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Full text of "Neues Jahrbuch"

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JAHRBUCH 



DER 



K. K. HERALDISCHEN GESELLSCHAFT 



„ADLER". 



NEUE FOLGE # FÜNFTER und SECHSTER BAND. 



MIT XXXII TAFELN UND XXIII TEXTILLUSTRATIONEN. 




WIEN, 1895. 

SELBSTVERLAG DER K. K. HERALDISCHEN GESELLSCHAFT »ADLER/. 



DRUCK VON CARL GEROLD'S SOHN. 






STANFORD UNIVERSITY 
LIBItAPIFS 



FEBi8...«l 



Zxilialt- 



S€itO 

Dr. Moriz Wertner, Der letzte Ärpädenkönig. (Mit 3 Textillustrationen.) 1 

Ober den Drachen- Orden. (Aus der Manuscriptensammlung des k. u. k. Haus-, Hof- und 

Staatsarchives zu Wien.) 65 

Dr. Moriz Wertner, Ungarns Hofwürdeutrager bis 1301 83 

Hermann v. Schullern zu Schrattenhofe n. Ober einige Familien des tirollsohen Be- 
amtenadels. (Mit 2 Stammtafeln und 5 Textillustrationen.) 113 

A. P. Bitter v. Schlechta-Wssehrd, Die Stellung des niederen Adels in Böhmen gegen- 
über dem Bürgerstande während des 14., 16. und 16. Jahrhundertes 146 

Dr. Job. Bapt. Witt in g, Beiträge zur Genealogie des krainischen Adels. (Forts.). . . 162 

Hugo Gerard Ströhl, Die Wappen der Äbte der Prämonstratenserstifte Geras und Pemegg. 

(Mit 8 Tafeln und 12 Textillustrationen.) 265 

Dr. Robert Stiassny, Wappenzeichnungen Hans Baidung -Griens in Coburg. (Mit 16 Tafeln 

und einer Textillustration.) 331 

Alfred Ritter Anthony von Siegenfeld, Die Wappenbriefe und Standeserhöhungen des 

Römischen Königs Ruprecht von der Pfalz 395 

Karl y. Inama- Sternegg, Der «Fiegerische Stammenbaum'' 431 

Alfred Ritter Anthony von Siegenfeld, Innerösterreichische Rosensiegel. (Mit 4 Tafeln 

und 1 Textillustration.) 461 

Johannes E. V. Kirchberger, Die Wappen der religiösen Orden. (Mit 4 Tafeln und einer 

Textillustration.) 486 



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Seile l[al!L iil IM listoUe Hwtat 

haben mit Allerhöchster Entschließung vom 17. October 1893 den 

XXIV. Jahrgang der Gesellschafts -Publicationen der Allerhöchsten 

Annahme zu würdigen und zugleich einen namhaften Geldbeitrag 

der Gesellschaft allergnädigst zuzuwenden geruht. 

Ebenso haben die kaiserlichen und königlichen Hoheiten: 
der durchlauchtigste Herr 

Erzherzog Ludwig Victor, 

Protector der Gesellschaft, 

der durchlauchtigste Herr 

Erzherzog Albreeht, 

der hochwürdigst -durchlauchtigste Herr 

Erzherzog Eugen (Stifter), 

der hochwUrdigst - durchlauchtigste Herr 

Erzherzog Wilhelm (Stifter), 

die durchlauchtigste Frau 

Kronprinzessin -Witwe Erzherzogin Stephanie 

sich gnädigst bestimmt gefunden, denselben Jahrgang entgegenzunehmen 
und durch besondere Beiträge die Zwecke der Gesellschaft zu fördern. 

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Der letzte Arpadenkonig. 

Von 



1. 

König Andreas IL hatte als 6Qjähriger Mann, nach dem Tode seiner zweiten 
Gattin, sich in der Person der etwa 23jährigen schönen Beatrix von Este, einer vater- 
und mutterlosen Waise, Nichte des Markgrafen Azzo, eine dritte Gemahlin ins Haus 
gebracht. — Diese eheliche Allianz war aber flir beide Theile von bösen Folgen 
begleitet. 

Die Söhne Andreas', namentlich aber des jungen Mitkönigs B61a Gattin, die 
griechische Marie, sahen in der jungen Königin einen ungerufenen Eindringling und 
schürten die Flammen der Familienuneinigkeiten am Hofe mehr als je; flir Beatrix 
selbst wurde aber diese Ehe das Grab ihres Glückes. 

Azzo, ihr herzloser und alles nur nach kaltblütiger Berechnung des eigenen 
Vortheiles betrachtender Oheim, ließ sich von der unerfahrenen Waise, bevor sie ihre 
Heimat verließ, ihr gesammtes väterliches Erbe abtreten, worin diese, vertrauend 
auf die lange Dauer ihrer Ehe und auf die unter allen Umständen gesicherte Existenz 
einer Königin von Ungarn, einwilligte. 

Das eheliche Glück der Waise dauerte nicht lange. Nach kaum anderthalb- 
jähriger Herrli(»hkeit wurde Beatrix Witwe , und von dem Tage an , als Andreas' H. 
Augen sich för immer schlössen, begann die Leidenszeit der Fürstentochter. — Mit 
Müh' und Noth, mit Aufwand von List und Erfindungsgabe war es ihr gelungen, 
der ihr durch den neuen König Bela IV. drohenden Gefahr zu entgehen, indem sie 
in Männerkleidern, dem Gefolge der kaiserlichen Gesandtschaft sich anschließend, 
aus Ungarn entkam. In dem thüringischen Städtchen Werda gebar sie während 
ihrer Flucht (1236) den Prinzen Stephan, das einzige Denkmal ihrer entschwundenen 
Herrlichkeit. 

Als sie mit dem Knaben in einem Korbe zu Pferde wieder ihre italienische 
Heimat erreichte, erwarteten sie die furchtbarsten Täuschungen. Der herzlose Oheim 
pochte auf sein verbrieftes Recht, das ihm den unumschränkten Besitz ihres väter- 
lichen Erbes zusicherte, und wollte von einer Versorgung der Verlassenen nichts 
wissen; von ungarischer Seite wollte mau hinwieder den unwillkommenen Sprossen 
Andreas' nicht einmal als legitimes Kind betrachten, und that alles mögUche, um 

1 



— 2 — 

seine Existenz dem In- und Auslande gegenüber unmöglich zu machen; unter solchen 
Umständen blieb der jungen Witwe nichts übrig, als sich an den Papst zu wenden, 
der denn auch för sie und ihr Kind eine Bente auswarf. Alle Versuche Beatrix*, 
auf directem oder indirecteni Wege ihrem Sohne die Anerkennung seiner Rechte 
beim ungarischen Hofe zu erwirken, blieben resultatlos, und selbst jene Schritte, die 
die meisten Aussichten auf Erfolg hatten, nämlich ihre Verhandlungen mit Venedig, 
wurden durch den Frieden Belas IV. mit Venedig lahmgelegt. Beatrix starb im 
zehnten Jahre ihrer Witwenschaft, ohne dem heißen Begehren ihres Herzens, dem 
verstoßenen Königssohne zu seinem Rechte zu verhelfen, auch nur um einen Schritt 
näher gekommen zu sein.*) 

Die Geschichte des Prinzen Stephan Posthumus ist bis heute noch viel zu wenig 
urkundlich beleuchtet, als dass wir an dieser Stelle ein pragmatisches Resume seines 
Lebens bieten könnten; nach den heute verfQgbaren chronistischen Quellen können 
wir aber mit Bestimmtheit angeben, dass er erst nach seiner zweiten Vermählung 
mit der Venetianerin Thomasina Morosini und mit seiner dauernden Nieder- 
lassung in Venedig sich so ganz nu'ht in die Rolle des ungarischen Prinz-Präten- 
denten hineingelebt. 

Die Morosini waren eine uralte Dogenfamilie, die ihre vornehme Abstammung 
auch mit dem Besitze großer Reichthümer bemerkbar machen konnten. Albert Moro- 
sini, Thomasinas Bruder, war ein von der Bedeutung sniner Familie ganz und gar 
durchdrungener Mann, der mit seltener Tüchtigkeit und hoher, weitgehender Auf- 
fassung in der Vermählung seiner Schwester mit dem ungarischen Königssohne das 
Mittel sah, durch Geltendmachung der Rechte Stephans den Glanz und das Ansehen 
der Familie Morosini in hohem Grade zu fördern. Seiner und der geistig hoch- 
begabten Thomasina Thatkraft war es zuzuschreiben, dass Stephan nach seiner Ver- 
m^lung in Venedig*) jeden Anlass ergriff, um seiner Angehörigkeit zum ungarischen 
Königshause und der Realisierung der damit verbundenen Rechte — wenn auch nur 
formell — Ausdruck zu verleihen. 

An eine Geltendmachung etwaiger Ansprüche auf den Thron Ungarns selbst 
konnte Stephan allerdings nicht denken. Bela IV. hatte bei seinem 1270 erfolgten 
Tode wohl nur den einzigen Sohn und Nachfolger Stephan V. hinterlassen, da sein 
zweiter Sohn, Herzog Bela von Slavonien, noch 1269 ohne Hinterlassung eines Erben 
gestorben. Stefan V. hatte aber 1270/71 bereits zwei Söhne (Ladislaus und Andreas) 
und von seiner Gattin, der schönen Kumanin Elisabeth, stand zu erwarten , dass sie die 
directe Linie der Arpaden für unabsehbare Zeiten vor dem Aussterben schützen werde. 
Deshalb begnügte sich Stephan damit, dass er sich als den Erben seines im Jahre 
1241 verstorbenen Bruders Koloman betrachtend, den Titel eines Herzogs von Sla- 

*) Vgl. alles Nähere über diese unglückliche — die ebenfalls aus vornehmer Familie stam- 

Königin in meinem „Az Ärp4dok csalÄdi mende Elisabeth Traversari aus Ravenna ge- 

tört^nete**. { ehelicht, die ihm einen Sohn Stephan geboren, 

der aber in sehr zartem Alter gestorben. — 

*) Nochmals sei bemerkt, dass dies bereits Stephans Vermahlung mit Thomasina dürfte 

Stephans zweite Vermählung war. Vordem hatte Anfangs der sechziger Jahre des 1.3. Jabrhun- 

er — den Zeitpunkt können wir nicht bestimmen dert-es erfolgt sein. 



— 3 — 

vonien, welcher einem alten Hausgebrauehe der Arpaden gemäß stets dem zweiten 
Sohne des Königs zufiel, beilegte. 

Einmal schien es, als ob seine Ansprüche selbst über den Eahmen Slavoniens 
hinaus befriedigt werden sollten; es war dies zur Zeit des zwischen Stefan V. und 
Ottokar 11. von Böhmen 1271 ausgebrochenen Krieges. Denn, obzwar es aus ein- 
heimischen Quellen durchaus nicht nachweisbar ist, dass Ottokar den Prätendenten 
durch die nach Böhmen gekommenen ungarischen Gegner Stephans V.*) zum Könige 
Ungarns proclamieren Heß, wie die italienischen Autoren behaupten,*) ist es unwider- 
leglich, dass der Böhmenkönig während dieses Krieges irgendwie mit dem Prinzen 
Stephan in Connex gestanden, da er sich sonst in dem Pressburger Friedensschlüsse 
nicht hätte verpflichten müssen, von dem Bündnisse mit Stephan abzustehen.*) 

Es war die letzte Enttäuschung im Leben des Prätendenten; noch bevor der 
Friede von beiden Parteien ratificiert wurde, machte er am 10. April 1271 in 
Venedig sein Testament,*) dessen Hauptzüge sich im folgenden concentrieren : 

1. Seinen minderjährigen Sohn Andreas setzt er zum Universalerben ein, 
indem er ihm seine Ansprüche auf das Herzogthum Slavonien und auf die Mark- 
grafschaft Este^) hinterlässt; för die Zeit von Andreas' Minderjährigkeit ernennt er 
zu dessen Vormündern seine Gattin Thomasina, seine Schwäger Albert Morosini und 
Marino Gradenigo; sollte Andreas minderjährig sterben, übergehen seine Eechte auf 
Albert Morosini, falls aber beide keine männlichen Erben hinterlassen, übergehen ihre 
Rechte auf den päpstlichen Stuhl. 

2. Seinen beiden (leider in der Urkunde ungenannten) natürlichen Söhnen 
hinterlässt er aus den Einkünften Slavoniens je 1000, aus jenen Estes je 100 Silber- 
mark Beute, die ihnen von jenem Momente auszuzahlen sind, als seine Erben in den 
Besitz Slavoniens oder Estes gelangen. Unter derselben Voraussetzung erhalten 
Thomasina, seine Schwäger, der Papst und die Cardinäle Legate zugesichert. 



Li welchem Jahre Stephans und Thomasinas Sohn Andreas geboren worden, 
können wir nicht bestimmen; da ihn sein Vater 1271 einen minderjährigen Knaben 
nennt, irren wir kaum, wenn wir seine Geburt auf ca. 1263 setzen. 

Aus der Geschichte dieses Prinzen während der ersten Zeit nach dem Tode 
seines Vaters stehen uns keine Daten zur Verfügung; mit Bestimmtheit wissen wir 
aber aus seinen in späteren Jahren gemachten urkundlichen Äußerungen, dass sein 
Oheim Albert Morosini, der in Andreas mehr als jeder andere den Erben Stephans, 
also den Arpadenprinzen sah, die regste Thätigkeit in der Leitung seiner Erziehung 
und der Geltendmachung seiner Geburtsrechte entfaltete. 



') Die Söhne des Bans Heinrich von Qüs- 
sing; die Söhne des Oberrichters Paul: Nikolaus 
und Stephan; dann Peters Sohn Lorenz. 

*) Alles Nähere hierfiber in meinem „Az 
Ärpädok csalidi tört^nete". 



*) Fejör, Codex diplomaticus V, 1, 122. 
•) Hazai okminytir VIII. 431. 
') Auf letzteres machte Stephan nach seiner 
Mutter Beatrix Ansprüche. 



1* 



4 — 



Was Beatrix und Stephan nicht erlebt, was Albert und Thomasina als das heißeste 
Ziel ihres Lebens jahrelang verfolgt: die Verwirklichung der Eechte dieses verstoßenen 
Zweiges der Arpaden, trat nun endlich im Jahre 1278 ein. 

Die Verhältnisse hatten sich seit Stephans V. Tode in Ungarn, respective in dessen 
Königshause gewaltig geändert. Stefan V. war kaum em Jahr nach dem mit Ottokar 
in Pressburg geschlossenen Frieden in der Blüte des Mannesalters gestorben. Von 
seinen beiden Söhnen war ihm der 1262 geborene lÄdislaus als IV. seines Namens 
auf dem Throne gefolgt, während der jüngere, 1268 geborene Andreas das den 
zweitgeborenen Königssöhnen zufallende Herzogthum Slavonien erhielt. Ladislaus, der 
schon vor seiner Thronbesteigung mit Isabella, der Tochter des Königs Karl I. von 
Neapel aus der Linie Anjou der französischen Capetinger verlobt war, hatte 1278 
— allerdings war er damals erst 16 Jahre alt — noch keinen Thronerben erhalten 
und sein Bruder, Prinz Andreas, war anfangs dieses Jahres gestorben], so dass — 
von dem venetianischen Andreas abgesehen — die legitime Linie der Arpaden 1278 
bloß auf dem König Ladislaus beruhte. Ladislaus' Herrschaft in Ungarn war aber 
um diese Zeit nichts weniger als eine ruhige. Ende 1277 gelang es nur mit Auf- 
gebot der WafiFen , den Aufstand des Zipser Obergespans Eoland zu stillen , und 
kaum war dies gelungen, erhob Gergö, ein Sohn des gewesenen Reichsrichters Paul, 
die Fahne des Aufruhrs. 

Inmitten dieser inneren Wirren benutzten die mit Ladislaus unzufriedenen 
kroatischen Magnaten unter Anftihrung der Brüder Radoslav und Stephan von Vodica 
(Älinherren der Blagaj) wahrscheinlich den Tod des Herzogs Andreas, um mit Hilfe 
eines steirischen Corps die jenseits der Drau gelegenen Komitate mit Feuer und 
Schwert heimzusuchen. Der König schickte zur Dämpfung des kroatischen Auf- 
standes den Ban Joachim dg. Gutkeled und Peter dg. Tet (den nachmaligen Ban) ab, 
denen es auch gelang, die Rebellen niederzuschlagen.*) Ob es nun Ladislaus' eigene 
Eingabe war, zur Sicherung der Herrschaft in Kroatien den einzigen noch lebenden 
Arpaden mit der Herzogswtirde von Dalmatien, Kroatien und Slavonien zu bekleiden, 
ob er dies auf Pression einiger seiner gegnerischen Magnaten gethan, oder ob gar 
der ganze Aufstand der Kroaten von Venedig aus durch die starke Hand Albert 
Morosinis zu Gunsten seines Neflfen geschürt worden? wer könnte dies entscheiden! 
Unwiderlegliche Thatsache ist, dass sich während Andreas' Knabenjahren manche 
ungarische Parteigänger schon in Venedig um seine Person verdient gemacht, wie 
er dies z. B. 1291 als König unter andern von dem Comes Gyarman selbst eraählt*) 
und dass Andreas bereits am 27. Mai 1278 als Dux totius Sclavoniae, Dalmatiae 
et Croatiae mittels in Kehida (im Zalaer Comitate) ausgestellter Urkunde die der 
Veszpremer Diöcese unterstehenden Einwohner mit gewissen Immunitaeten beschenkt;**) 
denn dass der in dieser Urkunde genannte Herzog Andreas nicht mit dem Bruder 



8) Fejör V, 2, 447. Wenzel IV, 177, IX, 
293, XU, 386. 

») Urkunde ddo. 1291 — Wenzel V, 24 und 
Hasai okminyt&r VIII, 304 — wo es heißt, 
dass Comes Gyarman zur Zeit als sich Andreas 
noch außerhalb Ungarns befunden, sich über 



Auftrag der Stände Ungarns zu ihm 
begeben. 

Einer der Ersten, die sich ihm beim Betreten 
ungarischen Bodens angeschlossen, war Oguz 
dg. Buzid, Ahn der Szabari (Wenzel XU, 625). 

") Pejör V, 2, 471. 



5 — 



Ladislaus' IV. identisch ist, beweist unwiderleglich die Urkunde Andreas' HL vom 
28. Juli 1294,**), wo er obige Urkunde ausdrücklich „Privilegium ipsius ducatus 
nostri" nennt. Unwiderleglich ist femer, dass am 12. Juni 1278 der Obergespan von 
Zala, als Obertavernicus des Herzogs Andreas von Slavonien, im Sinne des der Vesz- 
premer Diöcese verliehenen Privilegiums vom 27. Mai d. J. Verfügungen trifft.**) 
Von geradezu entscheidender Bedeutung ist aber auch der Umstand, dass Papst 
Nikolaus III., der doch über die Verhältnisse der ungarischen Königsfamilie sehr gut 
informiert war, am 22. September 1278 seinen nach Ungarn designierten Legaten, 
den Fermoer Bischof Philipp, in einem speciellen Schreiben dem Herzog von Sla- 
vonien empfiehlt, wo er doch positiv wissen musste, dass lÄdislaus* Bruder nicht mehr 
unter den Lebenden weile.**) 

Namhafte Autoren behaupten nun, dass Andreas nur ganz kurze Zeit während 
des Jahres 1278 das Herzogthum Slavonien besessen, und einer derselben**) sagt ganz 
bestimmt, dass mit der Unterdrückung des kroatischen Aufstandes auch Andreas' 
Angelegenheit Schiffbruch geütten und er gezwungen wurde, sich nach Venedig ins 
Privatleben zuiückzuziehen. Er motiviert dies damit, dass ausser der Urkunde voni 
27. Mai 1278 kein anderes Document aus Andreas' slavonischer Herzogszeit erhalten 
ist, und dass nac-h dem gleichzeitigen Wiener Fortsetzer der österreichischen Annalen **) 
Andreas 1290 zum zweitenmale nach Ungarn gekommen, nachdem er früher „ab 
Ungaris repulsus et fugatus" war. 

Dass der erstere Einwand ganz und gar unstichhältig ist, bedarf keines 
Beweises, *•) dass aber selbst das Zugestehen der Bichtigkeit der Angabe des öster- 
reichischen Chronisten noch kein Beweis dafOr ist, dass Andreas 1278 nur ganz 
kurze Zeit das Herzogthum Slavonien besessen, beweisen nachfolgende urkundliche 
Daten. 

Da haben wir vor allem einen Protokollbeschluss der venetianischen Signoria 
vom 5. Mai 1286, woraus wir erfahren, dass Andreas, Herzog von Slavonien, vom 
Dogen Bath und Hilfe verlange, und dass man erst wissen müsse, was fiir Hilfe 
Andreas wünsche, damit man die Sache dem großen Bathe vorlege.*^) 

Da haben wir ferner den Vertrag vom 6. Juni 1286, mittels welchem sich Albert 
Morosini auf Grund der von Andreas, Herzog von Slavonien, durch den kaiserlichen 
Notar Bartholomäus am 31. Mai 1286 ausgestellten Vollmacht verpflichtet, die Ehe 
zwischen seinem Neffien Andreas, Herzog von Slavonien, und Klara, Tochter des Grafen 
Albert von Görz, zu realisieren. Mit Albert Morosini beschwört den Vertrag noch 
Marino Pasqualiquo und unter den beiden legalisierenden Notaren ist der eine Marcus 



") Pejer VI, 1, 808. 

>•) Fejör V, 2, 47«. 

") Wenwl IV, 124. 

^*) Karl Szabo in seinem „Eün L^szlö", 68. 

»») Perti, Scriptpres IX, 716. 

*•) Andreas erwähnt oft genug der Ver- 
dienste jener Männer, die seine Anh&nger inr 
Zeit seines Her zogthumes gewesen; z.B. 
Menolds Sohn Abraham (nachmaliger Vice- 
gespan von Preßbarg, Wenzel X, 186), Gyarman 



(der zur Zeit des Herzogthums Albertin Moro- 
sinis Reise nach Ungarn vermittelte, Wenzel 
V, 24), Gerhards Sohn Guechto, aus dem Ge- 
schlechte der Cypriani aus Florenz, ein Neffe 
des Zipser Obergespans Bald, Hazai okmänytär 
Vni, 408. 

*') Oväry, Begesten der Urknndensammlung 
der historischen (Immission der ungarischen 
Akademie der Wissenschaften, 42. 



^ 6 — 

Siboto, Secretär des Dogen von Venedig. **) Dass unter den Zeugen und Bürgen des 
Contractes sich weder ein ungarischer noch ein kroatischer Vertreter Andreas' be- 
findet, darf uns bei der persönlichen Abwesenheit Andreas' nicht wundern; da er 
Albert Morosini mit weitgehendster Vollmacht ausgerüstet hatte, ist es doch selbstver- 
ständlich, dass Albert von Venedig aus sich seine eigenen Zeugen mitgenommen, 
die in der Johanneskirche zu Duyno mit den Zeugen des Grafen von Görz die Sache 
abmachten. 

Was nun aber geradezu die obige Annahme mancher Autoren total aufs Haupt 
schlägt, ist die Urkunde vom 8. Juni 1287,") die Gregor dg. Heder in Tet^ny, 
also in Ungarn, als Obertruchsess des Herzogs von Slavonien ausstellt. Wer wird es 
glauben, dass das Mitglied der damaligen mächtigsten und angesehensten Magnaten- 
famihe, der Sohn des Palatins IvÄn von Güssing, Bruders des Bans Nikolaus, den 
Titel eines Obertruchsess des in Venedig lebenden entthronten Herzogs fahren werde? 

Bis 8. Juni 1287 können wir somit positiv von dem factischen Besitze Sla- 
voniens seitens Andreas sprechen. Von diesem Tage bis 1290 fehlen uns aber alle 
wie immer gearteten positiven und du-ecten urkundüchen Daten und dies ist nun 
jene Periode, i n welcher sich Andreas außerhalb Ungarns befunden*") 
und die zu den dunkelsten Partien seiner Geschichte gehört. 

Im Jahre 1288 begannen sich die ungarischen Verhältnisse unter Ladislaus IV. 
wieder zu trüben und Ivan von Güssing schloss, um an den Unruhen theilnehmen 
zu können, mit Albrecht von Österreich, mit dem er 1288 auf Kriegsfuß gestanden, 
Frieden. Dass es zwischen ihm und lÄdislaus zum Bruche gekommen, dürfen wir 
daraus scMießen, dass, während IvÄn noch am 8. August Palatin war, wir in dem- 
selben Jahre schon Peter dg. Csäk als Palatin antreffen, der aber ein Todfeind der 
Güssinger gewesen.*^) 

Ottokar von Homeck gibt nun in seiner Reimchronik**) den Verlauf folgender- 
maßen an: Ivan und sein Anhang wollte Ladislaus, weil er entgegen den päpst- 
lichen Mahnungen mit einer Rumänin gelebt, des Thrones berauben. Deshalb 
schickte Ivan im Namen des Liandes eine Gesandtschaft nach Venedig zu Andreas, 
um ihn zur Entgegennahme der „in Erledigung gerathenen" Krone aufzufordern. 
Andreas leistete der Aufforderung Folge, begab sich, von seinem Oheim Albert 
Morosini begleitet, auf die Beise, empfing in Zara die ihn begrüßenden Güssinger und 
Prälaten (Erzbischof Lodom^r von Gran und den Bischof von Veszprem) und begab 
sich auf deren Zureden zur Drau. Hier fand es Albert gerathen, wegen der schwan- 
kenden Haltung der Ungarn nach Venedig zurückzukehren. Andreas, der nun selbst 
nicht wusste, was er thun solle, ließ sich von dem ihm Treue und Ergebenheit vor- 
spiegelnden Arnold, Herrn von Strigau, zur Fortsetzung des Weges verleiten und 
nahm in Erwartung eines sicheren Asyls im Schlosse zu Strigau Quartier. Arnold 
erklärte ihn aber nach dem Mittagsmahle für seinen Gefangenen. Da er von Venedig 



>•) Wenael IV, 286, 286. [ mus". Z. B. Pejör VI. 1, 249, wo er von den 

>*) Hazai okm&njt6r VII, 201. Fej^r V, ! Verdiensten Meister Pyrins spricht, die er sich 

8, 387. 1 um diese Zeit geholt 

^) In seinen Urkunden heißt es hier: „tem- I **) Ssahö, „Kün Läsxlo*, 168. 

pore Ducatusnostri, cum extra regnum fuisse- ") Pez III, 849—866. 



7 — 



fiir ihn kein Lösegeld erhalten, lieferte er ihn in Erwartung eines guten Lohnes 
an Albreeht von Österreich aus. Einige riethen nun Albert, den Gefangenen an 
Ladislaus IV. auszuliefern, Albrecht behielt ihn aber an seinem Hofe und bewirtete 
ihn in fürstlicher Weise. Nach beiläufig halbjährigem Aufenthalte am Wiener Hofe 
begieng nun Andreas den Fehler, dem von einer Jagd heimkehrenden Herzoge nicht 
zur Begrüßung entgegenzugehen, weil er sich von viel vornehmerer Abkunft hielt 
als den Hei'zog. Albrecht entzog ihm nun seine Unterstützung, worauf Andreas sich 
erst eine Zeitlang durch Anlehen erhielt, die er bei den in Wien sich aufhaltenden 
venetianischen Kaufleuten contrahierte , kam aber, nachdem sein Credit erschöpft 
war, in solche Noth, dass — wie Homeck von einem Mönch gehört — er auf die 
Wohlthätigkeit eines Wiener Klosters angewiesen war. Nach Ladislaus' Tode wurde 
er dann durch zwei ungarische Mönche, verkleidet, aus Wien nach Ungarn entführt etc. 
Hornecks Darstellung hat in ihren Hauptzügen manchen historischen Kern, 
wimmelt aber im großen und ganzen von confusen Gerüchten, die ihm aus Privat- 
quellen zugekommen. Unstreitig wahr sind in seiner Darstellung die Theilnahme 
Andreas' an dem durch die Güssinger inscenierten Putsche gegen 
Ladislaus, der Verlust seines Herzogthums und sein zeitweiliger Auf- 
enthalt in Wien, denn unstreitig smd auf letzteren jene urkundlichen Worte 
Andreas' zu beziehen, mit denen er von seinem Aufenthalte „außerhalb des Beiches 
während seines Herzogthumes" spricht. 

Wir haben uns den Sachverhalt folgendermaßen auszulegen: 
Die Güssinger, oder sagen wir richtiger die antikönigliche Partei, hat Andreas 
nicht in Venedig, sondern in seinem Herzogthume Slavonien aufgesucht, um ihn zur 
Entthronung Ladislaus' IV. aufzufordern, und ist die ganze Sache ohne Wissen oder 
selbst gegen den Willen Albert Morosinis erfolgt; es ist absolut unglaublich, dass 
der so staatskluge und um das Wohl seines NefiFen so besorgte Albert Morosini ein- 
gewilligt hätte, nach Misslingen des Putsches seinen Neffen ganz allein den Gefahren 
eines weiteren Aufenthaltes in Ungarn auszusetzen, und dass er selbst sich gemüthlich 
in das sichere Venedig zurückbegeben und Andreas den Launen des Zufalles über- 
lassen hätte. Es ist vielmehr sicher, dass Andreas nach Misslingen des Auf- 
standes flir kurze Zeit bei Arnold, dem Besitzer des im Muraköz (heute im Zalaer 
Ctomitate) gelegenen Strid6 Schutz gesucht und gefunden. Derselbe Arnold, Sohn 
Arnolds dg. Buzad-Hahold, ''•) hat ja Ende 1290 die Nichte des Stuhlweißenburger 
Propstes Theodor von Tengerd geheiratet; dieser Propst Theodor war aber nach 
Thomasina und Albert Morosini der allergetreueste Anhänger Andreas, der flir ihn 
jeden Augenblick in den Tod gegangen wäre. Dem Verräther Arnold hätte Theodor 
nie und nimmermehr seines Bruders Tochter zur Gattin gegeben. Und gesetzt den 
Fall, Arnold hätte den flüchtigen Andreas zu seinem Gefangenen gemacht, so hätte 
sich dieser nicht an den Staatsrath von Venedig, sondern an die steinreiche Famihe 



**) Ein unwiderleglicher Beweis meiner Be- 
hauptung, dass dieser Arnold von Strido dem 
Geschlechte der Buzäd-Hahold angehört, liegt 
in der Urkunde König Stefans Y. ddo. 1870 
ap. Wenzel Xu, 9, wo er ausdrücklich als 



Arnolds Sohn Arnold, Herr des Schlosses Strigo, 
erwähnt wird. Seine Ahstammuug ergibt sich 
aus den übrigen Daten dieser Urkunde und 
den uns bekannten Verhältnissen dieses Qe- 
schleohtes. 



— 8 — 

Morosini nach Venedig gewandt, die filr ihn sicherlich das höchste Lösegeld freudigst 
erlegt hätte. 

Da aber ein ferneres Verbleiben Andreas' in Ungarn mit den höchsten Ge- 
fahren verbunden war, liegt es auf der Hand, dass er in Strido sich nicht lange 
aufhalten durfte. 

Eine Eückkehr nach Venedig wäre diesmal mit dem Aufgeben seiner Hoff- 
nungen und seiner rechtlichen Anwartschaft auf die Herrschaft in Ungarn gleich- 
bedeutend gewesen; bei der Kinderlosigkeit Ijadislaus' und dem Bestehen einer 
starken antiköniglichen Strömung war es fllr Andreas, wollte er nicht alles opfern, 
unbedingt nöthig, in der Nähe des Schauplatzes zu weilen, um gegebenen Falles sofort 
bei der Hand zu sein; dies wusste Albert Morosini ganz gut, ebenso wie Arnold 
und die gesanmite Partei Andreas', und da mag es nun der Bath aller gewesen 
sein, der Andreas zur Flucht nach Österreich zu Heimzog Albrecht bewogen; denn 
dass er vor seiner Thronbesteigung in Wien eine Zeitlang gelebt, ist durch die gleich- 
zeitige Cont. Vindob. außer Zweifel gesetzt. **) Die Details seines Wiener Aufenthaltes 
entziehen sich natürlich in Ermangelung jeder verlässlichen Quelle unserer kritischen 
Beurtheilung; eines können wh* aber schon an dieser Stelle betonen, dass Andreas 
vor Ladislaus' Tod wieder in den Besitz seines Herzogthums gelangt sein musste, 
weil nur auf solche Art die Geschichte seiner Vermählung und seines Eegierungs- 
antrittes erklärlich ist. Ob aber Ladislaus ihn auf Pression seiner Anhänger oder aus 
eigenem Antriebe gelegentlich einer aUgemeinen Amnestie wieder in Gnaden auf- 
genommen, ist unbekannt. 



3. 

Dass der Verlobungsvertrag vom Juni 1286 mit der görzischen Grafentochter 
nicht zur Ehe mit Andreas geführt, darf uns nicht wundernehmen. Die Braut, 
Klara Euphemia, Tochter des Grafen Albert H. und dessen zweiter Gattin Euphemia 
von Piayen und Hardeck, war zur Zeit der Verlobung kaum 6 — 7 Jahre alt; indem 
Verlobungscontracte selbst war von einer Feststellung des Heiratstermines keine Rede ; 
unterdessen hatten aber die Ereignisse von 1288 gleichfalls eine andere Wendung 
genommen, so dass Albert von Görz kein Interesse daran haben konnte, die Ein- 
haltung des Eheversprechens Andreas' zu urgieren. ^^) Was übrigens hier maßgebend 
gewesen, wissen wir nicht, soviel ist aber sicher, dass Andreas' Vermählung mit 
seiner ersten Gattin sich durchaus nicht unter jenen Verhältnissen abgespielt hat, 
wie manche, darunter ganz gewichtige Autoren es erzählen. 

Fennena, Andreas' erste Gattin, war die Tochter des am 1. October 1287 
verstorbenen Herzogs Ziemomysl von Kujavien-Leslau und dessen Gattin, der am 



**) „qni (Andreas) ab ipso duoe («= Albrecht) 
com tota familia sua, anteqoam Ungariam 
intraret et regnnm esset adeptus, Wienne degens 
victnalia sua longo satis tempore ab ipso dnce 
receperat" (ad 1291). 



") Von Klara wissen wir nur noch, dass ihre 
Mutter 1296 ihr 1200 Mark Aquilejischer 
Pfennige aus ihren Gütern Hardeck und Piajen 
angewiesen. Ob sie je geheiratet, ist unbekannt 



— 9 — 



12. October 1314 verstorbenen Salome, Tochter des Herzogs Sambor 11. von Liubesow 
(in Pommern). *•) 

Der polnische Chronist Dlugoss hat die Ansicht verbreitet, dass Fennenas 
Vater, weil er seinen ünterthanen Ausländer vorgezogen, von ersteren ins Exil ver- 
jagt wurde und im zwölften Jahre seiner Verbannung 1287 gestorben sei. Andere setzten 
nun hinzu, dass Pennena als Waise sieh in Ungarn aufgehalten, dass IvÄn v. Güssing, 
um Andreas an einer ehelichen Verbindung mit dem Herzogshause von Österreich 
zu hindern, dem in seiner Gefangenschaft gewesenen Andreas 1290 die verwaiste 
Prinzessin aufgedrängt, und dass Andreas, um seine Freiheit zu erlangen, Fennena 
geheiratet habe. Wir werden jedoch sehen, dass dies alles gnmdlos und durchaus 
falsch ist. 

Vor allem andern ist es nicht wahr, dass Andreas vor seiner Heirat in Ivdns 
Gefangenschaft gewesen ; dann ist auch die Mähre von Ziemomysls Verbannung und 
Fennenas Aufenthalt in Ungarn unhaltbar, weil Ziemomysl am 1. Juni 1284, am 
28. August 1286 und noch am 29. September 1287 in Leslau Urkunden ausstellt. 
Seine Witwe nennt sich in einer zu Leslau am 8. September 1288 ausgestellten Ur- 
kunde im Namen ihrer drei Söhne Regentin des Landes, somit musste auch ihre 
Tochter Fennena sich bei ihr in Leslau befinden. Den unwiderleglichsten Beweis 
aber dafür, dass Andreas sich Fennena aus ihrer polnischen Heimat durch den ims 
schon bekannten Stuhlweißenburger Propst Theodor von Tengerd werben ließ , bietet 
Fennena selbst in ihrer am 24. November 1291 ausgestellten Urkunde,*') wo. sie 
diesem Theodor die im Weißenburger Comitate gelegene Ortschaft Ivdncsa dafür 
bestätigt, dass er „nobis circa inicia celebrandi matrimonii Divina dispensacione 
celitus ordinati, cum juxta Salomonis sapienciam conjugium a Domino preparetur, 
astitit et afiuit suis obsequiis reverendis, per multa terrorum spacia inter 
nostra incolatus dominia versus Poloniam peragrando suis laboribus, et 
suorum ac impendiis.propriis non parcendo . . ." Leider ist uns aber die Genesis 
dieser Ehe, sowie ihre Detailgeschichte unbekannt, und kennen wir von Fennena 
erst nach ihrer Krönung Documente. Was aber die Zeit ihrer Vermählung be- 
trifft, ist es über jeden Zweifel erhaben, dass dieselbe ganz entschieden vor Andreas' 
Thronbesteigung, resp. vor Ladislaus' Tode stattgefunden, da Propst Theodor im 
Laufe von 18 Tagen unmöglich die weite und beschwerliche Reise nach Polen mit 
der gleichzeitigen Werbung, Verlobung und Heimflihrung der Prinzessin, sowie deren 
Vermählung hätte vereinigen können. ' Der Umstand aber, dass Fennena eben durch 
Propst Theodor aus Polen nach Ungarn för Andreas geworben wurde, spricht mit 
Entschiedenheit daftlr, dass Andreas sich damals nicht im Auslande aufgehalten und 
dass er mit Ladislaus zum mindesten nicht in offener Feindseligkeit gelebt. 

Theodor von Tengerd (Enkel Theodors, Sohn des Vice-Reichsrichters Nikolaus), 
dessen Brüder Nikolaus und I^adislaus sich um Ladislaus IV. sehr große Verdienste 
erworben hatten,*®) kommt urkundlich im Jahre 1274 zum erstenmale vor. 1284 
war er Propst von Szeben und königlicher Notar, 1286 Vicekanzler des Königs, 1287 



^ Vgl. mein „Az Ärpädok csalidi tört^nete", 
571 seqq. 

") Wenzel X, 36, 39, 40. 



*«) Wenzel IV, 266, VII, 808, IX, 66, 69, 
571, X, 36, 38, 60, 159. Hazai okmänytär VU, 
51. Zalai okmänytär I, 257. 



— 10 — 

erwählter Propst von Stuhlweißenburg. Als Vicekanzler Ladislaus' IV. treffen wir 
ihn ohne Unterbrechung bis zum 28. März 1288. *•) Von da an kommt er nicht 
mehr als solcher vor. Als Ladislaus' Vicekanzler erscheint 1289 und 1290 Gregor! 
Bischof von Csandd, und erst in einer ohne Tagesangabe ausgestellten Urkunde La- 
dislaus' vom Jahre 1290 ist Theodor wieder als sein Vicekanzler genannt.'®). Theodors 
Austritt aus der königlichen Kanzlei föllt mit dem Putsche von 1288 zusanmien; er 
war ein glühender Anhänger Andreas', und da ist es leicht erklärlich, dass er als 
solcher nicht Vicekanzler Liadislaus' bleiben konnte. Dass er aber Andreas ins Aus- 
land gefolgt wäre oder seine Propstei auch verloren hätte, davon ist uns nichts be- 
kannt. Als Propst konnte er aber doch nicht, wenn Andreas als besiegter Rebell 
sich im Auslande aufgehalten, fiir diesen in Polen eine Braut werben , ohne die exem- 
plarische Bestrafung seines Königs zu erhalten, und da wir laut dem oben citierten 
Documente ihn 1290 wieder als LÄdislaus' Vicekanzler antreffen, musste Andreas in 
Ungarn, resp. Kroatien, sich aufgehalten haben und mit Ladislaus auf friedlichem 
Fuße gestanden sein. 

Der Kampf der Oligarchie gegen lÄdislans IV. endete am 10. Juli 1290. 
Ladislaus fiel an diesem Tage unter den Dolchen dreier Kumanen; dass aber die 
geistigen Urheber, die Besteller desselben, die Oligarchen, namentUch aber die 
Söhne des Thoraas dg. Borsa waren, -darüber herrscht heute kein Zweifel mehr; 
beschuldigt ja König Karl Robert in einer Urkunde vom 12. October 1325 Thomas' 
Sohn Jakob Kopasz (den nachmaUgen Palatin) direct des an Ladislaus verübten 

Mordes!«»). 

Nach dem seit Jahrhunderten in Ungarn geltend gewesenen Successionsrechte 
der männlichen Mitglieder der Arpaden war Andreas, als einziger bekannter 
männlicher Sprosse dieses Hauses unstreitig der legitime Erbe. Die Häupter der 
Oligarchie waren nun die Ersten, die sich för ihn aussprachen ; obenan die Güssinger, 
Thomas' Söhne dg. Borsa, •*) das mächtige Geschlecht Aba unter Führung seines 
hochangesehenen Mitgliedes Amadeus, gewesenen Palatins,'*) der Andreas seine 
sämmtlichen Schlösser und sonstigen Güter zur Verfllgung stellte. 

Von anderen mehr oder weniger hervorragenden Großen, die sich sofort fiir 
Andreas ansprachen, sind zu erwähnen: 

1. Kemöny, Sohn des gewesenen Palatins Lorenz (des Ahnherrn der Matucsinai), 
Besitzer großer liatifundien im Baranyaer Komitate.'*) 

2. Stephan von Borsod dg. Äkos, Sohn des gewesenen Bans Erne, gleichfalls 
Herr ausgedehnter Besitzungen,**) nachmaliger Reichs-Oberrichter und Palatin. 

3. Dionys dg. Tomaj, Sohn des gewesenen Palatins Dionys, Ahnherr der Banffy 
von Lossoncz.**) 



••) Wenzel IV, 809. ••) Dies ist anstreitig sicher, da Mitglieder 

'*) Fej^r y, 3, 492. dieser beiden Familien sofort nach Andreas' 

'*) Anjoukori okmdnjtär II, 217 „cum Eopaz Krönung sich unter den Boichswürdentragern 

quondam palatinus .... lese majestatis befinden. 

crimen qnod in morte dominiLadislai | ") Wenzel XII, 497. 

quondam illustris regis Hungarie in- ' **) Fej^r VI, 1, 136. 

clite recordacionis karissimi fratris | '*) Hazai okmänytär VI, 431. 

nostri patruelis inchoavit. . .". *•) Hazai okmänytÄr VI, 380. 



— 11 — 

4. Zelemers Sohn Zador, der sieh auch um die Vermählung mit Fennena Ver- 
dienste erworben hatte. '^j. 

5. Nikolaus' Sohn Ladislaus (nachmaliger Besitzer wn Szob).") 

6. Gyarman (nachmals Besitzer des an der Save gelegenen Csehi), der schon 
zur Zeit, als Andreas noch in Venedig gelebt, auf seiner Seite gestanden. ••) 

7. Unter den Prälaten obenan der Graner Erabischof Lodomer von Monoszlo 
dg. ,V4zsony. ^^) 

Unter solchen Umständen war natürlich von einem erfolgreichen Auftreten der 
Opposition — genau können wir deren Häupter nicht angeben — keine ßede und 
gieng der Thronwechsel ohne jede gewaltsame Erschütterung und ohne Intervention 
der Waffen ganz friedlich vor sich.*^) 

Sobald Andreas die Nachricht von Ladislaus* IV. Tode erhalten, machte er 
sich mit Fennena sofort auf den Weg nach Ungarn, um das Erbe des Verstorbenen 
anzutreten. Die Einzelheiten dieser Eeise, resp. die ihr unmittelbar vorhergegangenen 
Ereignisse, speciell ob eine ungarische Deputation ihn berufen und abgeholt, kennen 
wir nicht. Im Baranyaer Komitate nahm er im Hause Kemenys (des Sohnes des ge- 
wesenen Palatins Lorenz), der ihm mit allen emem Könige gebürenden Ehren ent- 
gegenkam und dadurch nicht wenig zu gleichem Verhalten anderer Magnaten den 
Anstoß gab, Aufenthalt.^*) Von hier aus gieng es direct nach Stuhlweißenburg 
zur Krönung. 

Hier machte die Opposition noch einen letzten verawei feiten Versuch, die 
Krönung wenigstens zu verschieben, indem sie die Krone des heiligen Stephan verbarg; 
doch gelang es dem energischen Eingreifen des Propstes Theodor von Stuhlweißen- 



") Pejör VI, 1, 127. 

w) Wenzel X, 186. 

*») Hazai okmänytär VIII, 306. Wenzel V, 24, 

*^) Lodomers Anhänglichkeit an Andreas 
zeichnet Königin Fennena am besten 1291 
(Fej4r VI, 1, 90) „Dominum et charissimom 
consortem nostrum Andream, D. G. regni Hun- 
gariae regem illustrem, et nos vix aestimabi* 
übus obsequiis ante coronationem Domini nostri, 
et post, quo singularibus , eo miris, et nuUa 
in posterum oblivione caliginandis, in since- 
rissimae devotionis ardore indefessae fidei fer- 
Yore, continue et sine interpellatione qualibet 
prosequentis cujus etiam prudentissima Provi- 
dentia et providentissima prudentia dictus Do- 
minus consors noster charissimus, nos, et totum 
regnum nostrum felidssimis exultamus auspiciis 
prosperari et post longarum et immensarum 
tribulationum inquietissimas tempestates opta- 
tae pacis laetamur diu desiderata quiete potiri; 
quam quidem pacem statumque pacifioum idem 
Venerabilis Pater plurimis . . . persecutionibus 



... et horrendis calamitatibus exponendo . . . 
comparavit etc. etc. 

^') Thomasina betont dies nachdrücklich in 
ihrer Urkunde von 1296 (Wenzel X, 186), indem 
sie sagt: „Cum enim ... dominus Ladislaus 
quondam illustris Rex Hungariae ingressus 
fuisset universe viam carnis, et dominus Andreas 
karissimus noster tilius, non armis bellicis, 
non insultibus violentis, nee aliquo 
quovis humano ingenio, sed solummodo 
Divina favente gracia, ipsi Domini Ladislao 
successisset in Begni solium, sibi debitum jure 
ac ordine geniture...". 

*') Wagner, Collect, genealog. histor. 
Decas I, 1778, pag. 63 (idem Comes Kemen nos 
suis excepit laribus honorifice et munifice per- 
tractando'). Fej^r VI, 1, 136. — Aus dem 
Jahre 1299 kennen wir den Wohnort Kemönys : 
Maiss im Baranyaer Komitate; wahrscheinlich 
hat er schon 1290 daselbst gewohnt und Andreas 
dort bewirtet. 



— 12 — 

bürg, sie ausfindig zu machen, worauf endlich am Freitag, den 28. Juli 1290, Erz- 
bischof Ix)domer sie Andreas und Fennena feierlich aufs Haupt set^e.*'). 

Von Stuhlweißenburg zog der neue König nach Kaschau , wo ihn Graf Hei- 
brand von Leutschau (dg. Stojan) mit seinem ganzen Geschlechte empfieng, ihm 
feierlich huldigte und in die Zips begleitete.**) 

Kaum war aber der erste Freudenrausch über den mit so vielem Ungemach 
errungenen Thron vorüber, als sich schon innerhalb und außerhalb des Landes die 
Eeaction einstellte. 

4. 

Den Eeigen der inneren Unruhen eröfi&iete 1290 ein Jüngling, der sich fiir 
den Bruder Ladislaus' IV., den Prinzen Andreas, ausgab und die Krone fiir sich 
beanspruchte. 

Die uns^ über diesen falschen Prinzen zur Verfügung stehenden Daten sind so 
allgemein und wortkarg gehalten, dass wir uns nur auf deren Wiedergabe beschränken. 

a) Am maßgebendsten ist natürlich König Andreas selbst, der in einer Ur- 
kunde vom 28. August 1291**) darüber sagt: „cum nos . . . in solium et guber- 
naculum Eegni Hungariae fuissemus sublimati, etquidam, quiseDucemAn- 
dream nominabat, adjunctis sibi perversitatis suae sociis, in totius 
regni nostri praejudiciam et gravamen contra nostram regiam pro- 
cedare niteretur Majestatem , habitocum Baronibus nostris communi 
consilio et tractatu, Magistrum Georgium, filium Simonis, deputatis 
sibi in socios quibusdam cognatis et amicis eiusdem, ad insequen- 
dum dictum Ducem duximus destinandum, qui se eidem pro fidelitate 
nobis et coronae regiae, ac toti regno nostrodebita viriliter opponere 
non expavit." Daraus ersehen wir also, dass der Betrüger einen Anhang gefunden 
und dass über Beschluss der Barone Simons Sohn Georg (dg. Boxa, Ahnherr der 
Familie Soos von Sovdr) gegen ihn mit bewaffneter Hand auftreten musste. Leider 
erzählt der König nichts über den Ausgang dieser Expedition. 

b) S. S. rer. Boic.*«) ad 1290 haben: „1290 ist der König von Ungarn ge- 
tödtet worden, dem Juno (= Andreas) von Ast (= Este) gefolgt. Der Bruder des 
Königs von Ungarn (= Ladislaus' IV.) ist ertränkt worden, wodurch der Graf 
von Ast zur Herrschaft gelangte." 

c) Cout. Vindob.*^): „Ladislaus, König von Ungarn, ist von irgend einem Ku- 
manen getödtet worden, und jemand, der behauptete, sein Bruder zu sein und sich 
mit Gewalt der Herrschaft, bemächtigen wollte, wurde ertränkt." 



^) Das im Bubrum der 282. Seite von Hazai 
okmanytar VIII angegebene Datum „6. Juli 
1290*' ist ganz und gar falsch. Denn erstens 
gibt weder Andreas III. in seiner Zuschrift an 
das Ofener Capitel (vom 11. Juni) noch das 
Capitel in seiner Antwort an Andreas (6. Juli) 
ein Jahr an und zweitens war am 6. Juli 1290 
Ladislaus lY. noch am Leben. 



**) Hazai oklevöltär 184. In einer Urkunde 
vom 8. Janner 1291 (Hazai okmÄnytdr VI, 860) 
heißt es, dass Andreas nach seiner Krönung in 
Großwardein einen Beichstag abgehalten. Ur- 
kundlich kennen wir aber auch seinen Aufent- 
halt in Großwardein am 2. und 8. J&nner. 

^ Fej^r VI, 1, 128. 

*«) ap. Oefele n, 889. 

**) pag. 716 ad 1290. 



— IS — 



d) Ann. Polonorum*®): „In demselben Jahre wurde der König von Ungarn 
(soll aber heißen: der Bruder des Königs von Ungarn) bei Chrober ertränkt**. 

e) Dlugoss**) sagt, dass noch König Ladislaus selbst aus Furcht, dass die 
wegen seiner Schandthaten ihm nicht geneigten Unterthanen den Prinzen Andreas 
vorziehen könnten, diesem, den er verjagt oder der aus der Gefangenschaft geflüchtet, 
Verfolger nachsandte, die ihn hätten tödten sollen. Andreas flüchtete, als er hievon 
Nachricht erhielt, nach Polen, wo er zuerst zu seiner im Kloster zu Sandecz sich 
aufhaltenden Tante Kunigunde (eine Tochter Belas IV.) gelangte, die ihn auf Grund- 
lage eines an seinem Leibe befindlichen Merkmals erkannte und ihn einige Tage 
bei sich hielt. Hierauf wurde ihm durch Przemysl, Herzog von Krakau und Groß- 
polen, auf der könighchen Curie Chrobertz Aufenthalt geboten. — Einige Ungarn, 
von Ladislaus aufgehetzt, besuchten ihn nun in Chrobertz und logen ihm vor, dass 
sie vor Ladislaus geflüchtet und sich nun zu ihm als seine treuen Anhänger begeben. 
Sie lockten ihn zum Flusse Nida bei Chrobertz und ersäuften ihn daselbst. Der 
Körper des Ersäuften wurde von einigen Fischern im Flusse Nida gefunden, worauf 
man ihn zuerst in das Kortziner Minoritenkloster, dann über Anordnung der Herzogin 
Kunigunde von Krakau, seiner Tante, am 18. November in das Sandeczer Kloster, 
wo sie Nonne war, überfQhrte. 

Dlugoss' Erzählung ist durchaus mit Unwahrsrheinlichkeiten , stellenweise mit 
Unmöglichkeiten vermischt; sie gilt eben nur als Ergänzung der auch von anderen 
angeführten Ersäufung eines angeblichen Prinzen Andreas, der der Bruder Ladis- 
laus' rV. gewesen sein soll. 

f) Am 26. März 1317**) sehreibt König Robert von Neapel, Sohn der unga- 
rischen Marie, einer Schwester des echten Prinzen Andreas, Folgendes an den König 
Sancho von Majorka: „Das Schreiben Euer Liebden hat mir zu wissen gegeben, dass 
Euer Kerker jemand eingeschlossen hält, der sich für einen Bruder der Frau Königin, 
unserer Mutter, halten und sich allgemein „Prinz Andreas" nennen lässt, was ohne 
Zweifel jeder Wahrheit entbehrt und alle Zeichen der Lüge an sich trägt. Prinz 
Andreas, guten Andenkens, Bruder dieser unserer Mutter, ist schon seit dem Ver- 
laufe von 30 Jahren (factisch waren seit 1278 schon 39 Jahre verflossen) dem Erden- 
Hchte entrückt, wie dies in ganz Ungarn und in den anderen, ihm angrenzenden 
Gegenden überall off'en und notorisch bekannt ist. Auch ist nach dem Tode des 
Herrn Ladislaus, ruhmvollen Andenkens, Königs von Ungarn, erstgeborenen Bruders 
unserer erwähnten Frau Mutter, seitdem schon 20 Jahre (factisch seit 1290: sieben- 
zehn) verflossen sind, niemals jemand erschienen, der vor dem Herrn Papste, vor 
den Cardinälen. den vom Papste zu verschiedenen Zeiten nach Ungarn abgeschickten 
Gesandten, oder vor unserer erwähnten Frau Mutter irgend welche Andeutungen 
über den genannten Andreas , über dessen Befinden und Leben gemacht hätte 
(Eobert hatte somit keine Kenntnis von dem Pseudo- Andreas von 1290). Weil nun 
durch solche der Wahrheit entbehrende Dinge das Volk meistens zu falschen Mei- 
nungen und zu Aufreizungen verleitet wird, haben wir mit unserer erwähnten Frau 
Mutter Vorsorge getragen, dass dieser Lügner an sicherer Stelle unter verlässlicher 



«) Mon. Germ. SS. 19 ad 1290 
*•) Histor. Polon. VH, 856. 



**) Diplomatiai eml^kek az Anjoukorböl 
I. 908. 



— 14 — 

Bewahrung festgehalten werde, damit er die Völker Ungarns durch Vorspiegelung 
seiner lügnerischen Behauptung nicht zu irgend einem Scandale verleite. Weshalb 
wh" Euer Liebden inständigst bitten, den genannten Betröger, wenn es behebt, unter 
verlässlicher Escorte nach Montpellier zu senden und durch Eure Leute dem Sene- 
sehall der Provence oder demjenigen seiner verlässlichen Boten, der Euch diesen 
Brief tiberbringt, dies zu wissen zu geben, damit man den Betreffenden in die Pro- 
vence und in Haft in irgend ein sicheres Schloss bringen könne ..." 

So weit das Schreiben Eoberts an den König Sancho. 

Vom selben Datum (zu Neapel) ist ein Erlass des Königs Robert, wahrscheinüch an 
den Seneschall gerichtet, der Folgendes enthält: „Wir wünschen und gebieten Deiner 
Treue, dass Du sofort nach Erhalt des Vorliegenden irgend einen verlässUchen 
Specialboten , auf dessen Treue unbedingt zu rechnen ist , zur gehörigen Zeit mit 
geeignetem Gefolge nach Montpellier schicken sollst, damit er daselbst den genannten 
Andreas übernehme, in die Provence führe und diesen Betrüger unter sicherer 
Bewachung in irgend ein Schloss bringe, wo er nach Deinem Gutdünken unter 
eifriger und verlässlicher Hut besser und sicherer in Haft gehalten werden könne." 

Resümieren wir nun das Bisherige, so stellt sich heraus, dass auf Grundlage 
der ürkimde Andreas' EI. und jener des Königs Robert von Neapel sich nach 
Ladislaus' IV. Tode ein Pseudo-Arpade aufgestellt, der sich fllr Stephan's V. Sohn, den 
Prinzen Andreas, ausgab. Dass er ein falscher Arpade ist, wird durch das urkundlich 
beglaubigte Ableben des Prinzen Andreas (anfangs 1278) bewiesen. Ob aber der 
von Andreas HI. Erwähnte mit dem Gefangenen von MontpelUer identisch ist , oder 
ob wir es mit zwei falschen Andreas zu thun haben, und was schUeßUch von den 
Erzählungen der Chronisten über die Ersäufung eines Bruders Ladislaus IV. zu 
halten ist, lässt sich aus dem bisher zur Verfiigimg stehenden Material nicht apo- 
diktisch feststellen. 

Die Ersäufung des Betrügers ist urkundlich nicht erwähnt; da aber Andreas 
nur erzählt, Georg, Sohn Simons, sei gegen ihn ausgezogen, nicht aber von der 
Tödtung des falschen Andreas spricht, hegt die größte WahrscheinUchkeit nahe, 
dass Georg den Betrüger nur aus dem Lande verjagt habe und dass derselbe mit 
dem Gefangenen von Montpellier identisch gewesen. 



5. 

Bevor wir uns in eine Schilderung der im Auslande aufgetauchten Reaction 
ergehen , haben wir zuvörderst einer Action Andreas' zu gedenken , in die er durch 
seme Heirat mit Pennena verwickelt wurde. 

Lestko der Schwarze, Herzog von Großpolen, war 1289 (nach anderen schon 
1287) erbenlos gestorben und um die Nachfolge auf den großpohiischen Thron 
kämpften 1290 des Verstorbenen Bruder Uladislaus „Lokietek" und Herzog Heinrich IV. 
von Breslau aus der schlesischen Linie der Piasten. Dieser starb zwar schon am 
23. Juni 1290, doch konnte Uladislaus trotzdem sich nicht behaupten, da des Ver- 
storbenen Vetter, Heinrich der Dicke (f 22. Febniar 1296). neuerdings ein schlesi- 
sches Corps gegen Uladislaus absandte. In dieser Noth wandte sich der Bedrängte 



15 — 



an Andreas, den Gemahl seiner Bruderstochter Fennena, um Hilfe. Nach mannig- 
fachen beiderseitigen Verhandlungen, die ungarischerseits etwa durch den Gesandten 
Georg dg. Boxa (den uns schon bekannten Sohn Simons**) geleitet wurden, sandte 
Andreas unter dem Obercommando des uns schon bekannten Kem^ny, Sohnes des 
gewesenen Palatins Lorenz, ein von diesem auf eigene Kosten ausgerüstetes Hilfs- 
corps nach Polen, dem sich auch einige Barone und jüngere Officiere des Königs 
auf Eeichskosten anschlössen. Die Einzelheiten dieser Expedition smd unbekannt; wir 
wissen nur, dass nach dem schriftlichen Berichte üladislaus' und der Relation der 
an dem Zuge Theilgenommenen Kemeny wie ein Löwe gefochten und dem Herzoge 
zum Siege verholfen. ") Trotzdem konnte sich aber üladislaus nicht dauernd behaupten 
und musste 1292 neuen Gegnern das Feld räumen. 

Unterdessen spannen sich die Fäden einer ernsten Verwicklung mit dem be- 
nachbarten Österreich. 

Eudolf von Habsburg, der die deutsche Konigswürde zur möglichsten Ver- 
größerung seiner Hausmacht benutzte, hatte schon 1274 seine Augen auf Ungarn 
geworfen und die Vermählung seiner Tochter oder einer seiner weiblichen Ver- 
wandten mit Ladislaus' IV. Bruder, dem Prinzen Andreas, geplant.*') 1276 drückt 
ein Bischof seine Freude über die Verlobung der Tochter des Königs mit dem 
Prinzen Andreas aus.**) Am 13. Juli 1277 wurde zwischen Rudolf imd Ladislaus 
ein Bündnis geschlossen, welches die factische Verlobung des Prinzen Andreas mit 
Rudolfs Tochter Klementine besiegelte. Nachdem die Clausel gestellt war, dass dies 
nur Giltigkeit habe, wenn Rudolfs Boten an dem Prinzen kein wesentliches leibliches 
Gebrechen finden würden, bestimmte man auch den Modus zur Ansetznng des 



»') Pejör VI, 1, 124, ddo. 28. August 1291 
»quia in deferendis legationibus Dostris ad 
Duoem Cracoviae et andomiriae, cognatum no- 
strum carissimum, juxta suae discretionis iDdn- 
striain, super arduissimis noetris et regni nostri 
negocib, fidelissimos et gratissimos impendit 
famulatus**; es ist aber aucb möglieb, dass 
diese Dienste Georgs mit dem falscben Andreas 
in Verbindung zu setzen sind. 

Am 7. Ootober 1291 erwähnt Andreas, dass 
Philipps Sohn, Stephan (ans dem Soproner Komi- 
täte) sich gelegentlich vieler Legationen des 
Königs Verdienste gesammelt (Hazai okmäny- 
tär II, 20). 

In einer ohne Jahreszahl ausgestellten Ur- 
kunde (Zichj okminytir I, 81) verlängert der 
Vicegespan von Szabolcs, Stephan, dem Ladislaus, 
Sohne Aladärs, den Termin in einem Processe 
gegen Apajs Sohn, Apaj dg. Gutkeled, weU 
Ladislaus mit seinem Gebieter, dem Meister 
Amadeus, an der Gesandtschaft des Königs nach 
Polen betheiligt ist. Ladislaus hätte am Donners- 
tag nach Bamabas (B. = 11. Juni) erscheinen 



sollen; die Prolongation erstreckt sich auf den 
1. Juli. 

**) Wagner, Collect, geneal. Dec. I, 64; Fej^r 
VI, 1, 136, 137. 

An dem polnischen Feldzuge hat anter 
Anderen auch Thomas Sohn Synka, ein Schwester- 
sohn obigen Georgs dg. Boza, theilgenommen. 
Andreas sagt in seiner hierauf Bezug nehmenden 
Urkunde ausdrücklich, dass er mehrere Barone 
seinem Verwandten Ladislaus, Herzoge von 
Großpolen, gegen den Herzog von Glogau 
zu Hilfe geschickt habe (Fej^r VI, 2, 259). 
Synka wurde im Kampfe verwundet. 

Becsks Söhne Johann, Paul und Seraphin 
sind gleichfalls Theilnehmer dieses Zuges. 
Johann ist bei der Erstürmung des Schlosses 
Prodatin den Heldentod gestorben. In dieser 
Urkunde (ddo. 1293 ap. Fej^r VI, 1, 243) nennt 
Andreas den Ladislaus Herzog von Sandomir 
und Siradien und hat er alle Details über die 
Thätigkeit des ungarischen Hilfscorps unmittel- 
bar aus mündlichem Referate des Herzogs selbst. 

»») Wenzel IV, Nr. 19, 20, 21. 

") Wenzel IV, Nr. 47. 



- 16 - * 

Hochzeitstermins. *•) Noch deutlicher spricht sich Ober die Verlobung Andreas' ein 
Schreiben des Papstes Nikolaus m. an den Prinzen Karl Martell von Neapel ddo. 
1280 aus, welcher unter anderem sagt: „obzwar zwischen Dir, dementia und dem 
t Andreas, dem Bruder des Königs von Ungarn . . . schon längst die Verlobung 
bestanden etc." ^•) — Da starb aber Prinz Andreas unerwartet anfangs 1278, bevor 
Eudolfs Pläne, auf dem Wege dieser ehelichen Allianz Ungarn seiner Familie 
näher zu bringen, verwirklicht werden konnten. Denn wenn auch bei Schließung 
der Verlobung ihm in erster Linie die Absicht vorgeschwebt, auf diesem Wege 
an Ungarn einen Bundesgenossen gegen seinen mächtigsten Feind, Ottokar 11. 
von Böhmen, zu gewinnen, zeigen seine diesbezüglichen späteren Schritte ganz 
deutlich, dass er auf die MögUchkeit, Ungarns Krone seiner Familie irgendwie in 
Aussicht zu stellen, dachte. Am klarsten spricht dafür der Umstand, dass er um 
1288 die einstige Braut des verstorbenen ungarischen Thronerben einem andern 
präsumtiven Thronerben Ungarns, dem neapolitanischen Prinzen Karl Martell, ver- 
mählte. 

Eudolfs Sohn Albrecht, der 1282 durch semen Vater das Herzogthum Öster- 
reich erhalten, hatte aber unterdessen auf andere Weise bereits festen Fuß in Ungarn 
gefasst. 1286 forderte ihn nämUch Ladislaus IV. um Hilfe gegen die ÜbergrifiFe der 
räuberischen Güssinger auf. Ivan von Gtissing fiel nun aus Zorn über die von 
Albrecht zugesagte Hilfe in Niederösterreich ein. Um ihn zu strafen, schickte Albrecht 
unter dem Obercommando des Marschalls Hermann von I^andenberg ein aus Öster- 
reichern und Steirern bestehendes Heer gegen Ivans Festung Bernstein. Die Sache 
endete aber mit einer vollständigen Niederlage der Herzoglichen. In dem darauf 
geschlossenen Frieden versprach Albrecht, Ivan gegen den König von Ungarn zu 
unterstützen, Ivdn müsste aber dafilr Albrecht als seinen Oberherrn anerkennen. 
Trotzdem hörten aber Ivdns Eaubzüge nach Österreich nicht auf. Als diese 1289 den 
Höhepunkt erreicht, forderte Albrecht Ladislaus auf, dem zügellosen Magnaten das 
Handwerk zu legen. Ladislaus, statt dies zu thun, gab Albrecht vollkommen freie 
Hand, auf eigene Faust gegen den Euhestörer vorzugehen , was Albrecht sofort aufs 
bereitwilligste that. Diesmal war das Kriegsglück auf Seite der Österreicher. Zuerst 
(15. Mai) nahmen sie Nagymarton, Eigentimm der mit Iv4n verschwägerten Grafen 
Michael und Simon von Nagymarton, dann St. Margarethen, w^elches dem Commando 
Friedrichs von Kreuzbeck tibergeben wurde, daim Aggendorf, Kobold (mit dessen 
Bewachung Berthold von Emmersberg betraut wurde), Rohonez (hier erhielt Ulrich 
von Stubenberg den Oberbefehl), Szalonak (das Heinrich von Stubenberg zur Be- 
wachung erhielt), schließlich Ungarisch-Altenburg und nach Beendigung der Ernte- 
arbeiten öffnete Güns am 1. November dem Sieger seine Thore, worauf Bei-thold von 
Enmiersberg als österreichischer Commandant einzog. Um Weihnachten eroberte 
Albrecht das im Eisenburger Komitate gelegene St. Veit, gleichfalls einen Besitz Ivans. 
Durch solche Erfolge ermuntert, dehnte er seine Occupation auch auf Schloss Press- 
burg und Umgebung (Tyrnau etc.) aus. Ladislaus IV. sah nun in den Armen schöner 
Kumaninnen und Walachinnen ruhig zu , wie ein ausländischer Fürst seinen rebelli- 
schen Unterthan züchtigte; er sah aber auch ruhig zu, wie dieser ausländische 



*) Fejer V, 2. 88S. | *^ Fej^r VII, 2, 86, 87. 



— 17 — 

Fürst unter dem Vorwande, die durch lyan in Österreich verursachten Schaden 
einzubringen, von diesem keinen Ersatz suchte, sondern das durch Waffengewalt 
occupierte ungarische Gebiet ganz einfach — als ob dies ftlr immerwährende Zeiten 
Geltung haben sollte — seiner politischen und militärischen Verwaltung unterwarf, 
so dass ganze ungarische Liandstriche unter österreichischer Herrschaft standen •^) 
und dieser Zustand bei Andreas' III. Thronbesteigung factisch bestand. 

Dies musste denn in des ehrgeizigen Königs Eudolfs Augen ein gewaltiges 
Unterstützungsmittel zur Geltendmachung seiner auf Ungarn abzielenden Wünsche 
scheinen. Sowie er 1282 Österreich unter dem Titel eines an das Eeich heim- 
gefallenen Lehens seinen eigenen Söhnen schenkte, glaubte er es auch nach dem 
Tode Ladislaus' IV. mit Ungarn thun zu können; ftlr ihn existierte der Thronerbe 
Andreas nicht. Um aber der Sache dennoch den Schein der Gesetzlichkeit zu geben, 
berief er' sich am 31. August 1290 darauf, dass er seinerzeit Zeuge gewesen, wie 
der König von Ungarn (Bela IV.) dem Kaiser Friedrich sein Land als kaiserUches 
Lehen verschrieben, und da er nun durch Ladislaus' IV. Tod dieses Ungarn als an 
das deutsche Eeich zurückgefallenes Lehen betrachtete und es doch ganz natürlich 
war (wie er sich selbst ausdrückt), dass er seine Freigebigkeit in erster Linie seinem 
eigenen Fleische und Blute zukommen ließ, übertrug er mittels Urkunde vom selben 
Tage in Erfurt ganz Ungarn seinem Sohne Albrecht, Herzog von Österreich.*') 

Nun hatte aber die Sache ihren gewaltigen Haken. Bela IV. hatte 1241 in 
seiner Tatarenfurcht allerdings dem Kaiser Friedrich III. den Lehensverband ange- 
boten, hatte aber selbstverständlich damit die Bedingung verknüpft, dass ihm von 
Seite des Kaisers Unterstützung gegen die Tataren geboten werde ;*^) diese Be- 
dingung ist aber seitens des Kaisers niemals erfüllt worden, somit 
konnte auf den unter dieser Bedingung versprochenen Lehensverband nie und nimmer- 
mehr von kaiserlicher Seite Anspruch erhoben werden; es war somit ein Act 
diplomatischer Kunst, wenn Eudolf, der sich so gut als Zeuge der Ereignisse von 
1241 daran erinnern musste, dass die dem Kaiser gestellte Bedingung unerfilllt ge- 
blieben, diesen Umstand einfach verschwiegen hatte. Eudolfs Vorgehen fand aber 
sehr bald Widerstand, und zwar zuvörderst von Seite des Papstes Nikolaus IV., 



") So finden wir i. B.* 1289 (8. Mai) Eber- 
hard Tellesbrunner, einen Verwandten jenes 
Bemold Teilesbrunner, der an dem unglück- 
lichen Feldzuge von 1286 theilgenommen, ab 
Obergespan von Pressburg. Seit ihm taucht 
bis zum 9. October 1291 (in der Person Apors) 
kein Obergespan von Pressburg auf. 

Die Teliesbrunner nannten sich nach dem 
(heute in der Bezirkshauptmannschaft Groü- 
Enzersdorf gelegenen) Orte Tallesbrunn. Am 
16. Mai 1288 erscheinen unter den Eideshelfem 
des Bitters Konrad von Breitenfeld: her Per- 
nolt und her Eberhart von Tawleinsprunne und 
am 21. November 1298 wird unter den Zeugen 
jener Urkunde, mittels welcher Albrecht I, 



seinen Söhnen Österreich ertheilt , der strenuus 
vir Bemoldus de Telesprunne genannt; sein 
Geschlecht gehörte somit dem Ministerialen- 
stande an, sonst wfirde er unter den nobiles 
viri angeführt sein. 

••) Fej4r VI, ,47, 48. Ob die von derselben 
Quelle (95, 96, 160—162) angeführten Stellen 
über eine von Budolf geplante Theilung Ungarns 
zwischen Albert und dem Könige Ton Böhmen 
echt sind oder nicht, lässt sich nicht leicht 
entscheiden, ebenso wie die -Annäherung 
Albrechts an Bayern in dieser Angelegenheit. 

"*) Vgl die hierauf bezüglichen Belege in 
meinem „IV. B^la kiräly tört^nete". 

2 



— 18 — 

wiewohl dieser durchaus nicht die von uns soeben ins Treffen geführten Gründe in 
Anwendung brachte. 

Nikolaus hatte, nachdem ihm die Nachricht von Ladislaus' IV. Ermordung 
zugekommen, am 7. September 1290 den Bischof Benvenuto von Eugubia als Legaten 
nach Ungarn destiniert, dass dieser sich über die ungarischen Zustände informiere 
und Mittel zur Sanierung der dortigen Übelstände ausfindig mache und betont er in 
dem Creditive des Legaten ausdrücklich, dass Ungarn zur römischen Kirche gehöre. 
Nachdem er damals von Eudolfs Absichten keine Kenntnis hatte, empfahl er den 
Legaten am 9. September Eudolf und Albrecht. ^) Auf die Kunde von Rudolfs Ver- 
leihung Ungarns an Albrecht ernannte er am 2. Jänner 1291 den Bischof von Jesi, 
Johann, zu seinem Legaten und beauftragte denselben, Rudolf und Albrecht auf- 
merksam zu machen, dass Ungarn aus mehrfachen Gründen zum apostolischen Stuhle 
gehöre und kein Mensch sonst das Recht habe, über Ungarn zu verfügen, als eben 
der Papst; in demselben Sinne ließ er die ungarischen geistlichen und weltlichen 
Würdenträger apostropliieren. •*) Die Meldung des Legaten über den allenfallsigen 
Erfolg seiner Mission ist uns unbekannt. 

Aber auch Andreas blieb nicht unthätig. Auf einem im Februar 1291 in 
Stuhlweißenburg abgehaltenen Reichstage suchte er zuvörderst sich der Verlässlichkeit 
seiner Magnaten — allerdings auf Kosten der königlichen Macht — zu versichern. 
Er versprach die Abhaltung eines jährlichen Reichstages in Stuhlweißenburg, auf 
welchem neben dem Hochadel auch der niedere Adel namentlich die Verwaltung 
controlieren solle; versprach die obersten Reichsämter über Vorschlag des Adels zu 
besetzen, kein Komitat jemandem erblich zu schenken, keinem Ausländer, Heiden 
oder Nichtadeligen ein Amt oder ein Castell zu verleihen, keinen solchen unter 
seine Räthe aufzunehmen, die Kirchen, den Adel, die Sachsen, sowie deren Land- 
sassen mit keinerlei Abgaben zu belasten und alles den Kirchen genommene Gut 
denselben zurückstellen zu lassen; der Obergespan solle nur unter Beisitz von vier 
Edelleuten Recht sprechen dürfen und auch der Palatin solle gelegentlich seiner 
Reisen nur unter Zuziehung dieser Beisitzer und des Vicegespans Urtheile föllen dürfen. 
Dafür verpflichteten sich aber alle Adeligen und Sachsen, dem Könige gegen alle 
von innen und außen kommenden Angriffe Beistand zu leisten. ^^). 

Auf Grundlage dieser letzteren Bestimmung konnte Andreas nun Rudolfs und 
Albrechts herausforderndes Benehmen gehörig beantworten, uiid unterliegt es keinem 
Zweifel, dass an der Art und Weise, wie er dies begonnen, die Güssinger betheiligt 
waren. 

Wie wir wissen, befanden sich die größten und schönsten Besitzungen der- 
selben zur Zeit des Todes Ladislaus' IV. in Albrechts Händen. Es liegt nun ganz 
und gar in der Art des trotzigen und übermüthigen Ivan von Güssing, wenn wir es 
als sicher annehmen, dass er und sein Anhang sich nur deshalb an Andreas ange- 
schlossen, weil er von diesem erhofil, er werde ihm zur Rückgewinnung seiner ver- 
lorenen Güter hilfreiche Hand bieten; es ist aber auch gar nicht gewagt, anzunehmen. 



«•) Theiner I, 866, 867. 

«) Pej^r VI, 1, 76, 79, 81, 82, 84, 85, 87, 96. 

") Endlicher Monum. 616—621. 



- 19 — 

das» der trotzige Magnat dies direct als Bedingung seines Anschlusses gestellt, — 
anderseits ist nicht zu vergessen, dass die Annahme dieser Bedingung seitens Andreas' 
doch nur zur Sicherung seiner eigenen Machtstellung führen musste, da er denn 
doch neben sich keinen zweiten Souverän auf ungarischem Boden dulden durfte. 

Nun war die Zeit gekommen, die Güter der Gtlssinger zu reclamieren. Nach 
dem Feberreichstage von Stuhlweißenburg zog Andreas nach Siebenbürgen, wo er 
in Gyulafejervdr (Karlstadt) auf einem Reichstage die Angelegenheiten des dortigen 
ungarischen Adels, der Sachsen, Szekler und Walachen ordnete, ••) kehrte aber schon 
Ende März nach Ungarn zurück.**) Nachdem er nun in beiden Reichstheilen sich 
der Unterstützung seiner Unterthanen versichert, ergriff er gegen Albrecht die 
Offensive. 

Die Action wurde damit eröffnet, dass Andreas durch eine Deputation Albrecht 
auffordern ließ, Ivans Besitzungen zu räumen. •*) Wie zu erwarten stand, ftgte sich 
aber Albrecht nicht und so mussten denn die Waffen entscheiden. Anfangs Juli entfaltete 
Andreas in der Kathedrale zu Stuhlweißenburg das Kriegsbanner, ••) worauf seine 
Armee in zwei Corps vorrückte. Das eine überschritt die Grenze und fiel in Öster- 
reich em, das zweite griff Pressburg an, um dies den Österreichern zu entreißen. 

Von jenen, die sich an dem Feldzuge betheiligten, haben uns die Urkunden 
Nachfolgende überhefert: 

1. Im Gefolge des Erzbischofs Lodomer von Gran: 
a) Andreas von Ajka, Curialpalatin des Erzbischofs; 

h) Michael v. Mencshely, Chef der erzbischöflichen Paniferi; 

c) Stephan, Sohn des Fulko; 

d) Lukas der Kleine; 
c) Meister Cephas; 

/) Sukods Sohn Comes Ladislaus: 

g) Zoerard von Heviz; 

Ä) Albert, Graner Bürger.*^) 

2. Georg dg. Boxa, Ahn der Soos von Sovar, der sich namentlich vor Wien 
auszeichnete. ^*) 

3. Zelemers Sohn Zador, der sich gleichfalls vor Wien seine Lorbeeren holte.**) 

4. Johann, Herr von Csukard im Pressburger Komitate , der am 18. Juli in der 
St. Georgskirche, an der ungarisch-österreichischen Grenze seinen Besitz Csukdrd 
(auch Tyrne genannt) der Pressburger Kirche zum Erlöser (der heutigen Domkirche) 
vermachte. ^•) 

5. Herbert IL dg. Osl.^») 

6. Emerichs Söhne Michael „Sido" , Benedict und Emerich von Banya dg. 



••) Fejer VI, 1, 119 do. 10. Märe. Hazai 
okmiUiyt4r VI, 363 ddo. 11. Märe. 

^) Am 21. März ist er bereits in Baab. 
Tkalöic, Monom, civit. Zagrabiensis 66. 

••) Chron. Claastro-Neob. ap. Petz 1, 470, 471. 

•^ Fej^r VI, 1, 116. Wenzel X, 22, 23 (ddo. 
3. und 10. Juli). 



*') Wenzel V, 61. Diese waren alle am 
3. September aus dem Feldzuge heimgekehrt. 

~) Fejdr VI, 1, 124. 

~) Fej6r VI, 1, 127. 

'•) Wenzei V, 62—63. Letztere Urkunde 
sagt, dass Johann während des Feldzuges bei 
^▼är schwer erkrankte. 

") Wenzel X, 20. 

2* 



» - 



Koppdn, von denen sich Benedict vor Wien ausgezeichnet, wo er verwundet wurde, 
und ihr Verwandter, Pauls Sohn Paul, den Heldentod starb. ^*) 

7. Aynards Sohn Johann v. Zsdmb^, Obergespan von Bäcs, der sich gleich- 
falls vor Wien hervorgethan. ^•) 

8. Kemöny, Sohn des gewesenen Palatins Lorenz.^*) 

9. Hidiolds Sohn Stephan dg. Buzäd-Hahold, dem vor ßorau das Pferd unter 
dem Leibe getödtet wurde, und der sich nur Ober der Leiche seines ihn deckenden 
treuen Dieners Peter, Sohn des Comes Punch von Gosztolla retten konnte. Peter war 
von seinem Pferde abgesprungen, stellte es seinem Gebieter zur Vertilgung, verlor 
aber dadurch an Ort und Stelle sein Leben. ^*) 

10. Bechks Sohn Paul, der vor Wien im Handgemenge mit einem Österreicher 
sein rechtes Auge einbüßte.^*) 

11. Ebeds Söhne Eainald und Jak dg. Jak (ersterer ist Ahn der Niczki.^') 

12. Palatin Amadeus dg. Aba, der auch vor Wien war.^*) 

13. Job von Osicser, der im Gefolge des Palatins Amadeus vor Wien sein Blut 
vergoss. ^^) 

14. J4k6s Söhne Andreas und Jako dg. Kaplyon (Ahnen der Sztiray und 
Nagymihdlyi), die während des ganzen Feldzuges Andreas als treue Kathgeber zur 
Seite standen.'**) 

15. Peter und sein Bruder Johann dg. Aba (Ahnen der Somosi), die vor Wien 
gekämpft ; Johann wurde hier durch einen Pfeil am linken Fuße verwundet, machte 
aber trotzdem den gegnerischen Bogenschötzen (sammt dessen Pferd und Waffen) 
zu seinem Gefangenen und präsentierte ihn dem Könige.®*) 

16. Pulko von Ludany dg. Ludany.'-) 

17. Nikolaus, Simon und Thagma, Söhne Vendegs von SÄgh (aus dem Zalaer 
Komitate), die vor ßorau durch einen Steinwurf verwundet vnirden.**) 

18. Theodor von Tengerd, Vicekanzler des Königs, der ein starkes Contingent 
seiner Leute in den Kampf stellte.'^) 

19. Bicz6 von Ovar, dessen zwei Bedienstete vor ßorau ihren Tod fanden.®*) 

20. Hertwichs Söhne Nikolaus „Wez", Werrach, Konrad und Seyfried aus dem 
Eisenbürger Komitate. Ihr Verwandter, der Österreicher Johann, fiel vor ßorau.»«) 

21. Nikolaus, Propst von Eisenburg. •^) 

22. Thomas dg. Pok (Ahn der Poky), dessen Bruder Nikolaus vor ßorau den 
Heldentod gefunden.*®) 

23. Lorenz, Sohn Philes (Ahn der Mikolai), der vor ßorau verwundet worden.®*) 



") Wenzel X, 21. 

") Fejär VI, 1, 129. Wenzel XII, 609. 
w) Fej6r VI, 1, 139. 
'») Feder VI, 1, 146. 
") Fcij^r VI, 1, 186, 248. 
") Wenzel X, 14. Pej^r Vn, 2, 289. 
'•) Hazai okmänyUr VI, 866. 
'^) Hazai okmänjtär VI, 866. 
*») Hazai okmänytir VI. 868. Wenzel 
XII, 607. 



•») Hazai okmdnytär VI, 378. 

»«) Hazai okmdnytär VIII. 302. 

w) Sopruui oklevöltär I, 66. 

•*) Wenzel X, 37, 89. 

•*) Wenzel Xn, 602. 

«) Wenzel XII, 608, 604. 

") Hazai okmänytÄr IV, 79, 80 

^) Wenzel X, 33. 

^ Wenzel XII, 529 



— 21 



24. Dionyß dg. Tomiy (Ahn der BmSy von. Lossoncz), der sich vor Wien sehr 
auszeichnete. •®) 

25. Ban Lothard dg. Gutkeied und sein Sohn Ladislaus. ^^) 

26. Vitalis' Söhne Herbert und Johann, die vor Eorau verwundet wurden. •*) 

27. Stephan, Sohn Mathias' von Csäny, der vor Wien vei'wundet wurde.®*) 

28. Meister Pyrin aus der Zips.**) 

29. Simon und Michael von Mattersdorf.**) 
3a Kompolds Sohn Peter dg. Aba.»») 

31. Andreas' Sohn IvÄnka dg. Huntpäzmän (Ahn der Forgach).*^) 

32. Die Söhne Peters von Tördemiez: Paul, Propst von Hanta, Veit und Johann, 
die sich vor Korau und Hoheneer ausgezeichnet.*^) 

33 Merses Sohn Benedikt (Ahn der Szinnyei von Merse), der an der Belage- 
rung der Vorstadt von Wien theilgenommen (war im Corps des Amadeus dg. Aba). ®®) 

34. Morchukas Sohn Johann (Ahn der Justh von Neczpdl), der vor Wien ver- 
wundet wurde. ^®*^) 

35. OUvers Sohn Nikolaus (dg. Batold) und dessen Verwandte Ladi^us und 
Nikolaus, die in diesem Feldzuge ihr Leben verloren.*®*) 

86. Gurethes Sohn Michael (Ahn der Korotnoky), der bei Eorau verwundet 
wurde. *•*) 

37. Andreas, Sohn des Chugud von Leutschau, üdvornicus des Königs. *®*) 

38. Michaels Sohn Stephan dg. Gutkeied (Ahn der Mar6ti), der vor Wien ver- 
wundet wurde. *^*). 

39. Jakob von Pink, der an der Belagerung Wiens theilgenommen. *<>*). 

40. Thomas' Sohn Synka, Schwestersohn des uns bereits bekannten Georg 
von Sovdr, der vor Wien sein Blut vergossen. **>«) 

41. Stephks Sohn Nikolaus, der durch einen Lianzenstich verwundet wurde.*®') 

42. Doroszl6 (Ahn der Bumy).*®«) 

43. Bamabas von T6fö, der vor Eorau den Heldentod fand.*®®) 



••) Hazai okmanytär VI, 880, 381. 

•*) Weniel V, 67. 

•») Wenzel V. 78. 
l ") Wenxel V, 80. Hazai okmtoytir VIU, 827. 

•*) Fej^r VI, 1, 260. 

••) Fej^r VI, 1, 294. 

••) Fej6r VI, 1, 299. Wenzel X, 149. 

»0 Pej^ VI. 1, 800. 
. ^ FejÄ- VI, 1, 290. 

^ Hazai oklevdtir 146. 

>••) Hazai okmtoytÄr VI, 416. Fej6r VI, 
1, 843. 

»•*) Fej^r VI, 2, 26. 

««) Fej^r VI, 2, 78. 

>•") Wenzel X, 269. 

*~) Wenzel X, 296. 

*••) Wenzel X, 299. 

«••) Fej^ VI, 2, 214, 269. 

««) Wenzel X, 368. 



'••) Wenzel X, 630. 

*^) Aigookori okmänjtAr I, 140,' 

Der zeitgenösaische österreiobisohe Chronist 
Siegfried Helbling ^ennt unter Andreas' Bath- 
gebem vor Wien den ^Graf Hyssa", den ei* als 
^der wilde grav Mizze*" anf&hrt (Zeitsobrift fUr 
deatschesAlterthum 1844, 234, 237).Unter diesem 
Myssa ist kein anderer als Ladislaos' IV. letzter 
Palatio, der Mohammedaner M i z s e, gemeint. 

In einer obne Jabreszabl ausgestellten Ur- 
kunde, die aber 1291 ausgestellt wurde (Wenzel 
XII, 496) befieblt Palatin N(ikolatt8) dem Vice- 
reicbsrichter, dass er den gegen den Comes 
Kalmer (dg. Geregye, Abn der Egerriri) auf 
den 1. Mai angesetzten Verbandlungstag auf 
den 17. August verlege, da Kalmer sich bereits 
mit ibm, dem Palatin, an der Beicbsgrenze in 
dem groAen, gegen die Österreicher ziehenden 
Heere befinde. 



— 22 - 



Wie bereits oben gesagt, theilte sich Andreas' bewaffnete Macht in zwei Corps, 
deren eines dazu bestimmt war, die in österreichischen Händen befindlichen unga- 
rischen Gebiete den Feinden zu entreißen. Außer den Gütern der Güssinger waren 
z. B. im Eisenburger Komitate andere Orte in österreichischen Händen, da z. B. 
bald nach Andreas' Thronbesteigung es zwischen den Österreichern und Hertwichs 
oben genannten Söhnen vor Schloss Bechnitz und Schloss St. Mihäly zum Kampfe 
gekommen, in welchem Hertwichs Söhne Werhart und Nikolaus schwere Verwun- 
dungen davontrugen."^) Die ganze Pressburger Gegend, darunter die Schlösser 
St. Georgen und Bösing, waren gleichfalls durch Österreicher occupiert;"*) des- 
gleichen Schloss Sasvär, Tyrnau und die Gegend des heutigen Galantha. Während 
dieser Operationen zeichnete sich am meisten der nachmalige Vicegespan des Press- 
burger Komitates, Menolds Sohn Abraham der Eothe, aus; er schlug Albrechts 
Truppen bei Tyrnau und sandte als Trophäe die erbeutete Fahne dem Könige 
sammt zahlreichen Gefangenen; er eroberte das Schloss Sasvar, und als ein starkes 
ungarisches Corps unter Commando Matthäus' dg. Csäk zur Eroberung des Press- 
burger Schlosses auszog, nahm Abraham wieder an demselben theil, bei welcher 
Gelegenheit bei Vertheidigung eines hölzernen Forts 53 seiner Leute verwundet wurden, 
11 den Heldentod fanden; ein weiteres Verdienst Abrahams bestand darin, dass er 
die von den Österreichern aufgeführten Schutzwerke und ihre Munition in Sala und 
Deaki ihnen zerstört und die beiden Ortschaften ihrem rechtmäßigen Eigenthtimer, 
der Martinsberger Abtei, zurückstellte. Auch Schloss Detre eroberte er zurück."*) 

Andreas war mit seiner Heeresabtheilung von Ofen, wo sich wahrscheinhch 
der größte Theil der mobilisierten Truppen concentrierte , Ende Juli"*) ausgezogen. 
Gardons Sohn Comes Gardon , einer der ersten , der von jenseits der Drau dem 
Mobilisienmgsrufe des Königs Folg»* geleistet und nach Ofen geeilt war, hatte noch 
Ende Juni Andreas nach Wieselburg begleitet, wurde aber von diesem nach Agram 
zurückgeschickt, um daselbst die Reichsgrenzen zu schützen, da er — indem er und 
sein Bruder WIkoslav dit^ Schlösser Medoc und Kemlak dem Könige Obergaben — 
in dieser Beziehung verlässlich war."*) 

Die unterdessen die österreichische Grenze überschrittene ungarische Armee 
hatte ihre Operationen auf österreichischem Gebiete bereits begonnen. Die öster- 
reichischen Quellen***) erzählen nur im allgemeinen, dass die auf 80.000 Mann 
geschätzten Feinde die ganze Gegend bis Wien und Wiener-Neustadt überschwemmten, 



"•) Wenzel XII, 608. 

"0 Urkunde vom 29. Mai 1295 (Enaoz. 
Monom, eccl. Strigon. 11^ 872), mittelst welcher 
Graf Abraham von St. Georgen dem Ladislaus, 
Sohne Stephans aas der Schutt, den Ort Alistäl 
schenkt. Ladislaus hat nämlich durch die 
Österreicher, die St. Georgen und Bösing occu- 
piert» viel gelitten und musste ihnen bei March- 
egg seinen einzigen Sohn, Stephan «Taro", als 
Geisel geben. 

"•) Pej^r VU, 2, 196. Wenzel X, 136. An 
der Wiedereroberung Pressburgs aus den Händen 



des Palatins Nikolaus von Gttssiog hat sich 
auch unter Matthäus' Leitung der Richter von 
Pressburg, Herculin, herrorgethan. Wenzel 
Xn, 661. 

"•) Am 27. Juli war er noch in Ofen, 

"*) Hazai okmänytir VUI, 296, 296. 

"•) Cont. Vindob. ad 1291, pag. 716, Ottokar 
▼. Homeck, Cap. 381—394. Annal. Mellic 610, 
Cont. Zwettl ad 1291, pag. 668, Cont. Florian 
pag. 749; Chron. Glaustro*Neoburg ap. Bauch 
I, 116; Chron. Leobiense a. a. 0., 874 etc. 



- 23 — 

dass sie sengend und mordend, schändend und raubend die Saaten vernichteten, 
und dass der einheimische Adel ebenso wie Herzog Albrecht sich nicht ernst auf- 
rafflen, um den feindlichen Einfall, der viel ärger war, als jener zur Zeit Belas IV., 
zu verhindern , und so habe die Kriegsfurie hier sechs Wochen gewüthet. Die 
ungarischen Quellen sind zwar auch in der Detailschilderung nicht sehr aus- 
fiihrlich, sie lassen aber immerhin eine gewisse Reihenfolge der Kriegsoperationen 
durchleuchten. 

Aus der oben mitgetheilten Liste der Theilnehmer an den in Österreich aus- 
geführten Operationen ersehen wir nämlich, dass zuerst das feste Rohrau ein- 
genommen worden, das den Schlüssel zu allen weiteren Operationen bildete. Aus der 
langen Reihe jener, die för ihre hier erworbenen Verdienste später belohnt wurden, 
dürfen wir mit Sicherheit rechnen, dass der Kampf um Rohrau ein höchst erbitterter 
gewesen. Eine Urkunde spricht auch von dem Kampfe um Hoheneer. 

König Andreas selbst hat an der Erstürmung Rohraus nicht theilgenommen. 
Am 27. Juli war er noch in Ofen; am 2. August urkundete er schon vor Festung 
Walter (unzweifelhaft mit dem — sowie Rohi-au — im Unter- Wienerwaldkreise 
gelegenen Unter- Waltersdorf identisch), wo wir ihn noch am 6. August antreffen,"*) 
am 9. August stand er schon vor Wien. Aus der Belagenmg Wiens sind uns 
gleichfalls keine Details erhalten; wir wissen nur, dass Andreas die außerhalb der 
festen Mauern gelegenen Vorstädte einäschern ließ. 

Jetzt fand es denn Albrecht fllr gerathen, bei Andreas um Frieden anzupochen. 
Am 26. August versammelten sich die Vertreter beider Parteien im Minoritenkloster 
zu Hainburg, um über den Friedensschluss zu berathen. Ungarischerseits nahmen 
an den Berathungen theil: Lodomer, Erzbischof von Gran; Johann (dg. Huntpdzmän), 
Erzbischof von Kalocsa; Ban Gregor, Obergespan von Bars und Neutra; Dominik, 
gewesener Palatin ; von österreichischer Seite : Bernhard von Brambach, Bischof von 
Passau ; Leopold, Bischof von Seckau ; Stephan von Meissau und Konrad von Potten- 
dorf — Am 28. August waren sie mit ihren Berathungen fertig und lauteten die 
Hauptpunkte des Friedensvertrages folgendermaßen: 

1. Albrecht gibt die dem Könige umnittelbar gehörigen ungarischen Burgen 
und Städte, namentlich Pressburg und Tyrnau, demselben zurück. 

2. Alle von Albrecht occupierten Burgen der Adeligen oder sonstigen Eigen- 
thümer müssen, damit ein flir allemal die Gelegenheit zu gegenseitigen Reibungen 
genommen sei, geschleift werden. 

3. Die im Ödenbnrger Komitate gelegene Burg Ko bei sdorf (Kabold) und die 
im Eisenburger Komitate gelegene Feste Güssing werden dem Könige ohneweiters 
zurückgegeben, über Burg Borlen (Ankenstein), "^) über deren Eigenthumsrechte 
man nicht im klaren ist, wird nachträglich entschieden werden. Den Zeitpunkt zur 
Rückgabe obiger Plätze bestimmen die beiden Fürsten gelegentlich einer persön- 
lichen Zusammenkunft. 

4. Beide Fürsten verpflichten sich, ihre (legner gegenseitig nicht zu unter- 
stützen. Eine gegenseitige Unterstützung werden sie gelegentlich ihrer Zusammen- 

"*) Wenzel X, 18, 34. Hazai okmänjtar l ^^^ An der Draa im steirischen Kreise 
VIII, Ä99. Marburg. 



— 24 — 

kunft verabreden. Die Auswechslung der ungarischen Gefangenen erfolgt in Press- 
burg oder Eaab, jene der österreichischen in Hainburg, und setzen die Fürsten 
selbst den Termin hiezu persönlich an. 

5. Alle Anhänger Albrechts in Ungarn, speciell aber Ban Badoslay und 
seine Parteigänger, müssen von Andreas in Gnaden aufgenommen werden.*^') 

Wann beide Fürsten den Friedensvertrag persönlich ratificiert, ist unbekannt; 
Andreas war am 17. August noch vor Wien,"*) [am 26. August aber schon „paee 
reformata" in Pressburg, am 29. August in Ofen."®) 

Dass nunmehr alle Feindseligkeiten mit Österreich ihr Ende genommen und 
Albrecht von Habsburg seine Pläne auf Ungarn vorläufig aufgab, beweist der Um- 
stand , dass Andreas sehr bald nach dem Friedensschlüsse Albrecht seinen geliebten 
Freund nennt."') Die erste große militärische Unternehmung des neuen Königs 
endete somit mit dem glücklichsten Erfolge; wir werden aber bald sehen, dass der 
Sieg von 1291 den Keim viel schwierigerer, innerer Unruhen in sich barg. Bevor wir 
diese aber schildern, müssen wir erst jener Anfeindungen erwähnen, denen Andreas 
durch die Thronaspirationen der neapolitanischen Dynastie ausgesetzt war. 



6. 



Karl Graf von Anjou, jüngerer Sohn des Königs Ludwig VHI. von Frankreich 
aus der Familie der Capetinger, hatte 1266 durch päpstliche Gnade das Erbe der 
deutschen Hohenstaufen, Neapel imd Sicilien, erhalten. Durch die Ermordung des 
letzten Hohenstaufen, Konradins (29. October 1268), hatte er sich die Anhänger des- 
selben zu Todfeinden gemacht, und um den gewaltsam errungenen Thron sich zu 
sichern, lugte er nach kräftigen Bundesgenossen aus, die ihn gegen alle „Deutsche 
und den Deutschen Anhängende" schützen sollten; selbstverständlich musste er bei 
Auswahl eines solchen Genossen stark darauf bedacht sein, dass der Betreflfende 
auch persona grata beim päpstlichen Hofe sei. Ende 1269 kam denn auch zwischen 
ihm und dem jüngeren König Stephan V. von Ungarn, der damals auf dem Höhe- 
punkte seiner Erfolge gestanden und persona gratissiraa der Curie war, jenes Bündnis 
zustande, als dessen Ausfluss die Vermählung von Stephans jüngerer Tochter Marie 
mit Karls Thronerben Karl und die Vermählung von Karls Tochter Isabella mit 
Stephans Thronerben Ladislaus zu betrachten ist. '**) - 



"•) Fej^r VI, 1, 180—186. 

"•) Dass er am 21. October 1291 in Wiener- 
Neustadt gewesen, wie Wenzel V, 29 ver- 
muthet, konnte nur darin seine Erklärung finden, 
dass etwa damals die Entrevue mit Albrecht 
stattgefunden. 

>*•) Wenzel X, 26, 35. Hazai oklev^ltar 129. 

•**) Wenzel X, 27. Aus derselben Urkunde 
erfahren wir, dass Bemold Tellesbnmner, der 
an dem unglücklichen Feldzuge Albrechts 1286 



gegen die Gttssinger theilgenommen, später das 
Gebiet des Graner Erzbisthnms gepl&ndert und 
occupiert. Da er 1291 (31. December) nicht in 
der Lage war, dieSch&den zu ersetzen, schenkte 
Andreas am obigen Tage dem Erzbisthume die 
Stadt Bozsnyöbänya. 

"*) Vgl. alles nähere hierüber bei den be- 
treffenden in meinem Werke' „ Az Arp4dok csalädi 
tört^nete". 



- 25 — 

Ob schon 1269 der um die Vennehrung seiner Hausniacht nicht minder als 
Rudolf von Habsburg thätige und unermüdliche Karl von Anjou auf ein jemaliges 
Übergehen der Krone Ungarns auf die Capetinger gerechnet, entzieht sich heute 
unserer Beurtheilung. 

Die Ehe des Prinzen Karl mit der ungarischen Marie war eine so fruchtlmre, 
wie wh- sie nur selten bei ftkrstlichen Personen verzeichnet finden; nicht weniger 
als neun Söhne und fllnf Töchter waren ihr entsprungen; der älteste der Söhne, 
Karl Martell, war 1272 geboren und seit 1285, dem Todesjahre Karls L, der prä- 
sumtive Erbe der neapolitanischen Krone. 

Etwa um 1287 vermählte er sich mit Rudolf von Habsburgs Tochter Klemen- 
tine, die vordem mit Ladislaus' IV. Bruder Andreas verlobt gewesen, und aus dieser 
Ehe stammte der 1288 geborene Prinz Karl Robert. 

Ladislaus* IV. Tod gab nun mit einemmale den Familienverhältnissen am 
Hofe zu Neapel eine andere Wendung. 

Papst Nikolaus IV., der es nicht verschmerzen konnte, dass Andreas nicht 
aus seiner Hand mit der Krone Ungarns belehnt wurde, unterstützte die Aspirationen 
der neapolitanischen Königsfamilie, die m Ladislaus IV. den letzten männlichen 
Sprossen der Arpäden sah, Andreas ganz einfach nicht als Mitglied des ungarischen 
Königshauses betrachtete, und da Ladislaus' IV. ältere Schwester Katharma an den 
nichtkatholischen Stephan Dragutin von Serbien vermählt war, jetzt mit der Erklä- 
rung hervortrat, dass der ungarische Thron nunmehr erledigt und dessen recht- 
mäßige Erbin Königin Marie, Gattin Karls H. von Neapel, und ihre directe Nach- 
kommenschaft seien. 

Schon am 27. September 1290 nennt sich Karl Martell, Marias ältester Sohn, 
„König von Ungarn" und am 8. Jänner 1291 hat er gar schon Pmnz von Trogisio 
zu seinem Gesandten für ungarische Angelegenheiten ernannt."*) 

Am 21. April 1291 erließ Karl II. aus Vicenza an sämmtliche weltliche und 
geistliche Stände, Würdenträger und Einwohner Ungarns ein Manifest, worin er er- 
zählt, er habe zu seinem großen Erstaunen vernommen, dass nach dem Tode seines 
Schwagers Ladislaus irgend ein Venetianer namens „Andreatius" sich die Zügel 
Ungarns, das nach Ladislaus* Tode an seine Gemahlin und deren Erben gefallen, 
angeeignet habe. Er fordert sie nun alle auf, die usurpierte Herrschaft Andreas' 
nicht anzuerkeimen und sich ganz und gar seiner (lattin, der rechtmäßigen Erbin 
Ungarns, zu untei-werfen, da er gesonnen sei, gegen den Usurpator, falls dieser das 
Reich nicht freiwillig verlasse, mit Waffengewalt vorzugehen.**^) 

Welches Resultat dieses Manifest in Ungarn hervorgerufen, wissen wir nicht; 
dass anfangs und Mitte 1291 in Ungarn selbst irgend welche bedeutende Anhänger 
Karls aufgetaucht wären, ist uns unbekannt; anders stand aber die Sache in der 
Gegend jenseits der Drau, wo die zwei mächtigsten Magnaten, Duym von Veglia 
(aus der Familie Frangepan) und Radoslav , Ahn der Blagaj , sich entschieden flir 
die Anjou erklärten und am 6. Juni 1291 auf der Reise zum königlichen Hofe nach 
Neapel begriffen sind.'") Die Berichte, die sie daselbst über den Stand der Ange- 



if 



^ Magyar diplomacziai emläkek az Anjou- 
korbol (hier abgekürzt: ADE) I, 73, 75. 



«") ADE I, 76. 
»«•) ADE I. 77. 



— 26 — 

If^genheit in Ungarn gemacht, müssen sicher günstig gelautet haben, da Karl und 
Marie von Paris aus am 21. September desselben Jahres bereits Bevollmächtigte 
(darunter den Bischof von Ogentin, Von Aquila, von Betentin, den Richter Leo von 
Juvenario, Meister Hugo de Luca, Hofkaplan Franz von Trogiso, Walter von Mel- 
ficta) damit betrauen, dass sie von ganz Ungarn den Eid der Treue übernehmen 
und die Regierung daselbst so lange provisorisch leiten sollen, bis ihnen durch Karl 
oder den Prinzen Karl Martell andere Ordre gegeben werde. In Befolgung dieser 
königlichen Entschließung wies dann Karl Martell in den letzten' Tagen des De- 




Siegel Dujms lY. von Frangepan ddo. 1452. 



Siegel Johann Frangepans ddo. 1865. 



cember 1291 dem Bischöfe H. von Aquileja 60, dem Meister Hugo de Luca 36 
Goldgulden filr die Reise nach Ungarn an."*) Dass die Anjou jetzt so eifrig sich 
ins Zeug legten, hatte aber darin seinen Grund, dass ihnen in Ungarn ein mäch- 
tiger und einttussreicher Anhänger erstanden, nämlich kein (leringerer als Ivan von 
üüssing. 

Dieser Oligarch, der seme politische Gesinnung ebenso oft wechselte als sein 
Hemd, war durch die für ihn ungünstig lautenden Bestimmungen des Hainburger 
Friedens vom 28. August 1291 mit Andreas zerfallen und hatte nun nichts Eiligeres 



'•) ADE I, 78, 79, 80. 



— 27 — 

zu thun, als sich den Anjou, mit denen er übrigens schon 1285 in intimen Ver- 
kehr getreten war,'") in die Arme zu werfen, um seiner Belohnung fttr seinen 
Abfall von Andreas seitens der Anjou sieher zu sein, ließ er sieh durch Karl und 
Marie mittels Erlasses vom 5. Jänner 1292 ddo. Aix eine Vollmacht zum bewaff- 
neten Aufstande gegen Andreas und dessen Anhänger ausstellen."®) 

In Anhoffnung des nun auszubrechenden Bürgerkrieges in Ungarn übertrug 
Maria in Aix am 6. Jänner 1292 mittels feierlicher Urkunde ihre sämmtlichen 
Rechte in optima forma dem Prinzen Karl Martell und forderte Karl IL am 7. Fe- 
bruar sämmtliche Einwohner Ungarns neuerdings auf, Karl Martell als ihren König 
anzuerkennen. '^•) Dieser schickte denn auch am 5. April den Bischof Johann von 
Aquila, den Templer Hugo de Monte Rotundo, den Professor des bürgerlichen 
Rechtes Huguicio von Neapel und Guarin de Boys-Valeeto als seine Bevollmächtigten 




Siegel des Ban Ivan y. Güssing, 1286. 



nach Ungarn, nachdem Hugo de Monte Rotundo schon früher sich dahin einmal 
begeben hatte. Am 18. April stellte er den Bevollmächtigten ihre Oreditive aus und 
zwei Tage später sorgte er fiir die Herstellung eines Schiffes zu ihrer Abreise und 
fiir die Bestreitung der Reisekosten, wozu ihm der Florentiner Kaufmann Rainald 
Moccia 30, der Bischof von Oapaccio aber 25 Goldunzen lieh.*'®) Am 12. April 
bestätigte er Ivan von üttssing und dessen Sohne Gregor nach dem in Frankreich 



"^ Am 14. Mai 1285 wird Johann, Sohn 
des Bans Heinrich, als Officier und Familiaris 
ksrls U. aufgenommen. ADE I, 68. 



•») ADE I, 81. 

"«) ADE I, 84, 85. 

«•«) ADE I, 86, 87, 88, 89, 90 



— 28 — 

geltenden Lehensrechte die ihm bereits von Marie veriiehenen Komitate Ödenburg 
und Eisenburg, worauf er ihn am 21. April neuerdmgs zum Kriege gegen Andreas 
ermächtigte. 

Ivans Bemühungen hatten in Kroatien msofeme Erfolg, als die mächtigen 
Subi6, Ban Paul, Georg und Mladen sich gleichfalls filr die Anjou erklärten.***) 
An Geldunterstützung ließen Karl und Maria es auch nicht fehlen,*") und als 
schUeßlich auch Prinz üladislaus von Serbien, ein Vetter Karl Marteils, fllr letzteren 
fleißig Propoganda machte, schien bei einem Gelingen des Aufstandes der Güssinger 
Andreas' Sache vollkommen verloren zu sein. Im August 1292 war denn auch das 
ganze Herzogthum Slavonien (Prinz üladislaus, dem es Karl am 18. August ver- 
liehen, **') Ban ßadoslav und seine Genossen : Johann und Duym von Veglia, Modru« 
und Vinodol sammt ihren Verwandten: Paul, Georg und Mladen Subi6) auf Karl 
Marteils Seite, während Ladislaus' IV. Witwe Isabella flir SchaflFung von Anlehen 
ftlr ihren Neffen sorgte."*) 

Der Aufstand Ivdns endete, wie wir im nächsten Capitel sehen werden, noch 
im Sommer 1292 mit der Versöhnung des Bebellen und des Königs, so dass der 
ganze Putsch der Partei der Anjou nur große Geldopfer, aber keinen Erfolg gebracht. 
Badoslav und die Subid blieben zwar Anhänger Karl Marteils, aber von bedeutenden 
Parteigängern des Prätendenten im engeren Ungarn ist uns nichts bekannt. Die 
gesammte Action der Anjou ist denn auch bis 1295 nur mehr eine rein theoretische; 
Boten gehen hin und her,***) ohne aber etwas wesentliches zu erzielen. Am 
25. Jänner 1293 will Karl IL gar ein Heer unter Comraando des Hugo Busso de 
Sulcaco gegen Ungarn ausrüsten, Isabella ist noch immer filr die Freunde ihres 
Neffen bereit, mit Geldmitteln beizusprmgen ; am 22. Juni 1294 gibt Karl H. abermals 
bekannt, dass er zur Geltendmachung der Eechte Karl Mai'tells ein Heer gegen 
Ungarn senden werde, sammelt auch von den tuszischen und lombardischen Städten 
Hilfsmittel flir diesen Feldzug; Karl MarteÜ wendet sich Ende 1294 auch an den 
Papst,"*) aber dies alles hat schließlich keinen wesentlichen Erfolg. 



Die Gegend jenseits der Drau war für die Ärpadenkönige stets die gefähr- 
lichste ; Kroatien , Slavonien und Dalmatien war immer der Ausgangspunkt der Ope- 
rationen der Unzufriedenen, gleichviel, ob sie dem Königshause angehört oder dessen 



•") ADE I, 86, 86. 
»»») ADE I, 92, 93. 



***) Prinz Ladislaus sagte sich aber bald 
von den Anjou los, indem er sich am 24. August 
1293 (Wenzel V, 92) mit Albert Morosinis 
Enkelin, Constanze Morosini, verlobte. Ob aber 
die Verlobung zur Ehe geführt, wissen wir nicht. 

»»•) ADE I, 94, 96, 97. Um diese Zeit (1292) 
finden wir folgende Ungarn am Hofe der Anjou : 
1) Dominik, Scutifer und Familiaris der Königin 
Marie, 2) Nikolaus, Abt und Propst von Arad, 



8) Johann, gewesener Abt von Sz^pkut, (Gesand- 
ter Karl Marteils, 4) Georg, Secretar Karl 
Marteils, 6) Volcectus, ein Verwandter des Bans 
Paul (18. Jänner 1293), 6) Kosmas, Valliotoa und 
Familiaris Karl Marteils (31. August 1293), 

7) Hugo, am 11. J&nner 1294 Richter in Nocera, 

8) Sondin aus Gran (4. Mai 1294), 9) Nikolaus, 
HofgeistUcher Karls U. (6. Mai 1294). ADE I, 
92, 93, 97, 98, 100, 101, 102, 103, 113. 

"•) ADE I, 101, 113. 

>••) ADE I, 102, 113, 115, 116, 117, 120, 121. 



— 29 — 



Unterthanen waren. Die Könige selbst waren vom Schauplätze zu weit entfernt und 
die jüngeren Prinzen, sowie die Bane des Landes hatten infolge dessen einen fast 
selbständigen Wirkungskreis, der sie sehr leicht im Bewusstsein ihrer Macht zu 
einem Missbrauche derselben verlockte. Da sich dazu noch der Umstand gesellte, 
dass das Herzogthum Slavonien ringsum zumeist von nichtungarischem Gebiete be- 
grenzt war, musste das Amt eines Bans in verlässliche Hände gelegt werden. 

Andreas HI., der noch aus der Zeit, wo er selbst das Herzogthum inne hatte, 
die Verhältnisse kannte, übertrug sofort nach seiner Krönung die Banswürde auf 
Ivdns Bruder, Heinrich von Güssing, den wir bis zum 9. October 1291 als solchen 
finden :''^) nach ihm stoßen wir 1291 auf Georgs Sohn Alexander dg. Gutkeled als 
Ban und Heinrich kommt erst 1301, nach Andreas' Tode, wieder als Ban von 
Slavonien vor. Aber auch Heinrichs Bruder Ivan, der seit Andreas' Krönung sich 
unter den Eeichswürdenträgern befand, figuriert seit 9. October 1291 nicht mehr 
unter ihnen; an diesem Tage war er noch Obertavernicus des Königs und Ober- 
gespan von Ödenburg. *•*) Das gleichzeitige Abtreten dieser beiden Brüder (der 
dritte unter ihnen, Palatin Nikolaus, fungiert noch am 21. November 1291 und — 
wenn die Quelle (Wenzel X 93, 191; XH 537; Zalai okmdnytär I 114) sich nicht 
irrt, selbst 1292, 1295 und 1296) muss also in ihrem uncorrecten Verhalten seinen 
Grund gehabt haben. 

Ivdn von Güssing und seine Anhänger hatten sich, wie eben erwähnt, seinerzeit 
nur deshalb Andreas angeschlossen, weil sie von ihm, dem Sprossen der nationalen 
Dynastie, am ehesten erwarten durften, dass er ihnen ihre von den Österreichern 
occupierten Güter zurückstellen werde. Nun hatte aber der Friedensschluss von Hain- 
burg sie in dieser Beziehung gründlich getäuscht; die Bestimnmng nämlich, dass 
manche Güter der ungarischen Adeligen, damit ein ftir allemal jede Gelegenheit zum 
Ausbruche neuer Feindseligkeiten benommen sei, ihrer Befestigungen beraubt werden 
sollen, war in erster Linie gegen die Güssinger und deren Verschwägerte, die Herren 
von Mattersdorf, gerichtet."®). Infolgedessen konnten die räuberischen Güssinger 
sich nicht mehr mit ihi-er Beute hinter die sicheren Mauern ihrer Burgen zurück- 
ziehen, sondern sie standen auch jederzeit gegen feindliche Angriffe ungeschützt; 
und dies alles hatte Andreas ratificiert! 

Der trotzige Ivan antwortete sofort mit seinem Abfalle von Andreas und seinem 
Anschlüsse an die Anjou, deren Hauptanhänger sich damals im Herzogthume Sla- 
vonien concentrierten, und die nun im Vereine mit Ivan einen vom neapohtanischen 
Hofe nach jeder Bichtung unterstützten Aufstand gegen Andreas inscenierten. 

Oben haben wir bereits mitgetheilt, dass Ivan schon am 5. Jänner 1292 von 
Karl n. und Maria die Vollmacht erhalten, gegen Andreas und seine Anhänger den 
Krieg zu eröfihen, und dass Karl Martell am 21. April 1292 diese Vollmacht er- 
neuerte. Dass aber die Feindseligkeiten schon vor 21. April gegenseitig eröffnet 
wurden, ersehen wir aus Folgendem: 



»") Wensel X, 4, XH, 610. 
«») Wenzel XU, 610. 

*••) Urkunde Andreas' ddo. 1294, worin er 
anftthrt, dass Sohloss Nagymarton, Eigenthum 



der Grafen Simon und Michael, infolge des mit 
Albrecht geschlossenen Friedens geschleift 
wurde. Pej6r VI, 1, 293. 



— 30 — 

Am 28. März (1292) ist Andreas noch in Ofen. "®) Am 12. April bezeugt aber 
das Ofener Capitel, dass das Graner Capitel gewisse Besitzurkunden am 13. April 
hätte dem Könige im Originale vorlegen sollen ; da aber der König jetzt in fernen 
Gegenden seines Reiches weile und das Capitel wegen der Gefahr der Wege und 
der Unbilden der unfriedlichen Zeit sich ftirchte, dem Könige die Originalurkunden 
nachzusenden, habe es vorgezogen, dieselben durch das obige Capitel in beglaubigter 
Form umschreiben zu lassen. Somit musste die Mobilisierung seitens Andreas 
bereits anfangs April erfolgt sein.^**) 

Die Einzelheiten dieses jenseits der Drau gegen die Güssinger und die An- 
hänger der Anjou geführten Feldzuges sind gänzlich unbekannt; wir wissen nur die 
Dauer desselben und kennen einige Personen, die an des Königs Seite an dem Zuge 
theilgenommen. 

Mit Bezug auf die Dauer bietet uns das ürtheil des Vicereichsrichters Paul vom 
21. Juli 1292'^^) bestimmte Daten. Das Graner Capitel hatte nämlich den oben- 
erwähnten Besitzprocess (gegen die Graner Kreuzherren) fortgeführt und wurde der- 
selbe aus den oben mitgetheilten Gründen mit Übereinstimmung beider Parteien auf 
den 1. Juni 1292 verschoben. An diesem Tage präsentierte das Gmner Capitel dem 
Könige die durch dasselbe beglaubigte Abschrift der Originaldocumente , worauf die 
geklagte Partei darauf bestand, dass die Originalurkunden dem Könige vorgelegt 
werden müssten. Andreas verschob infolge dessen den Process auf den filnfzehnten 
Tag des bereits angeordneten Efickzuges seiner Armee und setzte hinzu, dass, falls 
er sich damals jenseits der Drau befände, die Originalurkunden dem Vicereichsrichter 
vorzulegen seien. An dem bestimmten Termine, dem 15. JuH 1292, wurden denn 
auch die Documente dem Vicerichter Paul vorgelegt, der den Process zu Gunsten 
des Graner Capltels entschied. 

Eesuraieren wir nun das Gesagte, so ergeben sich hieraus folgende Daten: 
Der ROckzug der jenseits der Drau operiert habenden königlichen Armee war auf 
den 1. Juli 1292 festgesetzt, somit musste der gegen die Güssinger geführte Feldzug 
bereits einige Wochen vor dem 1. Juli, also etwa Mitte Juni bereits beendet ge- 
wesen sein, was übrigens Andreas selbst bereits am 22. Juni 1292 bestätigt, wo 
er von diesem Feldzuge als von einer schon verflossenen Sache spricht."') 

Andererseits ist es aber auch nur so erklärlich, dass Andreas seinen Gesandten 
Paganello de Vicopisano damals an Eduard I. von England schicken und diesem auf 
eigene Kosten ein aus 1000 Manu gemischter Waffengattung bestehendes Hilfscorps 
für einen Kreuzzug ins heilige Land versprechen und ihn zum Durchzuge durch 
Ungarn einladen konnte"^). 

Dass der Feldzug mit einem zwischen Andreas und Ivdn geschlossenen Frieden 
sein Ende gefunden, ist urkundlich festgestellt, aber weder seine Bedingimgen, noch 
seine genaue Zeit kennen wir. 

Weit entfernt davon, dass mit dem Friedensschlüsse es zu einer Versöhnung 
mit dem trotzigen Oligarchen gekommen wäre, stoßen wir vielmehr jetzt auf eine 



»*•) Wenzel X, 77. Fej^r VI, 1, 293 ] >*») Wenzel V, 67. 

»*») Knauz, Monum. eccl. Strigon. II, 821. j ^^) Vgl. Antwortschreiben Eduards do. Ber- 

"«) Knauz, 1. c. 829. wick, 23. Juni 1292 ap. Wenzel V, 69, 70. 



- 81 - 



in der Geschichte nicht oft beobachtete Erscheinung, Ivan hatte nämlich den König 
durch Vorspiegelung des geschlossenen Friedens tiberlistet und den auf Grundlage 
des Friedens sich sicher wähnenden, unter uns nicht näher bekannten Umständen 
gefangen genommen.***) 

Dass die Gefangennahme Andreas' durch Ivan 1292 erfolgt und nicht — wie 
eine Anzahl von ausländischen Quellen angibt"*) — früher, ist erwiesen; mit Bezug 
auf ihre Dauer haben wir jedoch auf folgende Daten Rücksicht zu nehmen : "^) 

Wie wir oben gesehen, befand sich Andreas am 12. April 1292 schon auf 
dem fernen Feldzuge und war er noch am 21. Juli jenseits der Drau. Am 29. Mai 
war er er in Agram, wo er dem ihm treu ergebenen dortigen Domcapitel die 
Agramer Ma^-ktmauth verlieh.**®) Dass er sich noch am 18. JuH in Agram auf- 
gehalten, dürfen wir aus der Urkunde Wilhelm de Peymes', des Großmeisters der 
ungarischen und slavonischen Templer schließen, der an diesem Tage die Erklärung 
abgibt, dass er, während er den König nach Agram begleitet, im Interesse des 
Ordens so viel Spesen gemacht, dass er bei seiner Ankunft in Agram aller Geld- 
mittel entblößt war."*) Am 4. August ist Andreas in dem im Agramer Komitate 
gelegenen Ivanczi, wo er eine Deputation der Stadt Ödenhurg empfangt und ihr die 
beruhigende Versicherung gibt, dass er Ivan von Güssing, den Obergespan von 
Ödenhurg und Eisenburg, nicht zum Stadthauptmann ernannt habe. **®) Vom 4. August 
nun bis zum 26. November 1292, also fast vier Monate lang, stoßen wir auf keine 
Urkunde Andreas*, und dies ist jene Periode, während welcher er in 
Ivans Gefangenschaft gesessen. 

Ob Ivan von Andreas die Stadthauptniannschaft von Odenburg verlangt und 
er aus Zorn über des Königs abschlägigen Bescheid ihn gefisingen genommen, oder 
ob Gründe ganz anderer Natur ihn hiezu bewogen, lässt sich ebensowenig ermitteln, 



*^ „Cum Magister Johannes filius Henrioi 
Bani rupto pacis federe inter nos et 
ipsam ordinato...*' Wensel XII, 526. 

„Cum Johannes filius Henrici Bani pravo 
cogitacionis desideria in secreto sui cordis con- 
cepta foras in opus perducere non formidans 
sed atrocitato orrendi criminis tarn se quam 
saoB posteros maculando, in quibus paris sceleris 
ezemplum metuuntur, ipsum Begem Andream 
dominum suum naturalem, captata opportunitate 
temporis, fidem seu fidelitatem violando 
p Olli ci tarn captivasset. . . **. 

Urkunde Thomasinas ddo. 1295, Wenzel 
X, 186. 

•*•) Bloß der Fortsetzer der Mölker Chronik 
(Pertz S. S. IX, 510) setzt sie richtig auf 1292 

^"j Das Verdienst, dieselben einer kritischen 
Pr&fung unterzogen zu haben, gehört Karl Szabö 
in Szazadok 1884, Seite 108—110. 

•«) Fej6r VI, 1, 196. 

'**) Wenzel X, 79. Somit ist die Angabe in 
Tkalöiö, Monum. eocl. Zagrab. I, 228, Andreas 



sei am 30. Juni 1292 in Somogy gewesen, falsch. 
Die Ton Tkalöiö mitgetheilte Urkunde gibt nur 
den Tag, nicht aber das Jahr an. 

»•«) Wenzel V, 68, 69. Allerdings ist in 
dieser Urkunde das Jahr nicht genannt; da 
aber Andreas im Monate August sich hier 
während seiner ganzen Begierung in keinem 
anderen Jahre aufjgehalten, ist sie entschieden 
1292 ausgestellt. — Auch Karl Martell dankt 
in einer ohne Jahreszahl datierten Urkunde den 
Herren von Brebir (Subit"), dass sie mit ihren An- 
hängern sich den Bestrebungen des ungarischen 
Usurpators (= Andreas III.) widersetzten, 
schiebt aber die Erfüllung ihres Ansuchens, er 
möge einige Galeeren an die Meeresküste schicken, 
jetzt deshalb auf, weil — wie er dem Berichte 
ihres Gesandten und den Meldungen anderer 
entnimmt — der Usurpator sich bereits 
zurückgezogen. Letzterer Passus hat ent- 
schieden auf Andreas* Rückzug aus Slavonien 1292 
Bezug. (ADE I, 86). 



-Sa- 
als Tag und Ort der Gefangennahme. Mit Bezug auf den Ort ist nur sicher, dass 
die Gefangennahme jenseits der Drau erfolgte.^") 

Wir haben uns den Vorgang entschieden so vorzustellen, dass der im Geftthle 
voller Sicherheit aus Slavonien heimkehrende Andreas, von nur kleinem Gefolge 
begleitet, hinterlistig überfallen und in sicheren Gewahrsam gebracht worden, wo 
ihn Pauls Söhne Nikolaus und Andreas , Lubyan, Sohn dieses Nikolaus , Dominik, 
Sohn dieses Lubyan , Kornel und Stephan , femer die Söhne Valentins und Ohompos, 
sämmtlich Sehlossunterthanen von Wieselburg aus dem im Baaber Komitate ge- 
legenen Budey, bewachten und im Auftrage Iv4ns mit aller Härte behandelten.'**) 

Da uns die Details der Gefengenschaft vollkommen unbekannt sind und wir 
nur wissen, dass Andreas* Freilassung durch die aufopfernde Freigebigkeit einiger 
semer Treuen erfolgte, müssen wir die hierauf bezughabenden Documente näher 
besprechen. 

1. Thomasina sagt 1295, dass, da sich Ivan geweigert, den König ohne Stellung 
von Geiseln freizulassen, Nikolaus' Sohn Comes Ladislaus sich freiwillg als Geisel 
gestellt und sich aus Johanns Klauen nur dadurch befreien konnte, dass er flir sich 
ein Lösegeld von 200 Mark erlegte und einen seiner Söhne statt sich als Geisel 
stellte. Der arme Knabe fiel aber der Pestluft des Kerkers zum Opfer, indem er 
dort sein lieben aushauchte.*") 

2. Andreas' Sohn Ivinka dg. Huntpäzmdn (Ahn der Forgach) ist mit Andreas 
auch gefangen genommen worden und ein volles Jahr in der Gefangenschaft ge- 
blieben. »»*) 

3. Ban Lothard und sein Sohn Ladislaus dg. Gutkeled haben sieh an dem 
Feldzuge gegen die rebellischen Söhne Heinrichs betheiligt.'**) 

4. Vicekanzler Theodor von Tengerds Bolle in dieser Action wird von Andreas 
folgendermaßen geschildert : „Als wir uns jenseits der Drau aufhielten und Propst 
Theodor auf unseren Befehl mit unserer Armee und seinem eigenen Fähnlein vor- 
auszog (d. h. als die Armee sich heimwärts nach Ungarn begab) und uns nach 
Abzug unserer Truppen einige Beichsgroße gewaltsamerweise zurückhielten und in 
den Kerker warfen, hat er all unser Gut, insbesondere die (lold- und Silbergeschirre 
des Königs und der Königin, unsere und unserer geliebten Gattin, der 
Königin, Kleidungsstücke gegen alle Angriffe der wüthenden Menge geschützt und 
uns ohne jeden Abgang zurückgestellt; und als wir längere Zeit hindurch im Kerker 
geschmachtet, hat er, um uns zu befreien, drei seiner Neffen und seinen einzigen 
Bruder Ladislaus ftlr uns als Geiseln gestellt, die dann an unserer statt in schwere 
Fesseln gelegt wurden." **®) 

Aus dieser Urkunde geht mit Bestimmtheit hervor, dass Fenenna zur Zeit der 
Gefangennahme Andreas' sich an dessen Seite jenseits der Drau befunden. Dass sie 
seine Gefangenschaft aber nicht getheilt, ist sicher, da sie*dies sonst in ihrer Dona- 
tionsurkunde fiir Propst Theodor hätte erwähnen müssen. 



>") Pej6r VI, 1, 238. ! '*•) Wenzel X, 186. 

>") Wenzel V, 123 ddo. 27. September 1296. i '•*) Fej^r VI, 1, 300, 301. 

wo Andreas Budey das Eigenthum seiner ge- »••) Urkunde ddo: 22. Juni 1292; Wenzel 

wesenen Kerkermeister einigen Mitgliedern des V, 66. 

Genus Pöcz'schenkt. l '••) Fej^r VI, 1, 288, 240. 



— 88 — 

5. Btizads Sohn Oehuz dg, Buzdd-Hahold hat an dem Peldzuge gegen die 
Söhne des Bans Heinrich theilgenommen, dabei sein Castell verloren und an seinen 
Besitzungen Schaden in der Höhe von 1000 Mark erUtten. um den König aus der 
Gefangenschaft Johanns zu befreien, stellte er seinen einzigen Sohn (Johann, Ahn 
der Szabari) als Geißel. ^*^) 

6. Doroszl6 (Ahn der Rumy) hat zur Befreiung des Königs, die er in man- 
nigfachen Verhandlungen angestrebt, seinen eigenen Sohn als Geisel 
gestellt.»") 

7. Nikolaus von Kalota, der rait Andreas zusammen „schon vordem den Kelch 
der Bitternisse geleert", durchbrach angeblich die Beihen der Rebellen und befreite 
mit Hilfe einiger Treuen den König aus der Gefangenschaft. **•) Hieraus ersehen 
wir, dass Ivan vielleicht erst nach einem erfolgreichen bewaflfneten Handstreiche 
einiger Königlicher sich gegen Stellung von Bürgen zur Freilassung Andreas' ver- 
stÄnden.»*<>) 



8. 



Wenn wir uns dem Glauben hingäben, Andreas habe nun nach dem erneuerten 
Frieden mit Ivan von Güssing endgiltige Euhe gefiinden, so irrten wir uns gewaltig. 
Die Unruhen und Kämpfe waren nur für kurze Zeit zurückgedrängt; im Stillen 
glimmte es an verschiedenen Seiten des Reiches weiter , um bald wieder in hellen 
Flammen aufzulodern. 

Und abermals ist es der Boden des Herzogtbums Slavonien, wo uns die flam- 
mende Lohe entgegenschlägt. 

Die Ereignisse nach Andreas' Thronbesteigung und der Feldzug gegen Öster- 
reich hatten es Andreas nicht ermögUcht, einem sicherlich schon längst gehegten 
Wunsche, seine Mutter Thomasina zu sich nach Ungarn zu bringen, Genüge zu 
leisten. Der glückliche Erfolg des österreichischen Feldzuges war ihm nun höchst 
willkommener Anlass, diesen Wunsch zu erfüllen. *®0 



»•') Wenzel XII, 626, 626. 

'■•) Wenstel XU, 680. 

***) «ipse Nioolaos fidus antea lam miseria^ 
nun et perpessarum ii^uriaram socius. . .medios 
rebelliom caneos vinliter summaque animi con- 
stantia pernimpens, moxque fidelium nonnul- 
lorum nostroroin stipatus auiilio, brevi post 
alme libertatis nobis restituerit aoram". F^^r 
VII. 4, 238. (Diese Urkunde ist sicherlich ein 
Falsificat.) 

'^) Anzuführen wäre noch, dass sich Andreas 
am 26. December 1292 in Agram aufgehalten; 
Tkalöid, Monum. ciyit. Zagrab. 71. Um diese 
Zeit — 1292 — dürfte auch Schloss Zynch 
(Szenicz)Ton Andreas' Gegnern occupiert worden 
sein, das dann Veit Yon Tördemicz, Bruder des 



Propstes Paul von Hanta, dem Könige zurück- 
eroberte. (Fej^ VI, 1, 290. Eine andere Notiz 
auf Szenicz finde ich nicht. Veit wurde vor 
Zynch am Fuße yerletzt.) 

'"*) Höchst auffallend ist es, dass Andreas 
keinen einzigen seiner zwei natürlichen Brüder, 
die doch sein Vater Stephan in seinem Testa- 
mente ausdrücklich mit Legaten beschenkt, 
nach Ungarn gerufen und dass er die ihnen 
von Stephan testierten Renten — wenigstens nach 
unserem Wissen — nicht ausgesetzt Eine solche 
Missachtung des y&terlichen Willens wäre denn 
doch nicht leicht annehmbar. Die Sache findet 
am ehesten darin eine Erklärung, dass die beiden 
natürlichen Söhne Stephans schon yor Andreas' 
Thronbestägung mit Tod abgegangen. 

3 



— 34 — 

Schon am 1. September 1291 ertheilte der venetianische Staatsrath dem Johann 
Cornaro die Erlaubnis, die Königin-Mutter Thomasina nach Ungarn zu begleiten und 
sich daselbst sechs Monate lang aufhalten zu dürfen. Am 22. September designiert 
der Staatsrath ferners eine feierliche Gesandtschaft an Andreas, um ihm ihre Gltick- 
wtinsche zu seiner Thronbesteigung auszudrücken und die Erneuerung der zwischen 
Ungarn und Venedig bestehenden Verträge unter günstigen Bedingungen zu er- 
wirken, und werden am 23. September dieser Gesandtschaft reiche Geschenke fiir 
die Königin Fonenna bestimmt. Nichtsdestoweniger erfolgte aber Thomasinas Abreise 
im Jahre 1291 noch nicht und designiert die Signoria am 6. Mai 1292 neuerdings 
eine Gesandtschaft, die als Begleitung der Königin-Mutter zu Andreas sich begeben 
sollte. '«2) 

Erst am 18. September 1292'®') treffen die Zaratiner Vorbereitungen zum 
Empfange der hohen Keisenden. 

Andreas hatte seiner Mutter den Meister Ugrin (aus dem Ujlaker Zweige des 
Genus Csak) entgegengeschickt und mit dieser Mission Ugrins begannen die Ope- 
rationen der Antiköniglichen. Ugrin wurde durch einige derselben gefangen ge- 
nommen und konnte nur durch das bewaffnete Eingreifen des Bans Kadoslav (von 
Blagaj), den Andreas im Sinne des Hainburger Friedens wieder in Gnaden auf- 
genommen hatte, befreit werden. Radoslav, der seine Gesinnung nicht w^eniger selten 
als Ivan wechselte, beharrte diesmal ausnahmsweise in seiner Treue, die er mit dem 
Tode eines seiner Verwandten während des Kampfes um Ugrins Befreiung mani- 
festierte. Ja, er gieng sogar so weit , dass er Andreas' Rufe , der wegen wichtiger 
Regierungsgeschäfte sich nicht persönlich auf den Schauplatz l>egeben konnte, Folge 
leistend, die durch die gegnerische Partei gefährdete Ankunft Thomasinas dadurch 
möglich machte, dass er allen feindlichen Anschlägen trotzend und auf eigene sehr 
bedeutende Kosten der Königin-Mutter selbst entgegenzog und sie unter allen ihr 
zukommenden Ehrenbezeugungen glücklich nach Ungarn brachte.»**) Hier erhielt 
Thomasina den Rang einer Königin-Mutter \md ihren eigenen Hofstaat. 

Radoslavs energisches Eingreifen hatte zur Folge, dass in Slavonien flir kurze 
Zeit dauernde Ruhe hergestellt wurde; wenigstens ist uns nichts davon bekannt, 
dass während der Dauer seiner Function als Ban von ganz Slavonien***) die Gegner 
Andreas' offen gegen ihn aspiriert hätten. 

Es war aber hoch an der Zeit, dass hier Ruhe eingezogen, denn schon tauchten 
auf einer anderen Seite des Reiches die Vorboten einer Empörung neuerdings auf. 

Wie wir bereits dargestellt, waren unter jenen Oligarchen, die nach Ladislaus IV. 
Tode sich sofort zur Partei Andreas' schlugen, unter anderen die Enkel Barnabas', 
Söhne Thomas dg. Borsa, insbesondere aber Thomas' Sohn Roland, den wir bis 
11. Juli 1293 als Wojwoden von Siebenbürgen antreffen.***) 

Wie die Güssinger, hatten sich aber auch Thomas' Söhne in Andreas ver- 
rechnet. Weit entfernt davon, in ihm ein gefügiges Werkzeug ihrer Willkür zu 



»•") ÖvÄry, Regesten 42, 48. 
"•) Nicht 1291, wie es bei Pejer VI, 1. 
185 steht. 

»•*) Haxai okmänytdr VII, «SO, 231. 



>") Als solchen kennen wir ihn vom 13. Sep- 
tember 1292 bis 11. Juli 1293, Hazfti okmänj- 
t^ VI, 888, VII, 281, Vm, 819. 

«•^ Hatai okmÄnytÄr VII, 219, 282. 



— 35 — 

finden, machte sich in ihm mehr und mehr das Bestreben geltend, sich von ihnen 
zu emancipieren, und das durch sie so stark niedergedrückte Ansehen der Krone 
moralisch und materiell zu heben, und eben diese materielle Eichtung war es, die, 
ins Fleisch und Blut dieser kleinen Könige eingreifend, sie zum Auflehnen gegen 
den König reizte. 

Unter dem wüsten Eegime der letzten Jahre Ladislaus' IV. war theils durch 
den Leichtsinn des Königs, theils durch gewaltsame Anmaßung der ungezügelten 
Oligarchen eine heillose Wirtschaft in den Krongütern vor sich gegangen. Ohne viel 
lun Recht und Gesetzlichkeit zu fragen, declarierten sich zahllose Leute als Besitzer 
solcher Güter, und Ladislaus' Tod und die bald nach Andreas' Kegienmgsantritte 
eingetretenen inneren und äußeren Verwicklungen ließen in den unrechtmäßigen 
Besitzern die. Hoffnung wadi werden, Andreas werde sie in ihrem Besitze unan- 
gefochten lassen. Sie wurden aber gründlich enttäuscht. 

So lange er seine Position für nicht genug stark gefunden, schwieg er über 
diesen wunden Punkt ; nach Bezwingung der Güssinger und der Slavonier im Jahre 
1292 begann er aber auch in dieser Richtung, energisch aufzutreten. 

Speciell aus den Jahren 1293 und 1294 ist uns bekannt, dass er strenge Ordre 
ertheilt, die Güter eines jeden genau zu vermessen und über die Provenienz ihres 
Besitztitels Untersuchungen zu machen. Am 17. März 1293 sagt er selbst, dass er 
die Gegend von Zolyom, Turöcz und Lipto bereist, um die dortigen besitzrechtlich 
verschrobenen Verhältnisse zu ordnen und namentUch alle jene Güter, die auf welche 
Weise immer der Krone entfremdet wurden und wann immer von seinen 
königlichen Vorgängern verliehen wurden, frisch vermessen und dem 
Kronbesitze wieder einverleibt werden sollen, wobei er sich selbstverständlich das 
Recht vorbehielt, Jene, die auf ganz rechtliche Art zu solchen Gütern gelangt, in 
denselben weiter zu belassen. **') Dass nun solche Maßregeln Jene, die während der 
letzten Jahre durch Raub und Willkür, durch Missbrauch der Amtsgewalt und raffi- 
nierte Ausbeutung der politischen Verhältnisse sich in den Besitz eines großen 
Complexes unrechtmäßig gesetzt, zur höchsten Wuth gereizt und zu Todfeinden des 
Königs gemacht, liegt auf der Hand. 

Dies ist nun aller Wahrscheinlichkeit nach der Grund, warum Thomas' Söhne 
dg. Borsa, Roland an ihrer Spitze, 1294 die Fahne des bewaffneten Aufruhrs gegen 
Andreas entfalteten. Roland, der am 11. Juli 1293 noch Wojwode von Siebenbürgen 
war, taucht nach diesem Tage in dieser Eigenschaft nicht mehr auf, und so oft er 
sich 1294 in seinen Documenten „Wojwode" nennt, ist darunter nur mehr der Titel 
zu verstehen. Wann seine Fehde gegen Andreas und dessen Partei begonnen, ist 
unbekannt, aber dass sie jedenfalls im Mai 1294 schon sehr acut gewesen, ist un- 
zweifelhaft. 

Bischof Benedikt von Großwardein war nämlich ein ergebener Anhänger An- 
dreas' und infolge dessen kam es zwischen ihm und Roland zum Zusanunenstoße. 
Roland belagerte das bischöfliche Bergschloss Fenes (heute Bölavära), das von des 



'«») Fejör VI, 1, 242. Im December 1294 



missär die Besitsverhaltnisse untersaohe. — 
Hasai okminjtir VI, 410. 



erscheint der Obergespan yon Zips, Bald, damit 
betraut, dass er daselbst als königlioher Com- i 

3» 



— 36 — 

Bischofs Bruder Jakob tapfer vertheidigt wurde. Endlich capitulierten die Belagerten, 
worauf ihnen Eoland am 23. Mai freien Abzug und sicheres Geleit zur Theiß, Maros 
oder in das siebenbürgische Gyalu zusagte.'/*®) Sicherlich war seine Nachgiebigkeit 
Folge der Kunde, dass Andreas bereits mit einem starken Heere gegen ihn, resp. 
gegen seine (im Biharer Komitate gelegene) Burg Adorjan heranmarschiere, denn 
alle Urkunden, die von dieser Expedition Andreas' sprechen, zeugen davon, dass sie 
im Sommer 1294 vor sich gegangen. Sicher ist ferner, dass Andreas in eigener 
Person erst nach dem 23. Juni gegen Adorjän gezogen, da er an diesem Tage 
noch in Ofen war.*®*) 

Die Einzelheiten dieses Zuges sind unbekannt. Von Theilnehmem kennen wir 
folgende : 

1. Kenes Sohn Paul, Schwestersohn des Wojwoden Hertwich, der vor des 
Königs Augen durch einen Pfeilschuss vor Adorjdn den Heldentod starb. ''®) 

2. Michaels Sohn Stephan dg. Gutkeled, Ahn der Marothy, ist vor Adorjiin 
verwundet worden.*'*) 

3. Olivers Sohn Nikolaus dg. Ratold, Obermundschenk des Königs.*'*) 

4. Thomas' Sohn Synka, der vor des Königs Augen vor Adorjdn verwundet 
wurde. *'•) 

5. Behars Sohn Amadeus aus Lipt6, der ebenfalls vor Adoijan verwundet 
worden. *'*) 

6. Morchukas' Sohn Johann von Neczpdl (Ahn der Justh), der vor Adorjan. 
gleichfalls sein Blut vergoss. *'*) 

7. Kompolds Sohn Peter dg. Aba, vor Adorjan schwer verwundet.*'*) 

8. Aladdr dg. Pecz (Ahn der Apponyi), der vor Adorjan gefallen.'") 

9. Stephkos Sohn Nikolaus, der vor des Königs Augen vor Adorjan durch 
einen Pfeilschuss am Fuße verwundet worden. *'•) 

10. Badons Söhne Mike und Bit6, die beide vor Adorjan verwundet worden. *'®) 

11. Meister Synka, der vor des Königs Augen vor Adorjdn verwundet wurde. **®) 

12. SchließUch der angebUche Nikolaus von Kalota, der durch einen gluck- 
lichen Sturm die Festung einnahm. *®*) 

Dass Adorjdn vor 17. September 1294 eingenommen wurde (denn am 6. Sep- 
tember campierte Andreas noch vor demselben) *82) ist durch die Urkunde in Hazai 
okmanytir VI, 407 nachgewiesen ; dass aber Eoland auf Andreas' Befehl hingerichtet 
worden wäre, wie dies sehr namhafte Schriftsteller allgemein behaupten, ist nicht 
bewiesen. 



**») Weiwel X, 168. 

^^) Tkalöiö, Monam. eccl. Zagr. I, 233. 

*»•) Hazai okmÄnyUr VI, 407 ddo. 17. Sep- 
tember 1294. 

»»«) Wenzel X, 296. 

»w) Fej6r VI, 2, 26. 

'«) Pej6r VI 2, 269. 

"*) Wenzel V, 147. 

*») Hazai okminytÄr VI, 416. Fej^r VI, 
1, 343. 



»'•) Wenzel X, 149. XII, 706. Fej6r VI, 
1, 299. 

"») Wenzel V. 123. 
»»•) Wenzel X, 369. 
"») Pej^r VI, 2, 37. 
•«•) Fej^r VI, 2, 259. 
»•») Fejör VU, 4, 239. 
"«) Wenzel X, 148. . 



— 37 — 

Eoland wird nämlich am 3. und 26. December 1294 erwähnt; an letzterem 
Tage gar vom Könige selbst, ohne dass dieser seines Aufstandes gedenkt ;^**) 1296 
nimmt er an emem unter dem Vorsitze Thomasinas (damaliger Herzogin von Sla- 
vonien) abgehaltenen Sehiedsrichtersitzung theil, '**) und am 29. Juli 1298 figuriert 
er unter jenen Magnaten, die Albert Morosinis Indigenat bestätigen. *®*) Schließlich 
sagt dann König Karl Eobert am 3. September 1307, *®*) dass Wojwode ßoland „in 
sua fidelitate et servitiis meritoriis nobis fideliter et ferventer impensis, migravit ab 
hac luee, carnis debitum universae persolvendo". 

Dies alles beweist unwiderleghch, dass Andreas den besiegten und gedemüthigten 
Magnaten nicht strenge bestrafte, ihn aber noch viel weniger hinrichten Ueß, und 
wenn dieser Eoland noch 1298 als Anhänger Andreas' unter den Ersten des Eeiches 
figuriert, so ist der Passus der angebUchen Urkunde von 1297 : „que inde a tempore 
extirpatione eins nostro possidentur nomine" durchaus nicht auf die Hinrichtung, 
sondern auf die Unschädlichmachung Bolands zu beziehen, und hat er in Karl 
Roberts Diensten erst nach Andreas' Tode sein Leben beendet, wie dies ausdrück- 
lich die Urkunde von Andreas' Witwe Agnes am 15. Jänner 1301 zeugt, *®^) da er 
in derselben als lebend angeführt wird. 



9. 

Zur Zeit des Aufstandes Eolands nahm die minierende Thätigkeit der Anjou- 
Partei sowohl in Neapel als in Slavonien wieder größere Dimensionen an. Vergeblich 
hatte Andreas schon 1293 die mächtigen Subic dadurch an sich zu ziehen gesucht 
dass er ihnen, der Staatsverfassung widersprechend, die erbliche Banwürde des 
Küstenlandes verliehen;'®®) vergeblich war sein Streben, durch Ernennung seiner 
Mutter Thomasina zu ihrem Oberhernr in ihnen ein dynastisches Gefühl wachzurufen. 
Während er gegen Adorjan zog, berief Karl II. die Brüder Subic am 20. Juni 1294 
an seinen Hof, um sich mit ihnen über die in Sachen Ungarns einzideitenden 
Schritte zu berathen; zwei Tage später gab er in einem Edicte bekannt, dass er 
zur Geltendmachung der Rechte seines Sohnes eine Armee nach Ungarn senden 
werde ; am 5. Juli schickte er seinen Vertreter nach Tuscien und in die Lombardei, 
um in den dortigen Städten und Ortschaften Subsidien filr den zu eröfi'nenden 
Feldzug zu sammeln, und weist er seinem Sohne größere Geldsummen an. '*•) Auch 
Ladislaus' Witwe Isabella ist in Slavonien unermüdlich thätig, die Interessen ihres 
Neffen zu förderu und ihm Parteigänger zu werben. Eadoslav von Blagaj ist am 
1. September 1294 wieder auf Seiten des Prätendenten und treflFen wir seinen Ge- 
sandten, den Geistlichen Pontius und Ladislaus von Ossel gleichzeitig mit jenem 
Isabellas am obigen Tage an Karls Hofe, der ihr am 20. Februar 1295 bei Flo- 



>») Weniel X, 161, 169. 

•»*) Wenzel X, 238. 

»") Pej6r Vn, 6, 502. Wie wir später sehen 
werden, ist diese Urkunde falsch datiert ; nicht 
1292 soll es heißen, sondern 1298 



^^) Anjoukori okm&nytÄr I, 132. 

"') Fejör -VI, 2, 326. 

»") Fej6r VII, 4, 226. 

»••) ADE I, 114, 115, 116, 118. 




— 38 — 

rentiner Bankiers 200 Goldunzen anweisen lässt. Auch der Papst wird um diese 
Zeit in Angelegenheit der Ansprüche Karl Martells aufgesucht (7. December 1294). 

Außer Kadoslav finden wir am 1. April 1295 wieder Ivdn von Güssing in 
vollster Gnade des neapolitanischen Hofes, da ihm Karl 11. an diesem Tage seine 
sämmtlichen ungarischen Güter bestätigt. Außerdem stoßen wir auf einen ungarischen 
Magnaten namens Bartholomäus, der sich am 28. April 1295 von Karls Hofe wieder 
nach Ungarn begibt; Robert de Gudde, Präceptor der ungarischen Templer, begibt 
sich von hier gleichfalls am 28. August nach Ungarn.**®) 

Die Berathung mit den Subic galt selbstverständlich der Inscenierung eines 
Futsches im Interesse des Prätendenten, und da war denn natürlicherweise die 
Draugegend wieder als diejenige designiert, die zur EröfiFnung der FeindseUgkeiten 
den günstigsten Boden geliefert. 

Der Anjou-Partei war es gelungen, die Brüder Mizse und Haysa (sie waren 
mohanmiedanischer — sarazenischer — Abkunft) flir sich zu gewinnen und diese, 
von denen Mizse der letzte Palatin Ladislaus' IV. gewesen, entfalteten 1295 die 
Fahne des Aufruhrs, trotzdem Mizse vordem (10. JuU 1291) unter Andreas Ober- 
gespan von Bodrog und Tolna gewesen. 

Haysa und Mizse eröflfneten wahrscheinlich gleichzeitig die Feindseligkeiten. 
Pauls Söhne Johann und Paul, Edelleute aus dem Baranyer Komitate (Ahnen der 
Vejkei), die in Haysas Corps standen, überfielen das Castell Dan6cz, Eigenthum 
Thomasmas, das diese der Obhut des Veszpremer Propstes Andronicus , Vicekanzlers 
der Königin, anvertraut hatte und richteten dort einen Schaden von 1000 Mark an. 
Den von Andreas dahin delegierten Beamten des Propstes, namens Alexander, 
schleppten sie mit sich in die Gefangenschaft fort; einen anderen Beamten des 
Propstes, Demeter, tödteten sie in Chelecz; hierauf zogen sie gegen das Kloster 
Geth, wo sich der vom Propste gegen sie einberufene Heerbann concentriert hatte, 
und setzten es in Brand ; schließlich nahmen sie einen Verwandten des Propstes, 
Fanch, gefangen, der sich nur durch ein großes Lösegeld von ihnen loskaufen 
konnte. *•*) 

Mizse hatte unterdessen das gleichfalls Thomasina gehörige Schloss Szekcsö 
genommen. Gegen diesen wurde Palatin Nikolaus im Vereine mit dem uns schon 
bekannten Ladislaus, Sohn Nikolaus', abgeschickt, denen es auch gelang, den Gegner 
zu besiegen.*®*) 

Während sich dies im Baranyaer Komitate abspielte, hatten die Aufständischen, 
den Ban Eadoslav an ihrer Spitze, auch in Kroatien die Feindseligkeiten eröffnet. 

Einige slavonische Burgen hatten sich vor 28. Mai unter Karl Martells Ober- 
hoheit begeben. *•■) 



»••) ADE I, 120, 121, 122, 123. 6. Juni 1296 im Amte (Wenzel X, 191); Tom 

<*^) Fej^ VI, 8, 28, 29, 57. Andreas gab 11. Juli angefangen ist schon Amadens dg. 

dann die Güter der Söhne Paulr, Peterd, Yejk, < Aba Palatin (Hazai okm&nytdr VH, 282). Die 



Mark und Chabagota (alle im Baranyaer Komi- 
tate) dem Propste Andronicus (8. Juli 1296). 
»•*) Wenzel X, 186. Palatin N. ist noch am 



Belagerung Szekcsös erwähnt auch Andreas im 
September 1296, ap. Fejdr VI, 2, 19. 
»••) ADE I, 123. 



— 39 — 

Auch bei den Bebellen Mizse und Haysa stoßen wir auf keine exemplarische 
Beßtrafung seitens Andreas'. Unter seiner ferneren Eegierung tauchen sie nicht mehr 
auf. 1301 ist aber Haysa Obergespan von Baranya, Bodrog und Tolna (Zichy okma- 
nytÄr I, 106). Aus seinem späteren Auftreten wissen wir abermals, dass er ein ge- 
waltthätiger Mensch gewesen. So hatte er z. B. die Verlobung zwischen der noch 
nicht siebenjährigen Chala, Tochter Jakobs von Ovar dg. Györ, und dem noch im 
Knabenalter gestandenen Jakob, Sohne semes Bruders IVIizse, des gewesenen Palatins, 
erzwungen- Die Verlobung wurde 1318 und 1319 kirehlicherseits als null und 
nichtig erklärt, wogegen Jakob Ende 1319 Protest einlegte. (Anjoukori okmanytar I, 
481, 518, 537.) 

Von Haysas Gewaltacten im Jahre 1300 werden wir noch sprechen. 

Andreas hatte Badons Sohn Mike mit der Aufgabe betraut, Schloss Pozsega, 
die Besidenz der Herzogin, gegen alle feindlichen Angriffe zu schützen, da Thoma- 
sinas Heerbann gegen' die Bebellen ziehen musste. Es gelang auch Mike, die Burg 
Thomasina unversehrt wieder einzuhändigen.*®*) Thomasinas Heerbann zog unter- 
dessen gegen Badoslavs Schloss Orbaszkö, das nach heftigem Kampfe genommen 
wurde und wobei sich Grubuchs Söhne Tordislav und Blasius aus Orbäz in hohem 
Grade auszeichneten. *••) Am 8. November 1295 war der fünfzehnte Tag des allge- 
meinen Bttckzuges von Thomasinas Heerbann schon vorüber und sprach Thomasina 
au diesem Tage in Pozsega bereits ein Urtheil über einen Civilprocess aus.*^) 
Der kroatische Feldzug hatte somit an diesem Tage sein Ende erreicht. 

Trotzdem wollen wir aber nicht behaupten, dass dies einzig und allein durch 
die Waffenerfolge der königlichen Truppen erzielt wurde ; dass abermals die offenen 
Feindseligkeiten aufhörten, und fiir kurze Zeit auch die Machinationen der Anjou 
ihren bedrohlichen Charakter verloren, war zum Theile einer höheren Macht, als 
der ungarischen Armee zuzuschreiben. Karl Martell, der noch am 28. Juni 1295 
in Neupel seme Zustinmiung dazu gab, dass seine Schwester Margarethe den fran- 
zösischen Prinzen Karl von Alen^on-Valois heiratete, starb noch im Sommer dieses 
Jahres. **^ Bald folgte ihm im Tode seine Gattin Clementine; der einzige männliche 
Erbe seiner Ansprüche, Prinz Karl ßobert, blieb als siebenjähriger verwaister Knabe 
zurück. 

Mit Karl Martells Tode musste unbedingt in der Action. der Anjou-Partei vor- 
läufig eine längere Pause eintreten. 



10. 



Mit Karl Martell ist gleichzeitg eine andere Person gestorben, deren Tod auf 
die Bichtung des ferneren Lebenslaufes Andreas' von hoher Bedeutmig geworden. 



'»•) Fej^r VI, 2, 87. 
•••) Hasai okminyt&r VIII, 361. 
»•^ Wenzel X, 186, 187. 
«•») ADE I, 186. Karl liartellfl und seiner 
Gattin Todestag kennen wir nicht. Am 8. Sep- 



tember 1296 trifft seine Mutter Vorsorge, dass 
aus seinem Nachlasse seine Schulden gedeckt 
werden sollen. 1. c. 130. Clementine wird in 
dieser Urkunde noch nicht als verstorben be- 
zeichnet. 



- 40 — 

Königin Pennena , die am 8. September 1295 in Ofen dem Vicereiehsrichter 
Martin von Devecser noch ihren bei Papa gelegenen Besitz Isaj verliehen , *^) starb 
bald darauf mit Hinterlassung eines Töchterchens, der dreijährigen Elisabeth. So 
wenig wir von ihrem Wirken als Königin kennen, so wenig ist uns auch über die 
näheren Umstände ihres Todes bekannt. 

Für Andreas war durch diesen Todesfall die Frage einer neuerlichen Ver- 
mählung aus mehrfachen Gründen sehr acut geworden. Das verwaiste Töchterchen 
bedurfte der mütterlichen Aufsicht, Andreas aber eines männlichen Erben seines 
Thrones. Beiden Bedingungen hätte allerdings welche ungarische Landestochter oder 
welche ausländische Prinzessm immer entsprochen, Andreas benützte aber die Ge- 
legenheit seiner zweiten Brautschau dazu , um durch verwandtschaftlichen Anschluss 
an eine benachbarte regierende Familie sich gegen innere und äußere Feinde einen 
verlässUchen Bundesgenossen zu schaffen. 

Seit dem Frieden vom August 1291 war Andreas mit Albrecht von Österreich 
auf bestem Fuße gestanden , und wenn nicht alle Anzeichen trügen , hat er ihm 
1293 sogar Hilfe zur Erlangung des deutschen Kaiserthrones zugesagt, *•*) und selbst- 
verständUch musste Albrecht daftlr sich zu Gegenleistungen verpflichtet haben. Bei 
dem Zusammentreffen solcher gleichartiger Interessen war es daher ganz natürlich, 
dass Andreas jetzt seine Braut an dem benachbarten und verbündeten Fürstenhofe 
suchte, und sich fiir die am 18. Mai 1281 geborene Agnes, Tochter des Herzogs 
Albrecht, entschied. 

Prinzessin Agnes, von Kindheit an eine zarte, schwächliche Erscheinung, war 
durch ihre Erziehung den weltlichen Genüssen abhold geworden. Schon in früher 
Jugend entwickelte sich in ihr jener Zug exaltierter Frömmigkeit und Bigotterie, 
der ihr während ihres ganzen Lebens anhaftete. Nach österreichischen Quellen *^^) 
war sie schon im zarten Alter mit dem Römer Friedrich Colonna verlobt und soll 
nur aus ihrem besonderen Widerwillen gegen die eheliche Gemeinschaft diese Ver- 
lobung gelöst worden sein. 

Andreas' Werbung fand in Wien vollste Zustimmung. Am 8. April 1296 finden 
wir Andreas in Wien*®') und am 8. Juh desselben Jahres ist der Bischof Benedikt 
von Veszpröm (dg. Eäd), der sie zur Königin gekrönt hatte, bereits ihr Hofkanzler.***) 

Andreas' Fürsorge, sich an dem benachbarten Herzoge von Österreich eine 
Stütze zu suchen, war sehr begründet. Anfangs 1296 hatten die Tataren, die schon 
unter Ladislaus IV. wieder in Ungarn einbrachen, einen Einfall ins Macsoer Banat 
gemacht und von hier aus Patak heimgesucht, wo sie die Kirche der Prediger- 
mönche einäscherten, den Söhnen der Menna, gewesenen Amme Ladislaus' IV., und 
der neapolitanischen Marie, einen Schaden von 560 Mark zufligten und Mennas Sohn 



»•^ Hazai okm&nytär Vn, 242, Wenzel X, j «») Vgl, hierüber mein «Az Ärp&dok csalädi 

194 (wo ihr Kanzler Simon dg. Kathjz er- tört^nete" 675. 

wähnt wird). I «•») Hazai okm&nytär I, 24. 



*^) Am 24. April 1298 sandte Andreas den 
Toröczer Propst, Pramonstratenser J., seinen 
Gesandten nach Böhmen und Dentsohland; 
Hazai okley^ltär 135. 



•••) Wenzel XII, 596. Hingegen ist die 
Datierung in Hazai okmdnytär VI, 353 yom 
28. April 1290 und jene bei Wenzel X, 180 vom 
1. Mai 1296 — wo sie an beiden Stellen als 



— 4t - 

Jakob, Pfarrer von Patak, als Gefangenen mitflihrten. ^^•) ügrin dg. Csdk gelang es, 
im Vereine mit den Söhnen des Comes Urban : Mathias , Paul und Michael, nach 
Übersetzung der Save die Plünderer zu schlagen, wobei Mathias am Fuße verwundet 
wurde und zwei Tataren das Haupt abschlug, ügrin präsentierte dann dem in 
Ofen residierenden Könige die Häupter der Erschlagenen als Trophäe. ^^) 

Die Zeitbestimmung dieses Tatareneinfalles ist folgende: Der Vicereichsriehter 
Martin von Devecser constatiert am 5. Juni 1297, dass Matthäus von Hangony am 
27. März (1297) vor dem Erlauer Capitel Zeugenaussagen darüber vorgebracht, dass 
Nikolaus von Balog am Sonntag Judica jenes Jahres, in dem neuUch die Tataren das 
Königreich Ungarn heimgesucht, zur Zeit ihres Abzuges Matthäus' Schloss Bereny 
Oberfallen und Matthäus gefangen genommen habe. Am 10. Mai seien dann beide 
Parteien vor seinem Bichterstuhle erschienen etc.*°*) 

Der Sonntag Judica war 1297 am 31. März, somit konnte Matthäus am 
27. März noch keine Klage tlber Nikolaus' Gewaltthat einbringen. 1296 war aber 
Sonntag Judica am 11. März, somit ist der Tatareneinfall mit aller Bestimmtheit 
auf Anfang 1296 zu setzen. 

Nach Abzug der Tataren stellte sich eine viel schlimmere innere Verwicklung 
ein. Die junge Königin war noch kein halbes Jahr im Ijande, als die Oligarchie 
wieder ihr trotziges Haupt erhob und Andreas gegen sie zu Felde ziehen musste. 

Wieder waren es die Gtissinger, speciell die Briider Ivan und Nikolaus (der 
gewesene Palatin), die sich an die Spitze des Aufruhrs stellten. An ihrer Seite 
standen diesmal eim'ge andere Euhestörer, die den Aufstand der Güssinger als will- 
kommene Gelegenheit benutzten, um ihrem gewohnten Räuberhandwerke nach- 
zugehen. 

Obenan Moses von Daro, ein Großneffe des 1280 gestorbenen Palatins Moses H., 
der schon vor Jahren die Baranyaer Gegend, namentlich die Besitzungen des Bischofs 
von Pönfkirchen, unsicher machte und jetzt an der Seite des gewesenen Palatins 
Nikolaus von Güssing direct gegen den König auftrat.*®*) 

Ihm würdig zur Seite standen Kasimirs Söhne ügrin, Stephan, Peter, Ladis- 
aus und Ijambert aus dem Bcnyer Zweige des Geschlechtes Huntpizman, die die 
Besitzungen des Erzbischofs von Gran furchtbar verwüsteten und sich gleichfalls 
gegen den König auflehnten.**^'). Hingegen hatte sich Osl dg. Osl (Ahnherr der 
Ostffy) noch rechtzeitig von der Gesellschaft der Güssinger losgesagt, wofiir diese 
denn auch ihren ganzen Zorn gegen ihn kehrten."®) 

An des Königs Seite finden wir: 

1. Olivers Sohn Nikolaus dg. Katold, der einen Spion Ivans gefangen nahm, 
worauf Andreas denselben (er hieß Gregor) bei Kapornak hinrichten ließ."') 



Königin von Ungarn figuriert — entschieden ' gelebt, zweitens aber von einem Einfalle der 

falsch. An letzterer Stelle muss es 1296 beißen, i Tataren damals keine Bede sein konnte. Die 

"••) Wenzel X, 181. Urkunde ist somit frühestens 1296 ausgestellt. 

•^) Wenzel XII, 617. "") Urkunde Andreas* HI. vom 16. Sep. 

••) Hazai okley^ltär 156. In Wenzel IX, tember 1296, ap. Fej4r VI, 2, 19 

181, kann deshalb die Datierung der Urkunde i «•') Pej6r VI, 2, 69, 112. 

der Königin Agnes auch nicht richtig sein, ^') Soproni okminytär I, 61. 

weil erstens Fenenna am 1. Mai 1296 noch •••) Fej^r VI, 2, 26. 



— 42 - 



2. Mikas Sohn Paul von Okolicsna in Lipto, der vor des Königs Augen bei 
der Belagerung von dem durch Ivdn occupierten Köszeg den Heldentod gefunden.**^) 

3. Chuguds Sohn Andreas aus Leutschau, der an den Belagerungen sämmt- 
licher Burgen der Gtissinger theilgenommen und dafür in den Adel erhoben wurde.^") 

4. Tolvajs Sohn Peter aus dem Pressburger Komitate, der während der Be- 
lagerung der Somogyer Burg durch Stephan „T6th", einen Beamten Ivins, infolge 
von Verwüstungen seiner Besitzungen emen Schaden von 200 Mark eriitten.***) 

5. Madäcs' Sohn Paul, der vor Köszeg und Somogy schwer verwundet worden.*") 

6. B&s' Sohn Johann, ein Edelmann aus dem Tolnaer Komitate, der vor des 
Königs Augen bei Köszeg an dem Schulterblatte, an der rechten Hand und am 
Kopfe mehrfach verwundet, in Ivans Gefangenschaft gerieth, in der er ein volles 
Jahr verWieb. *") 

7. Stephks Sohn Nikolaus, der vor Schloss Somogy vor des Königs Augen 
schwer verwundet worden.*") 

Aus den urkundUchen Daten ersehen wir, dass der Hauptkampf um die von 
Ivan occupierte Burg Köszeg und um die von Nikolaus genommene Burg Somogy 
geführt wurde. Dass der Kampf nach 6. üctober 1296 schon beendet war, ersehen 
wir aus Andreas' Aufenthaltsorten. Am 18. imd 21. September, sowie am 6. October 
war er vor Schloss Köszeg, am 17. October bei Szenna, am 25. October aber wieder 
in Ofen.*") 



"•) Wenzel X, 262. 

"») Wenzel X, 269. 

"«) Wenzel V, 184. 

«•) Fej^r VI, 2, 263. 

•»*) Wenzel V, 206. 

•'•) Wenzel X, 269. 

'^*) Zur annähernden Bestimmung des An- 
fanges der militärischen Operationen diene Fol- 
gendes: Der Graner Propst Thomas sagt am 
2. September 1297, dass laut Erlass des jetzigen 
Palatins Matthäus, der aber damals, als er den 
Befehl erlassen, nur Oberstallmeister des Königs 
und Obergespan von Pressburg gewesen (näm- 
lich am 27. August), Andreas Sohn, Endre und 
Ivans Sohn, Enncz, dem Ladislaus yon Sarlo 
hätten 10 Mark erlegen sollen. Auf Befehl 
Andreas' IQ., den ein sicherer Bodo dem Propste 
überbrachte, wurde die Zahlung auf den 16. Tag 
des allgemeinen Kückzuges der königlichen 
Armee aufgeschoben^ die sich jetzt im Kampfe 
gegen Ban Heinrichs Sohn Johann, befindet. 
(Knauz, Monum. ecd. Strigon. II, 471). Nun 
war Matthäus dg. Csäk als königlicher Ober- 
stallmeister am 7. April 1296 auch Obergespan 
von Pressburg, während Csaks Sohn, Johann, 



am 1. Juli 1297 Oberstallmeister und am 8. Juli 
1297 Demeter dg. Kathyz Obergespan von Press- 
burg war. Somit musste Matthäus' Erlass vom 
27. August 1296 datiert sein und das königliche 
Heer 1296 gegen Ivan gekämpft haben. 

In einer ohne Jahreszahl ausgestellten Ur- 
kunde wird noch mitgetheilt, dass laut Ordre 
des Vicereichsrichters Martin von Devecser 
Michael von Eguk dem Enkel Csobänkas dg. 
Aba, Johanns Sohne, Ladislaus am 1. Mai eine 
gewisse Summe hätte vor dem Erlauer Capitel 
erlegen sollen. Am 1. Mai präsentierte aber 
Michael vor dem Capitel ein Schreiben des 
Königs, worin es heißt^ dass dieser Michael ein 
Beamter des königlichen Obertavernicus Dominik 
jetzt zum Heere des Königs mit seinem Ge- 
bieter Dominik einrücken müsse und dass er 
eine Terminverlängmmg bis zum 16. Tage des 
allgemeinen Bückzuges der Armee ansuche, was 
ihm das Capitel am 4. Mai auch bewilligte. 
Da nun Dominik, seit Andreas' Thronbestei- 
gung Obertavernicus war, ist es höchst wahr- 
scheinlich, dass obige Urkunde auf den Feldzug 
gegen Ivan Bezug hat (Wenzel V, 163). 



— 43 — 



11. 



Ob Andreas vor oder nach seiner zweiten Heirat bis 1298 von Albrecht miii- 
tarinch unterstützt wurde, iässt sieh aus dem urkundUchen Materiale nicht feststellen; 
wäre es geschehen, so hätte Andreas es sicherlich in einer jener zahlreichen Ur- 
kunden erwähnt, in denen er seines mannigfachen Verkehrs mit Albrecht gedenkt. 
Dafilr ist es aber urkundlich festgestellt, dass aus dem zwischen ihm und Albrecht ge- 
schlossenen Btindnisse letzterer ganz entschieden Nutzen gezogen, indem ungarische 
Waffen sich ftr ihn einsetzten. 

Albreeht, der in seinem Ehrgeize nicht verschniei*zen konnte, dass nach dem 
Tode seines Vaters die deutsche Königskrone nicht ihm , sondern Adolf von Nassau 
zugefallen, hatte nach Agnes' Vermählung alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Adolf 
die Krone zu entreißen. Zu diesem Zwecke war er unaufhöriich bemüht, sich 
mächtige und einflussreiche Genossen zu erwerben. Gesandte flogen hin und her, 
Landenberg besorgte speciell die geheimen Botschaften zwischen Albrecht und 
Andreas^"), und wahrscheinlich war es Albrechts Einschreiten zuzuschreiben, 
dass der Böhmenkönig Wenzel H. um diese Zeit die Verlobung seines gleich- 
namigen Thronerben mit Andreas' 1292 geborener Tochter Elisabeth verlangte und 
Andreas dem Wunsche bereitwillig entgegen kam. Zur Feier der Verlobung be- 
stimmte man den Anfang Februar 1298. Am 10. Februar 1298 kamen denn auch 
außer Andreas, Agnes, dem Böhmenkönige, dem Herzoge von Sachsen, dem Mark- 
grafen von Brandenburg und anderen forstlichen Personen, die Bischöfe von Basel, 
Constanz, ülmütz, Passau, Prag, Preising, Seckau, Chiemsee; Gregor, Sohn Botonds, 
erwählter Erzbischof von Gran; die Bischöfe von Veszpr^m, Fünfkirchen, Kalocsa, 
Waitzen und der Minorit Anton , Bischof von Csandd mit einer solchen Menge von 
Ungarn und Kumanen in Wien an, dass man ihnen kaum Raum zur Unterkunft 
bieten konnte. Am 12. Februar wurde denn auch Prinzessin Elisabeth mit dem 
böhmischen Thronerben verlobt. *^*) 

Die Verlobung des jungen Paares war nur ein Deckmantel zur Verhüllung einer 
anderen großen Action; zur Verlobung der beiden Kinder (Wenzel war damals erst 
9 Jahre alt) wäre kein Fürstencongress zusammengekommen, in Wirklichkeit wurde 
von den hier versammelten Anhängern Albrechts der schon vordem geplante . Krieg 
zur Entthronung Adolfs endgiltig beschlossen und stellte Andreas seinem Schwieger- 
vater unter dem Comraando des verlässhchen Demeter dg. Kathyz, Obergespans von 
Pressburg und Zolyom, ein Hilfscorps zur Verfilgung. Gegen Ende Februar lirach 
Albrecht von Wien auf, und ohne Zweifel ist mit ihm gleichzeitig das ungarische 
Hilfscorps abgezogen. '*•) 



«») Pej^r VI, 2, 124. Dafür erhielt Lam- 
berg am 20. März 1298 Schloss Kabold in 
Ungarn. 

•'•) Freher S. S. I, 484. Pertz 8. 8. IX, 720. 
Peti I, 638. — Nach den Berichten der öster- 
reichischen Chronisten haben sich die Ungarn 
höchst unanständig benommen, indem sie die 



Einwohner aus ihren Quartieren veijagten und 
ihre Pferde in denselben unterbrachten und das 
gesammte weibliche Personal ihrer Wirthe als 
Gemeingut betrachteten. 

*>*) Am 22. Februar 1298 hat Obergespan 
Demetrius noch su Hanse eine Urkunde ausge- 
steUt Weniel Y, 200. 



L/^- 



— 44 - 



Mit Denietrius zogen damals gegen Adolf: 

1. Benedikt, Sohn Merses, Ahn der Szinnyei von Merse, der dann in der 
Schlacht gegen Adolf verwundet wurde. **•) . 

2. Cs^pdn dg. Huntpuzmtin, Ahn der Zovardfiy, der in der Schlacht gleichfalls 
verwundet wurde.***) 

3. Peter von Olgya dg. Magyar aus dem Pressburger Komitate. ***) 

4. Nikolaus' Sohn Johann, Pressburger Schlossunterthan im Schüttler Felabony, 
der in der Schlacht verwundet wurde.*") 

5. Johann dg. Csdk (ein Ahn der Kisfaludy). ***) 

6. Ivan dg. Semjen, Ahn der Källay, der gleichfalls verwundet wurde.***) 

7. Eadoslav, adeliger Schlossunterthan von Banya, der sich mit seinen Leuten 
besonders hervorgethan und eine Men^e Gefangene Albrecht zuttlhrte. **•) 

8. Blasius, Sohn Theodors aus Lipto. **') 

9. Maddcs' Sohn Paul, der im Kampfe verwundet wurde.**®) 

10. Tolvajs Sohn Peter aus dem Pressburger Komitate, der im Kampfe zwei 
schwere Verwundungen davontrug und fünf feindliche Oberofficiere gefangen nahm***). 

11. Bäs' Sohn Johann, Edelmann aus dem Tolnaer Komitate, hat sechs feind- 
liche Soldaten sammt ihren Waflfen und einen Verwandten des Palatins des Königs 
Adolf, gefangen genommen, ist aber selbst auch schwer verwundet worden. *'®) 

12. Stephan, Sohn des Comes Posa, Enkel Merses (Ahn der Melczer von 
Kellemes). In der betreffenden Urkunde stoßen wir auf folgende Stelle: ^„ubi prae- 
fatus Stephanus cumdomino suo magistro scilicet Demetrio (nämlich Ober- 
gespan Demetrius von Pressburg) abiens juxta fluvium Eeyn circa civi- 
tatem Strosburg ab eadem procedendo prefato domino Alberto . . . unacura aliis 
fidelibus familiaribus nostris . . . militarunt , ubi idem Stephanus duo letalia Aiilnera 
in suis membris sustinuit et recepit, sicut id certo certius in literis prefati cä- 
rissimi patris nostri nobis destinatis vidimur contineri . . .*■*) 

Am 11. Juni 1298 beklagt sich Anich, Gattin des Johann von Fahid, vor dem 
Karlsburger Convente darüber, dass ihr Gatte infolge der unausgesetzten Krieg- 
flüirungen des Königs schon die längste Zeit hindurch von seiner Familie abwesend 
sei, weshalb sie sich zur Vertretung ihrer Interessen einen Procurator wählt.***) 



•««) Hazai okmÄnytär Vm, 462. 

««) Hazai okmänytdr VUI, 446. 

•««) Hazai oklev^ltär 164, 166. Er erhielt 
hiefür von Andreas 800 Joch Feld in Felabony. 

"») Fejör VI, 2, 189. Wurde sammt seinen 
Verwandten dafür über Vorschlag des Comman- 
danten Demetrius 1299 in den Adelstand ge- 
hoben. 

*'*) Hazai okmÄnytÄr I. 92. Fejer VII, 8, 
111, 112. 

•~) Fejör VI, 2, 186. 

"•) Wenzel Xu, 619, 620 „ex quo quidem 
ezercitu Odolphi ad laudem et gloriam nostram 
ettooios Nationis Hungarie comprehensis stre- 
nuismilitibus, adducitadezeroitum et presenciam 



prefati domini AI. Regis Bomanorum captivis 
yinculis mancipatos ad ezilarandum et letifi- 
candum dominum AI. Regem et ipsius ezer- 
citum ex diversis mundi partibus con- 
gregatum.** 

«») Wenzel X, 800. 

«•) Wenzel X, 874. Fejör VI, 2, 261, 296. 

•••) „Quinque nobiliores et soUemniores mili- 
tes captivavit". Wenzel V, 183. Urkunde Andreas' 
ddo. 26. Juli 1298. 

*••) Wenzel V, 206. 

***) Okm&njok a Melczer csalad leveltara- 
b61 7. 

•••) Wenzel V, 199. 



— 4B ~ 

Ob Johann von Fahid an dem rheinischen Feldznge theilgenommen, lässt sich nicht 
entscheiden. 

Albrecht zog mit seinen Österreichern, Böhmen und Ungarn dm'ch Bayern 
und überschritt in der zweiten Hälfte des März den Lech und machte in der ersten 
Hälfte des April in Landshut halt. Bei Göllheim, westlich von Worms, kam es am 
2. Juli zur Entscheidungsschlacht. Das ungarische Hilfscorps befand sich mit den 
Österreichern und Böhmen im Mitteltreflfen, das direct von Albrecht befehligt wurde. 
Welche Bravour das ungarische Hilfscorps hier an den Tag legte, haben wir schon 
oben in der Liste der einzelnen Theihiehmer hervorgehoben, imd geht es aus ihr 
deutlich hervor, dass es zu Albrechts entscheidendem Siege viel beigetragen. Am 
Hasenbtihel kam es zum Zusammenstoße von Adolfs erstem Treffen mit Heinrich 
von Kärnten, Commandanten des ersten Treffens Albrechts; bald kamen auch die 
andern Treffen an die Beihe und der Kampf schwankte lange unentschieden hin und 
her, bis Adolf, durch einen Sturz seines Pferdes verletzt und von der Übermacht 
der auf ihn einstürmenden Feinde tibermannt, sein Leben aushauchte. 

Am 26. Juli finden wir den Commandanten des ungarischen Hilfscorps, Ober- 
gespan Demetrius, bereits in Ungarn.*'') 

Wenn wir die Frage erwägen, ob denn die inneren Zustände des Landes an- 
fangs 1298 solche gewesen, dass Andreas einen, wenn auch nicht bedeutenden 
Theil seiner Heeresmacht zu einer ausländischen Expedition für einen fremden 
Herrscher entsenden und seinen verlässlichsten Führer Demetrius von seiner Seite 
ziehen lassen durfte, so ist unsere Antwort darauf, dass uns kerne urkundlichen 
Belege dafür vorliegen, dass um diese Zeit bedeutende innere oder äußere Verwick- 
lungen vorhanden waren; eine Urkunde vom 8. December 1297***) sagt zwar, dass 
Andreas mit dem Palatin Matthäus (dg. Csak) und mit dessen Bruder Csäk eine 
Differenz gehabt, dass diese während dieser Zeit die königstreuen Söhne des Andreas 
dg. Huntpdzmän (Ahnen der Forgach) in mannigfacher Beziehung geschädigt; aber 
es hat den Anschein, dass diese Fejer'sche Urkunde sich auf 1299 bezieht. Vielleicht 
hat aber Andreas trotz vorhandener ümerer Unruhen das Hilfscorps deshalb ab- 
geschickt, um durch den im Auslande zu erfechtenden Sieg sein Prestige im Inlande 
zu erhöhen. In diesem Falle hatte er sich gründlich getäuscht. Von 1298 bis zu 
seinem Tode hören die Unruhen nicht mehr auf. 



12. 

Albrechts Tochter Agnes hatte trotz ihrer Jugend Andreas bis 1298 noch kein 
Kind geboren und die Frage der Thronfolge mag denn um diese Zeit manchmal 
dem Könige Andreas Sorgen gemacht haben. Warum er an eine Sicherung der 
Nachfolge seiner Tochter Ehsabeth nicht gedacht, wissen wir nicht; vielleicht wollte 
er dadurch das Successionsrecht der Anjou , die sich doch nur auf weibliche Ab- 
stammung von den Arpaden berufen konnten, als illusorisches declarieren. Dass er 
aber die Frage der Thronfolge und eine Festigung der internen Zustände 1298 im 



"») Wenael V, 183. 1 «»*) Fej^r VI. 2, 82. 



- 46 — 



Auge gehabt, beweisen seine Aetionen ans diesem Jahre. Nachdem er am 10. No- 
vember 1297 seiner Gemahlin Agnes ftlr ihre ganze Lebenszeit Schloss und Komitat 
Pressburg sammt allem dem Schlosse Zugehörigen verschrieben,"*) leitete er Schritte 
ein, um Albert Morosini und dessen directe Nachkommenschaft in den Verband der 
Dynastie aufzunehmen und ihm dadurch den Weg zur Suecession zu bahnen. Der 
Erfolg dieser Schritte zeigte sich denn auch in dem Ende Juli in Ofen zu- 
sammengetretenen Reichstage. — Am 29. Juli 1298 "•) nahmen die versammelten 
Stände Albert Morosini. der damals bereits Herzog von Slavonien und Obergespan 
von Pozsega war, in Anerkennung dessen, dass er seinen Neffen Andreas bis zu 
dessen Eintritt ins Jünglingsalter in seinem eigenen Hause wie ein Vater erzogen, 
dass er ihn dann auf Wunsch des ganzen Reiches in ihre Mitte ge- 
bracht und hiebei enorme Kosten aus Eigenem bestritten : zum Mitgliede der unga- 
rischen Magnatenschaft auf, welche Auszeichnung sich audi auf Alberts directe 
Descendenz erstreckte. 

Ein Jahr darauf, am 1. August, gieng nun Andreas direct seinem Ziele ent- 
gegen. Mit Berufung darauf: 1. dass er den um seine Erziehung verdienten Albert 
auf allgemeinen Wunsch der gesammten Reichsstände aus Venedig 
nach Ungarn kommen ließ; 2. dass dieser mit Zurücklassung seiner heimischen 
Angelegenheiten nun mit ihm in Ungarn zu wohnen sich entschlossen und von allen 
Magnaten so gehebt sei, dass sie ihn zu einem der ihrigen erklärt; 3. dass er ihn 
wie einen Vater gehalten und ihn auch jetzt noch wie einen solchen liebe: verleiht 
er ihm und allen männlichen Nachkommen jene Rechte, die ihm gleich einem Sohne 
des Königs gebüren; deshalb ernennt er ihn auch zum Herzoge von Slavonien, denn 
dies sei die erste W^tirde eines Königssohnes, und außerdem gibt er ihm das Komitat 
Pozsega. Sollte er — Andreas — aber noch männliche Nachkonmien erhalten, so 



»~) Pejör VI, 2, 71. 

***) Sammtliche Quellen und Autoren lassen 
diese Urkunde — Fej^r VII, 6, 602 und an 
zahlreichen anderen Stellen reproduciert — am 
29. Juli 1292 ausgestellt sein. Die zahlreichen 
Reichswürdentr&ger, die auf der Urkunde ange- 
führt erscheinen, haben mich aber überzeugt, 
dass hier ein grober Fehler in der Datierung 
vorliegt, ganz abgesehen davon, dass Andreas 
1292, also noch zu Fennenas Lebzeiten, durch- 
aus keinen Grund zu einem solchen Schritte 
hatte. 

Vor allem ist zu bemerken, dass 1292 weder 
Apor noch Roland als Palatin erscheint, hin- 
gegen stoßen wir auf beide 1298. Hazai okmdnj- 
tar VIII, 380, 386 und Zichy okmanytar I, 89. 
1292 ist nicht Jakob Ban von Slavonien, son- 
dern Badoslav v. Blagaj (Hazai okmanytar VI, 
888, Vni, 319, 13. September). Der Judex Curiae 
Stephan kommt 1292 gleichfalls niemals vor, 
weil 1292 Thomas Judex Curiae war, hingegen 



ist Stephan (dg. Äkos) 1298 * urkundlich als 
Beichsrichter bekannt (Hazai okmänyt&r VI, 
431, Knauz II, 466). Moses kommt 1292 nicht 
als Obertavernicus der Königin vor (1298 war 
Stephan dg. Äkos in dieser Würde) , wohl aber 
1299 (Fej^r VI, 2, 229. Wenzel V, 202. Hazai 
okm4nytar VI, 444). Als Obergespan von Hont 
kennen wir 1292 (30. Jänner), 11. August 
Bogomer, Sohn des Gabriel von Luddny (Fej^r 
VI, 1, 282, Hazai okmanytar VI, 378, VIII, 
316). Aus 1292 kennen wir auch keinen Johann 
als Obergespan vom Weißenburger Komitate, 
sondern Lazars Sohn, Benedikt (Fej^r VI, 1, 
207), wo hingegen am 23. August 1299 Johann 
als Obergespan genannt wird (Fejör VI, 2, 
264); ebenso kennen wir 1298 Paul, Obergespan 
von Komom (Hazai okmÄnytÄr VI, 484.) 

Ich halte es somit für unwiderleg- 
lich, dass diese Urkunde am 29. Juli 
1298 ausgestellt worden ist. 



- 47 - 

erhält Albert und seine männliche Descendenz den zweiten Platz nach Andreas' 
Söhnen und deren Nachkommen.^*') 

Dieser Schachzug Andreas' war die Folge von Ereignissen, die sich als Resultat 
der um 1298 mit erneuerter Kraft erhobenen Intriguen der Oligarchie und der 
Anjou-Partei manifestierten. 

Na<*h Karl Martells und Clementinens Tode war in den Bestrebungen der Anjou 
eine gewisse Pause eingetreten.^ Karl Martells Familiaris, der Ungar Kosmas, hatte 
sich am 8. November 1297 zur Königin-Witwe Isabella nach Ungarn zurück- 
begeben*'®) und von dieser Zeit an beginnen wieder die Verbindungen Karls II. 
mit den ungarisch-kroatischen Parteigängern der Anjou, die sich zumeist aus jenen 
Hochadeligen rekrutierten, die unter der Fahne dieser politischen Meinungsdifferenz 
„hie Andreas, hie Anjou" ihrem raubritterlichen Gebaren mit dem Scheine eines 
gewissen Bechtes nachgehen wollten. Dass dem so gewesen, zeigte der von An- 
dreas 1298 nach Ofen einberufene Eeichstag, an dem die Prälaten, mit Ausnahme 
des Erzbischofs Gregor von Gran, im Vereine mit dem Kleinadel (die Barone waren 
gänzUch ausgeschlossen) den Sachsen und Rumänen am 5. August unter anderen 
die folgenden Beschlüsse brachten; 

1. Die Begründimg lautet: Die Bechte und Freiheiten Ungarns wurden durch 
die Bosheit der Menschen und wegen Unentschlossenheit und Zaghaftigkeit des 
Königs vielfach verletzt und gänzlich beiseite gesetzt; das Eeich wurde durch List 
nnd Gewalt der Barone und anderer Machthaber so sehr erschüttert und hemb- 
gebracht, dass die Kirchen, die Edelleute und andere Einwohner in die äußerste 
Noth gerathen smd. 

2. Andreas wird, als Sprosse des königlichen Stammes, als natürlicher Herr 
and Gebieter anerkannt. 

3. Binnen drei Monaten sollen alle Latifundien und Kegalien des Königs und 
der Königin, wenn auch wer immer sich dieselben widerrechtlich angeeignet, voll- 
ständig zurückgestellt werden; ebenso sollen alle von wem immer unrechtmäßig an- 
geeigneten Güter und Bechte der Kirche und des Kleinadels rückerstattet werden. 

4. Neue Burgen dürfen nur mit könighcher Erlaubnis erbaut werden ; die 
bereits existierenden, von denen Schaden gestiftet wird oder werden konnte, oder 
deren Eigenthümer zur Erhaltung und Ausrüstung nicht genug Vermögen besitzen, 
oder die auf Grund und Boden von Kirchen und Klöstern stehen, sollen durch den 
König und durch den Palatin zerstört werden, wenn sich die Besitzer weigerten, es 
selbst zu thun. 

5. Der König sende in jedes Komitat seinen Beamten, der im Vereine mit 
vier Edelleuten die bisher verübten und etwa noch verübt werdenden Beraubungen 
erforsche und den Beschädigten binnen drei Wochen Genugthuimg verschaffe. 

6. Auch der König ist verpflichtet, alles gesetzwidrig in Besitz ',;Genommene 
zurückzuerstatten; falls er sich weigert, dies zu thun, solle ihn der Erzbischof mit 
Zustimmung der Prälaten mit dem Banne belegen. 



«^) Pej^r Vn, 6, 646, ()vÄry, Regest. 48. I ^) ADE I, 131. 



— 48 — 



7. Dem Kleinadel stehe die Wahl frei, an welchen Magnaten immer sieh an- 
zuschUeßen; kein Magnat kann ihn zvringen, den gewählten Herrn zu verlassen mid 
sich ihm anzuschließen. 

8. Wer diesen VerflJgungen nicht gehorcht, verfallt in den Bann, von dem 
ihn nur der Erabischof von Kalocsa im Vereine mit den Prälaten freisprechen kann. 
Solche gegen das Gesetz sich Auflehnende sollen vor dem Richterstuhle des Königs 
gestraft werden. Aus ihrem V^ermögen werde in erster Linie der durch sie zuge- 
ftgte Schaden ersetzt , das übrige falle dem Könige -zu , so dass ihre Kinder wegen 
des Verbrechens der Eltern Erbschaft und Adelsrecht verlieren- 

9. Wenn der König mit Aufgebot seiner eigenen Heeresfolge die Empörer 
nicht bewältigen kann, darf er auswärtige Hilfe herbeirufen; wenn er aber die 
Rebellen nicht bestraft, zieht er sich. den Bann zu. 

10. Damit der Hof des Königs ehrenvoller geleitet und das Reich zweck- 
mäßiger regiert werde, soll der König von drei zu drei Monaten zwei Bischöfe, 
einen aus der Graner, einen aus der Kalocsaer Diöcese, und ebenso viele durch den 
jetzigen Reichtag gewählte Edelleute um sich haben; wenn der König dieses nicht 
beachtet, soll alles, was er etwa ohne Rath dieser ihm Zugesellten thäte, alle Schen- 
kungen, Amtsernennungen und sonst wichtigere Angelegenheiten ungiltig sein. 

11. Damit der Hof der Königin ehrenvoller geleitet werde, soll sie stets 
einige durch den König gewählte Barone um sich haben; doch dürfen die Hof- 
würdenträger der Königin keine Ausländer, sondern nur ungari- 
sche Edelleute sein. 

12. Im folgenden Jahre (1299) sollen sich am 8. Mai alle Prälaten, Barone 
und Adelige am Rakos zum Reichstage versammeln."*) 

Die Hauptbestimmungen dieser Beschlüsse (es gab deren noch mehr, als wir 
hier angeführt) waren, wie wir sehen, gegen die Oligarchie gerichtet; eine Annahme 
derselben seitens der Oligarchen wäre gleichbedeutend mit dem Aufgeben ihres 
ganzen Organismus gewesen, und Andreas hatte sich gewaltig getäuscht, wenn er 
sich der Meinung hingegeben, die rebellischen Magnaten würden sich durch die 
dynastische und loyale Gesinnung des Hochclerus und des Kleinadels bekehren lassen. 

Die Beschlüsse des Reichstages vom 5. August 1298 waren denselben Öl ins 
Feuer; mehr und mehr häufen sich von nun an ihre ünbotmäßigkeiten gegen Andreas, 
mehr und mehr schwinden aus den Reihen des Hochadels seine Anhänger, und 
welches Gewicht er auf solche legt, zeigt am klarsten seine Urkunde ddo. 1298, 
in der er und Agnes den Reichsrichter Stephan dg. Äkos in seine vollste Gnade 
aufnimmt, ihm Schutz und; Vertheidigung gegen jedermann zusichert, von ihm 
aber dafür den Eid dauernder Treue empfängt.**^) So wie diese Urkunde lautet, 
verhandeln sonst nur zwei ebenbürtige Mächte miteinander. 

An der Spitze der weltlichen Opposition stand jetzt Matthäus dg. Csjik, der, 
im vollen Aufrühre gegen den König nach Belieben das erstbeste fremde Gut annec- 
tierte, wobei ihn sein Bruder Csak und sein Verwandter, Markus' Sohn Stephan, 
unterstützten;^**) andererseits der uns von dieser Seite bereits bekannte Haysa, der 



»•») Fej6r VI, 2, 130 seqq. 
»*•) Hazai okmÄnytÄr VI, 481 



'**) Urkunde vom 14. August 1299," in der 
Andreas den Herren von Bajcsäny ihre ilinen 



- 40 - 



die günstige Gelegenheit wieder benutzte , um unter anderem die Stadt Pönftirchen 
in Brand zu setzen und sich des Siegels des dortigen Domcapitels zu bemächti- 
gen.**") Gegen wen aber Andreas am 12. August 1299 bei Tihany zu FeldQ ge- 
zogen,***) wissen wir nicht genau. 

An der Spitze der geistlichen Opposition stand Gregor, Sohn Botonds, Erz- 
bisehof von Gran. Dieser Gregor, der als erwählter Propst von Stuhlweißenburg 
vom 18. October 1297 bis zum 17. Februar 1298 Vicekanzler Andreas' gewesen, 
war am letzteren Tage nach Lodomers Tode bereits erwählter Erzbischof von Gran. 
Da aber ein Theil des Capitels gegen seine Wahl Protest eingelegt, wusste Papst 
Bonifaz VIII. die Sachlage so zu wenden, dass aus dem Vicekanzler Andreas' dessen 
erbitterter Gegner und Anhänger der Anjou geworden. Bonifaz VIII. war närahch ganz 
und gar auf Seite der Anjou und bezeugte dies dadurch, dass er — um die Sache 
der Anjou im gesammten Herzogthume Slavonien zu fördern — am 10. Mai 1297 den 
Caplan der Königin Marie, den Minoriten Peter, zum Erzbischof von Spalato ernannte, 
den Zaraer Erzbischof Johann nach Trani transferierte und statt dessen am 17. Juli 
1297 den Minoriten Heinrich von Tuderto zum Zaraer Erzbischofe ernannte.***) Um 
sich nämlich Gregor zu Dank zu verpflichten und ihn zum gefügigen Werkzeuge 
seiner Absichten zu machen, schob er die Erledigung des Protestes hinaus und be- 
traute Gregor am 28. Jänner 1299 mit der Verwaltung des Graner Erzbisthums 
und der Stuhlweißenburger Propstei;***) wie aber Gregor diese Entschließung des 
Papstes aufzufassen verstand, zeigte er am deutlichsten damit, dass er sich noch 
im selben Jahre als Nuntius des apostolischen Stuhles declarierte. ***) 

Seine feindliche Gesinnung gegenüber Andreas manifestierte er sofort dadurch, 
dass er weder den im Juli 1298, noch den 1299 am Eakos abgehaltenen Reichstag 



durch Matthäus und dessen Beamte (Bogars 
Sohn Martin und Paul von Pereszl^ny) ent- 
rissenen Besitzungen restituiert, Fej^r VI, 2, 187- 

Am 29. October 1299 belohnt Andreas den 
Stephan, Sohn Posas (Ahn der Melczer) dafür, 
dass er »cum nos contra quosdam infideles regni 
nostri exercitum generalem movissemus et prae- 
fatum magistrum Demetrium (Obergespan 
von Preesburg) et aliot» barones nostros contra 
Matheum et Ghak filios Petri quondam 
palatini infideles et destiuctores regni nostri 
misissemus in expugnatione castri ipso- 
rum Holysow (=- Holics) vocati. . .dimicans 
per bestem . . . exstitit interemtus, que quidam 
serriüa seu actus suos militares idem magister 
Demetrius ... et alii barones . . . retulerunt 
nobis . . . ** Melczer okmdnytar 7. 

Auf den Feldzug gegen Mathäus hat sicher- 
lich das Datum zweier Urkunden von 129.8 in 
Wenzel X, 308 und 310 Bezug. 

Femer wissen wir, dass am 9. August 1299 
ein Process zwischen Cosmas undLadislaus (beide 
dg. Gutkeled) verschoben wurde; das richter- 



liche Erkenntnis ist von Rikos datiert und heißt 
es, dass beide Parteien vor dem Richter am 
22. Tage „residencie presentis exerdtus domini 
regis ...^in descensu apud Bakos* erschienen 
sind (Zichy okmänytär I, 97). 

Vgl. auch Andreas* Urkunde vom 19. Juni 
1300, wo er die Besitzung Vezek^ny (im Barser 
Eomitate) der Anhänger Mathäus: Dobas Sohn 
Hencz und Johann Aprod seinen Getreuen Jaros- 
lay und Barleus dg. Div^k verleiht. Femer 
Urkunde vom 1. October 1300, wo er die Be- 
hörden verständigt, dass er Iroslav und Barleus 
gegen die Bebellen, insbesondere aber gegen 
Mathäus und Csäk, sowie gegen Markus' Sohn 
Stephan ausgeschickt (Hazai okm^nytar VI, 
461, 462). 

«*') Urkunde Andreas' ddo. 28. Mai 1300. 
Wenzel X, 373. 

*^*) „Datum in descensu nostro oampestri 
prope Tyham". Wenzel V, 207. 

»*») Wenzel X, 267—272. 

•**) Wenzel V, 211. 

•*») Fej6r VI, 2, 208. 

4 



L^- 



- 50 - 

besuchte, was zn einem feierlichen Proteste an den Papst seitens des Königs und 
der Stände führte. In diesem Proteste wird angefiihrt, dass Gregor, statt am Reichs- 
tage jsa erscheinen, sich nach Veszprem in die Mitte der Rebellen und Landfrieden- 
störer begab. Einer ihm dahin nachgesandten Deputation (bestehend aus dem Graner 
Propste Paul und dem Oomes Heinrich), die ihn zum Erscheinen im Reichsrathe 
bewegen wollte, weigerte er sich, freies Geleit zu geben, und drohte ganz einfach 
allen Prälaten, ,die sich ihm nicht blind unterwürfen', mit dem Banne, und 
schließlich hielt er sich im Juli 1299 jenseits der Drau, in Szentkereszt, einer Burg 
der Aufständischen, auf.*^) 

Dass ihn Bonifaz ganz und gar zum Schleppträger der Anjou gewann, beweist 
Folgendes: 

Die Martinsberger Abtei hatte sich 1297 an Bonifaz mit der Bitte gewandt, 
ihr gegen die entsetzlichen Angriffe und Räubereien der Rebellen Schutz zu bieten. 
Die Raub- und Mordcompagnie, um die es sich hier handelte, bestand aus folgenden 
Mitgliedern : 

1. Ban Heinrichs Söhne Johann, Nikolaus und Heinrich von Güssing; 

2. ihr Verwandter Herrik (aus dem Zweige der nachmaligen Hederväri). 

3. Sauls Sohn Saul dg. Lörente; 

4. dessen Verwandter, Sauls Sohn Lörente von Gyepes (vor- und nachdem 
0))ergespan von Veszpr6m); 

5. Matthäus, Sohn des Palatins Peter dg. Cs4k; 

6. Csäks Sohn Johann (wahrscheinlich dg. Csdk) ; 

7. Paul von Komörn etc. 

Der Papst gab der Bitte (lehör und beauftragte mittels Schreibens ddo. 27. Juni 
1297 den Erzbischof Lodomer von (iran, gegen die Rebellen mit aller Strenge vor- 
zugehen, widrigenfalls sie mit dem Banne zu belegen. ^*^) Dies geschah auch. Nun 
war es doch selbstverständüch, dass Ivan von Güssing. um sich wieder in die Gunst 
des Papstes und der Anjou zu setzen, in erster IJnie von dem auf ihm noch 
lastenden Banne freigesprochen werden musste. Der raftinierte Mann faselte nun 
dem Papste vor, er habe einmal dem in Ungarn gewesenen Nuntius Johann, Bisehof 
von Osimo, gegenüber das Gelübde abgelegt, der päpstlichen Curie treu und ergeben 
zu sein und nur jenem Könige von Ungarn zu gehorchen, der hiezu vom Papste 
bestimmt, beziehungsweise bestätigt sei. Da er nun nicht gewusst, ob Andreas, der 
sich König von Ungarn nenne, diese päpstjiclie Bestätigung erhalten, habe er sich 
ihm gegenüber nicht als treuer Unterthan benonnnen und deswegen habe Lodomer 
mit den Bischöfen von Raal) und Veszprem ihn und seine Genossen exconununi- 
ciert; deshalb bitte er jetzt um Authebung des Bannes. Und derselbe Bonifaz, der 
doch zwei Jahre vorher in seinem Schreiben an lx)domer die Gründe des anzu- 
drohenden Bannes in den Räubereien Ivans anflihrt. stellte sich am 12. März 1299 
in einem Schreiben an (iregor das Armutszeugnis aus, dass er die verlogene Ent- 
schuldigung Ivans annahm und unter Betonung dessen, dass Andreas „sich König 
nenne", Gregor den Befehl ertheit, Ivan und seine Bande vom Banne loszusprechen.**®) 

Was Gregor jenseits der Drau in Szentkereszt zu thun hatte, wird uns auch 

«*•) Fej^r VI, 2, 201—207. "') Wenzel X, 278. «*•) Pejör VI, 2, 226, 226. 



- öt - 

klargestellt. Kroatien und Slavonien waren ja der Boden, auf dem die Anjou ihre 
besten Anhänger fanden! 

Isabella hatte alles, was sie fOr ihren NeflFen thun konnte, gethan und rüstete 
sich 1298 zur Heimkehr nach Neapel; am 12. Februar 1299 wurden denn schon 
zwei Galeeren bestimmt, um sie aus Slavonien (Spalato) abzuholen.***) Der Haupt- 
vertreter ihrer und ihres Neffen Interessen war von nun an Paul Subi6, der im 
Vereine mit seinen Verwandten, den Söhnen des bosnischen Magnaten Hrvatin und 
den Söhnen Babonegs , den Brüdern Stephan, Johann, ßadoslav und Och vonBlagaj, 
eine fieberhafte Thätigkeit im Interesse der von ihm vertretenen Sache entwickelte. 

Die neapolitanische Königsfamilie ihrerseits suchte auf Andreas' Kosten diese 
Parteigänger so sehr als möglich fester an sich zu knüpfen, indem sie ihnen alle 
von Karl Martell ihnen in Slavonien verUehenen Güter bestätigte, **°) den Blagaj aber 
außerdem die erbliche Banwürde verheben. Am 25. September 1299 schickte Karl II. 
Peter von Suria na(*h Ungarn, am 19. November Pnidentio von Barolo nach Sla- 
vom'en und Ungarn, am 7. December noch Peter Pilezzo nach Ungarn. Am 
11. Jänner 1300 ist Comes Georg aus Kroatien, ein Verwandter der Königin Maria 
(etwa ein Subic), bereits Generalbevollmächtigter der Anjou für Slavonien und Ungarn, 
und empfiehlt er ihn der venetianischen Regierung, und am 26. April 1300 ist die 
Sache bereits so weit gediehen, dass Karl 11. dem gesammten Ungarn und Slavonien 
die Mittheilung macht, dass er den Kaschauer Piior der Dominikaner als Vorboten 
des Prinzen Karl Robert nach Ungarn schicke, und dass sie den Prinzen selbst 
bei seiner Ankunft in Ungarn mit allen ihrem künftigen Könige gebtirenden Ehren 
empfangen sollen. Am 6. Mai erhält Odo von Romania den Befehl, sich nach Sla- 
vonien zu begeben, um daselbst das Commando über jenes Schloss zu übernehmen, 
in welchem Karl Robert bei seiner Ankunft in Ungarn Absteigquartier nehmen 
werde. Am 18. Mai weist Karl II. 300 Goldunzen an, fiir die man alles, was Karl 
Robert benöthige, anzuschaffen habe; am 19. Mai wird Maraldik, Prothontinus von 
Melfi, zum Commandanten des Sdiiffes ernannt, das den Prinzen nach Ungarn 
fahren soll.»«') 

Im August 1300 landete der Prinz in Spalato, wo ihn seine Anhänger feier- 
lichst empfiengen ; zwei Monate später fiihrten sie ihn nach Agram , wo ihn Gregor 
krönte.»") 

Und Andreas? 

Das ganze Jahr 1300 hindurch finden wir ihn (den 1. October ausgenommen) 
in Ofen und ist er sich seiner Lage sehr wohl bewusst, macht auch aus derselben 
kein Hehl;»**) dass er mit bewaffneter Hand dem Nebenbuhler entgegenzutreten 
auch nur die Absicht gehabt, davon berichten die Urkunden kein Wort. Hingegen 
lernen wir aus ihnen einen Schritt kennen, zu dem er sich damals — das erstemal 



«*^ ADE I, 132 ddo. 14. November, 133 
Tom 12. Februar 1299 and Öväry 43 ddo. 
23. September. 

*••) ADE I, 133, 134, 136, 189. 

»*«) ADE I, 139—148. 

•»•) Pariati HI, 297. 



*") Er sagt am 8. September 1300: „quia 
propter presentem discordiam, in qua Regnum 
Hungarie per factum infidelium Baronimi invol- 
vitur, in fluctuationibusque eiusdem Begni di- 
yersis turbadonibus ecdesie percellentor*. 
Wenzel X, 870. 

4* 



52 - 



während seiner Eegierung — entschloss: nämlich das Anbahnen emes Annäherns 
an die päpstliche Curie. Wir stoßen nämUch auf drei Berichte des Trevisaners Peter 
von Bonzano, der Ende September und Oetober 1300 sich in Rom als Andreas' 
Bevollmächtigter, angeblich bloß um das itaUenische Gut Brandolo anzukaufen und 
eine Angelegenheit des Bischofs Anton (von Csandd) zu erledigen, aufgehalten, aus 
denen wir aber zwischen den Zeilen manches erfahren, was auf Andreas' geplante 
Annäherung an den Papst ein charakteristisches Licht wirft. 

Peter schreibt dem Grafen Michael Morosini von Zara (Albert Morosinis Sohn) 
am 18. September von Venedig aus Folgendes: 

1. Er war bei König Andreas, der fOr den Prater Anton Geld an die Curie 
des Graner Erzbisthums geschickt und versprochen hat, am 11. November 4000 Pf. 
Denare fllr Realisierung des Ankaufes von Brandolo zu schicken ; da Peter den König 
aufmerksam gemacht, welche UnannehmUchkeiten dem Dogen daraus erwachsen 
würden, wenn er das Geld nicht rechtzeitig absende, so meint er, Andreas werde 
es sicheriich nicht unterlassen. Sollte die Angelegenheit Antons nicht erledigt werden, 
hat er Vollmacht, diese Summe von jenem Gelde, das zur Graner Curie abgegangen 
ist, zu begleichen. 

2. Der König war gesund und hat von der Ankunft des Enkels Karls IT. 
sehr wohl Kenntnis gehabt, sich aber deshalb nicht besorgt gezeigt. 

3. Heinrichs Söhne sind (zum Könige?) gekommen und Michael Morosinis Sohn 
Turchus hat die schöne Tochter des Bans Heinrich, die Peter gesehen, zm* Gattin 
erhalten; alles war zur Zeit seines Aufenthaltes bereits in größter Eintracht."*) 

4. Matthäus (von Trencs6n) und viele andere Barone, die vordem rebellisch 
und treulos waren, sowie alle Bischöfe und der Erzbischof von Kalocsa sind jetzt an 
der Seite des Königs und sind viele unter ihnen damals, als er den Hof verlassen, 
am Hofe anwesend gewesen. 

5. Er selbst werde so rasch als möglich zur Curie reisen und möge Mi<*hael 
alles aufbieten, damit mit den anderen die Brandoloer Angelegenheit erledigt werde. 

6. Der König von Deutschland war um MichaeU (es muss diesmal der 8. Mai 
verstanden werden) (in Wien? oder bei Andreas?) und hat Andreas versprochen, 
mit seiner Hilfe alle aufständischen Barone in Gtlte oder mit Gewalt 
zum Gehorsam zu bringen und hat er diese Hilfe für den kommenden 
Sommer versprochen, an dem er gegen alle Gegner des Königs zu 
Felde ziehen wolle.*") 

Am 25. Oetober sandte er folgenden Bericht aus Rom an Andreas: 

1. Er selbst ist am 30. Oetober in Rom angekommen, der Papst aber erst aus 
Anagni am 9. Oetober. 

2. Das Gold, das ihm Andreas gegeben, hat er für 4500 Goldgulden in Florenz 
verkauft und es bei dem besten Bankhause in Florenz, Mozis und Comp., in Depot 
gegeben. 

3. Herr Peter Contareno (der damalige Doge von Venedig) ist noch nicht in 



'•*) Die Stilisierung des Berichtes ist hier 
etwas confus; doch ist es am wahrscheinlich- 
sten, dass es so gemeint sein muss, wie loh es 



gebe. Auch der unten erwähnte Luys dürfte 
wie Turchus Michaels Sohn sein. 
«") Wenzel V, 261. 



— 53 - 

Bom eingetroffen und kann er auch noch nicht sicher versprechen, dass er die An- 
gelegenheit des Bischofs Frater Anton zu dessen Zufriedenheit erledigen werde; 
doch hoffe er, dass sowohl des Königs als des Bischofs Angelegenheit durch den 
Papst rasch erledigt werde, worauf er mit thunlichster Eile dem Könige über Brindisi 
und Manfredonia schreiben werde. 

4. Mit Sicherheit könne er ihm schon jetzt melden, dass der Enkel König 
Karls gegen den Eath und den Willen des Papstes und der Cardinäle, 
seiner Freunde, durch seinen Großvater nach Slavonien geschickt 
worden und dass ihm der Papst keinerlei Hilfe hat zukommen lassen, 
alle maßgebenden Kreise der Curie verurtheilen die Thorheit, mit 
der ihn der alte König dahin geschickt hat und erwarte man täglich, 
dass der neapolitanische Hof sich an die Curie um Hilfe für den Prä- 
tendenten wenden werde. Unterdessen möge Andreas so eindringlich 
als möglich mit Ban Hei nrichs Söhnen und mjit den anderen Baronen 
verhandeln, da es ein Leichtes sei, den Knaben (= den Präten- 
denten), wenn Andreas es nur wolle, in seine Gewalt zu bekommen. Er 
selbst hat schon einigen Cardinälen erzählt, wie er es von Andreas 
gehört, dass dieser den Knaben, wenn er ihn in seine Gewalt bekäme, 
zum Papste schicken wolle, und hat dieser Plan ihren Beifall ge- 
gefunden. 

5. Der Bischof (Anton) hat nichts; er hat ihm schon laut Andreas' Auftrag 
40 Mark gegeben; mehr gibt er ihm nicht einmal einen Denar ohne directen Auf- 
trag des Königs, da er ohnehin schon 300 Goldgulden Schulden gemacht hat. Des 
Königs Geld ist in guten Händen und wird davon ohne directen Auftrag nichts ver- 
ausgabt. **•) 

Aus dem dritten Berichte Peters an Piofio Morosini und Franz Contarini er- 
fahren wir, dass Bischof Antons Angelegenheit nicht erledigt wurde, auch nicht 
erledigt werden konnte. Trotzdem sei er nicht in der Lage, die gewissen 4000 Pfd. 
Denare flir Brandolo ihnen zu zahlen, weil ihn der König, trotz mehrfacher Anfragen 
in Gegenwart von Luys und Turchus, dazu nicht bevollmächtigt, sondern versprochen, 
die Hälfte am 11. November, die andere Hälfte aber erst am 1. Jänner 1301 zu 
erlegen.'*') 

Wie wir diesen Berichten entnehmen, standen also Andreas' Angelegenheiten, 
trotzdem Karl Robert in Slavonien bereits den König spielte, nicht gar zu schlecht. 
Die Güssinger und Matthäus hatten aus uns ganz unbegreiflichen Gründen sich 
einmal wieder zu seiner Partei geschlagen, Albrecht hatte für den Sommer 1301 
militärische Hilfe zugesagt und einige Cardinäle fanden sogar seine Absicht, den 
Knaben-Prätendenten gefangen zu nehmen und ihn dann dem Papste auszuliefern, 
flir ganz annehmbar ; da legte sich aber, bevor es zur Ausführung all dieser schönen 
und weitragenden Pläne kam, eine höhere Macht ins Spiel, eine Macht, die seit 
dem ersten Auftreten der Menschen bis zum letzten Athemzuge des letzten sterb- 
lichen Wesens sich stets gleich consequent geblieben. 



«w) Weniel V, 262. •*») VV^eniel V, 263. 



— 54 — 

Andreas, der am 13. Jänner 1301 noch in Ofen den Uuterthanen des Hasen* 
inselklosters Marktfreiheit verleiht,***) ist am nächsten Tage, den 14 Jänner 1301, 
bereits gestorben.***) Die Einzelheiten seines Todes sind uns vollkommen unbekannt; 
dass er vergiftet worden wäre, meldet keine einzige verlässliche Quelle. Sein 
Leichnam wurde zu Ofen in der Franziskanerkirche zum heiligen Johann beigesetzt. 



Einen Tag nach seinem Tode (am 15. Jänner) übergab seine Witwe Agnes 
über Vorschlag ihres Hofstaates (Wojwode Eoland dg. Borsa; Dominik, Ober- 
Tavernicus; Thomas dg. Huütpäzman, Obergespan von Bars und Neutra; Meister 
Paul von Komom; Lukas' Sohn Meister Ladislaus; Paul, Propst von Kalocsa, ihr 
Vicekanzler, und Nikolaus, Propst von Bosnien) den Ofner Palast dem Meister Stephan 
von Sopron mit der Verpflichtung, dass er denselben vorläufig auf eigene Kosten zu 
erhalten habe, wofiir sich aber die Hofbeamten Agnes' verbürgten, ihm die Aus- 
gaben zurückzuerstatten.*^®) 

Die junge Witwe, die in ihrer exaltierten Bigotterie der sinnUchen Liebe nicht 
zugänghch war und keine Kinderfreuden kannte, war am 3. Mai 1313 noch in 
Wien, an welchem Tage sie ihren Besitz in Neusiedel der Graner Kirche ver- 
machte ;*•*) am 19. Jänner 1322 bestätigt sie diese Schenkung bereits aus dem 
Schweizer Kloster Königsfeld;**') in den stillen Bäumen dieses Klosters hauchte sie 
am 11. Juni 1364 ihr Leben aus. Ihr Leichnam wurde im Laufe der Zeit nach 
St. Paul in Kärnten überführt. 

Andreas' Tochter, die nun vater- und mutterlose Elisabeth, wurde nach Andreas' 
Tode weder von den Ständen Ungarns, noch von ihrem böhmischen Verlobten 
berücksichtigt. Eine Zeit lang hielt sie sich in Wien bei ihrer Stiefmutter auf, bis 
sie in die stillen Mauern des gleichfalls in der Schweiz gelegenen Nonnenklosters 
zu Töss zog. Nach der' Chronik von Töss ist sie hier — das letzte (ilied der Ärpäden 
— am 6. Mai 1338 aus dem Leben geschieden. 

Über die letzten Tage Albert Morosinis und Thomasinas wissen wir Fol- 
gendes: Albert starb in Venedig am 15. November 1305, Thomasina starb schon 
Ende 1300. 

13. 

Mit Andreas III. ist der letzte, bekannte, legitime niämiliche Spross der Arp4den 
ins Grab gestiegen, *••) und es ist mit einem Schmerzgefilhle verbunden, dass wir 
gerade dem letzten dieser einzigen nationalen Dynastie Ungarns keinen großen Nachruf 
halten können. 



•") Wenzel V,' 267. i folgenden Worten : „domino Andree IDustri regi 

■••) Fej6r VI, 2, 326. | Hungarie divina vocante elemencia rebus huma- 

'••) Fej6r VI, 2, 326. | nis exempto ultimo aureo ramusculo a 

w«) Fejör VI, 2, 336. i progenie stirpe ac, sanguine sancti 

•^ Fej^r Vm, 2, 367. I Regis Stephan! primi regis Hungaro- 

•••) Sein letzter Eeichsrichter, Stephan dg. i rum per paternam lineam extincto**; 

Akos, bestätigt dies am 26. Februar 1303 mit | Anjoukori okmänytär I, 62. 



- 55 — 

In Venedig unter Albert Morosinis Leitung erzogen, wäre Andreas, sittenrein 
und romfrei wie er war, etwa nach Bela III. ein ganz guter Nachfolger geworden; 
Verwaltungstalent und Sparsamkeit kann man ihm ja durchaus nicht absprechen, 
wie er auch keine Scheu vor dem Klange der Waffen hatte; aber nach Ladislaus IV., 
wo die DemoraUsation in allen ihren Formen namentUch die höheren Schichten der 
Gesellschaft ergriffen und der römische Stuhl Ungarn als sein Lehen betrachtete, 
war Andreas nicht am Platze. Zwei Hauptfehler waren es, an denen er während 
seiner ganzen Regierung siechte und die es bewirkten, dass das Staatsschiff während 
dieser Zeit niemals so ganz und gar in den Hafen der Ruhe einbiegen konnte: sein 
Mangel an Menschenkenntnis und sein Unbewandertsein auf den 
krummen Pfaden der Diplomatie. 

Nur zu oft stoßen wir während seiner Regierung auf die Erscheinung, dass 
er die größten Rebellen, die gegen seine Person und gegen den Staat die verdam- 
menswertesten Verbrechen begangen, nicht nur nicht exemplarisch bestrafte, sondern 
mit der größten Rücksicht behandelte. Er gieng immer von der Ansicht aus, sie 
durch Güte und Nachsicht zu gewinnen. Seme Menschenkenntnis hat ihn aber immer 
im Stiche gelassen. Diese Huinaliität war einem Ivan von Güssing und den Mit- 
gliedern der Geschlechter Borsa und Csak gegenüber nicht am Platze. Diese sahen 
in Andreas' Vorgehen nur, dass er sich nicht sicher am Throne fühlte, und schrieben 
seine Nachsicht und Milde seiner Feigheit und zaghaften Unentschlossenheit zu. 
worin sie sich auch durchaus nicht geirrt. Ein bis an die äußersten Grenzen von 
Energie verfolgtes Vorgehen gegen Erzbischof Gregor und die genannten weltlichen 
Rebellen hätte unbedingt bessere Früchte getragen. 

Dieselben Misserfolge erzielte er als Diplomat. 

Dass er — der im freien Venedig keine Bevormundung durch irgend eine 
äußere Macht kennen gelernt — sich während seiner ganzen Regienmg der Über- 
herrschaft der päpstlichen Curie nicht unterordnen wollte, müssen wir ihm vom Stand- 
punkte der politischen und nationalen Selbständigkeit Ungarns gerne verzeihen, in 
seinem eigenen Interesse wäre aber ein modus vivendi dem päpstlichen Stuhle 
gegenüber mehr am Platze gewesen. Die Nichtberücksichtigung dieses ümstandes 
war es aber ni(*ht allein, durch die er seme mangelhafte Diplomatie büßen musste, 
sondern seine ganz und gar verfehlte PoUtik, die er mit Bezug auf die Regulierung 
der Thronfolge eingeschlagen. 

Mit Karl Martell war für ihn ein Compromiss nicht leicht möglich. Karl Martell 
war zur Zeit seines Auftretens bereits ein achtzehnjähriger Jüngling, der sich ein, 
wenn auch noch so sehr gesichertes Aufschieben seiner Anwartschaft auf den Thron 
Ungarns nicht hätte gefallen lassen; anders standen aber die Dinge nach seinem 
1295 eingetretenen Tode. Hatte Andreas schon eingesehen, dass ihm Agnes keinen 
Thronerben gebären werde, so war es jedenfalls mehr geboten, statt den der Nation 
imd der Dynastie ganz entfernten Albert Morosini den 1299 erst eilQährigen Karl 
Robert unter denselben Bedingungen wie Albert zu seinem Thronerben zu ernennen; 
denn wenn er dadurch auch vielleicht seinen etwaigen directen Nachkommen den 
Thron nicht unbedingt gesichert hätte, so war von einem solchen Schritte mindestens 
zu erwarten, dass er und das Land flir die Zeit seines eigenen Lebens von den 
durch die Aspirationen des Prätendenten bedingt gewesenen Erschütterungen ver- 
schont gebUeben wäre. 



Anhang. 



Der Beamtenkörper Andreas* m. 

I. Hofkanzlei des Königs. 

1290 (2. August) bis 1300 Johann dg. Huntpäzmdn, Erzbischof von Kalocsa, 
Kanzler des Königs. 

1290—1297 Theodor v. Tengerd, Propst von Stuhlweißenburg (seit 1295 

Bischof von Eaab), Vicekanzler des Königs. 
1290—1291 Alexius, kgl. Notar. 

1291 Peter, kgl. Notar. 

1292 Michael, kgl. Notar. 

1295 Benedikt, Bischof von Belgrad, kgl. öecretär, Oberhofkaplan. 

1297 (18. October) bis 1298 (17. Februar) Botonds Sohn Gregor, erw. Propst 

von Stuhlweißenburg (nachmals Erzbischof von Gran), kgl. Vicekanzler. ' 
1297 Michael dg. Bö, Bischof von Agram, Kanzler des slavonischen Herzogs 

Albert Morosini. 
1298—1300 Anton, Bischof von Gsanad, kgl. Vicekanzler. 

1299 Ladislaus v. Nekcse-Lipocz dg. Aba, Propst von Titel, kgl. Vicekanzler. 

1300 Stephan, Erzdechant von Karlsburg, kgl. Vicekanzler; 
Nikolaus, Propst von Bosnien, kgl. Secretär und Überhofkaplan. 

(1290—1301) Nikolaus, kgl. Notar; 
Jakob, kgl. Notar. 

2. Hoficanzlei der Königin. 

1290 — 1297 Benedikt dg. Edd, Bischof von Veszprem, Kanzler. 

1291 Andreas, Bischof von Erlau und Kanzler. 

1292 — 1297 Andronikos, Propst von Veszprem, Vicekanzler. 

1295 Simon dg. Kathyz (Ahn der Salg6i), Kanzler (8. September); 

Paul, Bischof von Fünfkirchen, Kanzler der slavonischen Herzogin Thomasina 
Morosini. 
1300 — 1301 Paul, Propst von Kalocsa, Vicekanzler. 

3. Palatine. 

1291 (12. März bis 9. October) Nikolaus v. Güssing dg. Hoder; 
(22. JuH bis November) Amadeus dg. Aba; 
(23. September) Eainald dg. Bastech (Ahn der ßozgonyi); 
Michael dg. Szentemdgöcs. 



— 57 — 

1292 Nikolaus (aller Wahrscheinlichkeit nach der Gtissmger). 

1293 (11. Juli) Araadeus dg. Aba. 

1294 Nikolaus v. Gtissing bis 6. Juni 1295 (1294 gleichzeitig Obergespan von 

Somogy und Weißenburg). 

1295 (15. November) Amadeus dg. Aba; 
Stephan, Obernotar des Palatins. 

1296 (in der ersten Hälfte) Amadeus dg. Aba; 
Nikolaus v. Gtissing; 

Matthäus dg. Csdk, Obergespan von Pressburg. 

1297 (Juni und August) Matthäus dg. Csäk; 
(Oetober bis December) Amadeus dg. Aba. 

1298 Apor dg. P6cz, Palatin diesseits der Donau; 
Eoland dg. Katold, Palatin jenseits der Donau; 
(20. Oetober bis 20. December) Amadeus dg. Aba; 

(24. November) Peter, Vicepalatin (führt einen Adler im Wappen). 

1299 (2. Mai) obiger Apor dg. P6cz; 

(Juni bis Juli) Eoland dg. Katold (sein Kanzleibeamter heißt Michael); 

(28. Juli bis 7. December) Amadeus dg. Aba; 

Peter (ein Verwandter des Geschlechtes Gutkeled), Vicepalatin in Ofen. 

1300 (Februar und März) Amadeus dg. Aba, Obergespan von Zala und Krako, 
t 1311. 

(1290—1301) J., Vicerichter des Palatins; 
Barleus dg. Divek, Vicepalatm. 

4. Reichs- und Hofrichter. 

1291 Thomas dg. Huntpazman, Reichsrichter. 

1292 dto. dto. 
Paul, Vicereichsrichter; 

Emichs Sohn Martin v. Devecser, Vicereichsrichter. 
(1293) Dominik, Vicereichsrichter. 

1293 Thomas dg. Huntpazman, Keichsrichter ; 
Apor dg. P6ez (11. Juli, nachmaliger Palatin); 

Marceil (soll wahrscheinlich Martin heißen), Vicereichsrichter. 

1294 Martin v. Devecser, Vicereichsrichter. 

1295 Apor dg. Pecz, Beichsrichter; 

Michael (aus dem Eisenburger Komitate), Notar des Reichsrichters; 
Martin v. Devecser, Vicereichsrichter. 

1296 Och uz dg. Buzäd, Hofrichter der slavonischen Herzogin Thomasina Morosini ; 
Martin v. Devecser, Vicereichsrichter. 

1297 Apor dg. P6cz, Reichsrichter; 
Martin v. Devecser, Vicereichsrichter. 

1298 Stephan v. Borsod d|g. Äkos, Reichsrichter (nachmaliger Palatin); 
Benedikt, Vicereichsrichter; 

Stephan, Vicereichsrichter, 



— 58 — 

1299 Stephan v. Borsod dg. Akos, Beichsrichter: 
Stephan. ViV^reichKrichter, 

1300 Stephan r. Bor8od dg. Akos, Beichsrichter; 
Stephan. Vicereiehsrichter. 

5. Bane. 

a) Von Bosnien. 
1290 Prjezda II. und sem Bruder Stephan. 

b) Von Dalmatien — Kroatien — Slavonien nnd der K&sten^gend. 

1290 (23. Juli) Stephan (v. Blagaj) und sein Bruder Badoslav; 
(23. Julij Nikolaus dg. Gutkeled (Titularban). 

1291 Heinrich v. öOssing dg. Höder; 
Georgs Sohn Alexander dg. Gutkeled. 

1292— 1293 Badoslav (v. Blagaj). 
1294 Stephan v. Blagaj (Titularban). 
1298 (29. Juli) Jakob. 
1300 (11. August) Paul Subiö; 

(23. August) Ladislaus dg. Ratold, Ban von Slavonien. 

c) Von Severin. 
1291 Lorenz, Obergespan von Kfl und Krasso. 

d) Unbestimmte Bane. 

1291 Gregor, Obergespan von Bars und Neutra; 
Nikolaus dg. Gutkeled, Obergespan von Valko; 
Maran dg. Szentemdgocs. 

1292 Gregor, Obergespan von Soraogy; 
(22. Juni) Lothard dg. (lutkeled. 

1294 Mikod dg. Kökönyesrenold. 

1295 dto. dto. 

1296 (6. October) Markus' Hohn Gregor (hat einen Bnider Stephan); 

Guge V. Varsany (seine Söhne sind Peter und Martin, seine Schwester 
Osanna ist die Gattin Peters von BorfÄ). 

1298 Mikod dg. Kökönyesrenold; 
Mik6 dg. Gyovad; 

(iregors Sohn Simon dg. Bogatradvan. 

1299 Andreas. 

1300 Baphael. 

6. Wojwoden von Siebenbargen. 

1291 Ladislaus dg. Borsa (sein Vicewojwode ist Benedikt); 
Roland dg. Borsa, Obergespan von Szolnok. 

1293 (11. Juli) Roland dg. Borsa. 

1294 Kompolds Sohn Hart wich (Titular-Wojwode). 

1296 Nikolaus dg. Pok, Ahn der Moroez von Megyesaija und der Megyesi. 

1297 (21. April) Ladislaus, Obergespan von Szolnok. 

1298 (29. JuU) Ladislaus. 



— 59 — 

1299 Ladislaus; 

Nikolaus dg. Pok; Titularwojwode; 

Nikolaus' Sohn Lorenz dg. Igmänd, Titularwojwode. 

7. Obertavernici. 

1291 Dominik dg. Eatold; 

Johann v. Güssing, Obergespan Ton Ödenburg; 

Lukas, Obergespan von Zala, Obertavemieus der Königin; 

Merkulin, Obergespan von Sohl, Chef der kgl. Kammer; 

Kosmas, Chef der kgl. Kammer (seine Brüder sind Lukas und Benedikt). 

1292 Bald(uin), Obergespan der Zips, Chef der kgl. Kammer (sein NeflFe ist 
Gueehto aus dem Gesehlechte der Cypriani in Florenz). 

1293—1300 Dominik dg. ßatold, Obertavemieus; 

1293 Stephan v. Bors od dg. Äkos, Obertavemieus der Königin (nachmaliger 

Palatin); 
Dominik, Obergespan von Valko, Obertavemieus der Herzogin Thomasina. 

1294 Stephan v. Borsod dg. Akos, Obertavemieus der Königin; 
Lukas' Sohn Ladislaus, Obertavemieus der Herzogin Thomasina. 

1295 Vinian, Chef der kgl. Kammer. 

1297 Michael v. B4nya dg. Koppany, kgl. Obertavemieus; 
Herberts Sohn Hans v. Kaschau, kgl. Kammerchef. 

1298 (29. Juli) bis 1299 Moses, Obertavemieus der Königin (flihrt einen Adler im 
Wappen). 

8. Oberstallmeister. 

1291 Mik6 dg. Sz6cs. 

1293 (11. Juli) Thomas dg. Huntpdzmdn. 

1293—1296 Matthäus dg. Cs4k (1294^1295 Obergespan von Pressburg, nach- 
mals Palatin; sein Stellvertreter ist am 6. Jänner 1294 der kgl. Stabularius 
Stephan). 

1297 Csaks Sohn Johann (nachmals Lordoberrichter). 

9. Obertruchsesse. 

1291 — 1294 Ladislaus dg. Batold (nachmaliger Ban). 

1292 Stephan dg. Buzad-Hahold, Notar der Truehsesse. 

1295 Lorenz v. Korogy, Obertmchsess der Herzogin Thomasina. 

10. Obermundschenke. 

1291 (9. October) Jakob. 

1293 Olivers Sohn Nikolaus dg. Eatold. 

1296 dto. dto. Obergespan von Szatuiar. 

1298 (5. Jänner) Wolf gang dg. Kathyz, Obermundsehenk der Königin (Ahnder 
Herren v. Sz^cseny). 

II. Kleinere Hofbeamte. 

1293 (28. October) Csäk, Chef der kgl. Waffenträger. 



— 60 — 
12. Komitatsbeamte. 

(Wo keine andere Bezeichnung g^eben wird, ist stets der Obergespftn gemeint.) 

a) Abanjv&r. 
1291 Peter v. Somos dg. Aba. 
1300 dto. dto. 

(1290—1301) Paul (Obergespan von Ujvar). 

b) B&cs. 
1291 Aynards Sohn Johann v. Zsarabek. 

c) Baranya. 
1291 Kemöny (Sohn des t Palatins Lorenz, einer der Ahnen der Matucsinai). 
(1291 — 1297) Nikolaus' Sohn Nikolaus, Vicegespan; 

Andreas dg. Bodmör, Stuhlrichter; 

Johanns Sohn Peter, dto. 

Leonards Sohn Dominik, Stuhlrichter; 

Benedikts Sohn Dionys, dto. 

1294 Julius (Gyula) v. Sikl6s dg. Kan, Übergespan von Tolna. 

1295 Bunga, Vicegespan; 

Andreas, Arnold und Deinetrius, Stuhlrichter. 
1296, 1298, 1299 Obiger Kera6ny. 

d) Bars. 

1291 Gregor, Ban, Obergespan von Neutra. 

1295 — 1300 Thomas dg. Huntpdzmän, Obergespan von Neutra. 

e) Bereg^. 

1299 Gregor, Officier des Fürsten Leo v. Halics. 

f) Bihar. 

Um 1300 Paul, Obergespan von Szatmdr und Kraszna; 
Bencenc, Vicegespan. 

g) Bodrog. 

1291 Mize, Obergespan von Tolna (ein unter Ladislaus IV. zum Christenthum über- 
getretener Sarazene; war liadislaus' IV. letzter Palatm). 
Jakob dg. Borsa, Obergespan von Szatmar; 

1300 Kakas dg. Katold, Obergespan von Tolna. 

h) Borsod. 

I2!J7 Stephan dg. Buzad (nachmaliger Ban). 
121)0 (28. Juh) Desiderius dg. Ratold, Obergespan von Gömör: 
Dionys v. Buda, Stuhlrichter. 

i) Eszters^am (Gran). 
Seit 1264 sind die Erzbischöfe von Gran gleichzeitig Obergespäne des Graner 

Komitates. 
129D B61a, Vicegespan. 



i 



— 61 — 

j) Fcg^r (Weißenbnrg). 

1291 (10. April) Nikolaus v. Güssing, Palatin und Obergespan von Somogy. 
1291 (9. October) bis 1292 Lazars Sohn Benedikt (Besitzer von Harta). 
1295 (6. Juni) Nikolaus v. Güssing, Palatin, Obergespan von Somogy. 

1298 (29. Juli) Johann. 
1300 (23. August) Johann. 

k) Gerzencze. 
1297 Michael dg. Bö, Bischof von Agram, Obergespau von Garig. 

l) G»m»r. 
1293 (15. Juli) Kardcsons Sohn Aba, Vicegespan; 
Johann, Notar des Vicegespans. 

1299 Desiderius dg. Katold, Obergespan von Borsod. 

m) Györ (Raab). 

1291 (9. October) Ladislaus. 

1297 (21. Jänner) Pauls Sohn Nikolaus. 

1298 — 1299 Paul v. Komorn, Obergespan von Komorn und Wieselburg. 

n) Hont. 

1292 Gabrians Sohn Bagomör dg. Ludany. 

1298 (29. Juli) Johann. 

o) Hnnyad. 

1295 (19. April) Nikolaus' Sohn Ladislaus, Kastellan von Deva; 
Csanads Sohn Stephan v. Pesthes, Stuhh-ichter; 
Benczes Sohn Michael, Stuhlrichter, 

p) Komorii. 

1298 — 1299 Paul v. Komorn, Obergespan von Wieselburg, Eaab und Ödenburg. 

q) Kö (= Keve). 

1291 (9. October) Lorenz, Bau von Severin, Obergespan von Krasso. 

r) Krako. 

1300 (16. Februar) Amadeus dg. Aba, Palatin, Obergespan von Zala. 

s) Kra886. 
1291 Lorenz, Bau von Severin, Obergespan von Kö. 

t) Kraszna (Somlyö).* 
(1290 — 1301) Paul, Obergespan von Szatmar imd Bihar. 

u) Lipto. 

1298. Mik6, Kastellan von Lipt6. 

V) Mosony (Wieselbnrg). 
1291 (9. October) Paul. 

(1292) 11. October Jakob v. Altenburg (Ovar) dg. Györ. 

1298^1299 Paul v. Komorn, Obergespan von Komorn und Eaab. 

w) Nögräd. 

1299 Dominik dg. Eatold, kgl. Obertavernicus, Obergespan von Somogy. 



— 62 — 

X) Nyitra (Neutra). 

1291 Gregor, Ban und Obergespan von Bars. 

1292—1301 Thomas dg. Huntpdzman, Obergespan von Bars, 

p) Pozsega. 

1293 (11. JuU) ügrin dg. Csdk. 

1296 Balog, Kastellan von Pozsega (sein Bnider ist Comes Diftrieh). 

1299 — 1300 Albert Morosini, Herzog von Slavonien. 

z) Pozsony (Pressburg). 
1291—1292 Apor dg. Pecz (nachmaliger Palatin). 

1293—1297 Matthäus dg. Csak (erst kgl. Oberstallmeister, dann Palatin). 
1294^1296 Meynolds Sohn Abraham (der Eothe), Vicegespan; (129« Ober- 

tavernicus des Obergespans). 
1296 Nikolaus, Notar des Vicegespans. 
1297 — 1301 Demetrius dg. Kathyz, Obergespan von Siros undj^Sohl (ein Ahn 

der Balassa). 
1299 Jaroslav dg. Div6k, Vicegespan. 
(1290—1300) Der Palatin N.; 

Andreas Schad, Vicegespan; 

Eumugus, Vicegespan. 

«V S&ros. 
(1298) Demetrius dg. Kathyz, Obergespan von Pressburg und Sohl (ein Ahn 
der Balassa); 

(1290—1301) Blasius. 

a^) Somogy. 

1291 Nikolaus v. Güssing, Palatin und Obergespan von Fejer. 

1296 Nikolaus v. Güssing, Palatin und Obergespan von Fejer. 

1298 — 1299 Ivänka (sein Vieerichter ist in beiden Jahren Peter). 

1298 Johanns Sohn Johann, Martins Sohn Micbael, Leo, Stuhlrichter. 

1299 Dominik dg. Eatold, kgl. Obertavemicus, Obergespan von NogrAd. 

(1300) Ochuz dg. Buzad. 

aV Sopron (ödenbnrg). 

1291 Johann v. Güssing, Obertavemicus des Königs. 

1292, 1295 Johann v. Güssing, Obergespan von Eisenburg. 

1299 Paul V. Komorn, Obergespan von Komorn, Wieselburg und Raab. 

aV Szabolcs. 
(1293) Stephan, Vicegespan. 

1300 (9. April) Simons Sohn Georg, Kastellan von Patak. 

a^) Sz&sz isp&nok (Sachsencomes). 
1294—1298 Hilbrand. 

1299 Jordan. 

a9 Szatm&r. 

1291 Jakob, Obergespan von Bodrog. 

1296 Olivers Sohn Nikolaus dg. Eatold, Obermundschenk. 

1299 (30. November) Lothard, Mik6, Thomas und Briccius, Stuhlriehter. 

(1290 — 1301) Paul, Obergespan von Bihar und Kraszna, 



— 63 — 

a7) Sz^kler-Grafen. 

1291 (12. März) Moses. 
1299—1300 Peter „Fogas" dg. B«. 

a^) Szepes (Zips). 
1291 — 1300 Bald(uiii), (Oheim bes Florentiners Guechto aus dem Geschleehte der 

Cipriani). 
1299 Urban, Stuhlrichter, 

a^) Szolnok. 
Seit 1263 sind die Wojwoden von Siebenbürgen auch Obergespäne von Szohiok. 

1299 (31. Juli) Gregor, Stuhlrichter. 

a'o) Tolna. 
1291 (10. Juli) Mi ze (ein zum Christenthura übergetretener Sarazene. Lartislaus' IV. 

letzter Palatin), Obergespan von Bodrog; (9. October); 

(9. October) Gregor. 
1294 Gyula (Julius) v. Siklos dg. Kän, Obergespan von Baranya. 

1300 Kakas dg. Eatold, Obergespan von Bodrog. 

aiy ügocsa. 

1296 (21. September) Stephan. 

(1290—1301) Michael dg. Semj6n (Ahn der Kiillay); 

Bonus. 

a*^ Ung. 

1290 Jakob v. Pänk. 

1291 (26. August) Amadeus dg. Aba. 

a«; Valk6. 
1291 (9. October) Nikolaus dg. Gutkeled, Ban. 
1293 (11. Juli) Dominik, Obertavemicus der Herzogin Thoraasina. 
1300 Demetrius. 

a>*) Vas (Eisenburg). 

1291 (10. Juli) Ochuz dg. Buzäd-Hahold. 

1292, 1293, 1296, 1299 Johann v. Güssing, Obergespan von Odenburg. 
(1290—1301) Thomas, Vicegespan. 

«lö) VerScze. 

1292 (26. November) Kosmas. 

a^«) Veszpr^m. 
1291 — 1299 Leurente dg. Leurenthe; 

Mathias v. örs, Heym v. Jutas, Donat, Kilian, Stuhlrichter. 

ai7) z&gr&b (Agram)t 
1291 Bodos dg. Gutkeled (Ahn der Herren von Szokoly) 

a>^) Zala. 

1291 (Jänner bis JuU) Lukas, Obertavemicus der Königin; 
(9. October) Gregor. 



— 64 — 

1298 (29. Juli) Lukas. 

1300 Amadeus dg. Aba, Palatin, Obergespan von Krak6. 

a'^V Zempl^n. 

1299 Andreas; 

Jäko, Vicegespan; 

Csepan, Albert, Stephan, Paul, Stuhlrichter. 

1300 (6. Mai) Zochuds Sohn Martin v. Pelejte, Vicegespan. 

a2o; Z61yom (Sohl). 
1291 Merkulin, kgl. KameraHief. 
1291 — 1300 Demeter dg. Kathyz, Obergespan von Pressburg und Saros. 

13. Militärbeamte. 

1290 (2. August) Denipers Sohn Andreas, Kastellan von Scatha: 
(29. März) Gardony, Kastellan von Medve und Blagosa. 

1291 Balog, Kastellan von POnfkirchen; 
Dietrich, Kastellan von Kapuvdr. 

(1291) Koppäny, Kastellan von Harsany. 

1292 Bernhard, Kastellan von Monyorokerök. 
(1294) Witko, Kastellan von Sdros. 

1295 Nikolaus' Sohn Ladislaus, Kastellan von Deva, Obergespan von Hunyad : 
Nikolaus, Kastellan von Medve; 

Elias' Sohn Alexander, Kastellan von Jenß; 
Thomas (Ereneke), Major m B6kes; 
Johann, Major in B6k6s. 

1296 Bogars Sohn Martin, Kastellan von Trencsen; 
Balog, Obergespan von Pozsega und Kastf^llan daselbst. 
Welks Sohn Ladislaus, Kastellan von Ujvar; 
Koppany, Kastellan von Szarsomlyo. 

(1296) Stephan, Kastellan von Ödenburg. 

1297 Alexander, Kastellan von Pemstein im Eisenburger Korn itate: 
Feldrich dg. Szentemägöcs, Kastellan von Patak; 

(1. Juli) Simons Sohn Nikolaus, Kastellan von Szekcsö; • 

Omoneus v. Topord, Kastellan von Siklos. 
Werner, Pestungscommandant von Ofen. 

1298 Ivänka v. Bezedek, Major in Baranya. 
Bene, Major in Baranya. 

Mik6, Obergespan und Kastellan von Liptau. 

1299 (24. April) Jaroslav dg. Divek, Kastellan von Pressburg. 

1300 Barleus und Jaroslav dg. Divek, Kastellane von Gran; 
(19. Juni) Acinctus, Kastellan von Zugliget: 
Valentin v. Nadas, Kastellan von Appony. 

Simons Sohn Georg, Obergespan von Szabolcs, Kastellan von Patak. 
Johann. Kastellan von Boldvakö. 



über den Draehen-Orden/ 



x rofessor J. G. Böhm hat zwar im Jahre 1764 eine Abhandlung') über den 
Drachen-Orden zu Leipzig in Druck herausgegeben; nichtsdestoweniger wiederholt 
bald darauf das „Ungarische Magazin" 'J den Wunsch, dass über einen so 
berühmt gewesenen Orden mehr Nachrichten gesammelt, geprüft und den ungarischen 
Alterthums- und Geschichtsliebhabern mitgetheilt werden mögen. Den Anlass zu einem 
solchen Wunsche gab zu jener Zeit ein Wappenbrief, den Kaiser Sieg m und 
als König von Ungarn im Jahre 1418') einem tapferen und edlen ungarischen 
Drachenritter namens Andreas von Chaz*) ertheilt hatte, und der auf dem frei- 
herrlich Vecsey'schen Archive entdeckt worden war. 

W^eil Siegmund da schreibt, dass ihm von dem genannten Ritter das Wappen 
zur Bestätigung vorgezeigt*) worden, und am Ende der Wappenbeschreibung gesagt 



*) Die vorliegende Abhandlung ist dem 
in der Manuscriptensammlung (EEs. 100) des 
k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchives zu Wi^n 
unter dem Titel „Collectanea historica 
Austriaca*' verwahrten handschriftlichen 
Nachlasse des am 6. October 1796 zu Wien 
verstorbenen, als Historiographen * der geist- 
lichen und Bitter-Orden , sowie als sphragisti- 
schen ^Sammler hochverdienten Domherrn des 
Wiener Metropolitan- Capitels , Franz Paul 
Edlen von Smitmer (vgl. Wurxhach, Bio- 
graphisches Lexicon, Bd. 35, S. 185) ent- 
nommen. Dieselbe befindet sich im 14. Bande 
dieser Collectaneen auf Bl. 1—37" unter dem 
Titel „Nachricht von dem Drachen- 
Orden des Kaisers Sigmund, Königs 
▼on Ungarn etc zur Beantwortung auf 
die von Herrn von Windisch in dem 
üngrischen Magazin aufgeworfenen 
Fragen* von Smitmers eigener Hand ein- 
getragen. Der ganzen Stilisierung nach rührt 
dieselbe jedoch ursprünglich von einem un- 
bekannten ungarischen Geschicht- 



schreiber her und wurde von Smitmer 
nur abschriftlich seinen Sammlungen angereiht. 
Im Texte wurden hier die gröbsten Hun- 
garismen richtiggestellt, einige sachlich tiber- 
flüssige Weitläufigkeiten weggelassen und die 
beigegebenen Urkunden collatloniert. 

Die Redaction. 

*) De ordine draconis instituto a Sigis- 
mundo imp. prolusio 1764, Lipsiae. 4^ 

«) II. Band 1782, Pressburg, 8«., Seite 115, 
und III. Band 1783, S. 123. 

') Datum Constantie in vigilia ramis pal- 
marum (19. März) anno dni. MCCCCXVIII. 
regnorum nostrum anno Hungariae XXXI, Ro- 
manorum vero Villi. 

*) Andreas filius Nicolai, filii Thomae de 
Chaz, regiae nostnve majestatis aulicus et nostrae 
familiaris societatis draconicae seu draconita- 
rum collega ac domesticus et continuus com- 
mensalis. 

*) Quaedam arma ostendit leonem vidclicet 
aureum in clipeo lasurino etc. 



— 60 - 

worden ist, dass don Schild ein geHO^elter vieil'üßitrer l)ra<-he ningt'hr. d«».sseii Rücken 
mit einem rothen Kreuze bezeichnet, die rothe Zunge zwischen den weißen Zähnen 
herausgeschlagen und der Schweif mit aufwärts stehender Spitze dreimal um den 
Hals gewunden sei,*) glaubte ein Anonymus in dem nämUchen „Ungarischen 
Magazin" durch eine Zuschrift an den Herausgeber K. G. von Wind isch behaupten 
zu können, dass dieser Drac*he nicht als das Zeichen des Drachen-Ordens, 
wohl aber als ein Prachtstück des Chaz' sehen Oeschlechtswappens aufzufassen sei. 

Windisch Heß nun im I.Bande seines „Neuen Ungarischen Magazins" 
1791 den Chaz'schen Wappenbrief, leider aber nicht auch ein anderes Diplom') 
abdrucken, das in den Analecten des P. Stephan Kaprinay damals noch erhalten war. 

Der Zweck nachfolgender Zeilen ist, die tiberlieferten Nachrichten tiber die 
Stiftung des Drachen-Ordens in möglichster Vollständigkeit zusammenzutragen 
und zu sichten. 

Der Stifter des Di*achen-()rdens , König Siegmund, pflegte diesen seinen 
Orden immer nur eine Gesellschaft zu neimen: „Familiaris societas draconica 
seu draconistannn" liest man in dem ftlr das Chaz'sche edle ungarische Geschlecht 
1418 ertheilten Wappenbriefe und „Societas draconis" in dem Diplome, mittelst 
welches 1429 dem Vitold, (iroßherzog von Utthauen, das Ordenszeichen verliehen 
wurde. So schrieb auch unter dem Jahre 1409 Herzog Ernst von ()steiTeich, mit 
dem Beinamen der Eiserne, dass er mit vielen seiner vornehmsten österreichischen 
und steirischen Ritter die „Lautter bruderschafft** und „Gesellschaft mit 
dem trackhen" angenommen habe, und König Ladislaus von Ungarn und 
Böhmen, sagt auch nur „In societate nostra draconica receptus** von jenem Fran- 
ciscus de Useppis de Sancto (leminiano aus dem florentinischen (leschlechte der 
Ric(!i, dem er im Jahre 1455 das AVappen vermehrt hatte.®) 

Die Drachenritter waren mit keinem besonderen Gehorsam einem Oberhaupte 
unterworfen, sie hatten keinen wahren (iroßmeister, keine besonderen Ordensämter, 
keine eigenen Capitular-Versannnlungen, keine allgemeine (h'denscasse und keine Or- 
denshäuser oder eigenen Güter. Aus allen christlichen Ijändern konnten sich dieser 
Gesellschaft nicht nur Bitter, sondern auch vornehme Frauen einverleiben lassen. 

Eberhard von Windeck, der Biograph des Königs Siegmund und dessen 
Rath, nennt sie bald des „Kaisers (Jesellschaft," bald die „Gesellschaft des 
Wurms" oder auch „des Lindwurms."*) 

*) ClipeuR dracone, cruce rubea in dorso ! gariae, cujus transumptum sereniss. ducis Saxo- 



signato, cum pedibus quatuor ante et retro 
disjunctis et pennis quasi divisis ex utroque 
latere fuit circumdatus et circumflexus, cujus 
draconis os apertum et inter dentes albos lin- 



niae Alberti, Hung. locumptenentis sigillo com- 
munitum vidimus inter analectas P. Stephani 
Kaprinay, ex quo onines errores a Ci. Behomio 
de ordine draconis admissi confutautur. P.Franc. 



gua rubea cxtensa, rostro subacuto et auribus ! Palma, Notitia rerum Hungaricarum, p. II. 1770. 

erectis videbatur, cujus draconis collum cauda j Tyrnaviae, 8"., pag. 148. 

propria tripliciter circumdedit et circumflexit, *) Manni, tom. III, Osservazioni sopra li 

cujusque caudae finis seu i>ars extrema erat sigilli de secoli bassi, pag. 111. 

erecta. | •) Siehe Menkcn, Scriptores rerum Germani- 

') De ordinis draconis institulionc cxlat ; carum, I. Theil. 

autogiaphum perelegans Sigisunindi rcgis Hun- | 



— 67 — 



Von Friyclilin, der ei*zälilt, days Herzog Albreeht IV. von Österreich den be- 
rühmten schwäbischen Bitter Georg von Ehingen in selbe aufgenommen habe, 
soll sie die Salamander-Gesellschaft genannt worden sein.'®) 

Aus späteren Zeiten, wo das wahre Ordenszeichen der Dracheritter schon nicht 
mehr öflFentlich und allgemein bekannt gewesen ist, sind jene verschiedenen anderen 
Namen, als: der Orden von dem umgestürzten Drachen, Draconis inversi, 
von dem überwundenen Drachen, Draconis debellati, Draconis de victi, welche 
bei den Geschichtschreibern der Ritterorden vorkommen und zuletzt einige zu dem 
Glauben verführten, dass es in Ungarn zwei verschiedene Orden von dem umge- 
stürzten, und von dem überwundenen Drachen gegeben habe.»*) 

Dass Kaiser Siegmund den Orden oder die Gesellschaft vom Drachen 
gestiftet habe, stimmen fast einhellig alle Historiogmphen tiberein; wann aber 
dies und in welcher Absicht es geschehen sei, darüber sind die Meinungen sehr 
getheilt. Viele glauben, dass man durch eine solche Verbrüderung des mächtigen 
ungarischen und böhmischen Adels den von den Hussiten verv^üsteten Königreichen 
eine wirksame Hilfe habe verschaflFen wollen. 

Nachdem die Anhänger des Johann Huss erst um das Jahr 1418 zu rebellieren 
begannen, und dem Kaiser Siegmund gefährlich wurden, so könnte nach dieser An- 
nahme die Stiftung des Drachen-Ordens nicht älter sein. Sapieha in seinem Corollario 
de ordinibus equestribus ^-) setzt die Stiftung dieses Ordens in das Jahr 1420. 

Andreas Jäger**) und mit ihm Pater Honore de Sainte Marie,**) Mr. Her- 
mand,**) Christian Gryphius,**) wie auch Beck*^) zeigen an, dass dies im Jahre 
1418 geschehen sei; Böhm erscheint es vielmehr glaubwürdiger, dass im Jahre 1418 
der Drachen-Orden erneuert worden sei, '*) weil Josef Micheli Maquez, *^) Pater Andreas 
Mendo**') und Pater Johann Gavor**) diese Stiftung bis in das Jahr 1400 zurück- 
setzen; andere dagegen, wie P. Philipp Bonanni und P. Vincenz ('ornelli,") Hadrian 
Schönebeck, 2*) Abt Bernhard (liu.stiniani,^*) P. Hyppolit Holyot^*) und Bischof Thomas 
Aloisius Torelli^*) versichern, dass es schon 1397 Dra^henritter gegeben habe. 



*^) Siehe Bürgermeister, Grafen- u. Ritter- 
Saal, HI. Tb., Sect. VI, Bl. 378. 

") Siehe Tho. Torelli Episcopi Foroliviensis, 
Armamentarium histor. legale ordinum equest. 
tom. II, Forolivii 1753, in foL, p. 1, p. 18; 
Christ. Beck, Specimen II. juris pubi. Anstriaci, 
1762. Viennae 4. sect. II. cap. VII, pag. 271. 

") S. Adnotationes bist, de origine Poloniae 
ordinis eqnitum aquilae albae, 1730. Coloniae. 

'•) Le theatre d'honneur et de cbevalerie, 
1620 ä Paris in fol. 

^*) Dissertations sur la chevalerie ancienne 
et moderne, 1718 a Paris. 4^ 

*^) Histoire des ordres militaires, 172.5 ä 
Kouen. 12. 

'*) Entwurf der geistlichen und weltlichen 
Kitterorden 1709. Leipzig. 8^ 

") Specimen IL juris publici Austriaci, 
cap. VIIL 



*') De ordine draconis prolnsio: Renovatam 
atque ex hoc tempore magis ac magis celebra- 
tam lubentius credam sodalitatem draconis. 

*•) Tesoro militar de cavalleria, 1642. Mad- 
rid, in fol. 

^) De ordinibus militaribus desquisitiones, 
1668. Lugduni, in fol. 

") Conspectus equestrium ordinum, 1742. 
Tymaviae. 8*. 

*•) Catalogi ordinum equestrium, 1706. 
Romae, 4«. Venetiis, 1704. 4®. 

*') Histoire des ordres militaires, 1699. 
Amsterdam, 8^. 

**) Istorie cronologiche degli ordini eques- 
tri, 1692. Venezia, in fol. 

•*) Histoire des ordres religicns et militai- 
res, tom. VI 11. 1719 ä Paris. 4-. 

'^) Armamentarium ordinum equestrium 
1751. Forolivii, in fol tom. IL p. 1. 

6* 



68 — 



Wenn es mit jenem Siegmund'schen Diplom, dessen oben aus den Handschriften 
des P. Kaprinay gedacht worden, seine Richtigkeit hätte, dass es das eigentliche 
Stiftungsdiplom des Drachen-Ordens sei, und die ungarischen Historiographen P. 
Palma*') und Katona*®) dieses der gelehrten Welt hätten mittheilen wollen, wäre 
es überfltissig, jetzt noch weiter nach dem Zeitpunkte der Ordensstiftung zu fragen. 

Sehr wahrscheinlich aber ist es, dass die Urkunde ddo. Pridie Idus Decembris 
anno 1408, welche Palma „De ordinis hujus institutione autographum Sigismundi 
regis" nennt, nichts als eine Verleihung ist, mittelst welcher Siegmund vielleicht 
einem vornehmen ungarischen Magnaten das Ordenszeichen gegeben hat , mid diesen 
von der Stiftung der Drachenritter und ihren Ordenspflichten unterrichtet. Die am 
S(*.hlusse wörtlich abgedruckte Urkunde Siegmunds von 1429, aus dem k. u. k. Haus-, 
Hof- und Staatsarchive, in welcher er dem Vitold, Großherzog von Litthauen, und 
dessen zweiter GemahHn JuUana, des Herzogs Ivan von Holssa Tochter, seinen Drachen- 
Orden verleiht, dürfte eine ähnliche sein. 

Die Zeit betreffend, wann der Orden gestiftet worden sei, schreibt Sigis- 
mund, dass es geschehen „Dum adhuc solum regnorum nostrorum Hun- 
gariae postestate et nomine fungeremur", d. i.: nachdem er 1385 Maria, 
die Königin von Ungarn, geehelicht hatte, und diese durch den König Karl aus 
ihrem Königreiche vertrieben worden war. 

Siegnmnd, der sich in den ersten Monaten des Jahres 1387 noch „Eegni 
Hungariae capitaneum et dominum" schrieb,'^) war vorerst darauf bedacht, die un- 
glückliche Maria wieder in ihr Königieich einzusetzen und sich mit ihr eine ruhige Re- 
gierung wider die äußeren Feinde und inneren Eebellen zu verschaffen : „Vias quaerentes 
quibus commodius regnis nostris praeesse possemus". Dieses war eigentlich das Jahr 
1387, wo Maria wieder ihre Freiheit erlangt hatte und Siegmuud zum Könige von 
Ungarn gekrönt worden war (den 31. März). Um dieselbe Zeit sagt er weiters: „Accu- 
niulato nobis societatis praesidio in laudem nominis doraini nostri Jesu Christi, sal- 
vatoris nostri pro devisa et societate effigiem draconis portandam et feren- 
dam elegimus." Das dtirfte so zu verstehen sein, dass Siegmund in jener Zeit den 
Drachen-Orden gestiftet habe, den dann die ungarischen Prälaten und Magnaten 
mit ihm zugleich angefangen hatten zu tragen. Dass aber Siegmund auch noch 
schreibt, Barbara von Cilli, seine zweite Gemahlin (seit 1408), habe mit ihm den 
Drachen-Orden zu tragen erwählt,'®) kann nicht anders verstanden werden, als dass 
damals (1429) Barbara das Ordenszeichen mit ihm so getragen habe, wie etwa 
solches der Großherzog von Litthauen mit seiner Gemahlin zu tragen vepflichtet war. 

Unwidersprechlich ist dagegen, dass schon im Jahre 1397 Victor dal Pozzo 
aus einem vornehmen Geschlechte von Verona, als Drachenritter in dem Testa- 
mente seines Vaters") vorkommt, und dass Herzog Ernst der Eiserne von 



") Notitia rerum Hungariae, p. II. Tyr- 
naviae 1770, pag. 148. 

**) Steph. Eatona. Histor. critica reguni 
Hung., vol. XI, pag. 762. 

*•) Katona, historia critica regni Hung. 
vol. XI, pag. 183. 



^) Cum serenissima principe dna. Barbara, 
Rom. et Hungariae regina, conthorale' nostra 
carissima, praelatis, baronibus et proceribus 
effigiem draconis curvati portandam et feren- 
dam elegimus, acceptavimus et per modum 
societatis duximus induendam. 



Österreich ein noch älterer Dracheiiritter gewesen sein müsse, da schon im Jahre 
1396 auf seinem Siegel der Ordensdrache um den österreichischen Schild gewunden 
erseheint.**). 

Daraus erhellt, dass Herzog Ernst schon lange vorher den Drachen-Orden ge- 
tragen habe, als er und seine österreichischen und steirischen Eitter mit König 
Siegmund und dessen ungarischen liittern zu Ödenburg im Jahre 1409 jene Ordens- 
Verbrüderung geschlossen hatten, deren Beurkundung aus dem k. u. k. Haus-, 
Hof- und Staatsarchive im Anhange abgedruckt erscheint. ' *) 

Em ähnliches Siegel wie Ernst der Eiserne führten dessen Brüder , die Her- 
zoge Wilhelm und Leopold von Österreich. Dasselbe hängt an einer Urkunde von 
„Sambstag vor sant Catharinen tag" (22. November) 1404. 

Dass aber außer Herzog Ernst und dessen genannten BrtUlern Wilhelm 
und Leopold auch ihr vierter Bruder, Herzog Friedrich mit der leeren Tasche, 
und Herzog Albrecht IV. von Österreich den ungarischen Drachen-Orden nicht 
nur angenommen, sondern auch ganz besonders geschätzt haben, lässt sich daraus 
entnehmen, dass sie das Ordenszeichen öfters auf ihren Münzen anbringen ließen. 
Auch im Bruderschaftsbuche der St. Christophs-Gapelle auf dem Arl- 
be rg sind die Wappen der Herzoge Wilhelm, Friedrich, Leopold, Ernst und Albrecht IV. 
von Österreich mit dem Ordensdrachen geziert zu sehen. Der Drache ist dort mit 
braun, grün und gelb vermischten Farben gemalt und am ganzen Leibe mit Bluts- 
tropfen besprengt. Auf die nämliche Art erscheint dort auch der Ordensdrache bei 
dem Wappen des steirischen Kitters Jakob von Stubenberg, der 1407 liandeshaupt- 
raann in Krain war. 

König Siegmund, der die Drachengesellschaft errichtet hatte, um sich wider 
seine Feinde Beistand zu verschaflFen, war natürlich besorgt, die benachbarten mäch- 
tigen Herzoge von Österreich zu seiner Drachen-Gesellschaft unter den ersten anzu- 
werben. 

Dazu mag wohl auch der Ehrgeiz, in diese Gesellschaft des Königs von Ungarn 
mit aufgenommen zu werden, viele der tapferen österreichischen und steirischen 
Ritter im Jahre 1396 bewogen haben, wider die Türken König Siegmund zuhilfe zu 
ziehen. •*) 

Bezüglich der Aufnahmsceremonien für diesen Orden ist Folgendes zu be- 
merken : 

Ritterschlag dürfte bei der Ertheilung des Drachen-Ordens keiner vorgenommen 
worden sein, denn, wie Siegmund an Vitold, den Großherzog von Litthauen schreibt, 
haben den Drachen auch Bischöfe, Prälaten und Frauen getragen : „Cum serenissima 



") Siehe: Giustiniani, Histor. degli ordini 
militari, p. U. cap. 66, pag. 719. Franciscus 
a Puteo lec. in omnibas se instituit et esse 
Toluit spect. et egreg. virum dnum. Victorium 
a Puteo, inüitem draconis, ejus dilectissimum 
filittiD, qui modo praeoepto mag. et potentiss. 
dni. lo. Qaleatii reperitor apud sereniss. Yen- 
ceslaam imperatorem (!) nostmm pro ejus nego- 
tüs pertractandis etc. 



•*) Urkunde der k. u. k. Hans-, Hof- und 
Staatsarchives ddo. Wien, 5. März 1396. 

^) 25 Siegel sind an diesen Bundbrief 
gehangen worden, wovon aber zwanzig verloren 
sind. 

^) Siehe Chronicon Salisbnrgense und des 
Thomas Ebendorfer von Haselbaeh, Chronicon 
Austriacum bei P. Hieron. Pez, tom. I. Scrip- 
tor. rerum Austriacar. col. 432 und tom. II. 
col. 823. 



— 70 — 

principe eonthorale nostra eaiissima praelatis, baronibus et proceribus effigiem draconis 
portaiidam elegiimis". Di«' Drachengesellschaf't bestand zwar meistens aus Kittern, 
doeh brauchte man nit-ht welnhatt gemacht worden zu sein, um ihr Ordenszeichen 
tragen zu köniuMi — sie war also kt^n eigentlicher Ritterorden. 

Die Stelle in tMiiem Ikiefe Siegniunds von 14;W an Anton (irafen von Colalto, 
einen Sohn des Hasilius:*^) „Te, quem manu propria militiae cingulo et societatis 
nostrat' draconieae ae stolae seu amphrisiae charisimi iVatris nostri regis Aragoniae 
insignivhmis**, will nur soviel sagen, dass, nachdem er ihn zum Ritter geschlagen 
hatte, er ihm auch seinen Drachen-Orden verliehen habe. Einfach ein „Kleinod*" 
nennt ihn Siegnnmd in jenem Briefe, mit welchem er an llerboza, Herzog von Spalato, 
anno 1413 das Abzeichen desselben geschickt hatte: .,(^uoddam clenodium, scilicet 
Signum drac(mis, ((uod nos unacum serenissima principe dna. Barbara, reginaHungariae, 
eonthorale earis.sjma et (piam plurimis nnindi jirineipibus nostrorumqüe regnorura 
ban)nibus. praefeetis in signum indissolubilis soeietatis gestare solenms."*^) 

In diesem Sinne nmss auch der Abt Uiustiniani '^) verstanden werden, der erzähltt 
dass Siegnumd nach seiner Kaiserkrönung auf der Rückreise von Rom zu Verona und 
Mantua viele zu Draclienrittern gemacht habe, nändich: den Ludwig dal Varne, 
(irafen vcm Languedredo und Correggio, den Anton von Nagaroli, Bartholomäus 
Campagna, den Jakob I^avagnolo, den Johann de Cavalli, einen (lentile Spolverino, 
einen Wilhelm dalla Pozza, den (irafen Alexander Guagnino, den Nikolaus de Me- 
dicis und den (irafen Jakob Emigli. 

Nichts anderes hatte auch Ilieronynms Romanus oder de la Higuera in der 
Lebensbeschreibung Johanns, Königs von Spanien, sagen wollen, als dass Moyses 
Didacus de Valera, ein tapferer spanischer Ritter, mit dem königlich ungarischen 
Sigmund'schen Drachen wegen seiner besonderen Verdienste beehrt worden sei,'*) 
na<*hdem derselbe bereits Mitglied des böhmischen Tusin-Ordens und des österrei- 
chischen Ordens vom weißen Adler oder der disciplinen Ritter war. 

Wenn der Ritterschlag bei der Aufnahme in die Drachengesellschaft nothwendig 
gewesen wäre, würde es Siegmund ganz gewiss dem obgenannten (iroßhei-zog von 
Litthauen, den er von allen Pflichten dieser Gesellschaft und in allen Ordenssatzungen 



^*} SieheiSansovino, Dellaorigineet de fatti ■ kommen war, er da alle fünf Söhne des Mar- 

delle famiglie illustri d'Italia, 1582. Venezia, I chese Nicolaus zu Rittern geschlagen habe, 

4*. pag. 3. Statt dieses Autors wird dessen und über seinen Aufenthalt zu Bimini sagt 

Vater Basilius als Drachenritter falsch bei eine Chronik der Stadt Bologna wieder bei 

Belloy, De Tinstutitione et origines, pag. 69, ' Muratori 1. c. tom. XVIII, col. 647: Fece 

gelesen, wo zugleich dieser genannt wird: Basilius ' cavaliere il signor de (3e8na. Poscia andö 

<3oialba, marohio Anconae. I a Ferrara ed ivi fece cavaliere un Messer Carlo 

**) Siehe Du Cange, Glossarium med. et in- di Messer Jacopo di Salicelo, cittadino di Bo- 

fimae Latinitatis, voce Draco. Eatona, Histo- logna. Er wird vermuthlich auch allen diesen 

riae crit. regni Hung. vol. XII, pag. 155. { den Drachen nach dem Ritterschlage verliehen 

•') P. II. Historia degl* ordini militari, , haben, 

cap. 66, pag. 720. Conferi l'ordine equestre | '*) Moyses Didacus de Valera probatae vir- 

del dracone armö diversi cayalieri del ' tutis eques, ab Alberto imperatore tribus 

dragoue debellato. Ein Diarium der Stadt | militiae insignibns condecoratus fuit : draoonioo 



Ferrara ei-zählt bei Muratori, Tom. XXIV, 
Scriptor. rer. Italicanim, col. 186, dass, wie 
Siegmund bei diesem Zuge nach Ferrara ge- 



nempe tamquam a rege Hungariae, Tusini ut 
a rege Bohemiae et collari disciplinamm aquiia 
alba exomato ut a duce Austriae. 



— 71 — 

genau iinterrichtt^t liatte, auch angedeutet haben, unisoniehr, als er demselben zu- 
glen-h die Vollniacbt ertbeilt hatte, den Drachen an andere vertheilen zu können: 
„Fi-aternitati vestrae^, schreibt Siegnuuid dem genannten üroßhei-zi^g, „et praefatae 
carissimae sorori nostrae, magnae dueissae ipsam societatem nostram duximus trans- 
raittendam". Es ist durchaus nicht bemerkt, dass dieselben den Ritterschlag zu 
empfangen hätten, bevor sie den Drachen tragen durften. „Damus vestrae fraternitati 
liberam facultatem", schreibt Siegmund weiters „principatuum et terrarum vestrarum 
principes, barones ac alios viros generosos, nobiles et bonae ac in virtutibus conser- 
Tatos ad hujus modi societatem acceptandi, quos placuerit aceeptandos, qui etiam 
promittant praescriptos articulos inviolabiliter observare". Dies ist alles, was Siegmund 
Ton den in seine Gesellschaft aufzunehmenden litthauischen Eittern fordert. 

Ge.setzt nun, dass der Drache keinem gegeben worden ist, der nicht vorher 
schon Ritter gewesen wäre . so folgt doch daraus nicht, dass Siegmund jedem tiber 
die feierhche Einkleidung in die Drachengesellschaft hätte eni Diplom ausfertigen 
müssen, da sich sonst auf ungarischen, deutschen und anderen Familienarchiven eine 
Menge Sigmund'scher Diplome über Verleihungen des Drachen-Ordens finden müssten. 

Mit Rücksicht auf die Vollmacht, die Siegnumd dem Großherzog von Litthauen 
gegeben hatte, und welche ohne Zweifel auch die Herzoge von Österreich und viel- 
leicht noch andere Landestürsten besessen haben, ist es wahrscheinhch, dass Sieg- 
mund als ürdensoberhaupt nicht einmal ein vollständiges Veraeichiiis aller seiner 
Draehenritter gehabt habe, t brigens ist ja bekannt, dass nur selten und erst in 
späterer Zeit Diplome über alle jene Ritterschläge gegeben wurden, welche Kaiser 
und Könige bei verschiedenen (lelegenheiten, und noch heutzutage an ihren Krö- 
nungstagen mit besonderer Feierlichkeit zu halten pflegen. Die hiezu Erwählten 
werden da nur zum Ritterschlage vorgerufen, imd in einer und der anderen weit- 
läufigen Beschreibung der Krönungen zuweilen noch deren Namen gefunden.^*) Wie 
viele Diplome hätte z. B. Kaiser Friedrich 111. ausfertigen müssen, von dem Andre 
von Lapiz^*^) berichtet, dass 1452 nach seiner Krönung zu Rom ,,Rüth (er) für die 
Englpurkh aufl die Tyberpruckhen, da muest er ritter schlagen nach 
alter gewohnheit , schlung den ain tag mehr den vierthalbhundert 
ritter, da waren vil pueben auch zu ritter geschlagen — ich auch 
mit.*»)" 

Welche Absichten Siegmund bei der Errichtung seines Ordens hatte, und was 
die eigentlichen Pflichten der Drachenritter waren , dies soll im Folgenden erwähnt 
werden. 



'*) Brzezina in seinem Diario belli Hus- 
sitici nennt jene Ritter, welche Siegmund bei 
seiner Krönung in Böhmen zu Bittem ge- 
schlagen hat. Siehe Ludewig, Reliqu. manu- 
scriptor. tom. VI , pag. 181. Unter jenen, 
welche bei der ungarischen Krönung Sieg- 
munds 1387 zu Rittern geschlagen wurden, 
fand sich der venetianische Abgesandte Panta- 
leon Barbo. Siehe Qiustiniani, Historia degli 
ordini militari, p. IL pag. 719. 



*•) Siehe des Grafen von Wurmbrand Collec- 
taneae genealog. histor. Austriae, cap. XIX, 
pag. 64. 

**) Kurz vorher sagt dieser Ritter von Liipiz, 
den ein steirischer Herr Erasmus von Wild- 
hausen als seinen Edelknaben mit sich geführt 
hatte: nl<^^ ^^^ wohl bei 16 jaren alt, 
schier zu gross zu einem knaben.** 



— 72 — 

Diese Frage lässt sich aus dem Sehreiben des Ordensstifters an den Groß- 
herzog von Litthaiien beantworten. Siegnuind wollte vor allem die katholische ßehgion 
wider den Erbfeind und in seinen Ländern wider die verborgenerweise wtithenden 
falschen Christen srhiitzen. Er wollte den Frieden in seinen Königreichen sichern und 
bet'estigen, Schutz dt'u Witwen und Waisen und werkthätiges Mitleid gegen die Armen 
schaffen. Daher waren die Dradienritter ganz besonders verpflichtet, den Waisen 
und Witwen ihrer Ordensbruder beizustehen und bei allen Gelegenheiten das Beste 
ihrer Mitordensbrttder zu besorgen ; wenn ein Ritter aus der Gesellschaft mit Tod 
abgeht, dessen Begräbnis und den Exequien beizuwohnen, oder im Falle einer 
daran gehindei-t sei, dreißig Messen für den Verstorbenen lesen zu lassen ; zugleich 
auch fiir jeden verstorbenen Ordensbruder die Trauer auf einen Tag anzuziehen und 
das Trauerkleid nachher an einen Armen zu verschenken ; alle Freitag zum Gedä(*htnis 
der fünf Wunden Christi ein schwarzes Kleid zu tragen oder fünf Messen lesen zu 
lassen. Von der Schuldigkeit, das Ordenszeichen beständig zu tragen, wird später 
die Kede sein. Um die Einigkeit und liiebe zwischen den ungarischen, österreichi- 
schen und steirischen Diachenrittern noch mehr zu befestigen , wurde zwischen diesen 
der bereits erwähnte Vertrag im Jahre 1409 geschlossen, kmft dessen ein öster- 
reichischer oder steirischer Land herr, der Mitglied dieser Gesellschaft ist, in jedem 
Falle, wo zwischen ihm und einem ungarischen Ordensritter eine Streitigkeit ent- 
stünde, gehalten sein solle, sich dem Ausspruche des Königs von Ungarn zu unter- 
ziehen, und hinwiederum „ob ainervon Vugern, der in dergesellschafft des 
trakchen wer", mit einem in Österreich oder Steiermark, „der auch diegesell- 
schaft trueg ze schaffen het oder gewunn, so sol der vnser", wie Herzog 
Ernst schreibt, „das recht darumb vor vnser oder vnserer gesellschaft 
in vnsern landen sfichen, die sullen im dann darumb ein vnuerczo- 
genes recht tun vnd wideruaren lassen^. 

Wenn ein Dmchenritter sein Ordenszeichen zu tragen vergaß, musste derselbe 
fünf Messen lesen lassen; Krankheit nur und die Gefahr, in eine feindliche (Gefan- 
genschaft zu gerathen, konnten die Ritter von der Erliillung dieser Ordenspflicht 
entheben. Verlor ein Ritter durch was immer fiir einen Zufall das Ordenszeichen, 
blieb er so lange entschuldigt, bis er wieder mit einem neuen versehen war. 

Es fragt sich nun, wie das Ordenszeichen der Drachenritter eigenthch aus- 
gesehen habe. 

Als Ordenszeichen wird nicht nur jenes angesehen, das die Drachenritter am 
Halse getragen haben und das ihnen von dem Ordensstifter, Kaiser Siegmund, unter 
den obengenannten Strafen zu tragen anbefohlen worden ist, sondern auch jener Drache, 
mit welchem die Ritter ihre Schilde zu zieren und von anderen Wappen zu unter- 
scheiden pflegten. 

Josef Micheli Marquez") stellt uns den Dmchen, welchen die Ritter an einem 
grünen Bande getragen haben sollen , todt, als Symbol der überwundenen Häresie dar. 

Beim Abte Giustintani *') dagegen hängt der schuppige Drache mit herab- 
hängendem Kopfe und Flügehi an einer goldenen Kette. 

*^) Tesoro milltar de oavalleria, pag. 90: La insignia era una colonia verde pendiente 
un dragon muerto, simbole de la heregia degollada. 

**) Hist. cronolog. degli ordini militari, p. II, pag. 717. 



— 73 — 

Andreas Favin**') hängt den gestürzten Drachen an einer doppelten goldenen 
Kette, welche mit grünen Patriarchenkreuzen ^*) untertheilt ist, bei den Füßen auf. 

So unrichtig alle die Zeichnungen sind, so haben doch die Historiographen der 
Ritterorden dieselben in ihren Werken, und zwar größtentheils dem Favin nachgemalt. 

Das Ordenszeichen, das die Drachenritter getragen haben, inuss so gestaltet 
gewesen sein, wie es Siegmund an Vitold, den Großhei7x>g von Litthauen, verliehen 
hat: „Portandam elegimus effigiem draconis curuati per modum circuli, cauda Collum 
circumgirantis, diuisi per medium dorsi ad longitudinem a summitate capitis usque 
ad extremum caude etlfluente sanguine et desuper crucem, qua dominus noster et 
redemtor inferni daustra post gloriosam resnrrectionem suam descendens ad inferos 
dissipauit, illamque secum ferens antiqui hostis Leuiathanet draconis tortuosi infernorum 
malorum caput ipsius crucis misterio potenter detiexit." Ein Drache also, der in der 
Rundung zusammengewunden, seinen Schweif um den Hals geschlungen hat, vom 
Kopfe an über den ganzen Leib mit Blutstropfen besprengt ist, und auf welchem 
ein goldenes Kreuz aufgesetzt ist. So gestaltet ist er auf dem (irabsteine des im 
Jahre 1450 zu Säusenstein in Kiederösterreich begrabenen Dmchenritters Reinprccht 
von Walsee, Landeshauptmannes iin Lande ob der Enns. (Abgebildet bei P. Chrisost. 
Hanthaler in Pastis Campililiensibus^®) zu Anfang des zweiten Bandes) 

Mit diesem Ordensdrachen stimmt auch jener überein, den der schon oben 
unter dem Jahre 1397 bekannt gewordene Drachenritter Victor dal Pozzo auf seinem 
Porträt zu Verona in der Pozzi'schen Bildergalerie an der Brust trägt. 

In das Kreuz hat hier der Maler keine Worte geschrieben, während man auf 
dem Walsee'schen Grabsteine bei Hanthaler liest: „Quam misericors est dominus 
ivstvs et paciens." 

W^as es mit dieser Lischrift und mit dem Kreuze selbst flh' ein besonderes 
Bewandtnis gehabt habe, erklärt der Biograph Kaiser Siegmunds, Rath Eberhard von 
W^indeck bei Menken,^') indem er erzählt, dass „Czenko von Warte nberg, der 
Hussiten- und ketzer-hauptmann gewesen, ein landherre zu Behaim 
eines großen geschlechts, und dass den überwant hatte der köuig 
mit geschrift und guter rede, und namin in seinen rat, und gab im 
seine gesellschaft, das war ein lintwurm."*®) 



**) Tom. II du theatre d'honneur et de 
cheralerie, pag. 1273: Double chaine d*or, au 
bout de laquelle au dragon convers6 aux aisles 
abbattues esmaille d'autant de divers couleurs, 
que le diable et les heresiarques les tiercelets 
la yarient et bigarrent d'artifices pour trom- 
per et seduire les pauvres ignorauts. 

*■) Statt der Patriarcbal- oder grünen doppel- 
ten Kreuze hat £lias Asbmele so viele grüne 
Kleeblätter in die Kette eingestreut. Siebe : 
The institution of the ordre of tfae garter, 
1672. London, in fol 

*•) Weil der gelehrte Herausgeber den 
Ordens-Drachen verkannt hatte, schreibt er, 
saec. XV, dec. IV, § II, pag. 310: ßeor 



bestiam illam Styriae pantheram exhibere, 
miro ingenio artificam aliam semper aliamque 
informam transmutatam. 

*') Scriptores rerum Germanicarum, tom. I, 
col. 1136. 

*^) Lindwurm, Lindtrache, kommt 
sehr oft in alten, deutschen Rittergeschichten 
vor, als ein Drache oder Ungeheuer, eine große 
geflügelte und vierfüßige Schlange. Phil. 
JacobSpener in seinem heraldischen Werke, 
pars generalis, cap. VII, § 10, p. 332, wusste 
nicht, was er «lus dem Drachen, den er um den 
Wartenberg'schen Schild in dem Siebmacher- 
schen Wappenbuch antraf, machen sollte: A 
telamonibus non longe abit draco vel croco- 



- 74 - 

„Der lintwurru hiüge aQ einem kreuze, das war also gestalt,*') 
und wem Siegmund das gab, den hatte er sunderlichen liebe be- 
weiset. Auf demselben creuz stunde gesehrieben: „ü quam misericors 
est deus" nach der lenge, nach der gewehr: ^lustus et pius,"*'') das 
spricht zu deutsche: „0 wie barmherzig ist got und milte." 

.Der worent aber nit innner deren vir und zwanzig, die das crewze 
und den wurm allein mit im trugen. In allen landen er in geben hatte 
alleine ohne das crewze." 

Wie schon gesagt, erklärt diesen Umstand besser noch die Handschrift in der 
k. u. k. Hoftibliothek, wo gelesen wird: 

.Der worent aber nit me den XXIV die das crewtz und den lint- 
wurm allain mit im trugent daran. Ir worent aber viel die den wurm 
allein trugent; in allen landen er in geben hatte allein one das 
creuze." 

Dass um das Kreuz herum Strahlen gewesen sein sollen, will Johannes Dlu- 
gossus oder Ix)nginus an jenem ürdenszeichen bemerkt haben, das von K. Siegmund 
1429 durch einen Österreicher Ritter an V lad isla v II., König von Polen, über- 
schickt worden war.**) 

Michael Bojemus sagt uns ferners, dass auch Adolf, der letzte Herzog zu Schles- 
wig aus dem Schaumburg'schen Geschlechte, sowie Schacko von Banzow oder Ranzau 
Drachen mit dem Kreuze getragen haben. Er gedenkt aber dabei weder der Strahlen 
um das Kreuz, noch einer Inschrift auf demselben. *2) 

Es erübrigt jetzt noch, den Dnu'hen auch dort , wo derselbe um die Wappen- 
schildo der Ritter als Ordejiszeichen gelegt erscheint, auf verschiedenen Denkmälern 
zu betrachten. 

Zuerst aber muss von diesem Ordensdrachen noch bemerkt werden, dass er stets 



dilus alatus, qui caudam mordens circumdat 
soutum Wartembergiciira. Jetzt ist wohl die 
Frage gelöst, was das für ein Thier ist, woher 
es gekommen ist und was es zu bedeuten hat. 

*^) Menken dürfte diese Figur in dem von 
ihm benützten Codex der herzogl. Gotha'schen 
Bibliothek nicht gefunden haben, da er der- 
selben keine Erwähnung that. Sie ist auch 
nicht in der berühmten Handschrift an der 
k. u. k. Hof- Bibliothek zu sehen. 

•®) quam misericors est deus, justus et 
pius sagt die Handschrift der k. u. k. Hof- 
Bibliothek. Auf dem Walsee'schen Grabsteine 
hat P. Hanthaler dieselbe wieder anders ge- 
schrieben gefunden: Quam misericors est domi- 
nus justus et paciens. Statt paciens soll das 
Wort Clemens auf jenem Ordenszeichen ge- 
standen sein, das von K. Siegmund dem Vla- 
dislav von Polen tiberschickt worden ist, wie 
der polnische Historiograph Job. Dlugossus 
versichert. 



•') Venit railos Austriae Leonardus ei parte 
Sigismundi Hung. et Bob. regis missus, ferens 
sibi (Vladislao regi Poloniae) insignia socio- 
tatis suae certis legibus, quas quüibet acoipiens 
juramento intemerate a se levaturum stringe- 
bat, qualificatas, quibus cautum erat, ut unus 
alterum in advei*sis et prosperis et quocunque 
casu nunquam defereret. Draco autem socie- 
tatis praedicte erat insigne, rotunda figura se 
volvens et capite caudam complectens, faucibus 
apertis et üammam ructandibus, cruore in spina 
dorsi in modum crucis conspersus, cui signum 
crucis radios emittens erat superpositum scrip- 
turam in medio talem continens: quam 
misericors deus justus et clemens. Lib. XI. 
Historiae Polonicae. 

**) Vita Alberti III Animosi Saxoniae ducis, 
1676. Wittembergae. 4°: Albertus U, Imperator 
draconem gessit, cruce capiti iniixa eoque in- 
signivit Adolphum ducem Slesvicensem et 
Schaconem Ranzorium. 



— 75 



mit einem rothen Kreuze auf dem Bücken bezeichnet war , sowohl wenn er um den 
Hals an einer Kette getragen wurde , als auch wenn er um den Schild als Ordens- 
zeichen gelegt erscheint. „Draco ciniore in spina dorsi in modum erucis conspersus, 
cui Signum erucis radios emittens erat superpositum'*. so hat Dlugossus, wie wir 
oben gehört haben, den Drachen beschrieben, den der König von Polen, Vladislav, 
getragen hat. Mit dem rothen Kreuze bezeichnet sieht man den Ordensdrachen um 
das Chaz'sche Wappen gemalt in jenem Siegnumd'schen Diplome, in welchem es heißt: 
„Clipeus dracone cruce rubra in dorso signato fuit circumdatus.** 

Von diesem rothen, und nicht jenem goldenen, auf dem Drachen stehenden 
Kreuze, wie Böhm") geglaubt hatte, schreibt der Abt Giustiniani, dass zu Verona 
an dem Palaste nächst der Kirche der heiligen Euphemia der Schild des Drachen- 
ritters (irafen Ludwig dal Verme in Stein ausgehauen noch zu sehen sei. „E 
sotto allo scudo il due di'agoni lavorati di rilevo antichi con la croce sopra il dorso**, 
und dass sich auf die nämliche Art mit Aa cro<*e sopra gh homeri del dragone** 
an den Palästen der alten Drachenritter zu Verona, und zwar des Jacob Emigli* 
des (irafen Alexander (iiiagnino und Nikolaus de Mediri, deren Wappen geziert tindeu. 

Aus der Beschreibmig, welche der erwähnte Uiustiniani**) von dem Lavagnoli- 
schen Wappen mit dem Drachen-Ordenszeichen gibt, ist deutlich zu entnehmen, 
dass an dem Ordenszeichen zwei Kreuze genau zu unterscheiden sind, und zwar 
das rot he Kreuz, mit welchem der Drache jedes Ordensmitgliedes auf dem Bticken 
bezeichnet gewesen, und das goldene, aufgestellte Kreuz, an welchem die aller- 
vornehmsten, und nur wenige Drachenritter zum Unterschiede von den vielen übrigen, 
den Drachen getragen hatten. 

Da nun das Drachen-(hdenszeichen vollkommen bekannt ist, ist es nirht mehr 
nothwendig, jene Münzen, Siegel und anderen Denkmäler unseren I^sern voraulegeji, 
wo sich dieser Drache in verschiedenen (lestalten findet: bald mit Flügeln, bald 
ohne Flügel: bald mit vier, bald mit zwei Füßen. 

W^as kann jenes Thier mit dem zurückgekehrten Kopfe auf einem Silber- 
pfennige bei P. Hanthaler") und in der Nummotheca Principum Austriae*') anderes 
sein, als der Ordensdrache. Der steirische Panther ist es gewiss nicht, wie dort ge- 
glaubt worden. 

Die nämliche Bewandtnis hat es mit jenen anderen Silberpfennigen in der 



*^) Prolusio de ordine draconis sagt : Dra- 
conis iDsigne Sigismondus bene multis, cm- 
cem paucissimis conferebat atque in bis Vero- 
nenses iUos fuisse, quorum in marmoribus cruz 
com draconc conspicienda haad abnuerim. 

•*) Historia degl* ord. milit. p. II, pag. 720 : 
L'arme di Giacomo Lavagnolo, che fu armato 
cavaliere da Sigismondo a Peschiera e che fu 
senatore di Roma, sono lavorate di raso di 
varii colori ed affisse ad un veluto nero, che 
copre un forciere, nel quäle si conservano le 
8ue ossa collocato nella di lui capella nel tem* 
pio di S. Pietro raartire in Verona, volgarmente 
chiamato di S. Anastasia. Sotto a qnest'arme 



si vede la memoria del cavalierato del dra- 
gone, espresso con due dragoni, un per pai'te 
dello scudo, riguardanti le medesime insegne 
e questi sono formati di caso di colore dorato 
e con la coda, che gli passa sotto al corpo e 
se gli irivoglie coli' estremita all' intomo del 
collo e sopra la loro scbiena apparisce delineata 
una croce bislunga de che si rileva che alF 
impresa del dragone vinto e debellato vi cra 
annessa la croce e che questo dragone con la 
croce era d' oro. 

••) Verzeichnung Wiennerischer Schau-, 
Denk- und Lauf-Müntzcn, 1745. Linz. 4r 

*«) Tabelle I, Nr. VIII. 



— 76 — 

Xnminothe<'a Austriaca auf Tafel I. Nr. VII, IX und X, von deren einem die St. 
Bla-sianischen Nuuimographen P. I, pag. XI, § III, sehreiben : „In doetum specimen 
pauthera. syrabolum scilicet Styriae inipressum esse eonjieimus". Zwischen ihnen 
und P. Hanthaler war nur der Zweifel, ob es wirklieh der steirisehe Panther aus 
den J^iten Herzog Leopolds des Glorreichen von Osterreich oder vielleicht der 
iMihmiM-he I>>we König Uttokars sein möchte. 

Wenn nicht auf so vielen österreichischen Münzen der ungarische Ordens- 
dra/'he so verkannt worden wäre, hätten Hanthaler, Herrgott, Eustenus Herr und 
andere um die österreichische (leschichte verdienstvolle Männer gewiss nicht einem 
einzigen unter allen diesen Pfennigen ein Alter bis ins XIH. Jahrhundert zuge- 
M'hriel^en. Sie hätten sich bei der Betrachtung oder Beschreibung solcher Pfennige 
erinnert . dass man erst zu Ende des XIV. Jahrhmiderts angefangen hat. den Drachen 
zu tragen und mit diesem das W appen zu zieren. 

Wie wunderlich dieser Drache auf einem Silberstücke des Heivx)gs Leopold IV. 
in der ersten Ausgabe der Nummotheca principum Austriae auf der VII. Tafel, 
Nr. XH, durch den Kupferstecher verunstaltet wurde, hat schon der Abt zu St. Blasien 
Martin (ierbert in der zweiten Ausgabe*^) bemerkt. 

An einem Briefe, den im Jahre 1404 „am freytag nach dem Prehentag 
Hans und Hainrich die gebrtider von Liechtenstain von Nikolspurg 
und Hertneid von Lichtenstain von Nicolspurg ir vetter** über an Herren 
Andre v. (löss verkaufte Zehente zu Egenburg, Prukk, Gauderdorf etc. 
gegeben habt^i, hängt ein Siegel des Johann v. Liechtenstein in grünem Wachs, wo 
miter dem rund zusammengewundenen Ordensdrachen, dessen getheilter Schild, von 
zwei Dra<*hen gehalten, zu sehen ist. 

An der Pfarrkirche zu Perchtoldsdorf bei Mödlingin Niederösterreich befindet 
sich oben an dem Seitenthore in Stein ausgehauen das herzoglich österreichische 
imd königlich ungarische Wappen mit dem Drachen umgeben aus der Zeit, wo diese 
Kirche nach jenem Brande erneuert wurde, welchen sie durch die in Österreich wäh- 
rend der Minderjährigkeit des Königs Ladislaus eingebrochenen Ungarn erlitten 
hatte. 58) 

Auf fast gleiche Art windet sich der in Stein gehauene Drache um das Edlas- 
bergsche Wappen**) ober einer Gewölbthtire im Federlhofe zu Wien am soge- 



•^ Typis San Blasionis 1789, in Proleg IV, 
§ 11, pag. 41 : Parmulam Aostriae cingit in- 
signe draconis seu draconitarum qnod prius pro 
laurea habctatur. 

**) Siehe Martini abbatis Scotorum dialogus 
hibtoricus und Thomae ab Haselbach Chronicon 
Austriacum, bei P. Pez, tom. II, Scriptor. rer. 
Austr. col. 633 und 858. 

•^) Wolfgang Lazius im IV. Buch der Wie- 
nerischen Chronica, Bl. 16: „Die Edlasberger 
führen in ihrem Wappen einen Greiffen und 
und drey Feuerflammen aus einem Berglein 
herausschlagend. In diesem Geschlechte alß einer 



mit Namen Petrus grosse Reichthum in Un- 
garn zusammengebracht, hatte er zu Wien ein 
ansehnliches stattliches Hauß ei bauet, und nach 
gethaner reicher Heurath einen Sohn Laßl ge- 
nannt erzeigt, welcher gleichfalls auch eine 
reiche Heurath getrofen, und wegen seiner 
wohlverrichter Sachen von dem Kaiser Maxi- 
miliano mit einer Kriegsgürtel begabt, folgends 
▼on beeden Kaisern Carl und Fei-dinand zum 
Rath aufgenobmen worden und alß er auch das 
Stadtrichter- Amt zum öftern (1521, 1546) ver- 
sehen, verliesse er zween Söhne Christophorum 
et Wolffgangum.** 



77 — 



nannten Lichtensteg,*®) während unter dem Wappen der Sinnspruch: „Pati, et 
abstinere et sapere a deo sunt. 1497" eingegraben erscheint. 

In Leupolds „Allgemeinem Adelsarchive der österreichischen 
Monarchie" befindet sich auch bei den „Nachrichten von dem gräflich Palfiy- 
schen Geschlechte" *0 das Konth'sche Wappen dargestellt, eines ungarischen, von dem 
uralten Hedervar'schen abgestammten Geschlechtes, ohne dass gesagt würde, wo dieses 
Wappen mit dem Drachen hemm sich findet und von welchem Jahre dasselbe stammt. 

Nebenbei sei auch bemerkt, dass auf dem gräflich Colalto'schen Stammbaume*^) 
dem Wappen jenes Grafen Anton von Colalto, dem 1433 von Siegmund der Drache 
verliehen worden ist, dieses Ordenszeichen anzufügen wäre. 

Windisch, der, wie erwähnt, das Ghaz'sche Wappen publicierte, bemerkt,***) 
dass den Di'achen desselben die freiherrlich Vecsey'sche Familie, welche weiblicher- 
seits von den Ghaz abstammt, ererbt oder wenigstens das Ghaz'sche Wappen , den 
Drachen nicht ausgenommen, mit ihrem angebornen vereinigt habe. 

Ein Gleiches ist auch bei dem Wappen der böhmischen Freiherren von Odkolek 
geschehen, welche ihrem gevierteten Schilde einen von dem ungarischen Ordens- 
drachen umgebenen , von Gold und Schwarz gespaltenen Herzschild beigefligt haben. 

Freiherr von Hoheneck im III. Theile seiner „Genealogischen Beschrei- 
bung der Herren Stände in Österreich ob derEnß", Bl. 123, gibt aus dem 
Siebmacher'schen Wappen buche die Nachricht, dass auch die Herren Eckstain 
„Einen geflügelten Drachen geführt haben in seiner natürlichenFarbe" 
und zwar so, „dass der Kopf desselben und Schwaif mitten zwischen 
beeden Helmen zusammen gingen, und der Schwaif in desselben Maul 
steckte". Dieser Drache dürfte dem Eckstain'schen Geschlechte ebenfalls von einem 
Mitgliede des Drachen-Ordens zugebracht worden sein. 

Ob das Eckstain'sche Geschlecht, die Freiherren von Vecsey und die von 
Odkolek sich bewusst sind, weshalb sie den Drachen um ihre Wappen führen, und 
inwieweit sie berechtigt sind denselben erblich fortzuführen, muss der speciellen 
Familiengeschichte tiberlassen bleiben. 

Über die Wappen der ungarischen Familien überhaupt und den Drachen, den 
man um verschiedene Wappen sieht, hat sich P. Franz Karl Palma**) mit fol- 
genden Worten ausgesprochen: „Ees heraldica in Hungaria ad coeterarum gentium 
morem et leges a Sigismundo correcta fuit. Nam cum antea gentilitia Hungarorum 
scuta essent quam simplicissima, ipse ea in areas divisit coloribusque distinxit. Huc 
faciebat circa annum 1408. — Ordo equitum draconis institutus: Multi Hungari in 
horum equitum numerum relati, qui in ordinis sui signum scutorum areas dracone 
einctas deferre jussi sunt, quod ornamenti genus plurimae etiamnum illustres Hun- 
gariae familiae ostentant." 



^•) In einer Urkunde vom 11. April 1273 
wird gelesen : „ Vicus qui dicitur Lybstensteg". 
In einer andern Urkunde aus dem Jahre 1364 
kommt aber schon vor: „Der erber mann 
üireich an dem Lichtensteg, weiln schranschrei- 
her ze Wienn." 

*■) Siehe des erstenTheilesUI. Band, 150. Bl. 

*') Oenealogia rectae imperturbataeque lineae 



excell. principis Antonii Rambaldi Collalti co- 
mitis ab anno Christi 930 usque ad annum 
1729 in fol. 

*^) Siehe „Ungarisches Magazin", U. Band, 
116. Bl. Pressburg, 1782. 8«. 



**) Notitia rerum Hungaricarum , p. 
Tyrnaviae, 1770. 8. pag. 148. 



I^ 



- 78 — 

(iIhIcIihii Ursprunges ist auch der Drai-he um die Wappen der siebenbürgischen 
irrsten Stephan Boczkay und Gabriel Bathory auf deren Münzen, wegen welches 
schon Martin Schmeizel in der „Erläuterung goldener und silberner 
Müntzen von Siebenbüi:gen" gefmgt hatte, was er bedeute, und wie er um die 
Schilde der genannten Fürsten gekommen sei. 

Zum Schlüsse sei noch besonders bemerkt, dass unter den vornehmsten unga- 
rischen Geschlechtern die Grafen von Balassa-Gyarmath und die Grafen Karoly, Erb- 
Burggespäne des Szatniiirer Komitates , ebenso die Herren von Kallay de Nagy-Kallo 
den Ordensdrachen nicht um ihr Wappen legen, sondern sogar in ihre Schilde auf- 
genommen haben. So flihrt z. B. Gi-af Franz Balassa von Balassa-Gyarmath 1788 
auf seinem großen Siegel als Banus von Dalmatien, Kroatien und Slavonien im ange- 
bomen rothen Schilde mit dem oben und unten von einem goldenen Sterne und 
halbem goldenen Monde begleiteten weißen Ochsenkopf den Drachen um letzteren. 
In dem Sterne stehen die zwei Buchstaben M. T. (Maria Theresia). 

Das gräflich Kohdry'sche Wappen an dem gewesenen freiherrlich Harruker- 
schen Hause in Wien, Kärnthnerstraße, zeigt auch um den Herzschild gelegt den ge- 
flügelten, zweifüßigen Drachen, der seinen Schweif in den Rachen steckt. 

Es würde sich ohne Zweifel aus den Archiven dieser gräflichen Häuser erheben 
lassen, wanrni imd wann der Drache in deren Wappen gekommen ist, nachdem er 
ursprünghch, nach der Vorschrift K. Siegmunds, wohl mit dem Schweif um den Hals 
getragen worden war. 

Vielleicht sind aus den Geschlechtern von Karoly und von Balassa einige gleich 
unter den allerersten Drachenrittern, oder vielleicht so viele aus diesen zwei Häusern 
Drachenritter gewesen, dass man das Andenken derselben in dem auf solche Weise 
vermehrten Familienwappen habe verewigen wollen. Ähnlich ftihrt z. B. der Majorats- 
heiT der Reichsgrafen von Waldbott-Bassenheün das Deutschordenskreuz bei seinem 
Wappen zum Andenken an den Ordensmeister Heinrich Waldbot von Bassen- 
heim. Die Pasi von Faenza führen in dem Haupte ihres Schildes das achtspitzige 
rothe florentinische St. Stephans-Ordenskreuz, weil aus dem Pasi'schen Geschlechte 
viele Ritter dieses Ordens stammten.*'^) 

Fr. Anton de Paule, des ritterlichen Maltheser- Ordens Großmeister, verlieh 
1634 der Familie de Paule in der Provinz (lascogne, dass der Älteste derselben das 
Maltheser-Ordenskreuz in seinem Wappeii ftihren dürfe. 

Jedenfalls kann von jener Zeit an, wo der Drachen-Orden ganz erloschen ist, 
dei-selbe bei einem Wappen nicht mehr als das Ordenszeichen angesehen werden. 
Ein solcher Drache ist heutzutage als ein Prachtstück aufzufassen, wenn er um 
den S(*hild herum, dagegen als Gedächtniswappen, wenn er in dem Schilde an 
den erloschenen Orden erinnert, oder auch als ein Gnadenvvappen, womit das 
alte Geschlechtswappen viu-niehrt worden ist. 

1409, 16. Februar. 

Wir Ernst von gotes gnaden herczog ze Österreich, ze Steir, ze Kernden, vnd 
ze Krain, herr auf der Wiudischen March vnd zu Portenaw. graf zu Habspurg, zn 



*) Siehe Giiianni, iirti tlol bijvsoae, pag. 17ä Nr. 1. 



— 79 — 

Tvrol, ze Phyrt vnd ze Kyhurg, marggraf zu Puigaw viid lantgrafe in Elsazzen etc. 
bekennen mit diesem brief , als wir vnd die nacbgeschriben vnser lantherren in Öste- 
reich vnd in Steir die gesellschaft mit dem trakchen an uns haben genomen ze 
tragen mit dem durchleiichtigen flirsten, vnserem lieben herren vnd swager, kunig 
Sygmunden, kunig ze Vngern, ze Dalmacien, ze Croacien etc., marggrafen ze Bran- 
denburg etc., des heiligen Römischen Eeichs vicarj, vnd des kunigreichs ze Beheim 
Verweser vnd der durleuchtigen fürstin, frawn Barbaran, seiner küniginn vnd gemahelen 
vnd iren lantherren in Vngern, als der gesellschaflbrief aufweyset, der darumb ist 
gemacht. Also sullen vnd wellen wir vnd die egenanten vnser lantherren vnd ander, 
die den trakchen tragent, gegen demselben vnserm herren vnd swager, seiner ege- 
nanten gemaheln, vnserr frawn der kunigine vnd iren lantherren in Vngern vnd 
andern, die auch in der gesellschafift sind, allzeit getrew gerecht vnd lautter briider- 
schafift halten vnd haben vnd in ere, dienst vnd frewntschaft erzaigen, vva oder wenn 
sich das gepflret, alsuerr wir das mit got vnd eren pilleich tun sullen vnd mugen 
vngeuerleich , vnd als sy sich des herwider zu gleicherweis gen vns vnd den ege- 
nanten vnsern lantherren, dev gesellschafft auch habent, mit iren briefen verschriben. 
Wer auch daz vnsrer lantherren oder ain andrer aus vnsern landen diser gesellschaflft 
ze schaffen het oder gewunn mit ainem zu Vngern, der auch den tmkchen trueg, 
so sol der vnser das recht darumb sfichen vor unserm egenanten herren vnd swa- 
ger, dem kunig vnd der gesellschaffik in Vngern; die sullen im darumb ain vnuer- 
czogens recht tun vnd wideruaren lassen. Zugleicherweis, ob ainer von Vngern, der 
in der gsellschaflft des trakchen wer, mit ainem in vnsern landen, der auch die gesell- 
schafft trueg, ze schaffen het oder gewunn, so sol der vnser das recht darumb vor 
vnser oder vnserr gesellschafft in vnsern landen suchen, die sullen im dann darumb 
ain vnuerczogens recht tfin, vnd wideruaren lassen. Wer auch, ob ainer der vnsern 
in vnsern landen, der dise vnsere gesellschafft trueg, ze schaffen het oder gewunn 
mit ainem, der nicht die gesellschafft trueg, vnd daz dem nicht gleich vnd recht 
möcht wideruam, so sullen wir mit vnsern gesellen der gesellschafft in vnsern 
landen erkennen, was hilff wir im gen dem sullen tun, nach dem vnd dann die 
sach ist gestallt vnd nach dem vnd wir dann selber ze schaffen haben, vnd sullen 
auch dann dieselben des klagers sach, an vnsern egenannten herren vnd swager, den 
kunig vnd die gesellschafft in Vngern auch bringen, vnd in vnser erkantnuss der 
hilff auch zu erkennen geben. Die sullen im dann auch darumb hilff erkennen, nach 
dem vnd dann die sach ist gestallt vnd darnach vnser swager denn hat ze schaffen 
vnd was dann dem egenanten klager hilff also erkennert wirdt, die sullen vnser 
egenanter swager, der kunig vnd wir vnd auch vnser gesellschafft des tmkchen dem 
klager vnuerczogenleich tun. Wer auch, daz dhainer in vnsern landen vnsrer gesell- 
schaffl ainen krieg mit yeinand wolt anvahn, das sol er tun nac-h vnserm vnd 
vnsrer gesellschaft rat vnd was wir im dann darinn raten, das sol er tun, vnd wir vnd 
vnser gesellen sullen im des auch helffen. Wer aber, daz wir im des nicht möchten 
volhelffen, so wellen wir vnd vnser gesellschaffii die sach bringen an vnsern ege- 
nanten herrn vnd swager, den kunig von Vngern vnd sein gesellschafft; versteend die 
dann, daz wir ainen rechten weg filr vns betten genomen, so sullen sy vns des 
gancz v(»lhe|fffii getrewlich, so si pest mugen, damit die sach an vercziehen werde 
geendet. Wer aber, daz sy verstunden, daz wir nicht ainen rechten weg ftir vns 



iiemen, darinn siillen sy vns getrewleich vnd vngeuerleich weisen, vnd wir sullen 
in auch dann darinn volgen, ob sy ainen rechtlichem weg nach irer vnderweysung 
ftlr sich hetten genomen, vnd vnser egenanter herr vnd swager vnd wir vnd vnser 
gesellen mit dem trakchen auf bayden tailen sullen das gegeneinander getrewlich 
halten vnd vngeuerleich vnd wir, die egenanten lantherren in Österreich vnd in Steir: 
Eeimpreeht von Walsse, haubtraann ob der Enns, Hainreich von Gelkingen, Ott von 
Meyssaw, fibrister marschalch vnd schenk in Österreich, Hertneyd von PotentorfiF, 
Jörg von Puchaim, meins obgenanten gnedigen herren, herczog Ernsts hofmaister, 
Purkhart von Winden, Albrecht von Pfichaim, ßbrister drugsezz in Österreich, Pemhart 
von Liechtenstain von Judenburg, Hanns von Stuberaberg, Leupolt von Ekhartzaw, 
Caspar von Starhemberg, Hainreich von Pfichaim, Pilgreim von Puchaim, Weikhart 
von Polhaim, Wilhalm Rorer, Chunrat Wehinger, Hanns von Winden, Wilhalm von 
Pernegg, Hanns von Eberstorfif, obrister kamrer in Österreich, Pernhart von Losenstain, 
Fridreich von Polheim, Haidenreich Plankenstainer, Hans von Hohemberg vnd 
Albrecht Hawnvelder der gesellschafil mit dem tmkchen geloben vnd verhaissen mit 
guten trewn solh obgeschriben sachen mitsampt vnseini egenannten herren, herczog 
Ernsten vnd vnserm jungen herren, herczog Albrechten, seinem vettern gegen vnserm 
herren, dem kunig, vnserr frawn, der kuniginn vnd den lantherren in Vngem vnd 
ander, die den trakchen tragent, stett ze halten vnd ze volfüren getrewlich vnd an- 
geuerde nach des egenanten gesellschafftbrief lautt vnd sag angeuerde vnd des zu 
vrkund haben wir vnsre insigel zusampt vnsers egenanten herren, herczog Ernsts 
insigel gehengt an diesen brief, der geben ist zu Ödenburg an samstag vor vasnacht 
nach Kristi gepurde vierczehenhundert jar vnd darua(*h in dem newnten jare. 

(Orig.-Pgmt. in zwei gleichlautenden Ausfertigungen im k. u. k. Hof- und 
Staatsarchive zu Wien. — Von den 25 an jeder vorhanden gewesenen Siegeln sind 
gegenwärtig nur mehr an einer die des Herzogs, Reimprechts von Walsee, Hartnids 
von Potendorf und Jörgs von Puchheim, zum Theile stark beschädigt, erhalten.) 

1429, 3. August 

Sigismundus dei gratia ßomanorum rex semper augustus ac Hungariae, Bo- 
hemiae, Dalmatiae, (Jroatiae etc. rex, illustri principi domino Alexandro alias Wy- 
tawelo, magno duci Littwaniae, fratri et consanguineo nostro carissimo salutem cum 
fraterna et sincera caritate ac in felicibus successibus per henniter iocundari. lUustris 
princeps, frater et consanguinee noster carissime, dudum dum adhuc solum regnorum 
nostrorum Hungariae etc. potestate et nomine fungeremur, plures dies noctesque in- 
sonymes deduxinms vias querentes, quibus commodius regnis nostris preesse et tum 
hostes fidei Christianae, qui nobis et regnis nostris sunt euicino contermini, conterere 
ac etiam malos christicolas possemus ad pacis pulchritudinem reuocare et ut hoc 
assistente nobis dextera regis regum eo efficatius, quod in nobis forte deficeret, 
accumulato nobis societatis presidio firmius suppleremus cum serenissima principe 
domina Barbara, Romanorum et Hungariae regiua, conthorale no.stra carissima, pre- 
latis, baronibus et proceribus in laudem et magnificentiam nominis domini nostri 
Ihesu Christi, saluatoris nostri pro deuisa et societate eftigiem draconis curuati per 
modum cirenli, «-auda coUum circumgirantis, diuisi per medium dorsi ad longitudi- 



r 



^ 81 — 

nem a summitate capitis usque ad exlremuni caude effluente sanguine et desuper 
crucem, qua dominus noster et redemptor inferni claustra post gloriosam resurrec- 
tionem suam descendens ad inferos dissipauit, illamque secum ferens antiqui hostis 
Leuiathan et draconis tortuosi, infernorum malorum caput, ipsius emcis misterio po- 
tenter deflexit, portandam et ferendam elegimus, aeceptauimus et per modum socie- 
tatis, vt uiduae et orphani sociorum huiusmodi societatis, si quos ab hoc saeculo mi- 
grare contingeret, protegi et oppressiones indebite reprimi possent, duxiraus induen- 
dam, quae quidem societas, ut uestra fraternitas inforraetur, succincte tali norma 
et iure est ordinata, uidelicet quod nos et quilibet sociorum societatis praefatae 
consociis suis in huiusmodi societatem receptis tenetur, honorem et reuerentiam 
licitos exhibere ipsosque promouere pure et juste, prout decebit absque fraude et 
cniuslibet, qui ab hac luce decederent in ipsorum possessionibus et iiiribus quibus- 
libet, a cunctis impetitoribus seu molestare uolentibus possetenus protegere et defen- 
sare ipsorum' oppressiones releuare et a uerecundia et quibuslibet eis imminentibus 
periculis fideliter preseruare. Item, si quem dictorum sociorum praescriptae societatis 
mori contigerit, tunc singuli huius societatis et communitatis socii, dum eis id inno- 
tuerit, et hoc fieri poterit, ad exequias seu sepulturam talis defuncti personaKter 
transeant, si uero non irent, uel aliquibus impediti, ad id ire non possint, tunc qui- 
libet talium ob remedium salutis animae defuncti triginta missas celebrari faciat 
quantocius poterit, pro comparatione cuiuslibet missae quatuor denarios maioris 
monete soluturus. Item, quod quilibet societatis praedictae in Signum mortis talis 
socii vestem lugubrem vno die ferat, quam elapso ipso die pauperi Christi largiatur. 
Item, quod singulis feriis sextis, quilibet praescriptae societatis socius vestem nigram 
ferre teneatur, si quis autem hoc ferre neglexerit, tunc quinque missas in laudem 
quinque yulnerum Christi faciat celebrari, similiter quatuor deiiarios pro qualibet 
missa persoluendo, si vero aliqui praescriptae societatis supra descriptam draconis 
effigiem seu Signum aliquo die per obliuionem ferre neglexerit, similiter quinque 
missas celebrari facere teneatur pro comparatione cuiuslibet missae quatuor denarios 
solutnrus. Ubi autem infirmitate aliquis, uel captiuitate, timore seu terrore legitimo 
perueniente praemissum societatis Signum quisquam sociorum ferre nequierit, nullo 
ex hoc grauaminis onere afficiatur. Casu uero, quocumque aliquem sociorum Signum 
huiusmodi contigerit deperdere et amittere, extunc tamdiu donec huismodi signum 
reparari facere poterit, pro non portatione eiusdem grauamem non incurrat aliquale. 
Verum carissime consanguinee atque frater, quia successu temporis vsque huc haec 
societas singulari quadam gloria apud Christianos reges, plurimos principes, comites 
et famosos nobiles, qui eandem summa reuerentia deferunt , et honore tanta ad auc- 
tione refloruit, et per dei gi-aciam cotidie sicut planta fructifera dilatatur, non pos- 
sumus praeterire, quin uestram fraternitatem carissimani, quam amanms summopere, 
quam etiam illustrem sororem nostram carissimam, niagnam ducissam, conthoralem 
uestram dilectissimam ad illius societatis cetnni affectione feruida inuitemus. Id- 
circo deliberato sano communicato societatis nostrae consilio ad laudem et gloriam dei 
excelsi et honorem uestrum praecipuum amoris et caritatis aflfectu, quos ad uestram 
fraternitatem nouit altissimus, sincere gerimus, fementer permoti, eidem uestrae fra- 
ternitati et praefatae carissimae sorori nostrae, magnae ducissae ipsam societatem 
nostram motu proprio duximus transmittendam, ut et uos noster et nos uester simus 

6 



— 82 — 

ueri fratres et socii consodales, iiosque iuuemus mutno in oranibus necessitatibus 
iraminentibus indefessae ad quae etiam uestra fraternitas se stringet et promisso 
prout ad hanc societatem pertinet, fraternaliter alligabit. Sic habet uestra cara fra- 
ternitas quendara nouum nodum, quibus insimul glutinamur, vt licet ex inscrlptionibus 
et federibus per nos dndum initis nobis inuicem suceurrere teneamur, tarnen istius 
societatis nostrae ratione alter alterum et alterutrlus uiduas et orphanos mutua 
uieissitndine quandocunque requisiti et inuocati fuerimus nullatenus deserere, sed 
fideliter defensare, et ab impetitoribus preseruare tenemur. Et vt liaec societas apud 
U08 ad laudem dei felicibus augmentis proficiat, daraus uestrae fraternitati tenore 
praesentiura licentiam et liberam faciiltatem, principatuum et terrarum uestrarum 
principes, barones, ac alios uiros generosos nobilis et bonae famae ac in uirtutibus 
conseruatos ad huiusmodi societatem aeceptandi, quos piacuerit acceptandos, qui 
etiam promittant praeseriptos articulos inuiolabiliter obseruare. Accipiet igitur caris- 
sime frater grato animo fraterni doni munusciilum et cum (gaudio perfruamini) vna, 
cum conthorali uestra carissima et hiis, quos duxeritis acceptandos (sincere) dilec- 
cionis uobis munere destinato, praesentium sub nostrae maiestatis sigillo testimonio 
literarum. Datum Posonii, anno domini millesimo quadringentesimo uicesimo nono, 
die tercia mensis Augusti, regnorum nostrorum anno Hungariae etc. XLIII, Boma- 
norum XIX et Bohemiae decimo. 

Ad mandatum d. regis 
Caspar Sligk. 

(Das dem Verfasser vorgelegene Original befindet sich nicht im k. u. k. Haus-, 
Hof- und Staatsarchive. Daselbst ist jedoch eine von demselben nur ganz unwesentlich 
abweichende Copie. in den Keichsregistratursbüchern (Bd. I, fol. 53 b) König Siegis- 
munds unter der Marginalrubrik : „Societas regis data duci Wytowdo" eingetragen. 
Auffallend bleibt nur deren abweichende Datirung: „CircÄ festum Michaelis". Durch 
den Umstand jedoch, dass die Eintragungen in diesen Eegistratursbüchern immer erat 
dann vorgenommen wurden, wenn sich schon eine größere Menge von Concepten in 
der Kanzlei aufgesammelt hatte, mag dieser, wie mancher andere Widerspiuch in den 
Datierungen erklärt werden.) 



Ungarns Hofwnrdentrager bis 1301. 

Von 



Archontologische Studien bieten nach mehrfacher Eiehtung Interesse und Be- 
lehrung. Ist es schon an und für sich interessant zu wissen, in wessen Händen vor 
Jahrhunderten die Leitung eines gewissen Amtes gelegen, somuss die Specialgeschichte 
jedes einzelnen Amtes und seines Inhabers allgemeine und specielle Daten zur Kenntnis 
der Vergangenheit bieten. 

Wenn wir die Stufenleiter betrachten, die ein Beamter der Vergangenheit vom 
ersten Auftreten als Würdenträger bis zur letzten Erwähnung als solcher erstiegen, 
so lernen wir so ziemlich die Art und Weise der jeweiligen Beamtencarriere kennen. 
Wir ersehen daraus, wie man in früheren Zeiten die geistige Arbeitskraft der 
Menschen verwendet, wie man die Stabilität der Beamten gehandhabt, wie es mit 
ihrer Beförderung beschaflfen war, wie weit sich ihre jeweilige Amtssphäre erstreckt 
u. s. w. Sie erlaubt aber auch wichtige Einblicke in die familiengeschichtlichen Ver- 
hältnisse. 

Wir ersehen aus der jeweiligen Besetzung der Eeichswtirden den Eang und 
die Macht der jeweiligen Geschlechter und Familie,n ; wir gewinnen dadurch oft die 
Kenntnis ihres Steigens und Pallens, und von zahllosen Gliedern mancher Familien 
hätten wir ohne archontologische Studien und Forschungen kaum welche Kenntnis. 
Daraus folgt sell)stverständlich, dass in je tiefere Vergangenheit wir hineingreifen, 
uns die Archontologie in famihengeschichtlicher Beziehung umso wertvollere An- 
leitungen bietet. 

Bei dem Umstände, dass sich der Hochadel Ungarns schon zur Zeit der 
Arpaden (erlischt 1301) zumeist aus ausländischen, eingewandert.en Elementen re- 
crutiert, glaube ich den außerungarischen Forschern einen nennenswerten Dienst 
zu erweisen, indem ich Ungarns Hofwürdenträger bis 1301 in nachfolgenden Blättern 
einer in jeder Beziehung kritischen Analyse unteraiehe — tritt ja oft genug der 
Umstand auf, dass der in irgend einer Quelle genannte Würdenträger von dem 
außenmgarischen Forscher nach keinerlei Kichtung erkannt wird, womn ebenso oft 
die Unzulänglichkeit der Quelle selbst Schuld trägt. 



6* 



— 84 — 

1. Oberstallmeister. 

(Magistri agazonum, marescali.) 

Hier trefifen wir schon in sehr früher Zeit — 1055 — den Nana an. Er ist 
Zeuge der Stiftungsurkunde der Tihanyer Abtei.') Da wir dem Namen Näna später 
bei den Geschlechtern Kalan und Ndna-Bezter begegnen, gehört auch er aller Wahr- 
scheinlichkeit nach einem dieser beiden an. 

Erst 1217 stoßen wir wieder auf einen Oberstallmeister; es ist dies Ladis- 
laus dg. (de genere) Borsa, den wir 1220--1221 daneben auch als Obergespan 
von Pozsega treflFen.^) Dieser wird 1223 Obergespan von Eisenburg, ist 1224—1235 
Curialrichter und Obergespan mehrerer Komitate, 1236 — 1237 Obergespan von Somogy, 
1242—1245 Palatin und taucht am 12. December 1245 zum letztenmale als Ban 
und Herzog von Slavonien auf Er hinterließ die Söhne Ladislaus, Gyula und Niko- 
laus , von denen Ersterer in der Folge Wojwode von Siebenbürgen , letzterer er- 
wählter Erzbischof von Gran wurde. Des Wojwoden Ladislaus gleichnamiger Sohn 
ist anfangs der Neunzigerjahre (des XIII. Jahrhunderts) Titular - Wojwode von 
Siebenbürgen. Oberstallmeister Ladislaus hatte Andreas II. auf dessen Kreuzzuge 
begleitet. Seine Nachkommen sind die Herren von Iklod. 

Ihm folgte 1222—1224 Dionys, Sohn des Dionys dg. Tomaj,») Ahn der 
Lossonczi und der noch existierenden Banflfy von Ix)soncz. Dieser wurde 1225—1231 
Obertavernicus, 1231 — 1241 Palatin, Obergespan von Szohiok und Bihar und ist, da 
wir nach 1241 nicht mehr auf ihn stoßen, sicherlich unter dem Mordstahle der 
Tataren 1241 gefallen. (Wappenbild: Greif) 

Da er 1225 das Amt des Obertavernicus übernahm, folgte ihm in diesem Jahre 
(1225) als Oberstallmeister ein sicherer Michael,*) der bei dem Umstände, als zu 
seiner Zeit zahlreiche Würdenträger dieses Namens vorkommen, sich nicht leicht 
bestimmen lässt. (Vielleicht ist er Apas Sohn.) 

1225 hat aber auch der jüngere König B^la (IV.) in der Person Iv4ns (bei 
Wenzel: Johann) einen Oberstallmeister.*) Aller Wahrscheinlichkeit nach ist dieser 
Ivan mit dem gleichnamigen Bane von 1231 identisch, dessen Bruderssöhne 1257 
als Besitzer des im Zalaer Komitate gelegenen Kanizsa erscheinen. 

Von 1228—1230 fungiert Bors' Sohn, Nikolaus dg. Zdch, im letzteren Jahre 
auch Obergespan von Ödenburg.*) Dieser war damals bereits sehr lange in Staats- 
diensten, doch können wir ihn mit Sicherheit erst 1212 bestimmen. Er erscheint 1212 
als Obergespan von Ödenburg, 1212—1213 Hofrichter der Königin und Obergespan 
von Raab, 1213— 1214 Palatin, Obergespan von Bodrog und Csandd, 1215 nur mehr 
Obergespan von Bodrog; 1217 nimmt er an Andreas' Kreuzzuge theil, wird 1219 
bis 1222 abermals Palatin und Obergespan von Ödenburg, 1222—1225 Hofrichter 
der Königin, Obergespan von Ödenburg (1224 auch von Pressburg), 1226 zum dritten- 



«) Fejör I, 398. I *) Soproni okmänytir I, 17. Wenzel 1, 210. 



») Fejör ni, 1, 236, 302. Hazai okmänytar 
VII, 9. Wenzel XI, 169. 

») Fej6r IH, 1, 466. Hazai okmänytär IV, 
12; V, 10; VI, 18. Wenzel VI, 426; XI, 176. 



*) Fej^r m, 2, 482. Wenzel XI, 184. 

•) Fej^r m, 2, 188, 188, 206. Hazai ok- 
mdnytÄr U, 6. Wenzel I, 262; VI, 466, 477; 
XI, 212. 



— 85 — 

male Palatin (und Obergespan von Ödenburg), 1233 finden wir ihn noch als Ober- 
gespan von Ödenburg. 

Mit Andreas' 11. Tode (1235) versehwmdet er von der Bildfläche; da er im 
Vereine mit anderen an der elenden Wirtschaft Andreas' in dessen letzten Regie- 
rungsjahren starken Antheil genommen, wurde er mit Belas IV. Regierungsantritte 
als Majestätsverbrecher — so nennt ihn ein päpstliches Schreiben vom 12. August 
1236 — declariert. Sein einziger uns bekannter Sohn, Herrand, ist kinderlos ge- 
storben; seine Güter giengen an ein anderes Mitghed des Geschlechtes Zach über. 

Des Mitkönigs Bela Oberstallmeister war 1229—1233 Sölyoms Sohn Posa,') 
den wir nicht bestimmen können, da neben ihm zahheiche andere des Namens 
Posa figurieren. 

Auf Nikolaus dg. Zieh folgte 1231-1234 Apas Sohn Michael«) (etwa mit 
dem obigen Michael von 12.^5 identisch). 1241 zeichnete er sich am Rdkos gelegent- 
Uch des ersten Zusammenstoßes mit den Tataren aus; zuletzt erscheint er 1244 als 
Obergespan von Bolond6cz (heute Becko, Bekow, im Komitate Trencsen). 

1233 kommt Nana dg. Nana-Bezter als Procurator des Königs und als 
Provisor des königlichen Marstalles vor.*) 

Er hatte sich in einem russischen Peldzuge vor Schloss Jaroslav ausgezeichnet, 
woftlr ihm nun Andreas ü. das im Pester Komitate gelegene Sosküt veriieh. 1236 
schenkt seine Witwe und sein Sohn Ndna diese Ortschaft dem Hasen- (späteren 
Margarethen-) Inselkloster von Pest. Des jüngeren Nana Descendenz ist unbekannt. 

Andreas' letzter Oberstallmeister war 1235 AI exander, ^*^) 1234 sein Ober- 
mnndschenk. 

Bela IV. war kaum zur Regierung gelangt, als er auch schon 1235 seinen 
Jugendfi-eund Dionys von Szentgrot dg. Tür je zum Oberstallmeister ernannte, 
den wir bis 23. September 1241 auf diesem Posten finden.") Daneben war er 1240 
Obergespan von Temes, 1241 Ban von Slavonien. 

Er — ein Sohn des Dionys — war während Andreas' Abwesenheit, 1217 und 
1218, an des Kronprinzen Seite in Schloss Stein, hatte sich dann in einem bulga- 
rischen Peldzuge 1228 vor Widdin ausgezeichnet, nahm 1229 an einem Halicser 
Peldzuge theil, kämpfte hier vor Kuzmench und Luck, nahm 1230 Hartnid v. Pettau 
gefangen und hatte schheßUch vor Jaroslav in Halles neuerliche Proben seiner Tapfer- 
keit abgelegt. Von 1233 — 1234 .war er Wojwode von Siebenbürgen, 1234 wurde er 
Obergespan von Szolnok. 1241 ernannte ihn B61a zum Ban von Slavonien, von 1242 
bis 1244 filhrt er den Titel eines Herzogs von Slavonien, 1245 bis 12. April 1246 
wird er Palatin und Obergespan von Somogy; hierauf wieder Ban bis 6. September 
1247; nun erlangt er neuerdings das Palatinat bis zum 1. Mai 1248, wobei er auch 
Obergespan des Pressburger Komitates ist; 1251 ist er nur mehr Obergespan von 
Szolnok, 1252 kurze Zeit wieder Palatin; 1254 kommt er noch als Obergespan von 



') Fej^r ni, 2, 195, 253, 865. Haz&i ok- 
miajUr V, 16; VII, 20; VUI, 26. Wenzel I, 
309; VI, 485, 487, 624; XI, 214, 215, 235, 237. 

•) Fej^ m, 2, 231, 325, 329, 366, 405. 



VI, 618, 521, 549, 652; XI, 234, 235, 237, 
257, 260. 

•) Wenzel XI, 275. 

»») Wenzel VI, 568 

") Fej4r IV, 1, 27, 111 ; IV, 8, 552. Wenzel 



Hazai olrmÄnyttr IV, 18. Wenzel I, 293, 304; | II, 93, 96; VI, 668; VII, 116. 



— 86 — 

Szolnok vor; 1255 ist er schon nicht mehr am Leben. Seine Güter lagen im Zalaer 
Komitate. 

In der OberstaUmeisterwürde folgte ihm am 18. März 1242 Wilhelm,") von 
dem wir nichts anderes wissen, als dass er am 23. September 1241 Obergespan von 
Krasso gewesen. Auch finden wir ihn niclit ferner. 

Ihm folgt am 1(). November (nach Wenzel XII, 689, sclion am 14. Mära) 1242 
Draguns Sohn, Stephan dg. (lutkeled, der in dieser Würde bis zum 26. April 
1245 anzutrefien ist; dabei hat er seit 1243 auch die Obergespanschaft von Verbasz.'*) 

Dieser Stephan, Spross eines deutschen (leschlechtes, war von Jugend an in 
Diensten Andreas' IL, dann dessen Sohnes Andreas, Herzogs von Halics; am 12. Juni 
1245 war er Curialrichter, 1246— 1247 Palat in, von 1248—1259 Bau von Slavonien. 
Seit 1252 flihrt er den Titel eines Herzogs von Slavonien, seit 1254 ist er General- 
capitän der Steiermark. Er ist Ahnherr der Raskai, Malczai, Marki, Buthkai und 
Csatari. (Wappenbild: zwei linksseitige Seitenkeile.) 

Am 2. Juni 1247 stoßen wir auf Gugs Sohn, Csak dg. Csak, Obergespan 
von Ödenburg.^*) Dieser, Mitglied eines uralten einheimischen Geschlechtes, ist seit 
seinem ersten Auftauchen als Obergespan von Bodrog (24. December 1224) ein 
treuer Anhänger des Mitkönigs Bela. Er bleibt bis 1225 Obergespan von Bodrog; 
ist 1229—1231 Belas Obertruchsess; erhält mit Belas Eegierungsantritte 1235 die 
Obergespanschaft von Ödenburg, die er bis 1240 inne hat; 1248 wird er daneben 
königlicher Obertavernicus und behält beide Würden bis 1. Juni 1255. Im Jahre 
126?? ist er vielleicht noch am lieben und Obermundschenk der Königin. Von seinen 
Nachkommen kennen wir 1330 seinen Urenkel Paul. (Wappenbild: Löwe.) 

Am 7. Juli 1251 amtiert der Obergespan von Szolgagyör, Erne dg. Akos.^*) 
Dieser, einem alten einheimischen Geschlechte entstammende Mann, dessen frühere 
Laufbahn wir nicht verfolgen können, nahm 1246 an der Schlacht von Neustadt 
gegen Friedrich ü. von Babenberg rühmlichst Antheil, und hatte im Sommer 1250 
während des österreichischen Feldzuges den Commandanten von Himberg und Um- 
gebung, den steu-ischen Bernhard Preussel, getödtet und dadurch den Ungarn zum 
Siege verholfen. Am 30. November 1251 ist er nur mehr Obergespan von Warasdin, 
1256 Obergespan von Bdcs, um 1260 Ban von Siebenbürgen, von 1262—1267 Ober- 
gespan von Neutra, wobei er den Titel eines Bans führt. 

In den zwischen Bela IV. und dem Thronerben Stephan in den Sechzigerjahi'en 
ausgebrochenen Streitigkeiten nahm Erne gegen Stephan so entschieden Stellung, 
dass er sogar ein gegen Stephan abgesandtes Corps commandierte ; doch wurde er 
von Stephan geschlagen. Von 1267—1269 bekleidete er das Amt eines Curialrichters 
und Eisenburger Obergespans; 1271 war er Obergespan von Warasdm, 1272 Ober- 
tavernicus, Obergespan von Somogy und Warasdin, im Mai 1273 Ban von Soli und 
Uzora, 1274 Curialrichter und Obergespan von Szatmar. 

Sein Sohn Stephan von Borsod wurde in der Folge Curialrichter und Palatin. 



»*) Fej6r IV, 1,260. Wenzel VU, 191 (falsch 1245). 

»•) Fejör IV, 1, 264, 293, 324. Wenzel VU, 133, 157, 170; XI, 340. 

") Fej^r IV, I, 454, 457. 

»») Fej^r IV, 2, 92. 



— 87 -^ 



Dessen Söhne empörten sieh gegen König Karl Robert und verschwinden von der 
Bildfläche. Einer derselben hatte eine baierische Prinzessin zur Gattin. 

Am 23. November 1251 löst Erne in der Würde des Oberstallnieisters Moses 
ab, den wir am 28. Juni 1254 daneben als Obergespan von Kaab finden.**) 

Dieser, ein Sohn des Palatins Moses I. (von 1228 — 1231) war 1244 Curial- 
richter und hatte sich im österreichischen Feldzuge von 1250 als Abtheilungs- 
conufnandant vor Sehloss Kirchschlag ausgezeichnet. 1256 wurde er Obergespan von 
Orbäsz, 1258 daneben Obertavernicus ; 1260 — 1263 war er Obertavernicus des Prinzen 
B41a, Obergespan von Somogy, Warasdiii und Ödenburg, 1267 nur mehr von So- 
mogy und Warasdin; nach Belas Tode wurde er 1270 — 1272 Palatin und Obergespan 
von Ödenburg, 1272 Ban von Slavonien, 1273 Obergespan von Somogy^ 1274 — 1275 
daneben Obertavernicus der Königin, 1276 Curialrichter , Obergespan von Somogy 
und Eisenburg, 1279 — 1280 Obertavernicus der Königin, als welcher er im Herbste 
1280 stirbt. Er hinterließ nur Töchter. Von seinem Oheim Nikolaus stammen die 
Herren von Darö. (Wappenbild: drei kleine, dreieckige Schilde.) 

Von 1254 — 1258 haben wir eine Lücke, während der wir den Oberstallmeister 
der Königin, Eynard v. Zsambök (aus einer angebUch aus der Champagne stam- 
menden Familie), Obergespan von Galgocz (Freistadt im Neutraer Komitate), finden,*^) 

1258 — 1259 versieht das Amt des Oberstallmeisters Kemenys Sohn Lorenz, 
Obergespan von Baab, ^®) eine der markantesten Erscheinungen der Arpäden-Epoche. 
Sein Vater Kem^ny ist wahrscheinlich der Obergespan von Neutra von 1234 — 1235. 
Ijorenz selbst hatte 1249 vor Jaroslav dem Prinzen Rostislav das Leben gerettet, 
zeichnete sich anfangs der Fönfzigerjahre in den österreichisch-mährischen Feld- 
zögen vor Kirchschlag, Olmtitz, Parduch und Grinhaus aus; schlug anfangs der 
Sechzigerjahre als Ban von Severin die Bulgaren; er wurde 1262 Curialrichter und 
Obergespan von Zala, in welcher Würde er bis 1266 (in diesem Jahre Obergespan 
von Wieselburg) verblieb ; nur 1263 unterbrach er sie, als er Stephans Obertavernicus 
gewesen. In den Kämpfen zwischen Bela und Stephan war er des letzteren er- 
bittertster Gegner; er belagerte ihn 1265 vor Feketehalom in Siebenbürgen , wurde 
aber geschlagen. 1267 — 1269 war er Palatin, Obergespan von Somogy undKemluk; 
nach B^las Tode söhnte er sich mit Stephan aus, war 1271 — 1272 Ban von Severin 
und Obergespan von Doboka, 1273 Obergespan von Ödenburg und Orbasz. Durch 
seinen Sohn Nikolaus „Bako" ward er der Stammvater der Matucsinai. (Wappen- 
bild : Eose.) 

Sein Nachfolger im Oberstallmeisteramte ist vom 5. December 1262 — 1269 
Herrand, Obergespan von Trencsen (1262—1267) und Wieselburg (1268—1269).'») 
Seine frühere Laufbahn ist unbekannt. 1274 wurde er Obertruchsess der Königin, 
Obergespan von Bars und Schintau, 1275 war er als Obertruchsess Obergespan von 
2iala, übernahm aber noch in demselben Jahre das Hofrichteramt der Königin und 
die Obergespanswürde von Eisenburg. 1276 ist er nur Obergespan von Eisen bürg, 
worauf wir seine Spur verlieren. 



'•) Fej^r IV, 2, 98, 218. Wenzel VII, 321; 
Xn, 691. 

»') Wenzel VII, 467. 

'•) Pej^r IV, 2, 461. Wenzel VIT, 503. 



»•) Fej^r IV, 3, 72. Hazai okmänytar VI, 
49. Enauz I, 477. Sopronmegyei okmänytar I, 
25. Wenzel VIII, 55, 122; IX, 251; XI, 605. 
XII, 279 (falsch 1279). 



— 88 — 

Pejör IV, 3, 425, führt August 1267 einen Suph als Comes agazonum Domini 
regis an; 430 hingegen den Enkel des Vecs, Nikolaus dg. Szoärd, l^Chef der 
königl. Herolde, als Magister agazonum regalium; da uns die betreffenden Original- 
urkunden nicht zur Verfügung stehen, Fejer aber oft genug entsetzlieh unverlässlich 
ist, kann ich mich über diese beiden Personen nicht äußern. Suph dürfte ein Druck- 
fehler sein; mit Bezug auf Nikolaus dg. Szoärd wäre zu bemerken, dass er der 
Staunnvater der FamiUen Karvay und Bessenyei de Atya ist. 

1262 (nach 8. Mai) ist Tombolds Sohn Benedikt Oberstallmeister des jün- 
geren Königs Stephan.*^) Dieser wurde 1266 Hofrichter Stephans und Obergespan 
viui Abaujvär, 1268 Stephans Palatin. Hofrichter und Obergespan von Hermanstadt. 
Seine Familienverhältnisse sind unbekannt. 

1265 erscheint Stephan „Porch" dg. Ratold als OberstÄllmeister der 
schönen kumanischeu Elisabeth, der Gattin Stephans V.*^) Dieser Stephan, ein Sohn 
des gewesenen Obertavernicus Dominik. Sprosse eines aus Italien eingewanderten 
Geschlechtes, war vordem Oberstallmeister und Obertavernicus der Königin Marie, 
trat aber während der Kämpfe zwischen Bela und Stephan auf des letzteren Seite. 
Am 5. April 1264") ist er noch in B^las Umgebung. Durch seinen Übertritt zu 
Stephan verlor er seinen mit einem Jahresgehalte von 500 Mark dotierten Hofposten 
und seine sämmtlichen Besitzungen, wofür ihn Stephan 1265 entschädigte. Als Elisa- 
beths Oberstallmeister und Obergespan von Trencsen linden wir ihn noch 1272,") 
1275 ist er Obergespan von Veszprem. Seine Gattin Aglent, Tochter des Nikolaus 
von Zsämbek (eine aus der Champagne eingewanderte Familie), ist 1327 verwitwet. 
Er ist Ahn der Pasztoi, Tari, Putnoki, Kakas von Kaza und der Gyulaffy von Kaza. 
(Wappenbild: Linde.) 

Auf Herrand folgt 1270 Rajnald dg. Bastech, Obertruchsess des Prinzen 
I^adislaus und Obergespan des Szabolcser Komitates. '*) Er hatte sich in jungen 
Jahren an Stephans Seite in einem griechischen Feldzuge ausgezeichnet, wurde 
1272—1276 könighcher Obertruchsess, Obergespan von Szabolcs, Szolgagyör und 
Galgocz, 1277 Ban von Severin und Obertruchsess, 1279 Obergespan von Valko, 
1289 Palatin. Er ist Ahn der hochbeiUhmten Bozgonyi. 

Seine Function dauerte nicht lange, da ihn noch am 13. Juni 1270 der Her- 
mannstädter Obergespan Albert ablöste, der in beiden Ämtern noch am 14. Juni 
1272 anzutreffen ist.") Da er am 3. August 1272 Ban von Severin wurde (sonst ist 
er nicht näher zu bestimmen), löste ihn am 3. August 1272 Nikolaus in beiden 
Ämtern ab, der aber auch nur ganz kurze Zeit amtiert, da wir schon am 27. No- 
vember 1272 an seiner Stelle Ugrin dg. Csdk, Obergespan von Syrmien treffen, 
den Sohn jenes Posa, der in der Schlacht von Izsaszeg (1265/6) Heinrich von Güssing, 
Stephans Gegner, gefangen genommen. 

Nach Hazai okmänytar VI, 190, ist zwar 1273 unter dem Palatinate Eolands 
Michael von Binya, Sohn Emerichs dg. Koppan könighcher Oberstallmeister 

") Knauz I, 472. ; '*) Fej^r V, 1, 64. Wenzel IX, 36, 36; XII, 

«) Fej^r IV, 3, 289. Wenzel XI, 546. | ^®',if' .,„,.«« .«^ „„ « .« tt • 

^ •' ") Fejer V, 1, 138, 180; VH, 2, 12. Hazai 

") Fej^r IV, 1, 334 (falsch 1244). ' okmänytar I, 66 ; VID, 146. Tkalöic 47. Wenzel 

") Pejör V, 2, 62. | ni, 263; VIII, 287, 343, 346; XH, 60. 696. 



^ S9 — 

und magister bacciniferorum ; dieser dürfte es aber nur sehr kurze Zeit gewesen sein, 
da ihn sonst keine andere Urkunde dieses Jahres nennt. 

Obiger ügrin (1273 auch noch Obergespan von Somogy) ist bis 1274 im Amte.**) 
Er war 12G8 Ban von Severin, wurde 1274 Wojwode von Siebenbürgen, 1275 Curial- 
ri<*hter, 1277—1280 Obertavemicus, Ban von Macso und Bosnien (1279). 

Sein Nachfolger ist vom 12. Jänner bis 19. August 1274 Herbert dg. Osl, 
Obergespan von Baranya.*') Diesen finden wir 1271 als Wojwoden angefllhrt, 1272 
als Obergespan von Tolna und Baranya, wird 1274 Obertnichsess, 1279 Obergespan 
von Eisenburg. Seine Nachkommen lassen sich als Herren von Herbortya bis in die 
Mitte des 15. Jahrhunderts verfolgen. (Wappenbild: geflügelte Adlerklaue.) 

Da er noch 1274 zum Obertruchsess ernannt wurde, folgte ihm am 25. Sep- 
tember 1274 Peter, Obergespan von Szolgagyör, der bis 13. März 1279 im Amte 
bleibt; dabei ist er Obergespan von Szolgagyör, 1 276 von Hätszeg, 1277 von Kraszna 
(Somlyo), 1278 von Szolgagyör, 1279 von Hermannstadt.") Alle Wahrscheinlichkeit 
spricht daftir, dass er ein Mitglied des Genus Aba, Herr des Schlosses Szalancz (im 
Comitate Abauj), Bruder der Palatine Finta und Amadeus, Ahnherr der Sirokai, 
FVicsi, Bertoti, Hedri und Vitez ist. Als solcher wäre er 1280 Curialrichter. 

Fej6r V, 2, 201, hat am 17. August 1274 den Nikolaus, Obergespan von 
Veröcze, als königlichen Oberstallmeister; da er aber unmittelbar nach ihm als solchen 
obigen Herbert anfilhrt, ist der Irrthuni handgreiflich ; wahrscheinlich war Nikolaus 
Oberstallmeister der Königin. 

Ferner hatTejer V, 3, 207, für 1283 Leustach Sohn Boland dg. Katold 
zum königlichen Oberstallmeister. Da aber dies nur in einer Regeste bei ihm gesagt 
wird und ich dies in keiner sonstigen Urkunde dieses Jahres bestätigt finde, ist diese 
Angabe mit großer Vorsicht entgegenzunehmen. Dieser Roland kommt 1298 und 
noch anfangs der Anjou-Periode als Palatin vor und ist Ahn der Serki und Feledi. 

Am 12. Jänner 1284 ist Emerichs Sohn, obiger Michael von Bänya dg. 
Koppän, Oberstallmeister und Comes bacciniferorum. Er hatte sich in einem Feld- 
zuge gegen Ottokar ü. von Böhmen, dann gegen die Kuraanen und vor Schloss Raab 
ausgezeichnet.^*) Am 15. Mai 1283 kommt er nur als Comes Michael vor; am 
26. November 1297 ist er königlicher Obertavemicus. 

Ihm folgt am 22. August 1284 Jakob, genannt Kopasz dg. Borsa, Ober- 
gespan von Borsod, den wir bis 13. Juni 1285 treflFen.*®) Er war em Bruder des 
Wojwoden Roland von Siebenbürgen und fällt seine Hauptwirksamkeit (als Palatin) 
in die Periode der Anjou. Sein Tod erfolgte 1217. Von seinen Naclikonmien ist uns 
nur ein Sohn bekannt. 

Am 14. Mai 1290 ist Mikos Sohn Mik6 dg. Szecs, Oberstallmeister der 



M\ 



Fej^r V, 2, 61, 67. Hazai okmanytÄr II, \ ") Fejer V, 2, 240, 245, 278, 870, 406, 492. 



11, 14; VII, 140; VIU, 149, 162. Hazai ok- 
lev^ltir 66. Wenzel IV, 21, 23, 27; IX, 3,5, 
11, 107. Ziohy okmänytar I, 32. 

") Fej^r V, 2, 146, 238 (falsch 1276). Hazai 
okmanytär m, 23; VHI, 165, 166. WenzellX, 
61. Zichjr okmänytar I, 86. 



Hazai okmänytar VI, 200, 227; VIII, 170. 
Knauz II, 90. Wenzel IV, 89; XII, 116, 174, 
268. Supplementa Annal. Soepnsian. II, 18. 

") Wenzel IX, 380, 881. 

'•) Fejör V, 3, 260 (falsch 1. Jänner). 
Wenzel XII, 427. Zichy okmänytar I, 63. 



- 90 - 

Königin.**) 1291 ist er aber Oberstallmeister Andreas' HI., in welcher Würde wir 
ihm am 9. Oetober begegnen.'^) Er taucht zmn erstenmal am 5. October 1280 als 
Grundbesitzer im Graner Comitate auf; am 17. April 1285 verkautle er seinen dortigen 
Besitz Heteny dem Graner Erzbischofe Lodomer (dg. Väzsony); an demselben Tage 
lernen wir seine Gattin kennen; ihr Vater Moritz von Mencshely dg. Väzsony ist 
Beamter des Erzbisehofs: am 16. December 1305 macht er sein Testament. Er scheint 
keine Söhne hinterlassen zu haben. 

Am 11. Juli 1293 ist ein Thomas im Amte; da ihn aber die betreffende Ur- 
kunde") „aUo Thoma" nennt, ohne aber den anderen Thomas anzuftlhren, ist seine 
nähere Bestimmung nicht möglieh. (Wahrscheinlich ist er dg. Huntpazman). 

Ihm folgt vom 28. October 1293 bis 7. April 1296 Matthäus dg. Csak, seit 
1294 gleichzeitig Obergespan von Pressburg.*^) Im Jänner 1294 fungiert einmal statt 
ihm der Stabularius des Königs : Stephan. Dieser Matthäus ist der bertk*htigte nach- 
malige Palatin, Herr von Trencsen, der zu den mächtigsten Oligarchen Ungarns zu 
Anfang der Anjou - Periode zählt, und dessen Ijaufbahn zu den allseits genügend 
bekannten gehört. 

Sein Nachfolger ist am 1. Juli 1297 Osaks Sohn Johann'*) (wahrscheinlich 
ein Mitglied des Genus Csäk), dessen Hauptwirken aber schon in die Anjou-Periode 
fällt. Am 6. Juli 1311 ist er Curialrichter. Er betheiligte sich an dem Aufstande 
Matthäus' von Trencsen, Heß hier sein Leben und fielen seine Güter durch könig- 
liche Donation dem Österreicher Wolfing (von Haschendorf) zu. 



2. Obermundsclienke. 

(Magistri pincernarum.) 

Der erste, den die Urkunden verzeichnen, Kaiphas, konmit 1148 als Zeuge 
Gezas II vor.**) 

Die Urkunde ap. Fejer III, 1, 79, die 1209 einen Demeter von ßaska als Ober- 
mundschenk der Königin kennt, ist ein Palsificat. 

Erst im Jahre 1216 stoßen wir wieder auf diese Würde, die jetzt in den 
Händen der Brüder Sebes und Alexander dg. Huntpazman,*^) Ahnen der 
Grafen von St. Georgen-Bösing ist. Da ich über diese Familie eine selbständige Arbeit 
in deutscher Sprache bereits veröffentlicht habe, entfällt hier alles Nähere über 
dieselbe. 

Dieser Alexander war noch 1217 im Amte; als aber Andreas U. sich zu 
seinem Kreuzzuge rüstete, löste er diese Würde von Alexander um den Preis von 
300 Mark ab und verlieh sie dem Lorenz dg. Väzsony (Sohne des Curialrichters 



»*) Hazai okleveltar 122. 
•«) Wenzel V, 26; XH, 510. 
»') Hazai okmänytär VIT, 232. 
•*) Fejer VI, 1, 269; VI, 2, 45. Knauz II, 
348, 375. Wenzel X, 151; XII, 555, 570, 572. 



") Wenzel X, 264. 

■•) Fej^r II, 129. 

*') Pej.ir III, 1, 176. Wenzel XI, 133. 



- 91 — 

Och uz),") der das Kreuzgelübde gethan. Diesen Lorenz finden wir dann noch 1221, 
wo er außerdem Obergespan von K6 ist.'^) 

Sein Nachfolger ist 1222 Gyula von Siklos dg. Kan.**') Er war der Sohn 
Gjulas, der öfter Palatin und Ban war, jedoch nach Andreas' II. Tode sein Leben 
als Majestätsverbrecher im Kerker schioss. 0))iger (lyula junior wurde 1225 Ober- 
gespan von Eisenburg, 1228 wieder Obermundschenk und Obergespan von Wiesel- 
burg, 1231 — 1233 Obertavernicus des Prinzen Koloman. Seine Güter lagen zumeist 
im Comitate Baranya. Seine Nachkommen sind die Herren von Siklos. 

1225 ist Szoboszl6s Sohn Bagomer Oberraundschenk des jüngeren Königs 
B^la.*') 1228 gerieth er als Commandant der Szekler in einem bulgarischen Feld- 
zuge in Gefangenschaft; 1238 ist er abermals Obemmndschenk, von 1241-1243 
Obergespan von Trencsen, 1 245 Obergespan von Zaia. Die Wahrscheinlichkeit spricht 
dafHr, dass er dem aus Böhmen eingewanderten Ge^chlechte Ludäny angehört. Am 
24. October 1254 ist er nicht mehr am Leben; Erben hat er nicht hinterlassen. 
Von hohem Interesse ist noch, dass er 1243 als Commandant eines ungarischen 
Hilfecorps in Polen gegen Konrad von Mavsovien äußerst glücklich kämpfte. 

1228 ünden wir neuerdings den bekannten Gyula von Siklos dg. Kiin, 
Obergespan von Wieselburg.^^^ 

1229—1230 folgt ihm Lukas, Obergespan von Bars.'**) Dieser — dessen 
Familienverhältnisse unbekannt sind — ist 1232-1233 Ban von Severin, 1235 
(Jbergespan von Pressburg, wird im selben Jahre Obergespan von Wieselburg, 1237 
von Hont, 1238 wieder von Wieselburg, 1239 von Hont, 1240 von Wieselburg. Da 
wir ihn nach 1240 nicht wieder finden, dürfte er durch die Tataren getödtet 
worden sein. 

1230 — 1231 finden wir als Belas Obermundschenk Ompuds Sohn Michael,^*) 
Bruder des Palatins Dionys. Von 1233—1234 war er Obergespan von Weißenburg; 
alles Nähere über ihn und seine Familie habe ich in der December-Nummer 1893 
des Monatsblattes der Wiener heraldischen Gesellschaft „Adler" mitgetheilt. 

Auf Lukas folgt 1231 — 1232 Stephan,**) den wir zwar nicht bestimmen 
können, der aber wahrscheinlich dg. Csak ist und »später als Ban von Severin, Hof- 
richter der Königin und Obergespan von Pressburg erseheint. Von 1233 — 1234 ist 
er Obergespan von Bihar, weshalb ihm in diesen beiden Jahren (1233 1234) ein 
sicherer Biigyon folgt,**) der sich gleichfalls nicht näher bestimmen lässt. Auch 
dessen Amtsthätigkeit dauerte nicht sehr lange, da er 1235 Obergespan von Wiesel- 
burg wird. 

Gleichzeitig mit ihm ist 1233 Osls Sohn Beled dg. Osl Obermundschenk des 
jüjigeren Königs Bela.*^) Dieser Beled hatte schon 1217 von Andreas eine Donation 



") Fej4r III, 1, 205. **) Fejer III, 2, 263. Hazai okmdnytir VIT, 

••) Fejer HI, 1, 322. Hazai okmanytar VI, 19. Wenzel VI, 486; XI, 214, 236, 237 

15 (VII, 9). Wenzel XI, 163. ") Fejer lU, 2, 231. Wenzel I, 293. 

^) Hazai okmanytar V, 10. *•) Fejer III, 2, 325, 829, 366, 405. Hazai 

«•) Fej^r III, 2, 482. Wenzel XI, 184, 186. I okmanytar IV, 19. Knaui I, 296. Wenzel I, 

*•) Fejör m, 2, 133. Hazai okmänytdr II, I 304; VI, 618, 621, 662; XI, 258. 

6. Wenzel I, 262; VI, 466. «») Fej^r III, 2, 365. Hazai okmiinytÄr V, 

*») Fejör III, 2, 188, 206. Wenzel VI, 477. i 16. Wenzel I, 309. 



— 92 — 

erhalten; 1238 ist er nicht mehr am Leben. Er ist der Ahn der Viczai und der 
Herren von Höflein. 

Auf Bügyon folgt 1234 ein sicherer Alexander/®) den wir nicht bestimmen 
können; da dieser aber schon 1235 Oberstallmeister wu-d, löst ihn im Obermund- 
sehenkamte der Obergespan von Bihar, der uns bekannte Stephan, ab.*') Dieser ist 
der letzte Obermundschenk Andreas' II. 

Mit Belas IV. Regierungsantritte finden wir einen sicheren Bald u in im Amte,*^) 
von dem wir nicht zu behaupten wagen, dass er mit obigem Bigyon identisch sei; 
wahrscheinlich ist er aber jener Balduin, den wir 1240—1245 als Obergespan von 
Eisenburg kennen. 

Am 29. Jänner 1238 treffen wir neuerdings Szoboszlös Sohn Bagomer an.**) 

Am 21. März 1240 bekleidet ein Lorenz diese Würde, von dem Pej6r IV, 
3, 552, behauptet, dass er gleichzeitig auch Oberstallmeister gewesen. Die Wahrheit 
dieser Behauptung lässt sich nicht nachweisen. 

Am 26. Mai 1240 ist Konrad dg. Zach Obermundschenk der Königin Marie, 
in welcher Würde er auch am 28. Juli dieses Jahres fungiert.*') Er war es, der im 
October 1239 dem Könige die Nachricht von der sehnsüchtigst erwarteten Geburt 
des Thronerben Stephan tiberbrachte, woflir ihm B61a das zu Schloss Ödenburg ge- 
hörige Paddr geschenkt. Ain 28. April 1250 erbte er die Besitzungen des kinder- 
los verstorbenen Herrand, eines Sohnes des einstigen Palatins Nikolaus dg. Zäch; 
damals nennt ihn aber Bela nur einfach den Meister Konrad (Sohn des Albeus); 
1253 ist er wahrscheinlich Obertruchsess der Königin Marie; seine Nachkommen 
kommen als Herren von Gyalän vor. Sein Todesjahr ist unbekannt; um 1267 kommt 
er noch als Übergespan von Raab vor. 

Am 23. September 1241 stoßen wir auf Roland dg. Rat o Id.") Dieser hoch- 
verdiente Mann wird 1242-1246 Obertruchsess (dabei 1242 — 1243 Obergespan von 
Neutra, 1244—1245 von Ödenburg), 1247 Curialrichter, 1248—1259 Palatin und 
Obergespan von Pressburg (schließt 1260 mit Ottokar 11. von Böhmen Frieden), 
1261—1271 Ban von Slavonien (dabei 1266 -1267 Gouverneur von Spalato), 1271 
Ban von Macso, 1272—1275 (mit zeitweiligen Unterbrechungen) Palatin und Ban 
von Macs6, 1275 Obergespan von Eisenburg, Obertavernicus und Obergespan von 
Zana, 1277 Ban und Curialrichter, 1278 Palatin. Sein Enkel Oliver kommt bis 1353 
unter den Reichsgroßen vor. 

1241 ist Izs^p dg. BÄ Obermundschenk des Prinzen Koloman, unter dessen 
Fahnen er in demselben Jahre sein Leben unter den Streichen der Tataren aus- 
haucht.**) Urkundlich taucht er schon 1228 auf. Von ihm stammen die Thüz von 
I^k, Messer von Sz^cs^ny, Messer von Kölked, Kärt6ssi und die L^thai. 

Auf Roland folgt vom 14. März 1242 bis 10. Jänner 1246 Moriz dg. Pok, 
daneben 1243—1245 Obergespan von Raab, 12. December 1245 von Baranya.**) 



«•) Fejör III, 2, 407. Wenzel VI, 549. j •») Wenzel VII, 117. 

«•) Wenzel VI, 668. I »♦) Hazai okmÄnyWr III, 16. 

•«) Fej^r IV, 1, 27. 1 ••) Fejör IV, 1, 260, 264, 298, 324, 388, 

••) Fej^r rV, 1, 111 (Valamir). 405. Wenzel VII, 138, 167, 170; XI, 340; XII, 

") Hazai okmänjtär VIII, 421, 422. { 689. Knauz I, 362 



— 93 — 

Dieser, ein Sohn des Moriz, ist 1233 — 1234 Obertruchsess und Obergespan 
Ton Wieselburg, 1247 neuerdings Obertruchsess und Obergespan von Neutra, 1251 
Hofrichter der Königin und Obergespan von Neutra, 1257 Obertavemicus und Ober- 
gespan von Neutra, von 1263—1269 Obertavemicus, dabei 1268 Obergespan von 
Baranya. Er starb 1269. Seine Gattin, die vor ihm gestorben, war die Tochter des 
Obertavemicus Dominik dg. Ratold. Moriz ist der Ahnherr der Morocz von Megyes- 
alja und der Megyesi. Er hatte sich in der Schlacht am Sajo gegen die Tataren 
ausgezeichnet. 

Ihm folgt am 2. Juni 1247 Bagyon, Ol^ergespan von Bdnya, dem wir in 
beiden Würden noch am 24. November 1251 begegnen (am 28. Juni 1254 ist er 
aber nur Obermundschenk).**) Ob er mit dem uns schon oben begegneten Ober- 
mundschenk gleichen Namens identisch ist, lässt sich nicht präcisieren. 

Fej^r VII, 1, 298, hat zwar 1253 einen Michael als Obermundsehenk, doch 
sind die Urkunden des VII. Bandes bei ihm zumeist unzuverlässig. 

Am 28. October 1258 ist Stephans Obermundschenk Bees.*^) Dieser, ein Sohn 
Ludugers, kommt 1252 — 1264 auch als Ban vor. Am 19. November 1268 heißt er 
nur Meister. Seine Söhne sind Besitzer im Barser Komitate. Seine Nachkommen er- 
löschen 1382. 

1259 ist Csdk dg. Buzad-Hahold Obermundschenk Stephans.*®) Er war 
1246 Obergespan von Zala, von 1256 — 1259 Obertavemicus und Obergespan von Zala, 
1260 Stephans Obertavemicus, 1265 Ban, dabei aber immer Obergespan von Zala; 
1266, 1267 und 1269 Obergespan von Orbäsz, 1267 und 1268 Ban und Obergespan 
von Zala, 1269 auch Obergespan von Neutra. Er' taucht urkundlich 1234 zum 
erstenmale auf. Er ist ein Sohn des Bans Buzad; sein Geschlecht ist aus Meißen 
eingewandert. Csdk ist durch seinen gleichnamigen Sohn Ahn der noch nicht lange 
erloschenen Csdnyi. (Wappenbild: Btiffelkopf.) 

1260 war Konrad von Altenburg dg. Gy6r*®) Obemiundschenk des 
Königs. Als solcher begieng er Hochverrath, indem er Ottokars österreichischen 
Seharen den Weg durch das Wieselburger Komitat bahnte, und sich von Ottokar 
seine ungarischen Besitzungen als Lehen tibergeben, respective bestätigen ließ. Dafiir 
entsetzte ihn Bela seiner Gtiter (Üngarisch-Altenburg [Ovar], Inseln in den Komi- 
taten Pressburg und Wieselburg,. Patronat des Klosters zu Lebeny etc.), gab sie ihm 
aber bald über Bitten des Kronprinzen zurück. Dieser Konrad, Sohn Stephans, ist 
der Spross eines aus Deutschland emgewanderten Geschlechtes und taucht 1239 zum 
erstenmale urkundlich auf. Er starb zwischen 1299 und 1302. Seine Nachkommen 
sind die Övari, später Gyulai. (Wappenbild: Lilie.) 

Bevor wir auf Bela des IV., letzten Obermundschenk übergehen, müssen wir 
Zweier gedenken, die während seiner Regierung dieses Amt inne hatten. 

1283 erwähnt nämlich eine Urkunde Ladislaus' III., dass der Vater des Bans 
von Slavonien, des Peter dg. Tet, ein sicherer Benedikt, Obermundschenk seines 



••) Fej6r IV, 1, 464; IV, 2, 108, 218. \ *•) Wenzel XI, 463. 



Wenzel Vn, 820; XU, 691. 

") Barsmegyei okmänytär 66 (im Buch- 
handel nicht erhältlich). 



••) Wenzel VIII, 61. Vgl. Hazai okmänytar 
Vin, 358. 



— 94 — 

geliebten . . . gewesen.*^) Leider ist die bestimmte Stelle in der Urkunde unleserlich. 
In Anbetracht dessen aber, dass Ban Peter 1283 wohl schon ein ziemüch reifer 
Mann gewesen, dürfen wir seines Vaters Amtieren in Belas IV. Zeit versetzen. Dieser 
Benedikt tritt 1228 zum erstenmale urkundlich auf. Seine Nachkommen sind die 
Herren von Peker (Pekri) und Asszuag)- in Kroatien. 

Am 10. Mai 1331 erzählt König Karl,«»), dass B^la IV. das im Komitate Heves 
gelegene Tyukod (alias Kerekudvar) seinem Obermundschenken Peter von Kdta 
verliehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist dieser Peter ohne Hinterlassung von 
erbberechtigten Nachkommen gestorben. 

Von 1262 bis 3. Mal 1263 ist Dominik dg. Csdk (1263 auch Obergespan 
von Zemplen) Stephans Obernnmdschenk. •'). Er war es, der dem alten Könige die 
Nachricht von der Geburt Ladislaus' IV. überbrachte. Er wurde 1266 Stephans 
Palatin. Er ist der Gründer des Ujlaker Zweiges seines Genus. 

1263 hat auch Prinz Bela einen Obermundschenk in der Person Joachims 
dg. Gutkeled.«*) Dieser, in der Geschichte Ungarns wichtige Mann ist der Sohn 
des uns bekannten Stephan, Generalcapitäns der Steiermark. Als besonderer Günst- 
ling der kumanischen Elisabeth schwang er sich nach Stephans \'. Tode zum Ober- 
tavemicus und Ban von Slavonien empor. Er fiel 1278 im Gefechte. Seine Gattin 
war wahrscheinlich die Tochter des Prinzen Eoman von Halles und der Gertrud von 
Babenberg. Außer einer Tochter kennen wir keinen seiner Nachkommen. 

Am 3. August und 17. December 1263 fungiert Philipp als Belas Obermund- 
schenk,**) und wahrscheinlich blieb er es auch bis zu seinem Tode. Unter Stephan V. 
finden wir ihn vom 8. September (nach Pej(5r VII, 2, 12, schon 13. Juni) 1270 bis 
3. August 1272, in welch' letzterem Jahre er daneben auch Obergespan von Doboka 
gewesen. •*) 

Seine nähere Bestimmung ist schwer. 1255 — 1258 ist ein Philipp Obergespan 
von Pills, Schwager der Ahnfrau der Sztaray. 1267 ist ein Philipp Obergespan von 
Valko, vom 2. December 1274 bis 29. Jänner 1275 Obergespan von Eisenburg. 
Unser Philipp wird 1272 nach Stephans Tode Obergespan von Raab; von da an 
verlieren wir seine Spur. 

Unter Phihpp ist am 8. September 1270 (Wenzel VHI, 278) Dionys dg. 
Tür je (ein Ahn der Herren von Zala-Szentgrot) Kanzler der königlichen Mund- 
schenke. 

Auf Philipp folgt vom 26. November 1272 bis 12. Jänner 1274 Lorenz, Ober- 
gespan von Kö und Krassö,**) aller Wahrscheinlichkeit nach Sohn des einstigen 
Wojwoden Lorenz von Siebenbürgen. 

Sein Nachfolger ist vom 26. Jänner bis 30. September 1274 Nikolaus (von 



*') Wenzil XU, 386. | III, 253, 273; VIII, 287, 343, 346, 380, 382, 

*') Anjoukori okmdnytär II, 630. ] 384, 386, 389, 390, 392, 393; XH, 60, 53, 695. 



«) Fejer IV, 3, 138, 160. Knauz I, 472. 
") Wenzül VIII, 58. 
") Wendel UI, 36; VHI, 55. 
*») Fejer V, l, 138, 179, 241. Hazai ok- 
tnimylüc I, 56; VIII, 439. Thalöic 47. Wenzel 



*•) Fejer V, 2, 72, 153, 168. Hazai oklevel- 
tar 66. Hazai okmanytär II, 11; VI, 194; VII, 
140; VIII, 162. Wenzel IV, 21, 23, 27; IX, 3, 
12, 16, 18, 20, 22, 26, 34; XII, 71, 76, 78, 80, 
85. Zichy okmänytar I, 33. 



— 95 — 



Gtissing dg. He der), der daneben (Jänner bis März) Obergespan von Bereg und 
später von Wieselburg war.*^) (Wappenbild: drei Pfähle.) 

Mit dem ijn December 1274 eingetretenen Cabinetsweehsel , wo Roland dg. 
Ratold das Palatinat tibernahm, erhielt Nikolaus (neben seiner Wieselburger Ober- 
ge^panschaft) die Obertruchsesswürde, während ihm als Obermundschenk am 2. De- 
cember 1274 Csepdn folgte, der bis 4. Juni 1275 im Amte verbheb.**) Er ist 
aller WahrseheinUchkeit nach Kasimirs Sohn dg. Jak, der sich gegen Ottokar II. 
1273 bei Fürstenfeld auszeichnet.«») 1276 ist er Obergespan von Eisenburg, 1278 
wieder Obermundschenk, 1279 Obergespan von Eisenburg. 

Da im Juni 1275 obiger Nikolaus von Güssing dg. Heder das Palatinat über- 
nahm, erhielt der Obergespan des Stuhlweißeuburger Komitates, Peter, ^®) das 
Amt des Obermundschenks, in welchem wir ihn am 21. Juni treffen. Dieser, Johanns 
Sohn, Gugs Enkel, war 1270 — 1272 bereits Obergespan von Weißenburg. Auch 
am 4. Juni 1275 bekleidete er diese Würde. 

Auch seine Function war nicht von langer Dauer, da wir schon am 24. Sep- 
tember 1275 einen Gyula an seiner Stelle finden,^*) Da ihn nur eine einzige Ur- 
kunde nennt, ist seine Bestimmung nicht möglich. Wahrscheinlich ist er ein Mitglied 
des Genus Borsa. 

Nach Knauz II, 90, wäre obiger Csepan 1278 abermals Obermundschenk; 
doch steht mir im Momente, wo ich dies schreibe, diese Quelle leider nicht zur 
Verftigung. 

Vom 30. Jänner bis 13. März 1279 stoßen wir auf Jdko dg. Kaplyon,") 
vormaligen (1273) Obergespan von Zempl^n. Er ist ein Ahn der Sztäray und kommt 
bis 1301 vor. (Wappen: Auf offenem Thore Elstern.) 

Am 22. August 1284 amtiert Stephan dg. Borsa,") Bruder des uns bereits 
bekannten nachmaligen Palatins Jakob Kopasz. Er wurde 1285 Obergespan von 
Szatmdr; er starb um 1294. Von seinen Nachkommen ist uns nur ein Sohn bekannt. 

1286 kommt ein Demetrius als Obenmmdschenk der verwitweten Königin 
EHsabeth vor.") 

Am 9. October 1291 fungiert Jakob,'*) der aller Wahrscheinhchkeit nach 
der Sohn des uns bekannten Kourad von Altenburg dg. Gy6r sein dürfte. 

Am 11. JuH 1293 und 26. October 1296 begegnet uns Ohvers Sohn Nikolaus 
dg. Eatold, 1296 auch Obergespan von Szatmär.") Er hatte sich 1291 in dem 
österreichischen Feldzuge hervorgethan (in dem seine Verwandten Ladislaus und 
Nikolaus gefallen), ferner gegen die Eebellen Eoland dg. Borsa und Heinrich von 
Güssings Söhne gekämpft. 



•») Pej4r V, 2, 146, 196, 216, 238 (falsch 
W76). Hazai okmänyUr III, 28; VIII, Uß. 
Weniel IV, 41 ; IX, 54. 66, 57, 60, 62, 66, 69, 
79, 82; XII, 90, 92, 93, 95, 97, 103, 111. 698. 

«) Fej^r V, 2, 246, Hazai okmanytär VIII, 
170. Weniel IV, 39; IX, 75; XII, 113, 116. 

*) Hazai okmanytar II, 9. 

^•) Hazai okmÄnjtar VIII, 174. 



") Fejer V, 2, 270. 

") Fejer V, 2, 493, 550. Hazai okminytÄr VI, 
448. Wenzel XII, 253. 

") Wenzel XQ, 427. 

'«) Fej4r V, 3, 823. 

") Fejör VI, 1, 130. Hazai okmdnytir VIII, 
306. Wenzel V, 26, XII, 510. 

'«) Fej6rVI,2,26. Haiai okmtoytär VII, 282. 



— 96 — 

Als letzten finden wir aus der Arpadenperiode den Farkas (Wolfgang) von 
Szeesenj dg. Kathyz, der am 9. Jänner 1298 Oberiuundsehenk der Königin 
Agnes (von Habsburg) ist.'^) Dieser, der Nachkomme eines Mörders Gertruds von 
Meran, wusste sich — im Gegejisatze zu den übrigen Mitgliedern seiner Familie — 
die Gunst des Hofes zu verschaffen und vermehrte seine Besitzungen im Nograder 
Komitate um ein Bedeutendes. Er erwarb daselbst die Herrschaft Szecseny, nach 
der sich seine Nachkommen benannten. Er selbst figuriert von 1271 — 1301. Von 
seinen acht Söhnen stiftete Thomas, Wojwode von Siebenbürgen, die Lmie der 
Magnaten von Szecseny, die bis 1459 blühen; die Nachkommen seiner anderen 
Söhne gehörten dem Kleinadel an. 

3. Obertmehsessen. 

(Magistri dapiferorum = Senescali.) 

Der erste, der diese Würde bekleidet, ist 1135 Leuka, Obergespan von Press- 
burg.'®) Da er sonst nicht vorkommt, ist er nicht näher bestimmbar. 

1148 amtiert Gabriel,'*) der gleichfalls unbekannt ist (wahrscheinlich iden- 
tisch mit dem 1162 vorkommenden Curialrichter Gabriel). 

Um 1165 finden wir den uns ebenfalls unbekannten Albeus.®*) Er ist vielleicht 
mit jenem Albeus identisch, der nach Fej^r IT, 169, vor 1164 „in loco Bani" ge- 
standen. 

1214 fungiert der Obergespan von Szabolcs Simon. ®*) (1215 ist er Wojwode.) 

Von 1217 bis incl. 1222, dann von 1224—1230 stoßen wir auf Demetrius 
dg. Csdk, der dabei 1220—1222 Obergespan von Eisenburg, 1225—1229 Ober- 
gespan von Pressburg war.^^^ Er war einer der Begleiter Andreas' II. auf dessen 
Kreuzzuge. 1223 war er Curiakichter, 1232—1234 abermals, 1237—1241 Obergespan 
von Csanäd, 1242 — 1245 Curiah-ichter und Obergespan von Wieselburg. Er stiftete 
den sogenannten Ugod-Zweig seines Geschlechtes. 

1225 stoßen wir auf den ersten Obertruchsess des jüngeren Königs B61a: Se- 
raphins Sohn Andreas.®^) Dieser, wahrscheinlich ein Schüttler Edelmann, tritt 
1231 — 1233 abermals in dieser Würde auf, wird 1235 Curialrichter und verschwindet 
als solcher 1240. Er hat wahrscheinlich unter dem Mordstahle der Tataren sein 
Leben geschlossen. 

Von 1229—1231 nimmt seine Stelle bei B^la Csdk dg. Csdk, Sohn Gugs, 
ein.»^) 

Dieser war 1224 — 1225 Obergespan von Bodrog, 1235—1240 Obergespan von 
Ödenburg, 1247 Oberstallmeister und Obergespan von Ödenburg (s. oben). 



") Wenzel X, 294. l tdr U, 5; IV, 12; V, 10; VI, 16, 18. Weniel 
'•) Pejör n, 86. Wenzell, 61. J, 211, 262; VI, 426, 466, 476 XI, 212. 

^) Fej^r n, 129. I •») pej6r III, 2, 482. 

••) Wenzel XI, 38. •*) Pej^r III, 2, 196, 263. Hazai okmdnytdr 

•») Fejör m, 1, 163. ! VII, 20; VIII, 26. Wenzel VI, 486, 287 ; XI, 
") Fej^r in, 1, 236, 287,301,322, 831,381, 214, 216. 237. 

468; m, 2, 70, 183, 188, 206. Hazai okindny- ; 



— 97 — 

Auf Demetrius folgt 1231—1232 Fila.^) Dieser, dessen frühere Laufbahn wir 
nicht kennen, wurde 1234 Obergespan von Ödenburg,®*) später Ban. Er war Eigen- 
thümer des im Eisenburger Komitate gelegenen Szeleste. Nach dem Abzüge der 
Tataren erhielt er von Beia die im Komitate Trencsön gelegenen Ortschaften Bittse 
und Hvosnicza. Er fiel 1249 in ßostislavs Halicser Feldzuge den Russen in die Hände 
und schloss sein Leben in feindlicher Gefangenschaft. Seine Nachkommen sind die 
Herren von Szeretva im Unger Komitate (das Fila nach 1241 gekauft hatte). 

1232 — 1234 finden wir Sixtus* Sohn Demetrius dg. Aba als Obertruchsess 
des Prinzen Koloman. ®^ Er avancierte 1235 zum Obergespan von Bodrog, in welcher 
Würde wir ihn noch am 8. Februar 1240 finden. Ln letzteren Jahre ist er noch 
immer Kolomans Obertruchsess. Zum letztenmale finden wir ihn am 26. November 
1243 als Privatmann erwähnt. Er war Kolomans Begleiter nach Halles und nahm 
dort als sein Obertruchsess an allen Kämpfen ruhmreichen Antheil. Seine Nach- 
kommen sind die Keczer von Lip6cz. (Wappenbild : Balken.) 

Auf Fila folgt 20. August 1233—1234 der uns bereits bekannte Moritz dg. 
Pok,**) Ahn der Morocz von Megyesalja und der Megyesi. 

Wlas Obertruchsess ist 1233 neuerdings Seraphins Sohn Andreas.**) 

Andreas' H. letzter Obertruchsess ist 1235 Michael,*®) der wahrscheinlich 
mit dem uns bekannten Obermundschenk Michael, Sohne Ompuds, identisch ist. 

Mit Belas IV. Regierungsantritte erhält der Temeser Obergespan Matthäus 
dg. Csdk diese Würde, die er bis 23. September 1241 inne hat, wobei er 1240 
bis 1241 Obergespan von Neutra Ist.**) Dieser, ein Oheim des nachmaligen berüch- 
tigten Oligarchen gleichen Namens, wird 1242 — 1246 Obertavernicus, Obergespan 
von Neutra und Pressburg, worauf er (wenn wir ihn nicht etwa mit seinem gleich- 
namigen Vater verwechseln) sehr lange Zeit nicht unter den Würdenträgern er- 
scheint; erst 1269 ist er Wojwode von Siebenbürgen, wird 1270 — 1272 Ban, dann 
wieder Wojwode, 1278 Palatin und testiert als solcher 1283. 

Während seiner Fimction ist Michael dg. Buzdd-Hahold Obertruchsess 
der Königin.*') Wir finden ihn vom 18. Mai 1239—1240. Er ist ein Bruder des 
Bans Buz4d und taucht 1232 zum ersteumale urkundlich auf. 1244 ist er Ober- 
gespan von Warasdin und als solcher mit der Pacificierung der Küstengegend be- 
traut; 1256 taucht er zuletzt auf. Von seinen Nachkommen ist nur ein Sohn und 
eine Tochter bekannt. 

Auf Matthäus dg. Csak folgt am 14. März 1242 ßoland dg. Eatold, den 
wir noch am 18. März desselben Jahres treffen;*') aber am 16. November 1242 
stoßen wir auf den sonst unbekannten Sol, Obergespan von Eisenburg.**) Dieser 



•») Fejör m, 2, 281. Wenzel I, 298; XI, 
234. 

**) 1233 ist er nur Gomes. 

•») Pej^ m, 2, 287, 362, 406; IV, 1, 111, 
204. Wensel VI, 646; XI, 316. 

^ Fej^r m, 2, 326, 329, 866, 406. Hazai 
okmtoytär IV, 18. Wenzel I, 804; VI, 618, 
621, 646; XI, 267, 260. 

••) Pej^r m, 2, 366. 



••) Wenzel VI, 668. 

•') Fejör IV, 1, 27, 111 ; IV, 3, 662. Hazai 
okminjtir VII, 26. Wenzel 11, 93, 96; VII. 
117. 

•») Hazai okmänytAr VIII, 37. Wenzel VII, 70. 

•») Pej^r IV, 1, 260. Wenzel II, 144; XII' 



689. 



•*) Fej^r IV, 1, 264. 



— 98 — 

dürfte noch 1242 gestorben sein, da wir schon am 29. Jänner 1243 den uns gut 
bekannten Eoland dg. Eatold wieder finden, der bis 12. December 1245 das 
Amt bekleidet und dabei (1243) Obergespan von Neutra und (1244 — 1245) von 
Ödenburg ist.**) 

Sein Nachfolger ist vom 2. Juni bis 20. August 1247 neuerdings obiger Moriz 
dg. Pok, Obergespan von Neutra. ••) 

Am 24. November 1251 ist Nikolaus Sinister königlicher Obertruchsess. ®0 
Dieser hatte sich schon 1241 am Saj6 ausgezeichnet, begleitete Bela dann in die 
Küstengegend und wurde von ihm als Gesandter verwendet; er nahm an den Feld- 
zügen gegen die bosnischen Häretiker theil und focht 1246 gegen Friedrich II. von 
Österreich. 1249 finden wir ihn als des Kronprinzen Stephan Obertavernicus und 
Obergespan von Dobicha und erhält er damals die im Komitate Baranya gelegenen 
Harsany und Szarsomlyo. 1265 ist er nicht mehr am Leben. Die Nachkommen 
seiner zwei Söhne erloschen schon in der ersten Generation. Sein Beiname Sinister 
(= links) wird ungarisch in den Urkunden manchmal Balog (bal = links) genannt, 
was noch kein Beweis dessen ist, dass dieser Nikolaus dem aus Deutschland ein- 
gewanderten Geschlechte Balog entstammt. 

1252 ist seine Amtierung durch den uns bekannten Roland dg. Eatold 
unterbrochen. ®®) 

1253 ist ein Konrad Obertruchsess der Königin,'*) der aller Wahrscheinlich- 
keit nach mit dem uns schon bekannten Obermundschenk der Königin, Konrad dg. 
Zach, identisch ist. 

Vom 28. Juni 1254 bis 15. Februar 1256 fungiert neuerdings obiger Niko- 
laus Sinister. ><>«) 

Ihm folgt am 25. August 1256 — 1258 der uns schon bekannte Moses 
(t 1280), Obergespan von Orbasz,»«') nachmaligf^r Palatin (1270—1272). 

Am 26. Mai 1259 ist in Graz Dionys, Obergespan von Zala, Capitän von 
Pettau, Stephans V. Obertruchsess. '*') Er ist wahrscheinlich mit Georgs gleichnami- 
gem Sohne identisch, der in den Siebzigerjahren als Bau und Palatin oft genug eine 
eingreifende Rolle gespielt. 

Auf Moses folgt 1259 — 1269 Peters Sohn Lorenz dg. Aba. Obergespan von 
Ödenburg. >®') Dieser hatte sich schon am Sajo hervorgethan,*und war seit 1257 
Obergespan von Ödenburg, 1272 und 1273 ist er Palatin, 1274 nur 0))ergespan von 
Ödenburg; 1274 zeichnet er sich gegen die Gfissinger in der Schlacht bei Föveny 
ans; 1277 taucht er zum letztenmale auf Seine Nachkommen, die Herren v. Athina, 
sterben 1425 mit Siegmund aus. 



•») Pejör IV, 1, 293, 324, 388. Wenzel VII, i »«•) Fej^r IV, 2, 218. Haiai okm4nytÄr V, 

183, 137, 167, 169; XI, 840. j 26. W^enzel 11, 262, 264; VII, 371. 

••) Fej^r IV, 1, 464. Wenzel VU, 226,230, | "*) Fej^r IV, 2, 461. Hazai okmänytar 

260. I VII, 62. 

•») Wenzel Vn, 820; XII. 691. '!2 Z^\^I ^' ^« ^t .«. xr t r^^ 

^ I > . I lot) pej6r IV, 3, 148, 436. Knauz I, 560. 

«») Hazai okmÄnytÄr VI, 76. i g^p^^^j okmanytär I, 30. Wenzel VII, 60.H 

»•) Wenzel VII, 367. j VIII, 49, 60, 66, 226. 



— 99 — 

Während seiner Amtsthätigkeit stoßen wir noch auf folgende Personen, die 
mit der Obertmchsessenwtirde mehrweniger verknüpft sind: 

d) Am '3. August 1263 ist der uns bekannte Csdk dg. Csdk Obertruehsess 
der Königin Maria.*®*) 

b) 1263 ist Nikolaus dg. Gutkeled Obergespan von Eemluk, Kanzler der 
königlichen Truchsessen. *<'*) Er ist der Sohn Stephans, des Generalcapitäns der Steier- 
mark , wird in den Siebzigerjahren Ban von Kroatien und Dalmatien, später Ober- 
gespan von Valko und kommt 1291 zuletzt vor. Seine Nachkommen sind Eigenthümer 
des im Ödenburger Komitate gelegenen Maj4d. 

c) Nach Pejör IV, 3, 160, ist am 3. Mai 1263 ein Stephan Obertruehsess 
des jüngeren Königs Stephan (V.). 

d) 1264 erhält Marzells Sohn Andreas, Obertruehsess des Prinzen Ladislaus, 
von dessen Vater Stephan die Valköer Besitzungen Szerk6ny, Csendej und Malej,*^) 
was ihm Ladislaus IV. am 7. Juli 1273 bestätigt. 

e) 1265 ist Ägydius dg. Aba Obertruehsess des jüngeren Königs Stephan."') 
1270 — 1272 ist er Obertavernicus und Obergespan von Pressburg; nach Stephans 
Tode begab er sich zu Ottokar II. von Böhmen, kam aber bald wieder nach Ungarn 
zurück, wo er 1273 Ban von Macs6 und Bosnien wurde; 1274 — 1278 finden wh* 
ihn wieder als Obertavernicus. 

f) 1269 kommt ein Georg, Sohn Desiders, als Kanzler der königlichen Ober- 
truchsessen vor;**®) vielleicht ist er mit jenem Mitgüede des Genus Gyßr identisch, 
das 1258—1259 erwähnt wird.»«») 

1270 ist der Ahn der Eozgonyi, der uns bekannte Eainald dg. Bastech, 
Oberstallmeister des Königs und Obergespan von Szabolcs, Obertruehsess des Prinzen 
I^adislaus;"**) im selben Jahre löst ihn aber am 8. September (nach Föjer VII, 2, 
12, am 13. Juni) Peter dg. Osak, Obergespan der Gadka ab, der beide Würden 
bis 3. August 1272 inne hat. '") Er war Bruder des uns bekannten Matthäus und 
Vater des berüchtigten Oligarchen. Er hatte sich 1267 in Feketehalom, vor Schloss 
Boronka und Patak als Stephans Anhänger bewährt, nahm an allen Zügen gegen 
Palatin Lorenz, Ban Erne, Heinrich von Güssing etc. theil, focht bei Izsaszeg, dann 
gegen Ottokar IL von Böhmen bei Pressburg und Wieselburg und an der EÄbcza, 
wo er den Prinzen Bela von Macso rettete. 1274 wurde er Obergespan von Somogy 
und Ödenburg, 1275—1278 Palatin, 1279—1280 Obertruehsess, Obergespan von 
Pressburg und Wieselburg. 

Zwischen 1270 und 1272 war des Palatins Moses Verwandter, Salomon v. 
Dar6, Kanzler der königlichen Truchsessen."*) Er kommt noch 1298 vor. Seine 
Nachkommen kennen wir bis 1382. 

Auf Peter dg. Osak folgte am 17. November 1272 bis 17. August 1274 neuer- 



'•«) Wenzel in, 86. 

«••) Wenzel Vni, 68. 

'••) Hasai okm&nyUrVI, 124. Vgl. auch 188. 

»•0 Fejör IV, 8, 294. 

>«») Fej^r Vn, 1, 856. 

»•^ Hazai okmdnytdr VI, 9«. 



"•) Fej^r V, 1, 64. Wenzel IX, 86, 86; 
Xn, 12, 19. 

"») Fejör V, 1, 188. Hazai okmänytär I, 
67; VIII, 146, 489. Tkalöiö 47. Wenzel III, 
268, 278; VIII, 286, 348, 846, 880, 886, 889, 
390; XII, 60, 68, 696. 

"•) Fej^r V, 1, 86, 261. 

7» 



— 100 



dings Bainald dg. Ratold, der daneben bis 10. Jänner 1273 Obergespan von 
Szabolcs, seit 30. März 1274 Obergespan von Szolgagyör, seit 17. August 1274 Ober- 
gespan von Galgocz gewesen."*) 

Vom 31. October 1273 bis 7. Mai 1274 ist Kompolds Sohn Peter dg. Aba 
Kanzler der königlichen Truchsessen.**^) Dieser hatte sieh bei der Erstürmung Baabs 
gegen die Österreicher ausgezeichnet. 1318 ist er Obertavernicus der Königin und 
Obergespan von Sebes. Er starb 1319—1320. Seine Gattin (1296) ist die Tochter 
des Bans Alexander von Karäsz. Von seinen Nachkommen sind uns drei Söhne 
bekannt. 

Auf Bainald folgte am 8. September 1274 der uns bekannte Obergespan von 
Baranya, Herbert dg. Osl,"*) dessen Function jedoch nicht lange dauerte, da ihn 
schon am 2. December 1274 der uns gleichfalls bekannte Nikolaus von Gössing 
dg. H6der, Obergespan von Wieselburg, ablöste, der bis 4. Juni 1275 in diesem 
Amte verbleibt. "•) 

Als Obertruchsess der regierenden Königin finden wir vom 2. December 1274 
bis 24. März 1275 den uns bekannten Herr and, Obergespan von Bars, Schintau 
(1274) und Zala (1275). 

Als der verwitweten Königin Elisabeth Obertruchsess fungiert 1275. 13. Juli 
1277 und 1279 Csetes Sohn Aladdr, in letzteren Jahren Obergespan von Nögrad."') 
Er brachte 1262 Stephan V. die Nachricht von der Geburt des Prinzen Ladislaus 
und am 13. Juli 1277 war er unter jenen Deputierten, die die Verlobung des Prinzen 
Andreas mit Clementine von Habsburg negociierten. Dieser Aladär taucht am 27. Mai 
1255 als Gutsbesitzer auf, wird 1262 Obertavernicus der jüngeren Königin und er- 
hält damals flir seine Leistungen in Griechenland unter anderen die im Abaujer 
Komitate gelegene Ortschaft Torro. 1263 ist er gleichfalls Obertavernicus Elisabeths. 
Seit 1288 ist er nur Privatmann und verfolgen wir seine Spuren bis 1309, wo er 
als Hofrichter der Königin erscheint. In diesem Jahre tauchen seine Söhne Aladdr 
und Jakob auf. Jakobs Sohn Johann erscheint 1333—1356 und nennt sich Herr 
von Forr6. 

Auf Nikolaus von Güssing folgt vom 17. Juni bis 27. Juli 1275 obiger Rainald 
dg. Baste ch, Ban von Severin (21. Juni), *") den aber am 2. December desselben 
Jahres der Obergespan von Bars und Bänya, Matthäus' Sohn, Stephan dg. Csak, 
ablöst; diesen finden wir bis 10. December 1285."®) Pejer V, 2, 336, hat zwar am 
9. August 1276 Bainald dg. Bastech; dieses Datum ist aber verdächtig und es ist 
entschieden richtiger, diese Unterbrechung nicht anzuerkennen, so dass Stephan 
ununterbrochen bis 13. März 1279 im Amte bleibt, wobei er 1276 Bars und Szolga- 



"•) Pejör V. 2, 67, 71, 201, 288 (falsch 
1276). Hazai oklev^ltdr 66. Hazaj okmdnytär 
II, 12; III, 23; VI, 189 (falsch Benedikt); 
VII, 188, 140, 161; Vni, 148, 162, 164. Wenzel 
IV, 21, 28, 27, 36; IX, 2, 4, 6, 12, 16, 20, 
23, 28, 84, 61, 64, 66, 67, 60, 62, 66, 69, 79, 
81, 82; Xn, 71, 76, 78, 93, 96, 97, 100, 103, 
106, 107, 109, 698. 

"*) Fejir V, 2, 122. Wenzel IX, 66. 



»••) Hazai okminytdr VI, 200. Wenzel IV, 
41; IX, 77; XII, 92, 118. 

"•) Fej^r V, 2, 219, 241, 246. Hazai ok- 
mänyUr VIII, 170. Wenzel IV, 89; IX, 76; 
XII, 113, 116 

"') Fejer V, 2, 388. Wenzel IX, 86. 

»«•) Hazai okmänytir VIII, 174. Wenzel IX, 
116, 119, 121. Zalai okm&nyt&r I, 78. 

"•) Fej4r V, 2, 236 (falsch 10. Februar), 
278. Wenzel IX, 117; XII, 186, 144. 



— 101 - 

györ, von 1277—1279 das Komitat Pressburg verwaltet.*^) Urkundlich kommt er 
schon 1260 vor. 

Als Obertinichsess der regierenden Königin fungiert 1277 der gewesene Palatin 
Moses."*) 

Stephans Nachfolger ist von 1278 bis 18. August 1280 der uns bekannte 
Peter dg. Csdk, Obergespan von Pressburg und Wieselburg."*) 

Am 30. Mai 1280 stoßen wir auf Jakob dg. Buzdd-Hahold als Ober- 
truchsess der Königin-Witwe Elisabeth.*^) Er hatte sich nach Stephans Tode als ihr 
und Ladislaus* Anhänger bei Erstürmung der Schlösser Novak und Paka hervor- 
gethan. Er ist der Sohn Ponits aus dem Aruold'schen Zweige des Genus Buzdd- 
Hahold und stirbt vor 1309. Seine Gattin Anna ist aller Wahrscheinlichkeit nach 
eine Nichte des Raaber Bischofs Theodor von Tengerd. Seine Tochter Elisabeth 
(Söhne kennen wir nicht) ist die Gattin des Georg von ZÄkany (1309—1349). 

Am I.Jänner 1284 ist ein Peter königlicher Obertruchsess;'^) wahrscheinlich 
obiger Peter dg. Csäk; während am 15. September dieses Jahres Csepan der 
Kanzler der Übertruchsessen der regierenden Königin ist;***) er lässt sich nicht leicht 
bestimmen (am selben Tage kommt sein Sohn Lorenz als homo reginae vor). 

1286 ist an Jakobs Stelle Markus Obertruchsess der verwitweten EKsabeth.'**) 

Am 8. Juni 1287 ist Gregor von GOssing dg. Höder Obertruchsess des 
Prinzen Andreas, Herzogs von Slavonien.**') Er ist ein Sohn des berüchtigten Ivan 
von Güssing mid kommt bis 1292 vor. Mit seinen beiden Söhnen Nikolaus imd 
Andreas erlosch seine Linie. 

Vom 22. Februar 1291 bis 29. Juli 1294 finden wir als des Königs Ober- 
truchsess Ladislaus dg. Katold,"*) Sohn des uns bekannten Stephan „Porch". 
Er taucht 1283 gelegentUch der Auftheilung der Geschlechtsgüter auf, wh-d später 
Ban und kommt bis 1307 vor. 1290 wird er mit Leustachs Enkelin, Michaels Tochter, 
verlobt. Mit seiner EnkeUn Margarethe erlosch seine Linie. 

Am 14. Juli 1292 ist Haholds Sohn, Stephan dg. Buzad-Hahold, Notar 
der königlichen fruchsessen.»*») Er figuriert seit 1267; 1297 ist er Obergespan von 
Borsod. Da er schon 1278 Ban von Slavonien war, ist die Angabe in Fejer VI, 1, 
146, mit sehr großer Vorsicht entgegenzunehmen. Dieser Stephan ist durch seinen 
Sohn Nikolaus Ahn der Bdnfiy von Alsölendva. 

Als letzter der Arpadenperiode ist Lorenz von Korogy Obertruchsess der 
Herzogin Thoraasina Morosini. '»<*) Er stammt aus dem fremden Geschlecht Keled 
(Kletus) und kommt von 1293—1321 vor. Einige seiner Nachkommen fungieren als 
Bane. Die PamiUe ist im 15. Jahrhunderte ausgestorben. 



'•0) FeiSr V, 2, 840, 406, 447, 492; VU, 2, 
62 (1276 ist sein Official Simon). Hazai ok- 
mÄnyüu- Vl,227; VII, 166; VIII, 190. Wenzel 



'»») Fej^r V, 8, 218. 
'"J Fejör V, 8, 823. 
»•») Fej^r V, 3, 887. 



Xn, 174, 262. Zalai okm4nytär I, 88. »») Fej^r VU, 1, 89, 130, 339; VU, 8, 104. 

<*<) Hazai okminjt&r VII, 168. Knauz ü, 281. Hazai okminyUr V, 25; VII, 

*") Wenzel IV, 215; IX, 251. 232; Vin,806. Wenzel V, 25; X, 141; XII, 510. 

«") Wenzel XU, 298, 801. j '«^ Fej^r VI, 1, 146 (falsch 1291). 

'") Fej^r V, 3, 260. , >••) Wenzel X, 183. 



— 102 — 

4, ObertaTemlci. 

(Magistri tavernicorum, summi camerarii; unter ihnen die Comites 
eamerae, cubicularii, blasti.) 

Der erste, der dies Amt bekleidet, ist 1135 Posa, Obergespan von Wiesel- 
burg.'") 

Zwischen 1135 und 1139 kommt nach Fejör VIT, 5, 105 ein Buridmus als 
Camerarius des Königs vor. 

1145 erhält sein Nachfolger Bikacs der Ältere dg. Bikäcs die im Tolnaer 
Comitate gelegene Ortschaft Madocsa."') Seine Nachkommen werden noch 1397 als 
Herren von Györköny (im Comitate Tolna) angeftihrt. 

1146 ist Bacha der Blastus (eubicularius). '••) 
1148 ist Bogislaus königlicher Cameralchef.*") 

1198 ist Wenzel Camerarius des Herzogs Andreas von Kroatien.^'*) 

1211 ist üatkCameralchef;*^*) Knauz I, 231, nennt ihn „monethariorum regis 
qu. magister". 

Von 1213 — 1214 ist Salomo, Obergespan von Bäcs, im Amte.'*^) Er ist der 
Sohn jenes Miska, der den Prinzen Bela nach Gertruds Ermordung zu sich ge- 
nommen. 1222 wurde er Curialrichtei- und Obergespan von Wieselburg, 1222 — 1224 
Ban von Slavonien. Nach 1224 verlieren wir seine Spur. Seine Gattin Alice stammte 
aus Prankreich, kam mit Königin Jolanthe 1215 nach Ungarn, heiratete hier einen 
Magnaten Bathyz und vermählte sich nach Salomos Tode mit Bertrand von Matters- 
dorf. Salomos Nachkommen sind unbekannt. 

Von 1216—1224 amtiert Dionys, der daneben (1216— 1219) Obergespan von 
Abauj und (1220—1222) Bacs gewesen."®) Er ist Ompuds Sohn und wurde später 
Palatin, als welcher er eine berüchtigte Bolle spielte. (Vgl. tlber ihn meine oben er- 
wähnte Abhandlung „Palatin Ompud".) 

1222 hat der jüngere König Bela in der Person eines sicheren Vojvoda 
seinen Camerarius ;*••) eine sonst mibekaniite Persönhchkeit. 

Von 1225— 1231 ist der uns bekaimte Dionys dg. Tomaj, Ahn der Lossonczy 
und Bdnflfy von Losoncz, im Amte.^***) Er war als Palatin der erste, der sich den 
Tataren entgegengestellt. Von 1228 — 1231 war er auch Obergespan von Szolnok. 

Der jüngere König Bela hat seit 1225 auch seine Obertavernici. Der erste 
ist 1225 Aladar."*) Da er aber im selben Jahre zum Ban von Slavonien empor- 
rückte, folgte ihm Posa, den wir auf diesem Posten bis 22. August 1233 antreffen. 



"") Fej^r II, 120. Weniel I, 61. 

••'J Pejör II, 120. 

•») Fejdr n, 128. 

'•*) Fqdr n, 130. 

'»•) Fejör II, 319. 

>*) Pejdr m, 1, 106. 

^^ Fej^r m, 1, 163. Wenzel VI, 308. 

>»•) Fejdr m, 1, 178, 197, 249, 272, 287, 
320, 381, 468; V, 1, 302. H&zai okminyt&r IV, 
11, 12; V, 10; VI, 16, 18; VII, 9. Wenzel I, 



141, 176; VI, 386, 392, 393, 401, 408, 409, 
426; XI, 134, 136, 138, 142, 144, 147, 149, 
160, 162, 163, 173 (falsch 1221) 176. 

»»•) Wenzel I, 241. 

»*•) Fejör m. 2, 70, 142, 149, 188, 206, 
213. Hazai okmänytkr II, 6; VI, 20. Wenzel I, 
211, 218 (sehr verdachtige Urkunde), 262; VI 
466, 476; XI, 200, 212. 

"') Wenzel XI, 186. 



— 103 — 



Dabei war er 1227 Obergespan von Weißenbui-g."^) Er war 1216 Ban von 
Severin, 1221 Obergespan von Baab, 1222 von Borsod, 1223 von Bihar. Seine 
Familienverhältnisse sind unbekannt. 

1231 — 1233 hat auch Prinz Kolonian, Herzog von Slavonien, einen Obertaver- 
nicus, den uns bekannten Gyula von Sikl6s junior dg. Kan."*) 

Dionys' Nachfolger ist 1231—1235 des Nikolaus' Sohn Nikolaus, von 1233 
bis 1234 gleichzeitig Obergespan von Pressburg.***) Seine Familienverhältnisse sind 
unbekannt. Durch die Theibahme an dem elenden Eegime Andreas' II. in dessen 
letzten ßegierungsjahren hatte er die allgemeine Missgunst gegen sich wachgerufen, 
so dass er nach Andreas' Tode des Hochverrathes angeklagt und seiner Güter ver- 
lustig erklärt wurde. Er hatte im Ödenburger und Zalaer Komitate Besitzungen er- 
worben. 1247 war er noch am Leben. Seine etwaigen Nachkommen sind unbekannt. 

In seine Zeit fallen wahrscheinlich folgende zwei Caraeralchefs : 

a) Vor 1233 Fabians Bruder, Ambrosius' Sohn Mar cell;***) 

b) Samuel, Theilnehmer an der Miss Wirtschaft unter Palatin Dionys und 
übertavernicus Nikolaus."*) Er kommt 1228 als Vertreter des Königs bei einer Action 
des Graner Domcapitels vor. Er ist nicht bestimmbar. 

Auf Nikolaus, dessen Function 1232 auf ganz kurze Zeit durch einen Dionys 
unterbrochen wurde,"') folgt mit Bölas IV. Begierungsantritte der uns schon bekannte 
P6sa, Obergespan von Bdcs."*) Seine Amtsthätigkeit war aber nicht von langer 
Dauer, da wir schon 1236 an seiner Stelle Michael antreffen,"*) der uns sonst 
unbekannt ist. 

1237 ist Nikolaus Obertavernicus des Prinzen Koloman,**^) den wir 1240 in 
derselben Eigenschaft auch als Ban von Slavonien treffen.***) Wenn nicht alle Zeichen 
trügen, ist er mit dem nachmaligen königlichen Obertruchsessen Nikolaus Sinister 
identisch. 

Auf obigen Michael folgt 29. Jänner 1238 bis 21. März 1240 Dominik dg. 
ßatold.*") Obergespan (1238) von Neutra und (1240) von Bihar. Sein Sohn ist der 
uns bekannte Stephan „Porch" ; seine Tochter war die Gattin des uns gleichfalls 
schon bekannten Moriz dg. Pok. 

Wenzel II, 91, hat um 1238 einen „Comes Dionysius, et magister tavarniconim 
Eegine Hungarie", doch ist aus dieser Fassung durchaus nicht mit Sicherheit anzu- 
nehmen, das der Obertavernicus der Königin und Comes Dionysius eine und die- 
selbe Person wäre. 

Positiv wissen wir, dass dieses Amt sich 1238 in den Händen Peters, Sohn 
des Gyl, befunden,***) den wir sonst nirgends treffen. 



•«) Pej^r III, 2, 196, 263, 482. Hazai ok- 
manytär V, 16; VII, 20; VIII, 26. Wenzel I, 
807; VI. 486, 487, 624; XI, 214, 216, 236, 287. 

•*•) Pq^r III, 2, 288, 862. 

"«) Fej4r III, 2, 281, 262, 829, 407. Hazai 
okmÄnytär IV, 18. Wenzel I, 298; VI, 618, 
621, 649, 662; XI, 284, 267, 260. Zalai okmä- 
nytar I, 17. 

»*•) Wenzel I, 811, 812; XI, 267. 

»*•) Fejer III, 2, 297. 



"») Fej^r V, 1, 806. Wenzel VI, 602. Mel- 
czer osaldd okm&njtära 8. 

»«•) Fej^r IV, 1, 27. 

'**) Zalai okmanytar I, 9. £r scheint auch 
den Namen Enoo zu f&hren. 

»*•) Wenzel VU, 89. 

»»») Hazai okmänytär VIII, 37. 

1«) Fejer IV, 1, 111, 136; IV, 3, 662. 
Hazai okmiDytir VIII, 86. 

'") Hazai oklevöltär 7. 



— 104 - 



Am 23. September 1241 ist das Amt des Obertavernicus nicht besetzt;*") erst 
am 14. März 1242 erhält es der uns bekannte Matthäus dg. Csdk, Obergespan 
von Neutra, der es bis 12. December 1245 inne hat, und dabei die Komitate Öden- 
bürg (1242) und Pressburg (1243—1245) leitet.«") 

Zur Zeit der Tatareninvasion war der Jude Chan och (in den Urkunden 
Henel, Henuc, etwa der Enoc do 1236 ap. Zaiai okraanytdr I, 9) königlicher 
Cameralchef und erhielt nach Abzug des Feindes Schloss Komorn. 1265 und 
1268 erwähnt Bela dessen Söhne Wölfel Altmann mid Neklin.»*«) 

Am 18. März 1242 ist ein Peter Obertavemicus des Prmzen Stephan.**') 

1244 ist Szemeny Cameralchef des Königs (Wenzel VII), 178) und erhält 
die Bekdser Ortschaft Bajon. 

Am 2. Juni 1247 fungiert der Obergespan von Pressburg, der uns bekannte 
Dionys von Zalaszentgröt dg. Türje."®) 

1248 treffen wir den Obergespan von Ödenburg, den uns gleichfalls bekannten 
Csäk dg. Csak,"') dem wir bald auf diesem Posten wieder begegnen werden. 

1249 löst ihn Andreas dg. Huntpdzman, Ahn der Forgich, ab,'*®) der sich 
nach Abzug der Tataren um die Sicherheit der Person des Kronprinzen Stephan 
große Verdienste erworben. 

Am 25. Mäi*z 1249 fungiert der uns bekannte Nikolaus Sinister, Ober- 
gespan von Dobicza, als Obertavemicus des Prinzen Stephan.'*') 

Am 28. November 1249 ist Are hin Cameralchef. Er war venetianischer Her- 
kunft, am genannten Tage aber Graner Bürger und hatte Königin Marie meinen Sohn 
aus der Taufe gehoben.'*') 

Vom 22. JuU 1250 bis 1. Juni 1255 stoßen wir neuerdings auf den Öden- 
burger Obergespan Csak dg. Csak,'*') worauf wir vom 25. September 1255 bis 
13. Juni 1256 abermals Andreas dg. Huntpazmdn, Ahn der Forgach, treffen.'**) 

1256 folgt ihm aber des Ban Buzad Sohn Csdk dg. Buzad-Hahold, Ober- 
gespan von Zala, den wir in beiden Würden bis 1259 treffen. Am 28. December 
1257 ist Leu st ach sein Official.'*«) 

1259 treffen wir noch folgende Functionäre: 

a) Fanchs Sohn Benedikt, Obertavemicus der Königin Marie und Festimgs- 



'»♦) Wenzel VII, 116. 

>••) Pej^r IV, 1, 260, 264, 284, 293, 324, 
381, 38a Wenzel II, 144; VII, 188, 187, 166, 
169, 174, 191 (falsch 1246); XI, 340; XH, 689. 

»»•J Fejör IV, 3, 283, 444. 

"^ Fej^r IV, 1, 261. 

1") Fejör IV, 1, 464. 

"»•) Wenzel VII, 266. 

'••) Fejör IV, 2, 66. 

"0 Pej^r IV, 2, 60. 

"•) Pejör IV, 2, 60. 

'") Fej^r IV, 2, 68, 98, 218, 343. Knauz I, 
386. Hazai okminyUr I, 27 (falsch 1268); VI, 
76. Wenzel VII, 320, 366. 



»«*) Fejer IV, 2, 363, 364, 366. 

•«) Pej^r IV, 2, 401. Wenzel VII, 462, 
463, 464, 466, 486, 603. Wenzel VII, 468, hat 
zwar am 21. März 1267 den Moriz dg. Pok 
zum königlichen Obertavemicus, was allem 
Anscheine nach ein Fehler ist, da wir diesen 
Moriz 1267 als Hofrichter der Königin und 
Obergespan von Neutra kennen. Am 20. Jänner 
1268 erwähnt Königin Marie ap. Wenzel XI, 
446: „fidelis nostri Gyleth Taw .... inditi 
domini nostri Begis Hungarle et Comitis Bu- 
charioriun nostrorum'*, doch ist daraus nicht 
zu entnehmen, dass wir es hier mit dem Ober- 
tavemicus des Königs zu thun hätten. 



- 105 — 

eouimaridaiit von Trencs^n.'**) Er wurde 1262—1265 Übergespan von Eisenburg und 
Mariens Hofrichter. 

h) 26. Mai Bds, Obergespan von Trencsen, Obertavemicus Stephans.**') 

Dieser, ein Sohn des Bäs, war schon 1251 Obergespan von Trencsön und 
wurde 1262—1266 Stephans Hofrichter, daneben 1263 Obergespan von Gömör. Dass 
er ein MitgHed des Genus Csäk gewesen — wie ein hervorragender einheimischer 
Forscher angibt — ist absolut unbewiesen. 

Gsäkdg. Buzdd-Hahold, Obergespan vonZala, der an Stephans Seite Ende 
der POnfzigerjahre in Österreich und in Bulgarien gekämpft, ist 1260 schon Ober- 
tavernicus Stephans (dabei Obergespan von Zala).**®) 

Vom 17. December 1262 bis zu seinem im Jahre 1269 erfolgten Tode ist der 
uns bekannte Moriz dg. Pok (seit 1266 Obergespan von Baranya) königlicher Ober- 
tavernicus.***) 

1261 stoßen wir auf den Oameralchef Wylvin.*^*) 

1260 bis 19. September 1264 ist der uns bekannte Moses (t 1280) Ober- 
tavemicus des Prinzen B61a und daneben Obergespan von Somogy und Warasdin. '^*) 

Am 3. August 1262 ist Oliver, Obergespan von Gerzencze, Obertavemicus 
der Königin Marie.*'*) Er ist wahrscheinlich ein Mitglied des Geschlechtes Eatold. 

Von 1262—1263 versieht der uns bekannte Sohn Csetes, Aladdr (Ahn der 
Forr6i), bei der jüngeren Königin BUsabeth das Amt des Obertavemicus.*'*) 

1263 stoßen wir noch auf folgende Beamte: 

a) Peter „Byl"k" (etwa üjlak), Dispensator der königlichen Cm-ie (1247 
aulae regis familiaris). 

h) Kardcson, magister curiae der Königin Marie.*'*) 

Im selben Jahre 1263 (3. Mai) ist Kemenys Sohn, der uns bekannte Severmer 
Ban Lorenz, Obertavemicus Stephans.*'*) 

Dominiks Sohn, Stephan „Porch" dg. Katold, von dem wir oben gesagt, 
dass er die Dienste der Königin Marie verlassen, um zu Stephan überzugehen, war 
aus den oben entwickelten Gründen noch r264 0])ertavernicus der Königin Marie.*'*) 

1265 ist der gewesene Wojwode von Siebenbürgen und Obergespan von Valko, 
(1242—1252), Lorenz, Obertavemicus Stephans.*") 

Im selben Jahre (1265^ ist Walter, Besitzer Komoras, königlicher Oameral- 
chef.*'*) 1273 ist er Obergespan von Komorn, 1275 Bector der Ofener Festung. In 
einer ohne Jahreszahl ausgestellten Urkunde Ladislaus' IV. ist er als Obergespan 
von Komorn auch Oameralchef. 



*••) Hazai okm&nyUr VI, 98. 

>•») Pej4r VI, 2, 484. 

««•) Hazai okmkaytir VI, 106. Wenzel VII,, 
582. 

••^:Ha»ai oUev^ltir 41, 53. Fejer IV, 3, 
114, 325, 466. Wenzel III, 106. VIII, 65, 226. 
Hazai okmanytär VI, 149 ; VII, 84. Soproni 
okmdnjtär I, 25. Zalai okmdnjt^r I, 26. 

«^) Wenzel XI, 603. 



1") Hazai oklevÄUr 38. Fejer IV, 8, 111. 
Wenzel VIII, 47, 80. 

»»») Hazai okmÄnytär VU. 82. 

"») Wenzel VIII. 38, 63, 68. 

>w) Fej^r IV, 3, 126 

"») Fejer IV, 3, 160. 

«»^ Wenzel XI, 545. 

"') Wenzel III, 120. 

«w) Fejer IV, 3, 283. 



106 - 



1267 ist der Warasdiner Obergespan Johann (wahrscheinlich dg. Pok, Bruder 
des obigen Moriz) Obertavernicus des Prinzen Bela.*^*) 

1268 stoßen wir auf : 

a) Obigen Oliver als Obertavernicus der Königin Marie.'®*) 

6) Stephan, königlicher Cameralchef."*) 

Fejör V, 1, 49, hat 1270 den Ban von Slavonien, den uns bekannten Joachim 
dg. Gutkeled, als königlichen Obertavernicus, doch wird diese Angabe durch keine 
andere Urkunde bezeugt. 

Vielmehr finden wir vom 8. September (nac-h Fejer VII, 2, 12, vom 13. Juni) 
1270 bis 3. August 1272 den uns bekannten Obergespan von Pressburg, Ägydius 
dg. Aba, als Stephans Obertavernicus.*") 

Als Obertavernicus der Königin fungiert vom 8. September 1270 bis 3. August 
1272- obigen Ägyds Bnider, Gregor dg. Aba, Obergespan von Eisenburg. *••) 

1270 stoßen wir auch auf Grenchol, Cameralchef von Agram. **^) 

Da Ägydius und Gregor sich nach Stephans V. Tode an den Hof Ottokars II. 
nach Böhmen begaben, folgte auf Ägydius vom 17.— 27. November 1272 der uns 
bekannte Ernye dg. Äkbs, Obergespan von Warasdin;*®*) aber schon am 27. Sep- 
tember dieses Jahres löst ihn der bekannte Joachim dg. Gutkeled, Obergespan 
ron Pills, ab, den wir bis 30. März 1273 in diesem Amte treffen.*®*) 

Nach Hazai okmdnytdr VIII, 147, ist am 29. September 1272 Perchin 
königlicher Cameralchef 

Vom 12.— 29. Mai 1273 ist an Joachims Stelle Stephan**^(wahrscheinhch Sohn 
des Matthäus dg. Csak, den wir bereits kennen gelernt haben), aber schon am 
7. Juni 1273 ist wieder Joachim dg. Gutkeled, Obergespan von Pilis und Press- 
burg, am Euder, welches er bis 25. September 1274 behält.**®) 

Vom 12. Jänner bis 25. September 1274 ist der bekannte Moses, Obergespan 
von Somogy, Obertavernicus der Königin.*®*) (Die Angaben in Fejer V, 2, 168 und 
209 sind unrichtig.) 

Auf Joachim folgte am 29. December 1274 neuerdings Ägydius dg. Aba 



««) Wenzel XIII, 172. 

'") Fejör IV, 3, 466. 

»•') Hazai okmÄnytär VII, 107. 

>•») Fej^r V, 1, 138. Hazai okmänjtar I, 
57; VIII, 145, 439. Tkalöiö 47. Wenzel III, 
273; VIII, 279, 286, 343, 845, 346, 379, 382, 
884, 385, 389, 390, 392, 393; XII, 11, 50, 695. 

«») Fej^r V, 1, 138. Hazai okminytär VIII. 
145, 439. Wenzel VIII, 287, 301, 343, 346, 
380, 382, 384, 386, 389, 390, 393; XII, 50, 
53, 695. 

>•*) Fej^r V, 1, 94. 

»•») Fejör V, 2, 49. Hazai okmÄnyUr VII. 
138. Wenzel IV, 2; IX, 2; XII, 71. 

»•«) Fejer V, 2, 67. Hazai oklevöltär V, 65, 
Hazai okminytär Vni, 148. Wenzel IX, 8, 
6, IX, Zichy okmdnytdr I, 32. 



"») Fejer V, 2, 88. Knauz II, 21. Hazai 
okmanjtär VII, 140. Wenzel IV, 27; IX, 16, 
18, 34; XII, 80. 

»") Fejär V, 2, 138 (falsch 1275), 156. Hazai 
okmanyUr II, 12; III, 23; VI, 201; VIII, 
152, 153, 164. Wenzel IV, 21, 23, 36; IX, 20, 
22, 23, 26, 28, 50, 64, 66, 67, 60, 62, 64, 66, 
69, 73, 79, 81, 82; XII, 76, 78, 85, 92, 93, 95, 
97, 100, 103, 104, 107, 109, 111, 698. Zichy 
okmänytar I, 36. 

iw) Fejör V, 2, 146, 218, 238 (falsch 1276). 
Hazai okmÄnytar UI, 23; VUI, 164. Knauz 
n, 43. Wenzel IV, 41; IX, 61, 54, 55, 67, 60, 
63, 66, 69, 73, 77, 81; XU, 92, 93, 95, 103, 
104, 107, 109, 111 118, 698. 



— 107 -- 

und verblieb dieser bis zum 4. Juni 1275 im Arate,^^) worauf ihm vom 17. Juni 
bis 11. August desselben Jahres abermals Joachim dg. Gutkeled, Obergespan 
Ton Baranja und Pills, folgte.***) 

Diesen löste am 4. December 1275 der uns bekannte Matthäus dg. Csak 
ab, der bis 25. Februar 1276 (in diesem Jahre auch Obergespan von Baranya und 
Pressburg) im Amte verblieb.***) 

1275 fungieren folgende Obertavernici der Königin: 

a) Vom 29. Jänner bis 4. Juni der bekannte Moses, Obergespan der Zips.***) 

b) Vom 17. Juni bis 11. August der bekannte Dionys, Sohn Georgs, Ober- 
gespan von Zala.***) ' 

Auf Matthäus folgte am 9. August 1276 Johann von Güssing dg. H^der, 
Obergespan von Bdnya (?).*•*) 

Als Obertavernici der Königin fungierten 1276: 

a) Eoland dg. Ratold.'w) 

b) Am 9. August Nikolaus,**^) der sich nicht bestimmen lässt. 

Johanns Nachfolger war vom 10. November 1277 bis 29. März 1279 der \\n^ 
bekannte Ugrin dg. Csdk, der daneben (1277) Obergespan von Banya und (1278 
bis 1279) Ban von Bosnien und Macs6 war.***) Zwar nennt ihn das Ofener Capitel 
1280 auch noch einen Obertavernicus des Königs, indessen ist sein vom 1. Mai 1280 
an dieses Capitel gerichtetes Schreiben maßgebender, worin er sich einfach Meister 
Ugrin nennt.***) 

Am 1. Februar 1277 ist ein Michael königlicher Cameralchefc***) 

Am 4. November 1278 wird auch des Andreas Sohn Thomas dg. Hunt- 
pazmdn, einer der Ahnen der Forgach, Obertavernicus des Königs, genannt;***) 
doch lässt sich darüber, da ihn nur eine einzige Urkunde so nennt, nichts Bestimmtes 
sagen. Ende der Neunzigerjahre erscheint er als Obergespan von Bars und Neutra. 

Am 12. Juni 1278 ist Iv4n v. Güssing dg. H6der, Obergespan von Zaia, 
Obertavernicus des Herzogs Andreas von Slavonien. ***) 

1279 ist Csetes Sohn AI a dar, den wir bereits oben kennen gelernt, Ober- 
tavernicus der Königin. *<^*) 

Von 1279 an ist eine solche Verschiebung in diesem Amte, dass man eine 
systematische Reihenfolge kaum erzielen kann; es ist daher am gerathensten , die 
Beamten jeden Jahres Revue passieren zu lassen. 

»••) Pejer V, 2, 336. Knauz II, 69. Hazai 



'W) Pej^r V, 2, 240, 246. Haaai okmänytÄr 
VUI. 170. 

»•«) Tkalöiö 63. Hazai okmÄnytär VIH, 174. 
Zalai okmdnytär I, 78. Wenzel IV, 50; IX, 
116, 119, 121. 

»••) Fej^r V, 2, 236 (falsch 10. Februar), 
266, 278, 340. Hazai oklevöltär 72. Wenzel IX, 
114, 117; XII, 136, 144, 174, 182. Zalai ok- 
mänytär I, 84. 

*••) Fej^r V, 2, 246. Suppl. Annal. Scepus. 
II, 13. Wenzel XII, 116, 133. 

*••) Fej^ V, 2, 248. Hazai okmÄnytar VIII, 
174, 178. Tkalöiö 63. Wenzel IV, 60; IX, 116, 
119, 121; Xn, 189. Zalai okmÄnyt&r I, 78. 



okmdnytÄr VU, 162. 

'••) Hazai okmänytÄr VII, 161. Zalai ok- 
mänytdr I, 84. 

*•») Fej^r V, 2, 336. Knauz II, 69. 

•••) Fej^r V, 2, 406, 492, 607. Knauz II, 
76,93,96. Hazai okmänytar VII,. 166; VIII, 
190; Wenzel IX, 246; XII, 262. 

*••) Wenzel IX, «81, 282. 

•«0 Wenzel IX. 187. 

»») Hazai okmanyUr VIII, 194. 

*") Fej^r V, 2, 472. 

*••) Wenzel IX, 257. 



— 108 — 



1279 erscheint nach Ugrin ein sicherer Lorenz, der ftr seine Besitzungen 
Erdöfalra und Gayg das im Szatmärer Komitate gelegene Gelönyes erhält. *•*) 

Nach Wenzel IX, 227, ist 1297 der uns bekannte Moses Obertavemicus der 
Königin. 

1280 fungieren folgende Personen: 

a) Peter, Obertayernicus des Königs*^*) (sehr fraglich, da dies Fejer nur in 
Begestenform angibt). 

b) Am 26. September 1280 macht der uns bekannte Moses, Obertavemicus 
der Königin, sein Testament. '•*) 

c) Als Obertavemicus der Königin- Witwe Elisabeth erscheint Dominik.^^^) 

d) Am 7. Februar ist der Jude Friedman n königlicher Cameralchef, Besitzer 
von Guezte (= Geszt) und Zsigärd (im Pressburger Komitate), deren letzteres er 
dem Fulko dg. Luddny verkauft.*®*) 

1281 erscheinen: 

o) Lorenz, als Obertavemicus des Königs. *®*) 

6)iVom 21. April bis 21. September Peter dg. Aba (genannt Buryn), in 
derselben Würde; am 21. September ist Michael sein Obernotar.**®). 

1282 ist obiger Friedmann könighcher Cameralchef*") undLorenz „Chete" 
Obertavemicus des Königs.*'*) Ob er mit dem Lorenz, der vorangegangenen Jahre 
identisch ist, lässt sich nicht entscheiden. Am 18. Febmar 1300 tauscht ein Lorenz 
^Chete'* und sein Sohn Lorenz seinen im Zemplöner Komitate gelegenen Besitz 
Kersen gegen die im Veszpr^mer Komitate gelegene Ortschaft Horhi ein. 

Am. 11. November 1283 ist wieder Peter dg. Aba Obeiiavernicus des Kö- 
nigs.***) 

1284 haben wir folgende Liste: 

a) Am 26. November Matthäus dg. Csdk Obertavemicus des Königs;*") er 
ist der nachmals so berüchtigte Ohgarch. 

h) Im December Lorenz als Obertavemicus des Königs.***). 

c) Als Obertavemicus der Königin: Sidos Bruder Stephan, der fiJr seine in 
der Schlacht gegen die Kumanen erfochtenen Verdienste das im Pester Komitate 
gelegene Tass erhält.**«) 

d) In Diensten der Königin Isabella (Elisabeth): Bagyons Sohn Kosmas als 
Cameralchef am 29. November. Er und seine Brüder Lukas und Benedikt erscheinen 
noch im April 1309 als Herren des im Tolnaer Komitate gelegenen Peny6 (heute 
Fenyfifa). Vgl. Zichy-okmanytar I, 230. 

1285 ist a) am 15. und 28. Juni der Obergespan von Sdros, Lorenz, Ober- 
tavemicus des Königs;**') 



262. 



«^) Hazai okmänytar VI, 248. 

•~) Fej^r V, 3, 74. 

«•«) Hazai okmdnytär VI, 258. 

«•») Pej6r V, 3, 38. Hasai okminytur VI, 



»•) Hazai okinänytä.r Vni, 206. 
»•) Fej^r V, 3, 83. 
"•) Fejer V, 3, 107. Wenzel IX, 296. 
«») Hazai okmanyUr VIII, 221. 



•«) Hazai okminytÄr VIII, 223. 

«»•) Wenzel IX, 370. 

"*) Fej6r V, 3, 260. 

««) Wenzel IX, 385. 

«»•) Wenzel IV, 264. Hazai okmänytdr VI, 
261 (um 1280). 

«") Fej6r V, 3, 294. Hazai okmanytÄr VIU, 
238. 



— 109 — 



b) Demeter dg. Kathyz, Obertavemicus der Königin.*") Dieser, ein Ahn 
der Balassa, ist gleichzeitig Obergespan von Sohl. Als Obergespan von Pressburg 
und Sohl nimmt er 1298* in dem Kriege zwischen Adolf von Nassau und Albrecht 
von Habsburg als Obercommandant eines ungarischen Hilfscorps rühmlichen Antheil. 

1286 ist ein Csdk Obertavemicus der Königin-Witwe Elisabeth, >") Es lässt 
sich nicht entscheiden, ob er ein Mitglied des Geschlechtes Cs4k oder Buzdd- 
Hahold ist 

1287 verkauft Stephan v. Sdros, Sohn des Öze, Claviger (Beschließer) des 
Königs, seinen im Sdroser Komitate gelegenen Besitz Vörösahna. **®) 

In Ladislaus' IV. Begierungszeit (1272—1290) föUt nach Kubinyi I, 140, noch 
der Cameralchef Hench. 

1291 präsentieren sich uns folgende Beamte: 

a) Vom 22. Februar bis 7. October Johann v. Güssing dg. Höder, Ober- 
gespan von Ödenburg. ***) 

b) Dominik dg. Batold, Obertavemicus des Königs,"') Er ist ein Sohn des 
uns bekannten Stephan Porch, Enkel des einstigen Obertavemicus Dominik. Er 
führt den Beinamen Laczk v. Hasznos. Wir werden ihm noch öfter begegnen. In 
der Anjouperiode wurde er Palatin. Sein Enkel Stephan ist du-ecter Ahn der Herren 
von PÄszto und Tar. 

c) Vom 10. JuHbis9. October Lukas, Sohn des Bdgyon, Obertavemicus der 
Königin. ***) Er ist ein Bmder des oben erwähnten Cameralchefs Kosmas. 

d) Merkuli n, Cameralchef des Königs."*) 

e) Kosmas, Sohn Bägyons, den wir oben kennen gelernt, Cameralchef der 
Königin."*) 

Im April 1292 ist Bald, Obergespan der Zips, königlicher Cameralchef"«) 
Er ist florentinischer Abstammung und gehört dem Geschlechte der Cypriani an. 

Vom 26. Pebmar 1293 bis 4. April 1296 finden wir wieder Dominik dg. 
Eatold als Obertavemicus des Königs."^) 

Vom 11. Juli 1293 bis 29. Juli 1294 ist Stephan v. Borsod dg. Akos 
Sohn des uns bekannten Ernye, Obertavemicus der Königin.'**) Er wurde später 
ihr Hofmeister, dann Palatin. 

Am 11. Juli 1293 versieht Dominik, Obergespan von Valk6, dieses Amt bei 
der Herzogin Thomasina ;"•) am 29. Juli 1294 löst ihn bei ihr Ladislaus, Sohn 
des Lukas, ab."^) 

Am 24. August 1295 ist Vinian, ObergespaA von Bistritz, Cameralchef des 
Königs."') 



"•) Wenzel IV, 281. 

"•) Pc|j4r V, 3, 828. 

«^ Hazai okm4nyt4r VIII, 263. 

«") Pej^r VI, 1, 89. Hazai okmdnytdr II, 
20; Vn, 219; VIII. 306. Wenzel V, 25, 26; 
XU, 602, 610. Fej^r VI, 1, 118. 

•") Wenzel V, 80. 

««) Hazai okmdnytdr VIT, 219. Wenzel XTI, 
610. Pej^r VI, 1, 118. 

»»*) Fq^ VI, 1, 189. 



«") Fej^r VI, 1, 162 (vgl. VIU, 1, 869). 
Hazai okmänytar VI, 377. 

"•) Pej^r VI, 1, 222. 

"^) Hazai okmdnytär VII, 232; VIÜ, 820. 
Wenzel X, 141 ; XU, 686, 687. 

"•) Hazai okmänytär VU, 232. Wenzel X, 
141. Knauz II, 368. 

"•) Hazai okmdnytar VII, 232. 

»»•) Pej^r VI, 1, 312. Wenzel X, 141. 

"•) Wenzel V, 130. 



— 110 — 

Dominiks Function wird wohl am 26. November 1297 dm-ch den uns bekannten 
Michael v. Bdnya dg. Koppany unterbrochen,*")^ aber vom 1. Juli f?> dieses 
Jahres bis 23. August 1300 finden wir wieder ununterbrochen Dominik dg. 
Ratold im Amte."») 

Während dieser Zeit ist: 

a) 1297 Herberts Sohn Hannus v. Kassa Cameralchef, *•♦) 

b) 1298 — 1299 Moses Obertavernicus der Königin,***) den wir nicht sicher 
bestimmen können. (Führt im Wappen einen Adler.) 



5. Kleinere WflrdentrSger. 

a) Obarhtrold«. 

(Magistri preconum.) 

1165 mmmt Michud in der Clausel einer Königsurkunde unter den Reichs- 
großen eine Stelle ein.***) 

1245 kauft Nikolaus (Oberherold der Königin) den im Graner Komitate ge- 
legenen Besitz Karva von Peter v. Köbölkut. **^) Dieser Nikolaus ist sicherlich dg. 
Szodrd, Ahn der Karvai. 

1255 fungiert Tristan dg. Buzad-Hahold,**®) Sohn des Bans Buzdd. Er 
hatte sich während der Tatareninvasion Verdienste erworben. Von seinen Nach- 
kommen kennen wir nur drei Söhne. 

Vom 21. August 1261 bis 3. August 12G3 stoßen wir auf Pobor,*»«) der in 
den Kämpfen zwischen B61a IV^. und Stephan auf B^las Seite gestanden. 

1267 stoßen wir auf den uns bekannten Oberstallmeister Nikolaus dg. 
Szodrd.***^ 

Am 25. November 1268 kauft Jak den ihm benachbarten Besitz Negyven im 
Gömörer Komitate.*^*) 

1289 ist Sid6s Sohn Johann Oberherold der Königin.***) 1280 erscheint er 
als homo reginae. 12G8 erscheint er urkundlich zum erstenmale. 1288 verleiht ihm 
die Königin das im Tolnaer Komitate gelegene Omersa. Seine Söhne Dominik und 
Stephan v. Zala (aus dem Komitate Somogy) kaufen im Juli 1304 das im Tolnaer 
Komitate gelegene Nak. 

b) Ob«rthftnteli«r. 

(Magistri janitorum.) 

1261 ist Thomas dg. Pok als solcher der erste Obergespan von Liptau.*^*) 
1269 ist er noch im Amte.**^) 1291 nimmt er als einfacher „Meistor" an dem 



^ Wenwl X, 4 (falsch 1290). 1 «»') Wen»el VU, 200. 

«») Pej^r VI, 2, 264; VU. 6, 602 (falsch | •") Fej^r IV, 2, 867. 

1292). Hazai okmäDyt^r VI, 444; VII, 264. 
Wenxel V, 202: X, 264; 329, SSO, 402. 

«^) Weniel V, 169. 

•^ Fej6r VII, 6, 602 (falsch 1292). Hazai 
okm&nytar VI, 444. 



»») Wenael lU, 86; VIII, 2. 
•<•) Fejir IV, 8, 430. 
'«>) Hazai oklev^ltär 64. 
"») Hazai okmdnytdr VI, 843. 
»•') Wenzel XI, 604. 



»w; Fejör II, 170. Zichy okmanytir I, 2. | ««*) Wenzel II, 198. 



— 111 — 

österreichischen Feldzuge theil , wo sein Bruder Nikolaus vor ßorau den Heldentod 
findet. Zuletzt erscheint er 1295. Beine Nachkommen sind die Herren von Pok und 
Merges. 

1267 ist Ivans Sohn Andreas in Stephans V. Diensten. Da er sieh an allen 
dessen Feldzügen gegen B61as IV. Generäle hervorgethan , erhält er 1267 den Ort 
Aranylibu-Bics;***) 1272 ist er EigenthOmer von Nyök. 

Am 13. December 1279 ist Dominik in Diensten der Königin-Witwe Elisa- 
beth;**") doch hat es allen Anschein, dass hier ein Schreibfehler vorliegt, und 
dass es „Magister tavernicorum" heißen soll. 



o) Wair«ntr&g«r und J&g«r. 

(Armigeri, ensiferi, bucharii [Bfiffe^jäger], spatarii, leporariferi, bacciniferi, 

faloonarii.) 

1091 ist Ladislaus' I. Spatarius: Rodbertus de Gozlavia. (?)**^) 

1233 finden wir Alexander als Schwertträger des Königs.*") Er ist der 
Bruder des nachmaligen Palatins Moses (f 1280), ein Ahn der Daroi. Er wurde in 
der Folge Obergespan von Zana. 

Vom 24. März 1256 bis 28. März 1257 ist Csdk (1266 auch Obergespan von 
Gara) Schwertträger B^las IV.»«) 

Am 20. Jänner 1258 ist Gilet (= Cletus) [wahrscheinlich Herr von Zsdmbek], 
Chef der Büffeljäger der Königin Marie.**'). 

1263 stoßen wir: ä) auf den Schwertträger des Königs: Jakob; *^*) h) am 
3. August auf Pösa, den Comes baccinifer. *") Da dieser unter den Anhängern 
Belas IV. vorkommt, ist er wahrscheinlich mit jenem Posa dg. Zach, Schwiegersohn 
Franks v. Forchtenau identisch, dem Stephan ein Jahr früher (1262) volle Amnestie 
zukommen ließ. 

1267 ist Michaels Sohn Paul Schwertträger B61as IV.»*») Sein Bruder Jakob 
ist damals Obergespan von Trencsen, sein anderer Bruder Michael kommt ohne jede 
nähere Bezeichnung vor. 

1269 erhält Johann dg. Drusma und sein Sohn Stephan, Schwertträger 
Bölas IV., das im Valkoer Komitate gelegenene Gara.»**) Dieser Stephan, der bis 
1300 vorkommt, ist der Ahn der berühmten Herren von Gara. 

1272 ist Alexander, Obergespan von Baranya, Chef der Schwertträger des 
Königs.»**) 

Am 31. Jänner 1278 ist Heym Oberjägermeister des Königs.»**) 

1280 verkauft Mordars Enkel, Farkas' Sohn Ladislaus, gewesener Chef der 
königlichen Falkeniere in Torda, seinen im Bodroger Komitate gelegenen Besitz 
Gyapol.»*0 



»**) FejA- IV, 8, 407. 
»*•) Pej^r V, 2, 684. 
•«^ Pej^r I, 469. 
•<•) Wenzel I, 304. 

•*•) Hazai okmdnytir VII. C7. Wenzel VII, 
421, 463. 

^•) Wenzel XI, 446. 



»») Hazai okmänytÄr VI, 114. 

•") Wenzel III, 36. 

»') Wenzel III, 166. 

»*) Fej^r VII, 3, 64. 

»") Fej^r V, I, 195. 

*••) Hdzai oklef^Mr 80. 

«•') Wenzel XU, 313. 



— 112 — 

Am 20. Juni 1283 ist Csapos Sohn Andreas dg. Nädasd Oberschwert- 
tiäger des Königs.**®) Er kommt 1259 — 1294 in den Urkunden vor und ist einer 
der Ahnen der Nddasdi und der Peth6 von Gerse. 

Am 12. Jänner 1284 fungiert der uns bekannte OberstaUmeister Michael v. 
Biinya dg. Koppäny als Comes bacciniferorum."*) 

Am 28. October 1293 stoßen wir auf Csdk als den Chef der Seh wertträger des 
Königs**^) (wahrscheinlich dg. Csdk). 

d) TralnoheDi. 

(Magistri plaustrorum.) 

1273 und 1275 fungiert als solcher des Tekes Sohn Stephan, Ahn der 
Tornais, und Zsaddnyi, Obergespan von Bereg und Patak ; *•') er wurde in der Folge 
Wojwode .von Siebenbürgen und Palatin. 

Am 24. März 1282 stoßen wir auf den uns bekannten Kosmas von Feny(5, Sohn 
Bdgyons, in Diensten der Königin - Witwe Elisabeth**^) (1284 und 1291 ist er 
Kameralchef der Königin). 

e) Ob«rwijiohemeUiter. 

(Comes liciscariorum.) 

Als solchen kennen wir 1271 Simons Sohn Thomas dg. Boia,***) Ahn 
der Herren von Csap und Eszöny. 

»»•) Wenzel IX, 863, 854. | «»)Fej^rV,2.121.Ha£ai okmÄnytttrVni,176. 

*»•) Wenzel IX, 880. , *••) Hazai okmdnytar VI, 277. 

*••) Fej^r VI, I, 269. | "^) Wenzel VIII, 842. 



'^^ 



B?H®- 



über einige Familien des tirolisehen Beamtenadels. 

Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Famih'e. 

Von 

Hermann v. Sehullem zu Sehrattenhofen, 

des heil. B5m. Reiches Bitter. 



I. 

Einleitung. 

Die Geschichte einer Familie kann von verschiedenen Standpunkten aus 
Interesse bieten. 

Zunächst ist es ein allgemein menschUches Interesse, das sich dem Ijeben der 
Familie zuwendet, in der es den Kern des Staates erkennt, die dem feinfühligen 
Menschen ein Heiligthum ist, vor dessen Thüre mancher ungezügelte Geist I^eiden- 
schaft, Hab- und Ruhmsucht ablegt, um es nicht zu entehren, ja nicht einmal seinen 
heiUgen Frieden zu stören. Der menschhche Geist gestaltet sich da oft eine Ideal- 
famiUe oder doch eine typische Familie aus und legt sie philosophischen, juristischen 
und socialpolitischen Speculationen zugrunde; die eigene oder überhaupt eine be- 
stimmte Familie ist es da nicht, was in Betracht kommt, sondern eben ein Familien- 
typus. Die Familie bietet weiter ein volkswirtschaftliches Interesse ; in ihr tritt In- 
dividualismus und Altruismus vereint in Thätigkeit : in ihr werden wirtschafthche 
Ziele verfolgt, die gar oft die menschliche Arbeitsthätigkeit zum größten Eifer an- 
spornen ; in ihr kann man eine Volkswirtschaft im kleinen, ja im kleinsten erkennen. 
Für eine solche Betrachtung ist nun aber mit einem Familientypus nicht mehr viel 
zu machen, man muss schon wenigstens verschiedene Typen wählen, je nach Ver- 
mögen, Lebenshaltung, socialer Stellung und noch nach anderen Momenten. Man wird 
vielleicht erkennen, dass es gut ist, wenn man statt künstlich construierter Typen 
für die Betrachtung imd Darstellung bestimmte Familien wählt, die jenen durch 
Speculation gewonnenen Typen am nächsten kommen. Man wird dann am wahrsten 
sein; auch wenn man den Namen der Familie gar nicht nennt, wird man am leich- 
testen beim lieser die t^berzeugimg voller Objectivität und Naturtreiie hervorrufen. 
Von diesem Standpunkte aus wird man alle jene Momente in Betracht zu ziehen 
haben, welche för die wirtschaftliche Lage der FamiUe entscheidend sind ; hat man 

8 



— 114 — 

gut gewählt, so wird die Geschichte dieser wirtschaftlichen Lage einen wertvollen 
Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte überhaupt bieten. 

Ein weiterer Standpunkt ist der mit dem volkswirtschaftlichen in enger 
Beziehung stehende culturgeschichtUche. 

Bei großen Geschlechtern kommt der rein historische Gesichtspunkt auch noch 
in Betracht. 

Das genealogische Interesse, dessen Zusammenhang mit dem geschichtlichen 
immer klarer in die Erscheinung tritt, knüpft sich mehr oder weniger an jede Familie ; 
jeder Mensch kann und soll ein Interesse daran haben, zu wissen, wer seine Vor- 
eltern waren, und er hat volles Eecht, den Wunsch zu hegen, dass er auf sie, als 
auf seine Vorbilder, mit Verehrung zurückblicken dürfe. Schöpft der Mensch aus der 
ganzen Gesellschaft, der er angehört, die Nährstoffe seines Geistes imd Leibes, so 
schöpft er sie ganz besonders aus seiner Familie, in deren Schoß er aufgewachsen 
ist, aus der er seine ersten Lehren gesogen hat, der seine Mutter, sein Vater ange- 
hörte, die för vielleicht zwei Jahrzehnte seines Lebens fast seinen ganzen Gesichts- 
kreis ausmachte. Glücklich derjenige, der eine Familie besessen hat, der in einer Familie 
herangewachsen ist, die ihm noch in späteren Jahren als Heiligthuni erscheinen kann 
und darf und deren er sich würdig erwiesen ! Es kann als eine der wichtigsten Auf- 
gaben des Staates betrachtet werden, die Familie und die Festigkeit ihrer Bande zu 
erhalten und zu stärken, und es ist vielleicht eine seiner höchsten socialpohtischen 
Pflichten, denjenigen ihre FamiUe wiederzugeben, diejenigen in ihre Familie wieder 
einzufllgen, welche die bisherige Entwickelung der socialen und wirtschaftHchen 
Verhältnisse dem heimatlichen Herde entrissen oder denen sie diesen Herd zerstört hat. 

Das gilt von der Bauern-, von der Bürgers- und von der Adelsfamilie; da aber 
in der letzteren häufiger als in den anderen das Gedächtnis an vergangene Genera- 
tionen aufrecht erhalten wird, weil mehr schriftliche Denkmale fllr diese zeugen, 
so ist eben auch die Adelsfamilie — im allgemeinen — ein dankbareres Object der 
Betrachtung. Aus demselben Grunde erben sich auch in Adelsgeschlechtern Traditionen 
der Vergangenheit kräftiger fort als sonst, so dass man bei ihnen vielfach mehr als 
anderswo vom Familiengeiste, vom Familiencharakter sprechen kann. Dies seinerseits 
bewirkt nun auch wieder, dass Adelsgeschlechter meist ein größeres Interesse för 
die Familiengenealogie zeigen als andere Geschlechter. 

Je bedeutender das Geschlecht ist, je mehr es in die Geschicke der Mensch- 
heit eingegriffen hat, je mehr sein Geist Einfluss auf die Gesammtheit gewonnen, 
umsomehr wird sich auch diese für seine Genealogie interessieren müssen. 

Wenn wir dann auch noch das heraldische Interesse hervorheben, das sich 
an eine Familie knüpfen kann, so haben wir doch noch lange nicht all das erschöpft, 
was uns die Familie des Interessanten bietet; es mag aber mit dem Gesagten 
genug sein. 

Ein umfassenderes, historisches Interesse kann unseren folgenden Ausftlhnmgen 
kaum zukommen, denn keine der Familien, die wir zu besprechen haben, hat ihren 
Namen in das Buch der Weltgeschichte eingetragen. Das genealogische Interesse 
mag auch nicht groß sein, das sie bieten, denn ihre Stammtafehi reichen nicht all- 
zuweit zurück, und die Allianzen, die sie eingegangen haben, gehören meist derselben 
Gesellschaftsschichte an, aus der sie selber stammen. Das heraldische Interesse ist 



— 115 — 

aus dem ersteren Gninde auch kaum sehr groß. Dagegen glaube ich, dass das cultur- 
und wirtschaftsgeschichtliche Interesse immerhin sich einer Schilderung zuwenden 
kann, die trachtet, uns über Leben und Treiben kleiner deutscher AdelsfamiUen 
auf Grund urkundhchen Materials Aufschluss zu geben, die durch lange Generationen 
im Dienste des Vaterlandes mit Schwert und Feder ihren Schild stets rein erhalten 
haben von jedem Flecke, so sehr sie auch oft mühsam sich ihr Brot verdienen und 
för die Erhaltung ihrer socialen Stellung im Schweiße des Angesichts arbeiten 
mussten. 

Eine Bevölkerungsschichte, die bisher gar wenig die Beachtung der Wissen- 
schaft gefunden hat, soll an einigen, vielleicht nicht uninteressanten Beispielen der 
öflfentlichkeit vor Augen geführt werden, eine Bevölkerungsschichte, die, wie mir 
scheint, die öffentliche Beachtung wohl verdienen würde, denn sie gehört mit zu 
den Grundpfeilern des monarchischen Staates. 



Die Materialien för die folgenden Darstellungen sind fast ausschließlich im 
Besitze des Verfassers befindliche, im Wege des Erbganges an ihn gelangte Urkunden. 
Da sich dieselben naturgemäß dem seine eigene Familie betreffenden Urkunden- 
materiale angUedern und obwohl diese letztere vielleicht die bescheidenste von allen 
ist, soll sie an die Spitze der Erörterung gestellt werden. 



n. 

Die Schneller und die Schueller von Schnelleren zu Schrattenhof en (von 

Sehullern zu Schrattenhofen). 

Der Name Schueller ist in Tirol sehr verbreitet und bedeutet Schüler, nicht 
Schullehrer; er konmit aber auch in verschiedenen Theilen Deutschlands, vor allem 
in Bayern und Thüringen vor. Obgleich nun, wie später gezeigt werden soll, zwischen 
den bayerischen und thüringischen Familien einerseits und tirolischen ein Zusammen- 
hang wahrscheinlich ist, kann doch nicht ohneweiteres angenommen werden, dass 
ein solcher auch zwischen den verschiedenen tirolischen Familien bestehe ; der Name 
als solcher und seine Bedeutung lässt es als wahrscheinlich erscheinen, dass er zu- 
nächst als Bezeichnung und dann als Familienname Personen ganz verschiedener 
Abstammung zugetheilt worden ist. 

Georg Pfaundler von Stern feld hat in seinen im Ferdinandeum zu Inns- 
bruck aufbewahrten, aus dem Innsbrucker Statthalterei-Archive gezogenen Notizen, 
denen allerdings meist die Quellenangaben fehlen, jene Schueller namhaft gemacht, 
von denen er Daten gefunden hat.*) 

Dieselben lebten seit dem Anfange des 14. Jahrhunderts über ganz Tirol und 
Vorarlberg verstreut; als ältesten nennt er einen ühich, der 1311 in St. Michael 
erscheint, und einen Ritter Heinrich den Schueller von Thurn, der 1313 in einer 



') Siehe auch „Fontes rer um Austriacarum** | 1803— 1348), und „Die tirolischen Weisthümer", 
II. Abth. .S4 (SchueUer in Yells und Brixen { herausg. von Zingerle und v. Inama-Sternegg* 

8» 



— 116 — 

mätschischen Lehenverleihung vorkommt. Die Schueller im Oberinnthale fiihrten einen 
Steinbock, eine andere, gleichnamige Familie im Lechthale einen gevierteten Schild, 
dessen Wappenbilder Eosen und Löwen waren. 

Im Jahre 1315 am St. Erasmustage (9. Juni) verbürgte sich laut einer noch 
vorhandenen Urkunde (Haus-, Hof- und Staatsarchiv) Seibot von Haslach, Propst im 
Zillerthale, und andere mit einer Summe von 200 March Kreuzer flir den beschaiden 
Mann Ulrich Schueller von Fügen, dass er und seine Kinder dem Erzbischofe Weichard 
von Salzburg und seinem Gotteshause „unentfahren und unentfremdet bleibe und nicht 
wegziehen wolle". Im Jahre 1359, am Tage Philippi und Jacx)bi, bekennen die Söhne 
des verstorbenen Ulrich: Peregrin, Heinrich und Ulrich, in zwei getremiten Urkunden, 
dass ihr Vater von Friedrich von Freundsberg ein Gut in Uderns und Urbarien ge- 
kauft habe, um welches sie Friedrichs Söhne Hans und Ulrich die Freundsberger 
nunmehr eingeklagt haben. Der Ausgang des Streites war der, dass die Brüder 
Schueller den Besitz gegen 30 March guter und geber Meraner Münze zurückzugeben 
hatten; „darüber geben wir in dem offenen Brief zu einer Urkund der Wahrheit 
versiegelt mit unserem der vorgenannten beiden Heinrich und ühich der Schneller 
eigen anhangenden Insigl und verheißen den vorbenannten Freundsbergem mit unserer 
Treu alles das stets zu behalten und zu vollflihren, was vorgeschrieben steht". Nach 
Pfaundler sollen diese Schueller zwei gekreuzte Scepter im Wappen gefiihrt haben. 
Adelheid, Ulrichs Hausfrau, machte im Jahre 1359 nach Pfaundler eine Stiftung in 
Fügen. 

Hans Schueller, genannt Rohr, Sohn eines Ulrich und angeblich aus dem Ziller- 
thale stammend, erscheint 1412 in Schwaben, seine Frau hieß Sibilla von Riebem. 
V^on diesem Hans sollen nun die Thüringer Schueller stammen, von denen Dr. Gustav 
Schueller (Schuler), Bergrath in Jena, in den Fünfeigerjahren dieses Jahrhunderts 
an das k. k. Ministerium des Innern unter Vorlage einer Abschrift eines Wappen- 
briefes und einer Stammtafel die Bitte richtete, es wolle die Echtheit des Wappen- 
briefes geprüft und bestätigt werden. Da das Original damals nicht vorgefunden 
wurde, konnte der Bitte nicht entsprochen werden. Nach dem Stammbaume würde 
Gustav Schuler, geb. 1807, in folgender Weise von Hans Schueller, genannt Rohr, 
stammen : 

Hans Sohaeller, genannt Bohr. 



Hans 1464, ansässig in Römhild. 



Wolfgan^, 1487, gleichfalls in Römhild. Derselbe wäre an den Hof Kaiser Ferdinands I. nach 
InnsbrucK gekommen, um die Lehen des Grafen von Henneberg fQr diesen seinen Herrn in Empfane 
zu nehmen und hätte 1586 obigen Brief, durch den ihm sein angestanmites Wappen bestätigt und 
verbessert wurde, erhalten. Er war vermahlt mit Anna, Tochter des Paul Schney. 

Christoph, 1532. """"""""""""""""^ 



Moriz, 1559. Dessen directe Nachkommen in absteigender Linie waren: Michael, 1579; Wolfgang, 
1603; Kaspar Paul, 2632; Jeremias, ansässig zu Fühl, 1665, von dem abstammten: 

Christian Salomon, Hartmann Ernst Heinrich Philipp, Albrecht Johann 

1790. Berthold, 1699. 1706. Gottlieb, 1710. 



Peter Johann Gottlieb, 1732. 



Friedrich Wilhelm 1772; Finanzrath zu Eisenach. 



Karl Gustav, 1807; groiiherzoglich sächsischer Bergrath, Pofessor an der Universität Jena, Director 

des geognostischen Seminars. 



— 117 — 



Das im Wappenbrief beschriebene und von Gustav geführte Wappen zeigt einen 
von blau über roth getheilten Schild, belegt mit zwei in Form eines St. Andreas- 
Kreuzes gestellten silbernen Sceptern; auf dem Stechhelme sind zwei Böffelhömer, 
blau über roth getheilt; die Decken sind gleichfalls blau und roth.^) 

Ein ganz ähnliches Wappen führten die Nürnberger Patrizier Schueller, von 
denen ein Stephan am 30. October 1414 einen Wappenbrief erhielt. (Siehe hiezu 
Rietstap). * 

Unter dem 4. Mai 1713 wurde dem kgl. Bichter in Znaim, Peter Schueller, 
der Adelstand, ein Wappen und der Name Schuller von Sehullern verliehen ; er war 
1660 in Hötting bei Innsbruck als Sohn des Mathias Schueller, Land- und Criminal- 
gerichts- Assessors und ümgeldschreibers und der Magdalena Saillerin, geboren, seine 
Geschwister waren : Balthasar, Sonnenburgischer Criminalgerichts-Assessor und Wein- 
aufschlagsgeldrSchreiber zu Hötting, Ingenuin, Melchior und Anna. Er gelangte nach 
vielen Wanderungen nach Znaim, wo er 1695 Bürger und haussässig wurde und 
vier Söhne erzog, über deren Schicksale der Verfasser nichts erfahren konnte. Obige 
Daten sind dem Gesuche um die Adelserhebung und einer demselben beiliegenden 
Urkunde entnommen, in welcher durch Eideshelfer bestätigt wird: „welcher Gestalt 
ich von einer ehrlichen und wolverhalten Geburt der Schueller ... in Tirol her- 
komme." 

Das Wappen dieser Familie war: ein silberner Schild, dessen obere blaue 
Ecken mit je einer silbernen Narcisse mit fünf Blättern und goldenen Putzen belegt 
sind; im Schilde steht auf grünem Grunde ein roth gekleideter Mann, die linke 
Hand in die Seite gestemmt, und in der rechten eine Partisane mit silberner Quaste 
haltend. Auf dem freien, zur Seite gewendeten, halb offenen Turnierhelme ein Wulst 
von blau und gold, darauf der Mann des Schildes; die Decken sind rechts gold und 
blau, links silber und roth. 

Ein rother Mann ist nun auch das Wappenbild der Familie von Schullern zu 
Schrattenhofen, von der ich nun sprechen will. 

Vor allem soll hier der Stammbaum dieses Geschlechtes eingeschaltet werden, 
der für die weitere Betrachtung als Leitfaden dienen kann. (Siehe Beilage I.) 

Es sei nun gestattet, über die im obigen Stammbaume erscheinenden Personen 
zu berichten; vorerst sei aber eine Ahnentafel des Anton von Schullern hier an- 
geführt, da sich aus derselben am besten die Verwandtschaften seines Zweiges 
der Familie ergeben werden. Dieselbe könnte in vielen Linien bedeutend weiter 
zurück verfolgt werden, es genüge aber, dies soweit zu thun, als sein eigenes Ge- 
schlecht urkundlich nachgewiesen werden kann. (Seite 118.) 

Der Ursprung der Familie von Schullern führt uns in den Anfang des 17. Jahr- 
hunderts und nach dem alten Schwaz, dessen Bergwerk damals noch in ziemlicher 
Blüte war, in die nächste Nähe somit jener Gegenden, in welchen die Schueller 
des 14. Jahrhunderts lebten; ob ein Zusammenhang zwischen beiden Geschlechtem 



*) Dieses Wappen sammt Lehensartikel 
wurde laut eines Diplomsauszuges, der sich im 
k. k. Adelsarchive (V. B. 18.689) findet, von 



Kaiser Karl V. ddo. Augsburg, 29. August 1530 
thatsäohlich einem Wolfgang Schuller yerliehen. 



Anna Gugler. 
Balthasar Hueber zu See- 
burg. 

Felicitas Stier ?. Neid- 
heim. 
Hans V. Veßmajr. 

Claudia Schlairmacher. 
Paul V. Weinhart. 

Dorothea Linser. 

Friedrich Payr zum 

Thum. 

Anna Maria nob. Milner. 
Elle nob. Babl. 

Salome t. Weyerwald. 

Christ. Jakob Hacker zu 

Hart 

Ursula Schmidl. 
Gerhard Schlairmacher. 

Anna Burglechner zu 

Thierburg u. Vollandsegg, < 

Paul T. Weinhart. 



Anna Hueber 
zu Seeburg. 

Hans V. Veß- 
mayr. 

Anna v. Wein- 
hart. 



I 



(Franz Friedrich I 
▼. Payr. 



1 



Anna Therese 
Babl. 



I Ferdinand Christ. 
Hacker zu Hart, j 

< Maria Claudia 
^ Schlairmacher. 

Paul V. Wein- 
hart. 



. . . y. Beinhart 

sa Thumfels u. 

Ferklehen. 

Mathias 
V. Schreibern. 

. . . Pontifeser. 

Josef y. Schmid 
zu Schmidfelden. 



Katharina Z&ngerL 
Karl V. (?) Miller. 

Agnes Miller. 

Urban Miller. 



M. Theresia v. Veft- 

mayr zu Weyerburg 

und Palbyth. 



Franz Friedrich v. 

Payr zum Thum, 

Bitter. 



Maria Theresia 
Hacker zu Hart. 



, Jakob T. Weinhart 



Anna Haslmayr 
(t. Grasegg.) 



Anton T. Schreibern. 



Anna Barbara 
Schmid t. Schmid- 
felden. 



>^\ 







Barbara Graff t. Scherem- 
berg , Groppenstein und 

Badstatt. 
Johann Andreas Freih. v. 

Manicor. 

M. Anna Egger y. Marien- l 
freud. 
Michael yon Leis. ' 

Begina y. Zignis zu 1 

Freyenthum. 
Johann v. Gstimer. ' 

Bosine y. Mühlau. 
Georg. Nik. y. Gstirner. 



Sabina Freiin y. 

Manicor zu Casetz 

etc. 



Johann Michael 
y. Leis. 



Anna Katharina 
y. Gstimer. 

Georg Nikol. y. 

Gstimer. 

Elisab. Franzin 

y. Zinnenberg u. 

Mareit. 



Dorothea Insam. 
Jakob y. Preu. 

M. Claudia Schlairmacher. 
Paul y. Weinhart. 

M. Elis. Stöckl (y. Gerburg) 
Franz Anton y. Lachemayr, 

£ya Holzer. 
Bartlm& Schneller. 



Hans y. Preu. 

Claudia y. Wein- 
) hart. 

{Cyriak Jakob y. - 
Lachemayr. 

/ DorothM Taniuia«r. 

{ Johann Schneller. 



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Franz Josef y. Leis. 



Anna y. Gstimer zu 

Weidach und Eger- 

dach. 



Hans y. Preu. 



Eleonore y. Lache- 
mayr zu Ehrenheimb 
u. Madlein. I 



Anton y. Schuellera. 



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— 119 — 

besteht, wird wohl ebenso schwer zu verneinen, wie zu bejahen sein; so lange das 
Wappen der letzteren und der Ursprung des Wappens der ersteren nicht authentisch 
festgestellt wird, fehlt jeder Anhaltspunkt fllr die Entscheidung der Frage, wenn 
ein solcher nicht in dem plötzlichen Auftauchen einer siegelmäßigen, lehenberech- 
tigten und wohlhabenden FamiUe fast genau an dem Orte, wo 200 Jahre früher 
eine Familie desselben Namens verschwunden war, ersehen werden will. 

Bartlmä Schneller, der Stammvater der Familie von Schullern, taucht zuerst 
im Jahre 1656 in Schwaz auf, wo er am 14. Mai von Ulrich Spindlegger „ein der 
Grundrechten halber frey legid und eigens Stuckh Grundt, sambt der Behausung, 
Hofstatt, Stadl und Stallung, Garten und andern Zuegehör, alles an und beyeinander 
zu erzölten Schwaz enhalb der Ihnpruggen in der langen Gassen liegend, der 
Schrotterhof genannt" um 2250 fl., sammt zwei Theilen Zehend, von Hans KnoU 
herrührend, kauft. Iiu Jahre 1674 (1. December) nahm er auf Absterben des Johann 
Thoman von Elsenheimb die auf dem Schrotterhof haftenden zwei Theile Zehend 
vom Churfilrsten von Baiern zu Lehen, worüber er am 20. Februar 1665 den Revers 
gab. (Das Lehen wurde am 1. Juli 1689 dem Johann Schueller verliehen; am 8. Mai 
1703 erhielt dieser von Franz Anton Eeinhard die Belehnung hiefiir.) Diese und 
Daten über den weiteren Übergang des Lehens bis auf Anna Nothburga, verehel. 
Spindlegger, enthält das Churfürstlich bayrische Lehenbuch, fol. 111. 

Im Jahre 1660 verkauft er dem Pfarrer von Zell den sogenannten Merl'schen 
Zehent und unterfertigt die Verkaufsurkunde ddo. Zell im Zillerthale am 11. Juli 1663 
mit seinem Namen und seinem „selbsteigenen, privilegierten und gewöhnlichen 
Insigel". 

Im Verfolge kauft er noch eine Eeihe von anstoßenden Grundstücken, so dass 
er schließlich einen Giiindcomplex im Werte von 7295 fl. zusammenbringt. Seine 
Verlassabhandlung, die ihn als im Leben gewesten Marckhtviertel-Ausschuss be- 
zeichnet und welche auch das Vermögen seiner verstorbenen Frau inbegreift, datiert 
vom 15.— 18. Febi-uar und 10. März 1689 und findet sich im Gerichtsbuch des 
Landgerichtes Freundsberg und Schwaz sub fol. 106 — 193. Sie weist ein Gesammt- 
vermögen von 59.333 fl. aus, worunter 49.813 fl. an Forderungen, 121 fl. an Silber- 
geschmeid, 7 fl. an Vieh und 25 fl. an Dünger. Die sämmtlichen Realitäten be- 
stimmterer in seinem kurz vor dem Tode am 4. September 1668 errichteten Testa- 
mente seinem jüngeren Sohne Johann sammt einem Voraus von 1000 fl. rheinisch; 
das Gericht erkennt dem Johann einen Mannsvortheil von 3000 fl., dem Balthasar 
einen solchen von 3137 fl. zu und theilt den Best unter die drei Erben zu gleichen 
Theilen. Die Todfallskosten betragen 1736 fl. 

Bartünä hat somit seinen ganzen Schwazer Grundbesitz in den Jahren 1656 
bis 1682 selbst gekauft, dagegen einen Zehent in Zell verkauft; er dürfte also nicht 
in Schwaz gebürtig gewesen, sondern vermuthlich aus der Zeller Gegend, mit einem 
ziemUchen Vermögen ausgerüstet, nach Schwaz eingewandert sein. 

Die Abkunft und das Vermögen seiner Frau, Eva Holzer, sind dem Verfasser 
nicht bekannt; laut Verlassabhandlung des Johann Schueller hat er von seiner Mutter 
36 fl. ererbt. 

Das Siegel des Bartlmä Schueller auf dem Verkaufsacte von 1660 hat der Ver- 
fasser nicht gesehen; Johann Ritter von Schullern erklärt aber auf einem 1853 be- 



— 120 — 

schriebenen Blatte, das Familiennotizen enthält, dass das Siegel der Quittung von 
1663 beigedruckt sei. 

Der Ursprung des Siegels ist bisher unbekannt, das noch vorhandene Petschaft 
ist über Auftrag Johanns von SchuUern nach einem Siegelabdrucke des Anton 
Schneller gestochen und zeigt in ovalem Felde einen Mann mit langem Rock und 
Mütze, der in der rechten Hand einen Stern, in der linken eine Feder h< Kleinod 
ist ein offener Flug, zwischen welchem ein Stern schwebt. AVie später gezeigt werden 
wird, haben Antons Bruder und Vater, ja er selbst im Jahre 1718 noch etwas 
anders gesiegelt und Georg von Pfaundler sagt, der Mann habe ursprünglich einen 
Stock in der Hand gehabt, der später in eine Feder abgeändert worden sei. 

Johann Schneller übernahm von seinem Vater Bartlmä ein Vermögen im Be- 
trage von 20.564 fl. Er war durch viele Jahre Abgeordneter der Liandgemeinden 
des ünterinnthales im Tiroler Landtage; insbesondere im Jahre 1711 nahm er 
lebhaften Antheil an den Berathungen dieser Körperschaft. Er starb im September 
des Jahres 1729 als Marktviertels- Ausschuss in Schwaz. 

Zu seinen liCbzeiten hat er Gelegenheit gehabt, seinen Patriotismus und seine 
persönliche Tapferkeit im Dienste des liandesherrn und des Vaterlandes zu erproben, 
indem er während des Einfalls der Baiern und Franzosen in Tirol sich den Landes- 
vertheidigem anschloss. In dem seinem Sohne Anton gewährten Eitterbriefe ist dieser 
Verdienste mit folgenden Worten gedacht: .,Wann wir dann gnädiglich angesehen, 
wahrgenommen und betrachtet", . . . „insonderheit die getreu, nutz- und ersprieß- 
lichen Dienste, welche uns . . . und zuvörderst sein Vater . . . während deren in 
unsem Ober- und Vorderösterreichischen Erblanden letzthin fUrgewesten feindlichen 
bayerischen und französischen Kriegsläuften mittels willfähriger Darschießung nam- 
hafter Geldsummen zur allda vorgekehrten, nothwendigen Tiandsdefension auch sorg- 
faltiger Beischaffung einer bei damaliger Theunmg zum Unterhalt unserer daselbstiges 
Miliz sehr nothwendig gewesten Trayd- und Körnervorrats allerunterthänigst und 
treugehorsamst geleistet; wie denn auch ermeldter sein Vater selbsten aus treuem 
patriotischem Eifer und Liebe gegen dem werthen Vaterlande zu Abtreibung des 
in besagte unsere darobige Erblande bereits eingedrungenen Feinds sich freiwillig 
und ohne einigen Sold, mit Darsetzung Leib unb Lebens tapfermütig gebrauchen 
lassen und zu diesem Ende noch andere sieben Mann aus eigenen Mitteln ins Feld 
gestellet und unterhalten habe" . . . 

Sein Kriegsdienst und die Verpflegung obiger sieben Mann währte zehn Monate. 

Sein Testament vom 26. Jänner 1729 und ein Codicill vom 2. September d. J. 
(die Eröffnung beider erfolgte am 20. September 1729), sowie die Verlassabhandlung 
vom 10. — 12. Jänner 1730 bieten einiges Interessante dar. Die letztere umfasst 126 
geschriebene Bogenseiten, enthält auch die Abschrift des Testamentes und des Codi- 
cills und trägt das Siegel Johann Leopold Eypergers von AVerthenegg und Schwarzen- 
horn, J. U. Dr., Pflegverwalters der Herrschaft Freundsberg und Schwaz. Der „Ehrn- 
vöste firnembe Herr Johann Schneller, im Leben gewöster Markht-Viertls- Ausschuss 
allda zu Schwaz Lanndsgerichts Freundsperg" bestinmit seine sämmtlichen liegenden 
Güter sammt lebendem und todtem Inventar in jener Taxe, wie er selbst sie an sich 
gebracht hatte, seinem ältesten Sohne Andreas; der zweite Sohn, Anton, dessen 
Studieren „bei aintaussend ainhundert Gulden gecostet", soll mit Andreas zusammen 



— 121 — 

aus dem „eroberten und erhaußten" Vermögen den halben und aus dem ererbten 
den dritten Theil als „ein Voraus und unbenommen deren sonst ihnen gebührenden 
gleichen Erbsportion" erhalten. An Heiratsgut habe Anton 1500 fl., Andrä 1330 fl. 
und die verstorbene Tochter Maria 1500 fl. empfangen; der Eest des Vermögens sei 
gleich zu theilen. Seiner Witwe werden jährlich 8 fl. bestimmt, Anton soll als 
jüngster Sohn überdies 1000 fl. als „besitzforti" erhalten. Im Codicill bestimmt er 
seiner Enkelin Susanna Dorothea Schuellerin flir den Fall, dass sie in ein Kloster 
eintreten wollte, 1000 fl. und setzt vier heilige Quatember-Messen auf ewige Welt- 
zeit ein. 

In der Verlassabhandlung erscheinen als Erben: Der „hochedelgebohrne, hoch- 
gelehrte Herr Antoni Schneller, Juris ütriusque Licentiat, auch oberösterreichischer 
Hofkammer-Procurator zu Innsprugg", der „ehrnvöste firnembe Herr Anndree 
Schneller derzeith Gerichts Cassier zu bereten Schwaz" und „weillende der Edl und 
Tugentreichen Frau Maria Schuellerin des wohledlvösten Herrn Antoni Niclausen 
Creizwögers der B. k. u. k. kath. Mayestath Perggericht: und Kupferzahlamts-Gegen- 
schreiberei-Verwalters alda gewöste Ehewirthin seelig mit und bey demselben ehe- 
lichen Wanndels erzeugten Söhndles Namens Johann Antoni Creizweger" verpflichteter 
Gerhab. 

Das Vermögen bestand aus: 
An liegenden Gütern: Die Behausung in Schwaz per . 1.644 fl. 30 kr. 
stammend aus dem Nachlasse des ersten Gatten der 
Witwe, Johann Hueber, 

dem Schrotterhof per 2.250 „ — „ 

anderen Grundstücken per 11.094 „ — „ 

einer weiteren Behausung in Schwaz per ... 406 „ — 

Zusammen per 15.394 fl. 30 kr. 

An Leibgewand 36 „ 55 „ 

An Bargeld 1.469 „ 18»/4 « 

An Silbergeschmeid 132 „28 „ 

An Leinwand 204 „12 „ 

An WaflFen 15 „ 30 „ 

An Getreide 535 „56 „ 

An Vieh 581 „ — „ 

An Putter 413 „ 42 „ 

„Beverendo Tunget" (Dünger) 4 „ 15 „ 

An Ackergeräthschaften 103 „40 „ 

An Capitalfordenmgen (meist zu 4^/o verzuislich) . . . 26.989 „38 „ 

Andere Forderungen 338 „ 36 „ 

Gesammtvermögen 50.766 fl. 5Vakr. 

Davon kommt ab zu Gunsten der Witwe der Betrag von . 2.600 „ — „ 

Der Betrag der Messtiftung des Codicilles 250 „ — „ 

Der Betrag einer weiteren, schon früher gegründeten Stiftung 

zu Gunsten der Schwazer Pfarrkirche mit ... 500 „ — „ 

Eflfective Schulden 108 „ — „ 

Todfallskosten 1.312 , 34V4 r 



— 122 — 

Diese Daten dürften ein leidlich klares Bild über die wiiischaftlichen A^'erhült- 
nisse Johann Schuellers, der wohl zu den Ortsmagnaten gezählt haben mag, geben. 
Ijeider ist es nicht möglich, die Größe der Bealitäten festzustellen, und es kann nur 
bemerkt werden, dass dieselben, soweit nicht von Bartlmä stammend, ziemlich zer- 
streut gewesen sein dürften. Sie waren meist „der Grundtrechthalber frey lödig und 
aigen". Ein dem Schrotterhof zugekauftes Hofstätl in Simon Harters Garten war fttr 
Johann Georg Ignaz Gstimer von Weidt- und Egerdach, tirolischen lÄudmann und 
der E. k. u. k. kath. Majestät wirklichen Truchsess, mit 3 Kreuzern Grundzins, ein 
anderes Grundstück im unteren Schwazer Winkel zu Gunsten der Herrschaft Eotten- 
burg mit 18 Kreuzern und 1 Stiftskreuzer jährHch belastet; emige andere Grund- 
stücke waren dem Stifte St. Georgenberg, der Pflege Freundsberg oder der Schwazer 
Pfarre in ähnhcher Weise zinsbar. 

Hier sei bemerkt, dass in der Vermögensabrechnung nach Andrä Schneller 
ein Alexander Schneller, kais. Reichspostamts- Verwalter in München, als in Geld- 
geschäften mit dem ersteren befindlich gewesen genannt wird. Derselbe testierte 
nachmals 1000 fl. ftlr seine Verwandten in Tirol. 

Auf dem Ehecontracte des Anton Schueller vom 25. October 1718 findet sich 
Johann Schuellers und seiner Gattin Dorothea Schuellerin, sowie Andrä Schuellers 
Unterschrift; Vater und Sohn siegehi mit verschiedenem Petschaft, Anton Schueller 
selbst mit einem dritten, das Siegel Andräs zeigt einen Stechhelm, der nach vorn 
gekehrt ist, beide anderen Siegel oflFene, gekrönte Helme, nach der rechten Seite 
gewendet;'*) alle drei scheinen eine schrägerechte Theilung des Feldes zu zeigen, in 
welchem bei Johann und Andrä ein Mann steht, der in der Unken Hand eine Kugel 
oder einen Stern hält; im Siegel Antons ist die Feder in der Unken Hand klar 
erkennbar, in den anderen Siegeln scheint eine Kugel oder ein Stern auch auf der 
rechten Hand zu ruhen. Das Siegel Antons zeigt auf der rechten Hand deutlich 
einen Stern. Im vorderen Theil von Antons Siegel ist eine undeutliche Schraffierung 
erkennbar. Helmkleinod ist überall ein oflFener Flug mit einem in der Mitte schwe- 
benden Stern. Die späteren Siegel Anton SchueUers zeigen alle ein einfaches Feld 
mit dem Manne mit Stern und Feder. 

Johann SchueUer siegelt übrigens ganz ähnUch wie Andrä, nur in besserer 
Ausfiihrung und mit gekröntem Helme , der nach rechts gewendet ist; auch auf 
diesem Petschaft befinden sich Buchstaben, wie auf dem Andräs {A. Ä), scheinbar 
K (vielleicht B = Bartlmä oder H = Hans) S. 

Johann Schuellers Ehefrau war Dorothea Taimauerin, aus einer seit 1433 
siegelmäßigen Familie, der die nachmaligen Grafen von Tannenberg entsprossen 
sind; sie brachte ihrem zweiten Gatten ein aus dem Verlasse ihres ersten Mannes 
stammendes Haus in Schwaz mit, trat es ihm schon bei Lebzeiten ab und hinterließ 
ihren Kindern nach ihrem Tode (1732) noch 861 fl. 

Im Jahre 1439 siegelte Friedrich Tannawr, Richter zu Freundsberg, eine im 
Besitze des Verfassers befindliche Urkunde wie auf Seite 123 abgebildet. 



') Der Abdrack von Johanns Siegel ist so undeutUch, dass ein Irrthuui möglich ist. 



— 123 — 

Die Schicksale des Schrotterhofs brachten denselben nach dem Tode Andrä 
Schuellers an seine Tochter Anna Margaretha Mäckinger und von dieser am 
29. Oetober 1766 an ihre Tochter Anna Nothburga Spindlegger, somit nach 110 Jahren 
wieder an jene FamiUe zurück, von der am 14. Mai 1656 der Hof an die Schueller 
gelangt war. 




Wir kommen hiemit auf Anton Schneller*) zu sprechen. Derselbe wurde zu 
Sehwaz geboren, studierte sodann und erhielt unter dem Decanate des Franz Anton 
Carneri von Eben und Bergfelden von der Universität Innsbruck am 10. Juh 1717 
unter der Bezeichnung „Nobilis et clarissimus Dominus Antonius Schueller, Schwa- 
zensis" das Diplom als Utriusque Iuris licentiatus (im Besitze des Verfassers). Am 
25. Oetober 1718 verlobte sich „des Edeln Herrn Johann Schuellers zu Sehwaz und 
der auch Edlen Frau Dorothea, geh. Tannauerin, ehelich erzeugter Sohn, der Wohl- 
EdlGestreng und Hochgelehrte Herr Antoni Schueller I. U. Lt. und OÖ. Eegiments 
Advocat zu Yhnsprugg" mit „des WohlEdlgebohrnen Herrn Cyriac Jacob Lache- 
mayrs zu Ehrenheiml) und Madlein der E. k. u. k. cath. Mayestät Rath und OÖ. 
Ijehenssecretari bei seiner Eheconsortin der WohlEdlge]>ohrnen Frauen Maria Claudia 
geböhrner Weinhardtin zu Tyerburg und Vollandsegg im Standt der Ehe erzeigten 
Jungfrauen Tochter Catharina Eleonora Lachemayrin zu p]hrenheimb und Madlein". 
Des Bräutigams \'ater verspricht seinem Sohne an Heiratsgut und Ausfertigung 
1500 fl,, der Brautvater und die Brautmutter ihrer Tochter an Heiratsgut 1000 fl. 
und für die Ausfertigung 500 fl. Weiters verpflichtet sich der Bräutigam, seiner 
Braut eine Morgengabe im Betrage eines Drittels des Heiratsgutes auszufolgen, resp. 
auf seine Verlassenschafl; anzuweisen. 



*) Siehe hiezu: „Tirolische Weisthümer** (Ziogerle, v. Inama-Stemegg) IL Tb., S. 338. 



— 124 — 

Die Urkunde trägt die Siegel der Brautleute, der Eltern beider, dann des 
Franz Lacheraayr, des Andrä Sehueller und des Joseph Lergetporer als nächsten 
„Befreunden". 

Die Vermählung fand bald nachher statt. Da ich über den tirolischen Zweig 
der Ijacheniayr abgesondert zu berichten gedenke, werde ich im folgenden die auf 
die Frau des Anton Schneller bezüglichen Momente nur streifen. Am 4. October 1724 
bestellt Franz Eusebius Trautson Graf zu Falkenstein auch als Pfandsinhaber der 
Herrschaft und Propstei Steinach infolge Ablebens des Herrn Johann Jakob von 
und zu Goldegg, o.-ö. Hof kammersecretärs, über alle seine im I^and Tirol „besitzendt 
und geniessende Herrschaften, güeter und effecten" als Inspector „den WohlEdl und 
Hochgelehrten Herrn Johann Anton Schneller, I. U. L. und o. ö. Bgts. Advocaten": 
derselbe hatte nebst A^erpfändung seines ganzen Vermögens eine Caution von 3000 fl. 
zu leisten und erhielt dagegeji eine Besoldung von 300 fl. jährhch. 

Im Jahre 1728 erscheint Anton Schneller als Hofkammer-Procurator. Im Jahre 
1732 functioniei-t er als Cnrator des v. Weinhartischen Fideicommisses ; im Jahre 
1734 wird er zum Kepräsentations- und Hof kammerrath ernannt; in einem Acte vom 
16. Februar dieses Jahres übernimmt er zu Wien sieben mit Gold gefüllte, fiir 
Innsbruck und Bozen bestimmte Säcke im AVerte von 55.660 tt. Der Act ist unter- 
schrieben : Anton Schneller, o.-ö. Hof-Cammer-Bath, und gesiegelt, und zwar mit dem 

Manne mit Stern und Feder (Helm oflFen und gekrönt) in 
guter Ausführung. Im selben Jahre überreichte er mit Be- 
zugnahme auf die Verdienste seines Vaters, darauf, dass er 
„bereits a Saeculo mit der Siegelmäßigkeit begäbet seie" 
und seine eigenen allergnädigst bekannten Verdienste ein 
Gesuch um die Erhebung in den Adelsstand mit d^m Prä- 
dicat von Schuellern zu Schrattenhoff. Das Gesuch trägt die 
Erledigung: „Expediatnr und zwar bewilligtermaßen fllr den 
Ritterstand, Per imperatorem, Laxenburg 24. Mai 1734, 
Melchior von Schluderpach." Ausgefertigt wurde der: „Kitter- 
brief sammt Wappenverbesserung und Praedicat von Schnelleren zu Schrattenhoflf 
für Anton SchueUer, o.-ö. Hof kammerrath« ; das Diplom ddo. 24. Mai 1734 beginnt: 

„Wir Karl" (großer Titel) und erhebt mit Bezug auf die Verdienste des 

Vaters und des Bittstellers selbst diesen „Motu proprio in ewige Welt Zeit in des 
heiligen Römischen Seichs, auch unserer Erbkönigreieh, Fürstenthumen und Unden 
Eitterstand" . , . . „als ob sie von ihren vier Ahnen Vatter- und Mütterlicherseits 
und Geschlechts in solchem Stand hergekommen und es erblich auf sie gediehen 
wäre"; überdies verleiht das Diplom dem Anton Schneller „zu mehr sclieinbar- 
licher Gezeig- und gedaechtnus solch unser Gnad und Erhebung in des heiligen 
Römischen Reichs-Ritterstand" ein ritterliches Wappen und Kleinod; dasselbe ist: 
quadriert, 1 und 4 in Gold ein schwarzer Adler, 2 und 3 in Silber ein mit langem, 
rothem Rock mit goldenen Knöpfen bekleideter Mann ohne Haar und Bart, mit 
silbernem Gürtel und rother, silber umschlagener Mütze, der in der einwärts empor- 
gehobenen Hand einen goldenen Stern trägt mid m der auswärts ausgestreckten 
Hand eine natürüche Schreibfeder mit gesenkter Spitze hält. — 2 Helme: 1. der 
schwarze Adler, Decken; schwarz-golden, 2. der ganze Mann aus dem Schilde, 




— 126 — 

Decken: roth-silbern (seine Beschreibung findet sich im Taschenbuche der adeligen 
Häuser, 8. Jahrgang, 1883). Schließlich verleiht das Diplom dem Anton Schneller 
das adelige Prftdicat „von Schuelleren zu Schrattenhof* und nennt ihn dann Anton 
von Schulleren zu Schrattenhof Bittern. Die Intimation vom 10. Juli 1734 spricht 
von von seinen Voreltern seit mehr als einem Jahrhundert zu Kriegs- und Friedens- 
zeiten geleisteten Diensten, obwohl ein derartiger Passus in Antons bezüglichem Ge- 
suche nicht vorkommt. 

Unter dem 29. Juni 1735 schreibt der Graf von Dietrichstein an Monsieur 
Monsieur de Schneller (in den späteren Briefen heißt es Schnellem) Conseiller de 
la Chambre d'Autriche Superieur de 8. M. I. et Cathol. h Innsprugg: 

Euer WohlEdlgeboiTier. 

ViUgeEhrter Herr Hof Cammer Bat. Es ist demselben ohnedeme bekannt, daß 
die Kayl in Wellischland gestandene Armee an die Confinen wegen der großen 
feindlichen macht retterieren miessen, mithin wohl nötig sein wird, daß Ein Herr 
Bath von der darobigen HofCammer, umb alle besorgliehe Confusionen zu vermeiden, 
und denenselben vorzubiegen an erst gedachte Confinen sich begebe; zumahlen mir 
noch erinnerlich ist, waß großes Lob Sr. Verstorbener Excell: Herr Graff" v. Merey 
dem Herrn HofOaramerBath wegen Vorm Jahr aufgehabten Commission beygeleget 
hat, und dessen Conduite, auch guet gemachte Veranstaltungen nicht genugsamb 
anriehmen können, als hoflfe, Herr HofOammerrath werde nach seinen jederzeit vor 
allerhöchsten Herrn Dienst bezeigten Eyfer auch derraahlen diese Commission auf 
sich nehraraen, und nach anlaithung des Herrn GraflTen v. Trapp Excell. an die 
Confinen die Bayß antretten; Ich versichere demselben, daß disen bezeigenden Eyfer 
gehöriger Orthen anzunehmen, auch auf eine Bemuneration bedacht zu seyn unent- 
lassen will. Dann ich verbleibe 

M. VillgeEhrten Herrn HofCr.Baths 

dienstbereithwiliger 

Wien den 29. Jimi 1735. Gr. v. Ditrichstein. 

Ein zweiter Brief vom 16. Juli desselben Jahres sagt: „. . . Ich habe auß 
dessen an mich erlassenen umb so mehrers gerne ersehen, daß derselbe die von 
mir jüngst Oberschriebene Commission auf sich genohmmen, als ich bey mir per- 
suadiret bin, daß gleichwie entwichenes also auch gegenwärttiges Jahr sothaner 
Commission pro servitio principis et pubUca bewerckhen, dann an seinen Fleiß und 
Eyfer nichts erweithen lassen werde. Auf das aber der Herr HofCammerrath sehen 
möge, wie Ich demselben bey Ihro Kais. Maytt angrüheramet, so verhalte nicht, daß 
Allerhöchst dieselbte bereits allermildest gewilliget haben, ihme mit einer Gnaden- 
ketten zu beschänckhen, welche nächstens verferttigen lassen und der richtigen Be- 
stellung halber bedacht seyn will, so daß dessen Consolation wiedere und verbleibe 
u. s. w." 

Ein Brief an denselben vom 10, August d. J. nach ^Bovoredo" sagt: «... Ich 
lial)e aus dessen an mich erlassenen ersehen, daß derselbe wegen der von Ihro 
Kays. Mayss. erhaltenen Gnad sich gegen mich bedanckhen wollen. Gleichwie nun 



I 



f 



- 126 - 

Ich nicht zweiflFle, daß der Herr Hofkammerrath diese Kays, (inad erkennen, und 
an dessen Mir bekannten Eyfer vor allerhöchsten Herrn Dienst, auch ktinflFtig nichts 
werde verwindten lassen, also will auch ich in all sich begebenden Gelegenheiten 
dargegen bezeigen, daß ich seyn M. VillgeEhrten H.Hofür. Baths . . . 

(Die Briefe, mit dem dietrichsteinischen AVappen gesiegelt, sind im Originale 
im Besitze des Verfassers.) 

Am 5. December 1736 wurde Anton von Schuellern nach dem Ableben des 
k. o.-ö. Lehenssecretärs Franz Anton I^achemayr von Ehrenheim zum interimistischen 
Verwalter des k. geh. reservierten Hofcasse-Filialamts in Tirol bestellt, und zwar 
unter Verzieht auf 200 fl. Besoldung zu Gunsten der Kinder des Verstorbenen. — 
Unter dem 10. October 1740 figuriert der „hochedlgebohrne Herr Antoni v. Schnel- 
lem zu Schrattenhofen, der B. k. u. k. Cath. Mayestät oö. Hofkammerrath" als 
Anweiser der Maria Augusta Gräfin von Mohr; die Urkunde trägt das Siegel des 
Franz Andrae Ingram von Liebenrain; im Mai 1750 ist er als o.-ö. Bepräsen- 
tations- und Hofkammerrath verpflichteter Anweiser des FeHx und der Maria An- 
tonia Baronin von Paderskirch. 

Im Jahre 1762, am 16. Mai, beriet er mit Leopold (irafeii Künigl und dem 
Secretär v. Weinhart einerseits und dem Landeshauptmaim Paris Dom. Grafen v. 
Wolkenstein andererseits über die Beilegimg der Unruhen im Bnrggrafenamte. (Siehe 
Albert Jäger, Ferdinandeums-Zeitschrift VIII, 1842, S. 25.) 

Anton von Schuellern zu Schrattenhofen, des h. Eöm. Beichs Bitter, Ihro 
B. Kais. k. Apost. Maytt. 0. Ö. Bepräsentations- und Hofkammerrath, verschied am 
16. Juli 1763 und hinterließ ein Vermögen von 57.557 fl. 16 kr. Dasselbe enthielt: 
„Die Gnaden-Kötten samt dem anhangenden mit Diamanten besetzten kays. Porträt, 
wögt 16 Loth", eine von Kaiserin Maria Theresia 1739 erhaltene .Tabaccier von 
Porcellain mit goldenen Baiffen und Scharnier mid eine vom Feldmarschall Grafen 
Mersi erhaltene goldene Tabaccier, dann zwei Pürsch-Stutzen mit ]\Iässing-vergoldetem 
Beschläge, eine gleiche Flinten, zwei Paar Pistolen, zwei silberne Degen" (diese WaflFen 
waren Geschenk weil. Kaiser Karl VI.*) und giengen sammt der Gnadenkette und 
den anderen Erinneiningsstücken ohne Taxe auf den Sohn über); ferners war im 
Vermögen enthalten: 

Barschaft 2.621 fl. 49V,kr. 

Silbergeschirr (zum Theil mit Wappen) 1.176 „45 „ 

Liegende Güter (Stöcklische, von ihm erkaufte Güten in 

Landeck) 706 , 20 , 

Zinngeschirr (zum Theil mit dem väterlichen Wappen). . 16 ., 5 „ 

T.irli 122 „ 47 „ 

FonltTunpm (4— 4V47o) 53.168 „ 2 „ 

r>er Witw** pebüren hievon eingebrachte 8.379 „ 14V4 « 

flucti liomnit das ihr gehörige, auch von Anton v. Schuellern 
iMnvobnte Haus in der Picketthorgasse zu Innsbruck, der 

fwlelig*^ Ansitz Ehrenhaimb, mit 6.000 „ — „ 

Vtm drn iuUen in I^andegg 666 „40 „ 

*'j Y^mH l'iNtohm fiiod im Besitze des Verfassers, ein Gewehr im Ferdinandeum zu Innsbnick. 



L 



— 127 — 

Vom Silbergeschmeid 361 fl. 35 kr. 

An Almosen werden gegeben 100 „ — ^ 

Den als Nonnen eingekleideten Töchtern fallen zu . . . 2.250 „ — „ 

Die Todfallskosten betragen 461 „ 11"/, „ 

Weitere Auslagen 395 „ 2 „ 

Es verbleiben zu verteilen 46.600 „ — „ 

Davon erhält der einzige Sohn einen Mannsvorteil von 9600 fl., der Best wird 
in gleiche Teile geteilt. 

Diese Urkunde trägt das Siegel des Johann Valentin v. Pfenning, o. ö. Regie- 
rungsraths. In derselben kommt der Passus vor: „Sodann ist vi statuti das beste 
Pferd bis an eines, wie auch in Silbergeschmeid das beste bis an eines einer ade- 
lichen Frauen Wittib, nlt weniger der jährl. Unterhalt flir Sie, einen Bedienten, 
auch einer Jungfrau nebst so viel aufgerichteten Böthern gebühr ig." 

Anton von Schuellems Witwe „die wohlgebohrne Frau Maria Katharina Eleo- 
nore verwittibte von Schnellem zu Schrattenhofen gebohrne von Lachemayr zu 
Ehrenheim" verschied am 1. Juni 1775, sie hinterließ ein Testament vom 29. März 
d, J. und ein Activvermögen von 18.745 fl. 25 kr., darunter an Barschaft; 506 fl., 
an Schmuck und Frauenzierde 206 fl., an Silbergeschmeid 36 fl., an Grundgilten 
und Forderungen 8580 fl. 40 kr. und die ehemals Scalabrini'sche Behausung Nr. 130 
in der Piketthorgasse in Innsbruck mit 6000 fl. Die Abzüge au Prälegaten u. s. w. 
betragen 2245 fl. 24 kr., der Antheil jedes Erben beträgt somit 5500 fl. 

Diese Urkunde ist gesiegelt von Josef Anton v. Schnell, o. ö. Beg. Bath. 

Von den Kindern Anton von Schuellerns hat sich die Tochter Therese mit 
Johann Josef von Wallpach verheiratet ; über die Familie desselben berichtet Otto 
Maximilian von AVallpach in der „Chronik der Familie v. Wallpach"-, Mattsee 1892, 
und das „Taschenbuch der Bitter- und Adelsgesehlechter'*. Fünf von den Töchtern 
wurden Nonnen. Von den bezüglichen Contracten bestehen noch zwei, und zwar der 
über Maria Antonia vom 9. September 1790 und jener über Maria Katharina Claudia 
vom 5. October 1743, wovon die erste in das Institut Mariae der englischen Fräulein 
zu München, die zweite in das Erzfürstl. Stifl' und Begelhaus zu Innsbruck trat; die 
letztere trat später wieder aus und verstarb im September 1787. Josefa von Schuellern 
war ins Nonnenkloster zu Maria Steinach in Allgund eingetreten und verschied, 
nachdem sie wieder ausgetreten war, am 2. Juni 1806. 

Maria Francisca, welche dem Servitenkloster in Innsbruck ein größeres Legat 
hinterließ, ist in der Kirche dieses Klosters bestattet ; über eine von ihr gegründete 
Messtifl;ung besteht noch der Stiftungsreversbrief vom 2. October 1770, gefertigt 
vom Provinzial des Serviten-Ordens. 

Anton von Schuellerus einziger Sohn Johann Franz Jakob wurde unter dem 
Decanate des Josephus Biner am 8. April 1747 als Praenobilis et eximius Dominus 
loannes Franciscus Jacobus de Schuellern S. B. I. Eques Oenipontanus, nachdem er 
zu Innsbruck und Siena je zwei Jahre studiert hatte und nach Ablegung des Bigo- 
rosums insigni cum laude, von der Universität Innsbruck in utroque Jure graduiert. 
Das Diplom befindet sich im Besitze des Verfassers. 

Er erscheint in der Verlassabhandlung nach seinem Vater als Sr. Majestät 
wirklicher Marsch- (Directions-) Cornmissär im Pusteiiihale und Wrwalter der kgl. 



— 128 — 



Stiftsherrschaft Lienz, später war er auch Schlosshauptmann zu Brück.*) Seine Ver- 
raögensinventur und Abhandlung datiert vom 28. December 1795 aus Lienz und 
beziffert seine Habe mit 43.000 fl.; in derselben erscheint das von seiner Mutter 
hinterlassene Haus nicht, dagegen ein von ihm am 22. Juli 1768 von seiner Schwieger- 
mutter erkaufter Hof, der Brändlhof (bei Hall) genannt, im Preise von 8200 fl. und 
ein am 13. Mai 1772 eingetauschtes Mahdstück per 380 fl., gelegen in dem hoch- 
ftirstl. Salzburgischen Pfleggerichte Lengberg. Die Barschaft weist 3020 fl. in Münzen 
der verschiedensten Länder aus, das Silberzeug und die Prätiosen, unter denen auch 
seines Vaters Gnadenkette mit einer Medaille, aber ohne Taxe vorkommt (sie geht 
auf den älteren Sohn über), ist mit 1175 fl. bewertet; unter der Mannsrüstimg 
kommen die Waff'en vor, welche der Vater von Kaiser Karl VI. erhalten hatte (alle 
ohne Taxierung); die sehr reichen, von Silber- und Goldstickerei strotzenden Leibs- 
kleider werden mit 305 fl. veranschlagt; die Forderungen betrugen 28.585 fl. In 
diesem Vermögen ist das der Frau mit 17.000 fl. enthalten. Die Verteilung findet 
im Sinne des Testamentes so statt, dass das ganze Vermögen den Söhnen zugeteilt 
wird, während die Töchter ihr Heiratsgut per je 3000 fl. und ihr Entrichtgeld er- 
halten. In Betreff seiner Beisetzung verfügt der letzte Willen, dass der Verstorbene 
Nachts in der Lienzer Stadtpfarre zu versenken sei. 

Die Witwe Johann Franz Jakobs verschied am 8. November 1801 mit Hinter- 
lassung eines reinen Vermögens von 26.342 fl. Sie war eine geborene von Preu zu 
Korburg und Lusenegg; das Taschenbuch der adeligen Häuser gibt über diese 
Familie Auskimft. 

Mit ihren zwei Söhnen theilte sich das Geschlecht der Schullern in zwei Linien, 
von denen die ältere in der zweiten Generation ausstarb, so dass die vorhandenen 
Famiüenpapiere an die jüngere Linie gelangen konnten; die ältere Linie schrieb 
den Namen regelmäßig v. Schnelleren zu Schratten hofen und verblieb in Lienz, 
während die jüngere das Pusterthal verließ, um nach Nordtirol zurückzukehren; sie 
schrieb sich regelmäßig v. Schullern zu Schrattenhofen. tjber diese Linie haben 
wir nun weiters zu berichten. 

Johann Anton von Schullern, geboren 1762 zu Lienz, besuchte durch drei 
Jahre als Kostgänger das CoUegium nobilium zu Innsbruck, veröffentlichte im Jahre 
1782 bei Trattner in Innsbnick eine „Disquisitio de inefftcacia clausulae codicillaris 
testamento non adjectae" (auf dem Titel ist er genannt: „Praenobilis Dom. Joan. 
de Schullern a Schrattenhofen, S. R. I. Eques, Leontinus"), wurde Magister der 
ßechte und der Philosophie, 16. October 1786 Auscultant beim k. k. Magistrate in 
Bozen und verbUeb dort bis zum 29. Mai 1793; am 13. Juli 1790 hatte er das 
WahlfKhigkeitsdecret zu einem obrigkeitlichen Dienste erhalten. Am 22. Jänner 
1795 wiH'de er als Landrichter nach Steinach berufen und erhielt am 7. Febniar 
d. J. die Bann- und Achtpflicht. Am 11. November 1803 wurde er in dieser Stelle 



•) Im Innsbrucker Kalender von 1766 kommt 
er bei den k. k. Commissarii, auch Kreis- oder 
Yiertelshauptleuten vor als: Johann Jakob v. 
Schnellem zu Schrattenhofen, des heil. röm. 



Reichs Ritter, Ihrer k. Majestät Marschcommis- 
sarius im Pusterthale, Verwalter der Herrschaft 
Liens. 



— 129 — 

mit dem beigelegten Titel eines Pflegers bestätigt; dabei ward die Landschreiberei- 
Bedienstmig mit dem Landrichteramte vereinigt und ihm aueh das Burgfriedengericht 
Spreehenstein bei Sterzing tibergeben; 1807 wurde er fiir Bayern in Pflicht ge- 
nommen. Im Jahre 1809 ergriff" er entschieden die Partei Österreichs und wurde 
infolge dessen vom königlich bayrischen Militär im Landgerichtsgebäude zu Sterzing 
schwer misshandelt, so dass er nie wieder die volle Gesundheit erlangen konnte, 
ausgeraubt und geplündert. Am 10. April 1810 wurde er infolge eines organischen 
Edictes quiesciert, am 22. Mai d. J. zur provisorischen Aushilfe beim Stadtgerichte 
Linsbruck berufen, mit 1. Jänner 1811 pensioniert, am 16. October d. J. zum pro- 
visorischen, am 30. September 1813 zum definitiven Criminaladjuncten in Battenberg 
ernannt, und nachdem er einige Zeit als Landgerichts-Provisor dortselbst functioniert 
hatte, am 31. August 1814 als provisorischer Assessor zum Stadtgerichte Linsbruck 
berufen. Im Jahre darauf verschied er mit Hinterlassung eines durch Unglücksfälle 
auf 5900 fl. reducierten Vermögens. Seine Witwe Marianne v. I^eis zu I^eimburg, 
über deren FamiUe gleichfalls das Taschenbuch der adeligen Häuser Auskunft gibt, 
und die ihn um 12 Jahre überlebte, hinterließ nur 2300 fl. 

Es sei hier ein Brief mitgetheilt, den Johann Anton v. Schullern im Jahre 
1809 am 13. April um 3 Uhr nachmittags an den Marquis v. Casteller richtete und 
der in der Nummer vom 18. Februar 1881 im ^ Boten für Tirol und Vorarlberg" 
abgedruckt worden ist; der Brief befindet sich in der Ferdinandeums-Bibliothek 
XVm. h. Tir. I; 10, 11 und lautet: 

„Mit gegenwärtigen ermangle ich nicht Euer Excellenz in aller Eile die frohe 
Nachricht... zu ertheilen. dass... die bayrische und französische Infanterie und 
Cavallerie insgesammt von den Landleuten ungeachtet des stärksten Widerstandes 
muthvoUst gefangen worden 

Euer Excellenz muss überhaupt das muthvolle, einstimmige Verhalten der Land- 
stürmer, welches dieselben... werkthätigst an den Tag gelegt haben... und nichts 
sehnlicher mit allen aufrichtig und gut gesinnten Tyrolern wünschen, als nur recht 
bald Euer Excellenz ihre unterthänigste Devotion für das ihnen nun aus dem Herzen 
gerissene kaiserliche Haus Österreich werkthätigst mit aller AVärme bezeugen zu 

können wovon auch ich mich mit aller Unterthänigkeit nebst meinen sämmtlichen 

Gerichtsunterthanen als ein getreuester Unterthan Sr. Majestät dem Kaiser Franz 
mit ähnlichen Enthusiasmus anschließe imd mit aller Ehrfurcht verharre." 

Die ziemlich zahlreichen, von Johann Anton v. Schullern vorhandenen Schrifl;- 
stücke zeugen davon, dass er ein fester, unbeugsamer Charakter von eiserner Recht- 
lichkeit war. 

Von seinen Söhnen absolvierte der ältere Johann im Jahre 1821 die juridisch- 
politischen Studien, wurde al)er erst im Jahre 1854 Statthaltereiconcipist (im Jahre 
1829 war er bereits Gubernialconcipist geworden), weil er der Erziehung seiner 
Kinder wegen Innsbruck nicht verlassen wollte. Im Jahre 1848 gehörte er zu- jenen 
Persönlichkeiten, die für die Aufrechthaltunfi: der Ordnung in Innsbruck einzutreten 
benifen waren. Von seinen Söhnen starb der jüngere infolge eines Sturzes von einem 
Felsen (am Achselkopfe), der ältere Anton v. Schullern hat sich als Dichter und 
Schulmann Verdienste erworben. Als Sohn desselben hält es der Verfasser J^ir an- 

9 



— 130 — 

gemessen, auf die von J. Engensteiner verfasste Biographie^) zu verweisen, weiche 
seinen im Verlage von A. G. Liebeskind in Leipzig 1890 erschienenen Gedichten 
(„Gedichte von Anton v. Schullem, aus dem Nachlasse gesammelt und heraus- 
gegeben von seinen Freunden"), vorangestellt ist. Es sei nur kurz berichtet, dass 
er nach Vollendung der juridischen Studien sich der Germanistik zuwandte und 
derselben in Innsbruck und Berlin oblag. Im Jahre 1859 rückte er als erwählter 
Lieutenant der ersten Innsbmcker Scharftchtitzen-Compagnie ins Feld und nahm 
Anfang Juli an einem nächtlichen Vorpostengefechte am Monte Macao theil. Über 
seine beztlghche Dienstleistung wurde ihm von Sr. kais. Hoheit, dem Herrn Era- 
herzog Karl Ludwig die Allerhöchste Anerkennung ausgesprochen. 

Vom Jahre 1869 — 1884 fungierte er unentgeltlich als provisorischer Bezirks- 
schulinspector, im Jahre 1874 wurde er zur Dienstleistung im tiroUschen Landes- 
schulrathe berufen, erhielt im Jahre 1879 wegen seiner Verdienste um das tirolische 
Schulwesen den Titel eines kaiserlichen Rathes und wurde im Jahre 1883 unter 
Belassung in seiner bisherigen Dienstesverwendung zum Ministerialconcipisten extra 
statum ernannt. Anton von Schullern war vom Jahre 1870 — 1876 Vorstand des 
tirolischen Volksschulvereines, von 1863 — 1865 Vorstand des Turnveremes, seit 1867 
Secretär des Ferdinandeums und seit 1870 Mitglied des Gemeinderathes der Stadt 
Innsbruck. Er war auch Besitzer der Kriegsmedaille. 

Während von seiner Mutter noch später geredet werden wird, da ja der Familie 
v. Weinhart ein eigenes Capitel dieser Abhandlung gewidmet werden soll, sei hier be- 
merkt, dass Anton v. Schullerns Frau, PauHne v. Finetti aus einem uralten Patrizier- 
geschlechte Siena's stammt, das 1672 von Johann Christoph v. Eggenberg den Adel 
und am 17. December 1770 von Kaiserin Maria Theresia den erbländischen Ritterstand 
mit dem Prädicate „von", endlich 1789 die Ijandstandschaft in Görz und Gradisca 
erhielt. Das Stamrawappen der Familie ist ein auf einem Balken hegender Hammer; 
das ritterliche Familienwappen zeigt einen gevierteten Schild, in 1 und 4 schrägerechts 
gestellt zwei rothe Sterne in gold, in 2 drei blaue Schrägelinksbalken in silber, in 
3 in Silber einen blauen Balken belegt mit einem natürlichen Hammer; der erste 
Helm trägt einen offenen, goldenen Flug mit dazwischen schwebendem, rothen Stern, 
der Unke zwischen einer blauen und einer silberfarbigen Straußenfeder aufrecht 
gestellt den Hammer des Schildes; die Decken sind roth-gold und blau-silber. Über 
die Familie der Mutter von Pauline v. Schullern habe ich schon einmal im Jahr- 
buche des „Adler", Jahrgang 1890, berichtet; sie war eine Calini di Calino aus 
Brescia.®) 



^ Anderweitig erschienene biographische 
Daten enthalten dieser Biographie gegenüber 
nichts wesentlich Neues. 

^) Die Manfred! sind eine alte Gutsbesitzers- 
familie, die seit dem Anfange des 17. Jahr- 
hunderts in Pavone del Mella in der Provinz 
Brescia ansässig ist und zunächst höchst wahr- 
scheinlich aus Oatiano (am Po) stammt, wo der 
gefeierte Maler Bartolomeo Manfredi gegen das 
Ende des 16. Jahrhunderts (1582)geboren worden 
ist. In seinem Geburtsorte befindet sich seine 



Gedenktafel. Der Zusammenhang der Familie 
mit dem grollen, weitverzweigten Geschlechte 
dieses Namens ist ziemlich wahrscheinlich, aber 
nicht sichergestellt; jedenfalls erscheint schon 
im Anfange des 16. Jahrhunderts ein Zweig 
der Manfredi im Brescianischen ansässig; aus 
demselben gieng 1404 ein Giovanni als Ge- 
sandter der Stadt an den Mailändischen Hof 
(Odorici : „Storie Bresoiane"). Die directen Vor- 
fahren der Therese von Schullem aufwärts, 
waren: Francesco (wiederholt Sindaco v. Pa- 



— 131 — 

Weon über eine Eeihe von Persönlichkeiten der Familie v. Schullem nicht 
besonders berichtet wird, so liegt der Grund darin, dass über die im Stammbaum 
gegebenen Daten hinaus dem Ver&sser nichts wesentliches bekannt geworden ist.*) 



m. 

Die Lachemayr ron und zu £hreiiheiinb und Hadlein. 

Am 16. October 1558 erhielten die Brüder Georg und Hans die Lachemayr, 
welche bei mehreren Schmelzherm in Tirol in kaiserlichen Diensten verwendet worden 
waren, folgendes Wappen: 

In gold zwei rothe Balken; zwischen diesen ein in Wasser schwimmender 
natürlicher Schwan ; auf dem Stechhelm mit blau-silbernem und roth-goldenem Wulst 
und ebensolchen Decken der Schwan zwischen einem roth-gold, beziehungsweise 
blau-silber getheilten Hömerpaar (s. hiezu Jahrbuch des „Adler" 1891, der Wappeu- 
brief im k. k. Adelsarchive nicht vorfindlich). Am 20. Juli 1594 verUeh Kaiser 
Rudolf n. den Brüdern Lamprecht, Hans und Georg den Lachemaym,*®) ersterem 
mit Rücksicht auf dem Erzherzoge Ferdinand und dem Kaiser durch 18 Jahre als o. ö. 
Kanzleischreiber geleistete Dienste den Reichs- und erbländischen, rittermäßigen Adel 
so als ob er von ihren vier Ahnen vater- und mutterseits auf sie gekommen wäre; 
zugleich bestätiget und besseii; der Kaiser das von Seinem Anherm Kaiser Ferdinand 
dem Georg Lachemayr und seinen Brüdern Hans und Bernhard verliehene Wappen 
(dd. 15. Mai 1562): ein goldener Schild mit einem schwarzem Dreiberg, daraus 
wachsend ein Mohr mit rothera Leibrock mit goldenen Überschlägen uud filnf sil- 
bernen Knöpfen, das Haupt (früher mit einem rothgoldenen Wulst) mit einer goldenen, 
heidnischen Königskrone bedeckt, in der Rechten einen Pfeil haltend; auf dem 
fortan oflFenen Helm mit schwarzgoldenen Decken ein gleichfarbiger Pausch mit 
zurückfliegenden Bändern und auf diesem zwischen schwarzen Büflelhörnem der 



Yone und seinerzeit Hauptmami der Municipal- 
gwrde), geb. 1827, t 1B89, Marc' Antonio, geb. 
1789; Giuseppe, geb. 1756; Marc' Antonio, geb. 
1725; Francesco, geb. 1693; Manfrede Alessio, 
geb. 1659; Marc Antonio „dl Manfredi** ; dieser 
lebte 1659 in Pavone und erscbeint im ältesten 
dortigen Taufbuche. 

*) Der von Jobann Franz Jakob v. Schnellem 
erworbene Brandlhof ist aus dem Besitze der 
Familie gekommen; durch die Vermählung 
Johanns mit Antonie v. Weinhart erwarb die- 
selbe dagegen den Besitz des Hauses Cat.-Nr. 
248 zu Innsbruck, nunmehr Burggraben Nr. 4. 
Die ersten bekannten Besitzer dieses Hauses 
waren die Frankfurter, darauf folgte 1555 Dr. 
Peter Merenda, dann Andreas y. Plaw, 1568 
Hildebrand Specellanz ; dann, nachdem es rasch 
mehrere Besitzer gewechselt hatte, gelangte es 
1594 an Susanna Christina Urschinin, Oberst- 



hofinei Sterin der Töchter Erzherzog Ferdinands, 
eine geborene Lydl v. Mayenburg und Tisens; 
1611 erwarb das Haus Freiherr Hyeronimus v. 
Manicor zu Casetz und Freiegg, bei dessen 
Familie es bis 1721 blieb ; in diesem Jahre er- 
warb es Johann Anton Freih. y. Coreth, nachdem 
es ganz kurze Zeit einer Familie de Vigiliis 
yon Ereutzenberg gehört hatte. Dieser yer- 
tauschte es aber im Jahre 1725 an die Gebrüder 
Franz Friedrich und Michael Payr zu Thum 
und Palbyth; yon diesen gieng es 1767, resp. 
1770 an die Weinhart über. Die HauskapeUe 
zeigt am Ofen die Wappen der Manikor u. 
Fieger (auf grünen Kacheln) und ober dem 
Fenster die der Payr und Weinhart. 

'*) £in in den Händen der Familie yoa 
Lachemayr in München befindliches Exemplar 
des Diploms yon 1594 nennt als Adelswerber 
Vater und Sohn und einen Hans. 

9* 



— 132 — 




Mohr defc» Schildes. (Eine Abschrift des Diploms befindet sich in Händen des Ver- 
fassers). Cyriak Jakob Ijaehemayr siegelte seinen Ehevertrag mit Maria Claudia 
Weinhart, den der A^erfasser im Originale besitzt, folgendermaßen: 

Ob zwischen den Erwerbern der beiden verschie- 
denen Wappen ein Zusammenhang besteht, ist dem 
Verfasser unbekannt; es sei nur bemerkt, dass 1556 
in Meran ein Hans Lachemayr vorkonmit. 

Im Jahre 1683 (24. März) wurde dem Franz 
Lachemayr, Begimentssecretär, der Adel bestätigt, wie 
wenn er von acht Ahnen väterUcher- und mütter- 
licherseits ihm überkommen wäre. Das Diplom bessert 
das Wappen: Der Mohr ist nun halb nackt und trägt 
eine indianische Schürze von rothen und weißen Straußenfedern, sowie Perlen an 
Hals, Händen und in den Ohren ; die BüflFelhörner sind nun schwarz und gold getheilt. 
Es verleiht weiters das Prädicat von und zu Ehrenheimb. **) (Die noch blühende 
bayrische Linie der Lachemayr citiert im Taschenbuch der Bitter- und Adels- 
geschlechter (1889) eine Adelsbestätigung vom 10. October 1622 fl^r Franz, kaiser- 
lichen Kath und Schatzregistmtor mid seinen Bnider Mathias, Hauptmann der Liga, 
angeblich Söhne der 1594 geadelten; 1813 wurde diese Linie in die bayrische Matri- 
kel aufgenommen.) Es folge die Stammtafel der tirohschen Lachemayr. (Seite 133.) 
Betrachten wir nun kurz einige tirolische Glieder des Geschlechtes. (Ein anderer 
Zweig blüht noch in Bayern.) 

Maria Elisabeth Lachemayrin übernahm von ihrem Vater Severin Stöckl, Pflegs- 
verwalter und Eichter der HeiTschaft St. Petersberg und in letzter Zeit der R. k. 
Majpstät Diener und o. ö. Hofkammerraithrath zu Silz»-) (f 1681) ein Vermögen von 
2167 fl. 51 kr., zum Theil aus vormals Schiller' sehen Gnmdgilten bestehend. Sie 
war Schwester des Franz, der (bereits verstorbenen) Eosine (Frau des Johann Bapt. 
(istirner, kaiserlichen Rathes und Hofkammersecretärs, ihre Töchter: Anna Maria 
vermählt mit Martin Schluderpacher, Hofkammersecretär, und Anna Elisabeth), der 
Anna Katharina (Frau des Bernhart Zeiler, Oberinnthaler Viertelsvertreters, Gerichts- 
anwalts und Säckelmeisters zu Silz), der Maria Francisca (Frau des Mathias Kolb, 
(lerichtsschreibers zu Landegg), dann der Maria Magdalena (Frau des Johann Jakob 
Euedl) und der Eva Eosina (Fmu des Jakob Giersinger); — hiervon waren Franz, 
Maria Francisca, Maria Magdalena und Eva Eosina Kinder aus Severins zweiter Ehe 
mit Maria Störzinger. 

Hans und Georg Stöckl erhielten 1513 (9. April) an Stelle des früheren ein 
adeliges, gebessertes Wappen, an Stelle dessen am 1. September 1593 dem Paul, 
Landsclireiber an der Etsch, ein anderes, das unten dargestellte, verliehen wurde. 



^^) Dieses Prädicat bezieht sich ausdrücklich 
auf das Lachemayr'sche, vormals Scalabrini- 
sehe Haus in der Picketthorgasse Nr. 130; 
es war der St. Jakobs-Pfarre in Innsbruck mit 
sechs Kreuzern jährlich grundzinsbar, das dazu 
gehörende Out war landesfürstliches Lehen, 
wurde aber von der Erzherzogin Claudia am 



6. September 1641 freigemacht. (Verlassabhand- 
lung nach Eleonore v. Schnellem.) 

*•) Severin Stöckl erhielt am 10. November 
1668 für seinen Ansitz sammt Zugehör die Be- 
freiung von der gemeinen Gericht«:barkeit und 
von militärischer Einquartierung. 



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— 134 — 




Obiger Franz und ein Dominik wurden mit dem Prädieat von Gerburg 1703 geadelt. 
Elisabeth Lachemavr geborene Stöckl siegelt den Heiratseontract ihres Sohnes Cyriak 
Jakob mit dem nebenstehenden Wappen. Eine im Ferdinandeum zu 
Innsbnick aufbewahrte Gesehlechtsgesehichte der Stöekl sucht die 
Stöckl V. Gerburg mit denen v. Matrey und Hertenberg in Zu- 
sammenhang zu l)ringen und gibt folgende Filiation: 

Heinrich Stöekl v. Matrey 1242 — Heinrich (Frau: eine 
Tochter Bero\s von Eben) — Heinrich 1350 — Hans f 1382 — 
Oswald t 1424 — Anselm f 1491 (mit Margaretha Wellenschla- 
ger) — Hans (mit Anna v. Perl) — Joliann Stöckl v. Hertenberg 
(1. mit Ursula Feierabend f 1504, 2. mit Eosa Zehenter f 1547, 
3. mit Apollonia v. Keutschach) — (leorg Victor — Johann — 
Jakob (mit 1. Felicitas Holer, 2. Eva Zobl, 3. Eva Veller f 1639) 
— unser Severin (aus erster Ehe) — Franz (mit Magdalena 
Vischer v. Rosenburg) — Joliann Benedict 1737.)'*)] 

Maria Claudia I^achemayrin geborene Weinhartin hinterlässt ein Testament 
vom 25. Mai 1729, ihre Verlassabhandlung vom 21. März 1737 weist zusammen 
mit dem in derselben enthaltenen väterlichen Vermögen eine Gesammthabe von 
25.137 fl. aus und enthält den am 8. August 1695 von den Ehegatten gekauften 
Hof zu Madlein bei Hall (derselbe gehörte vorher dem Peter Endter und seiner 
Frau Anna Elisabeth Stöckl), das Haus in der Picketthorgasse zu Innsbnick, zwei 
Drittel zu Landeck liegender Gilten und mehrere Felder, im ganzen liegende Güter 
im Preise von 12.016 fl., Silbergeschmeid mit 1076 fl. Forderungen mit 9372 tt.; 
das empfangene Heiratsgut betnig 3933 fl., das Gesammtvermögen 28.502 fl. (ohne 
Abzug der Passiven). 

Der Heiratseontract des Cyriak Jakob Laehemayr nennt als Oontrahenten : den 
Rom. kais. Majestät Bath und o. ö. Keg.-Seoretär und Schatz-Registrator Franz 
I^achemayr von und zu Ehrenheimb, seine Frau, die wohledle Maria Elisabeth geb. 
Stöcklin, beider Sohn (den Bräutigam) Cyriak Jakob LachemajT zu Ehrenheim, o. ö. 
Reg.-Secretär und Schatzregistraturs-Adjuncten, dann den Dr. Paul Weinhart zu 



>•) Am 9. April 1618 bessert Kaiser Maxi- 
milian den Brüdern Hans und Georg Stöckl 
ihr Wappen, indem er den silbernen Schild in 
einen goldenen umwandelt und an Stelle des 
Stechhelmes einen Turnierhelm mit Krone statt 
Wulst setzt ; im Schilde ist ein schwarzer Hahn 
auf grünem Dreiberg mit rothem Kamm (der 
Hahn ist auch Helmkleinod). Erzherzog Ferdi- 
nand sagt im Diplom vom 1. September 1693, 
das von Kaiser Max, resp. seinem Vater, Kaiser 
Ferdinand I., verliehene Wappen habe ein 
Vetter aus Schwaz außer Landes genommen, 
er verleihe daher den Brüdern Paul, Hans, 
Abraham imd Marx den Schild, geviertet von 
roth und schwarz; in den rothen Feldern ein 
gemauertes Stöckl in Form eines CasteUs, im 



zweiten Felde ein goldener Stern, im dritten 
ein Halbmond ; auf dem Stechhelm mit gol- 
dener königlicher Krone Büffelhömer (getheilt 
schwarz-gold und.roth-silber),je mit drei Pfauen- 
federn in den Öffnungen besteckt; dazwischen 
ein rothes Burgunderkreuz. Das Adelsdiplom 
für Franz und Dominik bezieht sich auf die 
Diplome von 1618, eines von Kaiser Ferdi- 
nand I. und das von 1698, ändert im letzt- 
bezeichneten Diplome beschriebene Castell etwas 
ab und gibt dem Wappen einen rothen Herz- 
schild mit einem auf einem Halbmond stehen- 
den schwarzen Hahn. Die Diplome, mit Aus- 
nahme des von Kaiser Ferdinand verliehenen, 
sind im Adelsarchive zu Wien. 



— 135 — 



die Thierburg und Vollandsegg, Sr. kais. Majestät Eath und o. ö. Wesens-Physicus, 
Maria Claudia geb. Schlairmaeherin, darin beider Tochter (die Braut) Maria Claudia; 
als Heiratsgut werden 1500 fl., als Ausfertigung 500 fl., als Morgengabe 300 11. 

i bestimmt und der Braut das gleiche, ungeschmälerte Erbrecht nach ihren Eltern 

vorbehalten. 
Unter den Papieren des Cyriak Jakob erscheint in seiner Verlassabhandlung 
j eine Oberstjägermeister-Amts^Verleihung „umb den Pinkhen Thenen" vom 8. May 

I 1700, auf ihn lautend. 

Franz Dominik und seine Frau besaßen den Hof an der Sill der Probstei 

■ 

Amras (Schreiberhof genannt) und hinterließen ein Vermögen von 17.000 fl., davon 
i 14.300 fl. in liegenden Gütern. 

c. Franz Anton Lachemayr hinterließ den Zöllerhof zu Hötting, dann den Hof 

j Madlein, im ganzen ein reines Vennögen von 7649 fl. 

j Die bayrische Linie dieses Geschlechtes muss fi'ir uns außer Betracht bleiben. 



IV. 
Die von Weinhart zu Thierbui^ und Yollandsegg. 

Die Geschichte dieser Familie ist von Karl Joseph v. Weinhart bereits mit 
großer Sorgfalt bearbeitet worden. Der Verfasser hält sich im folgenden vorwiegend 
an das bezügliche in seinem Besitze befindliche Manuscript, im übrigen an Ur- 
kunden, die gleichfalls in seinen Händen sind. 

Vor allem mag hier der Stammbaum der Famihe eingeschaltet werden. (Siehe 
Beilage H.) 

Die nunmehr mit Ausnahme der Linie Weinhart v. Fritzheim (dieser Ansitz lag an 
der Stelle des heutigen Bahnhofs von Fritzens im ünterinnthale) in Tirol ausgestorbene 
Familie stammt zunächst aus Augsburg, von wo Paul W^einhart nach Tirol kam. (Eine 
gleichnamige Familie, welche dasselbe Wappen flihrt, soll noch in Baden blühen.Eietstap) 
Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Familie ihren eigentlichen Ursprung doch 
in Tirol habe; es kommen nämlich schon im 15. und im Anfange des 16. Jahrhunderts 
Weinhart in Tirol vor, im Jahre 1512 erscheint ein Claus Weinhart als Eichter im 
Ünterinnthale mit einem Sterne im Wappen. Nach Georg Pfaundler von Sternfeld 
erhielt 1545 Abraham Weinhart vom Comes Palatinus Peter Apianus eijien Wappen- 
brief; im gleichen Jahre (7. Mai) wurde von demselben Comes Palatinus dem Georg 
Weinhart ein Wappenbrief verliehen, in dem aber nichts über sein Nationale gesagt 
ist. Eine vidimierte Abschrift dieses Briefes hat des Verfassers Vater Anton v. 
Schullern noch besessen, ist aber dann schenkungsweise an Eduard v. Weinhart 
gelangt. Das in diesem Briefe verliehene Wappen zeigt den halben, schwarzen Bären 
mit der Traube in den Tatzen in goldnem Felde. 

Des Johann Weinhart, des muthniaßlichen Sohnes obigen Georgs, Grabschrift findet 
sich in Augsburg (bei St. Georg), wo er am 5. November 1606 verstarb; sie lautet: 
„Joannes Weinhart Joan. Othonis et Henrici Pontificum Augustanorum Quaestor, 
Vixit (?) An. MDCVI die VI. Nov. Eheu Monumentum Eheu aeternum, quod ftii, 
quod ero, tu Viator aspice, inspice, suspice, me, te, Deum, jacente, staute, judicante". 



— 136 - 

Paul Weinhart, dessen Brtider Leonhard Dr. jur.,'*) und Philipp, sammt deren 
Vetter Hans Ueorg erhielten am 9. Deeember 1617 von Erzherzog Maximilian den 
Adel. Höchst interessante Auskunft hiertiber gibt ein im Coneept vorhandener Brief 
vom 8. Mai 1766, geschrielien von Karl Joseph v. Weinhart an Sebastian Bernhard 
Dominik v. Weinhart, Rath und Obemmtmann des hoehl. Stifts- und Gotteshauses 
Fisehingen in der Schweiz, welcher letztere sich angefragt, ob seine und die tirolische 
Familie gleichen Stammes seien und sich darauf berufen hatte, dass beide genau 
dasselbe Wappen ftihren. Der Brief stellt die directe Abstammung des Paul von 
Johann Weinhart als nur höchst wahrscheinlich hin und beweist eine fiir jene Zeit 
verbltifiFende Gewissenhaftigkeit. Er ist als Anhang einer Selbstbiographie beigefllgt, 
auf die wir noch zurtickkommen werden. Der Verfasser bedauert sehr, aus Rücksicht 
auf den Raum den Brief nicht einfach, wie er ist, zum Abdrucke bringen zu können. 

Der ältere Paul kam vom markgräflich Burgauischen Hofe an den tirolischen 
und erlangte dortsell)st die im vorstehenden Stamml)aume verzeichneten Würden; 
seine noch im Auslande ihm angetraute erste Frau erhielt durch das Diplom vom 
9. August 1611 die Zusage einer Pension von hundert (lulden rheinischer Münze, 
jeden derselben zu 60 kr. gerechnet. Im Anschlüsse seien einige noch im Original 
vorhandene Decrete citiert: 1637 unter dem 20. Juli sichert Erzherzog Leopold dem 
Paul W. eine Gnadengabe von 1500 fl. zu, welche aus Confiscationen imd Geld- 
strafen l)eschaflFt zu werden hätte, mit dem Bemerken, dass, was er nicht rechtzeitig 
erhalten würde, mit 5 Percent zu verzinsen wäre. Im Jahre 1644 20. Juli theilt 
Erzherzogin Claudia dem Paul Weinhart mit, dass er fortan 300 fl. aus dem Hof- 
pfennigmeisteramte, 600 fl. aus dem Kammermeisteramte und die Windlichter aus 
der Hoflichtkammer beziehen werde, während der Bezug von Kostgeld, Wein und 
Brot bis zum Eintritt besserer Zeiten eingestellt werden müsse. (Das Decret trägt 
die eigenhändige Unterschrift der LÄndesfiirstiJi und des Kanzlers G. Biener.) 

Kehren wir nun zum Familienleben Pauls zurück. 

Nach dem Tode seiner ersten Frau verlobte sich Paul Weinhart am 1. Juni 
1612 mit der edeln tugentsamen Junckhfrauen Anna Burgklechnerin, welche ihm ihr 
Vermögen mit 2675 fl. als Heiratsgut zubrachte, während er ihr eine Morgengabe von 
500 fl. zusicherte. Der Heiratsbrief trägt Unterschrift und Siegel der Brautleute. Am 
7. September 1612 errichtete Paul W^einhart sein Testament; hn Jahre 1617 wurde 
er, wie bereits angegeben, in den „Stand und Grad des Adels" erhoben unter Be- 
stätigung und Besserung des altgefllhrten Wappens (der Bär wurde gekrönt und 
der Helm mit schwarz-goldnen Decken geöffnet). Am 8. November 1621 kauft Paul 
Weinhart von Hans Eggenstein, Gerichtsschreiber zu Thaur, ein Haus in der Sill- 
gasse zu Innsbruck. Die Innsbrucker Jesuiten-Chronik lobt sein W^issen und seine 
Tugenden, der Innsbrucker Magistrat räumte ihm wegen seiner Verdienste während 



") Seine Grabschrift zu Augsburg lautet: 1683. Cujus charissima Conjui Maria Mag- 



„Hic Situs Est Leonardus Weinhart, J. U. Dr., 
Inditae Beipublioae Augustanae Advocatus 
Primarius, Vir. consiüo, facundia et virtute 
magnus, Civitati Augustanae ex aliis oomplu* 
ribus Carus et de suis optime meritus reli- 
gione catolicus, migravit e vita die 25 Jan. 



dalena Gretsohin in Puerperio una cum Prole 
mortalitate exuit , Anno 1616 die 29 Julij. Vi- 
vant Dio in aeterno. Pilij et filiae superstites 
maestissimi posuemnt** ; darüber befinden sich 
die adeligen Wappen der Weinhart und Grätsch. 



- 137 -- 

der Pestzeit in der Kirche der Heiligen Sebastian, Pinninus und Eoehus einen 
Begräbnisplatz ein (18. October 1613). Sein Vermögen bestand in dem nachmaligen 
Fideicommisshause, Kostbarkeiten und namhaften Forderungen. 

Von seinen Nachkommen sei zunächst aus der Linie von Weyerburg deren 
Stammvaters Ignaz gedacht. Sein noch vorhandenes Doctordiplom datiert von Siena 
7. April 1641; 1647 (]. Juli) wurde er von Erzherzog Sigmund Franz, Bischof zu 
Augsburg, zu seinem Secretär ernannt, am 21. Jänner 1663 ward er zu desselben 
Erzherzogs, der nun tirolischer Landesfürst geworden war, geheimem und oberstem 
Hofsecretär befördei-t, so dass er in der Verhinderung des geheimen Eathes Bartlmä 
Bertholdy Freiherrn, die Stelle eines Vicekanzlers versehen sollte. Die ihm von Kaiser 
lieopold angebotene Stelle eines geheimen Referendarius lehnte er ab, und zwar mit 
Bezug auf sein Alter. Er erkaufte von den Jesuiten das Schloss Weyerburg (das- 
selbe verblieb bis 1798 in der Familie) und testierte am 4. August 1682, nachdem 
er früher schon sein Haus zu Dreiheilig^^n sammt 1100 fl. Landschaftscapital und 
einem silbernen, vergoldeten Handbecken, das ihm der Herzog von Hessen ge- 
schenkt, als Fideicommiss eingerichtet hatte. (Das Testament ist im lateinischen 
Originale vorhanden.) 

Der Bruder des Ignatz, Franz, geboren 1617, erhielt zu Dillingen das Doctorat 
der Theologie, war fünf Jahre Pfarrer zu Vomp, kam dann über Berufung an den 
Hof des Bischofs von Regensburg, wurde dort Canonicus und Capitularherr, Vicarius 
generalis officiahs, Consistorialpräsident, Weihbischof zu Regensburg und Bischof zu 
Lidda; er weihte einen Bischof, 915 Priester, 15 Kirchen, 330 Altäre, 400 Kelche, 
360 Glocken, benedicierte 9 Prälaten und zwei Äbtissinnen und firmte 90.217 Per- 
sonen. Er war Bücherliebhaber und Botaniker und veröflfentlichte mehrere Schriften, 
darunter 1644 eine solche betitelt: „Theses theologicae ex tertia parte St. Thomae 
de sacratissimo incarnationis verbi divini mysterio". Pater Georg Paumgartner hielt 
seine im Drucke erschienene Leichenpredigt. 

Caspar, Bruder des Franz, hinterheß ein Capital von 4000 fl. zu Gunsten des 
Innsbrucker Spitals aus einem Vermögen von 45.600 fl. Paul, ein weiterer Sohn des 
älteren Paul, wurde , laut des noch vorhandenen Diploms am 6. April 1647 in Padua 
zum Dr. der Medicui promoviert, mit seinem Bruder Kaspar zusammen Arzt des 
regierenden Erzherzogs und 1665 österreichischer Wesens-Physicus. Am 16. August 
1662 kaufte er von der Familie Perkhofer in Schwaz das Schloss Thierburg und den 
Ansitz Vollandsegg im Gnadenwalde bei Hall, woraus er ein Fideicommiss machte.") 
Als er starb, hatte er mehr als 90 Descendenten und hinterließ nach der noch vor- 
handenen Verlassabhandhmg ein Vermögen von 115.089 fl.; sein Testament (im 
Originale vorhanden) datiert vom letzten Mai 1705. Das Vermögen bestand in einem 
Hause in der Stallgasse zu Innsbruck per 2900 fl., dem Großmayrhof in Pradl mit 
3600 fl., dem Beichhardthof daselbst mit 7000 fl., dem Hof zu Natters mit 4125 fl., 
einem Weinberg zu St. Quirin bei Bozen mit 3200 fl., einem Hof zu ünterperfuß 
mit 5300 fl., den Gütern im Gnadenwalde mit 13.500 fl. u. s. w., im ganzen in 
liegenden Gütern im Werte von 50.868 fl., in Grundgilten mit 12.280 fl., Barschaft 



*•) Am 4. Mai 1677 wurde ihm gestattet, sich „zu Thierburg und Vollandsegg** zu schreiben. 



— 138 — 

in Gold mit 5688 fl., Barschaft in Silber mit 5684 fl., Gold und Perlen mit 1587 fl., 
SUbergeschmeide mit 2402 fl., Forderungen mit 35.251 fl. 

Es sei noch des Ehevertrages gedacht, den er am 15. November 1651 „mit der 
edeh, tugendsamen Jungfrau Maria Claudia, des auch edeln und hochgelehrten 
Herrn Gerharten Schiairmachers, Med. Dris. und Seiner ftrstl. Durchlaucht Leib- 
medici bei der Edeln und Tugentreichen Frauen Ursula Schmidlin ehelich erzeugten 
Tochter", abschloss. Das Heiratsgut wird mit 1000 fl., die Morgengabe mit 400 fl. 
festgesetzt, ftlr deji Fall des Todes des zukünftigen Eheherrn fiir den Unterhalt der 
Witwe Vorsorge getroflFen. 

Das Siegel Gerhard Schleiermachers, wahrscheinlich eines Vorfahren des Philo- 
sophen Schleiermacher, wie dasselbe auf der Urkunde erscheint, ist folgendes: ein 
getheilter Schild, unten mit einem Heraen, oben mit einem Stern belegt; auf dem 
Stechhelme ein offener Flug. 

Von den Kindern des Jüngern Paul hob den Ferdinand Karl Erzherzog Ferdinand 
Karl aus der Taufe. Franz hinterheß dem Kloster Wilten den Reicharthof in Pradl'; 
nach seinem Tode entstand aber darüber ein Streit, der durch einen Vergleich dahin 
abgeschlossen wurde, dass das Stifl; statt des Hofes 3800 fl. erhielt. 

Ein weiterer Sohn Caspar studierte zunächst Theologie, dann die Rechte, wurde 
Haussecretär des Grafen Karl v. Kuefstein in Wien, heiratete am 6. Juh 1710 Maria 
Therese Marianne Hacker zum Hart, wobei 1000 fl. Heiratsgut, 3000 fl. Contra-Dos, 
100 Speciesducaten als Hochzeitsgeschenk, jährlich 150 fl. Witwenversorgimg und 
die gegenseitigen Erbansprüche bestimmt wurden. Die Urkunde trägt Unterschrift 
und Siegel der Braut und des Bräutigams, des Brautvaters, des Ferdinand Benedict 
Lachemayr von Ehrenheim, des Grafen Johann Karl v. Kuefstein und anderer Zeugen 
und datiert von St. Polten. Von seinem Vater hatte er 16.189 fl. geerbt; flir seine 
Verdienste erhielt er vier Gnadenpfemiige, darunter zwei mit Diamanten von Kaiser 
Karl VI. und zwei von Maria Theresia, jeder 25 Ducaten schwer. Nach dem Tode 
seiner ersten Frau heiratete er noch Maria Anna Kaiser, Tochter eines Handels- 
mannes in St. Polten. Sein Testament datiert vom 29. November 1749. 

Sein Sohn Karl Joseph, der Verfasser der Familiengeschichte und ehier sein* 
eingehenden Selbstbiographie, wurde zu St. Polten geboren und studierte zu Krems, 
Linz und Innsbruck, wo er laut des vorhandenen Diploms am 5. August 1735 zum 
Lic. jur. promoviert wurde. Er diente 10 Jahre lang gratis bei dem o. ö. geh. Hof- 
Scretariats-Access, 1745 wurde er Protokollist des geh. Raths mit 500 fl., 1749 
Repräsentations- und Hofkammersecretär mit 600 fl., 1764 Gubernialsecretär mit 
800 fl. Gehalt und 1765 Commerziahath. Am 14. Februar 1746 heiratete er nach 
Erlangung der kirchlichen Dispens die Maria Felicitas v. Payr zum Thurn. Am 
12. December 1754 erlangte er seine Ehitragung in die tirolische Matrikel gegen 
Erlag von 423 fl.; am 15. Juli 1758 das Prädicat „von". Seit 1759 war er alleiniger 
Herr des Fideicommisses Thierburg und Vollandsegg. Seine vorverstorbene Frau 
hinterheß ein Vermögen von nm 7683 fl. 

Karl Joseph v. Weinhart war leidenschaftlicher Kunstliebhaber und hinterließ 
eine höchst wertvolle Sammlung von Gemälden, Kupferstichen und Sculpturen, die 
er in drei FoUobänden, welche noch vorhanden sind, sorgfältig beschrieb. Einige 
Gemälde sind noch im Besitze seiner Descendenten. Seine Söhne haben nicht in 



- 139 — 

allen Pujikten die Traditionen ihrer Voreltern fortgeführt; Franz Xaver gab auf 
Thierburg glänzende Feste und hielt Jagden ab, denen mehrmals auch der Kronprinz 
V. Bayern beiwohnte und die zusammen mit mehreren Unfällen einen guten Theil 
seines Vermögens verschlangen. Beide Briider vertrugen sich über den väterlichen 
Nachlass und lösten das Fideicommiss auf. Franz erhielt die Schlösser Thierburg, 
VoUandsegg und Fritzheim, das halbe Haus und die Mühle zu Fritzens, drei Höfe, 
einen Theil der Grundgilten und die Weingilten in Eppan; den Best der Grundgilten 
und Capitalien erhält Karl v. Weinhart. Über den Erwerb des Hauses m Innsbruck, 
Cat. Nr. 248, ist bereits bei Besprechung der Familie v. Schullern berichtet worden ; 
in wessen Besitz dasselbe bei der Theilung zwischen den Brüdern übergieng, ist 
zwar aus der eben besprochenen Urkunde vom 1. August 1812 nicht zu ersehen, 
es gelangte aber durch Karl v. Weinhart nachmals an Antonie, dessen einzige 
Tochter. Karls Nachlass betrug nur 11.520 fl., der seiner Tochter 33.333 fl. Des 
letzteren Frau Francisca Miller stammte aus einer Familie, die seit Generationen 
stets mit folgendem Wappen siegelte: ein in vier Stücken von silber und roth ge- 
pfählter Schild, darüber ein schwarzer Schrägerechtsbalken, belegt mit einem gol- 
denen, gekrönten, zweischwänzigen Löwen ; auf dem offenen gekrönten Helm zwischen 
offenem Fluge der gekrönte Löwe wachsend (und nach rechts sehend. Dieses Wappen 
wurde von Kaiser Mathias am 2. December 1613 den Brüdern Mathias und Sebastian 
die Müllner bei deren Nobilitierung verliehen (die vidimierte Abschrift des Adels- 
diploraes ist in Händen des Verfassers). Ob Francisca Miller von einem dieser Brüder 
stammt, ist bisher unbekannt geblieben; jedenfalls hat ihr Großvater Urban obiges 
Siegel benützt. Die Familie Miller ist mit dem Haller Bergrathe Alois Miller in den 
Achtzigerjahren erloschen. 

Von den Descendenten des Franz Xaver ist noch Eduard v. Weinhart (f 1891) 
zu nennen, der im Jahre 1848 als Fahnenträger an der Spitze der Wiener aka- 
demischen Legion nach Italien zog. 

Es erübrigt nun noch, von den Ansitzen Thierburg und VoUandsegg zu sprechen 
und auf die großen Weinhartischen Urbarbücher hinzuweisen, welche sich im Besitze 
des Verfassers befinden. Von dem erstem Gegenstand soll bei Darstellung der 
Famihe Burglechner gehandelt werden, da obige Schlösser früher dieser gehört 
haben. 



V. 
DIo Burglechner (Bnrgkhleehner) zu Thierburg und VoUandsegg:. 

Diese Familie*^ stammt aus der Herrschaft Rattenberg und trägt den Namen 
nach dem Burglehenhofe auf dem Zimmermoose , der durch drei Jahrhunderte ihr 
zugehört hatte. Das erste Glied dieser Familie, das eine Erinnerung von sich hinter- 



»•) QueUen: „Neue Zeitschrift des Ferdinan- | der^Oberrealschule zu Innsbruck 1866/67; Dr. J. 

deum- XII, 1849, S. 161. Chmel; „Der österr. ; Egger, „Die ältesten Geschichtsschreiber Tirols"; 

Geschichtsforscher", II. Bd. 1841 : A. Emmert, j „Bote fftr Tirol und Vorarlberg», 1822, S. 240. 
„Burglechner und seine Zeit", Jahresbericht 



— 140 — 

lassen hat, war Martin, dem am 9. Mä^ 1548 von Kaiser Karl V. folgendes 
Wappen verliehen Mrurde: in rothem Schild eine silberne Burg mit vier Zinnen und 
blauem, spitzem Dach ; er war I^ndgerichtsschreiber in Kitzbühel. Sein Neffe war 
Mathias, der ältere, welcher mit vier Brüdern am 13. August 1571 ein Wappen 
und am 6. Februar 1594 von Erzherzog Ferdinand IL den Adelsstand erhielt. Das 
Diplom, von dem der Verfasser eine vidimierte Abschrift besitzt, lautet auf Mathias 
Burglechner, der bereits 15 Jahre als Eath dem Erzherzoge diene und verleiht ihm 
den Adel so, als ob er ihm von vier Ahnen her überkommen wäre. Das alte Wappen 
wird folgendermaßen beschrieben: ein schwarzes Feld, aus dessen Grund eine 
goldene Spitze aufsteht, die sich nach den obern Ecken ausbreitet und in der Spitze 
verläuft, in den schwai-zen Feldern beiderseits je ein goldener Löwe, aufrechtstehend 
mit zurückgeworfenem Schwänze, offenem Maule und ausgeschlagener Zunge, di<* 
Pranken und Tordertheile von einanderkehrend. Auf dem Stechhelme mit schwara- 
gelben Decken und in denselben Farben gewundenem Pausche zwei schwarze Büffel- 
hörner, aus deren Mundlöchern drei grün gespiegelte Pfauenfedern henorsehen. 
dazwischen ein wachsender goldener Löwe, der seine Vorderpranken an die Büffel- 
hörner legt. 

Dieses alte Wappen erhält nun einen freien, offenen. adeUgen Helm und anstatt 
des Bundes eine könighche Krone. Mathias war Kammersecretär des Erzherzogs 
Ferdinand, erhielt 1580 den Rathstitel, im selben Jahre wurde er oberster, tirolischer 
Kammersecretär und endlich Kammerrath. Im Jahre 1571, 29. August vermählte er 
sich mit Katharina, Tochter des Heinrich PoUeiner aus Hötting und der Maria 
Salome Kleinhansin und starb am 7. August 1603.*^) 

Mathias hat in sehr beschränkten Verhältnissen gelebt, so dass er för die Er- 
ziehung seiner Kinder wiederholt die Gnade des Landesfiirsten in Anspruch nehmen 
musste, wie uns dies in der vorhandenen Uteratur niitgetheilt wird, er scheint aber 
eifrig an der Schaffung eines kleinen Vermögens gearbeitet zu haben. 1572 z. B. 
war ihm und seiner Frau ein Haus in der Sillgasse zu Innsbnick grundzinsbar 
(eine darauf bezügliche imd noch vorhandene Pergameuturkunde datiert vom 29. Sep- 
tember), am 3. November 1576 vertauscht das Kloster Frauen-Chiemsee mit ihm 
nomine seiner Frau die auf zwei Häusern in Hötting haftenden Grundzinsen u. s. w. 

Die Kinder des Mathias waren Anna, verehelichte Weinhart (1. Juni 1612), 
Christoph, der es bis zum tirolischen Kammersecretär brachte, Michael und Mathias, 
geb. 1573, der berühmte, tirolische Geschichtsschreiber. Der letztere studierte mit 
Hilfe der ihm von der Regierung zweimal gewährten, finanziellen Unterstützung, 
wurde Dr. jur., diente zunächst bei der Reichsprocuratur zu Speier, wurde 1598 
siebenter tirolischer Kammerrath und veröB'entlichte seinen Thesaurus historiarum. 
Für seine Verdienste, insbesondere aus Anlass der mit Venedig über die Berichtigung 
der Grenze gepflogenen Verhandlungen erhielt er eine goldene Kette, am 6. Jmii 
1612 wurde er Kanzler und bald darauf Kanunerpräsident, auch erhielt er die Rechts- 
pflege von Freundsberg und Schwaz sammt allen Hoheiten, Rechten, Renten, Zinsen 



") Wappen der PoUeiner: drei rothe Kugeln 
(2, 1) in Silber, Stechhelm mit roth-silbemen 



Mann mit roth-silberner Kleidung, der in der 
Linken ein silbernes Sohwert, in der Rechten 



Decken und Wulst, als Kleinod ein wachsender i eine rothe Kugel halt. 



— 141 — 

and Einkünften. Nachdem er mit seinen Brtldern lOUö (15. Februar) durch Erz- 
herzog Maximilian und einen Ausschuss der tirolischen Landschaft die Eintragung 
in die Adelsraatrikel erreicht hatte, suchte er Grundbesitz zu erwerben und kaufte 
das landesflirstliche Fischerhäuslein auf der Ulfiswiese bei Innsbruck und 1605 von 
seinen Schwägern die adeligen Ansitze Thierburg und Vollandsegg. Die betreffende 
Urkunde (deren Original im Besitze des Verfassers ist), trägt das Wappen der Botsch 
V. Zwingenburg: 




Thierburg war im Gnadenwalde bei Hall an Stelle eines dem Hans Ökher. 
dann dem Pankratz Kripp gehörigen Hauses nach Erwerbung des Ginindes durch 
die Brüder Peter und Anton Rumml von Lichtenau durch Peter, tirolischen Kammer- 
präsidenten, 1488 erbaut worden. Der Erbauer erhielt das Becht, das Prädicat v. 
Thierburg zu führen, sowie auch allen späteren Inhabern des Schlosses dieselbe 
Befiignis zukommen sollte. Bummls Schwiegersohn Blasius Hölzl, o. ö. ßegiments- 
rath und Pfleger zu Velleberg, folgte im Besitze, von ihm gieng es auf seinen 
S(^hwiegersohn Wolfgang Volland, kais. Eath, Pfleger zu Velleberg, obersten Hof- 
secretär und Kämmerer über. Dessen Eechtsnachfolgerin war seine Tochter Elisabeth, 
Frau des Christoph Botsch v. Zwingenburg, Auer und Gayen, Erbtruchsessen von 
Tirol, eines Sohnes von Valtin Botsch und der Eegina v. Brandis. Von ihr gieng das 
Schloss auf die Söhne Hans Ulrich und Gaudenz über, die es an ihren Schwager 
Mathias Burglechner, Gatten ihrer am 23. April 1575 geborenen und von Kaspar 
Zoller von Zollet-shausen verwitweten Schwester Katharina verkauften. Vollandsegg. 
war von Wolfgang Volland 1540 erbaut worden und nahm denselben Weg wie 
Thierburg. (Die Obergangsurkunden sind fast ausnahmslos im Besitze des Verfassers.) 
Die Kapelle von Thierburg war 1514 erbaut und geweiht worden und erhielt 1612 
eine Messenstiftung durch Mathias Burglechner. 



— 142 — 

Am 18. April 1614 gewährte Erzherzog Maximilian dem Mathias Bm^glechner 
zu Thierburg und Voliandsegg, seinem Eath und Kammerpräsidenten der o. ö. Lande, 
ü. J. Dr. ftlr sich und seine Erben zu den adehgen Ansitzen Thierburg und Vollands- 
egg und dem Maierhofe Fritzens die Freiheit des Eeisgejaids, Federspills und der 
Fischwaid, die diesen Schlössern von Altersher zugestanden war. 

Burglechner hatte im Jahre 1619 sein neues historisches Werk: „Tiroler 
Adler", das seinen Euhm begründete, zum großen Theile vollendet, arbeitete aber 
auch in der Folgezeit noch immer eifrig an demselben; er starb in der vollen Gunst 
des Landesfürsten und in eifriger Thätigkeit flir das Wohl der Heimat am 7. Sep- 
tember 1642 mit Hinterlassung dreier Söhne, von denen Jakob 1651 die Schlösser 
Thierburg und VoUandsegg an Hans Perkhofer in Schwaz verkaufte. 

Von Hans Perkhofer giengen dieselben an die Weinhart über; später (nach 
mehr als 170 Jahren) gelangten Thierburg und VoUandsegg an die Wenzel von 
Sternbach.*®) 

Am 2. April 1739 wiesen sich die Brüder Joseph, Anton, Johann und Joseph 
Heinrich als Abkömmlinge des Christoph Burglechner aus und wurden neuerdings 
der tirolischen Adelsmatrikel zugeschrieben; Anton war Priester und zwar wahr- 
scheinlich Pfarrer von Axams und starb" 1758; von ihm stammen fromme Stiftungen 
fiir Schwaz, St. Georgenberg und Ficht. 

Das Geschlecht soll mit Ignaz, Chorherrn zu Wilten, einem namhaften Mathe- 
matiker, 1797 erloschen sein. 

Da dem Verfasser Urkunden über andere Mitglieder der Familie außer Mathias 
dem altern und jungem nicht zur Verfügung stehen, begnügt er sich mit diesen 
sunuuarischen Angaben. 



VI. 
Die Edeln t. Payr zum Thurn In Palbyth, Ritter. 

Nicht das ganze, überaus weit verzweigte Geschlecht der Payr zum Thurn 
soll hier zur Darstellung gelangen (s. hierüber: Geneal. Taschenbuch der adeligen 
Häuser, XVI. Jahrg. 1891), sondern nur der Zweig, welcher 1755 den Bitterstand 
und gleichzeitig durch die Vessmayr v. Weyerburg und Palbyth das Prädicat nach 
dpm letzteren Ansitze erlangte; nur über diesen Zweig nämlich befinden sich Ur- 
kunden im Besitze des Verfassers. 

Vor allem andern sei hier die Stanmitafel eingeschaltet. 



«*) Staffier, „Tirol und Vorarlberg", IL Th., 1. Bd. gibt hier zum Theile unrichtige Daten. 



— 143 — 



Ulrich Payr, geb. 1482 zu Freisinn, kommt als Schreiber Veits y. Wächingen, Gerich tsherm und 
Pflegers auf Schloss Sigmnndsr ied, mu)h Bied in Tirol 

Ruprecht, Bichter zu Landegg, erhalt 1544 ein Wappen. 

Peter, Bichter zu Landegg, 1563. 



Peter, 
Bichter zu Landegg, 1592. 

Georg, verm. mit Katharina 
Morizin. 

Friedrich zu Bied, Wilhelm 
yerm. mit Euphro- zu Pfundts, 
sina Boschmann f- 



Georg, 
yerm. 1. mit Kunigimde y. Wahl in Prutz, 2. mit £ya Wein- 

anglin aus Lande^g. 
Seine Nachkommenschaft bleibt hier außer Betracht, nur sei be- 
merkt, dass dessen Söhnen und den Brüdern Friedrich und 
Wilhelm in Bied das Weinanglische Wappen zu ihrem bisheri- 
gen (1605) yerliehen worden ist. Nähere Daten hierüber mögen 
im Taschenbuche der adeligen Hauser eingesehen werden. 



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Friedrich (Georgs Stiefbruder), 
Pfleger und Gerichtsschreiber zu Imst, Freisass seit 1651, 
t 1662, yerm. mit Dorothea Linser, t ^ot 1655 (ihi:e Mutter 
war wahrscheinlich Maria Schlatter , welche als Ändl der 
Kinder Friedrichs genannt wird. Der Vater hieß Hans und war 
Handelsmann und Gastgeber in Landegg, f 1655; dessen Yer- 
mögensyertheilung (über 63.295 fl.) im besitze des Verfassers, 
der Erbtheil der Tochter Dorothea resp. ihrer nachgelassenen 
Kinder betrug 6493 fl. 



Johann Franz Friedrich, o. ö. Hofkammer-Secretär, geb. 1650, 

t 10. März 1719, yerm. mit Anna Weinhart zu Thierburg und 

Vollandsegg, f am 11. Juni 1717. 



Maria Elisabeth, yerm. mit 

Bemhart Beinhart, J. ü. Dr. 

0. Ö. Begiments-Adyocaten. 






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Franz Friedrich, t lö. August 

Ottilie. 1803, Prof. jur. publ. et feud. in 

Innsbruck, jub. o. ö. Landralh, 

yerm. mit Anna Vischer y. Bosen- 

burg, 1 1796. 

Ursula Ottilia Aloisia t Franz Friedrich f- 



Maria Felicitas, 
geb. 20. August 1717, 
1784, yerm. mit Karl 
Josef y. Weinhart. 



Maria Margarethe, 
yerm. mit Johann 
Felix y. Spergser. 



Die Freisassendiplome der Payr datieren vom 3. Oetober 1634 (fllr Georg) und 
18. August 1651 (ftlr Friedrich), der Wappenbrief vom 15. Juli 1544, die Wappen- 
besserung vom 17. Februar 1605, der Adel (flir Christoph) von 1631, die Eintra- 
gung in die Adelsmatrikel für den Vicekanzler Jakob Payr von 1678 (nur seine und 
die Descendenz des Christoph Payr sind immatriculiert). „Der feste hoehgeaehte 
Herr Friedrieh Payi% im Leben gewester Freisass und Gerichtschreiber der Herr- 
schaft Imst" hinterließ seinen zwei Kindern ein Vermögen von 20.240 fl., wovon 
1069 fl. auf Grundgilten in der Herrschaft Imst entfallen; sonstige hegende Güter 
besaß er nicht; der weitaus größte Theil der Habe bestand in Forderungen. Sein 
Sohn, der wohledl gebohrene Herr Franz Friedrich Payr zum Thurn, Hofkammer- 
secretär, hinterließ zusammen mit seiner Frau (unter den brief üchen Gerechtigkeiten 
erscheint der Payrische „Freyheit AVappen und Epitaphij Verleihungsbrief'*) den von 
letzterer überkommenen Hof zu Natters (4125 fl.), im ganzen Realitäten im Schätz- 



144 — 



werte von 7064 fl., Gnindgilten per 1543 fl.; Barschaft in Gold per 776 fl., in 
Silber 598 fl., in Hilbergesehmeide 870 fl., in luigesehnittenem Tuch, Garn und 
Flachs 274 fl., in Forderungen 25.040 fl., zusammen 36.809 fl., wovon 14.699 fl. 
auf das „Zue- und Eingebrachte" der Frau entfallen; davon kommen Schulden im 
Betrage von 1111 fl. in Abzug; vom Reste erhielten die zwei weltlichen Söhne 
zusammen im voraus 7200 fl., der Best wurde zu gleichen Theilen getheilt, nachdem 
noch 612 fl. aus dem mütterlichen Vermögen an die Töchter und für fromme 
Legate vertheilt worden waren. 

Franz Friedrichs Sohn, der hochedelgebohrene Herr Franz Friedrich Edler v. 
Payr zum Thurn in Palbyth (des h. E. Reichs ?) Ritter und gewesener Med. Dr., 
auch Professor „bey löblicher Universität zu Innsbruck", hinterließ ein reines Ver- 
mögen von 24.146 fl., darunter die Hälfte des nunmehr von Schullernischen Hauses 
zu Innsbruck (die andere Hälfte gehörte seinem Bruder) mit 4000 fl., einen Hof zu 
Mutters mit 3650 fl., an Realitäten im ganzen 8800 fl., an Forderungen 13.452 fl. 
Er hatte zusammen mit seinem Bruder im Jahre 1754 fftr sich und seine An- 
gehörigen laut Sepulturs- Verleihung vom 22. März d. J. ein Grabgewölbe in der 
St. JaJcobs-Pfarrkirche m Innsbruck erworben; am 15. Jänner 1755 waren die 
Brüder unter Bezugnahme auf den dem Christoph Payr, LÄudschreiber an der'Etsch, 
1631 verhehenen Adelsstand (Christoph hatte übrigens einer andern Linie angehört) 
von Kaiserin Maria Theresia in den Rittei*stand erhoben und mit dem Prädicate 
„in Palbith" (Palbith ist ein kleiner Ansitz bei Brixen) begnadet worden ; damit war 
natürlich auch die Verleihung eines zweiten Helmes auf dem Wappenschilde gegeben. 

Franz Friedrichs Witwe, die hochedelgebohme Frau Maria Ottilie Vessmayr 
zu Weyerburg und „Balbith" hinterUeß den Piterschellhof zu Brixen per 4000 fl., 
an Frauenzierden 433 fl., an Silbergeschmeide 532 fl., im ganzen 5470 fl. 

Obigen Franz Friedrichs gleichnamiger Sohn diente unter dem Burgauischen 
Ijandvogt Freiherm v. Ramschwag, las dann längere Zeit an der Universität in Inns- 
bruck und wurde mit Rescript vom 20. December 1749 zum Professor Juris publici 
Romano-Germanici, naturae ac gentium et historiae (lermaniae mit einem Gehalte 
von jährlich 900 fl. ernannt. Er hinterheß bei seinem Tode den adeligen Ansitz 
Waidburg zu Natters im Werte von 14.500 fl., welchen er dem Johann v. Leiß 
legiert hatte, das Bergwerk in Feigenstein (10/18tel) mit 5745 fl., im ganzen ein 
reines Vermögen von 19.419 fl.; davon erhielt ein Drittel der Legatar Johann v. 
Leiß-Iiaimburg, landschäfllicher Secretär, den Rest die Erben Franz Xaver imd 
Karl V. Weinhart. 

Damit nahm die fllr uns in Betracht kommende Linie der Payr ihr Ende.**) 
Es sei schließlich nur noch bemerkt, dass der Thurn, nach dem sich die Famihe 
nannte (als erster mit dieser Bezeichnung erscheint Franz Friedrich, Sohn des 
Friedrich), in Pnitz lag und vorher der Familie von Wahl gehört hatte ; eine andere 
Linie der Familie besaß den Thurm in Eppan, eine andere den von Wilhelm Payr 



'*) Die genealogischen Daten stammen, so- 
weit sie die Generationen von Friedrich herab 
betreffen, aus im Besitze des Verfassers be- 
findlichen Urkunden , für die spätere Zeit aus 



einer Ton Dr. Abraham Stöckl, gewesenem 
Pfleger zu Landegg, und Franz Anton Payr, 
Freisassen zum Thurn in Prutz an der Hand 
von Urkunden ausgefertigten Stammbaumrollo. 



— 146 — 

erbauten Thurm in Eied, Eiedegg genannt. Das Wappen der Payr ist geviertet: 
1 und 4 getheilt, silber über schwarz, belegt mit einem springenden Eoss in ge- 
wechselten Farben, 2 und 3 in gold auf grünem Dreiberge ein schwarzer Hahn mit 
rothem Kamm und Bart, geöfiheten Fltigehi und erhobener rechter Kralle; Kleinod 
ein wachsendes schwarzes Pferd, Decken schwarz-silber und schwarz-gold. Das 
ritterliche Wappen zeigt auf dem ersten Helme einen wachsenden, schwarzen Adler, 
auf dem zweiten ein silbernes Pferd, wachsend zwischen silber und schwarz ge- 
theilten Böflfelhömern.^) 



Damit sei diese Skizze zum Abschlüsse gebracht, von der der Verfasser hofft, 
dass sie einen Einblick in die Lebensverhältnisse einer Bevölkerungsciasse geben 
werde, die bisher ebenso vom wirtschaftlichen, als auch vom genealogischen Stand- 
punkte aus wenig Berücksichtigung gefunden hat, einer Bevölkerungsciasse, deren 
Verfall mit zu den Phänomenen gehört, die den großen socialen Umwandlungsprocess 
der Gegenwart charakterisieren. 



**) Die Familie v. Yeßmair zu Weyrburg 
und Palbith erhielt mit Nikolaus am 18. Juni 
1536 einen im Originale vorhandenen Wappen- 
brief; das Wappen zeigt eine silberne Lilie in 
einem von roth und blau gespaltenen Schilde; 
der Stecfahelm mit blau-rothem Wulst und 
Decken tragt einen blau-roth gespaltenen, ein- 
fachen Flug, belegt mit der silbernen Lilie. 
Peter wurde mit einem gleichfalls vorhandenen 
Diplom vom 9. August 1644 von Kaiser Fer- 
dinand m. zum kaiserlichen Diener ernannt. 
Mit Diplom vom 5. Mai 1653 wurde Peter 



Veßmajr, Steuereinnehmer der tirolischen Land- 
schaft im Burggrafenamte und im Viertel 
Vintschgau in den Dienst des Erzherzogs Fer- 
dinand Karl aufgenommen. Johann Veßmayr, 
hochfürstlich Brixnerischer Hofjunker und 
Pfleger in Liesen, wurde als (gesandter des 
Bischofs von Brizen nach Regensburg gesendet 
und erhielt daselbst von Kaiser Ferdinand III. 
mit seinen Brüdern Peter und Michael den 
Adelstand mit dem Prädicate ^von Weyerburg" 
und seine Ernennung zum kais. Diener 81. De- 
cember 1652. Die Stammtafel der Yeßmayr ht 
folgende: 
Erhart, Bürger zu Hall, t löOO. 



Jakob, Bürger zu Hall, f 15^- 

Nikolaus, Bürger zu Sterzing. 

Marx, verm. mit Maria Gasserin. 



Hans, verm. mit Maria Wenzlin. 



Hans, 1671 verm. mit Anna, Tochter des Balthasar Hueber zu Peter. Michael. 

Seeburg und der Anna Gugler (Balthasar Hubers und Adam 

Guglers, des Vaters der Anna, Verlassacten sind erhalten). 



Maria 

Anna, 

t 



Francisca, 
t. 



Felicitas, verm. mit 
Johann Josef v. 
Troyer von Auf- 
kirchen. 



Katharina, verm. mit 
Franz v. Lewenegg, 
Brizener Advocaten. 



Christine Ottilie, 

verm. mit Franz 

Friedrich v. Payr 

zum Thum. 



Das adelige Wappen der Yel^mair zeigt in 
1 und 4 einen schwarzen Adler in QoXd, in 2 
und 3 in Blau eine silberne Lilie, im silbernen 



Anna 

Margarethe, 

verm. mit 

Job. Michael 

V. Payr zum 

Thum. 

Herzschilde ein rothes Burgunderkreuz, als 
Helmkleinod einen schwarzen Adler mit der 
Lilie auf der Brust. 



10 



Die StellDDg des niederen Adels in Böhmen gegenfiber 

dem Bfirgerstande 

während des 14., 15. und 16. Jahrlranderts. 

Von 

.A.. F. leitter Troa Sclileolita-"^^rBBelirdL. 



Häufig begegnet man der Vorstellung, dass der niedere Adel oder der soge- 
nannte Eitterstand im Mittelalter eine vom Börgerstande gänzlich abgeschlossene, mit 
diesem in keiner oder geringer gesellschaftlicher Fühlung stehende Kaste war. Diese 
Ansicht ist auch in gewisser Beziehung historisch begründet, wenn man den niederen 
Adel Deutschlands oder Prankreichs vor Augen hat, obgleich auclr hier das Patriciat 
der Reichsstädte eine dem Ansehen des Adels nahe kommende Ausnahmsstellung 
eingenommen hat. In Böhmen dagegen lernen wir, je klarer man durch die fort- 
schreitende historische Forschung die mittelalterlichen socialen und politischen Zu- 
stände dieses Landes beurtheilen kann, vielfach andere Verhältnisse kennen. 

Die Adelsmstitutionen in Deutschland blieben zwar nicht ohne Einfluss auf die 
Entwicklung des Adels in Böhmen, aber dieser Einfluss war bloß beim Herrenstande 
gleich vom Anfange an ein bestimmender und dauernder, der niedere Adel musste 
erst verschiedene, hinsichtlich seiner Zusammensetzung und Rechtsstellung von ein- 
ander oft abweichende Entwicklungsphasen durchmachen, bevor er am Ende des 
If). Jahrhunderts (also Jahrhunderte später als der niedere Adel in Deutschland) zu 
einem von dem Bürgerstande in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht vollends 
abgeschlossenen Ritterstande umgestaltet wurde. 

Die Anfinge des niederen Adels in Böhmen fallen in das Ende des 11. und 
Beginn des 12. Jahrhunderts. Er recrutierte sich damals aus den vermögenden 
freien Grundbesitzern des LÄudes, während die Eigenthümer der großen LÄtifundien 
und die Inhaber hoher Ämter den hohen Adel bildeten. Über die Ursachen, welche 
zu seiner Entstehung flihrten, habe ich mich in meiner Studie: „Die Entwicklung 
des böhmischen Adels" ^) ausführlicher verbreitet; ich würde mich zu sehr von dem 



') Österr.-ungar. Revue, Jabrg. 1891 u. 1892. 



— 147 — 

Gegenstände der vorliegenden Arbeit entfernen, wenn sie hier neuerlich erörtert 
werden sollten. Welches Ausmaß von Grundbesitz erfor/ierlich war, um als adelig 
anzusehender Grundeigenthümer von dem bloß gemeinfreien Landwirte unterschieden 
zu werden, ist schwer zu bestimmen. Der Besitz musste wahrscheinlich so groß sein, 
dass sein Ertrag die Bebauung durch Hörige ermöglichte. 

Eepräsentiert wurde der niedere Adel zunächst durch die als Wladyken be- 
zeichneten Häupter der in Gütergemeinschaft lebenden grundbesitzenden Geschlechter. 
Darauf dürfte auch seine Bezeichnung als Wladykenstand zurückzuftihren sein. 

Das Bitter- und Lehenswesen, welches im 12. Jahrhunderte in Böhmen Ein- 
gang fand und im Zeitalter der beiden Ottokare zur größten Blüte gelangte, bedmgte 
die erste Reform des Wladykenstandes. Der ritterliche Beruf, der Reiter- und Knappen- 
dienst wurde eine neue Stufenleiter zum niederen Adel. Die reichen Barone belehnten 
ihre Reisigen mit Dörfern und Höfen und erhoben sie dadurch zu Wladyken. Zahl- 
reiche gemeinfreie Grundbesitzer zogen den als vornehm geltenden Dienst zn Ross, 
mit Panzer und Schild, dem Kriegsdienste als Fußsoldaten vor, und um dies zu er- 
möglichen und der Patronanz mächtiger Herren theilhaftig zu werden, trugen sie 
den letzteren ihre kleinen Allodgüter als Lehen an. 

Dadurch wuchs die Zahl der Wladykenfamilien immer mehr und mehr, das 
Ansehen des Standes sank aber im gleichen Maße. Denn die Mehrheit seiner Mit- 
glieder stand in einem Abhängigkeitsverhältnisse zum Herrenstande. Die Wladyken 
waren überdies ohne Ausnahme den Provinzämtern unterworfen, die zumeist im Be- 
sitze der Herren waren. 

Die Barone wurden dadurch der ausschUeßlieh herrschende Stand im Lande 
und ihre Übermacht bedrohte die Krone. 

König Wenzel und sein Sohn Ottokar IT. suchten in dieser Gefahr Stütze in 
dem Bürgerstande, den sie ins Leben riefen, und in dem niederen Adel, den sie 
durch Schenkungen, durch Eximierungen von der Gerichtsbarkeit der Provinzämter, 
sowie durch Verleihung solcher Ämter zur größeren Selbständigkeit und zur Dank- 
barkeit gegen den König verpflichten wollten. 

Zahlreiche Mitglieder des Wladykenstandes gelangen auf diese Weise zu 
größerem Besitze und Emflusse und werden die eigentlichen Repräsentanten des 
niederen Adels. Ihre Reihen werden durch Sprossen alter Herrengeschlechter, welche 
nicht mehr über große Latifundien und hohe Ämter verfügten, und daher aus dem 
Herrenstande in den Ritterstand herabsanken, vermehrt, während die große Masse 
der Ministerialen gegenüber den reicheren Wladyken an Bedeutung und Ansehen 
verliert und vom Schauplatze der vornehmen Welt allmähhch verschwindet. Der 
Wladykenstand tritt infolge dessen selbständiger auf und sucht sich von der Ober- 
herrschaft des Herrenstandes zu emancipieren und findet in der Krone einen Förderer 
dieser Bestrebungen, in dem Bürgerstande einen gleiche Interessen verfolgenden 
Bundesgenossen. Dies führt den Ritterstand zu freundschaftlichen Beziehungen zum 
Bürgerstande, welche ihrerseits eine politische Gegnerschaft und gegenseitige gesell- 
schaftliche Abgrenzung dieser beiden Stände vorläufig verhinderten. 

Den Königen aus dem Hause Luxenburg drohte von dem Einflüsse und dem 
tbermuthe der Herren dieselbe Gefahr wie den Przemysliden. In ihrem Interesse 
lag es daher, das Ansehen der beiden anderen Stände des Landes, der Ritterschaft 

10» 



— 148 - 

und des Btirgerstandes zu heben, um in ihnen der Macht der Barone ein Gleich- 
gewicht zu bieten. \ 

Das Ansehen des Bitterstandes litt durch die noch immer sehr bedeutende 
Anzahl der zu ilmi zählenden, vom Herrenstande abhängigen Ministerialen. Die 
fileichstellung solcher dienstbarer Edelleute mit den nach größerer Selbständigkeit 
des Standes strebenden reicheren Wladyken konnte weder den letzteren noch auch 
der Krone selbst angenehm sein. Daher bestimmt auch ein Artikel der allerdings 
niemals Gesetz gewordenen Majestas Carolina, dass den königlichen Dienstleuten, 
welche sich mit ihren Gütern zu Wladyken erheben wollen, dies verwehrt werden 
solle. Nur wer durch sieben adeUge Zeugen nachweise, dass bereits seine Eltern und 
Vorfahren Wladyken waren, sollte Wladyke bleiben und als solcher angesehen 
werden. •) 

Diese Bestimmung betraf allerdings nur die königlichen Dienstleute, aber 
sie musste selbstyerständlich auch eine analoge Anwendung finden auf die Dienst- 
leute oder Ministerialen der Barone. Sie bedeutete eben den Bruch mit einem bis- 
herigen Grundsatze, die Signatur einer neuen Entwicklungsphase, in welche der 
niedere Adel getreten ist, seinen Übergang aus dem Berufs stände der Eeisigen und 
Knappen zu einem geschlechtsmäßigen Ritterstunde. 

Die damals erfolgte Einflihrung der Adels- oder Wappenbriefe ist entweder 
schon eine Folge oder mit eine Ursache dieser neuerlichen Standesreform. Während 
des 13. Jahrhunderts zählte jeder zum niederen Adel, der ritterlichen Benif fQhrte, 
Reiter- und Knappendienst leistete und über einen, wenn auch lehensrechtlich oder 
sonstwie gebundenen Grundbesitz mit auf demselben lebenden ünterthanen 
herrschte. Aber er trat auch aus diesem Stande filr immer hemus, wenn er seinen 
Beruf änderte, seinen Besitz und die Unterlagen flir eine ritterliche Lebensweise ver- 
loren hatte. Anders zur Zeit der Majestas Carolina. Der ritterliche Beruf, der Grund- 
besitz hörten auf, ein ausschließliches Kriterium der Adelseigenschaft zu sein, sie 
eröffneten nicht einmal den königlichen Dienstleuten den Weg zum Adel. Nur wer 
schon adeligen Herkommens, „zu Schild und Helm geboren" war, oder wer mit 
einem königlichen Adels-, beziehentlich Wappenbriefe begnadigt wurde, galt als ein 
Mitglied des Wladykenstandes , und er hörte auch nicht auf, adelig zu sein, wenn 
er seinen Besitz verlor und den ritterlichen Beruf aufgab, weil eben die Rechtstitel 
seiner Adelsprävalierung, die adelige Herkunft und der dieVerleihung des Wappens, 
des Symbols (znameni) des Ritterstandes, bedingungslos decretierende Adelsbrief fort- 
wirkten , ohne Rücksicht auf die zufalligen Besitz- und Berufsverhältnisse des Adels- 
probanten, beziehungsweise Erwerber und seiner Nachkommen. 

Soweit vollzieht sich die Entwicklung des niederen Adels in Böhmen conform 
mit jener in Deutschland. Auch hier entwickelt sich, wenn auch fast ein Jahrhundert 
früher, der geschlecht^mäßige Ritterstand aus einem ursprünglichen Berufsstande- 
Während jedoch beim deutschen Ritterstande gleich vom Beginne dieser Reorgani- 
sierung das Princip der Ebenbürtigkeit feste Wurzel fasste und die vollständige Ab- 
grenzung dieses Standes gegenüber dem Bürgerstande bewirkte, befand sich der 
Ritterstand in Böhmen selbst nach seiner Umgestaltnng zu einem geschleehtsmäßigeii 



*) Jireöek, Codex iuris Boh. II, 2—162. 



— 149 — 

Stande zu der Bürgerschaft dieses Ijandes weder in gesellschaftlicher noch auch in 
politischer Beziehung in einem offenbaren Gegensatze. 

Der Btirger galt zwar bereits im Beginne des 14. Jahrhunderts als dem Wla- 
dyken nicht ebenbürtig (niisi v urozeni), aber es war dies mehr ein Rechtsgrund- 
satz, der bloß bei dem ausschließlieh aus HerrenstandsmitgUedern zusammengesetzten 
Liandrechte Anwendung fand.^) Die allgemeine Anerkennung innerhalb des Wladyken- 
standes selbst gieng ihm ab. 

Beweis dessen sind die Thatsachen, dass zahlreiche Wladyken Töchter schlichter 
Bürger zu Gattinnen erwählten, das Bürgerrecht in königlichen Städten erwarben, 
sich selbst neben ihrem Rittertitel als Bürger solcher Städte bezeichneten, städtische 
Würden und Ämter bekleideten, ja selbst bürgerUche Handwerke betrieben, ohne 
dadurch ihrer Adelsberechtigung Abbruch zu thun. 

Die Aufrechterhaltung solcher freundschaftlicher Beziehungen zum Bürgerstande 
war bedingt von der damaligen Rechtsstellung des Ritterstandes sowohl gegenüber 
der Krone, wie auch gegenüber dem Herrenstande. Der Ritterstand war der Krone, 
der er ebenso wie dem Bürgerstande sein Aufblühen verdankte, unterworfen; die 
Herren dagegen betrachteten sich nicht als Unterthanen des Königs, sie sahen in 
ihm bloß den primus inter pares. Nicht so — wie gesagt — der Ritterstand. Jeder, 
der vom Könige mit einem Adelswappen begnadigt wurde, ward dadurch ipso facto 
MitgUed des Standes. Erst im 16. Jahrhundert maßte sich der Ritterstand, wie noch 
später bewiesen werden wird, nach dem Vorbilde des Herrenstandes das Aufnahms- 
recht neuer MitgUeder an. Früher war die Adelserhebung ein unbeschränktes Hoheits- 
recht der Krone, und darin liegt zugleich der Beweis der unmittelbaren Abhängigkeit 
der Ritterschaft vom Könige. Und ebenso wie der König der gemeinsame Oberherr 
der Ritterschaft und der Städte ist — mag auch das ünterthänigkeitsverhältnis der 
letzteren zur Krone in einem höheren Maße von Abhängigkeit bestanden haben — 
so war auch der Herrenstand der gemeinsame Gegner dieser beiden anderen Stände, 
insofern derselbe im ausschließlichen Besitze der hohen Landesstellen und Ämter 
war, und dem Streben der Ritterschaft und des Btirgerstandes nach einer Antheil- 
nahme an der Verwaltung und Regierung des Ijandes erfolgreichen Widerstand ent- 
gegensetzte. 

Beim Landrechte, welches das erste Justizamt im Lande und in gewisser Be- 
ziehung zugleich die oberste politische Landesstelle war, wurde nur von Mitgliedern 
des Herrenstandes Recht gesproc?hen, da die zwölf Beisitzer desselben (Kmeti) bloß 
alten Geschlechtern des Herrenstandes entnommen werden durften. Die Entschei- 
dungen des Landrechtes wurden in die Landtafel eingetragen und galten im allge- 
meinen als verbindUche Normen. Nur die Mitglieder des Herrenstandes waren den- 
selben nicht unterworfen und wurden gegebenenfalls nicht auf Grundlage dieser 
Entscheidungen, sondern nach dem jeweiligen Ermessen der Landrechtsbeisitzer ge- 
richtet. ^) Erst der Hussitenkrieg machte der Hegemonie des Herrenstandes ein Ende. 

Die glänzenden Siege der unter 2i/ka und Prokop vereinigten Städte verschafilen 



*) 6äd semsköho pr&va (böhm. Landrecht), S. 25 (abgedruckt in Dr. Jiredeks ^STod i&konft 
slovansk^ch*', pag. 608^629). 
*) Archiv öesk^ V, 368. 



— 150 — 

dem bürgerlichen Elemente das l'bergewieht im I-Ände. Zahlreiche Wladyken ver- 
lassen ihre ländlichen Sitze und Vesten, die ihnen bei den herrschenden Kriegs- 
stürmen keine Sicherheit boten, siedeln sich in königlichen Städten an, versehen 
hier städtische Würden und Ämter und bilden so mit den vermögenden, erbgesessenen 
Btirgergeschlechterii eine Art Patriciat, dessen adelige Mitglieder ihre bürgerliche 
Stellung, in der sie dominieilen, höher a<*hteten als ihre adelige Herkunft. Unter 
solchen Umständen kann es auch nicht befremden, wenn sich selbst Mitglieder des 
Hen*enstandes dem Bürgerstande freundschaftlich näherten und Töchter angesehener 
Bürger als Gattinnen heimführten. (So war eine Enkelin des bekannten Gründers der 
Bethlehem-Kapelle, Kfiz, Namens Aima, mit Ulrich Medek v. Waldek, eine Tochter 
des Apothekers Ludwig [Lqjsaj mit dem königl. Procurator Cen6k von KUenstein 
vermählt.) Sie führen daher nur höchst selten ihre Adelsnamen, sondern bezeichnen 
sich und werden mit Vorliebe als Bürger und nach ihrem bürgerlichen Berufe und 
Handwerke, dem sie sich widmeten, benannt. Aus diesem Grunde beginnen sich die 
Prager und die Bürgermeister und Consulen der anderen großen Städte in öffent- 
lichen Urkunden vor den Wladyken , ja selbst vor den Mitghedern des Herren- 
standes zu nennen, um so ihre führende Stellung zu documentieren. 

Die Spaltung im hussitischen Lager hatte allerdings eine baldige Änderung 
dieser dem Bürgerstande so günstigen Verhältnisse zur Folge. Das wüste Treiben 
der Taboriten zwang die gemäßigten Utratjuisten , die henorragendsten königlichen 
Städte zu einem Bündnisse mit dem Herrenstande und dem niederen Landadel. 

Der Sieg bei Lipan (30. Mai 1434) entschied das Schicksal der Taboriten. 
Mit ihnen sank auch der gefährlichste Feind des Herrenstandes, der nun allmählich 
wieder die Vorherrschaft im liande anstrebt. Er begegnete jedoch bei solchem Vor- 
haben einem energischen Widerstände des Bitter- und Bürger^tundes, welche für die 
Hilfeleistung im siegreich beendigten Kriege auch eine Antheilnahme an der Regie- 
rung verlangten. Der Herrenstand konnte den Kampf gegen diese beiden Stände 
nicht aufnehmen, war aber andererseits nicht geneigt, von seinen vermeintlichen 
Vorrechten abzulassen. Schließlich wählte er von zwei Übeln das kleinere, indem er 
sich den Wünschen des Wladykenstandes fügte, der ihm in gesellschaftlicher Hin- 
sicht immerhin näher stand, als der Bürgerstand. Zudem war der ärmere Wladyken- 
adel während des langen Hussitenkrieges größtentheils vom Schauplatze verschwunden. 
Die übrig bleibenden Wladyken hatten sich auf Kosten der Klöster, deren Besitzungen 
ihnen verpfändet waren, bereichert, und geboten so über größere Machtmittel. Auf 
Grund eines königlichen Schiedsspruches, dem sich Herren und Wladyken unter- 
warfen , wurde im Jahre 1437 , vorläufig allerdings provisorisch . der Streit dieser 
beiden Stände beigelegt und für die gegenseitigen Beziehungen derselben ein neues 
Eechtsverhältnis geschaffen. 

Die drei höchsten Landesämter: das Oberstkämmerer-, Oberstlandrichter- und 
Oberstlandschreiberamt wurden derartig auf die beiden adeligen Stände vertheilt, 
dass die zwei ersteren dem Herrenstande, das Oberstlandschreiberanit aber den 
Wladyken vorbehalten wurde. Bei dem vielumstrittenen Landrechte sollten von nun 
an zwölf Herren und acht Wladyken sitzen, und die Beschlüsse des Landrechtes filr 
beide Stände gleich bindend sein. 



— 151 — 

Seit dieser Zeit beginnt der Herrenstand die Eitterschaft fiir seine Interessen 
zu gewinnen, ihr Ansehen durch willkürliche Beschlüsse des Landrechtes, in welchen 
ihre Superiorität über den Bürgerstand und ihre Unabhängigkeit von der Krone zum 
Ausdrucke gebracht wurde, zn fördern und so den großen Eechtsstreit mit dem 
Bürgerstande vorzubereiten, der mit einem vollständigen Siege der verbündeten 
Adelsstände endete. Die in Städten ansässigen, dort zur fllhrenden Bürgerschaft 
zählenden Wladyken finden wir beim Ausbruche dieses Rechtsstreites auf Seite der 
Städte. Gegen sie kehrt sich daher auch die Feindschaft der anders denkenden 
Standesgenossen. Dadurch in ihren adeligen Eechten gefährdet, kehren dann solche 
bürgerlich gewordene Wladyken wieder zu ihren alten Adelsatributen zurück, und 
wie mit einem Schlage beginnen sich alle diese Familien wieder ihrer adeligen 
Prädicate zu bedienen, die sie früher im Hinblicke auf ihre ansehnlichere bürger- 
liche Stellung geringschätzten. 

Bevor ich die Entwicklung dieser Verhältnisse näher erörtere, bringe ich nach- 
stehend einzelne urkundliche Daten, aus denen die Stellung, welche der niedere 
Adel im 14. und 15. Jahrhundert gegenüber dem Bttrgerstande einnahm, hervor- 
leuchtet. Das bisher Gesagte bitte ich daher als bescheidenen Versuch einer histo- 
rischen Erklärung derselben anzusehen. Die Urkunden geben uns ein Bild der damals 
bestandenen eigenartigen socialen Beziehungen der Eitterschaft und des Bürgerstandes. 
Wodurch diese Verhältnisse veranlasst und herbeigeführt wurden , kann mehr ver- 
rauthet als bewiesen werden. 

Hervorragende Wladyken, ja selbst MitgUeder alter Herrengeschlechter haben 
während des 14., namentlich aber 15. Jahrhunderts, das Bürgerrecht in Prag und 
anderen königlichen Städten erworben, aber in den städtischen Grundbüchern und 
in öffentlichen Urkunden werden fast ausschließlich nur solche Edelleute als „Bürger" 
bezeichnet, die in der Stadt einen stabilen Wohnsitz hatten und mitten unter der 
Bürgerschaft lebten. Diese letzteren Edelleute flihren auch, wie bereits erwähnt wurde, 
seltener ihre adeligen Familiennamen, sondern werden meist nur mit ihrem Tauf- 
namen und einem Spitznamen angeflihrt, oder nach ihrem städtischen Besitze, nach 
einem Hause, nach dem Stadttheile, in dem sie wohnen, benannt. Äußerst selten 
wurde solchen bürgerlich lebenden Wladyken ihr eigentlicher Standestitel, z. B. : 
miles, cUens, rytif oder ein Ehrenattribut, wie: strenuus, stateCny, slovutny beigelegt. 
Aus diesem Grunde ist auch sehr schwer festzustellen, ob Bürger, die nach notori- 
schen Sitzen unserer Adelsgeschlechter benannt sind, oder Beinamen fiihren, die 
gleichzeitig in adeligen Familien beliebt waren, Angehörige solcher Adelsgeschlechter 
waren oder bloß von den Herrschaftssitzen der letzteren herstammten, beziehungs- 
weise ihre Zunamen nur zufällig mit jenen der Herren und Wladyken übereinstimmten. 

So finden wir in Prag Bürger und Handwerker, die sich v. Wildstein, v. Land- 
stein, V. Lipa, v. Boskowic, v. Sternberg, v. Schwamberg, v. Wartenberg nennen oder 
Zunamen notorisch alter Adelsgeschlechter flihr^'n, wie: TrcJka, Bechyne, Berka, 
Kolowrat, Malowetz u. v. a. Ungezählt sind die Beispiele, wo Bürger nach Orten benannt 
werden, die Eittersitze waren. 

Andererseits werden wieder Wladyken, die als Bürger in Städten lebten, ab 
und zu zwar mit ihrem Standestitel (miles, cliens), aber nicht mit ihren Familien- 
namen, sondern nach der Stadt benannt, in der w. wohnten; z. B.: 1369 PessUnus 



— 152 — 



miles de Zacz,*) 1370 Frana railes de Zacz, •) 1409 Diuissius (Dionys von Ejziefz) 
de suburbio Pragensi,^) 1433 Benessius cliens de Chrudim,®) 1433 Pfibik eliens 
de antlqua civitate,*) 1472 strenuus miles dm. Vitus de Nova-Pilzna *•) u. a. 

Der Bittertitel miles war ein Kriterium der persönlichen Eitterwtirde, die im 
14. und 15. Jahrhundert kraft besonderer Statute in der Eegel nur solchen Edel- 
leuten verliehen werden konnte, die bereits vom Kitterstamme entsprossen sind. 

In einem königlichen Majestätsbriefe, der sich in dem aus dem Ende des 
14. Jahrhundeits stammenden Formelbuche des Henricius Italiens erhalten hat, lesen 
wir folgenden Passus: . . . „quod . . . nostris constitutionibus teneatur, milites fieri 
nequeant, qui de genere militum non nascuntur".**) Trotzdem wird aber dieser Eitter- 
titel im 14. und 15. Jahrhundert auch Personen beigelegt, die Söhne von Hand- 
werkern waren, ja die selbst als Bürger, Eathsherren und Handwerker bezeichnet 
werden. Ein Beweis, dass sich die Erwerbung des Btirgerrechtes , die Ausübung 
bürgerlicher Ämter und der Betrieb eines Handwerkes mit der Standesehre selbst 
her\'orragenderer Edelleute damals ganz wohl vertragen hat. 

So wird in den Prager Grundbüchern in der Zeit von 1359 — 1362 wiederholt 
ein Eitter Niklas, Sohn des Tuchscherers Otto (Nicolaus miles, tilius Ottonis pan- 
nicidae) erwähnt. Er besaß in Prag mehrere Häuser.'*) 

1386 finden wir daselbst einen Ritter Simon Bohuslaus, der ausdrückUch Prager 
Bürger genannt wird (dominus Simomis Bohuslaus miles, civis Pragensis) "). 

1431 war „Stanco (Stanislaus) miles alias civis majoris civitatis Pragensis" 
Steinmetz (lapicida) ; **) 1422 Eitter Johann Zmrzlik v. Swojsin, Gatte der Krämerin 
(institrix) Manda (Jam rytif Mandin müz), Consul der Altstadt Prag.**) 

1471 saß im liathe der Neustadt Prag der Oonsul und Bürgermeister Eitter 
(stateCny rytif) Clemens (Kliment) Kostelecky. '«) 

1472 besaß strenuus miles dom. Vitus de Nova Plzna einen Tuchschneiderladen 
im Kotzengebäude. *^) 

Der berühmte liandes-Unterkännnerer und langjährige Primas und Consul der 
Altstadt Prag , Samuel Welwar, (Samuel Welwar v. Hradek , Samuel v. Hradek und 
Waleczow), wird wiederholt als gestrenger Eitter („egregius miles**, „state(?ny rytif ") 
bezeichnet.*®) Derselbe scheint zu dieser Eitterwürde allerdings durch besondere 
könighche Begnadigung gelangt zu sein, aber er war immerhin schon kraft dieser 
Würde ein hervorragendes Mitghed des Eitterstandes und vielleicht entstammte er 



*) Schlesinger, Urkundenbuch der Stadt 
Saaz, Nr. 108, 109. 

•) Ibidem Nr. 86. Frana wird in einer Ur- 
kunde vom Jahre 1857 ausdrücklich als civis 
de Zacz bezeichnet (Urkundenbuch Nr. 86). 

') Tomek, ZÄklady star. mistop. Prahy. 

•) Tomek, ZÄklady etc., Nr. 186 c — II. 

^ Ibidem Nr. 461a — IL 

") Ibidem 1, pag. 128. 

") Tadra, Ntw*^ nalezen^ rukopisj formul&f& 
z Xiil. a XIV. ätoL pag. 11 (Abhandlungen der 
JcöDigl. bi^hm. Gesellschaft der Wissenschaften). 
— In meiner Studie: Die Entwicklung des 



böhmischen Adels oitierte ich mehrere Belag- 
stellen aus den Confirmationsbüchem, dass selbst 
Mitglieder uralter Herrengeschlechter den Titel 
miles führen. 

") Tomek, Zäklady staröho mistop. Prahy. 

>•) Ibidem I, 211. 

»*) Ibidem III, 16. 

'») Ibidem Nr. 646 — I j Tomek, Döj. mösta 
Prahy V, 66. 

»«) Tomek, Döj. mßsta Prahy IX, 285. 

»») Tomek, Zaklady etc. I, 123. 

••) Tomek, Döj. m. Prahy VUI, 463. 



k 



— 153 — 

auch einer Adelsfamilie, denn der Umstand, dass sein Vater Johann Welwar nir- 
gends als Wladyke oder Bitter bezeichnet wird, liefert diesfalls noch innner keinen 
Gegenbeweis. 

Einige urkmidliche Citate werden die Richtigkeit dieser Behauptung am besten 
bekräftigen. 

Dionys (Divis) von Ejziefz wird in Urkmiden, welche das ihm gehörige Haus 
Nr. 39**) auf der Kleinseite betreffen, 1409 Diuissius de suborbio Pragensi, 1413 Divis 
civis maj. civitatis Pragensis, 1415 und 1416 Diviä stary, 1419 Divis stary, civis 
Pragensis genannt. Sem Sohn Dionys der Jüngere, kommt 1431 und 1441 als Besitzer 
dieses Hauses vor, und zwar das erstemal bloß als „Diuissius minor", das zweitemal 
als „Diuissius de Zejzierz". 1440 kauft „providus (opatrny) vir dominus Diuissius 
de Yzierz" das Haus Nr. 278 auf der Kleinseite. Das Nachbarhaus, gegenwäi-tig 
Nr. 279 und 280, gehörte 1440 „Diuissio^ 1464 „loanni Pranae", dem Neffen des 
letzteren. Derselbe Johann Frana war königl. Notar und 1434—1436 Viceburggraf 
des Prager Schlosses. 1464 vermacht er, damals „slovutny Jan Prania z Ejziefze" 
genannt, das obenerwähnte Haus seinem Sohne Bohuslaus. Außerdem gehörte ihm 
und seinem Bruder Wenzel das Haus Nr. 258 b am Hradschin, das 1435 „Johannes 
Frana et Wenceslaus frater ipsius" verkaufen. Der bereits einmal erwähnte Bitter 
und Steinmetz Stanek (Stanislaus) besaß ein Haus in der Karpfengasse (gegenwärtig 
Nr. Ha — I). Als Besitzer desselben wird genannt: 1421 Stanco de domo prae- 
posito Chotiessowiensi, 1428, 1431 und 1433 Stanco lapicida. In der Nachbarschaft 
dieses Hauses stand das Haus des Veit Stenicka (Nr. 13 Ind.). Dasselbe gehörte 
1428 Stanco in domo Stieuiczka, 1431 Stanco lapicida, 1433 Stanco lapicida in domo 
Stieniczka. Ein weiteres Haus, ebenfalls auf der Altstadt (Nr. 170), kauft 1431 
Stanco lapicida, besitzt 1432 Stanco lapicida, 1436 Katharina, relicta Stanconis lapi- 
cidae. Derselbe Stanislaus (Stanco lapicida) ei*wirbt ferner 1430 das Haus Nr. 269 
auf der Kleinseite, verkauft es jedoch gleich im folgenden Jahre, und wird in der 
betreffenden Eintragung „Stanco uiiles alias civis majoris civitatis Pragensis" ge- 
nannt.*®) Bitter Stanek wird somit zwölfmal urkundlich erwähnt, darunter wiederholt 
als Contrahent der in den Urkunden verbrieften Kaufverträge, und nur in einer ein- 
zigen Urkunde fiihrt er den Bittertitel, nirgends jedoch seinen adeligen Familiennamen. 
Der gleichfalls schon genannte Bitter Johann Zmrzlik v. Swojsin ist in der 
Liste der Oonsulen der Altstadt Prag vom Jahre 1422 als „Jan rytif Mandin mfiz" 
bezeichnet. Er wurde bekanntlich in demselben Jahre bei dem Aufstande wegen 
der Hinrichtung des Mönches i^eliwsky enthauptet. Auf der Altstadt gehörte ihm 
das Haus Nr. 646. Das gegenüberliegende Haus Nr. 648 war das berühmte, von dem 
Oberstmünzmeister Peter Zmrzlik v. Swojsin angekaufte Zmrzlik'sche Familienhaus. 
Das erstgenannte Haus erbte nach dem Tode Johann Zmrzliks (1422) Magdalena 
institrix (Krämerin) relicta Johannis Zmrzlik. 1428 wird als Besitzerin dieses Hauses 
Manda institrii, 1429 Manda Sigismundi institrix genannt. 1433 besaß es bereits ihr 
neuer Gatte, der eben erwähnte Sigismund de Cotenczicz allein. Sigismund gehörte 



*•) Hier sowohl, wie bei allen folgenden »•) Tomek, Zäklady mistopisu Prahy; dieses 

Citaten ist die gegenwärtige Nnmerierung i Werk diente mir zumeist auch bei allen fol- 
gemeint, genden Daten dieser Art als Quelle. 



- 154 — 

dem Wladykeiistande au, war aber durch mehrere Jahre Coiisul und Hauptmann der 
Altstadt Prag. 1428 verkauft derselbe das Haus Nr. 148 auf der Altstadt, das 1427 
seine Gattm „Manda Kramafka" (Manda Krämerin) im Erbwege zugesprochen erhielt. 
Manda oder Magdalena besaß außerdem noch das Haus Nr. 291 b auf der 
Altstadt, das sie 1429, damals Domina Manda institrix genannt, kaufte und ferner 
das Haus Nr. 944 ebenfalls auf der Altstadt, das 1432 „Jankovi a Vankovi, synfim 
pani Anny Kramafky" zuerkannt wurde. Der ebenerwähnte Sohn Mandas. Johann, 
filhrte das Prädieat „de Zbyslawicz" und stammte vielleicht aus der ersten Ehe 
Mandas mit einem Wladyken v. Zbyslawitz. 1434 kauft Johannes de Zbyslawitz 
Mandae institricis filius ein Haus (Nr. 548) auf der Altstadt, wurde 1434 (Jan 
Mandin Kramafin) Consul der Altstadt Prag und nahm später den Taufnamen seiner 
Mutter als Zunamen an. 1458 ward Jan Manda z Zbyslawicz abermals Consul der 
Altstadt Prag, nachdem er bereits 1453 — 1457 das Eichteramt hier bekleidete. 1462 
und 1468 besaß er zwei Höfe und das Dorf Okowic. 

Am Anfange des 15. Jahrhunderts lebte in Prag ein Wladyke Peter v. Xebrak, 
(l»M' Bräuer war. Er kommt wiederholt urkundlich vor, wird aber bloß einmal als 
adelig bezeichnet. Auf der Altsta<lt gehörte ihm das Haus Nr. 248. Als Besitzer 
desselben erscheint im Jahre 1400 Peter braseator (Bräuer) und Petrus cliens de 
:^ebrak, 1402, 1403, 1409 Petrus braseator ohne Prädicat und Titel, 1413 Elisabeth 
relicta Petri braseatoris. 

1433 kauft Mara relicta Pfibikonis clientis de antiqua civitate cum Johanne 
rtlio suo ein Haus (gegenwärtig Nr. 451a) auf der Neustadt. Dieser Pfibik war 
zuerst Messerschleifer, dann Seifensieder. 1424 kauft Pfibik peplator (Messerschleifer) 
das Haus Nr. 671 auf der Altstadt und wird in demselben Jahre noch einmal als 
Besitzer desselben (Pribik peplator) genannt. 1429 besaß es Mara relicta Pfibiconis, 
1332 Mara smignatrix (Seifensiederin), 1433 Johannes, filius Pfibiconis, 1436 Mara 
relicta Pfibiconis sapuniste (Seifensieder). Ich brauche wohl nicht besonders hervor- 
zuheben, dass die Titeln cUens und armiger die in jener Zeit allgemein üblichen 
Standestiteln der Wladyken waren, und daher tiber die Adelsqualität Pfibiks kein 
Zweifel möglich ist. 

Das Haus zur schwarzen Dorothea (Nr. 620a auf der Altstadt) besaß 1427 
Stanislaus dictus Stan, 1429 Stanislaus Stan, 1430 verkauft es „Stan de Trzebicz 
cliens". Der Wladyke Johann Koleso besaß am Anfange des 15. Jahrhunderts auf 
der Neustadt Prag mehrere Häuser, als deren Käufer und Besitzer er sowohl wie 
seine Witwe wiederholt, so 1399, 1400, 1407, 1412, 1414, zweimal im Jahre 1417 
vorkommen , aber nur in einer Urkunde fllhrt er den Titel armiger, in allen übrigen 
lautet die Eintragung einfach auf den Namen Johannes Koleso. 

Übrigens werden in den Prager Grundbüchern auch solche Edelleute, die auf 
ihren Schlössern und Vesten residierten, in Prag aber Häuser besaßen, ohne da- 
selbst zur Bürgerschaft zu zählen, sehr häufig bloß mit ihrem Zunamen, ja oft nur 
mit ihrem Taufnamen genannt, ohne Ehrenattribut und Adelsprädicat. Z. B. Wilhelm 
Kostka V. Postupic, dem das Haus Nr. 807 auf der Neustadt gehörte, wird als Be- 
sitzer desselben angeftihrt, und zwar 1429 Dominus Wilhelmus Costka und Wil- 
helmus miles, 1433 einfach Wilhelmus Kostka. Als Eigenthümer des Hauses Nr. 648 a 



— 155 — 

auf der Altstadt erscheint 1431 „Johannes de Bezdiedicz residens in Lessom", 
1433 „Johannes Ezitka", 1434 Johannes de Bezdiedicz, „dictus Rzitka". 

Eitter Duehek v. Sowinek, der in der Zeit von 1430 — 1432 wiederholt in den 
Grundbüchern genannt ist, wird daselbst häufig auch als „Duehek rytif", „Duehek 
miles" bezeichnet. Der Wladyke Petrman v. Sulewie kaufte 1414 auf der Neustadt 
ein Haus (Nr. 673), 1417 und 1418 wird «r als Besitzer desselben schlechtwegs 
Petrman ohne jeden Titel und Zunamen genannt. 

Eitter Wenzel Tiawak wird 1406 Weneeslaus dictus Tyawak, 1412 Dominus 
Tyawak railes, 1413 wieder einfach Weneeslaus Tawak genannt. 

1407 wird im Grundbuche als Käufer eines Hauses Dominus Sulka miles de 
Kowan registriert. 1408 kauft das Haus Nr. 264 a auf der Altstadt Dominus Sulek 
de Cowan, 1409 verkauft es „Sulek Oowansky!" Der Wladyke Lider v. Badkowicz 
erwirbt 1416 das Haus Nr. 588 b auf der Altstadt, 1429 wird er als Besitzer des- 
selben einfach „Liderius", 1430 als seine Erbin „Elisaibeth olim Liderii relicta, nunc 
Zawisii de Waldstein conthoralis" genannt. 

Aus diesen wenigen beispielsweise angefahrten Daten dürfte vielleicht ein 
Jeder die Überzeugung gewinnen, dass man aus der in städtischen Urkunden 
üblichen Weglassung von Adelsprädicaten und Titeln bei anderweitig als adelig 
erwiesenen Personen nicht immer auf deren bürgerliche Herkmift und spätere Mo- 
bilitierung schließen darf 

Suchen wir nun wieder nach Belegen, dass Wladyken und Eitter thatsächlich 
städtische Ämter nnd Würden bekleideten und in der Stadtvertretung saßen, so 
linden wir solche zunächst in überaus großer Anzahl in den Stadtbüchern der Alt- 
stadt Prag. 

Aus der vom Prof Tomek in seiner Geschichte Prags übersichtlich zusammen- 
gestellten Eeihe der Consulen dieser Stadt gehörten folgende nachweislich dem 
Wladykenstande an, und zwar: 

1396 Sulek v. Babic. 
1405 — 1407 Johann von Strupin. 
1408—1412 Jeäek Doupowec. 

1413 Stephan v. D$dic (meist „Stephanus ad flaveam rotam" genannt). 
1422 Eitter Job. Zmrzlik. 
1424 Jakes v. Eychnow. 
1429—1433 Sigmund v. KotenCic. 

1436 — 1448 Pesik v. Kunwald, der ebenso wie sein Bruder, der l^andesunter- 
kämmerer Johann v. Kunwald, vorwiegend ohne Prädicat bloß nach 
seinem Hause „od stfibrne hvezdy", „ab argentea Stella" genannt wird. 
1448 — 1459 Wenzel Dursmid v. Wesce. 
1449—1450 Wana v. Kwietkow. 

1449 — 1452 Wenzel v. Walecow und Knezimost. Derselbe wird meist Waclaw 
Waleöowsky genannt. Das Stanmihaus seiner Familie in Prag war das 
Haus Nr. 186 am Hradschin. 1380 besaß es nobilis dominus Stiborius 
de Kn§zimost dictus de Waleczow. Noch in den Jahren 1430 — 1471 
wird es als „dum päuüv z Waleczowa", „domus dominorum de Waleczow" 
bezeichnet. 



— 156 — 

1450 — 1483 Johann Pytlik v. Swoleniowes. Das Prädieat und den Wladykentitel 
itlhrt er allerdings erst in einzelnen Urkunden aus dem Ende des 
15. Jahrhunderts. 

1452 — 1455 Pfeeh v. Budkowic, in Urkunden häufig nur Pfech ohne Prädicat 
genannt. 

1451 — 1477 Wenzel Holec v. Kwetnie. Auch dieser Consul und seine Nachkommen 
bedienen sich des Prädicates und Wladykentitels meist erst gegen Ende 
des 15. Jahrhunderts, obgleich die Familie bereits in der Mitte dieses 
Jahrhunderts die Testen Kvftnic und Ouwal, die Burg Jenstein be- 
sessen hat 

1457 — 1497 Jaros Maufenin v. Nebovid, zumeist nur Jaros Porybny, Jarossius ab 
Ethiopibus, od Moufeninü genannt. Seine Familie stanmite aus dem 
Caslauer Kreise, in Caslau selbst lebten ihre Stammverwandten, die 
Wladyken Chotanchovsky und Kasparsky v. Nebovid. 

1463—1471 Samuel Welwar v. Hradek und Waleczow, Eitter. 

1471 — 1486 Johann v. Badieöe, der zugleich Hofrichter der königlichen Städte war. 
1477 Sigismund v. Bfezove, auch od zlateho kone genannt. 

1481—1483 Stanek Sarka oder Kadefavek v. Safka. 

1483 — 1486 Johann Sosnowec v. Wlkanowa. 

1483 Prokop v. Welewic, auch Kichter der Altstadt Prag. 
1483—1487 Wilhelm Wyseh v. Blaztic, meist Wyseh od labute genannt. 

1484 Johann WlCihrdlo v. Wssehrd, fast ausschließlich Jan Wlczihrdlo, Jan 
od Wleziho hrdla, Johannes Lupicollus genannt, während sein Bruder, Vater 
und Großvater den Zunamen „Piknosek" führten. 

1488—1502 Sigmund Holec v. Kwetnie. 
1488—1502 Joh. Adam v. Bystfic. 
1490—1502 Duchek v. Wlkanowa. 

1497 — 1502 Johann v. Tedrazic aus einer ritterlichen Familie, der auch der könig- 
liche Protonotär Johann v. Tedrazic (1475—1488) angehörte. 
1497—1509 Johann Jenisek v. Ujezd. 

1509 - 1516 Sigmund Svafsky v. Lestkov (meist Sigmund od tvafe genannt) eben- 
falls aus einem alten Wladykengeschlechte. 
1509 — 1512 Johann Pytlik v. Swoleniowes. 

1500 — 1512 Georg Lopata v. Libechow und Wenzel Franek v. Libechow. 
1510 — 1512 Georg Ohanicky v. Chlumin (früher Jifik od zlateho orla genannt). 
1510—1513 Martin Holec v. Kwetnie. 
1513 — 1526 Georg Bores v. Bernareöek. 

1514 Johann Bawor v. Citoleb u. a. 
Als Richter (rychtafi) der Altstadt Prag werden nachstehende Wladyken genannt: 

1448 Hynek (Ignaz) v. ftepnic. 
1463 — 1470 Jeremias Malowetz. 
1479-1483 Prokop Publik v. Welewic. 
1502—1506 Veit v. Stemberg (slovutny Vit Stemberk). 

Aber nicht bloß in Prag, auch in anderen königlichen Städten finden wir 
Wladyken, die daselbst Bürgermeister und Consulen waren. 



— 157 — 

So war im Jahre 1453 Bürgermeister in Brüx Balthasar v. Redern, den Georg 
T. Podebrad in einer Urkunde vom Jahre 1455 „slovutny panoä" tituliert. 

1490—1491 erscheint der Wladyke (urozeny pano§) Thomas Behm v. Konobry 
als Bürger in Brüx. 

In Saaz saß jahrelang Wenzel v. Wolfsberg (z Wlezihory) als Bichter im Bathe 
der Stadt; 1413 kommt hier auch ein Weneeslaus de Lobkowiez als Rathsherr vor. 
In Laun war in den Jahren 1477 — 1489 Wenzel Wanf ira v. Wssehrd und Hofan (meist 
Wenzel Wanöira genannt) Consul und Bürgermeister. Seine Gattin Dorothea von 
Kozojed war eine leibliche Tante des berühmten Dalibor v. Kozojed. Primatoren 
V. LÄun waren auch DMek v. Wlkow6 und Niklas v. Öernöic, beide alten Adels- 
geschlechtem angehörend. Die Wladyken von Öemöic waren ihrem Wappen nach 
ein Zweig der Kaunitze, Niklas war Hofrichter der königlichen Städte. Noch im 
Jahre 1502 war in Laun Johann Kostomlatsky v. Wfesowic Bürgermeister. In 
Chrudim lebten zahheiche Ritterfamilien und mehrere Sprossen derselben saßen im 
Bathe der Stadt. So 1456 Mathias Bezchleba v. Koldin, 1466—1480 Victorin v. Kunßi, 
der in Chrudim mehrere Höfe und im Chrudimer Kreise die Vesten Kunöi, Zajeßic 
und Svidnic besaß, ferner 1483 — 1487 Ales v. Meziklas und Orelsky v. San, 1462 
bis 1469 Wenzel Pouchohradsky v. Pouchohrad u. a. Die Familie Hyndrak v. Habrova 
zahlte bereits am Anfange des 15. Jahrhunderts zur Bürgerschaft von Chrudim. 

Ihre Mitglieder werden meist nur mit ihrem Zunamen ohne Prädicat genannt. 
Mathias Hyndrak v. Habrova, Besitzer der Veste Habrov bei Chrudin war 1460 bis 
1483 Consul, 1480 — 1483 Primas der Stadt. In ürhmden, wie im alten Grundbuche, 
wh-d er bald slovutny panos, bald wieder opatrny müz genannt, bald mit, bald ohne 
Prädicat. 

Sein Sohn Wenzel HyndrÄk v. Habrowa war 1497 — 1505 Vicelandschreiber, 
später Protonotär der königHchen Kanzlei.**) 

Der erste feindselige Schritt, den die nunmehr mit dem Herrenstande geeinte 
Ritterschaft gegen den Bürgerstand unternommen hat, geschah im Jahre 1454. 
Damals stellte der Ritterstand an den König und an das Ijandrecht die Bitte, es 
solle den Bürgern verboten werden, von den Wladyken freie Landgüter zu kaufen, 
da dadurch dem Könige und der Krone ein gi'oßer Abbruch an „ritterlichen Leuten" 
(rytifskych hdech) geschehe.* König liadislaus und die Landrechtsbeisitzer willfahrten 
dieser Bitte, indem sie am 17. März 1455 die Entscheidung ftllten, die Bürger seien 
nicht berechtigt, freie Landgüter zu erwerben und in die Landtafel einzulegen, außer 
sie würden in jedem einzelnen Falle die königliche Bewilligimg hiezu erlangt haben. 

Der immer nachdrückhcher zutage tretenden Intention des Herrenstandes und 
niederen Landadels, die Ritterschaft von dem Bürgerstande gänzlich abzuschließen 
und diesen letzteren zu isolieren, stand als großes Hindernis der Durfehfilhrung dieses 
Planes der Umstand im Wege, dass zahlreiche Wladykenfamilien schon Jahrzehnte 
hindurch in den königlichen Städten lebten, bürgerliche Beschäftigungen fllhrten und 
sich daher unwillkürlich mehr filr das Interesse der Bürgerschaft als für die dasselbe 
bekämpfenden adeligen Stände erwärmten. 

Der Adel beschloss daher, solchen Standesgenossen die weitere Pflege freund- 



*') Vgl. Stadtbücher in Saaz, Laun, Chrudim u. a. 



— 158 — 

schaftlicher Beziehungen zum Burgerstande zu verbieten, und den Genuss der Vor- 
rechte des Wladykenstandes, zu dem bisher jeder Adelserwerbei* bloß auf Grund des 
königlichen Wappenbriefes berechtigt war, von der Anmeldung des Adelserwerbers bei 
seinem neuen Stande und von der Verzichtleistung auf seine bisherigen, die Zuneigung 
zum Bürgerstande bewirkenden bürgeriichen Beschäftigungen abhängig zu machen. 
Dieser Beschluss wurde auf dem in den Quatembertagen des Jahres 1497 tagenden 
Ijandtage gefasst und erhielt auch die könighche Bestätigung. Der bezügliche Passus 
der letzteren lautet in deutscher Übersetzung: 

„Daher haben wir diese Eigen thtimlichkeit eingeführt, dass derjenige, welchem 
wir (der König) ein Wappen verleihen, sich bei den Herren im LÄndrechte anzu- 
melden hat, damit er in die Landtafel eingeti-agen wird. Und es solle demselben 
zeitlebens in die Landtafel nicht eingelegt werden, sondern erst seinen großjährigen 
Erben, welchen dieses Wappen bereits angeboren ist. Und wenn man ihnen sodann 
in die Landtafel einzulegen beginnt und sobald sie etwas in die Landtafel aufnehmen, 
haben sie von ihren bürgerlichen Beschäftigungen (Einkünften) und vom Handwerke 
abzulassen und nach der Ordnung des Eitterstandes sich zu verhalten und des 
letzteren sich zu bedienen."**) 

Die in den königlichen Städten als Bürger wohnenden Wladyken standen so 
vor der Wahl, entweder ihre bisherigen bürgerlichen Ämter und Beschäftigungen 
aufzugeben und sich dem übrigen Eitterstande anzuschließen oder gemeinsam mit 
dem Bürgerstande gegen den Landadel aufzutreten. Die meisten entschieden sich ftir 
das letztere. Infolgedessen stellten die Herren und Eitter im Jahre 1502 in ihrer 
Klageschrift gegen die Städte an den König die Bitte: 

„Viele, welche in Städten wohnen und landtäfliche Güter besitzen und dem 
Eitterstande angehören, wenden sich jetzt gegen uns, unseren Stand und unsere 
Freiheiten. Deshalb möge man ihnen ihre Güter nehmen und für das allgemeine 
Wohl verwenden." 

Der König willfahrte zwar nicht dieser Bitte, aber der Herren- und Eitterstand 
fasste eigenmächtig den Beschluss, dass von nun an jeder Herr oder Kitter, der mit 
dem Bürgerstande gemeinsame Sache machen würde, dadurch seinen Standespräro- 
gativen verlustig und aus seinem Stande ausgeschlossen werde. Die dadurch hart 
betroffenen Wladyken mussten, solange König Wladislaus dem Adel wohlwollte, 
diese Strafe ruhig über sich ergehen lassen, als aber der König erzürnt über das 
innner anmaßendere Vorgehen des Adels seine Gunst den Städten zuwandte, baten ihn 
die letzteren im Interesse ihrer adeligen Mitbürger um Abhilfe. Der König annullierte 
infolgedessen mit dem Majestätsbriefe vom 21. November 1513 den früher er- 
wähnten Adelsbeschluss, und zwar mit folgenden Worten: 

„Aber da der Herren- und Eitterstand irgend einen Beschluss fasste und den- 
selben auch in die Landtafel einverleiben ließ, dass nämlich jene Mitglieder des 
Herren- und Eitterstandes, welche die Partei der Städte nehmen, dadurch für sich 
und ihre Nachkommen ihres Standes verlustig werden sollen und andererseits auch 
durch viele sichere Majestätsbriefe anerkannt und bekannt wurde, dass die Städte 
bei den ihnen von Uns und Unseren Vorfahren verliehenen Begnadigungen erhalten 

«) Archiv desky V, 486. 



— 159 — 

werden wollen und dafür, dass diejenigen Herren und Ritter, welche mit den Städten 
halten, ihrer Ehre und Ehrbarkeit verlustig werden sollen, ein Grund nicht gefunden 
werden kann; denn diesfalls haben sie sich auf Unsere und Unserer Väter Privi- 
legien bezogen und so nichts gegen Uns und gegen das Gesetz (Becht) verbrochen. 
Und deshalb, weil ein solcher Beschluss nicht mit Unserem Willen und Unserer 
Bewilligung zustande kam und auch auf einem ordentUchen Landtage nicht gefasst 
wurde, erkennen Wir mit diesem Briefe aus Unserer Machtvollkommenheit als König 
von Böhmen, dass diejenigen, welche auf Seite der Prager und anderer Unserer 
Städte standen, mögen sie dem Herren- oder Ritterstande angehören , dadurch nichts 
Unpassendes gegen Uns und Unsere Nachkommen gethan haben und ihnen daher 
diese Parteistellung weder an ihrer Ehre, noch an ihrem guten Rufe, noch sonst 
wie zum Schaden gereichen solle. 

Und die betreffende Eintragung in die Landtafel kann demnach weder sie noch 
ihre Erben schädigen, vielmehr sollen sie bei allen, was sie und ihre Vorfahren 
genaßen, erhalten und des Ritterstandes sich zu bedienen berechtigt sein, sie sowohl 
wie ihre Nachkommen ohne irgend eines Abbruches für jetzt und alle künftigen 
Zeiten".»») 

Der Adel respectierte dieses königliche Privilegium nur zum Theil, indem er 
am 7. Juli 1516 auf dem Landtage in Beneschau allen widerspenstig gewesenen 
Standesgenossen die Wiederaufnahme in den Stand zusicherte und bloß den Ritter 
Wenzel v. fiepnic und auf Tworzesitz ftU* immer als ausgeschlossen erklärte. Der 
Beschluss lautet: Ebenso sollen alle diejenigen, die sich des Herren- und Ritterstandes 
bedienen wollen, bei den nächsten Kreistagen vor diesen Ständen persönlich bekennen, 
dass sie zu diesen Ständen halten wollen, so wie dies die genannten Stände be- 
schlossen und in der Ijandtafel eingetragen haben. Falls dies dieser oder jener 
nicht thun und von seinem Stande abtrünnig werden würde, so solle eine solche 
Person die Rechte dieser Stände in keiner Weise zu genießen haben. Was jedoch 
den Wenzel ßepnice betrifft, so soll derselbe, weil er sich von diesen Ständen oflfen- 
kundig lossagte, zu diesen Ständen nie melir zugelassen werden etc.»*) 

Auf demselben Landtage fasste der Adel einen Beschluss, mit dem er eine 
Einschränkung des königlichen Rechtes der Adelsverleihung auf solche Personen 
))ezog, die sich im vorhinein erklären, mit dem Herren- und Ritterstande halten 
zu wollen („Item listy vedle toho, jakz kral J. Mt. stavu rytifsk6mu, obdarovani dati 
raeil erboMii tem, kdoz pfi stavu panskeni a rytifskem stäti chti"). Dieser Beschluss 
stand freilich im Widerspruche mit dem Art. 462 der L.-0. v. J. 1500, der dem 
König das Recht einräumt, denjenigen zu adeln, den es ihm beliebt. Der Artikel 
lautet: Was die Verleihung der Wappen betrifft, so steht es im Befugnis des 
Königs, sie zu verleihen, an wen es ihm beliebt. 

Aus den mitgetheilten Verhandlungen geht übrigens zweifellos hervor, dass der 
Ritterstand den Eintritt neuer Mitglieder immer entschiedener von der Standesauf- 
nahme abhängig machte und so wurde denn auch im Laufe des 16. Jahrhunderts 

»■) Prof. CelakoYsky, Privilegia mfet Praiskjch str. 841—343. 
•*) Graf Czernin*sches Archiv in Neuhaus. 



— 160 — 

die Adelsverleih iing der primäre, die Aufnahme des Geadelten durch die landtäfliche 
Wladykencurie der endgiltige und essentielle Act der Bitterstandserhebung. 

Diese wichtige Änderung erscheint zum erstenmal in der Landesordnung vom 
Jahre 1664 gesetzlich codificiert. Auf Grund des Artikels 23 dieser Landesordnung 
zählte der mit einem königlichen Wappenbrief Begnadigte nicht früher zum Bitter- 
stande, bis er von der Eitterschaft in ihren Stand aufgenommen wurde. Erst von 
diesem Zeitpunkte an durfte dem Adelserwerber der Titel slovutny panos beigelegt 
werden. 

Diese Aufnahme in den Stand steht sonach auf einem ganz anderen Bechts- 
standpunkte, als die ursprüngliche, im Jahre 1497 vorgeschriebene Anmeldung beim 
liandrechte. 

Sie erfolgte anfangs bedingimgslos ; jeder, der vom Könige mit einem Wappen 
))egnadigt wurde und um Aufnahme bat, wurde aufgenommen. Mit der Zeit wurde 
sie jedoch von dem Nachweise des ehrhchen Herkommens des Adelserwerbers und 
schließlich auch von dem ehrbaren Wandel seiner Vorfahren bis in das dritte Glied 
aufwärts abhängig gemacht. Auf diesem Standpunkte steht namentUch die Bitter- 
schaftsordnung vom Jahre 1609. 

Seitdem die Bitterschaft und der Bürgerstand in gesellschaftlicher und politischer 
Beziehung vollständig getrennte Stände waren, mussfe auch die Erwerbung des 
Bürgerrechtes in königlichen Städten, als gleichbedeutend mit der Bttekkehr zum 
Btirgerstande, den Wladyken verwehrt werden. 

Die Landesordnung vom Jahre 1500 trägt dem alten Gnmdsatze, dass ein 
Bitter zugleich Bürger einer königlichen Stadt sein kann, noch Beclmung. Denn sie 
enthält im Artikel 228 die Bestimmung: quod pertinet ad subcamerarium, si quis 
in antiqua civitate Pragensi ex equestribus civis esset (jestli /eby kdo v Stai-em nieste 
Prazsk^m z Vladyk byl mösteninem), illi nos et futuri reges Boemiae habemus in 
libera voluntate hoc officium conferre, qui dignus hoc officio nobis videtur. Allein 
schon in der Landesordnung vom Jahre 1549 (Artikel A 28), welche diesen Artikel 
reproduciert, wird das maßgebende Wort „niesteninem" (Bürger) eliminiert und da- 
durch der ganzen Bestimmung eine andere Bedeutung gegeben. Denn der so ge- 
änderte Satz „jestli zeby kdo v Starem meste Prazskem z vladyk byl" (wenn jemand 
aus dem Wladykenstande in der Altstadt Prag wäre) supponiert bloß die Möglich- 
keit, dass sich ein Wladyke in Prag aufhalte, nicht aber dass er daselbst das Bürger- 
recht erworben hat. 

Aus den landtäflichen Eintragungen über die erfolgten Bitterstandsaufnahmen 
erfahren wir auch, dass seit Mitte des 16. Jahrhunderts jeder aufgenommene ge- 
loben musste, nie wieder in den bürgerlichen Stand zurückzukehren. Dieses Gelöbnis 
schreibt auch die Bitterschaftsordnung vom Jahre 1609 vor, und dass der Adel auf 
die strenge Einhaltung dieses Gelöbnisses auch weiterhin beharrte, beweist das 
kaiseriiche Patent vom 19. September 1678, welches mit der Begiilndung, „dass 
nicht wohl thunlich, dass eine Person duphcem statum fiihre" ganz allgemein an- 
ordnet, dass „wenn hieflir ein Graf, Fi-eiherr oder Bitter das Bürgerrecht auf sich 
brächte, ein solcher eo ipso derjenigen Privilegien und Prärogativen, deren die 
höheren Stände in diesem Ihro Erbkönigreiche Böhmen zu genießen haben, unfähig 
und verlustig sein solle". 



— 161 — 

Ob und inwiefern das Privilegium des Königs Wladislaus vom Jahre 1513 die 
gegen die in Eede stehende Vorschrift handehiden Bitter schützte und schützen 
konnte, wäre eine Eechtsfrage, die vom Standpunkte der Geschichte ebenso 
verneint, wie bejaht werden könnte. Letzteres deshall), weil zahh*eiehe Kitter oder 
Wladyken noch im 16. und 17. Jahrhundert das Bürgerrecht in königlichen Städten 
besaßen, daselbst städtische Würden bekleideten und auch Handwerker waren, ohne 
dass sie an der Führung ihres Eitterstandes gehindert wurden. 

Andererseits hat aber die Bitterschaft solche bürgerlich gewordene Edelleute 
nicht mehr als vollberechtigte Mitglieder ihres Standes anerkannt, sondern ihnen 
ledighch die Bechtsstellung der wappenmäßigen Bürger zugewiesen, von denen in 
Böhmen die königlichen Städte im 16. und 17. Jahrhundert bekanntlich über- 
schwemmt waren. 

Sie fahrten als adelige Bürger in der Stadt ihre ererbten Namen, Prädicate 
und Wappen, bezeichneten sich auch wie ihre Vorfahren als Bitter und Wladyken, 
aber sie hatten keine Antheilnahrae mehr an den ständischen Prärogativen der 
Bitterschaft. Insofern sie ihre Prädicate, Wappen und Adelstitel auf ein könig- 
liches Diplom zurückleiteten, waren sie zur Führung derselben zweifellos auch 
weiterhin berechtigt. Denn das Privilegium des Königs Wladislaus wahrt ihnen 
dieses Bechl ausdrücklich auch för den Fall ihres tbertrittes zum Borgerstande und 
das Privilegium selbst wurde in der Folge fast von sämmtlichen Nachfolgern des 
Königs Wladislaus auf dem böhmischen Throne bis auf die Neuzeit vollinhaltlich 
bestätigt. >») 

Anders verhält es sich dagegen mit jenen in den Btirgerstand zurückgetretenen 
Bittern, deren Familien dem üradel angehörten und einen Adelsbrief nie erhalten 
hatten. Denn diese stützten ihre Adelsberechtigung lediglich auf die Antheilnahme ihrer 
Vorfahren an den ständischen Eechten/ auf ihre eigene Angehörigkeit zu dem 
politischen Stande der Bitterschaft. Traten sie in einen anderen, politisch gegnerischen 
Stand, so erlosch dadurch auch der Bechtstitel ihrer Adelsprävalierung. Die früher 
erwähnten Beschlüsse der Bitterschaft fanden auf solche Edelleute unbedingte An- 
wendung. In dem Privilegium vom Jahre 1513 verwahrte sich die Krone bloß gegen 
einen Eingriff des Adels in die von ihr an dritte Personen verliehenen Bechte, das 
Privilegium schützte daher nur den Briefadel gegen einen derartigen Adelsverlust 
und selbst dies lediglich in dem Maße, als dem Briefadel die Führung der ihm durch 
ein Diplom verliehenen Adelsattribute seitens der adeligen Stände nicht verwehrt 
werden konnte. 



'*) König Ferdinand I bestätigte dieses | Pressburg 13. Mai 1649, Kaiserin Maria Thereria 



Privilegiam mit Diplom ddo. Prag 4. December 
1558, Ferdinand II. mit Diplom ddo. Wien 
8. April 1627, Ferdinand III. mit Diplom ddo. 



mit Diplom ddo. Wien 16. Juni 1747 und 
Kaiser Franz I. mit Diplom ddo. Wien 14. Mai 
1808. 



11 



Beiträge zur Genealogie des krainisehen Adels. 

Von 

IDr. Jon. Bsipt, •^^;7;7-ittiiigr. 

(Fortsetzung^.) 

Coraduzl, Freiherren. 

Wappen: getheilt; oben ein Doppeladler, unten gespalten; rechts ein Schach, links 
sechs Herzen.') 

Johann Coradiizi lebte in Toscana um 1300.*) Er hatte flinf Söhne: 

1. Angelas, dessen Sohn Anton Bizarrus einen Sohn Nikolaus Coraduzi hatte, 
welcher sich mit Andreutia, Enkelin des Petrochus Coraduzi, vermählte. 

2. Johann. 

3. Venantius, welcher den Stamm fortpflanzte. 

4. Bartholomäus. 

5. Vicus, verm. mit Lucia. 

Venantius Coi*aduzi hatte eine Tochter Angelica und zwei Söhne: Marian 
und Marcolinus Coraduzi. Letzterer erzeugte mit seiner Gemahlin Rosata, Tochter 
des Petrochus Coraduzi, sechs Kinder: Jakob, Oliveriiis, Katharina, Franz, Pieran- 
tius und Venantius, von welchen Franz gleichfalls sechs Kinder hatte, nämlich: 
Rosata, Katharina. Roderich, Johann Paul, Pierantius und Maistinus. Roderichs 
Söhne, Fabian und Friedrich, standen bereits in Kriegsdiensten des Hauses Öster- 
reich, und zwar letzterer als 0))erst. Er hatte drei Töchter: Ämilia, Fiordelisia und 
Lucretia, und zwei Söhne: Franz und Rudolf. Rudolf Coraduzi v. Nussdorf, 
kaiserl. Gesandter zu Rom, dann Geh. Rath und Vicekanzler, wurde am 10. April 
1603 zum Landmann in Krain aufgenommen. Er trat in wissenschaftlichen Verkehr 
mit Tycho de Brahe und hinterließ eine wertvolle Bibliothek, welche in der Folge 
theilweise der Hofbibliothek in (iraz und theilweise der Bibliothek des Profess- 
hauses der Gesellschaft Jesu zu Wien einverleibt w^urde. 

Seines A'aters Bnider, Fabian Coraduzi, Doctor der Medicin zu Laibach, 
hatte aus seiner Ehe mit Domenica Giuliani*) sechs Kinder: Roderich, Alanus , 



*) Stammbuch des Adels in Deutschland i *) Schönleben, Ms. 

1, 24&. ') Lucantschitsch, Ms. 



— 163 -^ 

dessen vier Kinder Fabian, Ludwig. Serena und Allemanna, Gemahlin des Johann 
Jakob de Leo, gewesen sind, Maria, Peter, welcher die Familie fortsetzte, 
Giunipera und Judith. 

Peter Coraduzi, Hauptmann zu Meran, verm. mit Juditli, Tochter des Bai-tho- 
lomäus von Argento und der Anna Pellegrini, begleitete die Erzhen&ogiu Marga- 
retha nach Spanien, kämpfte dami in Belgien und Siebenbürgen und hatte drei 
Söhne: Johann Friedrich, Baphael und Peter, welche am 29. November 1616 in 
Krain immatriculiert und 1639 (intimiert Graz, 23. December 1639*) in den Frei- 
herrnstand erhoben wurden. Aon diesen drei Brüdern vermählte sich bloß 
Baphael Coraduzi, Herr zu Nussdorf und Hallerstein, I^andrath in Krain, dann 
Hofkanzler in Graz, und zwar mit Rosina, einer Tochter des Wolfgang Paradeiser 
von und zu Neuhaus und der Maria Magdalena von Hallenberg, -j* am 31. März 
1658;*) er verkaufte Schloss und Herrscliaft Nussdorf an den Fürston Ulrich von 
Eggenberg.«) 

Seine sieben Kinder waren: 

1. Martha, f 6. Juli 1677, verm. in erster Ehe mit Wolfgang Gall und in 
zweiter Ehe mit dem Oberstlieutenant Ertlmaun. 

2. Allemanna Fehcitas, f 25. December 1667, zweite Gemahlin des Johann 
Herbard Freiherm v. Lamberg zum Sauenstein in Krain. ^) 

3. Rudolf, Canomcus zu St. Nikolaus in Laibach, f 1656. 

4. Friedrich, gefallen im Duell 1648 in Steiermark. 

5. Philipp, welcher den Stamm fortpflanzte. 

6. Wolfgang, Cisterciensermönch zu Sittich, f zu Laibach 11. October 1657, und 

7. Franz Heinrich Freihen* v. Coraduzi, -j* 1670, welcher mit seiner Ge- 
mahlin Esther Maximiliana von Prückeuthall aus Kärnten zwei Töchter eraeugte: 
Maria Isabella, Gemahlin des Ludwig Marenzi. Heichsfreiherrn von Marenzfeldt 
und Scheneck, und Theresia, unter dem Namen Maximiliana. ('larissin zu Triest. 

Johann Philipp Freiherr v. Coraduzi, Herr zu Nussdorf und Hallerstein, 
t 1668, verm. 1660 mit Christina, Tochter des Ludwig Schön leben und der 
Susanna Akusch, welche ihm folgende zwei Söhne gebar: 

1. Georg Philipp, geb. 1661, unvermählt gestorben. 

2. Johann Rudolf Freiherrn von Comduzi, Herrn zu Nussdorf und Haller- 
stein, geboren 1663, Landrechtsbeisitzer in Ki-ain. Dieser hatte aus seiner ersten 
Ehe mit Maximiliana Felicitas, Tochter des Johann Kaspar Reichsgrafen von 
Attems zu Heiligenkreuz und der Maria Isabella Reichsgräfin von Auersperg, 
verm. im December 1693, f 28. Juli 1697, einen Sohn Georg Sigismund, welcher 
jung starb, und aus sehier zweiten Ehe mit Katharina Renata, Tochter des Veit 
Ferdinand Ftihrenpfeil von Pfeilheim und der Maria Sidonia Freiin von Strobl- 
hoff und Witwe des Johann Augustin Ritter Schweiger v. Lerchenfeld, gleichfalls 
einen 8ohn Karl Josef Rudolf Freiherrn von Coraduzi, geboren zu Laibach 
19. April 1707. 



*) Regbtraturs-Inventar des Landes- Vice- •) Valvasor III, 414. 

dominats. ') Wisgrill V. 373. 

*) Calendarium den Gabriel Lucnutsehitscb. 



!!• 



— 104 — 

Erbei^, Freiherren. 

Wapppn: g^vieii; mit seliwarzeni iMittolscliild. worin auf giUneiu Dreiliügel ein 
silberner Zinnenthiu*ni. 1 und 4 in Gold ein einwärts sehender, golden 
gekrönter und bewehiier s(4iwai7.er Adler; 2 und 3 in Roth auf grlineni 
Boden ein einwärts springender Hirsch von natürlicher Farbe. Zwei 
gekrönte Hehne. Der rechte mit schwarzgoldenen Decken trägt den 
Adler, der linke mit rothgoldenen Decken drei Federn, die rechte golden, 
die mittlere schwara. die linke roth.*) 

Johann Adam Erber war Canonicns zu Stainz und Paul Erber Pfarrer zu 
Judenburg. Johann Erber, Stadtpfarrer zu Gottschee, wurde 1639 von Friedrieh 
V. Moseon in Reifenberg erschossen.®) 

Johann Erber wurde 1599 mit „v. Erberg" in den Ritterstand erhoben.*'*) 

Zu Anfang des XVII. Jahrhunderts lebten in Krain und Steiermark Mathias 
V. Erberg und Martin v. Erberg mit seinem Sohne Kaspar v. Erberg. 

Veit Erber. Bürger und Rathsmann zu liaibach, erlangte vom Kaiser Maxi- 
milian II. am 12. August 1567 einen Wappenbrief.**) Sein Enkel Adam 
Erber, geb. circÄ 1560. war in erster Ehe mit Johanna Eva Hofstätterin „nobihs 

familiae ex matre Manisch" und in zweiter Ehe mit v. Zieglfest vermählt 

und dessen Sohn aus erster Ehe, Leonhard Erber, geb. 6. November 1606/*) 
erlangte s. d. AVien, 27. Mai 1668 den erbländischen österreichischen 
Adel mit dem Prädicate ^v. Erberg", wurde 1685 Landmann in Krain, dann 
Land- und Hofrechtsbeisitzer, kaufte die Herrschaften Lusthai und Ostorburg in 
Krain am 19. Sept. 1688 von Johann Balthasar v. Rasp, f 9- Jul* 1691 und liegt 
zu Gottschee begraben. Er war ebenfalls zweimal vermählt, und zwar in erster Ehe 
mit Rosina, Tochter des Adam v. Kossler und der Maria Erberin, und in 
zweiter Ehe mit Elisabetha, Tochter des Lucas Peer v. Pernburg und der Maria 
Kazianerin, f a"* -•^- Oct. 1683. Aus der ersten Ehe stammte Franz Jakob von 
Erberg, Oberstbergrichter in Krain. Cilli und Görz, welcher vom Kaiser Leopold IL 
am 27. Mai 1668 zum Comes Palatinus ernannt wurde und aus seiner Ehe mit 
Maria, Tochter des Adam Ratmansp erger und einer v. Maurzon, die Tochter 
Anna Maria, Gemahlin eines Freiherrn v. Neuhaus, hinterheß. 

Aus der zweiten Ehe des Leonhard v. Erberg stammten folgende Kinder: 

1. Daniel, welcher folgt. 

2. Mathias v. Erberg, wanderte als Lutheraner nach Ntlrnberg aus. 

3. Georg, Rector eines Jesuiten-OoUegiums. 

4. Maria. 

5. Elisabeth, verm. von Ortondi. 

6. Anna, Gemalin des Franz Georg Porti co v. Praitenau. 

7. Johann Adam. s. d. Laxenburg 16. Juni 1714 Freiherr v. Erberg zu 
Lusthai und Osterburg, Herr auf Alt-Lagk. Land- und Hofrechtsbeisitzer in Krain, 

') Ex libris im Laibacher Museum. | *') Goth. genealog. Taschenbuch der frei- 

') Lucantschitsch, Ms. | herrlichen Häuser. Jahrg. 1848, S. 104. 

»•) Hefner, Stammbuch 111, 142. i »«) Eaigersfeld, Ms. 



- 165 — 

Terra. I. mit Ursula, Tochter des Johann Adam v. Pettene^g und der Ursula 
Stubick, II. mit Joseta Leopoldine, Tochter des VVolt'gang Herbard Freiherrn von 
Apfaltrern und der Anna Isabella Gräfin Barbo v. Waxenstein. 
Dessen Kinder aus erster Ehe waren: 

» 1. Wolfgang Adam Freiherr v. Erberg zu Lusthai und Osterburg, Kreis- 
hauptmann zu ßudolfswerth, verm. 1724 mit Maria Anna, Tochter des Johann 
Erasmus Grafen von Engelshaus und der Ben ata Leopold ine Gräfin von 
Lamberg. 

2. Johann Gotthard Freiherr v. Erberg zu Lusthai und Osterburg, infulierter 
Propst zu ßudolfswerth. 

3. Maria Anna Elisabeth, verm. mit Sigismund Ferdinand Freiherrn von 
Apfaltrern. 

4. Cäcilia, Nonne zu Michelstetten. 

5. Maximilian Gottfried Freiherr v. Erberg zu Lusthai und Osterburg, 
Kreishauptmann in Eudolfswerth, verm. I. mit Maria Josefa, Tochter des Friedrich 
V. Eger, n. 1757 mit Maria P'i-ancisca Xaveria Katharina, Tochter des Wolfgang 
Sigismund Kitter Diener v. Dienersperg, Herrn zum Freyhof und Feistenberg, 
und der Regina Constanzia Freiin v. Valvasor, geb. 19. Febniar 1710, y '^^^ Feisten- 
berg im Mai 1786 (war verm. in erster Ehe im Februar 1745 uiit Maximilian 
Rudolf Cajetan Eeichsgrafen Paradeiser von, auf und zu Neuhaus und Gmdisch, 
t zu Feistenberg 20. Juli 1756, und wiederverm. in dritter Ehe zu Feistenberg, 
29. April 1762 mit Franz Sales Gall Freiherrn von Gallenstein). Seine Tochter 
aus erster Ehe, Maria Theresia, deren Taufpathin die Erzherzogin Maria Carolina 
war, starb unvermählt. 

6. Bernhard, Mitglied der Gesellschatl Jesu. 



Johann Daniel s. d. Laxen bürg 16. Juni 1714 Freiherr v. Erberg 
auf und zu Lusthai und Osterburg, geb. 13. Dec. 1647, verordneter Amtspräsident, 
t 5. März 1716, verm. I. 9. Februar 1676 mit Maria Susanna Margaretha, Tochter 
des Adam Dinzl v. Angerburg und der Susanna Elisabeth Otto v. Rosen- 
büchel, geb. 11. Juli 1661, f 3. November 1699, IL 27. December 1700 mit Aima 
Maria Tochter des Ferdmand Ernest Freiherrn v. Apfaltrern und der Regina 
Dorothea Rebecca Freiin Gall v. Gallenstein zu Rudolfsegk, AVitwe des Johann 
Jakob V. Rasp, geb. 7. August 1682, f 30. December 1727.») 

Seine Kmder aus erster Ehe waren: 

1. Michael, welcher folgt. 

2. Maria Susan na Elisabeth, geb. zu Laibach 21. Nov. IG81, j 22. Oct. 
1762, verm. 8. October 1702 mit Johann Ferdinand Freiherrn Haller v. Haller- 
stein auf Alben und Hornegg, Besitzer des Hofes Monspurg, f am 28, April 1736. 

3. Josef Richard, f zu Bologna, „in fama sanctitatis". 

4. Johann Ernest, f zu Wien. 

5. Imiocenz Wolfgang, Priester des Jesuiten-Ordens, geb. 9. Juli 1678, t i^ 
Paraguay 15. November 1721. 

»•) Schönfeld, Adels- Schematismus II, 126. 



— 100 — 

0. Anton, Hector de.s Jesuiten-Collegiums zu Laibach. 

7. Margaretha, Vorsteherin des Klosters der Clarissinnen zu LAibach. 

8. Maria Jose fa, geb. 11. Februar 1697, f 3. August 1760, verm. 12. Februar 
1718 mit Ferdinand Ernest iVeiherrn v. Rasp, f 1773. 

y. Johann Benjamin „vir eruditus"*, geb. 3. November 1699, f unverm. 1751. 



Franz Michael Freiherr v. Erberg auf und zu Lusthai und Osterburg, geb. 
27. September 1679, ständischer Verordneter, Land- und Hofrechtsbeisitzer in Erain, 
t 5. August 1760, verm. 2. Februar 1709 mit Maria Renata Theresia, Tochter des 
Wolfgang Engelbrecht Freiherrn Gall v. (lallenstein und der Maria Elisa- 
beth Freiin Khaysel v. Grailach, geb. 12. October 1684, f 19. August 1729. 

Deren Kinder waren: 

1. Francisca Xaveria, geb. 3. December 1709, f 2. April 1732. 

2. Maria Anna Elisabetha, geb. zu I^aibach, 11. November 1710, t 14. No- 
vember 1702, begraben zu Laibach in der Ijorettokapelle der Pfarrkirche zu Mariae 
Verktindigung. verm. 10. Juni 172G mit Franz Heinrich Josef Freiherrn von 
Raigersfeld, f 31. März 1760. 

3. Johann Josef, Priester des Jesuiten -Ordens zu Laibach, geb. 11. Febr. 
1712, t 29. Juni 1783. 

4. Wolfgang Daniel, welcher folgt. 

5. Margaretha, geb. 19. Juli 1716, f 21. October 1731. 

6. Ferdinand Gabriel, Director zu St. Xaver in Oberburg, geb. 17. März 
1722, t als Domherr zu Laibach, 4. Juli 1796. 

7. Anton, geb. 8. Juli 1729, f 20. Januar 1730. 



Wolfgang Daniel Freiherr v. Erberg auf und zu Lusthai und Osterburg, 
geb. 27. August 1714, f 7. Mai 1783, verm. 6. Juü 1761 mit Maria Anna, Tochter 
des Leonhard (ilrafen v. Neu haus'*) und der Felicitas Gräfin v. Orzon, geb. 
27. August 1744, Sternkreuzorden sdame, f 24. März 1774. 

Seine Kinder waren: 

1. Margaretha, geb. 13. Juli 1762, f 1853,'*) Sternkreuzordensdame, verm. 
23. November 1796 mit Franz Josef Grafen v. Hohenwart zu Gerlachstein, 
Kabensberg und Raunach, Besitzer der Herrschaften Raunach und Ruckenstein, 
t 1844.»«) 

2. Josef, welcher folgt. 

3. Maria Primitiva , geb. 24. Februar 1774, Sternkreuzordensdame, f 21. August 
1802,'^) verm. 12. Februar 1791 mit Franz Josef IL, dem jüngeren, Freiherrn 
V. Kaiserstein, Majoratsherrn zu Starkstadt, f 16- Juü 1830.*®) 



'*) Wi 8g rill V, 66. Genealog. Kalender, j '^) Goth. genealog. Taschenb. der freiherrl. 

Frankfurt a. M. 1802, I, 600. 1 Häuser, Jahrg. 1864, 8. 606. 

'*) Hopf, Histor.-genealog. Atlas, II, 18. 1 »») Ibidem, Jahrgang 1849, S. 220. 

'*) Goth. gonealog. Taschenbuch der gr&fl. i 

Häuser, Jahrg. 1846, S. 276 u. 737. | 



- IßT ~ 

Josef Augiistin Freiherr t. Erberg, Besitzer der Herrschaften Lnsthal und 
Osterburg in Krain, ^eb. 27. August 1771, Obersterblandsilberkämmerer im Hei-zog- 
thum Krain, Großkreuz des St. Stephans-Ordens und Kitter des Leopold-Ordens, 
k. k. wirkl. geh. Bath, Kämmerer und Ajo des Kronprinzen Ferdinand, f ^^ 
10. Juli 1843, Term. 24. Juni 1794 mit Maria Josefa Katharina, Tochter des 
Johann Ludwig ßeichsgrafen v. Atteras zu Petzenstein und der Katharina Gräfin 
ürsini v. Blagay, geb. 12. Februar 1778, Sternkreuzordensdarae seit 1799, '•) 
t 8. April 1847. w) 

Deren Kinder waren : 

1. Josef Ferdinand tVeiherr v. Erberg zu Lusthai und) Osterburg, geb. 
25. April 1795, k. k. Kämmerer und Legationsrath, f 27. April 1847.»») 

2. Maria, geb. 23. Januar 1797, Stiftsdame des adeligen Damenstiftes „Maria 
Schul" zu Brunn, f 14. Januar 1853. 

3. Karl Johann, Freiherr v. Erberg zu Lusthai und Osterburg, geb. 6. April 
1798, t 5. November 1847. 

4. Maria Leopoldina, geb. 5. August 1800. t 21. April 1803. 

5. Antonia Katharina, geb. O.April 1807, Sternkreuzordensdame, f zu Görz, 
23. Mai 1878, als Letzte des (leschlechtes,") venu. 21. Januar 1839 mit Johann 
Ludwig Reichsgrafen v. Attems Frf^ih^rrn zu Petzenstein, Besitzer von Potgora, 
Lucinico, Vipulzano, Ober- und Unter-Cerou, Mitbesitzer der kaiserlichen I^hen zu 
Chiopris und Cormons,**) f auf Potgora, 13. Januar 1885.**) 



Jurltseh, Freiherren* 

Wappen: Mittelschild gespalten, rechts von Gold und Blau getheilt, darin ein rechts- 
Hiehender Hirsch von nattirlicher Farbe (Stammwappen), links in Roth der 
Oberleib einer in Segor oder Schilfgras gekleideten Jungfrau ohne Arme 
mit silbernem Spitzenkragen, niedrigem, runden, schwaraen Hut mit 12 
silbernen und 3 schwarzen Federn, von dem innen hemb bis auf die 
Brust an schwarzem Bande ein goldenes Kreuz herabhängt (Schnitzen- 
baum); Schild geviert, 1 in Roth ein links springendes silbernes Einhorn ; 
2 in Roth ein wachsender, schuppiger, gekrönter, goldener Drache oder 
Lindwurm mit emporgeringeltem Stachelschwanze und vorgestreckten Vor- 
derklauen; ö von Roth und Silber gespalten, darin 2 neben einander 
aufrecht gestellte Mooskolben von natürlicher Farbe ; 4 in Roth der Vor- 
dertheil eines rechts gewendeten silbernen Pferdes (Schnitzenbaum). 
4 offene orekrönte Helme. Der rechte mit rothsilbernen Decken trägt das 



*•) Genealog. Kalender, Frankfurt a. M. 
1802, ], 478. 

**) Goth. genealog. Taschenb. der gräflichen 
Häuser, Jahrg. 1848, S. 784. 

*') Güth. genealog. Taschenb. der freiherrl. 
Häuser, Jahrg. 1863, S. 570 



") Ibidem, Jahrg. 1880, S. 996. 

••) Knesohke, Deutsche Grafenhäuser der 
Gegenwart, 1, 41. 

^*) Goth. genealog. Taschenbuch der gräfl. 
Häuser, Jahrg. 1H86, 8. 50 und Jahrg. 1886, 
S. 116S. 



- 168 -^ 

Einhorn wachsend, der 2. mit blaugoldenen den Hirsch wachsend, der 
3. mit rothsilbemen die Jungfrau, der linke mit rothsilbemen den 
Drachen. 

Sylvester Jurics, Anführer der Uskoken aus Ungarn, erlangte s. d. Wien 
5. August 1569 den ßeichsadel") und war mit Helena v. Lamberg ver- 
mählt.**) Seine Tochter Helena wurde am 10. Februar 1592 zu Ober-Laibach") mit 
Andreas Flach vermählt und von seinen Söhnen war der jtingere Mathias Pfarrer 
zu Battmannsdorf-*) und der ältere Karl von Juritsch auf Siemitseh. kaufte Strugg und 
Alt-Guttenberg in Krain**) und 1578 die Pfandherrsehaft Maihau von Margaretha von 
Lenkovich, f 1591 ""^ erzeugte mit seiner Gemahlin Katharina v. Rabensperg ^) 
drei Töchter: Anna, verm. 1627 mit Georg Stein kircher, und die Gemahlinnen 
des Hans Seyfried Kasp zu üsterburg und Lusthai und des Anton Petscharitsch, 
und einen gleichnamigen Sohn Karl v. Juritsch zum Strugg, Alt-Guttenberg und 
Preißeck, Ritter, Rath des Erzherzogs Ferdinand und kaiserlicher Kriegsrath, Zahl- 
meister und Proviantmeister in der kroatischen und windischen Grenze, Pfandinhaber 
der Herrschaft Maihau und seit 14. März 1595 Landstand inKrain, f 1604, 
verm. I. mit Agnes, Witwe des Johann Franz v. Siegersdorf zum Preißeck; 
n. 16. Januar 1595 zu Laibach**) mit Elisabetha, Erbtochter des Adam Rauber 
Freiherrn v. Plankenstein zum Weinegkh und Kräutberg und der Anna v. Schnitzen- 
baum, t zu Maihau 1609. Dessen Kinder aus zweiter Ehe waren: 

1. Johann Jakob, welcher folgt. 

2. Justina, verm. I. mit Kaspar Tauben hau er zum Rosseck, II. mit Jakob 
Pantaleon, als dessen Witwe sie 1633 starb. 

3. Felicitas, t zu Altenburg im März 1645, verm. zu Strugg 2. März 1631 
mit Gregor Mattatschitsch. 

4. Anna Maria, geb. 1602, verm. 1630 mit Hans Andreas Mordaxt zum 
Graben und Stauden. 

5. Sidonia, verm. zu Maihau 24. September 1617 mit Georg Ernst Para- 
deiser Freiherrn von und zu Neuhaus auf Maihau und Laas in Zengg und Sichelburg. 

6. Wolf Karl, lebte noch 8. Jänner 1659 zu Stauden, verm. mit Sibilla Eli- 
sabetha, Tochter des Konrad v. Breckerfeld zum Impelhof, Ritters und der Feli- 
citas Gneditsch aus dem Hause Thurn unter Rattschach , wiederverm. in zweiter Ehe 
mit Maximilian Albrecht Mattatschitsch genannt v. Seethal.") 

7. Esther Sidonia, Gemahlin des Bernhard Mose on Freiherrn zum ürtenegk. 



Johann Jakob, s. d. Wien 4. Mai 1634, erbländisch - österreichi- 
scher Freiherr v. Juritsch zum Strugg. Alt-Guttenberg und Neumarktl, belehnt 
s. d. Graz 12. December 1636, kurtlirstlich bayrischer Oberst der Hatschiere und 



") Goth. geneal. Taschenbuch der freiherrl. ») Schönleben, Ms. 

BÄuser, Jahrg. 1848. 8. 193. \ io) Lucantschitsch, Ms. 

*•) Baigersfeld, Ms. 
^) Copnlationsbnoh. 
••) Valvasor, Fol. 793. 



'*) Copnlationsbnch. 
»■) Leopold I, 159. 




— 169 — 

Eath, kaiserlicher Oberzahlmeister und Proviant-Commissär in der kroatischen und 
Meeresgrenze, f 1649, verm. zu Laibaeh 9. Juni 1630") mit Eva Sidonia, Tochter 
des Wolfgang Dietrich Freiherrn v. Lamberg auf und zum Stein und der Felicitas 
von Moscon Freiin zum Lichtenwald und Gurkfeld, f 1637. Seine Kinder waren: 

1. Karl Georg, starb unvermählt. 

2. Karl, welcher folgt. 

3. Anna Elisabetha. 

Wolfgang Karl Freiherr v. Juritsch auf und zum Strugg und Alt-Guttenberg, 
kaiserlicher Proviantmeister der kroatischen und Meeresgrenze und General-Grenz- 
zahlmeister, t zu Strugg 4. December 1687, verm. mit Rosina Elisabetha, Tochter 
des Johann Friedrich Grafen v. Schrattenbach und der Dorothea Sidonia Freiin 
V. Egkh zum Hungerspach, f zu Strugg 21. Nov. 1687.*^) Deren Kinder waren: 

1. Hans Sigmund, Pfarrer zu St. Barthelmä im Felde. 

2. Wolfgang Friedrich, pflanzte die Strugg'sche Linie fort unter A, 

3. Sidonia Dorothea, verm. zu Strugg 23. November 1681 mit Franz Hartmann 
von Isenhausen zum Ödenhausen und Sidusch. 

4. Johann Balthasar, unter dem Namen Pater Eugenius, Cistercienser und Stifts- 
käramerer zu Landstraß, f 30. Juli 1730 an einer Wunde, welche ihm walachische, 
das Stifl; ausplündernde Räuber beigebracht hatten. 

5. Franz Adam, Stammvater der Radelstein'schen Linie unter B, 

6. Felix, Ahnherr der Pleterhofschen Linie unter C. 

7. Anna Elisabetha, flS. September 1707, verm. zu Strugg 1. November 
1686 mit Franz Adam I., Reichsgrafen v. Lamberg zum Stein und Guttenberg.**) 

A. Die Linie zum Strugg. 

Wolf gang Friedrich Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-Guttenberg, 
Besitzer des Gutes Strugg, vermählte sich zu Kroissenbach am 9. December 1677 
mit Judith Theresia, Tochter des Bernardin Barbo Grafen v. Waxenstain Frei- 
herm v. Zobelsberg und der Leopoldine Renata Gräfin v. Auersperg, '•) geb. zu Zo- 
belsberg. Seine Kinder waren: 

1. Aurora Felicitas, ürsulinerin zu Laibach unter dem Namen Katharina Alexia, 
Profess 28. November 1707. 

2. Agatha, geb. 29. Jänner 1679, ürsulinerin zu I^aibach unter dem Namen 
Isabella Constanzia. 

3. Francisca Eleonore Theresia, Clarissin zu I^aibach unter dem Namen 
Xaveria, Profess 3. August 1708. 

4. Maria Anna, trat 1714 in das Noviciat bei den Clarissinnen zu T^ibach. 

5. Adam Seyfried Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-(iuttenberg, geb. 
26. December 1683, Besitzer des Gutes Strugg, f 3. September 1741, verm. zu 
Rastenberg 2. Februar 1704 mit Francisca Katharina, Tochter des Johann Weichard 



<•) Copnlationsbach. 

««) Sohönfeld. Adels- Schematism. II, 216. 

»») Wisgrill V, 376. 



»«) Wisgrill I, 298. Jahrbuch* des „Adler" 
1881, Tafel II zur Seite 82. 



— 170 — 

Freiherrn v. Val vasor auf Wagensperg und der Anna Maxirailiana Freiin v. Zetscheker, 
geb. 28. April 1688, welche das Gut Strugg 1742 dem Karl Ignaz Freiherrn v. 
Juritsch überließ. 

6. Maria Helena, verm. zu Strugg mit Karl Seyfried Freiherm Gall v. 
Gallenstein. 

7. Rosina Gertrud, verm. zu Strugg 25. Mai 1710 mit Nikolaus Benedikt 
Freiherrn Malaköczy v. Szomszedvdr. 

8. Johanna Christina, f zu Areh 1755, verm. I. mit Julius Ignaz Grafen v. 
Edling, n. mit . . . Freiherm De Leo, III. mit Ferdinand Mordaxt Freiherm 
v. Portendorf, IV. mit Franz Adam Freiherrn Haller v. Hallerstein. 

B. Die Linie zu Drasliowitz. 

Franz Adam Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-Guttenberg , Besitzer 
des Gutes Draskowitz. y 1714, verm. zu I^aibach 27. April 1692 mit Maria Si- 
donia, Tochter des Wolfgang Sigismund Freiherrn v. St ro bei ho f und der Maria 
Eleonora Freiin v. Billichgratz zum Baumkirchnerthurm mid Hilzeneck, f i'^ ^o^- 
1704.") Deren Sohn Anton Josef Adam Freiherr v. Juritsch zum Strugg und 
Alt-Guttenberg, geb. zu Draskowitz bei St. Barthelmä im Felde 31. Oeto))er 1696, 
Besitzer des Gutes Dmskowitz, kaufte 1728 vom Stifte zu Landstraß das Gut Ba- 
delstein und später auch das Gut Pleterhof und t 1749; verm. I. zu Neustein im 
November 1716 mit Anna Elisabetha, Tochter des Ferdinand Ernst Mordaxt 
Freiherrn v. Portendorf und der Isabella Francisco Grätin v.) Thurn und Valesassina, 
geb. zu Altenburg bei St. Peter an der Gurk 1697, f zu Eadelstein 1753, H. mit 
Maria Beatrix Freiin v. Conti. Seine Kinder aus der ersten Ehe waren: 

1. Karl, Stifter des älteren Zweiges unter a. 

2. Francisca, geb. 24. Februar 1721. verm. mit einem Bürgerlichen. 

3. Katharina, f 1768, Gemahlin des Alexander Anton Bitter v. Höffern zum 
SalfeJd. 

4. Ferdinand, Stifter des jüngeren Zweiges unter 6. 

a) Der ältere Zweig. 

Karl Ignaz Lorenz Ernst Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-Gutten- 
berg, geb. zu Draskowitz 11. August 1718, Besitzer der Güter Strugg und Pletterje, 
Landrath, I^and- und Hofrechtsbeisitzer zu Laibach seit 1743, t zu Strugg 11. Febr. 
1763, verm. zu I^ndespreis 21. August 1743 mit Maria Francisca Xaver ia, Tochter 
des Nikolaus Josef Reichsgrafen v. Auersperg imd der Maximiliana Elisa- 
betha Gräfin v. Liechtenberg , geb. zu Landespreis 3. Mai 1729,**) t "^^ l^aibach 
10. März 1765.'*) Deren Kinder waren: 

1. Marianna, geb. 1744, verm. 30. Mai 1766 mit Josef Freiherrn v. ßoth- 
kirch zu Prossnitz in Mähren. 

2. Leopold Alois Nikolaus Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-Gutten- 



•') Sohönfeld, Adcls-Schematismus 11, 203. 

••) Genealog, Kalender, Frankfurt a. M. 1802, I, 485. VVisgrill 1, 25.'^. Leupold I, 42. 

=^) Schönfeld I, 54. 



— 171 - 

berg, geb. 1749, Besitzer des Gutes Strugg, y zu Strugg 7. Jänner 1791, begraben 
zu St. Peter, venu. 30. August 1773 mit Maria Franeisca Felicitas, Tochter des 
Johann Sigismund v. Breckerfeld zum Impelhof Eitters und der Maria Katha- 
rina Helena Schweiger v. Lerchenfeld, geb. zu Altenburg 6. December 1749.*") 
Seine Kinder waren: 

1. Maria Alois ia Katharina, geb. zu Stnigg 7. November 1774, als k. k. 
Stiftsdame installiert zu Laibach 13. Jänner 1793, f 7. Mai 1843, verm. zu Strugg 
10. Mai 1798 mit Weichard Jobst Johann Maria Franz Barbo Reichsgrafen von 
Waxenstain Freih. v. Gutteneck, Passberg und Zobelsberg Herrn zum Kroisenbach 
und auf Drägembel in Krain, f 24. Oct^ber 1811. *0 

2. Juliana, geb. 20., f 21. December 1775. 

3. Nepomuk Franz Sulpitz Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-Gutten- 
berg. geb. 20. April 1778, k. k. Lieutenant im 16. Inf.-ßeg. 

4. Maria Anna Xaveria. geb, 2. April 1779, f sechs Wochen alt. 

5. Maria Johanna Nepomucena Hedwigis, geb. 16. Mai 1780, t zu Strugg 
18. Jänner 1800. 

G. Josef Franz Anton Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-Guttenberg, 
geb. 2. Oct. 1781, verm. mit Anna, Tochter des Johann Georg Jellauscheck^*) 
Edlen v. Fichtenau, Eitters, Besitzers des (lutes Praitenau, und der Katharina Nide- 
mayerin. Deren Tochter Hedwig, geb. 31. Obtober 1812, starb unvermählt. 



b) Der jüngere Zweig. 

Ferdinand Josef Freiherr von Juritsch zum Stnigg und Alt-Guttenberg, geb. 
zu Badelstein 11. November 1731, Besitzer der Güter Kadelstein und Pleterhof, 
landschaflUcher Zeugscommissär in Niederkrain, f ^" Laibach 13. März 1784. verm. 
zu liaibach 11. Juli 1766 mit Maria Anna Felicitas, Tochter des Franz Karl Freih. 
Schweiger v. Lerchenfeld auf Glogowitz und Eutzing und der Maria Franeisca 
Gräfin v. Thurn und Valesassina, geb. zu Laibach 10. JuU 1741, f 22. Jänner 1780. 
Seine Kinder waren: 

1. Maria Anna Martina, geb. 11. November 1769, f zu Pressburg im Kloster 
Notre-Dame 1782. 

2. Maria Josefa, geb. 31. Juli 1771, t H- ^'<^br. 1809. venu, zu Laibach 
7. Mai 1793 mit Franz Anton Freiherrn v. Lazarini zu Flödnig, Erbherrn auf 
Hörberg in Steiermark, t am 19. April 1832.**). 

3. Juliana Thekla, geb. 19. September 1772, f zu Uihach 1786. 

4. Alexander Ferdinand Albin. geb. 1. März 1774, f 1775. 

5. Franz, welcher folgt. 

6. Maria Katharina Karola Genofeva. geb. 3. Jänner 1778. f ^'^^' 1861, 
verm. zu Strugg 8. Mai 1802 mit Maria Leopold Fieiherrn v. ßastern zum 
Schernbühl.**) 



«*) Lenpold L 160. 

*•) Jahrbuch des „Adler" 1881, S. 32, Tf. IL 
Goth. genealog. Taschenbuch der grnfl. Hauser, 
Jahrg. 1871, S. 56. 



**) Goth. genealog. Taschenbuch der frei- 
herrl. Häuser, Jahrg. 1848, S. 464. 
*•) Ibidem, Jahrg. 1896, 8. 536. 
") Ibidem, Jahrg. 1861, S. 990. 



— 172 — 

7. Yincenz. geb. 22. Jänner 1780, t iin Juni 1784. 

8. Agnes, Zwillingschwester des vorigen, f zu Stnigg 5. November 1785. 



Franz Sales Josef Victor Freiherr v. Juritsch zum Stnigg und Alt-Guttenberg, 
geb. 4. September 1775, Herr auf Radelstein und Pletterje in Krain, k. k. Kämmerer 
und jubilierter Hofrath, f '" ^^^^ 31- August 1854, <*) verm. 15. September 1805 
mit Ernestijie, Tochter des Maximilian Josef Reichsgrafen v. Thurn-Valesassina- 
Como-Vereelli Freiherrn zum Kreuz, und der Barbara Gräfin v. Wildenstein , geb. 
13. August 1776, Sternkreuzordensdame, f 26. Juni 1843.**) Deren Kinder waren: 

1. Kajetan Freiherr v. Juritsch zum Stugg und Alt-Guttenberg, geb. 19. De- 
cember 1806, k. k. Kämmerer und I^andrath beim Gubernium zu Laibach, f zu 
Lippitzbach in Kärnten 6. üctober 1853. 

2. Maria Barbara, geb. 10. Januar 1808, Sternkreuzordensdame, f 1869, 
verm. 3. Juh 1836 mit Friedrich Karl Reichsfreiherrn v. Bibra- Gleicherwiesen 
zu Leopoldstadt, f 5. Juni 1873. *7) 

3. Franz Xaver Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-Guttenberg, geb. 
13. März 1809, k. k. Rittmeister des 2. Cheveauxlegers-Reg. a. D., f 26. Juli 1846. 

4. Ernst Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-Guttenberg, geb. 18. März 
1810, Landstand in Steiermark, Kärnten und Krain, k. k. Kämmerer und Oberst 
des 6. Dragoner-Reg. a. D., f zu Graz 15. Juni 1873.*®) 

5. Karola, geb. 22. September 1817, k. k. Stiftsdame zu Prag, f 1890. 



C. Die Plet0riiof'8ohe Linie. 

Ferdinand Felix Friedrich, Freiherr v. Juritsch zum Strugg und Alt-Gutten- 
berg, Besitzer des Gutes Pleterhof, war verm. I. zu Strugg 17. Juni 1695 mit Mar- 
garetha, Schwester des Franz Josef Grafen v. Laniberg. Witwe des Johann Ernst 
Grafen Paradeiser, Freiherrn von und zu Neuhaus und Gradisch, Edlen Herrn 
auf Kollnitz und Maihau seit 1688, II. zu Arch 4. JuH 1717 mit Maria Regina 
Freiin Mordaxt v. Portendorf, Witwe des Franz Albrecht v. Seethall zum Schutt 
und Altenburg, und des . . . Grafen v. Thurn. Seine Kinder aus erster Ehe waren: 

1. Joachim Gabriel Ignaz, k. k. Hauptmann, f zu Belgrad 30. üctober 1737. 

2. Anton Josef, k. k. Fähnrich im 18. Infanterie-Reg. 

3. Karl Ignaz, k. k. Hauptmann. 

4. Maria Franc isca Antonia, f 1782, venu. 1734 mit Leopold Ludwig Herrn 
V. Hohenwart, f 1756,^») 



*•) Ibidem, Jahrg. 1866. S. 288. 
^) Ibidem, Jahrgang 1873, S. 236. 
*') Ibidem, Jahrg. 1871, S. 823 und Jahrg. 
1894, S. 42. 



*•) Ibidem, Jahrg. 1853, S. 229 und Jahrg. 
1874, S. 868. 

*•) Hopf, Histor.-genealog. Atlas II, 18. 



— 173 - 
Eaysel, Freiherren. 

Martin Kaysei (Khaysel), 1596 — 1619, Bürger und Kaufmann zu Weixelburg 
in Krain,*^) kaufte 1613 Grailaeh bei Nassenfuß in Krain.*') Seine Gattin Katharina. 
Tochter des Gregor Glebainig zu Laibach,") gebar ihm vier Söhne: Johann, Georg 
und Marcus, welche ebensoviele Linien stifteten, und Peter, verm. 23, September 
1607 mit Agnes Zhesman.") 

A. Die &ltere Linie. 

Johann KayseL Bürger und Kaufmann zu I^aibach, 1616 verm. mit Margaretha 
Seh er r, hatte folgende Kinder: 

1. Johann Kaspar Kaysei zu Grailaeh, geb. 27. Deeember 1598,*^) seit 1634 
Landstand in Krain, verm. mit Regina, Tochter des Johann Daniel v. Wernegk und 
einer v. Apfaltrern. 

2. Johann Daniel, s. d. Wien 23. Jänner (intimiert 29. Mai) 1668, Freiherr 
V. Kay sei zu Grailaeh und Schwaraenbach, Herr auf Arch, vermählt mit Maria 
Margaretha, Tochter des Ernst v. Schernburg und der Judith Epich, Witwe 
des Karl de Leo, kaufte von seinem Schwager Enist Michael v. Schernburg Schloss 
und Herrschaft Nassenfuß, und wurde daselbst von seinem zweiten Schwager Hans 
Josef V. Schern))urg 1674 erstochen.**) Seine Tochter Isabella starb zu Stermoll 
11. Juli 1693 als Gemahlin des Heinrich Koni*ad Freiherrn von Russenstein. 

3. Elisabetha, Gemahlin des Wolfgang Engelbert Preiherrn Gall v. Gallen- 
stein zu Winkel.'^*) 

4. "Johann Baptist, geb. 9. Februar 1614. 

B. Die mittlere Linie. 

Johann Georg Kaysei, Bürger und Kaufmann zu Laibach 1616, Besitzer von 
Schwarzenbach 1640, und seit 1634 Landstand in Krain, war zwehnal vermählt, 
und zwar in erster Ehe mit Regina Elisabetha, einer Tochter des Martin Schwab 
V. Lichtenberg und der Ursula v. Rasp und in zweiter Ehe mit Anna Katharina, 
einer Tochter des Ehrenreich Freiheirn Gall v. Gallenstein und der Sophia 
Eaumbschüssel. 

Aus der ersten Ehe stammen folgende Kinder: 

1. Johann Christoph, geb. zu Pauli Bekehrung 1610. 

2. Ferdinand, geb. 17. September 1613. 

3. Johann Adam. geb. 2. October 1614, Domdechant zu Laibach und 1641 
bis 1643 Verordneter in Krain.*^) 

4. Georg Ehrenreich. 

5. Katharina, Gemahlin des Georg Freiherrn de Leo v. Löwenberg. 

6. Franz Albert, s. d. Wien 23. Januar 1 668, Freiherr v. Kaysei, t ^u 
liaibaeh 3. Mai 1674, vermählt mit Katharina Sidonia, Tochter des Franz Christoph 



*•) Schönleben, Ms. 
»») Raigersfeld, Ms. 
*') Lucantschitach, Ms. 
^) Copulationsbuch. 



»*) Taufbuch. 
»•) Valvasor III, 396. 
••) Nedopil 227. 
»') Valvasor IH, 89. 



— 174 — 

Schwab V. Liclitenberg und der Polyxena Valvasor v. Galleneek. Dessen Sohn 
Franz Christoph Freiherr v. Kaysei f 24. September 1705 und hinteriieß aus seiner Ehe 
mit Anna Rosina, einer Tochter des Ferdinand Ernst Freiherrn v. Aptaltreru und 
der Regina Dorothea Freiin v. Gall zu Rudolfseck, nur eine Tochter, Maria Anna 
Leopolda, Erbin des Gutes Slatenegg, verm. 19. Februar 1708 mit Ernst Sigismund 
Grafen Barbo v. Wachsenstein. 

C. Die jOngere Liiie. 

Marcus Kaysei, seit 1634 Lp-ndstand in Krain, war mit Elisabetha, einer Tochter 
des Johann Adam v. Wernegk, sein Sohn Franz Rudolf Kaysei mit Rosina Henigna, 
einer Tochter des Johann Ludwig Freiherrn v. Edling zu Burg Wippach und der 
AnnaSusanna Gall v. Gallenstein und dessen Sohn Karl Seyfried, seit 14. December 
1701Freiherrv. Kaysei mit Katharina, einer Tochter des Andreas Daniel Freiherrn 
Mordaxt v. Portendorf und der Katharina Magdalena v. Gall zu Rudolfseck, f zu 
Wagensperg 1750, vermählt. Mit Karl Seyfried, welcher sein Gut Arch am 10. März 
1724 seinem Vetter Ignaz Julius Grafen v. Edling legierte, ist die freiherrliche 
Familie v. Kaysei erloschen. 



Easehlan, Freiherren. 

Wappen: Geviert mit rothem Mittelschild, worin ein rechtsspringendes silbernes Pferd. 
1 und 4 sechsmal schwarzgold getheilt, 2 und 3 in Blau ein einwärts- 
sehender, goldener Basilisk. Zwei gekrönte Helme. Der rechte mit blau- 
goldenen Decken trägt den Basilisk, der linke mit schwarasilbernen 
Decken einen einwärtssehenden, rad- schlagenden Pfau.*®) 



Mathias Kuschlan vermählte sich 22. Februar 1626 mit Margaretha Fabian in.**) 
Kaspar Kuschlan, Herr zu Mostal, seit 16^0 Landstand in Krain,***) wurde 
1631 (intimirt Graz 16. October 1631), kaiseriicher Rath,«>) war „Obermitldings"- 
Einnehmer der Landschaft in Krain und lebte noch 1647,**) verm. in erster Ehe 
mit Elisabetha, einer Tochter des Johann v. Montegnano und der Katharina 
KunstL und in zweiter Ehe mit Maria, einer Tochter des Georg Sigismund v. 
Sternberg und der Gertrud Hasyberin, Witwe des Gregor Kunstl v. Baumgarten 
zu Laibach. 

Seine Kinder waren: 

a) Aus erster Ehe: 

1. Friedrich v. Kuschlan. 

2. Adam, welcher folgt. 

3. Judith Elisabetha. verm. 22. Januar 1662 mit Johann Christoph Portner 
V. Höflein. 



**) Neuer Siebmac her, Krainer Adel, S. 
12, Tafel 11. 

*•) Copulatiansbucli. 
n Schönleben, Ms. 



"<) Registraturs-Inventar des Landes- Vice- 
doininats. 

^*) Lucantschitsch, Ms. 



— ITf) — 

4. Eosina, Gemahlin des Johann Georg v. Apfaltrern. 

h) Aus zweiter Ehe: 

5. Maria, geb. 19. März 1614,«*) vermählt m erster Ehe mit Josef Teneffle, 
und in zweiter Ehe mit Johann Andreas Freihen-n v. Gallenfels. 

6. Johann Wilhelm Freiherr v. Kusehlan, kaiserlicher Oberst und Haupt- 
mann zu Ottotschitsch, dessen Sohn Karl Theophil Freiherr v. Kusehlan 1702 zu 
Fünfkirchen in Ungarn studierte. 



Johann Adam v. Kusehlan, Herr zu Mostal, kaiserlicher ßath und Landschafts- 
beisitzer in Krain, | 26. November 1681, vermählt in erster Ehe mit einer Tochter 
des Christoph Ott v. Kosenpichl und in zweiter Ehe 1659 mit Maria Konstanzia, 
einer Tochter des Johann Mathias v. Schlangenburg zum Schrotteneck und der 
Eva Katharina v. Gabelkhoven. 

Aus der zweiten Ehe hatte er vier Söhne: Franz Jakob, Cistercienser, Jobst 
Josef, Adam Balthasar, welcher in Diensten des Bischofs zu Laibach stand, und 
Florian Rudolf. 

Jobst Josef, seit 1718 Freiherr v. Kusehlan, Edler zu Mostal, •^) verm. 6. Febr. 
1699 mit Helena,*^) Tochter des Johann Peter Marastoni v. Marastein und Willeneg 
und der Anna Marsilia v. lAzarini, Landesverordneter und seit 10, September 1700 
„Obermitldings" -Einnehmer in Krain, hatte folgende zwei Söhne: 

1. Wolfgang Kajetan Freiherrn v. Kusehlan. Edlen Herrn zu Mostal, t 13. 
Februar 1750. verm. 13. Mai 1725 mit Johanna Antonia, Tochter des Sebastian 
V. Raigersfeld und der Maria Isabella Sarger v. Sargfeld, geb. 1. Juni 1708, 
t 29. August 1737, deren einzige Tochter Isabella mit Adam Dinzelv. Anger- 
burg vermälilt war. 

2. Karl Freiherrn v. Kusehlan, Edlen Herrn zu Mostal, aus dessen Ehe mit 
Josefa, einer Tochter des Jobst Ferdinand Freiherrn v. Gussich und der Maria 
Fi-aneisea v. Kudolli, zwei Kinder Johann Nepomuk und Maria entstammten. 

Karl Fieiherr v. Kusehlan (Kuslan), geb. zu Krapina in Kroatien 1817. war 
Advocat zu Karlowitz, wurde 1860 Obernotär der Agramer Gespanschaft und 1861 
Vicepräsident des kroatischen Landtages ••; und f zu' Agram an! 12. Mära 1867.*^) 

Eduard Freiherr v. Kusehlan war 1848 königlieh ungarischer Actuar beim 
Gefiills-Bezirks-Inspectorate zu Essek und noch 1880 Oberfinanzi-ath zu Agram.**) 
Mit ihm ist diese freiherrliche Familie ausgestorben. 



Lamberg, trafen und Fürsten. 

Stamm Wappen: Gespalten, rechts von Silber und Blau oder von Blau und Silber, 
drei- bis ftlnfmal getheilt, links roth ohne Bild. Auf dem gekrönten Helme 



") Taufbuch. | ••) Slovnik nam5ny IV, 1083. „Presse- 1863 

•*) Megerle ?. Mühlfeld, Erganzungs- | Nr. 261. 
band S. 72. I *') Goth. genealog. Taschenbuch der frei- 



•) Raigersfeld, Ms. 



herrl Häuser, Jahrg. 1868, S. 1080. 
^) Staatshaudbuoh. 



~ 176 — 

mit reelits blausilbemer , links rothsilberner Decke, zwei Büflfelliöraer, 
das rechte getheilt wie die rechte Hälfte des Schildes, das linke roth 
und jedes auswärts mit vier, in der Mündung mit einem und innen mit 
zwei Pfaueuspiegeln besteckt.**) 

Diese Familie soll frl'iher den Namen Rittersberg geführt haben ; nachdem aber 
einer dieses Geschlechtes, der an einem Fuße lahm gewesen, von dem Volke den 
Beinamen der Lahme erhalten hatte, hießen er und seine Nachkommen die 
Lam berger und nahmen zuletzt diesen Namen an. welchen sie auch beibehielten.^'^) 

Der Name Leonberg findet sich in krainischen Urkunden öfter vor und 
wurde zu Lamberg entstellt.^*) 

Vollrad (Volcardus) L v. liamberg und sein Sohn Walt her werden als die 
Ahnherren des Hauses Lamberg, 1161 urkundlich genannt.^') 

VoUrad befand sich unter dem Kriegsgefolge des Babenb ergers Heinrich 
Jasomirgott, machte unter Kaiser KonradUL 1137 den Kreuzzug nach Palästina 
mit und t 1177 im Alter von 68 Jahren. Seines Sohnes Walt h er v. liamberg, Mini- 
sterialen des Herzogs Heinrich L v. Österreich. 1187,^*) Sohn Vollrad H. v. Lam- 
berg, begleitete den Herzog Leopold VL nach Palästina, machte die Eroberung von 
Ptolemais mit und f 1214.'*) 

Otto v. liamberg lebte 1189^*) und Vollrad HL, Krieg.soberst Friedrichs H. 
des Streitbaren, fiel 1246 in der Schlacht an der Leitha^*) gegen König B61a von 
Ungarn. 

Martin und Johann v. Iiam))erg lebten um 1300.") 

Wenzel v. Lamberg, wahrscheinlich ein Sohn Vollrads IIL, kämpfte unter 
Konig Wenzel I. von üöhmen gegen dessen Sohn Przemysl Ottokar.^«) 

Be rengar und sein Bruder Rudolf v. Lamberg erscheinen 1300 auf dem 
Turnier zu Graz und 1322 urkundlich.'*) Sein Sohn AVilhelm L, der ältere, von 
liamberg, focht bei Mühldorf in Baiern 1322 für Friedrich den Schönen von 
ÖsteiTeich und kommt noch 1335 als Herr zu Fels. Absdorf und Engabrunn in 
Niederösterreich (Viertel unter dem Mannhartsberge, jetzt Bezirkshauptmannschaft 
Krems) vor.®') Mit seiner Gemahlin Jutha (Gauchze), deren Gechlechtsname un- 
bekannt ist, erzeugte er eine Tochter Katharina, verm. mit Nikolaus v. Stein, 1391, 
und einen Sohn Wilhelm H., den jüngeren, v. Lamberg. Dieser war Ostenbm-g scher 
Burggraf auf Waidenberg in Ki-ain, wo er auch die Schlösser und Herrschaften 
Ostenegg und Lichtenburg besaß, welche Besitzungen au der kroatischen Grenze er 
mit Diemuth, der Erbtochter des Thomas v. Podwein, vor ihrer Vermählung 1366 



••) Spener, Opus herald icum I, 213. An- ; ") Wolf Lazius de migr. gent. VI, 209. 

thony von Siegenfeld, Wappenbuch von ") Bucelini III b, 114. 

Bartsch, S. 68. »*) Wisgrill V, 3C4. 

^) Jakob Freiherr v. Lamberg, Ge- ") Wurmbrand, Cap. 15. 

schichte und Stammreihe seiner Familie, 1559; \ ^*) Hopf, Genealog. Atlas I, 394. 

später, 1592, von Baron Kainach in seine 
Handschrift gebliebenen genealogisch - histori- 
schen CoUectaneen aufgenommen. 

**) Richter, „Die Stein und Katzenstein 



^^) JosefMajer, Vollkommener Adel des 
Hauses Lamberg, Wien 1709, Fol. 
") Baibin III. 266. 
»») Schönleben, Ms. 870. 



in Hormayrs Archiv 1821, Nr. 154—167. | •*) Bucelini IIb, N. 2 und III b, 216. 



— 177 — 

Obersthofmeisterin der Markgräfin Katharina, einer Tochter Waidemars I. v. Branden- 
burg, erheh^tet hatte.*^) Er lebte noch 1397 und hatte eine Tochter Margaretha. 
Gemahlin des Martin v. Baunach , 1426, und vier Söhne: Jakob, welcher die 1689 
erloschene Hauptünie zu Botenböhel stiftete (unter A), Georg L, Stammvater der 
nur noch weiblicherseits blühenden Hauptlinie zu Stein und Guttenberg (unter B), 
Balthasar, welcher die noch blühende HauptUnie auf Ortenegg und Ottenstein 
gründete (unter C), und Dietmund v. Lamberg. Letzterer kämpfte 1423 unter Herzog 
Albrecht V. von Österreich gegen die Hussiten und wurde, nachdem dieser unter 
dem Namen Albrecht H. zum römischen Kaiser gewählt worden war, 1428 dessen 
Obersthofmeister. 

Seine Nachkommenschaft ist schon mit seinen beiden Söhnen Hans und Friedrich 
wieder erloschen. Von diesen begleitete Hans v. Lamberg den Kaiser Friedrich IV. (HL) 
1452 zur Krönung nach Eom, wo er auf der Tiberbrücke den Ritterschlag erlüelt. 
Im Jahre 1469 wurde er Oberstallmeister dieses Kaisers. Sein Bruder Friedrich 
V. I^amberg erhielt, s. d. Wien 15. November 1445, filr sich und seine sämmtlichen 
Geschlechtsvettern eine kaiserliche Verbesserung des Lamberg' sehen Familienwappens 
mit dem Wappen seiner Großmutter Diemuth v. Podwein : in Gold ein rechts sprin- 
gender schwarzer Bracke mit sill)emem (nicht goldenem) Halsband und Ring, welcher 
sich auf dem gekrönten Helme mit schwarzgoldener Decke auf einem weißen Polster 
sitzend wiederholt. 

Das Wappen der Herren v. Lamberg war von nun an geviert : 1 und 4 Lam- 
berg, 2 und 3 Podwein. Rechts wurde der Lamberg'sche, links der Podwein'sche 
Helm gestellt.") 

Friedrich vermählte sich im Jahre 1473 mit Elisabeth, einer Tochter des Ulrich 
V. Schärffenberg, Herrn zu Spielberg, und der Katharina Herrin v. Losenstein,") 
und trug bei dem Leichenzuge des Kaisers am 28. October 1493 das Panier des 
Herzogthums Krain. 

A. Die erloschene Hauptlinie zu Rotenbühei. 

Jakob v. Lamberg, Herr zu Guttenberg, 1433; Gemahlin: Magdalena, Tochter 
des Andreas V. Greisseneck und derMargaretha v. Launs.*^) 

Sohn: Sigismund I., der ältere, v. Lamberg, 1466; Gemahlin: Kunigunda, 
Tochter des Georg I. v. Apfaltrern, Ritters, und der Sigmia v. Weisspriach.®*) 
Kinder : 

1. Barbara, dritte Gemahlin des 1493 verstorbenen Andreas H. v. H oben wart 
zu Medling.**) 

2. Valentin, starb unvermählt. 

3. Georg I. v. I^amberg zu Rotenbtihel. 1501 ; Gem. : Euphemia v. H e g g e n- 
berg. 



•») Nedopil 8422. 

••) Lucantschitsch Ms., I. Theil, wo- 
selbst eine Abschrift der Urkunde. 
•») Hoheneck II, 300. 



•*) Bucelini III b, 61. 

w) Wisgrill I, 140. 

w) Hopf, Genealog. Atlas II, 18. 

12 



— 178 — 

4. Sigismund 11., welcher folgt. 

5. Andreas I. v. Lamberg, 1470; Gemahlin: Anna, Tochter des Pancraz 
V. Auersperg und der Anna Gräfin Frangepan v. Veglia und Modrusch.*') 



Sigismund IL, der jüngere, v. Lamberg, kaiserlicher geheimer Bath, Oberst- 
hoQägermeister und Ajo des Königs Ferdinand L, 1518; Gemahlin: Margaretha 
Maximiliana, Tochter des Christoph Freiherm Schur ff v. Schönenwerth und der 
Benigna v. Kapfenstein. 

Kinder: 

1. Judith; Gemahl: Georg Paradeiser. 

2. Osanna; Gemahl: Johann v. Eeichenburg. 

3. Johann v. Lamberg zu Rotenbühel und Mannsburg, Erbauer des Schlosses 
Egg, 1588;®®) Gemahlin: Kirchfelda, Tochter des Erasmus v. Obritschan und 
der Anna v. Lamberg.®*) 

Kinder : 

1) Matthäus, starb als Kind. 

2) Caspar; Gemahlin: N. N., Tochter des Johann Caspar Lanthieri 
V. Paraiico und der Thaddäa V. Formentini auf Cusano.*®) Söhne: Johann 
und Johann Laurenz. 

3) Sigismund HL v. Lamberg zu Eotenbühel; Gemahlin: Felicitas, Tochter 
des Caspar in. Freiherm v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstem und 
der Margaretha Lang v. Wellenburg (war dann in zweiter Ehe die zweite 
Gemahlin des Johann Adrian v. Greisseneck).®') 

4) Andreas III. v. Lamberg zu Egg, 1575. 

5) Friedrich (Ferdmand), starb unvermählt. 

6) Barbara, zweite Gemahün des Georg v. G aisruck,®*) Witwe 1588. 

7) Maximiliana; Gemahl: Franz v. Scheyer,*») Bitter; Witwe 1588.»*) 

8) Maria Magdalena; Gemahl: I^aurenz Lanthieri v. Paratico, Freiherr 
zu Schönhaus,»«) f 1586. 

4. Andreas 11. v. Lamberg zu Botenbtihel, baute das Schloss Habach, war 1529 
der 38. Landesverweser »•) und 1534 der fünfte Landesverwalter »^) in Krain, lebte noch 
1540, todt 1559. Erste Gem.: Margaretha, Tochter des Balthasar v. Siegersdorf 
und der Euphemia Haller v. Hallerstem.»®) Zweite Gemahlin: Katharina Esther, 
Tochter des Wolfgang v. Dietrichstein, lebte noch 1540, todt 1559. 

Kinder aus zweiter Ehe: 

1) Nikolaus v. Lamberg, Bitter, Herr zu Botenbühel, Verordneter in Krain, 
1567;®*) Gemahlin: Maria Anna Magdalena, Erbtochter des Caspar 




") Wisgrill I. 248. 

*^) Nuaopil 6646. 

•*) Buteüni III b, 161. 

*«) Hucelini III b. 118. 

*M iturelini III b, 61. Hübner III, 703. 

**j Ni^duiiil 1889. 

*'J Hu Lülini III b, 205. 



•*) Nedopil 4681. 

•») Bucelini UI b, 118. Wisgrill II, 96. 

*) Valvasor HI, 74. 

•») Valvasor UI, 70. 

*) Bucelini Hlb, 214, 

•') Valvasor lU, 86. 



k 



— 179 — 

V. Bitschan auf iind zu Gutteneck, und der Anna Barbo v. Waxenstain, 
wiedervermählt in zweiter Ehe 1575 mit Andreas Paradeiser von und 
zu Neuhaus, Gradisch und Laas, lebten noch 1604. 

2) Anna; erster Gemahl: Georg v. Bau nach, zweiter Gemahl: Wolfgang 
Engelbert v. Auersperg, f 1557.*^) 

3) Constanzia; Gemahl: Jakob Freiherr v. La mberg auf Stein und Gutten- 
berg, verm. 1558, f 1569. 

4) Susanna; Gemahl: Adam Gall v. Budolfseck. 

5) Potenziana, dritte Gemahlin des Johann Josef Preiherru v. Egkh und 
Hungersbach, verm. 4 December 1559.*®*) 

6) MaximiUan I. v. Lamberg zu Botenbühel, Landesverordneter in Krain 
löee****) und Begimentsrath, f 1575, beerdigt zu Stein; Gemahlin: Anna 
V. Weltz zu Spiegelfeld. Tochter: Katharina; Gemahl: Wolf gang 
Christoph v. Liechtenstein.*®*) 

7) Balthasar v. Lamberg zu Botenbtihel, Weisseneck und Grtinbach, nieder- 
österreichischer Begimentsrath in Wien 1560; Gemahlin: Katharina. 
Tochter des FeUcian v. Pöttschach, Bitters, und der Magdalena von 
der Dörr,*®*) wiedervermählt in zweiter Ehe mit Jobst Josef Freiherrn 
V. Thurn.'^*) Tochter: Maria Magdalena; Gemahl: Georg Buprecht 
Freiherr v. Herberstein zu Neuberg und Gutenhag, Pfandinhaber der 
Veste und Herrschaft Falkenstein, verm. 1570, starb auf seiner Herrschaft 
Sierndorf in Niederösterreich (V. ü. M. B.) im October 1612.*®«) 

5. Georg H., welcher folgt. 

6. Daniel v. Lamberg zu Botenbühel ; Gemahlin : Margaretha, Tochter des David 
Gall V. Gallenstein zu Budolfseck und der Wilburga v. Trauttmansdorff, wieder- 
vermfthlt in zweiter Ehe mit Clemens Welzer, Bitter.*®') 

Kmder: 

1) Anna, erste Gemahlin des 14. März 1583 verstorbenen Balthasar H. 
V. Stubenberg.*®®) 

2) Johann Laurenz v. Lamberg, starb unvermählt. 

3) Johann v. Lamberg zu Botenbühel ; Gemahlin : Bosina, Tochter des Budolf 
V. Hohenfeld, Witwe des Wolfgang v. Bogendorf. 



Georg n. V. Lamberg, Herr zu Botenbtihel. 1530, Erbauer des Schlosses Stein- 
btichel; Gemahlin: Elisabeth Thuröczy v. Ludbreg.*®®) 
Kinder: 
1. Valentin v. Lamberg zu Botenbtihel und Mannsburg, todt 1591, verm. 1550 



»••) Wisgrill I, 240. 1 »«•) Bucelini nib, 169. Hübner III, 

«•«) Hübner III, 834. ' 6»1- 

«-) Valvasor IIL 86 ' '^^ Nedopil 2247. 

-) Yalvasor 111, 85. Wisgrill III. 209. 

«•) Hoheneck I, 616. ' ^ 



«•*) Wisgrill IV, 262. 



»••) Hübner III, 716. 
»••) Nedopil 3428 und 3447. 
12* 



— 180 — 

mit Barbara, Tochter des Bemardin Preiherm v. Herberstein zu Neuberg und 
Gutenhag und der Katharina v. Saurau."®) 
Kinder : 

1) Ursula, verm. zu Mötnik 4. Mai 1591"') mit Ludwig v. Wagenring 
(Bogorino). 

2) Sigismund Friedrich v. Lamberg, starb im Türkenkriege 1598 zu Karlstadt; 
Gemahlin: , Tochter des Innocenz v. Moscon. 

3) EUsabeth, erste Gemahlin des Franz G all v. Gallenstein zu Lueg und 
Rain 1580. 

2. (iabriel I. v. Lamberg, Herr zu Botenbühel, todt 1595 ; Gera. : Seholastica, 
Tochter des Jakob U. Freiherrn v. Lamberg zu Stein und Guttenberg und der Con- 
stanzia V. Lamberg zu Rotenbühel, Witwe des Jakob Freiherrn v. Egkh seit 1570."*) 

Töchter: 

1) Magdalena; Gemahl: Johann Christoph S tu bich v. Spielberg und 
Marnberg."*) 

2) Elisabeth, starb unvermählt. 

3) Margaretha, erste Gemahlin des 1629 verstorbenen C^osmus v. Hohen- 
wart zu Gerlachstem, "*) verm. zu Laibach 15. Januar 1595."*) 

3. Christoph L v. Lamberg, Herr zu Boten bohel; Gemahlin: Helena, Tochter 
des Johann v. Weisseneck und der Anna v. Spangstein"*) (war wiedervermählt 
in zweiter Ehe mit Adam v. Lengheim, t 1585)."^ 

4. Sebastian L, welcher folgt. 

5. Amalia; Gemahl: Leonhard v. Lamberg, Herr zu Sauenstein."®) 

6. Anna; Gemahl: Christoph v. ürsenbeck, Bitter,"») f 1583.»»») 



Sebastian L v. lamberg zu Botenbühel, kaiserlicher Oberst und Festungs- 
commandant zu Kanizsa, t 1575. Erste Gemahlin: Anna Margaretha, Tochter des 
Johann IL v. Gleispach und der Katharina Galler v. Schwamberg.*") Zweite 
Gemahün : Genovefa (t e r t r a u d , Tochter des Anton Franz Josef Freiherrn v. E g k h 
und Hungersbach und der Elisabeth v. Attems.*") 

Kinder : 

a) Aus erster Ehe: 

1. Johann Weichard. 

2. Johann Georg L. welcher folgt. 

3. Geoi-g Gottfried. 

4. Herbard. 

5. Sigismund. 

6. Friedrich. 



"•) WiÄgrill IV, 297. 

"') Copulationsbuch. 

"•) Höbner lU, 708 und 831. 

'»•) Bucelini lUb, 226. 

"*) Hopf, Genealog. Atlas II, 19. 

"•) Copulationsbuch. 

"•) Bucelini III b, 252. 



>") Zeitschrift des , Adler' 
»»•) Hübner HI. 701. 
»>•) Wisgrill IV, 374. 



1872, S. 16. 
Hoheneck III, 



268. 



••^ Bucelini III b, 248. 
»•») Bucelini HI b, 66. 
»»»)) Hübner UI, 831. 



— 181 - 

7. Johann Wilhelm, seit 18. Februar 1597 Freiherr v. Lamberg zu 
Rotenbühel und Habach, kaiserlicher Generalfeldwachtmeister und Hauptmann zu Fiume, 
t vor Kanizsa 13. Mai 1598. Erste Gemahlin: Anna, Tochter des Trajan v. Auers- 
perg, Eitters, und der Anna v. Egkh zu Neuburg, geb. 1539, Witwe des Georg 
V. Auersperg zu Schönberg seit 1584.'") Zweite Gemahlin: Sabina, Tochter des 
Johann Freiherrn v. Auersperg zu Schönberg und der Anna Freiin v. Egkh und 
Hungersbach."*) Aus dieser Ehe stammten mehrere Töchter und fiinf Söhne: Johann 
Wilhelm, Christoph II., Friedrich, Maximilian IL und Gabriel IL Freiherren v. 
Ijamberg zu Rotenbtihel und Habach; von den Töchtern war Eleonora mit Franz 
Barbo v. Waxenstain, Herrn zu Gutteneck, t 25. Januar 1583,^**) und Juliana mit 
Georg V. Edlin g und Lausenbach, Herrn zu Heidenschaft in iYiaul, '*•) vermählt. 

8. Anna Katharina; Gemahl: Johann Pelzhof er v. Schneckenbichl, 1611. 

b) Aus zweiter Ehe: 

9. Christina; erster Gemahl: Johann v. Gussich; zweiter Gemahl: Adam 
V. Wernegkh. 

Johann Georg I. v. Lamberg, Herr zu Eotenbühel und Habach, 1588. Erste 
Gemahlin: Esther Eegina, Tochter des Franz v. Säur au und der Katharina 
V. Eappach."^) Zweite Gemahlin: Felicitas, Tochter des Johann XL Freiherrn v. 
Auersperg auf Schönberg und Seisenberg und der Anna Freiin v. Egkh und 
Hungersbach"®) (war vorher vermählt m erster Ehe 1580 mit Georg (Stephan) 
Grafen Ursini v. Blagay,***) 1590,**®) und nachmals in dritter Ehe zu Laibach 
29. December 1596 *•*) mit Adam v. Bono.mo. 

Kinder : 

a) Aus erster Ehe: 

1. Anna Katharina. Erster Gemahl: Georg Christoph v. Piirgstall,'") 
t 1619."«) Zweiter Gemahl: . . . . v. Saurau, 1G19.'»*) 

b) Aus zweiter Ehe: 

2. Sebastian H., welcher folgt. 

3. Georg Ehrenreich. 



Sebastian IL, seit 28. Februar 1597 Freiherr v. Lamberg zu Rotenbühel, 
Habach und Mannsburg, und seine Gemahlin Elisabeth, Tochter des Andreas Gall 
V. Gallenstein zu Budolfseck und der Anna v. Wernegkh, verpfändeten 1628 Egg 
und Steinböchel um 24.000 fl. an Johann Thal 1er. 

Kinder : 

1. Fehcitas. 

2. Anna; Gemahl: Karl v. Palm bürg. 



»") Wisgrill I, 240 u. 244. 
»•*) Wisgrill I, 241. Zeitschr. des „Adler« 
1881, S. 32. 

'») Wisgrill I, 294 und 296. 
"•) Nedopil 1436. 
»«^ Hübner lü. 846. 
"•) Wisgrill I, 241. 



**•) Nagy Ivan II, 117. 

»w) Hübner III, 769 und 850. 

^*^) Copulationsbuch. 

*") Wisgrill I, 301. 

'») Bucelini III b, 180. 

*»*) Nedopil 4764. 



— 182 — 

3. Elisabeth; (ieinahl: Franz Adam Freiherr v. Billiohgratz zu Baum- 
kin*hnerthurm und Hilzeneck, f 1732. 

4. Johann (ieorg IL, starb jung. 

5. Andreas IV., starb jung. 

6. Sigismund Friedrich, in kaiserlichen Kriegsdiensten, t 1662 in Ungarn. 

7. Sebastian III. v. Lamberg. 

8. Georg Gottfried, s. d. Wien 10. November 1667 Reichsgraf, t. Lam- 
berg zu Rotenbtlhel und Habach, wurde als kaiserlicher Fähnrich 1648 in den 
deutschen Bitterorden eingekleidet, war 1664 k. k. Kämmerer imd Landcomtur der 
Bailei Österreich, zu Wien, Graz, Groß-Sonntag, Ijaibach und Friesach in Kärnten, 
erbaute das deutsche Haus in Wien, erneuerte die ürdenskirche zu St. Elisabeth 
daselbst, stellte die Residenz zu Groß-Sonntag wieder her und dotierte die Commenden- 
kirche zu Friesach; er starb 7. Februar 1672.*") 

9. Herbard v. Lamberg. 

10. Johann Weich ard, s.d. Wien 10. November 1667 Reichsgraf, v. 
Lamberg zu RotenbOhel, Habach, Egg, Mannsburg und SteinbOchel, k. k. Kämmerer, 
t 1689. Gemahlin: Anna Katharina, Tochter des Johann Alb recht, des älteren, 
Freiherrn v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, Besitzers der Herrschaft 
Stockem, und der Anna Katharina Freiin v. Khuenburg, geb. 1625, lebte noch 
1. August 1650. *'•) Kinder: Georg Gottfried und mehrere andere starben jung. 

B. Die in IlMiiesttanne aneiettorbene Hanpflinie tif Stein niid Gnttenliero. 

Georg I., der ältere, v. Lamberg, Herr zu Sauenstein, kaufte um 1396 das 
Schloss Guttenberg bei Neumarkt und war 1438 der 22* Landes verweser in Krain."') 
Gemahlin: Katharina (Sibylla) v. Dietrichstein. 

Kinder : 

1. Amaleidis; Gemahl: Heinrich v. Helfenberg. 

2. Margaretha (Barbara); Gemahl: Georg v. Scheyer.***) 

3. Hemrich, Stammvater des ersten Hauses auf Poppendorf (unter I). 

4. Johann I., Stammvater des zweiten Hauses auf Sauenstein (unter U). 

5. Caspar I. v. Lamberg, Herr zu Sauenstein und Guttenberg, oberster Feld- 
hauptmann unter Herzog Ernst v. Braunschweig in Itaüen und Spanien, dann 1487 
in kaiserüchen Diensten gegen König Mathias Coninus von Ungarn an den windi- 
schen Grenzen, entdeckte um 1490 das Quecksilberbergwerk zu Idria, t 1509, beerdigt 
zu Laibach ; Gemahlin : Dorothea. Sohn : Friedrich v. I^amberg zu Sauenstein, 1483. 

6. Sigismund v. liamberg, Pfarrer zu St. Martin in Krainburg. dann Hofkaplan. 
Almosenier und Beichtvater des Kaisers Friedrich IV. (lU.) und seit 1463 Bisehof 
zu Laibach,"*) starb daselbst 8. Juni 1488, beigesetzt in der Kathedralkirche zu 
Uibach.^o) 



■^j Nedopil 8429 und 8747. Beiträge zur Geschichte des Liihaober Bis- 

***) Hfibner III, 707. thums. Mittheilungen des histonsohen Vereins 

*") Valyasor 111, 78. für Krain 1862, S. 33. 

**^) Bacelini III b, 206. Nedopil 4681. . >«*) Laibaeher Zeitong 1861, S. 1183. 

*^) Austria sacra UI, 6, 1.H9. Jelousohek, | 



— 183 — 

7. Friedrich, der jüngere, v. Lamberg, Herr zu Sauenstein und Guttenberg, 
1483: Gemahlin: Elisabeth, Tochter des Friedrich v. Fladnitz und der Kunigunda 
Cossa,^") 1469. 

Kinder: 

1) Friedrich, starb unvermählt. 

2) Johann ü., starb unvermählt. 

3) Katharina; Gemahl: Georg Winckler, 1460.'") 

4) Praxedis; Gemahl: Achaz v. Neudeck,"') 1494. 

5) Tochter, todt geboren. 

8. Georg IT., Stammvater des dritten Hauses auf Stein und Guttenberg (unter HI). 

I. Erstes Haus auf Poppendorf. 

Heinrich v. Lamberg, Herr zu Guttenberg, 1485, kaufte Poppendorf; GemahUn : 
Ursula Hager v. Allentsteig, 1479—1485. 
Söhne: 

1. Hieronymus, Stifter des ersten Zweiges (unter 1). 

2. Christoph I., Stifter des zweiten Zweiges (unter 2). 

1. Erster Zweig. 

Hieronymus (Jeremias) v. liamberg, Herr zu Poppendorf. Erste Gemahlin: 
Katharina, Tochter des Benedikt v. Graswein und der Barbara Oberleuterin 
v. Lassing.***) Zweite Gemahlin: Barbara, Tochter des Christoph v. Gradeneck 
und der Eegina v. TeuflFenbach, geb. 1507."*) 

Söhne: 

a) Aus erster Ehe: 

1. Christoph IL, welcher folgt. 

h) Aus zweiter Ehe: 

2. Caspar IL v. Lamberg, Herr zu Poppendorf, 1550. Erste Gemahlin : Barbara, 
Tochter des Moriz v. Purgstall und der Margaretha v. Hohenwart."*) Zweite 
Gemahlin: Katharina, Tochter des Gabriel Stttbich v. Spielfeld zu Marnberg und 
der Elisabeth v. Herberstein,"^) nachher zweite GemahUn des Sigismund v. Weltz."®) 



Christoph IL v. liamberg, Herr zu Poppendorf, königlieh ungarischer Oberst 
und Schlosshauptmann zu Pressburg, 1531. Erste Gemahlin: Barbara, Tochter des 
Andreas Thannrädel v. Themberg zu Eechberg und der Margaretha Freiin 
V. Harrach. Zweite GemahUn: Euphemia, Tochter des Leopold v. Alten stein auf 
Eyssgrueb bei Klosterneuburg, Eitters, und der Barbara (Eegina) Wisendtin, f 1567 
(war wiedervermählt in zweiter Ehe 1562 mit Leonhard v. Ennenkel auf Albrechts- 

»*«) Bttoolini Ulb, 89. ' >*•) Buoelini III b, 59. Hoheneok 

"•) Bucelini Ulb, 266. | I, Suppl. 46 und II, 344. 

>*•) Bucelini Illb, 142. Zeitschrift des \ >♦•) Bucelini III b, 180. 
„Adler" 1873, S. 17. "') Bucelini nib, 226. 

«**) Bucelini Ulb, 60. [ »«•) Hübner UI, 820. 



^ 184 — 

berg**^) an der Püelach, Bitter, welcher am ß. October 1583 starb und in der Kirche 
zu Ijoosdorf begraben wurde. 
Kinder aus erster Ehe: 

1. Sohn, starb als Kind. 

2. Tochter, starb als Kind. 

3. Heinrich v. Lamberg zu Pellendorf und Lanzendorf in Niederösterreich 
(Bezirkshauptmannschaft Mistelbach); Gemahlin: Justina, Tochter des Sebastian 
Hager v. Allentsteig, ßitters, und der Anna Frei in Ennenkel v. Albrechtsberg, ver- 
mählt zu Allentsteig 9. Februar 1567.>ß<>) 

Töchter: 

1) Eva Bosina; Gemahl: Hans Helmhard v. Kirchberg, Herr auf 
Seisenberg, vermählt zu St. Polten 7. September 158G, star)) auf seinem 
Schlosse Viehhöfen 13. October 1593, beigesetzt zu Spitz. 

2) Euphemia, t 26- Januar 1604, beigesetzt zu Eferding, Gemahlin des 
Benedikt Schifer Freiherrn auf Freiling, Herrn zu Daxberg imd Puchberg, 
vermählt 1595, f 1628.*") 

2. Zweiter Zweig. 

Christoph I. v. liamberg zu Poppendorf, kaiserlicher Bath und Gesandter 1481. 
wurde 1486 bei der Krönung zu Aachen von König Maximilian zum Bitter geschlagen 
und erhielt von demselben 1494 die Erlaubnis, das angeerbte Podwein'sche Wappen 
mit dem seinigen zu vereinigen."*) Gemahhn: Bosina (Susanna), Tochter des 
Ladislaus v. Badmannsdorf und der Apollonia v. Kosiak, lebte noch 1535."') 

Kinder: 

1. Katharina, zweite Gemahlin des Georg v. Kornfail und Weinfelden, Herrn 
zu Würmla und Arndorf, verm. 1519,***) nachher vermählt mit Jakob v. Künast. 

2. Ladislaus v. Lamberg, Herr zu Poppendorf. Erste Gem. : Barbara, Tochter des 
Balthasar I. v. Puchheim und der Helena v. Pottendorf (vorher vermählt gewesen 
in erster Ehe mit Leonhard Lechner und in zweiter Ehe, 1514, mit Caspar Hen-n 
V. Krayg."*) Zweite Gemahlin: Margaretha, Tochter des Erasmus v. Purgstall 
und der Bosina v. Kapfenstein."*) 

Söhne aus zweiter Ehe: 

1) Caspar HI. v. liamberg, Herr zu Poppendorf, starb unvermählt. 

2) Christoph HL v. Lamberg, Herr zu Poppendorf, f 1589 jung. 

3. Urban v. Lamberg, Herr zu Poppendorf. Erste Gemahlin : Eva, Tochter des 
Sebastian v. Trauttmansdorff und der Margaretha Judenhofer. **') Zweite 
Gemahlin: Emma Schrott v. Kindberg. Tochter aus erster Ehe: Waudula (Ursula), 



"•) Hoheneck III, 146. Wisgrill 1, 72. 
««») Hoheneck 1, 257. Wisgrill V, 154. 
»»») Hoheneck II, 348. 
*••) Anastasius Grün, Volkslieder aus 



>") Bucelini IIb, R 4. Hoheneck III, 
573. 

»»«) Wisgrill V, 269. 

•w) Hühner III. 779. Wisgrill V, 282. 

«w) Bucelini lUb, 180. 



Krain. Österreichische Adelshalle 1842, S. 163. \ »»^j Hübner II, 672. 



— 185 — 

vermählt in erster Ehe mit Wolfgang v. Eibiswald,**') nachher zweite Gemahlin 
des Balthasar v. Pranck.'*')] 

n. Zweites Haus auf Sauenstein. 

Johann v. liamberg, Herr zu üuttenberg; Gemahlin: Eusebia v. Herberstein 
(Attems?), 1450. 
Söhne : 

1. Johann v. liamberg; Gemahlin: Cäcilia Paradeiser, 1473. 

2. Christoph, welcher folgt. 

3. Caspar v. liamberg, Hauptmann zu Landstrass, 1472. 



Christoph v. Lamberg, Herr zu Sauenstein, Bitter, 1493; Gemahlin: Margaretha 
V. Stade l.»««) 

Sohn: 

Wilheün I. v. Lamberg, Herr zu Sauenstein, 1528. Erste Gemahlin : Engelburga, 
Tochter des Wolfgang Herrn v. Krayg und der Elisabeth v. Boskowitz. Zweite 
Gemahlin: Anna. Tochter des Hartmann Herrn v. Krayg, wiedervermählt in zweiter 
Ehe mit Wolfgang Herrn v. Bogendorf.'*") 
Kinder : 

1) Balthasar, welcher folgt. 

2) Engelburga, 1551; Gemahl: I^adislaus Freiherr v. Prag, Freiherr zu 
Windthag, Besitzer der Veste Ottstorf, f 1548."«*) 



Balthasar (Walther) v. Lamberg, Herr zu Sauenstein, 1554; Gemahlin: Anna 
Helena, Tochter des Pilgram VL Freiherrn v. Puchheim zu Heidenreichstein und 
der Sophia Schirmer v. Soss."«') 

Kinder : 

1. Engelburga (Elisabetha) ; Gemahl: (Johann Friedrich) Andreas, der jüngere, 
Freiherr v. Gloyach,"«*) 

2. Wilhelm H., welcher folgt. 

3. Helena; Gemahl: Oonstantin (lall v. Gallenstein."**) 

4. Johann Balthasar v. Lamberg, Herr zu Sauenstein; Gemahlin: Felicitas, 
Tochter des Eustachius v. Schärffenherg, Herrn zu Spielberg, Ort am Traunsee 
und Windegg, und der Anna v. Keutschach, Witwe des Georg v. Schärffenherg, 
Herrn zu Windegg."««) 

Kinder : 

1) Wilhelm 111., starb jung; Gemahlin: Magdalena v. Ainkhürn. 



'") Bucelini lUb, 30. 

»••) Wisgrill U, 196. 

**) Bucelini lllb, 309 und 342. 

»••) Bucelini IIb. M 4 und III b, 104. 

'••) Bucelini III b. 171. Hoheneck III, 



642. 



»•»)HäbnerIII, 778. Nedopil 3698 u. 3601. 

«•*) Wisgrill III, 341. 

»«•) Bucelini IIb, H. 6. 

«••) Hübner III, 904 u. 905. Hoheneck 
II, 303 u. 311. Wisgrill I, 212. Nedopil 
7908. Zeitschrift des „Adler** 1872, S. 3 u. ö. 



~ 186 - 

2) Elisabeth, lebte noch 1. Mai 1630;»«') Gemahl: Rudolf IT. Freiherr 
V. Wurmbrand auf Stuppach, verm. 21. Februar 1610, t 1625.'««) 
5. Anna Maria, f 1589; Gemahl: Sebald Barbo v. Waxenstein, Herr zu 
Passberg, verm. 25. November 1560, t ^^ Laibaeh 24. März 1589.»«») 



Johann Wilhelm IL v. liamberg, Herr zu Sauenstein, f 1581; Gemahlin: 
Anna, Tochter des Wolfgang Engelbert Freiherrn v. Auersperg auf Schönberg 
und Seisenberg, und der Felicitas v. Keutsehach.*'«) verm. 1574. 

Kinder: 

1. Herbard I., welcher folgt. 

2. Anna, starb unvermählt. 

3. Justina; Gemahl: Hans (Anton) v. Bonomo zu Wolfsbüchel und Manns- 
burg, verm. zu Stein 8. September 1592.*'*) 

Johann Herbard L, der ältere, Freiherr v. Lamberg zu Sauenstein war 1614 
V^erordneter *'^) und 1618 der 25. Landesverwalter in Krain.*'^) Erste Gemahlin: 
Maria Salome, Tochter des Christoph Gall v. Puchenstein und der Katharina 
Herrin v. Gera. Zweite GemahUn : Maria Salome. Tochter des Johann I. Jakob Freih. 
V. Lamberg zu Stein und Guttenberg und der Elisabeth Gräfin v. Thurn und Val- 
sassina, f 1638 (war wiedervermählt in zweiter Ehe 1624 mit Sigismund Friedrich 
Eeichsgrafen v. Tattenbach und Rheinstein, dessen erste Gemahlin sie war.*'*) 

Kinder: 

a) Aus erster Ehe: 

1. Anna Elisabetha; Gemahl: Johann Andreas Keichsgraf v. Auersperg, 
Freiherr auf Schönberg und Seisenberg, verm. 1640, t 8. October 1664.'") 

6) Aus zweiter Ehe: 

2. Johann Herbard IL, s. d. Wien 10. November 1667 Reichsgraf 
V. Lamberg zu Sauenstein, war 1657 Verordneter in Krain,*") f 26. November 1672; 
Gemahlin: Aleman!na Felicitas, Tochter des Raphael Freiherrn v. Coraduzi und 
der Rosina Paradeiser von und zu Neuhaus, f zu Ijaibach 27. November 1667. 

Kinder : 

1) Isabella, vermählte v. Sinzendorf. 

2) Johann Herbard HL, welcher folgt. 

3) Elisabeth, t 1671; Gemahl: Wolfgang Daniel Freiherr Prenner. 



Johann Herbard IIL, der jüngere, Reichsgraf v. Lamberg zu Sauenstein, 
Reuttenburg und Neudegg in Krain, kaiserlicher Kämmerer, f 1673; Gem.: Anna 



>•») Nedopil 212, 7874, 7889, 7898. 
«•») Hüb n er 111, 687. 
»••) Wisgrill I, 296. Zeitschr. des „Adler" 
1881, S. 82. 

"•) Wisgrill I. 240. 
*'') Copalationsbuch. 



«") Valvasor 111, 86. 
"•) Valvjasor III, 71. 
>^ Hübner IH, 855. Nedopil 6694 u. 
6872. 

"») Hübner III. 762. 
>'•) Valvasor III, 86. 



— 187 — 

Begina Katharina, Tochter des Wolfgang Jakob Preiherrn v. Neuhaus zu 
Greifeniels, Emhausen und Ebenthal, und der Maria Margaretha Freim v. Kulmer 
zum Bosenpichl, Hohenstein und Dietrichstein (war wiedervermählt in zweiter Ehe 
mit dem 2. Januar 1690 verstorbenen Wolfgang Konrad Freiherrn Jankowitsch 
V. Bossegg). 
Kinder: 

1. Isabella Gertraudis. 

2. Wolfgang Herbard Wilhelm Anton Beichsgraf v. Lamberg, zu Neudegg, 
Besitzer der Fideiconmiissherrschaften Sauenstein und Beuttenburg, war 1703 Ver- 
ordneter'^') und 1728 General-Einnehmer und Ausschuss der Landschaft in Krain; 
Gemahlin: Eva Francisca Josefa Katharina, Erbtochter des Wolfgang Sigismund 
Franz Freiherrn von und zu Strobelhof und der Maria Eleonora Freiin v. Billich- 
gratz zu Baumkirchnerthurm und Hilzeneck, Witwe des Karl Bernardin Grafen v. 
Lichtenberg, verm. 2. April 1709. 

Kinder: 

1) . . . , erste Gemahlin des Karl Josef Freiherrn v. Valvasorzu Galleneck. 

2) Leopold Karl Josef Johann Franz Beichsgraf v. Lamberg, Besitzer der 
Fideicommissherrschaften Sauenstein, Beuttenburg und Strobelhof in Krain, 
k. k. wirkl. geh. Bath und Kämmerer, Landesverweser und Straßendirector 
in Krain, dann Oberamtspräsident und Landeshauptmann in Schlesien, 
geb. 14. Januar 1710, t zu Troppau im November 1772; Gemahlin: 
Maria Aloisia Johanna Francisca Josefa, Tochter des Johann Ferdi- 
nand Beichsgrafen V. Lamberg, Fi-eiherrn auf Ortenegg und Ottenstein, 
Herrn zu Stockern und Amerang, Besitzers der Herrschaften Haindorf 
ob dem Kamp in Niederösterreich und Kitzbühel in Tirol, und der 
Maria Francisca Johanna Constanzia Beichsfreiin v. Gilleis, geb. 7. April 
1726, verm. im Mai 1746, t 1786, Stemkreuzordensdame (war nachher 
in zweiter Ehe seit 1775 die erste Gemahlin des 1805 verstorbenen 
Ijaurenz SzÄgyeny v. Magyar-Sz6gy6n. *^*) 

3. Maximilian Engelbert, welcher folgt. 

4. Benata Leopolda. 

5. Francisca Clara, zweite Gemahlin des 10. Jaimar 1705 verstorbenen Johann 
Veit, Beichsgrafen v. Hohenwaldeck und Maxelrain."*^ 

6. Maria Helena, f 1701; Gem.: Johann Wilhelm Freiherr v. Badmannsdorf. 

7. Anna Elisabetha, starb unvermählt. 



Maximilian Engelbert Beichsgraf v. Lamberg zu Sauenstein, k. k. Oberst- 
lieutenant, fllrstbischöflich Passauischer geh. Bath, Ober-Hofmarschall und Comman- 
dant am Oberhaus zu St. Georgen berg, geb. 22. November 1666, t 6- November 
1733; Gemahlin: Johamia Katharina Antonia, Tochter des Albrecht Christoph 



'^) Valvasor IH, 85. 
*^) Nagy lyÄn X, 845 u. 846. Geneslog. 
Tasoheobnoh der adeligen Häuser 1882, S. 502. 



*'*) Hübner II, 567. Genealog. Taschen- 
buch der grafl. Häuser, Jahi^g. 1871, S. 990. 



— 188 — 

Freih. v. Starzhausen zu Ottmaring, geb. 6. Juli 1677, verm. 1698, f 17. August 
1754, Sternkreuzordensdame.**^) 
Kinder: 

1. Philipp Maximilian Reichsgraf v. liaraberg zu Sauenstein , ftirstbisehöflich 
Passauiseher geh. Rath und Vice-Oberst Jägermeister, Senior der Familie, geb. 10. Oe- 
tober 1700, f 1772; Gemahlin: Maria Anna, Tochter des Karl Josef Grafen Wo r a- 
cziczky V. Pabienitz auf Altenburg und Bozejow in Böhmen, und der Maria Con- 
stanzia Freiin v. Sporck, verm. 1739, f 1- December 1775, Sternkreuzordensdame. 
Sohn: Maximilian Anton Leopold Sebastian Reichsgraf v. Lamberg, Besitzer 
der' Fideicommissherrschaften Sauenstein, Reuttenburg und Strobelhof, k. k. Käm- 
merer, geb. zu Passau 27. August 1743, f zu Laibach 1811: Gem.: Maria Josefa 
Carola, Tochter des Johann Josef Leopold Grafen v. Seh ärffenberg und der Isabella 
Leopoldine Reichsgräfin v. Heussenstamm zu Heissenstein und Gräfenhausen, Freiin 
V. Starhemberg, geb. 11. März 1739, verm. 1773, Sternkreuzordensdame, t 18 . . *") 

2. Anton Josef, geb. 19. Mai 1702. 

3. Johann Friedrich Josef, Domherr zu Eichstädt und Freysing, kurfürstlich 
pfalzbayrischer, ftirstbisehöflich Eichstädtischer und Freysingischer wirkl. geh. Rath. 
Hofkammerpräsident und Oberforstmeister zu Eichstädt und Fi-eysing, Senior der 
Familie, geb. 2. Juni 1704, f 177«. 

4. Maria Philippa, geb. 27. Februar 1707, f unvermählt. 

IIL Drittes Haus auf Stein und Guttenberg. 

(ileorg IL, der jüngere, v. Lamberg, HeiT zu Guttenberg. Ritter und Haupt- 
mann zu liack in Krain, kaufte 1469 von Andreas v. Kreyg Veste und Herrschaft 
Stein bei Ijaibach; Gemahlin: Anna, Tochter des Johaim v. Hohen wart und der Anna 
Gall V. Rudolfseck, 1456"®*) (vorher vermählt gewesen in erster Ehe mit Bartholo- 
mäus Glaner und in zweiter Ehe mit Andreas D(\rrer). 

Kinder: 

1. Sidonia; Gemahl: Caspar v. Eeichenburg. 

2. Caspar IL, welcher folgt. 

3. Jakob I. V. Ijamberg, Herr auf Stein, 1480; Gem.: Maximiliana v. Trautt- 
mansdorff. 

Kinder: 

1) Franz, der ältere, f 1501. 

2) Anna Maria; Gem.: Erasnms v. Obritschan (Obratschon), 1502.»^) 

4. Johann, Domdechant zu Freysing, f 1505. 

5. Sigismnnd, 1466. 

Caspar IL v. liamberg. Herr auf Stein und Guttenberg. 1508; Gemahlin: Doro- 
thea, To*'hter des Wilhelm Graff v, Schermberg, Goldegg und Radstadt und der 

Vtirüiiiea v. Groppenstein.*^) 



'*) Varrentrapp, Genealog. Handbuch 
1707, 11, 161». 

^'*) Varren trapp, Genealog. Kalender 



•") Hopf, Genealog. Atlas II, 18. 

>w) Bucelini IH b, 161. 

'•*) Bucelini III b, 67, 207 u. 340. 



— 189 ^ 

Kinder : 

1. Beatrix, 1545. 

2. Franz, der ältere, 1545, f unvermählt. 

3. Caspar, starb in der Jugend. 

4. Johann, 1551. 

5. Jakob n., welcher folgt. 

6. Margaretha; fiemahlin: Nikolaus v. Wernegkh.*®*) 



Jakob IT., seit 1557 Freiherr v. I^amberg auf Stein und Guttenberg, Ritter. 
Kriegsoberst, wurde 1543 Verordneter, *••) 1544 der 41. Landesverweser, *®^) 1554 
der 9. T-Ändesverwalter **•) und 1558 der 47. Landeshauptmann***) in Krain, erlangte 
am 17. April 1566 von Erzhei-zog Karl flir si h und sein Geschlecht als Mannes- 
lehen das Erblandstallmeisteramt im Herzogthum Kmin xmd in der windischen 
Mark,'**) stellte 1559 die Stammreihe seines Hauses zusammen, f 1569, beigesetzt 
in der Kathedralkirche zu Laibach. Erste Gemahlin: Margaretha. Tochter des 
Christoph v. Purgstall und der Scholastica v. Oberburg;***) zweite Gemahlin: 
Constanzia, Tochter des Andreas 11. v. Lamberg, Herrn zu Rotenbtthel und Habach, 
und der Katharina Esther v. Dietrichstein, verm. 1558. 

Kinder : 

a) Aus erster Ehe: 

1. Katharina; Gemahl: Georg Neu schwärt. 

2. Johann Georg L, welcher folgt. 

3. Eva; erster Gemahl; Castellanus Barbo v. Waxenstain, Herr zu Gutteneck, 
verm. 7. August 1570, ermordet zu Ober-I^aibach 17. Mai 1573;***) zweiter Gem.: 
Johann Jakob Georg v. Nikolitsch; dritter Gem.: Andreas Bernhard v. Oberburg. 

h) Aus zweiter Ehe: 

4. Christoph Freiherr v. I^amberg, erzherzoglicher Mundschenk und Regierungs- 
rath zu Graz, starb jung. Gemahlin: Magdalena Gall v. Rudolfseek. 

5. Scholastica; erster Gemahl: Jakob Freiherr v. Egkh, t 1570;***) zweiter 
Gemahl: Gabriel L v. Lamberg, Herr zu Rotenböhel, todt 1595.'**) 

6. Lucretia, t zu Lack 15. November 1582; Gemahl: Balthasar Rasp v. Oster- 
berg, verm. 1560, f 1583.*»*) 

Johann Georg I. Freihen* v. Lamberg auf Stein und Guttenberg, Oberst- 
erblandstalhneister im Herzogthum Kmin und in der windischen Mark, f 1570; 
GemahUn: FeUcitas, Tochter des Leonhard IV. Freiherrn v. Harrach zu Rohrau 
und der Barbara Freiin v. Windisch-Grätz, geb. 1540 (war wiedervermählt in zweiter 
Ehe seit 1570 mit Johann V. v. Galle nberg).***) 



•w) Nedopil 3447. 
*••) Valvasor III. 85. 
>•») Valvasor UI, 74. 
*••) Valvasor lU, 70. 
«■•) Valvasor lü, 64. 
>•») Valvasor III, 11. 
»•») Bucelini nib, 180. 



>»») Zeitschrift des „Adler«* 1881, S. 32. 

»••) Hübner III, 831. 

«•*) Hübner lü, 702. 

•••) Raigersfeld, Ms. 

«•^ Hoheneck I, 822. Hübner III, 763 

909. Nedopil 1436. 



— 190 - 

Kinder: 

1. Johann Jakob L, welcher folgt. 

2. Bosina, Gemahl: Karl Freiherr v. Mos(*on zu Tharn am Hart. 



Johann Jakob L* Freiherr v. Lamberg auf Stein und Guttenberg, Obersterb- 
landstallmeister im Herzogthum Krain und in der windischen Mark, t ^^^^ ; ^^^' ' 
Elisabetha, Tochter des Wolfgang Grafen v. Thurn und Valsassina zum Kreuz und 
der Rosina v. Interseer, nachher zweite Gemahlin des Georg Andreas Kazianer 
Freiherm v. Katzenstein zu Plödnig, 1611. 

Kinder: 

1. Maria Salome, t 1638; zweite Gemahlin: I. des Johann Herbard I., des 
älteren, Freiherm v. Lamberg zu Sauenstein, 1618,"') und 11, seit 1624 des 
Sigismund lYiedrich Reichsgrafen v. Tattenbach und Rheinstein.***) 

2. Wolfgang Dietrich I. Fi-eiherr v. Lamberg auf Stein und Guttenberg; 
(lemahlin: Justina Barbara, Tochter des Innocenz Freiherrn v. Moscon und der 
Anna v. Aichelburg. 

Töchter: 

1) Eva Sidonia; Gemahl: Johann Jakob Freiherr v, Juritsch zum Strugg 
und Altguttenberg. 

2) Anna Elisabetha; Gem.: Johann Erasmus Ruepp Freiherr v. Pfeilberg. 

3. Maria Rosina, dritte Gemahlin des Franz Gall v, Gallenstein zu Rain.'^) 

4. Johann Georg IL, welcher folgt. 

5. Ehrenreich; Gem.: Maria Freiin v. Egkh, f 1648, nachher erste Gemahlin 
des Christian I. Freiherrn v. Egkh und Hungersbach, t 6. Febniar 1675, beigesetzt 
zu St. Bartholomäus in Nürnberg.*^) 

6. Anna Katharina; Gemahl: Johann Sigismund v. Himmelberg.*®') 



Johann Georg H. Freiherr v. Lamberg auf Stein und Guttenberg, Oberst- 
erblandstallmeister im Herzogthum Krain und in der windischen Mark, f 1628; 
Gemahlin: Katharina, Tochter des Sigismund, des jüngeren, v. Tattenbach, Herrn 
zu WollQmbI, Künigsberg und Ganowitz, und der Afra Gall y. Gallenstein zu Rain 
und Lueg, geb. 15. Mai 1588, verm. 2. Juni 1611, f 1628.»«») 

Kinder: 

1. Maria Anna. 

2. Maria Felicitas. 

3. Katharina. 

4. Elisabetha. 

5. Johann Adam Freiherr v. Lamberg auf Stern und Guttenberg, kaiserUcher 
Oberst der Cavallerie, t 1652; Gemahlin: Maria Virginia, Tochter des Friedrich 

»•») Nedopil 6694 u. 6879. »•«) Bucelininib, 8S. WisgrillXV.sas. 

'^) Hflbner III, 856. ' Gotbaisohes genealog. TMchenbuoh der Arei- 

>**) Nedopil 1889. i berrl. H&user 1865, S. 864. 

•••) Httbner HI, 888. I "^ Hübner HI, 858. 



— 191 — 

EeiVhsgrafen Lanthieri v. Paratico, Freiherrn v. Schönhaus zu Wippaeh, und der 
Cassandra Gräfin v. Rabatta, f 1676 (war wiedervermählt in zweiter Ehe mit Johann 
Gotthard Freiherrn v. Egkh und Hungersbach, dessen erste Gemahlin sie war.*<*) 

6. Johann Georg IIL, welcher folgt. 

7. Johann Herbard, starb als Kind. 

8. Johann Albrecht, starb als Kind. 

9. Georg Johann Siegraund, starb als Kind. 

10. Johann Andreas, t zu Neustadtl 7. Januar 1667.»®*) 

11. Johann Gottfried, starb als Kind, 

12. Wolfgang Dietrich H., starb als Kind. 

13. Johann Jakob H., starb als Kind. 

14. Wilhelm Christoph. 

Johann Georg III., s. d. Wien 10. November 1667 Reichsgraf v. 
Lamberg, Freiherr auf Stein und Guttenberg, mit dem Ohersterblandstallmeisteramte im 
Herzogthum Krain und in der windischen Mark belehnt 27. April 1662 und zu Graz 
11. September 1688,*^) k. k. Kämmerer und Landesverweser in Krain, t 19- Sep- 
tember 1707. Erste Gemahlin : Maria Magdalena Oordula, Tochter des Eberhard 
Leopold Grafen ürsini v. Blagay und der Anna Katharina Maria Paradeiser von 
und zu Neuhaus, verm. 1654.***') Zweite Gemahlin : Cäcilia Dorothea, Tochter des 
Johann Balthasar Reichsgrafen v. Schrattenbach zu Pragwald und der Maria 
Anna Elisabetha Reiehsgräfin v. Wagensperg, Freiin auf Saanegg zu Rabenstein.**^'^ 

Kinder: 

a) Aus erster Ehe: 

1. Wolfgang Leopold, geb. 1655, t 1656, beigesetzt in der Kathedralkirche 
zu I^aibach. 

2. Franz Adam L, welcher folgt. 

3. Anna Maria, starb als Kind. 

4. Eva SibyUa, geb. 1663, t 1676, beigesetzt in der Kathedralkirche zu Laibach. 

b) aus zweiter Ehe: 

5. Maria Rosina, geb. 1. März 1668. t 7. October 1691, erste Gemahlin des 
Franz Anton Johann Reichsgrafen v. Auersperg, Freiherrn auf Schönberg und 
Seisenberg, Besitzers der Herrschaften Kreuz, Oberstein, Rassina, Liehtenwald und 
Szamobor, verm. 25. Januar 1687, f zu Laibach 3. November 1718.*^®) 



Franz Adam I. Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Stein und Guttenberg. 
Landesverordneter in Krain; Gemahlin: Anna Elisabetha, Tochter des Wolfgang 
Karl Freiherrn v. Juri t seh zum Strugg und Altguttenberg und der Rosina Isabella 
Reichsgräfin v. Schrattenbach, vermählt auf dem Schlosse zu Strugg 1. November 
1686, t 18. September 1707. 



•~) Hübner III, 834. j «^) Hübner lU, 860. Schönfeld II, 216. 

'**) Calendarium des Gabriel Lucan- 1 *^) Varren trapp, Qonealog. Handb. 1797, 

tschitsoh. I II, 159. 

•*) Nedopil 3484. I *^) Wisgrill I, 264. 



— 192 — 

Kinder : 

1. Sigismund. 

2. Salomon. 

3. Johann Baptist. 

4. Franz Karl, starb jung. 

5. Anton Josef, Domherr zu Regensburg und Dompropst zu Passau, t 1705. 

6. Adam Siegfried. 

7. Franz, welcher folgt. 

8. Anna Bosina. 

9. Maria Elisabetha: Gemahl: Franz Anton v. Palm bürg. 

10. Anna Katharina Renata. Sternkreuzordensdame seit 1739. t 7. December 
1765; Gemahl: Reginald Anton Graf v. Oolloredo-Mels, Witwer.*'*') 

Franz Bernhard Benedikt Reichsgraf v. Lamberg, PVeiherr auf Stein und 
Guttenberg, Herr zu Weissenstein und Egg, k. k. Kämmerer und Jjandsehaftsverordneter 
in Krain, geb. 1697, j 2. November 1761; Gemahlin: Johanna Anna, Tochter 
des Ludwig (lundacker Anton Grafen v. Cobenzl und der Anna Katharina 
Reichsgräfin v. Trillegk auf und zu Reifniz und Weissenfeis, verm. 30. April 1724. 
t 1746, Sternkreuzordensdame.***) 

Kinder: 

1. Franz Adam Tl., welcher folgt. 

2. Katharina, Sternkreuzordensdame, geb. 19. Febiniar 1731, t ^^ Laibach 
4. April 1801; Gemahl: Jakob Anton Coronini Reichsgraf v. Cronberg, Freiherr 
V. Prebacina und Gradiscutta, verm. 1758, f zu Görz 11. Juni 1774."') 



Franz Adam 11. Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Stein und Guttenberg, 
Erbherr zu Weissenstein, Egg, Katzenstein, Dörmitsch, Ebensfelden, St. Johann und 
Wolfsbühel, Obersterblandstallmeister im Herzogthum Krain und in der windischen 
Mark , Senior der Lamberg sehen Famihe, k. k. wirklich geheimer Rath und Kämmerer, 
Ijandeshauptmann und Ijandespräsident in Krain, Görz und Gradiska, geb. 3. August 
1727, -j- zu Laibach 13. Mai 1803; Gemahlin: Maria Anna Josefa Margaretha 
Francisco Agatha Johanna Eva. Tochter des Johann Joachim Adam Reichsgrafen 
y. Botthal zu Thalberg und der Maria Josefa Francisca Reichsgräfin v. Stemberg aus 
dem Hause Zerowitz, geb. 6. Februar 1734, verm. 27. Juni 1757, t H- October 1795, 
Sternkreuzordensdame, Besitzerin der Herrschaft Kvassic in Mähren.*'*) 

Kinder: 

1. Josefa, Sternkreuzordensdame, geb. 15. September 1759, f 1834; Gemahl: 
Camillo Graf v. Gorgo, verm. 23. September 1778, t 1832. 

2. Aloisia Anna, Sternkreuzordensdame, geb. 1. November 1760, f 1834. 
Erster Gemahl: Anton Raimund Graf Strassoldo, verm. 1. November 1782, 



*»•) Wisgrill II, 131. 
"•) Krebel, Genealog. Handbuch 1786 U, 
201. Wisgrill II, 96. Nedopil 8749. 



">) Leupold S. 223. 

««) Nedopil 6888, 8800, 8750 u. 9052. 



— 193 ~ 

t 29. November 1785. Zweiter Gemahl: Bernhard Anton Maria Vineenz Freiherr 
V. Kosetti zu Roseneek, Herr auf Präwald und Nussdorf, Erbherr der Fideicommiss- 
göter Sehäckelhof und NeukofiFel, verm. 12. September 1791, f nach 1802. 

3. Maria Anna, Sternkreuzordensdame, geb. 1. December 1761, f ini November 
1792. Erster Gemahl: Pierre d'Assonleville aus Mons. Zweiter Gemahl : Leopold 
Raimund Beichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, Herr zu 
fireifenfels und Altenburg, verm. 15. November 1788, f zu Salzburg Ende 1798. 

4. Johann Nepomuk Josef Franz Anton Eleutherius Peregrin Reichsgraf 
v. Lamberg, Freiherr auf Stein und Guttenberg, Erbherr der Herrschaften Weissen- 
stein, Egg, Katzenstein, Dörmitsch, Ebensfelden und Wolfsbühel in Krain, Sprinzen- 
stein und Kvassic in Mähren. Erbiandstallmeister im Herzogthum Krain und in der 
windischen Mark, k. k. Kämmerer und Landrath in Kram, Mitglied mehrerer 
Gelehrten-Gesellschaften, Senior der Familie, geb. 20. Februar 1764, f 1828.^*') 
(ilemahlin: Wilhelmine Maria Er n est ine, Erbtochter des Karl Vineenz Reichsgrafen 
V. Salm zu Neuburg am Inn und der Maria Anna Beichsgräfin v. Khevenhülier- 
Metsch zu Aichelburg und Hohen-Osterwitz, Freiin auf Landskron und Wernberg. 
geb. 5. September 1771, verm. 3. Februar 1790, Sternkreuzordensdame.*") 

Kinder: 

1) Marie Ernestine Francisca Seraphina Vincenzia Theresia Francisca 
Salesia, Besitzerin des Gutes Zaroschitz bei Steinitz in Mähren, Stern- 
kreuzordensdame, geb. zu Laibach 8. Mai 1791, f zu Brönn 29. April 
1858;*'») Gemahl: Johann Franz de Paula Graf Schaaffgotsche. 
genannt Semperfrei von und zu Kynast und GreiflFenstein. Freiherr 
zu Trachenberg, Herr auf Biskupitz und Adersbach, verm. 30. Januar 
1817, t zu Brflnn 3. November 1866."«) 

2) Maria Anna, geb. 19. Juh 1795, f 1832. 

3) Eduard Karl Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Stern und Gutten- 
berg, geb. zu Kvassic 11. Juli 1799, f 30. November 1825; Gemahlin: 
Caroline, Tochter des Leopold Reichsgrafen v. Sternberg, Besitzers 
der Fideicommissherrschaften Zasmuk, Czastalowitz und Serowitz in 
Böhmen, und der Caroline Reichsgräfin Walsegg, geb. 9. Juli 1804, 
verm. 8. April 1823, f z« Wien 31. December 1881,"^) k. k. Palast- 
und Sternkreuzordensdame, Mitbesitzerin der Herrschaft Kvassic (war 
wiedervennählt in zweiter Ehe seit 13. October 1851 mit Karl Grafen 
Bigot de Saint-Quentin, f zu Kvassic 8. September 1884.)"^) 
Kinder : 

(1) Ernest Josef Reichsgraf v. Lamberg, Fi-eiherr auf Stein und Gutten- 
berg, k. k. Oberlieutenant (im 1. Uhlanenregiment) a. D., geb. 9. März 
1824, t 10. August 1850.»»*) 



***) Gemmel-Flischbach, Album des 
Theresianums, S. 61. 

«««) Genealog. Taschenbuch der grafl. Häuser 
1831, S. 413. Nedopil 8748 u. 9091. 

**•) Genealog. Taschenbuch der gräfl. Häuser 
1868, S. 427, u. 1859, S. 1009. Nedopil 8299, 



•*•) Genealog. Taschenbuch der gräfl. Häuser 
1868, S. 1063 u. 1896, S. 952. 

«»} Ibidem 1866, S. 737; 1883, S. 1109, u. 
1896, S. 592 u. 1074. 

«>") Ibidem 1885, S. 107 u. 1142. 

«•») Ibidem 1850, S. 876 und 1862, S. 799. 



8301, 8302, 9090. | 13 



— 194 — 

(2) Leopoldine, Besitzerin der Herrschaften Kvassic und Morkowitz mit 
dem Gute Zdounek in Mähren, k. u. k. Palast- und Stemkreuzordens- 
dame, Ehrendame des königl. bayer. Theresienordens, geb. 9. April 
1825; Gemahl: Friedrich Eeichsgraf v. Thun und Hohenstein, Besitzer 
der Fideiconmiissherrschaft Tetschen und der Allodialherrschaft Perutz 
mit Slavetin und Vrbi6an in Böhmen, verm. 15. September 1845. 
t auf Schloss Tetschen 24. September 1881.*»«) 

C. Die HaHptlinle auf Ortenegg und Ottensteln. 

Balthasar v. Lamberg, 1396, Pfleger zu Lack; Gemahlin: Margaretha, Tochter 
des Caspar L v. Apfaltrern und der Anna Gall v. Gallenstein, Witwe 1426."*) 
Kinder: 

1. Andreas, Stifter einer erloschenen Nebenlinie zu Schneeberg (unter a). 

2. Georg L, Stammvater der blühenden Stammlinie auf Ortenegg und Otten- 
stein (unter h). 

3. Elisabetha; Gemahl: Gotthard v. Kreyg, 1455. 

4. Magdalena; Gemal: Sigmund v. Edling. 

d) Die Nebenlinie zu Schneeberg. 

Andreas v. Lamberg, Herr zu Schneeberg, erbaute 1471 das Schloss Willen- 
grain bei Ortenegg. f 1473; Gemahlin: Elisabetha, Tochter des Friedrich v. Zobels- 
berg und der Katharina v. Apfaltrern.*") 

Kinder: 

1. Johann L, der ältere, v. I^amberg, Bitter, erlangte 1496 eine kaiserliche 
Belehnung mit Nieder- Absdorf bei Zistersdorf, Wiesendorf bei Kirchberg am Wagram, 
Kaliehdorf und Geitzendorf bei Stockerau in NiederösteiTcich (V. U. M. B.), 1500 
durch Erbpacht die Güter und Schlösser Weierburg und Puchberg, am 14. März 
1522 das erbliche Eigenthum der alten öden Teste Sauenstein, am 12. Januar 1524 
die Aufhahme in den niederösterreichischen Herrenstand, am 10. December 1524 
die Belehnung mit Geiselberg bei Zistersdorf und den Pfandbesitz des Gutes Ober- 
Weiden bei Marchegg 1533 und der Burg und Herrschaft (lars bei Hörn am 
16. December 1534, besaß auch die Güter Idolsberg bei Gfbhl, Jedenspeigen bei 
Zistersdorf und Ebenthal bei Matzen, war niederösterreichischer Begimentsrath, dann 
wirklicher Hofrath, Kämmerer, Hofmarsckall und Obersthofmeister der Königin Anna. 
•j* zu Wien 8. Juli 1536; Gemahlin: Margaretha, Tochter des Hans v. Enzersdorf 
und der Barbara v. Pronau, Witwe des Stephan v. Rosenhart s, f zu Wien 
13. November 1537 (beide im Kreuzgange der Schottenkirche beigesetzt).**') 

2. Katharina; erster Gemahl: Johann, der ältere, v. Apfaltrern, Ritter. 
1511;"^) zweiter Gemahl: Friedrich Raub er. 

3. Ursula; Gemahl: Friedrich v. Säur au."*) Herr zu Baierdorf. "•) 

4. Margaretha; Gemahl: Christoph v. Pötschach.*") 



"•) Ibidem 1882, S. 1116, u. 1896, S. 1137. 

«•) Bucelini HI b, 319, 338, 339 u. 426. 
Wisgrill I, 140. 

«*») Bucelini Id, 167, Hoheneck II, 
163 u. 678. 



"») Wisgrill II, 419. 
"*) Wisgrill I, 140. 
"») Hübner III, 843. 
"•) Hoheneck II. 430 
«") Bucelini UI b, 169. 



— 195 — 

5. Barbara, erste Gemahlin des Bemardin Gall v. Gallenstein."*) 

6. Elisabetha; Gemahl; Christoph Mordaxt v. Portendorf. 

7. Christina; Gemahl: Georg Mordaxt v. Portendorf."*) 

8. Gregor I. v. Lamberg, Herr zu Sehneeberg, Willengrain und Sauenstein in 
Krain, f 1565. Erste Gemahlin: Ursula, Tochter des Stephan v. Kosenharts und 
der Margaretha v. Enzersdorf. venu. 1605."®) Zweite Gemahlin: Potenziana. Tochter 
des Ulrich v. Weissbriach und der Agatha v. Zillenhart, verm. 1526."') 

Kinder: 

a) Aus erster Ehe: 

1) Katharina Magdalena; Gemahl: Andreas Freiherr v. Prag, HeiT zu 
Windhag. t 1569.">) 

2) Georg. 

3) Johann IL, welcher folgt. 

4) Wolfgang v. Lamberg, Ritter. Herr zu Schneeberg. AVillengrain und 
Sauenstein, 1530 der 29. Landes- Vicedom,"*) 1543 auch Verordneter in 
Krain,"*) 1 1550. Erste Gemahlin: Anna, Tochter des Johann v. Schön- 
kirchen und der Agnes v. Puchheim, Witwe des Wilhelm v. Lomnitz. 
Zweite Gemahlin: Susanna, Tochter des Johann v. Schärffenberg. 
Herrn zu Spielberg, und der Margaretha Herrin v. Zelking."*) 
Kinder: 

(i) Aus erster Ehe: 

(1) Margaretha, zweite Gemahlin des Johann IL Freiherrn v. Hofkirchen, 
1545."«) 

6) Aus zweiter Ehe: 

(2) Gregor IL, starb jung. 

(3) Maria Magdalena, f zu Schloss Preydeck 19. October 1581. Erster 
Gemahl: Heinrich v. Starhemberg, Herr zu Wildberg und Loben- 
stein. Besitzer der Herrschaft Riedeck, vermählt 7. Februar 1563. 
t 31. December 1575."') Zweiter Gemahl: Gabriel St rein von und 
zu Schwarzenau."*) 

6) Aus zweiter Ehe: 

5) Leonhard v. Lamberg, Herr zu Sauenstein, wurde 1587 von den Türken 
gefangengenommen; Gemahlin: Amalia, Tochter des Georg IL v. Lam- 
berg, Herrn zu Rotenbühel und Steinbtichel und der Elisabetha Thur6czy 
V. Ludbreg."') 

6) Gerhard v. Lamberg, f 1556. Erste Gemahlin: Benigna v. Schönkirchen. 
Zweite Gemahlin: Richardis, Tochter des Wolgang v. Wplkersdorf zu 
Weissen berg und der Apollonia v. Eckartsau. geb. 1521.*^) 



"•) Bucelini IIb, H. 6. 
•") Bucelini UI b, 186. 
»*) HohenecklII,544. WisgriIlII.887. 
"') Bucelini lU b, 263. 
«") Bucelini lUb, 171. Hoheneck II, 99 
und III, 872. 

«») Valvasor III, 80. 
•**) Valvasor lU, 86. 



•») Hoheneck II, 803. Httbner UI, 904.- 

»•) Bucelini Ulb, 86. 

•»^ Hübner III, 781. Hoheneck I, 474. 
Nedopil 6270 u. 6418. 

«•*) Bucelini III b, 227. 

»*) Hoheneck III. 606. Hübner III, 702. 

«*•) Bucelini III b, 246. Hoheneck III, 
786. 

18* 



— 196 — 

Töchter: 

(1) Judiths; Gemahl: Hinko v. Wrbna. 

(2) Margaretha. 

(3) Amalia; Gemahl: Leopold v. Neudegg, verm. 1550. 

(4) Eva, dritte GemahUn des Heinrich Strein v. Schwarzenau,**') nachher 
wiedervermählt in zweiter Ehe mit Sigismund v. Leysser, 1562. 

7) Ludwig, starb unvermählt. 



Johann IT., der jüngere, v. Lamberg, Herr zu Sauenstein, verkaufte das Schloss 
und Gut Nieder- Absdorf im V. U. W. W. an Wolfgang Fatzi*^*) und das Gut 
Idolsberg 1539 an Christoph v. Leysser."*) Erste Gemahlin: Margaretha, Tochter 
des Konrad, des jüngeren, v. Fron au zu Dürnkrut, Neusiedl an der Zaya, Geisel- 
])erg und Schrick, und der Elisabetha v. Steinpeis.**^) Zweite Gemahlin: Veronica. 
Tochter des Johann Pannierherrn v. Tschernembl, Bitters, Burggrafen zu Klin- 
genfels, und der Elisabetha Helena Freiin Rauber v. Plankenstein.*^*) 

Söhne aus zweiter Ehe: 

1. Johann Ludwig, 1563: Gemahlin: Anna Elisabetha,, Tochter des Gabriel 
Preiherm Kollonitz v. Kollegrdd auf Burg Schleinitz und der Maria Magdalena 
Geyer v. Osterburg zu Haindorf an der Bielach, 1573.***) 

Töchter: 

1) Ursula; Gemahl: Georg Adam Freiherr Bauber v. Plankenstein.**^) 

2) Elisabetha; Gemahl: Johann Franz v. Greisseneck. 

3) Benigna. 

4) Anna Maria; Gemahl: Johann v. Gallenberg. 

2. Johann Christoph v. Lamberg, Herr zu Sauenstein, Idolsberg und Geisel- 
berg 1573; Gemahhn: Margaretha, Tochter des Polyearp v. Gradeneck und der 
Anna v. Neuhaus.***) 

Töchter: 

1) Barbara. 

2) Veronica. 

b) Die Stammlinie auf Ortenegg und Ottenstein. 

Georg L V. Lamberg, Herr zu Schneeberg, geb. 1409, kaiserl. Feldoberster und 
Hauptmann an den Grenzen der wmdischen Mark, erhielt 1468 von Kaiser Friedrich IV. 
(in.) die Veste und Herrschaft Ortenegg in Krain, welche die Grafen v. Cilli semem 
Großvater gewaltsam entrissen hatten, f 1499; Gemahlin: Margaretha, Tochter des 
Friedrich v. Zobelsberg und der Katharina v. Apfaltrern, f 1478. 

Söhne: 

1. Georg n., welcher folgt. 

2. Leonhard, starb als Kind. 



•*») Bucelini XU b, 228. 

««) Wisgrill III, 24. 

"»*•) Zeitschrift des „Adler" 1872, S. 19. 

«") Wisgrill UI, 114. 



•*») Bucelini IIb, Y 6. Hoheneck 111,756. 
»«•) Wisgrill V, 198. 
•^') Wisgrill III, 313. Nedopil 1907. 
«*•) Bucelini Illb, 59. 



1»7 — 



3. Sigismuiid t. Lamberg, geb. 1470, ^ IbU; Gemahlin: Ursula, Tochter des 
Caspar Kauber und der Katharina Burggräfin v. Lueg.^**) 
Kinder : 

1) Johann Georg v. Liamberg, Herr auf Ortenegg, t 1584. Erste Gemahlin: 
Barbara Sörl aus Salzburg. Zweite Gemahlin: Christina v. Neu haus. 
Tochter: Tugendlieb, 1546 zweite Gemahlin des Martin v. Puchheim 
zu Krumbach, "^) welcher 1553 starb und bei den Minoriten zu Wien 
begraben liegt. 

2) Christoph IV. , s. d. Prag 14. Februar 1544 Freiherr v. Lamberg, war 
1520 Domherr zu Salzburg, wurde 1542 zum Fürstbischof von Seckau 
ernannt, legte diese Würde 1546 nieder und kehrte zum Capitel nach 
Salzburg zurück, wo er 1551 zum Domdechanten und 1560 einstimmig 
zum Dompropst gewählt wurde; f 1579."') 

Georg n. V. Ijamberg, Herr auf Ortenegg; Gemahlin Maria Magdalena, 
Tochter des Phöbus V., des jüngeren, Freihermv. Thurn und Valsassina zum Kreuz 
und der Lucia v. Arcoloniani, geb. 1464, f 1538."*) 

Kinder: 

1. Andreas, geb. 1481, f 1483. 

2. Balthasar, Doctor der Theologie, Dompropst zu Salzburg, geb. 1483, f 1530. 

3. Wolfgang, s. d. Prag 14. Februar 1544 Freiherr v. Ijamberg auf 
Ortenegg und Öttenstein zu Schneeberg, geb. 1483, Eques auratus, war kaiserlicher 
Oberster und Feldherr im Venediger Kriege 1511, vertheidigte die Festung Gra- 
disca und die Grenzen von Krain und Görz, focht in Italien 1524 und 1525 gegen 
die Franzosen. Erste Gemahlin: Clara Gall v. Gallenstein zu Möttnick und Rudolfs- 
eck; zweite Gemahlin: Ursula, Tochter des Wolfgang Freiherrn v. Dietrichstein 
und der Katharina v. Reischko, begraben zu Laas.***) 

Kinder: 

a) Aus erster Ehe: 

1) Chrißtina. 

2) Eva. 

3) Felicitas; Gemahl: Josef v. Moscon. 

4) Magdalena: Gemahl: Pancraz II. Sauer von und zu Kosiak.**^) 

5) Kunigunda Juliana, zweite Gemahlin des Sigismund Schrott v. Kind- 
berg."») 

b) Aus zweiter Ehe: 

6) Anastasia, erste Gemahlin des Johann Alban v. Siegersdorf. 

7) Wolfgang Augustin Freiherr v. Ijamberg auf Ortenegg und Öttenstein 
zu Schneeberg; Gemahlin: Elisabetha, Tochter des Wilhelm Herrn v. 



•*•) Bucelini Hlb, 186. 

"•) Hübner 111,779. Jahrbuch des „Adler* 
1890, 8. 191. 

**■) Leardi,Beihe der EnbbohOfe zu Salz- 
burg, und Bischöfe zu Gurk^ Seckau, Lavant 
und Leoben, S. 112. • 



*»*) Bucelini Id, 187; IIb, 73, 116, 149; 
nie, 418, und IV b, 412. Hübner lU, 769. 
Nedopil 7290. 

«••) Hübner lU, 761. Wisgrill II, 216. 

^) Bucelini III b, 201. 

«") Bucelini III b. 210. Wisgrill I, 401. 



— 198 — 

Khueuring und der Maria Salorae Herrin v. Bogendorf***) (wiederverm. 
in zweiter Ehe mit Simon Freiherrn v. Egkh und Hungersbach)."') 
Kinder: 

(1) Wolfgang, starb jung. 

(2) Moriz, starb jung, 

(3) Ursula, starb jung. 

(4) Potenziana. 

(5) Maria Salome. 
8) Johann. 

4. Kunigunde, in erster Ehe Gemahlin des Christoph üall v. Puchenstein 
1500, und nachher in zweiter Ehe wiedervermählte v. El lach. 

5. Johann, geb. 1486, starb als Kind. 

6. Anna, Zwillingsschwester des vorigen, Äbtissin zu Münkendorf in Krain. 

7. Agnes, geb. 1488; Gemahl: Sigismund Ptirscher (v. Piersch) zu ßoten- 
bühel, 1499. 

8. Josef L, Stifter des erloschenen älteren Astes zu Lichtenwald in Steiermark 
(unter a). 

9. Melchior, s. d. Prag 14. Februar 1544 Freiherr v. Lamberg auf 
Ortenegg, gel). 1491, kaufte am 7. Januar 1521 die Veste und Herrschaft Ottenstein 
mit dem Markte Töllersheim im V. 0. M. B. , war 1523 niederösterreichischer Begi- 
mentsrath, unterhielt bei der Vertheidigung Wiens gegen die Türken, 1529, eine Com- 
pagnie von 120 Mann auf eigene Kosten, wurde königlicher geh. Bath und Kämmerer 
und 1540 zum kaiserl. Obersthofmarschall ernannt, f zu Wien 19. Mai 1550, beigesetzt 
unter dem Hof-Oratorium in der Augiistinerkirche. Gemahlin: Anna Maria, Tochter 
des Stephan v. Haselbach und der Eosina v. Kosenharts, 1541 Erbin des Gutes 
Stockem bei Eggenburg im V. 0. M. B. 

Kmder : 

1) Regina, zweite Gemahlin des Georg Wilhelm Freiherrn v. Zelking 
auf Weinberg, Herrn zu Siedendorf.'*^) 

2) Ulrich Freiherr v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, Herr zu Stockern, 
t zu Ottenstein 1569, beigesetzt neben seinem Vater; Gemahlin: Anna 
Maria, Tochter des Cyprian Freiherrn v. Thun und der Anna Fuchs v. 
Fuchsberg zu JauflFenburg, 1560.'**) 

10. Caspar IE., Stammvater d^g blühenden jüngeren Astes auf Ortenegg und 
Ottenstein (unter ß). 

11. Clara, geb. 1494, f 1497. 

12. Ambros. s. d. Prag 14. Februar 1544 Freiherr v. Lamberg auf Or- 
tenegg und Ottenstein, geb. 1496, Doctor der Theologie und beider Rechte, Dom- 
dechant zu Salzburg und kaiserUcher Gesandter auf dem Reichstage zu Augsburg, 
I zu Salzburg 1551. 



•w) Bucelini 111 b, N und lU b, 107. 
*»») Hübner III, 831. 



•~) Bucelini IIb, Bb 4. Hohenck III, 



869. 



»•) Hübner UI, 714. 



- 199 — 

ff) Der ältere Ast zu Lichtenwald. 

Josef L. s. d. Prag 14. Februar 1544 Freiherr v. Lamberg auf Ortenegg 
und üttenstein. Herr zu Sehneeberg und Weissenstein, Pfandinhaber der Herrschaften 
Senosetsch am Gaberg in Krain und Jedenspeigen an der March in Niederösterreich, 
geb. zu Ortenegg 1489, Edelknabe des Landeshauptmanns von Steiermark, Ruprecht 
V. Reichenburg 1500, begleitete denselben 1503 in den Krieg nach Bayern, kam 
1506 an den Hof des Kaisers und zog 1506 mit in den venetianischen Krieg, hielt 
1515 im Bauernaufnihr in Krain den Rebellen Stand, wurde bei der Krönung Karls V. 
zum Ritter geschlagen und 1523 zum (37.) Landesverweser in Krain. ^••) 1526 zum 
Kriegsrathe. 1529 zum (2.) Landesverwalter in Kram,***) 1531 zum Gesandten in 
Constantinopel,***) 1535 zum Obersthofmeister der Kaiserin Anna und 1546 zum 
(45.) I^andeshauptmann in Krain ernannt;*") zuletzt geh. Rath, Kämmerer und 
Obersthofmeister der kaiserlichen Kinder zu Innsbruck, f zu Laibach 20. October 
1554, l)eigesetzt in der Kathedralkirche daselbst. Erste Gemahlin: Elisabetha v. 
Ellach, Erbin des Schlosses Stegbei^, verm. 1513, f 1531; zweite Gemahlin: 
Margaretha, Tochter Jakobs, des älteren, Khuen v. Belasi zu Lichtenegg und der 
Maria Magdalena Fuchs v. Fuchsberg zu Fuchsstadt, verm, 9. Januar 1534, 
t 4. März 1536. beigesetzt im Kreuzgange der Schottenkirche zu Wien;"*) dritte 
Gemahlin: Anna, Tochter des Johann Adam v. Zwetkowitsch und der Johanna 
de Ressauris, verm. 21. Januar 1538, Hofdame der Kaiserin Anna und Oberst- 
hofmeisterin der kaiserlichen Prinzessinnen. 

Kinder : 

1. Anna Maria, geb. 1514. Erster Gemahl: Jakob v. Raunach zu Görz;***) 
zweiter Gemahl: Wolfgang Engelbert v. Auersperg, Herr zu Schön berg und Sei- 
senberg, f 1557. *••) 

2. Helena, geb. 1515, erste Gemahlin des 1570 verstorbenen Nikolaus II. 
Grafen v. Madruzzo zu Avi und Brentonico. **^) 

3. Johann I. Freiherr v. I^amberg auf Ortenegg und Ottenstein, Landrath und 
Vicehauptmann in Krain, geb. 1516, t 26. Deeember 1556, begraben in der Kathe- 
dralkirche zu Laibach. Erste Gemahlin: Just in a (Johanna), Tochter des Augustin 
Reichsgrafen zu Lodron-Ijaterano und Castelromano und der Magdalena v. Bage- 
rata;**®) zweite Gemahlin: Anna, Tochter des Rudolf Freilierrn v. Hohenfeld und 
der Hedwig v. Eitzing, nachher erste Gemahlin des am 29. Januar 1575 verstorbenen 
Johann V. v. Polheim.***) 

Kinder: 

«) Aus erster Ehe: 
1) Justina; Gemahl: Georg Sauer v. Kosiak. 



»^ Valvasor m, 73. 

«•«) Valvasor III, 70. 

••») Gövay, Urkunden u. Actenstückc zor 
Geschichte der Verhältnisse zwischen Österreich 

und der Pforte im 16. und 17. Jahrhundert, »•^) Nedopil 7798. 

I. Band. — Curipeschitsch, Wegrayß kaiserlicher *•) Bucelini III h, 362. 

Legation 1632 zu den Türken geschickt, | «») Hoheneck I, 394. Hübner III, 744 

•^) Valvasor III, 43 u. 61. j und 876. 



»«•) Höbner III. 869. Hoheneck I. 307. 
Wisgrill IV, 262 und V, 110. 
•••) Bucelini III b, 187. 
««^ Wisgrill I, 240. 



— 200 — 

2) Maria Magdalena; Ueraahl: Hermes Graf v. Porcia und Brugnera, 
1599.*70) 

3) Josef IL, starb vor dem Vater. 

4) Heinrieh, starb vor dem Vater. 

4. Feiieitas, geb. 1517; Gemahl: Erasmus v. Seheyer, Ritter.^^*) 

b) Aus zweiter Ehe: 

5. Balthasar I., welcher folgt. 

c) Aus dritter Ehe: 

6. Maria Magdalena, geb. 1540, f 1580; Gemahl: Franz II. Graf ürsini 
v. Blagay, Pfandinhaber der Herrschaft Gottschee, verm. 1558."*) 

7. Katharina, geb. 1541. Besitzerin der Herrschaft und Veste Jedenspeigen, 
1578 ; 1 1599 5 Gemahl : Konrad , Beichserbmarschall v. Pappenheim, I^andgraf 
zu Sttihlingen, f 1603."») 

8. Kunigunda, geb. 1543; Gemahl: Johann Gyulay v. Drachenstein, 1588. 

9. Philipp Jakob, geb. 1546, f 1570, beigesetzt in der Kathedralkirche zu 
Laibach. 

10. Eleonora, geb. 1552, starb als Kind. 

Balthasar I., Freiherr v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, geb. 1536, 
t 1582, beigesetzt in der Schottenkirche zu Wien; Gemahlin: Anna, Tochter des 
Johann IV. v. Welz zu Spiegelfeld und der Anna Herrin v. Schärffenberg , geb. 
17. Mai 1539, verm. zu Laibach 1558, f 1590."*) 

Kinder: 

1. Margaretha, geb. 1560, starb jung. 

2. Maria Anna, geb. 1563, f 1585. 

3. Maria Magdalena, geb. 1564, f ^569. 

4. Josef III., welcher folgt. 

5. Kadegunda, geb. 1570, f 1599, beigesetzt zu Sauenstein. 

6. Johann IL, geb. 1572, f 1600, beigesetzt zu Seisenberg. 

7. Katharina, geb. und t 1573. 

8. Barbara, geb. und f 1573. 

9. Benigna, geb. 1576, f 1577. 

10. Philipp, geb. 1577, f 1579. 

11. Ursula, Zwillingschwester des Vorigen, wurde nur zwei Tage alt. 

12. Herbard, geb. 1579. 

13. Eva, geb. 1580, f 1582. 

Josef III. Freiherr v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, geb. 1567. 
Erste Gemahlin: Maria, Tochter des Gabriel P>eiherrn Kollonitz v. Kollegräd auf 
Burg-Schleinitz und der Maria Magdalena Geyer v. Osterburg zu Haindorf an der 
Bielach;"*) zweite Gemahlin: Maria Magdalena, Tochter des Balthasar Gall v. 
G al 1 e II s t LM H mul der Feiieitas Hasyber.*^*) 



*") Höbiier 1, 274. 

*^^) ßuceliüi Illb. S05. Nedopil 3447 
(Infi 4601. 

"*) HübüL^r UI. ÖÖtl. Nagy Ivun II, 117. 



"») Hübner IT, 620. 
"*) Hübner III, 822. 
«") Wisgrill V, 198. 
«^) Bucelini IIb, fl 6. 



— 201 - 

Kinder au3 zweiter Ehe: 

1. Georg Balthasar, welcher folgt. 

2. Johann Andreas, Oberstlieutenant. 

3. Maria Polixena; Gemahl: Georg Sigismund v. Spangenstein. 



Georg Balthasar Freiherr v. Laraberg auf ürtenegg und Ottenstein. Erste 
Gemahlin: Anna Secunda v. Reising; zweite Gem.: Katharina v. Langenmantel. 

Sohn aus erster Ehe : Georg Seyfried (Siegl'ried), s. d. Wien 6. Juni 1671 
Reichsgraf V. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, Herr zu Lichten- 
wald, kam 1680 in einer Feuersbrunst ums Leben; Gemahlin: Aima Katharina 
Johanna, Tochter des Johann Karl Freiherrn v. Casinedi und der Maria Mar- 
garetha Freiin Prenner v. Lueg, f 1668.*") 

Kinder: 

1. Maria Margaretha Magdalena, dritte Gemahhn des Johaim Ernst Grafen 
Paradeiser, Freiherrn von und zu Neuhaus und Graditsch, Edler Herr auf Kolhiitz 
und Maihau, f 1688, dann erste^ Gemahlin des Ferdinand Felix Friedrich Freih. 
V. Juritsch zum Sirugg und Alt-Guttenberg, Besitzers des Gutes Pleterhof, verm. 
zu Strugg 17. Juni 1695. 

2. Francisca Eleonora, k. k. Oberhofmeisterin der Erzherzogin Magdalena und 
Sternkreuzordensdame, geb. 14. Mai 1667, f zu Wien 24. Juni 1741; Gemahl: Franz 
Anton Graf V. Schärffenberg, verm. 1689, f &• December 1706.*^®) 

3. Franz Jose fix. Reichsgraf v. Lamberg, Fi-eiherr auf Ortenegg und Otten- 
stein, Herr zu Lichtenwald, seit 1673 Adoptivsohn und Universalerbe des Franz 
Adam Freiherrn v. Langenmantel zu Rothenthurm, k. k. Kämmerer, Senior der 
Familie, geb. 1668, t 1746. Erste Gemahhn: Maria Antonia Eleonora, Tochter des 
Dominik Freiherrn v. Reising, verm. 1728; zweite Gemahlin: Maria Katharina Reichs- 
gräfin P e t a z z i v. San Servolo und Castel Nuovo, Freiin zu Schwaraeneck, f 1768. 

Söhne aus erster Ehe : 

1) Felix Maximilian Josef Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg 
und Ottenstein, Herr zu Lichtenwald, k. k. Kämmerer, f zu Graz 1769; 
Gemahlin: Maria Anna Josefa Johanna Antonia, Tochter des Johann 
Ferdinand Reichsgrafen v. Lamberg, Freiherrn auf Ortenegg und 
Ottenstein , Herrn zu Stockern und Amerang, Besitzers der Herrschaften 
Haindorf am Groß-Kamp in Niederösterreich und Kitzbühel in Tirol, und 
der Maria Francisca Constanzia Johanna Reichsfreiin v. Gilleis auf 
Sonnberg, geb. 5. November 1723, verm. zu Stockern 6. April 1744, 
f zu Wien 1787, Sternkreuzordensdame. 

2) Josef Felix Adam, Dompropst und geh. Rath zu Passau, Propst zu 

Mattsee bei Salzburg, geb. 18. Februar 1734. f 17. Mai 1795. 

ß) Der jüngere Ast auf Ortenegg und Ottenstein. 

Caspar HL, s. d. Prag 17. Febr 1544 Freiherr v. liamberg auf Ortenegg 
und Ottenstein. geb. 1492, k. k. Oberst, machte die Kriege in Italien, Deutschland 

«") Varrentrapp, Genealog. Kalender 1802, I, 688. 
"•) Nedopil 227. 



— 202 - 

und Ungarn unter den Kai>>ern Maximilian I., Karl V. und Ferdinand I. mit, t im 
<>i-tober 1544- beigesetzt zu I^aitjaeh. Erste tienmhlin: Anna Maria Gräfin v. Thurn; 
zweite (lemahlin: Margaretba. Toehter des Lukas Lang v. Wellenburg und der 
Mar^raretha Hofer v. Urfahr und Wildenwart.'^*) 
Kinder: 

a) Aus erster Ehe: 

1. Benigna. zweite Gemahlin des Karl von und zu Alten -Frauenberg.***) 

2. Eegina; Gemahl: Blasius Reiehsfreiherr Khuen v. Belasi, Freiherr zu Xeu- 
Ijemliaeh und Gandegg, Besitzer der Herrschaften Königsberg. Purgstall. Mölten, Je- 
nesien und Greifenstein, t 1578. beigesetzt zu St. Pauls in Eppan.***) 

3. Maria, starb unvermählt. 

4. Balthasar, starb unvermählt. 

5. Sabina I., starb als Kmd. 

fc) Aus zweiter Ehe: 

6. Sigismund, welcher folgt. 

7. Sabina IL; Gemahl: Erasmus v. Khuenburg.**') 

8. Felicitas. Erster Gemahl: Sigismund HI. v. Lamberg zu Rotenbühel ; "' j 
zweiter Gemahl: Johann Adrian v. Greisseneck.***) 

9. Christina, starb unvermählt. 

10. Beatrix, starb unvermählt. 

11. Johann Georg, starb unvermählt. 

12. Baymund. 

Sigismund Freiherr v. Lamberg auf Orteuegg und Ottenstein, Besitzer der 
Herrschaft Stockern bei Eggenburg und der Lehengflter Geiselberg bei Zistersdorf 
und Schrick bei Mistelbach in Niederösterreich, geb. 1536, ftrsterzbischöflich Salz- 
burgischer Bath und Pfleger zu Dittmanning, zog um 1579 nach Österreich ob der 
Enns, war 1590 Landeshauptmann zu Linz,***) wurde am 13, März 1592 dieses 
Amtes enthoben und zum liandmarschall in Niederösterreich ernannt;*®*) k. k. wirkl. 
geh. Bath und Kämmerer und als Senior der Familie übersterblandstallmeister im 
Herzogthum Krain und in der windischen Mark, f 7. Februar 1619.**^) Erste 
Gemahlin: Anna Eleonora Siguna Sidonia, Tochter des Johann Jakob Fugger 
Keichsgrafen v. Kirchberg und Weißenhorn und der Ursula Freiin v. Harrach, geb. 
12. Juni 1541, verm. 1558, f 24. Februar 1576;"*) zweite Gemahlin: Anna Maria, 
Tochter des Ferdinand Helfried ßeichsfreiherm v. Meggau zu Kreuzen und der 
Ursula Gienger v. (irünbüchel, verm. zu Enns 28. April 1579.***) 

Kinder: 

ä) Aus erster Ehe: 

1. AnnaSybilla, zweite (temahlin des Johann Veit ßeichsfreiherm v. Törring 

«^) Bucelini IIb, 8U u. IV b, 142 u. 304 »") Prevenhuber 136. 

Nedopil 2450. ^) Codex Austriaous 743 et 752. 

»^) Bucelini III c, 10»', u. IV b, 83. ^) Nedopil 3448. 

"') Hübner III, 867. "•) Hübner II, 548. Hoheneck I. 330. 

»•«) Bucelini IIb, M5. Wisgrill IV, 170. Nedopil 1993 u. 2336 

«") Hübner III, 702. t «••) Bucelini III b, 132. Hoheneck 111, 

"*) Bucelini 111 b, 61. ! 410. Wisgrill I, 354 u. 365, u. UI, 125. 



— 203 - 

zu Jettenbach, venn. 2. Februar 1576, f 1582,'*®) wiederverraählt in zweiter Ehe 
6. Februar 1584 mit Georg Andreas Preiherm y. Herberstein.^*) 

2. Johann VII. Jakob, wurde 1576 Domicellar und 1585 Domherr zu Salz- 
burg und Passau, später Ajo der Söhne Leopold und Karl des Erzherzogs Karl von 
Steiermark, 1601 geh. Bath und Statthalter der Regierung in Graz und am 25. Sep- 
tember 1603 der 39. Fürstbischof zu Gurk in Kärnten, starb im Schlosse Straßburg 
an der Gurk 7. Februar 1630, beigesetzt in der Ck)llegiatstift8kirche daselbst.*'*) 

3. Kay m und, Stammvater des ersten Hauses auf Feistritz (unter L). 

4. Georg Sigismund, Stammvater des zweiten, später geforsteten Hauses 
(unter IL). 

5. Sidonia Katharina, f 1593, dritte Gem. des Christoph Vintler v. Bunggl- 
stein zu Platsch, Herrn auf Heilsperg, verm. 1587, f zu Innsbruck 1614.*'') 

6. Maria Johanna Jakoba; Gemahl: Nikolaus Freiherr v. Firmian.***) 

7. Eleonora, f 1608, zweite Gemahlin des Wilhehn HL Freiherrn v. Wolken- 
stein zu Trostburg und Neuhauss, f 1636.*®') 

8. Christoph (Christian), Kämmerer und Überststallmeister des Erzherzogs 
Leopold, lebte noch am 9. Januar 1620. Erste Gemahlin: Juditha v. Hohenkirchen, 
Aja der Kinder des Erzherzogs Ferdinand; zweite Gemahlin: Eleonora v. Wilden- 
stein. 

9. Karl, war 1601 Domherr zu Passau und Ohntitz, wurde am 14. October 
1606 zum Fürsterzbischof von Prag und Primas des Königreichs Böhmen ernannt, 
war zugleich Großmeister des ritterlichen Ordens der Kreuzherren mit dem rothen 
Sterne, starb im Cistercienserkloster Osseg im Saazer Kreise am 18. Sept. 1612.***) 

10. Maria Isabella, zweite Gemahlin des Johann Jakob Andreas Beichs- 
freiherrn v. Brand is zu Leonburg, Forst und Fahlburg. "^) 

11. Maximiliana, zweite Gemahlin des Matthäus Freiherrn v. Annen bergauf 
und zu Latsch und Dornsperg, 1604. *•*) 

12. Maria Victoria, zweite Gemahlin des Dietrich Reichsfreiherrn Khuen 
V. Belasi zu Auer und Neu-Lembach auf Lichtenberg und Prielau, verm. 1606.'**) 

13. Perpetua Anna, erste Gemahlin des Karl Eeichsfreiherrn Khuen v. Belasi 
zu Auer, verm. 161 !.*•*) 

b) Aus zweiter Ehe: 

14. Ferdinand Helfried, starb jung. 

15. Alb recht, Stammvater des dritten Hauses auf Ottenstein (unter III.). 

16. Sigismund Caspar, starb unvermählt. 

17. Johann Caspar, starb unvermählt. 



"•) Hübner III, 897. 

»») Hübner III, 697. Wisgrill IV, 307. 

•••) Hohenauer, Ei rchengefcbichte von 
Kärnten. 

»•=) Genealog. Taschenbuch der adeligen 
Häuser 1888, S. 572. 

^) Buoelini IIb, G 6. 

***) Hühner III, 686. Nedopil 1189 und 
1140. 



*^ Bai bin, liiscellanea Historiae Bphe- 
miae. — Freschot, Infulae pragensis oma- 
menta. 

*^) Gothaisches genealog. Taschenbuch der 
gräfl. Häuser 1876, S. ISO. 

«•) Bucelini H b, E 6. Nedopil 2204. 

"«) Hübner III, 869. 

^ Hübner HI, 869. 



— 204 - 

18. Wolfgang Dietrich; Gemahlin: Engelburga, Tochter des Sigismiind Nikolaäs 
V. Auersperg. 

19. Johann Adam, starb un vermählt. 

20. Georg Adam, starb unvermählt. 

21. Anna Susanna, vermählt in erster Ehe mit Johann Baptist Eeichsfreiherrn 
Betz V. Pezzen zu Großwardein, 1606; in zweiter Ehe erste Gemahlin des Karl 
Grafen Fuchs v. Puchsberg zu Jaufenburg und Lebenberg, Besitzers der Herr- 
schaften Spitz und Rabenslein in Niederösterreich. 

22. Helena Potenziana, t zu Wien 16. April 1655, beigesetzt in der Minoriten- 
kirche; Gemahl: Johann Georg Christoph Freiherr v. ürsenbeck, verm. 1602.'*0 

I. Erstes Haus auf Peistritz. 

Raimund I. Freiherr v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, Herr zu 
Stockern und (ireifenfels, Erblandstalhneister im Herzogthum Krain und in der 
windischen Mark, kaiserlicher Kämmerer und niederösterreichischer Begierungsrath, 
lebte noch 9. Januar 1620; Gemahlin: Margaretha, Tochter des Johann Veit Frei- 
herrn V. Annenberg zu Dornsperg und der Margaretha Trapp v. Churburg zu Pisein, 
verm. 17. Februar 1591.«<>*) 

Kinder : 

1. Anna Eleonora, zweite Gemahlin des 2. April 164r) gestorbenen Andreas 
Freiherrn Füeger v. Friedberg zu Hirschberg, Gerichtsherrn zu Hohen-Eppan, 
Cronburg, Hoch-Naturns und Korb. 

2. Constantin, welcher folgt. 

3. Alphons; Gemahh'n: Maria Anna, Tochter des Heinrich Ernst Xotthafft 
v. Wemberg und der Maria Sabina v. Berlichingen.'®') 

4. Johann Sigismund, Domherr zu Salzburg, beerbt von seinen Brüdern Con- 
stantin und Alphons.'®*) 

5. Sabina, zweite Gemahlin Jonathans des jttngeren Freiherrn v. Heyssberg 
zu Mörkenstein, Grossau und Königsbrunn, welcher 1650 gestorben ist.*®*) 

6. Victor, starb unvermählt. 



Constantin Freiherr v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, Herr zu 
(ireifenfels, Erblandstallmeister im Herzogthum Krain und in der windischen Mark, 
todt 16. März 1655.'®®) Erste (lemahlin : Sabina, Tochter des Georg Sigismund Johann 
Freiherm v. Neuhau ss und der Elisabetha v. Khuenburg, Witwe des Hartmann 
Zingel. Zweite Gemahlin: Martha Maria Ludo vi ca, Tochter des Eaimund Beichs- 
grafen V. Thurn und Valsassina und der Clara Ludo vi ca Hofer v. Hasberg und 
Lobensteiii (vorher in erster Ehe zweite (lemahlin des Karl Beichsgrafen v. Thurn 
und Valsassina, 1612, gewesen),'®^) verm. 1. August 1619, verkauft,e am 10. Januar 
1656 das Gut Ebenthal.»®«) 



«») Wisgrlll I, 871. Nedopil 769^ 
^") Nedopil 119, 8419, 8444, 8446 u. 8448. 
■••) Bucelini Hl b, 148. 
»*) Nedopil 8441. 



»~) Wisgrill IV, 827. 

^ Nedopil 3424. 

»») Hühner lU, 769 u. 770. 

^) Nedopil 8428, 8442 u. 6876, 



— 206 — 

Söhnet 

1. Johann Mathias, Lieutenant, starb bei Belagerung der. Festung Neuhäusel 
1684. 

2. Johann Franz Anton wurde 1681 zu Pressburg vom Grafen Brandis im 
Duell erstochen. 

i 3. Ludwig, welcher folgt. 

4. Johann Baimund 11., s. d. Wien 10. November 1667 Beiehsgraf 
V. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und üttenstein, fllrstbischöflich salzburgischer 
Kämmerer und Hofrath. Erste Gemahlin : Anna Justina, Tochter des Georg Heinrich 
Freiherm v. Dietrichstein zu Weyer und der Susanna v. Praunfalckh.**^*) Zweite 
Gemahlin: Clara Mechthildis, Tochter des Johann Josef Servaz Freiherm von und zu 
Freyen-Seyboltstorff und der Katharma Barbara Freiiu v. Buesdorff, Witwe 
des Johann Thomas Freiherm v. Elsenhaim.*^®) 
Söhne: 

aj Aus erster Ehe: 

1) Johann Baimund Guidobald, trat in das Kloster des Kapuzinerordens zu 
Kitzbühel unter dem Namen P. Bupert, wurde 1709 SuflFraganeus und 
Generalvicar in pontificalibus des Fürstbischofs zu Passau, Weihbischof 
in Niederösterreich, Bischof zu Aulonien in part. inf., f zu Tulh an der 
Donau 1727, beigesetzt in der Kapuzinerkirche daselbst.. 

h) Aus zweiter Ehe: 

2) Johann Maximilian Joseph Anton, fllrstbischöflich sakburgischer Kämmerer, 
Hof- und Begierungsrath, t 1689. 



Johann Ludwig, s. d. Wien 10. November 1667 Beiehsgraf v. Lamberg, 
Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, Herr zu Greifenfels, Erblandstallmeister im 
Herzogthum Krain und in der windischen Mark, k. k. Kämmerer und lÄudrechts- 
beisitzer in Kärnten; Gemahlin: Anna Maria Ben ata, Tochter des Johann Ehren- 
reich Freiherrn Lasser v. Lasseregg zu Mars^oll auf Schwarzbach und der Mar- 
garetha Magdalena v. Grimming zu Niederrain, geb. 1. September 1631, verm. 
1. Juni 1655, testierte 14. März 1667.«") 

Kinder : 

1. Anton, welcher folgt. 

2. Johann Joseph, kaiserlicher Oberst und Vice-Castellan zu Castel Nuovo 
im Königreich Neapel, f ^^ Kärnten 1718. 

3. Maria Anna Eleonora, kaiserliche Hofdame, f 24. August 1692, zweite 
(lemahUn des Johann Georg Marcus Beichsgrafen v. Clary und Aldrmgen, Be- 
sitzers der Herrschaften Teplitz, Benssen, Binsdorf, Leneschitz, Pozden, Dobritschan. 
Hosposyn und Schiechowitz in Böhmen, Pfandinhabers der Herrschaft St. Peters- 
berg im Innthal und Neuburg am Bhein, verm. 1685, f 4. April 1699.*") 



Johann Franz Anton Beiehsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Greifenfels in Kärnten und Altenburg in Steiermark, k. k. 



»•) Hübner III, 756. Wisgrill 11, 236. I . •") Nedopil 3421,3436, 3438,3492 u. 8396. 
«•) Bucelini Illb, 213. I »") Leupold 194. 



— 206 — 

wirklieb geheimer Bath und Kämmerer, Senior der Familie, geb. 2. Juli 1659, 
t 1735. Erste Gemahlin: Maria Isabella, Tochter des Johann Ehrenreich Frei- 
herm v. Sonn au und der Maria Constanzia Freiin v. der Ehr, f 1678. Zweite 
Gemahlin: Gertraud, Tochter des Georg Nikolaus Reiehsgrafen v. Orsini und Eosen- 
berg, Freiherm auf lierehenau und Gi*afenstein, und der Maria Sidonia Gräfin 
?. Herberstein, geb. 15. September 1650.*") Dritte Gemahlin: Maria Anna Lucia, 
Tochter des Franz Emerieh Wilhelm Waldbott Keichsfreiherrn von und zu Bassen- 
heim und der Maria Adolfine Theresia Reichsfreiin v. Leerodt, verm. zu Wien 
19. October 1711, f 1749.«") 
Kinder: 

a) Aus erster Ehe: 

1. Maria, starb als Kind. 

h) Aus dritter Ehe: 

2. Karl, welcher folgt. 

8. Franz Karl Ludwig, kaiserlicher Kämmerer und kurfiirstlich Mainzischer 
Regierungsrath, starb vor dem Vater. 

4. Johann Franz Bai m und Kasimir Maria Anna Anton Josef Peter, des 
deutschen Ritterordens Oomthur zu Gruystrode und Siersdorf und Rathsgebietiger 
der Bailei Alten- und Jungen-Biesen, k. k. Kämmerer, kurfürstlich Mainzischer 
geheimer Bath, Genei-alfeldzeugmeister und Inhaber eines Infanterie-Regiments, Tnippen- 
cx)ramandant und Gouverneur zu Mainz, geb. 19. Mai 1716, f 3. October 1775. 



Karl Josef Reichsgi*af v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, 
Herr zu Greifenfels und Altenburg. k. k. Kämmerer, innerösterreichischer Regiei-ungs- 
rath und Amtspräsident des landständischen Verordnetencollegiums, geb. 6. October 
1713, t zu Gi-az 4. Juli 1784; Gemahlin: Maria Cajetana, Tochter des Karl 
Cajetan Reichsgrafen v. Leslie, Herrn zu Neustadt an der Mettau in Böhmen und 
Pettau, Pernegg, Strass und Rohitsch in Steiermark, und der Maria Theresia Josefa 
Reichsfilrstin v. Eggenberg, geb. 18. Mai 1722, verm. 1750, f zu Graz 8. Mai 
1800, Stemkreuzordensdame.'**) 

Kinder : 

1. Maria Anna Theresia, k. k. Stiftsdame im herzoglich Savoyischen Damen- 
stifte zu Wien, Sternkreuzordensdame, geb. 26. Januar 1755, t 1797; Gemahl: Karl 
Graf Ber^nyi v. Karancs-Ber^ny, verm. 7. November 1783, f 1789. 

2. Maria Eleonora Josefa, Stiftsdame zu St. Maria in Köln, geb. 19. Febiniar 
1756; Gemahl: Karl Josef Fi-eiherr v. Murach auf und zu Nieder-Murach, verm. 
1790 

3. Maria Theresia Josefa, Sternkreuzordensdame, geb. 25. Juli 1757, dritte 
Gemahlin des Leopold Erhardt Reichsgrafen Galler v. Schwarzeneg, Freiherrn 
auf Schwamberg, Waldschach und Lannach zu Neuburg, verm. 10. October 1791.***) 



•»•) Hübner II, 6«9. 

'«*) Hühner II, 464. Varreotrapp, Genealog. Handbuch 1797, II. 156. Nedopil 3436, 
3437, 3446, 7397 u. 7409. 

«*j Zeltschrift des „Adler" 1872, S. 18. 
'»•) Wisgrill m, 216. 



1 



— 207 — 

4. Leopold Baimmid, welcher folgt. 

5. Maria Antonia Francisca, geb. 23. Februar 1761, starb unvermählt. 



Leopold Baimund Keiehsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Greifenfels und Altenburg, k. k. Kämmerer, kurflirstlich Mainzi- 
seher Begierungsrath, försterzbischöf lieh Salzburgischer wirklich geheimer Bath und 
Oberstkämmerer, geb. 6. Mai 1709, f zu Salzburg Ende 1798. Erste Gemahlin: 
Maria Anna, Tochter des Franz Adam IL Beichsgrafen v. Lamberg, l^Veiherm 
auf Stein und Guttenberg, Erbherrn zu Weissenstein, Egg, Katzenstein, Dörmitsch. 
Ebensfelden, St. Johann und Wolfsbühel, und der Maria Anna Josefa Margaretha 
Francisca Agatha Johanna Eva Beiehsgräfin v. Botthid zu Thalberg, geb. 1. De- 
cember 1761, verm. 15. November 1788, t ™ November 1792, Sternkreuzordens- 
dame, Witwe des Pierre d'Assonleville.*") Zweite Gemahlin: Maria Theresia, 
Tochter des Sigismund Philipp Beichsgrafen Breunner v. Asparn, Freiherrn zu 
StObing, Fladnitz und Babenstein, und der Maria Josefa Beiehsgräfin Wurmbrand- 
Stuppach, geb. 5. November 1768, verm. 9. December 1793, f z" Graz 1842, Stem- 
kreuzordensdame.***) 

Sohn : Anton Baimund Franz I^eopoldBeichsgraf v. Lamberg, Freih.auf Ortenegg 
und Ottenstein, Erbherr der Herrschaften Feistritz bei Hz, Liedlhof, Kammerstein 
bei Leoben, Ehmau mit Pöllau und Kaisersberg bei Fi'iedau in Steiermark, Oberst- 
erblandstallmeister im Herzogthum Krain und in der windischen Mark, Senior der 
Famüie, k. k. Kämmerer, Hofrath und Präsident der niederösten-eichischen Landes- 
regierung zu Wien in Pension, geb. 21. December 1795, f ^^^ seinem Schlosse 
Feistritz 22. October 1869; Gemahlin: Maria Francisca, Tochter des Fmnz Anton 
Grafen und Herrn von und zu Aichelburg, Freiherrn auf Bodenhof und GreiflFen- 
stein, und der Maria Francisca Gräfin v. Porcia und Bnignera, geb. 27. August 
1799, verm. 20. Juni 1822, f z" Schloss Feistritz 15. September 1864,»«*) Stern- 
kreuzordensdame. 
Kinder: 

1. Anton Bairaund, Besitzer der Herrschaft Feistritz, Senior der Familie. 
Obersterblandstallmeister in Herzogthum Krain und in der windischen Mark, 
k. k. Kämmerer, Major a. D. und 1866 Commandant des steirischen 
Bataillons des freiwilligen Alpenjäger-Corps, geb. 13. Juni 1824, f zu Graz 
9. März 1883; Gemahlin: Maria Francisca, Tochter des Maria Arthur 
Grafen und Herrn von und zu Aichelburg, Freiherrn auf Bodenhof und 
Greiffenstein, und der Maria Virginia Czeczin-Kar v. Birnitz, Besitzerin 
der Herrschaft Domoraditz bei Hohenmauth in Böhmen, geb. 28. November 
1855, verm. zu Wien 6. October 1878.«*) 

2. Maria Theresia, Sternkreuzordensdame, geb. 14. Mai 1826, f i™ Ciu'orte 
Kreuth bei Tegernsee in Oberbayern 2. August 1888; Gemahl: Antou 

*") Wi 8g rill V, 377. ' »«») Gothaisches genealog. Taschenbuch der 



'**) Wis grill 1,401. Gothaisches genealog. 
Taschenbuch der gräfl. Häuser 1843, S. 308; 
1844, S. 94 u. 681, u. 1870, S. 575. 



gräfl. Häuser 1852, 8. 880; 1864, S. 10; 1865, 
S. 1070; 1871, S. 970, u. 1895. S. 589 

•w) Ibidem 1867, S. 489; 1884, S. 1123, u. 
1895, S. U. 



— 208 — 

Graf Jella6i6 v. Buzim, verm. 14. Februar 1852, f zu Graz 22. November 
1875.»«) 

3. Julius Eaimund, Obersterblandstallmeister ini Herzogthum Krain und in 
der windisehen Mark, Senior der Familie, k. u. k. Kämmerer und Bitt- 
meister (im 5. Uhlanen-Begiment) a. D., geb. 11. Februar 1830, t auf seiner 
Herrschaft Pöllau 17. Juni 1893; Gemahlin: Anna Maria, Tochter des Josef 
Philipp Eduard Beichsgrafeu v. Stadion- Warthausen und Thannhausen, 
Besitzers der Herrschaft Chlumetz in Böhmen, und der Constanzia Bachowin 
V. Bosenstern, geb. zu Chlumetz 25. October 1837, verm. daselbst 9. Sep- 
tember 1855.»") 

4. Franeisca, geb. 10. August 1831; Gemahl: Georg Freiherr v. Seotti. 
verm. 28. Januar 1856, f zu Agram in Kroatien 14. März 1884.«»») 

5. Hugo, Stifter des älteren Zweiges (unter 1). 

6. Hermine, Sternkreuzordensdame und königlieh bayerische Palastdame mit 
dem Prädicate „Excellenz", geb. 9. November 1835; (lemahlin: Josef Frei- 
herr Gross V. Trockau, verm. zu Feistritz 9. Januar 1861.»»*) 

7. Gabriella Cajetana Maria, Sternkreuzordensdame, geb. 24. März 1839, 
t zu Graz 24. October 1862, zweite Gemahlin des Ottokar Cosmus Georg 
Beichsfreiherrn von und zu St ad 1, Fideicommissbesitzers, verm. 20. Februar 
1860, t zu Graz 25. Mai 1888.»") 

8. Karl, Stifter des jüngeren Zweiges (imter 2). 

9. Ottomar Baimund, Besitzer der Herrschaft Pichlarn im Ennsthale in 
Steiermark, k. u. k. Kämmerer und Lieutenant (im 3. Ktirrassier-Begimeut) 
a. D., geb. 7. December 1841; Gemaldin; Johanna Nepomueena Maria 
Anna, Tochter des Karl Borromäus Freiherrn Mees^ry de Tsoor und der 
Johanna Gräfin v. Pachta, Freiin v. Bayhofen, geb. zu Prag 9. November 
1836, verm. zu Graz 20. August 1867, Sternkreuzordensdame.»»*) Sohn: 
Anton Berengar ßaimund, geb. 12. Juli 1868, t 12. April 1870.»»') 

10. Bertha Cajetana Maria Theresia, geb. 23. October 1846. 



1. Älterer Zweig. 
Hugo Baimund Beichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, 
Besitzer der Herrschaft Kaisersberg, Herr zu St. Gotthard bei Graz, Ehrenritter des 
souveränen Malteserordens, k. k. Kämmerer und Landeshauptmann im Herzogthum 
Salzburg, geb. 27. August 1833, f zu Salzburg 19. April 1884; Gemahlin: Maria 
Bertha, Tochter des Andreas Otto Henning Beichsgrafeu zu Stolberg-Stolberg, 
Besitzers der Bittergtiter Lüderode, Nienhagen und Söder in der hannoveranischeii 
Landdrostei Hildesheim, und der Maria Julia Beichsgräfin v. Gallenberg, geb. auf 



«') Ibidem 1889, S. 1198, u. 1895, S. 490. 

»««) Ibidem 1868, 8. 426, u. 1894, S. 1269. 
u. Gothaischer Hofkalender 1896, S. 237. 

^^ €K>thaische8 genealog. Taschenbuch der 
freiherrl. Häuser 1885, S. 1084. 

»*) Ibidem 1894, S. 314. 

***) Gothaisches genealog. Taschenbuch der 



grafl. Häuser 1864, S, 1062, und der freiherrl. 
Häuser 1894, S. 886. 

**•) Gothaisches genealog. Taschenbuch der 
grafl. Häuser 1867, S. 490, und der freiherrl. 
Häuser 1896, S. 629. 

"') Goth. genealog. Taschenbuch der gräfl. 
Häuser 1873, S. 998. 



— 209 - 

Schloss Söder bei Bockenem 21. Juni 1845, verm. daselbst 31. Juli 1862, k. u. k. 
Palast- und Sternkreuzordensdame , wiedervermählt in zweiter Ehe zu Salzburg 
3. September 1888 mit Walther Josef Amand Alois Ferdinand Andreas Mathias 
Prosper Maria Eeichsgrafen v. Küenburg, PYeiherrn v. Künegg, Ungersbaeh und 
Jasbina.'*®) 
Kinder: 

1. Maria Gottharda, geb. 15. Juni 1863. 

2. Kunibert Raimund, Obersterblandstallmeister im Herzogthum Krain und in 
der windischen Mark, k. u. k. Kämmerer und Lieutenant der Reserve des 6. Husaren- 
Regiments, geb. 12. November 1866.«») 

3. Bert ha, geb. 20. August 1868; Gemahl: Maximilian Freiherr v. Freyberg- 
Eisenberg, verm. 27. April 1886.»»«) 

4. Anna, geb. 15. August 1870; Gemahl: Gotthard Ludwig Jakob Maria 
Trapp (iraf v. Matseh, Freiherr zu Pisein und Caldonatseh. Herr zu Churburg und 
Sehwanburg, Besitzer der Lehensherrsehaft Castel-Campo, Inhaber der Pfandherr- 
schaften Glurns-Mals, Sehlanders und Ulten, sowie der Propstei Eiers in Tirol, zu 
Innsbruck,***) verm. im Januar 1895. 

5. Julia Maria Theresia Emma, geb. 6. September 1876. 

2. Jüngerer Zweig. 

Karl Raimund Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, 
ReHitzer der Hen-^chaft Feistritz, k. u. k. Kämmerer und Lieutenant (im 5. Kürassier- 
Regiment) a. D., geb. 9. Juni 1840; Gemahlin: Anna, Tochter des Samuel Grafen 
Festetics v. Tolna, Besitzers der Herrschaften Csertö und Harsagy in Ungarn, und 
der Wanda Gräfin Nal^cz v. Matyszyn und Raczyn-Raczynska, geb. 31. Mäi-z 1843, 
verm. zu Wien 5. Mai 1864, Sternkreuzordensdame.'**) 

Kinder : 

1. Anna, geb. 19. April 1865. 

2. Vollrath Raimund, k. u. k. Kämmerer und Lieutenant des 5. Uhlanen- 
regiments, geb. 20. September 1866.»»») 

3. Wanda Antonia, geb. 2. October 1867, Sternkreuzordensdame; Gemahl: 
Karl Theodor Cajetan Maximilian Ortholph Maria Reichsgraf von und zu Sandizell 
bei Schrobenhausen in Bayern, verm. zu Graz 26. Mai 1891.»^) 

n. Zweites, später gefürstetes Haus. 

Georg Sigismund Freihen* v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, Besitzer 
der Herrschaft Stockern, Erl)landstallmeister im Herzogtbum Krain und in der win- 



»•) Goth. Hofkalender 1863, 8. 288. und 
1895, S. 246. Ooth. genealog. Taschenbuch der 
grafl. Häuser 1884, S. 511; 1885, S. 1148, u- 



'**) Goth. genealog. Taschenbuch der gräfl. 
Häuser 1895, S. 1157. 

»»«) Ibidem 1862, S. 476, u. 1895, S. 322. 



1895, S. 577. I »") Schematismus für das k. u. k. Heer 

•») Schematismus für das k. u. [k. Heer | 1895, S. 588 u. 678. 



1895, S. 601 u. 649. 

*••) Goth. genealog. Taschenbuch der frei- 
herrl. Häuser 1894, S. 250. 



••*) Goth. genealog. Taschenbuch der gräfl. 
Häuser 1895, S. 933. 



14 



— 210 — 

tliselieii Mark, kaiserlich wirklich geheimer Eath und Kämmerer, war 1598 Eeichs- 
hofrath, 1605 Landeshauptmann in Österreich ob der Enns und 1607 Obersthof- 
meister der Kaiserin Anna, erlangte s. d. Mittwoch nach dem Sonntage Cantate 
1607 das Incolat des Königreichs Böhmen und am 23. October 1608 von Maxi- 
milian L, Pfalzgrafen bei Rhein, Herzog in Ober- und Niederbayern, die durchgehende 
Edelmannsfreiheit,"*) wurde 1614 zum Burggrafen v. Steyr ernannt, erhielt flir rück- 
ständige Gehalte und dem Kaiser geUehene Summen mittelst Schuldverschreibung 
vom 21. December 1619 die Herrschaft Steyr in Oberösterreich (damals im Werte 
von 400.000 Gulden) kaufte noch die Herrschaften Amerang bei Wasserburg in 
Oberbayern und Kitzbüliel in Tirol, j daselbst 1631, beigesetzt in der Pfarrkirche zu 
Rietmaring. Erste Gemahlin: Sophia Alt. Zweite Gemahlin: Eva, Tochter des Otto 
V. Neiidegg, Herrn zu Kustenberg bei Gföhl in Niederösterreich, und der Anna 
V. Low, Witwe des Friedrich Grafen v. Orten bürg.***) Dritte Gemahlin : Johanna, 
Erbtochter des Johami Warmund Freiherrn d eil a Seal a aus dem Hause der 
Fürsten zu Verona und Vicenza und der Elisabetha Gräfin v. Thurn, verm. zu 
Kremsier 25. Februar 1607, f 17. August 1644, Witwe des Sigismund Freiherrn 
v. Dietrichstein auf Hollenburg und Finkenstein zu Nikolsbnrg, -j* 1()02."^) 
Kinder: a) Aus erster Ehe: 

1. Johann Karl, starb als Kind. 

2. Siguna Sophia starb als Kind. 

b) Aus zweiter Ehe: 

3. Christoph, starb jung. 

4. Georg Sigismund Adam, starb jung. 

5. Anna MaximiUana, starb jung. 

6. Anna Polyxena, starb jung. 

7. Johann Sigismund, Domherr zu Salzburg und Passau, f 1632. 

8. Maria Elisabetha, erste Gemahlin des Ferdinand IL Beichsgrafen zu 
Törring, Fi-eiherrn v. Seefeld, verm. 1623.''®) 

c) Aus dritter Ehe: 

9. Johann Eudolf, starb als Knabe. 

10. Maximilian, Stifter des älteren östen-eichischen, später fiirstlichen Zweiges 
(unter 1). 

11. Wilhelm, Stifter des jüngeren bayerischen Zweiges auf Amerang (unter 2). 

12. Anna Eusebia, Obersthofmeisterin der Kurflirstin Maria Anna v. Bayern; 
Gemahl: Johann Friedrich Freiherr v. Pienzenau zu Wtildenholzen, 1635."*) 

13. Johann Jakob, starb als Knabe. , 

14. Jakob Ehrenfried, geb. 1616, t 1636. 

1. Der ältere österreichische, später fürstliche Zweig. 

Johaim Maximilian Freiherr v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, Herr 
zu Stoekern und Amerang, Erbherr der Herrschaft Kitzbühel, geb. 28. November 

'**) Gritzner, Standeserhebungen I, 20. ' 643; II, 289 u. 495, und III, 745. Wisgrill 
'») Zeitschrift des ^Adler" 1873. S. 19. II, 243. Nedopil 3440. 

"») Bucelini IV b, 241. Hoheueck I, >») Hübner III, 895. Nedopil 1865. 

«">J Bucelini IVb, 200. 



— 211 — 

1608, k. k. Kämmerer und Keichshofrath, wurde mit seinem Bruder Wilhelm am 
10. November 1636 in den Eeiehsgrafenstand erhohen', worüber s. d. 
Regensburg 5. September 1641 ein Diplom ausgefertigt wurde, und zum Comes 
palatinus ernannt. Hiebei wurde das Familienwappen durch das Wappen der aus- 
gestorbenen Familie seiner Mutter (della Scala): in Roth auf grünem Hügel eine 
senkrecht gestellte viersprossige goldene Leiter, von zwei gegen einander einwärts 
gewendet aufgerichteten, schwarz gefleckten silbernen Bracken (großen englischen 
Windhunden) mit goldenen Halsbändern gehalten und auf dem gekrönten Helme 
mit rothsilbenien Decken, zwischen einem offenen goldenen Adlersfluge ein sitzender, 
vor sich sehender, mit ganzer Front auswärts gekehrter gekrönter silberner Bracke, 
Wahlspnich: „Via ad superos semper altius", als Herzschild und mittlerer Helm 
vermehrt. Er gieng 1643 als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister 
auf den Friedenscongress nach Münster, dessen Verhandlungen er am 24. October 
1648 abschloss und mitunterschrieb, holte 1651 die Kaiserin Eleonora von Mantua ab, 
erhielt s. d. Regensburg 15. März 1653 das Prädicut Hoch- und Wohlgeboren und gieng 
darauf als kaiserl. wh-kl. geh. Rath und Botschafter nach Madrid, wo er 1664 den 
spanischen Orden des goldenen Vließes erhielt. Als Senior der Familie am 27. April 
1662 mit dem Obersterblandstalhneisteranite im Herzogthuni Kmin und in der win- 
dischen Mark belehnt, erlangte er s. d. Laxenburg 15./18. Mai 1663 das Incolat des 
Königreichs Böhmen und kauft:e am 25. August 1666 erbeigenthümlich die Hen-schaft 
und Veste Steyr mit den Hofmarktämtern Ternberg, Molle und Raming um 365.844 fl., 
wo^ei sich jedoch der Verkäufer Kaiser Leopold I. für sich und seine Nachkommen 
auf immerwährende Zeiten das Recht der Wiedereinlösung vorbehielt. Er stiftete am 
2. Mai 1669 ein Familienfideicommiss. erhielt 1675 das Obersthofmeisteramt bei der 
Kaiserin Maria Eleonora und das Obersterblandkämmereramt im Erzherzogthum 
Österreich ob der Enns und starb als erster Staats- und Conferenzminister 12. De- 
cember 1682, beigesetzt in der von ihm gestifteten Familiengruft in der St. Karls- 
kapelle der Augustinerkirche zu Wien. Gemahlin: (Maria Johanna) Judith Rebekka 
Eleonora, Tochter des Georg des älteren Bruntalsky v. Wrbna, Herrn der Burg 
Helfenstein und auf Leipnik, und der Helena v. Wrbna a. d. H. Heraltitz, verm. zu 
Wien 24. Juli 1635, f daselbst 1690, k. k. Hof- und Sternkreuzordensdame.«*") 
Kinder : 

1. Eleonora Francisca, Sternkreuzordensdame, geb. 1636, zweite Gemahlin 
des Hemrich Wilhelm Reichsgrafen v. Starheraberg zu Wildberg und Riedeck 
auf Lobenstein, Besitzers der Grafschaft Schaumburg und der Herrschaft Eferding 
in Östen-eich ob der Enns, f zu Wien 2. April 1675,'**) wiedervermälilt in zweiter 
Ehe 1676 mit Franz Anton Reichsgrafen v. Lamberg, Freiherrn auf Ortenegg und 
Ott^nstein, Herrn zu Amerang, in Innsbinick.***) 

2. Josef L, Stifter der ausgestorbenen fürstlichen Speciallinie [unter 1)]. 

3. Maria Isabella, geb. 7. November 1638, vermählt in erster Ehe mit Sigismund 
Ernst Grafen v. Zinzendorf und Pottendorf, nachher zweite GemahHn des Johann 



•*") Archiv zur Kunde österr. Geschichts- 
quellen XII, 192. Zeitschrift des ,,Adler<' 1875, 
S. 74. Hühner 111,948. Nedopil 3426,6833 
u. 9390. I 



»*•) Hoheneck U, 583. Hühner IlT, 731. 
««) Hühner lU, 706. 



14» 



— 212 - 



Adam II. Hrzan Eeichsgrafen v. Harras, Herrn zu Eothenhans, Skolka und Koletsch 
in Böhmen, welcher 1681 gestorben ist.'^') 

4. Johanna Theresia, Sternkreuzordensdame, geb. 1639, f zu Wien 4. Februar 
1716; Gemahl: Ferdinand Bonaventura I. Eeichsgraf v. Harr ach zu Rohrau, 
Besitzer der Herrschaften Stauf, Aschach und Prugg an der Leitha, verm. 28. Oe- 
tober 1662, t zu Karlsbad 15. Juni 1706.»**) 

5. Georg Sigismund, Comthur des Malteserordens zu Lassen, k. k. Kämmerer 
und Oberstlieutenant, geb. 1641, t zu Eger 1672. 

6. Anna Helena, Sternkreuzordensdame, geb. 1643, f 27. März 1674; Gemahl: 
Johann Karl Reichsfürst Porcia, Graf v. Ortenburg, Mitterburg und Brugnera, 
verm. 29. AprU 1661, f 27. April 1667.»**) 

7. Clara Katharina Maria, geb. 1644, f 1675, zweite Gemahlin des Ernst 
Emmerich t'Serclaes Reichsgrafen v. Tilly und Breiteneck, Besiter der Herr- 
schaften Tillysburg, Weissenberg und Stein, verm. 16G7, f 22. April 1675.***) 

8. Maximilian Ludwig, geboren und gestorben zu Münster 1646. 

9. Caspar Friedrich, Stifter der blühenden, später fiirstlichen Speciallinie 
[unter 2)]. 

10. Johann Philipp Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Otten- 
stein, geb. 26. November 1651, wurde 1675 Domherr zu Salzburg (aufgeschworen 
1663), später zu Passau und Olmütz, dann kaiserl. wirkhcher Kämmerer und Reichs- 
hofrath, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister im Haag, seit 
1679 am kurfürstlich Palz-Neuburgisehen Hofe, 1682 zu Dresden, 1684 zu Berlin 
und 1686 österreichischer Comitialgesandter auf dem Reichstage zu Regensburg, am 
25. Mai 1689 zum Fürstbischof von Passau erwählt, im April 1697 geheimer Rath 
und Botschafter zu Warschau, am 21. Juni 1700 zum Cardinalpriester (sub titulo 
Sancti Sylvestri in capite) erhoben, im October 1700 Botschafter zu Rom, am 
1. December 1701 Principalcommissär auf dem Reichstage, von Papst Clemens XL 
zum Protector Deutschlands ernannt, f auf der Abtei St. Emmeran zu Regensburg 
20. October 1712, beigesetzt in der von ihm erbauten Kapelle in der Passauer 
Domkirche.»*^) 

1) Die ausgestorbene fürstliche Speciallinie. 

Franz Josef I. Reichsgraf v. I^amberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, 
Herr zu Stockern und Amerang, Besitzer der Fideicommissherrschaft Steyr und der 
Herrschaft Kitzbühel, Obersterblaudstallmeister im Herzogthum Krain und in der 
windischen Mark, Obersterblandkämmerer im Erzherzogthume Österreich ob der 
Enns, Erbtruchsess des Erzstiftes Salzburg, Senior der Familie, geb. 29. October 
1637, wurde 1662 kaiserlicher Kämmerer, 1664 Reichshofrath , 1686 wirklicher 
geheimer Rath und I^andeshauptmann im Erzherzogthum Österreich ob der Enns, 
1694 Ritter des Ordens vom goldenen VUeße und 1704 Staats- und Oonferenzrath, 
succedierte vermöge kaiserlichen Bestätigungdiploms vom 22. März 1711 seinem 



"•) Hübner III, 738 u. 964. 
»**) Hühner lU, 764. Nedopil 2.S19, 
2330 u. 2338. 

»•*) Hübner I, 274. 



•*«) Hübner II, 571. 

•*') Buchinger, Qeschiohte des Pttrsten- 
thums Passau II, 415. 



— 213 — 

Sohne Leopold als Fürst und Besitzer der reichsunmittelbaien Laiidgrafschaft Leuchten- 
berg, sowie als Obersterblaudjägerme ister im Erzherzogthuin Österreich ob der Enns 
und t zu Schloss Steyr 2. November 1712. Gemahlin: Anna Maria, Tochter des 
Adam Mathias ßeichsgrafen v. Trauttmansdorff zu Weinsberg und der Eva 
Johanna Gräfin v. Stemberg, geb. 1640, verm. 3. Februar 1663, f zu Linz 21. April 
1727, Besitzerin der Herrschaft Schichowitz bei Schtittenhofen in Böhmen.'*®) 

Kinder: 

1. Leopold Mathias Sigismund Beichsgraf v. T^mberg, Freiherr auf Ortenegg 
und OttensteiU; Herr zu Stockem und Amerang, Erblandstallmeister im Herzogthum 
Krain und in der windischen Mark, Erblandkämmerer im Erzherzogthum Österreich 
ob der Enns, geb. zu Wien 23. Februar 1667, k. k. wirklicher Kämmerer, Hof- 
kammerrath, dann geheimer ßath und Obersthofjägermeister und seit 5. Mai 1700 
Ritter des Ordens vom Goldenen Vheße und Grand von Spanien erster Classe, wurde 
am 13. Januar 1702 Obersterblandjägermeister im Erzherzogthum Österreich ob der 
Enns, s. d. Wien 1. November 1707 Re ich sfOr st (hierbei wurde das Schild an 
die Biust des gekrönten, doppelten, schwarzen, kaiserlichen Reichsadlers geheftet 
und das ganze Wappen mit einem rothen, mit Hermelin gefttterten und mit einem 
rothen Herzogshute bedeckten Ftirstenmantel umgeben), dann OberststaUmeister, am 
25. Juli 1708 neuerlich mit dem Obersterblandjägermeisteramte im Erzherzogthum 
Österreich ob der Enns und am 10. Mai 1709 mit der reichsunmittelbaren Land- 
grafschaft Leuchtenberg (Wappen: im silbernen damascierten Schilde ein breiter 
blauer Balken) belehnt und auf dem Reichstage 11. Juh 1709 als reichsunmittelbarer 
Fürst und liandgraf zu Leuchtenberg mit Sitz und Stimme im Beichsfilrstencollegium 
erklärt, f zu Wien 10. März 1711, beigesetzt in der Augustinerkirche. Gemahlin: 
Maria Claudia, Tochter des Johann Georg Grafen Ktinigl, Freiherrn zu Ehren- 
burg und Warth, und der Anna Maria Freiin Vitzthum v. Eckstädt, geb. 1669, 
verm. 5. December 1690, f zu Wien 6. Recember 1710, Sternkreuzordensdame.^*) 
Kinder: 

1) Maria Theresia Josef a, Sternkreuzordens- und Hofdame der Kaiserin 
Amalia, dann der Kurfürstin v. Bayern, geb. 11. April 1692, f 1730, 
vermählt in er-ster Ehe 1. Mai 1720 mit Anton Ignaz Beichsgrafen 
V. Bussy-Rabutin, f zu St. Petersburg 10. April 1722, nachher seit 
1724 zweite Gemahlin des Johann Franz Maria Grafen v. Neuhaus.**^) 

2) Johann Philipp, geb. 7. März 1694, f 1. Mai 1706. 

3) Philippa Maria Anna Josefa, Sternkreuzordens- und Hofdame der Kaiserin 
Eleonora Magdalena Theresia, geb. 17. März 1695, f zu Wien 16. No- 
vember 1762; Gemahl: Ludwig Andreas Beichsgraf Khevenhüller zu 
Frankenburg, Freiherr zu Aichelberg, Landskron und Wernberg, verm. 
28. September 1718, f zu Wien 26. Januar 1744, beide beigesetzt in der 
Schottenkh'che."*) 



'*•) Gualdo-Priorato, Istoria dl Leo- 
poldo Cesare HL Hübner H, 674. Hoheneck 
U, 494. Krebel, Qenealog. Handbuch 1786. 



**•) Hoheneok I, 611. Varrentrapp, 
Genealog. Kalender 1802, I, 326. 
*^) Hoheneck I, Suppl. 56. 



1,892. Varrentrapp, Genealog. Handbuch ] »h Hübner IH, 710. Wisgrill V, 87. 

1797, II, 162. Nedopil 8448, 6842 u. 9889. Nedopil 9411 

Wisgrill V, 818. ^ 



— 214 — 



4j Leopold Franz Xaver Josef, geb. 14. November 1702, f ™ ^^^^z 

1709. 
5) Maria Josefa Philippa, geb. 8. Febiniar 1706, t im November 1707. 
ff| >iohn, todt geboren 1708. 
7 »Tochter, todt geboren 5. Deceniber 1710. 
2. Maria Carola Antonia, Sternkreuzordensdanie , geb. 5. Februar 1661), 
t IK, Aprif 1733; Gemahl: Liebgott Reichsgraf v. Kuef stein, Freiherr auf Greillen- 
•^tifiii, Ihn m Spitz, Besitzer der Herrschaften Weidenholz, Hartheim und Schwert- 
h^fUt venu. 1686, f zu Passau 7. Juli 1710, beigesetzt in der Minoritenkirche zu 

H. Franc isca Theresia, geb. 1. Januar 1670, f 13. October 1742, Sternkreuz- 
i»r*iLii^ilam^*: Gemahl: Franz Sigismund Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf 
UrUrnv^^:^ und Ottenstein, verm. zu Wien 5. Mai 1601, j zu München 18. April 
J7J3«'f 

4. Maria Maximiliana Michaelis Francisca, geb. 28. September 1671, 
t tl Mai 1718: (lemahl: Johann Ehrenreich Reichsgraf und Herr von und zu 
Spi iii7,ciiKtein, Freiherr zu Neuhaus, Besitzer der Herrschaft Lichtenau, verm. 
m It^^^^euHburg 14. Februar 1692, f z« Bnick bei Eferding 18. Mai 1729."*) 

D. -b^ljann Adam, kaiserlicher Kämmerer, Hofkammerrath und liandjägermeister 
im Kr/Ji*TO»gthum Österreich ob der Enns, geb. 7. März 1677, f zu Imisbruck 
Mi. .huwmi 1708; (lemahlin: Maria Anna Antonia Eleonora, Tochter des Anton 
l-loriftn Itiuchsfürsten von und zu Liechtenstein, Hei'zogs von Troppau und 
Jag<*rml<ii'i, Fürsten zu Piombino, und der Eleonora Barbara Reichsgräfin v. Thun 
lintl llnlirijHtein, geb. 12. Januar 1683, verm. 1704, f 19. December 1715, Stern- 
kr('tJi^.«M'tl+Mis(lame, seit 1710 zweite Gemahlin des Ehrgott Maximilian Reichsgrafen 
u KiH'fjslHin, Freiherrn auf (ireillenstein, Herrn zu Spitz, Besitzers der Herrschaften 
\ViiHl*^/4g, Schwertberg, Hart, Pannecken, Obenberg, Galsbach und Buchenau, f zu 
hin/. :}/n(rcmber 1728.«") 

6. Franz Anton Reichsfih'st v. liaml)erg, liandgraf zu Leuchtenberg (bis zum 
Kristillf+r Frieden 6. März 1714, zufolgedessen er die Landgrafschaft Leuchtenberg 
lut Kiirbayi^rn wieder zurik-ksteilen musste), Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, 
[irsitz^T il+*r Fideicommissherrschaft Steyr und der Herrschaften Schichowitz und 
ICalii in Böhmen, Senior der Familie, Obersterblandstallmeister im Herzogthum Krain 
nntl in t\vv windischen Mark, Obersterblandkänmierer und Oljersterblandjägermeister 
im Kr/JhM'zogthum Österreich ob der Enns, Erbtruchsess des Erastlftes Salzburg, 
KrlHiiJir^rliall und Domicellar zu Passau, k. k. Goneralfeldwachtmeister a. D., wirklich 
geln^inii'i' Kath und Oberststallmeister der Kaiserin Elisabeth, Ritter des Ordens vom 
HoIdtMu'H Vließe, geb. 30. September 1678, f zu Wien 23. August 1759, beigesetzt 
in der Angustinerkirche. Erste (iemahlin: Ludovica Friederica Ernestina Eleonora, 
TtH'liter des Friedrich Wilhelm. Reichsfürsten v. Hohenzollern-Hechingen 
und dtM* Maria Leopoldine Ludovica Reichsgräftn v. Siuzendorl^ gel). 7. Januar 1690, 



*•') HiU'uer III, 864. Wisgrill V, 318. 

^') il (ihn er III, 707. 

■*»•) NiMlo|)il 6345, 6346, 6843, 6874. 



»») Hübner I, 248, u. III, 864. Hohen- 
eck 1, 638. Wisgrill V, 317. Zeitschrift des 
„Adler" 1872, S. 32. 



— 215 — 

venn. zu Wien 19. Februar 1713, f 21. October 1720."»-^«) Zweite Gemahlin: Maria 
Äloisia, Tochter des Alois Thomas RÄimund Eeiehsgrafen v. Harr ach zu Eohrau 
und Tannhausen, Freiherrn zu Prugg und Ptirrhenstein, und der Anna Cäcilia 
Reichsgräfin v. Thannhausen, geb. 13. Januar 1702, verm. 13. Februar 1721, 
t 15. Mai 1775, Sternkreuzordensrathsfrau."^) 

Kinder : 

l)Karl Friedrich Franz Philipp Augustin Ignaz, geb. 18. Januar 1714, 
t 19. December 1716, 

2) Maria Aloisia Francisca, Sternkreuzordensdame, geb. 13. Januar 1718, 
t zu Wien 27. März 1796; Gemahl: Franz Josef Maria Reichsgraf 
V. Plettenberg zu Wittern, Freiherr zu Eys und Schlenacken, Besitzer 
der Herrlichkeit Nordkirchen, verm. 10. November 1737, f ^su Wien 
20. April 1779."») 

3) Franz Josef Anton, geb. 14. März 1722, starb als Kind. 

4) Alois Josef Friedrich, geb. 5. März 1724, starb als Kind. 

5) Johann Josef Philipp, geb. 17. Mai 1726, starb als Kind. 

6) Maria Rosa Josefa, Sternkreuzordensdame, geb. 1728, f l'i'90, verm. 
in erster Ehe 6. August 1752 mit Josef Maria Nicolaus Grafen v. Neu- 
hauss, t zu Regensburg 15. August 1758 ;"•) nachher seit 18. Sep- 

^ tember 1760 zweite Gemahlin des Leopold Erhardt Reichsgi*afen 
Galler v. Schwarzeneg, Freiherrn auf Schwamberg, Waldschach und 
I^annach zu Neuburg. 

7) Johann Anton Franz Xaver, geb. 12. Februar 1733, f 27. September 
1736. 

8) Maria Elisabetha, Clarissin im Königskloster zu Wien, geb. 14. Juli 
1734, t 1793. 

9) Johann Friedrich Josef Johann Nepomuk Reichsfiirst v. Lamberg, Frei- 
herr auf Ortenegg und Ottenstein, Herr zu Stockern und Amerang, 
Besitzer der Herrschaften Steyr in Oberösterreich und Schichowitz, Rabi, 
Budetitz, Kalenitz, Kladrub und Stradal in Böhmen, Obersterblandstall- 
meister im Herzogthum Krain und in der windischen Mark, Obersterb- 
landkämmerer und Obersterblandjägermeister im Ei-zhei-zogthum Öster- 
reich ob der Enns, Obersterbtruchsess des Erzstiftes Salzburg, Erbmarschall 
des Hochstiftes Passau, k. k. wirkhch geheimer Rath und Kämmerer, geb. 
24. Februar 1737, f zu Schloss Steyr 15. December 1797; Gemahlin: 
Maria Anna, Tochter des Johann Wilhelm Reichsflirsten Trautson, 
Grafen v. Falkenstein, Freiherrn zu Sprechenstein und Schroflfenstein, 
Herrn auf Matrei, Kaya, Laa, Sanct Polten, Martinitz, Kralowitz, Cechtic, 
Krzysandow, Geblow, Neuschloss, Böhmisch-Rudoletz, Goldegg undPielach- 
egg und des Marktes Aggsbach an der Donau, und der Maria Francisca 
Reichsgräfin v. Mansfeld, geb. 6. Januar 1743, verm. 5. Januar 1761, 



*••) Hübner I, 243. 1 »•) Varrentrapp, Genealog. Kalender 

•") Hftbner UI, 764. I 1802. I, 367. 

I »•) Zeitechrift des „Adler** 1872, S. 23. 



— 216 — 

t 4. Jurii 171K), Stenikreuzordensdame.****) ^k)hll: Josef Heinrich Franz 
Adam, geb. 25. September 1782, t 1787. 

7. JosefDorainik Franz Kilian Reiehsgraf y. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg 
und Ottenstein, geb. zu Steyr 8. Juh* 1680, päpstlicher Hausprälat und referendarius 
utriusque signaturae 1700, Domherr zu Pa^s^^au 1703, Priester 4. October 1704, Dom- 
propst zu Passau 19. October 1704. flirstbischöf lieber Passaaischer Official und 
Generalvicar von ganz Steiermark, später Weihbischof und Prisideüt des Gonsisio- 
riums in Österreich miter der Enns, Domherr za Salzburg 28. Juni 1706, infulierter 
Propst zu Mattsee, iYinstbischof zu Seckau 8. April 1712 und zu Passau 2. Januar 
1723, Cardinalpriester (titulo Sancti Petri m monte aureo) 20. December 1737, 
f zu Passau 30. August 1761, beigesetzt in der großen FOrstengruft daselbst.**') 

8. Maria Josefa Antonia Cajetana, Stemkreuzordensdame, geb. 2. Juli 1683, 
f im Juli 1758, dritte Gemahlin des Christoph Dittmar Beichsgrafen und Herrn zu 
Schal lenberg, verm. 1705, t 6. Februar 1708.»**) 

9. Johann Philipp ßeichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Otten- 
stein, Besitzer der Herrschaft KitzbüheL Oberstlandjagermeister in Tirol, kaiserUcher 
Kämmerer und forstbischöflich Passauischer geheimer Rath und Oberststalhneister, 
geb. 9. September 1684, f ^. November 1735; UemahHn: Maria Josefa Antom'a, 
Tochter des Johann Anton des älteren ßeichsgrafen v. Montfort zu Bregenz und 
der Maria Victoria Eeichsgrafin zu Spaur und Flavon, geb. 10. November 1685, 
verm. 3. August 1707.»«^ 

Kinder: 

1) Philipp Thomas Josef, geb. 7. März 1708, t 30. April 1708. 

2) Philippa Maximiliana Josefa Antonia, geboren und starb 1. April 1708. 

10. Johann Ferdinand ßeichsgraf v. I^amberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Stockern mid Amerang, Besitzer der Herrschaften Haindorf am 
(iroß-Kamp in Niederösterreich und Kitzbflhel in Tirol, Senior der Familie, geb. 
II. Januar 1689, Domherr zu Passau bis 1709, Oberstlandjagermeister in Tirol, 
k. k. wirkli(!lier geheimer Eath und Kämmerer, Botschafter zu Kom und Hof- und 
Kammer-MuHikdirector, Ritter des St. Wenzelsordens, f 16. October 1764; Gemahlin: 
Maria Kranrisca Constanzia Johanna, Tochter des Georg JuHus Eeichsfreiherrn 
V. (iillelH auf Sonnber^f, Besitzers der Herrschaften Kattau, Missingdorf und Veste 
ThcniHburKi »ind der Sabina Christina Reichsgräftn v. Starhemberg, geb. 8. Sep- 
fcrnlier 1(>91, venu. 1721, f ^^ Wien 6. Januar 1760 (beide beigesetzt in der 
AMK'iHtinerkirche), Stemkreuzordensdame (war vorher vermählt in erster Ehe mit 
(.'briMfoph Leopold Beichsgrafen und Herrn zu Schallen berg und in zweiter Ehe 
1717 mit Jobann Adam Reichsgrafen Grundemann v. Falkenberg, Edlem Panner- 
imd Kreiberrn auf Waidenfels, Besitzer der Majoratsherrsehaften Egeregg, Sößen- 
\truuu, Kng^'lstcin, Wielands und Haiudorf in Niederösterreich (V. 0. M. B.), 
t 1719,»«*) 



•^; Krtthnl, «ftnealog. Handbuch 1786, 

•^; UuchiUifur, (jeHohlchte de» Pürsten- 
ntuwM Vii*MU 11, 4n\i. 



«») Hübner IH, 887. 
«»•) Hübner II, 498. 
*•*) Hoheneck I, 284. 
334 u. 433. Nedopil 2019. 



Wisgrill III, 



— 217 — 

Kinder : 

1) Maria Anna Josefa Johanna Antonia, Sternkreuzordeusdame, geb. 5. No- 
vember 1723, t 5^u Wien 1787: Gemalil: Felix Maximilian Josef 
Beiehsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, Herr zu 
Lichtenwald, verm. zu Stockern 6. April 1744, f zu Graz 1769. 

2) Alois Johann Neponmk Franz Xaver Josef, geb. 27. März 1725, f 1726. 

3) Maria Aloisia Johanna Francisca Josefa, Sternkreuzordensdame, geb. 
7. April 1726, f 17ö6, vermählt in erster Ehe im Mai 1746 mit Leopold 
Karl Josef Johann Franz Eeichsgrafen v. Lamberg, Besitzer der Fidei- 
comraissherrsohaften Sauenstein, Eeuttenburg und Strobelhof in Krain, 
t zu Troppau im November 1772, nachher seit 1775 erste Gemahlin dt^s 
Laurenz Szögyeny v. Magyar-Szögyen, f 1805. 

4)Ernestine Francisca Aloisia, Besitzerin der Herrschatlen Haindorf und 
Kammern in Niederösterreich, Sternkreuzordensdame, geb. 25. Juni 1727, 
t zu Wien 14. Mai 1800; Gemahl: Johann Ferdinand Josef Alois 
Reichsgraf v. Rappach, Besitzer der GtSter Bartsch im Kreise Steinau 
und Falkenberg mit Wederau im Kreise Bolkenhain in Preußisch-Schlesien, 
verm. 1763, f 21. Februar 1786.»«») 

11. Maria Aloisia Antonia Bonaventura, Stemkreuzordensrathsfrau, geb. 4. Juli 
1690, t zu Wien 14. April 1764. Erster Gem.: lieopold Hannibal Graf v. Enkevoirth, 
verm. 1708, f 14. April 1714. Zweiter Gemahl : Karl Adolf Reichsgraf v. Rappach, 
verm. 5. April 1716, f zu Kufstein.«««) 

12. Franz Alois Josef, geb. 27. September 1602, Domherr zu Salzburg 
13. September 1713, Weihbischof zu Passau, Oflicial zu Wien, infulierter Prälat und 
Propst zu Ardagger bei Amstetten in Niederösterreich, f daselbst 1. October 1732. 

2) Die blühende fürstliche Speciallinie. 

Caspar Friedrich Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf ürtenegg und Otten- 
stein, Herr zu Stockern und Araerang, Besitzer der Herrschaft Kunstadt bei Bos- 
kowitz in Mähren, kaiserlicher Kämmerer und Hofkammerrath, geb. zu IVIünster 1648, 
t 1686. Erste Gemahlin: Francisca Theresia, Tochter des Bernhard Freiherrn 
Hyserle v. Chodau auf I^eliborzitz in Böhmen und der Agnes Rabenhaupt v. Suche. 
Zweite Gemahlin: Maria Aloisia Elisabetha Theresia, Tochter des Erhard Ferdinand 
Reichsgrafen Truchsess v. Wetzhausen, Erbherrn zu Bohrau, Glaubhütten, 
Sonneburg, liossingen, Reichau und Kadinen in Preußen, und der Maria Elisabetha 
Reichsgräfin v. Wagensperg. Freiin auf Saanegg, geb. 1658, verm. 1681, 1 14. August 
1717, Sternkreuzordensdame.'^') 

Kinder : 

d) Aus erster Ehe: 

1. Karl Benedict, welcher folgt. 

2. Maximiliana Anna Ludovica, f zu Breslau 28. Juni 1738, erste Gemahlin 
des Franz Michael Grafen Hyserle v. Chodau, geschieden 1700, t ^"^09. 



■^) Ledebur II, 256. i ^) Hoheoeck II, 779. Biedermann. 

•^) Wifigrill U, 899. Hübner III, 994. | Canton Bannach, Tab. 164. Nedopil 2475. 



— 218 — 

winilHrvennahlt in zweiter Ehe mit Gustav Adolf Eeichsgrafen v. Oppersdorff, 
PVeihemi zu Aich- und Friedstain, f 1742.'**) 
b) Aus zweiter Ehe: 
3. ^laria Franeisea Isabella Sibylla, geb. 8. Juli 1682, t 1748; Gemahl: 
P'rauz Anton üngnad Reichsgraf v. Weissenwolff, Freiherr zu Sonneck und 
Ennspck, Besitzer der Herrschaften Steyregg, Boith, Spielberg, Lustenfelden und 
Luftenberg, verm. zu Wien 9. Mai 1702, f 1715.»<») 



Karl Benedict Reichsgraf v. liamberg, PYeiherr auf Ortenegg und Ottenstein. 
Herr zu Stockern und Amerang. Besitzer der Herrschaft Kimstadt, Erblandstallmeister 
im Hei-zogtlium Krain und in der windischen Mark, k. k. Kämmerer und Landrath 
zu Brüim, geb. 27. Mai 1675, t 9- October 1721; Gemahlin: Maria Ludovica 
Antonia Posthuma, Tochter des Franz Christoph IL Reichsgrafen KhevenhüIIer 
zu Frankenburg. PVeiheiTn zu Aichelberg, Landskron und Wernberg, Erbherrn auf 
Hohen-Ostrowitz, Karlsberg, Kammer, Kogl, Frein, Unterach und Weyeregg, und 
der Ernestine Barbara Marchesa Montecuccoli, geb. 14. December 1684, verm. 
3. Mai 1702, f 19- Januar 1742, Sternkreuzordensdame.*'^) 

Kinder: 

1. Karl, welcher folgt. 

2. Johann Josef, k. k. Kämmerer, geb. 28. Mai 1706, f 1762; Gemahlin: 
Maria Antonia, Tochter des Karl Josef Reichsgrafen v. Heussenstamm zu 
Heissenstein und Gräfenhauseu, Freiherrn v. Starhemberg, Herrn auf Hörnstein, 
Piesting und tlramerberg, und der Josefa Benigna Reichsgräfin Petazzi v. San Servolo 
und Castel Nuovo, Freiin zu Schwarzeneck, geb. 5. October 1729, verm. 16. October 
1 748, Sternkreuzordensdame.*^*) 

3. Maria Antonia Theresia Franeisea, Sternkreuzordensdame, geb. 31. August 
1707; (lemahl: Franz Xaver Josef Reichsfreiherr v. Ezdorf, verm. 22. Juni 
1731, t zu I^andshut 5. September 1772. 

4. Johann Leopold Anton, k. k. Kämmerer und Oberst des Dragoner-Regiments 
KhevenhüIIer, geb. 16. August 1709, f zu Wien 8. Februar 1730 an seinen im 
Türkenkriege in Ungarn erhaltenen Wunden. 

5. Maria Johanna Josefa, geb. 16. August 1710, starb als Kind. 

6. Maria Aloisia Johanna, geb. 12. Juni 1713, f zu Linz 1728. 



Karl Anton Josef licopold Reichsgraf v. liamberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Stockern und Amerang, Besitzer der Herrschaften Kunstadt und 
Ingrowitz in Mähren, k. k. wirklicher Kämmerer und Oberst des Infanterie-Regiments 
Ilessen-Darmstadt, geb. 22. Januar 1704, -j* 8. Juli 1739; (lemahlin: Lucretia 
Maria, Tochter des Hercules Josef Ludwig Turinetti Marchese di Priö und der 



^) Hübner III, 986. 
»«•) Hübner Hl, 669. Hoheneck II, 770, 
VYiigriU II, 201. Nedopil 8320. 



"•) Hübner HI, 710. Wisgrill V, 86. 
Varrentrapp, Genealog. Handbuch 1797, II, 
156. Schönfeld II, 26. 

•^«) Wisgrill IV, 237. 



~ 219 — 

Maria di Saluzzo Marchesa di Garessio, verni. 7. Januar 1729, t zu Brunn 16. Januar 
1779, Stemkreuzordensdaine.*^*) 
Kinder: 

1. Maximilian, welcher folgt. 

2. Leopold, königlich preußischer Legationsrath und Kammerherr des Prinzen 
Heinrich, dann k. k. wirklicher Kämmerer und fürsterzbisehöflich Olmtitzischer 
I^henshofrichter, Senior der Familie, geb. 10. Mai 1732, t 29. Juli 1808. Erste 
(lemahlin: Maria Walburgis, Tochter des Leonhard Jakob della Eovere Grafen 
V. Monte Labate und der Maria Amalia Eeichsgräfin v. Botthal, geb. 3. Februar 
1737, verm. 29. September 1764, f zu BrOnn 26. April 1787, Sternkreuzordensdame. 
Zweite Gem.: Johanna Nepomucena, Tochter des Johann Maximilian Probus Reichs- 
grafen V. Wildenstein zu Wildbach und der Maria Agnes Gräfin Nimptsch, 
Freiin v. Fürst und Oelse, geb. 28. Februar 1773, verm. im Januar 1807, f zu 
Wien 1841.*'*) Sohn: Heinrich, k. k. Kämmerer und Eittmeister im Cheveauxleger- 
Eegiment Karacsay, geb. 15. JuU 1756, t 14. Mai 1792. 

3. Aiitonia, geb. 5. April 1733, t 2. August 1741. 



Maximilian Josef Eeichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf ürtenegg und Otten- 
stein, Herr zu Stockern und Amerang, Besitzer der Herrschaften Groß-Peterwitz, 
Neuschloss und Ainau in Böhmen, geb. zu Brunn 22. November 1729, markgräflich 
Brandenburg-Bayreuthischer Oberjägermeister 1751 , herzoglich württembergischer 
geh. Eath und Oberschlosshauptmann 1757 — 1764, fürstbischöflich Augsburgischer 
wirklicher geheimer Eath, Conferenzmi nister und übersthofmarschall 1764 — 1768, 
zuletzt k. k. wirklicher Kämmerer und Bitter des preußischen Eothen Adler-Ordens 
erster Classe, f ^^ Kremsier 23. Juni 1792 (bekannt als Eeisender und Schrift- 
steller). Erste Gemahlin: Maria Theresia, Tochter des Franz Norbert Eeichsgrafen 
von und zu Trauttmansdor ff- Weinsberg und Neustadt am Kocher, Freiherrn 
auf Gleichenberg, Negau, Burgau und Totzenbach, Herrn auf Teinitz, und der Flo- 
rentine Josefa Gräfin v. Gavre, geb. 16. December 1729, verm. 7. Februar 1753, 
t zu Breslau 26. Mai 1755, Sternkreuzordensdame; zweite (lemahlin: Maria Josefa, 
Tochter des Franz Maria Eeichsfreiherrn v. Dachsberg und der Violante Eeichs- 
gräfin Goder v. Kricgstorflf, Freiin v. Walzingen und Schönerding. geb. 18. November 
1746, verm. 14. Juni 1763, j 1832, Sternkreuzordensdame, Besitzerin der Güter 
Eamsdorf, Prombach und Postmeister in Bayern.'^*) 

Kinder : 

1. Sohn, todt geboren 4. Januar 1755. 

2. Karl Eugen, welcher folgt. 

3. Anna Maria Josefa, geb. 11. Juni 1766, f 1842; (lemahl: Franz Xaver 
Eeichsfreiherr v. Hoffmüh In auf Edelhausen, Westerndorf und Gneidling, verm. 
19. Mai 1795, f zu Burghausen 18. Mai 1802."») 



"W) Wisgrill V, 401. 
*'») Goth. Hofkalender 1842, S. 119, und 
1843, 8. 252. 



»»*) Ibidem 1832, S. 103, u. 1833, S. 242. 
"*) Goth. genealog. Taschenbuch der frei- 
herrl. Häuser 1866, S. 435. 



— 220 — 

4. Maria Walbnrgis, Sterukreuzordensdame , geb. 2. Juni 1767, f 20. De- 
cemher 1801; Gemahl: Clemens Keiehsgraf v. Nys zu liandshut, verm. 10. No- 
vember 1791, t 1812. 

5. Maximilian Josef Anton, geboren und gestorben 1770. 

Karl Eugen Keichsfiirst v. I^amberg, Freiherr auf Ortenegg und üttenstein, 
Herr zu Stoekern und Amerang, Besitzer der Pideicommissherrschaften Steyr, Götzen- 
dorf und Berg in Oberösterreicli, Allhartsberg in Niederösterreich, Kitzbtihel, Kabs- 
burg, Ivöwenberg und Münichau in Tirol, Sehichowitz, i^ühobetz, Budetitz, Kalenitz, 
Habi, Kladnib. Gallenitz und Stradal in Böhmen und der Hofmark Eiting bei Mühl- 
dorf in Ober-Bayern, Obersterblandstallmeister im Herzogthum Krain und in der 
windisehen Mark, Obersterblandkämmerer und Obersterblandjägermeister im Era- 
herzogthum Österreich ob der Enns (bestätigt 29. August 1818), Erbtruehsess des 
Erabisthums Salzburg, Erbmarschall des Hochsfiftes Passau, Grand von Spanien erster 
('lasse, Magnat in Ungarn, Herr und Jjandstand in Osterreich ob der Enns, Bitter 
des souveränen Malteser-Ordens und des bayerischen St. Hubertus-Ordens, k. k. wirk- 
licher geheimer Rath und Kämmerer, Oberstlieutenant des oberösterreichischen Land- 
wehr-Bataillons a. D., Senior der Familie, geb. 1. April 1764, f zu Linz 11. Mai 1831 ; 
Gemahlin: Friederica Sophia Antonia, Tochter des Kraft Ernst Eeichsfürsten und 
Herrn zu Öttingen-Öttingen und Öttingen- Wallerstein, Grafen zu Öttingen-Baldern 
und Herrn v. Sötern, und der Maria Theresia Carola Eeichsftirstin v. Thurn und 
Taxis, geb. 3. März 1776, verm. 19. September 1802, t zu Linz 17. Juli 1831, 
k. k. Palast- und Stemkreuzordensdame.'^*) 

Kinder: 

1. Wilhelma Friederica Carola, k. k. Stiftsdame im freiwelthch adeligen Damen- 
stifte „Maria Schul" zu BrOnn, geb. 29. Juni 1803, f 1- »^""1 1829, erste Gemahlin 
des Felix Eeichsgrafen Montecuccoli-Laderchi, Besitzers der vereinigten Pidei- 
comnn'ssgtUer 3f itterau, Hohenegg, Osterburg und Haindorf in Niederösterreich, verm. 
H. Januai- 1828, f z" Wien 2. Januar 1846.»'7) 

2. Karl Ernst, geb. 2. Januar 1805, t 12. Februar 1805. 

3. Josefa Friederica, geb. 23. Mai 1801, f 23, März 1808. 

4. Maximilian Josef, geb. 25. December 1807, f 10. August 1808. 
f). Ludwig Karl, geb. 24. September 1809, f 18. December 1809. 

6. (lustav, welcher folgt. 

7. Nriphia .Josefa, geb. 17. Februar 1815, t 6. April 1815. 

H, Emil Anton, k. k. Lieutenant im 2. Uhlanen-Regimente, geb. 26. März 
|HH(, f Ö, December 1836 an den Folgen der durch das Zerspringen des Gewehres 
Äiif iJi^r JÄ^d erlittenen schweren Verwundung.*'*) 

(hihlav Joachim Reichsfllrst v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstem, 
\\ivr tu Htot'kern und Amerang, Besitzer der Fideicommissherrschaften Steyr, Wey er, 

•»•) ihtlU Jiofkal«nd(r 1882, S. 102, u. 1833. ! "») Goth. genealog. Taschenbuch der grafl. 

H, UL I Häuser, Jahrg. 1847, S. 748, u. 1896, S. 728. 

' "•) Goth. Hofkalender 1838, S. 282. 




w 



221 — 



Steinbach und Götzendorf in Oberößterreich , Allhartsberg nnd Blanken in Nieder- 
österreich, Sehichowitz, Eabi, Äihobetz, Budetitz und Stradal in Böhmen, Kitzbühel, 
Kapsburg, Löwenberg und Münichau m Tirol (Einkünfte gegen 130,000 (TuWen),OberKt- 
erblandstallmeister im Herzogthum Krain und in der windisehen Mark, Obei'sterbland- 
känmierer und Obersterblandjägenneister im Erzherzogthume Österreich ob der Enns, 
Obersterblandmarschall im Herzogthum Salzburg, Grand von Spanien erster Classe, 
Magnat in Ungarn, Herr und Landstand in Böhmen, Mähren, Schlesien, Ober- und 
Niederösterreich und Tirol und seit 18. April 1861 erbliches Mitglied des Herren- 
hauses des österreichischen Eeichsrathes, geb. 21. December 1812, t zu Wien, 
3. Februar 1862; Gemahlin: Katharina Hradek, geb. 8. December 1824, verm. 
Iß. Januar 1855.»7») 

Kinder: 

1. Gustav Wilhelm Emil Eeichsfiirst v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein. Herr zu Stockern und Amerang, Besitzer der Fideicommissherrschaften 
Steyr in Oberösterreich, Allhartsberg in Niederösterreich und Sehichowitz, Eabi, 
Budititz, i^ihobetz und Stradal in Böhmen (laut Entscheidung des k. k. obersten Ge- 
richtshofes ddo. Wien 3. JuU 1877, Zahl 2236, nebst seinen Brüdern von der Nach- 
folge in dieses Fideicommiss wegen der nicht standesmäßigen Ehe ihres Vaters aus- 
<i:eschlossen),*®®) Obersterblandstallmeister im Herzogthum Krain und in der wmdi- 
schen Mark, Obersterblandkämmerer und Obersterblandjägermeister im Erzherzogthum 
Österreich ob der Enns, Obersterblandmarschall im Herzogthum Siteburg, Grand von 
Spanien erster Classe, erWiches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen 
Eeichsrathes und der Magnatentafel des ungarischen Eeichstages, k. k. Eittmeister 
a. D. und ständiger Präsident der Commission filr Pferdezuchtangelegenheiten bei 
der Statthalterei in Linz, geb. 13. September 1841, f zu Wien 28. Januar 1886."») 

2. Friedrich Karl Emil, k. k. Landwehr-Oberlieutenant a. D. und Besitzer des 
Militär- Verdienstkreuzes, geb. 25. Sept. 1843, t zu Kitzbühel in Tirol 4. März 1883.»") 

3. Karl Wenzel Emil Eeichsfiirst v. Lamberg, Fi-eiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Stockern und Amerang, Obersterblandstallmeister im Herzogthum 
Krain und in der windischen Mark, Obersterblandkämmerer und Obersterblandjäger- 
meister im Erzherzogthum Österreich ob der Eims, Obersterblandmarschall im Her- 
zogthum Salzburg, Grand von Spanien erster Classe, erbliches Mitglied des Herren- 
hauses des östeiTeichischen Eeichsrathes und der Magnatentafel des ungarischen 
Eeichtages, k. u. k. Lieutenant (im 16. Dragoner-Eegiment) a. D., geb. 24. Febr. 1845. 

4. Emilia Francisca Friederica, geb. 14. Juli 1846, f 1862.»»») 

5. Hubert Anton Emil, geb. 12. August 1848. 



*^) Weimarer genealog. Almanach 1886, 
S. 548. Goth. Hofkalender 1836, S. 142; 1848, 
8. 148; 1856, S. 186; 1863, 8.298, und 1887, 
S. 292. 

*••) Glaser, Unger u. Walther, Samm- 
lung 7on ciTilrechtlichen Entscheidungen des 
k. k. obersten Gerichtshofes XV, S. 240. Die 
seither in das genealog. Taschenbuch der gräfl. 
Häuser (vgl. Jahrg. 1895, S. 590) aufgenommene 
Bemerkung, dass „laut dieser Entscheidung'' 



der Fürstentitel als erloschen xu betrachten 
sei, ist jedoch unrichtig, weU eine solche 
Entscheidung keineswegs in die gerichtliche 
Competenz gefallen wäre, und daher auch gar 
nicht beantragt wurde. 

•») Goth. Hofkalender 1886, S. 284, und 
1887, S. XII. 

*^) Ibidem 1884, S. XII. 

»*) Ibidem 1870, S. 354. 



~ 222 — 



6. Eduard Gustav Emil, geb. 22. September 1850. 

7. Hugo Anton Emil Reiehsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Otten- 
stein, k. u. k. Oberlieutenant in der Reserve des 15. Dragoner-Begiiuents, geb. 27. Febr. 
1853;"*) Gemahlin: Giulietta Contessa Brunetti, venu. 31. October 1883. 

8. Josef Friedrich Emil Reiehsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, geb. 26. Mai 1856; Gemahlin: Anna, Tochter des Josef Wem dl, Be- 
sitzers von Trautenfels bei Liezen in Steiermark und der Constanzia Leobner, geb. 
23. December 1861, vei-m. zu Stejr 12. JuH 1880. 

Kinder: 

l)Anna Maria, geb. 22. April 1861. 

2) Josef Maximilian Gustav Balthasar, gel), zu Schloss Trautenfels 6. Januar 
1884. 

3) Karl Eugen Maria Gustav Josef, geb. 16. Januar 1886. 

3. Der jüngere bayerische Zweig auf Amerang. 

Johann Wilhelm Reiehsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Otten- 
stein, Besitzer der Herrschaft Amerang, Erblandstallmeister im Herzogthum Krain 
und der windischen Mark, kaiserlicher Officier, t 17. August 1647; Gemahlin: 
Maria Justina v. Sonnewald.'®*) 

Söhne: 

1. Franz Anton Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, 
Herr zu Amerang, kaiserlicher Kämmerer und Oberststallmeister am Hofe der Königin 
Eleonora Maria von Polen zu Innsbinick; Gemahlin: Eleonora Francisca, Tochter 
des Johann Maximilian Reichsgrafen v. Lamberg, Freiherrn auf Ortenegg und 
Ottenstem, Herrn zu Stockern und Amerang, Erbhen-n der Herrschaft Kitzbtihel, 
Burggrafen zu Steyr mit Ternberg, Molle und Raming, und der (Maria Johanna) 
Judith Rebekka Eleonora Herrin v. Wrbna, geb. 1636, verm. 1676, Sternkreuz- 
ordensdame (war vorher in erster Ehe die zweite Gemahlin des Heinrich Wilhelm 
Reichsgrafen v. Starhemberg zu Wildberg und Riedeck auf Lobenstein, Besitzers 
der Grafschaft Schaumburg und der Herrschaft Eferding in Oberösterreich, t ^^ 
Wien 2. AprU 1675.»»«) 

2. Johann Wilhelm Bonaventura, kaiserlicher wirklicher Kämmerer und Oberst- 
lieutenant im Regimen te Baden 1687. 

3. Johann Friedrich Ludwig Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg 
imd Ottenstein, Herr zu Amerang, flirstbischöflich Salzburgischer Hofkanmierrath 
und Oberststallmeister, Senior der Familie, geb. zu Amerang 23. October 1646, 
t 1713; Gemahlin: Maria Anna, Tochter des (Jeorg Sigismund Reichsgrafen v. 
Törring zu Jettenbach und der Elisabetha v. Khuenburg, verm. zu Salzburg 9. Fe- 
bruar 1682.W7) 



**) Schematismus für das k. u. k. Heer 
1896, S. 696 u. 637. 

«») Nedopil 3427. 

»«) Htibner UI, 706. 

M^ Varrentrapp, Genealog. Handbuch 
1797, II, 167. Sie war nicht Witwe des Johann 



•Erhard Freiherrn v. Muggenthal; dieser war 
mit Maria Anna Francisca, Tochter des Maxi- 
milian Reichsgrafen 7. Törring zu Jettenbach 
(Bruders des Georg Sigismund), geb. 20. No- 
vember 1643, vermählt. (Hübner III, 897.) 



— 223 — 

Kinder : 

1) Maria Josefa, Sternkreuzordensdame , gel). 1683, t zu München 1729; 
Gemahl: Sebastian Heinrich Eeichsgraf Notthafft v. Wernberg zu 
Aholming bei Osterhofeu in Nieder-Bayern, verm. 1706, f 16. Juni 1709.**®) 

2) Maria Justina, starb unvermählt. 

3) Franz Josef Cajetan Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Anierang und Bullach, kurftrstlieh bayerischer geh. 
Rath, Kämmerer und Pfleger zu Rosenheim in Ober-Bayern, geb. 1680, 
t 4. December 1758; üemahhn: Maria Josefa Antonia Anna, Tochter 
des Ferdinand Josef Reichsgrafen v. Tattenbach, Rheinstein und 
Valley, Freiherrn zu Ganowitz, und der Maria Margaret ha Leopolda 
Gräfin Colouna v. Fels, geb. 1. März 1699, verm. 8. Mai 1719.»«») 

4) Philipp Nerius Ignaz Cajetan, kurflirstlich bayerischer geheimer Rath und 
Propst des CoUegiatstiftes zu Straubing an der Donau und zu St. Michael 
in Ungarn, f 1761. 

5) Johann Maximilian Josef, markgräflich Brandenburg-Bayreuth-Culm- 
bachischer Obersthof-Parforce-Jägermeister und Ritter des Rothen Adler- 
ürdens und 1746 herzoglich württembergischer geheimer Rath, Kammer- 
herr und Oberschlosshauptmann, starb zu Stuttgart unvermählt. 

6) Maria Anna, kurflirstlich bayerische Hofdame, 1727—1732. 

7) Friedrich, weicherfolgt. 

8) Maria Josefa, geb. 1702, f zu Salzburg 24. Januar 1750, erste Gemahlin 
des Johann Ernst Anton Reichsgrafen v. Thunn zu Caldes in Tirol, 
verm. 1722, f "75. _ 

Johann Friedrich Cajetan Reichsgraf v. I^amberg, Freihen* auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Amerang, kaiserlicher Oberstlieutenant im Dragoner-Regimente 
Prinz Ferdinand von Bayern, starb im bayerischen Feldzuge 15. November 1742. 
Erste Gemahlin: Maria Katharina, Tochter des Johann Friedrich Reichsgrafen zu 
Windisch-Grätz und der Maria Barbara Susanna Freiin v. Strasser zu Neudeck, 
t 1726; zweite Gemahlin: Maria Anna, Tochter des Wolfgang Ehrenreich Reichs- 
grafen V. Auersperg, Freiherrn auf Schönberg und Seisenberg, Besitzers der 
Herrschaften Peilenstein und St. Leonhard am Forst, und der Maria Katharina 
Freiin v. Hochburg, geb. 10. April 1704, verm. 17. Mai 1727, f 1779.»>o) 

Kinder: 

a) Aus erster Ehe: 

1. Maria Anna, starb jung. 

2. Johami Friedrich Josef, starb jung. 

6) Aus zweiter Ehe: 

3. Franz, welcher folgt. 

4. Philipp Josef Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Otten- 
stein, Herr zu Winkl bei Landsberg in Ober-Bayern, Comthur des souver. Malteser- 
ordens zu Enzenrieth und Mindelheim, kurfürstlich pfalzl)ayerischer Känmierer, 



•) Zeitschrift des „Adler'* 1878, S. 45. 
*) Hübner III, 854. 



'»•) Wisgrill I, 269. Varrentrapp, Ge- 
nealog. Kalender 1802, I, 488. 



^ 224 — 

Generalmajor und Premier-Lieutenant der Trabanten-Leibgarde, geb. 29. November 
1729, starb unvermählt. 

5. Josef Cajetan Friedrieh Reichsgraf v. Lamberg, Pi*eiherr auf Oi-tenegg und 
Ottenstein, Herr zu Araerang und Winkl, kurfiirsth'ch pfalzbayerischer Kämmerer und 
Oberstlieutenant, filrstbischöflioh Regensburgischer Hofcavalier, Gardehauptmann und 
Stadtcommandant zu Freysing, geb. 20. September 1734, f 13. Mai 1796. Erste 
Gemahlin: Maria Ferdinanda, Tochter des Johann Jakob Freiherrn v. Burgau auf 
Griesbäckerzell bei Aichach in Ober-Bayern, verm. 2. März 1764, t 1774: zweite 
Gemahlin: Walburgis Helena, Tochter des Ludwig Freiherrn v. Loss, geb. 18. August 
1748, verm. 16. Februar 1777, f 20. Juli 1785. 
Kinder : 

1) Maria Theresia, geb. 18. Januar 1778, f 1856.*»») 

2) Maria Antonia, königl. bayerische Hofdame, geb. 29. Januar 1779, 
f 23. November 1840; Gemahl: Josef Hugo Fugger Reichsgmf v. 
Kirchberg und Weißenhorn, Herr zu Kirchheim und Eppishausen, verm. 
15. August 1800, t 3. Mai 1840.»»») 

3) Maria Anna, geb. 29. August 1780, t 1843.»»») 

4) Maximilian IL Prokop, vormals Page am fürstlich Thuni und Taxis- 
schen Hofe zu Regensburg, Senior der Familie, geb. 20. Juli 1783, 
t 1850.»»*) 

Franz Josef Heinrich Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Amerang und Bullacli, kurfürstlich pfalzbayerischer Kämmerer 
uful Landschaflssteuereinnehmer im Rentamte Burghausen, geb. 10. Juli 1728, 
t 10. October 1801; Gemahlin: Johanna Wilhelmine Maria, Tochter des thirt 
Alexander v. Schönberg, Gerichtshen-n auf Oberschöna, Linda und Wingendorf, 
und der Maria Josefa Francisca Neveria Ursula Antonia v. Neheim zu Velling- 
hausen, geb. zu Freiberg in Sachsen 6. Januar 1736, verm. 13. April 1761.»»*) 

Kinder: 

1. Josef Ferdinand Fmnz, Erbherr zu Amerang, kurfiirstlich pfalzbayerischer 
Kämmerer, geb. 13. Februar 1764, starb unvermählt. 

2. Maria Anna Theresia, Stiflsdame zu St. Anna in München, geb. 7. Februar 
1766, 1 14. Januar 1849; Gemahl: Josef Engelbert Claudius Freiherr v. Schwerin 
auf Hauzendorf bei Regensburg, verm. 1801, t 14. Mai 1835.»»») 

3. Maria Josefa Augustina Wilhelma, geb. zu Amerang 5. November 1768, 
t im Schlosse zu Dresden 25. September 1853, Sternkreuzordeusdame und Dame 
des königl. bayerischen St. Annen-Ordens, Oberhofmeisterin der Königin Maria Anna 
von Sachsen, dritte Gemahlin des Heinrich Gottlob Wolfgang v. Tümpling, 



*') Goth. genettlog. Tasehenbuch der grafl. 1 *^) Qoth. genealog. Taschenbuch der gräfl. 

Häuser 1867, S. 943. | Häuser 1844, S. 680. 

I *^) Ibidem 1866, S. 412. 

^^ V^y'L'J^'^'f''^' ^^°j**^"'^ i^^l' I »••) Üchtritz, Dipl. Nachrichten lU, 213. 



S. 396. Goth. Hofkalender 1896, S. 139. Goth 
genealog. Taschenbuch der gräfl. Häuser 1860, 
S. 876, u. 1861, S. 780. 



Nedopll 3426 u. 6870. 

^ Goth. genealog. Taschenbuch der frei- 
herrl. Häuser 1860, S. 786. 



L 



— 225 — 

Herrn auf Hermsdorf , Crölpa, Liebschütz, Ober-Langenau , Sorna, Chursdorf und 
Näthem, verm. zu Dresden 6. November 1805, f daselbst 17. October 1814.*»^) 

4. Maria Johanna Walburgis, geb. 2. November 1769, f als Kind. 

5. Maria Carola, geb. 3. April 1773, Hofdame der Prinzessin Carola von 
Sachsen, gebomen Prinzessin von Parma, f zu Dresden unvermählt. 

6. Maximilian I. Franz Josef Reiehsgraf v. Tjamberg, Freiherr auf Ortenegg 
und Ottenstein, Herr zu Amerang, Bullach und Winkl in Ober-Bayern, königlich 
bayerischer Kämmerer und Appellationsgerichtspräsident zu Burghausen in der Ober- 
pfalz, in die königlich bayerische Adelsraatrikel bei der Grafendasse eingeti*agen 19. De- 
cember 1812,»»«) Senior der Familie, geb. 25. November 1775, t 21. November 1837. 
Erste Gemahlin: Maria Agnes, Tochter des Johann Caspar Alois ßeichsgrafen 
Basseletv. La-Rosöe und der Theresia Gräfin Topor-Morawitzky auf Armstorf und 
Hofgiebing, geb. 8. Januar 1779, verm. 2. Februar 1802, f 8. October 1821; zweite 
Gemahlin: Francisca v. Mulzer, geb. 20. September 1809, verm. 15. Februar 1830 
[Mflnchen]. 

Töchter: 

1) Wilhelmine Cajetana Antonia, Ehrenstiilsdame des königlich bayerischen 
St. Annen-Ordens, geb. 11. Januar 1803, f '^^ Krailling bei Starnberg 
in Ober-Bayern 7. August 1883; Gemahl: Maximilian Wilhelm Karl 
Ernst Reichsfreiherr v. Crailsheim auf Amerang und Rügland, verm. 
zu Bamberg 9. Februar 1819, t zu Amerang 7. October 1844.»»») 

2)Emilie Josefa, geb. 7. September 1835; Gemahl: Sigismund Riefler. 

3)Clotilde Maximiliana Posthuma, geb. 8. April 1838. 

III. Drittes Haus, auf Ottenstein. 

Johann Albrecht, der ältere, Freiherr v. liamberg auf Ortenegg und Otten- 
stein, geb. 1584, Besitzer der Veste Ottenstein und der Herrschaft Stockern, Erb- 
landstallmeister im Herzogthum Krain und in. der wrndischen Mark , kaiserlicher 
wirklicher Kämmerer, Hofkriegsrath und Oberstlieutenant der Stadtgarde zu Wien, 
t daselbst 14. April 1650. Erste Gemahlin: Margaretha, Tochter des Jonas v. Heyss- 
berg, Besitzers des Gutes Königsbrunn und der Herrschaft Merkenstein und der 
Regina Maschwander v. Schwanau; zweite Gemahlin: Anna Katharina, Tochter 
des Johann Jakob Freiherm v. Khuenburg und der Maria Sabina Pöll v. Canstein. 
verm. 28. Januar 1615, f 1629; dritte Gemahlin: Elisabetha, Tochter des Johann 
Freiherrn v. Schiefer zu Freiling imd der Anna v. Sinzendorf, verm. zu Schloss 
Ottenstein 22. April 1630.*««) 

Kinder: 

d) Aus zweiter Ehe: 

1. Jakob Ehrenreich, geb. 1616. 



'•'J Goth. genealog. Taschenbuch der gräfl. Häuser S. 1174, und 1886, der freih. Häuser 

Häuser 1866, S. 961 Genealog. Taschenbuch 1884, S. 137, u. 1894, S. 146. 

des üradelsl, 487. *»<>) Hoheneck II, 386. Wisgrill V, 327. 

>») G ritzner, Standeserhebungen I, 823. Nedopil 3430, 3432 u. 5339. 



3M 



') Ootli. genealog. Taschenbüclier der gräfl. 



15 



— 226 — 

2. Johann Franz. Stifter des älteren erloschenen Zweiges zo Sprinzenstein 
(unter 1.). 

3. Maria Anna, geb. 1620, starb jung. 

4. f'hristina Barbara, geb. 1622, lebte noch 1. August 1650. 
f). Sabina Margaretha. geb. 1623. starb jung. 

6. Johann Sigismund Albrecht, s. d. Wien 10. NoAcmber 1667 ßeichsgrat 
V. LÄniberg. Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein . Herr zu Stockern und Langau 
^►ei Hom in Niederösterreich und zu Sokolnitz in Mähren. Erblandstallmeister im 
Herzogthum Krain und in der windischen Mark, Senior der Famihe, geb. 1624, 
erhielt s. d. Wien 14. März 1688 das Incolat in Böhmen. Mähren und Schlesien. 
Erste (lemahlin: Margaretha, Tochter des Johann Paul (leyraann Freiherm zu 
GaLsbach. Trattenegg. Walchen, Wildenhag, tVein und Kossatz und der Maria 
Salonie Freiin v. Schiefer zu Freiling, Witwe des Sigismund Gottfried Eeichsgrafen 
V. Abensperg und Traun;*®*) zweite (iemahlin: Anna Polyxena, Tochter des 
Johann Dislaw Reichsfreiherm v. He ussen stamm auf Heissenstein, (iräfenhausen 
und Starhemberg. Herni zu Raitz, Jedownitz und Sloup in Mähren und der Elisabetha 
Reichsgräfin v. Salm-Neuburg (war vorher die zweite Gemahlin des Nikolaus U. 
Grafen Päzmany v. Panasz.***) 

7. Anna Katharina, geb. 1625. lebte noch 1. August 1650; Gemahl: Johann 
Weichard Reichsgraf v. Lamberg zu Roten böhel, Habach, Egg, Mannsburg und 
Steinböchel, t 1689. 

b) Aus dritter Ehe: 

8. Anna Elisabetha, geb. 1633, starb vor dem Vater. 

9. Johann Albrecht H., Stifter des jüngeren bli^henden Zweiges zu Stockern 
(unter 2.). 

10. Johann Bernhard, kaiserlicher Fähnrich, geb. 1635, t ^^ Mailand 1658. 

11. Johann Georg, s. d. Wien 10. November 1667 Reichsgraf v. lamberg. 
Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein , kaiserlicher Kämmerer und Oberstlieutenant, 
Senior der FamiHe, geb. 1636, f 1692: Gemahlin: Clara Elisabetha, Tochter des 
Ferdinand Rudolf Freiherm v. Leysser zu Oronsegg, Schilteru, Neunzen, Groß- 
Poppen, Mtihlbach, Mittelberg und Ünter-Reith und der Katharina Freiin v. I^andau. 
Besitzerin der Herrschaft Reichenau, geb. 1638, f 22. Februar nog.-^w) 

1. Älterer Zweig, zu Sprinzenstein. 

Johann Franz Freiherr v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, Besitzer 
der Herrschaften Ottenstein, Stockern, Ivöschberg, Groß-Göttfritz bei Zwettl. Rossatz 
an der Donau, Schlosshof an der March, Rastenberg und Lichtenfels. des Edelsitzes 
Steinhof und des Gutes Nieder-Griinbach bei Gfohl in Niederösterreich, Erbland- 
stallmeister im Herzogthum Krain und in der windischen Mark, kaiserlicher wirk- 
li(*her Kämmerer, Regierungsrath und Vicepräsident der niederösterreichischen Statt- 
halterei, Landschaftsverordneter des Herrenstandes, geb. 1618, erhielt s. d. Linz 



*") Hobeneokll, 711. Wisgriil HI, 312. 
*'^) Wisgriil IV, 238. Nagy Ivan IX, 175. 
«•') Zeitschrift, des „Adler" 1872, S. 20. 



_ 227 — 

29. Juni 1647 das Incolat in Böhmen, Mähren und Schlesien, f zu Wien 15. April 1666; 
Gemahlin: Maria Constanzia. Tochter des Gerhard II. des jüngeren, ßeichsfreiherrn 
V. Questenberg, Besitzers der Herrschaften Jarmeritz, Panschitz, Petschau, Gabhorn, 
Pirten, Mies, Eappoltenkirchen und Sieghartskirchen, und der Maria v. Unt*^rholtzer, 
Preiin auf und zu Kranichberg, Erbfrau der Herrschaften Pramrnberg, Kranichberg 
bei Gloggnitz imd Kottingbrunn bei Baden in Niederösterreich, verni. 26. November 
1647, wurde s. d. Wien 10. November 1667 mit ihren Söhnen in den 
Beichsgrafenstand erhoben, f zu Wien 17. Juni 1687, beide beigesetzt in 
der Franciscanerkirche.*^*) 
Kinder : 

1. Anna Theresia, geb. 1649, f zu St. Polten im October 1689, beigesetzt in 
der Stiftskirche, daselbst, zweite Gemahlin des Christoph Johann Baptist ßeichs- 
grafen v. Althan n, Freiherrn auf der Goldburg zu Murst^tten, Besitzers der Herr- 
schaften Heitzing, Vestenthurn und Zwentendorf, verm. 1684, f 8. December 1706.*''*) 

2. Francisca Maria, geb. 1650, f 24. November 1652, beigesetzt in der 
Franciscanerkirche zu Wien. 

3. Josef, welcher folgt, 

4. Karl Adam Reichsgraf v. I^amberg, Freiherr auf ürtenegg und üttenstein, 
Herr zu Kranichberg und Braunsberg, Erblandstallmeister im Herzogthum Krain und 
in der windischen Mark, k. k. wirklicher geheimer Kämmerer, Oberst und Com- 
mandant des Infanterie-Regiments Alt-Starhemberg, geb. 21. August 1655; bei der 
Belagerung von Mainz wurden ihm durch eine Kanonenkugel beide Füße weg- 
gerissen, welcher Verwundung er bald darauf am G. September 1689 erlag, beigesetzt 
zu Mainz. 

5. Eva Maria Anna Constanzia, Sternkreuzordensdame, geb. 17. Mai 1659. 
t zu Wien 14. Mai 1721, beigesetzt in der Franciscanerkirche, zweite Gemahlin des 
Sebastian Wunibald, Reichserbtruchsessen und Grafen v. Waldburg-Zeil- Wurzach, 
verm. 2. Februar 1690, f 15. Juni 1700.*^) 

6. Johann Balthasar Josef, geb. 1660, f 15- October 1664, beigesetzt m der 
Franciscanerkirche zu Wien. 

7. Maria Isabella Cäciha, kaiserliche Aya und Sternkreuzordensdame, geb. 
22. November 1661, f zu Wien 18. December 1747, beigesetzt in der Schottenkirche. 
Erster Gemahl: Josef Paris Reichsgraf v. Orsini und Rosenberg, Freiherr auf 
Lerchenau und Grafenstein, verm. 29. April 1681, von dem Obersten Baron Rosen 
meuchlings erstochen zu Wien 1. April 1685, beigesetzt in der Schottenkirche. 
Zweiter Gemahl: Otto VHI. Herr zu Stubenberg, verm. 1686, f niS.*»^) 

8. Franz Sigismund Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, k. k. Kämmerer, Hofkriegsrath und Administrationscommissär in Bayern. 
Generalfeldwachtmeister und Stadtgardecommandant zu Wien, geb. 28. Januar 1665, 
I zu München 18. April 1713; Gemahlin: Francisca Theresia, Tochter des Franz 
Josef I. Reichsfiürsten v. Lamberg, liandgrafen zu Leuchtenberg, Freiherrn auf 



*•«) Wisgrill I. 86 u. 106, u. II, 204. i «•') HObner III. 689 u. 718. Varren 

Fahne I, 245. Nedopil 3481, 3433 u. 4799. trapp, Genealog. Kalender 1H02, I, 727. Ne- 



*••) Hübner II, 631. j do.pil 6337 u. 6340. 

«) Hübner II, 614. 



16* 



— 228 — 

Orteiiegg und Ottenstein, Herrn zu Steckern und Amerang, Besitzers der Pidei- 
couiniissherrschaft Steyr und der Herrschaft Kitzbühel, und der Anna Maria Beichs- 
gräfin V. Trauttmansdorff zu Weinsberg, geb. 1. Januar 1670, verm. zu Wien 5. Mai 
1691, t 13. October 1742, Sternkreuzordensdame.*®») 
Kinder : 

1) Maria Anna, starb als Kind. 

2) Johann Franz Josef, starb als Kind. 

3) Johann Heinrich Josef, k. k. Kämmerer, starb jung. 

4) Maria Philippine Theresia, starb un vermählt. 

5) Carola Eleonora. starb als Kind. 

6) Maria Aloisia, k. k. Hof- und Sternkreuzordensdame, geb. 1705, f 22. Febr. 
1764, Besitzerin der Herrschaft Eossatz; Gemahl: Josef Anton Ernst 
Reichsgraf v. Mollart, Freiherr auf Rheineck und Brosendorf, verm. 
16. Februar 1729, f 29. Juni 1735.^°») 

9. Maria Katharina, geb. 1665, t 28. Januar 1717. Erster Gemahl: Johann 
Adam Graf Zriny, t bei Zalankemen 19. August 1691.*'*) Zweiter Gemahl: 
Maximihan Ernst II. Graf v. W las eh in auf Jamnitz bei Datschitz in Mähren, 
verm. 6. Juli 1693. 



Leopold Josef Reichsgraf v. liaraberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, 
Herr zu Rastenberg, Lichtenfels, Grfinbach, Löschberg, Kranichberg, Prammberg, 
Kottingbrunn, Vöslau und Rossatz, Erblandstallmeister in Krain und der windischen 
Mark, Ritter des Ordens vom (ioldenen Vließe, k. k. wirklicher geheimer Rath und 
Kämmerer, geb. 13. Mai 1(553, wurde 1690 Principalcommissär auf dem Reichstage 
zu Regensburg und im December 1699 außerordentlicher Botschafter und bevoll- 
mächtigter Minister zu Rom, f ^^u Wien 28. Juni 1706; Gemahlin: Katharina 
Eleonora, Erbtoehter des Ferdinand Maximilian Reichsgrafen und Herrn von und zu 
Sprinzenstein, Freiherrn zu Neuhaus, Besitzers der Fideicommissherrschaften 
Waidhofen, Hörn, Waldreichs, Thaya, Nieder-Edlitz, Rosenberg, Molet, Rahn und 
Pyrrha, und der Maria Eleonora Reichsgräfin Kurtz v. Valley zu Senftenau, Drosen- 
dorf, Thumeritz und Weickliartsschlag, geb. 1660, verm. 23. Januar 1679, f zu 
Wien 28. November 1704, Sternkreuzordensdame, beide beigesetzt in der Augnstiner- 
ku-che.*") 

Kinder : 

1. Ferdinand Josef, f jung. 

2. Maria Eleonora Josefa, starb jung. 

3. Karl Josef Franz Xaver Anton Reichsgraf v. I^mberg, Freiherr auf 
Ortenegg und Ottenstein, Majoratsherr zu Sprinzenstein bei Rohrbach in Oberösterreieh, 
Besitzer der Herrschaften Waidhofen, Drosendorf, Weickhartsschlag, Gilgenberg, Thaya. 
Nieder-Edlitz, Thumeritz, Pyrrha, Rastenberg, Grtinbach, T^^schberg, Kranichberg, 
Prammberg. Kottingbrunn und Vöslau in Niederösterreich, Erblandstallmeister im 
Herzogtliimi Krain und in der windisehen Mark, niederösterreichischer Oberland- 

*••) Hübner IIl, 706. Schön feld II, 217. | ♦»•) Nagy Ivan XII, 441. 

*») Zeitschrift des „Adler- 1872, S. 167. I "') Hoheneck U, 491. 



— 229 — 

comraissär und Regiraentsrath, kaiserlicher wirklicher geheimer Eath und Kämmerer, 
Ritter des spanischen St. Jakobsordens, geb. 19. April 1H86, kaufte 1720 von dem 
Grafen Hamilton um 440.000 Gulden und 1000 Stock Ducaten die Grafschaft Nenbnrg 
am Inn mit den Schlössern Wöhrnstein, Fraunhaus und Neuenfels, verkaufte sie 
aber schon 1731 an das Hochstift Passau,*") f 13. April 1746; Gemahlin: Maria 
Francisca Katharina, Tochter des Sebastian Wunibald Reichserbtruchsessen und 
Grafen v. Waldburg-Zeil- Wurzach, und der Maria Katharina Reichs- und Alt- 
gräfin zu Salm-Reiflferscheid-Bedbur, geb. 14. März 1683, verm. 12. April 1706. 
t 23. Februar 1737, Sternkreuzordensdame.**') 
Kinder: 

1) Franz, welcher folgt. 

2) Maria Anna Antonia Valentina Theresia, geb. 3. September 1708, 
t 25. März 1711. 

3) Johann Baptist Maria Josef Franz de Paula Flavius Xaver, geb. 13. August 
1710, t unvermählt. 

4) Maria Francisca Theresia, geb. 17. Januar 1712, t 9. März 1716. 
[)) Johann Franz Xaver Anton, geb. 19. Mai 1713, t 1728. 

6) Phil ipp Jakob Wunibald Franz de Paula Prosper Asterius, geb. 27. April 
1714, starb unvermählt. 

7) Franz de Paula Johann Baptist Josef Karl Wunibald Willibald, Comthur des 
Malteserordens und Domherr zu Laibach, geb. 11. Juh 1710, t 12. Sep- 
tember 1761. 

8) Maria Theresia Valentina Valeria Rosalia, Sternkreuzordensdame, geb. 
18. April 1717, f zu Graz 5. Mai 1792; Gemahl: Karl Thomas Reichs- 
graf Breunner, Freiherr auf Stübing, Fladnitz und Rabenstein, Majorats- 
herr der Herrschaften Ehrnau, Kammerstein, Kaisersberg, Waldschach 
und Weinberg m Steiermark, verm. 2. October 1748, fS. Juni 1800.-*") 



Franz de Paula Anton Xaver Flavius Josef Cäsarius Reichsgraf v. Lamberg, 
Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, Majoratsherr zu Sprinzenstein , Besitzer der 
Herrschaften Drosendorf, Kranichberg, Rastenberg und Rossatz, k. k. wirklicher ge- 
heimer Rath und Kämmerer, geb. 27. August 1707, fzu Wien 17. April 1765. Erste 
Gem.: Maria Anna, Tochter des Johann Adolf Reichsgrafen v. Metsch und der Maria 
Ernestine Reichsgräfin v. Aufsess, geb. 3. Juli 1711, verm. 26. October 1732, 
t 18. November 1732. Zweite Gem.: Maria Josefa, Tochter des Leopold Josef 
Johann Anton ReichsfQrsten Esterhazy v. Galäntha, Erbgrafen v. Forchtenstein. 
Besitzers der Herrschaften Eisenstadt, Hornstein, Bujak und Dereskö, und der Maria 
Octavia Reichsfreiin v. Gilleis, geb. 11. Juni 1712, verm. 8. October 1733, f zu 
Wien 3. Juni 1756, Sternkreuzordensdame.*") 



*") Hoheneok I, Suppl. 18. 

*'») Hübner II, 614. Wisgrill I, 401. Varrentrapp, Genealog. Handbuch 1797, II, 157. 

*»*) Schönfeld I, 63. 

*•») Wisgrill II, 466. Schönfeld I 13. 



-~ 230 ~ 
Kinder : 

1. Maria Franc isca Josefa Victoria, Sternkreuzordensdame, geb. 6. September 
1734, t 29. Febr. 1796; (lemahl: Georg Graf Apponyi v. Nagy-Appony, Erbherr 
der Herrschaften Eberhard bei Pressburg, Körtveles, Zomonfalva und Pereszlen, 
verm. 27. Mai 1754. t 5. October 1782.««) 

2. Maria Carola Josefa Theresia Antonia. geb. 24. April 1736, f 13. Januar 
1782; Gemahl: Franz de Paula Reichsgraf v. Wals egg, verm. 1756. 

3. Octaviaua Walburgis Barbara, geb. 30. Mai 1737, t 23. November 1751. 

4. Maria Anna Josefa Gertraud, geb. 17. April 1739, f 28. Juni 1740. 

5. Anton Franz de Paula Adam Reich sgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg 
und Ottenstein. Majoratsherr zu Sprinzenstein, Drosendorf und Gilgenberg, Senior 
der Familie, geb. zu Wien 2. August 1740. verkaufte 1769 das Schloss Kranichberg 
an den Cardinal Migazzi, Erzbischof zu Wien, war k. k. wirklicher geheimer Rath 
und Dienstkämmerer des Erzherzogs Maximilian, und mehrere Jahre hindurch außer- 
ordentlicher (gesandter und bevollmächtigter Minister zu Turin und Neapel, Präses 
der Akademie der bildenden Künste zu Wien, f daselbst 26. Juli 1823.**^) 

6. Leopold Karl Josef Prosper Adam, geb. 16. November 1741, f 25. De- 
cember 1749. 

7. Josefa Maria Anna Barbara Norberta Walburgis, Sternkreuzordensdame, 
geb. 23. Mai 1743, f 1» •; Gemahl: Franz Ludwig IT. Reichsgraf v. Polheim 
und Wartenburg, verm. 9. Februar 1765, f zu Wien 7. December 1797.*"®) 

8. Maria Theresia Johanna, Sternkreuzordensdame, geb. 30. December 1747, 
t 18 . .; Gemahl: Alois Graf v. Poggi zu Mirandola, verm. zu Eisenstadt 16. Sep- 
tember 1770. 

9. Maria Anna Walburgis Ursula Theresia, geb. 22. September 1749, starb 
unvermählt. 

10. Eli sab et ha Josefa Anna Walburgis Thekla, geb. 2. Mai 1751, f ^755- 

11. Johann Nepomuk Franz, k. k. wirklicher Kämmerer und Hauptmann (des 
Infanterie-Regiments Anton (iraf Colioredo) a. D., geb. 15. Mai 1753, f unvermählt. 

2. Jüngerer Zweig, zu Stockern. 

Johann Albrecht IL der jüngere, s. d. Wien 10. November 1667 Reichs- 
graf V. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, Besitzer der Herrschaft 
Stockern, niederösterreichischer Landrechtsbeisitzer, geb. 1634, f 1- März 1683; 
Gemahlin: Johanna Barbara, Tochter des Johann Georg v. Oppell aus dem Hause 
Groß-Petersdorf im Fürstenthum Sagan und der Sophia v. Grienberg zu Zackeistorf, 
geb. 1634, verm. 1653, f 20. Mai 1704.*'») 

Kinder: 

1. Wolfgang Sigismund, k. k. Fähnrich, starb in Ungarn. 

2. Maria Isabella, f 1737; Gemahl: Johann Philipp Reichsgraf v. Nott- 
hafft zu Wernberg, verm. 1(582, f 1737.*»") 



*'•) Schönfeld I, 46. j *'») Bucelini lUb, 168. Varrentrapp, 

*»») Österreichische Zeitung 1866, Nr. 397. ! ««"^^l^^' Handbuch 1797, IL 168. Zeitschrift 

^ ' I des „Adler** 1873, S. 86. Genealog. Taschen- 

*^*) KueHühk«. DeutBrhe Qrafenh&user der ^ buch der adeligen H&user 1886, 8. 366. 

Gegenwart III, «24. | mj Zeitschrift des „Adler** 1873, S. 46. 



- 231 - 

3. Maria Margaretha, f 1734; Gemahl: Heinrich Siegbert Graf v. Heister. 
Besitzer der Herrschaften Goschitz in Schlesien und Kirchberg in Steiermark, 
t 22. Februar 1718.*") 

4. Maria Polyxena Ämia, f 1744; Gemahl: Franz Anton Ferdinand Reichs- 
graf V. Sonnau, verm. 17. Februar 1693, f 1732. 

5. Adam Franz Anton Reichsgraf v. Laraberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Stockern, Obersterblandstallmeister im Herzogthum Krain und in 
der windischen Mark, k. k. wirklicher Kämmerer, geb. 1678, | 9. Februar 1731; 
(iemahlin: Maria Anna Freiin v. Hochburg, Tochter des Johann Baptist Haass 
Edlen v. Hochburg, Reichsritters, und der Johanna Hartmann v. Hüttendorf, verm. 
1705, t 17. September 1739.*") 

Kinder: 

1) Maria Anna, starb als Kind. 

2) Maria Anna Isabella Philippa, Sternkreuzordensdame, geb. 23. April 
1707, t zu Wien 17. April 1773; Gemahl: Franz Ludwig Anton Reichs- 
graf V. Sonnau, verm. 31. Mai 1732, f 19. December 1754. 

3) Josef I., welcher folgt. 

4) Maria Anna Barbara Josefa, Sternkreuzordensdame, geb. 3. April 1710, 
t 28. December 1758; Gemahl: Johann Anton Cajetan Josef Freiherr 
V. Wunschwitz, verm. 17. Juli 1741, f zu Wien.*") 

5) Maria Johanna Barbara, geb. 2. December 1711, starb als Kind. 

G) Franz Anton Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Otten- 
stein, Herr zu Stockern, Erbherr der Herrschaften und Güter Csokakö 
und Moor bei Ondod im Stuhlweißenburger Komitate und Kövöshäza im 
Wieselburger Komitate, k. k. wirklicher geh. Rath und Kämmerer, Ober- 
hofmarschallamts- Verweser zu Wien, Senior der Familie, geb. 10. Mai 
1713, erhielt durch den 47. Gesetzartikel vom Jahre 1764 das Indigenat 
in Ungarn, | 23. Juni 1790; Gemahlin: Maria Theresia, Tochter des 
Leopold Florian Grafen von Nadasdy-Fogäras, Erbherrn auf Fogdras 
und Ober-Limbach, und der Maria Josefa Reichsgräfin v. Trauttmansdorff 
zu Weinsberg, Freiin auf Gleichenberg, Negau, Burgau und Totzenbach, 
geb. 14. September 1737, verm. 11. November 1756, f 19- Juni 1798, 
beigesetzt zu Moor, k. k. Hof- und Sternkieuzordensdame.*^*) 

7) Maria Anna Josefa Constanzia, Augustinerin bei St. Jakob zu Wien, 
geb. 8. Mai 1715, t 25. Februar 174L 

8) Johann Philipp Jakob Franz Xaver, Senior der Familie, infulierter Abt 
zu St. Michael de Rudina in üngfirn, Pfarrer zu Haslach und Traunstein, 
geb. 30. April 1719, f 1798. 

Franz Josef L Reichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein, 
Besitzer der Herrschaft Stockern, k. k. Kämmerer und niederösterreichischer Land- 
rechtsbeisitzer, geb. 28. Mai 1708, t 10. Januar 1768, beigesetzt zu Moor; Gem.: 



«') Schönfeld II. 80. 1 «*) Sohönfeld I, 96. Nagy Itäd VII, 

*") Wisgrill IV, 341. 16, und VIII, 20. 

*«») Slovnik nauön^ IX, 1317. 



— 232 - 

Maria Theresia. Tochter des Philipp Josef Innocenz Beiehsgrafen Hoyos v 
Guttenstein und Hohenberg. Freiherrn zu Stftehsenstein. Besitzers der Fideiconimiss- 
herrschaften Hörn. Bosenburg. Baan. Mold. Persenbeiig. Bohreek und Kreuzstetten. 
und der Maria Magdalena Gräfin t. Hohenfeld. geb. 6. Februar 1722, verni. (>. ^lai 
1745, t 24. Januar 1750. Stemkreuzordensdame.***) 
Kinder: 

1. Maria Magdalena Theresia, geb. 1747, k. k. Stiftsdarae im herzoglich 
Savoyschen Damenstifte zu Wien 1772. 

2. Philipp, welcher folgt. 

3. Franz Josef IL, geb. 12. Januar 1749. k. k. Kämmerer und Bittmeister 
(im Kurassier-Begimente Ei*zherzog Franz zu ^lailand) a. D., f i« Ungarn 1791. 



Philipp Josef Beichsgraf t. lAmberg, Freiherr auf Ortenegg und Ottenstein. 
Erbherr der Herrschaft Csokakö und des Gutes Moor. geb. 17. Januar 1748. k. k. 
Kämmerer und Gerichtstafelbeisitzer im Baaber, Stuhlweißenburger und Wieselburger 
Komitate. erhielt durch den 73. Gesetzartikel im Jahre 1791 das Indigenat in Ungarn, 
t zu Pressburg 27. Mai 1807; Gemahlin: Maria Barbara, Tochter des Georg 
Freiherrn Luzenszky v. Beglicze und der EUsabetha Gräfin Berenyi v. Karancs- 
Bereny, geb. 11. November 1771, verm. 17. Januar 1790. t 16- J"'» 18^3. Stern- 
kreuzordensdame.***) 

Kinder : 

1. Franz. welcher folgt. 

2. Maria Theresia, geb. 20. December 1791. f 21. September 18G2.-*"} 

3. Josef, geb. 15, Januar 1793. f 23. Februar 1793. 

4. (ieorg. geb. und | 29. December 1795. 

0. Maria Elisabetha, geb. 7. Juli 1799. starb jung. 

6. Budolf B^Mchsgraf v. I^ml)erg. Freiherr auf Orteiiegg und Ottenstein. ^lit- 
besitzer th-v Herrschaften Moi>r und <'sakl)ereny bt^i Csatviir und der Güter Csokako, 
Törös und Kisfalud bei Piikozd im Stuhlweißenburger und liesvur im Baaber Komitat. 
k. k. Kämmerer, Fingeladjutant des Feldmarschalls (irafen Badetzky und Oberst- 
lieutenant a. I)., Senior der Familie, geb. 11. Febr. 1802. f 7a\ Pressburg 5. April 1880: 
Gemahlin: Th^^resia, Tochter des Johann Ernst Beiehsgrafen Hoyos- Sprinzenstein 
Y. Gutenstein und Hohenberg. Freihemi zu Stüchsenstein. Besitzers der Fideicommiss- 
henschaften Drosendorf, Bothengrueb, Hörn. Bosenburg, Baan. Thurnhof, Vestenhof 
und Kreuz-stetten. und der Maria Theresia Gräfin v. Schlabrendorf, geb. zu Wien 
30. Januar 1813. verm. 1. October 1><31, t zu Wien 3. Februar 1875. Sternkreuz- 
ordensdame.*") 
Töchter: 

l)Anna Maria, k. u. k. Palast- und Sternkreuzordensdame, geb. 13. Febr. 
1837; Gemahl: Franz Emerieh Beichsgraf v. Lamberg, Freiherr auf 
Ortfnegg und Ottenstein, Herr zu Stockern und Amerang, Besitzer der 



*») Wisgrill IV, 452. Schönfeld I, 83. 
*'•} Genealog. Taschenbuch der grafl. Häoser 
1844, S. a33, u 1845, S, 703. Nagy Ivan 



**^) Goth genealog. Taschenbuch der gräfl. 
Häuser 1864, iS. 106. 

♦») Ibidem 1860, S. 303; 1858, S. 427 



VU, &ÖÖ. I 1876, S 1067; 1880, S. 496, u. 1881, S. 1092. 



r 



— 233 ^ 

Fideicommissgtiter Steyr, Götzendorf. Gilgenberg, Althartsberg, Schi- 
<*howitz, Rabi, Budetitz, i^ihobetz und Stradal, Mitbesitzer der Herr- 
schaft Csokakö und der Güter Ikr6ny und Borbala, verra. zu Wien 
29. Januar 1861. 
2) Juliana, geb. 10. November 1839, t 21. April 1841.*»») 



Franz Josef Philipp Anton Reiehsgraf v. I^araberg, Freiherr auf Ortenegg und 
Ottenstein, Herr zu Stockern und Amerang, Besitzer der Fideicomraissherrschaften 
Ottenstein und Gilgenberg in Niederösterreich, Mitbesitzer der Herrschaft Moor in 
Ungarn, Erblandstallmeister im Hei-zogthum Krain und in der windisehen Mark, Mit- 
glied der Magnatentafel des ungarischen Reichstages, geb. zu Moor 30. October 
1790, k. k. Kämmerer, Feldmarschall-Lieutenant und zweiter Inhaber des 4. Husaren- 
Regiments, wurde als Commissär, commandierender General und provisorischer 
Palatin von Ungarn auf der Budapester SchiflTbnkke am 28. September 1848 von den 
revolutionären Ungarn ermordet, beigesetzt in d*^r Servitenkirche ; Gemahlin: Carola 
Reichsgräfin Hoyos, Schwester seiner Schwägerin, geb. zu Wien 3. Mai 1811, 
verm. 19. April 1828, f zu Wien 19. April 1875, k. k. Palast- und Sternkreuz- 
ordensdame.**'®) 

Kinder : 

1. Ernestine, k. k. Palastdame, geb. 23. April 1829, f zu Wien 27. Januar 
1874; Gemahl: Anton Graf Sz6csen de Temerin, verm. zu Pressburg 8. Juni 1850.*'*) 

2. Carola, Mitbesitzerin der Herrschaft Moor, k. k. Palast- und Stemkreuz- 
ordensdame, geb. 17. December 1830, t zu Graz 29. Mai 1883; Gemahl: Franz 
Alf ons Maximilian Philipp Heeremann Reichsgraf v. Wimpffen, verm. zu Otten- 
stein 7. October 1860, t zu Nachod 22. Juli 1866.*'*») 

3. Franz Emerich Reichsgraf v. liamberg. Freiherr auf Ortenegg und Otten- 
stein, Herr zu Stockern und Amerang, Mitbesitzer der Herrschaft Csokakö und der 
Güter Borbala im Stuhlweißeuburger und Ikreny im Raaber Komitat, Besitzer der 
Fideicommissgtiter Ottenstein, Gilgenberg und Althartsberg in Niederösterreich, Steyr 
und Götzendorf in Oberösterreich und Schichowitz. Ral)i mit Budetitz und J^ihobetz 
mit Stradal in Böhmen, Erblandstallmeister im Herzogthum Kmin und in der win- 
dischen Mark, k. u. k. wirklicher geheimer Ratli und Kämmerer, Major (und Flttgel- 
adjutant bei Seiner k. u. k. Hoheit dem Erzherzog Albrecht) a. D., Mitglied des 
Herrenhauses des Reichsrathes und der Magnatentafel des ungarischen Reichstages, 
Senior der Familie, geb. 30. April 1832; Gemahlin: Anna Maria. Tochter des 
Rudolf Reichsgrafen v. Lamberg, Freiherrn auf Ortenegg und Ottenstein, Mit- 
besitzers der Herrschaften Moor und Csakbereny und der (ititer ( 'sokakö , Törös, 
Kisfalud und Lesvar, und der Theresia Reichsgrälin Hoyos, Freiin zu Stttchsenstein. 
geb. 13. Februar 1837, verm. zu Wien 29. Januar 1861.*««) 

4. Maria, k. k. Palast- und Sternkreuzordensdame . geb. 3. December 1833, 



*") Ibidem 1843, 8. 683. 

*») Österreichischer Soldatenfreund 1850, 
S. 185. Goth. genealog. Taschenbuch der grafl. 
Häuser 1849, S. 770; 1875, S. 468. und 1876, | *") Ibidem 1861, S. 461. 

S. 1067. 



*«) Ibidem 1874. S. 474, u 1875, S. 1045. 
*») Ibidem 1883, S. 505; 1884, S. 1123, 
und 1895, 8. 1236. 



- 234 



t tn Skalitz in Mähren 1. Februar 1876, zweite Gemahlin des Alphons Friedrieh 
Grafen v. Mensdorff-Poiiilly, Besitzers der Fideicominissherrschaft Preitenstein 
mit den GtUerii Wilkisehau und Zahradka in Böhmen und der Herrschaft Boskowitz 
mit Klein-Hradisko in Mähren, verm. 31. Mai 1862.'»»*) 

5. Theresia, k. n. k. Palastdame, geb. 16. August 1836; Gemahl: Franz 
Ludwig Johann Bapsist Graf v. Meran, FreiheiT v. Brandhofen. Besitzer des Fidei- 
eommisses Schönna mit Ober- und Unter-Thürn, sowie des Lehensgutes St. Valentin 
in Tirol und der Allodialgfiter Stainz und Brandhofen in Steiermark, verm. zu Otten- 
stein 8. Juli 1862, f zu Abbazia 27. Mära 1891.^") 

6. Philipp Karl Reiehsgraf v. Lamberg, Freiherr auf ürtenegg und üttenstein, 
k. k. Kämmerer und Major im 9. Husaren- Regimente a. ü. . geb. 13. April 1838. 
t zu Reichenau 18. August 1874; Gemahlin: Maria, Tochter des Ladislaus Freiherrn 
V. Wenckheim und der Francisea Gräfin Szapiiry v. Szapar, Mura-Szombath. SztVsi- 
Szigeth, Letenye und Ercse. geb. 3. Juli 1848. verm. zu Pressburg 19. August 1869, 
Sternkreuzordensdame.***) 

Kinder: 
l)Ladislaja, geb. 19. Mai 1870; Gemahl: Johann Stephan Josef Fi-anz 
Graf V. Meran. Freih. v. Brandhofen. Besitzer des Fideicommisses Schönna 
mit Ober- und Ünter-Thöm und der Güter St. Valentin . Stainz und Brand- 
hofen, venu, zu Graz 4. Februar 1891. 

2) Philipp Franz, geb. 26. Mai 1871, f 21- Juü 1879.^*7) 

3) Angelica, geb. 14. September 1873, t zu Pressburg 17. Juli 1879. 

7. Heinrich Reichsgraf v. I^mberg. Freih. auf Ortenegg und Ottenstein. Herr 
zu Stockern und Amei-ang, k. u. k. Kämmerer, (leneralmajor und Commandant der 
14. Cavallerie-Brigade in Rzeszow. geh. 16. Juli 1841; (lemahlin: Eleonora Johanna 
Maria. Tochter des Adolf Josef Johann Eduard Reichstllrsten und Herrn zu 
Schwarzen berg, geftirstetcn I^ndgrafen im Klf^ggau. Grafen zu Sulz. Herzogs zu 
Krumau, und der Ida Huberta Maria Prinzessin v. Liechtenstein, geb. zu Seebenstein 
24. Juni 1858, venu, zu Wien 22. Mai 1883. Sternkreuzordensdame.*'®) 

Leo V. LOweubei*^, Freiherren. 

Aus einer der angesehensten, ursprflnglich friaulischen Familien Triests ent- 
sprossen,^*^) vermählte sich Bartholomäus de Leo am 21. April 1583 mit Alena. einer 
Tochter des Valentin Ziegler.***) 

Jeromian de T^o, 1584.**M wurde tiiit 3. Mai l(Hir> lAudnmnn in Krain.*") und 
iTiari'.'ir i\U kaiscilirher Hofkelh'iselirrjbt'r ItiliO <l+*u l^"irUsad^-L**^ i Sfjiir Ui^iitalilin 
war Hu-saüiJü, T*M-hter den SigiüriiurHi Freilierrn Bar 1k* v Wiirliseiisteiu und der 
ÜleliÄ w WavJeii.**V) 

Jöiiaiin Jukub de Loo war iti!} Atenmntm, T<>ehler ties Alftniis rrvradiizi verni. 



•*•) Ibt*]. '^ S 4^1, u. 1S17, 8. JU78. 
*■*) MmU ■■■, S. 691, 

und dH fixihvnl Hius^r l$^t S Uo?. 

^^) Utilb. g£tii»alo|f. Taitej|i*tt blich dt'r gthü. 



**•) CojnjliiJioHsbiich. 

**M Ms. J*Ui?jintsehiiHcb. 
***] Siuuiubuch dan ÄdeU in D«u(JchJftild, 
IE, 344. 

^**l Jihrbuch *lw pAdlitr" IBHj, S, äÄ,Tf. t 



- 2S6 - 

Anton de Leo lebte 1609. vermählt mit Magdalena, Tochter des Balthasar 
V. Oberbnrg, vorher vermählt gewesen seit 8. Februar 1581 mit Mathäus Pitsch, 
welche ihm zwei Töchter, Anna und Magdalena, gebar. 

Peter Reichard de lieo, steiermärkiseher Begimentsrath, Hof- und Pfalzgraf, 
erhielt ttir sich und seine Vettern, intimiert Graz, 24. October 1640, das Prädicat : 
von und zu I^wenberg, Neudorf und Raunach ^**) und am 13. Juli 1641 
(intimiert Graz, 2. Mai 1647) den Freiherrenstand ;^^«) er lebte noch 1653, verra. 
mit . . . . Mor ellin. Seine Tochter Anna Maria war die Gemahlin des am 8. Mai 
1677 verstorbenen Wolfgang Vincenz Reichsgrafen v. Watzenberg und sein 
Sohn Johann Anton de Leo Freiherr v. Löwenberg, Herr zu Neudorf und Raunach, 
kaiserl. Rath und lindes -Verordneter in Krain 1682 bis 1685 und Amtspräsident 
1686, "0 t 21. Februar 1696. Aus seiner Ehe mit Elisabetha, einer Tochter des 
Michael Freiherm Watz v. Watzenberg zu Neudeck und der Maria Katharina 
Paradeiser von und zu Neuhaus, stammten ein Sohn Johann Joseph Friedrich, und 
eine Tochter Anna Rosina, vermählte Reichsgräfin von Lamberg. f ^" Karlstadt, 
20. Mära 1701. 

Karl de Leo von Löwenberg, f 15. Juni 1656;"®) seine erste Gemahlin Anna 
war schon 1617 gestorben, die zweite, Margaretha, Tochter des Ernst v. Schern- 
burg und der Judith Epich, war wiedervermählt in zweiter Ehe mit Johann Daniel 
Freiherrn v. Kay sei zu Grailach und Schwarzenbach, Herrn auf Arch. 

Die vier Brüder Sigismund Georg. Johann Baptist, Julius Aegyd und 
Johann Jeremias de Leo v. I^öwenberg wurden (intimiert Graz, 13. März 1666) in 
den Freiherrnstand erhoben. Von ihnen war der jüngste Johann Jeremias mit 
Anna Margaretha, einer Tochter des Hans Friedrich v. Gabelkoven und der Sibylla v. 
Raumschössel, vermählt. ^<*) Johann Baptist blieb unvermählt, Julius Aegyd erzeugte 
mit seiner Gemahlin Maria v. Garzaroli, deren Mutter eine v. Rosetti war, den 
Sohn Julius Jeremias Freiherrn de Leo v. Löwenberg, vermählt mit einer Tochter des 
Ferdinand Ernst Freiherrn v. Apfaltrern und der Regina Dorothea Freiin von 
(lall zu Rudolfseck, und der älteste Bruder Sigisumnd Georg hatte aus seiner Ehe 
mit Maria Katharina, einer Tochter des Johann Georg Kaysei v. Grailach zu 
Schwaraenbach und der Regina Elisabetha Schwab v. Lichtenberg**'*), folgende 
fnnf Kinder: 

1. Susanna Katharina, Gemahlin des Franz Christoph Freiherm v. Strobelhof. 

2. Sophia Olympia, unvermählt gestorben. 

3. Franz Sigismund Freiherr de Leo von und zu Löwenberg, verm. mit 
Ignazia Cordula, einer Tochter des Leonhard v. Merheritsch, genannt Fabian 
nitsch**') und der Susanna Margaretha Freiin Paradeiser von und zu Neuhaus und 
Gradisch. Dessen Tochter Maria Anna Charlotte, geb. 16. August 1696, f &• ^^^ 
1781, verm. 1719 mit Franz Karl Grafen v. Hohen wart zu Gerlachstein, Rabens- 
berg und Raunach, f 22. November 1772.*") 

**») Kegistraturs-Inventar des Landes- Vice- ! **») Wisgrill III, 195. 

dominats. «•) Schönfeld I, 206. 

**•) Schmutz II, 403. «•') Wilsgrill IV, 428. 

**') Valvasor III, 90, ^^) Varrentrapp, Oeneal. Kalender 1802. 

**•) Calendarium des G. Lucantschitsch. , I, 601. 



— 236 — 

4. Talerins. verm. mit Anna Marsilia. Tochter des Vincenz von Lazarini, 
Witwe des Johann Peter Marastoui v. Marastein und Willeneg und des Wolf- 
gang Andreas Fi-eiherrn v. Oberburg. ***) 

n. Ferdinand , verm. mit Beatrix v. Argento, Witwe des Vincrenz v, Lazarin i.^^*) 
Ein Freiherr de I^eo war der zweite Gemahl der Johanna Christina, Toi»hter 
des Wolfgang Friedrieh Freiherrn v. Juritsch zum Strugg und Alt-Guttenberg 
und der Judith Theresia Gräfin Barbo v. Waxenstain. t zu Asch 1755, Witwe des 
Julius Ignaz Grafen v. Edling, wiedervermählt in dritter Ehe mit Ferdinand Mor- 
dant Freiherrn v. Portendorf und in vierter Ehe mit Franz Adam Freih. Hall er 
V. Hallerstein. 

Oberburg, Freiherren. 

Volkher v. Oberburg erscheint urkundlich 1257 mft seinem Bruder Her- 
mann I. V. Oberburg. Letzterer starb 1258 und hinterließ von seiner Gemahlin 
Jeutha eine Tochter iMargaretha, vermählte Pütt erer, 1300, und einen Sohn Her- 
mann n. V. Oberburg, welcher 1268 bis 1282 urkundlich auftritt. Ihm folgten 
Nicolaus V. Oberburg, 1316 bis 1349, verm. mit Sophia v. Lengheim. Paul und 
Heinrich v. Oberburg, 1388, Johann v. Oberburg, 1423.*»*) 

Des letzteren Sohn, Haidenreichv. Oberburg, vermählte sich 1443 mit Barbara, 
einer Tochter des Bernhard Jörg er v. St. Jörgen zu Sehwabegg in Wolfsegg und 
der Dorothea v. Pnrchiug***), und war 1464 Castellan zu Guteneck. Seine Tochter 
Barbara war imi 1496 die Gemahlin des Nikolaus v. der Dörr: auch Balthasar 
V. der Dörr**^) war um 1500 mit einer v. Oberburg vermählt. 

Wolfgang V. Oberburg lebte 1450 und war 1461 schon todt, in welchem 
Jahre seine Witwe Dorothea vorkömmt; ein anderer Wolfgang v, Oberburg, 1499 
bis 1524, hatte aus der Ehe mit Agnes v. Lueg und Luenz,'"**) zwei Töchter: 
Scholastica, erste Gemahlin Christophs 1. des Älteren v. Purgstall, und Ursula. 
Gemahlin des Nikolaus v. W ilden stein. ^**) 

Potentiana v. Oberburg war die erste Gemahlin des zu Wien am 18. Juli 
1564 verstorbenen Johann Hof mann Freiherrn zu Grünbflhel und Strechau. ^•') 

Christoph v. Oberburg lebte um 1500, seine Gemahlin Margaretha von 
Scheyr noch 1543, sein Sohn Heinrich v. Oberburg war circa 1520 mit Anna 
V. Eitschan vermählt, welche ihm folgende a(^*ht Kinder gebar: 

1. Kaspar, unvermählt gestorben. 

2. Katharina, verm. L mit Johann Krottendorfer, II. mit Martin Puch- 
mayeritsch, IIL mit Adam Tiliz, IV. mit Wolfgang Hueber. 

3. Susanna, Äbtissin zu Münkendorf, 1556 bis 1586. 

4. Clara, Gemahlin des Ambrosius Eaab. 

5. Melchior, welcher den Stamm fortpflanzte. 

6. Elisabetha, verm. L mit Kaspar Presinger, H. mit Blasius Kleinberger. 

7. Christoph, Hauptmann zu Juvanitsch, kinderlos. 



*) Nedopil 3535. 
*) SebSnleben. Ms. 
*) lloheneck I, 461. 



*»^) Bucelini III b, 26. 

*") Bucelini III b, 128. 

«•) Bucelini lU b. 264. Nedopil 7673. 

*••) Wisgrill IV, 366. 



— 237 — 

8. Balthasar, 1572, verm. I. mit Sauer, IL mit Philippe v. Neuhaus, 

war gleichfalls Hauptmann zu Juvanitsch und hatte drei Kinder: Balthasar, welcher 
im Ttirkenkriege bei Petrinia fiel, Margaretha, welche unvermählt blieb, und Mag- 
dalena, vermählt in erster Ehe 8. Februar 1581 mit Matthäus Pitsch*«*) und in 
zweiter Ehe mit Anton de Leo. 

Melchior v. Oberburg war dreünal vermählt; zuerst mit Genovefa, Tochter 
des Jakob v. Baunach und der Anna v. Lamberg, dann mit Dorothea Spieß 
und zuletzt mit Elisabetha v. Herten fei s. Von seinen beiden Söhnen aus erster 
Ehe pflanzte der ältere, Andreas Bernhard, das Geschlecht fort, der jüngere, 
Franz Georg v. Oberburg, geb. 1562, lebte noch 1607 und erzeugte mit seiner 
Gemahlin Amaleidis, einer Tochter des Georg v. Rain und der Margaretha Para- 
deiser, folgende sechs Kinder: 

1. Georg Andreas, unvermählt. 

2. Johann, gleichfalls unvermählt. 

3. Susanna, unvermählt. 

4. Magdalena, Gemahlin des Daniel v. Aichelburg. 

5. Maria Elisabetha, verm. mit dem Bitter Georg Balthasar v. Baunach.^") 

6. Margaretha. 

Andreas Bernhard v. Oberburg, geb. 1555, hatte wie sein Vater drei Ge- 
mahlinnen: l. Lazara Wertazin, 2. Eva, Tochter des Jakob H. Preiherm v. 
Lamberg auf Stein und Guttenberg, Bitters, und der Margaretha v. Purgstall 
(vorher in erster Ehe vermählt 7. August 1570 mit Castellanus Barbo v. Waxen- 
stain, Herrn zu Gutteneck, ermordet zu Ober-Laibach 17. Mai 1573, und in zweiter 
Ehe mit Johann Jakob Georg v. Nikolitsch), 3. Eosina v. Edling. Von seinen 
drei Kindern starb der ältere Sohn, Friedrich, ohne Nachkommenschaft, die Tochter 
Genovefa wurde Klosterfrau zu Mönkendorf und der jüngere Sohn Laurenz v. Ober- 
burg, 1621, war verm. mit Anna Maria, einer Tochter des Franz Georg v. Eain 
und einer v. Baunach, welche ihm folgende fflnf Kinder gebar: 

1. Magdalena. 

2. Franz Georg. 

3. Andreas Bernhard. 

4. Johann Jakob Freiherr v. Oberburg, Proviant-Amtsverwalter und Neuverlag- 
einnehmer der Landschaft in Krain. t zu St. Veit am Pflaum 18. August 1683.^") 

5. Melchior, unvermählt. 

AndreasBernhardFreiherrv. Oberburg war mit Katharina Sidonia, einer 
Tochter des Acbaz v. Isenhausen und der Anna Maria v. Werneck, sein Sohn 
Wolf gang Andreas Freiherr v. Oberburg mit Anna Marsilia, einer Tochter des 
Vincenz v. Lazarini,^**) Witwe des Johann Peter Marastoni v. Marastein und 
Willeneg und nachher in dritter Ehe Gemahlin des Valerius Freiherrn de Leo von und 
zu Löwenberg, vermählt. Von den Söhnen des letzteren hatte Anton Freiherr v. 
Oberburg aus der Ehe mit Josefa v. Lazarini zu Jablanitz einen Sohn, Franz Frei- 



*•') Copulationsbuch. 
•") Nedopil 2200. 



««') Luoantschitsoh, Ms. 
<•*) Raigersfeld, Ms. 



— 288 — 

herrn v. Oberburg zu Seeraannhof, vermählt mit Maria Francisca, einer Tochter 
des Mar<^u8 Anton Freiherrn v. Bitliehgratz zu Baunikirehenthurm und Hilzen- 
eok und der Maria ßosalia Quallizza von Quellenburg, und Wolfgang Andreas 
Freiherr v. Oberburg aus der Ehe mit Barbara Marastoni den Sohn Josef Frei- 

heiTn V. Oberburg, welcher sich mit Brenner aus Wien vermählte. Des 

letzteren Sohn, Nikolaus Freihen* v. Oberburg, k. k. Hauptmann im Inf -Reg. Thurn, 
vermählte sich am 8. Mai 1793 mit Cäcilia, einer Tochter des Seyfried Beichsgrafen 
von Lichtenberg und der Elisabetha Freiin Schweiger v. l^erchenfeld, geb. 1770. 
t 24. September 1831,^®*) aus welcher Ehe drei Kinder, Friedrich, Louise und 
Henriette, entsprossen sind. 

Posarelli Freiherren. 

Wappen: geviert: 1 in Roth ein silberner Balken. 2 goldblau getheilt mit drei ge- 
wechselten Sternen. 3 in Silber auf grünem Boden eine natürliche gold- 
gekrönte Eule, begleitet von zwei blauen Sternen. 4 in Roth ein silberner 
Hase. Zwei gekrönte Helme. Der rechte mit rothsilbemen Decken trägt 
die Eule zwischen zwei BüflFelhömem , das rechte silberroth , das linke 
goldblau getheilt, und der linke mit blau goldenen Decken den Hasen 
wachsend.^**) 

Prosper v. Posarelli war 1628 — 1629 Procurator des Franciscanerordens zu 
Görz.^") 

Franz v. Posarelli, Priester der Gesellschaft Jesu, starb am 20. August 1645.^^®) 

Die beiden Brüder Sigismund und Johann Peter v. Posarelli wurden 1634 
Tjandleute in Krain und später in den Freiherrnstand erhoben (Intimationen 
dd. Graz, 1. Juli 1647 und 25. Juni 1652.^««) 

Livius V. Posarelli wurde 1665 Landmann in Krain. 

Anton V. Posarelli lebte 1617 und hatte zwei Söhne Josef und Mathias. 
Josef V. Posarelli machte 1593 den Türkenkrieg mit,*'") wurde 1601 als bischöf- 
licher Burggraf zu Laibach in die Krainer Landstandschaft aufgenommen,*'*) war 
kaiserlicher I^andrath in Krain und lebte noch 1630. Aus seiner Ehe mit Anna 
Katharina Hasyberin stammten ein Sohn Jakob, 1632, und drei Töchter: Maria, 
geboren 8. September 1594,*'*) vermählt in erster Ehe mit Johann Thal 1er v. 
Neuthall und in zweiter Ehe 1637 mit Burchard v. Hitzing zu Hitzenegk^ Susanna, 
1631, unvermählt, und Elisabetha, geboren 28. October 1597, Gemahlin des Karl 
Freiherrn v. Witzenstain. 

Mathias v. PosarelU, kaiserlicher Landrath und Obei-aufschlagseinnehmer in 
Krain, wurde 1619 landständisch und starb am 2. November 1627. Er war dreimal 
vermählt, und zwar in erster Ehe seit 24. September 1606 mit Katharina Crisanin,*") 

*^) Schönleben, Ms. 



*•») Hopf, Genealog. Atlas H, 26. 

*••) Neuer Siebmacher, Kleiner Adel, 
S. 16. Tf. 16 und Göner Adel, S. 30, Tf. 27. 

^"^ Luoantschitsch, Ms. 

<*) Notiz des Gabriel Lucantschitsch. j ***) Taufbuch. 

»••) Registraturs-Inventar des Landes-Vice- | 4u^ Copulationsbuch 

dominats. | 



*^^) Stammbuch des Adels in Deutschland 

m. 178. 



- 239 — 

in zweiter Ehe mit Lucretia Valvasor und in dritter Ehe mit Anna Katharina 
Maria, einer Tochter des Wolfgang Paradeiser v. u. zu Neuhaus und der Maria 
Magdalena v. Hallenberg, f ^ I^ibach 24. August 1682, wiedervermählt in 
zweiter Ehe mit Eberhard Leopold Grafen Urs in i v. Blagay, f 30. März 1680. 
Seine beiden Söhne Johann Georg aus erster Ehe und Wolfgang Theo- 
dorieh aus zweiter Ehe theilten den Stamm in eine ältere und eine jüngere Linie. 

A. Die iltere Linie. 

Johann Georg v. Posarelli zu Wolfsbtichel und Ebensfeld , war 1633 Ober- 
mitldingsaufschlager in Krain, und 1652 — 1653 Jjandesverordneter in Krain*'*) und 
f 5. Februar 1654, vermählt mit Maria Elisabetha. Tochter des Georg Adam Prei- 
herrn v. Frank und der Kirchfelda v. Scheyer. wiedervermählt in zweiter Ehe 
mit Johann Josef Thal 1er zu Neuthall. Sein Sohn Johann Herward v. Posarelli 
zu Ebensfeld und Wolfsbflchel erzeugte mit seiner Gemahlin Anna Elisabetha, 
Tochter des Johann Baptist Freih. v. Valvasor zu Galleneck und der Sidonia 
Regina Freiin Barbo v. Waxenstain, zwei Söhne: Valerius und Anton, welche am 
31. Mai 1680 in den Freiherrenstand erhoben wurden.*^*) 

Bemardin V alerius. Freiherr von Posarelli zu Wolfsbtiehel und Ebensfeld, 
war liandschaftsbeisitzer in Krain und kaiserlicher Hauptmann; sein Bruder Johann 
Josef Anton Freiherr von Posarelli zu Wolfsbtichel und Ebensfeld vermählte sich 
1701 mit einer Tochter des Franz Erasmus Freiherrn v. Moscon auf Habbach 
und der Maria Theresia Peer v. Pernburg, und dessen Sohn Bernhard Valerius 
Freiherr v. Posarelli zu Wolfsbtichel und Ebensfeld mit Francisca, einer Tochter 
des Marcus Anton Freiherrn v. Billichgratz zu Baumkirchenthurm und Hilzeneck 
und der Francisca Eleonora Gräfin Ursini v. Blagay, welche ihm einen Sohn 
Johann Nepomuk und eine Tochter Maria, Gemahlin des Johann Chrysostom 
Freiherm v. PoUini, gebar.*'*) 

B. Die Jüngere Linie. 

Wolfgang Theodorich v. Posarelli, Landrechtsbeisitzer in Krain, f 4. Sept. 
1662, verm. 27. November 1657 mit Maria Elisabetha, verwitweten Petschacher, 
einer Tochter des Johann Adam Crobath v. Beiffenberg zu Dupplach und der 
Bartholomäa Irenäa v. Barderini, welche ihm drei Kinder gebar: Franz Josef. 
Anna Maria und (ieorg Ferdinand, welcher 1673 Obereinnehmer zu Triest ge- 
wesen ist. 

Franz Josef v. Posarelli zu Dupplach, f 16. März 1702, verm. 27. October 
1692 mit Maria, einer Tochter des Johann Adam Freiherrn v. Moscon und der 
.... Cuttenari. Sein Sohn Karl Anton Franz Josef v. Posarelli zu Dupplach 
erzeugte mit seiner Gemahlin Maria Josefa. einer Tochter des Ferdinand Weichard 
(irafen Barbo v. Waxenstein und der Anna Maria Charlotte Benata Gräfin v. 
Welz,*") t 1743, folgende Kinder: 

1. W>ichard Josef Karl, seit 1781 Freiherr^") v. Posarelli zu Ebensfeld, 

«*) Valvasor III, 89. ' *'") Wisgrill I, 298. 

<7*) Schmutz III, 197. I *^*) Megerle v. Mflhlfeld, Ergansungs- 

«^«) Baigersfeld, Ms. j band S. 88. 



— 240 — 

k. k. Generalfeldwachtmeister^'®) zu Karlstadt in Kroatien, verm. mit einer v. Pozzi, 
verwitweten v. Bonnazza. 

2. Antonia. 

3. Josefa. 

4. Anna. 

5. Amalia, vermählte Freifrau v. Eaab zu Ravenheim. 

Purgstall, Grafen.«^) 

Wappen: Geviert mit blauem Mittelsehilde, worin der kahle Kopf eines weiß- 
bärtigen alten Mannes. 1 und 4 in Silber ein aus grünem Dreihügel 
emporragender einwärts gewendeter rother Ochs mit schwarzen Hörnern 
und goldenem Nasenring. 2 und 3 goldsehwarz getheilt, mit einer aus 
grünem Dreihügel emporstehenden bis an die Theilungslinie reichenden, 
oben mit einem Busch von schwarzen Hahnenfedern besteckten doppelten 
Pleischerhacke an rothem Stiele. Zwei gekrönte Helme. Der rechte mit 
seh warzgoldener Decke trägt den Dreihügel mit der Pleischerhacke und 
der linke mit rothsilbener Decke den Dreihtigel mit dem Ochsen. 
Der Ortsname Purgstall (Bm-gstall), welcher den Platz, wo eine Burg stand, oder 
eine Schlossruine, bedeutet, kommt mehrfach in Krain, Steiermark, Niederösterreich, 
Tirol und Oberbaiern vor.**') 

Heinrich v. Purgstall. aus dem gleichnamigen, drei Meilen von liaibach entfernt 
gelegenen Stammhause,**^) erscheint zugleich mit seinem Bruder Hartwig um das 
Jahr 1120 bei der Stiftung der Benedietiner-Abtei Gleink unter den „liberis" und 
1130 in der Urkunde, wodurch Markgraf Leopold von Österreich das Domstitl 
Salzburg mit Steuemachlaß beschenkt, als Zeuge.*®*) 
Meginhardus de Purchstall, 1133.*") 

Sigeboto de PurchstÄll findet sich als Zeuge in einem Briefe des Klosters 
Herrenchiemsee.***) 

Albert v. Purgstall und dessen Tochter Kunigunda kommen um 1220 vor. 
Heinrieh I. v. Purgstall kämpfte unter Herzog Friedrich bei Mühldorf am 
28. December 1322 und befand sieh unter den Gefangenen. 

Volkmar v. Purgstall zu Ptiaum, liandeshauptmann an der Etsch und Burggraf 
von Tirol, fllhrte an der Stelle seines eigentlichen Geschlechtswappens in den näm- 
lichen Farben einen auffliegenden zum Kampfe aufgerichteten Drachen und starb 
1342. Sein Sohn Jesechus oder Jeski v. Purgstall, mit welchem die tirolische Linie 
1369 erlosch, vermählte sich 1347 mit Dorothea oder Morina, einer Tochter des 
Ritters Friedrich v. Coredo, welche noch 1374 lebte.*®*) 
Philipp V. Purgstall lebte in Österreich um 1354.**^) 

«'») Gemmell-Plischbach, Album des <«») etiles Annales Austr. I, 460. Kurz, 

Theresianums, S. 22. Beitrage UI, 298, 304, 308. 

**•) Taschenbuch für vaterländische Ge- j ***) Gewoldus in additionibus ad Hundium 

schichte. Herausgegeben von Hormajr und III, 494. 

Mednydnszky, I, 141. Blätter aus Krain, J, ; *^) Monunienta Boica II, 305. 

Nr. 1 und 2. | *^) Leupold 204. Majerhofen, Ms. 

*•*) Stammbuch des Adels in Deutschland 1 *•») Wurmbrand, Collect, geneal. Austr. 

I, 206. I S. 121. 

^*) Knesohke, Adelslezikon VII, 280. i 



— 241 — 

Peter v. Purgstall wurde 1384 zum neunzehnten Abt des Cistereienserstiftes 
Rain erw&hlt, welche Würde er bis 1399 bekleidete. 

Gallus V. Purgstall kämpfte 1440 an der Spitze des kminischen Aufgebotes 
gegen die Ungarn und Polen und lebte noch 1446.^®*) 

Georg V. Purgstall lebte in Österreich 1460. 

Konrad v. Purgstall war vermählt mit Wandula Göltingerin.^®^). 

Wolfgang Purgstaller war mit Margaretha Schnei dp öck^^*^j und sein Sohn 
Leopold Purgstaller zu Zaissing^**) mit Magdalena, Tochter des Kaspar Sultzpöck 
und der Siguna Kolbin, vermählt. Drei Töchter des letzteren waren: 

1. Hedwig, deren Gemahl Georg v. Hohenfeld, Ritter, Herr zu Aistershaim, 
am Tage St. Pauli Bekehrung 1501 starb, und zu Aistershaim beerdigt wurde.^^*) 

2. Petronilla, Gemahlin des 15. Juli 1535 verstorbenen Leonhard v. Hohen- 
feld, Herrn zu St. Peter in der Au, an dessen Seite sie im Kreuzgange der Kloster- 
kirche zu Enns beigesetzt wurde.^**) 

3. Siguna, verm. vor 1506 mit Bernhard Kirch berger v. Kirchberg zu 
Seissenburg, Viehhöfen, Spitz und Schwalmbach, Ritter, welcher am Sonntag vor 
Martini 1531 im Schlosse Viehhöfen starb und in der Stiftskirche zu St Polten 
begraben liegt.***) 

Joachim Purgstaller, 1517, war mit Sabina v. Dietrichstein vermählt.**') 
Ulrich V. Purgstall, 1533, war mit Maria Salome v. Peuckheim vermählt.***) 
Matthäus Burgstaller, erhielt 1560 den Reichsadel. **^) 

Hans Purgstaller zu Zaissing, war mit Helena, einer Tochter des Christoph 
Allinger zu Erlach und der Apollonia Kolbin v. Wieselburg vermählt.***) 



Siegwald v. Purgstall. war verm. mit ütha von der Dörr.****) 

Ihm folgten in der weiteren Stammreihe: 

Bernhard v. Purgstall, 1315, verm. mit Anna von der Leiter. *®®j 

Otto V. Purgstall, 1345, verm. mit Martha v. Fladnitz.**^*) 

Helfried v. Purgstall, verm. mit Brigitta v. Ratmanstorf. 

Heinrich II. v. Purgstall, verm. mit Anna v. Reichen bürg.*®*) 

Adam I. v. Purgstall, Ritter, kaiserl. Feldoberst, verm. mit Maria v. Stein. 

Letzterer hatte folgende zwei Söhne: 

L Joachim, welcher folgt, und 

2. Christoph I. der Ältere v. Purgstall, verm. in erster Ehe mit ScholasticÄ, 



«••) Cat. nob. Cam. 

«••) Seifert, Ahnentofehi I, 22. 

«••) Hohen eck I, 401 und Suppl. 38. 

^»») Bucelini 1 d, 169. WisgrilllV, 406 
u. 407. 

«••) Bucelini IIb, L 2. Hoheneck I, 
309. 

«•') Bucelini Üb, L 2. Hoheneck I, 
400. 

*^) Bucelini IIT b, 09. Wisgrill V, 151. 



«»») Lucantschitsch, Ms. 

*••) Bucelini ülb, 166. 

*^) Stammbuch des Adels in Deutschland 
I, 208. 

<«) Wisgrill I. 67. 

<••) Annal. Styr. dipl. p. I d. E et annott. 
dipl. 844. Bucelini III b, 180. 

■<>*) Baigersfeld, Ms. 

^^) Sohönleben, Ms. 

••») Seifert, Ahnentafeln I, 19. 

16 



- 242 - 

einer Tochter des Wolfgang v. Oberburg und der Agnes v. Lueg und Luenz,***) 
und in zweiter Ehe mit Regina, einer Tochter des Georg IL v. Apfaltrern und der 
Agnes V. Rain.*®*) 

Seine sechs Kinder waren: 

1. Anna (aus erster Ehe), Gemahlin des Georg Paradeiser von und zu 
Neuhaus, 1554. 

2. Barbara, Gemahlin des Georg v. Mindorf. 

3. Sophia. 

4. Karl v. PurgstalU Verordneter in Krain 1549—1551*^), verra. mit Maria 
Freiin v. Dietrichstein. Schwester des Moriz v. Dietrichstein, wiedervermählt in 
zweiter Ehe mit Achaz Paradeiser. 

5. Adam v. Purgstall, unvermählt gestorben. 

6. Agnes (aus zweiter Ehe), erste Gemahlin des 1582 verstorbenen Oosmus 
Raub er Freiherrn v. Plankenstein und Carlstetten zu AVeineek und Kreudtberg. 

Johann Joachim v. Purgstall, Ritter, unter Kaiser Friedrich IV., von welchem 
er viele Lehen in Krain und der windischen Mark empfieng, unter anderem auch 
9V8 Hüben zu Selzach in Oberkrain, Feldhauptmann gegen die Rebellen und den 
kühnen Wittowitz , sowie gegen die Türken. Aus seiner ersten Ehe mit Katharina 
Ungnad v. Weissenwolffzu Sonneck zeugte er folgende vier Söhne; die zweita 
Gemahlin Benigna v. Lengheim gebar ihm bloß die Tochter Margaretha, welche 
die erste Gemahlin des 1569 verstorbenen und in der Kathedralkirche zu Laibaeh 
beigesetzten Jakob IL. Freiherrn v. Lamberg auf Stein und Guttenberg Ritters, ge- 
wesen ist. Die Söhne waren: 

1. Moriz, der weitere Stammhalter, welcher folgt. 

2. Erasmus I. v. Purgstall, Landesverweser in Krain. verm. mit Beatrix v. 
Herbersdorff. Dessen Sohn hatte aus der Ehe mit einer v. Lindau, deren Mutter 
eine v. Herberstein war, bloß eine Tochter Anna. Gemahlin des Johann L eis s er.*®*) 

3. Johann Georg v. Purgstall, zeichnete sich als innerösterreichiseher Feld- 
hauptmann 1529 beim Entsätze von AVien aus; seine Ehe mit Sybilla Freiin v. 
Lind egg blieb kinderlos. 

4. Karl I. v. Purgstall zu Görtschach, sechster Gemahl der Susanna Pelicitas, 
Tochter des AVolfgang v. Dietriehstein und der Katharina v. Reischko, vorher 
verm. gewesen in erster Ehe mit Adam Freiherm v. Egkh und Hungersbaeh. in 
zweiter Ehe mit Wilhelm v. Schnitzenbaum, in dritter Ehe mit einem v. Sie- 
gersdorf, in vierter Ehe mit Paul Rasp und in der fünften Ehe mit Hans 
Schwab V. Lichtenberg und nachmals zum siebentenmale verm. mit Finanz v. 
Scheyr auf Ainöd.*®^ 

Moriz V. Purgstall, kaiserl. geh. Rath, betheiligt an der Eröffnung der diplo- 
matischen Beziehungen zwischen Osterreich und Russland, an dem von Kaiser Maxi- 

•*») Seifert, Ahnentafeln I, 41, 42. | »••) Nedopil 2888. 

*•*) Wisgrill I, 141. Nedopil 5532. j ^) Wiagrill II, 215. 

•«») Valvasor IH, 85. 



— 243 — 

milian I. eingesehtageuen politischen System gegen den Norden und an den Ein- 
leitungen dazu in der mit den Königen von Polen und Ungarn im Juli 1515 ver- 
anstalteten Zusammenkunft , erhielt von Kaiser Karl Y. die Pflege Reifnitz in Krain, 
erheirathete mit Margaretha, Erbtochter des Andreas I. v. Hohen wart zu Ger- 
lachstein und der Katharina Ungnad v. Weissenwolf*^*) die Herrschaft Krupp in 
Krain und das Gerlachstein'sche Wappen, nämlich drei schwarze Straußenfedern und 
die sogenannte tatarische oder ausonische Doppelhacke (Czakan) mit goldenem Stiele, 
und lebte noch 1531 als Pfleger zu Liechtenwaldt. 
Seine sieben Kinder waren: 

1. Katharina, verm. in erster Ehe mit Leonhard v. Mallentheim und in 
zweiter Ehe mit Sigismund v. Weideck. 

2. Barbara, erste Gem. des Kaspar II. v. Lamberg, Herrn zu Poppendorf, 1550. 

3. Anna, Gemahlin des Franz Leisser. 

4. Elisabetha, Gemahlin des Sigismund Leisser. 

5. Martha, Gemahlin des Sigismund v. Semenitsch zum Schiemitseh. 

6. Erasmus IL v. Purgstall, Herr auf Neudegg an der Kulpa, kaiserhcher 
Peldhauptmann und Commandant in Ungvar, commandierender General einer Armee 
von 20.000 Mann zu Ross und zu Fuß gegen den Fürsten Johann von Siebenbürgen 
(1565), dem er bei tlngvdr ein siegreiches Treffen lieferte, in welchem die Kaiser- 
lichen 4000 Feinde niedermachten. Seine Leibesgröße und Körperkraft wird beson- 
ders hervorgehoben ; er soll der größte Mann bei der Armee gewesen sein. Das alte 
Purgstall'sche Wappen, einen Thumi und im schwarzen Felde einen silbernen Kreis, 
hat er mit BewiUigung des Kaisers Maximilian II. gegen einen abgehauenen Türken- 
schädel am blutenden Eunipfe vertauscht, woraus man auf die ursprtingUche Ab- 
stammung aus Bosnien schließt.**^') Seine Gemahlin Eosina v. Kapfenstein**^) 
gebar ihm nur zwei Töchter , von welchen die ältere, Maria Margaretha, in erster 
Jakob Ehe mit I^islaus v. Lamberg Herrn zu Poppendorf und in zweiter Ehe 
mit Freiherrn v. Teuffenbach zu Mayrhofen*") vermählt war und die jüngere 
Scholastica, unvermählt starb. 

7. Christoph IL, Herr v. Purgstall, verna. in erster Ehe mit Elisabetha, 
Tochter des Bitters Seyfi-ied Kollo nitz v. Kollegrad, Herrn zu Burg-Schlemitz in 
Steiermark, und der Johanna v. Orzon *'*), und in zweiter Ehe 1565 mit Maria Anna. 
Erbtochter des Josef Grätzer v. (iradetz und Fastenberg; er nahm das Wappen 
der 1540 erloschenen Herren v. (irätz ((iradec) (ein rother Stier mit einem goldenen 
Ringe im Maule) an und t 1565. Er hatte sich namentlich in den Fehden gegen 
die Venetianer ausgezeichnet, wurde 1508 bei der Einnahme von Gemoua verwundet 
und diente zuletzt unter Heinrich von Braunschweig. 1531 war er der vierte Landes- 
verwalter und 1543 Verordneter in Krain.*'') Aus seiner ersten Ehe stammten drei 
Töchter: Eva, Anna und Barbara, vermählte Chrisanitsch, und ebensoviele 
Söhne: Adam IL, welcher die Familie fortpflanzte, Christoph IH. , unvermählt ge- 
storben, und Kaspar. 

••) Hopf, Genealogischer Atlas II, 19. •") Wisgrill II, 196. 

•^) Stammbuch des Adels in Deutschland I •••) Leupold 428. V^isgrill V, 185. 

in, 194. I *••) Valvasor III, 70. 

••°) Belfert., Ahnentafeln V, 7. 1 



— 244 — 

Adam ü., Herr t. Purgstall, des Erzherzogs Karl Rittmeister Ober 300 Hasaren 
in Kroatien, zeichnete sieh 1593 bei Petrinia gegen Hassan Pascha von Bosnien 
aus, besiegte die Türken bei Castagnovizza im Görzischen und f 1597. Seine Ge- 
mahlin Katharina, Tochter des Stephan Gussich auf Gradac zu Poganicz und der 
Maria v. Siegersdorf, gebar ihm folgende vier Söhne: 

1. Christoph, welcher folgt. 

2. Johann Walter, Herr v. Purgstall, f 1630; dessen Sohn aus der Ehe mit 
Barbara, Tochter des Jakob Fanckl v. Chrisanitschthurm und der Magdalena 
Pantaleon, verm. 1623, t 3. April 1673, wiederverm&hlt in zweiter Ehe 1632 mit 
(leorg Balthasar Kazi an er Freiherm v. Katzenstein, 1636: Balthasar, starb 1623 
als Knabe. 

3. Moriz, Kämmerer und Feldhauptmann unter Kaiser Ferdinand IH. 

4. Johann Franz, welcher noch 1615 unvermählt lebte. 

Georg Christoph, Herr v. Purgstall, f 1619, verm. mit Anna Katharina, 
Tochter des Johann Georg I. v. Lamberg, Herrn zu RothenbOhel und Habach, und 
der Esther Begina v. Saurau, in zweiter Ehe wiedervermählten v. Saurau,*") 
hatte folgende ftnf Söhne : 

1. Johann Georg, Stifter der steiermärkischen Linie unter A, 

2. Wolfgang Sigismund, Ahnherr der krainischen Linie unter B, 

3. Karl H., Stammvater der böhmischen Linie unter L\ 

4. Johann Balthasar, unvermählt gestorben 1626. 

5. Georg Christoph, 1650 Prälat zu Stainz in Steiermark. 

A. Steieralrkisclie Linie. 

Johann Georg s. d. Wien 24. November 1631, (intimiert Graz 27. Januar 
1632)*'*) Beichsfreiherr v. Purgstall zu Krupp und Freyenthurm an der Kulpa, 
geb. 1(>08, kaiserlicher Kämmerer und Oberstlieutenant in den Regimentern Keglevics. 
Beygott und Wilhelm Galler, zeichnete sich in den Kämpfen gegen die üskoken, 
im friaulischen Kriege gegen Venedig, wider Mansfeld und den Herzog von Braun- 
schweig, im dreißigjährigen Kriege wider die Dänen und Schweden, dann bei der 
Vertheidigung von Breisach gegen Bernhard von Weimar durch große Tapferkeit 
aus, erlag, von dreizehn Wunden bedeckt, erst dreißig Jahre alt, denselben 1638 
und hinterließ von seiner Gemahlin Magdalena Maria Salome Freiin Buepp v. 
Pfeilberg, geb. 1615, gest. 1664,**«) eine Toihter Theresia, geb. 1639, Gemahlin 
des Karl Ernst Freiherm v. Beissing, und einen Sohn Johann Ernst, seit 1670 
Beichsgrafen v. Purgstall zu Krupp und Freyenthurm auf Gradetz, geb. 1637. 
Dieser erscheint 1675 als Commissär bei dem berüchtigten Feldbacher Hexenprocesse. 
der mit der Verbrennung von vier Hexen endete; er starb als k. k. wirklich ge- 
heimer Bath und Kämmerer und innerösterreichischer Statthalter zu Graz im Februar 
1695 und war zuerst mit Begina Katharina Freiin v. Galler vermählt, deren 
Mutter Katharina Elisabetha, geborene Freiin v. Wechsler zu Biegersburg und 
Lichtenegg in Steiermark, im Jahre 1613 die in den Türkenkriegen so berühmt 

•") Wisgrill L 301. Nedopil 4764 •'«) Wisgrill II, 12H. Nedopil8990. 

***) Inventar ober die liandesvicedominat«?- Geneal. Tasohenbucb der grafl. Häuser 1870, 

Begistrator. S. 1303. 



— 245 — 

gewordenp Riegersbnrg umbauen und neu befestigen ließ. Seine zweite Gemahlin war 
Maria Katharina, Tochter des Johann Maximilian des Jüngeren, Reiehsgrafen r. 
Herb^rstein zu Neuberg und Guttenhaag und der Maria Anna Eüsabetha Mag- 
dalena Gräfin v. Thun, welche ihm die Herrschaft Liebenau zubrachte.**^) Die dritte 
war Margaretha, Tochter des AVerner Wilhelm Eeichsfreiherrn v. Blaspiel. f 1701, 
vorher vermählt gewesen in erster Ehe mit einem Preiherrn v. Geyersperg und in 
zweiter Ehe 1670 mit Georg Gottfried Grafen Kollonitz v. Kollegrad. Erben des 
Majorats Preyberg in Steiermark, f 1672.***) Er hatte folgende drei Kinder: 
n) Aus der ersten Ehe: 

1. Johann Rudolf Beichsgraf V. Purgstall zu Krupp und Freyenthurm auf 
Gradetz, vor seinem Tater kinderlos gestorben, vermählt mit Maria Anna, Tochter 
des Wolfgang Rudolf Grafen v. Saurau auf Ligist und Wolkenstein und der 
Maria Isabella Reichsgräfin v. Wagensperg auf Saanegg und Rabenstein, geb. 1649. 

2. Johann Ernst Reichsgraf v. Purgstall zu Krupp und Freyenthurm auf 
Gradetz, geb. zu Graz 13. April 1671. Nachdem er 1686 in den Orden der Gesell- 
schaft Jesu getreten war, nahm er den Namen Albert an, erlangte die philosophische 
und theologische Doctorwürde, trug Rhetorik und Poesie zu AVien durch mehrere Jahre 
vor, war darauf durch sieben Jahre Rector des Gymnasiums und Jesuitenconviets zu 
(iraz, führte zuletzt 17 Jahre lang die Oberleitung des Professhauses und starb zu 
Wien 24. December 1744. Er war auch als Schriftsteller thätig und stand im Rufe 
der Heiligkeit.**') Ein nach dem Tode seines Vaters um den Besitz der Riegersburg 
ausgebrochener Process der österreichischen Jesuitenprovinz gegen seine Stiefmutter 
und seinen Vetter Wenzel Karl, woran sich auch seine Schwägerin und seine Schwester 
betheiligten, endetg im Jahre 1713 damit, dass er eine Abfindungssumme von 
40.000 fl. erhielt, welchen Betrag er zur Stiftung des im Jahre 1758 ins Leben 
getretenen Jesuitengymnasiums zu Marburg verwendete.**®) 

b) Aus zweiter Ehe : 

3. Maria Aloisia Katharina, Sternkreuzordensdame, f zu Venedig 6. Juni 1715, 
verm. 3. Mai 1696 mit Johann Baptist IT. dem Jüngeren, Reichsgrafen v. Colloredo 
zu Mels und Walsee, t zu Wien 12. April 1729.»") 

B. Kralnisohe Linie. 

Wolfgang Sigismund, s. d. Wien 24. November 1631 Reichsfreiherr 
V. Purgstall zu Krupp, Freyenthurm und Rottenpichel auf Gradetz, geb. 1610, 
kaiserlicher Hauptmann zu Krischanitschthurn und Harschitz-Castell, kämpfte neun- 
zehn Jahre lang in den französischen und schwedischen Kriegen, war zuletzt Hof- 
kriegsrath und Oberst und f 1054, verm. zu Graz 28. Februar 1636 mit Anna 
Rebekka, Tochter des Johann Wilhelm Freiherrn v. Saurau und der Katharina 
Susanna Freiin Schrott v. Kindberg, f 16. November 1657.*") 

Dessen drei Söhne waren : ' 

1. Ferdinand Wilhelm, s. d. Ebersdorf 5. October 1676 Reichsgraf 



•«») Wisgrill 11, 125; IV, 187, 301. 
•»•) Wisgrill II, 126; V, 188. Nedopil 
4778. 

"•) Stöger, Scriptores Provinciae Austria- 



■'•) Nedopil 4763. Festprogramm des k. k. 
Gymnasiums in Marburg 1858, S. 92. 

*•*) Genealog. Kalender, Frankfurt a. M. 
1802, I, 301. 



CM Societatis Jesu. Viennae 1855, p. 284. ^^) Nedopil 4765 und 4784. 



— 246 — 

V. Purgstall zu Krupp und Freyenthurm auf Gradetz, geb. 1637, vermählt mit 
Katharina Cordula Freiin v. Leisser. Dieser kämpfte mit Auszeichnung im polnischen, 
dänischen und siebenbtirgischen Kriege 1657 und 1660 unter dem Regimente Strozzi. 
und war 1665 Hauptmann und Commandant der Arkebusier-Kürassier-Kompagnie in 
Karlstadt.*") 

2. Geoi-g Sigismund, s. d. Ebersdorf 5. October 1676 Beichsgraf v. Purgstall 
zu Krupp und Freyenthurm auf firadetz, geh. 1639, als ausgezeichnet in der Kriegs- 
baukunst gertüimt, gestorben unvermählt zu Eperies in Ungarn. 

3. Johann Adam, s. d. Ebersdorf 5. Ort. 1676 Beichsgraf v. Purgstall. 
Freiherr zu Krupp und Fi'eyenthurm, Herr auf Gradetz, Wolfsdorf, Weinitz, Biegers- 
burg und Ober-Meyerhofifen, geb. 1642, kaiserlicher Bittmeister im Begimente Ix)dron. 
dann innerösterreichischer Hofkriegsrath, (Teneralfeldwachtmeister und Grenzcom- 
mandant zu Ogulin, blieb vor Eperies 1687. vermählt auf Ainöd 20. November 1678 
mit Anna Elisabetha, Tochter des Georg Sigismund Beiehsgrafen v. (lallenberg 
zum Thurn Bossegk imd Gallenstein, Erbvogtherrn zu Münkendorf, und der Katha- 
rina Elisabetha Beichsgräfiu v. Srhrattenbach, geb. 18. October 1660,*-*) welche 
ihm folgende drei Kinder gebar: 

1. Anna Katharina Elisabetha, geb. 1679, t l'^46. verm. 20. Januar 1700 
mit Andreas Daniel Grafen Barbo v. Waxenstein auf Gutteneck, Passberg und 
Zobelsberg, zu Kieselstein, Kroisenbach, Dragem])l und Freyenthunn, f 1738."^) 

2. Johann Leopold Josef Beichsgraf v. Purgstall, Freiherr zu Krupp und 
Freyenthurm, Uitvr auf (ii-a<letz. geb. 1685. dessen Sohn aus der Ehe mit Lucretia. 
Tochter des Hieronymus Ascanius I^^rsten v. Porcia und der Dorothea (iräfin v. 
Valmai-ana, geb. 1690, verm. 1. März 1706, f 1752, Antoii Adam Beichsgraf 
V. Purgstall, Freiherr zu Krupp und Freyenthunn auf Gradetz, geb. in Krain 21. Juli 
1708, im Jahre 1736 in den Orden der (lesellschaft Jesu einti-at und 1744 die Ordens- 
geltlbde a))legte. Er erlangte die philosophische und theologische Doctorwürde, trug 
zuerst die griechische uud heln-äische Sprache, dann mehrere Jahre zu Tyrnau die 
Philosophie, zu Graz und Wien aber Controversen und Casuistik vor. Hierauf wirkte 
er als Missionär und seit 1752 als Prediger und Katechet zu liaibach, woselbst er 
am 5. September 1772 gestorben ist."*) 

3. Johann Siegfried Friedrich Beichsgraf v. Purgstall, FreiheiT zu Krupp und 
Freyenthurm auf Gradetz, geb. 1687, verm. 1711 mit Maximiliana, Tochter des 
Johann Georg Gottfried Beiehsgrafen v. Lichtenberg zu Ortenegg und der Maria 
Elisabetha Freiin v. Engelshauss. 



C. Böhmische Linie. 

s. d. Wien 24. November 1631 



Karl n., s. d. Wien 24. November 1631 Beichsfreiherr v. Purgstall 
zu Krupp und Freyenthurm auf (iradetz, kaiserlicher Oberst und Commandant der 
Arkebusier-Kfirassier-Comi>agnie zu Karlstadt, geb. 1614, f 1650, verm. in erster 
Ehe mit Eva Felicitas, Tochter des Wolftrauir Wilhehn FreiluMin v. H<!rberstein 



"») Nedopil 4769 u. 8980. Monatsblatt des 
.Adler«* II, 117. 

•") Wisgrill I, 299. Nedopil 321, 4770. 



"*) Nedopil 322 u. 8988. Kneschke, 
Deutsche Grafenhäuser I, 47. 

"*) Fejör, Historia academiae scientiarum 
literaria Budae 1835, p. 76. 



— 247 — 

auf Nenberg und Gntenhag zu Wiudtau und der Anna v. Welz, geb. 1616, f 1644, **0 
und in zweiter Ehe mit Anna Katharina Jöbstl v. Jöbstelsberg, f 1650. Seine 
sieben Söhne waren: 

a) Aus erster Ehe: 

1. Christoph Gottfried, geboren 1634, f 1651- 

2. Sigismund Friedrieh. geb. 1636, f 1664 unvermählt, war seiner Riesengröße 
und Stärke wegen berühmt. Er zerbrach Hufeisen, lud sieben erwachsene Personen 
auf seine Schultern und trug zwei Mörser, jeder mehrere Centner schwer, die 
Treppen hinauf. 

3. Gottfried, der weitere Stammhalter, welcher folgt. 

4. Johann Georg, geb. 1640, f 1663. 

5. Otto Ludwig, t 1644. 

6. Karl Weicard, s. d. Ebersdorf 5. October 1676 Keichsgraf v. Purgstall zu 
Krupp und Preyenthurm auf Gradetz, geb. 1644, kämpfte bei der Einnahme von 
Pünfkirchen, dann bei St. Gotthard mit besonderer Auszeichnung und fand als 
kaiserlicher Oberstlieutenant im Begimente Lodron durch eine Musketenkugel im 
Treffen zu Kochersberg bei Straßburg im October 1677 den Heldentod. Aus seiner 
im Jahre 1665 geschlossenen Ehe mit Sophia Anna, einer Tochter des Johann Paul 
Keichsgrafen v. Edling und der Lucretia Triller v. Trilleck, stammte ein Sohn Georg 
Seyfried Eeichsgraf v. Purgstall zu Krupp und Preyenthurm auf Gradetz, f 10. März 
1701, vermählt mit Allemanna Veronica, Tochter des Pranz Bernhard Ritters v. Palm- 
burg und der Cordula Gräfin v. Lamberg zu Sauenstein (wiedervemiählt in zweiter 
Ehe mit Sigismund Grafen v. Eeising und in dritter Ehe mit Pi-anz Anton Prei- 
lierrn v. Stich zu Sorgendorf,"«) mit welcher er folgende drei Töchter erzeugte: 

1) EleoBora Susanna, unvermählt gestorben. 

2) Maria Anna Pelicitas, vermählt 1703 mit Karl Heinrich Schweiger 
V. Lerehenfeld.*^^) 

3) Henata Theresia, Gemahlin des Karl Josef Preiherrn v. Winters- 
hofen. 

h) Aus zweiter Ehe: 

7. Wolfgang Andreas, s. d. Ebersdorf 5. October 1676 Beichsgraf v. 
Purgstall zu Krupp und Preyenthurm auf Gradetz, Oberst im Ktirassier-Regimente 
Brandenburg-Bayreuth, geb. 1650, t zu Karlstadt 1689. 



Johann Gottfried Perdinand, s. d. Ebersdorf 5. October 167G Eeichs- 
^n-af V. Purgstall zu Krupp und Preyenthurm auf Gradetz, geb. 1638, machte im 
Kegimente Schneidau 1657 den ungarischen Peldzug und 1659 die Belagerung von 
Stettin mit, war dann k. k. Kämmerer, Rath und Landrechtsbeisitzer in Krain und starb 
als Kreishauptmann des Moldauer Kreises in Böhmen 4. Juni 1707. Seine erste Ehe 
mit Anna Cordula v. Kirmreuth war kinderlos, aus der zweiten mit Maximiliana 



•^ Wisgrill IV, 282. Nedopil 4766, 
4767, 4768. 4771, 4772, 4774, 4776, 4777, 4782, 
5538. 



•«•) Schönfeld II, 203, 246. 
•••) Genealog. Taschenbuch der freilierrl. 
Häuser 1848, S. 333. 



-^ 248 - 

Eiisebia, piner Tochter des Bernhard Freiherru Hysorle r. Chodau auf 2eliboriitz 
und der Magdalena Liidmilla Mladota v. Solopisk, stammten folgende zwei Söhne:"**) 

1. Michael Josef Anton Reiehsgraf v. Piirgstall zn Krupp und Freyenthurm 
auf Gradetz, geb. 1679, kaiserl. Eittmeister im Ktirassier-Kegimente Darmstadt, 
t 1705 an seinen bei Liebersbach empfangenen AVunden, beerdigt zu Pressburg. 
verm. 29. April 1701 mit Maria Anna Carola Josefa. einer* Tochter des Wolfgang 
Georg Ehrenreich Gmfen v. Geyersperg und Osterburg, Besitzers der Stadt und 
Herrschaft Gmünd in Niederösterreich, und der Margaretha Anna Gräfin v. 
Geyersperg, geb. 18. April 1684, f zu Götzendorf in Oberösterreich am 2. Sept. 
1719, wiederrerm. II. Sept. 1707 mit Johann Christoph Heinrich (n-afen v. Oedt."') 

2. Wenzel Karl Reiehsgraf v. Purgstall, Freiherr zu Krupp und Freyenthunn, 
Herr auf Gradetz, Besitzer der Herrschaft und Festung Kiegersburg. geb. zu Prag 
1681. diente in seiner Jugend als Edelknabe und OfBcier, war dann inuerösterrei- 
chischer Begierungsrath , Landeshauptmann und I^ndesverweser der gefihsteten 
(irafschaft Görz, zuletzt k. k. wirklicher geheimer Rath, Kämmerer und Obersthof- 
marschall und t 1768. Er kaufte 1710 von der Gräfin ßosenberg die Herrschaft 
Hainfeld in Steiermark, erhob die Kiegersburg sammt dem Freihofe zu Badkersburg 
zum Familien-Fideicommiss. machte die Besitzungen schuldenfrei und gründete eine 
reichhaltige Schlossbibliothek auf der Kiegersburg, wo er auch eine Topographie 
von Österreich in ac*ht Abtheilungen mit zierlichen, von Pfeffel und Engelbrecht ge- 
stochenen Karten hemusgab. Aus seiner Ehe mit Maria Anna Clara, einer Tochter 
des Georg Friedrich Keichsgrafen v. Mörsberg auf und zu Befi'ort und der Eleonora 
Maria Clara Reichsgräfin von und zu Trauttmansdorff, geb. 30. Juli 1688, verm. 
23. November 1711, f 1732,»") hatte er dreizehn Kinder. 

Von vier Töchtern war die erste. Maria Antonia, Sternkreuzordensdame . geb. 
1. September 1712, t 22. Mai 177H, verm, in erster Ehe mit Johann VIU., Herrn 
Stubenberg, und in zweiter Ehe, 9. Septemlier 1756, mit (leorg VIF., Grafen v. 
Stuben berg. t 26. Juli 1776;*»'') die zweite, Maria Clara, geb. 1713, t 1772, verm. 
1737 mit Ferdinand Karl Reichsgrafen Lanthieri v. Paratico zum Schönhaus, 
Baumkirchenthurm , Wippach, Keiffenberg und Sabia; die dritte bheb unvermählt, 
und die vierte, Maria Cajetana Walburgis Ehsabetha, geb. 11. Mai 1723, f 1781, 
verm. 24. November 1741 mit Johann Christoph Thaddäus Fmnz Walburgis Cajetan 
Reichsgrafen Sauer v. Ankenstein zu Kosiak auf Schönstein, Wöllau, Lilgenberg, 
Domau, Ebensfeld und St. Johann, f zu Graz 22. Juh* 1793.«") 

Von den neun Söhnen starben sechs als Kinder. Johann Sigismund, geb. 1723, 
war k. k. Officier; Wenzel pflanzte das (xeschlecht fort, und Josef Alois, geb. 1728, 
blieb als k. k. Hauptmann bei Lissa 5. December 1757. 

Johann Wenzel Reiehsgraf v. Purgstall. Freiherr zu Krupp und Freyenthurm, 
Herr auf Gradetz und Hainfeld, geb. zu Graz 7. März 1724. erbte die Fideicommiss- 
gtiter Kiegersburg und Radkersburg. wurde 1768 zum Commerzienrathe und Bei- 



•^) Krebel. Genealog. Handbuch, Leipzig. Frankfurt a. M. 1797, 11,200. Nedopil 4763. 

1786, II. 224. Schönfeld 11,216. Nedopil 4778, J»991, 9088. 

4776, 4779, 4780, 4783 und 8992 *«)Varrentrapp, Genealog. Kalender 

•") Wisgrill III, 302. Nedopil 4781. . 1802, I, 727 und 728. 

•w) Varrentrapp, Genealog. Handbuch , "*) Nedopil 5639, 8462, 9086. 



— 249 — 

siteer der Landesstelle und 1769 znm Protector des Lehraintes der Polizei- und 
Coniinerzwissensehaft ernannt und 1773 von der liandwirtschaftsgesellschaft an ihre 
Spitze berufen ; er starb als k. k. wirklicher geheimer Rath und Kämmerer 4. «No- 
vember 1785 plötzlich am Sehlagflusse auf der Reise von Hainfeld nach Graz auf 
der Höhe des Scheramels.***) Er erhielt 1771 die päpstliche Dispens zur Vermählung 
mit seiner Nichte Josefa Julia, einer Tochter des Sigismund Friedrich Albert 
Adam Karl Josef Franz Anton S'ervaz Beichsgrafen v. Rindsmaul auf Frauenheimb 
und Bärenegk und der Maria Francisca Leopolda Anna Josefa Antonia Gräfin v* 
Wallmerode, geb. 28. Juni 1740, t zu Graz 14. Juli 1802, Sternkreuzordensdame. 
Witwe des Franz Marchese v. Gondola.*'^) Sein einziger Sohn Wenzel Johann 
Sigismund Gottfried Reichsgraf v. Purgstall, Freiherr zu Krupp und Fi-eyenthurm, 
Herr auf Gradetz und Hainfeld, Erbe der Fideicommissgüter Riegersburg und Rad- 
kersburg, geb. zu Graz 12. Februar 1772, wurde 1790 zum kurfllrstlich kölnischen 
Kammerherm ernannt. 1798 k. k. Begierungssecretär bei der niederösterreichischen 
Regierung, dann Hofseeretär bei der Finanzhofstelle, 1807 Gubernialrath in Steiermark, 
von wo er anfangs April 1809 zur Generalintendantur der Armee des Erzherzogs 
Johann berufen wurde. In Padua gerieth er durch eine falsche Meldung, die Stadt 
sei vom Feinde geräumt, in die Hände der Franzosen, welche ihn in den Case- 
matten von Mantua gefangen hielten, wo er sich den Todeskeim holte. Mit ge- 
brochener Gesundheit kehrte er. nachdem seine Gemahlin von Napoleon in Wien 
seine Befreiung erwirkt hatte, zurück. Auf der Reise in die Bäder von Pisa ereilte 
ihn der Tod zu Florenz am 22. Mäi-z 1812. Seine Gemahlin Johanna Anna Cran- 
stoun aus dem Hause der schottischen Barone dieses Namens, Tochter der Georg 
Cranstoun (jüngsten Sohnes des Wilhelm fünften Lords Cranstoun) und der Maria 
^Brisbane,*'') verm. 1797, gebar ihm eine als Kind gestorbene Tochter und den ein- 
zigen Sohn Wenzel Gottfried Raphael Reichsgrafen v. Purgstall, Fi-eiherrn zu 
Krupp und Freyenthurm, Herrn auf Gnuletz und Hainfeld, Erben der Fideicommiss- 
güter Riegersburg und Radkersburg, «:eb. zu AVien 19. Februar 1798, f 7. Januar 
1817. Mit ihr erlosch am 23. Mäi*z 1835 das (lesclilecht der Purgstall. Sie wurde 
neben ihrem Gemahl und Sohne in der Wenzelscapelle der Decanatskirche zu Rie- 
gersburg beigesetzt.***) Ihr Universalerbe, Josef Ritter v. Hammer, der berühmte 
Orientalist, wurde s. d. Wien 11. März 183() mit Vereinigung von Namen und 
Wappen der erloschenen Grafen v. Purgstall in den Freiherrenstand erhoben.***) 

Rabatte, 6frafeii. 

Signorello v. Poggiale und Rabatta im Florentinischen. lebte 1130.**^) Ihm 
folgten der Sohn Rudolf v. Rabatta, 1170—1194. der Enkel Robert v. Rabatta, 

*) Kunitsch. Biographien inerkwördigei ] ^^^) unser Planet, Leipzig 1836. VII, 247. 



Mnnnerder öst^rr. Monarchie. Graz 1805, V, 126. 
Steiermark ische Zeitschrift, Neue Folge VII, 70. 
Der Aufmerksame, Graz 1812, S. 47 
»*) Nedopil 6196, 5214. 



HormayrsArchiT. Wien 1817, S. 62. öster* 
reichs Pantheon, Wien 1830, IF, 91. Hammer, 
Denkmal der letzten Grafen von Purgstall, 
Wien 1821. 



•") Burke, Dormand andAitinct, Pet^rages» •••) Geneal. Taschenbuch der freiherrlichen 

London 1883, page 144. und Landed Gentry, Häuser, Jahrg. 1849, S. 180. 

London 1894, page 416. | •«•) Schönleben, Ms. 



— 250 ^ 

1210, und der Urenkel Mignozzo v. Babatta. 12o0 — 1252. Des letzteren Sohn, 
Johann t. Rabatta. 1290, hatte zwei Söhne: Mignozzo v. Babatta. dessen Sohn 
Nikolaus v. Rabatta der Vater des Anton von Rabatta gewesen ist, welcher 1407 
Coramissär zu Pisa und florentiniseher Gesandter zu ürbino war, und Anton von 
Babatta. wielcher um 1330 nach Priaul kam und mit seiner GemahHn Pietra, 
Tochter des Foresius v. Rabatta, folgende fi^nf Söhne erzeugte: 

1. Nikolaus, welcher folgt. 

2. Johann v. Rabatta. Ritter. 137(^-1402 Landeshauptmann in Görz.**") 

3. Michael v. Rabatta, welcher 1376—1404 lebte, königl. ungarischer Bot- 
schafter und kaiserl. (louverneur zu Padua und Vicedom in Friaul war und zwei 
Gemahlinnen hatte; die erste aus der paduanischen Familie Zambelli gebar ihm 
den ohne Nachkommenschaft verstorbenen Sohn Ludwig v. Rabatta ; die zweite Ehe 
mit Mimbella v. Lorenzago aus Görz blieb kinderlos. 

4. Peter v. Rabatta, Domherr zu Padua und Fermra 1400. 

5. Bernhard v. Rabatta. Domherr zu Padua 1406. 

Nikolaus v. Rabatta, 1370, florentiniseher Botschafl;er zu Venedig und am 
kaiserlichen Hofe, f 1407. Seine drei Söhne waren Anton, Bernhard und Nikolaus 
V. Babatta. 

Anton V. Babatta, Gonfaloniere zu Florenz, Commissär zu Pisa und Botschafter 
in Urbino, war zweimal vermählt, in erster Ehe mit Constanzia Strozzi, 1413, und 
in zweiter Ehe mit Katharina, einer Tochter des Mathias Alderotti, 1409, Witwe 
des Bernhard Verenzani, und hatte drei Söhne: Johann Baptist v. Babatta. dessen 
Gemahlin Katharina hieß, Peter v. Babatta, vermählt mit Lisa Medici, und Michael 
V. Babatta, vermählt mit Margaretha Bar toi i 1469, welche ihm folgende vier Söhne 
gebar: 

1. Bernhard v. Babatta, Vater des Virginius v. Babatta, Bitters des Malteser- 
ordens. 1538, und des Alexander v. Babatta, Bitters des St. Stephansordens, 1538. 

2. Anton v. Babatta. 

3. Matthäus V. Babatta. 

4. Nikolaus v. Babatta, welcher mit seiner Gemahlin Maria Saiviati (1498) 
zwei Söhne erzeugte, Michael und Matthäus v. Rabatta; letzterer war mit Marietta 
Nicolini (1526) vermählt 

Bernhard v. Babatta, der zweite Sohn des Nikolaus, war 1406 Canonicus 
zu Aquileja, resigniei^te jedoch und vermählte sich 1416 mit einer v. Baumkirchen. 
Seine drei Söhne waren Johann Alex ins, Sigismund und Wolfgang, von welchen 
der letztere als Knabe starb und die beiden älteren 1450 von dem Gmfen v. Görz 
auf das Schloss Dornberg investiert wurden. Johann Alexius starb 9. Febr. 1484; 
seine Gemahlin Katharina v. Hohenwart gebar ihm drei Söhne: Bernhard, 
Anton und Nikolaus, welche 1490 vom Könige Maximilian I. belehnt worden sind, 
und die Tochter Magdalena. Gemahlin des 16. August 1510 verstorbenen Thomas 
V. Colloredo zu Prodolono. 



*^') Lucantschitsch, Ms. 



— 361 — 

Anton V. Rabatta If^bte noch 1516; äein älterer Bruder Bernhard t. Rabatta. 
Herr tu Domberg, war in erster Ehe mit Eva, einer Tochter des Cosmas v. Hohen- 
war t und der Helena v. Baunach,***) und in zweiter Ehe mit Eadegunda Doriguzza,*^') 
1538, vermähh. Mit ersterer erzeugte er zwei Töchter: Katharina und Scbolastica, die 
zweite (lemahlin des Georg v. Edling, 1480, und mit der zweiten Gemahlin zwei 
Söhne: Nikolaus, f 1550, und Josef v. Rabatta Herrn zu Domberg, vermählt 1551 
mit Lucretia, einer Tochter des Johann Hoff er v. Tibein auf Rentschach und der 
dai-a Gräfin v. Thurn, geb. 1530, welche sich nach seinem Tode in zweiter Elie 
mit Johann v. Edling zu Burg Wippach 1556 wieder vermählte.***) Von ihm 
stammten eine Tochter Katharina und drei Söhne: Bernhard, Josef und Aleiius 
V. Rabatta; letzterer lebte noch 1581 und hatte einen Sohn Josef, welcher keine 
Nachkommen hinterließ. 

Bernhard v. Ralmtta war mit Eleonora, einer Tochter des Adam Freiherrn v. 
des Sehmeckowitz aus Ungarn vermählt, welche ihm zwei Töchter: Lucretia, Gem. 
(leorg Fi-eiherrn v. Moscon aus Bergamo, und N. N., vermählte Zimmermann v. 
Palm bürg, dann zwei Söhne: Adam und Michael v. Rabatta gebar, von welchen 
der letztere 1618 kaiserlicher Gesandter in Venedig war.***) 

Josef V. Rabatta, Herr zu Domberg, erzherzoglich österreichischer Botijchafter 
zu Venedig und Rom und seit 1597 Obersterblandstallmeister in der geforsteten 
Grafschaft Görz, wurde am 3. April 1598 als LÄndstand in Krain immatriculiert, 
1509 der 37. liandes-Vicedom daselbst***) und als Commissär zu Segau am 31. De- 
cember 1601 von den Uskoken erschossen. Mit seiner Gemahlin Cassandra, einer 
Tochter des Ludwig v. Formentini zu Tullmein und der Elisabetha v. Janis,**^) 
welche er als Witwe hinterließ, hatte er folgende ftnf Kinder erzeugt: 

1. Elisabetha, vermählt 1618 mit Richard Grafen v. Strassoldo. 

2. Marianua. 

3. Katharina, geb. 6. Februar 1597.***) 

4. Johann Baptist und 

5. Anton, welche beide 1622 (publiciert zu Laibach 15. Mai 1626) in den 
Freiherrnstand und 1634 (intimiert zu Graz 27. April 1636) in den Reichs- 
grafen stand erhohen worden sind.***) Der ältere Johann Baptist erzeugte 
nn't seiner Gemahlin Terenzia, einer Tochter des Friedrich Ludwig Reichsgrafen 
V. Colloredo zu Waldsee und Mels und der Perla (iräfin v. Polcenigo,**^) nur 
eine Tochter Oassandra, vermählt 1640 mit Franz Reichsgrafen Lanthieri v. Paratico 
zu AVippach in Görz; der jtlngere Anton Reichsgraf v. Rabatta Freiherr v. Dorn- 
berg, Herr zu ('anal, erhielt als Hauptmann zu Gradiska den Rathstitel (intimiert zu 
Graz 24. April 1621), war unter Kaiser Ferdinand HL geheuner Rath, Kämmerer 
und Botschafter zu Venedig und testierte am 2. August 1648.***) Seine Gemahlin 
Felicitas (iräfin v. (^olloredo, eine Schwester seiner oben genannten Schwägerin, 

»««) Hopf, Genealog. Atlas II, 19. ! •*•) Taufbuch. 

»•») Raigersfeld, Ms. , •*») Registratur»- Inventar des Laades-Vicc- 

"«) Bucelini IIb, 188. | dominats. 

^) Wisgrill n, 121. I •»•) Nedopil 167«. 

»*•) Valvasor III, 81. j •»•) Nedopil 4803. 

»«») Wisgrill II, 96. i 



— 252 — 

mit welcher er sich am 2. September 1618 vermählt hatte,***) gebar ihm folgende 
dreizehn Kinder: 

1. Cassandra, Klosterfrau im Orden der Clarissinnen zu Görz. 

2. Elisabetha,***) in erster Ehe vermählte Marchesa Capra zu Vieenza, in 
zweiter Ehe vermählte Eeichsgräfin Lanthieri v. Paratico. 

3. Perla, vermählte v. Rinaldi zu Treviso. 

4. Theresia, (lemahlin des Johann Philipp Jakob IL, Grafen v. Thurn, 
Hofer und Valsassina. 

5. Ignaz. 

6. Josef Reiehsgraf v. Babatta, Freiherr v. Dornberg, Herr zu Canal, Oberst- 
erblandstallmeister der gefllrsteten Grafschaft Görz, kaiserlicher Kämmerer, Garde- 
hauptmann und Obersthofmeister des Erzhei-zogs Karl Josef, Comthur des Malteser- 
ordens zu Lossen, Ober-Liebich und Groß-Tintz und seit 1664 Bischof zu Laibach. 
t 1683.»*^) 

7. Johann, welcher folgt. 

8. Ludwig, kaiseriicher Kämmerer und Landeshauptmann zu Görz, kinderlos 
gestorben 1664. 

9. Rudolf Reichsgraf v. Rabatta, Freiherr v. Domberg, Herr zu Canal, seit 
4. December 1666 Landstand in Böhmen. Mähren und Schlesien, kaiserlicher Käm- 
merer, Feldmarschall und bevollmächtigter General-Kriegscommissär zu Pressburg, 
t 1688, dessen Sohn aus der Ehe mit Petronella, einer Tochter des Gottfried Grafen 
V. Heister und der Maria Anna Gräfin v. Virmond, Rudolf Reichsgi-af v. Rabatta 
als kaiserlicher Rittmeister in der Schlacht bei Zenta am 11. September 1697 blieb. 

10. Ferdinand, jung gestorben als erzherzoglich österreichischer Kämmerer am 
Hofe zu Innsbruck. 

11. Michael, welcher in seiner Jugend kaiserlicher Edelknabe war und als 
Oberst eines KtJrassier-Regimentes am 17. Juni 1665 bei Villa Vi^osa in Portugal 
geblieben ist. 

12. Hieronymus, Ritter des toscanischen St. Stephansordens, kaiserlicher Käm- 
merer, Oberst und Gesandter zu Paris und Rom. 

13. Franz Karl, Domherr zu Passau und Olmütz. 



Johann Baptist Bernhard Reichsgraf v. Rabatta, Freiherr v. Dornberg, Herr 
zu Canal, k. k. Kämmerer, Oberst und Landmarschall in Görz, wurde 1659 in die 
steiermärkische Landmannschaft aufgenommen, erhielt 1663 (intimiert zu Graz 
5. Mai 1669) das Ehrenwort „Hoch- und Wohlgeboren" und testierte am 24. Juni 
1676.***) Mit seiner Gemahlin Isabella Katharina, einer Tochter des Johann Philipp 
Reichsgrafen v. Thurn-Hofer und Valsassina und der Eleonora Maria Prinzessin 
Gonzaga v. Mantua aus dem Hause der Marchese v. Novellara, kaiserlichen Hof- 
dame, verm. zu Regensburg 15. Februar 1654,***) erzeugte er folgende sieben 
Kinder : 

»") Wisgrill II, 187. Nedopil 1119 und ^) Nedopil 2606. 

4802. »») Nedopil 4807 

*»•) Nedopil 4804. »••) Nedopil 1184 und 4806. 



— 253 — 

1. Felicitas Eatharina, geb. 26. November 1654, Sternkreuzordensdame, f zu 
üdine 3. Februar 1707, verm. 28. November 1668 mit Ferdinand Pompejus 
Marchese v. Colloredo zu Waldsee, Mels, Susans, Sterpo und Monastero, f 1689.**') 

2. Josef, Stifter des älteren Astes, unter a, 

3. Philipp, Stifter des jüngeren Astes, unter h. 

4. Anton, kaiserlicher wirklicher geheimer Bath und Känmierer, vermählt mit 
Maria Klara Cäcilia, Tochter des Johann Otto, Beichsgrafen v. Rindsmaul, 
Freiherrn auf Frauenheim, und der Benigna Bosina Freiin v. Gleispach, geb. 2. Juli 
1669, 1 17. August 1737, Witwe des Franz Ottokar Beichsgrafen v. Starhemberg, 
t zu Stockholm 21. October 1699, beigesetzt zu Eferding. 

5. Baymund Ferdinand, k. u. k. wirklich geheimer Bath und seit 18. Januar 
1713 Fürstbischof zu Passau, f 25. October 1722."«) 

6. Sylvia, Sternkreuzordensdame, Gemahlin des 1721 verstorbenen Ludwig 
Anton Beichsgrafen von Thurn-Hofer und Valsassina."*) 

7. Maria Anna, vermählt mit Karl Beichsgrafen Lanthieri v. Paratico, Frei- 
herm zum Schönhaus. 

a) Der ältere Ast. 

Josef Beichsgrafv. Babatta, Freiherr v. Domberg, Herr zu Canal und Wild- 
hausen, Obersterblandstallmeister in der geforsteten Grafschaft Görz und seit 6. Juli 
1717 Landstand in Niederösterreich, k. k. wirklich geheimer Bath und Kämmerer, 
Vicepräsident des Hofkriegsrathes und General-Feldmarschall-Lieutenant zu Karlstadt 
in Kroatien, vermählt mit Maria Josefa Eleonora, einer Tochter des Georg Sigis- 
mund Beichsgrafen v.Kazi an er zu Katzenstein auf Flödnig und der Anna Polyxena 
Beichsgräfin v. Herberstein,***) welche ihm folgende flinf Kinder gebar : 

1. Maria Benata Polyxena, Sternkreuzordensdame, geb. 1711, t 1749, ver- 
mählt in erster Ehe 1726 mit Josef Grafen Breunner,*«*) in zweiter Ehe mit 
Nikolaus Beichsgrafen Petazzi v. San Servolo und Oastel Nuovo und in dritter Ehe 
1738 mit Paul Sigismund Beichsgrafen v. Thurn-Valsassina-Como-Vercelli, Freiherm 
zum Kreuz, Besitzer der Herrschaft Badmannsdorf in Krain, f 1758.*") 

2. Sylvia, Gemahlin des Anton Beichsgrafen v. Babatta, Freiherrn v. Dornberg, 
Herrn zu Canal. 

3. Felicitas. 

4. Ludwig, k. k. Kämmerer, f zu Karlstadt 16. Juni 1721 an den Blattern, 
verm. zu Laxenburg 13. Mai 1720 mit Maria Anna, Tochter des Alois Thomas 
Raimund Beichsgrafen v. Harrach zu Bohrau und.der Maria Anna Oäcilia Gräfin 
V. Thannhausen, geb. 21. October 1698, t 14. September 1758, Sternkreuzordens- 
dame, wiedervermählt in zweiter Ehe mit Sigismund Gustav Grafen Hrzan v. 
Harras.w») 



»•^) Wisgrillll, 136. Nedopil 1124, 1127 
u. 4806. 

»••) Hübner I, 290. Nedopil 2606. 

^) Krebel, Geoealog. Handbuch 1786. 
U. 266. 

^) Hoheneck I, 492. 



••») Wisgrill I, 384. 

•") Varrentrapp, Genealog. Handbuch 
1797, U, 270. 

••») WisgrilllV, 168. Varrentrapp. Ge- 
nealog. Kalender 1802, I, 319. 



- 264 — 

5. Philipp Siegbert, Öitter des Malteserordens, ^eiehfalls an den Blattern 
zu Karlstadt gestorben.***) 

b) Der jüngere Ast. 

Johann Philipp Beiehsgraf v. Babatta, Freiherr v. Dornberg, Herr zu Canal, 
seit 6. Juli 1717 Ijandstand in Niederösterreich, kaiserlicher Generalfeldwachtmeister, 
geb. 13. September 1663, vermählte sich am 21. Februar 1703 mit Maria Theresia, 
emer Tochter des Veit Grafen Strassoldo \. Banzano und der Begina Elisabetha 
Gräfin v. SchärfiFenberg. 

Seine Kinder waren: 

1. Begina Maria Elisabetha, geb. 31. December 1704, verm. 1723 mit 
Anton Grafen Strassoldo Freiherm v. Villanova.***) 

2. Anton, welcher folgt. 

3. Baimund, jung gestorben zu Passau. 

4. Ludovica. 

5. Maria Josefa Sylvia, Sternkreuzordensdame, seit 1768 Witwe des Philipp 
Peter Anton Beichsgrafen v. CoUoredo zu Mels, Dobra, Morano und Albana.***) 

6. Anna Maria, erste GemahUn des 1784 verstorbenen Johann Baptist Beichs- 
grafen V. Thnrn-Hofer und Valsassina. 



Anton Beiehsgraf v. Babatta, Freiherr v. Domberg, Herr zu Canal, war mit 
Sylvia, einer Tochter des Josef Beichsgrafen v. Babatta, Freiherrn v. Dornberg. 
Herrn zu Canal und Wildhausen und der Maria Josefa Eleonora Beichsgräfin v. 
Kazianer zu Katzenstein vermählt. Sein Sohn Michael f 1755,"®^) die Tochter An- 
tonie vermählte sich in erster Ehe zu Görz 13. Juni 1762 mit Josef Gottlieb 
Beichsgrafen v. Attems, t 1768, und in zweiter Ehe 1770 mit Anton Coron in i 
Beichsgi-afen v. Cronberg, t zu Pisa 1771.***) 



Bosetti, Freiherren. 

Wappen: Geviert mit rothem Mittelschild, worin auf einer goldenen Königs- 
krone an einer rechts etwas höheren Mauer von weißen Quadersteinen ein silbernes 
Pferd mit fliegender Mähne und erhobenem Schweife emporspringt. (Stammwappen.) 
1 und 4 in Gold ein gekrönter schwarzer Doppeladler, 2 und 3 in Blau ein ein- 
wärtsgekehrter, doppelt geschwänzter goldener Löwe, welcher in den Vorderpranken 
einen ausgerissenen Bosenstock mit rothen Bösen hält. Drei gekrönte Helme. Der 
rechte mit rothsilbernen Decken trägt die Mauer links erhöht mit dem springenden 
Pferde, der mittlere mit schwarzgoldenen Decken den Doppeladler und der linke mit 
blaugoldenen den liöwen mit dem Bosenstoeke wachsend. 



•«*) Nedopil 2606. 
•») Wis grill V, 242. 
»~) Wisgrill 11,181. Varrentrapp, Ge- 
nealog. Kalender 1802, T, 302. 



■•^) Gemmell-Fliscbbaoh, Albnm des 
Theresianuxns, S. 28. 

»«) Wisgrill I, 197. Varrentrapp, Ge- 
nealog. Kalender 1802, I, 476. 



255 — 



Eine schon im 14. Jahrhunderte in Ferrara blühende Adelsfamilie, welche 
wegen eines Bnidermordes nach Bergamo flüchtete, wo um 1367 Horaz v. Bosetti 
lebte. Ein Sprosse der italienischen Linie war um 1644 Cardinal und päpstlicher 
Nuntius in Deutschland. *••) 

Johann Anton v. Rosetti erzeugte mit semer Gemahlin Lucretia Roneali *'*^) 
zwei Söhne: Bernhard und Johann Baptist, welche zwei Linien stifleten.*'*) 

Johann Baptist v. Rosetti war mit einer geborenen Zanoehini vermählt, welche 
ihm zwei Söhne gebar: Johann Anton und Marsilius v. Rosetti. Der ältere Johann 
Anton V. Rosetti hatte von seiner Gemahlin Maria Freiin Mordaxt von Portendorf 
vier Kinder: Maria Magdalena Victoria, Gemahlin des Philipp Konrad Mildenheim 
V. Rosenberg, Daniel v. Rosetti, Fähnrich, unvermählt gestorben, Aurelius und Katha- 
rina. Johann Aurelius v. Rosetti, f 1702, eraeugte mit seiner Gemahlin, einer 
geborenen v. Gerard i, flUif Kinder: Sylvia, Gemahlin des Andreas Raineri, Johann 
Georg, Katharina, Gemahlin des Anton Nusdorfer, Maria, vermählte Nusdorfer 
zu Wippach bei Adelsberg in Krain, und Magdalena, vermählte Julian i, und von 
Johann Georg v. Rosetti stanunten aus der Ehe mit Maria Elisabetha Portner vier 
Kinder: Konstanzia, Gemahlin des Haimund v. Francolsperg, Josef v. Rosetti, 
Maria Anna und Katharina, welche diese Linie beschlossen. 

Bernhard v. Rosetti war mit Katharina, einer Tochter des Vincenz Düstel 
V. Düstelhaimb und der Katharina Breglin, seine Tochter Lucretia nut Thomas 
Röringer v. Rörenberg und sein Sohn Johann Anton v. Rosetti zu Präwald 
und Nussdorf bei Adelsberg mit Eva Helena, einer Tochter des Marcus Witz 
V. Witzenstein und der Agnes Berckin, vermählt.*'*) Letzterer war 1622 l^nd- 
schreiber in Krain, wurde am 12. April 1643 in die Görzer*'*) und 1655 auch in 
die Krainer Landstandschaft aufgenommen,*^*) nachdem er das Schloss Roseneck, 
eine Meile von Wippach, erbaut hatte, und t 24. Juni 1670. Er hatte zwei Töchter: 
Amalia. vermählte Buttalich. und Maria Salome, Gemahlin des Thomas Reichs- 
freiherrn v. Andrian-Werburg, und drei Söhne: Johann Franz, Johann Bernhard 
und Johann Marcus, seitl4. December 1676 (intimiert 28. Mai 1678) Freiherren 
V. Rosetti zum Roseneck, Herren auf Präwald und Nussdorf Johann Franz s^rb. 
ohne von seiner Gemahlin Katharina Melichia Sophia, einer Tochter des Nikolaus, 
Reichsgrafen Petazzi von San Servolo und CastelNuovo, Freiherm zu Schwarzeneck 
und einer Freiin v. Dornberg, Kinder zu hinterlassen, 1711, Johann Marcus, General- 
vicar und Domdechant zu liaibach, als Bischof zu Biben in Istrien 9. Noveml)er 
1691 und Johann Bernhard als Oherbergrichter in Krain 8. April 1687. Die sechs 
Kinder des letzteren aus der Ehe mit Klara Konstanzia, Witwe des Marcus Witz 
v. Witzenstein, einer Tochter des Wolfgang Friedrich v. Hohen wart zu Gerlacli- 
stein und Rabenstein und der Maria Katharina Freiin v. Pranckh, f 3. August 
1718,^'*) waren: 

1. Marcus Anton, welcher folgt. 



»•) Valvasor II, 478. Gauhe I, S. 1948. 
Hellbach und Knesohke, Adelslexikon. 
»^) Seifert, Ahnentafeln I, 25. 
»") Raigersfeld.Ms. 
•'^ Schönleben, Ms., Pol. 607. 



"*) Siebmacher, Göner Adel, S. 30. 
»'*) Siebmacher, Krainer Adel, S. 17, 
Tf. 16. 

*'«) Hopf, Genealog. Atlas U, 19. 



- 256 - 

2. Jobauna Katharina, geb. 17. Jäoner 1674, ürsnlinerin zu Laibach, f 1744. 
Vf. Veroniea Konstanzia. geb. 7. Februar 1675, t 1^25, vermählte v. Bonomo. 

4. Johann Baptist, gestorben als Kind. 

5. Josef Konrad, geb. 17. September 1679, Fähnrich, f 8. September 1702. 

6. Karl Bernhard, geb. 22. December 1681, unTermählt gestorben. 

Johann Marcus Anton, Freiherr v. Eosetti zu Boseneck, Herr auf Präwald 
und Nussdorf, Erliherr der Fideieomniissgöter Schäckelhof und Neukoffel in Inner- 
ki-ain, welche er von seinem kinderlosen Oheim erbte, geb. 2. Mai 1673, erzeugte 
mit seiner Gemahlin Maria Anna Josefa, einer Tochter des Johann Karl Reichs- 
grafen V. Thurn-Valsassina-Como-Vercelli, Freiherrn zum Kreuz, zu Radmannsdorf, 
und der Anna Maxim iliana Reichsgräfin v. Auersperg zu (iutten))erg, folgende 
sieben Kmder: 

1. Maria Anna, un vermählt gestorben. 

2. Siegfried und 

3. Josef, gestorben als Kinder. 

4. Karl Leopold, welcher folgt. 

5. Johann Franz, in der Kindheit gestorben. 

6. Johann Ludwig, unvermählt gestorben. 

7. Maximiliana Eleonom, GeraahHn des Franz Josef Freiherm v. Raunach. 
Johann Karl Leopold Freiherr v. Rosetti zu Roseneck, Herr auf Präwald 

und Nussdorf, Erbherr der Fideicommissgüter Schäckelhof und Neukoffel, geb. 22. März 
1719, war noch 1774 Landesverordueter in Krain*'*^) und seit 1754 mit Henrica, 
einer Tochter des Josef Johann Ferdinand Grafen v. Pranckh und der Maria 
Theresia Gräfin v. Wildenstein, vermählt, welche ihm folgende drei Kinder gebar: 

1. Bernhard Anton Maria Vincenz Freiherr v. Rosetti zu Roseneck, Herr 
auf Präwald und Nussdorf, Erbherr der Fideieommissgüter Schäckelhof und Neu- 
koffel, geb. zu liaibach 9. Mai Höö, k. k. Kämmerer und landesverordueter in 
Ki*ain, dann landeshauptmannschaftlicher Rath zu Laibach, zuletzt Gouverneur zu 
('attaro in Albanien, -j* nach 1802, \ev\\\. 12. September 1791"') mit Maria Aloisia 
Anna, einer Tochter des Franz Adam IL Reichsgrafen v. Lamberg. Freiherrn auf 
Stein und (luttenberg, Erbherrn zu Weissenstein, Egg, Katzenstein, Dörmitsch, Ebens- 
felden, St. Johann und WolfsbiUiel, und der Maria Anna Josefa Margaretha Fran- 
cisca Agatha Johanna Eva Reichsgrüfin v. Rotthal zu Thalberg, geb. 1. November 
1760, Sternkreuzordensdame, t 1834, vorher venu, in erster Ehe 1. November 1782 
nn't Anton Raimund Josef Grafen Strassoldo, f 29. November 1785.*'*) 

2. Maria Anna Cajetana Constanzia, geb. 2ö. April 1757, unvermählt gestorben. 

3. Anton, geb. 1(5. Juli 1759, geblieben im Ttirkenkriege 1786. 

Sauer, trafen. 

Wappen: (lospalten und zweimal getheilt mit gekröntem rothem Herzsehilde, 
worin drei goldene Ruder so nebeneinander aufgerichtet, dass der Griff derselben, 
an welchem das Ruder gehandhabt wird, unten ist (Sauer), und emgepfropfter silberner 
Spitzp, worin ein geharnischter Arm mit einem Streitkolben aus einer Wolke am 

•") Willgrill 1, 410. »»^ Genealog. Taschenbuch der graflichen 

•") WlngrllL V, 877. i Häuser, Jahrg. 18,H6. 



— 257 — 

rechten Bande hervorgeht (Greisseneck). 1 in Eoth auf grünem Hügel ein doppelt- 
geschwänzter, schreitender Löwe, der in jeder Vorderpranke einen goldenen Ring 
hält (Kosiak). 2 in Schwarz ein mit drei rothen Sparren hintereinander belegter 
silberner Schrägbalken (Laun). 3 goldroth gespalten mit 3 (2, 1) Bingen belegt, 
von denen die beiden oberen roth sind, der untere halb roth halb golden ist (Kosiak). 
4 in Gold drei schwarze Spateneisen im Dreipass. 5 dreimal schwarzsilbem getheilt, 
darin ein linksgekehrter aufgerichteter goldener Bär (Ha)Tnb). 6 in Blau ein von 
zwei abgewendeten goldenen Vogelköpfen begleiteter aufgerichteter goldener Scepter 
(Haymb). Vier Helme."») 

Caspar Sauer (vom Flusse Sau) in Ober-Krain, Verwandter des Dietrich Galler. 
1313, vermählte seine Tochter Adelheid mit Diethmar I. Galler, Bitter, 1280.*«®) 

Job st Sauer lebte um 1400, venu, mit Barbara Gräfin an der San na.*") 

Clara, Tochter des Christoph Sauer, war um 1420 mit Johann v. Wernegk 
vermählt.*«») 

Wolfgang Sauer, 1444 — 1446 in Steiermark. 

1446 lebten in Krain Nikolaus und Andreas, und m Steiermark Georg, Ulrich 
der ältere, Ulrich der jüngere und Caspar Sauer. 

Jobst Sauer lebte in Krain 1446—1447; sein Bruder Martin Sauer v. Kosiak 
zum Gi-afenweg, 1447, vermählte seine Tochter Margaretha mit Ulrich Gall 
V. Gallenstein."*) 

Georg Sauer war vermählt mit Christina Preiin v. Weltz.***) Sein Sohn 
Paneraz L, nach anderen ein Sohn des Jobst, war vermählt mit Maria, Erbtochter 
des Christoph (Ludwig) v. Kosiak (eine Herrschaft zwei Meilen von Budolfswerth 
in Unterkrain) und der Elisabetha Gräfin Zrmy.***) 

Sein Sohn Jobst Sauer von und zu Kosiak war zweimal vermählt, zuerst mit 
Elisabetha oder Sibylla, Tochter des Balthasar Herrn v. der Dürr (und der Katharina 
Volckrah oder Anna v. Puchaim),***) dann mit Katharina, Tochter des Wilhelm Gall. 

Aus der ersten Ehe stammten folgende neun Kinder: 

1. Katharina, Äbtissin zu Münkendorf. 

2. Begina, Gemahlin des Andreas Mordaxt v. Portendorf. 

3. Paneraz H. s. unten. 

4. Elisabetha, f 1571, verm. 1536 mit Paneraz Preiherrn v. Schratten- 
bach, t 1559.**^ 

5. Kunegunda, Äbtissin zu Münkendorf, 1580. 

6. Christoph, General, blieb bei der Belagerung von Algier unter Karl V. 



»«) Siebmacher I, 49; 111, 43 Nr. 5 u. 
89 Nr. 9; IV, 16 Nr. 6. Meding III, 663 bis 
667 Nr. 710. Wappenbuch des Königreichs 
Bayern II, 8, 10. v. Wölckern, Abtheilung 2. 
V. Hefner, Bayrischer Adel, S. 20, Tf. 15. 
Ergänzungsband, S. 9. Gritzner, Standes- 
erhebungen, S. 386. Schmutz lU, 460. Steier- 
märkische Zeitschrift 1842, S. 102. Österrei- 
chische National-Encyklopädie IV, 492. 

•••) BuceliniIIlb,49. Wisgrilllll, 213. 
Wurmbrand, Collect. 147. Gau he 1,2019. 



Ml) Bucelini m b, 201 und 360. Lu- 
cantschitsch, Ms. 
•••) Schönleben, Ms. 
*•») Bucelini II b,H. 6. Seifert, Ahnen t. 

I, 39. 

»*) Bucelini IV b, 498. 

•M) Bucelini III b, 379. Sei fert, Ahnent. 

II, 31. 

•w) Seifert. Ahnent. I, 19, 41, 42, 61. 
Nedopil 6632. 

••') Nedopil 7817. 

17 



— 258 — 

7. Martha, Gemahlin des Adam Langenmantel. 

8. Georg Sauer v. Kosiak war 1536 General der kroatischen Grenzen und 
Comraandant zu Karlstadt, verm. mit Justina, Tochter des Johann I. Preiherrn v. 
Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein, und der Justina Reichsgräfin v. Lodron. 
Dessen Tochter Barbara war vermählt in erster Ehe mit Georg v. Rain, f 1599, 
und in zweitem Ehe mit Christoph Gall v. St. Georgenberg zu Rudolfsegg.*«*) 

9. Erasmus Sauer v. Kosiak, Besitzer der Teste Repitsch, Hauptmann zu 
Wihitsch, renn. I. mit Regina, Tochter des Friedrich HL v. Gallenberg und der 
Barbara v. Auersperg, 11. mit Magdalena, Tochter des Franz Josef Freiherm v. Egkh 
und der Elisabetha v. Attems.*'*) 

Dessen Kinder aus erster Ehe: 

1. Sibylla, Gemahlin des Constantin v. Wagensperg.***) 

2. Elisabetha, Gemahlin des Adam Daniel Freiherm Gall v. Gallenstein. 

3. Erasmus Sauer von und zu Kosiak, vermählt I. mit Felicitas, Tochter eines 
Freiherrn v. Rauber und einer v. Purgstall,***) ü. mit Magdalena Gall. Aus der 
ersten Ehe stammten eine Tochter Sibylla, Gemahlin des Johann Andreas v. 
Apfaltrern zu Möttnick, und ein Sohn Franz Sauer v. Kosiak, Rittmeister zu Karl- 
stadt, verm. mit Maria Salome, Tochter eines v. Humus und einer v. Gall zu 
Puchenstein, und aus letzterer Ehe gleichfalls eine Tochter Katharina, Gemahlin des 
Franz Barbo v. Waxenstain, und ein Sohn Franz Erasmus Reichsfreiherr Sauer v. 
Kosiak, Deutsch-Ordenscomthur zu Friesach und St. Georg. 

4. Georg Sauer v. Kosiak zu Schrattenegk, I^andmann in Kärnten, 1609 — 1611, 
verm. I. mit Barbara, Tochter des Johann Jakob v. Greisseneck und der Salome 
V. Weltz, Witwe des Siegfried v. Prank,*®*) II. mit Elisabetha, Tochter des Andreas 
Freiherm v. Haymb und der Felicitas Leiningerin. *••) Aus der zweiten Ehe stammten 
drei Töchter: Felicitas, Anna Elisabetha und Veronica und ein Sohn Georg Andreas 
Reichsfreiherr Sauer v. Kosiak, verm. mit Barbara Susaima Freiin v. Schratten- 
bach. Dieser hatte fQnf Kinder: Maria Eleonora, Susanna Elisabetha, Franz Georg, 
Ferdinand Ernst und Anna Katharina. 



Pancraz II. Sauer von und zu Kosiak, 1495 Landesbeisitzer, stand in kaiser- 
lichen Kriegsdiensten in Spanien und Italien, vermählt mit Magdalena, Tochter des 
Wolfgang Freiherrn v. Lamberg auf Ortenegg und Ottenstein zu Schnee berg und 
der Klara Gall v. Gallenstein zu Möttnick und Rudolfiseck. Seme Tochter Anna war 
die Gemahlin des Adam Freiherm v. Raub er zu Plankenstein und Karlstetten, 
1594, und sein Sohn Johann Ludwig Sauer v. Kosiak, Landmann in Kärnten, 
1609 — 1611, war verm. I. mit Anna, Tochter Karl v. Weixelburg mid der Katharina 
V. Gallenberg, 11. mit Veronica, Tochter des Andreas Freiherrn v. Haymb und der 
Felicitas v. Leiningen, HI. mit Rosina v. Gaisruck. Aus der ersten Ehe stammten 
der Sohn Johann Karl, welcher folgt, und die Töchter Magdalena, verm. L mit 



*^) Wisgrill III, 208. Nedopil 3428 
und 3447. 

"•) Hübner 831. 
«») Hübner 890. 



••«) Wisgrill I, 142. 
"«) Bucelini III b, 61. 
"•) Bucelini III b, 72. 



— 259 — 

6eorg Sigismund EaurabsehtiPseK II. mit Wolfgang Nikolaus Freiherrn y. Win- 
diseh-Grätz,*®*) und Katharina, Gemahlin des Sigismund Georg v. Neuhaus, und 
aus der zweiten Ehe Andreas und Paneraz, t zu Genua 1623. 

Andreas Reiehsfreiherr Sauer v. Kosiak auf Wöllau und Schönstein in Steier- 
mark, kaiserlicher innerösterreichischer Kriegsrath und Oberkriegscommissär in 
Käniten, General und Commandant zu Wai-asdin und Karlstadt, f 1648, verm. mit 
Susanna Elisabeth, Tochter des Anton Freiherrn v. Cronegk zu Glaneck und der 
Sophia V. Siegerstorff.***) Deren Kinder waren: 

1. Veronica Sophia , Gemahlin des Johannn Balthasar Freiherrn 
V. Kulmer.^^) 

2. Maria Elisabetha. 

3. Johann Andreas Reichsgraf Sauer v. Ankenstein zu Kosiak auf Wöllau, Schön- 
stein, Lilgenberg und Domau in Steiermark, I^ndreehtsbeisitzer und Landschaftsver- 
ordneter in Kärnten, verm. mit Susanna Regina Herrin v. Schärffenberg, hatte 
acht Kinder: Maria Elisabetha, Andreas Ludwig, Regina Cäcilia, Georg Christoph, 
kön. spanischer Fähnrich in Sicilien, Karl Josef, Friedrich Ludwig, FranciscÄ Sidonia 
und iVanz Philipp. 

4. Anna Magdalena. 

5. Regina, Gemahh'n des Franz Richard Schweicard Freiherm v. Raumb- 
schüssel. 

6. Crescentia. 

7. Maria Elisabetha, 

8. Friedrich, kön. span. General, Coadjutor des Erzbisthums zu Mailand. 

9. Eva. 

10. Sophia. 

11. Reichsgräfin Maria Mechtildis, Gemahlin des Johann Franz Grafen v. 
Platz.»»') 

Johann Karl, s.d. Wien 2. Mai 1630 Reichsfreiherr Sauer v. Kosiak, 
kaiserlich inuerösterr. Regierungsrath in Krain und Verordneter in Steiermark, •{• zu 
Graz 1646, verm. I. mit Crescentia, Tochter des Johann Franz v. Greisseneck 
und der Elisabetha v. Lamberg zu Sauenstein; IL mit Anna Margare tha Freiin v. 
Seh rattenbach. Aus der ersten Ehe stammten eine Tochter Katharina Elisabetha, 
Gemahlin des Adam Seyfried Raumbschtissel Freiherrn v. Schöneck, und drei 
Söhne: Johann Ludwig, welcher aus erster Ehe mit Renata v. Jöchlingen eine 
Tochter Maria Theresia und aus zweiter Ehe mit Maria Francisca Gräfin v. Schrat- 
tenbach flinf Kinder: Isabella Concordia, Maximilian Ferdinand, Anna Rebekka, 
Josef Emest und Wolfgang Raimund hatte , Franz Sigismund, unvermählt f zu Graz 
1659, und Georg Friedrich und aus der zweiten Ehe eine Tochter Theresia, 
Benedictinerin zu Göss in Steiermark. 

Georg Friedrich, s. d. Wien 27. August 1668 Reichsgraf Sauer von 
und zu Ankenstein, Freiherr zu Kosiak, Herr auf Wöllau, Schönstein, Lilgenberg 



, »•«) Hoheneck II, 166. 
"») Wisgrill II, 171. 



•^) Nedopil 8062. 
••») Nedopil 4662. 

17» 



— 260 — 

nnd Dornau, seit 9. December 1672 Erblandvorschneider in Krain und der windi- 
schen Mark, k. k. Kämmerer , Ratli und Oberst-Proviantmeister der windischen und 
Petrinianischen Grenzen, lÄndsehaftsverordneter in Steiermark, t 27. September 
1695, verm. 22. Juli 1655 mit Maria Barbara, Tochter des Ehrenreich ßeichs- 
grafen v. Trautt mannsdorff auf Tautenburg und Kirchberg zu Rakitsch in Kopreinitz 
und der Rosina Barbara Preiin v. ürsenbeck, begraben am 3. Mai 1679 in der 
Kapuzinergruft zu Pettau.*^) 
Deren Kinder: 

1. Maria Anna. 

2. Maria Cäcilia Antonia, Superiorin im Benedictinerinnenkloster zu Göss. 

3. Maria Barbara. 

4. Maria Francisca Theresia, Benedietinerin zu Göss. 

5. Leopold, welcher folgt. 

6. Ferdinand Friedrich. 

7. Maria Clara, Benedietinerin zu Göss. 

8. Georg Sigismund, Canonicus zu Pettau. 

9. Maria Aloisia Juliana, Nonne zu St. Georgen am Längsee in Kärnten. 

10. Franz Anton, Land- und Hofrechtsbeisitzer in Steiermark, Malteserordens- 
(>)mthur zu Ebenfurt, wurde 1736 mit einem Pistolenschusse durch den Kopf zu 
.Mantua im Bette todt gefunden. 

11. Maria Victoria, Hofdame der Königin von Polen zu Innsbruck. 

12. Erasmus Friedrich Rupprecht, kaiserl. innerösterr. geh. Rath, t 1717, 
verm. nlit Maria Eleonora, Tochter des Christian II. Reichsgrafen v. Egkh und 
Hungersbach und der Eva Christina Freiin v. Speidl auf Vattersdorff, kaiseri. Hof- 
dame, t 1755. *w) 

Leopold Karl Reichsgraf Sauer von und zu Ankenstein, Freiherr zu Kosiak, 
Herr auf Wöllau, Schönstein, Lilgenberg und Dornau, Erblandvorschneider in Krain 
und der windisehen Mark, hatte aus seiner Ehe mit Maria Francisca, Tochter 
des Georg Friedrich Grafen v. Mörsberg und Beffort und der Maria Eleonora 
Freiin v. Offenheim,*®®) zwei Töchter: Maria Barbara und Maria Clara und einen 
Sohn: Franz Georg Leopold Reichsgrafen Sauer von und zu Ankenstein, Freiherrn 
zu Kosiak, Herrn auf Wöllau, Schönstein, Lilgenberg, Dornau, Ebensfeld und St. 
Johann, Erblandvorschneider in Krain und der windischen Mark, verm. 4. August 
1711 mit Maria Anna Antonia, Tochter des Johann Maximilian Christoph Grafen 
V. KhucDbiu'^' zu Steyerberg, Khuenegg, Tamsweg und Neukirchen auf Brunsee, 
Rali^jihof, Ol KT- Rakitsch. Burgschleinitz, Freynpüchel, Kopreinitz und Holleneck 
und iinr Kvft Kleonora Gräfin v. Mörsberg und Beffort.*®^) Aus dieser Ehe stammten 
'iy^i*\ Töp|ik*r: Maria Antonia, f '^^ Wien 1. September 1782, verm. 1746 mit 
Frara dfiru ülh-ren Grafen Eszterhdzy v. Galantha, Erbherrn aufFmkno, Besitzer 
iU*r ]hnsi*]inüi^n Papa, Tatta, (lestkes. Devetser und Ugod, f 1758,*®*) und Maria 
Anrtn* i^t^K 1719, gest. 1(5. Sept. 1764, verm. 14. Jänner 1737 mit Emmerich I. 

***} Kedo]»ll ßR81, 6688, 6ß84, 6686, 6686. ] *»») Wisgrill V. 329. Nedopil 5537, 

tMH, 5fi4L I 8140, 9087, 9088 u. 9464. 

•^'j WihtrriU II, 880. I ••») Wisgrill II, 461. 

•W^ Kt*<^J|M] 6f>40, 6642, 9085. 1 



S 



i 



— 261 — 

Ernst Grafen Batthyany v. Neraet-Üjvar auf GOssing, Pinkafeld und Fernstem, 
Besitzer der Herrschaften Schlaming, ßechnitz, Neuhaus und Könnend, t 1774 «ö^, 
und ein Sohn Johann Christoph Thaddäus Franz Walburgis Oajetan Reichsgraf 
Sauer von und zu Ankenstein, Freiherr zu Kosiak, Herr auf Schönstein, WöIIau, 
liilgenberg, Dornau, Ebensfeld und St. Johann, Erblandvorschneider in Krain und 
der windischen Mark, und seit 1765 Indigena in Ungarn, k. k. wü-kl. geheimer 
Rath und Kämmerer, mnerösterreichischer Gubemial-Vieepräsident und Präses der 
steiermärkischen Ackerbaugesellschaft, geb. 9. März 1718, t zu Graz 22. Juli 1793, 
verm. I. 24. November 1741 mit Maria Cajetana Walburgis Elisabetha, Tochter 
des Wenzel Karl Reichsgrafen v. Purgstall zu Krupp und Freyenthurm, Besitzers 
der Herrschaften Riegersburg und Hainfeld, und der Maria Anna Clara Reichsgräfin 
von Mörsberg und Beffort, geb. 11. Mai 1723, f 1781 ;«ö^) IL 1782 mit Maria 
Agnes, Tochter des Christoph Ferdinand Grafen v. Nimptsch und der Maria 
Magdalena Freiin v. Gilleis, geb. 30. Juli 1737, war verm. in erster Ehe 17. Febr. 
1760 mit Johann Maximilian Probus Grafen v. Wildenst'ein, 1 14. März 1779.*®*) 
Dessen Kinder aus erster Ehe waren: 

1. Cajetan, geb. 29. Juli 1743, Ritter des St. Stephans-Ordens, kön. ung. Hof- 
rath, geistlicher Hofcommissär und Septemviraltafel-Beisitzer , Domherr zu Waitzen, 
Domprobst zu Großwardein, Bischof in partibus, t zu Großwardein 29. August 1811. 

2. Franz, geb. zu Graz 19. Juli 1746, ein ausgezeichneter Kanzelredner. 

3. Leopold Cajetan Seraficus, geb. zu Graz 26. August 1748, vom Admini- 
strator Herzog von Lothringen in die Deutschordens-Ballei Österreich aufgenommen, 
erhielt in der Hofkirche zu Mergentheim 25. Juni 1775 durch den Statthalter von 
Eptingen den feierlichen Ritterschlag, Comthur zu Meretinzen, Hochmeisterischer 
Hof-, Regierungs- und Kammerrath, f zu Graz 1. März 1800; schrieb „Die Vor- 
urtheile, welche dem Braehabstellen noch im Wege sind", Graz 1798. 8*.*^) 

4. Maria Anna, erste Gemahlin des Karl Reichsgrafen v. Gleispach. 

5. Ignaz Josef Maria. Domcapitular, königl. Caplan, geistlicher Rath und 
Schulcommissions-Präsident in Regensburg, geb. 1765, immatrikuliert bei der Grafen- 
elasse m Bayern 11. Februar 1814. 

6. Francisca Salesia Maria Cajetana Andrea Avelina, Sternkreuzordensdame, 
geb. 18. September 1766, f 18. September 1840, verm. 28. September 1789 mit 
Karl Reichsgrafen v. Gleispach auf Waldegg, Ober-Rakitsch, Kainberg und Pirk- 
wiesen, t 23. Januar 1812.«<>') 



Wlntershofen, Freiherren. 

Georg V. Wintershofen in Steiermark, um 1399, war verm. mit Katharina, 
einer Tochter des Otto v. Greissen***), — einer seiner Nachkommen mit Ju- 
liana, einer Tochter des Johann v. Pranck und der Margaretha v. Helffenberg, 



••») Nedopil 8908. 

^) Varrentrapp, Genealog. Handbuch« 
1797, II, 206. Nagy X, 80. Nedopil 6589, 
8462, 9086. 

•*) Krebel,Geneal. Handb. 1786, IL 216. 



•»«) Nedopil 9084. 
••') Nedopil 8460. 

^ Genealog. Taschenbuch der freiherrl. 
Häuser 1849, S. 546. 



— 262 — 

verwitweten v. Holnet^k.***) und Mathias v. Wintershofen mit Kunigunda Freiin 
V. Franc k. Des letzteren Sohu Georg v. Wintershofen auf Draehenburg und Peillen- 
stein hinterließ Gottfried Ehrenreich, s. d. Wien 15. December 1685 Freiherrn 
V. Wintershofen zu Drachenburg auf Peillenstein. f 1697. letzterer hatte aus seiner 
ersten Ehe mit einer v. Dienersperg***) einen Sohn Johann Gottfried, welcher 
in den Paulaner-Orden eintrat, und aus der zweiten Ehe mit Anna Crescentia 
Gräfin v. Beising zu Hardt. welche in zweiter Ehe seit 5. August 1699 mit Georg 
Adam Freih. v. Grimschitz auf Schönstein, Wartendorf und Pöllenstein, f 4. Januar 
1757. vermählt war.**^) eine Tochter Maria Theresia, Gemahlin des Aj)ton:Freiherrn 
Orssich v. Szlavetich, und zwei Söhne, von welchen Sigismund zu Graz von einem 
Freiherrn v. Adlerscron im Duell getödtet wurde, und Johann Jakob Freiherr v. 
Wintershofen zu Drachenberg auf Peillenstein, f 1712, mit seiner Gemahlin 
Maria Anna, einer Tochter des Hyacinth Freiherm v. Rechbach auf Medemdorf 
und der Katharina v. Haidegg, eine Tochter Maria Anna, Gemahlin des Leopold 
Eberhard Grafen Barbo v. Waxenstain,*") und zwei Söhne erzeugte, von welchen 
Karl Josef in kinderloser Ehe mit Renata Theresia, einer Tochter des Georg 
Seyfried Reichsgrafen v. Purgstall zu Krupp und Freyenthurm auf Gradetz 
imd der Alemanna Veronica v. Pahnburg, lebte, und Johann Jakob Freiherr v. Wm- 
tershofen zu Drachenburg auf Peillenstein, f 1748, mit Anna, einer Tochter des Karl 
Josef Grafen Rattkay v. Nagy-Tabor und der Christina Grätin Keglevich v. Buzin 
vermählt war.***) Diese gebar ihm eine Tochter I^opoldine, venu. 1779 mit Anton 
Freih. v. Moscon auf Bischätz und Mannsberg, und einen Sohn Josef Freiherrn v. Win- 
tershofen zu Drachenburg auf Peillenstein, welcher mit seiner Gemahlin Eleonora 
Reichsgräfin v. Thurn-Valsassina drei Kinder erzeugte: Eleonora, venu, mit Alois 
Freiherm V. (i allen fels, Aloisia, Gemahlin des Ladislaus Federoczy v. Borkovez, 
und Vincenz Freih. v. Wintershofen zu Drachenburg auf Peillenstein, f 11. August 
1820.«»*) 

Zetsehger, THchetoehker, Freiherren. 

Georg Tschetschger zum (iritsch lebte 1563.*^*) Seine hinterbliebene Tochter 
Elisabetha vermählte sich am 4. Jänner 1579 mit Hans Seidl zu Gonovitz.**') 

Anton Tschetschkher war 1575 mit einer Praunspergerin und seine Tochter 
mit Benedict III. v. Mossheim vermählt.**') 

Valentin Tschetschkher if enn 12. Sept. 1585,***) seine Gemahlin Margaretha 
am 18. Juui 1582; beide wurden bei St. Peter in Ijaibach beigesetzt. 

Der Sohn des Vincenz Tschetschkher, Michael Tschetschkher zum Gritsch, 
lebte noch 1587, war zweimal vermählt, und zwar in erster Ehe mit Barbara Bernegkh, 



*^*) Stammbuch des Adels in Deutschland 
IV, 209. 

•»•) Schönleben, Ms. 



•^) Bucelini IJ, R. 2. 

*'^) Laoantsohitsch, Ms. 

**') Genealog. Taschenbuch für freiherrl. 

Hiluser 1874. 8. 228. I .... Copulaüonsbuoh 

•'•) W i « g r i 1 1 I, 208. Jahrbuch des , Adler- ; . J „ *^ , „ " „ 

1881. 8. »2. Tf. II. I •")Bucel.niIIb.P2 

•'•) N»gy iTän VIII, 668-66Ü. i *") Sterbebuch. 



- 263 — 

t 2. Juni 1580, und in zweiter Ehe am 27. August 1584 mit Anna, Tochter des 
Christoph G u s t at s c h i t s c h.*'*) Von letzterer hatte er emen Sohn Christoph 
Tsehetsehker v. Gritsch, 1590, verm. 1586 mit Maria v. Bain,"®), dessen Sohn 
Wolfgang Engelbert Tsehetsehker v. Erekenstein und Weinbiehl, 1616, mit 
seiner Gemahlin Sibylla Sidonia, einer Tochter des Adam Daniel Preiherrn 
Gall V. Gallenstein und der Elisabetha Sauer v. Kosiak,®^^) zwei Söhne, Adam 
und Franz, erzeugte, welche den Stamm in zwei Äste theilten. 



A. Der ältere Ast 

Adam Freih. v. Zetschger war in erster Ehe mit Maria Katharina, einer 
Tochter des Jobann Adam v. Gallenberg und der Felicitas v. Scheyern,"*) und 
in zweiter Ehe mit Katharina Magdalena, einer Tochter des Gottfried Gall zu 
Eudolfseck und der Maria Sidonia Fanckel v. ürzing, wiedervermählt m zweiter 
Ehe mit Andreas Daniel Freih. Mordaxt v. Portendorf, seine Tochter aus erster 
Ehe, Sidonia Felicitas mit Franz Christoph Freiherrn v. Engelshaus***) und 
sein Sohn aus zweiter Ehe, Franz Engelbert Freiherr v. Zetschger, f 1703, mit 
Barbara, einer Tochter des Sebastian v. Bezenhaimb und der Maria CäciUa v. 
Krazenbach, vermählt. Von den beiden Söhnen des letzteren vermählte sich der 
ältere, Johann Seyfried Freiherr v. Zetschger zu Ober-Erckenstein mit Clara 
Constanzia, einer Tochter des Georg Andreas Graffenweger v. GrafiFenau und 
der Maria Katharina Lach v, Lachenhaimb, welche ihm drei Kinder: Franz Ignaz, 
Hauptmann im Eegimente Pfalz, Franz Ferdinand, f ^^ Gurkfeld, und Anna 
Josefa, Gemahlin des* Franz Leopold v. Seethal, gebar, und der jtingere, Franz 
Em est Freiherr v. Zetschger erzeugte mit seiner Gemahlin Sidonia Graffenweger 
V. GrafiFenau, einer Schwester seiner obengenannten Schwägerin, gleichfalls drei 
Kinder: Franz, welcher 1750 Hauptmann im Regimente Moltke war, Maria Anna 
und Josefa. 

B. Der Jflngere Ast. 

Franz Erasraus v. Zetschger, f zu Erekenstein 18. Nov. 1662. Aus seiner Ehe 
mit Maria Sidonia , einer Tochter des Sigismund Friedrich Beichsgrafen v. Tatten- 
bach und Rheinstein und der Maria Salome Freiin v. Lamberg, geb. 13. April 1625,***) 
stammten 'zwei Töchter: Anna Maximiliana, verm. in erster Ehe 20. Juli 1687 mit 
Johann Weichard Freih. v. Valvasor auf Wagensperg, f im Sept. 1693, und in 
zweiter Ehe mit Johann Georg Freih. v. Wernegk, und Maria Sibylla, Gemahlin des 
Georg Sigismund v. Wernegk, und zwei Söhne: Johann Herward v. Zetschger 
auf Guteneck, dessen Gemahlin Johanna Theresia, eme Tochter des Johann Ernst Grafen 
Paradeiser, Freiherrn von und zu Neuhaus und Gradisch, Edlen Herrn auf Kollnitz 
und Maihau, und der Begina Elisabetha Freiin v. Apfaltrern, f zu Batschach im 
Deeember 1714, in zweiter Ehe mit Johann Marcus Anton Freih. v. Witzenstein 
vermählt war, und Sigismund Wilhelm Zetschger v. Weixelstein und Ober-Ercken- 



***) Lucantschitsch, Ms. 
^ Luoants'chitsoh, Ms. 
••») Buoelini IIb. H 6. 
•») Huber UI, 909. 



•") N e d p 11 3662 , wo irrthümlich 
„Tschetschler** steht 
"*) Hübner III. 856. 



^ 264 - 

stein, welcher mit seiner (iemahlin Eleonora Barbara, einer Tochter des Adam 
Seyfried Raumbschüssl Freiherrn v. Schöneck und der Katharina Elisabetha 
Beichsfreiin Sauer v. Kosiak, verwitweten v. Saurau, folgende vier Kinder erzeugte: 
Franz, Maximihan Anton, Dominikaner, Johanna Christina, Klosterfrau zu St. An- 
dreae in Kärnten, imd Adam Seyfried, welcher unvermählt starb. 

Franz Sigismund v. Zetschger zu AVeixelstein vermählte sich 1705 mit JVlaria 
Anna, verwitweten Reffinger, einer Tochter des (leorg Sigismund Freiherm v. 
Egkh und Hungersbach und der Maria Francisca v. Kezenhaimb, welche ihm fol- 
gende filnf Kinder gebar: 

1. Wilhelm, 1749 Fähnrich. 

2. Maximilian Ulrich. 

3. Antonia, vermählte Shuadon. 

4. Francisca, vermählte Freifrau v. Adelstein auf Guteneck. 

5. Amalia. 



Die Wappen der Äbte der Prämonstratenserstifte 
Gieras and Pernegg. 



Von 

SCvLgro O-eraird. Strölil. 




m Viertel ob dem Manhartsberge, im sogenannten Waldviertel 
Niederösterreichs, liegt ziemlich nahe der mährischen Grenze, drei 
Stunden nördlich von der Stadt Horu, an der Straße nach der 
■<^,^^^^^r^ alten Grenzveste Drosendorf der kleine Markt Geras mit dem 
^^^^eO^ regulierten Prämonstratenser- Chorherrenstifte gleichen Namens. 
/^-^\ Südwestlich von Geras, circa eine Meile entfernt, auf einer Anhöhe 
an der Öffnung des sogenannten Mödringer Grabens, finden wir die Beste des 1783 
aufgehobenen und mit Geras vereinigten Prämonstratenserstiftes Pernegg, dessen 
Geschichte mit jener von Geras so innig verknüpft ist, dass eine Trennung der beiden 
kaum durchzuführen wäre. 

Der Name Geras dürfte von dem altdeutschen Personennamen Geralt abzuleiten 
sein,^) der Träger dieses Namens vielleicht jener fräiikisch-bayuvarischen Colonisteu- 
schar angehört haben, welche zur Zeit Karl des Großen im Waldviertel sich sesshaft 
machte. In der ältesten Urkunde des Stiftes Geras, im Schirmbriefe des Passauer 
Bischofes Theobald, Graf von Berge, fiir die Oanonien Geras und Pernegg vom 
Jahre 1188*) finden wir die Namen „Jeros et Pernnhek", in einer Urkunde vom 
Jahre 1219') Jerus, später Jerocensis, Jaruss u. s. w. Das G hatte sich also in das 
weichere J verwandelt, höchst wahrscheinlich durch eine Slavisierung des altdeutschen 
Namens Geras. 

Die ersten Chorherren in Geras kamen aus dem Stifte Selau in Böhmen, 
welches von dem Kloster Steinfeld in der Eifel seine Bewohner hatte, (1449) und 
auch viele der später eingetretenen Chorherren entstammten den deutschen Ländern. 

') Geralt — Geralts — Geräts — Geras. ! ') Urkurden des Prämonst.-St. Geras, von 

Siehe „Daher der Name Geras l*' („Der Bote i Th. Mayer, Archiv, Jahrg. 1849, S. 9. 
aus dem Waldviertel", Hom 1894, Nr. 406.) •) Ebenda, S. 11. 



- 266 — 

Erst seit dem XVIII. Jahrhundert j eerutiert sieh die Mehrzahl der Ordeosbrüder in 
Geras aus Böhmen und Mähren.^) Die Slavisierung des Namens dürfte also allem An- 
schein nach nicht von den Geraser Chorherren selbst, sondern von Außenstehenden 
veranlasst worden sein. Seit 1511 erscheint wieder die alte deutsche Schreibweise 
Geras, davon lateinisch: Gerasensis, Geracensis, Gerusensis u. s. w. und blieb von 
nun an stets im Gebrauehe. 

Die Ableitung des Namens Jeros von dem griechischen Worte U^6g (Hiöros 
= heilig), also „heiliger Ort" in Bezug auf das Kloster, ist wenig stichhältig,*) weil 
höchst wahrscheinlich die Örtlichkeit, wo das Stift gegründet wurde, zu jener Zeit 
bereits einen Namen trug. Herzog Friedrich 11. spricht allerdings in seinem Stiftbrief, 
ddo. 15. Juli 1242,*) welcher jetzt den verloren gegangenen ersten Stiftungsbrief 
ersetzen muss, nur von einem „locus" (et in loco qui Jerus dicitur), doch findet 
sich bereits in einer Urkunde des Bischofs Konrad über die Pfarre Zistersdorf 1160 
ein Eckebert von Geras als Zeuge, ^) wahrscheinlich ein Verwandter der Dynasten 
von Pernegg. Es war somit ein Geschlecht in Geras ansässig, welches sich nach 
dem Orte benannte, und wenn auch die Stiftung ein paar Jahre (circa 1152 — 1159) 
vor der Ausstellung dieser Urkunde erfolgte, so ist doch mit einiger Sicherheit anzu- 
nehmen, dass die Herren von Geras schon etwas länger an jenem Orte sesshaft 
gewesen sein dürften. * 

Die Slavisten behaupten dagegen, Geras sei ursprünglich eine slavische Golonie 
gewesen, und leiten den Namen Jeros, Jerus, Jaros, wie er in den lateinischen Ur- 
kunden vorkommt, direet von dem slavischen Personennamen Jaros (Jaroslav) ab. 
Diese Annahme hat jedenfalls immer noch mehr Wahrscheinlichkeit flir sich, als 
die etwas weit hergeholte Ableitung aus dem Griechischen. 

Ulrich, Herr von Pernegg,*) erscheint als Stifter der beiden Klöster, und dürfte 
diese Stiftung in dem Zeiträume von circa 1152 — 1159 erfolgt sein. Der Stiftungs- 
brief sowie manch andere Urkunde aus jener Zeit ist leider im zweiten Viertel des 
XIII. Jahrhunderts verloren gegangen, •) infolge dessen eme bestimmte Angabe des 
Gründungsjahres nicht mehr möglich ist. 

Die bereits erwähnten Urkunden aus den Jahren 1188 und 1242 geben nur 
sehr spärliche Mittheilungen über diese Stiftungen, und alle von den Geschichts- 
forschern versuchten Ergänzungen bleiben doch mehr oder minder nur Vermuthungen. 

Der Stiftbrief Hei-zog BMedrich des Streitbaren (1242) spricht von dem Stifter 

Ulrich nobilis VIricus olim de bernek , femer wird der Beihilfe Heinrich I. 

Jasomirgotfs .... et domini Hainrici attaui nostri ducis austrie und dessen 

Bruders Konrad L, Bischofs von Passau (1148—1164) .... Chunradi patauiensis 

^) Catalogus Canonicoram Begularium S. ac ! ^) Die Grafschaft Pernegg war ziemlich 

C. 0. Prämonstr. Canoniae Gerusenae. 1893. 1 umfangreich ; sie erstreckte sich von der Donau 
Von 29 Brüdern stammen 13 ans Böhmen, durch das ganze Waldviertel bis an die mäh- 

11 aus Mähren und nur 5 aus Österreich. | rische Grenze. 

•) Der Historiograph von Geras, F. Hieron. 
Alram, gibt 1176 .als Jahr des Verlustes an. 
Th. Mayer spricht sich für das Jahr 1230 aus, 
weil in diesem Jahre das Kloster anlässlich des 



•) „Woher der Name Geras?« („Der Bote 
aus dem Waldviertel**, Hom 1894, Nr. 406.) 

•) Urkunden des Prämonstr.-St. Geras, von 
Th. Mayer, Archiv, Jahrg. 1849, S. 16. 



'') Schweickhardt v. Siokingen, Darstellung Aufstandes der Kuenringer verwüstet wurde. 

Erzh. Österr. u. d. Enns, IV. Bd., S. 229. 1 



i 



- 267 — 



episcopi Erwähnung gethan. Nachdem aber Bischof Konrad als Anhänger des 

Papstes Alexander III. 1160 von Kaiser Friedrieh I. von seinem Bischofssitze ver- 
trieben wurde,**) so verbleibt iHr die Gründung von Pemegg und Geras nur die 
Zeit von 1149—1159. 

Einen weiteren Beleg ftr die Gründungszeit finden wir in der Chronik, welche 
von Gerlach, Abt des Prämonstratenserstiftes Mühlhausen in Böhmen (geb. 1165, 
Abt 1187, t 1222?), um die Wende des XII. Jahrhunderts geschrieben wurde.") 

Dieser, jetzt im Besitze des Stiftes Strahov in Prag befindliche wertvolle, leider 
verstümmelte Codex enthält unter anderem auch eine Lebensbeschreibung des ersten 
Abtes von Selau (Siloe), des frommen Gottsehalk (geb. 1117, Abt von Selau 1149, 
t 1184), und erzählt, dass von diesem Abte das Stift Geras mit Prämonstratensern 
aus Selau, Pemegg mit Prämonstratenserinnen aus dem unter dem Pater Abbas von 
Selau stehenden Kloster Lounowic (Lunevicium) bei Wlaschim in Böhmen**) besiedelt 

wurde, und zwar um die Mitte seiner liebenszeit in dimidio dierum suarum 

also circa um 1150. 

Sowohl Selau, ehemals ein Benediktinerstift, wie auch das neugegründete Kloster 
Lounowic wurden erst 1149 von dem Weißen Orden übernommen, und die beiden Stifte 
dürflien wohl kaum in der Lage gewesen sein, sofort eine Anzahl von Ordensbrüdern 
und Schwestern an Geras und Pernegg abtreten zu können. Es dürften doch einige 
Jahre verstrichen sein, ehe diese Besiedelung ausführbar wurde. Mithin verkürzt sich 
der angenommene Zeitabschnitt, wenn man diesen Verhältnissen Rechnung tragen will. 

Die meisten Schriftsteller nehmen an, Ulrich habe ursprünglich Pernegg für 
die Chorherren, Geras für die Chorfrauen als Wohnsitz bestimmt, sei aber später 
davon abgekommen und habe Geras für die Chorherren eiiigerichtet. Der Prämon- 
stratenserorden besaß bis zum Ende des ersten Drittels des XII. Jahrhunderts zumeist 
Doppelklöster (Monasteria duplicia) fiir beide Geschlechter, doch zeigten sich bald, 
wie leicht begreiflich, trotz der sorgsamsten gegenseitigen Absperrung, Verhältnisse, 
welche der klösterlichen Zucht nichts weniger als forderlich sein konnten, so dass 
auf dem Generalcapitel zu Premontre (1137) beschlossen wurde, die Doppelklöster 
aufzuheben und eigene Nonnenklöster zu errichten. 

Vielleicht hatte Ulrich von Pernegg ursprünglich ehi solches Doppelkloster m 
Pernegg im Auge und sah sich erst später veranlasst, für ein eigenes Chorherren- 
stift in dem auch fiir den Betrieb der Landwirtschaft besser geeigneten Geras zu 
sorgen. Doch ist aus naheliegenden Gründen anzunehmen, dass Geras zuerst besie- 
delt und erst von Geras aus das nahegelegene Pernegg für die Chorfrauen ein- 
gerichtet wurde, welches Kloster von allem Anfange an Geras quoad spiritualia et 
temporalia unterstellt war. 

Selbstverständlich hat auch hier Frau Sage um diese Klosterstiftung ihr Kränzlein 
geflochten. Sie erzählt, dass der mächtige und reiche Ulrich von Pernegg, nachdem 
er Witwer geworden war, sich auf seinem Schlosse einen kleinen Harem mit zwölf 
jungen, hübschen Dämchen eingerichtet habe, wahrscheinlich nach einem ihm durch 



*•) Konrads Nachfolger, ßuppert, wurde 
1159 zum Bischof ernannt. J. Schöller, Die 
Bischöfe von Passau, 1844. 

'*) Zur Gründungsgeschichte der P. St. Geras 



u. Pernegg. A. 2äk, Blätter des Vereines für 
Landeskunde v. Niederösterr. Wien 1891, S. 9. 
^') Errichtet 1149, 1420 von den Hussiten 
zerstört. 



268 — 



die Erzählungen der Kreuzfahrer bekannt gewordenen roorgenländischen Muster, und 
nun lustig darauf los lebte, bis plötzlich der fromme Abt Berthold von Garsten 
(t 1 142) diesen Allotria ein Ende bereitete. Berthold, von Ulrich eingeladen, besuchte 
eines Tages diesen christliehen Muselmann auf seinem Schlosse und war natQrlich 
von der dort herrschenden Paschawirtschafl nichts weniger als erbaut. Er machte 
UMch Vorstellungen über diese sonderbare Lebensweise eines Abendländers und bat 
ihn, die Liebe mit etwas weniger Abwechslung zu genießen, aber ohne besonderen 
Erfolg. Der Herr des Schlosses versprach zwar, die Fräuleins zu entlassen, bestellte 
aber dessen ungeachtet eine der zwölf Schönen zu sich. Als die Jour habende Dame 
dem Rufe folgen und ihr Gemach verlassen wollte, ward es ihr unmöglich sich vom 
Platze zu bewegen. Dieses seltsame Ereignis machte auf den Schlossherrn einen 
mächtigen Eindruck, er sah darm einen Fingerzeig Gottes, und schaffte bis auf eine, 
welche er zur rechtmäßigen Gattin erwählte, die Fräuleins aus dem Schlosse. Die 
Sage behauptet nun weiter, Uhich und seine Gemahlin haben zur Sühne ihrer morgen- 
ländischen Extravaganzen die Klosterstiflung in Angriff genommen. — Vielleicht stedd; 
in diesem pikanten Geschichtchen ein Kömchen Wahrheit; wer könnte aber Beweise 
dafür schaffen? 

Wie die Stiftungsgeschichte, ist auch die Familiengeschichte des Stifters in ein 
Dunkel gehüllt, das kaum zu durchdringen sein dürfte. Wir wissen nur, dass die 
Herren von Pemegg zu den reichsten und angesehensten Dynasten Österreichs zählten, 
ihre Abstammung aber konnte bis dato nicht vollkommen ergründet werden. Ur- 
kundlich feststehend ist bloß folgender Stammbaum: 

Ulri ch I. von Pemegg, Stifter Ton Geras und P emegg, 1146, 1147, 1168, 1161, t circa 1170. 
Egbert I., Vollender der Stiftung. 1171, 1186, 1190. f circa 1199. Gem. Hadewig. 



Ekbert IL, 1188. Ulrich II., 1188, 1190, 1200, 1218, Comes 

de pernekke 1216, t circa 1220. 

Sohn. 



Eafemia, 1188. 



Unter Abt Dietmar von Geras urkundet nämlich Bischof Theobald (Göttweig 
1188), dass der Edle Ekebert von Pemegg, dessen Gemahlin Hadvng und deren 
Kinder üdalrich, Ekebert und Eufemia für ihr und ihrer Verwandten Seelenheil 
die beiden Klöster Geras und Pemegg mit allem zugehörigen Besitze dem Bisthum 
I^assau frei aufgegeben und das Yogteirecht als passauisches Lehen für sich, ihre 
Kinder und Nachkommen in directer Abstammung zurück empfangen haben. 

Auch als Zeugen erscheinen die hier namhaft gemachten Pernegger häufig in 
<l«n Urkunden jener Zeitperiode, doch würde es uns zu weit führen, wollten wir alle 
di(;8e Belege für die Existenz der Pernegger hier aufzählen. 

Mit dem Sohne Ulrich IL, von welchem Ennenkels Fürstenbuch (1230) kurz 
erwähnt: „Der Grave Ulreich, des Grafen Ekkprechts sun von Pemek, der gewan 
ain Sun. der was em Narr und Tor, vnd ist noch heit ein narr, Der was des nicht 
w<ert, das er das aigen het, vnd des under want sich herczog lewpold,**) so ist esher 
ehommen",") verschwindet das alte Geschlecht der österreichischen Perneggs") 



"; Bauch, Scripte. I., pag. 248. 

**) Ya ((ab auch «t^ierische, baierische und 
*'ifO*^<f;<frKJ»tche Pfrnojfi?«. Die Htoieriichen 
/Vf/jiyi^* tnUrUtu ftin nchwarze» Pantel im sil- 



bernen Felde und sollen 1532 ausgestorben sein. 
(Wissgrill, Jahrb. des „Adler*, 1874.) Ver- 
gleiche auch Ersch-Grubers Encjklopädie. 



— 269 — 



vom Schauplatze der Geschichte. Ob es mit dem Sohne übich IL ausgestorben, 
oder ob dieser ausgewandert ist, wie böhmische Geschichtsschreiber behaupten, lässt 
sich schwer nachweisen, weil der Schlfissel zu diesen Geheimnissen, das Wappen 
der Pernegger fehlt. Würden wir das Wappen kennen, wäre die Lösung dieser 
Fragen mit geringeren Schwierigkeiten verbunden. 

Böhmische Forscher spinnen die (beschichte dieses Geschlechtes weiter. Sie 
lassen Ulrichs Sohn, welchem sie den Namen Gerhard beilegen, nachdem er seines 
Erbes in Österreich verlustig geworden war, nach Böhmen flüchten, wo er vom 
Könige wahrscheinlich als dessen Parteigänger gut aufgenommen worden sein soll. 
Er und seine Familie sollen mit Gütern in Mähren belehnt worden sein. 

1222 erscheint ein Gerhard urkundlich nachweisbar,^*) dessen Sohn Bo(^ek 
1252 als nöraf von Pernegg" erwähnt wird;**) ob aber dieser Gerhard gerade der 
Sohn Ulrich IL, der „Narr und Tor" des Ennenkel gewesen, ist nicht nachzuweisen, 
die Möglichkeit aber auch nicht vollkommen auszuschließen, weil Boöek einige Güter 
in der Nähe von Geras und Pernegg besessen hatte. ") Diese immerhin etwas zweifel- 
hafte Fortsetzung des Pernegger Stammbaumes würde Folgendes ergeben: 

Ulrich II. Ton Pernegg, t circa 1220. 



Qerhard I., geb. drca 1180. 



1222 de Brazlau, wahrscheinlich Braslawecz.'^). 1240 Burggraf Ton 
Ohnüt«, t circa 1240. 



Boöek (Botschko, Boczko) 1232. 1234 

u. 8. w. 

1288 subcamerrarius Brunensis et 

Castellanos in Zno^m. 

1240, 1260 Burccrauius m Znojm. 

1262 Comes de 3ernecce et bur- 

cranius in Znoym, 

t 17. December 1266. 

Qem.: Enfemia» Tochter Pfibislaus 

Ton Rottenburg, Stifterin des Klosters 

Saar bei Iglau. 



ili 

Cos 

Q Wa 



Kuno Ton Kunsta dt. 
"Gerhard U. 



Georg Ton Podiebrad, geb. 1420. 
1468 König von Böhmen, f 1471. 



I 



Sidonie. 
Gem.: Albert der Beherzte, Ahnherr 
des sächsischen Königs- 
hauses. 






o 



Das Wappen der Nachkommen Gerhards ist uns bekannt 

Die Smitmer 'sehe Siegelsammlung im k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchive 
bewahrt den Abguss eines Siegels, wahrscheinlich von dem schon 1841 als verloren 
bezeichneten Originale an der Urkunde ddo. Znaim 17. December 1255 im Archive 
des Klosters Mariabrunn bei Saar, ^^) welchen wir hier in genauer Zeichnung (Fig. 1) 
wiedergeben. Die Umschrifl in ihrem letzten Theile ist leider arg verstümmelt. 

Der Schild ist quergetheilt, der obere größere Theil fünffach quergestreifl, drei 
Streifen erscheinen mit Ornamenten damasciert. 

Es ist dies das bekannte Wappen der Eunstadter, wie wir demselben auch 
mehrmals in den mährischen Landtafelbüchern (1348—1466) begegnen.'^) Ein von 



'•) Boczek, Codex dipL, 1841, II, 144. 

'*) Lins, 80. August 1262 (Prevenhuher) 
81. Mai 1264 (Bociek III, 187). 

'^ Botsko comes Bemekcensis et castella- 
nus Znojmensis, schenkt Geras den Hof Cocats 
(Gogg^tsch) im December 1266. Smilo, Bruder 
des Botsko, gibt mit Einwilligung der Kinder 



Botskos den Hof Rajstorf Geras zurück. 1266. 
(Th. Meyer.) 

") Th. Mayer. Urkunden Ton Geras, S. 26. 
Wolny, Topographie von Mähren, 11, S. 80. 

»») Boczek, Codex dipl., lU, 200. 

*^) Die Landtafel des Markgrafthums Mähren. 
Brunn 1866. (Text der Brünner „Cuda"" Ton 
Josef Chytil.) 



— 270 — 
Schwarz über Silber getheilter Schild, oben zwei silberne Querbalken^ Als Kleinod 



trägt der Hehn einen Flug mit dem Schildbilde 
gewöhnlich in schwarzsilberner Tinctur. (Fig. 2.) 

Dasselbe Wappen finden wir in der Martins- 
kirche zu Drosendorf auf dem Grabsteine des 
Friedrich Zajimaß von Kunstadt, Herr zu Jaispitz 
bei Znaym, f 23. Februar 1511.") 

Ob nun das hier zur Anschauung 

Fig. 1. 



geziert. 



Die Decken erscheinen 



Fig. 2. 



gebrachte 





Bothscho dei graoia Gomes Beme- domini erhardi de Constat Tezen. 

censis et castellanns Znvemensis. (Brünner Landtafel-Quaterne, 4. Buch. 

1398—1406.) 

Wappen wirklich auch das Wappen unseres Stifters ist , wäre noch sehr traglich und 
hängt davon ab, ob der bewusste Gerhard ein Sohn Ulrich II. von Pemegg gewesen ist. 

In den Blättern des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich**) hat Joh. 
Wendrinsky eine interessante Studie über die Grafen von Raabs veröffentlicht, in welcher 
er nachzuweisen sucht, dass die Herren von Gosheim , von Raabs und die von Pemegg 
ein und demselben Geschlechte angehören , der Ursprung dieser Familienzweige in 
dem alten Geschleehte der Grafen von Formbach zu suchen sei. Die vom Autor auf- 
gestellte Stammreihe, auf das für uns Wesentliche beschränkt, würde sieh in der S. 271 
angegebenen Weise gruppieren. 

Die Richtigkeit dieser Aufstellung lässt allerdings noch hie und da Bedenken zu, 
das ominöse „wenn** will sich nicht so leicht bei Seite schieben lassen. 

Könnten alle diese Annahmen, sowohl die böhmischen als auch die österrei- 
chischen, urkundlich vollständig belegt werden, so hätten wir eine Stamjnreihe der 
Familie des Stifters unserer beiden Klöster durch circa 500 Jahre und weiter vor 
uns entwickelt. 



•^) Blätter des Vereins f. Landesk. Nieder- 
österr., 1894, S. 120—121, 166. 



••) Blätter des Vereins f. Landesk. Nieder- 
österr., 1878, S. 97, 169, 361. 



— 271 — 
Ulrich der Alte, Graf ron Formbaoh (Baiem). 



Arnold Graf Ton Wels-Lambaoh. Thiemo Graf ron Pormbach, t circa 1055. 

Meginhard Ton Windberg. Ulrich, 1048 Ton Formbach, 1078 Ton Gosheim. 

: t 1084 in Rom. 



Berthold, Abt von Garsten, f 1142. Gottfried Yon Gotinisdorf (Gottsdorf a. DQ, f ca. 1084. 

Gottfried Ton Baabs, 1105, 

Castellan Ton Nürnberg, f ca. 1148 

— — ^— ^^-^— ^^— — ^■^-^^^^^-^^— ^— ^■^-^— ^^ — • — ^^ 

Konrad von Baabs, Ulrich ron Pernegg, 

Burggraf von Nötnberg, f ca. 1156. Stifter Ton Geras und Pernegg, 

t <». 1170. 

Sophia, Erbtochter der Baabs, Grafin Ton Emstbrunn, f 1^31. Gem.: Friedrich Ton Zollern, 
Burggraf Ton Nürnberg, f 1201. Ahnherr der Hohenzollern. 

Auch das Wappen der Raabs ist uns leider nicht bekannt; die Annahme Geb- 
hards, '') es habe im blauen Felde einen Halbmond über einem Sterne gezeigt, dürfte 
wohl etwas anzuzweifehi sein. 

Wir wenden uns nun der geschichtliehen Entwicklung des Stiftes Geras zu, 
ohne uns dabei, wie selbstverständlich, in die Details dieser Geschichte, mit Aus- 
nahme ihres sphragistischen und heraldischen Theiles, näher einzulassen. 



Seit der Gründung des Stiftes Geras, einer Marienstiftung,**) wie alle anderen 
PrämoDstratensterklöster, bediente sich das Gapitel von Geras eines Siegels, welches 
die heil. Maria mit dem Kinde zeigt Ein noch jetzt im Gebrauche stehendes Kapitel- 
siegel (Tafeln, 9) fahrt den Wappenschild des Stiftes, mit einer Laubkrone gekrönt, 
aus welcher die Gottesmutter mit dem Kinde emporwächst. Legende : ♦ SIGILVM 
CAPITVLI GERVSENSIS* . Das spitzovale Conventsiegel zeigt, auf einem 
kleinen Postamente stehend, Maria und den Erzengel Gabriel (Maria Verkündigung). >^) 
Legende: S • CONVENTVS • ECCL'IE • lEROCENSIS (Tafel U, 1). Das Siegel 
stammt aus dem Xm. Jahrhunderte.^^) In den Prälatensiegeln erscheint dagegen 
vom Anbeginne bis zur zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts die Abtfigur allein. 
Erst in dem Siegel des Abtes Oswald, 1446-1485 (Tafel ü, 7), Paul H., 1502— 
1527 (Tafel II, 8) und Erhards 1527—1547 (Tafel III, 1) ist die heil. Maria mit dem 
Kinde aufgenommen, um später dem persönlichen Wappen der Äbte wieder Platz zu 
machen. 

Geras besaß ursprünglich kein eigenes Wappen ; das jetzt gefiihrte wurde dem 
Stifte erst im Jahre 1542 verliehen. 



'*) Gebhardi, Erbl. Beichsstände, IIl. > rams Annalen, I, S. 97, erscheint dasselbe 

'^) Th. Mayer, S. 17, Schirmbrief : „ ... in 1 Siegel in Abbildung bei AnfQhning einetr Ur- 

honore s. dei genitricis monasterium . . . . " { künde von 1338 eingerückt. Die Smitmer'sche 

**) Patrocinium von Geras ist „Maria Ge- ' Saminlung enthält einen Abgoss desselben Gon- 

bort** (8. September). I yentsiegels von einer Urkunde aus dem Jahre 

**) Unsere Abbildung wurde nach einem > 1288. (Siehe auch „Blatter für ältere Sphra- 



Originale (weißes Wachs) aus dem Jahre 1627 
angefertigt. An einer Urkunde von 1346 im 
Greraser StiftsarchiTe dasselbe Siegel. In AI- 



gistik" Ton Dr. C. Lind, Wien 1878, Taf. IV, 10; 
weiters bei Kerschbaumer, Gesch. d. Bisthums 
St. Polten, II. B., Tfl. IV). 



— 272 — 



Die Pröpste ron Gferas« 

1. Mandevin (c. 1153—1160). 

Nach dem Necrologium der Klosterbrüder wäre Mandevin, ein Chorherr aus 
Selau, welcher mit den Brüdern vom Abte Gottschalk (siehe S. 267) nach Geras zur 
Besiedelung gesendet wurde, der erste Propst von Geras gewesen. Urkundlich ist 
sowohl über ihn als auch über seine nächsten Nachfolger leider nichts nachweisbar. 
Mandevin soll den Bau der Stiftskirche vollendet haben, bei welchem Baue er die 
Keliquien von zwei heiligen Jungfrauen aus den angeblich eilf Tausenden in die 
Seitenmauer der Kirche, der Kanzel gegenüber, einmauern Heß, unter der Aufschrift : 
Hae sunt reliquiae Sacrarum virginvm duarum XI millinm, quas hie recondi fecit 
Praepositus Mandevinus. ") Beim Umbau der Kirche im Jahre 1653**) wurden diese 
Reliquien wieder aufgefunden. Es ist die MögHchkeit nicht ausgeschlossen, dass 
Mandevin c. 1160 wieder nach Selau zurückberufen worden war. Gerlach, der Bio- 
graph Gottschalks, erzählt nämlich von einem Manduvin, Prior von Selau, der 1181 
von Gottschalk nach Kaunic gesendet wurde, um das Kloster zu bauen; 1183 wurde 
derselbe Manduvin Prior des Nonnenklosters Lounowic. *•) Sind Mandevin und Man- 
duvin ein und dieselbe Persönlichkeit, was ja leicht möglich ist, so dürfte das ange- 
nommene Todesjahr (f 15. Juli 1160) des ersten Propstes von Geras ein Irrthum sein. 

2. Thielmann I. (1160—1179). 

Der Historiograph von Geras, P. Hier. Alram, vermuthet, dass der Urkunden- 
schatz von Geras 1176 durch den Einfall der Böhmen, Mährer, Polen, Bussen, 
Ungarn und Sachsen in Österreich zur Zeit Heinrich Jasomirgotts zugrunde gegangen 
sei. Dieser Annahme widerspricht jedoch die Beibringung von Urkunden als Beweis- 
stücke anlässlich einer Streitsache mit Ulrich IL, Bischof von Passau, anno 1219.'*) 

Thielmann übernahm, als der Propst Engelbert von Pemegg am 2. März 1171 
aus dem Leben schied, die Administration dieses Stiftes.**) Er soll 1179 ge- 
storben sein. 

Dielbte ron Gleras. 

3. Paul L (1179-1186). 

Er wurde wegen seines verdienstvollen Eifers in der Pflege der klösterlichen 
Disciplin im Generalkapitel von Preraontre vom Ordensgenerale zum Abte erhoben 
und mit dem Rechte des „Pedum" ausgezeichnet. 

P. Hier. Alram sagt in seinen Annalen (I, 8. 21): „Ein noch hier vorfindiger 
alter, aus Bein gemachter und mit vergoldetem Messing gezierter Pastoralstab zeigt, 



^) Schweickhardt IV, S. 230. I Bischof von Passau, und Friedrich, Abt Ton 

•*) R. Ruhietl, Chorherrenbuch, S. 92, Topo- | Geras, betreffend die Besetzung der Pfarren 

graphie Ton Niederösterreich, S. 402. , Drosendorf und Pemegg, Göttweig, 18. Sep- 

**) A. Zak, Zur Gründungsgeschichte von tember 1219. Photographie der Urkunde im 

G. und P. Blätter d. Vereines für Landesk. 1 Ürk.-Buch Ton Niederösterr., I. Bd., Taf. la. 

von Niederösterr., 1891. ' ••) Topographie ron Niederösterr., S. 871. 

") Th. Mayer, S. 11 ; Streit zwischen Ulrich, . 



- 273 — 

dass Abt Paul mit der äbtlichen Würde auch das Becht, denselben zu ftkbren, erhielt 
Ob mit diesem auch zugleich das Becht der Infel yergesellschaft war, lässt sieh aus 
Mangel der Yerleihungsurkunde nicht bestimmen. Mir scheint, dass die Äbte zu 
Geras das „jus infulae'' viel später als jenes des Stabes bekamen. Der Qrund meiner 
Muthmaßung ist, weil man auf den alten Prälatensiegeln zwar einen Abt mit dem 

Stabe, aber ohne Infel sieht ") Dergleichen Sigille trifit man an allen von den 

hiesigen Äbten unterfertigten Urkunden fast bis auf jenen Zeitpunkt an, wo das Stift 
aus landesftlrstlicher Milde ein eigenes, mit Infel und Stab zugleich geziertes Wappen 
erhielt, woraus ich schließe, dass die hiesigen Äbte das Becht der Infel erst dazu- 
mal, d. i. im Jahre 1542, oder nicht gar lange vorher werden erhalten haben." 

Ob nun diese Sache sich vnrklich so, wie angegeben, verhält, ist urkundlich 
nicht zu belegen. Aus den Siegeln — es liegen uns derzeit bis zum Zeitpunkte der 
Wappenverleihung acht Prälateusiegel vor — lässt sich allerdings mit einiger Wahr- 
scheinlichkeit schließen, dass die Äbte von Geras nur das Jus pedi** besessen haben, 
weil auf keinem der Siegel eine Inful zu entdecken ist. Die spitze Form des Kopfes 
im Siegel des Abtes Gerhard (Tafel 11, 3) sieht allerdings in dieser Beziehung etwas 
verdächtig aus, dürfte aber, nachdem die Abbildung bei Alram einen ganz regel- 
rechten Kopf aufweist, doch nur durch eine Quetschung des Originalsiegels oder 
durch emen Fehler im Abgüsse entstanden sein. P. Born. Buhietl behauptet dagegen 
in seiner Geschichte von Geras in S. Brunners Ghorherrenbuche , S. 102, dass die 
Äbte von Geras bereits um die Mitte des XY. Jahrhunderts das Becht, sich der 
Mitra und der Pontificalien zu bedienen, erhalten haben, ohne aber diese seine 
Behauptung durch Angabe von Quellen zu belegen. 

Abt Paul starb am 13. Februar 1186. 

4. Dietmar (1186-1199) 
erhält vom Bischöfe Theobald 1188 den bereits früher schon angeftihrten Schirmbrief 
ftlr die beiden Stifte Geras und Pemegg. Dietmar starb am 20. September 1199. 

5. Friedrich I. (1199-1225). 
Abt Friedrich gerieth bezüglich des Besetzungsrechtes der beiden Pfarren 
Drosendorf und Pernegg mit dem Bischöfe Ulrich von Passau in Streit, aus welchem 
der Abt als Sieger hervorgieng (1219).»») Er starb am 22. Juni 1225. 

6. Johann I. (1226—1235). 
Gebhard Graf von Piayen, Bischof von Passau (f 1232), ein sehr herrsch- 
süchtiger und streitbarer KirchenfUrst,»*) war mit der Geistlichkeit seiner Diöcese in 
Verwicklungen gerathen und hatte Prälaten, Domherren u. s. w. mit geistlichem 
Banne und Interdicte belegt. Auch Abt Johann wurde von dem Bannstrable getroffen, 
wusste sich aber der Anklage zu erwehren, so dass er im Gerichtsspruche, weicher 



**) Hier erscheint eine Abbildung eines 
PHUatensiegels eingeklebt, welche dem Siegel 
des Abtes Gerhard (Tafel II, 8) entspricht. 
Unsere Zeichnung ist nach einem Abgüsse aus 
der Smitmer*schen Sammlung gearbeitet, und 
trägt dort die Bezeichnung „Gerardi 1814*'. 



P. Hier. Alram Terlegt das Siegel aber in das 
Jahr 1186, welche Annahme wohl ein Irrthum 
sein dflrfte. 

") Siehe Note 30. 

^) J. Schöller, Die Bischöfe Ton Passau, 
S. 67. 

18 



— 274 — 

von den päpstlichen Schiedsrichtern zu Prag, 1229, gefallt wurde, nicht unter den 
Verurtheilten erscheint^) In seine Begierungszeit ftUt auch der Aufstand der Herren 
Yon Kuenring, genannt „die Hunde ""f gegen Friedrich den Streitbaren, welchen Un- 
ruhen das Stift Geras zum Opfer fiel. Im Brande des Stiftsgebäudes (1230) sind 
wahrscheinlich die Schätze des Archives zugrunde gegangen, weil unter Johanns 
Nachfolger ein neuer Stiftsbrief ausgestellt wurde. Der Abt schied am 13. October 
1235 von seinen Brüdern. 

7. Florian (1235-1256). 

Dieser Abt stand in hoher Gunst bei Herzog Friedrich, dem letzten Baben- 
berger, und erhielt von diesem ftlr seine in den Wirren jener unruhigen Zeit von 
verschiedenen Seiten bedrohten Stifl;e Geras und Pernegg nicht nur einen zweiten 
Stiftungsbrief als Ersatz fllr den verlorenen, sondern auch einen eigenen Schirm- 
und Schutzbrief ausgestellt Der Schirmbrief datiert vom 18. December und trägt 
keine Jahreszahl.*^) Der Stiftungsbrief ist zu Starhemberg am 15. Juli 1242 aus- 
gestellt. Herzog Friedrich sichert in dieser Urkunde Geras und Pernegg seinen beson- 
deren Schutz, erlaubt seinen Untertanen Schenkungen an die beiden Stifte zu 
machen, verleiht ihnen das Asybecht, befreit sie von fremder Gerichtsbarkeit und von 
allen Zoll- und Mautgebüren u. s. w. In dieser Urkunde werden auch alle Besitzungen, 
Einkünfte und Bechte der beiden Stiftungen zur Sicherung ftir spätere Zeiten nament- 
lich aufgeführt, *7) so dass dadurch alle diese Beohte und Ansprüche ihre landes- 
fürstliche Bestätigung erhielten. 

Unter Florian wurden dem Stifte manche wertvolle Schenkungen gemacht, so 
von Konrad Grafen von Piayen und Hardegg das Bergrecht und die Weingärten zu 
Pulkau ••) (Hardegg, 30. November 1249), von Wichard von Tyrna 1251 die Pfarre 
Fratting in Mähren, '•) von Pferaysl Ottokar, dem neuen Landesherrn, die Pfarre 
Mislau in Mähren (Brunn, 13. Juli 1253),^®) von Boöek, Grafen von Pernegg und 
Burggrafen von Znaym 1255 der Jägerhof zu Goggitsch^^) u. s. w. Nach eift'igem 
und fllr beide Stifte höchst ersprießlichen Wirken segnete Abt Florian am 21. Oc- 
tober") 1256 das Zeitliche. 

8. Ulrich (1256—1274). 
Der neue Abt war ein sehr ruhiger, kluger Mann von großer Umsicht. Er 
wusste die Bedränger und Widersacher durch kluge Behandlung sogar in Wohl- 
thäter des Stilles umzuwandeln. Heinrich von Plank, einer der habsüchtigsten Edel- 
leute des Landes, bedrängte das Kloster durch lange Zeit, bis es endlich Uhrieh 
gelang, ihn zur Umkehr zu bewegen. Der Edehnann suchte den angerichteten 
Schaden zu vergüten, indem er dem Stifte eine jährliche Gabe von 12 Ducaten 
zuwies.**) (6. April 1261.) 1270 wurde das Prämonstratenser Nonnenkloster zur 



*•) Topographie von Niederösterr., S. 372. 

••) Th. Mayer, Urkunden ron Geras, S. 20. 

^) Topographie von Niederösterr., S. 373. 

••) Th. Mayer, Urkunden von Geras, S. 21. 
Marian, S. ISO. 

••) Aus einer alten Abschrift bei Th. Mayer, 
ö. 21. 



^) Aus einer alten Abschrift bei Th. Mayer, 
S. 24. Boczek UI, 170. 

*«) Siehe Note 17. 

*•) Th. Mayer und Topographie von Nieder- 
österreich geben als Todestag den 21. Sept. an. 

*•) Aus einer alten Abschrift bei Th. Mayer, 
S. 36. 



— 275 - 



„Himmelspforte" in Wien**) als Filiale „quoad temporalia et spiritualia" dem Stifte 
Geras einverleibt**) 

An einer Urkunde**) im Haus-, Hof- und Staatsarchive zu Wien, 4. Februar 
1271, in welcher Gerhard, Canonicus zu Passau und Pfarrer zu Wien, dem von ihm 
errichteten Frauenkloster zur Himmelspforte den Weingarten Lembs zu Grinzing, 
welchen er von Otto de Joro um 110 Mark Silber gekauft hatte, übergibt, hängt das 
Siegel Abt ühichs von Geras. (Tafel H, 2.) Im spitzovalen Siegelfelde erscheint die 
Abtfigur mit Pedum und Buch; die Legende lautet: « S* ABBATIS ECCL'IE • 
lEBOCESIS. Ulrich starb am 12. Juni 1274. *7) 

9. Johann H. (1274-1277). 
Ulrichs Nachfolger, unter welchem infolge der Kriege zwischen Rudolf I. von 
Habsburg und König Ottokar von Böhmen manche Drangsale über das Stift herein- 
brachen, starb am 8. Juni 1277.*») 

10. Arnold (1277-1279). 

Arnold war vorher Pfarrer in Fratting und in Drosendorf und soll am 23. No- 
vember 1279 gestorben sein.*®) Im Jahre 1278 wurde Drosendorf von Ottokar 
belagert und eingenommen, die umliegenden Ortschaften, so auch das Stift Geras, 
von den Böhmen arg verwüstet 

11. Konrad (1280—1298). 

Das Stift hatte, wie leicht begreiflich, trotz der eingetretenen ruhigen Zeit, 
unter den Nachwehen des Krieges zu leiden, und so manches Stiftsgut musste, um 
die Nahrungssorgen zu bannen, veräußert werden. König Wenzel von Böhmen ver- 
lieh zu Wien am 10. December 1293 Geras und Pernegg die Begünstigung, dass, 
wenn einer ihrer leibeigenen Unterthanen der Todesstrafe verfallen würde, sein 
Nachlass dem Kloster gehören solle.*®) Konrad starb am 20. Februar 1298.**) 

In der Smitmer' sehen Siegelsammlung findet sich der Abguss eines Siegels vor, 
welcher dem Originalsiegel Abt Ulrichs entspricht, mit der Bezeichnung „Abbatis 
Conradi 1283". Das Siegel Uhichs scheint also im Gebrauch geblieben zu sein. 

12. Peter I. (1298-1305). 

Er war ein um das Wohl des Stiftes sehr besorgter Mann und erwirkte von 
Herzog Rudolf III. von Österreich einen zu Wien am 20. Juli 1303 ausgestellten 



««) Mit Unterstützung der Gemahlin B^s 1 V., 
Constantia, erwarben fromme Frauen 1230 ein 
Haus, in welchem sie zusanmien leben konnten. 
Zwischen 1267—1272 erhielten sie von Ger- 
hard, Pfarrer zu St. Stephan, ein Haus, welches 
er in der Stadt besafi (Nr. 7 in der Himmel- 
pfortgasse). Nach Aufhebung des Klosters am 
18. September 1783 wurde das Gebäude nieder- 
geiissen. (E. Weiss, Geschichte der Stadt Wien.) 

«*) B. Ruhietl, Chorherrenbuch, S. 94. 

^) Abgedruckt in Hormayrs Geschichte von 
Wien, U, I. Bd., Nr. CXCVU. 



^') Marian und Sohweiokhardt geben 1269, 
Majer U. Juni 1274 an. 

*^) Marian und Schweickhardt lassen Abt 
Johann 1273 sterben. 

*^) Marian u. Schweickhardt geben als To- 
destag 23. Oct. 1279, Ruhietl u. Topographie 
Ton Niederösterr. 1280, A. 2ak, Catalogus G., 
23. November 1279 an. 

»•) Schweickhardt, S. 234. 

*^) Bei Marian, Schweickhardt und Ruhietl 
1294; Topographie von Niederösterr. 1297; A. 
2äk c. 1298; Dr. Hoffer 1294. 

18* 



— 276 — 



Schirmbrief, in welchem die Privilegien, besonders das jus asyU und jus canoms, 
bestätigt wurden.«*) Er soll am 27. September 1305 gestorben sein.*») 

13. Hermann L (1305—1310). 

Der neue Abt war früher Pfarrer in Drosendorf. Als das Prämonstratenser- 
stift Kannic sich widerrechtlich vom Mutterstifte Selau trennen wollte, stellte Her- 
mann im Vereine mit dem Abte von Leitomischl die Ordnung wieder her (1306). 
Er soll am 1. Jänner 131& gestorben sein. 

14 Gerhard (1310—1327). 

Gerhard wurde von seinen Brüdern nach dem Tode Hermanns einstimmig zum 
Abte gewählt. Er besaß die 6unst der Ijandesherren und erhielt von diesen die 
Anerkennung der alten Privilegien, vom Papste Johann XXII. die Bestätigung des 
Patronatsrechtes über die Pfarre Fratting (1317). Alphard von Kottaun ließ vor dem 
Kreuzaltare eine Familiengruft errichten, weiche die Inschrift trug: „hie hegt daz 
geschlet daz da haisset Kadumer**, und schenkte dem Stifl;e mehrere Zehente. ^) 
Der Grabstein ist derzeit nicht mehr vorhanden. Abt Gerhard soll am 8^ April 1327 
gestorben sein.**) 

In der Smitmer'schen Siegelsammlung findet sich der Abguss eines Siegels, 
welcher mit „Gerardi 1314" bezeichnet ist. (Tafel II, 3.) Im spitzovalen Siegelfelde 
erscheint, auf einem kleinen Postamente stehend, die Abtfigur mit einem bis zum 
äußeren Bande reichenden Pedum in der Hand; die Legende lautet: igi S. ABBATIS * 
ECCE • lEßOCENSIS m • (Siehe S. 273 und Note 32). 

15. Bernhard (1327-1335). 

Auch dieser Abt erhielt neuerdings die Bestätigung der Stiftsprivilegien vom 
römischen Könige Friedrich III. dem Schönen, Wien, am 29. Juni 1327,**) der 
dem Stifte noch weitere Begünstigungen gab. Abt Bernhard starb am 17. März 
1335.") 

16. Johann m. (1335—1342). 

Abt Johann entstammte dem edlen Geschlechte der Nüsse. Unter ihm brachen 
schwere Zeiten über das Stift herein, namentlich im Jahre 1336, als König Johann 
von Böhmen Drosendorf durch sechs Wochen belagerte, 1337 die Weingärten über- 
mäßig hoch besteuert wurden. Adelhaid von der Grod schenkte mit Zustimmung 
ihres Sohnes Thielmann, dem späteren Abte von Geras, 1338 dem Stifte einen Wein- 
garten in Pulkau, wo sie auch ein Haus besaß. Abt Johann, der Prior Augustin 
und der Supprior Johann bestätigen die Grod'sche Stiftung. Die Urkunde ist mit 
dem Siegel, welches wir bei Gerhard beschrieben, und dem Gonventsiegel aus- 



") Th. Mayer, Urkunden Ton Geras, 8. 42. 

•*) Bei Th. Mayer 20. Februar, Topographie 
von Niederösterr. , Buhietl und Schweickhardt 
29. September. 

»*) Schweickhardt, S. 234. 



^) Bei Marian, Schweickhardt, Th. Mayer 
und Dr. Hoffer 1825. 

»•) Th. Mayer. Urkunden ron Geras, S. 49. 

") Marian, Schweickhardt, Mayer, Ruhietl, 
Dr. Hoffer und Topographie 1881; i&k 1886. 



— 277 — 



gerüstet Abt Johann, welchem Uneigen nützigkeit, Bedlichkeit nnd treue Sorge f(lr 
sein Stift nachgerühmt werden, starb am 23. November 1342.^®) 

17. Thlelmann H. (1343-1348). 
Thielmann von dem Grod (auch „von der Grod") ließ im Vereine mit dem 
Vaterabte Ctibor von Selau im Jänner 1346 eine genaue Abschrift der Privilegien,**) 
welche Papst Innocenz V. dem Generalabte Peter und dem Prämonstratenserorden 
verKehen hatte, anfertigen, damit sie in steter Erinnerung erhalten werden. An 
dieser Abschrift^) hangen drei Siegel: Das Siegel des Abtes Ctibor in rothem 
Wachse, das Siegel Thielmanns in grünem Wachse und das Gonventsiegel von Geras 
in weißem Wachse. Das Siegel Thielmanns, nach dem Originale gezeichnet, erscheint 
auf Tafel IL 4, und zeigt im spitzovalen Felde die Abtfigur mit Pedum und Buch, 
unter dem Buche einen sechsstrahligen Stern. Der Grund des Siegelfeldes ist mit 
Netzblümchen damasciert Der Legendenrand ist bis auf die Buchstaben „NSI** 
abgebrochen. Im Haus-, Hof- und Staatsarchive zu Wien befindet sich eine Urkunde 
datiert ^an sand Erhartz tag"* (8. Jänner) 1343, welche ebenfalls das Siegel des 
Abtes Thielmann (in der Urkunde „Tylm**) aufweist. Das Siegel ist etwas besser 
erhalten als das im Geraser Archive und trägt die Umschrift: s ABBatIS EGLESIB : 
lEBOCENSIS. Thielmann starb zu Wien am 6. März 1348 und wurde im Kloster 
zur Himmelspforte begraben. 

18. Wilhelm L (1348—1389). 

Abt Wilhelm war vorher Propst in Pemegg. Er suchte die Stiftseinnahmen 
so viel als möglich zu vergrößern und erhielt vom Herzoge Rudolf IV. dem Stiflier 
nicht nur die Bestätigung aller Rechte und Freiheiten, sondern auch laut Urkunde 
ddto. T'^^en 9. Jänner 1359 die Begünstigung, vierzig Fuder Salz jährlich unent- 
geltlich und mautfrei aus Hallstadt bezieben zu dürfen. ^^) Im Jahre 1360 würde 
Geras und Pernegg mit dem Stifte Altenburg quoad su&agia conföderiert. Als ein 
überall beliebter und hochgeachteter Greis entschlief Abt Wilhelm am 11. Sep- 
tember 1389. 

19. Johann IV. (1389—1414). 

Er stammte wie Johann HI. aus dem edlen Geschlechte der Nüsse und war 
vorher Pfarrer in Mislau. Er starb am 23. November 1414. 

20. Thlelmami m. (1414—1432). 
Die Anwesenheit Herzogs Albrecht von Österreich in Eggenburg wurde vom 
Abte Thielmann benützt, eine abermalige Bestätigung der alten Freiheiten und Rechte 
von Seite des Landesftürsten zu erhalten (29. Mai 1416). Im darauffolgenden Jahre 
erhielt Geras auch das Recht, sich Binder, Schmiede und Schneider im Kloster zu 
halten, welche Handwerker sich früher nur in der Stadt Drosendorf aufhalten durfl;en. 
In die Zeit Thielmanns ÜMt auch der ftlrchterliche Hussitenkrieg, dem Zwettl, AJten- 



**) Die Angabe ' 1344 bei Schweickhardt, 
Ruhietl, Dr. Hoffer u. s. w. ist falsch, da Jo- 
hanns Nachfolger bereits im Jänner 1343 ur- 
kundet. 



*•) „Privilegium magnum". 

*) StifksarchiT in Geras. 

•*) Topographie von Niederösterr., S. 379. 



— 278 -- 

bürg, ßetz u. s. w. zum Opfer fielen. Geras scheint nicht so stark gelitten zu haben, 
weil sich erstens keine Aufzeichnungen darüber vorfinden, zweitens der Abt im 
Jahre 1429 anlässlieh eines größereu Kaufes 235 Pfund baren Geldes erlegen 
konnte.") Thielmann starb am 27. Juli 1432. 

21. Wilhelm H. (1432-1446), 

vorher Propst zu Pernegg, verwaltete auch ferner dieses Stift Das Stiftspersonal 
war sehr zusammengeschmolzen, so dass er sich gezwungen sah, durch den vom 
Bhem gebürtigen Stiftspriester Gerhard, anlässlich einer Reise desselben zu seinen 
Verwandten, dortselbst Gandidaten fl)r Geras suchen zu lassen (29. Juni 1433). 

Wilhelm verkaufte zu weit entlegene Besitzungen und erwarb daflir näher 
liegende und einträglichere Güter, so das Dorf Kottaun u. s. w. 

Er starb am 6. Februar 1446. 

Wilhelm dürfte der erste Abt sein, welcher ein persönliches, d. h. mit seinem 
Namen versehenes Siegel führte. Im spitzovalen Siegelfelde erscheint, auf kleinem 
Postamente stehend, die Abtfigur mit Pedum und Buch. Die Legende lautet: 

* ^ 1 11^'^Öaln^i t ä'^ t'-^^"f^^^^ (Tafel II, 5), so an einer Urkunde vom 

Jahre 1433 im Geraser Stifl;sarchive. 

22. Friedrich H. (1446—1459). 

Dieser Abt sah sich genöthigt gegen den Propst und die Nonnen von Pernegg 
klagbar aufzutreten, weil Propst Gerhard zu Pernegg gehörige Güter ohne Wissen 
des Abtes von Geras verkauft hatte. Der Streit endete damit, dass der Propst den 
kürzeren zog und sich Geras unterordnen musste. Abt Friedrich scheint am 21. De- 
cember 1459 resigniert zu haben und starb am 1. December 1460. 

Die Smitmer'sche Siegelsammlung enthält einen Abguss eines Siegels mit der 
Signatur „Friderici 1454**. (Tafel II, 6.) Im spitzovalen Siegelfelde erscheint die Äbt- 
figur mit Pedum und aufgeschlagenem Buche. Der Grund ist mit einem Netze 
damasciert, der innere Perlenrand endet oben und unten in einem dreitheiligen 
Blatte. Legende: ^. jf riberici ^ a6liati|i ^ ecce ^ ierocenci^ ^ 

23. Johann V. (1459-1464) 
erhielt von Kaiser Friedrich III. (IV.) Wien, am 10. September 1459 die Bestäti- 
gung aller Privilegien, Freiheiten und Rechte, welche das Stift besaß. Er starb am 
27. Juli UM, 

24. Oswald (1464—1485). 

Abt Oswald war Pfarrer in Ranzern (bis 1460), dann Pfarrer in Fratting und 
Propst in Pernegg gewesen. Durch die Kriege des Kaisers mit Mathias Corvinus 
von Ungarn brach eine sehr traurige Zeit für das Stift herein und der Vermögens- 
stand war so tief gesunken, dass, als der Generalprocurator des Prämonstratenser- 
ordens, Wilhelm Abt von Lieu restaure bei Soissons. die rückstandigen Tailien ein- 
forderte, sie nicht erlegt werden keimten (1468). Wie schlecht es damals den Ordens- 
brüdern gieng» geht auch daraus hervor, dass ein Bürger von Drosendorf 1475 dem 

••) R, Ruhietl, Chorherrenbuob, S. 100. 



— 279 — 

Ehepaare Ulrich und Anna Linspaur zu Zissersdorf eine Wiese abkaufte und die- 
selbe gegen Haltung eines Jahrtages dem Kloster überließ, als einen Beitrag, damit 
die Chorherren sich besser kleiden könnten.^') Abt Oswald scheint 1485 resigniert 
zu haben und starb am 14. Mai 1489. Ein Siegel Oswalds dürfte in einem Abgüsse 
vorliegen, welchen das Museum Francisco-Carolinum in Linz besitzt**) (Tafel 11, 7.) 
Im spitzovalen Siegelfelde erscheint eine reiche, gothische Architektur, welche die 
Figur der Gottesmutter mit dem Kinde am Arme umschließt Im Fußtheile des archi- 
tektonischen Aufbaues ist ein Schild angebracht, der den knieenden Abt als Schild- 
figur enthält Die Legende ist leider gerade im Anfange sehr defect und dürite 
lauten : 

.^* ofioaibi mif 6» aBBattt eclefie ietucenfii^. 



25. Wenzel (1486-1500?). 

Wenzel Büpl war Oapitular des Prämonstratenser-Chorherrenstiftes Brück**) 
bei Znaym, als er zum Abte gewählt wurde. Keiner der Chorherren von Geras hatte 
bei den unruhigen Zeiten den Muth, die Bürde der Abt würde zu tragen. Wenzel 
stand bei Kaiser Maximilian I. in großer Gunst und erhielt ,,am Mittichen vor 
sannd Jacobstag im Snif" 23. Juli 1494 eine abermalige Bestätigung der Privilegien 
von Geras und Pernegg.*') Abt Wenzel soll am 18. Juni 1500'^) gestorben sein, 
doch erheben sich gegen die Bichtigkeit dieser Jahreszahl einige Bedenken, wenn 
man Folgendes in Betracht zieht. Am 8. Februar 1629 beglaubigte der kaiserliche 
Notar Jakob Starabler, vom Abte Benedikt Lachenius nach Geras berufen, ein 
eigenes Instrument („Instrumentum Notarii seriem Abbatum Monast. Geracensis 
inferioris Austriae ab anno 1499 usque ad annum 1629 complectens''), welches über 
die Äbte von Geras vom Jahre 1499 — 1629 auf Grund der vorhandenen Urkunden, 
Grabsteine, Bücher und eines alten Pemegger Necrologinms aufgenommen worden 
war. In dieser Aufnahme findet sich nun die Angabe, dass Abt Wenzel im Jahre 
1499 gestorben sei und sein Grabstein in der Mitte der Stiftskirche, nahe der Kanzel 
sich befunden habe. Der Stein habe folgende Inschrift getragen: 

„Hoc opus eximium huius Gappelae ereotum est, uti omnes fideles cemunt, per 
nos Wenceslaum, professum Monast. Lucensis tunc temporis huius loci Abbatem, 
cuius anima requiescat in pace Anno Dhi 1499.^ 

Der Grabstein soll die Abtfigur mit Pedum und Hut sowie ein Wappen ge- 
zeigt haben, ein W in einem herzförmigen Schildchen, sicherlich eine Anspielung 
auf das Kloster Brück (siehe Seite 291), aus welchem Stifte Abt Wenzel hervor- 
gegangen war. 



^) Alram» Aimalen I, 263.| 

^) Der Abgoss stammt aus der Sammlung 
Wilhelm Ton Balljs in Wien, welche im Jahre 
1841 Tom Museum in Linz angekauft wurde. 
Im Kataloge ist das Siegel wie folgt beschrieben: 
Ulricus, Abt zwischen Johann V. und Oswald, 
Ton 1464 bis ... . Umschrift: S. Ulrici abbat 
ecdesie ienicensis (Cat. A. 421, XI, 79). Hier 
liegt ein Irrthum ror, weil Abt Ulricus nicht 



im XV., sondern im XIII Jahrhunderte gelebt, 
ein zweiter gleichen Namens aber in der Ge- 
schichte nicht nachweisbar ist. 

••) Lat. Luca, slav. Louky, d. i. Wiese; um 
1190 von Otto Ton Mähren gegrftndet, am 
27. Juli 1784 aufgehoben. Das Stiftsgebäude 
dient derzeit als Kaserne. 

••) Topographie von Niederösterr., S. 886. 

«) F. ffier. Alram: 1501. 



- 280 - 

26. Vincenz (1500-1502> 

Er vermehrte durch Ankäufe die Einkünfte des Stiftes und starb bereits am 

22. Juni 1502.'®) Nach Angabe des oben erwähnten Instrumentes soll sich der 

Grabstein dieses Abtes rechts vom Eingange, in der Capelle der hl. Margaretha (?), 

befunden haben und zeigte die Abtfigur mit der Inschrift;: 

„Hie conduntur ossa R. 0. Vincentii Abbaus Gerucen. qui obiit anno Döi 1502. 

die 22. Jun. 

27. Paul n. (1502-1527). 

Paul Linspaur (nicht Linzbauer, wie manche schreiben) ist sicherlich, wie 
schon Alram vermuthet, ein Nachkomme der Eheleute Linspaur zu Zissersdorf, 
welche von uns bei Abt Oswald erwähnt wurden. Er war Pfarrer in Drosendorf und 
wurde am 29. Juni 1502 zum Abte gewählt. Abt Paul erhielt 1511 vom Könige 
Wladislaw von Ungarn und Böhmen, Markgraf von Mähren, die Gerechtsame Ober 
das halbe Dorf Banzern und die Bestätigung aller Qbrigen Freiheiten in Mähren. ^') 
Er starb am 6. April 1527. 

Sein Grab befand sich nach der vom Notar Stambler beglaubigten Aufzeichnung 
im Chore; der Grabstein, mit der Abtfigur geschmückt, trug die Inschrift: 

„Anno Dni 1527 sexta die Aprilis obiit Beverendus Pr. Dnus Paulus Linspaur, 
Abbas Monast. Gerucen. 

Keiner der drei Grabsteine, welche in dem Instrumente erwähnt werden, ist 
ethalten geblieben. Sie sind verrauthlicb einer Restaurierung der Stiftskirche im 
vorigen Jahrhundert zum Opfer gefallen. 

Von diesem Abte ist ein sehr schönes, scharf ausgeprägtes Siegel in grünem 
Wachse im Stiftsarchive zu Geras erhalten und von uns auf Tafel II 8 wiedergegeben. 
Es hängt an einer Urkunde, den MoUter' sehen Jahrtag in Drosendorf betreffend 
welche zu Drosendorf am 22. Februar 1507 ausgestellt wurde. 

Im spitzovalen Siegelfelde erscheint innerhalb eines Strahlenkranzes, welcher 
das ganze Feld ausftlllt, die hl. Maria mit dem Kinde, auf einem Halbmonde stehend 
und von einer nach abwärts fliegenden Taube überhöht. Unter dem Monde erblicken 
wir einen Schild mit 3 runden Scheibeben, 1, 2, gestellt, welche jedenfalls eine 
halbredende, auf den Namen Bezug habende Wappenfigur (Linsen) vorstellen. In 
der oberen Spitze des Legendenrandes erscheinen stilisierte Wolken, welche den 
Himmel personificieren, aus welchem der hl. Geist in Gestalt einer Taube herab- 
fliegt. Die Legende lautet: 



28. Erhard (1527—1547). 
Erhard oder Eberhard gelangte in einer sehr traurigen Zeit zur Abtswürde 
Die Pest und der Türkenkrieg, der durch die Lehren Luthers hervorgerufene 
Bauernaufstand lagen schwer auf dem Lande und zerrütteten die Finanzen, so dass 
sich der Landesfürst genöthigt sah, ungewöhnlich hohe Steuern einzutreiben, um die 



*") Die Angaben Alrams, Marians, Sohweiok- 
hardts a. Buhieth, dass Vinoens am 27. Juni 
gestorben sei, ist unrichtig, weil im Instrumente 



über die Wabl seines Nachfolgers der 22. Juni 
als Sterbetag erwähnt wird. 

^) R. Ruhietl, Chorherrenbuch, S. 102. 



— 281 — 



Kosten der EriegsAihniiig zu decken. Mit Bewillignng des päpstlichen Stahles wurde 
der Verkauf des vierten Theiles aller geistlichen Güter angeordnet, den Betroffenen 
aber freigestellt, diesen Theil durch Erlag des entsprechenden Schätzungswertes 
wieder einzulösen. Geras und Pernegg erlegten 900 fl., um den von der Gontribution 
befallenen Besitz zu retten. Aber bald kamen neue Steuerforderungen, deren Deckung 
nur durch Verkauf von Stiftsgrtinden möglich wurde. Zur Zeit Kaiser Maximilian I. 
hatten die beiden Stifte die Dominical- und Busticalsteuern Rlr die Zeit von 30 Jahren 
vorhinein bezahlt, jetzt wurde diese Zahlung bestritten und die doppelte Summe zu 
erheben versucht 

Abt Erhard musste einen langjährigen Process itlhren, bei dessen Verluste die 
weitere Existenz der beiden Stifte sehr fraglich geworden wäre. Zum Glücke war 
es dem Abte möglich, den LandesfQrsten von der Grundlosigkeit dieser Forderungen 
zu überzeugen (1Ö41). 

Abt Erhard, welcher in seinen und seines Stiftes und dessen Unterthanen 
Angelegenheiten Schriftstücke besiegeln musste, hätte gerne ein eigenes Wappen für 
das Stift Geras im Siegel geftlhrt, so wie dies bei anderen Stiftron von altersher 
im Gebrauche war und auch dem künstlerischen Sinne des XVI. Jahrhunderts ent- 
sprach. Sein diesbezügliches Gesuch an Konig Ferdinand I. wurde bewilligt und dem 
Stifte Geras zu Wien, am 22. Juni 1542 ein Wappenbrief ausgefertigt,^®) dessen 
Wortlaut hier folgt:") 

Wir Ferdinand von Gottes genaden Bomisoher Kunig, zu allen Zeitten merer 
des Beichs in Germanien, zu Hungern, Beheim, Dalmatien, Groatien vnnd Scla- 
uonien etc. Kunig, Infant in Hispanien, Ertzhertzog zu Österreich, Hertzog zu Bur- 
gundi, zu Brabannt, zu Steyr, zu Kemndtn, zu Grain, zu Lutzelburg, zu Würtemberg, 
Ober- vnnd Nider-Slesien, Fürst zu Swaben, Marggrave des Heyligen Bömischen 
Beichs zu Burgaw, zu Merhem, Ober vnnd Nider Lausnitz, Geftlrster Graf zu Habs- 
purg, zu Tirol, zu Pflrdt, zu Kiburg vnnd zu Görtz, Lanndtgraue in EUsaß, Herr 
auf der Windischen March, zu Portenaw vnnd zu Salins etc. oj Bekennen offenlich 
mit disem brieff, vnnd thuen khundt allermenegclich ou Als vnns der Ersam 
geistlich vnnser lieber andechtiger Erhardt, Abbt des Gotzhawß Geraß, yetzo vnder- 
thenigclich furpringen vnd zuerkennen geben hat lassen, wie das sich offt vnnd 
vilmalen zuetrag vnnd begebe, seine vnnd seines Gotshawß, auch desselben vnndter- 
thanen Sachen vnnd handlungen vnndter ainem Innsigl zu uerfertigen, Vnnd aber 
Er vnnd sein Gotzhawß bisheer mit kainem Wappen vnnd Insigl priuilegiert vnd 
befreyt, sonder sich mit ainem Gemainen zaicben betragen muessen, Mit diemutigem 
ansuechen vnnd pitten, das wir Im, seinen conuent vnd das Gotzhawß Geraß mit 
ainem Wappen, des Er vnnd seine nachkhomende Abbt zu Geraß zuuertigung ft)r- 
fallender banndlungcn gepiauchen mochten, zuuersehen mit gnaden geruechten. Das 
wir demnach gnedigclich angesehen vnnd betracht angeregts Abbts vnterthenig vnnd 
diemuettig ansuechen vnnd pitten, auch den loblichen Gotzdienst, so bey bemelltem 
Gotzhawß bey tag vnnd nacht mit aller Innigkait vnnd andacht dem Allmechtigen 
zu Lob Eer vnnd Preiß volbracht wirdet, des wir dann auch tailhafitig zuwerden 



^) Original im Archive zn Geras. 
'•) Bei P. Marian, Geschichte der g. österr. 
Clerisey, IX. abgedruckt, doch fehlerhaft und 



mit einer nicht dem Originale entsprechenden 
Abbildung. 



— 282 — 

rerboffen ^ Vnnd derhalben mit wolbedachtem muet, gnetem Bat ynnd rechter 
wissen obgemellten Abbt vnnd Conuent, auch Gotzhawß mit dem hernach geschriben 
Wapen, alls nemblieh ainen Schillt in Sechs ynnd dreissig tayl Schachweiß gleich 
abgetailt, das hindter ynndter gnien vnnd das ander tayl danior Bot oder Babinfarb, 
vnnd also ferrer von sollichen färben schachweiß durchaus gegeneinannder abge- 
wechsselt, wie dann sollich Wappen in mitten ditz vnnsers gegenwurtigen Eunigc- 
lichen briefis gemalet vnnd mit färben aigentlicher außgestrichen sein, von newem 
frenedigclichen begabt, versehen ynnd verliehen haben, Begaben ynnd versehen 
gemeltn Abbt, Gonuent vnnd Gotzhawß, verleyhen vnnd geb3n Inen auch obgesohriben 
Wappen vnnd Glainat, alles aus Bömischer Kunigclicher vnnd LanudtsfÜrstlicher 
macht, volkomenhait hiemit wissentlich in Graflf ditz brieffs «v; Ynnd mainen, setzen 
vnnd wellen, das gemellter abbt vnnd alle seine nachkomende Abbt zu Geraß nun- 
hinfüro in ewig Zeit die bestimbte Wappen haben, fueren vnd sich der zu vertigung aller 
vnnd yegelicher des Gotzhawß notturfften vnd sonnst in allen vnnd yegclichen Eerlichen 
vnnd Bedlichen Sachen vnnd Geschefften gemessen vnnd geprauchen sollen vnnd 
mflgen von aller menigclich vnuerhindet ^ Ynnd gebietn darauf allen vnnd yegclichen 
Churflirsten, fQrsten, Geistlichen vnd Welltlichen Preisten, Grauen, Freyen, Herrn, 
Bittern, Kneohtenn, Lanndtshaubtlewten, Haubtlewten, Lanndsmarschalchen, Yitz- 
domben, Vögten, Pflegern, Yerwesern, Kunigen der Wappen, Emholden, Perseuanten, 
Schulthaifisen, Bürgermaistern, Bichten, Bäthen, Burgern, Gemainden vnnd sonst 
allen andern vnsem vnd des heyligen Beichs, auch ynnsrer Eunigreich Erblichen 
fUrstenthumben vnnd Lannde vnndterthanen vnnd getrewen in was wirden, Stanndt 
oder Wesens die sein Ernstlich vnd vestigclich mit disem brief vnnd wellen, das Sy 
den obgenanten Abbt vnnd Gonuent vnnd alle seine nachkhomen nunhinftiro in 
ewig Zeit an den obgeschriben Wappen nicht Irren oder verhindern, sonder Sy der 
wie obsteet, beruebigclich geprauchen vnnd gemessen lassen vnnd hiewider nicht 
thun noch des yemandts anderm zuthun gestatten in kain weiß noch weeg, alls lieb 
ainem yeden sey vnnser vnnd des Beichs schwer vngnad vnnd straff vnnd darzue 
ain Peeu benanntlich zwainzig Marckh Löttigs goldes zuuermeiden, die ain yeder so 
offt Er fräuenlich hiewider thäte vns halb in vnser vnnd des Beichs Ghamer ynnd 
den andern halben tayl dem obgenanten Abbt ynnd Gonuent des Gotzhawß Geraß 
vnd Iren nachkomen vnnachläslicb zubezalen verfallen sein soll. Doch anndern die 
villeucht den obbegriffen Wappen gleich fuerten, an denselben Iren Wappen vnnd 
Bechten vnuergriffen vnd vnschedlich. Mit vrkundt ditz brieffs besiglt mit vnnserm 
kunigelichen anhangendem Innsigl, Der geben ist in vnser stat Wien den zwenvnd- 
zwainzigisten tag des Monats Junii, Nach Christi vnsers lieben herrn gepurt funff- 
zehenhundert vnnd Im zwayvnduierzigisten, vnserer Beiche des Bömischen Im 
zwellften vnnd der andern aller Im sechzehenden Jare. 
Ferdinand m. p. 
Bienger, D. Yice-Gantzler. 

Inmitten des Wappenbriefes, an welchem an blau-gelben SchnOren das könig- 
liche Siegel hängt, ist die bildliche Darstellung des Wappens zu sehen, welche 
unsere Taiel lY in Originalgröße und genauer Zeichnung wiedergibt In einem 
von rothen Linien gefassien, fast quadratischen Bechtecke erscheint an den Seiten je 



— 283 — 

eine rothe Marmorsäule mit goldenem Capitäle und eben solcher ßasis auf grOn 
gefärbter Bodenfläche siebend und grüne, kreisrund durchlochte Bogenzwiciiel tragende 

Von dem den Mittelraum überspannenden Bogen hängt an Kettengliedern ein 
goldener, mit rothen Beeren geschmückter und von einem grünen Bande umschlun- 
gener Feston herab, der rechts mit einer rothen, links mit einer rothen und grünen 
Schnur gebunden ist. Dem grünen Boden aufruhend, erhebt sich vor einem blauen, 
weiß genetzten Hintergrunde der Wappenschild, von Grün und Roth 36 mal ge- 
schacht, die Parbenfelder durch Goldlinien von einander getrennt. Auf dem Schilde 
ruht eine weiße, roth gefütterte, mit Goldborten gezierte und mit goldenen Eicheln 
bespitzte Mitra mit abflatternden, weißen, roth gefütterten, mit Gold und Perlen 
gefassten, grün befransten Bändern. Hinter dem Wappenschilde liegt schrägrechts 
gelehnt das goldene Pedum mit weißem Stabe. Über dem Fruchtgehänge ist in 
goldenen Ziffern die Jahreszahl 1544 (!) angebraucht. 

Die Frage, weshalb Abt Erhard, der höchst wahrscheinlich einen Wappen- 
vorschlag seinem Gesuche beigeschlossen haben dürfte, das geschachte Feld als 
Wappenfigur gewählt und dabei durch Zusammenstellung von Roth und Grün, also 
von zwei Farben, statt von Farbe und Metall, einen heraldischen Missgriff gethan, 
dürfte derzeit wohl schwerlich mehr zu beantworten sein. Die Anzahl der Schach- 
felder in diesem heraldisch-wunderlichen Wappen vdrd in dem Diplom mit 36 fixiert. 
Nach altheraldischem Brauche werden die Schachfelder nur dann gezählt und die 
Anzahl blasonniert, wenn das Schach neun oder weniger als neun Felder auf- 
weist, weil der Beschauer ein mehr als neunfeldriges Schach nicht mehr mit einem 
Blicke zu fassen vermag, sondern gezwungen wäre, die Felder abzuzählen, eine zeit- 
raubende Procedur, welche weder dem Wesen der echten Heraldik entspricht, noch 
dem Haupterfordemis eines guten Wappens, der Klarheit der Figur dienlich sein 
könnte, was aber nicht verhindert, dass heute noch die bureaukratische Heraldik mit 
solch kleinlicher Abzählerei die Zeit vertändelt. Die Künstler, Bildhauer, Maler und 
Graveure setzten sich damals sofort über den Diplomtext hinweg und brachten „ge- 
schachte*' Felder in den Sculpturen, Bildern und Siegeln zur DarstelUing; selbst 
das Siegel, welches sofort nach der Wappenverleihung zur Ver)yendung gelangte, 
kam bereits mit dem Diplomtexte in Conflict (siehe Tafel HI, 2), indem es 38 Felder 
aufweist. ^') 

Die Differenz der Jahreszahl im Texte mit der im Bilde dürfte wohl dadurch 
entstanden sein, dass man von Seite der Kanzlei, um billiger wegzukommen, den 
Wappenbrief ohne Malerei, nur mit dem im Texte dafür ausgesparten Räume, an 
Abt Erhard geliefert hatte, und dieser auf eigene Kosten das Bildchen erst später, 
nach zwei Jahren, einmalen ließ. 

Das Siegel des Abtes (Tafel IH, 1) an einer Urkunde vom 22. Juni 1530, die 
Veräußerung einiger Zehente zu Japons, Blumau und Kirchberg betreffend,^') zeigt 
unter einer reichen, gothischen Architektur die Gottesmutter mit dem Kinde, zu deren 
Füßen das persönliche Wappen des Abtes angebracht ist. Es führt im Schilde nach 

**) Es war uns nicht möglich im Stifte ein Wappen anfzntreiben, das genau sechsundreiAig 
Felder besessen hatte. 

^) Original im Archive zu Geras. 



— 284 — 

nuerem DaArhalten das füofspitzige Eisen eines Fischspeeres. Die Abtei besaß 
damals nenn Fischteiche und wendete denselben große Pflege zu.^^) Das Siegel des 
Abtes Erhard ist das schönste und kunstvollste in der ganzen Reihe der uns be- 
kannten Siegel des Stiftes Geras. Das Legendenband trägt die Inschrift: 
• S • ABBATIS ..;• GEßVCENSIS i 1527. 
Der Abt starb am 19. August 1547 zu Göttweig und wurde auch dort begraben. 

29. Balthasar (1547-1557). 

Froher Pfarrer in Btuniau (1540-— 1544), später in Japons. Während seiner 
Begierung waren die Prämonstratenserinnen in Pernegg bis auf eine gänzlich aus- 
gestorben und das Kloster wurde außer dieser einen Ghorfrau nur vom Propste und 
einigen Geraser Chorherren, welche zur Führung der Wirtschaft und zur Seelsorge 
unumgänglich nothwendig waren, bewohnt (siehe Seite 312). Die wachsende Ver- 
breitung der Lehren Luthers in den österreichischen Erbländern machte sich eben 
auch hier ftihlbar. 

An einer Urkunde vom 17. April 1551, die Bestätigung des Propstes von 
Pernegg, Joh. Buepl, durch den Yaterabt in Geras betreffend,'^) finden wir ein 
Siegel (Tafel III, 2), welches wahrscheinlich schon unter Abt Erhard angefertigt 
wurde. Es zeigt den neuen Wappenschild, überhöht von der Inful (Seitenansicht), 
von welcher die Dependenzen nach links abfliegen. Das Pedum ist schrägrechts 
hinter den Schild gesteckt und die Legende, in einem Bande untergebracht, lautet: 
SIGIL . ABBATIS • GEEOCENSIS. 

Abt Balthasar starb am 21. Juni 1557'*) und wurde in der Afra-Eapelle su 
Klostemeuburg begraben. 

30. Wenzel Johann (1557—1558). 

Wenzel Johann Suepl, welcher, wie bereits erwähnt, 1551 Propst zu Pernegg 
geworden war, wurde nach dem Tode Balthasars von dem nur aus f&nf Professen 
bestehenden Geraser Wahlcapitel am 12. Juli 1557 zum Abte des Mutterstiftes ge- 
wählt, welcher Würde er sich aber nicht lange erfreute, denn er starb bereits am 
23. Jänner 1568.^0 

31. Gregor (1558—1563). 

Nachdem Gregor Setzenschragen im Wahlinstrumente vom Jahre 1557 
nicht aufgezählt wird, ist es sehr zweifelhaft, ob er ein Gapitular von Geras gewesen 
JMt, Auch P. Hier. Alram ist der Meinung, dass der neue Prälat aus einem anderen 
Kloster hervorgegangen sei. Er scheint seiner Stellung nicht gewachsen gewesen 
7M «ein« denn die Commission, welche über Anordnung Kaiser Ferdinand I. (1563) 
me »lltfemrine Klostervisitation durchführte, fand in Geras derartig triste Zustände, 
(hnn m nu'h gezwungen sah, Abt Gregor, der sonst als ein sehr gutmüthiger Mann 



*♦; t)ttr TficM In d«r „langen Wiese** war 
m\t hti Hthmk, dar KfCaUee mit t4, der Ober- 
MUi/^h inif <l ttod di'r SU KotUun mit 6 Schock 
^»«KJkt/fnt l>M«tst. DU fttof kleinen Teiche 
'^Mi/^tAfi nnr »«r Dwflitnng de« Kttohenbedarfcs. 
'1 ^i(fnph\tt ftm Nlwlerftiterr, 8. 887.) 



'•) Original im Archive xn Geras. 

V*) Harlan und Schweickhardt geben 156S 
als Todesjahr ^an. 

^) Marian n. Schweickhardt fahren Weniel 
Johann nicht in der Abtreihe von Gieras. 



— 285 — 



Fig. 3. 




geschildert wird, seiner Stelle zu entheben. ^^) Wo und wann Abt Gregor gestorben 
ist, konnte bis dato nicht ermittelt werden. 

32. Urban (1563—1579). 

Die Yisitatoren, welche Abt Gregor abgesetzt hatten (August 1563), bestellten 
den Propst von Pernegg, ürban Leeser, zum einstweiligen Administrator von Geras, 
welches Amt er bis zum 6. December d. J. innehatte, an welchem Tage er ein- 
stimmig zum Abte gewählt wurde. Er starb am 20. December 1579.^*) 

Im Jahre 1580 wurde Balthasar Po Iz mann, Dechant und Pfarrer zu Kloster-^ 
neuburg, vom Kaiser Budolf II. als Administrator nach Geras delegiert, welchem 
Amte er bis zu seiner am 5. März 1584 erfolgten Wahl zum 
Propste von Klosterneuburg vorstand. 

Er war früher Domherr zu Gran und Prediger zu Tymau 
in Ungarn gewesen und entschloss sich erst spater, das Ordenskleid 
zu nehmen (15. August 1578). 

Als Propst von Klosterneuburg führte er in den ersten Jahren 
seiner Regierung das nebenstehende „sprechende" Wappen: der 
Schild gespalten, vorne Klostemeuburg, rückwärts ein Mann mit 
einem Bolzen in den Händen. (Fig. 3.) 
Balthasar Polz- Am 19. Mai 1590 wurde vom Kaiser Budolf IL ihm und 

mann (1684—1690.) seinem Bruder Pankraz ein neues Wappen verliehen, in welchem 
der Mann mit dem Bolzen als Helmkleinod erscheint.^) 
Balthasar starb zu Wien am 6. Juni 1596. 

33. Longin (1584—1598). 

Longin Haberler war früher Pfarrer in Banzern (1563 — 1583), im Jahre, als 
er zum Abte gewählt wurde, Pfarrer in Drosendorf. 

Als Propst Georg von Pernegg 1586 gestorben war, übergab Abt Longin dieses 
Amt dem Prior von Geras, Johann Beyrer, und ließ ein Inventar des Klosters Pernegg 
aufnehmen. 

An der Straße von Geras nach Kottaun findet sich eine schon stark verwitterte 
steinerne Säule, welche Abt Longin setzen ließ. P. Hier. Alram theilt in seinen 
Annalen die Inschrift mit, wie sie zu seiner Zeit noch zu lesen war: 

»Salvator loquitur .... peccator fundo cruorem, te saltem lachrymas fundere ne 
pigeat. Longinus Haberler. A. J. F. F. 1595."»*) 

Er starb am 12. Februar 1598."J 

34. Johann VL (1598—1615). 
Johann Beyrer, Propst zu Pernegg, wurde nach dem Tode Longins zum 
Abte gewählt. Mathias IL, König von Ungarn, erneuerte und bestätigte als Landes- 



^) Sohweickhart erzählt, dass der Abt am 
6. December freiwUlig seiner Würde entsagte. 

^) Bei Sohweiokhardt erscheint der 20. Juni 
als Todestag. 



«•) Jahrbuch des „Adler*, 1874, S. 71. 
**) Topographie von NiederOeterr., S. 391. 
>«) Bei Schweickhardt 1600. 



— 286 — 



itirBt von Österreich auf Bitten des Abtes die von seinem Bruder, Kaiser Rudolf TL., 
1586 bereits anerkannten Privilegien und Bechte von Geras zu Wien, am 26. Februar 
1610. 

Abt Johann war ein sehr tüchtiger, umsichtiger Ökonom und Verwalter der 
StiftsgOter und brachte es zustande, die rückständige Contribution von 1540 fl. 45 kr., 
sowie 1182 fl. von der folgenden, sammt allen anderen Landesabgaben zu erlegen.^.) 
Er soll auch die Bestände der Bibliothek ansehnlich vermehrt und vieles ftlr die 
Wiederherstellung der schönen, großen Orgel gethan haben. Um das Kloster zur 
^Himmelspforte», welches dem Geraser Stifte seit 1270 einverleibt war (siehe Seite 274), 
hatten sich die Äbte von Geras, der großen Entfernung halber, wenig angenommen;^) 
als aber die Prämonstratenser - Ghorfrauen dortselbst ausgestorben waren, das 
Kloster mit Augnstiner-Ghorfrauen besetzt und 1603 direct dem Bisthume Wien 
unterstellt wurde, begab sich Abt Johann, nachdem alle Schritte dagegen keinen 
Erfolg hatten, nach Wien, und protestierte in Gegenwart von zwei Bechtsfreunden 
Öffentlich in der Klosterkirche gegen diese Vergewaltigung seiner alten Bechte auf 
das Nonnenkloster. Der Bischof von Wien, Melchior Klesl,^) ftLhIte sich durch dieses 
energische Auftreten des Abtes von Geras arg verletzt, und beschwerte sich bei 
dem Landesf&rsten. Der Einfluss des Bischofs, des späteren Cardinais, war ein 
mächtiger, dem gegenüber der Abt den kürzeren ziehen musste. Im Anfange des 
Jahres 1615 wurde Abt Johann gezwungen, seiner Würde zu entsagen, und starb 
in stiller Zurückgezogenheit am 10. Jänner 1619. 

Ein Siegel Johanns als Abt von Geras konnten wir Fig. 4. 

leider nicht auftreiben, und wir wissen deshalb nicht, ob 
Abt Johann sein Familienwappen in demselben geführt 
hatte. 

Dem Abte Johann und seinem Vetter Johann war 
ddo. Prag 26. JuU 1603 der Beichsadel und Bitterstand, 
sowie Verbesserung des von Kaiser Karl V. dem Vater 
des Abtes gegebenen Wappens verliehen worden.^) 

Der Schild ist gespalten; vorne in Gold ein schwarz 
gekleideter, braunbärtiger Mann mit schwarzem Hute, welcher 
mit einer schwarzen Feder geschmückt ist Die rechte Hand 
hält eine Birne, die linke ist in die Seite gestemmt. Hinten 
im rothen Felde erscheint eine silberne Lilie. Der mit 
schwarz-goldenen und roth-silbernen Helmdecken gezierte Beyrer. leos. 

Spangenhelm trägt eine Helmkrone, aus welcher zwei Büffel- 

hömer, weiß-roth und gold-schwarz getheilt, emporwachsen. Zwischen den Hörnern 
erscheint die Figur des schwarzen Mannes mit der Birne.^^) (Fig. 4.) 




••) Topographie von Niederösterr., S. 392. 

•*) Dass der Abt von Geras „nun in vil 
jaren vnd vber menschen gedenckhen** seines 
Amtes nicht gewaltet, heiAt es im Berichte 
des Klosterrathes von 1677 (L u. k. Hans-, 
Hof- und Staatsarchiy). 

•*) Seit 19. Jänner 1602 Bischof von Wien. 



**) Adelsarchir des k. k. Ministeriums des 
Innern. Hier findet sich auch die Notiz, 
dass dem Vater des Abtes Johann der Wappen- 
brief anno 1668 verliehen worden sei, leider 
ohne Angabe des Taufnamens des Vaters und 
des von diesen geführten Wappens. 

") J. B. Rietstap (Amorial G^nöral I, 1884) 



— 287 



Fig. 6. 



Kaiser Karl Y. hatte ddo. Innsbruck 14 Mai 1530 einem Bernhard Beyrer ein 
Wappen verlieben. Zwei Copien^) dieses Wappenbriefes befinden sich in den 
Begistraturbüchem Karl Y. Dieselben sind gleichlautend, nur erscheint bei einer 
Innsbruck, bei der anderen die freie Beichsstadt Augsburg als Ausstellungsort. Der 
Wappenbrief, welcher auch den Lehenartikel enthält, lautet: 

Wir Karl verleihen dem Bernhart Beyrer und seinen Erben fQr die 

Dienste die er dem Beich u. dem Bruder des Kaisers Ferdinand, K. v. Ungarn u. 

Böhmen in der fürstlichen Grafschaft Tyrol ge- 
than, dis nachgeschriben Wappen unt dainat: 
Mit namen ain gantz blawer Schilt itn grundt 
desselbigen steend aufrecht ein wilder grawer 
man mit gutem langem Bart blossen angesicht, 
prusten, Henden, Knyen vnd Fuessen das an- 
gesicht und den gerechten Fuess gegen den 
vordertail des Schilts kerend, die tengkh handt 
habend auf seiner tenken hufift die gerechte band 
gegen den obem vordem teil des Schilts streckend, 
hebend darin gegen den vordem tail desseben 
Schilts über sich einen abgehawen dürren Stengel 
oder prügel mit dreyen nesten auch umgürtet 
mit ainem grünen umbgewunduen Zweig, vnd 
auf dem Schilt ain heim gezürt mit ainem uni- 
gewundnen plawen vnnd waissen haydnischen 
pundt vnnd helmdeck^, daraus entspringend 
ain pnistbild an fuess aines fiawhen wilden mans 
allermassen geformuert wie Im Schildt gestelt 
vnd angezeigt ist, wie dan solches mit £Eurben 

von newen gnediglich verliehen Geben Inspruckh am 14. tag des 

monats may nach Chr. gepurd im 1530 Jar. 
Garolus. 
Albertus eard. mogunt. Admandatum i. 

Archi cancellarius Alezander Schweis. 

V. Waltkirch. 




Beyrer. 1680. 



Eine Zeichnung des verliehenen Wappens ist diesen Copien des Wappenbriefes 
nicht beigeschlossen und wurde dieselbe von uns nur nach der Blasonnierung im 
Briefe aufgerissen. (Fig. 5.) 

Ein weiterer Wappenbrief an einen Beyrer findet sich in den Begistratur- 
büchem Karl Y. nicht vor; es wäre also anzunehmen, dass dieser Bernhard der 
Yater des Abtes Johann gewesen ist. Allerdings müsste Johann, wenn man die 
beiden Jahreszahlen 1530 und 1619 in Betracht zieht, ein ziemlich hohes Alter 
erreicht haben und ein spät geborener Sohn seines Yaters gewesen sein. Würde 



gibt ebenfalls eine Blasonniening des Wappens 
der Beyrer, nur spricht er von einer grünen 
Zwiebel und einem weisen Hute mit weißer Feder. 



••) Haus-, Hof- u. StaatsarohiT, Registratur- 
böcher Kari V. (K. 12, f. 74, 74 b -.79 b, 80.) 



— 288 — 

die Wappenfigur, der wilde Mann, im Adelswappen des Abtes aufgenomroen worden 
sein, wäre das Yerwandtschaftsverhftltnis zwischen Bernhard und Johann Beyrer 
nicht mehr firaglieh. Dieses Verhältnis ist aber trotz der verschiedenen Wappen- 
figoren noch immerhin möglich, weil es häufig vorkam, dass WappenbQrger, wenn 
sie den Adelsstand erhielten, sich ein ganz neues Wappen verleihen ließen. Vielleicht 
fand der wilde, nackte Mann nicht den Beifall des Abtes, oder aus sonst welchen 
Gründen wurde ein vom alten ganz verschiedenes Wappen angenommen. Der schwarze 
Mann mit der Birne dfirfte einen Bauer (Bauer -Beyrer) vorstellen, die Lilie im 
zweiten Felde dem Wappen des Prämonstratenserordens (zwei gekreuzte Pedums 
im mit Lilien bestreuten Felde) entnommen sein. Würden wir ein Siegel des Abtes 
Johann aus der Zeit von 1598 bis 1603 in Händen haben^ so wäre die oben auf- 
geworfene Frage ohne große Schwierigkeit zu lösen, weil es uns vielleicht das alte, 
von seinem Vater gef&hrte Wappen zeigen würde. 

Nach der Absetzung des Abtes Johann v. Beyrer fllhrte der Propst von Pernegg, 
Valentin Springel (siehe Seite 316) von 1615— 1627 die Administration über das 
Stift Geras. In seine Zeit ftllt wieder eine traurige Periode für beide Stifte. Die 
aufständischen Böhmen unter der Führung des Grafen Thuru brachten vieles Unheil 
über das Waldviertel Niederösterreichs, namentlich als sie nach den Siegen der 
Kaiserlichen nach Böhmen reterieren mussten. Das Stift wurde total ausgeplündert, 
sodann der Ort und das Stift in Brand gesteckt (1619). Die reiche Bibliothek, das 
halbe Archiv, die vom Abte Johann mit großen Opfern erbaute Orgel, überhaupt 
das ganze Inventar wurde ein Baub der Flammen. In Schutt und Trümmern lag der 
ehrwürdige alte Bau, und es vergiengen sechs Jahre, bis einige der geflüchteten 
Chorherren wieder nach Geras zurückkehrten, und trotz all dem Elend und der 
Verwüstung den Muth fanden, an diesem Orte ihr klösterliches Leben von neuem 
zu beginnen. Die muthigen Brüder fanden schließlich auch einen Gönner, der sie 
thatkräftig unterstützte. Der Abt des Stiftes Strahov in Prag, Caspar Graf von 
Qnestenberg, der von der traurigen Lage der Chorherren Kunde erhalten hatte, kam 
nach Geras, um selbst an Ort und Stelle zu sehen, wie am besten zu helfen sei. In 
seiner Begleitung befand sich Benedikt Lacken (Lachen), Capitular des Stiftes Strahov, 
welchen der Graf bei seiner Anwesenheit in Wien ftlr das noch immer unbesetzt 
gebliebene Amt eines Oberhauptes von Geras auf das wärmste empfahl, nachdem 
der Propst von Pernegg, welches Stift durch den Krieg ebenfalls stark gelitten hatte, 
nicht in der Lage mehr war, auch noch die Sorgen Ar Geras auf sich zu nehmen. 
Der Abt von Strahov, nach Prag zurückgekehrt, wandte sich von dort aus nochmals 
bittlich in dieser Angelegenheit an den Monarchen selbst, weil ihm eine Ordnung 
der Verhältnisse in Geras äußerst dringend erschien, diese aber ohne ein, der 
Sache gewachsenes Oberhaupt, nicht durchzuführen gewesen wäre. 

35. Benedikt (1627—1632). 
Nachdem Kaiser Ferdinand das Gesuch des Grafen von Questenberg betreff 
des neuen Abtes von Geras ddo. Wien, am 1. Februar 1627 in zustimmender Weise 
erledigt hatte, wurde Benedikt Lacken, gewöhnlich „Lachenius" genannt, ein 
Patrizierssohn aus Münster in Westphalen, am 11. Februar 1627 von dem kleinen 
Wahlcapitel einstimmig zum Abte von Geras gewählt, eine Würde, welche bei den 



— 289 — 

trostlosen Verhältnissen eine setiwer zu ertragende Bürde war. Das Stift, welches 
kaum eine gegen die Elemente gesicherte Wohnstätte bot, war tief in Schulden 
gesunken,^*) die ünterthanen, gänzlich verarmt, konnten trotz des besten Willens 
keine Abgaben entrichten, ja sie waren selbst der Unterstützung sehr bedürftig 
und kamen zum Abte mit der Bitte, er möge ihnen bei dem Aufbau ihrer zer- 
störten Häuser hilfreich zur Seite stehen. Abt Benedikt verlor den Muth, er wusste 
sich nicht mehr zu helfen und fasste bereits den Gedanken, seiner Würde zu ent- 
sagen und in sein Kloster nach Prag zurückzukehren, als ein wunderliches Ereignis 
seinen Muth wieder hob und ihn zum Ausharren bewog. Eines Morgens kam der 
Richter des Ortes, Benedikt Gamauf, einen Behbock an der Hand führend, in das 
Stift und erzählte dem erstaunten Abte, dass der Bock, während des Richters 
Schwiegersohn im Garten arbeitete, über den Zaun gesprungen sei, sich ruhig fangen 
und hieher weisen habe lassen. Er habe den Bock gebracht, da er wohl wisse, dass 
Mangel an Nahrungsmittehi im Kloster sei.^) Der fromme Abt sah in dieser Be- 
gebenheit einen aufmunternden Fingerzeig Gottes und fasste den festen Entschluss, 
im Vertrauen auf Gottes Hilfe in Geras zu verbleiben, es möge kommen, was da 
wolle. Der Kaiser, zu dem der Abt in seiner Noth seine Zuflucht nahm, legte sich 
nun ins Mittel und verordnete, dass der derzeitige Vermögensstand des Klosters ab- 
geschätzt und nur dieser Betrag allein sammt Zinsen in vier Raten an die Landstände 
gezahlt werden solle, der verbleibende Schuldenrest soll f(lr immer gestrichen werden. 
Die Schätzung wurde durchgeführt und ergab im ganzen nur den Betrag von 4237 fl. 
2 kr. Um dem Abte die Zahlung zu ermöglichen, verlieh ihm 1628 der Kaiser die 
einträgliche Pfarre Raabs auf ftlnfzehn Jahre. Mit Hilfe dieser Einnahmsquelle gelang 
es Benedikt, nicht nur allein die Landesschuld zu tilgen, sondern auch manche Grund- 
stücke wieder einzulösen. Wie bereits früher erwähnt (siehe Seite 279j, ließ Abt 
Benedikt aus den Ephemerides Monasterii Geracensis, aus den Grabsteinen und 
Urkunden des Stiftsarchives eine Reihe der Geraser Äbte zusammenstellen und die 
Richtigkeit dieser Aufstellung durch den Notar Jakob Stambler beglaubigen; einige 
Unrichtigkeiten sind aber doch unterlaufen. 

Nach dem Tode Jodocus Kastor, Abt von Klosterbruck bei Znaym, wurde 
Benedikt Lachenius 1632*^) zum Abte von Brück gewählt und verließ am 30. Juli 
d. J. das Stift Geras. Mit ihm verlor Geras einen seiner bedeutendsten Äbte und 
Benedikt wird nicht mit Unrecht als der zweite Stifter von Geras bezeichnet. 
Lachenius wurde nach dem Tode Questenbergs zum General vicar des Prämon- 
stratenserordens in den österreichischen Erblanden ernannt und starb am 9. August 
1653. 

In der alten Todtenkapelle im Stifte Geras findet sich links vom Eingange an 

der Wand ein Denkstein aus weißem Marmor eingesetzt, mit folgender Inschrift :^^) 

Imitator S. Patris nostri Norberti Benedictus Lachenius Westphalus Monasteriensis 

e canonico saeculari Ganonicus Praemonstratensis Pragae in monte Sion ad 



^) Den nieder5sterr. Landständen schuldete ] **) P. 2äk war so freundlich, die Abschrift 

(Seras 86.000 fl. zu besorgen, nachdem uns zu dieser Arbeit 



^) Schweickhardt, S. 243; Ruhietl, S. 110. 
**) Wolnys kirchliche Topographie Mährens, 
S. 145: 1633 Abt Ton Klosterbrack. 



während des Aufenthaltes in Geras keine Zeit 
übrig geblieben war. 



19 



— 290 — 

recuperandum moDasterium Gerusense, per rebellionero bohemicam incineratum, 
octo annis desertmn et ob debita in manus statuum provincialium devolutam 
emittitur, et anno 1627 die 12. Februarii Abbas praeficitur; porro loci hujus 
roina et victos penuria ita terruit, nt ad domnm professionis suae remeare 
cogitaverit 

Sed ecce providentiam Dei! 

Inter has cogitationes pusillanimes oeeurrit e silva Capreolus, qui omnis feritatis 
oblitus ad pedes ßeverendissirai procidens, in victimam et victum se oflFert, 
quo facto recreatus Abbas mutat propositum, ac fretus Dei auxilio desperatum 
hoc monasterium e statibus reluit, muros exstruit, Beligiosos et disciplinam 
regulärem inducit. Lachenius anno 1632 die 30. Julii ad monasterium Lucense 
postulatus istud non minus debitis quam litibus gravatum exsolvit augetque bonis. 
Vicarius generalis per provincias Oaes. constitutus, disciplinam Ordinis suaviter 
serioque instaurat, tandem a laboribus in Domino quievit anno 16Ö3 die 
9. Augusti actatis sunc 63. 

Prout hoc gerusense monasterium Lachenius usque in finem sincere dilexit, ita 
hoc monumentum in perpetuam Viri memoriam posuit anno 1657 Joannes West- 
haus, Abbas Gerusensis. 

Resta Vra Vit 

HoC pIVM aeVIternae 

Örat ItVDInIs opVs 

IgmatlVs CaroLVs 

Abbas GerVsens Is.^') 

Der stein ist unten mit dem Wappen des Stiftes und des Abtes Ignaz Hörstel- 
hofer geschmückt. 

36. Peter H. (1632-1650). 

Auf Anempfehlung des Grafen von Questenberg wurde am 18. August 1632 
Peter Herkardt, Capitular des Stiftes Brück, seit 1631 Pfarrer zu Hosterlitz, zum 
Abte von Geras gewählt. Er erhielt am 4. April 1636 die Pfarre Saabs vom Kaiser 
Ferdinand lU. auf weitere 25 Jahre zugesprochen, ohne welchen Zuschuss das Stift 
sich kaum erhalten haben dürfte, weil das Haus von vielen UnglücksMen hinter- 
einander heimgesucht wurde. Die im selben Jahre ausgebrochene Seuche raffte allein 
acht Capitulare hmweg, und alles ergriff die Flucht, so dass der Weiterbestand 
sehr in Frage kam. Am 6. Juli 1643 schlug der Blitz in die Prälatur ein, und das 
Stift und der ganze Marktflecken wurden ein Baub der Flammen. Kaum hatte man 
sich von diesem Unglücke etwas erholt, so kamen die Schweden, plünderten und 
raubten, was noch vorhanden war und steckten das Stiftsgebäude abermals in Brand. 
Trotz all dieser hier aufgezählten Unglücksfälle, welchen noch gewaltige Hagel- 
wetter (1Ü46) und Brände auf den Pfarreien anzuschließen wären, war es dem 
Abte, dank seiner Sorgsamkeit und Umsicht möglich, das Stift vor dem Untergange 
zu bewahren, ja, er war sogar imstande 1648 den niederösterr. Standen 650 fl. zu 
Wihm, Die Aufregung, der Schrecken und die Sorgen um das so oft gefährdete 



— 291 - 



8tift giengen nicht ohne Nachwirkung auf die Gesundheit des Abtes vorüber. Schon 
1643 hatte er einen Schlaganfall erlitten, welcher ihm die ganze linke Seite des 
Körpers lahm legte, welche Lähmung trotz Bäder und anderer Heiknittel leider 
nicht behoben werden konnte. 

Am 2. November 1650 wurde er abermals von einem Schlaganfalle heim- 
gesucht, dem sein seit sieben Jahren leidender Körper nicht mehr widerstehen 
konnte. Er starb, von seinen Mitbrüdem tief betrauert, noch am selben Tage. 

Abt Peter führte ein Wappen, das sich, leider falsch übermalt, über dem Ein- 
gangsthore zum Provisorate bis beute noch erhalten hat. Unter dem Wappen befand 
sich eine Inschrift, welche bei der letzten Renovierung im Jahre 1893 übertüncht 
wurde. 

In einem kreisrunden Medaillon erscheint das Stiftswappen und das Wappen 
des Abtes von Infel und Pedum überhöht, Das Wappen des Abtes zeigt ein durch 
eine schmale Binde getheiltes Feld, oben einen gekrönten, wachsenden Adler, unten 
ein W. Die Umschrift lautet: 
PETBVS . HEBCKAEDT • ABBAS • GEEACENSIS - ANNO • 1641 • lAE- 

Dieses Wappen entspricht vollkommen dem alten Wappen des Klosters Brück, 
dessen Gapitular Abt Peter gewesen war. Die Binde, welche den Adler von dem 
unteren Felde trennt und welche im Wappen von Brück nicht vorhanden ist, dürfte 
sicherlich nur ein etwas zu breit gerathener Trennungsstrich sein, welcher dem Bild- 
hauer nöthig schien, um dem halben (wachsenden) Adler eine Basis zu geben. 
Die Binde wurde deshalb auch ii;i unserer Zeichnung nicht weiter berücksichtigt. 
(Tafel IV.) 

Das alte Wappen von Bmck zeigt einen von Silber 
über Both getheilten Schild, oben einen wachsenden 
goldgekrönteu schwarzen Adler, unten ein silber- 
nes W.»*) 

Der schwarze Adler im silbernen Felde ist das alte 
Wappenbild von Böhmen, wie es vor 1249 geftlhrt 
wurde.**) Die Tincturen dieses Stiflswappens fanden 
sich auf einem aus dem Kloster Brück stammenden 
Lesepulte, heute im Kloster der Dominikaner zu Znajm 
befindlich. Die Siegel des Stiftes Brück aus den 
Jahren 1653, 1660 u. s. w., welche sich im Franzens- 
Museum zu Brunn befinden, zeigen dasselbe Bild, die 
späteren aus den Jahren 1711, 1764 und 1781 ent- 
halten statt des Adlers das Bild des heil. Märtyrers 
Stephanus in halber Figur. Die Kirchensiegel von 
St. Niklas in Znaym, über welches Klosterbruck das 
Patronat besaß, zeigen dagegen noch (1746 und 1760) 
den Adler und das W des alten Stiftswappens. ••) 



Fig. 6. 




Grolls Wappen des Pramonstra- 
tenserstiftes Bmok. 



•*) ^W" bedeutet «Wenzeslaus", weil die Abtei 1190 von dem Markgrafen Otto von Mähren 
und seiner Mutter Maria xur Ehre Gottes und des beil. Wenzeslaus gestiftet wurde. (Siehe Note 65.) 
M) Seyler, Geschichte der Heraldik, S. 260. 
••) Nach gütiger Mittheilung des Custos M. Trapp in Brönn. 

19* 



— 292 - 

ÜDsere IHustration, *^) das große Wappen des Stiftes Brück darstellend, ist 
einer Malerei entnommen, welche sich in einem „Begister der Bosenkranzbmder- 
schaft Brück, 1. October anno 1702*' vorfindet Das Wappen trägt die Unterschrift: 
Anton Nolbek, Abt von Elosterbruck nnd Generalvicar von Ungarn. Es zeigt im 
Mittelscbilde den heil. Stephan mit rothem Mantel bekleidet, drei Steine und einen 
Palmenzweig in den Händen tragend, unter ihm in Roth das silberne W. 

Das erste Feld des Bückenschildes brmgt im silbernen Felde eine Darstellung 
des heil Wenzels, Kirchenpatron von Klosterbmck, mit dem alten Wappen von 
Böhmen aof Fahne und Schild. 

Die Felder 2 und 3 zeigen in Gold zwei schräglinke blaue Balken, Feld 4 das 
jetzige Wappen von Böhmen. 

Ein zweites Wappen in demselben Buche, mit der Unterschrift: ^Garolus 
Kratochwill,*") Abt und Prälat im Markgrafthum Mähren, des Prämonstratenser- 
ordens und Stiftes Brück a. d. Thaya*', ist dem vorher angeflihrten Wappen ganz ähnlich 
gebildet. Dasselbe Wappen erscheint auch auf einigen Exlibris, welche sich in Büchern 
vorfinden, die aus Klosterbruck stammen und derzeit in der Bibliothek des Franzens- 
Museums in Brunn aufbewahrt werden. 

37. Johann VH (1650-1674). 

Am 16. December 1650 wurde Johann Westhaus, zu Münster in West- 
phalen gebürtig, ein Verwandter des Abtes Lachenius, nachdem er seit 1646 die 
Dienste eines Priors, Provisors oder vielmehr Coadjutors des erkrankten Abtes Peter 
versehen hatte, zum Abte gewählt 

Er hatte eine ganze Beihe von Processen durchzukämpfen; auch Pemegg, 
welches dem Geraser Abte die alten Paternitätsrechte nicht zugestehen wollte, be- 
reitete dem Prälaten manche Schwierigkeiten und Sorgen. Von hervorragender Bedeu- 
tung ist jedoch die Prälatur Johann VII. fQr die Baugeschichte von Geras. Schon 
als einfacher Gapitular unter Peter II. hatte Westhaus seine Ersparnisse im Betrage 
von circa 1000 Gulden ftir die Steinmetzarbeiten in der Kirche beigesteuert Im 
Jahre 1656 ließ der Abt die Meierhöfe innerhalb der Bingmauern abreißen, weil 
«ie sich ftlr das Stift als zu feuergefährlich erwiesen hatten. Sie wurden außerhalb 
der Bingmauer neu angelegt, die Bingmauer selbst nebst den runden Thürmen 
ebenfalls neu aufgebaut. Auch der Thurm und das Gebäude der Kirche wurden 
nnt^r Westhaus zur Vollendung gebracht Alle diese Neu- und Umbauten wurden 
mit Inschriften und dem Wappen des Abtes geschmückt, so dass man Johann West- 
hauH mit Becht den Beinamen „der Wappenfreudige" geben könnte. 

Er fahrte im blauen (?) Felde ein springendes, silbernes (?) Einhorn**) (Tafel IV). 
Wir finden dieses Wappen an vielen Orten angebracht, theils einzeln, theils mit dem 



^) Htrr V. Stifter, Fachlehrer in Znajm, 
«TAT 10 freoodlicb, ans sowohl das Wappen auf 
d'-tn alt4m Lesepulte, all auch die beiden 
Whppi'U im angeführten Register (Bibliothek 
rl#fff Ooininikanerklodters in Znajmj zu skiz- 

^) Abt Karl KratocbwiU starb 1712. 



**) Ob das Einhorn sein Familienwappen 
gewesen, ist fraglich. Das Einhorn, ein Symbol 
der Jungfräulichkeit, dürfte eher in Bezug zur 
Patronin des Stiftes, der heiligen Jungfrau 
Maria, stehen. In diesem Falle würden auch 
die Tinkturen blau und Silber entsprechen. 



~ 293 — 

Stiftswappen zusammengestellt, und wir wollen nun diese heraldischen Bilder, chrono- 
logisch geordnet, hier notieren: 

a) Am vierseitigen Sockel der Mariensäule im Eirchenhofe findet sich auf einer 
Seite das Wappen des Abtes, auf einer zweiten das Wappen des Stiftes mit 
der Jahreszahl 1653, die Ziffern in die vier Ecken gestellt. Die beiden andern 

Seiten tragen folgende Inschriften: 

„Has aedes cum prole pia defende Maria; 
Fulgur ne noceat: ne voret ignis eas**. 

„BMTs • DNS • dRs • Johannes Westhaus Abbas Gerucensis P. F.** 

b) Im Gange zur St. Norbertus-Kapelle erscheint zweimal das Einhorn. 

16 . 1 . W . A . G . 55. 

c) Über dem Eingange zum Musikchore das Wappen mit dem Einhorn ohne 
weitere Bezeichnung. 

d) Oberhalb des Thores des vom Abte erbauten Meierhofes ist das Stifts- und 
Abtwappen nebeneinander angebracht, die beste Darstellung unter all den vielen 
Wappen des Abtes, die in ihrer künstlerischen Durchbildung sonst manches zu 
wünschen übrig lassen. 

unter den beiden Wappen ist eine Tafel eingesetzt mit folgendem Ghrono- 
gramme (1656): 

lohannes WesthaVs PraesVL 

Abbatlae (JerVCensIs eX syL 

Va hanC VILLaM Oon 

strVI CVraVIt. 

Orate pro eo. 

e) Das pyramidenförmige Gartenthor, welches vom Prälatengarten auf die Straße 
ftlhrt, zeigt ebenfalls beide Wappen mit der Inschrift: 

HVNC . MVBVM • OIBCVM • OIBCA • EX • PVNDAMENTO • FIEEI • 

CVKAVIT. 
16 . F . I . W . A . G . 57. 

f) Der Eckthurm trägt das Wappen mit dem Einhorn allein. 1658. 

g) An der Seite der Gartenmauer, dem Meierhofe vis-ä-vis, ist eine viereckige 
Tafel eingelassen, welche das Wappen mit dem Einhome zeigt. Über dem 
Tartschenschilde in einem gerade liegenden Bande erscheint die Inschrift: 
HVNC MVBVM, unter dem Bande: F. F., zur Seite des Schildes die Lettern 
A und G, in den Ecken oben I und W, unten 16 und 58. 

A) An einer Stelle der Gartenmauer das Stifts- und Abtwappen allein. 

i) An der Mauer des Gonventgartens im Markte, nahe der Post, eine reicher 
durchgebildete Darstellung beider Wappen in einer viereckigen Nische der Mauer. 
Über den Schilden, die von einem ornamentalen Bahmenwerk mit Engelsköpfchen 
umschlossen werden und mit Infel nebst Pedum geschmückt sind, erscheint 
die gekrönte Gottesmutter mit dem Kinde in Wolken thronend. 

j) Hoch am Kirchthurm, nahe der Uhr, erblicken wir in einem viereckigen Felde 
wieder beide Wappen, das Einhorn weiß im blauen Felde. In den Ecken die 
Ziffern der Jahreszahl 1665. 



— 294 — 

k) Über dem Kirchenportale in reichen Cartouchen das Stifts- und Abtwappen mit 
der Überschrift LW. und A.G.»««) 

l) Der ebenfalls von Westhaus in der Nähe des Meierhofes erbaute Schüttkasteu 
am sogenannten „Hufnagel" zeigt in einer viereckigcMi Nische eine ähnliche Dar- 
stellung wie bei i), oben die Buchstaben I.W. und A.G., unten die Jahreszahl 
1670. Die Sculptur ist gänzüch bemalt; hier erscheint im weißen Felde auf 
grünem Boden ein gelbes Einhorn, wahrscheinlich die freie Erfindung eines 
Geraser Malers. 

m) Die Aichraühle, zwischen Johannesthal und Pingendorf gelegen, trägt an der 
Hausfront beide Wappen, von den Buchstaben I.W.A.G. und der Jahreszahl 
1671 begleitet. 

Dies dürften so ziemlich säramtliche Darstellungen des Westhaus^schen Wappens 
in Geras sein. 

Wie die beiden Stifte Geras und Pernegg zu Zeiten des Abtes Westhaus aus- 
gesehen, können wir aus den Bildern entnehmen, welche die Topographie von G. M. 
Vischer (1672) enthält, und welche wir, auf Tafel VII zu einem Bilde vereinigt, 
unseren Lesern zur Anschauung bringen.*®*) 

Ein Vergleich mit einer Aufnahme von Geras aus unseren Tagen, welche auf 
Tafel I erscheint, dürfte vielleicht nicht ganz ohne Interesse sein. 

Die vielen Zwistigkeiten, welche Abt Johann während der Zeit seiner Prälatur 
durchzukämpfen hatte, sowie seine rastlose Thätigkeit untergruben endlich seine 
körperlichen Kräfte, bis er, von den häufiger sich einstellenden Gichtanfällen nieder- 
gebrochen, im 64. Lebensjahre am 27. September 1674 von seinen Brüdern schied. 

38. Priedricli HI. (1674-1693). 

Am 10. December 1674*^) wurde nach dreimaligem Wahlgange, in welchem 
aber kein Resultat erzielt wurde,. vom Vaterabte von Selau ein älterer Geraser Capitular, 
Friedrich Brennessel, genannt Urtica,*®*) aus Znaym gebürtig, zum Abte 
ernannt, gegen welche Ernennung kein Protest erhoben wurde. 

Er war bis 1668 Pfarrer in Weikartschlag, später Pfarrer in Blumau gewesen. 

Der Rechtsstreit betreff der Patern itätsrechte über Pernegg kam unter ihm 
abermals zum Ausbruche, wurde aber schließlich zu Gunsten Geras entschieden, 
doch mussten die Pfarre Niklasberg und 2000 fl. an Pernegg abgetreten werden. 
Pest (1679) und Türkennoth (1683) brachten dem Stifte manchen Sehaden, doch 
gelang es dem Abte Friedrich durch Thatkraft und Klugheit, sowie durch gute 
Wirtschaft auf allen Gebieten, dieselben minder empfindsam zu machen. Abt Friedrich 
wurde vom niederösterreichisehen Prälatenstande zum Verordneten (1685), von den 



^^) Das Feld des Stiftswappens wurde bei 
der Restaurierung fälschlich mit Weil^ und 
Roth geschacht. 



Osterreich. Heervorgebracht im Jahre 1672. 
Durch Mühesamen Fleiß Georg Matthaei Vischer 
Geogr. 



*•') Topographia Archidvcatvs Austriae i *"•) P. A. Zak gibt den 8. December als 

Inf = Modemae seu Controfee vnd Beschrei- Wahltag an, 

bung, aUer Statt Clöster vnd Schlösser wie sie »••) Urtica dioica (Brenn-Nessel). 

anietz stehen in der Ertzhertzogtumb unter i 



295 — 



Ständen zum Baitrathe gewählt, welchen Ehrenposten er bis zum Jahre 1690 mne- 
hatte. Er starb am 10. August 1693, 68 Jahre alt. 

Sem Wappen (Tafel V) finden wir an zwei Stellen im Stifte Geras zur Dar- 
stellung gebracht, nämlich außen an der Hofseite des Prälatentractes im L Stocke, 
und im Inoem des Stiftes, im Gange neben der GlasthOre. Beide Sculpturen sind 
mit Farbe bemalen, die letztere trägt außerdem noch in den vier Eckzwickehi die 
Initialen F. V. und A. G. sowie die Jahreszahl 1 • 6 und 77. Diese, im Gange 
sich befindliche Darstelluog, ist eine der besten unter der ganzen Geraser Wappen- 
reihe und zeigt in einer kreisrunden Vertiefung zwei Cartouchen mit dem Stift»- und 
Abtwappen, zwischen beiden oben die Infiil und das Pastorale mit abflatterndem 
Velum. Das Wappen des Abtes Friedrich Urtica zeigt im blauen Felde auf grünem 
Boden einen aus der rechten Seite des Schildrandes hervorkommenden grünen Nessel- 
strauch (Urtica), im oberen Theile des Schildes eine fliegende, weiße Taube mit 
einem grünen Palmenzweige im Schnabel.*^*) 

39. Engelbert (1693—1712). 

Engelbert Hoffmayr, auf der Liechtensteinischen Herrschaft Bavensburg 
(V. U. M. B.) in Niederösterreich geboren, war 1676 in den Orden getreten und 
kam 1691 als Pfarrer nach Drosendorf. Am 6. October 1693 wurde er zum Abte 
gewählt und erhielt am 22. August 1694 aus den Händen des Erzbischofes von 
Gran, des Cardinais Leopold Graf von Kollonitsch, welcher vom Passauer Bisthum 
delegiert war, die Liful. 

In seine Amtszeit fallen wieder mehrere Processe, welche aber in den meisten 
Fällen zu Gunsten des Stiftes entschieden wurden. Abt Engelbert war ein tüchtiger 
Ökonom, der namentlich aus der von ihm mit Sorgfalt betriebenen Fischzucht 
manchen Nutzen zog. Die Bibliothek verdankt ihm manche Erwerbungen, ebenso 
der Schatz an Kirchengeräthen und Paramenten. Er starb am 24. November 1712.*®*) 
Das Typar seines Siegels ist noch vorhanden. Ln Siegel erscheint das Wappen des 
Stifters und des Abtes nebeneinander gestellt Die Legende lautet: ENGELBEBTUS • 
ABBT . ZV . GEBAS. 

Das Wappen des Abtes (Tafel V) zeigt im blauen Felde ein goldgekleidetes 
Männchen mit schwarzem, rothbebändertem Hute, in der Bechten einen goldenen 
Pontificalring, in der Linken drei goldene Kornähren tragend. So sind die Tincturen 
auf einer Wappenstickerei (weiße und rothe Casula) zweier Ornate im Stifte Geras 
zu sehen. *^®) Auf der Frontseite des Pfarrhofes zu Fratting in Mähren erscheint in 
Stein gehauen das Stiftswappen und das Abtwappen Engelberts mit der Inschrift: 
1705 . E . H . A . G .»«7) 

Das Wappenbild ist ein „redendes", es bringt den Namen des Abtes bildlich 
zur Darstellung: Hoffmayr, soviel wie Verwalter eines Hofes, eines Landgutes, daher 
das Männchen mit den Kornähren. 



»•«) Topographie von Niederösterr. (S. 408) 
spricht von einem Blomenstrauß (Anspielung 
auf Blnmau), wir konnten aber auf beiden 
Wappenbildem keine Blumen entdecken. 

'^*) Schweickhardt und Buhietl geben fälsch- 
lich den 24. December als Todestag an. 



*^) Topographie von Niederösterr. gibt eine 
lückenhafte Beschreibung des Wappens. Auch 
spricht sie ^on einem „goldenen" Felde, das 
wir nirgends su sehen bekamen. 

»0») Nach gütiger Mittheüung P. A. iik. 



— 296 — 

40. Uehael (1713—1729). 

Am 6. Februar 1713 wurde Michael Wallner, zu Kailing in Mähren geboren, 
zum Abte ron Geras gewählt. Er war 1684 in deu Orden getreten, hatte 1685 die 
Profess abgelegt und war Novizenmeister, Supprior und 1693 Pfarrer in Drosendorf 
geworden. 

Über Auftrag der Regierung musste er die Administration von Pernegg über- 
nehmen, welches Kloster tief in Schulden gekommen war, so dass es schon einige 
Jahre hindurch von seinen Gläubigern administriert wurde. 

Mit vieler Mühe und manchen Verdrießlichkeiten gelang es Abt Michael das 
Toffhterstill aus seiner finanziellen Noth zu retten. 

Als der Ordensgeneral Claudius Honoratus Lucas de Muin*^') eine Geschichte 
des Prämonstratenserordens zusammensteUte, wurde auch Abt Michael von Geras 
aufgefordert, die Geschichte seines Klosters einzusenden. Eine solche war aber nicht 
vorhanden, und so war der Abt genöthigt, eine solche selbst zu verfikssen (1716), 
welche Arbeit aber viele Lücken und Unrichtigkeiten aufweist, weil er nicht genügendes 
Quellenmaterial zur Hand hatte. 

Große Verdienste erwarb sich Michael Walber um die Stiflsbibliothek, für 
welche er unter vielen anderen auch die von der Gongregation des hl. Maurus 
herausgegebenen theuren Werke der Kirchenväter anschaffen ließ. Der Historiograph 
P. Alram sagt in seinen Annalen von Geras (T. III, S. 78): 

„Abt Michael war ein Mann, der es dahin brachte, dass Geras wieder eine 
Bibliothek und mit dieser einen ordentlichen Katalog bekam." 

Hoch geehrt und tief betrauert schied er am 16. November 1729 aus dieser 
Welt. 

Er flihrte in seinem Wappenschilde, im rothen Felde einen schrägrechten 
grünen Balken (roth-grün, die Tincturen des Stiflswappens), beseitet von je einem 
silbernen Kreuze. Im Balken erscheinen drei silberne, sechsstrahlige Sterne. (Tafel V.) 
Dieses Wappen findet sich auf einem großen, interessanten Ölgemälde, das Stift 
Geras von der Westseite darstellend, welches Abt Michael im Jahre 1729 von dem 
Maler Johann Rudolf Mohr (von der Insel Reichenau) anfertigen ließ. Weiters findet 
sich das äbtliche Wappen am Plafond des Winterrefectoriums, die Sterne aber 
achtspitzig, »Sterne und Kreuze fälschlich in goldener Tinctur. Auch das vom Abte 
1727 erbaute lange Hofgebäude trägt oberhalb des Einganges zur Schule das Wappen 
in denselben Farben wie das im Winterrefectorium (die Sterne sechsstrablig) mit 
der Inschrift: M-W-A-G-F-F- 1727 • Die goldene Tinctur dürfte 
wahrscheinlich durch eine Benovierung in das Wappen gekommen sein. 

41. Nikolaus (1730-1746). 

Nikolaus Zandt wurde am 19. Juni 1679 zu Asparn in Niederösterreich 
g(!boren, war 1703 in den Orden getreten, nachdem er in Klosterbruck eifrig Musik 
studiert hatte. 1709 zum Priester geweiht, wurde er 1721 Prior, 1724 Novizen- 



^'') Lucas de Muin führte als Wappen: In 
G. eine b. Querbinde mit S gestürzten Eicheln 



nebeneinander, ober der Binde zwei, unten eine 
r. Merlette (gestümmelte Ente). 



— 297 - 



raeister, 1726 Pfarrer in Drosendorf nnd endlich am 4. Jänner 1730 Abt von Geras 
und Administrator von Pernegg. 

Eine gute Wirtschaft gab dem Abte die Mittel, das Stiftsgebände wesentlich 
za erweitern. Er Ueß das sogenannte «Nengebäude*' mit dem großen Stiftsportale 
und Sommerrefectoriom durch den St. Pöltner Baumeister Mukenast, einen gebürtigen 
Tiroler, erbauen, welcher Bau in der Zeit von vier Jahren vollendet wurde. Die 
Deckengemälde im großen Saale, sowie die anderen Bilder wurden von Paul 
Troger gemalt. 

Von dem kunstsinnigen Abte wurde auch eine Porträtgalerie der Äbte von Geras 
angelegt, und zwar in der Weise, dass man in Ermanglung vorhandener Porträte der 
froheren Äbte die Köpfe zur Zeit lebender Capitulare, wie sie ftlr den Charakter 
der darzustellenden Äbte passend erschienen, von dem Maler in die Bilder setzen 
ließ. Diese Porträtreihe schließt mit dem Abte Lachenius. 

Die Ereignisse des österreichischen Erbfolgekrieges, sowie manche Processe, 
in welche das Stift verwickelt wurde, machten dem Abte viele Sorgen, doch wusste 
sich Nikolaus immer glücklich der unliebsamen Dinge zu entledigen. So auch, als 
im Jahre 1742 eine preußische Gontribution von 3000 fl. dem Stifte Geras abgepresst 
werden sollte. Statt den preußischen Säckel zu füllen, machte sich der kluge Abt 
mit ^Uem vorräthigen Oelde auf die Beise und blieb so lange fern, bis die Luft 
wieder rein war. 

Abt Nikolaus war in der Musik sehr bewandert und hatte der Vervollkommnung 
der Kirchenmusik und des Ghorgesanges viele Sorgfalt zugewendet. 

Er starb am 28. Februar 1746. 

Das Wappen des Abtes Nikolaus*^) zeigt ebenfalls die Tmcturen des Stifts- 
wappens. Der Schild ist von Roth über Orün quergetheilt, oben drei silberne Kreuze 
nebeneinander, unten aus Wolken kommend, ein mit dem weißen Chorhemde be- 
kleideter Arm, welcher ein rothes Buch hält, auf welchem drei goldene Kugeln ruhen. 
(Attribut des hl. Nikolaus.) Dieses Wappen (Tafel V) sehen wir auf einer Ansicht 
des Stiftes Geras von der Südseite, welche Nikolaus von dem früher erwähnten 
Maler Mohr anfertigen ließ. Die beiden hochinteressanten Bilder, von welchen wir 
leider wegen Mangel einer photographischen Aufnahme derselben keine Abbildung 
bringen können, hängen derzeit im Gonventgange, in der Nähe des Priorats. 

Im Tympanon des von Nikolaus erbauten Stiftsportales erscheint ebenfalls das 
Wappen des Abtes, von einem Engelchen gehalten, doch wurde hier das obere Feld 
mit den Kreuzen durch ein gerautetes Feld ersetzt, welches das geschachte 
Feld des Stiftswappens darstellen soll. 

In der Baitherrenmatrikel im niederösterreischischen Landesarchive findet sich 
gleichfalls eine farbige Darstellung des äbtlichen Wappens : oben drei goldene Kreuze 
im blauen Felde, unten in einem rothen Felde die Hand mit einem schwarzen 
Buche *^^). Uns scheint die Darstellung des Wappens auf dem Ölgemälde in Geras 
verlässlicher zu sem. 



'^) Die Blftsonniening des Wappens in der 
Topographie von Niederösterreich, S. 413, ist 
imrichtig. 



'**) Nach gütiger Mittheilung des Landes- 
arehivars A. König. 



— 298 - 

42. Paul HL (1746—1780). 

F*:l frijjz Xaver Gratocbmayr. am 16. April 1698 za Waidhofen an der 
'/rjija jz^boreo. lubm 1720 das Ordenskleid und wurde 1725 zum Priester geweiht. 
f> «ar Soppriar, XorizeDmeibter, Pfarrer in Kirchberg nod spater in Blomaa. Am 
'j>'ß, April 1746 wurde er zum Abte gewählt, die Administratorstelle von Pemegg 
wxirdih ^\ai roo ihm nicht Ql^emoramen^ sondern es gelang seinem Bemühen, wieder 
ein/^ AUwafal in Pemegg zu ermöglichen, welche auch am 25. Mai 1746 erfolgte. 

Aa^rh Abt Paul hatte so manchen Process durchzukämpfen, gieng aber gewöhnUch 
alh Sieger herror. 1760 erwarb er von der gräfhch Kinsky'schen FamiUe die Allodial- 
h<;rrs^'hafl Walkenstein, welcher Kauf auch den landesf&rstlichen Gensus erhielt 
^22. lieeember 1760.) 

Abt Paul verwendete viele Kosten auf die Ausschmückung des Stiftes und der 
Pfarreien und ließ neue Glocken gießen ;^^^) auch die Bibliothek verdankt ihm eine 
bedeutende Erweiterung ihres Besitzstandes. Die prächtigen Altarbilder von Paul 
Troger, Altomonte, Stiperger, Kraker und Steiner in den Kirchen der stiftlichen 
Pfarreien stammen alle aus seiner Zeit. 

unter seiner Prälatur legten 39 Novizen ihr Profess ab, eine Zahl, welche vor 
noch nach ihm je erreicht wurde. Abt Paul war einer der bedeutendsten Äbte des 
Htiftes und der Historiograph P. Aham preist ihn gleich einem zweiten Stifter von 
Geras. Abt Paul starb, 82 Jahre alt, am 1. Februar 1780. * 

Das Typar seines Siegels ist noch vorhanden. Das Siegel zeigt das Stifts- und 
Abt Wappen nebeneinander, im Legendenbande die Inschrift: PAULUS • ABBAS • 
GEBÜSENSIS • Das Wappen des Abtes (Tafel V) zeigt eine Au oder einen Obst- 
garten,"^) aus dessen Mitte sich ein Blumenstrauß erhebt, welcher von einem Pedum 
überhöbt wird, welches eine fliegende Taube im Schnabel trägt. Der Blumenstrauß 
ist eine Anspielung auf Blumau, wo er Pfarrer gewesen war. 

Auf dem Porträtbilde des Abtes, welches neben dem Eingange in das Priorat 
sich befindet, ist die InfuI mit einer Goldstickerei geziert, welche die Bäume und 
den Blumenstrauß zur Darstellung bringt. 

Über der Einfahrt des vom Abt Paul angekauften Schlosses Walkenstein ist 
ebenfalls das Wappen angebracht mit den Initialen P • G • A • 6. und der Jahres- 
zahl 1701. Die Sculptur scheint erst anlässlich einer Bestaurierung bemalt worden 
zu sein. 

^'*) Die größte von diesen Glocken (Jubiläumsglocke) trägt folgende Inschriften: 
8. 8. NORBERTE ET AÜGÜSTINE, ORATE PRO NOBIS. 
IntbrCkDentb MarIa VIuoIni, oevItrICe tVa, 
nostraqVe iVtsLa fVLgVra bt tbMpbstatbs seDa 

tVa CrVCe IbsV! (1771 u. 1776) 

paVLo abbatk obeVsbithI, profbsso aG saCerDote 
IVhILabo heqnante bt akra habC CoiraERENTB ego 
fVnDkbar a Ioanke georoIo sChbIChbL. (1776) 

und iHt mit dem Wappen des Abtes geschmückt. 

'*') Abt Paul war ein großer Freund der herausgegebene Todtenrottel „Luctus canoniae 

Obstxuoht und neun Obstgärten danken ihm | Gerus", oder die Trauerrede von Ignaz Wnrz 
ihre Entstehung. Vorgl. die .nach dem Tode i in dessen „sämmtlichen Predigten", VII. Bd. 
deH Abtt'H vom Hupprior P. Ignaz Hörstelhofor I Wien 1786. 



— 299 — 

43. Andreas (1780—1786). 

Andreas Josef Hayder, 1730 zu Edelbach geboren,"») 1751 in den Orden 
eingetreten, war Theologie-Professor in Pernegg, seit 1769 Pfarrer in Banzem, wurde 
am 18. April 1780 zum Abte gewählt. Er war ein ernster, feingebildeter Mann, der 
den Wert der Kenntnis der orientalischen Sprachen ftr das Bibelstudium erkannte 
und deshalb flir die Einführung dieser Disciplin an der theologischen Studienanstalt 
des Stiftes Geras alles nöthige veranlasste. 1783 wurde jedoch diese Hausanstalt 
aufgelöst, nachdem das Wiener Generalseminar ins Leben getreten war. 

Seine Prälatur fiel leider in eine dem Ordenswesen höchst ungünstige Zeit- 
epoche. Die überstürzten Beformen Kaiser Josefs II. brachten auf diesem Gebiete 
große Umwälzungen hervor und machten den Fortbestand des Stiftes Geras sehr 
fraglich, doch blieb es zum Schlüsse vor dem äußersten bewahrt, nur das Tochter- 
stift Pernegg fiel zum Opfer. Mit kaiserhchem Decrete vom 7. September 1783 
wurde das Ghorherrenstift Pernegg aufgelöst, die Gerechtsamen und Besitzungen 
desselben Geras untergeordnet. Die drei Pfarren: Pernegg, Trabemreuth und Niklas- 
berg mussten von Geras übernommen und vier neue noch dazu gegründet werden, 
so dass das Stift 17 Pfarreien zu besorgen hatte, was demselben natürlich so manche 
Sorgen und Kosten verursachte. 

Im October 1782 war der Abt zu der vom Kaiser einberufenen Ständever- 
sammlung gefahren. Kaum in Wien angelangt, traf ihn ein Schlaganfall, und zwar 
so gefährlicher Natur, dass man an seinem Aufkommen zweifelte. Er erholte sich 
aber doch wieder so weit, dass er im December nach seinem Stifte zurückkehren 
konnte. 

Am 3. Februar 1786 erschien eine Verordnung, Directivregeln über die An- 
stellung von Gommendatäräbten enthaltend, welche den Abt Andreas tief verletzen 
mussten. Es hieß darin: „Da die Prälaten von Geras und Lilienfeld wegen hohem 
Alter und Leibesgebrechlichkeiten ihrem Amte weiters vorzustehen nicht imstande 
sind, so müssen selbe in eine kleinere Wohnung übersetzt werden, ohne jedoch 
bares Geld zu empfangen, welches bei ihren so sehr geschwächten Geisteskräften 
nur andere Leute missbrauchen würden.**"*) 

Eine weitere Verordnung vom 25. März ernannte den Bibliothekar des Stiftes 
Melk, P. Gregor Mayer, zum Commendatärabt von Geras. Abt Andreas, durch diese 
Verordnungen vollständig überflüssig gemacht, resignierte am 12. Mai 1786. Er 
wurde sofort pensioniert und lebte dann abwechselnd in den Pfarrhöfen zu Fratting, 
zu Banzern oder bei seinen Verwandten in Piesling, wo er auch am 13. März 
1792 starb. Er wurde zu Banzern begraben, wo ein einfacher Stein sein Grab be- 
deckt. Er trägt die bescheidene Inschrift: „Andreas Hayder, Abbas Gerasensis"*. 

Das Typar seines Siegels ist noch im Stift;e vorhanden und zeigt das Stifts- 
und Abtwappen nebeneinandergestellt mit der Legende: ANDREAS • ABBAS • 
GEBVSENSIS. Sein Wappen zeigt uns die Tafel V, einen blauen Schild, von einem 
Balken durchquert, in welchem ein nach links laufender Hund mit Halsband zu sehen 
ist. Im oberen und unteren blauen Felde erscheint ein Baum ; die Tinctur des Quer- 

"•) Topographie von Niederösterr., 416. S. 

'*^) Dr. Hoffer, Zur Geschichte von Gteras und Pernegg, 8. 86. 



— 300 — 

balkens und des Hundes ist aus dem Siegel nicht zu entnehmen. Das Wappenbild 
dürfte zu der vom Stifte betriebenen Forstwirtschaft im Bezüge stehen. 

Nach dem Btlcktritte des Abtes Andreas wurde gemäß der Verordnung vom 
18. Jänner 1786 keine Neuwahl vorgenommen, sondern am 12. Mai 1786 der Chor- 
herr Johann Nepomuk Marcus (zu Casalmaggiore geboren, 1766 in den Orden 
getreten)***) zum Prior und Administrator in spiritualibus canonisch erwählt Da 
der zum Commendatärabte bestimmte Melker Capitular P. Gregor Mayer diese Würde 
nicht übernehmen wollte, betraute die Regierung den Weltpriester Franz Mohr, 
Dechant und Pfarrer zu Eirchberg a. d. Pielach, mit diesem Amte, und hielt derselbe 
am 16. November 1786 seinen Einzug in Geras, wo er als Abbas commendatarius 
quoad administrationem temporalium installiert wurde. Die Verwaltung dieses Mannes 
war für das Stift von den traurigsten Folgen begleitet. Viele Besitzungen giengen 
dem Stifte verloren, der verursachte Schaden soll bei 80.000 fl. betragen haben. 

Mit dem Tode Kaiser Josef II. 1790 fielen alle kirchUchen Reformwerke in 
sich zusammen, und auch der aufgezwungene Gommendatärabt von Geras musste von 
dannen ziehen. Am 6. November 1790 wurde er abberufen und verftlgte sich am 
11. Jänner 1791 auf die Pfarre Alt-Pölla, wo er als Consistorialrath, emer. Dechant 
und Pfarrer am 22. Februar 1808 aus dem Leben schied. 

Sein Siegel"*) zeigt das Stifts wappen neben seinem pj- ^ 

persönlichen Wappenbilde, einen Mohrenkopf im goldenen 
Felde. Die beiden Schilde sind reich mit Ornamenten und 
Blumen verziert und tragen über sich einen auf einem 
Donnerkeile sitzenden Adler mit ausgebreiteten Flügeln. 
Die Legende lautet: FB. XAV. MOHB. ABB. COMMEND. 
GEBVS. . Das Typar ist äußerst zierlich und schön ge- 
stochen und überragt, was künstlerischen Wert anbelangt, 
weitaus die mitunter recht simpel behandelten Siegel der 
Begularäbte des Stiftes. (Fig. 7.) 

Prior Marcus übernahm nach dem Scheiden des 
Commendatärabtes auch die Verwaltung der Temporalien, ri786^i7M^ 

bis am 1. Juni 1796 ein neuer Prior in der Person des 

Chorherrn Gottfried Ignaz Bauer*'^) gewählt wurde, welchem Marcus die Spiri- 
tualien abtrat. Die beiden verwalteten nun das Stift, bis im Jahre 1797 eine Abtwahl 
wieder möglich wurde. 

44. Ignaz (1797—1813). 

Am 22. November 1797 '*•) wurde Ignaz Carl Hörstelhof er zum Abte von 
Geras gewählt. Er war zu Hörn am 1. November 1745 geboren, am 1. November 
1763 in den Orden getreten, 1780 Prior und äbtlicher Secretär, 1781 Pfarrer in 
Fratting und 1794 Dechant geworden. 

Dem Abte Ignaz wurde es möglich, sich durch Benovationen und Neubauten 
in der Baugeschichte des Stiftes zu verewigen. Weil laut kaiserlicher Verordnung 




"») t 2. October 1810. I »") t 14. Juni 1817. 

^**) Lackabdruck in der Siegelsammlung des **') Die Angabe Dr. Hoffers: »1794'* dürfte 

k. n. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs. | ein Druckfehler sein. 



f 



— 301 — 

die Leichen nicht mehr in den Eirchengrüften beigesetzt werden durften, so errichtete 
er im Jähre 1799 in einem neben der Kirche befindlichen Hofe eine Gruft ftir sich 
und seine Brüder, welche mit folgendem Ghronogramm geschmückt wurde: 

sIbI 
aC pbatrIbVs sVIs 
sepVLCrVM IstVD 

pabaVIt 

IgnatIVs 

ABBAS GERYSENSIs. 

Auch der Stiftsbibliothek schenkte er seine besondere Aufmerksamkeit, be- 
reicherte nicht nur allein den Bestand, sondern erbaute im Jahre 1805 den großen 
Bibliothekssaal und ließ die Decke desselben mit schönen Fresken schmücken. Die 
reichverzierte Eingangsthür zur Bibliothek trägt folgendes Ghronogramm: 

hanG bIbUotheGaM 
pVnDItVs eXstrVIt 

ET OPFERT FRATRIbVs sVIs 

IgnatIVs gerVsII 

ABBAS. 

Die Eriegsereignisse und Whren des Jahres 1809, die Einziehung des Silbers 
im Jahre 1810 und der Geldsturz des Jahres 1811 giengen selbst?erständlich nicht 
ohne üble Spuren an Geras vorüber. Abt Ignaz starb an Schlagfluss zu Geras am 
27. September 1813 und vnirde am 29. September in der von ihm erbauten Gruft 
beigesetzt. 

Sein Wappen, im blauen Felde eine fliegende weiße Taube, welche emen 
Blumenzweig im Schnabel trägt (Tafel VI), finden wir auf seinem Porträt im Priorate ; 
mit dem Stiftswappen gepaart, auf einem kleinen Messingschildchen an der oberen 
Thürverkleidung im Bibliothekssaale, welches Schildchen die Inschrift „IGNATIVS 
ABBAS MDGCCV- trägt, ferner über derselben Thür an der Wand in Fresco aus- 
geführt, und zwar zu Seiten des Ölbildes, Abt Ignaz darstellend, rechts das Stift;s-, 
Unks das äbtliche Wappen. 

Am Denkstein des Abtes Benedikt Lacken, wie bereits früher angeftlhrt 
(Seite 289), finden wir ebenfalls das Wappen des Abtes Ignaz angebracht 

Die Devise des Abtes lautete: „Virtute discemitur, non splendore,*" eine zweite, 
auf seinem Bilde angebracht: „Amore, non motu*'. 

Nach dem Tode des Abtes Ignaz fahrte bis zur Neuwahl der greise Prior 
Alois Karl Benner^'*) (geboren zu Aspam, 1767 in den Orden getreten) die Admi- 
nistration des Stifties. 

45. Hugo (1814-1822). 

Am 31. August 1814 wurde der Stadtpfarrer von Drosendorf , Hugo Laurenz 
Pfenningbauer, am 6. Februar 1752 zu Ernstbrunn geboren, zum Abte gewählt. 



»") t 21. Jttli 1826. 



— 802 — 

Die 1783 aufgehobene, 1805 wieder neu errichtete Haaslehranstalt im Stifte 
Geras wurde abermals geschlossen. Die Oeraser Gleriker erhielten fortan ihre Aus- 
bildung in StrahoT, Brtlnn, Klostemeuburg, St. Polten, dann im Benediktinerstifle 
Melk. Die enorme Theuerung in den beiden Jahren 1816 und 1817 war, wie leicht 
begreiflich, dem Stiftsvermogen nicht besonders zuträglich. Während eines starken 
(iewitters zu Pfingsten 1820 schlug der Blitz in den Kirchthurm von Pernegg und 
setzte denselben in Brand. Zum (rlück konnte die Kirche sowie das Klostergebäude 
gerettet werden. Abt Hugo starb am 29. December 1822. 

Das noch erhaltene Typar seines Eanzleisiegels zeigt Stifts- und Abtwappen 
nebeneinander; die Legende lautet: SIGILLUM CANCELLARIAE GERUSENSIS. 

Das Wappen (Tafel VI) zeigt im blauen Felde zwei verschlungene Händo, über 
denselben drei sechsstrahlige Sterne, unter denselben eine Sonne. Auf seinem Bilde 
im Priorate erscheinen die Sterne achtstrahlig , was wohl nur eine künstlerische 
Freiheit des Malers sein dürfte. 

Die Devise des Abtes Hugo lautete: In omnibus requiem quaesivi et in haere- 
ditate Domini morabor.'*^) 

Prior Benner, sowie der Chorherr Josef Jakob Mayr tibernahmen bis zur 
nächsten Abtwahl die Administration des Stiftes. P. Mayr starb aber schon am 
30. April 1823. 

46. Hermann ü. (1823—1829). 
Hermann Max Leopold Franz de Paula Hohenheiser, Pfarrer in Nonndorf 
a. d. Wild, war noch nicht 37 Jahre alt, als er am 11. Juni 1823 zum Abte ge- 
wählt wurde. 

Fig. 9. 
Fig. 8. 





Marian Zwinger, 

Abt zn Melk. 
(A. G. 1829—1887.) 



Wilhelm Eder, 

Abt zn Melk. 

(A. G. 1838—1860.) 



Kaum war der neue Abt von St. Polten, wo er am 3. August benediciert 
worden war, in das Stift zurückgekehrt, brach ein schreckliches Gewitter über die 
(lerasor Gegend lierein und richtete großen Schaden an. Ebenso verheerend war die 
Wirkung eines Wolkenbruches am 15. August, der die ganze Umgebung des Ortes 



'••) Eocli. 24 — Oapit. Officü parvi B. M. V. ad Tertiam. 



— 3Ö3 — 

unter Wasser -setzte. Viel bitterer wurde aber später eine Veruntreuung empfunden, 
welche sich einige Persönlichkeiten, denen der junge Abt arglos sein Vertrauen 
geschenkt hat'te, zu Schulden kommen ließen. Bis %um Jahre 1827 wurden an den 
drei Stiftsherrschaften bei 60.000 fl. landesfürstlicher Steuergelder defraudiert, wo- 
durch die Schuldenlast des Stiftes einen gefahrdrohenden Umfang erreichte. '**) Die 
Regierung sah sich genöthigt, nachdem Abt Hermann jedenfalls der Sachlage nicht 
gewachsen war, eine Temporalienadministration einzusetzen, mit welcher der Abt von • 
Melk, Marfan Franz Zwinger, 1829 betraut wurde, und welcher dieselbe bis zu 
seinem am 20. October 1837 erfolgten Tode fruchtbringend zu föhren verstand."*) 

Nach dem Tode Zwingers übernahm sein Nachfolger, Abt Wilhelm Anton 
Eder,'") die Administration der Teraporalien, welche er ebenfalls in günstiger 
Weise zu leiten vermochte , so dass die Schulden nicht nur getilgt, sondern auch 
das Stift selbst in einen besseren Stand versetzt werden konnte. Im Jahre 1850 
legte der Abt die Administration in die Hände 8r. Majestät des Kaisers zurück. 

Abt Hermann IL, welcher die Spiritualien geleitet hatte, starb am 3. November 
1840 im Alter von 54 Jahren. 

Von diesem Abte haben sich zwei Siegeltjpare erhalten. Das größere Siegel 
zeigt das Stifts- und Abtswappen mit der Legende: 

HERMANNUS ABBUS GEBASENSIS, 
das kleinere mit demselben Bilde trägt nur die Initialen H H A G. 

Im Wappen des Abtes (Tafel VI) erscheint ein Anker, der von dem in einem 
Glorienscheine stehenden Monogramm Christi überhöht ist. Die Tincturen des Wappens 
konnten nicht ermittelt werden. 

In die Zeit der Prälatur des Abtes Hermann H. fallt auch der Todestag des 
verdienstvollen Historiographen von Geras , des Chorherrn P. Hieronymus Josef Ahram 
(siehe Literatur Seite 327). Er war zu Gmünd am 11. Jänner 1754 geboren und 
am 8. December 1775 in den Orden eingetreten. Im Laufe der Zeit bekleidete er 
fast alle Ämter des Stiftes. Er war zuletzt Prior, Bibliothekar und Archivar und 
starb am 10. März 1825 an Nervenschwäche in seinem 72. Lebensjahre. 

Nach dem Tode des Abtes Hermann IL übernahm der Prior Peter Johann 
Bayer"*) die Administration der Spiritualien, 1843 wurde sie von dem Prior 
Franz Karl Seh legi"*) weitergeführt, welcher seit dem Jahre 1850 bis zur Wahl 
des nächsten Abtes auch die Temporalien administrierte. 

47. Adolf (1852—1859). 

Adolf Johann Heisinger, 1808 zu Michelsberg in Böhmen geboren, Pfarrer in 
Nonndorf a. d. Wild, wurde am 22. September 1852 zum Abte gewählt. Die 
finanziellen Verhältnisse des Stiftes hatten sich indessen weseutlich gebessert, so 
dass es dem neuen Abte möglich wurde, größere Summen far die Ausschmückung 



>**) Die Schulden des Stiftes sollen 76.732 fl. 
betragen haben. 



"*) Geb. zu MeUt am 28. October 1768 als 
Sohn eines Seilermeisters. 1777 in den Orden 
eingetreten, wurde er am 10. März 1819 zum **^) f &• December 1861 

Abt gewählt. «»*) f 24. October 1869. 



*»•) Geb. zu Feuersbrunn am 9. Juni 1780. 
1801 in den Orden getreten, wurde er am 
10. Jänner 1838 zum Abt gewählt, t 24. Sep- 
tember 1866. (S. Jahrbuch des „Adler" 1875.) 



— 304 — 

und BenovieruDg des Stiftes, für den Ankauf wertvoller Eirchengeräthe und Para- 
mente auszusetzen. 

Er erhöhte das Einkommen des Stiftes durch Verbesserung der Feld- und 

Waldcultur, durch Kauf und Verkauf von Realitäten, wobei er stets das Interesse 

seines Stiftes im Auge hatte. Unter seiner Prälatur erhielt Geras von Sr. Majestät 

Kaiser Franz Joseph I. laut Urkunde vom 8. August 1854 das Gut „Kloster Pernegg*' 

.in seinen Besitz übertragen. 

Nach längerer Krankheit ?erschied Abt Adolf am 12. Juni 1859. 

Auch von diesem Abte sind noch zwei Siegeltypare vorhanden, welche beide 
das Stifts- und Abtwappen zeigen. Das größere Siegel trägt die Legende : ADOLPHÜS 
ABBAS GEBUSENSIS, das kleinere nur die Initialen A . H . A . G. Das Wappen 
des Abtes (Tafel VI) bildet ein blaues Feld, in welchem eine Wage erscheint, deren 
Balken mit einem Kreuzchen besetzt ist Neben und über dieser Wage sind die 
Initialen seines Wahlspruches „Salus Vestra Mea** angebracht. 

Der Katalog der Prämonstratenserstifte in Österreich vom Jahre 1853 bringt 
eine Ansicht des Stiftes Geras, geschmückt mit dem Wappen des Stift;es und seines 
damaUgen Abtes Heismger. Ein Nekrolog des Abtes erschien im „Hippolytus'' 1859, 11. 

Der greise Prior P. Jobann Bapt. PrimisP^) administrierte das Stift bis zur 
Wahl des neuen Abtes. 

48. JtüIus (1859—1888). 

Julius Eduard Pich, 1812 zu Schebetein bei Brunn geboren, seit 1847 Localie- 
verweser zu Bodingersdorf, wurde am 14. December 1859 zum Abte gewählt 

Er war ein vorzüglicher Forst- und Landwirt, als welcher er auch die Stelle 
eines Präsidenten des niederösterreichischen Forstvereines bekleidete. 

Den Wünschen seiner Gapitularen entsprechend, ließ er f&r sich und seine 
Stiftsbrüder 1863 einen mit dem Ortsfriedhofe in Verbindung stehenden Begräbnis- 
platz errichten, in dessen Mitte eine gothische Kapelle erbaut wurde. 

Am 29. April 1873 wurde dem Abte Julius das Bitterkreuz des kais. öster- 
reichischen Leopolds-Ordens überreicht, welches ihm Se. Majestät Franz Josef L in 
Anerkennung seiner Verdienste um die Förderung des Volksschulwesens und seiner 
Berufstbätigkeit als Abt verliehen hatte. 

Er starb nach kurzem Leiden am 17. December 1888. 

Das Siegel des Abtes, dessen Tjpar erhalten ist, zeigt wie gewöhnlich beide 
Wappenschilde nebeneinander gestellt. Die Legende lautet: ABBATIA GEBUSENSIS. 
Das Wappen des Abtes (Tafel VI) bilden zwei verschlungene Hände, über welchen 
ein brennendes Herz schwebt, aus dessen Flammen sich ein Kreuz erhebt. 

Die Tincturen sind unbekannt, wahrscheinlich niemals festgestellt worden. 

Wir finden das Wappen über dem Eingange der vom Abte Julius erbauten 
Friedhofskapelle, sowie im Entreezimmer des Priorates an der Decke in Stucco 
ausgeftihrt. 

Noch am Tage des Begräbnisses wurde unter dem Vorsitze des Generalabtes 
Stary aus Prag ein vierghedriges Administrationscomit^ gebildet, bestehend aus dem 



^) t 80. Mai 1864. 



— 305 — 

Prior Ämilian Johaon Swoboda,^'^) welcher die Leitung der Spiritualien übernahm, 
Stiftsprovisor Bichard Johann Hofegger, Ambros Johann Greger und Norbert Franz 
Xa?. Berger, dem jetzigen Prior des Stiftes. Die Administration währte neun Monate. 



49. Adrian (seit 1889). 

Adrian Lambert Zach, am 14. September 1845 zu Stalleck in Mähren geboren, 
hatte als Gadet bei der österreichischen SQdarmee den Krieg im Jahre 1866 mit- 
gemacht und trat am 2. September 1869 in den Orden ein. Waldmeister im Stifte, 
später LocaUeverweser in Göpfritz, dann Pfarrverweser zu Eirchberg a. d. Wild, 
wurde er am 24. September 1889 zum Abte gewählt. 

Er errichtete im Schlosse Walkenstein , **•) welches 1760 unter Abt Paul 
Gratschmayr von der Kinsky*schen Familie durch Kauf erworben worden war und 
bisher keine Verwendung hatte finden können, eine Kaltwasserheilanstalt*'*) nach 
dem Systeme des Pfarrers Sebastian Kneipp in Wörishofen, deren Besucherzahl sich 
von Jahr zu Jahr in erfreulicher Weise vergrößert. 

Ein besonderer Freund der Landvrirtschaft, ein ttlchtiger und erfahrener Ökonom, 
weiß er die Interessen seines Stiftes in jeder Beziehung zu fördern und hat sich 
durch sein conciliantes, echt brüderliches, ja kameradschaftUches Entgegenkommen 
die Liebe und treue Anhänglichkeit seiner Gonventualen erworben. Dieses sonst 
nicht Oberall in gleicher Weise anzutrefifende Verhältnis macht das Stift zu einem 
recht gemfithlichen und genussreichen Aufenthalte ftür seine Gäste. 

Abt Adrian, welcher derzeit noch kein Wappen besitzt, siegelt mit dem ein- 
fachen Stiftssiegel, doch wurde bereits von dem Autor dieser Zeilen ein Wappen^'®) 
ausgearbeitet, um dessen Verleihung bei dem hohen k. k. Ministerium des Linem 
demnächst eingeschritten werden soll. Unsere Tafel VI zeigt als Schlussfigur diesen 
Wappenentwurf, das Feld halb gespalten und getheilt, oben rechts in Gold einen 
gekrönten, roth bewehrten an der Spaltlinie stehenden halben, schwarzen Adler, 
links in Both ein schwebendes, facettiertes, silbernes Tatzenkreuz, unten in Silber 
auf grflnem Dreiberge einen heraldisch stilisierten Eichenbaum. Das silberne Devisen- 
band trägt die Devise: „ADVEBSIS TEMPESTATIBVS OBSTAT« in grünen Lettern. 
Der Adler bezieht sich auf die ehemalige militärische Thätigkeit des Abtes und soll 



'•^ t 6. Februar 1S91. 

"*) 1660—1671 von dem Freiherm von 
Sonnau und Beiohersberg erbaut. In der Stifts- 
kirche SU Oeras befindet sich die Qrabst&tte 
dieser Familie. Die Qruft ist mit einer wappen- 
geechmQckten Steinplatte geschlossen, welche 
folgende Inschrift trägt: „Hie llgt begraben 
die Wolgebome Fraw Fraw Maria Margaretha 
Edle ?on Sonnau, Freyin auf Reichersperg, 
Fraw zu Goggitsch und Walkenstein, gebohme 
Niefterin von Steinstraß, xu Idolsperg, Carlstein 
und Thnmba, welche in Gott seeliglichen ver- 
schieden den 13. Februar Anno 1660. Derer 
Sehlen Qott genedig-sein wolle. Amen." 

Nach Wissgrill war sie die einsige Tochter 



des Leopold Nießer yon Steinstraß, Gemahlin 
Joh. Ehrenreichs Freiherm y. Sonnau. 

1627 wurde Goggitsch, 1631 Karlstein und 
Thumba von dem Vater des Leopold, Josef 
Nießer, erworben. 

"•) Prospect der Kaltwasser -Helknstalt 
Schloss Walkenstein des Pr&monstratenser- 
Chorherrenstiftes Geras, V. 0. M. B., Nieder- 
österreich. Hörn. F. Berger. 1890. 9 Seiten. 

IM) Dem Wappenentwurfe lag eine Skizze 
des mit dem Abte befreundeten Beich&ritters 
A. ?. Hermansdorf, Herr auf Primersdorf, zu- 
grunde, welche von dem Autor heraldisch 
durchgebildet wurde. 



— 306 — 

dessen Kaisertreue symbolisieren, die Eiche illustriert den Gedanken, welcher in 
der Devise zum Ausdrucke gelangt; ja man könnte dieses Wappenbild auch mit dem 
Namen des Abtes in Verbindung bringen, wenn man dem Namen die mundartliche 
Deutung unterlegen wollte: Zach = zähe. 




EX LIBRIS der Stiftsbibliothek Geras. 
Erster Abdruck erschien anf Tafel 8 der „Heraldischen 
Studien" von H. Ströhl im Facl^oumale „Freie Künste" 
1S96. 



Wir wenden uns nun der Historie des ehemaligen Ghorherrenstiftes Pernegg 
zu und wollen dieselbe, soweit sie jRir unsere Zwecke nothwendig erscheint und das 
noch vorhandene Material dies überhaupt gestattet, hier weiter folgen lassen. 

Pernegg, welches, wie bereits früher erwähnt, gleichzeitig mit dem Stifte 
Geras gegründet worden war, erhielt die erste Oolonie von Prämonstratenser-Chor- 
frauen aus Lounowic'*^) bei Wlaschira (Bezirk Beneschau, Böhmen), emem Frauen- 
kloster, das kaum fünf Jahre vorher von dem als Arzt berühmten Ghorherm Heinrich 



*") „Pamöti kl^tera ▼ Louüovicich** (Denkwürdigkeiten des Klosters in Ia), von Professor Aug. 
Sedlidek in Tabor. 1898. 30 S. 8«. 



— 307 — 

ans dem Stifte Steinfeld bei Zttipioh gestiftet worden war, und welcher das Stift mit 
Frauen aus dem Kloster DOnewald (Erzd. Köln) besiedelt hatte. 

Die Oberin des Peruegger Conventes ftihrte den Titel Magistra (Meisterin), 
später finden wir auch an zweiter Stelle eine Priorissa (Priorin), und nachdem 
diese an die erste Stelle vorgerückt war, an zweiter Stelle eine Suppriorin an- 
geftlhrt. Diese Würdenträgerinnen hatten die inneren Angelegenheiten zu leiten; 
die äußeren Geschäfte besorgte ein Priester, ein Propst, welcher dem Geraser 
Abte unterstellt, auch von diesem eingesetzt wurde kraft der Pateinitätsrechte des 
Stiflies Geras über Pemegg. 

Unsere Tafel HI zeigt uns in Fig. 4 das Siegel der Pröpste von Pernegg. Im 
kreisrunden Siegelfelde erscheint das Brustbild des hl. Andreas, des Patrons der 
Stiftskirche, welcher ein Buch und ein gerade stehendes Kreuz in den Händen 
trägt. Die Legende lautet: f SIGILLVM . BEBNEKCENSIS • ECCLESIE . 

Fig. 5 gibt uns ein Bild des spitzovalen Gonventsiegels von Pernegg. Auf 
gepolstertem Stuhle sitzt die gekrönte und nimbierte Gottesmutter, den Jesuknaben 
im Schöße, in der rechten Hand eine zweiblätterige Bebe emporhaltend. Die Legende 
lautet: t • S' . CONVENTVS . DNAB' • I • PEBNEK . 

Wir finden diese Siegel an Urkunden vom Jahre 1449, 1464 (die vorliegenden) 
und 1510 im Stifl»archive zu Geras. 

Ein Wappen des Stiftes tritt erst in dem Siegel des Propstes Johann Beyrer, 
Ende des XVL Jahrhunderts, auf; über die Tincturen und etwaige Verleihung des- 
selben konnte leider nichts ermittelt werden. 

Die Chorfrauen von Lounowic kamen unter der Führung Engelberts, eines 
Chorherm aus dem Stifte Selau, nach Pernegg, mit welchem die Beihe der Pernegger 
Pröpste beginnt. 

1. Engelbert (?— 1171). 

Er starb im Bufe der Heiligkeit am 2. März 1171. 

Abt Georg Lienhart von Boggenburg erwähnt in seinem Hagiologium , Ephe- 
merides hagiol. 0. Praem*", Augsburg 1764, p. 287, einen Grabstein des ersten 
Propstes von Pernegg, wo Engelbert als \,beatus*' bezeichnet wird. Von diesem 
Grabsteine ist leider nicht die geringste Spur mehr vorhanden. 

Nach dem Tode Engelberts übernahm der Propst von Geras, Thielmann L, 
auch die Leitung von Pemegg und erst im Jahre 1276 finden wir wieder einen 
eigenen Propst von Pernegg erwähnt. Schloss Pemegg,***) sowie Weikartsschlag, 
befand sich um diese Zeit in dem Besitze Ottokars von Böhmen, wurde aber trotz 
des Friedensschlusses von den Tmppen Budolfs von Habsburg besetzt, wie aus einem 
Beschwerdebrief Ottokars an Budolf, Mitte December 1276, hervorgeht. 

2. Konrad L (7-1276-1280). 
Propst Konrad wird in einem alten Grundbuche vom Jahre 1400 erwähnt, in 
welches eine Abschrift aus einem noch älteren Buche übertragen worden war. 
„Ich Ghaloch gesessener in der Grueb pykhen fn mich vnd all mein erben, daz 

'■•) Sohloss Pernegg dürfte, nach vorhandenen Oherresten zu sohlieften sich circa 200 
Schritte vom Stifte befunden haben. 

80* 



— 308 — 



zw der 2^itt, daz .Ich ess wol gethan mocht gefasst meinen Aker zunaxt der 
Closterpraiten meiner sei zu einem Selgerett den Gloster Junkfrawn, daz sie 
meiner sei mit jren Gotzdinst ingedacht sein. Das ist geschehen pey Probst 
Kunraden vndPraw Gertrau Maisterin. Im MOC vnd LXXVI Jan **»»») 
Im Jahre 1280 wurde Propst Konrad zum Abte ?om Geras erwählt. 

3. Ulrich (1280—1282). 

Abt Konrad von Geras, Ulrich, Propst von Pemegg, Meisterin Qertrudis, 
Priorin Agnes und der ganze Gonvent Urkunden zu Pernegg ddo. 21. December 
1281, dass sie 27^ Lehen zu ünternalb mit allen dazu gehörigen Gerechtsamen dem 
Bitter Ulrich von Gruenbach filr 25Vf Talente verkauft haben. *•*) 

Das Jahr 1281 war sehr unfruchtbar gewesen, weshalb Geras und Pemegg 
manche Immobilien veräußern mussten um die nöthigsten Lebensmittel beschaffen 
zu können. Diese Nothlage scheint mehrere Jahre angehalten zu haben, denn am 
10. Februar 1283 gibt Abt Konrad von Geras seine Zustimmung zum Verkaufe 
mehrerer Güter in Frättingsdorf an die Nonnen des Gistercienserstiftes St. Bernhard. 
Propst Ulrich wird in dieser Urkunde nicht erwähnt, scheint also nicht mehr unter 
den Lebenden geweilt zu haben. Abt Konrad wird auch in einer Urkunde vom 
Jahre 1284 (Meissau, 23. Juli) als Propst von Pemegg angeführt; er heißt dortselbst: 
„Dus abbas Gerocensis et praepositus in Pernek''. 

Die Geraser Äbte scheinen nun Ifiogere Zeit Pernegg in eigener Person verwaltet 
zu haben, denn erst 1314 findet sich wieder ein Propst urkundlich vor. 

4 Konrad IL (?— 1314-?) 

Abt Gerhard von Geras besiegelt zu Pemegg die Urkunde, in welcher die 
Meisterin Perchte und der ganze Gonvent erklären, dass sie die von der ungarischen 
Königin Agnes (Witwe des Königs Andreas) zu Bechberg beschehene Stiftung eines 
Jahrtages annehmen, ddo. 24 April 1314. Als Zeuge erscheint Ghvnrat, der Propst 
von Pernegg.**^) 

5. Johann L (?— 1327— 1338— ?). 

Im Jahre 1327 erhielt Bernhard, Abt von Geras, einen Bestätigungsbrief vom 
römischen Könige Friedrich. In dieser Urkunde wird auch von einem Propst von 
Pernegg gesprochen, welcher unser Johann I. sein dürfte. 

1338 findet sich sein Name in einer Urkunde des Stiftsarchives zu Geras: 
„dez ist gezewg herr Johannes Divveil Probst zu Bemek .... gegewen. drevzehen 
hvndert iar, darnach in dem Oehtdreizkisten iar and sand Polten tag.** 

Elisabeth Ghrichin war zur Zeit des Propstes Johannes Meisterin zu Pemegg. 
Ihr Siegel, dessen Legende schwer zu entziffern ist, zeigt einen rückwärts sehenden, 
laufenden Löwen (?)."•) 



»») Dr. Hoffer, 8. 40. 

*•*) „Nos fräter Chunradus miseracione 
diuina Abbas ecdesie Jeroeensis et frater ül- 
ricus prepositüs , in Pernekke nee non soror 
Gertradis magistra et soror Agnes priorissa. . .^ 

*■•) Ovcb sint gecing dito dinges, vnser 



herren die priester vnseres ordens yon Jems 
her chvnrat vnser probst, her Adam der prior 
.... (Hoffer, S. 48). 

'*) P. K. WissgriU bringt in seinem „Schau- 
platze des lands&ssigen niederOsterr. Adels", 
I. Bd., bei dem Qeschlechte der Griechen von 



— 309 



Propst Johannes soll nach dem Necrologium am 21. des Herbstmonates gestorben 
sein. Eine Jahreszahl ist nicht angegeben. ^'^) 

6. Wilhelm L (?— 1348). 

Als Propst Wilhelm 1348 zum Abte von Geras erwählt wurde, führte er die 
Administration von Pemegg dessenungeachtet weiter, weil infolge der damals 
wüthenden Pest nur sehr wenige Gapitolaren in Geras vorhanden waren, unter ihm 
begann der langjährige Streit um die Pfarre Hosting in Mähren. 

Nach einer Grundbuchsnote vom Jahre 1352 und 1353 erscheint Wilhelm 
als Administrator von Pemegg, neben ihm aber auch ein Prior von Pernegg, 
wahrscheinlich ein Stellvertreter des Geraser Abtes. 

Am 19. November 1360 besiegelt Abt Wilhelm, die Meisterin Katharina und 
der ganze Gonvent die Urkunde über den Abschluss der Fraternität quoad sufiragia 
mit dem Stifte Altenburg."®) 

7. Thielmann (?-1376-?). 

Propst Thielmann kommt erst 1376 urkundlich vor, und zwar in einem Tausch 
briefe über weit entlegene Lehen zu Mixnitz, welche gegen den Fuchshof zu Bays- 
torf, Lehen zu Sieghartsreit und Schirmansreit getauscht wurden. 

In dieser Urkunde erscheint „Eathreyn" als Priorin von Pemegg. 

8. Hemaim (7—1381—1399). 
1381 verkauft Propst Hermann die zu Badendorf gestift;eten Holden. 
Er soll am 14 November 1399 gestorben sem."*) 
Zu seiner Zeit erscheinen Offiiey als Priorin, Elzpeten als Suppriorin des Stiftes. 

9. Johann IL (1399-1405). 
Johann de Bussia^^) kennen wir nur aus dem Necrologium, in welchem 
sein Todestag, 30. Jänner 1405, angegeben ist. Uns kommt die ganze Persönlichkeit 
etwas fraglich vor. Bussia Mt der Zeit nach mit dem Abte von Geras, Johann, aus 
dem Oeschlechte der Nüsse, zusammen; ob dies nicht ein und dieselbe PersönUch- 
keit ist? 



Als folgende SteUe aus der ürkundensammlung 
des Domherrn Smitmer: „1836 an St. Yeyts 
Tage Swester ELspet des Chriohen Tochter wai 
in dem Frauenkloster zu Pemeke". Das Wappen 
der Herren von Als war nach dem Minoriten- 
Necrologiom zu Wien ein quergetheilter Schild, 
ohen schwarze Bauten in Silber, unten roth; 
somit ein anderes Bild, als im Siegel der Mei- 
sterin erscheint, dessen Abguss Smitmer „Sororis 
Elisabethae Oriechin** bezeichnete. (Haus-, Hof- 
und Staatsarchiv.) Dr. Hoffer (S. 60) h&lt die 
Meisterin für eine Griechin von Freitschiarn, 
weil ein Zweig dieses Qeschlechtes zu Freisch- 
ling, y. 0. M. B., also in der Umgebung von 
Pem^g, ansässig war. Der Autor konnte leider 



das Wappen der Griechen von Freitschlam bis 
dato nicht eruieren, doch vermuthet er, dass 
es jenes sei, welches die Züricher Wappenrolle, 
Nr. 438, zur DarsteUung bringt. In B. ein g 
Löwe , am Helme dasselbe Kleinod , wie im 
Wappen der Herren von Als, Z. W. B. Nr. 186. 

»»») Dr. Hoffer (S. 69) spricht sich für 1360 
aus, welches Jahr aber mit anderen Angaben 
nicht stimmen will. 

'■•) Stiftsarohiv zu Altenburg. 

**) Bei Schweickhardt 19. October, bei 
Buhietl 14. October. 

'*•) Topographie von Niederösterr., „Johann 
Edler von Bussin**. 



— 310 — 

Nach dem Tode Johann 11. dürfte Abt Johann vod Geras die Administration 
des Stiftes Pernegg übernommen haben. 

10. Wilhelm n. (1412-1432). 

In einer Urkunde vom 13. Februar 1412 erscheint Wilhelm als Propst von 
Pernegg. Aus Urkunden vom Jahre 1413 und 1432 ersehen wir auch, dass das 
Pernegger Gotteshaus noch einen zweiten Patron, den hl. Michael, besaß; es heißt 
dortselbst: ... mit allem Zubehör dem Probste Wilhelm, der Priorin Jungfrau 
Katherina und dem Gonvent sand Michels und sand Andres Gotzhaws vnd Kloster 
ze Pemekk ....***) 

Im Jahre 1432 wurde Wilhelm zum Abte von Geras erwählt, behielt aber 
die Administration über Pernegg bei, wie aus der Urkunde über den Ankauf des 
Dorfes Nödersdorf fQr Pernegg, 1437, zu ersehen ist : „ Wilhehn Abbtt ze Jerus vnd 
Verweser des Gotshaws ze Perneck"."*) 

In der Zeit von 1439—1440 wurde das Schloss zu Pernegg, welches schon 
über hundert Jahre leer gestanden, befestigt, 1449 aber abgerissen, um den feind- 
lichen Truppen keinen Stützpunkt zu geben. 

Wilhelm starb im Jahre 1446. 

11. Gerhard (?— 1449— 1460). 

Propst Gerhard dürite mit jenem Gapitular identisch sein, welchen Abt 
Wilhelm zur Erwerbung neuer Mitglieder in die Bheinlande gesendet hatte. 
(Siehe S. 278.) 

Gerhard wurde von dem Abte den Nonnen als Propst vorgeschlagen und auch 
VOD diesen acceptiert, worauf er feierlich von dem Abte in Pernegg installiert wurde. 
Kaum bekleidete er aber die neue Würde, so stellte er sich feindlich gegen Geras, 
verweigerte die Bückgabe von Geras geliehener Paramente, verkauft^e Stiftsgüter 
ohne die Erlaubnis des Abtes vorher einzuholen, und als er deshalb zur Rechen- 
schaft gezogen wurde, stützte er sich auf ein von einem Gardinale erschlichenes 
Privilegium und bestritt die alten Patemitätsrechte von Geras. Der Abt wandte sich, 
da alle Vorstellungen vergeblich blieben, mit seiner Beschwerde direct an den Landes- 
ft)rsten, und Propst Gerhard wurde schließlich gezwungen, sich Geras zu unterwerfen. 
Die Unterwerfungsurkunde wurde am Montag nach St. Qeorgstag (28. April) 1449 
ausgestellt und befindet sich im Geraser Stiftsarchive. 

Diese erste Auflehnung gegen die Rechte des Mutterklosters legte leider den 
Samen zu fortwährenden Streitigkeiten, ein Same, der durch zweihundert Jahre 
fortwucherte und die beiden Stifte in steter Aufregung erhielt. 

Propst Gerhard starb am 2. März 1460.»*») 

12. Oswald (1460—1464). 
Oswald war vorher Pfarrer in Ranzern, später in Fratting und dürfte dem 
Propste Gerhard direct gefolgt sein. 1464 wurde er zum Abte von Geras gewählt. 

»*«) Dr. Hoffer, S. 66. 

'^*) Topographie Yon Niederösterr., S. 881; Dr. Hoffer, S. 66. 

»«») Schweickhardt: 1457. 



— 311 — 

In der Verzichtsurkunde der Pernegger Ghorfrau Margaretha von Fuchs, 1464, 
erscheint Propst Oswald als 2Jeuge.***) Es ist dies die einzige Urkunde, welche seiner 
als Propst gedenkt 

13. Nikolaus L (1464—1482). 

1465 erscheint in einem Grundbuche der Name dieses Propstes, von ihm 
selbst eingetragen. Nikolaus kaufte 1470 von Achaz Waser das landesftirstliche Lehen 
Nonndorf a. d. Wild für Pemegg um 490 Pfund Pfennige. Im obenerwähnten 
Grundbuche findet sich darfiber folgende Note: 

„Ich Niklas Probst zu Pernekh hab gekauSt den Hofif vnd das dorff zw Newndorff 
mit aller seiner Zugehönmg vmb vierhundert vnd Newntziyk phuatt phening 
vnd vmb vier Gulden zv Lewtkawff In den Sjfoentzigsten Jar an Sand Pon- 
gratzen tag.""^) 

1471 erfolgte die kaiserliche Bestätigung und Belehnung. 
Propst Nikolaus starb am 6. September 1482. 

14. Laurenz L (1482-1505). 

1495 findet sich zum erstenmale der Name dieses Propstes in emer Urkunde 
vor."») 

Durch die sich immer wiederholenden Einfälle femdlicher Scharen in Nieder- 
österreich gestalteten sich die Verhältnisse des Stiftes so schlecht, dass sogar Mangel 
an den nöthigsten Nahrungsmitteln eintrat Der Bischof von Passau, Christoph 
V. Schachner, eriheilte deshalb 1498 die Erlaubnis, bei der DiöcesangeisÜichkeit zu 
sammeln und bewilligte den Spendern einen Ablass von 40 Tagen. 

Zur Zeit des Propstes Laurenz war Ghristina Grabner Priorin, Barbara Sup- 
priorin von Pemegg.**^) 

Der Propst starb am 16. October 1505. 

15. Christoph L (1505—1511). 
Propst Christoph sah sich, da die Verhältnisse sich wenig gebessert hatten, 
gezwungen, einige Bealitäten zu verkaufen. 

So wurden nebst anderen 1510 auch Pingendorf und Mödring veräußert. 
Propst Christoph soll 1511 gestorben sein."') 

16. Christian (1511-1515). 
Propst Christian Zarnwolf erscheint im Pernegger Grundbuche zweimal ein- 
getragen. 

Er starb am 23. Juli 1515. 

17. Johann HL (1515—1520). 
Propst Johann Kolb stand dem Stifte nur vier Jahre vor und starb am 
16. März 1520. Nach seinem Tode übernahm Abt Paul Linspaur von Geras die 
Administration, bis ein neuer Propst installiert werden konnte. 



'^) Original im Stiftsarchiv zu Greras. Mar- 
garetha war die Tochter des Caspar und der 
Barbara Fuchs lu Bamspaoh. 

»*•) Dr. Hoffer, S. 78. 



«*•) P. Ruhietl, S. 136. 
1«^ Leibgedingbrief 1604. 
•*•) P. Ruhietl, 8. 187. 



- 312 — 

18. Thomas (1521—1534- ?). 

Am 18. März 1521 wurde Thomas Scheerschneider als Propst in Pemegg 
feierlich eingesetzt. Er ließ sich das Wohl seines Stiftes sehr angelegen sein und 
konnte dem Kaiser Ferdinand I. eine recht ergiebige Kriegssteuer leisten. Geras und 
Pemegg erlegten 900 fl. rh., ein Viertel des Wertes der Stiftsgüter (27. Juni 1530). 

Nachdem er bereits 1521 ein neues Grundbuch für Pemegg angelegt hatte, 
legte er 1534 ein solches für die Gemeinde Mödring an. Sein Todesjahr ist unbe- 
kannt. "•) 

19. Gregor (? -1542—1547). 

Propst Gregor erhält am 23. August 1542 den landesftlrstlichen Lehensbrief 
über Nonndorf, dürfte also nicht viel früher als Propst installiert worden sein. 1543 
erscheinen Propst Gregor, Priorin Afra und Suppriorin Bosina urkundlich nach- 
weisbar. Nach dem Yisitationsprotokolle vom Jahre 1544 machte sich in Pernegg 
bereits die lutherische Bewegung fiihlbar. Propst Gregor gibt an, dass vor 18 Jahren 
noch zwölf Ghorfrauen im Stifte gelebt hätten, jetzt aber nur mehr zwei vorhanden 
seien. 

Am 24. Juli 1546 befand er sich in Melk bei der Wahl des Abtes Placidus 
Schaffer. Kurze Zeit darauf starb er. 

20. Coloman (1547—1551). 

Abt Balthasar von Geras, Propst Coloman Badt von Pemegg, sowie beide 

Convente ertheilen laut Urkunde ddo. Geras 6. Juni 1549 Wolfgang Summer, der 

Bechte Procurator, unbeschränkte Vollmacht, sie als Advocat in ihren Bechtsstreitig- 

keiten zu vertreten. '*•) Durch die immer weitere Verbreitung der Lehre Luthers 

war das Frauenstift ganz vereinsamt und bis auf eine Nonne ausgestorben, so dass 

kein eigentlicher Convent mehr vorhanden war. Propst Coloman starb am 6. April 

1551. »»0 

21. Wenzel Johann (1551—1557). 

Wenzel Johann BuepP") wurde am 17. April 1551 zum Propste gewählt, 
und zwar in Geras, weil in Pernegg kein Convent mehr bestand. Im WahUnstru- 
mente trägt der Propst nur den Namen Wenzel, in den Urkunden führt er dagegen 
den Namen Johann. Im Jahre 1554 errichtete er ein neues Grundbuch, in welchem 
betreff der Wildbahn sich folgende Stelle findet: „wie sie von Alters her über- 
kommen und von weiland Grafen Uhich v. Pemegg und Euphemia, seiner Gemahlin, 
1150 gestiftet worden war". Diese Stelle wäre das erste Zeugnis hinsichtlich des 
Stiftungsjahres, leider 400 Jahre später und ohne Angabe der Quelle, aus welcher 
diese Zahl geschöpft wurde. 

Propst Wenzel wurde am 12. Juli 1557 zum Abte von Geras gewählt. 

22. Urban (1558—1563). 
ürban Leeser wurde 1558 als Propst installiert, welches Amt er bis zu seiner 
Wahl als Abt von Geras, 6. December 1563, bekleidete. 



"•) P. Ruhietl. 8. 137: „1682", welche »*») Topographie von Niederösterr.. S. 389; 

Jahreszahl nicht richtig sein kann. ' 1546 dürfte dort ein Druckfehler sein. 



lao 



•) Topographie von Niederösterr., S. 389. »»«) Dr. Hoffer, S. 88: „Riepl'*. 



— 313 — 

23. Christopli n. (1563—1570). 
Am Wahltage des Geraser Abtes wurde auch gleich die Wahl des Propstes 
▼on Pernegg vorgenommen und als solcher Christoph Weber, genannt „Teitor" 
installiert. Er soll 1570 gestorben sein.^^) 

24. Mathias (1570-1582). 

1580 beklagte sich der Administrator von Geras, Balthasar Polzmaon, Ober das 
ärgerliche Leben des Propstes Mathias Lee s er und seiner Conventualen und 
empfiehlt an dessen Stelle den Kellermeister von Klostemeuburg, Georg Sumperer. 
Li dem Klosterrathsberichte vom 22. Mai 1581 wird von „uxorierten'* Conventualen 
gesprochen, weiters beanständet, dass der Propst ein vermeintliches Eheweib besitze 
und seinem „habitum** nach mehr einem Jäger als einem Beligiosen gleichsehe. 

Propst Mathias starb am 21. December 1582. 

25. Georg (1582—1586). 

Nach dem Tode Mathias, wurde der Chorherr von Klosterneuburg Georg 
Sumperer^^) als Propst installiert. Propst Georg war 1549 zu München geboren, 
1568 in den Orden getreten, 1576 Dechant geworden. 1580 — 1582 versah er das 
Amt eines Stadtpfarrers zu Drosendorf. 

Er war ein vorzüglicher Ökonom und wurde deshalb f&r Pernegg vorgeschlagen. 
1584 wurde aus Geraser Capitularen ein Gapitel in Pernegg gebildet, welches auch 
Novizen aufnehmen durfte. Der Propst sollte aber stets aus dem Geraser Gapitel 
gewählt werden. 

Am 23. December 1585 war die letzte Chorfrau, Bosina Aichinger, über 
80 Jahre alt, in Pernegg gestorben, nachdem sie seit etwa 30 Jahren einsam und 
allein ihre Tage hn Kloster zugebracht hatte. 

Propst Georg starb am 12. Februar 1586. «•*) 

Noch heute erinnert an ihn ein Kellerbau in Pernegg, wo sich auch ein Stein 
mit seinem Namen und Professorte vorfindet. 

Nach Georgs Tode sandte der Abt Longin den Stiftsprior von Geras, Johann 
Beyrer, als Administrator nach Pernegg, welcher sofort ein Inventar aufnahm, das 
am 27. Februar 1586 von beiden unterzeichnet wurde. 

26. Germann (?-l590). 

Über den Propst Germann Renzl ist nichts weiter bekannt, als dass er am 
24. Juü 1590 starb.'*«) 

27. Johann IV. (1591—1598). 

Im Jahre 1591 wird zum letztenmale ein Geraser Gapitular zum Propste ge- 
wählt Es war dies Johann Beyrer, damals Pfarrer in Drosendorf. Pernegg erhielt 
von Geras mit Einwilligung des in Schlägl tagenden Provinzialcapitels das Recht 
zugestanden, sich aus dem eigenen Gapitel einen Propst zu wählen, jedoch mit 

**«) P. RuhietI, 8. 138. >»*) Im Klostemeuburger Necrologium wird 

'^) Schweiokhardt, S. 281: „Sumper**; To- \ als Todesjahr 1606 angegeben, 
pographie, S. 391 : „Pamperer''. | '**) Schweiokhart läset ihn am 24. Juni 

1 1591 sterben. 



— 314 - 

Wahrung der Rechte des Stiftes Geras, welche aber zumeist von den Herren in 
Pemegg umgangen wurden. 

Eine Pachturkunde über Weingärten zu Minnbach etc. auf Leibgeding voHb 
15. October 1593 ist mit einem Siegel bekräftigt, das zum erstenmale das Wappen 
des Stiftes Pernegg zeigt (Tafel IE, 5). 

Im kreisrunden Siegelfelde erscheint eine reich verzierte Gartouche mit dem 
Stiflfiwappen. Das Feld ist gespalten, vorne ein Laubbaum, hinten ein aufgerichteter 
Bär, beide Figuren auf einem Dreiberg stehend. Hinter der Gartouche erscheint der 
hl. Andreas mit seinem Schrägkreuze, zur Seite des Kopfes die Initialen S und A. 
Das von einem Lorbeerkranz umschlossene Legendenband trägt die Inschrift: 
♦ SIGILLVM * lOANNIS PßAEPOSITI : PEBNEGENSIS- Original, rothes Wachs 
in Holzschale, im Stiftsarchive zu Geras. 

1598 wurde Propst Johann zum Abte von Geras gewählt. 

28. Sebastian (1599—1608). 

1599 wurde der schon hochbetagte, resignierte, infiiUerteAbt von Elosterbruck 
bei Znaym, Sebastian Fuchs, als Propst nach Pernegg postuliert 

Er war zu Baden in Niederösterreich geboren, hatte 1569 in Breslau die ersten 
Weihen empfangen und war 1573 zu Obrowitz bei Brunn in den Orden eingetreten. 
1574 kam er nach Klosterbruck und wurde dortselbst 1585 infulierter Abt 1599 resig- 
nierte er und starb als Propst von Pernegg am 15. October 1608. 

Er war ein gelehrter, glaubenseifriger Mann, der namentlich gegen das Luther- 
thum in sehr energischer Weise auftrat Er hatte selbst einige Werke gegen diese 
Glaubensbewegung verfasst und im Stifte Klosterbruck eine Druckerei eingerichtet, 
die von 1594—1608 im Betriebe stand. "^) 

Durch Verwendung des Gardinais Franz von S. Sylvester in Gampo Martio 
erhielt er laut Bulle des Papstes Paul V. vom 17. April 1608 die Bewilligung zum 
Gebrauche der Pontificalien. 

Im Mittelgange der Stiftskirche, als zweiter in der Beihe vom Hochaltare, 
Anden wir den Grabstein des Propstes Sebastian im Boden eingelassen: 

„Vox Horroris: Venite ad iudicium: quam sub dura hac facie Bd. ex Can. et 
abbate Lucensi huius loci praeposito D. Sebastiano Fuchs a Baden, qui hanc 
praeposituram ad onmes posteros pontificalibus Bomae impetrando decoravit, 
bene vivendo Vni annis-rexit et sancte obiendo die XV. Oct A. MDOVIU. 
hie cinis sub umbra in Domino requiescit, ut gloriosus ad Judicium veniens, in 
regno patris, aetemaliter vivat, insculpsit Norbertus Bratizius, Gan. Wilth. huius 
loci praeposit. S. T. H. D. Prot Ap. et com. A. MDGXLVHI." 
Nach dem Tode des Propstes Sebastian wurde Pernegg von dem Geraser 
Abte Johann von Beyrer von 1608—1610 administriert 

29. Valentin (1610—1642). 

Im Jahre 1610 vnirde Valentin Springe!, Gapitular des Stiftes Obrowitz bei 
Brunn, nach Pernegg postuliert Er ließ sehr viele Benovierungen und auch Neu- 
bauten vornehmen und gab dem Stifl;e ein freundliches Aussehen. Von 1615 — 1627 

**^ Dr. Hoffer, S. 88. Der Autor h&lt ihn nach dem V\rortlaute der Bulle tod 1608 für adelig. 



~ 315 - 

fährte er die Administration d^ von den Feinden ganz verwüsteten Stiftes Geras, 
scheint aber keine besonderen Erfolge erzielt zn haben, wahrscheinlich, weil ihm 
sein eigenes Stift, das ja unter den Kriegsereignissen ebenfietils stark gelitten haben 
mochte, viele Sorgen verursachte. Er stellte sich, so wie dies Propst Gerhard ge- 
than, fdndlich gegen Geras und verweigerte die Annahme der von dem Abte 
Laehenius erlassenen Disciplinarvorsehriften, zog aber wie Gerhard am Schlüsse den 
kürzeren und musste sich folgen. Propst Valentin starb, 62 Jahre alt,'^*) am 
2. Mai 1642. 

Das Wappen Valentin Springeis zeigt einen aufgerichteten Löwen, welcher in 
den Vorderpranken eine Rose hält (Tafel Vni). 

Wir finden dieses Wappen als Herzschild im großen Wappen des Stiftes 
Pemegg, welches außen in der Mauer der ehemaligen Prälatenkapelle eingelassen 
ist Der Schild ist geviertet, und enthält im ersten Felde den Eirchenpatron 
St Andreas, welcher das Schrägkreuz vor sich hält Im zweiten und dritten Felde 
erscheint ein Querbalken, im vierten das alte Wappen des Stiftes, der Baum mit dem 
Bären, aber ohne Spaltung des Feldes. Der Wappenschild, von einer ornamentalen 
Cartouche umschlossen, hinter welchen das Pedum gelegt ist, trägt die Inful, welche 
mit dem Buchstaben F belegt ist Oben und unten, zu Seiten der Gartouche sind 
die Initialen VS, PP, sowie die Jahreszahl 1647 angebracht. Die Sculptnr wurde 
also von Springeis Nachfolger zur bleibenden Erinnerung an den Erbauer der Kapelle 
hieher gesetzt. 

Das große Wappen des Stiftes ohne den Herzschild findet sich auch an der 
Kanzel angebracht und zeigt die Tineturen des Wappens, den hl. Andreas und den 
Bären im blauen Felde, den Querbalken blau im goldenen Felde. Dass die hier 
angegebenen Tineturen seinerzeit auch wirklich so geführt wurden, scheint uns 
damit aber noch nicht so ganz erwiesen zu sein, weil bei Benovierungen gewöhnlich 
die Herren Maler und Vergolder sehr wenig Bücksicht auf alte Farbenreste nehmen 
und ganz nach eigenem Gutdünken darauf losfärbeln. 

Das Feld mit dem Querbalken erscheint auch im Wappen von Springeis Nach- 
folger, war also ein Bestandtheil des Stiflswappens von Pemegg, vielleicht eine ver- 
fehlte Darstellung des Wappens der späteren Grafen von Pemegg (siehe Seite 270). 
Zu Seiten des Wappens auf der Kanzel finden sich die Initialen V.S.P.P.A.G. 
1618. Die Initialen stehen in Bezug zu seiner damaligen Würde als Propst von 
Pernegg und Administrator von Geras. 

Als erster in der Reihe vor dem Hochaltare der Stiftskirche liegt der Grab- 
stein des Propstes: 
»Tuba stuporis: Snrgite mortui. Quam in marmore hoc memoriae lacrimas 
spumantem B?® suo antecessori D. Valentine Springelio, Oan. Zaberdovic. '*•) a 
laborib. administrationis Geracensium XIV annis huius simul etiam regiminis et 
patriae post XXKII annos a® MDGXLn iamiam in pace quiescenti et hie ad 
sonitum tubae expectanti, ut benedictus patris resurgat, posuit F. Norbertus 
Bratizius Can. Wilth. hui. Loci Praeposit. S. T. H. D. Prot. Ap. et com. A. 
MDCXLVm.« 



»■^ Schweickhardt. S. 2S2. 

>'*) Zdbrdowioe oder Obrowitz, 1200 gegründet, 20. Aogust 1784 aufgehoben. 



316 - 



Der Stein zeigt das Wappen des Propstes, den Löwen mit der Base. 

Es findet sich aber noch ein zweiter Stern, der vierte in der Beihe, leider zer- 
brochen, welcher folgende Inschrift trägt: 

„t H*®ö Beqvies Bd^f Dni Dni Valentini Springelii**. 

Nach dem Tode des Propstes entbrannten sofort wieder die alten Streitigkeiten 
zwischen Pemegg und Geras, so dass sich Abt Peter von Geras gezwungen sah, 
um die Wahl eines Propstes nicht noch länger zu verzögern, seine Bechte dem Abte 
von Elosterbruck zu übertragen. Die Begierung aber bestimmte den Abt von Geras 
zur Vornahme der Wahl, und so konnte diese endlich am 11. September 1642 voll- 
zogen werden. 

. 30. Norbert (1642—1653). 

Dr. Norbert Bratiz, Gapitular des Stiftes Wüten bei Innsbruck, wurde am 
Tage der Wahl sofort vom Abte Peter feierlich als Propst installiert. 

Propst Norbert soll nach Angabe Burgklehners^^) in Laibach das Licht der Welt 
erbUckt haben. Anlässlich eines Zeugenverhöres (16ö4) gibt Norberts Jugendfreund 
Vincenz Marfan Engl . S . B . M . V. Wüten, ein anderer Zeuge, Bozen als Ge- 
burtsort an.***) Am 26. Juli 1616 legte er zu Wüten die feierliche Profess ab und 
studierte in Ingolstadt und Born, wo er sich den Doctorhut erwarb.**') £r f&hrte 
den Titel: Doctor et Lector Theologiae et sacrorum canonum Gandidatus. Vom Jahre 
1629—1633, nach Angabe des Stadtmagistrats 37« Jahre, war Norbert Bratiz Pfarrer 
in Neuenburg v. d. W. in Bayern. *••) 

Im Jahre 1633 übernahm er das Amt eines Kästners (Provisor) im Stifte, 
nachdem er bereits vor seiner Bomreise (1628) über ein Jahr Prior des Stiftes ge- 
wesen war. 1638 hielt Dr. Bratiz philosophische Vorlesungen in Schlägt, wo er als 
Professor vier Jahre verblieb.***) Vom Papste tJrban VIII. erhielt er die Würde 
eines „apostolischen Protonotars'', später wurde er kaiserlicher Bath und nieder- 
österreichischer Eriegscommissär. ^*^) 

Das durch den böhmischen Krieg arg verwüstete Stift Ueß er wieder herstellen 
und schmückte die Baulichkeiten soweit die vorhandenen Mittel dies erlaubten. 

Am 30. Jänner 1648 wurde über Veranlassung des Abtes Lachenius von Kloster- 
Bruck, zugleich Generalvicar des Ordens, Bratiz zum Abte des in argen Nöthen sich 
befindUchenPräinonstratenserstiftes St. Vincenz vor Breslau gewählt *••) Propst Norbert 
nahm die Wahl an, doch steUte er die Bedingung, dass er Pemegg beibehalten 
könne, was ihm auch vom Kaiser für die Dauer von drei Jahren bewiUigt wurde. 
Propst Norbert reiste im August 1649 nach Breslau und wurde am 24. October 
feierlich als Abt instaUiert. Der Breslauer Bischof versagte ihm aber auf Grund der 
Synode von 1580 und 1595 die Anerkennung, doch entschied der Nuntius 1651, 
dass St Vincenz vom Bischöfe unabhängig sei. 



^^ Mathiaa Burgklehner, Kurze Beschrei- 
te Qg* de.'! uralten Gotteshauses und Klosters 
Wilthen . . . 1617. 

'•«) F. X. Görlich, Geschichte der Abtei 
Bt. Vincenz vor Breslau, ü., 8. 71. 

'*■) Rpgistriiturbuch des Priors von Wüten, 
Dr. Lnuren^ St(?phan 1650/52. (Nach gütiger 



Mittheilung des Herrn Franz Danner, Kleriker 
zu V\rilten.) 

»••) P. X. GörUch, S. 71. 

>••) PröU, Geschichte Ton Schlagl. S. 26S. 

»~) Schweickhardt, S. 2S2. 

«•«) 1189 von Graf Petrus Wlast gegründet; 
war zuerst Ton Benediktinern besiedelt, kam 
1193 in den Besitz der Pramonstratenser. 



T 



— 317 — 

Trotz seiner Kränklichkeit, er litt an Podagra, unternahm er viele Beisen, 
welche durch die Leitung zweier weit von einander entlegener Stifte nothwendig 
wurden. Bei seinem Amtsantritte waren im Breslauer Stifte nur mehr drei Chor- 
herren vorhanden und die Tilgung der Schulden des ganz verwahrlosten Stifties, 
welche weit über 200.000 Thaler betrugen, dürfte ihm manche Sorge und Arbeit 
gemacht haben. Im März des Jahres 1653 lag er im Stifte Pemegg schwer krank 
darnieder, brachte den Sommer in Baden zu und nachdem er sich wieder etwas 
erholt, kehrte er nach Pernegg zurück. Abt Westhaus von Geras erhielt am 24. Oc- 
tober 1653 die Nachricht, dass Probst Norbert sein Amt zu Pemegg niederlegen 
und nach Breslau abreisen wolle. Andern Tages eilte der Abt in das Tochterstift, 
um den Propst zu bestimmen, dass er seine Besignation dem Landesfürsten und der 
Begierung schriftlich vorher melde. Bratiz resignierte aber noch am selben Tage vor 
dem versammelten Gapitel und reiste sofort nach Breslau ab, nachdem er die Schlüssel 
von Pernegg dem Geraser Abte übergeben hatte. 1654 befiel ihn nochmals eine 
schwere Krankheit, von welcher er sich nicht mehr erholen konnte. Er starb am 
24. Jänner 1656. 

Li der Stiftskirche zu Pernegg befindet sich vor dem Marienaltar im Boden 
ein Denkstein dieses Propstes eingelassen: 

„Siste pedem viator, rogatus dicito: pie Jesu dona quietem aeternam Norberte 
Bratizio Gan. prae Wilt. professo, qui ftiit Doctor et Lector, Proth. Apost. S. 

Gaes. Malest. Gom. consiliarius, Praepositus huius loci pemeceusis 

(Das übrige ist leider durch die Betstühle verdeckt.) 

Das Wappen dieses Propstes war nach den Darstellungen in Pemegg eine 
springende Gemse im silbernen (?) Felde. 

Über den Oratorien der Stiftskirche ist das Wappen Norbert Bratiz angebracht, 
wie es Tafel Vm uns zeigt. Im ersten und vierten Felde die Gemse, im zweiten 
und dritten Felde der Querbalken. Der Herzschild zeigt das Stiftswappen, den Baum 
und aufgerichteten Bären. 

Auf einem etwas missglückten Ölbilde, in einem der Gänge des Stiftes hängend, 
finden wu* ebenfalls dieses Stiftswappen angebracht, das Feld von Roth und Weiß 
gespalten, conform dem Siegel des Propstes Beyrer. Dasselbe Bild enUiält auch das 
Wappen Norbert Bratiz, geziert mit dem Hute des Protonotars, die Farben aber alle 
willkürlich gewählt 

Nach seinen Siegeln als Abt von St. Yincenz und Propst von Pernegg, welche 
sich im Staatsarchive zu Breslau befinden,^* ^) dürfte das gemsenartige Thier seines 
Wappens als Steinbock zu blasonnieren sein. Görlich spricht bei Beschreibung des 
äbtlichen Wappens von einem Widder; die Wappenfigur scheint also von dem 
Siegelstecher nicht besonders kenntlich durchgeftihrt worden zu sein. Im Breslauer 
Archive befinden sich drei verschiedene Siegelabdrücke, und zwar ein ovales, 
rothes Lacksiegel, an einem Schreiben vom 30. August 1649 an den P. Nikolaus 
Maister in Perne^; es zeigt einen halbrunden, gevierteten Schild, der im Felde 
1 und 4 den Querbalken, im Felde 2 und 3 den nach rechts springenden Steinbock (?) 
enthält. Im aufliegenden Herzschildcheh ersclieint das Wappenbild des Stiftes 



^) Nach gütiger Mittheilong des Herrn StaatsarchlTars Dr. Pfotenbaaer. 



— 318 — 

St Vincenz, das Schweißtuch der hl. Veronica mit dem Christuskopfe. Über dem 
Schilde wird das Brustbild des hl. Andreas sichtbar, welcher in seiner Rechten 
die Mitra, in der Linken das Pedum trägt. Hinter dem Patron Yon Pernegg kreuzen 
sich die Balken des Andreaskreuzes. Ober dem ganzen schwebt der Hut des Proto- 
notars, von welchem zu beiden Seiten je sechs Fioeci herabhängen. Die Legende 
lautet: NOßBERTVS • D • G • P • P • TH • D • ET • PA • 

Das zweite Siegel (ovales Oblatensiegel) etwas größer als das erstere, an einer 
Urkunde vom 1. März 1652, zeigt denselben Schild, auf demselben aber einen ge- 
krönten Spangenhelm mit dem wachsenden Steinbock als Kleinod. Bechts vom Hehne 
ist die Mitra, links das Pedum angebracht. Ober dem Wappen schwebt der Hut des 
Protonotars. Die Umschrift lautet: NOBBEBTVS D G ABB S VINC WßAT S T 
D A PBOTH S C M OONS 1649. (Norbertus dei gratia abbas S. Vincentii Wratis- 
laviensis, s. theol. doctor, apostolicus protonotarius, sacrae caesareae maiestatis con- 
siliarius.) Görlich gibt in seinem Werke Seite 81 dieselbe Beschreibung des äbtlichen 
Siegels, welches er an einer Yerpachtungsurkunde von Kriebelwitz, 18. Jänner 1652, 
vorgefunden hatte. 

Nach Angabe Dr. Pfotenhauers ist dieses Siegel bedeutend größer im Aus- 
maße als das vorherbeschriebene. (25/30 mm,) 

Vom Propste Norbert Bratiz findet sich zu Pernegg außer dem eigentlichen 
Wappen nach eine andere sinnbildliche Darstellung: ein Bär, welcher in den Vorder- 
tatzen die Initialen N und B trägt. So an der Decke der Stifts- 
kirche auf einem Schlussteine der Gewölberippen in der Nähe 
des Musikchores. (Fig. 10.) 

Dieselbe Figur findet sich ferner im Gange vor der Prälatur, 
der jetzigen Pfarrerwohnung, nebst dem Spruche: NON SIC 
CEDIT MAGIS LAEDIT. 

Die Initialen allein sind ferner über dem nördlichen Eingang 
in die Kurche nebst der Jahreszahl 1652 (darunter 1735) an- 
gebracht, ebenso über dem Schwibbogen beim Emgange zum Norbert Bratiz. 
Pfarrhofe mit der Jahreszahl 1648. (Schlusatein.) 

Nach dem Bücktritte des Abtes von St. Vincenz blieb Pernegg über 18 Monate 
ohne einen Oberen, weil eine endgiltige Wahl durch verschiedene umstände und 
Intriguen immer verzögert wurde. Abt Norbert protegierte einen Gapitular von 
Strahov bei Prag, Dr. Laurenz Weigl, die in Pernegg anwesenden Capitulare und 
der Abt von Geras wollten Sebastian Höfler zum Propste haben. Als am 28. März 
1654 zur Wahl geschritten und die Abstimmung vorgenommen wurde, erklärten die 
Wahlcommissäre , dass Höfler niemals die landesfÜrsUiche Bestätigung erlangen 
werde. Nun ließ ihn auch Abt Westhaus fallen und gab zu, dass Höfler ftkr diese 
Stellung nicht recht geeignet sei. Er gab ferner die Erklärung ab, dass er kraft 
seiner Rechte als Yaterabt selbst einen Propst einsetzen werde. Als nun die 
Commissäre und Abt Westhaus Pernegg verlassen hatten, postulierte das Gapitel 
Dr. Laurenz Weigl zum Propste. Der Abt von Geras erklärte diese Wahl für un- 
canoniseh und ernannte den ihm vom Abte zu Elosterbruck in Vorschlag gebrachten 




— 319 - 

Pfiurrer zu Iglau Bernhard Sutor, Gapitolar des Stiftes Strahov,^^^ zum Propste yoq 
Pemegg. Norbert Bratiz. hatte aber fllr seinen Gandidaten gut vorgearbeitet und so 
sprach sieh auch die kaiserliche Entschließung fitr Dr. Weigl aus. 

31. Laurena H. (1656-1657). 

Dr. Laurenz Weigl wurde am Pfingstfeste 1655 feierlich als Propst installiert, 
erfreute sich aber nicht lange dieser Würde. 

Er starb, 42 Jahre alt« am 7. Jänner 1657. 

32. Nikolaus II (1657—1677). 

Nikolaus Mai st er, P&rrer zu Thena, ein Gapitular von Strahov,^^') wurde 
einstimmig am ^4. Juni 1657 zum Propste postuliert und am 25. Juli feierlich 
installiert. 

Als im Jahre 1665 der Ordensvisitator nach Pernegg kam und den Abt von 
Geras einlud, an der Visitation theilzunehmen, verwehrte der Propst die Anerkennung 
der Paternitätsrechte des Stiftes Geras. Es entspann sich wieder ein langjähriger 
Process, der erst nach dem Tode des Propstes, welcher am 4. April 1677 im Alter 
von 68 Jahren starb,^^^) zum Abschlüsse kam. 

Der Grabstein des Propstes, der dritte in der Beihe, vom Hochaltare gerechnet, 
trägt folgende Inschrift: 

„Monumentum nominis immortalis Bmi ac Amplmi Dni Dni Nicolai Maister loci 
huius Pemecensis Praelaü meritissimi, qui aetatis suae 68 annis expleüs, tandem 
Ao 1677 4. Aprilis terra terrae, pulvis pulveri redditus, rursus in gremium 
matris suae, unde exivit, reversus hoc iacet in tumulo, Nicolaus nomine Maister, 
qui bene vivendo moriens in pace quiescit.*" 

Der Grabstein zeigt das Wappen des Propstes, einen Dreiberg, hinter welchem 
ein Männchen mit einer federgeschmückten, turbanähnlichen Kopfbedeckung empor- 
wächst und in der Bechten einen Stab trägt. Der Stein ist, im Boden eingelassen, 
schon sehr stark abgetreten, weshalb die Figur nur im Hauptumriss zu erkennen ist. 
Wir haben dieses Bild auf Tafel YIII dem Stiflswappen beigesetzt. 

33. Franz (1677—1707). 

Am 20. Mai 1677 wurde der Gapitular von Pernegg, Franz von Schöllingen, 
einstimmig zum Propste gewählt. Er war der erste Propst, welcher aus dem Gapitel 
von Pernegg hervorgieng. 

Die Familie hieß ursprünglich „Schöllinge r**. Die Söhne des Jakob Christoph 
SehöUmger, Franz Schöllinger, Hofrichter im Karthäuser-Stifte Qammg, und sein 
Bruder Ferdinand, kaiserl. Postbediensteter, erhielten laut Wappenbrief ddo. Wien, 
18. November 1650 die Bestätigung des rittermäßigen Adelsstandes, Wappenbesserung 
und Änderung des Namens in „Schöllingen''. '^>) 



***) Abt von Strahov (1666— 166S). nach diesem Autor auch Dr. theol. und nieder- 

'^) P. Nikolaos befand sich nach einem österr. Baitrath gewesen sein. 
Briefe Norbert Bratii bereite 1649 in Pemegg. **0 Nach g&Uger Mittheilung des Herrn 

f Siebe S. 817.) Karl Sohoniböck, Vorstand des Adelsarcbives 

!*•) Sohweickhardt, S. 2S2: Nikolaus soU su Wien. 



^ 320 — 

(Tnter dem Propste Franz kam endlich der langjfthrige Streit swisehen Oeras 
and Peme^ za einem Absebloase. Femegg «innnte die Beehte ran Goras an, 
nachdem das ProTincialcapite] za Brfinn am 12. September 1677 sieh za Gunsten 
Geras^ aasgesprochen hatte. Geras trat daf&r nach längerer Yerhandhmg an Femegg 
die F&rre Niklasberg sammt Grundbesitz and Rechten ab (15. Jani 1680), nnd Abt 
Friedrich gab noch 2000 fl. daza, am die sauere Fille noch etwas zn rersQßen. unter 
der Frilator des Propstes Franz wnrde Femegg zar Abtei erhoben, Franz von 
Schöllingen der erste infalierte Abt dieses Stiftes. Er baote die Abtei, den SchOtt- 
kasten and Keller vom Grande nea auf, and verwendete große Kosten auf die Ans- 
schmfickung seines Stiftes. Im sogenannten Bischofszinuner des Stiftes Geras befindet 
sich ein Tisch mit ovaler Kelheimerplatte, welche eine Ansicht des Stiflies Femegg 
aus der Yogelperspective zeigt. Diese Ansicht, von reichem Bahmenwerk umschlossen, 
in welchem das Wappen des Abtes und in einem Chronognunm „GanDIDa Ohara 
Deo** die Jahreszahl 1701 enthalten ist, mag im Detail, ähnlich unseren modernen 
Fabriksansichten auf Plakaten, etwas zu großartig aufgefasst sein, doch gibt sie 
jedenfalls ein annäherndes Bild der damaligen Anlage des Stiftes. 1692 kaufte er 
das kleine Gut Trabenreith um 12.000 fl., welche ihm der Capitular Johann Adam 
Spatt von Hauskirch vorschoss.'^') Es waren außer diesem noch einige Chorherren 
zu Femegg, welche dem Adel angehörten, und Schöllingen scheint die Absicht 
gehabt zu haben, Femegg mit der Zeit in ein rein adeliges Stift zu verwandeln. 

1693 erwarb er die bertkhmte Veste KoUmitz bei Baabs, um sie 1705 an Anton 
V. Quarient und Baal wieder zu verkaufen. Einige Jahre früher wurde auch das 
Sehlösschen Uasendorf, im Besitze Femeggs, an Elostemeuburg verkauft. 

Er entwickelte einen großen Patriotismus und leistete Kaiser Leopold I. 
240.000 fl. Kriegsbeiträge, die, wie leicht begreiflieh, die finanziellen Kräfte des 
Stiftes weit überstiegen. Das Stift gerieth dadurch immer mehr in Schulden, so dass 
sich Kaiser Leopold veranlasst sah, den Abt durch Schenkungen einigermaßen 
schadlos zu halten. 

Laut Diplom ddo. Wien, 12. Juli 1697 wurden ihm die ungarischen Främon- 
stratenserstifte zum heiligen Kreuz zu Lelesz'^') und zum hl. Johannes Bapt zu 
Jäszö^^^) übertragen, da aber beide des Krieges halber wenig ertragsfähig waren, 
wurde ihm laut Urkunde Wien, 16. December 1698 die Erlaubnis ertbeilt, sie 
nöthigenfalls auch verkaufen zu können. 

Schon ein Jahr vorher (1696) wurde dem Abte Schöllingen die ungarische 
Propstei zum hl. Michael in Gsorna ^^^) über Empfehlung des Fürsten Paul Esterh&zy 
Oberlassen, welche aber ebenfalls keinen großen Nutzen brachte. 



^*') Neben dem Andreas-Altare liegt der 1 gleichnamigen Marktes gelegen, soll von dem 

Grabstein dieses Chorherm:„Alhieligt Begraben ; Waizner Bischof Bolesdäv ca. 1180 gegründet 

Der Wohledlgepohme Herr F. Johann Adam worden sein; 1802 mit Jteö yereinigt. 

Spatt Ton Hanskireh, welcher in Gott, selig | "*) Im Comitate Abaiig-Tonia, SVt Meilen 



endschlafen Den 6./ 7 1697." Das Wappen der 
Spatt, ein liegender Halbmond, beseitet Ton 
^rei ftnfstrahligen Sternen, erscheint im Schilde 
mit dem Wappen des Stiftes geYi«ter. 

*'*) Im Comitate Zempl^n, in der Nähe des 



westlich Yon Kaschau gelegen; im Anfang des 
XII. Jahrhunderts gegründet 

('•) Im Comitate Ödenbnrg gelegen; soll 
1180 schon bestanden haben und von dem 
Grafen Osohl gegründet worden sein. 



W 



— 821 



Abt Franz fiihrte nur von dieser Propstei den Titel, wie aus einer Inschrift 
am Schüitkasten vom Jahre 1701 zu ersehen ist. 

Im Jahre 1699 fiel die Propstei „Maria Verkündigung" zu Ttirje ebenfalls 
an Pemegg. 

Kaiser Josef I. fügte diesen Propsteien am 4. December 1705 noch die des 
hl. Stephan,*^*) den sogenannten „Promontor" zu Großwardein und die Titularabtei 
8t Peter und Paul zu Horpäes >^^) hinzu, so dass bis auf die Titularpropstei Jänoshida 
alle ungarischen Prämonstratenserstifte in den Besitz der Abtei zu Pernegg gekommen 
waren. 

Abt Schöllingen starb am 19. Februar 1707. 

Sein Familienwappen zeigt uns Figur 11. 

Der Schild ist geviertet und mit einem Herzschildchen belegt. Der Herzschild 
zeigt im schwarzen Felde ein brennendes, rothes Herz. Das erste und vierte Feld 



Fig. 11. 



enthält im silbernen Felde einen naturfarbenen, 
doppelschwänzigen Leoparden"®) mit gold- 
beringtem, rothem Halsbande. Das zweite und 
dritte Feld zeigt in Schwarz einen rothen Greif, 
alle Figuren nach einwärts gerichtet. Der 
gekrönte Spangenhelm mit schwarz-goldenen 
und roth-silbernen Decken trägt als Kleinod 
einen rechts schwarzen, links rotheu Flug, 
der von einer rechts goldenen, links silbernen 
Querbinde überlegt ist. Zwischen den Flügeln 
erscheint die wachsende Figur des Leoparden, 
der in seinen Vorderpranken das brennende 
Herz des Mittelschildchens trägt. 

Dieses Schildchen erscheint auch auf 
seinem Grabsteine unter dem Musikehore, auf 
welchem nur mehr sein Name „FßANCISCüS 
E SCHOELLINGEN« deutlich zu lesen ist, 
sowie im Gange vor der alten Prälatur, be- 
gleitet von einem Spruche, der theilweise über- 
tüncht ist. (ST AT IMMOTVMCOR DEC.) 
Das Wappen Schöllingens mit dem Stiftswappen in einem Felde vereint, findet sich 
auf der früher angefllhrten Tischplatte und im Stiegenhause der Prälatur; auch in 
einem der Gastzimmer ist dieses Doppelwappen angebracht, die Leoparden aber 
ohne Doppelschweif und Halsband, der Laubbaum, welcher wahrscheinlich dem hohen 
Prälaten zu wenig nobel erschien, durch eine Palme ersetzt. (Tafel VIII.) 




Sohöllingen. 1650. 



''•) Auf dem Promontorium (Vorgebirge) 
wurde 1130 von König Stephan II. die Propstei 
gestiftet, 1S08 mit J4sz6 und Lelesz vereinigt. 
Von der alten Propstei sind nur spärliche Mauer- 
reste vorhanden. Die neue Propstei, ein kleines 
Schlössohen, befindet sich im Orte Pecze-Szent- 
Märton. 



"^) 1802 wurden Horpdcs, Tüije und die 
Titularpropstei St. Johannes zu Jinoshida mit 
Csorna vereinigt. 



'^) Vielleicht als Jagdleopard 
anzusprechen. 

21 



„Gepard*» 



— 322 — 

34. Ambros (1707—1724—1735). 

Nach dem Tode des Abtes Franz erhielt dessen Brudersohn, Ambros von 
Schöllingen, die äbtliche Würde. Die Schuldenlast des Stiftes ^^*) wuchs immer 
höher an, und Ambros scheint nicht jene wirtschaftlichen Kenntnisse besessen zu 
haben um dieser drohenden Gefahr Herr werden zu können, obwohl er bereits 1710 alle 
ungarischen Propsteien bis auf Türje zu Geld gemacht hatte. Lelesz und Jaszo wurden 
um 100.000 fl., Promontor um 50.000 fl. an das Stift Klosterbruck, Csoma an 
Hradisch bei Oimütz abgegeben. Der Klosterrath legte im Auftrage Kaiser Karl VI. 
dem Abte von Geras, Michael Wallner, der als tüchtiger Ökonom und Wirtschafter 
bekannt war, einen Ersparungsplan zur Einsicht vor, welchem dieser auch beistimmte. 

Nachdem der Plan auch vom Kaiser genehmigt worden war, wurde Wallner 
mit der Goadministration betraut; weil aber diese noch nicht genügte, wurde Abt 
Michael 1724 die volle Administration der Temporalien übertragen. Abt Ambros, 
welchem die Leitung der Spiritualien belassen wurde, zog sich auf das eine Viertel- 
stunde von Pernegg entfernte Baystorf zurück. Er erhielt jährlich 400 fl., die Chor- 
herren je 200 fl. zur Sustentation. Abt Ambros starb am 27. Jänner 1735. 

Vom Abte Ambros ist noch ein Siegeltypar erhalten. Der mit der Mitra und 
dem Pastorale gezierte Wappenschild ist gespalten und zeigt vorne die Palme mit 
dem Bären, rückwärts das bereits beschriebene Geschlechtswappen der Schöllingen. 

Die Legende lautet: AMBBOSIVS • ABBT • ZV • PERNEGG • 

Rechts vom Hochaltare in einer Nische unter dem Oratorium ist an der Wand 
ein Stein mit dem Wappen der Schöllingen angebracht, welcher wahrscheinlich der 
Grabstein >®®) dieses Abtes sein dürfte. Der Bildhauer hat hier das Pell der Leoparden 
ganz deutlich mit Ringen belegt, um die Thiere als Leoparden kenntlich zu machen. 

Als Abt Michael 1729 starb, übernahm sein Nachfolger Abt Nikolaus Zandt 
die Verwaltung der Temporalien, welchen nach dem Tode Ambros auch die Spiri- 
tualien angeschlossen wurden. Nach langen Mühen gelang es endlich die Schulden 
so weit zu tilgen, dass wieder eine Abtwahl möglieh werden konnte. 



35. Peter (1746-1772), 

Am 25. Mai 1746 wurde Peter Grob n er, am 25. October 1706 zu Hom 
geboren, zum Abte gewählt. Er war ein sehr beliebter Herr, der, als er am 7. März 
1772 starb, allgemein betrauert wurde. 

Er erbaute die Kirche (St. Johann Nep.) zu Trabernreit, sowie die Kirche 



"•) Sie betrug nach Schweickhardts Angabe 
73.961 fl. 

««o) Die Peraegger Stiftskirche birgt noch 
zwei weitere Grabsteine, welche wir hier an- 
schließen wollen. 

Ein vor dem Norbertus- Altar im Jahre 1866 
entdeckter Grabstein trägt nach gütiger Mit- 
theilung F. A. iiks folgende Inschrift : 
„Hier ruhet der Wohledle gebome Herr Jacob 
Lampl, Herr von und zu Fransburg, Herr 
auf Haugsdorf, Oberfladnitz etc. Der Rom 



Kais. Mai. Batt und Beisitzer der N. ö. 
Landsrechten und dessen Frav Geroalin 
Frau Frau Elisabeth Ein Gehörne Magerin 
von Fuxstatt, so in Gott entschlaffen den 
I. November anno 1624 samt deren Frauen 
Schwier Hoch und Wohlgebomen Frau 
Anna Maria Lamplin Edle Ilorrin von 
Pransburg, eine geborne Herrin von Frain, 
so in Gott auch entschlafen 30. Nov. Anno 
16G1 Gott sei Inen gnädig und barmherzig. 
Amen.** 



323 — 



(St Niklas) und den Pfarrbof.zu Niklasberg, welche Pfarren 1756 und 1757 errichtet 
worden waren. 

Die letzte ungarische Propstei Türje wurde von ihm im Jahre 1747 um 8000 fl. 
an das Stift Hradisch verkauft. 

Sein SiegeP^^) enthält zwei ovale Wappenschilde, über welchen Mitra und 
Pedum angebracht sind. Das eine Oval zeigt in einem vom hl. Andreas gehaltenem 
Schildchen das Stiftswappen, Laubbaum und Bären, das andere das persönliche 
Wappen des Abtes (Tafel VIII), einen adlerartigen Vogel, welcher zu einer strahlenden 
Sonne emporblickt. Mit dem rechten Fuße hält der Vogel ein Schildchen mit den 
gekreuzten Schlüsseln des Namenspatrons des Abtes. Das Siegel trägt die Initialen 
P. G. und A. P. zu Seiten der Mitra. 

36. Leopold (1772-1783). 

Leopold Franz Ferdinand Silipp, geboren zu Wien am 23. September 1725, 
war am 11. September 1746 in den Orden eingetreten und wurde am 2. Juni zum 
Abte gewählt Das Stift hatte unter der Begierung Maria Theresias jährlich eine 
Unterstützung von 1000 fl. bezogen, welche aus dem sogenannten ^Kammerbeutel" 
angewiesen war. Kaiser Josef zog diese Anweisung zurück, und alle Vorstellungen 
des Abtes waren bei den damals herrschenden Verhältnissen vergebens. Abt Leopold 
entwickelte nicht nur einen großen Eifer für die Ordenszucht, sondern er war auch 
ein guter Ökonom, der trotz der entzogenen Summe einen kleinen Nothpfennig bei 
Seite legen konnte. Bei dem großen Klostersturme fiel aber auch das alte Stift 
Pernegg zum Opfer. Durch ein kaiserliches Decret vom 7. September 1783 wurde 
das Stift aufgehoben, und wie bereits bei Geras erzählt, mit Geras vereinigt. Die 
letzte Urkunde, welche in Pernegg ausgestellt worden war, ist ein Stiftsbrief ddo. 
12. Februar 1783.^82) 

Dem Stifte Pernegg gehörten zur Zeit der Auflösung 20 Personen an: 1 Abt, 
17 Chorherren, 1 Kleriker und 1 Novize.*") 

Abt Leopold wurde mit 1460 fl. jährlich pensioniert und zog sich nach Hörn 
zurück, wo er am 7. Februar 1787 das Zeitliche segnete. 

Sein Siegelbild'®*) zeigt ebenfalls das Stiftswappen, ganz ähnlich dem Bilde 
im Siegel seines Vorgängers, nur statt des Laubbaumes ist wieder die Palme zur 
Anwendung gekommen. Das persönliche Wappen des Abtes (Tafel VIII) bringt unter 
dem strahlenden Auge Gottes eine flugbereite Taube mit einem Ölzweig im Sehnabel, 
zur Darstellung. 

Zu Seiten der Mitra erscheinen die Initialien L S und A P. 



Vor dem Andreas-Altar liegt ferner der 
Grabstein des Chorherrn Peter Sinn, t 1773; 
das Todesjahr ist in einem zu jener Zeit so 
beliebten Cbronogramm wiedergegeben: 

^STA KT ora! sVm hoC enIM LapIDr 
reqVIes CIt petrVs sInn professVs kosteh". 

'"') Siegelsammlung des Haus-, Hof- und 
Staatsarchivs zu Wien. 



»8») Dr. Hoifer, S. 100. 

••') A. Zdk, ,,Die letzten Chorherren von 
Pernegg, 1894. Blätter für Landeskunde in 
Niederösterreich 

"^) Siegelsammlung des Haus-, Hof- und 
Staatsarchivs zu Wien. 



21* 



— 324 — 

Zum Schlüsse lassen wir noeh fär etwaige Interessenten ein Verzeichnis der 
vorhandenen Portrate der Äbte folgen, nebst Angabe des Ortes, wo solche auf- 
bewahrt werden. 

Die Bilder alier Äbte von Geras, mit Ausnahme des jetzigen Herrn Prälaten 
befinden sich im Stifte Geras, doch beginnen die authentischen Porträte erst mit 
dem Abte Benedikt. 1627. 

Außer diesem Bildercyklus sind noch vorhanden: 

Abt Friedrich Urtica im Pfarrhofe zu Blumau; 

Abt Nikolaus Zandt ebenfalls zu Blumau; 

Abt Paul Gratschmayr zu Blumau und im Schlosse Walkenstein; 

Abt Ignaz Höstelhofer in der Stiftsbibliothek zu Geras; 

Abt Hugo Pfenningbauer im Schlosse Walkenstein; 

Abt Peter Gröbner im Stifte Pernegg und zu Niklasberg, und 

Prior Johann Nep. Marcus im Stifte Geras. 

Von den Äbten Adolf Heisinger und Adrian Zach sind Kupferstiche vorhanden. 



Wir beenden hiemit unsere kleine heraldisch-sphragistische Studie Ober Geras- 
Pernegg und benützen zugleich die Gelegenheit dem hochwQrdigsten Herrn Prälaten, 
sowie den anderen Herren des Gonventes nochmals unsem herzlichsten Dank aus- 
zusprechen ftir die große Liebenswtirdigkeit, mit welcher sie dem Autor dieser 
Zeilen entgegen kamen. Besonders verpflichtet sind wir aber dem bekannten Historie- 
graphen und derzeitigen Cooperator zu Drosendorf, Herrn P. Alphons 2äk, welcher 
diese Arbeit angeregt und durch seine thatkräftige Unterstützung ermöglicht hatte 



"S7"e3rze±o"h -n ±s 

der 

Pröpste und Äbte von Geras und Pemegg. 



G^ e x> a> s. 



PrSpste. 

1. Mandevin (c. 1153—1160). 

2. Thielmann I. (1160-1179). 

Ibte. 

3. Paul I. (1179-1186). 

4. Dietmar (1186—1199). 

5. Friedrich I. (1199—1225). 

6. Johann I. (1226—1235). 

7. Florian (1235—1256). 

8. Ulrich (1256—1274). 

9. Johann H. (1274r-1277). 

10. Arnold (1277—1279). 

11. Konrad (1280—1298). 

12. Peter I. (1298—1305). 

13. Hermann I. (1305—1310). 

14. Gerhard (1310—1327). 

15. Bernhard (1327—1335). 

16. Johann III. de Nuss (1335 bis 
1342). 

17. Thielmann II. von dem Grod 
(1343—1348). 

18. Wilhelm I. (1348—1389). 

19. Johann IV. de Nuss (1389 bis 
1414). 

20. Thielmann IE. (1414-1432). 

21. Wilhelm n. (1432—1446). 

22. Friedrich H. (1446—1459). 

23. Johann V. (1459—1464). 



24. Oswald (1464-1485). 

25. Wenzel Rüpl (1486—1500). 
.26. Vincenz (1500—1502). 

27. Paul n. Linspaur (1502—1527). 

Infulierte Ibte. 

28. Erhard (1527—1547). 

29. Balthasar (1547—1557). 

30. Wenzel Johann Buepl (1557 
bis 1558). 

31. Gregor Setzenschragen (1558 
bis 1563). 

32. ürban Leeser (1563—1579). 
Baltbasar Polzmann, Administrator 

(1680-1584). 

33. Longin Haberler (1584— 1598). 

34. Johann VI. von Beyrer (1598 
bis 1615). 

Valentin Springel, Administrator 
(1615-1627). 

35. Benedikt Lacken(1627— 1632). 

36. Peter H. Herkardt (1632 bis 
1650). 

37. Johann VII. Westhaus (1650 
bis 1674). 

38. Friedrich HI. Urtica (1674 bis 
1693). 

39. Engelbert Hoffmayr (1693 bis 
1712). 

40. Michael Wallner (1713— 729). 



326 — 



41. Nikolaus Zandt (1730—1746). 

42. Paul III. Franz Xav. Gratsch- 
mayr (1746—1780). 

43. Andreas, Josef Hayder (1780 
bis 1786), t 1792. 

Franz Mohr, Commendatar-Abt (1786 
bis 1790). 

Johann Nepomuk Marcus, Admini- 
strator der Spiritualien (1786-1796), 
der Temporalien (1790—1797). 

Gottfried Ignaz Bauer, Administra- 
tor der Spiritualien (1796 — 1797). 

44. Ignaz, KarlHörstelliofer(1797 

bis 1813). 

Alois, Karl Benner, Administrator 
(1813-1814). 

45. Hugo,LaurenzPfenuingbauer 
(1814—1822). 

Administratoren (1823): 
Alois, Karl Benner. 
Josef Jakob Mayr. 



46. Hermann, Max Leopold Franz 
Hohenheiser (1823-1829-1840). 
Mari an Zwinger, Abt t. Melk, Admini"- 

strator d. T. (1829—1837) 
Wilbelm Eder, Abt Ton Melk, Admi- 
nistrator d T. (1838—1850). 
Peter Johann Bayer, Administrator 

d. Sp. (1840—1843). 
Franz KarlSchlegl, Administator d. 
Sp. (1843—1860); Sp. u. T. (1860 bis 
(1852). 

47. Adolf Job. Heisinger (1852 bis 
1859). 

Johann Bapt. Primisl, Administrator 

(1859). 

48. Julius Eduard Pich (1859 bis 
1888). 

Administratoren (1888—1889): 
Ämilian Johann Swoboda. 
Bichard Johann Hofegger. 
Ambros Johann Greger. 
Norbert Franz X. Berger. 

49. Adrian Lambert Zach (1889). 



IP © z? 3X e g g- 



PriSpstc des FraiicDstiffes. 

1. Engelbert (?— 1171). 
Administration durch den Propst von Geras : 
Thielmann (1171—1179). 



2. Konrad I. (?— 1276-1280). 

3. Ulrich (1280—1282). 
Administration durch den Abt von Geras: 

Konrad (1282—1 



?). 



4. Konrad II. (?— 1314— ?). 

5. Johann I. (V— 1327— 1338 

6. AVilhelni 1. (V-1348). 
Administration durch den Abt von Geras 

Wilhelm (1348-V). 

7. Thielmann (?- -1376— ?) . 



8. Hermann (?— 1381— 1399). 
(?)9. Johann II. de Russia (1399 
bis 1405). 
Administration durch den Abt von Geras: 
Johann de Nuss (1405—1412). 

10. Wilhelm II. (1412—1432). 
Administration durch den Abt von Geras: 

Wilhelm (1432-1446). 

11. Gerhard (?- 1449 -1460). 

12. Oswald (1400—1464). 

13. Nikolaus I. (UG4— 1482). 

14. Laurenz I. (1482—1505). 

15. Christoph I. (1505—1511). 

16. Christian Zarnwolf (1511 bis 
1515). 

17. Johann III. Kolb (1515—1520). 
Administration durch den Abt von Geras : 

Paul Linspaur (1520-1521). 

18. Thomas Scheerschneider 
(1521—1534—?). 

19. Gregor (?— 1542— 1547). 



327 — 



20. Coloman ßadt (1547—1551). 

21. Wenzel Johann Euepl (1551 
bis 1557). 

22. ürban Leeser (1558—1563). 

23. Christoph IL Weber (1563 bis 
1570). 

24. Mathias Leeser (1570—1582). 

Pröpste des Chorherreustlftes. 

25. Georg Sumperer (1582—1586). 
Johann Beyrer, Administrator 

(1686-?). 

26. Germann Kenzl (?— 1590). 

27. Johann IV. Beyrer (1591 bis 
1598). 

Infullerte Pröpste. 

28. Sebastian Fuchs (1599-160H). 
Administration durch den Abt von Geras : 

Johann von Beyrer (1608—1610). 



29. Valentin Springel (1610 bis 
1642). 

30. Norbert Dr. Bratiz (1642 bis 
1653). 

Administration durch den Abt von Geras: 
Johannes Westhaus (1653—1655). 

31. Laurenz II. Dr. Wei gl (1655 bis 
1657). 

32. Nikolaus IL Maister (1657 bis 
1677). 

Infullerte Ibte, 

33. Franz von Schöllingen 
^1707— 1677— 1707). 

34. Ambros v. Schöllingen 
(1707-1724—1735). 

Administration durch die Abte von Geras: 
Michael W all ner (1724— 1729). 
Nikolaus Zandt (1729—1746). 

35. Peter Gröbner (1746—1772). 

36. Leopold Franz Ferdinand 
Silipp (1772—1783), f 1787. 



Literatur. 



I. Instrumentum Notarii seriem Abbatum Monast. Geracensis inferioris Austriae ab anno 

1499 usque ad annum 1629 complectens. 
II. Sacri et canonici ordinis Praemonstratensis Annales. Von Karl Ludwig Hugo, Abt von 

l^stival. Zwei Bande. Nancy 1734, 1736. (Gerusium, 739—742 I.) (Pernetium 533— 646 H.) 

III. Privilegia Mona^terii Geracensis B. Mariae Virginis descripta sub Fr. J. W. Abbate 
ibidem etc. (Unter Johannes Westhaus 1650—1674 zusammengestellt, enthält auf 293 Seiten 
Urkunden von 1180—1742.) 

IV. Annalen des Stiftes Geras oder Stift Geraserisches Archiv, in chronologische Ordnung 
gebracht von P. Hieronymus Josef Alram. 3 Bände Mauuscript (I. Bd. — 1600, 302 Seiten; 
IL Bd. 1601—1674, 272 Seiten; HI. Bd. 1674—1780, 350 Seiten). 

V. Geschichte des Stiftes Pemegg, von P. Hieronymus Josef Alram. Manuscript in 2 Bänden. 

VI. Geschichte der ganzen ;österreichischen klösterlichen und weltlichen Klerisey beyderley 
Geschlechtes, von Marian.. Wien 1787, 1788. (S. 66—113, Vm. Bd., S. 93-103 u. 123 
bis 163, IX. Bd.) 

VII. Catalogus AA. RR. DD. Canonicorum Regularium Praemonstratensium in Collegiata 
Ecclesia ad D. Virginem Mariam Gerusii a Comite de Pemegg circa ann. 1165 fundata 



— 328 — 

continens seriem Praelatorum a tempore fundationis omnium eidemque incorporatanim 
parochiarum a tempore incorporationis et Profcssorum omnium a tempore resuscitationis 
ann. 1627. factae. Hom. Josef Hengsberger. 1796. 43 S, (Verfasser: P. H. Alram.) 
VIII. Urkundliche Geschichte der Prämonstratenser und ihrer Äbte zum hl. Vincenz in Breslau, 
von Franz X. Görlich. Breslau, Jos. Max et Comp. 1836, 1841. (Norbert Bratiz. II. Th., 
S. 67-81.) 
IX. Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Enns, von Schweickhardt v. Sickingen. 
IV. Bd., V. 0. M. B. Wien 1840. (S. 228—263, S. 274-286.) 
X. AUgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, von J. S. Ersch u. J. G. Gruber- 

(HL Sect., S. 156—160.) 1842. Art. „Pemegg'*. 
XI. Urkunden des Prämonstratenserstiftes Geras. Zusammengestellt und erläutert von Theodor 
Mayer, Bibliothekar in Melk. (Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. 
II. Jahrgang. Wien 1849. S. 1-62.) 
Xn. Die Abteien Niederösterreicbs, von J. Bapt. Hardtmuth. Wien 1862. Pichlers Witwe. 

XIII. Die Grafen Raabs, von Job. Wendrinsk^. (Blätter des Vereins für Landeskunde von 
Niederösterreich. Wien 1879. S. 118-152 u. ff.) 

XIV. Zur Geschichte von Geras und Pernek, von Dr. Berthold Hoffer, Capitular des Stiftes 
Melk und Professor am k. k. Ober- Gymnasium daselbst. Als Manuscript gedruckt. Wien 
1880. 

XV. Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereins zu Wien. XX. Wien 1881. S. 132—136. 
„Pemegg". 

XVI. Geschichte des Stiftes Geras, von Romuald Buhietl. („Ein Chorherrenbuch**, von Sebastian 
Brunner. S. 91—143.) Verlag von Leo Woerl, Würzburg-Wien 1883. 

XVII. Die Abtwahl in Geras. (St. Norbertus-Blatt, L Jahrg. 1889, Nr. 13, S. 11-12.) 
XVIII. Topographie von Niederösterreich. III. Bd. Wien 1890. (S. 367 - 420.) „Geras", von Anton 
Victor Feigel, k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivar. 
XIX. Zur Gründungsgeschiehte der Prämonstratenserstifte Geras und Pemegg, von P. Alphons 
^ak. (Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1891, S. 3—61.) 
XX. Catalogus Canonicorum Regularium sacri ac candidi ordinis Praemonstratensis Canoniae 
Gerusenae in Austria inf. Dioecesi S. Hippolyti. A. D. 1893. Prag. (Von P. Alphons Ääk.) 
XXI. Die letzten Chorherren von Pemegg, von P. Alphons 2dk. (Blätter des Vereines für Lan- 
deskunde von Niederösterreich. Wien 1894. S. 66—72.) 
XXII. Woher der Name Geras? (Ein Beitrag zur Ortskunde.) (Der Bote aus dem Wald viertel, 
Nr. 405. Hom, 1. November 1894.) 

XXIII. Daher — der Name Geras! (Ein Beitrag zur Ortskunde, von F. X. Kg.) (Der Bote aus 
dem Waldviertel, Nr. 406. Hom, 15 November 1894.) 

XXIV. Die Chorfrauen von Pernegg, von P. Alphons 2äk. Niederösterreichischor Landesfreund. 
Baden 1895. 

XXV. Special-Cataloge des Stiftes Geras von den Jahren: 1756, 1767, 1771, 1780, 1790, 1798, 
1806, 1815, 1825 und 1826 (1796 und 1893 bereits oben angeführt). Ferner die Cataloge 
der österreichischen Prämonstratenserstifte 1837 (S. 71—80), 1853 (S. 15 26) und 1894 
S. 7—9). 

Auch die Diöcesan-Schematismen, die Geschichte des Bisthums St. Polten, das Necro- 
logium „Misereminis" , die Bibliographie (1889) und die Glockenkunde „Hosanna" ent- 
halten manche Notizen zur Geschichte von Geras und Pemegg. 



329 — 



Inhalt der Tafeln. 



Tafel I. 
Ansicht des Prämonstratenserstiftes Geras nach der neuesten Aufnahme des Photographen A. Helm 
in Wien (f), gezeichnet von Willibald Schulmeister. 

Tafel II. 

Fig. 1. Conventsiegel des Stiftes Geras. Nach einem Original im Archiv zu Geras, an einer Ur- 
kunde von 1527. 

Fig. 2. Siegel des Abtes Ulrich (1256—1274). Nach einem Original im k. u. k. Haus-, Hof- und 
Staatsarchiv zu Wien, an einer Urkunde von 1271. 

Fig. 3. Siegel des Abtes Gerhard (1310 -1327). Nach einem Abguss in der Smitmer'schen Samm- 
lung des k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs zu Wien, bezeichnet „Gerardi 1314". 

Fig. 4. Siegel des Abtes Thielmann II. (1343—1348). Nach einem Original im Archiv zu Geras, 
an einer Urkunde von 134C. 

Fig. 5. Siegel des Abtes Wilhelm II. (1432—1446). Nach einem Original im Archiv zu Geras, an 
einer Urkunde von 1433. 

Fig. 6. Siegel des Abtes Friedrich IL (1446 1459). Nach einem Abguss in der Smitmer'schen 
Sammlung des k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs zu Wien, bezeichnet „Friderici 1434". 

Fig. 7. Siegel des Abtes Oswald (1464 - 1485). Nach einem Abguss in der Sammlung Wilhelm v. 
Rallys, derzeit im Besitz des Museums Francisco-Carolinums in Linz. Dem Jahre 1466 zu- 
gewiesen. 

Fig. 8. Siegel des Abtes Paul IL Linspaur (1602-1527). Nach einem Original im Archiv zu Geras, 
an einer Urkunde von 1507. 

Fig. 9. Capitel-Siegel des Stiftes Geras, Typar derzeit noch im Gebrauch. 

Tafel ni. 

Fig. 1. Siegel des Abtes Erhard (1527 1547). Nach einem Original im Archiv zu Geras, an einer 
Urkunde von 1527. 

Fig. 2. Siegel des Abtes Balthasar (1547—1557). Nach einem Original im Archiv zu Geras, an einer 
Urkunde von 1551. 

Fig. 8. Conventsiegel des Stiftes Pemegg. Nach einem Original im Archiv zu Geras, an einer 
Urkunde von 1464. 

Fig. 4. Propsteisiegel des Stiftes Pemegg. Nach einem Original im Archiv zu Geras, an einer Ur- 
kunde von 1464. 

Fig. 5. Siegel des Propstes Johann Bejrer von Pemegg (1591 — 1598). Nach einem Original im 
Archiv zu Geras, an einer Urkunde von 1593. 

Tafel IV. 
Copie des Wappens von Geras. Nach dem Original-Wappenbrief von 1542 im Archiv zu Geras. 
Wappen des Abtes Peter 11. Herkardt (1632-1650). 
, „ „ Johann VII. Westhaus (1650-1674). 

Tafel V, 

Wappen des Abtes Friedrich III. Urtica (1674-1693). 
„ ^ , Engelbert Hoflfmayr (1693-1712). 
^ „ „ Michael Wallner (1713—1729). 
n n V Nikolaus Zandt (1730-1746). 
, „ „ Paul HL Franz Xav. Gratschmayr (1746—1780). 
„ „ r, Andreas Josef Hayder (1780 - 1780) 



— 330 - 

Tafel VI. 
Wappen des Abtes Ignaz Karl Hörstelhofer (1797—1818). 

„ r, ^ Hugo Laurenz Pfeningbauer (1814—1822). 
' „ » „ Hermann II. Max Hohenheiser (1823—1829-1840) 
fi , „ Adolf Johann Heisinger (1862—1869). 
„ JuUus Eduard Pich (1869 - 1888). 
Wappenentwurf für den Abt Adrian Lambert Zach (seit 1889). 

Tafel Vn. 

Ansichten der Pramonstratenser-Chorherrenstifte Geras und Pemegg. Nach Georg Mathias Yischera 
Topographia Archiducatus Austriae. 1672. 

Tafel Vm. 
Wappen des Propstes Valentin Springel (1610 - 1642). 
« n „ Norbert Bratiz (1642—1663). 

n n n > Späteren Abtes Franz von Schöllingen (1677 — 1707). 

Wappen des Abtes Ambros yon Schöllingen (1707 - 1736). 
„ Peter Gröbner (1746—1772). 
„ „ „ Leopold Franz Ferdinand Silipp (1772—1783) 



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©ERAS u. PeRNEGG 




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COPIE DES WAPPENS IM WAPPENBRIEFE VON 1542. 





PETER H. 



JOHANN "ZII. 



IV. 



©ERAS 





FRIEDRICH m. 



ENGELBERT 





NICOLAUS 




PAULm. 



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ANDREAS 



V. 



©ERAS 




IGNÄZ 




HERMANN H. 





HUGO 



JULIUS 




VI. 



Geras lt Pernegg 




MI. 



Pernegg 




PETRUS 



LEOPOLD 



VDI. 



Wappenzeiehnongen Hans Baldong Sriens in Gobbrg. 

Ein Beitrag 

zur Biographie des oberrheinischen Meisters. 

Von 

Sr. ZSoloert Stiaeezi3r. 



Auf der Münchener Ausstellung 1876, die von Kunst- und Kunstgewerbe der 
Deutschen Benaissance das erste Gesammtbild gegeben hat, waren in der Abtheilung 
„Unserer Väter Werke" unter anderen heraldischen Prachtstücken 39 Blatt Wappen- 
zeichnungen von dem Straßburger Maler Hans Baidung Grien zu sehen. Der lange 
verschollene Name des Meisters, den ein humanistischer Zeitgenosse, Beatus Bhenanus, 
mit Dürer, Holbein, Cranach unter den Größten des XVI. Jahrhunderts nennt, war 
eben damals wieder lebendig geworden. Im Hochaltare des Münsters zu Freiburg 
im Breisgau, in zahlreichen Tafelbildern, Holzschnitten, Zeichnungen hatte man eine 
schöpferische Begabung ersten Banges, eine der stärksten und eigenartigsten Künstler- 
persönlichkeiten seiner Zeit kennen gelernt. Im Sinne dieser Zeit, die auch das Hand- 
werk zur Ausstattungskunst erhob, hat der phantasievolle Bheinschwabe es nicht 
verschmäht, decorative Aufgaben zu übernehmen und fllr die Kleinkunst Vorbilder 
zu Uefern. Schon 4ie Titeleinfassungen, die er gelegentlich als Buchillustrator entwarf, 
streifen dieses Gebiet. Eine besondere Fruchtbarkeit entwickelte er aber als Zeichner, 
„Visierer", fllr Glasgemälde und auf diese Seite seines Kunstschaffens fiel zuerst 
durch die in München — irrigerweise als Schweizer Arbeiten — ausgestellten 
Wappenzeichnungen näheres Licht. Sie gehörten zu einer Folge von Scheibenrissen 
im herzoglichen Kupferstichcabinet auf der Veste Coburg. Friedrich 
Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750—1806), der Großvater des kürzlich ver- 
storbenen Herzogs Ernst IL, hatte das halbe Hundert Blätter mit der übrigen Sammlung, 
vermuthlich durch einen seiner beiden Hauptlieferanten, Frauenholz m Nürnberg 
oder Artaria in Mannheim, erworben. Der Stempel, den die Zeichnungen tragen, 
ist aber der des Ernst Albert-Museums, einer in den Dreißigerjahren unseres Jahr- 



— 332 — 

hunderts von dem jungen Erbprinzen Ernst und seinem Bruder, dem nachmaligen 
Gemahl der Königin von England, angelegten Studiensammlung, über die Theodor 
Martin, The life of the prince consort (London 1880, I, 8), berichtet. 

Eine kleinere Eeihe Baldung'scher Wappenskizzen, 20 an der Zahl, die mit 
der Coburger Gruppe in engem Zusanmienhaug stehen, war zu Beginn der Sieben- 
zigerjahre aus London der Pariser Firma Danslos & Delisle zugegangen; 1873 kaufte 
sie der Wiener Kunsthändler Alexander Posonyi, um sie im selben Jahre der erz- 
herzoglichen Sammlung Albertina zu überlassen. Diese Serie hat Alfred Grens er im 
VIL Bande der heraldisch-genealogischen Zeitschrift des Vereines „Adler" (1877) mit 
einem sachkundigen Begleittexte publiciert. Aus der Coburger Folge aber, die, vom 
Karlsruher Skizzenbuche abgesehen, überhaupt den größten, an einem Orte ver- 
einigten Bestand von Handzeichnungen Baidungs darstellt, sind bisher nur drei 
Proben in Friedrich Wameckes „Musterblätter flir Künstler und Kunstgewerbe- 
treibende" (Berlin 1880) an die Öffentlichkeit getreten. Durch die Liberalität Sr. kgl. 
Hoheit des regierenden Herzogs Alfred von Sachsen-Coburg und 
Gotha und das Entgegenkommen des Directors der herzoglichen Sammlungen, Herrn 
geh. Hofraths Roth hart, in die Lage versetzt, diese Blätter im Kupferstichcabinete 
der k. k. Hofbibliothek einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen, gebe ich im 
Nachstehenden ein kritisches Verzeichnis der Folge und theile mit Genehmigung 
des erlauchten Besitzers eine Auswahl der bemerkenswertesten Stücke in verkleinerten 
autotypischen Nachbildungen mit. Über die mh* noch nicht aus eigener Anschauung 
bekannt gewordenen Originale verdankte ich Herrn Dr. Edmund Benard in 
Köln eine wertvolle erste Orientierung. Der Keproduction der Blätter, die durch die 
Kunstanstalt C. Angerer & Göschl erfolgte, hat in Vertretung des Ausschusses der 
k. k. heraldischen Gesellschaft „Adler" Herr Alfred Anthony Bei chsritter von 
Siegenfeld seine angelegentliche Fürsorge zugewendet. 



Von den monumentalen Bildercyklen, mit denen sie im Mittelalter die Kirchen- 
fenster geschmückt hatte, begann sich die deutsche Glasmalerei im letzten Viertel 
des XV. Jahrhunderts auf die Herstellung kleinerer Scheiben zurückzuziehen und 
als „Cabinetsmalerei" auch im Profanbau Eingang zu finden. Kirchlichen Werken 
und weltlichen Stiftungen gemeinsam war die Vorli