Skip to main content

Full text of "Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie. Beilage-Band"

See other formats


This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that 's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non-commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't off er guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
any where in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's Information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books while helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at |http : //books . google . com/ 



f 




Digitized by 



Google 



CAMBRIDGE ^ 
MASS. ' 



kF^ 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Neues Jahrbuch 



für 



Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. 

Unter Mitwirkung einer Anzahl von Fachgenossen 
herausgegeben von 



M. Bauer, B. Koken, Th. Liebisch 

in Marburg. in Tttbingen. in Göttingen. 



XTI. Bellage-Band. 

Hit XVm Tafeln und 118 Figuren. 




STUTTGART. 

E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Nägele). 

1903. 

Digitized by 



Google 



Alle Rechte vorbehalten. 



Draok Ton Oarl Ghrüalnger, K.Hofbaohdniokerel Zu Gntanberg (Klatt k H*rtin«nn), Stuttgart. 



Digitized by 



Google 



Inhalt. 

Seite 

Baltzer, A.: Die granitischen Intrasivmassen des Aar- 
massivs. (Mit Taf. XIII— XVI und 7 Figuren.) . 292 

Bodmer-Beder, A.: Petrographische Untersuchungen 
von Steinwerkzeugen und ihrer Rohmaterialien aus 
schweizerischen PfahlbaustÄtten. (Mit Taf. III— VI.) 166 

Crammer, H.: Das Alter, die Entstehung und Zer- 
störung der Salzburger Nagelfluh 325 

Geinitz, E.: Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

(Mit Taf. I und 22 Figuren.) 1 

Leonhard, B.: Geologische Skizze des galatischen 

Andesitgebietes nördlich von Angora. (Mit Taf. 11.) 99 

Linck, G.: Die Bildung der Oolithe und Bogensteine 495 

Milch, L.: Die Ergussgesteine des galatischen Andesit- 
gebietes (nördlich von Angora) 110 

Mügge, 0.: Die regelmässigen Verwachsungen von 

Mineralen verschiedener Art. (Mit 82 Figuren.) . 335 

Nopcsa jun., F. v. : Neues über Compsognathus. (Mit 

Taf. XVII. XVm und 4 Figuren.) 476 

Schultz, W.: Beiträge zur Eenntniss der Basalte aus 
der Gegend von Homberg a. Efze. (Mit Taf. IX 
—XII und 3 Figuren.) 241 

Sturm, F.: Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 

1901. (Mit Taf. VII und VIII.) 199 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



/' ^ 



' ^^\^^ 



{ 



^- '^Z • . .. r.,'- ... ■' "^ +<>^''^ 



l 



Neues Jahrbuch 



für 



Mineralogie, Geologie und Palae'ontelogie. 

Unter Mitwirkung einer Anzahl von Fachgenossen 
herausgegeben von 

M. Bauer, E. Koken, Th. Liebisch 

in Marburg. in Tübingen. in Göttingen. 

XTI. Beilage-Band. 



Erstes Heft. 

aiit Taf. I-\l und 22 Figuren. 




STUTTGART. 

E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Nägele). 

1903. 



Digitized by 



Google 



In der S. Sohweizerbart'schen Veriagshandlung (E. Näsele) 
in Stuttgart erscheint: 

Centralblatt 

fUr 

Mineralogie^ Geologie und Palaeöntologie 

in Verbindung mit dem 

Neuen Jahrbuch für Mineralogie, 6eoiogie und Palaeöntologie 

lierausgegeben von 

M. Bauer, E. Koken, Th. Liebisch 

in Marburg. in Tübingen. in Göttingen. 

Jährlich erscheinen 24 Nummern. Preis Mk. 12.—. =:=: 

Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erjialten das Centralblatt unberechnet. 

Infolge der reichlich einlaufenden und vielseitigen Beiträge erfreut 
sich das „Centralblatt^ des stetig wachsenden, lebhaften Interesses aller 
Fachkreise des In- und Auslandes, ein Beweis, welche lang empfundene 
Lücke es ausgefüllt hat. 

Trotz des reichlichen Stoffes können in eiligen Fällen Briefiiclio 
Mittheilungen ctc, innerhalb 14 Tagen, von einer zur andern Nummer, 
pubiicirt werden. 

Ferner finden Anzeigen bezüglich Assistentensteiien oder sonstige 
Bekanntmachungen, Annoncen über Sammlungen, neu erschienene Fach- 
literatur etc. etc. durch das „Centralblatt*^ die schnellste und weiteste 
Verl}reitung. 

Die 

Ammoniten des Schwäbischen Jura 

von 
Fr. Aug. Quenstedt. 

Band I— III, 

Mit 1140 Seiten in 8» und 126 Tafeln in Folio. 

Preis für Band I— m statt Mk. 210.-~ Jetzt Mk. 120.— . 

Das 

vicentinische Triasgebirge. 

Eine geologische Monographie 

von 
Dr. Alex. Tornquist, 

a. 0. Professor an der Universität Strassborg. 

Herausgegeben mit Unterstützung der Egl. Preuss. Akademie der Wissen- 
schaften zu Berlin. 
195 S. gr. 8°. Mit 2 Karten, 14 geologischen Landschaftsbildern, 2 sonstigen 
Tafeln und 10 Textfiguren. — Preis Mk. 12.—. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Von 

E. Geinitz in Rostock. 

Mit 22 Textfiguren und 1 Karte. 



I^^^al^- Seite 

Vorbemerkungen 1 

^Erste und dritte Eiszeit 9 

Fossilfuhrende Diluvialablagerungen Norddeutschlands und Däne- 
marks 19 

1. Limnische Ablagerungen 19 

a) Präglacial 19 

a. Flussablagerungen 19 

ß. Ausfüllung von Seeniederungen (Süsswasserkalke, 

Diatomeenerde) 22 

Zusammenfassung 26 

^ b) Interglacial 26 

«. Torflager 26 

ß, Diatomeenlager 42 

y. Lager mit Süsswasserconchylien 45 

(F. Diluviale Säugethiere 52 

2. Marines Diluvium 56 

a. Cimbrische Halbinsel 56 

Zusammenfassung 81 

ß. Provinz Preussen 86 

Zusammenfassung 94 

Übersichtstabelle 97 

Ortsverzeichniss 97 

Zusätze 98 

Vorbemerkungen. 

Betrachtet man die verschiedenen Versuche einer Gliede- 
rung des nordeuropäischen Diluviums und einer Einreihung der 
einzelnen Aufschlüsse in ein gewähltes Eintheilungsschema, so 

N. Jahrbach f. Mineralogie etc. Beilageband XYI. 1 



Digitized by 



Google 



2 E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

trifft man nach jeder Richtung hin auf verschiedene Auf- 
fassungen: Schon die Anzahl der Olacial- und Interglacial- 
Zeiten, ebenso ihre Werthigkeit, dann ihre Parallelisirung 
bereitet Schwierigkeiten, benachbarte und nach ihrem Inhalt 
yermuthlich zusammengehörige fossilffihrende Schichten werden 
von den verschiedenen Autoren verschieden taxirt, ein Auf- 
schluss wird von dem einen als interglacial bezeichnet, während 
andere die Einlagerung oder Bedeckung durch Sand oder 
Geschiebemergel nur als locale Erscheinung erklären u. a. m. 

„Die verhältnissmässig milden Zwischenzeiten, in denen 
(bei dem Streit zwischen Vereisung und Abschmelzen) die 
Abschmelzung siegreich war und das Eisgebiet sich wesentlich 
verkleinerte", die „Interglacialzeiten", hält man meist für 
lange Continentalzeiten (am Anfang und Ende kühl, in der 
Mitte z. Th. mit Steppen- und Wtistenbildungen) , in denen 
sich das Eis ^bis in die fernsten Hochthäler Skandinaviens 
zurückgezogen hatte" und in denen ein noch etwas milderes 
Klima als das heutige herrschte, gegenüber dem arktischen 
Klima der Eiszeiten. 

Die neueren Quartärforschungen haben folgende Nach- 
weise geliefert: 

Für Schweden wurde gezeigt, dass dort die Eiszeit eine 
einheitliche, nicht von Interglacialzeiten unterbrochene Er- 
scheinung war. 

Die Untersuchungen der südbaltischen Endmoränen haben 
gelehrt, dass dieselben nicht die eigentliche Grenze der 
^letzten" Eiszeitablagerungen darstellen, sondern nur Rück- 
zugsetappen sind; dass der „jüngere baltische Eisstrom" in 
der wunderlichen Zungenform, die de Geer angenommen hatte, 
nicht existirt hat. 

Die „erste Eiszeit" hatte eine geringere Ausdehnung 
ihrer Ablagerungen als die „zweite oder Hauptvereisung", 
die „dritte Eiszeit" wieder eine geringere als die zweite, 
ganz entsprechend dem allmählichen Anschwellen und nach- 
herigen Wiederabnehmen eines Phänomens (Schulz, der 
vier Eiszeiten annimmt, sagt, dass die letzte den Boden 
Skandinaviens nicht mehr verlassen habe). 

Die Ansichten über die Werthigkeit des „oberen" und 
„unteren" Geschiebemergels resp. Diluviums überhaupt haben 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 3 

sich mehr und mehr geklärt za ßansten einer Erweiterung 
des Umfanges des „oberen". 

Andererseits vergrösserte sich die Zahl der Funde von 
fossilftihrenden „Interglacialschichten" . 

Noch darf daran erinnert werden, dass in den nördlichen 
Districten die Abtragung vorgeherrscht hat, in den mittleren 
die Accumulation , im südlichen Randgebiet besonders fluvio- 
glaciale Bildungen (der vielgestaltige Wechsel von Sedimenten 
und Moränen ist bekannt, von Interesse die durch Jentzsgh 
gemachte Beobachtung, dass im mittleren Gebiet die Sedimente 
an Mächtigkeit dem Moränenmaterial etwa gleichkommen). 

Nicht die ganze Moränenmasse bewegte sich als Einheit, 
sondern nur noch die oberen Partien; auch an die Innen- 
moränen ist weiter zu denken. Besonders an den jeweiligen 
Eisrändern wird eine sehr mannigfaltige OscUlation statt- 
gefunden haben, daher häufiger Wechsel von Sedimenten und 
Moränen, daher weiter der seitliche Übergang (Verzahnung) 
von Geschiebemergel in Thon oder Grand. 

Gletschereis und ebenso Eisschollen und Packeis werden 
vielfache Schichtenstörungen und Stauchungen, Verschleppun- 
gen u. a. m. verursacht haben. 

Trägt man allen Thatsachen und besonders auch den 
stratigraphischen und geographischen, sowie faunistischen und 
floristischen Verhältnissen der fossilflihrenden Schichten Rech- 
nung, so wird man zu dem Schlüsse gedrängt, dass auch für 
das südliche Gebiet der nordeuropäischen Vereisung das 
ganze Diluvium (Quartär) als eine einheitliche, nur 
von Oscillationen unterbrochene Folge zu betrachten ist, 
mit anderen Worten, dass man annehmen muss, es hat nur 
eine Eiszeit existirt, statt der drei (oder vier) Eiszeiten mit 
ihren zwischenliegenden warmen Interglacialzeiten langer 
Dauer, dass also die wirklich intramoränen Profile nur auf 
grössere Oscillationen des Eisrandes, nicht auf völlig eisfreie 
Zeiten zurückzuführen sind^ 



^ Für die Begründung der Annahme mehrerer durch Interglacialzeiten 
getrennter Glacialepochen bleibt schliesslich nar noch das Festhalten an den 
astronomischen Erscheinungen übrig, welche man zur Erklärung der Eiszeit 
(Eiszeiten) herangezogen hatte und denen zu Liebe man die Anzahl der 
Eiszeiten eventneU noch vergrössem möchte. 

1* 



Digitized by 



Google 



4 £. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 

Eine wichtige Rolle spielten vor, während und nach der 
Eiszeit die Niveauschwankungen und Dislocationen. 

Hierbei kommen einmal die Aufwölbung der skandinavischen 
archäischen Platte, sowie Schollenbrüche u. dergl. in Deutsch- 
land und sodann auch der Eisdruck als wesentliche Factoren 
in Frage. 

Holst hat kürzlich auf die letzteren Verhältnisse Nachdruck gelegt ^ 
indem er folgendes zur Erwägang stellt: Die präglaciale Erhehnng 
Skandinaviens ist unzweifelhaft (vergl. auch Huodlbston, On the eastern 
margin of the north atlantic hasin. Geol. Mag. 1899). Skandinavien muss 
zu Beginn der Eiszeit ganz erheblich (bis zu 2000 m) höher gelegen haben, 
als gegenwärtig und das ist nach Holst auch die einzige Ursache der 
Eiszeit überhaupt. 

„Skandinavien unter der Eisbelastung kann mit einer zusammen- 
gedrückten Feder verglichen werden : Wenn die Belastung aufhört, strebt 
das Land seine ursprüngliche Lage wieder einzunehmen. Dadurch erklärt 
sich die grosse Geschwindigkeit, mit der sich das Land am Schlüsse der 
Eiszeit hob." Ausser einer gewissen Elasticität der Erdkruste kommen 
für die Beweglichkeit noch die vielen Dislocationen in Betracht. 

Dass das mittlere Schweden von den Niveauschwankungen, welche 
den südlichen Theil des Landes ergriffen, nicht betroffen worden ist, erklärt 
sich so, dass das südliche Schweden, als es von Eis befreit wurde, sich hob 
und zu oscilliren begann, während das Inlandeis dauernd das mittlere 
Schweden in Senkung hielt. Es fand ein deutlicher Zusammenhang zwischen 
dem Druck des Landeises und Senkung des Landes, sowie zwischen Druck- 
entlastung und Hebung statt (am Eiscentrum musste natürlich der Druck 
am grössten gewesen sein; hiermit stimmen die Senkungscurven überein, 
welche von S. nach N. oder von 0. nach W. ansteigen, bis zu dem höchsten 
Werth von 280 m). 

Nach Holst hatte die skandinavische Landerhebung' noch im Ge- 
folge, dass das Meer zwischen Grönland und Skandinavien zu einem Mittel- 
meer umgewandelt wurde, welches mit dem atlantischen nur durch die 
Shetlandsrinne verbunden war; dadurch musste der Golfstrom südlich und 
westlich von Grossbritannien abgelenkt werden und seine wärmespendende 



' Holst, Bidr. Kännedom Östersjöns och bottniska Vikens Postglac. 
Geologi. Sv. Geol. ünders. C. 1899, p. 180. 

' Zu bemerken ist noch, dass die erhobenen Theile: Skandinavien, 
Grönland und Nordamerika die grössten Gebiete des Archäicums sind. 
Holst sagt nun: Zur Silurzeit war Skandinavien theilweise von Meer 
bedeckt, aber seither stieg es über dasselbe und hat vielleicht bis zum 
Ende der Quartärzeit fortgefahren, sich zu heben. Die Erdrinde gab der 
Belastung durch Sedimente nach, viele Verwerfungen liegen an der Grenze 
von archäischem und cambro-silurischem jüngeren Gebirge. Dieser Senkung 
entsprach eine Hebung an anderen Stellen, besonders im Urgebirge. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 5 

Wirkung auf das mittlere Europa beschränken (daher das dortige mildere 
Klima zur Präglacialzeit). 

Holst bemerkt, dass die Erscheinungen, welche das Auf- 
treten einer Inlandeisbedeckung begleiten, so tiefgreifende und 
mannigfache Veränderungen mit sich fuhren, dass eine Eiszeit 
nicht so zu sagen unbemerkt kommen und gehen kann, ohne 
die augenscheinlichsten Spuren zu hinterlassen; diese An- 
schauung steht daher in scharfem Gegensatz zu der inter- 
glacialistischen. 

Dem Einwand, dass hierdurch die Vereisungen der mitteleuropäischen 
Gebirge nicht zu erklären wären, erwidert Holst, dass diese peripherischen, 
kleineren Vereisuugsgebiete möglicherweise direct verursacht sein können 
durch die allgemeine Temperaturerniedrigung, welche das nordeuropäische 
Inlandeis hervorrief. Einen zweiten Einwand könnten die ausser den 
glacialen auch noch im Spät- und Postglacial vorkommenden Niveau- 
veränderungen liefern: Die glacialen und postglacialen Senkungsfelder 
fallen zusammen, aber die Grösse der Senkung war verschieden, und zwar 
betrug die glaciale 280 m, die AncyluS'Senkuug 200 m, die der Litorina- 
Zeit ca. 100 m. 

Dies weist auf eine gemeinsame Ursache: das Aufhören 
des Eisdruckes. Das skandinavische Senkungsgebiet gerieth 
in eine schwingende Bewegung, „das betreffende Gebiet, etwas 
tiefer gesenkt als bis zur glacialen marinen Grenze, hebt sich 
jetzt erst einmal, gerade als das Eis verschwindet (spätglaciale 
Hebung); es senkt sich von neuem {Ancylus-Zeit mit den 
höchsten -4ncyZw5-Strandwällen) ; aber es hebt sich von neuem 
und senkt sich schliesslich zum dritten Male zu der durch 
die höchsten ii^orina-Strandwälle angegebenen Grenze. Die 
hierauf folgende Hebung dauert z. Th. noch an. 

Die „präglaciale" Senkung der Nordseerandgebiete Jüt- 
lands und der Eibmündung, sowie der Elbinger Gegend (welche 
nach der ersten allgemeinen Hebung eingetreten sein müsste) 
kann vielleicht mit der inzwischen schon beginnenden Senkung 
der centralen skandinavischen Areale in Zusammenhang ge- 
bracht werden; sie ist für diese Gebiete als die Einleitung 
zur Eiszeit anzusehen. 

In Skandinavien hat nachweislich schon während der 
Vereisung eine theilweise Senkung ihren Anfang genommen, 
Schwankungen haben bis zum Schluss gedauert; dasselbe ist 
im W. und NO. des Südbalticums wahrscheinlich. 



Digitized by 



Google 



g £. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Es boten sich somit in der verschiedensten Form dem 
Meere offene Stellen, wohin Strömungen gelangen und 
ihren klimatischen Einfluss auf Ablagerungen S wie 
auf die Landumgebung ausüben konnten. So wird einerseits 
eine kalte Strömung (aus dem Weissen Meer oder aus NW.) 
Klima und Fauna arktisch-nordischen Gepräges (mit häufig 
beobachteter Beimischung von Nordseeformen!), andererseits 
der Zutritt des Golfstromes erneute Temperaturerhöhung mit 
sich gebracht haben. Wechselnde Absperrung des Meeres- 
zuganges musste einen Wechsel dieser Verhältnisse ver- 
ursachen. 

Über das Klima des Quartärs giebt uns die Diluvial- 
Fauna und -Flora Auskunft: Man sagt gewöhnlich, dass es 
„subarktische und arktische Pflanzen sind, die die Flora der 
Glacialzeiten kennzeichnen, während in den Interglacialzeiten 
in unser Gebiet die Pflanzen des gemässigten und selbst eines 
wärmeren Klimas eindrangen, als gegenwärtig hier herrscht** 
(Weber). 

Die diluviale Säugethierfauna ist eine gemischte, 
aus nördlichen und südlichen Formen zusammengesetzt. Beide 
waren durch das vordrängende Eis zum Wandern gezwungen, 
viele werden dem rückweichenden Eis sofort wieder nach- 
gefolgt sein. Ihr Vorkommen kann also weder für ein rauhes, 
noch für ein mildes Klima beweisend sein. Die massenhaften 
Vorkommnisse, von W. bis 0. verbreitet, zeigen, dass die Thiere 
an Ort und Stelle Nahrung gefunden haben müssen, dass in 
dem betreffenden Gebiet also nicht durchgängig arktische 
Verhältnisse herrschten, sondern dass die Gletscher sich in 
Gegenden vorschoben, welche noch eine genügende Pflanzen- 
decke trugen, wenn dies auch nicht gerade überall „grünende 
Gefilde** waren. Auch der postglaciale Löss zeigt neben den 
arktischen Formen Thiere wärmerer Klimate. 

Auch bei den marinen Mollusken waren Wanderungen 
möglich. Etwaige Klimawechsel, die aus der Folge der 
Mollusken eines einheitlichen Aufschlusses geschlossen werden 

^ Vergl. z. B. die Annahme, dass bei Marienwerder Geschiebemergel 
über den Meeresgrund oder doch über eine mnschelreiche Meeresschicht 
vorwärts geschoben wurde. Bisweilen sind auch in marinen Interglacial- 
ablagerungen die Wirkungen von Eisbergen constatirt. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. ^ 

können (auch die Thatsache wird keine Schwierigkeit bereiten, 
dass gleichalte Ablagerungen verschiedenen Klimacharakter 
zeigen können — die eine kann aus dem Anfang, die andere 
aus der Mitte des betreffenden Zeitalters stammen — ), zu- 
gegeben, müssen doch auch als ebenso wichtig die localen 
geographischen Verhältnisse berücksichtigt werden : Ein 
freierer Zutritt des Meereswassers ermöglichte den höheren 
Salzgehalt, brachte aber auch kalte oder warme Wasser- 
mengen herbei und damit deren Fauna; bei der complicirten 
archipelartigen Landcontur konnten Meeresströmungen z. Th. 
auch auf local beschränktem Baum theils die arktische Fauna 
und Flora, theils die sogen. Nordseefauna weithin führen (die 
sogen, „boreale Transgression** war durch den Golfstrom 
beeinflusst). 

Die Binnenmollusken zeigen theilweise einige Formen 
wärmeren Klimas, sind aber im übrigen wenig von Belang. 

Von der „Flora der Glacialzeiten" ist uns naturgemäss, 
abgesehen von einigen in Sauden eingeschwemmten nordischen 
Moosen nichts überliefert. Die bekannte Dryas-FlorsL findet 
sich im Spätglacial; sie herrschte unmittelbar am Eisrande 
und auf dem soeben vom Eis verlassenen Boden, ihr folgen 
ohne Unterbrechung die übrigen Floren. Ebenso, wie sie vom 
Eise aus N. verdrängt worden war, wanderte sie wieder 
nach N. zurück (unter Hinterlassung etwaiger Relicten). Ihre 
Fundpunkte geben nur die Orte an, wo einmal der Eisrand 
gestanden hat, das ist eben unser ganzes Glacialgebiet (diese 
verschiedenen Fundpunkte sind natürlich nicht absolut gleichalt). 

Die übrige prä-, inter- und postglaciale Flora zeigt 
überall den Charakter des noch heutigen Klimas, mit einigen 
Anklängen an eine geringe Erhöhung (Brasenia, die aber 
zusammen mit der noch heute weit verbreiteten StraUotes 
vorkommt und deren Bedeutung nicht übertrieben werden darf). 

Fauna und Flora des Quartärs entsprechen also 
dem heutigen, nur um wenig verbesserten Klima; die 
arktischen Formen sind als Eindringlinge zu betrachten, 
die, sobald es ihnen möglich wurde, wieder auswanderten 
(im nordöstlichen Gebiet der „borealen Transgression" ist das 
Verhältniss umgekehrt, dort sind die gemässigten Formen die 
durch den Golfstrom herbeigeführten Eindringlinge). 



Digitized by 



Google 



g E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

So wird man zu dem Schiasse gedrängt, dass zur Eis- 
zeit in Deutschland nicht durchgängig kälteres 
Klima herrschte, sondern im Gegentheil, dass hier im An- 
schluss an das Jungtertiär^ zu Anfang ungefähr dieselben 
oder wärmere Klimabedingungen vorlagen wie die heutigen. 
Dass die gewaltigen Eismassen auf das Klima der Umgebung 
Einfluss ausübten, ist selbstverständlich ; dadurch erklärt sich 
eine gewisse allgemeine Temperaturabnahme Nord- 
europas (als Gefolge, nicht als erste Ursache der Eiszeit) 
und insofern darf man die Erscheinung der Eiszeit als eine 
grossartige Störung (mit vielfachen Schwankungen) des post- 
tertiären Klimagleichgewichts bezeichnen. 

Die quartäre Eiszeit war also in ihrem Anfang nicht 
eine allgemeine Kälteperiode, sondern es reichten die im 
Norden erzeugten Gletscher in Gegenden von mildem Klima 
hinab', mannigfach oscillirend, zwischen den Einzelzungen 
(die zu verschiedenen Zeiten seitlich verschmelzen konnten)' 
stellenweise offenes Land oder Wasser freilassend, sich in 
Buchten oder alten Thälern weit zungenförmig vorschiebend. 
Die inzwischen erfolgenden und bis zur Postglacialzeit an- 
dauernden Niveauschwankungen, besonders in den nördlichen 
Theilen, ermöglichten das Erscheinen oder das Verdrängtwerden 
von Meeresströmungen, die ihrerseits auf Klimaschwankungen 
von Einfluss wurden. Diese Klimaschwankungen mussten sich 
natürlich auch bis in die mittel- und süddeutschen Quartär- 
ablagerungen bemerkbar machen. Auch die Zeit der Ab- 
schmelzung scheint überall ein gegenüber dem heutigen etwas 
wärmeres Klima gehabt zu haben; übrigens war dieselbe 
bedeutend länger, als die Zeit des Vorrückens*. 

Nach allem Gesagten verlieren die „Interglacial- 
zeiten" die Bedeutung allgemeiner Perioden und 



^ Nicht mir in faunistischer und floristischer, sondern auch in geo- 
graphischer Beziehung zeigt sich für Deutschland ein Übergang von dem 
Tertiär in das Quartär. 

* ähnlich wie Thalgletscher weit in grüne Gefilde reichen. 
^ Differireude Schrammenrichtungen! 

* Vergl. z. B. die allerdings betreffs der Gliederung gerade das ent- 
gegenstehende Princip verfolgende Untersuchung über das Pliocän und älteste 
Pleistocän Thüringens von E. Wüst. (Abh. naturf. Ges. Halle. 23. 1901.) 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 9 

müssen aaf locale Unterbrechungen und Schwankungen reducirt 
werden. Das geographische und stratigraphische Verhalten 
der fraglichen Ablagerungen scheint mir diese Annahme überall 
zu bestätigen. 

So kann man endlich auch sagen, dass die Eiszeit 
gewissermaassen durch sich selbst auch wieder ihr 
Ende erreicht hat: Hebung Skandinaviens Mind mächtige 
Gletscherentwickelung (so mächtig, dass das Eis die Ostsee- 
niederung überschreiten und sich weit südwärts ausbreiten 
konnte); alsbald (z. Th. infolge des Eisdruckes) Beginn der 
Senkung ^ ; Zutritt warmer Strömungen und Zufuhr von Wärme 
nach dem nördlichen Europa ; hierdurch Beginn der Abschmel- 
zung; in der langen Dauer der Folgezeit die durch Eisent- 
lastung bedingten Niveauschwankungen. 

Dieselben Bedingungen sind auf Grossbritannien anwend- 
bar, wo bekanntlich in noch höherem Grade als in dem skan- 
dinavisch-deutschen Quartär die marinen Ablagerungen, z. Th. 
eng mit dem Geschiebethon verknüpft, eine wichtige Rolle 
spielen. Auch dort herrscht die allgemeine Reihenfolge : Eis- 
bedeckung, Senkung (mit Auflösen des Eises und marinen 
Bildungen), zuletzt erneute Hebung und Schwankungen, 

Im Folgenden mag die Begründung dieser Ansichten ge- 
geben sein. Wenn ich dabei etwas ausführlich die einzelnen 
Vorkommnisse bespreche, so geschieht dies aus den Gründen: 
1. auch für den Fernerstehenden eine möglichst vollständige 
Übersicht zu geben, 2. den verschiedenen Einwänden voll- 
ständiges Material zu liefern. 

Erste and dritte Eiszeit. 

Zur Begründung der Annahme einer ältesten von 
drei Eiszeiten wird auf die Vorkommnisse von Hamburg 
und Rüdersdorf verwiesen (sie müsste mit dem skandinavischen 



* Vergl. die Erosion der norwegischen Küstenebene! 

' Am Aussenrand Skandinaviens der präglaciale Yoldienthon mit 
Nordseefauna. Die präglacialen marinen Bildungen des Balticums können 
als Localerscheinungen erklärt werden: bei der beginnenden Senkung als 
gewissermaassen schwächste Stellen sanken die früheren tertiären Buchten 
zuerst unter Wasser, wurden bei späteren Oscillationen wieder gehoben 
und damit für das Eis passirbar. 



Digitized by 



Google 



10 E. GeinitZ) Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Häuptels identisch sein und die Sfidgrenze ihrer Inlandeismasse 
bis zum 52. Grad gereicht haben): 

Hamburg. Gottsohe fand* in vier Tiefbohrungen bei 
Hamburg unter mächtigem, zumeist von der Oberfläche an 
beginnendem Geschiebemergel, ausser zweifellos fluvioglacialen 
Ablagerungen, 11 — 30 m mächtige, thonige und sandige Sedi- 
mente mit marinen Formen von mehr oder weniger ausge- 
sprochen litoralem Charakter. Unterlagert werden diese 
Sedimente an zwei Stellen von grobem Kies und (4,7 resp. 
22 m mächtigem) Geschiebemergel, so dass unter der Voraus- 
setzung, dass die genannten Fossilien sich wirklich „in situ^ 
befinden, die sie beherbergenden Sedimente einer Interglacial- 
zeit an gehören. Indem er aus der Mächtigkeit des zu oberst 
durchsunkenen Geschiebemergels (bis 33 m mächtig) folgert, 
dass derselbe nur der „Untere^ sein könne, müssten die 
durchsunkenen Schichten mit mariner Fauna in eine ältere 
Interglacialzeit zu verlegen sein. 

Sonach wäre eine Grundmoräne unter dem Unteren Ge- 
schiebemergel nachgewiesen, mit mächtigen zwischengeschal- 
teten Sedimenten. Zeisb betont dagegen (dies. Jahrb. 1898. 
I. - 540 -), dass, ebensowenig wie zwei Geschiebemergel tren- 
nende, oft mächtige Sedimente einen wesentlichen Alters- 
unterschied der beiden Geschiebemergel bedeuten, so auch 
im Allgemeinen aus der Mächtigkeit eines Geschiebemergels 
kein Schluss auf dessen Alter gezogen werden darf. „Es 
spricht allerdings Manches für die Ansicht des Verf. 's, aber 
einen Beweis hat er nicht erbracht, und jeder Zweifel scheint 
nicht beseitigt." 

Zu beachten ist jedenfalls, dass hier drei Geschiebe- 
mergelbänke niemals beobachtet sind, und dass manche 
Bohrungen überhaupt nur eine Geschiebemergelbank getroffen 
haben (z. B. die der Bavaria in Altona). 

GoTTscHE verweist übrigens auf Andeutungen ähnlicher Ab- 
lagerungen (Hemelingen, Buxtehude, Tasdorfer Paludinenbank). 

Ein besonderes Merkmal lässt sich nach Gottsghe für 
die ältesten Ablagerungen von Hamburg nicht angeben; das 

* C. QoTTscHE, Die tiefsten QlacialablageruDgen der Gegend von 
Hamburg. Mitth. d. Geograph. Ges. Hamburg. 18. 1897. 130; Die End- 
moränen und das marine Diluvium Schleswig- Holsteins. Ebenda. 14. 1898. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. H 

nordische Material ist nicht sehr charakteristisch, dürfte aber 
im Allgemeinen nordöstlichen Ursprungs sein ; das Vorkommen 
von Rhombenporphyr beweist Zufuhr aus Norwegen. 

Ein Vergleich mit der skandinavischen Dreigliederung 
ergiebt, dass dieses norddeutsche älteste Diluvium wegen der 
anderen Bewegungsrichtung wohl nicht identisch ist mit dem 
„älteren baltischen Eisstrom^, sondern dass es wahrscheinlich 
von dem Haupteis herrühren muss. Dies scheint gegen die 
Annahme einer selbständigen, von der späteren Haupt- 
vereisung durch Interglacial getrennten Vereisung zu sprechen. 

Man könnte sich den Vorgang etwa so vorstellen: Der 
schon bestehende tiefe Elbmündungstrichter (der Eibthalspalte) 
mochte sich als breiter Fjord bis weit oberhalb, vielleicht bis in 
die Gegend von Boizenburg, erstrecken; in ihm wurde von dem 
miocänen Untergrundsmaterial der schwarze (altglaciale oder 
präglaciale) Thon abgelagert; derselbe erhielt z. Th. feine 
nordische Materialbeimengung. Aber als locale Erscheinung 
gelangte auch nordischer Kies, ja sogar Moränenmaterial in 
sein Liegendes in 185 resp. 126 oder 155 m u. d. M. Diese 
untersten Geschiebemergel führen norwegische Gesteine. Auch 
bei Annahme von Niveauschwankungen bleibt immer die That- 
sache zu beachten, dass das Inlandeis, um nach der Hamburger 
Niederung zu gelangen, die ihm vorliegenden Höhen hätte 
überwältigen müssen (wenn es nicht durch Meeresarme des 
südlichen Holsteins vordrang); es erscheint nicht unmöglich, 
dass ein Theil des Eises als Packeis westlich um Jütland 
herum seinen Weg nahm (daher auch die Beimengung von 
norwegischem Material). Als diese vorgeschobenen Eismassen 
verschwunden waren (durch Zutritt von Gezeitenbewegung 
oder Strömungen der Mündungstrichter gewissermaassen von 
ihnen gereinigt war), setzten sich die Thone und thonigen 
Sande mit ihren litoralen Nordseemollusken ab; endlich er- 
folgte die Ablagerung der mächtigen Moränenmassen des 
hangenden Geschiebemergels in normaler Weise. 

Rüdersdorf. Eine Tief bohrung zu Seebad Rüdersdorf 
aus dem Jahre 1897 ergab nach v. FritschM 



* V. Fritsch, Ein alter Wasserlauf der Unstrut. Zeitschr. f. Naturw. 
71. 1898. 30; Wahnsohaffe, Erläut. zu Bl. Rüdersdorf. 1899. p. 46. 



Digitized by 



Google 



12 £. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

— 5 m gelher Diluvialsand, 
6—35 , Gescbiebemergel, 
35 — 99,06 „ sandige nnd kiesige Schichten mit Lehmeiulage- 
rungen 
(von 75,5—81 m ist das Hauptlager der Palu- 
dina düuviana\ 
99,06-136,0 „ sandiger Lehm, 

136,0 —152,0 „ Geschiebemergel (ca. —75 m Oberkante), 
—172,0 „ sandiger Lehm, 
—178,5 „ Geschiebemergel, 
darunter Keuper. 

Auch im Dorfe Rüdersdorf wurde der graue Geschiebe- 
mergel, der bisher als unterer bezeichnet zu werden pflegte, 
in 4— 37 m Tiefe durchbohrt, darunter folgten sandige und 
kiesige, sowie thonige Schichten bis 133,2 m Tiefe und hierunter 
wieder 27,3 m grauer Geschiebemergel. 

V. Fritsch folgert hieraus, ^dass die Grundmoräne der 
Vereisung, die der Entstehung der Paludinenbank voraus- 
ging, bis zur Spreelandschaft in einer erheblichen Mächtigkeit 
vorgeschoben wurde. Die Södgrenze der entsprechenden In- 
landeismasse dürfte hiernach wohl noch weiter südlich gewesen 
sein, vielleicht beim 52. Grad n. Br." 

Leider hat auch dieses Profil nicht die normale Ent- 
wickelung von drei Geschiebemergelbänken. Wenn wir an- 
nehmen, dass der Befund in dem Bohrloch einer ungestörten 
Lagerung entspricht (alsdann liesse sich das Bohrprofil von 
Dorf Rüdersdorf damit in Einklang bringen, obwohl die Sedi- 
mente keine Paludina führen), so wäre die einfachste Lösung 
des Räthsels die obige Erklärung v. Fritsch's und wir hätten 
hier den Nachweis einer ältesten, vor der Paltidina-Zeit herein- 
gebrochenen Vereisung. 

Die beträchtliche Tiefen läge des untersten Geschiebe- 
mergels lässt aber auch die Annahme gerechtfertigt erscheinen, 
dass sich hier eine Gletscherzunge in ein altes, prä- 
glaciales Thal oscillirend vorgeschoben hatte, um 
sich dann wieder zurückzuziehen und das erneute Nachdringen 
der gemässigten Fauna in jenes Thal wieder zu ermöglichen ; 
es hätte also gewissermaassen ein Kampf zwischen dem 
oscillirend sich vorschiebenden Eise und den einheimischen 
Bildungen stattgefunden. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 13 

Für die „dritte oder letzte Eiszeit" hat man weder 
ein charakteristisches Kennzeichen, noch eine sichere An- 
deutung ihrer Grenze auffinden können. 

Nach Berendt nennt man alle diejenigen mit Grund- 
moränenstructur begabten Vorkommnisse, welche von keiner 
anderen Bank überlagert werden, obere Geschiebe- 
mergel (resp. seine Vertreter). 

Leitgeschiebe giebt es für den oberen oder unteren 
nach den bisherigen Erfahrungen nicht. Auch die petro- 
graphische Verschiedenheit, namentlich in Farbe, Kalkgehalt, 
sandiger Beschaffenheit, verschieden hohem Blockgehalt, ist 
nicht verwerthbar. 

Die Abgrenzung zwischen oberem und unterem Diluvium 
geschieht in der Art, dass der obere Geschiebemergel für die 
Trennung beider Abtheilungen gewissermaassen den Normal- 
horizont abgiebt und dass die darüber liegenden Bildungen 
dem oberen oder jüngeren, die darunter liegenden dem unteren 
oder älteren Diluvium zugerechnet werdend 

Die Schwierigkeit, im einzelnen Falle zu entscheiden, ob 
ein zu Tage tretender Geschiebemergel oberer oder unterer 
sei, ist einleuchtend und ebenso, dass in vielen Fällen hierbei 
die individuelle Auffassung entscheiden wird*. Man wird 
immer auf den Zusammenhang der benachbarten Aufschlüsse 
angewiesen sein. Vorläufig kann man nach Jentzsgh den 
oberen (jungglacialen) und unteren (altglacialen) Geschiebe- 
mergel nur durch trennende Interglacialschichten unterscheiden. 

Obgleich man jetzt zugiebt, dass sich diese rein strati- 
graphische Gliederung des norddeutschen Diluviums mit der 
Trennung in Absätze von verschiedenen Eiszeiten durchaus 
nicht deckt, ist sie als Schema für die Kartirung die einzig 
maassgebende geblieben ^. 

^ Erläut. zu Bi. Woldegk. Lief. 76. p. 5; s. aach Maas, Jahrb. preuss. 
geol. Laudesanst. f. 1900. p. 112 und Struck, Lübeck 37. 

« Vergl. z. B. Erläut. zu Bl. Bietikow, Lief. 66, Fig. p. 5: ^Aus der That- 
sache, dass die Grenze des gelben zum blaugrauen Geschiebemergel eine sanfte 
Curve bildet und frei ist von allen zapfenfDrmigen Unregelmässigkeiten, wurde 
geschlossen, dass der gelbe Geschiebemergel nicht das Oxydationsproduct des 
blaugrauen, sondern der letztere thatsächlich den unteren Mergel darstellt." 

' Diesem Schema folgend, „muss Klebs auch etwaige Bedenken gegen 
das unterdiluviale Alter des Kernmaterials der Diluvialwälle, die ihm 



Digitized by 



Google 



14 £• GeinitZ) Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Von vielen Gegenden wird berichtet, dass der obere 
Geschiebemergel sich den Unebenheiten seiner unterdiluvialen 
Unterlage vollkommen anschmiegt, sich in Senken und Binnen 
hineinlegt, über Höhen hinweggeht, also in seiner Oberfläche 
nur das Abbild seines Untergrundreliefs zeigt ^. 

Die Mächtigkeit der Grundmoräne der letzten Vereisung 
wurde gewöhnlich nur gering angenommen, etwa 2—5, oder 
auch 8 m (dies ergiebt eine Bestätigung für den wesentlichen 
Einfluss des Untergrundes auf die Gestaltung der Oberfläche^. 

In anderen Gebieten fand sich eine grössere Mächtigkeit, 
z. B. in der hinterpommerschen Küstenzone bis 10 — 15 m 
(Keilhack, B1. Lanzig und Altenhagen 1897). 

Nach Maassgabe dieser Beobachtung glaubte man Moränen 
von erheblicher Mächtigkeit als unteren Geschiebemergel 
deuten zu müssen^. So glaubt Gottsche aus der bedeutenden 
Mächtigkeit des in Hamburg durchsunkenen Geschiebemergels 
annehmen zu müssen, derselbe sei unterdiluvial, was Zeise 
(dies. Jahrb. 1898. I. -540-) aber zurückweist. 

Wie beim unteren Geschiebemergel bisweilen ein Über- 
gang in Thon vorkommt, so auch beim oberen (s. Laufer, 
Bl. Korbiskrug, 496 ; Beüshaüsen, B1. Pencun, Lief. 67, p. 5). 

Wie man die Thalsande und die Ablagerungen der Sandr 
vor den Endmoränen als jungdiluvial bezeichnen muss, 
so können auch viele der sogen, „unteren" Sande in er- 
heblicher Mächtigkeit verschiedenen Alters sein, nämlich ent- 
während der Kartirung aufstiegen, unterdrücken" (s. Erläut. zu Bl. Nech- 
lin, 18). Dass ein Theil der ^unteren" Sedimente der WftUe und anderer 
DurchraguDgen ihre Entstehung der jüngsten Yergletscherung verdanken, 
als Vorläufer derselben abgelagert, giebt Elebs auch zu. 

* Vergl. z. B. Erläut. zu Bl. Bietikow. Lief. 66. 1896. p. 6. Der 
obere Geschiebemergel zieht sich in Ostpreussen von der Meeresküste auf 
die höchsten Punkte des masurischen Landrückens hinauf (Schröder, Jahrb. 
preuss. geol. Landesanst. f. 1887. p. 350). 

« Vergl. Wölfer, Bl. Fahrenholz. Lief. 76. p. 18, Bbrendt und 
Wahnsohaffe, Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1888. p. 370, 150, 163. 
— Bl. Cunow. Lief. 76. p. 6. 

' So findet man in Bohrungen oft das Profil: einige Meter gelber 
Geschiebelehm unmittelbar auf viele Meter mächtigem grauen Geschiebe- 
mergel, und es ist unmöglich, eine scharfe Trennung vorzunehmen, vielmehr 
muss man das Ganze als eine einheitiiche Moränenbank ansehen, von der nur 
weiter die Frage ist, ob sie als Unter- oder Oberdiluvial zu bezeichnen ist. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 15 

standen entweder bei dem Rückzug der älteren Vereisung 
(onterdiluvial), oder in der Interglacialzeit, oder auch bei dem 
Herannahen der letzten Vereisung (oberdiluvial) ^ Man muss 
sogar noch weiter gehen: Wenn die mehrfachen in dem 
^unteren*' Diluvium im Wechsel mit Sedimenten vorkommenden 
Bänke von Geschiebemergel nicht ohne weiteres für Repräsen- 
tanten ebensovieler Eiszeiten angesehen werden dürfen, so 
kann man auch annehmen, dass zur Zeit des „Oberdiluviums" 
ein solcher mehrfacher Wechsel von Moränen und sub- oder 
extraglacialen Sedimenten erfolgt ist, mit anderen Worten, 
man kann auch mehrere Geschiebemergelbänke mit ihren 
zugehörigen Sedimenten zum Oberdiluvium zählen. Dass 
hierbei der Willkür Thür und Thor geöffnet sind, ist nicht 
zu bestreiten, theoretisch richtig bleibt aber die Annahme. 

Jentzsch macht darauf aufinerksam*, dass es sehr un- 
wahrscheinlich ist, dass die nur wenige Meter mächtige oberste 
Mergelbank (etwa vereint mit dem gleichfalls geringmächtigen 
oberen Grand, Sand und Deckthon) der alleinige Vertreter 
einer ganzen „zweiten Vergletscherung" ist, wenn, das bis 
130 m mächtige „ünterdiluvium" mit seinem complicirten 
Schichtenbau der Absatz einer „ersten" (resp. zweier) Ver- 
gletscherung ist. Er giebt denn auch für sein Jungglacial 
von Marienburg nicht bloss eine Moränenbank an, sondern 
deren drei! (s. Interglacial bei Marienburg. Jahrb. preuss. 
geol. Landesanst. f. 1895. p. 178) und sagt in seiner Ein- 
theilung des Diluviums, dass auch im Jungglacial mehrere 
Bänke von Geschiebemergel auftreten, zwischen denen ge- 
schichtete Sedimente vielorts eingeschaltet sind. 

Auch Wahnschaffe äussert sich (Oberfl. 1. Aufl. p. 90) 
ähnlich : „Es muss die Möglichkeit zugestanden werden, dass, 
wie in der ersten, so auch während der zweiten Vereisung in 

^ Vergl. hierzu Geinitz, Die mecklenburgischen Höhenrücken. 1886. 
p. 308; Zeitschr. deutsch, geol. Qes. 1881. p. 586; Bbrendt, Die Sande 
im norddeutschen Tiefland. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1881. p. 482 
und 1887. p. 309 Anm. und Zeitschr. deutsch, geol. Oes. 1882. p. 207; 
Keilhacs, Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1884. p. 238, 1893. p. 191; 
Scholz, Rttgen. Ibid. 1886. p. 225; Schröder, ibid. 1887. p. 203; Müller, 
ibid. 1897. p. LXU; Struck, Lübeck. 1902. p. 38. 

* Jentzsch, Beiträge zum Ausbau der Glacialhypothese. Jahrb. preuss. 
geol. Landesanst. f. 1884. p. 488. 



Digitized by 



Google 



16 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



gewissen Gebieten beträchtliche Oscillationen des Inlandeises 
stattgefunden haben, so dass demnach aach im Oberdilavium 
durch geschichtete Sande von einander getrennte Geschiebe- 
mergel vorkommen können." Keilhack erwähnt in der pommer- 
schen Moränenlandschaft zwei dorch beträchtliche Sandmassen 
getrennte Geschiebemergelbänke des oberen Diluviums, deren 
Bildung durch Oscillationen des Eisrandes erklärt werden 
(Balt. Höhenrücken, Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1889. 
p. 164 u. 212). 

In dieser neueren Auffassung hat Maas^ in zwei Bohr- 
profilen aus westpreussischen Sandrgebieten zum oberen Ge- 
schiebemergel eine 72,5 resp. 41 m mächtige Masse gerechnet. 

Die Profile sind: 

3,5 m Thalsand, resp. oberer Sand, 
— ö,0 „ grauer Geschiebemergel, 
—15,3 j, grauer sandiger Mergel, 
—62 „ grauer sandiger Mergel, 
—78 „ grauer Geschiebemergel, 
— 80 , grauer sandiger Mergel auf 
unteren Sauden. 



11 m oberer Sand, 
-52 „ oberer Geschiebe- 
mergel, braun und 
grau, auf unteren 
Sanden. 



Ebenso giebt Klaützsch* dem oberen Diluvium bei Rasten- 
burg am nördlichen Abfall des masurischen Höhenrückens eine 
Mächtigkeit von 59—157 m. 



10- 11 


m 


Grand, 




11- 27 


» 


Geschiebemergel, 




27- 28 


9 


Mergelsand, 




28— 38 


7> 


Sand, 




38- 41 


» 


Mergelsand, 




41- 90 


1> 


Geschiebemergel, 


Oberes Diluvium, 


90- 91 


ff 


Thonmergel, 


weil nicht wasserführend 


91—115 


» 


Geschiebemergel, 




115—116 


ff 


Thonmergel, 




116—124 


n 


Geschiebemergel, 




124—126 


7) 


Thonmergel, 




126—140 


7) 


Geschiebemergel, . 




140-141 


ff 


Mergelsand, 




141-143 
143-144 


ff 


Thonmergel, 
Mergelsand, 


Unteres Diluvium. 


144—147,7 


ff 


Sand. 





^ Maas, Endmoränen in Westpreussen. Jahrb. preuss. geol. Landes- 
anst. f. 1900. p. 110, 111. 

^ Bericht über Endmoränen und Tiefbohrungen im Grundmoränen- 
gebiete des Blattes Rastenbnrg. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1900. 
p. XXII-XXXIX. 



Digitized by 



Google 



E. Oeinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 17 

Ansdehnnns der sogen, dritten Vereisung. 

Über die Ausdehnung der letzten Vereisung kann nach dem 
vorhin Gesagten vorläufig nur vermuthungsweise eine Ansicht 
ausgesprochen werden, unter Festhalten der Ansicht über 
geringere Mächtigkeit und Verbreitung des oberen Geschiebe- 
mergels nahm man an, dass sie geringer war, als die der 
vorhergehenden Vereisung. Penck gab eine Kartenskizze 
darüber ^ Klockmann* hatte nach dem damaligen Stand der 
Kenntnisse als die Südgrenze des oberen Geschiebemergels 
in dem ganzen Gebiet westlich der Oder bis zur Nordsee 
im Allgemeinen die grosse Niederung des Baruther und des 
Elbthales bezeichnet (welche Grenzlinie allerdings nur an- 
genähert die Ausdehnung des letzten Inlandeises angeben 
würde). Er nimmt also eine geringere Verbreitung des oberen 
Geschiebemergels an als Penck'. 

Während in dem südlichen Verbreitungsgebiet, z. B. in 
Sachsen, nur ein Geschiebemergel vorkommt, den man der Haupt- 
vereisung zurechnet, treten weiter nach Norden mehrere auf und 
kann man da die Trennung in unteren und oberen einführen. Der 
obere hat grosse Verbreitung in Schleswig-Holstein, Mecklen- 
burg, Pommern, Brandenburg, Posen, Ost- und Westpreussen. 

Eine Zeit lang betrachtete man die im Laufe der Zeit 
nachgewiesene Endmoräne als Südgrenze der „zweiten, 
südbaltischen" Eisdecke. Die neueren Untersuchungen scheinen 
aber die Grenze des oberen Geschiebemergels etwas mehr 
nach aussen zu verschieben. Wahnschaffe meint, dass die 
untere Elbe keine Grenze für die Ausbreitung der letzten 
Glacialperlode gebildet habe. Er hält die Geschiebesande der 
Altmark und der Lüneburger Heide für sandige Aequivalente 
einer Grundmoräne (unsicher, ob der zweiten oder dritten 
Vereisung, Oberfl. 2. Aufl. p. 237). 



^ Penck, Mensch und Eiszeit. Arch. f. Anthrop. 16. 1884. Taf. 3. 

' Klockmann, Die südliche Verbreitungsgrenze des oberen Oeschiebe- 
mergels. Jahrb. prenss. geol. Landesanst. f. 1883. p. 238. 

' ExoGKMANN hatte drei Zonen unterschieden: 1. die Region des 
oberen Oeschiebemergels (Gebiet des baltischen Laudrückens); 2. Region 
des Diluvialsandes (obere Sande auf unterem Spathsand, Gebiet der Lüne- 
burger Heide, Flämings, Trebnitzer Berge etc.); 3. Region des Löss (bis 
an die mitteldeutsche Bergkette). 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XVI. 2 



Digitized by 



Google 



lg E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 

Ob der rothe, steinarme Geschiebemergel der Altmark 
unterdiluvial ist, scheint nach Wahnschaffe unentschieden ^ 

In der Magdeburger Börde glaubt Wahnschaffe sichere 
Reste des oberen Geschiebemergels theils völlig erhalten, 
theils als Auswaschungsreste in der Steinsohle des Löss er- 
kannt zu haben ^. Auch in Holstein glaubt Gottsghe (Marin. 
Diluvium 1898), habe der obere Geschiebemergel mindestens 
40 km vor die Endmoräne gereicht, nämlich bis zu den west- 
lichen Blockpackungen. 

Stolley weist deu Geschiebesand unter der Austernbank des Pander- 
kliffs auf Sylt der zweiten Vereisung zu, den hangenden Decksand der 
dritten. Diese Auffassung wird aber von Petersen ' bestritten ; nach ihm 
fehlen auf Sylt die Ablagerungen der letzten Vereisung; das geschiebe- 
führende Diluvium besteht hier aus dem ca. 0,6 m mächtigen geschiebe- 
führenden Decksand und Geschiebemergel; beide werden von Petersen 
als einheitliche, der Hauptvereisung zugehörige Ablagerungen angesehen. 
Der (mit Heidesand bedeckte) Decksand steht in engem Zusammenhang 
mit dem Geschiebemergel, der nach oben z. Th. in ein Steinpflaster über- 
geht. Der bräunlichgelbe Geschiebemergel des Bothen Kliffs ist eine ver- 
witterte sandige Localfacies des Geschiebemergels, nicht, wie Zeise meint, 
durch die Brandungswellen der Nordsee verwaschen. Die Strandgerölle, 
wie die Geschiebe des Decksandes und Geschiebemergels von Sylt sind 
nach Petersen dieselben, sie entstammen den Ablagerungen des Haupt- 
eises, welches sowohl vom Kristiania-Gebiet, als auch von Dalarne, Schonen, 
Smäland, dem baltischen Becken und den Alands-Inseln Material nach Sylt 
transportirt hat. 

Keilhack hat auf Grund seiner Untersuchungen* den 
südlichsten Eand der letzten Eiszeit ziemlich weit nach Süden 



^ Wahnschaffe, Bemerkungen zu Gesch. mit Pentamerus horeälis. 
Jahrb. preus. geol. Landesanst. f. 1887. p. 146; Berendt, Geognosie der 
Altmark. Ibid. 1886. p. 106; Scholz, ibid. 1882. p. L; Klocemamn, ibid. 
1882. p. LH. 

' Wahnschaffe, Quartärbildungen in der Umgebung von Magdeburg. 
Abb. d. geol. Specialk. von Preussen 7. (1.) 1886. p. 64 ; Zeitschr. deutsch, 
geol. Ges. 1888. p. 263 ; Lössfrage. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1889. 
p. 335; s. dagegen Keilhack, ibid. 1898. p. 96. Ähnlich äussert sich 
Eeilhack: Geol. Mitth. Fläming. Ibid. 1888. p. 127. 

' Petersen, Über die krystallinen Geschiebe der Insel Sylt. Dies. 
Jahrb. 1901. I. 99. 

^ Eeilhack, Die Stillstandslagen des letzten Inlandeises. Jahrb. 
preuss. geol. Landesanst. f. 1898. p. 91. Taf. VU. Doch ist bei Trebnitz 
(wischen Löss und Tertiär sicher nur ein Geschiebemergel vorhanden 
nach Fbeoh). Die neuerliche Behauptung Michaelas, dass die* letzte 
Vereisung auch fast ganz Schlesien überdeckt habe, ist nicht bewiesen. 



Digitized by 



Google 



£. Qeinits, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. IQ 

vorgeschoben. Er lässt ihn zusammenfallen mit der Höhe des 
Fläming, weiter über die Katzenberge und Trebnitzer Höhen 
verlaufen und im Westen wahrscheinlich auf der Lüneburger 
Heide liegen; südlich von dem Bande lag das älteste der 
Urstromthäler, das „Breslau-Hannoversche** Thal'. 

Weber dagegen meint, dass Ablagerungen der dritten 
Eiszeit Nordwestdeutschland nicht erreicht haben (Honerdingen 
nach ihm Interglacial I). 

Fossilftthrende DUnvialablagerangen Norddentschlands 
und Dänemarks. 

Ich lasse nun die Angaben über alle fossilführenden nord- 
deutschen und dänischen Diluvialbildungen, soweit sie nicht 
ganz unbedeutend sind, folgen. Vergl. die beiliegende Karte. 

1. Limnische Ablagerungen. 

a) Präglacial. 

Als präglacial oder „altquartär, diluvial^ sehe ich 
folgende an (nach der üblichen Classification präglacial oder 
interglacial (1), einige auch interglacial (2) resp. fi*aglich): 

a. Flassablagerungeii. 

Ausser den unzweifelhaft präglacialen Flussschottem der 
südlichen Randgebiete gehören hierzu muschelföhrende Fluss- 
ablagerungen verschiedener Gegenden und verschiedenen 
Alters. 

Paludinenbank. Berendt, Gottsche und Wahnsghaffe 
zeigten ', dass im Untergrund von Berlin und Umgegend etwa 
40—50 m unter dem Meeresspiegel eine 1— 6 m mächtige 



^ Für diese Auffassang kann man Wahnschaffe's Bemerkungen über 
die .verwaschene Moräneniandschaft'^ des nordwestlichen Flachlandes ver- 
werthen. (Wahnschaffe, Qnartärbildnngen in der Umgebung von Magde- 
burg. Abb. d. geol. Specialk. von Preussen. 7. 1885. p. 70.) 

* Berendt, Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1882. p. 453; Wahn- 
schaffe, Ergebnisse einer Tiefbohrung in NiederschOnwalde. Zeitschr. 
deutsch, geol. Qes. 1893. p. 288; vergl. die Karte p. 292; Gottsohe, 
ebenda. 1886. p. 470. Im Bohrloch der Vereinsbranerei zu Eizdorf fanden 
sich PaZudtna-Schichten in 122 m Tiefe, --98m NN. (Berendt, Erlftut. 
zu Bl. Tempelhof. 1882. p. 17.) 

2* 



Digitized by 



Google 



20 -B. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit 

Paludinenbank mit kalkfreiem Thon auftritt ; dieselbe besteht 
fast aussclillesslich aus den noch mit Epidermis versehenen 
Schalen dieses Leitfossils für „unteres" Diluvium ^ 

(Nehen Paludina düuviana treten auf: Bithynia ientaculata, Valvata 
naticina, V. piscinalia, Neritina fluviatüis , ünio, Pisidium pusülum, 
P. Hensloioianum, Sphaerium solidum, S. rivicola, LitJioglyphus naticoides.) 

Wahnsghaffe zeigte, dass die Paludina düuviana in der 
Zeit vor dem unteren Geschiebemergel hier einheimisch war 
und ihr Vorkommen im unteren Geschiebemergel und den 
Sauden secundär, erratisch ist, den Charakter eines Leit- 
fossils für das „untere" Diluvium also verloren hat. Nach 
Neumayr's Untersuchung ist sie dann nach der unteren Donau 
ausgewandert*. Ihre Verschleppungen in jüngere, weiter 
ab gelegene Diluvialmassen sind aber immerhin von Interesse, 
da aus ihnen die einstige Verbreitung der ursprünglichen Ab- 
lagerungen angedeutet ist; so ist das Vorkommen in unteren 
Sauden bei Meyenburg' und in der Magdeburger und 
Leipziger Gegend bemerkenswerth. 

Als Liegendes waren bisher nur diluviale Sedimente be- 
kannt; bei Rüdersdorf aber fand v. Feitsch eine Paludina- 
Bank in — 14 m NN., deren Liegendes Geschiebemergel war 
(s. 0.). Vereinzelte Schalen kommen schon zwischen 52,5 und 
62 m, auch zwischen 72 und 72,5 m Tiefe vor. 

Dass man die Faludina-Bsuik trotzdem als präglacial 
oder altquartär betrachten kann, d. h. gebildet in der Zeit, 
als die eigentliche Vereisung in ihrem ganzen Umfange jene 
Gegenden noch nicht erreicht hatte, sondern nur in einzelnen 
Thalvorstössen, wurde oben p. 12 gesagt. 



^ EuNTH, Paludina düuviana. Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1865. 
p. 33. Taf. 7 Fig. 8. 

' Neümatb, Zeitschr. deutsch, geol. Qes. 1887. p. 606. (Auch in der 
V\/'olga leben ganz ähnliche, wenn nicht übereinstimmende Formen, Pal. 
Hugotina. Über Lühoglyphua naticoides berichtet Gottschb (Sitz.-Ber. 
Ges. naturf. Fr. Berlin. 1886. p. 74) : Die Schnecke scheint erst vor Kurzem 
aus den südöstlich gelegenen Flussgebieten des Bug, Dnjepr, Dniestr und 
der Donau wieder eingewandert zu sein. (Vergl. auch Geikie, Bemerkung 
hierzu in Or. Ice Age p. 334.) 

« Geinitz, Mitth. Mecklenb. Geol. Landesanst. 10. 1900. No. 19. 
p. 7; Wahnsohaffe, Quart. Magdeburg. 1885. p. 56; Sauer, Dies. Jahrb. 
1878. p. 392. 



Digitized by 



Google 



E. Oeinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 21 

In denselben Horizont gehört wahrscheinlich auch der 
J\Telanopsis-Kies des alten Ünsti*ut-Laafes bei Zeuchfeld, den 
V. Fritsch * beschreibt. Derselbe ruht auf Sand und Thon und 
wird überlagert von Sand und Moor. Darüber liegt über 1 m 
Geschiebemergel, bis 0,5 m mächtig eine Schneckenschicht, von 
einer oberen, 0,3—0,57 m mächtigen Geschiebemergelbank 
überdeckt, auf die noch Eies, Löss, Gehängelehm und Humus 
folgen. Das Ganze zeigt noch jetzt eine Thalniederung. 
Die jüngere Schneckenschicht ist eine Riethschneckenfacies, 
die zu ihrer Bildung allerdings längere Zeit gebraucht haben 
wird. (v. Fritsch ist trotz der geringen Mächtigkeit der 
Geschiebemergel geneigt, hier eine Interglacialschicht anzu- 
erkennen.) 

Ich möchte, in Anbetracht der geringen J^äcbtigkeit der, 
übrigens noch durch Eies- und Sandmassen vermengten, oberen 
Geschiebemergelbank viel eher an örtliche Oscillationen und 
geringfügige Verstösse des jemaligen Eises denken. 

Der untere Kies hat mehrere Formen, z. B. auch den Lithoglyphus, 
mit der Pa2tt(2ma-Bank des Spreethalea gemein und es bleibt nach v. Fritsch 
„nicht ausgeschlossen, dass eine Qleichzeitigkeit beider Ablagerungen sich 
herausstellt, obgleich der Melanopsis-Kies vor der Vereisung der hiesigen 
Landschaft gebildet ist". „Aber es bleibt immerhin erst späteren Unter- 
suchungen vorbehalten, festzustellen, ob der Melanopsts-Kiea nicht wesent- 
lich älter als die Pa2udtna-Bank ist.'' 

Nehmen wir an, dass beide Ablagerungen zeitlich äqui- 
valent sind, so ist also bei Halle und Leipzig (da aller Wahr- 
scheinlichkeit nach die Inlandeismasse vor der Ablagerung 
der Paludina-Bajik nicht bis in die Gegend von Halle, Leipzig 
u. s. w. gereicht hat, und da naturgemäss die Schichten von 
dieser Zeit sich im Süden frei von nordischem Material zeigen, 
während in der Mark solches in der Paludinenbank und in 
deren Liegendem vorhanden sein muss) eine Ablagerung typisch 
„präglacial*', die bei Berlin „interglacial 1^ erscheint. 

Dies ist naturgemässe Folge des nach Süden vorrückenden 
Eises und zeigt, dass zu jener Zeit von einem Rückgang 
des Eises infolge milderen Klimas keine Bede sein kann. 

Valvatensande von Rathenow. Aus der Gegend von 



^ V. Fritsch, Ein alter Wasserlauf der ünstrut. Zeitschr. f. Naturw. 
71. 17. 1898. 



Digitized by 



Google 



22 S- Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Bathenow im Westhavelland beschrieb Wahnschaffb ^ ausser 
mehreren secundären Fundstellen Diluvialsande mitSüsswasser- 
conchylien. Bei Nennhausen sind es „unterdiluviale" Sande, 
unter Geschiebemergel, den Wahnsghaffe auch als „unteren" 
ansieht, in denen die Conchylien auf primärer Lagerstätte 
sind, bei Pessin werden die Sande von „oberem" Diluvial- 
mergel überlagert, im Eossäthenberg ist den unteren Granden 
„unterer" Diluvialmergel angelagert. Es kommt also hier 
auf die Auffassung des Alters des Geschiebemergels an. 

Die Conchylien sind : Valvata piscinalis (vorherrschend) , Bythinia 
tentaculata, Päludina düuviana, Limnaea aurteularia, Planorbis mar- 
ginatus, Sphaerium solidum, Sph. riviculum, Pisidtum amnteum, P. nitidum, 
Unio. Die Conchylienfauna war somit, mit Ausnahme der Päludina dt- 
luviana, dieselbe wie die heutige. 

Zu den untersten Ablagerungen der Glacialzeit rechnet 
auch Wahnschaffe * die altglacialen Flussschotter von Uell- 
nitz bei Magdeburg. 

Wahnschaffe rechnet als sicher primär, aber zum Interglacial 2 den 
sogen. Valvatenmergel yon Geltow bei Potsdam. Berendt (Geo^. 
Beschreib, d. Umgegend y. Berlin, p. 66) erwähnt, dass dieser Valvi^tenmergel 
dort auch Übergänge vom Geschiebemergel zu geschichtetem Thon zeigt und 
damit zum unteren Diluvium zu rechnen sei. Genauere Angaben fehlen. 

In den unteren Granden, welche an den Bändern der Warthe- 
thalebene unter mächtigem oberen Geschiebemergel hervortreten, finden 
sich vielfach, z. B. bei Posen, Owinsk, Gurtschin, Schwersenz, Süsswasser- 
conchylien in einem Erhaltungszustand, dass Wahnschaffb annimmt, dass 
sie auf primärer Lagerstätte vorkommen (s. Wahnschaffe, Jahrb. preuss. 
geol. Landesanst. f. 1896. p. LXXXI). 

Bl. Posen p. 8 wird besonders Johannisthai erwähnt, wo neben 
den Süsswasserconchylien Reste von Mammuth, Rhinoceros, Hirsch, Pferd 
vorkamen, und auch zwei Feuersteingeräthe, Messer und Pfeilspitze (1. c. 
p. 9 und Maas, Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1897. p. 32). 

/3, Ausfüllung von Seeniederungen. Süsswasserkalke. 

B e 1 z i g im Fläming ^. Der 4 — 5 m mächtige Süsswasser- 
kalk lagert auf unterem diluvialen Sand und wird bedeckt 

* Wahnschaffb, Die Süsswasser-Fauna und Süsswasser-Diatomeen- 
Flora im unteren Diluvium der Umgebung von Rathenow. Jahrb. preuss. 
geol. Landesanst. f. 1884. p. 260. 

' Wahnschaffe, Quartärbildungen in der Umgebung von Magdeburg. 
Abh. d. geol. Specialk. von Preussen. 7. 1. 1885. p. 57. 

' Kbilhack, Über präglaciale Süsswasserbüdungen im Diluvium Nord- 
dentschlands. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1882. p. 133 ; Über einea 
Damhirsch aus dem deutschen Diluvium. Ibid. 1887. p. 283. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 23 

von 1,5— 2m, zapfenformig in ihn eingreifendem „unteren** 
Geschiebemergel, resp. von 0,5 m Geschiebelehm (mit unterer 
Verwitterungsrinde des Kalkes), 1—2 m Diluvialsand und 
0,5 — 1 m „oberem" Geschiebesand mit geologischen Orgeln, 
nicht Biesentöpfen. 

Fauna und Flora : Pupa muscorum, Vertigo antivertigo, F. pygmaea, 
Helix pukhella, Ächatina lubrica, VcUvata macrostoma, Limnaea minuta^ 
Planorbis marginatus, PL laevis, Pisidium nitidum, Cyclaa Cornea. CervtM 
capreolua, C. elaphus, C, dama, C. alces, Cyprinue carpio, Perca fluvia- 
Ulis, Eeox lucius. Alnus glutinoea, Acer campestre, Salix, Carpinua he- 
tulus, Comus sanguinea, PinM silvestris, Tilia, Brasenia^ zahlreiche 
Diatomeen. 

Das Lager ist an ein altes Thal gebunden. 

Westerweyhe bei Uelzen \ In Mulden abgelagert. Unter 
1 m „oberem*' Diluvialsand, 1— 3 m „unterem" Diluvialsand und 
z. Th. dünner Bank von unterem Geschiebemergel, an deren 
unterer Grenze eine braune, thonige Verwitterungsrinde mit 
geologischen Orgeln, folgt der graue diatomeenreiche Stiss- 
wasserkalk. 

G ö r z k e in der Pro v. Sachsen *. Becken von Süsswasser- 
kalk, Hangendes unterer Geschiebemergel resp. Sand, Liegen- 
des Diluvialsand. 

Bienenwalde^ Ähnliche Kalke sind in der Umgebung 
des Kalksees bei Bienen walde westlich Rheinsberg bekannt; 
über ihr genaueres Lagerungsverhalten ist nichts bekannt, 
nur eine Überlagerung darch 2 m Sand. 

Diatomeenerde. 

Rathenow*. Bei Nennhausen liegt zwischen unterem 
Geschiebemergel und kalkfreiem tertiären Thon bis 2 m mächtig 
grauweisse Diatomeenerde, in ihr herrscht vor Melosira granu- 
lata , M. crenulata und M. arenaria (ähnlich mit Klieken) ; am 
Rollberg 0,5 m diatomeenführender Süsswasserkalk zwischen 
Grand, z. Th. auch „unterer" Geschiebemergel auf dem Kalk. 



^ Eeilhack, 1. c. p. 146; Berendt, Über Biesentöpfe etc. Zeitschr. 
deutsch, geol. Ges. 1880. p. 61 ; Geinitz, Jahresh. natarw. Ver. Lüneburg. 
1885—1886. 

' Keilhack, 1. c. p. 152. 

» Ibid. p. 158. 

* Wahnschäffe, 1. c. p. 269. 



Digitized by VjOOQ IC 



24 S- Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Hier herrscht Pinnularia oblonga (ähnlich Hommelbach bei 
Vogelsang) (in bewegtem Wasser abgelagert). 

Diatomeenerde der Ltineburger Heide* (Oberohe, 
Niederohe, Wiechel, Schmarbeck, Grevenhof, Steinbeck, Htitzel). 
Der Diatomeenpelit der Ltineburger Heide erfüllt mehrere 
grosse Becken, in denen das jetzige Thal der Luhe fliesst. 
Hangendes bilden 0,5—1 m „oberer" Geschiebesand und 3—6 m 
wohlgeschichteter „unterer" Diluvialsand, das Liegende wird 
von groben Diluvialsanden gebildet. 

Von grösseren Besten sind bekannt : Perca fluviatilis, Quercu8 robur, 
Qu. sessüiflora, FaguB süvatica, Betula alba, Alnus glutinosa, Salix, 
Popülus, Myrica gale, Vacciniwn myrtiüus, Acer catnpeatre, A, plata- 
noides, Pinus silvestrts, ütricularia, 

BüNTE führt 135 Species Diatomeen auf, die sämmtlich 
Süsswasserformen sind und noch heute lebend in Deutschland 
vorkommen; das Klima zur Zeit der Ablagerung hat somit 
dem des heutigen Deutschlands entsprochen. 

Dass zur Zeit jener alten Süsswasserseen auch höhere 
Pflanzen den Boden bedeckten und Nahrung für die grossen 
Säugethiere boten, geht aus den Funden von eingeschwemm- 
ten Blättern u. a. hervor. Siehe Kurtz, Über Pflanzen aus 
dem norddeutschen Diluvium. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1894. p. 13. 

Einen ganz eigenartigen Typus stellt Wendisch-Wehningen 
a. d. Elbe dar'. Auf dem bis 40 m hohen Berg ist eine 0,6 m mächtige 
schwarze Diatomeenschicht dem diatomeenführenden Thon eingelagert, 
beide sind z. Th. stark gestaucht; überlagert werden sie von Diluvial- 
sanden. Am Eibsteilufer markirt sich die schwarze Schicht in bogen- 
förmigen Linien wenig über dem Elbspiegel zwischen grauem Geschiebe- 
mergel, der an der oberen und unteren Orenze der Diatomeenschicht in 
dünnen Thonschichten erscheint ; über ihm folgt weiter oberhalb mächtiger 
geschichteter Diluyialkies, der vielleicht als von oberem Diluvium bedeckt 
angesehen werden kann. 

Sehr interessant ist der Befund, dass hier nur zwei Arten vorkommen : 
die schwarze Schicht enthält als Hauptmasse die Süsswasserform Melosira 

^ Keilhäck, 1. c. p. 160 ; Cleve und Jentzsch, Über einige diluviale 
und alluviale Diatomeenschichten Norddeutschlands. Schrift, physik. Ges. 
Königsberg. 1882. 22. p. 129 ff.; Bunte, Die Diatomeenschichten von 
Lüneburg etc. Archiv Ver. Nat. Mecklenburg. 1901. p. 39—82. 

' Geinitz, I. Beitrag zur Geologie Mecklenburgs. 1879. p. 40 ; Bunte, 
1. c. p. 108; Cleve und Jentzsch, 1. c. p. 129; Geinitz, Ver. Lüneburg. 
10. 36. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 25 

granulata, denen ganz spärlich die marine Coscinodiscus eubtüis beigelagert 
ist, während der Thon anch nur diese zwei Formen enthält, aber in um- 
g^ekehrtem Yerhältniss, daher als marin angesprochen wird. 

Der Punkt steht sicherlich (als Ufer) mit dem benachbarten Boizen- 
burger Diatomeen lager in Zusammenhang und dürfte wohl ebenfalls als 
präglaciales Süss- und Brackwasserbecken anzusehen sein; etwa als Aus- 
läufer des benachbarten Gebietes von Lanenburg und Boizenburg. 

Domblitten und Wilmsdorf bei Zinten, Ostpreussen. 
Am Stradickflüsschen M 

Auf nordischem Eies lagern die Diatomeenmergel, 6-— 7,5 m mächtig, 
mit Süsswasser- und vereinzelten Brackwasser-Diatomeen ; darüber 1 — l,ö m 
lehmiger Sand oder Geschiebemergel, dann weisser Staubmergel, in inniger 
Beziehung zu dem folgenden Deckthon stehend, z. Th. oben noch Sand. 

Das Profil ist vielleicht das einer altglacialen Ablagerung. 

Andere Diatomeenlager sind ihrem Alter nach unbestimmt, z. B. 
Hammer bei Gollub in Westpreussen (Cleve-Jentzsch, p. 159). 

Bei Seehesten in Ostpreussen fand Elaützsgh (Jahrb. preuss. 
geol. Landesanst. f. 1899. p. XCU) Diatomeenkalk in oberem Geschiebe- 
mergel eingelagert; „discutabel wäre die Frage, ob hier wirklich während 
der Vereisung Lebewesen existirt haben, oder ob hier eine Einlagerung 
fremden Ursprunges vorliegt." 

Ähnliche Verhältnisse wie bei Etidersdorf scheinen auch 
bei dem älteren Interglacial von Graudenz geherrscht zu 
haben. Nach Jentzsch (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1898. p. CCXXII) ist dort das älteste Glied des Diluviums 
eine „Thalmoräne" , die erste Ausfüllung eines vordiluvialen 
Thaies durch Geschiebemergel mit verrutschtem Tertiär und 
unbedeutenden Sandbänken. Darauf folgt eine mächtige 
Sedimentstufe, welche beginnt mit 18 m Diluvialgrand, auf 
diesen folgt eine 7,5 — 11 m mächtige „ältere" interglaciale 
Stisswasserstufe mit folgenden Schichten (von unten her): 

0,9 m Diatomeenerde, resp. 2 m Muschelmergel. 
0,7—3,0 „ graue Sandeinschwemmung. 
2,6—2,8 „ grauer Mergel. 
1,8—2,8 „ „ Sand. 
0,2—3,3 „ dunkelgrauer, schwach sandiger kalkhaltiger Thon mit 

zerfallenen Pflanzenresten. 
Darüber folgen dann Saude, Thonmergel (unterer Graudenzer Thon), 
eine dfinne Graudbauk (als Vertreter der zweiten Vereisung angesehen), 
Sand, oberer Graudenzer Thonmergel und endlich geschiebefreier Diluvialsand. 



^ Jentzsch, Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1880. p. 669; Bauer, ibid. 
1881. p. 196; Cleve und Jentzsch, Diatomeenschichten. 1882. p. 145. 



Digitized by 



Google 



26 S- (^einitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 

Das dortige „zweite Interglacial" besteht grossentheils 
ans fossilarmen Sanden, enthält aber auch fossilführende 
Bänke, z. B. nördlich der Stadt eine kleine Gruppe mariner 
diatomeenführender Thone, der Neudecker Cardiwm-Bank ent- 
sprechend. 

Vielleicht gehört zu dem Altquartär auch Insterburg: 
Eine Bohrung zeigte in dem 37,5 m mächtigen Diluvium bei 
34,5—34,75 m eine dünne ELiesbank, die erfüllt mit Süss- 
wasserschnecken (PoZwdiwa düuviana , Valvata , Pisidium)^ 
darunter eine Lage „schwarzer Erde" mit Picea excelsa 
(Jentzsch, Neuere Gesteinsaufschlüsse, p. 68). 

In den bedeckenden Schichten kommt typischer (oberer) 
Geschiebemergel vor. 

Zusammenfassung. 

Die genannten Punkte liegen im W. ziemlich weit ausser- 
halb der baltischen Endmoräne, im 0. in ihrer Nähe; dass 
präglaciale Süsswasserbildungen auch nördlicher vorkommen, 
ergiebt sich aus den Ablagerungen von Elbing und Rügen (s. u.). 
Erwähnung verdient noch das Torflager im sächsischen Erz- 
gebirge mit der südeuropäischen Omorika-Fichte , obgleich 
sich dessen Alter nicht feststellen liess (s. Beck und Weber^ 
Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1897. p. 662). 

Die Fossilien sind meist Formen der heutigen Gegenden, 
z. Th. mit Spuren etwas milderen Klimas. 

Die Ablagerungen erscheinen an einigen Stellen theilweise 
durch Prodncte Örtlicher Oscillationen des vorrückenden Eises 
oder fluvioglacialer Bildungen unterlagert. 

b) Die interglacialen Süsswasserbildnngen. 

«) Torflager. 

Den Torflagern ist folgendes gemein: Es entwickelten 
sich in breiten alten Flussthälern oder Niederungen, resp. in 
Mulden von Geschiebemergeln Torflager mit Pflanzen ge- 
mässigten Klimas {Brasenia) ; Klimaschwankungen sind z. Th. 
nachweisbar. Arktische Pflanzen sind z. Th. an der Unter- 
kante gefunden, in den hangenden nur bei Klinge in dem 
Schwemmthon. Die Lager wurden später durch Thalgrande 
oder andere, local verursachte Ablagerungen bedeckt, dabei 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



27 



z. Th. oberflächlich zerstört. Vielfach ist die alte Niederung 
noch jetzt im Gelände erkennbar. 

Die wichtigsten Funde liegen ausserhalb der Vereisungs- 
grenze der Jüngeren^ Eiszeit; die unsicheren preussischen 
innerhalb derselben. 

Klinge bei Kottbus. 

Nehbing, Verh..Anthropol. GeseUsch. Berlin. 1891. p. 883; Ausland 1892. 

No. 20; Sitz.-Ber. Ges. naturf. Fr. Berlin 1891. p. 151, 190. 1892. p. 3, 

27; Bot. Centralbl. 1892. No. 30; Naturw. Wochenschr. 1892. No. 24, 

45 u. 46; Zeitschr. dentsch. geol. Ges. 1892. p. 371; dies. Jahrb. 1895. 

I. 183. 
H. Credmeb, Geologische Stellung der Klinger Schichten. Ber. sächs. Ges. 

d. Wiss. 1892. p. 386. 
Eeilhack, Über das Alter der Torflager von Klinge. Zeitschr. deutsch. 

geol. Ges. 1892. p. 369. 
Nathoest, Naturw. Wochenschr. 1892. No. 25. p. 247. 
Weber, Über die diluviale Vegetation von Klinge. Beibl. Bot. Jahrb. 

1893.XVII. — Zur Kritik interglacialer Pflanzenablagerungen. Abb. 

naturw. Ver. Bremen 1896. p. 491. 

Die weitläufige Literatur über Klinge ist z. Th. in dies. Jahrb. 1895. 
I. 127 und 1899. H. 344 referirt. 




Fig. 1. 

Es dürfte von Interesse sein, die verschiedenen Meinungs- 
äusserungen über das berühmte Lager von Klinge neben- 
einander zu stellen: Nach Nehring (Zeitschr. deutsch, geol. 
Ges. 1892; dies. Jahrb. 1895. I. 186) ist das Klinger Profil 
folgendes (Fig. 1): 



Digitized by 



Google 



28 



£ Geinitz, Die EiDheitllchkeit der quartären Eiszeit. 



Nach Cbedner (siehe Fig. 2) : 



1. Humoser Sand ca. ^ m. 

2. Horizontal geschichteter gelber Deck- 
sand 2 m. 



1. Discordant auflagernd Deck- 
sand, weisser bis hellgelber 
dttnnschichtiger Sand. 



3. „Oberes Torflager* J— 1 m, nach S. 
anskeilend, mit meist undentlichen 
abgeriebenen Pflanzenresten (hier 
Megaceros, Bhinoceroa). 

4. „Oberer Thon", graugelb, plastisch, 
fein, kalkreich, 2—3^ m. 

5. Derselbe Thon mit sehr dünnen, hori> 
zontalen, torfigen Zwischenstreifen, 
|— 1 m (hier Bison, Equtis). 

6. „Unteres Torflager*, kohlig- 
torfige Schicht mit zahlreichen wohl- 
erhaltenen (meist horizontal gelager- 
ten) Pflanzenresten, |— } m, nach S. 
auskeilend, comprimirt {hier Emys, 
Tinea, Cervus tarandus, Equw, 
Bhinoceros, Elephas, Castor). 

7. „Lebertorf", hart, scherbig-blätterig, 
0,5 m, nach S. auskeilend = „ Crato- 
pleura -Torf' ^ (mit Emys, Tinea, 
Esox, Megaceroa). 

8. Übergangsschicht , theils sandig, 
theils Süsswasserkalk , ca. 0,2 m, 
z. Th. unten mit lebertorfähnlicher 
Schicht. 

9. Sehr feiner kalkreicher hellgrauer 
Thon, meist steinfrei „unterer Thon" 
bis 4 m {Megaceros Buffii, Cervus 
alces, C. elaphus, Bhinoceros, Vul- 
peSy Castor; ganze Skelette). 



2. Die Elinger Schichten : 

c) Oberer graugelber Thonmer- 
gel, unten durch dünne vege- 
tabilische Lagen schwarz 
gebändert, nach oben local 
innig gemengt mit pflanz- 
licher Masse, welche im nörd- 
lichen Theile zu reinerem 
Torf anreichert und das obere 
Torffiötz bildet. 
b) Schichtig gesonderter Torf, 

zu Unterst Lebertorf. 
a) Unterer grünlichgrauer Thon- 
mergel. 



10. Conglomeratähnlicher Eies (Misch- 
schotter) bis 1 m. 

11. Qelbrother weicher Thon ca. 0,5 m. 

12. Schwarzer schliffiger Thon ca. 1 m. 



3. Diluyialgrand , reich an nor- 
dischem, jedoch auch mit Lau- 
sitzer Material. 



Die Schichten der verschiedenen Thongruben hängen 
z. Th. nicht direct untereinander zusammen. 

Die Schichten abwärts von 6 zeigen wellenförmige 
Biegung. Wo der Geschiebesand direct auf dem oberen Thon 
liegt, greift er nicht selten taschenförmig in denselben ein. 



8. Weber, dies. Jahrb. 1892. I. 130. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



29 



Das Hauptinteresse concentrirt sich auf die kohlig-torfige 
Schicht 6 (das „untere Torflager") mit ihren zahlreichen 
Pflanzenresten (Liste s. dies. Jahrb. 1895. I. 203), die vor- 
zugsweise aus Samen und Früchten bestehen, daneben auch 
viele Blätter, Stamm- und Zweigstlicke von Bäumen, sowie 
Rhizome u. A. enthalten. Die allermeisten kommen noch 
heute in Deutschland vor, keine nordische Art ist gefunden, 
alle deuten auf ein gemässigtes Klima. 1 Species (Crato- 
pleura = Brasenia holsatica) ist ausgestorben, 2 andere 




Fig. 2. Profil durch die im sttdliohen Theile Ider Schulz 'sehen Thongrabe anf- 
geschloBsenen Dilavialgebilde. gr = sandiger Grand; u.th = unterer Thonmergel; 
t = Torfflötz, zu anterst Lebertorf; o. th = oberer Thonmergel, zn nnterst mit 
dttnnen Lagen von Torf, im nördlichen Theile des Tagebaues zuoberst mit einer wolkig 
begrenzten humosen bis torflgen Einlagerung ; d* = Decksand. (Nach Credneb.) 

(Samen), die nur in der unteren Partie des unteren Torflagers 
vorkommen, möglicherweise auch^ sie sind auch im Cromer 
Forest bed gefunden. 

Das untere Torflager ist an Ort und Stelle gebildet, 
während das obere Torflager als ein Ausschwemmungsproduct 
auf secundärer Lagerstätte angesehen wird. 

Obwohl von keiner Grundmoräne tiberlagert, hält Nehring 
das Lager für interglacial , da es zwischen fluvioglacialen 
Bildungen liegt und weil Nathorst im oberen Thon Betula 
nana gefunden hat; Nehring stellt es zum Interglacial 1. 



^ Eeilhace hat aber den Nachweis der Zugehörigkeit von „Paradoxo- 
carpus = Folliculües^ zu der lebenden Wasserpflanze Stratiotes aloides 
geführt (vergl. dies. Jahrb. 1899. II. 343). 



Digitized by 



Google 



30 S- Oeinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 

Die verschiedenen Meinungsäasserungen über das Elinger 
Lager sind folgende: 

Im oberen Thone fand Nathorst Betula nana, danach scheint nach 
ihm nach der Bildnng des unteren Torflagers eine nordische Flora bis 
in die Gegend von Klinge vorgedrangen zn sein. 

Auch Nathorst hält Klinge für interglacial ans folgenden GrOnden : 

1. Cratopleura ist bisher nur aus interglacialen Ablagerungen bekannt^, 

2. die im unteren Thon vorkommenden rundlichen Geschiebe scheinen 
nordischer Herkunft zu sein, 

3. auch in dem Kies an der Basis scheinen nordische Materialien vor- 
zukommen, 

4. zwei Fuchsreste aus dem unteren Thon sind vielleicht Eisfuchs. Andere 
Momente scheinen allerdings für ein präglaciales Alter zu sprechen, 
dann wäre das untere Torflager äquivalent dem englischen Cromer 
Forest bed. 

Krause kann sich (Bot. Centralbl. 62. 1894. p. 295) nicht damit einver- 
standen erklären, dass Nehrinq die 6. Schicht in die erste InterglaciahEeit 
verlegt und in dem Vorkommen des Benthieres im oberen Theile der 6. und 
der Zwergbirke in der 4. Schicht eine Andeutung der zweiten Eiszeit 
sieht. Es müsste dann die Moräne der zweiten grossen Eiszeit spurlos 
verschwunden sein, während die Ablagerungen der ihr vorangegangenen 
interglacialen Periode weder durch den Gletscher, noch durch die Kraft, 
welche später die Moräne zerstörte, wesentlich gelitten hätten. Die Gegend 
von Klinge sei nur einmal, und zwar in der zweiten Eiszeit, vereist ge- 
wesen und dies sei in der 10. Schicht nachweisbar. Krause verlegt deshalb 
die Schichten 9 und 6 in die letzte Interglacialzeit und sieht namentlich 
in der Betula nana der 4. Schicht ein Zeichen der dritten Eiszeit, deren 
Gletscher nur bis in die Uckermark und Neumark vordrangen. 

Nehrinq erwidert dagegen dass er die 6. Schicht in die erste Inter- 
glacialzeit verlegte, dazu leitete ihn die grosse Ähnlichkeit mit der der 
pliocänen Cromer Forest beds und das Vorkommen von Brasenia und Foüi- 
cuUtes, welche die Flora aufs deutlichste mit der Tertiärflora verknüpften. 
Ebenso die Fauna (Megaceros Buffii, Ehinoceros cf. Merckii). Es sei 
durchaus nicht nothwendig, dass die grosse Eiszeit überall im südlichen 
Norddeutschland eine Moräne gebildet haben müsse. Der „obere Thon* von 
Klinge mag ein Aequivalent des Geschiebemergels, also der Gmndmoräne 
dieser Eiszeit sein ; man finde genug Beweise dafür, dass das vorrückende 
Eis der zweiten Eiszeit nicht alle älteren Ablagerungen zerstört hat. 



* Über die fragwürdige Bedeutung sogen. Leitpflanzen des Quartärs, 
besonders von Cratopleura und dem (inzwischen mit der noch lebend vor- 
kommenden Stratiotes identificirten) FollictUites äussert sich Weber (Zur 
Kritik interglacialer Pflanzenablagerungen 1896. p. 490), dass ,man gut 
thun wird, die Altersbestimmung einer Ablagerung, in der eine dieser 
beiden Pflanzen vorkommt, vorläufig auf andere Weise zu versuchen*'. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 31 

Keilhack berichtet, dass „es sich in Klinge um Süsswasserbildungen 
handelt, die in vielleicht zusammenhängenden Becken znm Absatz gelang- 
ten, von diluvialen Sauden unterlagert und von ebenso unzweifelhaften 
nordischen Geschiebesanden überlagert werden. Ausser mehreren kleinen, 
vielleicht aber in der ursprünglichen Gestalt des Beckens schon begründeten 
Specialmulden mit z. Th. ziemlich steilem Einfallen lassen sich grössere 
Lagerungsstörungen nicht nachweisen. Bildungen vom Aussehen unzweifel- 
hafter Grundmoränen fehlen völlig. Bücksichtlich des Alters der Schichten- 
folge lässt sich vom geologischen Standpunkte nur sagen, dass dieselbe 
zweifellos diluvial ist." 

Cbedner zeigte 1892, dass die beiden Grubenaufschlüsse zwei durch 
Sand und Grandrücken getrennte flache Mulden im Diluvialgrand sind mit 
flach wellenförmigem Schichtenverlauf (ohne jede Spur von Glacialschub), 
über welche sich der Decksand discordant ausbreitet. Die liegenden und 
hangenden kiesigen Sande sind identisch mit den altdiluvialen, gemengten 
Schottern der Lausitz, „die von den Klinger Schichten ausgefüllten lang- 
gestreckten Mulden mögen todte, versumpfte Flussarme repräsentiren , in 
denen sich vegetabilische Massen anhäuften und Trübtheile der Hochwasser 
absetzten ** ^ Der discordant darüber lagernde Sand entspricht der Deck- 
schicht in der Lausitz, ist also nicht das Product einer zweiten Eiszeit, 
sondern verdankt wahrscheinlich einer Reihe von Folgeerscheinungen der 
nämlichen Abschmelz-, Oberfluthungs- und Thalbildungsperiode seine Ent- 
stehung, aus der die unterlagernden Glacial- und Flussschotter nebst den 
ihnen untergeordneten Thonen und Thonsanden hervorgegangen sind. 

Den einzigen, und zwar palaeontologischen Beweis für ein präglaciales 
Alter der KUnger Schichten könnten die eingeschwemmten Blätter von 
Betula nana liefern, aber es liegt kein Beweis dafür vor, dass das Eis 
sich bis über Klinge erneut vorgeschoben habe. Nach Credner ergiebt 
sich, „dass die Klinger Schichten ebenso wie die mit ihnen durch Wechsel- 
lagerung verknüpften Grande und Sande demjenigen Abschnitte der Glacial- 
zeit entstammen, in welchem sich das Inlandeis bereits weit von der 
äussersten Südgrenze seiner intensivsten Ausbreitung zurückgezogen hatte, 
einer Zeit, während deren sich mächtige Ströme aus dem lausitzer- 
sudetischen Kandgebirge nach N. ergossen, während deren sich endlich in 
dem nördlich anstossenden Landgebiete bereits wieder neue oscillatorische 
Verstösse des Eisrandes vollzogen haben mögen, ohne dass es jedoch bis 
zur Überschreitung der bei Klinge abgelagerten Schichten gelangt wäre^. 

„Will man etwa die randlichen Ablagerungen aus dieser alt- 
diluvialen Aera als „interglaciaP bezeichnen, so dürfte auch den Klinger 
Schichten diese Benennung zukommen. Sieht man vielmehr von den gleich- 
zeitigen Ereignissen auf nördlicheren Landstrichen ab, und fasst aus- 
schliesslich die Gegend von Klinge und das Lausitzer Schotterareal ins 
Auge, bis wohin das nordische Inlandeis nicht wieder vorgedrungen ist, 
so muss man die Ablagerung von Klinge als „postglaciaP betrachten.'^ 

^ Weber weist allerdings nach, dass die Vegetation der Klinger 
Schichten an Ort und Stelle gewachsen ist. 



Digitized by 



Google 



32 ^- Oeinitz, Die £inheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Aus allem ergiebt sich folgendes: Der liegende Schotter 
ist „altdiluvial" , Product der sogen, zweiten Eiszeit. Die 
früheren Niederungen sind durch den Decksand mehr oder 
weniger ausgeebnet. Für den hangenden Decksand kann man 
nach Analogie mit seinem ganzen Vorkommen in Sachsen nicht 
behaupten, er sei der Vertreter einer neuen selbständigen 
Vereisung, sondern er wird noch zur Haupteiszeit gerechnet. 
Will man auch die Andeutung einer Klimaverschlechterung 
am Schluss der Klinger Ablagerung durch den Betula nana 
führenden oberen Thon zugeben, ist doch kein Nachweis eines 
genügend weiten südlichen Vorstosses des Eises erbracht. 
Wenn wir aber gehört haben, dass sich das obere Torflager 
mitsammt dem oberen Thon auf secundärer Lagerstatte be- 
findet, so kann ebenso gut angenommen werden, dass die 
Blättchen von B. nana aus weiterer Entfernung herbei- 
geschwemmt sind, sei es aus N. von dem entfernten Eisrand, 
sei es aus S. von Stellen, wo B. nana als Relict existirte, 
ebenso wie der Decksand Sandrn oder Strömen entspricht. 
Andererseits sind die für das südliche Gebiet „postglacialen'^ 
Klinger Schichten kein Beweis dafür, dass das Eis sich bis 
in den hohen Norden völlig zurückgezogen habe. Es kana 
vielmehr ganz wohl im nördlichen Deutschland noch existirt 
und mag grosse oder kleine Vorstösse nach S. ausgeführt 
haben. Im Allgemeinen schoben sich die wärmeren Klima- 
bedingungen langsam weiter nach N. Man kann also über- 
haupt keine zeitliche Parallelisirung geben ; was für den S. 
schon postglacial war, ist im N. noch glacial. 

Lauenburg a. Elbe: 

Keilhack, Über ein interglaciales Torflager im Diinvium von Lauen- 
burg a. £. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1884. p. 211. 

Cbedner, Geinitz und Wahnschaffe, Über das Alter des Torflagers von 
Lauenbnrg. Dies. Jahrb. 1889. IL 194 u. 1893. I. 33. 

Keilhack. Ibid. 1892. I. 151. 

Nathorst, Eine Probe aus dem Torflager bei Lauenburg. Naturw. 
Wochenschr. 1894. p. 633. 

Keilhack, Führer durch Theile des norddeutschen Flachlandes. 1899. p. 32. 
(1898. p. 31.) 

Geinitz, Kritik der Frage der interglacialen Torflager von Norddeutsch- 
land. Arch. Ver. Nat. Meckl. 1896. p. 16; Zeitschr. deutsch, geol. 
Ges. 1898. p. 136. 

Dames. Dies. Jahrb. 1896. I. 75, Anm. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 



33 



Das Torflager am Kuhgrund (Fig. 3) bildet die Ausfüllung 
einer Mulde des dort in mehrfachen flachen Wellen aufstei- 
genden unteren grauen Geschiebemergels, deren einer seitlich 
aufsteigender Flügel zuerst fälschlich für überlagernden oberen 
Geschiebemergel angesehen worden war. Die Überlagerung 
durch oberen ist also nicht vorhanden. Das Hangende des 
Torflagers bilden bis zu 10 m mächtige Sande von diluvialem 
Aussehen, dieselben werden jetzt in ihrer Gesammtheit als 
^Decksand^ angegeben, nachdem Keilhace zunächst nur eine 
obere Lage von geschiebeführendem Decksand und eine Art 
Steinsohle als solchen bezeichnet hatte, die aber kaum als 
typischer Geschiebesand erklärt werden kann. 

Einer Deutung der hangenden Sande als jungdiluviale, 
resp. postglaciale „Thalgrande*^ steht aber nichts im Wege. 




^\\ e 



Fig. 3. ds = ..Deoksand" ; ( = interglaoialer Torf; <2m> = obere Bank des unteren 

Diluvialmergels ; ds^ =■ unterdiluvialer Spathsand; dms = nnterdilnvialer Mergelsand; 

dm* = unterer Düuvialmergel im Liegenden des Mergelsandes; ds* == unterdiluvialer 

Spathsand im Liegenden der unteren Geschiebemergelbank. 

(Das Profil ist nach seinen Höbenverhältnissen nicht ganz richtig; 
die Torf mal de reicht tiefer herab.) 

Das Lager erstreckt sich auch weiter landeinwärts unter 
die Wiesen der noch deutlich erkennbaren Niederung. 

Allein maassgebend für die Altersbestimmung ist die 
Flora, deren Charakter „zu der Annahme eines dem heutigen 
mindestens gleichstehenden, wenn nicht etwas wärmeren 
Klimas und damit nothwendig zu der Annahme zwang, dass 
zur Zeit der Entstehung dieses Torflagers das Inlandeis 
mindestens bis tief nach Skandinavien hinein sich zurück- 
gezogen haben mtisste". Für das diluviale Alter wird das 
Vorkommen der in Europa ausgestorbenen Cratopleura holsatica 
= Brasenia purpurea als wichtiger Beweis angeführt ^ 

^ Follicülites ist der Same der noch heute bei uns lebenden Wasser- 
pflanze Stratiotes; Cratopleura die mit der Victoria regia nahe verwandte 
N. Jahrbncb f. Mineralogie etc. Beilageband XVI. 3 



Digitized by 



Google 



34 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 




I I 



^ ?^ 



z 

^ 



g 

6 



GQ 

O 



Die Probe aus dem unteren Flötz er- 
gab, dass das Lager in einem kleinen Busen 
eines Sees oder Teiches, welcher ringsum 
von einem typischen Eichenwald umgeben 
war, gebildet worden ist (Nathorst). 

Nathorst betont den Umstand, dass 
Lauenburg wohl ausserhalb des Gebietes 
der letzten Eisbedeckung liegt und sagt: 
„nur im Verhältniss zur ersten Eis- 
bedeckung kann demzufolge das betreffende 
Torflager als „postglaciaP (supra-morä- 
nisch) bezeichnet werden" *; Müller meint 
allerdings (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1899. p. LVI), dass das letzte Inlandeis 
bei Lauenburg wohl auf kurze Zeit bis 
zum Eibstrand gereicht haben mag. 

Nach dem durch Weber erweiterten 
Begriff interglacial kann man Lauenburg 
als interglacial bezeichnen. 

In Zusammenhang mit dem Torflager 
am Kuhgrund standen vermuthlich die drei 
weiter unterhalb an der Elbe vorkommen- 
den, die zuerst von Keilhack erwähnt sind 
(1. c. p. 218; dies. Jahrb. 1893. 1. 35). Die 
Lagerungsverhältnisse waren aber sehr 
undeutlich und es können hier Abrutsch- 
und Abschlämmmassen eine grosse Bolle 
gespielt haben. „Die Torflager liegen unter 
noch heute vorhandenen Rinnen!** Müller 
fand in der Schnakenbeker Forst unter 



Brasenia purpurea^ Repräsentant der noch beute 
in Amerika. Japan, Afrika und Australien lebenden 
Art; „das sieb yerscblecbtemde Klima bat sie aus 
Europa hinausgedrängt, wohin sie seitdem nicht 
wieder zurückkehren konnte" (vergl. Andersson 
und Keilhack, dies. Jahrb. 1899. n. -179- u. -343-, 
sowie die Bemerkung Wbber's oben). 

* Lauenburg ist natttrlicb „absolut" jünger 
wie Klinge. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 35 

1^2 m Sand eine 0,4 m starke Geschiebepacknng (Rest von 
■oberem Geschiebemergel?), darunter 2 m feinkörnigen Sand und 
dann 2 m Torf (interglacial) (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1899. p. LVn). 

Das Lager von Tesperhude beschreiben Koeet und 
\Veber: Über ein neues interglaciales Torflager (Jahrb. preuss. 
geol. Landesanst. f. 1899. p. 185): Sie fanden am Eibufer, 
beim Ausgange des Hahnebergthales unter einer Thonbank 
als Einlagerung im „unteren" Sand ein „interglaciales** Torf- 
lager mit stark zusammengepressten Holzresten. Die Sande 
werden nicht an dieser Stelle, aber weiterhin von „oberem** 
Geschiebemergel bedeckt. Das Profil ist ein Combinations- 
profil! (Fig. 4.) 

Die beschriebene Flora weicht von Lauenburg durch das 
Fehlen von Eiche und Linde ab. 

Honerdingen bei Walsrode in der Lüneburger Heide, 
40 m ü. d. M., zeigt in einer flachen Thaldepression die Süss- 
wasserausfüllung eines steiluferigen Seebeckens ^ mit folgendem 
Profil: 

7. Oberer Qeschiebesand, oft ohne scharfe Orenze nach unten ^ mit an- 
regelmässig yertheilten Geschieben verschiedener Grösse, ungeschichtet 
oben mit Ortstein. 

6. Discordant geschichteter Quarzsand, ohne Geschiebe. 

5. Sandiger Torf, z. Th. mit thonigen Bänken, z. Th. fast reiner Torf 
mit Bo8 primigenius, Edelhirsch. 

4. Moostorf bank. 

3. Lebertorf mit viel Pflanzen. 

2. Sttsswasserkalk , unten thonig imd sehr muschelreich, in der Mitte 
feingeschichtet, kalkreich, oben kalkärmer. Er enthält Diatomeen, 
zahlreiche Samen und Früchte, Holz und Blattreste; Fische, Schild- 
kröte, Biber, Hirsch, Beb, Megaceros, Boa primigenius, Bison priscw, 

1. Unterer Geschiebesand mit reichlichen Bryozoen (nur an den Bändern 
beobachtet); von den Steilufern der Mulde sind Zwischenlagen des 
Grandes in den liegenden Kalk geführt. Dieser Sand „muss als der 
Bttckstand einer yoraufgegangenen Glacialzeit aufgefasst werden''. 

Webeb entwirft ein anschauliches Bild der damaligen 
Verhältnisse des Sees und seiner Vegetation, die einen ge- 
wissen Wechsel der Flora anzeigt. Die Zerstörung der Rand- 
theile der Ablagerung ist nach ihm durch äolische Verhält- 



^ Webeb, Über die fossile Flora von Honerdingen und das nordwest- 
dentsche Diluvium. Abb. naturw. Ver. Bremen. 1896. p. 413. 

3* 



Digitized by VjOOQ IC 



36 £• Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

nisse erfolgt (Mallwehen); das Verschwinden der Buche ncc 
des Ilex worde nach ihm begonstigt durch ein Banherwerdec 
des Klimas. Die beiden hangenden Sandschichten weiser 
darauf hin, dass das Klima schliesslich in das einer neaen 
Gletscherzeit überging; der discordant geschichtete Quai^zsand 
soll seinen Ursprung in einem Sandr genommen haben, als 
Spur des neuen Landeises gilt der obere Geschiebesand. Ai 
der Unterkante der fossilf&hrenden Ablagerungen wurden 
arktische Pflanzen gefunden (dies. Jahrb. 1901. 11. -290->. 
„Daher sind die fossilführenden Schichten von Honerdingen als 
interglacial anzusehen ; als die Honerdinger Vegetation lebte, 
muss sich das Landeis bis in die fernsten skandinavischec 
Hochthäler zurückgezogen haben, wenn es nicht gar gänzlich 
yersch wunden war." Unter Berücksichtigung der Martin - 
sehen Darlegungen hält Webrr es für sehr wahrscheinlich, 
dass die Honerdinger Interglacialzeit dem Interglacial 1 ent- 
spricht; dann wäre der Punkt zu den eigentlichen Präglacial- 
bildungen mit unterlagemden Diluvialsanden zu stellen. Aller- 
dings muss man bemerken, dass eine stratigraphische Be- 
gründung dafür nicht gegeben wird; auf die floristischen 
Beziehungen legt Weber selbst keinen grossen Werth. Man 
kann Honerdingen wohl auch mit dem Lauenburger Torf 
parallelisiren. 

Beidorf und Gross-Bornholt am Nordostsee-Canal. 

Webbb, Über zwei Torflager im Bette des Nordostsee-Oanals bei Grflnen- 
thal. Dies. Jahrb. 1891. II. 62 u. 228. 

— Zar Kritik interglacialer Pflanzenablagerangen. Abb. natnrw. Ver. 
Bremen. 1896. p. 483. 

Gbinitz, Kritik der Frage der interglacialen Torflager Norddeatachlands. 
Arch. Nat. Meckl. 1896. p. 11. 

Das (Überhöhte und combinirte) Profil Fig. 5 von Beidorf 
ist nach Weber (dies. Jahrb. 1891. II. Fig. p. 64) folgendes: 

Die Unterlage wird gebildet durch wellenförmige Erhebungen von 
Moränenmergel, geschichteten Sauden and Kalksand mit Bithynia ten- 
taculaia. Die Mnlden werden erfüllt von dem zusammenhängenden 
.unteren Stockwerk" des Torfes; darauf folgt ein Moorstreifensand, dann 
das , obere'', aus Schollen zusammengesetzte Stockwerk des Torfes, darauf 
wieder Moorstreifensand und endlich oben eine recente Torfbildung. 

Das Torflager enthält am Ort gewachsene Pflanzen eines 
milden Klimas, darunter Brasenia. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlicbkeit der qaartären Eiszeit 



37 



Weil das obere Stockwerk 
einen wellenförmigen Verlauf be- 
sitzt und aus zahllosen einzelnen 
Schollen besteht, welche los- 
gerissene Trümmer des unteren 
Stockwerkes darstellen, hält Weber 
das Lager für interglacial , die 
Zerstörung sei durch einen von 
N. nach S. vorrückenden Gletscher 
des jüngsten Inlandeises erfolgt. 
Das Lager wurde „durch einen 
Verstoss der Gletscher der letzten 
Vereisung deformirt, während die 
Grundmoräne der deformirenden 
Gletscher selbst nachträglich ver- 
nichtet ward" (resp. von den 
Schmelzwässern umgearbeitet) K 

Wie auch an anderen post- 
glacialen Mooren hat sich in der- 
selben Niederung auch ein recentes 
Torfmoor entwickelt, die Sand- 
beschüttung und die vermeintliche 
Gletscherstörung haben keinen 
Ausgleich der Niveauverhältnisse 
erzielt. A. a. 0. habe ich gezeigt, 
dass die fraglichen Torflager 
nicht interglacialen Alters zu sein 
brauchen, dass für eine interglaciale 
Stellung der beiden Torflager keine 
stratigraphische Begründung er- 
bracht werden konnte; die Sand- 

* Von Interesse ist, dass Weber 
schliesslich zngiebt, dass die oberste 
Lehmbank bei Grünenthal dem unteren 
Geschiebemergel angehören kann und das 
dritte Landeis vielleicht nicht bis Grünen- 
thal gelangt ist ; dagegen sei diese Lehm- 
bank ein Best der Grnndmoräne desselben 
Gletschers, der wenigstens die Bornholter 
Torflager gestaucht hat. 




Digitized by VjOOQ IC 



38 B- Oeinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 

beschfittnng nnd die scboUenartige Aufarbeitung kann ganz 
wohl durch locale Wirkung von Wind und Eisschollen des zu 
Winterszeiten fiberschwemmten Sumpfes erfolgt sein, analog 
wie es auch heutzutage noch auf grösseren Wiesenniederungen 
beobachtet werden kann; der torfstreifige Sand unter dem 
oberen Stockwerk hat seine Analogie mit anderen recenten 
Mooren, die, wie z. B. bei Wamemünde, durch Wasser später 
theilweise zerstört und mit Sand verschüttet wurden. Ein 
kälteres Klima einer folgenden langen Eiszeit braucht man 
aber ftir diese Vorgänge durchaus nicht anzunehmen. Weber 
hält allerdings diese Erklärung nicht für hinreichend. 

Darauf wnrde der Begriff interglacial erweitert nnd Weber , be- 
trachtet nnn eine pflanzenfübrende Ablagemng als interglacial, wenn sie 
im Hangenden and Liegenden von irgendwelchen Glacialbildongen be- 
grenzt wird, gleicbgiltig , ob dies Gmndmoränen , Endmoränen, fluvio- 
glaciale Bildungen oder dergleichen sind, yoransgesetzt , dass die ein- 
geschlossenen Pflanzen selbst ein nicht ständig glaciales Klima anzeigen 
nnd am Orte, oder doch in der Nähe gewachsen sind, nnd vorausgesetzt 
femer, dass die bangenden GlacialbUdnngen nicht erst in späterer Zeit 
über die pflanzenfttbrenden Schiebten geratben sind/ 

Fahrenkrug bei Segeberg in Holstein: 

Weber, Über die diluviale Flora von Fahrenkrug. Beibl. z. Botan. Jahrb. 
1893. p. 18, referirt in dies. Jahrb. 1897. I. -195-. 

Eine Tiefbohrung ergab von oben nach unten: 

ca. 6 m gelber Lehm, 

2—3 „ I. Eoblenflötz, 

8 blauer Thon, 

10 „ Sand, 

0,7-0,9 „ II. Kohlenflötz, 

22 „ Sand, 
m. Kohlenflötz. 

Wbbbr's Untersuchungen beziehen sich auf das erste, 

hier 1,6 m mächtige Flötz, welches in einem Aufschluss von 

oben nach unten folgendes Profil zeigte: 

0,75 m Waldtorf (an Ort und Stelle gewachsen, anfangs Eiche, dann 
Buche, zuletzt neben Buche und Fichte die Kiefer), 

0,3 „ Sphagnum-Torf, 

0,05—0,12 m Hypnum-Torf, 

0,25 m leberartiger Torf (Absatz eines massig tiefen Gewässers), 

staubfreier Sand mit vielen Pflanzenresten (Absatz eines von Wald um- 
rahmten Gewässers), 

ungesohicbteter staubfeiner Sand mit Pflanzenresten (wahrscheinlich 
zuerst Flugsandbildung mit vielleicht steppenartiger Vegetation), 

oa. 2 m Moränenmergel. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Eiobeitlichkeit der quartären Eiszeit. 39 

(Es ist die Geschichte eines postglacialen Torfmoores im 
Gebiete der Endmoräne.) 

Weber hält die Schicht wegen ihrer Lage zwischen zwei 
dem Alter nach verschiedenen Moränen für interglacial. 

Schulau bei Hamburg: Gottsche berichtet (Geognosie 
Hamburgs, Festschr. d. 49. Vers. d. Naturf. u. Ärzte, Hamburg 
1876. p. 15): „An der Grenze zwischen oberem und mittlerem 
Diluvium ist an dem Steilufer bei Schulau ein kleines Torf- 
lager (meist Papiertorf) eingebettet.** Zeise (Beitr. z. Aus- 
breitung d. Inlandeises. 1889. p. 46) giebt folgendes Profil: 

2,0 m Decksand, 
1,0 , Torflager, 
0,3 „ weisse Sande, 

6 ^ unterer Geschiebemergel, welcher übrigens an dem Ufer 
z. Th. bis zu Tage tritt. 

Zeise erklärt den Torf für interglacial, dagegen sagt 
Sernander (Bot. Jahrb. 15. 1893. p. 92) : „In Übereinstimmung 
mit Fischer-Benzon erlaube ich mir jedoch, diese Alters- 
bestimmung Zeise's in starken Zweifel zu ziehen. Die über- 
lagernde Sandschicht zu einem Residuum einer Moräne zu 
machen, scheint mir sehr gewagt. Ich glaube deshalb, dass 
man diese Torfschicht am besten als postglacial deuten muss.^ 

Sie ist wahrscheinlich äquivalent mit den an der Westküste Schleswig- 
Holsteins befindlichen Torfschichten. Knüth, Sehr. Nat. Ver. Schl.-Holst. 8. 1. 

Ais Beispiel, wie eine Bohrung eventuell zu falschen Schlüssen be- 
nutzt werden konnte, möchte ich das Profil einer Bohrung bei Wismar^ 
anführen, welches ergab: 

1,45 m humoser sandiger Geschiebelehm, 

1,05 „ Mourerde, 

1 a blauer, fetter Thon, von dem dortigen Diluvialthon nicht 

zu unterscheiden, 
1,25 „ lockerer Moostorf, darunter diluviale Thone, Kies und Qe- 

schiebemergel. 

Das Gelände lehrt, dass hier zweimalige Überschlämmungen von 
Diluvialmassen der nachbarlichen Höhen auf postglacialen Torf vorliegen. 

Östliches Norddeutschland. 
Diluvialkohle von Purmallen (in dem bekannten Bohrloch) : 

Jentzsch, Beitr. z. Ausbau. Jahrb. preuss. geol. Landesanst f. 1884. p. 510 ; 
Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1880. p. 669. 

^ Geinitz, Wasserversorgung von Wismar. Mitth. geol. Landesanst. 
Mecklenb. 11. 11. 



Digitized by 



Google 



40 ^- Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

„Die Pnrmalleiier Kohle ist als locale Torfbildang aufzu- 
fassen, die nachher versandet und schliesslich unter dem vor- 
rückenden Gletscher begraben ward." Es ist keine Scholle 
tertiären Materials, wie Bebendt annahm. 

Dieselbe Kohle fand Jentzsch in gleichem Niveau 2 km 

nördlich davon, bei G wilden 

t^^"'""^ an der Dange (ibid. p. 511). 

VJ^ Profil (Fig. 6): 

^'-^^^^^ ^^^ dilavialem Sand und Qrand 

'■.v^V u (^> ^) ö*"® 0,6—1 m mächtige 

►-sm '•.v/.^l^ Bank von Kohle (c)^ bedeckt 

■^'•'.■.v'^L ^^"^ ^""^ "* Diluvialsand (dy e, 

-. iZiiSS^ j ,, mit Blöcken von Diluvialsand- 

'!!&.-Ji° •* IIIMIIIIiflllll()iy|Hi|lj c g% stein h) , darüber 2 m gelb- 

L5- ^''\^'^/ßi^>;k ^ brauner Geschiebemergel (f) 
- --. ?"'-'--^^^^=^^ uiid 1 m Sand und Grand (g). 

pjg g Jentzsch ergänzt nun das 

Purmallener Profil wie folgt : 

3 m zweite Vergletscherang (Diluvialsand, Geschiebemergel, Sand), 
21,6 „ Interglacial (Diluvialsand, Kohle, Sand, Thon), 
27 „ erste Vergletschemng (Geschiebemergel, Sand, Geschiebemergel), 
27 „ Vorläufer der ersten Vergletscherung (Sande, ? Geschiebemergel, 
Sande). 

Wahrscheinlich sind nach Jentzsch gleichalterig die 
Kohlen von Wormsaten in Kurland, Krzeslaw bei Dünaburg, 
Shidowtschisny bei Grodno. 

Ebenso fand sich in MemeP Diluvialkohle: 



5-12 
—15,5 


m 


Schlick, 

G^röUe, Grenzschicht 

Diluvium, 


zwischen AUuvium und 


-17 


n 


Diluvialsand, 




-18 


T) 


Thon, 




-24 
—27 


ff 


geschiebefreier Sand, 
Sand mit Diluvialk 


ohle. 


-32 


n 


Tlion, 




-36 

-67,5 

-61,5 




Geschiebemergel, 
Geschiebemergel, 
Sand, 




-62 


T> 


Geschiebe, 




—66 


» 


Geschiebemergel, 
Jura. 





^ Jentzsch, Neue Gesteinsaufschlüsse. Jahrb. prenss. geol. Landesanst. 
f. 1896. p. 14. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



41 



In Fig. 7 giebt Jentzsch 
ein Profil durch Memel und 
Purmallen, wo die kohlen- 
führende Interglacialstufe 
sichtbar ist und bemerkt, 
dass sie nahe der hangenden 
Grenze des dortigen Dilu- 
viums auftritt, mithin die 
jüngste der deutschen Inter- 
glacialstufen vertritt. Er 
fasst die mit der Kohle von 
Purmallen und Memel ver- 
bundenen Sande und Thone 
nebst den Kohlen von Pur- 
mallen und Memel mit 21 m 
Mächtigkeit als „Gwüdener 
Schichten** zusammen. 

Das marine Interglacial 
fehlt nördlich der Pregellinie 
und wird hier vertreten durch 
die (gleichalterigen) Sttss- 
wasserbildungen (der Gwil- 
dener Schichten). 

Dies Profil erecheint ja 
recht einleuchtend, ist aber 
doch wohl mit Vorsicht an- 
zusehen, da es nur auf Com- 
bination beruht. Der Memeler 
Torf könnte z. B. ganz gut 
als postglacial gelten; Pur- 
mallen liegt in einem Thal- 
abschnitt, Gwilden am Thal- 
gehänge. 

Ebenfalls ihrem Alter 
nach als nur unsicher sind 
die beiden folgenden Vor- 
kommnisse aufzuführen. 

Bei Widminnen, Kreis 
Lötzen, constatirte Jentzsch 




60 



Digitized by 



Google 



42 S* Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartftren Eiszeit 

(Bericht, Sehr. phys. Ges. Königsberg 1896. p. 81) in dem 
96 m erbohrten Dilnyiuro Mooskohle : 
3 m Alluvium, 

—28 9 Sande, 

— 36 j, Thon und Mergelsand, 

— 46 , Geschiebemergel, 

—56 „ Mergelsand und Thon, 

—57 „ Geschiebemergel, 

—59 „ Thonmergel, 

—60 „ dünnplattige Mooskohle (mit Hppnum irifarium\ 

—92,5 „ Geschiebemergel, 

—96 „ Grand und Sand. 

Jentzsoh lässt noch unentschieden, welcher Interglacial- 
Periode die Widminnener Mooskohle angehört; „unter der 
Annahme, dass die Tiefenangaben aller Bohrproben richtig 
sind und natürliche Faltungen oder Überschiebungen nicht 
vorliegen, möchte er das Profil so deuten, dass es für die 
Schichten von 46—60 m einen nicht unerheblichen Bückzug^ 
der Gletscher andeutet, in welchem der geschiebeführende 
Mergel von 56—57 m einen örtlichen nochmaligen Vorstoss (!) 
der Gletscher bezeichnet. Danach würde also die Widminnener 
Mooskohle den Bückzugsbildungen eines älteren mächtigen 
Inlandeises angehören. Bemerkenswerth sind die Reste des 
Holzes, welches für die in Frage kommende Zeit jedenfalls 
ein hochnordisches Klima ausschliesst.^ 

Am linken Steilufer der Weichsel fand Ebert* bei 
Neuenburg an zwei Punkten ein nur 1 cm mächtiges „inter- 
glaciales" Kohlenlager; nach dem angegebenen Profil läge es 
zwischen Sand resp. Gerolle, die auf Geschiebemergel liegen 
und von Sauden und Geschiebemergeln überlagert sind; „aller« 
dings machen gewaltige Schichtenfaltungen das geologische Bild 
z. Th. verworren und ist ein weiteres Studium derselben nöthig."^ 

ß. Diatomeenlager. 
Klieken in Anhalt. 

Ströse, Das Bacillarienlager bei Klieken. Dessau 1884. Festschrift. 
Siehe Karte und Profil. 

— Mittheilungen über das Diatomeenlager bei Klieken. 1891. 9. Jahres- 
bericht des Bealgymnasiums. 



^ Ebebt, Über ein Kohlenvorkommen im westpreussischen Diluvium. 
Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1885. p. 803. 



Digitized by 



Google 



E. Cieinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 43 

Cete^baoe, Geologische Mittheilnngen aus dem südlichen Fläming. Jahrh. 
preuss. geol. Landesanst. f. 1888. p. 128. 

Ein ziemlich grosses Lager am Eibgehänge, bedeckt von 
aeschiebesand und unterlagert von geschiebefreiem Sand, z. Th. 
cnit Sand wechsellagernd, enthält Süsswasserformen , Fisch- 
reste, Finus, ist die Ausfüllung eines alten Seebeckens, dessen 
südlicher Theil bereits der Erosion durch die felbwässer an- 
heimgefallen ist. 

Sthöse nimmt für das Diatomeen- und das benachbarte 
Ockerlager ein interglaciales Alter an. Eine Betrachtung 
des Profils und der Lage am Eande des grossen Elbthales 
macht aber die Ansicht, dass es ein postglaciales Vor- 
kommen ist, sehr wahrscheinlich. 

Strösb sagt: „Diese Süsswasserablagerungen entstanden, 

vielleicht in Zusammenhang mit dem damaligen Stromgebiete, 

nachdem der untere Geschiebemergel abgesetzt war, und wurden 

später von dem Grand und Sand des oberen Diluviums bedeckt. 

Die Sandstreifen, sowie die Sandsteinbank im Bacillarienlager 

weisen darauf hin, dass wiederholt (infolge von Hochwassem) 

jenes stehende Gewässer, in welchem die Bacillarienflora 

wucherte, Überschwemmungen ausgesetzt war, welche von 

dem gegen heute 2 — 5 m höheren Bette der ostwestlichen 

Flussrinne ausgingen. Zugleich mit den Bacillarienschalen 

hatten sich, ganz analog den jungalluvialen Bildungen in der 

Mark, Wiesenmergel und Raseneisenstein dort abgesetzt, und 

alle diese Bildungen wurden dann, infolge der zweiten Eiszeit, 

von nordischen Granden und Sand überschüttet." 

Also auch hier wieder wird angenommen, dass merk- 
würdigerweise das interglaciale Seebett genau mit dem post- 
glacialen ürstromthal zusammenfiel. 

Viel besser würde diese Schilderung passen, wenn wir 
sie auf die Zeit des grossen Elb-Urstromthales verlegen, die 
Worte würden bleiben bis auf den Schluss, wo wir sagen 
würden: „diese Bildungen wurden dann später von Thal- 
grand und -sand überschüttet**. 

Aus Dänemark sind folgende Funde bekannt^: 



' N. Habtz und E. Oestbup, Danske Diatom6jord-Aflejringer. Dansk. 
Qeol. UndersOkn. 2. 9. 1899. 



Digitized by 



Google 



44 S- Oeinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Profil von Hollerup bei Landgaa, westlich Randers: 

9 — 12 m resp. 6 — 6 m oberer geschichteter DilayiaLsani 
2-> 3,5 „ g ca. 6 , Diatomeenerde, 

2— 2,5 „ „ 1,5 „ Sttsswasserkalk, 

1,5 -f m ff 1,5 4- m unterer Diluvialsand. 

Die Oberfläche der Diatomeenerde ist anregelmässig wellif 
z. Th. mit geologischen Taschen. 

Fredericia. Unter der Diatomeenerde scheint ante 
Moräne zn liegen, in der Fortsetzung des Profils tritt die- 
selbe, aaf steinigem glimmerhaltigen Diluvialsand und plasti- 
schem Thon lagernd, hervor (sie hat einen anderen Blockgebal: 
als die obere Moräne). 

0,6 m oberste Moräne, 

2 „ grober steiniger Grus, 

2 j, mittlere Moräne, 

4,5 „ geschichteter Diluvialsand, 

0,5 „ steiniger Grus, 

6,5 „ Diatomeenerde. 

Am Trälle Klint, nördlich von Fredericia, finden sici 
fünf Stellen, wo Diatomeenerde and Kalk in verschiedenen 
Niveaus in grösseren Partien auftreten. Eines der Profile ist: 

3 — 4 m obere Moräne, 

9 — 16 „ geschichteter Diluvialsand, 

ca. 1 „ Diatomeenerde (mit Einquetschung von GlimmertboL . 

6—10 „ Sttsswasserkalk, 

2 — 4 „ untere Moräne. 

Die Diatomeen der Lager sind sämmtlich Süsswasser- 
formen. In der Diatomeenerde und im Kalk finden sich femer 
zahlreiche Reste von Siisswasserconchylien , Hecht, Hirsch, 
sowie Blatt- und andere Reste von höheren Pflanzen; von 
letzteren ist hervorzuheben: Eiche, Kiefer und Fichte (!), Taxtis. 
Eller, Carpintis betuluSy Ilex, Viscum aUmm, Naja marina, 
Brasenia purpurea(!). Die Flora entspricht einem milden 
Klima, ungefähr dem gegenwärtig in Dänemark herrschenden. 

Hartz spricht sich dahin aus, dass diese Lager wahr- 
scheinlich alle auf primärer Stätte sich befinden und der 
„zweiten Interglacialzeit" angehören; der obere fluvio- 
glaciale Sand entstamme der Zeit, als der Eisrand des zweiten 
baltischen Eisstromes in der Nähe lag, die Moräne dieses 
hat das Lager von Hollerup nicht tiberschritten, bedeckt aber 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 45 

diejenigen der Gegend von Fredericia; der untere Sand sei 
nicht präglacial, sondern stamme von dem Bückzag der „grossen 
Vereisung**, deren Moräne in der „unteren Moräne** der Profile 
vorliege. 

Vielleicht gehört hierzu nach Madsen ^ auch das unbedeu- 
tende unterdiluviale Lager von sandigem Stisswasserthon mit 
Limnaea von Hersnab auf Hindsholm^ 

Bei Gndbjerg auf Fünen fauden Madsrn nnd Nordhann' in 64 m 
ü. d. M. einen .intergiacialen'^ Süsswasserthon mit der neuen Schnecken- 
form Nemaiureüa stenostoma (Fig. a. a. 0. p. 27). Die Lagerfolge wird 
beschrieben : 

2,25 m gelber Moränenlehm nnd Grus, 

1,4 ,, blauer geflammter Thon mit einzelnen Steinen, 

6,3 , auskeilende Sandschicht, blauer Thon. 

Nur als Vermuthung wird eine Unterteufang durch einen untersten 
Geschiebethon angenommen. 

Der Thon führt Süsswasserconchylien. 

Die Lagerungsverhältnisse dieser dänischen Vorkommnisse 
erscheinen nicht ganz zweifellos; Hartz hält sie für wahr- 
scheinlich primär. Die Lage nahe, resp. innerhalb der Mo- 
ränengttrtel lässt immerhin die Annahme zu, dass hier post- 
glaciale Bildungen von Eisvorstössen oder localen Ursachen 
mit Moränenmaterial bedeckt wurden. (Aber auch die Möglich- 
keit des präglacialen Alters ist nicht ausgeschlossen.) 

y. Lager mit Süsswasserconchylien. 

Wahnschaffe hebt hervor, dass die Molluskenfauna 
jener Ablagerungen sich nicht von der heutigen unterscheidet 
(bis auf die Paludina diluviana^^ deren Vorkommen auf pri- 
märer Lagerstätte übrigens nicht feststeht). 

Die gewöhnlichen Arten sind: Valvata piscinalis, Bühynia tenta- 
culata, Planorbis marginatus, PL carinatus, Limnaea auricularia, L. stag- 
nalis, L, avata, Sphaeriutn solidum, S, rivicolum, Pisidiutn amnicum 
P. nitidwn, Dreissenia polymorplia, ünio, Anodanta, 



* Inddelingen af de danske Kyartärdannelser. 1899. p. 6. 

' UssiNO nnd Madsen, Kortbl. Hindsholm. Dansk. Geol. Undersökn. 
1. 2. 1897. p. 85. 

* Medd. Dansk. Geol. Foren. 8. 21. 1901. 

* Bei den in jüngeren Lagern gefundenen Palndinen muss wohl auf 
die Ähnlichkeit der Paludina diluviana und P. fasciata geachtet werden. 



Digitized by 



Google 



46 



E. GeinitZ) Die Einheitlichkeit der qoartären Eiszeit. 



Bei Werder fand Koert (Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 
1899. p. -60-) auf Spathsand 2—2,5 m Sande mit Valvaten 
und Pflanzenresten, darüber Grand mit eingeschalteten dünnen 
Bänken von diatomeenführendem Süsswasserkalk. Im Hangen- 
den folgen Spathsande und am Fuss des Gehänges horizontal 
geschichteter Thalsand. Koert rechnet dieses Vorkonunen zu 
den primären und stellt es zum jüngeren Interglacial, es schliesst 
sich nach ihm eng an das vom BoUberg bei Rathenow an. 

Korbiskrug bei Königswusterhausen. 

Läufer, Ein SüsswaBserbecken der Diluvialzeit. Jahrb. preiiss. geol. 
Landesanst. f. 1881. p. 496. Fig. 8. 




Fig. 8. Thongrnbe von Korbisking. d» = oberer Dilnvialsand , schwach bedeokt 

von Thalsand, ttber Schleppsand des unteren Diluviums; E = Ookersandschicht ; 

dthi = oonohylienreicher Dlluvialthon; da^ und d«, = unterer Diluvialsand -, dtk^ =: 

Diluvialthonmergel, Übergangsbildung zum Hergelsand. 

Der Fundort ist auf eine kleine Strecke beschränkt, die 
innerhalb einer Thalfläche liegt. In der Umgebung tritt 
mächtiger Diluvialthon auf, frei von Conchylien (!) ; er wird 
von unterem Geschiebemergel bedeckt, von Diluvialsand unter- 
teuft; der Geschiebemergel erscheint nach dem Liegenden 
zu Thonmergel umgebildet. 

Der Fundpunkt zeigt unter 1 — 1,5 m ungeschichtetem 
„oberen Diluvialsand" mit unterer Verwitterungsgrenze, eine 
1—1,5 m mächtige Bank eines geschiebearmen Thonmergels 
(welcher als eine Grenzausbildung des Diluvialthones zum 
unteren Diluvialmergel anzusehen ist) = „Oberbank**, von dem 
Hauptthonlager (Unterbank) getrennt durch eine dünne Sand- 
bank. Die „Oberbank" allein führt Conchylien, von denen am 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 47 

häufigsten Valvata piscifialis, ferner Bühynia tentacülata^ Pisi-* 
diumj Planorbis, Limnaea and eine Paludina düuviana; die 
Bank ist ansserordentlich kalkreich, im feuchten Zustand blaa- 
schwarz, führt auch viele Pflanzenreste, ferner Fischreste und 
Cervus elaphus. In dem folgenden Sand lagen einige Val- 
vaten und Unio, 

Nach Laüfbr ist der Fund ein Becken des unteren Di- 
luviums, Wahnschaffe rechnet ihn zum Interglacial 2, Keil- 
hack zum ^Präglacial**, jetzt Interglacial 1 ^ 

Die ganze Lagerung, das Beschränktsein der Gonchylien 
auf die obere Schicht lassen aber ebenfalls an postglacial 
denken, oder Jungglacial**, als eine Ablagerung in dem Thale, 
umgeschlämmtes Material des Diluvialthones, mit Anreicherung 
an Süsswasserconchylien und Pflanzen, sowie spätere Bedeckung 
durch geschiebef&hrende Sande durch die „Eisschlamm Wässer **, 
Schlammeis, von Überschwemmungen oder dergl. Man wird 
aber beide Vorkommnisse dem Alter nach als noch unsicher 
bestimmt bezeichnen müssen. 

Die Snsswasserkalkvorkommnisse von Zetthun und Gar- 
zenburg i. Pr.^ bilden bis zu 1,5 m mächtige Einlagerungen 
in geschichteten feinen unteren Sauden und werden als Inter- 
glacial 2 angesehen. Ihr Vorkommen an einem Thalgehänge 
resp. in jungdiluvialen Sandrdistricten spricht aber durchaus 
nicht für diese Auffassung: es können sehr wohl einfache 
Kalkbildungen im Sandr sein, wie sie auch anderwärts vor- 
kommen; so erwähnt Maas (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1900. p. 129) das Auftreten jungdiluvialer Tuffkalke als 
Ausscheidungen aus dem Geschiebesande in gewissen Stadien 
des Wasserstandes, die sich an die diluvialen Thalterrassen 
anschliessen und als Vertreter der Terrassen an Steilgehängen 
aufzufassen sind. 

Ähnliches möchte ich für Tuchel annehmen. Hier fand 
Maas (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1898. p. CCII) im 
Westtheil der Tucheier Heide nur einen Geschiebemergel, 
von Sand und Grand unter- und überlagert. Maas hält ihn 
für oberen, weil die unterlagemden Sande z. Th. Reste von 

^ Wahnschaffr, Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1896. p. 134; 
Eeilhaok, ibid. 1882. p. 156. 

« Erläut. zu Bl. Kurow. 1896. p. 12, und zu Bl. Carzenburg. 1895. p. 20. 



Digitized by 



Google 



48 S- Oeinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 

Süsswasserfauna (auf primärer Lagerstätte), Valvata piscinalis, 
Bithynia tentactdata, Pisidium amnicum^ ferner Elephas primi- 
genius führen. 

Häufig werden diese „durch ihre organischen Einschlüsse 
als interglacial charakterisirten Sande und Grande auch un- 
mittelbar vom Heidesand überlagert**. Sie führen stellenweise 
Gerolle von Geschiebemergel ; es scheint nach Maas, als habe 
die Tucheier Heide schon zur Interglacialzeit Höhenunter- 
schiede gegen ihr westliches Bandgebiet aufgewiesen. 

Wahnschaffe wies in der Mageburger Börde zwei petro- 
graphisch verschiedene Grundmoränen, eine untere, an Muschel- 
kalk reiche Localmoräne und einen oberen Geschiebemergel, 
nach, getrennt durch Sedimente. Der obere Geschiebemergel 
ist häufig nur als Rest, Steinsohle vorhanden^; unter ihr 
fand sich auch Kalkt uff als interglaciale Bildung. Wahn- 
schaffe meint danach, dass die zweite Vereisung bis in jene 
Gegend gereicht habe. 

Über die Lagerungsverhältnisse des Kalktuffes von 
Schwanebeck bei Halberstadt ist nichts Genaues bekannt. 
Zech^ sagt, er liegt in 132 m Höhe auf Septarienthon , aus 
den angeführten Profilen scheint er von keinen weiteren 
Diluvialmassen überlagert zu sein. Neben Säugethierknochen 
und Blättern enthält er viel Binnenconchylien , unter denen 
einige dem Altpleistocän angehören. 

Aus dem Gebiet des Endmoränenznges an dem grossen 
Thalkessel von Graudenz ist noch das Bohrloch bei Druschin 
bemerkenswerth®: 

7,5 m oberer Geschiebeinergel, 

1,5 , oberer lehmiger Grand, 

3 „ ? interglacialer grauer Thon, 

2,5 „ kalkiger sandiger Hnmns, interglacial, 
20 ^ nnterer Geschiebemergel mit eingelagerten Mergelsanden, 
in dessen oberem 1 m graugrüner Moormergel mit un- 
bestimmbaren Wurzeln, 

3 „ unterer Sand, 

3 , grauer Thon. 

^ Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1888. p. 262 ; s. Figur auf p. 267. 

' Vergl. Zech, Geologische Verhältnisse der nördlichen Umgebung 
von Halberstadt. Jahresber. d. Oberrealschule zu Halberstadt 1894. p. 14 ; 
WoLTERSTORPF, Zcitschr. deutsch, geol. Ges. 1896. p. 192. 

• Maas, Über Endmoränen in Westpreussen. Jahrb. preuss. geol. 
Landesanst. f. 1900. p. 130, 136. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 49 

Bei Suchau in Westpreossen fand Maas^ folgendes Profil: 
3 m Thalsand, 

2 „ sandiger oberer Geschiebemergel, 

3 „ oberer Sand nnd Grand, 

2 „ eisenschüssiger Sand mit Valvata antiqua, Planorbis n. a., 

6 9 unterer Sand, 

graner unterer Geschiebemergel. 

Die Schicht aus 8 — 10 m Tiefe wird durch ihre Süsswasser- 
fauna und Verwitterungserscheinung als interglacial aufgefasst. 

Von Gross-Schönwalde östlich Graudenz fand Jentzsch ^ 
unter 1,5 m Geschiebesand und 0,3 m Grand etwa 5 m ge- 
schichteten Grand und Sand mit zahlreichen Muscheln (Pi$i- 
dium, Änodontüy Valvata); diese Schicht scheint den unteren 
Geschiebemergel discordant zu überlagern, dessen oberster 
Theil entkalkt ist und Wurzelfasern enthält. 

Das Thal der Laschienka bei Lessen zeigt durch 

Combination von Aufschlüssen: 

1,0 m Abschlämmmassen. 

3,0 „ kalkfreien feinen Sand, 

1,4 „ Mergelsand und Thonmergel, 

1,2 , unteren Geschiebemergel, 

(Ich möchte dies Profil aber nicht zu interglacialer Deu- 
tung verwerthen.) 

Wenn nicht etwa localer Übertrieb oder Erscheinungen 
von Sandr die hangenden Schichten erklären lassen, so wird 
man für diese Funde im Endmoränengebiet anzunehmen haben, 
dass während der langen Zeit des Stillstandes vom Eisrand 
hier auch kleine offene Gewässer sich bildeten, die von Thieren 
und Pflanzen belebt waren. 

Für das ostpreussische Diluvium hatte Jentzsch^ 

folgende Gliederung entworfen: 

Jungglacial, 

' Sand und Grand, 
Kohle, 

Sand und Grand, 
^ Thonmergel, 



Interglacial : 



Altglacial, 
Frttfaglacial. 



^ Maas, Über Endmoränen in Westpreussen. Jahrb. preuss. geol. 
Landesanst. f. 1900. p. 130, 136. 

> Erläut. zu Bl. Lessen. 1898. p. 12. 

' Bericht über die Verwaltung des ostprenssischen Provincialmuseums. 
Königsberg 1896. p. 63. 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XYI. 4 



Digitized by 



Google 



50 £• Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 

Die einzelnen Profile sprechen för diese Gliedenmg. E- 
denken wir aber die recht complicirten OberflächenyerhältDis^ 
des Landstriches während der ganzen Quartärzeit, die sich z 
dem Yerbundensein von marinen mit SüsswasserablagenmgT: 
oft genng zeigt (s. u.), sowie die anerkannte Thatsache, dsi^ 
der Gletscher hier wie anderswo vielfache Oscillationen aa^ 
führte, so wird man die Profile (der innerhalb der Enc- 
moränenzone gelegenen Pankte) z. Th. auch als „alt- m: 
jangdiluviaP ansehen können; wir müssen annehmen, d^v 
hier manche eisfreien Stellen existirten, die z. Th. auch offeiir 
(Süss- wie Meeres-) Wasser trugen. 

Lindenberg bei Rössel. 

ScHBÖDEB, Diluviale Süsswasserconchylien auf primärer Lagerstätte i: 
Ostprenssen. Jahrb. prenss. geol. Landesanst. f. 1887. p. 349. 

In diluvialen Sand und Grand eingelagerte Schichten tc! 
Kalk und Thonmergel sind, ebenso wie der hangende mi 
liegende Sand, reich an Süsswasserconchylien (Anadonta, Unk. 
lAmnaea stagnalis, L. ovata, Planorbis carinatus^ ValvcUa pii- 
cinalis). Die Serie ist ca. 15 m mächtig; Schröder hält di-r 
ganze Schichtenfolge für Süsswasserabsatz. Die Nachbarschaft 
mariner Schichten, bei Kiwitten 4 Meilen westlich, zeigt, im 
damals die Grenze zwischen Meer und Land zwischen den 
Städten Bischofstein und ßössel lag. 

Süsswasser-Interglacial von Tapiau am Pregelthal. 
Jentzsch, Ber. d. Verw. d. ostpreoss. Provincialmns. lS9ß, p. 61; Ne« 
Gesteinsaufischlüsse. p. 56. 
— 3 m Auftrag, 



-6,5 „ 


gelber Lehm zweifelhafter Stellung, 


-10 . 


gelber feiner Sand mit Schnecken 
(?Palud%na düuviana)^ 




-14 . 


grauer Thonmergel mit Palttdina 
düuviana^ 




-15 , 


grauer Sand mit Süsswasserconchy- 






lien, Pal. diluviana und Valvata, 


Königsberger Stufe 


-17 . 


gelblicher Sand, 


* oder Begimontan 


-20 , 


kalkarmer grauer Schlick, 


(intergladal), 


-22 „ 


dto. kalkig. 




-24 , 


feiner grauer Sand mit Paludina 
düuviana, 




-25,5 „ 


grauer Thonmergel, 




-28,19, 


Sand, schwach kalkhaltig. 





Digitized by 



Google 



15 m Begimontan, 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 51 

— 29,5 m grünlichgrauer Fayencemergel, 
—40 „ rother fetter Thonmergei (Wehlauer Thon), 
— 45,5 „ grauer magerer Thonmergei (vielleicht Bttckzugsbildung der 
vorhergehenden Gletscherablagerungen); von Jemtzsoh 
als Analogen einer Lateritbildung aufgefasst, 
—46 „ nordischer Grand. 

Allenberg bei Wehlau. 

Jentzsch, Ber. d. Verw. d. ostpreuss. Provincialmus. 1896. p. 72; Neue 
Gesteinsaufschlüsse, p. 62. 

7— 9 m alluvialer Grand, 

9—25 , röthlicher Geschiebemergel, 

—32 „ Thonmergei, 

—33 „ grüner Lehm mit dünnen Kohlen- 1 
b&nkchen, 

— 37 „ grauer Sand mit Pflanzen und Süss- 
wasserconchylien, 

— 40 „ kalkreicher Staubsand mit Dia- 
tomeen, 

—47 , grauer Schlick mit Pflanzenresten, , 

—57 „ rother fetter Thonmergei 10 „ Wehlauer Thon, 

—67 „ Geschiebemergel, 

—69 a Diluvialsand. 

Insterburg. Eine Bohrung zeigte in dem 37,5 m mäch- 
tigen Diluvium (mit typischem Geschiebemergel in den be- 
deckenden Sandschichten) in 34,5—34,75 m eine dünne Kies- 
bank erfüllt mit Süsswasserschnecken (Pcdudina düuvianaj 
Valvata^ Pisidium), darunter eine Lage „schwarzer Erde** mit 
Picea excelsa. 

Der von Gibeviüs (Sehr, physik. Ges. Königsberg. 40. 1899. p. [7] 
mitgetheilte ,interglaciale Süsswassermergel' mit Diatomeen, verknüpft 
mit Torfund Diatomeenmergel in der Section Wormditt, Ostpreussen 
(von 1,1—2 m lehmigem Sand bedeckt) , dürfte wohl ein alluviales Vor- 
kommen sein. 

Klebs äussert sich (Erläut. zu Bl. Heilsberg. 47. Lief. 
1891. p. 31) dahin, dass es am wahrscheinlichsten erscheint, 
dass sowohl bei Wormditt als auch bei Heilsberg und Barten- 
stein Absätze alter, höher gelegener alluvialer Becken vor- 
liegen, deren Lagerungsverhältnisse durch anfgerutschten oder 
umgelagerten Lehm unklar sind (s. auch Bl. Bartenstein. 
1896. p. 10). 

4* 



Digitized by 



Google 



52 



E. Geiuitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 



d. Eine Hauptstütze für die Annahme von Interglacial- 
zeiten sind die Funde der diluvialen Säugethiere, Rixdorf 
an der Spitze. 



II <s 

i 

» ►< 

«^ 

Vi 

II g 

l| 

H ^ 

5-§: 
I? 

-• 2, 
I.B- 

II n 
3» 

»§• 




'iP'i;;;i,:i,i '■ 



'" '"Vil. 11:1 



'iliil^l'lll' 









lllr 

Ir' 
I*: 



Schröder sagt, dass, wenn auch viele interglaciale 
Ablagerungen durch spätere Wassermassen zerstört seien 
und in der That die Knochen oft AbroUungserscheinungen 



Digitized by VjOOQ IC 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



53 



zeigen, doch ein grosser Theil der Säugethierüberreste von 
Rixdorf u. a. O. sich auf primärer Lagerstätte fänden. 

Die berühmte Fundstätte zu Rixdorf 
ist zuletzt von Berendt beschrieben und 
abgebildet (Erläuterungen zur geologischen 
Specialkarte von Preussen, Blatt Tempel- 
hof. 1882. Taf. I Fig. 2; Penck, Zeitschr. 
deutsch, geol. Gesellsch. 1879. p. 152) 
•Fig. 9). 

Unter der ziemlich gleichmässigen 
Decke von 2 — 5 m oberem Geschiebe- 
mergel resp. -lehm und -sand liegen die 
mächtigen Dilavialsande, z. Th. mit Grand- 
einlagerungen ; an ihrer unteren Grenze 
ist anmittelbar auf dem unteren Ge- 
schiebemergel eine Grandbank, welche 
meist die Säugethierreste führt. Der untere 
Geschiebemergel bildet nur mehr oder 
weniger mächtige Einlagerungen im Sand 
(er ist hier ein guter Fundpunkt für Palu- 
dina däuvianä), (Das Profil Berendt's zeigt 
iFig. 10), dass der untere Geschiebemergel 
seitlich in Grand übergehen kann, und 
weiter, dass es bei der aufgebogenen 
Lagerung oft sehr schwer ist, unteren und 
oberen Geschiebemergel an solchen Ge- 
hängen zu trennen, wo beide streckenweise 
die Oberfläche bilden.) 

Halbe bei Königswusterhausen: 

Wabnschaffe, über Anfischlüsse im Dila7iiim bei 
Halbe. Jahrb. prenss. geol. Landesanst. f. 
1896. p. 126. 

Diluvialer Thon (nach Wahnschaffe 
dem untersten Diluvium zugehörig) wird 
Ton Sanden bedeckt, die z. Th. zum Thalsand, z. Th. zum 
Interglacial gerechnet werden; der Aufschluss liegt in einer 
Thalrinne, die von Thalsand erfüllt ist. Zwischen Sand und 
Thon kommt ein Steinpflaster vor (als Rückstand eines aus- 
geschlämmten Geschiebemergels angesehen). In dieser Stein- 



ig 



I 



I 
I 



Digitized by 



Google 



54 ^- Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 

sohle fand sich eine ^t erhaltene Stange des hochnordischen 
ßenthieres, Cervus groenlandicus; da auch Elephas und Ursus 
hier gefunden wurde, stellt Wahnschaffe den Fund in den 
Rixdorfer Horizont. 

Im Sand fand sich eine Torfscholle. 

Dieser hochnordische Rest im Interglacial (mit ge- 
mässigtem Klima !) wäre als Relict aufzufassen ; es liegt kein 
Grund vor, die knochenführenden Sande als von einer Moräne 
(oder deren Resten) bedeckt anzusehen, das Lager kann sehr 
gut als „postglacial^ im weiteren Sinne angesprochen werden. 

Der Befund von Oderberg ist folgender: 

SoHBÖDEB, Eine grosse Felis-Art ans märkischem Dilnvium. Jahrb. preuss. 
geol. Landesanst. f. 1897. p. 20. 

Spathsand und etwas Thon unter 1 m Geschiebemergel 
mit oben 0,5 m Blockpackung ; darauf 10 m Grand und Sand 
an der unteren Grenze mit den Säugethierresten, bedeckt von 
0,5 m Blocklage und 2 m Thalsand. 

Man könnte die fraglichen Grande nach ihrer Lage 
innerhalb von Thalterrassen für spätglacial halten, Schröder 
meint indessen, dass die obere Blocklage das Residuum der 
zerstörten jungglacialen Grundmoräne ist und damit der unter- 
lagemde Grand interglacial resp. jungglacial. 

Alle Fundorte aufzuführen, würde hier zu weit führen; 
diluviale Säugethierreste finden sich in allen Theilen des 
norddeutschen Flachlandes. Nur einige, von denen die ge- 
nauere Lagerung bekannt ist, mögen als Beispiel erwähnt sein : 

In Mecklenburg ist Bartelsdorf bei Rostock interessant. Der 
bis 8 m mächtige „mittlere'' Kies enthält an seiner Basis Qerölle von 
seiner klippenartig erodirten Unterlage, dem granen Qeschiebemergel (der- 
artige Geschiebemergelgerölle sind anch anderwärts bekannt, aus der Mark, 
Hannover und aus Ostpreussen (s. Schröder, Jahrb. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1897. p. 23); sie brauchen nicht eine lange zeitliche Unterbrechung 
zwischen Ablagerung des Geschiebemergels und Diluvialkieses anzudeuten) ; 
der Eies ist z. Th. bedeckt von Geschiebesand, der aber nicht Repräsentant 
des oberen Geschiebemergels zu sein braucht. Im Kies fanden sich gerollte 
Stücke von Cervus elaphtis und CF megaceros. 

Über die Vorkommnisse in der Provinz Hannover gab Struck- 
MANN eine Übersicht (Über die bisher in der Provinz Hannover aufgefundenen 
fossilen und subfossilen Reste qnartärer Säugethiere. Jahresber. naturh. 
Ges. Hannover. 1884. p. 21, 40; 1892. p. 48). 

Genauere Schichtenangaben fehlen meist, vielfach werden auch , Sande 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 55 

in Flüssbetten' ftls Fundorte genannt, sogar in jnngdilnvialen Schichten 
finden sich einige der Bixdorfer Formen. 

Ans der Gegend von Posen werden zahlreiche Funde ohne specielle 
Angabe der Lagerung mitgetheilt (Maas, Jahrb. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1898. p. 82); andere liegen im Eies von Thalterrassen auf secnnd&rer 
Stätte (Wahnschaffb, ibid. 1896. p. LXXIX). 

Ans Schleswig-Holstein sind nach freundlicher Mittheilung von 
' GoTTSCHE 11—12 Mammuthfunde bekannt, aus Mecklenburg 9, aus 
der Provinz Preussen einige 60. Dagegen sind aus Schlesien reichliche 
Funde bekannt. 

Sehr bemerkenswert!! ist also die Erscheinung, dass je 
weiter nach den südlichen Gebieten des norddeutschen Quar- 
tärs, um so reichlicher die Funde werden. Dasselbe gilt für 
die ausserdeutschen Landschaften. Auch die westrussischen 
Mammuthfunde sind alle auf prä- oder postglaciale Ablage- 
rungen zurückführbar. Das Thier hat eben seine Hauptver- 
breitung längs der Aussenränder der Vereisung gehabt (ob 
es im späteren Quartär nach NO., Sibirien, ausgewandert ist, 
ist eine Frage, die der näheren Untersuchung werth erscheint). 

Es entstehen nun die Fragen: 1. Sind es Reste von an 
Ort und Stelle untergegangenen Thieren oder sind sie zu- 
sammengeschwemmt auf secundärer Lagerstätte? 2. Sind 
diese Säugethierformen prä-, inter- oder postglacial, oder ge- 
hören sie allen drei Zeitabschnitten an? 3. Sind die strati- 
graphischen Beweismittel ausreichend? 

Manche Funde an den äusseren Bandgebieten sind sicher 
präglacial (Schlesien), andere auch postglacial (in Sachsen, in 
den Terrassen bei Halbe, Oderberg, Hameln); viele sind 
deutlich verschleppt. 

Ein sicheres Beispiel von „interglacialem" Vorkommen 
scheint Rixdorf: Die dortigen fossilftthrenden Grande liegen 
zwischen zwei Qeschiebemergeln. Aber aus der Schilderung 
können sich doch auch hier Bedenken ergeben : Vielfach sind 
die Grande besonders reich an ihrer Basis, unmittelbar an 
ihrer Grenze gegen den unterlagernden Geschiebemergel ; wie 
nun auch im Geschiebemergel, also auf secundärer Lagerung, 
Knochen und Faludina düuviana vorkommen, so können sie 
in den überlagernden Sand auf tertiäre Lagerstätte gelangt 
sein. Gegen diese Verallgemeinerung spricht nur die Masse 
und theilweise gute Erhaltung. 



Digitized by 



Google 



56 ^- Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Die nntere Geschiebemergelbank ist dort gar keine 
mächtige Bank, sondern geht seitlich in Grand über und stellt 
eine Einlagerung im Sande vor (ganz abgesehen davon, dass 
oberer und unterer Geschiebemergel an der Oberfläche nicht 
immer sicher zu trennen sind) ; das mächtige Diluvium der Tief- 
bohrung (Blatt Tempelhof. p. 17) zeigt darunter nur Sedimente. 
Es hat also hier ein länger andauernder Kampf zwischen 
Moräne und fluvioglacialen resp. einheimischen Sedimenten 
stattgefunden^, ohne dass eine eigentliche mächtige Moräne 
zum Absatz gelangte (Berendt weist auf die eigenthümlichen 
Beziehungen zwischen Geschiebemergel und Thon hin : wo der 
eine zu grösserer Ausbildung entwickelt ist, tritt der andere 
zurück). Moräne und Grand haben dabei die in der Nach- 
barschaft befindlichen Thierreste in sich aufgenommen, so dass 
diese theilweise auf primärer Lagerstätte zu betrachten sind, 
die Reste sind typisch „glacial" und bezeichnen keine Epoche 
eines grösseren Rückzuges des Eises infolge milderen Klimas 
(auch etwa vorkommende GeröUe von Geschiebemergel im 
Sand brauchen natürlich nicht eine längere Zeit von Eisfrei- 
heit zu bezeichnen). 

Wenn auf diese glacialen und fluvioglacialen Ablagerungen 
eine ziemlich gleichmässige Decke von oberem Geschiebe- 
mergel abgelagert ist, so kann dies einerseits als Beweis für 
eine neue Eiszeit angesehen werden, andererseits aber auch, 
im Vergleich mit den zahlreichen anderen Wechsellagerungen 
im eigentlichen unteren Diluvium, auf oscillatorische Vorstösse 
des Eises in der Zeit des allgemeinen Rückzuges zurückgeführt 
werden (es mag für die Kartirung von Nutzen sein, diese 
Trennung durchzuführen, mittlerweile ist ja erkannt, dass sie 
mehr noch einen historischen Werth hat). 

2. Marines Diluvium, marines Altquartär. 

a. Cimbrische Halbinsel. 

Die marinen Diluvialschichten Deutschlands beschränken 
sich auf die Küstengebiete der Nord- und Ostsee und auf 
ehemalige in das Land tiefer eingreifende Buchten oder 



* In der Nähe mag sich ein grösseres Gewässer, z. B. ein „Paludina^ 
Fluss'', befunden haben. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 57 

Arme *. Eine alte Verbindung zwischen Nord- und Ostsee nimmt 
GoTTscHE von Itzehoe, Rensing durch das heutige Thal der 
Osterau über Fahrenkrug, Tarbeck, Plön und durch das Thal 
der Kossau in die Kieler Bucht an; auch durch das Thal 
der Eider, Sorge und Schlei scheint eine ähnliche Verbindung 
bestanden zu haben. Der Geestrand scheint in seiner Anlage 
älter als das Diluvium zu sein und einen alten Bruchrand zu 
bezeichnen. Eine Karte des marinen Diluviums giebt Jentzsch 
im Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1884. Taf. 27. 

Die schleswig-holsteinischen Vorkommnisse sind von 
GoTTSCHE beschrieben^, auf dessen Arbeit mit der übrigen 
Literaturangabe hier Bezug genommen wird. Er gliedert 
die Fauna in eine arktische, boreale und gemässigte ; sämmt- 
liehe Faunen sind Litoralfaunen. 

Die Schichtenfolge bei Lauenburg ist nach Müller und 
Keilhack folgende*: 

1. Oberer Sand mit seiner geschiebereichen Decke (glaciale Bildang). 

2. Interglacialer Torf (Süsswasserbildung), interglaciale Bildung. 

3. Obere Bank des unteren Geschiebemergels. 

4. Späth- und Mergelsande (nicht Cardium-SAnde), 
ö. Untere Bank des unteren Geschiebemergels. 
6. Spathsande, an der Basis mit Bänken von 

Bänderthon und Mergelsand. 



a 
& 






^ 

^ 

s 



glaciale 
Bildung^. 



7. Car(2tum-Sand > marine bezw. 



Süss- 
wasser- 
bildung 



präglacial 

nach 
Müller ^ 



8. Fetter Thon mit Mytüus edulis f brack. Bildung 

9. Braunkohle, unrein, mit Resten von Nagern, 
Fischen, Käfern u. s. w. 

10. ^nocton^a-Bank, stellenweise in eine reine 
Diatomeenschicht übergehend 

11. Sand ohne Fossilien. ^ marine Bildung?, früher als Miocän 

12. Fetter schwarzer Thon. ) (Pliocän) angesehen. 



1 



Das locale Beschränktsein der marinen Ablagerungen ist ein weiterer 
Beweis gegen die Drifttheorie. 

s GoTTSCHE, Die Endmoränen und das marine Diluvium Schleswig- 
Holsteins. II. Mitth. Geogr. Ges. Hamburg 1896. 

« Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1898. p. -145-. 

^ Den jetzt als unterster Geschiebemergel angesehenen Thon im 
Eibniveau am Euhgrund hatte ich früher als den grauschwarzen Thon 
gehalten; möglich wäre es immer noch, dass es dieser ist, eingepresste 
Geschiebe führend; indessen bescheide ich mich mit dem Kesultat der 
neueren Aufnahmen. 

^ Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1899. p. LVII. 



Digitized by 



Google 



58 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



Die Aufschlüsse des Elb-Trave-Canals an der Schleuse 
in Lauenburg (s. Profil Fig. 11) zeigten als ältestes Glied der 
Reihe den dunklen Thon, welcher eine Mächtigkeit bis zu 
100 m besitzt, ohne Fossilien. Derselbe Thon, den man bisher 
zum Miocän gerechnet hatte, zieht sich weiter elbabwärts bis 
Hamburg hin; so fand er sich in einem Grubenaufschluss 
abwärts von Tesperhude als aufgequetschte Kuppe, an deren 
oberen Theilen auch breccienartig Spathsand und grosse Blöcke 
eingequetscht waren. Er führt hier Gypskrystalle. In Hamburg 




AhrtsiJi/i 



Fig. 11. dg.dG= Grand und Cteschiebepaoknng; «f« = nnterdilnvialer Spathsand; 

dth =. unter diluvialer Bänderthon; ple &= C^art^m- Sand ; pld = Diatomeenbank; 

ptt« B fetter Thou mit MyUlw eduUt; plb = Braunkohle; pla = Anodontenbank ; 

pls s= Sande, steUenweise vivianitführend ; pith^ = fetter Thon ohne Fossilien. 

ist er an mehreren Stellen durchsunken und es wurden unter 
ihm Grundmoränenbildungen beobachtet; deshalb stellt ihu 
GoTTScHE zum unteren Diluvium ^ 



* Dagegen folgt in einer neuen Bohrung der Bayaria-Brauerei zu 
Altona (am Abhang der Geest) unter dem Thon sogleich das normale Miocän; 
die Bohrung ergab bis — 28 m unteren Geschiebemergel, bis — 89 m Kies, 
bis —41m Geschiebemergel und bis — 64,6 m schwarzen Thon des ünter- 
diluviums; darunter miocänen Glimmerthon (vergl. Darapskt, Vortrag im 
Journ. f. Gasbeleuchtung und V^asserversorgung. 1901). Ob die Bohrprofile 
allein maassgebend sein können, möchte vorerst noch zweifelhaft sein; 
man hat staffelartige Verwerfungen constatirt und nur zwei Geschiebe- 
merkelbänke beobachtet. Der Bericht sagt (Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 
1898. p. -146-), „wenn man diese Grundmoränen der Hamburger Bohrungen 
der ältesten Eiszeit zurechnet, die in Lauenburg unter dem Torflager und 
über den Care^tum-Sanden liegenden Geschiebemergel als Grundmoräne der 
mittleren Eiszeit betrachtet, so ergiebt sich daraus, dass sowohl die Süss- 
Wasserbildungen als auch die marinen Ablagerungen bei Buchhorst der 
ältesten Interglacialzeit angehören." 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 59 

Die folgenden Stisswasserbildungen bestehen aus 
braankohlenartigem Torf mit zahlreichen Pflanzenresten ^ einem 
Thon mit Anodonta^ einem versteinerungsleeren Sand und einer 
kalkhaltigen Diatomeenerde, welche sehr der schwedischen 
jüngeren „gytja^ ähnelt^. Die Schichten keilen sich nach 
NW. aos. 

Über den folgenden MytiluS'^)i(m stellen sich dann die 
feinen thonigen Sande ein, die in örtlichen Anhäufungen 
Millionen von Oarc^wm-Schalen enthalten, daneben nur als 
Seltenheiten noch andere marine Reste. 

Aach die Lagerungsverhältnisse sind sehr interessant: 
,.Die Schichten sind nämlich in ausserordentlich complicirter 
Weise gefaltet, über dem Schleusenbett ist eine überkippte 
Falte aufgeschlossen, die an einer Überschiebung abschneidet, 
wobei auf der Überschiebungsfläche grössere Grande und 
Gerolle zu einer dünnen Bank ausgezogen erscheinen." 

Auch bei Bleckede (Breetze), 2 Meilen oberhalb, fand 
Müller die gleichen Schichten mit mariner Fauna, wodurch 
die Aasdehnung des flachen Meerbusens des Elbmündungs- 
trichters eine weitere Ausdehnung erfahren hat. Dasselbe 
fand Müller bei dem dazwischen gelegenen Boizenburg': 
Unter „Thalgrand" und graugelbem thonigen Sand liegt dort 
2 m Myt%luS'l!\ioxi mit einer unterlagemden Schicht von 
Diatomeenpelit (Süsswasserformen und Süsswasserconchylien 
führend *) ; ein anderer Aufschluss zeigt unter gelblichgrauem 
Geschiebemergel resp. Thalsand hellgrauen Thonmergel mit 
massenhaften Cardien, nach unten übergehend in thonigen 
Sand mit Mytüus, unter welchem noch schwarzer Thon folgt. 

Der liegende Thon enthält spärlich Sttsswasserdiatomeen, 
m der Diatomeenschicht selbst wurden 110 Formen nach- 
gewiesen, die sämmtlich Süsswasserformen sind und alle auch 



^ Das brannkohlenähnlicbe Material der Brand & ANKER'schen Ziegelei 
ei^b BÜNTE 131 Formen, Bämmtlich Süsswasserformen. 

' In dem Lager des Ganais fanden sich 140 Formen, unter denen 
2 marine und 3 brackische, beide Ablagerungen sind verschieden; auch 
Ton den Lüneborger Vorkommen unterscheidet sich die Lauenburger 
Diatomeen-Flora. 

« Arch. Nat. Meckl. 1899. p. 166. 

^ BüNTE, Diatomeenschichten etc. Arch. Nat. Meckl. 1901. p. 96. 



Digitized by 



Google 



QQ £. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

heute noch lebend in Deutschland vorkommen ; die Flora hat 
grosse Ähnlichkeit mit der Lüneburger. Auch bei Boizenburg 
wies Müller starke tektonische Störungen nach. 

Hamburg. Die vier von öottsche und Wahnschaffb 
als sicher Interglacial 1 angenommenen Hambni*ger Befunde 
(Dockenhuden, Nienstedten und Hamm) gehören zu den „un- 
genügend bekannten, aber, nicht arktischen^ Faunen. Die 
marinen Schichten liegen unter Geschiebemergel, den Gottsche 
als unteren ansieht (Zeise aber vielleicht als oberen ansehen 
möchte) ; in zwei Bohrungen sind sie auch von einem weiteren 
Geschiebemergel untertenft. 

Die Hamburger Profile sind: 

Dockenhuden bei Blankenese: -l" 40 m. 
1,4 m Auftrag, 

— 10,6 „ lehmige und kalkfreie Sande, 

— 43,0 g unterer Geschiebemergel, 

— 53,6 , feine Sande, 

— 70,8 „ grünlichgrauer kalkreicher Thon mit mariner Fauna 

(Oberkante —13 m), 
—192,6 „ schwarze, z. Th. fette Thone mit feinem nordischen 
Material. 

Nienstedten bei Flottbeck: -f ^^ ^' 
0,7 m Auftrag, 

— 21,3 , unterer Geschiebemergel, oben gelb, 

— 23,5 „ mittelfeine Sande, 

— 39,7 „ grünlichgrauer kalkreicher Thon mit mariner Fauna 

(Oberkante —13 m), 
—181,5 „ schwarze ) z. Th. fette Thone mit feinem nordischen 

Material, 
—185 „ Sand und Kies mit grobem nordischen Material, 
—189,7 , tiefster Geschiebemergel (Silur, Kreide und 

Tertiär, Rhombenporphyr), 

Hamm in Hamburg: + 7,5 m. 
3,1 m Auftrag, 

— 23,5 „ unterer Geschijbemergel, oben gelb, 

— 27,5 j, z. Th. grober Korallensand, 

— 53,9 „ feine Sande, Thonmergel, 

— 55,9 , grauer Sand mit viel Mytüua und TeUina (Ober- 

kante —46 m), 

— 65,3 j, grau und rothbrauner Thonmergel mit etwas Mytüus 

und Telltna, 
—123,5 , dunkle und helle Thonmergel, Sande und Glimmersande, 
—126,6 , firrober nopüsclier Kies. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 61 

Hamm: + 4 m. 

1,9 m Auftrag, 

— 9,2 , kalkfreier Sand und Eies, 

— 32,0 „ unterer Geschiebemergel, 

— 43,2 , feine Glimmer- und Mergelsande, 

— 46,9 „ grauer thoniger Sand mit sehr viel Mytilus und Tellina 

(Oberkante —89 m), 
— 112 „ thonige Glimmer- und Mergelsande, 
— 123 „ sandiger Geschiebemergel und grober Kies, 
—133 9 grauer Thonmergel mit feinem nordischen Material, 
—155 „ tiefster Geschiebemergel (mit norwegischem 

Rhombenporphyr), 
— 191,6 , tertiäre Glimmersande und Thone. 
Die Lage der Hamburger ältesten Glacialia ist —120 bis —179 m, 
also in abnormer Tiefe. 

Blankenese hält Gottsche (1. c. p. 27) für Interglacial 2. 
In einer Schlucht zwischen Süllberg und Klündersberg zieht 
sich eine Austernbank unter einem Winkel von 20^ hinab. 
Das alte Profil ist: 

Geschiebesand, eisenschüssiger Sand mit Mergel, 
Gelber thoniger mit Austern erfüllter Sand 0,3—0,6 m (Ober- 
kante + 40 m). 
Eisenschüssiger Sand 3—4 m. 
Fester fetter schwarzer Thon. 

Das Profil hat Ähnlichkeit mit Stade. 

Ein späterer Aufschluss am Erähenberg zeigte: 

1,4 m Humus und Decksand, 

— 2,5 j, grünlicher Lehm, 

— 3,2 , Austembank, 

— 5,3 „ grober Kies mit Bruchstücken von Litorina, Ostrea, 

Cardium mit Litorina u. a., 

— 5,5 3 brauner sandiger Thon mit zahlreichen Resten von 

Litorina, Ostrea, Tellina, 

— 7,3 „ schwarzer fetter Thon, 

-" '')'7 9 gelblichgrauer Thon mit einzelnen Bruchstücken von 

Nordseefauna, 
— 29,3 „ weisser feiner Sand, ohne Diluvialfauna. 

Eine nachbarliche Bohrung ergab, dass die Austernbauk 
nur eine ganz geringe Ausdehnung hat. 

Von- Lamstedt bis Basbeck scheinen nach Gottsche 
(1. c. p. 37) im Niveau von + 7 m Cyprinenthone aufzutreten, 
wie es scheint unter Geschiebemergel oder Sauden. Nach 
Schröder (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1898. p. CLIX) 



Digitized by 



Google 



62 



£. Geioitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



scheint hier vom Liegenden zum 
Hangenden ein Wechsel von ark- 
tischen zuborealen und gemässigten 
Formen stattzufinden und somit 
direct klimatische Schwankungen 
angedeutet zu sein. 

Stade. 

FocKE, Abh. nat. Ver. Bremen. 7. 1882. 

p. 284. 
Schröder, Mittheilangen über die Anf- 

nahmen bei Stade. Jahrb. preuss. 

geol. Landesanst. f. 1898. p. CL. 

In dem FocKE'schen Profil Fig.l2 bezeich- 
net: a Geschiebesand, b feiner Sand, c Eies, 
d Eies, e fetter brauner Lehm mit kleinen 
Steinen, / schwarzer Thon, g Sand mit 
nnregelmässigeu gelbbraonen Bändern und 
Kieseinlager nngen, h geschichteter fester 
sandiger Lehm, i feiner heller Sand, darin 
einzelne Kies- und Thonb&nder, k thoniger 
Blocklehm, l unregelmässige Lager von 
Sand und Kies, m Kies, n brauner Thon, 
Austernbank, p Sand mit Einlagerung^ 
von Kies und rothem Thon (q), r thoniger 
Blocklehm, s Sand, t lehmiger Sand, 
u Sand und Kiesschichten, v brauner Thon 
mit Muschelresten, w ?, x geschichteter 
Sand, y Blocklehm. (Darauf folgen west- 
lich noch Sande mit Kiesstreifeu , theils 
wenig geneigt, theils fast senkrecht.) 

Am schwarzen Berg bei Stade 
treten in vielfachem Wechsel mit 
Grundmoränen und versteinerungs- 
freien fluvioglacialen Sauden, 
Granden und Thon drei Bänke 
von arktischem Thon (mit Saxicava 
ardica, phohdis, Modiolaria cor- 
rugata, Yoldia ardica, intermedia^ 
Cylichna propinqua und Foramini- 
feren) auf, mit einer dazwischen 
liegenden Austernbank von nur 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quart&ren Eiszeit. 63 

,1 m Dicke. Die Schichten bilden eine z. Th. steil auf- 
erichtete Serie. 

Die eigenthümliche Lagerung erklärt Focke als staffel- 
örmige Abrutschungen, Webee (Honerdingen p. 456) durch 
aehrmalige Faltungen, verursacht durch einen Erdrutsch. 
Venn man das Profil betrachtet, so wird man allerdings der 
if einung, dass hier starke Schichtenstörungen vorliegen. 
Schröder hält sie flir normal. Er sagt, „dass die Geschiebe- 
ehme nur langgezogene linsenförmige Einlagerungen im Sande 
)der die Sande nur linsenförmige Einlagerungen im Geschiebe- 
ehm sind. Ausserdem schieben sich vielfach Linsen von 
geschichtetem Material in die Grundmoränenmasse ein und 
leiten so eine Zertheilung des Geschiebelehms in mehrere Bänke 
ein." Wenn nicht die interglaciale Conchylienbank vorhanden 
wäre, „mässte man das Ganze als Product einer einzigen 
Vergletscherung auffassen und für das Stader Gebiet mehrfache 
OscUlationen eines Inlandeises annehmen*'. Die Saxkavor 
Thone sind nach ihm zweifellos in der Nähe des Eisrandes 
entstandene marine Sedimente; ausser ihrer Fauna spricht 
auch dafür die Beimengung von grobem und Geschiebe- 
material, die Saxicava-Thone sind glacialen Ursprungs. 
Dagegen ist die von den arktischen Massen über- und unter- 
lagerte Austernbank nach ihm interglacial und er sagt, 
dass hier Ablagerungen zweier Inlandeisperioden, deren jede 
marine Thone führt, und einer sie trennenden Interglacialzeit, 
deren Absätze ebenfalls marine sind, vorliegen. Er ist geneigt, 
die glacialen Ablagerungen der ersten und zweiten Eiszeit 
zuzutheilen. 

Dann wäre eine 10 cm dicke Austernbank der Absatz 
einer vielleicht 85000 Jahre dauernden Periode, vor und nach 
welcher in jener Gegend fast genau dieselben Ablagerungen 
zu Stande gekommen wären, eine Vorstellung, die wenig 
Wahrscheinlichkeit für sich hat. 

Vielleicht kann man aber auch die drei schwarzen 
Saxicava-Thonscbichten für eine einzige Bildung ansehen und 
die dem Thon an einer Stelle auflagernde, nur 0,1 m dünne 
Austernbank als eine Scholle oder den Rest einer entfernteren, 
dorcb Stauchung oder dergl. in den jetzigen Verband gelangten 
Ablagerung. 



Digitized by 



Google 



64 ^* Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit« 

Nach der Schilderung Schröder's möchte man sich von 
der einseitigen Auffassung frei machen, als handle es sich 
bei dem Geschiebemergel allein um Bildung von fest auf dem 
Boden aufsitzenden Gletschereis und möchte lieber annehmen, 
dass in dem tiefen ElbQord auch schwimmende und Pack- 
eismassen existirt haben, wo, den Oscillationen des Eis- 
randes entsprechend, theils die arktischen Bandablagernngen, 
theils die gemässigte Litoralfauna und die dünne Austernbank 
(durch temporäre wärmere Strömungen begünstigt) abgelagert 
wurden. 

Die älteste Moräne und das Interglacial 1 wären mit dem 
Glacial 2 dann ziemlich gleich alte Bildungen. 

So könnte man diese Ablagerungen der Hamburger Gegend 
hinauf bis Boizenburg und Wehningen als altquartäre 
Bildungen (verschiedener Zeitabschnitte) des Elbmündungs- 
trichters bezeichnen. 

Fraglich im Alter (jung- oder altquartär) ist die Austern- 
bank vom Panderkliff auf Sylt^ in 4 m Meereshöhe, mit 
dem Profil: 

auf Eaolinsand 

0,50—0,60 m geschiebereicher Decksand*, 
0,05-0,06 , Austernbank, 
0,60—1,00 „ geschiebefreier Decksand'. 

Sie wurde von Zeise als postglacial angesehen, von 
Stolley unter Bezug auf die neuere Definition des BegriflFes 
Interglacial als Interglacial 2. Stolley's Begründung .ist 
folgende : Er glaubt nicht, dass das Meer zur Postglacialzeit 
höher gestanden hat, sondern dass nach der Litorina-Senkimg 
nicht wieder eine Hebung eintrat, also muss die Austernbank 
schon damals viel höher gelegen haben, sie muss älteren 
Datums sein und, weil von geschiebereichem Diluvialsand 
unterlagert und temperirten Faunencharakter zeigend, inter- 
glacial sein. Der unterlagernde Sand wird als Rückstand des 
Diluviums der zweiten oder Hauptvereisung angesehen, der 
obere ist jungdiluvialer Heidesand. 

* Stolley, Geologische Mittheilungen von der Insel Sylt. I. Arch. 
Anthrop. Schl.-Holst. 3. 1900. p. 147. — Mbyn , Sylt. Abh. z. geol. Karte 
V. Preussen. 1. (4.) 1876. p. 660 (als Kjökkenmödding angesehen). 

' In der Abschmelzperiode der zweiten Eiszeit gebildet. 

' Vielleicht der zweiten Interglacialzeit oder jünger. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 65 

Die Hebung bei Tarbeck und Blankenese (Lage 40—80 m) 
war bedeutender als auf Sylt, boreale und arktische Fauna 
fehlt über wie unter der Austembank, die Senkung hatte also 
erst begonnen, als das Klima bereits einen milden Charakter 
angenommen hatte, ebenso fällt die spätere Hebung in diese Zeit. 

In Tondern, Schleswig (3 m ü. d. M.), fand eine Bohrung 
folgendes ^ : 

— 2,0 m Marscherde, 

— 12,0 „ fluvioglacialer Sand (vielleicht der letzten Vereisung?), 

—21,2 „ mariner Thon mit Fauna, etwa des heutigen Klimas, 

—21,6 „ Schalengrus entsprechender Fauna, 

— 30,6 , fluvioglacialer Sand, 

—34,2 „ Moränenthon, 

— 39,5 „ fluvioglacialer Sand, 

—53,2 „ Moränenthon, 

— 62,2 j, fluvioglacialer Sand, 

— 65,2 „ grauer Thon mit nordischem Material. 

Wir können diese Ablagerung vielleicht als Spätglacial 
ansehen. 

Hvidding im nördlichen Schleswig (1. c. p. 14). ?Boreale 
Fauna in sandigem Thon; letzterer unter Lehm mit Steinen; 
weiteres unbekannt. Nach Gottsche präglacial oder inter- 
glacial 1. 

Esbjerg im südlichen Jütland. 

Madsen, Istidens Foraminiferer i Danmark og Holsten. Medd. Dansk. Geol. 
Foren. 2. 1895; Gottsche, 1. c. p. 14, 56. 

1,7 m Moränenmergel (weder sicher baltische noch nor- 
wegische Blöcke), 6 m Yoldienthon, darunter an einer kleinen 
Stelle ein über 1,3 m mächtiger blauer, z. Th. sandiger Ge- 
schiebethon, ohne baltische Gesteine, nur ein fragliclier nor- 
wegischer. Nach Gottsche schiebt sich zwischen den Yoldien- 
thon und miocänen Glimmersand ein dunkler sandiger Thon 
mit nordischem Material und grauem Sand, zusammen 0,4 m. 

Madsen sagt, wenn diese unterste Moräne nicht etwa bei 
einer Oscillation des Eisrandes oder durch Treibeis abgesetzt 
ist, so wurde der Yoldienthon hier abgelagert, nachdem der 
norwegische und bevor der ältere baltische Eisstrom Esbjerg 
erreicht hatte. Gottsche hält das Vorkommen für wahr- 



^ Härder, Medd. Dansk. Geol. Foren. 6. 1900. p. 83. 
N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XYI. 



Digitized by 



Google 



66 £. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartftren Eiszeit. 

scheinlich älter als unteren Geschiebemergel, aber zweifelhaft, 
ob Interglacial 1 oder Präglacial. Ein Beweis für eine älteste 
gesonderte Eiszeit ist hier nicht zu finden. 

Eibäk in Jfltland. Hier mag angeschlossen werden der 
diluviale Thon von Kibäk, in dem Madsen (Foraminiferen. 
p. 63) Foraminiferen und einige Fossilien des Cyprinenthons 
fand. Höhe ca. 45 m, Lagerungsverhältnisse unbekannt. 

Als sicher älter wie unterer Geschiebemergel, aber frag- 
lich, ob Interglacial 1 oder Präglacial, giebt Gottsche die 
folgenden Punkte an : 

Glinde bei Ütersen, Terrain 4 m (p. 25): 

0,5—3 m Flugsand, 

0,1—1,5 j, grauer Geschiebemergei, meist nur Steinsohie, 
2—3 ^Cementthon'^ mit Foraminiferen, 

1 „ dunkler Sand mit reichlichen Schalenresten, 

2 „ sandiger Muschelmergel mit gemässigter Fauna, 
2,5 „ weisser Sand mit einzelnen Schalenfragmenten. 

Itzehoe. 
1. c. p. 24. Haas, Mittheilungen des Mineralogischen Instituts Kiel. 1. 2. 

Der Thon mit arktischer oder borealer Fauna liegt unter 
1,5 m grauem Geschiebemergel und Sand, starke Schichten- 
Stauchungen lassen Gottsche vermuthen, dass Thon und Sand 
ältere, in den „unteren" Geschiebemergel eingestauchte 
Lager sind. 

Burg in Dithmarschen. 

Zeise, Mittheilungen des Mineralogischen Instituts Kiel. 1. 79. 

Haas, ibid. 1. 335; Munthe, Studier, p. 28, 91; Madsen, 1. c. p. 78; 
Gottsche, p. 17; Wahnschaffe, p. 225. 

Auf dem sanft in die Moomiederung abfallenden Plateau 
liegt in 10 m Meereshöhe die fragliche Thongrube mit borealer 
Fauna: 

1,5—2 m Decksand und Steinsohle, 

1 „ geschichteter grauer Thon mit spärlichen marinen Schalen, 
2—3 „ gelagerter, mit dünnen Sandlamellen versehener grauer, 
TtfUtna-fÜhrender Thon, 
1 „ gelagerter, Mytüus-t&hrendeT Thon mit spärlichen 

Rutschflächen, 
3 „ fetter, blaugrauer, Leda-f^hrendeT Thon mit zahlreichen 
Butschflächen, unten mit eingeknetetem, fossiIA*eiem, 
fettem Thon, localen Einlagerungen von grobem Sand 
mit kleinen geschrammten Geschieben. 



z. Th. 
fehlend 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 67 

Der untere Theil ist nach Münthe unter nördlicheren 
Bedingungen abgesetzt, da er Leda pernula fuhrt; das Meer 
soll zu dieser Zeit 40 m höher als jetzt gestanden haben, 
wodurch eine oflfene Verbindung zwischen Nord- und Ostsee 
hergestellt war. Die Störung der unteren Lagen und Ein- 
lagerung von Geschieben soll durch Eisberge des kalbenden 
Haupteises verursacht sein, während die regelmässige Lagerung 
der oberen Schichten und das Fehlen einer Moräne beweise, 
dass das Landeis die Ablagerung nicht mehr fiberschritten 
habe; den Decksand erklärt Munthe als Strandablagerung 
oder auch als eine Art Geschiebesand. 

Zeise hielt den Thon für präglacial, Gottsche und Münthe 
für interglacial, Gottsche wahrscheinlich für älter als unterer 
Geschiebemergel, aber fraglich, ob prä- oder interglacial 1. 
Haas sagt, er könne auch postglacial sein, was Munthe aber 
zurückweist, da die Gegend nicht so tief während der post- 
glacialen Zeit gesenkt war. 

Nindorf mit Farnewinkel und Wolmersdorf (1. c. p. 16). 
Borealer Thon liegt unter dunklem Lehm, den Gottsche für g^rauen Ge- 
schiebemergel erklärt; die Lagerungsverhältnisse sind unsicher. 

War ringholz (1. c. p. 22) in -f*^^ ^- Unter 1 m sandigem Lehm 
resp. bis 2,6 m ? Geschiebesand mit dünner Steinkohle liegt Thon mit nicht 
genügend bekannter, aber nicht arktischer Fauna. Lagerung unsicher. 

Gleiche Fauna zeigt der mit grauem Geschiebemergel verstauchte 
Thon von Cleve (p. 24) in +15™- 

Ben sing (p. 25) hat in der Lage 5 m ü. d. M. arktischen Toldia- 
Thon unter Steinsohle und Korallensand, bezw. steinigem Thon. 

Die weiteren von Gottsche aus dem westlichen Theile 
der Provinz angeführten Fandpunkte (unsicherer Lagerung) 
zeigen die Grösse der Nordseetransgression an, Jentzsoh's 
Karte erweiternd. — 

Im nördlichen Jätland (Vendsyssel) ist das älteste Glied 
des dortigen Diluviums der sogen, „ältere Yoldienthon". 

Derselbe tritt in verschiedener Form auf, deren zwei 
extreme Ausbildungsweisen die folgenden sind: 

1. Dunkelbraungrauer, ungeschichteter Thon (mit 7 — 157o 
CaCOg) mit Sand- und Grandschmitzen und geschrammten 
Geschieben, wodurch er ein moränenartiges Ansehen gewinnt; 
im Thon verstreut, meist in den sand- und kieshaltigen 
Pai-tien, liegen zahlreiche Trümmer von Muschelschalen, auf 

5* 



Digitized by 



Google 



6g E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 

den Geschieben haften Balant^s. Die Blöcke sind meist Giifi 
Granit, Silurkalk, Saltholmskalk, norwegische Porphyre u 
keine typisch baltischen Gesteine. 

2. Geschichteter Thon, ohne Steine, hänfig mit stark' 
Schichtenstörung; enthält ganzschalige Muscheln, oft b 
zweiklappig; auch viele Moose von arktischem und temperinri 
Charakter. 

Nach oben werden die Conchylien seltener, dafür f: 
scheinen Moose, der Thon geht theils allmählich in et 
wohnlichen Diluvialthon über, theils ist er scharf t«: 
diesem abgegrenzt. 

Die Fauna des Yoldienthones (Conchylien, Balmr 
Foraminiferen) ist sehr heterogen, sie besteht a& 
arktischen und gemässigten Formen. Allerdings zeir 
sich eine gewisse Vertheilung : in dem fetten Thon finden sii 
die arktischen Formen, häufig ganzschalig, wie Tellina calcart 
Yoldia arctica^ Mya truncata^ Saxicava rugosa^ Balantis, in dt: 
moränenartigen Ablagerungen finden sich in Trümmerstücke: 
Formen einer borealen und gemässigten Fauna, Saxiöu 
rugosa, Cyprina islandica, Ästarte borealiSy Tellina baltk'. 
Zirphaea crispata^ TurrUella terebray Bcdanus, Oculina etc. 

Der ältere Yoldia-Tlion setzt sich also aus einem fettem 
Thon zusammen mit echt arktischer Fauna (Yoldia arctioh. 
der in einem Eismeer nahe dem Inlandeis abgesetzt wurde 
Treibeis führte Blöcke hinzu, auf denen Baianus sassen. Vol 
eigentlichem Moränenthon unterscheidet er sich, da Thon. 
Sand und Blöcke nie ganz innig vermengt sind. Treibeis oder 
Oscillationen des Eisrandes pressten in den Thon Kies ubJ 
Steine, sowie die Fragmente einer Fauna von borealen und völ 
temperirten Regionen (Zirphaea crispata, Turritella terebra/. 

Da der Yoldiu-Thon nicht durch eine Moräne bedeckt wird, 
sondern in gemeinen Diluvialthon übergeht, so ist er wahr- 
scheinlich vor der Grenze eines abschmelzenden Landeises 
abgesetzt, welches von N. resp. NNO. kam (sogen. Saxonian). 

Dieser untere gemeine Diluvialthon von Nord-Vend- 
syssel ist nach Jessen theils regelmässig gelagert, theils stark 
gestört (durch Eisschub oder auch tektonische StörungeD. 
s. Bild p. 69); er enthält bisweilen zahlreiche abgerollte 
Muschelfragmente und Moose (arktisch und gemässigt). 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 69 

Von Selbjerggaard auf der Halbinsel Hannas (V. Han- 
herred) beschrieben Steenstrup, Madsen u. A. ^ einen Thon 
mit Leda perntda. Die boreale Fauna und Diatomeenflora 
stimmt mit Nindorf und Burg. Es ist ein Thon mit Schichten- 
biegungen, unter Moränenthon, Madsen stellt das Vorkommen 
in die präglaciale oder die helvetische Zeit. 

Eine Betrachtung der Karten von Johnstrup und Madsen* 
zeigt, dass Vendsyssel auch gemässigt-marine Ablagerungen ^ 
aufweist und dass dieselbe Gegend, das nördliche und west- 
liche Dänemark, auch zur Spätglacialzeit von einem Eismeer 
bedeckt war, wie das Vorkommen des jüngeren Yoldia- 
Thones zeigt. 

Das Gebiet war schon eisfrei, während das übrige Land 
noch von dem baltischen Eisstrom bedeckt war. Es erfolgte 
die „spätglaciale^ Senkung, die auch das gegenüberliegende 
Christiania-Gebiet nach und nach erfasste (s. Brögger). 
Vendsyssel lag gegen 45 m tiefer als gegenwärtig und wurde 
in einzelne Inseln zerlegt. Das Meer war ein Eismeer mit 
Drift sowohl von Schweden und Norwegen, als auch von der 
Ostsee her, am Boden wurde zunächst Sand und während des 
Maximums der Senkung dann der „Eismeerthon" abgesetzt. 

Die Grenze des Eises lag nach Jessen* im N. an der 
Südküste Norwegens, im SO. auf den dänischen Inseln, im 
südöstlichen Jütland und südlichen Eattegat. 

Hier herrschte somit während des ganzen Glacials eine 
Meeresbedeckung (vielleicht unter mehrfachen Niveauschwan- 
kungen), Drift spielte dabei ebenfalls eine gewisse Rolle, die 
Meeresströmungen hatten einen freieren Zugang. — 

Auf der östlichen Seite der Halbinsel treten zuerst im 
nördlichen Seeland und in der Breite von Fünen wieder marine 
Ablagerungen auf, und zwar meist als der sogen. Cyprinen- 
thon. Es ist ein grünlichgrauer, deutlich geschichteter, oft 
fetter Thon, der reich ist an Schalen der noch jetzt an diesen 



* Medd. Dansk. Geol. Foren. 6. 1900. p. 1. 

* Geol. Forhold. Danm. Vendsyssel. 1882; Istidens Foraminif. 1895. 
' Die Lagernngsverhältnisse von Lille Ryd (Madsen, Foraminif. 

p. 64) sind ungenügend bekannt, Höhe 85 m. Ein Sandmergel enthält 
hier eine dünne Lage mit Pflanzenresten und einige Foraminiferen. 

* Jessen, Kortbl. Skagen. Dansk. Geol. ündersökn. 1. 3. 1899. 



Digitized by 



Google 



70 S- Geinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 

Küsten lebenden Muscheln, Gyprina islandica, Mytütis, Carditmj 
Ostrea; oben oft von Mytilus-Thon und von Süsswassersand 
bedeckt; im Ganzen 3 — 5 m mächtig. Er ist stark gestört 
und gequetscht, seine Muscheln daher immer zerbrochen. Doch 
scheint es, als sei der Thon nicht auf weite Strecken transportirt. 
Er lagert auf normalem grauen Geschiebemergel und wird 
nach JoHNSTRUP von dem gleichen bedeckt. 

Die Lagerungsverhältnisse sind meist ungemein gestört, 
so dass man einige Vorkommnisse als alt- resp. präglacial 
und andere als jungglacial ansehen muss; theilweise mögen 
es auch erratische Einlagerungen sein. 

Nach MuNTHE ^ war der südliche Theil des Balticums zur 
Interglacialzeit von einem Meere eingenommen mit gemässigter 
Nordseefauna und Diatomeenflora (Nachweise eines erneuten 
Überganges in arktische Verhältnisse am Schlüsse dieser Zeit 
scheinen jedoch zu fehlen). 



MUitMrJM» 



*iOM0ier 



Fig. 18. Profil am Kleinen Belt, i,05 km östlich von Stribs Leuohtthnrm (nach Münthe). 

Rögle Klint auf Fünen am Kleinen Belt (s. Fig. 13): 
In dem 20 m hohen Strandprofil treten zwischen zwei Moränen 
(a und c) Sande auf, die Madsen als Hvitäbildungen ansah. 

^ Studier öf^. baltiska Hafvets qvartära Historia. Bih. sv. Vet.-Akad. 
Handl. 18. 1892. p. 76. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 71 

Qaartäre Mollusken und Foraminiferen ^ finden sich neben 
^wenigen tertiären Fossilien nur in dem untersten Lager der Sande ; 
diese hält Münthe für interglacial, während er nur die oberen 
Lagen als Hvitäbildungen der letzten Vereisung zugehörend 
betrachtet. Beide Moränen enthalten typische baltische Blöcke, 
auch der untere Geschiebemergel enthält Foraminiferen. Das 
Vorkommen kann auch als secundär betrachtet werden, von 
einer benachbarten Nordseefauna entnommen. 

Apenrade. Bei Hostrupholz (13 m) wird 10 m Cyprinen- 
thon von 2 — 3 m unbestimmten feinen Sauden tiberlagert und 
wahrscheinlich von unterem Geschiebemergel unterteuft; viel- 
leicht ist in letzterem der Thon nur eine Scholle. (Arsleben, 
60 m, scheint nach Gottsche nur eine Scholle darzustellen.) 
Alsen. Die Strandprofile von Mommark, Kekenis und 
Habernis* zeigen gemeinen Cyprinenthon (mit gemässigter 
Fauna) in starken Stauchungen und schollenartiger Verbindung 
mit grauem unteren Geschiebemergel und z. Th. Eorallensand ; 
theilweise auch in wenig gestörter Lagerung. Unterlagerung 
durch miocänen Glimmerthon resp. Geschiebemergel. Bei 
Kekenis auch eine kleine Süsswassereinlagerung. Gottsche 
hält den Thon für präglacial, Münthe f&r interglacial. Es 
liegt nahe, die Punkte als präglacial oder altglacial anzusehen. 




Fig. 14. Proifll am Strande bei Süderholz. 

Cyprinenthon von jtingerem Alter scheint bei Süder- 
hol z a. Alsen gegentiber Kekenis aufzutreten^ (s. Fig. 14). 

' Nordseefauna von gemässigtem Charakter; die Diatomeen yon 
Bögle Elint sind nach Ostrup (Medd. Dansk. Geol. Foren. 6. p. 21) Formen 
kalter Meere. 

' Gottsche, p. 43—46; Johnstrup, Nogle lagtagelser, p. 62—65, 
Fig. 10—12; MuNTHE, Studien. 1896. p. 53. 

^ MuNTHE, Studien, p. 54. Profil; Gottsche, p. 42; Johnstrup, Nogle 
lagtagelser, p. 69. 



Digitized by 



Google 



72 S* Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Auf grauen Geschiebemergel bis 14 m (als der Hauptvereisung 
zugehörig betrachtet) legt sich eine sich verdickende Schicht 
von steinfreiem geschichtetem Cyprinenthon , darüber z. Th. 
Sand oder direct 2—3 m graubrauner, mehr verwitterter 
Geschiebemergel (des jüngeren baltischen Eisstromes). 

Im Cyprinenthon nur ausgelaugte Beste von Cyprina 
islandica, dazu viele Diatomeen von gemässigtem bis borealem 
Charakter. Wichtig ist im Cyprinenthon eine 0,2 — 0,3 m mäch- 
tige Sandablagerung mit SüsswassermoUusken. Das Vorkonfi- 
men von Süsswasserformen wird durch Verschiebungen der 
Strandlinien erklärt. Geschiebemergelähnliche Schichten und 
thonige Sande mit kleinen Geschieben im Cyprinenthon führt 
MuNTHE auf Oscillation des Eises oder Treibeis zurück. (Also 
Eisberge in gemässigt temperirtem Meer!) 

Auch im unteren Geschiebemergel fanden sich zweifellos 
quartäre Foraminiferen , die vielleicht aus zerstörten prä- 
glacialen Lagern stammen. 

Z. Th; geht Geschiebemergel nach unten in marinen Thon 
über. Unter Voraussetzung, dass die sedimentären Lager 
in situ auftreten, hält Munthe und Gottschb den Thon für 
interglacial ; Münthe glaubt, „dass das Landeis während des 
wärmeren Theiles dieses Abschnittes sich nicht nur vom süd- 
baltischen Gebiete zurückgezogen habe, sondern vielleicht zum 
grösseren Theil sogar in Skandinavien hinweggeschmolzen sei". 
JoHNSTRUP hatte die Störungen durch Treibeis zu erklären 
versucht; die Gleichartigkeit des hangenden und liegenden 
Geschiebemergels zwinge nicht zu der Annahme, dass nach 
Absatz des Cyprinenthons eine erneute Zufuhr von Moräne 
stattgefunden habe. 

Auf die Ähnlichkeit der Verhältnisse hier und im Weichselthaldelta 
sei hier besonders hingewiesen: an beiden Orten marine und Süsswasser- 
ablageningen, au beiden auch dichte Nachbarschaft .prä- und interglacialer'^ 
Ablagerangen. 

Die östlich gelegenen Inseln Ärö und Langeland zeigen 
Cyprinenthon von jüngerem Alter, meist unter sehr bedeu- 
tenden Schichtenstörungen, welche an die Verhältnisse von 
Möen, Rügen und Warnemünde erinnern. Sie sind Typen 
des Interglacial 2. Ihr Vorkommen in der gleichen Gegend 
wie die altquartären Ablagerungen in dem westlichen Winkel 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit 



73 



des Balticums und ihre Staachungserscheinangen zeigen auch 
wieder einen (vielleicht ununterbrochenen) Zusammenhang der 
alt- und jungquartären Erscheinungen. 
Ärö, Vejsnäs Nakke. 

MuNTHE, Studien über ältere Quartärablagerungen im südbaltischen Gebiete. 
BuU. Geol. Inst. Upsala. 3. 1896. p. 78; Johnstrup, Cypnna-Leret. 
Fig. 6, 7. p. 59; Madsbn, Foraminiferen. p. 47. Profil, Fig. 15. 




Fig. 15. 

Discordant kommt eine 2 m mächtige obere Moräne auf 
stark verschobenen und gestörten marinen Lagern von Cypri- 
nenthon und Mytüm-Thon vor. Ein anderes Profil bei Skov- 
brink zeigt auf Geschiebemergel Cyprinenthon mit temperirter 
Fauna. Im westlichen Theil findet sich 0,3 m Sand mit Schalen 
von SüsswassermoUusken, darüber ca. 0,05 m Torf mit Moos- 
resten der Birkenzone, Samen, Pollen u. a., endlich noch 0,2 m 
bläulicher Stisswasserthon mit 
Ostracoden (also hier directe 
Auflagerung von Spätglacial). 
Johnstrup bemerkt die gleichen 
Verhältnisse wie bei Ristinge 
und hält dies Lager für dessen 
Fortsetzung. 

Äro, Tranderup Klint. 

MuNTHE, 1. c. p. 80. Profil; Mausen, 
p. 48. 

Auf 170 m Länge ist folgen- 
des Profil zu verfolgen: Zu 
Unterst grauer Geschiebemergel 
(Vertreter der grossen oder zweiten Vereisung); local 0,1— 0,2 m 
Gruslager; 0,5 — 1 m verwitterter Cyprinenthon; 3 — 4 m ver- 
witterter Thon, oben mit Sandschichten als ?locale Aus- 
bildung; im Cyprinenthon Fragmente von Muscheln und einige 




Fig. 16. Tranderap Klint 
(nach Madsen). 



Digitized by 



Google 



74 ^- Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Foraminiferen , gemässigter Charakter, entstanden in der 
jüngeren, zweiten Interglacialzeit; 7—8 m Hvitäsand, zu oberst 
3 — 4 m verwitterter gelbgrauer Geschiebemergel (Moräne des 
Jüngeren baltischen Eisstromes"). 

Im NW. erscheint eine nach Bildung der oberen Moräne 
erfolgte bedeutende Senkung. Eine dritte Localität ist: 

Söby auf Ärö, ganz der vorigen analog. 

Kistinge Klint auf Langeland ^ Über dieses Profil 
gehen die Ansichten auseinander. Münthe und Andersson ^ 
glauben, der dortige Cyprinenthon lagere zwischen den Moränen 
der Hauptvereisung und des jüngeren baltischen, Madsen 
dagegen zwischen den Moränen des ältesten norwegischen 
und des älteren baltischen Eisstroroes. 

Alle Aufschlüsse zeigen eine starke Schichtenstörung: 
das früher einheitliche Lager ist in eine Anzahl (22) steil 
nach SO. geneigter Schollen zerlegt, die Thonschicht 
ist breccienartig in sich zerdrückt. Auch der unterlagemde 
Geschiebemergel hatte Theil an dem Druck. 




Fig. 17. Ristinge Eliot (nach Johnstrup). a « Sand mit Süsswassennonnsken ; 
h = sandiger Thon; e = Cyprinenthon; c' « Gyprinenthon {Mytibu-Schicht); 

d = Gebiebelehm. 

Längs des Klintes treten auf die Erstreckung von 700 m 
22 isolirte Partien von etwa 3,5 — 5 m mächtigem Cyprinen- 
thon auf. 

Der C5^prinenthon lagert (als eine flache Meeresbildung 
nahe der Küste) auf dem Geschiebemergel, ist also jünger und 
wurde vor Schluss der Eiszeit (als wahrscheinlich Dänemark 
mit Schweden und mit Seeland verbunden war) unter mildem 
Klima abgesetzt (als kein Eis in dem Meer war), was aller- 
dings F. Andersson bestreitet. 

* JoHNSTRUP, 1. c. p. 51. Fig. 4, 5. 

' F. Andersson, Über die quartäre Lagerserie des Ristinge Klintes. 
Bull. Geol. Inst, üpsala. 3. 1896; Madsen, Foraminiferen. p. 47. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



75 



Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass die Schollen 
auf secundärer Lage sich befinden. 

JoHNSTRüP meint, die verschobenen Partien müssten in 
gefrorenem Zustand gewesen sein , • der Druck habe ähnlich 
wie bei Möen in der Richtung von SO.— NW. gewirkt. 




mmmimmmmmtw^ßMm^mm 



Fig. 18. 



Andersson beschreibt ausführlich ein Profil von dort und 
theilt die Fauna der einzelnen Schichten mit. Die Lager 
zeigen auch da ein Fallen von ca. 40" nach SSO., sie lagern auf 
einer Moräne, eine directe 

Überlagerung durch eine BisßLB. 

zweite ist nicht festzu- 
stellen. 

a) Die untere Moräne (a) 

enthält viele Foraminiferen, die I" )^Lm^*^J9^A 

allermeist aus der Kreide 
stammen, einige scheinen auch 
quartär zu sein. (Über diese 
Frage hat sich eine längere 
Controverse zwischen Munthb 
und Madsen entsponnen.) 

b) Auf der Moräne lagert 
im N. Sand (b), im S. fossilfreier 
Hvit&thon (c); über letzterem i" " "* " i 
eine dünne Sandschicht (d) und Piff* i^- 
dann der Cyprinenthon (e). 

Der untere Theil des (0,10 m mächtigen) Lagers d hat sich als ein 
Sü SSW asser sand herausgestellt, ebenso wie eine unter ihm auftretende 
dünne sandig-thonige Grenzschicht mit Ostracodenfragmenten Candona 







-1 




tmm 




.< 








a/ 


i 


Qnm, 




■ 


«; 


1 a»m. 


^■ 


^Xtif^^' ' "" . '•'■', ' 1 •' " ' ' ■ c< 


0.nm 




-'• ':; : ■ 


--"-^v- 


■ ! 
;J [ 


On'm 




nt 


4 


ßstm 


L :: = 



Digitized by 



Google 



76 ^* Geinitz, Die Einheitlichkeit der qaartftren Eiszeit. 

Candida, Sttsswasserform, charakteristisch für den Äncylu8-See), Der Sand 
(mit Unio, Pisidium, Valvata u. s. w.) entspricht einer Landhebong oder 
der Nähe einer Küste. 

e) Die untersten Schichten des folgenden Cyprinenthons zeigen einen 
Übergang aus der Hebnng in Senkung; die untere Partie entspricht der 
„MytiluS'Schicht*^ y die obere dem echten «Cyprinenthon''. Zu nnterst (b^) 
sandiger Thon mit Cardium edule und Foraminiferen (also Senkung, Seichc- 
und Brackwasserbildung, temperirte klimatische Verhältnisse) und grauer 
Thon (b,) mit Cardium edule, Cerithium reticulatum , mit zahlreichen 
Foraminiferen und Diatomeen (in etwas tieferem Wasser) abgelagert. 

Die weiter oben folgende Lage (e) ist ein Mt^tilus-ieicher ^ reiner 
grauer Thon mit vielen Muschelschalen von Mytüus edulis, daneben Ceri- 
thium reticulatum, Tapes, Cardium edule, Nassa reticulata, Hydrobia 
ulvae u. a.; femer Baianus, Ostracoden, Tausende von Foraminiferen. 
(Das Wasser war salzreicher als vorher und auch als gegenwärtig, das 
Klima vollständig temperirt.) 

Der darüber folgende Thon (1 —3) entspricht einer Tiefwasserbildung, 
der Salzgehalt hat in der Mitte (2) seinen Höhepunkt erreicht, wo auch 
zahlreiche Fragmente von Cyprina ialandica auftreten, femer Ostrea 
edulis, Tapes aureus u. a. , während die oberste Lage (3) nur Cardium 
edule und Cerithium reticulatum führt. (Ostracoden, Faraminiferen und 
Diatomeen finden sich in allen Lagen; über deren Verwerthung vergl. 1. c. 
p. 163, 166, 168, 172 ff.) 

Die Specialuntersuchung Andersson's hat das überraschende 
Resultat ergeben, dass die Lagerfolge des Cyprinenthons 
von Ristinge Klint eine unverkennbare Analogie mit den spät- 
und postglacialen Ablagerungen zeigt. Es wfirde hierbei 
correspondiren : 

Die unterlagernde Moräne . . Grundmoräne des jung. halt. Eisstromes. 
Lager c (7 — 1 unten) .... Fluvioglaciale + spätglaciale Bildungen. 

Süsswasserlager d Äncylus-Bildung. 

Lager e (6 — 3 oben) .... Xt^onna-Bildung. 

Nach Andersson gestatten aber „die Resultate der 
quartärgeologischen Forschung nicht die Annahme", dass 
hier in der That eine Ablagerung von jüngerem quartären 
Alter vorliege. 

Das Fehlen einer bedeckenden jüngeren Moräne, die starke 
Lagei*ungsstörung lassen indes doch noch erhebliche Bedenken 
über die Altersbestimmung übrig. 

Auch von den beiden nahe ausserhalb der holsteinischen 
Endmoräne belegenen Orten Tarbeck und Fahrenkrug ist das 
Alter nicht sicher: 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 77 

Tarbeck. 
GoTTSCHE, p. 47. Hier auch Literatur. 

Das Profil dieses schon seit 1835 bekannten Vorkommens 
von einer Austernbank mitten im Lande, 80 m ü. d. M., zeigt, 
^wie aus der Skizze Münthe's ^ ersichtlich (s. Fig. 20), die Austern- 
"bank oder den „Schalengrus" (mit verhältnissmässig vielen 
kleinen Geschieben) durch mechanische Kräfte stark gestört. 
Die Bank wird seitlich bedeckt von 1,6 m stark sandiger 
Moräne und ihrem Rückstand resp. Geschiebesand, einem 
DB'lugsand und geschichtetem Sand. Münthe nimmt an, dass 
das Landeis, welches über das Lager gegangen ist, nicht 
sehr bedeutend gewesen sein kann, dem Jüngeren baltischen 
Eisstrome" entsprechend ; ein Theil der oben liegenden Blöcke 



Fig. 20. Profil am Grimmeisberg bei Tarbeck (nach Muntbe). 

möge auch durch Eisberge dahin geführt sein. Der Salz- 
gehalt und die Temperaturbedingungen entsprechen denen 
des heutigen nördlichen Kattegat (s. auch Madsen, Istidens 
Poraminiferer). 

Ein daneben befindliches Thonlager mit wenig marinen 
resp. brackischen Fossilien bildet das Liegende. 

Gagel ' hat nnn über diesen marinen Thonen Brack- und Süsswasser- 
schichten nachgewiesen. Er fand einen dunklen fetten Thon mit aus- 
gesprochener Süsswasser-Fauna und -Flora. 

Sonach ist der Thon älter als die Austernbank, welche vielleicht 
überhaupt nur eine Scholle darstellt. Über das Alter kann man noch nicht 
sicher urtheilen, wahrscheinlich ist der Thon präglacial. 

' Münthe, Studien über ältere quartäre Ablagerungen im südbaltischen 
Gebiete. Bull. Geol. Inst, üpsala. 3. 1897. p. 87. 

* Gagel, Über eine diluviale Süsswasserfauna bei Tarbeck in Hol- 
stein. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1901. p. 293. 



Digitized by 



Google 



78 



£. Oeinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit 



Fahrenkrug, südwestlich von Tarbeck. 

Berendt, Die Ablagerungen der Mark Brandenburg. 1863. p. 67. Tal 2 
Fig. 5; GoTTSCHE, p. 51; Cleye, Diluviale und alluviale Diatomeen. 
1882. p. 132. 

Nach Berendt liegt der Diluvialthon unter gemeinem 
Diluvialsand und wird durch eine 3 m mächtige Feinsand- 
schicht in zwei Bänke zerlegt, deren obere dem Brockenmergel 
ähnelt; alles wird discordant von Geschiebesand tiberdeckt; 
an einer Stelle schiebt sich noch ein sandiger Geschiebemergel 



^;;^^.^y:a:ca!;^^^^^ 




Fig. 21. Fahrenkrng (ifttch G. Berendt). oi k Dilavialthon; o, = Diluvialglimmer- 
sand; 03 = gemeiner Dilnvialsand; c = Decksand (Geschiebesand). 

dazwischen. Nach Munthe mag die dortige Moräne die jüngste 
sein und die unterlagernden Schichten mit ihrer gemässigten 
Fauna in die jüngere Interglacialepoche gehören. 

Die 1 m mächtige Ablagerung von zertrümmerten 
Austernschalen in der Kiesgrube von Stöfs bei Water- 
neversdorf (Gottshe, p. 46) hielt Johnstrüp für eine Scholle. 
GoTTSCHE hält das Vorkommen für sehr wahrscheinlich inter- 
glacial 2. 

Oldesloe in Holstein. 

Friedrich, Der Untergrund von Oldesloe. Mitth. Geogr. Ges. Lübeck. 16. 
1902. p. 45. 

In Oldesloe ist auf eine 1 km lange Fläche durch Boh- 
rungen Interglacial 2 nachgewiesen; die Oberkanten liegen 
zwischen — 7 und — 20 m NN. (eine Bohrung in —38 m). 
Die Bohrungen lassen sich noch nicht zu einem richtigen 
Gesammtprofil zusammenfassen. Die wichtigste ist folgende 
(+15,5 NN.): 



Digitized by VjOOQ IC 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qautären Eifiseit. 



79 



»-- 5,8 m 


gelber Qeschiebemergel, 








- 7,7 . 


eisenschüssiger Grand, 




- 8,2 „ 


grauer Geschiebemergel, 


. oberer Geschiebemergel, 


- 9,2 . 


, Grand, 




- 12,5 „ 


Geschiebemergel, 




-13 » 


grandiger Sand, 




- 13,4 „ 


graner Thoumergel, 


z. Th. Vorschüt- 


- 22,5 , 


„ grober nnd feiner Spathsand, 


tungsproducte 


- 23,3 „ 


„ Mergelsand, 


des letzten In- 


-24 „ 


„ Geschiebemergel, 


landeises, 


- 32,8 „ 


, Sand, 




-33 , 


schwarze sandige Modde, 




-33,9 , 


grauer kalkfreier Sand, 




-35,6 , 


schwarze sandige Modde, 


Interglacial 2 


- 35,8 „ 


dunkler humoser kalkfreier Sand, 


(4,6 m mächtig) 


-37 , 


grünlichgrauer kalkhaltiger san- 
diger Thon, 


(Oberkante -20 m NN.), 


- 37,4 „ 


blaugrauer fetter Thon, 




—103 „ 


grauer Geschiebemergel mit dünnen ^ 






Einlagerungen von grobem Sand, 


unterer oder Haupt- 


-105,1 „ 


grauer thoniger Saud, 


Qeschiebemergel. 


-115,6 „ 


„ grandiger Sand, 




J 





In dem unteren Thon fanden sich Brackwasserconchylien 
{Neritina fluviatüis, Cardium edule, Hydrobia u. a.), Ostracoden 
und Diatomeen (neben einzelnen Land- und Süsswasserpflanzen). 

Die sandige Modde enthält höhere Pflanzen und Diatomeen, 
welche die Modde als Süsswasserbildung charakterisiren (ebenso 
wie die Torflager von Lauenburg, Fahrenkrug und Grünenthal 
unserem jetzigen gemässigten Klima entsprechend). 

Das allgemeine Bild der Ablagerung ist nach Friedrich 
folgendes : Von dem Verbindungsarm zwischen Nord- und Ost- 
see zweigte eine schmale Bucht mit nur schwach brackischem 
Wasser südwärts bis Oldesloe ab, das Wasser des todten 
Armes süsste bald aus und wurde von einer artenreichen Flora 
belebt. Laub- und Nadelholz bedeckte die Ufer. „Es ist das 
Bild, wie wir es heute noch dort zu sehen gewohnt sind." 

Es war hier offenbar ein tiefer Flussarm mit der Ostsee 
in Verbindung (oder eine weit landeinwärts reichende Bucht), 
deren Ausfüllung nochmals von Eis oder Drift beschüttet wurde. 
Die hangenden Diluvialbildungen haben hier eiue viel grössere 
Mächtigkeit (12,5 m) als an anderen holsteinischen Orten, mehr 
dem Marienburger Interglacial entsprechend. Ihr mehrfacher 



Digitized by 



Google 



80 ^- (^einitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 

Wechsel von Geschiebemergel und Sanden deutet auf ein 
wiederholtes Vorrücken und Abschmelzen des Eises dicht 
hinter der Endmoräne hin. 

Oldesloe liegt am Travethal zwischen den beiden Haupt- 
endraoränenzügen der Lübecker Bucht. 

Ein deutlicheres „Interglacialprofil" als Oldesloe kann 
man kaum finden : 

Friedrich parallelisirt den unteren Thon mit den Austern- 
bänken von Tarbeck und Blankenese , mit ? Stöfs und dem 
Thon von Fahrenkrug. Die Höhenlage der Orte ist allerdings 
von der des Oldesloer Thones sehr abweichend (40 — 69 m 
ü. NN. gegen — 20 hier). Diese Differenz wäre nur durch 
spätere Niveauschwankungen zu erklären. Tarbeck und Fahren- 
krug liegen unmittelbar ausserhalb der „äusseren Hauptend- 
moräne", Oldesloe innerhalb, Stöfs im Bereich des inneren 
Zuges (Ristinge innerhalb der ganzen baltischen Moränenzone). 

Man würde also anzunehmen haben, dass der Eisrand 
sich weiter als die baltische Endmoräne zurückgezogen hatte 
und später infolge eines erneuten Vorstosses bis in oder über 
die Endmoränengegend kam, was einer normalen ^Interglacial- 
erscheinung" oder wenigstens der eines verhältnissmässig 
geringen Rückzuges (mit den üblichen Oscillationen) infolge 
der allgemeinen Klimaverbesserung entspräche. 

Betrachtet man aber Tarbeck und Fahrenkrug mit ihrer 
bedeutenden Meereshöhe als Bildungen der Nordsee und 
Oldesloe als Absatz eines mit der Ostsee in Verbindung^ 
stehenden Flussarmes ^, so hat die Auffassung keine Schwierig- 
keit, dass hier auch schon zur Zeit des Stadiums der „inneren", 
jüngeren Endmoräne die Ausfüllung des oberen Travethales 
durch wiederholtes Vorrücken des schon in der Gegend von 
Travemünde stehenden Eises beschüttet wurden ; gerade hier 
in der Ecke der Lübecker Bucht wird der baltische Eisstrom 
lange Zeit oscillirende Verstösse ausgeführt haben. 

Bei Höve im nördlichen Seeland fand Militärs einen 

Thon mit TeUina calcarea^. \ 

.. \ 

' Die Absätze haben grosse Ähnlichkeit mit Zritortna-Ablagernngen. 

Ristinge ist vielleicht eine spät- und postglaciale , durch Drift gestörte 

Ablagerung. 

* Medd. Dansk. Geol. Foren. 6. 1900. p. 37. \ 

■\^ 

Digitized by VjOOQ IC 



£. Oeinitz, Die EinheitlichJceit der quartären Eiszeit. gl 

In 20 m Höhe an der Grenze zwischen Moränenthon und 
fluvioglacialen Sanden liegt unter 1,6 m Geschiebelehm stein- 
freier, horizontal geschichteter Thon, in dessen tiefen Lagen 
massenhafte Schalen von T, caicarea vorkommen mit vielen 
Foranuniferen und Ostracoden, aber ohne Diatomeen. Die 
Fauna ist arktisch oder boreal, ähnlich der des Yoldien- 
thones. Die Frage, ob präglacial, interglacial oder spät- 
glacialer Yoldienthon, ist nicht sicher zu entscheiden. 

Wahrscheinlich war die Lage des Eises im Isefjord gleichzeitig mit 
der Ablagerung des spätglacialen Yoldia-Thons in Vendsyssel; der Thon 
von Höve könnte also gebildet sein in einer Interoscillationsperiode der 
zweiten baltischen Vereisung (Mecklenb'nrgian) im Anschluss an den Yoldien- 
thon; die Moränendecke wäre dann von dem Eisstrom abgesetzt, dessen 
Band längere Zeit in jener Gegend stationär war. Doch verwirft Milthebs 
diese naheliegende Annahme ans dem Grande, weil die Höhenlage des 
Thones, 18 m ü. d. M. , gegenüber der von den de GsER'schen Isobasen 
angegebeneu eine Hebung angeben würde, während sich dort die 0-Curve 
der spätglacialen Senkung befindet. 

Der Mangel an norwegischen Blöcken in den den Thon unterlagernden 
Ablagerungen der Umgebung ist für Milthers der Grund zu der Annahme, 
dass der Höve-Thon nicht in der dem Saxonian unmittelbar folgenden 
Interglacialzeit 1 abgelagert sei, sondern möglicherweise in dem Inter- 
glacial 2 (Neudeckian). 

Zusammenfassung. 

Das marine Quartär der cimbrischen Halbinsel ergiebt 
also folgendes Bild: Der von Hamburg etwa auf die Länge von 
etwa 100 km sich landeinwärts erstreckende^ Elbmündungs- 
trichter zeigt in seinem oberen Theil (präglaciale) Süss- und 
Brackwasserbildungen, bei Hamburg in bedeutender Tiefe mit 
Glacialeinschüben gemässigte Litoralfauna , erweitert sich 
nach W., wodurch er für das Nordseewasser freiere Zugänge 
erhält, daher bei Stade arktische Thone mit dünner Austeni- 
bank (schwimmende Eismassen, verschiedene kalte und warme 
Strömungen). Rechtsseitig hat Ütersen gemässigte Fauna. 

Erhebliche Niveaudifferenzen (vergl. die benachbarten 
Orte Dockenhuden und Blankenese) deuten auf weitere Senkung 
innerhalb der Bucht 2. 



^ Vielleicht noch weiter bis nach Hagenow abzweigend. 
' Dieser Mündungstrichter ist vielleicht als Rest der miocänen Bucht 
anzusehen, die sich bis über jene Qegend erstreckte. Ihm folgten dann 
N. Jahrbuch f. Mineralogie eto. Beilageband XVI. 6 



Digitized by 



Google 



g2 S* Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Auf der Westseite der Halbinsel gelegene Fundorte 
zeigen, dass das Meer einen Saum des Landes bedeckte 
(Landsenkung bis mindestens 20 m). Der freiere Zugang des 
Meeres ermöglichte z. Th. arktische und boreale Fauna (Sylt 
mit seiner jungen Äusternbank lehrt, dass auch in späterer 
Zeit die Senkungen sich wiederholten, resp. fortbestanden). 

Im S. der Provinz scheinen sich Arme nach der Ostsee 
zu erstrecken (s. Gottsche), deren Wasser bei Burg 40 m 
höher als heute stand (vielleicht gehört Tarbeck schon zum 
eigentlichen Ostseegebiet). Die Fauna theils arktisch, theils 
gemässigt, arktische dringt ^uch weiter nach 0. (Itzehoe, 
Rensing, Burg z. Th.). 

Die Schichten wurden später oft von Glacialvorschub 
gestaucht oder von Dislocationen betroffen. 

Die Senkung von Vendsyssel gab dem Nordseewasser 
einen freieren Zugang zum Balticum. An dieser exponirten 
Stelle war eine arktische Molluskenfauna (älterer Yoldienthon) 
möglich, deren Verbindung mit gemässigter Fauna aber sehr 
beachtenswerth. Ob Jütland eine trennende N. — S. erstreckte 
Insel blieb, oder auch mit überfuthet war, ist noch nicht 
sicher nachzuweisen. Nach den bisherigen Funden ergiebt 
sich nur eine marine Serie im SO. der cimbrischen Halbinsel. 
Ihr Alter ist nicht überall klar. 

Von 0. her greift die Ostsee bei Alsen und Langeland 
ein mit Nordseefauna von gemässigtem Charakter. Süss- 
Wasserbildungen zeigen die Nähe von Land an. Die Lage- 
rungsverhältnisse sind oft so gestört oder unsicher, dass man 
von einigen Orten nicht sagen kann, ob sie im Anfange oder 
gegen das Ende der Eiszeit gebildet sind. 

Jungquartäre, von Süsswasserbildungen bedeckte brackische 
Ablagerungen des oberen Travethals wurden bei Oldesloe 
durch locale Verstösse des Eises von den inneren Haupt- 
endmoränen nochmals beschüttet. 

Dieses Gebiet ist auch in der eigentlich „spätglacialen" 
und postglacialen Zeit theilweiser erneuter Senkung unter- 
worfen gewesen (jüngerer Yoldienthon, ii^orina- Ablagerungen). 



auch die Eismassen , die z. B. noch bei Wittenberge im alten Eibthal in 
bedeutende Tiefen reichen, während sie auf den üfem weniger mächtig sind. 



Digitized by 



Google 



£. Qeinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 83 

Endlich finden wir in Hven, Möen, Rügen mit Hiddensöe 
und Schwaan Andeutungen von weiteren Meeresarmen oder 
Verbindungen nach dem Osten: 

Insel Hven im Öresund (Münthe, 1. c. p. 102). Hier 
findet sich mariner Thon, dessen Fauna aus arktischen, nörd- 
lichen und südlichen Elementen gemischt ist (Yoldia arctica^ 
Turritella, Cerithium). Der Thon besteht (wenn nicht ein Theil 
der Schalen secundär hineingekommen ist, z. B. aus Yoldien- 
thon) ursprünglich aus einigen unter wesentlich verschieden- 
artigen Bedingungen abgesetzten Lagern, die später zusammen- 
gepresst wurden. Das Alter derselben ist noch unsicher. 

In den diluvialen Einquetschungen an Möens Elint 
finden sich Thone, die durch Druck ein breccienartiges Gefüge 
haben und zerbrochene und schlecht erhaltene Muschelschalen 
führen. Nach Johnstbüp ist es unentschieden, ob die Thiere 
an diesem Ort gelebt haben oder die Schalen von anderswoher 
nebst dem Sande hergeführt sind (s. Zeitschr. deutsch, geol. 
Ges. 1874. p. 550. Taf. XI Fig. 4). 

Schwaan in Mecklenburg (Warnowthal) (Geinitz, Arch. 
d. Ver. Nat. Meckl. 1893. p. 135). Dieser Fund ist nach 
seinem Alter unsicher. Unter unterdiluvialem Thon und feinem 
Sand fand sich in 60 m, d. i. in — 55 m, scharfer Sand mit 
Cardium edul,e und Corbula gibba, das Liegende ist unbekannt. 
Wenn es nicht Einschwemmlinge sind, so wäre die Schicht 
eher als Interglacial 1 zu betrachten, denn -als Interglacial 2, 
mithin altquartär. (Andere im mittleren Mecklenburg ge- 
machte Gonchylienfiinde in Sauden (Parchim, Schwerin) sind 
wohl verschleppt.) 

Hiddensöe^ 

1— 2 m Flugsand und Steinpflaster, mit windgeschliffenen Steinen, 
4 „ gelbgrauer Geschiebemergel (auch mit einigen qnartären 

Foramiuiferen), 
3 „ mariner fossilführender Thon, 
20—30 „ geschichteter Sand, in ihm eine 6—7 m dicke Bank von 
Geschiebemergel, darunter zwei dünne Thonbänke, deren 
untere mit Foraminiferen ', 
am Strand unten Geschiebemergel, darunter mariner Thon, vielleicht 
abgerutscht. 



* Günther, Die Dislocationen auf Hiddensöe. Berlin 1891 ; Münthe, 
Stadien p. 40, Prof. p. 42; Dbecke, Geol. Führer durch Pommern, p. 65. 
' Nach GOntheb jungdiluvial (?). 

6* 



Digitized by 



Google 



84 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartftren Eiszeit, 



Im obersten und untersten marinen Thon die gleichen Mollusken des 
Cyprinentbones und Foraminiferen von gemässigtem Charakter, von den 
zwei mittleren Thonbänken die obere wahrscheinlich fluvioglacial , die 
untere mit Foraminiferen von kälteren Bedingungen, ähnlich wie im 
untersten Cyprinenthon. 




Die drei Moränenhorizonte braucht man natürlich nicht, 
wie auch Münthe betont, als Producte von drei Eiszeiten 
anzusehen. Die vielen Abrutsche und Dislocationen , die an 
dem £lint wahrzunehmen sind, lassen eine folgende Erklärung 
des Profils zu: 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 85 

1. Obere Moräne mit Flugsand; 

2. darunter mariner Cyprinenthon mit gemässigter Fannaj 

3. , flnvioglaciale Sande und 
?4. unterer Geschiebemergel am Strande. 

Die mittlere Moränenbank mit ihrer Unterlage von: 

a) flnvioglacialem Thon, 

b) Sand, 

c) unterem marinen Thon von etwas anderer Fauna als oben, 

kann als in postglacialer Zeit abgerutschte Scholle von oberer 
Moräne mit ihrer Unterlage gelten*. Ebenso ist das Vor- 
kommen der untersten Thonlage, von Deecee als präglacial 
aligegeben, wohl auf Abrutsch zurückzuführen. 

Nach MuNTHB müsste die fragliche Gegend um etwa 
60 — 65 m niedriger gelegen haben als heute. 

In Sassnitz auf Eugen (+40—50 m) fand Strück- 
MANN* auf: 

2,5 m bläulichem Geschiebemergel, 

0,75 j, geschichteten Thon und Sand ohne Versteinerungen, 

0,75 , Sand mit Süsswassermollusken, 

1,26 „ „ „ marinen Mollusken, TeUina baltica, 

7 „ bräunlichen Geschiebelehm. 

Strückmann und Münthe (Hist. p. 63) sehen die Schichten 
als interglacial an, Jentzsgh f&r präglacial. Das Wahnsohaffe'- 
sehe Profil zeigt den Sand zwischen unterem Geschiebemergel ; 
sollte der „obere" nicht auch noch zu dem unteren zu rechnen 
sein, als Verwitterungslage? 

Am Kieler Bach bei Stubbenkammer fand Münthe 
(Hist. p. 64, Stud. p. 57) an einer Verwerfung zwischen Ge- 
schiebemergel ein 3 m mächtiges Sandlager, in dessen unterer, 
gebogene Schichtung zeigenden Partie Moose gefunden wurden, 
die z. Th. ein arktisches Gepräge haben. Falls sich das 
interglaciale Älter dieses Sandes nachweisen liesse, würde 
Münthe es zum Interglacial 1 stellen und hier einen Nach- 
weis von drei Eiszeiten sehen. Nach den Lagerungsverhält- 
nissen, die in den berühmten Dislocationen vorliegen, kann 
man aber die Sande nur als altglacial ansehen, die „inter- 



* 8. auch Münthe, p. 50, vergl. Taf. 3 hei Günther. 

* Strückmann, Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1879. p. 788; Wahn- 
scHAPPE, ibid. 1882. p. 593; Münthe, Hist. p. 63. 



Digitized by 



Google 



86 S- (^einitz, Die Einheitlichkeit der qoartären Eiszeit. 

glacialen" Verwerfungen haben ja die Sande mitbetroffen. 
Deegke ^ zeigt, dass diese wenig mächtige, in den Geschiebe- 
mergel eingeschaltete Sandschicht nicht als das Prodaet einer 
besonderen Interglacialzeit anzusehen ist, sondern das Product 
localer Factoren. 

Das wurde genau mit den Verhältnissen von Möen stimmen, 
wo auch eine fossilfBhrende Sandbank in den unteren Ge- 
schiebemergel eingeschaltet ist und mit diesem die Dislocationen 
erfahren hat. Man ersieht daraus nur, dass vor Ablagerung 
des unteren Geschiebemergels in der Nähe Pflanzen- und 
marine Conchylien existirt haben; das durch sie erwiesene 
Klima scheint verschieden gewesen zu sein. 

Den östlichsten Punkt dieser Abtheilung bildet Colberg 
mit seiner (verschleppten ?) Nordseefauna in Diluvialgranden '. 

Der von Deecke versuchte ' Nachweis interglacialer Meeresbedecknng 
Rügens durch Diluviaigeschiebe mit BohrmaschellOchem wnrde von Jentzsch* 
zurückgewiesen. 

ß. Provinz Preussen. 

Die Verbreitung der unterdiluvialen Meeresfauna umfasst 
im östlichen Norddeutschland ein grosses Gebiet, welches sich 
zwischen Danzig und Thorn und von da östlich bis fast zur 
russischen Grenze erstreckt (s. die Karte von Jentzsch, 1. c); 
die neuen Eartirungsarbeiten haben noch mehr Funde ergeben. 
Bei den meisten Funden ist die Fauna auf secundärer Lager- 
stätte, daher das Zusammenvorkommen von Cardium und 
Dreissena, Es sind hier Einschwemmlinge, die nur beweisen, 
dass die betreffenden Lager in der Nähe existirt haben. 

Es findet sich hier arktische und „Nordseefauna^, erstere 
weniger räumlich ausgedehnt als letztere. 

Jentzsch hat die „interglaciale'^ Fauna als „Nordsee- 
fauna" bezeichnet (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1881. 
p. 546 und Führer durch das Provinzial-Museura Königsberg 
1892. Tab. 1) und charakterisirt durch: 



^ Führer für die Bügen-Excursion. Greifswald 1899. p. 25. 
■ Bkrbndt, Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1884. p. 188. 
' Über Löcher von Bohrmuscheln in Diluvialgeschieben. Zeitschr. 
deutsch, geol. Ges. 1894. p. 682. 

* Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1895. p. 740. 



Digitized by 



Google 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



87 



Cardium edule, C. echinatum, Tellina soUdula, Corbula gibba, 
JSdactra subtruncata , Scrobicularia piperata, Tapes virginea, Cyprina 
islandica, Ostrea edulia, Mytilus edulis, Nassa reticulata, 
Cerithium lima, Litorina litorea, Scalaria communis. 

Schröder will dagegen die Bezeichnung „Nordseefauna*' 
nicht gelten lassen, sondern stellt die marine Diluvialfauna 
Preussens der recenten Fauna der westlichen Ostsee an 
die Seite (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1885. p. 234). 

Gliederung nach Jentzsch (Ber. Prov.-Mus. 1896. p. 75; 
108. Sitzber. phys.-ökon. Ges. 1896): 



Jung- 
glacial 



Inter- 
glacial 



Alt- 
glacial 

Früh- 
glacial 



Geschiehemergel, 
Spathsand, 
Mergelsand, 
Geschiehemergel. 

Thon, 

Meeressand, 
Sand mit Kohle, 
Spathsand, 
Graud, Thon. 

Geschiehemergel 
und Thon mit 
wenigen dünn. 
Sandlagen. 

Spathsand. 



Prnssian 



Neu- 
deckian 



Star- 
gardian 

Elhingian 



Oher. Geschiehemergel = Mecklen- 

hurgian. 
Rothofer Geschiehemergel = Rot- 

hofian. 
Schlanzer Stnfe, darüher h. Marien- 

hurg: Hang. Neudeckian- Sande, 
Nogatstufe, 
Weichselstnfe = Vistnlan, darunter 

hei Marienhurg: 
Hommelstufe, Hommelian, 
Liegende Neudeckian-Sande. 
Oberster Geschiehemergel = Fied- 

litzer Mergel, 
Unterster Geschiehemergel 

= Lenzen er Mergel. 



Elbing. 

Jbntzsch, dies. Jahrb. 1876. 738—749 ; Sehr, phys.-ökon. Ges. Königsberg. 
1876. p. 139; Jahrb. preuss. geol Landesanst. f. 1898. p. CCXXXV. 

Die Schichten bei Elbing sind in sehr gestörter Lagerung. 
Die älteste Serie ist die Süss wasserstufe; es sind 15— -20 m 
mächtige feine Sande mit dünnen Lamellen von Kohlen und 
fast kalkfrei, als Vorläufer der ältesten Vergletscherung auf- 
gefasst. Darauf legt sich eine dünne Bank von Geschiebe- 
mergel, 0,3 m mächtig und nur kleine Geschiebe führend, 
anderwärts etwas mächtiger werdend. Darüber folgt 0,5 bis 
0,6 m Sand mit Kohlelamellen und darüber das 25 m mächtige, 
kalkhaltige Hauptthonlager ; sein unterster Theil ist fossilleer, 
die folgenden 8— 10 m bilden den wahren „Elbinger Yoldien- 
thon"; darüber folgt Thon mit Cyprina und einzelnen (um- 



Digitized by 



Google 



88 £. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 

gelagerten) Yoldien. Die obersten 10 m sind muschelleer, 
aber reich an Blaueisenerde ^ 

Hiernach wird der Elbinger Yoldia- und CyprinorThon 
dem ältesten Interglacial zugetheilt und die Süsswasser- 
schichten dem Präglacial. Wenn man aber beachtet, dass 
der unterste Geschiebemergel hier nur eine 0,3 m dicke Bank 
bildet, so darf man denselben doch kaum als Repräsentant 
einer selbständigen Eiszeit ansehen, sondern ebenso gut als 
den Absatz einer sich nähernden oscillirenden Eismasse und 
wird die ganze Elbinger Serie als präglacial betrachten 
können, derart, dass die Sande der unteren Süsswasserstufe 
als alte Uferbildung angesehen werden, auf welche sich erst 
die kleine Geschiebemergelmasse absetzte und darauf, nach 
nochmaliger geringfligiger Sttsswasserbildung , die mächtigen 
Thone, zuerst mit arktischer, dann mit gemässigter Fauna, 
den wechselnden Meeresströmungen entsprechend. 

Jentzsoh unterscheidet in der Elbinger Stufe, dem 
„Elbingian", Elbinger Yoldia-Thon, Valvatenmergel, Cyprinen- 
thon, Renthierbett und Waldschicht ^. 

Vogelsang bei Elbing (Jbntzsch, Ber. 1896. p. 78). 
An dem Thalgehänge des Horamelbaches ist folgendes ProflP 
unter diluvialem Sand des Gehänges (nach Jentzsch nicht 
Abrutsch) : 

1 m dunkelgrauer Staubmergel mit undentlichen Conchylien 

(„Nogatian"), 
0,1 „ lehmiger Sand mit zahlreichen Cardium edule, Tellina 

solidula n. a. „ Cardtum-Bank" mit marinen Diatomeen 

= „Vistulan", 
0,2 „ grauer Staubmergel, scharf abgeschnitten, 

mit einzelnen Süsswasser-Conchylien, 
1,0 „ hellgrauer Staubmergel mit massenhaften 

Süss wasser-Conchylien. y, Sflsswasserschicht '^ 

mit Süsswasser-Diatomeen, 
0,4 „ mittelkörniger Sand. 



.Hommelian'^ 



* Fossilien des Elbingian: XJrsus, Equus, Bos, CervuSj C. tarandus, 
Elephas, Bhinoceros, Canis familiaria var. grönlandicus ^ Delphinus, 
Phoca grönlandica, Gadus^ Yoldia arctica (truncata), Cyprina islandica, 
Astarte horealis, Dreissena jf>olymorpha , Valvata piscinaliSy Diatomeen, 
Foraminiferen, s. Mausen, Medd. Dan. Geol. Foren. 3. 1895. p. 13. 

• Ber. Verw. Prov.-Mus. f. 1893-1895, 1896. p. 108. 
" Jentzsch, Sehr, phys.-ökon. Ges. 1881. p. 149. 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. g9 

NoETLTNG unterschied (Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1883. 
p. 340) in der kaum 2 m mächtigen Ablagerung eine obere 
marine sandige, thonige und untere mergelige Süsswasser- 
abtheilung (letztere in einem stehenden gi*össeren Gewässer 
in nächster Nähe der See abgesetzt). 

Bei dem 12,2 km entfernten Succase fand Noetling^ 
ebenfalls Staubmergel mit Siisswasser-Diatomeen in gestörter 
nnd ungestörter Lagerung; die Lagerungsverhältnisse des 
Geschiebelehms konnten nicht beobachtet werden. Dieses 
Profil wurde von Jbntzsoh ^ ergänzt. Er fand auch hier einen 
Complex extraglacialer Schichten, die er für unterdiluvial 
erklärt, über Geschiebelehm, und zwar oben Cardiwm-Bank, 
unten Süsswasserschichten. 

Das Profil ist von unten nach oben: 

1,0 m geschiebefreier kalkarmer Sand, 
0,2 „ kalkarmer Sand, 

0,3—1,0 j, Geschiebemergel, 

0,7 „ mlttelkömiger Sand, kalkarm nach oben mit Thonbank, 
1,5 „ gelbgrauer kalkarmer Mergel mit Süsswasser- und Meeres- 
formen, 
0,2 „ gelbweisser kalkreicher Mergel mit Süsswasser-Diatomeen, 
0,8 „ geschiebefreier Sand, unten stellenweise fetter Thon, 
0,05 „ Cardium-Bejik, Sand mit Meeresmuscheln, 

0,8—1,0 „ gelbbrauner Staubmergel, 
0,2 „ Sand. 

Es erscheint hier ein Analogon mit dem innigen Verband 
des 18 km von Tolkemit entfernten Elbinger Yoldienthones 
mit Süsswasserbänken. ^So war in früher Diluvialzeit die 
Gegend von Elbing eines Meeresküste mit hafiartigen Süss- 
Wasserbildungen, deren Fauna und Flora durch das vor- 
dringende Eis schliesslich vernichtet wurde." 

Beachtenswerth ist, dass keine directe Überlagerung 
durch Geschiebemergel vorkommt und der liegende Geschiebe- 
mergel auch nur eine dünne Bank bildet, die kaum als Ver- 
treter einer selbständigen Eiszeit anzusehen ist. 

Die marinen Cardiensande von Marienburg und Dirschau 
stellt Jentzsch* zum Interglacial 2 (indem er die beiden 



» Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1883. p. 335. 
« Ibid. 1884. p. 170, 1887. p. 492. 

^ Jentzsch, Das Interglacial bei Marienburg und Dirschau. Jahrb. 
preuss. geol. Landesanst. f. 1895. p. 165. 



Digitized by 



Google 



90 £• Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

oberen GeschiebemergelbäDke seines Profils zusammenzieht), 

während sie Wahnschaffe zu Interglacial 1 rechnet. Auch 

hier sind übrigens wieder mit dem marinen Diluvium Sttss- 

wasserbildungen verbunden. 

Marienburg: -|- 14 m. 

14 — 20 m grauer sandiger Geschiehemergel, 

—28 , Diluvialsande, 

—30 „ sandiger kalkarmer Thon, 

—33 , Sand mit zahlreichen marinen Muscheln (Cardium 
echinatum, Corbulagibba, Cyprina, Gastropodenspindelnj^ 

—35 „ Sand mit Holzresten (Süsswasserhildmig), 

—37 „ nordischer Diluvialsand, 

—39 , Thonmergel, 

—42 , Sand, 

— 43 a Thonmergel. 

Durch 10 m mächtige Sedimente getrennt von dem höheren 
Geschiebemergel und unterlagert von mindestens 11 m mächtigen 
Sedimenten, treten hier im Niveau von — 16 m marine Sedi- 
mente mit gemässigter, gut erhaltener Fauna auf. 

Dirschau: + 30 m. 

3 m Geschiebemergel, 

— 9 3, Sande, 

—13 , Geschiebemergel, 

—33 „ Grand und Sand, unten mit Diluvialkohle, 

—36 „ marine Sande (Cerithium Uma, Nassa^ Corbula, Mytilus,. 

Cardium edule, Venus)^ 

—36,6, Mergel. 

Ein directer Nachweis von unterlagemder Moräne ist an 
beiden Orten nicht erbracht. Jentzsch weist die Annahme^ 
die marinen Schichten möchten etwa als Durchragung in ihre 
verhältnissmässig hohe Lage gekommen sein, ab und sucht 
in benachbarten Bohraufschlüssen den Nachweis, dass die 
fraglichen Schichten von Geschiebemergel unterteuft werden, 
somit interglacial (2) seiend 

^ Durch Vergleich mit einer anderen Bohrung kommt Jentzsch zu dem 
Schluss, es „lägen hier unter der Meeresschicht noch 82 m Diluvialschichten, 
in denen 1—2 Horizonte von Geschiebemergel vorkommen". 
Ein 600 m entferntes Bohrprofil ergab von 

14—22 m unterdiluvialer Sand = Interglacial (NB. ohne 

Muscheln), 
22—64 „ bezw. — 75 m eine 42 m mächtige Folge von Ge- 
schiebemergel und Thonbänken = Altglacial, 
64 (75)— 82,6 , Frühglacial (Thonmergel und Sand). 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 91 

So ansprechend die Ausföhrungen auch sind (nach ihnen 
AVörde man anzunehmen haben, dass jene Gegend auch während 
Eisoscillationen wiederholt vom Meere bedeckt war), so darf 
doch an die jedem, der sich mit Bohrungen beschäftigt, oft 
recht unangenehm bekannte Erscheinung des plötzlichen un- 
vermutheten Wechsels der Diluviallager erinnert werden und 
demnach ein bescheidener Zweifel an der Übereinstimmung 
jenes Idealprofiles von Dirschau (1. c. p. 196) erhoben werden. 

In der Gegend von Dan zig fand Zeise (Jahrb. preuss. 
geol. Landesanst. f. 1896. p. LXXXVIII) eine Scholle des 
frühglacialen Yoldienthons in dem dort nur als eine Bank 
auftretenden Geschiebemergel. Auch hier war der Yoldien- 
thon innig verbunden mit Süsswasserschichten. 

Marienwerder. 

Jentzsch, Die Lagerung der diluvialen Nordseefanna bei Marienwerder. 
Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1881. p. 546. 

Die Conchylien liegen in echtem Geschiebemergel, dessen 
untersten 0,5 m erfüllend ; „man kann sich bei der Reichlich- 
keit des Vorkommens des Eindrucks nicht erwehren, dass 
das Material des Geschiebemergels sich vorwärts schob ent- 
weder über den Meeresgrund oder doch über eine muschel- 
reiche Meeresschicht." Der Geschiebemergel gehört dem 
unteren Diluvium an. 

Durch Combination der Profile fand Jentzsch folgende 
Lagerung : 

i) 18,8 m Wechsel von Qeschiebemergel und Sand oder Grand, 

Conchylien im Grand; 
h) 6,2—9,4 „ Sand oder Grand, spärlich Conchylien (auch 2>r«WMna) ; 
g) 1,8 — 3,1 „ Thonmergel, ohne Conchylien (auch im hangenden 

Theile von f keine); 
f) 3,1 „ Geschiebemergel, an der unteren Grenze mit Conchylien ; 

e) 7,8 , Sand bis Grand, ziemlich reichlich Conchylien der 

Nordseefauna, auch Yoldia arctica; 
^) y) j^ ^1^^ 9 zwei dünne Geschiebemergelbänke, reich an Conchylien 
(5ca/ana-Bank) ; 
d) 1,8—3,1 , Sand, | 
c) 0,9 „ Lehm, J ohne Petrefacten; 

b) 3,7 , Thon, J 

a) (als unterstes Glied ftigt Jentzsch den Geschiebemergel von Klein- 
Schlanz hinzu). 



Digitized 6y VjOOQ IC 



92 E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

Der vorherrschenden Nordseefauna ist untergeordnet bei- 
gemischt umgelagerte Eismeerfauua (Yoldia)\ Süsswasserreste 
sind in den oberen Theilen (g und h) ziemlich allgemein ver- 
breitet; in den höheren Horizonten liegen die Conchylien im 
Grand, in den tieferen vorwiegend im Geschiebemergel, nahe 
dessen Sohle. 

Ähnlich ist die Gliederung auf dem linken Weichselufer, 
von Dirschau bis Mewe. Der durch Berendt bekannte reiche 
Fundpunkt bei Mewe ( Jacobsmtthle) an der Ferse liefert in 
Massen Nordseemuscheln, daneben aber vereinzelt auch Yoldien. 

Jentzsch gliedert * das Unterdiluvium nördlich von Mewe 
von oben nach unten: 

Thonmergel, 

Geschiebemerg^l, 

Spathsand mit Mergelsand, Thon und Grand | 

Geschiebemergel > mit diluvialer Fauna, 

mächtiger Spathsand und Grand mit Thon ' 

Geschiebemergel, 

Spathsand. 

Alle 3 Faunen sind in tiefliegenden Schichten des ünter- 
diluviums bereits vorhanden, die Nordseefauna ist in den 
tiefsten Schichten am reichsten vertreten, so „dass möglicher- 
weise hier alle jüngeren Unterdiluvialschichten davon Reste 
erst auf secundärer Lagerstätte enthalten". Jentzsch betont 
die Eeinheit der Vorkommen von Jacobsmtthle, Klein - 
Schi an z und Grünhof am Weichselthaie gegenüber der 
gemischten Fauna der zahlreichen umgebenden Fundpunkte ; 
,,die betreffenden Mollusken müssen irgendwo in der Nähe 
gelebt haben, können nicht durch den Gletscher verschleppt 
sein". In dem die Nordseesande unterteufenden Gescliiebe- 
mergel fand Jentzsch Klappen von YoUia; „beide Faunen 
sind also durch einen Geschiebemergel, d. h. durch ein min- 
destens locales Vordringen der Gletscher getrennt." 

Schröder hält indessen die Beweisführung für primäre 
Lagerstätte nicht für ausreichend und kann sich auch nicht 
den aus jenen Fundpunkten gezogenen Schlüssen für eine 
Interglacialzeit anschliessen (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1885. p. 232). 



Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1883. p. LXYI. 

/Google 



Digitized by ^ 



£. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 93 

Granden z. Jentzsch betont, dass bei Grandenz, ober- 
halb im Weichselthal, Nordseefauna unter ähnlichen Verhält- 
nissen vorkommt und dass hier das Diluvium mit einem untersten 
Geschiebemergel bis mindestens — 35 m reicht. (Bei Bahnhof 
Grandenz wurde das Liegende, Tertiär, bei 48,8 m gefunden. 
Jentzsch, Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1884. p. CIU.) 

N endeck bei Freystadt ^ ist der südöstlichste Punkt von 
marinem Interglacial in Westpreussen, 114 resp. 109 m ü. d. M. 

Mächtiger Diluvialsand unter Thon (welcher von oberem 
<jeschiebemergel bedeckt wird) ist in seinem hängendsten Theil 
auf 0,5—0,8 m schwach bindig und erfüllt von Tausenden von 
Muschelschalen, welche fast nur den 3 Arten angehören: 
Cardiutn edulcy Teilina sdidula, Oyprina islandica (selten noch : 
Xassa reticulata, Cardiutn echinatum, Mytilus edulis; femer 
Foraminiferen). Nach Jentzsch lebte diese Faunula zur Zeit 
der Ablagerung jenes Sandes in nächster Nähe, die Über- 
lagerung durch Oeschiebemergel ist ihm auch sicher. Die 
Schichten zeigen einige Verwerfungen. In Verbindung mit 
Mewe u. a. hält Jentzsch das Vorkommen tav interglacial. 
Die Cardittm-Schicht von Neudeck wurde von Geikie als Typus 
der Stufe „Neudeckian" erwählt (Geikie, Classiflc. Europe 
glac. dfepos. 1895. p. 260)*. 

Kiwitten. 

ScHBöDSR, Über zwei neue Fundpnnkte mariner Diluyialconchylien in Ost- 
preussen. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 18dö. p. 219 ; hier auch 
Uteratiirangaben . 

Im Herzen Ostpreussens, 9 Meilen südlich von Königsberg 
gelegen, treten in der Moränenlandschaft in Durchragungen 



> Jbmtzsch, Ein nenes Vorkommen von Interglacial zn Neudeck. 
ZeitsGbr. deutsch, geol. Ges. 1890. p. 697 ; Sitz.-Ber. physik. -Ökonom. Ges. 
Königsberg. 1896. p. 18; Erläut. zu Bl. Freystadt. Berlin 1898. p. 12. 

' Bei Sawdin in Westpreussen sollen unter dem marinen Diluvium 
Eoeh 1,5 m Sttsswasserscbichten lagern. Jentzsch, Erläut. zu Bl. Lessen, 
1898, p. 12, giebt folgendes Profil: 

0,9 m oberer Geschiebemergel, 

1.3 y unterer Diluvialsand and Grand, kalkhaltig, mit Nordsee- 

fauna, 
0,1 - kalkfreier Thon, \ .. .... 

1.4 : . 8and,}("^^^'«^*^*^^ 
l,ö , kalkhaltiger Sand. 



Digitized by 



Google 



94 £• Oeinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 

untere Sande mehrfach unter der allgemeinen Decke von 
oberem Geschiebemergel auf. An zwei Punkten fand Schröder 
in dem den Geschiebemergel unterteufenden, z. Th. nicht scharf 
von ihm getrennten Mergelsand und einer dünnen Zwischen- 
bank von grünlichem Sand marine Conchylien, oft mit beiden 
Klappen erhalten (Cardium edule, C. echinatum, Mactra solida^ 
M. suUruncata, Tellina hcdtica, Nassa reticulata). 

Die Durchragungen bringt Schröder mit Schichtenstö- 
rungen in Zusammenhang, an erratische Schollen ist nicht zu 
denken. Ein unterer Geschiebemergel ist zwar nicht beobachtet, 
doch kommt Schröder zu dem Ergebniss, dass die marine 
Fauna hier auch als zwischen zwei Moränen lagernd zu be- 
trachten sei. 

Heilsberg, Ölmühlenberg. 

Bebendt, Sehr, physik.-ökonom. Ges. Königsberg. 1865. p. 8; Schröder, 
1. c. p. 230. 

Das Profil ist von oben nach unten: 

Saud, 

unterer Sandmergel« 

Qrand und GeröUe, 

Quarzsand mit den marinen Conchylien. 

Die z. Th. noch zusammenhängenden Schalen (Cardium und 
Tellina) werden auch als auf primärer Lagerstätte (zwischen 
zwei unteren Geschiebemergelbänken) angesehen. 

Zusammenfassung. 

Gegenüber den zahlreichen verschleppten Funden* ist 
die Anzahl von solchen, die mit mehr oder weniger Sicherheit 
als primär angesehen werden, äusserst gering. Von grosser 
Bedeutung ist die Bemerkung, welche Sohrödbr (der auch 



* Bartenstein in Ostpreussen muss man nach den Mittheilungen 
von Klebs (Erläut. zu Bl. Bartenstein. 1896. p. 6) zu den secundären 
Fundstätten rechnen; die unterdiluvialen Grande enthalten neben der 
Nordseefauna Yoldia und Dreissena. In gleicher Weise wohl auch die- 
jenigen von Glomsienen, Grünwalde u. a. (Bl. Gr.-Peisten. p. ö). — 
Gross- Nogath. In 98 m Höhe tritt unter 0,5 m oberem Geschiebelehm 
Sand auf, der zahlreiche Schalen von Cardium u. a. Nordseefauna enthält, 
aber auch abgerollte Yoldia und Dreissena. Jbntzsoh lässt die Fragte 
offen, ob hier nur Jungglacial oder Jungglacial über Interglacial vorliegt 
(Bl. Lessen. 1898. Lief. 85. p. 12). 



Digitized by 



Google 



E. Qeinitz, Die Einheitlichkeit der qnartären Eiszeit. 95 

Vogelsang nicht unbedingt f&r primär ansieht) über diese 
Frage macht (1. c. p. 235). Er sagt: 

^Der umstand, dass eine diluviale Schicht Fossilien auf 
primärer Lagerstätte f&hrt, beweist an und f&r sich noch nicht 
ihre interglaciale Stellung, auch wenn sie zwischen Geschiebe- 
mergeln lagert. Vielmehr war während der ausgedehnten 
Gletscheroscillationen (über welche man auch bei Annahme 
einer Interglacialzeit fiir est- und westpreussisfthe Verhält- 
nisse nicht hinwegkommt) die Möglichkeit zur Ablagerung 
von Faunen und Floren ffihrenden Schichten gegeben, zumal 
das Über- und Nebeneinandervorkommen von Meeres- und Sfiss- 
wasserabsätzen die damalige Oberfläche und die Vertheüung 
von V^asser und Land als sehr complicirt gestaltet erschei- 
nen lässt.** 

„Die primäre Lagerstätte und ihr Auftreten zwischen 
Geschiebemergelu ist für Kiwitten und Heilsberg als erwiesen 
zu betrachten. Die grosse Verwandtschaft der diluvialen 
Fauna mit der recenten des jetzigen Westbalticums lässt das 
Vorhandensein eines milden Klimas während jener Bildungs- 
periode möglich erscheinen, jedoch hat sie nicht beweisende 
Kraft,** denn sämmtliche Formen gehen auch hoch nach 
Norden hinauf Schröder spricht deshalb ,,der marinen Fauna 
Beweiskraft f&r ein gemässigtes Klima und somit fiir eine 
Interglacialzeit ab". 

Auch der Schluss, dass wegen der älteren arktischen 
Fauna im Gegensatz zu der jüngeren „Nordseefauna" in 
Preussen auf das arktische Klima der ersten Vergletscherung 
eine mildere Zeitperiode gefolgt sei, „dürfte nicht gentigen, 
am das interglaciale Alter der zweiten Fauna zu beweisen". 

Als feststehend ist augenblicklich nur zu bezeichnen, dass 
während der unterdiluvialen Bildungszeit ein Meeresarm bis 
in das Herz Ostpreussens gereicht hat und dass daneben aber 
auch Süsswasserbecken existirt haben ; wie die genaue Alters- 
folge dieser verschiedenartig charakterisirten Schichten war, 
ob sie alt-, inter- oder z. Th. auch präglacial sind, bleibt 
der Zukunft vorbehalten. 

Trägt man die Funde des preussischen marinen Diluviums 
in die Karte ein, so zeigt sich, dass dasselbe in einer, immer- 
hin beschränkten Meeresbucht abgelagert ist, welche bis zu 



Digitized by 



Google 



96 £• Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

dem Knie des Weichselstromes sich erstreckte * (deren genauere 
Form aber wegen vieler Landzungen, Inseln oder untiefen 
kaum sicher anzugeben sein wird). 

An der offensten Stelle dieser Bucht finden sich auch 
arktische Mollusken, am selben Orte der sogen. Nordseefauna 
später Platz machend, welche überhaupt die Hauptmasse an 
wohl allen Punkten darstellt. 

Mit den marinenAbsätzen sind in mannigfacher Form Glacial- 
erscheinungen verbunden , Geschiebemergel - Einschaltungen, 
Schichtenstauchungen, Grande mit den reichlichen verschleppten 
Muscheln ; dazu treten noch in verschiedener Weise Süss wasser- 
und Landbildungen in engen Gonnex. 

Die Annahme ist danach wohl berechtigt, dass zur Eliszeit 
hier die Ostsee in dem erwähnten Busen südwärts reichte, 
dass hier im Wesentlichen eine gemässigte Fauna der west- 
lichen Ostsee lebte, die an einigen Punkten, welche freieren 
Strömungen (sei es aus NO., sei es aus NW.) Raum boten, 
durch arktische Einwanderer vertreten wurde. 

In welcher Form das Eis die doch nicht wegzuleugnende 
Tiefe der Ostsee überschritt, ob als schwimmende zusammen- 
hängende Masse, ob auf dem Boden aufsitzend, oder in Gestalt 
von Packeis, bleibt ja immer noch eine offene Frage. Die 
beiden letzten Annahmen, vielleicht auch in combinirter Form, 
haben das wahrscheinlichste. 

Dass nun die Eismassen in jenen südlichen Meeresbusen 
stellenweise auch (wenigstens zu Anfang) eisfreie Theile übrig 
Hessen, ehe sie alles überzogen, hat auch viel tlir sich. 

Von der spätglacialen marinen Senkung scheint dieses 
Gebiet nicht betroffen zu sein ; eine noch während der Eiszeit 
erfolgte Hebung hat dann die Niederung ausgeglichen, daher 
der ununterbrochene Verlauf der Endmoräne. 

Nach welcher Eichtung Colbergs marine Ablagerung 
offen stand, ob noch hierher, oder schon zum Westbalticum, ist 



* Aach hier wie bei der Elbe ist es ein grosses Gebiet von Miocan 
(vergl. die Karte Ton Jbntzsch, Jahrb. prenss. geol. Landesanst. f. 1899. 
Taf. 14), im 0. von Kreide begrenzt. In der Nähe des Endes dieser Bucht 
finden sich die Bartschiner Schrammen, welche einer Ablenkung des Eises 
zu entsprechen scheinen (s. Wahnschaffe, Zeitschr. deutsch, geol. Ges- 
1893. p. 705). 



Digitized by 



Google 



[Zu p. 97.] 

1. Postpliocäne Xj»^^^® Klimaschwankangen in den Torfiuooren (und Kalk- 
Tcrbiodang dnr^^ ^^^^ ^® heutigen Verhältnisse Ton Land-, Wasser- und 
eogiand; Ver^rl^^ ^^^ Menschen (der seinerseits von dem höher entwickelten 
Usdeis; alteret beeinflusst worden sein dürfte) macht sich auf die Thier- 

.1 düngen bemerkbar. 
i Im Atlantic nnv^h wankungen bis auf den nördlichen Theil des Balticums 
decke? z. Th. ü noch eine Senkung stattfindet, ist ungewiss); recente 
Weichselthal. .jet. 

HOT local arkdan (vielleicht durch Eisdruckerleichterung) eingeleitet: 
iiktiache FamM offener Verbindung nach Osten; darauf Ancylus-See (mit 
Dichter der Blb%tschland und Schonen) und weiter erneute geringere 
Hione mit BeiiVerbinduDg zur Nordsee. Während dessen weiterer Rück- 
SQ»was8erdiat;<%,vien, innere Moränen. 

Auf dem ^e , wo sich das Eis auf skandinavischen Boden znrück- 
heütigen Elina a^ frei ist, Eisberge werden indess noch darauf treiben und 
lark (LandbrO« Störungen bilden. Meeresabsätze im inneren Balticum 

Gleichzeitift fallen. (Wenn nicht älter, 6.) 
Klima {Melanom lieferte die bekannten Endmoränen des baltischen Höhen- 
. j. g. m««^|j*'^J^®^'*i**®" einzelnen Eückzugsetappen (mit längeren Still- 
„ . wo" ^*°^ °^^ ^^® endmoränenarme oder -freie letzte Still- 
i r f fbeair^ '®*'''^™^^*^®'^ folgte. 

°d ch t df ^'^^ (Fortsetzung) der Glacialerscheinungen mit Schichten- 
. . . . ^ergrundes, Herausbildung scheinbarer Interglacialprofile, 
S rddemschlanrf^^^"®' Asar, Thal- und Seebildung u. a. m.; ausserhalb 
Terschieden ireif ^^^ -grand. 

Bildung d«^^ ^° ^^^ westlichen und südöstlichen vereinzelten Meeres- 

Einfloas von 1^5^^^*^^°^®"' ^^^ später von localen Eisvorstössen oder Drift 

der unter ^^^^ werden. „Interglacial" (? Ristinge, Oldesloe, z. Th. 

CTBrioenthon l'^^^^g Lössbildung (mit Diluvialfauna), zu der die tlieil- 
Andcre La«^®" südlichen Gebirgen Höhlen, KalktuflF, Schotter u. a., 

hth WechseHaT^^^*^® ^^^ Eisrandes oder die von ihm gelieferten Schlamm- 
n^. gg*;-gn Jussschotter, derartige Lager (Sandr, Schotter, Torfmoore) 
i Han^ende^*^^^'^) ' ^^®' Geschiebesand (Klinge), oder auch feinem 
W h^el ^r "Vf h*^^^®''» locale Ursachen oberflächliche Schichtenstörungen 
«tirkerer Bewet i^^^^"- »Interglacialprofile* entstehen; für die betreffende 
Die dem W^ ^^^^ ^^^ postglacial zu bezeichnen, oder auch „diluvial" 
die hierbei eescl^*^^*^® Grande z. Th. in unmittelbarem Anschluss an die 

kalk' jMT^^^^^^^^^ B^c^ Sandr oder zusammengeschwemmte Thon- 

Fl d Fant ' ^ö™®^ Torfmoore in Seebecken oder Flussrinnen (deren 

n" alten f^^^^S^^ deutlich erhalten ist); ihre Pflanzen entsprechen 

chou biüf *' etwas wärmeren Klima, z. Th. auch Klimaschwankungen 

^ EU ina*^«??!*" Torfmooren bekannt ist). 

^Walen Schott bildang (w.e 8«b 6) .,, p h. 

V daH lal®* beanspruchenden Abschmelzperiode wird der Rand des 

\ t rirla<3^^®^^"^®°^ Eises allmählich weiter nach Norden verlegt 

^^ ' ^ jihm die ihn unmittelbar umsäumende arktische Flora (aus 

t ;>cbliesslicb batekannt, von Sachsen bis in die baltischen Länder, von 

Schlesien, mittl^elicten , z. B. in Sachsen, Westpreussen und schliesslich 

deotenden Wa8#e). Das Klima etwas milder als jetzt , dennoch war Eis 

ZTosse Wasserfllicht plötzlich verschwinden konnte. Pflanzen und Thiere 

tralo-caspiscbe ]rb. nun aussterbend , z. Th. auswandernd. Ihre Reste in 

Thier- undlten; besonders wandert das Mammuth nach (vielleicht nach 

l^^hangt; Thieilas Eis). Ebenso der Mensch. 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der qaartären Eiszeit. 97 

unentschieden. Auch die präglacialen Bildungen von Rügen 
und Möen sind in ihrem Zusammenhang noch unsicher. Die 
Oderbucht hat kein marines Diluvium geliefert, wahrscheinlich 
gehörte die Gegend zu der Festlandbrücke, die zum südlichen 
Schweden hinführte. Inwieweit überhaupt für dieses Mittel- 
areal die tertiärfreie Kreide-Insel oder -Halbinsel, deren Süd- 
ecke nach Mecklenburg hineinreicht, von Einfluss noch war, 
lässt sich kaum mehr ergründen. 

Auf der beifolgenden Tabelle habe ich versucht, die 
Entwickelungsgeschichte des baltischen Quartärs zu skizziren. 
Die Hauptphasen sind mit laufenden Zahlen markirt. 

Die Anordnung in unter- und übereinander stehenden 
Reihen soll das Correspondiren des jeweiligen Eisrandes mit 
den einzelnen Phasen andeuten (die Pfeile sind gemäss der 
Eisbewegung nach unten, Süden, gerichtet). Die Reihen sind 
links von oben nach unten, rechts von unten nach oben, nach 
den laufenden Nummern zu lesen. 

Man wird sich vergegenwärtigen, dass die Dauer des 
Glacialphänomens eine sehr lange gewesen ist, dass ins- 
besondere die Zeitdauer des Vorrückens bedeutend kürzer 
als die des Rückganges war. 

Von einer besonderen Nomenclatur habe ich abgesehen, 
dieselbe würde nur localen Werth haben. 

Es versteht sich, dass eine ähnliche Skizze auch die Quartär- 
ablagerungen Grossbritanniens und Russlands erläutern würde. 

Verzeichniss der Vorkommnisse fossilführender Quartär- 
ablagerungen. 

Seite Seite 

Ärö 73 Cleve 67 

Alienberg (Wehiau) 61 Danzig 91 

Alaen 71 Dirschau 90 

Bartelsdorf 65 Druschin 48 

Bartenstein öl Elbing ^ 87 

Beidorf, Bornholt (Grünenthal) . 36 Esbjerg 65 

Beizig 22 Fahrenkrug 38, 78 

Bienwalde 23 Fredericia 44 

Blankenese 61 Fünen 45, 70 

Bleckede 59 G«ltow 22 

Boizenbnrg 59 Glinde 66 

Burg 66 Görzke 23 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband X^I. 7 



Digitized by 



Google 



98 



E. Geinitz, Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 



Seite 

Graudenz 25, 93 

Gwilden 40 

Halhe 53 

Hamburg 10, 60 

Heilsberg 94 

HiddensOe 83 

Hindsholm 45 

Höve 80 

HoUerup 44 

Honerdingen 35 

Hostrupholz 71 

Hven 83 

Hvidding 65 

Insterburg 26, 51 

Itzehoe 66 

Kibäk 66 

Kiwitten 93 

Klieken 42 

Klinge 27 

Korbiskrug 46 

Lamstedt, Basbek 61 

Langeland 72, 74 

Lauenburg 32, 57 

Lessen 49 

Lindenberg (Rössel) 50 

Lüneburger Heide 24 

Marienburg 90 

Marienwerder 91 

Memel 40 

Mewe 92 

Möen 83 

Neudeck (Freistadt) 93 

Neuenburg 42 

Nindorf 67 

Oderberg 54 

Oldesloe 78 

Paludinenbank 19 

Posen 22, 55 

Purmallen 39 



Seite 

Rathenow 21, 23 

Rensing 67 

Ristinge ^ 74 

Rixdorf.' 53 

Rüdersdorf 11 

Sassnitz 85 

Sawdiü 93 

Gross-Schönwalde 49 

Schulau 39 

Schwaan 83 

Schwanebeck 48 

Seehesten 25 

Selbjerg 69 

Stade 62 

Stöfs 78 

Succase 89 

Suchau 49 

Süderholz 71 

Sylt 64 

Tapiau 50 

Tarbeck 77 

Tesperhude 35 

Tondern 66 

Trälle Klint 44 

Tuchel 47 

Üllnitz 22 

Unstrut (Zeuchfeld) 21 

Vendsyssel 67 

Vogelsang 88 

Warringholz 67 

Wehningen 24 

Werder 46 

Westerweyhe 23 

Widminnen 41 

Wismar 39 

Wormditt 51 

Zetthun, Carzenburg 47 

Ziüten 25 



Zusätze. Nach der Drucklegung obigen Aufsatzes gingen mir 
noch folgende Arbeiten zu, deren Resultate nachzutragen wären: 

Zu p. 48: Schwanebeck hält Wüst (Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1902. 
Briefl. Mitth. p. 14) für interglacial, da der Kalktuff norwegische Gesteine 
fahrt und an einer Stelle von Geschiebemergel überlagert wird. 

Zu p. 52 : Das interglaciale Alter Rixdorfs wird auch von Wulff und 
G. Müller als nicht feststehend anerkannt. (Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 
1902. p. 5.) 

Zu p. 59: Eäferreste von dem Lauenburger Torf wurden von F. Msünieb 
beschrieben. (Jahrb. preuss. geol. Landesanst. f. 1900. p. 30.) 



Digitized by 



Google 



H. Leonhard, Geol. Skizze des galatischen Andesitgebietes etc. 99 



Geologische Skizze des galatischen Andesitgebietes 
nördlich von Angora. 

Von 

Richard Leonhard in Breslau. 

Mit Taf. II. 



An dem Aufbau der Gebirgsbogen Vorderasiens, der 
iranisch-taurischen Faltungen, nehmen Ergüsse und Auf- 
schüttungen junger Eruptivmassen einen beträchtlichen An- 
theil. Besonders im armenischen Hochlande überdecken sie 
die Faltenzüge in solcher Ausdehnung, dass der zonale Bau 
derselben durch sie fast völlig verhüllt wird. Auch in dem 
kleinasiatischen Antheil der iranisch-taurischen Gebirgszone 
nehmen die Ergüsse junger Massengesteine grosse Flächen 
ein, wie im Gebiete des Argäus in Gappadocien. Gross ist 
die Zahl kleinerer Durchbrüche. Das bedeutendste der in 
dem nördlichen Theil des Faltenzuges, den pontischen Ketten, 
auftretenden vulcanischen Gebiete ist eine Masse, die nördlich 
von Angora gelegen ist. Ich will sie, da ein einheitlicher 
antiker oder modemer Name fehlt, nach der Bezeichnung der 
antiken Landschaft, Galatien, deren nördliche Begrenzung sie 
bildet, das galatische Andesitgebiet nennen. 

Dieses Gebiet gehört zu den unbekanntesten Theilen 
Eleinasiens. Von geologisch gebildeten Reisenden ist der 
Andesitzug vor mir nur zweimal besucht worden. Der gute 
Beobachter William Ainsworth berührte auf einer Reise im 
Herbste 1838, von Tschangry kommend, den südlichsten Theil 
desselben am Hüssein-Ghazi und führte von Angora aus eine 
eilige Tour nach den Minen am Ischikdagh mitten im Winter 

7* 



Digitized by 



Google 



100 B. Leonhard, Geol. Skizze des galatischen Andesitgebietes 

aus. Zahlreicher sind die Eouten P. v. Tchichatcheff's, der 
das Gebirge 1849 und 1853 kreuzte. Seine Beobachtungen 
sind sehr beachtenswerth und trotz der Schnelligkeit seines 
Reisens reichhaltig. Ich konnte in denjenigen Theilen, in 
welchen ich Strecken des Reiseweges von v. Tchichatcheff 
wiederholen musste, seine Beobachtungen bestätigen. Leider 
fehlte ihm die tektonische Auffassung, v. Tchichatcheff hat 
nicht unterwegs kartirt, so dass seine Tagebuchaufzeichnnngen 
erst viel später (1867) durch Heinrich Kiepert in möhevoller 
Zusammenstellung auf einem Blatte im Maassstabe 1 : 2000000 
Verwerthung finden konnten, v. Tchichatcheff hat seine 
Reisewege nur unsicher beschrieben und ohne Verständniss 
des Terrains; auch hatte er ein ungltickliches Ohr für die 
türkischen Ortsnamen. Daher liegen seine Reiserouten oft 
ganz anders, als H. Kiepert vermuthen konnte, und so sind 
V. Tchichatcheff's Beobachtungen erst durch nochmalige Be- 
reisung und genaue Aufnahme seiner Reisewege nutzbar zu 
machen. 

Das Andesitgebiet ist seither nur in topographischer 
Hinsicht durch preussische Offiziere, v. Diest, Anton u. A. 
in einzelnen Theilen besser bekannt geworden. Unsere Kennt- 
niss vom geologischen Bau dieses Landstriches erweiterte sich 
dagegen nicht. Auf zwei Reisen, im Herbste 1899 und im 
Herbste 1900, habe ich ausser anderen Gegenden des nörd- 
lichen Kleinasiens dieses nordgalatische Andesitgebiet in fast 
allen Theilen durchzogen. Die von mir heimgebrachten Ge- 
steinssuiten — ein Theil ging unterwegs verloren — hatte 
Herr Prof. Milch die Freundlichkeit, zu untersuchen; ich 
beziehe mich auf seine Untersuchungen, die in dem folgenden 
Aufsatze veröff^entlicht sind. Die Kartenskizze in 1 : 1000000, 
welche ich beigebe, beruht auf einer inhaltsreicheren Con- 
struction einer Karte des nördlichen Kleinasiens, die fast 
ausschliesslich auf meine eigenen Aufnahmen begründet ist 
und das bisherige Kartenbild z. Th. stark verändert. Der 
Übersichtlichkeit wegen sind in die vorliegende Kartenskizze 
nur die Hauptzüge des Flussnetzes, sowie die Lagen der 
höchsten Gipfel und der im Texte erwähnten Orte auf- 
genommen worden. Femer habe ich versucht, die Ausdehnung 
des Andesitgebietes anzugeben, wobei die beobachteten Theile 



Digitized by 



Google 



nördlich von Angora. 101 

der Grenzen von den vermutheten nicht unterschieden sind. 
I>ie innerhalb des Andesitgebietes auftauchenden Inseln des 
Orundgebirges, sowie die den Andesit oberflächlich verhüllen- 
den jungen Bildungen konnten auf der Skizze nicht aus- 
geschieden werden. Die auf der Skizze enthaltenen Ziffern 
geben die Fundorte der unter der gleichen Nummer in der 
Abhandlung von Milch beschi'iebenen Gesteine an. Ausser- 
halb des Rahmens der Karte fallt nur der Basalt südlich von 
Kastamuni. 

Der galatische Andesitzug hat im Wesentlichen seine 
grösste Ausdehnung (160 km) in ostwestlicher Richtung 
zwischen den Städten Mudurnu und Tschangry. Er ist durch- 
schnittlich 60 km breit. Nur gegen Angora hin ändert er 
seine Gestalt, indem hier ein von N. gegen S. gestrecktes 
Andesitgebiet sich mit ihm vereinigt. 

Den Untergrund der Andesitmasse bilden die gefalteten 
Gebirgszüge, die Edmund Naumann als westpontischen Bogen 
zusammengefasst hat. Die Züge derselben sollen in einheit- 
lichem Sinne von Mysien aus bis nach Paphlagonien streichen ^ 
Dieser westpontische Bogen ist jedoch keineswegs so 
einheitlich gebaut, wie ihn die Karte Naumann's darstellt. Es 
sind nach meiner Auffassung mehrere Bogenstücke vorhanden, 
welche sich durch stark voneinander abweichendes Streichen 
zu erkennen geben. Etwa an der Stelle, wo zwei solcher 
Gebirgsbogen aneinander scharen, trat der Erguss andesitischer 
Laven zu Tage*. 

Die älteste sichtbare Formation in unserem Gebiete ist 
eine Serie von Schiefem, in welchen Fossilien nicht nach- 
gewiesen werden konnten. Die Schiefergruppe wird im Thale 
des Aladaghflusses , sowie im Tschatak-Boghaz nördlich von 
Düzköi am Sakaria von Schichten der Juraformation über- 
lagert, ohne dass ich eine Discordanz bemerken konnte. Die 
Mächtigkeit der jurassischen (weissen und bräunlichen) Kalk- 
mergel beträgt mehrere hundert Meter. Von Fossilien habe 
ich an zwei Stellen, südlich von Tutasch und im Tschatak- 

^ E. Naumann, Die Grondlinien Anatoliens and Centralasiens. Mit 
2 Karten. Geogr. Zeltschr. 2. 1896. p. 7—25. 

' Über die tektonischen Verhältnisse des nördlichen Kleinasiens werde 
ich an anderer Stelle ansfUhrlicher berichten. 



Digitized by 



Google 



102 ^* Leonhard, Geol. Skizze des galatiachen Andesitgebietes 

Boghaz, wie anderwärts schon v. Tchichatcheff , nur 
Ammoniten des Oxford finden können. Es ist aber nicht 
ausgeschlossen, dass die sehr mächtige Schichtengruppe auch 
noch tiefere Lagen des Jura repräsentirt, zumal da in der 
Gegend westlich von Ängora jetzt sämmtliche Glieder des Lias 
nachgewiesen sind^ 

Vermuthungsweise betrachte ich den Schiefercomplex als 
der Triasformation zugehörig, die bisher nur am Golf von 
Ismid und bei Balia in Mysien nachgewiesen ist. Ausser 
dem Jura nehmen obere Kreide und z. Th. Eocän an der 
Qebirgsbildung Theil. Es finden sich aber streckenweise un- 
gefaltete eocäne Schichten. 

Die Auffaltung des Gebirges war jedenfalls vor Ab- 
lagerung der pliocänen Seebildungen abgeschlossen, da deren 
Schichten nur stellenweise schwach gestört, aber nicht mehr 
gefaltet sind. Wir können daher annehmen, dass die Ent- 
stehung der bithynisch-galatischen Bogenstücke in der Miocän- 
zeit abgeschlossen war. 

Die andesitischen Massen sind erst nach der Auffaltung 
des Gebirges emporgedrungen. Das Eocän wird von ihnen 
theils durchbrochen, theils überdeckt. Die Neogenschichten 
lagern über den Andesiten. 

Eine tektonisch bedingte Grenze findet das Andesitgebiet 
nur im N. Hier bricht das Eocän gegen S. in einem steilen 
Escarpement, auf welchem die Stadt Gerede gelegen ist, ab, 
das völlig geradlinig in einer Erstreckung von ca. 40 km 
verläuft. Südlich desselben ist der Untergrund der Ebene 
des Ulu-tschai, wie auch v. Tchichatcheff bemerkte, durchaus 
noch vom Andesit gebildet. Das Escarpement scheint dem- 
nach durch Absinken des südlichen Flügels entstanden zu 
sein; parallel zu ihm liegt die Längsaxe der Andesitzone. 
Weiter westlich bildet der Wall des Semendagh das Ufer, 
an welchem die Ausläufer des Andesitergusses des Aladagh 
sich stauen. Solche natürliche Begrenzungen finden sich in 
den übrigen Theilen nicht. 

Die Andesitzone besteht aus mehreren vulcanischen Bauen, 



^ J. F. PoMPECKJ, Palaeontologische und stratigraphische Notizen 
ans Anatolien. Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 49. 1897. p. 713 ff. 



Digitized by 



Google 



nördlich von Angora. 103 

die ineinander äbergreifen. Sie scheinen sämmtlich der gleichen 
Ansbruchsperiode anzugehören. Es überwiegen die geflossenen 
Laven, doch wechseln sie mit Tuffen vielfach ab. Die Mächtig- 
keit der Massen ist natnrgemäss äusserst wechselnd. 

Den Haupttheil des Aladagh bildet ein ausgedehnter 
flacher vulcanischer Bau, dessen bewaldete Rücken eine 
gleichmässige Höhe von 1500 — 1800 m besitzen und ein nur 
durch die Flüsse zerschnittenes plateauartiges Massiv bilden, 
dessen Gentrum der 2370 m hohe Köroglu dai-stellt. Ich 
habe denselben als erster am 4. October 1899 besucht. 

Der Gipfelkegel erhebt sich inmitten einer grossen, ziem- 
lich ebenen, kreisförmigen Senke, in welcher mehrere Flüsse 
ihren Ursprung nehmen und die fast allseitig von Höhen ge- 
krönt wird, welche dem Köroglu an Grösse und Höhe nahe- 
kommen. Inmitten dieser Einsenkung, die besonders in ihrem 
nördlichen Theile völlig eben ist, steigt der runde Kegel des 
Köroglu noch 280 m höher auf, mit flacher Böschung, die bis 
zur Höhe mit Grasbüscheln bewachsen und von Ziegen be- 
weidet ist. Nur eine wenig ausgedehnte, 25 m hohe Gipfel- 
pyramide von stark verwittertem nacktem Andesitfels bekrönt 
ihn und von ihr aus fällt gegen S. der Berg schroff ab zu 
einem Thalcircus, den ich nur für eine Caldera halten kann. 
Der Abfall ist unvermittelt und erscheint fast senkrecht. Der 
Thalboden, der die Hütten einer Alm, der Köroglu-Jaila, ent- 
hält, liegt nach meiner Schätzung mindestens 400 m unter 
dem Gipfel ^ In ihm nimmt der eine Quellfluss des Köroglu-su 
seinen Ursprung und verlässt die Umwallung der Caldera in 
einem überaus engen Durchbrnche. 

Der Köroglu ist der Ursprungsort für die meisten Flüsse 
der Aladagh, die nach allen Richtungen hin von ihm ausgehen. 
Da die Abflussverhältnisse sich definitiv nach Aufhören der 
grossen Ergüsse gebildet haben müssen, so zeigen sie uns 
diejenige Stelle an, an welcher die Ergüsse sich am höchsten 
aufstauten. Dieselbe dürfte meist mit dem Orte des Austrittes 
der Laven zusammenfallen. Der Unterlauf des Aladagh- su, 
des Siberis der Alten, bis aufwärts über Tutasch, gehört noch 



' Ein nochmaliger Besuch des Köroglu wurde mir durch die feindliche 
Haltung der Anwohner unmöglich. 



Digitized by 



Google 



104 B. Leonhard, Geol. Skizze des galatischen Andesitgebietes 

einem älteren, durch die Gebirgsfaltang bedingten Abfluss- 
systeme an. Er verläuft völlig dem Streichen der Schiefer 
und des Jurakalkmergels (N. 10 0.) entsprechend und bildet 
somit ein Längsthal ; desgleichen der ihm parallele Fluss von 
Nalluhan. Der Erguss der Köroglu-Masse sperrte das Längs- 
thal des Siberis, das sich wahrscheinlich noch weiter gegen N. 
erstreckte. Die Gewässer des Aladagh sammelten sich am 
Südfusse des von Schiefer und Jurakalk gebildeten Semendagh 
und waren gezwungen, die Ergüsse des Köroglu in westwärts 
gerichtetem Bogen zu umgehen, wo der jetzige Hauptquellfluss 
sich durchaus in Jurakalk eingeschnitten hat. Auf den Höhen 
links vom Flusse keilen die Decken oder Ströme aus. Die 
Decken besitzen nur geringe Mächtigkeit, wie in den zer- 
schnittenen Plateaus nördlich von Chodjak, wo sie in ca. 900 m 
Meereshöhe enden. Ausgedehnt sind hier die Tuffmassen, 
welche im Flussthale Ablagerungen von mindestens 200 m 
Mächtigkeit bilden (No. 28). Nur vereinzelte Ströme reichen 
noch weiter herab bis 700 m und werden vom Flusse durch- 
brochen, wie der Rücken, der die Krümmung des Aladagh-su 
westlich von Chodjak veranlasst. Ich glaube nicht, dass diese 
wenig mächtigen Ströme sich noch weit gegen W. fortsetzen. 

V. TcHicHATCHEFF hat südöstHch von Mudumu mitten im 
Kalke und ebenso ca. 4,5 km östlich von Nalluhan als ost- 
westlich gerichteten Rücken den Andesit, den er als Trachyt 
bezeichnet, gefunden und hat beide Vorkommen als Zungen 
der Aladagh-Masse aufgefasst^ Da er jedoch ausdrücklich 
von dem ersten Vorkommen angiebt: „on voit percer les 
dol6rites et les trachytes" ^, so glaube ich, dass bei Mudumu 
ein selbständiger Durchbruch des Andesits vorliegt, während 
das Vorkommen auf dem Plateau über Nalluhan noch ein 
Ausläufer der Ströme der Aladaghs sein kann. Ich habe 
beide auf der Skizze angedeutet. 

Vom Köroglu aus zieht gegen NNW. bis zum Semendagh 
eine Reihe von Erhebungen, deren Gipfel die Höhe von 2000 m 
fast erreichen, Ramazan-Beyoglu genannt. Sie bilden die 
Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Aladagh-su und 



* V. TcHiCHATCHEPF, Asic mineurc, Gfeologie. 1. 107. 

* V. TcHicHATCHEFF, Asie mineure, Geologie. 2. 13. 



Digitized by 



Google 



nördlich von Angora. 105 

dem des Ulu-tschai. Nach diesen hin gegen NO. erniedrigt 
sich das Gebirge gleichmässig in langen, nordnordöstlich ver- 
laufenden Rucken. Die Ergüsse sind hier zwischen Sajyk 
und Earabazar in Bänken abgesondert, die annähernd hori- 
zontal liegen. Sie enden in der Ebene des Ulu-tschai in 
ca. 1200 m Meereshöbe. Das Gebiet zwischen Karabazar 
und Sajyk stellt die tiefste Einsattelung im Nordabfalle des 
Andesitgebietes dar, die jedoch nicht unter 1200 m sinkt. 
Östlich derselben erhebt sich der Aluschdagh als selbständiges 
Gebirgsglied. 

Die von Herrn Prof. Dr. Milch als Augit-Hypersthen- 
Andesite bezeichneten Gesteine gehören sämmtlich dem 
Köroglu an. 

Am Südabhange des Massivs erscheint nun eine andere 
Varietät, die in dem tief eingeschnittenen Flussthale des Ayryova- 
tschai, zwischen Devören und Jazydja, welches das unregel- 
mässige Plateau mit seinen Nebenflüssen zerschneidet, zuerst 
sichtbar wird. Dieses dichte, schwarze Gestein, das makro- 
skopisch wie ein Basalt erscheint, ist nach Prof Dr. Milch 
ein Hypersthen-Andesit. Das Gestein wechselt, wie das Profil 
im Flussthale zwischen 930 und 1100 m Meereshöhe zeigt, 
mehrfach mit Tuffen, während das nach Devören herabziehende 
Thal durchweg in festem, geflossenem Gesteine steht. Die 
Mächtigkeit der ausgestossenen Massen beläuft sich im Aladagh, 
dessen mittlere Rückenhöhe 1500 — 1800 m beträgt, im cen- 
tralen Theile mindestens auf 800 m. 

Während das tiefe Thal des Köroglu-su noch in den zum 
Eörogludagh gehörigen Ergüssen steht, welche das Plateau 
der Landschaft Eibrisdjik bilden, scheint die südwärts davon 
gelegene kleine Erhebung selbständig zu sein. Sie wird nach 
einem kleinen Seebecken, dem Earagöl, der kein Felsbecken, 
sondern ein flacher Teich mit niedrigen, sumpfigen Ufern ist, 
als Karagöldagh bezeichnet und gipfelt im Tepeli, einem 
ca. 1900 m hohen, tafelartig gestalteten Berge, der 6 km 
südwestlich von Karaschehr gelegen ist. Die Gesteinsprobe, 
westlich von Karaschehr entnommen (No. 7 von Milch), ist 
ein Hornblende- Andesit. Die Oberfiäche des Karagöldagh ist 
infolge der gegen S. rasch zunehmenden Trockenheit nur 
dürftig bewachsen, bietet jedoch mit ihren zahllosen Blöcken 



Digitized by 



Google 



106 ^- Leonhard, Geol. Skizze des galatischen Andesitgebietes 

geradezu den Anblick einer Lavawüste. Gegen SW. im Thal- 
kessel von Karaschehr (1100 m) , sowie südlich dieser Stadt 
sind tertiäre Thone durch die andesitischen Ergüsse in Por- 
cellan-Jaspis umgewandelt worden. 4,5 km südwestlich von 
der Haidarlar-Jaila verschwindet der Andesit unter den neo- 
genen Mergeln. 

Gegen Osten schliessen sich an den Karagöldagh grössere 
Erhebungen an, die wahrscheinlich ebenfalls andesitisch sind. 
Die höchste Erhebung bildet der Urusch-Kapakly. Nördlich 
von diesem liegen die Plateaus der Jabanova genannten Land- 
schaft, die ich nicht besucht habe. Der Andesit tritt am 
weitesten gegen S. östlich des Marktfleckens Güdül, wo er 
das Plateau gegen Bajat hin zusammensetzt und auch noch 
bei diesem Orte ansteht. 

Das mittlere Stück des Andesitzuges bildet eine zusammen- 
hängende Masse, deren südlicher Theil Chedirdagh und dessen 
mittlerer und Haupttheil Aluschdagh heisst. Getrennt werden 
beide nur durch das tiefe Durchbruchsthal des Pertschin-tschai. 
Die mittlere Höhe bleibt in diesem Theile des Gebirges sehr 
gleichmässig auf 12—1300 m. Die höchsten Joche übersteigen 
kaum 1700 m. Das Gebirge trägt daher durchaus den Cha- 
rakter eines Plateaus, das nur durch die steil sich einschnei- 
denden Flüsse gegliedert und dadurch schwer passirbar wird. 
Auf den Hochflächen geht die Abtragung sehr gleichmässig 
vor sich. Der Andesit zerfällt hier schliesslich in eine weisse, 
mehlige Masse. Widerstandsfähigere Partien erhalten sich 
in der Form wollsackartig abgesonderter Felsmassen, die oft 
an diejenigen des Riesengebirgsgranitits erinnern. An den 
Thalgehängen haben sich auch Tuffe erhalten. Auch eine 
glasige Ausbildung des Gesteins, die wie Pechstein erscheint 
und die ebenfalls weiss verwittert, konnte ich bei Sazach 
beobachten ^ Bemerkenswerth ist das nordsüdlich verlaufende 
Thal des vom Ischikdagh kommenden Baches, der in den 
Pertschin-tschai mündet. In ihm tritt ein Basaltdurchbruch 
auf, der säulenförmige Absonderung zeigt (nach Ainsworth 
und V. Tchichatcheff). In den Seitenthalern desselben ent- 



* Die Gesteine ans dem Alnschdagh sind sämmtlich auf der Reise 
abhanden gekommen. 



Digitized by 



Google 



Dördlich von Angora. 107 

spHngen die warmen, schwefelhaltigen Quellen von Sei-hamam 
und Kisildja-hamam. Auch Erdbeben sollen in diesem Thal- 
zuge besonders häufig sein. 

Im oberen Theile des Thaies von Aktasch tritt in einer 
Höhenlage von 13—1400 m eine Insel des Schiefers zu Tage, 
welcher den Untergrund des gesammten Andesitgebietes zu 
bilden scheint, hier mit einem Streichen 0. 30' N. und steilem 
Fallen gegen SO. Diese Partie ist allseitig von Andesit um- 
flossen, der im Markudja-Thale horizontale Bankung zeigt. 
Das Gestein desselben (bei Salyr) ist von Milch als ein mit 
dem von Aktasch übereinstimmender Augitandesit bestimmt 
v^orden. 

Über die Nordgrenze dieses Gebietes ist mir nichts be- 
kannt. Der Andesit reicht über Gebeier hinaus, bedeckt 
wahrscheinlich den grössten Theil des Gebietes bis zum Flusse 
von Tscherkesch und bildet die Haupterhebungen südlich des 
Ischikdagh. Der Gipfelkegel dieses 1900 m hohen Berges 
ist ein Andesitdurchbruch durch eocänen thonigen Kalk. 
Bruchstücke von Glimmerdacit (No. 2) sind in der Ebene 
gegen Tscherkesch hin verstreut, vielleicht als Reste eines 
dünnen Stromes, der von den andesitischen Höhen, die das 
Thal von Tschörbasch umgeben, herabkam. Auch die an den 
Ischikdagh sich östlich und südlich anschliessenden Erhebungen 
Göktepe und Semerdagh stehen an Höhe hinter ihm nur wenig 
zurück. Sie werden noch übertroffen von dem mehr als 2000 m 
hohen Jilderimdagh , welcher der Mittelpunkt der ganzen 
Gruppe ist. Von diesem gehen wohl die andesitischen Massen 
aus, welche bis in die Ebene von Bujudüz am Devrez herab- 
reichen. Hier vereinigen sie sich mit einem östlicheren aus- 
gedehnten Massive, welches ich in Ermangelung eines Gebirgs- 
namens als Gebirge von Tasch-Karadjalar bezeichnen will. 
Das Liegende desselben ist wieder Schiefer. Der obere Theil 
des Devrez-Flusses steht durchweg im Andesit. Die Nord- 
grenze desselben kenne ich nicht. Er bildet Plateaus, die 
sich in flache Wellen von 50 — 100 m relativer Höhe gliedern. 
Gegen 0. streicht er an den Schieferrücken, z. Th. von Neogen 
bedeckt, aus, welche nunmehr als hohe Gebirgszüge des 
Gülekdagh zwischen Tschangry und dem Devrez bei Kotsch- 
hissar erscheinen. In diesem Gebirge finden sich noch ver- 



Digitized by 



Google 



108 K- Leonhard, Geol. Skizze des galatischen Andesitgebietes 

einzelte Durchbrüche eines Hornblende-Andesites durch den 
Schiefer (No. 13 und 14 bei Milch). Derartige Durchbrüche 
finden sich allenthalben in einiger Entfernung vom Aussen- 
rande der zusammenhängenden Andesitzone. v. Tchiohatcheff 
hat solche nördlich von Baindir und bei Kaledjik am Halys etc. 
gefunden. Die Andesitmassen am rechten Ufer des Devrez- 
Flusses besitzen keine grosse Mächtigkeit mehr. Der Unter- 
grund tritt stellenweise zu Tage. An den Qnellflüssen des 
Devrez fehlt die Andesitdecke sogar meist. Nur vereinzelte 
Durchbrüche, wie die südlich von Bujudüz und bei Bughia, 
finden sich in der Ebene, ohne sich zu einer grösseren Masse 
zusammenzuschliessen. 

Auch im Aidosdagh, der sich südlich an den Jilderimdagh 
anschliesst, sind die andesitischen Ergüsse von geringer Mäch- 
tigkeit. Sie finden sich fast in allen Theilen, bilden aber 
theils nur kleine, stockförmige Durchbrüche wie bei Hadjilar, 
theils wenig mächtige Decken, wie diejenige beiderseits des 
Hauptquellflusses des Tschibuk-tschai, welcher der Glimmer- 
andesit von Tachtayazi (No. 4 bei Milch) angehört. Diese 
Ergüsse füllen jedoch nur die tieferen Lagen aus. Die Berg- 
rücken sammt der höchsten Erhebung des Aidosdagh, dem 
1800 m hohen Aktepe, bestehen aus älteren Sedimenten. Erst 
weiter gegen 0. wird die Umrandung der Tschibuk-ova, öst- 
lich vom Orte Tschibuk, von Andesit gebildet, der auch 7—8 km 
nordöstlich von Tschibuk auftritt, wie Handstücke Kannen- 
berg's zeigen, die von Linck bestimmt wurden. Andesit bildet 
wahrscheinlich auch die Westumrandung der Tschibukebene. 

Der Unterlauf des Tschibuk-Flusses von der Enge süd- 
lich von Sarai an steht durchaus im Andesit. Er ist in ein 
Plateau eingeschnitten, welches in dem dreigipfeligen Hüssein- 
Ghazi culminirt, der sich 9 km östlich von Angora fast 400 m 
über dieser Stadt erhebt und das Landschaftsbild mehr be- 
herrscht, als die bisherigen Karten zum Ausdruck bringen. Er 
ist, wie AiNswoRTH* und Tchiohatcheff^ angeben, trachy- 



* William Ainsworth, Notes on a joarney from Constantinople by 
Heraclea to Angora in the autumn of 1838. Joam. of the Geogr. Soc. 9. 
273. London 1839. 

• 1. c. I. p. 96. Auf der Karte colorirt ihn v. Tchiohatcheff als 
Serpentine, Hypferite. 



Digitized by 



Google 



nördlich von Angora. 109 

tisch, d. i. andesitisch. Er scheint das Centrum des südlichsten 
Ausbruchsgebietes darzustellen, indem nach NO. der breite, 
niedrige Rücken des Idrizdagh von ihm ausstrahlt, gegen W. 
die Berge der Festung Angora und gegen NW. die Massen, 
durch welche der Tschibuk-Fluss , der oberhalb ein älteres 
Längsthal (im Streichen der Schichten) durchfliesst, erst in 
gewundenem Laufe durchbrechen musste. Die Gehänge rechts 
des Flusses, unmittelbar nördlich von Angora, heissen Kala- 
bagh ; hier befinden sich die Weinberge und Landhäuser der 
Bewohner dieser Stadt. Von diesem über 4 km gegen N. 
sich ausdehnenden fruchtbaren Gebiete stammen die Gesteins- 
stttcke 3, 10, 11, 15, von denen das erste nach Milch ein 
homblendeführender Glimmerdacit ist. 

Südlich von Baghlum bilden die andesitischen Massen 
noch ein ausgedehntes Plateau (No. 16), an dessen Aufbau 
auch Bimstein und Tuffe (wie der Dacittuff No. 27) einen 
grossen Antheil nehmen. Im Übrigen tritt in der Hochebene 
zwischen Angora und Tschorba fast nur Eocän zu Tage, und 
nur ausnahmsweise, wie bei Sirkeli, ist ein schmaler, von 0. 
nach N. laufender Andesitstrom sichtbar. 

Erst jenseits der eocänen Terrassenlandschaft der Murtad- 
ova treffen wir das erste Ergussgestein, einen Glimmerdacit 
(No. 1) in einem Rücken südwestlich von Tschorba, an, der 
im Durchbruchsthale des Kurtboghaz aufgeschlossen ist und 
der geologisch bereits einen Theil des Gebietes des Chedirdagh 
büdet. 



Digitized by 



Google 



110 L. Milch, Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 



Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 
(nördlich von Angora). 

Von 

L. Milch in Breslau. 



Herr Dr. Leonhard hat die von ihm auf mehreren Reisen 
in Kleinasien gesammelten Gesteine mir zur Untersuchung 
tibergeben ; im Anschluss an die von ihm in der vorhergehenden 
Abhandlung gegebene Schilderung des nordgalatischen 
Andesitgebietes gebe ich im Folgenden eine Beschreibung 
der mir vorliegenden Ergussgesteine aus dem genannten 
Eruptivgebiete. 

Es wurden folgende Gesteine untersucht: 

A. Daoite. 

Glimmerdacite. 

1. Olimmerdacit von Kurt Boghaz, südwestlich von Tschorba. 

2. Glimmerdacit von Tschörbaschy, sttdlich von Tscherkesch. 

3. HornbleudefÜhrender Glimmerdacit von Kalabagh, 7 km nörd- 
lich von Angora. 

B. Andesite. 

I. Glimmerandesite. 

a) Ohne Hornblende. 

4. Felsitischer Glimmerandesit von Tachtayazy, sttdlich vom 
Aidosgebirge. 

ö. Glimmerandesit von Bajudüz, nördlich vom Aidosgebirge. 

b) Mit Hornblende. 

6. Hornblendeführender Glimmerandesit von der Jaila von Kaikdjivi 
zwischen Aidosgebirge und Tschangry. 

II. Biotithornblendeaudesite. 

7. Biotithornblendeandesit vom Plateau zwischen dem Devrez- 
flusse und der Ebene von Kaikdjivi, westlich von der Jaila 
von Kaikcyivi. 

ni. Hornblendeandesite. 
a) Ohne Pyroxen. 

8. Homblendeandesit von Hadjilar, SO.- Abhang des Aidosdagh. 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 111 

b) Mit Pyroxen. 

9. Hornblendeandesit mit spärlichem Pyroxen und Biotit von 
Earaschehr. 

c) Pyroxen- und quarzftthrend. 

10. \ Pyroxen- und quarzführende Homblendeandesite von Kala- 
11./ bagh, 7 km nOrdlich von Angora. 

12. Pyroxen- und quarzfQhreuder Hornblendeandesit zwischen 
Taschkaradjalar und der Jaila von Kaikdjivi (wenig westlich 
von No. 7). 

d) Frei von Quarz und Biotit. 

13. Pyroxenführender Hornblendeandesit von Kotschhissar im 
Devrezthal. 

14. Pyroxenführender Hornblendeandesit, 1 km südlich von Inekoi 
am Devrez. 

15. Augitführender Hornblendeandesit von Kalabagh, 7 km nörd- 
lich von Angora. 

IV. Hypersthenandesite. 

a) Saurer Hypersthenandesit. 

16. Eutaxit von Baghlum, nordwestlich von Angora. 

b) Basischere Hypersthenandesite. 
a. Fast augitfrei. 

17. Hypersthenandesit, Thal des Köroghlu-Flusses, nördlich von 
Jazydja. 

/s. AugitfÜhrende Hypersthenandesite. 

18. Augitführender Hypersthenandesit, Wasserscheide zwischen 
Bajat und Güdül. 

19. Augitführender Hypersthenandesit, Thal des Eöroghlu-Flusses, 
nördlich von Jazydja. 

20. Augitführender Hypersthenandesit von Bajat. 
y. Augithypersthenandesite. 

21. Angithypersthenandesit von Kis Göldjük. 

22. Angithypersthenandesit von Devören. 

23. Angithypersthenandesit von Tscharschamba. 
VI. Augitandesite. 

a) HypersthenfÜhrend. 

24. Hypersthenführender Augitandesit, südlich von Bughia. 

b) Hypersthenfrei. 

25. Augitandesit von Aktasch zwischen Schyklar und (berede. 

26. Augitandesit von Salyr, südlich von Gerede. 

C. Tuffe. 

a) Dacittuff. 

27. Dacittuff von Baghlum. 

b) Andesittttff. 

28. Andesittuff zwischen Chodjasch und Tutasch. 

D. Basalte. 

29. Basalt, südwestlich von Bughia. 

30. Basalt von Eavadjyk, 6 km südlich von Eastamuni. 



Digitized by 



Google 



112 L. Milch, Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 

Die den Gesteinsnamen vorgesetzten Zahlen 1 — 29 finden 
sich auch auf der von Dr. Leonhard entworfenen Karte 
(Taf. I) und bezeichnen auf dieser den Fundpunkt der be- 
treffenden Gesteine; der Basalt von Kavadjyk (30) liegt 
ausserhalb des Kartengebietes. 

A. Dacite. 
Glimmer dacite . 

1. Glimm erdacit von Kart-Boghaz, südwestlich von Tschorba. 

Das Gestein von Kurt-Boghaz enthält zahlreiche bis 4, 
selten bis 5 mm grosse Feldspathe und, an Menge nur wenig 
hinter dem Feldspath zurücktretend, 2—3, selten 4 mm im 
Durchmesser erreichende rauchgraue Quarzkörner in einer 
dichten lichtblaugrauen porcellanartigen Grundmasse , aus 
der sich für das unbewaffiiete Auge noch einige Rostflecke 
herausheben — auch einige Feldspathe erscheinen ganz oder 
theilweise durch Eisenoxydhydrat bräunlich oder gelblich 
gefärbt. 

Die Feldspathe erscheinen theils wasserhell mit glän- 
zenden Spaltungsflächen, theils weisslich getrübt; bisweilen 
sind Partien desselben Kornes ungleich erhalten, so dass das 
verschiedene Verhalten der Feldspathindi viduen nicht auf primär 
verschiedene Zusammensetzung zurückgeführt werden kann. 

Ein Theil der Feldspathe lässt deutlich, ein anderer 
nicht sehr auffallend Zwillingsstreifung erkennen; sehr viele 
Spaltungsblättchen nach M liessen eine Mittellinie ohne merk- 
liche Abweichung von der Normalen auf diese Fläche aus- 
treten, der Winkel der Auslöschungsrichtung, gegen die Spal- 
tungsrisse nach P gemessen, war sehr klein (0—2^), so dass 
offenbar vielfach basischer Oligoklas vorliegt. 

Bei der Untersuchung im Dünnschliff erkennt man 
unter den Feldspatheinsprenglingen neben Durchschnitten 
mit deutlicher ZwillingslameUirung und anderen, welche die 
Lamellen nur undeutlich oder auf einen kleinen Theil des 
Durchschnitts beschränkt zeigen, die Anwesenheit von Feld- 
spath ohne merkliche Zwillingsbildung, die nach ihrem optischen 
Verhalten nicht nach M getroffen sind. Da sich unter den 
Spaltungsblättchen nach M auch Gebilde finden, die bei gleichem 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 113 

Verhalten in convergentem Licht wie die oben besprochenen 
Blättchen einen Winkel der Auslöschungsrichtung gegen die 
Spaltungsrisse von 5—6® zeigten, so musste geprüft werden, 
ob sich unter den Einsprengungen vielleicht auch Kalifeld- 
spath befindet. Zu diesem Zwecke mit Flusssäure behandelte 
Spaltungsstücke und Fragmente von zahlreichen theils wasser- 
hellen, theils weisslich getrübten Individuen Hessen neben den 
hexagonalen Säulchen des Kieselfluomatriums und viel spär- 
licheren Würfeln des Kieselfluorkaliums in überwiegender Menge 
die monoklinen rhomboederähnlichen , stark lichtbrechenden 
Eryställchen erkennen, die Eosenbusch als eine Modification 
des Eieselfluorkaliums aus sehr natronreicher Lösung (Mikro- 
skopische Physiographie. I. p. 262), Weinschenk als „ein 
rbomboMrisch krystallisirendes, offenbar alkalihaltiges Doppel- 
salz . . ., dessen Zusammensetzung nicht bekannt isf^, bezeich- 
net (Die gesteinsbildenden Mineralien. Freiburg 1901. p. 22). 
Bei mehrfachem Umkrystallisiren war zweifellos eine Zunahme 
der Kieselfluornatriumkryställchen zu beobachten, doch er- 
schienen die rhomboöderähnlichen Kryställchen in der über- 
wiegenden Mehrzahl wieder; eine Zunahme der Kieselfluor- 
kaliumkryställchen war nicht zu erkennen. Der durch die 
Bauschanalyse nachgewiesene geringe Kaligehalt des Gesteins 
beweist, dass die rhomboederähnlichen Kryställchen, die alle 
übrigen Bildungen an Menge weit übertrafen, im vorliegenden 
Falle nicht eine Modification des Kieselfluorkaliums waren; 
andererseits lässt sich mit Bestimmtheit feststellen, dass 
Kalifeldspath unter den Einsprengungen keinesfalls eine grosse 
Rolle spielt. 

Der Quarz tritt fast immer rundlich begrenzt auf, nicht 
selten wie zersprungen, wobei schalige Partien abgesprengt 
erscheinen. 

Farbige Gemengtheile sind trotz der Frische des 
übrigen Gesteins unverändert nicht mehr vorhanden; sie 
werden vertreten durch nicht häufige, bis 0,5 mm lange und 
bis 0,1 mm breite, skelettartig lockere Anhäufungen von Erz- 
kömchen, die nach ihrer Gestalt und der Anordnung der 
einzelnen Körnchen bestimmt auf Biotit hinweisen. 

Die Rostflecke und die Färbung der Feldspathe durch 
Eisenoxydhydrat, das auf Sprüngen in die Feldspathe ein- 

N. Jahrbaoh f. Mineralogie etc. Beilageband XVI. 8 



Digitized by 



Google 



^ 



114 L. Milch, Die Ergassgesteine des galatischen Andesitgebietes 

gedrungen ist, sind wohl auf die gleiche Entstehungsweise 
zurückzuflihren. 

Vereinzelt finden sich noch einige grössere Magnetit- 
körner; kleinere sind in grosser Anzahl in der Grundmasse 
verstreut. 

Die Grundmasse, die an Menge die Einsprenglinge 
erheblich übertrifft, ist durchaus holokry stallin, und zwar 
zum weitaus grössten Theile granophyrisch entwickelt, 
vereinzelt treten homogene Kömchen von gestreiftem und un- 
gestreiftem Feldspath sowie Quarz mit einem um 0,5 mm 
schwankenden Durchmesser auf, die Hauptmasse besteht jedoch 
aus Verwachsungen von Feldspath und Quarz, die sich theils 
netzförmig, theils parallelfaserig durchdringen. In jedem dieser 
Complexe , deren Grösse gewöhnlich zwischen 0,05 mm und 
0,1 mm liegt, verhält sich jede Substanz f&r sich, sowohl der 
Feldspath wie die eingebetteten Quarzfasem, im Allgemeinen 
optisch als ein Individuum; betrachtet man jeden dieser 
Complexe als Einheit, so ist die Gesammtanordnung der 
Grundmasse als panidiomorph zu bezeichnen. 

Sehr erhebliche Schwierigkeiten bereitet wieder die Er- 
kennung der chemischen Beschaffenheit des Feld- 
spaths: bisweilen liess sich unzweideutige Zwillingsstreifung, 
verhältnissmässig sehr oft Zonarstructur resp. gleichmässig 
von den centralen Theilen nach aussen fortschreitende Ände- 
rung der chemischen Zusammensetzung ohne scharfe Ab- 
grenzung der einzelnen Schalen nachweisen, in vielen Fällen 
scheint jedoch der Feldspath durchaus optisch homogen struirt 
zu sein. Erschwerend fällt für die Untersuchung noch die 
nicht seltene Durchwachsung von Feldspath und Quarz in 
parallelen Fasern in das Gewicht ; wie sich Fälle scheinbarer 
Zwillingsstreifung gar nicht selten durch eine derartige An- 
ordnung hervorgebracht erwiesen, kann umgekehrt wirkliche 
Zwillingsstreifung des Feldspaths durch sie verdeckt werden: 
wenn einem nach dem Albitgesetz verzwillingten Feldspath 
häufige Quarzlamellen parallel der Längsfläche eingelagert 
sind, so wird man, durch die Lichtbrechung auf das Vor- 
handensein derartig angeordneter Quarzfasern aufmerksam 
gemacht, bei der überaus geringen Breite der einzelnen La- 
mellen die ganze Erscheinung der Verwachsung von Quarz 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 115 

und homogenem Feldspath zuschreiben oder wenigstens sich 
in diesem Falle nicht von der Anwesenheit von gestreiftem 
Feldspath überzeugen können, besonders wenn ein Theil des 
Grundmassefeldspaths sicher nngestreift ist. 

Dass auch in der Grundmasse Plagioklas der herrschende 
Feldspath ist, beweist die Analyse, ausgeführt im chemischen 
Laboratorium der Universität Breslau durch Herrn cand. phil. 
Hans Schafer unter freundlicher Beaufsichtigung des Herrn 
Privatdocenten Dr. Herz, der gleichzeitig die Güte hatte, 
einige Controlbestimmungen (Alkalien) und ergänzende Be- 
stimmungen (Wasser) selbst vorzunehmen. Die Analyse ergab: 

SiO* 70,7 

A1«0» 16,0 

FeO j ' \ bestimmt 

MgO 0,2 

CaO 1,1*) 

Na«0 6,0 

K*0 1,5 

H»0 0^ 

Summa 98,2 

*) Bei der Ealkbestimmung ist offenbar ein Verlost eingetreten. 

2. Glimmerdacit von Tschörbaschy, südlich von Tscherkesch. 

Mit dem Gestein von Kurt Boghaz nahe verwandt, aber 
sehr stark zersetzt ist ein Vorkommen von Tschörbaschy, 
südlich von Tscherkesch; in einer weissen, löcherigen und 
abfärbenden Hauptmasse erkennt das unbewaffnete Auge zahl- 
reiche Quarz einsprenglinge mit einem Durchmesser bis zu 
2i mm; Feldspath einsprenglinge sind offenbar gänzlich 
verwittert und entziehen sich der Beobachtung — vielleicht 
ist ein Theil der Hohlräume auf derartig pulverig verwitterte 
und herausgefallene Feldspathe zurückzuführen. 

Das Mikroskop lehrt, dass bis auf die Quarz einspreng- 
linge und vielleicht einen Theil der kleinen Quarzkörnchen 
der Grundmasse das ganze Gestein aus Verwitterungsproducten 
aufgebaut ist; im Dünnschliff besteht die Hauptmasse aus 
helleren und dunkleren bräunlichgrauen Tupfen, untermischt 
mit kleinen Quarzkömchen. In diesen Tupfen erkennt man 
Carbonat und kaolinähnliche Substanzen, die eng ver- 

8* 



Digitized by 



Google 



116 L. Milch, Die Ergnssgesteine des galatischen Andesitgebietes 

bunden auftreten; überwiegt das Carbonat, so erscheint der 
betreffende Theil des Schliffes etwas heller und durchsichtiger. 
Auch im Schliff ist es nicht möglich, umgewandelte Feld- 
spathe mit Sicherheit nachzuweisen; vielleicht kann man 
einige grössere hellere Partien, in denen Quarzkörnchen zurück- 
treten oder fehlen und die Zersetzungsproducte in etwas 
grösseren Individuen auftreten, auf Feldspathe zurückführen. 
Auf Biotit weisen wohl scharf abgegrenzte Gesteinstheile 
hin, die von dunklen, mehr oder weniger gewundenen Flasem 
durchzogen werden ; der Raum zwischen den Flasem ist von 
Quarzkörnem erfüllt. 

Für die Deutung des Gesteins ist der Carbonatgehalt 
wichtig, da man ohne ihn das Gebilde wohl auch für einen 
stark zersetzten Liparit halten könnte; bei der erheblichen 
Menge an Carbonat, die das Gestein an jeder Stelle mit Salz- 
säure deutlich brausen lässt, kann es nicht zweifelhaft sein, 
dass der herrschende Feldspath ein Plagioklas war, das Ge- 
stein somit zu den Daciten gestellt werden muss. 

Trotz seines zersetzten Zustandes ist das Gestein inter- 
essant wegen der grossen Menge an Quarzeinsprenglingen ; 
derartig saure Gesteine sind in dem gesammten Eruptivgebiet 
— wenigstens nach den mir vorliegenden erheblichen Auf- 
sammlungen Dr. Leonhard's — recht selten, und offenbar auf 
den östlichen Theil des Gebietes beschränkt. 

3. Dadt von Kalabagh, nördlich von Angora. 

Aus der Umgegend von Angora liegen verhältnissmässig 
zahlreiche Gesteinsproben vor, unter welchen drei ganz nahe 
beieinander auftretende, aber sehr verschieden aussehende 
Gesteine besonderes Interesse beanspruchen; sie wurden von 
Dr. Wysogörsky, der Dr. Leonhard im Anfang seiner ersten 
Reise begleitete, in der unmittelbaren Nähe von Angora bei 
den Landhäuseiin von Kalabagh, 7 km nördlich von der Stadt, 
gesammelt und mir freundlichst zur Untersuchung übergeben. 

Die von Dr. Wysogörsky gesammelten Gesteine stammen 
von kleinen Brüchen her, die vorübergehend zur Material- 
gewinnung für den Häuserbau eröffnet wurden und nur 30 — 40 m 
von einander entfernt sind; gemeinsam ist ihnen, wie schon 
TcHicHATCHEPF erkannte, eine deutlich porphyrische Structur, 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 117 

hervorgebracht durch zahlreiche, in den mir vorliegenden 
Proben 5 — 9 mm erreichende Feldspathe in einer dichten 
Grundmasse. Diese Feldspathe sind aber nicht, wie Tchicha- 
TCHBFF (Asie Mineur. IV Part. G6ologie I. p. 89, 90) aus- 
drücklich angiebt, Kalif eldspath, sondern Plagioklas, die 
Gesteine daher nicht Trachyte, wie sie Tchichatchbpf 1. c. 
bezeichnet: ein in allen 3 Gesteinen vorkommender Quarz- 
gehalt würde bei rein schematischer Einordnung alle unter 
die Dacite stellen ; eine eingehende Untersuchung lehrt jedoch, 
dass unter den drei in mehreren Beispielen vorhandenen Ge- 
steinen, trotz der grossen Nähe ihres Auftretens und des 
gemeinsamen Quarzgehaltes, Glieder zweier, nicht nur äusser- 
lich. sondern auch ihrem Wesen nach durchgi'eifend von 
einander verschiedener Familien vorliegen. Nur eine Varie- 
tät ist wirklich als Dacit zu bezeichnen; die übrigen sind 
quarz- und pyroxenführende Andesite und daher erst an 
späterer Stelle zu besprechen. 

Hornblendefllhrender Glimmerdacit von Kalabagh. 

Das Gestein sieht bei der ersten Betrachtung typisch 
trachytisch aus ; in einer rauhen hellgrauen Grundmasse liegen 
zahlreiche, bis 9 mm lange Felds patheinsprenglinge, selte- 
nere, bis 2 mm im Durchmesser erreichende Biotit blättchen, 
und, dem unbewaffneten Auge nur ausnahmsweise erkennbar, 
bis 1,5 mm im Durchmesser besitzende Quarzkörnchen. 

Die Plagioklase erscheinen in gut ausgebildeten, ge- 
wöhnlich nach M tafelförmigen, von P, M, x, T und 1 be- 
grenzten Krystallen ; sie sind nicht selten zonar struirt, doch 
ist der Unterschied zwischen den inneren und äusseren Theilen 
niemals sehr bedeutend. Gelegentlich wurde auch ein Aufbau 
aus zwei chemisch verschiedenen Plagioklasmischungen be- 
obachtet, die in häufig abwechselnden Schalen den Krystall 
zusammensetzen. Bestimmungen an Schnitten ohne Zwillings- 
bildung im Schliff, wie an zahlreichen Spaltungsblättchen 
nach M machen es wahrscheinlich, dass die herrschenden 
Plagioklasmischungen der Reihe der basischen Oligoklase und 
Andesine angehört. 

Der Biotit tritt in braun durchsichtigen, stark pleo- 
chroitischen Individuen auf, die gewöhnlich einen mehr oder 



Digitized by 



Google 



118 L. Milch, Die Ergnssgesteine des galatischen Andesitgebietes 

weniger breiten Opacitrand besitzen. Nur ein Theil der 
grössten Krystalle besteht herrschend aus Biotitsubstanz, je 
kleiner die Krystalle sind, desto mehr herrscht der Opacit. 
Sehr interessant sind die Umwandlungsvorgänge grosser 
Biotite: mehr als die Hälfte der Biotitsubstanz ist ver- 
schwunden, das neu gebildete Eisenerz und die primären Ein- 
schlüsse des Biotit liegen zusammen mit Biotitfetzen in einer 
an die Stelle der ursprünglichen Substanz getretenen Feld- 
spathmasse, die auf verhältnissmässig weite Strecken hin 
sich als einheitliches Gebilde erweist. In einem Falle konnte 
ich im Mikroskop einen Durchschnitt durch derartig ent- 
standene, vollständig einheitliche Feldspathsubstanz von 
0,5 mm Länge und 0,2 mm Breite nachweisen; rechnet man 
die mit diesem Theil gleichzeitig auslöschende, aber durch 
grössere Biotitpartien (wenigstens im Schliff) völlig getrennten, 
neu gebildeten Feldspathmassen innerhalb desselben Glimmer- 
krystalls hinzu, so wachsen die Dimensionen um mehr als 
das Doppelte. 

Ausser den aus Biotit hervorgegangenen Opacitanhäufungen 
finden sich andere, die nach ihrer Gestalt unzweifelhaft als 
Reste von Hornblende aufzufassen sind, wenn auch nirgends 
mehr primäre Substanz sich nachweisen lässt. Die Länge 
der kleinen, aber offenbar zahlreich vorhanden gewesenen 
Hornblendesäulchen wächst bis über 1 mm, die Breite bis zu 
0,4 mm. Untersucht man diese Opacithäufchen mit starken 
Systemen, so zeigt sich, dass in vielen Fällen, aber nicht 
ausnahmslos, mit dem Opacit eine faserige, licht lederfarbene, 
schwach licht- und massig stark doppelbrechende Substanz 
auftritt, die nach ihrem ganzen Verhalten als Serpentin an- 
zusprechen ist und sich auch ohne den Opacit in kleinen 
Partien im Gestein weit verbreitet findet. 

Die in ziemlich erheblicher Menge vorhandenen Quarze 
sind niemals idiomorph, sondern erscheinen immer in gerun- 
deten, theilweise zersprungenen Kömern, in welche die Grund- 
masse in breiten Schläuchen eindringt; an Menge stehen sie 
hinter dem Feldspath sehr weit zurück, sind aber in diesem 
Gestein doch häufiger, als man nach ihrem völligen Zurück- 
treten bei der Untersuchung des Gesteins mit dem unbewaff- 
neten Auge oder der Lupe erwarten sollte. 



Digitized by 



Google 



(nördlich vou Angora). 119 

Die Grundmasse besteht aus einem Gemenge von 
Pia gioklas leistchen von durchschnittlich 0,05 mm Länge, 
oft mit deutlicher Zwillingsstreifung und zonarer Structur, 
dabei bisweilen mit grossen Differenzen zwischen Kern und 
Schalen, die in einem panidiomorphen Gemenge von Quarz, 
gestreiftem und ungestreiftem Feldspath liegen; 
femer sind hierher wohl kleine Serpentinhäufchen zu 
rechnen, von der gleichen Beschaffenheit, wie sie als Zer- 
setzungsproducte der farbigen Einsprengunge auftreten, aber 
mit viel geringeren Dimensionen, die sie vollständig der 
Grundmasse einreihen, der nach ihrem structurellen Verhalten 
wohl auch die farbigen Gemengtheile, aus denen sie hervor- 
gegangen sind, zugerechnet werden müssen. 

Erze finden sich in grösseren Körnern und kleinsten 
Körnchen in der Grundmasse, Apatit in Säulen und Eiern 
ist verhältnissmässig nicht selten. 

B. Andesite. 

I. Glimmerandesite. 

a) Ohne Hornblende. 

4. Felsitischer Glimmerandesit von Tachtayazy, südlich vom 
Aidosgcbir^e. 

Das lichtröthliche Gestein von Tachtayazy, südlich vom 
Aidos gelegen, lässt das unbewaffnete Auge langgestreckte 
Biotitblättchen erkennen, die bis 3 mm in ihrer grössten Aus- 
dehnung erreichen, und zeigt ferner noch vereinzelt 3 — 4 mm 
erreichende Spaltungsflächen von weisslichem Feldspath, 
an denen man bisweilen Zwillingsstreifung erkennen kann; 
zahlreicher blitzen bei geeigneter Beleuchtung ganz kleine 
Spaltungsblättchen eines farblosen Feldspaths aus der weitaus 
vorherrschenden dichten, aber zahlreiche isolirte Poren ent- 
haltenden Giomdmasse auf. 

ü. d. M. erweist sich der Biotit als sehr stark in ganz 
hellgelben und rothbraunen Tönen pleochroitisch : er ist reich 
an Einlagerungen von röthlichbraunem Eisenerz, die in der 
Tafelfläche nach den 3 Seiten des Sechseckes, ausserdem aber, 
wie sich in Querschnitten zeigt, in mehreren, schief zur Tafel- 
fläche stehenden Streifenzügen angeordnet sind. 



Digitized by 



Google 



120 L. Milch, Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 

Die Einsprenglingsfeldspathe sind sämmtlich gestreift; 
über ihre Stellung innerhalb der Plagioklasreihe konnte bei 
der Kleinheit und Spärlichkeit der Individuen nichts Be- 
stimmtes ermittelt werden. 

Die Hauptmasse des Gesteins ist die im Schliff grau und 
trübe erscheinende Grundmasse, in der man mit stärksten 
Systemen vereinzelt ganz kleine, überaus dünne Feldspath- 
mikrolithe erkennt. Der weitaus grösste Theil wirkt schein- 
bar auf das polarisirte Licht nicht ein, bei Anwendung des 
Gypsblättchens erkennt man jedoch ganz schwache Aggregat- 
polarisation und streifenweise erheblich deutlichere Doppel- 
brechung; die Grundmasse ist somit typisch mikrofelsitisch. 
Zahllose kleinste dunkle Körnchen und Stäubchen sind theils 
regellos vertheilt, theils gleichfalls zu Strängen angeordnet; 
wo sie etwas grösser werden, und besonders dort, wo sie 
durch Zersetzung in Eisenoxydhydrat übergehen, lassen sie 
sich als Eisenerze erkennen. Das aus ihm hervorgegangene 
Eisenoxydhydrat beeinflusst auf seiner Wanderung im Gestein 
auch die Einsprengunge, zwängt sich zwischen die Biotit- 
blättchen parallel den Spaltungsebenen, dringt von diesen aus 
weiter in das Mineral ein und findet sich auch als typische 
Einwanderung in den Feldspatheinsprenglingen. 

Das der Untersuchung zugänglich gemachte Handstück 
wird von einem ca. 1 cm breiten Streifen durchzogen, der 
sich durch intensive braune und rothe Färbung auszeichnet; 
gewöhnlich ist der eine Theil des Streifens braun, der andere 
roth, wobei bald die eine, bald die andere Färbung den 
giösseren Theil des Streifens einnimmt, doch findet sich auch 
ein schmaler Streifen gelb gefärbter Substanz innerhalb des 
rothen Antheils. Die Einsprengunge treten in dem Streifen 
ebenso wie in der Hauptmasse auf; u. d. M. erweist sich 
als einziger Unterschied gegenüber der Hauptmasse eine be- 
deutende Zunahme an Eisenerz, sowohl regellos vertheilt, wie 
in zahlreichen, verhältnissmässig breiten Strängen angeordnet, 
das durch Umwandlung in Eisenoxydhydrat die intensive 
Färbung hervorruft. Der Reichthnm an Eisenerz ist zweifel- 
los primär, nicht etwa durch nachträgliche Imprägnation hervor- 
gerufen, wie die Structur des Erzes und das gesammte Ver- 
halten des Streifens zeigt; auch die seitliche Begleitung des 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 121 

Streifens durch eine schmale Partie von hellerer, fast weisser 
Färbung zwischen Streifen und röthlicher Hauptmasse spricht 
für diese Auffassung. 

5. Glimm erandesit von BuyudUz, südlich vom Orte, nordöstlich 
vom Aidosgebirge. 

Das südlich von Buyudüz anstehende Gestein enthält 
in einer dichten grauen Hauptmasse zahlreiche Biotite und 
kleine gelbliche Feldspathe als Einsprenglinge. 

Die Gestalt und Grösse der Biotite wechselt auffallend; 
neben Blättchen von appr. 1 mm Durchmesser finden sich 
leistenfbrmige Gebilde, deren bis 5 mm betragende Länge die 
Breite um das Vielfache übertriflFt, so dass fast strichartige 
Gestalten entstehen ; als Seltenheit treten auch nahezu regel- 
mässig hexagonal umgrenzte Blättchen von 5 mm Durchmesser 
und rubellanartigem Aussehen auf. 

Auch die Feldspath einsprenglinge sind sehr klein; 
neben zahlreichen weisslichen, 1 — 2 mm im Durchmesser zei- 
genden Gebilden treten wasserhelle grössere Krystalle, die 
leistenformige Durchschnitte bis zu 5 mm Länge mit deutlicher 
Zwillingsstreifung aufweisen, nicht unerheblich zurück. 

Im Dünnschliff wird der Biotit mit brauner Farbe 
dui-chsichtig ; die meisten Individuen sind mehr oder weniger 
stark resorbirt, erscheinen durchlöchert und enthalten zahl- 
lose kleine, durch die Resorption entstandene Erzkörnchen 
eingelagert. 

Der Feldspath gehört nach seinem optischen Verhalten 
der Oligoklasandesinreihe an; neben homogenen Durch- 
schnitten finden sich deutlich zonar struirte — da die homo- 
genen Schnitte, soweit es sich im Schliff feststellen liess, der 
saureren Substanz angehören, ist es möglich, dass die Feld- 
spathe sämmtlich zonar struirt sind und die homogenen Durch- 
schnitte lediglich den saureren Zonen zuzurechnen sind. 

Die Grundmasse besteht zum grössten Theil aus Feld- 
spath, dessen Durchschnitt gewöhnlich mehr oder weniger 
breit leistenformige, seltener mehr gleichseitige Gestalt auf- 
weisen ; die Dimensionen wechseln, bleiben aber zum grössten 
Theil hinter 0,1 mm Länge und 0,02 mm Breite zurück. 
Zwillingsstreifung ist nicht selten, Zonarstructur recht häufig 



Digitized by 



Google 



122 L. Milch, Die Ergassgesteine des gaiatischen Andesitgebietes 

wahrzunehmen, so dass jedenfalls der grösste Theil der Grund- 
masse dem Plagioklas, wegen der Seltenheit grösserer Winkel 
der Auslöschungsrichtnng gegen die Längsrichtung der Leist- 
chen wohl dem Oligoklas zuzurechnen ist. Zwischen den 
einzelnen gut begrenzten Leistchen liegen ganz kleine, farb- 
lose, schwach licht- und massig doppelbrechende Blättchen, 
die wohl als k aolin artige Substanzen anzusprechen und als 
Zersetzungsprodncte eines auch primär nicht in erheblicher 
Menge entwickelten Glases aufzufassen sind; von unzer- 
setztem Glas ist offenbar nichts mehr vorhanden. Für die 
Zurechnung der aus ihm entstandenen Blättchen zu kaolin- 
ähnlichen Bildungen spricht auch der sehr intensive Thon- 
geruch, den das sonst recht frische Gestein beim Anhauchen 
wahrnehmen lässt. 

b) Glimmerandesite mit Hornblende. 

6. HorDblendeftthrender Glimmerandesit von der Jaila (Alm) von 
Kaikdjivi zwischen Aidosgebirge and Tschangry. 

Etwas östlich von dem soeben beschriebenen Vorkommen 
tritt an der Jaila von Kaikdjivi ein äusserlich nahe- 
stehendes Gestein auf, das sich primär wesentlich nur durch 
seinen Hornblendegehalt und die glasige Ausbildung seiner 
Grundmasse unterscheidet. 

In einer grau mit einem Stich nach röthUch gefärbten 
dichten Grundmasse beobachtet das unbewaffnete Auge sehr 
zahlreiche weisse, verhältnissmässig kleine Feldspath- 
einsprenglinge und spärliche B i o t i t blättchen , ausserdem 
mehr oder weniger scharf umschriebene kleine Rostflecken, 
die offenbar der Zersetzung farbiger Gemengtheile ihre Ent- 
stehung verdanken. 

Die Biotite erreichen in den grössten von mir ge- 
messenen Blättchen einen Durchmesser von kaum 1 mm, auch 
einige in einer Richtung langgezogene Individuen überschreiten 
in ihrer grössten Ausdehnung diesen Werth nur unerheblich ; 
die Spaltungsflächen leuchten zwar auf, erscheinen aber 
stumpfer, als man es bei frischem Biotit zu sehen gewohnt 
ist. U. d. M. lassen abgehobene Spaltungsblättchen einen 
für Biotit recht grossen Axenwinkel und eine deutliche Ver- 
schiedenheit der Absorption der parallel 6 und c schwingenden 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 123 

Strahlen erkennen; in Schnitten senkrecht zur Basis bewegt 
sich der Pleochroismas in hellgelben and braunen Tönen. 

Nur wenig Individuen sind noch ganz frisch oder be- 
stehen zum grössten Theil aus frischer. Substanz; die weitaus 
meisten sind in einen dicken Mantel von Eisenoxydhydrat 
und weiter nach innen in gewöhnlich parallel faserigen, selten 
unregelmässig verflochtenen Serpentin umgewandelt, in dem 
nicht selten, aber keineswegs in der Mehrzahl der Fälle 
Fetzen von frischer resp. mehr oder weniger veränderter 
Biotitsubstanz liegen. Die Mehrzahl der Biotite ist ganz 
erheblich kleiner als die relativ frischen, makroskopisch sicht- 
baren Individuen : Schnitte durch Krystalle mit 0,3 mm Durch- 
messer fallen schon durch ihre Grösse auf, besonders wenn 
sie gleichzeitig eine erheblichere Dickenausdehnung der Tafel 
erkennen lassen. 

Beste von frischer Hornblendesubstanz konnte ich nur 
in einem einzigen Falle auffinden, in dem sich der Amphibol 
in braunen Farben pleochroitisch erwies; nicht spärliche, 
aber an Menge hinter dem Glimmer weit zurückstehende 
Durchschnitte von den Dimensionen der kleineren Biotite 
dieses Gesteins, die wegen ihrer Umgrenzung auf Hornblende 
bezogen werden müssen, zeigen denselben Eisenoxydhydrat- 
mantel und die gleiche Umwandlung in Serpentin, so dass 
man keineswegs von jedem Durchschnitt mit Bestimmtheit die 
Zugehörigkeit zum Glimmer oder Amphibol erkennen kann. 

Der Feldspath zeigt in vielen Fällen schon dem un- 
bewaffneten Auge ZwiUingsstreifung und gehört wohl in allen 
Individuen dem Plagioklas an. Er tritt in sehr zahlreichen, 
aber nicht grossen Tafeln auf; nur selten erreicht die längste 
Seite der Tafel 5 mm, gewöhnlich schwanken die entsprechen- 
den Werthe um 2 — 3 mm, bleiben auch erheblich hinter diesen 
Zahlen zurück. U. d. M. zeigt ein grosser Theil der Feld- 
spathe deutliche Zonarstructur , oft mit sehr erheblichen 
Differenzen der äusseren und inneren Theile, wobei die Über- 
gänge bald allmählich, bald scharf, und dann gern mit mehr- 
facher Wiederkehr der einzelnen Zonen erfolgen. Auffallend 
ist das nicht seltene Fehlen, oder richtiger, das Zurücktreten 
und die undeutliche Entwickelung der ZwiUingsstreifung; es 
scheint, als ob in dem vorliegenden Gestein die Zwillings- 



Digitized by 



Google 



124 L- Milch, Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 

bildung um so undeutlicher ausgeprägt ist, je yoUkommener 
der Feldspath zonar struirt ist. 

Die Grundmasse, die etwas mehr als die Hälfte des 
Gesteins bildet, besteht im Wesentlichen aus einem grauen 
porösen Glas, in dem an Menge stark zurücktretend ganz 
kleine dünne Feldspathmikrolithen und ferritischer Staub 
neben unbestimmbaren Zersetzungsproducten mit stärksten 
Vergrösserungen beobachtet werden kann. 

II. Biotithomblendeandesite. 

7. Biotithornblcndeandesit vom Plateau zwischen dem Devrez- 
flass and der Ebene von Kaikdjivi, westlieh von der Jaila (Alm) 

von Kaikdjivi. 

In dem Hochlande östlich von Tasch-Earadjalar tritt 
ein in der Hauptmasse röthlichweisses , sich trachy tisch an- 
fühlendes Gestein auf, in dem das unbewaffiiete Auge zahl- 
reiche dunkle, theilweise auch tiefdunkelroth schimmernde 
Biotit blättchen mit einem 2 mm erreichenden, gewöhnlich 
aber weit hinter dieser Grösse zurückbleibenden Durchmesser, 
spärlichere, bis 2 mm Länge erreichende Hornblende- 
säulchen und zahlreiche, bis 5 mm lange und 3 mm breite 
Spaltungsflächen von Plagioklas mit wenigen, aber deut- 
lichen Zwillingsriefen erkennt. U. d. M. erweist sich das 
Gestein als ein vitrophyrischer Biotithornblende- 
andesit, da die Zahl der im Schliff erscheinenden Biotite 
im Vergleich zur Menge der makroskopisch sichtbaren nicht 
erheblich, die Zahl der mikroskopisch nachweisbaren Horn- 
blenden aber sehr bedeutend zunimmt. 

Der Biotit wird in Schnitten parallel zur Basis mit 
tief blutrothen , senkrecht hierzu in intensiv citronengelben 
Farben durchsichtig, der Winkel der optischen Axen ist 
ziemlich gross, eine deutliche Abweichung der Mittellinie von 
der Normalen auf die Basis konnte ich nicht wahrnehmen. 
Von Einschlüssen sind besonders ziemlich breite und kurze 
Apatit Säulen im Biotit recht verbreitet. 

Die Hornblende erweist sich als typisch basaltisch 
und zeigt im durchfallenden Licht dieselben Farben und den 
gleichen Pleochroismus wie der Biotit. Diese schon früher 
mehrfach beobachtete eigenthümliche Erscheinung ist hier 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 125 

nicht nach Analogie der Versuche von Schneider und 
Belowsky durch die Annahme zu erklären, dass die Horn- 
blenden, dem Gestein ursprünglich fremd, durch Einwirkung 
der hohen Temperatur des sie aufnehmenden Magmas die 
charakteristischen optischen Eigenschaften erhalten haben: 
ihre Krystallform , ihr Herabsinken zu mikroskopischen Di- 
mensionen und ihre Stellung im Gesteinsverband lassen sie 
als unzweifelhaft primäre Gemengtheile erscheinen. Vielleicht 
ist die eigenthümliche Färbung und der charakteristische 
Pleochroismus bei der Hornblende wie bei dem Biotit hervor- 
gerufen durch den Beginn der Umwandlung des Eisenoxyduls 
in Eisenoxyd, ein Vorgang, der ja beim Olivin in seinen 
Anfangsstadien die gleiche Färbung und entsprechenden 
Pleochroismus hervorzurufen vermag. In dem vorliegenden 
Gestein machen besonders Spaltungsflächen des Biotit trotz 
seiner vollständigen Durchsichtigkeit und Homogenität ganz 
entschieden den Eindruck, als ob das Mineral sich im Zustande 
beginnender Zersetzung befände. 

Bei dieser Hornblende ist der Winkel, den die Axe 
kleinster Elasticität mit der Verticalen bildet, sehr klein, das 
Licht geht parallel c mit tiefblutrother, parallel 6 mit braun- 
rother und parallel a mit intensiv citronengelber Farbe 
hindurch. Da auch die Spaltbarkeit recht vollkommen ist, 
macht bei einigen Schnitten die Entscheidung, ob Hornblende 
oder Biotit vorliegt, nicht unerhebliche Schwierigkeiten, doch 
hilft in der Regel die immerhin noch vollkommenere Spaltbarkeit 
des Biotits, in anderen Fällen, in denen rothe tafelartige Durch- 
schnitte Spaltungsrisse nicht erkennen lassen, die Untersuchung 
in convergentem polarisirtem Licht zur sicheren Bestimmung. 

Der Plagioklas erscheint in dicken Tafeln nach M; 
die ihn aufbauenden, nach dem Albitgesetz verzwillingten 
Lamellen sind nicht zahlreich, sondern verhältnissmässig dick, 
wie schon die makroskopische Betrachtung erkennen lässt. 
Allgemein verbreitet ist zonarer Bau; Substanz von gleicher 
Zusammensetzung kehrt in selbständigen Zonen mehrfach 
wieder, doch ist im Ganzen die Zunahme des Albitmolekels 
nach dem Rande unverkennbar. Die optische Untersuchung 
an zahlreichen Schnitten nach M führte stets auf Glieder der 
Andesin- und Oligoklasreihe. 



Digitized by 



Google 



126 L- Milch, Die Ergassgesteine des galatischen Andesitgebietes 

Die Grundmasse besteht fast ausschliesslich aus einem 
farblosen, schuppig schaumigem Glase; spärliche Feld- 
spathmikrolithe scheinen dem Oli goklas anzugehören. 

III. Homblendeandesite. 

a) Ohne Pyroxen. 

8. Hornblendeandesit von HacUilar, Südostabhan^ des Aidosdagk. 

Das Gestein vom Südostabhang des Aidosdagh 
ist überaus feinkörnig; nur ganz vereinzelt sieht das un- 
bewaffnete Auge ganz kleine glänzende schwarze Punkte und 
Spaltungsflächen von Feldspath aufblitzen, die in ihrer grössten 
Ausdehnung höchstens 1 mm erreichen. Die Grundfarbe des 
Gesteins ist ein schmutziges Hellgrau, in der hellgrauen 
Hauptmasse liegen zahlreiche kleine, schmutzig braongrüne 
Flecken und Streifen. Das Gestein macht auf den ersten Blick 
somit nicht den Eindruck eines jungen Ergussgesteins, sondern 
erinnert zunächst vielleicht mehr an das Aussehen gewisser 
feinkörniger schuppiger Gneisse in stark zersetztem Zostand. 

Im Schliff erweist sich das Gestein sofort als ein holo- 
krystalliner Hornblendeandesit. 

Hornblende ist der einzige farbige Gemengtheil des 
Gesteins; sie ist pleochroitisch in oUvingrtinen und hell- 
gelblichen Tönen (c dunkelolivengrün , 6 bräunlicholivengrön, 
c hellgelblich, fast farblos), der Winkel, den die Richtung 
kleinster Elasticität mit der Verticalen bildet, beträgt ca. 12®. 
Die Säulen erreichten bis 0,75 mm Länge und bis 0,2 mm 
Breite; gegenwärtig besteht jedoch keines dieser Gebilde 
mehr ausschliesslich aus Hornblende, sondern es ist in 
grösserem oder geringerem Grade in eine hellgrünliche 
faserige, schwach licht- und massig stark doppelbrechende 
Substanz, ihrem ganzen Verhalten nach wohl Serpentin, 
umgewandelt. In manchen Fällen nimmt der Serpentin nur 
die randlichen Theile der ursprünglichen Hornblende ein und 
wahrt somit dem Gebilde die primäre Gestalt, in anderen 
breitet er sich jedoch von einem derartigen Centrum fleckig 
und in Strängen aus, niemals allerdings auf weite Strecken 
hin. Auf derartige Gebilde sind offenbar die makroskopisch 
sichtbaren, schmutzig braungrünen Flecken und Streifen 
zurückzuführen. 



Digitized by 



Google 



(nördlich vou Angora). 127 

Plagioklaseinsprenglinge sind, wie das Mikroskop lehrt, 
im Gestein in bedeutender Menge, aber nur mit verhältniss- 
ix\ü.ssig kleinen Dimensionen entwickelt; Durchschnitte von 
1 mra Länge und 0,4 — 0,5 mm Breite gehören zu den Selten- 
Taextec, die Länge und Breite der meisten dieser Gebilde 
seh ^wanken um 0,3 resp. 0,1 mm. Die Plagioklase sind ge- 
wöhülich zonar struirt, die Differenzen zwischen den innersten 
und den äussersten Theilen oft recht bedeutend; z. Th. sind 
sie sehr reich an zonar angeordneten gelblichen Glas- 
einschlüssen. 

Die Grundmasse macht einen durchaus holokry stallinen 

Eindruck ; mit starken Vergrösserungen erkennt man schmale 

Plagioklasleistchen, die bis 0,07 mm Länge erreichen, und 

\>Teitere Täfelchen von entsprechenden Dimensionen, die 

Zonarstructur besitzen und offenbar auf häufige Tafelform der 

Grundmasse-Plagioklase hinweisen. Neben diesen gut idio- 

morphen Gebilden finden sich Durchschnitte durch ungestreifte, 

mehr körnerartig umgrenzte Körper, die erheblich geringere 

Dimensionen aufweisen und wohl zum grossen Theil auf 

Kalifeldspath zurückzuführen sind, doch ist unter ihnen 

vielleicht auch Quarz vertreten. Trotz des holokrystalUnen 

Eindrucks, den die Structur der Grundmasse macht, glaubt 

man doch bisweilen zu beobachten, dass zwischen den einzelnen 

Körnchen noch dünne Häutchen liegen, die eventuell auf 

zersetztes Glas zurückzuführen sind. 

Erze treten in verhältnissmässig grossen Körnchen im 
Gestein gleichmässig verstreut auf; sie kommen bei makro- 
skopischer Betrachtung für die Färbung des Gesteins nicht 
zur Geltung, weil das vorhandene Erzmaterial in relativ 
grösseren Individuen — gewöhnlich um 0,02 mm Durchmesser 
schwankend, aber gelegentlich in Körnern von einem 4— 5 mal 
so grossen Durchmesser — concentrirt und nicht staubförmig 
im Gestein vertheilt entwickelt ist. 

b) Hornblendeandesite mit Pyroxen. 

9. Hornblendeandesit von Karaschehr, spärlich biotit- und 
pyroxenfiihrend. 

In einer ziemlich porösen und daher etwas trachytisch 
aassehenden dunkelgrauen Grundmasse liegen zahlreiche, bis 



Digitized by 



Google 



128 L- Milch, Die Ergassgesteine des galatischen Andesitgebietes 

5 mm grosse, weissliche Feldspathe, bis 3 mm lange 
Hornblendesäalen und vereinzelt kleine Blättchen von 
Biotit. Die Feldspathe sind im Handstück nur selten von 
Spaltungsflächen begrenzt, gewöhnlich erscheinen sie unregel- 
mässig durchgebrochen; in den spärlichen Fällen, in denen 
Spaltungsflächen auftreten, besitzen sie die Zwillingsstreifung 
der Plagioklase. 

Zu den genannten Einsprenglingen gesellt sich noch, wie 
die mikroskopische Untersuchung lehrt, ein Pyroxen. 

Die in der Prismenzone scharf begrenzte Hornblende 
gehört, wie die Stärke ihrer Doppelbrechung und ihres Pleo- 
chroismus zeigt, zur basaltischen Hornblende: parallel der 
Axe kleinster und mittlerer Elasticität geht das Licht mit 
dunkelbrauner, parallel der Axe der grössten Elasticität mit 
hellgelber Farbe hindurch. 

Der Biotit findet sich nur in einzelnen, gewöhnlich 
mehr oder weniger resorbirten Blättchen, die gleichfalls starken 
Pleochroismus in braunen und gelben Tönen besitzen. Die 
Resorptions Vorgänge geben bisweilen zu interessanten 
Neubildungen Veranlassung: die Buchten und Hohlräume in 
dem Glimmer sowie seine nächste Umgebung sind erf&Ut von 
einem farblosen Mineral, offenbar einem Feldspath, der 
z. Th. einem Individuum augehört, von Erzkörnern und hell- 
grünlichen, fast farblosen Pyroxensäulchen, die sämmtlich 
aus dem Biotit hervorgegangen sind. Da der Feldspath keine 
Zwillingsstreifung zeigt, das Axenbild aber durchaus nicht auf 
einen Schnitt nach der Längsfläche irgend eines Plagioklases 
hinweist, halte ich es für wahrscheinlich, dass der Feldspath 
Kalifeldspath ist — seine Entstehung wäre ja, da das 
Eisenerz und das Magnesium des Glimmers als Erz, resp. im 
Pyroxen ausgeschieden ist, aus der Zusammensetzung des 
übrig bleibenden Bestes des Biotits nicht schwer zu erklären. 
Der ganze Complex der Neubildungen mit dem Biotitrest 
wird von fluidal angeordneten Plagioklasleistchen rahmenartig 
umgeben. 

Der Pyroxen ist lichtgrünlich bis farblos; er tritt nur 
vereinzelt auf und findet sich bisweilen unter Verhältnissen, 
die seine Entstehung aus Hornblende oder Biotit wahrschein- 
lich erscheinen lassen. Seines spärlichen Auftretens wegen 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 129 

konnte ich ihn nicht mit voller Sicherheit bestimmen; seine 
der Hornblende gegenüber schwache Doppelbrechung, die 
gerade Auslöschnng der meisten Schnitte mit annähernd 
parallelen Spaltangsrissen und die Beobachtung, dass eine 
Mittellinie in einem Schnitt mit durchaus parallelen Spaltungs- 
rissen gerade austritt, macht es wahrscheinlich, dass ein 
rhombischer Pyroxen vorliegt. 

Erz, das nicht aus den farbigen Gemengtheilen durch 
Zersetzung oder nachweisbare Resorption hervorgegangen ist, 
ist nur in sehr geringen Mengen im Gestein vorhanden. 

Die P 1 a g i k 1 a s einsprenglinge zeigen ausser den Zwil- 
lingsstreifen nach dem Albitgesetz nicht selten auch die an- 
nähernd senkrecht auf diesen stehenden Lamellen, die ge- 
wöhnlich auf das Periklingesetz bezogen werden; neben 
Verwachsung nach dem Karlsbader Gesetz findet sich ver- 
hältnissmässig nicht häufig offenbar unregelmässige Durch- 
wachsung mehrerer Individuen. Die Vollkommenheit der 
krystallographischen Begrenzung wechselt stark: neben voll- 
kommen ausgebildeten Erystallen finden sich andere, die auf 
einer oder mehreren Seiten durch treppenförmige Bildungen 
abgeschlossen sind, wobei die einzelnen Treppen krystallo- 
graphische Begrenzung zeigen ; weiterhin treten aber rundlich 
gestaltete Gebilde auf, deren mangelnde Krystallbegrenzung 
nicht auf Resorption zurückgeführt werden kann, da auch die 
inneren Zonen dieselbe rundliche Begrenzung besitzen, die 
somit als Aneder angelegt sind. 

Stofflich treten homogene und zonar struirte Krystalle 
auf; nach der Untersuchung sehr zahlreicher Spaltungsblätter 
und der im Schliff vorhandenen Schnitte nach der Längsfläche 
scheint das herrschende Mischungsglied basischer Oligoklas 
zu sein, doch wurden auch in einzelnen Spaltungsblättchen 
basischere und saurere Glieder, im Innern zonar struirter 
Gebilde sogar saurer Labradorit beobachtet. 

Die Plagioklase sind reich an Glaseinschlüssen, die 
theils regellos gestaltet, resp. schlauchförmig, teils in der 
Gestalt des Wirthes im Feldspath liegen. Das Glas der 
Emschlüsse ist theils graubraun, theils lichtgräulich gefärbt; 
die Einschlüsse enthalten oft ein Gasbläschen, das bisweilen 
recht bedeutende Grösse erreicht; sie sind bald regellos in 

N. Jahrbuch f. Hineralogie etc. Beilageband XYI. ^ 



Digitized by 



Google 



130 L- Hilch, Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 

dem Feldspath vertheilt, bald randlicb derartig angehäuft, 
dass die äusseren Zonen des Krystalls durch sie grau gefärbt 
erscheinen. Diese glasreiche Zone ist nach aussen und innen 
gewöhnlich rundlich begrenzt, ihre Breite kann ganz erheblich 
werden. 

Die Grundmasse besteht ausschliesslich aus Plagioklas- 
mikrolithen und einem reichlich vorhandenen, ganz licht- 
grauen Glase. Die Substanz der Plagioklase scheint OUgo- 
klas zu sein, die Gestalt der Leistchen ist verhältnissmässig 
ziemlich gedrungen, die grössten, deutlich verzwillingten 
Leistchen erreichen fast 0,05 mm Länge, die meisten bleiben 
aber erheblich hinter dieser Grösse zurück; andererseits finden 
sich auch in diesem Gestein Durchschnitte durch Tafeln, die 
nach ihren Dimensionen zwischen den Einsprenglingen und 
den Gemengtheilen der Grundmasse vermitteln. 

c) Pyroxen- und quarzführende Hornblendeandesite. 
10. 11. Gesteine von Kalabagh, 7 km nördlich von Angora« 

In die Gruppe der pyroxen- und quarzführenden 
Hornblendeandesite gehören zunächst die auf p. 116, 117 
erwähnten Gesteine aus der Umgegend von Angora; 
obwohl sie unter den Einsprenglingen Quarz enthalten, glaubte 
ich sie doch ihrem ganzen Verhalten nach nicht als Dacite, 
sondern als quarzführende Andesite bezeichnen zu sollen. 
Maassgebend erschien sowohl das spärliche Auftreten von 
Quarz, wie auch die Thatsache, dass diese Gesteine in jeder 
Hinsicht petrographisch echten quarzfreien Andesiten des 
Aladagh ganz unverhältnissmässig viel näher stehen als dem 
räumlich benachbarten holokrystallinen Glimmerdacit. 

Trotz ihrer Übereinstimmung in den meisten wesentlichen 
Eigenschaften sehen die beiden hierher gehörigen Varietäten 
auf den ersten Blick recht verschieden aus : das eine frischere 
Gestein besitzt eine grauschwarze, das andere, stärker 
zersetzte Vorkommen eine violettröthliche Grundmasse. 

10. Gestein von Kalabagh mit grauschwarzer Grandmasse. 

Das frischere Gestein enthält in einer dichten grau- 
schwarzen Grundmasse in bedeutender Menge Plagioklas- 
einsprenglinge ungefähr von der Grösse und Gestalt der aus 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 131 

dem holokrystallinen Glimmerdacit (No. 3, vergl. p. 117 ff.) 
beschriebenen; ausserdem sieht man mit dem unbewafitaeten 
Auge noch zahlreiche bis 5 mm lange, gewöhnlich ziemlich 
schlanke Hornblende Säulen. 

Die Plagioklaseinsprenglinge enthalten zahlreiche Glas- 
einschlüsse, die bisweilen sich randlich anhänfen und die 
ättssersten Zonen dichtgedrängt erfüllen; sie sind häufiger 
und deutlicher zonar gebaut als die Feldspathe des Glimmer* 
dacites und besonders ist der unterschied zwischen den inneren 
und den äusseren Teilen bei ihnen bedeutend grösser. An 
einem Schnitt parallel M konnte ich einen deutlich krystallo- 
graphisch abgegrenzten Kern von Labradoritsubstanz fest- 
stellen, umgeben von zahlreichen saureren Zonen, die mit 
gelegentlicher Wiederholung basischerer Mischungen von innen 
nach aussen zunächst aus Andesin, sodann aus basischem 
Oli goklas bestehen; auch Spaltungsblättchen zeigten nicht 
selten das Verhalten des Labradorit, wenn auch Andesin und 
basischer Oligoklas unter den abgespaltenen Theilen sich 
häufiger vorfanden. 

Qnarzeinsprenglinge treten in kleinen, ca. 1 mm Durch- 
messer besitzenden, gerundeten, zersprengten und eingebuchteten 
Körnern nicht häufig auf. 

Die Hornblendeeinsprenglinge gehören zur basal- 
tischen Hornblende, der Winkel c : c wurde zu 8 — 10® 
gemessen, der Pleochroismus ist stark : c und 6 braun, a gelb, 
die Doppelbrechung sehr hoch. Randlich ist die Hornblende 
oft resorbirt und in monosymmetrischen Pyroxen um- 
gewandelt, der sich ausnahmsweise auch in einem grösseren 
Krystall, vielleicht aus Hornblende hervorgegangen, als Ein- 
sprengling findet; oder die randlich angegriffene Hornblende 
ist von einem Kranz aus Erzkörnchen und -Stäbchen mit 
farblosem bis hellgelblichem rhombischem Pyroxen 
umgeben. 

Vereinzelt treten als Einsprenglinge Biotite auf, die ge- 
wöhnlich stark resorbirt und theils in Hornblende, theils in 
rhombischen Pyroxen und Eisenerz umgewandelt sind. Be- 
sonders mannigfaltig ist ein Biotitblatt umgewandelt, das mit 
einem Durchmesser von appr. 0,9 mm im Schliff liegt. Der 
äusserste Band von 0,06 mm Breite ist von theilweise radial 

9* 



Digitized by 



Google 



1 32 L- Milch, Die Ergassgesteine des galatischen Andesitgebietes 

gestellten Erzstäbchen gebildet, auf diese folgt eine 0,15 mm 
breite Zone, die zum grössten Theil aus noch zusammen- 
hängendem Biotit besteht. Der centrale Theil baut sich auf 
aus selbständig begrenzten rhombischen Pyroxenen bis zu 
0,1 mm Länge und 0,04 mm Breite, femer Erzstäbchen, bis 
0,08 mm lang, und ziemlich grossen Erzkörnchen, eingebettet 
in ein die Zwischenräume erfüllendes Gemenge von Feldspath- 
kömem, die gegen einander panidiomorph abgegrenzt sind 
und unter denen der grösste Durchschnitt in der grössten 
Ausdehnung 0.5 mm, senkrecht dazu 0,2 m erreicht. 

Die Grundmasse baut sich auf aus farblosen bis 
graugrünlichen Säulen von rhombischem und mono- 
symmetrischem Pyroxen, sowie nicht zu schlanken 
Plagioklasleisten in einer reichlich vorhandenen, durch 
Kömelung grau erscheinenden Glasmasse; auch kleine 
basaltische Hornblenden und vereinzelte Biotitblättchen 
finden sich, die sich jedoch von den Einsprengungen nur 
durch ihre geringeren Dimensionen unterscheiden und daher 
nicht mit Bestimmtheit von ihnen getrennt werden können. 

Die Pyroxene treten als mehr oder weniger schlanke 
Säulen von 0,1 — 0,2 mm Länge auf; die rhombischen und 
die monosymmetrischen Pyroxene sind nach Farbe, 
Gestalt und Lichtbrechung sehr ähnlich, unterscheiden sich 
aber deutlich durch ihre Doppelbrechung, die Lage der Aus- 
löschungsrichtungen und das Verhalten von Querschnitten 
in convergentem polarisirtem Licht. Bisweilen sind beide 
Arten der Pyroxene miteinander verwachsen; dann liegt ge- 
wöhnlich der rhombische Pyroxen innen, der monosymmetrische 
aussen. 

Die Plagioklase der Grundmasse treten in Säulen und 
Tafeln auf, deren längste Dimension in den meisten Fällen 
um 0,15 mm schwankt, oft hinter diesem Werth zurückbleibt; 
doch finden sich auch erheblich grössere Individuen, die zu 
den Grössen der kleineren Einsprengunge hinüberleiten. Die 
grösseren Individuen zeigen gewöhnlich deutliche Zwillings- 
streifung und oft zonaren Bau mit bedeutenden Unterschieden 
zwischen Kern und Schale, die tafelförmigen Durchschnitte 
erweisen sich durch Fehlen der Zwillingsbüdung als Schnitte 
nach M. 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 133 

lu dem Glas erkennt man mit stärksten Systemen ganz 
kleine Stäbchen und Körnchen, die oflfenbar die Trübung 
verursachen. 

Erze treten in grösseren Körnern und kleinsten Körnchen 
auf; Apatit findet sich in nicht spärlichen Körnern. 

11. Gestein von Kalabagh mit violettröthlicher Grandmasse. 

Das yiolettröthliche Gestein unterscheidet sich nur 

in unerheblichen Eigenschaften von dem eben beschriebenen; 

seine Feldspatheinsprenglinge sind durchschnittlich etwas 

kleiner, die farbigen Gemengtheile so stark zersetzt, 

dass sie dem unbewafineten Auge nur als rothe oder als 

schmutzig graugrüne Flecke erscheinen, seine Grundmasse 

ist, wie das Mikroskop lehrt, etwas ärmer an Glas und 

reicher an Feldspathmikrolithen, die im Allgemeinen länger 

und schlanker sind als die entsprechenden Componenten des 

schwärzlichen Gesteins, wodurch sich die Grundmasse mehr 

der typisch hyalopilitischen nähert. Die röthliche Färbung 

rührt von fein vertheiltem Eisenerz her, das offenbar farbigen 

Gemengtheilen entstammt. 

Die farbigen Gemengtheile selbst sind in diesem 
Gestein nirgends mehr frisch, aus den Umgrenzungen der an 
ihre Stelle getretenen Neubildungen geht hervor, dass herr- 
schend in grossen Individuen Hornblende und Biotit ent- 
wickelt waren ; statt ihrer finden sich jetzt Anhäufungen von 
röthlichbraunem Eisenoxydhydrat und in geringerer 
Menge vorhandenem rhombischem Pyroxen. 

Eine gewisse Gesetzmässigkeit bei dieser Umwandlung 
liess ein grosser, 1,5 mm im Durchmesser erreichender Schnitt 
durch einen farbigen Einsprengung, wahrscheinlich eine Horn- 
blende, erkennen: die äusserste Zone wird von rhom- 
bischem Pyroxen in bis 1 mm langen und 0,05 mm breiten, 
gewöhnlich aber etwas kleineren lichtgelblich gefärbten Kry- 
ställchen gebildet, die krystallographisch gut ausgebildet mit 
ihren Prismenflächen aneinander stossen und deren Längs- 
richtung schief gegen die Umgrenzung des ganzen Complexes 
liegt. Weiter nach innen folgt eine ganz schmale, nur bis- 
weilen durch Zurückdrängen der äussersten Pyroxenzone etwas 
breiter werdende Feldspathzone, auf diese, wenigstens auf 



Digitized by 



Google 



134 L- Milch, Die Ergassgesteine des galatischen Andesitgebietes 

einer Seite, wieder eine zusammenhängende Pyroxenzone 
und dann, die Hauptmasse des Complexes bildend, ein un- 
regelmässiges Gemenge von Eisenoxydhydrat und 
rhombischem Pyroxen. Studirt man die einzelnen 
Pyroxenkryställchen, so findet man, dass sie sehr oft durch 
Eisenoxydhydrat gefärbte braune Flecke enthalten und theil- 
weise völlig in diese Substanz übergehen; so bilden besonders 
die am meisten nach aussen gelegenen Theile der äussersten 
Pyroxenzone geradezu einen Rahmen von Eisenoxydhydrat 
um den ganzen Complex. In den meisten anderen Durch- 
schnitten durch ehemalige Hornblenden und Biotite überwiegt 
das Eisenhydroxyd noch mehr, bisweilen sind spärliche Körn- 
chen von Pyroxen vorhanden, in sehr vielen fehlen auch diese ; 
offenbar ist dieses Vorherrschen des Eisenhydroxyd durch 
Verwitterung zu erklären, während die Bildung von Pyroxen, 
Feldspath und primärem Eisenerz Vorgängen bei der mag- 
matischen Resorption zuzuschreiben ist: das primäre Eisenerz 
und der Pyroxen geht secundär in Brauneisen über und dieses 
verhüllt oft noch den Feldspath, so dass lediglich Körnchen 
und Häute von Eisenoxydhydrat die Stelle des alten Ein- 
sprenglings einnehmen. 

Vereinzelte kleine Körner und Kryställchen bestehen aus 
einer gelblichen, ziemlich stark doppelbrechenden Substanz, 
deren Auslöschungsrichtungen mit den Umgrenzungselementen 
ziemlich gi'osse Winkel bilden ; vielleicht liegen in diesen Ge- 
bilden Producte der beginnenden Umbildung primärer Augite 
vor — ganz frisch ist die Substanz keineswegs, wie auch der 
fast nie fehlende Rahmen von Eisenoxydhydrat erkennen lässt. 

12. Gestein zwischen Tasch-Karadjalar und der Jaila von Kaik^jivi 
(wenig westlich von No. 7). 

Unmittelbar an das zuletzt beschriebene Gestein schliesst 
sich ein Vorkommen vom Anstieg zur ersten Jaila, östlich 
von Karadjalar (zwischen Tschangri und Bujudüz, 
also im östlichsten Zipfel des Andesitgebirges gelegen). Das 
Gestein ist röthlich, aber an Stelle des violetten Tones des 
Vorkommens von Angora ist hier ein gelblicher getreten; 
Feldspatheinspr englinge sind sehr zahlreich, aber etwas 
kleiner als bei dem verwandten Gestein von Angora: nur 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 135 

ausnahmsweise erreichen die weissen Tapfen und Spaltungs- 
flächen 5 mm, gewöhnlich schwanken sie um 3 mm in ihrer 
grossten Ausdehnung. Andentungen von farbigen Gemeng- 
theilen erblickt das unbewafihete Auge nur spärlich in rothen 
oder schmutziggrünen Tupfen. 

Das Mikroskop zeigt, dass dieses Gestein im frischen 
Zustande mit dem Vorkommen von Angora in allen wesent- 
Pnnkten übereinstimmte — vielleicht war die Grundmasse in 
dem vorliegenden Gestein etwas reicher an Glas; hingegen 
ist die Umwandlung der farbigen Gemengtheile in Eisenoxyd- 
hydrat noch weiter vorgeschritten. 

Nur der grösste Biotit, ein Durchschnitt von 1 mm 
Ausdehnung parallel der Spaltbarkeit und 0,4 mm Breite senk- 
recht dazu , lässt in dem vorliegenden Schliff kleine Fetzen 
von primärer, tiefrot und hellgelb pleochroitischer Substanz 
beobachten, ebenso wie nur in einem einzigen Querschnitt 
durch eine der grossten Hornblenden, die 1 mm Länge 
und 0,6 mm Breite erreichen, noch Reste der Substanz der 
basaltischen Hornblende sich nachweisen lassen. Im 
Allgemeinen ist an Stelle der farbigen Gemengtheile Eisen- 
oxydhydrat, theils in scheinbar zusammenhängenden Massen, 
theils als mehr oder weniger compactes Haufwerk von Körnern 
getreten; ob, wie es im Gestein von Angora der Fall war, 
auch hier ein Zwischenstadium der magmatischen Resorption 
der Verwitterung vorausgegangen ist, Hess sich nicht mehr 
entscheiden. 

Quarz tritt auch in diesem Gestein nur überaus spär- 
lich auf; in dem ca. 4 qcm grossen Schliff fand ich einen 
einzigen Durchschnitt durch ein allerdings ziemlich grosses 
Korn — der Durchschnitt erreichte nahezu 2 mm Länge, er- 
scheint aber durch eingedrungene Grundmasse in mehrere, 
von einander scheinbar unabhängige Theile zerlegt. 

An diese Gesteine schliessen sich andere an, die sich 
in ihren ersten Gliedern lediglich durch das Fehlen der 
Quarze und Biotite von dem Vorkommen von Angora 
unterscheiden, weiterhin jedoch durch die Zunahme des Pyroxen- 
gehaltes zu basischeren Gliedern hinüberführen. 



Digitized by 



Google 



136 L- Milch, Die Ergassgesteine des galatischen Andesitgebietes 

d) Quarz- und biotitfreie pyroxenführende Hornblendeandesite. 

13. Pyroxenftthrender Hornblendeandesit von Kotschhissar 
im Devrezthal. 

Das schmatzig yiolettgraue Gestein lässt das unbewaffnete 
Auge zahlreiche, bis 5 mm in der grössten Dimension er- 
reichende Spaltungsflächen Yon Plagioklasen, die in nicht 
sehr dicken Tafeln entwickelt sind, spärliche, bis 2^ mm lange 
Hornblendesäulchen und zahlreiche Flecke von Zersetzungs- 
producten nach farbigen Gemengtheilen , besonders eisen- 
schüssige Massen nach Hornblendesäulchen and grüne Sub- 
stanzen in Säulen von mehr gedrungener Gestalt erkennen. 
Durch das Herausfallen der Zersetzungsproducte erhält das 
Gestein ein massig löcheriges Aussehen. 

Unter dem Mikroskop erweist sich als herrschender 
farbiger Gemengtheil Hornblende von der primären Be- 
schaffenheit der Hornblende aus dem Gestein von Angora, 
aber in zahlreichen Individuen gänzlich, in anderen z. Th. in 
Eisenoxydhydrat umgewandelt; nur verhältnissmässig wenig 
Krystalle sind ganz frisch. In seltenen Fällen findet sich 
neben dem Eisenoxydhydrat als Umwandlungsproduct 
auch Serpentin; charakteristisch ist aber auch in diesen 
Fällen die erhebliche Menge des den Serpentin begleitenden, 
gewöhnlich einen breiten Mantel bildenden Eisenerzes. 

Neben der Hornblende treten Pseudomorphosen von 
Serpentin ohne Erz in der Form gedrungener Säulen auf; 
ich glaube als primäres Mineral Pyroxen, der Gestalt nach 
wohl herrschend rhombischen Pyroxen, in diesem Gestein 
annehmen zu müssen. 

Die Plagioklase bauen sich aus zahlreichen dünnen 
Lamellen nach dem Albitgesetz auf; zonarer Bau ist sehr 
verbreitet, doch Hess die Untersuchung nach den üblichen 
optischen Methoden sehr oft auf eine An de sin Zusammen- 
setzung schliessen. Die krystallographische Ausbildung ist 
recht vollkommen, doch kommen auch deformirte und unregel- 
mässige Gestalten vor. Ein Theil der Plagioklase ist sehr 
reich an Einschlüssen, besonders von Glas; es ist wohl kein 
Zufall, dass sehr oft gerade diese erhebliche Unregelmässig- 
keiten in der äusseren Umgrenzung erkennen lassen. 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 137 

Die Orandmasse besteht zam grössten Theil aus zahl- 
losen kleinen Feldspathmikrolithen in einem lichtgelblichen 
Glase; die Feldspathe löschen annähernd gerade aus, stehen 
also wohl dem Oligoklas nahe. Das Glas enthält femer 
sehr zahlreiche, ganz kleine Erzkörnchen, die der Grundmasse 
an nicht ganz dünnen Stellen des Schliffes ein bräunliches 
Aussehen verleihen. 

14. Pyroxenführender Hornblendeandesit , 1 km südlich von 
Inekoi am Devrez. 

Das Gestein von Inekoi macht seinem ganzen Wesen 
nach einen etwas basischeren Eindruck: in einer compacten, 
dunkel braunvioletten dichten Grnndmasse liegen 
bis 4 mm lange, gewöhnlich schlanke, selten etwas dickere 
Hornblendesäulen und zahlreiche, oft bräunliche Feld- 
spathe, deren Plagioklasnatur deutlich zu erkennen ist 
Die Plagioklase sind typisch tafelig entwickelt, die Seiten der 
Tafel erreichen 5 — 6 mm, die Dicke ist gering und geht selten 
über 1—2 mm; die Anordnung der Feldspatheinsprenglinge 
ist deutlich fluidal. 

ü. d. M. erweist der in erheblicher Menge, aber von 
einzelnen Ausnahmen abgesehen in kleinen Individuen ent- 
wickelte, um 0,5 mm Länge und 0,1 mm Breite schwankende 
Amphibol seine Zugehörigkeit zur Gruppe der basaltischen 
Hornblende; er besitzt sehr starken Pleochroismus in tief- 
braunen und gelben Tönen, die Auslöschungsrichtung ist nur 
wenig gegen die Verticale geneigt, die Doppelbrechung ist 
recht hoch. Auffallend sind nicht seltene, etwas keilförmige 
Schnitte durch einen Zwilling; die beiden Längsseiten des 
Keils convergiren unter einem recht spitzen Winkel und es 
lässt sich bisweilen feststellen, dass die Spaltungsrisse in dem 
einen Theil des Keils parallel der einen Grenze, in dem 
zweiten Theil parallel der anderen Fläche verlaufen. Falls 
diese Anordnung auf einer krystallographischen Verwachsung 
beruht, deutet sie auf eine Zwillingsbildung nach einer gegen 
die Verticale endlich liegenden Fläche, doch ist auch eine 
zufallige Verwachsung möglich und auf Grund anderer, weiter 
unten zu besprechender Beobachtungen nicht unwahrscheinlich. 
Fast alle Hornblenden sind von einem schmalen, nur selten 
etwas breiteren Erzrand umgeben. 



Digitized by 



Google 



138 L- Milch, Die Ergasagesteine des galatischen Andesitgebietes 

Unter den farbigen Gemengtheilen findet sich nicht selten, 
aber an Menge weit hinter der Hornblende zurücktretend, 
monosymmetrischer Augit, und noch etwas spärlicher 
rhombischer Pyroxen, beide in gut ausgebildeten Kry- 
stallen, deren Durchschnitte im Schliff nahezu farblos er- 
scheinen. 

Die Dimensionen der Individuen beider Minerale sind 
nicht gross ; der grösste Durchschnitt durch einen selbständigen 
Augit wies 0,5 mm Länge und 0,3 mm Breite auf, beim 
rhombischen Pyroxen ergaben die entsprechenden Werthe 
sogar nur 0,3 und 0,2 mm. 

Sehr interessant sind in diesem Gestein Hinweise auf die 
Entstehung der Pyroxene, sowie schliesslich auch der 
Hornblende. Im Schliff fallen schon bei flüchtiger Be- 
obachtung bräunlichgraue, undurchsichtige Flecken auf, die 
häufig am Rand intensiver gefärbt sind als im Centrum, aber 
auch in den hellsten Theilen undurchsichtig bleiben; mit 
starker Vergrösserung erkennt man kleine bräunliche Erz- 
körnchen und feinsten bräunlichen Staub in einer helleren 
Grundmasse, die offenbar durch den Staub undurchsichtig 
erscheint. Die Grösse dieser Flecken ist wechselnd, aber 
oft nicht unbedeutend — einzelne Flecken erreichten in einer 
Richtung des Schnitts 1 mm, andere einen Durchmesser bis 
zu 0,6 mm — , ihre Gestalt oft unregelmässig, bisweilen aber 
deutlich einem regelmässigen Sechseck nahestehend ; ihre Art 
des Auftretens lässt auf eine Entstehung aus Biotit 
schliessen und diese Deutung gewinnt durch die Umwandlungs- 
vorgänge der Biotite in dem Gestein (No. 10) von Kalabagh 
(vergl. p. 130 ff.) entschieden an Wahrscheinlichkeit. Mit der- 
artigen Flecken treten nun die Pyroxene fast immer ver- 
gesellschaftet auf; sie umschliessen grössere oder kleinere 
Putzen der undurchsichtigen Substanz, sie finden sich in der 
unmittelbaren Nähe dieser Flecke häufiger als in dem übrigen 
Gestein, sie sind nicht selten auch, so vollkommen idiomorph 
sie im übrigen entwickelt sind, gegen die trübe Substanz ganz 
unregelmässig abgegrenzt. Besonders bezeichnend ist die Art 
des Auftretens der spärlichen grösseren Pyroxene: das 
grösste Augit körn, das im Schliff nachzuweisen war — der 
Durchschnitt besitzt in der Länge 1 mm, in der Breite 5 mm — , 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 139 

ist nirgends idiomorph begrenzt, sondern rundum von der 
undurchsichtigen bräunlichen Substanz umgeben; in anderen 
Fällen findet sich Augit und diese braune Substanz geradezu 
schriftgranitisch oder poikilitisch verwachsen. Alle diese 
Thatsachen sprechen für eine Entstehung der Pyroxene aus 
primärem Biotit während der Bildung des Gesteins: die auf 
diesem Wege entstandenen compacten grösseren Pyroxene 
sind erhalten geblieben, während die Reste des primären 
Biotit oder die aus ihm hervorgegangenen erzreichen An- 
häufungen der übrigen Resorptionsproducte der Verwitterung 
anheimgefallen sind und die undurchsichtigen trüben Flecken 
geliefert haben. 

Auch eigenthümliche Mineralaggregirungen finden auf 
diese Weise ihre beste Erklärung: ein ziemlich grosser Augit, 
überaus reich an grossen Magnetitkörneru und trübe Putzen 
in erheblicher Menge enthaltend, ist mit zwei Individuen von 
rhombischem Pyroxen — unter diesen der grösste von mir 
in diesem Gestein überhaupt beobachtete Durchschnitt von 
0,2 mm Länge und 0,25 mm Breite — derart verbunden, 
dass alle drei Gebilde völlig idiomorph sind bis auf die 
durchaus allotriomorph gestalteten Berührungsflächen des 
Augits mit den beiden rhombischen Pyroxenen. 

Studirt man nach diesen Beobachtungen noch einmal die 
basaltische Hornblende, so fallen auch hier eigenthümliche 
Verhältnisse auf, die allerdings nicht so constant, andererseits 
der tiefen Färbung der Hornblende wegen weniger in die 
Augen fallend sind, wie die geschilderten Erscheinungen an den 
Pyroxenen; sie genügen jedoch, um eine entsprechende Ent- 
stehung für einen Theil der Hornblende zu beweisen, für den 
Rest, da die Hornblenden unter sich keine Unterschiede er- 
kennen lassen, wenigstens wahrscheinlich zu machen. Putzen 
der trüben Substanz sind auch in der Hornblende zu erkennen, 
ebenso eine Vergesellschaftung des Amphibols und der ge- 
schilderten Flecke, ferner lässt sich nicht selten eine durchaus 
nnkrystallographische Abgrenzung sonst streng idiomorpher 
Hornblende gegen diese trübe Substanz nachweisen. In 
manchen Fällen stiessen im übrigen durchaus idiomorphe 
Hornblenden mit gleichfalls idiomorphem Feldspath in einer 
ganz unregelmässigen zackigen Grenze zusammen ; als ' 



Digitized by 



Google 



140 L- Milch, Die Ergassgesteine des galatischen Andesitgebietes 

ihrer Entstehung enthalten dann diese Hornblenden grössere 
oder kleinere Einschlüsse der trüben Substanz. Weiterhin 
fällt auf, dass sich Apatit in Säulchen und Eiern in und 
unmittelbar neben der Hornblende in erheblicher Menge ein- 
stellt, und schliesslich finden sich durchaus verschieden 
orientirte idiomorphe Hornblenden, von ti'über Substanz um- 
geben und nur durch sehr wenig trübe Substanz oder Feld- 
spath getrennt, genetisch eng unter sich und mit den bräun- 
lichen Flecken verbunden vor. Diese letzte Beobachtung legt 
bei der Deutung der oben besprochenen zwillingsähnlichen 
Bildungen Vorsicht auf: es ist möglich, dass das Aneinander- 
stossen zweier Individuen mit nicht parallelen Spaltungsrissen 
durch gleichzeitige Entstehung zweier krystallographisch von 
einander unabhängiger Krystalle aus der Substanz eines 
einzigen, der magmatischen Umbildung zum Opfer fallenden 
Biotits seine Erklärung findet. 

Schwarzes Eisenerz findet sich in verhältnissmässig 
grossen Körnern und Kryställchen. 

Die Grundmasse baut sich auf aus zahllosen kleinen 
Feldspathmikrolithen in einem bräunlichen, an dünnsten 
Stellen des Schliffs licht bräunlichgrauen Glase, in dem 
kleinste Erzkörnchen liegen; die Dimensionen der Feldspath- 
leistchen sind so gering, dass einzelne Leistchen von 0,05 mm 
Länge und 0,01 mm Breite schon durch ihre Grösse sich 
erheblich, fast wie Gemengtheile einer anderen Generation, 
von der Hauptmasse der Mikrolithe unterscheiden. 

15. Augitführender Homblendeandesit von Kalabagh (nördlicli 

von Angora). 

Das vorliegende Gestein von Kalabagh steht sowohl 
den auf p. 133 ff. beschriebenen Gesteinen von Kalabagh wie 
dem Vorkommen von Inekoi recht nahe, nur der mono- 
symmetrische Augit spielt in ihm eine etwas grössere Rolle. 

In einer dichten bräunlichen, durch Zersetzung röth- 
lich werdenden Grundmasse liegen sehr zahlreiche Plagio- 
klase, die ihre Zwillingsriefung schon mit unbewaffnetem 
Auge sehr deutlich erkennen lassen. Da diese Feldspathe 
recht gross werden — gelegentlich erreicht eine Seite der 
Tafelfläche 1 cm, sinkt aber auch bis auf 1—2 mm herab — , 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 141 

und ferner die bis 2 cm grossen Partien der unzersetzten 
Grundmasse sich für das unbewaffnete Auge scharf gegen 
die zersetzten Theile abgrenzen, so macht das Gestein bei 
flüchtiger Betrachtung einen unruhigen arkose- oder breccien- 
artigen Eindruck. 

U. d. M. erkennt man, dass die unter den farbigen Ge- 
mengtheilen herrschende und bisweilen in verhältnissmässig 
grossen, bis 0,1 mm langen und 0,6 mm breiten Individuen 
entwickelte Hornblende nirgends mehr frisch erhalten ist; 
ihre Stelle wird von lockeren Eisenoxydhydrathäufchen, bis- 
weilen mit Serpentin, aber auch mit Feldspath eng ver- 
banden, eingenommen. Ähnliche Mineralaggregate lassen es 
als nicht gänzlich ausgeschlossen erscheinen, dass möglicher- 
weise auch Biotit im Gestein enthalten war. 

Frisch findet sich von farbigen Gemengtheilen nur licht- 
grünlich durchsichtiger monosymmetrischer Augit, der in 
dicksäulenförmigen Krystallen, in der Längsrichtung um 
0,6 mm, in der Dicke um 0,4 mm schwankend, theils isolirt, 
theils local angehäuft nicht reichlich im Gestein auftritt. 

Die Plagioklase sind in den meisten dieser Gesteine 
zonar, oft mit mehrfacher, gerade in diesem Vorkommen be- 
sonders deutlich entwickelter Wiederkehr der basischeren Sub- 
stanz struirt. 

Erze sind, wie in den nahestehenden Gesteinen, ziemlich 
reichlich vorhanden ; sie sind zum grossen Theil in Eisenoxyd- 
hydrat umgewandelt. 

Die Grundmasse, die ungefähr drei Viertel des Ge- 
steins zusammensetzt, besteht aus einem grauen Glase mit 
zahlreichen, aber an Menge hinter dem Glase zurücktretenden 
Feldspathleistchen; in den makroskopisch röthlich er- 
scheinenden Theilen der Grundmasse wird die Färbung durch 
überaus fein vertheiltes und local angehäuftes Eisenoxydhydrat 
hervorgebracht, während in den frischen, makroskopisch 
braunen Partien das Erz noch zum gi'össten Theil in einzelnen 
schwarzen Kömchen auftritt. 

IV. Hypersthenandesite. 

Als reine, augitfreie bis -arme Hypersthenandesite 
sind unter dem mir übergebenen Material nur verhältniss- 



Digitized by 



Google 



142 L- Milch, Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 

massig wenig Vorkommen zu bezeichnen : in den meisten spielt 
Angit neben dem rhombischen Pyroxen eine nicht ganz un- 
erhebliche Rolle ; trotz der geringen Zahl der Einsprenglinge 
und des Glasreichthums der meisten dieser Gesteine kann man 
wohl annehmen, dass auch bei stärkster Entwickelung der Ge- 
mengtheile der ersten und der zweiten Generation rhombischer 
Pyroxen der herrschende farbige Gemengtheil geblieben wäre, 
da er in fast allen Gesteinen dieses Gebiets, wo er mit anderen 
farbigen Gemengtheilen auftritt, sich als der jüngste unter 
ihnen erweist. 

Schon nach ihrer makroskopischen Erscheinung kann man 
in dieser Gruppe saurere und basischere, basaltisch 
aussehende Glieder unterscheiden; die Mehrzahl der mir 
vorliegenden Stücke gehört der basischeren Abtheilung an, 
nur ein Vorkommen der saureren. 



a) Saurer Hypersthenandesit. 
16. Entaxit von Baghlum nordwestlich von Angora. 

Das Gestein von Baghlum erscheint typisch eutaxitisch; 
es besteht aus einer schwarzen und einer röthlichen Substanz, 
die theils fluidal in annähernd parallelen Strängen, theils in- 
einander verknetet erscheinen und reichlich annähernd gleich- 
massig vertheilte, bis 1 mm grosse Plagioklaseinspreng- 
linge enthalten. 

Die Plagioklaseinsprenglinge sind sehr reich an Glas- 
einschlüssen, gewöhnlich nicht gut krystallographisch begrenzt, 
sondern gerundet, eingebuchtet und nicht selten in splitter- 
ähnlichen Formen erscheinend, die sich nur durch Zerspringen 
grösserer Krystalle erklären lassen. Zu diesen Plagioklasen 
gesellen sich von krystallisirten Gebilden nur noch spärlich 
kleine rhombische Pyroxen e in langen Leistchen, sowie 
Apatit und Erzkörnchen; die Hauptmasse des Gesteins be- 
steht aus Glas. 

Die schwarzen Gesteinstheile enthalten die ge- 
nannten Gemengtheile in einem an sich farblosen Glase, das 
aber durch zahllose, bis zu feinstem Staub herabsinkende 
Erzkörnchen gewöhnlich dunkel erscheint; die Farblosigkeit 
erkennt man besonders in Partien, in denen die Erze durch 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 143 

floidale Anordnung zu dunklen Strängen zusammentreten, die 
zwischen sich das farblose Glas freilassen. 

Die röthlichen Gesteinstheile erscheinen im Schliff 
durchaus undurchsichtig, aber auch ohne jede Andeutung, die 
etwa auf herrschenden Mikrofelsit schliessen Hesse ; die Haupt- 
masse erscheint wolkig graubraun, an den Rändern der 
einzelnen Streifen und rundlich begrenzten Partien röthlich- 
gelb durch ausgeschiedenes Eisenoxydhydrat. Dieselbe Färbung 
findet sich ferner um die Einsprenglinge und auch in Streifen, 
die unter sich annähernd parallel die verschiedenen grau- 
braunen Partien durchsetzen. Die ündurchsichtigkeit ist dem- 
nach offenbar durch ttberaus feine Vertheilung der färbenden 
Eisenverbindungen zu erklären. 

Die verhältnissmässig hohe Acidität des Gesteins wurde 
durch die Analyse bestätigt; einige unter Aufsicht von Herrn 
Privatdocent Dr. Herz im chemischen Institut der Universität 
Breslau angefertigte Bestimmungen ergaben übereinstimmend 
63,0 7o SiO,. 

b) Basischere Hypersthenandesite. 

Als basischere Hypersthenandesite sind vier nicht 
sehr weit von einander entfernt anstehende Gesteine zu be- 
zeichnen. In dem an erster Stelle beschriebenen Gestein von 
Jazydja, das lediglich aus Bildungen der Ergussperiode sich 
aufbaut, tritt monosymmetrischer Pyroxen ganz zurück ; wenn 
er sich in grösserer Menge, besonders gern als Gemengtheil 
erster Generation einstellt, bilden die Gesteine Übergänge 
zu den Augithypersthenandesiten. 

a. Hypersthenandesit, fast augltfrei. 

17. Hypersthenandesit. Thal des Köroghluflasses nördlich von 

Jazyctja. 

Das makroskopisch durchaus dichte, tiefschwarze und 
fettglänzende Gestein, das in jeder Hinsicht wie ein dichter 
glasreicher Basalt erscheint, besteht, wie die mikroskopische 
Untersuchung lehrt, fast ausschliesslich aus Hypersthen- 
mikrolithen, Plagioklasmikrolithen, sehr kleinen Erzkörn- 
chen und reichlichen Mengen eines bräunlichen Glases. 



Digitized by 



Google 



144 L. Milch, Die Ergassgesteine des galatischen Andesitgebietes 

Die Dimensionen der Mikrolithe sind sehr gering: 
Feldspath leistchen von 0,05 mm Länge und 0,01 mm Breite 
gehören zu den grösseren Bildungen, vereinzelte Durchschnitte 
von höchstens 0,4 mm Länge und 0,2 mm Breite machen den 
Mikrolithen gegenüber schon den Eindruck von Einspreng- 
ungen. An diesen grösseren Gebilden kann man auch die 
Plagioklasnatur des Feldspaths durch gelegentliche Be- 
obachtung von schaligem Bau und eventuell auch Zwillings- 
streifung nachweisen. Unter den eigentlichen Mikrolithen 
erscheinen die längeren und schlankeren sehr oft gegabelt 
oder trichitisch. 

Der rhombische Pyroxen erscheint gleichfalls in farb- 
losen säulenförmigen Mikrolithen, die durchschnittlich etwas 
schlanker sind als die gleich grossen Feldspathe; ihre 
rhombische Natur ist durch die geringe Doppelbrechung in 
Verbindung mit der geraden Auslöschung sicher nachzuweisen. 
Auch unter den Hypersthenen kommen wie bei den Feld- 
spathen einzelne grössere Individuen vor ; in einem Falle fand 
sich zusammen mit einigen dieser grösseren Hypersthene ein 
erheblich stärker doppelbrechendes Körnchen von mono- 
symmetrischem Pyroxen, der auch sonst gelegentlich im 
Gestein verstreut vorkommt. 

Die genannten Gemengtheile erscheinen zusammen mit 
sehr kleinen Magnetitkörnchen theils einzeln eingebettet, 
theils dicht gedrängt und dann durchtränkt von einem bräun- 
lichen Glase, so dass die Structur des Gesteins durchaus der 
Anordnung einer hyalopilitischen Grundmasse entspricht. 

ß. AugitfQhrende Hypersthenandesite. 

18. Augitführender Hypersthenandesit, Wasserscheide zwischen 
Bajat und Gfidttl. 

Die eigentliche Gesteinssubstanz erscheint dem unbewaff- 
neten Auge durchaus dicht, schwarz und fettglänzend ; trotz- 
dem macht das Gestein zunächst einen anderen Eindruck wie 
das in jeder Hinsicht nahe verwandte Vorkommen von Jazydja, 
weil es zahllose, sehr kleine Hohlräume enthält und diese 
von einem lichtgrtinlichen Staube überzogen sind, wodurch 
das homogene Aussehen und der Fettglanz des eigentlichen 
Gesteins bei flüchtiger Betrachtung abgeschwächt wird. 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 145 

U. d. M. unterscheidet sich dieses Gestein von dem nahe 
verwandten von Jazydja wesentlich durch die abweichende 
strncturelle Stellung der farbigen Gemengtheile, die 
hier theils als Einsprengunge, theils in einsprenglings* 
artigen Anhäufungen gewissermaassen concentrirt und im 
Gegensatz zur Hauptmasse des Gesteins erscheinen. 

Als Gemengtheile einer ersten Generation findet sich 
hauptsächlich Hypersthen sowohl in schlankeren oder 
dickeren Säulen bis zu 0,5 mm Länge, wie auch in kleineren 
Individuen nesterartig zusammengehäuft und in Glas ein- 
gebettet, das, soweit es zu dem Nest gehört, auffallend arm 
bis frei von Feldspathmikrolithen ist. 

Augit tritt wesentlich in der an zweiter Stelle ge- 
schilderten Weise in kleinen, nesteraitig angehäuften Kömchen 
auf; an dem grössten derartigen Nest maass ich einen längsten 
Durchmesser von 1^ mm. 

Der weitaus grösste Theil des Gesteins wird gebildet 
von Plagioklasmikrolithen in einem braunen, wenig durch- 
sichtigen Glase, das nur verhältnissmässig wenig Erz- 
körnchen enthält. Die Dimensionen der Plagioklase sind 
sehr gering; Leistchen von 0,3 mm Länge und 0,4 mm Breite 
fallen schon durch ihre Grösse auf, die meisten Individuen 
zeigen Werthe, die um den fünften Theil dieser Dimensionen 
schwanken. Die Auslöschungsrichtungen weichen nur wenig von 
der Längsrichtung der Mikrolithe ab, deuten somit wohl auf 
die Häufigkeit mittlerer Mischungsglieder der Plagioklasreihe. 

19. Angitführender Hypersthenandesit, Thal des Köroghlnliasses 
nördlich von Jazydja. 

Das Gestein erscheint dicht, graugrün und weisslich ge- 
fleckt und gestreift, das unbewaffnete Auge vermag, von 
vereinzelten Feldspathen abgesehen, keinen Gemengtheil zu 
erkennen. 

ü. d. M. sieht man, dass nur verschwindend wenig 
Einsprengunge vorhanden sind; ganz vereinzelt erscheinen 
Durchschnitte durch zonar struirte, aus chemisch sehr ver- 
schiedenem Kern und Schale bestehende Plagioklase von 
höchstens 0,6 mm Länge und 0,2 mm Breite, und annähernd 
gleich grosse Pyroxene, bestehend aus einem Kern von 

N. Jahrboch f. Mineralogie eto. Beilageband XYI. 10 



Digitized by 



Google 



146 L- Milcb, Die Ergnssgesteine des galaüscben Andesitgebietes 

farblosem Augit und einer Schale von grünlichem rhom- 
bischem Pyroxen. 

Die den Haupttheil des Gesteins bildende Orandmasse 
besteht hauptsächlich aus fast immer gerade auslöschenden 
Plagioklasleistchen von verschiedener Grösse, zwischen 
denen schlanke Säulchen von rhombischem Pyroxen, an 
Menge erheblich hinter dem Plagioklas zurfickstehend und nicht 
selten zersetzt, ferner zahlreiche Erz kömchen und -Stäbchen, 
sowie, wohl als Zersetzungsproduct der Feldspathe an- 
zusprechen, grünlicher Glimmer in kleinen Blättchen liegen. 
Glas ist nicht zu erkennen, doch muss nach der gesanimtec 
Structur des Gesteins eine trübe feinschuppige Masse zwischen 
den Feldspathen wohl auf ursprünglich vorhandenes Glas 
zurückgeführt werden. 

In der Structur des Gesteins machen sich an eutaxitische 
Anordnung anklingende Züge geltend: den makroskopisch 
weisslichen Flecken und Streifen entsprechen Gesteinstheile, 
in denen die Feldspathe eine Länge bis zu 0,2 mm und eine 
entsprechende Breite erreichen ; in den feinkörnigeren grünen 
Partien schwanken sie um 0,05 mm Länge. 

20. AngitfUhrender Hypersthenandesit von BiJ*'^ (^^ ™ östlich 
vom Ort anstehend). 

An der Grenze zwischen den augitführenden Hypersthen- 
andesiten und den Augithypersthenandesiten steht das Gestein 
von Bajat; in einer dichten braun violetten, von zahlreichen 
röthlich weissen Putzen und Streifen durchsetzten, schmutzig 
röthlichgelb anwitternden Hauptmasse kann man mit dem 
unbewaffneten Auge nur ganz vereinzelte dunkelgi*ünliche, bis 
2^ mm lange Pyroxen säulchen und Nester von dünneren, 
deutlich grünlichen Säulchen erkennen, die offenbar gleichfalls 
dem Pyroxen zuzuweisen sind. Ausserdem beobachtet man 
noch bräunliche Flecken von Eisenoxydhydrat. 

Bei dem mikroskopischen Studium erkennt man, dass 
unter den spärlichen Gemengtheilen der ersten Generation die 
grossen Individuen fast ausschliesslich einem lichtgrfinlichen, 
nahezu farblosen Augit angehören; trotz seiner schwachen 
Färbung scheint der Augit reich an £isen zu sein, da ich in 
einem Falle einen Übergang der äusseren Zone eines licht- 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 147 

^rlinlichen Augits in bräunlichen, von offenbar secundär aus- 
geschiedenem Eisenerz durchspickten Augit, in einem anderen 
Falle eine sehr starke Ausscheidung von Eisenoxydhydrat 
eines sich zersetzenden farblosen Augits beobachten konnte. 
Bei der geringen Menge von Einsprengungen und der Frische 
des Gesteins bleiben jedoch derartige Beobachtungen recht 
vereinzelt. 

Der rhombische Pyroxen tritt in viel kleineren 
Individuen auf; recht selten findet er sich in isolirten, bis 
0,4 mm langen dicksäulenförmigen Krystallen, verhältnissmässig 
häufiger in Verbindung mit Augit, bisweilen einen Mantel um 
ihn bildend, oder in unregelmässig begrenzten Körnchen zu- 
sammen mit dem häufigeren, in grösseren und besser aus- 
gebildeten Eryställchen auftretenden Augit die erwähnten, 
makroskopisch sichtbaren grünlichen Nester aufbauend. 

Der weitaus grösste Theil des Gesteins besteht aus Ge- 
mengtheilen der Effusivperiode , kleinen schlanken Säulchen 
von Pyroxen und leistenförmigen Plagioklasmikrolithen, 
in einem lichtgrauen, an dünnsten Stellen fast farblosen 
Glas mit Erzkörnchen und einem graulichen Staube. Nach 
seiner geraden Auslöschung und verhältnissmässig schwachen 
Doppelbrechung erweist sich sämmtlicher Pyroxen der 
Grundmasse als rhombisch, der Plagioklas scheint nach 
der geringen Abweichung der Auslöschungsrichtung von der 
Längsrichtung der Leistchen mittleren Mischungsgliedern an- 
zugehören. 

Die Structur der Grundmasse ist hyalopilitisch mit 
einem an die Anordnung der Eutaxite erinnernden Gefüge; 
es wechseln glasreichere Partien, die kleinere Mikrolithen 
enthalten, mit glasärmeren ab, in denen die krystallisirten 
Ausscheidungen grössere Dimensionen erreichen; in ihnen 
schwanken die Plagioklasleistchen um ca. 0,05 mm Länge, 
die rhombischen Pyroxene sogar um 0,08 mm in ziemlich weiten 
Grenzen. Den glasärmeren Partien mit gi'össeren Eryställchen 
entsprechen die röthlichweissen Streifen und Putzen, den glas- 
reicheren die an Menge überwiegende braunviolette Hauptmasse. 
Die makroskopisch sichtbaren bräunlichen Flecken 
stellen sich u. d. M. als ziemlich scharf umgrenzte Gesteins- 
partien von normaler Zusammensetzung dar, die dmxh Eisen- 

10* 



Digitized by 



Google 



148 L* Milch, Die Ergnssgesteine des gftlatischen Andedtgebietes 

oxydhydrat als Zersetzungsproduct einiger grösserer Erz- 
körnchen bräunlich bis gelblich gel&rbt sind. 

V. Augithypersthenandesite. 

Augithypersthenandesite von 
21. Kis Göldjük, 
28. nördlich von Devören, 
2S. Tscharschamba. 

Von den der Untersuchung zugänglich gemachten Gesteinen 
sind drei Vorkommen, die sich in jeder Beziehung nahe stehen, 
als Augithypersthenandesite zu bezeichnen; zwei Vor- 
kommen, das eine von Kis GöldjUk, das andere nördlich 
von Devören, sind tHr das unbewaffnete Auge geradezu 
ident, das dritte Vorkommen, 2 km südlich von Tschar- 
schamba, ist nicht durchgreifend, aber doch merklich von 
den beiden anderen verschieden. 

Die beiden gleichen Gesteine von Eis Göldjük und 
Devören enthalten in einer dunkelgrauen dichten 
Grundmasse sehr zahlreiche Einsprengunge von deut- 
lich gestreiftem Feldspath, deren massig dick tafel- 
förmige Krystalle in der grössten Richtung der Tafel bis 
4 mm Länge bei einer Dicke von höchstens 1^ mm erreichen, 
in der Regel aber erheblich hinter diesen Dimensionen zurück- 
bleiben. Von farbigen Gemengtheilen sind nur ver- 
einzelt dunkle kleine, nicht übermässig schlanke Säulchen 
erkennbar; infolge der sehr zahlreichen Feldspathe macht 
das Gestein einen erheblich helleren Eindruck, als der Färbung 
seiner Grundmasse entspricht. 

Das Gestein von Tscharschamba enthält in einer 
gleichfalls dunkelgrauen und dichten Grundmasse 
etwas weniger, aber immer noch sehr zahlreiche Einspreng- 
linge von gestreiftem Feldspath, die tafelförmig, aber 
im Durchschnitt kleiner sind als die Feldspathe in den beiden 
anderen Gesteinen, nur selten übersteigen sie in der Richtung 
ihrer grössten Ausdehnung 2 mm; farbige Gemengtheile in 
der Gestalt dunkler Säulchen und Körner sind auch hier nur 
klein und spärlich vorhanden. Durch die geringere Feldspath- 
masse und die geringeren Dimensionen der einzelnen Feldspathe 
erscheint das Gestein erheblich dunkler als die beiden anderen. 



Digitized by 



Google 



(nördlich Ton Aurora). 149 

Die farbigeD Einsprenglinge sind in allen drei Ge- 
steinen rhombischer and monosymmetrischer Pyroxen 
und besitzen in diesen gleiche Eigenschaften; nur in dem 
Gestein von Kis Göldjttk wurde in einzelnen grossen Ery- 
stallen Hornblende beobachtet. 

Der monosymmetrische Pyroxen ist ein ganz hellgrün- 
licher, nahezu farbloser Augit, der sich in fast immer kry- 
stallographisch gut begrenzten Säulen bis zu 1 mm Länge, 
in Ausnahmefällen sogar 2 mm lang, findet, gewöhnlich aber 
hinter dieser Grösse zurückbleibt und bis auf 0,2 mm sinkt. 
Bei aufmerksamer Betrachtung ist ein recht schwacher Pleo- 
chroismus in hellgrünlichen und hellröthlichen Tönen zu be- 
obachten. Die Richtung kleinster Elasticität, der parallel 
das Licht mit grünlicher Farbe durch das Mineral hindurch- 
geht, bildet mit der Verticalen einen Winkel von über 40^ 
Zwillingsbildung nach dem gewöhnlichen Gesetz ist ziemlich 
verbreitet; durch diese Eigenschaft, in Verbindung mit der 
optischen Orientirung, ist der Augit von dem ihm sehr ähn- 
lichen Hypersthen zu unterscheiden. 

Der Hypersthen tritt in kleineren und schlankeren 
Säulen auf als der Augit, ist krystallographisch immer gut 
begrenzt und besitzt merklichen, aber nicht starken Pleo- 
chroismus in grünen und röthlichen Tönen. Deutlicher als 
durch diesen Pleochroismus unterscheidet er sich durch seine 
schwache Doppelbrechung und charakteristische Orientirung 
von dem Augit. Bisweilen hat die äussere Umgrenzung durch 
Umwandlungsvorgänge etwas gelitten; dann sind die Enden 
der Prismen in ein Gewirr von schwach lichtbrechenden und 
massig doppelbrechenden sehr kleinen Blättchen aufgelöst. 
Li einem Falle konnte auch beobachtet werden, dass die Um- 
wandlung von Quersprüngen in einer Säule ausging und diese 
in drei scheinbar unabhängige und durch das Blätterwerk ge- 
trennte, aber gleichzeitig auslöschende Körnchen aufgelöst hat. 

Hornblende tritt, wie erwähnt, nur in dem Gestein 
von Eis Göldjük in einzelnen Säulen von 1^ mm Länge auf; 
an dem einzigen geeigneten Schnitt wurde der Winkel c : c 
zu 11^ gemessen, parallel c geht das Licht mit dunkelbraunen, 
senkrecht dazu mit hellgelber Farbe hindurch. Die Gestalt 
der Hornblenden ist etwas gerundet und jedes Individuum 



Digitized by 



Google 



150 L- Milch, Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 

von einem nicht breiten, scharf begrenzten, tiefdunkelbraunen 
Rand umgeben. 

Erz, als Gemengtheil der ersten Generation in nicht 
grosser Menge vorbanden, tritt in Gestalten auf, die es als 
Magnetit erkennen lassen; der Durchmesser der Kömchen 
erreicht selten 0,2 mm, wird nur in Ausnahmefällen noch 
grösser und bleibt gewöhnlich hinter dem angegebenen Werth 
nicht unerheblich zurück. 

Die Plagioklaseinsprenglinge lassen an der Gestalt 
ihrer Durchschnitte erkennen, dass sie tafelförmig nach M 
ausgebildet und wesentlich von P, M, T und x begrenzt sind. 
Zwillingsbildung nach dem Albitgesetz, oft in Verbindung mit 
dem Karlsbader Gesetz, ist sehr verbreitet, andere Zwillings- 
verwachsungen konnten nicht beobachtet werden, so dass also 
der krystallographische Aufbau relativ einfach erscheint. Nach 
dem chemischen Aufbau lassen sich zwei Typen unterscheiden: 
chemisch homogene und zonar struirte, in der letzten Gruppe 
wieder zwei Unterabtheilungen, je nachdem die einzelnen Zonen 
so breit sind, dass sie im Mikroskop wahrgenommen werden 
können, oder so schmal, dass sich der Wechsel der chemischen 
Zusammensetzung ohne erkennbare Grenzen vollzieht. 

Die chemisch homogenen Feldspathe lassen auf 
Schnitten parallel M nahezu senkrecht eine Mittellinie aus- 
treten und die Auslöschungsrichtung bildet mit den Spaltungs- 
rissen nur einen sehr kleinen Winkel ; die gleiche Erscheinung 
beobachtete ich an sehr zahlreichen Spaltungsblättchen und 
fand auch auf einzelnen Spaltungsblättchen nach P einen sehr 
kleinen Winkel der Auslöschungsrichtung; der Plagioklas 
steht somit offenbar an der Grenze zwischen Oligoklas 
und Andesin. 

Bei den zonar struirten Feldspathen ist nicht 
selten, aber auch nicht herrschend eine Wiederkehr basischerer 
Zonen in dem saureren Mantel zu beobachten; der Wechsel 
des verschiedenen Materials findet in der Regel in concen- 
trischen Schalen, nur selten in unregelmässiger Durchdringung 
oder durch Ausfüllung eines schwammartigen Gerüstes statt. 
Der Unterschied in der Auslöschungsrichtung und demgemäss 
in der chemischen Zusammensetzung der einzelnen zu einem 
Krystall zusammentretenden Zonen ist niemals gross, da auf- 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 151 

fallenderweise unter den zonar strairten Feldspathen sich 
basischere und saurere unterscheiden lassen ; bei den basischen 
ergiebt das Centrum Werthe, die basischem Andesin resp. 
saurem Labradorit entsprechen, während in dem Mantel die 
Werthe bis zu den geringen für basischen Oligoklas gültigen 
abnehmen; bei den sauren Krystallen wachsen die Winkel 
vom Centrum nach aussen von sehr geringen, dem Andesin 
entsprechenden Werthen bis zu grösseren, die auf sauren 
Oligoklas hinweisen. Krystalle, die etwa Substanz vom Labra- 
dorit bis zum sauren Oligoklas enthalten, konnte ich nicht 
beobachten. 

Bei dem Gestein nördlich von Devören überwiegen die zonar 
struirten Plagioklase, bei dem Vorkommen von Kis Göldjük 
die homogenen; bei dem Gestein von T schar seh am ba treten 
beide Arten der Feldspathe in gleicher Menge auf. 

Die bei Andesiten nicht seltene Anhäufung farbiger 
und farbloser Einsprengunge unter Verhältnissen, die 
beweisen, dass nicht eine mechanische Zusammenschwemmung, 
sondern eine gleichzeitige Auskrystallisation an Ort und Stelle 
stattfand, tritt hauptsächlich in dem Gestein von Devören 
auf; hier konnte ich im Schliff einen 2,5 mm langen, in seiner 
grössten Breite 5 mm breiten Durchschnitt durch einen rhom- 
bischen Pyroxen nachweisen, der von sechs untereinander 
unabhängigen und keineswegs gesetzmässig angeordneten 
Plagioklasen umgeben ist. Der grösste Durchschnitt durch 
einen dieser Plagioklase misst 0,6 mm Länge und 0,2 mm 
Breite; die Plagioklase sind ausserhalb des Wirkungskreises 
des Hypersthen idiomorph, besitzen aber dort, wo sie mit 
dem Pyroxen zusammenstossen, ebensowenig wie dieser kry- 
stallographische Umgrenzung. 

Die Grundmasse besteht bei allen drei Gesteinen 
wesentlich aus Plagioklas, trägt aber bei jedem Vorkommen 
bis zu einem gewissen Grade ihren eigenen Charakter. 

Die Grundmasse des Gesteins von Devören baut sich 
anf aus kleinen Plagioklasmikrolithen von höchstens 0,05 mm 
Länge und entsprechender Breite, denen sich spärliche Pyroxen- 
kömchen und auffallend reichlich nicht zu kleine Magnetit- 
körnchen beigesellen ; die genannten Gemengtheile sind durch 
geringe Mengen eines farblosen Glases verkittet. 



Digitized by 



Google 



152 L* Milch, Die Ergoasgesteine des galatischen Andesitgehietes 

Die Plagioklasmikrolithe löschen ziemlich schief ans, 
können daher unter Berücksichtigang der Verhältnisse der 
Einsprengunge als recht saure Mischungsglieder bezeichnet 
werden. Vereinzelt finden sich in der Grundmasse grössere, 
ungefähr die dreifache Länge und Breite der grössten typischen 
Mikrolithe besitzende yerzwillingte Feldspathleistchen. Ein 
fast farbloses Glas ist nur in sehr geringen Mengen vor- 
handen und recht schwer nachweisbar. 

Die Grundmasse des Gesteins von Kis Göldjük unter- 
scheidet sich von der beschriebenen wesentlich dadurch, dass 
die grösseren Feldspathe an Menge erheblich zunehmen, 
während die Dimensionen der Mikrolithe noch weiter sinken ; 
der Gegensatz wird so deutlich, dass man zwei Plagioklas- 
generationen in der Grundmasse annehmen muss. Der Winkel, 
welcher die Längsrichtung der Leistchen mit der Auslöschungs- 
richtung bildet, ist hier allgemein recht klein, so dass wohl 
in der Hauptsache Oligoklas vorliegt; Erzkömchen sind 
auch hier zahlreich vorhanden, aber erheblich kleiner als im 
Gestein von Devören. Pyroxen und Glas treten noch mehr 
zurück : Pyroxen ist nur selten zu sehen, das Glas mehr aus 
der Structur zu erschliessen, als direct zu beobachten. 

Die Grundmasse des Gesteins von Tscharschamba end- 
lich besteht aus kleinsten Feldspathmikrolithen mit zahl- 
losen, überaus kleinen Erzkörnchen. Auf einige Entfernung 
hin sind die Feldspathe offenbar annähernd parallel geordnet, 
so dass die Grundmasse zwischen gekreuzten Nicols flecken- 
weise hell und dunkel wird und einige in diesen Flecken 
liegende, anders angeordnete Mikrolithe besonders deutlich 
heraustreten. Grössere Feldspathe finden sich auch hier, sind 
aber nicht häufig; Pyroxen und Glas scheint gänzlich zu fehlen. 

Berücksichtigt man die Mengen der farbigen Ge- 
mengtheile in den drei Gesteinen, so zeigt sich, dass das 
hornblendeführende Gestein von Kis Göldjük verhältniss- 
mässig am wenigsten Pyroxen enthält; unter den etwas reich- 
licher vorhandenen Pyroxenen des Gesteins von Tschar- 
schamba überwiegt der rhombische Pyroxen, während das 
Gestein von Devören die grösste Menge von Pyroxen führt, 
und zwar beide Arten, Augit und rhombischen Pyroxen, an- 
nähernd im Gleichgewicht enthält. Sehr charakteristisch ist. 



Digitized by 



Google 



(nördlich von An^ra). 153 

dass dieses offenbar an zweiwerthigen Metallen reichste Vor- 
kommen das einzige ist, in dem ich Qnarz in einem ziemlich 
grossen Korn — der Durchschnitt zeigt einen Durchmesser von 
0,6 mm — ähnlich wie in den Gesteinen von Angora auffand. 

VI. Augitandesite. 

a) Hypersthenführend. 

24. Hypersthenlührender Au^itandesit südlich von Baghia. 

In einer schmutzig dunkelbraunen Hauptmasse mit zahl- 
reichen kleinen Poren, die zum grossen Theil durch gelblich 
feinfaserige Massen ertlillt sind, erkennt das unbewaftaete 
Auge Spaltungsflächen von tafelförmigem, aus zahlreichen 
Zwillingslamellen aufgebauten Plagioklas in erheblicher 
Menge. Die Spaltungsflächen nach M erreichen ausnahms- 
weise eine Länge bis zu 5 mm und schwanken in der Regel 
um 2 — 3 mm, die Spaltungsflächen nach der Basis sind stets 
schmal und zeigen somit, dass die Tafeln verhältnissmässig 
dünn sind; farbige Oemengtheile vermag das unbewaffnete 
Auge nicht zu erkennen. 

U. d. M. erkennt man unter den Einsprengungen als 
herrschenden farbigen Gemengtheil grünlichen Augit, der 
in Isolirten, krystallographisch in der Prismenzone gut ent- 
wickelten dicken Säulen bis zu ca. 1 mm Durchmesser, häufiger 
jedoch in nesterförmig angeordneten Aggregaten von kleineren, 
gegeneinander panidiomorph begrenzten Individuen auftritt. 
Diese Nester enthalten auch rhombischen Pyroxen, 
der seltener sich auch in nicht grossen, krystallographisch 
gut ausgebildeten schlankeren Säulchen im Gestein findet; 
an dem Aufbau der Nester von panidiomorphem Gefüge nimmt 
nicht selten auch Plagioklas Theil. 

Der Plagioklas, der an Grösse wie an Menge der 
Individuen die farbigen Gemengtheile übertrifft, zeigt eine 
sehr erhebliche Verschiedenheit in der Zusammensetzung der 
inneren und der äusseren Theile, ohne dass jedoch scharf 
begrenzte Zonen wahrzunehmen wären. Schnitte nach M, die 
diese Unterschiede in besonders deutlicher Entwickelung zeigen, 
also wohl annähernd durch die Mitte der Krystalle hindurch- 
gehen, lassen in ihren inneren Theilen die Eigenschaften 



Digitized by 



Google 



154 L. Milch, Die Erg^sgesteine des galatischen Andesitgebietes 

basischer, mindesteDS Labradoritzusammensetzung besitzen- 
der Mischungsglieder erkennen; entsprechende Schnitte mit 
geringeren Differenzen, die somit die äusseren Zonen getroffen 
haben, weisen die Eigenthttmlichkeiten der An des in-, bis- 
weilen auch der basischen Oligoklasreihe auf. Die Lamellen 
nach dem Albitgesetz sind im Allgemeinen recht dflnn, die 
Feldspathe oft sehr reich an auffallend grossen, unregelmässig 
gestalteten und angeordneten Einschlüssen der Grundmasse. 

Zu den Einsprenglingen sind schliesslich auch noch 
grössere, nicht sehr häufige Erzkörner zu rechnen. 

Die Gemengtheile der Grundmasse muss man offenbar 
in zwei Gruppen theilen, von denen die eine, an Menge 
sehr erheblich zurückstehend, durch grössere Individuen und 
besonders auch durch grössere Breite der Plagioklase, die 
zweite, die Hauptmasse bildend, durch viel kleinere und 
schlankere Componenten charakterisirt ist. Beide Gruppen 
bestehen aus Plagioklasleistchen und Pyroxen; die 
Plagioklase scheinen nach ihrem optischen Verhalten der 
Reihe des basischen Oligoklases und besonders des Andesins an- 
zugehören. Die Länge der grösseren Plagioklasleisten schwankt 
in ziemlich weiten Grenzen um 0,2—0,3 mm — dabei sind 
die Leisten recht breit — , die der kleineren um 0,8 — 1 mm; 
bei den Pyroxenen machen sich ähnliche Unterschiede geltend. 
Unter den grösseren Pyroxenen konnte neben herrschendem 
Augit auch Hypersthen nachgewiesen werden; sehr zahl- 
reiche, in beiden Gruppen der Gemengtheile der Grundmasse 
auftretende, ans wirrfaserigem Serpentin aufgebaute Pseudo- 
morphosen müssen wohl ihrem ganzen Verhalten nach als 
umgewandelte Pyroxene angesprochen, und der ersten Gene- 
ration der Grundmasse angehörige, nicht zu spärliche, schlank 
säulenförmige und terminal gut begrenzte Serpentinhäufchen 
wohl als Umwandlungsproducte von rhombischem Pyroxen 
aufgefasst werden. 

Nach Zurechnung dieser Serpentinhäufchen zu der Menge 
des noch frisch vorhandenen Pyroxens erkennt man, dass der 
Pyroxen im frischen Gestein eine erheblich grössere Rolle 
gespielt haben muss, als man ihm jetzt auf den ersten Blick zu- . 
schreiben möchte ; jedenfalls haben aber immer die Plagioklase an 
Menge die farbigen Gemengtheile nicht unerheblich übertroffen. 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 155 

Neben den genannten Mineralen tritt in erheblicher 
Menge eine in nicht ganz dünnen Theilen des Schliffes schwarz- 
braune undurchsichtige Masse auf, in welche die übrigen 
Gemengtheüe eingebettet sind; an dünnsten Stellen erkennt 
man, dass ein graues Glas mit zahllosen kleinsten Erz- 
kömchen und -stänbchen vorliegt, die zum grossen Theil in 
Eisenoxydhydrat übergegangen sind und durch den grösseren 
Baum, den auf diese Weise die undurchsichtigen Substanzen 
einnehmen, die dunkle Färbung des ganzen Complexes hervor- 
gerufen haben. 

Die Structar des Gesteins ist somit als hyalopili tisch 
zu bezeichnen. 

Die makroskopisch sichtbaren gelblichen Tupfen sind 
zum grössten Theil mit feinfaserigem Serpentin erfüllte 
kleine Mandelräume, nur verhältnissmässig sehr wenige 
sind als zersetzte Einsprengunge der farbigen Minerale 
anzusprechen. 

Von diesem Gestein wurden, um auch chemisch den Be- 
weis zu führen, dass es mit einem später zu besprechenden 
Basalt von demselben Orte nichts gemein hat, im chemischen 
Institut der Universität Breslau unter Aufsicht von Herrn 
Privatdocent Dr. Hsaz mehrere Bestimmungen der Kiesel- 
säure ausgeführt, die übereinstimmend auf 55,5 7o SiO* 
führten. 

b) Augitandesite ohne Hypersthen. 

Augitandesite von 

25. Aktasch zwischen Schyklar and Gerede, 

26. Salyr, südlich von Gerede. 

Als Augitandesit sind zwei Vorkommen aus der Gegend 
von Gerede, von Aktasch und Salyr zu bezeichnen, die 
sich überaus nahe stehen: in einer dunkelvioletten Haupt- 
masse erkennt das unbewafhete Auge sehr zahlreiche kleine 
Spaltungsflächen von Feldspath und spärliche Säulchen 
eines dunklen Gemengtheiles; u. d. M. erweist sich 
das Gestein zusammengesetzt aus Augit und Plagioklas. 

Der Augit tritt in zahlreichen Individuen auf, deren 
Dknensionen in weiten Grenzen schwanken, ohne dass zwischen 
den grössten, makroskopisch sichtbaren und den kleinsten eine 



Digitized by 



Google 



156 L. Milch, Die Erg^oasgesteioe des galatischen Andesitgebietes 

Grenze besteht oder sich stofflich irgend ein unterschied 
geltend macht. Die Erystalle sind gut begrenzt, massig 
schlank säulenförmig; die Längsrichtung erreicht 1^ mm lad 
sinkt bis unter 0,05 mm ; die grossen wie die kleinen Ery- 
stalle besitzen nicht selten Zwillingsbildung nach dem ver- 
breitetsten Gesetz: Zwillingsebene ist (100); die beiden zum 
Zwilling zusammentretenden Individuen sind gewöhnlich gleich 
gross. 

In ihren inneren Theilen sind die Erystalle oft farblos 
bis ganz lichtgraugrünlich , in den äusseren braun; obwohl 
ein zonarer Bau nicht selten in den farblosen wie in den 
bräunlichen Theilen zu erkennen ist und auch die Ansl5schnngs- 
richtungen gelegentlich in beiden Theilen ein wenig verschieden 
sind, glaube ich doch, die bräunliche Färbung auf einen von 
aussen nach innen eindringenden Verwitterungsvorgang zor&ck- 
führen zu müssen. Für diese Auffassung spricht die gewöhn- 
lich unscharfe Grenze des dunkleren gegen den helleren TheiL 
der verhältnissmässig niedrige Grad von Durchsichtigkeit der 
dunkleren Ränder, der sich wohl nicht durch die Intensität 
der Färbung erklären lässt, sondern mehr auf sehr fein 
vertheilte, aus der primären Substanz ausgeschiedene un- 
durchsichtige Neubildungen, vielleicht Eisenoxydhydrat, hin- 
weist, und besonders das Auftreten von unregelmässig be- 
grenzten bräunlichen Partien in den inneren farblosen Theilen. 
Diese secundäre Braunfärbung deutet ebenso wie die weit 
verbreitete theilweise oder vollständige Umwandlung ganzer 
Krystalle in Eisenerz auf grossen Eisengehalt des Augits; 
von dem eisenreichen farblosen, fälschlich als Salit bezeich- 
neten Augit, wie er im Hunne-Diabas auftritt, unterscheidet 
er sich durchgreifend durch den grossen Winkel seiner opti- 
schen Axen. 

Der Plagioklas ist in dicken Tafeln nach M entwickelt 
und offenbar von P, x, T und 1 begrenzt, die grösste Di- 
mension erreicht in seltenen Fällen 2 mm, bleibt aber ge- 
wöhnlich erheblich unter dieser Grösse zurück; die meisten, 
dem unbewafineten Auge erkennbaren Erystalle schwanken 
in ihren Dimensionen um 1 mm. U. d. M. erkennt man auch 
hier, dass die grösseren Individuen durch Übergänge mit 
erheblich kleineren verbunden sind, bei denen man zweifeln 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 157 

kann, ob man sie als kleinere Gemengtheile der ersten Gene- 
ration auffassen oder sie einer zweiten zatheilen soll; sieht 
man aber von diesen ab, so bleibt immer noch Feldspath 
übrig, den man im Gegensatz auch zu den kleinsten Aagiten 
in diesem Gestein mit Sicherheit als jüngere Bildung an- 
sprechen muss. 

Die grösseren Plagioklaskrystalle besitzen sehr 
complicirten Bau ; sie bestehen aus abwechselnden Zonen und 
schwammig sich durchdringenden Paitien von basischerer und 
sanrerer Substanz — leider stehen einer ganz genauen Unter- 
suchung ihres Aufbaues sehr erhebliche Schwierigkeiten im 
Wege. Die Kleinheit der Individuen und die feste Ver- 
wachsung auch der grössteu mit der violetten Hauptmasse 
des Gesteins liess alle Versuche zur Erzielung geeigneter 
Spaltungsblättchen scheitern ; dazu kommt, dass die Zwillings- 
bildung nach dem Albitgesetz nur sehr unvollkommen ent- 
wickelt ist, so dass im Schliff Schnitte nach (010) durch das 
Fehlen der Zwillingsstreifung nicht mit Sicherheit erkannt 
werden können, und schliesslich fehlen oft auch die Spaltungs- 
risse, resp. sind überhaupt nur in relativ seltenen Fällen 
unzweideutig vorhanden. Trotzdem beobachtete ich häufig, 
jedenfalls zu oft um es für einen Zufall halten zu können, 
für die basischeren Theile das optische Verhalten eines 
Labrad orits, für die saureren die Eigenschaften eines 
basischen Oligoklases. 

Im Schliff erscheint das Bild des Aufbaues der Plagio- 
klase natürlich nach der grösseren oder kleineren Entfernung 
vom Mittelpunkt des Krystalls sehr wechselnd; während 
Krystalle, die nahe dem Mittelpunkt geschnitten sind, einen 
drei- bis vierfachen Wechsel der basischen und der sauren 
Substanz erkennen lassen, zeigen vom Mittelpunkt entfernt 
liegende Schnitte nur einen Rahmen von abweichender Sub- 
stanz. Andere unterschiede liegen in dem Bau selbst be- 
gründet: während bei zahlreichen Individuen die einzelnen 
Zonen homogen sind, bestehen bei anderen die einzelnen Theile 
aus unregelmässig schwammartig verwachsener basischer und 
saurer Substanz; während in den meisten Fällen in einem 
und demselben Individuum das Material sämmtlicher basischer 
Zonen einerseits, das der sauren Zonen andererseits gleich- 



Digitized by 



Google 



158 L. Milch, Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 

artig erscheint, ändert sich in anderen die Zusammensetznus 
der einzelnen Zonen stetig, und bei dieser Ausbildung tretet 
dann scharf begrenzte Zonen niemals in grösserer Zahl auf. 
In seltenen Fällen verschwindet in den inneren Theilen ein« 
Krystalls sogar die concentrische Anordnung der verschiedet 
zusammengesetzten Partien, ohne dass die regellose^ oder 
vielleicht richtiger schriftgranitische Verwachsung an ihre 
Stelle träte: es strahlen von einem Punkte im Innern, nach 
aussen anschwellend, verschiedene von einander anabhängi^tf 
und selbständig nach aussen ihre Zusammensetzung ändernde 
Keile aus, die von einem gemeinsamen, auch nach innen 
krystallographisch begrenzten Rahmen abgeschnitten und zu- 
sammengefasst werden. Gemeinsam ist allen diesen Feld- 
spathen, dass nahe der äussersten Begrenzung, sehr oft a]< 
äusserste Schale, eine basische Zone auftritt, die somit einem 
ziemlich späten Stadium der Gesteinsverfestigung angehöre*!! 
muss ; femer zeigen alle Feldspathe, dass die einzelnen Zonen 
zwar im Allgemeinen von den ErystaUflächen des Individuums 
nach aussen und innen begrenzt werden, dass aber die Grenz- 
flächen im einzelnen niemals eben, sondern unregelroässig 
gestaltet sind, oft ausgezackt oder ausgebogt erscheinen, so 
dass sie auf eine dem Absatz der Zone vorangehende Re- 
sorption der bisher auskrystallisirten Substanz hindeuten. Fm 
eine Ausscheidung basischen Feldspaths in einer späten Periode 
der Verfestigung des Gesteins spricht auch der Umstand, das.« 
kleinere Feldspathe, die man nach ihren Dimensionen als Ge- 
mengtheile zweiter Generation bezeichnen möchte, sehr häufig 
auch einen basischen Rand haben, so dass sie in ihrem Ver- 
halten mit den zweifellosen Einsprengungen übereinstimmen 
und zu demselben Zweifel Veranlassung geben wie die kleinen 
Augite. 

In den Räumen, welche die genannten Minerale übrig 
lassen, zu denen sich noch Eisenerz in Kömchen gesellt, 
findet sich als jüngster Gemengtheil krystaUographisch nicht 
begrenzter und schwächer lichtbrechender, also saurer Feld- 
spath in nicht unbedeutender Menge. 

Glas konnte ich in der Grundmasse nicht mit Sicherheit 
nachweisen ; wenn überhaupt, kann es nur in geringer Menge 
vorhanden sein. 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 159 

Von Zersetzungsproducten treten in dem im All- 
emeinen frischen Gestein auf: aas Augit hervorgegangen 
ebwarzes Eisenerz und Brauneisen, in seltenen Fällen 
vurde auch in kleinen Partien ein strahliges, gelbgrünes 
saCineral von ziemlich hoher Doppelbrechung, wahrscheinlich 
3elessit, beobachtet; aus Feldspath, besonders aus seinen 
^ctsischeren Theilen, entwickelt sich recht selten und nur in 
kleinen Partien Kalkspat h. Die Trübung, die der Feld- 
spath bei schwächerer Vergrösserung oft zonenweise erkennen 
lässt, ist nur sehr selten auf Neubildungen oder Glaseinschlüsse 
zurückzuführen, sondern gewöhnlich eine Folge der engen 
Durchdringung von basischer und saurer Substanz. 

. Die grosse Rolle, die der Augit in beiden Gesteinen 
sowohl als einziger farbiger Gemengtheil wie auch in seinem 
Mengenverhältniss dem Feldspath gegenüber spielt, zeigt, dass 
hier zweifellos recht basische Andesite vorliegen; ver- 
gleicht man die Gesteine von Aktasch und Salyr unter- 
einander, so ergiebt sich, dass beide wohl die gleiche Menge 
Augit enthalten, dass aber das Gestein von Salyr grössere 
Augitindividuen enthält und die kleineren gern nesterförmig 
zusammengehäuft sind, während im Gestein von Aktasch 
die Unterschiede zwischen den grösseren und den kleineren 
Individuen geringer und die zahlreichen kleinen Augite mehr 
gleichmässig im Gestein vertheilt sind. 

C. Tuffe. 

Als Beispiele für die in diesem Gebiete auftretenden Tuffe 
soll je ein Dacittuff und ein Andesittuff beschrieben 
werden. 

a) Dacittuff. 

27. Dacittaff von Baghlum. 

Der ziemlich leicht abbröckelnde und abfärbende Tuff von 
Baghlum erscheint dem unbewaffneten Auge als ein lichtgelb- 
liches, etwas poröses Gestein, in dem man nur kleine, mehr oder 
weniger zersetzte Glimmerblättchen und einige kleine Bruch- 
stücke eines dichten, bräunlichen bis grauen Gesteins erkennt; 

U. d. M. erweist sich das Vorkommen als ein Dacit- 
tuff, aufgebaut aus Dacitlapilli, die in einem durch Ent- 
glasnngsproducte graulich gefärbtem Glase bis 0,5 mm grosse 



Digitized by 



Google 



160 L- Milch, Die Ergussgesteine des galatischen Andesitgebietes 

Plagioklase, theils krystallographisch begrenzt, theils gerun- 
det und eingebuchtet, aber auch in Gestalt von abgesprengten 
Splittern enthalten. Die Plagioklase sind gewöhnlich sehr 
reich an grossen, farblosen bis graulichen GlaseinschlUssen und 
gewöhnlich zonar struirt; die herrschende Mischung scheint 
der Andesin- resp. basischen Oligoklasreihe anzu- 
gehören. Zu den Feldspathen gesellt sich verhältnissmässig 
selten Quarz in rundlichen Körnchen und abgesprengten 
Splittern, ferner brauner, oft zersetzter Biotit, der auch 
in grösseren Individuen isolirt im Tuff auftritt. 

Neben diesen Lapilli eines einsprenglingsreichen Dacites 
spielen Bimssteinlapilli, die nur aus einem farblosen 
Glase bestehen, eine sehr erhebliche Bolle; die an Menge 
zurücktretenden, makroskopisch bräunlichen Gebilde endlich, 
deren Zahl sich u. d. M. nicht unbedeutend vermehrt, die 
aber doch an Menge hinter den beiden anderen Gemengtheilen 
weit zurückbleiben, erweisen sich als Bruchstückchen eines 
Thonschiefers. 

b) AndesittufF. 
28. Andesittulf zwischen Ghodjasch und Tatasch. 

DasalsAndesittuff ZU bezeichnende, zwischen Chodjasch 
und Tutasch anstehende Gestein sieht äusserlich einem Grau- 
wackesandstein ähnlich; in einer schmutzig bräunlichgrauen 
Grundmasse liegen zahlreiche weisse Körner, theils 
recht klein, theils bis 5 mm Durchmesser erreichend, dunkle und 
gelbliche, unregelmässig begrenzte Fragmente anderer 
Gesteine, Bruchstücke von grünlichen und violetten Schiefem 
und schliesslich kleine isolirte Kryställchen von schwarzen, 
gut spaltenden Mineralen, zum grössten Theil von 
monosymmetrischem Augit. Die grösseren weissen 
Körner erweisen sich z. Th. als Quarz, neben diesem 
kommt Kalkspath in grossen, dem unbewafineten Auge 
erkennbaren Partien vor; die kleinen, an Zahl überwiegen- 
den gehören zum grössten Theil dem Plagioklas an. 

Das Studium des Schliffes zeigt, dass die Hauptmasse aus 
eruptivem Material besteht und sich das Gestein wesent- 
lich aus Plagioklas und grünem monosymmetrischem 
Pyroxen, theils in Krystallform, theils in Fragmenten auf- 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 161 

bant, die darch ein hauptsächlich kalkiges Gäment zu- 
sammengehalten werden. Der Feldspath ist gewöhnlich, 
der Augit bisweilen stark zersetzt und dann zum grössten 
Theil in Carbonat umgewandelt. Neben Augit findet sich 
unter ganz ähnlichen Verhältnissen grüne Hornblende und 
selten Biotit, der gewöhnlich auch sehr stark zersetzt ist. 
Erz ist in zahlreichen grossen Körnern vorhanden. 

LapUli von andesitischen Gesteinen, gewöhnlich 
mit grossen Plagioklaseinsprenglingen, zersetzten, 
bisweilen nicht mehr erkennbaren farbigen Gemeng- 
theil en und sehr feinkörnigen, oft wohl secundär entglasten 
Grundmassen, treten in erheblicher Menge auf. 

Das an Menge sehr stark zurücktretende sedimentäre 
Material besteht aus den bereits erwähnten, makroskopisch 
sichtbaren grossen Quarzkörnern, femer aus kleinen Quarz- 
körnchen, die an dem Aufbau der bräunlichgrauen Grundmasse 
einen nicht ganz unerheblichen Antheil nehmen, und den er- 
wähnten violetten und grünen Schieferbrocken, die 
sich u. d. M. als feinkörniger quarzreicher Schiefer mit 
glimmerigem, resp. thonigem Cäment erweisen. 

D. Basalte. 

Unter den von Dr. Leonhard gesammelten Proben be- 
finden sich zwei Handstücke von Gesteinen, die nach ihrem 
typisch basaltischen Mineralzusammenhang und Structur 
von allen bisher beschriebenen Gebilden scharf unterschieden 
sind. Auch ihr geologisches Auftreten zeigt ihre Unabhängig- 
keit von den Andesitergtissen : das Vorkommen von Bughia 
durchbricht den Andesit, das Gestein vonKavadjyk, 6 km 
südlich von Kastamuni, tritt ausserhalb des Andesit- 
gebiets auf. Obwohl somit diese Gebilde von den andesitischen 
Ergüssen scharf zu trennen sind, werden sie hier als An- 
hang beschrieben, da sich andere junge Ergussgesteine unter 
den mir vorliegenden Aufsammlungen nicht befinden. 

29. Basalt südwestlich von Bnghia, einen Dnrchbmeh durch den 
Andesit bildend. 

Das dunkel schwarzgraue Gestein zeigt dem unbewafiheten 
Auge zahlreiche grosse Spaltungsflächen von schwarzem 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XVI. 11 



Digitized by 



Google 



162 L- Milch, Die Ergassgesteine des galatischen Andesitgebietes 

Pyroxen; deutlicher noch erkennt man die sehr erhebliche 
Rolle, welche die grossen Pyroxene für den Aufbau des Ge- 
steins spielen, auf angewitterten Flächen, die überaus zahl- 
reiche Augite in plumpen, nur selten schlankeren Säulen aus 
braungelbem Grunde herausragend hervortreten lassen. Die 
Grösse der Augite schwankt in sehr weiten Grenzen; neben 
Krystallen von 5 mm Länge kommen andere vor, die in keiner 
Dimension 0,5 mm erreichen und doch structurell dieselbe Rolle 
wie die grossen Gebilde spielen. Ausser diesen herrschenden 
Augitkrystallen beobachtet man noch vereinzelt rothe 
Flecken bis etwas über 1 mm Durchmesser, sowie offenbar als 
secundären Gemengtheil und als Ausfüllung von primären Hohl- 
räumen bräunliche eisenhaltige Carbonate, deren Spaltungs- 
flächen Durchmesser von mehreren Millimetern erreichen. 

ü. d. M. zeigt sich, dass das Gestein als Basalt be- 
zeichnet werden muss, da Feldspathe fast ausschliesslich 
auf die Grundmasse beschränkt erscheinen, ohne in 
ihr zu herrschen, und Oliv in am Aufbau des Gesteins einen 
erheblichen Antheil nimmt. 

Unter den Einsprengungen tritt Olivin in grossen 
idiomorphen Individuen auf, deren Dimensionen um 1 mm 
schwanken ; er erscheint farblos mit ganz lichtgelblichen oder 
lichtgrünlichen Tönen durchsichtig. Spaltbarkeit ist nicht gut 
entwickelt. Auf Querrissen beginnt die Serpentinisirung, 
die aber bei den grossen Individuen nicht über das Anfangs- 
stadium hinausgelangt ist: spärliche, ganz schmale Stränge 
von dunkelgrüner, parallel angeordneter und daher deutlich 
doppelbrechender Substanz, einzeln oder zu zwei oder drei 
annähernd gleich verlaufend, durchsetzen den Krystall, von 
Streifen heller gefärbten, wirr durcheinander liegenden 
Serpentins begleitet; nur selten pflanzt sich von diesen 
Hauptsprüngen aus die Serpentinisirung auf Quersprüngen in 
die Olivinsubstanz hinein auf kurze Strecken fort. Sehr eigen- 
thümlich sind ganz seltene hellgrün und dunkelgrün gestreifte 
blätterige Gebilde im Olivin, die auch als Umwandlungs- 
producte aufzufassen sind, und zunächst an Chlorit erinnern, 
von ihm sich aber durchgreifend durch sehr starke Doppel- 
brechung unterscheiden und vielleicht als gefärbter Talk 
angesprochen werden können. 



Digitized by 



Google 



(oOrdlich von Angora). 153 

Der Augit, dem die meisten Gemengtheile der ersten 
Generation angehören, zeigt die typischen Eigenschaften der 
Basaltangite. Bei jedem Individuum kann man deutlich Kern 
und Schale unterscheiden; der Kern besteht aus ganz hell- 
grünlicher, die Schale aus bräunlich lederfarbener Substanz, 
deren chemisch verschiedene Zusammensetzung auch durch ihr 
optisches Verhalten deutlich erkennbar ist. Das Verhältniss 
von Kern und Schale ist sehr abwechselungsreich: in der 
Mehrzahl der Fälle nimmt die Braunfärbung der Substanz 
langsam nach aussen zu, so dass eine scharfe Grenze nicht 
vorhanden ist, in anderen Fällen ist eine derartige Grenze 
vorhanden, wobei wieder der Kern krystallographische Um- 
grenzung zeigen oder ganz unregelmässig gestaltet sein kann ; 
auch Sanduhrstructur findet sich, wenn auch verhältnissmässig 
selten. Zwillingsbildung ist nicht häufig, gelangte jedoch zur 
Beobachtung. Trotz deutlicher Idiomorphie der Augite im 
Allgemeinen beobachtet man auch gelegentlich einen unregel- 
mässigen Verlauf der äussersten Zone gegen die Grundmasse ; 
dies deutet ebenso wie Einschlüsse der Grundmassegemeng- 
theile, die sich nach ihrem ganzen Verhalten nicht als nach- 
träglich auskrystallisirte Einschlüsse schmelzflüssigen Magmas 
erklären lassen — so finden sich isolirt im Mantel des Augits 
nicht selten lange schmale Feldspathleistchen --, auf ver- 
hältnissmässig sehr jugendliches Alter der äusseren Theile der 
grossen Pyroxene. 

Feldspathe konnte ich als Einsprengunge nicht be- 
obachten; nur an einer Stelle tritt eine eigenthtimliche 
Combination von Plagioklas und Augit auf, in der 
auch die Feldspathe einen einsprenglingsartigen Eindruck 
machen. Durchschnitte durch zwei grosse Plagioklase, von 
denen der grössere im Schliff eine Länge von appr. 1,5 mm 
und eine Breite von 1 mm besitzt, sind zusammen mit einigen 
erheblich kleineren Plagioklasen von ringförmig angeordneten 
idiomorphen Augiten umgeben, deren Grösse innerhalb ziemlich 
weiter Grenzen schwankt — ich beobachtete Durchmesser in 
Schnitten senkrecht zur Spaltbarkeit von 1 mm Durchmesser 
bis zu 0,2 mm Durchmesser herab. Die Pyroxene dringen 
ganz verschieden weit in die Feldspathe hinein, einzelne er- 
scheinen sogar in der Feldspathsubstanz schwimmend ; an den 

11* 



Digitized by 



Google 



164 L* Milch, Die Ergiusgesteine des galatischen Andesitgebietes 

Stellen des Plagioklaskerns , die nicht von dem Augitkranz 
nmschlossen sind, sondern die an die Grnndmasse direct an- 
grenzen, findet sich im Feldspath, wenig von der Grenze ent- 
fernt, eine an Glaseinschlüssen und Gemengtheilen der Gnm-i- 
masse reiche Zone; der äusserste Theil des Plagioklases i^t 
wieder frei von Einschlüssen. 

Erz findet sich in zahlreichen kleinen Eörnem. 

Die Grundmasse baut sich auf aus nicht spärlichen, theü- 
weise roth gefärbten oder in Serpentin umgewandelten Olivin- 
kömchen, sehr zahlreichen, etwas grösseren, im AUgemeiDen 
um 0,05 mm Durchmesser schwankenden, aber auch 0,2 mm 
erreichenden Au git kömchen, viel Plagioklas in polj- 
synthetisch verzwillingten Leistchen, die häufig bis 0,4 mm lang 
sind, allmählich aber bis unter den fünften Theil dieser Länge 
herabsinken und die nach dem grossen Winkel der Auslöschungs- 
richtungen in symmetrisch zur Zwillingsebene liegenden Schnit- 
ten jedenfalls den basischen Mischungsgliedern zugerechnet 
werden müssen, und einem lichtgrauen bis farblosen Glas. 

Die Grenze zwischen den Gemengtheilen erster 
und zweiter Generation ist nicht sehr scharf, wie das 
Auftreten der Plagioklasleistchen in den grossen Augiten und 
die Stellung der Augitindividuen mit dem Durchmesser von 
0,2 und 0,5 mm zeigt, bei denen man stets zweifelhaft ist, ob 
man sie als Einsprenglinge oder Gemengtheile der Grnndmasse 
bezeichnen soll. Auch ein anderer Umstand weist auf nähere 
Beziehungen zwischen den Gebilden der beiden Generationen: 
die nächste Umgebung der Augiteinsprenglinge ist auffallend 
reich an Plagioklasleisten — offenbar liegen ähnliche Be- 
ziehungen auch bei der Entstehung des oben beschriebenen 
Feidspathauges mit dem Augitkranz vor. 

Betrachtet man die Grundmasse allein für sich, so 
kann man ihre Structur am besten als eine an die Grenze 
der Intersertalstructur gegen die hypokrystalline 
Ausbildung zu stellende Anordnung bezeichnen. 

Die chemische Untersuchung zeigte, dass das vor- 
liegende Gestein recht basisch ist; eine im chemischen 
Laboratorium der Universität Breslau unter Aufsicht des 
Herrn Privatdocenten Dr. Herz ausgeführte Bestimmung 
ergab 43,2 7o SiO^ 



Digitized by 



Google 



(nördlich von Angora). 165 

30. Basalt von Kava^Jyk, 6 km sfidlich von Eastamuni. 

Das verhältnissmässig hell gefärbte graue Gestein, das 
trotz zahlreicher Mandelräume einen compacten Eindruck 
macht, zeigt dem unbewaffneten Auge lediglich zahlreiche 
roth gefärbte Oliv ine, die in ihrer grössten Ausdehnung 
nur ausnahmsweise 1 mm erreichen, gewöhnlich aber weit 
hinter diesem Werthe zurückbleiben. 

Die Olivine sind, wie die mikroskopische Untersuchung 
lehrt, die einzigen Gemengtheile der ersten Generation; 
sie treten in gewöhnlich idiomorphen, manchmal aber krystaUo- 
graphisch unvollkommenen, immer aber durchaus selbständig 
begrenzten Individuen auf und sind fast sämmtlich durch 
Msenaustritt roth gefärbt; nur wenige enthalten in der Mitte 
des Kornes noch Reste ungefärbter, aber offenbar auch schon 
angegriffener Substanz. 

Die Grundmasse bildet den Haupttheil des Gesteins; 
sie ist flberaus feinkörnig und setzt sich zusammen aus 
Olivin, Augit, Plagioklas, Erz. 

Der Olivin, dessen Durchmesser um 0,05 mm schwankt, 
erscheint in selbständig begrenzten, immer rothgefärbten 
Körnchen; der Augit findet sich reichlich in Körnern und 
Säulchen bis zu 0,1 mm Länge, dem Feldspath gegenüber 
verhält er sich verschieden, da ein Theil der Kömchen vom 
Plagioklas in ihrer Umgrenzung beeinflusst wird, während ein 
anderer selbständig erscheint. Der Plagioklas tritt in 
kleinen, sehr dünnen Leistchen auf, die bis 0,15 mm Länge 
erreichen und sich um die Olivine der ersten Generation fluidal 
anordnen. Erze finden sich zahlreich in kleinen Körnchen. 



Digitized by VjOOQ IC 



166 A. Bodmer-Beder, Petrographische Untersuchungen 



Petrographische Untersuchungen von Steinwerk- 
zeugen und ihrer Rohmaterialien aus schweize- 
rischen Pfahlbaustätten. 



Von 

A. Bodmer-Beder in Zfirich. 

Mit Taf. m— VI. 



Auf den Pfahlbaustationen Vorstadt-Zug und 
St. Andreas bei Cham am Zugersee wurden neben fertigen 
auch unfertige Steinwerkzeuge und das dazu verwendete, z. Th. 
schon angeschnittene Rohmaterial gefunden. Diese für die 
Archäologie wichtige Entdeckung veranlasste Herrn Dr. Heierll 
mir das sämmtliche Material ^ dem er noch Werkzeuge aus den 
Pfahlbauten vom Bielersee, Neuenburgersee, Murtner- 
see, Bodensee und Zttrichsee und Rohmateriale aus den 
Moränen und Gletscherablagerungen der westschweizerischen 
Seen beifügte, zur Untersuchung zu übergeben, wobei nament- 
lich auch auf die Frage ihrer Herkunft einzutreten sei. Zum 
gleichen Zwecke übersandte mir Herr Dr. Ed. v. Fellen- 
BBRG in Bern eine Anzahl Beile und Rohmaterial vom Bieler- 
see und anderen bernischen Oletscherablagerungen. 

Zum vergleichenden Studium erhielt ich femer von 
Herrn Heierli: Rohnephrite von Neuseeland, Alaska, 
Turkestan und Jordansmühle (Schlesien), Rohjadeit von 
Mongkong (Tammaw), Ober-Birma und Saussurit aus dem 

^ Einige von diesem Material angefertigte Dünnschliffe wurden uns 
von Herrn Dr. 0. Sohöttensack in Heidelberg zur Dnrchaicht freundlichst 
überlassen. 



Digitized by 



Google 



von Steinwerkzengen und ihrer Rohmaterialien etc. 167 

Saasthal; von Herrn Dr. Piolti, Turin: Roh Jadeit von 
Rivoli (Piemont); von Herrn S. Fbanchi, Rom: 12 Proben 
von chloromelanitischen und eklogitischenPyroxeniten 
und Jadeiten aus Piemont; von Herrn Prof. Dr. Gruben- 
mann aus der Sammlung des eidgenössischen Polytechnikums 
einen Serpentin vom Gotthardtunnel. 

Selbst gesammelt habe ich auf Gurschenalp und 
Gigens taffei im Gotthardgebiet eine Suite Serpentine. 

Summa rund 100 Stücke Werkzeuge und Rohmaterial- 
proben. 

Die chemischen Analysen und Gewichtsbestimmungen 
wurden im Laboratorium des mineralogisch -petrographischen 
Instituts am eidgenössischen Polytechnikum unter der Leitung 
von Herrn Prof. Dr. Grubenmann durch Herrn Dr. H. Hirschy 
und Fräulein Dr. L. Hezner ausgeführt. Es wurde hiebei mög- 
lichst reine Substanz herauspräparirt und, wo es anging, wurden 
die Sodaaufschlüsse durch Flusssäureaufschlüsse controlirt. 

Mein lieber Freund Carlo Viola in Rom vermittelte die 

Sendungen der italienischen Geologen und erfreute mich durch 

seine Mitarbeit während einiger Ferientage im Sommer 1901. 

Allen Genannten spreche ich anmit für ihre freundliche 

Beihilfe meinen aufrichtigsten Dank aus. 

Fast ausnahmslos erscheint das Material der Pfahlbau- 
stätten mehr oder weniger verwittert und zersetzt, die Ober- 
fläche meistens oxydirt, die daraus erstellten Dünnschliffe 
sind daher oft unklar, was die petrographischen Bestimmungen 
und die Diagnose unsicher, ja hier und da geradezu un- 
möglich machte. Aus dem gleichen Grunde musste auf die 
Bestimmung des spec. Gewichts, weil in diesem Falle werth- 
los, öfters verzichtet werden. 

Das vorliegende Material ist, gestützt auf die Unter- 
suchung, einzutheilen in 
I. Dichte Nephrite, 
n. Dichte Jadeite, 

III. Chlor omelanite, jadeitführende Pyroxenite, 
Eklogite, Pyroxengneisse, 

IV. Peridotite, Serpentine, 

V. Saossuritgabbros, Saussurite. 
Es gehören in die Classe 



Digitized by 



Google 



168 A. Bodmer-Beder, Petrographische UntersachaDgen 

I. Dichte Nephrite» 

Gesteine, wesentlich nur feinfaserige, farblos-grünliche nephri- 
tische Ämphibole führend, mit einer chemischen Zasammes- 
Setzung von ca. 55*^/ü Kieselsäure, 12®/o Kalk und 23**/o Mag- 
nesia, dazu kommen noch kleine Mengen von Thonerde, Eisen- 
oxyde und selten Alkalien, Mangan und Chrom. Spec. Gew. 
durchschnittlich 3,00. 

Es wurden mikroskopisch untersucht: 
No. Spec Gew. Hart« 

16. Flachbau von Zug, 36X20X10 mm» 2,982 3 

17. 18. 19. Rohmaterial von Zug — 3 

28. Flachbeil, Maurach, Bodensee, 66X32X11 mm . 3,369? 5 

29. Beilchen, Eschenz, Bodensee, 30X20X10 „ • — ? 

30. Flachbeil, Lüscherz, Bielersee, 60X20X9 > • — ß— "^ 

31. Beil, Font, Neuenburgersee, 44 X 32 X 10 „ • 2,996 6—7 
41. Flachbeil, Mammem, Bodensee, 75 X 42 X 8 » • 2,996 3 

52. Beilfragment, Zugersee, Cham 3,080 7 

ö4. « „ , - 4 

65. Rohmaterial, , „ — 4 

56. » » . - 4 

57. „ erratisch bei Bern — 5—6 

69. Beilfragment, Gerlafingen, Bielersee 2,944 5 

60. Beilchen, Gerlafingen, Bielersee, 34 X 13 X 4 mm 3,066 6 

Chemisch analysirt No. 16, 31, 52. 

Die Gesteinsart ist dicht, f einschief erig, feinfaserig, oft 
ähnlich derbem Asbest, hellgraugrünlich bis dunkelgrün, mit 
hellen wolkigen Einlagerungen, einzelne sind rostig angewittert 
bei frischer Substanz kantendurchscheinend. Von dem vor- 
liegenden Material weist keines die grosse Zähigkeit der 
Nephrite von Neuseeland und der anderen ausländischen Vor- 
kommen auf. Für technische Zwecke konnten nur die Beile 
No. 29 von Eschenz und No. 31 von Font in Frage kommen, 
alles andere Material ist theils zu weich, theils zu feinschieferig. 

Unter dem Mikroskop sehen wir im Allgemeinen eine 
farblose Grundmasse aus äusserst feinen wollig-filzig, meist 
gekrümmten Fäserchen, die mit kleinem Winkel aaslöschen, 
mittlere Licht- und Doppelbrechung und optisch negativen 
Charakter zeigen. Diese Fäserchen aggregiren sich je nach 
der Art des Druckes, dem das Gestein im Gebirge unter- 

' Dimensionen: Länge, grösste Breite nnd Dicke. 

Digitized by VjOOQ IC 



Yon Stein Werkzeugen und ihrer Bohmaterialien etc. 169 

w^orfen war, bei No. 64 zu einer feinsten filzigen unauflös- 
baren Masse, bei No. 52 und 56 zu parallelen welligen Strängen 
CTaf. IV Fig. 8), bei No. 19, 41, 59, 60 zu einem wolligen 
Filz (Taf. IV Fig. 7), bei No. 16, 28, 29, 30 (Taf. III Fig. 1—4) 
zix radialstrahligen, wirr durcheinander liegenden Büscheln. 
ll>ieses ist wohl die häufigst auftretende Structur und dann 
5s. B. von der des vorliegenden Neuseeländer Nephrits (Taf. III 
ITig. 1) nicht zu unterscheiden; ganz ähnlich erscheinen die 
Structuren der mir vorliegenden Nephrite von Jordansmühle, 
nPurkestan und Alaska. Bei No. 31 aggregiren sich die Büschel 
partienweise bis zu Sphäroiden (Taf. IV Fig. 5). Diese 
Fäserchen dürften einer strahlsteinartigen Hornblende 
angehören, die wenigen optischen Bestimmungen genügen 
allerdings nicht für einen Beweis, wohl aber die unten folgen- 
den chemischen Analysen. 

In dieser Grundmasse liegen eingesprengt bei allen 
Proben, mit Ausnahme von No. 31. mehr oder weniger 
zahlreich in unter sich paralleler oder divergenter Richtung, 
unabhängig von der Grundmassestructur, einzelne grössere 
und kleinere, dünne, spitz verlaufende oder ausgezackte, schüf- 
artige, durch wenig höhere Licht- und Doppelbrechung hervor- 
tretende Leistchen oder Nadeln von farblosem bis schwach 
hellgrünem Tremolit mit 10—17^8^ Auslöschung, optisch 
positiv, Spaltbarkeit wie bei Hornblende, Zwillinge nach (100). 
Diese Tremolitnadeln sind selten gekrümmt, sie durchqueren 
die Grundmasse ohne alle Beziehung zu ihrer Structur, so 
dass man den Eindruck gewinnt, als ob hier eine secundäre, 
erst nach der Pressung entstandene Bildung vorläge. 
Als Accessorien sind noch wenige Magnetite und Pyrite 
anzuführen. 

Von dieser Zusammensetzung etwas abweichend, zeigt 
das Material von 

Beil No. 28, Maurach, bei wenigen Partien der 
nephritischen Grundmasse die Auslöschungsschiefe des Dio- 
psids von 45^, feine farblos -hellgrüne Körner mit starker 
Licht- und mittlerer Doppelbrechuug, scheinbar demselben 
Mineral angehörend, Eisenglimmer uud Titaneisen mit 
Leukoxen. Damit würde sich das hohe, dem Nephrit nicht 
zukommende spec. Gew. von 3,369 vielleicht erklären lassen. 



Digitized by 



Google 



170 ^' Bodmer-Beder, Petrograpbische Untersnchiingen 

Beil No. 31 von Font (Taf. IV Fig. 5 u. 6), in der 
bereits oben besprochenen büschelig bis sphärolithischen Grund- 
masse sind eingesprengt, z. Th. schon mit blossem Auge 
bemerkbar, einzelne rostbraune Körner und Aggregate davon, 
die sich u. d. M. als skeletartige, aus Eisenerzen und Hom- 
blendefasem zusammengesetzte, oft büschelartige oder sphä- 
roidische Bildungen darstellen. Composition und die kugeligen, 
rechteckigen oder rhomischen Formen weisen auf das Prodact 
umgewandelter eisenreicher Olivine (Taf. IV Fig. 6). 
In der Nachbarschaft dieser Gebilde sieht man femer Schaaren 
schwachgrtinlicher bis farbloser kurzer Säulchen beidseitig 
stumpf zugespitzt oder ausgezasert, ca. 0,06 mm lang, scharfe 
Längsrisschen ; Querschnitte mit annähernd quadratischer 
Spaltbarkeit, die Auslöschung genau halbirend; c : c ca. 43^ 
Schiefe, ziemlich hohe Licht- und Doppelbrechung, alles deutet 
auf Pyroxene der Diopsidreihe. Einzelne farblose 
Granate von etwa 0,30 mm Grösse, wenige Erze und un- 
bestimmbare hellgrüne Säulchen mit hoher Lichtbrechung ver- 
vollständigen das Bild. — Die an Pikrolithserpentin erinnern- 
den Partien veranlassten eine intensive Behandlung des Prä- 
parats mit heisser Salzsäure, das Ausbleiben jeder Reaction 
liess jedoch auf Abwesenheit von Serpentin schliessen. Die 
chemische Analyse dieses Gesteins folgt unten in Colonne ni. 

Beil No. 41 aus Mammern (Taf. IV Fig. 7). Die 
nephritische Grundmasse ist durchsetzt mit einzelnen farb- 
losen feinsten starren bis 0,08 mm langen Met axit nadeln. 
Indigoblaue Interferenzfarben lassen auf Chloritisirung einzelner 
Grundmassepartien schliessen. Accessorisch Ilmenit, Leu- 
koxen und wenige Rutilsäulchen. 

Nephritfels von Neuseeland, Stidinsel (Taf. HI 
Fig. 1). In diesem schon wiederholt beschriebenen Gestein 
fand ich unter den Interpositionen Individuen eines von diesen 
Autoren noch nicht aufgeführten stark pleochroitisch dunkel- 
braun bis schwarzen mono- oder triklinen Minerals. Es sind 
kurzsäulenförmige Längsschnitte mit flach abgestumpften Ecken, 
sechsseitige Querschnitte und unregelmässige Formen, Länge 
der Säulchen 0,005—0,020 mm, Längsspaltrisse mit Aus- 
löschung von etwa 45°, breite scharfe Ränder, hohe Licht- 
brechung. Diese Eigenschaften decken sich mit dem von 



Digitized by 



Google 



von SteinwerkaEengen und ihrer Eohmaterialien etc. 171 

ÖBtSTNER* aus dem Liparit der Insel Pantelleria bekannt 
3A^rordenen Cossyrit. Die erwähnten Durchschnitte würden 
stx^n die Flächen (110), (100), (010), (130) andeuten. 

Die folgende Tabelle bringt unter Colonne I, II, III die 
^Jacilysen der Beile No. 16, 52, 31. Zur Vergleichung mit 
'hTilichen Substanzen sind folgende Untersuchungen bei- 
fefögt über: 

IV. Blassgrüner nadeiförmiger Tremolit in derben Massen, 
Gotthard. 

GoHL bei Kenngott, Übers, min. Forsch. 1862. p. 172. 
Hditze, C. Handb. d. Min. 1897. 2. 1216. Anal. LXXVII. 
V. Nephritische Substanz aus dem Gotthardtunnel, Hand- 
stück No. 96 bei 4870,8 m, südlich des Nordportals. 
CossA, A., Sopr. alc. rocde serp. d. Gotthardo. Atti R. Acc. 

Torino. (16.) 11. 80. 
HmTZE, C, a. a. 0. p. 1098. Anal. CXXI. 
VI. Lauch- bis grasgrüne stengelige bis faserige Tremolit- 
aggregate, ßiffelberg. 

Schwalbe bei Eennoott, Übers, min. Forscb. 1861. p. 68. 
HiNTZE, C, a. a. 0. p. 1216. Anal. LXXTX. 
VII. Nephritwerkzeug von der Station Robenhausen. 

Clarke and Merrill, On Nepbrit and Jadeit. Proc. ü. St. 

Nat. Mus. 11. 118. 
HiNTZE, C, a. a. 0. p. 1245. Anal. XXI. 
VIII. Eohnephrit, Grundmasse, Neuseeland Südinsel, Green- 
stone Creek, Block, von dem wahrscheinlich auch 
unsere Probe stammt. 

Berwerth, f., Über Nephrit aus Neuseeland. Sitz. Wien. 

Ak. 1879/80. p. 109. 
HiNTZE, C, a. a. 0. p. 1248. Anal. LXXII. 

Die Vergleichung des Materials unserer Nephrite mit den 
ausländischen selbst untersuchten und den literarischen An- 
gaben ergiebt structurelle und chemische Übereinstimmung aller 
dieser Substanzen mit den Beilen No. 16 Zug, No. 29 Eschenz 
und No. 30 von Lüscherz, — grosse Ähnlichkeit in chemischer 
Beziehung des Beils No. 16 von Zug mit der von A. Cossä 
analysirten Substanz aus dem Serpentin vom Gotthard — 
Ähnlichkeit des Beils No. 52 von Cham mit dem Tremolit 
vom Gotthard (Anal. IV) und des Beils No. 31 von Font mit 
dem Tremolit von Riflfelberg im Wallis (Anal. VI). 

1 FöRSTNER, H., über Cossyrit. Zeitschr. f. Kryst. 1881. 5. 348. 

Digitized by VjOOQ IC 



172 



A. Bodmer-Beder, Petrographische Untersuchungen 



Nephrit-Analysen. 





I. 


n. 


TIT. 


IV. 


V. 


VI. 


vn. 


vm. 




Beil 

No.16 

Zug 


Beil 
No.52 
Cham 


BeU 

No.31 

Font 


Roh- 

mat. 

Tremo- 

lit 
Gott- 
hard 


Roh- 
mat. 
Mono- 
klin.M. 
Gott- 
hard 


Robmat. 
Tremolit 
Riffel- 
berg 


Werk- 
zeug 
Station 
Roben- 
hausen 


Rob- 
mat. 
Neu- 
seeld. 
Süd- 
insel 


SiO, . . . . 


53,21 


57,37 


58,37 


57,27 


51,73 


57,25 


66,87 


67,35 


TiO,. 






Sp. 


— 


— 


— 


— 


— . 


— 


— 


A1.0, 






2,49 


0,85 


0,50 


1,10 


— 


0,22 


1,50 


0,22 


Fe,03 






4,98 


0,16 


1,40 


— 


— 


— 


— 


— 


FeO . 






1,02 


5,65 


1,38 


1,68 


8,78» 


6,67 


6,33 


5,94 


MnO. 






— 


— 


— 


— 


— 


0,63 


— 


— 


CaO. 






11,09 


11,72 


13,32 


13,83 


11,75 


12,40 


13,45 


13,47 


MgO. 






23,51 


22,37 


23,28 


25,66 


24,60 


21,81 


21,06 


20,70 


K,0. 






Sp. 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Na,0 






0,76 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


H,Ount.llO« 


0,71 


0,25 


0,20 


— 


— 


— 


— 


— 


HjOüberllO" 


2,81 


1,98 


2,02 


— 


2,35 


— 


0,63 


3,13 
bei 120° 


Fl 


— 


— 


— 


— 


— 


0,83 


— 




Summa . . . 


100,58 


100,35 


100,47 


99,54 


99,21 


99,81 


99,84 


100,81 


Spec. Gew. . 


2,982 


3,080 


2,996 


— 


— 


— 


3,015 


3,084 


Analyse von 


L.Hez- 


L.Hez- 


L.Hez- 


GOHL 


GOSSA 


Schwal- 


Hallok 


Beb- 








NER 


NER 


NER 






be 




WERTE 



In den geologischen Berichten * der Gotthardbahn- Unter- 
nehmung macht sodann Ingenieur Geolog F. M. Stapf auf- 
merksam auf eine aus verfilztem Strahlstein bestehende, 
etwa 0,9 m mächtige, ausserordentlich zähe und harte Schicht, 
die bei 6179 m südlich des Nordportals vom Tunnel durch- 
fahren wurde; sie dürfte unter der Moräne des St. Anna- 
gletschers ausstreichen, von woher Gerolle aus gleichartigem 
Gestein durch den Felsenbach in die Reuss gelangen konnten. 
Leider waren Proben dieser Felsart aus dem Tunnel nicht 
mehr erhältlich. Weil das Material stark zerrissen war, 
musste die Schicht trotz Härte und Zähigkeit verkleidet 
werden. Auch A. Cossa, der für die Unternehmung die Ser- 
pentine untersuchte, war die Ähnlichkeit seiner Analyse mit 
einer solchen von Neuseeländer Nephrit aufgefallen. 

' iDbegri£fen etwas AljO,. 

« Stapf, F. M., Geol. Profil d. Gotthard-Tunnelaxe. Bern 1880, p. 35. 



Digitized by 



Google 



Yon Steinwerkzeugen nnd ihrer Bohmaterialien etc. 173 

Aus allen diesen Untersuchungen und Berichten därfte 
zur Evidenz hervorgehen, dass die Nephrite der Sta- 
tionen amZugersee im Gotthardgebiet anstehend 
sind , von wo sie durch Gletscher und Flusstransport in die 
Gegend von Zug gelangten. Fast ebenso sicher darf aus 
diesen Mittheilungen auch auf die Herkunft der Nephrite vom 
Bieler- und Neuenburgersee aus den Walliseralpen geschlossen 
werden. 

II. Dichte Jadeite ^ 

Gesteine, wesentlich aus dem Mineral Jadeit be- 
stehend, einem Natronpyroxen, der theoretisch berechnet 59,39 7o 
Kieselsäure, 25,56 ®/o Thonerde und 15,35 *^/o Natron enthalten 
sollte, jedoch immer noch kleine Mengen anderer Minerale 
mitf&hrt. Spec. Gew. ca. 3,33. 

Es wurden mikroskopisch untersucht: 

No. Spec. Gew. Härte 

32. Beil von der Bauschanze in ZtUrich, 47 X 34 X 12 mm 3,361 6—7 

33. Beilfragment, Pfahlbau Hörigen 50X40X21 » — 6—7 
44. Beil, „ , 55X30X15 « 3,418 7 
63. Keil, , Gerlafingen 48X17X10 „ 3,236 6—7 
65. Keü, , , 21X14X 8 » 3,299 7 
87. Beil, „ Bielersee 50X39X15 » — 7 

Chemisch analysirt No. 32 und 44. 

Massige, feinkörnige bis dichte Gesteinsart, splittriger 
Bruch, kantendurchscheinend bei No. 32, 33, 44, 65, hell- 
graugrün wolkig bei No. 32, 33, 44, 65, dunkellauchgrtin bei 
No. 63, hellgrau mit helleren Körnchen bei No. 87. Das 
Material ist durchweg noch frisch, hart und zähe, nur No. 44 
zeigt randlich eine dünne Oxydationsschicht nnd No. 63 ist 
deutlich schiefrig. Auf dem Anschliff und besonders im Dünn- 
schliff sind die charakteristischen faserigen, seidenglänzenden 
Jadeitkryställchen selbst in kleinsten Dimensionen dem un- 
bewaffneten Auge noch bemerkbar. 

Das Mikroskop enthüllt ein allotriomorphes Gemenge 
klar durchsichtiger, farbloser, in dickeren Plättchen schwach 
hellgrünlicher, pleochroi tischer, regellos begrenzter, alle Er- 
scheinungen hochgradiger Kataklase zeigender, 0,01 bis 0,30 mm 

^ Diese Benennung dürfte dem neuerdings gebrauchten „Jadeitit*^ 
vorzuziehen sein. 



Digitized by 



Google 



174 A. Bodmer-Beder, Petrographische Untersuchungen 

grosser, breitleistiger oder tafeliger Jadeitkryställchen Tide 
Fig. 9—12 auf Taf. V. Oft sieht man , besonders schön in 
Fig. 11 , radial zu büschelartigen Aggregaten auseinander- 
gehende, faserige, an den Enden ausgezaserte, meist gebrochene 
oder gekrümmte Leisten, die durchweg richtungslos auslöschen. 
Solche Verhältnisse erschweren genaue optische BestimmungeiL 
Der Winkel der Auslöschungsschiefe c : c auf Schnitten nad 
(010), welche den Austritt einer Axe von optisch positivem 
Charakter zeigten, ergab 32 ^, Die Stärke der Lichtbrechuog 
reicht nahe an die des Olivins heran ; die mittelstarke Doppel- 
brechung steigt in eisenreicheren Varietäten, so bei No. 44. 
bis zu den indigoblaugrünlichen Interferenzfarben dritter Ord- 
nung. Meist im Centrum dieser Jadeite bei grösseren Indi- 
viduen, z. B. No. 33 und 44 (Taf. V Fig. 11), machen sich 
dichte Aggregate zahlreicher mikrolithischer Einschlüsse gel- 
tend, gewöhnlich parallel den prismatischen Längsrissen, es 
sind scheinbar dünn ausgezogene Nädelchen, opak oder schwach 
röthlich durchsichtig, vielleicht Umwandlungsphänomene. 

Von Accessorien ist nur der Rutil (Taf. V Fig. 10) unten 
ziemlich häufig in Dimensionen von 0,03/0,02 bis 0,18/0,10 mm 
in kurzen Säulen mit den Flächen (110), (111), (100), selten 
(221), (331), (311) vertreten. Durch zahlreiche opake, feinste 
Einschlüsse erscheinen die grösseren Exemplare graubräunUch, 
die kleineren sind wasserhell farblos bis meergrün. Als 
Interposition wurden in grösseren Rutilen rosenroth-farblose 
(E > o) , stark licht- und doppelbrechende , parallel aus- 
löschende Säulchen, wahrscheinlich Apatit, bemerkt. Femer 
erscheint der Rutil noch in eigenthümlich aufgebauten, gelb- 
lich-braunen, oft opaken, an Sagen it erinnernden Aggregaten, 
in Körnchen und zwillingsartig verwachsenen Leistchen, selten 
sind Säulchen in der aus den krystallinischen Schiefem be- 
kannten Form und Farbe. Neben den Rutilen zeigen sich 
etwa noch feinste rothe Eisenglanztäfelchen und opake Erz- 
mikrolithen. 

Eine eigenthümliche porphyrische, offenbar durch hoch- 
gradige Kataklase entstandene Mikrostructur weist das Ma- 
terial des Beils No. 87 vom Bielersee auf (Taf. V Fig. 16). 
Es liegen nämlich grössere, stark zerrissene und zerquetschte 
Jadeite in einer aus Körnchen derselben Substanz von 



Digitized by 



Google 



von Stein Werkzeugen und ihrer Bohmaterialien etc. X75 

>,005 mm Diameter, Säulchen und Leistchen von ca. 0,015 mm 
ILiänge aus neugebildeter, farbloser Hornblende bestehenden 
3rruiid]nasse. Dazu erscheinen noch grössere gelbbraune 
Et utile einzeln, als Zwillingsgebilde und in Aggregaten mit 
corrodirten, zersetzten und eingebuchteten Rändern (Taf. VI 
^ig. 16). 

Der auf Taf. V Fig. 12 abgebildete Jadeiteinschluss ist 
lanten in Abschnitt V „Saussurite" beschrieben. 

Zur Vergleichung mit unseren beiden Analysen I und II 
auf der folgenden Tabelle habe ich noch beistehende chemische 
XJntersuchungsresultate beigefügt: 

in. Rohjadeit vom Mte. Viso in Pieraont^ zur Zeit 
einzig bekanntes europäisches anstehendes Vorkommen, 
seine chemische Constitution steht der des Zürcher 
Beils (Anal. I) sehr nahe. Leider ist es nicht ge- 
lungen, von diesem Fundort Material zur mikroskopi- 
schen Untersuchung zu erhalten. 
IV. Roh-Jadeit von Tammav in Ober-Birma*, der 
schönste, reinste, der theoretischen Formel am nächsten 
stehende Jadeit der Erde (Taf. V Fig. 9). Den Mit- 
theilungen von M. Bauer über diese Felsart habe ich 
noch beizufügen, dass in meiner Probe die absolut 
farblosen Jadeitaggregate oft stromartig eingehüllt sind 
von einem zuckerkörnigen Gemenge desselben Minerals, 
begleitet von grünlichen Körnchen und Leistchen, welche 
die Eigenschaften des Epidots zeigen. Es scheint mir 
daher, ein durch Zersetzung der vorhandenen Chrom- 
spinelle erzeugter Chromepidot möchte die smaragd- 
grünen Flecken im Gestein erzeugt haben. 
V. Jadeitobject von Oaxaxa, Mexico*, diese Ana- 
lyse, die photographische Aufnahme des Dünnschliffs 
und die Beschreibung der Mikrostructur dieses Ma- 
terials stehen dem Beil von der Zürcher Bauschanze 
recht nahe, man möge das Bild bei Clarke und Mebrill 
mit meiner Aufnahme vergleichen. 

» Damour, Bull. soc. min. 1881. 4. 161. — Hintze, a. a. 0. p. 1175. 
" Bauer M., Jadeit v. Tammaw (dies. Jahrb. 1896. I. 18). 
* Clarke and Merrux, a. a. 0. — Hintze, a. a. 0. p. 1175. 
Anal. XXXV. 



Digitized by 



Google 



176 



A. Bodmer-Beder, Petrographische Untereacbnngen 



Analysen von dichtem Jadeit. 





I. 


II. 


m. 


IV. 


V. 




Beil No. 32 


Beil No. 44 


Robjadeit 


Rol^adeit 


Jadeit- 




Zürich 


Hörigen 
Bielersee 


Monte 


Tammaw 


Object 




Bau- 


Vi80 


Ober- 


Oaxaza 




schanze 


Piemont 


Birma 


Mexico 


SiO, .... 


58,41 


58,39 


58,51 


58,46 


58,18 


TiO, . 






0,17 


0,13 


— 


— 


— . 


A1.0. 






21,35 


22,77 


21,98 


25,75 


23,53 


Fe.03 






1,31 


2,42 


1,10 


— 


— 


FeO . 






0,31 


0,27 


— 


— 


1,67 


MnO. 








Sp. 


— 


— 


— 


CaO . 






3,45 


1,70 


5,05 


0,63 


2,35 


MgO. 






2.01 


1,27 


1,70 


0,34 


1,72 


K.0 . 






0,77 


0,27 


— 


— 


0,77 


Na,0 






12,03 


12,39 


11,84 


13,93 


11,81 


H,0 unter 110« 


0,09 


0,08 


— 


— 


— 


H,0 über 110° 


0,31 


0,24 


— 


1,00 


0,53 


Summa . . . 


100,21 


99,93 


100,18 


100,11 


100,56 


Spec. Gew.. . 


3,361 


3,418 


3,35 


3,332 


3,190 


Analysirl 


tv< 


>n . 


HiRSCHY 


H1R8CHY 


Damoür 


Büsz 


Hallok 



Bis heute ist meines Wissens in den Schweizeralpen 
noch kein dichter Jadeit oder ein jadeitführendes 
Gestein anstehend bekannt geworden. Man weiss nun aber, 
dass die Jadeite von Ober-Birma von Serpentin-Albit-Horn- 
blendegesteinen und Glaukophanschiefer begleitet sind. Diese 
Gesteinssippe ist auch in den Alpen, namentlich im Wallis-, 
Gornergrat-, AUalin- und Monte Rosa-Gebiet vertreten, von 
wo Geschiebe dieser Felsarten durch Gletschertransport an 
den Genfer-, Neuenburger- und Bieler-See gelangten. In der 
That sind nun jadeithaltige Felsarten * in den Gletscherablage- 
rungen der westschweizerischen Seen gefunden und in den 
folgenden Abschnitten eingereiht worden. Es ist femer kein 
Grund vorhanden, warum nicht auch noch das Material der 
dichten Jadeite, wie es die beschriebenen Objecto aufweisen, 
in den gleichen Formationen vorkommen sollte. 

III. Chloromelanite. 

Unter diesem Sammehiamen werden verschiedene dichte 
bis feinkörnige, massige, dunkelgrüne, wesentlich Jadeit 

* s. Abscbnitt V. -Saussurite". 



Digitized by 



Google 



von Steinwerkzengen und ihrer Rohmaterialien etc. 177 

Ti.nd Amphibole fahrende eigentliche Ghloromelanite, 
<ihloromelanitische Pyroxenite, Pyroxengneisse 
vind Jadeitfährende Amphibolgneisse bezeichnet. 

Eigentliche Ghloromelanite. 

Im Sinne Dahoür's sind es dunkelspinatgrüne fast schwarze 
J'adeitgesteine. Sie bestehen wesentlich aus Jadeit und 
einer blangrünen Natronhornblende mit einem Gehalt 
von durchschnittlich 557^ Kieselsäure, 14°/o Thonerde, 10*^/o 
Eisenoxyde, ö^o Kalk, 3®/o Magnesia, ll**/o Natron und haben 
ein spec. Gew. von ca. 3,40. 

Es wurden mikroskopisch untersucht: 

No. Spec. Gew. Härte 

86. Beil von Hörigen 60X33X16 mm. . . 3,418 6—7 
43. , vomBielerse 35X29X13 , . , . ~ 7 

Chemiäch analysirt No. 35. 

Das Material ist massig, feinkörnig bis dicht; versteckt 
schiefrig bei No. 35, schwarzgriin mit eingelagerten hell- 
grüngelblichen Körnchen bei No. 35, dunkelgraugrün mit hellen 
Körnern und röthlichen Granaten bei No. 43. 

TJ. d. M. sehen wir ein allotriomorphes Gemenge, das 
tei No. 35 infolge starker Pressung aus deformirtem, fein- 
kömigem, kurzstengligem, farblos-grünlich geflecktem, in der 
Form dem Diopsid nahestehenden Jadeit und zum 
kleineren Theil aus leistenförmiger bläulicher glaukophan- 
artiger Hornblende zusammengesetzt ist (Taf. VI Fig. 13). 
Letztere zeigt eine Auslöschungsschiefe von etwa 13® und 
scheint dem Arfvedsonit anzugehören. Die hohen Inter- 
ferenzfarben und die vorgeschrittene Umwandlung einzelner 
Individuen lassen auf starkverbreitete Ghloritisirung und Epi- 
dotisirung schliessen. In diesem Gemenge liegen noch viele 
Granate, Alm and in, zahlreiche braune R utile, wenige 
Pyrite, Eisenglanztäfelchen und Magnetite. 

Beil No. 43 verhält sich in der Zusammensetzung ganz 
ähnlich. Infolge der geringeren Deformation erscheint hier der 
Pyroxen als entschieden dem Jadeit zustehend. Eigenthümlich 
ist seine hellgrünliche nicht pleochroitische Färbung, die sich 
mehr als eine von einem äusserst feinen grünen Pigmente her- 
rührende Trübung der von Natur aus farblosen Kryställchen 

N. Jahrbach f. Mineralogie eto. Beilageband XVI. 12 



Digitized by 



Google 



178 



A. Bodmer-Beder, Petrographische Untersnchnngen 



darstellt. Hier ist diese Färbung gleichmässig vertheilt, während 
sie bei No. 35 nur theilweise als grüne Flecken erscheint Sollte 
hier eine beginnende Uralitisirung der Pyroxene vorliegen? 

Durch diese und die folgenden Untersuchungen bin ich 
zu der Ansicht gelangt, dass der Chloromelanit eigentlich einen 
mit einer blaugrünen Hornblende durchsetzten Jadeit, nicht, 
wie gewöhnlich angenommen wird, dunkelgrünen Jadeit darstellL 

Unserer unten folgenden Anal. I des Beiles No. 35 sind 
beigefügt unter II. die Untersuchung eines Gerlafinger 
Ghloromelanitbeiles von L. R. v. Fellenbbbg^ und unter 
in. die Analyse Damoür's * von bei Ouchy am Genfersee 
gefundenem Fluss- oder Gletschergeschiebe, das in 
seiner Zusammensetzung unserem Chloromelanit sehr nahe 
steht. Dieses Vorkommen würde den Beweis leisten, dass 
auch chloromelanitische Gesteine in den Zufluss- 
gebieten der ßhone anstehend zu finden sein müssen. 

Eigentliche Chloromelanite. 

Analysen. 





I. 

Beil No. 36 

M5rigen 

Bielersee 


IL 

Beil 

Gerlafingen 

Bielersee 


m 

Geschiebe 
Ouchy 
L^man 


SiO, 

TiO, 

Al,03 

Fe,03 

FeO 

MnO 

CaO 

MgO 

K.0 

Na,0 

H,0 unter 110« 
H,0 über 110« 


66,11 

0,86 
13,49, 
10,09} 26,10 

1,62) 

0,46 

6,06 

2,64 

0,37 
11,42 

0,11 

0,24 


66,88 

13,64 

10,69 } 
0,99 
4,28 
3,19 

11,43 


66,45 

^^^n 24,64 
7,62] 

4,76 
2,32 

11,46 


Samma .... 
Spec. Gew. . . 
Analyse von. . 


100,76 
3,418 

HrRSCHT 


100,00 
3,40 
V. Fbllbnbebg 


99,63 
3,17 
Damoür 



» Fischer, „Nephrit und Jadeit*. Stuttgart 1875. p. 381. 
• Damoür, Bull. soc. min. 1881. 4. 161. — Hintze, a. a. 0. p. 1175. 
Anal. XXIV. 



Digitized by 



Google 



von Steinwerkzeugen and ihrer Rohmaterialien etc. 179 

Eine etwas andere Stellang nimmt ein das 

C3hloromeIanitbeilfra^ment No. 61 vom Bielersee (Taf. VI Fig. 14). 

Feinkörniges, massiges, ausgezeichnet polirfähiges Ma- 
t:.erial, grünschwarze Körnchen dicht gedrängt in einer spär- 
lichen, lichtgrünen Grandmasse, feinste, in parallelen Lagen 
hervortretende Fäserchen deuten eine versteckte Schieferung 
an. Härte = 7. Spec. Gew. 3,452. 

Das Mikroskop zeigt ein schwer auflösbares Gemenge 
feinkörniger, farblos-schwachröthlicher und farblos-schwach- 
grünlicher, allotriomorpher, in der Form lebhaft an pegma- 
titische Erscheinungen erinnernd, sich gegenseitig durchwach- 
sende Kryställchen , von denen die röthlichen Pyroxennatur 
aufweisen und die grünen einer Hornblende angehören. So 
trifft man nicht selten Längsschnitte einzelner Individuen, 
deren Spaltrisse normal verlaufen, einen farblos-röthlichen 
Kern mit etwa 38® augitischer und eine breite grünliche 
Schale mit ca. 15° Hornblende- Auslöschung zeigend. Bei 
anderen geht die Grenze beider Minerale ganz unregelmässig 
durch die sonst normal gebauten Kryställchen, oft (Taf. VI 
Fig. 14 im Centrum) sind nur einzelne lichtgrtine Körner 
oder Zäpfchen im lichtröthlichen Pyroxen zu beobachten. 
Auch die kleinen Differenzen der Licht- und Doppelbrechung 
gelangen zur Erscheinung, die Interferenz tritt bei Amphibol 
in blaugrauen, bei Pyroxen in braungi^auen Farben auf. 
Offenbar haben wir es hier wieder mit einer vorgeschritteneren 
üralitisirung der Pyroxene zu thun. Dieses Mineral 
ist nicht sicher zu bestimmen, neben wesentlich Jadeit 
scheint auch Diopsid vorhanden zu sein. 

Als Accessorien sind anzuführen : eigentlicheAugite, 
breitleistig bis etwa 0,11 mm Länge, einzeln und in fein- 
körnigen Aggregaten, pleochroitisch nach c schwachziegel- 
roth, senkrecht dazu dunkelviolett, mit 43° Auslöschungs- 
schiefe. Rutil in idiomorphen Säulchen bis 0,26 mm Länge, 
farblos-schwachröthlich, dabei ein herzförmiger Zwilling. 
Magnetit, auch in Aggregaten den Rutil begleitend und 
umschliessend. Ilmenit mit Leukoxenrand. 

Diese Zusammensetzung lässt das Gestein als einen jadeiti- 
schen oder chloromelanitischen Pyroxenit erscheinen. 

12* 



Digitized by 



Google 



180 



A. Bodmer-Beder, Petrographische Untersuchungen 



Unserer folgenden Anal. I sind zur Vergleichung bei- 
gefügt unter II. die Composition eines von Dämour* unter- 
suchten französischen Beiles von unbekanntem Fundort, das 
aus einem dem unseren ähnlichen und gewiss selten auf- 
tretenden Gestein hergestellt wurde. Diese Felsart entspricht 
in ihrem Habitus und chemischen Gehalt gewissen Con- 
cretionen in Graniten oder Syeniten, ich füge des- 
halb unter III. die Analyse bei eines solchen Einschlusses 
aus dem Granitit der Burg Landsberg bei Barr im Unter- 
elsass', wenn auch dessen mineralogische Zusammensetzung 
mit unserer Substanz nicht ganz übereinstimmt. Dies dürfte 
doch vielleicht auf die Herkunft des seltenen Materials führen. 

Ghloromelanitische Pyroxenite. 

Analysen. 



I. 

Beilfragment 

No. 61 

Bielersee 

(Taf. VI Fig. 14) 



II. 

Jadeitbeil 

französisch. 

Unbekannter 

Fundort 



ni. 

Basische 

Concretion 

im Granitit 

Barr. 



SiO, 

TiO, 

A1,0, 

Fe,0. 

FeO 

MnO 

CaO 

MgO 

K,0 

Na,0 

HjO unter 110^ 
H,0 über IW. 

Summa .... 
Spec. Gew. . . 
Analysirt von . 



57,86 
0,57 

21,23 
4,01 
1,05 

2,04 
2,85 
2,06 
8,35 
0,05 
0,24 



26.29 



15,30 



67,99 

20,61 
2,84 



4,89 
3,33 
1,50 
9,42 



67,89 
0,57 

16,82 
6,61 
2,83 
0,14 
3,01 
3,61 
2,96 
5,87 

1,38 



26,40 



15,35 



100,31 
3,452 
L. Heznsr 



100,68 
3,16 
Damoüb 



100,69 



Qnarzfreler Pyroxen-Amphibolit. 

Aus einer scheinbar dem Chloromelanit ähnlichen Substanz 
besteht das erratische Rohmaterial No. 58 vom Bieler- 



» Damour, Bull. Boc. min. 1881. 4. 162. — Hintzk, a. a. 0. 1175. 
Anal. XXX. 

' BosENBUSCH, H., Eiern, d. Gest. 1898. p. 87. Anal. la. 



Digitized by 



Google 



von Steinwerkzengen und ihrer Bohmaterialien etc. Igl 

s e e , ein massiges dankelgraugrfines Gestein, in dem mit der 
Lupe feinste helle Körnchen und glänzende Flitterchen in 
einer dunklen Grundmasse zu erkennen sind. Härte = 7. 
Spec. Gew. = 3,089. 

Mikrostructur hypidiomorph körnig -dioritisch bis dia- 
basisch. Grüner, regellos oder divergentstrahlig im Gestein 
vertheilter Amphibol in langen Leisten einzeln und in 
Schaaren umschliesst und durchquert farblose, aus kömigem 
Jadeit- oder diopsidartigem Pyroxen, Feldspath 
und selten Quarz bestehende Aggregate. 

Der Amphibol erscheint in meist langen, dünnen, selten 
breiten Leisten mit scharfer Längsbegrenzung und fast immer 
ausgezaserten Enden, er ist stark pleochroitisch , lichtgrün 
mit einem Stich ins Bläuliche nach c, hellgelb bis farblos 
nach a und b. Die Auslöschung c : c variirt zwischen 21^ 
und 23^. Oft sind interessante TJmwandlungserscheinungen 
in Chlorit und Epidot zu beobachten. 

Der dem Jadeit nahestehende Pyroxen bildet allotrio- 
moi-phe Körner oder kurze Leisten mit einer Auslöschung auf 
scharfen prismatischen Spaltrissen c : c zwischen 32 und 38^^ 
variirend. Der Feldspath, ein Plagioklas in kleinen 
Körnern, ist nicht genau bestimmbar; poikilitische Verwach- 
sungen, stark schiefe Auslöschung leistenförmiger Individuen 
deuten auf eine basische dem Labrador nahestehende Art. 

Accessorien: Wenig Magnetit, Titanit und Epidot 
in scharfen idiomorphen Kryställchen , Zoisit in Säulchen, 
wenig farbloser Granat nach (110), wenig Quarz, der 
in frischem Zustande Lücken ausfüllend offenbar secundären 
Bildungen angehört. 

Diese Zusammensetzung und die Structur lassen auf 
einen quarzfreien Pyroxen-Amphibolit schliessen 
und ein gangförmiges Vorkommen in gabbroiden 
Formationen vermuthen. 

Zu der eben beschriebenen Gesteinsfamilie sind sodann 
die von G. Piolti^ und S. Franchi* eingesandten Proben 

' PiOLTi, G., Sulla presenza della Jadeite. -- V. di Susa, Acc. Beale 
d. Sc. Torino 1899. 5. 

' Franchi, S., S. alc. Giacimenti di roccie giadeitiche, Alp! occid. e 
Appennino Lignre. Boll. d. R. Com. Geol. Ital. 1900. 2. 



Digitized by 



Google 



182 A. Bodmer-Beder, Petrographische Untersuchongeii 

piemontesischer Herkunft, meist in Linsen zwischen Glimmer- 
schiefer auftretend, einzureihen. Um sie mit dem Material 
unserer Pfahlbauten vergleichen zu können, wurden einer 
mikroskopischen Prüfung unterzogen: 
Jadeitpyroxenit amphibolführend (Piolti) No. 62, 

Block aus der Moräne von Eivoli, Susa-Thal. 
Pyroxenit chloromelanitisch No. 73 (Franchi), vergl. 
Taf. VI Fig. 15. Le Sinette, Vallee de Susa, an- 
stehend zwischen grünen Serpentinen, Amphiboliten 
und Kalken. 
Pyroxenit jadeitisch No. 74 (Franchi). Block bei 

Gasaletta, Susa-Thal. 
Chloromelanit No. 77 (Franchi). Monte Rosso, 

Valien Elva bei Biella. 
Pyroxenit jadeitisch No. 78 (Franchi). Block aus der 

Val d'Oropa bei Biella. 
Pyroxenit-Chloromelanit in Eklogit übergehend 
No. 83 (Franchi). St. Marcel, Vallfee d'Aosta. 
Es sind alles graue, hell- bis dunkelgrünliche, feinkörnige 
bis dichte, selten versteckt schiefrige Gesteine mit einer Härte 
von etwa 7 und einem spec. Gew. von 3,30—3,40. 

Sie zeigen allotriomorph bis hypidiomorphkömige Structur, 
bestehen wesentlich aus farblosem oder schwach hellgrünlichem, 
oft in Uralitisirung begriffenen Jadeit und einer theils blau- 
grünen glaukophanartigen, theils grünen strahlstein- 
ähn liehen Hornblende, beide in abwechselnden Mengen 
(Taf. VI Fig. 15, Gestein von Le Sinette). 

Accessorisch : Muscovit; Biotit gebleicht, allotrio- 
morph Lücken ausfüllend in No. 77, in langen Leisten in 
No. 78; Eutil einzeln in gelbbraunen Säulchen und in Aggre- 
gaten; Granat-Almandin; Manganepidot in kleinen 
bis zu 5 mm langen Kryställchen hellviolett in No. 78; Epidot 
farblos; Zoisit wahrscheinlich pseudomorph nach Feld- 
spath (No. 73); Aggregate zerrissener Feldspäthe und 
Quarz; gestreifter Feldspath allotriomorph (Labrador), 
Pyrit, Magnetit, Ilmenit und Eisenglanz. 

Nach Structur und Zusammensetzung dürften diese Ge- 
steinsarten als Jadeit führende Amphibolpyroxenite oder 
Pyroxengneisse eine besondere Stellung einnehmen. Gegen- 



Digitized by 



Google 



von Steinwerkzengen tind ihrer Bohmaterialien etc. 



183 



über den dichten Jadeiten und eigentlichen Chloromelaniten 
zeichnen sie sich ans durch Beimischung kalkführender Mi- 
nerale (Tremolit, Feldspath, Epidot), daher der durch die 
Analysen bei Franohi, Piolti und Damour* (Eohstücke vom 
Aosta-Thal und St. Marcel) constatirte erheblich höhere Ge- 
halt an Kalk und Magnesia und die viel geringere Menge 
von Natron. 

Zur Bestätigung meiner Diagnose führe ich unten neben 
der Analyse des Sinette-Gesteins (Franchi) die chemische 
Untersuchung über einen Augitgneiss aus dem Weilerthal 
(EUsass) an. 

Die mikroskopischen Prüfungen übereinstimmend mit den 
chemischen Analysen ergeben also, dass diese piemontesischen 
Gesteine nicht identisch sind mit den Jadeiten resp. Chloro- 
melaniten unserer Pfahlbaustationen, wie bis jetzt von einer 
Beihe von Forschern angenommen wurde. 

Pyroxengneisse. 





I. 

Ghloromelani- 

tischer Pyro- 

xenit* No. 73 

Le Sinette 


IL 

Augitgneiss ' 

La Hingrie 

Elsass 


SiO, 

TiO, 

A1.0. 

Fe,0. 

FeO 

MnO 

MgO 

CaO 

Na,0 

K,0 

H.0 


56,85 

8,42 1 

9,82 19,36 

1,12J 

Sp. 

4,57 
12,16 
6,91 
0,28 
0,Ö9 


56,44 

0,62 
14,37| 

1,02 1 20,07 

4,681 

3,70 
13,15 
4,30 
1,23 
0,47 


Suiiu&a • • • • 
Spec. Gew. . . 
Anal 


100,72 
3,33 

G. AlCHINO 


99,98 



^ Damoub, a. a. 0. — HmTZB, a. a. 0. p. 1175. Jadeitanal. No. XXII, 
XXV und XXVI. 

* FsAKom, a. a. 0. p. 27. 

* BosENBüscH, Eiern, d. Gesteinslehre p. 486. Anal. V. 



Digitized by 



Google 



SP 
•5 

9 



184 A. Bodmer-Beder, Petrographische ünteraachungen 

IV. Peridotite, Serpentine. 

Gesteine wesentlich aus Olivin, Pyroxenen und Horn- 
blende oder Serpentin, dem Umwandlungsproduct dieser Mine- 
rale, bestehend und ca. 40®/o Kieselsäure und 40 7o Magneäa 
neben Eisenoxyden, wenig Thonerde und selten Alkalien 
fahrend. Spec. Gew. ca. 2,68, Härte 3—5. 

Es wurden mikroskopisch untersucht total: 31 Proben 
von Beilen und Eohmaterialien , davon 4 chemisch analjsirt 
und bei folgenden das spec. Gew. bestimmt: 

No. Spec. Gew. 

24. Bohmaterial, Stein mit Sägeschnitt, Cham . . 2,694 

*46. Beil, 90X60X^6 mm, Station Cham. . . 2,677 

51. Beilfragment, Station Cham 2,678 

67. Doppelkeil, 22 X 10 X & mm, Station Bielersee 2,681 

*93. Rohmaterial, Serpentin, Gurschenalp .... 2,623 

*94. , „ „ .... 2,534 

♦98. „ Peridotit, Gotthardtnnnel . . . 3,073 

* Analysirt No. 46, 93, 94, 98. 

Die Durchmusterung des sämmtlichen Materials der Ser- 
pentine und Nephrite aus den Pfahlbaustätten amZugersee 
ergab eine gewisse Ähnlichkeit mit den entsprechenden Ge- 
steinen der Gurschenalp im Gotthardgebiet, was 
mich veranlasste, auf dieser Localität Vergleichungsmaterial 
zu sammeln. Von der ursprünglichen Felsart, aus der diese 
Serpentine entstanden sind, hat sich auf der Gurschenalp an- 
stehend nichts vorgefunden, wohl aber zeigte sich noch Arisches 
Material, in dem alle primären Componenten sicher bestimmt 
werden konnten, im Gotthardtnnnel, welcher die im ür- 
semgneiss eingeschaltete Serpentinlinse der Gurschenalp durch- 
fährt. Die bisherigen Arbeiten über dieses Gestein von 
Stapf ^ Fischer*, Sjögren® und Cossa* haben sich als un- 
vollständig erwiesen, daher erschien mir eine neue Unter- 
suchung, über welche ich das Folgende zu berichten habe, 
nothwendig. 



» Stapf, F. M., Geol. Profil d. Gotthard-Tunnelaxe. Bern 1880. 
p. 34 n. s. f. Quartalberichte Bern 1881. 7. 115 u. 8. f. 
' Fischer, H., Freiburg, Briefl. Mitth. an Stapf. 
' Sjögren, A., Briefl. Mitth. an Stapf. 
* CossA, Atti R. Acc. Torino. 16. 11. 80. 



Digitized by 



Google 



von Steinwerkzengen und ihrer Bohmaterialien etc. 185 

Das Gestein im Gotthardtunnel bei 5185 m* stid- 
licli des Nordportals gebrochen qualificirt sich durch seinen 
'^wesentlichen Mineralbestand als einen zu den Peridotiten ge- 
liöi^enden amphibolführenden Harzburgit. 

Das Handstück ist schwarzgrünlich, dicht bis feinkörnig, 
veirsteckt schiefrig, zeigt Hamischbildungen, die Rutschflächen 
mit einer hellgrüngelblichen, einfachbrechenden Gleitmasse, 
die durch zahlreiche feine Bisschen und dann als Serpentin 
erscheinend in das Gesteinsinnere eindringt, überzogen. Härte 5, 
Spec. Gew. 3,073. 

Mineralbestand wesentlich ca. 60 ®/o Olivin und 40^/« En- 
statit, beide in beginnender Serpentinisirung, inbegriffen 
wenig Hornblende. Structur hypidiomorphkörnig, die Haupt- 
gemengtheile durchdringen sich gegenseitig; öfteres Erscheinen 
von Enstatit, umschlossen von Olivin lässt auf ältere oder 
mindestens gleichzeitige Bildung des E. schliessen. 

Der farblose Olivin, meist in Kömerform, an seiner 
höheren Licht- und Doppelbrechung und Angreifbarkeit durch 
H Cl leicht vom Enstatit zu unterscheiden, ist stark zerklüftet 
und zerrissen, Eisse und Klüfte sind mit Magnetit erfüllt. 
Als Einschlüsse figuriren nur wenige farblose Titanite. Ser- 
pentinbildungen sind nicht zahlreich. 

Die ebenfalls farblosen, nur in dickeren Präparaten 
parallel c bräunlichgrau, senkrecht dazu hellgelb erscheinenden 
Enstatite sind meist ohne bestimmbare krystailinische Be- 
grenzung, zeigen in Schnitten senkrecht zur Verticalaxe mehr 
oder weniger rechtwinklige Spaltbarkeit, parallel dazu und 
zur verticalen Faserung Auslöschung und grösstes Brechungs- 
vermögen. Ähnlich wie bei Olivin mit Magnetit erfüllte 
unregelmässige Risse und Klüfte. Magnetiteinschlüsse selten. 
Überall ist unter dem Einflüsse gleichzeitiger Olivinmeta- 
morphose die Umwandlung der Enstatite in eine 
blättrig-faserige bastitartige Substanz von Centrum 
und Rändern aus und unter Abnahme der Doppelbrechung zu 
beobachten ; schmale Streifen zwischen den faserigen Lamellen 
füllen sich aus mit Serpentin, Magnetit, Calcit, Talk und einer 

' Von GossA wurden in oben erwähnter Arbeit die Peridotite No. 98 
bei 5125,0 nnd No. 99 bei 5220 m behandelt, unser Gestein liegt also 
zwischen den beiden laut Bericht olivinreichen Felsarten. 



Digitized by 



Google 



186 A. Bodmer-Beder, Petrographische üntersuchuiigeii 

röthlichen isotropen Masse. Im weiteren Verlauf der Meta- 
morphose scheinen sich dann die zahlreichen , überall immer 
in Gesellschaft von Magnetitmassen auftretenden faseiigten. 
glimmerartigen, leisten- und lappenförmigen Blättchen eLner 
neuen Substanz herausgebildet zu haben. 

Das neue Mineral zeigt keine bestimmte krystallograpbiscJit: 
Form, je nach der Lage im Gestein sind die Blättchen oder 
Leisten in die Länge gezogen oder sie durchkreuzen sich ^e- 
flechtartig, oft sind die Leisten gebogen, gewunden oder ge- 
knickt, farblos bis schwachgrünlich, seidenglänzend, zur Fa- 
serung parallel auslöschend, schwache, nur wenig stäi^ere 
Lichtbrechung als der Antigorit zeigend, schwache Doppel- 
brechung eisengrau interferirend ; annähernd isotrope, immer 
noch fasrige Querschnitte ergeben im Eonoskop optisch posi- 
tiven Axenaustritt. Das Mineral ist gegen HCl unempfindL'ch: 
auf Platinblech geglüht, wird die Probe braunröthlich. Alle 
diese Wahrnehmungen weisen auf Bast it. Nicht selten trifft 
man darin noch Beste unzersetzter Enstatite und Olivine, 
die dann ausser Serpentin namentlich Talkkörner, die 
an den lebhaften Interferenzfarben leicht erkennbar sind, 
ausscheiden. 

Als dritter Hauptgemengtheil jedoch nur in geringem 
Quantum wurde noch Hornblende bemerkt, meist in idio- 
morph begrenzten breitsäuligen Individuen, einzeln und m 
Aggregaten, farblos bis schwachgrünlichgrau, in einfachsten 
Formen, Prismenwinkel 124—125®, Zwillinge nach (100); 
Auslöschung c : c = 17 — 18®; Magnetit und Rutileinschlüsse. 
Auch hier tritt Serpentinisirung in gewohnter Weise 
ein. Obwohl die Substanz tremolitische Natur zeigt, so dürfte 
dieselbe doch primärer Art sein und dann die älteste Aus- 
scheidung aus dem Magma darstellen. 

Die wesentlichen Gemengtheile 60®/o Olivin und 40 ^;o 
Enstatit rangiren das vorliegende Gestein in die Familie der 
Peridotite und zur Classe der Harzburgite, femer 
durch die Anwesenheit von, wenn auch wenig zahlreich, Horn- 
blende zu den amphibolführenden Harzburgiten. 

Nach den Berichten der Gotthardgeologen variiren die 
wesentlichen Componenten in den verschiedenen Lagen an 
Menge; auch wurden monokline Pyroxene constatirt. 



Digitized by 



Google 



von Steinwerkzeugen und ihrer Bobmaterialien etc. 



187 



Die folgende Tabelle giebt die Analyse unseres Gesteins 
unter Colonne I; IL bringt die vergleichenden Eesultate eines 
ähnlichen Harzburgits von Douglas; III., IV. und V. geben 
den Versuch auf dem Eechnungswege die Bichtigkeit unserer 
Analyse zu prüfen. Es wurden nämlich in Rechnung ge- 
bracht die gefundenen 60®/o eines von Damoür analysirten 
Olivins aus pyrenäischem Lherzolith und 40 ^/o eines von 
PisANi untersuchten umgewandelten Enstatits aus elbanischem 
Serpentin, welche beide Minerale den unserigen in ihrem Vor* 
kommen entsprechen. Die Bechnung ergab in allen Ansätzen, 
ja selbst im spec. Gew. eine überraschende Übereinstimmung 
mit dem Befund des Gotthardgesteins. 

Harzburgit vom Gotthard. 

Analysen. 





I. 


11*. 


IIP. 


IV». 


V. 




Harzburgit 

Gottbard- 

Tunnel 


Harzburgit 

Douglas Co. 

Oregon 

U. S. A. 


Olivin 

aus 

Lberzolitb 

hiervon 

607o 


Enstatit 

in Um- 

wandl. aus 

Serpentin 

hiervon 

40^0 


Resultat 

aus 
in und IV 


SiO, 


40,40 


41,43 


24,35 


15,64 


39,99 


TiO, . 








Sp. 


— 


— 


— 


— 


Al^O, 








2,63 


0,04 


— 


1,44 


1,44 


Fe,0. 








i^!»^ 


2,52 


— 


— ■ 


— 


FeO . 








6,25 


8,24 


3,21 


11,45 


MnO. 








— 


— 


0,96 


— 


0,96 


CaO . 








1,74 


0,55 


— 


1,31 


1,31 


MgO. 








40,37 


43,74 


25,88 


13,44 


39,32 


HjO unter 110" 


0,02 


— 


— 


— 


— 


H,0 über 110« 


5,33 


4,41 


__ 


5,04 


5,04 


CrO, 


— 


0.76 


— 


^ 


— 


CO, 


— 


0,10 


— 


— 


— 


Summa .... 


99,78 


99,80 


59,43 


40,08 


99,51 


Spec. Gew. . . 


3,073 


— 


3,38 


2,59 


3,064 


Analysir 


t 1 


FOl 


1 . 


Hkzneb 


— 


Damour 


PlSANI 


— 



^ BosBNBüscH, Elemente der Gesteinslehre. 1898. p. 165. Anal. 10. 

» Damoür, Soc. g6ol. 1862. 29. 413. — Hintze, a. a. 0. p. 20. 
Anal. XX. 

» PisANi, Compt. rend. 1876. 83. 168. — Hintze, a. a. 0. p. 1002. 
Anal. CIX. Enstatit ans braunem Serpentin, la Venella bei Rio Elba. 



Digitized by 



Google 



188 A. Bodmer-Beder, Petrographische Untersuchungen 

Die zu Tage tretenden 

Serpentine der Gnrschenalp 

stellen, wie schon oben bemerkt, das Umwandlungsproduct 
von Peridotiten nach dem soeben beschriebenen Harzbnrgit- 
typus dar. Alle zehn an verschiedenen Stellen der Loca- 
lität geschlagenen Proben haben dnrchweg eine massige bis 
mehr oder weniger schiefrige, feinkörnig bis dichte Structur, 
aas einer gi-ftnlich schwarzen Grundmasse treten einzelne 
feine, metallisch glänzende Schüppchen, hellgrüne Körner 
und Leistchen hervor. An den Klufträndern ist das Gestein 
oft gebleicht, hellgrün geflammt oder in eine weisslich trübe 
Masse verwandelt; aus Tremolit und Kalkspath bestehende, 
1—3 cm mächtige Mineralgänge waren wiederholt zu beob- 
achten. 

Die mikroskopische Untersuchung giebt im Allgemeinen 
ein recht einfaches Bild: Eine farblose Grundmasse, spär- 
licher isotroper Untergrund (Opal), feinste Kömchen, ein- 
zelne Blättchen, kurze Leistchen sich kreuzend oder ver- 
worren durcheinander liegend, feinste Fasern einzeln oder 
zu Büscheln und Schnüren vereinigt, das Ganze theils dem 
Äntigorit-, theils dem Chrysotiiserpentin angehörend. 
In dieser Grundmasse treten mehr oder weniger häufig hervor 
Aggregate von blättrig- faserigem , schimmerndem, zu einer 
bastitartigen Substanz umgewandelten Enstatit 
und Magnetit, genau wie soeben aus dem Tunnelgestein 
beschrieben wurde. Selten finden sich noch* wenige Über- 
reste von Olivin und Enstatit, Hornblendenadeln, 
Talk und Calcit kömer. In einzelnen Proben waren noch 
feinstfaserige, stärker aus dem Serpentin hervortretende Aggre- 
gate, deren Fasern mit etwa 40® auslöschend einem Pyroxen 
angehören dürften, zu constatiren. 

Die von Stapf angeführten grünen Bänder auf den Kluft- 
rändern haben sich u. d. M. und chemisch meist als Serpentin 
erwiesen; nur eine Probe, die aber wegen vorgeschrittener 
Zersetzung nicht mehr sicher zu bestimmen war, zeigte 
nephritische Eigenschaften. 

Die Analysen von 2 charakteristischen Serpentinen der 
Gnrschenalp folgen unten in Golonnen II und III. 



Digitized by 



Google 



Ton Steinwerkzengen nnd ihrer Bohmaterialien etc. 



189 



Das Serpentinmaterial der Pfahlbaustationen am Zugersee 
ist in mineralogischer Beziehung durchaus identisch mit dem 
Serpentin der Gurschenalp, wenn auch einige der Rohstttcke 
und verarbeiteten Gesteine äusserlich durch Verwitterung, 
VerWässerung und Oxydation Veränderungen erlitten haben, 
die den Serpentin fast nicht mehr erkennen lassen. Auf die 
einzelnen Gegenstände eintretend sind folgende Beobachtungen 
bemerkenswerth. 

Beil No. 21 aus Cham, 67X36X17 mm mit dünner 
rostbrauner Verwitterungsrinde aus starkgepresstem Serpentin, 
es ist eines von einer ganzen Anzahl Werkzeuge, deren Breit- 
seiten senkrecht zur Schieferungsebene geschnitten sind, eine 
Bearbeitung, welche mit einfachem Handwerkzeug unmöglich 
erscheint und schon maschinelle Einrichtungen voraussetzen lässt. 

Beilfragment aus Cham No. 23, 57X35X17 mm, 
das Material dieses Werkzeugs stammt vom Rande der Gur- 
schenalp-Serpentinlinse. Als Einschlüsse zeigten sich gelb- 
braune Spinelle, Titanite, Epidot, Calcit und Magnetit. 







Analysen der i 


Grurschenalpserpentine. 






I. 


II. 1 in. 


IV. 




Beil No. 46 


Serpentinfels 


Harzburgit* 




Pfahlban- 
station, 


auf Gurschenalp anstehend 


ans dem 

Gottbard- 




Cham 


No. 98 


No. 94 


tunnel 


SiO, .... 


39,09 


40,42 


41,47 


40,40 


TiO, . 






Sp. 


Sp. 


Sp. 


Sp. 


A1,0, 






3,49 


1,09 


2,07 


2,63 


Fe.0. 






4,78 


2,59 


5,10 


4,31 


FeO . . 






2,94 


2,25 


0,95 


4,98 


MnO. 






Sp. 


— 


— 


— 


CaO . 






1,43 


2,31 


0,25 


1,74 


MgO. 






35,94 


37,24 


38,89 


40,37 


K,0 . 






Sp. 


1 


— 


Na,0 






Sp. 


— 


— 


— 


H,0 unter 1100 


0,27 


0,51 


0,14 


0,02 


H,0 über 110» 


11,37 


13,73 


11,61 


5,33 


Snmma . . . 


99,31 


100,14 


100,48 


99,78 


Spec.Gew.b.l9<^ 


2,677 


2,623 


2,534 


3,073 


Analysirt 


V 


[)n . 


HiRSCHT 


Heznbb 


Hbzner 


Hezner 



Zur Vergleichung hier wiederholt. 



Digitized by 



Google 



190 ^' Bodmer-Beder, Petrographische Untersuchungen 

Beil No. 46 aus Cham, 90 X 60 X 35 mm, weisse Yer- 
witterungsrinde, massiges, wenig gepresstes Gestein von gr- 
wöhnlicber Zusammensetzung. Seine Identität mit dem Gursdies- 
alpserpentin geht auch aus dessen chemischer Analyse (in vor- 
stehender Tabelle Colonne I in Vergleichung mit den beidt: 
Serpentinanalysen in Colonne II und III) unzweifelhaft hervor 

Beilfragment No. 51 aus Cham, neben den gewöfafi- 
liehen Gemengtheilen nochDiopsid undTremolit ffibresi 

Westseh weizerische Serpentine. 

Doppelkeil No. 67 vom Bielersee, Gerlafingen 
22X^0X5 mm. Das dunkelgrüne, hellgelb geflammte. 
dichte, etwas schiefrige Material zeigt u. d. M. die blättrig- 
faserige Structur des Antigoritserpentins und wenige 
Magnetiteinschlüsse. Spec. Gew. 2,681, Härte = 4. Das Gestein 
dürfte aus den Ablagerungen des Rhonegletschers stammen 

Serpentin-Eohmaterial No. 88 von Enggistein 
bei Biglen im Emmenthal, erratischer Block. Dnnkelgrau- 
grtines Gestein mit schwarzgrünen Einlagerungen, wesentlich 
bestehend aus u. d. M. farblos erscheinender, hypidiomorph- 
kömig struirter Hornblende, deutlich in zwei GeneratioDec 
theils allotrio-, theils idiomorpher Durchschnitte erkennbar. 
Prismenwinkel 125®, Auslöschungsschiefe 15 — 20*^. Mit diesem 
Mineral verwachsen tritt noch wenig derber Enstatit und sein 
dem Bastit ähnliches ümwandlungsproduct auf, Magnetit 
und wenige farblose Titanite completiren das Bild. 

Die Hornblende ist überall in Serpentinisirung 
begriffen, wobei alle Stadien dieses bekannten Processes 
prächtig in Erscheinung treten. Ob ursprünglich Olivin vor- 
handen war, ist nicht mehr zu eruiren. Der erzeugte Serpentin 
zeigt in structureller Beziehung ein Gemisch von Antigorit 
und Chrysotil. 

Gestützt auf diese Untersuchung wäre das vorUegende 
Gestein als ein pyroxenführender Hornblendit in die 
Glieder der Gabbrofamilie gehörend zu bestimmen. 

Nach Ed. v. Fellenbero, der mir dieses Material einsandte, 
dürfte die Heimath desselben indem Centralamphibolit- 
zug, der die Berneralpen, das Triftgebiet, Aletsch- 
und Lötschthal durchzieht, zu suchen sein. 



Digitized by 



Google 



von Steinwerkzeugen und ihrer Rohmaterialien etc. 191 

V. Saussuritgabbros, Saussurite. 

Gesteine, aus den secundären Mineralen umgewandelter 
äaussuritgabbros bestehend , etwa 47—50 ^/o Kieselsäure, 
25 — 30% Thonerde, 10— 13^0 Kalk, 5— 6^/o Magnesia und 
5 ^/o Natron führend. Spec. Gew. 3,20 bis 3,50, Härte ca. 7. 

Mikroskopisch untersucht: 
No. Spec. Gew. 

6. Beilfragment, Gerlafingen, 30X30X16 mm 3,269 

9. Geschliffene Platte, Sntz, Bielersee 3,411 

10. Block von der Petersinsel, Bielersee — 

11. Enphotid, Einfassung eines Burgundionengrabes von Ellisried — 

12. Bohmaterial, Moräne, Pfahlbau Mörigen — 

34. Beil, CortaiUod, Neuenburgersee, 70 X Ö5 X 20 mm ... . — 

38. Beil, Schaffis, Bielersee, 25 X 22 X^ mm 3,400 

71. Keil, Gerlafingen, Bielersee, 32 X 23 X 10 mm 3,508 

86. Beil, , , 68X32X17 „ - 

Nur gewogen wurden: 

64. Keil, Gerlafingen, Bielersee, 27 X lö X 9 mm 3,369 

68. Werkzeug, DreikanCer, Gerlafingen (Messerklingen) .... 3,462 

69. , , „ , .... 3,444 

70. „ , , , .... 3,427 

Sie zeigen alle den ausgeprägten Allalinittypus der 
dichten Varietäten, wie ihn R. W. Schäfer^ und H. Rosen- 
BüscH* beschrieben haben. 

Es sind massige, feinkörnige bis dichte, hellgraugrünliche 
bis bläuliche oder dunkelgrau gesprenkelte Substanzen mit 
wolkigen oder scharf begrenzten, weisslich bis bräunlichen, bei 
No. 11 und 12 smaragdgrünen Einlagerungen, z. Th. kanten- 
durchscheinend, splittrigen Bruch und grosse Zähigkeit zeigend. 

Alle Proben weisen im Dünnschliff (Taf. V Fig. 12) eine 
meist unklare kaolinisirte und saussuritisirte Grund- 
masse, in der Zoisit, Epidot, Muscovitglimmer , Sericit, 
farbloser Granat, Rutil (No. 11), wenig Erze und. Quarz mit 
einem spärlichen amorphen Untergrund verkittet sind, auf. 

In dieser Grundmasse liegen bei Gestein No. 9 grob- 
kömige, unregelmässig begrenzte Quarzhaufen und grosse 
Knauer, von welchen sich Klüfte und Risse in die Grund- 
masse hinaus abzweigen. Knauer, Klüfte und Risse sind in 

' Schäfer, R. W., Über die metamorphen Gabbros des AUalingebietes 
im Wallis. Tschebm. Min.-petr. Mitth. 15. 108 n. s. f. 

* BosENBUSCH, H., Mikr. Phys. d. m. Gest. 2. 327 u. s. f. 



Digitized by 



Google 



192 ^* Bodmer-Beder, Petrographische Untereachangen 

der Eegel im Centrum angefüllt mit Pyroxenen, nach 
aussen folgen oft gestreifte Feldspathe, dann Quarz- 
körner und am Rande reichlich farblose Granate, gegen 
die Grundmasse hin meist durch eine dünne Schicht Opal 
begrenzt. Als Einschlüsse im Pyroxen sind B utile und 
Apatite anzuführen. 

Aus dem Eohmaterial No. 10 der Petersinsel sind einzelne 
corrodirte idiomorphe Augiteinsprenglinge zu constatiren. 

Die smaragdgrünen Einlagerungen in No. 11 
und 12 bestehen aus einzelnen grossen oder aus Aggregaten 
eines grünlich- farblosen Di all ags, z. Th. in krystallinischen, 
regelmässigen, isometrisch rundlichen oder ovalen Formen, 
selten Säulchen, oft mit corrodirten Rändern und brauner, in 
die umgebende Grundmasse eindringender Verwitterungsrinde ; 
die grüne Färbung rührt her von vielen feinen Einschlüssen 
und Zersetzungsproducten , vielleicht ist es eine Art Uraliti- 
sirung ; die Auslöschung, stark undulös, weist auf einen durch- 
schnittlichen Winkel von 44®; eine farblose mit 14—17® aus- 
löschende Hornblende und röthlicher Granat begleiten 
den Diallag sehr oft. 

Mit Gestein No. 12 aus der Möriger Moräne geht die 
Structur in die diabasisch-ophitische über, die Pyroxene werden 
seltener, die Grundmasse grobkörniger, neben Hornblende er- 
scheinen Glimmer, Quarz und Feldspath. 

Bei Untersuchung der oben beschriebenen K n a u e r , nament- 
lich des Gesteins No. 9^ aus den Ablagerungen von Sutz am 
Bielersee wurde mir die Vermuthung fast zur Gewissheit, 
dass in ähnlicher Weise als Einschlüsse unsere 
Jadeite etc. und zwar im Saussurit sich vorgefunden 
haben müssen, dass also alles den Stationen der West- 
schweiz enthobene Jadeitmaterial aus den Saussu- 
riten stammt und da noch zu finden sein dürfte. Damit 
wäre auch das Vorkommen so vieler Jadeitgegenstände in 
der Nähe des abgelagerten Rohmaterials am Neuenburger- und 
Bielersee erklärt. Im Saussurit No. 9 haben sich nun wirklich 
Jadeiteinschlüsse vorgefunden, ein solcher ist auf Taf. V 
Fig. 12 abgebildet. Er besteht aus u. d. M. farblosen Pyro- 

^ Dasselbe Material weist auch der Saussnritblock No. 8 ans 
der Gorge de TArense ob Colombier auf. 



Digitized by 



Google 



Ton Steinwerkzengen und ihrer Bohmaterialien etc. 193 

xenen, einem Querschnitt und drei Längsschnitten, die eine Aus- 
löschungsschiefe c : c von durchschnittlich 32^ und optisch posi- 
tiven Charakter wie der Jadeit aufweisen, darin interponirt 
ähnliche B utile, wie sie fast in allen Dfinnschliffen unserer 
Jadeite vorkommen. Die mikrochemische Untersuchung mit 
Eieselflusssäure nach Borigkt ergab neben amorphem Eiesel- 
fluorcalcium einige hexagonale Säulchen nach (1010) und (lOIl) 
von NagSiFlg, auch die Anwesenheit von Natrium lässt also 
auf Jadeit schliessen, wenn schon das Auftreten dieser Pyro- 
xene diopsidähnlich ist. 

Die Materiale des angeblichen Jadeits No. 6 von 
Gerlafingen und des jadeitähnlichen Beils No. 34 
aus der Station Cortaillod zeigen etwas andere Con- 
stitution. Beide Substanzen sind massig, dicht bis feinkörnig, 
versteckt schiefrig von grosser Zähigheit, dunkelgraugrün mit 
helleren Körnchen, No. 6 kantendurchscheinend, sie haben 
eine Härte von ca. 6 — 7. 

Das Mikroskop enthüllt mikroporphyrisch-kataklastische 
Structur; eine Grundmasse aus Lagen feinster Quarz- 
kömer, unbestimmbaren Feldspathpartikeln , farblosen Gra- 
naten, Erze, bei No. 34 überdies farblose Glimmer, Zoisit, 
Epidot, Hornblende, Butil, Apatit, Anatas in scharf aus- 
geprägten Eryställchen. Einsprenglingsartig liegen in 
dieser Grundmasse bei No. 6 grosse helle Glimmer mit 
stark corrodirten Rändern und einem Axenwinkel von ca. 40®, 
auf Natrium und Magnesium reagirend, zersetzte Feldspäth e 
mit noch erkennbaren Karlsbader Zwillingen und grössere 
Quarzfetzen. Interessant sind Pseudomorphosen von 
Quarz nach Glimmer und wahrscheinlich Glimmer nach 
Feldspath. Von Pyroxen ist keine Spur vorhanden. 

Der stark vorgeschrittene Metamorphismus des zuletzt 
beschriebenen Materials von No. 6 und No. 34 macht eine 
zuverlässige Bestimmung über seine Herkunft zur Unmöglich- 
keit, doch deutet ihr Habitus auf granitische oder dioritische 
Formationen. Alles andere Material stimmt mit den 
Saussuriten des Saasthales überein, hat daher seine 
Heimath in den Gabbros des Monterosa-Gebiets und 
ist durch den Rhonegletscher in den westschweizerischen 
Stationen abgelagert worden. 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XVI. 13 



Digitized by 



Google 



194 



A. Bodmer-Beder, Petrographische Untersnchnngen 



Am Schlüsse dieses Abschnitts ist noch auf die grosse 
Ähnlichkeit der hellgraugrünen einschlussarmen Varietäten 
der Saassnrite mit den dichten Jadeiten, die ver- 
mathlich schon oft zu Verwechselungen geführt hat, anfinerksam 
zu machen, viele der Jadeite ans den Sammlangen der west- 
schweizerischen Stationen dürften daher zu den Sanssariten 
zu zählen sein. So sind z. B. die Jadeit-Geschiebe vom 
Neuenburgersee, die A. B. Meter beschrieben, Arzrüni 
mikroskopisch nntersncht und Frbnzel chemisch analysirt hat, 
ganz ausgesprochener Saasthaler Saussurit, der mikro- 
skopische Befund Aezruni' s auf p. 124 in Meter's Arbeit lässt 
hiefur keinen Zweifel zu. Die beiden Geschiebe wären dem- 
nach jadeitarme Saussurite und nicht natronarme 
Jadeite, wie dort gesagt ist. Es dürfte Herrn Arzbüni ein 
Dünnschliff, wie er auf unserer Taf. V Fig. 12 abgebildet ist, 
vorgelegen haben. 

Zur Bestätigung und Vergleichung bringe ich die fol- 
genden 

Saussuritanalysen. 





Geschiebe von 

St. Blaise, 
Nenenbnrgersee 


Sanssuritbeil 
von St. Aubin, 
Neuenbargeraee 


III». 

Sanssnrit- 

Eohmaterial, 

Saasthal 


SiO, 

A1.0. 

FeO 

Fe.03 

CaO 

MgO 

Na,0 

HjO 


50,30 

25,68 

2,79 

11,00 
4,45 
6,30 
0,40 


50,69 
25,65 

2,50 
10,61 
5,76 
4,64 
0,30 


48,29 
27,65 

} 1,45 

12,95 
5,36 
3,57 
0,54 


Summa 


100,92 


100,15 


99,81 



* Mkyeb, A. B., Dresden, »Antiqua". Zürich 1884. 9. 121, — 
HiNTZE, a. a. 0. p. 1175. Jadeit-Anal. XXII. 

* Damoüe, Compt. rend. 1866. 63. 1044. — Hintze, a. a. 0. p. 1553. 
Sanssnrit-Anal. X. 

» Clarke and Merrill, a. a. 0. — Hintze, a. a. 0. p. 1563. Saussurit- 
Anal. XV. 



Digitized by 



Google 



Ton Steinwerkzeugen nnd ihrer Rohmaterialien etc. I95 

Am Schlosse der Arbeit angelangt resumire ich, dass die 
immer noch umstrittene Frage der Heimath des untersuchten 
Gesteinsmaterials je bei jeder Classe gelöst oder zu lösen 
versucht wurde. 

Eine vollständige Lösung gelang nur bei den Serpentinen 
von Zug und Cham, deren Rohmaterial auf der Ourschenalp 
im Gotthardgebiet anstehend und in seinen mineralogischen 
wie chemischen Eigenschaften mit den Pfahlbauserpentinen 
durchaus identisch ist. 

Betreffend der Nephrite der Stationen am Zuger- 
see konnte fast ganz sicher dargethan werden, dass sie in 
den Amphibolformationen, welche die Serpentine der 
Gurschenalp am Gotthard begleiten, zu Hause sind. Die 
chemischen Analysen einer nephritähnlichen Substanz 
aus dem Gotthardtunnel, deren Schichten unter dem 
St. Annagletscher resp. dessen Moräne ausstreichen mttssen 
und eines Nephritbeils vom Zugersee stimmen nämlich 
genau überein, leider aber konnte bis jetzt das Rohmaterial 
zur mikroskopischen Untersuchung noch nicht erhältlich ge- 
macht werden. Durch Fluss- (Felsenbach und Reuss) und 
Gletschertransport gelangte das nephritführende Geschiebe 
mit den Serpentinen in die Gegend des Zugersees. Ähnlich 
verhält es sich mit den Nephriten vom Bieler- und 
Neuenburgersee, deren Material aus den Serpentin- 
Amphibolformationen des Riffelberges im Wallis 
stammen dürfte, wie durch übereinstimmende Analysen nach- 
gewiesen werden konnte. 

Bei der Prüfung des Jadeit- und Chloromelanit- 
Materials wurde durch Zusammenstellung und Vergleichung 
ihrer chemischen Analysen mit ähnlichen als Einschlüsse oder 
Concretionen in massigen Felsarten (Granite, Syenite, Gabbros) 
auftretenden Substanzen der Nachweis geleistet, dass die 
Jadeite ein diesen Einschlüssen analoges Vorkommen haben 
müssen. In der That zeigten sich dann bei der mikrosko- 
pischen Untersuchung der Saussurite Einschlüsse ans 
dichtem Jadeit, so dass auch für dieses letztere Gestein 
die Frage seiner Herkunft gelöst erscheinen muss. 

Die Identität der Saussurite aus den westschwei- 
zerischen Gletscherablagerungen mit denen aus den 



Digitized by 



Google 



196 ^' Bodmer-Beder, Petrographische Untersachaugen 

Saasthaler Moränen ist durch chemische and mibj- 
skopische üntersuchong festgestellt. 

Die Untersuchung und Vergleichung der piemontesi- 
schen Gesteine mit unseren Jadeiten und Chloro- 
melaniten hatte ein negatives Ergebniss, sie stimmen wece 
morphologisch noch im chemischen Gehalt überein. 

Dagegen schien mii* einige Wahrscheinlichkeit dafür zu 
bestehen, dass die von Damoub analysirten französische!! 
Ghloromelanite in den Walliseralpen resp. den Bhone- 
gletscherablagerungen gefunden worden sein könotea 

Mit den letzten Anordnungen zum Drucke vorliegender 
Publication beschäftigt, kommt die Kunde vom Tode unseres 
Freundes Edm. v. Fellenberg von Bern. Der Verstorbene 
hat bekanntlich an den Arbeiten über die Pfahlbautenfunde Tdc 
jeher grossen Antheil genommen und auch für diese Arbeit 
wie schon oben angeführt wurde, typisches üntersuchongs- 
material eingesandt. Es ist zu bedauern, dass ihm die er- 
zielten Resultate nicht mehr vorgelegt werden konnten. 



Inhalts-Ueb erst cht. 

S6it4 

Classification des Untersnchungsmaterials 167 

I. Dichte Nephrite 168 

Neue Beobachtung am Nephritfels von Neuseeland .... 170 
Über das Vorkommen des Nephrits auf Gurschenalp und 
seine Beziehungen zum Nephritmaterial der Pfahlbau- 
Stationen am Zugersee 172 

n. Dichte Jadeite 173 

Beobachtungen am Jadeit von Tammaw 175 

HL Ghloromelanite 176 

Eigentliche Ghloromelanite 177 

Chloromelanitischer Pyroxenit 179 

Beziehungen zu Goncretionen in Graniten und Syeniten . . 180 

Quarzfreier Pyroxenamphibolit 190 

Piemontesische jadeittührende Amphibolpyroxenite und 

Pyroxengneisse 182 

IV. Peridotite, Serpentine 184 

Der Harzburgit aus dem Gotthardtunnel 185 

Die Serpentine der Gurschenalp 188 

Serpentine der Pfahlbauten am Zugersee 189 

Westschweizerische Serpentine 190 



Digitized by 



Google 



Ton Steinwerkzengen und ihrer Rohmaterialien etc. 197 

Mte 

V. SaussnritgahhroB, Sanssurite 191 

Jadeiteinschlflsse im Saussurit 192 

Ähnlichkeit gewisser Sanssnrite mit Jadeiten 194 

Schlnsswort. Frage der Herkunft des Qesteinsmaterials der 

Ffahibanstationen 195 

Erklärung der Tafeln 197 



Erklärung der Tafeln. 

Tafel m. 

Dichte Nephrite. 

Fig. 1. Rohmaterial von Neuseeland, Sfldinsel. Nie. +, Vergr. 66. 
j, 2. Flachbeil No. 16, aus der Station „Vorstadt Zug". Nie. +, Vergr. 48. 
„ 3. Rothes Beilchen No. 29, Station Werd, Eschenz, Bodensee. Nie. +, 

Vergr. 48. 
„ 4. Flachbeil No. 30, Station Lflscherz, Bielersee. Nie. +, Vergr. 29. 

Die Bilder dieser vier Durchschnitte demonstriren die gewöhnliche 
faserig-büschelartige Structur der Nephrite, von denen No. 2 vom St. Gott- 
hard, No. 3 wahrscheinlich aus bündnerischen und No. 4 aus wallisischen 
Serpentinformationen herstammen dürften. 

Lange tremolitische Hornblenden zweiter Art zeigen Fig. 1 rechts 
unten, Fig. 3 Unks oben und Fig. 4 links oben, das starre Nädelchen in 
Fig. 4 Mitte unten ist Metaxit. 

Tafel IV. 
Dichte Nephrite. 

Fig. 5 und 6. Flachbeil No. 31, Station Font am Neuenburgersee. Vergr. 48. 

, 5 unter gekreuzten Nicols, sph&rolithische Grundmassepartie. 

, 6 in ord. Licht, umgewandelte Olivineinsprenglinge und Diopsid- 
mikrolithe. Erstere bestehen aus sphärolithisch struirten Amphibol- 
nadeln und Erzen, sie dürften die Entstehung der sphärolithischen 
Structur dieses Nephrits darstellen. Das Gestein ist wahrscheinlich 
ein Nachkomme wallisischer Peridotite. 

, 7. Flachbeil No. 41, Station Mammem am Bodensee. Nie. +, Vergr. 48. 

, 8. Beilfragment No. 52, Station St. Andreas, Cham, Zugersee. Nie. +, 
Vergr. 48. 

Bei Fig. 7 zeigt die Structur einen wirren feinsten faserigen Filz, 
bei Fig. 8 aggregiren sich die Fasern infolge Schieferung des Gesteins zu 
parallelen welligen Strähnen. 

13 ♦ 



Digitized by 



Google 



198 A. Bodmer-Beder, Petrographische Untersuchangen 

Tafel V. 
Dichte Jadeite. 

Fig. 9. Rohmaterial, Mongkoang, Tammaw, Ober-Birma. Ord. Licht, 
Vergr. 24. 
„ 10. Flachbeil No. 32, von der Baoschanze Zürich, am Seeansfluss. 

Ord. Licht, Vergr. 48. 
„ 11. Beil No. 44, Station Möriken, Bielersee. Ord. Licht, Vergr. 29. 
„ 12. Bohmiaterial No. 9 ans den Gletscherablagerangen von Satz am 
Bielersee, Sanssurit. Nie. +j Vergr. 27. 
Fig. 9, 10, 11 zeigen die allotriomorphkOmige kataklastische Structor 
der Jadeite, No. 10 unten links eines der hänfig auftretenden kurzsäuligen 
farblosen und einschlussreichen Butilkryställchen. 

Fig. 12. In saussuritischer Grundmasse umhüllt von farblosem Granat 
(hier dunkel erscheinend), der auch die Risse oder Klüfte der Grundmasse 
ausfüllt, liegt ein knauerartiger Jadeit-Einschluss (drei Längs- und 
ein Querschnitt), die beiden Interpositionen im mittleren Längsschnitt 
stellen Rutilkryställchen dar. Das Auftreten dieses Jadeitaggregats hat 
grosse Ähnlichkeit mit dem der dichten Jadeitgesteine, man vergleiche nur 
damit das Bild in Fig. 11 vom MGrikerbeil. 

Tafel VI. 

Ghloromelanite, Pyroxenite. 

Fig. 13. Beil No. 36 von der Station Möriken, Bielersee. Ord. Licht, 
Vergr. 48. 0hl oromelani tischer Jadeit, allotriomorph- 
kömige kataklastische Structur aus Jadeitindividnen , wenigen 
Homblendeleistchen und einigen Granatkörnem bestehend. 

„ 14. Beilfragment No. 61 vom Bielersee. Nie. -f > Vergr. 145. 
Ohloromelanitischer Pyroxenit, hier ist besonders schOn 
das den Ghloromelaniten sich eignende Durchwachsen von Pyroxen 
und Hornblenden zu beobachten, üralitisirung. Structur wie oben. 

„ 16. Rohmaterial No. 73 von Le Sinette, Valle di Susa. Ord. Licht. 
Vergr. 48. Ohloromelanitischer Pyroxenit, ein hyp- 
idiomorphkOrniges Gemenge von Jadeit, blaugrüner und farb- 
loser, schilfförmiger, tremolitischer Hornblende, Epidot, Zoisit etc. 

„ 16. Beil No. 87 vom Bielersee. Ord, Licht, Vergr. 48. Jadeit- 
porphyr mit chloromelanitischer, aus JadeitkOrnern und Hom- 
blendenädelchen zusammengesetzter Grnndmasse. Eingesprengt: 
Zerrissene Jadeitkrystalle , rechts ein corrodirtes, aus mehreren 
Individuen bestehendes Aggregat (Zwillinge) von gelbbraunen 
Rutilen. 



Digitized by 



Google 



In der E. Sohweizerbart^schen Verlagshandlung (E. Nägele) 
iD Stuttgart ist ferner ei^schieneu : 

Lethaea g-eogxiostica 

oder 

Beschreibung und Abbildung 

der 
für die Gebirgsformation bezeichnendsten Versteinernngen. 

Herausgegeben von einer Vereinigung von Palaeontologen. 

I. Theil: Lethaea palaeozoica 

von 
Ferd. Roemer, fortgesetzt von Fritz Frech. 

Textband I. Mit 226 Figuren und 2 Tafeln, gr. 8^ 1880. 1897. 
(IV. 688 S.) Preis Mk. 38. — . 

Textband II. 1. Liefg. Mit 31 Figuren, 13 Tafeln und 3 Karten, 
gr. 8«. 1897. (256 S.) Preis Mk. 24. — . 

Text band IL 2. Liefg. Mit 99 Figuren, 9 Tafeln und 3 Karten, 
gr. 80. 1899. (177 S.) Preis Mk. 24. — . 

Text band II. 3. Liefg. Mit 13 Tafeln und 235 Figuren, gr. 8^ 
1901. (144 S.) Preis Mk. 24.—. 

Textband IL 4. Liefg. Mit 186 Figuren, gr. 8^ 1902. (210 S. 
und viele Nachträge.) Preis Mk. 28.—. 

Atlas. Mit 62 Tafeln, gr. 8^ 1876. Gart. Preis Mk. 28.—. 

Ueber 

Medusen aus dem Solenhofer Schiefer 

und 

der unteren Kreide der Karpathen 

von 
Dr. Otto Maass. 

4^ 1902. Mit 2 Tafeln. — Preis Mk. 8.—. 



Die 

Faima der obersten weissen Kreide der libyschen Wnste 

von 
Dr. Job. Wanner. 

4^ 1902. 64 S. Mit 7 Tafeln. — Preis Mk. 24.—. 



Die 



Meer-GroGodilier (Thalattosuchia) des oberen Jura 



von Prof. E. Fraas. 

4^ 1902. 71 S. Mit 8 Tafeln. — Preis Mk. 20. 



Digitized by 



Google 



Inhalt des ersten Heftes. 

Seite 

Geinitz, E.: Die Einheitlichkeit der quartären Eiszeit. 

(Mit Taf. I und 22 Figuren.) 1 

Leonhard, R. : Geologische Skizze des galatischen 

Andesitgebietes nördlich von Angora. (Mit Taf. II.) 99 

Milch, L.: Die Ergussgesteine des galatischen Andesit- 
gebietes (nördlich von Angora) 110 

Bodmer-Beder, A.: Petrographische Untersuchungen 
von Steinwerkzeugen und ihrer Rohmaterialien aus 
schweizerischen Pfahlbaustätten. (Mit Taf. lU— VI.) 166 

Im OonimissioDs- Verlag der B. Sohweizerbart'schen Verlagsbuch- 
handlung (E. Näffele) in Stuttgart erscheint: 

Reports of the 

Princeton TJniversity Expedition 

to Patagonia, 1896—1899. 

Edited by 

WiUiam B. Scott 

Blair Professor of Geology and Palaeontology, Princeton üniversity. 

6 Bände, gr. 4*^ mit je 20^50 schwarzen und farbigen Tafeln. 
Preis : Bei Abnahme des ganzen Werkes per Band Mk. 70.—. Einzelne 
Bände Mk. 84.—. 
Bisher erschien: 
Vol. IV. Palaeontology I. 

Part I : The Marine Cretaceous Invertebrates, by Dr. T. W. Stanton, 

p. 1-43, PL I— X. 
Part II : Tertiary Invertebrates, by Dr. A. E. Ortmann. p. 44—332, 
PI. XI-XXXIX. 
(Einzelne Theile sind nicht käuflich.) 



Verlag von Er'win Nägele in Stuttgart. 
Die 

Wirbel der Land-Raubthiere, 

ihre Morphologie und systematische Bedeutung. 

(VIII. 276 Seiten und 5 Tafeln.) 4«. 1902. 
Preis Mk. 48.—. 

Drnck von Carl Grüningcr, K. Hof buchdruckerei Zu Gutenberg (Klett & Hartmann), Stuttgart. 

Digitized by VjOOQIC 



Neues Jahrbuch 



für 



m ■■ 



Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. 

\ Unter Mitwirkung einer Anzahl von Fachgenossen 

herausgegeben von 

M. Bauer, E. Koken, Th. Liebisch 

in Marburg. in Tübingen. in Göttingen. 

XTI. Beilage-Band. 



Zweites Heft. 

Mit Taf. vn-XVI und lo Figuren. 




STUTTGART. 

E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Nägele). 

1903. 



Digitized by 



Google 



In d«r E. Schweizerbart^schen Verlagshandlung (B. Nägele) 
in Stuttgart erscheint: 

Centralblatt 

für 

Mineralogie, Geologie und Palaeontologie 

in Verbindung mit dem 

Neuen Jahrbuch fQr Mineralogie, Geoiogie und Paiaeontoiogie 

herausgegeben yon 

M. Bauer,* E. Koken, Th. Liebisch 

in Marbarg. in Tübingen. in Göttingen. 

Jährlich erscheinen 24 Nummern. Preis Mk. 12.—. ^=r 

Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet. 

Infolge der reichlich einlaufenden und vielseitigen Beiträge erfreut 
sich das „Centralblatt" des stetig wachsenden, lebhaften Interesses aller 
Fachkreise des In- und Auslandes, ein Beweis, welche lang empfundene 
Lücke es ausgefüllt hat. 

Trotz des reichlichen Stoffes können in eiligen Fällen Briefliche 
Mittheilangen etc. innerhalb 14 Tagen, von einer zur andern Nummer, 
publicirt werden. 

Femer finden Anzeigen bezüglich Assistentenstellen oder sonstige 
Bekanntmachungen, Annoncen über Sammlungen, neu erschienene Fach- 
literatur etc. etc. durch das „Centralblatt*^ die schnellste und weiteste 
Verbreitung. ' 

Die 

Ammoniten des Schwäbischen Jura 

von 
Fr. Aug. Quenstedt. 

Band I— lU. 

Mit 1140 Seiten in 8» und 126 Tafeln in Folio. 

Preis für Band I— HI statt Mk. 210.— jetzt Mk. 120.—. 

Das 

vicentinische Triasgebirge. 

Eine geologische Monographie 

von 

Dr. Alex. Tomquist, 

a. 0. Professor an der Universität Strassbori;. 

Herausgegeben mit Unterstützung der Kgl. Preuss. Akademie der Wissen- 
schaften zu Berlin. 
195 S. gr. 8^. Mit 2 Karten, 14 geologischen Landschaftsbildern, 2 sonstigen 
Tafeln und 10 Textfiguren. ~ Preis Mk. 12.—. 



Digitized by 



Google 



Pr. Sturm, Das sadetische Erdbeben vom 10. Janaar 1901k 199 



Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

Von 

Dr. Friedrich Sturm in Breslau. 

Mit 2 Karten. 
(Aus dem geologischen Institut der Universität Breslau.) 



Allgemeines. Beobachtungsmaterial. Ausdehniuig. 

Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901 ver- 
anschaulicht mit ungewöhnlicher Deutlichkeit den Zusammen- 
hang der seismischen Erscheinungen mit dem Gebirgsbau. Das 
Verbreitungsgebiet und die Stärke des Erdbebens geben ein 
gutes Abbild des Verlaufs der wichtigeren tertiären Brüche 
in den mittleren und westlichen Abschnitten der Sudeten. 

An Ausdehnung übertrifft das Beben alle seit 1872 im 
nordwesteuropäischen Schollenlande beobachteten seismischen 
Erscheinungen. Seine weite Verbreitung über Preussisch- 
Schlesien, Mähren, Nordböhraen und Sachsen (Königreich und 
Provinz) brachte es mit sich, dass mehrere Bearbeiter die 
Untersuchung dieses Bebens vornehmen mussten. 

Das sächsische Schüttergebiet bearbeitete Prof. Dr. Cred- 
NER-Leipzig (vergl. seine inzwischen erschienene Abhandlung : 
Das sächsische Schüttergebiet des sudetischen Erdbebens vom 
10. Januar 1901. Berichte der kgl. Sachs. Gesellschaft d. 
Wissensch. zu Leipzig. Mathem.-physik. Classe. 1901). 

Die österreichische Erdbebencommission übertrug die 
Bearbeitung des gesammten österreichischen Beobachtungs- 
materiales (380 Berichte) Herrn Prof. Dr. WoLDRicH-Prag. 
An der Sammlung des österreichischen Materials hatten sich 

13** 



Digitized by 



Google 



200 ^* Sturm, Das Biidetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

nach Woldrich's Angabe ausser ihm selber Prof. Dr. ühlig- 
Prag, GRÄNZER-Reichenberg, Makowsky und Becke betheiligt. 

WoLDRicH veröffentlichte seine üntersuchungsresultate in 
einer Abhandlung, betitelt: Das nordostböhmische Erdbeben 
(Mitth. d. Erdbebencomm. der Kaiserl. Akad. der Wissensch. 
Wien. Neue Folge. No. VI. 1901). 

In Preussisch-Schlesien wurden von dem Director des^ 
geologischen Instituts der Breslauer Universität, Herrn Prof. 
Dr. Frech, Fragebogen der üblichen Form an die Landraths- 
ämter, Eisenbahn-, Oberpost- und Ber^werksdirectionen ver- 
sandt. Auf diese Weise gelang es, gegen 600 Berichte za 
erhalten. Die Bearbeitung des Bebens wurde von Herrn Prof. 
Dr. Frech dem Verfasser übergeben, der am 30. März 1901 
in der Schlesischen Zeitung einen vorläufigen Bericht ver- 
öffentlichte („Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901''). 
In diesem wurde bereits auf die enge Verknüpfung des Bebens 
mit dem Gebirgsbau und die Lage des Hauptschüttergebietes 
an der Verwerfung im SW. der Waldenburger Carbonmulde 
hingewiesen. 

Die vollständige und übersichtliche Zusammenstellung der 
in Schlesien, Sachsen und Böhmen gewonnenen Resultate 
wurde ermöglicht durch Vereinbarung mit Herrn Prof. Dr. 
Credner und Herrn Prof. Dr. Woldrich, die beide die Freund- 
lichkeit hatten, uns die in ihren Gebieten erzielten Ergebnisse 
in Form von Kartenskizzen, Abhandlungen und kurzen Mit- 
theilungen gegen Eintausch der unserigen zugehen zu lassen^ 
wofür es gestattet sei, ihnen hier den verbindlichsten Dank 
auszusprechen. 

Gleichen Dank schulde ich Herrn Prof. Dr. Granzer in 
Eeichenberg in Böhmen, der mir seine, hauptsächlich Böhmen 
behandelnde, reichhaltige Arbeit zusandte (Das sudet. Erdbeb, 
V. 10. Januar 1901. Jos. Gränzer, Reichenberg. Mitth. des 
Vereins der Naturfreunde). 

Ausserdem sei den Behörden und zahlreichen Privat- 
personen, die ihre Beobachtungen in entgegenkommendster 
Weise dem geologischen Institute zukommen liessen, der ver- 
bindlichste Dank ausgesprochen. 

Das Erdbeben vom 10. Januar 1901 fand zu einer fm 
Beobachtungen denkbar ungünstigen Zeit statt, nämlich 



Digitized by 



Google 



Fr. Stonn, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 201 

gegen 3| Uhr morgens. Nor wenige Personen waren nm 
diese Zeit wach nnd konnten so den ganzen Verlauf der Natur- 
erscheinung beobachten. 

Überdies war die Erschütterung nur im Hauptschütter- 
gebiete stark genug, um ein allgemeines Erwachen Schlafender 
zu bewirken und die Erwachten sich sofort über die Natur 
der Erscheinung klar werden zu lassen. 

Bei der Beantwortung der Fragebogen mag also diesmal 
noch viel mehr als sonst die Einbildungskraft eine grosse 
Bolle gespielt haben. Dem nächtlichen Eintritt des Bebens 
ist es aber zuzuschreiben, dass es an Punkten gespürt wurde, 
wo es wegen zu geringer Stärke bei dem geräuschvollen 
GetrDbe des Tages höchst wahrscheinlich unbemerkt geblieben 
wäre, so besonders in grossen Städten wie Leipzig und Magde- 
burg. Ist doch bei grösserer Einwohnerzahl auch die Möglich- 
keit grösser, dass wenigstens einige wenige Menschen infolge 
besonders günstiger Umstände bei nächtlicher Stille eine so 
schwache Erschütterung, wie sie bei einer Entfernung von 
2 — 300 km vom Hauptschüttergebiete eintreten musste, wahr- 
nehmen können. Dass indessen hier auch noch andere Gründe 
mitgewirkt haben können, wird unten gezeigt werden. 

Das Erdbeben vom 10. Januar 1901 übertraf an räum- 
licher Ausdehnung alle gleichen Erscheinungen, deren 
Ursprung im Sndetengebiete lag. Das gesammte erschütterte 
Gebiet umfasst einen Fläcbenraum von ca. 50000 qkm. 

Die äussersten noch von den Ausläufern der Erschüt- 
terung getroflfenen Punkte sind: Magdeburg, Leipzig, Milkel 
(N.-Lausitz), Priebus, Sagan, Trebnitz, Juliusburg, Schwierze, 
Süsswinkel (Kr. Öls), Kirchberg (Kr. Falkenberg, Eeg.-Bez. 
Oppeln), Ziegenhals, Freiwaldau (Österr.-Schlesien) , Mähr.- 
Krommau bei Brunn, Steken (S. von Deutsch-Brod a. d. Sazawa), 
Prag, Teplitz, Chemnitz. 

Der Zeitpunkt des Erdbebeneintritts. 

Der Augenblick des Erdbebeneintritts lässt sich nach den 
weit auseinander gehenden Angaben der Beobachter nicht 
feststellen. Auch die Zeiten, welche (infolge des Erdbebens) 
stehengebliebene Uhren zeigten, weisen grosse Unterschiede 
auf. Höchst bedauerlicherweise hat man das von der Er- 

13*** 



Digitized by 



Google 



202 ^T^' Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

Schütterang zum Stillstand gebrachte Chronometer aaf dem 
Obseryatorinm der Schneekoppe wieder in Gang gesetzt, ohne 
dass die Zeit des Stillstandes aufgeschrieben wurde. 

So bleibt als brauchbar und vertrauenswürdig nur die 
Zeitangabe übrig, die der mit einem Chronometer verbundene 
Barograph der Trautenauer Ackerbauschule verzeichnete: 
3^ 33' 20'' (nach Mittheilung des Herrn Realschuldirectors 
Wurm in Trautenau). 

Von den Apparaten ausserschlesischer Observatorien 
wurde die Erschütterung angezeigt in: 

1. Laibach (nach freundl. Mittheilung des Herrn Prof. A. Belab): 

Anfang 3^ 34' 4,6" 

Maximum 3 36 18 

Ende 3 37 

2. Hamburg (nach freundl. Mittheilung des Herrn Dr. B. SchOtt): 

Anfang 3^ 34' 57" 

Maximum vacat. 

Ende 3 56 11 

3. Göttingen (nach Cbsdneb: Sftchs. Schttttergebiet etc., p. 102): 

Beginn 3*^ 33' 6" 

Maximum 3 33 58 

Ende 3 36 

4. Eremsmünster (nach Wold&ioh: NordostbOhm. Erdbeben, p. 35): 

Pendel I\ Beginn 3^ 34' 24" 

Maximum 3 35 12 

Ende 3 41 (?) 

5. Lemberg' (nach Wold&ioh: Nordostböhm. Erdbeben, p. 38): 

Beginn 3^ 34' 36" 

Maximum 3 46 (?) 

Nun betragen die Entfernungen: 

Trautenau— Laibach (abgerundet) .... 500 km 

„ —Hamburg „ .... 500 „ 

r, —Göttingen „ .... 400 „ 

9 — KremsmtUister „ .... 300 „ 

^ Pendel U und m scheinen nach Angabe von Prof. P. Fb. Schwab 
weniger empfindlich zu sein. Deshalb haben sie das Beben zu einer Zeit 
notirt (Maximum 3^ 35' 54"), die sehr unwahrscheinlich ist. 

' Die Aügaben von Lemberg scheinen nach den Bemerkungen von 
Prof. W. Laska (s. Wold&ich : Nordostböhm. Erdbeben, p. 38) sehr unsicher 
zu sein und eignen sich also nicht zu Berechnungen. 



Digitized by 



Google 



« ff 

9 « 



Fr. Storm, Das sndetische Erdbeben yom 10. Januar 1901. 203 

Demnach legte die Erdbewegung in 1 Seconde zurfick: 

in der Richtung auf Laibach ca. 4 kin 

^ , Hamburg „ 6 « 

. Qöttingen H « 

„ „ Kremsmttnster ... „ 3 „ 

Am schnellsten hätte sich demnach die Bewegung nach 
Göttingen, also nach WNW., fortgepflanzt. Dies ist auch die 
Richtung, in der die Stärke des Bebens sich am langsamsten 
abgeschwächt hat (s. unten). Auch nach NW., auf Hamburg 
zu, bewegte sich die Erdbebenwelle mit ziemlich grosser 
Geschwindigkeit, trotz der mächtigen diluvialen Sand- und 
Lehmmassen der norddeutschen Tiefebene. 

Am langsamsten war die Bewegung nach S. zu (Sichtung 
Eremsmünster und Laibach). Ein verzögernder Einfluss der 
quer zur Ausbreitungsrichtung streichenden Alpen hat sich 
jedoch aus obigen Zahlen nicht nachweisen lassen. 

Das Gebiet der deutlich (makroseismisch) fühlbaren Er- 
schütterung durfte bei der grossen Fortpflanzungsgeschwindig- 
keit der Erdbewegung annähernd gleichzeitig, zwischen 3^ 33™ 
und 34™ erschüttert worden sein, worauf auch einige ver- 
trauenswürdige Meldungen hindeuten (R. 0. ü. Bahnhof in 
Breslau, Greisau). 

Wirknngen der Erschttttening. Lage der einzelnen 
Schtttterzonen. 

Bei der Feststellung der Erschütterungsstärke 
und der einzelnen Zonen verschiedener Schütterstärke konnte 
die FoBEL-Rossi'sche Scala nur geringe Dienste leisten. Sie 
erfordert genauere Beobachtungen und Beobachtungsangaben, 
als bei dem nächtlichen Eintritt dieses trotz seiner grossen Ver- 
breitung immerhin schwachen Erdbebens erzielt werden konnten. 

Die relative Stärke eines solchen Bebens wird sich 
weniger in ganz bestimmten Wirkungen auf Gegenstände, als 
vielmehr in der mehr oder minder allgemeinen Bemerkbarkeit 
der Erschütterung zu erkennen geben, und sich demgemäss 
in dem gegenseitigen Verhältnisse von positiven und negativen 
Ortsberichten am deutlichsten widerspiegeln. 

Von diesen Gesichtspunkten aus wurden 4 Stärkezonen 
unterschieden : 



Digitized by 



Google 



204 ^' Starm, Das sudetdsche Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

1. Das Hauptschtittergebiet: Die Erschütterung 
ist so stark, dass sie allgemein bemerkt wird. Aus- 
schliesslich positive Meldungen (ungefähr 6. Stärke- 
grad nach Rossi). 

2. Die innerste Randzone: Die noch ziemlich 
starke Erschütterung wird fast allgemein bemerkt. 
Vorwiegend positive, vereinzelte negative Berichte 
(ca. 4. — 5. Stärkegrad nach Rossi). 

3. Die mittlere Randzone: Die schwache Er- 
schütterung wird bereits an zahlreichen Orten nicht mehr 
gespürt. Positive und negative Ortsberichte nahezu 
im Gleichgewicht (ca. 3.-4. Stärkegrad nach Rossi). 

4. Die äussere Randzone: Die sehr schwache 
Erschütterung wird nur noch an ganz vereinzelten Orten 
schwach gespürt. Fast ausschliesslich negative Be- 
richte (ca. 3. Stärkegrad nach Rossi). (Auf der Karte ist 
diese Zone weiss gelassen.) 

Die geographische Lage der einzelnen Schütterzonen und 
die in ihnen beobachteten Wirkungen des Bebens, die, in 
ihrer Gesammtheit betrachtet, ebenfalls eine allmähliche Ab- 
nahme der Schütterstärke nach aussen hin erkennen lassen, 
werden im nächsten Abschnitte behandelt. 

Die Lage des Hauptschüttergebiets wird durch 
folgende Funkte bestimmt: 

Im NW.: Freiheit a. d. Aupa. 
„ SO.: Reinerz. 
„ NO.: Adersbach. 
„ SW. : Nachod und Deutsch-Prausnitz ^ 

In dieser Gegend wurde die Erschütterung allgemein 
wahrgenommen. In verschiedenen Orten erhielten Häuser- 
mauem Sprünge, so z. B. in Reinerz, Rückers, Eipel, Freiheit, 
Hronow, Klein-Schwadowitz , Qualisch, Roth-Kosteletz (hier 
besonders deutlich), Trautenau. Zwei Rohre der Reinerzer 
Wasserleitung bekamen Sprünge, Bilder und Vogelkäfige 
stürzten von der Wand, Geschirr in den Schränken wurde 
umgestürzt u. dergl. mehr. Der Stoss war also ziemlich 



^ Die Angaben für Osterreichische Orte hier und im Folgenden nach 

WOLDRICH. 



Digitized by 



Google 



Fr. Starm, Das sudetische Erdbeben yom 10. Januar 1901. 205 

stark. Mitten in das ellipsenförmig umgrenzte Hauptschütter- 
gebiet fällt die Verwerfung, die den SW.-Flügel der Walden- 
burger Kohlenmulde begrenzt. Das Nähere hierüber wird 
weiter unten erörtert werden. 

Die innere Randzone des erschütterten Gebiets spitzt 
sich zungenformig in NW.-Richtung zu, dem Verlaufe der 
Brüche am SO.-Fusse des Riesen- und Lausitzergebirgs 
folgend. Die Erschütterung machte sich hier noch mit z. Th. 
beunruhigend wirkender Stärke geltend. 

Rissbüdungen an Decken und Wänden kamen noch ver- 
einzelt vor, so in Neu-Königgrätz, Boritan, Wichstadtl (be- 
deutend), Himmlisch-Ribnei in Böhmen, Pillnitz und Dresden 
(nach Gredner), Seidorf im Riesengebirge. 

Sonst aber äusserte sich die Erschütterung nur dadurch, 
dass sie Bilder und Hängelampen zum Schwanken und Pendeln 
brachte, Nippsachen und Gefässe umwarf, Uhren still stehen 
und Thüren aufspringen liess, Sprünge in Fensterscheiben 
erzeugte und das Erwachen vieler Personen aus dem Schlafe 
verursachte, wie das z. B. in Lewin, Liebau, Spindelmühl 
und zahlreichen anderen Orten, auch in Böhmen und Sachsen, 
geschab. Naturgemäss wurde die Erschütterung in höheren 
Stockwerken bedeutend stärker wahrgenommen, als zu ebener 
Erde, im Hause eher, als im Freien. 

Vereinzelt finden sich in dieser Erschütterungszone be- 
reits Orte mit negativer Nachricht, z. B. Königswalde (Kreis 
Neurode), Erdmannsdorf (Kreis Hirschberg). 

In der mittleren Randzone, die in Schlesien haupt- 
sächlich das Gebiet des sudetischen Vorlandes mit seinen die 
Erdbebenwelle rasch abschwächenden diluvialen Sand- und 
Lehmmassen umfasst, trat das Erdbeben nur als schwaches 
Zittern auf, das mit unterirdischem Rollen verbunden war 
und mehrfach ein Knistern der Mauern und des Gebälks, ein 
Schwanken von leicht beweglichen Gegenständen (Vorhängen), 
sowie Klappen der Thüren u. a. m. verursachte. Vereinzelt 
kommen auch noch die Erscheinungen der vorher geschilderten 
Erschütterungszone vor, in besonderer Häufigkeit aber in der 
Gegend von Strehlen— Münsterberg und Striegau, von wo 
überdies nur wenig negative Nachrichten vorliegen, im Gegen- 
satz zu den übrigen Theilen dieser Zone. Offenbar also war 



Digitized by 



Google 



206 Fr- Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

die Erschätterang in der Umgegend der drei genannten Orte 
stärker als in den übrigen Gegenden des sonst schwach er- 
schütterten Gebiets. 

Bei Strehlen— Münsterberg und Striegau ragen aus dem 
Diluvium Schollen festen Gesteins inselförmig hervor. Hier 
kam die Erdbebenstärke vermehrt zum Ausdruck, besonder» 
am Rande jener Schollen, wo das Diluvium in nur geringer 
Mächtigkeit auf dem darunter befindlichen festen Gestein 
lagert, und deshalb jede Erschütterung des letzteren in ver- 
stärktem Maasse an der Oberfläche zum Ausdruck gelangt. 

Wahrscheinlich ist die bemerkbare Erschütterung einzelner 
Punkte in dem sonst sehr schwach erschütterten Gebiete der 
äusseren Randzone, wie Trebnitz, Leipzig (Porphyr), 
Magdeburg (Carbon und Buntsandstein), und die scheinbar 
ganz unregelmässige Fortpflanzung der Erdbebenwelle in jener 
Richtung auf dieselbe Ursache zui*ückzuf&hren. Ganz im 
Gegensatze hierzu hört, wie auch zu erwarten, die fühlbare 
Erschütterung in der böhmischen Masse an einer ziemlich 
deutlich begrenzten Linie auf. Nur die mikroseismische Er- 
schütterung machte sich noch weiter durch die böhmische 
Masse bis an die Alpen — Kremsmünster — und durch diese 
hindurch bis nach Laibach bemerklich. An einigen Stellen 
scheint die Erdbebenwelle eine durch die winterliche Nacht- 
kälte bedingte Spannung im Erdboden ausgelöst zu haben. 
Wenigstens lässt sich so die Entstehung von grossen, bis 
20 m langen Sprüngen im hartgefrorenen Boden erklären 
(Goldberg, Breslau). 

Interessante Einwirkungen des Bebens auf Quellen (Ver- 
siegen oder Trübung) geben Credner (p. 90 und 94) und 
WoLDEicH (p. 42) an. 

Zahl der Stösse und Greräusche. 

Es wurde bei dem letzten Erdbeben nur ein einziger 
Stoss gespürt. Die überwiegende Mehrzahl der Berichte aus 
dem Hauptschüttergebiete und den Randzonen erwähnt auch 
nur eine einmalige stärkere, stossartige Erschütterung, die 
am Anfang, inmitten oder am Ende eines mit Rollen ver- 
bundenen Zitterns oder Schaukeins auftrat. 



Digitized by 



Google 



Fr. Storm, Das sndetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 207 

Die Meldungen von mehreren Stössen haben wohl darin 
ihre Ursache, dass man das Heben mit darauffolgendem 
Senken des Hauses oder das Hin- oder Wiederzurückschwanken 
des Gebäudes oder Bettes beim Passiren der Erdwelle, oder 
die einzelnen Phasen des wellenförmigen Schaukeins als einen 
wiederholten Stoss aufgefasst hat, während thatsächlich der 
Erscheinung nur eine einzige Ursache zu Grunde lag. 

Die Diagramme der Seismographen in Göttingen und 
Laibach (s. Crednbr, p. 102; Woldbich, p. 37) zeigen zwei 
Maxima der Erdbewegung, die indessen einander so dicht 
folgen, dass sie im makroseismischen Schüttergebiet fast 
durchweg als eine einzige Erschütterung gespürt wurden. 

Einige charakteristische Berichte zeigen deutlich, dass 
man bei der nächtlichen Buhe das Wesen der Erdbewegung, 
nämlich das einer von fern heranrollenden und durch den Be- 
obachtungsort durcheilenden „Erdwelle^ wohl wahrgenommen 
hat. So wird z. B. aus Schlaney bei Cudowa (Glatz) ge- 
meldet: „Es machte ganz den Eindruck, als ginge eine flüssige 
£rd welle unter dem Hause durch. ^ 

Von dem Eindrucke der Erschütterung auf den Menschen 
kann man sich aus einigen von den Beobachtern angestellten 
Vergleichen ein Bild machen. „Es war, als führe ein schwer 
beladener Wagen auf dem Pflaster unmittelbar neben dem 
Hanse vorbei.^ „Es machte den Eindruck, als rolle jemand 
ein Fass mit aller Gewalt zu ebener Erde*', „als sei auf der 
Station ein scharfer Zusammenstoss erfolgt" , „als sei die 
elektrische Bahn entgleist und gegen das Haus gestossen" u. a. 

Das bei jedem Erdbeben auftretende Geräusch, meist ein 
dumpfes, von Knallen unterbrochenes Rollen, trat bei diesem 
Erdbeben, wie immer, im engsten Zusammenhange mit der 
Erschütterung auf. Einige Beobachter, die zur Zeit des 
Erdbebens bereits munter waren, hörten ein donnerartiges 
Bollen rasch aus der Ferne herankommen, worauf das stärkste 
Geräusch, meist ein Knall, und die Erschütterung erfolgte, 
nach der man wieder das Rollen in entgegengesetzter Richtung 
verhallen hörte. 

Auf psychologische Ursachen mag es zurückzuführen sein, 
dass manche Beobachter wohl das Herankommen des Rollens 
und die ihm folgende Erschütterung wahrnahmen, das Ver- 



Digitized by 



Google 



208 ^- Sturm, Das sudetiscbe Erdbeben y^m 10. Januar 1901. 

hallen des Donners in der Ferne aber riicht. Die Aufmerk- 
samkeit war in solchen Fällen wahrsche nlich durch die Ver- 
wunderung und ängstliche Erregung infolge des aussergewohn- 
lichen Ereignisses beeinträchtigt. Die durch das Beben erst 
aufgeweckten Personen haben natürlich nur das die Er- 
schütterung selber begleitende und das ihr folgende Geräusch 
wahrgenommen. 

Den Angaben über die Dauer der Erschütterung ist nur 
sehr geringer Werth beizumessen. Sie beruhen meist auf nach- 
träglicher Schätzung, die noch dadurch ungünstig beeinflusst 
wird, dass die meisten Menschen die Dauer einer Secunde viel 
zu kurz annehmen. Ferner haben auch nur wenige Personen 
den ganzen Verlauf des Erdbebens mit Bewusstsein beobachtet. 
Herr Fabrikbesitzer Peosper von Piette in Marschendorf I 
(Böhmen) giebt an, dass das Maximum der Erschütterung 
2 Secunden angehalten habe, dass dagegen die Dauer der 
ganzen Erscheinung — Stoss incl. Rollen und Zittern — vor- 
und nachher ca. 7 Secunden gedauert habe. Ähnliches wird 
auch von zahlreichen anderen Orten gemeldet. Die Beobachter, 
die nur das Maximum der Erschütterung wahrgenommen haben, 
schätzen die Dauer der Erschütterung fast durchweg auf 
2 — 5 Secunden. 

Vor- und Nachbeben. 

Die Angaben über Vor- und Nachbeben müssen mit 
grosser Vorsicht aufgenommen werden, besonders da in der 
Erdbebennacht ein starker Sturm herrschte, und somit die 
Vorbedingung zur Entstehung von Geräuschen und leichten 
Erschütterungen gegeben war, die dann unter dem Eindrucke 
des Erdbebens gleichfalls als seismischen Ursprungs angesehen 
wurden. Immerhin fällt die grosse Zahl von Berichten 
böhmischer und sächsischer Orte auf, die eine Erschütterung 
zwischen 1*^ und 2*^, also ca. 2 Stunden vor dem Haupt- 
stosse angeben. Diese Orte liegen grösstentheils an der epi- 
centralen Verwerfung im Gebiete der oberen Aupa oder in 
der Nähe der Lausitzer Überschiebung (Roth - Kosteletz, 
Trautenau, Hohenelbe, Umgegend von Reichenberg, Fried- 
land i. B., Bodenbach und Schandau nach Woldrioh, Credner 
und Granzbr). In Schlesien geben nur 2 Orte eine leichte 



Digitized by 



Google 



Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 209 

Erschütterung für di'^ Zeit zwischen 1 und 2 Uhr Nachts an : 
Töppendorf, Kreis ^tr^hlen und Schönau a. d. Eatzbach, die 
einzigen, von denerf in dieser Provinz überhaupt ein anderer 
als der Hauptstoss erwähnt wird. In den Abhandlungen von 
Crbdkbb und Woldbich finden sich femer Berichte über Nach- 
beben, die mit kurzen Unterbrechungen bis zum 21. Januar 
dauerten und hauptsächlich im sächsischen Elbthale ihren Sit^z 
hatten. In Schlesien sind derartige Erscheinungen nicht mit 
Sicherheit beobachtet worden. 

Zusammenhang des Erdbebens mit dem Gebirgsbau. 
Frühere Beben in Schlesien. 

Das Erdbeben vom 10. Januar 1901 ging von den Ver- 
werfungen am SW.-Flügel der Waldenburger Carbonmulde 
aus, die in ihrer ganzen Länge mitten in das ellipsenförmig 
umgrenzte Hauptschüttergebiet fallen. 

Unser Erdbeben stellt einen letzten Ausläufer derselben 
tektonischen Kräfte dar, die nach der Kreidezeit auf die 
Sudeten umgestaltend wirkten und speciell die Verschiebungen 
am SW.-Rande der Waldenburger Carbonmulde veranlassten. 

An der erwähnten Störungslinie fallen die Schichten nach 
beiden Seiten steil ab: die Schatzlarer Schichten nach NO., das 
Rothliegende und die Kreide nach SW., beide z. Th. Schlep- 
pung und kleinere Brüche, stellenweise sogar Überschiebung 
zeigend. 

Die Profile, die Weithoper (Der Schatzlar-Schwadowitzer 
Mnldenflügel des niederschlesisch - böhmischen Steinkohlen- 
beckens. Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 1897. 47. Heft 3) 
von dieser Gegend giebt, zeigen eine bemerkenswerthe genaue 
Übereinstimmung mit denen, die Walcott (Study of a line 
of displacement in the Grand Canon of the Colorado. BuU. 
Geol. Soc. Am. 1. 1889) von einer Verwerfung im Colorado- 
Canon liefert. 

Die Schleppung der Schichten, die Überschiebungen und 
kleineren Brüche weisen deutlich auf verwickelte Vorgänge 
bei der Entstehung dieser Lager ungsverhältnisse hin. Zu 
beiden Seiten der VerwerAingslinie haben selbständige ab- 
senkende Bewegungen stattgefunden, wenn auch die Bewegung 
auf der SW.-Seite stärker gewesen ist. 

N. Jahrlrach f. Mineralogie eto. BeUageband XVL 14 



Digitized by 



Google 



210 ^^' Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

Diese Bewegungen sind noch in unserer Zeit nicht ganz 
zur Ruhe gekommen. Ist es doch klar, dass ein Gebiet mit 
den eben geschilderten Lagerungsverhältnissen und seiner 
wechselvollen, noch nicht allzuweit zurückliegenden Ver- 
gangenheit für die Entstehung von tektonischen verticalen 
Spannungen und deren Auslösung unter Erdbebenerscheinungen 
besonders geeignet erscheint. 

Vielleicht ist schon der Ursprung des Bebens vom 
11. December 1799 in diesen Brüchen des SW.-Flügels der 
Waldenburger Mulde zu suchen. Als sicher kann dies gelten 
von dem Trautenauer Erdbeben vom 31. Januar 1883 ^ 
Laube hat zwar das damalige Erdbeben als Auslösung einer 
nach N. gerichteten tangentialen Spannung an seiner „Aupa- 
Linie*' betrachtet, an der entlang „eine Horizontalverschiebung 
des NW. — SO. streichenden Gebirges gegen das WNW. — OSO. 
streichende Riesengebirge stattgefunden^ haben sollte. Da 
indessen eine grössere Dislocation im Aupa-Thale bisher noch 
nicht nachgewiesen worden ist, ist ein directer Vergleich des 
damaligen Bebens mit den alpinen Blattbeben, wie ihn Laube 
anstellt, schwer möglich. 

Nach seiner ganzen Erscheinungsweise hat das Trautenauer 
Beben ebenso wie das unserige an jener oben geschilderten 
Verwerfung seinen Ursprung genommen. 

Nach W. folgte die Erschütterung vom 10. Januar 1901, 
ganz ähnlich wie die vom 31. Januar 1883, der Längsrichtung 
des Riesen-, Iser- und Lausitzer-Gebirgs und den diese Ge- 
birge im S. begrenzenden Randbrüchen, besonders deutlich 
der Lausitzer Überschiebung. Hier wurde, trotz einer Ent- 
fernung von ca. 200 km vom Hauptschüttergebiet, noch eine 
recht deutlich bemerkbare Erschütterung wahrgenommen. 

In der Richtung des Verlaufs dieser eben erwähnten 
Brüche, also von OSO. nach WNW., pflanzte sich die 
Erdbewegung nicht nur mit ziemlich lange anhaltender Kraft, 
sondern auch mit grosser Schnelligkeit fort. 

Von den drei Strecken Trautenau— Göttingen, Trautenau 
— Hamburg, Trautenau — Laibach, von denen diesmal zuver- 
lässige Zeitangaben vorlagen, wurde die erste, Trautenau 
—Göttingen (von OSO. nach WNW.) mit der grössten Ge- 

* 8. Laube, Jahrb. d. k. k. geol. Beichsanst. 33. 1883. 

Digitized by VjOOQ IC 



Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 211 

schwindigkeit (11 km in 1 Secunde, die Richtigkeit der 
Trautenauer Zeitangabe vorausgesetzt) durchlaufen. Im 0. 
wirkte die von N. nach S* streichende Scholle des Glatzer 
Schneegebirges und des Altvatergebirges stark hemmend auf 
die Verbreitung und schwächend auf die Stärke des Erd- 
bebens ein. 

Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Erdbeben vom 

10. Januar 1901 hatte bezüglich seiner Ausbreitung nach W. 
das Erdbeben von Sillein am 15. Januar 1858. Der Ursprung 
dieser Erschütterung ist zwar im Gebiete der alpinen Faltungs- 
zone (Kai-pathen) zu suchen, aber seine westlichen Ausläufer 
in Schlesien zeigten eine ebenso deutliche Verknüpfung mit dem 
Bau und der Ausdehnung der Sudeten, wie unser Erdbeben. 

Die Brüche der Grafschaft Glatz waren der Sitz des 
Bebens vom 26. November 1877, sowie einiger Erschütterungen 
im Mittelalter. An die Schollen des Sudetenvorlands war das 
von VoLz und Leonhard (Das mittelschlesisehe Erdbeben vom 

11. Juni 1895. Zeitschr. d. Gesellsch. f. Erdkunde, p. 19) 
bearbeitete mittelschlesisehe „Schaukelbeben" vom 11. Juni 
1895 geknüpft (s. auch Dathe). 

Im Spätherbst 1901 ereigneten sich in Oberschlesien 
kleinere Erderschütterungen. Vom 3. October bis 3. November 
wurden fast täglich schwache, nur selten, so am 8. und 

12. November, stärkere Stösse verspürt. Besonders wurde 
die Gegend zwischen Kattowitz und Gleiwitz betroffen. In 
der Nacht vom 11. zum 12. October beobachtete man auch 
in Waidenburg schwache Stösse. Nach einer Pause trat am 
14. December wiederum eine Erderschütterung in Kattowitz 
auf, und zwar gleichzeitig mit einem Erdbeben am Mittelrhein 
(Coblenz — Boppard). 

Man ist im Allgemeinen geneigt, Erderschütterungen in 
Oberschlesien lediglich Grubeneinstürzen zuzuschreiben, wie 
dies auch in diesem Falle geschah. Berücksichtigt man aber 
folgende Thatsachen: 

1. Die Gleichzeitigkeit der letzten Kattowitzer Erderschütte- 
rungen mit solchen bei Gleiwitz in Niederschlesien und 
am Ehein; 

2. das Vorhandensein grosser Verwerfungen im ober- 
schlesischen Kohlengebiet (besonders des Orlauer Sprunges), 

14* 



Digitized by 



Google 



212 Fr- Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

SO gelangt man zu dem Schlüsse, dass die Annahme eines 
tektonischen Ursprungs für die letzten Beben Oberschlesiens 
nicht ganz von der Hand zn weisen ist, zumal in jener Zeit 
allgemein seismische Unruhe in Europa zu herrschen schien. 
Leider sind infolge ungünstiger Umstände die Nachrichten 
über die letzten oberschlesischen Erderschtitterungen so spär- 
lich eingelaufen, dass eine bestimmte Entscheidung über deren 
Natur unmöglich ist. 

Berichte. 

(Um die übliche ZusammensteUang der Berichte ttber das Erdbeben möglichst 

abzukürzen, sind im Folgenden nur die wichtigsten und charakteristischsten 

Berichte aus Schlesien wiedergegeben.) 

Kreis Landeshut. 

1. Landeshut. 3M ca. 0.— W. Ein anhaltender Stoss. Schaukelnde 

Bewegung. Erzittern der Betten und übrigen Gegenstände im 
Zimmer. Flattern der Vögel im Gebauer. Prasselndes Geräusch 
in Schornstein und Luftzügen. Donnerartiges Bollen, der Er- 
schütterung vorangehend. (Magistrat.) 

2. — aiA ca. 1 Stoss. Schaukeln des Mobiliars. Bettstellen schwankten 

derartig, dass sämmtiiche den II. Stock bewohnenden Personen aus 
dem Schlafe erwachten. 4—5 See. Dauer. (Polizei Verwaltung.) 

3. — Sil. 1 Stoss. Leichte Gegenstände geriethen ins Schaukeln. 

1 See. Dauer. (Kaiserl. Postamt.) 

4. — 31». 1 Stoss. SW.— NO. 4—5 See. Dauer. Zittern und Schau- 

keln der Wände. Ein Geräusch, als ob ein schwer beladener 
Frachtwagen herangefahren käme und an das Haus anstiesse. 
Das Geräusch ging dem Stosse voran. 

5. Lieb au. 311. 1 Stoss. S.— N. Wellenförmiges Zittern. 5 See. 

dauernd. Herabfallen kleinerer Gegenstände. Schütteln der 
Menschen auf ihrem Lager. Donnerndes, rasselndes Geräusch, 
das dem Stosse folgte. (Fl., Polizeisergeant.) 

6. — 311. W.— 0. 3 Stosse. Ca. 5-7 See. Dauer. Umfallen von 

kleineren Gegenständen, Herunterfallen der Vögel von den Stäben 
ihrer Gebauer. Hin- und Herschütteln der Menschen auf ihrem 
Lager. Basselndes Geräusch, der Erschütterung folgend. (Schaak, 
Schreiber.) 

7. — 311. Ziemlich heftiger Stoss. 5—6 See. anhaltend. Geräusch 

wie das einer starken Explosion, in dumpfes Bollen verlaufend. 
Bei einem Bäcker flogen die wohlsortirten Semmein zur Erde, 
in einem anderen Hause sprang die wohlverschlossene Stubenthür 
auf, Nippsachen etc. begannen zu tanzen. (Liebauer Wochen- 
blatt. 12. I. 1901.) 



Digitized by 



Google 



Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 213 

S. Dittersbach bei Liebau. 3li ca. Ein Stoss, dem eine schaukelnde 
Bewegung folgte. NO.— SW. Thüren sprangen auf, Gläser 
klirrten, die Uhrfeder klirrte. Von einer Pumpe verschob sich 
der eiserne Deckel, der auf dem Holzrohr lag. Ein eiserner Ofen 
wurde schief gerückt. Das Geräusch folgte der Erschütterung. 
(A. V.) 

9. Rothenbach. 3iA. 1 Stoss. S.— N. 1 See. Verrücken des Ge- 
schirrs, Klirren und Wackeln desselben, Herabfallen der Vögel 
in ihren Gebauem von den Sitistengeln. Ängstliches Flattern 
derselben. (Privat.) 

10. Ruhbank. 3»i— ij*. 1 Stoss. Wellenförmige Bewegung. SW.— NO. 
Bilder und leichte Gegenstände sind von den Wänden abgefallen. 
In einem Hause ein leichter Schrank umgestürzt. Theilweise 
Lampen und Geschirre beschädigt Vor dem Stosse leichtes 
Donnerrollen. (Stationsassistent.) 

11. Schömberg. 3LL. SO.— NW. 1 Stoss. 5 See. andauernd. Wellen- 

förmiges Zittern, Schaukeln der Wände. Geräusch, als wenn ein 
schwer beladener Frachtwagen ankäme und an das Haus stiesse. 
Das Geräusch ging dem Stosse voran. (Postamt) 

12. — Sit. SO.— NW. 1 Stoss. 4—6 See. anhaltend. Wellenförmiges 

Zittern. Möbel zitterten, Vögel fielen von ihren Sitzen. An der 
Zimmerwand riss der Putz längs des Balkens. Dumpfes Rollen 
wie das eines Frachtwagens oder fernen Donners. Das Geräusch 
folgte dem Stosse nach. 

Kreis Waidenburg. 
13. Waiden bürg. Meine Stubenuhr schlug |4 Uhr, als ich deutlich 
eine Erschütterung mit Geräusch wahrnahm, als ob die an unserem 
Hause vorbeifahrende elektrische Bahn entgleist sei, auf holprigem 
Pflaster fahre und miit Vehemenz an unser Haus anstiesse, wobei 
ich ganz deutlich ein Schwanken des Hauses nach SW. wahr- 
nahm. Ca. 4 See. vor dem Stosse ein Rasseln. (Pohl, Capell- 
meister.) 

14. — 31*— i*. 2 Stosse. Stossweiser Seitenruck. SO.— NW. 1—2 See. 

andauernd. Erschütterung des Zimmers. Heftiger Sturm. 

15. Friedland. 3A1— >A. 1 Stoss. Schlag von unten mit folgendem 

Schütteln. SSO.— NNW. 1^ See. dauernd. Glasgeräthschaften 
klirrten. Aus vorhanden gewesenen Rissen der Zimmerdecke 
hatten sich Mörteltheilchen gelöst. Das Geräusch, ein starkes 
Rauschen wie bei orkanartigem Sturm, trat unmittelbar vor der 
Erschütterung auf. (Kaiserl. Postamt.) 

16. — 3i«. 1 Stoss. 0.— W. Wellenförmiges Zittern. Wanken der 

Möbel und Zusammenschlagen dicht bei einander befindlicher Gegen- 
stände. Tiefer, dumpfer Donner ging dem Stosse voran. (H., Bahn- 
meister.) 

17. — Sehr stark gespürt. 3|— 3^ Uhr. Schaukeln sämmtlicber Gegen- 

stände in den Zimmern und an den Wänden, ja sogar des Hauses. 



Digitized by 



Google 



214 ^- Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

Starker heranrolleuder Donner ohne Knall. Ging der Erschütte- 
rung kurz voran. (Walter, Stationsvorstand.) 

18. Wtistegiersdorf. S».*. Ein starker und ein schwächerer Stoss. 

Wellenförmiges Zittern. SO.— NW. Der zweite Stoss folgte 
1 Min. (?) nach dem ersten. Der Donner ging der Erschtttterung 
voran. (Postamt.) 

19. Tannhausen. Zwischen 3 und 4 Uhr Morgens. 1 Stoss. Wellen- 

förmiges Zittern. S.— N. 2 See. anhaltend. Von der Stuben- 
decke fielen einzelne Stücke Kalk ab. Das Geräusch glich dem 
eines fahrenden schwer beladenen Wagens und folgte der Er- 
schütterung. (H., Güterbodenverwalter.) 

20. Sophienau. 31*. 1 Stoss. 0.— W. Wellenförmiges Zittern. 

3—4 See. Das Geräusch, als führe ein schwer beladener Wagen 
in schnellem Trabe vorbei, folgte nach. (Latzel, Hilfslademeister.) 

21. Gottesberg. S*±, 0.— W. 1 Stoss. Man wurde im Bett hin 

und her gerüttelt, sämmtiiche Möbelstücke wackelten, der Vogel 
wurde unruhig. In den Gruben bei einer Teufe von 110 und 
210 m wurde der Stoss nicht verspürt. (Bebomann, Gruben- 
assistent.) 

22. — Im Posthause ist das Erdbeben nicht wahrgenommen worden. 

(Postamt.) 

23. Altwasser. 3M. 1 Stoss. S.— N. Schaukeln und wellenförmiges 

Zittern. Einige Secunden. Hin- und herschütteln der Bett- 
stellen, Bücken der Möbel und Bewegung der Wände und Öfen. 
Ein Donner folgte dem Stosse nach. (Privat.) 

24. Bad Salzbrunn. Schütternde, mehrere Secunden anhaltende Be- 

wegung, Geräusche von klappernden, klirrenden Gläsern, knarren- 
den Thüren. (Privat.) 

25. Gasthaus „Siebenkurfürsten", Post Wüstewaltersdorf. Um 

3li wurde ich erschreckt durch ein plötzliches dumpfes Bollen. 
Es kam mir vor, als ob mein Haus wackelte, wie infolge eines 
dreimaligen, unmittelbar aufeinanderfolgenden Stosses. Vor dem 
Stosse hatte der Sturm in seiner ganzen Stärke getobt, nach 
dem Stosse war es auf 3 Min. todtenstill, worauf der Sturm wieder 
unheimlich weiter wüthete. (Privat.) 

Kreis Hirschberg. 

26. Alt-Kemnitz. 3M. 1 Stoss. SW.— NO. 2—3 See. Wellen- 

förmiges Zittern. Klappern der Thüren, Schwanken der Bilder. 
Das Geräusch, welches der Erschütterung voranging, glich dem 
Fahren eines schweren Wagens, das Geräusch während der Er- 
schütterung dem Abstürze grosser Schneemassen. (Postamt.) 

27. Arnsdorf. Zwischen 3 und 4 Uhr. 3 Stosse. Wellenförmig, unter 

donnerartigem Getöse durchlaufend. 4—5 See. S.— N. Die 
Wände des Posthauses vibrirten, das ganze Haus hob und senkte 
sich. Man hatte das Gefühl, als würde man im Bette mehrere 
Male in die Höhe geworfen. (Postamt.) 



Digitized by 



Google 



Fr. Stiumi) Das sadetische Erdbeben vom 10. Janaar 1901. 215 

28. Arnsdorf. SM ca. Eine ca. 10 See. anhaltende Erderscbtttterung, 

verbanden mit Qer&nsch. Letzteres glich dem einer schweren 
steinernen Strassenwalze auf holperigem Wege. (Amtsvorsteher.) 

29. Berthelsdorf. 3Mca. SQ.— NW. Wellenförmiges Zittern, ver- 

banden mit donnerartigem Geränsch. (Amtsvorsteher.) 

30. Boberr Ohrsdorf. Zwischen | und }4 ühr. Wellenförmiges Zittern. 

Bewegung der Möbel, Klirren von Gläsern und Uhren. (Amts- 
vorsteher.) 

31. Brttckenberg. 3iA. 2—3 See. 3 Stösse, jeder etwa 1—2 See. 

danemd. Gegenstände in den Zimmern wankten, es wnrden sogar 
Personen in den Betten in die Höhe geworfen. Easselndes Ge- 
räusch, wie von einem Lastwagen herrührend. (Postamt.) 

32. Buchwald. 311. 1 Stoss. 3 See. dauernd. Ich bekam Schwindel, 

es war, als wenn das Bett sich bewegte. Donnerartiges Geräusch, 
das der Erschütterung voranging. (Postagentur.) 

33. — 311. 1 Stoss. Zittern der Gebäude. In einem älteren, sonst 

festen Hause zeigten sich Bisse in den Wänden. (Amtsvorsteher.) 

34. Cunnersdorf. 3*A. 4->ö Stösse, von S. nach N., in Zeiträumen 

von je 2 See. Schaukelnde Bewegung. Die Stösse verursachten 
ein ängstliches Gefühl. Das Geräusch, das der Erschütterung 
voranging, glich einem sich plötzlich erhebenden Sturmwinde. 
Ich war bereits längere Zeit munter und entzündete nach der 
schaukelnden Bewegung, mit der ein leises Knistern verbunden 
war, Licht und sah nach der Uhr. (Postamt.) 

35. — Das Erdbeben nicht verspürt. (Amtsvorsteher.) 

36. Eichberg. Durch das Beben wurde ich aus meinem festen Schlafe 

aufgeweckt und machte sofort Licht. 3M. 1 Stoss. Das ganze 
Haus erbebte. (Primaner Krieg.) 

37. Fisch b ach. 3li. Ein ca. 20 See. anhaltendes donnerähnliches 

Rollen. Erzittern des Hauses. SO. — NW. (Postagentur.) 

38. — 3M ca. 3 — 4 Stösse in ganz kurzen Zwischenräumen. Schaukeln 

und wellenförmiges Zittern mit fernem donnerähnlichen Getöse. 
SW.— NO. Die Wirkung gab sich durch Klirren der Fenster 
und Wanken verschiedener Gegenstände im Zimmer kund. Am 
meisten scheint sie in den oberen Stockwerken durch ein ge- 
wisses Schütteln, das sogar Personen in den Betten verspürt 
haben, bemerkt worden zu sein. Das Geräusch war kurz vor 
der Erschütterung vernehmbar. (Privat.) 

39. Giersdorf. |4 Uhr ca. 3 Stösse, 0.~W., zusammen ö See. an- 

haltend. Ich sprang in meine Mühle, um nachzusehen, ob etwas 
im Gewerke passirt sei. (Amtsvorsteher.) 

40. Hain. 311. 8—10 kurz aufeinander folgende Stösse. Bichtung 

8W.— NO. Schlag von unten mit wellenförmigem Zittern. 
Schwanken der Möbel und Thüren. Erzittern des Fussbodens. 
Das Geräusch, ein donnerartiges Rollen und Rasseln, ging der 
Erschütterung voran und folgte ihr dann nach. (Postamt.) 



Digitized by 



Google 



216 Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

41. Hermsdorf. 3| Uhr ca. Starkes, unterirdisches Getöse, orkan- 

artiges Rollen. SSO.— NN W. Erschfitterung der Gebäude. Klirren 
der Fenster. Geräusch folgte nach. (Postamt.) 

42. — HM ca. Ein längerer Stoss, wellenförmiges Zittern. ErBcbattem 

der Gebäude. Donnerähnliches Rollen, der Erschütterung yor- 
ausgehend. (Amtsvorsteher.) 

43. Herischdorf. 3| Uhr. Es war ein Geräusch, als wenn ein schwerer 

Arbeitswagen im Galopp auf hartem Boden vorübeijagte. Das 
Haus zitterte, ich kann fast sagen, wackelte an allen Wänden 
und die Erschütterung theilte sich allen Möbeln mit. (V., Eisen- 
bahnsecretär.) 

44. Hindorf. Der Nachtwächter Lange berichtete: Es war ungefähr 

10 Minuten nach 3 Uhr, als ich meinen Posten verlassen und 
nach Hause ging. In der Wohnung augelangt, hörte ich plötz- 
lich ein mächtiges Dröhnen, das dem Geräusch eines schwer be- 
ladenen Wagens oder dem fernen Donner eines Sprengschuases 
glich. Eine Bewegung der Erde ist nicht gespürt worden. 

45. Hirschberg. 3M. Ein längerer Stoss. S.— N. Die Erschütterung 

setzte die Möbel in schaukelnde Bewegung. Donnerartiges Ge- 
räusch, wie das Fahren eines schwer beladenen Wagens in einer 
engen Strasse, mit darauf folgendem Rasseln und Knall. (Postamt.) 

46. — 1 Stoss. 8W.— NO. 2-3 See. Wellenförmiges Schaukeln des 

Bettes und klirrendes Geräusch an Lampen und Fenstern. Ge- 
räusch und Erschütterung gleichzeitig. (Polizeiverwaltung.) 

47. Krummhübel. SM. 3 Stösse, kurz hintereinander. Wellenförmiges 

Zittern (SQ.— NW.). Je 2—3 See. Donnern folgte nach. Er- 
wachen aus tiefem Schlafe. Schwanken des Hauses und des 
Inventars. (Privat.) 

48. Kunzendorf bei Rabishau. 31^. 1 Stoss. Schlag von unten. 

Erschütterung kam von SSW. Ich wurde im Bette in die Höhe 
geworfen. Donner folgte der Erschütterung nach. (Privat.) 

49. Lomnitz. Gegen 3| Uhr. Wellenförmiges Zittern. Von SSO. her. 

Etwa 5 See. dauernd. Das Haus zitterte, Gläser und Tassen 
schlugen aneinander. Das Geräusch war ein von fem heran- 
kommendes Rollen, das anschwoll und allmählich wieder ver- 
hallte. (Amtsvorsteher.) 

50. Petersdorf. Gegen 3f Uhr früh. 2 Stösse hintereinander. Von 

SO.— NW. Donner ging voran. (Amtsvorsteher.) 

51. Reibnitz. 31^. 1 Stoss ca. 3 See. Schaukeln. Die Lampenglocke 

klirrte, das Bett schien sich zu bewegen, ich wurde aus dem 
Schlafe geweckt. Donnerähnliches Getöse während und nach der 
Erschütterung. (Pfarrvicar Kl.) 

52. Rothenzechau. Zwischen 3 und 4 Uhr wurde das Beben in Form 

von wellenförmigem Zittern gespürt. (Amts Vorsteher.) 

53. Schmiedeberg. 3iA. Es ist beobachtet worden, dass Wandbilder 

sich bewegten. SW.— NO. (Polizeiverwaltung.) 



Digitized by 



Google 



Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben Tom 10. Januar 1901. 217 

54. Schiniedeberg. Zwischen ^ und |4 Uhr. Das ganze Hans, welches 

sehr starke Manem hat, dtterte. Es war ein Gefühl, als wenn 
sehr schwer beladene Wagen anf ^dem unmittelbar am Hanse 
befindlichen Pflaster führen. (Postamt.) 

55. — Es wurden Regulatoren zum Stillstand gebracht. Sie zeigten 

3U, gehen aber 3—6 Hin. gegen Normalzeit vor. (Heilanstalts- 
besitser Kibbsoh.) 

56. Schreiberhau. }4 Uhr. Es fand eine zitternde Bewegung statt. 

Bettstellen zitterten, Tfattren klapperten, Fenster klirrten. 6e- 
rftnsch folgte der Erschatterung. (Amtsvorsteher.) 

57. ^ Brdbeben kurz nach 3^ Uhr gespflrt. (Poetamt.) 

58. Schwarzbach. Um 3^ Uhr Erdbeben gespürt. (Amtsvorsteher.) 

59. Seidorf. Sehr gut gespürt. Ein Stoss zwischen 3| und 3f Uhr. 

S.— N. In meinem Wohnhause zeigten die Stubendecken in der 
obersten Etage einen Riss. Ger&usch ging voran. (Amtsvorsteher.) 

60. Steinseifen. Erdbeben gespürt. 1 Stoss. (Postagentur.) 

61. Stonsdorf. 3A». 1 Stoss. Das Haus schwankte, so dass lose Gegen- 

stände klirrten. Donner zugleich mit dem Stosse. (Amtsvorsteher.) 

62. Straupitz. Ein Erdstoss um 3Ai gespürt (Amtsvorsteher.) 

63. Warmbrnnn. 3iA. Ein heftiger Stoss, dem ein heftiges Bollen 

wie das eines schweren Lastwagens vorausging. Richtung: W. 
bis 0. £lirren der Fensterscheiben, Schwanken und Schaukeln 
der MObel. (Amtsvorsteher.) 

64. Zille rthal. Wurde aus dem Schlafe geweckt. Klirren von Gegen- 

ständen im Zimmer. (W., Postbeamter.) 

65. Sehneekoppe. Observatorium. Die Uhr blieb stehen, wurde je- 

doch, nach Mittheilung des Herrn Dr. Eulbsza, wieder in Gang 
gebracht, ohne die Zeit abzulesen. Es war genanntem Herrn 
sonst von dem Erdbeben nichts angefallen. 

66. Hampelbande. Von 16 übernachtenden Personen wurden vier 

durch das Beben geweckt. (Schles. Zeitg.) 

67. Martinsbanden. Lampen stürzten um. (Schles. Zeitg.) 

Kreis Neurode. 

68. Albendorf. Ein anhaltender Stoss. Wellenförmiges Zittern. SW. 

bis NO. Geräusch und Erschütterung gleichzeitig. (Amtsvorsteher.) 

69. Falkenberg. Erdbeben gespürt. Erwachen aus dem Schlafe. 

(Amtsvorsteher.) 

70. Kunzendorf. Zwei kurz aufeinander folgende Stösse. SW.—NO. 

Hängelampen, überhaupt freischwebende Körper wurden in leichte 
Schwingungen versetzt. ErschtUbterungund Geräusch, ein dumpfes 
Rollen, gleichzeitig. (Amtsvorsteher.) 

71. Ludwigsdorf. Anhaltendes Bollen. 0.— W. Fenster klirrten, 

Dielen schienen sich wellenförmig zu bewegen. (Amtsvorsteher.) 

72. Mittel -St eine. Die Wellenbewegung ging von N. nach S. Eine 

schlecht schliessende Kammerthür sprang von selber auf. (Herr 
Klosb.) 



Digitized by 



Google 



218 Fr- Sturm, Das sudetiBche Erdbeben yom 10. Janaar 1901. 

73. Mittel-Steine. 3il. Erdbeben als Back von SO. nach NW. gespürt. 

Geräusch ging voran. (Amts Vorsteher.) 

74. Niedersteine. Zwischen 3 and 4 Uhr. 1 Stoss. Erstschlag, dann 

Bollen. W.— 0. Zittern der Grandmaaem des Gebäudes. (Amts- 
vorstand.) 

75. Neuro de. ^4 Uhr ca. Zwei StOsse in Zwischenräumen von einigen 

Secunden. Glocken an Klingelzügen läuteten und Vfigel fielen 
von den Stengeln. Donnerähnlicbes Geräusch folgte. (Magistrat.) 

76. Neuro de. 1 Stoss. Einige Secunden. Erschütterung des Gebäudes. 

Thüren bewegten sich stark. Klirren der Fenster und der Gläser 
auf Nachttischen. (Postamt.) 

77. Beichenforst. 3| Uhr ca. Wellenförmiges Erzittern. 3—4 Se- 

cunden dauernd. Gläser im Glasschrank klirrten aneinander. 
Die Schlagfeder in der Wanduhr tönte. Donnerartiges Geräusch 
folgte der Erschütterung nach. (Amtsvorsteher.) 

78. Schlegel. 3| Uhr. 1 Stoss. N.->S. Wellenförmiges Zittern. Glas- 

gefässe in Schränken fielen um. Donner und Erschütterung gleich- 
zeitig. (Ajntsvorsteher.) 

79. Seifersdorf. Erdbeben um 3^ Uhr gespürt. Fensterklirren. Ge- 

räusch folgte nach. (Amtsvorstand.) 

80. Tnntschendorf. Erdbeben allgemein bemerkt. Fensterklirren, 

Verursachen von Furcht. (Amtsvorsteher.) 

81. Wünschelburg. 3| Uhr. 1 Stoss. SW.— NO. Gebäude zitterte, 

Geschirr klirrte. Erst Knall, dann Bollen. (Postamt.) 

82. — Gegen 3| Uhr wurde ich infolge eines starken Geräusches wach 

und im Bette ein paarmal hin und her geschaukelt in der Bich- 
tung N.— S. Gläserklirren wurde von vielen wahrgenommen. 
(U., Pfarrer.) 

83. Carlsberg u. d. Henscheuer. Erdbeben um 3M gespürt. 1 Stoss 

von N. nach S. Häuser, Fenster, Thüren wackelten. (Amts- 
vorsteher.) 

84. Buch au. Erdbeben gespürt. (Amtsvorsteher.) 

85. Eckersdorf. 3«-8. 2 Stösse. NW.— SO. Fensterklirren, Unruhig- 

werden der Vögel. Geräusch wie das eines schweren rasselnden 
Wagens folgte der Erschütterung nach. 

86. Hausdorf. 3} Uhr ca. NW.— SO. Wellenförmiges Zittern. Gegen- 

stände in den Zimmern schwankten und klirrten. (Amtsvorstand.) 

Kreis Glatz. 

87. Agnesfeld. Sehr schwach verspürt. (Gemeindevorstand.) 

88. Alt-Batzdorf. Erheblich gespürt, gegen 3^ Uhr. Zwei Stösse 

mit geringem Zeitraum. Buckartige Bewegung. SO. — NW. 
Zittern des Gebäudes und Hausmobiliars. Basselndes Geräusch. 
(Amtsvorsteher.) 

89. Brzesowie bei Cudowa. 3il. 2 Stösse. Ein Zwischenraum von 

1—2 See. Schlag von unten, dann Schaukeln und Zittern. SW. 
bis NO. Einfallen eines Holzstosses. Bewegung der Kochgeschirre. 



Digitized by 



Google 



Fr. Stann, Das sudetische Erdbeben vom 10. Janaar 1901. 219 

Rasselndes Geräusch ging dem Knalle bei der Erschütterung 
Yoran. (Lichter, Lehrer.) 

90. Gamnitz. Erdbeben um 31^ gespürt. 0.— W. (Gemeindevorstand.) 

91. Bisersdorf. 31». 1 Stoss. S.— N. Wellenförmiges Zittern. Zehn 

Secunden. Donnerartiges Geräusch. (Amtsvorsteher.) 

92. Friedrichsgrund. S\ Uhr ca. Unterirdischer dumpfer Knall. 

Zittern der Gegenstände. 1 Stoss. SW.— NO. (Gemeindevorstand.) 

93. Gabersdorf. Gegen 3| Uhr. Ein Stoss, ziemlich stark, SO.- NW., 

2—3 See. dauernd. Ein fernes Donnerrollen näherte sich, wurde 
stärker und schloss mit dem Stosse ab. Geräthe im Glasschrank 
klirrten. (Gemeindevorstand.) 

94. Gl atz. Gegen 3} Uhr. Zwei Stösse im Zwischenraum von einer 

Secunde, von NW. nach SO. Pendeiförmige Bewegungen hängen- 
der Gegenstände, wie Bilder etc. Geräusch ging der Erschütte- 
rung voran. (Polizei.) 

95. — 311. Zwei Stösse in kurzen Zwischenräumen. Wellenförmiges 

Zittern. NW.— SO. Möbel schwankten, auf Schränken stehende 
Geräthe wurden erschüttert. 

96. Grunwald. Gegen 3J Uhr. 1 Stoss. Wellenförmiges Zittern. Ge- 

bäude erzitterten, viele Gegenstände darin wankten und klirrten. 
Geräusch folgte der Erschütterung. (Gemeindevorstand.) 

97. Nieder-Hannsdorf. Erdbeben gespürt. (Gemeindevorstand.) 

98. — Eine Mühle, die über Nacht arbeitete, blieb gegen ^ Uhr in- 

folge des Erdstosses auf die Dauer von ca. 5 Secunden stehen, 
nachher arbeitete sie von allein weiter. Ein Drehkreuz stürzte 
von einer Console. Eine Blechschüssel rutschte vom Schrank 
und lag dann südlich von diesem. 1 Stoss NW.— SO. und S.— N. 
(Wolf, Lehrer.) 

99. Ober-Hannsdorf. Ein Fenster zersprang. Den Leuten im 

Viehstall kam es vor, als ob der Stall bergab rutschte. Das 
Vieh wurde wild und unbändig. Ein Besitzer kam mit Betten 
die Stiege herab und bekam einen Stoss von hinten, dass er bei- 
nahe die Stiege hinabgestürzt wäre. Ein Kohlenhaufen üel zu- 
sammen. (Lehrer, Gemeindevorsteher.) 

100. Alt- Hei de. Sehr stark gespürt. 3AA. 1 Stoss. Stubenthüren klap- 

perten, alle Möbel schaukelten. (Haltestellen-Aufseher.) 

101. Lewin. 3^-^. Ein Stoss von unten mit nachfolgendem Schaukeln. 

W.— 0. Uhrfedern, Kochgeschirre klirrten, schwere Zimmer- 
gegenst&nde wankten. Das Geräusch folgte unmittelbar auf den 
StOBS mit vermehrter Stärke, nachdem man vorher ein Donnern 
wie von einem fernen Gewitter gehört hatte. Der Stoss wurde 
von S. nach N. verspürt, diesem folgten schaukelnde Bewegungen 
von W. nach 0. (Polizeiverwaltung.) 

102. — Gegen 3} Uhr. Wellenförmiges Zittern. W.— 0. Die Bewohner 

Lewins wurden zum Theil aus dem Schlafe geweckt. Geräusch 
mit der Erschütterung verbunden. (Postamt.) 



Digitized by 



Google 



220 F'- Storm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Jauuar 1901. 

103. Reinerz. 3M. Drei Stösse kurz hintereinander. Schaukelbewegung. 

Ungefähre Stossrichtung S.^N. Möbel wankten, Geschirr klirrte, 
einige Häuser erhielten Sprünge, ebenso zwei eiserne Rohren der 
Hochdruckwasserleitung. Donnerähnliches, brausendes Geräusch 
ging der Erschtttterung voran. (Stadtverwaltung.) 

104. — ai» ca. 1 Stoss. Schaukelnd. SSO.— NNW. Pendeln von Möbel- 

stücken. Rollendes, brausendes Geräusch, gleichzeitig mit der 
Erschütterung. (Postamt.) 

105. — Bii. ca. 1 Stoss. Kurzer Seitenruck, verbunden mit wellen- 

förmigem Zittern. Richtung W.— 0. 1,5 Secunden dauernd. Es 
hatte den Anschein, als würden einige Dielen aufgerissen. Ein 
kleiner Pfeilerspiegel bewegte sich. Schwacher Donner, gleich- 
zeitig mit der Erschütterung. (Apotheker M.) 

106. — Sil. Ich wachte auf, weil das Haus in seinen Grundfesten er- 

zitterte, die Scheiben und die Lampen klirrten. Ich suchte das 
Haus ab, weil ich zunächst annahm, dass dasselbe Schaden ge- 
litten. (Amtsrichter F.) 

107. Rückers. Früh in der 4. Stunde. Ein Stoss, dann wellenförmiges 

Zittern. Stossrichtung 0.— W. In einem Hause, welches an 
ca. 15 m hohen Felsen steht, ist eine Lampe vom Tische und 
ein Vogelbauer von der Wand gefallen. Auch zeigen manche 
Gebäude Sprünge. Die Möbel wurden wie von starker Hand 
gerüttelt. Donnerartiges Rasseln, gleichzeitig mit der Erschütte- 
rung. (Gemeindevorstand.) 

108. — SM. 1 Stoss. 2 See. Wellenförmiges Zittern. Stossrichtung 

SW.— NO. Zittern aller im Zimmer befindlichen Gegenstände. 
Ein rasselndes Geräusch, als ob schwere Lastwagen scharf fahren, 
war gleichzeitig mit der Erschütterung. (Privat.) 

109. Sackisch. Die Mehrzahl der Bewohner wurde gegen S( Uhr aus 

dem Schlafe geweckt. Zwei Stösse, im Zwischenraum von zwei 
Secunden, von NW. nach SO. Schwirren der Fensterscheiben und 
der Glas- und Eochschränke. Donnerndes und rasselndes Ge- 
räusch folgte der Erschütterung. (Gemeindevorstand.) 

110. Schlaney. Sehr deutlich verspürt. 3»A ca. 1 Stoss. NW.— SO. 

Dauer etwa 8 Secunden. Das Haus schwankte. Bilder schau- 
kelten au der Wand, Lampen und Glasgefässe klirrten leicht. 
Es machte ganz den Eindruck, als ob eine flüssige Erdwelle 
unter dem Hause durchging. Ein donnerartiges, langes Bollen, 
ähnlich dem eines schweren, schnellfahrenden Fuhrwerks auf 
gefrorenem, holperigem Wege ging dem Stosse voran und klang 
nur kurze Zeit nach. (H., Lehrer, Gemeindevorsteher.) 

111. Straussenei. 3M. Anscheinend 1 Stoss. Schlag von unten und 

wellenförmiges Zittern. Anscheinend von SO. nach NW. Dauer : 
Etwa 10 See. Das ganze, massive Haus erbebte, Fenster klirrten, 
stellenweise wurden Lampen verlöscht, lose angelehntes Geschirr 
fiel um. Ein donnerähnliches Krachen, wie das Herabstürzen 
einer Schneelawine vom Dache oder das Fahren eines schweren 



Digitized by 



Google 



Fr. Sturm, Das sadetische Erdbeben vom 10. Jannar 1901. 221 

Lastwagens über eine Brttcke) war gleichzeitig mit der Er- 
schütterung. (P., Pastor.) 

112. Stranssenai. 3i^ ca. 1 Stoss. Schaukelnde Bewegung. Richtung 

Ton 0. nach W. Donnerähnlicbes Qeräusch ging voran. (Gemeinde- 
vorsteher.) 

113. Ober-Schwedeldorf. 3| Uhr ca. 2 StOsse hintereinander. Schlag 

von unten. Anscheinend 0.— W. Fensterklirren und Knistern 
schadhafter Stubendecken. Dumpfes, donnerähnliches Geräusch 
folgte der Erschütterung. (Gemeindevorsteher.) 

114. Nieder-Schwedeldorf. Gegen B^ Uhr. Wellenförmiges Zittern. 

Von NW. nach SO. Viele Leute erwachten aus dem Schlafe. 
Geräusch gleichzeitig mit der Erschütterung. (Gemeindevorsteher.) 

115. Tscherbeney. Gegen 3} Uhr. 1 Stoss, von S. nach N. Schlag 

von unten, verbunden mit Schaukeln. In vielen Häusern wurde 
Klirren von hängenden Gegenständen wahrgenommen. Ein 
Donnerrollen folgte der Erschütterung. (Gemeindevorsteher.) 

116. U 1 1 e r s d r f . Gegen 3^ Uhr. 1 Stoss. Die Betten schwankten, Glas- 

geschirr klirrte, VOgel in Käfigen fielen von der Stange. Zuerst 
ein Knall, dann donnerartiges Bollen. Das Geräusch folgte der 
Erschütterung. (Gemeindevorsteher.) 

117. Wer deck. Zwischen 3| und 3} Uhr. 1 Stoss, verbunden mit gleich- 

zeitigem Donner und Zittern wahrgenommen. (Gemeindevorsteher.) 

118. Alt-Wilmsdorf. 311. 1 Stoss. NNW.— SSO. 3-4 See. dauernd 

Wellenförmiges Zittern. Bei dem Beobachter begann das Bett zu 
zittern, resp. zu schaukeln. Die Fenster klirrten. Bollen wie das 
eines stark gebremsten Eisenbahnzuges war während und auch 
etwas nach der Erschütterung wahrnehmbar. (Gemeindevorsteher.) 

Kreis Habelschwerdt. 

119. Grafenort 311. 2 Stösse binnen 2—3 See. Der erste Stoss 

ca. 6 See, der zweite ca. 4 See Wellenförmiges Zittern. NW. 
—SO. Betten und Thüren geriethen in zitternde Bewegung. Ein 
dumpfes, tiefes Sausen, ähnlich dem einer in Betrieb stehenden 
Locomobile, folgte der Erschütterung. (Hanptlehrer Henisch.) 

120. Habelschwerdt. Ganz deutlich. 311. 2 Stösse, der letzte schwä- 

cher. Wellenförmige Bewegung. 8W-— NO. Thüren gingen auf, 
das in den Stuben stehende Geschirr klirrte, Vorhänge bewegten 
sieh, das Wasser aus stehenden Goldfischbehältern lief über. 
Man hörte zunächst einen Knall mit darauf folgendem Bassein, 
ähnlich einem vorfiberfahrenden , auf dem Strassenpflaster 
polternden Wagen. Das Geräusch folgte der Erschütterung. 
(Polizeiverwaltuug.) 
181. — 31i. Ein Stoss. Wellenförmige Erschütterung. Wahrscheinlich 
Bichtung NW.— SO. Viele Personen wurden aus dem Schlafe 
geweckt. Erzittern der Thüren, Fenster und Küchengeräthe, 
Stehenbleiben einer Wanduhr. Stubenvögel fielen von den Sitz- 
stangen. Geräusch und Erschütterung gleichzeitig. (Postamt.) 



Digitized by 



Google 



222 Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben Tom 10. Januar 1901. 

122. Hütten gut h. B^ Uhr. 1 Stoss. 20— ^25 See. Besondere Wirkungen 

habe ich nicht bemerkt; ich konnte weder an der Hängelampe 
noch an anderen freibeweglichen Gegenständen eine Veränderung 
wahrnehmen. Das Geräusch, einem starken, anhaltende]! Donner 
gleichend, begann gleichzeitig mit der Erschütterung. (V., Lehrer.) 

123. Landeck. Nur von wenigen Leuten wahrgenommen. 3^ Uhr. 1 Stoss. 

Wellenförmiges Zittern. Glassachen und Kochgeschirre verursach- 
ten an einigen Stellen geringes Geräusch. (Polizeiverwaltung.) 

124. — 311. 1 starker Stoss. Schaukeln. S.— N. Betten schienen zu 

rücken, Bilder an der Wand hingen schief. Rollen fast gleich- 
zeitig mit der Erschütterung. (Fb., Hauptlehrer.) 

125. ~ 3il. Die Bewegung, ungefähr von 0. nach W. gerichtet, be- 

gann mit heftigem Schlag von unten, auf den eine Reihe von 
Zitterbewegungen folgten. Heftiges Schwanken der Stubenthür 
in ihren Angeln, ohne dass sie sich jedoch geöffnet hätte. Hef- 
tiges Klirren der Fensterscheiben. Das Geräusch glich einem 
heftigen, dumpfen Schlag, mit nachfolgendem donnerähniichem, 
abnehmendem Geräusch, das mit seltsamen, klirrenden und ras- 
selnden Tönen verknüpft war. Der Schlag ging der Erschütterung 
voran, die übrigen Geräusche waren gleichzeitig. (H., Oberlehrer.) 

126. — 3M. 1 Stoss. Schlag mit darauffolgendem wellenförmigen Zittern. 

In den Zimmern klirrten die aufgestellten Geschirre (Gläser, 
Porcellansachen). Kurzer Donner, dahinter wie Rasseln schwer- 
beladener Frachtwagen. Das Geräusch folgte. (Privat.) 

127. — SM. Schaukelnde Bewegung. Einige Secnnden dauernd. Unsere 

Betten wurden erschüttert, so dass wir aufwachten in dem Glauben, 
es hätte jemand gegen das Bett gestossen. Rasselndes Geräusch 
folgte der Bewegung. (Reibe, Realgymnasialdirector.) 

128. Ober-Langenau. 3li. Stösse gar nicht zu spüren. Wellen- 

förmiges Zittern, von NW.— SO., gegen 10 See. dauernd. Zit- 
tern, Fensterklirren, schaukelnde Bewegung. Geräusch und Er- 
schütterung gleichzeitig. (Amtsvorsteher.) 

129. Bad Langenau. Gegen 3f Uhr. Wellenförmiges Zittern, von S. 

nach N. Klirren der Porcellangefässe in den Schränken. Geräusch, 
ein Rasseln ging der Erschütterung voran. (Amtsvorsteher.) 

130. Langenbrück. Gegen 3 ii. 1 Stoss, darauf wellenförmiges Zittern, 

2—3 See. dauernd. Ein Geräusch wie das Rasseln eines schnell 
fahrenden Wagens folgte der Erschütterung. (Gemeindevorsteher.) 

131. Alt-Lomnitz. 311. Ich lag zu Bett. Dieses sowie die Matratze 

emtterte sehr heftig 4—6 See. lang. Es war, als ob Jemand 
im Hause mit aller Gewalt zu ebener Erde ein schweres Fass 
rollte. Während des unterirdischen Getöses hörte ich zugleich 
drausen im Freien ein sehr heftiges Summen und Tönen, wie von 
einer Locomobile. Die Richtung des Getöses wie des Snmmens 
war von SW. nach NO. In der Schule, die mehr von SW. nach NO. 
gebaut ist, bewegten sich die Thüren. Das Eis erkrachte auf 
den Teichen und zeigte nachträglich Sprünge. (R., Pfarrer.) 



Digitized by 



Google 



Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 223 

132. Bosenthal. Gegen 3| Uhr. Dumpfes Rollen von SW. nach NO. 

oder umgekehrt gespürt. (Amtsverwaltnng.) 

133. Schön an. Erdbeben als dumpfes Rollen gespürt. (Gemeinde- 

*' Vorsteher.) 

134. Schön fei d. Erdbeben gegen S^ Uhr, anscheinend von NW. her 

gespürt. Gläser und sonstige leichte Gegenstände klirrten und 
bewegten sich. (Gemeindevorsteher.) 

135. Seitenberg. Gegen 3( Uhr. Wellenförmiges Zittern von N. nach S. 

Leichtere Gegenstände in den Schränken schlugen aneinander. 
Geräusch und Erschütterung gleichzeitig. (Amtsvorsteher.) 

136. Alt -Waltersdorf. 3Ao. i stoss. Schaukelartige Bewegung, 

Fenster klirrten, Schlafende wurden durch Bewegung der Bett- 
stellen aufgeweckt. Geräusch und Erschütterung gleichzeitig. 
(Amtsvorsteher.) 

137. Neu-Waltersdorf. 3M. 1 Stoss. SO. -NW. Kürren der Fenster. 

Schnee fiel von den Dächern. Geräusch ging der Erschütterung 
voran. 

138. Alt-Weistritz. 3| Uhr. Rollen, wie das eines vorüberfahrenden 

Wagens. W.— 0. Gegenstände geriethen in Beweg^g. Geräusch 
und Erschütterung gleichzeitig. (Amtsverwaltung.) 

139. Wölfelsd or f. ^—^ Uhr. 1 Stoss. Schaukelartige Bewegung. 

NW.^SO. Personen wurden aus dem Schlafe geweckt und im 
Bette hin und her gerüttelt. Donnerähnliches Geräusch ging 
der Erschütterung unmittelbar voran. (Amtsvorsteher.) 

140. Nesselgrund. Wellenförmiges Zittern und Fortschieben von NO. 

nach SW. 3^. Etwa 5 See. dauernd. Knistern und Knacken 
des ganzen Hauses, Erklingen von Glas- und Thonsachen. (Halter, 
Oberförster.) 

Kreis Lauban. 

141. Gebhardsdorf. f4 Uhr. Ununterbrochenes Rollen. Schaukeln. 

SO.— NW. 6—8 See. dauernd. Verschiedene Gegenstände, sowie 
Lampe gerüttelt. Fenster klirrten. Geräusch unmittelbar vor 
und nach der Erschütterung. (Amtsvorsteher.) 

142. Heidersdorf. |4 Uhr. 1 Stoss. Seitenruck und Zittern. SSW. 

nach NNO. Der stehende Beobachter nahm an sich einen Ruck 
wahr, als ob der Fussboden ihm unter den Füssen seitwärts 
weggerückt würde. Glasscheiben klirrten und Glasgegenstände 
klangen aneinander. Eine Erschütterung wurde auch von der 
im Bett sitzenden Ehefrau des Beobachters deutlich verspürt. 
Man hörte das Geräusch, ähnlich dem Rasseln eines Schnell- 
zuges, deutlich näher kommen, worauf plötzlich die Erschütterung 
folgte. Die ganze Erscheinung dauerte 5—10 See. (Grosser, Lehrer.) 

143. LangenOls. Erdbeben gegen 311 verspürt. 1 Stoss. (Postamt.) 

144. Lauban. 311 ca. Ich bin aus dem Schlaf aufgewacht. Die Thür 

des Kleiderschrankes und die des Nachttischchens gingen auf. 
(Polizeiverwaltung.) 



Digitized by 



Google 



224 Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

145. Marklissa. 3M ca. 1 Stoss, bestehend in 3 kurzen SeitenmcktL 

Unterzeichneter, welcher wach im Bette lagr, wurde zwei IL 
hin und her geschüttelt. Ausserdem klirrte das Waachgesekr 
zusammen. Das Geräusch, ähnlich dem eines heftigen Stmar* 
oder dem Bollen eines schweren Wagens, ging dem Stosse Tonr 
(M., Bahnverwalter.) 

146. — Von einer grossen Anzahl von Personen gegen 31^ gespürt. ISxxr^ 

verbunden mit Sehaukehi. Von SSO. nach NNW. Klirren t l 
Fensterscheiben, Bewegung der MObel und Öfißien von Thör-i. 
* Geräusch wie das eines schweren Lastwagens ging der Er- 
schütterung voran. (Stadtverwaltung.) 

147. Nicolausdorf. 3M ca. 1 Stoss. Schaukeln der Wohniinsseinii. 1- 

tung. Donnerähnliches Geräusch, der Erschfittemn^ vor^i- 
gehend. (Postamt.) 

148. Seidenberg. B{ Uhr ca. Wellenförmiges Zittern, nur weLk-. 

Secunden dauernd, durch welches Bilder an der Wand scLi-: 
gerückt wurden. Es folgte ein donnerähnliches Gerfinach nad 
(Polizeiverwaltung.) 

149. Schonberg, O.-L. Gegen 3iJi. 1 Stoss, SW.— NO, 3 See. danemi 

machte die Fenster erklirren, Gegenstände schwanken, Thfim 
aufspringen. Rasselndes Geräusch vor und während der Er- 
schütterung. 

160. — Erdstoss verspürt. (Postamt.) 

161. Nieder- Schünbrunn. dlA. Wellenförmiges BoUen, von S. nad 

N. verlaufend. (Postamt.) 

162. Wigandsthal. Gegen 3M. 1 Stoss, mit schaukelnder Bewegung 

von S. nach N. Ein Geräusch, gleich entferntem Donner, gleich- 
zeitig mit der Erschütterung. (Postamt) 

Kreis Löwenberg. 

163. Braunau. Kurz nach |4 Uhr. 1 Stoss von nnten, 3 See. dauernd 

machte das ganze Haus von Grund aus erzittern. In eiDem 
Glatsrhrank klirrten Gläser und Scheiben, und die Bewohner 
fuhren erschreckt aus dem Schlafe. (Sikgert, Lehrer.) 

164. Friedeberg a. Qu. Hier, und besonders in den Nachbarorten Egel- 

dorf, Grenzdorf, Begensberg und auf der Iser wurde ein mehrere 
Secunden andauerndes Erdbeben mit donnerartigem Ger&osch 
bemerkt. Die Erschütterung ging von NO. nach SW. und war 
so heftig, dass Bilder an der Wand sich bewegten und Ealii 
von der Decke fiel. (Privat.) 

165. Lahn. dlA. Wellenförmiges Zittern von S. nach N. MObel, Betten 

und wir selbst in diesen wurden in schaukelnde Beweguig ver- 
setzt. Die Fenster klirrten. Geräusch, ähnlich dem eines fahren- 
den Lastwagens, war fast gleichzeitig mit der Erschüttemng 
zu spüren. Mit dem Geräusch zugleich erhob sich ein starker 
Sturm, während die Luft vorher und nachher vl^llig ruhig war. 
(Gr., Apotheker.) 



Digitized by 



Google 



!Fr. Starm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 225 

Loe. Li ahn. 3M ca. Erdbeben gespürt. (Postamt.) 

L57. Xiiebenthal. Zwischen 3 und 4 Uhr. 1 Stoss mit schaukelnder 
Bewegung, 1—2 See. anhaltend. Das Haus schien in Bewegung 
zu sein. (Postamt.) 

158. Liöwenberg. Gegen SJ Uhr. Gläser und Waschgeschirre klirrten 
aneinander, so dass angenommen wurde, ein schwerer Lastwagen 
sei auf der Chaussee vorbeigefahren. (Privat.) 

159. Plagwitz. Zwischen 3} und 3| Uhr wurde 1 Stoss verspürt, dem 
ein heftiges Zittern oder Rütteln folgte. Es dauerte 2 Secunden. 
Man erwachte aus dem Schlafe, Klirren von Glas- und Porcellan- 
sachen, Klappern der Einsatzwftnde eines eisernen Ofens, Knistern 
des Gebälks u. s. w. war zu hören. Donnerndes, polterndes Ge- 
räusch folgte der Erschütterung. (Gemeindevorsteher.) 
160. Schmottseifen. 3M. 2 Stusse hintereinander. Haus steht auf Fels. 
Wellenförmiges Zittern, 2—3 See. anhaltend. Fensterscheiben, 
sowie auf Möbeln stehende Gläser klirrten. Ein rasselndes Ge- 
räusch folgte der Erschütterung nach. (Postamt.) 
161. — Erdbeben verspürt. (Gemeindevorsteher.) 

Kreis Görlitz. 

162. Deutsch-Ossi g. Gegen 4 Uhr 1 Stoss. Anfänglich starkes Er- 

zittern, dann kurzer Seitenruck von NW. nach SO. mit nach- 
folgendem Zittern. Der Postagent wurde, im Bette sitzend, zur 
Seite geworfen. (Postagentur.) 

163. Gersdorf, O.-L. Gegen 3^ 1 Stoss. In allen Theilen des Dorfes 

gespürt. Die Leute erwachten plötzlich aus dem Schlafe und 
weckten z. Th. ihre Angehörigen, weil sie einen Schaden am 
Hause befürchteten. (Bb., Pastor.) 

164. Görlitz. Gegen |4 Uhr. Schaukelnde Bewegung. Von einem 

Topfe fiel ein Deckel ab. Nach der Erschütterung war ein 
rollendes Geräusch zu hören. (Herr Lüdwio.) 

165. Hennersdorf. Gegen 3^ Uhr Erdbeben gespürt. (Bease, Pastor.) 

166. Königshain. 31^. Felsuntergrund. Schaukelnde Bewegung von 

W. nach 0. Donnerähnliches Geräusch, welches plötzlich mit 
Getöse aufhörte. (Gemeindevorsteher.) 

167. Kunnerich unter der Landskrone. Von mehreren Mitgliedern der 

Gemeinde gespürt. (Sch., Pastor.) 

168. Lauterbach. Erdstoss gespürt. (Lehrer Schmidt.) 

169. Moys. Gegen 31». 4 Stösse. Thüren klapperten, Gläser klirrten 

und Möbel wankten. SW.— NO. (Postamt.) 

170. — Gegen S\ Uhr. Auf Felsenuntergrund. 2 Stösse, von W. nach 0. 

Die Betten erzitterten in dem leicht gebauten Hause, einige 
Tapeten zerrissen, Kalk fiel an einigen Wänden herab und 
einige Bisse wurden bedeutend erweitert. (Voigt, Kais. Marine- 
Oberingenieur a. D.) 

171. Nieder-Reichenbach. 1 Erdstoss gespürt. (Polizeiverwaltung.) 
N. Jahrbneh f. Mineralogie etc. Beilageband XYI. 1^ 



Digitized by 



Google 



226 Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

172. Z d e 1. 3 Stösse in Zwischenräumen von etwa 5 See. Schaukelnde 

Bewegung. Das Top^schirr im Schrank klirrte nachhaltend. 
(SoH., Pastor.) 

Kreis Bnnzlau. 

173. Aslau. 3il— 3i±. Sand- und Kiesuntergrund. NNO.— SSW. 2 rasch 

aufeinander folgende Stösse. Schaukelnde Bewegung wie auf dem 
Meere bei todter See. Es fiel Putz von der Decke. (Amts- 
vorsteher.) 

174. Bunzlau. Erdbeben wurde gespürt zwischen 3l± und 31». Unter- 

grund : Senoner Thon. Meine Nachtglocke klingelte leise. Leichte 
Gegenstände und Fensterscheiben klirrten. (Kgl. Waisen- und 
Schulanstalt.) 
17Ö. — 3ü. Schuttboden. Theils Seitenruck, theils Schaukeln. 2 Stösse. 
Einige Personen hatten die Empfindung, als ob sie aus dem Bette 
fielen. Lampen und Gläser klirrten. Ein wie Wagenrasseln 
klingendes Geräusch folgte der Erschütterung. (G., Lehrer.) 

176. Gnadenberg. 3M ca. 1 Stoss, mit kurzem Seitenruck, von N. 

nach S. Donnerfthnliches GetOse ging voran. (Amtsvorsteher.) 

177. Grosshartmannsdorf. 31^ ca. Das Haus des Beobachters steht 

auf Sandboden, einige Meter südlich Kalk. Wellenförmiges 
Zittern NW.— SO. Klirrendes Geräusch, welches der Erschütte- 
rung folgte. Auf der Löwenberger Chaussee fand sich am 
nächsten Morgen ein 20 m langer und |— 1 cm breiter Riss in 
der Längsrichtung der Chaussee. (Dr. Büschbbck.) 

178. Kittlitztreben. Gegen 3M. Betten geriethen in schaukelnde Be- 

wegung. Thüren und Fenster klapperten. Ein rasselndes Ge- 
räusch, anscheinend gleichzeitig mit der Erschütterung. W.— 0. 
(Amtsvorsteher.) 

1 79. K 1 i t s c h d r f. Gegen S±^. Felsiger Untergrund. Wellenförmige, 

schaukelnde Bewegung, ungeföhr von S. nach N. Leichte Gegen- 
stände, auch Vorhänge, schwankten. Donnerähnliches kurzes 
Rollen mit folgendem starken Schlag. (Amtsvorsteher.) 

180. Lichtenwaldau. 3ii. Sandboden. 1 Stoss wurde gespürt. Donner- 

ähnlicher Ton, kurzer Ruck. Einige Personen wurden von einer 
Seite des Bettes nach der anderen geworfen, andere nahmen ein 
Klirren von Tassen und Gläsern wahr. Im Nachbardorfe Binden 
war am nächsten Tage die Eisdecke eines Teiches gesprungen. 
(Amtsvorsteher.) 

181. M od lau. 3i-i(?). Ein ziemlich starker Schlag von unten, anscheinend 

von SO. nach NW. Ein rasselndes Geräusch folgte der Er- 
schütterung. (Neumann, Weichensteller.) 

182. Thomaswaldau. Erbeben gespürt. Es war ein Seitenruck mit 

schaukelnder Bewegung von S. nach N. zu spüren. Möbelstücke und 
Betten schwankten. Verschiedene Gegenstände wurden gerückt. 

183. U 1 1 e r s d r f a. Qu. 3^1. Bewegungen der in der Wohnung hängen- 

den Bilder, Klirren der Waschgefässe und Gläser. (Postagentur.) 



Digitized by 



Google 



Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Jannar 1901. 227 

184. Alt-Warthan. 31^. 1 Stoss. Wellenförmige Bewegung. Nie- 

mand blieb im Schlafe. In einem Zimmer fielen Gegenstände 
vom Tische za Boden. Ein polterndes Geräusch folgte dem 
Stosse. (Postagentur.) 

Kreis Ooldberg-Haynau. 

185. Adelsdorf. 1 Stoss mit donnerähnlichem Krachen. (Amtsvorsteher.) 

186. Nieder-Bielau. 3| ühr. 3—4 Stösse mit unterirdischem Donner, 

anscheinend von 0. nach W. ziehend. Haus und Bett bebten, 
Fenster klirrten. (Amtsvorsteher.) 

187. Ober-Breckeudorf. Sehr schwach gespürt, als ein Geräusch, wie 

das eines schwer beladenen Wagens. 0.— W. Stubenthüren 
zitterten leise. (Quoos, Bittergutsbesitzer.) 

188. — (Der Amtsvorsteher.) 

189. Goldberg. Zwischen 3 und 4 Uhr. Die Hausbewohner wurden aus 

dem Schlafe geweckt. Die Wand erhielt Sprünge, so dass Tapeten 
zerrissen. (M., Pastor.) 

190. Haynau. Zwischen | und )4 Uhr. 1 Stoss mit schaukelnder Be- 

wegung. Menschen und Thiere wurden verhältnissmässig un- 
ruhig. (Polizeiverwaltung.) 

191. Kaiserswaldau. 3ü. 1 Stoss, 0.— W., ca. 5 See. anhaltend, 

übte beängstigende Wirkungen aus. Das Vieh in den Ställen 
erhob sich und stand wie angewurzelt mit theilweise zum Fenster 
gewandtem Kopfe. Hunde wurden sehr unruhig. Ein rasselndes 
Geräusch war zu hören, als wenn ein schwerer Kastenwagen mit 
rasender Geschwindigkeit auf Steinpflaster fortbewegt würde. 
Es begleitete die Erschütterung. (Postamt.) 

192. Modelsdorf. Etwa 3^ Uhr. Ein kurzer Schlag von unten. Ein 

im Zimmer stehendes Fahrrad wäre beinahe umgefallen. An 
zwei Stellen des Ortes wurde ein etwa | cm breiter, von S. liach 
N. laufender Biss des hartgefrorenen Erdbodens bemerkt. (Amts- 
vorsteher.) 

Kreis Schönau. 

193. Berbisdorf. 3M. 1 Stoss. Wellenförmiges Zitteni, ca. 6 See. 

anhaltend. Gläser auf den Tischen klirrten. (Amtsvorsteher.) 

194. Johnsdorf. 2 Stösse, kurz hintereinander. Zittern der Möbel und 

Fensterklirren. (Amtsvorsteher.) 
196. Nieder-Kauffung. 3M. 1 Stoss. Von SO. her. Glasgeschirr 
im Schrank bewegte sich. Am Telephon schlug die Glocke ein- 
mal an. Donnerähnliches Bollen ging der Erschütterung voran. 
(Postagentur.) 

196. Kauffung. 1 Stoss verspürt. (Polizeiverwaltung.) 

197. Ketschdorf. 3M. 1 Stoss. S.—N., ca. 5 See. dauernd. Schwan- 

kende Bewegung der Möbel im Zimmer. Klirren von Glassachen 
im Schrank. Schuttboden, darunter Fels. (Amtsvorsteher.) 

15* 



Digitized by 



Google 



228 ^r. Stunn, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

198. Eupferberg. Gegen |4 Uhr. Einwohner vielfach aufgeweckt. 

Sprung im Dache eines Gebäudes (?). Rütteln von Thüren. Fels, 
darüber Haldenschutt. (Polizeiverwaltung.) 

199. Nieder-Eöversdorf. Ein rollendes, donnerartiges Getöse wurde 

vernommen. Der Beobachter wurde aus dem Schlafe geweckt. 
(Amtsvorsteher.) 

200. Alt-Schönau. Sil. Einmaliges Rollen mit wellenförmigem Zittern, 

ca. 1 See. dauernd. Gegenstände, die im Zimmer lose standen, 
auch Ofenthüren zitterten. Erst kam ein rollendes Geräusch, 
wie wenn ein starker Wind sich im Schornstein stiess, dann die 
Erschütterung. (Amtsvorsteher.) 

201. Schön au. 311. Wellenförmige Bewegung, anscheinend von 0. nach 

W., etwa 8—10 See. anhaltend. Während der Erschütterung 
war ein Geräusch zu hören, wie das ungewöhnlich starke Rasseln 
eines langen und schweren Eisenbahnzuges. Starker Sturm. 
(Postamt.) 

202. — 1 Stoss, mit wellenförmigem Zittern, von SO. nach NW., liess 

das Gebälk im Hause knacken und das Bett schaukeln. Ein dem 
Donner oder einem vorüberfahrenden Eisenbahnzuge ähnliches 
Geräusch, nur viel tiefer im Ton, ging der Erschütterung voran. 
(Stadtverwaltung.) 

Kreis Bolkenhain. 
208. Bolkenhain. Zwischen 3jt und 4 Uhr. 1 Stoss. Wellenförmiges 
Schaukeln, von SO. nach NW. 3—4 See. dauernd. In einem 
Gebäude bewegte sich eine hängende Ampel, in einem anderen 
klirrten die Stürzen auf eisernen Töpfen und in wieder anderen 
wurden Vögel in den Käfigen unruhig. Rasselndes Geräusch 
während der Erschütterung. Starker Sturm während der Nacht. 
(Polizeiverwaltung.) 

204. Nieder-Baumgarten. Durch ein donnerähnliches Getöse wurden 

um 3li viele Bewohner unseres Ortes, darunter auch ich, ans 
dem Schlafe geweckt. Sogleich erfolgten auch die Stösse. Ich 
bemerkte zwei stärkere Stösse inmitten der wellenförmigen, zit- 
ternden Bewegung. Die Betten wurden so heftig geschüttelt, 
als wenn sie von einer starken Person bewegt würden. Die auf 
dem Tische stehende Lampe klapperte während der ganzen Dauer 
der Bewegung sehr heftig, aber ganz regelmässig. Die Be- 
wegungen schienen von NNO. nach SSW. zu gehen. Da unsere 
Betten in dieser Richtung stehen, wurden wir deutlich gewahr, 
wie wir auf und ab geschoben wurden. Ein Mann behauptet, 
dass die Decke seiner Stube einen Riss bekommen habe. In 
oberen Stockwerken machten sich die Stösse besonders bemerkbar. 
Ein donnerähnliches Rollen ging der Erschütterung voran. Zur 
Zeit des Erdbebens war es windstill. (Sp., Lehrer.) 

205. Baumgarten. Erdbeben Si± bemerkt. Häuser zitterten, Gegen- 

stände klirrten. 2 Stösse N.— S. 



Digitized by 



Google 



Fr. Stnnn, Das sudetische Erdbeben vom 10. Janaar 1901. 229 

206. Lianghellwigsdorf. Von einzelnen Personen bemerkt gegen SM. 

(Amtsvorateher.) 

207 . Alt-Beichenan. (Amtsyorsteher.) 

208. Kohnstock. 3*i ca. 1 Stoss, verbunden mit Schaukeln. Rasseln- 

des Geräusch folgte der Erschttttemng. (Postamt.) 

209. — Gegen 3JL<L. 1 Stoss, von S. nach N., liess Gegenstände erklirren. 

(Amtsvorsteher.) 

210. Rndelstadt. Gegen 3M. Anscheinend 2 Stösse mit ganz kurzem 

Zwischenraum, anscheinend von 0. nach W., Hessen MObel wackeln 
und Mörtel in den Schornsteinen herabfallen. Während der Er- 
schttttemng donnerähnliches Geräusch, hinterher Sturm. (Amts- 
vorsteher.) 

211. Wernersdorf. Nach 3 Uhr. 1 Stoss. N.— S. Die Bewohner er- 

wachten zum Theil. (Amtsvorsteher.) 

212. Würgsdorf. Von vielen Personen, die in den Betten gerüttelt 

wurden, in Form eines Stosses gespürt. Klirrendes Geräusch 
folgte der Erschütterung. Heftiger Sturm. (Amtsvorsteher.) 

Kreis Jauer. 
218. Bersdorf. 3iA. 1 Stoss aus W., verursachte wellenförmiges Zittern. 
Die Fensterscheiben und die Lampe auf dem Tische klirrten. Donner- 
ähnliches Geräusch ging der Erschütterung voran. (Amts Vorsteher.) 

214. Jauer. 311. 2 Stösse hintereinander. Es gab einen Schlag von 

unten und kurzen Seitenruck. Fenster kUrrten, Wände wurden 
erschüttert Donnerähnliches Geräusch folgte der Erschütterung. 
(Magistrat.) 

215. — Gegen 311. 1 Stoss, NW.— SO. 2—3 See. anhaltender Seiten- 

ruck mit Schaukeln. Fensterscheiben klirrten stark. (Postamt.) 

216. Lobris. 311. Deutlich wahrgenommen. Dreimalige ruckweise Be- 

wegung, wellenförmiges Zittern und Schaukeln, von SO. nach NW. 
gerichtet und 4—6 See. dauernd. Fensterscheiben und Ofen- 
thttren klirrten, Zimmergegenstände im Parterre bewegten sich. 
Das Geräusch, ähnlich dem eines vorüberfahrenden schweren 
Wagens, ging dem Stosse voraus und hielt auch nach demselben 
an. (Privat) 

217. Leipe. Gegen 311. 1 Stoss, wellenförmiges Zittern, von SW. nach 

NO. gerichtet. 3 See. dauernd. Die Gebäude und die in dem- 
selben befindlichen Gegenstände zitterten. Langsames, donner- 
ähnliches Bollen ging der Erschütterung voran. Orkanähnlicher 
Sturm. (Amtsvorsteher.) 

218. Pombsen. Gegen 3^ Uhr. Wellenförmige Bewegung von SO. nach 

NW. Erschütterung von Thüren, Fenstern, losen Gegenständen. 
Dumpfes, donnerähnliches Geräusch. 

219. - 311—11. Deutlich verspürt. 1 Stoss. Wellenförmige, zitternde 

Bewegung von SSO. nach NNW. Möbel knisterten, Blumen- 
blätter raschelten , Blumentöpfe wurden schief gerückt. Wind- 
still. (Postagentur.) 



Digitized by 



Google 



230 ^- Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

220. Prausnitz. Sil. Wir wurden dnrcb ein heftiges Bollen ans dem 

Schlafe geweckt. Die Erschütterung, deren Daner wir auf 
3—4 See. schätzen , schien nördliche Bichtung zu haben. Es 
kam uns vor, als schwankten unsere Betten. (Privat.) 

221. Semmelwitz. Gegenstände kamen ins Wanken, dumpfes Bollen, 

wie Donner, ging der Erschütterung voran. (Amtsvorsteher.) 

Kreis Liegnitz. 

222. Qross-Baudiss. SM. Von mehreren Personen deutlich gespürt 

als wellenförmiges Zittern oder Heben, 2—3 See. anhaltend. 
Gläser und Löffel klirrten, Möbel und Betten zitterten. Bich- 
tung der Bewegung SW.— NO. (Privat.) 

223. — Gegen |4 Uhr wurde ich durch ein mir unerklärliches Geräusch 

aus dem Schlafe geweckt und verspürte auch ein Schwanken der 
Dielen und Zittern der Möbel. (Privat.) 

224. Eaudewitz. Gegen 3 Uhr(?). 2 See. langes Zittern mit kurzem 

Donner gespürt. (Gemeindevorsteher.) 
226. Liegnitz. 1 Stoss mit etwa 3 See. langem Schaukeln verspürt. 
Hinter Tapeten rieselten Pntztheilchen herunter. (Dr. Zerlano, 
Oberlehrer.) 

226. Petersdorf. Erschütterung der Hänser gegen 3 Uhr(?). (Ge- 

meindevorsteher.) 

227. Tentschel. Zwischen | und )4 Uhr; 3 Stösse in Zwischenräumen 

von mehreren Secunden, von S. nach N. gerichtet. Man hatte 
das Gefühl, als sollte man in die Höhe geworfen werden. Das 
Haus krachte in den Fugen, Thüren klappten zu. (Fiebio, Guts- 
verwalter.) 

228. Weissenleipe. 3iA. Hörte, da ich wach war, ein hohldonnemdes 

Geräusch mit starkem Getöse. Meine Bettstelle wurde in sicht- 
liche Schwankungen versetzt. (Privat.) 

229. Wangten. Ich erwachte infolge von donnerähnlichem Geräusch, 

richtete mich auf, fählte ein Schwanken. Als ich nach der Uhr 
sah, war es 311. Meine Frau empfand dasselbe Gefühl. Bollen, 
unterbrochen von 5—8 Stössen, ca. 20 See. dauernd. Wellen- 
förmiges Zittern. Kleine Kalktheilchen einer rissigen Seitenwand 
fielen zur Erde. (Privat.) 

Kreis Striegau. 

230. Bockau. 311. 1 Stoss mit rasselndem Geräusch verbunden. (Amts- 

vorsteher.) 

231. Damsdorf. 3il. Gegenstände in der Stube und im Glasschrank 

zitterten und klirrten. (Amtsvorsteher.) 

232. Dromsdorf. 311. Schaukelnde und zitternde Bewegung von SW. 

nach NO. (Amtsvorsteher.) 

233. Gäbersdorf. Gegen 3>i. (Amtsvorsteher.) 

234. Järischau. Gegen 311 wurden wir alle aus dem Schlafe geweckt 

und sprangen ganz entsetzt aus den Betten. Es wurde 1 Stoss, 



Digitized by 



Google 



Fr. Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 231 

von S. nach N. gerichtet, verspürt. Es war während der Er- 
schütterung ein Geräusch zu hören, ähnlich dem, als wenn ein 
Zug in den Bahnhof einfährt. (Privat.) 
236. Järischau. Gegen 3M. SW.— NO. (Amtsvorsteher.) 

236. Kuhnern. 3M. 2 StOsse, kurz nacheinander. Die Wände und 

der Fussboden zitterten. (Amtsvorsteher.) 

237. Laasan. Zwischen 3M und 3iA. 1 Stoss, von S. nach N. gerichtet, 

5—6 See. anhaltend. (Amtsvorsteher.) 

238. Lttssen. Gegen 3M. Sehr wahrnehmbar. 1 Stoss, von SW. nach 

NO. gehend, erschütterte die Häuser, liess die Fensterscheiben 
erklirren und warf kleine Gegenstände um. Während der Er- 
schütterung war ein Donner wie beim schnellen Fahren eines 
leeren, aber schweren Wagens auf gefrorenem Boden zu hören. 
(Amtsvorsteher.) 

239. Neuhof. 3l±. 2 Stösse mit wellenförmigem Zittern. Die Betten 

wurden erschüttert, Thür nnd Fenster klirrten. Basselndes Ge- 
räusch folgte den Stössen. (Amtsvorsteher.) 

240. Ossig. Gegen 3M wurde ich durch ein starkes Krachen der Fenster- 

läden geweckt. In einer eisernen Bettstelle liegend, nahm ich 
darauf ein rnckweises Schwanken des Hauses wahr, was mich 
auf den Gedanken brachte, es sei wohl gar ein Erdbeben. Der 
Erschütterung folgte ein hohl donnerndes Geräusch. (Otte, 
Pfarrer.) 

241. Pilgramshain. 3*i. Das Haus des Beobachters steht auf ver- 

wittertem Granit mit fester Granitunterlage. Thüren und Möbel 
zitterten bei dem Erdbeben, die Fenster klirrten, von den Wänden 
fiel Kalk ab. fAmtsvorsteher.) 

242. Pläswitz. (Amtsvorsteher.) 

243. Bauske. Nach 3^ Uhr schaukelten infolge eines 2—3 See. an- 

haltenden Stosses an vielen Stelleu die Betten, so dass die Be- 
treffenden glaubten, herausgeworfen zu werden. Ein Geräusch, 
als ob schweres Lastfuhrwerk auf der Strasse führe, folgte auf 
die Erschütterung. (Amtsvorsteher.) 

244. Gross-Bosen. Möbel und Bilder an der Wand bewegten sich. 

(Amtsvorsteher.) 

245. Ober-Streit. Ein langer Stoss, ca. 3 See. anhaltend, von W. nach 

0. gerichtet, verbunden mit donnerartigem Bollen, liess das 
Hansgeräth erzittern. (Amtsvorsteher.) 

246. Striegau. 3M— M. 2 Stösse im Zwischenraum von 1 Min.(?), 

von NW. nach SO. gerichtet. (Postamt.) 

247. — < Das Erdbeben wurde um 3M gespürt. Mein Grundstück steht 

auf Lehm, darunter in 25 m Tiefe Granit. Ein Erdstoss wurde 
verspürt, der das Haus in die Höhe zu heben schien, so dass es 
in allen seinen Theilen erbebte, und man nicht allein das Knattern 
der Tapeten, sondern auch das Beiben der Mauersteine deutlich 
hörte. Nach 2 See. schien sich das Haus wiederum um ebenso- 
viel zu senken, wobei jedoch die Thüren ans allen Fugen zu 



Digitized by 



Google 



232 Fr. Sturm, Das sadetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

gehen schienen und ein mächtiges Erzittern dei-selben sowie der 
Fenster sich hörbar machte. Die Erschfltterung selbst war mit 
einem donnerähnlichen Geräusche verbunden, das mit dem Zu- 
rücksinken des Hauses sofort verklang. Sofort danach machte 
sich ein zweites Geräusch bemerkbar, ähnlich dem Fahren eines 
Wagens, das jedoch sehr schnell abtönend in östlicher Richtung 
verschwand. In einem Hause löste sich das den Ofen mit der 
Wand verbindende eiserne Bohr infolge der Erschtttterung ans 
dem Lehmverbande, in anderen Häusern sprangen Thttren auf. 
Die Vögel in den Käfigen und die Hühner in ihren Ställen 
wurden sehr unruhig. (P. Lehmann, Qranitwerkbesitzer.) 

248. Striegau. 311. Allgemein bemerkt, so dass sehr viele Leute aus dem 

Schlafe erwachten. 1 Stoss, von W. nach 0. gerichtet und mit 
schaukelnder Bewegung verbunden, bewegte Hausgeräth, warf 
leichte Gegenstände um und von ihrem Standorte herab. Gleich- 
zeitig war ein Geräusch wie das Rollen eines schweren Wagens 
oder fernen Donners zu hören. (Polizeiverwaltnng.) 

Kreis Schweidnitz. 

249. C reis au. Ich war in der Nacht in Schloss Creisau und wurde durch 

das Erdbeben geweckt. Ich sah nach der Uhr, die richtig geht, 
nachdem ich völlig erwacht war und Licht angezündet hatte. 
Hierüber vergingen nach meiner Taxe zwei Minuten. Da meine 
Uhr beim Nachsehen Sil zeigte, dürfte das Beben um 3M ein- 
getreten sein. Es erfolgten zwei Stösse in wenigen Secunden. 
Der erste Stoss, über den ich erwachte, kam scheinbar von unten, 
so dass sich das Bett hob und dann zunächst am Fussende, hier- 
auf am Kopfende wieder senkte. Der zweite Stoss erschien mehr 
wie ein Schaukeln und Zittern, so dass die Gläser auf dem 
Waschtisch aneinanderschlugen , Fenster und Thüren zitterten, 
die hinter den Tapeten liegenden dünnen Rohre der Dampf- 
heizung sich bewegten und der Kalk hinter den Tapeten herab- 
rieselte. Nach der Bewegung meines Bettes zu urtheilen, ging 
die Bewegung von 0. nach W. Beim ersten Stoss ging ein 
rasselndes Geräusch voran, beim zweiten war es gleichzeitig. 
(Graf MoLTKE.) 
200. Domanze. (Gemeindevorsteher.) 

251. Frei bürg. 3iA. 1 Stoss. Küchengeschirr machte Geräusch, ein 

Löffel fiel von einer Tasse. (Privat.) 

252. — (Polizeiverwaltung.) 

253. -- 3^. 1 Stoss. Mehrmaliges Erschüttern eines Plättbrettes, welches 

an der Wand lehnte, ebenso der grösseren Möbelstücke im Zimmer. 
(Rudolph, Telegraphen arbeiter.) 

254. — 31^. Eine ein wenig offen stehende Thür schlug zu, die Fenster 

des Schlafzimmers klirrten, zwei auf einem Bordbrette stehende 
Teller schlugen um. Fast gleichzeitig donnerartiges Rollen. 
(Prof. Dr. Klipstkin, Director.) 



Digitized by 



Google 



Fr. StiuriD, Das sadetische Erdbeben yom 10. Januar 1901. 233 

2öd. Hohg:ier8dorf. 31^. Eine heftige Erschütterang in Form eines 
wellenförmigen Zittems, von SO. nach NW. gerichtet, bewirkte, 
dass Porceilansachen aneinanderschlogen, die Betten schaukelten 
und knisterten. Vor und während des BoUens hauste ein orkan- 
artiger Sturm, welcher sich kurz yor dem Stosse legte und auch 
nachher zurückblieb. Ein ungefthr 2 m tiefer Brunnen war in- 
folge der Trockenheit fast leer, zwei Tage nach der Erschütte- 
rung war derselbe fast voll und lief über. (Gemeindevorstand.) 

256. Klettendorf. (Privat.) 

2Ö7. K5nigszelt. Ich hatte das Gefühl, als ob auf der Bahnstrecke 
ein scharfer Zusammenstoss erfolgt sei. (Hbihbaoh, Eisenbahn- 
betriebswerkmeister.) 

258. — Ell. Zwei ziemlich starke StOsse rüttelten unsere Bettstellen. 

(ScHULTZE, Pastor.) 

259. Hohen-Poseritz. (Gemeindevorstand.) 

2B0. Gross-Merzdorf. Bettstellen schaukelten, Bilder an der Wand 
wackelten und Sachen im Glasschrank klirrten. (Gemeinde- 
vorsteher.) 

261. Gross-Hohnau. (Gemeindevorstand.) 

262. Ölse. SM. Heftige, schaukelnde Bewegung, von SO. kommend. 

Knistern im Gebälk, Stubendecken, Knarren in den Möbeln und 
Thtirpfosten. Dumpfes Bollen folgte der Erschütterung. (Amts- 
vorstand.) 

263. — (Gebhardt, Pastor.) 

264. Polsnitz. In meiner Villa hörte ich um 3} Uhr ein sturmartiges 

Tosen von W. herankommen und nach 0., weit entfernt, unter 
dem Hause allmählich schwächer verhallen. Gleichzeitig ver- 
spürte ich ein leises Erzittern der Mauern und ein zweimaliges, 
schnell hintereinander folgendes Bücken oder Heben meines Bettes. 
(Privat.) 

265. Protschkenhain. Fünf Stösse, wellenförmig, schaukelnd, von SO. 

nach NW. (Gemeindevorsteher.) 

266. Schweidnitz. 3U^. Gläser auf Wasch- und Nachttischchen zit- 

terten. (Privat.) 

267. — (Privat.) 

268. — 3M. Drei Stösse, unmittelbar hintereinander, von SO. nach 

NW. Fenster und Thüren klirrten, einzelne Zimmerausstattungs- 
gegenstände schwankten. Donner artiges Rasseln unmittelbar vor 
der Erschütterung. (Postamt.) 

269. ~ 31^. (Stationsassistent.) 

270. — Kurz nach 3} Uhr schaukelnde Bewegung, die mich aus dem 

Schlafe weckte. Ich vernahm deutlich das Zittern beider Thüren 
und das Klirren zweier Gläser. (Dr. STBiesHANN, Oberlehrer.) 

271. — 3iA. Etwa drei Stösse. Es schien, als klinkte Jemand heftig 

an der Thür, im Bett hatte man die Empfindung, als würde man 
geschaukelt, leichte Möbel schwankten. (Prof. Dr. L. Worth- 

MANN.) 



Digitized by 



Google 



234 ^- Sturm, Das sadeÜBche Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

272. Würben. Ca. d^ Uhr. Man erwachte infolge einer schwankenden, 

wellenförmigen Bewegung des ganzen Gebäudes aus tiefirtem 
Schlafe. (Gutsvorstand.) 

273. Zobten. Gegen 4 Uhr. Schaukeln und wellenförmiges Zittern, von 

S. nach N. gerichtet, verbunden mit Rasseln und Donnern. 
(Stationsvorstand.) 

274. — 310. (Postamt.) 

275. Zülsendorf. Gegen 3^ Uhr. 1 Stoss, S.~N. Bilder bewegten 

sich. (Gemeindevorstand.) 

Kreis Beichenbach. 

276. EUguth. 31S. Ein Stoss, darauf ein wellenförmiges Zittern. Ich 

hörte die Dachsparren meiner einstöckigen Wohnung knacken. 
Mein Bett zitterte. (Privat.) 

277. — (Nachtwächter.) 

278. Gnaden fr ei. Zwischen ^ und |4 Uhr. Ich erwachte infolge schau- 

kelnder Bewegung und hörte nachher noch ein Bollen. Ich wohne 
im 2. Stock. Im Parterre hat man die Erschütterung nicht ge- 
spürt, sondern nur ein Bollen. (Privat.) 

279. — Zwischen 3A1 und 3M. Wellenförmiges Zittern, von W. nach 

0. gerichtet. Erschütterung des Wohnhauses, Klirren des neben- 
einander stehenden Geschirrs. Basselndes Geräusch war während 
der Erschütterung zu hören. (Skbrlo, Postmeister.) 

280. — (Gemeindevorstand.) 

281. Hennersdorf. Habe, im Bette liegend, die Erscheinung nur durch 

das Gehör als donnerähnliches Bollen wahrgenommen. (Privat.) 

282. — Wellenförmiges Zittern, verbunden mit orkanähnlichem Geräusch. 

SO.— NW. (Privat.) 

283. Költschen. Um 3li deutlich wahrgenommen als ein mit starkem 

Bollen verbundener Stoss. (Privat) 

284. Ober-Langenbielau. Einer meiner Patienten erwachte mit dem 

Gefühl, als stürze die Decke über ihm zusammen. Seine sonst 
fest schlafenden Kinder erwachten und sprangen mit Geschrei 
aus den Betten. Der eiserne Ofen wankte so, dass die Bohren 
herabzufallen drohten. Der Hund war aufgesprungen und in die 
Zimmerecke gelaufen. (Privat.) 

285. Meilendorf. Gegen 31^ ein Stoss, SO.— NW., 5-10 Secunden 

anhaltend. Fenster klirrten^ ebenso die auf dem Tische stehende 
Lampe. Nachträglich wurde constatirt, dass jedenfalls infolge 
des Stosses im Vertikow einige Weingläser zerbrochen waren. 
Gleichzeitig mit dem Stosse ein Bollen wie von einem scharf vor- 
beifahrenden Wagen. (Privat.) 

286. Ober-Peilau. In der 4. Stunde. Schränke zitterten, darauf be- 

findliche Gegenstände schlugen aneinander. Personen wurden 
aus dem Schlafe geweckt und sprangen aus den Betten. (Amts- 
vorsteher.) 



Digitized by 



Google 



Fr. Stann, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 235 

87. Reichenbach. 31A. Einige Stösse mit Intervallen. Schaukeln 
mit wellenförmigem Zittern, ungefähre Richtung 0.— W. Das 
Bett schwankte, an den Wänden war es, als ob die Tapete zer- 
spränge, das Ofenrohr knirschte und scheuerte im Schornstein. 
(Privat.) 

288. — 31it. Erdbeben in Form einer einige Secunden anhaltenden^ 
regelrecht wellenförmigen Bewegung, wobei man im Bett hin 
und her gerüttelt und aus dem Schlafe geweckt wurde. Deut- 
liche Schwankungen des ganzen Hauses und der im Zimmer be- 
findlichen Gegenstände, die klirrend aneinanderschlugen. (Privat.) 

Kreis Nimptsch. 

289. Jacobsdorf. (Amtsvorsteher.) 

290. Karschau. 3>^. 2 Stösse. S.^N. Bett geschüttelt, Dielen knarrten. 

(John, Pastor.) 

291. Nimptsch. 3lt. Zwei Stösse kurz hintereinander, von W. nach 

0. (Postamt.) 

292. — Im städtischen Erankenhause wurde um 311 ein Geräusch wahr- 

genommen, als ob ein schwerer Wagen um das Hans herumfährt. 
Es dauerte etwa 2—3 Secunden. (Privat.) 

293. Zülzendorf. Sil. 1 Stoss. W.— 0. 2—3 Secunden anhaltendes 

wellenförmiges Zittern. Die Möbel wankten, das Geschirr klirrte, 
durch die Mauern und Wände ging ein Knistern, in einem Neu- 
bau des Ortes bröckelte Kalk von den Zimmerdecken ab. Don- 
nerndes Geräusch folgte der Erschütterung nach. (S. Müller, 
Pastor.) 

Kreis Frankensteiu. 

294. Alt-Altmannsdorf. (Amtsvorsteher.) 

295. Baumgarten. (Amtsvorsteher.) 

296. Frankenstein. Zwischen 3 und 311 Uhr. Eine rollende Bewegung 

mit zwei Stössen. Schaukeln und wellenförmiges Zittern. S.— N. 
Von bedeckten Geschirren fiel der Deckel herunter, eine Papp- 
decktafel fiel um, ein im Bett liegendes 13jähriges Kind wurde 
durch einen merklichen Bück von der Wand abgerückt. Glas- 
und Porcellangeschirr klirrte. (Magistrat.) 

297. — 311 Ein Stoss, wellenförmiges Zittern, S.— N. Donnerähnliohes 

Geräusch, der Erschütterung vorangehend. (Herr Lonskt.) 

298. - 311. 2 Stösse. S.— N. (Privat.) 

299. — 311. Es schien mir, als ob ich im Bett herumgerüttelt würde. 

Geräusch wie das eines schnell fahrenden Bretterwagens folgte 
der Erschütterung. (Dr. Sbidbl, Progymnasialdirector.) 

300. Lampersdorf. Ungefähr 311. Erst ein donnerähnliches Rollen 

ohne Erschütterung, dann eine Erschütterung mit stärkerem 
Donner. Wellenförmiges Zittern. Die Hängelampe gerieth ins 
Schwanken, die Balken des Bodens knisterten. (Jacob, Pastor.) 

301. Band nitz. 311. NO.— SW. (AmtsvorsUnd.) 



Digitized by 



Google 



236 ^- Stann, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

302. Schönwalde. 8} Uhr. Wellenförmiges Zittern, S.— N., dem ein 

rasselndes Oeränsch voranging, brachte grössere Gegenstände, 
Öfen und Schränke in kurze, zitternde Bewegung. (Amts- 
Vorsteher.) 

303. Tomnitz. SM ca. 1 Stoss. Wellenförmiges Zittern. Thttren 
, zitterten, Fensterscheiben und Glasschränke klirrten. (Amto- 

vorstand.) 

Kreis Münsterberg. 

304. Neu-Altmannsdorf. Die Hunde waren in der fraglichen Nacht 

auffallend allgemein unruhig. (Pfarrer.) 

305. Bärdorf. 3>A. 1 Stoss, Vögel fielen von ihren Stengeln. (Bartsch, 

Pfarrer.) 

306. Bernsdorf. 1 Stoss. Im Schulgebäude hat sich ein Sprung in 

einer Zwischenmauer vergrössert und ein Theil Mauer war her- 
vorgetreten. In einem anderen Hause hatte sich Putz in kleinen 
Brocken von der Mauer gelöst. Mehrere Personen erwachten 
aus dem Schlafe. (Lehrer.) 

307. Dobrischau. 1 Stoss, wellenförmiges Zittern, SW.—- NO. Fenster- 

klirren, Thürenkrachen und Lockerung des Putzes an Wänden. 
Rollendes Geräusch folgte der Erschütterung. (Lehrer.) 

308. Frömsdorf. 3M--LB. (Pfarrer.) 

309. — 311. Ein Thermometer, das am Schrank hing, bewegte sich und 

verursachte durch Anschlagen an den Schrank starkes Geräusch. 
(Lehrer.) 

310. Heinrichau. (Gottwald, Superintendent.) 

311. — 31P ca. 1 Stoss, wellenförmiges Zittern. NO.— SW. Die Eisen- 

stäbe der Fensterläden zitterten. (Pfarrer.) 

312. — 311. Schaukeln, scheinbar von W. nach 0. Die Wanduhr blieb 

im ersten Stock stehen und war schief gerückt. Der Christbaum- 
schmuck und die Lichter waren zum Theil herunteigefallen. Im 
Parterre wurde nichts bemerkt. (Böhh, Ho{|grärtner.) 

313. Ober-Kunzendorf. 3M. Ein 6—7 Secunden anhaltendes Bollen. 

Wahrnehmbare Bewegung des Hauses und der darin befindlichen 
Gegenstände. Geräusch und Erschütterung gleichzeitig. (Hbil- 
MAMN, Lehrer.) 

314. Münsterberg. (Postamt.) 

315. — Ich bin plötzlich erwacht und vernahm ein Geräusch wie von 

mehreren schwer beladenen Frachtwagen, die auffallend schnell 
— zu meinem Ärger in der Nachtzeit — die Strasse hinabführen. 
Im Laufe des Tages hörte ich von dem Erdbeben und glaube, 
durch dieses erwacht zu sein. (Dr. Starker, Stadtpfarrer.) 

316. — Der Erdboden schaukelte, Gläser klirrten in den Schränken, 

Hängelampen pendelten, Öfen wackelten. Dabei wurde ein unter- 
irdisches Getöse, gleich fernem Donner, gespürt. 

317. Polnisch-Neudorf. 311. Ein Stoss, von SO. her. Die Gef&sse 

im Glasschrank klirrten mächtig, der Ofen wurde erschüttert. 



Digitized by 



Google 



Fr. Sturm, Das sadetische Erdbeben yom 10. Jannar 1901. 237 

Ich rollte im Bette zweimal nach links. Donnerndes Geräusch, 
gleichzeitig mit der Erschütterung. (Hofpmann. Pfarrer.) 

►X8. Polnisch-Nendorf. (Lehrer.) 

»1.9. Polnisch-Peterwitz. Ich erwachte ans dem Schlafe nnd hatte das 
Gefühl, als ob das Haus sich verschiebe und das Bett gehoben 
würde. (Pbtbb, Lehrer.) 

)20. Tepliwoda. Ein Stoss, von S. nach N. , begleitet von rollendem, 
rasselndem Geräusch. An der Dorfstrasse entlang zeigte sich 
ein sich lang hinziehender Riss. (Plaschkb, Hauptlehrer.) 

321. — (Pfarrer.) 

Kreis Strehleu. 

322. Crummendorf. 31^. Ein Stoss, starkes Zittern, SW.— NO., etwa 

ö Secunden anhaltend. Donnerndes Geräusch vor dem Stosse. 
Fenster nnd Ofenthüren klirrten. 

323. Prieborn. 311—81. 2—3 StGsse, wellenförmiges Zittern. Erbeben 

des ganzen Zimmers und geräuschvolles Erzittern verschiedener 
im Zimmer befindlicher Gregenstände. Bollendes Geräusch un- 
mittelbar vor der Erschütterung. 

324. Steinkirche. 3JL1 ca. Donnerartiges Schüttem. (Urbam, Bahn- 

hoftarbeiter.) 

325. — (Spilleb, Hil&bahnsteigschaffher.) 

326. Strehlen. Durch den Erdstoss wurden viele Leute aus dem Schlafe 

aufgeschreckt. Während einiger Secunden bemerkte man, wie 
sich Bilder und Spiegel an den Wänden bewegten und Gläser 
klirrten. (Herr Bojanonski.) 

327. — SU. Ein Stoss, Schaukeln nnd wellenförmiges Zittern, SW.--NO. 

Die Gläser klirrten im Schrank. Eine grosse Hängelampe wackelte 
merklich und ein mit Öl angefüllter Behälter drohte überzu- 
schwippen. (Privat.) 

328. — 311—311. 1 Stoss. Wellenförmiges Zittern, 8—10 Secunden 

anhaltend. Die auf der Steinplatte des Waschtisches stehenden 
Porcellangefässe fingen erst leise, dann stärker werdend, zu 
klappern an. Das massive Wohngebäude schien zu vibriren. 
Leiser werdend, verlor sich das Zittern wieder. (Wiesmbb, Bahn- 
meister.) 

329. Töppendorf. |4 Uhr. 1 Stoss, Schaukeln. 0.— W. Donnerndes 

Geräusch ging voran. (Privat.) 

330. — 311. Anzahl der Stösse unbestimmt. Kurze Seitenrucke mit 

5 Secunden langem, wellenförmigem Zittern. SSW.— NNO. Don- 
nern und Bassein vor der Erschütterung, dann sturmartiges 
Sausen. Erschütternde Bewegung des Hauses und der Gegen- 
stände in ihm. 

Kreis Neisse. 

Ziegenhals. 311. Deutlich verspürt. 1 Stoss, plötzliches Erwachen 
bewirkend. Ich wurde mir sofort klar, dass die Erschütterung 



Digitized by 



Google 



238 Pf- Stnrm, Das sadetische Erdbeben Yom 10. Jannar 1901. 

nur von einem Erdbeben ausgehen könne. Stossrichtung yielleicht 
W.— 0. In einem Hotel fielen auf einem Wandbrette stehende 
Teller um, ein Plakat fiel von der Wand. Geräusch, gleich dem 
eines fahrenden Wagens, fast gleichzeitig mit der Erschütterung. 
Hielt noch 1—2 See. nach dem Stosse an. (Privat.) 

Kreis Grottkau. 

Gross-Garlowitz. 1 Stoss, gegen 4 Uhr, von N. kommend, mit wellen- 
förmigem Zittern. (Hauptlehrer Fb.) 

Ellguth bei Ottmachau. 1 Stoss, SQ.— NW. gerichtet, mit wellenförmigem 
Zittern, 4 See. dauernd. Fensterscheiben und Glasschrank klirrten. 
Dumpfer Donner ging der Erschütterung voran. (B. Fb., Brunnen- 
bauer.) 

Kreis Falkenberg, Ober-Schi. 
Kirchberg. 3| Uhr. Donnerähnliches Bollen ohne besondere Erschütte- 
rung. (GemeindevorstAud.) 

Kreis Breslau. 
Breslau. 3il. 1 Stoss. Wellenförmiges Schaukeln, von N. nach S. ge- 
richtet, 3—4 See. dauernd. Das Geräusch, ein Knall, ging dem 
Stosse voran. (Stationsvorsteher des B. 0. U. Bahnhofs.) 

— Ich habe das Erdbeben nach 3 Uhr Morgens im Bett, welches schwach 

aber deutlich hin und her schwankte, empfunden, so dass ich 
sofort die Empfindung eines Erdbebens hatte. (Geheimer Begie- 
rungsrath Prof. Dr. Ladenbübg, Kaiser Wilhelmstrasse.) 

— Gegen 3| Uhr Morgens wurde ich durch ein starkes Getöse (es hörte 

sich an, als ob heftig an meiner Thür gerüttelt würde bei gleich- 
zeitigem Knistern der Wände) aus dem Schlafe aufgeschreckt. 
(Höfchenstrasse. Privat.) 

— Ich wurde fHih gegen 3\ Uhr durch ein vom Kopfende meiner Bett- 

stelle ausgehendes Schaukeln wach. Meine Schwester hat die- 
selbe Wahrnehmung gemacht und ein Klirren der Fenster be- 
obachtet. (Langegasse. Privat.) 

— Nach }4 Uhr hatte ich das Gefühl einer wellenförmigen Bewegung 

der Erde. Ich dachte unwillkürlich an ein Erdbeben. (Heilige 
Geiststrasse. Privat.) 

— Meine Frau erwachte gegen 3| Uhr plötzlich, denn ihr Bett und 

das ganze Haus machte nach ihrer Angabe eine schwankende 
Bewegung. Ich selber habe nichts verspürt. In einem Glasschrank 
schlugen Glas- und Porcellangegenstände aneinander. (Privat.) 

Goldschmieden. 31^ ca. 1 Stoss, schaukelnde Bewegung des Bettes 
von W. nach 0. Thüren klapperten, Gläser klirrten. Dauer 
1—2 See. (Director M.) 

Koberwitz. Etwa um 4 Uhr. 1 Stoss, sehr deutlich. Wellenförmiges 
Schaukeln des Bettes. Nach Beendigung des Stosses hatte ich 
etwa das Gefühl wie in einem Eisenbahnwagen, wenn der Zug 



Digitized by 



Google 



Fr. Stnrm, Das sudetische Erdbeben Yom 10. Januar 1901. 239 

plötzlich hält. Stossrichtnng S.— N. Dauer 3—4 See. Ein Bücher- 
schrank wackelte und krachte in allen Fugen. Alle Hansbewohner 
nahmen die Erschfittemng mehr oder weniger deutlich wahr. 
(PriTat.) 

Malkwitz. Gegen d| Uhr bemerkte ich Rasseln (ähnlich dem eines 
fahrenden Lastwagens); bald darauf vernahm ich ein kurzes 
Schtttteln des ganzen Hauses und ein Zittern des Erdreichs. Das 
Schütteln kam von W. nach 0. (Gemeindevorsteher.) 

Klein -Masselwitz. 2 Stösse in 8—10 See. Ein plötzliches, starkes 
Erschüttern des ganzen Hauses. Es krachte wie beim Einschlagen 
eines Blitzes, aber von unten nach oben. Mein Wachthund fing 
an zu bellen. Ich vermuthete einen Einbruch und hielt den 
Athem still, als eine schwächere, zweite Erschütterung erfolgte. 
Im Erdboden des Gartens grosse Sprünge. (Privat.) 

Puschkowa. 1 Stoss, mit dumpfem, weichem, schwerem Schlag ver- 
bunden, 3 See. dauernd. Erst Schlag, dann Schaukeln und 
Zittern. Nach der Erschütterung wiederholt Knistern im Kachel- 
ofen. (Fl., Stationsvorsteher.) 

Kreis Öls. 

Jnlinsburg, Dominium. Gegen |4 ühr 1 Stoss, Schlag von unten, 
2 — 3 See. dauernd, mit starker Erschütterung des Ofens und 
Erklingen der Gläser auf einem Waschtische verbunden. (Privat.) 

Schwierze bei Öls. Nachts dj Uhr. Ich wachte infolge eines Stosses 
auf. Geräusch wie das eines vorbeifahrenden Zuges folgte nach. 
(Privat.) 

Süsswinkel. Gegen 3| ühr. 2 Stösse unmittelbar aufeinander folgend. 
Ich wachte auf, fühlend, wie das Bett scheinbar am Kopfende in 
die Höhe gehoben wurde, schnell wieder herunterfiel, dann ebenso 
am Fnssende. Richtung ungefähr W.— 0. Ein Geräusch, ähnlich 
Wagenrollen, gleichzeitig mit der Erschütterung. (Ba., Haupt- 
mann.) 

Kreis Trebnitz. 

Machnitz. Gegen 3| Uhr 1 Stoss, wellenförmiges Zittern, Richtung 
von S. nach N. Die Stubendecke zitterte und Wascbgeschirre 
klirrten. (Frl. A. H., Vieh-Wirthschafterin.) 

Kreis Canth. 
Canth. Zwischen 3} und 3} Uhr. 2 Stösse, 2—3 See. dauernd. Heftiges 
Schwanken. Geschirr auf den Schränken klirrte heftig, Vögel 
im Gebauer fiatterten umher. Unterirdischer Donner. Von drei 
Personen in verschiedenen Theilen der Stadt beobachtet. (Polizei- 
verwaltung.) 

Kreis Steinau. 
Steinan a. 0. 3^. 1 Stoss. Kurzes, schwaches, wellenförmiges Zittern, 
mit einem scharfen Abbruch endend. Richtung W.— 0. 5—10 See. 



Digitized by 



Google 



240 ^' Sturm, Das sudetische Erdbeben vom 10. Januar 1901. 

dauernd. Gleichzeitig^ mit der Erschütterung ein Geräusch: 
Donnern, das tief unter dem Hause zu tOnen schien und mit 
dem Abbruch am stärksten war. Ich erwachte aus dem Schlafe 
und sagte mir, dass ein Erdbeben stattgefhnden haben müsse. 

Kreis Neumarkt. 

Malt seh. Gegen 3| Uhr. Zittern, ca. ö See. dauernd. Geräusch wie das 
Donnern eines yorüberfahrenden Eisenbahnzuges. (Gemeinde- 
vorsteher.) 

Nim kau. Gegen 3^. 2 StOsse, SO.— NW., von wellenförmigem Zittern 
begleitet, dem dumpfes, donnerähnliches Rollen voranging. MObel 
zitterten und schwankten beträchtlich. 

Kreis Sprottau. 
Sprottau. Gegen 4 ühr früh. Sehr starkes Bollen. Ich glaubte, es 
wäre die Artillerie alarmirt worden und rückte im Trabe ab. 
Nach dem Bollen ein Geräusch wie das eines einstürzenden ge- 
mauerten Pfeilers. In der Küche klirrte das Blechgeschirr, Thüren 
rüttelten. Mein Sopha, auf dem ich sass, schwankte. (Privat.) 

Kreis Sagan. 
Priebus. Erdbeben nur als Donner gespürt. (Gemeindevorsteher.) 
Sagan. Ich erwachte und hatte die Vorstellung, es sei etwas Schweres 
heruntergefallen. Die auf meinem Nachttischchen befindlichen 
Gegenstände klirrten. (H., Professor.) 
— 3^. 2 Stösse. Ein Geräusch, als wenn ein recht schweres Fuhr- 
werk vorbeifahre. MObel knisterten, Geschirr klirrte. (W., Gym- 
nasiallehrer.) 
-- 3} ühr. Ich wurde wach, Mörtel fiel von der Decke. (0., Professor.) 
_ 3M. 3-4 Stösse, wellenförmiges Zittern. S.— N. Gläser und 
Lampenglocken zitterten und klirrten stark, die Bettstellen 
schienen zu schaukeln. (Postamt I.) 



Digitized by 



Google 



W. Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte etc. 241 



Beiträge zur Kenntniss der Basalte aus der Gegend 
von Homberg a. Efze. 

Von 

Walter Schnitz aus Lautenburg (Westpreussen). 

Mit Taf. IX— XI, sowie 3 Textfiguren und 1 Karte (Taf. XII). 



Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Basalten der 
Umgebung von Homberg a. E. Es wnvie versucht, dieselben 
geologisch und petrographisch möglichst genau zu erforschen. 
Diesem Unternehmen stellten sich jedoch grosse Schwierig- 
keiten entgegen; denn einerseits sind grosse Strecken des 
Gebiets von Waldungen bedeckt, so dass es manchmal un- 
möglich ist, sich über die Bodenformen und Lagerungsverhält- 
nisse eingehend zu orientiren, andererseits war wegen der 
mangelnden Aufschlüsse an vielen wichtigen Punkten zur 
Untersuchung geeignetes frisches Material nicht zu erhalten. 

Das untersuchte Gebiet nimmt das Centrum des Mess- 
tischblattes Homberg der kurhessischen Generalstabskarte 
ein. Nicht mehr betrachtet wurden die nördlich der Linie 
Hebel—Hombergshausen — Elfershausen und der grösste Theil 
der südlich von Homberg anstehenden Basalte. 

Die Literatur über unser Gebiet ist bisher gering. Von 
älteren Arbeiten sind zu erwähnen: 

VoLCKMAB, Geologische Schilderung der Gegend von Homberg a. E. Diss. 
Marbnrg 1874. 

von neueren: 

Rn«NE, F., üeber norddeutsche Basalte u. s. w. I. und II. Jahrb. geol. 

Landesanst. Berlin 1892 und 1897. 
Bauer, M. , Beiträge zur Kenntniss der niederhessischen Basalte. Sitz.- 

Ber. d. k. preuss. Akad. d. Wiss. 1901. 
T&KKZBN, C. , Beiträge zur Kenntniss einiger niederhesaischer Basalte. 

Dies. Jahrb. 1902. II. p. 1. 
N. Jahrbach f. Mineralogie etc. Beilageband XVI. 16 



Digitized by 



Google 



242 W. Schultz, Beiträge zur Kenutniss der Basalte 

leb will im Folgenden zuerst in einem allgemeinen Theil 
die Beziehungen, welche sich aus dem Studium des genannten 
Gebiets insbesondere in geologischer Hinsicht ergeben haben, 
zusammenfassen, und dann in einem speciellen Theile eine 
genauere Beschreibung der wichtigsten Basaltvorkommen geben 
und hierbei auch die petrographischen Verhältnisse eingehend 
berücksichtigen. 

Allgemeiner Theil. 

Bekanntlich hat man schon früh versucht, die grossen 
Basalteruptionen Norddeutschlands mit den Dislocationen des 
Oberoligocäns bezw. Untermiocäns in Verbindung zu bringen. 
Leopold v. Buch u. A. wiesen nach, dass ein grosser Theil 
der hessischen Basalte sich in Reihen anordnen lässt, die 
gewissen bei den Einbrüchen entstandenen Spaltensystemen 
entsprechen. So unterschied man hauptsächlich zwei Systeme, 
von denen das eine von NW. nach SO., das andere von NO. 
nach SW. verlief. 

In diesen Eichtungen gehende Verwerfungen haben sich 
in unserem Gebiete im Zusammenhang mit Basalt nicht nach- 
weisen lassen, was auch erklärlich ist, da der Untergrund 
der Basaltergüsse fast durchweg aus Braunkohlensanden 
besteht. Dagegen lässt sich ein grosser Theil der Basalt- 
kuppen in fast geraden Linien anordnen. Es kann dies nicht 
auf Zufall beruhen, da die auf solchen Linien liegenden Basalte 
petrographisch oft sehr nahe übereinstimmen. So liegen die 
gut charakterisirten, petrographisch identischen Basalte vom 
Stellberg, Hundsacker, Loh, Stopf lingskopf und Hügelskopf 
genau in einer von NO. nach SW. gehenden Linie. Brocken 
dieses Basaltes finden sich auch in den Tuffen von Hof Sauer- 
burg, durch welche unsere Linie hindurchgeht. Es stehen 
also auch unter Hof Sauerburg Basalte dieser Art an. Etwa 
senkrecht zu dieser Linie lässt sich durch Hof Sauerburg 
eine zweite ziehen, welche durch den Weinberg, das Hirtzel- 
rode und den Sandberg geht. In dem Tuffe vom Weinberg 
finden sich dieselben Basaltbrocken ; der Basalt vom Sandberg 
stimmt mit ihnen völlig überein und das Gestein vom Hirtzel- 
rode ist ihnen derartig ähnlich, dass es wohl für eine local 



Digitized by 



Google 



aus der Oegend von Homberg a. E. 243 

abweichende Ausbildung desselben Basaltes zu halten ist. 
Gesteine, die diesen ähnlich sind, kommen nur noch direet 
südlich vom Bahnhof Homberg und im TuflFe des Frauenkopfes 
vor, sonst nirgends in unserem Gebiete; und auch diese 
beiden Basalte liegen in einer Linie, die von NO. nach SW. 
gerichtet ist. 

Man kann nun mit grosser Wahrscheinlichkeit behaupten, 
dass petrographisch völlig übereinstimmende Gesteine auch 
gleichzeitig aus demselben Herde ergossen worden sind, ins- 
besondere wenn sie sich in derartigen Reihen anordnen lassen. 
Aber auch noch andere Gesteine passen in dies Spaltensystem. 
Auf der Linie Stellberg — Hügelskopf liegen die einander sehr 
ähnlichen Limburgite von Hof Sauerburg und Schlossberg 
Homberg, die Feldspathbasalte der Drachenburg, des Sauer- 
burgholzes, des Goldberges und die unter dem Hügelskopf 
anstehenden nephelinführenden Feldspathbasalte. Verlängert 
man diese Linie nach Westen, so trifft man auf den Batzenberg, 
der mit dieser Spalte vielleicht auch in einem geologischen 
Zusammenhang steht. Parallel zu unserer Spalte liegen die 
drei Limburgite vom Frauenkopf, Stopf ling und Herzberg. Für 
die NW. — SO.-Richtung ist es bemerkenswerth, dass derMosen- 
berg in dieser Linie gestreckt ist und Brocken des Nephelin- 
basaltes vom Mosenberge sich ausser in dem Tuff von Hof 
Sauerburg auch im Tuffe des Eichelskopfes finden. 

Auch die übrigen Basaltkuppen lassen sich zum grossen 
Theil in Reihen anordnen, doch konnten hier nähere Beziehungen 
nicht festgestellt werden. 

Die Lagerungs Verhältnisse und die geologische Er- 
scheinungsart konnte für die Mehrzahl der Basalte klargestellt 
werden. 

Primäre Kuppen sind in grosser Zahl vorhanden und 
konnten zum Theil durch ihre Kennzeichen: einen sie rings 
umgebenden Tuffmantel und meilerartige Säulenstellung als 
solche mit Sicherheit nachgewiesen werden. Beispiele hierfür 
sind der Frauenkopf, Hof Sauerburg, Weinberg, Stellberg, 
Hügelskopf, Schlossberg Homberg, Kleiner Mosenberg. 

Ströme sind in unserem Gebiet verhältnissmässig spär- 
lich geflossen. Das typischste Beispiel hierfür ist wohl der 
Eichelskopf bei Holzhausen, wo ein Doleritstrom direet auf 

16* 



Digitized by 



Google 



244 W. Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

Tuffen auflagert und ausgezeichnete Stromober- und -unter- 
flächen aufweist. Ebenso ist der Dolerit vom „Altefeld'^ und 
„Im Sess" durch zahlreiche gut erhaltene Stromoberflächen- 
stücke als Strom kenntlich. Übereinandergeflossene Ströme 
sind im grossen Steinbruch des Hügelskopfes aufgeschlossen. 
Ein den Tuff überlagernder Nephelinbasaltstrom findet sich 
am Südwestabharig des Weinberges. Ausser an den genannten 
Punkten finden sich Oberflächenlaven auch noch östlich und 
südlich vom Herzberg, aber in wenig guter Erhaltung. 

Gänge liessen sich mit Sicherheit nur am Werrberg 
und am Kleinen Mosenberg nachweisen, von welchem aus die- 
selben in südöstlicher Richtung verlaufen. Vielleicht ist auch 
ein Theil der Basalte vom Hügelskopftypus gangförmig er- 
starrt; dies gilt für die Basalte vom Loh und Hundsacker, 
die in Richtung der Spalte sehr in die Länge gezogen sind. 

Schliesslich sind noch die secundären Kuppen zu 
erwähnen. Vollkommen isolirte secnndäre Kuppen kommen 
in unserem Gebiet nicht vor. Abgeschnittene Stromtheile 
machen nie den Eindruck einer Kuppe, sondern haben stets 
flache, sich dem Gelände anschmiegende Formen, wie es z. B. 
beim Altefeld westlich vom Eichelskopf und beim Vorkommen 
im Felde nordwestlich vom Hildebrand der Fall ist. Dagegen 
ist die Sache zweifelhaft bei solchen Vorkommen, die zwar 
eine ausgesprochene Kuppenform haben, aber an einer Seite 
mit anderen Basalten in Verbindung stehen, so dass hier die 
Höhenunterschiede zwischen der Kuppe und dem angrenzenden 
Gestein nur gering sind. Bei solchen Laven ist nur nach 
einem eingehenden petrographischen Studium ein Schluss 
möglich, Beispiele hierfür sind der Eichelskopf und der 
Spitzenberg. Meine Auffassung dieser Vorkommen findet sich 
an der betreffenden Stelle in der speciellen Beschreibung. 

Die Absonderung der Basalte ist sehr mannigfaltig: 
meist ist sie säulenförmig oder plattig, seltener kugelig oder 
unregelmässig. 

Ausgezeichnet säulenförmig abgesondert sind der Dolerit- 
strom am Westabhang des Eichelskopfes, der Schlossberg bei 
Homberg, Kleiner Mosenberg, Hof Sauerburg, Sauerburgholz 
und besonders das Loh. Eine sehr gut ausgeprägte meiler- 
artige Säulenstellnng ist im grossen Steinbruch des Hügels- 



Digitized by 



Google 



ans der Gegend von Homberg a. £. 245 

kopfes zu erkennen. Dftnnplattig abgesonderte Basalte sind 
aufgeschlossen am Rumpel (Mosenberg) und am Südwestabhang 
des Mosenberges, am Steinfeld, bei Dagobertshansen, am West- 
abhang der Hessein und westlich von Berndshausen. Dick- 
plattig abgesondert ist der Basalt vom Spitzenberg. Kugelige 
Absonderung zeigt der Dolerit vom Sudausgang von Holz- 
hausen und der Glasbasalt westlich vom Kohlenbergwerk 
Ronneberg; auch fanden sich Auswürflinge eines kugelig 
abgesonderten Nephelinbasaltes im Eichelsgraben bei Holz- 
hausen. 

Was nun die Arten der Basalte betrifft, so ist das 
Gebiet im Allgemeinen einförmig ; Melilith- und Leucitbasalte 
sind gar nicht vorhanden; dagegen ist ein bedeutender Theil 
der Basalte durch einen mehr oder weniger grossen Gehalt 
an Nephelin ausgezeichnet. Eigentlicher Nephelinbasalt ist 
nur vom Werrberg und vom Mosenberg und den ihn umgeben- 
den Bergen bekannt. Durch Aufnahme von Feldspath gehen 
diese Gesteine stellenweise in Basanite über. Neben Feld- 
spath fähren Nephelin die Basalte vom Hügelskopftypus, des 
Omeisers, des Hirtzelrodes, des Steinfeldes und der Hessein 
bei Berndshausen. Limburgitische Gesteine sind ebenfalls 
häufig. Ganz feldspathfrei sind der Herzberg und das in der 
Literatur als Limburgit vom Südfass des Stellberges bekannte 
Vorkommen; einen ganz geringen Plagioklasgehalt haben die 
Gesteine vom Frauenkopf, Schlossberg Homberg und Hof Sauer- 
burg. Am verbreitetsten sind die Feldspathbasalte. Sie bilden 
die Umgebung von Hof Sauerburg, den Goldberg, die Drachen- 
burg, die Hute bei Weiferode, den Eichelskopf u. s. w. Olivin- 
freie Gesteine wurden nicht anstehend gefunden, sondern nur 
in Blöcken unbekannten Ursprungs auf der „Heide*' nord- 
östlich vom Werrberg. 

Ein besonderes Merkmal der Homberger Basalte ist ihr 
Glimmerreichthum. Derselbe ist oft so bedeutend, dass der 
Glimmer einen nicht unwesentlichen Antheil an der Zusammen- 
setzung des Gesteins hat. Solche glimmerführende Basalte 
sind insbesondere der Stellberg, Hundsacker, Kleine Mosen- 
berg, Hildebrand und die Feldspathbasalte bei Hof Sauer- 
burg. In den Limburgiten konnte kein Biotit nachgewiesen 
werden. 



Digitized by 



Google 



246 W. Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

HornblendefBhrende Basalte wurden nicht gefanden. 

Die Unterschiede in der Structur sind nicht gross. I- 
meisten Basalte sind dicht, nur die Gesteine vom Hügelsk«i: 
typus mittel- bis feinkörnig. 

Glasbasalte stehen westlich vom Kohlenbergwerk Roüd- 
berg an. 

Schliesslich ist noch die von Sandberger und Strexg ül- 
genommene Unterscheidung der Feldspathbasalte in eigentlic.- 
Basalte und Dolerite zu betrachten. Dieselbe lässt sich au< 
für unser Gebiet aufrecht erhalten. In den meisten Fältri 
lassen sich die Dolerite durch ihr gröberes Korn, idiomorpL- 
Feldspathleistchen, die älter sind als der Augit, und den (it- 
halt an Titaneisen von den eigentlichen Feldspathbasalu^ 
trennen. Solche ausgesprochenen Dolerite sind der Hildebrand 
Steiger und Eichelskopf. In einigen Gesteinen sind Magnei- 
eisen und Titaneisen nebeneinander in wechselnden Verhal:- 
nissen ausgeschieden ; man kann dann einen Übergang beider 
Basaltarten ineinander constatiren. In anderen VorkommeL 
ist die Bestimmung des Erzes völlig unsicher ; solche Gesteitt 
rechne ich zu den eigentlichen Basalten. Die sonst in Hessen 
beobachtete Erscheinung, dass die Dolerite nur auf Ströme 
beschränkt sind, scheint nicht durchweg zuzutreffen; jeden- 
falls macht der Hildebrand ganz den Eindruck einer primären 
Kuppe. 

Die Altersverhältnisse der Basalte wurden nacL 
Möglichkeit erforscht. Das sicherste Hilfsmittel hierzu bot 
das Aufeinanderlagern verschiedener Basalte und das Studioni 
von Basaltauswürflingen der Tuffe. Es wurde hierbei die 
Annahme gemacht, dass petrographisch einander völlig gleiche 
Gesteine dasselbe Alter haben, insbesondere wenn sie sicli 
in unser Spaltensystem einordnen lassen. Ich gebe im Fol- 
genden eine Zusammenstellung der Ergebnisse ; der Nachweis 
im Einzelnen erfolgt im speciellen Theile. 

T. Durch Feststellung einer Auflagerung von 
Basalt auf Basalt ergab sich: 

1. Basalt vom Hügelskopf jünger als der nephelin- 
führende Basalt von Dagobertshausen und vom Spitzen- 
berg. 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 247 

2. Nephelinbasalt vom Mosenberg jünger alsder nephelin- 
fuhrende Feldspathbasalt vom Südwestabhang desselben 
Berges. 

3. Liimburgit vom Frauenkopf jünger als die auf dem- 
selben Berge anstehenden Feldspathbasalte und Dolerite. 

II. Aus Vergleichung der Auswürflinge von Tuffen 
mit den Gesteinen des Gebiets ergaben sich fol- 
gende Beziehungen zu den Eruptionscentren der 
Tuffe: 

4. Tuff vom Weinberg. 

Nephelinbasalt vom Weinberg jünger als die nephelin- 
führenden Basalte vom Hügelskopftypus. 

5. Tuff von Hof Sauerburg. 

Limburgit von Hof Sauerburg jünger als die Feld- 
spathbasalte bei Hof Sauerburg, der Nephelinbasalt 
vom Mosenberg und die Basalte vom Hügelskopftypus. 

6. Tuff vom Frauenkopf. 

Limburgit vom Frauenkopf jünger als Dolerite und 
die Basalte vom Hügelskopftypus. 

7. Tuff vom Kleinen Mosenberg. 

Nephelinbasanit vom Kleinen Mosenberg jünger als 
Feldspathbasalte. 

8. Tuff vom Werrberg. 

Nephelinbasalte und Basanite vom Werrberg jünger 
als Feldspathbasalte und Basalte vom Hügelskopftypus. 

9. Tuff vom Eichelskopf. 

Dolerit vom Eichelskopf jünger als der Nephelinbasalt 
vom Mosenberg und Feldspathbasalte. 
Fassen wir diese Ergebnisse zusammen, so kommen wir 
zu folgenden Resultaten: 

a) Die Limburgite sind jünger als die Dolerite, Nephelin- 
basalte, Basalte vom Hügelskopftypus und Feldspath- 
basalte. 

b) Die Dolerite sind jünger als die Nephelinbasalte und 
Feldspathbasalte. 

c) Die Nephelinbasalte sind jünger als die Basalte vom 
Hügelskopftypus und die Feldspathbasalte. 

d) Die Basalte vom Hügelskopf sind jünger als die Feld- 
spathbasalte. 



Digitized by 



Google 



248 W. Schultz, Beiträge zur Eenntniss der Basalte 

Es ergiebt sich hieraus folgende Alterstabelle: 



Limbnrgite. 



Dolerite. 



Nephelinbasaite und -basanite. 



Basalte vom Hügelskopftypus. 



Feldspathbasalte (z. Th. nepheiinfUhrend). 



Schliesslich noch einige Worte über die Verwitterung 
der Basalte. Im 6anzen hat sich das Bild der Basalte nur 
wenig geändert. Eine Zerstörung grösserer Basaltmassen 
hat nur an wenigen SteUen stattgefunden, so hat z. B. die 
Efze südlich von Homberg mehrere Basaltströme zerschnitten. 
Südöstlich von Ostheim hat ein kleiner Bach die Basalte des 
Loh und Stöpflingskopf durch eine tiefe Schlucht getrennt. 
Der Strom vom Altefeld wird durch den Eichelsgraben von 
seinem Eruptionscentrum, dem Eichelskopf, getrennt. Hier 
hat wohl zuerst eine Wegspülung der Tuffe unter dem Basalt 
stattgefunden, so dass dann die Atmosphärilien den Strom 
zugleich von oben und unten angreifen konnten. Eine voll- 
kommene Zersetzung von Basalten ist an zwei Punkten zu 
constatiren, an den oberen Theilen des unteren Stromes im 
Hügelskopf und an dem Glasbasalt westlich vom Kohlen- 
bergwerk Ronneberg. In beiden Fällen sind stark eisen- 
haltige Aluminiumhydroxyde entstanden. Wir haben es also 
mit einer der Bauxitverwitterung des Vogelsberges analogen 
Erscheinung zu thun. 

Speeieller Theil. 
A. Die Basalte. 

Der eingehenderen Beschreibung der einzelnen Gesteine 
möge eine kurze Charakteristik ihrer Gemengtheile vorangehen. 
Der Plagioklas tritt meist nur in einer Generation als Grund- 
massengemengtheil auf. Er bildet dann schmale Leistchen, 
deren Grösse in den einzelnen Gesteinen ziemlich schwankt 
und bis zu Mikrolithendimension herabgeht. In Stromober- 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 249 

flächen treten bei Doleriten gern gegabelte Wachsthumsformen 
auf. Einige Gesteine, besonders das vom Loh und Stellberg, 
besitzen makroporphyrische, bis 2 mm lange dicktafelförmige 
Feldspathe mit ausgezeichneten Zwillingsbildungen nach dem 
Albit- und Periklingesetz, seltener nach dem Bavenoer Gesetz. 
Auch Ereuzalbitzwillinge kommen vor. Zonarstructur wurde 
nur in einem Falle beobachtet. Als allotriomorphe Füllmasse 
tritt der Plagioklas selten in nephelinftthrenden Gesteinen auf, 
von letzterem Mineral nur durch seine Widerstandsfähigkeit 
gegen verdünnte HCl unterschieden. Einschlüsse anderer 
Mineralien sind sehr selten, in einigen Fällen wurden Augit- 
säulchen und Apatitnädelchen angetroffen. 

Der Augit bildet meist zwei Generationen; nur in wenigen 
Gesteinen lässt sich eine Scheidung nicht streng durchführen. 
Seine Farbe schwankt zwischen grau und braun und geht zu- 
weilen ins Violette über. Oft ist ein sehr deutlicher Pleo- 
chroismus bemerkbar, besonders bei Augiten mit violettem 
Tone. Zwillinge nach (»Pöö sind sehr häufig; in einigen Ge- 
steinen überwiegen sogar die Zwillinge über die einfachen 
Formen. Sanduhrförmiger Bau wurde besonders bei den 
Augiten vom Hügelskopf beobachtet. Die Form der Augite 
ist meist die gewöhnliche, zuweilen ist die Prismenzone sehr 
kurz, während die Endbegrenzungen vorherrschen. 

Die Einsprenglingsaugite haben meist einen farblosen oder 
schwach grün gefärbten, seltener einen intensiv dunkelgrün 
gefärbten Kern, der in manchen Basalten durch äusserst zahl- 
reiche Glaseinschlüsse skelettartig wird. Die Grundmassen- 
augite haben eine dunklere Farbe als die Einsprengunge. Sie 
sind meist nach der c-Axe lang gestreckt und zeigen zuweilen 
eine deutliche Absonderung nach ^JP». In Gesteinen mit 
Intersertalstructur haben sie oft eine allotriomorphe Ausbil- 
dung. In feldspathreichen Typen bildet der Augit manchmal 
dünne, sehr lange schilfartige Formen von violetter Farbe 
ohne Endbegrenzungen. 

Der Olivin findet sich nur in einer Generation als intra- 
tellurische Bildung. U. d. M. ist er farblos mit einem Stich 
ins Grüne. Meist bildet er Körner, zerbrochene oder corrodirte 
Erystalle. In manchen Gesteinen, besonders Limburgiten und 
Nephelinbasalten , überwiegen aber regelmässige sechsseitige. 



Digitized by 



Google 



250 ^- Schultz, Beiträge zur Keuntniss der Basalte 

rechteckige und rhombische Durchschnitte. Zuweilen sind die 
Krystalle nach der c-Axe sehr in die Länge gezogen. Zwil- 
lingsbildungen nach Pob sind nicht selten. Im Schliff ist die 
Zwillingsgrenze meist eine gerade Linie. Auch mehrfache 
Zwillingsbildung nach demselben Gesetz wurde beobachtet. 
Zonai-structur zeigt der Nephelinbasalt vom Kumpel. Die 
chemische Zusammensetzung scheint eine recht verschiedene 
zu sein. Die Olivine der Olivinknollen (und der einzelnen 
Olivinkörner der Tuffe) werden von HCl nur schwach an- 
gegriffen, während die Olivine der Limburgite und zum Theil 
der Nephelinbasalte wenig widerstandsfähig gegen dies Mittel 
sind. Es sind daher auch die Verwitterungserscheinungen 
verschieden. In manchen schon stark zersetzten Gesteinen 
ist der Olivin noch fast frisch, während in anderen nur wenig 
zersetzten- Gesteinen kaum noch Reste frischen Olivins vor- 
handen sind. Meistens entstehen bei der Verwitterung grüne 
Producte von Serpentin- oder chloritähnlicher Zusammensetzung. 
Fast ebenso oft tritt die Bildung von Eisenhydroxyden unter 
Rothbraunfärbung des ganzen Krystalls ein. Zuweilen ent- 
steht deutlich pleochroitischer Iddingsit. In sehr stark zer- 
setzten Gesteinen findet man Opal in der Form des Olivins 
zusammen mit Eisenhydroxyden. Die Beziehungen zwischen 
zersetztem Olivin und Biotit bespreche ich bei letzterem 
Mineral. 

Der Magnetit kommt meist in einer, selten in zwei 
Generationen vor ; dann bildet die erste grössere, mehr lappen- 
förmige Gebilde, die öfters im Schliff eine Fläche von mehreren 
Quadratmillimetern einnehmen, die zweite kleine regelmässig 
begrenzte Körner. Dendritische Magnetitbildungen treten gern 
in Oberflächenlaven auf. 

Der Ilmenit findet sich in grösseren Mengen in den als 
Dolerit bezeichneten Gesteinen an Stelle des Magnetits in den 
charakteristischen lappenförmigen und leistenförmigen Umrissen. 
Er ist jedenfalls jünger als der Magnetit, zuweilen eine ganz 
junge Ausscheidung, und hat dann Eindrücke und Einschlüsse 
von Feldspath. In den Doleriten enthalten die Stromober- 
flächen keinen Ilmenit, sondern Magneteisen; die Oberflächen- 
laven erstarrten eben zu schnell, als dass sich noch Ilmenit 
bilden konnte. In mehreren Laven ist die Beantwortung 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. £. 251 

der Frage, welches von beiden Erzen vorliegt, sehr schwer. 
Das Erz tritt hier zwar in lappenförmigen Gebilden auf, da- 
gegen fehlen leistenförmige Durchschnitte fast ganz. Die so 
oft angeführte Unterscheidung mittelst des Magneten und der 
Löslichkeit in HCl führt nicht zum Ziele. Gerade in den 
Fällen, wo eine Trennung auf optischem Wege nicht möglich 
ist, zeigen beide Mineralien dieselbe Reactionsfähigkeit gegen 
HCl und den Magneten. In dem Basalte vom Hügelskopf 
kommt Magneteisen in erster, Titaneisen in zweiter Generation 
vor. In demselben Gestein findet sich auch ein pleochroi- 
tisches Mineral, das von F. Rinne ^ in den Basalten des 
Habichtswaldes als sogenannter Ilmenit zweiter Art be- 
schrieben wird. 

Nephelin tritt fast in sämmtlichen Gesteinen in mehr 
oder weniger grosser Menge auf. In nephelinreichen Basalten 
bildet er als Füllmasse die letzte Ausscheidung des Magmas ; 
in nephelinarmen Gesteinen kommt er in einzelnen Krystallen 
oder kleinen Partien vor, oder ist auf Zwickel beschränkt. 
Da manche farblose Gläser mit HCl dieselbe Reaction wie 
Nephelin geben, so ist es oft unmöglich zu entscheiden, ob 
farbloses Glas oder senkrecht zur Hauptaxe geschnittener 
Nephelin vorliegt. 

Bei nephelinreichen Gesteinen genügte es, eine Ecke des 
Schliffs mit einem dünnen Hauch von verdünnter H Cl zu über- 
ziehen, um schon in wenigen Minuten die Bildung einer SiOg- 
Haut und Ausscheidung von reichlich viel Na Cl- Würfelchen 
zu veranlassen. In nephelinarmen Basalten trat die Reaction 
oft nicht ein, und zwar gerade in solchen Gesteinen, die reich 
an zersetztem Olivin waren. Es erschienen aber sofort NaCl- 
Wtirfelchen, wenn man den Schliff einige Augenblicke über 
einer Flamme schwach erwärmte. Liess man einen solchen 
Schliff wenige Minuten an der Luft liegen, so waren in kurzer 
Zeit die Würfelchen verschwunden und es hatten sich Wasser- 
tröpfchen an der angegriffenen Stelle gebildet. Der Grund 
bierfür liegt wohl darin, dass dem Olivin Mg unter Bildung 
vonMgClg entzogen wurde, welches bekanntlich hygroskopisch 
ist, so dass die NaCl-Lösung zu verdünnt wird, um aus- 
krystallisiren zu können. 

* F. RmNE, tJber norddeutsche Basalte. 1892. p. 69. 

Digitized by VjOOQ IC 



252 W. Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

Apatit und Biotit sind selten fehlende Gemengtheile. 
Beide kommen stellenweise sogar in überraschender Menge 
vor. Der Apatit bildet meist äusserst winzige, langgestreckte 
Nädelchen. Zuweilen tritt er aber in makroporphyrischen 
Krystallen auf, die eine Länge bis zu 2 mm erreichen; die 
Längsschnitte zeigen dann eine deutliche basale Spaltbarkeit. 
Die sechsseitigen Querschnitte haben oft ßlaseinschlüsse von 
der Form des Wirts. 

Biotit lässt sich in allen Gesteinen, mit Ausnahme der 
Limbnrgite, nachweisen. Er umrandet gern den Olivin und 
das Erz. Merkwürdigerweise tritt er besonders in zersetzten 
Basalten auf und dann als Umrandung oder Einschluss ver- 
witterter Olivine. Es macht dies wahrscheinlich, dass ein 
Theil des Glimmers eine secundäre Bildung ist. Sehr oft sieht 
man grössere Glimmerlamellen in Verbindung mit Angitaugen. 
Vielleicht handelt es sich auch hier um eine Neubildung. 

Eine aus braunem, durch H Cl schwer angreifbarem Glase 
bestehende Basis gelangte besonders in feldspatharmen Typen 
zui' Ausbildung. Farbloses Glas ist seltener; es tritt gern 
in den an farbigen Gemengtheilen reichen Gesteinen auf und 
giebt dann meist mit HCl Kochsalzwürfelchen. Zuweilen 
kommen beide Gläser nebeneinander vor und gehen dann in- 
einander über. 

Ich gehe nun zur Besprechung der einzelnen Vorkommen 
über und betrachte dieselben ihrer Reihenfolge in der auf- 
gestellten Alterstabelle nach. Doch wird im Folgenden dies 
nicht überall streng eingehalten werden, um nicht eng zu- 
sammengehörende Gesteine voneinander zu reissen. 

I. Die Feldspathbasalte. 

Wenn auch die Feldspathbasalte sich nicht durchweg in 
das oben angeführte Spaltensystem einfügen lassen, so ist 
doch immerhin die Anordnung einer grösseren Anzahl der Vor- 
kommen in der Richtung von NO. nach SW. bemerkenswerth. 
Es sind dies die Basalte der Drachenburg, Sauerburgholz, 
Wolfsplatte, Goldberg und die unterhalb des Hügelskopfes 
anstehenden Basalte. Während diese Gesteine durchweg ein- 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 253 

ander mehr oder weniger ähneln, erstreckt sich zwischen den 
Dörfern Mörshausen und Berndshausen ein Feldspathbasalt- 
massiv, welches sich nicht in das Spaltensystem einordnen 
lässt und auch petrographisch von den genannten Basalten 
verschieden ist. Als drittes Massiv ist noch der Kehrenberg 
bei Hombergshausen zu nennen. Wir besprechen diese Ge- 
steine in der angegebenen Eeihenfolge. 

1. Die Feldspathbasalte bei Hof Sauerburg. 

Geologisch lässt sich über diese Basalte wenig sagen. 
Ihre Erstreckung in der Richtung von NO. nach SW. macht 
es wahrscheinlich, dass sie ihre Entstehung einer Anzahl in 
dieser Richtung angeordneter Eruptionscentren verdanken. 
Wie der Zusammenhang aber im Einzelnen war, lässt sich 
nicht mehr mit Sicherheit sagen. Einige mehr oder weniger 
kuppenförmige Erhebungen, nämlich der Goldberg, die 
Wolfsplatte, das Hegeholz, das Sauerburgholz und 
die Drachenburg sind wohl als primäre Kuppen aufzu- 
fassen. Die genannten Vorkommen stimmen petrographisch 
so nahe überein, dass sie unzweifelhaft Erstarrungsproducte 
desselben Magmas sind. Nur in dem Grössenverhältniss der 
Gemengtheile lassen sich geringe unterschiede feststellen. 
Die Basalte zwischen Steinfeld und Hof Sauerburg sind dicht, 
das Gestein der Drachenburg fein- bis mittelkörnig, die übri- 
gen Vorkommen feinkörnig. Sie enthalten alle als Einspreng- 
unge grosse, grün verwitterte Olivinkömer und Augitkrystalle 
mit einem an Glas-, Magnetit-, Olivin- und Biotiteinschlüssen 
reichen hellbraunen Centrum und einem meist dunkelbraunen 
einschlussarmen Rande. In der Grundmasse sind Plagioklas 
und Augit etwa zu gleichen Theilen vorhanden. Ersterer 
bildet meist Leistchen, selten xenomorphe Partien, letzterer 
sehr kleine, nach der c-Axe gestreckte, scharf begrenzte Säul- 
chen. Der Magnetit ist sehr reichlich. Biotit kommt in sämmt- 
lichen Gesteinen vor, besonders in dem Basalt von der Wolfs- 
platte und direct nördlich vom Sauerburgholz. 

Häufig sind Augitaugen, wie sie Rinne* beschreibt. Oft 
waren die neugebildeten Augite mit einem tief grasgrünen 



F. Rinne, Über norddeutsche Basalte. I. 1892. p. 86. 

/Google 



Digitized by ^ 



254 W. Schnitz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

Mineral verwachsen, das wohl als Ägirin anzusprechen ist. 
Zuweilen befindet sich zwischen dem Reste des ursprünglichen 
Quarzkornes und dem Augitsaum eine Zone von Tridymit mit 
deutlich erkennbarer Dachziegelstructur. In der Mehrzahl 
der Augitaugen befinden sich auch noch grössere Biotitlamellen. 
Dieselben sind wohl als Neubildungen aufzufassen, da sie nie 
im Centrum, sondern ausschliesslich in der Randzone der Augen 
sich finden. 

Im Basalte der Drachenburg stellen sich geringe 
Mengen eines farblosen Glases ein, welches mit HCl Koch- 
salzwürfelchen giebt. Dasselbe verwittert, ähnlich dem Olivin, 
in grüne Producte. Stellenweise wird der Gehalt an dem 
dann braunen Glase grösser. Das Gestein zeigt dann eine 
ausgezeichnete Intersertalstructur. 

Das Gestein vom H e g e h o 1 z , welches im übrigen völlig 
den direct nordöstlich von Hof Sauerburg anstehenden Basalten 
entspricht, ist durch einen reichlichen Gehalt an Nephelin 
ausgezeichnet und dürfte wohl als eine local abweichende 
Facies aufzufassen sein. 

Südlich vom Sauerburgholz bis direct nördlich von Mörs- 
hausen zieht sich ein Basaltrücken, „Bergäcker" genannt, 
hin, der von einer Reihe voneinander etwas abweichender 
Feldspathbasalte gebildet wird. Die Lagerungsverhältnisse 
sind hier sehr verwickelt und wegen des Mangels an Auf- 
schlüssen nicht klarzustellen. Auf der Höhe des Bergi'ückens 
liegen viele grosse Basaltblöcke, die nach dem mikroskopischen 
Befund völlig tibereinstimmen mit Bomben aus dem Tuff 
von Hof Sauerburg. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass 
auch diese Blöcke Bomben aus demselben Tuff sind. Sie 
werden bei dem Tuffe von Hof Sauerburg näher beschrieben. 

2. Die Feldspathbasalte bei Berndshausen. 

Über diese Basalte ist wenig zu sagen. Das Gestein des 
Schellenberges ist ein normaler Feldspathbasalt, der durch 
einen geringen Gehalt an Glimmer ausgezeichnet ist. Nach 
der Form des Vorkommens ist es wahrscheinlich, dass der 
Schellenberg ein Eruptionscentrum war, von dem nach Dickers- 
hausen zu sich ein Strom ergoss. 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 255 

Interessanter ist das Gestein des Hopfenberges und der 
„Hessein", welches in einem grossen Steinbruche östlich von 
Mörshausen recht gut aufgeschlossen ist. Der Basalt ist aus- 
gezeichnet dünnplattig abgesondert. Die Schliffe lassen u. d. M. 
ein mittelkörniges Gestein erkennen mit Einsprenglingen von 
Augit und Olivin, die sich aber nur wenig über die Grösse 
der Grundmassengemengtheile erheben. In der Grundmasse 
tritt neben dem Plagioklas, Augit und Magneteisen in nicht 
unwesentlicher Menge Nephelin, bezw. farbloses, die Nephelin- 
reaction gebendes Glas auf. Der Plagioklas überwiegt über 
den Augit bedeutend und bildet z. Th. xenomorphe Partien. 
Der Augit bildet sehr scharf begrenzte nach der c-Axe ge- 
streckte Säulchen. 

Dem Hopfenberg ist im Westen ein langgestrecktes 
Basaltvorkommen vorgelagert, welches sich kaum über den 
umgrenzenden Braunkohlensand erhebt und einem Feldspath- 
basalt angehört, welcher mit dem des Schellenberges nahezu 
identisch ist. 

Ich möchte an dieser Stelle noch erwähnen, dass der 
dünnplattig abgesonderte Basalt vom Steinfeld nördlich Hof 
Sauerburg dem Basalt der „Hessein" u. d. M. äusserst ähnlich 
ist, was besonders bemerkenswerth ist, da sich beide Vor- 
kommen in der Richtung der NW. — SO.-Spalte anordnen. 

3. Der Kehrenberg. 

Dieses isolirte Vorkommen bildet eine primäre, in nord- 
westlicher Richtung etwas in die Länge gezogene Kuppe. 
Das Gestein ist sehr dicht und zeigt u. d. M. Einsprenglinge 
von corrodirtem Olivin und kleinen Augiten, welche zahlreiche 
in Reihen angeordnete dreiseitige Magnetitdurchschnitte als 
Einschlüsse enthalten. In der Grundmasse stellt sich in 
geringer Menge farbloses, die Nephelinreaction gebendes Glas 
und Biotit in winzigen Schüppchen ein. 

Es gehören noch mehrere Feldspathbasalte in diese 
Gruppe, da dieselben aber mit Nephelinbasalten, bezw. Dole- 
riten in enger Verbindung stehen, so bespreche ich sie bei 
diesen Gruppen. 



Digitized by 



Google 



256 ^' Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

II. Die Basalte vom Hugelskopftypus. 

Südöstlich vom Dorfe Ostheim bei Malsfeld erhebt sich der 
durch einen grossen Steinbrach gat aufgeschlossene Hügels- 
köpf. Seine Kuppenform, meilerartige Säulenstellung und die 
von ihm ausgehenden Ströme charakterisiren ihn als Eruptions- 
centrum. Während das Gestein des eigentlichen Centruras 
in scharf voneinander gesonderte, nach unten zu dicker 
werdende Säulen in meilerartiger Stellung zerfällt und petro- 
graphisch ein einheitliches Bild bietet, gehören die Ströme 
zwei verschiedenen Eruptionsperioden an. Es lässt sich dies 
in dem Steinbruche recht gut verfolgen. Von Ostheim aus 
gesehen, an der rechten Seite des Steinbruchs, erkennt man 
deutlich zwei durch eine Zone von völlig zersetztem basaltischem 
Material getrennte Basaltströme, einen oberen, säulenförmig 
abgesonderten, der petrographisch dem Eruptionscentrum ent- 
spricht und einen unteren, plattig abgesonderten, von diesem 
völlig verschiedenen Basalt. Da letzterer dem den Spitzen- 
berg bildenden und bei Dagobertshausen anstehenden Basalt 
sehr ähnelt, so liegt die Vermuthung nahe, dass diese drei 
Gesteine gleichalterig sind und in geologischem Zusammen- 
hange stehen, was um so wahrscheinlicher ist, als sowohl der 
Spitzenberg, wie das Vorkommen bei Dagobertshausen mit 
dem Hügelskopf in enger Verbindung stehen. Es fragt sich 
nun, welches der Eruptionspunkt dieser drei Gesteine ist. 
Hierbei kommen nur der Hügelskopf selbst und der Spitzen- 
berg in Frage, da der Stromcharakter des Vorkommens bei 
Dagobertshausen nicht zu verkennen ist. Es ist also entweder 
vom Hügelskopf in nördlicher und südlicher Richtung je ein 
Strom geflossen oder aber vom Spitzenberg ein Strom in 
nordöstlicher Richtung nach Dagobertshausen zu ausgegangen, 
der später durch die Eruption des Hügelskopfes durchbrochen 
wurde. Erstere Annahme scheint mir wahrscheinlicher, da der 
Spitzenberg trotz seiner bedeutenden Höhe (351 m ü. d. M.) 
immer noch unter dem Niveau des unteren Stromes im Hügels- 
kopf liegt. 

Die Gesteine der älteren Eruptionsperiode sind nephelin- 
führende Feldspathbasalte. Sie sind ausgezeichnet dünnplattig 
abgesondert und daher recht stark verwittert. 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 257 

U. d. M. zeigt der Spitzenberg-Basalt eine dichte, aus 
Plagioklas, Augit, Magneteisen und wenig Nephelin bestehende 
Grundmasse. Der Augit bildet winzige idiomorphe, nach der 
c-Axe gestreckte bräunliche Säulchen. Er ist älter als der 
Feldspath, dessen Leistchen und rundliche Durchschnitte mit 
Apatitnädelchen geradezu gespickt sind. Das Magneteisen 
tritt, wie gewöhnlich, in kleinen Kryställchen auf. Der 
Nephelin bildet als Füllmasse die letzte Ausscheidung. In 
dieser Grundmasse liegen zahlreiche, meist kleine Olivin- 
körner, die in gelbe Verwitterungsproducte übergegangen sind. 
Z. Th. ist die Verwitterung bis zur Bildung von rothbraunem 
Iddingsit und Ausscheidung von Opal auf den Hohlräumen vor- 
geschritten. Weniger reichlich sind Augiteinsprenglinge, die 
sich von den Grundmassenaugiten durch ihre Grösse, aus- 
geprägte Spaltbarkeit, die geringe Ausdehnung der Prismen- 
zone und ihre häufigen Zwillingsbildungen unterscheiden. 
Ausser den bekannten Zwillingen nach (xP<S) finden sich nicht 
selten solche, bei denen im Schliff die Zwillingsgrenze schief 
zur Spaltungsrichtung liegt. Becke und Molenqraaff führen 
diese auf das gleiche Gesetz zurück ^ 

Das Gestein des unteren Stroms im Hügelskopf 
unterscheidet sich von dem besprochenen nur dadurch, dass in 
der Grundmasse der Augit bedeutend reichlicher ist und der 
Feldspath eine ausgeprägtere Leistenform besitzt. Der Olivin 
tritt etwas zurück. 

Der Basalt südlich von Dagobertshausen hat einen 
noch kleineren Olivingehalt. Es stellt sich in geringer Menge 
farbloses mit HCl Na Gl- Würfelchen gebendes Glas ein. 

Wie schon erwähnt, ist das Gestein, welches die Kuppe 
des Hügelskopfes und die von demselben ausgehenden oberen 
Ströme bildet, ganz anders ausgebildet als die vorbeschriebenen 
Basalte. Da dasselbe wohl charakterisirt ist und den Typus 
einer grossen Zahl von Gesteinen bildet, so bezeichne ich 
dasselbe kurz als Hügelskopftypns. 

Zu diesem gehören, wie schon im allgemeinen Theil her- 
vorgehoben wurde, folgende Vorkommen, die sich recht gut 
in das Spaltensystem einordnen lassen. 

^ TscHBRMAK, Min. n. petr. Mitth. 7. 98; dies. Jahrb. Beil.-Bd.IX. 288. 
N. Jahrbuch f. Minenlosrie etc. Beilageband XVI. 17 



Digitized by 



Google 



258 ^- Schultz, Beiträge zur Kenntuiss der Basalte 

A. Auf der NO. — SW.-Spalte liegend: 

1. Hügelskopf, 

2. StöpfliDgskopf, 

3. Loh, 

4. Handsacker, 

5. Auswürflinge aus dem Tuff von Hof Sauerburg, 

6. Auswürflinge aus dem Tuff vom Werrberg, 

7. Stellberg. 

B. Auf der NW. — SO.-Spalte liegend: 

1. Auswürflinge aus dem Tuff vom Weinberg, 

2. (Auswürflinge aus dem Tuff vom Hof Sauerburg) s. o., 

3. Sandberg, 

4. Hirtzelrode, 

5. Omeiser. 

C. Parallel zur NO.— SW.-Spalte: 

1. Auswürflinge aus dem Tuff vom Frauenkopf, 

2. Vorkommen am Bahnhof Homberg a. E. 

Wir besprechen zuerst die hierher gehörenden Vorkommen 
von der NC— SW.-Spalte. 

Beim Hügelskopf zeigen das Eruptionscentrum und die 
von demselben ausgehenden Ströme einige Verschiedenheiten. 
Während das Gestein des Centrums feldspatharm ist und eine 
mehr kömige Structur zeigt, sind die Ströme feldspathreich 
und haben eine porphyrische Structur, die oft intersertal wird. 

Das Centralgestein ist ein mittelkömiger, hypokrystalliner, 
feldspatharmer Nephelinbasanit. Die älteste Ausscheidung des 
Magmas bildet der Olivin. Derselbe ist nicht sehr reichlich 
vorhanden und tritt in kleinen idiomorphen Krystallen in den 
bekannten sechsseitigen, rechteckigen und rhombischen Quer- 
schnitten und in unregelmässig begrenzten Körnern auf. An 
Einschlüssen ist er sehr arm; selten erblickt man Magnetit- 
oktaöderchen. Grüne serpentinartige Producte deuten auf 
beginnende Verwitterung. Der Augit ist bedeutend reichlicher. 
Er bildet grosse, schon mit blossem Auge sichtbare Krystalle, 
die begrenzt sind vom Verticalprisma, Quer- und Längsfläche 
und dem augitischen Paar. Fast ausnahmslos sind die Flächen 
der Prismenzone sehr kurz ausgebildet, während das augitische 
Paar vorherrscht. Die Spaltbarkeit ist sehr deutlich. Die 
Farbe ist braun bis violett. Der Pleochroismus ist nicht 



Digitized by 



Google 



aas der Gegend von Homberg a. £. 259 

unbedeutend, er geht von violett bis gelbbraun. Zonarstructur 
ist oft recht gut zu erkennen; die Individuen haben dann 
einen farblosen Kern und violetten Band. Fast jeder Krystall 
zeigt sanduhrförmigen Bau. Äusserst häufig sind Zwillinge 
nach cjoPä, dieselben überwiegen über die einfachen Krystalle. 
Dabei kommen nicht nur einfache Berührungszwillinge vor, 
sondern oft ist ein Krystall von einer ganzen Anzahl paralleler 
Zwillingslamellen durchzogen. Durchkreuzungszwillinge sind 
seltener. Die Grösse der Augite ist eine sehr verschiedene. 
Die grössten Individuen haben eine Länge bis zu 2 mm, die 
kleinsten haben mikroskopische Dimensionen. Jedoch lassen 
sich nicht zwei Generationen trennen; vielmehr muss man 
annehmen, dass die Bildung der Augite eine lange Zeit hin* 
durch ununterbrochen angedauert hat. Bemerkenswerth sind 
die Verwachsungen von Augit und Olivin (vergl. Taf. IX Fig. 1). 
Man bemerkt oft grosse, radial angeordnete Augite, die einen 
Stern bilden, dessen Centrum aus einem corrodirten Olivinkom 
besteht. Selten dagegen ist die Umwachsung eines Olivin- 
krystalls mit Augit, in diesem Falle sind die angewachsenen 
Augite bedeutend kleiner. Eine orientirte Verwachsung 
zwischen beiden Mineralien liess sich nicht feststellen. Auch 
der Augit hat anderen sich bildenden Mineralien zum Halt 
gedient; so sind besonders auf dem augitischen Paar oft 
winzige kurze Erznädelchen senkrecht angesetzt. 

Zu diesen beiden, die Hauptmasse des Gesteins bildenden 
Mineralien treten Eisenerze, Nephelin bezw. farbloses Glas 
und Feldspath. 

Das Erz tritt in zwei verschiedenen Formen auf. Ein 
Theil desselben bildet grosse, oft lappige Durchschnitte, die 
zuweilen mit einer graubraunen Farbe durchscheinen und nie 
eine Spur von Dichroismus zeigen. Selten sind leistenförmige 
Durchschnitte. Dieses Erz unterscheidet sich also von dem 
typischen Magnetit und Ilmenit. Die zahlreichen lappen- 
förmigen Gebilde deuten auf Titaneisen hin; die Seltenheit 
der Leistchen aber spricht dagegen. Die zweite Art des 
Erzes liegt in dem aus Feldspath, Nephelin und farblosem 
Glase gebildeten Grundteige. Es besteht aus langen dünnen 
schwarzen Nadeln, die auch in den dünnsten Schliffen völlig 
undurchsichtig sind. Besonders gern treten tannenzweig- 

17* 



Digitized by 



Google 



260 W. Schultz, Beiträge zur Kenntnias der Basalte 

ähnliche Aggregate auf, die aus einem meist geraden schmalen 
Aste bestehen, an den sich ringsum dünne Nadeln ansetzen 
(vergl. Taf. IX Fig. 2). Zuweilen wird die Axe des Astes 
durch ein farbloses Mineral gebildet, welches sich meist als 
Plagioklas, zuweilen auch als Apatit bestimmen Hess. Unter 
gekreuzten Nicols bei eingelegtem Gypsblättchen mit dem Roth 
erster Ordnung zeigt es sich nun, dass das farblose Mineral 
nicht nur das Centrum des schwarzen Astes bildet, sondern 
auch über die Grenze desselben hinausgeht. Ist das Mineral 
des Centrums Plagioklas, so geht durch die Axe des Astes 
die Zwillingsgrenze, dann kommt eine einschlussfreie und eine 
mit schwarzen Nadeln durchzogene Zone. Bei dickeren 
Schlififen ist meist das farblose Centrum nicht zu sehen, es 
ist durch die schwarzen Nadeln verdeckt. Selten nehmen an 
einer Verwachsung Apatit und Plagioklas zugleich Theil. 
Dann bildet der Apatit den einschlussfreien Kern. Zuweilen 
sind die tannenzweigähnlichen Gebilde völlig gekrümmt, wo- 
bei auch der Feldspath diese Biegung mitmacht. Über die 
Natur der Nadeln lässt sich nichts Bestimmtes sagen, sie sind 
zu klein, um einer genauen chemischen Untersuchung unter- 
zogen zu werden. Von verdünnter HCl wurden sie nicht 
merkbar angegriffen, von concentrirter allmählich gelöst. 
Wahrscheinlich liegt hier ein Eisenerz vor. 

Beim Herumdrehen des Objecttisches bemerkt man nun 
oft, dass die astförmigen Gebilde mehr oder weniger aus- 
gedehnte pleochroitische Stellen aufweisen. Dieselben rühren 
von einem rosabraunen Mineral her, welches in äusserst 
dünnen, sehr stark pleochroitischen Lamellen auch unabhängig 
von den astförmigen Gebilden in grosser Menge im Schliff 
vorkommt. Sehr selten zeigen sie regdmässig begrenzte 
Krystalldurchschnitte. Dieselben haben eine rhombische Form 
und diagonale Auslöschung. Der Pleochroismus geht von braun 
bis hellgelb. Spaltbarkeit ist nicht zu bemerken. 

F. Rinne beschreibt ein mit diesem identisches Mineral 
aus Basalten des Habichtswaldes als Titaneisen ^ 

Von accessorischen Mineralien kommt in diesem Basalte 
noch Apatit vor. Derselbe bildet grosse vierseitige Längs- 



F. Rinne, Über norddeutsche Basalte. I. 1892. p. 69. 

/Google 



Digitized by ^ 



ans der Gebend von Homberg a. E. 261 

schnitte und sechsseitige Querschnitte, die oft einen Kern von 
braunem Glase haben. 

Glimmer ist nicht vorhanden. 

Mit der Entfernung vom Eruptionscentrum wird die 
Structur und der Mineralbestand ein etwas anderer. Die 
astförmigen Gebilde und das pleochroitische Mineral treten 
mehr und mehr zurück, bis sie fast ganz verschwinden. Da- 
gegen nimmt der Plagioklas an Menge und Grösse sehr zu, 
seine Leisten werden breiter und zeigen vielfache Zwillings- 
bildungen. Die Grundmasse tritt immer mehr zurttck und ist 
schliesslich auf Zwickel beschränkt, die von Feldspathleistchen 
abgegrenzt sind. 

Während also das Eruptionscentrum in seinem Mineral- 
bestande sich den Limburgiten, bezw. Nephelinbasalten nähert, 
sind die Ströme nephelinftthrende Feldspathbasalte , die den 
Doleriten nahe stehen. 

Am Südfusse des Hügelskopfes erhebt sich der Stöpf- 
lingskopf, ein kleines rundes Küppchen, dessen Spitze über 
75 m unter dem Gipfel des Hügelskopfes liegt. Es handelt 
sich hier jedenfalls um einen kleinen Seitenkrater des Hügels- 
kopfes, der keine Ströme lieferte. Tuffreste sind nicht mehr 
nachweisbar. Aufschlüsse sind nicht vorhanden, es liegt nur 
Material von Blöcken vor, die den Abhang und den Gipfel 
des Küppchens bedecken. 

U. d. M. ist das Gestein dem oben besprochenen sehr 
ähnlich. Die Olivin- und Augiteinsprenglinge haben dieselbe 
Ausbildung, nur ist ersterer schon stark verwittert. Dabei 
bilden sich zuerst grüne, hauptsächlich aus Serpentin be* 
stehende Producte ; bei weiterer Verwitterung wird die Farbe 
dunkelgrün bis bläulich und man bemerkt beim Herumdrehen 
des Objecttisches einen schwachen Pleochroismus. Schliesslich 
entsteht ein braunes, stark pleochroitisches Mineral mit allen 
mikroskopischen Eigenschaften des Biotits. Auch ohne einen 
nachweisbaren Zusammenhang mit dem Olivin kommt das 
Mineral vor, aber immer nur in solchen Schliffen, wo auch der 
Olivin z. Th. schon umgewandelt ist. Da das Mineral sich 
auch gegen chemische Reagentien sehr indifferent verhält und 
eine ausgezeichnete Spaltbarkeit besitzt, so ist dasselbe mit 



Digitized by 



Google 



262 W. Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

derselben Berechtigung, wie das ähnliche, sonst in Basalten 
vorkommende, stark pleochroitische Mineral als Biotit zu be- 
zeichnen. Selten zeigt der Glimmer eine regelmässige Be- 
grenzung. Es kommen sowohl gerade auslöschende Längs- 
schnitte, als auch schief auslöschende, von Verticalprisma, 
Quer- und Längsfläche begrenzte Durchschnitte vor. 

Ich möchte noch ausdrücklich bemerken, dass dieses 
Mineral nicht identisch ist mit dem beim Hügelskopf be- 
sprochenen pleochroitischen Mineral, das aber hier nicht vor- 
handen ist. 

Von Erzen ist ausser den lappenförmigen Gebilden auch 
typisches Magneteisen vorhanden, welches äusserst winzige 
KrystäUchen bildet. 

In der Grundmasse überwiegt der Feldspath. Er bildet 
grosse idiomorphe Krystalle mit vielfachen Zwillingsbildungen 
nach dem Albit-, selten nach dem Periklingesetz. Die tannen- 
zweigähnlichen Gebilde fehlen vollkommen. Es sind aber in 
der Grundmasse zahlreiche Erznädelchen verstreut, die sich 
oft zu kleinen Büscheln anordnen, welche aber nie mit 
Plagioklasleistchen verwachsen sind. In den Hohlräumen ist 
mikroskopischer grünlicher Sphärosiderit abgeschieden. 

An den Stopf lingskopf schliesst sich im W. das Loh an, 
von demselben durch eine tiefe Erosionsspalte getrennt. Die 
ca. 100 m breite und 400 m in NNO.— SSW.-Richtung sich 
erstreckende Basaltmasse ist ausgezeichnet säulenförmig ab- 
gesondert. Die Säulen stehen meist vertical, z. Th. aber sind 
sie unter einem mehr oder weniger grossen Winkel geneigt. 
Ich halte dies Vorkommen für eine gangartige Spaltenaus- 
füllung, resp. für das Eruptionsproduct eines weiteren auf der 
vom Hügelskopf ausgehenden Spalte liegenden Kraters. 

U. d. M. entspricht das Gestein dem des Hügelskopfes 
fast vollkommen. Schliffe von den tiefsten Stellen des Stein- 
bruchs sind von denen des Hügelskopfcentrums überhaupt 
nicht zu unterscheiden. Nach der Peripherie zu nimmt aber 
der Feldspathgehalt so zu, dass er die übrigen Gemengtheile 
an Grösse und Menge übertrifft. Er bildet dann bis 1 mm 
breite, 2 mm lange dicktafelige Krystalle von rechteckigem, 
seltener sechseckigem Durchschnitt und ist durch seine Zwil- 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 



263 




Fig. 1. 



lingsbUduDgen ausgezeichnet. Die meisten Krystalle sind ein- 
fache Albitzwillinge , häufig tritt aber auch Viellingsbildung 
ein, wobei die einzelnen Zwillingslamellen spitz auskeilen. 
Sehr oft sind Albit und Periklingesetz , seltener Albit und 
Bavenoer Gesetz (vergl. Textfig. 1) miteinander verknüpft. 
Auch Kreuzalbitzwillinge treten ab und zu auf ^ Einen nicht 
unwesentlichen Antheil an der Zusammensetzung dieses Ge- 
steins nimmt der Apatit. Er bildet bis 1,5 mm lange, 0,4 mm 
breite, nach OP deutlich trennbare 
Krystalle. Oft wird der Krystall 
seiner ganzen Länge nach von 
einem Einschluss aus braunem 
Glase erJfÜUt, der die Form des <. 
Wirths hat, wie man aus den 
sechsseitigen Querschnitten sehen 
kann. Zuweilen ist es sehr deut- 
lich zu erkennen, dass der Ein- 
schluss seine Entstehung der 

parallelen Aneinanderlagerung mehrerer Apatitnadeln verdankt^ 
Auch hier fehlen wieder in den Schliffen der peripherischen 
Theile der Basaltmasse die tannenzweigähnlichen Gebilde 
vollkommen. 

Direct in der Verlängerung des Lohs erhebt sich der 
ebenfalls in die Länge gestreckte, nur massig hohe Hunds - 
acker. Die wenigen Aufschlüsse lassen ein Gestein erkennen, 
welches mit dem des Loh identisch ist. Nur ist der Olivin 
wie beim Stopf lingskopf stärker zersetzt und daher der Biotit- 
gehalt ein recht ansehnlicher. Auch hier fehlen die Tannen- 
zweigbildungen. 

Gehen wir auf unserer Spalte weiter, so treffen wir auf 
den Limburgitkegel von Hof Sauerburg. Unter den Basalt- 
brocken seines Tuffmantels befinden sich solche, die petro- 
graphisch völlig dem Basalt vom Stöpflingskopf und vom 
Hundsacker entsprechen. Es fanden sich auch Auswürflinge 
mit den tannenzweigähnlichen Bildungen wie am Hügelskopf. 

Auch ein grosser Theil der Basaltbrocken im Tuff vom 
Werrberg stimmt mit den genannten Gesteinen überein. 



* Vergl. F. Rinne, Über norddeutsche Basalte. 1. 1892. Taf. VII Fig. 8. 



Digitized by 



Google 



264 W. Schultz, Beiträge zur Eenntniss der Basalte 

Als letztes Gestein dieser Linie ist das vom Stellberg 
zu nennen. Ich fasse dieses Vorkommen als primäre Kappe 
auf, seiner Form wegen, dann wegen seiner Lage auf unserer 
Spalte und schliesslich seines Tuffinantels wegen. Das dick- 
plattig abgesonderte Gestein ist petrographisch schon von 
MöHL für die Schliffsammlung von Fdess kurz beschrieben 
worden. IT. d. M. findet man nur ganz geringe Abweichungen 
von den vorbeschriebenen Gesteinen. Die Augite haben eine 
weniger violette Farbe; Zwillingsbildungen und sanduhrförmiger 
Bau sind seltener. Auch der Pleochroismus ist wenig deutlich 
bemerkbar. Feldspath und Nephelin sind recht reichlich ; die 
tannenzweigähnlichen Bildungen und das pleochroitische Mineral 
fehlen vollkommen. Dagegen ist Biotit sehr häufig, aber immer 
doch noch nicht in dem Maasse, wie beim Hundsacker vorhanden. 

Es sind nun die hierher gehörenden Vorkommen der 
NW.— SO.-Spalte zu besprechen. 

Die Basaltauswürflinge aus dem Tuff vom Weinberg 
entsprechen völlig den im Tuff von Hof Sauerburg gefundenen. 

Der Sandberg ist leider völlig bewaldet und nirgends 
durch Steinbruchsbetrieb aufgeschlossen. Das Gestein vom 
Gipfel des Berges gleicht völlig dem des Hügelskopfcentrums 
und führt auch die tannenzweigähnlichen Bildungen; Schliffe 
vom Abhänge sind von denen der Ströme des Hügelskopfes 
überhaupt nicht zu unterscheiden und ganz frei von den 
tannenzweigähnlichen Bildungen. Aus dieser Analogie schliesse 
ich, dass auch der Sandberg eine primäre Kuppe ist. 

Zwischen Sandberg und dem Dorf Weiferode liegen nun 
noch drei verschiedene Vorkommen, die mit den besprochenen 
Gesteinen in vieler Beziehung eine grosse Ähnlichkeit haben, 
nämlich der Steiger, das Hirtzelrode und der Omeiser. 
Sie bilden einen sich von Westen nach Osten erstreckenden 
Rücken, der seinen höchsten Punkt im Gipfel des Steiger 
hat und nach dem Omeiser zu allmählich abfällt. Nach der 
V. DBCHEN'schen Karte sind Hirtzelrode und Omeiser durch 
Braunkohlensande getrennt. Ob dies richtig ist, liess sich 
nicht feststellen, da das Gebiet zwischen beiden Vorkommen 
mit basaltischem Gerolle bedeckt ist. Jedenfalls fanden sich 
keine Braunkohlenquarzitblöcke. 



Digitized by 



Google 



aas der Qegiend Ton Homberg a. £. 265 

Das Gestein vom Steiger ist ein ausgesprochener Dolerit, 
ich führe ihn deshalb hier nur an, weil er durch die radiale 
Anordnung der Augite und die Ausbildung des Plagioklases 
dem Gestein vom Hügelskopf sehr ähnlich ist. 

Der Basalt vom Hirtzelrode zeigt dieselben Einspreng- 
unge wie der vom Hügelskopf. Die Augite haben dieselbe 
Farbe und die dort so häufige radiale Anordnung um Olivin- 
kömer. Auch der Plagioklas bildet gern die beschriebenen 
Combinationen der verschiedenen Zwillingsgesetze. Die Grund- 
masse jedoch ist eine andere. Hier herrscht ein braunes Glas 
vor, welches mit H Cl nach einigen Stunden unter Abscheidung 
einer Kieselhaut äusserst zahlreiche NaCl-Wttrfelchen giebt. 
Hierzu treten kleine Augite und Magneteisen. Letzteres ist 
eine noch sehr junge Ausscheidung, es ist bis zur Erstarrung 
des ganzen Gesteins fortgewachsen und daher meist von 
hellen Krystallisationshöfen umgeben, die allmählich in das 
dunklere Glas übergehen. Stellenweise hat das Gestein eine 
ausgezeichnete Intersertalstructur. 

Ob wir es hier mit einer anderen Ausbildung des Hügels- 
kopfgesteins zu thun haben, lässt sich nicht sagen, jedenfalls 
legt die Identität der Einsprenglinge und der Umstand, dass 
das Glas mit HCl Na Cl -Würfelchen giebt, eine solche Ver- 
muthung nahe. 

Es ist schliesslich noch der Basalt vom Omeiser zu 
erwähnen. Auch hier war wegen der Waldbedeckung eine 
nähere Untersuchung nicht möglich. Die Grundmasse dieses 
Gesteins besteht aus einem dunklen Glase, das nach einiger 
Zeit mit HCl sehr viele Na Cl -Würfelchen giebt. Dazu treten 
winzige Erzdendriten und in sehr grosser Menge das beim 
Hügelskopf besprochene pleochroitische Mineral in kleinen 
dünnen Lamellen. Oft ist das Glas geradezu gespickt mit 
diesen Gebilden. Plagioklas fehlt völlig, im übrigen sind die 
Verhältnisse dieselben wie beim Hügelskopf. 

In der von Möhl zusammengestellten Sammlung von 
Basaltschliffen (Fües) befindet sich ein Schliff, der mit dem 
Basalt vom Omeiser identisch ist, und als Basalt vom „Hügels- 
berg" bei Elfershausen beschrieben und in die Literatur über- 
gegangen ist. Einen solchen Berg giebt es in der Gegend 
nicht ; wahrscheinlich ist der Hügelskopf gemeint, der ja nur 



Digitized by 



Google 



266 W. Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

2 km südlich von Elfershaasen liegt. Wenn auch von mir 
der MöHL'sche Basalt am Hfigelskopf nicht gefunden worde, 
so ist es immerhin möglich, dass er früher dort anstand nnd 
erst durch den umfangreichen Steinbruchbetrieb in den letzten 
Jahren verschwunden ist. Es wäre dann das Gestein vom Omeiser 
eine local abweichende Ausbildung des Hügelskopfgesteins. 

Südlich von Homberg a. E. lässt sich durch die Limburgite 
vom Frauenkopf, Herzberg und Stöpfling eine weitere Linie 
ziehen, die parallel ist der Linie Stellberg — Hügelskopf, nnd 
in der wiederum sich 2 Vorkommen des Hügelskopfbasaltes 
einreihen lassen. Es sind dies Auswürflinge aus dem Tuff 
vom Frauenkopf nnd ein südlich vom Hornberger 
Bahnhof anstehender Basalt. Dieselben stimmen mit dem 
Basalt vom Stellberg überein. 

III. Nephelinbasalte und -basanite. 

Fast sämmtliche Basalte der Umgebung von Homberg a. E. 
sind durch einen Gehalt an Nephelin ausgezeichnet. Wirk- 
liche Nephelinbasalte sind jedoch nur . an zwei Stellen vor- 
handen^ am Mosenberg und am Werrberg. Beide Vorkommen 
sind mit feldspathführenden Nephelingesteinen so eng ver- 
knüpft, dass die Besprechung im Zusammenhang geboten ist. 

1. Der Mosenberg nnd seine Umgebung. 

Der Mosenberg erhebt sich etwa 3 km nordöstlich von 
Homberg a. E. und ist das höchste und ausgedehnteste Massiv 
der Gegend. Der Mangel an Aufschlüssen lässt ein genaueres 
Studium der geologischen Verhältnisse nicht zu. Jedenfalls 
haben wir es hier mit einem Eruptionscentrum zu thun, dessen 
Thätigkeit längere Zeit angedauert und das eine Reihe von 
Strömen entsandt hat. Während der Abfall nach Süden, Westen 
und Osten ein sehr steiler ist, zieht sich der Mosenberg in 
nordwestlicher Richtung in die Länge. Der Hauptkrater dürfte 
daher etwa am Signal auf dem Gipfel gelegen haben, während 
sich in nordwestlicher Richtung Ströme ergossen. 

Das Gestein des Gipfels, des Ost- und des Südabhanges, 
ist ein Nephelinbasalt von holokrystallin-porphyrischer Structur. 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 267 

Die als Einsprengunge auftretenden sehr zahlreichen Augite 
und Olivine sind recht unregelmässig vertheilt. In manchen 
Schliffen fehlt der Einsprenglingsaugit fast vollständig, in 
anderen überwiegt er bedeutend über den Olivin. Letzterer 
bildet grosse farblose corrodirte Krystalle und unzählige kleine 
verwitterte Kömchen, die den ganzen Schliff imprägniren. 
Häufig sind Zwillinge nach Pdb, dabei ist die Zwillingsgrenze 
meist eine gerade Linie. Bei der Verwitterung entstehen 
zuerst gelbliche bis röthliche Producte, schliesslich braun- 
rother, deutlich pleochroitischer Iddingsit. Die Augite zeigen 
eine ausgezeichnete Zonarstructur. Meist haben sie einen 
farblosen, seltener einen dunkelgrünen Kern, dessen Färbung, 
wie die chemische Reaction zeigt, durch Cr hervorgerufen 
ist. Der Kern enthält äusserst zahlreiche grosse Hohlräume, 
Glas- und Magnetiteinschlüsse, so dass oft die eigentliche 
Augitsubstanz gegen die Einschlüsse zurücktritt. Die Band- 
zone ist braun und einschlussarm. Häufig sind Zwillinge 
nach ooPöö. Die Grundmasse wird durch ein sehr dichtes 
Gemenge von vorwiegend Augit, daneben Magneteisen und 
Nephelin gebildet. Die äusserst scharf begrenzten, nach der 
c-Axe gestreckten braunen Augitsäulchen haben eine sehr 
geringe Grösse, ihr dichtes Gewirre ist nur mit starker Ver- 
grüsserung auflösbar. Beim Magneteisen kann man deut- 
lich zwei durch Grösse und Form unterschiedene Generationen 
erkennen. Die grösseren Individuen sind lappenförmig, die 
kleineren scharf begrenzt. Der Nephelin tritt als Füllmasse 
auf; seine Vertheilung ist unregelmässig, es wechseln nephelin- 
arme Partien mit solchen ab, in denen der Nephelin dem 
Augit an Menge fast gleichkommt. Feldspathleistchen und 
Apatitnädelchen sind sehr selten. Letztere durchsetzen nur 
den Nephelin. Die zahlreichen, meist langgestreckten Hohl- 
räume sind mit Zeolithen erfüllt. Westlich vom „Signal" ist 
das Gestein blasig ausgebildet. 

Am Südfuss des Mosenberges ist durch einen kleinen 
Steinbruch ein Gestein aufgeschlossen, das von dem beschriebe- 
nen abweicht. Während der Nephelinbasalt des Mosenberges 
unregelmässig abgesondert ist, zeigt dieses eine ausgezeichnet 
dünnplattige Absonderung. Die Einsprengunge sind dieselben ; 
die Grundmasse aber ist weniger dicht. Sie wird vorwiegend 



Digitized by 



Google 



268 W. Schultz, Beiträge zur Keiutniss der Basalte 

von Augit and Feldspath gebildet, dazu tritt in geriogoe 
Menge Nephelin und Magnetit. Aoffallend ist der grosir 
Gehalt an Biotit, der dem an Magneteisen fast gleichkomsr 
Der Plagioklas ist meist xenomorph und vom Nephelin sdiw« 
zu unterscheiden. Die Augite haben eine sehr yerschiedefir 
Grösse und bilden meist Körner. Der Biotit umrandet ger 
den grün verwitterten Olivin. 

Diese Unterschiede sind zu bedeutend, als dass es si.: 
hier um eine local abweichende Ausbildung des Magmas handel: 
könnte. Dieses Vorkommen scheint vielmehr einem alter^i 
Basalte anzugehören, besonders da Auswürflinge desselben k 
Tuff des kleinen Mosenberges vorkommen. 

Der Nordwestabhang des Mosenberges gegei 
den Waldrand des Rumpel hin wird von einem Nephelinbas^i 
gebildet, der von dem Hauptgestein sehr abweicht. Derselbe 
ist dünnplattig abgesondert und dürfte wohl als ein des? 
Mosenberg in nordwestlicher Richtung entflossener Strom am- 
zufassen sein. 

U. d. M. erkennt man ein mittelkömiges Gestein, welche^ 
als Einsprengunge Olivin und spärlich Augit ftthrt. Der Olivm 
bildet scharf begrenzte Krystalle und corrodirte Kömer, die 
sich durch eine sehr deutliche Zonarstructur auszeichnec 
Die grösseren Individuen haben einen farblosen noch recht 
frischen Kern und Band, während nahe der äusseren Be- 
grenzung eine dieser meist parallele schmale Zone zu er- 
kennen ist, die durch ausgeschiedene Eisenhydroxyde gelb 
bis rothbraun gefärbt ist. Zuweilen folgt auf den farbloseo 
Kern zuerst eine gelbe, dann eine davon scharf getrennte 
rothbraune und dann wieder eine farblose Zone (vergl. Taf. X 
Fig. 3). Diese Erscheinung ist wohl so aufzufassen, das^ 
der ursprünglich eisenarme Olivin eine Zeit lang in einer 
eisenreicheren Lösung fortwuchs und dann wieder eine eisen- 
ärmere Schicht ansetzte. Bei der Verwitterung wurden aus der 
eisenreichen Zone Eisenhydroxyde ausgeschieden. Eüne analogt 
Zonarstructur beschreibt F. Möhle (dies. Jahrb. Beil.-Bd. XVI. 
1902. p. 84) bei einem Nephelinbasalt von Honolulu. 

An dem Aufbau der Grundmasse nehmen hauptsächlich 
Nephelin und Augit Theil. Ersterer bildet einen zusammen- 
hängenden Teig, in dem einzelne sehr lange, scharf begrenzte 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. £. 269 

Lugitsäalchen liegen. Magneteisen, in grossen Lappen, ist 
pä.rlich. Lange Apatitnadeln durchsetzen den Nephelin. 

Die Grenze dieses Gesteins im Walde des Kampel lässt 
dcli nicht verfolgen. Am Westabhang des Kumpel tritt 
iiii völlig abweichender Feldspathbasalt auf, der durch einen 
geringen Nephelingehalt charakterisirt ist. Vielleicht gehört 
dies Torkommen einem älteren, dem Mosenberg entflossenen 
Strom an. 

An den Mosenberg schliesst sich in nordöstlicher Eich- 
taug der kleine Mosenberg an. Derselbe bildet eine 
kleine kegelförmige Kuppe, die wegen der meilerartigen 
Säalenstellung und eines sie rings umgebenden Tuffmantels 
als Eruptionscentrum aufzufassen ist. Die grosse Ähnlichkeit 
dieses Gesteins mit dem des grossen Mosenberges macht es 
sehr wahrscheinlich, dass beide Erstarrungsproducte desselben 
Magmas sind. 

Als Einsprengunge treten auch hier Olivin und Augit 
in wechselnden Mengen auf. Die Augite sind ähnlich denen 
des grossen Mosenberges, nur bedeutend grösser. In den 
zahlreichen, durch Corrosion hervorgerufenen Einbuchtungen 
der Krystalle, die z. Th. im Schliff scheinbare Hohlräume 
bilden, hat sich Nephelin, Feldspath, Glimmer und Apatit 
ausgeschieden. Die Biotitkryställchen sind auf den Wan- 
dungen aufgewachsen. Da die Dünnschliffe dieses Mineral 
soDst nur spärlich enthalten, so ist dieser Glimmerreichthum 
wohl dadurch zu erklären, dass durch die Auflösung des 
Augits das Magma reicher an den für die Bildung des Glim- 
mers nöthigen Bestandtheilen wurde. In der Grundmasse Über- 
wiegt der Feldspath über den Nephelin. Im Übrigen sind 
die Verhältnisse dieselben wie beim grossen Mosenberg. 

Schliffe vom Gipfel des Berges zeigen einen bedeutenden 
Gehalt an Biotit, während dies Mineral am Fusse des Berges 
fast ganz fehlt. Auch in der Verwitterung des Olivins zeigen 
sich Unterschiede. Auf dem Gipfel ist derselbe grün, am 
Fusse braunroth verwittert. Es ist daher wohl das Gestein 
vom Gipfel verhältnissmässig reich an Magnesium, so dass 
sich eisenarmer Olivin und viel Biotit bilden konnte, während 
in dem magnesiumärmeren Gestein vom Fuss des Berges das Mg 
zur Bildung des Olivins und Augits völlig aufgebraucht wurde. 



Digitized by 



Google 



270 W. Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

Auf dem Gipfel des kleinen Mosenberges findet sich ein 
kleiner interessanter Aufschluss. Durch Steinbrucharbeiten 
ist ein ca. 5 m weites und 3 m tiefes Loch entstanden. Die 
Nordwestwand desselben wird von einem ausgezeichnet säulen- 
förmig abgesonderten Gesteine gebildet, welches sich schon 
äusserlich durch seine fettglänzende braunschwarze Farbe als 
glasreich charakterisirt. 

Als Einsprengunge führt dieser Basalt wenige grosse 
Augite und ungemein reichlich Olivin. In der Grundmasse 
tiberwiegen idiomorphe braune Augitleistchen ; dazu tritt 
Magneteisen, wenig Feldspathleistchen und Nephelin, und als 
letztes Erstarrungsproduct reichlich farbloses und zurück- 
tretend braunes Glas. 

Die Stidostwand des Steinbruchs wird durch Basalttnff 
gebildet, den zwei parallele, ca. 1,20 m breite Basaltgänge 
durchsetzen, die in südöstlicher Richtung verlaufen. Der Basalt 
ist dünnplattig abgesondert, die Platten parallel der Gang- 
richtung stehend. Petrographisch entsprechen beide Gänge 
völlig dem Hauptgestein des kleinen Mosenberges. Die Grenze 
zwischen Gang und Tuif ist sehr scharf und eben. 

Nordwestlich vom grossen Mosenberg erhebt sich der 
Weinberg, der ebenfalls durch mächtige, ihn umgebende 
Tuifablagerungen als Eruptionscentrum kenntlich ist. Auch 
dieses Gestein ist petrographisch den besprochenen Basalten 
sehr ähnlich. In der dichten Grundmasse liegen zahlreiche 
Augite und Olivine eingebettet, die denen des grossen Mosen- 
berges gleich sind. Der Augit bildet häufig Zwillinge nach 
ooP<», der Olivin solche nach P6b. In einem Schliffe fand 
sich ein grosser angegriffener rhombischer Augit , der mit 
einem Zaune von monoklinem Augit umgeben ist (vergl. Taf. X 
Fig. 4). Die Spaltrisse des monoklinen Augits fallen mit der 
Richtung der Spaltrisse des gerade auslöschenden Kerns zu* 
sammen. Die Augite des Zaunes sind verzwillingt; die Zwil- 
lingsgrenze geht den Spaltrissen parallel. Die abwechselnden 
Individuen löschen gleichzeitig aus. Zwischen Zaun und rhom- 
bischem Kern befindet sich eine Zone von vollkommen regel- 
los durcheinander lagernden monoklinen Augitkömchen. Ich 
fasse diese als umgewandelten rhombischen Augit auf. Der 
Grund für die Parallelverwachsung zwischen dem rhombi- 



Digitized by 



Google 



aus der Qegend von Homberg a. £. 271 

sehen und monoklinen Aagit d&rfte wohl darin liegen, dass 
die einzelnen Körnchen der angegriffenen Zone sich in ihrer 
richtenden Kraft auf das krystallbildende Magma gegenseitig 
aufgehoben haben und daher der innere rhombische Kern ein- 
heitlich orientirend auf den monoklinen Zaun wirken konnte. 
Ganz ähnliche Bildungen beschreibt A. Schwantke im Central- 
blatt für Mineralogie. 1902. No. 1. 

Die Grundmasse des Basaltes vom Weinberg ist analog 
der des Gesteins vom kleinen Mosenberg. Nur ist der Plagio- 
klasgehalt ein grösserer und es tritt in geringer Menge braunes 
Glas auf. 

2. Der Werrberg. 

Der Werrberg bildet ein grosses, sich direct östlich von 
Homberg erhebendes Massiv, welches an der Süd- und West- 
seite von ausgedehnten Tuffablagerungen umgeben ist. An 
seinem Aufbau nimmt eine grosse Zahl verschiedener Gesteine 
Theil, die meist durch einen Gehalt an Nephelin ausgezeichnet 
sind. Die Lagerungsverhältnisse sind sehr complicirt. Trotz- 
dem etwa 50 Dünnschliffe angefertigt wurden, gelang es nicht, 
den Zusammenhang der einzelnen Gesteine genau zu erforschen, 
da die petrographischen Verhältnisse innerhalb einer Strecke 
von wenigen Metern sehr schnell wechseln und fast jeder 
Schliff ein anderes Bild bietet. Immerhin scheinen sämmtliche 
Gesteine Erstarrungsproducte desselben Magmas zu sein, da 
sie alle gewisse Merkmale gemeinsam haben. Während bei 
dem Mosenberg trotz sonstiger Verschiedenheiten alle Gesteine 
als Einsprengunge Olivin und Augit führten, tritt bei den 
Basalten des Werrberges nur der Olivin als porpbyrische 
Ausscheidung auf. Die Grundmasse dagegen zeigt eine mannig- 
faltige Ausbildung. Es finden Übergänge von Nephelinbasalten 
in Nephelinbasanite bezw. Feldspathbasalte mit farblosem, 
durch verdünnte HCl unter NaCl-Bildung zersetzbarem Glase 
statt. Durch Zurücktreten des letzteren erhalten wir schliess- 
lich normale Feldspathbasalte. Andererseits zeigten sich auch 
durch Zurücktreten der farblosen Gemengtheile Übergänge in 
augitreiche limbui'gitische Gesteine, 

Da eine genaue Untersuchung des Werrberges mit reich- 
lichem Schlifimaterial im Gange ist, so sollen im Folgenden 
die Haupttypen nur kurz beschrieben werden. 



Digitized by 



Google 



272 ^- Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

Eigentlicher Nephelinbasalt steht nur an wenigen Stellen 
an. Er bildet das Knppchen direct sttdlich von der Strasse 
Homberg — Mörshansen ^ und einen den Tuff durchsetzenden 
Strom am Westabhang des Werrberges. 

Das dttnnplattig abgesonderte Gestein ist von Trenzek 
beschrieben und analysirt worden ^. Es enthält als Einspreng- 
unge grosse regelmässig begrenzte Olivinkrystalle , die oft 
corrodirt sind und nicht selten Zwillingsbildungen zeigen. Bei 
der Verwitterung bilden sich zuerst gelbe Producte, schliess- 
lich braunrother Iddingsit. In der Grundmasse überwiegt der 
Augit in braunen idiomorphen Säulchen; dazu tritt reichlich 
Magnetit und als letzte Ausscheidung Nephelin. Apatit ist 
häufig, er durchsetzt besonders den Nephelin. In den Schliffen 
vom SUdostabhang des Werrberges stellt sich Biotit in über- 
raschender Menge ein. 

Ein mit diesem sehr ähnliches Gestein bildet den nörd- 
lichen Theil des Werrberges. Es unterscheidet sich von dem 
beschriebenen nur durch den Gehalt an Feldspathleistchen. 
Daneben tritt auch farbloses, die Nephelinreaction gebendes 
Glas ein. In einem den Tuff durchsetzenden Basaltstrome 
am Westabhang des Berges bildet der Plagioklas grosse xeno- 
morphe Partien, in die die übrigen Gemengtheile eingebettet 
sind. Dieses Gestein ist ebenfalls reich an Biotit. Das Eüpp- 
chen am Westabhang des Werrberges direct neben der Strasse 
nach Mörshausen wird durch einen sehr dichten Feldspath- 
basalt gebildet, der in geringer Menge Nephelin und farbloses 
Glas fUirt. Die Augite haben hier sehr winzige Dimensionen. 
Mehr nach Osten zu stellen sich mittelkörnige Feldspathbasalte 
ein, die oft reich an einer durch verdünnte HCl leicht zer- 
setzbaren Glasbasis sind. 

Am Nordabhang des Werrberges gegenüber der Drachen- 
burg ist durch den Steinbruchsbetrieb ein interessanter Auf- 
schlttss freigelegt worden. Zu dem Steinbruche fährt ein 
2—3 m breiter und etwa 20 m langer Einschnitt durch Basalt- 



^ Auf der Karte mit einer punktirten Linie umgrenzt. 

^ Beiträge zur Kenntniss einiger niederhessischer Basalte (dies. Jahrb. 
1902. n. 29). Die Analyse ergiebt: SiO, 36,38, TiO, 2,08, AljOj 16,08^ 
Fe,0, 12,86, FeO 6,93, CaO 15,53, MgO 5,01, Na,0 2,44, K^O 1,16, 
PjO, 1,12, H,0 0,82, Sa. 100,40. 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 273 

tufF. Die Wand dieses Durchbruchs zeigt das Bild unten- 
stehender Skizze (Textfig. 2). a ist ein 1,20 m breiter Basalt- 
gang, der von NW. nach SO. verläuft, h ist eine ausgedehnte 
Basaltmasse, die in dem Steinbruch viele Meter weit auf- 
geschlossen ist. Beide Gesteine setzen scharf gegen den Tuff 
ab und sind parallel der Grenze gegen den Tuff plattig ab- 
gesondert. Das Gestein des Ganges ist dem Nephelinbasalt 
vom Werrberg ähnlich, seine Grundmasse besteht aber fast 
ausschliesslich aus braunen idiomorphen Augitsänlchen. Nur 
in geringer Menge treten hierzu Magnetit, Nephelin und farb- 
loses bezw. braunes Glas. Das Gestein bildet also ein Über- 
gangsglied zwischen Nephelinbasalten und Limbnrgiten. Der 
Basalt b ist sehr reich an Plagioklas und führt in nicht un- 




Fig. 2. a und b Basalt, c Basalttuff. 

bedeutender Menge Biotit. Ob es sich hier um einen den 
Tuff durchsetzenden Gang oder einen Stiel handelt, konnte 
nicht entschieden werden. Weder für die eine noch die andere 
Annahme liegen zwingende Gründe vor. 

Nordöstlich von der Drachenburg ist durch einen kleinen 
Steinbruch ein Basalt aufgeschlossen, der dem Basalt a sehr 
ähnlich ist, nur ist das braune Glas reichlicher vorhanden. 
Das Gestein ist säulenförmig abgesondert, die Säulen fallen 
nach dem Werrberg zu unter einem Winkel von etwa 45® ein. 

Das auf der Karte mit „die Heide" bezeichnete Gebiet 
konnte nicht näher untersucht werden, da anstehendes Gestein 
nicht aufgeschlossen ist und die dort liegenden Blöcke den 
verschiedenartigsten Feldspathbasalten und Basaniten an- 
gehören. 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beüageband XVI. 18 



Digitized by 



Google 



274 W. Schultz, Beiträgpe zur Keuntnlss der Basalte 

IV. Die Dolerite. 

Während die übrigen Basaltarten sich alle mehr oder 
weniger gnt in das besprochene Spaltensystem einordnen lassen, 
ist dies bei den Doleriten nicht durchzuführen, da sie fast 
ausschliesslich auf Ströme beschränkt sind und natürlich nur 
Eruptionscentren in die Spalten eingeordnet werden dürfen. 
Immerhin ist das Auftreten der Dolerite in unserem Gebiete 
auf bestimmte Gegenden beschränkt ; sie ordnen sich um eine 
Linie an, die etwas 3 km südlich von Homberg a. E. parallel 
zur Spalte Hügelskopf— Stellberg verläuft, so dass sie viel- 
leicht einem in dieser Richtung liegenden Spaltensystem ihre 
Entstehung verdanken. 

Sämmtliche hierher gehörenden Gesteine lassen sich ihrem 
Korn nach in zwei Gruppen theilen, eine mit grobem und eine 
mit sehr feinem Korn. 

Zur ersten Gruppe gehören der Steiger und die 
Hute bei Weiferode. Diese beiden Vorkommen machen ganz 
den Eindruck primärer Kuppen. Ihre wahre Natur konnte 
jedoch wegen des Mangels an Aufschlüssen nicht festgestellt 
werden. Wie schon erwähnt, ähnelt der Dolerit vom 
Steiger in vielen Beziehungen den Basalten vom Hügels- 
kopftypus, nur ist das Erz unzweifelhaft Titaneisen. Dasselbe 
ist oft von Biotit, der in diesem Gestein sehr häufig ist, 
umrandet. In der Grundmasse ist sehr reichlich Apatit in 
winzigen, aber sehr langen Nädelchen vorhanden, die sich 
gern parallel anordnen. Manchmal liegen in dieser Weise 
20 und mehr Nädelchen in geringer Entfernung nebeneinander. 

Die Hute bei Weife rode bildet eine grosse Kuppe 
mit einem Durchmesser von über 1 km. Das Gestein besteht 
z. Th. aus Feldspathbasalt, z. Th. aus Dolerit. Schliffe vom 
Gipfel des Berges lassen u. d. M. ein grobkörniges, sehr feld- 
spathreiches Gestein erkennen, dessen Grundmasse vorwiegend 
aus Feldspathleistchen besteht. Dazu treten sehr scharf be- 
grenzte braune Augitsäulchen und Magnetitkörnchen. Por- 
phyrisch ausgeschieden sind in rothbraunen Iddingsit um- 
gewandelte Olivinkörner und wenige Augite, die sich von den 
Grundmassenaugiten nur durch ihre Grösse unterscheiden. 
Genau dasselbe Gestein findet sich auch am Ostabhang der 



Digitized by 



Google 



ans der Gegend yon Homberg a. £. 275 

Hute in einem kleinen Steinbruche. Wenige Meter nördlich 
von diesem Bruche findet sich ein zweiter Steinbruch mit 
einem ausgezeichnet dünnplattig abgesonderten Basalte, der 
petrographisch ganz dem vorbeschriebenen Gesteine gleicht, 
nur ist das Erz nicht Magneteisen, sondern Titaneisen. Letz- 
teres ist eine recht junge Ausscheidung, jedenfalls jünger als 
der Feldspath, dessen Eindrücke es oft trägt; zuweilen haben 
die Titaneisentäfelchen auch Einschlüsse von Plagioklas. Der 
Mangel an Aufschlüssen machte leider eine nähere Unter- 
suchung der Beziehungen zwischen beiden Gesteinen nicht 
möglich. Entweder handelt es sich hier um einen Dolerit- 
strom, dessen Eruptionscentrum ein ihm entsprechender Peld- 
spathbasalt ist, oder es findet hier ein Übergang von Feld- 
spathbasalt in Dolerit statt oder es treten beide Fälle zugleich 
ein. Da letzteres beim Eichelskopf bei Holzhausen stattfindet, 
so halte ich es für wahrscheinlich, dass auch bei der Hute 
dieselben Beziehungen obwalten, wie sie unten beim Eichels- 
kopf beschrieben werden. 

Zu der zweiten Gruppe gehören folgende Gesteine: 

1. Der Hildebrand und das Vorkommen im Felde westlich 
davon. 

2. Der Ronneberg. 

3. Der Dolerit vom Westabhang des Frauenkopfes. 

4. Blöcke am Ostabhang des Herzberges. 

5. Der Dolerit südlich von Holzhausen. 

6. Der Dolerit vom Eichelskopf und vom Altefeld. 

Der Hildebrand bildet eine kuppenförmige Erhebung, 
etwa 2 km südlich von Homberg a. E. Ich halte dies Vor- 
kommen für eine primäre Doleritkuppe, der in nordwestlicher 
Richtung ein Strom entflossen ist, welcher durch Erosion von 
der Kuppe abgeschnitten wurde. Ein sicherer Beweis hiefur 
lässt sich nicht geben, da das Gestein nur auf dem Gipfel 
des Berges der Untersuchung zugänglich ist. Vielleicht ist 
auch der Ronneberg das Eruptionscentrum für den grössten 
Theil der Dolerite südlich von Homberg a. E. Ich halte im 
Folgenden an erster Annahme fest. 

Das Gestein vom Gipfel des Hildebrand ist hypo- 
krystallin und hat eine wenig ausgeprägte porphyrische Struc- 

18* 



Digitized by 



Google 



276 ^' Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

tur. Der Olivin bildet meist regelmässig begrenzte, gern nach 
der c-Axe in die Länge gezogene Krystalle, die die übrigen 
Gemengtheile an Grösse kaum überragen und in grüne serpentin- 
ähnliche Producte zersetzt sind. Hiezu tritt Plagioklas und 
Augit in etwa gleicher Menge. Der Feldspath bildet scharf 
begrenzte Rechtecke mit zahllosen Einschlüssen von Apatit 
und kurzen Säulchen eines schwach grün gefärbten monoklinen 
Augits. Einzelne grössere tafelförmige Feldspathkrystalle 
haben eine ausgezeichnete Zonarstructur und sind wohl als 
ältere Generation aufzufassen. Der hellbraune Augit bildet 
meist kleine Körner, seltener Säulchen. Titaneisen ist sehr 
reichlich in den bekannten Formen vorhanden. Diesen kry- 
stallinen Ausscheidungen gegenüber steht farbloses, schlackiges 
von verdünnter H Cl unangreifbares Glas, welches mit Augit- 
körnchen, Titaneisen, Apatit und recht reichlichen Biotit- 
schuppen auf Zwickel beschränkt ist und dem Gestein eine 
ausgezeichnete Intersertalstructur verleiht. 

Das Vorkommen nordwestlich vom Hildebrand 
erhebt sich nur sehr wenig über das Niveau des umliegenden 
Geländes und ist daher wohl als Stromtheil aufzufassen. 
Stromoberflächenstücke und sonstige sichere Kennzeichen für 
die Stromnatur wurden allerdings nicht gefunden. U. d. M. 
erblicken wir ein dem besprochenen sehr ähnliches Gestein, 
nur lässt sich der Augit in zwei deutlich von einander ge- 
schiedene Generationen trennen, das Glas ist viel reichlicher 
und nicht mehr auf intersertale Partien beschränkt. Charakte- 
ristisch für diesen Dolerit ist ein sehr bedeutender Gehalt 
an Biotit. Dieser pflegt den Olivin zu umranden. Olivin 
und Glas sind grösstentheils in grüne Producte verwittert. 

Sehr ähnlich diesem Gestein ist der Dolerit vom 
Ronneberg. Auch hier ist der grosse Glimmerreichthum 
vorhanden. Ein Theil dieses Minerals ist mit Titaneisen ver- 
wachsen, bezw. umrandet dasselbe. Blöcke vom Südwest- 
abhang des Frauenkopfes sind mit diesem Gestein iden- 
tisch, so dass wohl beide Magmen denselben Eruptionspunkt 
haben, der im Ronneberg zu suchen wäre. 

Am Ostabhang des Herzberges ist an mehreren 
Stellen ein Doleritstrom aufgeschlossen, der ebenfalls nur durch 
ganz geringe Modificationen von den besprochenen Gesteinen 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. £. 277 

unterschieden ist. Vielleicht ist hier der Hildebrand Eruptions- 
punkt gewesen. 

Am linken Ufer der Efze zwischen Eelbehausen 
and Holzhausen zieht sich ein langer Doleritstrom hin, 
der schon sehr stark verwittert ist, so dass mit Mühe die 
einzelnen Gemengtheile zu erkennen sind. Derselbe bietet 
petrographisch nichts Bemerkenswerthes. 

Es bleibt nun noch der Eichelskopf bei Holzhausen 
zu besprechen. Dieses Vorkommen ist in der Literatur schon 
oft erwähnt und von M. Bauer als Beispiel einer secundären 
Kuppe citirt worden. In einem Steinbruch am Westabhang 
des Berges sieht man über einem wohlgeschichteten, in den 
unteren Lagen dunkelbraunen, oben gelben Tuff einen etwa 
8 m mächtigen säulenförmig abgesonderten Strom, der sich 
im Dünnschliff als Dolerit erweist. An der Stromnatur dieses 
Vorkommens ist nicht zu zweifeln , da das Gestein auf dem 
Tuff auflagert und ausgezeichnete Stromober- und -unterflächen 
aufweist. Westlich vom Eichelskopf, durch eine tiefe Erosions- 
spalte, den Eichelsgi'aben, von demselben getrennt, steht auf 
dem Altefeld und „im Sess" ein Gestein an, welches petro- 
graphisch mit dem Dolerit vom Eichelskopf übereinstimmt 
und durch unzählige, gut erhaltene Stromoberflächenstücke als 
Stromtheil kenntlich ist. Diese Thatsachen machen es unzweifel- 
haft, dass beide Vorkommen demselben Strom angehören. 

Schliffe von höheren Stellen des Eichelskopfes führen bei 
sonst gleichem petrographischen Bilde als Erz ausschliesslich 
Magneteisen. Der sehr steile Abfall und der völlige Mangel 
an Stromoberflächentheilen machen es sehr wahrscheinlich, 
dass die eigentliche Kuppe des Eichelskopfes ein Eruptions- 
centrum gewesen ist. Es ist also hier das Eruptionscentrum 
als Feldspathbasalt erstarrt, während der dem Westabhang 
entflossene Strom Dolerit gebildet hat. Es findet jedoch dabei 
ein Übergang vom Feldspathbasalt zum Dolerit in der Weise 
statt, dass mit zunehmender Entfernung vom Eruptionscentrum 
der Gehalt an Magneteisen immer geringer wird, bis schliess- 
lich nur noch Titaneisen als Erz auftritt. Ebenso wird die 
Fluidalstructur mit der Entfernung von der Kuppe immer 
ausgeprägter. 



Digitized by 



Google 



278 ^' Schultz, Beiträge zur Eenntniss der Basalte 

Als Einsprengunge führt das Gestein Augit und Olivin. 
Ersterer bildet meist Körner, die nach ooP<» verzwillingt sind 
and häafig Biegungserscheinungen zeigen ; letzterer ist schon 
stark in Serpentin übergegangen; dabei geht die Verwitterung 
oft bestimmten Flächen parallel, so dass sich scharfe, zickzack- 
förmige Linien zwischen dem verwitterten und frischen 
Theil bilden. 

In der Grundmasse überwiegt der Feldspath den Augit 
und das Erz. Dazu tritt reichlich farbloses Glas, das zum 
grossen Theil in grüne Producte übergegangen ist. Eigen- 
thümlich ist das Auftreten von kleinen Biotitschüppchen in 
dem verwitterten Glase. Falls es sich hier um eine primäre 
Bildung handelt, muss man sie als eine sehr junge Aus- 
scheidung auffassen. 

V. Die Limburgite. 
1. Der Herzberg. 

Südlich von Homberg erhebt sich am linken Ufer der 
Efze das in nordsüdlicher Richtung gestreckte Massiv des 
Herzberges, welches aus drei in dieser Richtung hintereinander- 
liegenden Küppchen besteht. Wenn auch Reste von TuflFen 
nicht mehr erhalten sind, so kann man doch aus der Form 
und isolirten Lage dieser Kuppen schliessen, dass hier ein 
Eruptionscentrum liegt. 

Schon mit blossem Auge fällt uns der grosse Reichthum 
des Gesteins an Olivinfelseinschlüssen auf. Es ist dies für 
sämmtliche Limburgite nördlich vom Enüllgebirge charakte- 
ristisch. Dieser Umstand legt die Annahme nahe, dass die 
Olivinfelseinschlüsse in unserem Gebiet protogene Ausschei- 
dungen des Magmas sind und nicht in der Tiefe anstehenden 
Olivingesteinen entstammen. 

ü. d. M. erblicken wir als porphyrische Ausscheidungen 
zahlreiche Olivine und wenige Augite. Der Olivin bildet 
giosse Krystalle mit den bekannten vier- und sechsseitigen 
Durchschnitten. Oft sind die Krystalle in Richtung der c-Axe 
sehr in die Länge gezogen, so dass zwischen Länge und 
Breite solcher Individuen Verhältnisse von bis zu 10 : 1 auf- 
treten. Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass die meisten 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 279 

Krystalle zerbrochen sind, so dass der ganze Schliff mit 
Olivinfragmenten übersät ist. Als Einschlüsse treten Magnetit 
und braunes Glas auf. Bei der Verwitterung entstehen gelb- 
rothe Producte, es liegt daher ein eisenreicher Olivin vor. 
Die spärlichen Augite erster Generation haben ausser dem 
augitischen Paar noch eine domatische Endbegrenzung. Sie 
zeigen ausgezeichnete Zonai^tructur. Der farblose Kern 
ist völlig imprägnirt mit Glaseinschlüssen, der braune Band 
ist einschlussarm. Kern und Rand löschen bis zu 10^ ver- 
schieden aus. In der Grundmasse überwiegt das Glas über 
die krystallinen Ausscheidungen. Die l|leinen braunen Augit- 
säulchen sind scharf begrenzt und zeigen nicht selten Zwillings- 
bildungen nach o6P(5b und Durchkreuzungszwillinge. Die Spalt- 
barkeit nach dem Verticalprisma ist sehr undeutlich, häufig 
dagegen ist eine Trennbarkeit nach einer Pyramidenfläche. 
Becht häufig ist Magneteisen in winzigen Oktaedern. Das 
Glas zeigt eine braune, sich stellenweise aufhellende Farbe. 
An augitreichen Stellen wird es fast farblos. Andererseits 
sind krystallfreie Glasteiche nicht selten, die infolge zahl- 
reicher Entglasungsproducte eine tief dunkle Farbe haben. 
Die zahlreichen Hohlräume sind theils mit Opal ausgefüllt, 
theils haben sie einen dünnen hellblauen Überzug eines nicht 
näher bestimmbaren Minerals. 

Während nun die südlichste der drei Kuppen völlig feld- 
spathfrei ist, reichert sich dieses Mineral nach Norden zu an. 
Am Nordabhang des Herzberges, unmittelbar oberhalb der 
Eisenbahn liegen Blöcke eines Gesteins, das dem beschriebenen 
gleicht, nur tritt hier das Glas mehr zurück, während sich 
reichlich fluidal angeordnete Feldspathleistchen einstellen. 

Am Südabhang des Stellberges und an beiden Ufern 
der Efze zwischen Stellberg und Herzberg steht ein Limburgit 
an, der dem der südlichsten Kuppe des Herzberges so voll- 
kommen gleicht, dass sich Schliffe beider Gesteine überhaupt 
nicht unterscheiden lassen. Ich halte diesen Limburgit für 
einen vom Herzberg ausgegangenen Strom. Das Gestein ist 
von Trenzen ^ (dies. Jahrb. 1902. II. 24—28) analysirt worden. 

' Seine Analyse ergiebt: SiOj 42,21, TiO, 1,90, Al^O., 17,45, FCjOj 
5,90, FeO 6,60, CaO 12,60, Mg 11,00, Na, 1,12, K^ 0,87, P, 0^0,93, 
H,0 0,98; Sa. 101,56. 



Digitized by 



Google 



280 ^^- Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

Die von ihm häufig beobachteten Olivinzwillinge wurden nicht 
gefunden. Auch die Augitzwillinge sind nicht häufiger als 
sonst in den basaltischen Gesteinen, so dass dieselben hier 
keinesfalls als Beispiel für „Piezokrystallisation" angeführt 
werden dürfen, wie Trenzen es thut. Dagegen ist die An- 
nahme, dass dieser Limburgit bei langsamerer Erstarrung 
hätte Feldspath ausscheiden können, durch das Vorhanden- 
sein dieses Minerals im Herzberg bestätigt. Für den Olivin 
nimmt Trenzen einen Mg-Gehalt an, der bedeutend höher ist, 
als der der meisten basaltischen Olivine. Aus den Verwitte- 
rungserscheinungen m^s man vielmehr auf einen eisenreichen 
Olivin schliessen. 

2. Der Franenkopf. 

Dieser bildet ein kleines Ktippchen, etwa 1,5 km süd- 
westlich vom Herzberg, welches rings, insbesondere auf der 
Nord Westseite von Tuffen umgeben ist. Das Gestein ist nur 
auf dem Gipfel aufgeschlossen und zeigt hier eine unregel- 
mässig säulenförmige Absonderung. U. d. M. erkennt man 
ein Gestein, welches dem des Herzberges sehr ähnlich ist. 
Die Grundmasse desselben besteht vorwiegend aus kaffee- 
braunem Glase; dazu treten längliche idiomorphe nach ^Pöö 
deutlich abgesonderte Augite, Magnetit in grösseren Läppchen 
und winzigen Oktaedern und als jüngste Ausscheidung wenige 
Feldspathleistchen , die z. Th. gegabelte Wachsthumsformen 
zeigen, um die Feldspathe herum findet eine Anreicherung 
des dann dunkleren Glases statt. Oft setzen sich senkrecht 
zu den Flächen kurze schwarze Trichiten an, einen Kranz 
um den Feldspath bildend. An wenigen Stellen befindet sich 
farbloses, mit HCl gelatinirendes und Na Gl- Würfelchen geben- 
des Glas. 

In dieser Grundmasse liegen zahlreiche makroporphyrische 
Olivine eingebettet, welche noch vollkommen frisch sind. Sie 
haben eine regelmässige Begrenzung und führen viele grosse 
Einschlüsse von braunem Glase und Magnetit. 

Sehr häufig sind Augitaugen, wie sie F. Rinne (Über 
norddeutsche Basalte. 1892. p. 85) beschreibt; um dieselben 
herum findet eine Anreicherung des braunen Glases statt. 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 281 

3. Der Stopfling. 

Diese isolirte kegelförmige Erhebung zwischen Werrberg 
und Eichelskopf halte ich ihrer Form und Lage wegen eben- 
falls für ein Eruptionscentrum. Das Gestein entspricht fast 
vollkommen dem vorbeschriebenen, nur ist hier das farblose 
Glas reichlicher; ausserdem hat sich in geringer Menge 
Nephelin ausgeschieden. 

4. Hof Sauerburg. 

Dieses interessante Vorkommen liegt direct südöstlich 
vom grossen Mosenberg. Es ist ein ausgezeichnetes Beispiel 
für eine primäre Kuppe. Der säulenförmig abgesonderte 
Basalt lässt zwar die meilerartige Säulenstellung nur un- 
deutlich erkennen, dagegen ist er von einem mächtigen Tuff- 
mantel umgeben. Einen Strom hat auch dieser Vulcan nicht 
geliefert, wie überhaupt in unserem Gebiete Limburgitströme 
selten sind. 

Petrographisch stimmt dies Gestein mit den vorgenannten 
überein, nur stellt sich stellenweise Plagioklas als letzte Aus- 
scheidung recht reichlich ein; doch sind die peripherischen 
Theile fast feldspathfrei. 

5. Schlossberg Homberg. 

Auch hier haben wir es ohne Zweifel mit einem Eruptions- 
centrum zu thun; denn es müssen schon zwingende Gründe 
vorliegen, am eine derartig hohe, isolirte Kuppe als secundär 
anzusprechen. Tuffe fehlen hier vollkommen. 

U. d. M. fallen in der Grundmasse grosse', schon mit 
blossem Auge sichtbare Teiche von braunem Glase auf. 
Dieselben sind stellenweise durch reichliche Trichitenbildung 
geschwärzt. In vielen dieser Teiche liegt ein isotropes Mineral, 
welches eine schwachbläuliche Farbe besitzt und meist mit 
einem Mantel von Erzdendriten umgeben ist. Selten sind zonar 
angeordnete Glaseinschlüsse. Es kann sich hier nicht um 
Hauyn handeln , da H Cl auf das Mineral keine bemerkbare 
Einwirkung hat. 



Digitized by 



Google 



282 W. Schultz, Beiträge zur Eeuntniss der Basalte 

B. Die Tuffe. 

Der speciellen Beschreibung der einzelnen Vorkommen 
mögen einige allgemeine Bemerkungen vorausgehen. Mit 
M. Bauer bin ich der Ansicht, dass die Entstehung der tertiären 
Basalte in ganz ähnlicher Weise zu denken ist, wie die der 
heutigen Vulcane. Jede Eruption wird durch einen TufF- 
ausbruch eingeleitet; die Auswurfsproducte umgeben mantel- 
förmig das emporsteigende Magma. Nur in seltenen Fällen 
kommt es in unserem Gebiete zur Bildung von Strömen. Da 
die Tuffe leicht zerstörbar sind, so sind sie meist nicht mehr 
erhalten. Nur an geschützten Stellen trifft man einigermaassen 
mächtige Ablagerungen an. 

Unter den Auswurfsproducten kann man nun im All- 
gemeinen 3 Arten unterscheiden. 

1. Brocken der in der Tiefe anstehenden Gesteine. In 
unserem Gebiete kommen hierbei insbesondere Buntsandstein, 
Braunkohlenquarzit und ältere Basalte in Betracht. Letztere 
bezeichne ich im Folgenden kurz als Basaltauswürflinge, bezw. 
Basaltbrocken. 

2. Einzeln ausgeworfene Krystalle und Krystallbruch- 
stücke. 

3. Extratellurisch erstarrte Magmafetzen. Diese nenne 
ich kurz Glaslapilli, weil sie in unserem Gebiete fast durch- 
weg glasig erstarrt sind. 

Hierzu kommen 

4. bei der Verwitterung entstandene secundäre Producte. 
Die Lagerungsverhältnisse der Tuffe in Bezug auf die 

Basalte geben uns oft wichtige Aufschlüsse für die Unter- 
scheidung der primären und secundären Kuppen, bezw. für 
die Erkennung von Strömen. Kuppenförmige, von Tuffen 
rings umgebene Basaltmassen sind als Eruptionscentren auf- 
zufassen, wenn der Tuff den Basalt überlagert. Beispiele 
hierfür liefern der Frauenkopf, Hof Sauerburg, der Stellberg, 
der Weinberg und der kleine Mosenberg. Wir haben es da- 
gegen mit einer secundären Kuppe zu thun, wenn der Tuff 
den Basalt unterlagert. Dieses Kennzeichen ist jedoch nicht 
absolut sicher. Wenn z. B. eine primäre Kuppe nur an einer 
solchen Stelle aufgeschlossen ist, wo von derselben ein Strom 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. E. 283 

aasgeht, so habAn wir an dieser Stelle sämmtliche Merkmale, 
die auf eine secundäre Kuppe hindeuten. Nur wenn durch 
andere Aufschlüsse erwiesen ist, dass es sich um ein Eruptions- 
centrum handelt, wird man ein solches Vorkommen als pri- 
märe Kuppe bezeichnen. Ein Beispiel hierfür bietet der Eichels- 
kopf bei Holzhausen. 

Auch das mikroskopische Studium der Tuffe lieferte wich- 
tige Thatsachen. Bei der Untersuchung, der Glaslapilli 
stellte es sich heraus, dass die Lapüli desselben Tuffes einander 
u. d. M. meist völlig gleichen, bei verschiedenen Tuffen da- 
gegen z. Th. grosse Unterschiede in ihrer Ausbildung zeigen. 
Dies führte dazu, Beziehungen zwischen den Tuffen und den 
dazu gehörenden Basalten zu suchen. Es ergab sich, dass 
bei limburgitischen Gesteinen und Nephelinbasalten die Glas- 
lapilli der dazu gehörenden Tuffe nur Ausscheidungen von 
Olivin und Augit enthielten, also feldspathfrei waren, die 
Glaslapilli der Tuffe doleritischer Gesteine dagegen neben 
Olivinkrystallen vorwiegend Feldspathleistchen enthielten, 
während die Augitbildung bei der Erstarrung meist in den 
ersten Anfängen war. Es ist also hierdurch ein Mittel ge- 
geben, wenn verschiedene Ströme einem Centrum ent- 
flossen sind, unter Umständen festzustellen, welcher von den 
Strömen mit der betreffenden Tuffablagerung in eine Eruptions- 
periode fallt. 

Weiter lässt sich aus dem Mineralgehalt und der Aus- 
scheidungsfolge in den Glaslapilli schliessen, welches die intra- 
tellurischen Ausscheidungen und die Ausscheidungsfolge in 
den dazugehörenden Basalten ist. Es ist klar, dass die Glas- 
lapilli dieselben intratellurischen Ausscheidungen enthalten 
wie die dazugehörenden Basalte. Man wird dieselben an ihrer 
Grösse und daran erkennen, dass sie in den Lapilli unregel- 
mässig vertheilt sind. Ein Lapillo wird z. ß. nur Olivin,- ein 
anderer nur Augit, andere wieder beide Mineralien oder keines 
von beiden in grösseren Ausscheidungen enthalten; denn es 
beruht ja ganz auf Zufall, welches intratellurisch gebildete 
Mineral von dem glühend flüssigen Magmafetzen aus der Tiefe 
mit emporgerissen wird. Die extratellurischen Ausscheidungen 
dagegen werden in sämmtlichen Lapilli eines Tuffes mit der 
gleichen Regelmässigkeit wiederkehren, es werden nur Grössen- 



Digitized by 



Google 



284 W. Schultz, Beiträge zur Eenntnisa der Basalte 

unterschiede stattfinden, eventuell kann das jüngste Aus- 
scheidungsproduct infolge zu rascher Erstarrung fehlen. 

Das Studium der Basaltauswürflinge ergab wichtige 
Aufschlüsse über das relative Alter der Basalte. Die Er- 
gebnisse sind im allgemeinen Theil zusammengestellt worden. 
Die Untersuchung der sedimentären Auswurfsproducte 
ergab keine bemerkenswerthen Resultate, da nur dem Bunt- 
sandstein und dem Braunkohlensande entstammende Quarz- 
körner gefunden wurden. 

Schliesslich wurden auch die einzeln ausgeworfenen Kry- 
stalle untersucht. Dieselben gehören zu den Bestandtheilen 
des Olivinfelses und bestehen aus Olivin, monoklinem und 
rhombischem Augit, Chromdiopsid und Picotit. 

Ich gehe nun zur Besprechung der einzelnen Vorkom- 
men über. 

Wenn auch jetzt noch z. Th. recht mächtige Tuffablage- 
rungen in unserem Gebiete vorhanden sind, so ist es doch 
unzweifelhaft, dass dieselben früher eine weit grössere Aus- 
dehnung und Verbreitung hatten. Nar an geschützten Stellen 
sind sie erhalten geblieben, z. B. in den Schluchten bei Hof 
Sauerburg, Mörshausen, am Werrberg. Oder sie sind durch 
Bedeckung mit Basaltströmen der Verwitterung entzogen, so 
z. B. am Eichelskopf bei Holzhausen. 

Wir betrachten nun zuerst die Tuffe, welche zu limbur- 
gitischen Gesteinen gehören ; es sind dies die Tuffe vom Frauen- 
kopf und von Hof Sauerburg. 

Am Nordwestabhange des Frauenkopfes ist durch 
einen Eisenbahneinschnitt eine mächtige Tuffablagerung bis 
zu einer Tiefe von 15 m aufgeschlossen. Auch am Süd- und 
Ostabhang des Berges finden sich, wenn auch spärlich, Tuff- 
reste, so dass es unzweifelhaft ist, dass der Frauenkopf früher 
von Tuffen rings umgeben war. 

An der Zusammensetzung des grauen sehr compacten 
und recht frischen Tuffes nehmen hauptsächlich Glaslapilli, 
daneben zurücktretend Basaltbrocken Theil. Sedimentäres 
Material fehlt fast ganz, selten bemerkt man kleine Quarz- 
körnchen. Das Gestein ist daher als „Palagonitfels" zu be- 
zeichnen. 



Digitized by 



Google 



aus der Gegend von Homberg a. £. 285 

Die Glaslapilli haben durchschnittlich einen Durchmesser 
von 0,25 mm und bestehen aus einem graubraunen, meist 
sehr frischen Glase, welches bei der Verwitterung gelb und 
schwach doppeltbrechend wird. Sie sind von zahlreichen 
runden bis elliptischen Hohlräumen durchzogen, die meist mit 
Zeolithen ausgekleidet sind. Als Ausscheidungen treten Olivin 
und Augit auf; selten bemerkt man bei grösseren Lapilli den 
Anfang der Ausscheidung von Magnetit. Plagioklas tritt 
überhaupt nicht auf. Der Olivin bildet grosse, farblose, oft 
zerbrochene und angegriffene Krystalle, wie sie auch im 
Limburgit vom Frauenkopf vorkomimen. Seine unregelmässige 
Vertheilung und die bedeutende Grösse charakterisiren ihn 
als intratellurische Bildung. Der Augit tritt in zahlreichen, 
äusserst winzigen braunen Sänlchen auf, die scharf begrenzt 
und nach der c-Axe gestreckt sind. 

Die Basaltauswttrflinge gehören verschiedenen Feldspath- 
basalten an, die denen bei Hof Sauerburg sehr ähnlich 
sind. Ausserdem kommen Brocken verschiedener Dolerite 
und eines Gesteins vor, das dem Basalt vom Httgelskopf 
völlig gleicht. Bemerkenswerth bei letzterem sind die 
Apatite, welche sich in der Grundmasse in langen Nädelchen 
parallel anordnen. Nicht selten sind in dem Tuffe bis nuss- 
grosse dunkelgrüne Augite mit einer breiten eingeschmolzenen 
Kandzone. 

In vieler Beziehung gleichen dieser Ablagerung die Tuffe 
bei Hof Sauer bürg, die noch heute ein Gebiet von über 
einem Quadratkilometer bedecken. Die früher wohl zusammen- 
hängende Masse ist jetzt in mehrere Partien getrennt, die 
in den Schluchten bei Hof Sauerburg aufgeschlossen sind. 
Die grösste Ablagerung umgiebt mantelft^rmig den Limburgit 
von Hof Sauerburg im Osten, Süden und Westen, hieran 
schliesst sich im Süden der Tuff zwischen Sauerburgholz und 
Drachenburg, und im Norden der Tuff zwischen Mosenberg 
und kleinem Mosenberg. Noch 2 km südlich von Hof Sauer- 
burg finden sich bis 1 m grosse Bomben aus diesem Tuffe. 
In der Schlucht direct am Südostabhang des Berges stehen 
wohlgeschichtete feine gelbgraue Aschenproducte an, die aus 
stark zersetztem schlackigem Glase bestehen. Ähnliche Ab- 
lagerungen am Nordfuss des Berges sind bis auf wenige Beste 



Digitized by 



Google 



286 ^- Schultz, Beiträge zur Keimtniss der Basalte 

verschwunden. Auch sie bieten ihrer starken Verwitterung 
wegen u. d. M. nichts Bemerkenswerthes. 

Mit zunehmender Entfernung von Hof Sauerburg wird 
der Tuff sehr schnell grobkörnig, und etwa in einem Abstände 
von 50 m beginnt ein Conglomerat von grossen, 50 und mehr 
Centimeter dicken Basaltauswfirflingen und Braunkohlen- 
quarzitblöcken, die durch gelbe feinkörnige Tufl&nassen ver- 
kittet sind. Diese Bildungen sind besonders direct nördlich 
von Hof Sauerburg erhalten, wo sie einen über 10 m hohen 
Hügel bilden. In noch grösserer Entfernung folgen wieder 
feinere Tuffe, in denen aber auch, wenn schon seltener, grosse 
Bomben verstreut liegen. Man kann so bei dem Tuffe von 
Hof Sauerburg drei Zonen unterscheiden ; die erste und dritte 
Zone werden von den feinen Aschen- und Staubtheilchen 
gebildet, die theils direct am Centrum, theils in grösserer 
Entfernung von demselben durch den Wind getrieben nieder- 
fielen. Zwischen beiden Uegt eine Zone, welche die schwereren 
Auswurfsproducte enthält. 

Die gelben feinkörnigen Partien sind ganz analog dem 
Tuff vom Frauenkopf, nur sind die Basaltbrocken und Erystall- 
bruchstücke bedeutend häufiger. 

Die Glaslapilli führen als Ausscheidungen grosse Olivine 
und winzige braune Augitsäulchen. Unter etwa 500 unter- 
suchten Lapilli befinden sich nur zwei, die auch gegabelte 
Feldspathleistchen enthalten. Der Olivin entspricht völlig 
dem im Limburgit von Hof Sauerburg. 

Von den Basaltauswürflingen sind die meisten normale 
Feldspathbasalte. Sie lassen sich in etwa ein Dutzend ver- 
schiedene Typen nach geringen Unterschieden in der Structur 
und dem Mengen- und Grössenverhältniss der Gemengtheile 
unterscheiden. Z. Th. sind sie in der Nähe von Hof Sauer- 
burg anstehenden Gesteinen sehr ähnlich, so insbesondere den 
östlich und südlich des Berges anstehenden Feldspathbasalten 
des Hegeholzes und des Sauerburgholzes. Dagegen wurden 
Brocken der dichten Feldspathbasalte direct nordöstlich von 
Hof Sauerburg nicht gefunden. Viele Basaltauswürflinge waren 
durch einen bedeutenden Qehalt an Biotit ausgezeichnet. 
Einer führte den Glimmer in grosser Menge als porphyrische 
Ausscheidung in Erystallen, welche eine Olivin ähnliche Form 



Digitized by 



Google 



aus der Oegend von Homberg a. £. 287 

haben. Im Centrum der meisten Erystalle fanden sich Reste 
eines Minerals, das mit grosser Wahrscheinlichkeit als Olivin 
anzusprechen ist. Diese Erscheinung legt die Vermuthung 
nahe, dass es sich hier um eine Pseudomorphose von Biotit 
nach Olivin handelt. Es liegen dann die Spaltrisse und die 
Auslöschungsrichtung des Biotits parallel der c-Axe des Oli- 
vins. Ein anderer Auswürfling enthält Olivinkrystalle, die 
randlich in ein gelbbraunes, stark pleochroitisches, von vielen 
parallelen Spaltrissen durchzogenes Product verwandelt sind, 
welches die mikroskopischen Eigenschaften des Glimmers 
zeigt. Da beide Basalte sonst petrographisch völlig überein- 
stimmen, so ist es wohl unzweifelhaft, dass es sich in beiden 
Fällen um dieselbe Erscheinung in verschiedenen Stadien der 
Umwandlung handelt. Ähnliche Umwandlungen sind in der 
Literatur mehrfach beschrieben worden ^ 

Doleritauswürflinge sind sehr selten. Sie gehören einem 
vorwiegend aus Feldspath bestehenden mittelkömigen Gesteine 
an, von welchem lose Blöcke auch nördlich von Mörshausen 
gefunden wurden. Da an der betreffenden Stelle anstehender 
Basalt nicht aufgeschlossen ist, so liess es sich nicht fest- 
stellen, ob diese Blöcke Auswürflinge sind oder einem nördlich 
von Mörshausen anstehenden Gesteine angehören. Zu den 
Doleriten sind auch schwarze Schlacken mit gegabelten Feld- 
spathleistchen zu rechnen, die ganz den Oberflächenlaven ent- 
sprechen, wie sie z. B. sich am Eichelskopf bei Holzhausen finden. 

Becht häufig sind Nephelinbasaltbrocken. Sie entsprechen 
in jeder Beziehung dem Nephelinbasalt vom Gipfel und Südost- 
abhang des Mosenberges. Sogar die Verwitterungserscheinungen 
des Olivins und die Hohlraumausfüllungen sind dieselben. 

Schliesslich wurden auch Brocken eines Basaltes gefunden, 
der mit dem vom Stellberg identisch ist. Auch der für diesen 
typische Biotit ist reichlich vorhanden. Ein Auswürfling ent- 
spricht vollkommen dem Basalt vom Omeiser, was um so 
bemerkenswerther ist, als dieses Vorkommen sich in die von 
Hof Sauerburg ausgehende NW. — SO.-Spalte einreihen lässt. 

Der Tuff westlich vom Sauerburgholz besteht, wie 
schon erwähnt, aus feinen grauen geschichteten Glas- und 



Vergl. Zirkel, Petrogr. 1893. I. 358. 



Digitized by 



Google 



288 ^- Schultz, Beiträge zur Kenntniss der Basalte 

AscheDtheilchen, in deDen einzelne grosse Basaltaasw&rflinge 
eingebettet liegen. Dass die Schichtung dieses Tuffes eine 
ursprüngliche ist, erkennt man recht gut daran, dass die 
grossen Bomben die Schichten nach unten eingebogen haben, 
während über der Bombe die Schichtung wieder horizontal 
verläuft. U. d. M. entspricht dieser Tuff völlig dem von Hof 
Sauerburg. Ein Auswürfling zeigt eine eigenthfimliche Aus- 
bildung. Derselbe besteht vorwiegend ans Plagioklas; dazu 
tritt Augit, Erz, Apatit und farbloses Glas. Der Augit bildet 
äusserst lange schilfförmige Gebilde ohne Endbegrenzung, hat 
eine ausgesprochen violette Fai'be und zeigt einen schwachen 
Pleochroismus. Das Erz ist theils Titaneisen, theils Magnet- 
eisen. Letzteres bildet Dendriten, die aus Oktaedern bestehen, 
die nach verzwillingt sind und in rechtwinklig aufeinander- 
stehenden Reihen angeordnet sind. 

Am Ostabhang der „Heide", nördlich vom Werrberg, 
fand sich ein grosser Basaltblock, dessen Grundmasse mit der 
des beschriebenen Auswürflings übereinstimmt. Es ist daher 
wohl wahrscheinlich, dass auch dieser Block ein Auswürfling 
von Hof Sauerburg ist. Das Gestein gehört zu den olivin- 
freien Basalten und ist der einzige Vertreter dieses Typus 
in unserem Gebiet. Aus der dichten Grundmasse ragen makro- 
porphyrische Augite und Feldspathe. Der Augit hat eine 
violette Färbung, die am Bande in ein intensives Dunkelviolett 
übergeht. Seine Form ist die gewöhnliche. Bei einigen sehr 
grossen Individuen bemerkt man jedoch ein skelettartiges 
Wachsthum der letzten Schicht. Parallel der Prismenzone 
gehen dünne, sehr lange Augitnädelchen aus, die dieselbe 
Auslöschung wie der dunkelviolette Rand des Augits haben. 
Es muss also das Wachsthum der letzten Schicht des Augits 
ein überaus schnelles gewesen sein. Der Augit hat zahlreiche 
Einschlüsse von Plagioklas, Apatit und Erz. Die zahlreichen 
schilflörmigen Augite der Grundmasse sind wohl als ab- 
gebrochene Theile solcher Augitskelette aufzufassen (vergl. 
Taf. XI Fig. 5 u. 6). 

Wir betrachten nun den Tuff vom Weinberg. Der 
graugelbe mehrere Meter mächtige Tuff umgiebt den Berg 
auf der West- und Nordseite, ü. d. M. sieht man ein Ge- 



Digitized by 



Google 



ans der Gegend von Homberg a. £. 



289 



menge von Glaslapilli und Quarzkörnem, die durch feinste 
Aschentheilchen und Glaspartikelchen verkittet sind. Selten 
sind Basaltbrocken und Krystallbruchstttcke. Die Glaslapilli 
sind nicht so frisch wie die der vorher besprochenen Tuffe. 
Nur selten ist die ursprüngliche graubraune Farbe zu sehen, 
meist ist das Glas goldgelb. Als Ausscheidungen finden sich 
wie bei Hof Sauerburg grosse Olivine und winzige Augitsäul- 
chen. Selten sind Magnetitoktaäder. Die einzeln ausgewor- 
fenen Krystallbruchstücke gehören dem Olivinfels an und 
bieten nichts Bemerkenswerthes. Von den wenigen Basalt- 
auswfirflingen gleicht einer völlig dem Basalt vom Hügels- 
kopf, die übrigen sind Feldspathbasalte. 



Eine andere Ausbildung der Glaslapilli haben die Tuffe bei 
Mörshausen und zwischen dem grossen und kleinen Mosenberg. 

Der deutlich geschichtete, feinkörnige, graugelbe Tuff 
nördlich von Mörshausen besteht aus Glaslapilli, Quarz- 
körnem und Olivinfelsbrocken etwa zu gleichen Theilen. Selten 
sind Brocken eines normalen Feldspathbasalts. In den Glas- 
lapilli ist ausser Olivin und Augit auch Feldspath ausgeschie- 
den. Die Olivine sind sehr gross und frisch ; zuweilen haben 
sie einen Saum von winzigen parallel orientirten Augitsäulchen, 
deren c-Axe mit der des 
Olivins zusammenfällt. 

Der Tuff südlich 
von Mörshausen zeigt 
dieselbe ausgezeichnete 
Schichtung, hat aber eine 
hellere Farbe und gröberes 
Korn. ü. d. M. sehen wir 
ein ähnliches Bild wie bei 
dem Tuffe nördlich von 
Mörshausen, nur über- 
wiegen hier die Quarz- 
kömer und einzelnen Kry- 
stalle ganz bedeutend über die Glaslapilli. Letztere sind nicht 
mehr frisch und enthalten Ausscheidungen von Olivin, Augit 
und gegabelten Feldspathleistchen. Die Olivinfelsbrocken sind 
noch sehr frisch. Häufig sind die Olivine nach Pob verzwillingt. 

N. Jahrbuch f. Mineralogie ete. Beilageband XVI. 19 




Fig. 8. 



Digitized by 



Google 



290 W. Schultz, Beiträge snr Kenntniss der Basalte 

Ein grösseres Individuum zeigt eine mehrfache Zwillings^ 
bildung nach demselben Gesetz, dabei liegen die Spaltrisse 
senkrecht zur Zwillingsgrenze. Die Individuen 1 und 3, 2 
und 4 löschen je gleichzeitig aus. Die optischen Axen liegen 
wie in Textfig. 3 angedeutet. 

In der Schlucht zwischen Mosenberg und kleinem 
Mosenberg befindet sich eine Tufifablagerung, deren Aus- 
wurfspunkt sich nicht ermitteln liess. Vielleicht handelt es 
sich um Bildungen, die gleichzeitig mit dem Erguss der Feld- 
spathbasalte bei Hof Sauerburg stattfanden. Der noch recht 
frische Tuff zeigt in seinen obersten Schichten eine röthliche 
Farbe, die nach unten zu ins Graugelbe tibergeht. In den 
Schliffen der oberen Schichten erkennt man u. d. M. röthliche 
Glaslapilli und Quarzkörneben, die durch kleinere staubartige 
Fragmente verkittet sind. Die Glaslapilli fähren Ausschei- 
dungen von opalisirtem Olivin und gegabelten Feldspathleist- 
chen; selten sind Augitsäulchen. Die Plagioklase zeigen aus- 
gezeichnete Zwillingsbildungen, besonders Ereuzalbitzwillinge 
und Combinationen des Albit- und Bavenoer Gesetzes, wie 
sie F. Rinne, Über norddeutsche Basalte. 1892. Taf. VII Fig. 8, 
abbildet. 

In den Schliffen der tieferen Schichten sind die Glaslapilli 
frischer und haben eine braune Farbe. Mit zunehmender Tiefe 
wird der Tuff reicher an den Bestandtheilen des Olivinfelses, 
besonders an rhombischem Augit. 

Es sind nun einige Tuffe zu besprechen, die wegen ihrer 
schlechten Erhaltung eine nähere Untersuchung nicht zuliessen. 

Rings um den kleinen Mosenberg finden sich an 
wenigen Stellen Reste eines gelbgrauen Tuffes. Eigentliche 
Glaslapilli wie in den vorbeschriebenen Tuffen waren nicht 
zu erkennen. Ausser Basaltbrocken, die den Feldspathbasalten 
bei Hof Sauerburg sehr ähnlich sind, finden sich nur braune 
Schlacken mit grossen Augiten und Olivinen, die mit denen 
des Nephelinbasanits vom kleinen Mosenberg völlig überein- 
stimmen. Dazu treten wenige gegabelte Feldspathleistchen. 

Die Tuffe vom Werrberg und Stellberg sind zwar 
recht mächtige Ablagerungen, aber schon sehr stark verwittert. 
Beide bestehen vorwiegend aus schlackigen Glaslapilli. In 
den Schlacken des Stellberg-Tuffes finden sich opalisirte Olivine» 



Digitized by 



Google 



aa0 der Gegend von Homberg a. £. 291 

Der Tuff vom Werrberg führt Brocken von Feldspathbasalten 
vni von den Basalten des Hügelskopftypus. 

Zum Schluss ist noch der Tuff vom Eichelskopf bei 
Holzhausen zu betrachten. Derselbe ist schon von verschie- 
denen Autoren beschrieben worden, doch sind bisher die 
petrographischen Verhältnisse nicht gewürdigt worden. Der 
Tuff ist in einem grossen Steinbruch am Westabhang des 
Eichelskopfes aufgeschlossen. Schon am anstehenden Gestein 
kann man erkennen, dass es si€h liier um zwei ungleichalterige 
Äblageningen handelt. Die unteren Schichten sind sehr com- 
pact und haben eine tiefgraue Farbe, die oberen Schichten 
dagegen sind intensiv gelb gefärbt. 

Der untere Tuff besteht aus einem Gemenge von Quarz- 
körnem, Olivinfelsfragmenten und braunen Glaslapilli, welche 
Ausscheidungen von Olivin und Augit enthalten. Nicht selten 
sind Pflanzenreste ^ 

Im oberen Theile des Tuffes lassen sich abwechselnd 
gröbere und feinere Schiebten unterscheiden, die sich aber 
petrographisch gleich verhalten. Hier treten die Quarzkörner 
and einzelnen Erystalle gegen die Glaslapilli zurück. Letztere 
enthalten Olivinkrystalle und Feldspatbleistcben, zuweilen 
auch daneben Augitmikrolithe. 

Basaltauswurflinge sind in beiden Abtbeilungen sehr 
selten, in der oberen wurden Dolerit-, Nephelinbasalt- und Feld- 
spathbasalt-Lapilli gefunden. Im Graben des Eichelskopfes 
liegen Brocken eines kugelig abgesonderten Nephelinbasaltes, 
der dem des Mosenberges sehr ähnlich ist. 

Während sich über das Eruptionscentram der unteren 
Schichten des Tuffes nichts Bestimmtes sagen lässt, ist es 
wahrscheinlich, dass die oberen Tuffschichten der Eruptions- 
periode des Dolerits vom Eichelskopf angehören, weil in ihnen 
Doleritlapilli vorkommen und sie vom Dolerit vom Eichels^ 
köpf überlagert werden. 

Marburg, Mineralog. Institut der Universität. 

^ Vergl. R. Ludwig , FossUe Pflanzen aus dem Basalttnff von Holz- 
bansen. Palaeontographica. 5. p. 152. 

19* 

Digitized by VjOOQ IC 



292 A. Baltzer, Die granitischen Introsivmassen des Aarmassivs. 



Die granitischen Intrusivmassen des Aarmassivs» 

Ton 

A. Baltzer in Bern. 
Mit Taf. XIII- XVI und 7 Textfiguren. 

Im Jahre 1893 erschien die treffliche Arbeit meines nun 
dahingeschiedenen Freundes E. v. Fellenberg *, durch welche 
er sich ein bleibendes Verdienst um die schweizerische Geo- 
logie erworben hat. Mustergültig ist hier, auf Grund lang- 
jähriger schwieriger Begehungen, ein wichtiger Abschnitt der 
Hochalpen beschrieben und bildlich dargestellt. Die Ver- 
faltung der krystallinischen Schiefer und der Sedimente auf 
der Südseite der Bemer Alpen, die Tektonik des Granits und 
besonders sein Verhältniss zu der Schieferhülle, treten infolge 
günstiger Aufschlüsse hier deutlicher als im centralen und 
östlichen Flügel des Aarmassivs hervor. Und mögen die 
Theorien wechseln, in Fellenberg's Arbeit ist ein Schatz 
nutzbarer Beobachtungen für alle Zeiten niedergelegt. In 
Verbindung mit Heim's Arbeit über den östlichen Theil und 
der von mir über den mittleren Theil ist es nun roöglich, 
einen Überblick über das Aarmassiv zu gewinnen. 

. Den Wunsch, Fellenberg's Aufnahmegebiet kennen za 
lernen, konnte ich erst in den Jahren 1895 und 1896 be- 
friedigen, die Umgebungen des Oberaletschgletschers und der 
Concordiahütte wurden besucht, ergänzende und corrigirende 
Beobachtungen gemacht, im Ganzen daselbst Fellenberg's 

' Geologische Beschreibung des westlichen Theils des Aarmassivs, 
mit petrographischen Beilagen von Prof. K. Schmidt. Beitr. z. geoL Karte 
d. Schweiz. 21. Liefg. Mit Atlas. Blatt 18 d. geol. Dufour-Karte. Vergl. 
femer für das Folgende: Blatt 493 n. 489 des Siegfried- Atlas. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granitischen Intrusivmassen des Aarmassivs. 293 

Au&ahme bestätigt. Meine Resultate sind in der vorliegenden 
Arbeit niedergelegt. Dieselbe enthält die Charakterisirung des 
Granitrückens vom Bietschhorn-Aletschhom und seine Deutung 
auf Grund der Beschreibung mehrerer wichtiger Stellen. Im 
Anschluss hieran folgen meine gegenwärtigen theoretischen 
Anschauungen über das Aarmassiv im Allgemeinen, die, wie 
man beachten möge, sich von meinen früheren ganz wesentlich 
unterscheiden. Was in meinen älteren Arbeiten theoretisch 
divergirt, ziehe ich hiermit ausdrücklich zurück. 

1. Der Vorspmng der Fnsshörner am Oberaletschgletscher mit 
der Clabhütte bei ca. 2670 m. 

In ungefähr 4 Stunden gelangt man von Beialp zur Ober- 
aletschclubhütte, die auf dem westlichen Ausläufer des höchsten 
Fusshornes (3648 m) liegt. Man trifft auf diesem Wege 



Glubhfttte 8670 m 




Ober-Aletsch-Gletscher. 
Fig. 1. Umgebnngen der Oberaletsch-Glnbhütte. 

zwischen dem grossen Al^tschgletscher und dem Sparrhorn 
Muscovitgneisse und zweiglimmerige Augengneisse ohne scharfe 
Abgrenzung an. Sehr schön treten auf dem Gletscher sechs 
Mittelmoränen und eine ausgezeichnete, jenem parallel ver- 
laufende und steil einfallende Blaublätterstructur hervor. Die 



Digitized by 



Google 



1 

a 



294 A. Bftitzer, Pie granitisohen IntrasiTmasMii des Aarmassivs. 

geologisehe Situation bei der grossartig gelegenen Clubhfitte 
giebt beifolgende Zeichnung (Fig. 1). Von West nach Ost 
folgen sich: 

1. Granit vom Frotogyntypus ^, mittel- bis grobkörnig, ca. 60 m be- 
obachtete Mächtigkeit. Hierauf folgt : Schuttbedeckung 14 m. 
■ 2. Graogrttnlicber Sericitgneiss, 7 m. 
S. Weisser, feinkörniger Qnarzit, 6 m. 

4. OrangrQner, dichter, gefleckter Feldspathschiefer (Feldspath und 
Glimmerschüppchen *) hinter der Clubhüttei 1| m. 

5. Dunkler, flaseriger Biotitgneiss. 

6. Graugrünlicher Feldspathschiefer mit einzelneu Glimmerblättchen^ 
ähnlich 4. 

7. Mächtige, hellere Gneisse der Fasshörner. 

Auf Blatt 18 ist diese Gesteinsfolge als Gneiss und Phyllit 
und der mächtige Granit gar nicht angegeben (1. c. p. 60). 
Letzterer bildet die Felsen westlich der Clubhtttte bis zum 
Gletscher herunter und setzt sich in südwestlicher Richtung 
gegen das Gross-Nesthorn und' Bietschhom fort. 

2. Der Granitgang in den Grünschiefern beim Oberaletschgletscher 
am Vorsprang des Rothhorns bei 2807 m. 

(Siegfried-Atlas Blatt 493 und Fig. 2.) 

Wohl der interessanteste Gang im Aarmassiv. Wiewohl 
ihn Fellenberg (1. c. p. 35), z. Th. nach Beobachtungen seines 
Führers Henzen, beschreibt und abbildet, erschien doch weitere 
Untersuchung wünschenswerth. 



' Im Folgenden wird der massige sogen. Protogyn (Protogyngranit) 
einfach als Granit bezeichnet. Die Schreibweise Protogin ist etymo- 
logisch falsch. 

' Orünschiefer nannte Fbllbnbero im westlichen Aarmassiv die dichten 
und halbkrystallinischen oft graugrünlichen Pbyllite. Dieselben sind ver- 
gesellschaftet mit höher krystallinen Schiefem, die z. Th. auch Hornblende 
führen, so dass also im Qanzen hierher gehören würden: Sericitschiefer, 
sogen. Sericitgneisse, Glimmerschiefer, Glimmerquarzite, Feldspathschiefer, 
z. Th. sericitführend etc. Solange diese Gesteine noch nicht mikroskopisch 
genügend untersucht sind, mu8s der Name noch provisorisch beibehalten 
werden. 

' Die Flecken sind Biotitanhäufnngen. Dr. Hugi, der meine Dünn- 
schliffe durchsah, fand an der Grenze von 4 und 3 Sillimanitnadeln , was 
nebst den Flecken für Contactmetamorphose eines sedimentären Thon- 
Schiefers durch den Granit spricht. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granitiBcheii Intrasiymassen des Aannassivs. 295 

Geht man von der Clubhütte der Granitgrenze entlang 
gegen Ostnordost, so trifiPt man auf einen ca. 6 m hohen Auf- 




schluss, wo der Granit eckige, metergrosse Bruchstücke von 
dunkelgrünem Amphibolit und aus ihm wohl durch Quetschung 



Digitized by VjOOQ IC 



296 ^' Baltzer, Die granitischen Introsivmassen des Aarmassivs. 



entstandenen Hornblendeschiefern * mit grüner gemeiner Horn- 
blende einschliesst. Der Granit zeigt auch gequetschte Stellen 
und stellenweise starke Feldspathanreicherung. Hier liegt eine 
deutliche primäre Contactmetamorphose vor. 

Bald tritt alsdann, während man schutt- und schnee- 
bedeckte Sericitgneisse und Hornblendeschiefer überquert, der 
durch Fellenberg entdeckte, in Grünschiefern aufsetzende 
Granitgang hervor (Fig. 2 Gesammtansicht, Fig. 3 Detail). 
Länge nach Fellenbero 120 m; die Mächtigkeit schätze ich 
zu 18 m bis 6 m (am Ende). Das Gestein ist typischer, 
mittel- bis grobkörniger Protogyn mit Ortho- und Plagioklas, 
ziemlich reich an gekörneltem Quarz, auch Sericit führend. 



Granit 
oa. 6 m 
mächtig 




Schutt- 
halde 



Fig.;s. Ende des Granitganges in Grünschiefem bei 2807 m am Oberaletschgletscher. 

a Goncordante Einqnetschong des Granits in die Schiefer, b Anschmiegung des 

Schiefers an den Granit, e—e yide Text. 



Deutliche, die Salbänder schneidende Transversalklüftung, 
parallel zur Schieferung der Schiefer, wohl durch Druck ent- 
standen. 

Während nun (Fig. 3) Granit und Grünschiefer im All- 
gemeinen discordant zu einander stehen, biegt ersterer am 
Ende vermittelst eines Zipfels (a Fig. 3) in die Schieferung 
des Grünschiefers ein. Dabei verliert der Granit seine rich- 
tungslose Structur und wird bei und in der Einbiegung deut- 
lich geschiefert und flaserig, wobei die Schieferung parallel 



^ Biotit , grline , z. Th. schilfige Hornblende , an den Enden skelet- 
artig ausgebildet; Muscovit, Titanit (Huoi). 



Digitized by 



Google 



A. Baitsser, Die granitischen Intxasivmassen des Aannaaeivs. 297 

der des Nebengesteins verläuft. Desgleichen ist der Granit 
an der Umbiegangsstelle deutlich flasergneissig, z. Th. äugen- 
gneissartig und sericitreich geworden. 

Salband des Ganges oben und seitlich bei c Fig. 3 hell 
gefärbt, mit 2 Feldspäthen, Quarz und sehr wenig Biotit*; 
bei d gneissig mit langgestreckten Feldspathaugen. Seitlich 
bei d steht ein weisslicher und dichter Schiefer aa mit vor-; 
wiegendem Orthoklas, Quarz und wenig Biotit und Seridt, 
flaserig, z. Th. selbst mit Augenstructur , stark gequetscht. 
Weiter hinauf streifiger, plattiger Homblendeschiefer, Horn- 
blende führender Sericitschiefer und Gneiss, grauer, quarz- 
reicher, serici tischer Gneiss, helle Feldspathschiefer, Quarz- 
phyllit und weisser geschieferter Quarzit, mit eingesprengten, 
fairsekorngrossen, schwarzen Eryställchen. 

Etwas weiter unten am Gang ist das Contactgestein ein 
typischer Sericitschiefer mit Quarzlinsen. 

Es biegen sich nun die Schiefer deutlich um das stumpfe, 
stark gequetschte Ende des Ganges herum (Fig. 3). Sie sind 
überhaupt dem Gang angeschmiegt, oben deutlicher wie unten ; 
die Schleppung (bei e Fig. 3) unten scheint aber derjenigen 
oben wenigstens local entgegengesetzt zu sein. Auf der 
linken Seite des Ganges bei e treten Aplitadern im gneissigen 
Granit auf. 

Bei dem Gemsplätzli (Fig. 2 P), also unterhalb des Ganges, 
stehen Hornblendeschiefer und Amphibolit (z. Th. Glimmer 
führend), Glimmerschiefer, hornblendefiihrender Gneiss, noch 
weiter unten Sericitgneiss an. 

Nach Fellenberg setzen die Grünschiefer nach dem Roth- 
hom 3701 m fort, wo sie sich zwiebelschalenförmig um den 
Granitgneiss herumlegen und sich gegen ihn hin verflachen). 
Steigt man nun zur Moräne hinab und ein Stück auf 
derselben aufwärts, so gelangt man an eine charakteristische 
Contactzone von Granit und Grünschiefern , deren Lage 
und nähere Beschaffenheit aus Fig. 2 Ziff. 1 und Fig. 4 zu 
ersehen ist. Zahlreich sind hier Schollen von Hornblende- 
schiefer, Glimmerschiefer mit grünem Glimmer, gneissartigem^ 



' Korn sehr ongleichmässig , bald grob-, bald äasserst feinkörnig. 
Accessorisch: Epidot, Zirkon and wenig Eisenglanz (Huai). 



Digitized by 



Google 



298 ^' Baltzer, Die granitischen IntmsiymaMeii des Aarmasaiys. 

hornblendefßhrendem Gestein, in Granit eingeschlossen, wobei 
einige Schollen noch eckig sind, andere bei der Introsion 
gestreckt nnd gepresst wurden. Auch der Granit zeigt deut- 
liche Spuren von Schieferung durch Pressung und es biegt sich 
der Glimmer desselben z. Th. um die Schollen herum (Fig. 4). 
Das Nebengestein ist hier gneissig, mit Quetschzonen, auch 
ein körniger Quarzit mit einzelnen hellgrttnen Glimmer- 
schmitzen wurde beobachtet. Bemerkenswerth ist, dass diese 



Orünsohiefer 




Granit 



Fig. 4. ContactEone des Granits an den Schiefem. Schollen von Olimmerschlefer 
and Homblendeschiefer. Bothbomgang am Oberaletscbgletscher, vergl. i in Fig- i. 

Höhe 6 m. 

contactmetaroorphe Zone gegen die Hauptmasse des Granits 
weiter links scharf abgesetzt ist. 

Fellenberg's Figur zeigt eine Theilung des Hauptgangs 
in zwei durch Grünschiefer getrennte Granitzipfel, wovon 
ich mich nicht überzeugen konnte. 

Nach dem Gesagten ist der Granitgang am Kothhom 
(Oberaletschgletscher) ein echter Intrusivgang, der die Schiefer 
discordant durchbrach und dabei deutliche contactmetamorphe 
Wirkungen erzeugte. Abgerissene Schollen der Grünschiefer 
sind im Granit eingeschlossen und umgewandelt worden. 



Digitized by 



Google 



A. Baltser, Die granitischen IntranvmaBsen des Aarmasiivs. 299 

Unter dem hohen Druck zeigt der Granit an der oberen 
Grenze (Fig. 2) Neigung, sich in die Schiefer einzofttttern, 
daher das eigenthlimlich geschlängelte Aussehen des Salbandes. 
Namentlich am Ende drang der Granit zipfelförmig in die 
Schieferung ein und wurde dabei zu schieferigem Gneissgranit 
ausgequetscht. 

Von einer mechanischen Ausstülpung, wie Felubnberg 
(1. G. p. 36) annimmt, kann nun nicht mehr gesprochen werden 
(man müsste denn annehmen, der längst erstarrte Granit sei 
beim Faltungsact wieder local flttssig geworden). 

Es macht dieser Granitgang, fttr sich allein betrachtet, 
den Eindruck, als wäre er erst am Schluss oder nach der 
Faltung in die Schiefer eingedrungen, andernfalls wäre er 
wohl mehr in sich selbst gebrochen oder gestaucht worden. 

3. Der Granit-Grünschiefercontact am Faulberg bei der 
Concor diahütte. 

Wo sich auf der Walliser Seite der Berner Alpen grosser 
Aletsch-, Jungfrau- und Ewigschneefim zu einem grossartigen 
flachen Firnkessel vereinigen, ragt östlich der granitische 
Faulberg (3244 m) in die Höhe, an dessen Fuss die Con- 
cordiahtitte liegt. 

Hinter der Hütte folgen sich (vergl. Fig. 5) von unten 
nach oben: 

1. Qraoit. 

2. Dunkler streifiger. Biotitgneiss ^ , sehr zerrüttet und gequetscht. 

3. Etwas glimmerarmer, grobkörniger Granit mit Ortho- und 
Plagioklas, Glas- und KömeJqnarz; mittel- bis grobkörniger, 
z. Th. etwas Sericit führender Aplit. Derselbe ftthrt eckige 

S Schollen von Glimmerschiefer, Homblendeschiefer und un- 
S { bestimmtem (feinkörnigen Feldspath , Quarz, Hornblende führen- 
dem) Gestein*. 

4. Grünschiefer : Sericitischer Gneiss, Glimmerschiefer, grauer Feld- 
spathamphibolit mit grossen Feldspathkörnem. 

5. Aplit. 

6. Grünschiefer. 
, 7. Mächtige Granitmassen, anscheinend bis zum Gipfel des Faulbergs. 



^ Biotit in braunen und grünen Schuppen und Flasem. Eataklastischer 
Quarz in ein feines Netzwerk von Saussurit eingehüllt (Huai). 

. * In einer solchen Scholle bestimmte Dr. Huai Orthoklas (saussuritisirt), 
Plagioklas, Quarz, stark zersetzten Biotit, grüne Hornblende ; accessorisch : 



Digitized by 



Google 



300 ^' Baltzer, Die granitiachen IntrusiTmassen des Aarmassivs. 

Der Granit No. 3 zeigt starke Eataklase und ist stellen- 
weise geradezu breccienartig ausgebildet Am Gontact mit 
den Grtinschiefern ist er z. Th. auf ca. 1' sehr glimmerarm, 
ähnlich dem Granit an der Mieselen ^ 

Während dieser Aufschluss den Eindruck macht, als habe 
der Granit von unten und der Seite her die Griinschiefer 



Granit 




Orttnsohiefer 
mit einer 
Zwi^ohenlage 
von Aplit. 

'-'-^ % ' 

^ 1 ~ /y^» * ' Granitf «. Th. apUtisoh, mit eckigen 
^ 1* dunklen SchoUen von Glimmer- 

*^* schiefer, Homblendeschiefer etc. 

Dankler streifiger Biotitgneiss, stark 
kataklastisch und gequetscht. 



Fig. 6. Granitschieferoontact am Faulberg bei der Concordiahütte. 



umhüllt, dringt wenig weiter nordöstlich ersterer von oben 
und seitlich her in die Schiefer ein (Fig. 6). Stellenweise 
hat das granitische Magma wie auch beim Kothhorn Partien 



ZirkoD, Epidot, Zoisit, Titanit, mit Titaoit oft durchgreifend verwachsenen 
Ilmenit (mit Leokoxenbildung) , Ghlorit^ Apatit, Calcit. Feldspäthe in 
sehr wechselnden Mengen. 

^ Vergl. Baltzer, Nachlese zur Geologie des Aarmassivs. Mitth. d. 
Bern, natarf. Ges. 1901. p. 4. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granitischen Intrnsivmassen des Aarmassivs. 301 

der Grtinschiefer eingeschmolzen. Manchmal verzweigt 
sich der Granit geradezu in die Schiefer hinein ^ 

Wie am Rothhorn haben wir also auch hier intrusiven 
Granit, nur z. Th. mehr lagerartig. 

Dieser Aufschluss hält etwa die Mitte zwischen dem 
discordant die Schiefer durchbrechenden Rothhomgang und 
dem dem intrusiven Lagertypus angehörigen Aufschluss am 



/<Nv^ '-'» ^^*VjI.; Granit 






\ . -.N> 



->'. 



:\^ 



-^^ ' \ ^> 



\ \ Schiefer 






Fig. 6. GraBit-Schiefercontact am Fanlberg. 

Thierberg. An letzterem findet ein dreimaliger Wechsel 
von Schiefern und Granit statt. Meine frühere Abbildung* 
ist ganz richtig, nicht aber die damalige Auffassung. 

Nördlich des Faulbergs tritt ein neuer granitischer 

^ Der Dünnschliff einer GranitschoUe in den Schiefem enthält nach 
Dr. HuGi's Bestimmung Ortho- und Plagiokias^ mikroperthitisch verwachsen, 
stark zersetzten Biotit mit eingeschlossenen Zirkonkömem; accessorisch 
treten auf: Titanit, Orthit, Apatit. 

' Mittleres Aarmassiv. 24. Lieferung der Beiträge etc. Taf. V Fig. 2. 



Digitized by 



Google 



302 A. Baltzer, Die granitischen Introsivmassen des Aarmassiys. 

Bücken auf, von jenem wahrscheinlich durch vom Gletscher 
bedeckte Grttnschiefer getrennt. Beide Bücken sind wohl 
nnterirdisch miteinander verbunden. 

Fellenberg erwähnt die Aufschlüsse am Faulberg nicht, 
sie wären noch weiterer Untersuchung werth, wofür die 
Concordiahütte einen guten Stützpunkt bildet. 



4. Der Granit beim Grünhörnli an der Grünhornlftcke. 

Diese bei 3305 m befindliche Stelle hat Fellenberg be- 
reits beschrieben und abgebildet, meine Darstellung (Taf. XIV) 
ist etwas vollständiger und glebt noch einige Einzelheiten. 

Der Granit erscheint hier ca. 75 m hoch und 500 m 
breit, eingezwängt zwischen Grünschiefem. Sie bedecken 
z. Th. den Granit. In der Grünhomlücke stehen theils 
knotige, theils ebenflächige Sericitschiefer mit Feldspathkömem 
an, sowie sericitis(!he Gneisse; südlich der Lücke folgen 
knotige Sericitschiefer mit Lagen von etwas Feldspath füh- 
rendem Glimmerquarzit. 

Auf der gegen die Lücke zu gewendeten Seite sind die 
Schiefer flach gelagert. Auf der Nordseite dringt der Granit 
in zwei kurzen klobigen Hörnern in die Schiefer ein. Die 
Contactlinie verläuft eckig. Was an dem Gang ursprünglich 
Intrusionsform und was spätere mechanische Umformung ist, 
lässt sich schwer sagen. Wichtig ist, dass er bei 1 der 
Taf. XIV theilweise von den Schiefem bedeckt ist, die da- 
selbst der Granitgrenze concordant liegen. 

Diese Decke war vor der Erosion wohl mehrere 100 m 
mächtig. 

Es scheint auch hier, das Granitmagma sei langsam 
Zwischen die Schiefer eingepresst worden, so dass dieselben 
sich ihm z. Th. local anschmiegen konnten (Taf. XIV 2). 
Wahrscheinlich setzt dieser Gang nach der Grünegg fort 
und es streichen die ihn nördlich begrenzenden Schiefer 
nach dem die Grünegg und das Grünegghom verbindenden 
Grat hinüber. 

Fellenberg erblickt in diesem Aufschluss einen „echten 
Stock** mit eckigen, mechanisch bei der Faltung erzeugten 
Ausstülpungen. 



Digitized by 



Google 



A. Baltser, Die granitischea IntnuiyiiiAsaeii des AannasBiys. 303 

5« Das Aletschhorn (4198 m). 

(Taf. XIII.) 

Eine der schönsten Leistungen Fbllbnbbo's ist die Er- 
steigung des Aletschhorns im Jahre 1862 und seine geologische 
Untersuchung desselben, welche das überraschende Resultat 
lieferte, dass die die Spitze bildenden Grftnschiefer hier 
kappenförmig dem aas Granit bestehenden Bnmpf des Berges 
aufsitzen. Die Schiefer lagern discordant zur Ober- 
fläche des Granits. Ich habe das Aletschhorn, diesen 
^Kernpunkt des Aarmassivs^ , wie Fellenberg es richtig 
nennt, zweimal genau gezeichnet und gebe Taf. XIII eines 
dieser Bilder, welches mit Fellenberg's Fig. 3 auf seiner 
Taf. XV im Ganzen übereinstimmt, immerhin noch einige 
mit Hilfe eines Zsiss'schen Feldstechers gesehene geologische 
Details mehr giebt. 

Der aus dem Becken des Oberaletschgletschers im Quer- 
schnitt domartig 700 m hoch aufsteigende Granit bildet einen 
Rücken, der sich im Aletschhorn bis zu ca. 3600 m (nach 
Fellenberö) erhebt. Westlich legen sich die steil nordwest- 
lich fallenden grünen Schiefer concordant der Grenzfläche des 
Granitrückens an. Dies Yerhältniss habe ich noch in der 
Fortsetzung, | Stunden weiter südlich beim Schienhorn be- 
obachtet. Nach Fellenberg (1. c. p. 229) besteht zwischen 
Kleinaletschhoin und dem westlich gelegenen Sattelhorn eine 
aufrechte, stark zusammengeschobene Falte in den Schiefern. 
Östlich des Aletschhorns ist der unmittelbare Contact weniger 
deutlich entblösst. 

Die Kuppe des Aletschhorns besteht, wie gesagt, aus 
grünen Schiefern: nach Fellenberg glimmerführender Feld- 
spathamphibolit, grünliche Thonglimmerschiefer, Sericitschiefer, 
Cblorit und Glimmer führende Schiefer. Dieselben stehen deut- 
lich discordant zur Grenzfläche des Granits und fallen mehr 
oder weniger steil, ca. 45—60® nach SQ.; man erkennt ihre Un- 
gleichartigkeit auch an Structur und Farbe von weitem (vergL 
die helleren, etwas flacher fallenden Bänke bei 3, Taf. I). 
Sie sind ferner am Contact deutlich geschleppt (4), wie wenn 
ein Schub von SO. her stattgefunden hätte. 

Bei 1 dringt der Granit in Form kurzer, z. Th. zacken- 
fiSrmiger Apophysen in die Schiefer ein; Verzweigungen wie 



Digitized by 



Google 



304 ^' Baltzer, Die granitisclieii Intruslymassen des Aarmassivs. 

am Faulberg sind jedoch, wenigstens von weitem, nicht sicht- 
bar. Fig. 7 giebt die Stelle bei 2 der Taf. XIII im grösseren 
Maassstab. Die Schiefer sind hier gefältelt nnd gleichsam 
in den Granit eingewickelt. 

Eine intime Imprägnirung der Schiefer mit Granitmagma 
auf grössere Strecken hin haben weder ich noch Fellenberq 
hier oder anderwärts beobachten können, obgleich doch hier 
die Verhältnisse für eine bis auf die Schieferblätter sich er- 
streckenden Injectionsgranitisirung günstig waren. 

Zur Erklärung der auffallenden Discordanz der Schiefer 
zum Granitsalband kann man annehmen, dass ursprünglich zu 
Beginn der Hebung die jetzt unter 45 — 60® geneigten Schiefer 



Grttnsehiefer 









^ 


^ 










\ 








\Vx. j 




2y 


rv^\ 


s^ 


^^/"N^y^Jf^** •' 




A^Vv^ 


Ä'."»'' 




.' • • V V : ." -'.^^i 


p^\ 


^^"•■••.••Ä 


j^/ 




^^ilr^^!^^^ 


::'.;.••':'.'•; 



Granit 



Fig. 7. Detail am Gipfel des Aletschhorns. i Sohleppnng dar Orünsohiefer am 
Oranitcontact. 2 Einklemmung der Ortinscbiefer in Granit (vergl. Taf. XHI bei 2). 

concordant lagen, wie es jetzt noch vielfach an den Flügeln 
der Schiefergewölbe der Fall ist. Bei der Faltung des ganzen 
Complexes verhielt sich der Granitklotz relativ starr, während 
die flexiblen Schiefer scheerende und gleitende Bewegungen 
an seiner Peripherie ausführten und hierbei sich auflichteten 
und discordant stellten. Hiermit stimmen die genannten 
Schleppungen am Contact gut tiberein. 

Auf dieselbe Weise erklären sich die partiellen seitlichen 
Discordanzen. 

' 6. Contact beim Schienhorn nnd Beichflrn zwischen 3254 nnd 

3670 m. 

Hier sind die Grünschiefer steil an den Granit theils 
angelehnt, theils aufgelagert. Von weitem glaubt man eine 



Digitized by 



Google 



A« Baltzer, Die granitischen IntrasiTmassen des AannassiTB. 305 

Starke Zerstückelung des Granits wahrzunehmen, es beruht 
dies aber nur auf den Geröllhalden des Schiefers ; immerhin 
greift der Granit stellenweise in die Schiefer ein. 



ZuBammenfassimg, Folgerungen und Hypothesen. 

Nachdem ich früher das mittlere Aarmassiv und seine 
nördlichen Vorlagen in zwei Textbänden zur geologischen 
Karte der Schweiz, wie ich glaube, thatsächlich getreu ge- 
schildert habe, hat sich dagegen eine Wandlung in meiner 
theoretischen Auffassung des Granites vollzogen, die kurz 
gesagt darin besteht, dass ich die Granitrücken für ursprüng- 
lich intrusiv in die Schiefer eingedrungene und demnach jüngere 
Gesteinsmassen von lakkolithenähnlicher (im weiteren Sinne 
des Wortes) oder von batholithen artiger Beschaffenheit halte. 

Dieser Wandel könnte auffallend erscheinen, hängt aber 
mit meiner geologischen Entwickelung zusammen. Ich habe, 
durch äussere Verhältnisse bedingt, die Arbeit am Aarmassiv 
im centralen Theil angefangen, wo die Abtragung am stärksten, 
der Granit stärker gneissig gequetscht ist, statt an den Flügeln, 
wo die Verhältnisse klarer und einfacher liegen. Ist doch der 
westliche Flügel der Schlüssel für das ganze Massiv ; an ihn 
bin ich aber erst nach Publication meines „Mittleren Aar- 
massivs" gekommen. Wiederum begann ich meine Arbeiten 
in den Benier Alpen mit dem sogen, mechanischen Contact 
an der Kalkgneissgrenze vor 25 Jahren und — hingerissen 
von den merkwürdigen Erscheinungen der von Sedimenten 
regelmässig umsäumten Gneisskeile, der gangartigen, senkrecht 
zum Salband znngenförmig in den Gneiss eindringenden Malm- 
fältchen, der mechanisch in den Kalk hinein verflössten Gneiss- 
schollen — kam ich mit einer gewissen Voreingenommenheit 
an den Granitschiefercontact. 

Da ich nun im mittleren Aarmassiv nur sehr wenige 
Gänge auf der Westseite vorfand und nur einen, den Sieben- 
gang am Lauteraargletscher, genauer untersuchte, so wird 
man es begreiflich finden, dass ich, weitgehenden mechanisch 
metamorphen Anschauungen geneigt, diese Protogyngänge als 
mechanische Ausstülpungen deutete (dies Jahrb. 188ö. II. 41), 
worin mich das anscheinende Fehlen einer Contactmetamor- 

K. Jahrbuch t Mineralogie etc. Beilageband XVI. 20 



Digitized by 



Google 



30Ö •^* Baltzer, Die granitischen Intnisivmassen des Aannassiys. 

phose bestärkte. Ich habe diesen Lapsus an anderem Orte 
schon richtiggestellte 

Hier möchte ich aber betonen, dass ich erstlich den nörd- 
lichen Grenzgneiss, der die bekannten Eeile in die Sedimente 
hineinsendet, zwar für eruptiv, aber wegen der regelmässigen 
Umsäuroung durch die jüngeren Sedimente nicht fQr intrusiy 
in dieselben eingedrungen halte, und femer, dass in unserem 
Massiv infolge extremen Druckes krystalline Gesteine so- 
wohl wie Sedimente „Pseudogänge^ bilden konnten (vergl. 
p. 320). 

Tektonik der Granitrücken und Grünschiefer. 
Der centrale Granit tritt im Westflügel des Aarmassivs als 
langgestreckter, sich nach unten etwas verbreiternder Rücken 
aus der Schieferhülle hervor (Taf. XVI Fig. 3, 4, 6). Dieser 
tektonische Rücken verläuft in alpiner Streichrichtung über 
Bietschhom (Taf. XV), Nesthorn zum Aletschhom. Ein zweiter, 
niedrigerer Rücken steckt möglicherweise weiter südlich in 
der Tiefe als westliche Fortsetzung der Siedelhornkette. 

Der erstere Rücken sinkt nach Osten ab, zieht sich ver- 
muthlich unter dem Finsteraarhorn , von mächtigen Schiefer- 
massen bedeckt, hindurch und gewinnt im Unteraar-Lauteraar- 
gletscherprofll durch vielfache gneissige Zwischenlagen einen 
etwas anderen Charakter. Im Grimselstrassenprofll finden wir 
schon vier grössere, in Gneissgranit und Augengneiss regel- 
mässig eingeschaltete Granitpartien, von denen die nördlichste 
(Mittagfluh bei Guttannen) durch mächtige Grün- und Horn- 
blendeschiefer von den südlichen (Handeck, Stockstege u. s. w.) 
getrennt ist. Ähnlich im Reussthal. Dabei bleibt der Granit 
immer derselbe bis in die Tödigruppe auf eine Erstreckung 
von ca. 100 km. Man vergleiche Fellenberg's, Heim's * und 
meine Querprofile. 

Für solche durch Faltung beeinflusste Eruptivkörper, 
welche langgestreckt und verhältnissmässig schmal sind, wird 
im Folgenden der Ausdruck Rücken gebraucht. Wären die 
ausgedehnten Poi^phyrdecken im Trompia- und CaflFarothal der 

^ Über die aplitische randliche Facies des Protogyns an der Mieselen. 
Mitth. d. Bern, naturf. Ges. 1901. p. 70. 

' Monographie der Tödi— WindgäUengmppe und 25. Lief, zur geolog. 
Karte der Schweiz. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granitischen Introsivmassen des Aarmassivs. 307 

Südseite gefaltet worden, so würden sie etwa ähnliche, aller- 
dings mehr lagerartige Formen zeigen. 

Kehren wir zurück zum Bietschhorn*Aletschhornrücken. 
Auf beiden Seiten desselben fallen die grünen Schiefer anti- 
klinal, eine Hülle bildend und concordant der Granitoberfläche, 
local auch discordant, steil ab. An einigen Orten aber über- 
brücken sie ganz oder theilweise den Oranit, z. B. in der 
<jrünhornlücke, besonders schön am Aletschhorn (Taf . XVI Fig. 5) 
und weiter östlich am Finsteraarhom ; kein Zweifel, dass früher, 
wie ich schon für das mittlere Aarmassiv annahm, die Bedeckung 
eine allgemeine war. Aber thatsächlich beobachtet ist dieselbe 
nur im westlichen Aarmassiv, zuerst durch Fellenbbrg. 

Die Axe des grossen Granitrückens sinkt und steigt in 
ihrem Verlauf; sie sinkt am grossen Aletschgletscher , um 
sich auf der anderen östlichen Seite wieder zu erheben. 

An einigen Stellen greifen untergeordnete Schiefermulden 
in ihn ein, z. B. bei der Grünhornlücke und auf der Nordseite 
des Aletschhorns. Ähnliche muldenförmige Einlagerungen habe 
ich im mittleren Theil des Massivs, z. B. im Haslithal zwi- 
schen Mittagfluh und Gwächtenhorn nachgewiesen. Sie weisen 
sxd Faltung durch tangentiale Kräfte hin. 

Intrusivgänge und Contactmetamorphose. An 
der Granitschiefergrenze treten sowohl echte Intrusiverschei- 
uungen auf, als auch durch Pressung des schon erhärteten 
Oesteins entstandene Ausstülpungen (analog den Pseudogängen 
des Malm im Berner Oberland^). Beide sind zuweilen schwer 
auseinander zu halten. Jene durchstossen die Schiefer (Roth- 
horngang, p. 295 Fig. 2), sind zuweilen unregelmässig verästelt 
{Faulberg, p. 301 Fig. 6), oder sie folgen der Schieferung des 
Nebengesteins als Lagergänge (Thierberg, Taf. XVI Fig. 2), 
oder sie gehen aus einem Lagergang in einen gewöhnlichen 
Gang über (Siebengang, Taf. XVI Fig. 1). 

Neu und entscheidend für meine jetzige Auffassung ist 
der Nachweis von eruptiven Contactzonen mit den Schollen 
der Grünschiefer im Granit, wie sie oben beschrieben wurden 
(Faulberg, Kothhorngang , Fusshornvorsprung bei der Ober- 



> Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1878. p. 275 u. 277. Dies. Jahrb. 
1885. IL p. 32 ff. 



20* 

Google 



Digitized by 



308 A. Baltzer, Die granitischen Intrnsivmassen des Aarmassivs. 

aletschhütte). Auch das unzugängliche Vorkommen am Lauter- 
aarliorngrat („Mittleres Aarmassiv", Taf. V Fig. 1) gehört 
wahrscheinlich hierher. Wo es sich dagegen nur um mecha- 
nisch am festen Material erzeugte Contourunregelmässigkeiten 
handelt, tritt Breccienbildung, weitgehende Kataklase, Mörtel- 
structur auf, ohne Schmelzerscheinungen, und Contactmineralien. 

Es muss aber hervorgehoben werden, dass die randlicheD 
Einpressungen , wenn sie auch in den beigegebenen Abbil- 
dungen kräftig hervortreten, im Ganzen und Grossen doch 
im Verhältniss zum Volumen der Massen nicht sehr bedeutend 
sind. Kommen sie doch im mittleren und östlichen Aarmassir 
fast gar nicht vor, fehlen doch hier insbesondere, soweit be- 
kannt, die Contactzonen am Protogyn. 

Der pyrogene Granitschiefercontact ist ausgezeichnet 
durch abgerissene und in ihrem Mineralbestand veränderte 
Schollen des Nebengesteins, welche von dem flüssigen Magma 
umgeben waren. Der Granit ist näher dem Contact gewöhnlich 
aplitisch erstarrt, tritt auch in Schollen auf und enthält eben- 
falls Neubildungen. Die Grünschiefer scheinen hie und da am 
Contact eingeschmolzen worden zu sein, jedoch nur in unbe- 
deutendem Betrag. Charakteristisch sind ferner die fleckigen» 
Feldspathschiefer mit Biotitanhäufungen und mit Sillimanit. 
Ein Theil der Grünschiefer ist hiernach als metamorphischer 
Thonschiefer zu betrachten. Die Contactneubildungen ent- 
halten Zoisit, Orthit, Titanit, Magnetit, Eisenglanz, Ilmenit,. 
Sillimanit, Calcit. Wiewohl der Aplit grossartig entwickelt 
ist, tritt doch in den Apophysen oft wieder mittel- und grob- 
körniger Granit auf und wechselt die Korngrösse auffallend 
(Siebengang). Die Untersuchung ist nicht abgeschlossen. 
Dr. HüGi wird sie weiterführen. Soweit sich bis jetzt urtheilen 
lässt, ist die Contactmetamorphose eine nicht sehr intensive- 
gewesen. Echte Hornfelse wurden bis j e tz t noch nicht gefunden. 

Alter des Granits. Da wir das Alter der Grünschiefer 
nicht kennen \ so ist auch das Alter des Granits nicht sicher 



* Das Auftreten von Grapbitscbiefern in Lötschen nach Fellenbebo 
nnd das ähnliche von mir beschriebene Vorkommen am Eingang des Trift- 
thales ist so wenig wie das stammähnliche Gebilde von Guttannen für 
palaeozoisches Alter der Pbyllite beweisend. Der Graphit oder Graphitoid 
kann auch primär entstanden sein. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granitischen lutrusivinasseu des Aannassivd. 309 

za bestimmen. Zunächst dürfte archäisches oder palaeozoisches 
Alter in Betracht kommen, da er nirgends in Contact mit 
Dolomit oder mesozoischen Kalken getreten ist und sich auch 
Brnchstiicke eines solchen Contactes nirgends in Conglomeraten 
gefunden haben. Ob unsere Granite tertiär sind, wie es 
Salomon für den Adamello- und andere alpinen Granite an- 
zunehmen geneigt ist, erscheint zwar durchaus nicht unmög* 
lieh (es ist Vieles in den Alpen nicht unmöglich), aber vor- 
derhand noch nicht zu erweisen. Salomon selbst nimmt den 
Montblancgranit von seiner Hypothese aus, unser Granit wird 
aber gewöhnlich als Fortsetzung von jenem betrachtet. Die 
für höheres Alter sprechende bisherige Annahme, dass Protogyn- 
granitgeröUe auf der Nordseite der Alpen im Verrucano- 
€onglomerat vorkommen, ,wird von Salomon sehr energisch 
bestritten ; im Anhang p. 323 wird angegeben werden, warum 
jene Annahme bis auf weitere Nachweise immer noch als 
wahrscheinlich gelten kann. 

Die Frage nach dem Alter unseres Granits erscheint also 
noch nicht spruchreif. Zunächst sollte die Genesis der grünen 
Schiefer (die z. Th. Eruptivgesteine, z. Th. umgewandelte 
Sedimente sein könnten) auf mikroskopischem Wege ermittelt 
werden. 

Hypothesen. Nach der, wie ich glaube, objectiven 
Darstellung des Thatsächlichen mögen auch die Hypothesen zu 
Wort kommen. Die Entstehung des centralen Alpengranits 
ist verschieden gedeutet worden: Man nahm hauptsächlich an: 

1. Ursprüngliche Erstarrungskruste. 

2. Auf ßiesenspalten aufgestiegene stockartige Massen 
mesozoischen Alters, denen man hebende und dilatirende 
Wirkung zuschrieb (Bernhard Stüder). Lory nahm fUr seine 
Orauitgänge in der Dauphine carbonisches Alter an. 

3. Archäische Eruptivmassen bildeten Decken und standen 
in engem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit der 
Schieferhülle. Beide wurden später gefaltet. Die randlichen 
Oänge wurden fiir pseudoeruptiv gehalten, untergeordnet ein 
besonderer Stock- und Ganggranit angenommen (Baltzer's^ 
nunmehr zurückgenommene Hypothese). 



* Aarmassiv, mittlerer Theil. p. 111 ff. Dies. Jahrb. 1886. II. 43. 

/Google 



Digitized by ^ 



310 ^' Baltzer, Die granitischen Intrasivmassen des Aarmassivs. 

4. Intrasivmassen jungcarbonischen Alters durch Stiele 
mit den granitischen Magmaherden verbünden (für das Aar- 
massiv vermuthet, aber nicht durch eigene Untersuchung^ 
begründet). Z. Th. auch als mesozoisch oder alttertiär be- 
trachtet. 

5. Batholithe im Sinne von Süess. Intrusive, nach unteD 
breit in die magmatische Teufe übergehende Massen haben 
sich mittelst „Aufschmelzung^ Platz geschafft. 

Halten wir fest, dass die Unterlage unseres Granites un- 
bekannt ist, wir uns also auf schwankendem Boden befinden. 

Stöcke liegen nicht vor, dazu passt nicht der Parallelismua 
der Granitsalbänder mit den Schiefern, der verhältnissmässig 
regelmässige Querschnitt und die ganz überwiegend lineare 
Ausdehnung. 

Kann nun der Bietschhorn-Aletschhomgranitrücken ei» 
Lakkolith sein? Richtiger gesagt: War dieser Rücken ur- 
sprünglich ein Lakkolith? Und wenn ja, wie wurde er bei 
den beiden grossen Alpenfaltungen tektonisch verändert? 
Könnte ein einzelner Lakkolith wie der Adamello (nach Salo- 
mon) oder eine Lakkolithengruppe — wie sie uns Holmes 
und neuerdings Jaggar* aus den Black Hills schildern — 
bei Faltung ein Bild liefern, wie es unsere Granitrücken 
bieten ? 

Um Missverständnisse zu vermeiden, sei zunächst voraus- 
geschickt, dass der Ausdruck „Lakkolith" hier in einem all- 
gemeinen Sinn gebraucht werden soll und nicht auf die 
typischen, gruppenweise auftretenden, auf Schloten und Spal- 
ten * stehenden nordamerikanischen Vorkommnisse von idealer 
Planconvexlinsenform beschränkt wird (Lakkolithen im engeren 
Sinn, wozu auch die „Granitkerne*' des Kaiserwaldes nach 
LöWL * und andere Vorkommnisse gehören). An solche reihen 
sich nun die in die Länge gestreckten Intrusivmassen des 

' Tbe Laccoliths of the Black Hills. XXI annual Keport U. S. geoL 
Snrvey. 1899—1900. 3. 171. Mit interessantem experinrentellem Beitrag 
von HowE. Vergl. auch die Figiir in Katser's Lehrbuch der allgemeinen 
Geologie, I. Aufl. p. 110. 

' Jaggar setzt in den Black Hills für Entstehung der Lakkolithen 
Spalten voraus. 

^ Die Granitkeme des Eaiserwaldes bei Marienbad. Prag, Dominicus. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granitischen Intrusivmaasen des Aarmassivs. 311 

Reihentypus, wie z. B. die Elk mountains *, die Wasatschberge* 
und endlich schliessen sich an die durch Faltung stark be- 
einflussten linearen Intrusivrücken unserer Alpen, deren 
Genesis verwickelter ist. Der Name Batholith lässt sich für 
letztere nicht verwenden, da sich jetzt mit ihm der Begriff 
der Attfschmelzung verbindet, was für unseren Fall nicht zu- 
trifft. Lakkolith in diesem Sinn bedeutet also nur eine lang- 
gestreckte Intrusivmasse mit zum Nebengestein paralleler 
Oberfläche und unbekanntem abyssischem Verhalten. Die 
Beschaffenheit der Zufahrt kann verschieden gedacht werden. 

Nach diesen Vorbemerkungen glaube ich obige Frage 
hypothetisch mit ja beantworten zu dürfen. Wir müssen an- 
nehmen, dass unser vom Lötschenthal bis zum Tödi, also auf 
100 km westlich sich erstreckender Centralgranit aus einigen 
getrennten, aber gleichzeitig oder annähernd gleichzeitig ent- 
standenen EUipsoiden besteht, welche ursprünglich, d. h. vor 
der Faltung, mehr ovalen Umriss besassen und ihre jetzige 
lineare Rückenform, wie wir sie an der Oberfläche sehen, erst 
durch die Art der Faltung erhalten haben. Nach unten ver- 
breitem sich die Massen etwas, was nicht ausschliesst, dass 
sie sich in noch grösserer Tiefe zu Stöcken oder Gängen 
zusammenziehen. 

Für lakkolithenarüge Entstehung des Bietsch-Aletsch- 
hom-EUipsoids kann man die Intrusion in die Schiefer, wobei 
die Oberfläche nicht erreicht wurde, den Parallelismus der 
Schiefer mit dem Granitsalband, ganz besonders aber die Con- 
tactmetamorphose, welche seitlich und selbst am oberen Sal- 
band in dieser Arbeit nachgewiesen ist, aufführen. 

Im Adamellolakkolith, den wir durch Salomon, Lepsius, 
Stäche und andere gut kennen, ist die ursprüngliche Form 
noch gut erhalten. In unserem Fall erzeugte die ursprüng- 
liche Intrusion, unterstützt von der schiefrigen Beschaffen- 
heit der Hülle, zunächst einen Lagertypus. Dieser ursprüng- 
liche Lage rlakkoli th wurde dann tektonisch zum Rücken- 
typus oder gefalteten Lakkolithen umgeformt. Denn so gut 
Decken gefaltet wurden, konnte auch ein Lakkolith von der 

^ Elk ränge by W. H. Holmes, Annnal Report of the U. S. geol. 
and geogr. Survey für 1874. p. 68. 
» F. V. Haydbn, ibid. p. 64. 



Digitized by 



Google 



312 A. Baltzer, Die granitischen Intrusivmassen des Aarmassivs. 

Art, wie Holmes sie abbildet, gefaltet werden. Auf Taf. XVI 
Fig. 7 a— c wurde versucht, die Entstehung eines solchen ge- 
falteten Lakkolithen zu veranschaulichen. Die gestrichelte 
Linie, Fig 7 c, deutet an, bis zu welchem Niveau der Lakkolith 
denudirt ist. 

Solange freilich die fortschreitende Erosion nicht inner- 
halb geologischer Zeiten die Wurzeln unseres gefalteten Lager- 
lakkolithen entblösst haben wird, bleibt seine Annahme eine 
auf Analogie gestützte Hypothese. 

Aus den Untersuchungen Über nordamerikanische Lakko- 
lithen geht hervor, dass an schwachen Stellen Intrusivmassen 
auf Schichtflächen seitlich eindringen und Hebungen der Last 
erzeugen konnten. Ich anerkenne also verticale Hebungen 
von unten nach oben in dem Sinne, dass der Auftrieb nicht 
primär, sondern unter hydrostatischem Druck durch Schollen- 
senkung an einem anderen Orte erfolgte („Isostasie**). 

Es dürfte aber auch die ältere Batholithenhypothese von 
SüEss^ eine gewisse Berechtigung, namentlich für gefaltete 
Lakkolithen, haben. 

LöROL wendete gegen dieselbe (1. c.) ein, es seien damit 
die ebene Unterlage und die steilen Flanken unvereinbar. 
Thatsächlich giebt es nach Jaggar ^ auch Lakkolithen mit schief 
abgeschnittener oder gekrümmter Unterlage und weniger 
starkem Neigungswinkel. Sollte da nicht Eindringen des 
Magmas in durch Abstau entstandene Hohlräume stattgefunden 
haben? Ist ferner die Hypothese gefalteter Lakkolithen an- 
wendbar, dann würden jene Einwände nichts gegen die ur- 
sprünglich batholithische Entstehung beweisen. 

Endlich scheint auch eine Combination von lakkolithischer 
und batholithischer Entstehung möglich zu sein : Das Magma 
wird aus weit ausgedehnten Herden hinaufgepresst, dringt in 
die durch Abstau bei der Faltung entstandene Hohlräume, 
erfüllt dieselben und hebt die Decke infolge von Nachschüben. 
Gerade für unsere Massive halte ich diese Combination far 
möglich. Es wurde durch die Faltung und Hohlraumbildung 
den Intrusivmassen die Form gewissermaassen vorgezeichnet, 

^ Antlitz der Erde. 
« 1. c. p. 290. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granitischen Introsivmassen des Aarmassivs. 313 

wodurch die regelmässig lineare Gestalt noch etwas leichter 
sich erklärt wie bei rein lakkolithischer Bildung durch Spalten- 
Systeme und Zerrüttungszonen. 

Man kann demnach die Intrusion des Aletschhorn-Lakko- 
lithen mit der jungcarbonischen Faltung in Verbindung bringen, 
sie geschah unter einer sehr mächtigen Decke von Grün- 
schiefern, deren noch vorhandene Überreste sich auf ca. 500 m 
belaufen. 

Aus dem Verhalten der Schiefer, wie es aus den 
Textfiguren 3, 6, 7 hervorgeht, scheint zu folgen, dass die 
Granitintrusion langsam erfolgt ist, so dass die Schiefer 
zuweilen mehr weggeschoben, als kräftig dislocirt erscheinen. 

Einige allgemeine Bemerkungen über das Aarmassiv. 

Im Allgemeinen sehen wir in diesem Massiv viele steil 
gestellte granitische Gesteinsstreifen, welche steil nach Süden 
(an den Gräten oft flacher) fallen. Diese haben, wie die an- 
gelehnten concordanten Schiefer, parallele oder auch anti- 
klinale Flanken (Bietschhorn), selten tritt Tendenz zur Fächer- 
bildung hervor, und in diesem Falle ist der Fächer verkümmert, 
unsymmetrisch (Grimseldurchschnitt). 

Vertheilung der Protogyngranitstreifen. Schliessen 
wir die an den Flügeln auftretenden echten Granite (Gastereu- 
granit, Hornblendegranite) aus, welche vielleicht z. Th. selb- 
ständiger Entstehung sind, z. Th. zu den Protogynen in gene- 
tischer Beziehung stehen mögen, so bemerken wir, wenn wir 
Heim's, meine und Fellenberg's Karten und Aufnahmen ver- 
gleichen, dass an den äussersten Flügeln eine gewisse Ähn- 
lichkeit der Anordnung herrscht, im mittleren Theil aber die 
granitischen Streifen sich häufen: Im Westflügel haben wir 
nur einen compacten Granitrücken (Bietschhorn — Aletschhorn), 
von dem wir nicht genau wissen, ob er unter dem Finster- 
aarhorn in der Tiefe durchzieht und wie er sich zum Granit- 
streifen der Sidelhornkette verhält. Im tief erodirten Lötschen- 
thal ist keine Spur mehr von ihm zu sehen. 

Im mittleren Aarmassiv war eine Kartirung der Granit- 
streifen wegen Vergletscherung und Begehungsschwierigkeiten 
noch gar nicht durchzuführen; doch taucht der Granit öst- 
lich des Finsteraarhorns alsbald mächtig auf und zeigt im 



Digitized by 



Google 



314 ^* Baltzer, Die granitischen Intruaivmassen des Aarmassivs. 

Hasiithal-Grimseldurchscbnitt mindestens vier grössere Streifen, 
die scharf von den damit wechselnden Streifen von Gneiss- 
granit, Augengneiss (im alten Sinne) abgesetzt sind, aber 
concordant, steil Süd fallend verlaufen. Eine selbständigere 
Stellung nimmt die isolirte Masse der Mittagfluh hinter 
Guttannen ein. Die Breite der Granit-Gneiss-Zone beträgt 
an 10 km. 

Ostwärts scheint sich diese Zertheilung der Granitstreifen 
eher noch zu vergrössem, ohne dass man sagen könnte, ob 
sie langgestreckte EUipsoide, Linsen oder wirklich fortlaufende 
Züge bilden. Die Breite der Zone beträgt hier ca. 8 km, 
die Denudation ist sehr stark. Vom Reussthal östlich haben 
wir nach Heim zunächst eine breite Masse von Protogyn, die 
sich aber alsbald zwischen Bristenstock und Gurtnellen nach 
obigem Autor in 6 Streifen mit zwischenliegendem Gneiss 
spaltet. So im Fellithal, desgleichen im Oberalpstockquer- 
profil dieselbe Erscheinung. Sodann verschmälert sich die 
protogynische Zone* rasch; im Euseinthal sind homblende- 
ftthrende Gesteine eingeschaltet, weiterhin ist nur noch ein 
schmaler Protogynstreifen vorhanden mit Einschaltung von 
Amphibolprotogyn und Syenit. 

Es ist mir nicht gelungen, im mittleren und westlichen 
Aarmassiv wesentliche Unterschiede am Granit oder auch 
seinen gneissigen Begleitern herauszufinden; er verhält sich 
im ganzen Massiv gleich; insbesondere enthalten die Gänge 
und Apophysen im Westflügel keinen besonderen Ganggranit, 
sondern nur eine Randfacies. 

Nehmen wir nun an, dass die gneissigen Streifen Quetsch- 
zonen und Schlieren ^ im Protogyn bilden, so stellt das Ganze 
einen oder mehrere in sich einheitliche Eruptivkörper von 
gleicher Natur und Entstehung dar. 

Ich halte an meiner früheren Meinung^ fest, dass diese 
streifige Differenzirung des Magmas schon eine ursprüngliche, 



^ Zone im allgemeinsten Sinn, bei uns auch fär Ernptivmassen von 
linearer Anordnimg üblich. 

' Es fehlt noch an chemischen Analysen dieser Oneisse. Typischer 
Angengneiss des Grimselprofils zeigte im Verhältniss znm granitischen 
Nebengestein eine unerwartete Verschiedenheit (Mittleres Aarmassiv, p. 170). 

• Mittleres Aarmassiv, p. 64 ff. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granicischen Introsivmassen des Aarmassivs. 315 

bei der Formirung des Lakkolithen entstandene war nnd der 
Faltungsphase angehört, mag sie nun archäisch, carbonisck 
oder alttertiär sein. Es ist wohl möglich, dass die ver- 
schiedenen Granitstreifen in einem Querprofil untereinander 
zusammenhängen und eine gemeinsame Quelle haben. Ob 
ein grosser oder mehrere kleinere Lakkolithen anzunehmen 
sind, lässt sich nicht entscheiden. 

Was die von mir * früher beschriebenen 3 Hauptstructuren 
im Granit anbelangt, so sind sie theils auf Contraction bei 
der Erkaltung, theils auf Pressung bei der Faltung zurück- 
zuführen. 

Man ersieht nach diesen Ausführungen, dass im Aar- 
massiv für junge, durchaus bergtüchtige Kräfte noch manches 
zu thun ist. Eines der nächsten Ziele wäre die mikroskopische 
Bearbeitung der Grünschiefer, der randlichen gneissigen Zonen, 
womit im bernischen geologischen Institut begonnen worden ist. 

Bern, 20. November 1902. 



Nachträge. 
Dimensionen des Aletschhornlakkolitheii. 

Wenn auch dieser Lakkolith, den wir nach dem hervor- 
ragendsten Gipfel benennen, keineswegs als eine selbständige 
Individualität erwiesen werden kann, so ist er doch durch die 
Depression, die er unter dem Finsteraarhorn erleidet, genügend 
isolirt, um eine Abtrennung zu gestatten. Seine Grundlage ist 
uns verborgen; seine Kappe vielfach denndirt; doch erhebt 
er sich im Bietschhorn noch frei um 800 m über seine nähere 
Umgebung, im Grossnesthorn um ca. 850 m. Am Aletschhorn 
steht die obere Granitgrenze 719 m über dem Kessel des Ober- 
aletschfirns; betrachten wir aber als Fusspunkte den Vor- 
sprung des Thorbergs einerseits und den Fuss des Dreieck- 
horns andererseits, so erhalten wir 811 m und 983 m, im 
Mittel 900 m. 

Länge 30 km vom Ostgehäng des Lötschenthals bis zum 
Aletschgletscher. 



Mittleres Aarmassiv. p. 24. 

/Google 



Digitized by ^ 



316 A. Baltzer, Die granitischen Intrusivmassen des Aarmassivs. 

Die sichtbare Breite des Querschnitts beträgt im Westen 
beginnend : 

am westlichen Ende ... 0,3 km 

„ Jole-{Jjolli-)Gletscher . 1,5 „ 

„ Bietschhom 1,5 , 

„ Grossnesthorn .... 3,2 „ 

„ Aletschhorn 2,2 „ 'i incl. die schmale Einlage- 

an der Grünhomlilcke . . 2 „ j rung von Grünschiefern. 

Mittelwerth 1,75 km. 

Verhältniss von Breite zu Länge ca. 1 : 17. 

Vergleich des Aletschhornlakkolithen mit dem Adamello- 
lakkolithen. 

Dieser Lakkolith, den so viele ausgezeichnete Geologen be- 
arbeiteten und der neuerdings durch Salomon's * Darstellungen, 
an die ich mich im Folgenden halte, neues Interesse bean- 
sprucht, zeigt bei wesentlichen Unterschieden auch wieder 
verwandte Züge. Er ist zunächst bei rundlichem Umriss viel 
unregelmässiger im Querschnitt (1. c. Fig. 1) und zeigt eine 
charakteristische, nach unten sich zusammenziehende Trichter- 
forra, die darauf beruht, dass die Schiefer unter den Granit 
einschiessen. Eine solche Gestalt kommt weder dem Aletsch- 
hornlakkolithen, noch einer anderen Protogynmasse im Aar- 
massiv zu^. Im Gegentheil verbreitert sich der Protogyn oft 
nach unten, was Verengerung noch weiter abwärts nicht 
ausschliesst. Auch der Granit des Gotthardmassivs (nach den 
Profilen von Fritsch) liefert dafür keine genügenden Anhalts- 
punkte. 

Den Adamello bezeichnet Salomon' als ein Mittelding 
zwischen Stock und Lakkolith, unser Gebilde ist ein gefalteter 
Lakkolith. 

Die Unterschiede im Material, in der Art der Contact- 
metamorphose (Kalke hat unser Protogyn nirgends jetzt sicht- 
bar erreicht und verändert) sind in die Augen fallend. Am 
Adamello wurde auf Grund des Contactes als untere Alters- 

^ Periadriatische Massen. Habilitationsschrift. 

' Eine ganz schwache Andeutung davon möchte man vielleicht ans 
einigen Profilen von Heim (Val Busein) entnehmen. 

' Geologisch-petrographische Studien im Adamello-Gebiet. Sitz.-Ber. 
d. Berl. Akad. 1896. p. 40. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granitischen Intrusivmassen des Aarmassivs. 317 

grenze die mittlere Triaszeit festgestellt, bei unserem Lakkolith 
ist überhaupt keine sichere Altersbestimmung möglich. 

Übereinstimmung zwischen den beiden Lakkolithen herrscht 
dagegen mit Bezug auf den Parallelismus mit den neben- 
stehenden Schiefern. Als Hülle treten im Ganzen und Grossen 
beiderseits dieselben Phyllite vorwiegend auf. Die Constanz 
dieser Phyllite ist überhaupt merkwürdig auf der Süd- und 
Nordseite der Alpen. Bei Recoaro haben sie bei flacher 
Lagerung und grosser Gleichförmigkeit krystallinischen Cha- 
rakter, woraus Tornqüist auf archäisches Alter schloss. Bei 
Lugano und ebenso im Aarmassiv sind sie denen von Recoaro 
(die ich selbst gesehen habe) durchaus ähnlich. Dies giebt 
mit Bezug auf Dynamometamorphose zu denken. Endlich 
herrscht Analogie zwischen beiden Lakkolithen mit Bezug 
auf die Structuren, wovon ich mich selbst überzeugte. 

Aus dem Gesagten folgt, dass man den Aletschhorn- 
lakkolithen als einen weniger typischen, weil structurell und 
materiell stärker veränderten Fall betrachten darf, eben als 
einen gefalteten Lakkolithen. 

Beiläufig sei bemerkt, dass gelegentlich eines Aufenthaltes 
in Val Sugana mich die Analogie des Asta-Massivs mit unseren 
Verhältnissen frappirte. Dasselbe Eingreifen des Granits in 
die ganz ähnlich gearteten Phyllite, dieselben Gang- und 
Apophysenerscheinungen. Der bekannte Gang im unteren 
Val Maso könnte ebensogut bei uns vorkommen, doch ist 
der mittelkömige Granit daselbst weder protogynisch noch 
aplitisch, wenn auch etwas glimmerärmer. Auf der anderen 
Seite des Thaies greift er über den Schiefer hinüber gerade 
so wie unser Protogyn oberhalb Guttannen. 

Das Gotthardmassiv als Lakkolith. 

Vor 14 Jahren ^ habe ich den unterirdischen Zusammen- 
hang zwischen Aar- und Gotthardmassiv im Gegensatz zu 
V. Fritsch* behauptet, wegen der petrographischen und 
chemischen Ähnlichkeit des Rotondo- und Aarmassivgranits. 
Gegenwärtig bin ich nicht mehr so fest hiervon überzeugt; 



' Mittleres Aarmassiv. Lieferung 24. Abth. 4 der Beiträge. 
' Gotthardmassiv. Lieferung 15 der Beiträge. 



Digitized by 



Google 



318 A. Baltzer, Die granitischen Intrusivmassen des Aarinassivs. 

denn es lässt sich nicht entscheiden, ob der Gotthardmassiv- 
granit aus demselben Spaltensystem wie der Aargranit oder ge- 
trennten Spalten stammt. Dagegen darf wohl ein gemeinsamer 
Herd für beide Massive angenommen werden. 

Man muss im Gotthardmassiv von den echten Protogyn- 
kernen ausgehen, wenn man die Lakkolithennatnr verstehen 
will, nicht von gneissigen Aequivalenten oder Hüllgesteinen. 
Nun beträgt die Länge des Massivs 72,5 km, wovon der Granit 
auf dem Westflügel 14 km, auf dem Ostflügel 16,5 km aus- 
macht, zusammen 30,5 km. Im ganzen mittleren Theil bleibt 
der Granit in der Tiefe oder er ist nach Salomon^s Ansicht ^ 
durch gneissige Aequivalente (Sellagneiss, Fibbiagneiss) ver- 
treten. Die Form ist die eines Ellipsoides, nicht unähnlich 
der centralgranitischen Zone des Aarmassivs, wie aus den 
folgenden, der geologischen Dufour-Karte entnommenen Breiten 
des Querschnittes hervorgeht. 

Westende 500 m 

Mettlenhorn .... ca. 3 km 

Rotondo ca. ^fi n 

Lücke 
Mittelrheinthal bei Piz 

Ganneretsch 4 „ 

Nördliches Gabelstück . 0,5 „ am Ende wieder etwas breiter. 

Südliches Gabelstück . . 1 » taucht bald im Val Krystallina miter. 

Es ergiebt sich nun die Lakkolithennatur aus dem Par- 
allelismus von granitischem Salband und Schieferung des 
Nebengesteins, aus der z. Th. noch erhaltenen Überdachung 
durch die Grünschiefer, und endlich aus den granitischen 
Apophysen in diesen Schiefern. Charakteristisch flir die ersteren 
Punkte ist der von Heim dargestellte Aufschluss im Hinter- 
grund von Val Som vix * (vergl. auch meine Liefg. 24, Taf. IV, 
Fig. 1, idealer Durchschnitt durch Aar- und Gotthardmassiv). 
Granitgänge und Schollen im Gneiss kommen nach v. Fritsch ^ 
in der Rotondo-Gruppe vor. 

Auch im Gotthardmassiv harrt die Schieferhülle, bestehend 



^ Neue Beobachtangen aus den Oebieten des Adamello und des 
St Gotthard etc. p. 5. 

' Liefg. 25 der Beiträge. Taf. I, Profil Fig. 2. 
» Liefg. 15 der Beiträge. Taf. IV. 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die granitischen Intrusivmassen des Aannassivs. 3 19 

aus Glimmergneissen mit ihren Einlagerungen von Hornblende- 
schiefern, Topfstein und Serpentin, ürserengneissen u. s. w., 
noch näherer mikroskopischer Erforschung. 

Entwicklung und Terschiedene Stadien unserer Lakkolithen. 

Dass die Bestimmung des Zeitpunktes der Intrusion auf 
unsicherem Boden steht, wurde schon erörtert. Trotzdem 
wollen wir die drei Haupthypothesen noch etwas näher 
discutiren. 

1. Die Grünschiefer und die Granitintrusion in dieselben 
sind archäisch; das Palaeozoicum wäre dann bei uns nur 
durch wenig mächtiges Carbon vertreten (Trift, Wenden- 
gletscherpass, Tödi) und die Faltung hätte bei der Intrusion 
keine wesentliche Rolle gespielt. 

2. Die Grünschiefer sind palaeozoischen Alters, die In- 
trusion der Granite geschah in Verbindung mit der carbonischen 
Faltung, welche im ganzen Berner Oberland durch die 
Discordanz des Verrucano erwiesen ist *. Von jeher war für 
mich die carbonische Faltung eine selbständige und bedeutende. 
Ich kann dieser Intrusion auch die gneissige Structur des 
Granits, die im centralen Theil des Aarmassivs so stark her- 
vortritt, im Sinne von Weinschenk's Piezokrystallisation zu- 
schreiben ; vielleicht auch theilweise die Ausbildung der nörd- 
lichen Gneisse vom Typus des Innertkirchener granitischen 
Gneisses, sowie der Augengneisse der südlichen Schieferhülle. 
Schon früher * habe ich das Material unserer Granitgneisszone 
als „primär nicht gleichartig, sondern in einem gewissen Grade 
schon differenzirt*' angenommen. Was dann von Gesteins- 
veränderungen am festen Material der tertiären Faltung zu- 
geschrieben werden muss, ist bekanntlich schwer zu sagen. 
Hierfür kommen structurelle Veränderungen, wie Bankung, 
Clivage, Kataklase und hierdurch ermöglichte chemische Um- 
setzungen in Betracht. Ob richtungslos struirte, feste, massige 
Gesteine sich in solche mit vollkommen paralleler Glimmerlage 
über grosse Käume hin entwickeln konnten, erscheint doch 
ziemlich zweifelhaft und manches ist auf Conto der Dynamo- 

* Vergl. Liefg. 20 der Beiträge und Liefg. 24. Abth. 4. Taf. I, H, III. 
' Vergl. Liefg. 24. Abth. 4 der Beiträge und Compte rendu du congr^s 
g6ologique international von 1894. p. 458. 



Digitized by 



Google 



320 ^' Baltzer, Die granitischen Intrnsivmassen des Aarmassivs. 

metamorphose geschrieben worden, was primär durch „Piezo- 
krystallisation'' besser erklärt werden kann. 

3. Die Intrusion des Granits geschah bei der Hanpt- 
faltung, welche für die Randgebiete jungmiocän war, in den 
centraleren Theilen wohl schon viel früher anfing. Diese Möglich- 
keit lässt sich bei uns vielleicht kaum je erweisen, verdient 
aber doch Berücksichtigung, wenn es Salomon gelingen sollte, 
das alttertiäre Alter der Intrusion in der Adamello-Gruppe 
einwandfrei festzustellen. Einen Vortheil dieser Hypothese 
erblicke ich darin, dass manche Schwierigkeiten der Dynamo- 
metamorphose wegfallen, welch letztere wir dann nur noch 
innerhalb bescheidener Grenzen nöthig hätten. 

Der nördliche Granit des Aarmassivs und seine mechanisehe 
Metamorphose. 

Vom centralen Granit oder Protogyn ist nach dem gegen- 
wärtigen Stand unserer Kenntnisse der nördlichere, an 
Plagioklas reichere Granit (körniger Innertkirchner Gneiss 
meiner alten Profile *) wohl zu unterscheiden. Dieser eruptive 
Granit bildet bekanntlich, eigenthtimlich verändert, die sogen. 
Gneisskeile am Gstellihorn, Mettenberg, Wetterhorn, Blauberg. 
Er ist im Aarmassiv nach meiner Ansicht der Ausgangspunkt 
für eine nüchterne, auf Thatsachen fussende Würdigung der 
mechanischen, bezw. der Dynamometamorphose; denn hier 
liegt ein secundärer „mechanischer Contact" vor, räumlich 
getrennt von einem älteren primären Contact. Sauer* hat 
den letzteren durch Nachweis von Contactmetamorphosen 

» Liefg. 24. Abth. 4 der Beiträge Taf. III. Livret-Guide des VI. inter- 
nationalen Geologencongresses. 1894. Taf. IX Fig. 1. 

' Geologische Beobachtangen im Aarmassiv. Sitz.-Ber. d. Berliner 
Akad. 1900. 34. Wenn Sauer meint, ich betrachte diesen Innertkirchner 
Gneiss als sedimentär, so ficht er gegen Windmühlen, da ich von dieser 
irrigen Ansicht schon längst zurückgekommen war (vergl. Livret-Guide 
1894 und Compte rendu 1897). Zweifelhaft bleibt mir noch seine Ver- 
mathung, dass alle Schiefer bis nahe vor Guttannen den gepressten Innert- 
kirchner Graniten angehören. Direct bestreiten (sofern ich den Autor 
richtig verstehe) möchte ich den Ausspruch, dass der Schaftelenmarmor 
primär contactmetamorph sei. Ich halte ihn vielmehr für secnndär dynamo- 
metamorph nnd viel später entstanden, da er die Fortsetzung des Pfaffenkopf- 
keiles ist (Liefg. 20 der Beiträge p. 133). Sauer sagt: Diejenige Kraft, 



Digitized by 



Google 



A. Baltzer, Die gramtischen Intmaivmassen des Aannassivg. 321 

(Einschlüsse von Kalksilicathornfelsen , WoUastonitfels mit 
Vesuvian, Pyroxen und Granat) in der Gegend von Innert- 
kirchen und am Sustenpass sichergestellt. 

Die Art jener Dynamometamorphose habe ich^ früher 
ausführlich, besonders am Gstellihornprofil, dargelegt. Wein- 
schenk in seinen interessanten neuen „Grundzügen der Gesteins- 
kunde" macht p. 137 und 138, wo er gegen die Dynamo- 
metamorphose der Westalpen polemisirt, keinen Unterschied 
zwischen dem centralen Protogyn und dem uns jetzt be- 
schäftigenden Granit der nördlichen Massivzone. Mit Bezug auf 
ersteren hat er theilweise Recht, betreflFend letzteren aber wäre 
ihm ein Besuch des Gstellihoms zu empfehlen zum Studium der 
„künstlich construirten Dislocationen!" Weinschenk spricht 
hier doch etwas wie der Blinde von der Farbe ; er wirft die 
alte Intrusion und die spätere Faltung mit ihren pseudo- 
eruptiven Erscheinungen in einen Topf. Er übersieht ja voll- 
ständig, dass für letzteren Act keine Contactmetamorphose 
nachgewiesen ist und dass die Sedimente die vermeintlichen 
Eruptivgänge regelmässig umsäumen. 

Hier sei auch noch gesagt, dass ich den „mechanischen 
Contact" am Nordrand des Aarmassivs seiner Zeit als eine 
unter localen Bedingungen und Einflüssen zu Recht bestehende 
Erscheinung beschrieb, nicht aber daraus eine allgemeine 
Theorie ableitete, für die ich die Verantwortung, die mir 
Weinschenk in seinem genannten Lehrbuch (p. 132) zu- 
schreibt, ablehne. Allerdings halte ich an der Bedeu- 
tung obigen Contactes für die Alpen und ähnliche Ketten- 
gebirge fest. 

Dass viele Gesteine unter hohem Druck plastisch werden 
können, wurde von mir schon 1873 in meiner Arbeit über den 
Glärnisch ausgeführt. Dagegen ist wohl speciell für die 



welche die Marmorisirnng bewirkte, konnte nicht auch die Schiefening hervor« 
bringen ; denn ,was während des Druckes and darch den Druck sich bildete, 
wird durch ihn nicht deformirt^. Ich meine, es kommt hier nur auf die 
Druckgrösse an. Ist Druck, wie hier, im Überschuss vorhanden, so wird 
der dichte Jurakalk krystallinisch und schieferig. Die Schieferung be- 
ruht hier auf einem Ausweichen der Theilchen des stark gewalzten Kalkes, 
dies konnte ganz gut gleichzeitig mit dem Krystallinisch werden erfolgen. 
> Liefg. 20 der Beiträge 1880. p. 192 und anderen Orten. 
N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XYI. 21 



Digitized by 



Google 



322 A. Baltzer, Die granitischen Introsivmassen des Aannassiys. 

Gneisskeile die Annahme einer latenten Gesteinsplasticität nicht 
nöthig, da sich ihre eigenthttmliche — bald granitische, bald 
gneissige — Structur durch Kataklase, Knetung und Um- 
formung unter hohem Druck (also nicht bruchlos) erklären lässt, 
wie ich ja überhaupt die mechanische Seite der Dynamometamor- 
phose immer stark betont habe. Durch die Kataklase war 
dann jene Vervielfältigung der Angriffspunkte gegeben, welche 
durch Infiltration und chemische Umsetzung unter Mitwirkung 
des Druckes Sericit, Chlorit, grünliche und andere Substanzen 
erzeugte, so dass es schwer hält, frische Stücke zu erhalten. 

Der Lakkolith des Gasterenthales. 

Dem Aletschhornlakkolithen unmittelbar nördlich vor- 
gelagert ist die Masse des Gasterengranits, deren Kenntniss 
wir hauptsächlich Fellenberg ^ mit Beiträgen von C. Schmidt, 
verdanken. Darnach ist dieselbe etwas unregelmässig eiförmig 
im Umriss, 3 km breit, auf 8 km Länge aufgeschlossen (theo- 
retisch bis zum Breithom 13 km lang), eugranitisch, in 
der Decke granitporphyrisch (auch in Gängen), mit einer 
theilweise gut erhaltenen discordanten Kappe von Verrucano 
und Dolomit. 

Fellenberg spricht von einem Stock, es handelt sich aber 
nach seinen Profilen um einen Lakkolithen, der parallel den 
Schiefern und Sedimenten eingeschaltet ist, gleichsam wie ein 
aufrechter Brodlaib. Allerdings berichtet Fellenberg von 
Intrusionen in die den Lakkolithen auf der Südseite begren- 
zenden (in der Kappe über Verrucano und Dolomit hinüber- 
gestossenen und dann ähnlich wie am Aletschhorn discordant 
aufgerichteten) Grünschiefer nur wenig. DoclN^tebt er 
„Eurit"-(Aplit)Gänge in ihnen am Gipfelgrat des Birgh^lk^an. 
Den Verrucano beschreibt er als stellenweise ausgezeichnet "* 
conglomeratisch, anderenorts ganz gneissig, das Conglomerat 
enthält mehrfach Einschlüsse von Gasterengranit 
(1. c. p. 86 a. a. 0.). 

Schmidt schliesst hieraus auf jungpalaeozoisches Alter, 
aber jünger als das des Protogyns (wegen der eugranitischen 
Ausbildung). Ich möchte auch wegen dieser Ausbildung an- 



Blatt 18 der geol. Dufour-Karte. Liefg. 21 der Beiträge. 

/Google 



Digitized by ^ 



A. Baltzer, Die granitischen IntnidTinassen des Aarmassivs. 323 

nehmen, der Gasterengranit habe die Piezometamorphose der 
carbonischen Faltung nicht erlitten. Da er aber doch vor 
dem Verrucano (Rothliegendem) aufbrach, so fiele seine 
Bildung muthmaasslich in die Zeit nach der carbonischen 
Faltung und vor Absatz des Verrucano. 

Schon vor vielen Jahren habe ich den Granit der nörd- 
lichen Gneisszone (körniger Innertkirchner Gneiss) hypothetisch 
als ein Aequivalent des Gasterengranits aufgefasst^ Beiden 
gemeinsam ist der im Verhältniss zum Protogyngranit höhere 
Plagioklasgebalt, der geringere Kieselsäuregehalt ; die Summe 
von Thonerde und Eisenoxyd ist bei beiden gleich. Man 
vergleiche die Charakteristik und Analyse des nördlichen 
Granits in Liefg. 20 p. 23 No. 8, 9, 13 und p. 27 No. 2. 
Den hohen Plagioklasgebalt hebt aber auch Schmidt für die 
zweite Gasterengranitvarietät hervor*. Wie ferner im Gasteren- 
gi'anit porphyrische Facies auftritt, so auch beim nördlichen 
Granit (Windgälle, Gomerenthal nach A. Müller). Ich be- 
sitze vom Gomerenthal auch Dünnschliffe von aus Quarz- 
porphyr hervorgegangenen Porphyroiden. Die genannte 
Hypothese bedarf immerhin weiterer Prüfung. 

Demnach sind also im Westflügel des Aarmassivs zwei 
Lakkolithen erkannt, der Aletschhom- und der Gasteren- 
lakkolith. Ersterer setzt sich in die stärker durch Piezo- 
metamorphose beeinflusstere Lakkolithen des mittleren und 
östlichen Aarmassivs fort, letzterer hat seine Fortsetzung ver- 
muthlich in der nördlichen bis zur Reuss reichenden Granit- 
zone, wo er dann aber ausser durch Piezokrystallisation auch 
durch Dynamometamorphose stark verändert ist. 

Ueber das Auftreten von Protogyn^ranitgeröUen im Vermcano- 
conglomerat der Nordseite der Alpen. 

Dieses Auftreten wird neuerlich von Salomon', der sich 
dabei auch auf Sauer beruft, rundweg verneint. Solche 
charakterlosen granitischen GeröUe, so meint er, könnten 
ebensogut „aus dem Schwarzwald, oder den Vogesen, oder 



' Compte rendu des internat. Geologencongresses 1894. p. 466. 
' Liefg. 21. p. 41. Vergl. auch Analyse. 1. 46 von Düparg. 
' Neae Beobachtungen aus den Gebieten des Adamello und des 
St. Gotthard. Sitz.-Ber. preuss. Akad. d. Wissensch. 1899. 8. 46 ff. 



Digitized by 



Google 



324 A. Baltzer, Die granitischen Intrnsivmassen des Aarmassivs. 

aus tief unter der Poebene vergrabenen Massen abstammen**. 
Thatsächlich sind diese von Milch ^ als Protogyngranit be- 
zeichneten kleinen Gerölie nach seiner Beschreibung recht gut 
als Protogyngranite erkennbar, wenn auch nach neuerlichen 
brieflichen Mittheilungen des Autors deren petrographische 
Identität Mangels individueller Züge sich nicht absolut be- 
weisen lasse. „Dagegen glaube ich," so fährt Milch fort, 
„bestimmt, dass dieser Granit aus der nächsten Nähe stammt. 
Er ist quantitativ am meisten am Aufbau des Verrucano be- 
theiligt (1. c. 2. 45) ; nächstdem spielt der von mir im Gebiet 
anstehend aufgefundene Quarzporphyr als Geröll die grösste 
Rolle ; Porphyrit entdeckte ich im Conglomerat und anstehend 
(1. c. 2. 1 — 9) ; auch Melaphyr, der allerdings im Conglomerat 
zurücktritt, steht daselbst an; andere Gesteinsarten sind im 
Verhältniss zu den genannten nur untergeordnet, die meisten 
fast nur als Seltenheiten vorhanden. Wenn das Material zum 
Verrucano von weither, von Norden oder Süden, stammen 
würde, mttsste es doch wohl abwechslungsreicher sein und 
könnte selbst bei Vorwiegen des Granites nicht diese Ein- 
förmigkeit in der Structur dieser Gesteinsart zeigen, da doch 
gewaltige Granitgebiete das Material geliefert hätten. Da 
aber für Porphyr, Porphyrit etc. der Nachweis des Anstehens 
in dem Gebiet selbst erbracht ist, spricht doch mindestens 
die Wahrscheinlichkeit dafür, dass man die Heimat des Haupt- 
materials nicht in der Ferne suchen dürfe, um so 
weniger, als ganze Bänke nur aus ihm bestehen.^ Somit 
kann sich Salohon doch eigentlich nicht so nachdrücklich auf 
Milch's Untersuchungen berufen und die Frage, weit davon 
erledigt zu sein, bedarf, wie mir scheint, noch weiterer Studien. 
Z. B. würden sich für diesen Zweck die Verrucanoconglomerate 
von Valorcine und Outrerhone eignen. Auch die Analogie 
mit dem Gasterengranit führenden Verrucanoconglomerat im 
Gasterenthal (Fellenberg) macht eine vorsichtige Behandlung 
dieser Frage wünschenswerth. 



Beiträge zur Kenntniss des Verrucano. II. Theil. 



Digitized by 



Google 



H. Crammer, Das Alter, die Entstehung und Zerstörung etc. 325 



Das Alter, die Entstehung und Zerstörung der 
Salzburger Nagelfluh. 

Von 

Hans Crammer in Salzburg. 



Links von der Salzach erhebt sich über die Stadt Salz- 
burg der Mönchsberg. Seine z. Th. künstlich hergestellten 
verticalen Felswände und der durch den Berg geführte Strassen- 
tunnel, das Neuthor, zeigen überall schräg einfallendes, regel- 
mässig geschichtetes Conglomerat. Aus demselben gleich- 
altrigen Gestein bestehen ferner der in nächster Nähe befind- 
liche Rainberg und der in grösserer Entfernung südlich von 
Salzburg liegende Hügel von Hellbrunn. Man ist zwar einig 
darüber, dass alle diese Berge Reste einer einst weit aus- 
gebreiteten, zusammenhängenden Conglomeratdecke sind, die 
wir Salzburger Nagelfluh nennen, doch gehen die Meinungen 
über das Alter, die Entstehungsweise und die Zerstörung 
dieser Decke auseinander. 

Erst in letzter Zeit schrieben zwei Vertreter der ein- 
ander entgegenstehenden Ansichten über dieses Thema. Eber- 
hard FuQGER veröffentlichte im Vorjahre eine Schrift unter 
dem Titel: „Zur Geologie des Rainberges" im XLL Band der 
Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 
und Albrecht Penok behandelt „Die Salzburger Nagelfluh" 
in seinem eben erscheinenden Werke: Die Alpen im Eiszeitalter. 

Fugger spricht von einem ziemlich hochliegenden Auf- 
schluss an der Südostecke des Rainberges, dessen Lage er 
ganz genau angiebt. Hier hat er mit Carl Aberle wieder- 



Digitized by 



Google 



326 ^* Crammer, Das Alter, die Entstebuog 

holt gesehen, dass der Nierenthaler Mergel, welcher das 
Hängendste der Kreideformation bildet, anmittelbar, also ohne 
jede Zwischenschicht von einem feinkörnigen Sandstein und 
dieser ebenso anmittelbar ohne Zwischenlagerung von dem 
Rainbergconglomerat überlagert wird. Im Jahre 1900 wurde 
auf der Höhe des Rainberges, also anf der Oberkante des 
Conglomerates ein von Grundmoräne überlagerter Gletscher- 
schliff entdeckt. Es muss folglich, als der Schliff entstand, 
das Conglomerat schon gut verfestigt gewesen sein. Dazu 
war aber der Zeitraum selbst von der ältesten Intergladal- 
zeit bis zur jüngsten Eiszeit zu kurz. So schliessend und 
sich auf die Neigung und Concordanz sämmtlicher Schichten 
des Rainberges stützend, glaubt Fugoer mit Recht behaupten 
zu können, das Conglomerat des Rainberges und mit ihm auch 
das des Mönchsberges gehöre dem jüngeren Tertiär an. 

Penck hingegen theilt mit, er habe im Jahre 1899 unter 
den vorspringenden Conglomeratwänden des Rainberges aus 
der hangenden Partie des Mergels eine Anzahl typisch ge- 
kritzter Geschiebe hervorgeholt. Er hält es f&r ausgeschlossen, 
dass diese Geschiebe vielleicht erst nach Ablagerung des Con- 
glomerates eingepresst wurden. Die ganze Art ihres Auf- 
tretens macht sicher, dass die gekritzten Geschiebe vor Ab- 
lagerung der Nagelfluh in die obersten Lagen des Mergels 
eingeknetet wurden. Im Widerspruch mit Függer schliesst 
daher Penck auf das interglaciale Alter der Rainberg- und 
somit auch der Salzburger Nagelfluh überhaupt. — Den von 
Függer gemachten Einwand, auf einer quartären Schotter- 
ablagerung könnte wegen zu geringer Verfestigung kein 
Gletscherschliff entstanden sein, widerlegt Penck durch den 
Hinweis, dass gar nicht selten ältere Quartärbildungen unter 
jüngeren geschrammt sind. 

Sowohl Professor Függer wie Penck zeigten mir im 
Jahre 1902 persönlich den Ort, wo jeder von ihnen die oben 
mitgetheilten Beobachtungen gemacht hatte. Da stellte sich 
heraus, dass beide Herren ganz genau an ein und derselben 
Stelle waren. Penck fand auch in meiner Gegenwart unter 
dem feinkörnigen Sandstein etliche gekritzte Geschiebe. Er 
ersuchte mich, den sehr schlechten Aufschluss für eine Ex- 
cursion des nächstjährigen internationalen Geologencongresses 



Digitized by 



Google 



und Zerstörung der Salzborger Nagelflah. 327 

verbessern zu lassen. Diesem Wunsche kam ich nach. Bei 
der Grabung machte ich folgenden Befund. 

An der Südostecke des Kainberges, wo die strittige Stelle 
liegt, bildet das Conglomerat eine Wand, an deren Fuss sich 
ein ziemlich steiler, mit Gras und Strauchwerk bewachsener 
Hang anschliesst. In den untersten Partien wird das Con- 
glomerat von einigen Sandsteinschichten abgelöst. Im Hange 
liess ich einen bis zu 1,6 m tiefen Einschnitt von 4 m Länge 
in der Richtung senkrecht gegen die Wand herstellen. Da- 
durch wurde der Sandstein 1 m weit unterfahren. Weiter 
hineinzugraben war nicht räthlich, weil das Nachsitzen der 
Sandsteinbänke zu befürchten war. Nach Abhebung einer 
etwa 1 dm dicken Humusschichte wurde aus dem ganzen Ein- 
schnitt nur Grundmoräne gefördert. Nirgends, auch nicht 
anter dem Sandstein, stiess ich auf anstehendes Gestein. 
Die Zusammensetzung der Moräne war jedoch derart, dass 
man bei einem weniger guten Aufschluss in der That die ge- 
klotzten Geschiebe übersehen und die Moräne wegen ihres 
reichen Gehaltes an Mergelgeschieben für anstehenden Mergel 
halten konnte. So ist der Widerspruch in den Beobachtungen 
Függer's und Pengk's erklärlich. 

Ausser den Mergelgeschieben und dem zum Schlamm zer- 
riebenen Mergel enthält die Moräne, wie schon gesagt, deutlich 
gekritzte Kalkgeschiebe, dann Geschiebe aus ortsfremdem, sehr 
feinkörnigem Sandstein und Geschiebe aus einem hier nicht an- 
stehenden dichten Conglomerat. Von Bedeutung ist, dass ich 
in der Moräne kein einziges Stück von der einst weithin ver- 
breiteten Salzburger Nagelfluh finden konnte, obgleich ich sehr 
sorgfältig danach suchte. 

Unter dem anstehenden Sandstein enthielt die Grund- 
moräne einen harten Felsblock von 1,5 m Durchmesser, dessen 
Entfernung eine schwere Arbeit war. Gleich hinter diesem 
Block traf ich einen zweiten, noch grösseren an, der ohne 
Sprengung nicht fortzuschaffen war. Auch aus diesem Grunde 
stellte ich die Arbeit ein. 

Der Aufschluss, wie er jetzt ist, reicht also nur 1 m weit 
unter den anstehenden Fels hinein. Es mag daher vielleicht 
von Gegnern immer noch behauptet werden, die Moräne bilde 
nicht das Liegende, sondern sie sei bloss ein Stück weit 



Digitized by 



Google 



328 H. Crammer, Das Alter, die Entotehung 

unter das schon bestandene Conglomerat in eine Hohlkehle 
gepresst worden. Dieser Behauptung widerspricht aber das 
Fehlen von Geschieben aus Salzburger Nagelfluh, welch letz- 
tere in der Moräne ziemlich zahlreich enthalten sein mfissten, 
wenn diese nach der Nagelfluh abgelagert worden wäre. 
Gegen die Einpressung der Moräne spricht femer auch der 
Umstand, dass die Moräne unter dem weichen anstehenden 
Sandstein, von dem man an frisch entblössten Stellen mit dem 
Finger Sand abreiben kann, harte Geschiebe bis zu 2 m 
Durchmesser enthält. Bei einer erfolgten Einpressung hätten 
diese Geschiebe vom Sandstein Stücke absprengen mfissen, 
welche sich entweder im Ganzen oder zu Sand zerrieben in 
der Contactzone der Moräne wieder zeigen mussten. Auch 
müsste die Unterseite des Sandsteins Spuren gewaltsamer Be- 
arbeitung aufweisen. Weder das Eine noch das Andere ist 
der Fall. 

Während der ganzen Dauer der Grabung behielt ich die 
Contactfläche zwischen Moräne und Sandstein im Auge. Sie 
bildet eine scharfe, flach gewellte Grenze zwischen beiden 
Ablagerungen. Mehrere kleine, meist nur einige Millimeter 
hohe Steinchen, die nach ihrer Form, Grösse und petrogra- 
phischen Beschaffenheit zur Moräne gehören, sah ich mit ihrer 
unteren Hälfte im Moränenschlamm, mit ihrer oberen im Sand- 
stein stecken. Das gleiche galt auch von einem 10 cm langen, 
walzenförmigen Geschiebe, welches ganz aufrecht gestellt war. 
Wäre auch die Moräne unter den Sandstein gepresst worden, 
so hätten dennoch die kleinen, in weichem Moränenschlamm 
gebetteten Steine und Steinchen nicht in dieser Weise in den 
härteren Sandstein eindringen können. Auffällig ist, dass auf 
keinem der in den Sandstein ragenden Steine Schlamm lag, 
während sich solcher sonst überall dazwischen an der Con- 
tactfläche unter dem Sandstein vorfand. 

All das erkläre ich mir so: Zuerst wurde die Moräne 
abgelagert. Nachdem sie vom Eise verlassen war, wurde sie 
oberflächlich durch schwach darüberströmendes Wasser zum 
Theil ihres Schlammes beraubt. Die Oberseiten hochliegender 
Steinchen wurden entblösst, während der Schlamm dazwischen 
in den geschützten Vertiefungen liegen blieb. Später brachte 
das Wasser feinen Sand, in welchem die abgewaschenen Stein- 



Digitized by 



Google 



und Zerstörung der Salzbnrger Nagelfluh. 329 

-daen begraben wurden. Endlich kam über dem Sand Schotter 
zu liegen. Sand und Schotter verfestigten sich schliesslich 
zu Sandstein und Ck>nglomerat. 

Diese Vorgänge (die Verfestigung der Ablagerungen aus- 
jgenommen) konnten nur in einem See stattfinden, der nach 
«inem Rückzüge des Salzachgletschers das Salzburger Becken 
•erftdlte. Der See entstand, indem sich die Salzach in das 
Tom Gletscher erodirte Zungenbecken ergoss. Ausserdem 
^urde nach Penck das Wasser durch einen im Vorlande 
liegenden, geschlossenen Endmoränenwall noch höher gestaut. 
Wo die Salzach in den See mündete, schüttete sie ein Delta 
^uf. Infolge der abnehmenden Strömung blieben die gröberen 
SalzachgeröUe gleich beim Eintritt in den See liegen, wäh- 
rend die kleineren Gerolle, besonders der Sand, erst weiter 
■drinnen im See zur Euhe kamen. Noch weiter von der Fluss- 
mündung entfernt, war aber die Strömung nur mehr so stark, 
<lass sie eben noch feinen Schlamm von der Oberfläche der 
Orundmoräne hinwegzuspülen vermochte. — Mit dem see- 
wärtigen Anwachsen des Deltas wurde aber an dieser Stelle 
die Strömung mit der Zeit kräftiger und kräftiger. Sie brachte 
dann Sand und später GeröUe daher. Es entstand über der 
Moräne eine schräggeschichtete Sand- und Schotterablage- 
rung, deren Reste uns heute noch im verfestigten Znstand 
■als Salzburger Nagelfluh vorliegen. 

Penck erwähnt, dass diese Nagelfluh an verschiedenen 
Orten nach verschiedenen Richtungen einfällt. Aber nicht 
nur das, sondern auch die Regelmässigkeit der Schichtung, 
welche es ermöglicht, am Rainberg wie am Mönchsberg ebene 
Schichtflächen auf weitere Strecken hin ununterbrochen zu 
verfolgen, lässt auf eine Deltabildung schliessen. Die Ab- 
lagerungen im Bette eines verwilderten Gebirgsflusses , wie 
es die Salzach war, können nie so regelmässig geschichtet sein^ 

Nach Beendigung der Grabung an der Südostecke suchte 
ich am Rainberg nach anderen Moränenaufschlüssen. Einen 
solchen fand ich an der Nordostwand des Rainberges, mit 
welcher dieser gegen die Gründe der Stembrauerei in der 
Vorstadt Riedenburg abfällt ^ Diese verticale Wand ist künst- 

* Man sehe die Karte des Rainberges 1 : 2500 von G. v. Pelikan. 
Mittheilongen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Bd. XL. 1900. 

21* 



Digitized by 



Google 



330 H- Craminer, Das Alter, die Entstehnng 

lieh hergestellt. lu ihrem oberen Theil ist sie glatt bearbeitet, 
während man im unteren noch die durch Sprengung erzeugten 
Bruchflächen sieht. Der glatte Wandtheil wurde schon zur 
Zeit der Herrschaft der Fürsterzbischöfe über das Land Salz- 
burg geschaffen. Ihr unterer, rauher Theil entstand aber erst 
in jüngster Zeit, indem man den Abbau des Conglomerates 
zu Bauzwecken fortsetzte. Der Bruch wurde schliesslich auf- 
gelassen, weil man in seinem südöstlichen Theil ziemlich hoch 
über der Thalsohle auf minderwerthiges, weniger festes, san- 
diges Conglomerat stiess, im nordwestlichen Theile aber, wo- 
hin sich die Schichten senken, die Thalsohle erreichte. Es 
blieb also im Südosten des Bruches ein an die Felswand ge- 
lehnter Hügel stehen. Er war bis vor ganz kurzer Zeit von 
dem beim Steiubrechen abgefallenen Kleinmaterial und auch 
von grösseren Blöcken bedeckt, die wegen ihrer mürberen 
Beschaffenheit von weiterer Verwendung ausgeschieden worden 
sind, um Bauplatz zu gewinnen, wird gegenwärtig der Hügel 
entfernt. Der ihm oberflächlich auflagernde Schutt ist bereits 
so weit fortgeschafft, dass man den natürlichen Aufbau des 
Hügels erkennen kann. Wo sich der Hügel an die künstliche 
Felswand anlegt, besteht er aus zwei stehengelassenen Con- 
glomeratresten, die aus der Wand vorspringen und mit dieser 
einheitlich verwachsen sind. Sonst lugt überall an den vom 
Schutt befreiten Stellen Grundmoräne hervor, welche hinsicht- 
lich ihrer Zusammensetzung mit der früher beschriebenen an 
der Südostecke des Berges identisch ist. Auch hier im Bruche 
fehlen der Moräne Geschiebe aus Salzburger Nagelfluh. 

Es ist die Frage zu entscheiden : Setzen sich die beiden 
Conglomeratreste, welche unseren Hügel krönen, nach abwärts 
in den Hügel hinein fort, oder bilden sie nur Kappen, die dem 
Hügel aufgesetzt sind ? Mit anderen Worten : Ist die Moräne 
der Nagelfluh nur angelagert oder schiesst die Moräne unter 
das Conglomerat ein? 

Beim südlichen Reste ist die Überlagerung der Moräne 
durch das Conglomerat auf gut 1 m Länge deutlich zu 
sehen. Auch hier machte ich die Wahrnehmung, dass ein 
an der Contactfläche liegendes, grösseres Moränengeschiebe 
in das darüberlagemde Conglomerat eingreift. Auf seiner 
Oberseite liegt kein Schlamm, sondem eine i cm dicke Lage 



Digitized by 



Google 



und Zerstörung der Salzburger Nagelfluh. 331 

lichtgrauen, gewaschenen Sandes. Darüber folgt sandiges 
Conglomerat. 

Beim nördlichen Beste stak ein 2 m' fassendes, kugel- 
förmiges Mergelgeschiebe mit seinem Untertheil in der Moräne. 
Seine Oberseite lag frei; denn das Conglomerat das bis vor 
ganz kurzer Zeit darauf lag, war abgesprengt worden. Mit 
einer Seite lehnte sich der Mergelblock aber noch dicht an 
das Conglomerat. Die ganze sichtbare Oberfläche des Ge^ 
schiebes war gut gerundet, was durch das weiche Material 
und den Transport unter dem Eise bedingt ist. Um die Con- 
tactfläche zwischen dem Block und dem Conglomerat zu sehen, 
habe ich den Block zerschlagen lassen. Er war auch gegen 
den Fels hin schön gerundet und passte vollkommen genau 
in die Höhlung des an dieser Stelle recht festen Conglomerates. 
Es ist ganz undenkbar, dass das weiche Mergelgeschiebe die 
Höhlung in dem harten Conglomerat ausgerieben oder ein- 
gedrückt hat. Ebenso ist es ausgeschlossen, dass der Mergel- 
block in eine Höhlung des schon bestehenden Conglomerates 
eingepresst wurde und dabei deren Formen annahm; denn 
in diesem Falle müsste der Mergel zum Mindesten in der 
Contactzone zermalmt sein, was nicht der Fall ist. Es kann 
sich somit der Vorgang nur so abgespielt haben, dass der 
Block unter losem Schotter verschüttet wurde, der sich später 
zu Nagelfluh verkittete. Wir haben also einen Negativ- 
abguss eines Mergelgeschiebes in Nagelfluh vor uns. Alle 
eben angeführten Befunde beweisen wieder das höhere Alter 
der Moräne gegenüber den Nagelfluh. 

Der beste Beweis dafür ergiebt sich aber aus Folgendem: 
Auf der Oberfläche unseres Hügels ist die Grundmoräne auch 
zwischen den beiden ihn krönenden Nagelfluhresten und zwar 
in zusammenhängender Fläche blossgelegt. Diese Fläche 
bildet einen Streifen, der, senkrecht gegen die Felswand ge- 
messen, eine Breite bis zu 8 m hat, Herr Jakob Ceconi, 
der ehemalige Besitzer des Steinbruches, sagte mir nun an 
Ort und Stelle, wodurch ein Missverständniss ausgeschlossen 
ist, dass dieser Streifen in seiner ganzen Breite von an- 
stehendem Conglomerat überdeckt war. Erst in der Zeit, in 
welcher der Bruch in Ceconi's Besitz war, wurde hier das 
Conglomerat bis auf die Moräne abgebaut. Der im Bruche 



Digitized by 



Google 



332 H. Crammer, Das Alter, die Entstehang 

seit Jahren beschäftigte Polier bestätigte die Aussage seines 
Herrn vollinhaltlich. Übrigens zeugt die ganze Situation 
für eine solche Sachlage. 

Der Polier fügte nur hinzu, dass das abgetragene Con- 
glomerat durch Risse, welche zur jetzigen Felswand parallel 
verliefen, In verticale Platten zertheilt war. Genau dieselbe 
Zertheilung ist heute noch im Nagelfluhvorsprung nördlich 
der blossgelegten Moränenfläche zu sehen. Dort zählte ich 
f&nf zu einander parallele, hintereinander befindliche Risse. Es 
besteht aber nicht der geringste Zweifel, dass trotzdem an- 
stehender Fels und kein Haufwerk von Trümmern vorliegt, 
da sich die Schichtung von einer Platte zur anderen über die 
Risse hinweg vollkommen ungestört bis in die Wand fort- 
setzt. Es sei dies ganz ausdiilcklich betont. 

Die Entstehung der Risse ist leicht erklärlich. Hier 
liegt unter der Nagelfluh nachgiebige Moräne, die am Tage 
ausstreicht. Sie wird darum durch die Last der Nagelflah 
etwas herausgedrückt. Dadurch verliert die Nagelfluh am 
Rande ihre Unterlage und es entstehen in ihr die beobachteten 
Risse. 

Es ist also sicher, dass sich die Moräne mindestens 8 m 
weit unter die anstehende Nagelfluh erstreckte. Eine 
Einpressung von Moräne so weit unter ein Gestein, gehört 
in das Bereich der Unmöglichkeit. 

Zum Schluss einige Worte über die Zerstörung der Nagel- 
fluhdecke. Wähner, welcher der Salzburger Nagelflnh ein 
höheres Alter zuschreibt, führt tektonische Vorgänge ins 
Treffen. Wir haben aber das jugendliche Alter der Nagel- 
fluh erkannt und gesehen, dass ihre schräge Schichtstellung 
ursprünglich, und nicht auf tektonische Störungen zurück- 
zuführen ist^. Suchen wir an den noch vorhandenen Resten 
nach den Spuren jener Kräfte, welche sich an der Zerstörung 
der Nagelfluhdecke betheiligten, so finden wir zweierlei. Die 
schöne Concave, nach welcher der Mönchsberg steilwandig 
gegen die Altstadt abfällt, weist auf Wassererosion hin. Die 
Wand entstand, als die Wellen der Salzach den Fuss des 
Mönchberges bespülten und durch seitliche Erosion unter- 



^ 8. hierüber A. Penck : Die Alpen im Eiszeitalter. 1902. S. 161—166. 

/Google 



Digitized by ^ 



und ZerstöruDg der Salzburger Nagelfluh. 333 

gruben. Es entstanden tiberhängende Stellen der Nagelfluh, 
die zeitweilig in Form verticaler Platten abbrachen und deren 
Trümmer das Wasser entführte. 

Der Schliff auf dem Kainberg beweist die Abtragung der 
Nagelfltth durch Eiserosion. Dieser Schliff, der leider be- 
reits abgesprengt ist, bot besonderes Interesse, da er an- 
schaulich machte, in welcher Weise das Eis erodirte. Wo 
die Nagelfluh aus ziemlich gleich harten Geschieben zusammen* 
gesetzt war, war auch ihre Abnutzung gleichmässig. Der im 
Sonnenschein glänzende Schliff war da eben. Wo aber in 
der Nagelfluh härtere Gesteine staken, leisteten diese der 
Abschleifung grösseren Widerstand als ihre weichere üiü- 
gebung. Das war vielfach zu sehen. Beispielsweise über- 
ragte ein hartes Geschiebe von 2 dm Durchmesser seine Um- 
gebung um 6 cm. An der Stossseite, wie an den beiden 
Seitenflächen lag es frei. An den Leeseiten schloss sich aber 
einem jeden dieser harten Geschiebe ein Biedel aus weicherer 
Nagelfluh an , der im Schutze des vorliegenden harten Ge- 
schiebes stehen blieb. Ich habe Riedel bis zu 50 cm Länge 
gemessen. Die Richtung der Riedel stimmte ganz überein 
mit jener der Kritze auf der Oberseite der harten GeröUe» 
Es ist klar, dass durch die fortgesetzte Abschleifung die 
harten Geschiebe immer mehr und mehr herausgearbeitet 
wurden, bis endlich ihr Zusammenhang mit dem anstehenden 
Fels zu schwach wurde, und die Geschiebe ausbrachen. Der 
Riedel aus weicherem Stein dahinter konnte nun auch nicht 
mehr lange Stand halten. Beim vorhin erwähnten Ausbrechen 
sind manchmal Partien anstehenden Gesteins mitgegangen, 
was ich aus einem 3 dm tiefen Loch mitten im Schliffe schliesse, 
folglich beschränkte sich die erodirende Wirkung des Eises 
nicht nur auf die Abschleifung der Nagelfluh. Das Aus- 
brechen von Gesteinsstflcken beschleunigte die Abtragung 
des Conglomerates wesentlich. 

Es ist auffällig, dass die Reste der Salzburger Nagel- 
fluh, sowohl am Mönchsberg, wie am Hellbrunnerhügel an 
Erhebungen aus älterem Gestein gebunden sind, welche den 
heutigen Thalboden überragen. So schliesst sich das Mönchs- 
bergconglomerat unmittelbar an den ihn überragenden Festungs- 
berg an, der aus Hauptdolomit besteht. Der Hellbrunner- 

21** 



Digitized by 



Google 



334 ^- Orammer, Das Alter, die Entstehung etc. 

hügel ist zwar ein vollständiger Gonglomeratberg, aber es sind 
da zwei Gonglomerate verschiedenen Alters zu unterscheiden. 
Die Hauptmasse des Berges bildet die uns wohlbekannte Salz- 
burger Nagelfluh. Darunter streicht in der südlichen Hälfte 
der Ostseite, sowie an der Südecke des Berges über der 
Thalsohle Gosauconglomerat aus. — Endlich lehnt sich nach 
einer mündlichen Mittheilung Füqger's auch an den Num- 
mulitenkalkhügel von Morzg ein kleiner Nagelfluhrest an. In 
allen diesen Fällen schliesst sich die Salzburger Nagelfluh 
den älteren Erhebungen in der Richtung thalabwärts an, 
also in der Richtung, in der das Wasser floss, und in der 
sich das Eis des Salzachgletschers bewegte. Der Gedanke 
liegt daher nahe, die heute noch vorhandenen Nagelfluhreste 
erhielten sich gegen die Wasser- und Eiserosion, weil sie im 
Schutze älterer und widerstandsfähiger Gesteinshügel lagen. 
Es sind das Vorgänge, welche mit den kleinen am Rainberg- 
schliffe besprochenen analog sind. 

Ob sich die Rainbergnagelfluh auch im Schutze des 
Festungsberges erhielt, oder ob am Rainberge eigene Ver- 
hältnisse obwalteten, vermag ich gegenwärtig noch nicht zu 
entscheiden. 



Digitized by 



Google 



In der E. Schiveizerbarfschen Verlagshandlnng (E. Nägele) 
in Stuttgrart ist ferner erschienen: 

Lethaea geognostica 

oder 

' Besehreibung und Abbildung 

der 
für die Gebirgsformation 'bezeiolmeiidsten Versteinerungeit. 

Herausgegeben von einer Vereinigung von Palaeontologen. 

I. Theil: Lethaea palaeozoica 

von 
Ferd. Roemer, fortgesetzt von Fritz Frech. 

Textband I. Mit 226 Figuren und 2 Tafeln, gr. 8^ 1880. 1897. 
(IV. 688 S.) Preis Mk. 38. — . 

Textband n. 1. Liefg. Mit 31 Figuren, 13 Tafeln und 3 Karten, 
gr. 8^ 1897. (25ö S.) Preis Mk. 24. -. 

Textband II. 2. Liefg. Mit 99 Figuren, 9 Tafeln und 3 Karten. 
gr. 8«. 1899. (177 S.) Preis Mk. 24. — . 

Text band II. 3. Liefg. Mit 13 Tafeln und 235 Figuren, gr. 8^ 
1901. (144 S.) Preis Mk. 24.—. 

Text band IL 4. Liefg. Mit 186 Figuren, gr. 8«: 1902. (210 S. 
und viele Nachträge.) Preis Mk. 28.—. 

Atlas. Mit 62 Tafeln, gr. S^. 1876. Cart. Preis Mk. 28.—. 

üeber 

Medusen aus dem Solenhofer Schiefer 

und 

der unteren Kreide der Karpathen 

von 

Dr. Otto Maass. 

4^ 1902. Mit 2 Tafeln. — Preis Mk. 8.—. 

Die 

Fanna der obersten weissen Kreide der libysclien Wüste 

von 
Dr. Job. Wanner. 

4^ 1902. 64 S. Mit 7 Tafeln. — Preis Mk. 24.—. 

Die 

Meer-GroGO(lilier(ThalattosuGhia)(lesoberenJura 

von Prof. E. Fraas. 

4«. 1902. 71 S. Mit 8 Tafeln, — Preis Mk. 20.—. 



Digitized by 



Google 



1 



Inhalt des zweiten Heftes. / 

£ktiie 

Sturm, F.: Das ßudetische Erdbeben vom 10. Januar 

1901. (Mit Taf. VII und VIII.) 199 

Schnitz, W.: Beiträge zur Eenntniss der Basalte aus 
der Gegend von Homberg a. Efze. (Mit Taf. IX 
bis XII und 3 I^iguren.) . 241 

Baltzer, A.: Die granitischen Intrusivmassen des Aar- 
massivs. (Mit Taf. XIII— XVI und 7 Figuren.) . 292 

Crammer, H. : Das Alter, die Entstehung und Zer- 
störung der Salzburger Nagelfluh 325 

Mikroskopische 

Structurbilder der Massengesteine 

in farbigen Lithographien 

herausgegeben von 

Dr. Fritz Berwerth, 

0. ö. Professor der Petrographie an der Universität in Wien. 
32 lithographirte Tafeln. — PreiB Mk. 80.— . 

Reports of the 

Princeton University Expedition 
to Patagonia, 1896—1899. 

Edited by 

William B. Scott 

Blair Professor of Geology and Paiaeontology, Princeton University. 

6 Bände, gr. 4^ mit je 20—50 schwarzen und farbigen Tafeln. 

Preis« Bei Abnahme des ganzen Werkes per Band Mk. 70.— . Einzelne 
Bände Mk. 84.-. 
Bisher erschien: 
Vol. IV. Paiaeontology I. 

Part I: The Marine Cretaceous Invertebrates, by Dr. T. W. Stanton, 

p. 1-43, PL I— X. 
Part II : Tertiary Invertebrates, by Dr. A. E. Ortuann. p. 44—332, 
PI. XI~XXXIX. 
(Einzelne Theile sind nioht käuflioh.) 

Drack von Carl Grünlnger, K. Hofbaohdruckerei ZuGutenberg (Elett k Hartmann), Stattgart. 



Digitized by 



Google 



1. April 1903. 



Neues Jahrbuch 



für 



Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. 

unter Mitwirkung einer Anzahl von Fachgenossen 
herausgegeben von 

M. Bauer, B. Koken, Th. Liebisch 

in Marburg. in Tübingen. in Göttingen. 

XTI. Beilage-Band. 



V. 



Drittes Heft. 

Mit Taf. XVII. XVIII und 86 Figuren. 









^Sm 




STUTTGART. 

E. Schweizerbar t'sche Verlagshandhing (E. Nägele). 

1903. 



Digitized by 



Google 



In der £. Schweizerbart'schen Verlagshaudlung (E. Näffele) 
in Stuttgart erscheint: 

Centralblatt 

für 

Mineralogie, Geologie und Palaeontologie 

in Verbindung mit dem 

Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geoiogie und Palaeontologie 

herausgegeben von 

M. Bauer, E. Koken, Th. Liebisch •' 

in Marburg. in Tübingen. in Göttingen. 

Jährlioli erscheinen 24 Nummern. Preis Mk. 12.—. 

Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centratblatt unberechnet. 

Infolge der reichlich einlaufenden und vielseitigen Beiträge erfreut 
sich das „Centralblatt" des stetig wachsenden, lebhaften Interesses aller 
Fachkreise des In- und Auslandes, ein Beweis, welche lang empfundene 
Lücke es ausgefüllt hat. 

Trotz des reichlichen Stoffes können in eiligen Fällen Briefliche 
Mittheilungen etc. innerhalb 14 Tagen, von einer zur andern Nummer, 
publicirt werden. 

Femer finden Anzeigen bezüglich Assistentenstellen oder sonstige 
Bekanntmachungen, Annoncen über Sammlungen, neu erschienene Fach- 
literatur etc. etc. durch das „Centralblatt** die schnellste und weiteste 
Verbreitung. 

Die 

Ammoniten des Schwäbischen Jura 

von 
Fr. Aug. Quenstedt. 

Band I— HI. 

Mit 1140 Seiten in 8« und 126 Tafeln in Folio. 

Preis Tür Band I— III statt Mk. 210.-- jetzt Mk. 120.—. 

Die 

Bildung des Natronsalpeters 

aus Mutterlaugensalzen 

von 

Dr. Carl Ochsenius. 

8°. Mit 1 Karte. — Preis Mk. ö.— . 



Digitized by VjOOQ IC 



O. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen von Mineralen. 335 



Die regelmässigen Yerwachsungen von Mineralen 
verschiedener Art. 

Von 

0. Mttgge in Königsberg i. Pr. 
Mit 82 Figuren. 



Die regelmässigen Verwachsungen von Mineralen ver- 
schiedener Art haben seit dem Aufsätze Sadebeok^s in Poog. 
Ann. Ergänzungsbd. 8. 659. 1878 keine Zusammenstellung, 
und eine eingehendere Discussion überhaupt noch nicht er- 
fahren. Sadebeck^s Übersicht v^ar nur eine gelegentliche, 
auch keine vollständige ^ ausserdem sind seit jener Zeit eine 
erhebliche Anzahl neuer regelmässiger Verwachsungen bekannt 
geworden, sowohl von natürlichen wie künstlichen Krystallen. 
Die Leichtigkeit, mit der manche der letzteren erhalten werden 
können, berechtigt zu der Meinung, dass solche Verwachsungen 
keineswegs gewissermaassen nur ausnahmsweise entstehen, 
dass sie demnach eine grössere Aufmerksamkeit verdienen, 
als ihnen bisher zu Theil geworden ist. 

In der folgenden Zusammenstellung habe ich mich auf die 
Verwachsungen von Mineralen miteinander und mit einigen 
wenigen künstlichen Krystallen beschränkt, solche künst- 
licher Krystalle unter sich nicht berücksichtigt, letz- 
teres nicht etwa deshalb, weil ich diese flir weniger wichtig 
halte — ich glaube vielmehr, dass sie für das Studium der 
Entstehung und Bedeutung solcher Verwachsungen zunächst 

^ Von den hier behandelten ca. 70 Verwachsungen sind bei Sadebeck 
nur 18 aufgeführt, obwohl bereits damals nahe doppelt so viele bekannt waren. 

21*** 



Digitized by 



Google 



336 0. Mügge, Die regelmässigen VerwacbsaDgen 

sogar die bessere Handhabe bieten werden — , sondern weil 
die krystallographischen Untersuchungen an ihnen vielfach 
zu wünschen übrig lassen. Sie beruhen zum grossen Theil 
auf nur mikroskopischen Beobachtungen, und vielfach ist nicht 
einmal die Krystallform der Componenten einigermaassen voll- 
ständig bekannt, eine Definition des Verwachsungsgesetzes 
daher unmöglich. 

Von der Zusammenstellung ausgeschlossen sind femer 
alle isomorphen Verwachsungen und Umwachsungen, 
deren Abgrenzung von den Verwachsungen nicht isomorpher 
aber doch verwandter Substanzen allerdings nicht ganz sicher 
ist. Im Allgemeinen sind aber Verwachsungen chemisch und 
krystallographisch nahe verwandter Substanzen nicht auf- 
genommen, wenn sie derselben Symmetriegruppe angehören, 
wohl aber, wenn sie von verschiedener Symmetrie sind, indem 
ich von der Ansicht ausging, dass eine stetige Änderung 
der geometrischen und physikalischen Constanten, wie sie für 
Glieder einer isomorphen Mischungsreihe gefordert wird, mit 
der Verschiedenheit der Symmetrie ihrer Endglieder in Strenge 
nicht verträglich ist. Weiter sind nicht berücksichtigt die 
regelmässigen Verwachsungen der Modificationen poly- 
morpher Substanzen, soweit sie auf Umlagerung im festen 
Zustande (eigentlicher Paramorphose) beruhen, dagegen 
sind sie aufgenommen, wenn die eine Modification aus Lösung 
oder Schmelzfluss auf der anderen zum Absatz gelangte. 
Die regelmässigen Verwachsungen der beiden Modificationen 
enantiomorpher Krystalle endlich sind fortgelassen, da 
sie sich wohl näher den Zwillingsverwachsungen gleichartiger 
Krystalle anschliessen. 

Hinsichtlich der übrigen habe ich Vollständigkeit an- 
gestrebt; da aber die Literatur über diese bisher nur 
gelegentlich behandelten Erscheinungen ganz ausserordentlich 
zerstreut und vielfach in Aufsätzen ganz verschiedener Art 
versteckt ist, zweifle ich nicht, dass mir einiges entgangen 
sein kann und werde für jede Ergänzung dankbar sein, 
bemerke aber, dass alle sogen, „halbregelmässigen" Verwach- 
sungen und alle, deren Verwachsungsgesetz nicht hinreichend 
sicher festgestellt ist, absichtlich ausgelassen sind. Manche 
davon, welche der näheren Untersuchung werth erscheinen. 



Digitized by 



Google 



von Mineraleu verschiedener Art» 



337 



sind anhangsweise in kleinerem Drucke aufgeführt. Auch 
unter den aufgenommenen mögen immerhin noch einige un- 
sichere sein, namentlich solche in der älteren Literatur an- 
gegebene, welche seitdem nicht mehr beobachtet sind. Von 
den ca. 70 sicher bekannten Verwachsungen sind mir nur 
einige vierzig in natura bekannt geworden. 

Für die Anordnung war das Krystallsystem der beiden 
Componenten maassgebend; man vergleiche die Inhaltsüber- 
sicht und das alphabetische Verzeichniss am Schlnss, welche 
auch bei der Discussion der geometrischen und chemischen 
Verhaltnisse der regelmässigen Verwachsungen, welche der 
Znsammenstellung angeschlossen ist, gute Dienste leisten 
werden. Die beigegebenen Figuren sind fast alle nach den 
citirten Abhandlungen reproducirt. 




Specieller Theil. 
Zusammenstellung der regelmässigen Verwachsungen. 

1. Kupfer mit Cnprit. 

Nach 0. MüGGE (dies. Jahrb. 1898. II. 151) erscheint Cuprit 
als Überzug auf Kupferkrystallen von Burra-Burra in Süd- 
Australien. Die nach 3 Flächenpaaren 
von {110} säulenförmig entwickelten 
Krystalle sind Viellinge nach der zur 
Säulenrichtung senkrechten Oktaeder- 
fläche (Fig. 1). Der Cuprit besteht 
aus sehr kleinen Oktaedern, welche 
sich in Parallelstellung zum Kupfer 
befinden und daher auf den scheinbar 
einheitlichen Säulenfiächen {110} des 
Kupfers die polysynthetische Zwil- 
lingsbildung dadurch verrathen, dass 
ihre kleinen Oktaederflächen auf den 
den Individuen I, III, V angehörigen 
Flächentheilen der Säule in anderer 
Stellung schimmern als auf den II, 
IV und VI angehörigen. 

Analoges ist beobachtet an „blattförmig'em'^ Kupfer von 
Cornwall, an moosförmigera von Massa marittima in Ober- 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XVI. ^2 



d 



n 



Fig. 1. 



Digitized by 



Google 



338 0- Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

Italien, weniger deutlich auch an einigen sibirischen Vor- 
kommen. Auch Krystalle von Globe in Arizona, welche 
kürzlich für die Universitätssammlung erworben wurden, sind 
z. Th. denen von Burra-Burra ganz ähnlich, z. Th. verzerrte 
Würfel; an letzteren macht sich der orientirte Überzug 
namentlich dadurch bemerklich, dass ihre Flächen tiefroth 
erscheinen, wenn man sie so hält, dass eine Oktaederfäche 
reflectiren würde, während sie in anderen Stellungen im All- 
gemeinen Metallglanz zeigen bis auf zahllose kleine, u. d. M. 
unregelmässig umgrenzte Flecke, welche dem Cupritüberzug 
angehören dürften. Endlich ist der orientirte Überzug neuer- 
dings auch bemerkt auf älteren, künstlich (anscheinend elektro- 
lytisch) dargestellten Krystallen der Form {001} . {111}. 

2. Pyrit mit Bleiglanz. 

Auf Pyrit, angeblich von Brosso, erscheint nach 0. Mügge ' 
Bleiglanz in papierdünnen, drei- oder sechsseitigen Blättchen 

von 1 mm Breite aufgewachsen, und 
zwar nur auf den Würfelflächen. 
Seine Orientirung ist eine zweifache, 
nämlich derart, dass eine Oktaeder- 
fläche parallel der Würfelfläche, eine 
— - Y o" ) I Oktaederkante parallel der penta- 

^ ^ // V \y— gonalen Streifung des Pyrits ver- 
läuft und beide Orientirungen des 
Bleiglanzes also zwillingsartig nach 



7^=^ 



^T-'^y-^ 



Fig. 2. der der Pyritwürfelfläche parallelen 

Oktaederfläche sind (Fig. 2). Die 
Bleiglanzblättchen sind nicht im mindesten in die Würfel ein- 
gesenkt, das Wachsthum des Pyrits scheint zur Zeit der 
Bildung des Bleiglanzes also schon völlig beendet gewesen 
zu sein. 

Damit identische Verwachsungen (vergl. Bücking bei 
Mügge, 1. c. p. 351) sind früher von Hintze* am Pyrit von 
Elba beobachtet, aber als solche von Pyrit und Eisenglanz 
beschrieben. 



1 0. Mügge, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 20. 349. 1901. 
* HiNTZB, Tschermak's Miu. Mitth. 1876. p. 141. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 339 

Äusserst dünne Überzüge von Bleiglanz auf Pyrit er- 
wähnen auch Tenne und Calderön * (nach Collins) von Rio 
Tinto, ohne Angaben über ihre Orientirung. 

3. Bleiglanz mit Fahlerz. 

Wakkernagel ^ beobachtete auf Fahlerz von der Mühl- 
bach im Weilburg'schen Bleiglanz in Parallelstellung auf- 
gewachsen. Dasselbe fand K. Zimanyi ® an Fahlerz vom Botes- 
Bergbau in Siebenbürgen*. Die Bleiglanze erheben sich nur 
wenig über die Aufwachsungsflächen und reihen sich parallel 
auf manchen Stufen dicht nebeneinander. 

4. Fahlerz mit Pyrit. 

Auf Stufen von Laurion erscheint nach 0. Mügge (dies. 
Jahrb. 1895. I. 103) Pyrit in Pseudomorphosen nach einem 
tetraedrischen Mineral, anscheinend Fahlerz, und zwar liegen 
die krystallographischen Axen beider parallel. Das Fahlerz 
zeigte das Tetraeder mit schmalen Abstumpfungen durch den 
Würfel; auf den letzteren erscheint die charakteristische 
Streifung der Pyritsubstanz nach den abwechselnden Kanten, 
und an den Ecken des Tetraäders sind die Flächen {120} des 
Pyrits durchaus regelmässig vertheilt ; die äussere Symmetrie 
der Pseudomorphosen fst daher regulär-tetartoedrisch. Nimmt 
man das Pentagondodekaeder als positives, so ist das Tetra- 
eder bei einigen Pseudomorphosen positiv, bei anderen negativ. 
Der Pyrit erscheint also in zweierlei Orientirung zum früheren 
Fahlerz, indessen kommen beide Orientirungen (welche einer 
Zwillingsstellung nach Art der „Eiserne Kreuz" -Zwillinge 



^ Tenne n. Calderön, Die Mineralfandstätteu der Iberischen Halb- 
insel, p. 27. 1902. 

« Kastner's Archiv f. d. ges. Naturlehre. 5. 307. 1825. 

« ZeitscHr. f. Kryst. 34. 80. 1901. 

* Die weitere Angabe, dass die OktaSderkanten des Galenits mit 
der TetraSderkante einen rechten Winkel einschliessen, ist unklar. Ziuanti 
giebt daselbst noch eine zweite regelmässige Verwachsung an, „und zwar 
derart, dass die Oktaäderkante des Galenits parallel liegt mit einer Tetra- 
Sderkante, die Hexagder- und Oktaäderflächen bilden einen stumpfen Winkel 
mit der Tetraederfläche. ^ Diese Verwachsung ist also nicht hinreichend 
bestimmt. 

22* 



Digitized by 



Google 



340 



0. Mflgge, Die regelmässigen Verwachsnngeii 



entsprechen würden) nicht an demselben Fahlerzkrystall vor 
(Fig. 3-4). 



OZi 




OiO 



Der Eisenkies scheint ursprünglich einen glatten einheit- 
lichen Überzug auf dem Fahlerz gebildet zu haben, jetzt ragt 
er hie und da auch in selbständigen 
kleinen würfeligen Eryställchen aus den 
Tetraederflächen hervor (Fig. 5). 

5. Fahlerz mit Zinkblende. 

Es kommen hier zweierlei regel- 
mässige Verwachsungen vor: 

a) Wakkernagel^ beobachtete auf 
einem Fahlerzkrystall der Form {111). 
{HO}. {112} von Weyden im Trier'schen einen Zinkblende- 
krystall der Form {111}. {001} so aufsitzend, dass die Axen 
parallel waren. Fahlerz mit Überzug von Blendekrystallen 
erwähnen ferner (ohne nähere Angaben über die gegenseitige 
Stellung) auch Zincken und Rammelsberg * vom Meiseberg bei 
Harzgerode. 

Sadebeck^ beschreibt dieselbe Verwachsung von Kapnik 
und fügt hinzu, dass nicht allein die krystallographischen 




Fig. B. 



* Wakkernagel, Kastner's Arch. f. d. ges. Naturlehre. 5. 308. 1825. 

* ZracKEN u. Rammelsberg, Pogg. Ann. 77. 249. 1849. 

« Sadebeck, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 24. 442. 1872 und Pogt.. 
Ann. Ergänzungsbd. 8. 660. 1878. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 341 

Axen parallel sind, sondeiii auch die gleichDamigen 
Tetraeder beider Minerale zusammenfallen. Ebenso erwähnt 
V. Zepharovich^ dass beiKapnik zuweilen regelmässige Ver- 
Avachsungen von Fahlerz und Zinkblende vorkommen, und 
eine grosse Stufe der Königsberger üniversitätssammlung von 
diesem Fundort zeigt bis ^ Zoll grosse, stark angefressene 
Fahlerzkrystalle der Form {111}. {111}. {112} neben noch 
grösseren Zinkblenden, gelbbraunen Krystallen der Form 
;ill}.{lll}.{110}.{100}, vielfach verzwillingt nach {111}. 
Die Tetraäder des Fahlerzes sind hie und da ganz oder halb 
in die Zinkblende eingesenkt, so dass die Axen parallel liegen, 
die Stellung der Tetraeder nicht zu bestimmen. Da auch der 
von Sadebeck erwähnte Zinkblendekrystall ein Zwilling nach 
(111} ist, kann man die Verwachsung für beide Zinkblende- 
Individuen auch charakterisiren durch die Parallelität zweier 
gleichnamiger Tetraädei-flächen und dreier Kanten derselben. 

b) Becke ^ beobachtete auf Zinkblende von Kapnik zahl- 
reiche sehr kleine Fahlerzkryställchen derart aufgewachsen, 
dass die krystallographischen Axen beider zwar wieder parallel 
lagen, aber das positive Tetraeder des Fahlerzes parallel dem 
negativen der Zinkblende. Die kleinen Fahlerze sind meist 
so auf der Zinkblende angeordnet, dass sie möglichst wenig 
gegenüber der Unterlage hervorragen, sie sind in dieselbe 
aber durchaus nicht eingesenkt, sondern lassen sich leicht 
loslösen, wobei die Trennungsflächen beider Minerale ganz 
glatt sind. Am meisten sind die matten Flächen der Blende 
mit Fahlerz besetzt, z. B. {131} und {001} (hier sind die Fahl- 
erze meist breit tafelig ebenfalls nach der Würfelfläche), 
dagegen sind die glänzenden Flächen {111) und (111} der 
Zinkblende fast frei von Fahlerz. Dicht besetzt sind auch 
die feinen Zwillingslamellen der Blende, namentlich auf den 
Flächen {110}, welche für die Zwillinge zusammenfallen und 
auf welchen dann die Fahlerze in zwei Orientirungen er- 
scheinen. 

Anhangr. 

1. Die Versuche, durch welche Wakkebnaqel (Kastner's Arch. f. d. 
ges. Naturlehre. 5. l-i08. 1825) am Alaun parallele Überwachsungen" 

' Min. Lexikon. IL 322. 1873. 

« Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 5. 331. 1883. 



Digitized by 



Google 



342 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 



durch Bleinitrat erzielt haben wollte, sind von Kopp (Ber. d. deutsch, 
ehem. Ges. 16. 1653. 1882) ohne Erfolg wiederholt 

2. Boracit überwachsen von Alaun (Wakkernaoel, L c). 
Es gilt dasselbe wie vorher; auch von Herrn Dr. Johnsen im hiesigen 
Institut angestellte Versuche waren erfolglos. 

3. Nach G. NobdstrOu (Ref. Zeitschr. f. Kryst. 4. 626. 1880) kommen 
auf der Eisengrube in Norberg Oktaeder vor, welche aus parallelen Schalen 
von Magnetit und Buntkupfererz bestehen neben solchen von 
reinem Magnetit und reinem Buntkupfererz. 

4. Fbankenhbim (Lehre von der Cohäsion. p. 354. 1835) giebt an. 
dass nach Marx (Eabtnbr's Archiv f. d. ges. Naturi. 5. 306. 1825) Fluss- 
spath und Pyrit mit parallelen Axen verwachsen. Das Gitat ist nicht 
richtig; ich habe nicht finden können, wo Marx diese Angabe macht. 

6. Arsen mit Arsonolith. 

An Krystallen von künstlichem Arsen, welche mehrere 
Jahrzehnte aufbewahrt und von einer staubartig aussehenden 
Schicht von Arsenolith bedeckt waren, bemerkte Verf. * u. d. M., 





Fig. 6. 



Fig. 7. 



dass letzteres feine, nach einer Oktaederfläche tafelige Krj-- 
ställchen bildete, welche auf den Flächen {0001} wie auf den 
rhomboßdrischen Seitenflächen des Arsens so orientirt waren, 
dass eine Oktaederfläche parallel der Basis lag, zugleich eine 
Oktaöderkante parallel einer Kante zum Rhomboeder, und 
zwar sind die stumpfen Kanten des Oktaäders den stumpfen 
Kanten {0001 : 1011} zugewandt. Wo den rhomboMrischen 
Tafeln des Arsens Theile in Zwillingsstellung nach (0001) 
halb oder ganz eingesenkt sind, erscheinen auch die Oktaeder 



^ 0. MüücJE, Tschermak'3 Min. u. petr. Mitth. 19. 102. 1900. 



Digitized by 



Google 




von Mineralen verschiedener Art. 343 

des Arsenolith um 180® gegenüber denen auf dem Haupttheil 
gedreht (Fig. 6 u. 7 ^). 

7. Magnetkies mit Bleiglanz. 

Lacroix* beobachtete an Pseudomorphosen von Markasit 
nach Magnetkies von der Grube Pontp6an (lUe-et-Vilaine, 
Bretagne) eine Kruste von Bleiglanz, dessen Kryställchen 
so zum Magnetkies gestellt waren, dass 
eine Wtirfelfläche parallel der Basis und 
eine andere Wüifelfläche parallel dem 
Protoprisma lag. Wie Fig. 8' zeigt, hat 
der Bleiglanz auf jeder Fläche (lOTO) 
und dem ihr anliegenden Sextanten der 
Basis nur eine, einheitliche, Orien- 
tirung, es kommen nicht alle 3 mög- pig. g. 

liehen Orientirungen des Bleiglanzes 
promiscue vor. (Der Markasit, der die Hauptmasse der 
Pseudomorphosen bildet, hat ebenfalls eine regelmässige 
Orientirung zum Magnetkies, ebenso der statt des Bleiglanzes 
zuweilen vorkommende Pyrit, vergl. No. 8 u. 34.) 

8. Magnetkies mit Pyrit. 

Breithaüpt^ beobachtete von der Grube Neuglück bei 
Drei-Eichen unweit Freiberg „Leberkies in hexagonalen Pris- 
men, Pseudomorphosen nach Magnetkies, wieder regelmässig 
verwachsen mit Eisenkies, so dass die Würfelflächen des letz- 
teren parallel einer prismatischen Fläche des vorigen liegen, 
und eine rhombische Axe des Eisenkieses wieder parallel mit 
der hexagonalen Hauptaxe des ursprünglichen Magnetkieses." 

Danach ist die Orientirung beider Minerale dieselbe, 
welche später Lacroix* von der Grube Pontpean als neu 
beschrieb (vergl. unter No. 34, Magnetkies mit Markasit) 

' In Fig. 7 sind die Blättchen von Arsenblüthe auf (0001) des Haupt- 
krystalls versehentlich auch in Zwillingslage gezeichnet. 

' Lacroix, Compt. rend. 125. 265. 1897; Bull. soc. frang. de min. 
20. 223. 1897; Mineralogie de la France, n. 567. 1897. 

' Breithaupt, Paragenesis. p. 130. 1849. 

* Lacroix, Compt. rend. 125. 265. 1897; Bull. soc. franQ. de min. 
20. 223. 1897; Mineralogie de la France II. 569. 1896/97. 



Digitized by 



Google 



344 0. Mügge, Die regelmässigen Verwacbsnngen 

(vergl. Fig. 41). Vielleicht haben auch Miers ^ derartige Ver- 
wachsungen in Pseudomorphosen von Pyrit nach Magnetkies 
von Com wall vorgelegen, er sagt indessen nur: „The cubes 
of pj'^rites which constitute each hexagonal plate are for the 
raost part arranged in regulär position, and parallel to each 
other." 

9. Magnetit (Magnoferrit und Pleonast) mit Eisenglanz (Titaneisen). 

Die erste Mittheilung über diese Verwachsungen verdankt 
man wohl Haidinger '^. Er beobachtete, dass oktaedrische 
Eisenerze von Brasilien aus einer grossen Zahl kleinerer 
Krystalle bestanden, welche denen des Eisenglanzes ähnlich 
waren ^. Ein Bruchstück aus Sibirien zeigte dieselben Ver- 
änderungen, nur waren die Krystalle des Eisenglanzes in 
diesem Falle so klein, dass sie eine compacte Masse bildeten. 
Vom Vesuv dagegen sah Haidinger eine Stufe, welche durch 
ihr gröberes Gefüge die von den brasilianischen Oktaedern 
gegebene Erklärung „erläuterten". Die rohe Form des Okta- 
eders wurde hier erzeugt durch sehr deutliche, nach (0001) 
tafelige Kryställchen von Eisenglanz; diese lagen mit ihren 
breiten Flächen z. Th. denen des Oktaeders parallel, während 
in anderen oktaedrischen Gruppen dadurch, dass die Flächen 
der neu gebildeten Krj^stalle über die Oberfläche des Oktaeders 
herausragten, eine Art erhabenes Netzwerk erzeugt ward. 

Derartige Gebilde, und zwar aus dem Fosso di Can- 
cherone, sind dann später von Scacchi* beobachtet. Er stellte 
ebenfalls fest, dass die Eisenglanztafeln mit ihrer basischen 
Endfläche (annähernd) parallel denen des Oktaeders liegen, 
konnte indessen die Art und Orientirung ihrer Randflächen 
nicht erkennen. Ebenso beschrieb er ähnliche, beim Vesuv- 
ausbruch von 1855 entstandene Bildungen, solche von Lipari 



^ Miers, Min. Mag. 11. 273. 1897. 

* Haidinger, Pogq. Ann, 11. 188. 1827. 

« Hausmann .erwähnt später (Abh. Götting. Ges. d. Wiss. 7. 7. 1857), 
dass in Pseudomorphosen von Eisenglanz nach Magneteiseu von Inficionado 
in Minas Geraes sich manchmal nicht nur die äussere Form, sondern auch 
das „den Oktaederflächen entsprechende blätterige Gefüge" erhalten habe. 

* Nach den Angaben und Abbildungen bei J. Roth, Der Vesuv etc. 
1857. p. 317 und G. vom Rath, dies. Jahrb. 1876. 887. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 345 

und vom Monte Spino am Lago d'Agnano. G. vom Rath (1. c.) 
bemerkte aber, dass die Gebilde magnetisch waren, so dass 
man sie für eine „Verschlingong" von Magneteisen nnd Eisen- 
glanz halten möchte, im Widersprach damit erschien ihm aber, 
dass sie kein Eisenoxydul enthielten. Darauf zeigte Bammels- 
berg \ dass die oktaedrischen Krystalle ein Gemenge von 
Eisenoxyd und einem von ihm als Magnoferrit, MgEe^O^, 
bezeichneten Gliede der Spinellgruppe seien. 

Nähere Untersuchungen über die Lagerung der Eisen- 
glanzblättchen zu dem spinellartigen Mineral stellte dann 




Fig. ». 

G. VOM Rath-, und zwar an Kryställchen von Ascension, an. 
Den oktagdrischen Krystallen (z. Th. Zwillingen nach dem 
Oktaeder) sind Eisenglanzblättchen so eingeschaltet, dass 
deren Basis parallel den Oktaederflächen liegt und zugleich 
die „zweizähligen" Axen beider Minerale parallel sind. An 
einer ausgezeichneten Gruppe vom Vesuv ermittelte er dann 
später', dass die Eisenglanztäfelchen in 8 verschiedenen 
Stellungen, nämlich je zweien in Bezug auf jede Oktaeder- 
fläche vorhanden waren ; es ist (0001) // (111), ausserdem die 

» Rammelsbero, Poüg. Ann. 104. 542. 1858 und 107. 451. 1859. 
» G. VOM Eath, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 25. 108. 1873. 
» G. VOM Rath, dies. Jahrb. 1876. 386. Taf. VIII Fig. 1—3. 



Digitized by 



Google 



346 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwitchsungen 



Kante (0001 : 1011) 90^ und 270^ geneigt zu den Oktaöder- 
kanten. Dabei werden auf jeder OktaMerfl&che nur diejenigen 
Eisenglanztäfelchen deutlich sichtbar, welche ihr nicht parallel 




Fig. 10. 



liegen (Fig. 9—13). Demgegenüber hielt Scacchi (dies. Jahrb. 
1876. p. 637) ein anderes Verwachsungsgesetz für wahrschein- 
licher, welches aber in den Winkelwerthen analoger Flächen 
so wenig von dem vom KAXH'schen abweicht, dass bei der 




Fig. 11. 



Flg. 12. 



Fig. 13. 



unvollkommenen Ausbildung der Krystalle eine Entscheidung 
durch Messung nicht möglich war. Immerhin erscheint die 
Deutung vom Rath's als die wahrscheinlichere, da bei den 
meisten regelmässigen Verwachsungen das überwachsende 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 347 

Mineral nach jener Fläche tafelig entwickelt zu sein pflegt, 
\velche einer Fläche des anderen sich anlegt ; letzteres würde 
bei dem ScAccm'schen Gesetz nicht genau der Fall sein. Dazu 
kommt, dass später von Bückinq^ Magnetit in regehnässiger 
Verwachsung mit Eisenglanz auf einer Stufe vonder AlpLerchel- 
tiny im Binnenthal aufgefunden wurde, wobei der Magnetit in 
die Eisenglanztafel so eingesenkt war, dass (111) // (0001) 
und eine Oktaäderkante senkrecht zur Kante (0001 : lOIl) lag, 
eine Orientirung demnach, welche dem vom RATH'schen Ver- 
Avachsungsgesetz folgt. 

Verwachsungen ähnlich der vom Vesuv scheinen unter 
den Fumarolenbildungen der Vulcane sehr häufig zu sein. 
LiACROix* hat sie beschrieben 
vom Roc de Cuzeau (Mont- 
Dore) (Fig. 14), ferner zu- 
sammen mit P. Gaütier von 
Royat(Puy-de-D6me)', Ber- 
GEAT (dies. Jahrb. 1897. II. 
p. 114) vom Stromboli; ob 
auch die von Knop* analy- 
sirten und demnach als ein 
Gemenge von FCgOj und 
titanhaltiger Spinellsubstanz 
deutbaren Oktaeder aus dem pj^ ,^ 

Koppit-Kalkstein von Sche- 

liugen im Kaiserstuhl ähnlich struirt sind, bleibt zweifelhaft. 
Jedenfalls ist es aber wahrscheinlich, dass statt Eisenglanz auch 
Titaneisen in diese Verwachsungen eintreten kann. Solche sind 
wohl zuerst von Becke gelegentlich seiner Ätzuntersuchungen 
am Magnetit^ beobachtet. Er giebt an, dass die Magnetit- 
oktaeder von Pfitsch mit Tafeln von Titaneisen erfüllt waren, 
welche parallel den Oktaederflächen lagen. Später hat auch 
Cathrein^ solche in Magnetit vom Zillerthal beobachtet und 

> BüCKiNG, Zeitschr. f. Kryst. 1. 575. 1877. 

* Lacroix, Bull. soc. fran^. de min. 15. 11. 1892. 

3 Lacrolx u. Gaütier, Compt. rend. 126. 1529. 1898. 

* Knop, Der Kaiserstuhl i. Br. p. 17. 1892. 

^ Becke, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 7. 233. 1885. 
« Cathrein, Zeitschr. f. Kryst. 12. 40. 1887. 




Digitized by 



Google 



348 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

analysirt, auch Rosekbüsch* erwähnt mikroskopische Ein- 
lagerangen von Titaneisen in Magnetit des Nephelinbasaltes 
vom Katzenbuckel nach Beobachtungen von Lattermann und^ 
aus Glimmerdiorit der Insel Cabo Frio. Das Titaneisen bleibt 
beim Auflösen des Magnetit in Salzsäure in Form eines hexa- 
gonalen Netzwerkes zurück. Auch diese mikroskopische Ver- 
wachungs scheint recht häufig zu sein**. Die nähere Lage- 
rung der Täfelchen in den Oktaederflächen scheint indessen 
in diesen Fällen nicht festgestellt zu sein^. 

Verf. beobachtete in blaugrau durchsichtigem Spinell (ein- 
gewachsen in Kalk, vom Monzoni?) parallel den Oktaeder- 
flächen eingelagerte braunviolette Blättchen ganz vom Aus- 
sehen derer in Hypersthen etc. Sie erscheinen in Schnitten 
nach einer Oktaederfläche von drei- oder sechsseitigem üm- 
riss, z. Th. etwas skeletartig, in anderen Schnitten als äusserst 
dünne, tief braune oder undurchsichtige Strichelchen ohne merk- 
liche Einwirkung auf polarisirtes Licht. Ich halte sie für 
Titaneisenglimmer, welcher dem Spinell nach demselben Gesetz 
eingelagert ist wie oben dem Magnetit, eine nähere Unter- 
suchung musste mangels Material unterbleiben ; unzweifelhaft 
vom Monzoni stammende (grün durchsichtige) Spinelle zeigten 
die Einlagerungen nicht. 

Während in diesen Fällen der Spinell als der Träger 
der Verwachsung erscheint, beschrieb Pelikan^ jüngst auch 
den umgekehrten Fall. In Pseudomorphosen von Magnetit 
+ Rutil nach Titaneisen von der Alp Lercheltiny war der 

* Rosenbusch, Mikrosk. Phys. I. 287. 1892. 
« 1. c. II. 246. 1896. 

* vergl. Teall, Quart. Journ. Geol. Soc. 40. 651. 1884 und die da- 
selbst aufgeführte Literatur. 

* Es scheint nicht unmöglich, dass das blätterige Gefüge, welches 
vom Martit zuweilen angegeben wird, auf der Einlagerung von Eisenglanz- 
täfelchen beruht. Beim Zerkleinern von Magnetitkrystallen erhält man 
öfter auch roth durchscheinende Blättchen vom Habitus des Eisenglanzes ; 
auch kann man solche von der Oberfläche mancher Magnetitoktaeder mit 
einer Nadel abheben. Ganz neuerdings (Amer. Journ. Sc. 163. 211. 1902) 
erwähnt 0. A. Derbt, dass in Magneteisenerz vom Rio Doce im Staate 
Espirito Santo in Brasilien grüner Spinell und ein braundurchscheinendes 
Titanmineral netzähnlich angeordnet auf den Zwillingsebenen erscheinen, 
etwa so wie die Tafeln von Taenit im Meteoreisen. 

ö Pelikan, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 21. 226. 1902. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 349 

Magnetit zum Ilmenit der Form {0001} . {2243} wie vorher 
orientirt und vergesellschaftet mit Rutil, dessen Axe c // den 
Kanten (22?3:0001) liegt. (Die übrige Orientirung nicht 
sicher festzustellen, aber wahrscheinlich dieselbe wie unter 
No. 31 beschrieben.) Auf einem Querschnitt senkrecht zur 
Basis war ein unregelmässig gestalteter Kern von Titaneisen 
zu erkennen, umhüllt von Magnetit- Rutil-Gemenge , letzterer 
in unregelmässigen Körnern. Pelikan fasst die Pseudomorphose 
als eine langsam von aussen nach innen fortschreitende Ent- 
mischung auf, indem Magnetit und Rutil sich auf Kosten 
des Titaneisens bildeten. Nach dem oben angegebenen Ver- 
wachsungsgesetz kann der Magnetit zum Titaneisen in zwei 
nach (0001) hemitropen Stellungen vorkommen; beide wären 
gleichzeitig zu erwarten, wenn, wie Pelikan anzunehmen ge- 
neigt ist, das Titaneisen nicht rhomboedrisch-tetartoedrisch, 
sondern rhomboödrisch-hemiedrisch krystallisirt ^ 

10. Miersit mit Jodyrit. 

Nach Spencer^ finden nicht allein isomorphe Mischungen 
des Miersits, CuJ.4AgJ, mit Marshit, CuJ, statt; sondern 
der Miersit verwächst auch innig mit hexagonalem Jodsilber 
(Jodyrit). Die Stellung beider ist nicht ganz sicher bestimmt, 
sehr wahrscheinlich ist aber (0001) des Jodyrit parallel (111) 
des Miersits, zugleich die trigonalen Umrisse beider Flächen 
parallel. Der Miersit ist dabei verzwillingt nach zwei Flächen 
(111). und gerade parallel diesen beiden Flächen scheint der 
Jodyrit eingelagert zu sein^. Die obige Verwachsung, bei 

^ Nach Anfrage bei Herrn Pelikan schreibt mir derselbe (während 
des Druckes), dass nach Mittheilung von Herrn Fr. Focke in Wien der 
Magnetit auf dem einen Erystall von Titaneisen in nur einer Orientirung 
aufgewachsen ist, auf dem zweiten dagegen in beiderlei Stellung (eiue 
stark überwiegend). Der erste Kry stall entspricht also einem einfachen 
rhomboedrisch-tetartoedrischen Individuum, der zweite enthält ent- 
weder selbst Theile in Zwillingsstellung nach (0001) oder (wenn nämlich die 
Magnetite beiderlei Stellung miteinander zusammenhäugen)r die Magnetite 
sind verzwillingt nach (111), wobei diese Zwillingsbildung ähnlich wie 
oben bei No. 2 und namentlich wie unten bei No. 26 unter Eiulluss der 
Unterlage bewirkt sein mag. 

* Spencer, Min. Mag. 13. 44. 1901. 

' Die eingelagerten Partien von Jodyrit erscheinen allerdings in 
Spaltblättchen nach jenen Flächen von (HO), welche senkrecht zur Kante 



Digitized by 



Google 



350 0. Mügge, Die regelmässigen VerwachsuDgen 

welcher also die regulären Pseudosymmetrieaxen des Jodyrits 
den entsprechenden Symmetrieaxen des Miersits sehr annähernd 
parallel wären, ist damit noch nicht eindeutig bestimmt, 
da die dreizähligen Axen beider Minerale polar sind. 

11. Pyromorphit mit Bleiglanz, 

In Pseudomorphosen von Bleiglanz nach Pyromorphit 
beobachtete Haidinger ^, dass bei solchen von Huelgoat zu- 
weilen eine Spaltangsfläche des Bleiglanzes mit der Basis des 
früheren Pyromorphits zusammenfällt; in solchen von Wheal 
Hope in Cornwall war der Bleiglanz im Innern regelmässig 
so gelagert, dass die Würfelflächen des Bleiglanzes // (0001), 
(1010) und (1120) des Pyromorphits laufen und die Pseudo- 
morphosen nach diesen Flächen spaltbar waren. Die Ver- 
theilung der Bleiglanze in dem Pyromorphit stellt Haidinger 
durch eine Figur ganz wie Fig. 8 p. 343 dar. Die Spaltbarkeit 
nach Basis und Protoprisma beobachtete auch Breithaüpt * in 
den Pseudomorphosen von Berncastel (seinem Sexangulit). 

Nach meinen Beobachtungen ist die Spaltbarkeit nach 
der Basis in den meisten Vorkommen in der That eine recht 
vollkommene und hört am frischen Pyromorphit völlig auf, 
so dass eine schalige Absonderung ausgeschlossen scheint; 
derartige Spaltungsblättchen (welche auch leidlich reflectiren) 
lassen sich auch nach den Flächen des Proto- und Deutero- 
prismas, anscheinend aber auch nach anderen Ebenen senk- 
recht zur Basis leicht durchbrechen, indessen gelang es nicht, 
messbare Reflexe von solchen Bruchflächen zu erhalten (am 
Pyromorphit existirt dagegen keine Spaltbarkeit nach einer 
Säule, wie manche Handbücher angeben). Es mag dies daran 
liegen , dass die Orientirung der Bleiglanze nicht , wie in 
Haidinger's Figur, für jeden Sector der Basis einheitlich ist, 
sondern beide Orientirungen in jedem promiscue vorkommen. 
Nach der mikroskopischen Untersuchung der Spaltblättchen 
im auffallenden Licht scheint das Bleiglanzaggregat jedenfalls 

der beiden Zwiliingsoktaederflächen liegen, mit einem Winkel von 60^. 
während er 10\^ ca. sein müsste. 

» Haidinger, Pogo. Ann. 11. 371. 1827. 

• Breithaupt, Berg- u. Hüttenm. Zeitung. 21. 99. 1862 und 22. 36 
und 44. 1863. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 351 

äusserst feinkörnig zu sein; auch in Dünnschliffen von der 
Grenze des Pyromorphits und Bleiglanzes zeigte sich nirgends 
eine Spur von Kry Stallbegrenzung des letzteren. 

Anhangr. 

1. Cristobalit-Tridymit. Nach G. vom Rath (dies. Jahrb. 
1887. I. 198) finden sich am Cerro S. Cristöbal bei Pachuca anch „Parallel- 
verwachsungen" von Tridymitdrillingen nach (10T6) mit oktagdrischen 
Krystallen von Cristobalit. Die Zwillingskante der Tridyroitgmppe liegt 
parallel einer Kante des Oktaeders, und die zn dieser letzteren Kante 
zusammen stossenden Flächen fallen sehr nahezu in eine' Ebene mit den 
Tafelflächen der beiden äusseren Individuen des TridymitdriUings. (Es 
ist zu bemerken, dass zwei derartige Stellungen möglich sind, welche 
einer Zwillingsstellung des Cristobalits nach der gemeinsamen Okta^der- 
fläche entsprechen. Verf. ist es ausserdem wahrscheinlich, dass Cristobalit 
mit Tridymit nicht physikalisch isomer, sondern identisch ist.) 

2. Pyrargyrit und Silberglanz. Breithaupt (Berg- u. Hüttenm. 
Zeitung. 20. 153. 1861) fand Rothgiltigerz der Form <10T1> . <U20} so 
überkleidet von Silberglanz der Form {HO), dass sechs Flächen von {110} 
parallel den Flächen von {1120} waren, die sechs anderen Flächen des 
BhombendodekaSders lagen „zwar in paralleler Bichtung mit dem obigen 
+ K, aber, wie nicht anders sein kann , mit anderer Neigung gegen die 
gemeinschaftliche hexagonale Axe der sechsseitigen Säulenform.'' „Die 
Erscheinung ist eine regelmässige Verwachsung, welche nicht zuföUig, 
sondern mathematisch gesetzlich zweierlei Mineralien miteinander ver- 
bindet." Frenzel (Min. Lex. Sachsen, p. 246. 1874) giebt als Fundort 
derselben Grube Himmelfahrt bei Freiberg an und erwähnt (p. 22), dass im 
Freiberger Revier auch Silberglanz von „Rothgiltigerz" so umwachsen vor- 
kommt, dass die hexagonalen Axen (der Silberglanz ist danach verlängert) 
parallel laufen. Überzüge von Arsensilberblende auf Silberglanz sind 
nach ihm (p. 21) ebenfalls zu Brand bei Freiberg vorgekommen. Weitere 
Angaben über die Orientirung fehlen. 

3. Flussspath- Quarz. (Breithaupt, Handb. III. 673. 1847.) 
„. . . Auf Flussspath sitzen Quarze zwar häufig unregelmässig auf, aber 
auch regelmässig so, dass ihre rhombo@drischen Flächen vollkommen 
parallel mit den hexaedrischen jener Substanz sind." Auch Frenzel (Min. 
Lex. Sachsen p. 266. 1874) erwähnt regelmässige Verwachsung ohne An- 
gabe näherer Orientirung von Gersdorf und Freiberg. 

4. Perowskit-Titaneisen. In der jEREMPJEw'schen Grube (Kreis 
Slatoust) kommen nach Jeremejew (Ref. Zeitschr. f. Kryst. 17. 626. 1890) 
aus Ilmenit entstandene Perowskite so mit ersteren verwachsen vor, dass 
eine Würfelfläche genau parallel der Basis liegt. Die Verwachsung ist 
demnach, wenn Überhaupt regelmässig, unvollständig bestimmt. 

5. Cerargyrit mit Jodsilber durchwachsen, ähnlich wie unter 
No. 10 beschrieben, scheint nach Prior und Spencer vorzukommen (Min. 
Mag. 13. 183. 1902). 



Digitized by 



Google 



352 0. Müg^e, Die regelmässigen Verwachsangen 

12. Magnetit mit Rutil. 

Aaf der ÄIp Lercheltiny im BinneDthal kommen nach 
Seligmann ^ nach einer Fläche tafelige Oktaeder von Magnetit 
vor, in deren Tafelfläche kleine Kryställchen von Rutil in 
drei Orientirungen so ein- und aufgewachsen sind, dass ihre 
Axen c parallel den Oktaederkanten, ihre Flächen (100} par- 
allel der tafeligen Oktaederfläche sind ; dabei würden zugleich 
Flächen von {130} annähernd parallel den übrigen Oktaöder- 
flächen liegen, denn es ist: 

100:130 (Rutil) = 71« 34'; (Oktagderwrinkel = 7O<>320. 

Einen Magnetit, der nach der von Rutil überwachsenen 
Fläche verzwillingt war, beobachtete Cathrein*. Auffallend 
ist, dass die Verwachsung mit Rutil sich auf nur eine Okta- 
ederfläche beschränkt. Mikroskopische Verwachsungen von 
Magnetit und Rutil sind ebenfalls von Cathrein (1. c.) be- 
schrieben, sie folgen anscheinend demselben Gesetz (vergl. 
auch No. 31). 

13. Bol6it mit Cumeng^it. 

Die würfeligen (nach den optischen Eigenschaften in ihren 
äusseren Partien allerdings tetragonal zu deutenden) Boleite von 
Boleo, 3[PbCl(0H) . CuCl . (OH)] + AgCl, sind nach Mallard 
und CüMENGE ^ mit dem tetragonalen Cumengeit, Pb Clj . Cu . 
2HgO*, so verwachsen, dass die Flächen der Basis und des 
Deuteroprismas des letzteren mit den Würfelflächen parallel 
sind. Dabei erscheint auf jeder Würfelfläche des Boleit eine 
Pyramide {101} des Cumengeit so aufgesetzt, dass statt der 
Würfelkanten Rinnen mit einem Winkel von 152^41' ent- 
stehen (Fig. 15). Bemerkenswerth erscheint, dass die äusseren 
Theile des Boleits sich in ihren optischen Eigenschaften dem 
aufgewachsenen Cumengeit sehr nahe anscliliessen. Diese 

• Seliqmann, Zeitschr. f. Kryst. 1. 380. 1877. 

^ Cathrein, Zeitschr. f. Kryst. 8. 326. 1884. In diesen beiden Orien- 
tirungen könnte der Magnetit auftreten, wenn er nach demselben Gesetz 
auf einer Fläche (100) des Rutils aufgewachsen wäre. 

' Mallard und Cumenge, Compt. rend. 113. 519. 1891 und Bull, 
soc. frauQ. de min. 14. 283. 1891. 

* Mallard, Bull. soc. fran^j. de min. 16. 184. 1893. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



353 




Theile sind optisch einaxig, die optische Axe senkrecht zu 
den W&rfelflächen, also zusammenfallend mit den optischen 
Axen des aufgewachsenen Cumengeit, die Doppelbrechung in 
beiden negativ, w des Cumengeits (2,026) nahe gleich dem 
einen Brechungsexponenten (2,07 ca.) des Boleits (es ist nur 
e i n Brechungsexponent 
bestimmt). Lagroix hat 
nach den Angaben von 
Dana ^ ausserdem eine 
Abnahme der Doppel- 
brechung vom Cumengeit 
zum (tetragosalen) Bolät 
und Percylit und eine Zu- 
nahme der Dichte in der- 
selben Reihe gefunden. 
Bei der grossen chemi- 
schen Ähnlichkeit der 
genannten Substanzen 
scheinen daher weitere Untersuchungen wfinschenswerth, ob 
die äusseren Theile des Bol6its dadurch doppelbrechend werden, 
dass ihnen Cumeng^itsubstanz submikroskopisch beigemengt 
ist (in ähnlicher Weise wie bei den sogen, anomalen Misch- 
krystallen von Salmiak und Eisenchlorid). 

14. Bleiglanz mit Kupferkies. 

Nach der Angabe von Pelikan^ kommen bei Echige in 
Japan Kupferkiese vor, auf welchen Bleiglanzwürfel in 
paralleler Stellung so aufsitzen, dass die Axen beider Minerale 
parallel sind. 

SoüHEüR* berichtet, dass auf der Grube Victoria bei 
Burgholdinghausen (Kreis Siegen) Bleiglanz als äusserst dünner 
Überzug auf Kupferkies erscheint (Angaben über die Orien- 
tirong fehlen). Ebenso erwähnt Lüdegke^ Überzüge von 
Kupferkies auf Bleiglanz ohne Näheres. 



Fig. 15. 



» Dana, Syst. of Min. Append. I. 52. 1899. 

* Pelikan, Tschbrmak's Min. u. petr. Mitth. 16. 58. 1892. 
^ SoDHEüR, Zeitschr. f. Kryst. 23. 546. 1894. 

* LüDECXE, Minerale des Harzes, p. 167. 1896. 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XYI. 23 



Digitized by 



Google 



354 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 



15. Kobaltglanz mit Kupferkies. 

Auf Kobaltglanz von Häkansbo fand Verf. * Kryställchen 
von Kupferkies so aufgewachsen, dass eine Fläche {100) des 
Kupferkieses parallel liegt einer Würfelfläche des Kobaltglanzes, 
die Hauptaxe des Kupferkieses senkrecht zur pentagondodeka- 
edrischen Streifung der Würfelfläche. Dadurch werden gleich- 
zeitig die sämmtlichen gerad- 
zahligen Symmetrieaxen beider 
Minerale genau und die Flä- 
chen {111} annähernd parallel. 
Auch abgesehen von der 
sphenoidischen Hemiedrie de^ 
Kupferkieses kann demnach 
seine Orientirung auf jeder 
Würfelfläche eine dreifache 
sein (Fig. 16 bei a, 6, c), er 
erscheint aber auf jeder nur 
in einer dieser drei Orien- 
tirungen, nämlich wie bei a, 
d. i. so, dass zwei Flächen {20i; 
des Kupferkieses den Flächen 
des Pentagondodekaöders an- 
nähernd parallel laufen, welche zu der Würfelfläche, auf welcher 
die Krystalle aufgewachsen sind, unter 26^ (ca.) geneigt sind. 
Unter Berücksichtigung der Hemiedrie des Kupferkieses 
sind dann für jede Würfelfläche noch zwei Orientirungen mög- 
lich (entsprechend den beiden in der Fig. 16 bei d und e an- 
gedeuteten), welche von beiden und ob beide vorliegen, war 
nicht zu entscheiden. 

16. Zinkblende mit Kupferkies. 

Haidinger * beobachtete an einem Kupferkieskrj^stall von 
Kapnik einen Überzug von Zinkblende, macht zwar keine 
Mittheilung über die Orientirung, zählt das Vorkommen aber 
zu den regelmässigen Verwachsungen. Hausmann' erwähnt, 




Fig. 16. 



* 0. MüGGE, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 20. 352. 1901. 

» Haidinger, Handb. d. best. Min. p. 281.. 1845. 

•'» Hausmann, Abb. Götting. Ges. d. Wiss. 6. 105. 1856. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 355 

dass auf ganz ähnliche Weise wie Fahlerz auch Zinkblende 
von Kupferkies tiberzogen vorkommt and verweist auf alte 
Angaben darüber in S. Holzmann's Hercynischem Archiv n. 
p. 248. Sabebeck ^ berichtet bei Beschreibung der Umwandlung 
des Fahlerzes unter dem Kupferkiesüberzug (von der Zilla 
bei Clausthal), dass auf solchen Stufen Kupferkies in kleinen 
Kryställchen auch auf Blende aufgewachsen vorkommt, so 
dass die Flächen {110} bezw. {101) beider parallel liegen, 
ohne die Stellung der positiven und negativen Oktanten an- 
geben zu können. Auch Frenzel ''^ erwähnt regelmässige Ver- 
wachsungen von Zinkblende mit Kupferkies von der Grube 
Junge Hohe Birke bei Freiberg. Becke' untersuchte dann 
genauer ein Vorkommen von Schemnitz, wo winzige Kryställ- 
chen von Kupferkies auf der Blende in paralleler Stellung 
aufgewachsen sind. Das grössere schalige Sphenoid spiegelt 
mit {111} der Blende, es fallen also die gleichnamigen Oktanten 
zusammen. Ein japanisches Vorkommen von Kayakusa im 
Minengebiet von Aui vermerkt K. Jimbo*, es scheint im Habitus 
dem von Schemnitz ähnlich zu sein. 

Auf Zinkblende der hiesigen Sammlung von Grube Junge 
Hohe Birke zeigt sich die Verwachsung sehr zierlich, indessen 
ist es weder am Kupferkies noch an der Zinkblende möglich, 
die positiven und negativen Oktanten sicher von einander zu 
unterscheiden.. Auf einem Tetraöder erscheint ein fast zu- 
sammenhängender Überzug von Kupferkies, auf den Flächen 
von {110} sind fast nur die groben Streifen nach der langen 
Diagonale besetzt, das andere Tetraeder ist fast frei, dagegen 
hat sich der Kupferkies auch auf unregelmässigen Bruchflächen 
z. Th. in 3 mm grossen Kryställchen angesiedelt. Gemessen 
wurde (bei nui- massigen Reflexen): 

111 Kupferkies : 101 Zinkblende (Spaltfläche) =» 35» 47' 
111 „ : 111 „ (?negätiy) «= 71 16 

Es scheint darnach die mit (111) bezeichnete Fläche des 
Kupferkieses, nach der dieser etwas tafelig und mit der Zink- 
blende verwachsen ist, mit dör als (111) zu bezeichnenden 

* Sadebeck, Zeitschr. d. deutsch. * geol. Ges. 24. 449. 1872. 
■ Frenzel, Min. Lex. v. Sachsen, p. 300. 1874. 

^ Becke, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 6. 506. 1883. 

* Jimbo, Joum. Sc. Coli. Imp* Univ. Tokyos 11. 220, 1899. 

23* 



Digitized by 



Google 



356 0. Mttg^, IMe regelmässig^en Verwachsungen 

der Zinkblende nicht genau znsammenza&Uen. Auf Zinkblende 
Yon Laasphe (beide Tetraeder fast gleich gi^oss, spinellartige 
Zwillinge oder mit breiten Zwillingslamellen) erscheint der 
Kupferkies auf allen Flächen ziemlich gleichmässig als dünne 
Haut, ohne eigene Formen erkennen zu lassen^. 

Die prächtigsten Verwachsungen dieser Art scheinen aber 
zu Joplin in Missouri vorzukommen. Die Zinkblende bildet 
hier bis zoUgrosse, aber stark zugerundete, nicht messbare 
KrystaUe, wesentlich {110} . {113} . {001}, an welchen nur hier 
und da sehr kleine, ziemlich ebene Tetraäderflächen vorkommen 
und welche reichlich von Zwillingslamellen durchsetzt und 
auch hypoparallel ineinander gewachsen sind. Die KrystaUe 
sind über und über, jeder wohl von mehr als 100 kleinen, 
getrennt von einander aufgewachsenen, aber parallel orien- 
tirten, 1 — 3 mm grossen Kupferkieskryställchen so bedeckt, 
dass die Zinkblende auch dadurch der krystallographischen 
Deutung fast entzogen ist. Die Kupferkiese zeigen die Form 
{111} (wohl positiv), {021} und meist auch {100}; {111} fehlt. 
Sie sind ebenfalls zu Messungen nicht geeignet, zumal fast 
alle Zwillinge und Drillinge nach {101} sind; durch Messungen 
war nur festzustellen, dass, wie auch der Augenschein zeigt, 
eine Sphenoidfläche einer Tetraäderfläche annähernd parallel 
liegt, ihre Umrisslinien dagegen 180^ gegeneinander gedreht 
sind (entsprechend der Begrenzung der Tetraederfiäche durch 
.die Kanten zu {110}). Die ümrisslinien der Sphenoide er- 
scheinen stellenweise noch in einer zweiten, gegen die erste 
180^ gedrehten Stellung, und an solchen Stellen schänt das- 
selbe mit den Tetraäderflächen der Fall zu sein, was also auf 
Zwillingsbildung auch nach {111} des Kupferkieses hinweist. 

Die Kupferkiese sind im Übrigen so angeordnet, dass 
sie in 4 abwechselnd gelegenen Oktanten ihre breiten (posi- 
tiven) Flächen {111} nach aussen kehren (das sind zugleich 
jene, welche zu den Zwillingsflächen {101} annähernd senk- 
recht liegen); ob diese den positiven der Zinkblende ent- 
sprechen, ist nicht festzustellen. An einer zweiten Stufe vom 
selben Fundort, wo die Zinkblende deutlichere, hexagonal 
hemimorph erscheinende KrystaUe bildet, sind die Flächen 



Bereits erwähnt von Groth, Min. Samml. Strassburg. p. 25. 1878. 

Digitized by VjOOQ IC 



von Mineralen verschiedener Art. 



357 



der positiven SpheHoide der matten, ebenen Tetraöderfläche 
zugekehrt, die Spitzen dem darch grosse krumme Flächen {113} 
charakterisirten, also vermuthlich positiven Oktanten. 

Nach Allem scheint es, dass diese Verwachsung sehr 
häufig ist\ 

17. Fahlerz mit Kupferkies. 

Die Überzüge von Kupferkies auf Fahlerz sind schon 
sehr früh bemerkt. Wakkernagel^ rechnet sie bereits zu 
den regelmässigen Verwachsungen, und Volger* und Haus- 
mann* gedenken noch älterer Angaben. Über die gegenseitige 
Stellung berichtet Breithaupt ^, dass die tetragonalen Axen 
beider parallel liegen. Eine genauere Untersuchung hat dann 




Fig. 17. 



Fig. 18. 



Sadebeck® angestellt und die BREiTHAUPT'sche Angabe dahin 
ergänzt, dass die positiven Oktanten des einen mit den nega- 
tiven des anderen zur Deckung gelangen, also {111} des Fahl- 
erzes annähernd mit {111} des Kupferkieses'^. Die Ausbildung 



* Becke (Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 6. 519. 1883) erwähnt, 
dass bei Schlaggenwald auch Blende vorkommt, welche von Kupferkies- 
Stengeln anscheinend regelmässig durchwachsen wird, indessen gelang 
es nicht, das Verwachsungsgesete xu erkennen. 

' Wakkernagel, Kastnbr's Arch. f. d. ges. Naturlehre. 5. 313. 1825. 
» 0. VoLGER, PoGG. Ann. 74. 25. 1848. 

* Hausmann, Abh. Götting. Ges. d. Wiss. 6. 1856. 

* Breithaupt, Berg- u. Hüttenm. Zeitung. 20. 153. 1861. 
« Sabebeck, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 24. 427. 1872. 

' Die später von Sadebeck in Wiedem. Ann. 5. 178. 1880 beschriebenen 
Verwachsungen von Kapnik sind nicht, wie er meint, hinsichtlich der 
Stellung der ^-Oktanten „im Gegensatz" zu den früher beschriebenen, 



Digitized by 



Google 



35g 



0. MüggB) Die regelmägsigen Verwachsungen 



der Verwachsung ist eine recht wechselnde. Die beiderlei 
Erystalle sind zuweilen aneinander gewachsen (Meisenberg 
bei Harzgerode) (Fig. 17, 18), die Verwachsungsebene dabei 

eine Tetraöderfläche ; bei Baigorrj^ 
in Navarra (Fig. 19, 20) kommt eine 
mehrfache Wiederholung dieser Ver- 
wachsung vor, so dass auch Fahlerz 




Fig. 20. 

wieder auf Kupferkies aufgewachsen ist^ Am häufigsten 
bildet der Kupferkies auf Fahlerz einen mehr oder minder 
zusammenhängenden Überzug, dann kann der Kupferkies in 
dreifacher Orientirung auf demselben Fahlerzkrystall erscheinen, 
je nachdem , auf welcher Würfelfläche seine Hauptaxe senk- 



sondern stimmen mit ihnen überein, wie schon Bkcke (Tschermak^s Min. 
u. petr. Mitth. 6. 337. Anm. 2. 1883) feststellte. 

^ Kupferkies und Fahlerz sind dabei öfter spinellähnlich verzwillingt, 
ohne dass die Zwillingsebene in beiden parallel liegt (Fig. 20). Nach 
dieser Figur erscheinen Kupferkies und Fahlerz z. Th. direct zwillings- 
artig nach {111} verbunden, fallen also nicht unter obiges Verwachsungs- 
gesetz. Man wird letzterem also vielleicht folgende Fassung geben müssen : 
„parallel und gleich gerichtet je eine Fläche von {111} und {111} und eine 
Kante derselben". Diese Definition umfasst die (annähernde) Parallel- 
stellung wie auch Zwillingsstellung nach (111). 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



359 



recht steht ^ Auf der Grube Zilla bei Clausthal, deren 
Krystalle Sadebegk hauptsächlich studirt hat,, waren an dem 
Kupferkiesüberzug namentlich {201} entwickelt, ausserdem 
{111}. {111}, {001}. {101} (Fig. 21). An mir vorUegenden 
Überzügen der Art von Dillenburg zeigen die Kupferkiese, 
nach dem Schimmer zu urtheilen und dasselbe Verwachsungs- 
gesetz vorausgesetzt, wesentlich {111}, an solchen von Claus- 
thal {111}. 





Fig. 21. 

Derartige Überzüge sind ausserordentlich verbreitet, wie 
folgende in der Literatur angegebene oder mir sonst be- 
kannt gewordene Fundorte zeigen : Grube Zilla und Eosenhof 
bei Clausthal, Meiseberg bei Harzgerode, Neudorf a. Harz 
(fast nur auf alten Bruchflächen der Krystalle), Laasphe in 
Westfalen, Grube Aurora bei Dillenburg, Kahl im Spessart, 
Grube Junge Hohe Birke, Segen Gottes, Churprinz und Herzog 
August bei Freiberg, Schönborn bei Mittweida, Gaablaii bei 

^ Nach der Fig. 21 (nach Sadebeck) erspheint der Kupferkies auf jeder 
Würfelfläche in nur einer Orientirung, nämlich so, dass die Basis der 
aufgewachsenen Kupferkiese mit der überwachsenen Würfelfläche parallel 
liegt; bei den Kupferkiesen auf einer TetraSderfläche ist ihre Hauptaxe 
nach p. 440 meist jener Würfel normalen parallel, welche durch die nächst- 
gelegene Tetraederkante geht ; damit ist dann die Angabe (p. 447)» wonach 
die Lage der Kupferkiese durch die Fläche auf welcher sie aufsitzen nicht 
modificirt wird, nicht ganz im Einklang. 



Digitized by 



Google 



360 0. Mügge, Die regelmässigen Verwaclisungen 

Landeshut, Dittmannsdorf bei Waidenburg und Altenberg bei 
Schönau i. Schi., Kotterbach, Ungani (auf alten Bruchfl&chen 
des Quecksilberfahlerzes), Nagyag, Liskeard und St. Just in 
Cornwall, Central City in Colorado. 

Dass Fahlerz auf Kupferkies aufgewachsen ist oder das- 
selbe überzieht, kommt seltener vor, und ist nach Sadebbck 
zuerst von Zincken und Rammelsberg * beobachtet. Dabei sind 
die Fahlerze entweder den Ecken eines Fünflings von Kupfer- 
kies nach {101} gewissermaassen eingedrückt, wie am Meise- 
berg bei Harzgerode (Fig. 22) , und es ragen dann auch aus 
den Flächen des Kupferkieses derartige Fahlerze heraus, oder 




Flg. 22. 

die Fahlerze umgeben den Kupferkies ganz (Scheranitz). Verf. 
beobachtete Fahlerz als dicken, individualisirten , nicht zu- 
sammenhängenden Überzug auf Kupferkies von Illova bei 
Nagy-Banya*; der Kupferkies hat die Form {101} mit kleinem 
{001} und gerundetem {203}, klein auch {111} und {111} ; 
manche Krystalle sind aber auch tafelig (und zugleich ver- 
zwillingt) nach {111}. Das Fahlerz erscheint namentlich auf {001}, 
hier selbst tafelig nach {001}, sonst ist {112} vorherrschend 
entwickelt, untergeordnet {111}. Seine positiven Oktanten 
liegen aucli hier über den negativen des Kupferkieses, ob aber 



* Zincken und Rammelsberg, Poog. Ann. 77. 250. 1849. 

* Ein solches Kupferkies vorkommen ist in Zepharovich's Lexikon 
nicht angegeben. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 361 

die krystallographischen Axen beider genau zasammenfallen 
oder je 1 Fläche {111} und {111} genau parallel liegen, war 
trotz guter Reflexe nicht zu entscheiden ; nicht ausgeschlossen 
scheint mir, dass Ersteres für die auf {001) aufgewachsenen 
Fahlerze gilt, während die auf anderen Flächen aufgewachsenen 
in ihrer Stellung durch diese beeinflusst werden. 

Hinsichtlich der Genese schloss 0. Volger (1. c.) aus der 
unscharfen Oberfläche des Fahlerzes unter dem Kupferkies- 
überzug und dem Vorkommen bröckeliger, mulmiger Massen 
unter demselben, dass hier der Anfang einer Pseudomorpho- 
sirung vorliege, nach Zingken und Rammelsbeeg sollten dagegen 
beide Minerale aus derselben Lösung gebildet sein. Sie be- 
obachteten, dass beiderlei Minerale sich gegenseitig unregel- 
mässig durchdringen, wie namentlich auf polirten Schnittflächen 
gut zu sehen. Sadebeck fand Ähnliches, z. B. einen Kern 
von Kupferkies im Fahlerz von Musen, der nach der Orien- 
tirung seiner Zwillingsstreifen sich in Parallelstellung zum 
Fahlerz befand; ferner bemerkten Zingken und Rammelsberg, 
dass sich auf alten, durch Weiterwachsen aber schimmernd 
gewordenen Bruchflächen der Fahlerze Kupferkies angesiedelt 
hatte, und zwar nur auf diesen, nicht auf den begleitenden 
Krystallen von Quarz etc. B. Osann (dies. Jahrb. 1853. p. 180) 
machte namentlich geltend, dass man Kupferkiesüberzüge auch 
auf Blende und Bleiglanz trifi't, und zwar auch auf solchen 
Gängen, welche kein Fahlerz führen. Ähnliches betonte auch 
Hausmann. Nach Vorstehendem hält Verf. es für wahrschein- 
lich, dass Überzüge von Kupferkies schwerlich aus dem 
Fahlerz selbst stammen, es mag die starke Zersetzung des 
Fahlerzes gerade unter solchen Überzügen durch elektrolytische 
Processe zwischen Kupferkies und Fahlerz begünstigt sein. 

Anhang- 

1. SilberglanZ'Kupferkies. Haidinqer (Handb. 1845 p. 281^ 
erwähnt gelegeutlich der Überzüge von Kupferkies auf Fahlerz, dass auch 
Silberglanz zuweilen derart von Kupferkies überzogen ist, dass die Flächen 
des letzteren gleichzeitig schimmern. 

2. Scbeelit-FIussspath. Breithaüpt (Berg- u. Hütteum. Ztg. 
20. Iö3. 1861 "1 giebt an, dass Haidikgee Scheelit so in Flussspath 
eingeschlossen gefunden habe, ,.wie es die Ableitung der pyramidalen Primär- 
form dieses Minerals aus dem Oktaeder (der Primärform jenes Minerals) 



Digitized by 



Google 



362 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsangen 



erheischt ''. Derartiges kommt nach Breithaüpt anch bei EhrenMeders- 
dorf vor. Haidinoer erwähnt diese Verwachsung in seinem Handbuch 
(1845) nicht, ebensowenig Frenzel in 'dem Min. Lexikon von Sachsen. 

18. Bleiglanz mit Ghlorblei. 

Diese Verwachsung entsteht nach Beckk ' bei der Ätzung 
von Bleiglanz in Salzsäure, besonders schön, wenn man frische 
Spaltungsflächen von Bleiglanz in eine stark saure, heiss ge- 
sättigte Lösung von Chlorblei bringt und dabei die Würfel- 
fläche, welche über wachsen werden soll, vertical stellt, um 
das Niederfallen von Chlorbleinädelchen auf sie zu verhindern. 

Die Krystalle des Chlorbleis sind gestreckt nach der 
Brachyaxe, es herrschen {011} . {012}. {001}, an den Enden 
namentlich {111}. Es ist 

011 des Chlorbleis // 001 des Bleiglanzes, 

ä „ „ // der Kante (001 : 111) des Bleiglanzes. 

Für jede Wtirfelfläche giebt es zwei Kanten zum OktaMer ; 
da ausserdem auf (011) des Chlorbleis keine Symmetrieaxe 
senkrecht steht, kann das Chlorblei der Parallelität zu jeder 
Oktaederkante in zwei in Bezug auf (011) symmetrischen 
Stellungen genügen ; es erscheint daher auf jeder Würfelfläche 

in 4 Orientirungen. Bemerkens- 
werth ist, dass von den im 
Ganzen also 12 möglichen 
Orientirungen des Chlorbleis 
zum Bleiglanz, auf jeder Würfel- 
fläche nicht alle, sondern immer 
nur die obigen 4 erscheinen. 

Die Verwachsung ist dadurch 
auffallend, dass die Symmetrie- 
verhältnisse der Fläche (011) 
des Chlorbleis in keiner Weise 
mit denen der Würfelfläche 
harmoniren , ebensowenig die 
Winkelverhältnisse seiner Zone (001 :0kl) mit denen der 
regulären Zone (001 : 111), um so auffallender ist dies des- 
halb, als das Chlorblei in der Zone (001 : 100) grosse An- 
näherung an reguläre Verhältnisse zeigt. In Fig. 23 ist: 

* Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 6. 240 u. 270. 1885. 




Fig. «8. 



Digitized by 



Google 



TOD Mineralen verschiedener Art. 363 

V = {011} (parallel zur Würfelfläche), w = {021), s = {094}, 
u = {041}, p = {111}, P = {011} (geneigt zur Würfelfläche). 
Die Erystalle a und b sind auf die eben beschriebene Weise 
erhalten, c durch ganz kurze Einwirkung concentrirter kalter 
Balzsäure, d sind tafelförmig und skeletartig ausgebildete 
Krystalle. 

19. Bleiglanz-Boarnonit. 

a) In der Herodsfoot Mine, Liskeard, Cornwall, erscheint 
nach MiERs^ Bleiglanz zusammen mit Kupferkies in Pseudo- 
morphosen nach rädelerzartigem Bournonit. Der Bleiglanz 
bildet eine Kruste um die Prismenflächen des Bournonit, dabei 
ist eine Oktaederkante stets parallel zur Prismenkante, gleich- 
zeitig anscheinend eine Würfelfläche parallel {010}, eine 
ßhombendodekaederfläche // {100}. 

b) HiNTZE* beschreibt eine andere Verwachsung beider 
Minerale von PHbram, bei welcher umgekehrt Rädelerz auf 
Bleiglanz sitzt. Es ist hier im Allgemeinen auf der Würfel- 
fläche so orientirt, dass seine Äxe c parallel (und senkrecht) 
zu den Oktaederkanten liegt. Für die an den Kanten (001 : 111) 
des Bleiglanz aufgewachsenen Kryställchen dagegen liegt ihre 
Axe c zwar auch parallel zur Würfelfläche , aber unter 45^ 
gegenüber den vorigen gedreht, also parallel den Würfelkanten. 
Die Änderung der Verwachsungsart in der Nähe der Kanten 
würde darnach ein interessantes Beispiel vom Einfluss der 
Contactfläche auf die Orientirung sein, indessen ist die Ver- 
wachsung in beiden Fällen nur unvollständig bestimmt und 
bedarf also erst noch näherer Untersuchung. 

20. Pyrit mit Markasit (und Arsenkies). 

Bereits Wakkernagel • vermuthete, dass die Verwachsung 
des sogen. „Strahlkieses" mit dem „Speerkies" ihre bestimmte 
Regel habe. Sadebeck* hat dann die folgenden zwei Gesetze 
der Verwachsung aufgestellt. 

' MiEBs, Min. Mag. 11. 268. 1897. 

■ HiNTZE, Zeitschr. f. Kryst. 11. 606. 1886. 

' Wakkernagel, Kastner's Archiv f. d. ges. Naturl. 6. 314. 1825. 

* Sadebeck, Pogg. Ann. Ergänzungsbd. 8. 650. 1878. Vergl. daselbst 
auch die Angaben über die älteren Beobachtungen von Haidinger und 
Brkithaupt. 



Digitized by 



Google 




364 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

(^ ^- — a) Eine Würfelfläche des Pyrits parallel der Basis des 
Markasits; eine zweite Würfelfläche parallel {110) des Mar- 
kasits. Wegen der pentagonalen Hemiedrie kann demnach 
der Pyrit auf 4 verschiedene Weisen mit dem Markasit ver- 
bunden sein, indessen kommt er gewöhnlich auf demselben 
Kry stall in nur 2 Stellungen vor, nämlich jenen beiden, bei 
welchen die zweiten Würfelflächen einer und derselben Fläche 
des Prismas {110} parallel liegen, es ist das gewöhnlich jene 
Prismenfläche, nach welcher der Markasit 
verzwillingt ist (Fig. 24, Vierling nach 
(110) mit lamellarer Wiederholung der 
Individuen 3 und 4). Diese beiden Stel- 
lungen des Pyrits (welche der sogen. 
„Eisernen Kreuz" -Zwillingsbildung ent- 
Fig. «4. sprechen) kommen, wie mir Krystalle aus 

dem Pläner von Lengerich bei Münster 
i. Westf. zeigten, an denen das Pentagondodekaeder deutlich 
entwickelt war, promiscue vor^ Daneben finden sich, wie 
Sadebeck angiebt, vielfach auch nur hypoparallele Verwach- 
sungen. Die Pyrite bedecken vornehmlich die Basis und sind 
auf dieser öfters längs der Trace der Zwillingsebene des 
Markasits aneinander gereiht. Daneben finden sich auch Über- 
rindungen ganz ähnlich wie bei Fahlerz und Kupferkies. Hier- 
her gehören anscheinend auch die von Kenngott ^beschriebenen 
Bildungen von Tavistock, bei welchen Speerkies auf Pyrit der 
Form {120} aufgewachsen und wieder von Pyrit überwachsen ist. 
Seltener ist nur Markasit auf Pyrit aufgewachsen ; dann ist 
der Markasit stets verzwillingt nach {110); solche Zwillings- 
gruppen können unter Berücksichtigung der pentagonalen 
Hemiedrie auf jeder Würfelfläche in 4 Stellungen, auf jedem 
Würfel also in 12 (darunter aber nur 6 verschiedene) Stellungen 
vorkommen. Sadebeck beschrieb eine Verwachsung dieser Art, 
bei welcher auf einer Würfelfläche die Markasitzwillinge in 
zweierlei^ Orientirung erscheinen, nämlich die Zwillingsebene 

^ Es handelt sich also eigeotlich um zwei verschiedene, wenn auch 
sehr analoge Gesetze. 

« Kenngott, Sitz.-Ber. Wien. Akad. 10. 293. 1853. 

^ Die Stellung des dritten Markasitzwillings in Sadebeck's Fig. 6 
Taf. X ist nicht verständlich ; nach dem Text (p. 653) sollte seine Zwillings- 
ebene paraUel der vorderen Würfelfläche sein, das ist aber nicht der Fall. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen versehiedener Art. 



365 



parallel und senkrecht zar pentagonalen Streifung. Eine aus- 
gezeichnet regelmässige Verwachsung derai-t von Bredelar bei 
Brilon hat Trechmann* naturgetreu 
abgebildet (Fig. 25). Die Markasite 
haben die Form {011). {014}. {110} 
und sind gestreckt nach ä; auf den 
Flächen (100), (010) und (001) sind 
je ein Mai*kasitzwilling so auf- 
gewachsen, dass die Zwillingsebene 
der pent^onalen Streifung jeder 
Warfellläche parallel geht und der 
einspringende Winkel des Zwillings 
der Wtirfelfläche zugewandt ist; 

Sadebeck hebt hervor, dass auffallende Annäherungen in 
der Lage anderer Flächen bei beiden Mineralien durch diese 
Verwachsung nicht erzielt werden. 

b) Diese Verwachsung ist nach Eck (dies. Jahrb. 1876. 
p. 407, 408) bereits von Bbeithaüpt, Haidinger und Websky 
beschrieben. Nach Sadebeck liegt auch hier eine Würfelfläche 




Fig. 26. 



.<-^ 





Fig. 26, 



Fig. 27. 



parallel der Basis des Markasits, ausserdem aber eine Rhomben- 
dodekaederfläche parallel dem Brachypinakoid (Fig. 26 Vor- 
kommen von Tavistock, Fig. 27 Pyrit umwachsen von einem 
Durchkreuzungsdrilling von Littwitz in Böhmen, beide nach 
Sadebeck). Diese Verwachsung unterscheidet sich von der 
unter a) in den Winkelverhältnissen nur wenig, der Eisen- 



Trechmann, Mhi. Mag. 9. 205). 1892. 



Digitized by 



Google 




366 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

• 

kies erscheint aus der Lage bei a) nar um 7^ 32' um die 
Normale der gemeinschaftlichen Würfelfläche gedreht. 

Ob die Markasite in den von Jeremejew (dies Jahrb. 
1901. II. -174-) beschriebenen paramorphosirten Pyriten von 

Danilowo einem dieser Gesetze 
folgen, ist aus der angeführten 
Mittheilung nicht zu ersehen. 
Dasselbe gilt von den von Blum ^ 
beschriebenen Bildungen. 

Sadebeck* beobachtete da- 

pjg jg gegen, dass auch auf Arsen - 

kies von Freiberg der Form 

{014}. {110} mit krummen Flächen Pyritwürfel nach diesem 

Gesetze aufgewachsen waren (Fig. 28). 

21. Bleiglanz mit Arsenkies. 

Nach Groth* ist der Arsenkies von Freiberg zuweilen 
mit Bleiglanz regelmässig verwachsen. Ersterer hat sehr 
matte und rauhe Flächen {110}. {001}, der Bleiglanz zeigt 
{001}. {111}; letzterer sitzt so auf Arsenkies, dass eine 
Würfelfläche* parallel {001} und ihre Diagonalen parallel den 
Axen ä und b sind. Oft überzieht eine dicke Kruste von 
Bleiglanz auf diese Weise den grössten Theil der Arsenkies- 
krystalle. 

Anhang. 

1. In dem sogen. Harrisit von der Canton Mine. Georgia, liegt 
nach Dana (Syst. 1871. p. 53) ein Kupferglanz vor, welcher pseudomorph 
ist nach Bleiglanz, zuweilen auch noch solchen enthält, und dessen Spalt- 
barkeit zeigt. 

2. Silberglanz und Polybasit kommen nach Frenzrl (Min. 
Lex. Sachsen, p. 22. 1874) auf Himmelfahrt bei Freiberg so verwachsen 
vor, dass die Basis einer Oktaederfläche parallel liegt und „die Kanten 
der tafelförmigen Polybasitkry stalle über die Wttrfelflächen hervorragen*. 

3. Die Pseudomorphosen von Serpentin nach Periklas (?) von der 
Tilly Foster-Eisengrube bei Brewster, New York, scheinen nach den Unter- 
suchungen von G. Frikdel (Bull. soc. fran^. de min. 14. 120. 1891) den 
antigoritartigen Serpentin in regelmässiger Stellung zum Muttermineral 



* Blum, Pseudomorphosen. I. Nachtr. 149. 1847. 

2 WiEDEM. Ann. 5. 576. 1878. 

3 Min. Sammig. Univ. Strassburg. p. 39. 1878; 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 367 

2ti enthalten (Frieoel seihst hält allerdin^ die Formen für dem Serpentin 
seihst zukommende). Die Antigorithlättchen durchkreuzen sich unter den 
Winkeln der Würfel- und OktaSderflächen, die amorphe Suhstanz füllt die^ 
Lücken zwischen den Lamellen aus und wird seihst wieder von feineren 
Fasern in bestimmten Richtungen durchsetzt. Ähnliche Aggregationen von 
Serpentin bildet Lacroix (Min. de la Franc. I. 421. 422) von Moncaup ah, 
er fasst sie ebenfalls als primäre auf. 

22. Magnetit mit Hornblende. 

Beide sollen nach Tschermak* zuweilen so verwachsen, 
dass die Basis der Hornblende parallel einer OktÄßderfläche 
des Magnetits, zugleich die Orthoaxe parallel einer Oktaeder- 
kante ist. Solcher Orientirungen giebt es für den Magnetit 
zwei. Nach gefälliger Mittheilung von Herrn Tschermak 
stammte die Hornblende von Arendal. 

23. Magnetit mit Glimmer. 

Die dunkelgraubraunen Einschlüsse, welche in den Glim- 
mern öfter parallel den Druck- und Schlaglinien eingelagert 
vorkommen und drei- oder sechsseitige Umrisse zeigen, werden 
von Manchen, z. B. von Dana^ für Magnetit gehalten, die 
demnach wohl mit einer Oktaederfläche parallel der Spaltungs- 
fläche, mit einer Oktaederkante parallel einer Druck- oder 
Schlaglinie orientirt sein würden. Schon viel früher sind zu 
regelmässigen sechsseitigen Tafeln gruppirte ßhorabendodeka- 
eder von Magnetit vom Fassathal von Haidinger * als Pseudo- 
morphosen nach Glimmer aufgefasst, mit welchem sie in einem 
Stadium der Umwandlung so verwachsen waren, dass eine 
dreizählige Axe der Rhombendodekaeder senkrecht zur sechs- 
seitigen Tafelfläche lag, und je 3 Flächen der ersteren parallel 
den Kanten der Tafel. Das Verwachsungsgesetz wäre dem- 
nach dasselbe wie vorher. Der Beweis, dass das verschwun- 
dene Mineral in der That Glimmer war, ist allerdings nicht 
erbracht, es wird indessen noch wahrscheinlicher durch Be- 
obachtungen von Lacroix*. Der vielfach corrodirte Biotit 
des Sanidinits von Menet (Cantal) ist darnach mit Magnetit 



> TscHBRMAK, Lehrb. d. Min. 1885. p. 96. 

« Dana, Syst. p. 619. 1892. 

» Haimnqer, Sitz.-Ber. Wien. Akad. 1853, p. 88. 

* Lacrodc, Bull. 80C. frang. de min. 14. 314. 1891. 



Digitized by 



Google 



368 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

SO verwachsen, dass die Spaltfläche des ersteren parallel 
einer Oktaäderfläche, ausserdem der ümriss des Glimmers den 
Oktaöderkanten parallel liegt. Auch wenn man annimmt, dass 
der ümriss des Biotits durch {010} und {hll} bestimmt war 
und von der Abweichung von rhombischer Symmetrie absieht, 
bleiben ffir den Magnetit (wie auch oben) noch zwei Orien- 
tirungen möglich. Lacroix giebt nicht an, ob beide vorkommen. 

24. Magnetit mit Ghlorit. 

Breithaupt ^ berichtet anscheinend zuerst, dass der Chlorit 
mit den Magnetitoktaädem von Fahlun regelmässig verwachsen 
ist, indem die Chloritblättchen sich auf die Oktaederflächen 
so legen, dass die Oktaederkanten den Combinationskanten 
von Basis zu Rhomboeder parallel sind. (Breithaupt bildet 
die Verwachsung flir eine Oktaederfläche ab, bemerkt aber 
nicht, dass die Verwachsung, auch bei Annahme rhomboedrischer 
Synmietrie für den Chlorit, noch zweideutig ist.) Haidinger 
erinnert an diese Verwachsung gelegentlich seiner Mittheilung 
über die Pseudomorphosen von Magnetit nach Glimmer (vergl. 
No. 23). Frenzel ^ erwähnt eine Verwachsung zwischen Chlorit 
und Khombendodekaedem von Magnetit von Berggiesshubel 
derart, dass ebenfalls die Basis parallel den (hier nicht 
vorhandenen) Oktaederflächen liegt, ohne die weitere 
Orientirung anzugeben. 

25. Muscovit (und Biotit) mit Jodkaliam (and Bromkaliam und 

Chlorkalinm). 

Frakkenbeih^ liess die genannten Salze auf Spaltungs- 
flächen verschiedener Minerale krystallisiren und beobachtete 
eine regelmässige Stellung derselben auf Glimmer. Während 
auf Glas Würfel jener Salze entstanden, bildeten sich auf 
Glimmer nach einer Fläche tafelige Oktaeder*, und zwar lag 



* Breithaupt, Journ. f. Chem. ii. Phys. von Schweig ger-Seidel. 55. 
312. 1829, wiederholt in Berg- u. Hüttenm. Ztg. 20. 153. 1861. 

• Feenzel, Min. Lex. Sachs, p. 191. 1874. 

' Frankenheim, Pogg. Ann. 37. 521. 1836, auch Ber. d. Ver. deutsch. 
Naturforscher in Prag. 1837. p. 146 und z. Th. wiederholt in Pogg. Ann. 
111. 38. 1860. 

^ Solche erhielt auch Zeuiatschensky nach dem Bei ia Zeitschr. f. 
Kryst. 22. 77. 1894. Derselbe will regelmässige Verwachsung«! von Jod- 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 369 

die Tafelfläche parallel der Spaltungsfläche des Glimmers, 
ihre ümrisslinien untereinander parallel oder gegeneinander 
um 180^ gedreht, dabei eine Seite parallel der Auslöschungs- 
richtung des Glimmers. Mit Na Cl gelang der Versuch durch- 
aus nicht. 

Ich habe diese Versuche wiederholt, um die Art der 
Verwachsung genau festzustellend Es wurden nur mikro- 
skopische Präparate hergestellt; die Untersuchung ergab, dass 
Jodkalium auf Muscovit (unbekannten Fundortes) meist 




Fig. 29. 

wie auf Glas in Würfeln krystallisirt, deren Kanten regellos 
gelagert waren. Daneben entstanden aber auch, meist viel 
kleinere , Kryställchen , vielfach Wachsthumsformen , von tri- 
gonalem ümriss, welche fast ausnahmslos gegenüber dem 
•Glimmer orientirt waren. Stets ist eine Kante der gleich- 
seitigen Dreiecke senkrecht zur Ebene der optischen Axen 
des Glimmers, also parallel {010}, die Dreiecke dabei vielfach 
zwillingsartig nach der tafeligen Oktaederfläche verbunden, 



kalium würfeln aach auf Gyps beobachtet haben. Das war bai meinen 
Versuchen nicht der Fall. 

» 0. MüQGE, Centralbl. f. Min. etc. 1902. p. 354. 
N. Jahrbach f. Mineralogie etc. Beilageband XVi. 24 



Digitized by 



Google 



370 ^- ^^gg^i I^ie regelmässigen Verwachsungen 

indessen kommen beiderlei Stellungen auch unabhängig von 
einander an verschiedenen Stellen derselben Glimmerplatte vor. 
Die Verwachsungen sind ebenso zierlich wie leicht zu erhalten 
(Fig. 29, nach Photographie in etwa 12facher Vergrösserung). 

Bromkalium verhielt sich ebenso. Bei Chlorkalium 
entstanden Oktaeder viel seltener als bei den beiden vorigen, 
und die Lagerung, namentlich der etwas grösseren (mikro- 
skopischen) Kryställchen war nicht immer regelmässig, an 
manchen Stellen aber wurden ebenfalls sehr zierliche Ver- 
wachsungen derselben Orientirung wie vorher beobachtet. 
Versuche mit Chlor natrium dagegen waren ganz erfolglos; 
auch als der Lösung etwas Harnstoff hinzugefügt war, der 
bekanntlich die Bildung von Oktaedern begünstigt, zeigten 
die entstandenen, nach einer Fläche z. Th. tafeligen Oktaeder 
keine gesetzmässige Orientirung zum Glimmer. 

Auf Biotit von „Italien" (wahrscheinlich Vesuv, sehr 
dunkler Meroxen mit kleinem Axenwinkel) entstanden, wenn 
recht verdünnte Jodkaliumlösung auf ihm eintrocknete, neben 
Würfeln und unregelmässig gelagerten mikroskopisch grossen 
Oktaedern auch sehr feine oktaedrische Wachsthumsformen, 
deren Oktaederkanten wie vorher den Strahlen der Schlag- 
flgur in zwei Stellungen parallel laufen, wie namentlich im 
auffallenden Licht gut zu erkennen war. 

26. Kalkspath mit Quarz. 

Diese Verwachsung ist zuerst 1836 von Breithaüpt* 
beobachtet und etwas später^ auch abgebildet und wie folgt 
beschrieben: „Sehr merkwürdig ist die Verwachsung des 
Quarzes mit Kalkspath . . ., wodurch ersterer ein merkwür- 
diges Drillingsgesetz annimmt. Die Flächen +R des ersteren 
liegen parallel den Flächen — ^R des letzteren und die Axen- 
diagonalen dieser zwei so* ganz verschiedenen Rhomboeder sind 
ebenfalls parallel" (Fig. 30), Als Fundorte führt er an: Schnee- 
berg und Grube Sträusschen im Saalwalde bei Lobenstein ^ 

> Breithaüpt, Handb. I. 309. 1836. 

« Breithaupt, Das. III. 673. Fig. 344. 1847. 

^ Diese Mittheilungen von Breithaüpt scheinen fast vergessen gewesen 
zu sein, obwohl sie, wenn auch meist unvollständiger and untermengt mit 
Unrichtigem, mehrfach wiederholt sind. Vergl. darüber Eck, dies. Jahrb. 
1876. p. 405. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



371 




Fig. 80. 



EcK^ zeigte dann, ohne die BREiTHACPT'sche Angabe zu 
kennen, dass die von G. Rose^ als Zwillinge nach {1011} 
beschriebenen Quarze von Reichenstein in Schlesien auf Kalk- 
spath der Form {0112} so aufgewachsen sind, dass je eine 
Fläche von {1011} des Quarzes je einer Fläche von {0112} 
des Ealkspaths und je eine Nebenaxe beider parallel liegen. 
Da die Quarze nach diesem mit dem 
von Breithaüpt angegebenen identi- 
schen Gesetze auf jeder Fläche des 
Kalkspaths in zwei, in Bezug auf 
die Normale von {1011} des Quarzes 
hemitropen Stellungen vorkommen, 
erscheinen sie wie Zwillinge nach 
{1011), zumal sie in dem Vorkommen 
von Reichenstein den Kalkspath völlig 
bedecken (indessen sind Verf. auch Gruppen von Reichenstein 
bekannt geworden, auf welchen viele kleine Quarze dicht 
gedrängt den Kalkspath in ähnlicher Weise überkleiden, wie 
es Breithaupt abbildet ; Münster'sche Sammlung). Nach einer 
späteren Mittheilung von Eck (dies. Jahrb. 1876. p. 408) ist 
an den Quarzen von Reichenstein zu beobachten, dass auch 
solche Quarze, welche nicht auf {0112}, sondern auf {1010} 
aufgewachsen sind, dieselbe gesetzmässige Lagerung haben ^. 

Weitere Mittheilungen über dieses Vorkommen machte 
später noch R. B. Hare*. Damach sind derartige Über- 
wachsungen auf der Grube Reicher Trost durchaus nicht selten, 
und meist treten zu den drei inneren^ alle drei äusseren 
Quarzindividuen hinzu, letztere dann meist tafelig nach jener 
Prismenfläche, welche in der mit dem Kalkspath gemeinsamen 
Zone liegt. 



* Eck, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 18. 426. 1866. 

* G. Rose, Pogg. Ann. 83. 461. 1851. 

' Diese Beobachtnng rührt von Websky her; nach Habe (vergl. 
unter 4] handelt es sich um {0 . 16 . I6 . 1}. 

* R. B. Habe, Dissert. Breslau 1879, nach Ref. in Zeitschr. f. Kryst. 
4. 298. 1880. 

^ Als „ innere '^ Quarze sind jene drei bezeichnet, welche ihre Polecke 
der Polecke des Kalkspathes zuwenden; als , äussere '^ die dazu nach der 
mit dem Kalkspath gemeinsamen Fläche hemitropen. 

24* 



Digitized by 



Google 



372 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 



Verwachsungen im Habitus ähnlich denen von Reichen- 
stein machten Frenzel und G. vom Rath * auch von Schneeberg 
(Grube Wolfgang Maassen) bekannt und bildeten dieselben 
auch ab (Fig. 31, 32 ; in letzterer sitzt auf jeder Fläche von 
{0112} nur ein einziger Quarzkrystall, und zwar so, dass seine 
Polecke der des Kalkspaths zugewendet ist). 




Fig. 31. 



Fig. 32. 



Ausgezeichnete, anscheinend sehr regelmässige Bildungen 
derart beschrieb dann ferner E. S. Dana * aus dem Yellowstone 
Nat. Park (Specimen Mountain). Der Kalkspath hat auch 
hier die Form {0112} und der Quarz bildet eine zusammen- 
hängende, nahezu glatte und nur | mm dicke Perimorphose 
um denselben; die Quarze wenden. ihre Polecke der des Kalk- 
spaths zu (Fig. 33, R = {I0I1}, 
- R = {Olli}, i = {1010}). Dana 
zeigt zugleich, dass die Stellung 
der Quarze sich sehr jener nähert, 
welche durch eine Zwillingsbildung 
nach {1 121} hervorgebracht werden 
würde, und zwar würden dann 
zwei anliegende Krystalle nach 
dieser Zwillingsebene, zwei gegenüberliegende mit einer dazu 
normalen Ebene verwachsen sein. Dana neigt zu der Ansicht, 
dass diese Annäherung an einfache Zwillingslage theilweise 
die Ursache ftr diese merkwürdige Verwachsung sei. 

Endlich hat neuerdings G. Cäsaro' berichtet, dass bei 




Fig. 38. 



* Frenzel und G. vom Rate, Pogg. Ann. 166. 22. 1875. 

* E. S. Dana, Zeitschr. f. Kryst. 1. 40. 1877. 

* G. Cäsaro, Ref. Zeitschr. f. Kryst. 24. 618. 1895, dies. Jahrb. 
1895. IL -410-. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 373 

Chokier Kalkspathe der Form {1010} . {0112} vorkommen, bei 
denen auf jeder Fläche {0112} ein Quarzkrystall wie vorher 
aufgewachsen ist. Die Quarze sind tafelig nach der mit dem 
Kalkspath gemeinschaftlichen Rhombo^derfläche. Ob beide 
nach diesem Gesetz möglichen Orientirungen vorkommen, ist 
nicht angegeben. Die auf den Prismenflächen aufgewachsenen 
Quarze sind hier nicht gesetzmässig orientirt. 

Wie bereits Eck ganz richtig bemerkt, kann es nach dem 
Obigen keinem Zweifel unterliegen, „dass wir die Entstehung 
der verschiedenen Gruppirung der drei Quarzzwillinge ledig- 
lich der gesetzmässigen Verwachsung zwischen den Krystallen 
des j&ngeren Quarzes und des Ealkspaths zuzuschreiben 
haben;" es kann aber doch die Frage aufgeworfen werden, 
„ob wir den Grund für die Entstehung der zwillings- 
artigen Verwachsung je zweier Quarzindividuen 
ebenfalls lediglich in ihrer gesetzmässigen Auf- 
einanderlagerung zu suchen, oder ob wir anzunehmen 
haben, dass das zweite, auf derselben Fläche des ersteren 
stumpferen Ealkspathrhomboeders sich anlegende Quarzindi- 
viduum nicht durch den Kalkspath, sondern durch das bereits 
vorhandene Quarzindividuum veranlasst wird, die zwillings- 
artige Stellung zu diesem anzunehmen. In dem letzteren Falle, 
also bei Verwachsung nach einem dem Quarz eigenen Zwillings- 
gesetze, würden wir postuliren können, Quarzzwillinge mit ge- 
meinschaftlicher Hauptrhomboederfläche auch dort zu finden, 
wo von einer Prädestinirung der Lage des zweiten Individuums 
durch eine Ealkspathunterlage nicht die Rede sein kann. . ." 

Da die Symmetrie des Kalkspaths den Quarz auf {0112} 
in nur einer Orientirung verlangt, muss man, bis nachgewiesen 
wird, dass die Quarze auch, ohne miteinander in Contact zu 
sein, in hemitroper Stellung auf derselben Fläche {0112} vor- 
kommen, meines Erachtens annehmen, dass es sich um wirk- 
liche Zwillinge handelt, welche aber, weil sonst nicht bekannt, 
anscheinend nur unter Beihilfe des orientirenden Einflusses 
der Kalkspathoberfläche entstehen. 

27. Kalkspath mit Eisenglanz. 

An einer Pseudomorphose von Eisenglanz nach einem 
Kalkspathzwilling nach {0001} der Form {1011} von Alten- 



Digitized by 



Google 




374 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

berg i. S. beobachtete G. Rose ^ dass die 1—2 Linien grossen 
Rhomboeder von Eisenglanz in jedem Kalkspath in paralleler 
Stellung hinter- und übereinander lagen, und zugleich so, dass 
die Ebenen {1120} im Kalkspath und Eisenglanz parallel waren 

(Fig. 34, Durchschnitt des als ein- 
fach gedachten Kalkspathrhombo- 
eders parallel {1120}). Nach dieser 
Figur sind zugleich die positiven 
Rhomboöder beider Minerale nach 
derselben Seite der Axe c geneigt. 
Die ganze Pseudomorphose ist 
Fig. 34. li Zoll gross. (Da von Kalkspath 

nichts mehr vorhanden war, scheint 
es nicht ausgeschlossen, dass ursprünglich eines der anderen 
rhomboödrischen Carbonate vorlag, zumal bei ihnen Zwillinge 
dieser Form häufiger als bei Kalkspath zu sein pflegen.) 

28. Kalkspath mit Dolomit. 

Parallelverwachsungen dieser Art werden öfter angegeben 
und sind vermuthlich sehr verbreitet. Haidinger* erwähnt 
Überzüge von Dolomit auf Kalkspath von Joachimsthal und 
Hodritsch, ebenso von Magurka Braunspath mit kleinen Kalk- 
spathen besetzt. Kenngott'* beobachtete bei Niederärnen im 
Binnenthal anscheinend eisenreichen Dolomit {1011}, aussen 
besetzt mit grauen Kalkspathskalenoedern (2131), ferner am 
Lauibach Dolomit mit weissen Kalkspathen der Form {0112) 
besetzt. Nach Sadebeck * findet sich bei Schemnitz Kalkspath 
von Braunspath bedeckt. Traube ^ schloss aus den Ätzfiguren 
auf Spaltflächen, dass unter den Carbonaten auf der Chromit- 
lagerstätte Tampadel im Zobtengebirge Verwachsungen von 
Dolomit und Calcit vorkommen. K. Franke^ fand solche 
Parallelverwachsungen in den Pseudomorphosen von Dolomit 
nach Kalkspath von Rodna und ich selbst beobachtete Um- 



' G. Rose, Pogg. Ann. 91. 152. 1864. 

* Haidinoer, Handb. p. 278. 1845. 

' Kenngott, Minerale d. Schweiz, p. 302. 1866. 

* Sadebeck, Angew. Krj^st. p. 244. 1876. 

^ Traube, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 46. 56. 1894. 
6 Franke, Zeitschr. f. Kryst. 30. 664. 1899. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 375 

wachsungen von Kalkspath der Form {0112} . {0881} (ca.) durch 
Dolomit von Raibl bei Bleiberg. 

Welche Richtungen und Flächen bei diesen Parallel- 
verwachsungen genau parallel liegen und in wie viel Orien- 
tirungen die bekanntlich nicht gleich symmetrischen Com- 
ponenten vorkommen, ist bisher nicht festgestellt. 

29. Kalkspath mit Natronsalpeter. 

Hinsichtlich dieser schon sehr lange bekannten Ver- 
wachsung ^ stimmen gleichwohl die Angaben über die genaue 
Orientirung nicht tiberein. Frankenheim ^ giebt eine ganze 
Eeihe verschiedener Stellungen an, bei welchen die Natron- 
salpeterkrystalle z. Th. zwillingsartig in Bezug auf die mit 
dem Kalkspath gemeinsame Spaltfläche orientirt sind, indessen 
scheint er genaue Messungen nicht angestellt zu haben. Nach 
SfiNAjRMONT ^ und Kopp* soll die Verwachsung mit parallelen 
Axen stattfinden. Nach meinen eigenen Beobachtungen (dies. 
Jahrb. 1897. II. p. 74) an Spaltungsstücken von Kalkspath liegt 
je eine Spaltfläche beider Krystalle genau parallel, während 
die weitere Orientirung nicht mit Sicherheit festzustellen war ; 
anscheinend ist aber ausserdem eine Polkante gemeinsam, 
zugleich so, dass die Polecken einander zugewandt sind. Da 
nach SfiNARMONT ^ die Überwachsungen sich auch auf Flächen 
{0112}, {0221}, {1010} und (2131} des Kalkspaths bilden, scheint 
es wünschenswerth, die Überwachsungsversuche auf gut aus- 
gebildeten Kry st allflächen von Kalkspath zu wiederholen, 
um festzustellen, ob die Orientirung hier dieselbe bleibt. 

30. Dolomit mit Natronsalpeter. 

Nach einer Angabe von G. Rose^ hat Mitscherlich mit 
bestem Erfolge Dolomit von Traversella von Natronsalpeter 
tiberwachsen lassen. Tschermak^ bemerkt indessen, dass sich 



* Vergl. zahlreiche Literaturangaben bei Akzruni, Phys. Chem. d. 
Kryst. p. 214. 1893. 

* Frankenheim, Pogg. Ann. 37. 519. 1836. 
^ Senarmont, Compt. rend. 38. 105. 1854. 

* Kopp, Ber. d. deutsch, chem. Ges. 12. 917. 1879. 

* G. Rose, Ber. d. deutsch, chem. Ges. 1871. 104. 
« TscHERMAK, Min. u. petr. Mitth. 4. 118. 1881. 



Digitized by 



Google 



376 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

Dolomit viel seltener mit Krystallen von NaNOj bedeckt als 
Kalkspath , obwohl sein Polkantenwinkel (106^ 12') dem des 
Natronsalpeters (106^33') viel näher liegt als der des Ealk- 
spaths (105^ 5^. Bei Magnesit und Eisenspath gelang Tschbricak 
die Überwachsung überhaupt nicht. 

Anhanff. 
Die Umwandlung des Nepbelins in Cancrinit geht nach Lacboix 
(Min. de la France. I. 498. 1893/5) im Allgemeinen so vor sich, dass der 
gebildete Cancrinit innerhalb desselben Nephelinkrystalls einheitlich ist, 
und zwar sind häufig beide parallel orientirt (Vorkommen von Ponzac). 

31. Eisenglanz (und Titaneisen) mit Rutil. 

Diese Verwachsung ist bereits von Breithaüpt * im Wesent- 
lichen richtig erkannt. Damach dnrchkrenzen sich die Haupt- 
axen der Eutile unter 60^ ihr (100) ist parallel {0001}, ihr 
{101} parallel {1011}. Von den beiden letzten Bedingungen 
wird natürlich nur eine streng erfüllt; nehmen wir an die 
erste, so ist {1011} : {101} = 0*^24'. Haidinger* gab eine 
ziemlich schematische Abbildung und bemerkt später', „man 
könnte wagen die Hypothese aufzustellen, dass zuerst ein 
Krystall von Ilmenit gebildet wurde, welcher später unter 
veränderten Verhältnissen in seine Bestandtheile zerfiel; das 
Eisenoxyd zog sich fester in das Innere zusammen, das Titan- 
oxyd vereinigte sich als Rutil an der Oberfläche der Krystalle.** 
Nähere Messungen an dem Vorkommen vom Cavradi sind dann 
von G. VOM Rath * vorgenommen. Er bestätigt das Breithaupt'- 
sche Verwachsungsgesetz; die Rutile zeigen vorherrschend 
zwei Brächen ooP3 {130} entwickelt (Fig. 35 und 36, letztere 
nach Tschermak's Lehrbuch), und zwar diejenigen, welche 
der Fläche {0001} zunächst liegen; „die Rutile haben sich, 
fast möchte man sagen, durch die Anziehung des Eisenglanzes 
zu kleinen Lamellen ausgebreitet". Verwachsungen derselben 
Art, bei welchen aber der Eisenglanz stark zurücktritt, be- 
schrieb G. VOM Rath später*, dann auch vollständige Pseudo- 

» Breithaüpt, Handb. I. 309. 1836; IIL 794. 1847. 

« Haidinger, Handb. p. 281. 1845. 

» Haidinger, Sitz.-Ber. V^ien. Akad. 1863. p. 92. 

* G. VOM Rath, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 14. 413. 1862. 

* G. VOM Rath, Pogg. Ann. 162. 21. 1874. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



377 



morphosen von Rutil derselben Stellung nach Eisenglanz von 
der Alp Lercheltiny im BinnenthaP (Fig. 37), er machte 
zugleich darauf aufmerksam, dass bei dieser Verwachsung 
noch andere Flächen von Rutil und Eisenglanz nahe parallel 

werden, nämlich je zwei 
Flächen {2243} (Rand- 
kante 57^ 33') mit je zwei 
Flächen {111) (Polkante 
56^52^0 (Fig. 36, in der- 





Fig. 85. 



Fig. »6. 



selben ist h = {100}, M = {HO}, 1 = {120}, o = {111}, 
t = {101)). Nach Pelikan 2 sind die Rutile stets nur auf {0001} 
aufgewachsen, nicht auch auf anderen Flächen des Eisenglanzes®. 
Miki'oskopische Verwachsungen beider Minerale, welche 
anscheinend demselben Gesetze folgen, indessen Messungen 





Fig. 87. 



Fig. 38. 



nicht zuliessen, beschrieb Gylling (dies. Jahrb. 1882. 1. p. 163) 
aus dem Glimmerschiefer von Kunsamo und Paldamo im nörd- 
lichen Finnland und Cathrein^ aus Wildschönauer Schiefer 

» G. VOM Rate, Zeitschr. f. Kryst. 1. 13. 1897. 

* Pelikan, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 16. 52. 1896. 

* Die nach vom Rath copirte Fig. 38, in welcher die Ratile auch 
auf den Flächen (2248), z. Th. in 3 Orientirungen , erscheinen, ist eine 
„ideale" und bezieht sich auf die Pseudomorphosen. 

* Cathrein, Zeitschr. f. Kryst. 6. 248. 1882. 



Digitized by 



Google 



378 0- ^^gS^, I)ie regelmässigen Verwachsungen 

(mit Titaneisen). Ferner handelt es sich vermuthlich um solche 
regelmässige Verwachsungen in den von Renakd (dies. Jahrb. 
1885. IL -55- und 1889. I. -17-) unter anderen aus der 
Gegend von Laifour beschriebenen Ilmenit oder Eisenglanz 
führenden Phylliten. In sehr feinen Nadeln über die Kanten 
von Titaneisentäfelchen vorragend beobachtete Wichmann * den 
Rutil am Schwarzenkopf bei Fusch in Tirol. Vom Krufter 
Ofen am Laacher See beschrieb diese Verwachsung Busz* 
auf sogen, sublimirtem Eisenglanz. 

Ob auch Titaneisen in feinen Häutchen im Rutil regel- 
mässig eingelagert vorkommt, wie v. Lasaülx* anzunehmen 
geneigt ist, scheint zweifelhaft. 

Anhanff. 

1. Korund mit Rutil. Tschebhak (Min. n. petr. Mittb. 1. 363. 
1878) beobachtete u. d. M. in Korund von Ceylon Einschlüsse tetragonaler, 
nicht sehr kleiner Kryställchen , welche er ebenso wie feine braune zu 
hexagonalen Netzen angeordnete Nädelchen für Butii hielt. Die Längs- 
richtung der Kryställchen und Nädelchen lag parallel der Kante (0001 : 11^0), 
weitere Orientirung nicht bestimmt. — Ähnliche Nädelchen, welche den 
Asterismus mancher Korunde bedingen, fand Prinz (dies. Jahrb. 1883. 
IL -157-) in Rubin; v. Lasaulx (Zeitschr. f. Kryst. 10. 353. 359. 1885) 
hielt solche Einschlüsse, welche im Korund Ton Miask aber parallel der 
Kaute (1010:0001) gelagert waren, nicht für Rutil, sondern für In- 
ültrationen einer braunen Substanz in entsprechend gerichtete Interstitien. 

2. Katapleit mit Zirkon. Brögger (Zeitschr. f. Kryst. 16. 105. 
1890) beobachtete auf Laven, dass in den bereits von P. C. Weibye auf- 
gefundenen Über wach suugen des Katapleit durch Zirkon die letzteren 
anscheinend eine regelmässige Stellung einnahmen. Eine Fläche {111} des 
Zirkon ist ungefähr parallel der Fläche {0001} des Katapleit, eine Mittel- 
kante von {111} hauptsächlich parallel den drei Richtungen (1011:0001). 

32. Proustit mit Markasit. 

Breithaüpt * beobachtete einen Krystall von Proustit von 
Ungarn so mit Markasit verwachsen, dass die Prisraenkante 

' WiGHMANN, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 8. 339. 1887. Nach 
den dort gemachten Angaben ist indessen die Längsrichtung der Rutile 
nicht senkrecht zu den Kanten {0001:1011}, sondern parallel denselben; 
die Verwachsung wäre also von der sonst beschriebenen verschieden. 
In den von Gylling und Cathrein beschriebenen Vorkommen ist die 
Orientirung in (0001) nicht sicher, bezw. überhaupt nicht festgestellt. 

2 Büsz, Zeitschr. f. Kryst. 19. 25. 1891. 

3 V. Lasaulx, Zeitschr. f. Kryst. 8. 61. 1884. 
* Breithaipt, Paragenesis. p. 255. 1849. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



379 



des letzteren den Polkanten von {1011} und seine Makro- 
diagonale mit {0112} parallel war, die Prismen des Markasits 
demnach einen dreistrahligen Stern bildeten. Es ist zu be- 
merken, dass dabei die Prismenflächen des Markasits fast in 
ein Niveau fallen mit den Flächen des Grundrhomboeders 
des Proustits (1011 : Olli = 107<>48', 110 : 110 = 105^5'). 
V. Zepharovich (Min. Lexikon) erwähnt die Verwachsungen 
nicht. 

33. Kalkspath mit Ara^onit. 

a) In den grossen, zuerst von Fichtel beobachteten 
Pseudomorphosen von Kalkspath nach Aragonitdrillingen von 
der Emericus-Grube bei OflFenbanya fand G. Rose^ folgende 
Gruppirung beider Minerale. Die Aragonite sind Durch- 
kreuzungsdrillinge nach {110} mit 3 X 2 ausspringenden Win- 
keln von 116^16' und 2 einspringenden von 164^48'; die 
Kalkspathe haben die Form {2131} und sind so verzwillingt, 
dass „die Zwillingsgrenze eine 
Fläche ist, welche senkrecht zu 
der Endkante von 104^38' steht'^ ». 
Diese scharfe Polkante von {2131}, 
welche 2 — 3 Linien lang ist, liegt 
auf den drei Individuen des Ara- 
gonits parallel dessen Makroaxe, 
ausserdem die durch diese Kante 
gehende Symmetrieebene parallel 
dem Makropinakoid desselben. Es 
ist zu bemerken, dass solcher 

Stellungen auf jedem Aragonit zwei verschiedene möglich 
sind, je nachdem die Kalkspathe die gemeinsame Polkante 
von {2131} nach aussen kehren oder damit auf dem' Aragonit 
aufgewachsen sind; G. Rose zeichnet nur die erste Orientirung 
(Fig. 39); es wäre von Interesse, zu ermitteln, ob auch auf 
den Seitenflächen und der Unterfläche des Aragonits nur diese 
vorkommt. 




Fig. 89. 



* G. Rose, Pogg. Aun. 91. 149. 1854. 

' Die Zwillingsiiäche ist also {0221}, oder Zwillingsaxe die scharfe 
Polkante von [2131) , die Verwachsungsfläche dagegen wäre irrational, 
nahezu aber {l()T2j. 



Digitized by 



Google 



380 0. Mügge, Die regelmäasigen Verwachsungen 

b) Eine ganz andere Orientirnng von Ealkspath zum 
Aragonit, ebenfalls in Pseudomorphosen nach letzterem, be- 
obachtete G. voiii Rath* an einem Stück der KRANTz'schen 
Sammlung von Herrngrund. Die Pseudomorphose bildet im 
Rohen ein sechsseitiges Prisma mit gerader Endfläche von 
9 : 10 cm ; zwei gegenüberliegende Prismenflächen zeigen aber 
einspringende Kanten, woraus auf Zwillingsyerwachsung dreier 
Individuen geschlossen wird. Der Kalkspath der Form {1011} 
mit dem gewöhnlichen Skalenoöder dringt in einer mehrere 
Linien dicken Rinde in den Aragonit ein; auf den Prismen- 
flächen steht die Hauptaxe der Rhomboeder parallel der 
Verticalaxe, und zu beiden Seiten jeder Prismenkante des 
Aragonits spiegeln ihre Flächen gleichzeitig ein, sind also 
parallel gestellt, während dies nicht mehr der Fall ist betreffs 
der auf derselben Prismenfläche sitzenden Krystalle. Es 
erscheinen vielmehr die auf der linken Hälfte der Fläche 
sitzenden Rhomboeder gegen die auf der rechten Hälfte um 
60^ gedreht. Die Stellung der pseudomorphen Calcitkrystalle 
verräth also dadurch die Zwillingsgrenzen der ehemaligen 
Aragonitindividuen selbst auf jenen Flächen, auf denen keine 
einspringenden Kanten erscheinen. Die Basisfläche des Ara- 
gonitdrillings zeigt keine regelmässige Anordnung der Calcit- 
krystalle, sie erscheinen hier vielmehr mehr gestört als auf 
den Prismenflächen. 

Soweit G. VOM Rath's Beschreibung ; es geht daraus leider 
nicht hervor, wie die Nebenaxen des Kalkspaths zu den Kanten 
der Aragonitbasis gelegen sind, auch ist nicht verständlich, 
wie daraus, dass die Kalkspathe auf derselben (nur schein- 
bar einheitlichen) Prismenfläche in zwei um 60® gedrehten 
Stellungen vorkommen, auf Zwillingsbildung des Aragonits 
geschlossen werden kann, denn Zwillingsbildung nach {110} 
bewirkt eine Drehung um die Axe c um ca. 120^ nicht 60^ 
führt also die Kalkspathe nicht nahezu in Zwillingsstellung 
nach {0001}, sondern nahezu wieder in Deckung. Holoedrische 
Symmetrie des Aragonits vorausgesetzt, muss man vielmehr 
erwarten, auch bei einem einfachen Krystall auf jeder 
Fläche seiner Prismenzone Kalkspathe, deren dreizählige Axe 

» G. VOM Eath, Sitz.-Ber. Niederrhein. Ges. Bonn. 17. 82. 1860. 

Digitized by VjOOQ IC 



von Mineralen verschiedener Art. 381 

parallel seiner Axe c liegen, in mindestens* zwei, in Bezug 
auf (0001) zwillingsartigen Stellungen anzutreffen. Ist G. vom 
Eath's Beobachtung aber zutreffend, so muss man daraus auf 
Hemimorphie des Aragonits nach der Axe ä oder b schliessen *. 
An einem derart hemimorphen Aragonitkrystall würden die 
Kalkspathe bei hemitroper Zwillingsbildung nach der Nor- 
malen von {110} in zwei um 60^ (ca.) gegeneinander gedrehten 
Stellungen auf dieser erscheinen können'. 

Die beschriebene Orientirung des Kalkspaths zum Ara- 
gonit scheint in den Pseudomorphosen selten zu sein, sie ist 
seit 1860 nicht mehr erwähnt, obwohl solche Pseudomorphosen 
in Sammlungen häufig sind. Auch sonst wird von regelmässiger 
Stellung des Kalkspaths zum Aragonit nichts berichtet, nur 
Sandbbrger* fand, dass im Basalt von Hohe im Westerwald 
Pseudomorphosen umgekehrter Art, Aragonit nach Kalk- 
spath, vorkommen, in welchen die Aragonite spiessige 
Stückchen bilden, welche um die Hauptaxe des Kalkspaths 
regelmässig gruppirt und locker aufeinander gelagert sind; 
worin die Regelmässigkeit bestand, wird nicht angegeben. 

^. Magnetkies mit Markasit (und Arsenkies). 

Die erste Beobachtung von Verwachsungen dieser Art 
scheint von Breithaüpt herzurühren; er zählt* unter den 
Pseudomorphosen auch solche von Markasit nach Magnetkies 
auf, „zelliger Schwefelkies, Ehombites ferreus, in schönen 
Pseudomorphosen nach Magnetkies, zugleich regelmässig 



^ Wenn nämlich eine Symmetrieebene des Kalkspaths dabei mit (010) 
oder (100) des Aragonits zusammenfällt, sonst in vier. 

' Welche mir nach den bisherigen Untersachungen nicht erwiesen 
scheint. 

^ Eine erneate Untersuchung dieses Stückes wäre von um so 
grösserem Interesse, als bekanntlich der Kalkspath bei seiner Entstehung 
ans Aragonit bei etwas oberhalb 400*^ sich ebenfalls mit seiner dreizähligen 
Axe parallel c des Aragonits stellt, ohne dass man bisher die weitere 
Orientirung hätte beobachten können. Da die Kalkspathe an dem Stück 
von Herrn grund deutliche eigene Formen haben, ist hier natürlich nicht an 
blosse Paramorphosirung (Umlagerung im festen Zustande) zu denken. 

« Sandbergbr, Pogo. Ann. 129. 472. 1866. 

* Breithaupt, Paragenesis, p. 162 (No. 17 u. 19), p. 163 (Xo. 30 u. 34) 
und namentlich p. 164. 184ö. 



Digitized by 



Google 



382 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwacbsangen 



verwachsen: die prismatischen Flächen beider Systeme 
liegen parallel." Später hat Kenngott* dieselben Pseudo- 
morphosen beobachtet und bemerkt, dass die ringsam aus den 
Säulenflächen des Magnetkieses hervorragenden kleinen Kry- 
ställchen (hier Arsenkies) einen starken Schimmer hervor- 
bringen, wonach diese also anscheinend mindestens in Parallel- 
stellung waren. Endlich erwähnt Groth ^ von denselben 
Pseudomorphosen von Freiberg, dass die Säulenflächen des 
Magnetkieses sämmtlich von der basischen Endigung parallel 
gestellter Arsenkieskrystalle gebildet werden. Die genaue 
Formulirung des Verwachsungsgesetzes erfolgte dann gleich- 





Fig. 41. 




Flg. 42. 



Fig. 40. 

zeitig durch Lacroix® und Verf. (dies. 
Jahrb. 1897. 11. p. 67). Damach 
ist {001} des Markasits (Arsenkies) 
parallel {1010} des Magnetkieses, 
zugleich die Axe ä des ersteren parallel der Kante (1010 : 0001). 
Der Markasit erscheint also in drei verschiedenen Orien- 
tirungen auf demselben Magnetkieskrystall, und zwar gleich- 
zeitig in allen dreien auf der Fläche {(KK)!} desselben, auf 
jeder Säulenfläche nach Verf. fast nur in einer Orientirung, 
so nämlich, dass die Basis des Markasits dieser Säulenfläche 
parallel liegt, selten wie bei a in Fig. 40; Lacroix bemerkt 
darüber nichts, zeichnet aber nur die eine Orientirung (Fig. 41, 



* Kenngott, Sitz.-Ber. Wien. Akad. p. 467. 1854. 
« Groth, Min. Samml. d. Univ. Strassburg. p. 39, 40. 1878. 
' Lacroix, Compt. rend. 125. 265. 1897 und Bull. soc. fran^. de min. 
20. 223. 1897; auch Mineralogie de la France. 2. 569. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 383 

für eine Säulenfläche, m = Kante zu 0110; die kleinen 
Quadrate stellen Pyrit vor, vergl. No. 8). Die scharfen 
Kanten des Prismas des Markasits bedingen auf der Fläche 
{0001} eine senkrecht zu den Kanten (0001 : lOlO) ver- 
laufende hexagonale Streifung (Fig. 42). Bemerkenswerth er- 
scheint, dass die Krystalle des Markasits sich der Zwillings- 
lage nach {101} stark nähern, indem bei Drillingen darnach 
der Winkel der Axen c 58^52' und 62^16', in der besprochenen 
Verwachsung dagegen 60° betragen soll. 

Die Pseudomorphosen von Arsenkies nach Magnetkies 
stammen von der Grube Himmelsfurst bei Freiberg, die von 
Lacroix beschriebenen (Markasit nach Magnetkies) von der 
Grube Pontpean, lUe-et-Vilaine, Bretagne. Bei diesem letz- 
teren Vorkommen sind die Zwischenräume zwischen den 
Markasiten noch durch Eisenkies, und zwar ebenfalls in ge- 
setzmässiger Stellung, ausgefüllt (Fig. 41, vergl. No. 8). Die 
dadurch hervorgerufene gesetzmässige Stellung auch zwischen 
Markasit und Pyrit stimmt nicht übei'ein mit einer der beiden 
Stellungen, in welchen diese beiden Minerale miteinander sonst 
verwachsen (vergl. No. 20). 

85. Dolomit mit Nemaphyllit. 

Die von F. Focke * als Nemaphyllit bezeichnete natron- 
haltige und faserig-blätterige Varietät des Serpentin vom 
„Wildkreuzjoch im Zillerthal" u. a. 0. verwächst nach dem- 
selben regelmässig mit Dolomit. Längliche, streifenförmige 
Blättchen des Nemaphyllit sind mit ihrer Spaltfläche 

entweder // {1011} so gelagert, dass ihre Faserrichtung 
(welche der Trace der optischen Axen in der Spaltfläche ent- 
spricht) den Kanten des Rhomboeders parallel geht (Fig. 43 a 
und 43 b), 

oder //{1120}, dabei die Faserrichtung parallel der kurzen 
Diagonale des Rhomboeders (Fig. 43 c, Durchschnitt //{1120}). 

Der Nemaphyllit nimmt öfter so überhand, dass es scheint, 
als hätte er den Dolomit pseudomorphosirt ; nach Focke ist 
indessen die Verwachsung eine primäre. 

Anscheinend dieselben oder ähnliche Bildungen haben 

* F. Focke, Tschermak's Min. u. petrogr. Mitth. 21. 321. 1902. 



Digitized by 



Google 



384 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 



bereits Haidingee und Blum vorgelegen. Ersterer erwähnt^: 
„krystallinischen Dolomit von Grossari in Salzburg, welcher 
in drei verschiedenen Richtungen seinen Axenkanten parallel 
Asbestiäden eingewachsen enthält; einige derselben liegen 




Fig. 48a. 



Fig. 48 b. 



Flg. 48 c 



auch in den Theilungsflächen parallel der kurzen oder ge- 
neigten Diagonale der Rhomben." Blum* beschreibt sie als 
Pseudomorphösen von Talk nach Magnesitspath, ähnlich auch 
Verf. (dies. Jahrb. 1889. I. 231). 

Anhang. 

1. Die bräunlichen, gewöhnlich für T i t a n e i s e n angesehenen Blätt- 
chen, welche dem Hypersthen vielfach so massenhaft nach der Ab- 
sonderungsfläche (010) eingelagert sind, scheinen gesetzmässig zu demselben 
gruppirt zu sein, indem die Umrisslinien des Titaneisens senkrecht zu c und 30^ 
dazu geneigt, verlaufen. Bemerkenswerth erscheint die auch durch die 
Zwillingsbildung nach {101} angezeigte pseudohexagonale Symmetrie des 
Hypersthens in {010) (vergl. auch Titaneisen mit Diallag, No. 36). 

2. Titan eisen mit Olivin. Die Verwachsung ist, wenn über- 
haupt regelmässig, nur unvollständig bekannt. Nach Streng (dies. Jahrb. 
1888. II. 196, 197. Taf. V Fig. 22—31) ist Titaneisen im Dolerit von Lon- 
dorf bei Giessen mit Olivin so verwachsen, dass seine Basis parallel {010) 
des Olivins liegt. Aus dem nach der Axe ä lang gestreckten Olivin ragen 
die Täfelchen von Titaneisen lang heraus und senkrecht zu ihnen stehen 
wieder Olivinnädelchen in Parallelstellung zum ersten. Die Verwachsung 
ist nicht allein mikroskopisch, sondern auch an den in Hohlräumen auf- 
gewachsenen Olivinen ganz gut zu erkennen. Streng erinnert dabei an 
Verwachsungen von Magnetit mit Olivin, welche von H. Becsch und Doss 
beschrieben, indessen ebenfalls nur unvollständig bekannt sind. 

3. Korund mit Diaspor. Bei Campo longo, Tessin, findet sich 
nach Kenngott (Min. d. Schweiz, p. 146. 1866) Diaspor in prismatischen 



^ Haidinger, Handb. d. best. Min. p. 279. 1845. 
• Blüm, Pseud. II. Nachtr. p. 47. 1852. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



385 



bis strahligblätterigen Kiystailen auf Korund in regelmässiger Anordnung, 
j^anf den PrismenflSchen quer, auf den Basisflächen kreuzweise unter 60^ 
sich schneidend, entsprechend der trigonalen Streifnng der Basisflächen 
fest aufgewachsen, z. Th. in den Korund eingelagert. Diese Art der Ver- 
wachsung würde ich mit derjenigen vergleichen, welche Butil in und auf 
Eisenglanz zeigt. . . .^ 

36. Kalkspath mit Bar3rtocalcit. 

Haidinger ^ sah in Edinburgh Krystalle von Barytocalcit, 
welche „in möglichst paralleler Stellung" an den Enden 
Krystalle von Kalkspath 
trugen (Fig. 44 a u. 44 b). 
Der Kalkspath zeigt 
{1011} . {0112} . {0221} . 
{1010}. Zwei Spaltungs- 
flächen liegen nahezu par- 
allel den Flächen {111} des 
Barytocalcits (Aufstellung 
nach Miller; es ist 
(1011) : (Olli) = 105«5', 
(111) : (III) = 106^54'). 
Die Polkante jener beiden 
Rhomboöderflächen liegt parallel der Kante der Form {111}, 
zugleich so, dass die dritte Spaltfläche des Kalkspaths nahezu 
mit {101} zusammenfltUt, ebenso die Axen c miteinander 
(c: (0112) = 63^5', c : (101) = 61«). 

37. Titaneisen mit Augit. 

Die oben p. 384 erwähnten Einlagerungen im Hypersthen 
finden sich bekanntlich auch häuflg in manchen Augiten 
(Diailagen), und zwar in derselben Stellung zu {100} und der 
Axe b des Augits wie zu {010} und Axe ä beim Bronzit. 
Streng (dies. Jahrb. 1888. II. p. 198) beobachtete auch an- 
scheinend gröbere Verwachsungen dieser Art in Basalt von 
Londorf. Die als Titaneisen deutlich erkennbaren Täfelchen 
ragten zuweilen aus den Flächen {111} des Augits hervor. 
Makroskopische Verwachsungen dieser Art sind dann neuer- 





Fig. 44 &. 



Fig. 44 b. 



» Haidinger, Handb. p. 279. 1845. 
N. Jahrbach f. Mineralogie etc. Beilageband XVI. 



25 



Digitized by 



Google 



386 ^>' Hfigge, Die regelmässigen Venracfasnngeii 

dings von Lacroix beschrieben \ ODd zwar aas dem blne groand 
von Monastery im Oranje-Freistaat. In dem Diopsid desselben 
liegen parallel der vollkommenen Absondemngsfläche (100) 
bis centimetergrosse Blättchen von Umenit, und zwar ihre 
Flächen {0001} parallel {100} des Diopsids, eine Seite ihres 
sechsseitigen Umrisses parallel der Axe b. Die Verwachsung 
beider ist zuweilen geradezu schriftgranitartig. 

Der Ilmenit ist besonders reich an Mg, also wohl an 
MgTiOg; dies scheint bemerkenswerth wegen der Analogie 
mit dem MgSiOg des Diopsids und der auch durch die Zwil- 
lingsbildung nach {122} angezeigten pseudohexagonalen Sym- 
metrie des Augits in {100}. Es bedarf noch näherer Unter- 
suchung, ob der hexagonale Umriss des Umenits den Kanten 
der Basis zum Rhomboeder oder zu Formen zweiter Stellung 
entspricht und ob beide nach dem Verwachsungsgesetz mög- 
lichen (aber ungleichen), in Bezug auf {0001} zwillingsartigen 
Stellungen des Umenits vorhanden sind oder welche von beiden. 

88. Dolomit mit Chlorit. 

Brbithaupt" beobachtete beide in regelmässiger Ver- 
wachsung vom Rothenkopf im Zillerthal. „Die Combination 
{0001} . {1011} des Chlorits steht mit {1011} des Dolomits 

nach ihren Hauptaxen und Quer- 
axen vollkommen parallel" (Fig. 45). 
Wenn man dergleichen Verwach- 
sungen zerschlägt, spiegeln „die 
Spaltungsrhomboäderflächen bei- 
der Substanzen ganz parallel. 
Der Chlorit scheint nach Breit- 
haupt's Beschreibung ein Pennin 
zu sein. 
Dolomit mit blassgrünem Glimmer so verwachsen, dass die 
Basisflächen parallel liegen, giebt auch Haidinger' von Grossar] 
in Salzburg unter den regelmässigen Verwachsungen an. 

* Lacroix, Bull. soc. fran^. de min. 21. 21. 1898. 

* Breithacpt, Joura. f. Chem. u. Phys. von Schweiggkb-Seidel. 66. 
308. 182^). 

» HAimxoER, Haudb. p. 279. 1845. 




Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 387 

39. Kalkspath mit Biotit. 

An einer 12:5 cm grossen Biotitplatte von Monroe, 
New York (Meroxen mit kleinem Axenwinkel) fand Verf. ^ an 
5 Stellen nach {0001} tafeligen Kalkspath eingelagert (Fig. 46, 
nach Photographie in ca. l^facher Vergrösserung). Die 
Kalkspathtafeln erreichen eine Breite bis zu 3 cm bei 2 mm 
Dicke, zeigen ausser der etwas matten Basis und Spaltflächen 
etwas wellige Randflächen ungefähr von der Lage {lOIO}. 
Auf der Basis herrscht eine trianguläre Streifung, herrührend 




Fig. 46. 

von Spaltrissen nach {1011} und Zwillingslamellen und Ab- 
sonderungsflächen nach {0112}, sie geht den Drucklinien des 
Glimmers parallel. Gemessen wurde (0001 : 001) = 0^ 45', 
(1011 : 001) = 43^48', ber. 44^36'. 

Die Orientirung des Kalkspaths ist eine doppelte, beide 
zwillingsgemäss nach {0001}, z. Th. ohne dass ein Zusammen- 
hängen solcher Theile verschiedener Orientirung nachweisbar 
wäre. Aller eingelagerter Kalkspath der Platte zeigt diese 
gesetzmässige Lagerung. 



* 0. MüGGE, Centralbl. f. Min. etc. p. 355. 1902. 

25* 



Digitized by 



Google 



388 0- ^i^gg®} ^io regelmässigen Verwachsungen 

40. Tur malin mit Glimmer. 

a) Einschlüsse von Turmalin in Glimmer sind seit lange 
bekannte Volger^ beobachtete sie massenhaft von makro- 
skopischen bis höchst mikroskopischen Dimensionen in hellem 
Glimmer von Grafton, bei Hampshire und Haddam, Connecticut, 
und zwar in regelmässiger Lagerung : ihre Längsrichtung liegt 
in der Basis des Glimmers parallel der untergeordneten Spalt- 
barkeit, also wohl den Linien der Druckfigur. Sie bedingen 
nach Rosenbüsch'^ zuweilen deutlichen Asterismus. G. Linck* 
fand, dass Turmaline im Biotit aus Pegmatit des Veltlin tafelig 
nach {1120} und gestreckt parallel den Hauptaxen waren und 
letztere zwei Strahlen der Druckflgur parallel liefen. 

b) LiNCK beobachtete in dem genannten Vorkommen aber 
noch eine zweite Orientirung am Turmalin. Dieser war tafelig 
nach {0001}, diese Fläche parallel der Spaltung des Glimmers, 
zugleich die den Flächen {1120} entsprechenden Umrisslinien 
parallel den Drucklinien des Glimmers. Die gleiche Orien- 
tirung beobachtete Verf. ^ in einer grossen Muscovitplatte von 
Haddam, Connecticut^'. 

41. Eisenglanz (und Titaneisen) mit Glimmer. 

Brewster' erkannte wohl zuerst, dass der Asterismus 
mancher Glimmer (Irkutsk) durch mikroskopische, regelmässig 
gelagerte Einschlüsse bewirkt wird, welche ihm Titaneisen 
zu sein schienen. G. Rose® hat dann zahlreiche Glimmer 
der Art, namentlich Muscovite und Phlogopite untersucht 
(Pensbury und andere Orte in Pennsylvanien , New York, 
South Burgess, Grenville; Kassigiengoit und Ameragliks- Fjord 
in Grönland). Die Einschlüsse erscheinen als hexagonale 

* NöGGERATH, Sitz.-Ber. niederrhein. Ges. 7. Dec. 1859. 

» VoLGER, Jahresber. d. Wetterauer Ges. p. 78. 1861/63. Hanau 1864. 
» RosENBüscH, Mikr. Phys. 1. 586. 1892. 

* G. LiNCK, Jenaische Zeitschr. f. Naturw. 33. 350. 1899. 

* 0. MüGGE, Centralbl. f. Min. etc. p. 353. 1902. 

* In derselben und anderen Platten sind andere Turmaline ge- 
streckt //ü, die Längsrichtung z. Th. einem Strahl der Schlagfignr, 
z. Th. der Druckfigur parallel, indessen die der Spaltfläche des Glimmers 
parallel liegende Ebene nicht zu erkennen, die meisten Turmaline aber 
liegen unregelmässig. 

' Brewster, Trans. Boy. Soc. Part IV. 20. 550, 1853. 
« G. Rose, Monatsber. Berlin. Akad. 19. April 1869. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 389 

Krystallskelette (Fig. 47), deren Seiten meist den Strahlen 
der Schlag-, seltener der Druckfigur parallel sind (während 
ihre Tafelfiächen der Spaltfläche parallel liegen). G. Rose 
hielt diese Einschlüsse nach ihrer Form, Durchsichtigkeit und 
Farbe fär Ei^nglanz, indessen ist nicht zu leugnen, dass sie 
mindestens z. Th. Titaneisen, möglicherweise auch, wie Dana 
meinte, Magneteisen sein können. Die mikroskopisch-petro- 
gi'aphischen Untersuchungen haben später die weitere Ver- 
breitung solcher Einschlüsse kennen gelehrt. 




Fig. 47. 

Anscheinend makroskopische Verwachsungen von 
corrodirtera Biotit mit Eisenglanz beschrieb Lacroix^ aus 
Sanidiniten von Menet (Cantal). Der Eisenglanz hat die Form 
{0001} . {1011} ; die Kanten seiner Täfelchen liegeü parallel 
den Kanten zum Prisma am Biotit. Auch hier fehlt die An- 
gabe, ob beide nach dieser Definition möglichen Stellungen 
des Eisenglanzes vorhanden sind. 

42. Glimmer mit Salpeter. 

Frankenheim erwähnt ^ dass Natronsalpeter mit Glimmer 
regelmässig, ähnlich wie Jodkalium etc., verwachse, ohne über 

* Lacroix, Bull. 80C. franQ. de min. 14. 316. 1891. 

' Frankenheim, Pogg. Ann. 37. 521. 1836. Frankenheim erwähnt 
daselbst, ebenfalls ohne nähere Angabe, auch regelmässige Verwachsungen 
von Salpeter mit Gyps. Ich habe solche nicht erhalten. 



Digitized by 



Google 



390 0- Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

die Art der Lagerung Näheres anzugeben. Nach Versuchen 
des Verf.'s ^ erhält man in der That auf Muscovit mit Leich- 
tigkeit ganz ähnliche zierliche regehnässige Verwachsungen 
wie bei Jodkalium. Auch hier zeigen die grösseren Kryställchen 
u. d. M., wie die auf Glas erhaltenen, meist nur das Grund- 
rhomboeder, die kleineren dagegen entwickeln sich tafelig 
nach der Basis, sind vielfach zwillingsartig nach derselben 
verwachsen und kommen auch unabhängig von einander in 
zwei Orientirungen derart vor, dass eine Kante zum Rhombo- 




Fig. 48. 

eder senkrecht zur Trace der Ebene der optischen Axen, 
also parallel {010}, liegt (Fig. 48, nach Photographie in 
ca. 30facher Vergrösser ung). Dabei reihen sich die gleich- 
seitigen Dreiecke vielfach in den zu den vorigen senkrechten 
Richtungen aneinander, z. Th. einander halb umschliessend, 
z. Th. selbst ohne sich gegenseitig zu berühren und ohne 
noch deutliche Kry stallumrisse erkennen zu lassen. 

Auch die gegenüber KNO3 unbeständigen, kalireichen, 
rhomboedrischen Mischkrystalle von KNO3 und NaNOj, 



0. MüGGE, Centralbl. f. Min. etc. p. 355. 1902. 

/Google 



Digitized by ^ 



von Mineralen verschiedener Art. 



391 



welche gern trigonale Wachsthumsformen bilden, verhalten 
sich dem Glimmer gegenüber so wie reiqes NaNOg. 

Anlxanff. 

Quarz and Orthoklas. Die zahlreichen Angaben, welche sich 
anf die Verwachsung dieser Minerale beziehen, lassen ein bestimmtes Qesetz 
nicht erkennen; sie dürften alle unregelmässige Verwachsungen beider 
betreffen; dass bei der Häufigkeit solcher Vorkommen zuweilen gewisse 
Krystallelemente annähernd parallel liegen, wie z. B. in den von 
WoiTscHACH (bei Traube, Min. Schles. p. 192, 193. 1888) beschriebenen 
Fällen beweist nicht die Gesetzmässigkeit der Stellung. 

48. Zirkon mit Xenotim. 

Die Verwachsung wurde zuerst von Zschaü (dies. Jahrb. 
1855. p. 513) in den gangförmigen granitischen Gesteinen von 
Hitteröe beobachtet und ist durch die einfachen Beziehungen 
beider Minerale und die Begehnässigkeit der Ausbildung 
gleich ausgezeichnet, obwohl beide zwar grosse geometrische, 
aber keine chemische Ähnlichkeit aufweisen. Es liegen in 
beiden Krystallen die gleichnamigen krystallographischen Axen 
parallel, und da die Winkel der Grund- 
pyramide nahezu Übereinstimmen, auch 
die auftretenden Formen wesentlich die- 
selben sind, spiegeln alle nahezu gleich- 
zeitig. Bei der in Fig. 49 dargestellten 
Gruppe war die Gestalt der Berührungs- 
fläche beider Krystalle derartig, dass 
der Ytterspath gleichsam aus 4 Kry- 
stallen zusammengesetzt schien. Es 
kommt aber auch vor, dass ein kleiner 
Xenotim auf einem grösseren Malakon 
sitzt oder viele kleine Xenotime vorwiegend in die Flächen 
(100) des Malakons eingesenkt sind. Von noch anderem 
Habitus waren die Verwachsungen, welche Brögqer^ von 
Berg in Rade und von Krageroe beschrieb; bei Krageroe 
sind die Xenotime, und zwar nur ihre Basisflächen, von zahl- 
reichen Zirkonen bedeckt, die Pyramidenflächen frei ; bei Rade 
die Pyramidenflächen bedeckt, die Polkanten häufig frei; die 

» Brögger, Ref. Zeitschr. f. Kry8t. 10. 498. 1885. 




Fig. 49. 



Digitized by 



Google 




392 0- Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

Zirkone sind dabei in der Regel nur aufgewachsen, nicht 
durchgewachsen. Bekannt ist diese Yerwachsong femer durch 
W. E. HrooEN ' geworden von Green river Post Office, Hen- 

derson Co., N.-Carolina; der säulen- 
förmige Zirkon ist hier ringförmig 
von dicktafeligem Xenotim umgeben 
und durchwächst denselben (Fig. 50) ; 
die Verwachsung scheint dort eben- 
falls häufig zu sein. 0. A. Derby* 
endlich erkannte sehr kleine qua- 
dratische Kryställchen aus dem Ver- 
pjg 5^, Witterungsgrus der Muscovitgranite 

von Säo Paulo und Minas Geraes an 
ihrer Verwachsung mit Zirkon als Xenotim. Ob sich die 
Angabe von Eosenbusch^ auch auf mikroskopische Ver- 
wachsungen der Art bezieht, ist nicht ersichtlich. 

44. Rutil mit Anatas. 

In den unter dem Namen „Captivos" bekannt gewordenen 
Pseudomorphosen von Eutil nach Anatas, welche namentlich 
im Diamantengebiet der Provinz Minas Geraös und am Flusse 
Sanarka im Gouvernement Orenburg vorkommen, erkannte 
M. Bauer* eine regelmässige Stellung der Rutilnädelchen zum 
Anatas, nachdem bereits früher Wichmann * solche mit anderer 
Orientirung^ der beiderlei Krystalle von Fusch in Tirol an- 
gegeben hatte und v. Lasaulx"^ in solchen von Vannes und 

' W. E. HiDDEN, Amer. Jouro. of Sc. 36. 380. 1888. 

* Derby, ibid. 41. 309. 1891. 

» Rosenbusch, Mikr. Phys. 1. 358. 1892. 

* Bauer, dies. Jahrb. 1891. I. 232; daselbst ist auch die ältere 
Literatur angegeben. 

* Wichmann, Tschermak^s Min. n. petr. Mitth. 8. 338. 1887. 

^ Der Rutil erscheint sagen! tartig, und es liegt eine der drei Kanten der 
Sagenitgruppe paraUel der Kante (001 : 111) des Anatas, die ganze Sagenit- 
tafel (also eine Ebene {100} des Rutils) zugleich parallel (001} des Anatas. 

' V. Lasaülx, Zeitschr. f. Kryst. 8. 74. 1884. Bei diesem Vorkommen 
handelt es sich nach Lacroix (Bull. soc. frang. de min. 24. 426. 1901) 
weder um Pseudomorphosen, noch um Paramorphosen , sondern es ist zu- 
nächst aus Rutil Ilmenit entstanden und als aus diesem das Eisen entfernt 
wurde, blieb TiO^ in der Form von Anatas zurück. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 393 

Seligmann* in solchen vom Culm de Vi Parallellagevung 
von Rntilnädelchen in Anatas beobachtet hatten. 

Die Captivos aus Brasilien zeigen die dem regulären 
Oktaeder ähnliche Form {112} (nur annähernd von E. Beütrand 
gemessen; ebener Winkel der Flächen an der Polecke 63^49', 
an den Randecken 58^ 5|^ Umriss also annähernd gleichseitig); 
die Rutile sind feine, bündelweise parallel gelagerte Nadeln 
// c, und zwar liegt diese Richtung senkrecht zu den Kanten 
von {112}, entweder nur zu einer einzigen, oder fleckenweise 
vertheilt zu zweien oder zu allen dreien. Dabei sind zugleich 
die Flächen von {110} des Rutils nahezu gleich geneigt zu 
{112}; es entstehen also sagenitähnliche Gruppirungen, deren 
Tafelfläche annähernd parallel den Flächen von {112} liegt. 
Meist ist neben Rutil noch Anatas vorhanden, die Abgrenzung 
beider zuweilen ziemlich unregelmässig, zuweilen auch bildet 
der Rutil eine etwa 1 mm dicke Rinde um einen Anataskem, 
manchmal auch scheint der Rutil in mikroskopisch feinen 
Theilchen in den Anataskern einzudringen. Die Beobachtungen 
im Dünnschlifi^ sind mit der gegebenen Deutung der Ver- 
wachsung im Einklang. 

Die uralischen Captivos haben nach Bauer eine noch mehr 
oktaederähnliche Form, nämlich {335} (ebener Winkel an der 
Polecke 57^51^', an den Randecken 6V4:l'). Die Rutilprismen 
waren hier bei zwei Krystallen so orientirt, dass sie auf 
einer Kante der Anataspyramide senkrecht standen, und zwar 
die auf einer Fläche sichtbaren Rutile stets nur zu einer 
Kante dieser Fläche, dabei für Fläche und Gegenfläche senk- 
recht zu derselben Kante; bei zwei benachbarten Flächen 
und ihren Gegenflächen lagen sie senkrecht zur Dnrchschnitts- 
kante beider, bei zwei anderen und ihren Gegenflächen dagegen 
nicht. Ein weiterer Unterschied gegen die brasilianischen ist, 
dass die Rutilnadeln den Flächen von {335} nicht parallel 
lagen, sie machten vielmehr da, wo sie senkrecht zur Kante 
zweier Flächen stehen, mit beiden sehr nahezu den gleichen 
Winkel, verliefen also parallel der zu jener Kante senkrechten 
krystallogi-aphischen Axe. 

Bei dem in Fig. 51 abgebildeten Krystall schien ab eine 



' Seligmann, Sitz.-Ber. niederrhein. Ges. Bonn. p. 118. 1885. 

Digitized by VjOOQ IC 



394 



0. Müggey Die regelmässigen Verwachsungen 



Rand kante von {335} zu sein; die Butilprismen auf den 
beiden vorderen und hinteren Flächen liegen parallel der 
Axe cc' ; auf den Flächen links oben und rechts unten liegen 
sie parallel der Axe bb', auf den Flächen rechts oben und 
links unten endlich // aa'. Während bei diesem Krystall die 
Butilprismen anscheinend den ganzen Krystall durchsetzen, 
^ bildet bei einem anderen der Anatas 

noch eine der Oberfläche conforme 
Schale; die Rutilprismen des 
Kernes haben anscheinend dieselbe 
' Lage wie vorher. 

Wie aus Vorstehendem hervor- 
geht, ist zum mindesten bei dem 
uralischen Vorkommen die Ver- 
wachsung erst unvollständig be- 
kannt, da man nicht weiss, wie 
die Nebenaxen des Rutils orientirt 
sind. Da ausserdem das Verwach- 
sungsgesetz für die uralischen und brasilianischen Krystalle 
nicht übereinstimmt, beide auch von den Angaben Wichmann's 
abweichen und bisher nur wenige Krystalle untersucht sind, 
scheinen weitere Beobachtungen nöthig. 




45. Kupferkies mit Polybasit. 

Frenzel ^ erwähnt, dass Kupferkies nicht selten als Über- 
zug, u. a. auch bei Polybasit, erscheint. Verf. (dies. Jahrb. 
1897. II. p. 70) beobachtete den Kupferkies in hohlen Peri- 
morphosen nach scheinbar hexagonalen Tafeln vom Habitus 
des Polybasits. Die Regelmässigkeit der Verwachsung ver- 
räth sich dadurch, dass die mikroskopisch kleinen Kupferkiese 
felderweise gleichzeitig einspiegeln und die geradlinigen parallel 
demUmriss der hexagonalen Tafeln verlaufenden Grenzen dieser 
beiden Felder noch auf ein pseudohexagonales, nach {110} ver- 
zwillingtes Mineral hinweisen, welches das Innere füllte (jetzt 
befinden sich im Innern Kryställchen von Pyrargyrit). Die 
Kupferkiese liegen anscheinend mit einer Fläche {111} der 
Basis des Polybasits parallel und kehren eine grosse Sphenoid- 



Frenzel, Min. Lex. y. Sachsen, p. 62 u. 236. 1866. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



395 




Fig. 62. 



fläche derselben zu, eine dreieckige Spitze nach aussen. Im 
Übrigen scheinen an ihnen die Formen {201} und {101} zu 
herrschen, und zwar laufen die Combinationskanten der letz- 
teren mit {111} den Kanten (001 : 110) bezw. (001 : 010) des 
Polybasits parallel (Fig, 52). Die Kupferkiese erscheinen aber 
in jedem der beiden ge- 
nannten Felder, wahr- 
scheinlich infolge Zwil- 
lingsbildung nach zwei 
(zu der mit dem Polybasit 
gemeinschaftlichen Fläche 
{111} annähernd senk- 
rechten) Flächen von {101} 
in drei, ca. 120® gegen- 
einander gedrehten Stel- 
lungen. 

Die Kupferkiese des 
einen Feldes sind ausser- 
dem anscheinend in Zwil- 
lingsstellung nach {111} zu 
denen des anderen, wobei die geradlinige Grenze beider Felder 
durch die Grenzen der nach {110} verzwillingten Polybasite 
bestimmt wurden. Es ist indessen zu bemerken, dass dieser 
Gegensatz in der Orientirung des Kupferkieses auf den in 
Zwillingsstellung nach (110) befindlichen Polybasiten nur ver- 
ständlichwird, wenn man den Polybasit alsrhombisch-hemimorph 
nach ä oder b oder als monoklin auffasst. Denn analog, wie bei 
der Verwachsung von Kalkspath-Aragonit (No. 33b) dargelegt 
wurde, mtisste der Kupferkies auf der Basis eines rhombisch- 
holoedrischen Krystalls an allen Stellen in zwei in Bezug auf 
die Normale seiner Fläche (111) hemitropen Stellungen er- 
scheinen. Penfield * ist nun inzwischen auf Grund sorgfältiger 
Messungen wie nach dem Habitus zu der Überzeugung ge- 
kommen, dass der Polybasit in der That nicht rhombisch (und 
pseudo-hexagonal-holoädrisch), sondern monoklin (und 
pseudorhomboödrisch) ist, was also mit der obigen Ver- 
wachsungsart auf das Beste übereinstimmen würde. 

* S. L. Penfield, Amer. Journ. of sc. (4.) 2. 24. 1896 ; auch Zeitschr. 
f. Kryst. 27. 72. 1897. 



Digitized by 



Google 




«396 0- ^^g% Die regelinäBsig^n Verwachsongen 

46. Rutil mit Brookit. 

In den sogen. Paramorphosen von Rutil nach Brookit 
von Magnetcove, Arkansas, erkannte G. vom Rath ^ dass die 
auf {110} des Brookits liegenden Rutile meist gesetzmässig zum 
Brookit gestellt seien. Es ist die Axe c beider parallel, und 
eine Fläche von {100} parallel {100} des Brookits (Fig. 53). 
Damit sind auch die späteren optischen Beobachtungen von 

Bauer (dies. Jahrb. 1891. I. p. 225) 
im Einklang. Die Stellung der kleinen 
Rutilprismen ist aber nicht auf allen 
Flächen dieselbe, und auch auf der- 
selben Fläche nicht constant, scheint 
überhaupt nicht streng gesetzmässig, 
wenn auch gewisse Flächen des 
Rutils sich der Lage gewisser Brookit- 
flächen nähern. 
Dass es sich bei den von Hussak (dies. Jahrb. 1898. II. 
p. 99) aus den Diamantsanden des Rio Cipö bei Diamantina 
beschriebenen Brookiten um eine Umwandlung in z. Th. regel- 
mässig gelagerten Rutil handelt, scheint mir nach Hussak's 
Beobachtungen nicht ausgeschlossen, obwohl Hüssak selbst 
nicht zu dieser Annahme neigt. 

Anhanff. 

Kupferkies mitBournonit in regelmässiger Verwachsung giebt 
Frenzel (Min. Lex. Sachsen, p. 48. 1874) yon Alte Hoffnung Erbstollen 
zu Schönbom an, ohne indessen über die Art der Orientirung etwas 
mitzuth eilen. ^ 

47. Rutil mit Glimmer. 

Die so viel verbreiteten Einlagerungen von Rutil in 
Glimmer scheinen zu den regelmässigen Verwachsungen zu 
gehören. Aus den zahlreichen Mittheilungen über solche Ein- 
schlüsse * geht hervor, dass die Rutile mit ihrer Axe i meist 
parallel den Linien der Druck-, seltener auch der Schlagflgur 

* G. VOM Rath, Pogg. Ann. K 158, 407. 1876; auch dies. Jahrb. 
1876. 397. 

* Literaturangaben bei Rosenbcsch, Mikr. Phys. 1. 582 u. 587. 1892; 
ferner das. 2. passim. Ausserdem vergl. G. H. Williams, dies. Jahrb. 
Beil.-Bd. II. 617 ff. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen yerschiedener Art. 397 

liegen. G. H. Williams beobachtete auch eine mehrfach sich 
wiederholende Zwillingsbildong an den Nadeln im Biotit des 
Diorits von Triberg, und maass den Winkel ihrer Längsrich- 
tungen zu 55^. Daraus aber darf man schliessen, dass eine 
Fläche {100} des Rutils parallel der Spaltfläche des Glimmers 
liegt. Genau genommen liegen demnach vier Verwachsungs- 
gesetze vor, bei allen ist eine Fläche {100} des Rutils // {001} 
des Glimmers, ausserdem die zweite Fläche {100}, entweder 
parallel den Strahlen der Druckfiguren, nämlich // {100} und 
//{130}, oder parallel den Strahlen der Schlagflgur, nämlich 
//{OIO} und //{110}\ 

Anbangr* 

1. Melilith und Biotit sind nach Berwerth (Ann. Naturhist. 
Hofmas. 8. p. 454. 1893) im Alnöit von Alnö vielfach so in- und aneinander 
gelagert, dass beide Basisflächen parallel sind. Nähere Angaben über die 
Orientirung fehlen. 

2. Xenotim und Monazit kommen nach Hussak (Tschermak's 
Min. n. petr. Mitth. 18. 346. 1899) unter den Begleitern des bahianischen 
Diamants so verwachsen vor, dass (001} des Xenotims mit <100} des Monazits 
parallel ist. Die Bildungen erscheinen scepterartig , indem die Xenotim- 
krystalle auf der Endfläche des Monazits aufgewachsen sind. Weitere An- 
gaben fehlen. 

3. Bei den Uranglimmern hat Will. Phillips nach Walker 
(Amer. Joum. of Sc. 6. 41. 1898) gegenseitige Umwachsung (anscheinend 
von Tabernit und Autnnit) beobachtet, welche, wenn diesen Krystallen in 
der That verschiedene Symmetrie zukommt, den Umwachsungen von Ortho- 
klas und Albit zu vergleichen wäre. — Auch die von Kinne (Centralbl. 
f. Min. etc. p. 623 u. 712. 1901) als Metauranite bezeichneten Ent- 
wässerungsproducte sind in regelmässiger Stellung zu den ursprünglichen 
Uranglimmern, bedürfen aber wohl noch näherer Untersuchung*. 

48. Andalusit mit Sillimanit. 

Bei der mikroskopischen Untersuchung eines Andalusit- 
gesteins von Ceylon fand Lacroix ^ den Andalusit auf mehrere 
Weise regelmässig mit dem eingeschlossenen Sillimanit ver- 



^ Ähnliches gilt bei der Verwachsung der Glimmer mit anderen 
Krystallen, welche keine dreizählige Axe habeu oder bei denen diese nicht 
senkrecht zur Spaltfläche des Glimmers liegt. 

' Dasselbe gilt von den sogen. Metazeolithen und ähnlichen Ver- 
bindungen. 

' Lacroix, Bull. soc. frauQ. de min. 11. 150. 1888. 



Digitized by 



Google 



398 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 



wachsen, a) Im Haupttheil des Andalusits liegen die gleich- 
namigen Axen beider Minerale parallel, sie durchwachsen sich, 
wobei im Schliff nach {100} die Grenzen parallel {010} und 
{001} verlaufen (Fig. 54). b) und c) Daneben sind aber dünnere 
Stäbchen des Sillimanit dem Andalusit auch so eingelagert, 
dass nur {100} beiden gemeinsam ist, die Axen c dagegen 
gekreuzt liegen ; endlich kommen bei gemeinsamem {100} auch 
Neigungen der Axen c unter abweichendem Winkel, nament- 
lich unter 45*^ vor. Die Verwachsung mit parallelen gleich- 
namigen Axen beobachtete 



-I 



f™ 



\ 7>\ 







Lagroel gleichzeitig auch 
in metamorphosierten devo- 
nischen Schiefem von 
Moulin-vieux bei Morlaix 
(Finistere), femer fanden 
sie bald darauf auch Michel- 
LfivY und Teemier ^ in Cor- 
dieritgneiss vom Mont- 
Pilat, wo der Sillimanit im 
Andalusit in mikroskopisch 
breiten Bändern erscheint, 
welche sich im Rohen längs 
{100} und {110} vom Anda- 
lusit abgrenzen. Zur selben 
Zeit entdeckte Lacroix^ ein 
neues makroskopisches Vor- 
kommen in den metamorphosirten Sandsteinen von Bagnöres- 
de-Bigorres (Thal von Barousse, Hautes - Pyren6es) ; hier 
kommen ausser der Parallelverwachsung auch vielfache Durch- 
kreuzungen unter 90® und auch unter 60° vor, und die Aus- 
bildung ähnelt nach einer späteren Mittheilung* z. Th. den 
Andreasberger Harmotom-Zwillingen. 

Ob die Verwachsung in den eben genannten Fällen eine 
primäre, oder der Sillimanit aus Andalusit hervorgegangen 
ist, erscheint zweifelhaft. Nach Vernadsky* soll sich Anda- 



Fig. 64. 



* MicHEL-LfivY und Termier, ibid. 12. 56. 1889. 
2 Lacroix, ibid. 12. 59. 1889. 

' Lacroix, Bull. d. serv. d. 1. carte g6ol. de la France etc. 71. 1900. 

* Vernadsky, Compt. rend. p. 1378. 30. Jani 1900. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 399 

lusit bei ca. 1350^ in Sillimanit umwandeln, die umgewandelten 
Theile löschen aber noch gleichzeitig, und zwar // i des ur- 
sprünglichen Andalusites, aus, die Stellung der Neubildungen 
kann also die der ersten oder zweiten der oben beschriebenen 
Verwachsungen sein. Ebenso beobachtete Sauer ^ im Rench- 
gneiss Paramorphosen (vielleicht richtiger Pseudomorphosen) 
von Sillimanit nach Andalusit mit paralleler Lage der Axen c. 
Für wahrscheinlich primär hält W. Salomon* die von ihm 
beobachtete Verwachsung beider mit parallelen Axen im Horn- 
fels der Cima d'Asta, endlich erwähnt Heddle ', dass Fibrolith 
in feinen Fasern von Clashnaree häufig parallel zu rothem 
Andalusit gelagert ist und lange schlanke Krystalle von An- 
dalusit oft zwischen den Fasern von Fibrolith erscheinen; er 
vergleicht die Verwachsung mit der von Cyanit und Staurolith 
und „other dimorphs". 

49. Witherit mit Baryt. 

Überzüge von Baryt auf Witherit beschreibt schon 
Hajdinger*; regelmässige Stellung solcher Barytkryställchen 
beobachtete Verf. (dies. Jahrb. 1895. f. p. 254) an den pseudo- 
hexagonalen Witheritdrillingen von 
Aiston Moor. Der Witherit hat 
die Form {021} . {111}, der Baryt 
{001} . {110}. Es liegt die Makro- 
axe des Baryts parallel der Brachy- 
axe des Witherits, die Spaltfläche 
{001} des Baryts ist gegen {010} 
des Witherits unter 15'^ 11' geneigt, p. ^^ 

so dass eine der Flächen {102} des 

Baryts parallel der Spaltfläche {011} des Witherits ist (Fig. 55) 
(dadurch wird gleichzeitig annähernd^'eine Fläche {031} Withe- 
rits parallel der andern Fläche {102} des Baryts). 

Verwachsungen dieser Art sind an jedem einfachen Witherit- 
krystall zwei verschiedene möglich (Fig. 55), beide sind auch 




^ Sauer, Erläuterungen z. Bl. Gengenbach d. geol. Spec.-Earte von 
Baden, p. 12. 1894. 

» Salomon, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 17. 206. 1898. 
3 Heddle, Trans. Roy. Soc. Edinburgh. 39. 348. 
* Haidinger, Pogo. Ann. 11. 376. 1827. 



Digitized by 



Google 



400 



0. Mügge, Die regelmässigen VerwachsuDgen 




Fig. 56. 



stets vorhanden, aber nicht promiscue auf derselben Fläche 
{021} des Witherits, sondern die auf (021) aufgewachsenen 
Blättchen stehen symmetrisch zu denen auf (021) in Bezug 

auf (100) und symmetrisch 
zu denen auf (021) in Bezug 
auf (001) des Witherits; 
dabei neigen die Flächen 
(001) des Baryts in jedem 
Quadranten des Witherits in 
entgegengesetztem Sinne zur 
Axe c, wie die Fläche {021}, 
auf welcher sie aufgewachsen 
sind. Die auf den Flächen 
{111} aufgewachsenen Baryt- 
blättchen haben dieselbe 
Orientirung wie auf jenen 
Flächen {021}, welche dem- 
selben Quadranten angehören 
(Fig. 56, halbschematisch für 
einen einfachen Krystall). Da die Witherite aber selten ein- 
fache Krystalle, meist vielmehr Durchkreuzungsdrillinge nach 
{110} sind, welche wesentlich nur {021} nach aussen kehren, 
während {111} nur da erscheint, wo Zwillingslam eilen an 

die Oberfläche treten, 
findet sich der Baryt 
auf den pseudohexa- 
gonalen Pyramiden in 
2X3 verschiedenen 
Orientirungen , wie es 
Fig. 57 für die obere 
Hälfte eines Drillings 
zeigt. Die Zwillings- 
streifen innerhalb der 
einzelnen Sextanten 
verrathen sich durch 
zierliche, abweichend schimmernde Barytstreifen, welche in 
sich aber einheitlich und gleichzeitig mit denen eines der 
Nachbarsextanten reflectiren. Eine breitere Partie derart, 
von der Orientirung wie im Sextanten links, ist im mittleren 




Fig. 67. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen venchiedener Art. 401 

Sextanten von Fig. 57 dargestellt. — Die nicht parallele An- 
ordnong der Barytblättchen auf gleich weithigen Krystallflächen 
weist auf Oberflächenkräfte bei der Bildung hin. Bemerkens- 
werth ist auch, dass die durch einfache Indices und Spaltung 
oder Zwillingsbildung ausgezeichneten Flächen hier nicht die 
Verwachsung bestimmen. 

60. Stephanit mit Polybasit. 

Auf dem Barbara-Gang zu Pfibram beobachtete v. Zepharo- 
vicH * nach der Axe i aneinandergereihte, kurz säulenförmige 
Aggregate von Stephanit, zwischen welche dünne, aber bis 
^ Zoll breite Täfelchen von Polybasit so eingelagert waren, 
dass die Endflächen {001} beider parallel waren. Nach Döll * 
handelt es sich hier um eine Pseudomorphosirung des Stephanits 
durch Polybasit (während früher Reüss * auch Pseudomorphosen 
von Stephanit nach Polybasit beschrieben hat). Frenzel* 
giebt an, dass bei Marienberg Stephanit mit Polybasit so ver- 
wachsen vorkommt, dass die basischen Endflächen parallel 
sind und gleichzeitig zwei Säulenflächen des letzteren (welcher 
als hexagonal betrachtet wird), parallel {010} des Stephanits 
liegen; auch erwähnt er^, dass Eugenglanzformen zuweilen 
einen Überzug von Stephanit haben. 

51. Olivin mit Serpentin. 

Bei den mineralogisch-petrographischen Untersuchungen 
ist bereits früh neben dem gewöhnlichen, unregelmässig fase- 
rigen Serpentin ein anscheinend einheitliches, blätteriges Zer- 
setzungsproduct beobachtet und wohl meist für eine Art 
dunklen Glimmers gehalten^. Michel -Lfiw' gab für eine 
ähnliche, rothe, etwas pleochroitische Substanz in Basalten 
der Auvergne seine optische Orientirung und Stellung zum 
Olivin wie Fig. 58 (der Kern ist frischer Olivin) an. Sie war 



" V. Zbpharoyich, Min. Lex. Österreich-Üng. 2. 243 u. 309. 1873. 

* Döll, Verhandl. geol. Beichsanst. p. 222. 1898. 
' Reuss, 8itz.-Ber. Wien. Akad. 10. 46. 1863. 

* Frenzel, Min. Lex. Sachsen, p. 308. 1874. 
^ Frenzel, ibid. p. 237. 

* Vergl. darüber bei Rosbnbusch, Mikr. Phya. 2. 400. 1877. 

' Michel-Lävy, BuU. soc. g6ol. de France. (3.) 18. 831. 1890. 
N. Jabrbnch f. Mineralogie eto. BeUageband XVI. 26 



Digitized by 



Google 



402 



0. MUgge, Die regelmässigea Verwachsungen 



deutlich blätterig nach {001} des Olivins (v. KoKscHAROw'sche 
Aufstellung) und bildete einen optisch einheitlichen Saum um 
ihn ; ihre Doppelbrechung kaum schwächer als Olivin, Winkel 
der optischen Axen ca. 70^ um die negative Mittellinie, welche 
auf der Spaltfläche senkrecht steht. Michel-Lävy schien 
geneigt, diese Substanz für Eisenglanz oder Oöthit zu halten. 
Iddings ^ beschrieb ein blätteriges Zersetzungsproduct aus 
Basalten des Eureka-Districts, verglich es aber mit Thermo- 
phyllit, also einem blätterigen Serpentin, es würde sich dem- 
nach dem von Eichstädt (dies. Jahrb. 1885. I. -429-) bereits 
1880 als Zersetzungsproduct von Olivin beschriebenen Antigorit 
anschliessen ; diesem nähert es sich auch optisch, denn senk- 





Fig. 68. 



Fig. 69. 



recht zur Spaltfläche steht die spitze negative Bisectrix mit 
meist nur kleinem Axenwinkel. A. G. Lawson* nannte dann 
eine offenbar sehr ähnliche Substanz aus californischen Ba- 
salten Iddingsit, und unter diesem Namen kehrt sie seitdem 
öfter in der petrographischen Literatur wieder. In ihrer op- 
tischen Orientirung zum Olivin stimmt sie überein mit dem 
von Lacroix ' vom Vallee de la Jordane (Auvergne) beschrie- 
benen und zu seinem Bowlingit gestellten Zersetzungsproduct 
basaltischer Olivine. Die spitze Bisectrix a liegt hier // c 
des Olivins, die Ebene der optischen Axen // {010}, die voll- 
kommenste Spaltbarkeit // {100} desselben , vergl. Fig. 59. 

» Iddings, U. S. Geol. Surv. Mon, 20. 388. 1892. 

2 Läwson, Bull. Dep. Geol. üniv. California. 1. 31. 1893. 

» Lacroix, Mineralogie de la France. 1. 444. 1893/95. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 403 

Auch BosENBUScH ' ^ebt dieselbe Orientirung an, ebenso Begke' 
für Olivin aas Oesteinen der Colambretes, endlich auch Sig- 
KüiYD ' für solchen aus Basalten der Steiermark. Damit nicht 
in Übereinstimmung ist die Angabe MicHEL-Lfiyr's , es sind 
<i und c vertauscht, die Lage der Spaltfläche zum Olivin da- 
gegen dieselbe. 

Im Ganzen dürfte aas diesen und weiteren in der petro- 
graphischen Literatur verbreiteten Angaben, in welchen die 
Orientirung zum Olivin indessen nicht näher bestimmt ist, 
hervorgehen, dass beim Olivin regelmässig gelagerte Umbil- 
dungsproducte , welche also zu sogen, homoaxen Pseudomor- 
phosen führen, ausserordentlich häufig sind. 

Es scheint, dass der Antigorit noch in einer anderen Weise 
mit Olivin verwachsen kann. Weiksghenk^ berichtet, dass 
dem Olivin seiner „Stubachite" Blätter von Antigorit (welche 
er für primär hält), hauptsächlich nach den Flächen {021}, 
eingelagert sind, und die Oitterstinctur seiner 2^rsetzungs- 
producte (des gewöhnlichen faserigen Serpentins) veranlassen, 
in denen der Antigorit also noch unzersetzt erhalten sein soll. 
Die nähere Orientirung des Antigorit ist nicht angegeben. 
Ähnliche Anordnung der Antigorittafeln beobachtete auch schon 
V. Dräsche^ in einem Diallagserpentingestein von Windisch 
Matrey. Die Abbildungen Weinschenk's sind denen v. Drasche's 
z. Th. ausserordentlich ähnlich, obwohl es sich bei letzteren 
nach V. Dräsche und auch nach Hüssak* um Pyroxen- 
pseudomorphosen handelt. 

62. Bronzit mit Bastit. 

Die regelmässige Verwachsung des Schillerspathes von 
der Baste mit Pyroxen scheint zuerst F. Köhler '^ beobachtet 
zu haben. Er vergleicht sie mit der schon damals „allgemein 



* Rosenbusch, Mikr. Phys. 2. 963. 1896. 

* Beck£, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 16. 311. 1897. 
» Sigmund, ibid. 16. 356. 1887. 

* Weinschenk, Abb. bayer. Akad. HI. Abth. 18. Taf. III Fig. 1—8. 
11 u. 16. 1894. 

* V. Dräsche, Tschermak^s Min. Mittb. 6. Taf. I Fig. 2, 3. 1871. 

* HüssAK, Tschermak'3 Min. n. petr. Mittb. 6. 78. 1883. 
' Fr. Köhler, Pogg. Ann. 11. 200. 1827. 

26* • 



Digitized by 



Google 



404 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

bekannten" von Cyanit und Staurolith und verweist auch auf 
die Iturz zuvor von Haidingbr beobachtete Verwachsung von 
Augit und Hornblende in Smaragdit. Dass der Schillerspath 
ein ümwandlungsproduct und das ursprüngliche Mineral nicht 
Augit sondern Enstatit sei, ist dann namentlich von 6. Rose, 
Streng und Kenngott festgestellt. In der Orientirung schliesst 
sich der Bastit ganz wie der Antigorit etc. der seines Mutter- 
minerals an. Nach den übereinstimmenden Angaben von 
Des Cloizeaüx ^ Tschermak*, Rosbnbusch* und Lacroix* ist 
er so orientirt, dass seine negative Bisectrix senkrecht zur 
Absonderungsfläche {010} des Bronzits liegt, die Axenebene 
parallel der Axe c desselben, zugleich seine Tafelfläche mit 
der genannten Absonderungsfläche zusammenfällt. Dieselbe 
Anordnung ermittelte speciell für die Enslatitkrystalle von 
Bamle auch Johannson*. Die Verwachsung ist demnach zweifel- 
los eine wohl bestimmte, auch wenn man annimmt, dass die 
Spaltbarkeit nach {010} und Faserung // c der Blättchen von 
Bastit nicht ihm selbst, sondern dem Bronzit eigenthümlich sind. 

58. Aragonit mit Kalisalpeter. 

G. Rose® berichtet, dass sich Kalisalpeter in paralleler 
Stellung auf Aragonit absetzt. Kopp '^ hat das nicht bestätigt 
gefunden; da aber G. Rose angiebt, dass der Versuch „voll- 
kommen gelungen^ sei, kann man an der Möglichkeit 
dieser Überwachsung nicht wohl zweifeln. 

Anbanff. 

Auf einem Enargit-Erystall von Famatina beobachtete Spencer 
(Min. Mag. 11. 75. 1895) ein Baryttäfelchen so aufgewachsen, dass die 
Flächen {001} beider gleichzeitig einspiegelten, auch die Prismenflächen 
beider Minerale (deren Winkel annähernd gleich ist) fast parallel lagen. 
Spencer lässt aber selbst die Gesetzmässigkeit dieser Anordnung zweifel- 
haft, da sie nur einmal beobachtet wurde, obwohl auf manchen Enargiten 
zahlreiche Baryte aufgewachsen waren. 

^ Des Cloizeaux, Man. de min. 1. 113. 1862. 

' Tschermak, Min. Mitth. p. 20. 1871. 

3 Rosenbusch, Mikr. Phys. 1. 460 u. 691. 1892. 

* Lacroix, Min. de la France. 1. 424 u. 545. 1893/95. 

' Johannson, Ref. Zeitochr. f. Eryst. 23. 155. 1894. 

« G. Rose, Ber. d. deutsch, ehem. Ges. p. 105. 1871. 

' Kopp, ibid. p. 918. 1879. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



405 



54. Triphylin-Graftonit. 

Nach Penfield* erscheinen dem monoklinen Graftonit, 
(Fe, Mn, Ca)8P8 08, in Schliffen senkrecht {010} Lamellen von 
Triphylin, Li (Fe, Mn)PO^, in zwei Orientirnngen eingelagert 
(Fig. 60, das Weisse ist der parallel der Längsrichtung der 
Lamellen auslöschende Graftonit, das Punktirte der Triphylin, 
welcher unter ca. 30^ zur Längsrichtung der Lamellen aus- 
löscht ; das Schwarze ist Zersetzungsproduct). 
Das Gesetz der Verwachsung lautet : 

102^ des Triphylins // 010 des Graftonits 
Axe b „ „ // Axe a „ , 





Fig. 80. 



Fig. 61. 



Fig. 62. 



Dabei ist gleichzeitig annähernd 

Kante (102 : 021) des Triphylins // Kante (110 : 011) des Graftonits 
nnd (T02) des Triphylins // (011) des Graftonits; 
anch02l „ „ // 110 , 

Schematisch zeigt die Verwachsung Fig. 61 für eine 
der beiden danach möglichen Orientirungen des Triphylins, 
Fig. 62 für beide ; letztere sind zu einander zwillingsmässig in 
Bezug auf {102}, dabei symmetrisch zu {010} des Graftonits. 

Penfield hält die Verwachsung für eine primäre, er 
glaubt nicht ,H dass der Triphylin durch Zersetzung aus dem 
Graftonit entstanden sei. 



> Penfield, Amer. Jonrn. of Sc. 159. 31. 1900; auch Zeitschr. 
f. Kryst. 32. 440. 1900. 



Digitized by 



Google 



406 



0. Müfifge, Die regelmässigen Verwachsungen 



56, BB,vyt mit Barytocalcit. 

An den bekannten Pseudomorphosen von Baryf nach 
Barytocalcit von Aiston Moor, welche vielfach noch einen 
Kern von frischem Barytocalcit ent- 
halten, bemerkte Verf. (dies. Jahrb. 
1895. I. p. 252), dass die Baryte unter- 
einander parallel und zum Barytocalcit 
so gelagert waren, dass die Spaltfläche 
{001} des Baryts parallel {001} des 
Barytocalcits, und die Makroaxe des 
Baryts parallel der Orthoaxe des Baryto- 
calcits lag. Die Barytblättchen haben 
die Form {001} . {110}. Bemerkenswerth 
ist vielleicht, dass der ebene Winkel 
der Basis (Kanten zum Prisma) bei 
beiden Mineralien wenig verschieden 
ist; nämlich bei Baryt 101*^38', bei 
Barytocalcit 104® 31'. Der Baryt über- 
wächst alle Flächen des Barytocalcits 
ziemlich gleichmässig, nur liegt an der 
Spitze der Barytocalcitkryställchen öfter 
ein grösseres Barytblättchen (Fig. 63), in welcher die Baryt- 
blättchen aber viel kleiner und zahlreicher zu denken sind, 
so dass sie einen schimmernden Überzug bilden. 




Fig. 63. 



56. Aragonit mit Gyps. 

Dass in den als Schaumkalk bezeichneten Pseudo- 
morphosen von CaC03 nach Gyps eine regelmässige Ver- 
wachsung, und zwar von Aragonit mit Gyps, vorliege, hat 
G. BosE^ festgestellt. Der Aragonit erscheint in der Form 
sehr dttnner und schmaler Täfelchen, welche meist nur von 
zwei parallelen geraden Kanten, seltener auch von dazu 
senkrechten kürzeren Kanten begrenzt werden. Die Täfelchen 
liegen mit ihrer Fläche parallel {010} des Gypses, und zwar 
ihre lange Kante stets parallel d desselben. G. Rose deutet 
die Aragonite als tafelig nach {010}, die Längsrichtung als 



> G. Rose, Pogg. Ann. 97. 161. 1856 nnd Hon.-Ber. Berlin. Akad. 
3. Dec. 1855 n. Abb. p. 65. 1856. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



407 




// c, (die kurze Kante als 011 : 011). Vergl. die schematische 
Fig. 64. 

Davon, dass wirklich Aragonit, und nicht, wie Blum ge- 
meint hatte, Ealkspath vorliegt, überzeugte sich G. Rose 
dnrch Bestimmung des specifischen Gewichts vor und nach 
dem Glöhen. Durch das Glühen zerfielen die feinen Nädelchen 
in ein Aggregat von im polarisirten Licht ungleich orientirten 
kleinen Körnchen. Ich kann hinzu- 
fügen, dass in den kleinen Aragonit- 
täfeichen a parallel zur Längsrich- 
tung liegt, dass ihre Doppelbrechung 
sehr stark ist und das durch ihre 
Tafelfläche erhaltene Interferenzbild 
symmetrisch zur Normalen des Blätt- 
chens ist, was also mit der krystailo- 
graphischen Deutung G. Rose's über- 
einstimmt. Die von G. Rose unter- 
suchten Stücke stammten aus der 
Gegend von Mansfeld, Gera und 
dem Meissner, ebenso die von mir 
geprüften. 

Anscheinend Gyps, und anscheinend in orientirter Lage, 
eingeschlossen in Aragonit, beobachtete F. Westhoff ^ 
In Schliffen // {001} des Aragonits zeigen die Einschlüsse 
Spaltungsrisse nach ä de^ Aragonits und löschen auch nach 
dieser Richtung aus. In Schliffen ungefähr nach {010} des 
Aragonits löschen sie gleichzeitig, aber schief aus ; es scheint 



Fig. M. 



also {010} // {010} zu liegen , aber nicht genau c 
ist nähere Untersuchung nöthig. 



// 



I 
c. 



Es 



57. Astrophyllit mit Lepidomelan. 

Die Verwachsung ist vom Verf. * an einer 5 : 7 cm grossen 
Platte von Lepidomelan von Barkevik bei Brevik beobachtet. 
Die Astrophyllite sind vom zweiten Habitus Brögger's', 
nämlich tafelig nach der vollkommenen Spaltfläche und ge- 
streckt nach der Axe b, dabei stets ein wenig geknickt um 

* Westhoff, Dissert. Freiburg i. Schw. p. 46. 1899. 
^ 0. MüQGE, Centralbl. f. Min. etc. p. 353. 1902. 
« Brögger, ZeitBchr. f. Kryst. 16. 205. 1890. 



Digitized by 



Google 



408 ^- ^^SS^i ^i^ regelmässigen Verwachsungen 

dieselbe Bichtung, andere Flächen fehlen; sie sind meist 
|— 1 mm breit und etwa 5 mm lang. Es liegen die voll- 
kommenen Spaltlingsflächen beider Minerale einander parallel, 
ausserdem die Axe b des Astrophyllits parallel den Schlag- 
linien des Glimmers, so dass der Astrophyllit als zierliches 
hexagonales Gitterwerk erscheint. Der Astrophyllit erscheint 
in dieser Orientirung sowohl an der Oberfläche wie in ver- 
schiedenen Niveaus der etwas treppenförmig angespaltenen 
Glimmerplatte, aber nicht als mikroskopischer Einschluss. 
Einzelne Astrophyllite liegen mit ihrer Längsrichtung auch 
senkrecht zu den vorigen, da daneben aber auch unregel- 
mässig gelagerte vorkommen, scheint es fraglich, ob man sie 
als nach einem zweiten Gesetz gruppirt ansehen darf. 

58. Olivin mit Klinohumit. 

A. ScAcoHi (dies. Jahrb. 1876. p. 637) berichtet, dass am 
Vesuv Zwillinge von Klinohumit nach ±ie = {103} oder {103} 
so mit Olivin verwachsen vorkommen, dass letztere wie Olivin- 
zwillinge nach {011} erscheinen. Darnach muss man annehmen, 

dass {001} des Olivins parallel liegt mit (100) des Elinohumits, 
ferner <010) , , . . . <001> „ 

wobei dann gleichzeitig die Zwillingsebene {011} des Olivins 
und {103} (oder {103}) des Klinohumits nahezu zusammenfallen. 





Fig. 65». Fig. 66 b. 

ScAccHi giebt keine Messungen an, aus seinen Figuren (Fig. 65 a, 
Projection auf (100) des Olivins, dessen mittlerer Krystall in 
Zwillingsstellung zum oberen und unteren nach (011) sich be- 
findet ; Fig. 65 b, Projection auf 010 des Olivins ; das Weisse 
ist Olivin, das Punktirte Klinohumit) ist auch Näheres kaum 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art 409 

zu entnehmen. Bei den nahen chemischen und geometrischen 
Beziehungen beider Minerale wäre diese Verwachsung etwa 
der von Bronzit und Augit zu vergleichen. 

59. Humit mit Kiinohumit. 

Schon DesCloizeaux (dies. Jahrb. 1876. p. 642) beobachtete 
im Humit in Schnitten senkrecht zur positiven Bisectrix, also 
// {100}, unregelmässig umgrenzte Einschaltungen, welche dem 
dritten Typus, also Kiinohumit, anzugehören schienen. Michel- 
L£VY und Lagroix ^ fanden dann in den metamorphen Kalken 
von Llanos de Juanar in Andalusien Verwachsungen von Humit 
und Kiinohumit derart, dass in beiden die Basis und die spitze 
positive Bisectrix parallel lagen, also {100} des Humits mit 
{010} des Klinohumits zusammenfiel. Der Kiinohumit scheint 
dabei unregelmässig umgrenzte Partien des Humits zu um- 
schliessen; da ersterer polysynthetisch nach {001} verzwillingt 
ist, erscheint er also in zwei zum Humit symmetrischen 
Stellungen. Ähnliche Verwachsungen fand Lacroix* auch im 
Cipolin des Ari^ge. Lagroix neigt hier allerdings zur Annahme, 
dass der rhombische Humit sich aus sehr feinen verzwillingten 
Lamellen von Kiinohumit aufbaue, da dieser im Gestein in 
zwei, nach Farbe und Auslöschungsschiefe verschiedenen 
Varietäten und beide anscheinend in Parallelverwachsung 
miteinander vorkommen. Solche Verwachsungen zweier optisch 
verschiedener Klinohumite beobachtete auch R. W. Schäfer * 
in Serpentinen des Allalin-Gebietes. 

60. Bronzit mit Augit. 

Bereits Blum* erwähnt, dass zwischen Hypersthen und 
Diallag ähnliche Verwachsungen vorkommen wie zwischen 
Augit und Hornblende, und Websky^ beobachtete schon La- 
mellen von Hypersthen im Diallag des Gabbro von Neurode, 
ebenso Tschermak® die Verwachsung des „Protobastits** vom 



* MicHEL-LftvY und Lacroix, Bull. soc. fran<j. de miD. 9. 81. 1886. 

* Lacroix, BuU, d. serv. d. 1. carte gfeol. France. 11. 3, 4. 1890. 

« R. W. Schäfer, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 15. 128. 1896. 

* Blum, Pseudomorph. p. 154. 1843. 

' Websky, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. p. 530. 1864. 
« TscHERMAK, Äün. Mitth. p. 43. 1871, 



Digitized by 



Google 



410 0- Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

Badauthal mit einem graugrünen Mineral, das er fdr eine 
Mischung von Protobastit und Diallag hielt. Die ausser- 
ordentliche Verbreitung dieser Verwachsung ist dann durch 
die mikroskopisch-petrographischen Untersuchungen festgestellt. 
RosENBüscH* erwähnt eine ganze Reihe von Vorkommen aus 
Gabbros und Noriten bereits 1877 und Trippke (dies. Jahrb. 
1878. p. 673) formulirte wohl zuerst das Verwachsungsgesetz: 
Diallag und Enstatit in den OlivinknoUen des Gröditzberges 
bei Goldberg wechseln in zahlreichen Lamellen so miteinander 
ab, dass {100} // {010} und ausserdem die Axen c parallel 
liegen. 

Seitdem ist die Verwachsung sehr häufig beobachtet, sowohl 
in effusiven wie sogen. Tiefengesteinen; dabei ist die Aus- 
bildung sehr mannigfaltig. So beobachtete G. H. Williams^ 
in den Peridotiten von Peekshill, N. Y., die Verwachsung ohne 
bestimmte Grenzlinie beider Minerale, bald ist der Bronzit 
dem Augit in Lamellen eingelagert, bald umgekehrt. Osann ^ 
fand als Verwachsungsfläche in Daciten vom Cabo de Gata 
Prismenflächen, V7einschenk (dies. Jahrb. BeiL-Bd. 7. 239, 
144. 1891) in japanischen Andesiten neben einfachen Ver- 
wachsungen auch Umwachsungen des Hypersthens durch Augit, 
ferner lamellare, mikroperthitähnliche Durchdringung und Ab- 
grenzungen beider längs {001} des Augits. Im Olivingabbro 
von Ronsperg in Böhmen dagegen fand Martin^ im Diallag 
Hypersthenlamellen parallel dem Elinopinakoid eingeschaltet, 
Tarassenko (dies. Jahrb. 1899. 1. -474-) im Augit der Gabbro- 
formation des Shitomir'schen und RadomyPschen Kreises in 
Lamellen nach {HO}, {010} oder {0kl}; wenn hier beide 
Minerale in paralleler Verwachsung nebeneinander liegen und 
der Diallag in den rhombischen Pyroxen eindringt, um mit 
den im Innern vorhandenen Diallaglamellen sich zu verbinden, 
so war die Verwachsungsebene der Basis des Diallags parallel, 
entsprach also etwa {102} des Bronzits. 

Nach Becke* erscheint der Hyperstheu im Andesit der 



^ Rosenbusch, Mikr. Phys. 2. 463 u. 478. 1877. 

* G. H. Williams, Amer. Journ. of Sc. 31. 38. 1886. 

' Osann, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 43. 688. 1891. 

* Martin, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 17. 117. 1898. 

* Becke, ibid. 18. 537. 1899. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen Terschiedener Art. 



411 



Insel Alboran z. Th. als Kern von Augit, der scharf an ihm 
absetzt und dann stets vielfach nach {100} verzwillingt 
ist. Über ähnliche, und zwar zonenartig erscheinende üm- 
wachsungen des rhombischen durch monoklinen Augit berichtete 
ScHWANTKE ^ kürzlich aus Basalt von Burgwald n. Marburg i. H. 
(Fig. 66); auch hier baut sich der umwachsende Augit 
aus Zwillingslamellen nach {100} auf, und Schwantke ist 
sogar geneigt, aus dem Umstand, dass gerade dieser „ver- 
schlackte" Augit verzwillingt ist, andere dagegen nicht, zu 
schliessen, dass der verschlackte aus Enstatit durch üm- 




Pig. 66. 

Schmelzung entstanden ist. Dass gerade hier Zwillinge 
nach {100} entstanden, lässt sich in der That dadurch 
erklären, dass jene zwei Stellungen des Augits zum 
rhombischen Pyroxen gleich wahrscheinlich sind. 

Auch Lacroix^ berichtet übrigens, dass da, wo in den 
Einschlüssen vulcanischer Gesteine der rhombische Augit ge- 
schmolzen ist, aus dem Glas zuweilen Neubildungen von mono- 
klinem entstehen, welche zum rhombischen orientirt gelagert 
sind. Bei den oben aus Dacit vom Cabo de Gata erwähnten 



> Schwantke, Centralbl. f. Min. etc. p. 16. 1902. 

' Lacroix, Mineralogie de la France. 1. 546. 1893/95. 



Digitized by 



Google 



412 0. Mttgge, Die regelmässigen Verwachsangen 

Vorkommen ist der Bronzit zusammen mit Aagit ebenso aus 
Hornblende hervorgegangen. Indessen ist er, wo er von Aogit 
später umwachsen ist, durchaus nicht stets angeschmolzen, 
sondern z. B. in den Ändesiten von Guatemala nach Bergeat ^ 
scharf umgrenzt. Morozewics' beobachtete, dass auch der 
Enstatit seiner künstlichen Schmelzflüsse zuweilen rings von 
einer dünnen Binde monoklinen Augits umgeben war. 

61. Bronzit mit Hornblende. 

Tschermak' scheint diese Verwachsung zuerst beobachtet 
zu haben, und zwar in Bronzit vom Ultenthal ; die Hornblende 
zeigt sich namentlich in der Binde der Bronzitkörner , ist 
also vielleicht uralitisch, ebenso in den vom Verf. (dies. Jahrb. 
Beil.-Bd. 4. 580. 1886) erwähnten Verwachsungen aus grano- 
phyrischem Gestein des Massai-Landes. Unzweifelhaft ura- 
litisch war die Hornblende in den von G. H. Williams* be- 
schriebenen Verwachsungen aus Gabbrogesteinen von Baltimore 
und den später von Hobbs* untersuchten von Maryland; in 
beiden Fällen ist die gegenseitige Orientirung nicht näher an- 
gegeben, wird aber anscheinend als sogen. Parallelverwachsung 
(wie bei Augit-Homblende) angesehen. Osann^ beobachtete, 
dass in Dacit vom Cabo de Gata die Hornblende randlich und 
längs Sprüngen in ein Gemenge von Augit und Bronzit ver- 
wandelt war, wobei alle drei mit ihren Prismenflächen parallel 
lagen, umgekehrt fand A. Young (Dissert. Berlin 1902. p. 214) 
die Hornblende in Parallelstellung mantelformig um Hypersthen 
in Andesit der Caldera Toruno, Quilindafia, Ecuatorianische 
Ost-Cordillere. Ebenso ist nach Lacroix ' diese Verwachsung 
ganz analog der zwischen Augit und Hypersthen. Lamellare 
Einlagerungen von Hornblende fand Johannson ® in dem Vor- 
kommen von Almeklovdal, Söndmore, Norwegen, Martin^ 



1 Bebgeat, Zeitschr. d. deutach. geol; Ges. 46. 131. 1894. 

* MoKOZKWics, Tschermak's Min. n. petr. Mitth. 18. 174. 
8 TscHEEMAK, Min. Mitth. p. 43. 1871. 

* G. H. Williams, ü. S. Geol. Survey. BuU. 28. 42. 1886. 
^ HoBBS, Trans. Wisconsin Acad. Sc. 8. 156. 1892. 

« OsANN, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 43. 688. 1891. 

' Lacroix, Minferalogie de la France. 1. 544 u. 665. 1893/95 

* Johannson, Ref. Zeitschr. f. Kryst. 23. 153. 1894. 

» Martin, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 16. 116. 1897. 



Digitized by 



Google 



Ton Mineralen yerschiedener Art. 413 

unregelmässige Körner von Bronzit in Hornblende von Rons- 
perg in Böhmen. 

62. Anthophyllit-Hornblende. 

Rhombische und monokline Hornblende verwachsen ganz 
analog wie die Pyroxene, nämlich nach Rosenbusch ^ so, dass 
beide die Axen c und b gemeinsam haben. Die Verwachsung 
ist z. Th. lamellar; als Verwachsungsfläche erwähnt Lacboix^ 
{110}, zuweilen aber umhüllt auch die Hornblende den Antho- 
phyllit (Vorkommen im Amphibolgneiss von Kjernrudvands). 

68. Lorenzenit-Ägirin. 

Auf einem Ägirinkrystall von Julianehaab in Grönland 
beobachtete Flink ^ Lorenzenitkrystalle so aufgewachsen, dass 
ihre Verticalachsen parallel waren, während zugleich {100} 
des Ägirin parallel {010} des Lorenzenits war. (Geometrische 
Beziehungen zwischen beiden Mineralen sind in der Zone der 
{hko} nicht vorhanden, wohl aber in der gemeinsamen Fläche 
{100} bezw. {010}.) 

64. Augit mit Serpentin. 

Schon G. Rose* beobachtete Pseudomorphosen von Ser- 
pentin nach Diallag von Miask, bei welchen ihm aufßel, dass 
die Absonderung nach {100} sehr gut erhalten war. Rosen- 
busch ^ erwähnt, dass die faserigen und schuppigblätterigen 
Aggregate von Serpentin und Chlorit nicht selten die Mikro- 
structur des Mutterminerals sehr getreu bewahren, und hält 
es für wahrscheinlich, dass auch andere als rhombische Pyroxene 
einer Umwandlung zu Bastit fähig sind, was Hintze^ aller- 
dings bestreitet. Neuerdings hat aber Lacroix ^ in metamorphen 
Gesteinen der Pyrenäen Pseudomorphosen von Antigorit 
nach stark gepresstem und polysynthetisch nach {100} ver- 

> Rosenbusch, Mikr. Phys. 1. 405. 1885. 

* Lacroix, Compt. rend. 102. 1329. 1886. 

3 Flink, Meddelelser om Grönland. 24. 137. 1899. 

* G. Rose, Poqg. Ann. 82. 523. 1851. 

« RosENBüscH, Mikr. Phys. 1. 529. 1892. 

* HiNTZE, Handb. 2. 974. Anmerkung 1. 

^ Lacroix, Bnll. d. serv. Carte g6ol. d. 1. France etc. 71. 1900; dies. 
Jahrb. 1901. IL -229-. 



Digitized by 



Google 




414 0. MUgge, Die regelmässigen Verwachsongen 

zwillingtem D i o p s i d beobachtet. Über die gegenseitige Stel- 
lung ist nichts angegeben, indessen die gleiche wie bei Bronzit 
wohl anzunehmen, zumal die Lagerung bei Amphibol auch die 
entsprechende ist (vergl. folgende Nummer). 

65. Hornblende -Serpentin. 

Patton * beobachtete im Amphibolgestein von Marienbad 
als Umwandlungsproduct der Hornblende eine einheitlich aus- 
löschende Substanz mit im Dünnschliff schwer wahrnehmbarer 
Spaltbarkeit nach {100} des Tremolits. Es liegt in ihr c // c 
des Tremolits, b // b, und in Spaltblättchen nach {100} erkennt 

man den Austritt der optischen 
Axen um eine negative Bisectrix. 
Die Substanz ist also durchaus 
ähnlich dem Bastit und analog, wie 
dieser zum rhombischen Pyroxen, 
so hier zur Hornblende gelagert 
Pig. e7. (Fig. 67) (ausserhalb der Band- 

partien und Spaltrisse). 
In demselben Tremolit erscheint der Serpentin in den 
Randpartien und längs Spaltrissen // {110} noch in einer an- 
deren Orientirung, nämlich in parallel {110} eingelagerten 
Täf eichen, bei welchen wieder c //c, aber a J {110} der Horn- 
blende liegt (Fig. 67). 

66. Epididymit mit Endidymit. 

Von der Insel Lille Arö im LangesundsQord beschrieb 
Flink (dies. Jahrb. 1900. II. p. -366-) regelmässige Ver- 
wachsungen des monoklinen Eudidymits mit dem rhombischen 
Epididymit. Auf die, nach dem Gesetz „Zwillingsebene in 
der Zone (001 : 111), senkrecht {001}" verzwillingten Eu- 
didymite legt sich der Epididymit so, dass die Basisflächen bei- 
der parallel sind und die Kante zu {111} des Eudidymits par- 
allel ä des Epididymits ist. Schichten dieser Art wechseln 
nach {001} miteinander ab und bilden dicke Säulen. 

Dieselbe Verwachsung beobachtete Flink ^ später auch 
an Krystallen von Julianehaab in Grönland. 

* Patton, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 9. 97. 1888. 

* Flink, Meddelelser ora Grönland. 24. 61. 1899. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 415 

Anhang. 

1. Cordierit-Glimmer. Es ist bekannt, dass die glimmerartigen 
Zersetznngsproducte desCordierits vielfach mit ihrer vollkommenen Spaltungs- 
fläcbe parallel der Basis des Cordierits gelagert sind, namentlich in der als 
Gigantolith bezeichneten Varietät. Verf. beobachtete an derartigen voll- 
kommen spaltbaren Blätteben aus Granit von Abo (Auralith) noch den für 
Cordieritdrillinge nach {110} nnd {130} charakteristischen Zerfall in 
Sectoren, deren Grenzen nnter 30* nnd 60" zn einander geneigt waren. 
Axenebene je SO* gegen die Grenzen der 3 Sectoren geneigt, Axenwinkel 
schwankend, nur klein; Doppelbrechung negativ, erheblich stärker als bei 
Chlorit, fast wie bei Glimmer ; grünbraun, in Spaltblättchen kein merklicher 
Pleochroismus. Der Auralith ist darnach am ehesten dunklem Glimmer 
vergleichbar. Auch die „Knoten" mancher Contactgesteine sind bekannt- 
lich an der wirteiförmigen Zwillingsbildung noch als zersetzte Cordierite 
zu erkennen; indessen pflegt das, also auch hier regelmässig gelagerte 
Zersetzungsproduct meist viel schwächer doppelbrechend und insofern mehr 
chloritähnlich zu sein. Es ist sehr auffallend, dass die Zersetzung nament- 
lich nach {001} des Cordierits fortschreitet, da dies keine Spaltfläche ist. 

2. Olivin-Augit. Die Verwachsung beider (angeführt bei Tscherm ak, 
Lehrb. d. Hin. p. 97. 1897) ist nach gefälliger Mittheilung des Verfassers 
auf Grund goniometrischer Messungen nur als eine zufällige und beiläufig 
regelmässige zu bezeichnen. 

3. Zoisit-Epidot. Termier (Bull. soc. fran^. de min. 23. öO. 1900) 
erwähnt vom Mont-Pelvas (W.-Alpen), dass der Zoisit (in der von ihm als a 
bezeichneten Varietät) häufig den Epidot derartig umwächst, dass seine 
Spaltfläche {010} parallel {100} des Epidots liegt, zugleich seine Axe c 
parallel b des Epidots. Annähernd parallel liegen in beiden Mineralen 
also auch die geometrischen (zugleich meist auch die optischen) Symmetrie- 
bezw. Pseudosymmetrieebenen, welche zugleich z. Th. Zwillings- und Spalt- 
flächen sind. Die Verwachsung ist aber vermuthlich den isomorphen Über- 
wachsungen zuzurechnen, da die rhombische Symmetrie des Zoisits sehr 
zweifelhaft erscheint. 

67. Staorolith mit Cyanit. 

Diese regelmässige Verwachsung, anscheinend die zuerst 
beobachtete, ist gleichwohl schon von ihrem Entdecker Ger- 
MAR ^ ganz zutreffend definirt. Dartiach liegt {100} des Cyanits 
parallel {010} des Stauroliths, ausserdem die Axen c parallel 
(Fig. 68, nach Tschermak's Lehrbuch). Beide Minerale sind 
meist mit {100} bezw. {010} aneinander gewachsen, zuweilen 
auch der Staurolith von Cj^anit durchwachsen, ebenso findet 
sich der Staurolith von Cyanit umwachsen, auch kommen nach 



» Germar, Taschenb. f. Min. 11. 465. 1817. 

/Google 



Digitized by ^ 



416 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 



tm 



Fig. 68. 



Kenngott ^ Staurolithe mit dieser Stellung entsprechend ein- 
gelagerten Lamellen von Cyanit vor; diese sind vielleicht in 
Zwillingsstellung nach {100} oder nach [001] zu einander, 
denn diese Zwillingsstellungen würden dem obigen Ver- 
wachsungsgesetz alle gleichzeitig genfigen. Abgesehen von 
dem annähernd rechten Winkel in der Fläche {100} weist 
der Cyanit keine habituelle Ähnlichkeit mit 
dem Staurolith auf, indessen ist vielleicht 
bemerkenswerth, dass in den Zwillingen des 
Stauroliths nach {232} der Winkel der Axen c 
und der Flächen {010} sehr ähnlich ist dem 
Winkel der Axen c und der Flächen {100} 
der Zwillinge des Cyanits nach {121}. Soviel 
mir bekannt, sind aber Verwachsungen 
solcher Staurolithzwillinge mit solchen 
Cyanitzwillingen bisher nicht beobachtet, 
obwohl beide am Mte. Campione nebeneinander vorkommen. 
Nach einer Angabe bei Dana* scheinen diese Verwach- 
sungen nicht nur am Mte. Campione, sondern auch am Greiner 
im Zillerthal vorzukommen, sie werden in v. Zepharovich's 
Mineralogischem Lexikon aber nicht erwähnt. Verfasser beob- 
achtete zierliche mikroskopische Verwachsungen in Biotit- 
Chloritschiefer „aus dem Zillerthal" der hiesigen Sammlung, 
der makroskopisch auch grosse Stengel von Hornblende und 
Rhombendodekaäder von Granat enthält. 

Nach mikroskopischen Beobachtungen von M. Koch^ 
kommen sie auch vor in den sogen. Bestandmassen des 
Kersantits von Michaelstein am Harz. Ob an den bei Tenne 
und Calderön* angegebenen Fundorten die Verwachsung von 
Staurolith und Cyanit eine regelmässige ist und demselben 
Gesetze wie oben folgt, ist nicht zu ersehen. 

Anhanff. 

Andalusit-Cyanit. Es scheint, dass der Andalusit bei seiner 
Umwandlung in Cyanit eine bestimmte Orientimng annimmt. So erwähnt 

» Kennoott, Min. d. Schweiz, p. 137. 1866. 

* Dana, Syst. p. 560. 1892. 

^ M. Koch, Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst. f. 1886. p. 94. 

* Tenne und CalderOn, Die Mineralfundstätten der Iberischen Halb- 
insel, p. 249. 1902. 



Digitized by 



Google 



▼OD Mineralen verschiedener Art. 417 

Blvm (Facodom. III. Nachtr. p. 13. 1863), dass Andaloaite von Minaa Geräts 
auf zwei gegenüberliegenden Säulenflächen ganz mit Disthen überzogen 
sind, wobei {100) des letzteren parallel {110) des Andalnsits liegt. Ver- 
wachsungen mit parallelen Axen i (wobei der Disthen angeblich durch 
Dynamometamorphose entstanden sein soll) beschreibt anch Gramhann (Viertel- 
jahrsschr. d. Natnrf. Ges. Zttrich. 44. 346. 1899), indessen sind anch seine 
Angaben hinsichtlich der Orientirnng nicht genaa genug. Ebenso wenig 
vollständig bestimmt ist eine Verwachsung, welche Tschbbuax (Sitz.-Ber. 
Wien. Akad. 47. 451. 1863) in solchen Pseudomorphosen von Bodenmais 
beobachtete. Darnach sind die sämmtüchen Disthensäulchen, aus welchen 
das Stück besteht, parallel angeordnet, und zwar in der Eichtung der 
längeren horizontalen Diagonale der Andalusitprismen. Nach Onis (bei 
Tniors und Caldrrön, Die Mineralftindstätten der Iberischen Halbinsel 
p. 249. 1902) erscheint bei Serrada, Prov. Madrid, Andalusit von Disthen- 
lamellen so durchwachsen, „dass beide eine Fläche des Prismas gemeinsam 
haben, wogegen die anderen einen Winkel von 52* SO' bilden. ** 



68. Angit mit Biotit. 

Hier sind mehrere verschiedene Verwachsungen bekannt, 
davon nur die erste vollständig. 

a) Blum ^ beobachtete an einem Vorkommen von Monroe, 
New York, dass die Krystalle von Augit auf den Seitenflächen 
ganz mit braunem Glimmer (angeblich Clintonit) bedeckt waren; 
dieser bildet eine Oberfläche, welche mit der des Augits stets 
in dasselbe Niveau fällt. Die Glimmerblättchen haben sich 
nämlich so angeordnet, dass sie sich „in der Eichtung der 
Orthodiagonale des Augits anlegten und aneinander reihten, 
indem nun auf solche Weise die Querfläche des letzteren mit 
den glatten glänzenden Endflächen des Glimmers zusammen- 
fallen und dadurch selbst glänzend erscheint, enden die Seiten- 
flächen der GKmmerindividuen , welche zugerundet und wie 
aagesehmolzen sind, in den Seitenflächen {110} und {010} des 
Augits, wodurch sich dieselben ganz runzelig oder schuppig 
zeigen. "^ Der Glimmer ist übrigens auch in den Augit ein- 
gedrungen. Ähnliches soll nach Angaben von Blum auch 
Albert Müllbb bei Fassaiten des Monzoni beobachtet haben^ 
welehe dadurch in der Richtung der Querflächen z. Th. so 
leiskfe spaltbar wie Glimmer waren ^. 



* Blum, Pseudom. lU. Nachtr. p. 93. 1863. 

* Y. ZEPHARoyicH (Miu. Lex.) erwähnt solche Verwachsangen nicht. 
N. Jahrbneh f. Mineralogie etc. Beilageband XVI. 27 



Digitized by 



Google 



418 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 



Diese beiden, wie ersichtlich, nur unvollständig bestimmten 
Verwachsungen scheinen doch ganz analog zu sein den später 
von G. VOM Rath (dies. Jahrb. 1876. p. 389) genau be- 
schriebenen und abgebildeten regelmässigen Verwachsungen 
aus den Auswürflingen des Vesuv von 1872. Die Augite sind 
hier theils mit einzelnen, theils mit einer Hülle parallel ge- 
stellter Biotittäfelchen überkleidet, die Tafelfläche derselben 
parallel {100} des Augits, und ausserdem zwei Seiten der 
kleinen sechsseitigen Täfelchen parallel der Axe c des Augits 
(Fig. 69). Dabei stimmen die ebenen Winkel der Täfelchen 

nahezu mit den ebenen Winkeln 
der von {110} und {111} umgrenz- 
ten Orthopinakoidfläche (nämlich 
118^58' und 120^31') überein. 
Sieht man auf die Fläche {100} 
des Augits, so spiegeln Hunderte 
von kleinsten Biotiten, welche 
theils diese Fläche bedecken, theils 
aus anderen Flächen in gesetz- 
mässiger Stellung hervon-agen. In 
einigen Fällen ist die BiotithüUe 
um die Augite so dicht und dick, 
dass man kaum noch den Kern- 
krystall darunter ahnt. 
Anscheinend dieselbe Verwachsung ist ferner beobachtet 
von MoLENGRAAFF (vergl. unter No. 69), ferner von v. Kraatz- 
KoscHLAu * im Ägirinaugit des NepheUnsyenits der Foya, von 
DoERMER (dies. Jahrb. Beil.-Bd. XV. p. 606) in Amphibolpikrit 
vom Schlierberg bei Haiger, und von Graber* an Augit aus 
basischen Concretionen granitischer Gesteine von Südkämten. 
Dieses Vorkommen ist dadurch bemerkenswerth , dass der 
Biotit auf Kosten des Augits durch Resorption entstanden 
sein soll. Besonders schön endlich scheint das von Laoroix' 
beschriebene Vorkommen aus dem blue Ground von Monastery 
(Oranje^Freistaat) zu sein, wo der Diopsid bis faustgrosse 
zugerundete Krystalle bildet, auf dessen Absoriderungsflächen 

* V. Kbaatz-Koschlau, Tschermak's Min. a. petr. Mitth. 16. 226. 1897. 

* Graber, Jahrb. d. geol. Eeichsanst. p..274. 1897. 
' Lacroix, BuU. 80C. frang. de min. 21. 21. 1898. 




Fig. 69. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. . 419 

{100} der Biotit in mikroskopischen Lamellen zusammen mit 
grösseren Ilmenittafeln liegt. 

b) In dieser Verwachsung liegen die Blättchen von Biotit 
parallel {110} des Augits, während eine nähere Bestimmung 
fehlt. Es beschreibt sie bereits Rosenbüsoh*; der Pyroxen 
kann auch Ägirin sein*, Auch Läckoix* nennt diese Ver- 
wachsung eine häufige. 

69. HornbleHde mit Biotit. 

Auch hier sind zwei Verwachsungen, ganz entsprechend 
denen zwischen Augit und Biotit, bekannt. 

a) Kenngott * beobachtete am Vesuv zusammen mit Davyn- 
Drusen Pseudomorphosen von Phlogopit nach Hornblende. 
Sämmtliche ErjstäUchen des (srsteren sind parallel gruppirt 
und liegen mit ihren Tafelflächen parallel {100} der Horn- 
blende, zugleich eine ihrer sechs Seiten (also wohl die (010) 
oder (hhl) entsprechenden) parallel c der Hornblende. Auch 
MoLENGRAAFF (dics. Jahrb. Beü.-Bd. IX. p. 221) beobachtete in 
sogenannte Parallelverwachsungen von Hornblende und diallagr 
artigem Augit aus Quarzamphibolgabbro der oberen Cap- 
formation Biotit so eingelagert, dass seine Spaltfläche // {100} 
von Hornblende und Augit lag, und dasselbe fand Grübenmann ^ 
für Hornblenden des TöUits. Auch der (uralitischen?) Horn- 
blende des Gabbros von Laudenau bei Lindenfels im Odenwald 
ist nach Beobachtungen des Verfassers vielfach Biotit in der- 
selben Weise eingelagert. Eine nähere Orientirung gelang 
nicht, da der Biotit keine Kry stallumrisse hatte, sein Axen- 
winkel nahe 0** war und Versuche auf Schlagfiguren erfolglos 
blieben. 

b) Die zweite Art der Verwachsung ist viel häufiger, 
gleichwohl aber nur unvollständig bestimmt, also möglicher- 
weise keine gesetzmässige. Der Biotit Uegt mit seiner 
Tafelfläche // {110} der Hornblende; nähere Angaben fehlen. 



* RosENBüscH, Mikr. Phys. 1. p. 484. 1885; ferner: ibid. p. 531 
u. 583. 1892. 

» Rosenbusch, ibid. p. 536. 1S92. 

* Lacroix, Min. de la France. 1. 315. 1893/95. 

* Eenngott, Übers, miq. Forach, p; 125. 1855. 

^ GrubenmanN; Tschbrmar*8 Min, n. petr. Mitth. 16. 191. 1807. 

27* 



Digitized by 



Google 



420 0- ^^Sg^) ^^ regelmässigen Verwachfinngen 

G. VOM Rate (dtes. Jahrb. 1876. p. 390) gedenkt dieser Ver- 
wachsung bereits beiläufig bei Beschreibung der Verwachsung 
Augit-Biotit, Rosenbusch * erwähnt sie aus Graniten, Syeniten, 
Dienten, Andesiten etc., G. H. Williams^ von Hornblende und 
Phlogopit von St. Lawrence Cty., New York, F. E. Wright * 
von arfvedsonitischer Hornblende und Lepidomelan aus üm- 
ptekit von Cabo Frio*, auch nach Lacroix* ist diese Ver- 
wachsung häufig. 

c) Anscheinend gesetzmässige Einlagerungen von asbest- 
förmiger Hornblende in Biotit, in Pseudomorphosen nach letz- 
terem beschrieb S. Uroschewitz* aus dem Rudnick-Gebirge 
in Central-Serbien. Die Asbestfasem liegen stets den Strahlen 
der Schlagfigur des früheren Glimmers parallel und bilden also 
ein regelmässiges Netzgewebe. Ob die Asbestfasern, auch 
abgesehen davon, noch regelmässig znm Glimmer orientirt 
sind, ist leider nicht festgestellt; es wäre nicht unmögHcb, 
dass hier dieselbe Verwachsung wie unter a), aber mit Glimmer 
als Träger derselben vorläge; dann müssten die in {001} des 
Glimmers liegenden Asbestfasem auf {100} liegen und also 
parallel ihrer Längsrichtung auslöschen. 

70. Augit mit Hornblende. 

Die ersten Angaben über Verwachsungen von Augit und 
Hornblende machte Hatdinger*; er beobachtete am Smaragdit, 
besonders deutlich an solchem vom Bacher Gebirge, dass sich 
zwischen die Blättchen der Hornblende längs {100} Schichten 
eines anderen Minerals einlagerten, welches die Eigenschaften 
des Augits zeigte, u. a. die Absonderung nach {001}, wie der 
Salit und Mussit. Über die gegenseitige Orientirung fehlen 
indessen entscheidende Angaben, und angesichts der späteren 
Mittheilung in semem Handbuch muss es zweifelhaft bleiben, 
ob Haidinger die nach den Angaben von G. Rose und Tscher- 



* Rosenbusch, Mikr. Phys. 1. 468. 1885; ferner: ibid. 1. 683. 1892 
43. 189Ö. 

» G. H. Williams, Amer. Journ. of Sc. 39. 355. 1890. 

' F. E. Wrioht, Tscherhak's Min. n. petr. Mittk. 20. 247. 1901. 

* Lacroix, Min6r. de la France. 1. 315. 1893/95. 

* üroschewitz, Zeitschr. f. Kryst. 31. 389. 1899. 
< Haidimger, Gilbert's Ann. 75. 367. 1823. 



Digitized by 



Google 



Tön Mioeraleii rerabhiedener Art. 421 

HAs: dort thatsächlich vorkommende sogeB. Parallelverwach* 
suDg beider beobachtet und eii^annt hat. 

Genauere Mittheüangen machte znex^t F&. Köhler \ und 
zwar über das Vorkommen von der Baste i. Harz, wo er 
feststellte, dass der Diallag an seinen Grenzen o. a. von Horn- 
blende durchwachsen ist, derart, dass die Haupttheilunfs- 
üäche des Diallags die stumpfe Kante des SpaltuBgsi»iSftias 
von 124^ abstumpft, während zugläch alle „StructurMchen^ 
beider Substanzen einer und derselben Zone angehören. Im 
Jahre 1831 veröffentlichte dann G. Rose* seine ersten Be- 
obachtungen &ber den „Uralit^ von Miask und Arendal, wo 
Augit und Hornblende „mit parallelen Axen und in correspon- 
dirender Stellung'' v^wacfasen vorkommen. Er zog daraus 
aber bekannüich anfänglich den unrichtigen Schluss, dass 
Augit und Hornblende ebenso wenig wie Diallag und Augit 
verschiedene Minerale seien und schlug vor, die Vmetäten 
der genannten Art als Uralit zu bezeichnen. Erst als Weiss ^ 
die Uralite mit den Verwachsungen von zwei- und einaiig^Bm 
Glimmer, Orthoklas und Plagioklas etc. verglichen und be- 
merkt hatte, dass es unzulässig sei, einen neuen Namen für 
derartige Abänderungen einzufuhren, kam G. Eose^ zu dem 
Schluss, dass eine homoaxe Pseudomorphöse vorliege. Er 
macht in diesem Aufsatz, wie in einem früheren und späteren ^ 
zugleich Mittheflung von einer Anzahl weiterer Uralitvorkommen 
(Predazzo, Clausen in Tirol, Mysore (Ostindien), Arendal, 
Smaragdit von Corsica und dem Bacher Gebirge, Geschiebe 
der Mark Brandenburg u. a.), weitere makroskopische Vor- 
kommen lehrte Blüm^ kennen. Augit in regelmässiger Ver- 
wachsung nicht mit uralitischer, sondern mit basaltischer Horn- 
blende beobachtete Haidinger' zu Borislau. Die allgemeine 
Verbreitung uralitischer Hornblende wurde dann durch die 



■ Fb. KcVhler, Pogo. Ann. 13. 145. 1828. 
> G. BosE, ibid. 22. 329. 1831. 
* Weiss, Karstek's Archiv f. Mio. p. 566. 1832. 
« G. Boss, PoGO. Ann. 31. 609. 1834. 

^ G. Rose, ibid. 27. 97. 1833 u. 34. 21. 1835; ferner: Reise nach 
dem Ural etc. 2. 347 u. 575. 1842. 

« Blum, Pseudom. p. 159. 1843 und III. Nachtr. p. 151 ff. 1863. 
' Haidinöeb, aitz.-Ber. Wien. Akad. p. 470. 1855. 



Digitized by 



Google 



42^ 0. Mttgge, Die regelmässigen Verwachsangen 

mikroskopischen Gesteinsuntersuchangen festgestellt , und 
H. Fischer^ gab die erste mikroskopische Beschreibung. 

Da die geometrischen Verhältnisse der Endflächen bei 
Augit und Hornblende so sehr pseudorhombisch sind, dass im 
Allgemeinen durch Messung schwer zu entscheiden ist, wo 
der stumpfe und spitze Winkel ß liegt, andererseits die op- 
tischen Constanten in weiten Grenzen mit der Zusammen- 
setzung schwanken und die zur Orientirung sehr geeigneten 
Absonderungsflächen nach {001} des Augits, bezw. {101} der 
Hornblende bei letzterer sehr selten sind, endlich Ätzfiguren ^ 
bisher selten zur Orientirung benutzt sind, ist aus den meisten 
Angaben in der Literatur nicht zu entnehmen, ob bei der Ver- 
wachsung beider die Elinoaxen nach derselben oder entgegen- 
gesetzten Seiten der Axe c geneigt sind, die Verwachsungen also 
nahezu parallele oder niAezu zwillingsartige nach {100} sind. 
Nimmt man beim Augit die zweite Gleitfläche als {001}, bei der 
Hornblende als {101}, so scheinen bei den gewöhnlichen ura- 
litischen Verwachsungen {001} und {101} nach derselben Seite 
geneigt (ebenso bei gemeiner Hornblende und Augit die gleich- 
namigen Elasticitätsaxen c). Das ist nach der Angabe von 
RosENBüsoH* die herrschende Orientirung beim eigentlichen 
üralit, zugleich die von G. vom Rate (dies. Jahrb. 1876. p. 390) 
an aufgewachsenen KrystaJlen in Auswürflingen des Vesuv 
von 1872 beobachtete und abgebildete (Fig. 70), ebenso die 
von G. H. Williams* für ebenfalls makroskopische Verwach- 
sungen von Russell, St. Lawrence Cty., angegebene und ab- 
gebildete (Fig. 71, der Augit mit Lamellen nach {001}). Femer 
ergiebt sich dieselbe Stellung aus den optischen Beobachtungen 
von MicHEL-LfiVY* an uralitisirtem Diallag im Gabbro des 



» H. Fischer, Krit. mikr. Stud. I. Forts, p. 9. 1871. 

' Es steht bisher nicht fest, ob die Ätzfiguren bei den verschiedenen 
Varietäten hinreichend ähnlich sind, um eine sichere Orientimng derselben 
zu einander zu gestatten; im Allgemeinen ist anzunehmen, dass sie ebenso 
schwanken werden wie der Habitus, so dass als feste vergleichbare Rich- 
tungen, wie ich schon früher (dies. Jahrb. 1889. I. 239) betonte, in erster 
Linie die Oleitflächen zu berücksichtigen sind. 

« Rosenbusch, Mikr. Phys. 1. 669. 1892. 

• G. H. Williams, Amer. Joum. of Sc. 39. 357. 

* MicHEL-LfivY, Bull. soc. g6ol. France. (3.) 11. 273. 1883. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



423 



Mäconnais und Beäujolais, denen von W. Gross ^ in Gesteinen 
von Güster Gty., Goiorado, und aus Beobachtungen von La- 
cROix* über die Lage der Absonderungsflächen {001} bezw. 
{101}. Endlich führt dieselbe Orientirung auch Gräber^ an, 
und zwar f&r Hornblende in basischen Goncretionen granitischer 
Gesteine von Südkämten, welche aus Augit durch eine Art 
magmatischer Resorption entstanden sein soll. Becke^ fand 
in den trachytischen Gesteinen der Golumbretes die Elasti- 
citätsaxen c f&r die basaltische Hornblende und den daraus 
durch Resorption entstandenen Augit zwar nach entgegen- 
gesetzten Seiten von c geneigt, da aber die Dispersion der 
Auslöschungsrichtungen bei dieser Hornblende entgegengesetzt 





Fig. 70. 



Fig. 71. 



ist wie sonst, nämlich cc^ > cc^, wird geschlossen, dass die 
Auslöschung nach der entgegengesetzten Seite, wie bei den 
gewöhnlichen basaltischen Hornblenden, von der Axe h ab- 
weicht. Die Art der Verwachsung mit Augit ist demnach die 
gewöhnliche; unter Hunderten von Fällen hat Becke nach ge- 
ialliger Mittheilung nie die zu ihr hemitrope Stellung beob- 
achtet. 

Die Art der Ausbildung der Verwachsung ist eine 
sehr mannigfaltige. So wie am Vesuv erscheint der Augit 



» W. Gross, Amer. Joum. of Sc. 39. 368. 1890. 

* Lacroix, Min. de la France. 1. 641. 1893/95. 

3 Graber, Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. p. 274. 1897. 

* Becke, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 16. 158. 1897. 



Digitized by 



Google 



424 0. Mügge, Die r^elmttsslgen VerwachsuDgen 

mit kleinen Hornblenden besetzt, z. B. bei Arendal, im Brogso- 
thal^ bei Canaan, Comieeticat , und Akudlek in Grönlanal^, 
ferner z. Th. in den nach Willums oben erwähnten von Rus- 
sell und anderen Fundorten in New York. Dass umgekehrt 
auch grosse und kleine Augite auf Horablende aufgewachsen 
sind, erwähnt Hawbs* von Edenville, New York. Nicht- 
uralitische Ausbildungsformen sind ausser den letztgenannten 
und den Erystallen vom Vesuv wohl auch jene aus der Lava 
vom Korretsberge bei Kruft*, femer die schon oben erwähnten 
von Borislau und die von Frascati^ endlich die nach Gräber 
und Becks eben erwähnten. Solche bemerkte auch Lacroix^ 
in vulcanischen Gesteinen , und ausserdem wird man nach 
Rosenbusch' die Verwachsung auch in manchen Tiefengesteinen 
als primär ansehen müssen. Bei den eigentlichen Uraliten 
bildet die Hornblende zuweilen einen gleichmässigen Rand, 
seltener den Kern der Bildung, öfter scheint sie in unregel- 
mässigen Fetzen den Augit zu durchdringen, so dass Ver- 
wachsungen entstehen, welche an schriftgranitische erinnern, 
wie es z. B. Flett ® aus camptonitischen Gängen der Orkneys 
beschreibt. War der Augit verzwillingt nach {100}, so ist 
es, wie mehrfach beobachtet wurde, auch die Hornblende. 
Die meisten Glieder der Augit- und Hornblendereihe 
scheinen dieser Verwachsung fähig zu sein, z. B. der Omphacit 
und Smaragdit^, Augit und barkevikitische Hornblende*^ (Cabo 
Frio), gewöhnlicher Augit wie Diallag; da aber meist das eine 



* G. VOM Rath, Pogg. Ann. 135. 570. 1868. 
« TscHERMAK, Min. Mitth. p. 44. 1871. 

» Hawes, Amer. Journ. of Sc. 16. 397. 1878. 

* G. TOM Rath, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 26. 233. 1873. 
^ Tsc&ERMAK, Min. Mitth. p. 45. 1871. 

^ Lagroix, Mineral. France. 1. 666 n. 668. 1893/95. 

^ RosEMBUSGH, Mikr. Phys. 1. 557. 1892. So auch z. B. Iddings in 
Diorit und Andesit vom Electric Peak (12. Ann. Rep. U. S. Geol. Survey I. 
606 u. 612) und Doermer in Amphibolpikrit vom Schlierberg bei Haiger 
(dies. Jahrb. Beil.-Bd. XV. p. 601. 1902). 

8 Flett, Trans. Roy. Soc. Edinburgh. 39. 880. 1900. Perthitische 
Durchwachsungen erwähnt z. B. Rosenbusgh ans Monzonit (Elemente der 
Gesteinskunde p. 103. 1898). 

» TscHERMAK, Miu. Mitth. p. 44. 1871. 

»« Rosenbdsch, Mikr. Phys. 2. 246. 1896. 



Digitized by 



Google 



vou Mineralen verschiedener Art. 425 

Mineral ans dem andereo hervorgeht, pflegen Pyroxen und 
ATnphifool analogen Varietäten anzng^ören, so z. B. Salit und 
Tremolit von Canaan (Connecticut), weisser Diopsid and 
weisse Hornblende in körnigem Kalk des niederösterreidiJschen 
Waldviertels *, ebenso von Warwick, New York, dfa-en Über- 
waehsaiig nach G. vou Rath* an die von Orthoklas und 
Albit erinnert. Vor Allem macht sich diese Abhängigkeit aber 
geltend bei den alkalihaltigen (rliedem. Ägirin von Laaven 
enthalt nach Eosenbüsgh' Arfvedsonitfeta^n nntereinaader 
parallel so eingelagert, dass die Elasticitätsaxen c bei beiden 
(annähernd) zasammenfallen. Ebenso beobachtete beide in 
„paralleler Orientirung** auch Ussikg (dies. Jahrb. 1901. L 
p. -43-) in Nephelingest einen von Julianehaab; diese sind 
näher untersucht von Flink*; darnach soll der Agirin, welcher 
den Kern bildet, durch Umwandlung aus dem Arfvedsonit ent- 
standen sein; die der Axe c zunächst gelegene Elasticitäts- 
axe a weicht bei beiden nach entgegengesetzten Seiten von 
ihr ab. Abweichend war die Verwachsung von Ägirin mit 
einer arfvedsonitartigen, von ihm Katoforit genannten Horn- 
blende, welche Brögger* in Grorudit von Grusletten beob- 
achtete. Der Ägirin bildet eine scharf absetzende Randzone 
um den Katoforit, a des Ägirins und c des Katoforits sind nach 
derselben Seite der Axe c geneigt (Fig. 72). Femer beschreibt 
Brögger® orientirte Verwachsungen von Ägirin und Ägirin- 
diopsid mit Katoforit aus den Syeniten, wobei beide zuweilen 
in zonaren Schalen miteinander abwechseln, bei übrigens un- 
regelmässiger Begrenzung der Schalen'. Verwachsung von 
Ägirin mit Riebeckit beobachtete V. de SoüZA-BRANDäo ^ im 
Alkaligranulit von Alta-Pedroso (Alemtejo), wobei es sich 
anscheinend um Parallelverwachsungen handelt. Gross ^ be- 

» Becke, Tschkrmak's Min. u. petr. Mitth. 4. 389. 1882. 
« G. VOM Rath, Poog. Ann. 111. 263. 1860. 

• EosENBUscH, Mikr. Phys. 1. 565. 1892. 

• Flink, Meddelelser om Grönland. 24. 84. 1899. 

» Bröqger. Erupt. Gest. d. Kristiania-Geb. 1. 36. 1894. 

• Brögger, Erupt. Gest. d. Kristiania-Geb. 3. 170. 1898. 

^ Nähere Orientimng scheint hier kanm angängig, da der Ans- 
löschnngswinkel c : c dieser Katoforite zwischen 45—80^ schwankt. 
« V. de SouzA-BRANDao, Centralbl. f. Min. etc. p. 52. 1902. 

• Gross, Amer. Jonrn. of Sc. 39. 368. 1890. 



Digitized by 



Google 



426 



0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 



öbachtete, dass bei allen Verwachsungen von Pjrroxen und 
Amphibol die gleichnamigen Elasticitätsaxen nach derselben 
Seite von i geneigt waren; Fortwachsungen blauer faseriger 
Honiblende aus brauner, welche Augit in der gewöhnlichen 
Weise umwächst, hatten demnach die in Fig. 73 gezeichnete 
Orientirung. Eine directe Verwachsung zwischen Diallag und 
blauer Hornblende ohne Vermittelung von brauner Hornblende 
beschreibt Lacroix* aus alpinen und corsischen Gabbros, ebenso 
auch solche von Eiebeckit mit Ägirin aus corsischen Aplitenl 
Endlich scheint es nach den Angaben von Arzbuni^, dass 
auch Jadeit der Uralitjsirung und Verwachsung mit einem 
gleich zusammengesetzten Amphibol unterliegt. 





Fig. 72. 



Fig. 78. 



Aus den Analysen, namentlich von Hawes*, geht übrigens 
hervor, dass Augit und Hornblende in diesen Verwachsungen 
auch dann beträchtlich in der chemischen Zusammensetzung 
verschieden sein können, wenn die Hornblende uralitisch ist. 

Die von Haidinoeb (1. c.) beobachteten Verwachsungen 
zwischen Omphacit und Smaragdit, wobei dem Augit nach 
seinen Absonderungsflächen {100} der Smaragdit so eingeschaltet 
ist, dass dessen Prismenflächen parallel {100} liegen, scheint 
keine gesetzmässige zu sein. 

* Lacroix, Minferal. France. 1. 581. 1893/95. 

* Lacroix, ibid. p. 694—697. 

* Arzruni, Zeitschr. f. Ethnologie, p. 189. 1883. 

* Hawes, Amer. Journ. of Sc. 16. 397. 1878. 



Digitized by 



Google 



von Jünerftlen verschiedener Art. 



427 



71. Glimmer mit Chlorit. 

Bei Magnetcove, Arkansas, kommen nach 6. Eose ^ grosse, 
hexagonal umgrenzte Tafeln vor, welche einen sechsseitigen 
Kern von lauchgrtinem Pennin haben, der parallel dem Um- 
riss von hellgelblichgrünem Biotit mit parallelen Spaltflächen 
umwachsen wird; auf letzteren folgt wieder eine Pennin-, 
auf diesen wieder eine Biotitzone (Fig. 74). Tschermak^ 
machte darauf aufmerksam, dass nach Rose's Beobachtungen 
das lauchgrüne Mineral auch Klinochlor mit kleinem Axen- 
Winkel sein könne und beschrieb selbst mehrere neue Fälle 
der letzteren Verwachsung. Bei S. Marcel ist Klinochlor 
mit Phlogopit von ungewöhnlicher Ausbildung, nämlich ge- 
streckt // [010] verwachsen. Die dicken Streifen des letzteren 
ragen aus den Tafeln des Klinochlors wie Mauern aus einem 





Fig. 74. 



Fig. 75. 



breiten Unterbau hervor; die Endflächen beider Minerale 
sind genau parallel, die Längsrichtung der Phlogopite ent- 
spricht den Schlaglinien des Klinochlors, so dass also die 
Schlagfigur in beiden Mineralen parallel liegt. Da der Klino- 
chlor nach dem Glimmergesetz verzwillingt ist, handelt es 
sich mithin um parallele Verwachsungen von Drillingen beider 
Minerale (Fig. 75). Die Verwachsung wiederholt sich in den 
Spaltungsblättchen verschiedener Niveaus, dabei ist der Phlogo- 
pit vielfach weniger regelmässig begrenzt, tiberwiegt auch 
zuweilen gegenüber dem Klinochlor, während meist das Um- 
gekehrte stattfindet. Ein anderes Beispiel derselben Ver- 
wachsung beschrieb Tschermak von Kariaet in Grönland. Die 
bis 10 cm grossen Tafeln von Klinochlor erscheinen am Rande 

* G. Rose , Monatsber. Berlin. Akad. p. 35. 1869 ; auch Poög. Ann. 
138. 177. 1869. 

* Tschermak, Sitz.-Ber. Wien. Akad. 99. 85. 1890. 



Digitized by 



Google 



428 0. Mügge, Die regeJmäsaigeii Verwachsnngeii 

braun gefärbt und von vielen feinen Sprüngen parallel den 
Druck* und Schlaglinien durchsetzt. Im Innern der Tafeln 
treten braune, nach den Richtungen der Sdilagfigur gestreckte 
Streifen und Flecken von nnregelmässigen und verwaschenen 
Umrissen auf. Die braunen SteUen haben die Eigenschaften 
des Phlogopit und aus den optischen Eigenschaften schliesst 
TscHSRHAK, dass an Stellen des FarbenUbergaages eine Mischung 
von Phlogopit und Elinochlor vorhanden sei und dass dort, wo 
eine einheitliche Interferenzflgnr zu beobachten ist, ungemein 
dünne Blättchen beider Minerale miteinander abwechseln. 
Verwachsungen von Pennin und Phlogopit beobachtete Tschsr- 
MAE auch an einer Stufe von Zermatt ; zuweilen folgen beide 
Minerale schichtenweise aufeinander, zuweilen liegt reiner 
Phlogopit innen, reiner Pennin aussen, in der Mittelzone eine 
Mischung beider. Endlich ist der Tabergit von Taberg in 
Wennland nach Tschermak ein Gemenge von Klinochlor oder 
Pennin, welchen beiden Phlogopit in ähnlicher Weise wie in 
dem Vorkommen von Kariaet innig beigemischt ist. 

Auch Lüdecke* erwähnt beiläufig Verwachsungen von 
Kaliglimmer und grünem Chlorit aus Glaukophanschiefer von 
Syra, ebenso Weinschenk* solche von Biotit und Chlorit in 
Parallelverwachsung aus dem Centralgranit des Gross- Vene- 
diger-Stockes. Ob auch der aus dunklem Glimmer hervor- 
gehende Chlorit regelmässig zum Muttermineral orientirt ist, 
lässt sich aus den bisherigen Angaben nicht feststellen. 

Anhang. 

1. Die Verwachsungen der monoklinen Pyroxene untereinander, 
ebenso der monoklinen Amphibole, der Glimmer, femer von Orthit und 
Epidot und ähnliche, fiber welche mancherlei Angaben vorliegen, sind hier 
zu den Verwachsungen isomorpher Substanzen gerechnet und demnach von 
4er Betrachtung ausgeschlossen, obwohl die Sandnhrstructur der Augite 
und Ähnliches zeigt, dass nicht alle Flächen den verschiedenen Mischungs- 
componenten gegenüber sich gleich verhalten. 

2. Monokline Humite^ Vergl. einige Angaben über die Ver- 
wachsung optisch erheblich verschiedener Humite unter No. 59. 

3. Orthoklas mit Augit und mit Biotit. Hierllber hat 
Zakbonini (Zeitschr. f. Kryst. 82. 533. 1900 u. 34. 244. 1901} Angaben 
gemacht, indessen bedürfen sie der Ergänzung und Bestätigung. 



^ Lüdecke, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. p. 263. 1876. 
« Weinschknk, Abb. bayer. Akal 18. 87. 1894. 



Digitized by 



Google 



Yon Mineralen verschiedener Art. 



429 



4. Orthoklas mit Mnscovit. Der ans der Zersetzung des 
Orthoklases entstehende Moscovit liegt mit seiner Tafelfläche grössten- 
theils // {001} , znm kleineren auch // {010) und {h k o) (Ebeue der 
perthitischen Einlagerungen?). In Dünnschliffen von zersetzten Orthoklas- 
Eiern aus Rapakivi parallel {001} bemerkt man vielfach regelmässige Um- 
grenning der Muscovite ; sie bilden Sechsecke, die längeren Seiten // {010}, 
die kCbrzeren // {HO) ca. Indessen erweisen sich solche Muscovitblättchra 
alff optisch wenig homogen (wahrscheinlich auch verzwillingt) , die Ebene 
der optischen Axen ist nicht festzustelleu. 

72. Orthoklas und Plagioklase ^ 

Die ersten Angaben über diese Verwachsung rühren wohl 
von G. EosB * her. Er erwähnt einen Überzug „von klarem, 
reinem Adular^ und Albit auf fleischrothem Feldspath vom 
Prudelberg bei Stonsdorf unweit Hirschberg i. Schi, und von 
Albit bei Baveno. Letztere hat nach eigener 
Angabe '^ auch Haidingee bereits 1825 in 
seiner Übersetzung des MoHs'schen Gnind- 
risses beschrieben, sie erfolgt so, dass der 
Albit in „Parallelstellung^ zum Orthoklas als 
Ejystallhaut namentlich auf {010} erscheint. 
Bald darauf machte L. v. Buch^ Mittheilungen 
über solche Verwachsungen aus dem Granit zwischen Melide 
und Morcote am Luganer See. Ihre Ausbildung ist sehr 
auffallend (Fig. 76), indem der rothe Ortholdas der Form 



^ 



Fig. 76. 



^ Man könnte diese Verwachsung unter der Annahme, dass Orthoklas 
und Mikroklin nicht wesentlich verschieden sind, den isomorphen Ver- 
wachsungen zuzählen. Da aber ersteres immerhin nur eine Vermuthung 
ist (man könnte fast ebenso gut dann auch z. B. die Hnmite vereinigen), 
und die Mischung von Orthoklas und Plagioklas anscheinend stets nur eine 
meehanische ist, habe ich es für richtiger gehalten, sie den regehnässigen 
Verwachsungen nicht isomorpher Substanzen znznzilhlen. Dementsprechend 
mttsste nun auch die Verwachsung von Orthoklas und Mikroklin hier eine 
Stelle finden, und zugleich die Verwachsung von Orthoklas mit Plagioklas 
von der Verwachsung Mikroklin mit Plagioklas getrennt werden. Das ist 
indessen nicht ausföhrbar, da in der älteren Literatur naturgemäss nie, in 
der neueren fast nie hierbei zwischen Orthoklas und Mikroklin unter- 
schieden ist. 

» G. Rose, Gilbbrt's Ann. 73. 191. 1823. 

' Haidinger, Sitz.-Ber. Wien. Akad. 1. 193. 1848. 

* L. V. Buch, Abh. Berlin. Akad. a, d. J. 1827. p. 193 (gelesen 
19. Febr. 1826). 



Digitized by 



Google 



430 ^' ^^SS^f ^i^ regelmässigen Verwachsungen 

{110} . {001} . {101} von zwei weit vorstehenden, fast farblos 
durchsichtigen papierdünnen Albitzwillingen nach {010} wie 
von einem Rahmen umgeben wird ; andere klare Albite liegen 
wie ein Schmelz auf den Flächen {110} und {010}, fast keine 
auf {001} und {TOI}. Weiss * verweist nun bei Gelegenheit 
der Auffindung des Uralits bereits darauf, dass „bekanntlich'^ 
der aufgewachsene Albit ganz constant auf bestimmte Weise 
auf dem Orthoklas aufgewachsen ist, „denselben, soweit seine 
Structur ihm ein solches möglich macht, verlängernd." Eine 
nähere Beschreibung solcher Verwachsungen gab dann Hai- 
niNGER (1. c). Besonders schön sind sie darnach entwickelt 
an den Krystallen vom Cavalierberg bei Hirschberg i. Schi. ; 
die Albite erscheinen wie ausgeschwitzt aus dem Orthoklas 
und sind nach dem dreifachen Reflex der Spaltungsflächen 
durch den ganzen Orthoklas vertheilt; es liegt 
also hier die erste Beobachtung über die später 
als „p er thi tisch* bezeichnete Durchwach- 
sung beider Feld- 
späthe vor. Als 
analoge Erschei- 
nungen erwähnt 
Hatoinger auch be- 
Fig. 77. reits theilweise von ^^^^ „ 

Adular überdeckte 
Zwillinge von Periklin (Fig. 77) und Albit (Fig. 78). Haidinger 
betrachtet die Bildung der Albite auf dem Orthoklas als 
eine dem Saigerungsprocess analoge Umkrystallisation* und 
auch G. Rose' war hinsichtlich der Krystalle aus dem 
Riesengebirge zu demselben Resultat gekommen, erwähnte 
aber gleichzeitig, dass auch unzweifelhaft primäre ümrindungen 
von Orthoklas durch Oligoklas in ganz frischen Porphyren und 
Gneissen vorkommen. Breithaupt* endlich lenkte gelegentlich 
einer Wiederholung der oben angeführten Beobachtungen die 
Aufmerksamkeit auf Feldspäthe von Perth bei Bathurst in 
Canada als einer ähnlichen Verwachsung von zweierlei Feld- 

» Weiss, Karsten's Arch. f. Min. p. ö66. 1832. 
« Haidingee, Sitz.-Ber. Wien. Akad. p. 92. 1853. 
» G. Rose, Pogg. Ann. 80. 123. 1850. 
* Breithaüpt, Berg- u. hüttenm. Ztg. p. 69. 1861. 





Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



431 



späthen, bei welchen aber viele Lagen beider längs {100} 
miteinander abwechseln und nannte sie „Perthite". 

Orientirung. L. v. Buch hat an seinen Krystallen Mes- 
sungen anscheinend nicht angestellt, aber vermuthlich {010} 
und die Axen d als parallel betrachtet. Hatdikoer (1. c. 1848) 
scheint es, dass die Axen ^ parallel liegen, ausserdem viel- 
leicht die Flächen {010}; später (1853) bezeichnet er die 
Stellung als eine „möglichst parallele^. Demgegenüber giebt 
Breithaupt (1. c.) an, dass bei Krystallen von Baveno nament- 
lich die Flächen {001} zusammen einspiegeln, bei den mit 
Adular besetzten Periklinen sollen dagegen die Axen c und 
Flächen {101} parallel liegen, endlich im Perthit die beiderlei 
Basisflächen 2® zu einander geneigt sein. Nach Gerhard^ 
liegen im Perthit die Axen c parallel, um dieselben sind die 
übrigen Flächen „ganz analog gruppirt", die Flächen {101} 
fallen nicht zusammen. Für die Verwachsungen von Stokö 
konnte Brögger^ die Angaben Brefthaupt's , nach welchen 
hier die Axen und die Flächen {001} parallel sein sollten, 
nicht bestätigen^; die Axen c sind allerdings jedenfalls par- 
allel, ausserdem, wie es scheint, bald 
{100}, bald {010}, bald ausschliesslich c. 
Jetzt wird in den Lehr- und Hand- 
büchern meist angegeben, dass (^ und 
{010} parallel liegen (Fig. 79, nach 
Tschermak's Lehrbuch), indessen konnte 
neuerdings Viola* feststellen, dass auf 
Periklin von der Weidalp im Habachthal 
Adulare so aufgewachsen sind, dass die 
{001} bis auf wenige Minuten und ausser- 
dem die Axen b parallel sind. Mir scheint 
es sehr wohl möglich, dass die parallelen Elemente je nach 
der Art des Wachsthums und der Ausbildung der Verwachsung 
verschieden sind, indessen dürften in den allermeisten Fällen {010} 
und die Axen c parallel sein, und zwar so, dass die Flächen (001) 
beider (Komponenten nach derselben Seite von i neigen. Der- 




Fig. 79. 



^ Gerhard, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 14. 151. 1862. 
« Brögger, Zeitschr. f, Kryst. 16. 523. 1890. 
' In Strenge ist das überhaupt nicht möglich. 
* Viola, Zeitschr. f. Kryst. 32. 307. 1900. 



Digitized by 



Google 



432 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

artige Stellungen sind für den Albit nocbi zwei möglich, welche 
zu einander hemitrop nach {010} sind. 

Die Art der Ausbildung, hauptsächlich bedingt durch 
die Lage der Verwachsungsfläche, ist eine sehr mannigfaltige. 
Bei den Anfwachsungen fand HAmiKGBiR (1. c. 1848) an 
den Erystallen von Baveno alle Flächen {hkO} von Albit 
überzogen, die übrigen frei, E. Beckesl^ bei den Stiiegauer 
Krystallen die Überwachsang gewöhnlich nur auf {110} und 
{010), auf {001} nur dann, wenn die Fläche verletzt war; 
nach Klockmann ^ sind die Mikrokline von Hirschberg entweder 
vollständig von Albit Überzogen oder einzelne Flächen bevor- 
zugt; zusammenhängende Überzüge kommen fast nur auf 
Flächen {001}, {010} und {101} vor, während auf den Flächen 
der „Horizontalzone'' ', mit Ausnahme von {010}, durchgängig 
eine Auflösung in einzelne Individuen stattfindet und {201}, 
{111} und {111} niemals Überwachsungen tragen, Woitschagh^ 
hingegen beobachtete auf dem perthitischen Feldspath im 
Granit von Eönigshain den Albit auf den Flächen {010} . 
{111} . {201} . {001} und {110}, zuweüen auch auf {101}, einige 
Erystalle auch mit einer vollständigen Kruste von Albit be- 
deckt. Auf den Harzburger ebenfalls perthitischen Orthoklasen 
fand Streng Albit auf {100} . {010} und {001}, ebenso auf 
Säulenflächen, z. Th. als glatten Überzug, z. Th. in Krusten, 
Brögger auf den Krystallen der Gänge von Frederiksväm, 
Laurvik und den Inseln des Langesundfjords einen gleich- 
massigen Überzug, besonders dick auf den Prismenflächen, 
dagegen meist ganz dünn auf den Endflächen und auf {010}. Es 
scheinen darnach bei den verschiedenen Vorkommen verschie- 
dene Flächen hinsichtlich der Überwachsang bevorzugt, {010} 
aber niemals frei zu sein, ersteres vielleicht in älinlicher Ab- 
hängigkeit von der Zusammensetzung der Nährlösung, wie 
der Habitus der Krystalle. 

Mehrfach wird berichtet, dass die aufgewachsenen Kry- 
stalle mit den perthitischen Einlagerungen yon Albit zusammen- 
hängen (KLOCKMijjMfr, WoiTSCHACH 1. c). Die auf den Ortho- 

> E. Bbcker, Dissert. Brealao. p. 7. 1868. 

* Klockmann, Zeitsehr. d. deutsch, geol. Ges. 34. 416. 1882. 

* Mnss wohl heissen Vertiealzone. 

« WoiTSCHACH, Eef. Zeitschr. f. Kryst. 7. 84. 1863. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



433 



klasen des Riesengebirgsgranits aufgewachsenen Albite sind 
nach Klockbiann meist verzwillingt nach {010}, nach Beütell * 
macht sich aber zwischen den (selten) auf {001} und den auf 
{110} aufgewachsenen ein Gegensatz bemerklich, indem erstere 
meist feine Zwillingsstreifen haben, letztere meist einfach sind. 
Femer fand Klockmann die auf den beiden Flächen (110) und 
(HO) aufgewachsenen Albite 
gleich orientirt, dabei zwil- 
lingsmäBsig nach {010} zu 
denen auf (110) und (HO) 
Fig. 80), was Beutell be- 
stätigte und Sabersky (dies. 
Jahrb. Beil.-Bd. VII. p. 391) 
mit den Durchkreuzungs- 
zwillingen der Albite vom 
ßoc-toum6 in Parallele 
stellte; indessen bleibt die 
Erscheinung immerhin auf- 
fallend, da nicht anzunehmen 
ist, dass der überwachsene 
Feldspath ein einfacher Zwil- 
ling nach {010} von Mikro- 
klin gewesen sei. PeriklinzwiUinge sind nach Beütell auf 
dem Orthoklas sowohl bei Striegau wie bei Hirschberg etc. 
selten und dann stets auf {010} aufgewachsen, übrigens charak- 
teristischerweise nicht gestreckt // b, sondern tafelig nach {010}. 
Bei den klaren Feldspäthen von Adularhabitus scheint 
im Gegensatz zu den eben besprochenen Vorkommen von 
Schlesien, Elba, Baveno, Lugano, dem Harz etc. fast stets 
der Kalifeldspath die jüngere Bildung zu sein, der daher auf 
Krystallen bald von Albit-, bald von Periklin-Habitus auf- 
gewachsen ist, sehr selten aber sie vollständig überzieht. 
(Pfitschthal: sowohl der Albit wie der gleichzeitig vorkommende 
Periklin von Adular überwachsen, am reichlichsten meistens 
{TOI}, Periklin zuweilen vollständig*; Untei-sulzbachthal : das 




Fig. 80. 



' Beutell, Zeitschr. f. Kryst. 8. 368. 1884. 

* Haidinger ) 1. c. p. 196. 1848 und v. Zepuarovich, Min. Lex. 2. 
4. 1873. 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XVL 28 



Digitized by 



Google 



434 



0. MUgge, Die regelmässigeu Verwachsungea 




Ganze erscheint wie ein Adularzwilling nach dem Karlsbader 
Gesetz, bei welchem {010} die Zusammensetzungsfläche ist 
und längs derselben ein schmaler Albitzwilling nach demselben 
Gesetz so eingeschaltet ist, dass die im Contact befindlichen 
Theile der verschiedenen Individuen die Axe c und die Fläche 
{010} so gemein haben, dass {001} beider nach derselben Seite 
der Axe c neigt* (Fig. 81); vom St. Gotthard und dem Mader- 

auer Thal', vom Skopi': 
Albitzwillinge auf {010} 
mit Adular besetzt; aus 
dem Dauphin^*; von der 
Piquette d6ras lids (Pyre- 
näen) : kammförmige Über- 
wachsungen*.) EineÜber- 
wachsung von grossen 
Anorthiten des Monzoni 
durch kleine Orthoklase 
erwähnt TsGHERHAK^; dass 
umgekehrt auch der 
Plagioklas den Adular 
überwachsen kann, zeigen u. a. das Vorkommen von Zöptau \ 
sowie die von Volger^ am St. Gotthard beobachteten Peri- 
morphosen von Albit nach Adular^. 

Die bekannten ümwachsungen nach Art der Feld- 




Flg. 81. 



' TscHERMAK, Min. Mitth. p. 196. 1872. 

* Kenngott, Min. d. Schweiz, p. 82, 83. 1866. 

* G. VOM Rath, Zeitschr. f. Kryst. 6. 39. 1881. 

* TSCHERMAK, 1. C. 

* Lacroix, Mineralogie d. 1. France. 2. 111. 1896/97. 

* TscHERMAK, Veih. geol. Reichsanst. p. 37. 1874. 

^ G. VOM Rate, Sitz.-Ber. niederrhein. Ges. Bonn. 37. 52, 

8 Nach Blum, Pseudom. IV. Nachtr. p. 32. 1879. 

® (Anmerkung während des Druckes.) Sehr mannigfaltige Bildungen 
dieser Art sind kürzlich von V. Neüwirth aus der Umgebung von Zop tan 
beschrieben und abgebildet (Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 21. 347. 
1902). Der Albit bildet hier z. Th. nach {010) tafelige Zwillinge nach <010), 
welche den Adular kreuzweise so durchwachsen, dass sie als zierliche 
Aufsätze auf seinen Flächen erscheinen; sie selbst sind dabei auf {110) 
und {110) noch wieder von Adular überrindet. Umgekehrt zeigen auch 
Albite von Periklin-Habitus Aufsätze, und auf {101} und {001} auch Über- 
rindungen von Adular. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 435 

spathe des Rapakiwi^ schliessen sich insofern jenen vom 
Riesengebirge etc. an, als bei ihnen der Kalifeldspath eben- 
falls innen, der Plagioklas aussen liegt. Schon G. Rose'^ 
erwähnt ähnliche ümwachsungen (durch Oligoklas) aus Granit 
des Riesengebirges, Breithaüpt * aus Granitporphyr von Alten- 
berg i. S. Die mikroskopischen Untersuchungen haben dann 
vielfach auch die umgekehrte Verwachsung kennen gelehrt, 
sie scheint darnach die häufigere zu sein*. Als noch ver- 
breiteter als diese makroskopischen und mikroskopischen Um- 
wachsungen haben sich aber die perthitischen Durch- 
wachsungen von Orthoklas (Mikroklin) und Plagioklas 
erwiesen. Bereits oben wurde daraufhingewiesen, dass eigent- 
lich Haidinger sie schon an schlesischen Feldspathen beob- 
achtete, ehe Breithaüpt sie nach dem Vorkommen von Perth 
benannte. Ihre weitere Verbreitung stellte dann wohl zuerst 
Gerhard (1. c.) fest, auch ermittelte er namentlich die chemische 
Zusammensetzung ihrer Plagioklase. Als Zusammensetzungs- 
fläche giebt Breithaupt {100) an, nach Tschermak ^ sind Flächen 
einer mittleren Lage zwischen {100} und {110} besonders häufig, 
am seltensten sind dagegen Einlagerungen längs {010} (z.B. 
Karlsbad); Streng (1. c.) giebt als Einlagerungsfläche f&r 
Perthit vom Radauthal ebenfalls {100} an. Fttr die bald als 
weit verbreitet erkannten mikroskopischen Verwachsungen 
derart^ führte Becke'' den Namen „Mikroperthit", für die 
noch feiner struirten, mikroskopisch nicht mehr auflösbaren 
Brögger (1. c.) den Namen „Kryptoperthit" ein; als Ver- 
wachsungsebene bestimmte er für jene Kryptoperthite, welche 
secundärer Entstehung sind {100}, für die primärer Entstehung 
dagegen {801}, nachdem Bedke (1. c.) und Osann (dies. Jahrb. 
1888, I. p. 120) bereits früher Abweichungen von der Lage 
{100} durch Messung festgestellt hatten, die auch von späteren 

* Vergi. darüber die Angaben bei Rosenbüsch, Mikr. Phys. 2. 54, 1896 
und namentlich Sederholm, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 18. 1. 1892. 

* G. Rose, Ber. Verh. preuss. Akad. p. 247. 1842. 
» Breithaüpt, Berg- n. hüttenm. Ztg. p. 70. 1861. 

* Rosenbüsch, Mikr. Phys. 1. 638. 1892. 

* Tschermak, Sitz.-Ber. Wien. Akad. 50. 572. 1864. 

« Vergl. darüber bei Rosenbusch, Mikr. Phys. 1. 514. 1885; 2. 62 
u. 530. 1887. 

' Becke, Tschermak's Min. u. petr. Mitth. 4. 199. 1882. 

28* 



Digitized by 



Google 



436 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

Beobachtern (Tarassenko, dies. Jahrb. 1899. 1. -470-) bestätigt 
wurden. Eingehendere Untersuchungen machte dann Ussmo 
(dies. Jahrb. 1899. 11. -358-); er ermittelte für grönländische 
Krystalle als normale Zusammensetzungsfläche bei gleich- 
zeitiger Entstehung beider Peldspathe {861} und {861} für 
Mikroklin und {801} flir Orthoklas ; er ist der Meinung, dass 
dieser Fläche eine ähnliche Bedeutung zukommt, wie dem 
rhombischen Schnitt der Periklinzwillinge * ; entstanden die 
Feldspathe nacheinander, so erscheinen als Verwachsungs- 
flächen {001} und {010} oder die Absonderungsfläche {100). 
Ähnliche Einlagerungsflächen wie Ussing giebt auch Högbom* 
für Krystalle von Hitterö an. 

Die grosse Mannigfaltigkeit dieser Bildungen ist nament- 
lich von UssiNG an grönländischen Feldspathen nachgewiesen : 
er unterscheidet zwischen Orthoklasperthit und Mikroklin- 
perthit, und nach dem Grade der Innigkeit der Verwachsung 
zwischen Mikroperthiten, welche u. d. M. noch deutlich als 
Verwachsung von Albit und Kalifeldspath zu erkennen sind, 
Kryptoperthiten , welche bei massiger Vergrösserung noch 
homogen erscheinen, und Natronorthoklasen bezw. Natron- 
mikroklinen (= Anorthoklasen), welche optisch homogen sind. 
Bei gleichzeitiger Krystallisation von Kali- und Natronfeld- 
spath sollen solche homogene Massen dann entstehen, wenn 
die zur Krystallisation* nothwendigen DifFusionsströmungen 
nur sehr schwierig oder gar nicht vor sich gehen können; 
im anderen Falle sollen perthitische Structuren auftreten, um 
so feiner, je schwieriger die Diffusion sich gestaltet. Übergänge 
zwischen den perthitischen Structuren und submikroskopischen, 
gewissermaassen molecularen, isomorphen Mischungen schilderte 
übrigens bereits Rosenbüsch* und machte auch auf den Zusammen- 
hang der Einlagerungen mit dem Lichtschein der Mondsteine 
und mancher Orthoklase des südlichen Norwegens aufmerksam. 



^ Dann ist allerdings za erwarten, dass sie ebenso wenig constant ist 
wie jene, sondern sich mit der chemischen Zusammensetzung und den 
geometrischen Constanten des durchsetzten und durchsetzenden Feldspaths 
ändert. 

» HöQBOM, Ref. Zeitschr. f. Kryst. 81. 314. 1899. 

^ Muss wohl heissen: «getrennten Krystallisation". 

* RosEiNBUscH, Mikr. Phys. 1. 515 f. 1885. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen Yerschiedener Art. 437 

Nirgends dürfte in der That die Annahme eines Zusammen- 
banges zwischen den regelmässigen Verwachsungen und iso- 
morphen Mischungen so nahe gelegt werden als hier bei den 
Feldspäthen, wo die verschiedene Symmetrie und die genaue 
Kenntniss der optischen Eigenschaften der Componenten die 
Erkennung der Verwachsung auch bei sehr mikroskopischen 
Dimensionen noch gestattet. 

Anhang. 

1. Arfyedaonit mit Ainigmatit. Bröggbr (Zeitschr. f. Kryst. 
16. 432. 1890) beobachtete an Krystallen von Ainigmatit von Nangakasik und 
Eangerdluarsuk in Grönland u. d. M. Parallelvenvachsungen mit Arfvedsonit; 
sie sind nach ihm wahrscheinlich ursprüngliche. Nähere Angaben fehlen. 

2. Gyps und seine Entwässerungsproduete. Die Ent- 
wässerungsproducte , welche sich aus Gyps beim Erhitzen auf 126— 140^ 
bilden, sind nach den Angaben von Doss (Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 
p. 146. 1897) und Lacroix (Compt. rend. 126. 360 u. 553. 1898) z. Th. 
regelmässig zum Gyps orientirt. Es sind folgende: 

a) Parallel i des Gypses verlängerte Bänder, in welchen c merklich 
^hief zur Längsrichtung liegt (die Tafelfiäche parallel (010) des Gypses). 
Sie erscheinen in Schnitten nach {100} des Gypses ebenfalls mit schiefer 
Auslöschung und verzwillingt nach {100} ; auch nach Schnitten _L c des 
Gypses ist das Mineral triklin und stark verzwillingt. Lacroix hält diese 
Bildungen für wasserfreies CaSO^, Doss ^ für Halbhydrat (CaSO^ . iHjO), 
van't Hoff und Weigert (Sitz.-Ber. Berlin. Akad. p. 1141. 1901) für ein 
lösliches Anhydrid. Sie nehmen sehr schnell wieder Wasser auf und ver- 
wandeln sich dabei nach Lacroix wieder in Gyps, z. Th. in Parallelstellung 
zum ursprünglichen. 

b) Rosettenförmige Gruppirungen von unregelmässig achtseitigem 
Umriss und complicirter Structur, anscheinend ebenfalls triklin und ver- 
zwillingt, die Orientirung zum Gyps für einzelne Bänder ähnlich wie vorher. 
Lacroix scheint sie für chemisch nicht verschieden von den vorigen zu 
halten; Doss beschreibt ähnliche Gruppirungen und bildet sie auch ab, 
vermuthet darin aber Durchkreuzungszwillinge von Anhydrit nach {011). 

c) Unterhalb 125^ erhielt Lacroix auch noch optisch positive, hexagonale 
Kryställcheu, deren Längsrichtung parallel c des Gypses lag. Lacroix 
vermuthete darin zuerst das von Le Chatelier dargestellte Halbhydrat, 
später giebt er an, dass sie ebenfalls CaSO^ seien, während sie nach 
VAN^T Hoff und Weigert in der That mit dem Halbhydrat identisch sind. 

Die orientirte Stellung dieser Neubildungen ist von Interesse an- 
gesichts der natürlichen, unter Wasseraufnahme entstandenen orientirten 
Neubildungen, wie Serpentine etc. 



' Auf Grund von Versuchen von H. Rose, Hoppe-Seyler, G. Rose u. a. 
vergl. die bei Doss aufgeführte Literatur. 



Digitized by 



Google 



438 0- Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

Allgemeiner Theil. 

I. Die geometrischen Verhältnisse der regelmässigen 
Verwachsimgen. 

Die gemeinsamen Elemente. Überblickt man die 
Gesetzmässigkeiten in der Stellung der beiden Componenten, 
so ergiebt sich, dass in allen hinreichend genau untersuchten 
Fällen eine (eventuell mehrere) bestimmte Flächen der einen 
mit einer (eventuell mehreren) der anderen parallel liegen ; 
dasselbe gilt hinsichtlich der Kanten. 

Krystalle des gleichen Krystallsystems, also sehr 
ähnlicher Symmetrie und mit z. Th. völlig {übereinstimmenden 
Winkeln, verwachsen zwar meist so, dass die krystallo- 
graphischen Axen und die Symmetrieelemente parallel oder 
nahezu parallel liegen (No. 1, 3—5, 27—30, 42, 47 a, 
40—52, 67—71), es giebt aber sehr entschiedene Ausnahmen 
(No. 2, 26, 43, 47 b u. c, 48). Man darf daraus wohl schliessen^ 
dass es bei allen diesen Verwachsungen von Krystallen ähn- 
licher Symmetrie nicht sowohl darauf ankommt, die krystallo- 
graphischen Axen und Symmetrieelemente parallel zu orientiren, 
als vielmehr darauf, eine oder mehrere Flächen und Kanten 
mit gleichen oder ähnlichen Winkeln gleich zu richten. Dieses 
Princip ergiebt sich dann namentlich aber mit grosser Evidenz 
aus der Verwachsungsart der viel zahlreicheren Componenten 
aus verschiedenen Krystallsystemen, und also mit 
verschiedener Symmetrie und verschiedenen Winkeln.. Be- 
sonders häufig ist hier das Zusammenfallen von Flächen mit 
drei Symmetrie- oder Pseudosymmetrielinien , welche also 
Winkel von genau oder nahezu 120^ miteinander bilden 
(No. 6, 9, 10, 12, 23-25, 34, 36—41, 44, 46, 57, 62, 65, 
68—70), dann fallen auch alle anderen in der gemeinsamen 
Ebene möglichen Kanten ganz (bezw. nahezu) zusammen. 
Andererseits sind Beispiele, wo die parallel liegenden Flächen 
in ihren Winkelverhältnissen einander ganz unähnlich sind, 
nicht häufig (Bleiglanz-Pyrit, Bleiglanz-Chlorblei, Pyrit- 
Markasit , Magnetit-Hornblende , Kalkspath-Quarz , Baryt- 
Witherit, Aragonit-Gyps , Astrophyllit-Glimmer) ; in diesen 
Fällen liegen meist doch noch ein Paar zu einander senkrechter 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 439 

Kanten in beiden Flächen parallel. Man kann daher wohl 
sagen, dass Ähnlichkeit in den Winkelverhältnissen der ge- 
meinsamen Flächen für regelmässige Verwachsung verschieden- 
artiger Krystalle ebenso bezeichnend ist, wie Ähnlichkeit aller 
Winkel bei isomorphen Verwachsungen. 

Darnach ist zu erwarten, und wird durch die Statistik 
bestätigt, dass regelmässige Verwachsungen zwischen höher 
symmetrischen (oder höher pseudosymmetrischen) Krystallen 
häufiger sind als zwischen niedriger symmetrischen. An den 
aufgezählten Verwachsungen sind nämlich betheiligt : reguläre 
Krystalle 30mal, hexagonale 27mal, tetragonale 14mal, also 
höher symmetrische im Ganzen 71 mal; ferner rhombische 
35 mal, monokline 34mal, trikline nur 2 mal, also niedriger 
symmetrische im Ganzen 71 mal. Unter den letzteren kommen 
aber nicht weniger als 41 mal solche vor, bei welchen die 
gemeinsamen Flächen höhere Pseudosymmetrie aufweisen. 

Sehr auffallend ist, wie oft manche Minerale, und zwar 
keineswegs nur die besonders häufigen, sich an Verwachsungen 
betheiligen. Man findet z. B. Arsenkies 3 mal, Augit 5 mal, 
Glimmer 11 mal, Bleiglanz 7 mal, Eisenglanz (Titaneisen) 5 mal, 
Fahlerz 4 mal, Hornblende 5 mal, Kalkspath 7 mal, Kupferkies 
5mal, Pyrit 5mal, Rutil 5 mal. Andere, sehr gemeine Minerale 
dagegen erscheinen auffallend selten, z. B. Quarz nur Imal, 
Feldspath Imal, Apatit, Granat, Epidot, Titanit, Zeolithe, 
Flussspath gar nicht, obwohl sie z. Th. zugleich unter sehr 
mannigfaltigen paragenetischen Verhältnissen vorkommen, und 
obwohl ihre Seltenheit in Verwachsungen auch nicht, wie bei 
Gyps, Steinsalz u. a. in der leichten Vergänglichkeit ihrer 
Krystalle begründet sein kann. Beim Quarz könnte man an 
einen Zusammenhang mit seinen eigenthümlichen geometrischen 
Verhältnissen (Enantiomorphie) denken. 

Aus der Übersicht geht ferner hervor, dass isomorphe 
Substanzen meist die Fähigkeit haben, mit derselben 
dritten Substanz in analoger Weise zu verwachsen, nämlich 
Magnetit, Magnoferrit und Pleonast mit Eisenglanz (bezw. 
Titaneisen), Markasit und Arsenkies mit Pyrit, und mit 
Magnetkies ; Muscovit und Biotit mit Jod-, Brom- und Chlor- 
kalium, ebenso mit NaNOg und mit (Na, K)N03, die Bronzite 
mit den verschiedenen monoklinen Augiten und auch mit ver- 



Digitized by 



Google 



440 0. MUgge, Die regelmässigen Verwachsungen 

schiedenen Hornblenden, Orthoklas mit den verschiedenen 
Plagioklasen. Bei der grossen Ähnlichkeit aller Winkel iso- 
morpher Substanzen und ihrer chemischen Analogie scheint 
dieses Verhalten selbstverständlich. Dasselbe trifft auch viel- 
fach zu bei nicht streng isomorphen, aber sehr winkelähnlichen 
und dabei chemisch verwandten Substanzen, wie Kalkspath 
und Dolomit gegenüber Na NO, , monoklinen und rhombischen 
Pyroxenen gegenüber Titaneisen und gegenüber Bastit, 
Glimmer und Chlorit gegenüber Magneteisen. Indessen 
machen sich hier doch schon Unterschiede bemerklich, 
indem z. B. Dolomit mit Natronsalpeter anscheinend sehr 
viel schwieriger als mit Kalkspath verwächst, ebenso Bastit 
anscheinend schwieriger mit monoklinem als mit rhombischem 
Pyroxen u. ä. 

Unter den Componenten der Verwachsungen befinden sich 
dann eine ganze Reihe solcher, bei welchen von drei oder 
mehr nicht isomorphen jede mit jeder oder mit mehreren der 
anderen in Verbindung treten kann; es entstehen so gewisser- 
maassen Verwachsungsketten. Obwohl in Strenge der 
Satz nicht zu gelten scheint, dass zwei Minerale, welche mit 
einem dritten regelmässig verwachsen, auch allemal unter- 
einander regelmässig verwachsen können — ein Satz, der 
etwa dem entsprechen würde, dass zwei Substanzen, die mit 
einer dritten isomorph sind, es auch untereinander sind — , 
so scheint doch die Frage berechtigt, inwieweit die Ver- 
wachsungsgesetze bei verschiedenen Gliedern einer Kette mit- 
einander harmoniren, ob also A und B, welche beide mit C 
verwachsen, wenn sie miteinander verwachsen, dieselbe Stellung 
einnehmen, welche ihnen zukommen würde, wenn man sie sich 
gleichzeitig auf C aufgewachsen denkt. Dies trifft thatsäch- 
lich in den meisten Fällen zu, aber nicht ausnahmslos. Die 
zutreffenden Fälle sind in den folgenden Schematen solcher 
Ketten durch ausgezogene, die nicht zutreffenden durch ge- 
strichelte Linien angedeutet, wenn dagegen überhaupt keine 
Verwachsung zwischen gewissen Gliedern beobachtet ist, fehlt 
die Verbindungslinie zwischen ihnen. 

Zwischen den Gliedern der Kette I, welche alle 6 mög- 
lichen Combinationen ihrer 4 Componenten umfasst, herrscht 
vollkommene Concordanz. 



Digitized by 



Google 



You Mineralen verschiedener Art. 



441 



Bei II, welche 7 Verbindungen unter 5 Componenten 
umfasst, herrscht Concordanz bis auf die Verbindung von 
Salpeter und Glimmer ; nach der Verbindung beider mit Kalk- 
spath sollte {0001} des Salpeters 30° gegenüber der be- 
obachteten Lage auf dem Glimmer gedreht sein. 



Fahlen . 



-Zinkblende 



II. 



Kupferkies - 




Kalkspath - 



-Dolomit 



> Bleiglanz 



Salpeter Glimmer 



:ChIorit 



III. Enthält 7 Glieder in 12 Verbindungen, welche alle 
in Concordanz sind. Der Verwachsungstripel Magnetit-Titan- 
eisen-Rutil ist in den jüngst von Pelikan beschriebenen 
Pseudomorphosen verwirklicht. 

IV. 

JXI. Augit, Glimmer 



Magnetit 

Eisenglan: 
(Titaneisen) 

Kalklpath 



.RiitU^ 




Glimmer 



Chlorit 



Hornblende 



6Iomit 




Baetit 



Titaneieen 
(Eisenglanz) 



Blelglans 



IV. Enthält ebenfalls 7 Componenten, und zwar in 
13 Combinationen , unter welchen Concordanz herrscht bis 
auf die Verwachsung der Hornblende mit Magnetit, wo nach 
der Stellung beider zum y 

Glimmer die Oktagder- 
fläche parallel {100} der 
Hornblende liegen mtisste. 

V. Enthält ebenfalls 
7 Componenten in 13 Ver- 
Avachsungen , zeigt in- 
dessen mehrfache Abweichungen von der Concordanz sowohl 
in der Stellung des Bleiglanzes zum Pyrit (welche nach der 
Verwachsung beider mit Fahlerz und Kupferkies * eine solche 



Xagnetkiea 




ferkies 



ilende 



Markasit 
(Arsenkies) 



(Kobaltglanz) 



^ Allerdings sind Yerwachsungen von Eisenkies mit Kupferkies nicht 
bekannt, wohl aber vom nahe verwandten Kobaltglanz, der hier für ersteren 
eintretend gedacht ist. 



Digitized by 



Google 



442 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

mit parallelen krystallographischen Axen sein sollte), wie in 
der Stellung des Markasits (Arsenkies) zum Pyrit, wo keine 
der beiden bekannten Grnppirungen derart ist, wie sie nach 
der Verbindung beider Minerale mit Magnetkies und der Ver- 
bindung des Arsenkieses mit Bleiglanz sein solltet 

Es ist natürlich nicht anzunehmen, dass die Concordanz 
in einer „Kette" auf chemische Ähnlichkeit der Componenten 
ähnlich wie bei isomorphen Reihen hinweist, sie resultirt ein- 
fach daraus, dass, wie wir gesehen haben, je 2 Componenten 
bestrebt sind, sich in Flächen zu berühren, welche in ihren 
• Winkeln möglichst übereinstimmen, und da ist dann bei der 
beschränkten Zähligkeit der krystallographischen Symraetrie- 
axen die Auswahl, wenn man so sagen darf, keine sehr grosse, 
so dass bei demselben Mineral vielfach dieselbe Fläche als 
gemeinsames Element für ganz verschiedene Componenten 
wiederkehrt. Man wird auch aus der Thatsache der regel- 
mässigen Verwachsung im Allgemeinen nicht auf höhere Ana- 
logie der chemischen Constitution schliessen dürfen, als sie 
sich schon aus dem Vergleich der Formen der Componenten 
ergiebt. Es scheint demnach z. B. nicht angebracht, mit 
Sadebeck deshalb für Kupferkies die der Zinkblende (Zn, Fe) S 
analoge Constitutionsformel Cu S . Fe S anzunehmen, weil beide 
sehr häufig regelmässig verwachsen. 

Dass die Stellung, in welcher zwei Minerale sich ver- 
binden, nicht durch ihre Verwachsung mit demselben dritten 
bedingt ist, geht dann namentlich auch daraus hervor, dass 
manche auf mehrere verschiedene Weise miteinander 
verwachsen. Bei Fahlerz mit Zinkblende können die gleich- 
artigen, aber auch die ungleichartigen Oktanten zusammen- 
fallen; bei Turmalin mit Glimmer (Verwachsungsart b) und 
ebenso bei Astrophyllit mit Glimmer und Rutil mit Glimmer 
liegen angesichts der Abweichung des Glimmers von hexagonaler 
Symmetrie, streng genommen, jedesmal zwei, in der Neigung 
entsprechender Flächen allerdings wenig verschiedene Ver- 
wachsungsgesetze vor, und ähnliches gilt vermuthlich in 
manchen anderen Fällen (wo die eine Componente pseudo- 

* Natürlich kann man mit demselben Recht sagen, dass die Stellang 
des Bleiglanzes imd Pyrits zum Magnetkies nach ihrer Verwachsung mit 
3Iarkasit nicht die zu erwartende ist und ähnlich vorher. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 443 

symmetrisch ist), ohne dass sich dies wegen der Kleinheit 
ihrer Krystalle nachweisen Hesse. Ausserdem kommen mehr- 
fach auch völlig verschiedene Verwachsungen zwischen den- 
selben Componenten vor, besonders auffallend bei Pyrit und 
Markasit, Kalkspath mit Aragonit, Turmalin mit Glimmer, 
Andalusit mit Sillimanit u. a., ebenso in den sogen. Para- 
morphosen von Rutil nach Anatas und Brookit. 

Wenn man die physikalische Bedeutung der ge- 
meinsamen Elemente untersucht, so IRsst sich nicht 
verkennen, dass physikalisch ausgezeichnete Flächen und 
Kanten besonders häufig darunter sind, und zwar speciell 
auch solche, welche nicht als Symmetrieelemente eo ipso dazu 
zählen (Spaltflächen, Gleitflächen für einfache Schiebungen 
und Translationen, Zwillingsebenen, Schiebungs- und Trans- 
lationsrichtungen, Schlag- und Drucklinien, Zwillingsaxen). 
Indessen finden sich doch sehr zahlreiche Ausnahmen davon, 
indem Flächen und Kanten der genannten Art nicht zu den 
gemeinsamen Elementen gehören (z. B. bei KJ etc., KNO3, 
Kalkspath in seinen Verwachsungen mit Aragonit, Biotit, 
Quarz u. a.), und zugleich sind unter den regelmässigen Ver- 
wachsungen Minerale ohne dergleichen ausgezeichnete Rich- 
tungen sehr häufig, zum mindesten nicht seltener als andere 
(vergl. das alphabetische Register). Man wird daher eher 
geneigt sein, anzunehmen, dass diese Flächen nur deshalb so 
häufig unter den gemeinsamen Elementen erscheinen, weil sie 
auch als Krystallflächen zu den häufigsten der betrefienden 
Minerale gehören. 

Die Symmetrie des Verwachsungscomplexes. 
Die Bestimmung der Verwachsung durch die Parallelität einer 
Fläche und einer in ihr liegenden Kante ist im Allgemeinen 
noch mehrdeutig (z. B. bei zwei triklin holoedrischen Kry- 
stallen vierdeutig, entsprechend: 1. der Parallelstellung, 2. der 
Zwillingsstellung nach der gemeinsamen Fläche, 3. der Zwil- 
lingsstellung nach der gemeinsamen Kante, 4. der Zwillings- 
stellung nach der normalen der gemeinsamen Kante in der 
gemeinsamen Fläche bei Verwachsungen gleichartiger Kry- 
stalle), und zwar in Bezug auf jede der beiden Componenten. 
Sie kann für beide eindeutig werden, wenn z. B. für beide 
Componenten die gemeinsame Ebene Symmetrieebene und die 



Digitized by 



Google 



444 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

gemeinsame Kante gradzählige Symmetrieaxe ist, wie bei der 
Verwachsung von Andalusit mit Sillimanit mit parallelen Axen. 
Da das aber im Allgemeinen nicht der Fall ist, wird man, 
wenn beide Componenten nur in einer einzigen Stellung vor- 
kommen, zur weiteren Formulirung des Gesetzes jenen ersten 
Bedingungen noch weitere hinzufugen messen. So verbinden 
sich z. B. Arsen und Arsenolith so, dass nicht allein {0001} 
parallel einer Fläche {111} und die Kanten zu {1011} parallel 
den Oktaederkanten liegen, sondern zugleich derart, dass die 
stumpfen genannten Kanten beider Minerale nach derselben 
Seite gewendet sind. Das Verwachsungsgesetz ist hier also 
(allerdings nur in Bezug auf die Arsenblüthe) eindeutig. In 
vielen Fällen ist aber eine derartige eindeutige Formulirung 
nicht möglich, z. B. dann, wenn die gemeinsamen Elemente 
an der einen Componente in mehreren verschiedenen Lagen 
vorkommen (wodurch in dem obigen Beispiel Mehrdeutigkeit 
in Bezug auf Arsen eintritt), oder wenn die gemeinsame 
Fläche eine Symmetrielinie enthält, welche der Parallelfläche 
der anderen Componente fehlt. Man könnte alsdann erwarten, 
dass das später gebildete Mineral au jeder Stelle des zuerst 
gebildeten in so vielen verschiedenen Orientirungen auftritt, 
dass der Symmetrie des ersteren genügt wird. Die Be- 
obachtung zeigt, dass dies im Allgemeinen nicht 
der Fall ist. 

Bei der Verwachsung von Quarz mit Kalkspath ist 
letzterer unzweifelhaft der ältere. Nach dem Verwachsungs- 
gesetz kann der Quarz, obwohl es ihn als holoedrisch be- 
trachtet, doch noch 6 verschiedene Stellungen zum Kalk- 
spath einnehmen. Diese finden sich nun auch alle verwirklicht, 
aber nicht an jeder beliebigen Stelle des Kalkspathes, sondern 
auf jeder Fläche {0112} desselben höchstens zwei, so dass 
wohl der Symmetrie der überwachsenen Fläche, nicht aber 
der des Krystalls genügt ist. Ganz Analoges gilt für die 
Überwachsung von Bleiglanz durch Chlorblei, von Witherit 
durch Baryt, von Boleit durch Cumengeit; ebenso müssten 
bei der Verwachsung a) von Kalkspathzwillingen nach {0221} 
mit Aragonit die ersteren noch in einer anderen Orientirung 
auf {001} des Aragonits vorkommen (nämlich so , dass die 
Zwillinge die stumpfe Polkante des Skalenoeders nach aussen 



Digitized by 



Google 



von Miseralen verschiedener Art. 445 

wenden). Bei Fahlerz-Kupferkies erscheinen nach der An- 
gabe von Sadebeck die Kupferkiese auf {001) des Fahlerzes 
nicht in allen drei nach dem Verwachsungsgesetz möglichen 
Stellungen, sondern die auf jeder Wtirfelfläche aufgewachsenen 
Kupferkiese legen ihre Flächen {001} dieser Aufwachsungsfläche 
parallel. Analog ist es anscheinend bei Kobaltglanz-Kupferkies 
und für Bleiglanz-Boumonit bei den unter a) beschriebenen. 

Von besonderem Interesse sind nun jene Fälle, wo das 
tiberwachsende Mineral, um der Symmetrie der überwachsenen 
Fläche zu genügen, gewissermaassen zur Zwillingsbildung 
gezwungen wird. In den von Sadebeck und von Trechmann 
abgebildeten Fällen waren nicht einfache Markasite auf dem 
Pyrit aufgewachsen, sondern Zwillinge nach {110}, welche in 
der That erst der Symmetrie der Fläche genügen. Ebenso 
sind die auf Pyrit aufgewachsenen Bleiglanzoktaederchen 
vielfach verzwillingt, und zwar stets nur nach der mit dem 
Pyrit gemeinsamen Fläche {111}. Der Eisenglanz er- 
scheint auf und in den Oktaedern des Magnetit (Magnoferrit) 
in Zwillingen nach {0001}, weil die einzelnen Krystalle des- 
selben der Symmetrie der Oktaöderflächen bei dem angegebenen 
Verwachsungsgesetze nicht genügen würden; ebenso ist es 
mit den oben schon erwähnten Kalkspathzwillingen nach {0221} 
auf Aragonit; endlich sei noch erinnert an die Überwachsung 
von Bronzit durch Augit, welcher dann nach {100} öfter und 
stärker verzwillingt ist. 

Die Zwillingsbildung des überwachsenden Minerals nach 
der gemeinsamen Fläche und Kante fehlt dagegen, wo sie 
durch die Symmetrie der überwachsenen Fläche nicht gefordert 
wird, z. B. bei Arsenolith auf Arsen, bei Kalkspath auf 
Barytocalcit, obwohl beim Kalkspath sonst Zwillingsbildung 
nach den im letzten Beispiele gemeinsamen (oder nahezu ge- 
meinsamen) Flächen {0112} und {1011} erheblich häufiger ist 
als die oben erwähnte nach {0221}. Charakteristisch ist hier 
auch das Verhalten des Albits auf dem Orthoklas, Er er- 
scheint auf {001} der Symmetrie dieser Fläche entsprechend 
in Zwillingen nach {010}, auf den Prismenflächen dagegen 
meist in einfachen Krystallen*. Ähnlich verhält sich der 

^ Daraus, dass die Zwillingsbildang des Plagioklas fast stets nach {010} 
erfolgt, wird zugleich wahrscheinlich, dass <010} die beiden Feldspäthen 



Digitized by 



Google 



446 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

Arsenkies in den Pseudomorphosen nach Magnetkies; seine 
Krystalle haben auf jeder Fläche {1010}, von wenigen Aus- 
nahmen abgesehen, der Symmetrie dieser Fläche entsprechend 
nur eine Orientirung, obwohl sie durch Drillingsbildung 
nach {101}, welche bei dem Mineral ja häufig ist und zu 
pseudohexagonalen Gruppirungen führt, sehr leicht der 
hexagonalen Symmetrie des Magnetkieskrystalls sich nähern 
könnten. Ähnlich ist es vermuthlich in anderen Fällen, wo 
genauere Beobachtungen bisher nicht möglich waren, zumal 
wenn das überwachsende Mineral pseudosymmetrisch ist, wie 
bei den vielfachen Verwachsungen des Kupferkieses. 

In manchen Fällen scheint die Überwachsung nicht nur 
der Symmetrie, sondern auch der Pseudosymmetrie der über- 
wachsenen Fläche — nicht des ganzen Krystalls — Rechnung 
zu tragen, wenn diese nämlich von wahrer Symmetrie nur 
sehr wenig abweicht. Belege dazu liefern namentlich die Ver- 
wachsungen der Glimmer. Wenn die auf seinen Flächen {001} 
aufgewachsenen Kryställchen von KJ, KBr, KCl, NaNOj 
und Kalkspath der wahren Symmetrie dieser Flächen folgten, 
brauchten sie in nur einer Stellung sich anzusiedeln; sie er- 
scheinen aber in mindestens zwei, wie sie erst hexagonale 
oder rhombische Holoedrie fordern würde und welche hemitrop 
nach der mit dem Glimmer gemeinsamen Fläche {111} (und 
nur nach dieser) sind, obwohl Zwillinge nach diesem Gesetze 
bei ihnen sonst mindestens nicht häufig sind. Ähnlich ist es 
bei Rutil und Astrophyllit auf Glimmer. Diese Thatsachen 
erinnern lebhaft an die Wachsthumsverhältnisse der pseudo- 
symmetrischen Krystalle selbst, bei welchen die Annäherung 
an höhere Symmetrie meist in den Winkeln, wie auch im 
Habitus zum Ausdruck gelangt. 

Bei jenen Verwachsungen, welche als sogen, homoaxe 
Pseudomorphosen erscheinen, ist im Allgemeinen nicht mehr 
ersichtlich, auf welcher Fläche des ursprünglichen Minerals 
das andere sich zuerst ansiedelte. Ging die Verdrängung und 
Überwachsung von allen Flächen aus gleichmässig vor sich, 
so musste ein Aggregat zu Stande kommen, in welchem alle 
nach dem Verwachsungsgesetz möglichen Stellungen promiscue 

gemeinsame Fläche ist, und nicht etwa {001} und die Axe b, oder eine 
Fläche <021> etc. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 



447 



vorhanden waren. Das scheint z. B. der Fall zu sein bei 
den allermeisten Pseudomorphosen von Bleiglanz nach Pyro- 
morphit, wo der Bleiglanz an allen Stellen in allen drei mög- 
lichen Stellungen in kleinsten Individuen vorhanden ist. 
Gingen die Veränderungen dagegen wesentlich nur von einer 
Art von Flächen aus, so konnte dies sich darin zeigen, dass 
die Neubildungen innerhalb von Sectoren, die jene Flächen 
als Basis haben, immer nur gewisse oder nur eine Stellung 
einnehmen. Das war offenbar der Fall in den Pseudomorphosen 
von Pyrit, Bleiglanz und Arsenkies (Markasit) nach Magnet- 
kies. Hier ist die Verdrängung oder Umwandlung offenbar 
von den Flächen {1010} aus fortgeschritten , denn auf jeder 
derselben erscheint der Bleiglanz wie Pyrit und Markasit in 
nur einer Stellung. Es erscheint bemerkenswerth, dass hier 
also die Flächen, von denen die Verdrängung und Über- 
wachsung ausging, jene sind, welche in ihren Symmetrie- 
verhältnissen mit der gemeinsamen Würfelfläche (bezw. der 
basischen Endfläche des Markasits) am besten übereinstimmen. 
Die Anzahl der Stellungen, in welchen ein Mineral auf 
einem anderen orientirt aufgewachsen vorkommt, gestattet 
also zuweilen einen Schluss auf das Altersverhältniss beider 
Componenten. Wenn der Eisenglanz vom Vesuv etc. auf 





Fig. 83 a. 



Fig. 82 b. 



jeder Oktaederfläche des Magnoferrit (M) in zwei nach {0001} 
hemitropen Stellungen, nämlich E^ und E^ (Fig. 82a) vor- 
kommt, so gehorcht er damit der Symmetrie der Fläche {Hl}. 
Wenn jetzt auf der basischen Endfläche des Eisenglanzes 
wieder Magnoferrit nach demselben Gesetz aufgewachsen wäre, 
müsste letzterer ebenfalls in zwei nach {111} hemitropen 
Stellungen erscheinen (z. B. auf E, in den Stellungen M, 



Digitized by 



Google 



448 0. Mügge, Die regelmäsdigen Verwachsungen 

und Mg, Fig. 82b), da dies die Symmetrie der Basis des 
Eisenglanzes fordert. Die Magnoferritkrystalle sind aber nicht 
nach {111} verzwillingt, sie werden daher nicht gleichzeitiger 
Entstehung mit dem Eisenglanz sein, sondern älter. Wäre 
ebenso der im Diallag (und Hypersthen) längs {100} (bezw. 010) 
orientirt eingelagerte Ilmenit gleichzeitig mit dem Pyroxen 
gebildet, wie z. B. von Rosenbüsgh angenommen wird, so 
müsste man analog wie vorher erwarten, dass die Pyroxene 
hier auf demselben Ilmenitblättchen ihrerseits in 3 Stellungen 
aufgewachsen vorkämen (welche annähernd einer Drillings- 
stellung nach {122} entsprechen würden). Da das nicht der 
Fall ist (wie auch aus anderen Gründen), halte ich es für 
wahrscheinlicher, dass die Titaneisenblättchen secundäre Bil- 
dungen sind. Diese Einseitigkeit des Yerwachsungsverhält- 
nisses würde auch bei Triphylin-Graftonit nicht für gleich- 
zeitige Bildung beider Minerale, sondern secundäre Bildung 
des Triphylin sprechen. Auch bei Cyanit und Staurolith wird 
man ersteren, wo er in nur einer Stellung mit Staurolith 
verwachsen vorkommt, als den älteren betrachten dürfen. 
Bei den Einlagerungen der Glimmer ist ein analoger Schluss 
auf ihre secundäre Natur nur dann gestattet, wenn festgestellt 
ist, dass die Glimmer einfache Krystalle sind, nicht Theile in 
Zwilliugslage (oder genauer genommen Zwillings ähnlicher 
Lage) enthalten. Bei rhombischem und monoklinem Pyroxen 
wurde auf diese Folgerung schon in der Zusammenstellung 
aufmerksam gemacht. Ganz Ähnliches trifft zu fl\r die Ver- 
wachsung von Klinohumit mit Humit. Ersterer erscheint in 
zwei Stellungen (hemitrop nach {001} beider Krystalle), was 
also daran liegen kann, dass beide Componenten gleichalterig 
sind (indessen können die Lamellen auch z. B. durch Druck 
entstanden sein). 

Das Oberflächenminimum. Aus dem Vorstehenden 
geht schon hervor, dass bei den regelmässigen Verwachsungen 
Oberflächenkräfte im Spiel sein müssen und damit stimmt 
zunächst eine Reihe allgemeiner Erfahrungen. So ist bekannt, 
dass manche Minerale an demselben Fundort Überzüge anderer 
(in gewöhnlich regelloser Stellung) nur auf Flächen bestimmter 
Art zeigen. Ferner wird angegeben, dass es, um künstliche 
Überwachsungen zu erhalten, nöthig sei, frische Flächen 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 449 

ZU benutzen. Die Angabe Beütell's, wonach die auf (110) 
und (HO) des Mikroklins aufgewachsenen Albite in Zwillings- 
stellung nach {010} zu denen auf (HO) und (HO) sich befinden, 
weist ebenfalls darauf hin. 

Solche Oberflächenkräfte scheinen ganz allgemein jene 
Eigenschaften der KrystaJle zu beherrschen, welche im Gegen- 
satz zu den sogen, geometrischen Constanten und der Sym- 
metrie auch innerhalb bestimmter Grenzen von Druck und 
Temperatur in hohem Grade veränderlich sind, nämlich der 
durch die Art der auftretenden Formen und ihre Ausdehnung 
bedingte Habitus, femer auch die Art der Verwachsung der 
Krystalle, sowohl der Zwillinge, wie solcher verschiedener Art. 
Bei allen diesen Wachsthumserscheinungen scheint ein Princip 
von grosser Bedeutung zu sein, das man als das der 
kleinsten Oberfläche bezeichnen kann. Es besagt, dass 
das Gleichgewicht zwischen einem Krystall und 
seiner wässerigen oder sonstwie beschaffenen, für bestimmte 
Temperatur und Druck gesättigten Lösung im All- 
gemeinen erst dann erreicht ist, wenn die Grösse 
der Berührungsfläche zwischen beiden ein Mini- 
mum ist^ 

Den umfassendsten Beleg hierflir liefern die kömigen 
Krystallaggregate, welche die Erdrinde aufbauen. Überall, 
wo sie von ihren wässerigen Lösungen dauernd durchtränkt 
werden oder wurden, also längs Spalten, längs der Grenze 
wassemndurchlässiger Gebiete, in Contacthöfen , in hohen 
geothermischen Tiefenstufen geht oder ging eine ümkrystalli- 
sation der feinkörnigen Aggregate in gröber körnige vor sich. 
Das zeigen die Marmore des Archaicums und der stark ge- 
störten älteren wie jüngeren Sedimentformationen gegenüber 
den gewöhnlichen Kalksteinen, die hochkrystallinen Phyllite 
im Vergleich mit dem Thonschlamm, aus dem sie entstanden, 
bei denen allen man, meines Erachtens mit Unrecht, meist 
den Druck als wesentlichste Ursache der grobkrystallinen 



' Es wird hier davon abgesehen, dass die Oberflächen verschieden- 
artiger Erystallflächen dabei mit verschiedenem Maasse zu messen sind, 
etwa nach Maassgabe der CuRiE^schen Theorie der kleinsten Somme der 
Oberflächenspannungen. 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XYI. 29 



Digitized by 



Google 



450 0. Mügge, Die regelmässigen Verwachsungen 

Entwickelung anzusehen pflegt \ das zeigt das Wachsthum 
des Gletscherkorns vom Firn bis zar Gletscherstim, wobei 
der Druck dafür Sorge trägt, dass die flüssige Phase stets 
und überall mit der festen in Berührung sei. Dasselbe Princip 
macht sich geltend in der Grobkörnigkeit der stockförmigen 
Gesteine, welche mit ihrem Schmelzfluss längere Zeit in 
Contact waren gegenüber der Feinkörnigkeit ihrer rasch er- 
starrten Grenzfacies, speciell in der Unbeständigkeit der zu- 
erst entstehenden, durch grosse Oberflächen ausgezeichneten 
Wachsthumsformen (Krystallskelette , Trichite , Mikrolithe), 
welche fast nur in glasreichen, rasch erstarrten Gesteinen 
erhalten geblieben sind, auch beim Eindampfen kleiner Lö- 
sungsmengen u. d. M. vielfach zu beobachten sind, dagegen 
nicht auftreten oder wieder verschwinden, wenn gi-össere 
Mengen zur Krystallisation gebracht werden. Die hier wirk- 
samen Oberflächenkräfte scheinen allerdings gering gegenüber 
den sonstigen Einflüssen (namentlich Druck und Temperatur), 
wie daraus hervorgeht, dass die Löslichkeit von der Korn- 
grösse des Bodenkörpers nur in geringem Maasse abhängig 
zu sein scheint ^. Immerhin werden sie bei submikroskopischer 
Grösse der aufzulösenden Partikel oder bei sonstiger enormer 
Vergrösserung der Obei-fläche von erheblicher Bedeutung 
werden können. 

Besonders lehrreich im Verhältniss zu den regelmässigen 
Verwachsungen sind dann namentlich die Wachsthumsverhält- 
nisse der Zwillingskrystalle. Zunächst wird ihre freie Ober- 
fläche durch Berührung längs einer möglichst ausgedehnten 
Fläche vermindert, sie werden häufig tafelig nach der Zwil- 
lings- oder sonstigen Zusammensetzungsfläche; dann suchen 
sie gewissermaassen ihren Charakter als im Allgemeinen stern- 
förmige Polyeder durch möglichste Vermeidung einspringender 
Winkel zu mildern, vielfach auf Kosten sogar der symmetri- 
schen Entwickelung des Einzelkrystalls, oder indem Flächen, 
welche an den einfachen Krystallen selten oder nur klein 



^ Womit nicht gesagt sein soll, dass der Druck, abgesehen von seinen 
unmittelbaren mechanischen Wirkungen, einflnsslos ist; er mag Tielleicht 
in manchen Fällen die Löslichkeit stark beeinflussen, obwohl Spezia*3 
Versuche am Quarz dies nicht ergeben haben. 

» HüLETT, Zeitschr. f. phys. Chemie. 37. 386. 1901. 



Digitized by 



Google 



von Mineralen verschiedener Art. 451 

auftreten, also der Lösung gegenüber weniger widerstands- 
fähig erscheinen, an ihnen häufiger oder grösser entwickelt 
werden, oder indem sogar Abweichungen vom Gesetz der 
rationalen Indices zugelassen werden, so dass Vicinalflächen 
an die Stelle der Hauptflächen treten (man erinnere sich der 
Flächen {hkO} auf den Würfelzwillingen von Flussspath und 
Bleiglanz, der flachen Skalenoeder an Durchkreuzungszwillingen 
von Chabasit, der Vicinalflächen zu {110} an Bavenoer, zu {101} 
an Karlsbader Zwillingen, der Vicinalflächen an Zwillingen 
von Aragonit und anderen mimetischen Krystallen u. ä.). 

Auch die Gesetze, nach welchen Krystalle gleicher Art 
sich gruppiren, sind mit dem Princip der kleinsten Oberfläche 
im Einklang. Sie erfolgen stets (oder fast stets) derart, dass 
entweder zwei gleichartige Flächen beiden Individuen 
gemeinsam sind, und auch sämmtliche Eichtungen in denselben, 
oder so, dass eine gleichnamige Kante und sämmtliche 
Flächen ihrer Zone parallel liegen (eine Bestimmung, die bei 
nichttriklinen Krystallen vielfach mit der ersten identisch wird). 
Andere Gruppirungen sind kaum bekannt, namentlich nicht 
solche, bei welchen ungleichartige Elemente parallel liegen. 
Letzteres würde aber, da die Kanten der gemeinsamen Flächen 
dann nicht zur Deckung zu bringen wären, eine Vergrösserung 
der freien Oberfläche bedeuten. Unter den Zwillingsfl