), 89-171. 

[Weber, Paul.] Die Schlacht bei Jena 1806. Katalog der Hundert- 
jahr-Ausstellung im städtischen Museum zu Jena. Nachtrag 
Nr. 483 — 600 und Berichtigungen zum i. Teile. Jena, Frommann. 
1906. 16 SS. 8». 

[Weinhold, E.J 75 Jahre Leben und Wirken. Gedenkworte zum 
75 jährigen Bestehen des Pädagogischen Vereins (e.V.) zu Chemnitz. 
Chemnitz, Druck von Richard Müller. 1906. 66 SS. Mit 3 Bild- 
nissen. 8°. 
Weller, R. Markneukirchen: Heimatsklänge III (1907), 8 — 18. Mit 
Abb. 



Literatur. 



365 



Werner, Arno. Musik und Musiker in der Landesschule Pforta: 
Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft Vlll (1906/07), 
535—550. 

Widemann, Ernst. Aus der Vorzeit. Nachrichten über die Familie 
Näcke: Nachrichten über die Kirchgemeinde Höckendorf mit 
ßorlas und Obercunnersdorf vom Jahre 1906. S. 9—13. 

Wk^hel. War eme lederne Brücke Hockstein -Hohnstein möglich?: 
Über Berg und Thal XXX (1907), 154. 

Wiedemann, Heinrich. Die Wahl der Prinzessin Maria Kunigunde 
von Sachsen zur Koadjutorin des Stiftes Essen: Beiträge zur 
Geschichte von Stadt und Stift Essen XXIX (1907), 48—73. 

Woerinann, Karl. Die Raurafrage in der Dresdner Gemälde- 
galerie. Ein Rückblick und Ausblick: Museumskunde III (1907), 
140 — 157. 

TFo/f, B. Skizzen von der ehemahgen kursächsischen Armee (Schlufsj: 
Archiv für Kulturgeschichte V (1907), 187—215. 

Wolf, G. Aufgaben und Grundsätze der deutschen Territorialpolitik 
in der Reformationszeit: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins 
der deutschen Geschichts- und Altertums -Vereine LV (1907), 
235—241. 

de Wolf Addison, Julia. The Art of the Dresden Gallery. A Critical 
Survey of the Schools and Painteis as represented in the Roj-al 
CoUection. London, George Bell and Sons. 1907. X, 4s 5 SS. 
Mit Taff. 8^. 

V, Wolf, Karl. Der russische Feldzug 1812. IL Folge: In russischer 
Gefangenschaft. Nach dem bisher unveröffentlichlen Tagebuch des 
sächsischen Sousleutnants K. v. W.: Unsere Heimat VI (1906/07), 
117 — 119. 154—160. 182 — 188. 205—215. 

Wolf, Bichard. Aus der Geschichte der Stadt Marienberg: Wissen- 
schaftliche Beilage der Lpz. Ztg. 1907. Nr. 22. 

Wolff, P. Romanus Teller, Leipziger Theolog: Realenc^-clopädie 
für protestantische Theologie und Kirche XIX ■' (1907), 475. 

Wotschke, Th. Die Verwandten des chursächsischen Kanzlei s Brück 
in Posen: Historische Monatsblätter für die Provinz Posen VII 
(1906), 49—52. 

Wünschmann, Max. Annaberger auf dem grofsen Fürstlichen Ge- 
meinschiefsen zu Freiberg in der Trinitatiswoche 1572: Der 
Sehma-Bote. 1907. Nr. 1802. 

„ Rede zur Feier des 400jährigen Bestehens der priv. Freischützen- 
Kompagnie zu Annaberg: ebenda Nr. 1803 f. 

Wustmann, Gustac. Aus der Geschichte des Leipziger Tage- 
blattes: Leipziger Tageblatt. Jubiläumsausgabe vom i.JuH 1907. 
S. 2 — 6. 

„ Die Schongauer in Leipzig: Kunstchronik N. F. XVIII (1907I 
Nr. 21. 

„ Zur Entstehungsgeschichte der Schumannschen Zeitschritt für 
Musik: Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschait VIII (1907), 
396—403. 

„ Lepra oder Sj^philis [Untersuchung auf Lepra in Leipzig 1492]: 
Archiv für Geschichte der Medizin I (1907), 7of. 
Z. Die Gartenstadt an der Mandau [Zittau]: Sachsenpost I (1907) 
Nr. 24. S. 5—8. Mit 7 Abb. 

„ Oberwartha: ebenda Nr. 28. S. 5 — 8. Mit 6 Abb. 
Z., A. Die Stadt am Pöhlberge: ebenda Nr. 33. S. <; — 8. Nr, 34, 
S. 5-7. Mit 17 Abb. ii i i^ 



24* 



5 66 Literatur. 

Zinck, P. Rockenlieder, gesammelt in Schellerhau bei Altenberg im 
Erzgebirge: ^litteilungen des Vereins für sächs. Volkskunde IV 

^ (1907), 191 — 202 (Fortsetzung folgt). 

ZTinkocic, Jlartin. Wann wurde Mitteleuropa von den Slaven be- 
siedelt? Beitrag zur Klärung eines Geschichts- und Gelehrten- 
Irrtums. 2., wesentlich vermehrte Ausgabe. Kremsier undTeschen, 
S. Stuks. 1906. 212 SS. Mit Abb. u. 2 Karten. 8^. 



1857 — 1907. Denkschrift zur Erinnerung an das 5ojähr. Bestehen 
der Sparkasse der Stadt Annaberg i. Erzgeb. am i. Mai 1907. 
Annaberg, C. O. Schreiber. (1907.) 19 SS. 4". 

Annaberger Wochenblatt. Tageblatt, Amtsblatt für die könig- 
liche Amtshauptmannschaft Annaberg und die königlichen und 
städtischen Behörden zu Annaberg und Jöhstadt. 1807. 1907. 
(Jubiläums -Nummer.) Annaberg, C. O. Schreiber. 12. Sept. 1907. 

. 40 SS. Mit Abb. Gr.-2 0. 

Inhalt u. a.: 100 Jahre. — Ein Jahrhundert in unsern vier Wänden. 
— Annaberg in den letzten hundert Jahren. — Paul Thomas, 
Das obererzgebirgische Dorfwirtshaus. — Aus der Geschichte 
der Königl. Amtshauptmannschaft Annaberg. — Aus der Ge- 
schichte des Königlichen Lehrerseminars zu Annaberg. — Dost, 
Vom Musikleben Annabergs vor 100 Jahren. — Wild, Die Ent- 
wickelung der Posamenten -Industrie in Annaberg und Um- 
gebung. — Max Grube, Der Annaberger Pfennigmeister. — 
H. Lungwitz, Erzgebirgisches Zmngeschirr und der Zinn- 
sammler. 

Zum Gedächtnis unsers am 2. Januar 1907 in Herrnhut entschlafenen 
Bruders Charles Buchner, Doktor der Theologie, Bischof der 
Brüderkirche. Herrnhut, Missionsbuchhandlung. 1907. 24 SS. 
Mit Bildnis. 8». 

Das fünf hundertjährige Jubiläum der Stadt Ehrenfriedersdorf: 
Amts- und Wochenblatt für die Königl. Amtshauptmannschaft zu 
Annaberg. 1907. Nr. 86. S. if. 

Sächsische Fahnengedenktage; Der Kamerad XLV (1907). Nr. 28. 
S. 9f. 

Burg Frauenstein im Erzgebirge: ebenda Nr. 25. S. 17 — 20. 
Mit Abb. 

Kirchliche Notizen aus dem Lehnbuche Markgraf Friedrich des 
Strengen von Meifsen (1349 50): Sächsisches Kirchen- und Schul- 
blatt. 1907. Sp 599 — 601. (Schlufs folgt.) 

Chronik von Froh bürg und Umgegend. 1906. Frohburg, B. Geifsler. 
(1907.) 16 SS. 80. 

Ein Gespensterspuk in der Superintendentur zu Glauchau im 
Jahre 1675: Sachsenpost I (1907). Nr. 20. S. 1—3. Nr. 21. S. iif. 
"Nr. 22. S. 6—9. 

Gold- und Erzsucher in Sachsen: ebenda Nr. 22. S. 1 — 3. Nr. 23. 
S. 1-3 

Zur Geschichte des Heimatschutzes in Sachsen 1893 bis 1907: 
Dresdner Anzeiger. 1907. Nr. 242. S. 2 f. 

Hill iger aus Freiberg in Sachsen: Genealogisches Handbuch Bürger- 
licher Familien XIII (1907), 233 — 271. Mit Wappen. 

Eine geheimnisvolle Frau [Gräfin Kielmannsegg]: Sachsenpost I 
11907). Nr. 26. S. I — 3. 



Literatur. 



;67 



Neue Sächsische Kirchengalerie. Unter Mitwirkung der säch- 
sischen Geisthchen herdusgegeben. Die Ephorie Marienberg, 
Lieferung 15 — 34 Sp. 337-'824. Leipzig, Arwed Strauch, (igof.) 
Mit Abb. und Taff. 40. 

Oberst Hugo Klemm 1823 — 1905: Klemms Archiv. 1907. Nr. 20. 
S. 324—328. Mit Bildnis. 

Zum 200jährigen Jubiläum der Firma Klepperbein [in Dresden]: 
Dresdner Anzeiger. 1907. Nr. 94. S. 6. 

Von Königgrätz bis an die Donau. Darstellung der Operationen 
des österreichisch-preufsischen Feldzuges 1866 nach der Schlacht 
bei Königgrätz. Der Rückzug der Nordarmee vom Schlachtfeld 
des 3. Juli. Mit Benützung der Feldakten des k. und k. Kriegs- 
archivs bearbeitet von einem Generalstabsoffizier. Mit einer 
Generalkalte 1:200000 des Operationsraumes, 6 Beilagen und 
_ einer Textskizze. Wien, L.W. Seidel & Sohn. 1907. VI, 188 SS. S°. 

Ein Jahrhundert eigener Kupfermünzprägung in Sachsen 1772 
bis 1873: Sachsenpost I (1907). Nr. 17. S. 9— 11. 

Festschrift der Rettungsgesellschaft „Samariterverein zu Leipzig" 
zur Erinnerung an das 25jährige Bestehen herausgegeben vom 
Vorstand. Leipzig, Druck von Friedrich Gröber. 1907. 218 SS. 
Mit Abb. 80. 

Leipzigs kirchliche Zugehörigkeit und Kirchenwesen in früheren 
Jahrhunderten, namentlich im Zeitalter der Keformation: Der 
Hausvater XVI (1907), 253 — 257. 283 f. 

Das unterirdische Leipzig: Der Leipziger II (1907), 737^ Mit 6 Abb. 

Leipziger Studentenpoesie vor 200 Jahren: ebenda 792f. 

Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Jubiläums- Ausgabe. 
1807— 1907. Leipzig, E. Poltz. 1907, 8 SS. Gr.-2*'. 

Luther und die Vorverhandlungen der Leipziger Disputation (1519) 
nach archivalischen Akten und Briefen jerier Zeit: Sächsisches 
Kirchen- und Schulblatt. 1907. Sp. 486 — 488. 5oif. 518 — 520. 
(Fortsetzung folgt.) 

Zur Erinnerung an das fünfzigjährige Bestehen des Königl. Sachs. 
Militärvereins I zu Dresden. 1857— 1907. Dresden, Otto Reichel, 
(1907.) 37 SS. Mit Abb. 8» 

Mirusblatt. Nr. 15 f. Leisnig, Druck von Herrm. Ulrich (Wölbung & 
Feiste). 1907. S. 225—256. 8^. 

Aus Mittweidas Chronik: SachsenpostI(i907j. Nr.26. S.8. Mit3Abb. 

Ein 20ojähriges Behördenjubiläum in Sachsen (Kgl. Oberrech- 
nungskammer): Dresdner Anzeiger. 1907. Nr. 142. S. 7. 

Kunstschätze in einem sächsischen Klostergute (Oberwartha): 
Unsere Heimat VI (1906/07), 195 f. 

Die ehemaligen Königl. Hannoverschen Offiziere in der Sächsischen 
Armee. Eine 40 Jahr- Erinnerung: Der Kamerad XLV (1907). 
Nr. 15. S. 10 f. 

Bilder aus dem Plauenschen Grunde bei Dresden: Sachsenpost 
I (1907). Nr. 26. S. 5—7. Mit 3 Abb. 

Raubschlösser in der Sächsischen Schweiz: ebenda Nr. 32. S. 8f. 

Louis Riedel: ebenda Nr. 30. S. 1—4. Mit 2 Abb. 

Gedenkfeiern an Sachsengräbern im Jahre 1906: Der Kamerad 
XLV (1907) Nr. 14. S. 9-12. Mit Abb. 

Sebnitz: Sachsenpost I (1907) Nr. 32. S. 5— 7. Mit 10 Abb. 

Der Stammbuchbote. Nachrichtenblatt der Stammbuchführer des 
Vereins ehemaliger Füratenschüler. Nr. 33 — 39. März 1906 bis 
September 1907. 



368 Literatur. 

Nachschlagebuch für die Veröfifentlichungen des Königlich Säch- 
sischen Statistischen Landesamtcs (bis 1905 „Statistisches 
Bureau im Königlichen Ministerium des Innern") und des früheren 
„Statistischen Vereins für das Königreich Sachsen" in den Jahren 
1831 bis Mitte 1907. Herausgegeben vom Könighch Sächsischen 
Statistischen Landesamt Dresden, C. Heinrich in Komm. 1907. 
121 SS. 8°. 

Sächsische Steinbrüche. Die Porphyrbrüche auf dem Rochlitzer 
Berge: Sächsische Industrie III (1907), 261! 

Sächsische Talisman- oder Glückspfennige: Sachsenpost I (1907). 
Nr. 24. S. 8 -lo. 

Wapler'sches Familienblatt. 1907. Nr. 32. S. 497 — 512. 

Zur Neuordnung des sächs Wasserrechts: Zeitschrift für die ge- 
samte Wasserwirtschaft II (1907), 33 — 37. 

Zum Gedächtnis Pastor Rudolf Weidauers: Bausteine XXXVIII 
(1906), 66—84. 

Wentzel aus Grofsschönau in Sachsen: Genealogisches Handbuch 
Bürgerlicher Familien XIII (1907), 491—494. Mit Wappen. 



Alt- Kirchberg. Mitteilungen des Altertumsvereins Kirchberg. Nr. i — 4. 
(1906.) 

Inhalt u.a.: Göbel, Die Abnahme der Kirchrechnungen vor 
mehr denn 2ooJahren. — S[cheibe], Das Jahr 1907 als Kirch- 
berger Jubiläumsjahr. — Die neueren Veröffentlichungen zur Orts- 
und Parochialgeschichte Kirchbergs und seiner Umgebung. 

Blätter für die Geschichte der Sächsischen Armee. 1907. Nr. 3—9. 
Inhalt: C. v. Metz seh, Hans Adam von Schöning. — Friedrich 
August, Graf von Rotowsky. — Alte Kapitulationen und Militär- 
Abschiede. — Das 2. Bataillon des Infanterie-Regiments „Prinz 
Maximilian" in den Gefechten bei Weichselmünde im Mai 1807. 
— e.V. Metzsch, Die Königlich Sächsischen Truppen im Feld- 
zuge 1807 gegen Preulsen u