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Full text of "Nicolaus Coppernicus"

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IJICOLAÜS COPPERNICÜS. 



VON 



LEOPOLD PROWE. 



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ZAVEITER BAND: URKUNDEN. 



BERLIN, 



WEIDMANN8CHE ßüCHUANDLUNG. 



1884. 



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Dm Recht einer Ueherseizung ins Engliiclie und Französische wird vorbehalten. 



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l>rQclc von Breitkopf & U&rtel in Leipzig. 



I 

Vorbemerkung. 

Die ersten zehn Bogen des Urkunden- Buchs sind 
bereits im Jahre 1872 gedruckt; sie wurden als Festgabe 
zur vierten Säkular-Feier des Geburtstages von Copper- 
nicus ausgegeben. Zu jener Zeit war die Frage über 
die richtige Schreibung des Namens noch nicht zum Ab- 
schluss gekommen. Hierin liegt die Erklärung, dass in 
der ersten Abtheilung des vorliegenden Bandes der Name 
von Coppemicus nur mit einem »p» gedruckt erscheint. 

Thorn, den 18. Oktober 1883. 

Leopold Prowe. 



Inhalts - Übersicht. 



Erste Abtheilung. 

Schriften tob Coppernicas s. 1-280 

A. Aus dem Werke »de revolutionibus« 3 — 15 

1. Die Widmung an Papst Paul 111 3—8 

2. Die Einleituug lum eisten Buche 9 — 12 

Anhang. Die yon Osiander untergeschobene Vorrede der editio 

princeps 13 — 14 

B. Gutachten und Denkschriften 15—44 

1. Die Klageschrift des Ermländischen Domstifts gegen den Hochmeister 

Albrecht von iBrandenhurg aus dem Jahie 1521 15 — 20 

2. Die Denkschriften über das preussische Müuzwesen 21 — 44 

a. Das dem preussischen Landtage 1522 überreichte Gutachten über 

die Verbesserung der preussischen Münze 21 — 29 

b. Die Denkschrift über das preussische Münzwesen in lateinischer 

Sprache 29—44 

C. üebersetzun^en aus dem Griechischen 45 — 137 

1. Die Briefe des Theophylaetus Sivücatta 45 — 127 

2. Der Brief des Lysis an Hipparoh 128—137 

D. Briefe 138—168 

1. An das eimländische Domkapitel d. d. Mehlsack 22. Oktober 1518 . . . 143 

2. An den Bischof Mauritius Ferber d. d. Frauenburg 29. Februar 1524 . . 144—145 

3. An den Domherrn Beruh. Wapowski zu Krakau d. d. »ex Varmia« 3. 

Juni 1524 145—154 

4. An den Domherrn Felix Reich d. d. »ex Varniia octava pasce« s. a . . . 154 — 157 

5. An den Bischof Johannes Dantiscus d. d. »ex Frauenburg Parasceve Pa- 

sohae anno 1533« 157 — 158 

6. An den Bischof Johannes Dantiscus d. d. Frauenburg 8. Juni 1536 . . 158 — 159 

7. An den Bischof Johannes Dantiscus d. d. Frauenburg 9. August 1537 . 159 — 160 

8. An den Bischof Johannes Dantiscus d. d. »ex Frueburgo quinta pasohe« 

1538 161 



INHALTE-ÜBERSICHT. V 

9. An den Bisehof Johannes Dantiscus d. d. »ex Gynopoli« 2. Dcbr. 1538 S. 161 — 162 

10. An den Bischof Johannes Dantiscus d. d. Frauenburg 11. Jan. 1539 . . 163 

11. An den Bischof Johannes Dantiscus d. d. Frauenburg 3. März 1539 . . 163 — 164 

12. An den Bischof Johannes Dantiscus d. d. Frauenburg 11. März 1539 . 164 — 165 

13. An den Bischof Johannes Dantiscus d. d. »ex Gynopoli XXVIII Sep- 

tembris olymp. 579 anno primo« 165 

14. An den Herzog Albreoht Ton Pieussen d. d. Frauenburg 15. Juni 1541 166 

15. Au den Herzog Albrecht von Preussen d. d. Frauenburg 21. Juni 1541 167 

16. An den Bischof Johannes Dantiscus d. d. Frauenburg 27. Juni 1541. . 168 

E. Das Sendschreiben an Bernh. Wapowski gegen Johann Werner's 
Schrift »de motn octavae sphaerae« in gereinigter Textes- 
Recenßion 169—183 

F. Nicolai Coppernici de hypothesibns motnnm coelestium a se 
constitatis commeutariolns 184 — 202 

6. Kleinere handBchriftliche Reliquien 203 — 264 

1. Die Einschaltungen und Nachträge aus dem Manuskripte des Werkes »de 

revolutlonibus« 203—205 

2. Die BQoher-Einzeichnungen mathematisch-astronomischen Inhalts . . . 206 — 244 

3. Die Biicher-Einzeichnungen medicinischen Inhalts ^ . . . 245 — 258 

4. Die Bücher^Einzeichnungen in griechischer Sprache 259 — 264 

Anhang. Die unechten Schriften '. . . . 265—280 

1. Die Septem Sidera 265—275 

2. Kleinere Dichtungen 276—280 

Zweite Abtheilnng, 

Zeitgenossische Schriftstficke zum Leben und 

zur Lelire von Coppernicns s. 281—421 

A. Schriften von Rheticus 285—396 

1. Die Narratio prima 285—366 

2. Borussiae encomium 367 — 377 

3. Die Vorrede zu der Trigonometrie von Coppernicus 378 — 381 

4. Die Vorrede zu den »Orationcs de astronomia, geographica et physica«'. . 382 — 386 

5. Die Vorrede zu den Ephemeriden auf das Jahr 1551 387—396 

Anhang. Aus der Vorrede Otho's zu dem »Opus Palatinum de 

triangulis a Georgio Joachimo Rhetico coeptum« . . 397 — 400 

B. Briefe befreundeter Zeitgenossen 401—421 

I. Zwei Briefe des Domherrn Joh. Seulteti aus dem Jahre 1521 404—416 

a. Der Brief Yom 15. Februar 1521 404—409 

b. Der Brief vom Ende Februar 1521 410—421 



VI INHALTS-ÜBERSICHT. 

II. Briefe des Bischofs Tiedemaim Giese S. 417—421 

a. Der Brief au den Domhenu Georg Douner d.d. Lobau 8. December 

1542 418—419 

b. Der Brief au Joachim Rheticug d. d. Löbau 26. Juli 1543 .... 419—421 

Dritte Abtheilnng. 

Urkunden znr Familien - Geschichte von 

Coppemlcns . s. 423—480 

I. Der Grofisvater Lucas Watzelrode 426 — 454 

II. Der Vater Niklas Koppemigk 455—471 

III. Der Bruder Andreas Koppernigk 472—475 

IV. Der Oheim Lucas Watzelrode 476—480 



Vierte Abtheilnng. 

Ermland und das Frauenbnrger Domstlft zor 

Zeit von Coppernicns s. 481—521 

A. Die Beschreibung des BlBthams Ermlaiid von Martin Oromer 484—497 

B. Die Statuten des Ermlandischen DomstiftB zur Zeit von 
Goppernicus 498 — 521 

Fünfte Abtheilnng. 

Zar Charakteristik der kirchlichen Bewegung 

in Ermland znr Zeit von Coppemicos. . s. 523—545 

A. Zur Charakteristik des Bischofs Fabian von Lossainen . . . 526 — 529 

B. Zwei Hirtenbriefe des Bischofs Mauritius Ferber (1523—1537) 530—539 

I. Das Edikt vom 20. Januar 1524 530—535 

II. Da« Edikt vom 11. Mai 1525 536—539 

0. Zwei Edikte des Bischofs Johannes Dantiscus (1537—1548) . 540—545 

I. Das »Mandatum wider die Ketzerey« 540 — 543 

II. Das »Mandat der Lutherei halben« 544 — 545 



Erste Abtheilung. 



Schriften von Coppernicus. 



* ' ^ 



Erste Abtheilung. 



Urkundenbuch. 



II. 



I. 

SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 



A. 

Ans dem Werke de reyolntionibns orbinm coelestinm. 



1. Die Widmung an Papst Paul III. ^ 

AD SANCTIS8IMVM DOMINVM PAVLVM III. 

PONTIFICEM MAXIMVM. 

Nicolai Oopernioi praefatio in libros Bevolationnm. 

Satis equidem, Sanctissime Pater, aestimare possnm, futurum 
esse, ut simnl atque qnidam acceperint, me hisce meis libris. 
qnos de revolutionibus sphaerarum mundi scripsi, terrae globo 
tribuere quosdam motus, statim me explodendum cum tali opinione 
clamitent. Neque enim ita mihi mea placent, ut non perpen- 



* Abdruck aus der editio princeps ; das Original -Manuskript ist bis jetzt 
noch nicht aufgefunden. 

Die Orthographie und Interpunktion der editio princeps ist nicht bei- 
behalten; namentlich die letztere würde an manchen Stellen unverständlich 
und geradezu störend sein. Eine Aenderung schien um so weniger bedenk- 
lich, als der Druck des Werkes nicht von Copernicus selbst überwacht ist, 
und der Herausgeber Oslander, wie wir nach Wiederauffindung des Manu- 
scriptes wissen, sich vielfache Aenderungen erlaubt hat. 

1 » 



4 I. SCHRIFTEN VON COPEliNICUS. 

dam, quid alii de illis iudicaturi sint. Et quam vis sciam, hominis 
philosophi cogitationes esse remotas a iudicio vulgi, propterea quod 
illius Studium sit veritatem omnibus in rebus, quatenus id a 
Deo rationi humanae permissum est, inquirere, tarnen alienas 
prorsus a rectitudine opiniones fugiendas censeo. Itaque cum 
mecum ipse cogitarem, quam absurdum axpda;jia existimaturi essent 
illi, qui multorum seculorum iudieiis hanc opinionem confirmatam 
norunt, quod terra immobilis in medio caeli tanquam centrum 
illius posita sit, si ego contra assererem terram moveri, diu me- 
cum haesi, an meos commentarios in eins motus demonstrationem 
conscriptos in lucem darem, an vero satius esset, Pythagoreonim 
et quorundam aliorum sequi exemplum, qui non per literas sed 
per manus tradere soliti sunt raysteria philosophiae propinquis 
et amicis duntaxat, sieut Lysidis ad Hipparchum epistola testatnr. 
Ac mihi quidem videntur id fecisse non, ut quidam arbitrantur, 
ex quadam invidentia communicandarum doctrinarum, sed ne res 
pulcherrimae, et multo studio magnorum virorum investigatae, ab 
illis coutcmnerentur , quos aut piget uUis literis bonam operam 
impeudere, nisi quaestuosis, aut si exhortationibus et exemplo 
aliorum ad liberale Studium philosophiae excitentur, tarnen pro- 
pter stupiditatem ingenii inter phitosophos tanquam fuci inter 
apes versantur. Cum igitur haec mecum perpenderem, contemptus, 
(jui mihi propter novitatem et absurditatem opinionis metuendus 
erat, propemodum impulerat me, ut institutum opus prorsus in- 
termitterem. 

Verum amici me diu cunetantem atque etiani reluctautem re- 
traxerunt, inter quos primus fuit Nicolaus Schonbergius, Cardiualis 
Capuanus, in omni genere doctrinarum celebris. Proximus illi vir 
mei amantissimus Tidemannus Gisius, Episcopus Culmensis, sa- 
crarum, ut est, et omnium l)onarum literarum studiosissiuius. Is 
eteinm sjiepenumero me adhortatus est, et eonvitiis interdum ad- 
ditis efflagifavit, ut libruni hune ederera, et in Incem tandem 
prodire sinerem, ([ui apud me pressus non in nonum annum so- 



1. DIE WIDBfüNG AN PAPST PAUL III. 5 

lam sed iam in quartum novenniam latitasset. Idem apud me 
egerunt alii non panci viri eminentissimi et doctissimi adhortantes, 
Vit meam operam ad communem stadiosorüm mathematices utilita- 
tem propter conceptum metum conferre non recusarem diutius. 
Fore ut, quanto absurdior plerisque nunc haec mea doctrina de 
terrae motu videretur, tanto plus admirationis atque gratiae ha- 
bitHra esset, postquam per editionem commentariorum meorum 
caliginem absurditatis sublatam viderent liquidissimis demonstra- 
tionibns. His igitur persuasoribus eaque spe adductus tandem 
amicis permisi, ut editionem operis, quam diu a me petissent, 
facerent. 

At non tam mirabitur fortasse Sanctitas Tua, quod has meas 
Incnbrationes edere in hicem ausus sim, posteaqnam tan tum operae 
in illis elaborandis mihi sumpsi, ut meas cogitationes de terrae 
motu etiam literis committere non dubitaverim, sed, quod magis 
ex me audire expectat, qui mihi in mentem venerit, ut contra 
receptam opinionem mathematicorum, ac propemodum contra com- 
munem sensum ausus fuerim imaginari aliquem motnm terrae. 
Itaque nolo Sanctitatem Tuam latere, me nihil aliud movisse ad 
cogitamlnm de alia ratione subducendorum motuum sphaerarum 
mundi, quam quod intellexi, mathematicos sibi ipsis non constare 
in illis perquirendis. Primum enim usque adeo incerti sunt de 
motu solis et lunae , ut nee vertentis anni perpetuam magnitndi- 
nem demonstrare et observare possint. Deinde in constituendis 
motibus, cum illarum, tum aliarum quinque errantium stellarum, 
neque iisdem principiis et assumptionibus, ac apparentium revo- 
Intionum motuumque demonstrationibus utuntnr. Alii namque 
circnlis homocentris solum, alii eccentris et epicyclis, quibus tamen 
quaesita ad plenum non assequuntur. Nam qui homocentris confisi 
sunt, etsi motus aliquos diversos ex eis componi posse demon- 
straverint, nihil tamen certi, quod nimirum phaenomenis respon- 
deret, inde statuere potuerunt. Qui vero excogitaverunt eccentrica, 
etsi magna ex parte apparentes motus congruentibus per ea nu- 



b I. SCHRIFTEN VON COPBRNICUS. 

meris absolvisse videantur^ pleraqne tarnen Interim admisernnt, 
^uae primis principÜB de motas aequalitate videntur contravenire. 
Rem quoque praecipuam, hoc est mundi formam, ac partium eins 
certam symmetriam, non potuerunt invenire vel ex illig colligere ; 
sed accidit eis perinde, ac si qnis e diversis locis manus, pedes, 
Caput aliaque membra optime quidem sed non unius corporis 
comparatione depicta sumeret, nuUatenus invicem sibi respon- 
dentibus. ut monstrum potius quam homo ex Ulis componeretur. 
Itaque in processu demonstrationis , quam fjii&oSov vocant, vel 
praeteriisse aliquid necessariorum vel alienum quid, et ad rem 
minime pertinens admisisse inveniuntur. Id quod illis minime ac- 
cidisset, si certa principia secuti essent. !Nam si assumptae 
illorum hypotheses non essent fallaces, omnia, quae ex illis se- 
quuntur, verificarentur procul dubio. Obscura autem licet haec 
sint, quae nunc dico^ tamen suo loco fient apertiora. 

Hanc igitur incertitudinem mathematicarum traditionum de 
coUigendis motibus sphaerarum orbis cum diu mecum revolverem, 
coepit me taedere, quod nuUa certior ratio motuum machinae 
mundi, qui propter nos ab optimo et regularissimo omnium opifice 
eonditus esset, philosophis'constaret, qui alioqui rerum minutissi- 
marum respectu eins orbis tam exquisite scrutarentur. Quare hanc 
mihi operam sumpsi, ut omnium philoBophorum, quos habere pos- 
sem, libros relegerem indagaturus, anne uUus unquam opinatus 
esset, alios esse motus sphaerarum mundi, quam illi ponerent, qui 
in scholis mathemata profiterentur. Ac reperi quidem apud Cice- 
ronem primum Nicetam sensisse terram moveri. Postea et apud 
Plutarchum inveni quosdam alios in ea fuisse opinione, cuius 
verba, ut sint omnibus obvia, placuit hie ascribere: 

ol (X8V aXXoi fiiveiv rf^v ytjV, OiXoXao^ he IIudaYopeio^ xoxXip 
icspicpepea&ai irspl xo Tcup xaxaxuxXou Xo^ou ofioiotpoirco^ T)X(cp xat oe- 
Xt^vtq. ^HpaxXsfSr^? o IIovtixo; xal ''ExcpavTo? o riudaYopeio«; xtvooat 
[jLSv TiQV Y^v oii jiTjV ifs jiSTaßaTixo)«; , rpoj^oü StXYjv Iv(^«>vta[iiv7jv oiro 
5o9fio>v iizl avaToXa<;^ irepl t6 iStov aut^? xsvtpov. 



l. DIE WIDMUNG AN PAPST PAUL III. 7 

Inde igitur occasionem nactus coepi et ego de terrae mobi- 
litate cogitare. Et quam vis absurda opinio videbatur, tarnen quia 
Bciebam aliis ante me hanc eoncesBam libertatem, ut quoslibet 
fingerent circnlos ad demonstrandum phaenomena astrornm , ex- 
istimavi mihi qnoque facile permitti, ut experirer, an posito terrae 
aliquo motu firmiores demonstrationes , quam illorum essent, in- 
veniri in revolutione orbium coelestium possent. 

Atque ita ego positis motibus, quos terrae infra in opere tri- 
buo, multa et longa observatione tandem reperi, quod, si reliquo- 
rnm siderum errantium motus ad terrae circulationem conferantur 
et supputentur pro cuiusque sideris revolutione, non modo illo- 
rum phaenomena inde sequantur, sed et siderum atque orbium 
omninm ordines et magnitudines et coelum ipsum ita connecta- 
tur*, ut in nuUa sui parte possit transponi aliquid sine reliqua- 
rum partium ac totius universitatis confusione. Proinde quoque et 
in progressu operis hune secutus sum ordinem, ut in primo libro 
describam omnes positiones orbium cum terrae, quos ei tribuo, 
motibus, ut is Über contineat communem quasi constitutionem uni- 
versi. In reliquis vero libris postea confero reliquorum siderum 
atque omnium orbium motus cum terrae mobilitate, ut inde col- 
ligi possit, quatenus reliquorum siderum atque orbium motus et 
apparentiae salvari possint, si ad terrae motus conferantur. Ne- 
que dubito, quin ingeniosi atque docti mathematici mihi astipu- 
laturi sint, si, quod haec philosophia inprimis exigit, non obiter, 
sed penitus, ea quae ad harum rerum demonstrationem a me in 
hoc opere adferuntur, cognoscere atque expendere voluerint. 
Ut vero pariter docti atque indocti viderent, me nullius omnino 
subterfugere iudicium, malui Tuae Sanctitati, quam cuiquam alten 



* Der ZusammeDhang erheischt hier nothwendig eine Aenderung des 
Textes, welcher in der überlieferten Lesart, die alle früheren Ausgaben bei- 
behalten haben, ganz unverständlich ist. Es ist nach der Thomer Säcular- 
Ausgabe connectett umgewandelt in connectatur und et vor magnitudines ein- 
geschoben. 



8 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

has meas lucabrationes dedicarc, proptcrea quod et in hoc remo- 
tisHimo angulo terrae, in quo ego ago, ordinis dignitate, et litera- 
rum omnium atque mathematiees etiam amore eminentissimns 
habearis, nt facile tua autoritate et iudicio calumniantium morsus 
reprimere possis, etsi in proverbio sit, non esse remedium adver- 
sus sycophantae morsum. Si fortasse erunt [iaTaioXoYot, qui, cum 
omnium mathematum ignari sint, tamen de illis iudicium sibi 
sumunt, propter aliquem locum scripturae male ad suum propo- 
situm detortum, ausi fuerint meum hoc institutnm reprehendere 
ac insectari: illos nihil moror, adeo ut etiam illorum iudicium 
tanquam temerarium contemnam. Non enim obscurum est, Lactan- 
tium, celebrem alioqui scriptorem, sed mathematicum parum, ad- 
modum pueriliter de forma terrae loqui, cum dcridet eos, qui ter- 
ram globi formam habere prodiderunt. Itaque non debet mirum 
videri studiosis, si qui tales nos etiam ridebunt. Mathemata ma- 
thematicis scribuntur, quibus et hi nostri labores, si nie non fallit 
opinio, videbuntur etiam reipublicae ecclesiasticac conducerc ali- 
quid, cuius principatum Tua Sanctitas nunc tenet. Nam non ita 
multo ante sub Leone X , cum in concilio Lateranensi vertebatur 
quaestio de emendando calendario ecclesiastico, quae tum indecisa 
hanc solummodo ob causam mansit, quod annorum et mensium 
magnitudines , atque solis et lunae motus nondum satis dimensi 
haberentur*: ex quo equidem tempore Ins accuratius observandis 
animum intendi admonitus a praeclarissimo viro D. Paulo Episcopo 
Semproniensi , qui tum isti negotio praeerat. Quid autem prae- 
stiterim ea in re, Tuae öanctitatis praecipue atque omnium alio- 
rum doctorum mathematicorum iudicio relinquo; et ne plura de 
utilitate operis promittere Tuae Sanctitati videar, quam praestare 
possim, nunc ad institutum transeo. 



* Die editio princeps — wie die spätem Ausgaben — setzt hinter ha- 
' herentur einen Punkt. Die Thorner Säcular-Ansgabe hat dafUr mit Recht 
ein Kolon eintreten lassen; das Anakoluth wird dadurch weniger auffällig. 



2. DIE EINLEITUNG ZUM ERSTEN BUCHE. 9 



2. Die Einleitung zum ersten Buche ^ 

NICOLAI COPERNICI REVOLVTIONVM 

Liber FrimnB. 

Inter miilta ac varia Hterarum artiiunque studia, quibiis ho- 
minnm ingenia vegetantur, ea praecipue amplectenda existimo 



* In dem vorstehend abgedruckten Schriftstücke ist, obwuhl das Origi- 
nal-Manuskript von Copemicus vorliegt, die diplomatische Treue nicht fest- 
gehalten. Mehrfache Gründe waren hierbei massgebend. 

ZunUchst wirkte entscheidend die Erwägung, dass das Manuskript nur 
im Concepte vorliegt und in dieser Gestalt nicht für den Druck bestimmt 
war; an einer Stelle fehlt deutlich die letzte Feile. Sodann ist — wie es zu 
jener Zeit nun einmal allgemein Sitte war — die Interpunktion (zum Theil 
auch die Orthographie) ganz willkürlich behandelt. Manche Sätze sind mit 
der ursprünglichen Interpunktion uns ganz unverständlich. Diese ist über- 
dies von der unsrigen abweichend, so dass auch hiedurch dem Leser unnöthige 
Hindernisse bereitet werden, -wenn die unfertige äussere Form des Schrift- 
stückes beibehalten wird. Bei der Schönheit des Aufsatzes würde es aber 
geradezu als eine Versündigung erscheinen, wollte man den Leser abschrecken, 
statt ihn anzulocken. 

Uebrigens kann, wer den genauen Text des Original-Manuskripts lesen 
will, sehr leicht Befriedigung finden. Die Warschauer Ausgabe bietet näm- 
lich einen facsimilisirten Abdruck und ebenso hat Ilipler den Aufsatz mit 
vollständiger diplomatischer Treue in seinem Spicilegium Copernicanum p. 
120 ff. veröffentlicht. 

Die orthographischen Aenderuugen beziehen sich zunächst auf den 
Gebrauch der grossen Anfangsbuchstaben. Während Copemicus die Eigen- 
namen (Plato, Plutarchus, Ptolemaeus, Graeoi) durchweg klein schreibt, hat er 
dagegen den Worten Astronomia, Astrologia, Geometria, Sol, Luna u. a. grosse 
Anfangsbuchstaben vorgesetzt. Bei der Schreibung all dieser Worte ist nun 
der heutige Gebrauch durchgeführt. Ebenso ist durchweg das v an seine 
Stelle getreten, wo es Copemicus, dem heutigen Gebrauche zuwider, mit u 
bezeichnet hat; aus demselben Grunde ist auch das y, welches Copemicus 
namentlich in dem Woi*te si/dus mit Vorliebe gebraucht» in » verändert. 
Consummatio f conmtmmacerit , cointiKMla hatte Copemicus mit einem m ge- 
schrieben, bei inhaerendo endlich den Diphtong ae nicht gebraucht. Letz- 
teres schien verändert werden zu müssen, weil in dem vorliegenden Aufsatze 



10 I. SCHRIFTEN VON COPERNICüS. 

summoque prosequenda studio, quae in rebus pulcherrimis, et scitu 
dignissimis versantur. Qualia sunt, quae de divinis mundi re- 
volutionibus, cursuque siderum, magnitudinibus, distantiis, ortu et 
occasu, ceterorumque in caelo apparentium cansis pertractant, 
ac totam denique formam explicant"^. Quid autem caelo pulcrius, 
nempe quod continet pulcra omnia? Quod vel ipsa nomina de- 
clarant: Caelum et Mundus, hoc puritatis et ornamenti, illud 
caelati appellatione. Ipsum plerique philosophorum ob nimiam eins 
excellentiam visibilem deum vocaverunt. Proinde si artium dignita- 
tes penes suam de qua tractant materiam aestimentur, erit haec 
longe praestantissima, quam alii quidem astronomiam, alii astrolo- 
giam, multi vero priscorum mathematices consummationem vocant. 
Ipsa nimirum, ingenuarum artium caput, dignissima homine libero, 
Omnibus fere mathematices speciebus fulcitur. Arithmetica**, geo- 
metrica, optice, geodesia, mechanica. et si quae sint aliae, omnes ad 
illam sese conferunt. At cum omnium bonarum artium sit abstrahere 
a vitiis et hominis mentem ad meliora dirigere, haec praeter incre- 
dibilem animi voluptatem abundantius id praestare potest. Quis 
enim inhaerendo iis, quae in optimo ofdine constituta videat di- 
vina dispensatione dirigi, assidua eorum contemplatione et quadam 
consuetudine non provocetur ad optima, admireturque opificem 
omnium, in quo tota felicitas est et omne bonum? Neque enim 
frustra divinus ille psaltes delectatum se diceret in factura dei, 



Copernicus den Diphthong ae überaU, wo wir ihn setzen, auBgeschrieben hat — 
während er sonst, der Sitte seiner Zelt gemäss , den Diphthong ae stets nur 
durch das einfache e wiederzugeben pflegt. 

* Im Manuskripte finden sich — ein offenbares Versehen des Verfassers — 
die Singularisformen pertraeUtt und explieat. 

** Copernicus hat die seiner Zeit gebräuchliche Schreibung Arithmetrica 
gewählt, welche Form auch die Thomer Säcularausgabe aufgenommen hat. 
Arithmetrica ist aus Aris metrica entstanden und dieses durch eine wun- 
derliche Etymologie von Ares abgeleitet. Vergl. u. A. ein dem Copernicus 
bekanntes Buch , das Trilogium anime des Johannes Wohlgemuth von Heils- 
berg III, 5 : »Arismetrica componitur ab ares, quod est virtus, et menos, 

quod est numerus, quia tractat de virtute numeri.« 



2. DIE EINLEITUNG ZUM ERSTEN BUCH£. 11 

et in operibns manunm eins exaltabundum , nisi quod hisce me- 
diis, quasi vehiculo quodam, ad summi boni contemplationem 
perdncamur? Quantam vero ntilitatem et ornamentnm reipublicae 
conferat (ut privatornm commoda innumerabilia traBseamus) per- 
optime animadvertit Plato, qni in septimo legum libro ideo maxi- 
me expetendam putat, nt per eam dierum ordine in menses et 
annos digesta tempora in solennitates qnoqne et saerificia, vivam 
vigilantemqae redderent civitatem ; et si qnis, inquit, necessariam 
hanc neget homini op^imamm doctrinarnm qnamlibet praeeepturo 
stnltissime cogitabit, et mnltum abesse pntat, nt quisquam divi- 
nus eflici appellariqne possit, qui nee solis, nee Innae, nee reli- 
qaormn siderum neeessariam babeat eognitionem. Porro divina 
haee magis quam hnmana seientia, quae de rebus altissimis in- 
quirit, non caret difficultatibus. Praesertim quod circa eins prin- 
cipia et assumptiones, quas Grae(ü hypotheses vocant, plerosque 
discordes fuisse videamus, qui ea tractaturi aggressi sunt, ac 
proinde* non eisdem rationibus innixos; praeterea quod siderum 
cursus et stellarum revolutio non potuerit certo numero definiri et 
ad perfectam notitiam deduci^ nisi cum tempore et multis ante- 
actis observationibus, quibus, ut ita dicam, per manus traderetur 
posteritati. Nam etsi G. Ptolemaeus Alexandrinus, qni admiranda 
soUertia et diligentia ceteris longe praestat, ex quadringentorum 
et amplius annorum observatis totam hanc artem paene consum- 
maverit, ut iam nihil deesse videretur, quod non attigisset : vide- 
mus tamen plei:aque non convenire iis, quae traditionem eins se- 
qui debebant; aliis etiam quibusdam motibus repertis illi nondum 
cognitis. Unde et Plutarchus, ubi de anno solis vertente disserit: 
hactenus, inquit, siderum motus mathematicorum peritiam vincit. 
Nam ut de anno ipso exemplificem, quam diversae semper de eo 



* Das Manuskript hat hier perinde , welches in der ungewöhnUchen Be- 
deutung statt proinde von Copernicus gebraucht und deshalb im Texte ver- 
ändert ist. 



12 I. SCHRIFTEN VON COPERNICüS. 

fuerint sententiae, puto manifestum, adeo ut multi desperaverint 
posBe certam eins rationem inveniri. Attamen'^ ne huiuBce diffi- 
cultatis praetextn ignaviam videar coDtexisBe"^*, tentabo favcnte 
deo, sine quo nihil possumus, latius de his inquirere, cum tanto 
plura habeamus adminicula, quae nostrae subveniant institutioni, 
quanto maiori temporis intervallo huius artis auctores nos prae- 
cesserunt, quorum inventis, quae a nobis quoque de novo sunt 
reperta, comparare licebit. Multa praeterea aliter quam priores 
fateor me traditurum, ipsorum licet munere, utpote qui primum 
ipsarum rerum inquisitionis aditum patefecerunt. 



* Der Satz : ^Attamen ne huiusce difficultatis practextu i^aviam videar 
contexisse*" ist im Manuskript durchstrichen und dafür die Worte „IIa de aliis 
stellis" an den Rand gesetzt. 

Die Warschauer Ausgabe hat den ausgestrichenen Satz ganz vollständig 
in den Text aufgenommen und vor demselben auch noch die auf dem Rande 
stehenden Worte eingefUgt, welche unzweifelhaft die Stelle der ausgestriche- 
nen Worte ersetzen sollten. 

Die Thorner Säcular-Ausgabe hat nur die Worte Ita de aliis stellis in den 
Text aufgenommen und sie durch Beibehaltung des Wortes tentabo mit dem 
Folgenden in Verbindung zu setzen gesucht. 

In dem vorstehenden Abdrucke ist der von Copernicus ausgestrichene 
Satz beibehalten worden, weil die Randbemerkung in den Zusammenhang 
nicht passt. Copernicus hat, so scheint es, die Worte Ita de aliis stellis sich 
nur vorläufig notirt, um sie bei einer spätem Redaction der Einleitung, zu 
welcher er nicht gekommen ist, zu einem vollständigen Satze auszuführen 
und in den Zusammenhang einzupassen. 

** Das Versehen des Copernicus , welcher deutlich conte^isse geschrieben 
hat, ist in den Text nicht aufgenommen, sondern contegisse ist in contexisse 
verändert, wie es auch die Thoruer Säcular-Ausgabe stillschweigend gethan hat. 



VORREDE. " 13 



Anhang« 

Die von Oslander untergeschobene Vorrede der 

editio princeps. 

Ad lectorem de hypothesibuB huinB operis. 

Non dubito, quin enediti quidam, vtdgaia tarn de novitate hy- 
potheseon huius operis fama, quod terram mobilem, solem vero in 
medio universi immobilem romtituit^ vehementer sint offensi pu- 
tentque disciplinas liberales rede iam olim constitutas turbari non 
oportere. Verum si rem exarte perpendere volent, invenient auto- 
rem huius operis nihil quod reprehendi mereatur rommisisse. Est 
enim astronomi proprium . historiam motuum coelestium diligenti et 
artifidosa observatione colligere. Deinde causas earundem. seu hy- 
potheses , cum veras assequi null<i ratione possit, qualescunque ex- 
cogitare et cor^ngere^ quibus suppositis iidem motus ex geometriae 
prineipiis^ tam in futurum , quam in prueteritum rede possint cal- 
ruluri, Uorum autem utrumque egregie praestitit hie artifex, Ne- 
que enim necesse est, eas hypotheses esse veras, imo ne verisimiles 
quidem, sed suffidt hoc unum, si calculum obscrvationibus congru- 
entem exhibeant. Nisi forte quis geometriae et optices usque adeo 
sit ignarus, ut epicyclium Veneris pro verisimili habeat , seu in 
causa esse credat, quod ea quadraginta partibus, et eo amplius^ so- 
lem interdum praecedat, interdum sequatur, Quis enim 71071 videt, 
hoc posito , 7iecess(iHo sequi, diametrum stelhie in nsQiyeiip , plus 
quam quadruplo, corjms autem ipsw}i plus quam sedecuplo maiorUj 
quam in ajtoyei(f} apparei'e, cui tarnen omnis aevi expei'ientia 7*e- 
fragatur? Sunt et alia i» hac disciplina non ininus absurda, quae 
in praesentiartim excute7*e 7iihil est necesse. Satis e?iim patet, 
apparentium hiaequalium motuum causas hanc artem penitus et 
simpliciter ignorare. Et si quas fingendo excogitat , ut certe quam 



14 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

plurimas excogitat, neqtmquam tarnen in hoc excogiiatj ut ita esse 
cuiquam persuadeat, sed tantum üt calculum recte instittumt. Cum 
autem unius et emsdem moius, variae interdum hypotheses sese 
offerant (ut in motu solis eccentricitas et epicyclium) astrotiomus 
eam potissimum arripiety quae camprehensu sit quam facülima; 
phHosophus fortasse i>eri simävtudinem magis requiret. Neuter ta- 
rnen quicquam certi comprehendet, aut tradet, nisi divinitus Uli re- 
velatum fuerit. Sinamus igitur et ha^ novas hypotheses inter veteres 
nihilo verisimiliores innotescere , praesertim cum admirahües simtd 
et faciles sinty ingentemque thescmrum doctissimarum ohsertatio- 
num secum advehant. Neque quisquam, quod ad hypotheses attinet, 
quicquam certi ab astronomia exspectet, cum ipsa nihil tale praestare 
queat , ne, si in alium usum con^ta pro veris arripiat, stultior ab 
hac disciplina discedat quam accesserit. Vaie. 



B. 

(rotachten nnd Denkschriften. 

1. Vnderriditang der thomherm vnd capitels des thumstifits 

Ennelant von wegen der zuspruche vnd beschweren, sso sy wider 

den durchlaaohtigen hochgebomen ftirsten vnd herm hoemeister 

eto. vnd seinen g. orden haben furzntragen. * 

Zcum ersten thut sich das w. Capitel beklagen das In Ire 
Stadt Meisach durch des herrn ho. anwalde nach erlitenem krige 
Im ende vnd anstant wider beider herschaft vertrag vnd recess 
entweldiget ist vnd wievol die selbig stat Im krige erstmals vom 
herm hoe. eyngenomen durch des hern Koniges krigsleuthe ge- 



* Das Original, im Staatsarchive zu Stockholm aufbewahrt, umfasst 
5 Seiten in 40 und führt die alte Aufschrift: „Querela Capituli contra magistruni 
Albertum et o. ordinem super iniuriis irrogatis 1521 sub induciis belli/' 

Wir haben in dem bez. Documente nicht eine Reinschrift, sondern das 
Coneept des Verfassers , welcher gleich beim Niederschreiben Mehreres aus- 
gestrichen und verbessert hat; Anderes ist später mit schwärzerer Tinte, 
aber von derselben Hand , zugesetzt. Diese Gorrecturen sind jedoch in dem 
vorstehenden Abdrucke nicht einzeln mitgetheilt, da die Zusätze eben nur 
Verbesserungen, nicht eigentliche Varianten sind. 

Der Name von Coperaicus findet sich in dem Schriftstücke nirgends vor ; 
allein die SchriftzUge stimmen mit der durch die Copernicanischen Briefe be- 
kannten Handschrift des grossen Mannes vollständig überein. lieber die 
innem Gründe, weshalb die Autorschaft dieser Klage des Ermländischen Ka- 
pitels gegen den Hochmeister Albrecht dem Copernicus zuzuschreiben ist, 
habe ich mich bei dem ersten Abdrucke in m. .Jfittheilungen aus Schwedi- 
schen Archiven und Bibliotheken" S. 5 ff. verbreitet. 



16 I. SCHRIFTEN VON COPBRNICUS. 

weltiglich erobert, vnd haben dy eynwoner von neugen zwoen 
thumherm geschworen vnd also von kr. ma' dienstleuthen dy ge- 
melte Stadt Melsach eyn zeit lanch gehalten biss das dieselbig 
abermals durch den hern ho. feyntlich vberfallen anBzgepucht, 
In grünt verbrant vnd also ane allen eyd vnd holdung vnbesatzt 
vnd vnversorgt verlassen Derhalben dy thumherm darnach Im 
kriege die Stadt mitsamt dem gebiethe widernmme eyngenommen, 
durch Ire amptleuthe vnd thumherm dy vnderthane geregiret vnd 
vndergehalten, gerichtet vnd alle oberkeit gellbet, dy dörflFer mit 
dienstleuthen besetzt vnd vor vberfall des krigsvolks beschützt, 
In der Stadt melsach eyn freyen eyn vnd ansprach gehat, da 
auch vielmal benachtet, das getreide Im felde vermittelst der 
pawemn dienst vnd scharwerch abgegraset, Der vischereyen ge- 
braucht vnd genossen In weiden honig auss den beuthen gebro- 
chen vnd genommen ane alle Verhinderung ledermenniges vnd 
also geblieben biss zcum anstaut, In welcher zceit des anstands 
her peter von donen hauptman zcum braunsberg sich des gebiets 
vnd des selbigen regiments vnderfangen zu nachteil des wirdigen 
capitels dem dy eynwoner der Stadt Melsach biss uff itzigeu tag 
vnd nyemands anders mit eyde vnd holdung verhaftet. 

Zcum andern ist dergleichen dy Stadt Tolkemith mitsamt 
dem gebiethe Im beyfride dem w. Capitel entweldiget vnd wiewol 
dieselbige Stadt von des hern ho^. krigsvolk Im abeczoge von 
elbing eyngenommen vnd geplündert haben doch halt darnach 
ane alles schweren ane alle erbholdung ane alle ordenuuge ader 
Versorgung dy Stadt vnbesatzt verlassen alleine dy eynwoner vff 
dreyhundert uiarch gebrautschatzt welche so dy burger dy zeit 
aufzvrichten nicht vermochten, hat heinrich doberitz der knechte 
hauptman zweue burgcnneister Im abeczuge mit sieh gen brauns- 
berg zcu geisel weggefurt vnd die burger zu hantgelobde gedrun- 
gen Ire burgenueister mit gemelten 111*= mark zu freyen dem auch 
kurtz darnaoh also gescheen Derhalben dieselbigeu Tolkemiter In 
gehorsam vnd vndertenikeit des w. capitels sieh gehalten ouch 



DIE KLAGESCHHIFT GEGEN DEN HOCHMEISTER. 17 

keyne ander herschafft oder oberkeit erkannt sein oach durch 
des capitels anwalt eynen thumherm geregiret gespeiset vnd so 
vil möglich geschützt, biss zn der zceit des anstandes In welcher 
zceit nemllich am sontag Misericordias domini her Caspar von 
Schwalbach deutzs Ordens gen Tolkemith gekommen vnd von eyn- 
wonem eydespflicht erfordert vnd dyselbigen In kiener zcal nach 
vilen wegem etzliche tage darnach genotdrenget zu schweren 
Auch nach den heiligen pfingsttagen alle dorffer biss an dy fra- 
wenburg zu schweren gedrungen Dyweil dan disz alles Im an- 
standt vndt frieden gescheen vnd dy Stadt durch dy brantschatzung 
von feinden gefreyet, verhoff'en sich dy thumhem vnd capitel daz sy 
sieh Irer furigen herschafft billich sullen anmaszen und gemessen. 

Zcum dritten Nachdem dy dorffer Neukirch Carsaw vnd Kre- 
besdorff ausz sunderlicher gäbe itziger ko' Ma* von polen der 
kirehen Ermelant zu leenrecht verlegen vnd etzliche Jare für des 
kriges anfang Ire czinss dienst vnd pflicht gen der frawenburg 
vnd nicht gen Tolkemit gethan , hat sich gemelter her Caspar 
Schwalbach der selbigen mit der Stadt Tolkemit ane einigen fug 
der billickeit auch Im fried vnd beistant vnderwunden welche 
dorffer widerumme zu furdem vnd zu sich zu bringen gemeltes 
Capitel sich vorhofft gute gerechtickeit zu haben vnd das Im das 
mit keiner bitterkeit solle gewegert werden. 

Zcum vierden ob sich vielleicht erfunde das dy Stadt vnd 
gebiethe Tolkemith vom hem ho. redlich erobert vnd dem orden 
bleiben solthe des sich doch gemeltes Capitel In keinen weg ver- 
hofft, dyweil doch dy guther Codyn, Rebrig, Scherfenberg vnd 
dy mole Haselau Im selbigen tolkemitschen gelegen etwan von 
herren paul rusdorff hoemeister zu lehen verlegen vnd gehalten 
vnd das Capitel solche guther mit allem recht durch einen vff- 
richtigen kauf vom grossmechtigen hem Jorge von Baisen marien- 
burgschen woywoden mitsamt dem guth Baysen zu sich gebracht 
vnd viel Jare In geriglichen besitz gehalten hat gemelter her Caspar 
Schwalbach dye selbigen guther mit keynem recht dem Capitel 

11. 2 



18 I. SCHRIFTEN VON GOPEBNICUS. 

entweldiget vnd sollen auch za reeht widerumme eyngerenmeth 
ynd abgetreten werden. 

Zcnm Yunfften beklagt sich das Capitel dergeleicben von 
gcmeltem guthe Baysen Im wonneditschen gebiethe gelegen wel- 
ches von anfang seyner anlegung allwege eyn frey lehnguth ge- 
wessen ynd vom Capitel durch eynen kauff wie gemelth erlanget 
In dem auch gedachter her Jorge von baiszen nachmals eyn za- 
trith eyns widerkauffs zu haben befunden das alles unangesehen 
hat der her ho. dasselbige guth mit der Stadt Wormedith eyge- 
nommen vnd biss zu disser zceit dem Capitel fhrgehalten dy weil 
aber das Capitel erbotig alle dienst ynd pflicht szo Im da yon zu 
thun eiget seinen f. g. oder weme zur zceit dy oberickeit gebaren 
wirt lautss der hantfest zcu leisten tröstet sich dasselbig Capitel 
solche guther sollen Im widerumme eyngereumet werden. 

Zcum Sechsten furdert dergleichen das W. Capitel dy guther 
Eldithen vnd Cleynenberg Im Wormeditschen gebiethe gelegen dy 
auch freie lehnguther allwege gewessen ynd zum teile durch 
einen vffrichtigen kauff an gemeltes Capitel rechtlich gekomen 
auch etzliche lare geriglich besessen Nu aber des besitzs durch 
des herm ho. anwalde entsatzt, verhofft sich widerunune sdlle zu 
recht widererstattet werden mit angehofter erbitung aller pflicht 
In masen yor angezeigt. 

Zcum Siebenden Nachdem eyn anteil der molen Seboliten 
Im gutstetschen gebiethe gelegen ader da yon acht mareh her- 
liches czinses yon desselbigen rechten erben dem Capitel erblich 
ynd ewiglich yerligen ynd abesc^treten , welchs auch dasselbige 
Capitel yiel Jare gebraucht vnd besessen dergleichen das dorff 
hankendorff daselbest gelegen auch durch eynen kauff von den 
rechten Erben an das Capitel gekomen hat sich der pfleger zur 
gutstat mit keinem schein der billickeit dieselbige guther dem 
Capitel furzuhalden vndernummen vnd sollen zu rechte demselbigen 
Capitel wie erbguther bleiben vnd eyngereumet werden das sicli 
och gentzlich will vertrösten. 



DIE KLAGESCHRIFT GEGEN DE^ HOCHMEISTER. 19 

Zcam achten Das dorff Steinberg Im allensteinscben gelegen 
iat vom Capitel etwan dem thnmherrn zur gutstat mit allen nutzung 
yerlogen mit diBzem bescheide das sy etzliche begencknasz Jer- 
lieh halten vnd ander gotsdienst da von thun sullen dy auch Ire 
yrkund ,cy €t. wachs davon dem Capitel jar jerlich vberantwort, 
djrweil nu disz dorff gemelte thumhern zu genissen nicht gestattet 
anch gemelte pflicht gantz nachbleiben vnd In kenen weg ge- 
halten können werden darzcn auch dy selbig thamherm den fein- 
den Im krige vndertenig worden, soll disz dorff widemmme zcu 
hauBz alienstein dahin es anfengklich gehörig widerumme zasten- 
dig gefunden werden darinne doch der pfleger zur gutstadt das 
w. Capitel behindert vnd dy eyn woner des dorffs mit gewalt zu 
uuderhaUen vnd zu genissen sich vndersteet. 

Zeum neunden thut sich das Capitel erklagen das sy vorm 
jare In der czeit szo dy keutelbriefe aufgegeben sein IX brife 
etzliehen burgern zu Tolkemith dy dy zceit dem capitel vnder- 
tenig vff gewonliche czinsz haben verlegen dy auch krafft der- 
selbigen der fisehereyen gebraucht vnd szo der czinstag ankom- 
men hat her Caspar Bchwalbach dieselbigen burger genotdrangt 
Im den keutelczinsz abezulegen, vnangesehen das dieselbige vi- 
seherey der keutel dem gebithe vnd oberickeit Tolckemith In 
keynem weg zustendig oder verhaftet daneben hat auch vielge- 
melter Caspar Bchwalbach das Capitel andere Irer gerechtickeit 
szo sy auszerhalb der herschaft Tolkemit mit eynem grossen garn 
Im habe zu vischen mit allem rechte genossen mitsamt dem czinsze 
vnd aller nutzunge beraubet vnd dy fischer zu tolkemit Ime den 
czinsz zu ueberreichen gedrungen, wiewol er sich sunst der 
wasser gerechtickeit nicht vndersteet welches erhobenen czinszes 
widererstattung vnd das sulchs vortmehr nachbleibe thun dy 
thamhem fleissig synnen. 

Zuletzt beclagt sich das Capitel das her peter von doneu 

hanptman zcum braunsberg In dorffem des melsackischen gebieths 

dy heuszer vnd Scheunen lest abebrecheu vnd in seine guther 

2* 



20 I. SCHRIFTER VON OOPBRNICU8. 

ader wo es Ime gefellig wegfiiren zn merklichem abebrach vnd 
verwttstang der dorffer Dyweil nu der vertrag diszes anstandes^. 
methe bringet das dy sach den eyngenommenen fleck zu erkent- 
nisz der entschideshem soll ansteen vnd also In eyn Verfassung 
gebracht will sich das Capitel versehen das solche vbnng her 
petem nicht geczyme vnd bitten das er zu erstattnng der gebewde 
gehalden vnd In weither solchs zn vben nicht gestatet werde. 
Diszer obangezeigt beschweren vnd artikel thnn sich dy wir- 
digen herren des Capitels zcn Ermelant zcn königlicher Irlench- 
tickeit von Polen geschickten vnd hochwirdigen rethen In diser 
tagefahrt zn grandentz versammelt kleglich beclagen mit ange- 
hefter demütiger beth Ire genaden vnd herlickeiten wollen dar ob 
mit dem hem hoemeister ader seiner f. gnaden geschickten der- 
massen handeln vnd verschaffen das In dy steth vnd fleck szo 
der kirchen Ermelant wider dy vortrege szo in diszem anstand 
vffgericht auch sonst wider billickeit wy ob angezeigt abegedrnn- 
gen vnd furgehalten worden widemmme abegetreten vnd eynge- 
reumeth darczu ander gebreche szo auch angezeiget der billickeit 
nach gewandelt werden das will dasselbige Capitel cza Iren 
genaden vnd h. mit Iren schuldigen pflichten zu verdienen nicht 
nachlassen. 



2. DIE DENKSCHRIFTEN ÜBER DIE MONZE. 21 



2. Die Denkschriften aber das preussisohe Münzwesen. 

a) Das Gutachten ttber die Yerbessening der 

preusslsehen Mfinze 

dem preussischen Landtage auf der Tagfahrt zu Graudenz 

im März 1522 überreicht."^ 



** Muncze wyrdtt genennett geczeichennt Goldtt, adir Sylber, 
domyte die geldunge der koafflichenn adir vorkoufflichenn dinge *** 



* Abgedruckt aus dem Original-Recess des Danziger Stadtarchivs, 
welcher die VerhandluDgen des Preussischen Landtags aus den Jahren 1515 
—1523 enthält. 

Bisher kannten wir den Inhalt des Copemicanischen Münz-Gutachtens 
nur aus dem Abdrucke bei Schütz historia rerum Prussicarum (S. 480 — 482), 
welchen auch Hipler in sein Spicilegium Copemicanum aufgenommen hat. 
Schütz sagt selbst, er habe den Aufsatz des Copemicus „von Wort zu Wort" 
wiedergegeben und die Vergleichung mit dem wiederaufgefundenen Originale 
erweist die Richtigkeit seiner Angabe. Schütz hat wirklich keine wesentlichen 
Verändeningen vorgenommen, wohl aber den ganzen Aufsatz sprachlich und 
orthographisch nach dem Schrift- und Sprachgebrauche seinerzeit umgewandelt. 

Ob wir in dem Landtags-Protokolle selbst eine diplomatisch treue 
Abschrift des Copemicanischen Gutachtens besitzen, ist aus mehreren Grün» 
den kaum anzunehmen; es scheint sich der Schreiber vielmehr mancherlei 
sprachliche und jedenfalls auch orthographische Aenderungen erlaubt zu 
haben. Was jedoch dem Abschreiber angehört, ist gegenwärtig nicht zu be- 
stimmen. Es ist deshalb der Abdruck ganz getreu nach dem Manuskripte ge- 
nommen. Nur die Abkürzungen für die Bezeichnung der Münzen und Münz- 
werthe sind nicht beibehalten, um das Verständniss nicht unnöthigerweise 
zu erschweren. 

** Den einzelnen Hauptabschnitten des Aufsatzes sind — wohl schwer- 
lich vom Verfasser selbst — in lateinischer Sprache Bandbemerkungen beige- 
fügt, in denen der Inhalt des Abschnittes angegeben wird. Der Vollständig- 
keit wegen sollen sie an den betreffenden Stellen unter dem Texte mitge- 
theilt werden. 

Neben der ersten Zeile stehen die Worte moHBta quid sit d^finitur. 
<»** In dem Abdrucke bei Schütz ist das Wort din^e ausgefallen. 



22 I. SCHRIFTEN VON COPEBNICÜS. 

geczalett werdenn, nach einsatczunge eyner Itzlichenn gemeyne, 
adir derselbenn Regirer. Hierausz ist zcunomercken , das eyne 
maesz ist die werdirunge. Nu ist von notenn, das eyne maesz 
habe einen festen und bestendigen standtt. Denne wo das nicht 
gehaltenn, folgett van notenn, das dye Ordnnnge eynes gemeynen 
nntczes vorrncktt, onch die konffer und vorkouffer mannichfaltig 
betrogenn werdenn, alsze wo die Ele, der Scheflfel, adir Gewichtt 
nichtt eynen gewissenn stant behilde. Dyeser gestaltt wyrt vor- 
standen eyne maesz der achtunge nnnd werdyrunge der muncze. 

*Unndwyewoll dieselbige achtunge der muncze<iSich gründet* 
in die gute der Materie, das men nennet das komn oder grann, 
istt dach von notenn eynen underscheitt zcu vormerckenn der 
wird unnd der achtunge, dann eyne Muncze mag groszer geachtett 
werden, dann die Materye, darinne sie ist, und** widderumben. 

***Hiemebenn ist zcumerckenn dye Ursache der Munczen 
eynsatczunge, welche von notenn gewesen. Dann wyewoU eynn 
iglich dinck mochte gewechselt werdenn, an Gold und silber, 
alleyne noch der Gewichtt, noch deme ausz gemeyner vorwyllunge 
der menschen das Goldtt und Sylber allenthalben teuerbaer ge- 
rechennt. 

**** Doch dweyle es gantcz unbequeme geftinden, die Gewichtt 
allewege bey sich zcu haben und ouch die lauterheit des Silbers 
unnd goldes zcuerkeunen, ist von den menschenn vor das beste 
angesehenn und uffgesatczt, das eyne Muncze mit eynem geme- 
nem zceichenn zoltt geslagen werdenn, ausz welchem zceichcn 
kundick zolde seynn, das die Muncze rechttfertige teyle ynne 
habe des goldes adirSylbers. unnd die statthafftickeit des zceichenns 
den getrawen befeste. 



* Aliud est oalor tnoneie, aliud est extiniatio. 

** Schutz hat vor widderumben noch eingeschaltet : also , wodurch das 
gegensätzliche widderumben allerdings schärfer hervorgehoben und der Gier 
danke verständlicher wird. 

*** Quare es signcttutn intiitutum sit. 
**** Quare mottete signum imprimitur. 



2. DI£ DfiMKSCUBIFT£N ÜBKR DIE MÜNZE. 23 

*liu ist zcawyssenn , das die rechtfertige und gleichmesige 
aehtunge der Muncze ist, wenn sie gaer wenigk mynder golts 
adir Silbers inne hatt, dan mit derselbigenn mochte gekoufft wer- 
den, alze nemelich zo fyle do wynniger alze vor denn kosten, 
nnnd lonn der Muncze von notenn were abeczuczyhenn, dann das 
zceichenn zall der Materienn onch etczwas wird zcufiigenn. 

** Dyese aehtunge der Muncze mag dreyerley weisz vorrückt 
werdenn. Zcum erstenn im graenn, zo alleyne die Materie 
fehel **"* hott, als nemlich, wan in geburlicher wichtt der Munczen 
dem Silber zcu fyl ertcz zcugesatcztt ist. Zcum anderenn, zo die 
gewichtt feheP*«* hott, wyewol der zcusatczt adir graen rechtt^ 
fertig istt. Zcum dritten, welchs das irgeste ystt, szo die beden 
fehel***** beynander seynnt. 

i Es kann euch die Mttncze in vorachtunge kommenn aus der- 
selbige unmesigen fylheit, wo zo fyle Silbers vormunczett wirdtt, 
das das Roe Silber von den leuten mehe dan gewonlich bogert 
wirdtt, dann dodurch nympt abe die aehtunge der Muncze, wen 
ich mit derselbigenn nicht zo fyle Silbers kann kouffen, als sye 
in sich selbstt hott, unnd befinde als denne eynen groszeren nutcz, 
das ich die Muncze smeltze und tylge. 

tt Hieentkegen ist nodtt, das men nichtt mehr Muncze slae, 
bis zo lange sye sich mit der wirde des Silbers vorgleiche. 

ttfOuch wirdt die Muncze von jr seihst umwertt, zo sie ansz 
langem gebrauch vemutczet ist. Des zceichenn yst, Szo in der 
Muncze etlicher maesz merklich wynniger silber befunden wyrdtt. 

tttt Dao ttttt zcu wandelen , szall die Muncze vormachett 



* Qne HÜ iiut't ac debita extinuUio eris signati, 
** Entimatio monete irifarie earrumpitur. 

*"* Schütz: feil. *♦♦* SohütsE: scheel. ***** Schütz; feil. 

•j- Viliias et leuipensio tnonete unde nonnunquam trahat originent. 
•H" ViliUrii monete ex causa predida qwMer occurrendum. 
fff -^l^f* causa üiUtaHs monete. 
1 11 i Remediuni contra hane vilitatem, 
l - ill ' i Schütz kommt dem Verständnisse zu Hülfe, indem er dan in das 
verwandelt. 



24 I. SCHRIFTEN VON COPEENICüS. 

nnd Yorneuett werdenn. Wo men nu neuwe Muncze machen wyll, 
ist von notenn,* dye aide gantez zcuuorbientenn, annd das 
mann in dem Muntzczhausse vor die alte Muncze neue gebe, denn 
die sye hin eynbrengen, and das nicht noch foriger achtange der 
alten Muncze, szunder noch der Wyrde des sylbers, das in jr 
befundenn, unnd wo das nicht geschieht, wyrdtt die aide vorgiff- 
ten die Achttbarickeit der neuen Muncze [atbs] zcweyerley Ursache. 
** Dann wo sie myt der neuen vormesschett, wirt der gebur- 
lichen gewicht in der summe abbebrechenn , und wo denne ouch 
die Muntcz in der fylheit zcu sere zcunympett, wirtt folgen das 
vor hin ist gesagtt. Über all erfindett sych der gross te 
gebrech, und ein unleydelicher Irthum, wo derLan- 
desherre adir die Regirer der Lande, adir der ge- 
meynen eynn gewyn suchen ausz der Munczunge, 
als nemlich, wan sye der forigenn unnd ganckbaren 
Muntcze eyne neuve Muntcze zeugeben, die im grann 
adir im schrott unfulkommenen ist, unnd doch in 
der achtunge mit der forigen vorgeleichett wirdtt. 
Dann solicher betreügett nicht allein dye underta- 
nenn, bszunder ouch sich selbst, in deme das er sich 
freuwett eynes zceitlichenn nutczes, der zcu mael 
[gering]*** yst und gaer kleynn,**** nicht anders dann ein 
kariger Agckerman, der boszen szamen seett, do myt er denn 
gutten spare, der wirt***** widderumben meher, das er geseet 
hott. Dis über vorwustett die wirdickeit der Muncze gleich wye 
rathe, adir ander unnkrautt das getreyde, welchs zo es uberhant 



* Bei Schütz sind die Worte ist von noUen durch ein Versehen aus- 
gefallen und ist der Satz dadurch unverständlich geworden. 
** B4Uio duplex ante dictorum, 

*** Schütz hat hier das. Wort gering eingeschaltet, was zu billigen ist; 
irgend ein Wort dieser Bedeutung ist hier ausgefallen. 
*♦** Similitudo, ^ 

***** Schütz hat, um deh Gedanken verständlicher zu machen, hinter wirt 
noch die Worte : des bösen hinzugesetzt. 



2. DIE DKNKBCHRIPT£N ÜBER DIE MÜNZE. 25 

nympt, unnd Spaett wirtt befundenn, mag es der Herre nicht 
liderlichen buBBenn adir abewenndenn , ane eyne andere beswe- 
runge der underthane, ouch nicht ane seine angelymp, dweyle er 
dasselbige genrsachett. 

* Nu wollen wir zcu meherem vorstentnisse eyne anczeygnnge, 
und Exempel geben vonn unnser preuscher Muncze , die bisher 
myt fast fylenn gebrechenn ist wandelbaer wurden. Dieselbige 
Muncze ist genge unter diesen namen, alze Marck, Schoett etc. 
unnd under denselbigen namen gebraucht [men]** ouch den ge- 
wichtt , eine marg lotige mach ein halb €/., und III scet machen 
I uncze etc. Aber die mark ann der zcaell wirt gerechent uff 
LX Schillingen in der Muntcz. Szo wirt die preusche muntcz ge- 
braucht in schillingenn , Groschenn und heller. Es erfindet sich 
aber, das, die nu Groschen genennet werdenn, vormals seint schil- 
linge gewesenn, unnd derselbigenn acht marg haben inne gehabtt 
I 4Sf. feyn Sylber, das seint zcwe marg lotiges, welches sich ouch 
auBz jrer Materye erfindett. 

***Dann jr graenn ist ausz der helffte Sylber und Koppfer, 
unnd dieselbigenn VIII marg zcu LX in der zcaell, wegenn fyl na 
zcwe ^., die sein gehesenn wurdenn neuwe Schillinge , und jre 
.marke seint genennet neuwe adir gutte marck. Dann doneben 
seynnt gewesen andere aide Schillinge, unnd derselbenn aide 
marck, ^ adir geringe marg, diese seint an der wichtt mit den 
neuwen eyntrechtick gewesen, aber noch der gtttte underscheden 
uff die helffte, das ist halb zo fyle werdtt, dann jr zcusatczt ist 
gewestt alleyne noch dem firden teyll silber, und der XYI marg, 
die IUI ^. gewogen, habenn inne gehalten I &. feyn Sylber , das 
seint zcwe marg lotiges. Daer noch im vorwandelunge des stau- 



* Declaratio predictorum et applteatio ad monetam terre nostre. 
** Um den corruropirteii Text des Original - RoceBses verständlich zu 
machen, ist men hinzugefügt worden. SchfUz hat denselben Zweck dadurch 
zu erreichen gesucht, dass er wird einschiebt. 

. *** Hinc arigo banarum marcarunit qmbue adhuc utimur in libris civitatis. 



26 I. SCHBIPTEN VON 0OPERNICU8. 

des dieser lannde, szo denn Steten zcugelossen Muntcz zcn sloenn, 
und sie jrem neuen priuilegio folge tetenn, hott das geltt zeuge- 
nommen an der fylheitt, nichtt aber ann der glitte. Dann do hott 
men angefangenn, dem fünfftenn teyle silber, im teyle kopper 
zcusatczt zeugebenn, bis zo lange die marek lotiges vor X marck^ 
unnd eyn it. feynn silber vor XX marek ist gekofftt wurdenn. Nach 
deme aber neben der neuwenn Muntez ouch die alte eynns teyls 
ist gegangenn, hott sichs erfolgett, das die forigenn neuwe Schil- 
linge seint sehöter wurden, zo das XXIIU uff eyne geringe marg 
seint gerechent, dann I marek der geineynen neuwen gemuncze- 
ten Schillinge in der zcael LX ist nicht file besser gewesenn, 
denn die XXIIU. "^ Domoch aber zo dieselbigenn schöter ouch 
vorswunden, donimben das sie noch jrer achtunge auch in pom- 
meren unnd in der marke angeneme unnd ganckbaer waren, hott 
men vor gut angesehenn, sye widderumben inns landt zeuzcyhenn, 
durch eyne satczunge adir erhohunge uff eynen groschenn, das 
seint III Schillinge, welch ein grosz Irthum gewesen, und nicht 
fast rumlich sollich eynem trefflichenn Raedtt, gleich ob sie sich 
jrenn eigenenn ubels hettenn gefreuwet, und preusen nicht hett 
mögen seynn ane die groschen szo sie doch nicht besser waren 
dann XV heller, unnd ane dye sonst uberflusigk gnuck Muntcz 
in preusen waer. Demenoch seint die groschen ungeleich gewe- 
senn denn dreyenn Schillinge an der gutte, im V***" adir VI***^ 
teyli. Szo sie aber der irrigen satczunge noch gleich werdt ge- 
achtett seyn, haben sie emiddertt die wirdickeit der Schillinge, 
unnd die gebrechliche achtunge des voimischtenn geldes mit der 
glitte verworren. Derhalbenn hott von tage zcu tage die achtunge 
des geldes meher unnd mere abgenommen, unnd dennoch hott 
men von dem munczenn nicht wollenn abestellenn, unnd zo die 
kosten nichtt wolde ausztragenn, das man eyne gleichwirdige 



* Schütz hat des sichern Verständnisses wegen das Wort SkVter, wel- 
ches \m Manuskripte fehlt, hier hinzugesetzt. 



2. DIE DENKBCHRirrBN ÜBER DIB MÜNZE. 27 

Mmitcze myt der forigen bette mögen slaenn , ist sye iiier und 
fiter geringer wnrden, alzo das sye anch der abesteygende ach- 
tnnge nicht genncksam. Daernmbe zn die letczBte Mnntcze allwege 
der forigenn an die gntte ungemesz gewordenn, hott anch dye 
letczte stettlich die forigen achtnnge zcnstoret nnd anszgedrnn-* 
genn, bisz zo lange die achtnnge der Schillinge myt der gtttte 
der groBchen sich hott vorgleichett, nnd das nu XII marck geringe 
vor eyne marg lotiges, nnnd XXmi marck vor I tl. Silbers wer- 
denn gegnldenn. Dennoch ist keyn nffhorenn, wie wol sich die 
Schillinge mit den grosehen noch der achtnnge vorgleichett , zo 
folgenn nn noch nenwe grosehen, die zcnm wynnigesten am 
schroet fehel habenn, dann dieselbigen XXYI marg in der ge- 
wicht II it. haben I it. Sylber. Was ist nn anders zcuwartenn, 
dann das men in knrczenn I it. Sylber vor XXVI margk , nnnd 
die marg lotiges vor VIII marg wirdt müssen geldenn, wo es nicht 
vorkommen wyrdtt. Alzo trefflichem gebrechenn ist nnderwurffen 
die prenss. Mnncze, nnnd do dnrch das gancze lanndt. Alleyne 
die golttsmede nemen genys ansz des Landes schade nnd ab- 
nemen, szo sye die gtttte des geldes zcn sich brengenn. Dann 
ansz dem hauffen vorlesenn sie die alte Muntcz, dorans syje das 
Silber schedenn nnd vorkonffen, nemen stets widdemmben ander 
Mnntcz meh Silbers von nnvorstendigenn folck. Szo dann solliche 
alte Schillinge ganntcz undergangen, lesenn sye ansz die denen 
negst seynn, gleich wie den waysen ansz den drespen. Es fnr- 
dert die nodtt, das diese gebrechen gereformirt werden, inn zoey- 
ten, ehe das eynn grosser fall geschitt, das zcnm wynigesten 
eynn it. silber uff ^XX mark, ünnd die marg lotiges nff X marck 
wnrde gebrochtt, nnnd dasselbige bestendick gehaltenn, noch ob- 
angeczeigter weysze. Nn wollen wir ein Exempel anczegen, wie 
sollich reformationn gescheen mochte. Zcnm erstenn, das nur 
eyne stelle zcn Mttnczen werde angesatczett, do die Mnntcz nicht 
im namen einer statt, adir nff ir gebreech, beszunder des ganözen 



28 I. SCHRIFTEN VON COPEBNICÜS. 

landes wurde geslagenn, unnd das weytre ane gemeynen Raadtt 
unnd zculossz Lande unnd Stette keyne neuwe Mantcz ward auff- 
geriehtt, das ouch dureh ein bestendick decreet vorwaret ward, 
das ansz eynem &. feynes Sylbers nicht meh dann XX marg 
wordenn geslagen, in folgender weysze. Zcum Schilling zoll men 
nemen in it. kopper, unnd I tJ. fein Silber, wynniger eine halbe 
unntcz, adir zo fyle es von notenn vor den kosten der Mnnczer 
alleyne abecznczihenn. Dis smelcze men in eynen klosz, und 
men schrote dar ansz XX marg Schillinge, welche im kouffe 
werden eynnbrengenn I it. Silbers, das seint n marg lotiges. 
Daer czu mocht men onch slaenn Schöter von zcween €f. koppfer, 
und I €1. wynniger eine halbe untcz Silbers, vor XX marg, in 
XXTTTT vor die marg geschrotett. Ouch möchtenn vor dye Schil- 
linge halbe Schillinge gemnnczett werdenn noch foriger rechnnnge, 
dor ' y vor I schoett ginge, unnd eyner vor m der itczigenn heller 
gewechseltt wurde. Szo aber der Muntczslag angefangenn wurd, 
muste der gebrauch der altenn Muntcz gantcz vorböten und nid- 
dergelegtt werdenn, und das men im Huntczhanse vor Xni mark 
des aldenn geldes, zcale X mark der neuen Schillinge adir Scho- 
ter. Disenn schaden muste men eyn mol tragen, do myte ein 
grosse frome und bestendiger nntcz zcuwuxse unnd es zold genuck- 
szam, das die Muuce in XXV adir meher Jarenn eyn mol vor- 
neuett werde. Dis sey unns vonn der Hutcz zcu eyner beramunge 
gesagtt, welch eynem Jedenn bas vorstendigenn zcutateln adir 
czubessemn zoll underworifenn szeynn, in masenn sich ouch myt 
der Zceidt neuwe feile bogebenn.- 

1519. 



bas Landtags-Protokoll, aus welchem das vorstehend abgednidtte Mtfuz- 
Gutftchten des Copernicus entnommen ist, beginnt mit den Worten : 



2. DIE DBNKSCHBIFTEN OBER DIE MÜNZE. 29 

Im Jare Ufmwrs Herren taueennt VXXII ist durch Koe. Ma^ zeu, Polenn 
eyne gemeyne tagefari uff denn tag Montag ntich Remtniecere eyngesatceft, Do- 
eeßngeet hin in konicklichen namen eeindt verordnet etc 

Nach sollichem vorgeben koe. maiestat geschickten seint in 
dem mittel der rete dieser lande zcu preuszen die hochgelar- 
ten, achtharenn und toirdigen herrn Nicolaus Koppernick der 
geistlichen rechte doctor unnd Magister Tydemannus Gisze 
thumherrn des stifftes zcur Frauenhurgk und des erwirdigen 
in got Vaters und herrn Fabian^ bischoffs zcu Ermelandi ver- 
ordnete und geschickte irschenen 

Die Verhandlangen über die Mtinz-Ängelegenheit begannen erat am vor- 
letzten Tage der Woche. Der Einlei tungs-Passna des Protokolls lantet : 

Freytags domoch ist zwischefi Kn, Retenn aus der Cron und dieszenn Lan" 
denn zw preussenn merkliche handlange furgenoinmen von wegen der mttntczef 
do denne der herre bisehoff votm Leslauw fyle und mannichfaltige rede gehabtty 
erczeUnde die geschicklickeytt zo wol der polytischen, littauschen als preusischenn 
Muntze anczyhende dys grosse teurbarkeit des sylbers und wo tuen eyne neue 
muneze slaen soUt, woUe die not fordern 

Der M ittheilang der Copernicanischen Denkschrift über die Münze geben 
unmittelbar vorauf die nachstehenden Bemerkungen: 

Vnd zo denne die geschickten Thumherrnn von der frauen- 
bürg hey diesen ^handel Im Rate gewesenn do denne ermeldet 
istf das der Achtbare unnd Wirdige Herre Nicolaus Copper- 
nick sich ettwan mit hogem fley-sse in dieser sachenn bekommret 
vnd eyne aussatzunge gemacht^ haben die Herrn Rete begertt 
das seyne Wirde Inenn dieselbige gunsticklichenn wollt mytc" 
taylen vnd der sachenn zw' gutt nicht vorbergen. Darinne sieh 
seyne Wirde gutwiUick hett finden lossenn Vnnd ist in kegen^ 
wertiekeit Ko^ Rete gelesen wurden, 

JSxindus ac nutdte erudüioms vir Nicolaus Copemicus sequentem modum 
eudendi monetam ad petieionem Consiliariorum harum terrarum olim elaborabat 
in proximis istis Comiciis autetn addidone quadam facta absolvit, Utinam Uli, 
quorum interest, huic negotio tandem Colophonem adderefit , ne hoc malo terra 
prtitena funditus perderetur. ' 

Muneze wyrdtt genennett geczeichenntt Goldtt adir Sylber 
domyte die geldnnge etc. etc 



30 I. SGHBIFTEN VON COPEBNICUS. 



b) Die DeBksehrih; fiber das prenssiBche Hunzwesen 

in lateinischer Sprache. 

Vorbemerkang. 

Die nachstehend abgedruckte Denkschrift des Copernicus über das 
Preussische MUnzwesen ist eine spätere Ueberarbeitung des dem Prcussischen 
Landtage im J. 1522 in deutscher Sprache mitgetheilten Gutachtens. Aus 
Form und Inhalt ersieht man, dass dieses in lateinischer Sprache abgefasste 
Schriftstück fUr weitere Kreise berechnet war. Wie eng es. sich in den 
Grundgedanken an das deutsche Gutachten anschliesst, bedarf keiner Aus- 
führung; die Einleitung ist fast wörtlich übersetzt. 

Auch die lateinische Denkschrift ist uns nicht von der Hand des Co- 
pernicus selbst erhalten, sondern durch eine gleichzeitige Abschrift, welche 
gegenwärtig in dem Geh. Archive zu Königsberg aufbewahrt wird. Sie ist 
von einem langjährigen Amtsgeuoesen des Copernicus angefertigt, dem Dom- 
herrn Felix Reich (f als Domcustos 1. März 1539). Bisher hatte man ganz 
irrthümlich diese Copie dem Sekretair des Bischofs zugeschrieben (zuletzt 
noch Hipler, welcher den Namen „Valentin Steipnick" hinzufügt.) Abgesehen 
von dem — unten mitgetheilten — Vermerke auf dem Titelblatte lässt sich 
die Ebindschrift, von welcher die Copie gefertigt ist, aus beglaubigter Schrift 
als die des Domherrn Reich mit Bestimmtheit nachweisen. 

Reich war oftmals in den Jahren 1528 — 1530 (in Gemeinschaft mit 
Copernicus) von Bischof und Capitel zu den Prenssiscfaen Landtagen de- 
putirt worden, um die verwirrten Münzangelegenheiten der Lande Preussen 
ordnen zu helfen. Für diesen Zweig seiner amtlichen Thätigkeit hatte er 
sich nun eine Sammlung verschiedener auf die preussische Münzfrage bezüg- 
licher Documente angelegt. Unter ihnen nimmt die Denkschrift des Coper- 
nicus die erste Stelle ein. An dieselbe schliesst sich in dem Reioh'schen 
Convolute zunächst ein Aufsatz über das Münzwesen, welehen der Sekretair 
des Königs von Polen Jostus Ludovicus Decius im J. 1526 verfasst hatte 
(von F. Reich mit der Aufschrift versehen : Josti Ludowici Decii de monete 
cussione raeio,) Es folgen dann drei Copieen aus der herzoglichen Kanzelei 
und zwar a) ,^niwort dm RMen KgL M^ zu Polen der muntz halber 
geben Bamixik am 17. tag Maij 16^6.^ b) ein Bericht über die Verhandlungen 
in der Münzsache auf dem Landtage zu Rastenburg (von Reich registrirt 
als „Beereia comieiorum prineipis de tnaneta 1627 Raetenburg.^) c) eine In- 
struction in der MUnzsache für die Gesandten des Herzogs bei dem Polni- 



2. DIB DENKSCHRIFTEN ÜBEB DIE MÜNZE. 31 

a 

sehen Könige datirt 5. November 1 526. — An dieBe Scbriftstfleke hatte Reich 
ferner die Copie eines Briefes angeheftet, welcher von ihm bezeichnet ist 
als „JEpiHola ad Ludawieum Deeium Ciuem Cracovien$em de monete restitu- 
Utme 1626 per Consiliarios pruesü." — Den Schluss des Convoluts macht ein 
Bogen Conoept von F. Beich geschrieben und stark alterirt, überschrieben 
und registrirt ;, Vereinigung mit den muntzherren wie die prewsehe muntz sol 
geschlagen werden," datirt Thom Donnerstags nach S. Maria Magdalenen Tag 
152S. (abgedruckt bei Lengnich Gesch. d. Preuss. Lande I, doc. nr. 21 und 
zwar unter Beobachtung der sämmtlichen Correcturen, Zusätze und Abstriche 
des Reich'schen Conceptes). — Auf der Rückseite des Titelblattes (ebenso auf 
dem letzten Blatte) finden sich aus dem Frauenburger Capitels- Archive noch 
einige auf die Münzfrage bezügliche Notizen. 

Die Vorderseite des Titelblattes enthält die Aufschrift „Monete endende 
ratio,"^ Darunter stehen die Worte per Nicola., ; diese sind jedoch durchstrichen 
und die Stelle, wo der Name von Copemieus gestanden, ist durch Insektenfrass 
entfernt. Ausserdem findet sich auf dem Titelblatte noch folgender Vermerk, 
welcher nachmals (aber nicht viel später) durchstrichen worden ist : 

hee de Moneta Collectanea 
dentur poet mortem meam 
d. Nicnlao Coppemic ei quid forte rebus suis 

prodesse poterint 

felix reich scripsit 
1538. 
Augusti 18. 
Octobris 18. 

Der in dem vorstehend bezeichneten Convolute enthaltene Aufsatz von 
Copemictts ist ganz von einer Hand geschrieben und von derselben Hand 
mit Correcturen, Zusätzen und Tilgungen versehen. Dass auch sie von Coper- 
nicus herrühren, dürfte wohl kaum einem Zweifel unterliegen; sie sind mit 
der Freiheit gemacht, wie sie nur dem Autor selbst zustehen konnte. Man 
hat deshalb auch, durch die Aehnlichkeit der Schrifitzüge verleitet, bisher 
allgemein geglaubt, dass die Verbesserungen der Betch'schen Abschrift von 
Copemieus eigenhändig hinzugefügt seien. 

Was die Zeit der Abfassung der Copemicanisohen Denkschrift betrifft, 
80 wird man nicht fehl gehen, wenn man sie in die Jahre 1526— 152S setzt. 
Die letzte Bedaction — wie sie aus den mit anderer Tinte gesobriebenen 
Gorrecturen ersichfüich Ist — muss jedenfalls vor September 1529 geschehen 
sein. Dies geht ausser Anderm aus einem neuem archivalischen Funde her* 
vor ; es ist nämlich in dem Königsberger Geh. Archive eine vor dem Herbste 
1529 genau nach der Reich*sohen Abschrift gefertigte Copie des Copemicani- 
sohen Gutachtens angefunden. £in kurzer Bericht hierüber wird an dieser 
Stelle nicht zu umgeben sein. 



32 I. SCHRIFTEN VON COPERNICÜS. 

Das KOnigsb. Archiv bewahrt einen Folianten, in welchem der Kanzler 
des Herzogs Albrecht (Dr. Fried. Fischer) die seinerseits gesammelten Schrift- 
stücke Über die Prenssische Münze aus den Jahren 1526 — 1529 zu einem 
Bande vereinigt hat. Dort sind zum grossen Theil dieselben Schriftstücke 
copirt, welche das Reich'sche Convolut enthält ; Fol. 41 ff. findet sich nun 
auch die lateinische Denkschrift des Copernicus in einer Copie, 
welche entweder nach dem Original, oder nach der Reich'schen Abschrift 
gemacht sein muss, da sie den Text mit genauer Beachtung der in dem 
Reich'schen Manuskripte später hinzugefügten Oorrecturen wiedergiebt. Auch 
sind in dem KOnigsberger Folianten die dem Frauenburger Capitelsarchive 
entnommenen Auszüge abgeschrieben, welche sich auf der Rückseite des 
Titels, wie auf der Aussenseite des letzten Blattes, in dem Reich'schen Con- 
volute vorfinden. Wenn hieraus die Abhängigkeit des KOnigsberger Manu- 
skripts von einem Frauenburger Schriftstücke deutlich erhellet, so gewinnt 
man wiederum durch jene Abschrift ein sicheres Moment für die Bestimmung 
der Zeit, vor welcher Copernicus seine Gedanken über die Verbesserung der 
Preussischen Münze in lateinischer Sprache niedergeschrieben haben muss. 
Wir wissen nämlich, dass der Kanzler Fischer, welcher die Königsberger 
Sammlung angelegt hat, im September des Jahres 1529 gestorben ist. 

Die Sammlung der Schriftstücke über das preussische Münzwesen, welche 
von dem Domherrn Reich angelegt war, erhielt nach seinem Tode, wie er es 
bestimmt hatte, der überlebende Freund und Landsmann. Der schriftliche 
NachlasB von Gopemicus wanderte zunächst in das Capitels-Archiv und ward 
später bei den Kriegen zwischen Schweden und Polen im 17. Jahrhunderte 
zum Theil nach Schweden entführt Von dort wurde im Jahre 1798 unter 
andern Reliquien des grossen Mannes auch seine Denkschrift über das Münz- 
wesen nach PreuBsen zurückgesandt und befindet sich seit jener Zeit in dem 
Geh. Archive zja Königsberg. 

Von diesem Manuskripte fertigte Faber im J. 1S16 für die Bibliothek 
des Warschauer Lyceums eine officielle Abschrift. Nach derselbon erfolgte 
der erste Abdruck von Bentkowski im Pami^ik Warszawski, welchem 
auch eine Polnische Uebersetzung beigeftigt ist. Bentkowskis Abdruck wie 
Uebersetzung sind in die Warschauer Ausgabe der Werke von Copernicus 
aufgenommen. — Eine französische Uebersetzung hat Wolowski 1864 zu Paris 
erscheinen lassen als Anhang zu seiner Schrift „Trait^ de la monnaie de 
Nicole Oresme.*' 

Nach dem Königsberger Manuskripte ist der Abdruck bei Hipler Spicil. 
Copem. p. 185 ff. besorgt, woselbst auch die ursprünglichen Lesarten ange- 
geben werden. 

Dem nachstehenden Abdrucke ist selbstverständlich gleichfalls das 
KOnigsberger Manuskript und zwar in seiner letzten Ueberarbeitung zu Grunde 
gelegt. Die übrigen Abweichungen von dem ursprünglichen Texte sind nicht 



2. DIE DENKSCIIRIFTEN ÜBER DIE MÜNZE. 33 

besonden angegeben, weil sie an sieh nnweaentlicli and vom Verfasser selbst 
veTSndert sind. 

Die Orthographie wie Interpunktion des Manuskripts ist bei- 
behalten, weil eine radicale Aenderung erforderlich gewesen würe ; nur die 
fast durchweg ausgelassenen Punkte am Ende der Perioden sind hinzugefügt. 
Die Abbreviaturen des Schriftstückes sind aufgelöst. 



Monete Cndende ratio 

per Nicolanm Copemicum. 

Qnamqnam innnmere pestes snnt, quibus regna, principatus 
et respublice decrescere solent, hec tarnen qaataor (meo iudicio) 
potissime sunt, discordia, mortalitas, terra sterilitas et monete 
vilitas : Tria prima adeo euidentia sunt, vt nemo ita esse nesciat, 
sed qnartnm qnod ad monetam attinet a pancis et non nisi eor- 
datissimis consideratur : qnia non vno impetu simul, sed paulatim 
et occnlta quadam ratione respublicas enertit. 

Est antem Moneta anmm vel argentnm signatum, qua precia 
emptibilinm vendibilinmqne remm numerantur secundum cniusuis 
reipublice vel gubemantis ipsam institutum. Est ergo moneta tan- 
quam mensura quedam communis estimationum : Oportet autem 
id quod mensura esse debet firmum semper ac statum seruare 
modum, Alioquin necesse est confundi ordinationem reipublice, 
Ementes quoque et vendentes multipliciter defraudari quemadmo- 
dum si vlna, modius, pondusve certam quantitatem non seruet. 
Hanc igitur mensuram, estimationem puto ipsius monete que etsi 
in bonitatejnaterie fiindetur, oportet tamen valorem ab estimatione 
discemi: potest enim pluris estimari moneta quam eins qua con- 
stat materia et e conuerso. 

iL 3 



34 I. SCHRIFTEN VON GOPEKNICU8. 

Causa vero constitationis monete necessaria est: quamvis 
enim solo pondere auri et argenti rerum commutatio fieri potais- 
sei, ex quo communi hominum consensu aurum et argentum vbi- 
que in pretio habeatur, sed tarnen propter multam incommoditatem 
afferendorum semper ponderum, quodque non statim auri et argenti 
sinceritas deprehendatur ab omnibus, institutum est publico sigillo 
monetam signari, quo significetur iustam auri vel argenti quanti- 
tatem inesse, et fides adhibeatur autoritati. 

m 

Solet etiam monete et maxime argentee es commisceri propter 
duaS; yt existimo, causas, videlicet quo minus exposita sit insi- 
diis expilantium et conflantium ipsum quod futurum esset, si ex 
syncero argento constaret ; secunda, quod massa argenti in minutas 
partes et scrupulos nummorum fracta retineat, cum ere admixto 
eonvenientem magnitudinem : potest superaddi et tertia , ne seilicet 
eontinuo ysu detrita ciqius pereat sed fulcitamento eris diutumior 
perseueret. 

Justa autem et equa monete estimatio est, quando paulo mi- 

■ 

nus auri vel argenti continet quam pro ipsa ematur : vtpote quan- 
tum pro expensis dumtaxat monetariorum oportuerit dedu^i: 
Debet enim Signum ipsi materie aliquam äddere dignitatem. 

Yilescit hec vt plurimum propter nimiam multitudinem , vt- 
pote si tanta argenti copia in monetam transierit , quoadusque 
argenti massa ab hominibus magis quam moneta desideretur: 
perit nempe hoc modo dignitas monete, quando per ipsam tantum 
argenti non licet emere, quantum ipsa pecunia continet, senciatur- 
que maior profectus eUquando argentum in monete destructionem : 
Cuius remedium est non amplius monetam cudere donec se ipsam 
coeqauerit, reddaturque carior argento. 

Yalor quoque multis modis deprauatur, vel propter defectum 
materie solum, quando seilicet sub eodem pondere monete plus 
quam oportet eris commiscetur argento: vel propter defectum 
ponderis, quamvis iustam habeat eris cum argento admixtionem: 
vel quod pessimum est propter vtrumque simul. Deficit etiam 



2. DIB DENKSCHRIFTEN CBEB DIE MÜNZE. 35 

vitro valor ac longo vsn deteritur : ' propter quod solnm instanrari 
ac innoüari debet. Gnias Signum est, Si argentnm in moneta in 
notabili qoantitate minus reperitur quam pro ipsa emptum, In 
'quo merito penuria mon^te intelligitur. 

Premissis generaliter de moneta expositis speciatim ad prus- 
sianam descendamus ostendentes primum, quomodo in tantam leui- 
tatem peruenerit. Transit autem sub nominibus marcharum scoto- 
rum etc. et sunt sub eisdem nominibus etiam pondera. Nam 
marcha ponderis, est libra media, At marcha numeri constat 
solidis LX^, que omnia vulgo nota sunt: Verum ne equiuocatio 
numeri et ponderis obseuritatem pariat, vbicumque deinceps marcha 
nominabitur, de numero inteUigatur ; Nomine vero libre pondus 
duarum marcharum, pro selibra vero marcham ponderis accipe. 

Inuenimus igitur in antiquis recessibus ac litterarum muni- 
mentis, quod sub magistratu Conradi de Jungingen, hoc est pro- 
xime ante bellum Tannebergense , emebatur selibra, id est 
marcha argenti puri, marchis pruthenicalibus duabus et scotis VIII 
quando videlicet tribus partibus argenti puri quarta pars eris ad- 
miscebatur, et ex libra dimidia eins masse solidos GXn fäciebant 
Quibus tertia pars adiecta et sunt solidi XXXYII et tertia pars 
nnius solidi, facit totam summam solidorum GXLYIIII et duorum 
d. pendentem libre vnius bessem duas tercias hoc est scotos, sci- 
lieet argenti XXXII que procul dubio tres partes (et sunt libra 
media argenti puri) continebit. Sed iam dictum est pretium eins 
fttisse solidos CXL in selibras Seliquum vero quod in IX solidis 
et tertia deerat estimatio monete suppleuit Erat itaque eins esti- 
matio cum valore convenienter continuata. 

Huius generis nummismata sunt Vinrici, Ulrici et Conradi, 

que interdum reperiuntur adhuc in Thesauris : Deinde post cladem 

prussie et bellum supradictum cepit detrimentum reipublice in dies 

magis ac magis in moneta apparere: Nam Henrici solidi aspectu 

quidem similes supradictis, non amplius reperiuntur habere quam 

tres quintas argenti : Crescebatque error hie donec inuerso ordine 

3* 



36 I. SCHRIFTEN VON COPERNICfÜS. 

ceptum est tribus partibu» eris quartam argenti misceri, vt iam 
non argenti moneta. Bed cuprea rectius diceretur, pondns tarnen 
retinebat Bolidornm CXII in selibra : Cum antem minime conveniat 
nouam ac bonam monetam introducere antiqna viliore remanente, 
qnanto hie magis erratum est vetere meliore remanente viliorem 
nouam introducendo que non solum infeeit antiquam sed vt ita 
dieam expugnavit* Cui errori dum sub magistratu Michaelis Ros- 
dorff obviare vellent ac monetam in pristinum meliorem statum redu- 
oere Cudebant nouo» solidos quos nunc grossos vocamus : sed cum 
antiqni viliores non viderentur sine iactvra aboleri posse vna cum 
nouifl insigni errore permanserunt Transibantque duo solidi antiqui 
pro vno nono, faetumque tunc est, quod duplex marcha plebi in- 
gereretur nouorum videlicet solidorum et antiquorum illorum marcha 
noua siue bona horum vera antiqna sine leuis, solidorum vtrobi- 
que sexaginta Oboli vero in suo vsu manebant Ita vt pro solido 
antiquo sex dumtaxnt conmiutarentur pro nouo vero Xu. Nam ab 
iniäo duodeeim obolorum fuisse solidum facile coniici potest: Sicut 
enim quindenuni numerum vnlgo mamlel vocamus Ita in plerisque 
germanie tcrris vox illa srhiUmg pro duodenario numero dural. 
Perseueravit autem nouorum solidorum appellatio vsque ad me- 
moriam nostram: quomodo demum grossi facti sint inferius dicaui. 
Nouorum Igitur solidorum marche VIII per sexaginta, libram 
vnam puri argenti continebant: quod ex eorum compositione sa- 
tis apparet Constant enim ex dimidio eris^ et altera medietate 
argenti et eorum marche VIII per LX. pendent prope libras duas 
Antiqui vero poiidere vt dictum est pares illis valore ex dimidio 
Cum enim quartam solummodo partem argenti haberent, marche 
XVI e libra argenti puri veniebant, pendentes quadmplum Postea 
vero mutato statu patrie cum ciuitatibus esset cudendi mo- 
netam concessa potestas ipseque nouum exequerentur priuilegium 
creuit pecunia multitudine non autem bonitate Cepitque quatuor 
partibns eris quinta argenti in solidis antiquis misceri donec 
marche XX argenti libra commutarentur Sicque noui illi solidi 



2. DIE DENKSCHRIFTEN ÜBER DIE MÜNZE. 37 

cnm iam meliores essent plus quam duplo BolidiB recentibns facti 
snnt scoti vt iam XXIIII pro marcha leui computarentur : periit 
ergo qainta pars bonitatis monete in marcha Postea vero quam 
euanescerent noui solidi iam scoti facti eo quod eciam per Mar- 
chiam essent accepti placuit eos grossorum estimatione reuocare, 
hoc est sub solidis tribus, maximo errore et tanto procerum con- 
silio prorsus indigno perinde ac si prussia siue illis esse non 
posset qnamuis non essent meliores denarils quindecim tunc cur- 
rentis monete vbi iam mnltitudo eciam premebat estimationem 
ipsius Dissidebant ergo grossi cum solidis in qninta vel sexta 
parte minus valentes a constituto et fallaci ac iniqua extimatione 
detrahebant dignitati solidorum Oportebat fortassis iniuriam sie 
vindicari quam solidi grossis prius intulerant coegerantque eos 
scotos fieri Sed ve tibi Prussia que tuo pro dolor interitu male 
administrate reipublice penas pendis Igitur estimatione simul et 
valore pecunie. passim euanescentibus a fabricatione tamen mo- 
nete i)lane cessatum non est et expensis non suppetentibus qui- 
bus equiualens priori uideretur posterior semper priori peior su- 
perinducta est que bonitatem precedentis oppressit et extrusit 
quoad solidorum estimatio cum valore grossorum proporcionaliter 
conveniret et marche XXIIII leues pro vna libra cederent argenti 
Debuerant autem iamtandem saltem reliquie tantille dignitatis 
monete permansisse : ex quo de eins instauratione meditatum non 
est Sed (lue tantisper inoleuit consuetudo siue licencia adulterandi 
expilandi et inficiendi monetam cessare non potuit nee in hunc 
diem cessat. Nam qualis postea prodierit et in iquo statu nunc 
sit pudet ' ac dolet dicere In tantam enim vilitatem hodie collapsa 
est vt XXX marche vnam libram argenti vix contineant. Quid 
autem restat si non succurratur nisi vt deinceps prussia, auro et 
argento vacua, monetam mere cnpream habeat Vnde peregrina- 
rnm mercium invectiones omnesque negociationes breui sint per- 
iture Quis enim extemorum mercatorum merces suas moneta 
cuprea commutare volet Quis denique nostratium in peregrinis 



%H f. HCHEIFTEN VOX COPEBKICX'S. 

oris eadem moneta exoticas merees com|Hiraie poteiit Haue tarnen 
iDgentem reipablice prnmane cladem hi qnomm icterest oon- 
tempti dei^picinnt et dnlcissimaiii sibi patriam eni post pietatem 
ia deam nedmn offidi plmimmn sed eciam ipBam vitam debent 
in dies ma^ ac magi« gnpina negligeneia miserabiliter labi ac 
periri frinnnt, 

Cnm ergo tantis yiciis labor et proflsiana moneta et per eam 
tota patria soli anrifices et hi qai bonitatem metalli callent eins 
cmmni» ' fmnntar CoUigont enim ex mixta peconia antiqaam ex 
qna eliqnatom argentnm vendnnt, plns semper argenti com mo- 
neta mixta ab imperito vnlgo reeipientes: at postquam antiqui 
Uli soUdi iam penitas eoanescant, elignntnr proximo meliores re- 
Ucto peenniamm aeemo deteriori Hinc iUa ynlgaris et perpetua 
qnerimonia Aamm argentnm, annonam iamilie mercedem opificnm 
operam et qnicqnid in hnmanis vsibnB est solitnm transeendere 
preeimn sed oscitantes non expendimns omnium renun eharitatem 
ex vtilitate monete pronenire : Crescnnt enim ac decrescnnt onmia 
ad monete conditionem : preBertim anmm et argentnm, qne non ere 
vel cupro sed anro et argento appreciamns, Nam anrom et argen- 
tnm dicimne esse tanqnam basim monete cni incubat eins estimatio. 

At contendet fortasse aliqnis exilem monetam vsibns hnma- 
nis commodiorem esse : nempe snbnenientem panpertati hominnm, 
reddentem leni pretio annonam et cetera vite mortalinm necessa- 
ria facilins suppeditantem per bonam antem monetam omnia cha- 
riora reddi, colonos ac censn annno oneratos preter solitnm gra- 
nari. Laudabnnt hanc sentenciam spe Incri prinati qnibns hactenns 
permissa est cndendi monetam facultas uec fortassis mercatores 
et opifices quibus nihil propterea perit eam improbabnnt quando 
quidem ad auri valorem merces et res snas vendnnt et quo moneta 
est exilior eo maiori pecuniarum nnmero eas commutant Verum 
si communem vtilitatem respicient negare vtique non poterunt 
prcstantem monetam non modo reipublice verum eciam sibi ac 
omnium hominnm ordinifsalutarem, exiguam vero pemiciosam esse: 



2. DIE DENKSCHRIFTEN ÜBER DIE MÜNZE. . 39 

Qnod cnm mnltis raMonibus satis perspicnum sit, eciam ipsa ex- 
periencia remm magistra, v^ram esse discimas: Videmus qnippe 
eas terms potissirnnm florere que bonam monetam habent, de- 
crescere antem et perire qne deteriore vtnntur: floruit nimirum 
et prussia tnnc qaando vna marcha prnthenicalis duobus florenis 
vngarieis emebatur et qaando vt premissum est dne marche pru- 
thenice et VIII scoti selibra id est marcha argenti pari comma- 
tabatar Interim vero vilescente in dies magis ac magis moneta 
decrescit et patria nostra atqae hac peste et aliis calamitatibas 
vsqne ad vltirnnm pene fanas perdacta est Constat preterea 
ipsa loca qne bona moneta vtantar artibns et opificibas egregiis 
necnon et renim afflaencia pollere Ac contra rbi vilis moneta 
in Ysn est ignaaia desidia ac resapinato ocio tam bonanim artiam 
qnam ingenioram cnltaram negligi atqne omniam eciam rerum 
abnndantiam interire : Nondnm memoriam hominam excessit frn- 
menta et annonam minori pecnniaram numero in prassia empta 
ftiisse cnm adhnc bona moneta vteretar Nunc antem ea vilescente 
omniam rernm qne ad victum et hnmannm vsam pertinent pre- 
cinm ascendere experimnr Ex qno perspicnnm esse postest leaem 
monetam desidiam magis alere qnam panpertati hominam sabae- 
nire Nee magnopere monete exaltatio censnales graaare potent 
qni se plns solito sno dominio pendere videantar frnctas terre 
pecora et id genas renim saaram maiori eciam pretio sant rendi- 
tari Reciprocam emm dandi accipiendiqne vicissitadinem propor- 
cionata monete mensnra compensabit. 

Si igitnr calamitosam hactenns prassiam monete restanratione 
lam tandem aliqnando restituere placet Canenda imprimis erit 
confasio ex varietate diaersaram officinaram in qnibas cudenda 
est proveniens: Maltiplicitas enim vniformitatem impedit maioris- 
qne negocii est plnres officinas in offieio rectitndinis conseraari 
qnam vnam. "^ Dno igitar ad dammam designentnr loca vnns in 



* Bei der zweiten Redaction der Denkschrift sind folgende SStse weg- 



40 I. SCHRIFTEN VON COPEENICC8. 

terris regle maiestatig Alter in ditione prineipis. In primo cndator 
moneta que ex vno latere insigniis regalibuB ex altero terramm 
pmsBie signetnr In secnnda antem ofSeina ex vno latere in- 
signÜB regiig Ex altero vero nnmmismate prineipis gignetnr Vt 
vtraque moneta imperio regio snbflit et sue maiefttatig mandato in 
vsn tocing regni git et aceepta Qne reg ad anünomm concilia- 
tionem et negociationnm communionem non pamm ponderig est 
habitnra. 

Opere .precium autem erit qnod he dne n^onete vniug gint 
grani valorig et extimationig et vigili cura primatom reipublice 
inxta Ordinationen! nnnc ingtitnendam perpetuo pergenerent Et 
qnod principeg vtrinqne nihil Incri ex monete cusgione genciant, 
ged tantum dnmtaxat erig addatnr et ipga extimatio valorem ex- 
cedat vt impendiomm iactura garciri poggit et conflandi monetam 
adimatnr oceagio. 

Vt item huing nogtri temporig eonfugionem quam commixtig 
noue monete cum antiqua peperit deineepg non incidamug neeeg- 
garium videtnr vt exorta noua, vetug aboleatur ac prorgug inter- 
eat et iuxta proportionem valorig gui in ofiieinig pro noua com- 
mntetur Alioqnin inanig erit renonande monete opera, et confügio 
pogterior fortaggig peior priore Inficiet enim denno antiqna noue 
monete dignitatem: mixta equidem reddet gommam a ingto pon- 
dere deficientem et nimium mnltiplicatam gequetur que dicta. egt 
gnpering incommoditag Cni gl quig adhue obviandnm arbitretar per 
hoc videlicet vt remanentia vetera nummigmata tanti minorig egti- 
mentur comparatione noue monete quantnm eornm valor deterior 
egt aut exiUor Sed hoc gine magno errore fieri non poterit Tanta 



gelassen : Conduceret itaque vnutn et cmmnutieni esse in tota prussia offidnwn 
monetariam in qua omnis generis moneta ex vno latere nummismate siue in- 
siffniis terrarum pntssie signetur ita vt supeme coronam supereminentem habeat 
vt ex hoc regni superioritateni recognoscat Ex altero vero latere dueis prussie 
ineigne pre se ferat Corona regni inctnnbente. 

Quod si renitente principe prussie fieri non posset eo quod propriam offi- 
einam habere contenderet duo ad summtwt designentur hca. 



2. DIE DENKSCHRIFTEN ÜBER DIE MÜNZE. 41 

enim est nunc tom gro^sornm et solidorum tnm eciam denarioram 
multiplex dinereitas vt Bingiila nammiBmata iuxta comlitioneni va- 
lori» sni eBtimari et ab invicem discerni vix poBsint Quo fit vt 
indueta monete varietas confuBionem generaret inextricabilem ac 
negociantibus et contrahentibuB labores moleBtias atque alia in- 
commoda augeret Itaque melius semper erit veterem monetam in 
reparatione recentis penitus abolere Oportebit enim tantilluni dam- 
num Bemel equanimiter pati si modo damnum dici possit vnde 
vberior fructns et vtilitaB magis constans na»citur ac respublica 
incrementum Bumit. 

Monetam vero pruBsianam in primam illam dignitatem erigere 
difücillimum est et post tantum casum forte impossibile, tum que- 
uis eins reparatio res sit non parui negocii pro hornm tarnen tem- 
]>orum conditione commode renovari posse videtur vt saltem ad 
XX marehas libra argenti redeat hac ratione Pro solidis suman- 
tnr eris libre tres, argenti vero puri libra vna minus vncia media 
vel quantum pro expensis detrahendum sit: Confletur massa ex 
qua marche XX fiant que in emptione valebunt libram vnam; 
Id est duas marehas argenti : Eadem ratione eciam fieri possint 
scoti seu grossi et oboli prout placuerit. 

De argenti ad aurum comparatione. 

Superius dictum est aurum et argentum esse basim in qua 
residet bonitas monete Et que de moneta argenti exposita sunt 
possunt etiam pro maiori parte ad auream referri Reliquum est 
vt ex transnerso auri et argenti commutandi rationem exponamus 
Primum igitur inuestigare oportet que sit ratio appreciationis 
meri auri ad argentum merum siue purum ut de genere in specie 
et a simplicibus ad composita descendaimus Porro eadem est ratio 
auri et argenti informium que signatorum in eodem gradu ac 
rursus eadem ratio auri signati ad iuforme que argenti signati ad 
argentum informe sub eodem gradu mixtionis et pondere Puris- 



\ 



42 I. SCHRIFTEN VON GOPEBNICU8. 

Bimum autem anrnm quod apud nos signatam reperitor snnt flo- 
reni vngarici hü namqne nimium habent admixtionis et tantnm 
forte quantum oportnerat pro expensis dednci in monetariis vnde 
rite commutantur pro mero anro sab eodem pondere dignitate 
sigilli supplente defectum florenornm : Seqnitnr ergo eandem esse 
rationem argenti puri informis ad aumm purum informe et eias- 
dem argenti ad florenos yngaricos ponderibns non mntatis At flo- 
reni vngarici CX insti et eqnalis ponderis per grana videlicet 
LXXII inplent libram vnam (libram semper intelligo que continet 
marchas duas ponderis.) Hoc argumento inuenimns commnniter 
apud omnes gentes libram vnam auri puri tantum valere quantum 
argenti puri libre XII. Inuenimus tarnen et XI libras olim pro 
vna auri, quam ob causam ab antiquo constitutum esse videtur 
vt aurei vngarici X appendant libre partem vndecimam: quod si 
sub eo pondere idem precium hodie duraret, expeditam haberemus 
conformitatem monete polonice et pruthenice secundum expositam 
rationem: factis enim XX marcis circiter ex libra vna argenti 
prouenirent ad amvssim pro aureo marche due, loco XL grosso- 
rum polonicalium Sed postea quam vsu receptum sit vt Xu partes 
argenti sint pro vna auri, dissidet pondus cum pretio vt X aurei 
vngaricales redimant libram vnam argenti et vndecimam partem 
libre Si igitur ex libra argenti et eins vndecima parte fiant marche 
viginti erunt polona et prussiana monete, recta ratione coequate 
grossus ad grossum et marche due pruthenice pro aureo vngari- 
cali Sed precium argenti erit in selibras singulas marche Vin et 
solidi X aut circiter. 

Verum si vtique vilitas monete et patrie interitus placeat ac 
ardua nimis videbitur tantilla restitutio et adequatio visumque 
fuerit vt XV grossi polonici maneant pro marcha et pro aureo 
vngaricali marche due scoti XVI Id quoque iam dictis modis non 
magno negotio fiet si marche XXim ex argenti libra fiant Ita 
sane contigit nuper quando adhuc marche Xn precium essent in 
singulas selibras argenti et pro tanta pecunia florenus vngaricus 



2. DJ£ DENKSCHRIFTEN ÜBER DIE MÜNZE. 43 

commatabatnr. Hec gracia exempli et pro manuductione dicta snnt 
Kam infiniti sunt modi constitutioniB monete nee est possibile ex- 
plicare omnes sed commanis conBensus matnra deliberatione po- 
tent hoe vel illad dejQnire pront aeeommodatissimnm videbitnr 
reipablice. Quod si moneta ad florennm vngaricum reete se ha- 
buerit et erratnm non fnerit faeile eciam alii floreni iuxta con- 
tinenciam auri et argenti ad illoram comparationem taxabuntar. 

Hec de monete reparatione dixiBse snfficiat vt dumtaxat in- 
telligatnr quibuB modis ceciderit dignitas eins et qnomodo rednci 
poBsit quod ex supradictis perspicunm esse spero. 

Epilogus reductionis monete. 

Circa reparationem et consemationem monete hec consi- 
deranda videntnf. 

Primam ne absque matnro procerum consilio et vnanimi 
decreto moneta nouetur. 

8ecundum vt vnus dumtaxat locus officine monetarie si 
fieri potest deputetur vbi non vnius ciuitatis nomine sed tocius 
terre cum ipsius insigniis fieret huius sentencie efficaciam moneta 
polonica demonstrat que propter hoc solum retinet estimationem 
suam in tanta terrarum amplitudine. 

Tertium vt in publicatione neue monete interdicatur et 
aboleatur antiqua. 

Qüartum vt inviolabiliter et immutabiliter perpetuo obser- 
uetur quod XX marche dumtaxat et non amplius fiant ex libra 
vna puri argenti: dempta eo quod pro expensis opificii deduci 
oportet: Ita nempe prussiana moneta proporcionabitur polonice, 
vt viginti grosse pruBsiani simul ac polonici marcham pruthenicam 
constituant. 

Qu int um vt caueatur a nimia monete multitudine. 

Sextum vt in omui specie sua simul prodeat moneta hoc 
est vt scoti siue grossi, solidi, et oboli pariter cudantur. 

De admixtione vero quanta esse debeat: an grosse et solidi 



4 4 I. SCHRIFTEN VON COPBBNICU8. 

fiant an eciam denarii argentei qai fertonem vel niarcham mediam 
ant eciam integram valeant, in placito eM eornni quoruni interest : 
nisi vt modus sit Et ita deeernatar vt in futaram perpetao maneat. 

De obolis quoque ratio habenda est. qnoniam omnino parnm 
nanc vident Ita vt integra marcha vix snpra vnius grossi argen- 
tuni contineat. 

Postrema antem difficultas oritnr ex contractibns et obliga- 
tionibos ante et post innonationem monete factis In qnibus modam 
invenire oportet ne contrahentes nimium grauentnr. Quemadmo- 
dum pristinis temporibus factum est vt patet ex bis que in altero 
latere"" hnius folii descripta sunt. 



* Auf der RUckscite des Blattes folgt eine Abschrift des Münz-Edictes 
vom Jahre 1418, welches in der Warschauer Aus^^abe nui; in einer polnischen 
Uebersetzung mitgetheilt ist, ohne dass zugleich angegeben wäre, es sei das 
Original, wie selbstverständlich in deutscher Sprache geschrieben. Es 
musste dies hier hervorgehoben werden, weil Unkundige sonst leicht zu irri- 
gen Schlüssen verleitet werden könnten. 
Der Anfang dieses Dokumentes lautet: 
Disse nachgeschrieben Verranmng desB yantzen Landen 
i$t awsgangen cmi Marienburg am Sontag 
nach aller Ileiligeti tag 1418, 
Zum ersten Wes Zinser mit guttern alten gelde gekawft sein vor III Jaren 
als vor der Satzung die verraniet war anno XVI vf Martini die sal mit gut- 
tern netcen gelde bezalt werden oder mit des gelds wirde, u, s. tr. 



c;. 
Uebersetznngen ans dem Öriechischen. 

« 

1. Die Briefe des Theophylaotus Simocatta. 



Vorbemerkung. 

• 

Auf den nachstehenden Blättern kommt das interessanteste Zeugniss 
ftlr die humaDistischen Studien von Copernicus zum Abdrucke. Um dem 
Leser ein selbstständiges Urtheil über den Werth dieser Erstlingsarbeit 
des grossen Astronomen zu ermöglichen, ißl der griechische Text, wie 
ihn die von Aldus (Venedig 1499) besorgte Ausgabe der 'EiriToXat 
8iacpopo>v '^iXo309<t>v. pY^ropcov. ao^frdiv bietet, der lateinischen Ueber- 
setzung gegenübergestellt. Es wird sich bei der Vergleichung freilich 
ergeben, dass Copernicus nicht genau nach der Aldina übersetzt hat. 
Allein abgesehen davon, dass die Aldina der älteste Abdruck des grie- 
chischen Textes ist und dem Copernicus neben seinem Manuskripte vor- 
gelegen haben kann, muss das Manuskript des Copernicus auch au 
vielen Stellen mit dem Texte der Aldina übereingestimmt haben. Wo 
diese Uebereinstimmung im Gegensätze zu den uns bekannten Manu- 
skripten und den spätem Ausgaben besonders hervortritt, wird in den 
Aifknerkungen hervorgehoben ; ebenso sind . dort die wesentlichen Ab- 
weichungen der Ueberaetzung von der Aldina verzeichnet. 

Für den griechischen Text ist die Orthographie und Interpunktion 
der Aldina nicht beibehalten. Ganz abgesehen davon, dass beide von 



46 I. 8CIIBIFTEN VON COPERNICüS. 

dem hentigen Oebranehe ganz abweichen, finden sich in der Aldina, 
— wie es bei allen ersten Drucken der Fall ist — viele Fehler. 
Es sind dies nicht nur Verstösse gegen die Accentregeln nnd die In- 
terpunktion, sondern oft stehen einzelne Buchstaben, wie ganze Silben 
an falscher Stelle; bald sind Worte auseinandergerissen , bald wieder 
in sinnentstellender Weise zusammengeschoben. — Die Interpunktion 
ist aus der Ausgabe von Boissonade flbemommen. * 

Auch die Copemicanische Oebersetzung ist nicht mit diplomati- 
scher Treue wiedergegeben; vielmehr ist hinsichtlich der Orthographie 
und Interpunktion in derselben Weise verfahren, wie b%i dem Abdrucke 
aus dem Werke de revolutionibus orbium coelestium. Die Verdffent- 
lichnng der vorliegenden Schrift ist zwar ' durch Gopemicus erfolgt ; 
aliein es ist kaum anzunehmen, dass er selbst den Druck überwacht 
habe. Zudem lAsst sieh bei einem Druckwerke jener Zeit schwer un- 
terscheiden, ob die Interpunktion, wie die orthographische Behandlung 
der Sprache, der Eigenart des Schriftstellers angehöre, oder der Will- 
kür und Nachlässigkeit des Setzers. In der Copemicanischen lieber- 
Setzung der Briefe des Theophylactus sind Interpunktion und Ortho- 
graphie mit der grössten Willkür behandelt. Durch Wiedergabe der 
sinnentstellenden und verwirrenden Fehler würden aber dem eigent- 
lichen Zwecke des Abdruckes Hindemisse in den Weg gestellt, deren 
.Beseitigung vorzugsweise Pflicht des Herausgebers zu sein scheint. 
Diese hellenistische Studie des Copemicus bietet ohnehin dem Verständ- 
nisse schon hinreichend Schwierigkeiten, so dass ihre Vermehrung recht 
unnöthig wäre. 

Wer aus irgend einem Grunde einen diplomatisch treuen Abdruck 
einzusehen wünscht^ findet denselben in Hipler's Spicilegium Copemi- 
canum p. 74 ff. Der Abdruck in der Warschauer Ausgabe ist incorrect, 
die Herausgeber haben sich mannigfache Aendemngen gestattet; auf 
die wichtigsten derselben wird in den Anmerkungen hingewiesen werden. 



^ Theophylacti Simocattae Quaestiones physicas et epistolas ad codd. 
reeensuit versione Kimedonciana et notis instmxit lo. Franc. Boissonade 
Parisiis MDCCCXXXV. 



1. DIE BBIEFB DES THEOPHYLACTUS 8IMOCATTA. 47 

Theophyladi Scholastid Simoeatl 

epistolae morales mrales et amatoriae 
interpretatione latina. 

CARMEN 

Laurentii Corvini, regiae nrbis Yratislaviae notarii, quo yaledicit 

Prntenos describitque, qaantuin sibi voluptatis attulerint 

seqnentes Theophylacti epistolae, et quam dulcis sit a 

natali solo extorri in patriam reditus. 



Pmssia, quam stelUs fulgentibus Arcades ursae, 

Cumque boote vident Incida planstra, vale; 
Quae cereale solum, pisoosa flnenta sinusque 

Vitiferos coUes et pecndnm aber habes, 
Atqne nbi Hjrperborei perfnnderis aequoris aestu, 

Heliadnm lacrimas sueeina cara legis. 
Nee propriis contenta, alüs tibi pluris ab oris 

Per mare, per terras adcumalantar opes. 
Inter Prutenas Thorun insignior arbes 

Felici anspido terqne qaaterqae vale. 
Tu ine, signiferum dum bis sol aureus arcum 

Circuit, innnmera cnm bonitate foves. 
Sit tuus incolumi felix cum plebe senatus, 

Jucundam vitam civis et omnis agat, 
Cuius pro meritis et pro bonitatis honore 

Quando abs me nequeat gratia digna dari. 
Attamen aetemum mihi decantabere, muros 

Istula dum praeterlabitur amne tuos. 
Prosequitur te rite nepos Atlantis amico 

Sidere, perlepidos quod paris alma viros. 
Quos inter Lucas, magna graritate verendus. 

Praesul et antistes religione nitet; 



48 I, SCHEIPTEN VON COPERNICU8. 

Vannia cui servit Prutenae portio terrae 

Ma^a sub imperio rite beata sao. 
Huic vir doctiiB adest, Aeneae ut fidus Achates, 

Hoc oi)U8 ex Graeco in verba Latina trahens, 
Qui celerem lunac ciirsum alteraosque meatus 

FratriB cum profugiB tractat et astra globis, 
Mirandum OmnipotentiR opus, rerumque latentes 

Causas seit miris quaerere principiis. 
Omitto plerosque alios, nam vector habenis 

Laxius immissis non remoratur equos. 
Hunc agitare leves patriae praedulcis amore 

Ingenti ooniux insserat Anna rotas. 
Propterea Thonin iterumqne iterumque valeto, 

Sitque tnis semper rebus adauctns bonos. 
Hinc per odorati nemoris pineta, per altos 

Lueos, per valles, per iuga multa vebor; 
Oppida perqne tuo rex SigiBmunde potenti 

Subiecta imperio regna i)er ampla feror. 
Haec spatiosa tribus dimetior arva diebus; 

Si6 propero patrias laetns adire domos. 
Ista molesta licet via sit, sed lectio Graii 

Sola Simocati perbreve fecit iter, 
Donec Sarmaticae venio ad confinia terrae, 

Quae vagus a nostris separat amnis agris, 
Amnis arenosns per scirpea saxa volntus 

Somniferum fractis raurmur adauget aquis. 
Hie gurgustioli t^nuissima tecta snbimus 

Pauperis et fessos rite fovemus equos. 
Gaseolas nobis, quos nneea fiscina nondum 

Plene siccarat, prodiga portat anus. 
Sed postquam humoris nihil haec cerealis haberet. 

Finitimo arentem gorgite pono sitim. 
Haurit et Anna cavis argentea flnminn palmis. 



1 . DIE BRIEFE DES THEOPHYL ACTUS SIMOCATTA. 49 

Qua sunt Slesiacum lambere visa solum, 
Atque ait: hiberni rata sum me pocula mnsti 

Potasse, usque adeo est dulcis in ore latex. 
Quarta ubi lux oritur, miti nos Slesia tractu 

Aäris et coelo dexteriore capit. 
Hie eoniux dudum optata telinre potita 

Cum tali patriam voce salutat humum. 
Salve terra, Salus mea, vota et gaudia, quae me 

Infantem magna sedulitate foves! 
Suseipe Prutenae redeuntem a limite terrae. 

Et solita gnatae dexteritate fave, 
Scilieet extorris memori te semper habebam 

Pectore, dulce fuit commeminisse tui! 
Si mihi velifero serviret Prussia portu, 

Et daret adductas eaerula puppis opes, 
Si, velut indoctae carus mihi saepe maritus 

Dixerat, auriferas funderet Hermns aquas, 
Aut mihi Caueaseis flueret de montibus aurum, 

Imbre quod effuso Colchica regna leguntt 
Tu mihi, cara parens, es longe optatior, et te 

Quod plnris faciam vivit in orbe nihil ! 
Haec postquam ediderat, dilectos laeta penat^s 

Promisso ad solidam munere poscit opem. 
Hinc ego: et o superi, mitissima numinal dixi. 

Haec tellus quorum sub ditione viget, 
Diva quoque Hedwigis, cuius sub principe quondam 

Slesia, nunc coeli regia tota iacet, 
Efficite, ut salvos Rex omnipotentis olympi 

Nos servet patrio restituatque laril 
Dum loquor, apparent montis nimbosa sequacis 

Culmina et in summo turris opaca iugo. "^ 



* Mmta sequax nennt Corvinns den Zobten, weil er dem Reisenden 
II. 4 



50 I. SCHRIFTEN VON COPERNICl 8. 

Panlatim ostentat se Vratislavia celsis 

Moenibus ad Phoebes usque levata globum. 
Huic gaudente gradu magnae snccedimus urbi, 

Lux ubi in Hesperias prona recessit aquas. 
Et postquam chari reduces gratantnr amici, 

Posthabitae petimus dulcia tecta domus. 
Hie ubi 8epteno8 Olafia piscifer orbes 

Versat et illisis suave susurrat aquis; 
Haec mihi tecta pius multos illaesa per annos 

Coniuge cum eara donet habere Deus. 
Exul in arcteis alins sibi lucra procellis 

Quaerat, et ad Calpen fluctuet Hereuleam. 
NaWget ardentis po8t torrida brachia Cancri, 

Et loca libratae post sitibunda plaga«, 
Pergat ad insignem 8telli8 radiautibu» araui 

Spectet et australis signa sepulta poli, 
Ignotoque priu8 iaetatus in aequore uobiR 

Rugo8um oppo8ito dueat ab orbe piper. 
Multaque possideat peregrinis iugera terris. 

Congreget ut multas dives et exul opes. 
Sit mihi lenta domi requies, ardensque camiuus. 

Atque alimenta meam depoMtura famem. 
Dulcius est parvo in patria dominarier arvo 

Quam eentum extemam vertere bobns humum. 

Utque Simocati sapientis epistola in auras 
Prodeat, impressis est patefaeta modis. 

Prima doeet mores, rus altera, tertia amores. 
Sic opus altema texitur usque vice, 

Unde velut riguo varios de germine flores 
Virtutum poterit Icctor habere decus. 



gleichsam nachfolgt. — Auf dem Zobten stand bis 1543 ein Thurm. Vgl. 
FUldener Rio- et Bibliographia Silesiaca p. 352. 



2. DIE BRIEFE DES THEOPHYLACTüS SIMOCATTA. 51 



Ad 

Reverendissimum Dominam Lucam Episcopum Varmiensem 

Nicolai Coppernici Epistola. 

Peroptime videtur mihi, reverendissiiiie domine ac nostrae 
patriae pater, morales, rusticanas et aniatorias epistolas Theo- 
phylaetuin Bcolasticum eoordinavisse. 

Hie saue considerans , quod varictas prae ceteris delectare 
soleat, quod quidem diversa iugenia diversis rebus oblecteutur, 
siquideni aliis gravia; aliis levia, severa aliis, uonnullis fabulosa 
placent, et singuli singulis gaudent: levia gravibus, et lasciva 
severis ita commiscnit , ut quisque lecturus in bis, tamquam iu 
hortulo quodam, ex flosculorum varietate, quod magis placet, 
eolligere possit. In bis vero omnibus tantam utilitatem constituit, 
ut Don epistolae, sed leges potius et praecepta institutionis hu- 
manae vitae appareant; manifesto brevitatis earum argumento. 
quas ex diversis auctoribus brevissimas et feeundissimas coUegit. 
De moralibus quidem et msticanis nou facile quis forte dubitabit; 
amatoriae autem etsi lasciviam ex titulo praetendere videantur, 
attamen, quemadmodum amaritudo pharmaeorum dulcibus a me- 
dicis contemperari solet, ut assumentibus gratior fiat, ita prope- 
modum et ipsae castigatae sunt, ut non minus moralium nomen 
sortiri debuissent. Quae eum ita sint, iniquum putans, quod solis 
Graecis legerentur, et Latinis non essent communiores, eas pro 
virili parte Latino sermone interpretari curavi. Tibi autem reve- 
rendissime domine, munusculum hoc dedico, sed benefieentiae tuae 
minime comparandum, quum omnis huiusmodi ingenioli mei labor 
vel fructuB tuus esse merito censeatur, si verum est, sicut utique 
est, quod etiam Ovidius quondam ad Caesarem Germanicum dixerat : 
Ingenium vultu statque caditque tuo. 



52 1. BCUKIFTEN VON COPEKNICUS. 



THEOPHYLACTI 

Scliolastici Simocati^ Epistolae 
Morales, Rurales et Amatoriae, interpretatione latina. 

1. Moralis. Gritias Plotino. 

Masicam animal cicada. Aurora lucente ^ cantare incipit ; sed 
multo resonantior et secundum sui naturam loquacior hora meri- 
diana percipitur, utpote solaribus inebriata radiis. Teretisat^ 
igitar resonans et arborem aram, agrum theatrum faciens viatori- 
bas masicam repraesentat. Cantare igitur dob quoqne virtutes 
taas urgemur. His siquidem excitamar et admodum inceudimus 
in laudationem tuam. Dudum enim in sordida vita morienteB ex 
litteris tais ad virtutes uos resuscitasti. Ita sim Critias ; Plotinus * 
vel extra corpus philosophatur in terris, vel philosophia iucorpo- 
rata cum hominibus ut homo versatur. 

2. Ruralis. Dorcon Moschoni. 

Dux gregis admirabilis mihi aries periit, et gregali dneatu 
privatum est pecns. Ingens luo malum et puto aliquid succensere 



* Copernicus hat den Namen StpL^xiTo;, wie ihn die Aldina und die spa- 
tem Ausgaben bieten, beibehalten, während sonst nach dem Vorgange von 
Fabricius (bibl. Gr. Lib. V, c. 5, p. 2Sl.j die Form Simocattes (oder Simocatta) 
die gebränchliche geworden ist. Die letztere Schreibung stützt sich beson- 
ders auf Suidas , der an den meisten Stellen , wo er unsers Schriftstellers 
Erwähnung thut, ihn Ii(&o%dlT7]; nennt. Das Nähere hierüber findet man in 
der Ausgabe des Theophylactus von Boissonade (Paris 1S35) p. 160. 

1 Copernicus übersetzt f^po; cpav^vro; durch Aurora lucenU, indem er 
hier -^po« mit r^oO« verwechselt. Dass nur ein Versehen die Schuld trägt, er- 
sehen wir aus dem 71. Briefe, wo dieselben Worte ^po«; <pav£vcoc dui'ch tm- 
minefUe vere wiedergegeben werden. 

2 Um die Onomatop^Sie festzuhalten, hat Copernicus den Stamm des 
Griechischen Wortes TcpcTfCeiv zu einer neuen Wortbildung benutzt. Aus 



BFJKPVAAKTOr F.niSTOAAI. 53 



0EO«])TAAKTOT 

ilXOAArriKOY TOT :ilMl)KATOr EIIISTOAAI 
HeiKAl. AFPOIKIKAI ETAIPIKAI. 

a . He. KPniA^ nAQTlN^. 

roSixcorepo^ Sa Toi<; ^3{j.a9i xai tt^v ^oaiv XaXicrrspo^ (Spa {le^rifißpia^ 
Y^**?''^^"^*^ > axTivwv (Soirep 7)Xiaxwv ^6i>axo[X8vo;. TspetfCst Yoov 
}i3Xo)Oo^, ß^H"* fö 8iv8pov icotoufjievo; ^ ftiatpov tov «ypov, xai toi; 
oSiTtti^ Tf|V fioosixiQv lirtSsCxvotat. Aaai yo^v xal r^fm^ ta; aa; aps- 
Toi^ iireiYOfuOa* ix6aXirou9t yap irco; xal Ca>itupoo3i irpo; iYX(i>{itov ta 
ofiitspa. IlaXai ^ap vsxpmOsvTa; 7)}j.a; T(j> [>u7cq)Ssi ß(cp ix tcov amv 
YpttjAii-otTcüv irpo? apetTjV i^u]((09a<. Ootcd YevoifiT|V KpitCac flXcoTt- 
vo;* ^ aw\uvtoQ ixto^ cptXoaof ei o iict y^;, il^ fiXooo^Ca 3u>(iaTa>6eT3<x 
p£t ayftpoiirwv 0»; avOpcmro^ avaarpi^erai. 

ß'. AlT. AOPKüN MüilXQNl. 

'0 TaEtapjfo? TÄv irpoßaTiov, o Oaufiaoro; fiot xpio; airoXcoXe. xal 
^oip-avTixT^; rjYSfjiovta; yrfi&iei tÄ Opsfiixara* Kaxov u ireirovOajJisv 



demsolben Grande hat sich Oimedoncius in seiner Uebersetzung ein neues Wort 
Trinnit gebildet (ihm von Boissonade I. 1. p. 11} als „verbum inauditum'* vor<- 
^ehalten.) 

3 Die Aldina hat durch eine irrige Interpunktion, indem sie erst hinter 
[IXorrNoc das Scheidezeichen setzt, den Satz ganz unverständlich gemacht. 
Copemicus hat mit Recht diese Interpunktion verworfen, obwohl auch durch 
seine Uebersetzung der Sinn noch nicht klar hervortritt. Oimedoncius sucht 
durch eine Umschreibung den G(edanken klarer zu machen, indem er freier 
Übersetzt: .yltay qui Critias eram, /actus sum PlotinuSf qui vel extra corpus 
philosophatur etcJ* 

Vielleicht hat Boissonade Recht, wenn er meint (I. 1. p. 220), es sei das 
Wort nXnTtvo; zu wiederholen und die richtige Lesart also : oGto» Yevo(p,7}v 6 
KpiTiac nXoTivoc * nXojTivo; ^dp etc. ., Utinam sie et ille ego Critias fiam Ploti- 
nus! PloUnus enim cel extra rorptts philosophaiur etc,^ 



54 I. SCHRIFTEN VON COPERNICÜS. 

mihi Pana:.non enim alveariorum priniitiis ipsum honoravi. Qua- 
propter ad civitatem pergo infestum placaturus, et eivibas narrabo 
saevitiam haue dicens: »propter mellitum Pan mei grcgis ducem 
perdidit.« 

3. Amatoria. Theano Eurydicae. 

Naturalis tibi omatus abscessit et rugaram imminet reverentia^ 
Tu vero obsignare ^ veritatem conaris superinducto ornatu amatores 
deludeiiB*^. Obedi tempori vetula; uon enim placent in anturano 
prata floribus. Memorare^ et mortis; huie enim appropinqnasti, 
et ex ea necessitate modestiam exercere cogita. Nam et senec- 
tntem et iuventutem iniuria afficis. Hane quidem promittens 
mentita es, illam vero acquisita adulterasti. 

4. Moralis. Evagoras Antipatro. 

Horus artifex praepositus fuit marinae illuvioni ^, et littoribus 
marinos aestus refrenabat-^ Erat autem arena quaedam interiecta 
eontinenti et mari. Non ergo processit mare iniuriando terrae 
vicinae. Sed in sui ipsius furibundum aestum revertens magnuni 
quidem eontinenti retraxit insultum. Horus*® igitur, o xVntipater, 

4 Coperaicus hat, wenngleich in freierer Uebersetzung, den Sinn glück- 
lich wiedergegeben. CimedonciuB übersetzt ^vicina rugis est faciet^. Die Gen- 
fer Uebersetzung .^Z rugw propinqiuU eloqiientia.^' 

5 Copemicns bat hier dem ohsignare eine eigenthümliche Bedeutung 
untergelegt, die es sonst nicht hat ; ;:apa(yapdTTeiv hat eher eine dem obsigttare 
entgegengesetzte Bedeutung. Cimedonicus giebt es durch ^'»^«re wieder, die 
Genfer Uebersetzung durch obscurare, 

6 Die Aldina hat, wie die meisten Codices, ^xcpwXtCo'joa, welches Wort 
jedoch dem Gedanken, den Theophylactus ausdrücken will, nicht entspricht. 
Copemicus übersetzt dem Sinne entsprechend deludens; Boissonadc hat aus 
einem seiner Manuskripte statt ix^auXCCouoa die Lesart cpeva%(Cou9a in den Text 
Übernommen. 

7 Copoinicus hat sich , da wohl kaum anzunehmen ist , dass tnentorare 
durch einen Druckfehler statt metfiento gesetzt sei, ein Deponens memorari = 
nwmor esse gebildet. 

8 In der Uebersetzung der Worte opou; 6 OT,txio'jpYo; xai ttp ftaXarrlcij 
^tcxd^aTo xX65o)vi liegt ein Verstoss gegen die Griechische Sprache und Gram- 



«EOWAAKTOr EniSTOAAI. 55 

fie-lftoTov. Kai -i jiot ooxä jfaXsicafveiv tov flava* 06 ^ip tat; otfi- 
ßXwv aoTov airap)raK iTi|i7)?a}jLsv. Aio Ttpo; asTo x^P^ '^^^ opytXov 
irpe9ßei>3d}A8V0{. Kat toT; iroXitat? tt^v aitrjvsiav 8tr|YTjao|jLai, cpijoa;' 
«8ia {leXiTTouTav b flav roo irotjivtou jjloo tov 7jYsp.ova oimXsoev». 

y'. et. eEANß ETPIAIKI;!. 

' cpoaixo^ 301 xosfxo; Trapcpj^Tjxe, xai [)OTtoa>v i^^o^ tj soicpeiceta* 
30 8i /aparcetv ^Tüij^eipsu ttv aXijttsiav, 47cnrXa3T(|> xo3[xa> too; ipa- 
3Ta? äx9at)XtCoo3a. Ileittapj^si /pov<p, yp*^^**^^* ^^ Y^P soTrpsitei? 01 
X£i{xu>v£(; iv {jL£T07rci!p(p ToT; av6e3f M2|j.vrj30 xal Öavcttoo* touTcp'Yap 
8Y£tTvia3a;' xal 3a)cppo3üvr^v ij avaYXTjC a3xatv äiciTTjSsue. Kat Yr^pa? 
afitxeu xal vsorr^Ta • ttjV [xsv y^^P i'Ka'^^&WoiU'^-q oii*{/£03ai , t6 84 
xfiXTTjjiivTi ivoO£U3ac. 

8'. He. EVArOPAv ANTinATPQ. 

"Opou^ b 8r^jjLioopYo? xal t^ öaXarcup 8i£Ta5aTo xXoBwvt, xal toT«; 

' ai-^iakoi^ t6 icfiXaYiov xfijjaXtvcDTai pfilftpov, xat ^ajAfio; ti? £7tl [xixpa 

7jir£ip(p xal 6aXa33T5 jjLfiTaijrp-tov 00 y*P «SixeTv fj ÖaXarca ttjV ysitova 

YT|V 3üYX£XCDpr|Taf iraXiv8pojA£i 8£ irpb^ iauTo to [)£i6pov {xaivofisvov, 

}i.£YaXTjV airsiXrjaav t^ Z^P^M^ ""l^ ficpo8ov 'Dpoo; ToiYapoüv, w 'Avit- 

matik vor, wie er auffallender in der Copemicanischen Ueberseteung nicht 
wieder vorkommt! Den Accusativ eines doch nicht selten vorkommenden 
Wortes hat Copemicus in wunderlicher Weise zu einem Eigennamen umge- 
bildet. Um nun bei diesem Irrthume irgend einen Sinn in den Satz hinein- 
zulegen, hat er dann femer den Aoristus Medli (lerd^aTo zu einer Passivform 
stempeln roUssen! 

9 Die Aldina liest r&x'^'kismxaif welcher Lesart Cimedoncius (^cohibetur^') 
gefolgt ist; in die Übrigen Ausgaben ist jedoch die Lesart xey/ikismxt aufge- 
nommen, nach welcher auch 'Copemicus übersetzt hat. 

10 In der Originalausgabe der Copemicanischen Uebersotzung steht Ho- 
mm, welches auch die Warschauer Ausgabe beibehalten hat. Dass hier ein 
offenbarer Druckfehler vorliegt, ist an sich unzweifelhaft, wird aber noch 
durch die Vergleichung mit dem 25. Briefe ausser allen Zweifel gestellt. . 

An beiden Stellen musste Copemicus Übrigens, um seinen ^Horu^ in die 
Constraktion des Satzes irgendwie hineinzupassen, die Imperativform vopio- 
^Tet ignoriren; er nahm vo^xodiret als 3. Person Praes. und übersetzte es 
dämi durch das Pcrfectnm ! {,.legetn dictaviif* und ep. 25 Jegem tulit.'') 



56 I. SCHRIFTEN VON COPKRNICÜS. 

furori tao legem dictavit, ne mannm irae ministram facias. Igitur 
conpbilosophari manibus etiam linguam consumraatae virtntis est 
mons alti8Bimu8. Si vero hanc servare non potes, iargiis ipsnm 
farorem consolare, si canibus latrantibas asBimilari voles. Sic 
enim iratnm mare nlterins spama ac procella irae opera non 
ostendit. 

5. Ruralis. Aegirns Platano. 

Malos amice vicinos Geranos^^ habemas; immortale bellum 
circa praedium habent. Neqne enim patribns nostris pacisceban- 
tnr, neque post illoB bellum nobiscum dissolverunt ; atqui saepe 
ipsos primitiis messis honoravimus, sed etiam aliquam agelli partem 
quasi offenso deo^^ ipsis infestis dedimus. Sed indigna ipsis, nt 
contigit, dona^^. Quapropter omnes hinc discedimus. Magis enim 
condncit nobis saxa colere, quam campos et coUes inhabitare in- 
festos habentibus vicinos. 



6. Amatoria. Erato Terpsitheae. 

Pretiosam tibi imaginem pinxisse Callicratem ainnt. Ipsa vero 
pictnra non Terpsitheam significare videtur, sed per veraces Par- 
rhasii tabulas Lacaenam Helenam; ideoque et arti et natnrae 
praeiudicasti , hanc quidem repreliendens , illam vero decipiens. 



1 1 f epdvouc hat Copemicus als Nomen proprium gefasst. Die Lexica der 
damaligen Zeit führen "^i^asb^ mit der Bedeutung grm auf. Der Irrthum des 
Uebersetzers ist nur dadurch zu erklären, daas die Manuskripte und die Al- 
dina die Eigennamen nicht mit grossen Anfangsbuchstaben schreiben ; frei- 
lich bleibt dann immer noch auffallend, dass Copemicus das Femininum des 
Artikels {xdc '(^pd^oiiü übersehen hat. 

12 Die Lesarten schwanken nur zwischen t^dha^ %t&^ und öp^dia %tm. 
Die Uebersetzung des Copemicus ist weder mit der einen noch mit der an- 
dern in Uebereinstimmung zu bringen. Copemicus scheint 6^'(ai (welches hier 
gleichbedeutend mit Tifjievo; ist} irgendwie mit ^i^i] in Verbindung gebracht 
zu haben, indem er die Worte £)ait6p dp^dW %im durch „qtiosi offenso deo^ 
übersetzt. 

13 Wenn die Uebersetzung der Woite 'A>X oux a(oeoi(Aa tä ^mpa naf 



eEO<DTAAKTOY Eni^TOAAI. 57 

vo<. To fiiv oov 90(if iXoao<petv tau X^P^^ ^^'^ ^i^ Y^^'^^^ ivx&Xoo^ 
aperrjc op(K axpoxarcy^' s{ 5s ftiQ raurrjc xpa-retv oioc re et, Sßpeot tov 
ftufiov ^oxot^o^Y^^ ®' xoatv oXaxToooiv ioixevat ßeßooXTjoat. OuTto y^P 
xat x^s^^^voooa OaXatta acppoo Tcepait^po) xal aaXoo ta ttj^ opT^j^ 
oux ivSeCxvurai. 

e'. AFP. AireiPOS HAATANQ. 

Koxac "^tiTo^fa^ , ü» 91X0^ , toi;, ^epavoo^ xextr|(jLe6a. n6Xe}i.ov 
aftdvaTov icepi to yt^^iov Ixoaatv. Oote yap toi? itaTpaot toT? f|fieTe- 
pot? eoiceioavTO, oüts toi? jiät ix£(voi>? tjjuv tov irdXsfAov 8ieXooavTO* 
xaiToi airapxoti? too 6spi3}jioo noXXaxi? auta? iTiiii^^Qtfjtev* aXXa xal 
fioipav TOO Y^jSfoo Ttva, (Scncep opYaSa ÖecS, wtoI? oxapiatoi? SsSuJxa- 
|iev. 'AXX' oox aiüoiiui xa Smpa irap' ixefvoi?, cu? eoixe. Toi^apoüv 
airavT8< täv ivTsoOev aicaip«t)|&8V. IliTpac ^ap Yijuv YscopYetv auji^o- 
pcitspov 7j ic&&(a xal ^''2X0900? oixeiv x^^^^^^^ xexTr|{Aivotc too? Yet- 
Tova?. 

?'. ET. EPATQ TEPVieEA. 

Tov xpuaoov KaXXixpaTTjV sixova 001 y^YP^T^^*^ cpaai. Tr|V 8e Ypa- 
^7^"^ 00 Tsp^j/iWav oi(Aai ßr^Xoov, aXXa rfjV Aaxaivav ^ EXevTjV, val jia too? 
a4«oSei? IIa^{>a3too ictvaxa?. ToiYapoov xal ttjV TixvT|V xal tt^v 90- 
3iv iQStxrjXOi?, rf^v piv ivoßptoaaa, ttjV Ss oocpioapivT) * ^zioaobai Y^tp 



^(vat<, tb? lot-xe unverständlich erscheint, so erwäge man zunächst, dass 
CopernicuB durch das Hissverständniss des Wortes fipTtoQ den Sinn des gan- 
zen Briefes nicht erkennen konnte. Uebrigens stimmen die andern Inter- 
preten in der AnfTassung der Stelle nicht überein, in welcher wegen ihrer 
Unklarheit auch die Lesart schwankend ist; statt ixcUoi?, wie die Aldina 
und H. StephanuB liest, hat ein Theil der Manuskripte, denen Boissonade 
gefolgt ist, die Lesart ixe(vatc. 

H. Stephanns übersetzt: dona mm exorant; tum videntur Ulis digna, quae 
exarent ; Gimedoncius : qiuie dona, ut videtur. nikilmnintts ttmien twn proficiunt. 
Boissonade, der die Stelle weitläufiger behandelt hat, verwirft beide Ueber- 
setzungen und giebt den Gedanken des Theophylactus wieder durch die Ue- 
bersetzung : y^ed dona nulla, ut videtur, dignantur reverentia ; nullam iift dona 
reverenüam incuHunt.^ 



58 I. SOHKIFTEN VON COPERNIOÜS. 

Fallere enim Parrhasii tabulas coegißti, et quae tibi minime ad- 
sunt, tahnlis commutasti tanquam naturae corrigens errores, et 
mnltam eius inertiam ostendens. Ego autem et pictaram ^^ laado, 
non enim tnae deformitatis esse pietor perhibnit; et natnrae 
sapientiam admiror, pessimae animae pulchritadinem corporis non 
confidentem . 

7. Moral'is. Sosipater Terpandro. 

Eqnabufl lex est et, quemadmodnm mihi videtur, valde ratio- 
nabilis. Laudo enim apud cas magnam bcnevolentiam. 8ed qnae- 
nam ipsis lex est? Piillnm eqninum si nutrice carentem viderint 
et longo matrem abesse, quaelibet puUum ipsum fovet. Non enim 
naturae suae oblivisountur et fovent unanimiter nequicquam aegre 
ferentes quasi nepotem habentes atqoe germanum. Hanc quidem 
ipsis intelligentiam natura tribnit; non enim Solonis lege coactae 
sunt. Nunc igitur sermonem ad te convertam. Nepotem tnnm 
fraternum despicis de ianua ad ianuam circumeuntem, miserrima 
veste indutum. Brutis sane irrationabilior tibi sensus est. Canes 
alienos nutris; ita enim adulatores, qui apud te sunt, rectins 
nominaverim. Fidelissimi enim videntur esse, donec de tuis nu- 
triantur, o miser. Latrant autem omnino et te erapulam etiam 
nuper eructantes. Adulatorum enim genus memorativum est mali 
et beneficiorum obliviosissimum. Tandem igitur nepotem ipsum 
fovc, Terpander. Sin autem, poenitentiam habebis hostem in- 
supcrabilem lacrimis naturae suum exacuentem gladium. 

S. Rufalis. Daphnon Myroni. 

Quousque eifodies agellum et pluvialem absorbebis aquam, 
miser? An forte etiam fame pueros meos deficerc propter sicci- 
tatem machinaberis ( Tuus quidem circumstagnat ager , meus 
autem aquae etiam naturam ignorat. Interrogentur, obsecro, nu- 
bes, si soll Mironi dimittant aquas. Vir invidus magnum malum. 

14 Copernicus hat hier ^pa^peu; mit yp^^t) verwechselt. 



WJ^TAAKTOT EfllXTGAAI. 59 

n^v ria^patjiou ts)(vTjV T^va^^^^^^» **^ "^^ F'^^j Tcpoaovta aoi oiotTroixiXai 
Tot^ TctvaStv, (Sattep ta ttj^ cpuscw^ xaXXa>irtCoot3a (rpaX|iaTOt xat itoX- 
AT|V sxsiv7|^ TYjv «Tsjfviav Octxvooüoa. 'Eifcü 8s xat too YpÄ<pett>< eicai- 
vert: eifii* ou y^P "^^j^ ^^i^ afjiop^iac elvai J^aiypttcpo? T^veaj^eTO" xat 
rr|C ^üosa>; tT|V 30<ptav TsOttOfiaxa xaxtJTTß ^oj(^ a(u|jLaTo; eoicpeiteiav 
jj.T| iticrceoaaaav. 

r. He. iövinxiTPüi: TKPnANAPQ. 

No}iA; satt tai«; imcoi^^ iS^ ye (ioi ooxsi, xat (xaXa oocpo;* siraivo» 
-jfop s^oi To irepl taoTac Xtav ^iXooropYOv. 'AXXa ti<; o vo^io^ aoTOi^ ; 
T7|V uiropiaCtov iincov otav evSsa tf^c 6pe<{/a(iivr^(; OsaooiVTu , xat iro^pio 
7roi> TTjV Tsxoüoav, oia aofißatvei Tr^v tot) Y^^^'^i^^'^'^^^ » opwai ti ^evvt- 
xov* ou Yttp T^c sauTcttv diciXavÖavoviai cpuosQ)^, xat TcepiOaXicouoai ro 
jxovwdsv xat oüSev Sosxspatvsooai , ti>3ic£p s^^ova sdvs;^^ ts xat yvrj- 
ata. Kat 9001? fiev, raotai? ootw cppoveiv * ou Y*p ^oXwvo; TjVctYxaas 
vo{i.(K. MsToxeteuao) tov Xoyov iipo< oe. Tdv aSsXcpiSouv oirspopa; 
6»jpav dx 6üpa? afietßovta, aÖXwoTaTov rpißoJviov afjLirejfojJÄVov * twv 
iXo^cöv ovTco? aXo^mepov 30t to <ppovrj|j.a. Kiiva; a^otptoo; oiTt'Csic* 
OOTW Y^P "^^^ '^-p'' ^^ xoXaxa? sfirstv oixsioTspov sovouaraToi y^P 
sivai 301 So^ousi {ii^p^^ otou toi; ooi; s7cevTpucptt>aiv , m oaiXaio; ! 
i>XaxT7j<3oa3i 8g iravT«); xat ai, In tiJ; xpaiKaXr^; Tr^<; IvaYX^^ epeoYO- 
jjÄVOi* xoXaxcuv y^P ^u^t; xat [jivt^jxovixov 7:po; xaxiav, xat twv aYa- 
i>(ov suftirtATiaTOV. 'Oij/i icots 30v a8sX9t8ouv iceptOaXire, Tepicav8pe* 
El 6i jjLTj , TTjV tupovotav axaTaYtovtoTov Sfci; TroXsjjLiov , toi; 8axpuoi; 
TT? cpoasw; Tr|V eauTf; axov^aasav (xaj^aipav. 

V. AFP. AA<DNQN MVPÜNI 

Me)(pt Tivo; sictxoXavsi; to Y^iSiov, xat to xaTojißpfjoav oocop 
dict^[)o<prjaei;, «o 8etXaio; ; ^ Tajja xoi jjiat XnjwoTTaiv tou«; 7rat8a; 8ta 
TO xaTaujrfAOV |iT|)rava ; to oov jxiv y«P 7:£piXi|iva![sTat y^I^iov • to 8* 
7jpi£T3pov xat 9ootv r^Y^^i^*^ 38aTo;. ' Epa)Taa6a>3av irpo; Oswv ai vs- 
<peXat s{ jjLovip Tip Aafvuivt acptaai to 36a>p. 'Avr^p iiticpHovo; fisYa 



60 I. SCHRIFTEN VON OOPBRNICüS. 

Si vero vicinum ctiam esse cootingat, inexorabile est infortuninm 
et morte vix sopiendnm. 

9. Amatoria. Earipa Dexicrati. 

Prima Novembris** venire ad nos promisisti et defraudasti 
pacta Dexicrates. Meus vero languebat amore animus et lampa- 
dis instar praeeordia exarserant, erumpebantque quotidie lacrimae, 
et tnnm quotidie somniabam adventum et iannarum strepitus 
semper mihi existimatio praesentiae tuae fait. Tu vero Dexicrates 
cum altera amorem participas et te semper nova delectant. Nam 
desidiosorum animi velocissimo fastidio deiici consneverunt. E^st 
perfidnm quid pecunia^", desiderium et amor. Tangens et ipsc 
qnandoque, passorum enim iniuriam calamitates in ipsos iniurian- 
tes saepe redundant. 

15 Zu den Worten isdr^ cpfttvovra; 'Av^c'^ipiwvoc ist ein Scholion erhalten to5 
dlTrptXXCo'J. — GimedonciuB übersetzt wörtlich : ad IX desinentis Anthesterionis 

Copemicus hat die Griechische Bezeichnimg des Datums nicht beibehalten 
wollen ; er scheint dieselbe vielmehr nach dem Gebrauche seiner Zeit umge- 
staltet zu haben. Wenigstens IKsst sich doch kaum annehmen, er habe will- 
kttrlieh irgend einen beliebigen Tag gewählt. 

Ob Copemicus nun das Datum des Theophylactus richtig übertragen 
hat, wäre an sich gewiss ganz gleichgültig. Allein bei der Stellung des Co- 
pemicus zur Chronologie erscheint es von Wichtigkeit, hier einige Momente 
für die Beurtheilung seiner Uebersetzung der Zeitbestimmung £v<£t^ ^(vovto« 
'AvdcoTTjpiÄvo; anzuführen. 

Die Reihenfolge, welche Copemicus den Griechischen Monaten nach 
Theodorus Gaza gegeben, hat er selbst auf einem Vorsetzblatte zu dem Lexi- 
kon des Chrestonius eingezeichnet. Vgl. Meine Mittheilungen aus Schwedi- 
schen Archiven und Bibliotheken S. 12. 

Jene eigenhändige Aufzeichnung des Copemicus , welcher zugleich die 
Bilder des Thierkreises beigefügt sind, lautet: 





8apYir)Xiwv 


Ixt f>0? Opioid 


o 

Exatofißaioiv 


McTaYeiTvtoiv 


ß0T)$p0{l(Q)V 


^ 




Stt 


Miifxax'nQpKDv 


nuave«!;ia)N 


AvÄ^arr^piOTN 


llooeioemv 


rapnrjXimv 


EXacpoßoXuDv 



Damnter befindet sich mit der ausdrücklichen Bemerkung dass aie „dx 



HEOOTAAKTDY RniSTOAAl. 61 

xaxov* s{ 84 xal to Ysttoiv sivoi xsxXrjptotat, airapaiTTiTov to Süotü- 

ö'. ET. ETPiriH AEHIKPATEI. 

'Eva-qj cp6(vovrog 'AvOean^picbvoc fetavijxeiv Trpoc T|ji,a; eir7iY7£fA.ü>, 
xal Si6^8uaai ta; ouvOr^xa^, Ae^txpatec* 'E(aoi 8s xal aiqQÖaXdibrioav 
ai ^piv&c TQ) IptoTty xal SoiAou 8(x>)v to irepioripvtov ixirecpXoYiaTai. 
'AicsxorraßiCov Se xa6' iQjiipav ta aaxpua' xal rfjV or^v cuvetpoicoXouv 
iicavoSov. '0 8s twv Oupwv ^o(poc asi pDi ^ avraaia Tf^c arj; icapoujia^ 
^ysysTo. 2)u Ss^ AsEixpars;, (jlstoj^stsusi^; i(f Srspa tov epcora, xai 901 
TO Sivov Ocl Ti{JLitt>Tspov * T(p ^^ip Ta}(i3T(p xopcp al Ttt>v [^aOuficDv ^/al 
8ooXaY<uYSioäai itcoOaaiy. ^iriorov ti XP^jH'^ ir66o; xai spcoTs^. BXrj- 
67^9iQ xal auTo; icote* tu>v y<^P aoixoujiivcuv ai sup/^opal iirl tou^ a8i- 
xi^aavTac p^taßafvooaiv. 



Toiv ^eooopoi» FaCa^ entnommen sei . nachstehende Notiz von der Hand des 
Copenucas : „Aihenien»ea annum a sötBÜeio estiuo auspicantur dito tou ixvzo}».- 
ßaiovo^, asiatici ab equinoctio autumnali sicuti et Greci et a venia arabes et da- 



tnasceni,*' 



Mit der von Copernicns hier angenommenen Reihenfolge der griechischen 
Monate stimmen auch die handschriftlichen Verbesserungen, welche derselbe 
bei den einzelnen Monatsnamen im Chrestonins hinzugefügt hat, wenn die 
Uebersetzung des Lexikographen mit seiner Ansicht nicht übereinstimmte. 
So hatte Chrestonius den Mouvu)rt<6v als Januar ^ den Hap^v^Xtcdv als Februar 
bezeichnet; Copernicus veränderte dies in Martius und Aprilis, Die Namen 
der Monate FI'jaue^K&v und rioaci^et^v ferner hat Copernicus an den betreffen- 
den Stellen im Lexikon binzugeschrieben und sie durch eine Corrector als 
October und December bezeichnet ; (zuerst hatte er die beiden angefahrten 
Monate als Augustus und Nove/nber aufgeführt.) 

Diese Schwankungen in der Feststellung der Griechischen Monatsnamen 
dürfen uns bei Copernicus nicht auffallen. Bekanntlich sind nach Theodorus 
Gaza noch verschiedene andere Reihenfolgen vorgeschlagen, in denen nament- 
lich auch dem Monate (ivl^eaT7]ptfi(iN eine ganz andere Stelle angewiesen ist. Es 
ist daher, selbst wenn Theophylactus wirklich das attische Jahr seiner Zeil- 
bezeichnung zu Grunde gelegt haben sollte, aus den verschiedensten Gründen 
misslich, durch Divination seine Angabe errathen und eine Uebörtragnng in 
nnsem Kalender versuchen zu wollen. 

IG Copernicns hat die Worte (Zntor^v ti substantivisch genommen. Da- 
durch war er gezwungen yyfni-oi durch pecunia zu übersetzen, welcher Begriff 
hier nicht erwartet wurde , und weder durch das Vorhergehende, noch Fol- 
gende motivirt .ist. 



02 1. SCHRIFTEN VON COPERNICÜS. 

10. Moralis. Hermagoras Sosij^atro. 

Nimis ingenerose audio te panpertatera dolere et maledicere 
divitiis tanquain illegitimis existentibus apud homines, et aliis 
apprehensibilem facile suarurn possessionem esse, aliis vero raappre- 
hensibilem , «(üasi invisam io hoc bominibns natnram. 8i enim 
solis splenuor hominibus aeqnalis et ignis' eopia omnibüs est 
proInptissiII)a^^ cur tandem, inquis» natura aurum hommibus tarn 
abditnm fecit et tarn amicabile donum sub luna degentibus ab- 
stulit, per quod maxima mala hominibus oriuntur? Ego autem 
latnm risum tuis affundo dogmatibua. Ipsam enim naturae landem 
vitnperii materiam fecisti, et hanc cum noetua deplörasti; cae- 
citatis enim causam illa putat circumspectabilem solis claritatem. 
Utiliter auri fame tenetur humannm geuus Sosipater. Hinc enim 
artes vitae introductae sunt, et civitates habitatae et contractuum 
facilitas. Et si snmmatim dicere opus est: omni ornatu privata 
fuisset terrena eouversatio, nisi^ aurum homines instruxisset sese 
mutuo indigere. Non enim nauta navigasset, neque viator iter 
ampuisset, non aratorem bovem rusticus habuisset, neque sceptris 
regalis iraperii fuisset reverentia, non principibus et praepositis ^* 
obe<lientiam praestitissent , neque imperator exercitum duxisset. 
Si vero areanum etiam sermonem vis discere, virtutum et vitiorum 
habenas aurum praebet, et examinatur desiderium animi per 
ipsum et aemulus est Celtici fluvii; adulteratae enim virtutis et 
malitiae deprehensor est eertissimus. 

11. Ruralis. Callistachys Cyparissoni. 

Sterilium ac immitium arborum genus Simichidas prfdem 
conflagravit; talem enim sententiam inutilibus decernebat arbori- 



17 In der Copemicanischen Uebersetzung ist der Satz xat ^roTdfjiiSyv 

äizaaiu i<r:h vj-6pKix ausgefallen. Derselbe findet sich in allen Manuskripten 
wie Ausgaben. Dass er von Copernicus ausgelassen ist, dürfte sonacli nnr 
einem Verschon zuzuschreiben sein. 

IS Ob 7:po99<ipo(; von Theophylactus in einer besondern, uns unbekannten, 
Bttdeutung gebraucht ist , oder ob eine Verstllmmelnng des Wortes vorliegt, 



BFAHPTAAKTOY KniSTOAAI. 03 

i. HO. KPMAIÜPA2 SQÜinATPii. 

A(av «Ysvvttic axn^xoa as tt^v Tsvfav ooüpsaöai, xat xax(C£iv tov 
-XoüTov, co; ovTa irapa toTc avÖpa>roic avcoijLaXov, roTc \iMv i'^lv,^:r^^, 
ToT; 3s öuai'ptxTov tt^v iaoTOo ::ap3/ojx3vov xt^aiv, marsp ßaaxaivo'jaav 
äirl Toorq) roT; avöpoiiroi; tTjV «o^tv. Ei ^ap TjXiou XajiirrjOovs; toT; 
avOpwirot; iTTfar^; xat wupo^, ajfUovta toT; oXoi? iarl irpoj^stpoTa'n) , xat 
TTOTafwov psT6pa y(sijia^p«>v ts xat asvvaa>v aTraatv sartv cüirdpiaTa , ti 

ÖTTa, S'^T^^, TOV J(pU30V Tj CpuaiC OUTO); O7rT|Xpi6«>Jliv0V TOI; OVÖptÜTTOi; 

öte6sTo, xal «ptXdvsixov SApov "oi^ uro acXTivr^v a7rsvsi)xs, ot' oi> jis- 
Yiara xaxa rot; av8pci>7rot<; 'foiTioaiv; 'K^w oi irXaTov Y^Xiota täv 
aÄv xaTajficü ooY}AaTa)v • aitov yap tov tt^; 9'jas«>; siratvov i)wd6siiv 
♦^Y^'^ irsiroiTiaat, xai t«ütov iriTrovOa: Tf^ y^**'^^^ ' Ä6^S'!/fa: y**? «t"«^^ 
sxsevTj 8ox2i Tac irspi^avsT? tjXioo sxXatA'i/st?. AdsitsXä? XtjjLWTTst /pu- 
aoo To avftprfTrsiov y^^^?* üco^iTraTps. 'Kvtso6sv y^P ^'^'^^ TS/vai tä j3im 
sWjy^ÖTjtjav, xat irdXsic tixioOrjoav, xat aovaXXaYjiaTwv süjjiapsia • zl 
OS ösi aüXXr^i^rjV siirsTv, itaarjc soxo^jita? saTepr^To av to irspiYsiov ev- 
öioiTTjjia, £1 J11Q YfiooQ^ Tod? avÖp<ditoü; aXXijXcov JitiSssT; STsxTrJvaTo • 
QU Y^tp *v 7cXcüTT|p ivaoTiXXsTo, oü5( oSoiTTopo? svsitopsüSTo , oix apo- 
TT|pa ^oüv ot Y^wpYouvTs? dxixTr|VTo, oii ßaaiXix^; rf(z\t.Qyia^ STrpsa- 
ßstisTo axTjiTTpa, oux afyjxi^ xal Trpoa'^dpoi; to otttjxoov exsxd3}i.rjT0. ou 
orpariiYo; sor|jiaY«iY**' '^ arpaTsojWf ei 3s xai aTrd^^T^TOv Xoyov Öe- 
Xst^ [jLafisiv , apeTr|i; xal xaxfa«; o XP^? '^^^ Tjvta^ itsiriOTsoTar xal 
ßaaav(CsTai s^sok; ^xh'* ^^ aoToo, xal Tcp keXTixo) iroTafim iorlv 
I^GtfitXXo«; • vdöoo y*P «pst^? xal xax{a< iXsYzd? eoriv aXrj6iataTo;. 



la . 



AFP. KAAAI2TAXV2 KYnAPI222NI. 



Ta)v axapi:(Dv xal avT^^iipcov oivopcov ttjV ^liaiv b 2i}jLi;(ioac ybi^ 
ZOO ivi-TTpifjos* TotauTTjV Y<ip "^^ xaTa3ixijv toI^ axeXeafopTQToi^ ^^"^r 



ist nngewiss. GopernicuB hat aus dem Zusamtneahange dem Worte eine 
passende Bedeutung untergelegt; ähnlich Oimedoncins, der rpoatfiipot; durch 
iuridicis tlbersctzt. Die Uebersetzung von Boissonade passt gar nicht in den 
Gedanken ; er sagt in einer Anmerkung : M rox est illa sanUf mihi erunt Trpos- 
cpöpotc ttb TOL rf^oo'^opa »vitae eommodis.ii*' 



64 I. SCHBIFTEM VON OOPERNICUS. 

bus. Sed ommTonicis ignis natani impetam habait immodestum, 
et agri vicini praedium repente oonsumpsit. Hie vero bipennem 
abiiciens et ligonem ad civitatem perrexit, caasidicom aceeptnras 
patronnm, et Simiehidam in ins yoeavit. Hoe et ego, Cyparisson, 
contra te parabo, nisi apibiis tvßs mandaveris abstinere pratis 
meis et didiceris alienis meatibas non habere aditam iostam. 



12. Amatoria. Melpomene Praximillae^^. 

In pablica via ^^^ oonventicala tibicen^^ Chrysogona eonstitnit : 
fortasse etiam delectare putat meos amatores et ait meretricula 
me de ea re valde molestari. Ego autera non magni pendo factum 
hoc ; examinant enim amatores meos quicnnque sunt Chrysogonae 
mores. Sed esto mihi, obsecro, infallacis responsionis apertissimus 
nuntius, et Laeaenae dicito : Ifaximas tibi gratias Chrysogona hac 
causa debemus, tua enim deformitate venustiora ostendunt nostra, 
quum etiam graculo non apparente corvus praestantibus avibus 
connumeretur. 

13. Moralis. Ariston Niciae. 

Cupidissimum discendi animal aiunt elephantem et hnma- 
narum doctrinarum discipulum valde idoneum; non enim corporis 
stupenda moles in ipso, qnantum disciplinae omamentnm cele- 



19 Die Aldiiut hat, abweichend von den übrigen Ausgaben 'statt IlpvEt' 
(A.(XX^ die Lesart npa&p,(XXi aufgenommen , welche wir auch in der Copemi- 
canischen Uebersetzung finden. Boissonade weist bei dieser Abweichung 
der Aldina darauf hin, dass in den griechischen Manuskripten die Vokale t) 
und t bei ihrem GIcichklange hftnfig im Auslaute verwechselt sind. 

An diese Bemerkung Boissonade's sei hier die Notiz geknüpft, dass in 
derselben Weise auch in der Copemicanischen Uebersetzung die Endung der 
Frauen-Namen ganz willkürlich behandelt und bald e bald t gewiUilt ist, z. B. 
ChryH (ep. 19; Ipsipile (ep. 18) Ehodope (ep. 21) u. a. 

Ob diese Ungleichheit Schuld des Uebersetzers oder des Druckers ist, 
lässt sich ebensowenig, wie bei den andern orthographischen Willkürlich- 
keiten, bestimmen. Es schien deshalb gerathcn , in der vorliegenden Text- 



BECKl^TAAKTOr EOIXTOAAI. 65 

9(00x0 8ev8poic. 'H 8e too itafi^aY^^ iropoc (ptiai^ rr^y opp.i^v sl^sv 
^xoXaoTov, xal too aYpou '^elxoyfo^ a<pvm ?o jftoptov aicwXsosv. 'Üoe, 
TyjV dt<p6spav a<peu xal ttqv &(xeXXav^ wpo? acrro xcopst [itJTopa Xr^^j^- 
psvo^ oüjAfiajfov • xal tcp 2üi|i.tx(8tf Sixaorr^ptov aüYxexpoTTjTat. Tooto 
xa^fo, KuTcapia^coVy xata aou axeocDpuiaofiai, s{ fiTj tot^ ootc fuX(rrat; 
irpooraEsia; tuiv i;jitt>v Xetp.ü>vu>v aTziyeabai * xat (AotOr^T^o aXXoTptoi; 
iropot; fiTTj xsxTTjaöai Trpoaooov aSixov. * 

16'. ET. MEAnOMENH nPASlMEAAH. 

'Eirl To Ascoxopiov Tol; Siatpißdc Tj auXr^Tplc XpoooYovT; ireicoiTjtai * 
Ta)(a i;ou xat TSpTcsiv oisrai tou; ijiooc ipaota;. Kai cpTjotv "vifiac t6 
i7opv(8iov a^ov Süavaa9;(8Tsiv iicl Tcp irpayfiaTi. 'Eyco Se ou icepl icoXXou 
7csirotTjp.at To «patrojuvov • toü^ ^ap ipaora? oiroiot ovre? to^X^vougi 
Tzpo^ TjjAd; rd tt^; XpuooYovT|<; ßaaav(asiEv ^67). 'AXXd ^evoo jioi, irpo; 
äscov, d'^suSou; diroxpfascu; aacpioratoc aY^aXo^^ xal t^ AaxafvQ fpd- 
aov ^tMsYtara; aoi j^apixa; toutoü y^ 2vexa, XpuaoYovTp of »tXo^v * 
ar^ oj Y^P d|i.op<ptG|: ae^ivorspa Seij^Ör^osTai xd 7){Jiexspa' enel xal xoXoiou 
«{j,iQ oavivxo; xat xopaS xoi^ soirpsiriaiv xaxaXoYt<307|(3£xai opviotv.» 

iy'. He. APIiTQN NIKIA. 
4>tXo(Aa68axaxov Cäov ^aal xov iXi^avxa xat dvÖpcöTCstojv otoaY- 
{idxcov [xaÖTjXTjV diriSeSiov. Oo Yötp ^ '^^^ a<o}iaxo; oyxo; 6au;xa3xo{ 
irap' aoxo) , ooov b X7|(; iraioeta^ xoajio; xexi}j.rjxai. Kai xaoxa piv 



Ausgabe, ohne alle Rücksicht auf das Original, auch hier eine GleichmSssig- 
keit festzuhalten. 

20 Um seinen Lesern das Verständniss zu erleichtem , hat Copemicns 
hier eine freiere Uebersetzung gewählt und die Worte iid t6 Aewxöptov durch 
^n via publici^ übersetzt. Dadurch hat er dem Gedanken jedoch einen Sinn 
gegeben, der in den Worten des Schriftstellers vielleicht nicht liegen soll. 
Aus einem ähnlichen Grunde verwirft auch Boissonade die Uebersetzung des 
Cimedoncius ,, Ad I^ocorium mores traxif* etc. , indem er sich der Genfer 
Uebersetzung anschliesst: „ad Xeocorium hahitationem tibicina Ckty- 
aogone instituit,^ 

21 Oopemicus hat sich hier eine Abweichung vom Sprachgebrauche er- 
laubt; er hat tibiceft als vox communis angesehen und als Femininum ge- 
braucht. 

II. o 



66 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

bratnr. Et haec quidem pneri Indoram perhibent. Ego aatem 
Niciam admiratu» suin bruÜB animantibus irrationabiliorem Intel- 
lectum habentem. Exi»tens enim doeti viri filius, pateraas eru- 
ditiones suppeditasti ^^. At circa cubos et palaestras plnrimmn 
vitae otium contrivisti ; et nobilitatis genere jactas te. Si igitur 
filius Hermagori vis vocari, revertere taiidem ad illius vitam; 
bonnm enim qumnvis in senio sapientiae et pnidentiae aderit^*^, 
secundum quod etiam Piatoni videtur. Si vero a vitii's transferri 
renuis et te filium Hermagori pronuntias , scire te volo sacrile- 
gum paternae sepnlturae factum esse; tiia enim malitia virtutes 
illius eontumeliis aflficis. 

1 . 

14. Ruralis. Myronides Damaltü. 

Univetsum gregem puer tuus devastavit, et mulctrale semper 
implens lacte pedester^^ ad platanos pergit, ^et torum faciens 
secure discumbit, et delieatam vitam amplectitur. Postea fistulam 
adferens suave canticnm somnum admodum invitans adiicit et 
rurales praevaricatur ^^ consuetudines. Pabula^^ eo malo dis- 
traxit, et ad circumventionem emptoris ignavus est 2'. Quin 
etiam fimos^^ levi vendidit pretio miser. Etiam Myronidi iniu- 



22 Die Bedeutung des Wortes mppeditare als intensivam von suppeto 
nir diese Stelle verwertend hat Copernicus in wortgetreuem Anschluss an 
das Griechische ^TtXeXaTtTixa; die Ableitung von dem Wurzelworte ,pett^ ange- 
nommen und suppeditare in der Bedeutung von conUffmeref proterere, ctmcul- 
rare gebraucht. 

23 Die Warschauer Ausgabe hat quefnvis in quamvis verändert, was nur 
zu billigen ist. Aber auch nach dieser Verbesserung bleibt der Satz, selbst 
bei Vergleichung mit dem Griechischen Texte, schwer verständlich. Varianten 
giebt es nicht, ausser dass statt h T'^jp«« auch h ^fjpqc gelesen wird. Viel- 
leicht hat Copernicus, indem er das Ztu^ übersah, den Sinn des Satzes etwa 
so verstanden: tum enim bonnm sapientiae et prudentiae tibi, quamvis in 
senio, aderit. 

24 pedester kann zwar — und vielleicht nicht nur in Verbindung mit 
8ermo und ähnlichen Worten — als gleichbedeutend mit vulgaris, humilis ge- 
braucht werden ; allein Xq91co56t7); hat eine noch weiter gehende Bedeutung, 
die durch pedester nicht ausgedrückt werden kann. 



BEOOYAAKTOr ErilSTOAAI. G7 

iroiSe^ wspiÖpuXXouoiv MvSwv 670) oe tou Nixioa TsÖaojxaxa täv ako- 
-j'cov Cttxuv s/ovTo; Tov ^oyiajiGV aXo^oirepov. 'IVapy^tov y«P Trotl; oivopc; 
aocpi3Toi>, Ta irarptoa sxXsXaxrtxa; , irspt 8s xü6oü; xal TraXatarpa; 
TTjV TOü jiiio'j ^/oXr^v xaravaXwaa? , xal yi^^^^^J :rspa; soYSVsia; Tcji 
-j'svst. Kl Totv'jv Trat; axoustv ' Kpiiayopou eÖiXsi;, o^i itots irpo^ tov 
sxstvoü fitov EiravTjXs ' i^iOLho^^ yap oto> xäv i; ^r^pa; oocpia ts xat 
'fpov-/;3i; ^^pfii xa6a ooxsl xat T(j> OXariovi. E? os täv iraXai xa- 
xcüv ou3avaa)rs72t; jisOtaTavat xat iraToa oauTov *Ep[iaYopoü xTjpuTTSi;, 
ro|jL6<!Jpü/oc laOt toü irarptpoo rarpoü y^vojisvo;* t^ af^ 7ap xaxia -a; 
sxsivoii apsra; xaf^üßpiCsi;. 

i 

lo'. AIP. MTPQNIAHi^ AAMAAÜ. 



To TToijxviov airav 00; iXofiTjvaro Trau. To xia3u6iov ast 7:Xr^- 
pwaac Too ^aA^axTGc, siit tÄ; TrXatavoo; XcottoBütti; X^P®^' ''*' » ''"^^ 
6a8a rott^aa;, a;i€pt}iva>; avaTusTUTwxs, xat tov a6po8iatTov ßtov a^-a- 
Cerai. EiTa tt^v ouptY^a xojiiaaiisvo; , «SaTTop iTriSsiirviov (pOTjV ttjV 
auOopiiav 7rpo6aXXsTat , xat toü; aYpotxixoo; TrapajfapaTTSi 6sap.ou;. 
Tot 8s OpsfijiaTtt Tfj8s xaxsTas StioTrapTat, xat irpo; £cpo8ov S3Ttv sua- 
XmT«. Nat 6tq xal too; ovOou; sowvto; 8ia7riirpaax£t osiXaio;, xal 



25 praevaricari hat nicht die Bedeutung von rapotyapd-Teiv , wird auch 
nicht mit dem Accusativ verbunden. — Cimedoncius hat ebenso irrthUmlich 
Tapa^apoiTTEi durch efßngit Übersetzt, was Boissonade in effringit oder diffin- 
git umgewandelt wissen will. 

26 Copcrnicus hat Op£fji.{xa in einer Bedeutung genommen, welche in der 
Schriftspraclie wohl kaum vorkommt. Die — von Griechen selbst verfassten 
— Lexika seiner Zeit geben aber neben pecus auch die Bedeutung nutrimeti- 
tum an und Copemicus hat, vielleicht aus Verzweiflung über den ihm unver- 
ständlichen Satz, zu der selteneren Bedeutung gegriffen. 

27 Die Worte xjSc xdl%eTas hat Copemicus nicht verstanden und xaxcToe 
als eine Beugungsform von xa%6v angesehen. 

Den Schlusssatz scheint Copemicus gleichfalls gar nicht verstanden zu 
haben; es ist kaum zu errathen, wie er auf die Uebersetzung „ei ad circum- 
ventionem emptoris ignavus est* gekommen ist. 

28 Den ungewöhnlichen Pluralis ßmos scheint sich Copemicus durch das 
Griechische to6; ov&ou; veranlasst gebildet zu haben. 



68 1. AOHItiFtßN VON COPERNICTS. 

■ 

riari noki erubescit epnlatus heri vindemiam splendide ^*. Caricae 
enim erant mihi et locustae obsonia. Is autem magnificus iavenis 
caricas plurimas devoravit, et locustas miror quomodo absorbuerit, 
fsLex^^ quoqne. dehiscebat, et qnandam eins partem post satieta- 
tem portare domnm neglexit^*. Concedat mihi residuum agro- 
nim; magis enim eligendum est louginqua mala tolerare, quam 
occultum hostem domi nutrire. 

15. Amatoria. Atalanta Corinnae. 

In palaestra etiam Angiam vidi, Corinna. Id autem specta- 
eulum neque sermo effabitur, neque pictorum manus imitabuntur. 
Erat enim iuvenis robustus, erectus, circa pectoralia densus; 
oculi eins sicut capreoli.; facies eins non fnrore rnbens neque 
languidior teneritate, sed virilis et mansnetus simul. Color eins 
corporis neque feminino albescebat, neque nigredine obscurabatnr. 
Caesaries antem moUi quandoque temeritate innndabat, et caeru- 
lenm hora tranquillitatis repraesentabat mare, quando ad vicinam 
terram teneris undis plicatur, missurum tempestatis barbarum 
furorem; malae autem neque multum rubicundae, [muliebre enim 
hoc) , neque rursus pallore indecentem tristitiam prae se ferebant. 
At vero nasus valde eleganter erat tomatus, et magnum artificiosae 
naturae magisterium argnebat. Oleum vero inunctum solis specie 
radiabat, et splendoris reverberatione tanquam marmoreis radiis 
palaestram exhilarabat. Suspiria ducebam animo^ Corinna, et 



29 Die Worte des griechischen Textes elorlcbN t6v Tpu^iav sind von den 
Interpreten verschieden aufgefasst und übersetzt worden. Boissonade nimmt 
mit dem Verfasser der Genfer Uebersetzung tp^^^* ^^^ Nomen proprium und 
übersetzt demzufolge : hestemo die splendido concivio Trygiani decipiebatn. 
Andere wiederum haben Tpu^^a; als appellativum genommen. So übersetzt 
Cimedoncius: absmyto vtno luculetUo. Copemicus theilt die letztere Auffassung, 
hat die Schwierigkeiten aber noch dadurch vermehrt, dass er vindemia in der 
selbst bei Dichtem selten vorkommenden Bedeutung vinum gebraucht hat. 

30 In der Original- Ausgabe lautet die Stelle sex quo^ue dehiscebai, Dass 
hier ein Druckfehler vorliegt, ist ganz unzweifelhaft ; aber dazu kommt noch 
ein Missveriständniss des Textes. 



eEOOYAAKTOr EfllSTOAAI. 69 

Mopa>vt8rjV diBtxcov oix aia^ruvcTai siaticov yßk:; rov TpoYtav Xap.irptt>(;' 
lr)(ahz^ yap ^v jioi xat axptoe; ra otJ>a. '0 os Ösaireaio; ooToat vea- 
via<; Ttt»v lo'/ibo)'^ ta TrXsIaTa ex6e6p<i)X3, xat ra; axptSa; oox olS oir«>i 
s6s^{)o?{^T^aev (o oe Tp'JYia; exe^r^vei], xai fiotpav nva i^tei jura xdpov 
xofiiCeaOai oixaoa. WirtTo) [loi Xoutov rwv «YpttJv o KXetvta^* täv yoip 
;ro^^(o xaxwv atpeTttirspov eartv avs^rsa^ott t) iroXe^iiov oixoi rpe'fsiv 
xpoirrojievov. 

is'. ET. ATAVANTH KüPINNH. 

'Ev T^ TtaXaioTpct Tov AüYeiav TeOeatiai , Kopivva • tr^v 8s 6eav 
o'jTc XoYo; ex^paaeisv, oSts Cw/pacpoo /sip*; fii}iT|3aivT0. *Hv ^ap o 
vsavfa? eü(36evTj<;, op6to;, to Trepiarspviov Xaaio; * oi os ocp6aX^ot 8op- 
xaoo; aoTcp* to 6e ^SXsjifjLa outs Oü}m}) 9oivi3ao|x£vov , o5tc [laXaxoiTe- 
pov TTQ i>YpoTTjTt, aXX' ÄvSpsTov xat irpaov o[ioü' t) Ss /poia too aoj- 
jiaro; oüTS icpo? to Ör|Xuirpeir£(; iXsuxotivsTo , outs -kpo^ to pLsXavTepov 
xaTsaxiaoTO ' tj os Öpt^ T^peji-a it«); iirexajjiaivs t^ ouXottjTi xal xüav(- 
^ouaav <Spa YaXr^vYj; , tt^v OaXaooav sixovi'Csto , ots xat tt^v •^'eizo'^a 
)(3paov ai7aX(p irspwrroaaeTai |>si6p(p^ to |jLävitt»8s; too xXu8(dvo; xal 
ßapSapov icapsaoasa * ai hk Trapsial outs xatspuOpoi (YuvaixdiSs; yop) , 
OüTS TToXiv <u)rpoTTjTi Tr|V ai;p6ic£iav iirsaTü^vaCov * t; 6s ^tv Xiav os- 

JlVO)^ STSTOpVSUTO, Xal TTOXXl^V TT^; OT^^XlOUp-jOU CpUOSU); TT^V eittaTr||JLT|V 

ÄtttjXsyxs • TO OS sXaiov sirt/sojievov r|Xtost8u); i:spiT|aTpairc£ , xai Tal^ 
txapjjiapuYaT; täv ixXapL'j^soiv ttjV icoXatTTpav axTivcov 6(xt^v rf/XaiCs. 
IIsTCovOa, Kopivva, Tr|V •j'üyrTV, xal opi|ioTSpa^ tt,; dX7rj8ovo? aiaÖavo- 



Die Warschauer Herausgeber haben sex in sed vei'wandelt. Diese Con« 
jectur scheint jedoch weniger annehmbar, als die in den Text aufgenommene 
Verändenmg des sex in Jaex. S schreibt Copemicus ganz ähnlich dem / und 
das einfache e tritt bei ihm fast immer für den Diphtong ae ein. Freilich 
muss Copemicus dann immer noch faex als Subiect aufgefasst haben ; auch 
bleibt das dehücehat schwer erklärbar. 

Cimedoncius übersetzt fecatum vero est exhaustum, die Genfer üebersetzung, 
welcher Boissonade selbstverständlich beipflichtet: „Trygüut vero inhiabat,^ 

31 Wahrscheinlich ist vor neglexit die Negation ausgefallen; nur durch 
Minzufllgung derselben wUrde der Sinn von ^xei annähernd wiedergege- 
ben sein. 



70 I. SCHRIPfKN VON COPEKNICUS. 

acutiores nunc sentio dolores ; amatoriam enim passioaem divulgare 
mulicbre genus vcrecmidatur. 

16. Moralis. Gorgias Aristidi. 

Mutuatus laetabaris, requisitus trietaris, et obviam creditori- 
bus veniens timore obstupescis. tanquam truces quosdam terrores 
incidere existimans, et circumspieis trivia et portas respicis^ de- 
clinare cupiens ereditorum iram, quemadmodum in magna procella 
periclitati naufragio in portum confugere anhelant. Ad haec malo 
malum adiieis; mutuatus enim ab aliis debitum aliis reddis. Ita 
faciunt qui propter timorem mortis se ipsos praecipitant. In mu- 
tuando autem multifarium hominibus malum contigit, et fabulosae 
hydrae pullulationibus saevius est, secundum omnem cogitatio- 
nem ^^ cave mutuari. Ita enim solares radios libere circumspieies 
et patentem ubique aSrem valde leviter respirabis. 



17. Ruralis. Lophon Pediadi. 

Pereat^^ Leucippus! Malam enim nobis occupationem ** nu- 
trivit circa terminum collis. Me atque Sostratum in ius vocavit. 
Leucippus autem omnium mentes corrupit 3*, et aureum concupivit 
videre tribunal, tantus avaritiae affectus infelicem occupavit. Hoc 
etiam Sostratus intelligens auro victoriam emit et muneribus 
guttur Leucippi obturavit. Virgo iustitia corrupta est, et aurum 
hominibus victoriam pensat ; aequilibrans iudicium periit. Munera 
enim magis quam ius aestimantur. 



32 Bei iv tai; cpavraotai; hat Copemicus die Worte xaO' Stivom ausgelassen 
und dem Gedanken einen ganz fremden Sinn untergelegt. Cimedoncius über- 
setzt: ne vel in somnis tibi foenei'otioyiem imagin&i'is, 

33 Die seltener vorkommende Redensart p-Vj Ixoito t7>pac hat Copemicus 
richtig wiedergegeben. Boissonade umschreibt dieselbe durch die Wendungen : 
ne diu vicat, ne veHetitetn annum attingai, sed ocius ac male peretU. 

34 Copemicus scheint, indem er den bildlichen Ausdruck wohl nicht 



BEfXPYAAKTOY KIUrrOAAI. 7t 

[tat • ipwTixov YÄp otr^-j'r|Oaa&at irafto? to y'^^**^*^'^^^ (poXov ab/t- 
vexat. 

ic'. He. ropriAS api2teiah. 

AaveiCojievo; Y®T''i^°^^' sioTrparrojxsvo; avia, xal oovavxÄv toT; 
oaveioTOi? xaTaTrXrrnQ tq) cpoScp, «Soirep Ör^pioi; riat <po6spoT; Jvtuyxo^- 
vsiv 80XÄV xat ireptoxoirsT«: ta; tpioSoo^ xal irpo; ta; oroa; acpopa;, 
Tou^ Saveiata^ Öspaireüsiv y^^/oh-svo;, woTrsp oi vaüTiXX6}jL£Voi ev }jl£- 
YaXfp T(J) xXuSwvi Xifiivo^ Ti>Y/aveiv opeYOVtai. j\XXa xal xaxcp to 
xaxov Imvefisi; • oavstCofiÄVo; y^P '^^p' «XXcdv , aXXoi; airo8(6ü>; to 
o^X7]p.a, TaoTOV ti tcoiäv toIc ota cpo6ov OavaToo xaTaxpTjfjLviCooatv eau- 
Toa?. ^EirtSs TO oavsiCe^Öai iroXuaxiSi? toI; avöpwiroi? s^tI xaxov, 
xal T7j<; [jLOÖiXTjc üöpa? toT? auTOfjLacOK; Y^^^^iH^*^^^ ^^"'^ jraXeTrcüTSpov, 
xav Tat«; xaö' Sttvov oavTcxaiai; suXaßou to oavstCsaOat* oSto) y^^P 
eXsuOspcü; Ta; TjXiaxa; axTiva? 7rpoa6Xe^j^ei; xal tov oirsp yv ^P* ^^'^^ 
TipoaTjVco? avairvsöosia?. 

tC. AFP. AÜCPÖN HEAIAAH. 

Mtj TxoiTO c3pa; Asoxiittco;* xaxov Y'ip ''iH"'^ STps^s to )^«>ptov 
(hrjptov irepl tov opov tou Xo<pi8ioü. 'EjjloI xal 2a)aTpaT(p ai)V2X£xpo- 
TTjTO oixaaTT^piov • OS AcüxiTTTTo? oXa? Ta; ^psva; SiicpÖapTo, xal XP^" 
aoöv TO oixaarr^piov OsaaaaÖai cppSYSTo ' toioutov <piX6xpu30v 7ra6o; 
xaTsTys tov oocjTr^vov. Toüto xal 2Iü>3TpaTo; Ittiyvou;, ZP^3<p ^r^v vi- 
XTjV oivT^aaTO, xal tov Xatjiov toT; otopoi; tou AsuxtiriwOi) iizituiz^. \l 
:rapÖsvo; Aixtj oiecpOapTai, xal xpoao<; toT; avOpwTzoi; to vixov TaXav- 
TeusTat • Yj Y^p tooppoiro; xpi3i; airoXeoXs • owpa Y^p H^aXXov r^ to 8t- 
xaiov aJioiriaTov. 



beibehalten wollte , ÄTjpiov durch occtipationem wiedergegeben zu haben. — 
Aus ähnlichem Grunde sicherlich hatte er im 16. Briefe OijpCoic durch terrores 
übersetzt. 

35 Copemicus hat die Form otIcpDapTo verkannt, und, indem er dieses für 
ein Tempus des Medium gehalten, den Aecusativ (fpiva; als einfaches Objekt 
angesehen. 



72 I. SCHRIFTEN VON COPERNICCS. 

18. Amatoria. Erotylus Hypsipylae. 

Goncitantur etiam palmae amore naturalis et femineas mascnla 
coDCupiscit, et plectitnr amore mascalina coma femineam amplec- 
teng. 8i vero longe femina abest gegmenta feminae toUentes mari 
applicant et quodam commeDto reguHcitant eins araorem. Si igitur 
venire ad nos ocius non potes, amorem menm consolare per pic- 
turam, et tabula sive pietnra imaginatiouis tiiae praebeat mihi 
speculationem. Suffieit enim etiam opinione nimium amantes 
fallere. 

19. Moralis. Diogenes Chrysae. 

. Divitiarum te cnstodem, non dominum peeuniarum esse dico ; 
talem enim tibi mores tui sententiam pronuntiaverunt. Boni enim 
alicuius particeps esse impias non decet animas. Terram igitur 
defode, et aurum condlto miser ; non enim tuae, sed apud te divitiae 
esse creduntur. Phrygium Midam aemularis sitiens divitias, qui 
quasi funibus auro strangularis. 

20. Rnralis. Chloazon Meconi. 

Sorba, Meeon, heri dilectae misi. Ula vero tramam abiecit, 
et a textura statim surrexit, reeipiensque dona porcis distribuit. 
Et legatum quasi indignum nuntium dimisit. Ego autem lugeo; 
horribilior enim amor infestat nos indignante puella offendens. 
Caeci sunt et fortuna et cupidines ; hi quidem dolores, illa autem 
felicitates temere et ut contingit praebens. 

21. Amatoria. Perdiceas Rhodopae. 

Dissone cantas et contristas, non delectas amatores. Tragoe- 
diam enim immisces, non Carmen aliquod delectabile auditoribus. 
et flent amatores contristati. Caetigant enim ipsos cantica tua 
adversus lasciviam, neque blandam aliquam fecisti melodiam. 
Farce igitur obsecro nobis contristatis. Non enim tibicen, sed lamen- 



eEO<PTAAKTOY EniSTOAAl. 73 

IT)'. ET: EPQTTA02 TVinYAH. 

'OpYü><ji xal cpotvtxe; epwTt cpootxcp^ xat toi) Hr^ks,o^ ro af»p£v acpts- 
rai ' xat icepixopTobtai b a^pT^v T<p ep<oTi, xat rj **o[J^Ti *V sptt)p.svT|V 
irpoTicXexEtat " e? Bs xat iro^Jwo to 6fjXo tou a^[)£vo; sori, ^j/Tjva^ ex t^^ 
ÖTjXsta^ apa{i&vot T<p a^psvi icepiairroooi, xat oo'^iafjLari t{>üYaY«)YOüat 
TouTOi) Tov sptiita. Et totvuv iTcavrJxetv Öarcov ooy oia ts et irpoc 
fijiac, Trapr^ifopst jiot 5ia Co>YP*9°'^ '^^'' epcüta, xat irtva;tv y; Ypoicpr^ 
'^avraaia? ttj^ a^(; Tcapej^ero) [jloi Öeav ixavi^ yop xat 5oxr|Oi; tou^ ayav 
ipwvTac oocpioaa&ai. 

tö'. He. AIOrENHX XPY2H. 

I 

nXouTOi) o£ ta)i.iaV; ou SeajioTrjV j^pTijiaTwv eivat cpTifJti* Totaiirr|V 
^ip Tr|V xaxaotxTjV oi aol xaxa ooo irpoYjveYxav xpoTroi • a^aöoi) ^ap jie- 
ri^fsiv Tivo^ Ta<; avoaiou? oo ÖejAi; ^u)(flf;. KaTopuire toivuv ttjV y^iV, 
xai TOV )(puoov Tcsptcppoüpet, TptaaOXie ' oo ^ap ao;, aXXd irapa oot b 
TiXouTo«; stvat ireirtareoTat. Tot) <I)püYb? yap M(Soü rr^v xaxtav Ct'jXü)- 
oa<, Xi;i.cüTTtt>v TrXoiyreu, ßpdjrou ÄOTcsp jjpuaoT? airaYX<>JJ*vo?- 

X . AFP. XAOAZQN MHKÖM. 

'A/pa'oa? Z^^^» Mr^xmv, Triicofi^pa rfj iroÖoojiiviQ • tj 8e tr^v xpo- 
XT|V a7r8(^|>if}s xat tfj; laroup^ia? eoOic dtavtaraTO, xat Xa6ouaa xa 8a>pa 
xou xotpoi^ Stiv8((AS, xat xov itpioCiv ms; aicafaiov aifYeXov aireirsjiij/axo. 
'Eycü oe xXa«)' ^oöepb; T'ap ^tpox; Tjfia? aStxei, aTrpeTroü^ xopr;? ßia- 
Cop^vo^. TücpXoixTOoat TujpQ ^at Eptoxe?, oi fiiv xa? ak^rfiova^, r^ 8e 
TT|V eu6aip.ov(av etx^ xal ib^ exu^e TcapexofiivTj. 

xa . ET. HEPAIKKAS POAÜIIH. 



''Aoet? afiooaco^y xal XüirsT;, oo xepirei;, xoo^ äpaaxdc • TpaycpSiav 
Yap dva(iiYVt>si^^ oo OeXxxijpiov (p87)v xoT^ dxoooost. Kai oaxpoooaiv 
Ol ipaoral dvicofievot * ooicppovac fap aoxoo^ dvxl Xe^Yvcov xd od Siod- 
9X0091V aopLttxä • 00 Y^P i^oi'^<o'{^^ xt^v jieXcpBiav 7reTtot7)aat. OeTaai 
xoivov, irpo? Osdiv, dviQ>fiiva>v ijftÄv oo y^P aoXyjXpU, aXXd 6pTjVr|- 



74 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS- 

tatrix spectatoribus ertne videris. Et cftra aures oppilabimus ** 
omneH^ Hirenaruni enim potins ^uam lugentium musarum audito- 
res erimus. 

22. Moralis. Antisthenes Pericli. 

Philippi iiling Alexander in prosperitatibus neqaaquam ob- 
caecabatur, sed sapienter advertebat fortunae superbiam, quod 
magniH honoribus inconsiderantes inescare 8oleat3^ Propter hoc 
videns in beliis vicissitudine cadentem Darium, pallio hostem 
ipsuni eontexit \irtutis simul ac fortunae nobilitatem ostendens. 
Hinc ßubditus ille Alexandrum obiurgavit, et erat culpa regi 
pietas. Igitur Alexander tanquam philosophus .timebat fortunae in- 
certitudinem. Quapropter pluribus ipsum victoria salutantibus : 
Jupiter! inquit, mixtum est ^^ aliquod etiam optimis rebus infor- 
tunium. Ita eavebat in summum fortunae allusi'ones prudentissi- 
mus Alexander. Si igitur fortunae convertibilis naturam ignora- 
visti, cito experientiam videbis magistram *^^. Si autem nitro 
caecutias , saeviores tibi ultiones introduces mulctarum et scien- 
tiae poenis requisitus ^^. 

23. Kuralis. x\stachyon Miloni. 

Agrum cicutis expurga, meas enimlaesit^* apes; non praebe, 
obsecro, negotia viro agricolae, nuUum utique mihi fucum tribuisti. 



36 Das allerdings seltene Wort ojjiMimus haben die Warschauer Heraus- 
geber ohne Gioind in ohturahimus verlindert. 

37 Copernicus hat entweder eine von dem uns bekannten Texte abwei- 
chende Lesart vor sich gehabt oder eine ganz freie — ungenaue — Uebcr- 
setzung gewählt. — Die Verbesserung des ^uod" in ^qtiae^, wie sie die War- 
schauer Ausgabe bietet, ist zwar sprachlich richtiger, aber nicht geboten. 

3S Copernicus hat in (ai^ov die Conjugationsform nicht erkannt und dadurch 
der Anrede an Zeus einen Sinn untergelegt, der in den Zusammenhang 
nicht passt. 

39 Den Satz xa( rfjc YNdboem; S^ei; TrpeoßuTEpa td {jLadrjfiaTa hat Copernicus 
sicherlich aus Verschen weggelassen ; wenigstens findet er sich in allen Aus- 
gaben, wie in sämmtlichcn, uns bekannten Manuskripten. 

40 Cimedoncius übersetzt: „p&ccatanim et ignoratUiae subiturus muictam/ 



eEOOrAAKTOr KHI2T0AAI. 75 

Tpia, ToT; Osarat; slvai oox3i;. Kat xr^p(t> xa wxa itavrs; ejicppaSoi- 
ftev, 61 (isXcpoiav aoxTjaeia^. leipiQVcov ^ap r^ Moüawv o8üpo[ievo>v 
axoo9aip£v. 

x6'. He. ANTI2eENH2 OEPlKI^l. 

'0 OiXiinrou Trau 'AXi^ffvSpo; eirt toT^ süTü/tai? ou5a[iÄ; itetu- 
9«)T0, aA.>' ecpiXoa6<pei xa tr^? toj^Tj? ^üaT^jiata [xiftoraic £üCpT^fi.iai<; oox 
st<o6a)c osXsaCeaöai. Aia toi touto dv t^ tou iroXifxoo {)oir^ 6saaa[jLe- 
vo? icsKTcüxoTa AapeTov, 'qj 5rXa|iü8i tov J)^6pov irspieaxsTcev, ifexr^^ xat 
Tü/rj<; ivosixvo^vo^ eiYsvstav. 'EvteüÖsv iXoiBopsi tov 'AXi5av8pov to 
oirijxoov, xal ^v l^xArip-a T(p ßaoiXsi tj eoai6eta. '0 jxsv o5v j\X^5av- 
8po^, Sts ot^ (ptXooocpo^ Äv, i5s8otx£i to t^; Tüj^r^?, w; lotxsv, a8r|- 
Xov 010 xat irXsioTcov auTip aYYeX.6ivT«)v ucp* Sv soToxT^piaTcov, £cpT|' 
«'^Q Zeo, [iiSov Tt Tol? ct^abou xal 8ooTuyYj}ia». Ootox; eüXa68iT0 tA? 
st; axpov soslta^ dficppovsoTaTa b 'AXi^avSpo;. Ei |iiv oov yeiTviÄoav 
Tal; TpoTcaT? tt^v cpuaiv r^Y^or^oa;, jiTj*' ou itoXü tt^v iceipav oiJ»st 6t- 
^aaxaXov, xal ttj<; Yvioasox; SJei; itpea6uTepa Ta ^aOr^fiaTa* st 8s to- 
<pXo>TTsic ixcüv, jfaXsTTaiTspa; ttjC ttoivt^c iirtTsoSiß , TrXr^jijieXrjpLaTCDV xal 
-/vfüaso); slorrpaTTOfisvo; 8ixa^. 

• 

xy'. afp. AITAXVÜN MIAÜNI. 

Tov (XYpov TOü xovEioü ^xxaOaps' Ta^ eptac y^^P ^Xufi.T(]va> ptsXirrac. 
Mti Tzapzy&y TTpo? OeÄv, irpaYfJ^afa av8pl Ye">pYH^- Oo8ev xr^cpr^voav 

indem er fv<6a6<»; in öLY^^töaeo); verwandelt. Auch Boissonade billigt diese 
CoQJectur, ohne sie jedoch in den Text aufzunehmen. 

, Copernicus hat Yvc»>oe<o<; wörtlich übersetzt, ohne sich darum zu kümmern, 
ob und wefchen Sinn seine üebersetzung giebt. Die Warschauer Herausgeber 
haben das von ihm gewiihlte .^cientiaef^ in ^conscientiae'^ verwandelt. Allein 
diese Conjectur ist durch die Bedeutung von ^vcdoewc nicht gerechtfertigt und 
macht den Gedanken überdies nicht verständlicher. 

Bei Copernicus ist der Schlusssatz des 22. Briefes noch dadurch unver- 
ständlicher geworden, dass er muleta irrthttmlich in der Bedeutung von 
peccatum gebraucht hat. 

41 Die Form dXup.T]N(o scheint Copernicus nicht erkannt zu haben. Er 
übersetzt es durch die 3. Person, unbekümmert d«arum, auf wenn sich dieselbe 
beziehen soll. 



76 I. 8CHBIFTEN VOK COPEBKICUS. 

Cur ita praeter rationem yicinnm molestas. pessime. Nisi a 

« 

malitia hac cessaTcris. immodestiani tnam iannip meis^ inscribam, 
et vicinis iniuriam manifestabo , ut te omnes tanqnam malom 
quodclam abominahile fugiant. 

24. Amatoria. Telesilla Laidi. 

Neque metallici venas anri investiganies , neqae pateomm 
fosBore» aquamm oculos videre quaerentes et abscondita terrae, 
tarn diligenter artem snam exereent, quam ego, qiiae uniyer&am 
pervagata sum ciyitatem, si alicnbi Agesilaum videre licnisset. 
Convivinm enim ipsi fecisse Maenadam Leacippam inteilexi. 
ImpetuoBam flnmen aceessit mihi, et dolor erampentibns tnrgeseit 
lacrimis ; propter quod tragoediae ero mercenaria, non enim orien- 
tem amplius solem videbo. Ita Medea et Phaedra ero crndelior. 



25. Moralis. Sosipater Axiocho. 

Fratrem te nuper sepelivisse ainut, et in planctum inconsola- 
bilem valde molestari. Quomodo te sapientem virum admirer, tarn 
vehementer a passionibus devictum. Somnus quidem est apud nos 
mors vulgaris, consueto quidem longior, sed ad futurum diem bre- 
vissimus. In brevem peregrinationem secesserunt a nobis mortui, 
non in longam separationem. Contentus esto disiunctione unionem 
statim expectans. Ne aflFeeeris animam concupiseentia eorporali; 
cum etiamPlotino videretur quod esset in pudendo corpore : adeocon- 
tristabat philosophum hoc mortale tegmentum. Siste hactenus mihi 
lacrimas; horus tristitiae legem tulit*^. Prüden tia passiones curato. 
Medieus esto tui ipsius ; verbum habes medicinale, sine ira atque 
tristitia oblivionem malorum omnium. Nunquam artifex opus suum 
ex meliori in peius refert. Mortnis mortua linquamus. Magnis 



42 Ueber die wunderliche Uebersetzung der Worte Spou« voj^o^^xei ist 
bereits zum 4. Briete (8. 54 Anm. 8 und S. 55 Anm. iO] gesprochen. 



eEoo^TAAKTor Enirn^AAi. 77 

xaxia^ airoaTai'y]C; ica{i.irov7]p8 ^ ttjv ot^v axoXaoCav toi; ip.aT; liri^pa- 
^ifjLi OupaK, xal Tou ^eiioat Tr|V aSixtav iv8ei6ai{Jtt9 iva oe itavTec 
aioirsp Ti xaxov ooactvTTjTov otico^eoSaivTO. 

x8'. ET. TEAE:i;iAAA AAIAI. 

OuTs '^Xi6a; j^puaou (UToXXoupYol avi/veuovxec, outs ^pecopuj^oi ra 
TTj? 773; &ps6oStcpu>yTs; aizo^pTiza, ocpOaXfAouc oSatcov dvaC*>iToi>vT£; Öea- 
aasdai^ o5tü> icept tt^v iaoTwv eoTToooaxaai T^x^'^i^» ''^ ^T^ "^^ iroXiv 
8axiv8aXa|3i^ov aTraaav, si ttoü tov *AYTjaiXaov r^v [jls 6sa3aa6ai. flo- 
Tov Y«? a^tw 7r£7roiT|Xevat Tr|V piaivaoa AeuxtTnnjv axi^xoa • xal pa^- 
6aio{ 3XT^irro<; T||xiv eveOT^^r^os , xal to iraöo; airapr^Yopr^Ta '^XsYJAatvei 
jjLoi Saxpua. Ato tt^; TpaYtpSia? auvspiöo; laojjLai " oo ^ap avby^ovTa 
Xotirov tJXiov b&ao6\ubai' outü> xal Mr|8eia; xal <I>atopac 'foCspcoTipa 
Y£V"ji5aoji.ai. 



xe . He. iüilPATP02 ASIÜXQ. 

Tov aosXfov evaYjfo? 33 6af{;ai cpaat, xal X(av iiA t^ iraöei otTca- 
prjYopTjTa ooa^opsiv. Kai icwc os fiXooo^ov avopa 6au(jLa9aip.i > iirt 
ToaoüTOv U170 .Tou icaOoo^ uiTspvixcofjLSVov ; uicvo; Yap tu sotlv o irap' 
T^}uv ,i73pi6poXXou)ievoc Oavaxo;^ too }jlsv oovtjOou^ toutou (laxpotspoc, 
irpo( oe rr|V ^XXouaav Tjfiipav ßpa^uraxoc * 87rt (Aixpav arooTijxtav ot 
reiWrjXOTS^ ioraXrjodv. Oux iicl tcoXo toutcov tjjuv o ;(u>piap.o;' xap- 
TspTjoov Tr|V Sta^süEiv • avafxeivov auOi? ttjv Sviooiv. Mtj icaChQc Tt <pi- 
XoawjjLoiTou ^o)ryj? * äitsl xal nXwnvo? äooxst aio^uvofiivcp oTt iv scujjiaTi 
siYj* oüTco; eXüicst TOV (piXoao^ov to ÖvtjTov touto irepiTxrjViov. ilTf|- 
aov jJK)t pixpt TOüTou TO 8axpi>ov • opoü; vo;io6eTsi t^ Xüttto • '^povTjasi 
TO iraÖo; Öspaicsüjov • laTpo; y^^^V^ 3aoT(j> * s^su Xoyov to 9app.axov 

Oüx ix xpetTTovo; tei to x^^P^^ icapaYsi itots o or^jjLioupYo; tÄ iroiTj- 
pLaTa. ToT; Ovr|Toi; Ta OvTjTa xaTaXst'J/cojisv • [AsyaXai? y^P ''tTjXIaiv iv- 
6a6e to ßaaiXixov tt;; ^^y^ii xaTaaTtüSTat, Eym Tr^v '^^i^tav^ 7^ tov 



78 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

enim hie probris \ita^3 praestantissimmn animi opus afficitur. 
Equidein nativitatem niagis quam mortem deflerem. lila enim 
flendi principium est, baec aiitem lacrimarum solutio. Ignorantia 
trepidos nos effieit, et mortem eavemus, iiou quia mala sit, sed 
quia a mortalibus ignoratur. Niillus enim nobis seientiam eins 
retulit, hane protinus aecnsas. Non sis igitur Niobae aemulus, 
ne forte existimeris et tu lapidi humanam tribuisse naturam. 

20. Amatoria. Cecropis Dexicratis. 

Magnetem lapidem ferrum amare aiunt, et tanto magis vivere 
narrant, quanto magis amato eonjungitur. Postquam enim lapis 
eoniuge separatur, continuo moritur, et actione sua destituitnr. 
Huiusmodi sane affeetus, Dexicrates, etiam inanimatis rebus in- 
sunt. Ego autem quid tantojiere affectem praesentia tua derelicta, 
difficilius puto dici^^quam pati. Ita eontristem contristantes me, 
et fiam eupidinis iaeulum seintilla ^"^ marinae spumae aestuosior. 



27. Ruralis. Theristron Spironi^^'. 

Ad Aetnam Siciliae montem diseedimus. valedicentes Atticae. 
Nunquam enim infeliciorem vidi terram ad incrementa fructuum ; 
pro piris myrtos, pro hordeo hederam nobis produxit*'. Proinde 
primis mihi non eretis seminibns nunquam denuo ingratae laxabo 

43 In den Manuskripten, wie in den Ausgaben, findet sich kein Wort, 
welches durch vita hätte wiedergegeben werden können; es scheint dieses 
Wort also nur zur Erklärung hinzugofügt zu sein. Allein es bleibt unklar, 
welchen Sinn durch diese HinzufUgung Copernicus dem Satze hat unterle- 
gen wollen. 

44 Der Grund, weswegen Copernicus cppaoai durch das Passivum Über- 
setzt hat, ist nicht ersichtlich; auch ist kaum anzunehmen, dass Copernicus 
etwa, durch das folgende pati verleitet, dici als Deponens gebraucht habe. 

45 d^po^bioc ist in der Uebersetzung von Copernicus ausgefallen. 

Die Schi uss Worte des Briefes haben den Interpreten viel zu schaffen ge- 
macht und für (^aXdrrifj;, das man mit «pXoYÖ; in keine Beziehung bringen 
konnte, sind verBchiedene Conjekturen vorgeschlagen. Copernicus hat, die 



eEO(PYAAKT()r ElllXTOAAI. 79 

Oavarov piaXXov Saxpoaat|i.i * to (liv ifap Saxpumv OLpxhf '^ ^ "^^^ 
avtwvTcov xataXü^ti;. 'A']fvoia Äeptoset? "5)}*«? airep^aCsTat, xat öavaxov 
suXa6ou{JL£6a, ou}^ oti xaxov, aXX' ort toTc avÖpoiiroK; riYvor^Tai. Oo ^ap 
Tt? TTQV 'yvÄaiv a^T^pY|Tai, TouTou xa-njY^ps^^ irpo^rsipoTaxa. Mr ^ivoto 
70IVUV TJ NtoßTi^^ ecpafjLiXXo^ , tva jit^ ttou oo&q^ xauToc Xt'ftoj n^v av- 
ftpcoTTsfotv cpuaiv a^t6sa&ai. 

X-'. KT. KKKPoS;|2 AESIKPATEI. 

Ttqv fiay^^"''^ Xtttov spav toü aioi^poo <paat, xat touto C^y i3to- 
pooot n^v Xidov, oaov 7(j) lpcü;ji£V(p xat aovsoTiv. 'üirr^vfxa ^ap ''j Xi- 
bo^ Toi> ojioCoYOü y(iüpiCr|Tai, TrapaoTixa vsxpourai xat tt^v eaoTTJc evsp- 
•j'siav aroTiösTai • roiauTat irpoorraDsiai , As^txpaTs; , xat toT; a«{;o/ot^ 
SYYivovTat. 'K^üi os Ti av T:adot|it, 'fiXiaTs, eirt xoaouTov aTToXtp-Tca- 
vofiivij T^^ aTjc svÖTjfita;; ol^xai to cppaaai toü ::ai)sTv /aXsTrwTspov. 
OuTco XoTnQaaifit too; XoTTTjaavTa; xat ßiXo; ysvoijitjV toT; i^moi • 
anvör^p acppootatoc t)aXaTTT|^ 9X070; «pXoYcooisTspo;. 

xC. AFP. eEPlESPüN 2ni:iPüNI. 

'Eirt TTjV ATtvtiV to üixsXixov opo; aTcaipofiev, steovTsc jr^tpetv 
rq Attix^ • o6ir«i>7:oTs y^P ODOToj^eaTSpav y^^ ^p^^ iff(3o3iv xapirÄv 
scupaxafisv * ÄvtJ nopa>v p.u^piva(;7 avTi xptftÄv xirrov Tjfuv airsxüTjas' 
xat 7) aXtt>; Xi^ou fioi irsTrXi^pcoTat. Ata toi touto tcov irpoiTttiv }xot 
jiTTi ix^osvTwv a::sp)jiaTu)v, oix av au6(c t^ aYvoifxovi xaTa6aXXoi{jLt* oi 

wörtliche Bedeutung von cpXö^ verlassend, den Sinn ^er Griechisclien Worte 
wiedergegeben, wofern man annehmen darf, dass Copemicus — wie sonst 
nicht selten wohl in treffender Weise — auch hier den Dativus Umaritme 
spurna^) statt des Ablativus der Yergleichnng gesetzt hat. 

46 In der Originalausgabe der Copernicanischen Uebersetznng ist der 
26. und 27. Brief umgestellt. Diese Umstellung, die sich in keinem Mann- 
skripte und ebensowenig in einer der Ausgaben vorfindet, ist also nur einem 
Versehen zuzuschreiben. In der Warschauer Ausgabe, wie selbstverständlich 
bei Hipler a. a. 0., ist die Copemicanische Reihenfolge beibehalten. 

47 Der Satz xa( t) ^Xo; Xtp.o'j p.01 nezX'/ipoiTat ist von Copemicus nicht 
übersetzt. Die vor diesem Satze in der Mehrzahl der Manuskripte wie Aus- 
gaben stehenden Worte */] oe oiruT] xev^, welche von Copemicus gleichfalls 
nicht übersetzt sind, fehlen auch in der Aidina. 



1 

i 



80 I. SCHRIFTEN VON COPERNICrs. 

terrae. Non potest rusticns famem atqne militem saBtinere hostem, 
neque nautae posBunt contra ventos ae fnlniina bellare. 

2S. Moralis. Heraclides Antistheni. 

Nondum iracnndia mihi descendisti, Antistheues, verum etiam 
difiicilis es nobis et snb speeie mansuetomm verborum tristitiam 
abscondis, tanquam in favilla scintillam i^is eondentes. Exparga 
residnam cordis tristitiam, id enim dostri sermones inbent; alio- 
quin mari etiam saevior eris. Sopit enim id ferocitatem et praebet 
navigantibus hnmannm aspectum, quando oleo placaut procellis 
niminm saeviens. 

29. Ruralis. Lachanon Peganoni. 
Veni ad me cras propter oleum 4^. Introibo enim civitatem 
conviva futurus ^^, carissime, siquidem Nymphis et Pani primitias 
gregis dedicabo. Annuunt tandem nobis Dii; mulctrae mihi laete 
repletae sunt. Oves ubertim pepererunt, tripudiant capellae feli- 
citate admodum exultantes. Cessavimus contra panpertatem mali- 
volam bestiam ac difficilem bellare, quae ulceris instar posses- 
soribtts implicatur. Malum est quod valde familiariter se ingerit, 
secordiam faciens, coutristans, ad tristitiam inexorabile, ad moesti- 
tiam repentinum, insomne, aerumnas amans, laboriosum, seelerum 
inventivum, inglorium, contemptibile, iuvidia carens ; nuUus enim 
vult tali malo obviare, neque si Orestis furore damnatus fuerit. 



48 Einige Manuskripte haben statt der Worte 7:p6i Toii>saiov die Variante 
irpiSc t6 CXeoN oder ^^6 tou Xaou. •— Sämmtliche Ausgaben haben jedoch die 
Lesart npöc To6Xaiov aufgenommen, welche auch der Uobersetzung von Coper- 
nicus zu .Grunde liegt. Die Interpretation dieser Worte ist verschieden aus- 
gefallen. Einigen ist die Bedeutung ganz unverständlich geblieben und hat Ci- 
medoncius sie deshalb auch gar nicht übersetzt. Copernicus hat sich über die 
Schwierigkeiten der Interpretation einfach dadurch hinweggeholfen , dass er 
wörtlich Übersetzt hat, ohne sich um den Sinn zu kümmern. Seine lieber- 
Setzung konnte schon deshalb nicht zutreffend sein, weil er irp«^; nicht richtig 
Übersetzt hat. Die Genfer Uebersetzung hat sich ähnlich, wie Copernicus, 
zu helfen gesucht, indem hier die Griechischen Worte ganz wörtlich über- 



eEOiDYAAKTOT EniSTOAAl. 81 

Sovarat y8<«>PP? ^äI Xijjlov xal otpaTtaynjV ej^eiv iroXifiiov • oüts 8e 
'scXcttTTipsc oioi -zi 8131 iTveofiaaiv a{xa xal xepaovot; avTip.a}(&a&at. 

xV. He. HPAKAEIAH2 ANTlSeENEI. 

Oü7ca> ftot TT; opyr? ixpr^xa;, 'Avtb&svs; ' aXX' In jfaXswaivei; 
■JjjjlTv xal xpüiTTSi; rrv avfav irpoarjVÄv ^TjjjLatcov 7rpo3;(T^}jLaTt, (ooirep oi 
8v alboJCQ a7uiv67]pa ?rupo; rajtisoovTs^. 'ExxaOaps Xoiirov r/i? xapSia^ 
TTjV Xüin)v • TooTO ifap ol TjixSTSpoi Xo^oi irpsaösüovTai • sf 8s jxi^ , xal 
OaXam;; amrjVsaTspo; sotq • xarsuvaCst '{if £xs(v7) 7o Sypiov xal luap- 
iyziai ToT? irXwxrjpaiv o^tv cpiXavÖpwTrov , oTtr^vixa rip IXaicp cpiXocppo- 
voüvrai aYav tou xufxaai x^XsTcatvooaav. 

x6'. AFP. AAXANQN OHrANÖNI. 

'^Hxs jjLOi Tcpoc TOüXatov aupiov • iv07|fj.7^aat{xi yotp too aorso? xal 
8atTU(jLtt>v sao{iat, cptXtats. Ntjxcpai; y^^P ""^^'^ "^^ Ua^l ra? airap;(a; 
TOO iroijivtoü avaOxjxaijjLi • sovooooi ^ap 7)[xTv o']^e ttots oi Ösot. Ta 
xia3u6ia irsTrXTjpcoTat [xot toü YaXaxTO? * at apvs; süyovco? TSToxaat ' 
-srsptaxipTwaiv at al^e;, strl raT; suTuxiau «STirsp 7r|6o|i£vaf ics7rai>}jLe&a 
irsvia ^.a}^o(xsvoi SuovouÖsTTTcp ÖTjpicp xal 3i)3xoX<p' Sixr^v SXxou; rot? 
xexTTjfiivoi; ejiirXixsraf <piXoaüvrj6i; sori xaxov, pa6ü|xo7roiov, xarr^^pec, 
Tcpo? XüTCTjv aTrapTjYOpTjTov , irpog aviav o5of»po7rov , aYpoTuvov , cpiXofii- 
pijivov, e7rt[Aoj(0ov, xaxcuv scpsupsttxov , aSoEov , süxaracppdvr^Tov , avs- 
TticpÖovov • oü Yap Ti; eÖsXsi ttjXixoütw xaxoj aovavTav , ooo' si rr^v 
'OpioTOD jiavtav vojsTv xaTaxpi6e{rj. 'Pi^J/avis; toivov ta tt^? irsvia^ 



tragen sind : ^vefii mihi eras ad oleum^. Boissonacle billigt diese Uebersctzung 
„quae, si iion est nitida, est saUein ßdeli^'. Er fügt erklärend hinzu ,,Graeüi 
praesertim Attici a rebus nominahatit loca, übi res venibant et uhi venditares 
stabant* also „reni ad me mane ad illam fori partein, uhi oleum prostat renale 
in mensis^. 

49 Die Uebersetzung der Worte oaiTUfAtbv laofiai durch conviva ftäurus 
passt hier nicht. Cimedoncius übersetzt richtig „convivium praebebo'', obgleich 
freilich oaiTUfAtdv in der Bedeutung von .,Ga8tgeber'^ kaum zulässig ist. Viel- 
leicht ist übrigens hier die richtige Lesart loo [xot: dann ist, ohne die ge- 
wöhnliche Bedeutung von ^ociTupicdv zu ändern, der erforderliche Sinn der 
Stelle vorhanden. 

u. e 



82 I. SCHRIFTEN VON COPERNICÜS. 

Kelinquentes igitnr paupertatem panpertati in aliam sortem con- 
crtitaemur, cum animo etiam audaciam commutantes. 

30. Amatoria. . Rhodina Calliopae. 

Amatores mihi detrahis meqne passim cavillaris, continentiam 
mihi relaxatam fuisse virescentiam corporis defraudanti. Tu vero 
facinuB taum occultum esse pntas. Immaturos enim partus evellis, 
o scelesta, et abortas fecisti, vivos conceptus in utero tuo acntis 
pharmacis snflfocans, et affncana^ Medea nefandiores perpe- 
travisti caedes. lUam enim ad pueri necem perfidum coniugium 
induxit laudabilem certaminum commilitonem. Tu vero propter 
pulchritudinis speciem infinitas calamitates operaris meretricula. 
Desine tandem inhnmanitatem tuam occultare nostramque pieta- 
tem defraudare, abortn humanior apud me partus est. Te autem 
scire volo, terram etiam a te offensam esse^ et pueri necati poenas 
non segniter a te exacturam. 



31. Moralis. Hephaestion Thaleti. 

Operosa^^ avis pavo industriarum avium spectabilitatem sor- 
titus est, magnum quid in pulcbritudine sentiens, quo etiam pul- 
chritudinem ipsam superare videtur*^^. Plumas igitur ut comam 
erigit, et spectabilem aspicientibus pulchritudinem praebet, circula- 



50 Was Copemicns sich bei der Uebersetznng von 9 ovcxf); durch ./iffricanä' 
gedacht hat, ist schwer zu errathen. Deshalb ist auch die Schreibnng der 
Original-Ausgabe ganz genau beibehalten, obgleich die Veränderung des ganz 
unverständlichen „offriearu;^ in Afrieanay welche die Warschauer Herausgeber 
vorgenommen haben, recht annehmbar erscheint; Copemicus kann nämlich 
sicher wohl ^oivixfj; = ^otvtxtx-9ic statt tpovix-Tic gelesen haben. Es bleibt dann 
freilich immer noch unerklärlich, wie Copemicus die Medea zur Phönizierin, 
oder Afrikanerin machen konnte. 

51 In der Aldina sind, wie bereits hervorgehoben ist, die Eigennamen 
nicht mit grossen Anfangsbuchstaben geschrieben. Dadurch allein wird es 
erklärlich, dass Copemicus, an die Abstammung des Pfau aus Asien nicht 
denkend, Mi](t«öv und Mi^fiew mit piif)fiotAat in Beziehung gebracht und durch 
operosus, itidustrius übersetzt hat. An dieser Etymologie hat Copemicus 



eEOa>YAAKTOr EnilTOAAl. 83 

xec xal To <pp6vY2fj.a. 

X'. ET. POAINH KAAAIOnH. 

'Eirl TÄv epaarmv Btaoupeic xal oxwiCTei^ T|}i.a? to xal t6, x£}^ao- 
v«»(36a( ^01 TO 9UVT0V0V xal - ocppi^cov Too (3tt>)jLaT0(; SiaTcaiCouaa * 9U Ss 
rr^ ay|V wavoopYiav xexpucpOai Soxsi^. 'ATsA.so<popTjTa yttp tÄ xoocpo- 
poofievK OLitorKOL^y CO 7rot(i,|i(ap8, xal tol^ a}i6X(ü9sic >] tou; toxstou^ 
atpsTompac itsTrotTjoai, öpijjLOTepoK; cpapjiaxot^ tÄ CwoyovoujjLsva 4v tJ 
a^ IfaaTpt irsptTrviYoooa ' xal tT|<; ^povtx^? MsSs(a; ain^vsiTripoo? aitsp- 
yaC'^j TOO? cpovou;. FlatSoxTovov ixe(v7jv e8(8aaxev aYVoipwov ofioCoyo; 
TQV alvsTi^v xai täv aYo>v(ov nr^v aofifiaj^ov * ao 5e 8ta n^v toü xaX- 
XoiK euirpeiceiav fxupta;; aupupopa? afuspYaC'ij, iropvtotov. Tlausai Srjxa 
TT^v OTQV airav6pii)ic(av xaXoirroaoa , xal ttjV YjjxsTepav s63i68iav 8ta- 
icafCooaa. <I>tXavfJp«moTepov wap* tjjuv o toxsto(; tt^(; a{i6X<03Ett);. 
^loHi 8e xal y^v iirl aol ^^aXsiraivooaav xal itaiSoxTovia; iroivac ou ^a- 
Oofiouoav e!oirpaTTea6ai. 

Xa. He. H<DAI2T1QN eAAHTl. 

To Mtjoixov opveov o Taci? xal täv MrScov n^v oirspoijifav X8xXr|- 
po>Tai, [ti-^a Ti xal uiripoYxov im T<}i xaXXsi <ppov(ov. Tootod xal Tr^^ 
6rXeiav TjTTooÖat Soxel. To Tcrspov TotYapotiv oia 8-:^ xofjir^v avioTTiat 
xal icepupavioraTov ti toi? opÄoi xaXXo? Trapej^sTai, xal xoxXixov 



festgehalten, ungeachtet er sich doch hat Gewalt anthun müssen, wenn er 
den Pfau einen hervorragend arbeitsamen Vogel nannte. 

52 Die Worte to6tou xoel t-^v Ä7)Xetav T)TTäoOai ooxct sind verschieden ge- 
deutet und übersetzt worden. Cimedoncius : .,i>i qua re tarnen modestior videtur 
eMe pavo foeiniha ;" Die Genfer Uebersetzung : „ea re etiam foemina inferior 
esse videtur;" Boissonade endlich giebt folgende Interpretation: ,^a pitlchritu- 
dine foetninam etiam victam ac captain cedere atnori videtur." 

Ganz abweichend von diesen Erklärungsversuchen ist die Copernicanische 
Uebersetzung, bei welcher sich wohl ein Versehen eingeschlichen hat, sei 
0B ein Schreib- oder Druckfehler. Denn es scheint doch kaum glaublich, 
dasB Copemicus xjp xdtXXct und tt^v ^HjXetav durch ein und dasselbe Wort 
(pulehritudinetnj wiedergegeben haben sollte. 

6» 



84 1. SCHRIFTEN VON COPEBNICUS. 

remque efficiens 'figuram coelestem imitatur ornatum, et pennaram 
oculis Btellarnm texturam effingit. Et haec quidem indastriamm 
avium est consuetudo bona cupientium. Non enim invident pro- 
dentes ornamentiim snnm pictoribns. Tu vero tuis resides litteris 
et virtates tuas abscondiB, et labores immanifeBtos dimittis, tanta 
utilitate noB privatos despiciens. Si igitur aliqua sit invidia in 
contristando nos, irrationabiÜB est conatos, et promissioni toae 
longe alienuB. Si vero pigritia causa morae fuit, tune viro rustieo 
comparatus es, qui multos Budores terrae mutuavit et in aestatis 
vigore non coUigit spicas. 

32. Ruralis. Poas Ampelio. 

Age consonantiam vetulam^^ plangemus ; fluvius exultavit mala 
nobis petulantia Ifixurians, totum agrum diluit/ et novellas vitium 
plantationes terribiliter Bubmersit. Sed maior in hoc infelicitas 
est, quod non vult infaustus hinc recedere. Desiderat enim in 
agro morari et de agro meo alveum fecit, fletu dignum videtur. 
Pro vitibus pisces seremus, miseri. Quando fluvius voluerit, vena- 
bimur; quando voluerit , fame afficiemur, et magnum quoddam 
mihi donum concessisse videtur. Utiu^km aestate minime nubibus 
supplicaremus imbrem squalentibus nobis concedi. Ita enim, quae 
possidemus, nunquam perderemus, nam fluvius secundum se ipsum 
molestns est. 8i vero etiam pluviae abundaverint, igne sunt 
immodestiores, et fremitus uulla moderantia coSrcet. 

33. Amatoria. Galatea Thetidi. 

Laudo prudendam tuam, et expertissimam approbo, quasi 
enim ex tripode quodam Pythico futura mihi narrasti. Et lynce 
acutius profunda ac abdita considerasti. Callimachus nos dereli- 
quit ; evolavit elevatus acutissimis fastidii pennis, fugit nös pessi- 
mus, et satietas desiderii dux ipsi factus est. Tu plemmque 

53 Die Aldina hat ^epövriov nicht, wie die Übrigen Ausgaben, durch das 
vorgesetzte tu als Vocativ bezeichnet; ebenso wenig war diese Deminutivform 



BEWTAAKTOY EniSTOAAI. 85 

oicepYaCeTai oyr^\L'x , xal tov oupaviov sf/oviCetat xoojiov , xal toT? 
ocpOoLXfioT«; TOü «repoü tT|V täv aorpcöv 8iaxo3)Jir^3iv avaTcXarreTat. Kai 
TOOTO jiev MrjStxÄv Äpvemv ^80? (piXoxaXov ou y^^P ßaoxatvouat tt^v 
iauteov eoxoa)ji(av CcoYpa^oo^ 8i8aaxoVTe?' ao 88 toi? 00t? ^?^^'!2 ^Joy- 
Ypapifiaat, xal ta; aa; apsxa? 4YxaXüirceic, xal toü<; itovoo«; av£ffi6e(- 
XTOo? ea?, TTjXixao'Hi? cocpeXeta? Tjjxa«; x'')P®^o^'^°^^ irapopÄv. Et fxsv 
oüv ßaaxavta Tic eoTiv ojjLac to Xüicoov, acpiXoaocpov to i^c/zipriiia xal 
TT|? oTjC iT:a'^^E)da^ aXXcTptov • ei 6e oxvo? tt^v avaSoXr^v Ta|xteu£Tai, 
TaoTov Ti ffiitov^a? av8pl y^^^PY^P itoXXou^; toü; iSpÄTa;; 8e8aveixoTi 
T^ Y^ > ^*'^ 6epoo? ^^P*^ .H*^ 8peirofjLiv(|) tou? aTajjua?. 

X6'. AFP. nOA2 AMHEAIQ. 

Asupo EüvauXiav y^P^VTiov xXauaco^v. iroTafto; aveoxtprr^a« 
xal xaxov r^jiTv (opj^Tj^aTo axipTTj[xa * oXov tov aypov eirexXo^aTo xal tÄ 
veoY^va täv ajiTreXcov ^oÖepo? eTueCüÖiae. To os jxeiCov 8i>3Tu}fTjfia, 
oox eOeXei (xiapo; täv ivTSüöev airaipeiv, i|i<piXo;(u)peT yap tcp -^rfiltp 
xal xoiTTjV TOV i^pov Treiro(7]Tat tov 7;{iiTepov. Kai 8axpua>v a?tov 
ioTiv {8eTv ävtI y*P «j^-toXcov toü? ?j^Öoa? Y^^^PT^^H'^'' °^ TaXave;. 
"OTav TTOTajioi; sÖeXiQ , ÄyP'^^J^^^ ' ^'^^tv sO^Xt) , Xi}jicotto[jl£v * xal 
jjiYtt Ti {lot 8Äpov cpiXoTtfxetaÖai 8oxei. Ei'Oe t(p Öepei Ta; vscpeXa; 
(i7]8a]jic5? txsTeoop^v o(i6pov TjjiIv auj^jiÄat ;(apiCea6at • oGto) y^P «Tcep 
xexTT)jie6a oux äv a^iQpijfteOa. noTafio<; y'^'^P aito«; xaö' eauTov 
e7ca}(6r|C' ei 8e xal o|Ji6poi<; TüXoürrjaaicV, too Trupo; saTiv axpaTeaTepo; 
xal piTpoi? ou '/akivoi xd ^ppuaYlAata. 

Xy'. et. TAAATEIA OETIAI. 

'ETcatvo) 300 TTjV '^povTjaiv, xal to Xtav ejiirsipoTaTov aYajiai* 
mairep y^P ^* Tptitooo; IloOtxou Ta jiiXXovTa otTjY>]a«> [xoi xal tou 
AoYxem? oEoTepov tÄ ßaOoTspa ts xal acpavf^ täv 7tpaY|J.aT(üv saxdirr^- 
oa?. ' KaXXtjia/o? T/P-a? xaTaXeXoiTisv • aTziizTr^ jieTecopiCojxsvo; o^o- 

TaT(p TW Too xopoo TTcepcp * i8pa7riTE03£v yjjiok; 7ra[i[jiiapo; , xal y^" 

. ' 

in die damaligen Lexika anfgenommen. Sonach dürfte es wohl zu ent- 
schuldigen sein, wenn Copernicus ^ep^vTiov mit ^jsarjkias verbunden hat. 



86 I. SCHBIFTEN VON OOPEKNICUS. 

mc admonuisti : iuramentis ne crcdideriB Galatca, amanti nihil 
inramentis promptius est. Ämantes euim invenes volaptatibas 
incbriantar, et privantnr recto consiiio, et agunt et loquuntar, 
quidqaid iusserint capidines. Non enim compos habent negotiorum 
snorum desiderium. Ineredulitas fide securior est, et ad deeep- 
tionem iuramentum Bophista est fide dignissimus. 

3t. Moralis. Themistocles Chrysippo. 

Ex quo sapientia etiam in fabnlis celebratur^ agediim Chry- 
flippe, narrabo tibi fabulam non inhonestam. Proficiscebantur 
olim ad lovem aves, et Olympium praeficiebant *^ ducem. Con- 
tristabat enim aves carentia prineipatus, et magno qnodam bono 
praefeetura earebant, propter qnod multam habebant confn8ionem. 
Innnit igitur lupiter, et eonsultnm opus fnit, deditque supplicantibus 
magnum donum, regalis videlieet dignitatis postalationem. Man- 
davit itaque avibns in stagna ae fontes proficisei et sordes suas 
ablnere, ut principatus approbationem aquis eonfideret. Erat enim 
eminentia pulchritudinis apnd lovem praeferenda. Lavabantur 
ergo aves, postea ad lovem denuo revertuntur, et sunm quaeqne 
ornatnm ostendebat. Pica vero propriam deformitatem eavens 
naturae artificinm defraudavit, alieno omatu suam exomans inde- 
centiam^^. Sed deprehendit turpitudinem noctna et fictum oma- 
tum manifestavit ; cognoscens enim propriam pennam ut propriam 
abstulit et caeteris avibus exemplum dedit, ut quaeque propriam 
auferret. Et facta est denuo pica pica. Haec fabula, Ghrysippe, 
veritatem admodum proclamat magnam nobis sapientiam disserens. 
Ita enim mortales nihil hie possidemus proprium. Sed viventes 
quidem ad modicum tempus, ficto privabimur ornatu. Mortui enim 
privabimur bis, quae nostra non sunt. Contemne igitur divitias 



54 Die Uebersetzung von i7:peoße6ovTo durch praeficiebatU ist ganz nnver- 
stündlich. Auch die folgenden Worte r^arentia principatus" dürften ohne den 
Griechischen Text schwerlich verstanden werden. 

55 Copemicus weicht hier von der Aldina ab, welche die, dem Sinne 



BEIHDTAAK'J'DY EniiTOAAI. 87 

Yovev xopo; aircj) Tr|<; eitiOofiia; 7rp£36üTspo?. i^o M jxoi iraprjvsi; 
itoXXa • «''Opxot? (iTj TTsftoü, FaXarsia * opxcov toIj; epd>3tv ooöiv eanv 
cojrspe^Tspov ». 'KpcoTixcDV ^ap Ol veoi [isOoovTe; tjSovcov xai to xaXcb; 
«fpaipoüVTai ßoaXsosaOai, xat Trparcooat xat cpOeYYovtat 03a voji-oOsroi)- 
aiv Ol EpfüTS? • oü Y^^p aüToxtvT|Tov ejfooai täv TcpayjjLaTwv tyjv e^eoiv 
aTTiTTta irbrsa>? eoixsv aacpaXearepov, xai irpo? airatr^v opxo? aocpiarrj; 
eanv aSio](p8(u^. 

X5'. H«. eEiMirroK vHv xprsiiiiiß. 

I 

'ETieiOTj 3tt)',ppooüvr^ xai irapa x^ jiü6(|) T£TijAT|Tai, ays ©Va, 
XpoowcTre, 5iajii>0Q^^OYT]a(i>[xai aot {JiuOov oox aaejjLVov. 

ilcpixovTo iroTc irpo? tov Aia ta opvsa xai *OA.Ujxiriov eTrpeaßeüovTo 
T|Y£ftova • r^v Y^ip avap^ia toü; opviOa? to Xuttouv , xat jASYiaroo tivo? 
aYaÖou, f^Ysp-ovia;, iyrfisoov, xai t^oXXtjV 8ia toüto ttjV axoaftiav exi- 
xTr^v-o. 'Eirevsoas toivov Zso;, xai y^T^^^^ epYOV to ßou^fia, xai 
ocopsiTai 8(upov T0I9 IxsTsuoooi 6au(jLaaTov * ßaatXeo)^ y^P ^C* a(tu)}jLa 
TO oi8o}jLsvov. npoosTaTTe 8fjTa toT? opveaiv im Xt^Jivac xai irriY«? 
oi^ixia^ai xai tov &auT(ov a7coa[jLr]Eaa6ai f)ü7cov, xai toT; u8aoi ttjV ßa- 
oavov TT|C rjYep.ovta< SKioTsuasv ■ -^v y^P eo^peTueia irapa Ttp Au to ti- 
{jLiofjievov. 'EAooaavTO 8r^Ta oi opvt6e(;. EiTa irpo? tov Ata iraXiv8po- 
{jLOuaiv euOo;, xai tiqv iaoToo SxaoTo; eoicpsTrsiav IvsSsixvoxo. '0 8e 
xoXoio^ TT|V oixsiav oe8ia)<; ajiopcptav, t/^v t>jc cpussco^ OTjjjLioopYtav 4vo- 
OsuaEv, aXXoTpicp x69{A({> TTjV ÄaoTou xaX^«ü7riCo>v suTipeTreiav. 'AXX* 
:^XsyIs ttjV ajiopcpiav 7] y^^'^^» ^*'^ "^^"^ ixcteXaoTov xoajxov e88txvüS' 
TO YO^P ot^etov eTciYVouaa itTspov, ox; r8tov acpsiXeTo , xai toT<; aXXoi; 
opvsoi«; e8i6oo icapa8£iY|JLa fxaoTov acpaip£lo6ai to loiov. Kai "^i^o^e^ 
aiiÖi; b xoXoio^ xoXoio^. 

*0 jjLüÖo? oüTo?, Xpü3iW7r£, TT^v aXTjÖ£iav xa6a77£p uirap (fbi^'^eiaiy 
iroXXTQV acücppootJvT^v rjjuv 8tr^Y®^f^^^^- OuTcp y^P "^^^ ^^ av6po)iroi oo- 

8£V TÄV T^8£ X£XTT){X£6a iSlOV ÄXXÄ C«)VT£C JlfiV Ttpo^ oXi'yOV ETTl- 

TcXaaTfp a8{jivuvofi£6a xo9}i.q) * t£6vT|X0T£; 8£ i(fiQpr^ii&ba airsp oux £9tiv 



widerstrebende, Lesart vjr.pizaas aufgenommen hat, während CopemieuB 
ditpiiutav übersetzt hat. 



88 I. SCHRIFTEN VON COPEttNICüS. 



I 



et corpus, sed rei immortalis curam habeto animae; haec enim 
aeterna et immortalis, illa vero mortalia et ad modicum nostra 
sunt. 

35. Raralis. Myronides Moschioni. 

Aratorem bovem Cicaniae ^ concessi ; non enim habebat alte- 
rum iugo comparem. . Promisit autem et ipse Cicanias taarum 
suum mihi daturum; bove enim carebam et ego. Nam optima» 
mihi tauras perierat, dum saeva illa pestis inesset pascais. lUe 
autem bonus Cicanias pacta fregit, et, donec intentio eius profi- 
ceret, amare opinioiies ^'^ videbatur. Ego autein tyrannicam illius 
sentinam^^ lugeo. Non enim^» aratores boves habeo, sed ara- 
torum tempus etiamnum praeteriit. Tribunal igitur adversns 
Gicaniam armabo, et iudices praeficiam Universum praedium, et 
deceptionis illius sustinebit sententiam ^<) ; et immodestos admonebo, 
ut a malitia abstineant, unins hominis destructionem^^^ modestiae 
praeceptorem habentes. 

36. Ämatoria. Erasmius Lysistrato. 
Deludunt homines Amores, et sub luna degentes in servi- 



5ü Die Manuskripte, wie Bämmtliche Ausgaben, lesen Tuxav(a<;. Die Ab- 
weichung der Copernicanischen Uebersetzung kann wohl kaum aus einem 
Schreib- oder Druckfehler entstanden sein, weil dieselbe Schreibung des 
Namens noch dreimal wiederkehrt. 

57 Td Bö^avTa kann hier nicht heissen : y^das gtd Scheinendtf*^ sondern „das 
Beschlosaent^'. Die Warschauer Herausgeber haben deshalb, um die Stelle 
verständlich zu machen, opiniones geradezu in condüiones verändert. 

58 Die Original- Ausgabe der Copernicanischen Uebersetzung giebt senien- 
tiam, welches auch die Warschauer Herausgeber unverändert übernommen 
haben. Dies ist jedoch ein augenscheinlicher Druckfehler, da (xvtXt] eben 
sentina bedeutet. Auch die Genfer Uebersetzung hat dieselben Worte wie 
Copemicus für tt|V xöpawov avxXtjv gebraucht. 

Was Theophylactus mit diesen Worten hat sagen wollen, ist freilich 
schwer zu bestimmen. Eine Variante findet sich in keinem Manuskripte. 
Die Interpreten haben deshalb versuchen müssen die Worte zu deuten. 
Ciinedoncius übersetzt sie durch tyrannictim cimt<igium. Boissonade verwirft 
diese wie die andern Uebersetzungen , ohne etwas Besseres an die Stelle 



eEO<DTAAKTür EI112TÜAAI. 89 

Tj^ieispa. 'Ticepopa toivüv jfpTjjiaTcov xat oo>[xaTo;, aÖavaroo 6e irpcty- 

OvTjxa xal irpo? oXfyov eorlv Y]|jiTepa. 

Xe'. AFP. MYPÖNIAH2 M02XIQNI. 

Tov apoTTjpa ßoöv xej(pT/xa t^) Toxavia* oo ^ap TjV autcp toü 
Ceoyoü«; to Sxepov. '£10)^72 t^«To 8s xai TuxavCac tov eautoo [loi 
raopov irapaa}(e36ai * ßoo; ifap äXeiTrojir^v xaYu'. '0 ^otp ÖaüjJLaGTo? jioi 
rabpo^ airoXcoXev, cwcoTe j^aXeiro? dxstvo^ Xoi)xo^ toT? Opefxfxaaiv eveSi^- 
(iTjaev. ' 8a xaXo(; Toxavia; xa? oovÖTjxa«; 8ieXüoe • xalj K^XP-^ ^"^^^ 
h oxoiroc auxcj) 8trjVueTo, ax^p^etv e86xei xa 6o5avxa. 'Eyco 6e xr^v 
xüpavvov avxXT|V ÖpTjvÄ • oo yap apoxTjpa? ßoa; xexx7j(jLs6a , 8e xai- 
p6? xcDV aporptüv tjStj ttou xat Trapepx^jxe. Aixaaxr^piov xofvuv x<p To- 
xaviq^ 07cX(ao[i.at, xat 8txaaxa? aTcav to ympio"^ 7rpo(3Xijao[jLat. Kai xf^*; 
aicaxi)^ ixEivrjc; 8txa^ ucpe^Tai * xal xaxia^ irEtaofx&v touc axoXaaTou^ 
aic^X^^^^' ^^^^ avOpoiiroo cp6opav ocüfpoouvT)^ 8i8a9xaXov e^oyTe^. 

kn'. ET. EPA2\U02 Ar2I2TPATß. 

riaiCooai too^ av6pa>iroo(; ot EpooTS^ xal 8ouXaYa>You(3i too( oico 



setzen zu können. „Quid sit nunc avcXr^, so lauten seine Worte, non divino, 
nee correctio probahilis succurrit. Ceterum si graeca latine mihi forent vertenda, 
non vertissem, ttt Kitnedoncius, nee ut Genevensis, sed si non verius, saltetn non 
absurde y^yrannicuni multorum exantlandorum laborum onus,"*' 

59 In der Original - Ausgabe folgt auf die Worte non enim noch inquit, 
welches auch die Warschauer Ajusgabe übernommen hat, obwohl dasselbe 
den Satz ganz unverständlich macht. Die Vergleichung mit dem Griechischen 
Texte ergiebt Übrigens, dass sich dort kein Wort findet, welches zur Ein- 
schiebung des inquit berechtigen könnte. Es ist dasselbe deshalb in dem 
vorstehenden Texte weggelassen worden. 

60 Sententiam — sustinebit eine ungewöhnliche Wortverbindung in engerer 
Anlehnung an die Griechischen Worte gebildet. Cimedoncius wählt eine uns 
geläufigere Uebersetzung „poenas subibit\ 

61 Die Original- Ausgabe hat destmctione, welches die Warschauer Heraus- 
geber beibehalten haben. Die Vergleichung mit dem Griechischen Texte er- 
giebt jedoch unzweifelhaft, dass der Buchstabe m am Ende des Wortes durch 
ein Versehen ausgefallen ist. 



9<l I. SCHRIFTKX VON C:OPEUNICT\S. 

tatcm redigunt pueri alati, at quid etiam pictoribas crcdamus. 
Mtinam hostcm ip8um videre liceret! Ita enim iaculantcs sagit- 
tarcntnr et ipsi Cupidincs. 8ed hoc ipso majore afficimar iniuria, 
qaod etiam inimicos ignoramus, qaales Beeundum naturam sint. 
HoiuBmodi gane improvisa passione impliciti samns. Melanippen 
a Diodi/ro ortam plane desidero, neqoe somniara nnqnam mulieris 

r 

contemplatns , sed golum, qnae ab aliquo andiverim, placere'^^ 
eam mirabiliter ; et valneratas sum animo, nullam ab oculis iniu- 
riam paftgpß, quam pati consueverunt*^^^ Lysistrate. Nunc antcm 
facti sunt mihi oculi etiam aures, tanta Cupidinum vis potnit. 
Sive igitur erynnis sit***, sive phantasia quaedam: quod de his 
dicitur, non scio, neque enim unus ad veritatem fide dignus 
tcstis extat. Doleo tamen animo, et non amatam^^ amo. Et 
repentina turbatione praeventum me esse video^ amatum illud 
non fuit) et sola opinio habebat visum essentiam. 

37, Moralis. Eufiades Cimoni. 

Promittis multa et panca facis, linguam habes eminentiorem 
operibus. Si vero jactantia verborum apud te reputatur, pictores 
lingua tua sunt potentiores, talia fingentes tabulis, qualia faeere 
natura «non potest. Si vero gaudere pntas auditores promissioni- 
bus, ad modicnm quidem laetifieas, contristas autem postea tanto 
gravius; quoniam etiam optima somnia non tantum laetificant nos 
dormientes, quantnm evigilantes contristant: spes enim tota cum 
ßomno abluitur. Convcnicntia igitur linguae tuae adhibeto, ne 



02 Für q[&etv findet sich in keinem Manuskripte eine Variante. £s ist 
also nur anzunehmen , dass Copemicus a^eiv mit dvodvew (aSetv, doeiv) ver- 
wechselt habe. 

03 Die Lesart der Aldina eididetv (die andern Varianten sind et$)e oder 
ctoiHa ndoyctv), welche auch dem Copemicus vorgelegen haben muss, hat ihn 
XU dem Irrthum geführt, in dieser Verbalform eine 3. Person Pluralis zu 
erblicken. 

04 Die Worte der Aldina tV^v Oeopiav ifimxa hat Copemicus nicht Über- 
setzt. Sie sind allerdings etwas unverständlich. Cimedoncius übersetzt . .,An 
igitur insania quaedam sit in hoc conimento, ignoravi hactenus."* 



eEO<I>TAAKTOT Efll^TOAAI. 91 

cieXT|Vr|V TralSs^ oTCoirrspoi^ iva ti xat tou CoDYpa^ou iretOoffisÖa. EiOe 
YÄp T^v Tov 7toXe(iiov opav ! oütco yap ßdfXXovte^ e6aXXovTo xal ol Epco- 
T8i. 'AXX' aoTo TOüTo i^Sixr^fieÖa TtXiov, oti xal toü? djfOpoo« ^iT^^^i" 
xa{i£v oiroTot n!jv «pooiv ovre; tüyx<*v<>^^i^- 0^^ t^9 aXo^wTcp 7ra6si 
aofiiceicXeYfjLOii ! MeXavtinnjv AioSmpou . airoyovov ixToicax; ico6a»^ [»rfik 
ovap icote to yiivaiov Oeaacüfisvoc^ aXXa fiovov axouoa^ ono tivoc q:Seiv 
aüTT|V 6ao|iaoT(ik • xal ß^6X72(tai ttIjv «po^T^v , pii^Sev ex täv 6<pOaX{jLcov 
aStxoojievoc, oicep efcoftstv icao;(eiv, AoaicrrpaTe" vov Si y^T^^*^^ P^^ 
6<p&aXfiol xal ta cota. Toaaura iq epootc 'Epcorcov Se6oviQTai. Eire ouv 
'EpivvtJ? satt T1QV 6eo>piav rj^vor^xa, site cpavxaofa ti? iori xo Xe^Oev, 
oüx jTciorajiai* oo yap si« jiapxu? aSio/pso)^ irpo? aXi^Oeiav. AX^w 8s 
0{AciK n^v ^ü^^v, xal ttj; oo/ opcojASVYji; epÄ, xal Ilavix^? jieTeiXr^cpe- 
vai jtavia<; Sox«5. Kaxeivo aösatov ^v xo icoOotifievov xal Soxr^ai? iiovy; 
TÄv itoÖoojiivov 8t)f£ XT|V SirapSiv, 



XC. He. ETPIAAHS KIMßNl. 

'EiraYY^XX'jQ TroXXa, xal itpaxxei? oXi^a, xal xt^v y^^tx«^ ex^t? 
o^^Xoxepav xr^^ icpa^eco^. 'AXX' et |jev [>Y)}xaxa>v xopttJ/oxY)^ xeOaofiaoxai 
irapa aol ot, Ctoifpoicpot x^c o^c SovaxoJxepoi ^XoixxTj; , xooaoxa icXa- 
oxoupYouvxe^ xou ntvaEtv ooa irpaxxeiv t) 9001c ou Suvaxai* ei 8e xal 
^atpeiv Soxei^ uitoo}(^o8oi xoo< axouovxac^ ptex oXt^ov piev eo^patvei^, 
avi^C 8e fiEx' 00 iroXo }(aXeica>xepoVj iirel xal xd>v ivoTcvicov xa xaX- 
Xioxa 00 xooouxov 7j}xa( 80<ppatV8i xaOeoSovxa^^ ooov i'^p7(^op6Ta<; eXu- 
mQoav* al y^P iXiriSec }iiexa xou ottvoo aovkvdcxavxai. Zofi^cova 87] 
Tj IfXayrxTB xa irpaYf^axa xixxTjoo^ tva [aiq xal 91X01? aire^ÖT^o^ tj/eu8o- 



Die Stelle scheint verderbt zu sein. Boissonade fand in Cod. A : ßpivöc 
im Ti7|N %ia^ und fügt der Mittheilung dieser Variante hinzu : „Videtur fuisse 
'RpiN>>6( scriptum ab emendatore pro vera lectione, quae latet in nomine 
ßpfvöc. An <l>p6vT)? Utrum referat mdtu Phrynen illani xgnoro,^ 

65 amatam giebt keinen Sinn. Diese Uebersetzung ist sicherlich durch 
Uebereilung entstanden; Gopernicus hat statt 6piD(jiiv7)< gelesen: 'epo)p.£v72c. 
Die Warschauer Herausgeber Übersetzen richtig nach dem Griechischen Texte 
niewiäzian^f haben jedoch amatam bei Gopernicus nicht verändert. 



92 I. SCHRIFTEN VON COPBRNICÜS. 

amicis odio habearis mendax et inimiciB materiam vitüperii 
praebeas tanqnam veritatis expers. 

38. Raralis. Tettigon Ortygoni. 

Cur tandem, o miser, vestem detraxisti et perdices emisisti**? 
Vinnm tibi malnm fnit ; vino etiam Cyclopis ocuhim emisse ainnt 
Ulyssem. Ideoque nisi gallinas collegeris, tecum praeeipitabo me 
ipsum ; pnernm enim scelestnm vivere res est dißicilis. Si antem 
filius ante patrem sepalcram sibi vßndicet, intolerabile magis est. 



39. Amatoria. Thetis Anaxarcho. 

Non potes Thetidem simul et Galateam amare; non enim 
certant desideria^^. Nam Amor non partitar^^, sed neque dnplicem 
induces amorem. Sicnt enim terra duobns solibus vegetari non 
potest» ita ana anima dnas flammas amatorias non tolerat. 



40. Moralis. Socrates Piatoni. 



)n 



Ininria qnidem nnllus afficitar, sed qnisqne nitro sibiy> ininriam 
infert. Yirtntis enim et vitiorum imperatores snmns. Agrnm 
tnum Philonides abstraxit; id qnidem extra te est, et animum 
tnum neqnicquam eontristavit. Damnum intnlit Philippus et an- 
nnlnm sibi appropriavit; nullam ipse iniuriam passus es. Qnod 
enim possidemns, nostrum non est. Filiam tunm abduxernnt 
barbari; nihil grave passus es. Non enim aeternum puerum 
habuisti; nnper tibi non habenti agnatns est, et iterum non est 
tuns, cum non sit, sed fnit. Itaque iniuriantur qnidem homines, 
non fit eis iniuria. Et Homericum illum Cyclopem admiratus suro ; 



66 Schon die Warechftuer Ausgabe hat etnisti mit Recht in emisisti ver- 
ändert. Der Druckfehler findet vieUeicht darin Erklärung, dass in demselben 
Briefe kaum zwei Zeilen davon getrennt emitse vorkommt. 

67 CopemicuB hat — wie auch Cimedoncius {f^eqae pugnat enim rnpido") — 
die Lesart oGtc ydp \xdytTai n6%ti seiner Uebersetzung zu Grunde gelegt. 
BoisBonado liest ou rtixay il^tTai („neque enim in frusta scinditur cupido""}. 



1 



eEo*rAAKTor ehistoam. 93 

(iSvo<^ xal Tou ix^9^^ uicoOeoiv ^ycov irop(astac ahfitla^ uicap](tt>v 



XV. AFP. TETTirQN OPTTPÖNl. 

T£ hr(za, tpioaOXiSy ttjV iobifza hvf^Xkala^j xal too^ W8p8txac ife- 
icsraaac ; olvo^ ooi y^T^^^ ^^ xaxov. Oivou xal tov KuxXu>7roc ocpOaX- 
|AOV (ovTiaaoOai tov 'OSuaaea ^aai. Aio si [t7| auvabpGtcjsia; ^ T8Tt(~ 
ycov, Touc opvi6a(, auv ool xaraxprj^iviaai^ii ip,autdv. Kai icalSa ^ap 
axoXaoTov C^v ^oXsicov , xal ra^pov irpo tou iratpoc otov 9(psT8ptaa96ai 
xal Xiav iorl SuacpopuiTaTüv. 

Xe'. ET. eETlS ANAHAPXß. 

Oo Suvaoai ÖstiSo; xal FaXaTefac epav. Oote ^op [iayje,Tai iro- 
Öo? • ot ifÄp EpcDTSc 06 |iep{CovTai. *AXX' odts oiicXoov av ävsyxou 
TOV 8ptt)Ta* tt>? Y^P 1 T^ 5^^ TjXtotc 00 öovttTat ÖaXirsaÖai, oütui jiia 
*WX^ Suaooc irupomv dpwTixcov oux avi/STai. 

ji.'. He. 2QKPATH2; nAATQNl. 

'A&tx&iTai jjiv ouSe((; * aSixoooi Ss icavTs; y auToptaTm; sxaaTo; 
4aiiTov aSixwv apsTij^ ^ap xal xaxia^ Isfiev aoToxpaTopsc* 'Acpet- 
Xero aoü AscoviBtjc to ^i^Siov ' touto täv exTo? * xal tt^v ar^v ^o)fT|V 
ou8ev 4Xu{iT^vaTo. ' F^Cr^fi-itoos OiXiTnro; xal tov oaxTiiXiov acpsTspi'Ce- 
Tttf ou8sv TfiUr^oai aoTo;* to -/ap Jicixtijtov oojf TjpiTepov. Tov 
oov olov avetXov ol ßap6apoi • oo iriirovöa? ti ösivov ' oo ^ap at- 
810V TOV iraT8a ixixTTjao* Iva^xo* ^oi K*^ xsxTTjptivcp icpooYS^ovs, 
xal 7:aXiv oox eoriv, eicstiuep oux -^v, aXX' sy^vsTo. Ouxouv a8ixooatv, 
oux a8txouvTai ol av6ptt>7roi. Kai tov ^ ü{ir|pixov T£6au)iaxa KuxXwira ' 



68 patitur ist unzweifelhafter Druckfehler; es ist daher ohne Bedenken 
in partitur verändert. Die Warschauer Heransgeber haben auch hier die 
Aenderung im Texte selbst nicht vorgenommen, obwohl sie richtig tibersetzen : 
abo miiokö sif nie dzieli. 



94 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

nallum enim nocere ait iniariam patienti®^. Et erat pastoris 
negatio affirmatio veritatis. 

41. Ruralis. Marathon Peganoni. 

Giviles tempestates fugiens et intolerabiles civitatis tumultus 
haue agrum conduxi et alterationeni '" aniiui invenire sperabani. 
Sed maiora etiamnum mala incidi. Modo enim mbiginem habeo 
bestem, modo locustas, interdum etiam grandinem. Pmina antem 
frnctus devastat, nt inexorabilis tyrannns; et aqaas miser yentis 
permitto. Heu me infelieem! quo divertam? quando ruralium 
laborum reminiscor, civitatem amplector; quando civilem tarbam 
amplector, ruralia amo; et quod praesens non est, felieius esse 
praesentibus videtur. Una tristitiarom solutio mors est, sive 
naturalis sit, sive rursus coHScita. Ideo strangulationem mihi 
pharmacum abhorreo. Stolidum est enim, ut infortunati niortem 
assumant^^ 

42. Amatoria. Pericles Aspasiae. 

Si dona quaeris, non amas. Muneribus enim non afficiuntur 
Cupidines, et amantes eadem facere docent. Si igitur amas, dare 
utique magis quam reeipere congruit. 8i vero pecunias sitis, et 
propter opes finxisti te amare, seutentiam lingua i*epr6hendit, quae 
vendit auro voluptates cupienti. 

69 Die Uebersetzung der Worte ouU^a ^dp ßXdnretv d(txo6pievoc l^aoTic ist 
allerdings etwas schwer verständlich ; sie war aber auch nicht leicht. Wenig- 
stens ist die Uebersetzung bei Cimedoncius nicht verständlicher : nHomericum 
cycloplem admiratus sum, gut nullt ex iniuria nocere se dicebat. — Theophy- 
lactus spielt, wie ganz klar ist, auf den Homerischen Vers an (Od. IX, 408] 
'Q (p(Xot, out(c \ils, xTcCvet oöXqi oitht ßi^cpcv. Auch den Schlusssatz hat Copemi- 
cus besser als sein Nachfolger übersetzt (Cimedoncius : „et erat ea pastori 
eloctttio, quae est veritatis affintuxtio**) . 

Boissonade hat den Satz folgendermassen interpretirt : Cyclopem . . . 
qui quum esset vel esse videretur affectus iniuria, neminem ipsum laesisse cuebat; 
et erat pastori negatio veritatis afßmuxtio. 

70 Die Warschauer Herausgeber haben alterationem unnöthigerweise in 
reereationem verändert. Copemicns hat sich nach dem Griechischen jACTapoX«/! 
ein eigenes Wort gebildet. 



I 

I 

■ 
ouSiva 7ap ßXaircstv afilxouftövov I<pa9xs \ t$ itoniivt aitocpaoic 

i 
jia'. AFP. MAPAOÖN I^NI. 

Tooc TcoXiTixoü? xXoSoova? Ixcpoywv x4 aiiapoii'CT^"^^^ fjopo- 
6oi>c TOü ÄaTeo<;, efiiaOcuaauTiV xov aypov rv/ai ustol6oXtjV v^X^i^ 
ISoxoov süpetv ' aXXa [istCoot xaxoT; e|i.ija. Oots "(ap "^^«^ 
ipu3t67]v sj(ü) iroXi^ioVy itots xa; axptoa;^« xai xtjv ](aXawav 
Tj 6e Tcaj^VTj Xüjiafvetat too? xapiroo; (i; 4/jto«; Tiipavvoc * "Jtai 

Tpair<o{tai; "Oxav täv i^stüpYixÄv irovwv pksv, ta tou aaxso? 
a97raCo{Jt66a * oxav tov roXinxov Tapa;(ov aoUöa, "c* *^i^ a^poi- 
x(o? ipÄ • xal TOü irap6vTo<; iort to jatj iraplu^saTspov. Mi** '^'^^^ 
XinnQpcov ava8i)at(; eortv b Öavatoc, strs ^aatciv, sixs iraXiv au- 
6a(psTo;. Oüxoüv a^xovYj [tot xb cpapfiaxov fflrsxau * aitops^v 7«? 
TOV Öavaxov xoo^ 5uoxüj(oüvxa; tqX(6iov. \ 

\l6\ et. OEPIKAHS ASm. 
El 6Äpa Ci^I«, 06 ito6ei<; • oowpoSoxrjxip 01 ''Epwts; , ** 
Touc iToBoüVTa; TotoüTOüc SiSaxoootv. E? utv ep*?> "^^ otoovai 
jj-aXXov^ T TO Xa6etv oJxsioTepov et 8e XP^in ^P^"^^ ^^^ ^^ "^"^ 
7op(av xb iro6eiv avaiciicXaoat , Tr|V Yvtojxr^v tj |aaa oiTiXs^qs , '^ 
Xoooa XP^^^ ~^^ 7]8ova<; Tq> lÖiXovxi. 

71 Eine sicherlich verderbte Stelle, welche d Interpreten viel zu 
schaffen gemacht hat; es ist daher nicht zu verwarn, dass Copernicus, 
von kritischem und lexikalem Apparate entblösst, i nicht zu helfen ge- 
wnsst hat. . 

Der Genfer Uebersetzer interpretirt : „itaque laq\s remedium est ; odio 
est mihi vita: miseros enim mortem prodiicere stuUum 6\ Cimedoncius u 
setzt dagegen: r^non igitur (oüxouv und nicht o6xouvL^occrf«onetn odM eie 
pro remedio refonnido : differre namque mortem inforti^tos stuUum est . 
der Didotschen Ausgabe des Stephan. Thesaurus fink sich endlich unter 
aloipeiv die Bemerkung: j^udacüts alwpelv töv Oavatov lam ßnire suspen i » 
TheophyUtctus.^ \ 

Boissonade proponirt, „donec meliorem melior lectiori^i off erat codex »^ 
Cönjecturen; man solle entweder lesen „ouxouv d-yyövij [i t6 «^PH-^*®''' P*^^ '"'' 
xeoÄat ydp t6n Odvarov oder . . . ^({pfjLOtxov ßoeXXuTTeoÖai ipov ^ap "^^"^ «av^.ov. 

1 

I 
i 

1 

\ 
\ 



96 I. SCHRIFTEN VON COPERNICÜS. 

43. Moralis. Diogenes Demonico. 

Artificiosa muliereula, semivir, nullius secundum natnram per- 
fectionis, contemnendus Lydus eunuchus. Omnibus enim corporis 
membris linguas habere pudendas perhibetur. Ego autem Home- 
ricum Ulyssem imitatus iacula illius non sentio. Virilis'^ enim 
res est, si muliebre genus dominos percutiat. Sed quid tibi arro- 
gantius pauca dixerim Diomedem imitatus? Latrare certe et 
furere eunueliis congruit. Destituta enim potentia manuum omnia 
per linguam faeere conantur. Amici autem benignitatem nostram 
multum praedicant, quod conviciatorem ipsum poenis non inie- 
cerimus. Ita enim si asinus latrasset^^, nunquam utique in ins 
eum voearemus. Quod sane modesto imperio promulgatum esf^. 

44. Ruralis. Pramides Corydoni. 

Gras ero conviva'^, omnia ad nuptias mihi comparanda sunt^^»: 
fabae, ciceres, carieae plurimae, dulcedines et mellita et placentu- 
lae. Ipse autem porta artificiosam fistiilam suavissimas melodias 
decantaturus. Nosti enim ruralem musicam peritissime Corydon. 
Torum enim Venereum omnino ad voluptatem movere volui, quae 
tnbali resonantia delectetur. 

72 Copemicus hat dopav^; mit dvopelov verwechselt 

i:\ Die Warschauer Heraus^^obor haben ohne zureichenden Grund htrMset 
in caleitrasset verändert. Letzteres ist allerdings dem XaxTiaeisv entspreclien- 
der; es ist aber, gar nicht anzunehmen, dass durch einen Druckfehler aus 
caleitrasset, wenn es Gopernicus geschrieben hätte, latrasset entstanden wäre. 

74 Hier hat sich Copemicus in eigenthUmlichcr Weise zu helfen gesucht, 
da ihm ein ganz verderbter Text vorgelegen. Die Aldina gewährt uns den 
Schlüssel für das Räthsel, welches uns Copemicus aufgegeben, indem er die 
Worte T(j) ^(u^povCoxou ScoxpaTei durch ftwdesto imperio übersetzt. Es ist in 
der Aldina nämlich — welche, wie bereits erwähnt ist, die Eigennamen 
nicht mit grossen Anfangsbuchstaben schreibt — die Silbe ooi von den nach- 
folgenden Silben xpaiei getrennt und an ooi^povCoxou herangeschoben („ococppo- 
v(oxo\>aa9 xpc^Tci^} . Eine ähnliche Verschiebung der Silben muss in dem Manu- 
skripte des Gopernicus stattgefunden haben. Um nun in diese unverständ- 
lichen Worte einen Sinn hineinzubringen, hat Goperfiicus — an dem pro- 
paroxytonon otu^ppovioxouatu , wie an dem mangelnden i subscriptum keinen 
Anstoss nehmend — sich ein Wort acu'f povbxo'jao; = ooicppovtxö; gebildet ! 



BEOiDYAAKTOr EniSTOAAI. 97 

ji/. He. AIOrENHS AHMONIKQ. 
To TS^viTov Y^vaiov, to St^evi? YjjitavSptov , to izapa t^ ^üssi 
xara \irfih IvteXs;, oßpfatsov Au8o; eivoojfo? • SitavTi f ap ra toü oiofia- 
to; jiiÄTj Y^***^*> £X®^^ aojfT^fjLova;; iiraYY^XXovTai. 'E^di 8s, xara tov 
*0[jiT|pixov 'OSoaasa, täv ixetvou ßeXcuv oix aia6avo|Jwr aSpavs; -^olü 
irXiqTrstv TO Y^vaixslov cpoXov too; rjpcDa;, tva ti aoi xai 3o6apu>Tspov 
aicoyÖ^YScüiiat, tov Aiofjiijoij ^i{i.o6fisvoc. *YXaxTsiv 8f|ia xal ^fiYjvs- 
vat Toi; suvoüj^oi; eoTtv ipp-oSiov t^? täv j^stpÄv i[ip eaTspijjisvoi 
Sova^jLStt);, aTravTa ota tTjV YX«)TTr|? Tuparceiv iÖeXouaiv. üt Ss ^Ikoi 
icoXXi^v suTjOsiav xaTr^Y^P^^''^^ Yjfioiv äitetofj tov 66ptaTf|V oü Troivaic 
i^;istr{;a(ts6a. Outo) ^ap xal ovo<; si XaxTiastsv, oox av oixaTnjptov 
auTco ao^xpoTTiaaifASv. Toüto 8i toi xal T(J) 2ü>©pov(axoi> Iioxpcrse xa- 
Am? SiTjYopsoTai. 

J18'. AFP. nPAMIAH^ KOPTAßNl. 
Aoptov laofiat 8aiTujwi>v. ^iravTa irpo? tov Yajiov'^oitape<5XSü- 
aorai, Itvo;, ipsßivOo;, lo^raSe? TroXXal, xal ^Xsoxo;, xal jialurroüTa, 
xal iroicava. Auto; 8s xojjliCs ttjV evts^^ov ouptY^a, tÄc os2^o|i^vou; 
fisXcpSia; asofisvo; * Tj^Öa ^ap iroifisvtxr^; [Aousoopyia; ^^{xcov, 
Kopo8ov. Tr^v ^ap icaoTa8a ßs6ooXT||xai irpo; 738ov')qv xivsTv ippo8i- 
otov ToT; ü:ro t^? aaXitiY'jfo; OsXYO[JLivT|V iqjfrjjxaotv. 

Aus diesem Beispiele kann man übrigens ersehen, mit welchtieig^* 
thiimlichen Schwierigkeiten das Eriernen der griechischen Sprachatilauab 
verknüpft war. Anch in der vorliegenden Uebersetzung dürfte bet^oVeher 
Erwägung Vieles billige Entschuldigung finden, was auf den erstel WA. 
Anstoss und Verwunderung erregt. 

75 Auch hier ist Copemicus der Lesart ^oofjkat oatrjpiaiv gefolgt, velebje 
die Aldina bietet, ohne zu beachten, dass, wenn nicht ^aiTUfjid^ in der Bedeili-' 
tnng von Gastgeber genommen wird, dem Satze kein Sinn untersile^Jen 
ist. Oimedoncius übersetzt foofxai 031x6 (xow anch hier: „convivium dabmu^f' 

Boissonade hat aus Cod. B. die Lesart loo {loi aufgenommen und &b|Br' 
setzt: crcu sis tniki convha, 

76 Wegen der irrthttmlichen Auffassung von £ao(juzi SatxufM&v hat Qflpej 
cus sich genöthigt gesehen Trapaoxeuaorai durch comparanda sunt zu ü])< 

Die Warschauer Herausgeber haben comparanda in camp ar ata veAi 
was dann freilich mit dem voraufgegang^nen eras ero conviva nicht haa^^ 
der polnischen Uebersetzung haben sie die Lesart fao piot ^iituik^v üt 
legt {yylutro hqdi u mnie hiesiadnikiem") . 




f 

I 

i 



V 



98 I. SCHEIFTEN VON COPEBNlCüS. 

45. Amatoria. Leander Pyladi. 

Valde nobb iusidiantur Amores. Ego qoidem amo, desiderata 
autem odit. Qnid faciam miser, non aequam habent Cupidin^ 
laneeni; tristes hominibus ponderant fletas. Si igitur iniquitatem 
faeiunt, dei minime voeentur ; si aatem appellationem non fallunt, 
juste agunto et mihi dolores seeundum aequitatem distribnnnto. 

46. Moralis. Diogenes Aristarcho. 

Terruit Alexander Macedoniam Bucephalo equitans eqno. Nee 
^utem freno minime obedivisse narrant, neque manualibus blandi- 
m^ntis demulcitum fuisse. Erat enim inmansuefactibile animal, 
et Furore equitari non se permittebat^ et erat malum quoddam 
inaceessibile, et versantibus sibi valde metuendum. Quando igitur 
Alexandrum ascensorem sortitus est, saevitiam mansuetudini ad- 
modum commiscebat commutans moerore fremitum et correptus 
videbatur". Non enim licebat Alexaudro resistere. Eris igitur 
A.ristarche et tu fortunae obediens. Non enim Alexandro, sed 
fortunae, Bncephalns obediebat. 

47. Buralis. Poemnion Arnoni. 

Ovium ubera rupturam mihi minantur et mulctris haud scio 
quomodo eaream. Quapropter da mihi ipse mulctras, at ego lae 
«tibi praebeO; pro magnis donis parvas gratias recepturus. 

'* 48. Amatoria. Chrysogona Terpandro. 

Non spenie obiurgantem simul et arguentem. Amantes enim 
*^lcia quidem et oblectamenta recipiuut, plagis autem et eiea- 
^"^bus saepe deformantur. 8i vero iucrepationes non toleras, 
"®4ue rosam vindemiabis spinam cavens. 

'7 Welche Gßriechischen Worte Copernicus mit ,,«< correptus videhatur^ 
^^. ^berB«tzen woHen, ist wohl kaum fraglich; es soll doch sicherlich eine 
^^^ Uebersetzung der Worte xat r^v iSeTv oi6cppava tön dx^Xaiov darin ent- 
. ^^ Sein. Die Warschauer Herausgeber jedoch haben, eine Verstümmelung 
m aei. A|j(i,.m5]je jg^ Copernicanischen Uebersetzung annehmend, die Worte 



BEMtAAK'Jinr EniSTOAAI. 99 

jis'. ET. AENA^A02 nTAAAH. 

Aiav "ijjuv ot ^Ep<i)T8<; d7re}(6avovtai. 'E^oi [jlsv epÄ' y] Se iro- 
Qoufjivr^ fiijsT. Kai xi Spaaaifii av o tpiaaOXio«;; Oux {90J^(>oicov 
ejfouaiv ot ''Epiots? TcXaattYTa * aviaa toi; avOpcuTüoic CoYooraToooi tÄ 
Saxpoa. Et (xsv ouv aStxousi, 6sot [x-ij xexXr^aOcoaav * st Ss dqv xpo3-* 
TiYoptav oi ij;8u8ovTat, opOtt); StxaCetcüoav, xat xa; aJqrfio^a^ dfiot xaxa 
To öixatov {AsptCiTcosav. 



ji;'. He. AierENHs apistapxq. 

KaxiTrXrjTx* xr^v Maxsooviav 'AXe£av8po;, xw ßoüxscpaXtp stcoj^ou- 
asvo; i7nr(p. Tov 5s tintov jjaXivco laxopouat }i.T| irsiÖsaOat, [irjxs Ss 
}(£tpo736eat xoXaxstat; [xaXaxxsaOai. Kat -;«? axtöaaasoxov xo C«>ov xat 
X(p 6o^tt> xo tinro; stvat acpTQpr^xo, xat xaxov xt a-poaixov r^v , xat xot; 
i^vrc/^iyoMüi Xiav Oü^avxr^xov. ''Oxs xoivov strt6axrjV 'AXsEavopov exXT|- 
pu>3axo^ XYjv aiti^vstav «Sarsp Trpaoxr^xt aovsxipaasv, ajistSofisvo; xf^ 
xaxT^cpsta xo cpptia^fiLa* xat r^v lösiv aci'fpova xov axoXaaxov. Üi yap 
'lAsEavSptu 6ijxt; -^v avxijta/saöat ^Eao xofvuv, 'Apiaxapye, xat au rr^^ 
xii)rr|C üTrr|Xoo; * ou y^p 'AXsSavopcp, aXXa xf^ f^X^» o ^ooxirpaXoc eirstOsxo. 

<. AIT. nOIMNIüN APNQNI. 

Ta Xttiv Tcpo6axü>v oijöaxa ütto xoü yaXaxxo; jiiXA.si }xot oiaji- 
pTjyvusOat, xat xiasoCicoy , oux oioa rw; , r^i:opT^{i.s6a. Ato oiSou jxev 
aoxo; xa xiaaußta • s^oi os 3ot yaXa Traps^oiiai, iis^aXotc Öcupoi; ;xtxpa; 
a^st6o{i£vo; ^aptxai;. 

jir/. KT. XPrSOrONH TEPnANAPß. 

Mtj {ji£p.'^oü XotoopooijivYjv X« xal üöpiCouaav " oi ^ap ttoÖoovxs; 
yXüXsia; xat xa; ußpstc irpoacpspovxai, xat TrXrfj'al; os xal fiü>Aü>'{;tv 
TToXXaxi; (opaiCovxai. Et os oucjavaa)(Sf*U o6ptCo[xsvoc , oo8e po8ov 
Tpü^T^ast; XTjV axavÖav süXa6oü|jLSVo;. 

correpius ndehatnr als Zusatz zu dem Vorhergehenden angesehen und ohne 
irgend zureichenden Grund den »Satz „et n'dere fuit temperatUem intemperan- 
tem'* hinzufügt. Eine Variante findet sieh in keinem der uns bekannten 
Manuskripte. 






100 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

49. Moralis. Leonides Periandro. 

Reveritus est etiam Priamnm senem Thetidis filius canicieih- 
que inimici^ et patri filium reddidit mortuum infelicissimo dono 
Priamam prosecatns. lUius quidem audaciam miror: huius aatem 
lando humanitatem. Esto mihi tu quoque Aeacides^ et cani mi- 
serere lacrimantis filium mihi viventem reddens. Infelix enim et 
ego sum ut Priamus. Quum enim paeri hostis non sis, mitto ad 
te nuntium, litteras epistolae lacrimis non nigro imprimens. Si 
vero et tu humanitatem tuam desideras laudari, petita donum 
praeveniat. Sin autem nee ratio apud te dominatur, sed furor et 
contristatio pollet, paululum quidem laetaberis. Tristaberis autem 
magis stolidi furoris magnas etiam poenas pensunis. 

50. Ruralis. Calamon Spironi. 

Si rusticus esse voluisti^ civilibus tnmnltibus abstine ; si vero 
causidicorum fori et tribunalium occupatic^nem habes, dimitte 
ligonem ealamumque sumens et Chartas, perge malo omine. Non 
enim calumniatores et »vi vi iudices« assidue clamitantes rustieorum 
respublica admittit. 

51. Amatoria. Rodoclea Hypsipilae. 

Piraeum hestema nocte perambulabam , amatoremque tnum 
cum Chrysippa vidi ; luminabatque puer, et nuntia amicitiae anus 
erat Abrotonum. Quum autem lenam salutasssem, adhortatus est 
amator tuus, ut in obscuro res gesta lateret. Igitur neque iuranti 
neque adulanti crede. Est enim utrobique gravis linguae fallacia. 



52. Moralis. Socrates Cleoni. 

Quando lupi magnam circumvenerint praedam, tunc post 
saturitatem philosophantur tanquam abstinentiam agnorum habentes. 
et ferinos mores quadam humanitate commutant, et eximiam iusti- 



eEOOTAAKTOY EniSTOAAl. 101 

|i6'. He. AEQN1AH2; nEPlANAP9. 

'HSiaÖT^ xat npta)xov b ttj? OettSoc frp896£oo]xevoc * xal iroXtav 
Ifip £)^6pu)v b Toü ÜY^Xecoc ^a^oveto, xat StSuxsi Tqi Tcatpl TSÖvrjxora 
Tov iroiSa, SutTro/saTatcp cpiXorifiooftevo^ Suipcp tov üptafiov. Kai tou 
fiiv T7|V T0>.p.7jV T&Oaofxaxa^ tou 5e tr^v cpiXav6pa>irtav iiHQveaa. Ffvou 
pioi xat autb^ Aiaxi87j<;, xal noXta^ ikir^oo^ Saxpua^ tov icaifia (loi 
Ccbvta oa>poo(i8vo^. Ao<7TUX<>^(^8v Y^P ^^'^ >2P^^C (SoTrep xal 6 npiap.o;* 
00 fap av ovTa oz iroX^jiiov birep iraiSb^ dirpeoCeooafxev , Saxpooi^, oo 
(iiAavi, xa rfjC iTrioToXfjC ^yX^P*^^^^ Yporfifiaxa. 'AXX' ei [iiy tt;; 
3^^ xal 30 9iXav6p(intia; ipqi^ eicixeoEaaOai^ irpo<p6aveTu> to &(upov ttjV 
atT7|9iv' e{ 8e p.7| Xd^oc xcapa aol ßaoiXedoi, oXXa Oo(xd( ts xal XoirT) 
la icpesSela xexX7jpti)Tai^ irpb^ oXtyov piv eo9pav67]9|2, XoicTjOi^a'i] 6s [Ui- 
Cdv«}^ a^iXoodcpoo 60)100 (ieyaXa^ xal xol^ jroCva^ eioTcparrdii^vo^. 

v'. AFP. KAAAMQN inElPQNI. 

Ei Y^^PT^^ elvai ße€odX7]oai , tdiv icoXitixcov • 6opd6a)v a^iotaoo * 
ti Se piQTOp&c itapa aol xal Sixacrrr^pia xal ßii]p.aTa icepKmodSaota, tr|V 
o(xeXXav a^eU^ xaXa[u6a xal x^P*^^^ apa^tevo^, i^ xdpaxa; X^P^^> 
YepdvTtov. Oo yap ooxocpavTai; avSpa; xal to „av6pec Sixaoral" «pöey- 
YOfiivooc iroxvdtepov tj täv y6o>PY<ov iroXtieta itpooietai. 

va . ET. POAOKAEIA r^^inVAH. 

l'bv [leipaia ybi^ r^ voxtl TcepiendXoov xal tov abv ipa3T7|V \uxa 
T7j^ Xpu3ticit7j( ewpaxa^ xal [x&tpaxiov iSaSod/ei^ xal irpoirb}jLicto^ >]. 
cpiXia YP*^< bit>;pxev 'AöpoTovov. ^Ots 8e ttjv irpoaYWYOv icpooetTcov 
ivexeXedeTO b oo^ ipaorf^^^ iva t^ oxoTcp to irpaTtbfxevov 8taXa6ot. 
Ooxoov \L-qTZ bfivdvTt jxijTe xoXaxedovTt iteiÖoo * "^XfircTi^ y^P od^iajia 
oeivdv iaTiv ixaTepov. 

v6'. He. XßKPATHS KAEQNI. 

"OTav Ol Xdxot (jLeYaX7|^ "Ktptzoymoi 6i]pa<; xal Tcp xbpip 91X00097]- 
a«>atv, coonep SYxpaTetav apvaiv £3(0001 to rfio^ , xal to ayptov 7rpb<; 
cpiXav6po>icov p«Ta6aXXoo9i. Kai 6ao|j«9T7]v Ttva SixaioodvYjv b xdpo; 



^ T) 



100 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

49. Moralis. Leonides Periandro. 

Reveritus est etiam Priamum senem Thetidis filius canicieih- 
que inimici, et patri filium reddidit mortanm infelicissimo dono 
Priamum prosecntus. Illius quidem audaciam miror: huius antem 
laudo humanitatem. Esto mihi tu quoque Aeacides^ et cani mi- 
serere lacrimantis filium mihi viventem reddens. Infelix enim et 
ego sum ut Priamus. Quum enim pueri hostis non sis, mitto ad 
te nuntium, litteras epistolae lacrimis non nigro imprimens. Si 
vero et tu humanitatem tuam desideras laudari, petita donum 
praeveniat. Sin autem nee ratio apud te dominatur, sed furor et 
contristatio pollet, paululum quidem laetaberis. Tristaberis autem 
magis stolidi furoris magnas etiam poenas pensurus. 

50. Ruralis. Calamon Spironi. 

Si rusticus esse voluisti, civilibus tumultibus abstine ; si vero 
causidicorum fori et tribunalium occupaticTnem habes, dimitte 
ligonem ealamumque sumens et Chartas, perge malo omine. Non 
enim calumniatores et »vi vi iudices« assidue clamitantes rustieorum 
respublica admittit. 

51. Amatoria. Rodoclea Hypsipilae. 

Piraeum hestema nocte perambulabam , amatoremque tunm 
cum Chrysippa vidi ; luminabatque puer^ et nuntia amicitiae anus 
erat Abrotonum. Quum aut«m lenam salutasssem, adhortatus est 
amator tuus, ut in obscuro res gesta lateret. Igitur neqne iuranti 
neque adulanti crede. Est enim utrobique gravis liuguae fallacia. 



52. Moralis. Socrates Cleoni. 

Quando lupi magnam ciroumvenerint praedam, tunc post 
saturitatem philosophantur tanquam abstinentiam agnorum habentes, 
et feriuos mores quadam humanitate commutant. et eximiam iusti- 



BEO^PTAAKTOr EnilTOAAI. 101 

fi6'. He. AEQN1AH2 nEPlANAPJjS. 

'H6eaOr| xat IlptafjLov b t^; OittSo^ icpea6£DO{ievo( * xai icuXiav 
yap 4;(6pü)v b too IlTjXea)^ tjo^^^vsto, xai 8(8(oai T(p iratpl TeÖVTjxdra 
Tov irai5a, SoTTu/ssTarq) cpiXoTifiot>[xevo^ Suipcp tov Ilpta^v. Kai too 
jiiv TT,v ToX[iTjV TeOaup^axa^ too Be rfjv cpiXav6pci)iriav iiqQveaa. Fivoü 
^01 xat auToc Aiaxi07|<;, xat iroXia^ iXe7|aov Saxpoa^ tov icoiSa p.oi 
Ca>vTa oopoup^vo^. Auatuj^ooftev yap xai 7]fiel< (Soirep xat 6 üptafio;* 
00 ^ap av ovra 98 iroXip.iov birep iraiSbc eirpe96eo3afjiev , Saxpoou, oo 

}isAavi, xa Tf|<; imoToXT|C äyx^P^^^'^^^ YP^H'*'^®' '^^^' ^^ K^^ "^«^ 
afj( xat 30 (pika^Hpamia^ ipSi^ itzix&iiaobai, icpocp6avsTu> to 5(opov tr^v 
atnjoiv* eC Se (jlt^ Xo'jfo^ icapa oot ßaoiXeoot, aXXa Oofi^c re xat Xoity) 
TGi icpesSeia xexXr^pcoTai^ irpb^ bXCyov (tev eof pavOrj^'Q^ Xom^Oi^a^) Ss ^i~ 
Covttic acpiXoaocpoo 6o}jloo }i«Y^^^ ^^^ '^^^ itoivac eioTcpaTTOfjievoc. 

v'. AFP. KAAAMQN UnEIPßNl. 

£{ yetopio^ elvai ßeSooXTjoai , tcdv tcoXitixcdv ' 6opo6o>v atpioraso * 
ei hk piQTOpec icapa ooi xat SixaoTrjpta xat ßiQ^ata irepisicooSaara» ttjV 
StxeXXav ä<peU> xaXafuSa xat x^P*^^^ apafievo«;, i^ xopaxa^ X^P^^» 
YepovTiov. Oo Y*p ooxocpavia^ avSpac xat tb ,,av8pe{ Sixaatal" «pöey- 
1^o|jLivooc icoxvbtepov i^ tcov Y^copY^^ itoXiTEia TcpoatsTat. 

va . ET. POAOKAEIA rS^inVAH. 

Tbv rieipaia x^^^ "^ voxtI itepieicbXoov xat tov abv ipa3T7|V [uxa 
Tf|( Xpo3tinc7j( euipaxa^ xat p^ipaxtov i8aSoox&t^ xat irpoirbfjLitio; 'i) 
^iXta Ypaoc OTnjpxev 'ASpbrovov. "Ore 8e tt^v TrpoaycDYbv icpooetTcov 
evexeXeoero b ob^ Ipaoti^c^ tva t^) oxorcp tb irparrbfxevov 8iaXa6oi. 
Ouxoov jjLijTs bfivovTi jiijTE xoXaxeoovTi icetOoo * "^Xtixxr^^ y^P ob^w|ia 
Seivbv eoxtv ixarepov. 



v6'. H». SßKPATHS KAEQNI. 

thav ot Xoxoi ^Y^^^i^ irspittix«*^*' Öiijpa; xat tc|> xbp<p (fiXooof^r^- 
ocooiv, (ooTrep eYxpateiav apvaiv exooot xo rfio^y xat tb aYpiov Trpb^ 
9tXav6po>icov p«Ta6aXXoo3i. Kai OaofiasTrjv tiva StxaiooovYjv b xbpo; 



102 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

tiam satietas ipsa lupos docuit; cum ovibas communicant et com- 
ponunt, donec venter eorum detnmescat. Tu vero lupis etiam 
impudentiores '^ acquisiyisti mores, et multo maiorem avaritiae 
intemperantiam habes ; quando aurum thesauri tuis superabundans 
scaturit, quemadmodum ebriosis contingit. Sitiunt enim^ quo magis 
satiantnr vino et ebrietatis intensionem ebrietate fallunt^^. Nam- 
que per summum excessum in contrarium affectum transcendunt 
exhilarante vino inebriatos et exurente. Pelle intemperatam ebrie- 
tatem, o immodeste, ne contrariam vicissitudinem incidas, privatus^ 
fortuna etiam bis, quae ipsa tibi contulit. Talibus enim ingratos 
poenis corripit. 

'53. Ruralis. Mintha Rhizoni. 

Chrysippus fluvius agri nostri partem depraedatus est et tuo 
appropriavit. Stultum aliquid faciens et temerarium, iniquum per- 
hibetur^^ Si vero tribunalis onus humeris tuis ferre non potes, 
dona fluviorum non admitte. Si autem aliena amas, cito propriis 
etiam privatus lugebis. 

54. Amatoria. Medea lasoni. 

Nihil hominibus affectatius, nihil saturabilius amatorio habitu 
constat. Ubi sunt tibi lacrimarum inundationes , quae ad pedes 
nostros profluxerunt? quo pervenerunt mille sermonnm illorum 
genera et submissio verborum atque humiliatio? puto certe nee 



78 AuB der Warschauer Ausgabe ist impudentiores in den Text aufge- 
nommen. In der Original -Ausgabe steht prudentiores, was weder irgend einen 
Sinn giebt, noch durch das Griechische ku erklären ist. Der Druckfehler ist 
wohl dadurch zu erklären, dass durch die letzten Buchstaben des vorauf- 
gehenden etiam die Anfangssilbe von imptidenHores verloren gegangen ist. 

79 Man vergleiche zu dieser Stelle die Anmerkung 86 zu dem 59. Briefe. 

80 Copemicus übersetzt nach der Aldina, welche d^aipouiievoc Liest, 
während Boissonade und Commelinus die Lesart dtpaioouft^v^; aufgenom- 
men haben. 

81 Copemicus Übersetzt in engstem Anschluss an die Aldina, wobei 
dahingestellt bleiben muss , was er bei der Uebersetzung iniquum perhibetur 



eEo*rAAKTor EnirroAAi. 103 

ix6ioaT/£i 70ü; Xuxou; • [leta täv irpo6aTo)v oovv8{xovTai , xat -^zpai- 
poi)3iv , ajfpi^ av aoToT; r^ Yaorr^p avairveiJosisv. 'AXXa oo xai täv 
XoxcDv Tov TpoTTov avatofi^Tspov xexTTjaat, xal [xaXXov itXeovexTixojTepov 
To axoXaaTov e/st;, otav o xpoao; tmepavaöXüCTQ täv oäv 67|Oai>ptt>v^ 

tt>31t8p Ot {xiOuSOl. Al({;tt>3l Y^^P) OTttV XOpeo6tt>3t TOO oTvOU', xat 30f t- 

Covrai Tj jiiÖTQ [teör^? sirt-aoiv • 8ia -^ap tt^v e^ ofxpov eueE(av icpo;; ttjv 
evavTtav SiaOeotv jxsTaTctircooai, irepiYavoovto^ tou oivoü too? oivo^pXoYac 
xal exxaiovTo^. Aicaye tt^< axoXaoTou [leör^«;, axoXaoTS^ tva jiTj icpo; 
TT|V evavxCav poirr^v jAeraj^Ö^;, a<paipoofjLevo; tt^^ '^X^i^ ^^®P '^^^ 8i8o)xe' 
Toiatkai«; yop touc a}(ap(oTooc icoivau ocofpoviCetai. 

vf. AFP. MlNeON PIZQNl. 

'0 iroTOjjLo; XpiiaiTTiro^ Too ytj8(oü tou Tj^xeTipou [xoTpav iooX7|3e, 
xat Tüi 00) a-fpfb irpooexupcüoe, jitupov xt iroiÄv xat 7jX{6tov " aXXoipfov 
fiTCttYYeXXETai. 'AXX' ei jiev Sixaatrjptou «poptov dirl toT; «Sjjloi^ cpcpetv 
00/ oto? Tfi et, 8Äpa irotafiÄv [ir^ Ttpooieoo * et 8e twv aXXorpfcov epa;, 
jjÄT 00 itoXü 8axpo3eic täv t8f«)v oxepoüfxevoc. 

v8'. ET. MHAEIA IA2ÖNI. 

• 

OuSev Tolc avöpalTTOi; 7reptaTrou8aaTov outox;, outs 8e Trpoaxopeorepov 
ipcoTtx7j(; xaÖioTTjxe aj^eoeco^. Hoo aot täv oaxpuwv xa pelöpa a xou 
Tjixexepoi^ Tcooiv iTrexujxaive ; iroi> oot 8ieTrxrj3av xa (xupia y^^^< "^^"^ 
XoYCDv ex£ivü)v, xcov xe pTjjiaxcov xo ü^etfiivov xe xat jrafiaiCtjXov ; Otjiat 



Bich gedacht haben mag. Cimedoncius übcTträgt: stuHum quid cmmnittem , et 
recors in re aliena sibi potestatetn facit. Boissonade sieht die Stelle als ver- 
derbt H11 und folgt einem seiner Codices, welcher eine ganz abweichende 
Lesart bietet: diXXoTp(oc; fäp odapcic to ^piXoxtjjiov iitaffOJ^tTii. Er übersetzt 
die ganze Stelle dann folgendermassen : siultum quid committena et vecors : 
aiieniff enim donin liheralitatem praefert. 

Die Warschauer Herausgeber haben den Text der Copercanischen Ueber- 
setzung ganz willkürlich geändert, indem sie im Anschlüsse an den Text 
von Boissonade und die von ihm gegebene Uebersetzung eineu Satz ohne 
Weiteres einschieben. In der Warschauer Ausgabe lautet die Periode näm- 
lich : ntuUnm aliquid faciens cttc^nerarium alienis enim donis liberaliia- 
tem praeferre iniquum perhibetur. 



106 I. SCHRIFTEN VON COPERNICÜS. 

non caecutire amatrix anima. Insnperabilis enim est amantium 
affectiig. Si vero riori amas, cur lacrimaris et getnis, et turba- 
tionem tibi ipsi ultroneam affers ? Iniuria igitur utrumque afScis, 
modo enim ut amator concüpiscis, modo ut adversarius abominaris. 

58. Moralis. Dama^cias Antigono. 

Si Socrates vitae pigiius non habet, paedagogus puero tuo 
non adhibeatur. Pignora autem vitae pueri existimantnr. Quem 
enim patrem esse natura doeuit, hanc etiain paedagogum esse 
maxime decet. Tnne enim experientia discunt pueri nativitatis 
habitum et amoris sollicitudines. 

59. Ruralis. Cepias Corianno. 

Mercenarius eris mihi hora meridiana, Gorianne. Sepibus 
agrum coneludam; malos enim viatores habemus, nee possum 
brutis simul animantibus ac hominibns resistere. Lepus vites, 
erucae olera destruunt. Quid denique de talpis dieam ? horrendum 
enim rustico malum, inexpugnabile bellum***^. Propter quod mihi 
cooperare, et laborum pärticeps esto. Ego quoque in talibus tibi 
operibus ero morigerus. Ita enim et formicae eoncertationibus 
mutuis et laborem fallnnt^*^, et maximos labores perfieinnt. 

60. Amatoria. Anthia Brioni. 

Omnia mnliebri amori subdita sunt. Laidem Diogenes amat, 
Sostratam Phrygius. Philosophiae iactantia periit, castum morem 



85 Copernicus hat irrthürolich r,oKi\uo^ (etwa wie -zd ttoX^jaw' = TtöXe^AO^ 
gebraucht. — Cimedoncius giebt den Sinn durch eine freiere Ucbersetzung 
richtig wieder wt hostis, cui resiUi non potcst", 

86 Theophylactiis gebraucht das Verbum oocpiCEoftai mit besonderer Vorliebe ; 
es kommt in seinen '£7it':oXa{ nicht weniger als 5 mal vor ^ep. 6. 18. 52. 59. 8U.]. 
Ati all diesen Stellen hat ao'f iJIe^Oai die Grundbedeutung ..falUre^, welche in 
den Wörterbüchern des 15. Jahrhunderts ihm allein zuertheilt wird, während 
es in der frühern Sprache diese nur erhielt, wenn es mit einem Accusativ der 
Person verbunden wurde. 

Copernicus, welcher oo^tCEsBat stets durch ../ailere'^ oder ein ihm gleich- 



eEÜ<!>rAAKT«)Y F.niSTOAAI. l07 

jXTj To^Xa)TTeiv ipw^a ^oyr^' ir^TTr^ro^ yap 7^ täv ipuiVTcov irpoairaÖeia. 
E{ 8s oux ipa?, Ti 8axpuei^ xai arivst?, xott xXuScova aaüKp irpoacpepeic 
auOafpsTov ; 'A5txoU o5v exatepov, itoie piv w? ipaatTQ? IcpiijASVo;, irore 
8i m? avTaYcovicrnj; ß8eXuTTojievo<;. 

VT)'. He. AAMA2KI02 ANTIFONQ. 

E? |xr^ ßtoü ZcoxpaTTjc ivij^opa xexTTjtai, irai8aY(i)Y^^ "^^^ ^^'^ P-^i 
icpo}(6ipiCi96a> iraiSo?* eve}(i>pa 8e ßioo iroiSe«; voeia6u)3av. **0v ^ap etvai 
icaxepa 9001^ i8i8afe, toutov xal itatSaYCD-^eTv ioriv aSioTciarov, ireipa 
fMiv6avovta YevvrjoeoK 9^^^^^ ^^^ orop^rjc oXyYjSovo^. 

vO'. AFP. KHniAS KOPlANNß. 

SuvipiOo^ eoo (tot fieor^jiSpfa^ (^pcf, Kopiavve* atfiaoia yo^p tov 
a^pov :c6cppa£op.at. Kaxou^ yap tou^ oSfra«; xexrrjfieÖa. Ouj^ oio; ri 
E^pLi xal Cü>oi^ aXo^oi^ xal toT< dv6pu>7:oi; aufiirXexeaOau '0 Xa^cDoc 
Ta^ a|i7riXou^, "^ xckiittt) ta Xd}(ava oXA.U9i. Ti Sf^ra irepl toIv doTra- 
XdxcDv xal Xe^aifii: (po6epov ydp Tcp 7&(DpY(i> to xaxov xal 8u(3avTaYu>- 
vioTov TO 7toXe|iiov. Aio [jLOi aup-irapaTarroü xal täv tcovwv aovavti- 
XafjL6dvou' xd-jfto Si oe au6i^ epyoi^ dp^f^o^ai. Outu> ^dp xal o( 
(iup[jLY]X£; ou(x^a}(ouvT£<; dXXrjXoi^^ xal tov ji^j^öov aocpf^ovTai, xal täv 
jAe^ioTCttv icovcDV etpaTrrovTai. 



r. ET. ANOEtA BPIQNI. 

*AiravTa Tcj> Y^vatxet(|) cpuXcp 8e8oüX(!)Tai. \iiho^ Aioy^vr^; ipa, 
2tt)aTpdT7)c <I>pü']fio?. *H TTj? ?ptXooo<pia? xojii};oTr|; oioXojXe* to 



bedeutendes Wort wiedergiebt, {„fraudare'' oder ^eripere'j bat es auch an 
der vorliegenden Stelle durch »fiillere'- übersetzt, welchem er dann die über- 
tragene Bedeutung zuweist, wie sie ..faUcre" hat in den Redensarten: 
,^emwne laborevi^y sermonihun horas", vinn et somno cnram ,yfaller&^. Um diese 
Bedeutung für ^f allere^ zu gewinnen, hat Copeniicus ganz zweckgemäss die 
vorhergehenden Worte o'j(jL[xa/ouvTe; dXXTjXoi« durch die Ablative „mututs con- 
cerUUionihu^ übertragen. £& bedurfte also hier nicht der Conjectur, welche 
Boissonade aufstellt, np (Ao/ftto xöv {/o/ftov oo'^t|[ovTai, (adäquat der Con- 
sfruction iin 52. Briefe : „w^iC^vtai t^ [xe^T^ \xi^rfi iTrixa^iv'-. 



108 I. SCHRIFTEN VON COPERNICCS. 

dereliqaerunt, ooelestem dimiserunt constantiam et sublimem pro- 
miseionem fefellerunt; omnia vana sunt, quae antea apnd ipBOS 
ad institutionem accaratissime fuernnt. Despectus mihi ludus vi- 
detur, virum senem, barbam reverendam habentem, laudatam in 
cfiBtitate. paellam meretriculam amare. Ego antem cachinnos 
et risum teuere non possum, quoties seuibus obviem. Mnltum 
enim Venerem olim accusabant, et amatores nitro furere dicebant, 
desiderinm immodesti animi amorem definientes: omnia ferre 
sapientem. Id antem sperare nimis est praesnmtnosnm ^^ ; mnlta 
enim tempus et fortuna potest. 

61. Moralis. Sostratns Lysistrato. 

Qunm te multis ac mimm iii modnm admonneiimuB, Penelopae 
viBi BumuB texiBBe velum. Ecee demnm etiam fabulosis incipimns 
sermonibus, si forte tuo sensn dicta proficiant. InfrondescentibuB 
arboribnB cicada ventilata tempore caloriB resonabat, et Buam 
ipBius harmoniam sentiens se if.Ham delectabat. Formica antem 
mesBores Beetabatur, et circa arcam exercitia faciebat, et terrae 
Binibns condebat snoB cibos^^. Abiit demnm ex aqnilonibuB boI, 
aberat antumnnB, et hicms ubiqne Baeviebat. Mare tranqnillitatiB 
libamina solverat, nantae tanqnam Balvatores buob portuB salu- 
tabant, et ruBticus in aream snam confugit, et formica in cavemaB 
terrae, et ex laboribns opportunnm habebat cibum. Supplicabat 
denique cicada patienti laboris formicae, ut ei de thesanro ruo 
aliquid impartiretnr. lila autem ad cantum cicadam remittebat, 
copioBum otii sui risum effundens , et aestiva illius cantica obii- 
ciebat. Qnapropter haec quidem ex cantu famem, illa autem ex 
laboribuB delicias conquisivit. Tibi fabnla haec, Lysistrate con- 

87 Der Griechische Text ist hier unverständlich, wie bereits Boissonade 
hervorgehoben hat. Copernicus hat, ohne sich um den Sinn zu kümmern, 
im engsten Anschliiss an die Griechischen Worte Übersetzt. Wie er sich, 
das Verhältniss der einzelnen Sätze gedacht hat, ist schwer anzugeben. Es 
hat deshalb auch seine Interpunktion genau beibehalten werden müssen. 

Was die Uebersetzung im Einzelnen betrifft, so hat Copernicus den 



BEOWAAKTOY EOISTOAM. 109 

oef&vov rj6o< irapcooavTO^ to aSOipiov xaroXeXodcaai f povir2p.a^ to (iSTap- 
aiov i'Ka'^^ek\ia Bis'j^suaavTo • Siravta ^pooSa ra irplv aoroTc {iSfJLsXsTr|- 
jjiiva icpo^ a9XiQotv. ^mpov fioi Tcaiyviov eivai Soxsi avSpa irpsa6ut7jV^ 
TcoXiav aiSioifJkov ej^ovra, uicepoxppufofi^vov Itzi ae[j.voTTjTi , vsaviSo; 
ixaipac Jpav. 'Eya) 8i xa^^foiC« xal tov ^iXuira ^ipstv oo Sovajiai, 
oin]vixa oovavnjaaijjii xou ^epovrioii; • iroXXa ^ap tT|? 'A^poSf-nj? xarri- 
'j'opouv iraXai, xal, irpo? too? IpÄvra? jiaviav voasTv auOaipstov srp aaxov^ 
I9S01V axoXayroo «pu^^^c toü; epcora^ QpiCojAsvoi. 'ÄiravTa cpepstv ao^v * 
TO 58 JXttiCsiv Xtav iorlv ificppoviTrepov • iroXXa yeip XP^^®^ ^^' "'^Z^J 
SeSüVTjTai. 

?a . He. 2Q2TPAT0V ATSliTPATÖ. 

*Eicsi8t5 00t iroXXa xal 6au[iaata Ttapatviaavte^; tov nT|VsXo7n;c 
ifio^afiev ixpatvsiv {otov , cpipe hr(za <pips xal {i.u6ixo>v airap^copisOa 
Xo'jfmv Too)? 7ap T^C o^? Siavoia; itptxoiTo" 8rj tÄ Xs^ofieva. 

'Ev ToT; veoCXooTOK; täv SivSptov tsttiE ojroujisvo; «Spa xaufxaTo^ 
ixsXaSsi, xal tt^; iaoTou apftovta; aiaOavofisvo^ iirsTSp^itsTo. '0 ok 
|jLup(X7|S Tiap^v ToT? dspiCooai xal itepl Tr^v oü.«> Ta? §iaTpi6a; eirsTrotr^To, 
xat ToT? xoXiroi; ttj^ y% "^^ iaoToo Tpocpr^v sÖr^aaüpiCsv , oia TrpofiTj- 

6s9T8pOC «>V O fJLUppLTjE TOO Tim^OC. Üap^pJ^T^XSl T0(V0V ix Ttt>V ßop6(a>v 

o ^Xto^, ait^v TO fiSToiTcopov^ xal jfsificov aTnjvra Tf^ 7^ • t] 8s ÖaXarra 
tÄc YaXTjvaia? oicovSa; SieXoaaTO' ol rXoTripe; toü^ Xtfiiva^ a>; aa>Tr^- 
pa^ ovTac: TQoiraCovTo. Kai YsoipYO? ßicl n^v SaoTou aXeav xaTscpsu^e, 
xal b ^up{X7)E iv ToT? Xafooi ttjc 7% xal too; ttovoo; atjfev äaTtaotv 
feiTTiBeiov. MxsTsue 8tj b TemE tov cpiXoirovov {xoppLT)xa twv 6ir]aaapo>v 
{ieTao^etv. ^0 8s tov (tsXcpSov tu>v iauToo 6optt>v airei7i{xi7ST0 , iroXuv 
auT^ Tf|C ap-yta? xaTa/i«>v tov -^iXcoTa, xal täv 6epsiv«uv ao^aTcuv 
auTov av£ti.i{JLvr|9xs. Aioicsp b (ilv eiyz Xtfiov tiqv (pSiQv y b 88 To<k ' 

ItOVOOC TpiXpTjV. 

Artikel tö als Pronomeii demonstrativum {Mt) übersetzt, und Xiav, welches 
zu iX7:(Cetv gehört, auf ifjitppovtoepov bezogen. 

88 Hier ist ein ganzer Satz von Oopernicus ausgelassen. Die Aldina, 
wie sSmmtliehe Handschriften, haben nämlich nach ^fb^aaupiCEv noch den 
Satz : ola irpofAiQl^^cspo; &** 6 fx^pfiT]^ TgO T^m-fo;. 



Uü I. SCHRIFTEN VON COPEBNICUä. 

gruit^^. Pelle igitor otium; naturae enün dona deturpabis, si 
robur et incultain corporis valetudinem doetrina diinissis laboribus 
excolere neglexeris. 



62. Knralis. Tettigon Porphyrioni. 

Felix vir Corydon et fortunae amicus. Vites eius botris 
gravautur« piri onusti sunt et decerjn appetunt, olivae terrae in- 
inunbunt, et multitudo fruetuum feraces ramos frangit, prata 
deiisa"". Verum etiaiu uxor cum ceteris virum laetiticat. Tot 
eiiiiii i])si sunt pueri, ut et Danaum et Aeg}'ptum prolificatioDe 
superare videatur. Alius quidem adhaeret uberibus, alias ablae- 
tatus est. alii serpuut, qui rectum gressum noudum eeperunt; 
aliqui balbutiunt et adgresssuni imitantur-'^; alii robuste ineedunt 
et bipedem*'^ sortiti sunt gressum; foramiuum instar ^^ listnlae 
staturae series ipsis c<msequitur. Tu vero persuasisti, ne filiola 
nuberet Corydoni. et genus vituperabas repudiaus admodum ig- 
nobilitatem. Heu miser! deceptus suni, et levem habui provi- 
dentiaui. Inutilis est liominibus nobilitas. divitiis enim apud 
omues nihil est praestantius. 



iü\, Amatoria. Cbryses Hephaestioui. 
Non amas Uiodotam* amatorias favillas extinxisti : nun enim 

n9 Auch kier fehlt in «kr IVkpemicanidcbeii UeWreetsunfc der Satz d^^o« 
Y«J> Ä> J*^^»"* wr/»3i«. 

Wl Die Worte J; «i.»; -r^U '»s/.oai; c^^duiKXo; a^).a^ sind bei Copemiciis 
nicht ttbenetil, 

^1 In «ler Oriiriiuü * Ausgribe steht — ein oflenbnner Draekfehler — .mI 
^rNtsmm tW/^wtor*. Unt Weifelhaft h«t der nnverstüninielte Text ^gressuw 
ifmtmmiM- ICefauitet Oopeniicus hat ~ wie dies ans der irrigen Uebersetsong 
von oor«>.T»> durch «A<iirit/iMM in dem («T. Briefe hervorgeht — aneh hier 
sicherlieh ö%o;»; mit iiiz \tr<$:tch^\t. Nun war er allerdinirB ^eeswnni^Q dem 
9u.i;ioi3t> eine ändert* al:^ die s^^^Ktihnliche Bedeutanjir untenuüegen. 

L>io \Varschau<'r Ausjicabe bat die Wivrte .jui ^vsaaim- nn verändert beibe* 



eEo<DtAAKTor EnixTOAAi. tu 

^Apftorrei ooi o {m>6oc> AuaCotpaTe* apYo« yap o»v aOXioyrepo^ el 

w ßiXTtoTS * ta TTJc f 096u>c "/ap 8<opa xaxiQaj^üvac, T7}XixaurrjV paifir^v 
xal 8upo>9Tiav tou 3(0{i.aT0^ ax6a{i.r^Tov irapicov^ diri^n^IxiQ irovwv aaxsTv 

£6'. AFP. TETTirQN nOPOTPlÜNl. 

'0 KopuScDv eu8a({itt>v dvi^p xal Tf^^ '^X'^t^ ^tXo;^ u»; soixev. Ai 
a|xirsXoi tat? ßotpoatv a^Bovraf at axp<x8e^ ßp(6oocii xal tüdv tpuYoJv- 
Tiüv ope^ovraf at ^Xatai tj y^ icpoovsvsuxaat xal to) luXr^Öst tou? 
evsYxafjivoo«; xXaoou? ßiaCovtai' ot Xsip.(ovs; xataxo^ioi* r^ aXu); tal; 
vsXoau s^afitXXo? auXaEiv. AXXa xal to ^uvaiov \uxa twv aXXcov 
eucppaivai tov ofvSpa. Toaouxoi ^ap Tralös; aarcp, cocrrs xal Aavaov i;al 
Ar^uirrov tal? süTsxviat; vtxav. 'AXXoc [jlsv -j'ap dortv uicofiaCiO!;, aXXo; 
TTj? '^aXoii'/j&ia^ sicauaaTO ' St&poi Se Spirouat» pLrjirio ttj; 6pä/|; |Saoi3su>{ 
airap(ap£voi ' avioi TcaparpauXiCouai xal toü; oöovra; ajisiCouaiv aXXoi 
T^? axjiYj; siri6atvouat xal to pcjiraioz; sivat xsxXrJpoiVTai * aiipi^Yo; 
oexi]v aoXtt>v tj t9]c 7)Xixtac aoToT; TaSt? aovTsxaÄTat. -u ös TtapiQvsi? 
TO öü^arptov fiiQ irapeYY^^v tä KopuScuvi^ xal rr^v a^x^^^tav exaxiCsc 
cSoicep a9oaio6{isvo? dqv docr^ivstav. Oijxot ßsSooxoXrjfjLai o oetXaio?, 
xal xoü^ov lo5(ov to ^povr^fia. Toi;; av&pcoicoic avoVrjTOV yj soYSveia* 
irXouTou Yap icapa Tcaaiv ouösv svBoSoTspov. 

^Y . KT. XPViHV HcDAirriÜNl. 
Üüx Iti tt; AioSoTTj? ^P^?* 'Ol? epwTixa? ÖpuaXXiöa; aits^Csoa; • 



halten und sieht irriger Weiae die Verstümmelung in dem Worte imitantHr, 
welches sie in inmtmUur umgewandelt hat. 

92 Das Wort ßo67cat; findet sich in den Wörterbttchern des 15. Jahr- 
hunderts nicht vor. Sonach war Copemicus genöthigt sich selbst eine Ab- 
leitung für die Uebersetzung zu bilden. Ob er nun ßouTiai; mit o(iro'j( irgend- 
wie in Verbindung gebracht hat, oder wodurch er sonst auf seine Ueber- 
setzung bipedem aortUi sunt gre^sum ^^omm&i ist, dürfte sich wolil schwer 
bestimmen lassen. 

93 Die Worte „foraimnum instar etc." dürften ohne Vergleichung mit dem 
Griechischen Texte wohl kaum verständlich sein. Cimedoncius: narundinwn 
in modum, quae dispares collocantur in ßatuluy aetatum Uli ordo constat". 



110 I. SCHRIFTEN VON COPBRNICÜS. 

gruit^^. Pelle igitur otium; naturae ^nim dqna detnrpabis, si 
robur et incultain corporis valetudinem doetrina diinissis laboribus 
excolere neglexeris. 



62. Raralis. Tettigoh Porphyrioui. 

Felix vir Corydon et fortunae amicus. Vites eius botris 
gravaiitur^ piri ouusti sunt et decerpi appetunt, olivae terrae in- 
cuinbant, et multitudo fructuum feraees ramos frangit, prata 
densa-"'. Verum etiam uxor cum ceteris virum laetiticat. Tot 
enim i])si sunt pueri, ut et Danaum et Aegyptuni prolificatione 
sui)erare videatur. Alius quideni adhaeret uberibus, alius ablac- 
tatus est, alii serpunt, qui rectum gressum noudum ceperunt; 
aliqui balbutiunt et adgresssum imitantur-'^ ; alii robuste incedunt 
et bipedem-*2 sortiti sunt gressum; fornminum instar ^^ üatulae 
staturae scries ipsis consequitur. Tu vero persuasisti, ne filiola 
nuberet Corydoui, et genus vituperabas repudians admodum ig- 
nobilitatem. Heu miser! deceptus sum, et levem habui provi- 
dentiam. Inutilis est iKmnnibus nobilitas, divitiis enim apud 
omues nihil est praestantius. 



03. Amatoria. Chryses Hephaestioui. 
Non amas Diodotam, amatorias favillas extinxisti ; non enim 



S9 Auch hier fehlt in der Copernicanischen Ueberaetzung der Satz dpYÖc 
Yap ü»v {xotTT^v 6i:rXaa[a. 

90 Die Worte i] aX«; Tat; veXo-xT; ^^pcijxiXXo; aliXa£tv sind bei Copernicus 
nicht Übersetzt. 

91 In der Original -Ausgabe »teht — ein offenbarer Druckfehler — ^ 
gressum %mitantur*\ Unzweifelhaft hat der un verstümmelte Text y^adgi-essum 
imitantur'' gelautet. Copernicus hat — wie dies aus der irrigen Uebersetzung 
von iSovTcuv durch aJteuntium in dem 07. Briefe hervorgeht — auch hier 
sicherlich 6oo6; mit 606; verwechselt. Nun war er allerdings gezwungen dem 
duEifio'jaiv eine andere als die gewöhnliche Bedeutung unterzulegen. 

Die Warschauer Ausgabe hat die Worte .,ad gressum" unverändert beibe- 



«EOa)rAAKTOr EniSTOAAI. It3 

<I>tXovstxoTspov 'EpcDTCüv ouSiv. Kat ttü)^ ipa? TriXixaoTTi? aX7T)5ovoc 

£S. He. 2QKPATH2 MEAANIOniAH. 

ro|xvaoTat ils"^ Trai8oTpi6ai dirapafTr^Toi? watof * TTJi; au><;ppoouvr^(; 
oe SiSasxaXot. 'EttsiSi^ y^^P ^povi^asco^ eri xal vojjlwv ol TuoiSig sbiv 
avsTciöexToi, 'irsiXat? }(aXiV(i>(jL6V to toütü)v axoXaorov * tooc yap icoiSa^ 
XoYot; fioXXov T^ p-aoTiEiv dxTaparcojjiev. 'E^m 8e n^v aiQv avaiSetav 
ayajiai. Oo yap xoXaaei^ oixaoTT^picov aot cpo6epott, outs Xoyo; siarj- 
YYjTtxo^ eoTiv aio83i(jLo;. Täv 7ra(Su>v acppoveatepav äv Y^f^pa rf|V Siavotav 
ej(ei?. ^I6t Toivüv, si ßouXoio, irpo? ßapa6pov. **0v y^^P Xops xat 
jMtaTiYSC acucppovsTv oo oiSaoxooai, tootov irsiOeiv xaxiav avi/eoÖai X(av 
spY«>8£c, xat Tou xaÖafpstv ttjV AoYsfoo xoTrpov satt Suajrsp^^rrepov, r^ 
xoTi>A.TQ TO 'ATXavTixov Sxcav Expocpr^oai iräXaYO^. 

Ec'. AFP. BÜTBAAlüN KIZSYBlÖNj. 

FopYioD iral; >j|Aa? aoixsT. EovoptxsüeTat y^P iitTraCofASVo; b 
iia}i.fjLiapo;, xal Trpoa/r^iAaTt ÖTipa;; irspnrsTTSi ttqv iravoopYtav b xaxiaro;. 
OüT£ Y<ip X^Yto; cpotta Tiap' T|}uv, o»jt£ 8opxa; evoY]jxoT, outs ßat>6aXtoe<, 
oux sXacpoi, oüx aXXo ti täv Tipb; Oi^pav STUi-njostoiv ovtcov. Af [lev 
Yap sipxral xal TuaYOtt tou^ XaY.cuoüc aTTsXaüVoooi, 8t a>v xal aXtoxovraf 
8opxaoa^ os r^ xal ßoüßaXioa? ol Yst'ovs; X^ovts;. Kai ti 8^Ta ooi ra p.i>p(a 
TÄv 6t|P(<üv a7raptO(i.7)aai{xi "(i'^r^, ot<; xal TjjisT? ooXXi|ia>TTopÄV ; av8pia 
Yap Tjjia;, aOr^pta 8s too? ftr^pa; xoXaCsTai. 'ETrei8-3^ oov ÄY/ioTsfa oot 



97 Die Aldina liest dvuopta; Copernicus hat jedoch die Lesart der spätem 
Ausgaben avavopla seiner Uebersetzung zu Grunde gelegt und durch ignavia 
wiedergegeben. Das diesem Worte entgegengesetzte aftr^pia hat er dann durch 
sagacitas übersetzt. Welchen Sinn er der ganzen Stelle untergelegt, muss 
freilich dahin gestellt bleiben. 

Auch im Griechischen ist die Stelle übrigens nicht recht klar ausgedrückt. 
Die Worte ävivopia und dflirjpia sind jedenfalls nur durch Umschreibung wieder- 
zugeben. Cimedoncius übersetzt: »quod enim nulli homines hie sutit, nohis; 
quod nullae ferae^ ferh mala est'. Die Genfer Uebersetzung interpretirt : „«o« 
eynm quod non siimus [virij, hestiae veroy quod nou ferae aufit, puniuntur. 

er. 8 



114 I. SOHRIPTEN VON COPERNIOVS. 

Gissibie, afßnitas tibi sit ad iniuriantem, admoneto sodalem^^ et 
quibuscunque potes verbis corrige. Scire enim te volo, eanibns 
ip8um laeeratum iri, si in agris meis de cetero veraabitnr. lam 
enim lycisea cum eatulis iigellum nieum cnstodit, humanam desi- 
deraus adipem comprebendere. 

66. Amatoria. Pitho Hippolyto. 

Pulcbritndinem, non castitatem, amplectuntar amatores. Non 
enim continere docent Cupidines, sed pulchritudine corporis im- 
mode»tum oculum inescant ***'. Si igitur propter mc^res Khodocleam 
amas, voluptatibus tuis Amores non dominantur: modestas enim 
eogitationes iaculum Veneria non attingit. 

67. Moralis. Eratostheues Aeschini. 

luramenta tanquam olera devoras et abenutium ^^^ strepitus 
expedituB tibi videtur esse, et accusatoribus contradicis, o pessime : 
lingua quideni iuravit, mens autem non iuravit. Yidesne, quod 
incastigata lingua maiorem supplicii poenam exspectat? In quibus 
sermottibus peccavimus, operibus poenam sustinebimus. Linguam 
vero modestam habeto: iurare etiam ad veritatem cavens. au 
forte levis tibi res iusiurandum videtur, immo quoeuuque pondere 
importabilius est. Hinc etiam Tantalus punitus est. Namqne de 
uumiuibus immodestam habebat linguam. 

68. Ruralis. SeutHo Corianno. 

Apprehendi tandem pessimam vulpeculam et variis eam nexibus 
noxiam custodio, et dignum puto, Corianuc, ut omnes rustici in 
publicum vocentur« et de hoste palam triumphem. £t publice 
poenam luat pro multiplicibus iniuriis unam passura punitionem. 



9S Durch ein weit^rehendes Missverständniss, dessen Quellen wohl kaum 
RH ermitteln sein dürften, hat Copernicus die Worte ei<J7^-(oO -zh oujx^flpov durch 
y^admoneto oder y M\e\c\\t atlmnvefnf] sodaietn" übersetzt. — Die Warschauer 
Aufigabe hat dies<' Worte in ad mndum nodalem verändert! 

99 Die Orif^tnal -Ausgabe liest nicht inesvant, sondern wrestant, unzweifel- 
haft ein Druckfehler. Abgesehen davon, dass nicht erhellt. Was investant 



BKi^OTA AKTOr KniSTOAAl. 1 1 5 

rpo? Tov aSixoüvra, Ktaati6is, s?aTjYoo to aofji^ipov, xal ^«ocppovisTspov 
TOüTiDv ot 3a as SiSaaxiTcoaav Xo^oi. "laöi yap aorov xoal oTuapaSofisvov, 
31 iv Tot? spLoT; aYpoT«; xo Xoiicov dvBTjfirasiev • "^ot/ ^ip xal tj ÖijXsia 
xutt>v 3UV ToT; tsxvoi; irspKppoupsI (jlou to y^^^^^ avQpa>ir(vr|; opYcoaa 

Sc'. ET. iiEiea innoAVTü. 

EüitpsTTStav, oüx röo? ^sfxvov^ ol ttoÖoüvts; |j.aXA.ov aoiraCovraf oi 
YÄp 3«>'^povslv ot ^EpcüTsc iiraYY^XXovTai, aXXa xaAAst 9(i>}AaToc ©»ftaXjxov 
axoXajTOv 8sXsaJ[oüaiv. Et to{vi>v Sia tou? tpoiroo; Tf|; 'PoSoxXeta^ 
späte, ~«>v 3ÄV Yjöovcüv 00 fiaatXsüOootv EpwTs?' ^tXoao'^ouvTo; y^P 
XoYio|jLOü ßsXo; a'^poöbiov oo/ airrsTai. 

$:'. He. EPATOSBENHi; AIÜXINH. 
*Eo6tet? Tou; opxou; (o^ Xajjava, xat xtutto^; oSovtwv sivai aoi 
doxel TO irpaTTojisvov xal toT? i'^yLokolioiy avTicp6sYYTi> 'tajj.TcovTjps, 

„H yXäoo' 0{Xtt>)ju>)( , f Si 'fPV' avaijAOTo^'', 
oüx £{S<o; aj^aXivwTov YXÄrrav p.&(Cova Toii icX7j[jL[xeXr|fiaTo; aJoirparco- 
fiivTjV Tf|V xoXaaiv, a Y^p Xoyoi? a[i.apTavo|iÄV av, epYOt^ n^v Tifiooptav 
(xpiSofiSv. Ttqv Y^tt^TT^*^ ÖTjta 3(i><ppova xixTTjao, ofAVustv xal icpoc; 
äXr|6eiav 3üXa6oüpsvo; * aSaps^ Tt y^P XP^P*^ ^ opxo; sivai SoxsT, xal 
iravTo; a^Öou; ^otI ouacpoptoTspov. 'EvtsüÖsv xal TavTaXo? IxoXaCsTo* 
irspl tÄ Östa y^P sojje tt^v YX^rrav axoXaoTov. 

£t;. afp. 2ETTA1QN KOPIANNÜ. 

EiXov o^i 7Z0TZ Trv xaxt3Tr|V aXcuicsxa ' xal XftCcuv iroix(Xoi; oeo^ioTc 
reptcppoupttt TT^v ::a(Ap.(apov , xal aSco iirl tt^v Xsuxpopov, Koptavvs, xal 
Too; aYP^^'*^^^ aoYxaXsaajievo; airavrac, ttjV 77oXip.iov Öpia^6su3a> • xal 
or|pL03(^ 3ixa? irapiSsTat, avTl iroXXmv aoix7){iaTa)v jjLiav ucpijouaa xoXaaiv. 

bedeuten soll nnd woher es abzuleiten sei, geben die Lexika des 15. Jahr- 
hunderts die riehtige Bedeutung von osXeaCcu an. 

100 Durch dieselbe Verwechselung von <i%o6; und 6^«5;, wie sie bereits zum 
62. Briefe angemerkt ist, hat sich Copemicus verleiten lassen ö^^vtwv durch 
abeuntium wiederzugeben; er hat sich von Wi^ ein Zeitwort mit der Bedeu- 
tung ,^ehen" gebildet. 



116 I. SCHRIFTEN VON COPERNICÜS. 

69. Amatoria. Galliope Laidi. 

Crobylo et dcada Gorgias oniatur lanugine nondnm obum-. 
bratus ; et pulchritudine antecellit et dementiae *^* illecebras venu- 
state 8ua nobis proponit. Ego autem senectutem et morbum et 
tristitiam imprimam tabulis, et ante iauuas perfidi ipsius ponam; 
haee enim habebit aliquando puchritudini ^'^^ adversantia. 

70. Moralis. Plato Axiocho. 

Frenis atque flagellis equos dirigimus, et nangamus aliquando 
velis navem pandentes, et aliquando ancoris refrenantes sustinemus. 
Ita gubernandam esse linguam, Axioche, modo quidem verbis 
armandam, modo autem silentio sopiendam. 

71. Kuralis. Rhodon Cyparisso. 

Lucanos iterum adesse aiunt. Falcem abiioiens lanceam et 
mucronem fabricabo, et maiüalem exercebo artem ; non enim sinit 
nos quiescere daemon. Aestas mihi hieme rigentior est. Quid enim 
est bello homdius? Flebam imminente vere. Adeo puUulat ager 
floribus. adeo redolet myrtis agellus, tarn ornate frondescit pla- 
tanus, et virent ubique segetes; omnia mihi annonam festinant. 
Sed iniuria nos hostes afficiunt; magis enim apud eos gladius 
quam aratrum desideratur. 

72. Amatoria. Sosipater Telesillae. 

Nisi venereis voluptatibus satietatem natura immiscuisset. 
subditus fuisset ma^culus feminino sexui, Telesilla. Ne igitur 
glorieris meretricula, Veneris mihi fax refriguit; non •enim im- 
mortales cupidinis iacula dolores inferunt. 



101 Neben der Lesart derAldina dvolac sind zu dieser Stelle noch 2 Va- 
rianten diviac und veav(ac. Copemicus ist der Aldina gefolgt und liat die 
Stelle richtig interpretirt. Schon Boissonade, indem er die Uebersetzun^ von 
Cimedoncius „escam dolm-ts^ tadelt, sagt, es könne den Worten des Theophy- 
lactus oIXeap dvota; irpoaTiftifjoiv kein anderer Sinn unterbelegt werden als 
,^8cam HUdiditatiH protemhf* i. e. ^esratHj qua nos ntolidas deripiat.^' 



eE04>YAAKT0Y EniSTUAAI. 117 

y/. ET. KAAAlOnH AAIAL 

Kp«)6i>A(p y.at T2TTiYt b Fopyia^ 0£|ivuvcTai, iitjTT«) tot; fou^.oi? 
xata^xiaaa; to TrpoacoTrov, xal ßp&vÖOcTat rm xa^Aei, xat SsXsap avota^ 
Tüpo^Ttfjrjaiv 7)[ilv trjv süTrpsTrsiav . 'Ky«> oe YTjpa; xat voaov xat Xoirr^v 
Kivajiv £Y)ropaSo}i.ai , xott rrpo T(ov Öopwv dva6r]aop.at tou ayvcifiovo;. 
Taora y^p lEsi ttots ttj; airpSTTsta; tÄ avTiTiaXa. 

o'. He. riAATüN AHIÜXQ. 

'Hviaic xai \xaiw(i tou; iTnrouc t6uvo|X£V, xat vaoTt>vXo[xsÖa itt] jasv 
rot; iartot; r7)v vaüv exTrataaavTc; , 'nr^ ok tal; ayxüpat; jraXtvuJaavts; 
xa%p[xiCo[isv. Out«) xuBspvrjTSov rr^v y^^***'^^^^^ A^iojrs, it^ fiiv rot; 
AoYoic b7c>.i!Iovr5;, tt) oi aKOTqj xarsovaCovTs;. 

oa . ArP. P()M2N KVUAFlilüß. 

Tou; Asuxavouc STrtsvat iraXiv cpaoi* xat, to opeiravov auoppt'J^a;, 
AOY/T'iv '^ot^ aapcj>T9;pa ^raXxsuoojiai, xat tt^v svoaXiov Tt/yr^^ aaxr]oat[jLi. 
Oux sa Y<ip ^ipsfAsTv b 8ai|x«>v 7)jia;. 'EjjloI tou jrsifxÄvo; to 6spo; 
sa-t xpucüöicrrspov* Tt y^P "^ou iroXifioü y^voit av '^ptxwoioTspov ; Hpo; 
cpavsvTo;, söaxpoaa. '(2z xojia toT; avOeatv b aYpo;! «>? aüÄoe; sv 
Tau jA'Jpptvat; TO Y^^Siov ! (o; xoafjita xo}Xtt>3a t) TTActTavoc ! jfXoaCst to 
Xr^iov ! SiravTa jtoi Trpb; susTT^ptav sirstYSTat. 'AXX' aotxouoiv Tijia; oi 
TtoXejiiof apoTpoo Y^^p «utoT; t) [la^raipa 7ro6civoT£pa. 

06'. ET. VÜIIATPOI TEAEVIAAH. 
Kt [iT^ Tat(; acp poototoi? -ijoovat? tov aTepTn; xopov yj (puaic £ve}j.iEsv, 
£8o»iXaY«>Y^^'^^ '^^ a^pev Tm Y'^vaixetq) 'fuXcp, TsXeoiXXa. Mtj toivov 
IX2Y* 9pov2i, TTopviöiov. '0 TTj? 'Acppo8iTT|? |ioi TCüpao; aTTjgOaXfOTai * oo 
Yap ÄÖavaTO'j; tÄ; aXYTjOova? toI tü)V 'EpwTwv ßeXTj itape^^sTai. 



102 Hier hat Copernicus mit Recht die Lesart der Aldina dirpeTceigic ver- 
lassen, da der entgegengesetzte Begriff Euzpeireia; erwartet wird, ei) und a 
werden bekanntlich in den Manuskripten sehr ühnlich geschrieben und des- 
halb auch in den Ausgaben des Theophylactus nicht selten verwechselt. 



118 T. SCHRIFTEN VON C'OPERNICUR. 

73. Moralis. Procluß Archimedi. 

Ridendum aiuut polypodum morem. Dcvorantenim capillamen- 
ta sua, et tanqiiam opportuna obsonia membra corum ^^^ infelicia. 
Devorant igitur miseri partium siianim commoditätem et epulari 
earnibug suis videntur. Anne, Xanthippe, omnibus polypus esse 
videris? equidem id puto manifestissimum. Iniuria enim afficis 
nimis inhumaniter patrem tuum, neque naturam reveritus, neque 
nltionem ut barathrum cavens. Sed siquidem poeniteas, oblivionem 
peceatorum malorum habebis intercessorem. Si vero avaram 
erinnym *^^ irrevocabili furore sortitus es, aequa lanee numen tibi 
compensabit, et pneros habebis paternae malitiae veras imagines 
ac simulacra. Ita enim viperae partns matemae crudelitati 
succedunt, praegnantem ac enutrientem uterum dilaniantes. 



74. Ruralis. Elaphon Dorconi. 

Fertilis ad incrementa pecudum fimus est; ideoque da mihi 
peeudum tuarum fimum, et reeipies ipse mercedem fertilitatis sorba 
et olera, et amieitiam tuam clarioribus remunerabo gratiis. 



75. Amatoria. Aristoxenus Polyxenae. 

Amatoriis voluptatibus nihil infirmius. Perfida sunt labiorum 
tuorum oscula; incomplantatum ^^"^ enim desiderium velocius mar- 
ceseit. Ego deineeps continentiam , quae apud multos insuavis 
est, acceptabo ; firmior enim perhibetur. Et donationibns nuptias 
emam ; fidem enim meretricariam emere difficillimum est. 



103 DasB Copcrnicus ^eorum" auf capülamenta bezogen habe, ist kaum 
glaublich. Es ist vielmehr nur anzunehmen , dass eorum durch einen lapsus 
calami in den Text gekommen sei. — In der nächstfolgenden Zeile übersetzt 
Copemicufl richtig t&v eaurdv {jiopttov durch ^partium stMrum^ 

104 Ck)pemious übersetzt im engen Anschluss an die Griechischen Worte 
T7|N (piXö^puoov T.pivvüv rjavaram erimnim'', wobei allerdings das verstümmelte 



HEoa>YAAK'n )\ Krili:Ti »AAI. 1 1 9 

I 

oy'. He. I1PÜKA02; APXIMHAEI. 

Tou; itoXoiroSa; cpaatv aOupia^ TUYX<ivovTa{; toü(; sauTcbv xaTSoÖietv 
irA.oxa{i.oo^, o<{;ov cu^irsp aXr|6Q>; s^aitapaoxeuov xa iauTcbv ooaTojrMTaTa 
;iiXr|. 'ETTKovTat 70ÜV ot xaXave^ twv iautdiv {M>pt<ov xa xatpia, xal 
oaiTU{JL0V3; TÄv iSicüv attpxcDV ÄvaSetxvüVTai. *Apa fß» SavÖiirirs, ou 
TToXuirou^ TT|V yvaJjiTjV eivai toi; oXot; Boxet;; iy«) [liv oi|tai touto 
oa^iorarov • aSixsT; y^P ^^'<*^> aicavOpoMcoTaTov, rov aov iratipa , yr^Ts 
TTjV cpuoiv aiSoüjisvo;, jiT^TS TT^v o(xr|V «ü; ßoipaöpov soXaßoujisvo;. *AWw' 
21 jiiv [ieTaYvoiT|;, a{jLV7)(iova twv iraptpj^TjXOTcov xaxdiv ffei; ttqv Ilpo- 
voiav • ei OS ttjV cptXoj^poaov 'Eptvvuv ajiÄtaxtvrjTOV iraöo; xexXrjpoosai, 
TTjV bo^^oTtov irXaoTiYYa to 6et6v 001 TaXavTeüetat , xai iroioa; efei; 
itarpixTi; xaxfa; sixova; aXr/ieT; xal {vBaXjiaTa. Ooto) yotp xai tÄ 
TTj? ijriovTi; xorjjxata jiYjtptxTjV avoatorrjTa BiaSijrsTai, ttjV xuocpopov 
xai TiÖTjVTiV YÄ^tipa 8ta^[)r|YVüovTa. 

08'. AFP. EAAcDüN AOPKüNI. 

Tovifio; i:po; suxapirtav rwv 6p3(x(iaT(i)v ovOo; xaOisTr^xsv. Ouxouv 
otSou jjiot TÄv att)V Ops{x^aT(ov tt^v xoTrpov, xat Xtj'J/Yi xauTo; jxiotbü; 
£ueT7jpta; a/paoa; xai Xa/ava, xat to oov 9iXoti[aov Xa^irpoTepai; 



ap«itj/o(tat )(api9iv, 



oa'. ET. APliTüZENÜi: IIOAVEENH. 

' ExaiptxÄv TjOovÄv oo5£V ÄoOsviaTspov • airioTa xa täv awv ^^eiXewv 
<piX7|}iaTa. 'A^OTEüToc ^ap iroOo; Öarcov }iapa(veTat. 'Ey«« rf^v acucppo- 
aüVT|V XoiTTov, avT^oovov ooaav «apa xol; ttoXXoI; , (xaXXov irpoooeSojxat • 
TO yap aTa6spov euaYYsXXeTai • xat icpotxicov tov y*!*®^ ovrjaojiat. 
TTpiasdai Y^p iriartv eTaipixTjv xaXsTcoiTaTov. 



»erimninv* in der richtigen Schreibart herzustellen war. Allein die Warschauer 
Herausgeber sind viel weiter gegangen und hftbcn die Worti* des Copemicus 
in ^varitiae crimen^ verändert. 

■ I0."> incomjßfaftfaftftn hat Copemicus dem griechischen a'^ütcu-ni; nachgebil- 
det. OimedonciUB umschreibt: „tnnor, qui radices non cgit*" 



120 I. fiCHEITTEJf VON COPEBXlCrS. 

76. Moralin. Diogenes Sotioni. 

Mcidica haec gloriuneula, somnimn esse sapientibas videtur, 
et fabuloKis fictionibus monstruosius et vilius. iuconstans. le>'ipen- 
dens, ladam sonans et vento le>ias. Haec quidem ahsentia 
contristat, adveniens antem magis coiitristavit. Cito enim amatores 
8U0H deeepit*"*^. Xon te circumveniat fortunae tamor: deludit 
enim homines, Bicat volt. Vana 8ant enim vanorum hominnm ne- 
gotia. 



77. Kuralis. Bucolion Myrouidae. 

NepoH tuoK male fecit, Myronides! rnbea lacerna*^'^ armenta 

terniit, et optimam praeeipitavit iuvencam. Coaetanei autem eins 

calamitatem hanc ludibrio habebant. Puero dnabus pedicis *"*" 

• ulterinH non indulgeto: iavenes, etiamsi corripiantur, immodesti 

8unt ; et, 8i iudulscris, immodestissimi *<^^. 

78. Amatoria. Pericles Calliopae. 

VirginalibiiK voliiptatibiis operam dare valde ac nimis difficile 
eHt. Ego autem animo segnis"" quid faciam? inexorabilis enim 
Cupido iaculum impulit. Ipsa mihi et Cupidini causam iudices, 
et da mihi decretum humanitatis ; invident enim Amores, amare 
quidem suggerentes, comprehendere autem denegantes. 

106 Don Satz xal rplv Y^veodai jxeT^opa|ic, welcher in keinem Manu- 
skripte fehlt, hat Copernicus nicht übersetzt. 

Iü7 Die Warschauer Ausgabe hat ohne Grund das richtige Jacernar if^iv-ei, 
in Janceola'' verändert. 

J OS Copernieus übersetzt yoivixoiv durch y^peilioiH^, welches Wort die War- 
schauer Herausgeber willkürlich in .jchoinicü" verändern. Pedica hat im klassi- 
schen Latein zwar nur die Bedeutung von ,, Fessel -^ >^ISchlimi&\ sowohl in wört- 
lichem , als in figürlichem Sinne , im spätem Latein jedoch kommt es, wie 
Ducange angiebt, auch als ^^nodun agri^' Ipiece de ierre) vor. Dagegen führt 
Ducange keine Stelle an, worin ,,pedica'* ein Getreidemaass bezeichne. Es 
muss „;7ec{tW jedoch diese Bedeutung im mittelalterlichen Latein gehabt haben, 
weil Chre8to<niu8, dessen Lexikon Copernicus, wie oben erwähnt ist, besessen 
hat, yoivi^ übersetzt mit ^emodttwr und den Zusatz beifügt ^pedicae genus.** 



eEO<l>YAAKT0T EnilTOAAI. 121 

0.;'. HB. AlOrENHi; ilÜTIfiNl. 

To jxixpov TouTO öo;apiov üirap ivuirvtov stvai toT; cü (ppovoootv 
sivat öoxst, xai xwy 7:£7:Aa3jiivü)v »jl^Ocov TeparcoosoTcpov eoti xai cpao- 
AOTcpov, a^raiov, xotxpoiroiov, uaiYViov ^x«>v xat TrvsojiaTcov cpavraotü)- 
öiatcpov. TouTo xat ixtq irapov avta, xat 7rpoaY£vo}j.£vov ttXsov sAuirr^ac ' 
|JL£T oi TToXi yap toü; spaa-ac TjYV(ü[xovT|a£, xat 7rf/tv "(z^iihcLi irpo; to 
|ir| £tvaL fjL£T£Spa[i£. Mr] a£ xaTa7rAT^TT£Ttt) ta -9;; tü/t^; (puar^ixara* 
oiairatCfii ^ap toü; av^paiirouc («aiTcp xat ßouXfiTai : clowXa yap siotoXtuv 
TOI Tü)v av6pü)T:ü)v T£Tu/r^x£ Tipa^ixaTa. 

oC AlT. BC)rKÜAIL>N MTFüNIAH. 

'0 oo; £7YO''o? ü7:£p|xaSa. MupcoviOTj. 'KpoOpco pax£i Ta ,3ouxo>.ia 
oicTapaJc , xat ty)v oajiaXrjV tTjV iroÖeivTjV xaT£xpTjjivta£v * oi 3£ r^Xi- 
xuDTat TTjV 3D|i(5opav sirsTToirjVTo TiaiYviov. Mr^ Tcapi/oi) oüoTv yroivixoiv 
TO) «raiot 7:£patTspcü* öt y^P ^£o^ ^^'t a'^ptY<uvT£c axoAaoTOi, xat TpD- 
cpu)VT£; £i3tv axpaTfiaTSpoi. 



or/. KT. lIKPIKAHi: KAAAIOIIH. 

Ilap6£vtxo>v Y)öov(üv £7rtT£i>5aa6ai otYav £aTt 0'ja/£p£c xat Aiav 
£Y«»> 0£ paOüfxo; ttjV ^^^oyr^v. Kat Tt opa^atjjii av ; aau|x6aTo; y*P ^ 
"Epm^ £7ri7:£|xiro>v to piXo;. Autt^ jxot oixaCfi xat t«) KptoTi, xat otöoo 
txoi 'J^Tj'fov cpiXav6p«>7rta; • ^aaxaivoüai y«P o^ "KpwTcc, to »xiv 7:oÖ£tv 
:rap8)rojx£voi, to oi tu/eiv acpatpoujxsvoi. 



109 Der Unterschied, den Theophylactus in die Worte acppi^ac» und xpuifdco 
hineinlegt, ist von Copernicus nicht verstanden (ebensowenig von €imedon- 
cius: pueri et quum turgent a eiho, sunt immodesti ; et qnum luxuriatttur, ttähuc 
imnwdentiores . ) 

Für CopemicuB giebt die entschuldigende Erklärung die Dürftigkeit des 
von ihm gebrauchten Lexikon. Chrestonius führt bei Tp'jYacu nur die Bedeutunjg 
»delicior^ an. — Wie Copernicus übrigens zu der von ihm gewählten Ueber- 
setzung gekommen ist, kann nicht bestimmt werden. 

110 Copernicus hat das xat vor tt opdoatfi.i weggelassen und die letzteren 
Worte in unmittelbare Verbindung mit dem vorhergehenden Satze gebracht. 
Es scheint dies aber von Copernicus unabsichtlich geschehen zu sein ; wenig- 
stens finden wir .in keinem Manuskripte das %9i weggelassen, und alle Aus- 
gaben trennen durch Interpunktion die beiden Sätze. 



122 I. SCHHIPTEN VON COPKKXICUS. 

79. Moralis. Isocrates Dionysio. 
Apparitores et sceptrigeri , et praeconcs , et altissimoruni 
thronorum exstructiones philosophiae sunt tenebrae ; et haec magna 
virtutum separatio produxit'*^ Numne commutasti fortuna na- 
taram.^ habes utique saecum pelliceum; mortalem enim habes ab 
exordio consistentiam. Quid enim haec parva gloriuncula usqae 
adeo luteo utri adhaesit? Magna dementia repletus es, o infelix, 
et naturalem petdidisti cognitionem ! Ita sublimes fortunae mobili- 
tates deserere te co^gerunt veterem speculationem, et per modestam 
insaniam aberrare. Olim tibi eximia humilitas fuit, nunc autem 
vilis et terrenus fortunae mons altissimus. Ita falsa felicitate 
abstine et fugientem fortunam fuge. Perfidam enim praeveniens 
poenitentiam non Ines repente irruentem. 

80. Ruralis. Cromylon Ampeloni. 

Non est aliquid miserius rusticis. Tyrranide afficimur etiam 
ventorum miseri. Perdit nos auster, spicas mihi inanes fecit, vites 
devastavit, et acinos corrupit ; et in ins vocare adversarium ipsum 
non possum. Ideoque falcem et seculam destituam, scutum, ga- 
leam et ensem aceepturus, et miles ero, et artenii permutans sortem 
fraudabo. 

81. Amatoria. Leander Calicomo. 

Si quid hominibus auro carius est, ostende, qnomodo maiori- 
bus donis fruitio comparetur; sin autem **2^ redde quanto oeius 
mihi gratias. Non enim Danaes pulchritudinem habes neque tu'^^^ 



111 Der Anfang des 79. Briefes ist dadurch, dass Copernicus Wort für 
Wort übersetzt hatte, schwerfällig geworden; der zweite Theil des ersten 
Satzes ist aber kaum verständlich , selbst wenn man den Griechischen Text 
zur Hülfe nimmt. Es scheint das Manuskript des Copernicus beim Drucke 
eine arge Verstümmelung erfahren zu haben. Denn selbst wenn man anneh- 
men wollte, dass Copernicus produxit als intransitivum angesehen hätte, bleibt 
haec nicht zu erklären. 

Uebrigens muss zugegeben werden, dass ohne freiere Uebersetzung der 
Sinn der auch im Griechischen verkünstelt klingenden Worte kaum wieder- 
zugeben ist. Cimedoncius übersetzt: Praecursores et praecones et sedium 



«KUcDTAAKTdT KlIISTlhVAl. 123 

06'. He. lüOKPATHi: AlONni?. 

npo7co]jL7coi xai pa68ou}(oi xai X7|(>uxs{ xai 6povtt>v u^r^XotaTcov 
eTciTsoJi? 9iXo30©ta; iixh a/Xi^, xai 8iaip8Tixa>TaTo; ir^^oxe täv apcTwv 
)f«)ptap.o^. Oux -^[xeiij/ac jASitd tt^; Toj^r^; tt^v cpuaiv * en tov ÖuXaxov 
sj(8ic BepjiaTivov • Övt^ttqv -^ap ej^ei; ix irpooi|i.fou ttjV aootaaiv • ti Sf^ra 
To xEvov TOüTO xai xoucpov So^ciptov im Toaourov rov mfjXivov dsxov 
oi2<puaT|3s; MsYdXr^i; dvoia^ ivscpopr^Ör^^, co 6oaTT|VS, xai Tr|c; '^U3eu>; 
TTjV Y^tü^tv a<pyjpr|3af oStoi ta p.sTia]pa ttj? tuj^Tj; xivrJjiaTa ixarf^vat 
33 TT|^ TcaXai Oacopia^ T|VaYxaaav, xai rr^^ acicppovo; ixEfvTi? jiavta; 
airavajrwpstv irapeoxsuaaav. ^Hv aoi TcdXai jxeTotpoiov to j^afiaiCrjXov 
vov 8e xai yHa\i.akov xai Tiepf^etov Tf|C Töyr^^ opo; axpotato;. Ouxouv 
TTj? ^euSou; eu8ai}j.ovta^ apfaxaao, xai tt^v Spairetiv tüj^TjV SpairiTSüE' 
irpo^pOavwv yap ttjV aifvoipiova , a^vco tt^v [XEtaöoXi^v 00 8uo<poprJ3eu 
irpoaTciircooaav. 

ir. AFP. KPTMTAQN AMOEAÜNI. 

Oux eoTi Ti •^ewp'^v^^f dÖXicuTepov. Tupavvou{jLe6a xai toi; dve[iOK 
ot rdXave; * aTcoXXuatv voto^ Yj^a^ * tou; iori'/oa^ i^iTiQXou^ pioi 
aitetpYaaaxo ' tT|V ajxireXov iXufir^vaTo xai ra? pd^a; 8t£cp4op8 * xai irpo? 
oixaaTTjpiov'eXxsiv ou]( 016^ ri eipii xov Xuirrjoavia. Aio xai to 8peicavov 
xai Tr|V ofifir^v dirttiaofxai^ doictSa xai xpdvo^ xai £(cpo( dpdfievo^^ xai 
9TpaTitt>TiQc YevTiOOfiai, xai, tyjv t^^^vt^v dfietij/a^, Tr^v tüjtt^v oof bofiai. 

Tra. ET. AEANAP02 KAAAIKÜMQ. 

Et fxiv TOL ToT; avOpcoTcoi; /pu9ou TifjLitiiTepov. 8i8a3X8, xai {jtet![o3i 
8ci>pot^ dfiei^ofiai tiqv diroXauoiv * st 8& {jlt] , 8l8ou fioi Oarrov tol^ 

aUissimannn adeptio philoBophiam obecurant et imprimis polletit ad separatulam 
semovendaimque mrtutem. 

112 9%n autem gebraucht Copernicus mit Vorliebe für sin autem minm 
(vgl. ep. 7). 

113 fieque tu haben die Warschauer Herausgeber mit Unrecht weggelassen. 
So wenig es an dieser Stelle erwartet wurde, so ist doch nicht anzunehmen, 
dass es von Copernicus aus Versehen hinzugefügt sei: Copernicus übersetzt 
hier, wie an manchen andern Stellen, im engsten Anschluss an den Griechischen 
Text, welcher in der Aldina, wie in allen übrigen Ausgaben bis auf Boisso- 
nade hinter xtiiXXo; — allerdings störend — die Worte oi^te 06 einschaltet. 



1'24 I. SCHRIFTEX VON COPERNICCS. 

venustiorem , neqiie lovc ego ditior siim, qui auro virginitatem 
emo ^•*. 

S2. Moralis. Soerate^ Alcibiadi. 

Etiani profeeto liuli poetici omni sapientia pleni sunt. Soeios 
Ulyssis aurcB eera (»bturavisse aiunt"'^, qiiando navihns ad lascivas 
Sirenas ferchantur, lUysscm vero vinculis alligatum fiiisse, tan- 
quain in carcere quodani ineliugibili. IntrcMlucuntur hie aroana 
philoHophiae; Sirenas enim cxistimo pro inhonestis volnptatibus 
finxisse poesim. Et Honierum vehementer acbniror comparanteni 
rebns veritatem, qui auditui nostro veritatem, ceu pc»culum, nectare 
duleius, eommiscuit, tanquam vinum potentissimum aqua eontem- 
perando. Ita enim neque figmentis decipimur, necpie incomprehen- 
sibili inquisitione inebriamur. Quapropter cera quidem imperitiam, 
vinculc^ autem i)hilosophiam deelaravit. Hinc solum Ulyssem 
duleissimi eantus auditio delectavit, et affectum eius vincula inter- 
ceperunt. Vitioruni enim consideratio philosophica virtus est, 
voluptatum autem refrenatio victoriosus phi]o60i)hiae trophaeus 
Ätri . Quum igitur, Antimaehe, Ulyssis errori praesens vita simnletur, 
et marinis tnrbationibus miser homo circnmnatet, et nos öirena- 
rnm voluptatum resonantiac negotiantur, et ventorum instar 
modo hu(4 modo illue instent illecebrae : Penelopes coniugium 
imitabimur, indissolubile quoddam ac divinum virtutum vinculum 
philosophiam exercentes. 

8Ii. Ruralis. Anthinus Ampelin o. 

Vindemia iam instat, et uva dulcis plena est. Custodi igitur 
viam publicam peroptime, et Cretensem oanem eooperatorem 
adhibeto; viatoris enim manus ineontinentes sunt, et ad iniu- 
riandnm rusticanis sndoribus promptissimae. 

114 In der Original-Ausgabe schliesst der Brief mit emo, welches die 
Warschauer Herausgeber als lapsus calami angesehen und in cmam verän- 
dert haben. 

115 Die Aldina wie alle Manuskripte lesen gieichmässig cpT|Ocv 6 xoü 



BEO<I>TAAKT( >r EniSTOAAI. 125 

•/ipixa^. Oo yotp AavaT]; ejjeic to xoXXo^ oSts au. aep.voTepov. outI 
Aio? 4^^ TiXoDatüiTspoc, XP^^^ ^i^ irap6svtav cuvoupievo;. 

t:6'. He. 2ßKPATH2 AAKIBIAAH. 

Kai TOL TT^; TToiTjos«)? TTaiyvia TTOtar^? aofiirXsa oocpia^ xaÖiaTTjxe. 
Kr^po) Toü; 'Oouaaeo); haipODc. 6ia6i>aat Ta a)-a cpr^otv b tou MeXr^Toc^ 
OTE Toii; oXxaat irpo; ta^ axoXaaTou; ilsipfjva; dvrJyovTO, tbv öe AaipTOü 
öea^oTc aTtstpYaaaaÖat «i; ev stpxTTj ouacpiixicp xtvi. MuÖoXoYeiTai ta 
TTj^ ^iXoaocpia; aro^pTjTa. ^eipTjva; Y^P Soxu) tÄ; aa^r^ji-ova? 7)8ova^ 
TTjv iroiT^aiv oivairXaTTsaOai ' xat ÖaüjiaC«> Xiav tov ''OjiTipov s'jYxpivovra 
ToTc TTpaY^taai -r^v aXi^Osiav xai xuxsÄva vextapoc uposr^vsa-spov Tai; 
axoai; ■Jjixfüv ava|it$avTa, oiairsp uocopro »j^suoo; oiv(i> Tovixw-aTü) xivl, 
T^ aXY]6eta, xspaaavra. OSr«) yap outs toT; 7rXaa[xaatv aTuatiofieÖa, 
oSre T^ ooaecpixTcp täv ovtodv xaro^Xr^tJ^ei tov voüv {jLs6uaxo{jLs6a. Ato 
xT^pc^ fiiv TTjV axrsipiav, SeofMJ) Bs ttjV cptXoaocpfav sSriXmasv. 'EvTSüÖev 
'Oooaoea jjlovov tcov oitspxoxvtcov [uXcov axouovTa TspaTsosTai xat 
ToT? 5sa|iot; Tr|V ecpsoiv otaxoiTTsaOat. ^H [isv y^P '^">v xaxwv aacpr]- 
vsta, 71 cpiXoao^po«; apen^ ' t] 8g Tmv tjooväv ava^üipT^oi;, ^iXoao^fa? 
4vaY«>viov Tpoicaiov. 'EireiB-iQ toivüv, 'AvTffjLa^e, t^> 'OSoaaso); TrXavTi? 
b irapcüv pio? eixovtojia, xat t^ ÖaXarnQ tcov 6opü6(ov b SstXato; 
ovÖpuyno; TTspivK^X^Tat, xat asipTjvaicüv Yjjia; i^oovwv irspiTToXouaiv t^/t]- 
^ jAttTa, xal, TTvsüfxaTwv 8txT|V, iroTS jxsv ev0^v8s, aXXoÖsv oi ttots rspi- 
xpatouaiv e£aiata, tov nYjvsXoTn)? 'jjioCoYa }xipiY)9u){jLs6a, a^pTjxTov Ttva 
TÄv apSTu>v xal Östov 8saji.ov, ttqv (piXoaocpiav, aaxrJaavTs;. 

i:/ . AFP. ANeiNOS AMHEAINQ. 

'0 TpüYTjTo; tjBtj TTpoxixo^s, xal b ßoTpix; Y^soxoo? TrsTrXrpcüTai. 
Tlsptcppoüpsi Y^^^ "^i^ Xsoxpopov xaXXiaTa, xat tt^v Kpf^aoav xiiva aovs- 
piöov xixTT^ao. 'Ü8tToo Y^P X^^P®^ axoXaaTot xal YStopY^xou; lopcoTat; 
a8ix£iv STOijioTaTai. 

MIXtjtoc, während Copernicus aiunt übersetzt. Es ist deshalb mir anzunehmen, 
dasB Copernicus die sehr späte Bezeichnung des Uomer als MsXTjGtYsvfj nicht 
kannte. Hiezu kommt noch, dass, wie bereits erwähnt, die Aldina die Eigen- 
namen nicht mit grossen Anfangsbuchstaben schreibt. 



12<5 I. SCHRIFTE?? VOX COPERXKTS. 

S4. Amatoria/ Chrjsippa Sosipatro. 

Amatorii« retibus nomne^^* eaptns es, 8<isipater, Anthusam 
aiiiansf Prodenti^i rieuli mgnimi est poellam aniare palehram. 
Noii iii^emiik'e palchritndine nctns; maiorem enim labonim frai- 
tioiiem halieliU amatoriaruin lacrimarmn blaDdimentam. Volnptati 
enim dementia permixta est, et deleetant contristando Cupidines; 
variift enim paftsionibns Veneris eestos intextng est. 

%5. Mpralis. Plato Dionvsio. 

Si trifttitia vis teneri^*', perambnia monumenta, et passionis 
liabebi^ pbarniHi'Uin. Et maxinias hiiminiim felieitates anpiee 
pulverJH tandeni acquirentes levitatem**''. 



Impreiram CracoTiae 
in domo domini loannis Haller 
anno salutia noetrae MDEC 

1H> Der offenbare Dnickfehler der Ori^nal- Ausübe .nnmine^ durfte im 
Texte nicht beibehalten werden. Die Warschauer Ausgabe verändert imnnne 
in das freilich richtigere nonne, welches aber kaum von einem Setzer in 
»umine verändert worden wäre. 

1 1 7 Die Uebersetzung des Satzes et X6irr]c ett^Xet; xp^Tstv, wie sie Coperni- 
cuH K(>gel)en , ist weder wortgetreu , noch giebt sie den Sinn wieder , den 
Theophylactus ausdrücken wollte. Cimedoncius übersetzt richtig : ^Si moero- 
rem riu vincere^. 

WH Den Sinn des Schlusssatzes hat Copemictts wohl richtig wiederge- 
geben; er hat aber nicht dem Wortlaute des griechischen Textes gemäss 
Übersetzt. Das» er %<iNemc von t6 (p6oT2(j.a abhängig gedacht hat, dürfte schon 
ansti(ssig sein; noch weniger zulässig ist, dass r.toai'zirjoi in der Bedeutimg 
von ^andeni"* gebraucht ist. Diese IrrthUmer sind jedoch sehr entschuldbar . 
Zunächst was die irrige Uebersetzung von rspatt^po) betrifft, so war dies 
Wort in den WlJrterbüchem des 15. Jahrhunderts zwar mit der richtigen 
Bedeutung ^ulteriua^ verzeichnet; auch hatte Copemicus selbst in dem 



BEOiM-AAKTOY EniSTOAAl. 127 

ir6'. ET. xpr2;innH SQSinATPQ, 



*Epü)TtxoT; SixTuoi; ou]( iaXco^, ZcooCTcaTpe , t^c 'Av6ou37|; ipmv. 
Opov(puv 0'f6aXfi.(ttv isri Texfir^piov veaviSoc spav eoicpsirou;. Mi^ 
OTSvaCs xaXXsi vixoljievo?' (jLs(Cova -/ap täv irovcov tt^v diroXauaiv sEst;. 
^EpcoTixov oaxpuov irpo^vs;' rfiov^^ yotp xa ttj? ivoia^ xsxepaaTai, xai 
Tipirouat aottoüvts; ot ^Eptois; • iroixiXot; Yap iraösaiv o tTj; *Acppo8(Tr|^ 
xsoTo; SYxs/apaxrai. 

Tti'. HO. nAATßN AlüNV^lß. 

i 

El >vUirT|; iOiXet; xparsTv, TrspiTroXsi Toi; racpouc, xoti tov> ttoIöou; 
sEei^ To 9ap,uaxov, T:ai ra^ [ke^ircoLz taiv avOpcuTrcuv S'jöaifj.ovta; STro^j/ei 
-repairepcü xoveu); x8XT7|fAevoii^ to ^ii37j{j.a. 



4. Briefe Tzz^ani^m durch pulteriiis'* wieder^^eben. Allein da in denselben 
Wörterbttchem xövi; nur mit r,pulvis^ übersetzt wird, so fi^laubte Copernicns 
sich selbstständig helfen zu müssen, und er gab dem zcpaiT^pcu eine fremd- 
artige Bedeutung. Dazu kommt noch , dass die Lexika seiner Zeit cpuo7)fAa 
gar nicht auffuhren, Copemicus also bei der Interpretation dieses Wortes 
gleichfalls auf sich allein angewiesen war. 

Auch den spätem Interpreten hat die Erklärung von 'fusTjiia Schwierig- 
keiten gemacht. Cimedoncius U.A. fassen es wie Copemicus auf; Cimedoncius 
übersetzt : ^Ei maxiinas tiotninum fortunas ulteritis rtneretn videhi.t esse nihih. 
Nun gel>en aber die neuern Lexikographen dem Worte cpvar]ix<z in über- 
tragenem Sinne nur die Bedeutung „Aufgeblasenheit' ^Stolz'*, während an 
dieser Stelle gerade der entgegengesetzte Begriff verlangt wird. Es hatte 
deshalb bereits Casaubonus gelegentlich fad Pe'rs. 6,41; bemerkt, dass hier 
die Negation hinzugefügt werden müsse, und Boissonade hat, ohne in den 
Manuskripten einen Anhalt zu haben, auch wirklich oO vor TteoatTsptu in den 
Text des Theophylactus aufgenommen. 



128 I. SCHRIFTEN VOX COPERNICUS. 



2. Der Brief des Lysis an Hipparch. 



Vorbemerkung. 

Die Dachstehend abgedruckte lateinische Uebersetzung des Briefes 
von Lysis . an Hipparch ist in -dem Original-Manuskripte des Werkes 
de revolutionibus orbium caelestium aufgefunden und durch die Thorner 
Säcular-Ausgabe (p. 35. 36) zuerst veröffentlicht worden. 

Copernicus hatte, wie in den Prolegomena der Thomer Säcular- 
Ausgabe nachgewiesen ist, sein Werk bei der ersten Redaction nicht 
in sechs, sondern in acht Bücher zu theilen beabsichtigt. Danach 
umfasste das erste Buch nur die ersten 1 1 Capitel , hatte aber noch 
einen besondern Schluss. In diesem hebt Copernicus hervor, dass bereite 
einige griechische Philosophen die Bewegung der Erde gelehrt hätten. 
Er nennt unter ihnen — und dadurch hat dieser, später weggestrichene, 
Schluss noch ein besonderes Interesse gewonnen — auch den Aristarchos 
von Samos, dessen Nichterwähnung in dem Widmungsbriefe an Papst 
Paul Ul bisher mit Recht aufgefallen war. Dass mit den Pythagoräern 
- — wenn Philolaus oder ein Anderer die jährliche Bewegung der Erde 
wirklich gelehrt haben — diese Lehre untergegangen sei, dürfe uns 
nicht Wunder nehmen, da es bei den Pythagoräern Gesetz gewesen 
sei, ihre Lehren nur mündlich und nur den Eingeweihten zu überliefern. 
Einen Beleg dafür gebe der Brief des Lysis au Hipparch. 



2. DER BRIEF DES LYSW AN HIPPARCH. 129 

Mit der Uebersetzung dieses Briefes schloss in der ursprünglichen 
Redaetion das erste Buch des Werkes de revolutionibus orbium cae- 
lestium, indem Copemiciis die Trigonometrie dem zweiten Buche überwies. 

Die Einleitungsworte, welche Copemicns seiner Uebersetzung des 
Briefes von Lysis Yoraufschickt, lauten : 

Etsi fateanutr SoUs Ltinaet^ne curstim in immohiUtate ^uogue terrae de- 
tnofisirari posse , in caeteris vero erraniibus minus congruil. Credihile est 
hisce similibu$que ransis P/tiinlaum mobililatem terrae senmae y quod etiam 
wmnulli Aristarchtmi Samium ferxmt in eadem fuisse sententia, nmi illa ra- 
Üone moti: ^uam aüegat reproitaique Aristoteles. Sed cum talia sifU: quae 
m'si acri ingenio et diligentia diutttma compre/tendi non possent : latuisse tunc 
plerumque philosophos et fuisse admodam paucos ; qui eo tetnpore sid^reo- 
rum fnotuwn caüuerint ratimieni, a Piatone mm faretttr. At si Philolao 
vel euivis Pgt/tagorico intellecta ftaerint : verisimile tarnen est ad posteros 
HfM profndisse. Erat enim PgtAagoreartmi ohservatio non tr ädere Ubris: 
nee pandere omnibns arcana phihsophifie Sed amicortun duntaxat et propin- 
quon*fn ßdei committere ac per mantis tradere, Cnius rei monimietilmn ex- 
»tat Lysidis ad Hipparchum epistola: qftam preciosam apud se hahuerint 
philosophiam placuit hne inserere: atqne huic primo libro per ipsam ini- 
ponere finem . Est ergo exemphtm epistolae , quod e G raeco vertimus 
hoc modo : 

Lysis Hipparcho salutem, Post excesstmi etc. 



Das griechische Original des dem Lysis untergeschobenen Bdefes 
lag dem Copemicns in demselben Buche vor, aus welchem er die Bi'iefe 
des Theophylactus Simocatta übersetzt hat. In den bei Aldus Manutius 
1499 herausgegebenen nEpistolae diuersorum phihsophorum, oratorum. Rhe- 
torum sex et vigintin etc. findet sich der Brief des Lysis abgedruckt 
r VI und VII. — Ein Exemplar dieser Briefsammlung befand sich noch 
im Jahre 159S, wie ans einem Visitations-Recess jenes Jahres hervor- 
geht, in der Bibliothek des Frauenburger Domstiftes. (Vgl. Hipler 
Analecta Warmiensia S. 61]. Wohin dieses Buch später gekommen ist, 
hat seither noch nicht ermittelt werden können. 

II. • 9 



1 30 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

Ausser dem Griechischen Texte besass Copernicns aach die latei- 
nische Uebersetzang von dem Briefe des Lysis, welche der Kardinal 
Bessarion auf Fol. 2 der Schrift in ccUtimmatorem Piatoms UbH IV. ver- 
öffentlicht hatte. Copemicus hatte dieses Werk mit den beiden andern 
gleichzeitig erschienenen Schriften Bessarions [ncorrectio librarum Piatoms 
de leffibtisa und »de natura et arte adverstts Trapeztmtifimfi) einem Folianten 
einfflgen lassen, welcher ausserdem des loannes lovianus Pontanus opera, 
die (paivo|isva des Aratus und die acpaipa des Proclus umfasste Dieses 
Buch, welches mit dem eigenhändigen Namenszuge von Copemicus ge- 
ziert ist, befindet sich gegenwärtig auf der Bibliothek za Upsala (Catal. 
Upsal. Y. I 1. 17) , wohin es mit den andern Bachern gekommen ist, 
welche Qustav Adolph aus dem Ermlande hatte wegführen lassen. 

Fttr die Uebersetzung des Briefes von Lysis hat Copemicus die 
Uebersetzung seines Vorgängers in einer weitgehenden Weise benutzt. 
Bessarion hatte den griechischen Text nicht wörtlich ttbersetzt, sondern 
zum Theil recht frei wiedergegeben. Dennoch lehnte sich Copemicus 
fast ganz an die Uebersetzung des Bessarion an, indem er sogar be- 
sondere lateinische Wendungen mitunter beibehielt. An andern Stellen 
hat Copemicus nur die Reihenfolge der Worte geändert, oder eine ganz 
unwesentliche Vertauschung gleichbedeutender Worte vorgenommen, 
z. B. quasf — tanqtiam,, cum — postquam^ nee — neque, sie — ita. 

Trotz dieser Abhängigkeit ist die Uebersetzung des Copemicus als 
eine selbstständige Arbeit zu betrachten, aus welcher ungeachtet mancher 
Irrthttmer eigenes Verständniss des Griechischen hervortritt. Einiges ist 
doch in anderer Weise übersetzt als von Bessarion, manches einfacher 
und natürlicher wiedergegeben. Auch finden sich mehrere Stellen des 
griechischen Textes bei Copemicus in das Lateinische übertragen, welche 
Bessarion ganz ausgelassen hatte. 

In den Anmerkungen sollen die wesentlichsten Abweichungen der 
Copernicanischen Uebersetzung von der des Bessarion hervorgehoben, 
andererseits wiederum diejenigen Stellen bezeichnet werden, wo die 
Uebereinstimmung am stärksten hervortritt. Dagegen schien es nicht 
nothwendig alle Abweichungen vom Griechischen Texte aufzuführen, 
durch dessen Xxegenüberstellung Jedem ein eigenes Urtheil ermög- 
licht ist. 



2. DER BRIEF DES LYSI8 AN HIPPARCH. 131 

Dass der Brief des Lysis in der edlüo princeps nicht zu lesen ist, 
haben nicht etwa die Herausgeber verschuldet. Vielmehr ist die Weg- 
lassung desselben durch die von dem Verfasser selbst geänderte Oe- 
konomie des Buches erfolgt. Als Copemicus nämlich, seinen ursprüng- 
lichen Plan ändernd, dem ersten Buche noch die jetzigen Kapitel 
12 — 14 nebst dem Verzeichnisse der Sehnen hinzufügte, kürzte er den 
Text an vielen Stellen; Manches strich er ganz fort. In Folge dieser 
Umgestaltung ist auch der Brief des Lysis weggefallen. 

Der nachfolgende Abdruck der Copemicanischeii Uebersetzung ist 
ein diplomatisch treuer Abdruck des Manuskripts mit Beibehaltung der 
Interpunktion wie Orthographie ; nur die Abbreviaturen sind aufgelöst. 
Der griechische Text ist gleichfalls mit Beibehaltung der Interpunktion 
genau nach der Aldina abgedruckt. 



9* 



132 I. S<;HBIFTEN VOX COPKRNICTS, 



LYSIS HIPPARCHO SALUTEM. 

VipHt excesftuni Pytliagorae : nnrnquam mihi persnasissem fu- 
tnnirn ut mKMetas diKeipnldrum eins disinngeretnr. Postqnam aiifem 
praeter Hpeiii, tainquain naufragio facto ^ alius alio delati disieeti- 
que suniUH, pium tarnen est diniuorum illius praeeeptorum nie- 
minisse: neque eommuiiieare philosopbiae bona iis, qui ueque- 
aninii purifactioneni soinniaTeriiut. Non enim decet ea porrigere 
omnibu»; qnae taiitiB laboribns sumns eonseeati. Qnemadmodum 
neqne Eleuginianim deamm areana prophanis bominibns licet pa- 
tefacere: peraeque enim iniqui ac inipii haberentnr^ utriqne ista 
faciente». Operae precium est autem recensere: quantnm tempo- 
ris consnmserimus in abstergendis macnlis: quae pectoribns no- 
stris inhaerebant : donec quinque labentibus annis, * praeeeptorum 
illius facti sumus eapaces. Quemadmodum enim pictores^ post 
expurgationem astrinxerunt® acrimonia quadam vestimentorum 
tincturam : ^ ut inabluibilem imbibant colorem et qui postea non 

1 Copernicns fibersetzt nach dem Vorgange von Bessarion ganz frei 
ohne Anschliiss an den griechischen Text : dirö vaö; ficf aXa; <popT($oc iv i^inn 
TreXi^ei Xudelaac. 

2 Copemicus gebraucht neque in der seltenen Bedeutung = ne—quidem. 
Letzteres hatte Copemicus bei Bessarion gefunden und vielleicht eben des- 
halb abgeändert, zumal da er im Uebrigen die freie Uebersetzung Bessarions 
beibehielt, sogar die Uebcrtragung von ao^(ac durch philosophiae. Bessarions 
Uebersetzung ,y8mnmare jwtuej'uni^' hat Copemicus zweckmässig in sojmiia- 
verunt umgewandelt. 

3 Copemicus hat wohl ohne zureichenden Grund das von Bessarion hin- 
zugefügte haherentur beibehalten; das einfache sunt würde gentigt haben. 

Ebensowenig war es geboten, das den folgenden Satz anfangende xaX6v 
mit Bessarion durch operae pretium wiederzugeben. 

4 Hier ist eine wesentliche Abweichung der Coperaicanischen Ueber- 
setzung von der des Kardinal Bessarion ; letzterer hat nämlich die Worte 
irIvT« ÄieXftÖNTwv ^tIcov gar nicht Ubertiagen. 



ATSIA02 nieArOPEEOr ErilXTOAH. 133 



AY2IA0S nreAroPEioY 

Meta To notta*]fopav i£ avftpwiciov ^evsaBat ooSeiroxa SiaaxeSaa&nj- 
oso&ai TO attpoiafxa td^v ofJLiXr^tcov i^ tov dp.aoToo i)t>[iov lßaXo[iav. 
iicel 6s Trap' eXirCSa? oJairsp airo vao; pÄydiXa«; cpopttSo; sv Ip7fiq> ireXa^et 
Xo&ciaa^ , aXXo^ aXXoas <:popsu{ji£Voi Bisoiraprjfjisv y oaiov x^pi (i.va90at 
TÄv T7JV00 Oeiwv xal aefxvmv TrapaYYsXjjiaTCDV [xt^Ss xoiva iroista&at xa 
ao^ta^ ayaöa toT? jitjo' ovap ra«; ^|/ü}ra? xexaöapjxevoic ' oü ^ap difiic 
opi^etv ToTc otTuavTÄoi ta {jLera Toaoütwv aY«>v«>v iropioftivra • ou8e y*P 
ßsßaXot? ta xatv iXeoaivtaiv öeoiv fiaorrjpia Str^Yeiaftai xax Jaoxrjxa 
8s aSixoi xal aoeßie^ ap.cpoxepoi ol xauxa irpa^avxe^. xaXov 8e ava- 
XoYfCea&at oaov XP^^^*^ jiÄxo«; SiayaYoixs? ixjxsTpT^aavxe?, aitoppuTrrojJLsvot 
airfXou^ TOü< Iv xot? oxa&eotv 7j(i.d>v ^^^^^^^^^-1^^^^^ ' ^^"^^ icivxe 8i8X- 
Oovxcttv IxfitDV, lYsvofieOa Bexxixol xäv xr^voo Xo^cov. xa&aicep ^^P o^ 
ßa<pet? irpoexxa&apavx&c eao^j^av xa ßaij;t|xa xäv IjjtaxioDV, otccö^ avex- 
icXoxov xav ßacpav avamWxi, xal (i>)84iroxa Ysvrjoojjivav i^iTaXov^ xov 
auxov 8ai{Jiovio<; xpoirov avi^p icapsaxeuaCs xou^ <ptXoao<pia<; ^paa&ivxa^^ 



5 ol ßa^el; hat Copernicus merkwürdiger Weise durch pictores wieder- 
gegeben. Bessarion wie die Lexika des 15. Jahrhunderts boten ihm das 
richtige Wort. 

6 Copernicus hat den Aoristus gnomicus in loTu<{/av nicht erkannt, oder 
vielleicht durch das Perfectum im Lateinischen wiedergeben wollen. Bei 
Bessarion fand er die richtige Uebersetzung : Ut enim tinctores solentete, 

7 Wenn Copernicus den Sinn des griechischen Textes ungenau und nicht 
recht verständlich wiedergiebt, so ist dies zum Theil durch die Unzuläng- 
lichkeit seiner HUlfsmittel zu entschuldigen. 

Bessarion 8 Uebersetzung konnte, da diese sich sehr wenig an die grie- 
chischen Worte anschloss, zum Verständnisse des* Satzes kaum etwas bei- 
tragen. Dieselbe lautet' Ut enim tinctores söhnt, priusquam telam inficiant, 
quarundam verum acrimonia eam purgare, quo facilius colorem itnbibat etc. 

Ebensowenig fand Copernicus Hülfe bei seinen Wörterbüchern. Für 0x6901 
geben sie nur die Uebersetzung : „obturo, stringo.** Copernicus wählte nun 
zwar richtig die letztere Bedeutung, indem er zugleich von Bessarion den 



134 I. SCHRIFTEN VON COPEBNICüS. 

facile possit euanescere. Ita diuinus ille vir philosophiae prae- 
paravit amatores: quo minus spe frustraretur : quam de alicuins 
virtute concepisset. Non enim mercenariam ® vendebat doctrinam. 
Neque laqueos, quibus multi sophistarum mentes iuvenum impli- 
cant , utilitate vacantes adnectebat : ^ sed divinarum humanarum- 
que rerum erat praeceptor. Quidam vero doctrinam illius simu- 
lantes multa et magna*® faciunf* et pernerso ordine: neque ut 
congTuit instruere iuventutem. Quamobrem importunos ac pro- 
teruos reddunt auditores. permiscent enim turbulentis ac impuris 
moribus syncera praecepta philosophiae. Perinde enim est ac si 
quis in altum puteum coeno plenum puram ac liquidam aquam 
infundat: nam coenum conturbat et aquam amittit. Sic accidit 
iis: qui hoc modo docent atque docentur. Densae enim et opa- 
cae siluae mentem et praecordia eorum occupant: qui rite non 
fuerint initiati : omnemque animi mansuetudinem et rationem im- 
pedinnt. ^* Subeunt hanc siluam omnia viciorum genera:^^ quae 
depascuntur: arcent: nee aliquo modo sinunt prodire rationem. 
Nominabimus autem primum ipsorum ingredientium matres in- 
continentiam et auariciam. Suntque ambae fecundissimae. Nam 
incontinentia incestus*^: ebrietates: stupra: et contra naturam 
volnptates parit et vehementes quosdam impetus: qui ad mortem 



Zusatz (icrifnonxa übernahm. Für die Interpretation der Worte xdl ßa<j;tp,a t&v 
l(AaT((u^ verlieBsen ihn jedoch Bessarion, wie seine Lexika. Ersterer hatte 
diesen Theil des Satzes ganz umgestaltet, und in den Wörterbüchern des 
15. Jahrhunderts findet sich ^d^i^fi gar nicht vor. 

8 Zu der Uebersetzung mercenariam doctrinam für xißSifjXou^ Xoyouc hatte 
Bessarion verleitet, welcher zu mercenariam sogar noch renalem hinzusetzte. 
Bei Chrestonius konnte Copemicus die richtige Bedeutung adtUteratus finden. 

9 Der griechische Text verbindet izd'(a^ unmittelbar mit iienopedexo. Co- 
pemicus scheint dagegen zu laqueos noch adnectebat hinzugeftigt zu haben, 
welches er bei Bessarion vorgefunden hatte. Wenigstens ist dieses Wort 
im Manuskripte nur znr Hälfte durchstrichen und der Punkt hinter doctrinam 
nicht getilgt. Die Thomer Säcular-Ausgabe hat adnectebat deshalb nicht mit 
Unrecht in den Text aufgenommen. Dagegen ist von. den Herausgebern irr- 
thümlich das vor adnectebat stehende Wort als veritatis bezeichnet worden. 
Abgesehen davon, dass die Uebersetzung ,.utilitate veritatis'' keinen Sinn giebt, 



ATsiAOs nroAroPEior EnisTOAH. 135 

oirco^ jjLi^ Sia^saoft^ 'icsp( Tiva twv iXTCtCo|iiva>v ioeiobai xaXÄv xa^afttov. 
00 ^ap xißSi^Xooc iveitopeiJeTo Xo^oo«;. ooSe iraya^ ai^ icoXXol täv 
ao^ioTÄv T(o<; vi(ü? ip.iüXixovTi iror ooSev xptjifoov aj^oXaCovre?. aXXa 
&eta>v TS xal avftpcoicivwv icpttYp-axüiv r^v dTricap-wv. oi 5e, irpooj^rfjLa 
irotYjaafievoi rav tt^voo 8i8a<3xaX(av, iroXXa xal Setva SpwvTt aaYTjveü- 
ovT8< 00 xata xoajxov, ouö* cöc stoj^e to)? vito;. Totyapoov j^aXeirooi; 
T8 xal TTpoaXei; aTrspyaCovxai xooc dxoüovia^* lYxipvavrt "jfap rfizai 
TsrapaYfxevoK; te xal &oXepoTc &Bü>p7^fjiata xal Xd^oo? iXeo&ipoo? xa&aicep 
yap et tk; eJi; cppeap ßafto ßopßdpou irXTjpe? iy/^^^ xaOapov xal 8i6t6i<; 
uS<op, Tov TS ßdpßopov irapa^e xal to o8ü>p r^cpaviaev, o aoro? 8e xpoico? 
xwv o5x«> 8t8aoxdvx«>v xe xal 8t8aoxo{jLiva>v. iroxval ^ap xal ßadeiai 
Xd/(j.at :repl xa? cppivac xal xr^v xap8iav ifnrecpoxavxt xäv jxi^ xa&apo)^ 
op^taa&evxcov irav xo apiepov xal icpqfov xal XoYt':ixov dTutoxiaCooaat 
irpocpav^fxev aoSirjOev. 1^^*'^*^®^^^*^'^^ ^^ '^^ 8aoet xodx<|) TtavxoTat 
xaxdxTjXe^ ixßo9xd{i.evai xal xcoXuooaai xal [i7j8a[jLw<; i&oai lupoxdtj^ai 
xov Xd'yov. ovojjLaJaijii 8e Tcpcoxov iTreXOtov auxÄv xac fiaxipa?, axpao(7]v 
xe xal irXeoveEf'^jv. a|X(p(o 8e tcoXüyovoi Ttscpuxavxi. xa? jiev oov dxpaofa^ 
iUßXdc>i<5av a&eajjLoi xal \iibai xal cp&opat. xal icapa cpuotv 'i38ova(. 
xal ocpo8pat xivs^ opjial fi^XP^ Oavaxcov xal xprjfivÄv ^x8i(iJxoooat rfiri 
"yop xtva(; tjv -yxaaav iiüi&o[jL(ai^ jiijxe jxaxepwv jiT]xe ÖüYaxepa>v diroo— 
5(ia6ai. xal 8iq 'jrapeo>adfjL8vai vojjlov xal luax^pa xal ttoXiv xal xdpavvov 



so erhellt auch aus der Yergleichung mit dem griechischen Texte, dass Co- 
pemicus o)^oXdiCovTec mit vacantes übersetzt habe — Bessarion hat die Worte 
tcot' ouSev xpTjyuov oyoXdlCovTec gar nicht übersetzt. 

10 Bessarion hat die Worte des griechischen Textes noXXd xal htisä ^piüvTi 
weggelassen. Copemicus übersetzt irrthümlich multa et magna faciunt; mit 
5etvd kann hier schwerlich etwas Lobendes bezeichnet werden. 

11 Copemicus hat - es ist die einzige Stelle, wo er aus dem griechi- 
schen Texte Worte weglässt — die allerdings etwas schwer verständlichen 
Worte irpo<f>av-q(i.ev a\)^H^ nach dem Vorgänge von Bessarion nicht übersetzt. 

12 Copemicus übersetzt Travtolat xaxÖTTjre; durch omnia viciorum genera, 
indem er mit Recht Bessarions schwülstige Ucbersetzung verwirft ,y8itbeunt 
hanc sylvam permultae ac vartae helua viciorum.^ 

13 Die irrthümliche Uebersetzung von a^eap.ot durch inceshts hat wohl 
Bessarions Vorgang verschuldet. Dieser übersetzt: Incontinentia enimßlias 
parii illiciias nuptias, ebrietates, stupra etc . 



136 I. SCHRIFTEN VON COPEBNICÜS. 

et praecipicium impellunt. Jam enim libido quosdam usque adeo 
inflammauit, ut neque matribus neque pignoribas^^ abgtinuerint : 
quos etiam contra leges : patriam : civitatem : et tyrannos iuduxit : 
iniecitque laqueos: ut vinctos ad extremum usqne supplicium 
co^erit. ^^ Ex auaricia autem genita sunt rapinae : parricidia : 
sacrilegia : veneficia : atque aliae id genus sorores. Oportet igitur 
huiusce silvae latebras: in quibus affectus isti versantur: igne 
ferro: et omni conatu excidere. Cumque ingenuam rationem bis 
affectibus liberataro intellexerimus : tuno optimam fnigem ; et frn- 
ctuosam illi inseremus. »« Haec tu quidem Hipparche non paruo 
studio didiceras. Sed parum o bone vir servasti, siculo luxu 
degustatO) cuius gratia nihil postponere debuisses. Aiunt etiam 
plerique te publice philosophari : quod vetuit Pythagoras: qui 
Damae Aliae suae commentariolos testamento relinquens manda- 
uit: ne cuiquam eos extra familiam traderet. Quos cum magna 
pecunia vendere posset, noluit. Sed paupertatem et iussa patris 
aestimauit auro cariora. ^^ Aiunt etiam : quod Dama moriens Vi- 
taliae filiae suae idem reliquerit fidei commissum. Nos autem vi- 
rilis sexus inofficiosi sumus in praeceptorem : sed transgressores 
professionis nostrae. Si igitur te emendaueris gratum habeo. 
Sin minus mortuus es mihi. 



14 In der Uebertragung von Ou^aT^pac folgt CopernicuB auffallenderweise 
der gekünstelten Uebersetzung von Bessarion. 

15 Die Thomer Ausgabe druckt irrthümlich impulitque laqueos et 

coegit. • 

16 Den Satz xa( j^uodifAeNov a6Ti[j irapa^iSofAcv hat Copemicus ganz 

frei übersetzt und namentlich im letzten Theile Ma'bches hinzugefügt, wovon 
im griechischen Texte Nichts zu finden ist. Auch hiezu^ hat Bessarion den 
Anstoss gegeben, welcher noch viel weiter gehend folgendermassen übersetzt : 
Cumque huiusmodi cultu rationem ab eius affectibus liheratam intellexerimus: 



AY2IA02 nTeArOPEIOr EniSIOAH. 137 

IxireptaYaYouaai too; a^xÄva^;, «>? aiyjiaXwiou; litt tov ioyaio^ oXeBpov 
[leta ß(a< aifoüaai xaticot^av. Ta<; 8s itXeovetia? ixTreepoxavn ctpitaYat 
TS xat TraTpoxTov(ai UpoauX(ai. cpapfiaxeiat. xal oaa toutcov aSeXcpa. 
Sei wv Toye irpaxov m^ oXa? toic ivSiaiT^rai Taota ta ira}>rj, luopi xal 
oiSaptp xat icaai; jiTjjfavaT; ixxaftapavra, xat [)oaa|ievov tov Xo*]fiap.ov 
iXsu&epov TÄv ToooüTwv ita&itov , to'nivfxa cpoTeoovTa ti j^pr^arov aut(p 
7rapa8t8ojjiev. 'Äirep Sfiafte^ [ia^ **l7C7rapj(e jista oirooSa^, oox dn^pTjoa; 
S* «5 Y^^^^^®* '^&\>oa\i£'^o^ StxeXtxa; iroXüT2Xeta<;, ac ou XP^j^ "^^ Ysueoftat 
oeoTcpov. Ai^ovri 8s iroXXot os xat 8ap.03ta cpiXoao^sv. oirsp aira^fcoas 
rio&aYopa^ ' o^ 7s Aa{i.oi • xa aotou OuYatpt ra oTrojjLvafxaTa irapaxata&s- 
{jLsvoc licsaxa'j/s (jL7|0svt twv Ixto; xa; otxia^ irapa8i8ofjLsy. a 8s, 8i>va(iiva 
TToXXÄv xP'^lP'CKXcüv airo8oaftai xoi^ Xo^io^, oox ißouXiij&T^ • 7csv(av 86 xal 
xÄ^ xÄ icaxpo; iirtaxatj/ia^ IvofitCs jfpooooo xtfxuoxspa^ Sjxsv. cDavxl 
8s oxi xal Aapitt) &vaaxoioa BioxaXiof x^ saox^ Oo^axpl xav auxav 
äiciaxoXav airsaxsiXsv. ^(X{j.6^ 8s av8ps? iovxs<;, ou yv^ioto); auxcp itoxt- 
fspofjLsfta, (iXXa irapaßdixai xav bjxoXoYiav Ytpojis&a. sJ fxsv oov p-sxa- 
ßaXoio^ X^pi]ao|xai' s^ hk [ij^, xs&vaxa^ )j.ot. 



^MRc serere optimam aliquant frugenn debemus: et optimos atque tiberrimos frU' 
ctus inde proventurog sperare. 

17 Copernicvs übersetzt genau nach der Aldina. Bessarion mnBS nach 
einem, sonst mit dem Texte der Aldina gleichlautenden Manuskripte über- 
setzt haben, welches hier einen Zusatz hatte, da er die Worte quamvis mulier 
hinzufügt. Vielleicht hat Bessarion diese Worte jedoch aus Diogenes Laer- 
titts übernommen, (VIII 42) welcher die ganze Stelle von den Worten : A^- 
YovTt hk iroXXol — ivöfjitCe ^pusip TtpiioaT^pac T/fuv wortgetreu mittheilt, hieran 
jedoch noch, die Worte xal xaDia 'fuvdi anschliesst. 



D. 

Briefe. 



Vorbemerkung. 

Von dem reichen Briefwechsel des Copernicus ist leider nur Weni- 
ges gerettet. Namentlich haben wir zu bedauern, dass die Corre- 
spondenz mit Tiedemann Giese und Rheticus, sowie die Briefe an 
Osiander verloren gegangen sind. In diesen Schriftstücken durften wir 
hoffen, Aufschlüsse über die Entstehung und Ausbildung der kosmischen 
Ansichten von Copernicus zu erhalten. 

Von dem Briefwechsel des Copernicus mit seinem begeisterten 
Schüler Rheticus hat sich seither auch nicht die geringste Spur auf- 
finden lassen. Dagegen haben wir in einem vor Kurzem bekannt ge- 
wordenen Werke Keplers (in der Apologia Tychonis contra Ursum 
Kepleri opera ed. Frisch vol. I, 245 sqq.) eine in vieler Beziehung 
interessante Hinweisung auf einen Brief erhalten, den Copernicus am 
1. Juli 1540 an Osiander geschrieben. Copernicus hatte in seinem 
Briefe einen Gedanken-Austausch über die wichtige Frage veranlasst, 
ob die Grundsätze der neuen Weltanschauung offen, oder in hypothe- 
tischer Umhüllung vorzutragen seien. Hierauf antwortet Osiander in 
demselben Sinne, in dem die untergeschobene Vorrede zu dem Werke 
de revolutionibus orbium caelestium geschrieben ist. Keplers Worte 
lauten : 



BRIEFE. 139 

Ckim Copemiciis anno 1540 Calend. Jul. ad Osiandrum scripsissety sie 
im inter cetera respondet Oslander anno 1532 20. Apr. : de hypothesihus 
ego sie sensi semper non esse articuhs Jidei sed fundamenta calculi , ita 
ut, etiamsi /alsae srnt, modo moUium cpaivofxeva exacte exhibeant, nihil 
referat; quis enim nos ceriiores reddeij an Solis inaeqxtaUs mottis epicycli 
an nomine eccentricitaiis contingat^ si Piolemaei hypotheses sequamur, cum 
id possit utnanque. Quare platisibile fore videretur^ si hac de re in prae- 
fatione non nihil altingeres. Sic enim plaoidiores redderes peripateticos et 
theologos, quos contradicturos metim.a 

Der Briefwechsel des Copernicus mit Osiander, den Kepler, wie 
wir aus der vorstehend abgedruckten Stelle ersehen, noch benutzen 
konnte, ist spurlos verloren gegangen. 

Ebenso ist die noch viel wichtigere Correspondenz, welche Coper- 
nicus mit seinem langjährigen Freunde Tiedemann Giese geführt, als 
verloren anzusehen. Sie war noch zwei Menschenalter nach seinem 
Tode erhalten und um das Jahr 1615 in dem Besitze eines Professors 
der Krakauer Universität. Wir erfahren dies durch das Zeugniss eines 
Amtsgenossen loh. Broscius. Dieser berichtet in der Vorrede zu seiner 
Schrift : »Epistolae ad naturam ordinatarum figurarum plenius intelli- 
gendarum pertinentes.« Cracoviac 1615: 

uRevertndtis Dominus Joannes Ryhkowicz Collega Major in Academia 
Cracoviensi pro suo in nie artesque mathematicas amore d^dit mihi perlegen- 
das Reverendissimi Domini Tidemanni Gisii Episeopi Varmiensis epi- 
slolas , quarum plurimae ad Copernicum , absohUae subtiUtatis mathema- 
ticum sunt exarakie. Legi avide, unamque reperi plenam querimoniae pro- 
pter Opus Revolutionumy prima editione mala ßde publicaium. Eam nunc 
lector accipe, alias Frueburgo reversus, si Deus vitam concesserit, dabo.a 

Broscius selbst besass später einen Theil des Briefwechsels zwi- 
schen Copernicus und Giese, vielleicht von Rybkowicz. »Habeo plures 
quam XX epistolas Tidemanni Gisii ad Ccpemictim huius argumentia — 
sagt Broscius selbst in einer Randbemerkung zu seinem, gegenwärtig 
auf der Krakauer Sternwarte aufbewahrten Exemplar des Copemicani- 
sehen Werkes de revolutionibus orbium caelestium. 

Eine grössere Zahl von Briefen des Copernicus hatte Broscius 
später In - seinem Besitze , wahrscheinlich als Beute von seinem Ent- 



140 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

deckungszuge nach den Fraaenbnrger Bibliotheken. Ein Zeitgenosse, 
Simon Starowolski , erwähnt dies in seiner »vita Copernici:« (»Elogia 
ac vitae centum Polonlae scriptomm 1627 p. 157 ff.) 

» ut manifestum est ex litteris variis (quas habet Cta- 

rissimns vir lo. Broscius Phihsophiae et Medicinae Doctor Ordinaritts- 
que in Alma Universita te Crac. Astrolopiae Professor) manu ipsius Co- 
pernici ad Lucam avunculum aliosque exaratis . . . .a 

.... Copemicus familiäres hahuit Tid^mannum Culmensem, lo. Dantis- 
cum Varmiensem EpiscopoSy Vapovium Cantorem Cracoviensem , ad quem 
scripsit Epistolam de motu Octavae spkerae, Nicolaum de Schade k, Marti- 
num de IlkuSy Mathematicos Cracovienses, olim condiscipulos suoSy cum qui- 
bus conferehat de eccUpsibus et earum ohservationibus, ut patet ex Episto^ 
lis manu illius ipsius scriptis, quas habet in Academia 
Cracoriensi lo. Broscius. 

Broscins hatte, wie er selbst ausdrücklich mittheilt, die Absicht, 
alle Briefe des Copernicus, die in seinen Besitz gekommen waren, 
durch den Druck zu veröffentlichen. Leider ist sein Vorhaben jedqch 
nicht zur Ausführung gekommen. Veröffentlicht ist durch ihn nur jeuer 
Brief Giese's an Rheticus, worin Letzterer aufgefordert wird, gegen 
Osiander's Impietät in Betreff der untergeschobenen Vorrede zu dem 
Werke de revolutionibus einzuschreiten. 

Wohin die Briefe des Copernicus, welche Broscius besessen hatte, 
nach dessen Tode gekommen sind, wissen wir nicht. Auf den grossen 
Polnischen Bibliotheken sind' sie bis jetzt vergeblich gesucht worden. — 

Den literarischen Reliquien von Copernicus hat man in den letzten 
Decennien mit besonderm Eifer an versclüedenen Orten nachgespürt. Es 
ist jedoch bis^ jetzt nur gelungen, im Ganzen 16 Briefe des grossen 
Mannes dem Staube der Archive zu entziehen. 

Der erste Brief des Copernicus, welcher der Oeffentlichkeit über- 
geben wurde, war ein kurzes Schreiben an den Herzog Albrecht von 
Preussen d. d. 21. Juni 1541 (in den Beiträgen zur Kunde Preussens 
II, 266]. Ausser diesem Briefe besitzt das Eönigsberger Archiv noch 
ein zweites kürzeres Schreiben an den Herzog Albrecht d. d. 15. Juni 
1541. — Diese beiden Briefe sind in deutscher Sprache geschrieben : 
alle übrigen in lateinischer Sprache. 



BRIEFE. 141 

Von den lateinischen Briefen des Copernicus wurde zuerst ver- 
öffentlicht (in Grelles Journal 1845 Bd. XXIX Heft 2) ein Schreiben an 
den Bischof Dantiscus d. d. 27. Juni 1541 , welches durch den Fürst- 
bischof Krasicki an die Königliche Bibliothek zu Berlin gekommen ist. 

Vier Briefe des 'Copernicus sind dadurch gerettet^ dass sie, den 
Plünderungen der Frauenburger Archive durch Freundeshand glücklich 
entgangen, als Kriegsbeute nach Schweden geführt worden waren. Bei 
seinen Kriegen mit Sigismnnd III hatte Gustav Adolph nämlich ausser 
den Ermländischen Bibliotheken auch viele Manuskripte ans dem bi- 
schöflichen und dem Kapitels-Archive nach Schweden schaffen lassen. — 
Von dort wurde ein Theil dieser Archivalien auf Ansuchen der preussi- 
schen Regierung im Jahre 1798 zurückgeschickt und dem Königsberger 
Archive übergeben. Unter denselben befanden sich auch zwei Briefe 
des Copernicus (an das Domkapitel d. d. 2. October 1518 und an den 
Domherrn Felix Reich). Diese Spuren weiter zu verfolgen wurde im 
Jahre 1852 die Universitätsbibliothek zu Upsala einer Durchmusterung 
unterworfen , und hier fanden sich noch zwei weitere Briefe vor, an 
den Bischof Mauritius Ferber d. d. 29. Februar 1524 und an den Bi- 
schof Dantiscus d. d. 25. April 1538. Diese beiden Briefe sind abge- 
druckt in meinen »Mittheilungen aus Schwedischen Archiven und Biblio- 
theken« S. 9 und 10. 

Den reichsten Zuwachs an Copemicanischen Reliquien brachte die 
Warschauer Ausgabe der Werke des Copernicus. Hier wurden zunächst 
fünf bis dahin ganz unbekannte Briefe des Copernicus an Dantiscus 
publicirt, geschrieben in den Jahren 1533 (11. April), 1538 (17. März 
und 2. December) und 1539 11. Jan. und 11. März. Leider vermeiden 
die Warschauer Herausgeber geflissentlich jede Quellenangabe, und 
auch anderweitig ist nicht bekannt geworden, wo diese Briefe aufge- 
funden sind, und wo sie gegenwärtig aufbewahrt werden. Der Kurier 
Warszawski (1853 p. 863) berichtete nur, dass im Jahre 1853 die 
Originale von 12 copemicanischen Briefen für die erw. Edition nach 
Warschau geliehen waren. Vielleicht sind die Schriftstücke, welche 
neben den bis dahin anderweitig bekannten Briefen in der Warschauer 
Ausgabe der Werke von Copernicus abgedruckt sind, aus der Zer- 
streuung gerettete Reste der Briefsnmmlnng, welche Broscius einst be- 



142 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 

sessen. Ansser den fünf bis 1853 ganz unbekannten Briefen gab die 
Warschaaer Ausgabe den Originaltext zweier Briefe des Copernicus an 
Dantiscus d. d. 8 Juni 1536 und 9. August 1537, deren Inhalt bereits 
durch eine polnische Uebersetzung von Niemcewicz (Zbiör pami^iköw 
hiBtorycznich etc. IV, 24) bekannt geworden war. — Diese beiden 
Briefe befanden sich nach dem Zeugnisse von Niemcewicz früher im 
Sibyllentempel zu Pulawy; wo sie gegenwärtig aufbewahrt werden, 
ist unbekannt. Endlich findet man in der Warschauer Ausgabe 
das wichtige Gutachten, welches Copernicus in Form eines Briefes an 
Wapowski d. d. 3. Juni 1524 über eine Abhandlung des Nürnberger 
Gelehrten loh. Werner »de motu octavae sphaerae« geschrieben hatte. 
Leider ist auch von diesem Schriftstücke nicht bekannt, woher es ab- 
gedruckt ist. 

Nach dem Jahre IS 54 sind noch zwei Briefe des Copernicus an 
Dantiscus (d. d, 3. März und 28. September 1539) in der Czartoryski- 
schen Bibliothek zu Paris durch den Grafen Alexander Frzezdziecki im 
Jahre 1856 aufgefunden und durch Dominik Szulc in der Bibliotheka 
Warszawska 1857 IV, 782. 783) veröffentlicht worden. 

Zum Schluss der Vorbemerkung sei hier noch beiläufig erwähnt, 
dass die Briefe, die wir von Copernicus besitzen, mit einer Gemme ge- 
siegelt sind, welche den Apollo mit der Lyra zeigt ; an einzelnen Brie- 
fen ist das Siegel recht gut erhalten. 

In dem nachfolgenden Abdrucke sind diejenigen Briefe, ftlr welche 
das Original selbst hat benutzt werden können, diplomatisch treu wie- 
dergegeben; nur die Abkürzungen sind aufgelöst. Diejenigen Briefe, 
welche wir nur durch die Warschauer Ausgabe kennen, mussten selbst- 
verständlich in der Form, wie sie dort veröffentlicht sind, abgedruckt 
werden; die Warschauer Herausgeber haben weder Orthographie noch 
Interpunktion der Originale beibehalten. 



BRIEFE. 143 



1. An das ermländiscbe Domkapitel 
d. d. Meblsack 22. October 1518. 

Nach dem Original im Staatsarchive zu Königsberg. 

Venerabiles et observandi domini maiores 

honorandi. 

Intellexi jam eadem heri a domino Reaerendissimo que digni- 
tates yestre de hospicio parando scribunt et sunt fere procurata 
ad ntmmqae sine piscarius siue carnarias contigerit dies. Im- 
pnlernnt me literae p. Grenssingi quo citius ex allenstein soluerem 
et r^ceptus mecum inde burgrabius in heilsberg pleDiorem accepit ' 
informationem quo minus ille de iustitia denegata queri *poterit. 
Commisit etiam mihi dominus Reuerendissimus commouere digni- 
tates vestras circa dandum domino Magistro responsum si litere 
non essent emisse, ut addatur in exemplari quod paternitas sua 
transmisit clausula haec (dass dy heiige gerechtikeit nicht vor- 
hindert wordej quo magis peruersa illorum interpretatio et cauil- 
losa praecludatur. Nouitates etiam accepit paternitas sua quod 
Moscouita suscepit cum Rege perpetuam pacem quibus conditio- 
nibns constet expectat paternitas sua in horam intelligere. Sic 
igitur tota confidentia vicinorum iam corruit. Commendo me 
dignitatibuB vestris. Ex melsac XXII Octobris 1518. 

Hinc etiam quam primum potero me absolvam. 

N. Coj^jinic. 

Veneralibus et spectahilibus Dominis prelatis cano7iici8 et 
Capitulo ecclesie Varmiensis , dommis et maiaribus suis 
plurimum obseruandis. 



144 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 



2. An den Bischof Mauritius Ferber 
d. d. Frauenburg 29. Februar 1524. 

Nach dem Original in der Universitätsbibliothek zu Upsala. 

Reuereiiilissime in Christo pater et domiiie 

domiue gratiose. 

Cum olim tempore belli Venerabilis dominus hinricus Snel- 
lenberg a domiuo Kenoldo Velstet de peeuniis mihi debitis mareas 
centum reeepisset et non longe post soluisset ex iis mareas XC: 
remansit mihi in mareas X obligatus, quas ad frequentem repe- 
titionem haetenus eonsequi non possum, sed remittens me semper 
ad proximam proventuum distributionem soluere promisit. Cum 
igitur transactis aliquot mensibus eontigisset ut me presente 
Venerabilis dominus administrator quandam pecunie partem ad- 
numerasset illi, requisivi eum ut ex ea mihi tunc fecisset solutio- 
nem seeundum promissa offerens me quitaturum nunc illnm manu 
propria. Tunc iterum noua exceptione me fraudauit, coegitque 
ut prius chirographum eins a Rinaldo Veitstete reeuperarem. 
Nunc adveniente heri Venerabili domino administratore et corpora 
prebendarum distribuente requisivi illum cum Chirograph© suo nee 
sie profeci. Dicente illo quod plane volet [sie] habere pecuniam 
suam a domino administratori [sie] et si quid mihi debeat, hoc 
per visim iuris et iudicis officium peterem. postquam ergo video 
aliter fieri non posse atque pro dilatione odium pro gratificatione 
ludibria retribui, coactus sequi consiüum eins, quo me distrahere 
cogitat vel defraudare si posset recurro ad Reuerendissimam d, 
vestram et rogo et supplico — dignetur mihi decernere arrestum 
fructuum sui beneficii donec mihi satisfiat vel quomodolibet aliter 
prouidere sua benignitate ut quod meum est eonsequi possem. 
Servitia mea cum omni promptitudine R. d. vestre devoveo quam 



r 



BKIIfi)«'K. 1-15 

divina clementia longevam conservet in omni progperitate et felici 
gubernatione. 

£x Frauenburg, ieria 2 post oculi. Anno douiini MDXXIIII. 

E. K. ü. V 

Nie. Coppernic. 

Recefefidisithno in Chrlato patri et domino domiiiu Munritio, 
dei yratia Episcopo Va7'mie7m, doinino nuo plurhmnn ob- 
set'uatulo atqut gratioso. 



3. An den Domherrn Wapowski zu Krakau 
d. d. »ex Varmia«'' 3. Juni 1524. 

Nach dem Abdrucke in Copernici opera ed. Yarsav. p. 575 sqq. 

Kevereudo Domino Bernhardo Wapowski, 

Cantori et Canonieo. Ecclesiae Cracoviensis et 

8. K. Maiestati8 Poloniae Secretario. 

Cum pridem ad me mitteres, optiuie Bernharde, Johaunis 
Wemeri** Nurembergensis editum de motu octavae sphaerae opus- 

* Warmia, der lateinische Name für Ermland, wird häufig auch für 
den Bischofssitz Frauenburg gebraucht. 

** Johannes Werner, geb. 1408 zu Nürnberg, lebte, nachdem er l493 — 149^ 
auf der Universität zu Rom sich ausgebildet hatte, als Geistlicher in seiner 
Vaterstadt bis zu seinem im Jahre 152S erfolgten Tode. Apclt (Reform der 
Sternkunde S. 66) rühmt ihn als guten Himmelsbeobachter und vorzüglichen 
(ireometer, der auch eine tiefere Einsicht in die höhere Geometrie besessen. 
Dasjenige Werk Werner's, über welches Copernicus in dem Briefe an Wa- 
powski seine Ansicht ausspricht, erschien im Jahre 1522 zu Nürnberg unter 
dem Titel: Libellus super viginti duobus elementis conicis. Comentarius in 
nndecim modos confieiendi opus problematis quod cubi dtiplicatio dicitur. 
Dionysiodori problema, quo data sphaera piano sub data ratione secatiir. 
De motu octavae sphaerae tractatns duo ut et summaria onarratio the- 
oricae motus octavae sphaerae. 

II. <» 



146 I. SCHHIFTEN VOlJ COPEßNlCÜS. 

culum, qnod a multis laudari ducebas: petiit ex me VenerabiK- 
tas tua, ut ei nostram quoque sententiam de illo signifiearemns. 
Quod certo tanto libentins fecissem, quanto honestias et revera a 
me quoque commendari potuisset, nisi quod Studium hominis et 
conatum laudarem, et quod admonuit Aristoteles, non solum iis, 
qui bene locuti sunt, gratificandum esse philosophis, sed etiam 
non recte locutis, quandoquidem non parum saepe contulit etiam 
devia notasse viam rectam sequi volentibus. Caeterum ad modieum 
utilis est reprehensio^ confertque parum, quia et impudentis in- 
genii est, momum potius agere velle, quam poätam. Proinde 
etiam vereor, ne mihi suecenseat aliquis, si alium reprehendam, 
quamdiu ipse non profero meliora. Itaque volebam illa ut sunt, 
dimittere curae aliorum, atque sit Yenerabilitatis tuae ut libenter 
nostra acciperet in summa responsum fuisse. Verum cum anim- 
advertam, aliud esse mordere et lacessere quemquam, aliud 
castigare et revocare errantem, quemadmodum vicissim laudare 
aliud est, quam adulari et agere parasitum: non invenio, cur 
desiderio tuo obsequi non deberem, aut quod harum rerum studio 
et diligentiae, qua praecipue polles, derogare viderer. Ac perinde 
ne etiam temere videar reprehendere hominem, conabor quam 
aptissime ostendere, in quibus ille de motu sphaerae fixarum 
Btellarum erraverit, neque conveniat eins traditio, quod forsitan 
ad certiorem eins rei capessendam rationem non parum etiam 
conducat. 

Primum igitnr fefellit eum supputatio temporum, quod existi- 
maverit annum secundum Antonini Pii, quo Cl. Ptolemaeus ob- 
servata u se fixa sidera in ordinem constituit, fuisse a nativitate 
Christi anno centesimo quinquagesimo, cum fuerit secundum ^eri- 
tatem annus 139. Ptolemaeus enim lib. ÜI Magnae Constructionis 
cap. I observatnm autumni aequinoctium ab Alexandri Magni morte 
anno 463 ait fuisse Antonini anno tertio. A morte vero Alex- 
andri ad Christi nativitatem numerantur anni pariles Aegyptü 323 
et 130 dies. Nam a principio regni Nabonassari ad Christi mti- 



vitatem supputant annos pariles 747 et dies 130. De quo nou 
Video dubitare iieque auetorem hunc, at apparet prop. 22, nisi 
qnod additnr dies unus secunduni cauones Alphonsinos, idque ideo, 
quod Ptolemaens incipit a meridie primi diei (Calendis, iion pridie 
Cal.j priini mensis Thot apud Aegyptios, annos Nabonassarios et 
AlesLandri Magai, Alphonsus autem a meridie ultimi diei prae- 
cedentis, quemadmodum nos a meridie ultimi diei meusis Deeem- 
bris annos Christi supputamus. A Nabonassaro autem ad excessuui 
Alexandri Magni Ptolemaeus eodem lib. cap. 8 numerat annos 
424. Cui astipulatur Censorinus de die natali ad C. Cornelium 
scribens, auetoritate M. Varronis. Kelinquntur ergo ex annis 747 
et 130 diebus 323 anni et 130 dies, videlicet ab Alexandri morte 
ad Chiisti nativitatera, atque liinc ad Ptolemaei observationem 
iam dietam anni pariles 139 dies 303. Ergo observatum a Pto- 
lemaeo aequinoctium hoc autumni constat fuisse a nativitate 
Domini annorum parilium 140, nona die mensis Athyr; Bomauo- 
i-um vero annorum 130, id est die 25 septembris Antonini tertio. 

Kursus idem Ptolemaeus libro V Magnae Constructionis cap. 3 
in observatione solis et luuae, anno secundo Antonini, supputat 
annos Nabonassarios 885 et 203 dies. Fuissent ergo a Christi 
nativitate anni transacti pariles 138 et 73 dies. Exinde, post 
dies fortassis 54, 14 nempe Pharmuti, nono quo Ptolemaeus sidus 
Basiliscum observavit, erat a nativitate Christi Romanorum annus 
139, 22 dies Februarii. Atque hie Antonini annus secundus, 
quem putat auctor iste 150 fuisse; fefellit igitur ipsum supra II 
annos. Adhuc autem si quis dubitet et bis non contentus cupiat 
etiam huius rei capere experimentum, meminisse debet, tempus 
esse numerum sive mensuram motus coeli seeundum prius et 
posterius, hinc etenim anni, menses, dies et horae nobis constant. 
Mensura autem et mensum vicissim se habent, relativa sunt enim. 
Porro canones Ptolemaei cum essent adhuc ex recenter a se ob- 
servatis conditi, credibile non est, errorem aliquem ab his sensu 
perceptibilem vel discrepantiam eos coutinere, quominus suis 

10* 



14S ,1. SCHHll?U*läN VOl^ COPERNlCfS. 

priiicipiis, quibus incumbunt, uon congruerent. Quae cum ita 
sint, si loca solis et lunae circa Basiliscum, organig astrolabicis 
inventa a Ptolemaeo anno secundo Antonini, 9 diebus Phannathi 
mensi8, 5 horis et dimidia a meridie transactis, per tabulas ipsius 
inquirendo uumeret, non inveniet ea post aunos Christi 1 19, sed 
post 138 aunos, 88 dies et horas 5^2, quae sunt Nabonassari 
885 anni et horae 5^ ^^ ^'^^ ^^^^^ ^^^^ manifestus est, qui 
illius inquisitionem de motu octavae sphaerae plerumque infecit, 
ubi temporum facit mentionem. Alius error non minor praecedente 
est in ipsa eins hypothesi, in qua existimat, 400 anuis ante Pto- 
lemaeum , aequali tantummodo motu non crrantia sidera fuisse 
nmtata ; quae ut apertiora magisque perspicua fiant, quae inferiuH 
dicentur, animadvertenda puto. 

Scientia stellarum est ex eorum uumero, quae praepostere 
cognoscuntur a nobis quam secundum naturam. Quemadmodum 
verbi gratia: prius natura novit, viciniores esse terrae planetas. 
quam fixa sidera; deinde, quod sequitur, ut minus vibrantes ap- 
pareant nobis , est contraria ; antea >isi sunt non scintillare , et 
exinde cognitum ])ropinquiores esse terrae. Ita pariformiter prius 
deprehensum est a nobis inaequales videri stellainim motus, postea 
epicyclos esse excentricos aliosve circulos, quibus ita ferautur, 
ratiocinamur. Atque ideo dictum id esse velim, quod oportuerit 
priscos iilos philosophos primum loca stellarum iniätrumentorum 
artificio notare cum temporum intervallis et ea tanquam manu- 
ductione quadam , ne infinita quaestio de motu coeli remaneret, 
rationem aliquam de eis certam percunctari, quam tunc visi sunt 
invenisse, quoniam eonsideratis visis, quae stellarum locis asti- 
pulatione quadam omnibus couveniret. Ita etiam de*niotu octavae 
sphaerae sc habet, quem prisci mathematici ob nimiam eius tar- 
ditatem nobis ad plenuni tradere non potuerunt, sed vestigia eorum 
sequenda sunt investigare eum volentibus et eorum considera- 
tionibus tanquam testamento relictis inhaerendum. Quod si sensui 
inhaerens putaverit illis uon credendum in hoc. certe huie clausa | 

1 



/ 



BRIEFE. 149 

est ianna huiiw artin, ot ante ostiuin recubaiis aegrotantium 
soninia de motu octavae sphaerae somniabit, et merito, ntpote 
qui per eoriim calumniam existimaverit suae hallncinationi suh- 
veniendnni. Constat antem illos Bumma diligentia et solerti in- 
genio üla onmia observasse. qui miilta et praeclara inventa et 
adiniratione digna nobin reliqncrunt. Quamobrem persuadere mihi 
liandquaquam possnm^ in aeeipieudis stellarum locis eos errasse 
vel in quarta, vel in quinta^ sive etiam sexta parte iinius gradag, 
nt hie auetor existimat; de quo postea latius. 

lilud quoque praetermittenduni non est, in omni motu sidereo, 
cui diversitas inest, totani revolutionem ante omnia desiderari, in 
(jua intelligatur omnes motu» apparentes differentins pertransivisse. 
Diversitas nempe apparens in motu est, qnae impedit. ut per 
partes tota revolutio et aequalitas motus metiri possit. Sed sicut 
in inqnisitione cursus lunaris Ptolemaeus et ante eum Hipparchus 
Rhodius magna ingenii sagacitate consideraverunt, oportere esse 
quatuor momenta in revolutione diversitatis , opposita sibi per 
diametros ntputa extremae velocitatis et tarditatis, ac utrobicine 
per transversum amborum aequalitatum mediantium, quadrifariam 
secantia circulnm^ titque, ut in primo quadrante veloeissimus de- 
creseat motus, in altero diminuatur medius, ac rursum crescat 
tardissimus in tertio quadrante, aequalis in quarto. Qua industria 
scire potuerunt ex observatis inspectisque lunae motibus, in qua 
circuli portione quolibet tempore verteretur, ac proinde cum similis 
motus rediisset, intellexerunt iam factam inaequalitatis circuitionem, 
quam hoc latius Ptolemaeus üb. IV Magnae Gonstructionis expli- 
cavit. Quod etiam in inquisitione motus octavae sphaerae erat 
observandum. Sed nimia eins ut dixi tarditas, quae in annorum 
millibus nondum in se reversus inaequalitatis motus satis constat, 
non sinit id statim absolvere, quae multas hominum aetates ex> 
cedit ; possibile est tamen ^ coniectura rationabili ad id perveniri 
posse^ adiutos etiam nunc aliquibus observationibus post Ptole- 
maeum adaactis , quae in eandem congru^rint rationem. Nam 



\ 



150 I. SCHRIFTEN VON COPERNICUS. 



qnae (leterminata sunt, infinitam rationem habere iion possunt, 
quoniani, si per tria pnncta non secundum lineam rectaiii ut tve» 
lunae eclipses, tres Acronychii) data eircumferentia dncatur, non 
licebit aKam Hnperindwcere , quae maior vel minor fnetit prius 
transmissa. 8ed de bis alias, ut revertar ad id, unde digressus 
sum. 

Videndiim igitur nobis nunc est, an reete se habeat, quod 
dieit auctor. Non errantia sidera 400 ante Ptolemaeum annis, 
aequali solummodo motu fuisse mntata. Porro, ne verborum signi- 
ficatione fallamur, aequalem accipio motum, quem et mediocTeni 
dicere solemus: quod sit inter tardissimnm et eoncitatiseimnni 
medius arithmetica medietate). Ne circumveniat nos, quod in 
corollario primo septimae propositionis dicit : tardiorem esse motum 
fixarum siderum, ubi penes suam hypothesin aequalem ponit, 
caeterum velociorem , proinde ac si nunquam futurus sit tardior. 
In quibus haud scio an sibi ipsi constet multo tardiorem postea 
adducens. Assumit autem aequalitatis argumentum ex uniformi- 
tate, qua fixa sidera tantisper a primis stellarum fixarum obser- 
vatoribus Aristarcho et Timochare usque ad Ptolemaeum, »c per 
aequalia temporum inteiTalla, utpote per singulos annoram cen- 
tenarios, singulos proxime gradus pertransienint. Ut apud Ptole- 
maeum satis apparet repetitum ab auctore prop. 7. Sed hie 
tantus mathematicHS existens non advertit, quod nullätenus esse 
potest, ut circa momenta aequalitatis, hoc est sectiones circulorum 
eclipsae 1 0mae sphaerae et trepidatiouis, ut ilie notat, uniformior 
appareat stellarum motus quam alibi, quoniam contrarium eins 
sequi neeesse sit, ut tunc maxime varius appareat, minime vero 
quando velocissimus vel tardissimns est motus apparens. Quod 
vel e sua ipsius hypothesi et constructione debebat animadvertere, 
et tabulis inde contextis praesertim ultimo canone, quem ad revo- 
lutionem totius aequalitatis sive trepidatiouis exemplificavit , ubi 
a ducentis annis ante nativitatem Christi, secundum praecedentem 
supputationem, in primo annorum centenario reperitur motus ap- 



BRIEFE. 151 

parens scrapnl. primorttoi 49 duntaxat uning gradn«. In altero 
eejitenario scmpula prima 57. Deinde ab ipea nativitate Christi 
{ler primum annorain centenarium transmutatae fuissent stellae 
gradus 1 et decima fere et paalo miaas sextante aniuB gradus 
9€i invicem exeedant motm sab aeqnalibus tempormn epatiis. 
Quod »i coniungas dacentoruni annorum ntrobiqtte motaiu, deficiet 
in primo intervallo a duobas gradibus pluB quam quinta parte 
oiiias. In secundo antem snperaddet prope unins q^adrantem; 
sicque rarsus sub aequalibu« temporibue excedet motas sequens 
praecedentem in dimidio gradu ex parte quinta decima fere, cum 
antea centeeimo quoque anno singnlos pertransivisge gradus Stellas 
fixas Ptolemaeo credens detnlisset. £ contrario vero eadem lege 
assumptomm a se circuiomtii in velocissimo motu octavae sphaerae 
contingit, ut in 400 annis vix unius scrupuli differentia in motu 
apparente reperiatur, quem videre licet ab anno Christi 600 usque 
ad 1000 in eodem canone. Similiter et in tardissimo, ut a 2000 
annis in subsequentes 400. Et ratio diversitatis est, quia, ut 
dictum est superius, in nno hemicyclo trepidationis a summa vide- 
licet tarditate ad summam velocitatem accrescit semper aliquid 
motu apparenti, ac in altero semicirculo, qui a summa velocitate 
ad tarditatem summam eomputatus, contrario decrescit motus, qui 
ant^i creverat ; fitque summa augmentatio et diminutio (icpooraf rj- 
ps9t{) in punctis aequalitatis e diametro oppositis (sicut in sole). 
Adeo ut in motu apparente non sit opus reperire motus aequales 
in dttobus continuis temporum spatiis aequalibus , quorum alter 
al|ero maior sit aut minor, nisi circa velocitatis et tarditatis ex- 
tremitates, ubi duntaxat nitro citroque aequales circumferentias 
pertranseunt temporis aequalitate, atque incipientes vel desinentes 
augeri vel minui, mutua tunc compensatione sese co^quant. NuUa 
ergo ratione convenit medium fuisse motum eum, qui in 400 annis 
ante Ptolemaeum, sed tardissimum potius, cum etiam non videam, 
cur alium divinemus tardiorem, de qua nuUam coniecturam habere 
haotenus potuimus, cum ante Timocharem nuUa stellarum fixarum 



152 I. SCHRIFTEN VON ('OPEKNICCS. 

amupfatio facta sit, (jnae ad nos iisque perveninaet, secl neqne ad 
Ptolemaeuin res niiserrima^ astronomicas observationeSy quas nos 
habemus, incipere a Timocharide, qai annis 30 poet Alexandmin 
vixit . (^'uni<]ue velociftsimas etiam motu» iam praeterierit, con- 
flequenB est, in altero a Ptolemaeo semicircnlo iam non esBe, in 
qno diminnitiir motus, euius etiam non modica pars praeterierit. 
Itaquc mirnni videri non debet, quod non potuerit hisce 8ai8 as- 
snmptionibus propiuB accedere ad ea, qnae sunt ab antiquis anno- 
tata, putaveritque eos errasse in quarta vel quinta parte nnins 
gradas, sive etiamnum dimidia et amplius^ cnm tarnen in nnlla 
parte Ptolemaeus maiorem videtur adhibuisse diligentiam, qnam 
nt nobis non errantium stellarum motnm sine vitio traderet. atten- 
dens, quod non nisi modica eius particula sibi fnisset concessa, 
qua Universum illum circuitum coniecturus esset, ubi error qnan- 
tumlibet insensibilis interveniens , in tota illa vastitate insignis 
nimium poterat evenire. Ideoque Timochari Alexandrino Aristar- 
chuni adiunxisse videtur coaetaneum et Menelao Romano Agrippam 
Bithynicum, ut sie etiam in tanta locorum distantia illis consen- 
tientibus certissima haberet et indubitata testimonia, quominus cre- 
dibile sit, eos vel Ptolemaeum in tanto errasse, qui mnlta alia 
et difficiliora ad extremum, ut aiunt, unguem deprehendere po- 
tuerunt. Nullo deraum loco ineptior est quam in 22. propositione 
et praesertim corollario eiusdem . dum opus hoc suum commen- 
darevolens, taxat Timocharem circa duas Stellas, utputa Aristam 
Virginis et eam, quae ex tribus in fronte* Seorpii borealior est; 
qnoniam supputatio sua in illo deficiat^ in hac antem abundet. 
ubi nimis pueriliter hallucinatur. Cum non sit eadem utriusque 
stellae distantia inter Timocharem et Ptolemaeum eonsideratarum, 
nempe gradus 4^*^;, sub aequali fere temporis differentia, atque 
numerus supputationis illius proinde idem proxime, nihilo tarnen 
magis advertit, quod gradus 4 scrupula addita loco stellae, quam 
reperit Timocharis in secundo gradu, merito non posset supplere 
6 gradus et scrupul. 20, ubi Ptolemaeus ipsam invenit, et e con- 



HRIEPfc. 153 

verso. Ideni luiniernK elevatiis ex 20 grad. et iU scrttimlis. Aristac 
seciiDdiim Ptoleiuaenni usque ad gradutn 22'/;, redire ut par ent 
aon potuit, sed residebat in 22 gr. 32 scrup. Ita existimabat 
illift defecis8e calcnlum, quanto hie abundasset, tanquam observa* 
tionibns haec incidisBet diversitas. vel cpiasi ex Athenis in Thebaß 
et a ThebiB in Athena» eadein via non sit. Alioquin^ si iitrobique 
vel addidisset vel snbduxiBBet nnmernm, ut paritas ratiouis postu- 
labat, invenisset utrunique eodem modo se habere. Adde etiani 
quod revera non erant inter Timocharem et Ptolemaeum anni 443, 
sed 432 soluni, ut a priueipio declaravi: proinde, breviori tem- 
pore minorem esse uumerum oportet, ut non solum in gerupulis 13, 
sed in triente unius gradns, ab observato stellaram motu dissi- 
debit. Ita errorem hune suum imposuit Timochari, vix evadente 
Ptolemaeo. At dum existimat, illorum adnotationibus non tidendum, 
quod aliud restat, quam ut suis quoque observationibns minus 
cre<latur ? Et haec de motu quoque declinationis existimandum sit, 
involvit non ipsum ut ait trepidationibus , instruendo secundam 
hanc supra primam. 8ed dissipato ipso iam fundamento, neeesse 
est superaedificata corruant infirmaque sint, ac minus sihi invicem 
cohaerentia. Quid demum ipse de motu non errantium stellarum 
sphaerae sentiam, quoniam alio loco destinata sunt, superfluum 
pntavi, et impertinens hie amplius immorari, cum satis sit, si 
modo desiderio tuo satisfecerim , ut meam , quod a me exigebas, 
de isto opusculo habeas sententiam. Valeat Venerabilitas tua 
faventissime. 

Ex Varmia, 3. Junii, 1524. 

Nicolaus Copernicus. 



Die Existenz des vorstehend abgedruckten wichtigen Briefes war den 
Zeitgenossen des Copernicus bekannt. Starowolski hatte in seiner „vita Co- 
peraici'* ausdrücklich auf dieses Gutachten hingewiesen (vgl oben Seite 14U) . 



154 I. SCHRIFTEN VON COPERNICÜS. 

HchmerzHch bednuerte deshalb auch Gassondi, dau» ihm dieses Schriftstück 
nicht zugänglich gewesen sei. Er sagt in seiner „vita Nicolai Coperuici** p. »Ui 
(ed. Paris.): ...... Praeter eo^ quae varta Coperniciis per epistolas di^serere 

pfftuH ; quarum dicitur satt« magna copia fiiisse nuper prae rnttnihuH praeclaro 
üiro loanni Bro8cio Professort Astronmno in Aeademia Craeoviensi. Isne aii- 
quas edident, cum mihi non constet, desiderarim saltem illwn, quam de Motu 
Octavae Sphaerae scripsisse /ertur ad Cantorem Cracoviensetn Vapouium, unum 
scilicet ex veteribus condisHpidia et amicts. 

Woher den Warschauer Herausgebern das vorstehende Outachten, welchem 
sie die Ueberschrift De Octava Sphaera contra Wernerum g^eben 
haben, zugänglich geworden ist, kann zur Zeit nicht angegeben* werden, da 
die Warschauer Ausgabe geflissentlich ein jedes Citat vermeidet. Hiplcr iiat, 
wie es scheint» auf ein Citat von Wiszniewski historya litcratury polskiej 
VIII, 382 sich stützend, die irrthttmliche Angabe gemacht fSpieil. Copern. 
p. 179), es sei der Brief des Copenücus an Wapowski von Tycho Brahe ver- 
öffentlicht werden. Wenigstens findet er sich nicht an den von Wiszniewski 
citirten Stellen, weder in der Schrift de cometa, noch auch Opp. edit. Franco- 
furt. I64S tom. II. p. 137 



4. An den Domherrn Felix Reich 
d. d. ex Varmia octaua pasce s. a. 

Nach einer gleichzeitigen Abschrift im Staatsarchive zu Königsberg. 

Venerabilis domine ainice carissime. 

Non est parui momenti iis, que suapte natura obBcura caligine 
premuntnr Liicem dare posse, cum etiam fieri possit, ut quis recte 
sentiat, quod autem sentit id eloqui non possit, tale quiddam et mihi 
interdum euenire vereor. Talis est autem de moneta prussiana ratio- 
cinatio propter variam ipsius comniixtionem, ne dicam confusionem, 
et ideo nihil mlror si ea que scripsi non statim intelUgantur ab om- 
nibns. Tentabo igitur quod domlnatio tua queritur intellectnm non 
fuisse, reddere apertius. Invenimus, inquam, quod libra dimldia 
argenti emebatur marcls ij et scotis VIII, quando tribus partibus 



BRIEP£. 155 

argenti pnri qiiarta par» eri8 nii8cebatur et ex diniidia lihra ipHius 
massae solidog CXII faciebant. Quod igitnr moneta huiusniodi ha- 
bnerit debitas couditionen bone monete secundum valorem et esti- 
niationeni; per ea, que Beqnuntur examinaudo declaratur hoc modo. 
Cum enim dicimuft in solidis CXII libram V2 pettdentibus , tren 
qaartas siue dodrantem argenti puri fuisse secundum propositam 
rationem admixtionis. ISequitur quod in tertia parte huius summe 
et sunt solidi XXXYII et teitia unius solidi siue denarii) erit 
nna ex dictis qnartis argenti puri sive quai*ta pars librae jf. Ergo 
si XXXVII solidos et tertiam partem solidi addas CXII solidis 
faciet Summam solidorum CXLVIIII et tertiam partem solidi pen- 
dentem librae unius bessern nam bes denotat duas tereias ali- 
cnins totius sicut dodrans III quartas) siue pendentem libram f 
et sextam unius, quod idem est, quod II tertiae. Hie autem 
interpretatus sum bessem per sol. XXXII, prout tota libra haec 
nostra continet sol. XLVIII et non habebam dicere uncias VIII, 
nam alia est in usu libra maxime apud aromatarios quae partitur 
in uncias, minor ista in quadrante. Igitur in dicta solidorum 
summa CXLIX et tertia unius completur dimidia libra argenti 
puri. Nam cum ipsa i)endeat duas tertias librae, si quartam 
dempseris quam ratio admixti aeris deposcis et equipollet sexti 
\sic) parti totius librae, remanet libra j'. Habemus ergo valorem 
monete huius libram dimidiam argenti puri in solidis CXLIX, sed 
precium eius solidis CXL, nempe ut dictum est mr. 1, scot. VIII; 
cedunt ergo dignitati seu estimationi solidi fere novem, et in Uni- 
versum pars quinta decima proxime valoris, et sie puto id mani- 
festum. Si preterea aliud quiddam difficultatis emerserit, operam 
meam pro posse offero. modo quid boni efficere possit. Vereor 
autem nisi aliter fuerit provisnm quam antea ad peiora rem pro- 
cessuram, non enim cessabunt hoc modo cudere monetam. Cur 
enim cessabunt qui ex eo lucrum, damnura vero nullum, expectant 
in quemcumque eventum. Intellexi Domino Agathio referente de 
eoniributione tractari unde accipio nihil hoc tempore futurum de 



156 I. ST'HRIFTEX vox coPERNirrs. 

inotieta. iiecnic eiiini coiiveiiit nt dnpliH {^ravaniine onerentur sub- 
diti. Itaqnc eontribnemns quidem. moneta antem iacebit, iino iion 
iacebit, sed faciemuB adhue peioreni et dabimag Regi Domino 
NoHtro grandem pecuniam id eftt |»alea8. grana autem nbi mane- 
' bnnt .' Neacio , »i non pnlcrius . magnificentiiiii atqne regaliu« 
fuiKHct. dicani etiam multo iitiliuß. diminsa exactione, monetam 
iinnc erexiRfte. et 8i non satin id fuisset, postea ad contribntionem 
prooeRHigRC. Nam si non fallor, maiorem profectum et frnctnni 
reportasset haec re», aucto censu pnblico, nempe perpetnum illud 
antem annnnm solnromodo. Sed qnidquid »it fateor me en*arc 
poHHe, nnum hominem unnm ingeninm habentem et non adver- 
tenteni vel ignorantem, qne ab aliis perpenduntiir ntiliora. Gnpio 
d. tnam optime feliciterque valere, et faciat mc Ueverendissimo 
domino nostro gerniliaqne niea commendata. 

Ex Varmia, octava pa^ce. 

N. C(op4inic.) 
(Felici Reich.) 



T)iu vorstehend abgedruckte Briofcopie findet sich in dein oben Seite 'M) ff. 
)K^0chriebenen Convolute von Schriftstücken über die MUnzOi welche sich Felix 
Reich gesammelt hatte. Sie ist gleichfalls mit den dort öfter vorkommenden 
Worten De moneta i'egistrirt. Die Abschrift ist nicht von Felix Reich ge- 
macht, sondern von einer fremden Hand, welche auch die Anfangsbuchstaben 
des Namens von Copernicus H C darunter gesetzt hat. 

Nach dem Tode von Reich ist, wie oben bereits erwähnt ist, dessen 
Sammlung von Schriftstücken über die Verbesserung der Preussischen Münze 
an Copernicu« gekommen. Von Copernicus selbst ist später sein Namenszug 
vollständig ausgeführt, indem er ojijiiilc dem € hinzufügte; ebenso hat er 
die Adresse Felici Reich hinzugeschrieben. In späterer 2^it ist der Na- 
raenszug mit anderer Tinte nochmals nachgezogen worden.) 

Der in solcher Weise nachträglich beglaubigte Brief enthält einige wenige 
Randbemerkungen und Verbesserungen (Vielleicht von Reich ?) , welche jedoch 
nicht als Varianten aufgeführt, sondern in den Text übernommen sind. 

Die Bestimmung der Zeit, in weicher der Brief von Copernicus an Reich 



ßttlEPK. 157 

geschrieben ist, kann nur zwisclien den Jahren lö'iö und 1528 schwanken; 
es sind die Jahre, welchen auch die übrigen ächriftstilcke der Reich sehen 
Sammlung angehören. Jedenfalls ist der Brief, wie Copernicus selbst im Ein- 
gange hervorhebt, nach der Abfassung seiner Denkschrift über die Mfluze 
geschrieben, deren Erläuterung er ja bezweckt : . . . ^mhii nUrort si ea, quae 
iteripsi^ nati »tatim intelligantur oft omnihfM, Tentaho igitur, quod donihuUio 
tiMi quentuTf intellevtum non fuitse^ ,r edder e apertnm.** 

Nach dem Jahre 152S scheint Felix Reich sich iiberliaupt nicht mehr 
thätig bei den MQnz Verhandlungen betheiligt zu haben. Bei den Eibinger Ver- 
handlungen im Jahre 1530, weiche schliesslich die Einigung mit dem Herzog- 
thume schufen, war er nicht zugegen, obwohl er wegen seiner längeren Be- 
schäftigung mit der M Unzfrage zugleich mit Copernicus von dem Bischöfe 
Mauritius Ferber zu dem Eibinger Landtage deputirt war. Dort erschienen 
vielmehr, wie die Landtags-Recesse melden, als die Abgesandten des Ermlän- 
dischen Bischofs „die Achtparen und Wiirdigen Doctor Nicolaus Koppornick 
und Herr Alexander Schulteti, der Kirche zu Frauenburg 'J'humhern^n.* 



5. An den Bischof lohannes Dantiscus* 
d. d. 11. April 1533. 

Nach dem Abdrucke in Gopemiei opera ed. Varsav. p. 5*)3. 

ReverendiBsime in Christo Pater et Domino! 

Percepi litteras Keverendissiinae Dominationis Vestrae, e quibus 
liumanitatem , gratiam et favorem erga ine K. D. Vrae satis in- 
telligo; quae cum apud Ipsam obtinui, etiam apud alios quos- 
cumque bono» viro» eadem propagare non dedignatur. Quod certe 
non uieis meriti», sed cognitae Keverendissimae Dominationis 



* lohannes Flachsbinder, geb. 1 485 zu Danzig, nannte sich, seit er 
1517 durch Kaiser Maximilian I geadelt war, von Hoven oder de Curiis, 
in seinem spätem Leben jedoch fast durchweg nach seinem Geburtsorte 
D a n t i s c u s. Er bestieg nach Beendigung seiner diplomatischea Laufbahn im 
Jahre 15:i.*i den Stuhl der Bischöfe von Cuhu, den er bis 15.'t7 inne hatte. | 

Von 1537— 154S war lohannes Dantiscus Bischof von Enuland. 



158 i. SCHRIFTEN VOÜ eOPEfeNlCUS. 

Vestrae bonitati puto tribnendum. Utinam mihi possit aliquando 
contiugere, qnibus haec possum promereri. Gaudeo eerte plus 
quam dici potest, me talem Dominum et Fautorem invenisse. 
Qnod autem ]>etit Reyerendissima Dominatio Vestra, nt ad se 20. 
huius mensis me eonferrem, quod et libentissime facerem non 
levem causam Habens tantum Amicum et Patronum visitandi : id' 
tamen mihi incidit infortunium, ut eo tempore Dominum Felicem 
et me negotia quaedam et causae necessariae uos cogant in loeo 
mauere. Itaque^ uti Reverendissima Dominatio Vestra boni con- 
sulat absentiam tunc meam, rogo. Sum alioquin accedere Reve- 
rendissimam Dominatiouem Vestram. ut par est, paratissimus. et 
cui plnrima alia debeo facere quod placuerit , mo<io id Reveren- 
dissima Dominatio Vestra alio tempore mihi insinuaverit. Cui 
iam non in petitis gratificari, sed magis iussa capessere me de- 
bere fateor. 

Ex Frauenburg, Parasceve Paschae, anno 1533. 

E. R. D. Vrae 

deyotissimus 

Nicolaus Copernicus. 

ßereremiisstmo in Christo Patri, Domino Domino loanni Ele^ 
cto Cidmensi, Do9mno et Fautori siw plurimmn ohservando. 



6. An den Bischof lohannes Dantiscus 
d. d. Frauenburg 8 Juni 1536. 

Nach dem Abdrucke in Copernici opera ed. Varsav. p. 584. 

Reverendissime in Christo Pater et Domine 

Domine Clementissime! 

Aceepi Htteras Reverendissimae Dominationis Vestrae, huma- 



ÖRIEli'fi. 159 

nitatis plenas et gratiae, qaibus me adinonet illias familiaritatis 
et gratiae, quam adhuc in iuTentate cum ReverendiBsima Domi- 
natione Vestra eontraxi ; quam adhuc tamquam florentem apnd se 
durare intelligo. Sicque me inter suos familiäres eommmemo- 
rando, iiiyitare dignita est ad nuptias eognatae suae. Equidem, 
Reverendissime Domine, obtemperare debebam Reverendissimae 
Dominaitioiii Vestrae et aliquando me praesentare tanto meo Do- 
mino et Patrono. Nunc vero in negotio occupatns, quod mihi 
Reverendissimus Dominus Vanniensis ininnxit, abesse nequeo. 
Quapropter boni consulere dignetur istam absentiam meam, et 
seryare antiquam illam de me oppinionem, quamvis absente ; cum 
plus esse consuevit animorum conianctio, quam etiam ooi*pornm. 
Reverendissimam Dominationem Vcstram, in omni felicitate, cui 
servitia mea commeudo, perpetuo valere cupio. 

Ex Frauenburg VEI Junii, anno MDXXXVI. 

Nicolaus Copernicus. 

Meverendisstmo in Christo Patri et Domino Domino loanni, 
Episropo Oulmensi, DomiTW siio Cle^nentissimo. 



7. An den Bischof lohannes Dantiscus 
d. d. Frauenburg 9. August 1537. 

Nach dem Facaimile in Copernici opera ed. Varsav. 

Reverendissime in Christo Pater et Domine 

Domine Clementissime! 

Opportunitas nuntii Reverendissimae I^ominationis Vestrae 
mihi oblata admonuit me, ut etiam mearum ali^uid litterarum ad 
Reuereudissimam dominationem vestram darem. Aecepi his diebus 



160 I. SCHUIKTKN VON OOPKttNlCrS. 

ex Vratislavia novitates quas mitto ReverendisBimae dominationi 
vestrae, etsi verear, iam antiqnas esse apiid eandem dominationem 
vestram, eo quod litterae datae fuerint XXVII Junii. Priuatim 
vero scribitur mihi , Litteras venisse ex curia Regie Majestatis 
ferdiuaudi, hec continentes quod rex persarum instinctu Cesaris, 
pape et Regis Lusitanie niagnis auxiliis Turkam inuestat ut relicta 
Italia cum expeditione rctrocedere cogatur. Inter Regem gallie 
et Cesarem pacem firmatam aiunt data relicta duci» Mediolani 
cum ipso Ducatu filio regis Gallorum. Nostri, id est regis Fer- 
diuandi, apud Cassoniam rem beue gerunt, eo capto qui per 
proditionem Cassouiam ceperat, multis ex hostibus trucidatis. 
Capta etiam arce munitissima, uude omnis CasBouiae calaifiitas 
orta est. Boemi et Moraui iam sunt in itinere similiter Slesite 
passim vadunt in vngariam, qui forsan dante Deo Cassouiam et 
alia recuperabunt : Dicunt etiam apud nos quod Weyda petit eon- 
cordiam certis conditiouibus propositis que an acceptabuntur igno- 
ramus adhuc. Et hec in litteris^ que sicut accepi trado Reueren- 
diflsime Dominationi vestre, Cui servitia mea ac me ipsum deuoueo. 

Ex Fi'auenburg, IX Augusti 1537. 

E. R. d. vre 

devotissimus 

Nicolaus Copernicus. 

Jleverejidisstmo in C/msto patri et domino domino loamn, 
dei gratia Episcopo Culmensi ac Pomesanietisis eerlesia 
administratm^i Domino mo clementisnimo. 



BRIEFE. 161 

8. An den Bischof lohannes Dantiscus 
d. d. Frauenburg 25. April 1538. 

Nach dem Original in der Universitäts-Bibliothek zu Upsala. 

Renerendissime in Christo pater et domine Domine Giemen- 
tissime. In negocio illo Ganonicatnum , quod mihi commisit R. 
d. yestra (accepto et communicato eonsilio cum R. d. Gulmensi) 
yisum est non satis maturum esse: vt ad Gapitulum referatur 
nisi prins causa Gantoris que superuenit, decidatur^ quo facto 
ad illam proponendam dabitur melior occasio: nisi interim aliud 
deliberauerit Reuerendissima dominatio vestra. Gui servitia mea 
cupio esse commendata. 

Ex Frueburgo quinta pasche 1538. 

E. R. d. vestrae 

Deuotissimus 

Nicolaus Cojinicus. 

Reuerendissimo in Christo patri et domino Domino loanni 
Dei gratia Episcopo Varmiensi domino meo Clementissimo 
ac plurimum obseruando. 



9. An den Bischof lohannes Dantiscus 
d. d. »ex Gynopoli«"^ 2. December 1538. 

Nach dem Abdruck in Copemici opera ed. VarBav. p. 586. 

Reverendissime in Ghristo Pater et Domine Domine 
Glementissime, mihique et omnibus observande! 

Adhortationem R. D. Vrae paternam satis et plus quam 



* Nach Sitte der Humanisten, Eigennamen, wo es irgend müglich war, zu 

gricisiren, liebte es auch Copemicus, Frauenburg in Gynopolis umzu- 
n. 11 



162 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICUS. 

paternam agnoBco; quam etiam intimo corde suscepi. Et quamvis 
prioris illius, quam R. D. Vra prius in genere habuit, minime 
oblitus: facere volebam quod monebat; qnia tarnen non erat facile 
familiam necessariam ac probam protinus invenire, propositum 
erat nihilominus intra festa Paschae illi rei finem dare. Jam 
vero ne R. D. Vra opinetur, me perendinationis affectare prae- 
texttts, restrinxi terminum ad unum mensem, hoc est usque ad 
festa Natalia; neque enim brevior esse potuit, ut R. D. Vra per- 
pendere potest. Cupio enim pro posse cavere, ne sim offendiculo 
bonis actis, quanto minus R. D. Vrae^ quae meruit, ut a me 
revereatur^ honoretur et plurimum ametur; cui me cum omnibus 
facultatibus meis devoveo. 

Ex Gynopoli, secunda Decembris 1538. 

E. R. D. Vrae 

obedientissimus 

Nicolaus Copernicus. 

Reverendissimo in Christo Patri et Domino Domino loanni, 
Dei gratia Episcopo Varmie/m, Domi?w suo Clementis&imo, 



wandeln. Es hat sich noch ein zweiter Brief mit der Ortsbezeichnung ,|Gyno- 
polis'' erhalten, der Seite 161 abgedruckte Brief an Dantiscus d. d. 2S. Septem- 
ber 1 539, woselbst Copernicus ausserdem noch das Jahr nach der Olympiaden- 
Rechnung angegeben hat. 

Auch in seinem grossen Werke de revolutionibus orbium caelestium hatte 
Copernicus an einigen Stellen Frauenburg mit der gräcisirten Form bezeich- 
nen wollen. So findet sich in dem Original-Manuskripte — wie wir durch 
•die Thomer Säcular- Ausgabe erfahren — III, 13 ,J'rueburgo, quam Gyno- 
polin dicere possumus;'' IV, 7 „quoniam Gynopolis, quae vulgo 
Frueburgum dicitur;" IV, 16 »Gynopoli accepimus« 

In der editio princeps sind die angeführten drei Stellen sämmtlich um- 
geändert. III, 13 hat Oslander den Relativsatz einfach weggelassen, IV, 7 
und IV, 1 6 Frueburgum fUr Gynopolis substituirt. — Ursprünglich hatte Co- 
pernicus übrigens an der erstangefUhrten Stelle III, 13 Frueburgum gar 
nicht gebraucht, sondern dafür W a r m i a gesetzt ; auch für Gynopolis hatte 
or anfangs Gynaetia geschrieben. 



BRIEFE. 163 

10. An den Bischof lohannes Dantiscus 
d. d. Frauenburg 11. lanuar 1539. 

Nach dem Abdrncke in Copernici opera ed. Vareav. p. 592. 

Reverendissime in Christo Pater et Domine 

Domine Clementissime! 

Feci iam, quod nullo iure omittere debui vel potui, in quo 
spero monitis R. D. V. a me satis esse factum. Caetenim quod 
scire ex me petit, quanto tempore vixerit felicis recordatiouis 
quondam Lucas a Waczelrodt, R. D. V. praedecessor, avunculus 
meus: vixit annos 64, menses 5; in episcopatu annis 23; obiit 
penultima Martii, anno Christi 1522. In quo illa generatio finem 
accepit, cuius insignia in antiquis monumentis et multis operibus 
extant Torunii. Commendo iam obedientiam meam R. D. Vrae. 

Ex Frauenburg, 11. Januarii, anno 1539. 

E. R. D. Vrae 

obsequentissimus 

Nicolaus Copernicus. 

Reverendissimo in Christo Patri et Domino Domino loanni, 
Dei gratia Episcopo Varmiensi, Domino suo clementissimo. 



11. An den Bischof lohannes Dantiscus 
d. d. Frauenburg 3. März 1539. 

Nach dem Abdrucke in der Biblioteka Warszawska 1857. 

Reverendissime in Christo Pater et Domine 

Domine clementissime. 

Heri bonae memoriae Felix Custos et Canonicus ex huma- 

nis factus traditus est sepulturae. Canonicatum et praebendam 

11» 



164 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICÜS. 

yacantem pro Domino Raphaele Conopat procaratorio nomine ac- 
ceptavi, et de ea promoveri, ipsamqne illi conferri feci, secundum 
formam literarum apostolicarum vigore nominationis serenissimae 
Reginae Poloniae. Quod supra est Beverendissima Dominatio 
Yestra dignetar consensum suum praebere^ cnmqne Capitulo sno 
significare, ut detur illi vel mihi Procuratori possessio vacantis 
praebendae. In quo Reverendissima Dominatio Yestra ad rem 
litterarnm apostolicarum faciet, Domino vero Palatino Pomeraniae 
eiusque filio et mihi gratiam singularem, quam erga Reverendis- 
simam Dominationem Yestram studebimus promereri. Ex Frauen- 
burg, nr Martii a. MDXXXIX. 

Servitor 

Nicolaus Copernic. 

Heverendiasimo in Christo Patri et Domitio Domino loannt, 
Dei gratia Episcopo Varmiensi, Domino meo clementissimo. 



12. An den Bischof lohannes Dantiscus 
d. d. Frauenburg 11. MSrz 1539. 

Nach dem Abdruck in Copeinici opera ed. Varsav. p. 588. 

Reverendissime in Christo Pater et Domine 

Domine Clementissime! 

Hodie annuente et consentiente R. D. Yra obtinui a Capi- 
tulo possessionem Canonicatus et Praebendae, vaeantium per 
obitum bonae memoriae Felicis pro Domino Raphaele a Conopat, 
pro quo ago gratias R. D. Yrae, neque dubito quin ipse RaphaSl 
reeognoseet haue benevolentiam R. D. Yrae una cum Domino 
Palatino Pomeraniae patrono suo, uti par est. Cupio et ago me 



BRIEFE. 165 

commendatum esse, eximie K. D. Vrae, cui servitia mea de- 

voveo. 

Ex Frauenburg, 11. Martii 1539. 

E. R. D. Vrae 

obsequentissimus 

Nicolaus Copernicus. 

Reverendissimo in Christo Patri et Domino Domino loanni, 
Dei gratia Episcopo Varmiensi^ Domino suo Clementissimo. 



13. An den Bischof lohannes Dantiscus 
d. d. »ex Gynopoii « 28. September 1539. 

Nach dem Abdruck in der Biblioteka Warszawska. 1869. 

Reyerendissime in Christo pater et domine ^ domine clemen- 
tissime. Petiit nuper ex me Reverendissima Dominatio vestra : 
nt epitaphium quondam Lucae episcopi, antecessoris Reverendis- 
simae Dominationis yestrae^ avunculi mei, quod olim a se factum 
mihi miserat, remitterem Reverendissimae Dominationi vestrae. 
Mitto igitur eins exemplum, quoniam de manu propria Reveren-r 
dissimae Dominationis vestrae apud me non exstat. Doleo equidem 
quod ad usum destinatum non pervenerit: cum iam antea aliud 
quoddam sepulcro fuisset insculptum; parum habens odoris sapo- 
risque minus. ^ Sed quod procuratum sie erat et paratum Uli 
adhuc in humanis volenti. Cupio et precor Reverendissimae Do- 
minationi vestrae longaevam valetudinem ad incrementum eccle- 
siae suae et suorum consola)ionem. Cui servitia mea devoveo. 

Ex Gynopoii XXVIII Septembris olymp. 579 anno primo. 
Episcopalis Reverendissimae Dominationis vestrae 

devotissimus 
Nicolaus Copernicus. 

Heverendissimo in Christo patri et dominoj Domino loanni 
Dei gratia Episcopo Varmiensij domino suo clementissimo. 



166 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICÜ8. 



14. An den Herzog Albrecht von Preussen 
d. d. Frauenburg 15. Juni 1541. 

Nach dem Original im Staatsarchiv zu Königsberg. 

Durchlauchter vnnd hochgebomer fürst genediger herre. 
meyne vlessige vnd gutwillige dingte sein E. f. G. alle zceit be- 
reith E. f. 6. auflF ewer briflf vnd schreibe tw ich wissen vnd 
czuerkennen Nach dem ich ann königlicher Maiestät zcu polen 
Doctori Joanni benedicto geschreben habe, meinen besten vleis 
nach zcu erkundigen wie dem Erentvesten vnd gestrengen herm 
Georgio von kunhaim E. f. d. amthman in seiner Swacheit mochte 
geholfen werden, hett mich verhofft es solde mit demselbigen 
briiTsboten antworth gefallen sein. Szo hab ich bis her vom 
obgenanten doctor keinen briff vborkomen. das mich wundert. 
Habe ich E. f. G. der Sachen halben nichts eingentlichs wissen 
zcu schreiben. Byn noch derhalben gesint mit zcnfelliger bot- 
schafft dem selbiger doctor widdrvmb zcu schreiben in der sel- 
bigen Sachen, alz dan was ich von em erfaren werde wil ich an 
verzcog zcu stellen E. f. g. der ich meine vlessige vnd vn ver- 
drossene dinste thu demutiglich bevolen. 
Datum Frauenburg XV. Junii 1541. 

E.f. d. 

stetiger dyner 

Nicolaus Copnicus. 

Dem durchlautigen vnd hochgebornen von gots genoden 
Albrechten Margrauen zcu brandemburg In preussen vnd 
wenden hertzog burggrofen zcu Norenberg vnd fursten zcu 
Rügen j meinem gnedigisten herrnn. 



BIUEFE. 1 67 



15. An den Herzog Albrecht von Preu88en 
d. d. Frauenburg 21. Juni 1541. 

Nach dem Original im Staatsarchiv zu Königsberg. 

Durchlautiger hochgebonier fürst genediger herr. Ich hab 
gestern ersten vom königlicher Majestät zcu polen doctori joanni 
benedicto ein briff vnd auff mein schreben von vv^egen des eren- 
uesten Georgen kunhaim hkuptman zcu Tapiau etc. antwoi-t vbir- 
kom^n. Die weil aber ann das nichts von andern besonderlichen 
addir fremden Sachen berurth wirt, hab ich E. f. g. denselbigen 
hauptbriff zcu gestaldt, aus welchem E. f. g. des selbigen doctoris 
rath vnd dünken wirdt vernehmen, wvst ich doneben was bessers 
zcu zcuschissen do mit dem gutten herren E. f. g. amptsmann 
beholflig sein zcu seiner gesundheit erstatunge, solten mir kein 
arbeit mue vnd surge E. f. g. zcuwolgefallen deren ich mich thue 
vleissig bevehlen vordrislich sein. Datum frauenburg am XXI 
Junij Im MDXLI iore. 
E. f. D. 

underteniger diner Nicolaus Copnicus. 

Dem Durchlauchtigen vnd hochgebom fursten von Gots 
gnoden Albrechten Margrcmenn zcu brandenburg zcu preus- 
sen vnd wenden herzcogen burgrefen zcu Norimherg vnd 
fursten zcu Rügen meinem gnedigstn herren. 



168 I. SCHRIFTEN VOK COPPEHNICUS. 

16. An den Bischof lohannes Dantitcus 
d. d. Frauenburg 27. Juni 1541. 

Nach dem Original in der Kgl. Bibliothek za Berlin. 

Reuerendissime in Christo pater et domine Domine clemen- 
tissime. accepi litteras Reuerendissime dominationis vestre hu- 
manissimas et admodum familiäres, quibaseum etiam non dedi- 
gnata est mittere ad lectorem librorum meorum epigramma elegans 
sane et ad rem, non meis meritis sed Reuerendissime dominationis 
vestre benevolentia singulari, qua stndiosos prosequi solet. Ipsum 
igitur Reuerendissime dominationis vestre titulum operi meo in 
fastigio praeponam, si modo dignum sit opus, quod a Reueren- 
dissima dominatione vestra exomari tantopere mereatur, quod 
tarnen dictitant me doctiores esse aliquid, quibus obsequi decet. 
Ego vero singularem benevolentiam et affectum erga me patemum, 
quo me prosequi non cessat Reuerendissima dominatio vestra, 
quantum in me est promereri, eique in omnibus quibus possum, 
vti debeo seruire et obsequi cupio. 

Ex Frauenburg XXVH. Junii 1541. 

E. R. d. V. 

obsequentissimus 

Nicolaus Cojtnicus. 

Reuerendissimo in Christo patri et domino Domino loanni 
det gratia Episcopo Varmiensi domino meo clementissimo. 



E. 

Das Sendschreiben Ton Coppernicus 

an BernlL Wapowski gegen Joh. Werner's Schrift; 

^jde nwtu octavas spltaerae" 

in gereinigter Textes-Recension- 



Vorbemerkung. 

Das Gatachten, welches Coppernicus aaf Ansuchen seines Jugend- 
Freundes und einstigen Studien -Genossen, des Krakauer Domherrn 
Bernh. Wapowski, über die Schrift eines gleichzeitigen Mathematikers, 
Joh. Werner aus Nürnberg, abgefasst hat, ist zwar schon unter den 
Briefen (S. 145 — 154) abgedruckt; allein der Text hat dort nur in 
sehr verderbter Gestalt mitgetheilt werden können. Die zehn ersten 
Bogen des vorliegenden (2 ) Bandes sind nämlich schon vor mehr als 
einem Decennium gedruckt; sie wurden im Jahre 1S73 (unter dem 
Titel r>Manumenta Copemtcanm] als Festgabe zur 3. Sftkular-Feier des 
Geburtstages von Coppernicus ausgegeben. 

Damals aber war die Coppernicanische Abhandlung Y>contra Wer- 
nerum« nur in dem verderbten Texte zugänglich, welchen die War* 
schauer Ausgabe der Werke von Coppernicus bietet. Dieser schlechte 
Abdruck musste für die nMonumenla Copemicana (t , gleichwie es für 
Hipler's gleichzeitig erschienenes »Sptcileffium Copemicanum^ geschehen 



170 I. SCHRIFTEN VON COPPEBN1CU8 

ist, benutzt werden, weil die War&chaner Heransgeber, wie bereits oben 
8. 154 und Band I, 1. S. 222 ff. hervorgehoben ist, auch nicht die 
geringste Andeutung Ober den zeitigen Aufbewahrungs - Ort des von 
ihnen entdeckten Manuskripts hinzugefügt hatten. 

Durch Polkow^ki's 1873 erschienene Biographie von Coppemicua 
(p. 214) ist uns erst bekannt geworden, dass der Warschauer Abdruck 
des Sendschreibens an Wapowski nach einer, dem 16. Jahrhunderte 
entstammenden Abschrift besorgt ist, welche sich, versteckt in eine 
kleine Sammlung von Manuskripten und Druckschriften auf der Königl. 
Bibliothek zu Berlin, der Durchsicht von Fachmännern bis dahin 
entzogen hatte. Leider war der Abschreiber, den die Warschauer 
Herausgeber gewonnen hatten, weder Mathematiker, noch mit den Ab- 
breviaturen des 16. Jahrhunderts ausreichend bekannt. So erschien 
der Abdruck in sehr verderbter Gestalt mit argen Lesefehlem, denen 
sich dann noch eine nicht geringe Zahl von Druckfehlem anschloss. 

Eine Beschreibung der Berliner Handschrift ist Bd. I, Thl. 2, 
S. 222 ff. gegeben ; noch eingehender findet sie sich in den Mitthei- 
lungen des Coppemicus- Vereins I, 19 ff. 

Eine zweite, gleichfalls aus dem 16. Jahrhunderte stammende Ab- 
schrift des Coppemicanischen Sendschreibens an Wapowski hat Curtze 
in der E. K. Hofbibliothek zu Wien aufgefunden; auch von dieser 
Handschrift ist von Curtze a. a. 0. und Band I, Theil 2, S. 223 eine 
Beschreibung gegeben*. Eine kritische Vergleichung der Lesarten der 
Berliner und Wiener Handschrift lässt mit ziemlicher Sicherheit die 
Form erkennen, in welcher Coppernicus den Brief geschrieben hat. 

Nach genauer Kollation dieser beiden, bis jetzt allein bekannten 
älteren Abschriften der Abhandlung von Coppernicus hat Curtze in dem 
1. Hefte der Mittheilungen des Coppernicus -Vereins (S. 23 ff.) eine 



* Aus der Beschreibuug der Wiener Kopie, welche Bd. I, Thl. 2, S. 223 
enthält, ist hier die Bemerkung hervorzuheben, welche der Abschreiber an 
den Schluss gesetzt hat, es sei seine Abschrift gefertigt »ex primis poti 
auTÖfpa^ov lituris 30, Martii 2675.« 

Ausserdem ist anzuführen, dass die Orthographie, wie sie Coppernicus 
gebraucht, in der Wiener Handschrift in erheblicherem Masse verändert ist, 
als in der Berliner ; dagegen hat jene den Wortlaut treuer bewahrt als die 
letztere. 



DAS 8END8CHBEIBEN VON C0PPEBNICU8 AN B. WAPOWSKI ETC. 171 

kritische Textes-Recension geliefert, weiche dem nachfolgenden Ab- 
drucke zn Grunde gelegt ist"^. 

Eine recht alte Abschrift der Abhandlung von Coppernicus »contra 
Wemertim de pctava gphaerm besass einst die Strassbnrger Stadtbiblio- 
thek. Sie war noch zu Lebzeiten von Coppernicus, im Jahre 1531, 
also bereits 7 Jahre nach Abfassung jenes Sendschreibens an Wapowski 
kopirt; wir erfahren dies durch die Schluss-Bemerkung des Abschreibers : 
itDescripfa Pragae ex D. Hagetii exemplari menee Januarto MDXXXI.n 
Von dem in dieser Notiz erwähnten Besitzer der Prager Handschrift 
wissen wir nur, dass er eifriger Sammler werthvoUer astronomischer 
Manuskripte gewesen ist. Wahrscheinlich war er der Vater des in der 
medicinischen und astronomischen Literatur nicht unbekannten Leib- 

L 

arztes des Kaisers Maximilian II., Thaddaeus Hayek [« 1525, f 1600); 
Tycho Brahe erhielt von letzterem eine Abschrift des — vermuthlich 
gleichfalls Yon seinem Vater überkommenen — »Commentariolus Copemicia. 
(Vgl. Band I, 2. 8. 285). 

Die Strassbnrger Abschrift ist leider mit der Bibliothek im Jahre 
1870 verbrannt. Glücklicherweise war jedoch vorher, im Jahre 1839, 
von einem gewissen Anton Makowski eine Kopie gefertigt, welche sich 
in der polnischen Bibliothek zu Paris (Quai d^Orleans No. 6) erhalten 
hat. Dieselbe hat immerhin eine relative Wichtigkeit, wenngleich sie 
an ähnlichen Mängeln leidet, wie die Berliner Handschrift; bezeichnend 
für den Abschreiber ist schon die Rand-Notiz: »Descripia Strasehourg 

m 

Mensis Junii 1839 p. Antonio Makowski. [Vvl, D. V. 7. 2. in 4^^]<t, 

Die Strassbnrger Abschrift stimmte — wie wir aus der Makowski- 
schen Kopie ersehen — im Ganzen mit dem Wiener Manuskripte überein ; 
vermuthlich ist das letztere also gleichfalls von dem Prager Exemplare 
Hayek's kopirt. Eine genaue Kollation ergab die vollständige lieber- 



* Curtze hat seiner Ausgabe des Wapowski-Briefes erläuternde Anmer- 
kungen beigegeben, von welchen einige der wichtigsten aufgenommen werden 
sollen; sie sind mit [C] gekennzeichnet. Dagegen wird sich nur selten Ver- 
anlassung finden, auf die varia lectio der beiden Codices, mit welcher Cartze 
seine Textes -Recension in kritisch -philologischer Weise begründet, näher 
einzugehen. Die vielen Irrthttmer bez. Schreibfehler der beiden Abschreiber 
sind durch Curtze verbessert und ebenso die von den Warschauer Heraus- 
gebern in den Teit überDommenen Rand-Glossen entfernt worden. 



172 I. SCHRIFTEN TOH COFPERVICUS. 

eiastiflUDimg bis auf einen Schreibfehler: wo die Wiener Hnadsehrift 
(Cartze 8. 29. Z. 17^ »aequalttaÜM* liest, hat die StruBbniger Ab- 
•ehrift die irrthttmliehe Varijuite »inaegualitaiis: Ansaerdem bietet 
letztere die richtige Nnmens-Form ^Coppemieusm, wfthrend in dem 
Wiener Manoskripte die Verstflmmelnng »Ccpp^rmeum erscheint. 



£pistola Coppernici contra Wernerum. 



*9 



Keverendo Domino Bernardo Wapowski 
Cantori et Canonico Ecclesiae Cracoviensis et 
S. R. Majestät!» Polonicae Secretario 
Nicolaus Coppernicns. 

Cum pridem ad me mitteres, optime Bernharde, lohannis 
Wemeri Narembergensis editnm de motn octavae sphaerae opus- 



* Das Gutachten I welches Coppernicus über die Präcessions- Theorie 
seines Zeitgenossen Job. Werner abgegeben, ist im I. Bande, Thl. 2, S. 220 ff. 
eingehend behandelt. Dort sind auch die erforderlichen Notizen aus dem 
Leben Wemer*s beigebracht. 

** Der Name Wapowski's erscheint in der Berliner und Wiener Hand- 
schrift in den Verstümmelungen »Yapusky« und »Yapoushy«. 

NKhere Angaben über die Lebens-Verhältnisse von Wapowski sind Bd. I, 
Thl. 2, S. 221 zusammengestellt. Nach neueren Untersuchungen ist er jedoch 
Dicht, wie auch Hipler (Spie. Copem. p. 172) und ebenso Earllnski (ijwot 
Kopemika p. 12) annahmen, identisch mit »Bemardus de Mnyschevo«, welcher 
nach dem Prpmotions-Buche der Universität Krakau im J. 1493 baccalaurens 
und 1495 magister wird. £r ist vielmehr ein jüngerer Studien-Genosse 
von Coppernicus, in der Universitäts- Matrikel im J. 1493 als «»Bemardus 
Stanislai de Badoohonycze dioecesis Cracoviensis« inskribirt. Die Heraos- 



DAS SENDSCHREIBEN VON COPPEBNICUS AN B. WAPOWSKI ETC. 173 

culam. qaod a multis laadari dicebas, petiit exme Venerabilitas 
tna, ut ei meam quoque sententiam de illo significarem. Qaod 
certe tanto libentius fecissem, qaanto honestius et re vera a me 
quoque commeudari potuisset, uisi quod Studium hominis et eona- 
tum laudarem, et quod admonuit Aristoteles : i^Non solum iis, qui 
"»bene locuii sunt, gratificandum esse philosophis, sed etiam non recte 
idocutiüj quandoquidem non parum saepe contulit etiam devia notasse 
hviam rectam sequi volentibus.^ Ceterum ad modicum utilis est re- 
preheusio coufertque parum, qiiia et impudentis ingenii est, Mo- 
mum potius agere velle quam poStam. Proinde etiam vereor, ne 
mihi succenseat aliquis, si alium reprehendam, quamdiu ipse uon 
profero meliora. Itaque volebam illa, ut sunt, dimittere curae 
aliorum, atque sie Venerabilitati tuae, ut libenter nostra aceiperet, 
in summa responsurus fuissem. Verum cum animadvertam, aliud 
esse mordere et lacessere quemquam, aliud eastigare et revocare 
errantem, quemadmodum vicissim laudare aliud est quam adulari 
et agere parasitum, non invenio, cur desiderio tuo obsequi non 
deberem, aut quod harum rerum studio et diligentia, qua prae- 
cipua poUes, derogare viderer. Ac proinde, ne etiam temere 
videar reprehendere hominem, conabor quam apertissime ostendere, 
in quibus ille de motu sphaerae stellarum fixarum erraverit, neque 
conveniat eins traditio, quod forsitan ad certiorem eins rei capes* 
sendam rationem non parum etiam conducat. 

Primum igitur fefellit ipsum supputatio temporum*, quod exi- 
stimaverit annnm secundum Antonini Pii Augusti, quo Cl. Ptolo- 



geber der nScriptorea rerum Pohnicarwrm ^ in deren zweitem (1874 erschie- 
nenen) Bande die »pars posteriom (1480 — 1535) der •Chronicorum Bernardi 
Vapovii» abgedruckt ist, geben über Bernhard Wapowski und seine Familien- 
VerhältnisBe quellenmlisBige Mittheilungen. Danach lagen die Familien- Güter 
Wapowce, Radochonce und Dynöw in G^lizien ; an letzterem Orte befanden 
sich die Familien-Grliber. 

* Die Auseinandersetzung, gegen welche Coppernicus sich an dieser 
Stelle wendet, findet sich in der Proposiiio III der Wemer'schen Abhandlung 
»de octava sphaerae. 



174 I. SCHRIFTEN VON COPPEKNICÜS. 

maeus observata a se fixa sidera in ordinem constituit, faisse a 
nativitate Christi anno centesimo quinqnagesimo, cum fuerit s^- 
candum veritatem annus CXXXIX. Ptolomaeus enim libro tertio 
Magnae Constructionis capite primo observatum autumni aeqni- 
noctinm ab Alexandri Magni morte anno CCCCLXIII ait fuisse 
Antonini anno III. A morte vero Alexandri ad Christi nativitatem 
numerantur anni pariles Aegyptii CCCXXIII et CXXX dies. Nam 
a prineipio regni Nabonassarii ad Christi nativitatem suppntant 
annos pariles DCCXLVII et dies CXXX, de quo non video dnbi- 
tare neque autorem hune, ut apparet propositione XXII, nisi quod 
additnr dies unus secundum Canones Alfonsinos. Idque ideo, quod 
Ptolomaeus ineipit a meridie primi diei primi mensis Thot apud 
Aegyptios annös Nabonassarios et Alexandri Magni, Alfonsus autem 
a meridie ultimi diei anni praecedentis, quemadmodum nos ä meri- 
die Ultimi diei mensis Decembris annos Christi supputamus. A Nabo- 
nassaro autem ad excessum Alexandri Magni Ptolomaeus eodem 
libro capite octavo numerat annös CCCCXXIIII pariles. Cui asti- 
pulatur Censorinus de die natali ad C. Cerilium"^ scribens, autoritate 
M. Varronis. Relinquuntur ergo ex annis DCCXLVII et CXXX 
diebus CCCXXIII anni et CXXX dies, videlicet ab Alexandri morte 
ad Christi nativitatem, atque hinc ad Ptolomaei observationem iam 
dictam anni pariles CXXXIX et dies CCCIII. Ergo observatum 
a Ptolomaeo aequinoctium hoc autumni constat fuisse a nativitate 
Domini annorum parilium CXL, nona die mensis Athyr; Romano- 
rum vero annorum CXXXIX, die XXV septembris, Antonini tertio. 
Kursus idem Ptolomaeus libro quinto Magnae Constructionis, 
capite tertio in observatione Solls et Lunae anno secundo Antonini 



* Der Adressat des Briefes de die natali von Censorinus heisst nach 
neuern Angaben Caerellus. In den bis zu des Coppemicus Zeiten erschie- 
nenen Ausgaben ist stets Cerillius gedruckt; Coppernicus konnte also auch 
nur diese Form gebrauchen, wie sie in dem Wiener Manuskripte wirklich sich 
findet. Die Warschauer Herausgeber haben aus der Berliner Handschrift die 
Namensform nCorneliuim übernommen. 



DAS SENDSCHBEIBEN VON COPPEBNICUS AK B. WAPOWSKI ETC. 175 

sappntat annoB Nabonassarios DGCCLXXXY et CCIU dies. Ftüs- 
sent ergo a GhriBti nativitate asni tranBacti pariles GXXXVIII et 
LXXIU dies. Exinde post dies XIV, nempe Pharmuti nono, quo 
Ptolomaeas Leonis Basilicum * observayit, erat a natiritate Christi 
Romanorum annus CXXXIX, XXII dies Februarii, atque hie An- 
tonini annus secundus, quem putat autor iste CL fuisse. Fefellit 
igitur ipsum supra annos XI. 

Adhuc autem si quis dubitet et his non contentus cupiat etiam 
huius rei capere experimentum, meminisse debet tempus esse nu^ 
merum sive mensuram motus caeli secundum prius et posterius. 
Hinc etenim anni, menses, dies et horae nobis constant. Mensura 
autem et mensum vicissim se habent, relativa enim sunt. Porro 
Canones Ptolomaei eum essent adhuc ex recenter a se observatis 
conditi, credibile non est errorem aliquem ab his sensu pereepti- 
bilem vel discrepantiam aliquam eos continere, quo minus suis 
principüs, quibus incumbunt, non congruerent. Quae cum ita 
eint, si loca Solis et Lunae circa Basiliscum organis astrolabicis 
inventa a Ptolomaeo anno secundo Antonini novem diebus Phar- 
muti mensis quinque horis et dimidia a meridie transactis per 
tabulas ipsius inquirendo numeret, non inveniet ea poBt annos 
Christi CXLIX, sed post CXXXVHI annos, LXXXVUI dies et 
horas quinque et dimidiam, qui sunt Nabonassarii DCCCLXXXV 
anni, dies CCXVUI et horae quinque et dimidia. Ita iam error 
iste manifestus est, qui illius inquisitionem de motu octavae sphaerae 
plerumque infecit, ubi temporum facit mentionem. 

Alius error non minor praecedenti est in ipsa eius hypothesi, 
in qua existimat CCCC annis ante Ptolomaeum aequali tantum- 
modo motu non errantia sidera mutata fuisse"**. Quae ut apertius 



* Der für die Warschauer Ausgabe gewonnene Abschreiber des Ber- 
liner Manuskripts hat das Zeichen des Löwen Q , welches ebenso die Wiener 
Handschrift zeigt, nicht verstanden und daflir »sidus* substituirt. ;C.; 

** Alius error. Die Stelle, auf welche Coppemicus anspielt, findet 
sich in Werner*s Propositio VI. und lautet: Si itaque fixorum sidei'um ntotus 



176 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICÜS. 

[appareant, ntque] *, quae inferins dieentar, magis perspicna fiant, 
animadvertendam puto, scientiam stellaram ex eorum esse nii- 
mero, quae praepostere cognoscontar a nobis, quam secundnm 
natnram. Quemadmodum , verbi gratia, prios natura novit, vici- 
niores esse terrae planetas quam fixa sidera, deinde quod sequitur, 
ut minus vibrantes appareant. Nobis e contrario antea visi sunt non 
scintillare et exinde cognitum propinquiores esse terrae. Ita pari* 
formiter prius deprehensum est a nobis inaequales videri stellarum 
motus, postea epicyclia esse, eceentricos aliosve circulos, quibus 
ita ferantur, ratiocinamur. Atque ideo dictum id esse velim, quod 
oportuerit priscos illos philosophos primum loca stellarum instru- 
mentorum artificio notare cum temporum intervallis et ea tamquam 
mannductione quadam, ne infinita quaestio de motu caeli rema- 
neret, rationem aliquam de eis certam percunctari, quam tum visi 
sunt invenisse, quando consideratis visisque omnibus stellarum 
locis astipulatione quadam omnibus conveniret. Ita etiam de motu 
octavae sphaerae se habet, quem prisci mathematici ob nimiam 
eins tarditatem nobis ad plenum tradere non potuerunt. Sed ve- 
stigia eorum sequenda sunt investigare cum volentibus et eorum 
observationibus"^"^ tamquam testamento relictis inhaerendum. Quod 



per quadringentoa anno» in singulü annorttm cetUenarios singulos perfecerint 
gradus, consequena itaque est eundeni fixorum siderum moium ante JPtoUmaeum 
per quadringentos annos fere uniformem et aequnlem exatitisee. 

* Die von der Parenthese umschlossenen Worte sind Konjektur Curtze's, 
der sich zu derselben genüthigt sah, um den Satz verständlich zu machen 
und wenigstens nichts Neues und dem Sinne Widersprechendes hineinzu-^ 
tragen. 

Die Handschriften bieten übereinstimmend Unverständliches. Deshalb 
haben sie gleichfalls eine Aenderung vorgenommen, durch welche sie jedoch 
mehr geschadet als genützt haben. Sie haben nämlich die zusammengehörigen 
Sätze zerrissen, indem tie hinter »pnto<t einen Punkt setzten und sogar einen 
Absatz folgen Hessen. (Vgl. oben S. 148.} 

** Die Berliner Handschrift, und ihr folgend die Warschauer Aasgabe 
liest »considerationibtu«; die Wiener Handschrift dagegen bietet das in den 
Text aufgenommene »obeervationibueK. Letzteres ist unbedingt vorsuziehn; 
den Beobachtungen der Alten ~ meint Coppemicus unzweifelhaft — ^ 
sollen wir vertrauen ; auf ihre sonstigen Betrachtungen kommt es nicht aal 



DAS SENDSCHBEIBEN VON COPPERNICUS AN B. WAPOWSKI. 177 

si secns aliqnis putarit illis non credendum , in hoc certe hoic 
claoBa est ianua hnius artis, et ante ostium recubans aegrotantinm 
somnia de motn oetayae sphaerae somniabit, et merito, ntpote 
qni per illorum calumniam existimaverit suae hallucinationi sub- 
veniendnm. Constat antem illos snmma diligentia et solerti in- 
genio illa omnia observasse, qni multa et praeclara inventa et 
admiratione digna nobis reliquemnt. Quamobrem persnadere mihi 
haudqnaqaam possim in accipiendis stellarum locis eos errasse 
yel in qnarta vel quinta sive etiam sexta parte nnins gradus, nt 
hie antor existimat, de qno postea latius. 

lUud qnoque praetermittendnm non est in omni motu sidereo, 
cni diversitas inest, totam revolntionem ante omnia desiderari, in 
qua intelligatur omnes motus apparentis differentias pertransivisse. 
Diversitas enim apparens in motu est, quae impedit, nt per partes 
tota revolutio et aequalitas motus metiri non possit"^. Sed sicut 
in inquisitione eursus Lunaris Ptolomaens et ante eum Hipparchus 
Rhodius magna ingenii sagacitate considerarunt, oportet esse 
quatuor momenta in revolutione diversitatis opposita sibi invicem 
per diametros, utputa extremae yelocitatis et tarditatis, ac utro- 
bique per transversum amborum aequalitatum mediantium quadri- 
fariam secantia circulum, fitque, ut in primo quadrante velocis- 
simus decreseat motus, in altero diminuatur medius, ac rursum 
crescat tardissimus in tertio quadrante, aequalis in quarto. Qua 
industria scire potuerunt ex observatis inspectisque Lunae motibus, 
in qua circuli portione quolibet tempore verteretur, ac proinde, 
cum similis motus rediisset, intellexerunt iam factam inaequali- 



* Zu dem angezeichneten Satze des Textes hat die Berliner Handschrift 
die zutreffende Rand-Glosse »Copernicus fol. 89. Medius aequalisque motus eo 
eertioribus redditur numeriSf quo magis fuerit ah aequalitatis differsntiis sepa- 
ratus.*t 

Auf Blatt 89 der editio prineeps des Coppemicus findet sich das XYIII. Ka- 
pitel des dritten Buches mit der Ueberschrift: »Da examinatione motus aequalis 
secundum longitudinem«, und in diesem wird das auseinandergesetzt, was die 

Randnote ausspricht. 

n. ^ 12 



178 I. SCHBIPTEN VON COPPERNICÜS. 

tatis circnitionem) quemadmodum hoc latius Magnae Gonstractionis 
libro quarto Ptolomaeus explicavit. Quod etiam in inquisitione 
motus octavae sphaerae erat observanduiD. Sed nimia eias, ut 
dixi, tarditas, qua in annorum millibus nondnm in sese reversus 
inaequalitatifl motuB satis constat, non sinit id statim absolvere, 
quae multas hominnm aetates excedit. Possibile tarnen est con- 
iectura rationabili ad id perveniri posse adiutos etiam nunc ali- 
quibus observationibus post Ptolomaeam adauctis, quae in eandem 
congruerint rationem. Nam quae determinata sunt, infinitam ra- 
tionem habere non possunt, quemadmodum^ si per tria puneta non 
secundum lineam rectam * data circumferentia ducatnr, non licebit 
aliam Buperindncere , quae maior vel minor fuerit prius trans- 
missae. Sed de bis alias, ut revertar ad id, unde digressus sum. 
Videndum igitur nobis nunc est, an recte se habeat, quod 
dicit auctor, non errantia sidera CCCG ante Ptolomaeum annis 
aequali solummodo motu fuisse mutata. Porro, ne verborum 
significatione fallamur, aequalem accipio motum, quem et medio- 
crem dicere solemus, quod sit inter tardissimum et concitatissimum 
medius*"^. Ne circumveniat nos, quod in corroUario primo septimae 
propositionis dicit » tardiorem esse motum ßxorum siderum « , ubi 
penes suam hypothesin aequalem ponit, ceterum velociorem, perinde 
ac si numquam futurus sit tardior. In quibus haud scio, an sibi ipsi 
eonstet, multo tardiorem postea adducens. Assumit autem aequali- 
tatis argumentum ex uniformitate, qua fixa sidera tantisper a primis 
Stellarum fixarum observatoribus, Aristarcho et Timochare, usque 
ad Ptolomaeum ac per aequalia temporum intervalla, utputa per 
singulos annorum centenarios, singulos proxime gradus pertransi- 



* Auf die Worte »lineam rectam «i lässt die Warschauer Ausgabe eine 
Bandglosse der Berliner Handschrift folgen, ohne sie als solche zu be- 
zeichnen »itt tres lunae eccltpses, tres acronychiioi, 

** Auch hier hat, nach dem Schlussworte des Satzes, die Warschauer 
Ausgabe die Randglosse der Berliner Handschrift »Arithmetica medietate« in 
den Text aufgenommen. 



DAS SENDSCHREIBEN VON COPPEBNICUS AN B. WAPOWSKI. 179 

eruBt. ut apud Ptolomaeum satis apparet repetitom ab autore pro- 
positione septima. Sed hie tantus mathematicus existens non 
animadvertit , quod nullatenus esse potest, nt circa momenta 
aeqnalitatis ; hoc est sectiones eirculorum eclipticae decimae 
sphaerae et trepidationis . ut ille vocat, uniformior appareat stel- 
larnm motus quam alibi, quando contrarium eius seqai necesse 
Bit, ut tanc maxime varius appareat, minime vero, quando velo- 
cissimus vel tardissimus est motus apparens. Quod vel e sua 
ipsius hypothesi et constructione debebat animadvertere et tabulis 
exinde confectis, praesertim ultimo Canone. quem ad revolutionem 
totius aequalitatis sive trepidationis exemplificavit, ubi a ducentis 
annis ante nativitatem Christi secundum praecedentem supputatio- 
nem in primo annorum centenario reperitur motus apparens scru- 
pulorum primorum XLIX dnmtaxat unins gradus; in altero cen- 
tenafio scrupulorum primorum LVII. Deinde ab ipsa nativitate 
Christi per primum annorum centenarium transmutatae fuissent 
stellae gradu I et decima fere parte unius; in secundo gradu I 
et quarta fere, ut paulo minus sextante unius gradus se invicem 
excedant motus sub aequalibus temporum spatiis. Quod si con- 
iungas ducentorum annorum utrobique motum, deficiet in primo 
intervallo a duobus gradibus plus quam quinta pars unius, in 
secundo autem superaddet prope unius quadrantem. sicque rursus 
sub aequalibus temporibus excedet motus sequens praecedentem 
in dimidio gradu et parte quintadecima fere, cum antea cent^simo 
quoque anno singulos pertransivisse gradus Stellas lixas Ptolomaeo 
credens detulisset. E contrario vero eadem lege assumptorum a 
se eirculorum in velocissimo motu octavae sphaerae contingit, ut 
in CCCC annis yix unius scrupuli differentia in motu apparente 
reperiatur, quemadmodum videre licet ab annis Christi DC us- 
que ad M in eodem Canone. Similiter et in tardissimo. \\t a 
IL MLX annis "^ in subsequentes CCCC. Et ratio diversitatis est. 



* Durch einen offenbaren Schreibfehler hat die Warschauer Ausgabe 

12* 



180 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICÜS. 

qnia, üt dictum est superius, in nno heinicyclio trepidationis, a 
sumnia videlicet tarditate ad summam velocitatem accrescit semper 
aliquid motui apparenti, ac in altero semicirculo, qni a summa 
velocitate ad tarditatem summam computatus, continue decrescit 
motus, qui antea creverat, fitque summa augmentatio et dimi- 
nutio* in punctis aequalitatis e diametro oppositis**, adeo ut in 
motu apparente non sit reperire motus aequales in duobus con- 
tinuis temporum spatiis aequalibns, quorum alter alten maior sit 
aut minor, nisi circa velocitatis et tarditatis extremitates, ubi dum- 
taxat nitro citroque aequales circumferentias pertranseunt temporis 
aequalitate atque incipientes vel desinentes augeri vel minui mntua 
tunc sese compensatione coaeqnant. Nulla ergo ratione convenit 
medium fuisse motum cum, qui in CCCC annis ante Ptolomaeum, 
sed tardissimum potius, cum etiam non videam. cur alium divine- 
mus tardiorem, de quo nullam couiecturam hactenus habere potui- 
mus, cum ante Timocharem nulla stellarum fixarum annotatio facta 
sit, quae ad nos usque pervenisset, sed neque ad Ptolomaeum**"^. 
Gumque velocissimus etiam motus iam praeterierit, conseqnens est 
in altero a Ptolomaeo semicirculo iam nos esse, in quo diminuitnr 
motus, cuius etiam non modica pars praeterierit. 

Itaque mirum videri non debet, quod non potuerit hisce suis 
assumptionibus propius accedere ad ea, quae sunt ab antiquis 



»2OU0« für »2060« annis gesetzt. Wenn die Handschriften nicht deutlich 2(i60 
geben würden, dürfte schon der Einblick in die Tafel Werner's zeigen, dass 
diese Zahl die einzig richtige ist. 

* Nach dem Worte »deminutio« schiebt die Berliner Handschrift die 
Glosse ein »7rpoa&a(fa(pe9i;«, welches Wort die Warschauer Herausgeber, in 
•'po3TacpT]p£au« verändert, in den Text aufgeDOiiimen haben. 

** Hinter >H)ppo8iti8» schiebt die Berliner Handschrift die Glosse »sie 
in 0;« ein, welche dann von den Warschauer Herausgebern in den Text 
übernommen ist als »sicut in i^ofe^*, (C.) 

*♦* Hinter »Ttohmaeumn hat die Berliner Handschrift eine längere Glosse, 
welche von dem Berliner Abschreiber der Warschauer Ausgabe ohne Wei- 
teres in den Text aufgenommen ist » Mf^t miserrifhOt astrotiowiras observationef, 
quaa nos habetnuSf incipere a Timocharide , qui annis 30 post Alexandrum 
vixit.« 



DAS SENDSCHREIBEN VON COPPERNICUS AN B. WAP0W8KI. 181 

annotata, pntaveritque illos errasse in quarta vel quinta parte 
anius gradns, sive etiamnum dimidia et ampliuSj cum tarnen in 
nuUa parte Ptolomaeus maiorem videtur adhibuisse diligentiam, 
quam ut nobis non errantium stellarum motum sine vitio traderet, 
attendenS; quod non, nisi modica eins particula, id sibi fuisset 
concessum, qua Universum illum circuitum conieeturus esset, ubi 
error quantumlibet insensibilis interveniens in tota illa vastitate 
insignis nimium poterat evenire. Ideoque Timochari Alexandrino 
Aristarchuni adiuiixisse videtur eoaetaneum, et Menelao Romano 
Agrippam Bithynium, ut sie etiam in tanta locorum distantia illis 
consentientibus certissima haberet et indubitata testimonia, quo 
minus eredibile sit eos vel Ptolomaeum in tanto errasse, qui multa 
alia et iam difficiliora ad extremum. ut aiunt, unguem deprehen- 
dere potuerunt. NuUo demum loco ineptior est quam in vigesima 
seeunda propositione * et praesertim corollario eiusdem, dum opus 
hoe suum commendare volens taxat Timocharem circa duas Stellas, 
utputa Aristam Virginis et eam, quae ex tribus in fronte Scorpii 
borealior est, quod supputatio sua in illa deficiat, in hac autem 
abundet, ubi nimis pueriliter hallucinatur. Cum enim sit eadem 
utriusque stellae distantia inter Timocharem et Ptolomaeum eon- 
sideratarum, nempe gradus IUI et tertia pars sub aequali fere 
temporis differentia, atque numerus supputationis illius perinde 
idem proxime, nihilo tamen magis adyertit, quod gradus IUI, 
scrupula VII addita loco stellae, quam reperit Timochares in 



* Die Stelle, durch welche Coppernicus veranlasst ist, ein so hartes 
Urtheil über Werner auszusprechen, findet sich in der Schrift »c?e motu octavae 
sphaeraea fol. 71 im Corollarium der Propositio XXVII. Sie lautet: »veluti 
iti liquet de comiderationibus Timocharidis , quae in ßxo sidere Arista diclo a 
comput') meo deßciunt, super sttlla vero illa, quae in fronte Scorpii trium aplen- 
didarum borealior est, meum calculum excedunt, quae tamen considerationes per 
eundem Timocharidem patratae , si sirnul verae fuissent, deherent pariter vinci 
a meo computo aut pariter eundem exsuperare. Non igitur minor ßdes tri- 
huenda est meis canonihus quam veterum inspeciionibus et inventis. Quod hucus- 
que volui praedictis declarasse exemplis." 



182 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICÜS. 

secundo gradu Scorpü"", merito non possent supplere VI grados 
et scrupula XX Scorpii, ubi Ptolomaeus ipsam invenit, et e con- 
verso idem numerus elevatus ex XXVI gradibus et XL scrupulis 
Aristae secundum Ptolomaeum usque ad gradum XXII et tertiam 
partem redire, ut par est, non potuit, sed residebat in XXII gra- 
dibus et scrupulis XXXII. Ita existimabat illic defecisse calculum, 
quanto hie abundasset, tamquam in observationibus haec incidisset 
diversitas, vel quasi ex Äthenis in Thebas et a Thebis in Athenas 
eadem via non sit. Alioqui, si utrobique vel addidisset vel sub- 
duxisset numerum, ut paritas rationis postulabat, invenisset ntrum- 
que eodem modo se habere. Adde etiam, quod revera non erant 
interTimocharemetRolomaeum anniCCCCXLIII, sedCCCCXXXH 
solum, ut a prineipio declaravi. Proinde breviori tempore minorem 
esse numerum oportet, ut non solum in scrupulis XIII, sed in 
trienti unius gradus ab observato stellarum motu dissidebit. Ita 
errorem hunc suum imposuit Timochari vix evadente Ptolomaeo. 
At dum existimat illorum annotationibus non fidendum, quid aliud 
restat, quam ut suis quoque observationibus minus credatur? 

Et haec de in longitudinem motu octavae sphaerae*"^, e qui- 
bus etiam facile potest intelligi, quid de motu quoque*decIinationis 
existimandum sit. Involvit enim ipsum duabus, ut ait, trepida- 
tionibus instruendo secundam hanc supra primam. Sed dissipato 
ipso iam fundamento necesse est, ut superaedificata corruant in- 
firmaque sint ac minus sibi invicem cohaerentia. Quid demum 



* In derselben Weise, wie S. 175 angeführt ist, hat auch hier die 
Warschauer Ausgabe durch Schuld ihres Berliner Abschreibers einen ganz 
unverständlichen Text geliefert. Es fehlt dort nämlich hinter »m secundo 
gradun das Wort »Scorpiiv. In dem Berliner Manuskripte steht nämlich nur 
das Zeichen des Sternbildes {v\j, welches der Abschreiber augenscheinlich 
nicht verstanden hat. 

** Das Berliner Manuskript, und nach ihr die Warschauer Ausgabe, 
giebt den Anfang des letzten Alinea in unrichtiger Wortstellung: ȣi haee 
de motu octavae sphaerae in longitudinem: Erst durch Auffindung der Wiener 
Handschrift ist das Verständniss des Satzes klar geworden. 



DAS SENDSCHREIBEN VON COPPEBNICUS AN B. WAPOWSKI. 183 

ipse de motu non errantium stellaram sphaerae sentiam ? Quoniam 
alio loco destinata sunt, superflnum putavi et impertinens hie 
ampliuB immorari, eum satis sit, si modo desiderio tuo satisfeee- 
rim, ut meam, quod a me exigebas, de isto opuscnlo habeas 
sententiam. Valeat Venerabilitas tua faustissime. 
Ex Varmia III lunii 1524. 

Nicolaus Copphernicus."^ 

Reverendo Domino Bernhardo Wapowski, Cantori et Ca- 
nonico Ecclesiae Cracoviemis et S, R. Maiestatis Polonicae 
Secretario Domino et Fautori suo plurimum observando etc. 



* Von den Handschriften bat jede eine andere Namens-Form bei der 
Unterschrift angewandt. Die Berliner schreibt »Copemicus«, die Wiener 
hat die Verstümmelung ^Copphom%cu9^\ die Strassburger Handschrift allein 
hatte den Namen in der richtigen Form, wie sie Coppernicus in jener Periode 
seines Lebens gebrauchte: nCoppemicusn, 



F. 



Nicolai Coppernici 

de hypothesibns motanm caelestium a se 

constitutis commentariolus.^ 



Maltitudinem orbium caelestium maicres noBtroB eam maxime 
ob causam posuisse video, ut apparentem in sideribus motum 



* DaB wertbyoUe Schriftchen, welches auf den nachfolgenden Blättern 
abgedruckt ist, hat bereits im ersten Bande (Theil 1, S. 282 ff.) eingehende 
Besprechung gefunden. Einige kurze Vorbemerkungen dürften jedoch an 
dieser Stelle zu wiederholen sein. 

Die Zeit der Abfassung des »Commentariolus« ist in den Anfang der 
dreissiger Jahre des 16. Jahrhunderts zu setzen ; es kann aber nicht an- 
gegeben werden, auf wessen Veranlassung, bez. für wen Goppernicus den- 
selben ursprunglich niedergeschrieben hat. 

Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts viel verbreitet, war die von Oop- 
pemicus selbst ausgegangene Veröffentlichung der Grundzüge seines helio- 
centrischen Systems den spätem Generationen ganz unbekannt geworden. 
Erst vor einem halben Decennium ward diese s. Z. eifrig begehrte Perle 
von M. Curtze in einem Manuskripte der E. E. Hofbibliothek zu Wien 
aufgefunden. Der glückliche Entdecker Hess den Commentariolus im ersten 
Hefte der Mittheilungen des Coppernicus-Vereins S. 1 — 17 (Thorn 1878; ab- 
drucken. Zwei Jahre darauf wurde eine zweite vollständigere Abschrift auf 
der Bibliothek der Sternwarte zu Stockholm durch Arvid Lindhagen 
entdeckt und in dem »Biblatt tili K. Svenska Vet. Akad, Handltngar« im J. 
1881 veröffentlicht. 

Curtze hat hierauf die Texte beider Handschriften sorgfaltig verglichen 
und die Abweichungen in dem 4. Hefte der »Mittheilungen des •Coppemicus- 



NICOLAI COPPERNICI COMMBNTABIOLUS. 185 

sab regniaritate salvarent. Yalde enim absurdum yide- 
batur caeleste corpus in absolutissima rotunditate non semper 
aeque moveri. Fieri autem posse animadverterant, ut etiam com- 
positione atque concursu motuum regularium diversimode ad ali- 
quem situm moveri quippiam yideretur. 

Id quidem Calippus et Eudoxus per concentricos circulos de- 
dueere laborantes non potuerunt et bis omnium in motu sidereo 
reddere rationem, non solum eorum, quae circa revolutiones side- 
rum videntur, verum etiam, quod sidera modo scandere in sublime, 
modo descendere nobis yidentur, quod concentricitas minime su- 
stinet*. Itaque potior sententia visa est per eccentricos et epi- 
cyclos id agi, in qua demum maxima pars sapientium convenit. 

Attamen quae a Ptolomaeo et plerisque aliis passim de bis 
prodita fuerunt, quamquam ad numerum responderent , non par- 
vam qnoque videbantur habere dubitationem. Non enim sufficie- 
baut, nisi etiam aequantes quosdam circulos imaginarentur, quibus 
apparebat neque in orbe suo deferente, neque in centro proprio 
aequali semper velocitate sidus moveri. Quapropter non satis 
absoluta videbatur huiusmodi speculatio, neque rationi satis con- 
cinna. 



Vereins« (1882) zusammengestellt. Auf diesen kritischen Vorarbeiten beruht 
die auf den nachfolgenden Blättern abgedruckte Textes-Recension. 

Die Formulirung der Ueberschrift des »Gommentarjolusc, wie sie die 
beiden bis jetzt bekannten Manuskripte zeigen, kann nicht von Coppemicus 
selbst herrühren. Derselbe würde seine Darstellung des Weltgebäudes kei- 
neswegs als eine blosse Hypothese bezeichnet haben. Vgl. Bd. 1, Thl. 2, 
S. 288, 524 ff., 537 ff. 

* Diese Stelle des Commentariolus, in welcher Coppemicus der Theorie 
der homocentrischen Sphären Erwähnung thut, wie sie von Eudoxus und 
Kalippus ausgebildet war, hat eine relative Bedeutung, insofern sie die Be- 
kanntschaft des Coppemicus mit jener Theorie bekundet. In seinem Haupt- 
werke gedenkt Coppemicus ihrer nicht 

Die Stellen, in denen Kalippus, aber ohne Beziehung auf die homo- 
centrische Sphären-Theorie, in dem Werke »de revolutionibus« erwähnt wird, 
sind Bd. I, 2. S. 289 angeführt. Der Name des Eudoxus kommt dort gar 
nicht vor. 



186 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICU8. 

Igitur cum haec animadvertisBem ego, saepe cogitabam, si 
forte rationabilior modus circulorum inveniri possit, e quibiiB omnis 
apparenB diversitas dependeret, omnibus in seipsis aequaliter 
motis, quemadmodam ratio absoluti motuB poscit. Rem sane dif- 
ficilem aggresBus ac paene inexplieabilem obtnlit se tandem, quo- 
modo id paucioribus ac multo conTenientioribus rebus^ quam olim 
Bit proditum, fieri possit, si nobis aliquae petitioneB, qnas axio- 
mata vocant, concedantur, quae hoc ordine sequuntur. 

Prima petitio. 

Omnium orbium caeleBtium sive sphaerarum unum centrum non 
esse. 

Secunda petitio. 

Centrum terrae non esse centrum mundi, sed tantum gravitatis et 
orbis Lunaris. 

Tertia petitio. 

Omnes orbes ambire Solem, tanquam in medio omnium existen- 
tem, ideoque circa Solem esse centrum mundi. 

Quarta petitio. 

Minorem esse comparationem distantiarum Solis et terrae ad alti- 
tudinem firmamenti, quam semidimetientis terrae ad distantiam 
SoliS; adeo ut sit ad summitatem firmamenti insensibilis. 

Quinta petitio. 

Qnicquid ex motu apparet in firmamento, non esse ex parte ipsius, 
sed terrae. Terra igitur cum proximis elementis motu diumo tota 
convertitur in polis suis invariabilibus firmaniento immobili per- 
manente ac ultimo caelo. 

Sexta petitio. 

Quicquid nobis ex motibus circa Solem apparet, non esse occa- 
sione ipsius, sed telluris et nostri orbis, cum quo circa Solem vol- 
vimur ceu aliquo alio sidere, sicque terram pluribus motibus ferri. 



NICOLAI COPPEBNICI COMMENTARIOLU8. 187 

Septima petitio. 

Quod apparet in erraticis retrocessio ac progressus, non esse ex 
parte ipsarnm sed teil u riß. Huius igitur solius motus tot 
apparentibuB in caelo diversitatibus suffieif^. 

His igitur sie praemissis eonabor breviter ostendere, quam 
Ordinate aequalitas motaum servari possit. Hie autem brevitatis 
causa mathematicas demonstrationes omittendas arbitratus sum 
maiori volumini destinatas. Quantitates tarnen semidiametrornm 
orbium in eirculornm ipsorum explanatione hie ponentur, e quibus 
mathematicae artis non ignarus facile percipiet, quam optime nu- 
meris et observationibus talis eirculorum compositio conveniat. 

Proinde ne quis temere mobilitatem telluiis asseverasse cum 
Pythagoricis nos arbitretur, magnum quoque et hie argumentum 
accipiet in eirculorum declaratione. Etenim quibus Physiologi sta- 



* Die im Commentariolus als Septem petitionesv benannten Grund- Axiome 
des heliocentrischen Systems finden in dem ersten Buche des Hauptwerkes 
weitere Ausführung: die »prima petitio « im 4. Kapitel, die »aecundaa und 
atertia petitio« im 9. Kapitel. 

Das 4. Axiom wird im 6. Kapitel näher ausgeführt. Dort fanden sieh 
ursprünglich am Schlüsse — wie bereits Bd. I, 2. S. 290 mitgetheilt ist — 
noch zwei Sätze im Original-Manuskripte, welche von den Herausgebern der 
editio princeps (und demzufolge auch in allen spätem Ausgaben) weggelassen 
und erst von der Thorner Säkular- Ausgabe wieder in den Text aufgenommen 
sind. Dieselben lauten (p. 19) : Quemadmodwn ex adver so in minimis corpus^ 
culis ac insectilibua , qtiae atomi vocantuTf cum sensibilia non sintj duplicata 
vel aliquodens sumpta non statim componunt visihile corpus; at possunt adeo 
muUiplicari f ut demum sufficiant in apparentem coalescere magnitudinem, Ita 
quoque de loco terrae ^ quanwis in centro mundi non fueritf distantiam 
tmnen ipsam incomparabilem adhuc esse praesertim ad non erran^ 
tium stellarum sphaeranun 

Die »quinta petitio* wird im 5. Kapitel des Werkes »de revolutionibusm 
ausgeführt, die »sexta« und »septima petitiot endlich in dem vorerwähnten 
9. Kapitel : »^n terrae plures possint attrihui motus et de centro mundi. ^t 

Bei der Uebersetzung der »septem petitionesn des Commentariolus, welche 
Bd. I, 2. S. 290. 291 gegeben ist, sind irrthttmlich nur sechs aufgeführt. 
Das dort als »sechstes« bezeichnete Axiom enthält zugleich das siebente; 
es ist durch ein Versehen die Ueberschrift »Siebentes Axiom« vor dem 
letzten Alinea weggelassen. 



188 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICUS. 

bilitatem eins astruere potissime conantur, apparentiis plerumque 
innituntar; quae omnia hie in primis corninnt, cum etiam propter 
apparentiam yersemus eandem. 

De ordine orbium. 

Orbes caelestes hoc ordine sese complectuntur. Summus est 
Stellaram fixarum immobilis et omnia continens et locans; sab eo 
Satamas, qaem Sequilar lappiter; hunc Martins; sähest huie orbis, 
in quo nos circumferimur ; deinde Venerius; nltimus Mercurialis. 
Orbis autem Lunae circa centrum terrae vertitur, et cum ea cen 
epicyclus defertur. Eodem quoque ordine alius alium revolutionis 
velocitate superat; secundum quod maiora minorave circulornm 
spatia emetiuntnr. Sic quidem Satumus anno trigesimo, luppiter 
duodecimo, Mars tertio, tellus annua revolutione restituitur. Venus 
nono mense, Mercurius tertio revolutionem peragit*. 



** 



De motibus, qui circa Solem apparent/ 

Terra triplici motu circumfertur, uno quidem in orbe magno, 
quo Solem ambiens secundum signorum successionem anno reyol- 



* Die Reihenfolge der Planeten ist in dem X. Kapitel des 1. Buches 
des Hauptwerkes auseiaandergesetzt ; es ist ihm auch dieselbe Ueberschrift 
gegeben: »de ordine caelestium orhium«. 

In den weitern Ausführungen, welche das bez. Kapitel enthält, findet 
sich auch die schöne, oftmals herausgehobene Stelle: »In medio vero 
omni um residet Sol. Quis enim in hoc pulcherrimo templo Itmpadem hanc 
in alü) vel meliori loco poneret, quam unde totum simul possit illuminaref Si- 
quidem non inepte quidam lucemam mündig alii m^entemf alii rectorem vocant. 
Trimegistus visibilem deum, Sophoclis Electra intuentem omnia. Ita projecto 
tanquam in solto regali Sol reaidens circumagentem guhernat astrorum familiam.n 

** Die drei Bewegungen, welche Coppernicus der Erde zuertheilt, finden 
sich im Hauptwerke im 11. Kapitel des ersten Buches dargelegt. £s ist dort 
auch dasselbe Beispiel, wie im Commentariolus, wiederholt, von der schein- 
baren Bewegung der Sonne durch das S^ernbild des Krebses, wenn die Erde 
den Steinbock passirt. — Dass die tägliche Rotation der Erde um ihre Axe 
im Hauptwerke an erster Stelle genannt wird, während im Commentariolus 



NICOLAI COPPBBNICI COMMENTARIOLUS. 189 

yitnr, temporibus aeqnalibus semper aequales arcuB describens, 
cnittB quidem centrum a centro Solls 25^ parte semidlametri sul 
distat. Cum igltar snpponatur Bemldlametram huius orbls ad alti- 
tndlnem firmamentl Imperceptibilem habere quantitatem , con- 
sequens est, ut hoc motu Sol circamferri vldeatur, perinde ac sl 
terra in centro mnndi snbiaceat, cum tarnen Id non Solis sed 
terrae potius motione contingit, ut exempli causa, dum haec sit 
sub Capricorno, Sol e directo per diametrum in Cancro cematur, 
et 'slc delnceps. Videbitur etiam Sol eo motu inaequaliter moveri 
secundum distantiam eins a centro orbis, ut iam dictum est. Ex 
quo maxima diversitas duobus gradibus et sextante unius conr- 
tingit. Declinat autem ab ipso centro Sol ad punctum firma- 



die Bewegung der Erde um die Sonne vorangestellt wird, ist natürlich 
gleichgültig. 

Die Rotation und die Bewegung der Erde um die Sonne wird in dem 
11. Kapitel des ersten Buches von Coppernicus^nur flüchtig berührt; das 
ganze zweite und dritte Buch der »Revolutiones« beschäftigt sich ja mit 
diesen beiden Bewegungen. 

Die dritte Bewegung, — die der Deklination — welche Coppemicus 
geglaubt hat der Erde beilegen zu müssen, bildet den Haupt-Inhalt des er- 
wähnten 11. Kapitels des ersten Buches. Es findet sich jedoch dort nicht 
die im vorletzten Satze dieses Abschnittes des Commentariolus berührte 
Hinweisung auf die Kräfte des Magneten. » Video equidem in viliorilms rebuSf 
quod virgula terrea magnete attrita in unum semper mundi situm niteUur.« — 
Neben dieser einfach klaren Darlegung der Kraft der Magnet -Nadel er- 
scheint wunderlich eine Auseinandersetzung, wie sie noch Rheticus, der 
Schüler von Coppemicus, in der zu Frauenburg abgefassten »Chorographia« 
niedergelegt hat: »Was weiter die krafft vnd tugenden des Magneten be- 
trifft, ist wunder, das man zw unsern zeitten nicht weitter sucht, dieweil 
man doch sieht, dass alwegen Gott der Herrn ainem Ding mehr alss nur 
ain tugend vnd aigenschafft mittailet. Ainer mit namen Petrus Perigrinus 
de Marecurt, nicht iengst vor unsren Zeitten nebend andren treffen- 
lichen vnd hohen tugenden deß Magneten vermeldet, wie der stain die 
eigenschafft desHimels habe, alßowan er in die rechte runde 
gebracht wurt, vnd zwischen seinen polis, das sind nord vnd. 
swd komt, wie sich es erfordert, nochdem das land hoch ligt, 
recht auffgehenkt wurt, so solle er sich von wegen der aigen- 
schafft, so im Gott gegeben hatt, selber teglich in XXIIII styn- 
den herumher gehen, wie die Sonn in tag vnd nacht ainmal das 
erdricht vmblofft!« 



190 I. SCHRIFTEN VON C0PPERNICÜ8. 

menti, quod distat a Stella lucida, quae est in capite Gemelli 
splendidior, gradibus fere X versus occidentem , invariabiliter. 
Tune igitur Sol in summa eins altitudine cemitur, quando terra 
in loco huic opposito versatur, centro orbis inter eos mediante^ 
et per hnnc quidem orbem non terra solum, sed quicquid simul 
cum orbe lunari comprehensum est, circumdueitur. 

Alius telluris motus est quotidianae revolutionis et hie sibi 
maxime proprius in polis suis seeundum ordinem signorum hoc 
est ad orientem labilis. per quem totus mundus praecipiti voragine 
circumagi videtur. Sic quidem terra cum circumfluis aqua et vi- 
cino aöre volvitur. 

Tertius est motus declinationis. Axis enim quotidianae revo- 
volutionis non aequidistat axi magni orbis, sed obliquatur seeun- 
dum circumferentiae partim, nostro quidem saeculo XXIII gradibus 
et medio fere. Igitur centro terrae in superficie ecclipticae semper 
manente, hoc est in circumferentia circuli magni orbis, poli eins 
circumaguütur, circulos utrobique parvos describentes in centris 
ab axe orbis magni aequidistantibus. Et hie quoque motus annuas 
fere complet revolutiones et cum orbe magno pene compares. At 
vero axis magni orbis ad firmamentum immutabilem servat com- 
positionem ad eos, quos^ vocant ecclipticae polos. Motus item 
declinationis cum motu orbis complexus polos quotidianae revolu- 
tionis ad eadem caeli momenta semper retineret, si paribus omnino 
revolutionibus cum illo constaret. Nunc longo temporis tractu 
deprehensum est talem telluris positionem ad faciem firmamenti 
mutari, propter quod ipsum firmamentum aliquibus motibus ferri 
plerisque visum est, lege nondum satis deprehensa. Posse autem 
haec omnia fieri mutabilitate telluris minus mirum est. Quibus 
autem poli inhaereant, ad me non attinet dicere. Video equidem 
in vilioribus rebus, quod virgula ferrea magnete attrita in unum 
semper mundi situm nitatur. Potior tamen sententia visa est, 
seeundum orbem aliquem fieri, ad cuius motum ipsi poli mo- 
veantur, quem procul dubio sub Luna esse oportebit. 



NICOLAI COPPERNICI COMMENTABIOLUS. 191 

Quod aequalitas motaum non ad aequinoctia, 
sed Stellas fixas referatur.* 

Cum igitur aequinoctialia puncta ceterique mundi cardines 
plarimum commutentur, falli eum necesse est, quieunque ab bis 
aequalitatem annuae revolutionis deducere conatnr. quae etiam 
sab diversis aetatibus multis experimentis observationum diversa 
reperta est. Hanc Hipparcbus 365 diebns cum quadrante unins 
diei, Albategni vero Ghaldaeus reperit talem annum ex 365 die- 
bns, 5 horis, 46 minutis, hoc est 13 minutis et 3 quintis sive 
triente unius minnti Ptolomaico breviorem. Rursus autem Hispa- 
lensis huic longioreni vigesima parte unius horae, siquidem ex 
365 diebus, 5 horis et 49 minutis annum vertentem constituit. 

Ne autem diversitatem ex observationum errore processisse 
videatur, si quis singula accuratius animadvertet, inveniet eam 
cum mutabilitate aequinoctialium punctorum semper correspon- 
disse. Dum enim ipsi mundi cardines in centenis annis uno gradu 



* Die im nachfolgenden Abschnitte des Commentariolus berührten Aus- 
einandersetzungen finden sich im 3. Buche des Werkes »de revolutionibus«. 

Die im ersten Alinea angegebenen Bestimmungen der Jahreslänge ent- 
hält in genauerer Berechnung das 13. Kapitel. Die Angabe des Commenta- 
riolus, dass Hipparch das Jahr zu 365 und einem Viertel-Tage angenommen 
iiabe, ist im Hauptwerke geändert. Coppemicus hebt dort ausdrücklich her- 
vor, es habe Hipparch bereits bemerkt, dass an dem Viertel-Tage, welchen 
Kalippus, Aristarch von Samos und Archimedes den 365 Tagen der älteren 
Astronomie hinzugefügt hätten, etwas fehle: »Verum C. Ptolemaeus anim- 
nfJvertens difficiUm esse et scrupülosam sohtxtiorwn apprehensionem haud satis 
conßsus est illorum ohservationibus contulitque se potius ad Hipparehum , 
qui non tarn solares conversiones quam etiam aequinoctia in Rhodo notata post 
-se reliquit et prodidit aliquantulum deesse quartae diei, quod postea 
Ptolemaetis decrevit esse trecentesimam partem diei.n (de revol. III, 14.) 

Die Bestimmung der Jahreslänge durch Albategnius hat Coppemicus in 
dem Werke »de revolutionibus« durch Hinzufügung der Sekunden-Zahl ver- 
vollständigt. Die Angabe des Isidorus Hispalensis ist dagegen ganz weg- 
gelassen; letzterer wird Überhaupt dort nirgend erwähnt. — 

Die eigene Berechnung der Länge des siderischen Jahres, welche im 
Commentariolus zu 365 Tagen 6 Stunden 10 Minuten angegeben wird, hat 
Coppemicus in den »Bevolutiones« umgeändert in 365 Tage, 6 Stunden, 8 Mi- 
nuten, 40 Sekunden. 



192 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICÜS. 

mutabantur) quemadmodum Ptolomaei aevo repertom est, erat 
tunc anni quantitas, quae ab ipso Ptolomaeo tradita est. Quando 
antem subsequentibus saeculis potiori mutabilitate moverentur moti- 
bus inferioribus obviantes, tanto brevior annus factns est, qaanto 
translatio cardinum esset maior. Nam occursu velociori breviori 
tempore aniiuum exeipiebant motum. Rectius igitur'agit, quicum- 
que annuam aequalitatem ad Stellas fixas referet. Qaemadmodum 
circa Yirginis Spicam fecimns invenimusqne annum 365 dierum 
et sex horarum et sextantis fere unius horae semper fuisse, qualis 
etiam in Aegyptiaca antiquitate reperitur. Eadem ratio in aliis 
etiam motibus sidernm habenda est, quod absides eorum et statae 
sub firmamento motanm leges docent, ac caelum ipsnm veraci 
testimonio. 

De Luna.* 

Luna vero praeter annalem, ut dictum est, circuitum quatuor 
motibus videtur nobis pervagari. Nam in orbe suo deferente circa 
telluris centrum secundum ordinem signorum menstruas complet 
revolutiones. Is vero defert, quem vocant epicyclum primae di- 
versitatis sive argumenti, nos vero primum sive maiorem, et anni 
epicyclum alternm sibi inhaerentem in superiore quidem portione 
contra motum orbis reflexus paulo tardiore quam menstruo tempore 
deducit. In hoc demum Luna pendens biuas in mense revolutiones 
contra motum illius perficit, ut, quandocumque centrum epicycli 
maioris contingit lineam a centro orbis magni transeuntem per 
centrum terrae, quam dianietrum magni orbis vocamus, tunc Luna 
sit ad centrum maioris epicycli proxima, quod quidem circa novam 



* Dass der AbBcbnitt des Gommentariolas »</e luna* in dem 4. Buche 
der »Revolutiones« seine weitere Ausführung findet, bedarf kaum der Er- 
wähnung. 

In dem ersten Abdrucke des Commentariolus, welchen Curtze 1878 ver- 
öffentlichte, fand sich in dem Abschnitte »de luna« eine grosse Lücke, weil 
in dem Wiener Manuskripte ein ganzes Blatt fehlte. In erfreulicher Weise 
ist die Lücke durch die Stockholmer Handschrift ergänzt worden. 



NICOLAI COPPEHNICI COMMENTABIOLUS. 193 

et plenam Lusam accidit; at e coBtra in quadraturis mediantibus 
iisdem remotisBima. Quantitas antem diametri epicycli maioris 
continet 10m partem de semiametro orbis sui deferentis cum 
18a uniuB partiealae, minoris vero epicycli semidiametrum qain- 
quies dempta nna quarta ipsias"^. Per haec igitur Luna modo 
condta modo tarda descendens quoque et ascendens videtnr. et 
prima quidem diversitate dupliciter yariationum motuB epicycli 
minoris ingerit. Lunam enim in circumferentia maioris ab aeqnali- 
täte distrahit, cuius quidem in hoc maxima diversitas 17 gradus et 
qnadrantem coUigit de circumferentia ipsa ; quantitatis seu diametri 
respondentis eum quoque centram maioris modo distrahit modo 
appellit secundum semidiametri magnitadinem. Cum igitur propter 
hoc circa centrum maioris epicycli inaequales circulorum ambitus 
Luna describat, contingit primam diversitatem multipliciter yariari. 
Hinc est, quod circa coniunctiones ef obiectiones ad Solem maxima 
huinsmodi diyersitas 4 gradus et 56 minuta non excedat, in 
quadraturis autem ad 6 gradus et 36 minuta extenditur. Qui yero 
per eccentricum circulum fieri hoc arbitrantur. praeter ineptam 
in ipso circulo motus inaequalitatem in duos inciderunt manifestos 
errores. Consequens est enim mathematica ratione, quod Luna 
in quadraturis, dum infima parte epicycli dependet, quadruple fere 
maior appareat (si modo tota luceret], quam noya et plena, nisi 



* Die Stockholmer Handschrift lässt den im Texte aufgeführten Satz 
mit den Worten mna parte ipsiu^i schliessen. Curtze hat dies verändert 
in mna quarta tpsius«. Die Verbesserung ist auf Grund einer Einzeichnung 
von Coppemicus gewonnen, die derselbe, neben andern astronomischen Be- 
merkungen, auf eins der Blätter niedergeschrieben hatte, welche von ihm in 
ein vielgebrauchtes Buch , die Tafeln des Königs Alfons und Regiomontanus, 
eingeheftet waren. *Die von Curtze zuerst in den »Reliquiae Copernicanae« 
p. 30 veröffentlichte Notiz findet sich dort am Ende eines Abschnittes, 
welcher die Ueberschrift trägt : »Proportio orbium caelestium ad eccentrotem 
25 partium«; Coppemicus giebt dort die von ihm errechneten Werthe für 
den Semidiameter der Epicykel der Planeten. Die auf den Mond bezüg- 
lichen Angaben lauten: »Semidiametrus orbis Lunae ad epici/clvtm . a . -rjj— , 

epicylu8 a,ad 6. y.« (5— V4 ist ja = V*J. 

n. 13 



194 I. SCHBIPTEN VON COPPEENICÜS. 

attgmentum et diminutionem magnitudinis sui corporis et temerarie 
aBserit. Sic qnoque diversitatem aspectus facit propter notabilem 
terrae magnitudinem ad distantiam eins circa quadraturas plorimum 
augeri. Si quis autem diligentius perscrutetur, pamm valde utrum- 
que distare comperiet in quadratnriB ab his, quae interlunio plena- 
que Luna contingunt, et proinde veriorem hanc speculationem 
noBtram haud facile dubitabit. His vero tribns motibnB [in] longi- 
tudinem Luna circumit puncta latitudinis motus. Axes quidem 
epicyclorum aequidistant axi orbiB, propter quod nullam ab eo 
egrcBBionem facit. 

Sed hie orbis axem suum declinem habet axi magni orbis 
sive ecclipticae, quapropter Lunam a Buperficie ecclipticae digredi 
facit. Declinat igitur Becundum quantitatem angali, cui de cir- 
cumferentia circuli quinque gradus supratenduntur, cuius poli cir- 
cumferuntur in aequidistantia axis ecclipticae, propemodum sicut 
in declinatione dictum est. Sed hie contra signorum ordinem et 
longe tardiori motu, ut ad unam revolutionem decimum nonum 
annum expectet, et hoc in orbe quidem eminentiori fieri plerisque 
videtur. cui poli inhaerentes ad hunc modum ferantur. Talern 
igitur videtur habere Luna motuum fabricam*. 

De tribuB superioribus, Saturno, love et Marte. 

Satumus, luppiter et Mars similem habent motuum rationem, 
siquidem orbes eorum annalem illum magnum penitus includentes 
in ceutro commuui ipsius magni orbis ad ordinem signorum vol- 
vuntur. Sed orbis quidem Saturnius trigesimo anno reducitur, 



"^ Die Wiener Handschrift bietet bei dem Abschnitte »de luna« einen 
ganz unverständlichen Schlusssatz : » Tandetn igitur videtur haheri iMnae mo- 
tuum fahrica.ti Curtze hatte bei dem ersten Abdrucke (Mitth. des Copp.- 
Vereins I, S. H) richtig vermuthet, dass dafür gesetzt werden müsse: »»Talern 
igitur videtur habere Luna motuum fahricamu\ wegen der vielen Abände> 
rungen wagte er jedoch nicht, seine Konjektur in den Text aufzunehmen. 
Die Richtigkeit derselben ist dann später durch die Stockholmer Handschrift 
bestätigt. 



NICOLAI COPPERNICI COMMENTARIOLUB. 195 

lovianus duodecimo, Martius autem vigeBimo nono menge, perinde 

ac si tales revolutiones magnitudo orbium remoretur. Kam semi- 

diametro magni orbis ex 25 partibus constituto, semidiameter orbis 

Martii 30 partes obtinebit, lovis 130 et unius partieulae quiucun- 

cem, Batnrni 236 et Bextantem unius. Dico autem semidiametrum 

a centro orbis ad centrum primi epicycli distantiam. Habet enim 

quisque duos epicycloS; quorum alter alterum defert, propemodum 

Bicut in Luna dictum est, sed lege diversa. Primus enim epi- 

cydus contra motum orbis reflexus pares facit cum eo revolutiones, 

alter vero obvians primi motum revolutionibus duplicatis circum- 

agit sidus, adeo ut, quandocunque sit in summa a centro orbis 

distantia yel rursus in maxima vicinitate, tunc sidus sit centro 

epicycli quam proximum, in quadrantibus autem mediantibus re- 

motissimum. Igitur ex talium motuum compositione orbis et epi- 

cyclornm et revolutionum paritate contingit, ut huiusmodi elonga- 

tiones et accessiones maxime statas sibi sub firmamento sedes 

obtineant. Ac deinceps certas ubique observant motuum condi- 

tiones, itaque absides suas invariabiles [habent], Satumus quidem 

circa stellam, quae super cubitnm esse dicitur Sagittatoris , lup- 

piter gradibus VIII post stellam, quae extremitas caudae Leonis 

appellatur, Mars vero gradibus VI et medio ante cor Leonis. 

Magnitudines autem epicyclorum hae sunt*. In Satumo 



* Die nachfolgend im Commentariolus aufgeführten Werthe, welche 
Coppernicus für die Halbmesser der Kpicykeln der Planeten errechnet hat, 
stimmen vollständig mit denen überein, welche er auf dem unten S. 210 be- 
zeichneten Blatte seinem Exemplare der Alphonsinischen Tafeln beigefügt 
hatte. Die dortigen Notizen lauten: 

»l¥oportio orbium eaeleaUum ad eccentrotetem 25 parUwn.n 
»MarUs semidiametrus orbis 38/ere, epicyclus a. 5. M. epicyclus b, M, 51,« 
*IovU semidiametrus 30, M, 25, epicyclus a. 10^, h, 3^,n 
»Satumi diametrtus 230^, epicyclus a. /9j^, b, 6fJ.« 
Diese vorstehend abgedruckten Werth-Bestimmungen sind vielleicht spe- 
ziell für den Commentariolus berechnet. Jedenfalls stimmen sie mit den 
Angaben des letzteren so genau überein, dass selbst der Rechenfehler beim 
zweiten Epicyklus des Mars — wie Curtze a. a. 0. bereits hervorgehoben 
hat — einfach übernommen ist. Es soll der zweite Epicyklus nämlich, wie 

13» 



196 I. SCHRIFTEN VON COPPEBNICüS. 

quidem primi semidiameter constat ex partibus 19 et 41 miniitis, 
qualium semidiameter orbis magni ex 25 snpponebatar ; secundas 
autem epicyclus pai-tium 6 et minutorum 34 semidiametrnm habet. 
Sic quoque in love primus partium 10 et minutorum 6, secundus 
partium 3, minutorum 22 semidiametros continent. In Marte autem 
primus partium 5, minutorum 34, seeundus [partis IJ minuto- 
rum 51. Sic igitur ad primum ubique semidiameter triplo maior 
est secundo. Hanc autem diversitatem, quam epicyclorum motus 
inducit super motum orbis, primam appellare placuit, quae ubique 
sub firmamento certos, ut dictum est, observant limites. Alia si- 
quidem est diversitas, secundum quam sidus interdum regredi, 
saepe etiam subsistere cemitur, quae non ex motu sideris con- 
tingit, sed telluris in orbe magno aspectum variantis. Haec enim 
motum sideris velocitate superans radio yisuali ad firmamenti 
aspectum obviante motum sideris vincit. Quod tunc maxime fit, 
quando proxima fuerit sideri terra, dum yidelicet inter Solem et 
sidus mediat vespertini sideris ortu. E contrario autem circa 
vespertinum occasum ortumve matutinum praeventione antefert 
Visum. Vbi vero visus contra motum aequali cursu obviat, stare 
videntur adversis motibus invicem sie se perimentibus , quod 
plerumque circa triquetrum Solis radium contingit. In bis autem 
Omnibus tanto maior contingit talis diversitas, quanto inferiori orbe 
sidus movetur, unde minor in Satumo quam love, et rursus in 
Marte maxima, secundum proportionem semidiametri magni orbis 



Coppeniieus gleich darauf selbst angiebt, jedesmal den dritten Theil des 
ersten betragen. Demnach muss bei der Werth-Angabe des zweiten £pi- 
cyklus des Mars zwischen den Worten »seeundus« und »minutorum« ein- 
geschoben werden »partis 1.« Dies geht auch aus einer Einzeichnung hervor, 
in welcher auf demselben Blatte in den Alphonsinischen Tafeln (unmittelbar 
vor den aufgeführten Werth-Angaben) dasselbe Yerhältniss der Epicykeln 
angegeben wird : 

»Eccentrotes Martis 6583 

Epicyclus primus 1492 

Epicyclus seeundus 494.« 



NICOLAI COPPEBNICI COMMENTARIOLUS. 197 

ad illorum semidiametros. Fit autem tunc uninscuinsque maxima^ 
qnando sidns per radium aspicitur circumferentiam magni orbis 
contingentem. Equidem tria haec sidera nobis pererrant. In 
latitudine vero duplicem digressionem facinnt; circnmferentiis 
qnidem epicycloram in una superficie permanentibus cum orbe 
sao ab eccliptica declinant secundam axium deflexiones, non sicat 
in Luna circumducibiles . Bed in eundem caeli tractum semper 
vergentes. Igitnr et sectiones eirculorum orbis et ecclipticae, qnas 
nodos vocant, aetemas in firmamento sedes occnpant. Sic quidem 
Satamns nodnm suum habet , unde ad septentriones scandere in- 
cipit, partibns 8 et media post stellam, quae in capite Geminornm 
Orientalis dicitur; Inppiter ante eam ipsam stellam partibus qua- 
tuor: Mars autem Yergilias antecedentem partibus 6 et medio. In 
his igitur ac e diametro positis sidus existens nuUam habet lati- 
tudinem. Maximam vero, quae in his in quadraturis contingit, 
valde diversam. Nam axium circulorumque inclinatio, tamquam 
nodis Ulis pensilis, instare videtur, tunc equidem maxima fit, 
quando tellus sideri proxima est, hoc est in ortu sideris vesper- 
tino. Tunc enim in Satumo partibus duabus et besse axis in- 
cUnatur; in love partibus duabus dempto triente; in Marte vero 
parte una et sextante. £ contrario autem circa yespertinum oc- 
casum ortumque matutinum, plurimum tunc absistente terra Satumo 
quidem et lovi quincunce unius partis minor est huiusmodi incli- 
natio; Marti vero parte una et besse. Sic quidem diversitas haec 
in maximis latitudinibus apprime percipitur, ac alicui tanto minor, 
quanto minus a nodo sidus distat pariter cum latitudine crescens 
et decrescens. Accidit etiam motu telluris in orbe magno lati- 
tudines visibus nostris variari, ita sane propinquitate vel distantia 
visibilis latitudinis angulos augente vel minuente, sicut mathe- 
matica ratio exposcit, siquidem hie motus librationis secundum 
lineam rectam contingit. Fieri autem potest, ut ex duobus orbibus 
huiusmodi motus componatur, qui cum sint concentrici, alter alterius 
deflexos circumducit polos et inferior contra superiorem duplici 



198 1. SCHRIFTEN VON COPPBBNICÜ8. 

velocitate poIos orbis epicyclos deferentis revolvat, et hi qnoqae 
poli tantam habeant deflexionem a polis orbis immediate saperioris, 
qnantnin huius a polis supremi orbis. Et haec de Satnmo, love 
et Marte ac orbibus terram ambientibas. 

De Venere. 

Reliqaum est eoram speculationem aperire, qnae magni orbis 
ambitu incladuntur, hoc est de motibus Veneris et Mercnrii. Venus 
quidem persimilem habet circulorum compaginem qnales Uli sa- 
periores, sed alia motuum observaDtia. Orbis quidem cum epi- 
cyclo suo maiori pares facit revolutiones nono mense, ut praedictum 
est, eoque motu composito minorem epicyclum certa ubique habi- 
tudine firmamento restituit summam eins absidem ad punctum, 
quo Solem vergere diximus, constituens. Minor autem epicyclus 
impares cum illis revolutiones habens, motui orbis magni impari- 
tatem reservavit. Ad huius quidem revolutionem duos omnino 
circuitus perficit, ut, quandocunque tellus in linea ad absidem 
diametro porrecta fuerit, sidus tunc centro maioris epicycli proxi- 
mum Sit, et in transverso quadrantum remotissimum simili fere 
modo, quemadmodum in Luna minor epicyclus Solem respicit 
observans. Est autem proportio semidiametrorum orbis magni et 
Veneris sicut 25 ad 18, et maior epicyclus dodrantem suscipit 
unius particulae, minor vero quadrantem '^. Retrocedere quando- 



* Auch die Werth-Bestimmungen des Halbmessers der beiden Epicykeln 
der Venus, wie sie in den Commentariolus aufgenommen sind, stimmen 
genau mit den Angaben, wie sie Coppernicus in die Alphonsinischen Tafeln 
eingezeichnet hat. Er sagt dort: 

*>Venerü semidiatnetrus IS, epicyclus a, Va *• Vi- 

Die Rand-Bemerkung des Wiener Manuskripts: »Maior epicyclus i. 48, 
minor 0. 36, qualium semidiametrus l. 60« ist in Bezug auf die letzte Angabe 
falsch. Es muss vielmehr heissen nqualium semidiametrus SO«, indem zu 
n semidiametrus« zu ergänzen ist »magni orh4s«\ denn wir haben die 
richtigen Proportionen : 60 : 25 = IVs : Vi = Vb '• Vi- iCurtze, Mitth. d. Copp.-V. 
I, S. 15.) 



NICOLAI COPPEBNICI COMMBNTARIOLUS. 199 

que et haec cernitar, tnnc maxime, quando sidus terrae proximnm 
est, simili qnodammodo ratione ut in superioribns , sed conversa. 
In Ulis enim accidit motu terrae snperante, hie autem saperato, 
ac illic orbe tellnris eontento, hio vero continente. Qnapropter 
nee nnqnam Soli opponitur, enm tellns intermediari non possit, 
sed ex eertis ab Sole distantiis, quae finnt in contactibus cireum- 
ferentiae lineis a eentro tellnris prodeuntibns, ntrobique revertitur 
48 grados nnmqaam excedens ad nostrum adspectnm. Et haee 
est Yenerei motus snmma, qua in longitudinem circnmdneitur. 
Latitndinem qnoque dnplici causa scandit. Habet enim et haec 
axem orbis inclinatum quantitate anguli graduum duorum s., et 
nodum suum, unde septentriones petit, in abside sua habet"*. 
Digressio autem, quae ex tali inclinatione procedit, quamquam 
eadem in se ipsa sit, duplex non ostenditur. Nam in alterutro 
nodorum Yeneris incidente terra transversis sursum et deorsum 
aspiciuntur, has reflexiones vocant; naturales apparent orbis ob- 
liqoitates, et has vocant declinationes, eaedem vero in quadranti- 
bns. Geteris autem locis ambae latitudines permixtae confunduntur, 
ac alia aliam superans vincit ac similitudine et dissimilitudine 
mutuo se augent et perimunt. Haec vero axis inclinatio est; habet 
librationem mobilem, non autem sicut in superioribus illis ad nodos 
pendentem, sed in aliis quibusdam volubilibus punctis, quae re- 
volntiones snas ad sidus annuas faciunt, unde, quandocumque 
tellus contra absidem Yeneris steterit, maxima tunc fit librationis 
inflexio et haec in ipso sidere, in quacumque tunc parte sui orbis 
fnerit. Qnapropter, si tunc sidus in abside sit vel ei e diametro 
opposito latitudine non penitus carebit, tametsi in nodis tunc 
versetur. Hinc vero decrescente hac inflexione quoadusque tellus 
per quadrantem circuli dicto loco amoveatur et similitudine mo- 



* Ueber die Breiten-BeweguDgen der Venus und die dabei zusammen- 
wirkenden Ablenkungen handelt eingehender das 5. und 6. Kapitel des 
VI. Buches des Werkes »de Kevolutionibus orbium caelestium«. 



200 I. SCHRIPrEN VON COPPBBNICÜS 

taum maxime illius deviationis punctuB a sidere tantandem de- 
stiterit, nulluni prorsus huiusce deviationis vestigium usque re- 
peritur. Et deinceps deviationum libramento continuatio, et illo 
principio a septentrionibus ad angtrum declinante ac identidem a 
sidere sese elongante secundum telluris ab abside remotionem 
sidus ad eam perducitur partem, quae prius anstralis fnerat. Nunc 
autem Opposition! s lege septentrionalis facta, donec iterum ad 
summam perveniat librationis circulo peracto, ubi rursum maxima 
fit deviatio et primae simul et aequalis. Sic demum pari modo 
per reliquum semicirculum pergit. Quapropter nunquam fit meri- 
diana haec latitudo, quam plerumque deviationem vocant. et haec 
duobus orbibus fieri concentricis et axibus obliquis, sicut in su- 
perioribus dicebamus, hie quoque consentaneum esse videtur. 

De Mercurio. 

Sed omnium in caelo mirabilissimus est Mercurii cursus, qui 
paene investigabiles permeat vias, uti perscrutari non facile queat. 
Addit praeterea difficultatem quod sub radiis solis invisibiles 
plerumque meatus occupat et paucis admodum diebus visibilem se 
exhibet, attamen comprehendetur et ipse, modo altiori ingenio 
quispiam incumbat. Convenient et huic epicycli duo, ut in Venere, 
in orbe suo revolubiles. Nam maior epicyclus pariter cum orbe 
suo facit revolutiones, ut illic, absidis eins sedem gradibus 14 et 
medio post Virginis Spicam constituens. Minor autem epicyclus 
contraria illius lege duplici vero revolutione reflectitur, ut in omni 
situ telluris, quo absidem huius supervenit vel ex adverso respicit, 
sidus a centro maioris epicycli remotissimum sit atque in quadranti- 
bus proximum. Et huius quidem orbem tertio mense diximus 
reverti, hoc est 88 diebus, cuius semidimetiens partes capit 9 et 
duas quintas utiius partis, quarum semidiametrum magni orbis 25 
posuimus. Ex bis autem primus epicyclus accipit unam et 41 mi~ 
nuta; secundus autem tertiam eins partem, hoc est minutias 34 



NICOLAI COPPERNICI COMMENTABIOLÜS. 201 

fere*. Sed is quidem circulornm concnrsas hie non sufficit ut in 
ceteris. Terra siqnidem in snpradictis absidis respectibus per- 
meante longe minori apparet ambitu sidns moveri . quam ratio 
circnlomm iam dicta snstinet; ac rursus in qnadratnris longe etiam 
maiore. Cum vero nullam aliam in longitudine divergitatem ex 
hoc fieri percipiatur, consentaneum est per accessum quendam et 
recessum centri orbig secundum lineam rectam contingere, quod 
quidem fieri oportet duobus orbiculis circumdatis habentibus axes 
aequidistantes axi orbis, dum centrum epicycli maioris sive totius 
illius axe tantum distat a centro orbiculi immediate continentis, 
quantom centrum huius a centro extremi. Id quidem repertum 
est minutibus 24 et medio unius partis de 25, quibus omnium 
contextum mensi sumus, quodque motus extremi orbiculi binas 
in anno vertente revolutiones faciat, interior autem motu reflexo 
duplo recursu quater Interim revertatur. Praeferuntur enim hoc 
motu composito centra maioris epicycli secundum lineam rectam, 
quemadmodum circa latitudines libratas diximus. Sic igitur in 
memoratis ad absidem telluris sitibus centrum epicycli maioris 
centro orbis proximum est, in quadraturis autem remotissimus. 
In locis autem mediantibus, id est 45 gradus ab his, centrum 
maioris epicycli centro exterioris orbiculi applicat amboque in 
unum concurrunt. Quantitas autem huiusce recessus et accessus 
constat minutis 29 unius praedictarum partium, et hactenus motus 
Mercurii longitudinalis sie se habet '^*. Latitudinem vero haud 
secus facit quam Venus, sed tractu semper contrario. Ubi enim 
illa septemtrionalis fit, hie austros petit. Declinat autem orbis 
eins ab eccliptica quantitate anguli partium Septem. Deviatio 



* Die für die Epicykeln des Merkur im Commeiitariolus angeführten 
Wertbe stimmen gleichfalls mit den handschriftlichen Angaben in den AI- 
phonsinischen Tafeln ttberein: »Mercurii orbis 9. 24, Epicyclus a. L 41^/4^ 
b, 0,33^1 4\ colligunt 2. 7V2 {diversitas diameiri 0. 29.)« 

** lieber die verschiedenen Ableitangs- Methoden der Bewegung des 
Merkur handelt das 28. und 32. Kapitel des VI. Buches der »Revolutiones». 



202 I. SCHRIFTEN VON C0PPERNICU8. 

autem hie qnoque semper australis dodrantem unius gradus nun- 
quam excedit. Ceterum qnae circa latitudines Veneris dicta sunt, 
hie quoque commemorasse conveniet, ne eadem saepe repetantnr *. 
Sicque Septem omnino cireulis Mercnrins currit, Yenns quin- 
qne, tellus tribns et circa eam Lana qnatuor, Mars demum, lap- 
piter et Satamns singuli quinqne. Sic igitar in Universum 
34 circuli sufficiunt, quibus tota mundi fabrica tota- 
que siderum Chorea explicata sit. 



* Gleichwie Coppernicus im Gommentariolus bei Erklärung der Breiten- 
Abweichungen des Merkur auf den früheren Abschnitt Ober die Venus ver- 
weist, hat er auch in dem Werke »de revolutionibus« die erklärenden Aus- 
führungen in Betreff der Breite beider Planeten zusammengefasst in den 
Kapiteln 5 ff. des VI. Buches. 



G. 



Kleinere handschriftliche Reliquien. 



I. Die Einsohaltangen and Nachtrage aas dem Manuskripte 

des Werkes »de revolationibas«. 

Die weitaus bedeutsamste Reliquie, welche wir von Cbpper- 
nicus' Hand besitzen, ist das vor einigen Decennien wieder auf- 
gefundene Original-Manuskript des Werkes »de revolu- 
tionibus orbium caelesttumn. (Vgl. Bandl, Thl. 2, S. 503 flf.) 
Wichtig fllr die kritische Feststellung des Textes, zeigt das Manu- 
skript uns zugleich die Arbeits-Mtthe und die Arbeits-Freudigkeit 
des Verfassers, welcher unermüdlich bis in seine spätesten Lebens- 
jahre an seinem Werke gefeilt und nachgetragen hat*. Allein 



* Neben den kleineren Textes-Umgestaltungen bat Coppernicus auch 
die Haupttbeilung seines Werkes mehrfach geändert. Die erste Redaktion 
zerlegte dasselbe nicht in sechs, sondern in acht Bücher ; es zerfiel nSmlich 
jedes der beiden ersten Bücher in zwei Theile. Nur die Eintheilung der 
yier letzten Bücher ist in sSmmtlichen Redaktionen (es sind deren drei er- 
kennbar) dieselbe geblieben. Näheres Band I, Thl. 2, S. 478. 479 und 506. 
507; ausserdem vgl. Curtze's Prolegomena zur ed. saecul. p. XVII sqq. 

Bei der Verwerthung seiner astronomischen Beobachtungen hat Cöpper- 
nicuB vielfache Korrekturen yorgenommen. Die Zahlen sind oft zwei bis 



204 I. SCHRIFTEN VON C0PPEENICÜ8. 

die meisten kleineren Abänderungen der ursprünglichen Nieder- 
schrift sind sprachwissenschaftlicher Natur oder rein redaktionelle 
Verbesserungen*. Sie sind an dieser Stelle um so weniger mit- 
zutheilen, als sie bereits für die Säkular -Ausgabe von Gurtze 
verwerthet und in den begleitenden Anmerkungen vollständig 
mitgetheilt sind. 

Neben diesen unwesentlicheren Textes-Umgestaltungen, bez. 
Verbesserungen einzelner Zahlen zeigt das Original -Manuskript 
der »Revolutiones« freilich noch einige wichtigere Einschaltungen, 
welche Coppernicus ursprünglich fUr die Oeflfentlichkeit bestimmt, 
später aber bei dem Drucke seines Werkes weggelassen hatte. 
Bis zur Wiederaufiindung des Original-Manuskripts gänzlich un- 
bekannt geblieben, haben einige von ihnen erhebliche Wichtig- 
keit. Sie sind jedoch bereits in frühem Abschnitten des vor- 
liegenden Buches mitgetheilt worden; demnach ist hier nur auf 
jenen Abdruck zu verweisen. Es gehören dazu vomämlich die 
schöne Vorrede zum 1. Buche, die Uebersetzung des s. g. Lysis- 
Briefes und die kleine, aber hochbedeutsame Stelle, in welcher 
Coppernicus die Möglichkeit einer elliptischen Bahn fttr die Be- 
wegungen am Himmel vorahnend ausgesprochen hat"^*. 



dreimal geänderti mitunter auch die zuerst errechneten Werthe wieder ein- 
gesetzt- Ebenso hat Coppernicus von den Zusatz-Bemerkungen, welche er 
am Rande des Manuskriptes nachgetragen hatte, einige später wieder weg- 
gelassen. (Eine dieser weggestrichenen Stellen Hb. III, cap. 15 [ed. saec. 
p. 204] ist von den Herausgebern der editio princeps wieder aufgenommen 
worden. Vgl. Bd. 1, Thl. 2, S. 509.) 

* Die meisten Textes-Umgestaltungen finden sich am Ende des ersten 
Buches in dem Abrisse der sphärischen Trigonometrie und in den beiden 
letzten Büchern. (Vgl. edit. saecul. p. 67, 369 sqq., 375, 409, 410, 420.) 

** In dem Original-Manuskripte findet sich nicht die Widmungs-Vor- 
rede an Papst Paul III , wie bereits Band I, Thl. 2, S. 494 hervorgehoben 
ist. Die Aufnahme dieses Schriftstücks hat es vielleicht verschuldet, 
dass die Herausgeber der editio princeps dafür die Einleitung zum ersten 
Buche weggelassen haben ; dieselbe ist erst nach der Wiederauffindung des 
Original-Manuskripts bekannt geworden. Das schöne Schriftstück ist oben 



KLEINEBB HANDSCHRIFrLICHB RELIQUIEN. 205 

S. 9 — 12 abgedruckt, eine deutsche Uebersetzung Band I, ThI. 2, S. 510— 
513 gegeben. — 

Die von Ooppernicus gefertigte lateinische Uebersetzung des s. g. Lysis- 
Briefes ist oben S. 132—137 abgedruckt. (Vgl. auch Band I, Thl. 1, S. 408 ff.) 

Die denkwürdige Stelle, in welcher Ooppernicus, während er sonst mit 
den alten Astronomen an den Kreis-Bahnen der Himmelskörper streng fest- 
hielt, die Annahme einer elliptischen Bahn aufstellt, findet sich gegen Ende 
des 4. Kapitels des dritten Buches. Sie ist nach dem Abdrucke in der 
Säkular-Ausgabe (p. 166} bereits im 2. Theile des ersten Bandes S. 508 Anm. 
mitgetheilt worden. Allein bei der relativen Bedeutung des in dem kurzen 
Satze ausgesprochenen, seinem Zeitalter weit vorauseilenden Gedankens 
dürfte es wohl angezeigt sein, den Wortlaut hier nochmals vollständig ab- 
zudrucken, zumal der Fund erst seit einem Decennium veröffentlicht und 
demnach noch wenig bekannt ist. 

Die ganze, von Ooppernicus nachmals durchstrichene Stelle des Manu- 
skripts lautet: 

ttVocant autem aliqtti motum hunc in kUttudineni circuli, hoc est dvneiientefn , 
cuius tarnen periodum et dirnetisionem a circumeurrente eins deducufit, ut paulo 
inferius ostendemus. Matque hie obiter animadvertenduni, quod, si 
circuli fuerint inaequales manentibus ceteris conditionibus, non 
rectam lineatn, sed eonicam sive cylindricam sectionem descri- 
bentf quam e 11 y p 8 im vocant mathematiei; sed de his alias.ti 

Ooppernicus hat diese Stelle später weggestrichen, weil er sich, wie die 
Schlussworte ausdrücklich hervorheben, eine eingehendere Ausführung für 
eine spätere Gelegenheit vorbehielt. Bei dieser klar hervorgetretenen Durch- 
brechung der sonst als Axiom festgehaltenen Grund-Anschauung, dass die 
gleichmässige Bewegung im Kreise die für die Himmelskörper einzig ent- 
sprechende sei, konnte Ooppernicus sich an der aphoristischen Andeutung, 
wie sie an jener Stelle allein gestattet war, unmöglich genügen lassen. 



206 I. SCHRIFTEN VON COPPEBNICÜ8. 



n. Die Büoher-Einzeichnungen mathematiBch - astronomischen 

Inhalts. 

Ausser der werthyoUsten Reliquie von Coppemicus, dem 
Original -Manuskripte seines Hauptwerkes, hat die eifrige For- 
schung der beiden letzten Decennien noch eine beträchtliche An- 
zahl handschriftlicher Bemerkungen aufgespürt, welche Coppemicus 
in die von ihm gebrauchten Bücher eingetragen hat. Diese Ein- 
zeichnungen haben für uns schon dadurch Werth, dass sie die 
Vorstudien des grossen Mannes enthaltend, einen interessanten 
Einblick in seine Arbeits-Methode gewähren. Derselbe steigert 
sich noch dadurch, dass wir in ihnen manche Hinweisung auf 
ältere Quellen finden, welche Coppemicus gekannt und benutzt 
hat, von denen wir in seinem Hauptwerke nichts erfahren. Von 
grossem Interesse sind endlich eine Reihe von astronomischen 
Tafeln, welche nicht durchweg mit den in den »Revolutionesa 
veröffentlichten übereinstimmen, zum Theil sehr bedeutende Ver- 
schiedenheiten aufweisen. 

Curtze, von welchem diese Einzeichnungen in den Coppemi- 
canischen Büchern zu Upsala aufgefunden und durch die »Reli- 
quiae Copemicanae« (Leipzig 1875) veröffentlicht sind, hat zugleich 
eine genaue Vergleichung angestellt und den Abdruck mit erläu- 
ternden fach wissenschaftlichen Bemerkungen versehen. 

Mehrere von den Einzeichnungen, welche sich von Coppemicus 
in den zu Upsala aufbewahrten Büchem vorgefunden haben, sind 



MATHEMATISCH-ASTRONOMISCHE BÜCHEB-EINZEICHNUNGEN . 207 

bereits bei Besprechung der Coppemicanischen Bibliothek im 
1. Bande des vorliegenden Werkes (Tbl. 2, S. 406 ff.) erwähnt 
worden. Dieselben werden sonach an dieser Stelle nur eine 
kurze Zusammenstellung erheischen, indem auf die ausführlicheren 
Mittheilungen a. a. 0. verwiesen wird. 

Die Bemerkungen, welche Goppemicus in der editio princeps 
des griechischen Euklid gemacht hat, sind im Ganzen nicht 
erheblich (vgl. Bd. I, Thl. 2, S. 407) . Auch die Einzeichnungen, 
welche das »Instrumentum primi mobilisa und die »Astronomia« 
des Gabir el Afflah aufweisen (vgl. a. a. 0. S. 4ü8 und 409) sind 
an sich nicht bedeutend ; sie geben aber, gleichwie jene , sichere 
Belege für den Eifer, mit welchem Goppemicus seine Studien bis 
in das höchste Alter fortgeführt hat; die Bücher, in welche er 
jene Notizen eingetragen hat, sind ihm nämlich erst nach dem 
Jahre 1539 zugekommen. Dasselbe beweisen auch die Gitate 
aus Plinius' bist, natur. und Vitruv's Architectura, welche in die 
Optik Vitellio's eingetragen sind, und die Einzeichnungen, welche 
sich in dem astrologischen Werke des Albohazen vorfinden; die 
letztem beschränken sich auf die Hinzufligung von Parallel- 
Steilen aus dem Quadripartitum des Ptolemaeus (vgl. Bd. I, Thl. 2, 
S. 414. 415). 

Die weitaus wichtigste der Notizen, welche Goppemicus in 
seine Bücher eingezeichnet hat, bietet eine ganz kurze Bemer- 
kung, welche in der editio princeps der lateinischen Ueber- 
setzung des Euklid aufgefunden ist*. 



* Coppernicns besasB die zu Venedig im J. 1482 bei Ratdolt gedruckte 
Uebersetzung des Euklid, welche Giovanni Campano aus dem Arabischen 
gefertigt und mit Scholien versehen hatte. In einer Zusatz- Bemerkung, 
gegen Ende des 4. Buches, hatte nun Campanus die Trisektion des Winkels 
behandelt. Cuppernicus giebt hierzu eine Verbesserung: »Datum angu- 



208 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICUS. 

Während die vorstehend aufgeführten Bttcher-Einzeiehnangen 
von Coppemicus nur einen relativen Werth beanspruchen können, 
haben dagegen eine hohe Bedeutung die reichhaltigen Einzeieh- 
nungen, welche der zu Upsala aufbewahrte Band aufweist, in 
dem die astronomischen Tafeln von König Alfons und Regio- 
montanus zusammengebunden sind"^. Hier sind neben einzel- 
nen Kand-Notizen eine Reihe von astronomischen Tabellen auf 
die einzelnen freien Seiten der Bücher, wie auf eigens dazu ein- 
geheftete Blätter am Schlüsse des Bandes niedergeschrieben. Diese 
Tafeln stimmen mit den in den »Revolutiones« veröffentlichten 
oftmals nicht genau ttberein, weisen zum Theil sogar bedeutende 
Verschiedenheiten auf. 

Gurtze, von welchem diese Einzeichnungen aufgefunden und 



lum trifarium seeare . , , . id modo aptius explanaium fuissei hoc 
modo: Ducalur recta linea etc,; er schliesst seine kurze Korrektur mit 
den Worten: ^de quo vide Nicotnedem de conchoidibus.K 

Als Curtze diese bemerkenswerthe Notiz veröffentlichte, knüpfte er daran 
eine eingehende Ausführung zur Geschichte der Trisektion des Winkels. 
(Reliqn. Copern. S. 5 — 27.) Das Wichtigste aus diesem Exkurse ist bereits 
im ersten Bande ThI. 2, S. 414 mitgetheilt. Curtze weist nach, dass die 
Berichte, welche wir bei Pappos, Proklos und Eutokios über die — uns 
nicht mehr erhaltene — Schrift des Nikomedes finden, nicht mit dem über- 
einstimmen , was Coppernicus als derselben entnommen anführt, dass Niko- 
medes nämlich die Trisektion des Winkels durch die Konchoide mit cirku- 
larer Basis gelehrt habe. 

Allerdings wurden, wie wir aus anderweiten Zeugnissen wissen, zur 
Zeit des Nikomedes bereits Aufgaben gestellt, deren Lüsung auf die Kon- 
choide mit cirkularer Basis zurückzuführen ist. Bei den Arabern mag nun 
jenes Problem weiter ausgebildet und die Dreitheilung des Winkels durch 
jene Konchoide wirklich gelehrt worden sein. Nun kann aber — wie Curtze 
annimmt — Coppernicus in Italien sehr wohl ein Manuskript benutzt haben, 
welches für eine Uebersetzung des Nikomedes »de conchoidibus« ausgegeben 
wurde und von arabischen Kommentatoren durch die Konchoide auf cirku- 
larer Basis bereichert war. 

* Abgesehen von den reichhaltigen Einzeichnungen, welche die astro- 
nomischen Tafeln von Künig Alfons und Regiomontanus aufweisen, bekundet 
auch schon das Aeussere, dass Coppernicus dieses Volumen in stetem Ge- 
brauche gehabt hat; einzelne Blätter sind durch die starke Benutzung sehr 
begriffen. 



ASTRONOMISCHE BÜCHER-EINZEICHNUNOEN. 209 

und durch die «Reliquiae Copemicanaea (Leipzig 1875) veröffent- 
licht sind, hat zugleich eine genauere Vergleichung der ursprüng- 
lichen, Upsalenser Tabellen mit den späteren, in die editio prin- 
ceps aufgenommenen angestellt und den Abdruck mit erläuternden 
Bemerkungen begleitet. Mit Genehmigung des Verfassers wird 
sich der nachfolgende Abschnitt an den Kommentar des kundigen 
Fachmanns genau anlehnen, die Tafeln selbst, wie einen Theil 
der Erläuterungen vollständig übernehmend. 



Vor dem Wieder-Abdrucke der astronomischen Tafeln werden 
nachstehend zuerst noch die vereinzelten astronomischen Ein- 
zeichnungen zusammengestellt, welche sich in dem erwähnten 
Volumen finden*. 

Auf dem Titelblatte der Alfonsinischen Tafeln ist neben dem 
Namenszuge des Besitzers 

Nic^ Coppnic^ 
noch die Bemerkung aufgezeichnet: 

epicyclus Lunae a ad b propof'tio 
vt 4. 47. orf fmum — y . 

Auf Blatt ^2^» Aii^ Ende der einleitenden Briefe, steht die 
Notiz: 

nAlfonsus astranamus Castelle rex et Hispanie fuitj quem Halt 
interpretatur quasi dltus fons. Dictus est autem ab alto fönte, id 
est sapientia, quia composuit has tabulas non quidem per se, sed 
per conductum 60 astranamorum, quibus hanc summam pecunie dedit 
Decies 100000 florenorum pro creatione radicum practicatarum in 
meridianum Toleii.a 

Eine ähnliche Notiz enthält auch die letzte Seite des Buches : 



* Die ersten fünf der im Texte abgedruckten kleinen Einzeichnungen 
Bind bereits Band I, Thl. 1, S. 278 und Band I, Tbl. 2, S. 417 mitgetheilt; 
sie werden jedoch der Vollständigkeit wegen hier nochmals abgedruckt. 
II. 14 



210 I. SCHRIFTEN VON COPPBBNICÜS. 

^Alfoiuus rex fuü, de quo didt Egidius^ quod üle fuit liberar- 
lisstmus regum^ dedit enim pro duobus sezterciis pro de (?) tabu- 
larum astronomicarum cotrectione -dedk emm 100000,^ 

Auf der Rückseite des Deckels der Alfonsinischen Tafeln findet 
sich noch die Bemerkung: 

i^Annis Christi completis 1200 parilibus 
Locus anomalie Lune Alfonsi 1. 42. 8. 
IjOcus eiusdem secundum Ptoleraaeum 102, 40. 

alexandrie.n* 
Auf Blatt d^^ hat Coppemicus der Tafel mit der Ueberschrift 
»Tabula Medii Motus Draconis« die Bemerkung hinzugefügt: 

»revolutio eius annis equalibus 18, die- 
bus 228^ primis 19. 10.^ 



In den Tafeln des Regiomontanus ist auf Blatt (c^)^, »7a- 
bule directionumn. überschrieben, am Fuss-Ende hinzugefügt: 
r*per nutnerum multiplicandum intelligitur angulus secti- 
onis circulorum latitudinis et equatoris.a 
Femer enthält Blatt if^)^ derselben Tafel mit der Ueberschrift: 
y> Tabula generalis Celi mediationumd den Vermerk: 
i>Hi€ numerus multiplicandus est per residuum anguli de 
quadrante, qui fit ex coxnddentia circulorum latitu- 
dinis et aequatoris eius latitudine ferenda receptis.a 
Unter dem Schluss der i>Tabula directionum profectio- 
numquem steht mit rother Tinte geschrieben: 

»TeXo<;.« 
Auf dem 15. der angehefteten Blätter liest man auf der Vor- 
derseite : 



* Ein FacBlmile dieser und der vorstehend abgedruckten Einzeichnung 
ist in meinen »Mittheilungen aus Schwed. Archiven u. Bibl.« (1853) veröffent- 
licht worden. 



ASTRONOMISCHE BÜCHER-EIKZEICHNUK6EK. 211 

y>Satumi apogeum 240. 21. Anno 1527 TIX?.« 
^lovis apogeum 159. 0. Anno 1529 yQä27.a 
yiMartis 119.40. Anno 1523 Q27.a 

i^Veneris 48. 30. Anno 1532 ni6« 

Auf der Rückseite desselben Blattes: 

T^Eccentrotes Martis 6583.ft 
T>Eptcyclu8 primus 1492.« 
r>Epicyclus secundtis 494. a 
y)Iovis eccentrotes 1917. Epicgclus a . 777 . b . 259.« 
t^Saturni eccentrotes 1083. Epicyclus a .Sb2.b.284k.(t 
tiMercurii eccentrotes 2258 («tc .') . Epicycltts . a . cum . 4 . 6 . . ./ 100 

^dwersitas diametri 1151 . 19a 
r>proportio orbium caelestium ad 

»eccentrotetem 25 partium a 

nMartis semidyametrus orbü 38 /ere . Epicyclus .a.b,M 34-J. 

^Epicyclus . i . J/. 51 .« 

D/orü semidyametrus 30 Jf 25 . epicyclus . a . 10^ . b . 344* <^ 

liSatumi semidiamstrus 230^ . epicyclus . a . 1 9|^ . i . 6^.a 

» Veneris semidiametrus 18 . epicyclus . a,\,b ,\,^ 

nMercurii orbis . 9 . 24.« 

i>Epicych4S . a . 1 . 41^ .6.0. 33| . colligunt .1.7^. (diversitas diametri 

0.29).« 

iiSemidiametrus orbis Lunae ad epicyclium . a . -r-r- . epicyclus . a . 

orf. 6. y.« 
Auf Blatt 16^ der eingesetzten Blätter findet sich die Notiz : 
TiMars superat numerationem plus quam gradus y.« 
TiSatumus superatur a numeratione gradus l^.n 
Auf demselben Blatte sind endlich noch zwei astronomische Ein- 
zeichnnngen zu lesen, von denen die Deutung der letzteren, die 
mit den übrigen Notizen jenes Blattes offenbar in Zusammenhang 
steht, nur unsicher ist, der Vollständigkeit wegen jedoch nicht 
übergangen werden darf. Sie lautet: 

14* 



212 I. SCHRIFTEN VOK COPPE&NICUS. 

i>15Q0 Anno completoa 

V M « « 

»4 3 2 1« 
»2 32 11 54« 

r>S. G. M. 2«« 
» 19 41 30 lux g( ^ [sie] 
» 10 56 53 }fi* 
»1 16 20 8 recessus in M 
»19 45 45« 
»11 1 13 17ö'ö* 
» 2 31 1 Dra* 
Die darunter befindliche Einzeichnong lantet: 

1500 
die nana Jantmrii hora noctis fere secundafuit (^ ^ '^ in \h AI \^ 

hoc modo *D bononie, 
QtiMria Martii hora fere prima noctis fuit (^ 3 ^ *** 18.28 ^ 
fuitque tunc 3 <^ altitudine visa 33 et altius visa x qtie 
est in ore T 21 gradus *D bononie. 



Nachdem Cartze die vorstehenden astronomiBchen Bttcher- 
Einzeichnnngen von Goppemicus mitgetheilt hat, lägst er [Reliq. 
Cop. S. 31 flF.) eine Vergleiohung mit den Werth-Angaben folgen, 



* Im Texte ist bereits hervorgehoben, dass die Deutung der dort mit- 
getheilten Einzeichnung sehr unsicher ist. Curtze hat (Reliq. Copem. S. 30) 
in der 5. (durchstrichenen) Zeile das letzte Zeichen als »commutationisa zu 
deuten versucht, die gleichlautenden Abkürzungen in der 6. und 9. Zeile als 
»dictus planeta« interpretirt , das »M« am Schlüsse der 7. Zeile zu »Mense« 

ergänzt und die letzten Buchstaben der ganzen Notiz (in Zeile 10 »Dra« als 
»Differentia« (?) gedeutet. 

Curtze hat seine Ergänzungs- Versuche jedoch ausdrücklich als zweifel- 
haft bezeichnet. Vielleicht finden Andere eine glücklichere Deutung; die 
ganze Einzeichnung ist von mir in den erwähnten »Mitth. a. Schwad. Arch. 
u. Bibl.« auf dem lithographirten Blatte als Facsimile veröffentlicht worden. 
^ Vielleicht gelingt es auch die Beziehungen aufzufinden, welche zwischen 
dieser und der darauffolgenden mit »1500« überschriebenen Einzeichnung 
stattfinden. 



ASTRONOMISCHE BÜCHBR-BINZEICHNUNGEN. 213 

welche das Werk »de revolutionibusa über die Apogäen der Pla- 
neten und das VerhältniBB der Mond-Epicykeln enthält. — 

Angaben über die Apogäen der Planeten finden wir in den 
»Revolntionesa an drei yerschiedenen Stellen. Zunächst bietet 
dieselben das Original-Manuskript in dem Sternen- Verzeichnisse. 
In den frühem Ausgaben fehlen die dort aufgeführten Werthe der 
Apogäen; sie sind erst in die Thomer Säkular- Ausgabe nach dem 
Mannskripte aufgenommen. Sie lauten daselbst : 

uSatumi apogaeum 226» 30'« [ed. Thor, p. 138, /. 16). 
»/ow apogaeum 154» 20'« [ed. Thor. p. 136, /. 8). 
i^Martis apogaeum 109» 50'« [ed. Thor. p. 134, l. 20). 
y>Vener%8 apogaeum 48^20'« [ed. Thor. p. 13t, 1.11). 
i>Mercuri% apogaeum 1830 20'« [ed. Thor. je>. 136, /. 21). 
Ausser den vorstehenden Angaben des Stemen-Verzeichnisses 
finden wir in dem Werke »de revolutionibus« noch Werthe für die 
Planeten- Apogäen an je zwei Stellen des V. Buches. Die dort 
angegebenen Werthe werden nachstehend zur Yergleichung zu- 
sammengestellt : 

Apogäum des Saturn: 
2260.23' [ed. rÄor.,/>.331. /.29— 30), 2 AO^. 20' [ibid., p. 337, ?.29— 30). 

Apogäum des Jupiter: 
1540.22' [ibid.,p. 345, /. 4), 159«. 0' [ibid., p. 349, /. 32). 

Apogäum des Mars: 
108«.50' [ibid., p. 356, /. 27), 1190.40' [ibid., py 361, /. 2).* 

Apogäum der Venus: 
480.20' [ibid., p. 366, /. 18—19), Angabefehltimjetzigen Texte.** 

Apogäum des Merkur: 
1830.20' [ibid.,p. 380, /. 7), 2110.30' [ibid., p. 393, /. 7). 



* Ans dem Original-Manaskripte enthält die Säkular-Ansgabe zn der 
oben angezogenen Stelle unter dem Texte noch die Bemerkung : »CIX cum 
trtente M. s.p. m. (d. h. Manuscripium primae manus), quihus verbis deletis 
supra versum leguntur ei ipsa deleta CIX, scrup. XLIX, et in 
margine ea, quae recepimus.f 

** Auf S. 375 der Säkular-Ausgabe steht in einer früheren Fassung des 



214 I. SCHRIFTEN VON COPPEENICUS. 

Die links stehenden Angaben sind die Werthe, welche Copper- 
nicus aus den Daten der Alten errechnet hat, die rechts stehen- 
den dagegen diejenigen Werthe, welche aus seinen Beobachtungen 
folgten. Die ersteren stimmen offenbar fast vollständig mit den 
Angaben im Sternen- Verzeichnisse, die für den Mars besonders 
mit der zweiten durchgestrichenen Angabe des Original -Manu- 
skripts (s. S. 213 Anm.) Die zweite Reihe dagegen ist mit der 
aus der Upsalenser Handschrift entnommenen völlig identisch ; sie 
ist auch aus den Beobachtungen der in letzterer Quelle erwähnten 
Jahre geflossen, wie man an den betreffenden Stellen der »Kevo- 
lutiones« sehen kann. Nur das Apogäum der Venus, das nach 
der in der Anmerkung zu S. 213 erwähnten ausgestrichenen Stelle 
zu des Coppemicus Zeiten in 48^^20' geblieben sei, wird nach 
späterer Beobachtung in 48^30' festgestellt. Diese Beobachtung 
vom Jahre 1532 fällt also wahrscheinlich ausserhalb der Ab- 
fassungs-Zeit seines grossen Werkes * ; sie ist die späteste Beob- 
achtung, die bis jetzt von Coppemicus bekannt geworden ist. 
Weshalb in dem Upsalenser Buche keine Beobachtung fttr Merkur 
steht, ist leicht einzusehen. Coppemicus hat ja, wie er selbst 
bezeugt"^, den Merkur niemals selbst zu Gesicht bekommen, und 
der oben aus den »Revolutiones« entnommene Werth des Merkur- 



Cap. XXIII von Buch Y Folgendes: »Manserunt interim loca ahaidum 
eccentri in partihua XLVIII et tertia et CCXXVIII^ acrupulis XX 
non mutataaf welche die im jetzigen Texte fehlende Angabe enthalten. 

* DasB Coppernicus sein Werk »de revolutionibus« — mit Ausnahme 
des Abrisses der Trigonometrie — schon lange vor der Veröffentlichung 
desselben abgeschlossen hatte, ist im ersten Bande mehrfach hervorgehoben. 
Unter den vielen Nachträgen und Verbesserungen, welche Coppemicus dem 
Manuskripte eingeschaltet hat, ist die Nachtragung des durch die Beobach- 
tung des Jahres 1532 ermittelten Werthes des Apogäum der Venus ver- 
absäumt worden. 

** De rev. orb. cael. V, 30 (ed. saec. p. 387). Hiezu nehme man noch 
die Aeusserung desBheticus im Vorworte zu den »Ephemerides novae« (1551;: 
»Mercurium quideniy quasi secundutn proverbütm Grctecorunif relinquebat in 
medio communemy quod de ülo neque suo studio ohservatum esse diceret, neque 
ab aliis se aceepisse, quo magnopere adiuvari aut quod ofnnifto probare posset.« 



ASTRONOMISCHE BÜCHEB-EINZEICHNUKGEN. 215 

Apogäums ist aus den Beobachtungen Schöneres und Bernhard 
Walther's berechnet worden*. 

Die Vergleichung der Daten ^^ wie sie für den Mond in den 
Upsalenser Einzeichnungen und in dem Werke »de reyolutionibus« 
aufgeführt sind, ergiebt gleichfalls Differenzen. 

Nach der Berechnung in dem Upsalenser Manuskripte ist das 
Verhältniss : 

Semidiametrus orhis: Epicyclium a= 10 : 1-j^ = 9. 47 368; 
nach den »Revolutionesa ** ist aber bei 
erstem und letztem Viertel dieses 

Verhältniss = 1 0000 : 1 334 = 7, 49625 ; 

femer für Voll- und Neumond = 10000: 860= 11,62790; 

daraus das Mittel ergiebt = 9,06207 ; 

also Abweichung des Werthes aus der 

Handschrift zu Upsala =+0,41161. 

Für das Verhältniss des Epicyclm a : Epicyclus b haben wir fol- 
gende vier Angaben: 

1. 44: 9 = 4,88889 I 

1 = 4,78333 > nach dem Upsalenser Manuskript; 
4 = 4,75000 ) 
237=4,62869 nach den «Revolutiones«*.**. 
Auch hier ist die Angabe des grossen Werkes diejenige, welche 
den kleinsten Werth liefert. Die unter 1 und 2 verzeichneten 
Werthe hat Gopperuicus selbst für gleichgeltend angesehen, wie 
aus den obigen Notizen erhellt. Die Angaben über die Mond- 
Anomalie von verschiedenen Ausgangspunkten und. wie man bei 
Nachrechnung findet, nicht nach den Tafeln der »Revolutiones« 
berechnet, stimmen fast miteinander ttberein. Ihr Unterschied 
beträgt nur 32 . Nimmt man dagegen seinen Ausgang von dem 



2. 4*i 

3. 19 

4. 1079 



♦ Vgl. Band I, Thl. 1, S. 219. 
*♦ De rev. orb. cael. IV, 8 (ed. saec. p. 258j. 
*♦* De rev. orb. cael. IV, 10 (ed. saec. p. 260 1. 21) 



1 



216 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICUS. 

»Locus anomaliae lunae ad principinm annomm Christi 2070 7'«*, 
und addirt die aus der Tafel auf S. 242 der Säkular-Ausgabe ffeLr 
1200 Jahre sich ergebenden 263^2', so erhält man für den Alfon- 
sinischen i» Locus anomaliae« nach Weglassung der ttberflttssigen 
3600 den Werth 1Ö9<^9' berechnet fttr den Meridian von Erakaa. 
Coppemicus giebt den Zeit- Unterschied zwischen Krakau und 
Alexandrien gleich einer Stunde an**; diesem entspricht ein 
Unterschied von 38'32" (Tafel auf S. 243). Abgezogen ergiebt 
sich der »Locus anomaliae Alfonsi« zu IIS^^SO', was einer Diffe- 
renz von 15<^50' gegen das Upsalenser Manuskript gleichkommt. 



Von den astronomischen Tafeln^ welche die Upsalenser Bttcher 
von Coppemicus enthalten ^ hat Curtze (a. a. 0. S. 34) vorange- 
stellt die »Tabula fecunda« des Regiomontanus , bei welcher 
Coppemicus der ersten Spalte die Ueberschrift »Ka&eto^«, gegeben 
und ausserdem die Zahlen in der zweiten, »Ticoteivooaa « ttber- 
schriebenen Spalte hinzugefügt hat: 



* De rev. orb. cael. IV, 7 (ed. saec. p. 256 1. 11. 12). 
** De rev. orb. cael. III, 18 [ed. saec. p. 213). 



ASTRONOMISCHE BÜCHEB-EINZEICHNUNGEN. 



217 



TABVLA FECVNDA. 





NVMERVS. 


1 
1 

1 


NVMERVS. 


NVMERVS. 


H. 


KoOero;. 


TTTOTeivoüoa. 1 


H. 


KaOero«. 


TTTOTElVOUaa. 

1 


H. 


KaOcTo;. 


TTrOTElVOüOflt. 


u 


00000 


10000 


31 


60086 


11666 


61 


180402 


20627 


1 


1745 


10002 


32 


62486 


11792 


62 


188075 


21300 


2 


3492 


10006 


33 


64940 


11924 


63 


196263 


22027 


3 


5240 


10014 


34 


67452 


12063 


64 


205034 


22812 


4 


6992 


10024 


35 


70022 


12208 


65 


214450 


23662 


5 


8748 


10038 


36 


72654 


12361 


66 


224607 


24586 


6 


10511 


10055 


37 


73356 


12520 


67 


235583 


25593 


7 


12278 


10075 


38 


78129 


12690 


68 


247513 


26695 


8 


14053 


10098 


39 


80978 


12863 


69 


260511 


27905 


9 


15838 


10125 


40 


83909 


13054 


70 


274753 


29232 


10 


17633 


10154 


41 


86929 


13250 


71 


290422 


30716 


11 


19439 


10187 


42 


90040 


13456 


72 


307767 


32361 


12 


21256 


10223 


43 


93254 


13673 


73 


327088 


34199 


13 


23087 


10263 


44 


96571 


13901 


74 


348748 


36279 


14 


24932 


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75 


373211 


38637 


15 


26794 


10353 


46 


103551 


14396 


76 


401089 


41336 


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28674 


10403 


47 


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77 


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30573 


10457 


48 


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470453 


48097 


18 


32402 


10515 


49 


115037 


15243 


79 


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52408 


19 


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119177 


15557 


80 


567118 


57588 


20 


36396 


10642 


51 


123491 


15890 


81 


631377 


63925 


21 


38387 


10711 


52 


127994 


16243 


82 


711569 


71853 


22 


40402 


10785 


53 


132704 


16616 


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814456 


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42448 


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54 


137639 


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84 


951387 


95668 


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10947 


55 


142813 


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85 


1143131 


114738 


25 


46631 


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148253 


17882 


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14302U3 


143355 


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48772 


11126 


57 


153987 


18361 


87 


1908217 


191073 


27 


59952 


11222 


58 


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18871 


88 


2863563 


286332 


28 


53170 


11326 


59 


166429 


19416 


89 


5729796 


573574 


29 


55432 


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60 


173207 


20000 


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InfiDitum. 


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30 


57734 


11547 















218 I. SCHBIFTEK VON COPPEBNICUS. 

Bekanntlich enthält die »Tabula feeundaa die Tangenten für 
den Sinus totus = 100000 ; die von Coppemicus hinzugefügte Spalte 
mit der Ueberschrift ' TTroTsivouaa enthält nur für den Sinus totas 
= 10000 die Sekanten für die einzelnen Grade. Nimmt man 
die gewöhnliche Darstellung der Kreis-Funktionen als Linien 
am Kreise zu Hülfe, so ersieht man unmittelbar die Richtig- 
keit der Bezeichnung von KaÖero? ^ Tangente, 'Tirorsivooaa = 
Sekante. 

Höchst wahrscheinlich ist — wenigstens im Abendlande — 
Coppemicus der Erste, welcher die Sekanten wirklich berechnet 
hat. Eine Benutzung derselben in seinem grossen Werke ist 
freilich nicht nachweisbar. Bis jetzt galt, wenn man von Mauro- 
lykus aus Messina, dessen Schriften erst nach des Coppemicus 
Tode 1557 erschienen, absieht, Kheticus als der erste Berechner 
der Sekanten. In dem grossen »Opus Palatinum« sind dieselben 
genau in derselben Weise berechnet, wie dies Coppemicus in der 
Upsalenser Handschrift gethan hat. Nun dürfte die Upsalenser 
Handschrift mit 1532 beendigt gewesen sein; sonach wird wohl eher 
Rheticus die Idee zur Berechnung der Sekanten von Coppemicus 
erhalten haben, als umgekehrt Coppemicus von Rheticus, der erst 
1539 nach Frauenburg kam. Dem Coppemicus verdankt 
also die gelehrte Welt die Einführung der Sekanten 
in die Wissenschaft; denn die Arbeiten des Maurolykus sind 
nur zum kleinsten Theile gedruckt und kaum viel über ihren 
Druckort hinaus verbreitet worden.* 

Auf Blatt Re verso — dem letzten leeren Blatte der Alfon- 



* Die Tangenten hatte bekanntlich schon Albategnius eingeführt, die 
Cotangenten Abul Wefa unter dem Namen »Umbra recta« und »Umbra versa«. 

Den Cosinus findet man wohl zuerst berechnet in der von Rheticus 
herausgegebenen Trigonometrie des Coppemicus, worin der Kopf der Tafel yon 
0^ bis 900 geht, dagegen unten 90^ bis 0^, so dass also, wenn man yon unten 
In die Tafel eingeht, der Cosinus gefunden wird, während der obere Eingang 
den Sinus liefert. 



ASTRONOMISCHE BÜCHER-EIKZEICHKUNGEN. 219 

sinischen Tafeln — befindet sich eine Tafel, welche die Ueber- 
schiift trägt: »Tabula diversitatis aspectuum solis et 
lunaeadminuta«. Dieselbe scheint — sachverständigem Urtheile 
Zufolge — wohl mehr astrologischen Spielereien* ihren Ursprung 



* Dass Copp. der Astrologie nicht fern bleiben konnte, weiss Jeder, 
der mit der Gelehrten-Geschichte jener Zeit vertraut ist. Die Astrologie 
war ja ein Theil des astronomischen Studiums; jeder berufsmässige Astro- 
nom musste zugleich Astrolog sein. An mehreren Uniyersitaten, wie z. B. in 
Erakau, war eine besondere Professur der Astrologie errichtet; ihr waren 
zugewiesen die Vorträge über Ptolemaeus in Quadrupartito , Alcabitium, 
Centiloquium, yerborum Ptolemaei; Albumazar »et alios libros spectantes ad 
astrologiam«. Der Astrolog war ausserdem verpflichtet, jährlich ein astrolo- 
gisches »Judicium« (auch prognosticon genannt) zu verfassen. (Vgl. Band 
I, Thl. 1, S. 142.) 

Manche akademische Vorlesungen, wurden bald zu den astronomischen, 
bald zu den astrologischen gezählt ; die Grenze war zwischen beiden kaum zu 
bestimmen. An denjenigen Universitäten, welche keinen besonderen Lehrstuhl 
der Astrologie besassen, mussten die bestallten Professoren der Astronomie 
das Amt der Astrologen versehen. So war der Professor der Astronomie 
in Bologna zugleich »Doctor in Astrologia« und als solcher berufsmässig ver- 
pflichtet, alljährlich ein »Tacuinum« abzufassen, ein Ealendarium, in welchem 
die Mond-Phasen und die Stellung der Planeten verzeichnet waren, zugleich 
mit Angabe der daraus resultirenden guten und bösen Tage. Vgl. Band I, 
Thl. 1, S. 237. 

Nach dem Vorstehenden darf es nicht Wunder nehmen, dass auch Copper- 
nicus die wissenschaftlichen Grundlagen der Astrologie genau kannte und sich 
mit ihr theoretisch befasst hat. Er hat in sein Exemplar des Albohazen 
Parallel-Steilen aus dem Quadripartitum des Ptolemaeus eingetragen (vgl. 
Band I, Thl. 2, S. 414;; in ein anderes Buch hat er die Daten eines 
Horoskops eingezeichnet (vgl. Band I, Thl. 2, S. 408). 

Ob Coppernicus sich mit der Nativitäts teilerei gewohnheitsmässig be- 
fasst habe — wie es der grosse Kepler ex officio und des Broderwerbes 
wegen thun musste — zur Entscheidung dieser Frage besitzen wir auch 
nicht den geringsten Anhalt. Dass er aber im Stande war, eine Nativität 
zu stellen und auszulegen, dafür ist uns ein interessanter Beleg erhalten, 
welcher Band I, Thl. 2, S. 401 mitgetheilt ist. Als Joach. Camerarius 
(im J. 1535) dem Herzoge Albrecht eine Nativität gestellt hatte, wies er 
letzteren ausdrücklich auf Coppernicus als den Gelehrten hin, welcher die 
erforderliche Auslegung zu geben im Stande sei. »Ew. FUrstl. Gnaden« — 
schreibt Camerarius — »haben wohl jemand, der solches lesen und 
auslegen kann. So ist auch ein alter Domherr zu Frauenburg, 
wo es sonst fehlen sollte«. 



220 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICÜS. 

ZU danken. Im ersten Bande (Tbl. 2, S. 408 n. 414) ist bereits 
darauf bingewiesen, dass Coppemicus der Astrologie keines- 
wegs so fremd geblieben sei, wie man es von dem Begründer des 
beliometrischen Systems erwarten durfte: 



Dass Rheticus, der Schüler von Coppemicus, der Astrologie eifrig ergeben 
war, ist bereits Band I, Thl. 2, S. 401 und S. 431 hervorgehoben. Er 
rühmt in einem Schreiben, das er zur Zeit seines Aufenthaltes in Frauen- 
burg an den Herzog Albrecht gerichtet hat »die hochlobliche Kunst» 
welche zw vnsere zeitten Astrologia genant wurt.« Noch offener bringt 
er dem astrologischen Aberglauben der Zeit seinen Tribut dar in der 
»Narratio prima«, welche unter den Augen von Coppemicus geschrieben 
und sicherlich mit seiner ausdrücklichen Billigung der Gelehrten-Welt 
vorgelegt ist. (Vgl. Band I, Thl. 2, S. 430 ff.) 



ASTRONOMISCHE BÜCHEB-EINZEICHKUNOEN. 



221 



TABVLA DIVEBSITATIS ASPECTVVM SOLIS ET LVNAE AD MINVTA. 



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6 


46.21 


6 59 45 24 


7 49 


35 


34 



222 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICÜS. 

Demnächst kommt eine Reihe von Tafeln zum Abdrucke, 
welche als Vorarbeiten für die Tabellen der »Revolntiones« ge- 
dient haben. Dieselben sind zwar keineswegs stets in üeber- 
einstimmnng. Allein bei einem grossen Theile liefert die Ver- 
gleichung ein sehr positives Resultat, das auf die Entstehung 
des grossen Werkes ein recht helles Licht wirft, und zwar ftlr 
einen Theil, bei welchem das Prager Manuskript für die Ge- 
schichte des Textes gar keinen Anhalt liefert. 

Die erste der nachstehend folgenden Tafeln ist unvollendet ; 
sie ist nur für 1 bis 20 Jahre berechnet. Coppemicus hat zwar 
am Rande die Zahlen noch bis 30 fortgeführt, den leeren Rand 
jedoch wieder durch ein Bruchstück einer »Tabella Revolutionum« 
ausgefüllt. 

Die Rückseite des Blattes, auf welcher die beiden vorge- 
nannten Tafeln (die »Tabula mediae coniunctionis etc.« und die 
j>Tabella Revolutionuma} sich befinden, nimmt eine Tafel ein, 
welche der dem 28. Kapitel des lY. Buches der »Revolutiones« 
angehängten Tafel entsprechen dürfte (ed. saec. p. 299). Die 
Ueberschrift fehlt bei ihr. Allein die Uebereinstimmung des 
Eintheilungs-Grundes und einige übereinstimmende Zahlen zeigen 
deutlich, dass man es in beiden Tabellen mit gleichartigen Sachen 
zu thun hat. Bei der untern Reihe ist die Uebereinstimmung 
sehr augenfällig. Sobald man nämlich das »S« der ersten Ko- 
lumne nicht als »Sex.« sondern »Signum« interpretirt, so gehen 
die Zahlen der »Revolutiones« einfach in die der Upsalenser 
Handschrift über. 

Auch die Zeit- Angaben stimmen trotz der scheinbaren grossen 
Verschiedenheit überein. Man braucht von den Angaben der 
Tafel in der Säkular-Ausgabe nur die Zahl der bis zum Ende 
des betreffenden Monats verflossenen Tage abzuziehen und die 
Scrupula des Tages in Stunden, Minuten und Sekunden zu ver- 
wandeln, so ergeben sich die Zahlen der untern Reihe der hand- 
schriftlichen Tafel. Dabei bemerke man, dass hierbei dem 



ASTBOKOMISCHE BÜCHER-EIKZEICHNUNGEN. 223 

Febrnar 29 Tage zu geben sind, um die Uebereinstimmung zu 
bewirken. Nimmt man dagegen den Februar zu 28 Tagen, so 
erhält man die Zahlen der oberen Reihe. Die Tafel auf S. 299 
der Säkular-AuBgabe gilt also filr Schaltjahr und Gemeinjahr, 
während die Upsalenser Handschrift für jede Jahreeform besondere 
Tafeln aufgestellt hat."^ 

Die handschriftlichen Tafeln geben bei der Umrechnung die 
Scmpula secunda in der Form, wie sie Curtze in der Säkular- 
Ausgabe aus dem Prager Original-Manuskripte der »Revolutiones« 
hergestellt hat, nicht in der Form, wie sie die frühem Ausgaben 
bieten. Es wird hierdurch ein neuer Beweis dafür gegeben, dass 
die Zahlen der Tafeln von Goppemicus vielfach anders geschrieben 
sind, als die Herausgeber der editio prineeps für gut befunden 
haben> dieselben abzudrucken. 



* Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dasB Goppemicus in seinem Werke 
»de reyolationibuB« nur von ägyptischen Jahren Gebrauch macht, deren jedes 
zu 365 Tagen gerechnet wurde ; er bedurfte sonach nicht der Unterscheidung 
zwischen Gemein- und Schaltjahr. 



224 



I. SCHRIFTEN VON COPPBBNICÜS. 



TABVLA MEDIAE CONIVNCTIONIS ET OPPOSITIONIS SOLIS ET 

LVNAE ANNIS EXPANSIS. 



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TEMPVS. 


MEDIVS 


MOTUS 


MEDIUM 


ARGYMEN- 


ARGYMENTUM LA- 


SOLIS BT LVNAE. 


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LVNAE. 


TIT^ 
S. 


^DINIS LYNAE. 


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D. H. 


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M. 


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M. 


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2 


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15 


5 


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11 5 


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6 


14 


49 


36 


2 


10 


54 





6 


5 40 14 


11 23 


53 


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3 


20 


25 


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3 


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36 


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7 


16 8 51 38 


11 13 


10 


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2 





14 


50 


3 


27 


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11 2 


27 


31 





10 


2 


57 


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5 


42 


29 


9 


9 2 30 21 


11 20 


50 


45 


11 


15 


40 


5 


(4) 


14 


25 


28 


10 


19 17 41 45 


11 10 


7 


36 


9 


25 


28 


12 


(4) 


22 


28 


13 


11 


20 9 5 


11 28 


30 


50 


9 


1 


5 


19 


(5) 


1 


11 


12 


12 


12 11 20 29 


11 17 


47 


41 


7 


10 


53 


26 


(5) 


9 


13 


58 


13 


23 2 31 52 


11 7 


4 


31 


5 


20 


41 


33 


{5i 


17 


16 


43 


14 


4 4 59 12 


11 25 


27 


46 


4 


26 


18 


41 


(5) 


25 


58 


42 


15 


14 20 10 36 


11 14 


44 


36 


3 


6 


6 


48 


(6) 


4 


4 


27 


16 


26 11 21 59 


11 4 


1 


26 


1 


15 


54 


55 


{6) 


12 


5 


12 


17 


7 13 49 26 


11 22 


24 


41 





21 


32 


2 


(6; 


20 


48 


11 


18 


18 5 6 43 


11 11 


41 


31 


11 


1 


20 


9 


(6) 


28 


50 


57 


19 


28 20 12 6 


11 


48 


21 


9 


11 


8 


16 


(7) 


6 


53 


42 


20 


10 22 39 27 


11 19 


21 


36 


8 


16 


45 


24 


(7) 


15 


36 


41 



TABELLA REVOLVCIONVM. 



Ni. 


S. G. M. 2« 


S. 


G. 


M. 


2a. 


S. 


G. 


M. 


2«. 


S. 


G. 


M. 


2a. 




14 18 22 2 





14 


33 


12 


6 


12 


54 


30 


6 


15 


20 


7 




29 12 44 3 





29 


6 


24 





25 


49 


1 


1 





40 


14 




44 7 6 5 


1 


13 


39 


36 


7 


8 


43 


31 


7 


16 





21 




59 1 28 6 


1 


28 


12 


48 


1 


21 


35 


1 


2 


1 


20 


28 




73 19 50 8 


2 


12 


46 


1 


8 


4 


32 


31 


8 


16 


40 


34 




88 14 12 9 


2 


27 


19 


13 


2 


17 


27 


2 


3 


2 





41 



ASTBONOmSCHE BÜCHEB-EIirZEICHNCMOEM. 



225 



MENSIS. 


D. 


H. M. 2«. 


S. G. M. 2a. 


S. G. M. 


2a. 


S. 


G. M 2o. 


lanuarias 

Febraarias 

Marcias 


1 

29 

1 


11 15 54 

11 15 57 

9 47 51 


29 6 24 
29 6 24 
2 27 19 13 


25 49 
25 49 
2 17 27 


1 
1 
2 


1 
1 
3 


40 14 
40 14 
2 41 


Aprilis 

Maias 

lunius 


1 
3 
3 


21 3 48 

8 19 45 

19 35 41 


3 26 25 37 

4 25 32 1 

5 24 38 35 


3 13 16 

4 9 5 

5 4 54 


2 

3 
3 


4 
5 
6 


2 40 55 

3 21 9 

4 1 23 


lalias 

Augnsttts 

September 


5 
6 

7 


6 51 39 

18 7 36 

5 23 33 


6 23 44 49 
6 22 51 14 
8 21 57 32 


6 43 

6 26 32 

7 22 21 


4 
5 
5 


7 
8 
9 


4 41 36 

5 21 50 

6 2 4 


October 

November 

December 


.8 

9 

10 


16 39 30 

3 55 26 

15 11 2^ 


8 21 4 8 
10 20 10 26 
10 19 16 50 


8 18 10 

9 17 59 
10 9 48 


6 
6 

7 


10 

11 




6 42 18 

7 22 31 

8 2 45 


MENSIS. 


D. 


H. M. 2« 


S. G. M. 2«. 


S. G. M. 


2«. 


S. 


6. M. 2«. 


lanuarias 

Febraarias 

Marcias 


1 11 15 57 
22 31 54 

2 9 47 51 


29 6 24 

1 28 12 48 

2 27 19 13 


25 49 1 

1 28 12 48 

2 17 27 2 


1 
2 
3 


40 14 

1 20 28 

2 41 


Aprilis 

Maius 

lunius 


2 
4 
4 


21 3 48 

8 19 45 

19 35 42 


3 26 25 37 

4 25 32 1 

5 24 38 25 


3 13 16 

4 9 5 

5 4 54 


2 
3 
3 


4 
5 
6 


2 40 55 

3 21 9 

4 1 23 


Inlius 

Angustus 

September 


6 

7 
8 


6 51 39 

18 7 36 

5 23 33 


6 23 44 49 

7 22 51 14 

8 21 57 32 


6 43 

6 26 32 

7 22 21 


4 
5 
5 


7 
8 
9 


4 41 36 

5 21 50 

6 2 4 


October 

November 

December 


9 
10 
11 


16 39 30 

3 35 26 

15 11 23 


9 21 4 8 

10 20 10 26 

11 19 16 50 


8 18 10 

9 13 59 
10 9 48 


6 
6 
7 


10 

11 




6 42 ]8 

7 22 31 

8 2 4a 


MENSIS. 


D. 


H. M. 2« 


S. G. M. 2«. 


S. G. M. 


2«. 


S. G. M. 2«. 



Mut. «nom. solar. Mot. anom. lat. 



Motus lat. lanae. 



II. 



15 



226 I. SCHRIFTEN VON CÜPPERNICÜ8. 

Die nächstfolgende Sonnen-Tafel (welche auf S. 227 abge- 
druckt ist) führt die Aufschrift »Tabula Augis Solaris«. Sie ent- 
hält die Bewegung des aufsteigenden Knotens der Sonnenbahn 
vom Jahre 1450 bis zum Jahre 2085 von fünf zu fünf Jahren. 
Jedem vierzigsten Jahre ist die entsprechende jährliche Bewegung 
hinzugefügt. Eine vergleichbare Tafel enthalten die »Revolutionestc 
nicht; die Principien der Berechnung dürften im Cap. XXII des 
Buches III niedergelegt sein. 

Der letzten Sonnen-Tafel (abgedruckt S. 228 und 229) ist die 
Aufschrift gegeben: »Tabula Equacionum Solis«. Sie hat, 
wie alle folgenden Tafeln, doppelten Eingang und ist sechsspaltig. 
Die den Spalten übergeschriebenen Zahlen 0, 1, 2, 3, 4, 5 und 
die untergeschriebenen 6, 7, 8, 9, 10, 11 bedeuten die zwölf 
Bilder des Thierkreises, von denen jedes 30 Grad hat. Bei Ver- 
gleichungen mit den Tafeln der »Revolutiones« ist dies wohl fest- 
zuhalten. Die in den Kolumnen, welche mit A., M. und S. über- 
resp. unterschrieben sind, stehenden Zahlen sind die ersten 
Differenzen der Zahlen der eigentlichen Tafel. A. soll dabei be- 
deuten »Addenda«, M. und S. »Minuenda« und »Subtrahenda«, wie 

man besonders aus der Kolumne entnehmen kann, wo t,/ über- 

einandersteht. Von 72^ an hat Coppemicus — und das dürfte 
nicht uninteressant sein — seiner Tafel noch zweite Differenzen 
hinzugefügt; er muss also bei Interpolationen die Noth wendigkeit 
derselben gefühlt haben. Die Stellung der beiden Differenz- 
Reihen in Bezug auf die Tafel-Werthe ist im Drucke dieselbe 
wie in der Handschrift. Während hier also die Differenz wirklich 
zwischen die Zahlen, zu denen sie gehört, gesetzt ist, hat Cop- 
pemicus in seiner Handschrift der »Revolutiones« dies bekannt- 
lich nicht gethan und dadurch seine Herausgeber zum Theil in 
Fehler verwickelt.* 



* Näheres geben die Prolegomena zur Säkular-Ausgabe des Werkes »de 
revolutionibus« p. XXII. 



A8TROHOH18CHE BÜCHfiR-EtNZBlCHNVHOEH. 



TABVLA AVGIS SOLARIS. 





Grad.Zod 


tl 




Gnd.Zod. 


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Gud.Zod. 


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G. 


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1450 





43 


26 


34 


1610. 2 ■ gl55 




1770 


3 


25 


36 




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30 


19 


1455 





46 


18 




1615' 2 ! 12,27 




1775 


3 


27 


47 








32 




1460 





49 


9 




16201 2 


14 


58 




1780 


3 


29 


57 








34 





1465 





51 


59 




1625 1 2 


17 


28 




1785 


3 


32 


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1945 




35 


50 


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54 


48 




1630; 2 


19 


57 




1790 


3 


34 


16 




1950 




37 


39 


14751 


57 


37 




16351 2 


22 


25 




1795 


3 


36 


24 








39 


27 


1480 







25 


33 


1640: 2 


24 


53 


29 


1800 


3 


38 


31 


35 






41 




U85 


1 


3 


13 




1645;j 2 


27 


20 




1805;, 3 


40 


38 




1965 




43 




1490 


1 


6 







1650i 2 


29 


47 




1810 




42 


45 




1970 




44 


47 


1495 




8 


47 




1655i 2 


32 


13 




1815 




44 


51 




1975 




46 


33 


16001 1 


11 


33 




1660i 2 


34 


39 




1820 




46 


56 








48 


18 


I505!i 1 


14 


18 




1665! 2 


37 


4 




1825 




49 


1 




1985 




50 




1510 


1 


n 


3 




1670i 2 


39 


29 




1830 




51 


5 




1990 




51 


47 


1515 


1 


19 


47 




1675' 2 


41 


54 




1835 




53 


9 








53 


30 


1520 


1 


22 


31 


32 


1680. 2 


43 


lg 


28 


1840 




55 


12 


24 






55 


12 


1525 


1 


25 


14 




1685 2 


46 


41 




1845 




57 


14 




2005 




56 


59 


1530 


1 


27 


57 




16901 2 


49 


3 




1850 




59 


16 




2010 




58 


35 


1535 


1 


30 


39 




16951 2 


51 


25 




1855 






17 




2015 







16 


15401 1 


33 


20 




1700 2 


53 


46 




1860 




3 


17 




202O 






56 


1545!: 1 


36 






no5- 2 


56 


6 




1865 




5 


17 




2025 




3 


36 


1550J 1 


38 


41 




1710 




56 


26 




1870 




7 


16 




2030 




5 


15 


15551: 1 


41 


20 




1715 







25 




1875 




9 


15 




2035 




7 


13 


15601: t 

156si 1 


43 


58 


31 


1720 




3 


3 


27 


1880 




11 


13 


23 


2040 




8 


31 


46 


36 




1725 




S 


21 




1885 




13 


11 




2045 




10 


8 


1570il 1 


49 


13 




1730 




7 


38 




1890 




15 


8 




2050 




12 


45 


1675 


1 


51 


50 




1735 




9 


55 




1895 




17 


4 




2055 




14 


21 


1580 


1 


54 


26 




1740 




12 


11 




1900 




18 


59 




2060 




14 


57 


1585 


1 


57 


2 




1745 




14 


27 




I9.S 




20 


54 




2065 




16 


32 


159* 


t 


59 


38 




1750 




16 


42 




1910 4 


23 


48 




2070 




18 


7 


1595 


2 


2 


13 




1756 




18 


57 




1915' 4 


24 


42 




2075 




19 


41 


1600 


2 


4 


48 


30 


1760 




21 


11 


26 


19201 4 


26 


35 


22 


2U8(I 




21 


15 


1605 1 2 


7 


33 




1765 




" 


24 




1925 4 


28 


27 




2085 




23 


48 



I. SCHBDTEK VOS COPPEUnCCS. 



TABVLA EQVACIONVM 80LIS. 



1 1,0 

2 !| 



M. I 2"- M. 2-- 



SB 




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57 




5H 




58 


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58 


12 



ASTRONOMISCHE BÜCBER-EIHZmCHKDNQEN. 



RESIDVVM TABVLAE EQVACIONVM SOLIS. 



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16 
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18 
19 
20 
20 
20 
20 
21 
21 
21 
21 
22 
21 


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230 I. SCHRIFTEN VON COPPBBNICÜS. 

Den Schluss des Upsalenser Manuskripts bilden acht Tafeln 
für die Breiten der fünf Planeten. Die letzten derselben sind 
mit einer handschriftlichen Erläuterung unter dem Titel: »Latitu- 
dinem Yeneris et Mercurii invenire« versehen. Die Einrichtung 
der Tafeln ist bei allen die schon hervorgehobene mit doppeltem 
Eingange und nach den Thierkreis-Zeichen angeordnet. Während 
für Saturn, Jupiter und Mars je eine Tafel genügt, gebraucht 
Venus deren zwei, Merkur deren drei, davon eine mit einer 
Venus-Tafel vereinigt; dann ist noch eine Tafel, die für sämmt- 
liche fünf Planeten gemeinsam .ist. 

Nachstehend kommen zunächst die erwähnten acht Tafeln 
zum Abdruck; diese sollen sodann mit den Tafeln der »Revolu- 
tiones« in Vergleichung gestellt werden, welche ähnlich über- 
schrieben sind, oder den in Allgemeinem gleichen Inhalt haben 
und demselben Zwecke dienen. * 



* Rheticus berichtet in der »Narratio prima« [vgl. die Thomer Säkalar- 
Ausgabe der »Keyolutiones« p. 476; , es habe Ooppemicus Bämmtliche Be- 
obachtungen der Alten einer wiederholten Ueberrechnung unterzogen und 

mit den eigenen in einem Index zusammengestellt (» D. Doctorem 

praeceptorem meum observationes omnium aetatnm cum suis ordine ceu in 
indices coUectas semper in conspectu habnisse«) ; er habe dann, wenn irgend 
etwas festzustellen oder systematisch zu ordnen gewesen wäre, jene ersten 
Beobachtangen mit den seinigen zusammengehalten und in Erwägung ge- 
zogen, wie Alles in Uebereinstimmung gebracht werden k(>nne (> . . ..deinde 
cum aliquid Tel constituendum vel in artem et praecepta conferendum, a 
primis illis obseryationibus ad suas usque progredi, et qua inter se ratione 
omnia consentians, perpendere etc.«!. 

Mit der Auffindung der Upsalenser Tafeln ist ein Theil jener Schatz- 
kammer geöffnet, welche Coppemicus sich zusammengetragen hatte , um bei 
jeder ihm aufstossenden wichtigen Frage die einschlagenden Beobach- 
4;ungen vergleichen zu können. Vielleicht gelingt es der Forschung noch, 
namentlich in Upsala, andere dieser wichtigen Vorarbeiten aufzuspüren. — 
Des Coppemicus Name wird sich bei diesen Aufzeichnungen schwerlich 
vorfinden (er ist ja nicht einmal in das Manuskript des Hauptwerkes an 
irgend einer Stelle eingetragen) ; man wird lediglich aus der Aehnlichkeit 
der SchriftzUge, oder aus den Büchern, in welchen sich die Notizen finden 
sollten, Schlüsse ziehen können, und sich dann durch innere Gründe, be- 
sonders die Vergleichung mit ähnlichen Abschnitten der »Revolutiones« 
müssen leiten lassen. 



ASTBOITOHI8CHE BÜCHBB-EIHZBICHHCNOEN. 



TÄBVLA LATITVDINIä 
SEPTEMTRI0NALI8 SATVRNl. 



TABVLA LATITVDINIS 
MERIDIONALIS SATVRNl. 



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I. SCHRIFTEN VON COPPEKNICDS. 







TABVLA LATITVDINIS 










TABVLA LATITVDINIS 






SEPTEMTRIONALIS I0VI3. 


MERIDIONALIS lOVIS. 


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A8TBONOHI8CHE BÜCHEB-EINZElCHNUNQElf . 



TABVLA LATITVDINIS 
SEPTEMTKIONÄLIS MARTIS. 



TABVLA LATITVDINIS 
MERIDIONALIS MARTIS. 



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TABELLA LATITVDINIS VENERIS. 



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TABELLA LATITVDINIS MERCVRII. 





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14 




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16 




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16 




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15 2 


30 


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54 




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12 




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18 




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48 




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41 


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2 


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29 


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I. SCHHIFTBN VON COPPBBNICUS. 



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DETUTIO BOREALIS. 


»EVIATIO AV8TEALIS. 


AD DEOLINATIONEM.! 


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44 


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21 


6 


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44 


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19 


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4 


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14 


44 


45 36 


45 


19 





5 


20 i; 34 


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56 1 8 


4' 4 


4 


44 


42 36 


18 


18 


18 


6 


24 '35 


12 54 36 






551 7 


5b 3 


54 


44 


35 35 


48 


17 


33 




24 36 


9 55 






531 7 


52 3 


44 


44 


27 35 


18 


16 


48 


8 


24 36 


48 55. 24 






61 '■ 7 


45 3 


34 


44 


20 34 


48 


16 


3 




24 37 


36!;5G 48 






49, 7 


36 3 


24 


44 


12 . 34 


18 


15 


18 


10 


24 38 


24156 12 






471 7 


31 3 


14 


44 


5 33 


48 


14 


33 


11 


24 39 


I2I56 36 






46; 7 


24' 3 


4 


43 


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13 


48 


12 


24 40 


0157 






44 7 


17 2 


54 


43 


45 ' 32 


45 


13 


3 




24 40 


44: 57 , 16 




9 42' 7 


10 2 


44 


43 


33 32 


12 


12 


16 


14 


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28 57 : 32 




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3 2 


34 


43 


21 31 


39 


11 


33 


15 


24 42 


12; 57 '48 




9 36 6 


55 2 


24 


43 


9 31 


6 


10 


48 


16 


24 42 


56 58 4 




9 33 6 


4h 2 


14 


42 


57 30 


33 


10 


3 




24 43 


40 ' 56 20 




9,30 6 


40 2 


4 


42 


45 30 




9 


18 


18 


24 '44 


24 56 36 






26 6 


331 1 


64 


42 


27 29 


24 


8 


33 


19 


24 45 


4 58 40 






22 6 


24 1 


44 


42 


9 28 


48 


7 


48 


20 


24,45 


44 58 1 56 






18; 6 


161 1 


34 


41 


51 28 


12 


7 


3 


21 


24 46 


24 : 59 i 6 






14 6 


8' 1 


24 


4t 


33 27 


36 


6 




22 


24 I47 


4 56 1 16 






IUI 6 




14 


41 


15 1 27 




5 


33 


23 


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6; 5 


52 1 


4 


40 


57 26 


24 


4 


48 


24 


24|;4S 


23 59 36 






21:5 


48, 


54 


40 


38 25 


25 


4 





25 


20 49 


! 59 , 40 


26 


6 


58'; 6 


36' 


43 


40 


18 25 


6 


3 


12 


26 


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36 ■ 59 ! 44 


27 


B 


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27 


32 


39 


59' 24 


27 


2 


24 


27 


12 150 


12 159 46 


28 


8 


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22 


39 


39 23 


48 




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2'' 


8; 50 


48 59 52 


29 


8 


45 , 5 


9 


11 


39 


20 22 


9 





48 


29 


4I 51 


24 59 56 


30 


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M. 



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30 





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8. 1 



ASTRONOMISCHE BÜCHER-EINZEICHKUNGBN . 



237 



TABELLA MINVTORVM PEOPOETIONABILIVM 
QVINQVE PLANETAKVM. 



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S 


Saperior pars Septem trionalis. 




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0. 
6. 


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7. 


1 

2. 

8. 

1 


SEPT. 
HER. 


• 


M. 


2«. 


M. 


2«. 


M. 


2«. 

4 

8 
12 
16 
20 

24 
24 
24 
24 
24 

24 
24 
24 
24 
24 

24 
24 
24 
24 
24 

24 
24 
24 
24 
20 

16 
12 

8 

4 






1 

2 
3 
4 
5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 
12 
13 
14 
15 

16 
17 
18 
19 
20 

21 
22 
23 
24 
25 

26 
27 
28 
29 
30 


59 
59 
59 
59 
59 

59 
59 
59 
59 

58 

58 
58 

58 
58 
57 

57 
57 
57 
56 
56 

55 
55 
55 
54 
54 

53 
53 
52 
52 
52 


56 
52 
48 
45 
40 

36 
26 
16 
6 
56 

46 

36 , 
20 
4 

48 

32 
16 

36 
12 : 

48 
24 

. 

36 
10 

44 

18 

52 

26 



1 


51 
50 
50 
49 
49 

48 
47 
47 
46 
: 45 

45 
44 
43 
42 
42 

1 41 
40 
40 
39 
38 

37 
36 
36 
35 
34 

33 
32 
31 
30 
30 


24 

48 

12 

36 



24 
44 

4 
24 
44 

4 
24 
40 
46 
12 

28 
44 


12 
24 

36 
48 

12 
20 

28 
36 
44 
42 



29 
28 
27 
26 
25 

24 
23 
22 
21 
20 

19 
18 
17 
16 
15 

14 
13 

; 12 

11 
10 

9 
8 
7 
6 
5 

4 
3 
2 
1 



29 
28 
27 
26 
25 

24 
23 
22 
21 
20 

19 
18 
17 
16 
15 

14 
13 
12 
11 
10 

9 
8 
7 
6 
5 

4 
3 
2 
1 





M. 


2«. 


M. 


2«. 


' M. 


2a. 


M 


HER. 
SEPT. 


1 
5. 
11. 


4. 
10. 

1 


8. 
9. 


< 
R 

tv4 




Inferior pars meridionalis. 


90 

i 

< 

■ 



238 



I. SCHRIFTEN VON COPPERNICUS. 



TABVLA MINVTORVM PEOPORTIONALIVM AD 
REFLECTIONEM MERCVKIL 





PRIMA PARS. 


ALTERA PARS. 




5z: 


0. 1. 


2. 


8. 


4. 


1 

5. 


<< 




ii 






i 


1 

1 




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M. 


2«. 


M. 

1 


2a. 


M. 


2«. 



M. 



2a. M. 


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M. 


2a. 


• 





54 





1 
46 


48 


27 





32 


1 



57 


12 


30 


1 


53 


56 


46 


16 


, 26 


8 


1 


1 


33 


58 


57 


41 


29 


2 


53 


53 


45 


44 


i 25 


18 


2 


2 


34 


55 


58 


10 


28 


3 


53 


49 


45 


12 


24 


28 


3 


3 


35 


53 


58 


39 


27 


4 


53 


45 


44 


39 


23 


38 


4 


4 


36 


51 


59 


7 


26 


5 


53 


41 


44 


1 


22 


38 





5 


37 


46 


59 


36 


25 


6 


53 


38 


43 


24 


21 


56 


6 


7 


38 


43 


60 


4 


24 


7 


53 


29 


42 


58 


21 


4 


7 


9 


39 


33 


60 


31 


23 


8 


53 


20 


42 


22 


! 20 


10 


8 


14 


40 


29 


60 


58 


22 


9 


53 


11 


41 


46 


19 


16 


9 


20 


41 


22 


61 


24 


21 


10 


53 


2 


41 


10 


|18 


23 


10 


26 


42 


15 


61 


50 


20 


11 


52 


52 


40 


34 


17 


28 


11 


33 


43 


8 


62 


16 


19 


12 


52 


44 


39 


58 


16 


34 


12 


38 


44 





62 


42 


18 


13 


52 


29 


39 


18 


15 


40 


13 


44 


44 


49 


63 





17 


14 


52 


14 


38 


39 


1 14 


46 


14 


50 


45 


38 


63 


18 


16 


15 


52 





37 


59 


1 13 


52 


15 


56 


46 


26 


63 


36 


15 


16 


51 


46 


37 


20 


12 


54 


17 


2 


47 


14 


63 


53 


14 


17 


51 


32 


36 


44 


1 12 


4 


18 


8 


48 


2 


64 


11 


13 


18 


51 


18 


36 


6 


11 


10 


19 


14 


48 


50 


64 


28 


12 


19 


50 


52 


35 


16 


10 


16 


20 


20 


49 


34 


64 


39 


11 


20 


50 


36 


34 


34 


9 


22 


21 


26 


50 


18 


64 


50 


10 


21 


50 


14 


33 


47 


1 8 


28 


22 


33 


51 


2 


65 


1 


9 


22 


49 


54 


33 


7 


7 


34 


23 


38 


51 


46 


65 


12 


8 


23 


49 


30 


32 


24 


6 


40 


24 


44 


52 


13 


65 


23 


7 


24 


49 


8 


31 


41 


5 


46 


25 


50 


53 


14 


65 


34 


6 


25 


48 


45 


30 


52 


4 


49 


26 


52 


53 


54 


65 


39 


5 


26 


48 


22 


30 


m 
i 


3 


52 


27 


54 


54 


33 


65 


44 


4 


27 


47 


49 29 


20 


2 


54 


28 


55 


55 


13 


65 


48 


3 


28 


47 


34 28 


33 


1 


56 


29 


57 i; 55 


52 


65 


52 


2 


29 


47 


12 


27 


46 





58 


30 


58 i 56 


33 


65 


56 


1 


30 


46 


48 

1 
1 


27 




2a. 1 



M. 





32 





57 


12 

1 


66 

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M. 


2a. 1 

1 


M. 


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M. 2«- M. 2a. 


M. 

1 


2a. 


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1 




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11. ; 10. 


9. 


8. 


7. 


6. 

1 


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M 



ASTROKOMISCHE BÜCHEB-EINZEICHKUNGEN. 239 

An die Tabellen schliesst sieh in der Upsalenser Handschrift 
ein kleiner Aufsatz über die Berechnung der Breiten von Venus 
und Merkur. Derselbe lautet: 

Latitudinem Veneris et Mercurii invenire. 

Cum argumento aequato intra tabulam declinacionis et reflee- 
tionis, cuius latitudinem quaere ac eins in angulo communi de- 
clinationem et reflectionem^ et seorsim scribe. Demum cum centro 
vero minuta proportionalia ad declinationem accipe, et ex tabella 
generali minutorum proportionalium cum eodem centro recipe minuta. 
ad reflectionem; hoc dumtaxat in Venere. In Mercurio autem 
addes aliam tabulam ad hoc deputatam. Vnumquodque sub suo 
genere scribe singulis aequatis per partem proportionalem. Vbi 
opus fuerit cum centro eins vero accipias deyiacionem, quae 
quidem in Venere septemptrionalis est, in Mercurio vero meri- 
dionalis, His itaque notatis multiplica minuta declinacionis per 
declinacionem eins; quod proveniet, erit prima latitudo, quae 
proveniet ex declinatione epicicli, quam serva. Si igitur decli- 
nacio fuerit reperta in prima parte tabulae, aut si argumentum 
aequatum fuerit in superiori parte circuli, centrum quoque minus 
6 signis extiterit, aut si argumentum in inferiori parte circuli et 
centrum plus 6 signis habuerit, erit haec latitudo Veneris sep- 
temtrionalis , Mercurii autem meridionalis. Si vero argumentum 
fuerit in inferiori parte circuli centro minus 6 signis exeunte, aut 
cum argumentum in superiori parte epicicli et centrum plus 6 
signis fuerit, erit haec Veneris meridionalis, Mercurii septemtrio- 
nalis latitudo; sie partem eins cognosces. Duc similiter minuta 
reflectionis in reflectionem, et proveniet reflectio aequata, quae, 
si argumentum minus 6 signis fuerit, centrum quoque in superiori 
medietate circuli, vel si argumentum plus 6 signis fuerit et cen- 
trum in inferiori medietate, erit haec Veneris septemtrionalis, 
Mercurii meridionalis. Si autem argumentum minus 6 signis et 
centrum in inferiori porcione circuli, aut si argumentum plus se- 



240 I. SCHRIFTEN VON COPPEBNIGUS. 

micirculo ac centrum in superiori parte circnli ftierit, erit haec 
Yeneris meridionalis et Mercurii septemtrionalis latitndo. Has 
demum tres latitudines simul collige, si eiusdem partis faerint. 
ant minorem de maiori deme coUeetis prius latitndinibus, quae 
einsdem erant denominationis, et proveniet yel relinqnetur latitado 
yera quaesiti illius denominationis, a quo fuit subtractio.* 



Die Tabellen des Hauptwerkes, zu welchen die vorstehend 
aus dem Upsalenser Manuskripte abgedruckten Tafeln die Vor- 



* Der Abschnitt des Werkes »de revolutionibus«, welcher dem im Texte 
abgedruckten Aufsatze des Upsalenser Manuskripts entspricht, findet sich 
im letzten Kapitel des sechsten Buches. Aus diesem wird der auf die Be- 
rechnung der Breiten von Venus und Merkur bezügliche Theil nach der 
Lesart der Säkulai^Ausgabe (S. 442] zur Vergleichung mit der Upsalenser 
Aufzeichnung nachstehend abgedruckt: 

»Modus autem supputandarum latitudinum quinque stellarum erratica- 

rum per has tabulas est Sed in Venere et Mercurio assumendae 

sunt primnm per anomaliam commutationis discretam tres latitudines decli- 
nationis, obliquationis et deyiationis occurrentes, quae seorsum signentur, 
nisi quod in Mercurio rejiciatur decima pars obliquationis, si anomalia 
eccentri et eius numerus inveniatur in superiori parte tabulae, yel addatur 
tantumdem, si in inferiori, et reliquum yel aggregatum ex eis seryetnr. 
Earum yero denominationes , an boreae austrinaeye fuerint, sunt discemen- 
dae, quoniam, si anomalia commutationis discretae fuerit in apogaeo semi- 
circulo, hoc est minor XG yel plus CCLXX, eccentri quoque anomalia mi- 
nor semicirculo ', Aut rursus, si anomalia commutationis fuerit in circum- 
ferentia perigaea, nempe plus XC ac minus CCLXX, et anomalia eccentri 
semicirculo maior, erit declinatio Veneris borea, Mercurii austrina. Si yero 
anomalia commutationis in perigaeo circumferentia existente, eccentri ano- 
malia semicirculo minor fuerit yel commutationis anomalia in apogaea parte 
et eccentri anomalia plus semicirculo, erit yicissim declinatio Veneris austri- 
na, Mercurii borea. In obliquatione yero, si anomalia commutationis semi- 
circulo minor et anomalia eccentri apogaea, aut anomalia commutationis 
maior semicirculo et eccentri anomalia perigaea, erit obliquatio Veneris 
borea, Mercurii austrina, quae etiam conyertuntur. Deyiationes autem sem- 
per manent Veneri boreae, Mercurii austrinae. Deinde cum anomalia eccentri 
discreta capiantut scrupula proportionum omnibus quinque communia, quam- 
yis tribus superioribus ascripta, quae adsignentur obliqnationi , ac ultima 
deyiationi; post haec additis eidem anomaliae eccentri XC gradibns com 



ASTRONOMISCHE BÜCHER-EINZEICHNUNGEN. 241 

arbeiten bilden, finden sich dort zwischen den beiden letzten Ka- 
piteln des sechsten Buches (in der ed. princ. fol. 193^ — 195% in 
der Säkular-Ausgabe S. 438 — 441). Sie haben in den »Bevoln- 
tiones« eine andere Anordnung erhalten, sind aber auszttglich 
mit den Upsalenser Tafeln identisch. 

Die drei Tafeln für Saturn^ Jupiter und Mars sammt der 
Tafel, ttberschrieben »Tabella minutorum proportionabilium quin- 
que planetarum«, sind in dem grossen Werke in eine Tafel, die 
sich über zwei Seiten erstreckt, zusammengezogen. Coppemicus 
hat dies dadurch erreicht, dass er die Zahlen nicht von Grad zu 
Grad, sondern nur von drei Grad zu drei Grad hat abdrucken 
lassen, so dass er statt zwölf Kolumnen nur deren vier benöthigt. 
Davon stehen je die ersten drei der linken Seite der handschrift- 
lichen Tafeln und je die ersten drei der rechten Seite neben ein- 
ander, mit der Ueberschrifk »Satumi, lovis, Martis latitudo borea 
austrina«, auf der einen Seite der Revolutiones , die andern in 
ähnlicher Anordnung mit derselben Ueberschrift auf der zweiten 
Seite. Der Eingang der Tafel ist nicht, wie in den oben ab- 
gedruckten, auf beiden Seiten von 1 — 30 und — 29, sondern 
Goppernicus hat, wie schon früher angedeutet ist, die Bezeichnung 
durch Grade der Signa Zodiaci in solche nach »Gradus Zodiaci« 
ersetzt und die doppelten Eingänge der Tafel neben einander 
verlegt. 

Die »Tabella minutorum proportionabilium« bilden in ähn- 
licher Anordnung den Schluss der Tafel der »Revolutiones«. In 
dieser letzten Tafel wird die aus der Original-Handschrift der 



ipso aggregato iterum scrapula proportionum commnnia, qaae occurrant, 
applicanda latitudini declinationis. His omnibus in ordinem sie positis mul-* 
tiplicentar singulae tres latitudines expositae per sua quaeqae scrupula pro- 
portionum, et exibunt ipsae pro loco et tempore omnes examinatae, ut de- 
nique Bummam triam latitndinum in bis duobns sideribas habeamus. Si 
fuerint omnes unius nominis, conjungantur , quae, prout maiores minoresve 
fuerint, tertiae latitudini diversae ab invicem auferantur, et remanebit prae- 
pollens latitado quaesita.« 

II. 16 



242 I. SCHRIFTEN VON COPPEKNICCS. 

»Bevolutiones« aufgenommene Lesart der Zeile 11 (S. 438): 55|48 
für 56148, wie die Ausgaben bieten, bestätigt; dagegen enthält 
die handschriftliche Tafel die Zahlen der Zeilen 28 — 31 in der 
Weise, wie die Ausgaben sie drucken, nicht wie die Säkular- 
Ausgabe nach dem Manuskripte geändert hat. Die Proportional- 
Theile auf S. 439 müssen genau dieselben sein, wie auf S. 438, 
aber in umgekehrter Ordnung; daher muss es in Zeile 7 statt 
9|9 heissen 9|24 und für 47|24 in Zeile 21 : 46|24. 

Bei den Tafeln der Planeten selbst wird man mehrfach 
sehen, dass wegen der geringeren Ausdehnung der Tafeln in den 
»fievolutionesa Goppemicus die Minuten-Zahl um eins erhöht hat, 
jedenfalls um grössere Genauigkeit der Rechnung zu erzielen. 
In Zeile 26, S. 438, wird die Lesart 2|19 statt 2;20 bestätigt. 
Die Mars-Tafel weicht gegen Ende der »latitudo septemtrionalis« 
und in der ganzen »latitudo meridionalis« überschriebenen Spalte 
bedeutend von den Werthen der Revolutiones ab. so dass eine 
Uebereinstimmung beider Tafeln in den Minuten zu den Selten- 
heiten gehört. 

Die noch übrigen Tafeln finden wir — mit einer Ausnahme 
— ebenso auf den folgenden beiden Seiten der »Revolutiones« zu 
einer Tafel vereinigt. 

Die mit »Declinatio« und »Deviatio« überschriebenen Spalten 
der »Revolutiones« entsprechen natürlich den ebenso überschrie- 
benen Tafeln der Upsalenser Handschrift; was letztere aber »Re- 
flectio« nennt, heisst in der gedruckten Tafel »ObUquatio«. 
Während die »Deviatio« im Drucke wächst, nimmt sie in der 
Handschrift ab; sie ist in letzterer aber auch bis auf Sekunden 
genau berechnet, während die »Revolutiones« sich mit Minuten 
begnügen. Dieser Theil der beiderseitigen Tafeln ist also völlig 
von einander verschieden; die mit »Declinatio« und »Reflectio« 
überschriebenen Spalten zeigen neben vielfachen Uebereinstim- 
mungen ebenso bedeutende Verschiedenheiten. Die »Scrupula pro- 
portionum deviationis« überschriebene Spalte der Drucke stimmt, 



ASTRONOMISCHE BÜCHER-EIKZEICHNL NGEN . 243 

wie es wohl aach natürlich ist. nicht mit der handschriftlichen 
Tafel »Minuta ad declinationem« ttberein. 

Die letzte Tafel fttr die »Refiectio« des Merknr ist in den 
Drucken überhaupt nicht vorhanden. Der Grund dazu ist leicht zu 
sehen; er liegt in den Worten »nisi quod in Mercurio reiioiatur decima 
pars obliquationiS; si anomalia eccentri et eins numerus inveniatur 
in superiori parte tabulae, vel addatur tantumdem, si in inferiori, 
et reliquum vel aggregatum servetur« (de rev. orb. cael. VI, 9, 
ed. saec. p. 442). Dadurch soll offenbar der Passus des Manu- 
skripts ersetzt werden: »In Mercurio autem addes aliam tabulam 
ad hoc deputatam«. 

Dass der Aufsatz der Handschrift und das Kapitel der »Re- 
Tolutiones« identische Rechnungen vornehmen lassen, ist unmittel- 
bar einleuchtend. Als gleichbedeutend ausser »reflectioK und 
»obliquatio« erhalten wir aus der Yergleichung beider Texte noch : 
»argumentum aequatum« gleich »anomalia commutationis discreta«. 
»centrum« gleich »anomalia eccentri«. Die »Minuta proportionalia 
ad Declinationem« ersetzt der Text der »Revolutiones« (ed. saec. 
p. 443) noch durch die Worte: »post haec additis anomaliae 
eccentri XC gradibus cum ipso aggregato iterum [capiantur] scru- 
pnla proportionum communia. quae occurrunt, applicanda latitu- 
dini declinationis«. 

Ueberlegt man Alles genau ; so kommt man wohl zu dem 
Schlüsse, dass die Form, in welcher die Tafeln in den »Revolu- 
tiones« vorliegen, die jüngere, nach längerer Behandlung des 
Gegenstandes vereinfachte Form derselben ist. Denselben Ein- 
druck macht auch die jeder Art der Tafeln beigegebene Ge- 
brauchs -Anweisung. Die Form der Tafeln in dem grossen Werke 
ist abgerundet und glatt, sie ist nicht kürzer, aber übersichtlicher 
als die der Upsalenser Aufzeichnungen; im Prager Manuskript 
sind die Tafeln ohne Streichung geschrieben, wie aus einem 
Gusse. Wir dürfen also wohl mit Recht annehmen, dass die 
Tafeln der Upsalenser Handschrift eine ältere, vielleicht die 



244 I. SCHRIFTEN VON COPPBBNICÜS. 

ursprüngliche Form der gedruckten Tafeln darstellen, welche 
zum Zwecke des grossen Werkes revidirt, vereinfacht und in 
eine andere, ttbersichtlichere Ordnung gebracht sind. Dabei 
wurden, wie erwähnt ist, einige Tafeln als Überflüssig gestrichen, 
z. B. die oad reflectionem Mercurii« und »Minuta ad declinationema ; 
dagegen sind wiederum die »Scrupula proportionum deviationis« 
hinzugefügt. 

Was endlich die Zeit der Abfassung der Upsalenser Tafeln 
betrifft, so ist diese selbstverständlich vor Abfassung des Haupt- 
werkes »de revolutionibus« anzusetzen. Dass letzteres — mit 
Ausnahme des trigonometrischen Abschnitts — bereits vor 1532 
vollendet war, scheint daraus zu folgen, dass die Feststellung 
des Apogäums der Venus, welche in den Upsalenser Kotizen 
auf eine Beobachtung des Jahres 1532 gegründet wird, in das 
Hauptwerk nicht aufgenommen ist, während Coppemicus die dort 
aufgeführten Bestimmungen des Apogäums der drei obem Pla^ 
neten, von denen die des Jupiter einer Beobachtung aus dem 
Jahre 1529 entstammt, schon verwerthet hat. 

Die Zusammenstellung der Upsalenser Tafeln hat jedenfalls 
eine bedeutende Zeit in Anspruch genommen; sie kann aber 
nicht eher erfolgt sein, bevor Coppemicus wiederum nicht die im 
sechsten Buche der »Revolutionesa dargelegten Theorien entwickelt 
hatte. Man wird also wohl nicht irre gehen, wenn man die erste 
Redaktion der Planeten- und Sonnen-Tafeln, wie sie in dem 
Upsalenser Manuskripte vorliegt, in die letzten zwanziger Jahre 
des 16. Jahrhunderts verlegt. 



m. Die Bächer-Einzeiohnungen medioinisohen Inhalts. 

Einige der wichtigsten Reeepte und medicinischen Anwei- 
sungen, welche Coppernicus in die yon ihm benutzten Bücher ein- 
getragen hat, sind bereits im ersten Bande Thl. 2, S. 312 ff. mit- 
getheilt. * Nachstehend werden die übrigen Notizen abgedruckt, 



* Von den a. a. 0. abgedruckten Einzeichnungen wird nachstehend 
nur eine wiederholt: das im ersten Bande Thl. 2, S. 312 und 313 mitge- 
theilte Recept. Coppernicus hat dieses zweimal der schriftlichen Fizirung 
für würdig erachtet; es wird nachstehend in der Form abgedruckt, in 
welcher es derselbe in ein von ihm viel gebrauchtes Buch, die lateinische 
Uebersetzung des Euklid (die editio princeps vom J. 1482) eingetragen hat. 
Die Abweichungen der zweiten Niederschrift (in dem »Opus pandectarum« 
des Matthaeus Silvaticus) sind unerheblich; sie sind bereits Bd. I, Thl. 2, 
S. 313 angegeben. 

Der wiederholte Abdruck an diesem Orte erfolgt hauptsächlich, um die 
Abkürzungen des auf der lithographirten Tafel beigegebenen Facsimiie leichter 
yerständlich zu machen: 

Recipe: boli armenici jij 
cinamomi ^ s. 
zeduarii 3ij 
tormentillae radicis 
diptamni \ an. 3ij 

sandalorum rubrorum 

rasurae eborum \ ^„ .,. 

> an. 31 

croci I 

''P^^" I an. 3ij 

anthemiif?) acetosiJ 

corticis citri \^ -. 

margaritarum / 



246 I. SCHRIFTEN VON COPPEBNICÜ8. 

welche Coppemicus flir die Ausübnng seines ärztlichen Bernfes 
in drei Folianten eingezeichnet hat, die gegenwärtig in der Uni- 
versitäts-Bibliothek zu Upsala aufbewahrt werden.* 



I. Eine grössere Zahl von medicinischen Einzeichnungen 
weist die »Practica Valesci de Tharanta« auf**, welche 
sich Coppemicus zu seinem Hansgebrauche angeschafft und 
während seines ganzen Lebens eifrig benutzt hat.*** 

Die Einzeichnungen, welche das Titel-Blatt enthält, sind be- 
reits im ersten Bande Thl. 2, S. 314 ff. mitgetheilt. Ein Wieder- 
Abdruck ist an dieser Stelle nicht erforderlich, zumal dort auch 
weitere erklärende Bemerkungen beigegeben sind. Nachstehend 
folgen die übrigen Recepte, welche sich auf der Vorderseite des 



► an. 3i 



} 3i 



smaragdi 

iacinti rubri 

Zaphiri 

08 de corde cervi 3i 

carabae 

cornu imicorni 

coralli rubri 

auri 

argenti tabularum 

zuccaris ^. s. vel quantum auffielt, fiat pulvis. 
* Die Aufzählung der medieinischen Werke, welche dem Coppemicus 
ausser dem eigenen BUcher-Besitze in der Stifts-Bibliothek zu Franenburg 
fUr seine ärztliche Thätigkeit zu Gebote standen, findet sich Band I, 
Thl. 2, S. 310. 

** Einige bibliographische Notizen Über das s. Z. viel gebrauchte me- 
dicinische Handbuch, welches auch unter dem Titel »Philonium pharmaceu- 
ticum et chirurgicum« bekannt ist, sind Band I, Thl. 2, S. 306 und 420 bei- 
gebracht. 

*** In seinem Testamente vermachte Coppemicus die »Practica Medici- 
nae« des Valescus de Tharanta seinem Freunde, dem damaligen Dom-Vikar 
Fabian Emmerich. Vgl. Band I, Thl. 2, S. 306. 

Das Coppernicanische Buch kam später, wie die Einzeichnung auf 
Blatt 2^ angiebt, an das Jesuiter-Kollegium zu Braunsberg und ward dann 
mit der Bibliothek desselben nach Schweden entführt. (Im Kataloge der 
Universitätft-Bibliothek zu Upsala wird es gegenwärtig mit der Signatur 
«35. VII. 4« aufgeführt.) 



MEDICINISOHE BÜCHER-EINZEICHNUNGEN. 247 

unbedrackten vierten und anf der Rttckseite des letzten (360.) 
Blattes finden. 

Anf dem 4. Blatte sind zunächst zwei Recepte verzeichnet. 
Das erste derselben lantet: 

ft radicis apii faeniculi an 3 s. 

capillosae florum buglosisae ros. an 3i 

pass. 3 s. 

myrobal. 8udorum(?) emblic. citrinorum an. 3i 

agaricis sanae an. oüi 

corticis artemisii 5üi- 

Hieran schliesst sich ein Reeept, welches verstümmelt wieder- 
gegeben seheint. Es lautet bei Curtze a. a. 0. S. 58 : 

ft corticis istius(?) Jiii 
yere(?) 3 v 
dysimte 3iii 
masticis 3 s. 

Darauf folgen drei Anweisungen zur Bereitung von Ent- 
haarungs-Mitteln (wahrscheinlich zum Zwecke, die Tonsur stetig 
zu erhalten] : 

Psilothrum. 
R uvas amidi an Si 
auripigmenti 3 s. 
calcis vivae 3iij md. 

Aliud. 
ft pulveris praedicti 3ij saponis Jiij vel Siij. s. vel gxxviij. 

Aliud. 

ft hyosquiami J s. infunde in acetum per diem et noctem 
et siccatae guttae hederae 3* s- sevi ovrlli 3-8. misce 
et aromatisa. 

Die beiden letzten Einzeichnungen des vierten Blattes tragen 
die Ueberschrift : 



248 I. SCHBIFTEN YOX COPPBRNICUS. 

De ovid mirabile. 

R yitelloB y, albnmina yiij conquassato et yesicae oleo lini 

eonfricatae indito etc. 
R Balis nitri eeu petri «<j J ^^^ ^^^ ^^^^ 
alnmini^ scissi gfj J 

Auf der Kückseite des letzten (360.) Blattes steht zunächst 
die Notiz: 

IX grana ordei faciunt Si? octo 3 facinnt 3. 
Dann folgen yier Recepte: 

Ad conyersacionem dentinm et contra eorum dolorem. 

R piretri scafizag^e (?) piperis 3® 3' 

semen apii, balanstiae, capsulae glandium masticis^ cornu 

tanri nsti, coralli rubri usti an 3i s. 
florum rosarum 3i aluminis, znccari 3 s. 
ex his fiat pulyis subtilis, nt alcool, qui postmodum cum 

melle puro incorporetur , fiat per modnm linimenti, 

sed prins mel bene depuretur ab eins immundiciis, 

tum gingiyas confrica et exspne. 

Pro mittenda urina. 

R seminis communis amygdalorum frigidorum a corticibus 
excorticatorum an 3 s.. fiat ex eis lac secundum ar- 
tem cum aequis diu relicJt(!) dissolyendo, fiant duo 
haustus, quilibet sit minor S- 

Contra lapidem. 

R philipenduli S s., cibebe, rorismarini an**^ 3i, herbae cor- 
nerii ss., fiat pulyis. 

Unguentum quando distortum aliquod membrum. 

R mirtilaginis, spilii, foenugraeci an ^üj? farinae malyarum 
radicis et cum decoccione florum camomillae, fiat em- 
plastrum; in fortamentum addatur terrae sigillatae 
5i et boli armenici Ji s. 



MEDICINISCHE BUCHE R-EINZEICHNUNQEN. 249 

Als letzte Einzeichniing — zur Abwechslang in griechischer 
Schrift eingetragen — enthält die »Practica Valesii« noch das 
Haarfärbe-Mittel, welches bereits im ersten Bande Thl. 2, S. 318 
mitgetheilt ist: 

MeXavoTpt^iov. 
fit Kup.ivou AXoTj; MeXavou oivou. 

II. In dem mehrfach erwähnten Folianten, welcher die 
»Chimrgia« des Petrus de Largelata und das Lexikon des Mat- 
thaeuB Silvaticus enthält,"* finden sich ausser dem oben S. 245, 246 
mitgetheilten längeren Recepte und der kurzen Anweisung »contra 
dissenteriama nur noch wenige £inzeichnungen, sämmtlich auf der 
Rückseite des vorletzten Bandes. Sie lauten der Reihe nach: 

Item Buccus gallae quercetinae valet ad fistulas et ulcera 
eo abluta. 

Item viscum de pomo arboreo tercio in cerevisia coque et 
ea colata cum pastu potato, valet contra podagram. 

Contra paralisim corporis bonus (sc. succus). 

R salivam, rutam, castoreum, decoque in vino et da bibere. 

Contra colicam et yliacam 

ft succum susquiami, acetum et farinam, misce et applica 
ad locum dolentem. 

Contra dissenteriam 

R garioflorum pulveris satis, mitte in vinum rubrum cali- 
dum, bibe ad noctem unum haustum et mane. 

Contra pestem 

R camforae oiöSSii; diptaminis 5 s., zuccaris candi 3iiij) 
fiat pulvis, qui debet recipi post infectionem ante de- 



* Näheres über die »Chinirgia« des Petrus de Largelata und das Le- 
xikon des Matthaeus Silvaticus ist im ersten Bande Thl. 1 , S. 336 und Thl. 
2, S. 307 beigebracht. 



250 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICUS. 

mnnctionem cum vino bono ad pondas floreni. Pro- 
vocat sudores et carat. 

Contra ruborem furie. 

R camphoram, alibannm, murram; pnlverisentur etmittan- 
tur in aquam rosaceum sub aequali pondere et linia- 
tnr ruber. Ad ulcera valet farina tritici cum melle 
mixta emplastrata. — 

in. Bei weitem reicher sind die Einzeichnungen, welche 
Coppemicus dem »Hortus sanitatis« anvertraut hat. * Die Notizen 
auf der Rückseite des Deckels sind unwichtiger.** Auch die 
übrigen Aufzeichnungen können freilich nur durch die Beziehung 
auf Coppemicus und die Medicin seiner Zeit ein relatives In- 
teresse beanspruchen. Sie finden sich auf den Vorsetz-Blättem 



* Ueber den »HortuB Sanitatis« vgl. Band I, Thl. 2, S. 308. 

** Die Rückseite des Deckels auf dem »Hortus sanitatis« enthält zu- 
nächst einige Uebertragungen von Krankhelts-Namen ans dem Griechischen 
in das Deutsche: 

Golica bt; bermc fuc!^ 

Dissuria talbe ^iffge 

Lytargia (Lethargia?) ^eu^t toetltfun 

Apoplexia bet [(aci^t 

Epilepsia btc fallenbe \uäf 

Peripleumonia epn gcflver 

9$ff bet lunge, vnde orituir ptisis 

Spasmus bei frampff. 

Hierauf folgt die Aufzeichnung von zwei Compositionen ohne besondere 
Zweck-Angabe; auch sonst ist manches darin unverständlich. Ich lasse den 
Wortlaut nachstehend folgen, genau so, wie ihn Curtze (»Inedita Coppern.« 
fp. 63) veröffentlicht hat; 

( Kanneil 
Ingfer 
Nellken 
Item < Annis 

Fenkelsott 
Gartenkommel 
Pudersenis iiij fAgl 



► nyn fv\gl 



MEDICINISGHE BÜCHEBr-BINZEICHNUNGEN. 251 

l»™ ^ 2^, sowie auf a4^; ich lasse sie nachstehend in vollstän- 
digem Wortlante folgen: 

Razes in secretis medicinae. Qui ex consuetudine quater 
in anno minui consuevernnt , cum ad quadraginta 
annos pervenerint, ter in anno minuantur, et cum ad 
sexaginta bis, et cum ad septuaginta semel, et post 
haec a minuitione caveant. Senes vero post annos 
sexaginta a minuitione capitalis yenae caveant, neque 
qui septuaginta quinque habeant annos, minuantur 
Vena basilica. Haec ille. 



Item Estat ver dextras, autumnus hyemsque sinistras, 

Quatuor haec membra: cephe. cor. pes. epar vacu- 

anda. 
Ver. cor. epar. estas: ordo sequens reliquas. 



Item Polipodium Engelsuss, adder Bteynlackeritze gesoten 
mit Anijs vnde fenchel vnde kumell, itzlichs gleich vil, 
yn eynn pfunt wassers, vnde dass getruncken macht 
den Bauch reine. Vnde treibet So mit auss vill böser 
feuctikeyt. 

item Craussemuntze puluer yngenomen mit milch vortreibt 
die spolworme. Menta gesothenn vnde do mitte ge- 
bect dass zcusswoUenn gemacht benympt die Swolst 
behendirlich. Item die stime gestrichen mit dem Safft 



' Flores Camomillarum \ 
Sumitates Absin thi I 
Folia Menthae crispae | 
Rose Lubec. ; 

Item \ Malyae radices medium Ma 
Semina liny 

Succus foliorum Salicis ma 
Oleum Rosaram pro gl 
Btopmtfi Mam. 



252 I. SCHRIFTEN VON C0PPERNICÜ8. 

benympt dasB heubt we. Der Safft getruncken mit 
honigwasser genanth Mnlsa stillet dass sausen In 
den oren. 



Item MuBcaten gestossenn vnde gemisehet mit lorber vnde 
die genncz mit weyn machet wol harnen. Item der 
Samen von grasse mit wyn genuczet machet harnen. 
Item der Samen von Melonenn Machet wol hamenn 
vnde reiniget die lenden vnde Nyrenn. 



Item kresse Samen gekauet yn dem Munde vnde gehalten 
vnder der Zcnngen benympt ir die lemde vnd machet 
widdervmb reden. Nasturtium kresse alleyn gegessen 
ist nicht gutt, wen sie mynnert die krafft dess men- 
schen vnde machet bosse feuchtung, went ess wechsett 
gern von feuchter erden vnd seiden yn der Sonne. 



Item Marubium eyn kraut genant Gotisvorgessenn ist gutt 
Zcu brauchenn Vor die Pastilentz die blatter adder 
den saflFt mit eynem tuchelen genetz vnde darumb ge- 
slagen. Item der Saff von Marubium gemischet mit 
bomöll vnde den yn dy oren getan vortreibet iren 
gresszenn smertzen warhafftich. 



Item wer der starkenn sucht wartten ist adder sie hett alss 
dann ist Apoplexia, der side ater nesselnn mit weyn 
vnnd trincke den dick iss vorgetth ym. Item Wer nut 
nett zcu stul gynge, Alsso dass er alleczeit gelust 
hette vnnd doch nicht schaffen mechte, der nucze 
mirra mit kresse brue, er genesset zcuhant. 



MEDICmiSCHS BÜCHEB-EINZEICHNUNOEN. 253 

Podagra. 

Item die brue der ynne ruben gesotten seyn geBtrichenn vff 
wethun der gelider, alss vff Podagram ist fast gutt. 



Item wenn die Snch adder gicht am dem leibe druck wo 
dass were, der neme Gastorinm, dass ist bebergeil, 
vnde side den yn weyj vnnd schmere sich an der 
selbigen stat, ess hillfft an zweifeil. 



Item PoUey frisch gestossenn vnde vff dy such Podagra 
genant hilfft balde. 



Baute. 

Item Serapio der meister spricht, dass die bletter von raute 
gegessenn mit figen vnnd weiss nuss benemen den 
gifftigen vnde tottlichen schaden der Pestilentz, vnde 
ist das aller gewisthe Preseruatiuum dass man haben 
magk. 



Item Ruta gesoten mit essig vnnd den genuczt benympt das 
we der brüst vnnd vortreibet den hust vnde ist gutt 
dene, die eynen kurtzenn odam han, vnde heilet dass 
geswer vff der lungen genant Peripleumonia do von 
dem menschen entsteet vnd herkompt die darre. 



Item dass Saff von ruten gelossen yn dy nasse locher be- 
nympt das blutten. Widdervmb dass Saff von ater- 
nesseln machet blutten. 



254 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICUS. 

Item Trefflich ist rute vor vorgifft. Alzo Serapio Von 
dem wesel, wen sie sich mit der slangenn beisset, 
szo isset Mustela raten, Szo mag ir dy Slange keinn 
gifft zcufugenn. 



Item Ruten gesoten yn öle ynde dass wann yn die oren 
gelossen vertreibet die worme dor ynne. 



Item Ruten Saff mit Lossen(?) ole gemiscet vnd mit essig 
vnnd dass heubt do mitte gestrichen benympt dass 
heubtes we. 



Yritica nesselenn. 

Item Nesselen Samen ist gutt calculosis. Dyascorides spricht : 
Nesselenn gesotenn vnn die gestossenn vnd ussen vff 
den bauch geleit weichet yn. 



Item Nesselenn gesoten vnde die haut do mitte gewaschen 
heilet den bossen grind. 



Item der Samen gestossen vnde gemischet mit honig vnde 
alzo genucz mit wyn benympt den alten hust vnnd 
räumet dy brüst in warheit. 



Item der Same gepuluert vnd gestrawet yn den schaden 

Cancer genant vortreibet den zcuhant. 

> 

Item eyter nesseln bleter in öle gesoten heilet wunden von 
dem dobenden hunde gebissen zcuhant. 



MEDICmiSCHE BÜCHER-EINZEICHNUNGEN. 255 

Item welcher nicht Tele gehoreim mag der szal der selbigen 
nesseln wurtzelen yn weyn adder yn wasser syeden 
ynde das trincken ess hilff yn behende. 



Item ater Nesseln gestossen unt salcz vnde mit eiger to- 
tem vnd mit honer Smalcz gemenget vnde yn den 
sweis bade die haut do mit bostrichenn zwe adder 
mall vortreibet dass Jacken vnnd rüde hutt. 



Polegium polley. 

Item wer sich am leybe krymert der siede polley mit wasser 
vnnd wasche sich mit dem warmen wasser iss vorget 
ym vnde wirt dama nicht rudigk. 



Item Polley gepuluert vnde dy zeene do mitte gereben vor- 
treibet alle smertzen do von. 



Item Polley mit honig vnde salcz gemist hilff den lamen 
vnnd zcubrochen gelydem do uff geleit. 



Item Polley gesoten yn weyn ist gntt genncz widder den 
snoppen vnde widder den fluss dess heubtes. 

Endlich findet sich auf Blatt a4^ Folgendes : 

Item Sueramp same genuczet vortreibet die spolworme vnde 
ist auch gut vor vorgifft besunder vor das beissenn 
der vorgifftigenn thire. 

Convenit Acetosa calido stomacho item iecuri cordi, 
excitat appetitum comedendi. Item Succus immissus 



n 



256 I. SCHRIFTEN VON G0PPEBNICU8. 

auribus pellit tumorem bie gejlwolft Item Saccus valet 
contra fluxum sanguinis alio nomine dissenteria. Nota 
quod aqaa acetosa mixta Teriaco valet maximnm 
contra pestem. 



Anhang. 

* 

Der VollBtändigkeit wegen darf an dieser Stelle, wo alles Material za- 
sammengetragen ist, welches sich in Betreff der ärztlichen Thätigkeit von 
Coppernicus erhalten hat, der Abdruck eines »regimen sanitatis« nicht 
unterlassen werden, welches in zwei Ermländischen Manuskripten als von 
GoppemicoB stammend bezeichnet wird. Hipler (in seiner Schrift »Kopemi- 
kus und Luther« S. 68 ff.) hat dieses apokryphe Schriftstück nicht nur ab- 
gedruckt, sondern sogar einer philologischen Behandlung fttr wflrdig er- 
achtet, wenngleich er selbst die schweren Bedenken hervorhebt, welche 
gegen die Beziehung auf Coppernicus sprechen. Hipler sagt mit Recht, es 
sei dieses regimen sanitatis »im besten Falle anderswoher copirt«. Den- 
noch verzeichnet er bei seinem Abdrucke genau die Varianten der beiden 
erhaltenen Abschriften. 

Das eine Manuskript, in welchem sich jene »Gesundheits-Regelung« er- 
halten hat, befindet sich auf dem Braunsberger Stadtarchive und stammt 
aus dem 17. Jahrhunderte. Die andere Abschrift gehört erst dem IS. Jahr- 
hunderte an, ist aber einem älteren Originale entnommen, welches sich 
gegenwärtig nicht mehr nachweisen lässt. Sie ist enthalten in Katenbringk 
»Miscellanea Yarmiensia«, welche im bischöflichen Archive zu Frauenburg 
aufbewahrt werden. Dieser Sammlung ist der nachfolgende Abdruck ent- 
nommen : 

Regimen Sanitatis D. Gopernici Canonici Warmiensis. 

Januarius. Bibe de optimo vino, sanguinem non minnas, potionem 
non accipias, assato balneo utere, mane commede sed non nimium, nam su- 
perflua commestio febres generat. — Qai 1. 2. 5. 7. 8. 15. sanguinem mi- 
nuerit, ipso anno morietur ; si tonitru sonuerit, ventos validos, abundantiam 
frugum significat. 

Februarius. Sanguinem non minuas, potionem accipe, omuia quae- 
vis commede, tarn acida, quam amara, caput custodi a frigore, vinum sive 
bonam cerevisiam bibe in balneo. Qui 6. 7. sanguinem minuerit, ipso anno 
morietur. Si quis 3. 7. 13. generatus fuerit, corpus eius usquequaque sal- 
vum permanebit, quod Beda Presbyter adnotavit. Si tonitru sonuerit, ini- 
micomm et divitum mortem significat. 



MEDICmiSCHE BÜCHERr-£INZBIGHNUN0EN. 257 

Martins. Saepe layare et balneare bonom est, purga dentes fricans 
cum sale, non minuas sanguinem, provoca yomitum propter qaotidianoB 
febres, qnotidie commede seinen Rnthae, Salviae, foenicnli, assii ac petro- 
Bilini. — Qui 15. 16. sangninem minnerit, ipso anno morietnr et qui 7. mi- 
nuerit, inmen oculoram amittet. Si tonitru sonuerit, ventos validos ac fru- 
g^m copiam significat. 

Aprilis. Sangninem minnere propter pulmonem et alia impedimenta. 
Cmdas radices non commede non fumigantes, quia morbum syncopum ge* 
nerant. Qni 6. 7. 16. sangninem minnerit, eo anno morietur. Qni 8. mi- 
naerit, infra 40 dies procnl dubio morietur. Qui 1»^ intrante Aprilis ynl- 
neratus fiierit aut potionem acceperit, aut statim aut cito morietnr. Si to- 
nitru soDuerit, iucundum, fructifemm annum et iniquorum mortem significat 

Mains. Mains quibusdam infirmis sanus est ac quibusdam non. Si 
vis sanus fieri, absynthium in vino plus valet quam in pura aqua coctum^ 
bibe potionem, commede salyiam, rutham sume. — Qui 7. 15. 18. minnerit 
sangninem, eo anno morietur. Si tonitru sonuerit, frugum ac fructuum co- 
piam significat. 

Juni US. Aquam fontanam propter pulmonem ieiuno stomacho bibe, 
lac sume coctum, in coena Ceduar, Betonica, Animonia utere. Qui 6. mi- 
nnerit sangninem, eo anno morietur. Si tonitru sonuerit, copiam frugum et 
varias infirmitates in hominibus significat. 

Julius. Si vis sanus esse, custodi te a nimia dormitatione, ab assato 
balneo, a piscibus palustribus et a minutione sanguinis, a caulibus et a si- 
milibus cibis. Potio tua sit gamandria, rutha, salvia, apium et anetum. — 
Qui 15. 17. sangninem minnerit, ipso anno morietur. 

Augustus. Est periculosus; non custodiens te a frigore, infirmus 
eris, calidis cibis uti ac saepe balneare bonum est. Agrimonia, Polegium 
sume in refectionem. Qui 19. 20. minnerit sangninem , eo anno morietur. 
Qui in primo minnerit, vel yulneratus fuerit, aut potionem acceperit, statim 
aut in proximo die morietur. Infans si natus fuerit, non proficit, sed dira 
morte moritur. Si tonitru sonuerit, multi homines aegrotabunt. 

September. Aliquas bucellas lacte perfuras ieiunus commode et om- 
nes fructus maturos sume. — Qui 17. 18. sangninem minnerit, eo anno 
morietur. Si tertia tonitru sonuerit, copiam frugum significat. 

October. Hoc mense tam yolatilia quam quadrupeda bona sunt, ex- 
cepto cancro, qui tunc laeditur a maximo serpente ; mustum bibe, potia tua 
Sit Ceduar, galganum et cinamomum. Qui 7. minnerit sanguinem, eo anno 
morietur. Si tertia tonitru sonuerit, yentum yalidum et fructuum arborum 
inopiam significat. 

Noyember. Noli calide balneare, potio tua sit zinziber, cinamomum 
et Cubeba. Qui 16. 17. minnerit sanguinem, eo anno morietur. Si tonitru 
sonuerit, frugum copiam et annum iucundum significat. 

December. Custodi cerebrum tuum a frigore, ut per totum annum 
sis sanus in capite, aperi cephalicam et balnea quantum yis, pyretum et 
zinziber manduca. — Qui 6. 7. 15. sanguinem minnerit, infra 40 dies mo- 
rietur. Qui finiente Decembri aut infra diem 4. yulneratus fuerit aut 
n. 17 



258 I. SCHRIFTEN VON GOPPEBNIOUS. 

potionem acoeperit, in proximo morietur. Si tonitru sonnerit» copiam an- 
nonim> pacem et concordiam significat. — 

Katenbringk hat der AbscUrift des voratehend abgedruckten »Regimen 
iMinitatis« die »Annotatio« folgen lassen: »Vis credibile est hocce regimen sa- 
nitatis a tarn celeberrimo yiro praescriptum esse maxime propter augoria, 
quae snperstitionem et inanes observationes sapere yidentnr; credo potins 
aliqna regimina sanitatis ipsins partns esse, ast plorima adscriptitia et 
fictitia.« 

Der letzteren Bemerkung wird Bicherlich ein jeder beipflichten , auch 
wer der Ansicht huldigt, Goppemicus habe in Betreff seiner ärztlichen 
Thätigkeit sich den Anschauungen seiner Zeit durchaus accommodirt. Von 
4en »guten« und »bösen Tagen« der einzelnen Monate und den thörichten 
Observanzen ganz zu schweigen, reichen schon die Angaben über die Folgen 
der G(ewitter in den verschiedenen Jahreszeiten hin, um die Möglichkeit 
anszuschliessen, dass Goppemicus dieses »regimen« empfohlen haben könnte. 



lY. Die Bäoher-Einzeiohnangen in grieohisoher Sprache. 

An verBchiedenen Stellen des ersten Bandes ist die Absicht 
knndgegeben, die vereinzelten griechischen Bemerkungen, welche 
Coppemicns in seine Bttcher eingezeichnet hat, im zweiten Bande 
in grösserer Ausführlichkeit zusammenzustellen. Nach wieder- 
holter Ueberlegung wird jedoch davon Abstand genommen , weil 
eine solche Zusammenstellung der an sich unwesentlichen Notizen 
kaum ein relatives Interesse beanspruchen kann; es darf genügen, 
auf den früheren Abdruck zu verweisen. 

Die griechischen Brocken, welche die <Daiv6(ieva des Aratus 
enthalten, sind Bd. I, Thl. 1, S. 411 und Thl. 2, S. 416 mit- 
getheilt. Die griechischen Notizen , welche sich in der Editio 
princeps des Euklid finden, sind Thl. 1, S. 412 und Thl. 2, S. 
407 abgedruckt. 

Von den reichhaltigeren Zusatz-Bemerkungen, welche Cop- 
pemicus in das Lexikon des Chresthonius eingetragen hat, ist 
eine Reihe grammatischer Notizen Band I, Thl. 1, S. 407 mit- 
getheilt. Sie bedürfen kaum einer Vervollständigung."^ 



* Dass die Zahl der schriftlichen Zusätze, welche Coppemicus in 
das Lexikon des Chresthonius eingetragen hat, nicht gross ist, lehrte 
der Abdruck in den Analect. Warm. S. 120. Hipler hat die Notate 
mit ziemlicher Vollständigkeit gegeben, es sind nur wenige über- 
gangen; dennoch füllt die Zusammenstellung wenig mehr als den Baum 
einer Seite« 

17* 



260 I. SCHRIFTEN VON COPPEBNICU8. 

CoppemicuB bat sich vorzagsweise die abweichenden Fonnen 
der anregelmässigen Yerba aufgeschrieben, jedoch nicht ans 
der Lektüre; sie sind yielmehr nur ans dem Lexikon selbst ex- 
cerpirt. Ghresthonins hat nämlich die nnregelmässigen Formen 
der Aoriste, das Futurum und Perfectum bei der Präsenz-Form 
aufgeführt und Coppemicus dieselben nur an der entsprechenden 
alphabetischen Stelle im Lexikon eingereiht, um sie vorkommen- 
den Falls schneller auffinden zu können."^ 

Man ersieht aus dieser Manipulation recht deutlich, mit 
welchen Schwierigkeiten zur Zeit von Coppemicus bei der Dürf- 
tigkeit der grammatischen Httlfsmittel die Erlernung der griechi- 
schen Sprache verknüpft gewesen ist. Coppemicus hat sich die 
unregelmässigen Yerbal-Formen selbst dann notirt, wenn das 
Präsens nur in geringer Entfernung von der Stelle aufgeführt war, 
wo jene nach der alphabetischen Ordnung einzureihen waren. 

Eigentlich lexikalische Zusätze finden sich in geringerer An- 
zahl; auch von diesen erscheint es überflüssig, eine vollständige 
Zusammenstellung zu geben, wie dieselbe im ersten Bande an- 
gekündigt war. Coppemicus hat einige wenige Worte neu hinzu- 
gefügt, bei andern ausser der von Chresthonius gegebenen Ueber- 



* Zu Belegen mögen die auf Seite 186^ notirten Verbal-Formen dienen; 
es finden sich dort deren fünf dem Texte eingereiht: 

»Tteitov^a«» TC. airo tou tzfxajm 
»iccTCTaxa« tc. airo tou TreTaCoi 
»iteirccuxa« cecidi a TitTrraj. 
»Ttsiruafiai« ir. ar.o tou irovOa'vofxai. 
»irsiroaxa« bibi a Tttvcu. 



DasB Goppernicus seine grammatischen Notizen nicht systematisch ver- 
zeichnet nnd nicht alle von Chresthonius aufgeführten unregelmässigen 
Formen sich in alphabetischer Ordnung eingereiht hat, zeigt z. B. die Bemer- 
kung z. S. 185 : »iretoofAat. p.. aito tou r^oL^ym, Coppemicus hat hier nicht 
angegeben, dass die Form ice(oo(i.ai auch von :re(d<n hergeleitet werden kann, 
wie es Chresthonius an betreffender Stelle angemerkt hatte. 



GRIECHISCHE BÜCHER-EINZEICHNUNGEN. 261 

setzang nocli eine weitere Bedeutung notirt, wie sie ihm bei der 
Lektüre anfgestossen war.* 

Eine durchgehende Verbesserung hat die von Chrestho- 
nius gegebene Uebersetzung der griechischen Monats -Namen 
erfahren; allein auch hier genügt es, die Notate von Cop- 
pemicus anzufahren, ohne eine weitere Untersuchung anzu- 
schliessen. ** 



* So unwichtig die lexikalischen Zusätze an sich sind, welche Gop- 
pemicus im Ghresthonius angemerkt hat, so geben sie doch, gleich den 
grammatischen Notaten, sichere Belege fQr den Eifer, den derselbe den grie- 
chischen Studien zugewandt hatte. Einzelne Beispiele sollen nachstehend 
angeführt werden: 

Bei d^vrjoi fol. 7 ist »a^YjvaCe« hinzugeHigt, bei dOi); »d^Tipia« ohne 
eine Uebersetzung anzuschliessen ; fol. 119^ hat Coppemicus zugeschrieben: 
xatToi quamquam; fol. td4 xopxopuY''^ fastidium; fol. 179l> icao; 
amicuB vel cognatus; fol. 188 icepticeoooi palleo; fol. 189 irepioaoc 
impar; fol. 243 ^eXXa xa, loca petrosa, caprinis apta pascuis. 
Fol. 245 ist neben dem Verbum cppovriC« notirt: cppovTioxtjc, jedoch ohne 
beigefügte Uebersetzung. 

An einzelnen Stellen sind die griechischen Worte verbessert; fol. 151 
ist bei (jLeTe)r>iov die richtige Form pieTat^piioN beigeschrieben, fol. 50 
7>«ctxo( in -^Xe^jxot; verändert, ebenso fol. 249 der Druckfehler yeupoT(iT]to« 
verbessert in x^ipo'zikri'ZQ^, 

Bei einer Reihe von Worten endlich sind der von Ghresthonius gegebenen 
Uebersetzung noch andere Bedeutungen beigefügt: fol. 78 hatte Ghrestho- 
nius isaWäi durch vicissim erklärt, Goppemicus schreibt hinzu: »alterna- 
tim, per mutationem«; fol. 121a steht neben den von Ghresthonius ge- 
gebenen Uebersetzungen »laboro, aegroto, patior« hinzugeschrieben »de> 
f i c i o « ; fol. 131 ist bei »xavdo; pilus palpetrarum« notirt »angulus oculi«; 
fol. 230 hatte Ghresthonius Tera« durch »Interim, tandem, antea, brevi« 
wiedergegeben, Goppemicus fügt noch hactenus hinzu; fol. 250 ist bei 
M'jicepopta locus extra fines« beigeschrieben »exilium«; fol. 245 hatte 
Ghresthonius zu ^iXt^o; keine Uebersetzung gegeben, sondern es nur 
durch >ixopp.oc«( erklärt, Goppemicus schreibt nach fol. 134 »truncus« 
hinzu. 

** Goppemicus hatte ein bedeutendes Interesse an der richtigen Reihen- 
folge der attischen Monate, weil die chronologische Feststellung der durch 
die Alexandriner überlieferten Beobachtungen der Alten zum Theil dadurch 
bedingt wurde. Er ist jedoch zu keinem festen Resultate gekommen ; die 
Schwankungen seiner Ansicht werden durch die mehrfachen Verbesserungen 



262 I. SCHBIFTEN VON COPPEBNICÜS. 

Der Vollständigkeit wegen mögen Bchliesslich noch die bei- 
den kleinen Einzeichnnngen eine Stelle finden, von denen nch 



im Lexikon des Chresthonins hinlänglich bezeugt Die letzteren sollen — 
in Ergänzung der oben S. 60 ff. gegebenen Mittheilungen — in alphabeti- 
scher Ordnung nachstehend aufgeführt werden; von einer eingehenderen 
Untersuchung, wie sie Band I, Thl. 1, S. 413 angekündigt war, wird jedoch 
Abstand genommen. 

Bo7]5pofi.id[)v hatte Chresthonius durch Junius übersetzt, Goppemicus ver- 
ändert in »Augustus mensis«; TaiiriUms erklärt er für »Januarius« 
(Chresthonius als October); den 'ExaT0(jLßai(6v als »Junius« (Chresthonius: 
Aprilis); den EXacpvjßoXCojv bezeichnet Coppemicus als Februar ins (Chre- 
sthonius: »December«), den Ba^^^Xuhs als »Aprilis« (Chresthonius: »Fe- 
bruarius«) , den MaifAaxTr](>td[)v als »September« (Chresthonius : »Augustus«) » 
den Mouvu^M&v als »Martius« (Chresthonius: »Januarius«). Den (von Chre- 
sthonius ausgelassenen) ni>av6>^i({iv schaltete Coppemicus an der alphabetisch 
richtigen Stelle ein (zwischen irra>/6; und iröpap^o«) und bestimmt ihn als 
»mensis October« (ursprünglich hatte er ihn für den »mensis Augustus« 
erklärt, diese Bestimmung später jedoch weggestrichen). Den Sxipocpopic&v 
endlich, den Chresthonius als »Martius mensis« interpretirt hatte, bestimmte 
Coppemicus als »Majus«. 

Fügt man nun in die Coppemicanische Beihenfolge der griechischen 
Monate, wie sie aus den vorstehend aufgeführten Notaten zum Chresthonius 
gewonnen ist, die von Coppemicus nicht bezeichneten Monate MeraYetxvufrv 
und Av^eoTT2pt(6N an den ihnen nach der gewöhnlichen Bestimmung zukom- 
menden Stellen ein, so erhält man folgende Reihe: 

'ExaT0(i.ßau6v [MexaYCiTVKÖN] BoT}^p|p.icuv 

Juni Juli August 

Maip.axTt)ptc6v nuave4'i(6v [Av^cTTjpicuVj 

September October November 

Iloaet^edbv rap.7)Xt<6v EXacpTjßoXuuv 

December Januar Februar 

MoüNU)ri(6v 0apyi]XM6v Sxtpo^opiduv 
März April Mai. 

Genau in der vorstehenden Folge hatte Coppemicus die attischen Mo- 
nate in einer Einzeichnung geordnet, welche sich auf dem Vorsatz-Blatte 
des Chresthonius niedergeschrieben findet: 

* 

Y « n G Q «p 

Mttvi^toiv BapYT}Xt<Dv £xtpo(popt<0v Exarofjißaioiv Mexa^EiTVicov BoT^^popitov 

Mai(i€txti)ptcDV Iluave^tmv AvQccgpimv Ilodei&Eoov FapiTjXtaiv Ekat^oktm^ 

Ä llt nm V*"" X* 



GRIECHISCHE BÜCHER-EINZEICHNUNaEN. 263 

die eine auf dem Vorgatz-Blatte, die andere anf dem letzten freien 
Blatte des Lexikon von Chresthonius findet. 

In der ersteren hat Coppemicus die griechischen Ausdrücke 
tUT einzelne Theile des Wagens (ohne Uebersetzung) zusammen- 
gestellt; sie lautet: 

»Apfia, Si^poc, avTüE, X"*^^^ xavdot, xvtjvt], ito«.«* 

Die zweite kurze Notiz bezieht sich auf die beiden kapitu- 
larischen Hauptorte Alienstein und Mehlsack; die näheren Be- 
ziehungen 'sind jedoch schwer zu enträthseln'^'^ : 

»AXvoXi&ivY] c^TiS MeXaax cpEs ajif cotepa (sie!) BpoO«. 



Nachmals hat Coppernicus jedoch diese ursprÜDgliche Reihenfolge der 
Monate geändert, indem er durch das Unterstreichen der Worte Av^ediTjpubv 
und IloaetSetdv, gleichwie dnrch die daninter gesetzten Zeichen des Thier- 
kreises andeutete , dass er sich in der Anordnung geirrt habe. Dem An- 
thesterion hatte er nämlich ursprünglich das Zeichen des Steinbockes IST 
untergeschrieben, dieses später aber durchstrichen und das Zeichen des 
Wassermannes daftlr gesetzt. Unter dem Poseideon steht ebenso ausgestri- 
chen nochmals das Zeichen des Schützen ^t, aber auch das des Steinbockes 
Z f letzteres gleichfalls durchstrichen. Unter dem Gamelion stand ursprüng- 
lich das Zeichen des Wassermannes «» ; dasselbe ist aber getilgt, ojine dass 
ein anderes Zeichen dafür substituirt wäre. Offenbar hat Coppemicus es 
nur verabsäumt, das fehlende Zeichen unterzusetzen. 

* Hipler, welcher die kleine Notiz zuerst mittheilte, (Anal. Warm. S. 
121) hat sich in der Wiedergabe des ersten, fünften und vorletzten Wortes 
geirrt. Die Worte Apeia und xuT]fAa, welche Hipler gesetzt hat, haben gar 
keine Beziehung zum Wagen; es ist von Coppemicus überdies ganz deut- 
lich oAp{j.a« und »xv^p.7]« geschrieben. Das drittletzte Wort lautet bei 
Hipler xa^eov, welches in der Bedeutung »Wagenkorb« wohl zulässig wäre; 
allein Coppemicus hat deutlich »xavdot« geschrieben. 

** Auch diese Einzeichnung hat Hipler (a. a. 0. S. 121) nicht richtig 
wiedergegeben; sie lautet bei ihm: 

AXvoXtj^ivT] aTiC MeXoax mio\) afA;pa>T£pa BpoO 

Zunächst hat Hipler die Striche unter »^ti&«, »«pSe« und »Bpod« über- 
sehen; sie zeigen deutlich an, dass diese Worte als Zahlzeichen gebraucht 
sind. Sodann heisst das zweite Wort nicht artC, sondern anh, das dritt- 
letzte Wort endlich ist deutlich als ip^e zu lesen. 

Die Notiz würde bedeuten : 

»Allenstein 1314, Mehlsack 865, beides zusammen 2179.« 



264 I. SCHRIFTEN VON COPPERNICUS. 

Eine Beziehung der Zahl 1314 (qtrtS} zu Allenstein könnte vielleicht noch 
gefunden werden; nach einer Inschrift an der dortigen Kirche ist dieselbe 
im Jahre 1315 erbaut. Nicht zu errathen ist jedoch der Grund hir die 
Verbindung der Zahl 865 (({>(e) mit Mehlsack (die dortige Kirche ist 1330 
erbaut ; im Jahre 865 war Preussen überhaupt noch nicht in die Geschichte 
eingetreten). 

Dass die Zusammenstellung der griechischen Worte »irt^« und »d>cea mit 
Allenstein und Mehlsack als mnemotechnische Httlüsmittel von Coppemicus 
gebraucht seien, ist eine ansprechende Vermuthung Cnrtze's (Keliq. Co- 
pem. S. 4); derselbe hebt zugleich hervor, dass das zu AXvoXt&tvr] und 
McXoa« passende Wort Bpo^ recht gut als Vermittler des Gedächtnisses zum 
Behalten der Zahlen 1314 und 865 gebraucht werden konnte. 



Anhang. 

Die unechten Schriften. 



L Die Septem Sidera. 

Unter den irrthttmUch auf den Namen von Coppemicus 
übertragenen Schriften Bind die »Septem Sidera« yoranzn- 
stellen, ein Cyklns von sieben asklepiadischen Strophen, deren 
Inhalt sich auf die Mysterien der Geburt und Kindheit Christi 
bezieht. 

Diese kleine Gedicht-Sammlung — den Zeitgenossen von 
Coppemicus ganz unbekannt — erschien erst zwei Menschen- 
alter nach seinem Tode. Nähere Angaben über den Heraus- 
geber, den Professor an der Universität Krakau Job. Broscius, 
ebenso die erforderlichen bibliographischen Notizen über die 
erste und die folgenden Ausgaben findet man im ersten Bande, 
Tbl. 2, S. 372 ff. Dort sind auch die äusseren und inneren 
Gründe zusammengestellt, welche gegen die Autorschaft von 
Coppemicus zu erheben sind. 

Die beiden ersten durch Broscius besorgten Ausgaben der 
Septem Sidera sind nicht erhalten; der nachstehende Abdmck 
erfolgt nach der dritten Ausgabe, welche Broscius im Jahre 
1629 zu Krakau in der Officin von Fr. Caesarius erscheinen 
liess. 



266 UNECHTE SCHRIFTEN. 

Das Titel-Blatt der Ausgabe Yon 1629, yon welcher sieh 
noch ein Exemplar auf der Universitäts-Bibliothek zn Erakau 
voj^efunden hat, enthält auf der Vorderseite nur einen Kranz 
Yon sieben Sternen nnd darunter die Worte »Septem Sidera«. 
Der Name »Coppemicus« wird überhaupt nur ein einziges Mal 
— fast schüchtern — in der Vorrede von Broseius genannt. 

Die Widmungs-Vorrede an Papst Urban Vffl. {S. 3—6) 
lautet: 

»Urbano VIII. Pontifici. Optimo Maximo. 

Regis Regum incunabula et pueritiam, Beatissime Pater, 
Septem tabellis Tuae Sanctitati offero. NoYum est picturae ge- 
nus. Non enim lignum, non aes, non tela defert istas imagines, 
sed coelum; color etiam in densissima nocte spectabilis. Arti- 
ficium porro tantum, ut vel Apelli non cedat; dubito an non su- 
peret. Quadraginta octo imaginibus antiquitas coelum distinxerat : 
in his autem multa fabulosa, ut ex Hygino aUisque patet. Dis- 
plicuit authori novae picturae, splendori coelesti tenebras fabu- 
larum permistas esse. Veritati lucem, luci veritatem jüngere 
aggressus^ primas tantum duxit lineas: paulo tarnen ante mor- 
tem commisit bono artifici colores inducendos. Hoc artis arcar- 
num per aliquot jam manus a Copemico in Academia Jagel- 
lonia ivit. De quo cum ego a praeceptoribus secreto didicissem, 
ut certiora haberem, in [Prussiam abii. Tacendo quaerebam, 
veritus ne tam praestans inventum, vel potius inventi residuum 
meas manus effugeret, vel, ut isto saeculo ingenia aemula sunt 
non docilia, quoquo modo averteretur. Ac tandem ab Illustris- 
simo piae memoriae Simone Rudnicio admissus ad veteres Var- 
miae bibliothecas, quarum nonnuUas jam violenta manus invasit 
dum nihil contemno, dum minutissimas etiam chartulas, quibus 
boni artifices aliquando praestantissima inventa breviter com- 
mittunt, excutio: ad illud Archimedeum eupijxa, supiQxa, yentum 
est. Dejecit antiquas quadraginta octo imagines, noyas quadra- 



DIE SEPTEM SIDERA. 267 

ginta novem mdnxit, fortasse ob septenarii dignitatem, yel quod 
magis credo, nt medinm haberet ab extremis aeqnaliter distans. 
Qnae enim tabella hnjus septenarii, illa quoqae totius seriei me- 
dia est, hoc est yicesima quinta. Dens bone, qnam pnlchral 
qnam nitida! quam omnibns saecnlis atqne locis communis 1 
Singnli versus stellae sunt, nuUi elisioni, vel ut mathematice lo- 
quar, nulli ecclipsi obnoxiae. Jam ante sedecim annos praemisso 
primo prodromo, de hac re nonnihil indicaveram: deinde, ante 
decem cum in Italiam irem, altere sub auspiciis ülustrissimi et 
Reverendissimi Domini Domini Martini Szyszkowski, Dei Gratia 
Episcopi Cracoviensis ; eorumque exemplaria nonnulla minuta 
forma Bomam ad amicos meos, nominatim vero Reverendum Do- 
minum Abrahamum Bzovium transmiseram. Sed et ad alios per 
Germaniam. Viderintne illa Bayerns aut ejus successores, Dens 
quidem novit. Gerte neque iisdem principiis neque iisdem me- 
diis, etsi ad eundem finem insistunt. Examinabuntur haec, uti 
existimo, ab iis, qui felicissimum Lynceorum Institutum sequuntur. 
Licebit cuique, pro suo arbitratu coelum, quod in haereditatem 
cunctis relictum est Plinio teste, distinguere. Ego hanc dispo- 
sitionem a primo inventore Gopernico, Sanctae Sedi Apostolicae 
destinatam, ex antiquis Biblothecis produco, Tuaeque Santitati 

Magno parens, ter sancte parens, cui credita coeli 

Imperia, auspiciis dudum firmata Deorum, 
supplex offero; liceat enim uti Tui doctissimi Vatis carmine. 

Dens Te, Beatissime Pater, Ecclesiae Sanctae diutissime con- 
servet, ut Meliphtongae Tuae Apes mel suavissimum publicae 
per orbem tranquilitatis proferre nunquam cessent. 

Sanctae Apostolicae Romanae Sedi et Tuae Sanctitati obse- 
quentissimus 

Joannes Broscius 
Doctor Medicinae, Baccalaureus Sacrae Theol. et ejusd. facultatis 

Ordinarius in Acad. Crac. Professor.« 



268 UNECHTE SCHRIFTEN. 

SIDUS 1. 

CHßISTüM A PROPHETIS PR0MI88ÜM PROPONIT. 

Promissnm capitis cemere Principem, 
Qui Yos in populum qnandoqae liberam 
Praestans asserat heros, 
In regnoqne sno beet. 

Expectate parnm, mox aderit Pias; 
Non est is Pario marmore durior, 
Nee qaisqaam citas aeqae 
Votis annait optimis. 

Sed differt animi eonsiliam sai, 
Ut desideriis fervidioribas, 
Expeetatas hie Hospes 
Possit gratioT exeipi. 

Quam vero veniet Pastor Olympias, 
Tarn distenta ferent abera eandido 
Plenae lacte eapellae, 
Plenae pignoribas bonis. 

Non jamenta feras disjiciet Leo. 
Malcebit pavidam mitis ovem Lapas. 
Hie nascetar amomom, 
Ulie cinnama, saccaram. 

Paseet lanigeras Pastor ovicalas, 
Omni laeta dabit pascoa copia; 
Uno millia fönte 
Potabit sitientia. 

fons perspicao splendidior vitro. 
Sammis orte eitra principiam jagis, 
Hae delabere tandem, 
Gentis pelle taae sitim! 



DIE SEPTEM SIDEBA. 2S0 



SIDUS IL 

CHRISTUM A PATRIBÜ8 DB8IDBRATÜM PROPONIT. 



Cur sie aula domus Empyreae patetf 
Et sol ante latens clarior emicat? 
Dulci mella liquore 
E duris scopulis flnant? 

Mundus bellipotenS; attonitus silet, 
Palchris laeta nitent arva coloribns, 
Miro fragrat odore 
Agr bis nimiam locis? 

Praegnans Helisabeth, quae sterilis fuit, 
Cum praegnante canit Virgine carmina, 
Claro jubila plansu 
In snmmos abeunt polos. 

Ulam saepe frequens Angelus in Domnm, 
Laeta fronte volat, laetior evolat: 
Regem nuntiat illunt, 
Qni venturus agit moras. 

snmmi soboles inclyta principis 
Pura nascere jam, nascere Virgine I 
Jam descende paterno 
Expectate nimis sinn ! 

Te desiderio poscimns intimo, 
Gonsolare pios ocius anxios. 
Eja yise snpeme 
Imam Parvule patriam ! 

Felix ante sacras nna puellnlas, 
Quae coeleste sno fert utero decusi 
aurora serenum 
Velox Luciferum vehe! 



270 UNECHTE 8CHBIFTEN. 



8IDU8 ni. 

0HRI8TUH DE YIHälNE NATUM PRIE SE FEßT. 



Quis fulta posnit te puer in casa? 
Quis laedi tenerum frigoribns yetat? 
Virgo summa Maria, 
Qaae flavam religat comam. 

Simplex munditiis, dotibus aurea, 
Quam semper nitidam, semper amabilem, 
Sanctus Spiritus aura 
Caelesti replet intime: 

Natum virgineo confovet in sinu, 
Et lactat niveo nobilis ubere, 
Dat solatia flenti 
Mater sedula filio. 

Eine bos, hinc asinus creber anhelita 
In terra posito te refovet genu; 
Quem plebs nosse negabit, 
Hunc norunt animalia. 

Descendit superis huc quoque de polis 
Cantans Angelicus cum radiis chorus: 
Summo gloria Patril 
Fax Sit pacis amantibus! 

Ad praesepe sono protinns exciti 
Pastores yeniunt a grege simplici; 
Christo gloria nato! 
Fax Sit pacis amantibus! 

Goelum dulcisonis carminibus sonat, 
Per mundi resonant jubila machinam : 
Uni gloria trino ! 
Pax Sit pacis amantibus! 



DIE SEPTEM SIDERA. 271 



SIDU8 IV. 

CHRISTUM lUXTA LEGEM GIRCUMGISUM DEGLIRAT. 



Lux octava suo Incet in ordine : 
Lux divina noya lucet origine: 
Infans nomen lESUS 
Gircumcisus habet datum. 

Ex hoc annus habet principium die, 
Quo primum voluit funder^ sanguinem 
Nuper natus lESUS, 
Largis non sine lachrymis. 

Omnes huc homines currite perditi! 
Hie est noBtra salus unica parvulus! 
Sanctum nomen lESU 
Nomen nempe salutis est. 

Si quis juncta videt damna periculis, 
Amisflisqne timet pauperiem bonis: 
Hüne ditabit lESUS, 
nium bI pius invocet. 

Si cui Leviathan insidias parat, 
Si munduB satagit vel caro fallere: 
Hie exoret lESUM, 
Fiet tutior illico. 

Si quem tabificus morbus habet diu, 
Si cum terribili morte premit payor: 
Se commendet lESU, 
Et Bolatia sentiet. 

Hoc quicunque novum nomen amabile 
Per concepta sibi vota vocaverit, 
Hunc Bervabit lESUS, 
Fretum praesidio suo. 



272 UNECHTE SCHRIFTEN. 



SIDUS V. 

CHRISTUM A TRIBUS HAGIS ADORATUM EIHIBET. 



Quod fnlget medio sidas in a^re, 
Hanc reges Ephratae dacit ad insalam: 
Bequem vultis? lESUM? 
Ista sub easula latet. 

Ingressi stabulum sternimini solo, 
Et prOBi pnernm eorpore parvulnm, 
Regem mente supremum 
Confestim veneramini. 

Surgentes humili poplite eemni, 
De gazis puero mnnera promite, 
Aurum thusqne Sabaeum, 
Et myrrhae laerymas gravis. 

Nunc Yuitum pueri cemite blandulum: 
Nunc cum matre licet virgine colloqui: 
Hie est noster lESUS, 
Huic nomen MARIAE manet. 

Hunc olim Balaam pollicitus fuit^ 
Yisurum Dominum se procul impius: 
Haec est Stella lacobi 
Splendens gentibus ex domo. 

Spectatum satis est jam, Proceres pii, 
Gentes ista sciant nuncia plurimael 
Promptis ite camelis 
Pergentes aliam viam! 

Herodes etenim rex nimis improbus 
Est Yulpes animo callida sub dolo, 
Mox mactaret lESUM, 
Hie si nosset enm fore. 



DIB SEPTEM SIDEBA. 273 



8IDUS VI. 

CHRISTUM IN TEMPLO PBAESENTATUM MAlOf E8TAT. 



Praesagit mihi mens neseio quid boni, 
In templum placidns nos animos vocat. . 
Si dignaris, eamns 
Mox, Mox, mi Simeon senex! 

Aras snmmns adit^ snspice, Pontifex: 
Et de more saeras immolat hostias. 
Diversis holoeaustis 
It coelo redolens oder. 

En praestans hnmili mente pnerpera 
Offert hunc Domino filiolum Deo, 
Torquatasqne colnmbas, 
Grepans cereolum sacrum. 

Hanc matrem reliqao consimilem gregi 
Lugtrarique sno cum puero putant; 
Atqui Virgo pudica 
Sanctorum Dominum gerit. 

A quo tanta precor lumina dimieant? 
An 8ol totus in hanc insiliit domum? 
Hac lux fulget ab ara? 
Non ! hoc a puero venit. 

Tardos accelera, mi Simeon, gradus, 
Ulnis et puerum suscipe fervidis; 
Huius lumine vultus 
Jam Yultu satia tuum. 

Hunc in te residens Spiritus innuit, 

Quem Visums eras esse Dei micans 

Lumen lumine Christum I 

Nunc in pace mori juvat. 
n. - 18 



274 UNECHTE SCHRIFTEN. 

siDus yn. 

CHRISTUM PüERUM DTTSS DOOTORES DUODENNEM COLLOGAT. 



Ad GhriBtum puerum nimc pneri boni. 
Accedendo piis dicite vocnlis: 
Felix hospes lESU 
Expectatns ades diul 

Ecquid qnaeso vales? nnde redis precor? 
Ut cessere tibi die age singula? 
Nam nos multa periela 
Vexavere miBerrimos. 

Herodes furiis impins horridis 
Aceensus pueros undiqiie bimnlos 
CoUeetos velut agnos, 
Ferro eonseeuit truci. 

Qai qnondam foimTis nnmine trimuli, 
Fratram terribilem vidimus heu neeem ! . 
Planctus astra parentum 
Pervenere snb aurea. 

Aegypto redii salvus ab infima 
MultoB ante dies in patriam meam; 
Hie autem duodennis 
Coelestem veneror patrem. 

Ad me eandidoli cnrrite parvnli! 
Vivendi speeimem sumite nobile! 
In sacram simul aedem 
Hanc me coneomitamini ! 

Admiranda Dei cemimas in domo: 
Doctores medio enm pnero senes 
Disceptant super illo 
Messia memorabili. 



DIE SEPTEM SIDERA. 275 

Quam prudenter inops verba facit puer! 
Quam solerter eis explicat abdita! 
Nunc interrogat illos^ 
Nunc respondet acutius. 

DoctoB ingenium coelitus inditum 
Non longi Senium temporis efficit: 
Hie canus puer est bis, 
Hi sunt bis pueri senes. 



Annumeravi 

Anno quo 
Bis Septem Phoebus rerum puleherrima bis sex 
Roma capity Lunae quinque ter orbis habet. (1629.) 

Cracoviae 

In Officina Francisci Caesarii. 



i&^ 



n. Kleinere Diohtimgen. 

Ausser dem Cyklus der )»Septem Sideraa wird noch die 
Autorschaft von zwei kleinen Gedichten dem Goppemicus zuge- 
schrieben. 

a) Das erste ist ein unbedeutendes Epigramm, welches Gop- 
pemicus im Jahre 1512 an Dantiscus gerichtet haben soll: 

IIpoc 'IwavvTjv TovAivoSeajiova. 
Hie est dictus ubique curialis, 
Est et nomine reque curialis. 
Musarum Studiosus est lyraeque, 
Verbis carmina iunxit exsolutis 
Nexu non pereunte Linodesmon. 
Die Gründe, aus denen das yorstehende Gedichtchen nicht 
auf Goppemicus übertragen werden kann, sind im ersten Bande 
Thl. 2, S. 376 zusammengestellt. Es musste aber die Unecht- 
heit auch an diesem Orte schon deshalb ausdrücklich hervorge- 
hoben werden, weil jene Verse noch in dem vorliegenden Werke 
(Band I, Thl. 1, S. 27) irrthümlich als von Goppemicus her- 
rührend bezeichnet worden sind. Das unbedeutende Machwerk 
ist übrigens erst seit Kurzem durch den Druck bekannt geworden* ; 



* Das Epigramm »lipo«; Icoawriv tov Aivo&eop,ova«[ ist erst im Jahre 1855 
durch Dominik Szulc (^ywot. Mik. Kop. p. 74) veröffentlicht worden; es 
hatte bis dahin in einer Handschrift der Krakauer Universitäts-Bibliothek 
versteckt gelegen, über welche die folgende Anmerkung nähere Aus- 
kunft giebt. 



KLEINEBB DICHTUNGEN. 277 

68 ist aus einer unkritischen Kompilation ttber das Leben und 
die Schriften von Coppemicus hervorgezogen, welche sich aus 
der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts handschriftlich auf der 
Universitäts-Bibliothek zu Krakau erhalten hat."^ 



* Auf der Universitäts-Bibliothek zu Erakaa wird aus der Mitte des 
17. Jahrhunderts eine Beihe von Manuskripten aufbewahrt, welche sich auf 
die Geschichte der Uniyersit&t beziehen: »Fastorum Studii generalis almae 
Academiae Cracov. Tomi YU per Martinum Badymi^ski, GoUegii Maioris 
Professorem, S. Sedis Apostoliciae Protonotarium a. 1658 consignati«. Im 
4. Bande dieser Folge befindet sich eine »Gemmen tatio de vita et 
scriptis Nicolai Gopernici«. Diese ist (zugleich mit einem Abdrucke 
der »Septem Sidera«) im Jahre 1873 als Festschrift der Universität Krakau 
zur 4. SSkular-Feier des Geburtstages von Goppemicus veröffentlicht worden 
(p. 17—23). 

Radyminski stellt in seiner »Gommentatio« einige Notizen ttber das Leben 
von Goppemicus zusammen. Vorzugsweise aber ist er bemüht, in aufrich- 
tiger Pietät gegen Goppemicus die Lehre von der £rd-Bewegung zu ver- 
theidigen und namentlich auch von dem Vorwurfe der Schrift-Widrigkeit 
zu befreien. Badyminski hat gute Quellen vor sich gehabt, von denen wir 
einige nicht mehr besitzen; u. a. kennt er Briefe von Bheticus an Game- 
raritts und »Volphius«. Allein andererseits ist er oft recht unkritisch ver- 
fahren. Dass er S. 21 den 10. Juli 1524 statt 1528 angiebt, ist nicht hoch 
anzuschlagen; dagegen ist nicht zu entschuldigen die Mittheilung, dass die 
Denkschrift ttber die Verbesserung der preussischen Mttnze auf der Tagfahrt 
zu Posen von Goppemicus Überreicht worden seil — Sogar ttber die Kra- 
kauer Universitäts-Verhältnisse ist der Verfasser der »Fasti Studii Greneralis 
almae Academiae Gracoviensis« schlecht unterrichtet. Er lässt Goppemicus 
mathematische »Gollegia publica« bei Brudzewski hören, obwohl letzterer 
bereits vor 1491 die Reihe seiner mathematisch-astronomischen Vorträge 
abgeschlossen hatte. Endlich soll nach Radymi^ski's Angabe die »prima 
et secunda laurea« dem »Magister artium« Goppemicus in Krakau zu Theil 
geworden sein, während die erhaltenen Promotions-Bttcher bezeugen, dass 
derselbe keinen akademischen Grad in Krakau erhalten hat. 

Bei diesem unkritischen Verfahren Radjrminski's in der Mittheilung 
wichtiger Lebenfr-Verhältnisse von Goppemicus darf es nicht Wunder nehmen, 
dass er in einem verhältnissmässig unbedeutenden Punkte leichtfertiger 
erscheint. 

BadymiÄski giebt nämlich mit bestimmten Worten an, dass das Ge- 
dichtchen mit der Ueberschrift »NixoXao« 6 Koic^epvtxoc icpo« losawrjv tov Ai- 
vo5eop,ova« dem Epithalamium vorgedruckt sei, welches Joh. Dantiscus zur 
Hochzeita-Feier des Königs Sigismund I. gedichtet hatte. Nun besitzen 
wir aber den von Dantiscus selbst besorgten Abdmck seines Gedichtes, 
welcher bei Joh. Haller zu Krakau 1512 erschienen ist, und dort findet sich 



278 UNECHTE SCHBIFTEK. 

b) Wichtiger ist es, hier nochmals mit besonderem Kacb- 
dracke hervorzuheben, dass auch die bekannte sapphische Strophe 
nicht von Ooppemicus herrührt, welche man gern f&r einen 
Denksprach des Goppemicns ausgegeben hat, oder gar für eine 
Grabschrift, welche er sich selbst, von Reue über sein wissen- 
schaftliches Vergehen erfasst, gedichtet habe: 

»Non parem Pauli gratiam requiro 
»Veniam Petri neque posco, sedquam 
»In crucis iigno dederas latroni^ 

»Sedulus oro«. 

Die Verse sind alt und bereits früh mit Ooppemicus in Ver- 
bindung gebracht. Ein jüngerer Landsmann desselben, Dr. Mel- 
chior Pymesius (f 1589), hat sie zur Unterschrift für ein Epitaph- 
Bild gewählt, welches er in die Pfarrkirche zu St. Johann stiftete. 
Die beiden ältesten Biographen von Ooppemicus, Starowolski und 
Gassendi, kennen das Bild, wie die Unterschrift nicht. Beides 
wurde weiteren Kreisen der Gelehrten-Welt erst ein Menschen- 
alter nach dem Erscheinen von Gassendfs »vita Oopemici« durch 
Hartknoch's »Alt und Neues Preussem (S. 371) vorgelegt. Hart- 
knoch fügt der Geschichte und Beschreibung des Bildes nur die 
Bemerkung hinzu: »Dieses Bildnüss des Oopemici lassen die 
Frantzosen und andem oft abconterfeyen« ; über die Autorschaft 
der beigefügten Verse spricht er sich nicht aus. 



) 



anch nicht die geringste Andeutung von jenem vermeintlich Coppernicam- 
sehen Epigramm. Ebensowenig ist letzteres in dem Abdrucke enthalten» 
welcher aus einer alten Abschrift im 2. Bande der »Acta Tomidana* 
(p. 30—39) verOflfentlicht ist. Da jedoch kein Grund vorliegt, die Zuver- 
lässigkeit Badyminski's in Zweifel zu ziehen, so bleibt nur die Annahme, 
dass er die in Rede stehenden Verse in einem Exemplare des Haller'schen 
Druckes handschriftlich vorgesetzt gefunden hat. Allein unter dieser 
Voraussetzung sind seine Worte wiederum nicht besonders glücklich ge- 
wählt. Er sagt nämlich: »Exstat argutum epigramma Epithalamio 
praefixum, quod Johannes Dantiscus .... in Nuptias S. Poloniae Begis 
Sigismundi primi Cracoviae anno 1512 typis ediderat«. 



KLEINEBE DICHTUKOEK. 279 

■ 

.Auch TOB Späteren ist eine Untersuchung ttber den Dichter 
der erwähnten sapphischen Strophe nicht angestellt. Vielmehr 
wurden die Verse, welche Pymesius dem Coppemicns in den 
Mund legt, als sie unbeanstandet aus einer Biographie in die 
andere übertragen waren, allmählich als Coppemicanische aus- 
gegeben, und schliesslich gar als eine Grabschrift bezeichnet, 
welche Coppemicns sich selbst gedichtet habe."^ 

Es ist Hipler's Verdienst, den letzteren Mythus zerstört zu 
haben. Er hat das Gedicht aufgespürt, dem die Strophe ent- 
nommen ist, einer 34 Strophen langen sapphischen Ode auf das 
Leiden Christi, welche Aeneas Sylvius Rccolomini, der spätere 
Papst Pins 11., im Jahre 1444, also hundert Jahre vor dem Tode 
von Coppemicns gedichtet hat."^"^ Freilich sucht Hipler noch die 



* In den Worten : »Non parem Pauli gratiam requiro« liegt allerdings 
nicht bloB ein allgemeines Bekenntniss unserer menschlichen Schwachheit 
vom christlichen Standpunkte ; es hat Pymesius vielmehr sicherlich auf den 
Widerstreit Bezug genommen, in den nach der damals viel verbreiteten 
Meinung das Coppemicanische System zu dem kirchlichen Glauben getreten 
sei. Lichtenberg hat dieser Auffassung einen starken Ausdmck gegeben, 
indem er in seiner Biographie des Coppemicns (Verm. Schriften VI, 128) 
von dem Denkmale des Pymesius sagt: »Vielleicht gilt das Monument zwar 
dem subtilen Mathematiker, aber noch weit mehr dem bussfertigen astrono- 
mischen Sünder, der, wie einige Frömmler wähnten, im Leben durch die 
ketzerische Lehre, dass sich die Erde um ihre Achse und um die Sonne 
bewege, eben den verfolgte und verläugnete, den Petrus und Paulus auch 
einmal in ihrem Leben verfolgt und verläugnet hatten, und der nun hier in 
einem sapphischen Seufzer Busse thut und bekennt, dass er ein armseliger 
Schacher gewesen sei. So genommen erinnert diese Grabschrifk an eine 
andere, die ihm Ziegler in seinem »Schauplatz der Welt« (S. 40) gesetzt 
hat, die zwar nicht Sapphisch, aber ganz in dem Geiste jener Sapphischen 
abgefasst ist: 

Im Lehren war ich falsch, im Leben war ich frumm, 
Die Kugel dieser Welt lief mit mir um und um : 
Nun schick' ich meinen Geist, der soll die Steme zählen, 
Der Himmel lasse mich den Himmel nur nicht fehlen.« 
** Im Pastoral-Blatte für die Diöcese Ermland (1874 S. 30 ff.) hat 
Hipler das ganze Gedicht mitgetheilt, aus welchem die dem Coppernicus 
zugeschriebene Strophe : »Non parem Pauli gratiam requiro etc.« entnommen 
ist Sie bildet in diesem Gedichte, welches mit den Worten: »Quid tibi 



280 UNECHTE SCHRIFTEN. 

Ansicht zu retten, es habe GoppemieuB die fremden Verse, 
welche er sieh als Denksprach im Leben ausgewählt hätte, auch 
als Unterschrift für das Epitaph-Bild bestimmt, welches noch bei 
seinen Lebzeiten angefertigt gewesen sei."^ 



tandem soelerate quaeris« beginnt, die 32. Strophe. Gredichtet ist dasselbe 
von Aeneas Sylvius Piccolomini im Jahre 1444, welcher damals eben in die 
Dienste des Kaisers Friedrich III. als Geheim-Schreiber getreten war; ihm 
hat der Dichter auch die Ode zugeeignet. 

* Noch im Jahre 1855 hatte Hipler, als er »des Ermländischen Bischofs 
Johannes Dantiscus und seines Freundes Nikolaus Kopemikus geistliche €ie- 
dichte« herausgab, die Strophe »Non parem Pauli gratiam requiro« geradezu 
als »Epitaphium Nicolai Copernici ab ipso scriptum paulo 
ante mortem« bezeichnet. Nachdem er später diese vermeintlich Cop- 
pemicanischen Verse in dem Gedichte von Aeneas Sylvius aufgefunden 
hatte, trat er den Rückzug dadurch an, dass er meinte, »die glückliche 
Wahl der trefflichen Unterschrift auf dem Thomer Bilde werde jeder Un- 
befangene auf Kopemikus selbst zurückführen müssen, da kein anderer als 
der Portraitirte selbst das Recht habe, sich den schönen Vergleich mit dem 
Schacher zu erlauben«. Die Bekanntschaft aber, welche Coppernicus mit 
dem Gedichte des Aeneas Sylvius durch die Wahl jener Strophe bekundet 
habe, führt Hipler (die Porträts des Nikolaus Kopemikus S. 21) darauf 
zurück, dass ein Neff'e des Dichters, der nachmalige Papst Pius HI., mit 
Lucas Watzelrode, dem Oheim von Coppernicus, innig befreundet ge- 
wesen sei. 



Zweite Abtheilung. 



Zeitgenossische Schriftstücke 

zum Leben und zur Lehre von Ooppemions. 



II. 



ZEITGENÖSSISCHE SCHEIFTSTÜCKE 



ZUM LEBEN UND ZUR LEHRE VON COPPERNICUS. 



Anf den nachfolgenden Bl&ttern sollen nnr die von den unmit- 
telbaren Zeitgenossen des Copperniens ausgegangenen Drnckschriften, 
bez. Briefe zum Abdruck kommen. Die nach dem Tode von Cop- 
pemiens veröffentlichten Schriften über ihn werden im dritten Bande 
Yerwerthnng finden« 

Dass Aber Goppemicns und seine Lehre bei dessen Lebzeiten nur 
sehr Weniges der Oeffentlichkeit übergeben ist, darf uns nicht Wunder 
nehmen. Das Werk »de revolutionibus« ist ja erst im Todesjahre des 
Verfassers erschienen , der »Commentariolns« femer, welcher ein De- 
cenninm früher geschrieben war, hatte nnr in den Freundes-Kreisen 
Verbreitung gefunden. Sonach ist es wohl erklärlich, dass die Männer 
der Wissenschaft eine zurückhaltende Stellung bewahrten, da ihnen 
doch lediglich die Grund-Anschauungen des Coppernicanischen Welt- 
systems bekannt geworden waren. 

Nur dem begeisterten Schüler und Apostel der neuen Lehre, 
welchem die Pforten zu dem Heiligthume ganz geöffnet waren, stand 
es zu, einen eingehenderen Bericht über die Entwickelung der kosmischen 
Anschauungen seines Meisters zu veröffentlichen. In dankenswerther 
Weise hat Rheticus, wo sich ihm Gelegenheit dazu bot, dieselbe gern 



284 SCHKIPTEN VON RHETICÜS. 

benutzt, seinen wissenschaftlichen Schriften Mittheilnngen über das Leben 
nnd den Charakter des grossen Mannes einzufügen.* 

Leider sind gerade diejenigen Schriften von Rheticus verloren, 
welche die reichste Fundgrube fQr das Leben seines Lehrers und die 
Oenesis des Systems geboten hätten: die Biographie, welche er von 
Coppemicus verfasst und die Schutzschrift, in welcher er den- 
selben gegen den Vorwurf der Schriftwidrigkeit seiner Lehre ver- 
theidigt hatte.** 



* Schon Gassendi hat, die hohe Bedeutung der Schriften von Rheticus 
richtig würdigend, grössere Auszüge aus dessen »Narratio prima« seiner 
»Vita Copernici« einverleibt. 

** Im ersten Bande, Thl. 2, S. 493 ff. ist bereits erwähnt, dass die 
beiden im Texte angeführten Abhandlungen von Rheticus im Drucke nicht 
erschienen und» wie es scheint, auch handschriftlich nicht mehr vorhanden 
sind. Es werden diese Denkmale der Pietät des dankbaren Schülers auch 
von keinem zeitgenössischen Schriftsteller erwähnt, und ihre Existenz scheint 
der nachfolgenden Generation ganz unbekannt gewesen zu sein. 

Unsere Kenntniss von der Existenz der beiden Abhandlungen von Rhe- 
ticus beruht allein auf der Erwähnung derselben in dem Briefe, den Giese 
nach dem Tode von Coppemicus, am 26. Juli 1543, an Rheticus geschrieben. 
Dieses fUr die Coppemicanische Forschung so wichtige Schriftstück wird 
unten in seinem ganzen Wortlaute mitgetheilt werden. Die bezüglichen 
Stellen sind jedoch auch an diesem Orte herauszuheben : » . . . . Quin optem 
etiam — schreibt Giese — praemitti vitam auctoris, quam a te ele- 
ganter Bcriptam olim legi, nee deesse historiae aliud puto, nisi exitum 

vitae« »Vellem adnecti quoque opusculum tuum, quo a Sacra- 

rum Scripturarum dissidentia aptissime vindicasti telluris motum«. 



A. 

Scbriften Yon Bheticus. 

L Die Narratio Frimai^ 

Der nachfolgende Abdmck der »Narratio prima« erfolgt nach der 
ersten von Rheticns selbst besorgten Ausgabe, welche zu Danzig 



* Einige Vorbemerkimgen über die »Narratio prima« des Bheticus 
finden sich bereits im ersten Bande, Thl. 2, S. 395 £f. ; eine Uebersicht des 
Inhaltes ist ebendaselbst S. 426 — 444 gegeben. 

Der Titel »Narratio prima« ist von Bheticus für seine Abhandlung ge- 
wählt worden, weil dieselbe sich nur auf einen Theil des Werkes »de re- 
YOlutionibus« beschränkt, und Bheticus die Absicht hatte, noch einen 
zweiten Bericht folgen zu lassen. Er hebt dies an drei Stellen seines 
Berichtes ausdrücklich hervor; auf dieselben wird in den Anmerkungen 
später noch besonders verwiesen werden. 

An der ersten Stelle sagt Bheticus, er habe die Absicht gehabt über 
den Lauf des Mondes und der Planeten ausführlicher zu berichten, um den 
grossen Nutzen kundzuthun, den die Lehre von Goppernicus für die Wissen- 
schaft haben werde. Allein der gegenwärtige Bericht würde dadurch zu 
sehr angeschwollen sein, deshalb werde er einen besonderen Bericht folgen 
lassen, »peculiarem hac de re Narrationem instituendam duxi«. 

Aehnlich drückt sich Bheticus an zwei späteren Stellen aus : » . . . Ve- 
rum enimvero, — sagt er am Schlüsse des Abschnittes »enumeratio nova- 
rum hypothesium«, — cum haec non tam huius loci siut, quam alter ins 
cuiusdam disputationis etc.« — Die letzte Stelle findet sich in dem Ab- 
schnitte »hypotheses motnum quinque planetarum« ; sie lautet: »Motus absi- 
dum planetarum, quemadmodum et alia quaedam, alteri etiam reser- 
vantur Narrationi«. 



286 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. , 

1540 erschienen ist."^ [Die Interpunktion nnd Orthographie ist je- 
doch nicht beibehalten, sondern dem gegenwärtigen Gebrauche an- 
gepasst.)** 






Dass Rheticus noch einen zweiten Bericht habe wollen erscheinen lassen, 
ersehen wir auch aus dem unten (S. 287 ff.) mitgetheilten Vorworte zum 
zweiten Abdrucke der »Narratio prima«, worin der Herausgeber seine 
Freunde auffordert, sie möchten für die Verbreitung der Abhandlung Sorge 
tragen, damit »tali pacto Altera Narratio maturius emittatur«. 

Ein zweiter Bericht ist jedoch nicht erschienen. Der Grund liegt 
m&he, da Rheticus bekanntlich gleich nach seiner Bückkehr aus Preussen 
von Coppernicus die Erlaubniss erhielt, dessen grosses Werk selbst dem 
Drucke zu übergeben. 

* Der Bericht des Rheticus über das Werk »de reyolutionibus«, in der 
Form eines Sendschreibens an seinen einstigen Lehrer Johannes Schoner 
in Nürnberg abgefasst, ist unter unmittelbarer Inspiration von Coppernicna 
auf dem bischöflichen Schlosse zu Lobau niedergeschrieben, aber erst von 
Frauenburg, nach der Rückkehr von einem mehrwöchentlichen Besuche bei 
Tiedemann Giese, nach Nürnberg abgesandt. 

Anfänglich war das Schriftstück nur handschriftlich in Freundes-Kreisen 
verbreitet, ward jedoch bereits in den Winter-Monaten 1539/40 bei Franz 
Rhode in Danzig zum Drucke befördert. 

Diese erste Ausgabe der »Narratio prima« zählt 38 Blätter in klein 
Quart; sie hat weder Blatt- noch Seiten-Zählung, wohl aber Kustoden und 
Signaturen (A— K a 4 Blatt). 

Die erste Seite enthält den Titel, Blatt l*' ist weiss. Der astronomi- 
sche, der Haupttheil der »Prima narratio« findet sich auf Blatt 2« — 31» 
(H 111). — Unmittelbar an diesen Bericht über das Werk von Coppernicus 
schliesst sich, ohne dass im Drucke auch nur ein Zwischenraum gelassen 
wäre, der Anhang, das »Encomium Borussiae« Blatt 31> — Blatt 35« (H ui 
bis I III). 

Blatt 35» enthält in den ersten drei Zeilen die Datirung des ganzen 
Sendschreibens : »Ex Musaeo nostro Varmiae IX Calend. Octobris anno Do- 
mini MDXXXIX«. 

Unmittelbar darunter folgt die Zuschrift eines »Henricus Zeelius«, welcher 
die von Rheticus gebrauchten griechischen Worte erklärt und die Druck- 
fehler zu verbessern bittet, »quae non quidem nostra negligentia sed nescio 
quo fato, dum editionem properamus, irrepsere«. 

Der Druck- Vermerk findet sich fol. 36» : »Excusum Gedani per 
Franciacum Rhodum MDXL«. Das Druckfehler-Verzeichniss folgt 
erst nach zwei leeren Seiten auf 37^ und 3S<^. 

Die Zahlen sind in der editio princeps ganz willkürlich behandelt; 
sie sind bald mit römischen, bald mit arabischen Zahlzeichen gedruckt. 
Es schien jedoch kein Grund vorzuliegen, hier eine Aenderung eintreten zu 



I. DIE KASRATIO PBIHA. 287 

Einen zweiten Abdruck der »Narratio primaa besorgte gleich nach 
dem Erscheinen der Original-Ausgabe für das (geschäftlich damals ab- 
geschlossene) Süd-Deutschland ein Freund von Rheticus, der durch 
seine zahlreichen Schriften wohlbekannte Achilles Pirminlus Gassarus.* 
Ihm hatte Rheticus noch von Danzig aus ein Exemplar seiner »Nar- 
ratio prima« zugesandt und in einem Begleit-Briefe einige Einzelheiten 
über Goppemicus und dessen Werk beifügt.^ Die literarische Gabe 
hatte in dem empfänglichen Gemflthe des gleichgestimmten Freundes 



lassen; auch die Thomer (Säkular-) Ausgabe hat die wunderliche Schreibung 
der Zahlen von Rheticus beibehalten. Die Brüche sind in der editio prin- 
ceps durchweg nach unserer Weise geschrieben; sie sind selbstverständlich 
in den vorliegenden Abdruck übernommen. Die übrigen Ausgaben dagegen 
— mit Ausnahme der zweiten und der Thomer — haben nach Mästlin's 
Vorgänge (welcher, wie unten näher berichtet wird, die »Narratio prima« 
des Rheticus dem .»Mysterium cosmographicum« von Kepler als Anhang bei- 
gegeben hat) die Brüche mit Worten bezeichnet abdrucken lassen. 

Was die Orthographie betrifft, so ist nur bei wenigen Worten, wie bei 
dem so oft wiederkehrenden »apoglum« die Schreibweise von Rheticus bei- 
behalten. Alle späteren Herausgeber — mit Ausnahme der Warschauer — 
haben gleichfalls die Schreibart »apogtnm« übernommen, selbst Mästlin, 
welcher in den Anmerkungen lediglich die Form »apogaeum« anwendet. — 
Die grossen Anfangs-Buchstaben, welche Rheticus häufiger gebraucht, sind 
nur bei einzelnen Worten, bei riSoh, Luna, Orbis magnus, Yeteres und 
einigen terminis technicis, sowie bei »Praeceptor« übernommen. — Kleinere 
stilistische Aenderungen , wie sie Mästlin der grösseren Deutlichkeit wegen 
nicht selten vornimmt, sind unterlassen. 

* Achilles Pirminius Gassarus, (geb. 1505, also ein Decenninm 
älter als Rheticus), war ein angeregter, nach verschiedenen Richtungen 
thätiger und angesehener Gelehrter. Er hatte 1522 die Universität Witten- 
berg aufgesucht und darauf seine Studien in Wien und Avignon fortgesetzt. 
Zu der Zeit als Rheticus seine »Narratio prima« schrieb, lebte Gassarus als 
Stadt-Physikus in dessen Geburtsstadt Feldkirch, später in Augsburg (f 1577). 

Ausser verschiedenen medicinischen Abhandlungen hat Gassarus astro- 
nomische und historische Schriften verfasst; sie sind in Jöcher's Gelehrten- 
Lexikon B. V. aufgeführt. 

** Wir wissen dies aus der Dedikations-Epistel, welche Gassarus seinem 
Abdrucke der Narratio prima vorangestellt hat. Er schreibt an Vogelinns: 
»Hitto tibi libellum .... quem Geotgins Joachimus Rheticus .... una cum 
epistola horum rerum refertissima ex Gedano admededit«. Dieser 
Begleit-Brief des Rheticus, in welchem u. a. sicherlich auch vertrauliche 
Mittheilungen über Goppemicus enthalten waren, ist leider verloren. 



288 SCHRIFTEN VON BHETICUS. 

gezündet. Voll Begeisterung Aber die ihm zugekommene Knnde von 
der nenen Lehre war Oassams sofort bereit, Ar dieselbe Propaganda 
zu maehen. Er setzte sich mit Georg Winter zu Basel in Verbindung 
und Hess bei diesem die Narratio prima »libeUum . . . admirabilem, 
undiquaque ad stnporem usque icapaSoEoiraTov« von Neuem auflegen.* 



* Der von Gassams besorgte Abdruck der »Narratio prima« ist in 
Octav-Format erschienen und umfasst — den Namen-Index eingeschlossen — 
122 Seiten. Es folgen auf den bedruckten Theil des Buches noch 3 leere 
Blfttter, auf deren letztem sich das Wappen des Druckers findet; auf dem 
drittletzten steht der Druck-Vermerk : »Apud Robertum Winter Basileae 
Ao. 1541«. 

Das erste Blatt enth&lt den — etwas yeränderten — Titel. Es ist der 
Name Rhetlcus hinzugefügt ; ausserdem wird noch hervorgehoben, dass dem 
astronomischen Theile das »Encomium Borussiae« angehängt ist. Auf den 
Titel folgt das von Bheticus aus Alcinous gewählte Motto und sodann ein 
von Vogelinus an Gassarus zum Abdrucke ttbersandtes Epigramm ; letzteres 
ist bereits im ersten Bande Tbl. 2, S. 427 abgedruckt. 

In vielfacher Beziehung charakteristisch ist das Vorwort, welches Gas- 
sarus in der Form eines offenen Briefes an seinen Freund Vogelinus dem 
Abdrucke der »Narratio Primaa vorangestellt hat : 

DoctiBsimo Yiro D. Doctori Georgio Yogelino 

Gonstantiensi, Philosopho et Medice, Amico tanquam Fratri, 

AchilleB P. GasBarus Lindauensis 

Salutem dicit 

En mitto ad te, Vir excellentissime, (bcrctp icp^c t6v -/jpaxXeiov X(9ov, Li- 
bellum hunc non modo novum, nostrisque hominibus ignotum, sed tibi 
quoque, ni plane fallor, admlrabilem, et undequaque ad stuporem 
usque icapaSo^dbTaTov. Quem Georgius Joachimus Rheticus, 
artium liberalium magister, mathematumque apud Vittembergam aliquando 
Professor, civis et amicus mens summus, superiorlbus diebus una cum 
epistola harum rerum refertissima ex Gedano ad me dedit. 
Qui liber, licet consuetae hactenus docendi methodo non respondeat. 
possitque non unico themate usitatis scholarum theoricis contrarius et 
(ut Monachi dicerent) haereticus existimari; videtur tamen novae, 
verissimae astronomiae restitutionem , imo t9)v icaXiY7evT)o(av haud dubio 
prae se ferre, praesertim cum de eiusmodi propositionibus evidentissima de- 
creta jactitet, super quibus a doctissimis non modo mathematicis.. sed phi- 
loBophis maximis, etiam non citra sudorem, quod aiunt, in toto terrarum 
orbe diu controversum esse nosti : nempe de sphaerarum cooles tium numero, 
siderum distantia, Solls regimine, planetarum tum situ tum circulis, Ann! 
stata quantitate, aeqninoctiorum solstitiorumque notis punctis, Terrae deni- 
que ipsius et loco et motu, similibusque arduissimis rebus. Quorum om- 



I. DIE NARBATIO PRIHA. 289 

Nach diesem zweiten Abdrucke sind — bis auf die Thorner Sä- 
kular- Ausgabe des Werkes »de revolutionibus« — die späteren Ausgaben 
der »Narratio prima« sämmtlich besorgt. Gassendi bezeichnet sogar 
irrthümlich den von Gassarus besorgten Abdruck als den einzigen; 
die Danziger Ausgabe kannte er gar nicht."^ 



nium rationem decisionesque , dum diversis, attamen suis nuper adinventis 
apodixibus fideliter demonstraturum se homo hie adserat: non video, qui 
argumentum illud ab nostri seculi eruditis explodi, convelli aut contemni 
debeat. Nam yel apud mediocriter mathesi imbutos ipsosque adeo (ut sie 
loquar) ephemeridistas, res astronomicas (quae tamen scientiarum ab clrcini 
caiculique iufallibilem rectitudinem certissimae creduntur) non una in parte 
hodie tum temporum dimensione tum motuum observatione claudicare, 
nee, quod geometria peculiariter profitetur, ad amussim semper quadrare 
constat. Proinde, carissime Georgi, cum plurimis in Urania difficultatibus 
liberari, abstrusissimos insuper nobis nodos aperiri sentiamus, transmissum 
hunc libellum, rogo, diligenter perlege, lectum acrius diiudica, iudicatum 
vero fac age cuncds mathematum cultoribus, praecipue autem yicinis tuis, 
unice commenda et evolvendum subinde propina, si yel tali pacto non solum 
Altera Narratio maturius emittatur, sed ex integre rarum hoc, et prope 
Divinum opus (cuius irepioy-^v, tanquam index, Narrationes istae ostendunt) 
notum magis factum amari et crebrioribus votis ab auctore ipso, homine 
procul dubio incomparabilis doctrinae, Herculeique sive potius Atlantici la- 
boris efflagitari, totumqae etiam per amici mei observandissimi praesentium 
scriptorum iustigationem, operam et sedulum calcar communicari nobis ali- 
quando possit. Id quod iuscriptione hac cum primis sie curatum yolo, per 
te nimirum rerum physicarum peritissimum, tui similibus honestissimae 
huius disciplinae sectatoribus occasionem praebere, ut digna gratitudine 
iunioribus Crescendi copia atque maioribus eruendae yeritatis ansa contra 
plebeiorum oculorum examen etiam tam liberaliter quam uberrime detur; 
cernis enim liquide, quid professio ista desideret, quidque et quam magni- 
fica elenehus hie promittat. Quare cum ingenuis, ut soles, animum adyerte, 
ut ita li bellum hunc suscipere excipereque pergatis , ne integre et splendis- 
simo conyiyio, cuius hie gustum valde opiparum facimus, yeluti erepto fau- 
cibus famelicis suayissimo bolo priyatos atque penitus defraudatos nos esse 
posthac dolenter feramus ac tristius queramur. Bene, mi amice, yale et 
me amando yulgi hoc in negotio iudicium ride, siquidem non dubium 
est, quin noyitas ista absque rancore doctis omnibus tum grata tum utilis 
aliquando futura sit. 

Veldkirchii Rhetiae, a nato Servatore Christo M. D. XL. anno. 

* Gassendi ist Über den Aufenthalt des Rheticus zu Frauenburg — 
wie schon im ersten Bande hervorgehoben wurde — sehr dürftig unter- 
richtet. So lässt er denselben bereits im Jahre 1540 nach Deutschland 
zurückkehren und auf seiner Rückreise, von Danzig aus, das Manuskript 
u. 19 



290 SCHRIEEN VON RHETICÜ8. 

Einen vollständigen Abdruck der «Narratio prima« (mit dem 
Anhange »Encominm Bornssiaeaj findet man — ausser den beiden Se- 
parat- Aasgaben Ton 1540 und 1541 — nur in dem Anhange zu den 
ersten Ausgaben von Kepler's »Mysterium cosmographicum«.* 



der »Narratio prima« an .Gassarus übersenden. » . . . . Haec ex narratioDO 
Prima Bhetici, qui Secundamne conscripserit, an illa edita uspiam fuerit, 
an alicubi adhuc delitescat, asseverare non possamus. Editum damtaxat, 
cum hac Prima habemus Borussiae Prussiaeve Encomium, quod idem con- 
Bcripsit onaque Warmia ad Schoneram misiti memorato anno MDXXXIX 
ac IX Calend. Octobris. Betinait vero penes se utriusque exemplum, quod 
cum inseqaente anno in Germaniam rediens transmisisset ex 
itinere (Gedano puta Dantiscove) in Bhetiam, ad amicum veterem 
ac eruditum virum Achillem P. Gassarum, ipse Gassarus anno 
proximo, hoc est MDXLI, edi Basileae utrumque curavit«. (Vita 
Copernici p. 29.) 

* Der »Prodromus dissertationum cosmographicarum continens mysterium 
cosmographicum« war bekanntlich Eepler's erste grössere Schrift. Er hatte 
sie von Gratz an seinen Freund und Lehrer Michael Mästlin nach Tübingen 
gesandt, welcher dieselbe sehr beifällig aufnahm und zum Drucke be- 
förderte» 

In richtiger Würdigung der hohen Bedeutung der »Narratio Prima« für 
das Coppemicanische System hatte Mästlin dem »Prodromus« von Kepler 
einen Abdruck jener Abhandlung beigegeben. Die Gründe führt er im 
Vorworte an: »Quoniam in hoc prodromo Keplerus saepe ad Bhetici Nar- 

rationem appellat .... ego eam una cum Encomio Borussiae ad- 

iungendam omnino necessarium censui. Idque tanto magis, quod 
videbam e duobus his scriptis magnam Prodromi partem, ubi stilus ob bre- 
vitatem nonnulla abrupit, plurimum lucis accepturam esse. Accedit, quod 
etiam multa in ipsis Copernici libris loca obscuriora Bheticus hie ex professo 
explicat, unde haec Narratio et Encomium loco brevis in Coper- 
nicum commentarii haberi possunt«. 

In derselben Weise hatte Kepler selbst im Eingange seines »Prodromus« 
den Werth der »Narratio Prima« hervorgehoben » . . . . Nunquam id facilius 
docuero lectorem, quam si ad Narrationem Bhetici legendam Uli autor et 
persuasor existam«. 

Trotz dieser bestimmten Erklärungen Kepler's und Mästlin's hat Frisch, 
der jüngste Herausgeber von Kepler's Werken, es nicht für gut befunden, 
die »Narratio Prima« dem »Prodromus«' beizugeben, weil Mästlin »ohne 
Wissen und die vorherige Zustimmung von Kepler« gehandelt habe. Kep- 
ler's Worte, auf welche sich Frisch ausserdem beruft, hat er miss verstanden. 
Keineswegs aus inneren Gründen, sondern lediglich der erhöhten Druck- 
kosten wegen hatte Kepler seiner Schrift die »Narratio Prima« ursprüng- 
lich nicht beifügen wollen. — 



I. DIE NABBATIO PBDfA. 291 

Die »Narratio prima« allein ist abgedrackt in der zweiten 
(der ZQ Basel 1566 erschienenen] Ausgabe des Werkes »de revoln- 



MSstlin's Aasgabe der »Narratio prima« ist sehr verdienstlich. HSstlin 
giebt keineswegs — wie Ghissarus es gethan hatte — einen blossen Abdruck 
der Editio princeps; er hat den Text vielmehr in mehrfacher Beziehung 
leebarer gestaltet, leichte Irrthttmer von Rheticus verbessert, nur selten 
weitergehende Aenderungen vorgenommen. £s hat Mästlin femer, dem 
Verständnisse des Lesers entgegenzukommen, die beiden Figuren dem Texte 
eingefügt, welche dem nachstehendou Abdrucke gleichfalls beigegeben sind. 
(In der Editio princeps fehlen diese »Schemata demonstrationum«, von denen 
MSstlin annimmt, sie hätten sich zweifelsohne im Manuskripte vorgefunden, 
seien jedoch »nescio qua incogitantia« in Wegfall gekommen ; es scheint die 
Annahme wohl mehr begrttndet, dass Bheticus sie in der Daoziger Officin 
nicht in wUnschenwerther Weise hat können ausfuhren lassen-.) 

In der Vorrede zu seiner Ausgabe der »Narratio prima« legt Mästlin 
ein offenes Bekenntniss seines wissenschaftlichen Glaubens an die Gopper- 
nicanische Lehre ab. »Etenim Gopernici hypotheses omnium orbium 
et sphaerarum ordinem et magnitudinem sie numerant, dispo- 
nunt, connectunt et metiuntur, ut nihil quicquam in eis mu- 
tari aut transponi sine totius Universi confusione possit; 
quin etiam omnis dubitatio de situ et serie procut exclusa 
manet«. (Ganz irrig ist es demnach^ Mästlin mit Beckmann — Erml. 
Ztschr. II, 247 — als schüchternen Anhänger der Coppernicanischen Lehre 
zu bezeichnen, welcher nur »durch Kepler hingerissen, sie gelegentlich in 
Schutz genommen habe«.} 

Abgesehen von den kleineren Textes-Zusätzen, in denen Mästlin die 
Belegstellen zu den von Bheticus eingeflochtenen Citaten beifügt oder auf 
den »Prodromus« Kepler's verweist, giebt derselbe eine fortlaufende Inhal ts- 
Uebersicht der einzelnen Abschnitte. Vor allem aber finden wir in der 
Ausgabe Mästlin's eine Beihe wissenschaftlicher Ausführungen, von welchen 
einige für die Geschichte der Wissenschaft nicht unwichtig sind. 

Auf S. 103 ist hinzugefügt ein »Schema anomaliae praecessionis aequi- 
noctiorum et inaequalis magnitudinis anni tropici« ; eine längere Ausführung 
enthält Seite 129, 130: »Schema utriusque librationis pro obliquitatis et 
verae aequinoctialis cum eclipticae sectionis Aiutatione monstranda«. Das 
grOsste Interesse jedoch bietet eine Anmerkung zu dem Abschnitte: »Hy- 
potheses motuum quinque planetarum secundum longitudinem«. Mästlin hat 
dort (S. 141) einen Brief Tycho Brahe's an Peucer — aus dem Jahre 1588 — 
mitgetbeilt, in welchem jener seine Zustimmung zu der Coppernicanischen 
Anordnung der Himmelskörper ausspricht. (Brahe's Brief wird unten an 
der betr. Stelle abgedruckt werden.) 

Noch reicher mit wissenschaftlichen Zusätzen ausgestattet hat Mästlin 
seinen zweiten Abdruck der »Narratio prima«, welcher der Ausgabe von 
Kepler's »Prodromus« beigegeben ist, die ein Viertel-Jahrhundert nach der 

19* 



292 SCHRIFTEN VON RHETIGUS. 

tionibas«, so wie in der Warschauer und der Thorner (Säkular-) Aus- 
gabe des CJoppemicanischen Werkes. 

Von dem »Encomium Borussiae« ist ausser in den drei vorstehend 
aufgeführten, vollständigen Ausgaben der »Narratio prima« nur 
ein besonderer, und noch dazu unvollständiger Abdruck erschienen, 
Welchen die Acta Borussica im Jahre 1751 brachten (II, S. 413 — 425). 
Eine deutsche Uebersetzung lieferte Beckmann in der »Zeitschrift für 
Geschichte und Alterthumskunde Ermlands« 1866 (III, S. 1 — 28). 



Der nachstehende Abdruck der »Narratio prima« lehnt sich — 
wie oben bereits bemerkt wurde — ganz an den Text der Editio 
princeps an; allein der Titel ist nicht beibehalten, sondern ans den- 
selben Qrflnden, wie in der Thorner (Säkular-) Ausgabe umgestaltet. 

Auf dem Titel-Blatte der Editio princeps findet sich nicht einmal 
der Name des Verfassers. Der Titel lautet daselbst: »Ad clarissimom 
virum D. Joannem Schonerum eruditissimi viri et mathematici excel- 
lentissimi, reverendi D. Doctoris Nicolai Oopernici Torunnaei Canonici 
Varmiensis per quendam iuvenem, mathematicae studiosum, Narratio 
prima. 



ersten VerOffentlichang 1621 in Frankfurt erschien. Hier hat Mästlin n. a. 
eine längere Auseinandersetzung mit Tycbo Brahe (S. 113 — 115) abdrucken 
lassen in Betrefif der Einwendungen, welche dieser einst in seinen »Progym- 
nasticis« gegen die Coppemicanische Lehre erhoben hatte. Ausserdem hat 
er zu dem in der ersten Ausgabe mitgetheilten Briefe Brabe's an Peucer 
eine »Additio posterior« nachgetragen, in welcher er Brabe's Zustimmung 
als hinfällig bezeichnete, weil sie zum Theii auf falschen Prämissen beruhe. 



GEORGII lOACHlMI RHETICI 



DE LIBRIS REVOLÜTIONUM 



NICOLAI COPERNICI 



NARRATIO PRIMA. 



ALCINOÜS. 



/ 



Clarissimo yiro D. Joannl Schonero 

ut parenti suo colendo 

G. Joachimus Rheticus S. D. 



Pridie IduB Maias ad te PoBnaniae dedi literas, quibus te de 
suscepta mea profectione in Prnssiam certiorem feci, et signifi- 
catnrnm me quam primum possem, famaene et meae exspectationi 
responderet eventug, promisi. Etsi autem viri iam decem septi- 
manas in perdiscendo opere astronomico ipsins D. Doctoris, ad 
quem conceBsi, tribuere potui, cum propter adversam aliquantu- 
lum yaletudinem, tum quia honestissime a reverendissimo D. Do- 
mino Tidemanno Gysio Epigcopo Gulmensi vocatus una cum D. 
Praeceptore meo Lobaviam profectus aliquot septimanis a studiis 
quievi. Tamen ut promissa denique praestarem et votis satis- 
facerem tuis, de bis, quae didici, qua potero brevitate et per- 
spicuitate, quid D. Praeceptor mens sentiat, ostendam. 

Principio autem statuas velim, doctissime D. Schönere, hunc 
Yirum, cuius nunc opera utor, in omni doctrinarum genere et 
astronomiae peritia Regiomontano non esse minorem; libentius 
autem eum cum Ptolemaeo confero, non quod minorem Regiomon- 
tanum Ptolemaeo aestimem, sed quia haue felicitatem cum Pto- 
lemaeo Praeceptor mens communem habet, ut institutam astro- 
nomiae emendationem Divina adiuvante dementia absolveret, cum 



296 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

Kegiomontanus heu cradelia fatal] ante colnmnas suas positas e 
yita migravit. 

D. Doctor Praeeeptor mens sex libros conscripsit, in quibus 
ad imitationem Ptolemaei singula mathematice et geometrica me- 
thodo docendo et demonstrando totam astronomiam complexns est. 

Primus über generalem mundi deseriptionem et fundamenta, 
quibus omnium aetatum obseryationes et apparentias salvandas 
suscepturus est, continet. His, quantum de doctrina sinuum, 
triangnlorum planomm et sphaerieorum suo operi necessarium 
aestimavit, subiungit. 

Secundus est de doctrina primi motus et bis, quae sibi de 
stellis fixis hoc loco dicenda putavit. 

Tertius de motu Solis. 

Et quia experientia eum docuit quantitatem anni ab aequi- 
noctiis numerati ex motu etiam stellarnm fixarum dependere, in 
prima huius libri parte ^ vera ratione et divina profecto solertia, 
motus Stellarum fixarum mutationesque punctorum solstitialium 
et aequinoctialium inquirere ostendit. 

Quartus über est de motu Lunae et ecUpsibus. 

Quintus de motibus reüquorum planetarum. 

Sextus de latitudinibus. 

Priores tres übros perdidici, quarti generalem ideam concepi, 
reüquorum vero hypotheses primum animo complexns sum. 
Quantum ad priores duos attinet, nihil tibi scribendum pntavi; 
idque partim pecuüari quodam meo consilio,* partim quod do- 



* Das8 RheticuB sagt, er habe »pecnliari quädam consilio« über die 
beiden ersten Bücher des Coppemicani sehen Werkes in der »Narratio Prima» 
keine näheren Mittheilungen gegeben, ist wohl einfach dadurch zu erklären, 
dass er dieselben für eine »altera narratio« vorbehalten hatte. 

Auch über die Bewegungen des Mondes und der Planeten hatte Rheti- 
cuB die Absicht »peculiarem narrationem instituere«, wie er an einer 
späteren Stelle seiner »Narratio Prima« ausdrücklich angiebt (Vgl. den Ab- 
druck in der Thorner Säkular- Ausgabe des Werkes »de revolutionibus« 
S. 457). 



I. DIE KABRATIO PRIMA. 297 

ctrina primi motus nihil a commnni et recepta ratione discedit, nisi 
qnod tabalas declinationum, ascensionum rectarum, differentiarum 
ascensionaliiun et reliquas ad hanc doctrinae partem pertinentes 
ita de integro constraxit, nt ad obsery ationes "^ omnium aetatnm 
per partem proportionalem aecommodari possint. Quae igitar in 
tertio libro tradit cum hjpothesibuB omnium reliqnomm motaum, 
qnantam in praesentiamm pro ingenii mei tenuitate assequi po- 
tnero, tibi Deo dante dilncide recitabo. 



De motibus stellarum flxaram. 

Cum D. Doctor praeceptor mens Bononiae non tam 
discipuIuB quam adiutor et testis observationum doc- 
tissimi Viri Dominici Mariae, Romae autem, circa an- 
num Domini 1500, natus annos plus minuB viginti 
Septem Professor mathematum in magna scholasti- 
corum frequentia et Corona magnorum virorum et arti- 
ficum in hoc doctrinae genere, deinde hie Varmiae 
suis vacans studiis summa cura observationes anno- 
tasset, ex observationibus stellarum fixarum elegit 
eam, quam anno Domini 1525 de Spica Yirginis ha- 
buit. Constituit autem eam elongatam fuisse a puncto autum- 
nali 17 gradns 21 minuta fere, cum ipsius declinationem me- 
ridianam non minorem 8 gradibus 40 minutis deprehenderet. 
Deinde conferens omnes observationes auctorum cum suis invenit 
anomaliae revolutionem seu circuli diversitatis esse completam, 
nosque nostra aetate a Timochare usque in secunda revolutione 



* Im Texte ist die Lesart der editio princeps wiedergegeben, welche 
von den spätem Herausgebern ohne ausreichenden Grund verlassen ist. 
Mästlin und die Warschauer Ausgabe hat die Worte »ad observationes« in 
»observationibusn verändert; in der Thomer Ausgabe ist die Präposition 
»ad« weggelassen. 



298 SCHBIFTKV VOM BHEnCTS, 

eMe. Qaare medimii motom stellamm fixamm atque aeqiuUiaBes 
diveiti motiu geometriee constitait. Qiiia enim 'nmoeham ob- 
servatio 8pieae anno 36 primae periodi Calippi eollata com ob- 
•ervatione anni 48 einsdem periodi nos doeet/ stellaa illa aetate 
in 72 annu nnnm gfadnm proceflsiflae, deinde ab Hippardio ad 
Menelanm semper in centnm annis nnnm gradnm oonfedaae: 
constitnit apnd se, Timoeharis obserrationes in postremnm qna- 
drantem cireuli diveraitatis incidisse, in quo motns appamerit me- 
diocrifl diminntns; in tempore autem intennedio inter Hipparehnm 
et Menelanm motnm diversitatis fnisBe in loco tardissimo. Si- 
quidem Menelai obseryationeB et Ptolemaei coUatae oBtendont in 86 
annifl per nnnm gradnm Stellas tnnc motas, qnare Ptolemaei ob- 
servationes factas motu anomaliae existente in primo qnadrante, 
stellasqne tunc motas motu tardo siye aucto. Porro quia a Pto- 
lemaeo ad Albategnium uui gradui 66 anni respondent, atque 
nostrae observationes collatae cum Albategnii ostendant Stellas 
motu diverse iterum in 70 annis unum gradum conficere, sed ad 
alias suas in Italia habitas observatio ea, quam supra dixi, col- 
lata ostendit Stellas fixas motu diverse in 100 annis iterum per 
unum gradum progredi: sole quoque clarius est a tempore Pto- 
lemaei ad Albategnium motum diversitatis terminum mediocrem 
primum praeteriisse, totumque quadrantem mediocris additi et 
circa Albategnii tempora fuisse in loco summae velocitatis. Ab 
Albategnio autem ad nos tertiam quadrantem motus diversi esse 
absolutum^ et Interim Stellas progressas motu veloci diminuto al- 
terum limitem mediocris* motus praetergressum , et nostra aetate 
iterum in quartum quadrantem motus mediocris diminnti anoma- 
liam pervenisse, proinde iam iterum motum diversum tardissimum 
limitem appetere. Haec autem D. Praeceptor ut ad certam ra- 
tionem redigeret, quo ordine cum omnibus observationibus con- 
sentirent) constitnit motum diversum in 1717 annis Aegyptiis 

* Vgl. Ptolem. Almag. Vll, 3. 



I. DIE NABRATIO PBIMA. 299 

compleri, maximamque aeqnationem 70 fere minatomm motum 
antem medium stellaram in anno Aegyptio 50 Becandorum fere 
esse, atqae integram motus medii futuram revolntionem in 95816 
annis Aegyptiis.* 

De anno ab aeqninoctio generalis consideratio. 

Hanc motuum in stellis fixis rationem comprobant etiam an- 
nnae qnantitates a punctis aequinoctialibus observatae, atqae 
certo constat, quare ab Hipparcho** ad Ptolemaeum dies integer 
minus ^ diei interciderit ; ab hoc autem ad Albategnium 7 dies 
fere, ab Albategnio ad snas observationes^ quas anno Domini 1515 
habuit, dies 5 fere, neque haec omnino instrnmentorum vitio, ut 
hactenus creditum, sed certa et consentienti sibi ubique ratione 
fieri. Quare minime ab aequinoctiis aequalitatem mo- 
tus sumendam, sed a stellis fixis, ut mirabili con- 
sensu omnium aetatum tarn de Solls et Lunae quam 
de reliquorum planetarum motibus observationes tes- 
tantur. 

Quia a Timochare ad Ptolemaeum stellae processernnt motu 
tardissimo j^ solum diei quartae super 365 dies, a Pto- 
lemaeo autem ad Albategnium, quia veloces, ^^ ^^^^ V^' 
dranti decedere receptnm est: nostra aetate si conferantur 



* Vgl. Gopem. de rey. orb. cael. III, 6; Albategnias de motu stellanim 
cap. 27. 28; Ptolem. Almag. III, 2. 

** In der editio princeps liest man irrthttmlich »a Timochare«, 
welchen Namen auch die Thorner Ausgabe aus Versehen beibehalten hat. 
(Zwischen Timochares und Ptolemaeus ist ein Zeitraum von mehr als 400 
Jahren.) — Mästlin hat für Timochares richtig den Namen Hipparch's sub- 
stituirt, wie derselbe sich auch in dem betr. Ajbschnitte des Werkes »de 
revolutionibus« (III, 13) vorfindet. 

Dass die Warschauer Ausgabe den Namen Hipparch's von Mästlin über- 
nommen hat, ist selbstverständlich. Dieselbe hat nämlich — was hier 
nachträglich ein für allemal hervorzuheben ist — sich ganz an Mästlin's 
Te^ttes-Eecension angeschlossen, 



300 



SCHKE?TEN VON RHETICÜ8. 



observationes ad Albategnii, patet deesse qoadranti j^ diei par- 
tem. Tardo igitnr motni maior aoni quantitas ab aequinoctm 
respondere videtar, veloci minor, decrescenti velocitati anni aug- 
mentnm , adeo nt , si accnrate anni quantitas ab aequinoctüs 
nostra aetate examinetnr, cum Ptolemaeo fere iternm consentiat. 
Proinde statnendum pnncta aeqninoctalia moveri in praecedentia, 
qnemadmodum in Lnna nodos, et neqnaquam Stellas secnndnm 
signornm consequentiam progredi. 

Imaginandnm itaque fnit esse aeqninoctinm medinm, quod 
procedat a prima Stella Arietis orbis stellati aeqnali motu post- 
ponendo Stellas fixas, et utrinqne ab hoc aequinoctio medio ipsnm 
aeqninoctimn verum motu diverso et regulari discedere, cuius 
tarnen elongationis semidiameter 70 minuta non multum excedat. 
sicque certam et quantitatis anni ab aequinoctiis rationem singulis 
aetatibus exstitisse et adhuc hodie deprehendi posse ; praeterquam 
quod haec ratio exactissime, et quasi ad minutum, observationibus 
Stellarum fixarnm omnium artificum respondet. 

Ut autem huius rei gustum aliquem tibi, doctissime D/Scho- 
nere, praebeam, en computavi tibi praecessiones aequinoctiorum 
Veras ad quaedam observationum tempora. 



Anno Aegyptio 



Praecessio vera 

Gr. ' Min. 



Ante nativitatem domini 



r 293 
™1 127 



Post nativitatem domini 



138 

880 

1076 

1525 



2 

4 



24 
3 



Tempore 



Timocharis 
Hipparchi 



6 


40 


Ptolemaei ; 


18 


10 


Albategnii ' 


19* 


37 


Arzahelis 


27 


21 


nostro 



* Die £ditio princeps hat irrthttmlicb »12«. Schon Mästlin hat dafür 
die richtige Zahl »19« substituirt. 



I. DIE NARRATIO PRIMA. 301 

Ptolemaei praecessio snbtracta a locis stellamm in Ptolemaeo 
positis relinquit, quantum a prima Stella Arietis distent. Alba- 
tegnii deinde praecessio addita ostendit verum locum observationis. 
Hoc fit in Omnibus aliis similiter. Maxime autem haec ad amus- 
sim obseryationibus omnium artificum respondent, ubi etiam sin- 
gula annotantur minuta, vel ex declinationibus positis habentur, 
aat ex Lonae motu ad maiorem praecisionem reducto, ut nostrae 
nos docent observationes cum Veterum coUatae. Nam neglectis, 
at yides, aliquot minutis, partem saltem gradus recitant ^ vel ^, 
vel \ etc. Haec autem motibus absidum planetarum non satis- 
faciunt, proinde peculiarem motum eis tribui oportuit, ut patebit 
ex Solis theoria. 

Caeterum cum deprehendisset a stellis fixis aequalitatem motus 
sumendam, investigavit diligentissime annum sidereum, quem reperit 
CCCLXV dierum, XV minutorum, XXIV secundorum fere esse et 
perpetuo fuisse, a quo tempore factas observationes constat. Nam 
quod referente Albategnio Babylonii tria secunda plus ponunt, 
Thebit unum secundum minus, haec sine iniuria vel instrumentis et 
observationibus. quae, ut scis, neutiquam axpiß^ataxai esse possunt, 
vel diversitati motus Solis, vel etiam quod vetustissimi, non ha- 
bita certa eclipsium ratione, diversitates aspectus Solis in obser- 
vationibus neglexerunt, imputari potest. Nequaquam tamen com- 
parandus hie error totius huius temporis a Babyloniis ad nos 
cum illo, qui est 22 secundorum diei inter Ptolemaeum et Alba- 
tegnium. Quod autem necesse fuerit inter Hipparchum et Ptole- 
maeum diem minus ^ intercidere, inter hunc et Albategnium 
7 fere deficere, non sine summa voluptate ex praedicta mo- 
tuum Stellarum ratione et ipsius D. Praeceptoris de motu Solis 
tractatione tibi, Doctissime D. Schönere, coUegi, ut paulo post 
videbia. 



302 SCHRIF1*EN VON BHETICUS. 



De matatione obliqnitatis eclipticae. 

Matationem maximae declinationis hanc rationem habere, D. 
Doctor Praeceptor mens reperit, ut, dam motns diversitatis stellar 
rum fixanun semel compleretur . dimidia obliquitatis contin- 
geret. Quare et integram mntationis obliquitatis revolntionem in 
inMCCCGXXXnU annis Aegyptiis fieri constitnit. 

Timocharis, Aristarchi et Ptolemaei temporibus matationem 
obliquitatis in tardissima variatione fuisse constat, adeo ut immn- 
tabilem maximam declinationem crederent semper |^ partes eir- 
euli magni. Albategnius post hos 23 gradus 35 minuta fere sua 
aetate prodidit. Deinde Arzahel post eum CXC fere annis 23 gradus 
34 minuta. Prophatius Indaeus ab hoc iterum CCXXX annis 
23 gradus 32 minuta. Nostra autem aetate non maior 23 gradi- 
bus 28^ minutis apparet. Proinde cum darum sit, in CCCC 
annis ante Ptolemaeum motum mutationis obliquitatis tardissimum 
fuisse, ab hoc vero ad Albategnium, per DCGL annos fere, de- 
creyisse per 17 minuta, et ab Albategnio ad nos in DGL annis 
saltem per 7 minuta: sequitur mutationem obliquitatis fieri, quem- 
admodum planetarum ab ecliptica discessus, motu quodam libra- 
tionis seu in lineam rectam, cuius est in medio velocissimum 
esse, circa extrema tardissimum. Fuit igitur polus aequinoctialis 
seu eclipticae circa Albategnii tempora in medio fere huius libra- 
tionis motu, hoc autem seculo circa alterum terminum tardissi- 
mum, quo in loco maxima unius poli ad alterum fit appropin- 
qüatio. Sed supra posuimus per motum aequinoctialis salvari 
motus Stellarum fixarum et diversitatem annuae quantitatis ab 
aequinoctiis, et huius poli sunt vertices terrae, a quibus poli ele- 
vationes sumuntur. Vides igitur, ut te, doctissime D. Schönere, 
obiter moneam, quales hypotheses seu theorias motuum observa- 
tiones exigant, yerum adhuc clariora testimonia audies. 

Porro assumit D. Praeceptor minimam obliquitatem 23 gra- 



t. DIE NARRATIO PRIMA. 303 

duB 28 minnta fntaram, cuius ad maximam sit diflferentia 24 mi> 
nntormn. Ex bis constituit geometrice tabulam minutorum pro- 
portionalinm, nt maxima eclipticae obliqnitas inde ad omnes aetates 
elici poBsit. Sic fuere minuta proportionalia , tempore Ptolemaei 
58, Albategnii 24, ArzaheÜB 15, noBtra aetate 1 ; bis ad 24 mi- 
nnta differentiae facta parte proportional! patet mutationis obli- 
qnitatiB certam regulam eBse deprebenBam. 



De eceentrieitate et motn apogii solis. 

In Solls motn cnm circa anni flnxam instabilemqne qnanti- 
tatem omnis difficnltas verBctnr, prinB de apogii et eccentricitatlB 
mntatione dicendnm, nt omnes cansas inaeqnalitatis anni adstm- 
amns, qnas tarnen regnlares et certas ostendit D. Praeceptor as~ 
snmptis theoriis ad hoc accommodatis. Cnm Ptolemaens statneret 
apoginm Solls fixum, malnit ynlgatam recipere opinionem quam 
snis credere obseryationibus, qnae parum fortassis a yulgata dif- 
ferebant, sed nt certa tamen coniectnra ex ipsius narratione eil- 
cltur, constat eccentricitatem circa Hipparcbnm, nempe per CG 
ante ipsnm annos, talium partinm 417 fuisse, qualium quae ex 
centro eccentrici est 10,000. Ptolemaei antem aetate eamndem 
414, Arzahelis (cni potiorem fidem etiam Regiomontanns noster 
tribnit) ex maxima aeqnatione 346 fere fuisse constat, sed nostro 
tempore 323, siquidem maximam aeqnationem non maiorem 1 
gradu bi)\ minutis se deprebendere D. Praeceptor affirmat. 

Deinde cnm diligentissime perpenderet motus absidum Solls 
et reliquorum planetarum, primnm invenit, nt etiam ex praedictis 
yides, peculiaribus motibus absidas snb spbaera stellarum fixarnm 
procedere, neque plus conyenire, ut uno motu apparentes motus 
Stellarum fixarnm et absidum nee non mutationis obliquitatis ab 
una causa dependere affirmemus, quam si quis yestrorum artifi- 
cum, qui xou; <xuTO{j.aTou; planetarum motus referunt, una eadem- 



304 SCHRIFTEN VON RHETICUS. 

qne machinatione singalorum planetarum motuB et apparentias ef- 
fingere conetur, ant quis pedem, manam et lingnam ab eodem 
musculo et vi motrice eadem Buas omnes actiones perficere, de- 
fendendum praesumeret. Attribuit itaque D. Praeceptor apogio 
SoUb duos motus, medium scilicet et differentem, quibus sub 
octava sphaera moveatur. His accedit, quod, cum aequinoetium 
verum aequali et diverso motu in antecedentia signorum moveatur, 
Solis et reliquorum planetarum apogia, quemadmodum stellae fixae, 
postponantur. Quare ut omnium aetatum observationes eonsen- 
tienti sibi invicem lege responderent , tres istos motus a se invi- 
cem diBcemere coactus est. 

Haec nt intelligas, assumas maximam eccentridtatem 417, 
minimam 321 futuram, et differentia sit 96 partium, diameter 
Bcilicet parvi circuli, in cuiuB eircumferentia ab ortu ad occasum 
centrum eccentrici moveatur, a centro igitur mundi ad centrum 
huiuB parvi circuli 369 partes erunt.* Omnes autem hae partes, 
ut mox dictum est, talium sunt, qualium quae ex centro eccen- 
trici 10,000 partium. Habes machinationem, quam ex tribus 
supra recitatis eccentricitatibus investigavit, simili prorsus ratione, 
quemadmodum ex tribus Lunae eclipsibus aequales ipsius motus 
Divino certe invento corriguntur. 

Porro statuit centrum eccentrici revolutionem conficere aequali 
velocitate, qua et omnis mutationis obliquitatis diversitas redit. 
Atque haec res digna profecto est summa admiratione, quod 
tanto et tam mirabili consensu perficiatur! 

Ante nativitatem Domini LX fere annis erat maxima ec- 
centricitas, atque eodem etiam tempore maxima Solis declinatio, 
et qua ratione una, simili et prorsus non alia reliqna quoqne 
decrevit, ut saepius maximam mihi in varia rerum mearum for- 



* Der Druckfehler der editio princeps 269 statt 869, ist in der Thomer 
Ausgabe stehen geblieben, trotzdem er bereits durch Mästlin verbessert 
war. Man vergleiche überdies de revol. erb. cael. 111, 21. 



I. DIB NABRATIO PSIHA. 305 

tona hie et item alibi id generis natnrae Insns mitigationem ad- 
ferant aegramque animnm BuaviBsime leniant. 



Ad motnm eecentriei monarehias mnndi mntari. 

Addam et vatidninm aliquod.. OmneB monarehias ineepisBe 
vidernns, enm eentrum eceentriei in aliqno inBigni haiuB panri 
eirenli loco fuit. Sic enm SoUb esset maxima eccentricitas, Bo- 
manum Imperium ad Monarchiam declinavit, et quemadmodum 
illa decreyit, ita et hoc tanquam conseneBcens defecit atqae 
adeo evannit. Cum perveniret ad qnadrantem terminumqne me- 
diocrem, lata est lex Mahometica; incepit itaque aliud magnum 
imperium et yelocissime ad motus rationem crevit, dum in cen- 
tam annis, cum minima futura est eccentricitas, hoc quoque im- 
perium suam conficiet periodum, ut iam circa ista tempora in 
snmmo sit fastigio, a quo aeque yelociter, Deo Tolente, lapsu 
graviore ruet. Gentro autem eecentriei ad alterum terminum me- 
dioerem perveniente. speramus ad futurum Dominum nostrum 
Jesum Christum. Nam hoc in loco circa creationem mundi 
fuit; neque multnm discrepat haec eomputatio a dicto Eliae, qui 
Diyino instinctu mundum VIM tantum annos duraturum vatici*- 
natus est, quo tempore duae fere revolutiones peraguntur. Ita 
apparet hunc parvum circulum verissime Rotam illam Fortunae 
esse, cuius circumactu Mundi monarchiae initia sumant atque 
mutentur. In hunc enim modum summae totius historiae Mundi 
mutationes tanquam hoc circuio inscriptae conspiciuntur. Porro 
qualia illa imperia esse debuerint, aequisne legibus an tyrannicis 
constituta, quomodo ex magnis coniunctionibus et aliis eruditis 
coniecturis deprehendatnr, a te breyi, Deo volente, coram audiam. 

Porro dum eentrum eecentriei descendit versus eentrum uni- 
versi, consentaneum est, eentrum parvi circuli secundum signornm 
consequentiam singulis annis Aegyptiis per 25 fere secunda pro- 

cedere. Et quia eentrum eecentriei a summa distantia in anteee- 

n. 20 



306 SCHRIFTEN VON BHBTICU8. 

dentia movetnr, aeqnatio respondens motoi anomaliae temporis 
propoBiti a medio motu subtrahitur, donec semicircnloB comple- 
atur; in reliquo vero additur, ut yersns apogii motus habeatnr. 

Maxima autem aeqnatio inter apoginm verum et medinm 
geometriee, nt convenit, ex praedictis dedneta est 7 gradnnm 24 
minntornm; reliqnae, nt fieri solet, pro ratione centri eccentrici 
in hoc parvo circnlo snnt constitntae. Motnm diyersnm certnm 
habemns, qnia snnt tria loea data; de medio motn est aliqna 
dnbitatio, qnia non habemns ad illa tria loca veram apogii Solis 
snb ecliptiea positionem, idqne propter errorem, qni inter Alba- 
tegninm et Arzahelem ineidit, nt refert Regiomontanns noster 
lib. III in propositione XIII Epitomes. 

Albategnins nimis libere abntitnr mysteriis astronomiae, nt 
mnltis in locis videre est. Si hoc in constitutione apogii Solis 
qnoqne fecit, nt demns sane enm certnm tempns aeqninoctii ha- 
bnisse, qnia tamen impossibile est, nt etiam Ptolemaens testator, 
solstitiomm tempora praecise instramentis constituere, siqnidem 
nnnm minutnm declinationis , qnod certe facile sensnm effngit, 
nos qnatuor fere gradibns hoc loco defrandare potest, qnibns 
qnatnor respondent dies: — qnomodo potnit locnm apogii solis 
constitnere? Si processit per loca edipticae intermedia, nt pro- 
positione XITTI einsdem tertii Regiomontanns tradit, pamm certiori 
argnmento usus est. Qnod ergo erraverit, sibi impntet, qni eo- 
lipses elegit non circa apogium, sed circa longitudines medias eo- 
oentrici Solis contingentes, ubi apoginm Solis per sex gradus a 
vero ipsins loco coUocatnm nnllum notabilem in eclipsibns erro- 
rem indncere potnit. 

Arzahel referente Begiomontano 402 obseryationes se har 
bnisse gloriatnr, et ex hoc apogii locnm constitnisse. Goncedimus 
ista diligentia veram qnidem eccentricitatem reperisse; sed cum 
non pateat, enm edipses Lnnae drca absidas Solis adhibnisse 
in consilium, nihil magis eis assentiendum apparet in snmmae 
absidis constitutione quam Albategnio. Hie vides, qnanto 



I. DIE NARBATIO PRIMA. 307 

cum labore D. Praeceptori enitendum fuerit, nt me- 
dium apogii motnm conBtitneret. Ipse per XL fere 
annos in Italia et hie Varmiae eelipses et motum 
Solis obseryarit, atqne elegit hane obseirationem , qua 
constitait anno Domini MDXV apogiom SoUs 6f Cancri gra* 
dnB obtinuisse. Deinde omnes eelipses in Ptolemaeo exa- 
minans et ad snas, qnas ipse diUgentissime obseryavit, eon- 
ferens medium apogii aimum motum, a Btellis quidem fixig 25 
fere secundorum, ab aequinoetio autem medio 1 minuti 15 se* 
eundorum fere esse constituit. Atque hae ratione per utrumque 
motum medium et dirersum, vera praeeessione adhibita, eolligitor, 
quod versus apogii locus ab aequinoetio vero Hipparchi quidem 
tempore in 63 gradibus fuerit, Ptolemaei 64^, Albategnii 76^, 
Arzahelis 82, nostra autem aetate cum experientia omnia con- 
sentire. Haec profecto melius conveniunt quam Alfonsina, qui- 
bus apogium Solis in 12"^ Geminorum Ptolemaei tempore fdisse 
eonstituitnr , nostro in principio Cancri; ad Arzahelis sententiam 
nos duobuB gradibus propius accedimus. Albategnii loci apogii 
iuxta illos computatio 1 gradu superat, nos ab eo non immerito 
6 gradibus defieimus. Nam D. Doctor Praeceptor mens 
minime a Ptolemaeo et suis observationibus disce- 
dere potest, tum quia suas oculis suis vidit et deprendit, 
tum etiam, quia cemit summa diligentia et per eelipses SoUs 
Lunaeque motus Rolemaeum ad amussim examinasse certos^ 
que, quoad eins fieri potuit, constituisse. Quod autem ab eo 
uno gradu fere differre cogimur, id nos motus apogii, quod 
ipse fixum putavit, edocuit, quare et minorem hoc in loco exa^ 
minandi curam adhibuit. 

Habes, quae sit D. Praeceptoris mei de motu Solis sententia. 
Composuit itaque tabulas , quibus omni tempore proposito veram 
locum apogii Solis, veram eccentricitatem verasque aequationes, 



* MXstlin h&t für »Solis in 12« eingesetzt »Soüs in 18 cum dividio«. 

20» 



308 SOHBIFTEN VON BHBTICUS. 

aequales Solls motas ad Stellas fixas et aequinoctla media, nnde 
venun Solls locum correspondentem cum omnium aetatum obser* 
vationibüs coUigat. Hinc manifestam est, tabnlas Hipparchi, Pto* 
lemael, Theonis, Albategnii, Arzahelis, et ex bis aliqua ex parte 
Gonflatas Alfonsinas, temporaneas solummodo esse et ad summnin 
CG annos dnrare posse, donee videlicet notabilis diversitas qnan- 
titatis aimi, eccentridtatis, aequationis, etc. contingat; id qaod 
simili certa ratione in motibus et apparentiis reliqnomm plane- 
tarnm accidit. Non immerito igitur D. Doctoris praecep- 
toris mei Astronomia perpetua vocari poterat, nt om- 
nium aetatum observationes testantur, et procnl dubio 
posteritatis observationes confirmabunti Caeterum mo* 
tus suos et loca absidum a prima Stella Arietis computat, com 
a stellis fixis motuum sit aequalitas ; deinde praeeessione vera ad- 
dita, quantum singulis aetatibus vera planetarum loca ab aeqni- 
noctio yero distiterint, coUigit et constituit. 

Quod si talis paulo ante nostram aetatem rerum ooelestium 
doctrina exstitisset, nullam Picus in octavo et nono libro oeca- 
sionem, non solum astrologiam, sed et astronomiam impugnandi 
habuisset."^ Ipsi enim in dies videmus, quemadmodum notabiliter 
a veritate communis calculus discrepet. 

Qnantitatis anni ab aeqninoetils specialis consideraüo. 

Plerique in emendatione Calendarii diversas etiam quanti- 
tates anni ab auctoribus constitutas, sed confuse enumerant 
neque quiequam determinant, quod certe mirum in tantis mathe- 
maticis. 



* Der bekannte Pico von Mirandola hatte seine Angriffe gegen 
die Astrologie und Astronomie bereits ein halbes Jahrhundert vor dem Er- 
scheinen der »Narratio prima« veröffentlicht; wir sehen ans dem Gitate des 
Kheticns jedoch, dass das Ansehen dieses gelehrten »monstrum sine vitio«, 
wie ihn Scaliger nannte, noch lange nach seinem Tode (f 1494) nachwirkte. 



I. DIB NABRATIO PBIMA. 309 

Vides autem, doetiesime D. Sehonere, quatuor ex praedictis 
eansaB inaeqnalis motas Solls ab aequinoetiis : inaeqnalitatem 
praecessionis aequinoctiorum, inaeqaalitatem motas Solls in eo- 
Uptioa, decrementnm eccentricitatis, deniqne apogii dnplici de 
oansa progressum, qnare et iisdem de cansis annum ab aequinoo- 
tiis minime aeqnalem esse posse. Ptolemaeo quidem facile ig- 
nosci potest, qnod aequalitatem ab aequinoctiis smnendam posuit, 
enm Stellas fixas in conseqnentia* moveri, locnmqne apogii fixnm 
etataeret, neqne eccentricitatem Solls decrescere;**^ quomodo 
autem alii se excusare velint, ego non yideo. Etsi namqne con- 
oederemus eis, Stellas et apogium Solls eodem motn in signoram 
oonseqnentlam ferri, nihilque propterea de tempore ab aeqninoctio 
yero in rei veritate mntaii, sed potiiis propter instrumentorum 
defeetnm, omnem (qnod tarnen dlcere nostra aetate foret absnr- 
dissimum] diversitatem contingere, siquidem apogii Solls progressus 
parnm admodnm quantltatem anni mntat; tamen non Ideo se- 
qnetar, Solem regnlariter ad aequlnoetium yeram semper aequall 
tempore redire, quemadmodum Lnnam dieimns regnlariter ab 
apogio medlo epicycli elongari, ad idemqne aequall tempore 
reverti, nt doctlsslmns Marcus Beneventanus ex Alphonsinorum 
sententia refert. Nam cum certe eccentricitatem Solls non possi- 
mus negare non mutarl, ipsi vlderint, quomodo affirment, propter 
mutatlonem angull diversitatls a motu medio anni quantltatem 
ab aeqninoctio observatam non mutarl. Ego profecto rel- 
publicae et studlosis omnlbus, qulbus D. Doctorls 
Praeceptorls mel labor profuturus est^ plurlmum gra- 
tulor, quod nos certam diversitatls anni ratlonem 
habeamus! 



* MäsÜin hat noch hinter »consequentia^ zur Erläuterong »aequalitem 
eingeschoben. 

** Auch hier hat Mästlin hinter »deorescere« , um den Satz klarer zu 
machen, die Worte »deprehendere posset« hinzugefügt. 



310 SCHRIFTEN VON RHBTIGUS. 

Sed nt haec omnia fadlius animo perspidas, doctiBsime D. 
Schönere, en tibi ob oculos idem in numeris propono, nt hiB de- 
niqne, qnae snpra promisi, respondeam. 

Sit Sol in pnncto vernaliB aeqninoctii medii, qnod tempore 
obBervationiB aeqninoctii antnmnaliB ab Hipparcho factae, anno 
ante nativitatem Domini GXLYII, tribns gr&dibns 29 minntis pri- 
mam Btellam Arietis praecedebat. Sol procedat ab eodem pnncto 
octavae sphaerae, nt in anno sidereo (scilicet 365 diebns, 15 mi- 
nntis, 24 secnndis ferej ad idem pnnctnm revertatnr. Qoia 
antem aeqninoctinm medium in anno sidereo Soli procedit obviam 
per 50 fere secnnda, sit nt Sol prins ad pnnctnm vemale medinm 
perveniat, quam ad locnm, nnde digressns fnit , nbi yidelicet Sol 
et aeqninoctinm medinm in eodem eclipticae pnncto coninncti 
erant. Minor igitnr annns ab aeqninoctio medio, qnam siderens, 
qni ex nostris hypothesibns 365 diemm, 14 minntomm 34 secnn- 
domm fere esse colligitnr. Sed si inqniramns, qnot dies et 
partes diei respectn aeqninoctii medii, in GCLXXXV annis, qni 
snnt inter Hipparchnm et Rolemaenm, excrescant, inveniemns 
LXIX dies IX minnta fere ; deficerent itaque II dies Yl minnta, 
si singulis annis qnartam diei partem excrescere assnmamns. 
Perpendamus igitnr et reliqnas cansas, donec unum tantnm diem, 
minus ^ diei desiderari reperiamns. Tempore observationis Hip- 
parchi aeqninoctinm verum praecedebat aeqninoctinm medinm se- 
cundum signorum antecedentiam 21 minutis eclipticae stellatae 
fere, in quo pnncto tunc Sol erat, sed tempore Rolemaei seqne- 
batur aeqninoctinm verum ipsum medium 47 fere minntis. Igitnr 
cum Sol tempore Ptolemaei pervenisset ad 21 minntum ante 
punctum aeqninoctii medii, nbi Hipparchi tempore aeqninoctinm* 
verum reliquerat, non"^"* erat aeqninoctinm, neqne cum pervenit 



* Die Editio princeps liest »aequinoctialem yeruma. In den Text ist 
MäBtlin's VerbeBserang »aequinootium« aufgenommen, welclie sich in allen 
späteren Ausgaben gleichfalls findet. 

** Mästlin hat statt »non« das bezeichnendere mondom« gewählt. 



I. DIB NAKRATIO PRPIA. 311 

ad aeqninoctiuin medinm, sed postqnam illnd per 47 miiiiita 
tranBcendit in centmm terrae , nt PliniuB loquitnr,* incidit in 
locnm yidelicet ae^uinoctii veri. Fnenint Igitor Soli 1 gradns 8 
minnta ascendenda, quem arenm motu vero 1 die 8 minutis con- 
fecit. Hoc servo ad latus et perpendo, qnantom angalus diver- 
sitatiB hoc in loco decreverit, et invenio Uli nnnm fere minatiun 
diei correspondere. Patet itaque diebns ab aequinoctio medio 
computatis tempus 1 diei 9 minntomm accedere. quare et reete 
Ptolemaeum prodidisse inter snam et Hipparchi obseryationem 
a yero aequinoctio ad yemm CCLXXXV annos, LXX dies, 
XVin minuta esse; proinde et LVII diei minuta deficere, 
quod etiam ex substractione 1 diei, 9 minutorum de 2 die- 
bus, 6 minutis, snpra respectn aequinoctii medii desideratis 
innotescit. 

Yemm dicamns de defectu 7 dierum inter Ptolemaenm et 
Albategninm, quod ideo est illustre, quia malus est temporis 
intervallum , nempe DGGXLIII annorum , quare et omnes causae 
magis erunt conspicuae. Tempore Ftolemaei aequinoctium medium 
praecedebat ipsam primam stellam Arietis 7 gradibus 28 fere 
minutis in signorum antecedentiam. Aequinoctio autem medio 
subinde soll obviam eunte, ut dictum, factum est, ut in annis in- 
termediis inter Ptolemaeum et Albategnium CLXXX dies, 14 mi- 
nuta fere per additamenta respectu aequinoctii medii excrescerent. 
Deficient igitur V dies, 31 minuta, si tempus ad aequinoctium me- 
dium, ad id conferamus, quod exsultat, cum in quatuor annis unus 
dies coUigitur. Caeterum Sol tempore Ptolemaei aequinoctium 
verum in 47 minutis post aequinoctium medium in signorum con- 
sequentiam reliquerat; Albategnii autem aetate aequinoctium verum 
in 22 minutis ante aequinoctium medium in signorum antece- 
dentiam erat. Prius igitur Sol ad aequinoctium verum quam ad 



* Plin. bist. nat. üb. U, cap. 19. 



312 SCHIOPTEN VON BHETICUS. 

medium, vel ubi aequinoctium* verom reliquerat, venit, qnod est 
oontrariam priori exemplo. Quantum itaque temporis uni gradui 
9 minutis respondebit, tantum de diebus respectu aequinoctii 
medii decedet et residuo, nempe V diebus XXXI minutis, aeoedet, 
et quia eodem modo cum differentia anguli diversitatis propter 
eecentricitatis decrementum , cui 30 diei minuta respondent, 
agendum, unus dies XXX minuta propter mutationem anguli 
diversitatis et inaequalem praecessionis motum reliquis duabus 
inaequalis motus Solis causis admixtis tempore mediocri decedent, 
et additamentum verum a tempore Ptolemaei ad Albategnii 
observationis tempus GLXXVIII dierum XLini minutorum 
exibit. Sed idem decrementum adiunctum V diebus XXXI 
minutis monstrat VII dies et 1 minutum excidisse, quod osten- 
dendum erat.** 

Tantae molis erat tali ratione stellarum fixarum et Solls 
motus restituere, quo ex motuum eorum coUigantia vera annuae 
quantitatis ab aequinoctiis ratio coUigi posset. Begnum ita- 
que in astronomia doctissimo Yiro D. Praeceptori meo 
Dens sine fine dedit, quod Dominus ad astrono- 
micae veritatis restaurationem gubernare, tueri et 
augere dignetur! Amen! 

Statui tibi breviter, doctissime D. Schönere, integram tracta- 
tionem motus Lunae et reliquorum planetarum, quemadmodum 
Stellarum fixarum et Solis conscribere, ut, quae utilitates ex D. 
Praeceptoris libris ad studiosos mathematicae totamque posteri- 
tatem veluti ex uberrimo fönte promanaturae sint, intelligas. 
Verum cum viderem mihi opus in praesentiarum nimis excrescere. 



* Des leichteren VerBtftndnisseB wegen ist auch an dieser Stelle statt 
»aequinoctialem« die Aendernng von Mästlin »aequinoctium« snbstituirt. 

** Mästlin fUgt an der bez. Stelle einen erläuternden Zusatz ein, fiber- 
Bchrieben: »Schema anomaliae praecessionis aequinoctiorum et inaequalis 
magnitudinis anni tropici«. 



I. DIE NABBATIO PBIMA. 313 

peculiarem hac de re Narrationem institnendam diixi."^ 
Qnod igitnr bis tanquam praecurrere viamqüe praeparare neces- 
aarinm putavero, hoc loeo expediam et hypotheBibos motug Lnnae et 
reliqnonun planetarnm generalia qnaedam inspergam, quo et de 
toto hoc opere maiorem spem concipias, et, quae enm co^erit 
neeessitas ad alias asBnmendaB hypotheses bou theorias, per- 
spiciaB. 

Cum in prindpio nostrae Narratioms praemiserim D. Prae- 
eeptorem sniim opus ad Ptolemaei inütationem institaere, mihi 
amplins nihil quasi relictum esse yideo;, quod de ipsius emen* 
dandi motuB ratione apud te praedicem. Siquidem Ptolemaei 
indefatigabilem calculandi diligentiam, quasi Bupra yireB humanas 
obBervationum certitudinem et vere divinam rationem omnes 
motus et apparentias perscrutandi exequendique , ac postremo 
tam ubique ipsius inter se consentientem docendi et demonstrandi 
methodum nuUus, cui quidem Urania est propitia, satis admirari 
et praedicare potest. 

In hoc autem eo D. Praeceptori meo maior quam Ptolemaeo 
labor incumbit, quod seriem et ordinem omnium motuum et ap- 
parentiarum, quem observationes IIM annorum tanquam prae- 
Btantissimi duces in latissimo astronomiae campo explicant, in 
eerftam sibique mutuo consentientem rationem seu harmoniam 
coUigere cogitur, cum Ptolemaeus vix ad quartam tanti temporis 
partem Veterum observationes, quibus se tuto committeret, haberet. 
Et cum aico tou xf^^^^> ^^^^ ^^^ ^^ Praeceptore, legum politiae 
coelestis errores astronomiae nobis aperiantur, siquidem insensi- 
bilis vel etiam neglectus error in principio constitutionis hypothe- 
sium, praeceptorum et tabularum astronomiae procedente tempore 
sese aperit aut etiam in immensum propagatur, D. Doctori Prae- 
ceptori meo non tam instauranda est astronomia 
quam de integro exaedificanda. Ptolemaeus potuitplerasque 



* Vgl. oben S. 296 Anmerkung. 



314 SCHRIFTEN VON SHETICUS. 

Veteraiii) ut Timocharis, Hipparchi et alionun hypotheses ad seriem 
omnis diversitatis motaum, qnae Bibi ex tantillo obseryationum 
tempore elapso nota erat, satis concinne aecomodare ; ideo recte et 
pradenter, qnod et plausibilins erat, eas elegit hypotheses, quae et 
rationi nostrisque sensibus magis consonae esse videbantor, et 
qnibus summi ante eum artifices usi faenint. Cnm autem om- 
nium artificum observationes et coelum ipsnm ac mathematiea 
ratio nos convincant, qnod Ptolemaeo et commnnes hypotheses 
neqnaqnam ad perpetnam sibiqne invicem consentientem colli- 
gantiam et harmoniam remm coelestinm demonstrandam et in 
tabnlas ac praecepta coUigendam snf&ciaht: necesse fnit, nt D. 
Praeceptor mens novas hypotheses excogitaret, qnibns videlicet 
positis tales motnnm rationes geometrice et arithmetice bona con- 
seqnentia dednceret, qnales Veteres et Ftolemaens olim xdS deCo 
^oxfi<; o{i.(xaTi in altnm elevati deprehendenmt, qnalesqne hodie 
Vetemm vestigia coUigentibns in coelo esse diligentes observa- 
tiones edocent. Sic nempe in posterum videbnnt stndiosi, quem 
Ptolemaens et reliqni veteres auctores usnm habeant, quo eos 
hactenns tanqnam ex scholis exclusos revocent et in pristinnm 
honorem velnti postliminio reversos restitnant. . Po^ta inqnit: 
r>Ignoti ntäla cupidou, Ideo non mirum, qnare Ptolemaens hac- 
tenns cnm tota Vetnstate in tenebris neglectns iacnerit, quemad- 
modam procnl dubio et tu, optime D. Schönere, cum aUis item 
bonis doctisque viris saepius doluisti. 



De Lnnae motibns considerationes generales cnm novis eins 

hypotheslbns. 

Ratio eclipsium vel unica astronomiae honorem apud impeii- 
tum vulgus tueri videtur. Haec antem quam hodie a commnni 
calculo et in tempore et praedicenda quantitate discrepet, in dies 
videmus. Cum vero accuratissimas Ptolemaei et aliorum optimo- 



I. DIE NABBATIO PBIMA. 315 

nun anctoram obseryationes minime in concrtituendis tabulis astro- 
nomieis, qnod quosdam facere yidemns, tanqnam falsas et repro- 
bas Teiicere debeamns, nisi mamfestnm aliqnem argnente aetate 
errorem irrepsisse deprehendamus. Quid enim magis est humanuni 
quam falli nonnunquam et decipi vel etiam specie recti praesertim 
in difficillimis istis rebus abstrusissimis et nequaquam obvüs? 

In Lunae motu demonstrando assumit D. Praeceptor mens 
huiusmodi theorias et motuum rationes, quibus veteres excellen- 
tissimos philosophos minime in observationibus suis caecos fuisse 
appareat. Quapropter, sicut supra anni ab aequinoctiis sumpti 
augmentum et decrementum reguläre esse ostendimus, ita ex di- 
ligenti quoque Solis et Lunae motuum examinatione deduci po- 
tent, quae singulis aetatibus verae Solis, Lunae et Terrae a se 
invicem distantiae, quave ratione diametri Solis, Lunae et umbrae 
diversis temporibus aliter atque aliter repertae fuerint, ut eerta 
insuper etiam diversitatis aspectuum Solis et Lunae ratio ha- 
beretur. 

Segiomontanus noster libro V propositione 22 Epitomes in- 
quit: liSed mirum est, quod in quadratura, Luna in periffio epi- 
cycli existente, nan tanta appareat, cum tarnen, si integra hiceret, 
quadruplam oporteret apparere ad magnitudinem, quae apparet in 
oppositione, cum fuerit in apogio epicyclia. Senserunt et idem Ti- 
mochares et Menelaus, qui semper in observationibus stellarum 
eodem Lunae diametro utuntur. Sed et D. Praeceptorem meum 
experientia docuit, diyersitates aspectus et quantitates corporis 
Lunae in omni ipsius a Sole distantia parum vel nihil differre ab 
üs, quae in coniunctione et oppositione contingunt, ut manifestum 
Sit Lunae minime talem, ut receptum, eccentricum tribui posse. 
Ponit itaque, quod Lunae orbis terram adjacentibus elementis 
complectatur, cuius deferentis centrum sit centrum terrae, super 
quo aequaUter centnmi epicycli Lunae deferens feratur. lUam 
autem secundam diversitatem, quam a Sole Luna habere yidetur, 
ita salvat. 



310 SCHRIFTEN VON BHBTICÜ8. 

ÄBBumit Lunae corpus epicyclo epicycli homocentrici moveri, 
hoc est primo, qni fere in coninnctione et oppositione apparet^* 
epicyclo alium pamin Lunae corpus deferentem epicyclum affingit, 
proportionem autem diametri primi epicycli ad diametnun seeundi 
sicut 1097 ad 237 esse demonstrat. Caeterum talis est motuum 
ratio. Girculus deolivis suam, ut antehac, motus rationem obtinet, 
nisi quod eiusdem aequalitatem a stellis fixis habet. Deferens, qui 
et concentricus, movetur regulariter et aequaliter super suo centro 
(soilicet terrae) similiter, aequaliter et regulariter a linea medii 
motus Solls discedens. Epicyclus primus etiam super suo centro 
uniformiter parvi et secundi epicycli centrum in superiori parte in 
antecedentia, in inferiori in consequentia deferendo circumvolvitur. 
Ponit autem istum motum ab apogio vero, quod in superiori parte 
epicycli primi linea ex centro terrae per centrum eiusdem in cir^ 
cumferentiam eiecta ostendit aequalem et regulärem esse. Lnna 
autem in circumferentia parvi et secundi epicycli etiam regulariter 
et aequaliter movetur ab apogio vero parvi epicycli discedens^ 
quod videlicet a linea exeunte a centro primi epicycli per centrum 
secundi in ipsius circumferentia ostenditur. Atque huius motus 
haec est regula, ut ipsa Luna bis in suo parvo ** epicyclo in una 
deferentis periodo revolvatur , quo tarnen in omni coninnctione et 
oppositione Luna in perigio parvi epicycli, in quadraturis autem 
in apogio eiusdem reperiatur. Haec est machinatio, seu 
hypothesis, qua D. Praeceptor omnia praedicta in- 
convenientia excludit, et quam omnibus apparentiis 
satisfacere ad oculos ostendit, quemadmodum etiam ex 
tabulis ipsius est colligere. 



* Mästlin hat den Belativ-Satz ganz umgestaltet; bei ihm lautet der- 
selbe: y*qui fere inter coniunctiones vel oppositiones et gtuidraturas medio tefn- 
pore apparet». 

** Statt »parvon hat Mästlin die — nicht nöthige — Aenderung in »äoc 
minoren vorgenommen. 



I. DIB NABRATIO PBDfA. 317 

Porro doetissime D. Schönere, quemadmodum nos hie in 
Lnna ab aeqnante liberatos esse vides et tali insaper theoria 
assumpta, qnae experientiae et omnibns observationibns correspon- 
det, ita etiam in reliqms planetis aequantes toUit, tiibnens cnili-* 
bet trinni snperioniin nnnm solummodo epicyclum et eccentricum, 
quomm nterque super suo centro aequaliter moveatnr, et pares 
planeta in epicyclo cum eccentrico revolutionefl faciat; Veneri 
autem et Mercurio eccentricum eocentrici."^ Quod enim pla- 
netae directi, stationarii, retrogradi, propinqui et 
remoti a terra et cum singulis annis conspiciuntur, 
per alium insuper, quam ex superioribus adstruitur, 
regulärem telluris globi motum fieri posse demon-* 
strat, qui est, ut Sol universi medium occupet, terra 
autem loco Solis in eccentrico, quem Orbem Magnum 
appellare placuit, circumferatur. Atque profecto divini 
quiddam est, quod ex unius terreni globi regularibus et 
aequalibus motibus certa rerum coelestium ratio dependere 
debeat! 



Principales ratlones, quare a yeternm fustronomornm hypo- 

thesibus recedendnm sit. 

Primum autem, ut terrae mobilitate apparentias in coelo 
plerasque fieri posse aut certe commodisBime salvari assumeret, 
cum aequinoctiorum indubitata (sicut audivisti) praecessio et ec- 
lipticae obliquitatis mutatio induxit. 

Deinde, quod illa eadem eccentricitatis Solis diminutio pari 
ratione et proportionabiliter in eccentricitatibus reliquorum plane- 
tarum animadyertitur. 



* An der bez. Stelle hat Mästlin eine grössere Textes-Aenderung vor- 
genommen; er hat einen ganzen Satz neu eingeschoben: »Docet tarnen, quod 
illorum motus aimiliUr per eccentmm eecentrt et horum revolutiones per ec- 
centrepicyelos tradi poestntn. Quod enim etc. 



318 SCHBIFTEN VON BHETICUS. 

Postea, qnod planetas saonim defeTentium eentra ciiea 
Solem, tanqnam medimn uniyend, habere appareat. 

Sensiflse aatem et idem Vetastisaimos (PjrthagoricoB interim 
nt taeeam> yel hinc satis liquet, quod PlinioB ait,* Yenerem et 
Merenriam ideo non longius a Sole quam ad oertoB et praefinitofl 
tenninos discedere, optimoa haad dubie auctores seentiis, quia 
eirca Solem conyersas absidas habeant, imde et medium qaoque 
Solls motum eis accidere oportait. 

Gnm vero Martis cursiim mobBerrabilem ait, atqae praeter 
reliquas in motus Martis emendatione dif&cultates dubium non sit, 
quin maiorem nomiimqüam quam ipse Sol dirersitatem aspectus 
admittat, impossibile esse videtur, terram mundi medium obtinere. 
Porro etsi ex Satumi et JoyIs in matutino yespertinoque ortu ad 
nos habitudine id ipsum hoc facile etiam eolligatur, in Martis 
tarnen diyersitate ortnum praecipue et maxime animadyertitur. 
Quia enim Martis sidus obtusum admodum lumen habet, non 
adeo sicut Venus aut Jupiter yisum decipit, sed pro ratione a 
terra distantiae magnitudinis mutationem refert. Proinde cum 
Mars in yespertino ortu Joyis sidus magnitudine aequare yideatur, 
ut non nisi igneo fulgore discematnr, in apparitione - autem et 
occultatione vix a secundae magnitudinis stellis discemi possit, 
sequitur ipsum proxime ad terram yespertino in ortu accedere, 
contra in matutino quam maxime procul abesse, quod certe ra- 
tione epicydi nuUo mSdo contingere potest. Terrae igitur ad 
Martis et aliorum planetarum motus restituendos , alium locum 
deputandum esse patet. 

Quarto, hac unica ratione commode fieri posseD. 
Praeceptor yidebat, ut, quod maxime proprium circularis 
motus est, omnes reyolutiones circulorum in mundo 
aequaliter et regulariter super suis centris et non 
alienis moyerentur. 



* Plin. bist. nat. II, 17. 



I. DIE NABKATIO PSIHA. 319 

Quinto, cum non minus mathematiciB, quam medicis statuen* 
dum, quod passim Galenus"^ inculcat: »Mt^S^v eix^ tr^v (poaiv ip- 
'faCeo&au, et iK)0Ta>c elvat tov 8ir]pLioupYov i^[jlcov aocpov^ o^ {ii^ fi{av 
fxaoTOV Tcuv U7C0 aoToo Ye'jfovoTcov Ij^eiv r^v /pe(av^ aXka xal 800^ xai 
Tpel^ xai irXeCouc icoXXeixic«. Quare, cum hoc unico terrae 
motu infinitis quasi apparentiis satisfieri videre- 
mus, Deo, naturae conditori, eam industriam non 
tribueremus, quam communes horologiorum artifices 
habere cernimus? qui studiosissime cavent, ne ullam instru- 
mento rotulam inserant, quae aut supervacanea sit, aut cuius 
alia paululum mutato situ commodius yicem suppleat? Et quid 
D. Fraeceptorem moveret, ut tanquam mathematicus aptam motus 
terreni globi rationem non assumeret? cum videret talia assumpta 
hypothesi ad certam rerum coelestium doctrinam constituendam 
nobis unicam oetavam sphaeram eamque immotam, Sole in 
medio universi immoto, in motibus vero reliquorum planetarum 
eccentrepicyclos aut eccentrecentricos vel epicycli epicjclos 
snffieere? 

His accedit, quod motus terrae in suo orbe omnium plane- 
tarum, excepta Luna, argumenta conficiat, quique unus solus 
causa omnis diversitatis motus esse videatur, quae videlicet in 
tribus quidem superioribus a Sole, in Venere autem et Mercurio 
circa Solem apparet, denique et hunc motum efficere, ut unica 
saltem in latitudinem deferentis planetae deviatione quüibet pla- 
netarum Sit contentus, sicque principaUter planetarum motus tales 
etiam hypoiheses exigere. 

Sexto, et postremo, hoc maxime D. Doctorem Fraeceptorem 
meum movit, quod praecipuam omnis incertitudinis in astronomia 
causam esse yidebat, quod huius doctrinae artifices (quod venia 
divini Ptolemaei Astronomiae parentis dictum yolo) suas theorias 



* RheticQS hat hier die Sand-Bemerknng beigefügt: »Haec dicta sunt 
in libio X de usu partium« (corporis humani). 



320 SCHRIFTEN VON BHETICUS. 

et rationeB motus corporum coelefitinm emendandi pamm severe 
ad illam regulam revocavenmt, quae ordinem et motas orbimn 
coelestium absolutissimo systemate confitare admonet. Ut enim 
ampliBsime säum honorem Ulis (quemadmodum par est) tribiuuniis, 
tamen optandum nae erat, ut in harmonia motuum constituenda 
musicos fuissent imitati, qui, chorda una vel extensa vel remissa, 
caeterarum omnium sonos tamdiu summa cura et diligentia adhi- 
bita formant et attemperant, donec omnes simul exoptatnm refe- 
rant concentum, neque in uUa dissoni quicquam annotetur. Hoe, 
ut de Albategnio Interim dicam, si in suo opere secutus esset, 
haud dubie et hodie omnium motuum rationem certiorem habere- 
mus. Est enim verisimile Alfonsinos plnrimum ex eo desump- 
Bisse, atque hae unica re neglecta aliquando (si modo vera fateri 
animus est) totius astronomiae ruina metuenda fnisset. In com- 
munibus astronomiae principiis erat quidem videre, ad medium 
Solls motum omnes apparentias coelestes se dirigere, totamque 
motuum coelestium harmoniam pro ipsius moderamine constitui 
et conservari. Unde et a Veteribus Sol z®P^T^<> natu- 
rae gubernator et Bex dictus est. Sed quomodo hanc 
administrationem gereret, an quemadmodum Dens totum hoc Uni- 
versum gubemat? (ut pulcherrime Aristotoles irspl xoapoo depingit) ; 
an vero ipse totum coelum toties peragrando, nulloque in loco 
quietuB, Dei in natura administratorem ageret — nondum videtur 
omnino explicatum absolutumque esse. Utrum autem herum po- 
tius assumendum sit, geometris et philosophis [qui mathematica 
quidem tincti sint) determinandum relinquo. Siquidem in huius- 
modi aestimandis diiudicandisque controversiis, non ex plausibili- 
bus opinionibus, sed legibus mathematicis (in quorum foro causa 
haec dicituri ferenda est sententia. Prior gubemationis modus 
est reiectus, posterior receptus. D. Doctor autem Praeceptor 
mens damnatam rationem gubemationis in rerum na- 
tura Solls revocandam statuit, ita tamen utreceptae etiam 
et approbatae suus locus relinquatur. Yidet namque neque in 



I. DIE NARRATIO PRIMA. 321 

hnmanis rebus esse opus, nt Imperator singulas nrbes ipse per- 
earrat, quo suo denique mnnere a Deo sibi imposito defungatur, 
neque cor in capnt, aut pedes aliasqne corporis partes propter 
animantis conversationem transmigrare , sed per alia op^ava a 
Deo in hoc destinata officio suo praeesse. 

Deinde, cum statueret medium motum Solis talem motum 
esse oportere, qui non tantum imaginatione constaret, ut in re- 
liqüis quidem planetis, sed haberet causam per se, cum ipsum 
verissime ^ope^'^v ojioo xal xopo<s'caT7jv esse appareret, factum est, 
ut suam sententiam firmam nee a vero abhorrentem comprobaret. 
Nam per suas hypotheses causam efficientem aequalis motns Solis 
geometrice deduci posse sentiebat et demonstrari, quare iste me- 
dius Solis motus in omnibus reliquorum planetarum motibus et 
apparentiis certa ratione, ut in singulis apparet, necessario de~ 
prehenderetur, atque exinde posito telluris motu in eccentrico 
in promptu esse certam rerum coelestium doctrinam, in qua nihil 
mutandum, quin simul totum systema, ut consentaneum erat, de 
novo in debitas rationes restitueretur. Huiusmodi Solis in rerum 
natura gubemationem cum ex communibus nostris theoriis ne 
suspicari quidem poteramus, pleraque Veterum Solis l^x^jna tan- 
quam poetica negligebamus. Vides itaque, quales ad salvandos 
motus hypotheses D. Praeceptorem his ita constitutis assumere 
oportuerit. 



Transitio ad enumerationem noTaram hypothesium totlns 

astronomiae. 

Interrumpo cogitationes tuas, clarissime Vir; video enim te, 
dum causas renovandarum hypothesium astronomiae a D. Doc- 
tore meo excellenti doctrina summoque studio indagatas audis, 
animo tecum cogitare, quaenam tandem apta renascentis astro- 
nomiae hypothesium futura sit ratio. lUud autem hominnm 
n. 21 



322 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

genuB,"^ quod omueB simul Stellas pro sno arbitratn, haud secns ac 
iniectis vincnlis, in aethere circomducere conatnr, commiseratione 
potios quam odio esse dignum, te inxta cum aliis veris mathe- 
maticis omnibusque yiris bonis iudicare. Gomque band ignores, 
quem locum bypotheses sen theoriae apud astronomos habeant, 
et in quantum mathematicus a physico differat, sentio te hoc 
qnoque statuere, quo observationes ipsiusque coeli testimonia tra- 
bunt retrahuntque, sequendum, omnemque difScultatem ferendo, 
Deo duce, mathematica et indefatigabili studio comitibus, supe- 
randam esse. Proinde si quispiam ad summum principalemque 
finem astronomiae sibi respiciendum statuerit, una nobiscum D. 
Doctori; Fraeeeptori meo, gratias habebit, cogitabitque et ad se 
Aristotelis illud pertinere, tac [liv oüv axpipearepac ava^xa«;, oxav 
Ti; iireTü)(7), TOTs x^P^"^ e/eiv Sei toTc eoptoxouot.** Et cum nos Ari- 
stoteles Calippi et suo exemplo confinnet*** ad causas rm ^ai- 
vopivwv assignandas, astronomiam, prout se diversi corporum coe- 
lestium motus obtulerint, instaurandam, neque AyerroSm, non 
satis dementem Ptolemaei Aristarchum, si modo ad physiologiam 
aequis oculis respicere velit, acerbius D. Praeceptoris bypotheses 
excepturum speraverim. Tantum abest, ut Ptolemaeum 
adeo hypothesibus suis, si ei in vitam redire daretur, 
addictum et adiuratum putarim, ut ad certam remm coele- 
stium doctrinam exaedificandam , ubi regiam viam tot seculorum 
ruinis impeditam et inviam factam deprehenderet; non aliud insuper 
iter per terras mariaque inquisiturus esset, cum per aera aper- 
tumque coelum ad optatam metam minus scandere liceret. Quid 
namque de isto aliud, cuius haec sunt verba, statuerem? »oots tä 
avaTToSetxTöx; üTtoTi&ep.£va, dav aTra? aujicpcDta xoT; cpaivopivot? xara- 



* Die editio princeps hat an dieser Stelle die Rand-Bemerkung : »In- 
telligit epicyclos et eccentricos negantes«. 

** Lib. II de caelo (Randbemerkung von Rheticus). 

*♦♦ Libro XII Metaphys. (Rhet.) 



I. DIE NARBATIO PRlMA. 323 

Xafi/^avTjtai, X^P^^ ^^^^ ttvo;, xal iTctoraaeoic eopYJaftai 8ov>)Tat, xäv 
Saaix&8T0( y^ o Tpoiroc aurcov tyjc xaToXri^ttü^. iizziZri xal xa&6Xot> 
Tcöv icpuiTCüv apx<öv, t) ooSev >) BoaepfiT^veoTov cpooei to aitiov.«* 

Qnam verecunde autem et pmdenter Aristoteles de motnam 
coelestium doctrina loquatur, passim in eius libris videre est. 
Et ait alibi**: TreTraiBsufiivoo ^^p äänv iicl toooütov t axpiße? iici,- 
CtjtsTv xaö' fxaoTov y^vo*;, i(f ooov t] tou icpaYP-ato? cpootc iTriSi^s'^Äi. 

Cum autem tum in physicis, tum in astronomieis ab effectibus et 
observationibns nt plarimnm ad principia sit processus, ego qni- 
dem statuo Aristotelem, auditis novarum hypothesium rationibus, 
ut dispntationes de gravi, levi, circnlari latione, motu et qniete 
terrae diligentissime excussit, ita dubio procul candide confes- 
surum, quid a se in bis demonstratum sit, et quid tanquam prin- 
cipium sine demonstratione assumptum, quare et D. Doctori 
Praeceptori meo suffragaturum crediderim, utpote cum constet 
rectissime, ut fertur, a Piatone dictum, »tov 'AptoTotiXsa t^; aX>)- 
bzla<; eivai (piXoaocpov«. Contra, si in dnrissima quaedam verba 
prorupturus esset, aliter vero mihi persuadere non possum, quin 
exclamans pulcherrimae huius philosophiae partis conditionem bis 
verbis deploraturus esset***: »icavo lp.fi8Xu>(; airo nXectcovoc XiXextai, 
YecofjL&Tpiav t8 xal ta? taütig iirojiiva? ovetpcorceiv [ilv i:epl to ov, 
oirep 8e aBovaiov aoTaij; ffisTv, Ico? av oTroftiosai, yjp<li\Lsvai taoTa? 
dxtvTjToo? iwai, jat^ Sovafisvai X070V 8t86vai aoraiv«, et adderet »iroX- 
Xtjv toTc aöavaxoK; 0£oT(; X^P^^ exeiv 8si, iicl x& tov oIov Xo^ov täv 
<paivo[iiva>v ei8iTai«. 

Verum enimvero, cum haec non tam huius loci sint, quam 
alterius cuiusdam disputationis,t quae porro restant D. 



* Ausser den Citaten »Lib. IX Eth.« fUgt Rheticus noch die Rand- 
Bemerkung hinzu: »Haec satis faciunt, quibus altius inque domos soperas 
Bcandere cura fuit«. 

** »Lib. I Ethicorum« (Rhet.). 
*** Lib. VII Poiiticorum. 
•{• Vgl. oben S. 285 Anmerkung. 

21» 



324 SCHRIFTEN VON BHETICU8. 

Doctoris Praeceptoris mei hypotheses, libere, et ut his, qnae 
supra diximus, aliquid lucis accedat, narrare ordine pergam. 

UniTersi distributio. 

Aristoteles inquit : » Verissimum est id , quod posterioribus^ ut 
Vera sintj causa est.a* Sic cum D. Praeceptor meus sibi tales 
hypotheses assumendas esse statueret, quae superiorum saeculorum 
observationes, ut verae esse confirmarentur, causas continerent et, 
quemadmodum sperandum, causae essent, ut in posterum omnes 
astronomicae täv (paivofiivwv praedictiones verae deprehenderentur : 
principio non mediocribus laboribus superatis per hypothesim 
constituit, orbem stellarum, quem octavum vulgo appellamus, 
ideo a Deo conditum, ut esset domicilium illud, quod suo complexu 
totam rerum naturam complecteretur , quare ut universi locum 
fixum immobilemque coudidisse. Et quoniam non percipitur motus, 
nisi per coUationem ad aliquod fixum, sicut navigantes in man, 
quibus nee amplius ullae apparent terrae, coelum undique et 
undique pontus, tranquillo a ventis man nuUum navis motum 
sentiunt, tametsi tanta ferantur celeritate, ut in hora etiam aliquot 
milliaria magna emetiantur: ideo Deum tot eum orbem, nostra 
quippe causa, insignivisse globulis stellantibus, ut penes eos, 
loco nimirum fixes, aliorum orbium et planetarnm contentorum 
animadverteremus positus ac motus. Deinde quod his quidem 
consentaneum est, Deum in huius theatri medium Solem, suum 
in natura administratorem , totiusque universi Kegem Di\ina 
maiestate conspicuum coUocasse. 

Ad cuius numeros et DU moveanturf et orhis 
Accipiat leges, praesciptaque foedera servet.** 

Reliquos autem orbes in hunc modum distributos esse. 
Primum locum infra firmamentum, seu orbem stellarum, Satumi 



* Metaphys. a t6 D.aTxoN (Rhet.)> 
^"^ Rheticus giebt am Rande das Citat: »Pontanus I. Claria«. 



DIE NAKRATIO PRIBIA. 



325 



orbem sortitnm, intra quem Jovib, deinde Martie contiueatur, äolem 
vero Mercurii, deinde Veneria orbe circamdari, quo orbium quin- 
qae planetarnm centra circa Holem reperirentur.* Sed intra 




concavam snperfieiem orbis Martis et couvexani Veneris, cum 
satiB amiilDm relictum sit Bpatiam, globum Telluri» cum adiacen- 



• Die Figur zur Copperntcani sehen AnordDnng dur Weltklirper ist — 
wie oben S. 201 bereite erwähnt wurde — in der editio princeps nicht ent- 
hulten. Erat Mästlin — dem dann die späteren Berausgeber mit Recht 
gefolgt siod — hat dieselbe nach der von CoppeniicDs selbat dem 10, K»- 



326 SCHRIFTBN VON BHBTICUS. 

tibu8 elementifl orbe Lanari circomdatum a magno qaodam orbe 
intra se Mercnrii et Veneris orbes item Solem complectente 
circnmferri, ut non aliter ac una ex stelÜB inter planetas saos 
motus habeat."^ 

Hanc totius universi distributionem ex D. Praeceptoris mei 
sententia mihi perpendenti diligentius praeclare simul ac recte 
Plinium** sensisse intelligo, cum inquit: i>Mundtj seu coeli^ cuius 
circumflexu tegantur cuncta, extera indagare^ nee interesse hommum^ 
nee eapere humanae eoniecturam mentisa. Et subdit: y^Sacer est, 
immensus, totus in toto, imo vero ipse totum, finitas et n^nito 
simüis etcAi Nam ubi D. Praeceptorem menm sequemur, nihil 
extra concaynm orbis Btellati, quod inquiramus, erit, nisi qnantnm 
nos sacrae literae de his Bcire voluerant, tum etiam qnicqnam 
extra hoc concavum constitnendi praeclnsa erit via. Qnare totam 
reliqnam hanc natnram, ceu sacrosanctam, a Deo coelo stellato 
inclnsam cum gratiamm actione admirabimur et contemplabimur, 
ad quam perscrntandam et cognoscendam multis modig, infinitis 
instrumentiB et donis nos locupletavit et idoneos effecit ; et qnidem 
eo usque progrediemur, quo ipBe voluit, neque ab ipBo constitutos 
limiteB transgredi tentabimus. 



pitel des ersten Buches in dem Werke »de revolutionibus« beigegebenen 
Figur nachbilden und seiner Ausgabe der »Narratio prima« eindrucken 
lassen. 

* An dieser Stelle fügt Mästlin eine Anmerkung hinzu, in welcher er 
darauf hinweist, dass das heliometrische System bereits von den Alten vor- 
gebildet gewesen sei: »Testis est« — sagt er — »Archimedes libello de 
Arenae numero, quo de Aristarcho sie scribit: Haec in iis, quae ab astro- 
logis scripta sunt, redarguens Aristarchus Samius positiones quasdam edidit, 
ex quibus sequitur, Mundum modo dicti Mundi multiplicem esse. Ponit 
enim Stellas inerrantes atque Solem immobiles mauere; ter- 
ramvero circumferri circa Solem secundum circumferentiam circuli, 
qui est in medio cursu constitutus; sphaeram autem inerrantium stellarum 
circa idem centrum cum Sole sitam tantae esse magnitudinis, ut circulus, 
in quo ponit terram circumferri, eam habeat proportionem ad distantiam 
Stellarum inerrantium, quam centrum sphaerae habet ad eius superficiem«. 
Das Gitat PUn. Lib. 2 cap. 1 hat Mästlin seiner Ausgabe beigefügt. 



** 



I. DIE KABRATIO PBIMA. 327 

Immenfinm praeterea mundam esse et vere infinito similem, 
qnantum etiam ad eiua concayum, ex eo quidem in confesso est, 
quod Stellas omnes scintillare videamus, planetis exceptis, etiam 
Saturno, qui eorum coelo citimus maximo fertar circalo. Sed 
idem longe manifestius ex D. Fraeceptoris hypothesibus per airo- 
SeiSetc patet. Cum enim Orbis magnus terram deferens ad quin- 
que planetarum orbes perceptibilem rationem habeat, unde vide- 
licet omnem apparentiarum diversitatem in bis planetis per eorum 
ad Solem habitudines provenire demonstratnr , ac omnis in terra 
horizon orbem stellatum in aequalia, ut universi circulns magnus, 
interseeet, et orbes revolutionum suarum a stellis fixis aequalitar- 
tem habere comprobetur: satis darum est, orbem stellarnm 
maxime infinito similem esse, quoniam quidem Orbis Magnus ad 
eum coUatus evaneseat, omniaque xa <paiv6^va non aliter conspi- 
ciantur, ac si terra in medio universi consedisset. 

Porro quanquam admiranda et band indigna tum opifice Deo 
tum quoque divinis his corporibus motuum et orbkm symmetria 
ac nexus, quae praedictis hypothesibus assumptis conservatur, 
animo eitius concipi (propter affinitatem, quam cum coelo habet] 
quam ulla voce humana eloqui posse affirmaverim, quemadmodum 
in demonstrationibus non tam verbis, quam perfectis et absolutis, 
ut ita dicam, ideis harum suavissimarum reram nostris animis 
imprimi solent: tamen et in generali hypothesium contemplatione 
est videre, quomodo inefifabilis quoque convenientia omniumque 
consensus sese offerat. Nam praeterquam quod nullus in vulga- 
ribus hypothesibus finis effingendarum sphaerarum apparebat, 
orbes, quorum immensitas nuUo sensu aut ratione percipi poterat, 
tardissimis et velocissimis circumducebantur motibus, aliique a 
supremo mobili omnes inferiores sphaeras motu diumo rapi con- 
stituebant, cum tamen maxima turba disputationum hac de re 
concitata, qua ratione sphaera superior in inferiorem ins habeat, 
necdum constituere potuerint; alii, ut Eudoxus et qui eum sunt 
secuti, cuilibet proprium orbem tribuebant, cuius motu in die 



328 SCHRIFTEN VON RHETIGUS. 

natural! circa terram semel circumferretur. Praeterea, Dii im- 
mortales! quae digladiatio, quantalia usque adhuc fait de orbiam 
Veneria et Mercurii situ, et qnomodo sint ad Solem coUocandi. 
Verum adhuc Bub iudice lia est, quamque unquam posse componi 
vulgaribus istis hypothesibus constitutis in dif&cili admodum esse 
atque adeo imposibile, quis porro est, qui non videt? Quid enim 
obstiterit? et si quis Satumum infra Solem coUocet, orbiam et 
epicycli ad se invicem servata Interim ratione, cum in iisdem 
hypothesibus communis orbium planetarum inter se dimensio non- 
dum Sit demonstrata, quo per eam quilibet orbis suo in loco 
geometrice circumscriberetur. Ut sane hie silentio praeteream, 
quantas tragoedias calumniatores pulcherrimae huius partis philo- 
sophiae et suavissimae commoverint propter epicycli Veneris 
magnitudinem , et quia assumptis aequantibus lationes orbiam 
coelestinm super propriis centris inaequales ponebantur. 

In D. Praeceptoris autem hypothesibus orbe stellato, 
ut est dictum, termino constituto, quilibet planetae orbis 
suo a natura sibi attributo motu uniformiter incedens 
suam periodum conficit et nuUam a superiori orbe 
vim patitur, ut in diversum rapiatur. Adde, quod orbes 
maiores ambitus tardius, et propiores Soli, a quo quis principium 
motus et lucis esse dixerit, velocius, ut conveniebat, suos circuitus 
perficiunt. Quare Satumus sub ecliptica liber viam corripiens in 
XXX annis revolutionem complet, Jupiter in XII, Mars in duobus, 
centrum autem Terrae anni quantitatem ad Stellas fixas deter- 
minat. Venus in novem mensibus *" zodiacum permeat. Mercurius 
vero minimo orbe Solem circumdans LXXX diebus mundum per- 
lustrat. 



* Mästlin hat hier ganz willkürlich die Angabe der editio princeps 
verändert, in welcher der Umlauf der Venus auf neun Monate angegeben 
wird; er substituirt fUr »novem mensibus« die Worte »Septem men- 
sibus cum dimidio«. £r thut damit dem Texte Gewalt an. Es liegt 
hier weder ein Druckfehler noch ein lapsus calami von Rheticus vor. 



I- DIE NARBATIO PRIMA. 329 

Suntque ita sex tantnm orbes mobiles Solem, universi medium^ 
circnmdantes , quoram Orbis Magnus terram deferens communis 
est mensura^ quemadmodum et orbium Lunae, item Solis a Luna 
distantiae etc. ea, quae ex centro globi terreni. 

Et qnidem senario numero qnis commodiorem alterum et 
digniorem elegerit? quove totum hoc Universum suos in orbes a 
Deo Conditore mundique Opifice distinctum mortalibus facilius 
persuaserit? is namque cum in sacris Dei oraculis tum a Pytha- 
goreis reliqnisque philosophis ut qui maxime celebratur. Quid 
autem huic Dei opificio convenientius , quam ut primum hoc et 
perfectissimum opus primo et eodem perfectissimo numero inclu- 
datur? 

Ad haec, ut ita a praedictis sex orbibus mobilibus harmonia 
coelestis perficiatur. ubi orbes omnes sibi eo pacto succedant, ut 
et nuUa ab altero ad alterum intervalli immensitas relinquatur, 
et quisque geometria septus suum locnm in hunc tueatur modum, 
ut, si quemcunque loco movere tentes, simul etiam totum systema 
dissolvas. 

Sed generalibus bis praelibatis accedamus sane ad lationum 
circularium, quae competunt singulis orbibus et sibi adhaerentibus 
ac incumbentibus corporibus, enumerationem. Primo autem di- 
cemus de hypothesibus motuum terreni globi, cui nos inhaeremus. 



Qui orbi magno et ei adhaerenübus niotus compatant. 
Terrae motus tres, dinrnns, annuns, declinationls. 

Cum D. praeceptor mens Platonem et Pythagoreos summos 
divini illius seculi mathematicos sequens sphaerico terrae corpori 



Coppernicns selbst bezeichnet die Venus in dem Werke »de 
revolutionibus« als »nonimestris« und sagt von ihr ausdrücklich, 
sie umkreise die Sonne in nenn Monaten »Quinto loco Venus 
mono mense rcducitur«. (de rev. orb. cael. I, 10). 



330 SCHBIPrEN VON BHETICÜS. 

circulares lationes ad tcov <paivo(jLiv(i>v causas assignandas tribnendas 
cenBeret, yideretqne (quemadmodum AristoteleB quoque testaturj 
uno attributo terrae motu et alias item lationes ipsi ad stellanuii 
imitationem competere, tribns eam principio, ut maxime praeeipms, 
moveri motibus assumendum indicavit. Primo namque univer- 
sali mundi distributione, ut mox dictum est, assumpta constitait 
teiram intra Lunae orbem suis verticibos inelusam, tanquam 
sphaerulam in tomo, Divino ita ordinante Numine, ipsius globi 
ab oecasu ad ortum motu diem noctemque atque aliam super 
aliam coeli faciem mortalibus, prout se Soli obvertat, producere. 
S e c u n d loeo centrum , terrae cum sibi incumbentibus elementis, 
scilicet et orbe lunari, ab Orbe Magno, de quo semel atque 
iterum iam meminimus, uniformiter in eclipticae piano secundum 
signorum consequentiam circumferri. Tertio aequinoctialem et 
axem terrae ad planum eclipticae convertibilem habere inclinationem 
et contra motum centri reflecti, ita ut, ubicunque sit centrnm 
terrae^ aequinoctialis et poli terrae propter talem axis terrae in- 
clinationem et stellati orbis immensitatem ad easdem mundi 
partes semper forme respiciant. Quod fiet, si, quantum terrae 
centrum ab Orbe Magno in consequentia ducatur, tantum axis 
terrae extremitates , qui poli terrae siugulis diebus fere in ante- 
cedentia procedere intelligantur, circa axem et polos, axi et polis 
Orbis Magni aut eclipticae aequidistantes circulos parvos descri- 
bendo. His autem motibus, ubi ex D. Praeceptoris mei sententia 
binas polorum terrae librationes, duos item motus, quibus centrum 
Orbis Magni aequali et differenti motu subecliptica incedit, ad- 
iecerimus, cum his, quae superius de Lunae motibus circa 
terrae centrum dicta sunt, habebimus, doctissime D. Schönere, 
quae sit vera hypothesium ratio, ad totam doctrinam, quam Primi 
Motus recentiores vocant, quamque de omnimodis stellatae 
sphaerae motibus habemus, deducendam et causas eorum assig- 
nandas, quae circa Solls Lunaeque motus et passiones in bis 
mille annis iam transactis diligentibus artificum observationibus 



I. DIE NABRATIO PRIMA. 331 

contigisse est animadverBuin, nt sane, quod postea uberius dicen- 
dum erit, sileutio praetereamus, quod nimirum OrbiB Magni motus 
apparentias in reliqnis quinqne plauetis ingerat. Tarn paucis, 
et ceu in uno orbe, tanta rernm doctrina eomprehenditur. 

In primi motus doctrina nihil venit mutandum. Quae enim 
est proprietas eorum, quae sunt ad invicem maxima declinatione 
constituta, eadem ratione investigabuntur reliquarum etiam par- 
tium eelipticae declinationes, ascensiones rectae^ in toto terrarum 
orbe umbrarum et gnomonum ratio, dierum quantitates, ascen- 
siones obliquae, stellarum ortas et occasus, etc. Hoc tarnen inter 
has et Yeteram hypotheses interest, quod in illis contra ac a 
Veteribus praeceptum est, stellato in orbe praeter eclipticam 
nullus circulus imaginatione proprio describatur. Reliqui vero, 
ut sunt aequinoctialis, duo tropici. arctici et antarctici, horizontes, 
meridiani omnesque alii ad doctrinam primi motus pertinentes 
circuli yerticales, altitudinum, paralleli, coluri, etc. in terrae 
globo proprio designantur et per relationem quandam in coelum 
referuntur. 

Eorum autem, quae circa Solem apparent, praeter apparen- 
tiam diumae circa terram revolutionis, quam cum omnibus stellis 
et planetis reliquis communem habet, et quae Ptolemaeus ac re- 
centiores propriis Solis motibus tribuerunt, accidunt ei et ea, quae 
circa mutationes pnnctorum solstitialium , aequinoctialium et 
stellarum ab iisdem elongationes atque apogii a ^stellis fixis va- 
riationes contingere deprehenduntur. Quae omnia se nostris 
oculis o£ferunt, haud secus, ac si Sol et stellarum orbis move- 
rentur. Quomodo enim in Oriente emergere seu oriri et paulatim 
supra horizontem elevari, donec meridianum pertingant, a quo 
pari ratione descendere, deinde inferius hemisphaerium permeare, 
in diesque diumas suas revolutiones conficere vulgo credantur, ex 
primo motu, quem terrae D. Praeceptor iuxta Flatonem tribuit, 
satis evidentes causas habet. 

Quod autem Sol nobis secundum signorum consequentiam 



332 • SCHRITTEN VON RHETICUS. 

progredi videatur, atque tali motu eclipticam describere et tempus 
annaum constituere nobis persnadeamuB, per alteriim motnm, 
quem D. Praeceptor terrae tribuit, fieri potest. Terra enim Orbe 
Magno lata et inter Stellas Librae et Solem morante nos, qui 
quidem terram quiescere putamus, Solem Arietem stellatum habere 
existimabimus, quippe ex terrae centro linea per Solem in orbem 
Stellarum eieeta, in Arietis astrum ineidet. Deinde terra progre- 
diente ad Seorpionem, Sei Taurum petere videbitur, et hunc in 
modum totum Zodiacum permeare, cum tamen ipso quiescente 
hunc motum ei competere statuamus. Et annus sidereus erit 
tempus, quo centrum terrae seu Solis in apparentia ab eadem 
Stella ad eandem semel revolvitur. 

Tertius terrae motus certas et ordinatas in toto terrarum orbe 
temporum vicissitudines produeit ; per hunc namque fit, ut Sol et 
reliqui planetae in circulo ad aequinoctialem oblique ferri vide- 
antur, eademque sit Solis ad singulos terrae tractus habitado, 
quae futura erat, terra medium universi per hypothesim occupante 
et planetis in circulo oblique motis. Quoniam namque aequinoo- 
tialis planum propter polorum suorum, ut dictum, motum ab 
eclipticae piano in collatione ad Solem reflectitur et declinat, seu 
ut Graeci dicunt, XoEsoerat xai ä^xX^vet sub iisdem fere eclipticae 
locis eadem aequinoetialis ab ecliptica redit declinatio, ipsique 
poli diurnae revolutionis semper sub eodem quasi stellatae sphaerae 
situ versantur. Deinde in maximis declinationibus aequinoetialis 
ab eclipticae piano ad Solem linea ex centro Solis exiens ad 
terrae centrum sectione conica terrae globum diuma revolutione 
circumvolutum disseeat tropicosque describit. Praeterea, quando 
aequinoetialis planum ab eclipticae piano ad Solem maxime 
reflectitur, in universa terra aequinoctium contingit, quippe cum 
a praedicta linea globus terrae in aequinoctiali in duas semi- 
sphaeras abscindatur. Sed reliqui paralleli dierum in terra, 
prout reflectio et declinatio (sive, ut verbis utar Ptolemaei, 
Xo^coai? xat sYxXiai^ aequinoetialis ad Solem sese commiscent, 



I. DIE NARRATIO PRIMA. . 333 

notantur. Arctici vero et Antarctici a punctis contingentibus ho- 
rizontes describnntur. Sed polares D. Praeeeptori poli eclipticae 
aequidistantes circa aequinoctialis poIos depingunt. Globi terrae 
autem circulas magnus transiens per aequinoctialis et dictos 
eclipticae aequidistantes polos colurns solstitiomm erit, et alias 
enndem in aequinoctialis polis ad angulos rectos sphaerales inter- 
secans coluri aequinoctiorum vicem subibit. At(}ue in hunc modum 
vel cuiuslibet loci propra circuli vel alii quotcunque facile terrae 
inscribi et exinde ad superextensum coelum referri intelliguntur. 

Porro cum propter observationum iinperium terrae globus in 
eccentrici circumferentiam evolaverit, Sol in medium universi 
subsederit, et sicut in yulgaribus hypothesibus centrum eccentrici 
inter centrum totius universi (quod in iisdem et terrae) ac Stellas 
Geminorum nostra aetate erat, ita contra in D. Praeceptoris hypo- 
thesibus centrum Orbis Magni, quod in principio nostrae Narrationis 
per centrum eccentrici intelleximus, inter Solem, D. Praeeeptori 
universi medium, et Stellas Sagittarii rei)eriatur, ac diameter orbis 
magni in centrum terrae incidens medii motus Solis lineam 
referat. Cumque linea ex centro terrae per Solis centrum in 
eclipticam eiecta verum locum Solis determinet, non est obscurum, 
quomodo Sol de Ptolemaei recentiorumque traditione inaequaliter 
snb ecliptica moveri aestimetur, atque angulus diversitatis a motu 
medio geometrice investigetur. Terra autem in summa abside 
Orbis Magni existente, Sol apogii locum in eccentrico occupare 
credatur, et contra, illa in ima abside morante, ipse in perigio 
conspiciatur. 

Verum enimvero qua ratione stellae fixae a punctis aequi- 
noctialibus et solstitialibus elongari videantur, et maxima Solis 
obliquitas variari, etc. (quod sub initium Narrationis ex D. Prae- 
cejjtoris lib. III deduxi) ex motu declinationis, quem generaliter 
proposiumus, et binis sibi invicem occurrentibus librationibus 
dependere D. Praeceptor collegit. A polis, eclipticae polis, ut 
non ita multo ante dictum^ aequidistantibus, utrinqne 23 gradus, 



334 SCHRIFTEN VON BHEHCÜfi. 

40 minuta circuli magni numerentar, ibique duo notentnr pancta, 
quae polos aequinoctialis medii referant, ac, ut convenit, dno 
coluri solstitia et aequinoctia media distingnentes designentar. 
Haec sane discendi gratia concipiantur et delineentar in orbicalo 
globnm terrae contiuente, cuius uniformi motu tertius, qni qnidem 
terrae tribuitur, motus contingat. Centro autem terrae inter Solem 
et Stellas Virginis commorante, reflectatur seu obliquetur aequi- 
noctialis medius ad Solem, et linea veri loci Solis per commnnem 
sectionem plani eclipticae, aequinoctialis medii et coluri distin- 
guentis aequinoctia media transeat, idque ita, ut sit aequinoctium 
vemale medium, et simul aequinoctium vemale verum, ubi idem, 
quemadmodum ex sequentibus liquido constabit, ratio motuum sie 
exiget. Ab hoc loco terrae centro aequali motu ad Stellas fixas 
singulis diebus 59 minuta 8 secunda 2 tertia procedente, 
punctum vemale medium tantundem in praecedentia super terrae 
centro conficiat, et paulo velociori gressn incedens 8 fere tertiis 
angulüm maiorem describat. Et haec est causa, quamobrem 
paulo ante declinationis motum aequalem ferme aequali motui 
centri terrae ad Stellas fixas diximus. Sed crescente subinde 
angulo, qui a puncto vemali aequinoctialis medii super terrae 
centro (iuxta iam positum canonem) designatur, priusquam centrum 
terrae ad locum eclipticae, unde digressum, revertatur, denique 
linea veri loci Solis in aequinoctium medium incidet, et stellae 
videbuntur nobis medio seu aequali aliquo motu in conseqnentia 
pro anticipationis ratione progredi. Quae anticipatio, ut principio 
dixi, in anno Aegyptio est 50 secund. fere, et in XXVMDCCCXVI 
annis Aegyptiis in integram revolutionem excrescit. Patet itaque, 
quid sit aequinoctium medium, quid aequalis praecessio, et 
quomodo haec ceu instrumentali fabrica oculis possint snbiici. 



I. DtE KARRATIO PRIMA. 



335 



De Ubrationlbns. 

« 
Sid linea recta determinata a i,* ut exempli gratia 24 minutiB; 

haec puncto d in duas aequales partes dividatur. Deinde altero 

circini pede in d collocato, describatur circulus ce extensione de 

yersus a 6 minutis (quarta parte scilicet) ; et einsdem magnitn- 

dinis de alia ah hac materia duo circelli (ut sie Interim loqui 

liceat) fabricentur et ita componantur, ut alter eorum circum- 

ferentiae alterius applicetur, quo libere circa suum centrum moveri 




possit. Qui autem alterum in circumferentia fert, primus vocetur, 
ac eentro lineae ah m puncto d affigatur; secundi circelli centro 



* Auch an dieser Stelle hat Bheticus der editio princeps keine Figur 
beigegeben, obwohl er sie im Werke »de revolutionibus« bei Coppemicus 
vorgefunden hatte. Wunderlicher Weise hat er sogar einige Buchstaben 
der Coppemicanischen Figur geändert. Mästlin hat sich hier streng an die 
editio princeps angeschlossen, musste in Folge dessen auch die Buchstaben 
in der Coppemicanischen Figur ändern. In dem vorliegenden Abdrucke ist 
die Figur aus dem Werke »de revolutionibus« mit den dort von Coppemicus 
gewählten Buchstaben Übernommen. 



336 SCHRIFTEN VON RHETICUS. 

nota f^ et in circiimferentia eiusdem ad placitum puncto assampto, 
nota h adpingatar. Quod si nota h secundi circelli applicetnr a 
termino lineae assumptae, et/notae c eiusdem, ac aequali tem- 
pore h in unam partem super centro / angulum describat, duplnm 
angulo ab / super d in partem diversam descripto : patet in una 
primi circelli revolutione notam h lineam a h bis describendo per- 
reptasse et secundum circellum bis revolutum. Quia autem tali 
descriptione lineae rectae per duos circulares motus compositos h 
punctum circa a et 6 terminos tardissime promovetur, in medio 
autem circa d concitatins, placuit D. Praeceptori talem notae h 
per ah lineam motum librationem vocare, cum talis motus ad 
similitudinem pendentium in aere fiat. Appellatur hie etiam motus 
motus in diametrum; nam imaginatione assumpto circulo, cuins 
ah centro d sit diameter, ex chordarum doctrina, quo in loco 
eiusdem diametri ah circellorum motu, quem dixi, composito h 
punctum sit, constituitur, tabulaque prosthaphaeresium fabricatur. 
Motum primi circelli super d Praeceptor anomaliam vocat ; eo 
namque motus prosthaphaeresis deprehenditur. Sic f centnim 
secundi circelli in circumferentia primi a d puncto in sinistrum dis- 
cedens describat angulum, qui sub cdf sit graduum 30, et in 
circumferentiam circuli a 6 ex centro d eiecta dfg totidem graduum 
ag arcum continebit similem arcui cf primi circelli; et quia 
secundi circelli punctum A ab ^ ad dextram ratione dupla pro- 
cessit, a signo g in Signum h linea recta ducta patet eandem 
esse semissem dupli arcns ag ^i hd^ semissem dupli arcus residui 
ag arcus de quadrante. Quare et ah 1340 partium, quanim 
quae ex centro 1 000, quantum videlicet h distat ab a in diametro 
ah, Quod si vero ah praesupponatur 60, ah erit talium 4, et 
hb 56, unde facta parte proportionali ad 24 habebitur, in qua 
parte assumptae lineae recte determinatae h Signum substitat in 
tali casu. 

His ita ira/ütipa sane jxooaT] perceptis, in facili fuerit intelli- 
gere, quomodo et maxima aequinoctialis ab eclipticae piano 



I. DIE NARRATIO PRIMA. 337 

obliquitas varietar, et vera aequinoctiomm praecesBio inaeqnalis 
fiat. Principio namque (cum breviores arcas a lineis rectis, quoad 
sensum quidem, nihil differantj aequinoctialis medii polo Bepten- 
trionali punctum d imaginatione applicetur. Linea autem ab Bit 
arcus coluri distinguentis Bolstitia; media b inter polum aequi- 
noctialis medii septentrionalem -et adiacentem polum eorum, qui 
eelipticae polis aequidistant. Quare b est terminus minimae 
poli diurnae revolutioniB bcu terrae ab eelipticae, ut dictum, polo 
distantiae/ a vero inter eundem borealem aequinoctialis medii 
polum et eelipticae planum, unde et maximae poli terrae a polo 
eelipticae remotionis. Praeterea duobuB circellis linea ab^ uti 
convenit, applicatis intelligatur , quantum ad praesens polns 
terrae borealis in h puncto et motu duorum circellorum composito 
lineam ab 1A minutis describet, simili nempe machinatione polo 
meridionali moto lege oppositionis servata, ceu pendente mundo 
maximam declinationem mutante. 

Et asBumatur primum circellum in XXXmiMCCCCXXXIIII 
annis Aegyptiis"^* revolutionem complere, et terminum, a quo 
principium motus anomaliae, esse a punctum circumferentiae 
circuli, cuius diameter libratione prima describitur. Atque 
cuilibet statim patebit, si praeter hanc unicam poli terrae nullam 
haberent librationem, ipsique poli terrae a coluro distinguente 
solstitia media non abscederent, quomodo tali polorum terrae 
motu tantum angulus inclinationis plani aequinoctialis veri ad 
eelipticae planum propter polorum suorum progressum ab a 
versus d b,A. b decresceret, contra aliam circulationem complendo 



* Der obige Satz ist i^ach der Textes-Recension vod Mästlin gegeben. 
In der editio princeps lautet die Stelle, jedenfalls verderbt: »quare et 
terminus minimae poli diurnae revolutionis, seu terrae, ab 
eelipticae, ut dictum, polo distantiae. A vero inter eundem 
borealem etc.« 

** Die Zahl XXXIIIIMCCCCXXXIIII ist aus der editio princeps über- 
nommen. Mästlin hat 3434 gesetzt, und ist diese Zahl auch in alle späteren 
Ausgaben des Mysterium cosmographicum übergegangen. 

II. 22 



338 SCHRIFTEN VON BHETICC8. 

a b siA d versag a cresceret, nnllamqae propterea inaequalitatem 
in aequinoctioram praecessione apparere. 

Porro autem, quoniam per observationes certo constat paneta 
aeqninoetialia vera a ponctis aequinoctialibos mediis hinc inde 
70 minatis maxima prosthaphaeresi elong^ri, obliquitatisqae mu- 
tationem ad hanc daplam rationem habere: eonstitaendam D. 
Praeeeptor et alteram insuper illa inferiorem librationem * animum 
saam indnxit, qua yidelicet poli terrae a eoluro distingnente sol- 
stitia media in mundi latera excurrerent, idque ita, ut hains se- 
enndae librationis adb arcus sen linea recta eum colnro distin- 
gnente solstitia media quatnor angnlos rectos constituat. At vero 
in septentrione a dextrnm mundi latus, b sinistrum occupet, in 
meridie autem a sinistrum, b dextrum, et d huius per notas h 
primae librationis utrinque adb lineas 24 minutis eiusdem describat, 
denique in huius h notas poli terrae revera affigantur, et hac se* 
cunda libratione utrinque a dicto eoluro in a vel b extremis terminis 
constitutis 28 tantummodo minutis defleetantur, cum polis in ta^ 
libus loeis eolurus distinguens solstitia yera cum distingnente sol- 
stitia media notabiliter maiorem angulum 70 minutis non contineat. 
Verum, quoniam prosthaphaereses praecessionis respectn ad 
punctum vemale medium sumendae, D. Praeeeptor secundam 
librationem, tanquam per punctum yemale verum ad medium 
contingeret, eandem perpendit, maxime cum hunc in modum 
prosthaphaeresium investigatio sit facilior. Quare et linea ab 
140 minuta erit et sie disposita, ut respondeat lineae boreali 
librationis secundae, d autem in puncto vemali medio, puncto 
vemali vero h notam occupante, et ut quae ex centro alterutrius 
circellorum 35 minutorum sit. Praeterea autem terminus, a quo 
Initium motus , est punctum vemale medium , a quo punctum 



* Der Text ist nach der editio princeps gegeben. Mästlin hat ihn 
wesentlich geändert; er liest: »ad constituendam D. Praeeeptor et alteram 
super illam inferendam librationem«. 



I. DIE KABRATIO PRIMA. 339 

vernale veram ad dextram a versus excarrit. Anomalia vero 
numeratar a puncto supremo circuli, cuius dimetientem punctum 
vernale verum describit, quod in eiusdem circuli circumferentia 
ad septentrionem a coluro aequinoctiorum medio determinatnr. 
Et cum in nna obliquitatis restitutione praecessionis inaequalitas 
bis compleatur, huius secundae librationis anomalia in MDCCXVII 
annis Aegyptiis perficietur. Quare et obliquitatis anomalia ex 
tabulis desumpta duplicata praecessionis anomaliam reddit, et illi 
simplicis, huius vero duplicatae cognomen est. 

Quod si secunda haec libratio tantum ponenda fuisset, angulus 
inclinationis plani aequinoctialis veri et eclipticae, quod quidem 
dignum animadversione esset, non variaretur, ut patet. Verum 
omnis apparentiarum diversitas propterea contingens in sola prae- 
cessionis aequinoctii veri inaequalitate deprehenderetur , utrisque 
autem librationibus coincidentibus, poli terrae sibi invicem occur- 
rentibus, ut dictum, motibus circa polos aequinoctialis medii fi- 
gnras coroUarum intortarum delineabunt. 

Et cum poli terrae in colurum distinguentem solstitia media 
ineidunt; versus colurus cum medio in eodem iacebit piano, 
punctumque vernale verum cum medio coniungetur; cum tamen, 
nisi polis utriusque aequinoctialis coniunctis, plana aequinoctialium 
et colurorum distinguentium tam media quam vera solstitia et 
aequinoctia* omnino coniungentur. Polo autem septentrionali in 
parte a d secundae librationis versus a dextrum limitem morante, 
meridionali polo in puncto opposito constitnto aequinoctium verum 
sequitur medium, et Sol prius in medium quam verum aequinocti- 
alem incidit. Sed polis terrae mundi latera permutantibus, ut nempe 
polus boreaUs a coluro solstitiorum mediornm sinistrnm, australis 
dextrum latus teneat, verum aequinoctium praecedit medium, 
citiusque Sol cum vero quam cum medio aequinoctiali congreditur. 



'^ Mästlio hat auch hier eine wesentliche Aenderung vorgenommen, er 
schiebt nämlich vor »omnino« ein »non« ein. 

22* 



I 



340 gCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

Caeternm ab a versus b polis terrae procarrentibas, quia aeqni- 
noctiam verum Soli quasi obviam procedit, annus ad aequinoetia 
propter haue causam decreseit; a b vero versus a, cum Solem 
quasi fugiat, anuus ad aequinoetia crescit. Et polis terrae circa 
d haerentibus, breviori annorum [spatio notabile anm crementum 
aut decrementum percipitur. 

Cnmque apparens stellarum fixarum processus annuae quan- 
titati ad aequinoetia coUigatus sit, eadem prorsus ratione velocior 
et tardior punctorum solstitiorum et aequinoctiorum a stellis fixis 
elongatio in antecedentia animadvertitur.* 

De Solis autem apogio, quae principio ex observationibus 
secundum D. Praeceptoris mei sententiam dednximus, quantum 
ab aequinoctii vemi ab eo elongationem attinet, ex mox dictis 
satis innotuit. Progressus vero ipsius apogii sub eeliptica a motu 
centri parvi circuli et Orbis Magni centri in parvi circuli circum- 
ferentia uniformi latione dependet. Diameter Orbis Magni aut 
eclipticae per Solis parvique circuli centra transiens est linea 
mediarum absidum Solis ; sed diameter per Solis Orbisque Magni 
centra est linea verarum absidum. Quemadmodum autem centrum 
Orbis Magni inter Solem et locum eclipticae, ubi Sol periginm 
teuere creditur, reperitur, ita similiter centrum parvi circuli inter 
locum perigii medii et Solem statuitur. 

Tempore Ptolemaei linea verarum absidum a prima Stella 
Arietis in 57 gradibus 50 minutis loco apogii apparentis, et in 
237 gradibus 50 minutis perigii utrinque terminabatur, mediarum 
autem absidum in 60 gradibus 16 minutis et puncto opposito 
240 gradibus 16 minutis. Nam centrum Orbis Magni a summa 
parvi circuli a centro Solis distantia 2]| fere gradibus in ante- 



* Mastlin schaltet hier eine längere Ausführung ein, (p. 129 ed. pr.) 
in welcher er die beiden ersten von Coppemicus nngenommenen Librationen 
erläutert. Der mit einer Figur versehene Abschnitt ist überschrieben: 
»Schema utriusque librationis pro obliquitatis et verae aequinoctialis cum 
eclipticae sectionis mutatione monstranda». 



I. DIE KABRATIO PBIMA. 341 

cedentia processerat, tantandem nempe eodem tempore anomalia 
simplici; quae et obliquitatis, existente. Unifonuiter autem pro- 
cedente centro parvi circuli super Solls centro et Orbis Magni 
centro in parvi circuli circumferentia visa est summa absis Solls 
tempore observationis , quam habuit D. Praeceptor, 69 gradibus 
25 minutis a prima Stella Arietis teuere. At cum eodem tempore 
anomalia simplex 165 gradibus ferme esset, prosthaphaeresis 2 
gradibuB 10 minutis ferme reperta est, centrumque parvi circuli 
inter Solem et 251 gradus 35 minuta locum perigii medii con- 
stituit. Praeterea eccentricitas Orbis Magni seu eccentrici Solls, 
si placet ita loqui, quae Ptolemaeo ^|^ eins quae ex centro Orbis 
Magni fuit, nostra aetate ^\ partem fere attingit, ut Observationen 
OBtendunt, et D. Praeceptoris bypothesibus constitutis mathema* 
tica adhibita facile deducitur. 

Quomodo autem et propter centri Orbis Magni in parvo cir- 
culo motum eccentricitates quinque planetarum varientur, ut in 
causis renovandarum hypothesium proposuimus, haud magno cum 
labore intelligi potest. In contemplatione vero quinque planetarum 
cum duo potissimum consideranda veniant, quomodo et quantus 
eentri terrae ad deferentium planetas centra accessus vel recessus 
fiat, deinde quam illud augmentum vel decrementum rationem ad 
illam, quae ex centro deferentis cuiuslibet planetae habeat, non 
opus erit causas longius petere. 

In Satumo cum vel tota dimetiens parvi circuli nuUum per- 
ceptibilem admodum respectum ad eam, quae ex centro deferentis 
eins habeat, propterea quod primus sub stellato orbe feratur, 
nuUam variationis eccentricitatis Satumi observationes ingerere 
poterunt. 

Deinde quia Jovis apogium per quadrantem fere a Solis 
apogio constitit, hodie propter centri Orbis Magni processum nuUa 
sensibilis eccentricitatis eius deprehenditur mutatio, tametsi nota- 
bilis et perceptibilis ratio diametri parvi circuli ad eam, quae ex 
centro orbis sui esset. Atque haec est causa, quare in Mercurio 



342 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

qnoque nuUa eccentricitatis sentiatnr matatio, cum similiter Solls 
apogii latus suo apogio claudat. 

Martis apogium distat ab apogio Solls ad sinistram 50 fere 
gradibus, Veneris autem ad dextram 42 gradibus. Sunt itaqae 
centra horum defereutium in idoneis locis constituta ad perclpien- 
dam variationem, et cum diameter pam circuli ad ntriusque 
orbem notabilem habitudinem habeat, observationibus de dnobns 
bis planetis per triangulorum doctrinam examinatis invenit D. 
Praeceptor Martis quidem eccentricitati -^^ Veneris vero ^ propter 
accessum centri Orbis Magni ad Solem decessisse. 

Ne autem unus aliquis motus terrae attributus parum testi- 
monii videretur habere, industria too ao<pou Sr^^iioupYoo factum est, 
ut quilibet motus pariter et in omnium planetarum apparentibns 
motibus notabiliter deprehenderetur, adeo paucis motibus TrXeioveat 
Tol^ (paivofjievot^ in natura necessariis satisfieri opportunum foit. 
Ideoque et centri Orbis Magni motus non tantum ad Solem et 
planetas eundem circumdantes, sed etiam ad Lunae passiones 
pertingit. 

Quemadmodum namque Ptolemaeus distantiam Solis a terra 
maximam constituit esse 1210 partium, qualium est quae ex centro 
terrae una, et axem umbrae earundem 268, ita D. Praeceptor 
demonstrat nostra aetate eandem Solis a terra maximam elonga- 
tionem esse 1179 partium, et axem coni umbrae 265. Caetera 
vero, quae bis cohaerent, ad utriusque luminaris motus 
et passiones propter mutatas hypotheses perpendendas Se- 
cundae Narrationi huic subsecuturae reseryanda 
putavi.* 



♦ Vgl. oben S. 285 Anmerkung. 



I. DIE NABRATIO PRIMA. 343 



Altera pars hypothesium de motibns qninqne planetarnm. 

Dum yere dignam admiratione hanc novamm hypothesium 
D. Praeceptoris mei fabricam animo mecnm reputo, saepius mihi, 
doctissime D. Schönere, Platoniei. illius in mentem venit, qui 
pofitqaam ostendit, quid in Astronomo requiratur, subiicit denique, 

wi^ 00 XQfv |)qL6{a)? itoti rcaoa cpoaic IxavT^ ^ivoiTo &8u>pf^9ai jjltq &ao- 

Cum autem apud te anno superiori essem atque in emenda- 
tione motuum Regiomontani noBtri, Peurbachii, praeceptoris eins, 
tuos et aliorum doctorum virornm labores viderem, intelligere 
primum incipiebam , quäle opus quantusque labor esset futums, 
hanc reginam mathematum astronomiam, ut digna erat, in regiam 
snam reducere formamque imperii ipsius restituere. Verum cum 
Deo ita volente spectator ac testis talium laborum, 
quos alacri sane animo et sustinet et magna ex parte 
superayit iam, D. Doctori, Praeceptori meo, sim factus, 
me nee umbram quidem tantae molis laborum so- 
mniasse video. Est autem tanta haec laborum moles, 
nt non cuiusvis sit herois eandem ferro posse et su- 
perare denique. Quibus de causis ego quidem Veteres me- 
moriae prodidisse crediderim Herculem, Jove summo prognatum, 
coelum, postquam humeris suis amplius diffideret, Atlanti iterum 
imposuisse, qui aetate longa assuefactus magno animo infractisque 
viribus, ut semel coeperat, hoc onus usque perferret.' Ad haec 
Divinus Plato, sapientiae, ut inquit Plinius, antistes, haud ob- 
Bcure in Epinomide pronunciat, Astronomiam Deo praeeunte 
inventam esse. Hanc Piatonis sententiam alii aliter fortasse 
interpretantur. Ego vero, cum videam D. Doctorem, Praeceptorem 
meum, observationes omnium aetatum cum suis ordine ceu in 
indices coUectas semper in conspectu habere; deinde cum aliquid 
vel constituendum, vel in artem et praecepta conferendum, a 



344 SCHBIFTEN VOK RHETICUS. 

primis illis observationibus ad suas usqne progredi, et qua inter 
se ratione omnia consentiant, perpendere; porro, quae inde bona 
consequentia Urania duce coUegit, ad Ptolemaei et Veterum hy- 
^potheses revocare, et poBtquam easdem summa cura perponderans 
urgente astronomica avecYxiQ deserendas deprehendit, neque quidem 
sine afflatu Divino et numine Divum novas hypotheses assumere, et 
mathematica adhibita, quidnam ex talibus bona consequentia dedad 
possit, geometrice constituere; atque Veterum denique et suas obser- 
yationes ad assumptas hypotheses accommodare et sie post istos la- 
bores omnes exantlatos leges astronomiae demum conscribere : hone 
in modum Platonem intelligendum esse puto, Mathematicum siderom 
motus perserutantem rectissime assimilari caeco, cui tantummodo 
baculo suo duce magnum, infinitum, lubricum, infinitisque deriis 
involutum iter sit conficiendum. Quid fiet'/ Aliquamdiu soUicite 
incedens, baculo suo yiam quaeritans et eidem quandoque despe^ 

4 

I randus innixus coelum, terram, omnesque Deos inyocabit, misero 

sibi auxilio ut yeniant. Hunc permittet quidem Dens aliquot 
annos suas experiri yires, ut intelligat denique, baculo suo minime 
ex instanti periculo se liberari posse. Porro iamiam animum 
despondenti ipsius misertus Dens manum porrigit manuque ad 
optatam metam perducit. Baculus Astronomi est ipsa Mathematica 
seu Geometria, qua yiam tentare et insistere primum audet. 
Quid etenim humani ingenii yires ad diyinas has res tamqne 
a nobis dissitas procul inyestigandas , quam caliginantes oculi?'' 
Proinde, nisi Dens illi pro sua benignitate motus heroicos in- 
diderit et tanquam manu per incomprehensibile alias rationi 
humanae iter deduxerit, haad crediderim uUa in re astronomum 
eaeco illo praestantiorem et feliciorem esse, praeterquam quod 



* Im Texte ist die — allerdings nicht besonders glückliche — Formu- 
lirung des Gedankens beibehalten, wie sie die editio princeps aufweist. 
Mästlin yerändert in: » . . . tamque a nobis dissitas procul inyesti- 
gandas? quid caliginantes oculi? 



I. DIE NARRATIO PRIMA. 345 

8110 ingenio aliquando fidens et suo illi baculo divinos exhibens 
honores ipsam Urauiam ab Inferis revocatam sibi congratulabitur. 
Ubi autem rem secnm recta repntavit via, se non beatiorem Or- 
pheo esse sentiet, qni quidem aniino suam se Eurydicen sequi 
cemebat, cum ex Orco saltabundus ascenderet, post vero ut ad 
ora Averni fuit perventum, quam maxime habere se sperabat, ex 
oculis iterum ad inferos delapsa evanuit. 

Perpendamus itaque, ut incepimus, et in reliquis planetis D. 
Doctoris, Praeceptoris mei, hypotheses, ut yideamus, an constanti 
animo et Deo praeeunte Uraniam ad Superos perduxerit suaeque 
dignitati restituerit. Posset quispiam fortasse ea, quae de motu 
terrae circa Solis Lunaeque apparentes motus dicuntur, eludere, 
quamquam non video, quomodo praecessionis rationem ad sphaeram 
Stellarum transtulerit ; reliquorum profecto planetarum apparentes 
motus, si aut ad principalem astronomiae finem et systematis 
orbium rationem ac consensum aut ad facilitatem suavitatemque, 
nndique eausis apparentium elucentibus, respicere quis velit, 
nulUs aUis assumptis hypothesibus commodius ac rectius demon- 
straverit, adeo omnia haec tanquam aurea eatena inter 
se pulcherrime eolligata esse apparent, et plane- 
tarum quilibet sua in positione suoque ordine et omni 
motus sui diversitate terram moveri testatur, et nos 
pro diverse globi terrae, cui adhaeremus, situ credere diversimodis 
eos motibus propriis divagari. Et quidem si usquam alibi est 
videre, quomodo Dens mundum nostris disputationibus reliquerit, 
hoc certe loco, ut quod maxime, est conspicuum. Neque vero 
quemquam movere hoc posse arbitror, quod Dens Ptolemaeum et 
alios item praestantes heroas hac in parte dissentire patiatur, 
cum non sit haec ex earum opinionum genere, quas Socrates in 
Gorgia hominibus pemiciosas dicit. Neque uUam hinc aut ars 
ipsa aut divinatrix illa exinde promanans ruinam trahat. 

Veteres omnem motus diversitatem, quam tres superiores per 
respectum ad Solem habere comperiebant , propriis ipsorum 



346 SCHRIFTEN VON BHETICUS. 

epicyclis tribnebant. Deinde cum in iisdem planeÜB reliqnam 
apparentem inaequalitatem minime sola eccentrici ratione fieri 
perspicerent, ac calculus in eoram motanm snpputatione ad imi- 
tationem hypotheBinm Veneris cum experientia et observationibus 
consentiret: talem quoque secundae apparentis inaequalitatis ra- 
tionem aBSumendam putaverunt, qualem ex demonstrationibnB 
Venerem habere concludebant ; ut nempe, quemadmodum in Ye- 
nere, ita cuiuslibet planetae centrum epicycli aequidistanter 
quidem centro eccentrici moveretur, sed aequilitatem motus re- 
spectu Centn aequantis sortiretur. ad quod punctum ipse quoque 
planeta motu proprio in epicyclo aequaliter ab apogio medio 
discedens relationem haberet. Caeterum quemadmodum Venus 
proprio et peculiari in epicyclo motu suas revolutiones conficeret, 
ratione autem eccentrici medio Solis motu incederet, ita Uli contra 
in epicyclo Solem respicerent^ in eccentrico vero peculiaribus fei^ 
rentur motibus, ipsae observationeB, ut constituerent, exigebant, 
dum terram in universi medio retinere nituntur. At praeterquam 
ea^"^ quae ad Veneris apparentias salvandaB competere iudicav^ 
runt, in Mercurii theoria alium insuper aequantis locum, et quod 
ipsum centrum, a quo epicycli esset aequidistantia, in parvo cir- 
cumvolveretur circulo, recipiendum duxernnt. Haec acute sane, 
ut Veterum pleraque omnia sunt inventa, satisque concinna moti- 
bus et apparentiis, si orbes coelestes inaequalitatem habere super 
propriis centris, a quo tamen natura abhorret, admittamus, pri- 
mamque et maxime notabilem diversitatem apparentis motus 
quinque planetarum ipsis (cum eandem in eis per accidens ap- 
parere constet] tanquam propriam tribuamus."^ 

In latitudinibus autem planetarum et illud quoque aE(o>(ia 
Veteres negligere videntur, quod nempe omnes motus cor- 
porum coelestium aut circularessint, aut ex circula- 



* Das »praeterquam» verändert Mästlin in »praeter« und ISsst 
die Präposition »in« vor den Worten »Mercurii theoria« aus. 



I. DIE KABBATIO PBIMA. 347 

ribuB componaDtur, nisi fortasse quispiam Yeneris et Mercarii 
reflexiones declinationesque, quemadmodnm paulo ante de motu 
declinationis terrae est dictum, fieri intelligi velit et decliuationis 
epicycloram in tribus superioribus ae deviationes in inferioribus 
per librationum motus. Hoc nt sane concedatur in reflexionibas 
et declinationibns Yeneris et Mercarii; siqnidem eoram inclina- 
tionnm angnli, planorum eccentricornm et epicyclorum ubiqne iidem 
manent, declinationes tarnen epicycloram in tribus superioribus et 
deviationes Yeneris ac Mercarii per librationes fieri communis cal- 
culus refutat. Ut namque de deviationibus tantum dicam, quia minuta 
proportionalia, quibus deviationes pro locis centri epicycli extra 
nodos et absidas ratiocinamur, eadem ratione indagarunt et con- 
stituerunt, qua in primi motus doctrina partium eclipticae decli- 
nationes investigantur, fit, ut in sexagesimo gradu ab aliqua ab- 
sidum eccentrici , centro quidem epicycli Yeneris existente, coUi- 
gamus deviationem quinque minutorum, Mercurii autem 22^. 
Qaod si deferens poneretnr per librationes deviare, in tali Yeneris 
epicycli situ vera ratio non ultra 2^ minuta deviationem, Mercurii 
vero 11| minuta exposceret. In illius enim centri epicycli situ 
anguIuB inclinationis plani eccentrici ad eclipticae non maior 5 
minutis, in huius vero 22^ ex librationum proprietate motus repe- 
rirentur. Atque ideo fortasse Joannes de Regiomonte monendos 
stndiosos putavit, calculum in latitudinibus circa prope verum 
tantum versari. 

Postremo cum homines, quod Aristoteles alibi pluribus ostendit, 
natura sua scire appetant, nae molestum est satis, quod nusquam 
aeque causae twv cpaivofievaiv sint abstrusae atque ceu Cimmeriis 
tenebris involutae, quod ipse etiam Ptolemaeus nobiscum testatur. 
Ut Interim plura de Yeterum in quinque planetis hypothesibus, 
quam forte ipsa novarum (ut sie dicam) hypothesium cum enu- 
meratio tum ad Yeteres coUatio requirit, non adducam. Ptole- 
maeum equidem, et qui cum sequuntur, aeque atque D. Prae- 
ceptorem ex animo amo; siquidem vero sanctum illud Aristotelis 



348 SCHRIFTEN VON BHETICÜS. 

praeceptum semper in conspectu ac memoria habeo »fiXelv (isv 
a^icpoTipooC} ice{&e9&ai Se xoiq dxptßeoripoK; Seu, etsi neBcio, quomodo 
me tarnen magis ad D. Praeceptoris hypotheses inclinari sentio. 
Id quod fit fortaBse partim, qnia iam demum rectius me intelligere 
animum indnco, suaviBsimum illud^ quod Piatoni ob gravitatem 
ae veritatem tribnitur »rov deov asl ^ecüixsTpelv«, partim vero, quod 
in D. FraeceptoriB astronomiae instauratione ceu caligine discassa 
aperto nanc coelo et ambobas, ut diei solet, oculis yim Bapientis- 
Bimi dicti illius Socratis in Phaedro intuear: »iav xi Ttva o/J.ov 
rf[r^(30\i,a\, SuvaTov eh Sv xat itd izoKki T^e^uxoTa opqLv: toutov fiiiuxco 
xaTairi9&8 [ist txviov, (Dore deoio.« * 

Hypotheses motnum quinqne planetarnm seenndam 

longitudinem. 

HiB itaque, quae de terrae motu hactenns dieta sunt, a D. 
Praeeeptore meo confirmatis Bequitur (sicut in cauBiB renovandarnm 
hypotkesinm retalimuB) ut omniB diverBitas apparentiB motas pla- 
netarnm, quae in eiB icapa tou; irpo; tov ^A.iov aj^Tj^iatiofiou«; con- 
tingere videtur, propter annuum terrae motum in Orbe Magno fiat, 
utque planetae revera sola adhue altera inaequalitate, quae penes 
zodiaci partes obseryatur, incedant. Quamobrem eis eae hypo- 
theseB tantum, quibuB duae diverBitateB motuB demonstrari poBSont, 
oompetunt. Quemadmodum autem in Luna D. Praeeeptor maluit 
epicyclo epicycli uti, ita in tribuB quidem BuperioribuB planetis 
ad ordinem et motns commensurationem commodiuB demonstran- 
dam eccentrepicycloB elegit, in Venere yero et Mercurio eceentri 
eccentricoB. 

Cum autem noB veluti ex terrae centro trium Buperiorum 
motuB BuspiciamuB, at inferiorum revolutiones tanquam infra nos 
intueamur, consentaneum erat, ut ad centrum OrbiB Magni orbiam 
planetarum centra referrentur, a quo deinde ad ipsum terrae 
centrum motuB omnesque apparentias quam rectiBBime transferarnns. 



I. DIE NABSATIO PRIMA. 349 

Qnare et in quinque planetis eccentricum illnm intelligi oportet, 
cnins centrum extra centram Orbis Magni est. 

Verum ut rectias intelligatnr novarum hypothesinm consti- 
tneBdarum ratio, omnia deniqne perspiena magis magisqne in 
aperto sint, ponamns principio qoinque planetarnm plana eccentri^ 
corum esse in eclipticae piano, et centra deferentinm et aequan- 
tinm circa Orbis Magni centram, sicnt apnd Yeteres circa terrae 
centram. Deinde spatia, quae sant inter Orbis Magni centram 
et puneta seu centra aequantiam, in partes quataor aeqaales di- 
vidantar. Porro cniaslibet qaidem triam saperioram centram ec- 
centrici in tertiam sectionem ab Orbis Magni centro apogiam 
yersas elevetur, ac extensione qaartae residaae in eecentrici cir- 
camferentia epicyclus describatar, et apparebit fabrica motas pro- 
pra caiaslibet in longitadinem. Si itaqae ex D. Praeceptoris mei 
sententia planeta in haias epicycli circamcurrentis parte saperiori 
in conseqaentia, in inferiori in antecedentia ita procedat, at centro 
epicycli existente in apogio eecentrici ipse planeta in perigio sui 
epicycli reperiatar, et contra centro epicycli in eecentrici perigaeo 
morante planeta epicycli apogiam obtineat, atqae hac motaum 
similitadine planeta in epicyclo cam centro epicycli in eccentrico 
pari tempore saas periodos absolvat : claram est sablatis aequan- 
tibas saperioram planetarnm diversitatem motas respecta centri 
Orbis Magni regulärem esse et ex aequalibas componi. Epicyclas 
namque tali ratione assamptas in manas aeqaantis snccedit, et 
eccentricns saper saam centram, ac planeta in epicyclo ad cen- 
tram epicycli, cai inhaeret, aeqaali tempore aeqaales designat 
angalos. 

Veneris aatem motas sie constabit. Reiecto deferente, cnius 
yicem Orbis Magnus supplet, circa tertiam sectionem extensione 
quartae residuae describatar parvus circulus. Deinde centrum 
epicycli Veneris, qui hie eccentricns eecentrici, eccentricns secundns 
et mobilis vocabitur, in circumferentia dicti parvi circuli tali mo- 
yeatur lege, ut quoties terrae centrum in absidum lineam inciderit, 



350 SCHBIFTEN VON SHETICUS. 

ipsam centrum eccentrici in puncto pam circnli centro orbis 
magni proximo existat; terra antem media sno in orbe inter 
atramqne absida ipBum centram eccentrici Veneris in puncto parvi 
circuli a centro Orbig Magni remotissimo subsistat, atque ad easdem 
partes in signorum consequentiam, quemadmodum et terra move- 
atur, duas tarnen, ut ex bis Bequitur, revolutiones in una terrae 
circuitione peragens. 

Sed Mercurii motuum ratio in genere quidem cum Veneris 
theoria convenit, recepto insuper epicyclo, cnius diametrum per 
librationem describat propter diversitatem reliquam. Caetemm ut 
Be ad terrae motum accomodet, recipit quantitatem eins, quae ex 
centro deferentis mobilia 3573, eccentricitatem autem deferentis 
primi 736 partium, quantitatem eins, quae ex centro parvi circuli, 
mobile deferentis centrum continens 211 partium, atque diametrum 
dicti epicycli 380 partium, qualium ea, quae ex centro Orbis 
Magni ad centrum terrae est, 10,000. In motu autem talem 
legem sortitur, ut centrum eccentrici mobilis contra ac in Venere 
contingebat, longissime ab Orbis Magni centro distet, terra in 
absidum linea planetae existente, et ad maximam propinquitaftem 
accedat, terra ab absidibus planetae per quadrantem remota. 
Epicyclum, ut patet, fixum habebit, cuius diametrum respicientem 
centrum deferentis mobilis ipse planeta motu librationis reptando 
in lineam rectam describit, hac lege servata, ut, cum centrum 
eccentrici mobilis in maxima a centro Orbis Magni distantia fuerii 
planeta perigium sui epicycli teneat, quod est inferior terminus 
diametri, quam describit. Vice versa reliquum terminum, qui 
apogium dici poterat, cum idem centrum eccentrici mobilis proxi- 
mum centro orbis magni fuerit. 

Motus autem absidum planetarum. quemadmodum et alia 
quaedam, alteri etiam reservantur Narrationi.* 



* Vgl. oben S. 285 Anmerkung. 



I. DIE KARBATIO PRIMA. 351 

Haec est tota fere hypothesium ratio ad omnem propriam 
diversitatem motns planetarum secundum longitndmem salyandain. 
Qnapropter, si oculas noster in centro Orbis Magni exi&teret, 
radii visnales ex eo per planetas, ceu lineae verorum motuam, 
in Stellaram sphaeram eiectae a planetis non aliter in eeliptica 
circamducerentur, quam dictornm circnloram et motuum . rationes 
exigerent, ut proprias eorum diversitates motuum in zodiaco 
ostenderent. Verum quia nos terrae incolae ex ea coelestium ap- 
parentes motus contemplamur, ad eius centrum tanquam ad basim 
intimumque domicilii nostri omnes motus apparentiasque referimus, 
«ductis ex eo per planetas lineis, veluti oculo ex Orbis Magni 
centro in terrae centrum translato; omnium inde, ut a nobis 
quidem videntur, tcov (paivofievcov diversitates ratiocinandas esse 
patet. Veras autem et proprias diversitates motus planetarum, 
si esset animus coUigere, id per lineas ex centro Orbis Magni, 
ut dictum, exeuntes efficiendum fore. 

Verumtamen quo expeditius nos ex üb, quae porro restant 
enumeranda, dv tol^ cpaivoftivoi; planetarum explicemus, totaque 
tractatio facilior et suavior existat, concipiantur sane animo non 
tantum lineae verorum apparentium motuum ex centro terrae per 
planetas in eclipticam procedentes, sed etiam ex centro Orbis 
Magni, ideoque proprio diversitatis motus lineae dictae. 

Incedente itaque terra motu Orbis Magni, ubi eo perventum 
fuerit, ut ipsa in eadem linea recta inter Solem et aliquem ex 
tribus superioribus planetis interponatur, planeta quidem vesper- 
tino ortu oriri videbitur; et quia terra sie sita ipsi quam proxima 
est, Veteres posuerunt planetam esse terrae proximum et circa 
epicycli sui perigium. Sole autem appropinquante ad lineam 
veri et apparentis loci planetae, quod fit terra perveniente ad 
oppositum iam dicti loci, planeta vespertino occasu disparere in- 
cipit maximeque a terra elongari, quoad linea veri loci planetae 
etiam per centrum Solls transeat, atque Sole inter planetam et 
terram interveniente planeta occultetur, a qua deinde occultatione 



352 SCHRIFTEN VON RHETICUS. 

propter perpetunm terrae motum, quia linea veri loci Solls a linea 
veri loci planetae discedit, planeta iteram matutino ortu, nbi, 
quantnm arcns vlsioniB reqnirit, instam a Sole distantiam nactns 
fnerit, oriri conspicietur. 

Porro quoniam Orbis Magnus in hornm trinm planetarom 
hypothesibufi munere epicycli a Veteribus cnilibet planetaram 
attribnti fungitur, in diametro Orbis Magni ad planetam nsqne 
continnata apoginm perigiumqne planetae verum respectu Orbis 
Magni reperietur. Apogium autem et perigium medium in dia- 
metro Orbis Magni, qnae lineae ex centro eccentrici in centram 
epicycli protractae, aequidistanter moventur ; et cum terra in me- 
dietate versus planetam ipsi planetae appropinquet, in reliqua et 
opposita removeatur, illic quidem extremitates diametromm Orbis 
Magni perigia referent, hie vero apogia, cum illa medietas in 
locum inferioris epicycli partis succedat, haec autem superioris. 

Fac esse haud longe a Solls et planetae coniunctione ; sit 
terrae centmm in planetae apogii loco vero, respectu scilicet 
Orbis Magni, ipsaque linea propriae diversitatis cum appartotis 
loci linea planetae coincidat. Ab hoc autem loco terra suo motu 
procedente, lineae propriae diversitatis et linea v^ri loci planetae 
sese in corpore planetae intersecare incipient; altera regulari suo 
motu diverso in signorum consequentiam perget, altera vero ab 
eadem sese reflectens referet nobis planetam velocius in ecliptica 
incedere, quam revera motu proprio procedat. Verum terra per- 
veniente ad portionem Orbis Magni planetae propriorem, haec e 
vestigio in antecedentia sese convertit, ut apparens planetae 
progressus nobis subinde tardior videatur. Amplius, quia terra 
versus planetam ascendit, ipsa veri motus Solis linea a planeta 
promovebitur, ac planeta ad nos accedere veluti de parte superiori 
descendens aestimabitur. Tam diu autem planeta directus vide- 
bitur, quousque terrae centrum ad cum, Orbis Magni ad planetae 
situm pervenerit, ubi angulus diumus reflexionis lineae veri loci 
planetae in antecedentia aequalis existat angulo diumo propriae 



I. DIE NARRATIO PRIMA. 353 

diverfiitatis in consequentia. Ibi namque duobuB se perimentibus 
motibaB planeta statione prima per aliquot dies pro ratione Orbis 
Magni ad ecceutricum planetae propositi ipsiusqne planetae in 
Buo orbe situm propriaque motus sui velocitate Btare apparebit. 
Porro ab hoc item loco terra propiore facta planetae fit, ut pla- 
netam regredi et in antecedentia m.overi credamuB, ipsa quippe 
reflexione notabiliter proprium planetae motum superante, idque 
eo nsqne, quo terra perigium verum planetae respectu orbis 
magni contingat, ubi planeta in medio repedationiB loco opposi- 
tioni Solls terraeque proximus consistet. Quo in situ Mars re- 
pertus praeter communem ratione Orbis Magni reflexionem seu 
diversitatem aspectus et aliam insuper (pröpter perceptibilem 
quantitatem eins, quae ex centro terrae ad ipsius distantiam) 
aspectus diversitatem admittit, quemadmodum diligens testabitur 
observatio.* 



* Mästlin Hess in einer Anmerkung zu obiger Stelle des »Encomium« 
ein Schreiben Tycho Brahe's an Peucer aus dem Jahre 1588 abdrucken, in 
dem er seiner Freude Ausdruck giebt, dass jener »excellentissimus nobilis 
MathematicuB« dem von Eheticus mitgetheilten Gedanken des Coppernicus 
seine Zustimmung ausspricht. »Constttui periculum facere — schreibt Tycho 
Brabe — qiuienam earum^ quae hactenus inventae erant, hypothesimn [Ptole^ 
maicarum vel a Copemico tradiiarum) veritati propius accederet. Idque per 
Martis potiasimum stellam me expiscari posse conßdebam, Si enim nohis pro- 
pius accederet quam ipse Solj Copernicanam speculationem praevalere; sin 

minus, cum Ptolemaica potius standutn arhitrahar Hahitis igitur tunc 

pluribus accuratius ohservationibus tarn circa ortum quam occasum eiusque per 
vieridianum traneiiumf deprehendiy Mortem maiorem causari parallaxin quam 
ipaum Solem, ideoque etiam terris propinquiorem , cum acronychue est , ßeri, 
astipulante una motu ipsius diumo , cum Cojpernicanis potius numeris consen- 
iiente, eo quod paulo celerius certo dierum intervallo in antecedentia repedaret 
quam Alphonsinorum concederet a Ptolemaeo deducta raiiocinatio , idque oh 
minorem a terris distantiam, quae motum paulo inteniiorem apparere efßciehat 
.... ita quod Ptolemaicis hypothesihus haec omnia minime congruerent, im- 
pellebar, ut postmodum magis magisque Copernicanae inven- 
tioni fidem attrihuerem,*!. 

In der zweiten Ausgabe des »Mysterium cosmographicum« Kepler's 
(Frankfurt 1621] fügt Mästlin dem Abdrucke des Brahe'schen Briefes eine 
»Additio altera« hinzu, in welcher er erklärt, seine Freude über den Inhalt 
u. 23 



354 SCH&IFT£N VON BHBTICUS. 

Postremo, ut terra ab hac centrali cum planeta, ut ita dicam, 
coniünctione in consequentia removebitur, ipsa reflexio ia ante- 
cedentia eadem ratione, qua ante creverat, minnetur, donec facta 
denuo motnam compensatione planeta statione secunda stationarius 
fiat. Postea proprio planetae motu superante reflexionem terra 
procedente dirigatur, quo tandem in directionis loco medio planeta 
appareat, terra iterum apogium planetae verum, unde eam de- 
duximus, obtineat omnesque iam dictas apparentias ordine in 
singulis planetis nobis introducat. 

Atque haec est prima Orbis Magni in contemplatione motuum 
planetarum ntilitas, qua a tribus magnis epicyclis in Satumo, 
Jove et Marte liberamur. Quod autem Veteres argumentum pla- 
netae dixerunt, hoc D. Praeceptor motum commutationis planetae 
vocat, quia per eum apparentias ratione motus terrae in Orbe 
Magno eontingentes ratiocinamur, quas nihil aliud esse eonstat 
respectu Orbis Magni, quam parallaxes Lunae propter habitudinem 
eins, quae ex centro terrae ad eiusdem orbes. Cuiuslibet autem 
planetae centri epicyeli motus a terrae motu aequali, qui et Solis 
motus medius est, subtractus commutationis motum aequalem re- 
linquit et numeratur ab apogio medio, a quo et terra aequaliter 
elongatur, unde et in promptu cuiuslibet verus et apparens 
planetae mötus in ecliptica ex D. Praeceptoris tabulis posthaphae- 
resium planetarum habetur. 

Alteram porro Orbis Magni utilitatem partem , haud illa le- 
viorem, in Veneris et Mercurii theoria nanciscemur. Cum nam- 



desselben theilweise zurücknehmen zu müssen. Kepler habe nach dem 
Tode Brabe B dessen Manuskripte eingesehen und gefunden, dass Brakes 
Schlüsse auf falschen Beobachtungen beruhten: »Vidit, quod Tychonis mi- 
nistri, quorum opera in observationibus et ad calculum utebatur, nescio quo 
praeiudicio , et sese et Tychonem deceperint .... Quare et mihi ista mea 
gratulatio concidlt et haec de parallaxibus Martis opinio revocanda est. 
Interim tamen ipsi veritati primariaeque quaestioni, quod scili- 
cet Mars Terrae aliquando propior fiat quam Sol, nihil de> 
trahitur«. 



.1. DIB KARRATIO PRIMA. S55r 

que HOS hos duos planetas ex terra tanquaia e specuia observemus, 
etsi ipsi non aliter atque Sol fixi manerent, tarnen nos, quia per 
Orbis Magni motum cirea eos circumdacimiir , nihilominus ipsoB 
planetas, nt Solem, suis motibus zodiacnm peragrare pntaremuB. Et 
quia observationes testantur Venerem et Mercurium in suis orbibus 
etiam propriis moveri motibus, praeter Solis motum medium, quo in 
succedentia feruntur, et aliae quoque in eis apparentiae per accidens 
ratione Orbis Magni conspicientur. Principio enim orbes eorum epi- 
cyeloB putabimus, qui tamquam propriis deferentibus cum Sole aequa- 
libus passibus zodiacum conficiant. Sic terra existente ad perigium 
primorum deferentium, toti ipsorum orbes in eccentrici apogio 
existimabuntur, et contra ad apogium orbes .in perigio. Praeterea 
qnemadmodum planetis superioribus apogia et perigia per respec- 
tum ad planetas ipso in Orbe Magno determinantur, ita e con- 
verso in Veneris et Mercurii orbibus respectu centri terrae, ubi- 
cunque fuerit, signantur, et pro motu terrae annuo per omnia 
deferentium loca pertrahuntur. Termini diametri deferentis mo- 
bilis, quae lineae medii motus Solis^ scilicet quae ex centro Orbis 
Magni in terrae centrum, aequidistanter moventur, sunt absides 
mediae. Absides, quae in parte deferentis mobilis opposita terrae 
summae, quae in propiore infimae haud iniuria vocabuntur. 
Sic autem motus terrae annuus quiesceret, cum Venus in 
novem mensibus"^ suam revolutionem , ut supra dictum, peragat, 
et Mercurius quasi in tribus, quilibet in suo temporis spatio bis 
nobis e teiTa cum Sole coniungi, bis stationarius, bisque extremes 
limites in deferentium curraturis contingere, semel autem matuti- 
nas, vespertinus, retrogradus, directus, apogaeus et perigaeus 



* Hier hat Maatlin — während er an andern Stellen willkürliche 
Textes-YerbeBserungen yorgenommen hat — ganz zweckgemass die Angabe 
von Rheticua stehen lassen, wonach die Venus die Sonne in neun Monaten 
umkreise. Coppernicus war wirklich der Meinung, dass der Umlauf der 
Venus neun Erden-Monate betrage: »Quinto luco Venus nono mense redu- 
citur». (de rev. orb. cael. I, 10). 

23* 



356 SCHRIFTEN VON BH£TIGfUS. 

appareret. Porro ocalo in Orbis Hagni centro proprii saltem 
motas diyersi Veneria et Mercorii, quemadmodum et reliquorum, 
sese Offerent, nempe totum zodiacum suis motibus peragrantes fierent 
ad Solem oppositi, reliqaisque cum intueri a}(rjp.aTiafj.oi(; eemerentor. 
Verum enimvero, eum neque ex centro Orbis Magni stellamm 
motus contemplemur, neque terra motu annuo quiescat, satis per- 
spicuum erit, quare eaedem apparentiae nobis terram inhabitanti- 
bus tanta varietate appareant. Venus et Mercurius terrae prae- 
saltant pro suorum orbium magnitudine motu velociore, ipsa terra 
motu suo annuo eos insequitur. Quare Venus ad terram in XVI 
fere mensibus. Mercurius in quatuor revertitur, atque in hoc 
temporis spatio omnßs apparentias, quas Dens ex terris conspici 
voluit, nobis ostendere repetunt. Lineae propriarum diversitatum 
motus regulariter incedant, super centro Orbis Magni suas revo- 
lutiones in tempore sibi a Deo praefinito conficientes. Lineae 
autem verorum locornm, quae et ex centro terrae per Venerem 
et Mercurium traiectae, longo aliter circumducuntur, tum quia 
a puncto extra illorum orbes educuntur, tum quia illud ipsnm 
punctum est mobile. Nos putamus Venerem et Mercurium 
in suis orbibus eo motu procedere, quo Veteres in epicyclo 
eos moveri statuerunt; cum tamen ille motus' superatio tantam 
Sit, qua velocior planeta terrae motum seu Solis medium excedit, 
hanc superationem vocat D. Praeceptor commutationis motum, 
iisdem plane de causis, quibus in tribus superioribus. Fit itaque 
ut omnes Veneris et Mercurii apparentiae, quae etiam ex terra 
fixa apparuissent, propter terrae motum tardius revertantur, ntque 
eaedem in omnibus suorum deferentium partibus et eclipticae 
locis contingant, quo omnimodo eorum motus deprehenderentor. 
Nequaquam enim terra sub Cancro fixa Ptolemaeus deprehendisset 
Mercurium brevissimas a Sole circa Libram evagationes et Ve- 
nerem circa Taurum habere. Ubicunque autem terra suo in orbe 
magno fuerit, et Venus aut Mercurius in lateribus sui deferentis 
deprehensus maxime a Sole nobis distare videbitur. Eductis 



I. DIE NARRATIO PRIMA. 357 

■ 

vero ex centro terrae lineis contingentibus utrinque VeBeris et 
Mercurii deferentes in superiori portione ad terram relatione facta 
in ßignorum consequentiam ferentur, in inferiori et terrae proxima 
contra, ubi et ßtare retrocedereqne ad sensum videntur, cum 
nempe linea veri loci planetae aequalem angulnm diumum super 
terrae centro efficit in antecedentia angulo medii motns, qui et 
terrae, in consequentia vel maiorem etc. Ex bis itaque mani- 
festum est, qnare Venus et Mercurius circa Solem involvi con- 
spiciantur. 

Caeterum Sole quoque clarius est, orbem terram deferentem 
vere Magnum appellari. Si enim Imperatores propter res feli- 
eiter bello gestas aut gentes devictas Magnorum accepere cog- 
nomenta, dignus certe et hie orbis erat, cui augustissimum attri- 
bueretur nomen, cum ipse quasi solus legum coelestis politiae 
participes nos faciat omnesque errores motuum emendet, cumque 
in gradum suum pulcherimam hanc philosophiae partem reponat. 
Idee autem est dictus Orbis Magnus, quia tam ad superiorum 
planetarum orbes, quam ad inferiorum magnitudinem notabilem 
habet, quae praecipuarum apparentiarum sit occasio. 

Quomodo planetae ab ecliptica discedere appareant. 

Porro in latitudinibus planetarum primum est videre, quam 
recte deferenti centrum terrae Magni nomen tribuatur, quod eo 
insuper maiorem admirationem meretur, quo Veterum hac de re 
praecepta perplexiora obscurioraque esse constat. Motus plane- 
tarum in longitudinem egregia quidem testimonia perhibent, quod 
terrae centrum orbem, quem dicimus Magnum, describat; in la- 
titudinibus autem planetarum eins utilitates, ceu in illustri quo- 
dam loco positae, magis sunt conspicuae, cum ipse nusquam ab 
eclipticae piano discedens praecipua tamen causa omnis diver- 
sitatis apparentiarum in latitudinem existat. Tu vero, doctissime 
D. Schönere, ideo summo amore orbem hunc prosequendum et 



1 



358 SCnRIFTEN VON RHETICÜS. 

amplectendiim vides, quod totam motus in latitadinem doctrinam 
tarn breviter tamque dilncide omnibus propogitis cansis ob 
oculos ponat. 

Sint primo trium superiornm deferentes ex Ptolemaei sententia 
ad cclipticara inclinati, qnorum apogia septentrionem versus, pe- 
rigia antem ad meridiem reperiantur, ntque sie ipsi planetae in 
suis orbibns, quemadmodum Luna in orbe declivi, extra cnius 
planum non egreditur, cirumferantur. Lineae propriae diversi- 
tatis, Dracones planetarum, ut vulgo vocant, deferentinm ad 
eclipticae ^planum^* habitudines et intersectiones ad planetarum 
motus designabunt, lineae autem verorum locorum, praedietas 
lineas in centris planetarum intersecantes , pro centro terrae in 
Orbe Magno situ ad planetam^ et ipsius planetae in suo orbe 
declivi vera planetarum loca propriora et remotiora ad lineam,** 
quae per signomm medium, referent pro angulorum habitudine, 
quos ad eclipticae planum constituunt, quemadmodum mathematica 
ratio exposcit. Quam ob causam planeta in quacunque sni defe- 
rentis et epicycli in circulo declivi portione morante, et centro 
terrae existente in remotiori a planeta Orbis Magni medietate, 
quam Veteres superiorem epicycli partem dixere, latitudines ap- 
parentes minores fieri 0{)ortere angulo inclinationis deferentis ad 
planum eclipticae darum est, quia in tali centri terrae situ ad 
planetam angulus apparentis latitudinis acutior est angulo incli- 
nationis, interior videlicet exteriori et opposito. Porro centro 
terrae peiTcniente ad propiorem medietatem Orbis Magni ad 
planetam, contra latitudo apparens maior angulo inclinationis, 



* Der Text der editio princeps ist hier ganz verderbt : » . . •. deferen- 
tium ad eclipticae habitudines et intersectiones«. Mästlin hat zwischen die 
Worte »eclipticae« und »habitudines« noch »planum« eingeschoben ; die Thomer 
Ausgabe verändert »eclipticae« in »eclipticam«. 

** Die Lesart der editio princeps »eam« hat Mästlin, um den Satz deut- 
licher zu machen, in »lineam« verändert; diese Aenderung ist in den Text 
übernommen. 



I. DIE NARRATIO PRIMA. 359 

iisdem plane de causis, et contra conspicitur, qnippe qui ante 
exterior et oppositus, iam interior. Atque haec est cansa, qnam- 
obrem Veteres putaverint, centro epicycli extra nodos consistente, 
superiorem epicycli partem semper inter deferentis et eclipticae 
planum existere, refiqnam autem medietatem ad eam partem 
vergere, ad quam medietas deferentis a centro epicycli occupata 
inclinaret, diametrum yero transeuntem per longitudines medias 
epicycli aequidistanter eclipticae piano incedere et epicyclo in 
nodis planetam latitndinem nullam habere in qnacnnque epicycli 
Bui parte, quod in his hypothesibus verificatur, planeta in aliquo 
nodornm morante, et terra qnacunqne in parte orbis magni re- 
perta. Si angnlus snperficiei epicycli ad suum deferentem in 
Veterum hypothesibus aeqnalis perpetuo angulo inclinationis plani 
deferentis et eclipticae fnisset repertns, hoc est, si epicycli pla- 
num semper in aequidistantia eclipticae fuisset deprehensum, 
praedicta latitudinum ratio sufficeret. Verum cum huius diversum 
observationes geometrice examinatae inferant. ut est videre apud 
Ftolemaeum libro ultimo tt;^ jjieYaXT]^ oüvtaEsa)?, ponit D. Prae- 
ceptor per motum librationum angulum inclinationis deferentis 
ad eclipticam certa ratione augeri et minui, respectu nimirum 
motus planetae medii in circulo declivi et ipsius terrae in Orbe 
Magno. Quod fiet, si in una motus commutationis periodo dia- 
meter, per quam fit libratio, bis ab extremis limitibus circuli 
declivis describatur, idque tali conditione observata, ut planeta 
existente in ortu vespertino angulus inclinationis sit maximus, 
quare et latitudinis quoque apparentis"^ maior, in ortu vero ma- 
tutino minimus, unde et ipsa apparens latitudo, ut conveniebat, 
minor existat. 

Veneris autem et Mercurii apparentiae in latitudinem, unica 
deviatione excepta, speeulationis facilitate superioruih planetarum 



"^ Die in den Text aufgenommene Lesart der editio princeps hat 
Mästlin in »latitudo maior« verändert. 



360 SCHRIFTEN VON RHBTICÜ8. 

theorias snperant. Sed Veneris latitudines primo perpendamuB. 
Intra Orbem Magnum primum Veneris sphaera occurrit. Ponit 
itaque D. Praeceptor planum, in quo Venus movetur, ab eclipticae 
seu Orbis Magni piano declinare super diametro per absidas 
proprias deferentis primi, ita ut orientalis medietas a plana 
eclipticae superficie in septentrionem elevetur ad inclinationifl 
angulum, quem in Ftolemaei hypothesibus epicycli planum cum 
deferentis piano contineret, occidentalis autem medietas ad meri- 
diem. Per orientalem vero medietatem intelligenda ea, quae est 
a loco summae absidis in consequentia etc. Sola hac et simplici 
hypothesi omnes declinationum et reflexionum regulas cum cansis 
ex loci terrae ad planetae planum habitudine facile erit perfi- 
dere. Cum namque per terrae motum annuum ad oppositas partes 
summae absidis deferentis primi pervenerimus, ubi Veneris orbem 
tanquam epicyclum et in apogio sui deferentis existere putamns, 
tunc planum , in quo defertur Venus , nobis ab eclipticae piano 
reflexum videbitur, nam illud nos in tali situ per transversum 
aspicimus. Et quia idem planum ex inferiori loco intuemur. quae 
ad septentrionem prominet, pars nobis oculos meridiei obvertentibns 
erit sinistra, reliqua vero ad meridiem dextra. Procedente autem 
terra sursum versus planetae absidem summam, orbis Veneris a 
sui eccentrici apogio descendere creditur, ipsumque adeo planum 
deferentis Vevierem inclinatum tanquam ex loco altiore despicere 
incipimus. Quare reflexio successive in declinationem mutatur, 
ut per quadrantem a priori loco distante, ubicunque planeta in 
elevatis partibus conspiciatur , declinationem solum ab ecliptica 
faabeat. In tali situ, cum nos terrae adhaerentes simus, in op- 
posito medietatis deferentis, quae est a summa abside in conse- 
quentia et ab eclipticae piano in septentrionem elevata, dixerunt 
Veteres epicyclum Veneris in descendente nodo esse, et apogium 
epicycli ad septentrionem maxime declinare, perigium vero ad 
meridiem. Porro evehente nos sublimes terra motu suo annuo 
versus locum summae absidis Veneris, orbis eins, ceu epicycluB, 



I. DIE NARRATIO PRIMA. 361 

infimam absidem sui deferentis appetere videbitnr, et planum epi- 
cycli (nobiB planum, in quo Veneris Stella] quod ante inclinatum 
nobis erat ad planum eclipticae, iterum sese ad nos reflectere 
apparebit, et septentrionalis medietas deferentis extra planum 
eclipticae prominens dextrum iSet, quia orbem Veneris desuper 
aspicimus. Ubi autem ad locum summae absidis Veneris eentrum 
terrae peryenerit, nuUa declinatio et sola reflexio conspicietur, 
atqui Veneris orbis in infima deferentis sui de Veterum sententia 
esse abside creditur. Atque hie est tcov cpaivo^vcDv ordo, dum 
eentrum terrae semicirculationem complet, a loeo infimae absidis 
Veneris in consequentiam signorum ad locum summae absidis 
Veneris ascendens. Eadem autem ratione descendente terra re- 
flexio ad nostrum aspeetum paulatim in deelinationem mutabitur, 
et quia medietas plani deferentis a summa abside in antecedentia 
nobis tali ineessu terrae fit opposita, apogium deferentis Veneris 
in meridiem a piano eclipticae declinare incipit, donec terra in 
nonagesimo gradu a loeo absidis constituta utraque medietas ad 
eclipticae planum declinata conspiciatur, orbisque, ceu epicyclus, 
Veneris in nodo ascendente ad summam absidem putetur; a quo 
loeo terra recedente declinatio iterum in reflexionem commutetur, 
ac consecuta locum infimae absidis Veneris easdem apparentias 
latitudinum in Venere terra iterum producere incipiat. Ex quibus 
patet, terra ad lineam absidum Veneris posita, planum deferentis 
planetam reflexum apparere, in quadrantibus vero ab bis decli- 
natum, in locis autem intermediis mixtas latitudines conspici. 

Cum autem praeter has latitudines, quas Veteres epicyclo 
Veneris tribuerunt, et alia a Veteribus deviatio, a Rolemaeo tohv 
ixxivrpcov xuxXuiv t] l^xAioic dicta, se bis permisceat (ac eandem 
per deferentis eentrum epcycli Veneris, qui iam sublatus est, de- 
monstrarunt) aliam et cum observationibus magis consonam D. 
Praeceptor rationem ineundam iudicavit. Haue autem rationem 
D. Doctoris, Praeceptoris mei, deviationem salvandi, ut facilius 
quoque haud secus ac reliqua usque proposita assequamur, 



362 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

constituamuB planum, cuiiis mox meminimuB , esse medinm pla- 
num ac ideo fixum, a quo verum iam hnc iam illuc certa eva^ 
getnr ratione. At quia omnes motus polornm respectu minori 
labore ac dispendio percipiuntur , principio tenendnm, altemm 
polorum plani medii in septentrionem a piano eclipticae ad incli- 
nationis anguli qnantitatem elevari. alternm autem ex oppoeito 
tantundem in meridiem deprimi^ et qnae de septentrionali polo 
ant iis, quae circa hunc iieri ostensnri snmus, simili ratione, 
(ratione nimirnm oppositionis habita) de meridionali intelligi op- 
portere. Proinde circa septentrionalem plani medii polnm assa- 
mamiis esse circulum mobilem, cuias ea, quae ex centro, maximis 
obliquitatibus plani medii a piano vero correspondeat, ipse antem 
polus septentrionalis plani veri per librationis motum dicti circnli 
diametrum describat. Porro circulus mobilis insequatur planetae 
motum, ut Venus suo motu incedens relinquat duarum quamlibet 
se insequentium intersectionem , idque hac lege, ut anno exacto 
ad relictam denique revertatur. Ducto vero circulo magno per 
utriusque plani polos, ad huius communi cum piano vero inter- 
sectione utrinque 90 gradibus numeratis, cum poli plani, veri et 
medii scilicet diflferunt, nodi seu intersectiones dictae determi- 
nantur. Interim autem, dum Yeneris ad alterutrum nodorum 
I)eriodus completur, a polo plani veri per librationis motum dicti 
circuli mobilis diameter bis describatur. Haec autem ita fiant, 
quo planetam cum terrae centro tale pactum iniisse appareat, ut, 
quoties terra ad deferentis absidas fuerit, Venus ubieunque in 
deferente vero maxime in septentrionem a piano medio deviet, 
hoc est, maxime extra viam mediam consistat. Praeterea terra 
per quadrantem ab absidibus deferentis distante, ipse planeta 
cum toto suo piano vero in medii deferentis piano iaceat. Sed 
terra reliqua loca intermedia peragrante, ipse quoque in devia- 
tionibus intermediis suum cursum teneat. Hoc terrae et planetae 
pactum ut esset perpetuum, ordinavit Dens, ut primus librationis 
circellus, ut ita dicam, eodem tempore semel revolveretur, quo nna 



I. DIE NARRATIO PRIMA. 363 

Veneris ad alterutrnin mobilium nodorum fieret reversio. Haec 
ut exemplo illustriora fiant, si in aliquo deyiationis motus prin- 
cipio polus septentrionalis plani veri a poIo plani medii adiacentis 
maxime meridionalis fuerit, ac Venns tantum in maximo devia- 
tionis limite, qni est septentrionalis, exstiterit, terrae quoqne centro 
in aliqua absidum Veneris commorante, in quarta anni parte terra 
motu annuo ad locum inter absidas medium veniet» et eodem 
tempore planeta ad suam intersectionem seu nodnm mobilem. 
Et qnia motus librationis commensuratur cum motu planetae ad 
nodos seu intersectiones, primus librationis circellns quadrantem 
quoque conficiet, et per reliquum circellum, qui altero est velocior 
duplo, polus plani veri sub polum plani medii constituetur, 
qnare et ambo plana eoniungentur. Recedente autem planeta 
ab hoc nodo, terra procedet ad alteram absida eccentrici primi, 
et polus plani veri per librationem a polo plani medii ad septen^ 
trionem promovebitur. Sic fiet, ut, etsi Venus meridiana sit, 
quemadmodum in nostro exemplo, tarnen latitudo meridiana mi- 
nuatur; si septentrionalis, eadem crescat. Eo loci autem ubi per- 
ventum fuerit, polus plani veri librationis motu maximum ad 
septentrionalem limitem attinget, et planeta motu suo annuo ad 
nodos in medio inter utramque intersectionem maximam iterum 
in septentrionem deviationem habebit. Apparet itaque motum 
circuli assumpti hunc habere usum, ut in anno Veneris ad nodos 
fiat revolutio, semperque terra collocata in absidum linea, planeta 
nbicnnque in suo piano vero fuerit, maximam a piano medio de- 
viationem habeat, et in medio inter utramque absida terra con- 
stituta Sit in nodis. Porro librationis motn fieri, nt Venere in aliquo 
nodorum existente ambo plana coniungantur , et illa pars plani 
veri, quam ingreditur, ad septentrionem semper a medio discedat, 
quo, prout convenit, latitudo haec perpetuo borealis maneat. 

Quemadmodum autem Veneris planum, quod medium ap- 
pellare placuit, in absidum eccentrici primi linea ab ecliptica 
intersecatur, et eius plani medietas a summa abside in consequentia 



364 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

ad septentrionem prominet, reliqna oppositionis lege in meridiem 
vergente. Ita in Mercurio simili ratione est planum medium, 
quod super suarum absidum linea, ut par erat, ab eclipticae 
piano utrinqne inclinatur, ut viceversa medietas plani medii a 
summa abside in antecedentia septentrionalis sit. Quare in 
centri terrae annua revolutione declinationes et reflexiones in 
Mercurio permutatae ad Veneris scilicet deprehendentur. Verum 
haec varietas, ut eo conspicua magis foret, disposuit Dens et 
deviationem plani veri Mercurii a medio, ut ea medietas perpetuo, 
quam ingreditnr, a piano medio ad meridiem discederet, et 
terra ad absidas ipsas consistente cum suo piano vero in medio 
piano iaceret; quo fit denique, ut in latitudinem praeter dictas 
differentias a Venere nullas habeat, nisi quod haec quoque deviatio 
maior in Mercurio est quam in Venere, veluti etiam inclinationis 
angnlum maiorem habet. Caeterum reliquae latitudinum Mercurii 
varietates facillime non aliter atque in Venere coUigentur. 

Ihra superat coeptij par» ettt exhausta iaboris, 
Hie teneat nostrtis ancora iaeta rotes; 

ut primam haue Narrationem nostram poetae verbis finiam. 

Alteram autem mei promissi partem, quamprimum 
iusto adhibito studio totum D. Praeceptoris mei Opus 
evolvero, colligere incipiam. Eo vero gratiorem tibi 
utramque fore spero, quo clarius artificum propositis Observation 
nibus ita D. Praeceptoris mei hypotheses toT? cpatvojiivoig consen- 
tire videbis, ut etiam inter se tanquam bona definitio cum definito 
converti possint. 

Clarissime et doctissime D. Schönere ac tanquam pater 
mihi semper colende, reliquum nunc iam est, ut hanc meam 
operam qualemcunque aequi bonique consulas. Nam quamquam 
non nesciam, quid humeri me ferro possint, quidve ferro recusent, 
tarnen tuus in me singularis et, ut sie dicam, patemus amor 
fecit, ut omnino non formidarim hoc coelum subire, et quoad 
eins quidem fieri potuit, omnia ad te referre. Quod Deus Opt. 



I. DIB NABRATIO PKIHA. 365 

Max. bene vertere dignetur, depreeor, mihique aspiret, ut iusto 

tramite ad propositum finem, laborem coeptum perducere queam. 

Si quippiam antem ardore quodam iavenili (qui quidem semper, 

ut ille inquit, magno magis quam ntili spiritu sumuB praediti) 

dictum sit, ant per imprudentiam exciderit, quod liberias contra 

venerandam et sanctam vetastatem dictum videri possit, quam 

fortassis ipsa rerum magnitudo et gravitas postulabat, tu eerte, 

quodque apud me dubium non est, in meliorem accipies partem 

et potius animum in te meum, quam quid praestiterim, Bpectabis. 

Porro velim te de doctissimo Viro, D. Doctore, meo 

Praeceptore, hoc statuere, tibique persuasissimum 

habere, apud eum nihil prius, nee antiquius esse 

qnicquam, quam vestigiis Ptolemaei ut insistat, nee 

aliter, ac ipse Ptolemaeus fecit^ veteres^et se anti- 

quiorea multo secutus. Dum autem xa <paivo|jLeva, quae 

astronomum regunt, et mathematica se cogere intelligeret, quae- 

dam praeter voluntatem etiam ut assumeret, satis interim esse 

putavit, si eadem arte in eundem scopum cum Ptole- 

maeo tela sua dirigeret, etiamsi arcum et tela ex 

longe alio materiae genere quam ille assumeret. Ac 

hoc loco illud arripiendum, i»8el S' eXeoUepiov tjj yvcu^l^ tov 

(jLeXXovta (piXoaocpeiv«.'*' Caeterum, quod alienum est 



* Der bezeichnende Spruch, welchen Rheticus zum Motto für seine 
»Narratio prima« gewählt hat, ist — wie bei dessen Wiederholung hier 
nachträglich bemerkt wird — aus des Alcinous »Isagoge in Piatonis dogmata« 
entnommen. 

Den Gedanken, welchem Rheticus durch das Wort des Alcinous Ausdruck 
gegeben, hat Kepler in lateinischer Formulirung ausgesprochen. (Kepleri ' 
opp. ed. Frisch VI, 669). Humboldt hat dies charakteristische Urtheil 
Kepler's über Coppernicus mit Recht in seinen Kosmos aufgenommen und 
demselben dadurch eine weitere Verbreitung verschafft. »Der Gründer 
unseres jetzigen Weltsystems«, sagt Humboldt (a. a. 0. II, 346), »war durch 
seinen Muth und die Zuversicht, mit welcher er auftrat, fast noch ausge- 
zeichneter als durch sein Wissen. Er verdiente in hohem Grade das schöne 
Lob, das ihm Kepler giebt, wenn er ihn in der Einleitung zu den Rudol- 



366 SCHRIFTEN VON RHBTICU8. 

ab ingenio boni cninslibet, maxime vero a natura 
philosophica, ab eo ut qni maxime abhorret D. Prae- 
ceptor meus, tantum abest, ut sibi a Veterum recte* 
philosophantium sententiis nisi magnis de cansis ae 
rebus ipsis efflagitantibus studio quodam novitatis 
temere discedendum putavit. Alia est aetas, alia 
morum gravitas doctrinaeque excellentia, alia de- 
nique ingenii celsitudo animique magnitudo, quam 
ut tale quid in eum cadere queat, quod quidem est vel 
aetatis iuvenilis, vel tcbv (le^a cppovouvtwv im *ÖecDp(<f |itxp^, ut 
Aristoteles utar verbis, vel ardentium ingeniorum, quae a quolibet 
vento suisque affectibus moventur ac reguntur, ut etiam, ceu 
xußepvT^T^ excusso, quodvis obvium sibi arripiaut et acerrime 
propugnent. «Verum vincat veritas, yincat virtus, suusque bonos 
perpetuo babeatur artibus, et quilibet bonus suae artis artifex in 
lucem, quod prosit, proferat, atque in hunc tueatur modum, ut 
veritatem quaesivisse videatur! Neque vero D. Praeeeptor 
bonorum et doctorum virorum iudicia unquam abhor- 
rebit, quae subire nitro cogitat! 



phinischen Tafeln »den Mann freien Geistes« nennt: »•Copernicus 
vir fuit maximo ingenio et, quod in hoc exercitio« (d. i. in der 
Bekämpfung der Vorurtheile) »magni momenti est, animo liber««. 

"* Das in den Text aufgenommene »recte«, welches die Ekiitio princeps 
hat, ist von Mästlin und allen späteren Herausgebern weggelassen. 



n. Borassiae Enoomiain.^ 



Pindaras in illa oda, quae literis aureis in teniplo Minervae 
consecrata fertur, celebranB Diagoram Rhodium pugilem, victorem 
Olynipicum, ait patriam eins Veneria esse filiam et Solis pluri- 
miim adamatam coniugem. Deinde Jovem ibi multum pliiisse 
auri, idque propterea, quod suam Minervam colerent; quare et 



* Eine Ueberaetzung des »Encomium Borussiae« ist im ersten Bande 
Tbl. 2, S. 448 ff. abgedruckt. Allein wegen der Bedeutung, welche diese »Lob<- 
Bchrift auf Preussen« für die Biographie von Coppemicus hat, darf auch das 
lateinische Original in der vorliegenden Urkunden-Sammlung nicht fehlen. 
Die Schrift ist überdies sehr selten ; sie findet sich nur in den beiden ersten 
Ausgaben der »Narratio Prima« (1540 und 1541) und in dem Anhange zu 
Kepler's Mysterium cosmographicum. Deshalb hat Hipler — welcher von 
dem ersten Theile der »Narratio Prima« in seinem »Spicilegium Copernicanum« 
nur einzelne Auszüge mittheilt, — Recht daran gethan, das »Encomium Bo- 
russiae« dort ganz abdrucken zu lassen. Leider hat er jedoch die wunder- 
liche Interpunktion jener Zeit und ebenso die Orthographie der Editio prin- 
ceps genau festgehalten. — (Der Abdruck, welchen der 2. Band der »Acta 
Borussica« im Jahre 1731 brachte, ist unvollständig. Es fehlt fast der 
vierte — und ein sehr wesentlicher — Theil, während die ganze Einleitung 
vollständig mitgetheilt ist, welche, wenn etwas unterdrückt werden sollte, 
unbeschadet hätte wegbleiben können.) 

Erläuternde Zusätze werden dem nachfolgenden Abdrucke des »Enco- 
mium Borussiae« nur in geringer Zahl- beigegeben werden. Die noth wendig- 
sten Anmerkungen sind bereits der Uebersetzung im ersten Theile ange- 
schlossen; hier ist nur eine kleine Nachlese erforderlich. 



368 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

ab ea ipsa sapientiae nomine et dYXüxXoirai3(a(;, quam impendio 
colebant, claram redditam.* 

Hoc praeclarum Rhodionim e^xcofiiov an uUi praeterea regioni 
bac nostra aetate quam Prussiae (de qua pauca dicere in animo 
est, quod ea forte tu quoque audire volebas) quis aptius accomo- 
daverit, ego quidem non video. Nee dubito, quin eadem numina 
gubemantia hanc regionem deprehenderentur, si peritus aliqnis 
astrologus diligenti cura pnlcherrimae huins, fertilissimae et feli- 
cissimae regionis praesidentes Stellas inquireret.** Quemadmodnm 
autem Pindarus ait: 

OavTi 8' av&pti)i3ro>v iraXaial 

Pf y or 

T^OISC, OülCO) OTS 

Xftova SaTSovTo Zeii«; t xat aöavarot, 
4>avepav 4v ireXa^si 
P080V 8pL[jLev iroviffp, 
'AXfiupoT; 8' iv ßevftsotv vaoov xsxpu^i^ai. 



"* Neben den von Rheticus selbst hervorgehobenen Beziehungen, welche 
ihn veranlasst haben, in seinem »Encomium Bomssiae« von Rhodus den 
Ausgang zu nehmen, ist nicht zu vergessen, dass Rhodus damals in Aller 
Munde war. Nicht lange vorher hatten die Ungläubigen diese Insel den 
Christen entrissen, die letzte ihrer Besitzungen im Morgenlande. 

** Die astrologische Sprache von Rheticus hat Beckmann in seiner 
Uebersetzung des »Encomium Bomssiae« (Erml. Zeitschr. III, 6) irrthttmlich 
als einen »Scherz« bezeichnet, wenngleich er das Wort abschwächend hinzu- 
fügt, dass Rheticus allerdings mit den bedeutendsten Gelehrten seiner 
Zeit — Melanchthon der »praeceptor Grermaniae« und sein Lehrer Joh. 
Schoner voran — sich »zu astrologischen Deutungen hingeneigt habe«. 

Dass Beckmann sich in dieser Auffassung vollständig geirrt, beweisen 
die Ausführungen, welche im ersten Bande Thl. 2, S. 430 ff. gegeben sind. 
Rheticus hat an verschiedenen Stellen seiner Schriften — so auffallend dies 
auch bei dem begeisterten Apostel der Lehre von der Erd-Bewegung er- 
scheint — seine Anhänglichkeit an die Astrologie bekundet, welche er in 
dem Schreiben d. d. »im Augusto des MDXLI Jars« an Herzog Albrecht 
von Preussen gerichtet hat, als eine »hochlöbliche Kunst« bezeichnet (vgl. 
Bd. I, Thl. 2, S. 401). 

Die für das Verhältniss des Rheticus zur Astrologie bezeichnendste 
Stelle findet sich in der »Narratio Prima«; sie ist oben S. 305 mitgetheilt 



II. BOBUSSIAE ENCOMIUM. 369 

'Atc^ovto? S' OüTi; Iv — 

Aei^sv Xa)(o? 'AsXtou • 

Kai pa [iiv yjipoi^ axXapw — 

Tov Xwrov, aYVov öeov. 

Mvaa&ivxt 8e Zeo^ ap.icaXov jjlsX — 

Aei d£p.sv' akka (xiv oux 

Eiaaev eitel TcoXta? 
^tirs Ttv aoTO? opav evöov üaAaaarj^ 

Au^opivav iceoo&ev 

OoXüflooxov yotav av&p«) — 

riotat, xat eucppova [it^Xoi;. 
Ita olim haud dubie Prussiam pontus habuit ; et quod certius 
qnis propriusque siguum capiat, quam quod hodie in continente 
longisBime a littore succinum reperiatur? quare et eadem lege, 
Deorum munere, ut e mari nata ApoUini cessit, quam tanquam 
coniugem suam Bhodum olim nunc adamat. Non potest Sol 
Prussiam perinde radiis rectis pertingere ac Rhodum? Fateor, 
sed hoc aliis multis compensat modis, et quod in Rhodo radiorum 
rectitudine praestat, hoc in Prussia mora sua supra horizontem 
efficit; deinde succinum Del peculiare esse donum, quo hanc im- 
primis regionem omare voluerit, neminem negaturum puto. Imo 
si succini nobilitatem et usum, quem in medicinis habet, quis 
perpenderit, non iniuria Apollini sacrum iudicabit eiusque adeo 
munus egregium, quo Prussiam coniugem suam tanquam pretio- 
sissimo omamento magna in copia donet. 

Cumque Apollo praeter artem medicinam et {lavTixxjV, quas 
invenit primus et coluit, studio etiam venandi teneatur, videtur 
hanc regionem prae caeteris omnibus elegisse, et cum longo tem- 
pore ante praevideret immanes Turcas Rhodon suam devastaturos, 
in has partes sedem suam transtulisse atque huc cum Diana so- 
rore commigrasse vero non videtur absimile. In quascunque 
enim partes oculos vertas, si Silvas consideres, vivaria (quae 
Graecis uapaoeiaoi sunt) et apiaria ab Apolline consita dices; si 

H. 24 



370 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

arbusta et campos eorundemque leporaria et omithones, si lacos, 
stagna, fontes, Dianae Sacra dixeris Deorumque piscinas. Atqne 
adeo Priissiam prae aliis regionibus elegisse apparet, inquam, ceu 
suum paradisum. praeter cervos, damas, ursos, apros et id genus 
alias vulgo notas feras, uros etiam, alces, bisontes"^ etc., qaos 
alibi locorum vix reperire est, inveheret, ut Interim silentio prae- 
teream plnrima et ea rara adiBodum avium nee non piscinm 
genera. 

Proles autem, quam Apollo ex Prussia coniuge suscepit sunt: 
Regius mons, sedes lUustrissimi Principis, D. Domini Alberti, 
Ducis Prussiae, Marchionis Brandenburgensis etc., omnium docto- 
rum ac clarorum virorum nostra aetate Maecenatis; Torunna, 
olim emporio, nunc vero alumno suo. D. Praeceptore 
meo satis clara; Gedanum, Prussiae metropolis, sapientia 
et senatus maiestate, opibus et renascentis rei literariae gloria 
conspicua; Yarmia, coUegium multorum doctorum et piorum 
virorum, clara reverendissimo D. Domino Joanne Dantisco, elo- 
quentissimo et sapientissimo Praesule; Marienburg um, aera- 
rium Serenissimi Kegis Poloniae; Eibinga, vetus Prussiae do- 
micilium, quae sanctam quoque literarum curam suscipit ; Culma, 
clara literis, et unde ins Gulmense originem dnxit. 

Aediiicia vero et munitiones ApoUinis regias et aedes di- 
ceres, hortos, agros, totamque regionem Veneris delicias, ut non 
immerito Po5o? dici possit. Porro Prussiam filiam esse Veneris 



* Die von Rheticus erwähnten Auerochsen, Elche und »bisontes« 
(Buckelochsen?} lebten zahlreicher noch am Ende des 16. Jahrhunderts in 
Preussen, wie ein Schriftsteller jener Zeit, Henneberger, in seinem »Commen- 
tar. ad tabul. Geogr.« p. 251 berichtet. Vereinzelt fanden sich Auerochsen 
und Elche noch hundert Jahre später; von beiden giebt Henneberger in 
seinem »Alt- und Neuen Preusseno (1684) eine Abbildung, »bisontes« aber 
existirten zu seiner Zeit nicht mehr. — Gegenwärtig sind die Elenthiere 
bekanntlich in Europa sehr selten; Auerochsen aber finden sich nur noch 
im Walde von Bialowicza (in Litthauenj. 



n. BORUSSIAE ENCOMIUM. 371 

haud est in obscnro. si vel terrae fertilitatem quis perpenderit. 
vel yenustatem et amoenitatem totius regionis. 

Venus fertur orta man, ita et Prnssia eius et Maris filia est; 
ideoque non tantum eam fertilitatem praebet, ut Holandia et Se- 
landia annona ab ea alantur , sed et quasi horreum sit vicinis 
regnis, item Angliae et Portugaliae ; praeter haec optima quaeque 
piscium genera et alias res pretiosas, quibus ipsa eircumfluit, 
aliis affatim suppeditat. Gaetemm soUicita Venus de iis, quae 
ad cultum, splendorem, bene ac humaniter vivendum attinebant, 
neque negante soli natura in bis partibus nasci et haberi pote- 
rant, mari denique auxiliante efiPecit, ut commode in Prussiam 
aliunde invehi possent. 

Verum cum haec tibi, doctissime D. Schönere, notiora sunt, 
quam ut a me prolixius referri debeant, atque ab aliis integris 
ea de re editis libellis tractentur, uberiore encomio supersedeo. 
Hoc tantum addam, ut est Prussica gens populosa praesidentis 
Numinis beneficio, ita quoque est singulari humanitate praedita; 
praeterea cum omni genere artium Minervam colant, et Jovis ob 
hoc benignitatem sentiunt. Nam ut non dicam de inferioribns ar- 
tibus attributis Minervae, ut architectonica et huic cognatis, prin- 
cipio illustrissimus Princeps, deinde omnes praesules 
proceresque Prussiae, penes quos summa rerum est, ac 
rerum publicarum gubematores, ut Heroas decet, summo studio 
passim renascentes in orbe literas amplectuntur; 
adeoque et soli et communi consilio alere et propagare 
Student. Quare et Jupiter fulva contracta nebula multum auri 
pluit, hoc est, ut ego Interpreter, quia Jupiter praeesse dicitur 
imperiis et rebuspublicis, cum Magnates studiorum, sapicntiae et 
Musarum curam suscipiunt, tunc Dens subditorum nee non vici- 
norum regum, principum ac populorum animos ceu in auream 
nubem contrahit, ex qua pacem omniaque commoda pacis tanquam 
guttas aureas destillet, animos tranquillitatis et publicae pacis 
amantes, civitates bonis legibus constitutas, viros sapientes, 

24* 



372 SCHRIFTEN VON RHETICUS. 

honestam et sanctam liberornm educationem , piam denique ac 
puram religionis propagationem etc. 

Saepius eitatur naufragium Aristippi, qnod apnd Rhodum in- 
sulam fecisse eum perhibent, ubi eiectus cum quasdam geome^ 
tricas in littore figuras conspexisset, iussit socios suos bono esse 
animo, inclamitans se hominum vestigia videre. Neque enm sna 
opinio falsum habuit; nam et sibi et suis eruditione, qua polle- 
bat, ab hominibns doctis et amantibus virtutem necessaria ad 
vitam tolerandam facile parabat. 

Ita, ut Dii me ament, doctissime D. Schönere, cum Prutteni 
sint hospitalissimi. haud adhuc contigit mihi uUius bis in partibus 
magni viri adire aedes, quin aut statim in ipso limine geometricas 
figuras cernerem, aut illorum animis geometriam sedentem de- 
prehenderem. Quare omnes fere, ut sunt boni viri, stndiosos 
harum artium quibus possnnt studiis et officiis prosequuntur, si- 
quidem nunquam vera sapientia et eruditio a bonitate et benefi- 
centia seiuncta est. 

At praecipue duorum magnorum virorum erga me studia ad- 
mirari soleo, cum facile agnoscam, quam mihi sit curta eruditionis 
supellex, meque meo pede metiar. Alter est autem amplis- 
simus Praesul, cuius sub principium mentionem feci, reve- 
rendissimus D. Dominus Tidemannus Gysius, Episco- 
pus Culmensis. Eius autem reverenda Pietas cum chorum 
virtutum et doctrinae, quemadmodum D. Paulus in Episcopo re- 
quirit, sanctissime absolvisset ac intellexisset, non parnm momenti 
ad gloriam Christi adferre, ut iusta temporum series in ecclesia 
et certa motuum ratio ac doctrina exstaret: D. Doctorem, Prae- 
ceptorem meum, cuius studia et doctrinam multis abhinc annis 
exploratam habebat, ante non destitit adhortari ad hanc proyinci^m 
suscipiendam, quam impulit. 

D. Praeceptor autem cum natura esset xoivwvixo? et videret 
reipublicae quoque literariae motuum emendatione opus esse, facile 
reverendissimi Praesulis et amici precibus cessit et recepit 



II. B0RU8SIAE ENCOMIÜM. 373 

tabulas astronomicas cam novis canonibus se compositumm neque, 
si quis sai esset usus, rempublicam, quod cum alii tum Joannes 
Angelus fecit, laboribus suis defraudaturum. At quoniam iam 
olim sibi esset perspectum, observationes suo quodammodo iure 
tales hypotheses exigere, quae non tam eversurae essent baetenus 
de motuum et orbium ordine, recte, ut qnidem receptum credi- 
tumque vulgo, disputata et exenssa, quam etiam cum sensibus 
nostris pugnaturae : iudicabat Alfonsinos potius quam Ptolemaenm 
imitandum et tabulas cum diligentibus canonibus sine demon- 
strationibus proponendas. Sic futurum, ut nullam inter pbilo-. 
sophos moveret turbam, vulgares mathematici correctum baberent 
motuum ealculum; veros autem artifices, quos Bequioribus oculis 
respexisset Jupiter, ex numeris propositis facile perventuros ad 
principia et fontes, unde deducta essent omnla. Quemadmodum 
quoque usque adhuc doctis elaborandum fuit de vera hypothesi 
motus stellati orbis ex Alfonsinorum doctrina, sie fore ut doctis 
liquldo constarent omnia; neque tamen astronomorum vulgus frau- 
daretur usu, quem sine scientia solum curat et expetit, atque 
illud Pythagoreorum observaretur, ita philosophandum , ut doctis 
et mathematicae initiatis philosophiae penetralia reserantur etc."^ 
Ibi tum Beverendissimus ostendebat, imperfectum id munus 
reipublicae futurum, nisi et causas suarum tabularum proponeret, 
et imitatione Ptolomaei, quo consilio, quave ratione, quibusque 
nixus fundamentis ac demonstrationibus medios motus et prostha- 
phaereses inquisierit, radices ad temporum initia cönfirmaverit, 
insuper adderet. Ad haec addebat, quantum haec res incommodi 



* Hier beginnt in dem Abdrucke des »Encomium Borussiae«, welchen 
die »Acta Borussica« (II, 413 fif ) bringen, die grosse Lücke, auf welche 
bereits oben S. 367 hingewiesen ist. Der Grund ist nicht zu errathen, 
wesh&lb dort nicht weniger als l'/2 Seite der Editio princeps weggelassen 
sind; es fehlt der ganze folgende Abschnitt bis zu den Worten: »Caeterum 
indoctorum, quos Graeci diftewpTjTou«;, dfioöaou«, d^tXoaöcpou; xal dYewtAexpTjTou; 
Yoeant«. (S. 375.) 



374 SCHRIFl'BN VON KHETICÜS. 

et quot errores in tabulis Alfonsinis attnlisset, cum cogeremur 
eorum placita assumere ac probare, non aliter quam, ut illi sole- 
bant »aoToc ecpa«, quod in Mathematis quidem nuUum prorsas lo- 
cum habet. 

Porro cum haec principia et hypotheses tanquam ex diametro 
cum Veteram hypothesibns pugnent, vix inter artifices aliquem 
futarum, qui olim tabnlarum principia perspectaniB esset eaque, 
postquam tabulae vires, ut cum veritate consentientes, acqnisi- 
vissent, in publicum proferret. Non hie locum habere, quod 
saepius in imperiis ac consiliis et publicis negotiis fit, ut all- 
quamdiu consilia occultentur, donec subditi fructu percepto spem 
nequaquam dubiam faciant, fore ut ipsi consilia sint approbaturi. 

Quantum autem ad philosophos attinet, prudentiores et doc- 
tiores diligentius seriem disputationis Aristotelicae examinataros 
et perpensuros, quomodo Aristoteles, postquam pluribus se argu- 
mentis immobilitatem terrae demonstrasse credidit, confugiat tandem 
ad illud argumentum : MaprupsL öe tootok; xal ta irapa täv jj^ttr,- 
|xaTtxtt)V Xs^dji-sva irepl ttjv aarpoXoYtav, xa ^ip <paivd}ieva aup-ßatvet 
[xstaßaXXdvTcüv tü)V oj^TjfiaTCDV, oi? ü>pi(jrai täv aatpwv t] taSic, ü>; iizl 
Too [xeoou xstfisvr^? t^? y%- Porro hinc secum constituturos, si 
haec conclusio praemissis disputationibus non poterit subiiei, ne 
oleum et operam impensam perdamus, potius vera astronomiae 
ratio assummenda erit. Deinde reliquarum disputationum aptae 
solutiones indagandae, et recurrendo ad principia diligentia maiore 
parique studio excutiendum, an sit demonstratum, centrum terrae 
esse quoque centrum universi; et si terra in orbem Lunae ele- 
varetur, quod terrae partes avulsae non sui globi centrum adpe- 
titurae essent, sed universi, cum tamen omnes ad angulos rectos 
superficiei globi terrae incidant. Praeterea cum magnetem videamus 
naturalem motum habere versus septeutrionem, item diurnae revolu- 
tionis, an motus circulares terrae attributi necessario violenti sint.* 



* Die Lesart der editio princeps ist unverständlich und sicherlich ver^ 
derbt. Sie hat jedoch in den Text aufgenommen werden müssen, weil nur 



II. ENCOMIUM BORUSSIAE. 375 

Amplius tttrum posBint tres niotus, a medio, ad medium, et 
circa medium, actu separari, et alia, quibus ut fundamentis 
Timaei et Pythagoreorum placita refellit. Atque haec et huius- 
modi secum perpendent, Bi ad principalem astronomiae finem et 
ad Dei et naturae potentiam ac industriam respicere voluerint. 

Quodsi autem docti ubique acriu^ et pertinacius Buis prineipiis 
insistere in animo habuerint decreverintque , monebat D. Prae- 
ceptorem, Be fortunam meliorem expetere non debere, quam quae 
Ptolomaei buiuB diBciplinae monarchae fuiBBet. De quo Averroes, 
summus alias philosophus, postquam concluBisBet epicyclos et ec- 
centricoB in rerum natura omnino eBse non poBse, et Ptolomaeum 
ignorasse, quare Veteres motus gyrationiB posuissent, tandem pro- 
nuneiat, »Astronomia Ptolomaei nihil est in esse, sed est conveniens 
computationi non esse«. Gaeterum indoctorum, quos Graeci 
ai>eci)pT^TOü<;, «[xoüaou;, acpiXooocpoo? xal aYSwfASTpr^TOü^ vocant, cla- 
mores.pro nihilo habendos, cum neque istorum gratia ullos viri 
boni labores suscipiant. 

His et aliis multis, ut ex amicis rerum omnium consciis 
comperi, eruditissimus Praesul tandem apud D. Prae- 
,ceptorem evicit, ut polliceretur se doctis et posteri- 
tati de laboribus suis iudicium permissurum. Quare 
merito boni viri et Studiosi mathematum reveren- 
dissimo Domino Culmensi magnas iuxta mecum habe- 
bunt gratias, quod hanc operam reipublicae prae- 
stiterit. 

Quoniam autem munificentissimus Praesul haec studia impendio 
amat diligenterque colit, habet et armillam aeneam ad observanda 



durch gewaltsame Aenderungen eine Verbesserung möglich erscheint. Mästlin 
lässt das »item« vor den Worten ^iurnae revöhttionisfi einfach wegfallen. 
Gassendi geht weiter (vita Copemici p. 33j ; er verändert »üenia in unum«, 
setzt ferner arevolutionesn statt »revolutionisn und wandelt »am in »aliiquea. 
Bei ihm lautet der Satz sonach: » . . . nwn diumae revolutiones aliique 
motus ctrculares attribuii necessario violenti stnia. 



) 



376 SCHRIFFEN VON RHETICÜS. 

aeqninoctia, quales duas^ sed aliquanto maiores Ptolemaeus Äle- 
xandriae fuisse commemorat. ad quaB videndas passim ex tota 
Graecia confluebant eruditi. Curavit etiam sibi vere PriBcipe 
dignnm gnomonem ex Anglia adferri, quem summa aoimi volup- 
tate vidi, siquidem ab optimo artifiee neque rudi mathematices 
fabricatus est. 

Alter vero meorum Maecenatum est spectabilis ac 
strenuus D. Joannes a Werden, Burgrabius Novensis etc., 
Consul inclytae civitatis Gedanensis, qui ut ex amicis 
quibusdam de meis studiis audivit, non dedignatus est, me qua- 
lemcunque suis verbis salutare et petere, ut se ante convenirem, 
quam Prussia excederem. Quod cum D. Praeceptori meo indi- 
carem, ipsi hoc meo nomine tum placuit et virum cum ita mihi 
depinxit, ut me tanquam ab Achille illo Homeri vocari intelligerem. 
Nam praeterquam quod in belli pacisque artibus excellit, etiam 
musicam Musis faventibus colit, qua suavissima harmonia spiritu» 
8U08 recreet et excitet, ad reipublicae onera subeunda ac per- 
ferenda dignus, quem Dens Opt. Max. fecerit »7roip.eva Xattjv«. Et 
beata respublica, cui Dens tales praefecerit administratores. 

Socrates in Phaedone damnat illorum sententiam, qui animam 
harmoniam dixere, et recte quidem, si nihil praeter elementorum 
in corpore crasim intellexere. Quodsi autem ideo animam har- 
moniam esse definierunt, quod et sola cum Diis mens humana 
intelligeret harmoniam, quemadmodum et sola haec numerat, 
quare et quidam numerum dicere non sunt veriti; deinde etiam 
quod cemerent gravissimis quandoque animae morbis concentibus 
Musicis mederi, nihil haec sententia, quod anima hominis praeser- 
tim Heroici harmonia dicatur, incommodi habere videbitur. Qua- 
propter rectissime quis eas respublicas beatas dixerit, quarum 
gubematores animas harmoniacas, hoc est philosophicas naturas, 
habuerint. Qualem certe Scytha ille nequaquam habuit, qui equi 
hinnitum audire malebat, quam excellentissimum musicnm, quem 
alii ad stuporem usque audiebant. Utinam autem omnes reges. 



II. BORUSSIAE ENCOMIÜM. 377 

principes, praesules aliique regnornm proceres animag ex cratere 
harmoniacarnm animarum sortirentur, et non dubitarem, quin 
optimae hae disciplinae; quaeque propter se potissimum sunt ex- 
petendae, suam dignitatem sint obtenturae! 

Haec habai clarissime vir, quae ad te in praesens de D. 
Doctoris mei hypothesibus, Prussia et maeeenatibus meis scribenda 
putavi. Bene vale vir doctissime, et studia mea tnis consiliis 
gubemare ne dedignere; scis enim nobis iiivenibus maxime se- 
nior um et prudentiorum consiliis opus esse. Nee te venusta illa 
Graecorum sententia fugit: FvÄp-at S' afistvoo; eiat twv •^Epavzipto'^. 

Ex Musaeo nostro Varmiae IX. Calend. Octobris Anno Domini 
M. D. XXXIX. 



m. Die Vorrede zu der Trigonometrie von Goppernicas. 

Wittenberg 1542,] 



Doctrina et virtute praestanti 

Georgio Hartmanno Noribergensi 

Joachimus Rheticus S. D. 

Cum rerum Iiamanarum inconstantiam, varios casas summe- 
rum virorum , regnorum mutationes considero , cum in caeteris 
rebus imbecillitatem humani generis deploro, tum vero maxime 
doleo etiam in ai^tes divinitus liumano generi traditas fata tem- 
porum saevire. Olim studia frequentissima mathematum fuerunt, 
tota ars ex fundamentis mira solertia, Deo monstrante initia et 
regente artificum mentes, exstrueta est, magna lux, magnus bonos 
huius doctrinae fuit. Postea multis saeculis iacuit obruta tenebris 
fortasse eo, quod in hac ultima mundi senecta orbis terrarum bar- 



* Der Titel lautet: »De lateribus et angulis trianguloruni 
tarn planorum rectilineorum, tum sphaericorum libellus ern- 
ditJBsimu^ et utilissimus cum ad plerasque Ptolemaei demon- 
Btrationes intelligendas, tum vero ad alia multa scriptus a 
clarissimo etdoctissimoviroD. Nicoiao Copernico Toronensi«. 
Das Schriftchen ist bei Joh. Luft in Wittenberg gedruckt. Die näheren 
bibliographischen und anderweiten Notizen sind im ersten Bande (Thl. 2, 
S. 480 flf.) gegeben. 



III. DIE VOBREDE Zu DER TRIGONOMETRIE VON COPPERNICUS. 379 

barorum imperiis fato quodam oppressuB est. äed qoia artes 
vitae utiles praecipua Dei dona sunt, res ipsa ostendit, non 
humana ope, sed quodam singulari Dei beneficio uteunque eas 
conservari et interdum rursus ceu fiammam excitari, ne funditus 
intereant. Sed etiam cum restitutae sunt, prorsus accidit homi- 
nibus, quod aiunt Pythagoram dixisse de coelestium motuum 
harmonia, qua ille quidem dixit effiei dulcissimos sonos, sed non 
audiri eos, quia iam propter consuetudinem negligantur, ita surdi 
homines nee audiunt nee tueri Student artes divinitus nobis red- 
ditas. Et ut caetera praesentia bona fastidimus, ita et hanc 
doctrinam, cum fruimur quotidianis beneficiis, leviorem duci- 
mus. Si deesset annorum enumeratio in historiis, in religio- 
nibus, in foro, quantae essent in vita tenebrae! Si nume- 
rorum doctrinam non haberemus, infinita esset legitimorum con- 
tractuum conturbatio. Architectonica tota ex geometria orta est^ 
et sunt aliae utilitates multae in metiendis corporibus. Haec be- 
neficia cum sint in manibus, fontes tum negliguntur, tum vero a 
multis süperbe contemnuntur. Itaque magna gratia debetur bonis 
viris, qui in tanto doctrinae contemptu sponte laborem suscipiunt 
et somptus faciunt in bis divinis artibus excolendis et utilitatis 
publicae causa conservandis. Cum autem nobis monumenta utilia 
istic tum edantur, tum adomentur, duxi hoc te munere vicissim 
omandum esse, quod non dubito tibi gratissimum fore. Scis 
doctrinam triangulorum maximos usus habere, cum in aliis geo- 
metricis materiis, tum vero praecipue in astronomia, iileoque saepe 
in eam Ptolemaeus incurrit. Quare et hi, qui Ftolemaeum expli- 
care conati sunt, multa de triangulis commentati sunt. Et optarim 
exstare veteres Menelaum et Theodosium. Nunc recens prodiit 
Incubratio Regiomontani ; sed multo ante quam hanc videre 
potuit vir clarissimus et doctissimus D. Nicolaus Co- 
pernicus, dum et in Ptolemaeo illustrando et in do- 
ctrina motuum tradenda elaborat, de triangulis eru- 
ditissime seripsit. Scio tibi admirationi fore hoc scriptum, 



380 SCHRIPFEH VON RHETICU8. 

cum videbis, quantas res qaam artificiose complexns sit. Ut 
aatem hoc tempore ederem, eo accidit, qnia in enarratione Pto- 
lemaei nobis opas fnit triangaloram doetrina, tibiqae eo dedicavi, 
nt te provoearem ad edenda, si qua in hoc genere habe8, seu 
yetera seu recentia. Hac accedit, qnod audio amicitiam tibi 
Komae fuisse cum auctoris fratre. Sed tibi viro doctissimo 
non minor est causa quam haec ad amandum aaeto- 
rem, acerrimnm ipsius ingeninm, et cum in caeteris 
artibns, tum maxime in doctrina coelesti eruditio 
tanta, ut veteribus summis artificibus conferri possit. 
Ac gratulari huic aetati debemus, tantnm artificem 
reliqnum esse, qui studia aliquornm accendat et 
adinvet. Mihi quidem iudico rem nullam humanam 
contigisse meliorem quam talis viri et doctoris con- 
suetudinem. Ac si quid unquam mea opera in hoc 
genere reipublicae profutura est, ad cuins utilitatem 
studia nostra referenda sunt, huic doctori acceptum 
referri volo. Itaque cum hanc lucubrationem et ingeniosissime 
scriptam esse sciam et ego eam propter auctoris memoriam ma- 
gni faciam, velim te hoc munere magnopere delectari. Bene vale. 



Has artes teneris annis studiosa iuventus 

Discito, mensuras quae numerosque docent. 
Praemia namque feres suscepti magna laboris. 

Ad coelum monstrant haec tibi scripta \iam 
Qua patet immensis spaciis pulcheriimus orbis. 

Si metas horum cemere mente voles; 
Sidera vel quanam coeli regione vagentur, 

Aetemi cursus quas habeantciue vices; 
Cur Luna involvat caeca caligine fratrem. 

Cur Lunae usuram lucis et ille neget; 
Venturos etiam casus quae fata gubernent, 

Quas populis clades astra inimica ferant. 



in. DIE VOBREDE Zu DER TRIGONOMETRIE VON COPPERNICÜS. 381 

Haec si nosse voles, prius est doctrina tenenda, 
Quam breviter tradunt haec elementa tibi. 

Cumqae hominum mentes. quae coelo semina ducunt, 
Errent a patria sede domoque procul, 

Haec doctrina ipsas terrena mole solutas 
Coelesti reduces rursus in arce locat."^ 



* Das im Texte mitgetbeilte Gedicht findet sich auf p. 6 des Schrift- 
chens zwischen der Vorrede und dem Abdrucke der Trigonometrie von Cop- 
pernieus. Es scheint jedoch kaum von Rheticus herzurühren. Hipler hat 
mehrfach die — wohl nicht zutreffende — Vermuthung ausgesprochen (zu- 
letzt im Spie. Cop. p. 103), dass der Bischof Dantiscus das Epigramm ge- 
dichtet habe. Vgl. Band I, Thl. 2, S. 369 u. 481. 



rV. Die Vorrede zu den »Orationes de Astronomia, Geographia 

et Physica«.* 

[Nürnberg 1542.) 



Ornatissimo et prudentissimo viro 

Domino Heinrico Veidnower 

Consuli Veldkirchensi 

Joachimns Rheticus S. D. 

Multa sunt argumenta,, liberales artes, quibus hanc vitam 
non solum ornavit Dens, sed etiam adiuvit varie divinitus ostensas 



* Der vollständige Titel der kleinen Schrift lautet: »Orationes 
duae, prima de Astronomia et Geographia, altera de Physica, 
habitae Vuitembergae a Joachimo Rhetico, professore Ma- 
thematum Norimbergae apud Joann. Petreium (1542). — Die bei- 
den Vorträge, welche Rheticus in Nürnberg dem Drucke übergab, waren 
nach seiner Rückkehr aus Preussen in Wittenberg gehalten. 

Das Schriftchen, welches dem Bürgermeister von Feldkirch {dem Gre- 
burtsorte des Rheticns) Heinrich Veidnower, gewidmet ist, umfasst 24 Seiten 
in klein Oktav, von denen das Dedikations- Vorwort allein 5 Seiten ein- 
nimmt. Es erschien bei Petrejus, dem Rheticus den Druck des Copperni- 
canischen Werkes »de revolutionibus orbium caelestium« übertragen hatte, 
zu der Zeit, als letzteres sich unter der Presse befand. Nähere Mitthei- 
lungen über Petrejus und sein freundschaftliches Verhältniss zu Rheticus 
sind Band I. Thl. 2, S. 514 AT. gegeben. 



IV. DIE VORREDE Z. D. ORAT. DE A8TR., GEOGR. ET PHYS. 383 

et a sanctis hominibus inde usque ab original! mando ad poste- 
ritatem transmissas esse. Nam et usus in universa vita patet 
latissime et ipsa ordinis perpetua consensio, qua praeceptum 
an um ex alio quasi enascitur, veritatis non obscurum est indicium, 
quam solius Dei opera, tanquam propriam notam, divinae originis 
habent. Itaque meorum praeceptornm et consilium in observandis 
honestis artibus admiror, et diligentiam merito praedieo, qua eas 
primae aetati instillant. Nam, ut de me dicam, veniebam domo 
Vuittenbergam mediocriter institutus, illis primis non tam artibus, 
quam summarum artium instrumentis. Ad eam cognitionem ac- 
cesserat parentis diligenti eura numerorum notitia. Nam haue 
etsi mercatores sui maxime commodi causa in pretio habendam 
censent, tamen profecto longe maiores usus in omni vita praestat. 
Sive autem praeeeptor mens, Philipp us Melanthon, nostri saeculi 
unicum omamentum, quod numerorum cognitione essem aliquo 
modo instruetus, sive aliam ob causam me mathematicis disciplinis 
adhibuerit, nescio. Hoc tamen summo studio perfeci, ne in eo 
genere literarum, quod mihi sequendum iudicarat, negligentem 
operam navarem. Ac postquam ex Joanne Volmaro, gentili 
nostro, viro doctissimo, geometrica et astronomica praecepta didi- 
cissem, evocavit me Noribergam insignis fama viri non solum in 
hoc genere disciplinarum clarissimi, sed etiam in omni vita optimi 
Joannis Schoneri. Ab eo Tubingam concessi. Nam istic vir 
omnium memoria dignissimus Joannes Stoflerus, non solum huius 
artis illustria monumenta, sed etiam discipulos eximios reliquisse 
ferebatur. Accidit autem, ut hac occasione etiam in clarissimi 
viri Joachimi Camerii notitiam venirem. qui et has artes facit 
maximi et in reliqua literatura ita excellit, ut singulare Germa- 
niae oniaraentum esse merito praedicetur. Cum deniquein 
septentrionalibus partibus D. Nicolai Copernici fa- 
mam tantam esse audirem, etsi tum Academia Vittebergen- 
sis me publicum professorem istarum artium constituisset, tamen 
non mihi putavi acquiescendum, donec etiam illius 



384 SCHRIFTEN VON RHETICU8. 

iüBtitntione addiscerem aliquid. Ac profecto neque 
sumptuum, nee itineris, nee aliarum molestiarnm me 
poenitet.* Ingens enim operae pretium in eo mihi 
feeisse videor, quod hominem aetate nune gravem 
iuvenili quadam audaeia perpuli ad rationes suas in 
hoe genere diseiplinae toto mundo maturius eommii- 
nieandas. Ae iudieabunt idem meeum eruditi omnes, com 
libri, quos nune snb prelo Norebergae habemas, 
edentur. Sieut verum est, quod poeta inquit, »Ignoti nuUa cupido«. 
ita in illo usu artis deprehendi multipliees huius studii frnctus, 
quibus non omatur solum, sed adiuvatur praeelare tota haec vita. 
Itaque eum et dignitas proximi anni, qua me Aeademia Vuitte- 
bergensis ornavit,"^* et eonsuetudo flagitaret aliquas publieas et 
solennes oratio'neS; reetissime me facturum iudicavi, si has artes, 
physicam, astronomiam, et geographiam iuventuti eommendarem. 
Ac autores postea mihi fuerunt multi eruditi viri, ut hoc meum 
de his artibus iudicium etiam aliis ostenderem. Horum vel con- 
silio vel autoritati cum refragari non liceret longius, et reipu- 
blicae quoque Interesse videretur, honestissimas de his artibus 
sententias exstare, utramque orationem publice a me Vuittebergae 
habitam edidi. Eas, vir omatissimC; ad te mittendas, imo etiam 



* Die obigen Angaben ergänzend, schreibt Bheticus in der Dedika- 
tions-Epistel seiner Ephemeriden für das Jahr 1551 an Georg Chumerstad: 
»Quae quidem (itinera) meo, ut dicitur, Harte et longinqua et difficilia con- 
feci, dum quaero, qui me accipiat coelique vias et sidera monstret. Sep- 
tentriones subii, in Prussia ea didici atque percepi de praeclarissima arte 
astronomiae'; dum versor apud summum vinim Nicolaum Copernicum, quibus 
elaborandis vita suffiicere non possit etc.« 

** Rheticus war nach seiner Rückkehr aus Frauenburg zum Dekan der 
Artisten-Fakultät in Wittenberg erwählt worden. Wir erfahren dies durch 
Weidler aus den Akten der Universität: »Rheticum Yitebergam rediisse 
anno 1541 vel 1542 et officium suum denuo obiisse, ex matricula noBtra 
didici, siquidem anno 1542 Mensi Februario et sequentibus decanatum 
gessit et candidatis nonnullis magistri lauream impertiit«. (Hist. astron. 
p. 356). 



IV. DIE VORREDE Z. D. ORAT. DE ASTR., GEOGR. ET PHYS. 385 

nomini tno inscribendas indicavi; non solum quod in patria mea 
principem locum teneas, et sicut ex patrono meo, viro tum optimo 
tum doctissimo, D. Jacobe Milichio intellexi, primam aetatem in 
nostris studiis cum singulari eloquentiae laude contriveris, sed 
quod Video literas clarorum virorum tutela indigere. Multum 
enim prodest ad primam aetatem excitandam, si summorum ho- 
minum iudicio approbari hasce artes videant. Homerus principes 
numinum clypeis tegi fingit, et profecto manifesta argumenta 
sunt, quod rerumpublicarum gubernatores divinitus non regantur 
solum, sed tegantur etiam in tantis et tam variis periculis. Ad 
hunc modum ipsos gubematores decet, honesta studia sua aucto- 
ritate non solum commendare aliis, sed etiam defendere contra 
pravas vulgi opiniones. quod nihil admiratur praeter quaestum. 
Ego igitur cum et harum artium principia in patria perceperim 
et usu nunc discam, me a praeceptoribus fidelissimis non de- 
ceptum, inter quos non postremum locum tenet D. Achilles Gassar 
Physicus,* qui etiam caelestes significationes secutus me ad hoc 
stndiorum genus cohortatus est, existimavi etiam tuam auctori- 
tatem mihi adiungendam, ut praestantissimae artes iuventuti et 
eins moderatoribus commendarentur. In hac re non solum patriae, 
sed et toti reipublicae plurimum profuerimus. Spero autem tibi 
et nostris literis non vulgariter instituto et primas tenenti in 
republica hoc de praeclarissimis artibus iudicium deinde et vo- 
luntatem erga te meam non ingratam futuram. Bene et feli- 
citer vale. 



* Ueber Pirminius Gassarus sind bereits oben S. 2S7 einige bio- 
graphiBche Notizen mitgetheilt. Dass er mit Rheticus in naher freund- 
schaftlicher Beziehung gestanden, wissen wir aus den beiderseitigen Zeug- 
nissen (vgl. S. 288}. Rheticus gedenkt seines Freundes auch in der »Choro- 
graphia«: » . . . . die Schriften des Petrus Peregrinus de Marecurt hab ich 
bei den Achtbaren vnd hochgelarten Herren Acbilli Gassaro Lindoensi der 
Medicin Doctori vnd Mathematico gesehen«. (Hipler: Die Chorographie des 
Joachim Rheticus S. 25]. 

u. 25 



386 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

Datae Noribergae* Idibus Augusti Anno Domini M. D. 
XLIL 



* Datirt hat Rheticus die Vorrede zu seinen »Orationes duae« etc. von 
Nürnberg, wohin er sich um die Mitte des Mai 1542, mit Empfeblungs- 
Briefen von Melanchthon ausgertlstet , begeben hatte, um den Druck de« 
grossen Werkes seines Meisters zu überwachen, wie er selbst in der Vor- 
rede zu seinem Schriftchen angiebt: » . . . Cum libri (Copernici), quos nunc 
sub prelo habemus, edentur«. 

Dass Rheticus in Nürnberg noch anderweite literarische und Lebens- 
Pläne verfolgte und nicht mehr nach Wittenberg zurückzukehren gedachte, 
lehrt uns der Brief Melanchthon's an Joach. Camerarius vom 11. Mai 1542: 
» . . . Mathematicus noster Joachimus (Rheticus), cum me retineri intellexisset, 
litteras flagitavit«. 



V. Die Vorrede zu den Ephemeriden auf das Jahr 1551.* 

[Leipzig 1550.) 



Autor lectori. 



Quoniam eam viam secuti sumus, quam erudita antiquitas 
ingressa ad cognitionem pnlcherrimarum rerum pervenit quas 



* Der vollständige Titel lautet: 

»Ephemerides novae seu expositio positus diurni siderum 
et auoy7)p.aTtap.a>v praecipuorum ad annum redemtoris nostri 
Jesu Christi filii Dei MDLI. Qui est primus annus Olympi- 
ados DLXXXII exquisita ratione et accurato studio elabo- 
rata a Georgio Joachimo Rhetico, secundum doctrinam Trepl 
TÄv diveXiTTouaciN D. Nicolai Copernici Toronensis prae- 
ceptoris sui. 

Cum Privilegio Imperiali. 

MoifjLif)oeTai tU ftäaoov ^^ [AipiifjaeTai. 

Lipsiae ex officina Wolfgaugi Guuteri. 

Anno MDL. 



Das Schriftchen umfasst 40 Seiten in Quart, von denen Widmung und 
Vorrede die ersten sieben Seiten einnehmen. Die Widmung ist an Georg 
Chnmerstad gerichtet und von Leipzig datirt. (1. Oc tober 155 0.) 



Rheticus war, als er alles Erforderliche für den Druck des Werkes 
»de revolutionibus« in Nürnberg eingeleitet hatte, nicht nach Wittenberg, 

25* 



388 SCHRIFTEN VON RHETICüS. 

rationes et qaae scripta in scholas revocari in primis stndeo, et 
aliqnibus tarnen haec traetatio alienior videri posset (malt! enim 



wie Melanchthon immer noch hoffte, zurückgekehrt. Er hatte vielmehr eine 
ähnliche Lebens-Stellung in Leipzig gesucht und gefunden. (Vgl. Bd. I, 
Thl. 2, S. 519 ff.) Wie es scheint, war die Leipziger Professur von Rhe- 
ticus bereits im Sommer-Semester 1542 wenigstens provisorisch angetreten. 
Es schreibt Melanchthon am 7. Juli dieses Jahres an den Nürnberger Raths- 
herm Erasmus Ebner: ». . . Nunc autem ut ad te scriberem, petiit Joa- 
chimus (Rheticus) , hospes vester, qui Lipsiae mathemata docet«. 
Melanchthon trug sich aber immer noch mit der Hoffnung, dass Rheticns 
von Wittenberg nicht definitiv fortgehen werde. Er schreibt am 25. Jali 
1542 an Camerarius: » . . . Scripsi ad Rheticum, ut nobis et mihi plane 
de sua voluntate et de tempore reditus respondeat. . . . Est apud 
nos Erasmus Floccus; mediocriter instructus doctrina, quem surrogabimus 
Rhetico, si nos is reliquerit .... Sed expectemus litteras Rhetici«. 

Im Winter 1542 wurden die Verhandlungen der Leipziger Universität 
mit Rheticus zum Abschlüsse geführt. Wir ergehen dies aus zwei Briefen 
Meianchthon's an Joach. Camerarius aus dem November jenes Jahres. In 
dem ersten, aus dem Anfange des Monats, schreibt er : » . . . Cum Rhetico 
proderit plane et explicate de stipendio et operis agi; l/ei fäp xonelvo; 
(iipooxoTtouvxa t6v al^^jxdlXoaTov toO ojtou xai toö IcpidtXTou«. — In dem zweiten 
»d. d. 18. November 1542« schreibt Melanchthon: ». . . . Joachimum Rheti- 
cum tibi commendo, quem quidem consiliis iuvabis tuis fidelissimia in illa 
vestra Philyra, quae, ut omnes ceterae respublicae, multa habet D.xii 
UTTOuXa«. 

Im Mai 1550 hielt Rheticus sich noch in Leipzig auf, wie aus einem 
Briefe Meianchthon's an Camerarius vom 25. Mai desselben Jahres erhellt: 
»...Scripsi ad Stramburgum et eins coniugem, item ad Meurenim, et 
ad Rheticum; praeter hos neminem volui sumtu et labore itineris onerare«. 
Nicht lange nach der Herausgabe seiner Ephemeriden scheint Rfaeticas Leipzig 
verlassen zu haben. Im Jahre 1551 wurde Joh. Homel sein Nachfolger, 
wie uns bereits Joh. G. Boehm (»de literatura Lipsiensi« p. 79) berichtet: 
»Joh. Rheticus mathemata .... utiliter explanabat, cui . . . . Lipsia abeunti 
Joh. Homelius surrogatus fuit«. 

Die spätem Lebens-Schicksale des ersten Apostels der Coppemicanischen 
Lehre dürfen hier kaum skizzinmd angedeutet werden. Rheticus wandte 
während der letzten Lebens-Jahre seine gelehrte Thätigkeit ausschliesslich 
der Berechnung grosser Sinus-Tangenten- und Sekanten-Tafeln zu. Obwohl 
er durch die Unterstützung des Kaisers Max II. und einiger ungarischen 
Grossen in den Stand gesetzt war, sich während eines ganzen Decenniams 
einige Hülfsrechner zu halten, so hatte er doch nicht die Freude, die Voll- 
endung seines grossen Werkes zu erleben. Dasselbe erschien — Kästner 
(Gesch. d. Math. I, S. 621) weiss nicht anzugeben, wann? und wo? — unter 



V. DIE VORREDE ZU DEN EPHEMERIDEN AUF DAS JAHR 1551. 389 

ab illis yestigiis satis longe recesserunt] . Ideo visum fuit, quem- 
admodum geometrae faciont, ut vulgo ignota verba explicent et 
res dubias affirmando stabiliant, sie ostendere, et quid vocabula, 
quibus usi sumus, significare et res, quas tradimus, quo pacto 
intelligi yelimus. Cum autem necesse sit alios aliorum esse ser- 
mones de huinsmodi operibus, ideo quaedam hoe loco de toto 
genere taKum descriptionum dicenda esse duximus. Erit autem 
nobis res cum iis, qui neque prorsus ignari sunt disciplinarum 
mathematicarum et eognoscendi verum desiderio tenentur. Ad 
eaeteros enim alia oratione opus esset. Primum igitur iam mani- 
festum est. Ea quae de siderum positu proferuntur ex tabellis, 
quibus omnes communiter utuntur. a veritate nunc admodum longe 
abesse. Qnod ut attentius notaretur, superiore anno loca stellarum 
errantium et luminum ad primos dies tantummodo singulorum 
mensium exquisita proposuimus. Nunc integri anni ephemerides, 
id est diariae indicationes siderum, a nobis eduntui^ quo certius 
errores vulgaris caiculi deprehendi possint. Ante Ptolemaeum 
quidem in Graecia ars haec perfecta nondum fuit, post hunc autem 
paucis saeculis inter clades bellorum, cum minus colerentur haec 
studia, evenit pariter atque ante, veritas ut amitteretur. Azophi, 
Mahumeta Aratensis, Thebith Saraceni, et mox Alphonsus rex 
Hispaniae fulcire ruinam conati fuerunt. Hie quidem divinitus ad 
hanc curam suscitatus, sed temporum vitio, quod antiquitatis 
doctrina non teneretur, labascere etiam opus quamvis praeclarum 



dem Titel »Georgii Joachimi Rhaetici Magnus canon doctrinae triangiilorum 
ad decades secundorum scrupulorum et ad partes lOOOOOOOüOO«. 

Kheticus starb zu Easchau (in Ungarn) 1576 in den Armen Otho's, 
seines Schülers. Dieser gab auf Grundlage der reichen Vorarbeiten, welche ihm 
aus der Hinterlassenschaft von Kheticus zugekommen waren, sein grosses 
trigonometrisches Werk heraus, von welchem Kästner {a. a. 0. S. 590—612] 
eine eingehende Beschreibung geliefert hat. Es führt den Titel : »Opus Pa- 
latinum de triangulis a Georgio Joachimo coeptum L. Valentinus Otho Prin- 
cipis Palatini Friderici IV. Electoris Mathematicus consummavit«. (Ann. 
Sal. Hum. 1596.) 



390 SCHRIFTEN VON RHETICÜS. 

necesse fuit. Itaque post annos statim quadraginta Guilhelmas 
quidam de S. Glodialdo notas Alfonsinis quasi deciBionibus ap- 
ponere ansus fuit de suis obseryationibas, qaod idem paulo jiost 
fecit et Prophatius Judaens. Hob secuti sunt Joannes Blanchinns, 
Georgius PurpaehiuS; Joannes Regiomontanus Francns, Bemardus 
Gualterus, Dominicus Maria. Qui omnes, quod intelligerent 
neglectione quadam in pulchemmam artem animadvertendos er- 
rores invasisse^ studio et labore suo annisi fuerunt, ut aliqnid 
illorum tollere et emendare possent. Ärzaelem quendam, autorem 
nt perhibent, tabularum Toletanarum, magnum yirum fuisse non 
est dubium, ante Alfonsum annis circiter 183. Quem aeeepimüs 
quadringentas duas observationes solares reliquisse de eonstituendo 
apogeo Solis. Ex quo manifestum fit, quanta illius contentio 
fuerit in hoc studio, cum, ut in nostris commentariis astronomicis 
docetur, alia etiam ac potius quidem in hac parte sint spectanda. 
Superiore autem aetate D. Nicolaus Gopernicus post 
omnes illos, quos nominavimus, et ipse veluti manus 
admovit huius mundi machinae. Et cum in Italia 
animum optimarum disciplinarum atque artium do~ 
ctrina instruxisset, otium tandem nactus rem totam 
divino ingenio complexus incredibili diligentia per- 
fecit omnium admiratione, qui in bis studiis versa- 
rentur. Yixerat cum Dominico Maria Bononiensi, 
cuius rationes plane cognoverat et observationes 
adiuverat. Suas autem exquisitiones mediocres non 
nimias esse yoluit. Itaque consulto, non inertia ant 
taedio defatigationis, eäs comminutiones vitavit, 
quas nonnulli etiam affectarunt, et sunt qui exigant, 
qualis est Purpachii in Eclipsium tabulis subtilitas. 
Yideas autem quosdam in bis omnem curam ponere, ut plane 
scrupulose loca siderum scrutentur, qui dum secundariis et ter- 
tianis, quartanis, quintanis minutiis inhiant, integras interitn 
partes praetereunt neque respiciunt, et in monümentis tcüv cpaivo- 



V. DIE VORREDE ZU DEN EPHEMERIDEN AUF DAS JAHR 1551. 391 

(jLsvcov saepe horis^ non etiam nunquam diebus totis, aberrant. 
Hoc nimimiD est, quod in fabulis Aesopicis fit ab eo, qui iussus 
bovem amissam reducere, dum aviculis quibusdam captandis 
studet, neque bis potitur, et bove etiam ipso privatur. Recor- 
dor, cum et ipse iuvenili cnriositate impellebar et 
quasi in penetralia siderum pervenire cupiebam. 
Itaque de hac exquisitione interdum etiam rixabar 
cum optimo et maximo viro Copernico. Sed ille cum 
quidem animi mei honesta cupiditate delectaretur, 
molli brachio obiugare me et hortari solebat, ut 
manum etiam de tabula tollere discerem. Ego, in- 
q'uit, si ad sextantes, qnae sunt scrupula decem, veri- 
tatem adducere potero, non minus exsultabo animis, 
quam ratione normae reperta Pythagoram accepimus. 
Mirante me et annitendum esse ad certiora dicente, huc 
quidem cum difficultate etiam perventum iri demon- 
strabat, cum aliis tum tribus potissimum de causis. 
Hamm primam esse aiebat, quod animadverteret ple- 
rasque observationes veterum sinceras non esse, sed 
accommodatas ad eam doctrinam motuum, quam sibi 
ipsi unusquisque peculiariter constituisset. Itaque 
opus esse attentione et industria singulari, ut, qui- 
bus aut nihil aut parum admodum opinio observatoris 
addidisset detraxissetve, ea a corruptis secerenen- 
tur. Secundam causam esse dicebat, siderum inerran- 
tium loca a veteribus non ulterius quam ad sextantes 
partium exquisita, et secundum haec tamen praeci- 
pue errantium positns capi oportere; pauca excipie- 
bat, in quibus declinatio sideris ab aequinoctiali 
annotata rem adiuvaret, quod de hac locus ipse si- 
deris certius constitui iam posset. Tertiam causam 
hanc memorabat, non habere nos tales autores, qua- 
les Ptolomaeus habuisset post Babylonios et Ghal- 



392 SCHRIFTEN VON RHETICÜ8. 

daeos, illa Inmina artis Hipparchum, Timocharein, 
Menelaum et caeteros, quorum et nos observationi- 
bas ac praeceptis niti ac confidere possemus. Se 
quidem malle in üb acquiescere, quorum veritatem 
profiteri posset, quam in ambiguorum dubia subti- 
litate ostentare ingenii acrimoniam. Haud quidem 
longius certe, vel etiam propius omnino abfuturus 
Buas indicationes sextante aut quadrante partis 
uniuB a vero, cuius defectus tantum abesse ut se 
poeniteat, ut magnopere laetetur hueusque longo 
tempore, ingenti labore, maxima contentione, studio 
et industria singulari procedere potuisse. Mercu- 
rium quidem, quasi seeundum proverbium Graecorum 
relinquebat in medio communem, quod de illo neque 
suo studio observatum esse diceret neque ab aliis se 
accepisse, quo magnopere adiuvari aut quod omnino 
probare posset. Me quidem multa monens, subiiciens, 
praeeipiens imprimis hortabatur, ut stellarum iner- 
rantium observationi operam darem, illarum poti&si- 
mum quae in signifero apparent, quod cum bis er- 
rantium congressus notari possent. Hoc cum doctissimus 
vir Gemma Phrysius et ipsum fieri oportere statuat, quasi alternm 
hac aetate Copernicum,* fundamenta huius artis firma eum iacere 



* Die Bedeutung von Gemma Frisius ist von Rheticus und seinen 
Zeitgenossen überschätzt worden. Das hohe Lob, welches ihm Rheticus 
zuertheilt, wenn er ihn einen zweiten Cbppernicus nennt, hat die Ge- 
schichte der Wissenschaft nicht anerkannt. 

Gemma Frisius beschäftigte sich neben seiner medicinischen Thätigkeit 
auf dem Lehrstuhl und in der Praxis eifrig mit Mathematik und Astronomie. 
Er unterhielt — durch den Bischof Dantiscus — mittelbare Verbindungen 
mit Coppemicus (vgl. Bd. I, Thl. 2, S. 272 flf., 284). Auch die Beobachtung 
des grossen Kometen vom Jahre 1533 brachte ihn in Beziehungen zu Cop- 
pemicus (vgl. Bd. I, Thl. 2, S. 270). 

Mit grossem Interesse verfolgte Gemma die Berichte, welche über die 



V. DIE VORREDE ZU DEN EPHEMERIDEN AUF DAS JAHR 1551. 393 

intelligo, et, ut par est, veneror ammo meo. Kequo ego cum 
de Copernici operibus ita loquor, ut iudicio ipsius defendam in 



Lehre von der Erd-Bewegung wenngleich nur in fragmentarischer Form 
an ihn gekommen waren. Klar hatte er, wie viele seiner Zeitgenossen, die 
grossen Schwächen und Mängel des herrschenden Systems erkannt; in dem 
Briefe an Dantiscus d. d. Kai. Augusti 1541 preist -er mit begeisterten 
Worten die Gedanken-Arbeit von Coppernicus und seiner Schüler »qui no- 
vam nobis terram, novum Phoebum, nova astra, immo totum alium appor- 
tabunt orbem« .... »Quot enim erroribus« — fahrt Gemma fort — - »invo- 
Incris labyrinthis, quot denique aenigmatibus, plus quam Sphingicis, involutam 
habuimus astrologiam ! Ego sane multa possem enumerare, quae nunquam mihi 
satisfacere potuerunt. Quale est, quod Martis motum saepe a calculo, vel exac- 
tissimo secundum tabulas, tribus signiferi partibus abesse observaverim . . . 
Nihil nunc dicam de motu firmamenti et apogiorum, qui, ut ne umbram 
quidem habuit veritatis, ita omnibus ridiculus approbatus; omitto etiam 

plnra alia de omnium fere stellarum longitudine Haec si reddiderit 

autor ille vester (Copemicus) sarcta et tecta (id quod maxime animus prae- 
sagit ex eo provemio, quod praemisit) nonne hoc est novum dare Phoebum, 
noyam terram, novum coelum ac novum mundum?« — 

Mit dringlichen Bitten geht Gemma in demselben denkwürdigen Briefe 
den Bischof Dantiscus an, er möchte doch auf Coppernicus dahin einwirken, 
dass dieser sein Werk der Oeffentlichkeit übergebe. Die Mittheiiung der 
betr. Stelle ist im ersten Bande verabsäumt; sie wird deshalb hier nach- 
getragen: »Quapropter, omatissime Praesul, non parum mereberis 
gratiae, cum apud Infinitos haud infimae doctrinae vires, tum apud 
posteros omnes, si (quod tibi arbitror neque grave esse neque arduum) 
calcaribus tantum usus hoc opus (Copernici) promoveas). Non 
te latet enim, qua ratione saepe accidat a decessis auctoribus, ut libri, 
opera, supellex, denique tota diripiantur abeantque in oblivionem, quae 
alioqui multis ex usu essent futura«. 

Trotz all dieser Bekundungen seines wissenschaftlichen Interesses für 
das neue Weltsystem müssen wir dennoch anstehen, Gemma zu den Gön- 
nern der neuen Lehre zu rechnen, wie es Beckmann (Erml. Ztschr. III, 403) 
gethan hat. Gemma verwahrt sich bereits in dem mehrerwähnten Briefe 
vom 20. Juli 1541 gegen die Unterstellung, dass er die Coppernicanische 
Lehre für mehr als eine Hypothese erachte: »... Neque ego nunc dis- 
pute de hypothesibus , quibus (Copernicus) ille utitur pro sua 
demonstratione, quales sint aut quantum veritatis habeant. 
Mea enim non refert, terramne dicat circumvolvi an immotam 
consistere; modo siderum motus temporumque intervalla ha^ 
beamus ad amussim discreta et in exactissimum calculum 
redacta«. 

Noch bestimmter spricht Gemma vierzehn Jahre später ganz im Sinne 



394 SCHRIFTEN VON RHETICüS. 

his imperfecta quaedam et aliorum affectatam et obscuram dili- 
gentiam reprehendam, videri velim hoc agere, nt illius Btudiam 
et industriam debilitem. Immo optarim et potentes ac opolentos 
impensis sumtibus, et doctos ac eruditos operis ac laboribus eom- 
mouicatis praeclarissimae rei curam Buscipere, ut his etiam tem- 
poribus haec ars absolveretur. Copernicus qnidem cum et 
iniqua iudicia aliorum reformidaret et in sua ipse 
inventa acerrime inquireret, impnlsus tarnen a Reve- 
rendissimo domino Tidemanno Gisio etc. opus sunm 
eomposuit et edi passus fuit. Non ut alii in istis inv^ntis 
ac traditis consisterent, sed potius nt excitati omni contentione 
longius progrediendum esse ducerent. Quod utinam nostra aetas 
fieri videat atque hnnc fructum bonarnm artinm liberalitatis 
principium et concordiae emditorum percipiat ! Non enim profecto 
haec elaboratio unius aut paucorum, sed et praesidio et coUatis 
operis opus est. In quam partem et polliceor me qnoque operam 
daturum, quae neque Copemici praestantia ac magnitüdine in- 
digna neque praecipuae utilitatis expers, et mihi etiam ad bonos 
ac eruditos honorifica esse videatur. Nolim eqnidem in Copemici 
rationes vel a me vel ab alio quopiam inculcari extranea, ne non 
adiuvisse conatus praeclarissimos ipsius, neque explevisse defi- 
cientia, sed conturbasse negotium et opus aliquis depravasse vi- 
deatur. Far autem est, ut is qui, sicut ait servulus Plantinas, 



der untergeBchobenen Vorrede Osiander^s zu dem CoppemicaDifichen Werke. 
£b geschieht dies in der Vorrede zu den »Ephemerides noyae« etc. von 
Stadius, welche er im Jahre 1555 geschrieben hatte: »Restat iam ulti- 
mus noduB de terrae motu solisque in mundi centro quies- 
centis to ::apd^a^ov. Verum quum et philosophia et demonstrationis 
methodo careant, non intelligunt hypothesium causas et usum. Non enim 
illa statuuntur ab autoribus, tanquam necessario ita se ha- 
bere debeant neque aliter constitui possent. Sed ut assumptis 
non prorsus absurdis sed naturae congruis exordiis habeamus certam ratione 
motuum correspondentem in coelo conspicuis stellarum locis tarn pro tem- 
pore futuro vel elapso quam pro praeseuti«. 



V. DIE VORBEDE ZU DEN EPHEMERIDEN AUF DAS JAHR 1551. 395 

sna fiducia opus condiixit, eventus simplicem fortunam experiatur, 
nt per se consideretar atque spectetnr elaboratio. Et nimis est 
otium hoe enriosam, quod in aliena inventa ac tradita eommen- 
tationes proprias ingerit et commiscendo diversa, sicut cum coci 
mnlta iura confundunt , corrumpit universa. Ego qaidem in 
harum ephemeridum designatione, ne latum quidem, 
ut dicitur, digitum a doctrina Copernici recedere 
volui, quammeet profiteor absque omni detrectatione 
secutum,* et Bcio penitUB assecutum esse, et gratnm coniido 
hnnc laborem meum fore tarn iis, qui in bis disciplinis cognos- 
cendis studiosius versantur, quam illis qui content! indicationibug 
alienis ad TTpo^vcuaei; Btellarum positus et quasi faciem coeli as- 
sumere voluerint. Non enim certe hi secundum nostram demon- 
strationem procedentes, a vero semissibus saltem horarum aut 
bis etiam totis aberrabunt, id quod multis istas minutias exquisi- 



* Das unumwundene BekenntnisB seines festen Glaubens an die Cop- 
pemicanische Lehre, welches Klieticus ablegt, bildet einen wohlthuenden 
Gegensatz gegenüber der Aengstlichkeit , mit welcher damals ziemlich all- 
gemein die Lehre von der Erd-Bewegung behandelt wurde. In der vorher- 
gehenden Anmerkung ist die vorsichtig ängstliche Stellung eines hervor- 
ragenden Gelehrten aus dem katholischen Lager gekennzeichnet. Noch 
viel vorsichtiger mussten die Gelehrten der lutherischen Konfession auf- 
treten, nachdem die Häupter der Reformation in Deutschland, Luther und 
Melanchthon, sich so entschieden gegen die Coppemicanische Anordnung 
der WeltkOrper erklärt hatten (vgl. Band I, Thl. 2, S. 231 ff.). 

Noch bei Lebzeiten von Coppemicus hatte Luther sich in heftiger 
Weise über dessen Lehre ausgesprochen, und Melanchthon, der »praeceptor 
Germaniae«, sich sogar nicht gescheut, die Hülfe der weltlichen Macht 
gegen die durch jene Lehre bekundete Zügellosigkeit der Geister anzu- 
rufen. 

Kurz vor der Veröffentlichung der Ephemeriden des Rheticus hatte 
Melanchthon (im Jahre 1549) sein Lehrbuch der Physik (»initia doctrinae 
pbysicae«) erscheinen lassen, in welchem er in scharfer Polemik gegen Cop- 
pemicus alle die landläufigen Einwürfe zusammenstellt, welche gegen seine 
Lehre von der Erd-Bewegung erhoben waren: den Sinnenschein, die zwei- 
tausendjährige üebereinstimmung der Männer der Wissenschaft, die Auto- 
rität der Bibel. 



396 SCHRIFTEN VON RHETICUS. 

tionum consectantibus usu venit. De quibus tarnen et ipsis nostrae 
rationes exponuntur alibi, ut in libris de eclipsibus et designatio- 
nibus uito&eascDV icspl tojv avsXirtouaoiv,* et tabulae nostrae inequa- 
bilium motuum, si propediem, ut spero, prodierint, nihil etiam in 
hoc genere studiosos desideraturos esse spero. Praeterea neces- 
sario indicandum et hoc putavimus: Nos quemadmodum in tota 
ephemeridum expositione doctrinam Copernici se- 
cuti sumuS; ita etiam ad meridianum huins illarum descriptio- 
nem accommodasse , qui est ad Istalae ostia, cuins longitndinem 
ponit Ptolomaeus temporum 45. Ut antem ad has nostras re- 
giones magis congruerent ephemerides istae, Lunae tantnmmodo 
loca et illius erga Solem et quinque Stellas positas reduxi ad 
meridianum longitudinis temp. 30. Cum Ptolomaeus Albis fiu- 
minis ostia ab occasu recedere velit temp. 31. Hoc igitur erit 
unius horae spatium, quod tempus 3i>3/7j{xaTio{j.oT;, ut oportuit, 
ademtum et motus horarius locis Lunae adiectus fuit. Sed enim 
cum arcus circuli maxime inter Froueuperg et Lipsiam maior non 
sit part. 5. cum triente, et iSapjxa illius part. 5*4. cum triente, 
huius 51. cum triente fere, intervallum inter meridianos hos, se- 
cundum triangulorum in globo rationem, vix attinget part. 7. 
cum triente. De quo quidem nos id fecimus, quod potuimus, se- 
cundum vetus proverbium; principum autem officium erat, dare 
operam, ut superficies globi terreni exacte describeretur, et tarn 
nobis quam posteris hac cura consuleretur. 



* Den hier im Texte wiederholten Ausdruck irepi täv dveXittou- 
oä)v hatte Rheticus bereits im Titel seiner »Ephemerideso angewandt: 
» . . . . secundum doctrinam nepi tuv dv£XiTTouo6äv D. Nicolai 
Copernici«. Hipler verweist dabei auf Aristoteles Metaph. XI, 8; es ist 
möglich, dasB Coppernicus von dieser Stelle den Titel seines Werkes »de 
revolutionibus« entlehnt habe. Ein früherer Interpret hatte gemeint, 
es habe ihm vielleicht der Titel einer Schrift des Peripatetikers Sosigenes 
vorgeschwebt, welche von Proclus in seinen »hypotheses astronomicarnm po- 
sitionum« erwähnt werde: »SwaiY^vtjc 6 TrepiiraTi^Tixo? Iv tou itepi t&v deveXiT- 
TOüowv« (vgl. Band I, Thl. 2, S. 541). 



Anhang. 

Den Schriften von Hheticus wird nachstehend ein Auszug ans 
einer Abhandlung seines Schülers Valentinus Otho angereiht, welcher 
das grosse trigonometrische Werk zu Ende führte, dessen grundlegende 
Vorarbeiten ihm von Rheticus überkommen waren. Dieser mittel- 
bare Bericht über Coppernicus leidet zwar — wie bereits im ersten 
Bande (Tbl. 2, S. 422 und S. 490) hervorgehoben ist — an man- 
chen Irrthümem, bringt jedoch, namentlich über Rheticus selbst und 
dessen Verhältniss zu Coppernicus dankenswerthe Mittheilungen; er 
darf deshalb hier nicht übergangen werden. 

Otho*s Bericht findet sich in der Vorrede zu dem »Opus Pala- 
tinum de triangulis a Georgio Joachime Rhetico coeptum», 
S. XI, Xn und XVI. 



» . . . . De triangulis etsi quidem multa in Enclidis elementis 
exstent, nihil tarnen habent, quod hie requiritur, quomodo ex la- 
teribus anguli, et vicissim ex angulis latera cognosci possint . . . 
iPtolomaeum) Copernicus, nostri saeculi miraculum, 
imitatus est. Ut enim ex Menelao ad institutum suum concinna- 
vit neeessaria Ptolemaeus, ita simili prorsns et artificio et brevi- 
tate Copernicus ex Ptolomaeo et Joanne Regiomontano collegit, 
quae ad intelligendura opus suum neeessaria existimavit«. ;p. XI.) 

Tunc Georgius Joachimus Rheticus rationem inire coepit, 
qnon^odo hanc doctrinam locupletare et pleniorem efficere posset. 



398 SCHRIFTÄN VON RHETICÜS. 

Dum hoc mente et animo suo agitat, fama de Copernici admi- 
randis hypothesibus percrebrescit. Rheticus, quarnquam tone 
professorem ageret mathematum in florentissima academia Yite- 
bergensi, tarnen teneri non potuit, quin tantum virum primo quo- 
que tempore adiret. Profectus igitur ad Copernicum, 
cum cor^m de hypothesibus cognovisset, renunciata 
professione apud eum mansit. Copernicus tunc in 
opere suo Revolutionum occupabatur iamque doctrinam 
Secundorum mobilium, ut vocant, absolverat, ut praeter Primi 
Mobilis doctrinam nihil restaret amplius."^ 

Hanc omnino quidem intactam relinquere constituerat Coper- 
nicus, sed instabat adßoque eum urgebat amicus, cui id honeste 
non poterat denegare. Quam ad rem cum ex libris, quos per- 
paucos habuit, ut ex Rhetico accepi, subsidium petere non posset,"*^* 
ipse se ad excogitandum demonstrationem rei exquirendae idoneam 
convertit. Cum autem diu multumque cogitasset, neque tamen 
voti compos fieri posset, desperata tandem tam necessariae de- 



* Otho's Mittheilung widerstreitet hier — wie bereits im ersten Bande, 
Till. 2, S. 490 hervorgehüben ist, — vollständig dem Berichte von liheticus, 
gleichwie den eigenen Angaben von Coppernicus in Betreff der Beendigimg 
des Werkes »de revolutionibus«. 

** Die Unrichtigkeit der Angaben Otho's über den eigenen Bücher- 
Besitz von Coppernicus, wie über die literarischen Hülfsmittel, welche ihm 
in seiner nächsten Umgebung zu Gebote standen, ist bereits im ersten 
Bande Thl. 2, S. 422 ff. nachgewiesen. 

Wir kennen einen Theil der Bücher, von denen durch die eigenhändige 
Einzeichnung des Besitzers bekundet ist, dass sie einst Coppernicus zugehört 
haben, wir kennen ebenso das Bücher-Verzeichniss der Frauenburger Dom- 
Bibliothek aus jener Zeit. Allein wenn uns auch diese thatsächlichen Nach- 
weise fehlten, würde schon aus Innern Gründen die Unrichtigkeit des Be- 
richts von Otho folgen. Derselbe wird nur eine oberflächliche Kenntniss 
von dem Werke »de revolutionibus« besessen haben, wenn er nicht einmal 
wusste, dass Coppernicus die grundlegenden Schriften der alten Philosophen 
und Astronomen genau kannte. Schon aus der Widmungs- Vorrede an den 
Papst musste es Otho wissen, dass Coppernicus die zerstreuten kosmischen 
Gedanken der Alten eifrig gesammelt hatte, in denen Anklänge von der 
Erd- Bewegung enthalten waren. 



ANHlNG. 399 

monstrationis inventione, opus suum supprimere decrevit. Veritus 
tarnen amici, cains in primis habenda ei erat ratio, quas abie- 
cerat cogitationes repetiit, ac rem, quam tantopere desideravit, 
tandem invenit. Sed Georgio Joachimo Rhetico hac occasione 
non tantum de globi sectoribus et triquetris pyramidum basibus 
in meutern venit, sed idem deprehendit etiam triquetrum cum 
recto totius matheseos magistrum omnium rectissime rationem 
condendi cauonis perfectam suppeditare {)osse. Haue igitur occa- 
sionem amplificandi doetrinam triangulorum nactus, magno animo 
magnoque conatu rem agrressus est«, (p. XII.) 

» . . . . Cum in Academia Vitebergensi , in qua semper ma- 
xime floruerunt studia mathematica, versarer, satis mature ani- 
madverti, quod ad ea, de quibus in principio dictum est, sine 
cognitione doctrinae triangulorum nuUus pateret aditus. Quare 
rationem inire coepi, unde eam quam commodissime possem hau- 
rire. Erant in promptu Rolemaica, erant etiam Copemicea . . . 
cum forte fortuna in dialogum Rhetici, quem canoni adiunxit, 
inciderem. Ego bis ita excitor et incendor, ut temperare mihi 
non possim, quin primo quoque tempore ipsum autorem adeam 
et coram de singulis cognoscam. Profectus itaque in Uugariam. 
ubi tum agebat Rheticus, humanissime ab eo sum exceptus. Vix 
autem pauco sermone nitro citroque habito, cum meae ad se pro- 
fectionis causam accepisset, in has voces erupit : »profecto«, in- 
quit, »in eadem aetate ad me venis, qua ego ad Co- 
pernicum veni. Kisi ego illum adiissem, opus ipsius 
omnino lucem non vidisset«"^ .... Mihi haec accidebant 



* Die Mittheilang dieses Wortes von Rheticus hat fiir uns ein ge- 
wisses Interesse, weil derselbe in den eigenen Schriften seine Verdienste 
in Betreff der endlichen Veröffentlichung des Coppernicanischen Werkes 
stets bescheiden zurückstellt. Er preist dort nur das hohe Verdienst Giese's, 
des altbewährten Freundes von Coppemicus. Mit vollem Rechte hebt 
Giese freilich seinerseits hervor, dass Rheticus, der gelehrte Fachmann, dem 



400 SCHRIFTEN VON BHETICÜS. 

gratissima, neque in minima felicitatis meae parte ponebam, 
qnod tanti viri consuetndine et familiaritate mihi eontingeret nti 
ac frui«. (p. XVI.) 



Meister »als Theseus rüstig zur Seite gestanden«, und dass er als »Chor- 
führer bei der Durchfühmng des Stückes« gewirkt habe. Der alternde, 
von den damaligen Centren des literarischen Lebens entfernt wohnende 
Giese würde bei der grössten Bereitwilligkeit kanm wirksam helfend ein- 
zutreten vermocht haben. 



B. 

Briefe befrenndeter Zeitgenossen. 

Von Coppernicns selbst sind erst in neuester Zeit einige wenige 
Briefe aufgefunden worden.* Daher darf es uns kaum Wunder nehmen, 
dass bisher nicht mehr als fünf der an Coppemicus gerichteten Briefe 
— deren Inhalt noch dazu verhältnissmässig unbedeutend ist — aus dem 
Staube der Archive an das Licht gezogen worden sind. 

Nach den eifrigen Forschungen der drei letzten Decennien scheint 
auch die Hoffnung ganz ausgeschlossen , dass überhaupt noch erhebliche 
Schriftstücke von oder über Coppernicns aufgefunden werden dürften. 
Die bisher entdeckten Coppernicanischen Eeliquien entstammen sämmt- 
lich — die Korrespondenz mit Herzog Albrecht von Preussen allein aus- 
genommen — unmittelbar oder mittelbar den Frauenburger Archiven. 
Diese sind nun in neuerer Zeit wiederholt sorgfältigster Sichtung unter- 
zogen, und es ist wohl kaum ein Schriftstück undurchforscht geblieben. 
Vereinzelte Bruchstücke der Korrespondenz von Coppernicns könnten 
allenfalls noch in den Sammlungen versteckt sein, welche die im 17. und 
18. Jahrhunderte aus Frauenburg entwendeten Archivalien zuletzt auf- 
genommen hatten. Unter den einst im Sybellen-Tempel zu Pulawy auf- 



* Ausser den Denkschriften über die Verbesserung^ der Preussischen 
Münze und der Klageschrift gegen den Hochmeister Albrecht von Branden- 
bürg sind bis jetzt nur sechszebn Briefe von Coppemicus aufgefunden. 
Diese Schriftstücke haben in der ersten Abtheilung des vorliegenden Bandes 
(S. 15 — 44 u. S. 138 — 168) Abdruck gefunden; dort sind auch die Samm- 
lungen angegeben, in welchen sie gegenwärtig aufbewahrt werden. 

n. 26 



402 BRIEFE BEFREUNDETER ZEITGENOSSEN. 

bewahrten literarischen Schätzen könnte ein kundiges Auge sie vielleicht 
noch entdecken — in der Czartoryskischen Bibliothek zu Paris oder in 
der Kaiserlichen Bibliothek zu Petersburg. 

Der grösste Theil des Briefwechsels aber, welchen Coppemicus mit 
seinen gelehrten Freunden geftthrt hat , ist unzweifelhaft als verloren zu 
bezeichnen — wie es bei derartiger Privat-Korrespondenz kaum anders 
zu erwarten war. Die Briefe, welche Coppemicus mit Oslander ge- 
wechselt hatte, sind noch zwei Menschenalter nach dem Tode beider 
MÄnner erhalten gewesen.* Kepler hatte sie noch eingesehen. Da jedoch 
seit dem Hinweise Keplers auf diesen Briefwechsel bereits zwei Jahr- 
hiinderte vergangen sind, so ist kaum zu hoffen, dass auch nur Bruch- 
stücke dieser Korrespondenz irgendwo gefunden werden dürften. Eher 
könnte noch ein Schimmer von Hoffnung für Auffindung des literarischen 
Nachlasses von Rheticus bleiben. Wenn dessen hinterlassene Schriften 
in eine grössere Privat-Bibliothek oder in eine öffentliche Sammlung 
Ungarns oder Polens gekommen sein sollten, dann dürfte es vielleicht 
der Special-Forschung gelingen, Briefe von Coppemicus oder anderweite 
Denkmale der Pietät des dankbaren Schülers von Coppemicus wieder 
aufzufinden.** 



Von den Briefen, welche einst an Coppemicus geschrieben waren, 
haben sich ausser den im ersten Bande (Thl. 2, S! 469 ff.j abgedruckten 



* Vgl. Bd. I, Thl. 2, S. 522 ff. 

** lieber die Schicksale des literarischen Nachlasses von Rheticus waren 
wir bisher nur in Betreff der trigonometrischen Vorarbeiten zu dem grossen 
Thesaurus unterrichtet, welcher nach seinem Tode veröffentlicht wurde. 
Diese Schriften waren an seinen Schüler Valentinus Otho gekommen, 
welcher auf Grund derselben später das »Opus Palatinum de triangulis« 
herausgegeben hat. (Vgl. oben S. 389.) 

Letzterer scheint aber auch die anderweite literarische Hinterlassenschaft 
von Rheticus überkommen zu haben. Wenigstens hatte er die kostbarste 
Reliquie von Coppemicus geerbt, das lange verschollene Original-Manuskript 
des Werkes »de revolutionibus orbium caelestium«. (Vgl. Bd. I, Thl. 2, 
S. 503 ff.] Während zweier Jahrhunderte der gelehrten Welt ganz 
unbekannt, ward das werthvoUe Schriftstück durch einen Zufall vor einigen 
Decennien wieder aufgefunden, und so scheint die Möglichkeit nicht ganz 
ausgeschlossen, dass auch noch andere von den einst im Besitze von Rhe- 
ticus befindlichen Manuskripten sich in einer grösseren Bibliothek noch er- 
halten haben könnten. 



I. ZWEI BRIEFE DES DOMHERRN JOH. SCÜLTETI. 403 

drei Schreiben* des Herzogs Albrecht von Preussen nur 
zwei Briefe des Domherrn Joh. Sculteti erhalten; der Inhalt 
ist bereits Bd. I, Thl. 2, 8. 120 flf. skizzirt angegeben. 



Auch von den Briefen der Freunde und näherstehenden Zeitgenossen, 
welche auf das Leben und die Lehre von Coppernicus Bezug haben, sind 
nur wenige vom Untergange gerettet. Es werden nachstehend vor allem 
die beiden hochwerthvoUen Briefe des Bischofs Tiedemann Oiese 
an den Domherrn Georg Donner und an Joach. Rheticus, 
welche bereits im ersten Bande des vorliegenden Buches verwerthet und 
theilweise in deutscher Uebersetzung wiedergegeben sind^ zum Abdruck 
kommen. — 

Diesen beiden wichtigen Briefen sollen dann schliesslich noch zwei 
Schreiben von und an den Herzog Albrecht von Preussen angereiht 
werden, welche sich auf die Versendung des Werkes »de revolutionibus« 
beziehen. 



* Die im Texte erwähnten Schreiben sind die 3riefe, welche der Herzog 
Albrecht von Preussen wegen der ärztlichen Behandlung eines seiner Ge- 
treuen, des Amtshauptmann Greorg von Kunheim, im Jahre 1541 an Copper- 
nicus entsandte. Sie haben sich abscbriftlich im Staats- Archive zu Königs- 
berg erhalten, in dem officiellen Kopie-Buche Fol. Königsteil Preussen. 
Von dem ersten dieser Schreiben des Herzogs bewahrt da^ Königsberger 
Archiv jedoch auch das Original , wie bereits im ersten Bande mitgetheilt 
worden; es ist mit mehreren andern im 17. Jahrhunderte aus Schweden 
weggeführten Archivalien im Jahre 1798 nach Preussen zurückgesandt. 
Vgl. oben S. 141. 



2t>* 



L Zwei Briefe des Domherrn Job. Scolteti 

aus dem Jahre 1521.* 

a. Der Brief vom 15. Februar 1521. 

Venerabili ac praestantissimo Domino 

N. Coppernieck 
Administratori Canonico Warmiensi etc. in Alienstein, 

Domino et confratri carissimo. 

Venerabilis praestantissime Domine Administrator. Sicut 
scribit Venerabilis Dominatio Vestra, quod velit adhuc bene spe- 
rare, modo ego fideliter cooperer, per salutem meam sperandnm 
utique est Dominationi Vestrae, cui ad ultimum vitae spiritum 



* Scultetrs Briefe haben sich im Kapitular-Archive zu Frauenburg im 
Originale vorgefunden. Wegen ihres unscheinbaren Aeussern — sie sind in 
grosser Eile geschrieben, theilweis ganz unleserlich — scheinen sie den 
literarischen Dieben, welche die Frauenburger Archive geplündert haben, 
entgangen zu sein. 

Hipler hat die Briefe Sculteti's in seinem Spicilegium Gopemicanum 
S. 334 ff. diplomatisch getreu abdrucken lassen. Dies ist in dem nach- 
folgenden Abdrucke nicht geschehen; Orthographie und Interpunktion sind 
vielmehr nach unserm gegenwärtigen Gebrauche umgeändert, um die 
Schwierigkeiten für das Verständniss der an sich ziemlich unerheblichen 
Schriftstücke nicht noch zu vermehren» 

IjQber den Inhalt der Briefe Sculteti's sind Bd. I, Thl. 2, S. 120 die 
nöthigsten erläuternden Bemerkungen beigegeben. 



I. ZWEI BRIEFE DES DOMHERRN JOH. SCULTETI. 405 

adero quam fidelissime. Ex mea paupertate contribuam, etsi 
duas tunicas habuero, alteram pro conservatione AUenstein et D. 
y. daturns »um quam lubentissime. Habet me spes bona, quod 
non habebitis utique hactenus timere impetum hostis. At I"^ 
habet hodie omnem exercitum congregatum in Heiligenbeil et 
circa Begiomontum ac Braunsberg, impetiturus mea opinione 
Elbingum. Et sie actum erit omnino cum Tolkmieth, ubi 
iam est hominum de villis multitudo magna valde. Est enim 
locus plenus et stipatus, ex quo utique vel exiguum quid essemus 
habituri. 

Nescio quid rerum agitur in Thoronia. Bex cum suis cum 
magno apparatu et fastu pro munificentia regia humanissime 
tractat oratores Gaesaris ac regis Ungariae. Et eiusdem regis 
subditi undequaque a bello quiescunt. Interea I quaerit profectum 
8uum nuUo prohibente. Hoc tamen in aurem communicatum iri 
yelim, quod Begia Maiestas non vult oratoribus responsum dare 
nee in tractatus descendere, donec Beverendissimus Dominus 
noster erit praesens. Quaerit modos et vias, quomodo adesse 
poterit, quos ego non invenio nisi per inducias, quas I non quaerit 
et in quas Begia Maiestas non facile consentiet. Gomplurimum 
Beverendissimus Dominus noster est in magna aestimatione apud 
Begiam Maiestatem et totum consilium. Unde nobis maxime 
gperandum est. Nee credendum, quod rex et regnum sit evacu- 
atum viribus. Sunt qui credunt intensius futurum esse bellum; 
sunt qui de futura in brevi pace sunt omnino certi. Ecce hie est 
Status rerum. Unde consulo, habeat D. Y. manus contractas et 
non porrectas ad extradendum, donec videritis quae, qualis, 
quanta. De quo satis. 

Equestres, qui in AUenstein, procul dubio avocantur omni 
hora. Et dum tempus distributionis advenerit stipendiorum , in 



* Mit der Chiffre I bezeichnet Sculteti hier, wie in dem nachfolgenden 
Briefe, den Hochmeister Albrecht von Brandenburg. 



406 BRIEFE BEFREUNDETER ZEITGENOSSEN. 

primis satisfiet civibns, qnibus illi milites sunt aberrati. Maior 
ea in re diligentia fieri nequit quam facta est, sibi D. V. persna- 
deat. Nos dei nomine invocato faciemus pro yiribas, quod in 
nobis est, reliquum deo committentes. Obsecro propter deam, 
sitis boni animi. ®g tt)il itjunt nit anbcrÄ gctl^an fcljn. 
Scf| ttJtl 6. tt). nit laffen, bic rottet x6) mag. @o id^ ftbrjc, 
fo l^clffc ön« ®ot. De qno satis. 

Venerabilis et praestantissime domine administrator ! Id qnod 
mihi D. Vra ininnxit, exequntus snm amore et debito, qno Vene- 
rabili Capitulo, qnod me tot annis honorifice foverit et aluit, ob- 
strictns et coactns. Qnam primnm Jacobnm andivissem, feci haee 
secnndnm ordinem. Primnm accersivi Mathaenm Ebert plebannm 
in Tolkmiet et Georgium Storm, creatnras venerabilis domini de- 
fnncti Balthasaris. Coassnmpto Jacobo ingressns domnm vidnae 
Wartenberg reqnirens ladulam, in qna res Venerabilis Gapitnli in 
sacco conditam et religatam, qnam illico ad cubile meum depor* 
tari inssi. Ad qnod vidna qnasi stnpore percnlsa dixit: ego sola 
qunm sim, D. V. ladnlam abdncit, qnam debebat hie coram me 
aperire etc. Hie consideret D. Vra, quod pericnlum magnnm valde 
imminebit exequutoribns has res omnes rectificare, quando qnidem 
praetendunt se esse heredes et hereditario iure omnia debere et 
velle possidere. @S tt)irb nod^ t)il !etjd^cnS itcmen, jo nit 
werben Icuttie fc^n, bic ba toijfcn ju rcbtjn, ju t^uen onb 
laffcn. 

Nos quatuor ladnlam aperiendo reperimns in ladnla testa- 
mentum, quod fecimus rescribi, cuius copiam mittimus. In ladnla 
reperimns calicem cum patena et ampuUis pertinentem ad areem, 
item sigillum Venerabilis Capituli et duo sigilla cnprea Venera- 
bilis Gapitnli. Item sacculum cum denariis ex luminibns capellae 
sancti Oeorgii, item sacculum rubeum singulis dominis de Capi- 
tulo notissimum, in quo nobilos anglicanos II et ungaricales 
XXXXV de nullo pondere. Item comiculares LXX. Ubi autem 
remanserint XXVII aut plures Rhenenses non boni, deus seit, 



I. ZWEI BRIEFE DES DOMHERRN JOH. SCULTETI. 407 

ego nesciO; id quod Venerabiles Domini scient. Item sacculnm 
cum aliquot marcis in sc. antiquis sine scaedula. Item YII co- 
clearia argentea, quae pertinebant alias Venerabili Domino Enoch 
praeposito. Item unum coclear fractum et II ferculas argenteas 
parvas. Item unum crinile cum fibulis, quod pertinebat antiquae 
Margaretae, quod ad se recepit dominus Georgius Storm dandum 
Margaretae. Has res omnes imposuimus ladulae, et clavem tra- 
didi domino Georgio Storm. 

Quod autem D. Vra. mihi, qui non sum exequutor neque sub- 
stitutus, ut omnia deposita revideam et conscribi faciam, obse- 
querer votis, modo id ipsum absque indignatione et amaritudine 
magna in me fieri posset et sine maledictione exequutorum; ego 
tulissem labores, qui multi et magni erunt, illi fructus et laudem. 
Praeterea si deberem hoc secretum, quod Jacobo constat, inquirere 
aut inventum recipere: @o mcl)ncr fc!^on XX wcr^n, mufte 
ii) meinen t)al^ toagcn. Intelligenti satis. Quoniam postea est 
me illa tentare, quae non habeo Interesse. 

Verumtamen propter Deum et ex caritate Dei permotus 
scripsi ad Regiam Maiestatem, ut demandet Gapitulo in Frauen- 
burg sub poena capitis, ut permittant me abducere, quicquid vo- 
luero etc. Denique sine periculo rem aggredi neque tentare 
ausim; expectandum forte est, donec omnes Poloni abscesserint. 
Ideo Visum est mihi, ut pro sabbato, ubi convenerimus. Domini 
Canonici ex Gedano, qui se Capitulum scribunt et mihi diem com- 
paritionis in Marienburgo statuunt ; intelligam ex eis, qui designati 
sunt exequutores, an velint acceptare officium exequutionis testa- 
menti necne, et quicquid accepero, D. Y. indicabo quantocius. 
Credo, quod propter mortalitatem, quae hie est, nemo comparebit. 
Tunc consulo, quod D. V. in solidum cum potestate substituendi 
electa a defuncto assumat officium exequutionis et substituat do- 
minum Matheum Ebert (et; Georgium Storm, ut omnia deposita 
hie revideant, signent et faciant, quicquid D. V. decreverit et 
mandaverit eis. Erunt labores, credat D. Vra, multi et magni, 



408 BRIEFE BEFREUNDETER ZEITGENOSSEN. 

quibus ego velim nuUatenus onerari. Nolo labores, et alter fructtts 
et laudem; intelligenti satis. 

RegiBtra Venerabilis Capituli in magna mnltitndine ad me 
recepi. Item D. V. maxime sit cauta, nt sie agat, quomodo 
res omnes depositas recipiat et extradantnr. Nolnimns in verbo 
pnblicare nos invenisse testamentum; vnlt enim hereditario iure 
omnia retinere. Eapropter D. Vestra depatet et snbstitnat exe- 
quutoreß, quoscunque voluerit qnantocius, qui cauti sint in agendo. 
Si filii viduae intelligerint solum x marcas leves eis deberi, cre- 
dat D. Vra et firmiter credat, ipsi forent sibi prius satisfacturi, 
maxime ut res in eorum domo sint repositae, qnandoquidem noUent 
occupare domum tot cistis et lectis ac tam multis rebns pro x 
marcis etc. Besponsnm habet D. V., de quo satis. Literas ad 
Dominum nostrum qnantocius mittere veiitis ac canonicatum ra- 
cantem Domino Achatio Canonico favere obsecro. 

Si volueritis victualia hinC; mittatis currus cum potenti salvo 
conductu, qui afferant, quae hie in pretio sunt res: ut linum, 
le^ntoant, ceram et, si placet, mel, cuius hodie tonna Caschubina 
empta est Marcis xvii. Cooperabor pro viribus, ut curms cum 
victualibuB secure ad vos perveniant. Nihil, quod in me est, 
praetermittam. Quicquid ex me desideraveritis, quod in mea 
fuerit potestate, nihil D. V. denegabitur. Responsum habet D. V., 
cui me recommendo. 

Ex Eibingo XV. februarii, anno MDXXI. 
E. D. V. 

Jo. Sculteti 
Archidiaconus Warmiensis.* 



* üeber die Lebens- Verhältnisse von Joh. Sculteti ist das Nothwen- 
digste im ersten Bande Tbl. 2, S. 119 ff. beigebracht. Sein Geburtsjahr 
kennen wir nicht; er war aber bedeutend älter als Coppemicus. Im J. 1487, 
als Coppemicus noch die Stadtschule zu Thom besuchte, fungirte Sculteti 
bereits als Rektor der Universität zu Heidelberg. Ob und in welchen 
nähern Beziehungen er zu Coppemicus gestanden, ist uns gänzlich un- 



I. ZWEI BRIEFE DES DOMHERRN JOH. SCÜLTETI. 409 

Ordinavit de mortuis noster exequiaB in Frauenburg, Melsag, 
Gutstat^ AUenstein, Wartenberg. At ubi nunc Franenburg? etc. 
nisi in Eibingo, ubi sunt fere [omnes yicarrii Frauenburgenses, 
quos omnes oneravi: tempore confratemitatis domini Balthasaris 

instituimus (?) Et quam salutares (?) defuncto pariter et 

decens, ut hie soUemniter peragentur;. intelligenti satis. Et cre- 
dat Dom. Vestra, quod nemo vices illorum exequutorum acceptabit, 
nisi precibus D. Yestrae vietus et in coexequutorem deputatus. 
Sciat etiam et quam diligenter pendeat, quod cum filii hi Warten- 
berg, qui capitosi sunt et audent, quae velint, si intelligerent, se 
praeter x leves marcas habituros nihil, quod non nihil sunt secuin 
cogitaturi, id quod nos quatuor maxime attendimus, et omni modo 
attendendum est exequutoribus. Intelligenti utique satis. @d tDirb 
Sanier t)nb nott) l^abcn. Nam ecce interrogatus sum ego his 
verbis: Wer bel^elt l^ern 85alt]^afart8 gut? »er billid^er bau 
tDtr? SBir wollen ^nen anfeilen, ber eS ün« entfuren Wirt; 
wir werben auc^ barumb tl)uen. D. V. consulat R. d. n. et 
etiam Snellenberg. Sunt adhuc multae res capituli, ut registra 
et literae yicariarum; quis velit tantum laborem impendere et 
omnia revolvere, ut sunt res multae valde. Non erit labor, credat 
mihi, duorum aut trium dierum. Etsi voluerit D. V. rem crasti- 
nare, id quod non consulo, cogitare habet, quid poterit nunc fieri, 
ut constat de morte? Existimo, quod intelligor a Dom. Vestra. 
Ideo me iudice agat quantocius. Mittat D. Vestra quantocius huc 
plebanum aut capellanum ex AUenstein et adiungat eidem, quem 
aut quos volueritis. 



bekannt. Fast zu gleicher Zeit sind beide Männer in das Frauenburger 
Domstift aufgenommen. Sculteti hat demselben fast 30 Jahre hindurch an- 
gehört: von 1497 bis zu seinem im Jahre 1526 erfolgten Tode; seit 1507 
war er auch Archidiakonus von Ermland. 



b. Der Brief vom Ende Februar 1521.* 

Venerabili et praestantissimo Domino 

Nicoiao Coppernigk, 

Decretorum Doctori, Canonico Warmiensi, 

Administratori in Allenstein, 

Domino et fratri carissimo. 

Yenerabilis et praestantissime Domine Administrator! Dao 
isti currus, qui uncales addnxerant^ redeiindo qainta feria ante 
Reminiscere in Holland detenti sunt in tertium diem, et usque 
hodie equum unam, quem hie emi ab Alberto Wartenberg marcis 
VI, nsque hodie detinent tanquam furatum cuidam civi HoUan- 
densi; eiaseemodi adversitatibus ego hie obruor. complnrimis. 
Quod D. V. de somnio Vestro scribit, expergefacta nihil reperit 
in manibus ^etc., inter duo mala D. Y. posuerim etc., ant careat 
defendiculis castnim, aut habeat cum B. D. contendere etc. 



* Der zweite der Briefe Scnlteti's an CoppemicaB trägt keinerlei Be- 
zeichnung weder des Ortes noch der Zeit. Dass er gleichfalls, wie der 
erste, zu Elbing geschrieben ist, unterliegt keinem Zweifel. Dagegen ist 
über die Zeit der Abfassung dieses Briefes Hipler im entschiedenen Irr- 
thum (Spie. Cop. S. 334), wenn er ihn in den Anfang November des Jahres 
1520 setzt. Er ist vielmehr um dieselbe Zeit, wie der vom 15. Februar 
geschrieben, allein nicht früher, sondern einige Tage später. Die Gründe 
sind im ersten Bande Thl. 2, S. 122 zusammengestellt. 



I. ZWEI BRIEFE DES DOMHERRN JOH. SCÜLTETI. 411 

Tanto gaudio, Domine mi, perfnndebar andiens uncales illos cum 
rebns salvos in Alienstein pervenisse, nt in ntramqne anrem dor- 
niirem quietior, saepiusque mecnm dixi: nunc per Dei gratiam 
salvae factae sunt reliquae Y. Capituli Warmiensis. Ego etenim 
ante qnindenam I molhniha percallens, quae iam contendit de- 
dueere ad effectum de intereeptione Alienstein, quam maxime 
timere coepi et anxius esse; scripsit etiam R. D. adhortans me, 
ut uncales mitterem, ne antemurale hoc totius Episcopatus per- 
damus Allenstein. 

Seit D. H. S.,* quam anxius fuerim; noctes et dies non 
quievi : Visus sum supra vires adhibuisse operam lamentando 
coram senatu hie, capitularibns, civibus et monachis; tandem ex 
commiseratione 11 currus cum vectoribus, VII equos et iuga hinc 
inde mendicando coegi, de indemnitate promisi etc., quatenus 
votis R. D. et D. Vetrae responderem, in summis necessitatibus ; 
scripsi dixique ad D. H. S., quod debent mauere omnes uncales 
in Allenstein, si et nunquam immineret periculum obsidionis, ut 
vel sie usque ad dies induciarum, de quibus omnis homo nugatur : 
©0 ^a6c i^ bie büd^fcn gcfd^idet jut notl), tüo \\t am no* 
tf)ttgften fe^n iDetben. Sciebant , constabatque quod uncales per- 
tinent D. V. XVII. Sciebam non esse nee fore contra R. D. 
praesertim usque ad tempus induciarum, quod erat in spe. 

Praestantissime Domine! Intentio hominis respicienda est; 
quoniamque homo facit, quod in se est, laudandus me iudiee 
foret, non arguendus. Dicat, quaeso, D. V., si hae bombardae 
non advenissent, an castrum absque defendiculis fuisset? Quis 
unquam mentionem fecit, nt bombardae per me coemerentur. 
Scio, ut adhuc literae sunt, quod D. V. pro plumbo, papyro et 
sale scripsit; nunquam iniunxit mihi, ut aliquot bombardas 



* Mit den Buchstaben D. H. S. wird hier, wie an andern Stellen 
des Briefes, der Domherr Heinrich Snellenberg bezeichnet, über welchen 
einige Notizen Bd. I, Thl. 2, S. 216 mitgetheilt sind. Vgl. auch a. a. 0. 
S. 326. 



412 BBIEFE B£FBEUND£T£R ZEITGENOSSEN. 

emerem, ant si scripsit, literae ad me non pervenerant. Hestema 
die reddebantur mihi literae ex Morung Venerabilis D. Baltha. 
Et D. Vestrae de manu vestrae datae statim post festa natalie 
Domini. 

Venerabilis domine ! haec mea sententia : prout iam nunc D. 
Vestra seribit, ut emam bombardas aut disponam, ut illae per- 
maneant in arce etc. haec mea sententia et consilium, ut emantur 
quantocius pro arce Alienstein xx novae uncales et totidem pro 
oppido aut, si fieri posset, xxx pro oppido; xx emantur pro mr. 
lev. centum, xx per mr. VI vel forte minus. Hie e^et in omnem 
eventum thesaurus arcis et oppidi, nunc temporis praecipue, sire 
fiant induciae sive non, sive pax sive non. Sed emere non 
ausim nee velim sine expresso mandato. Et sentiet D. V., quod 
si emerimus, a Venerabilibus Dominis in Gedano cavillabimur. 
qui esuriunt distributiones. Et nunc Venerabiles Domini T, de, 
leo"^ vadunt Thoruniam; causam mihi non significant, coniicio, 
quod propter adducere clenodia. Ecce quasi certi de induciis 
scribunt, ut ego cum R. D. sequar. Dicturi sunt: nunc emitis 
bombardas, ut non est opus eisdem, ut nos privetis distributioni- 
bus etc.; intelligenti satis. Si D. V. mihi mandayerit eoemere 
uncaleS; emam, quotquot D. V. yoluerit, si modo habere potero 
hie aut in Gedano. Utinam ante duos annos accepissem omnes 
oUas aereas, quae pendent perpetuo sine usu, ex toto nostro do- 
mino pro serpentariis quattuor ad minus etc. Habet praestantis- 
sima D. Vra meam sententiam atque consilium, quod, si placet, 
resciam quantocius. Et si emero transumseroque, quod serret me 
D. Vra in omnem eventum indemnem, accuratissimam adhibebo 
diligentiam, ut cum potenti salvo conductu vadant. @o fie 



* Mit dem Buchstaben T ist sicherlich der Domherr Johann Tymmer- 
mann bezeichnet, mit »leo« der Domherr Leonhard Niederhoff; die zwischen 
stehenden Buchstaben »de« deutet Hipler (Spie. Oop. S. 335) auf »Tie;de - 
mann Giese«(?). — Die kurz vorhergehende Abkürzung »baltha« bezeichnet 
den Domherrn Balthasar Stockfisch. 



I. ZWEI BRIEFE DES DOMHERRN JOH. SCULTETI. 413 

aber genommen werben, nit mir, sed toti communitati Y. 
Capitnli. 

Responsum habet D. V. Ungerman et pictor nudius tertius 
ex Gedano redierunt, primnm hi ultra xxx curmB condnxemnt in 
insnla. Sed propter insnltnin I, qui prae furibas est, mandatum 
est insulanis, ut manerent domini. Quod si non, f)etten fe bad 
gancj btfc^offt!)uem gefpe^fet. I cum omni gente sna et om- 
nibns viribus in Wormdieth est insultum facturus, uti est conie- 
ctnra, aut in Holland et consequenter in districtum Kristburg, 
Sthum, Insulam, Fischau omnia incineratnrus usque Marien- 
bnrgum aut ad Morung; quis novit praecise mentem eins, qui 
prudenter condit et celat? Ecce nostri de induciis deque pace 
soUiciti, I vero soUicitus, quo consequitur, quid velit. 

Mitto literas d. Pauli Plotowski, praepositi Warmiensis, et 
copiam literarum Magnifici palatini Cracoviensis etc., quibus par- 
tebit ad oculum diligentia mea. Nudius tertius nuncius oratorum 
Gaesareae et Ungariae Maiestatis ad I rediit dicens I consensisse 
in inducias; at de loco sibi assignato ad tractandas, videlicet 
Riesenburg, non est contentus, eo quod terra sit ibi, ut dicit, 
desolata. Vult, ut alius locus designetur, Marienburgum aut 
Elbing; mysterium hoc quis non intelligit? Scribit in fine lite- 
rarum, quod mittitis II currus cum meis duobus curribus, qui nus- 
quam comparuerunt ; quam vellem eosdem advenisse! Nunc 
nescio, si quempiam currum missurus sum rebus stantibus ut 
nunc. — 

Mandavit mihi D. V., ut inter res Venerabilis Domini Bal- 
thasaris quaererem registrum sive testamentum etc.; feci opus, 
in defunctum pietas et D. V. obsequium. Quod ubi Venerabilis 
Domini Crapitz et Leonhard intelligerent, miserunt mandatum huc 
sub poena excommunicationis, ut nemo res illas contingeret sine 
consensu eorum. Ecce id ipsum serviciis meis mihi mercatus 
sum! Unde non iniungat mihi decretum quicquam tale, obsecro. 

Quia non sunt mihi currus et item, quia non est hie pannus 



414 BRIEFE BEFREUNDETER ZEITGENOSSEN. 

ad vota reperibilis, non valeo strenuo D. h. petiti8(?) obseqoi. 
Etsi possem habere pannum et eurrus, mihique per hostes reci- 
perentur, emta quis satisfaceret? Unde nullatenus occupabo me 
rebus Ulis, id quod plane D. V. poterit D. H. dieere. Consulo, 
quod D. V. se plaeide absolvat ab eodem. 

De alio capitaneo cogitandum est nobis, in qua re navabo 
operam. Nullum Polonum assumendum censeo neqne 
intromittendum in areem! Nee uUum linum reponendam 
in areem. Cum Cleisz Wegener sie egi usque ad placitam et 
ratificationem D. V. Si mandaverit D. V., ut emam uncales, 
pulveres et plumbum pro remissiori pretio , quo poterit mihi com- 
paret(?) in Gedano. Omne linum Yenerabilis Capituli Symon 
debet a D. Yestra emere, lapidem per eornicularem unum. äed 
in viliori velit et poterit D. V. pro remissiori pretio condescendere, 
id quod totum stabit in arbitrio D. V. Item rogat Cleisz, ut 
D. V. eoncedere dignetur Symoni peeunias Ic IIc aut etiam IIIc 
mr., quas vult hie reddere in optimo auro moneta, exhibetque sua 
peeunia Venerabili Capitulo rebus et corpore se serviturum. 
Nunc in arbitrio D. V. est hoc et illud. Si D. V. vellet liniun 
alteri vendere et non Cleysz, faciet me fabulam illi. Si vero 
alteri carius, quam per fl. III sive eornicularem unum, lapidem 
hoc omnino licebit et placeret. Si autem in dicto pretio, vide- 
retur, ut iuxta commissionem mihi factam ratificare debeat cou- 
tractum meum et ad me scribere, quot lastas vendiderit et 
quanti. Ceram accepi pendentem hie, praecise €1 L, extremitates 
fractae erant. Quamvis & I. per institores hie vendatur iam 
post purificationem sc. IX, antea X, ego tamen non valeo in 
massa vendere pro sc. YUI. Demum ego (gratias) ago prae- 
stantissimae D. Vestrae pro tantis euris angustiis periculis, quae 
D. V. ibi perfert in extrema necessitate, et obsecro, non desinat 
bene sperare et magnanimiter perseverare. EritD. Vestrae 
apud Deum meritorium et apud homines gloriosum. Habet 
me spes bona quod Yenerabilis D. h. fideliter sit cooperaturus, 



I. ZWEI BRIEFE DES DOMHERRN JOH. SCULTETI. 415 

et ego adero, nsque dum spiritns et halitus mihi fuerit in 
corpore. 

Yenerabiles Domini in Gedano volunt distributiones et Cor- 
pora praebendae. Pkcet, quod detur nnieaique, quod ei debetur, 
sie tarnen nt ratio arcis habeatur; haec mea sententia. Ego pro 
persona mea yideor mihi contribuendum esse magis quam distri- 
butiones accipere. Item ex D. Yestris certior fieri desidero. an 
Uli extra dioecesin commorantes canonici debeant censeri resi- 
dentes. An debeat eorundem in omnibas requiri consilium et 
consensus vel non. Postulant ex me instantissime sigillum maius 
et minus; dicnnt D. Y. mihi transsumsisse sigillum minus. Ego 
faic in ladula Domini Biii^th. reperi sigillum maius Yenerabilis 
Capituli et duo cuprea sigilla mihi ignota, prius non visa. Ecce 
quid sibi vult, ut sigilla postulent? Yelint scribere^ quid facere 
debeam? Scribo ad R. D., ut uncales XYII permittat in Allen- 
stein, donec de aliis providere potuimus. Ideo sine mora dignetur 
D. Y. scribere et demandare, quid me facere volueritis per hunc 
nuncium, et duplicatis literis mentes vestras scribere velit, ut si 
unae non pervenerint vel alterae reddantur. Responsum habent 
D. Y., quibus me in omni caritate reddo quam commendatissi- 
mum. Yaleant D. Yestrae incolumes, id quod summopere de- 
sidero, testis est Dens; e^ ift aud) tpol t)on nötl)en. 

Yenerabilis D. H. dignetur cogitare, quod hie receperit de 
proventibus Tolkmiet supra debitum et ultra partem se contin- 
gentem, ut me servet indemnem. D. Y. etiam dignentur cogitare, 
cui redditurus sum rationem, an D. Yestris aut illis in Gedano, 
et quomodo vel quibus debeantur haec, quae Yenerabilis D. H. 
Snellenberg recepit, ac ego etiam post eundem, inter quos sint 
haec distribuenda. Y. Domini in Gedano faciunt se participes, 
contra canonem et decretum R. D. E. Quod si placuerit Dominis 
Yestris et R. D., libenter conformabo me eisdem. Testis est 
Dens, quod, quantum in me fuit, est et erit, vollem, ut ante 
omnia et maxime in bis turbatissimis temporibus esset inter 



416 BRIEFE BEFREUNDETER ZEITGENOSSEN. 

Venerabiles Dominos capitnli Caritas et amor fraterans, qui esse 
non potest sine aequitate. Unde ut aeqnitas servetur, maxime 
eupio, et Caritas, etiamsi pretio comparanda mihi foret. Si 
nostra discretione et iudicio ad eam pervenire nequimos, standam 
est nobis indicio D. R. E. Res demiranda ! ut y. d. Leo, Cra- 
pitz, Timm ermann volebant extra diocesin non esse locnm resi- 
dentiae, dum erant in AUenstein, et iam nunc scribunt se Capi- 
tulum Warmiense requimntque sigilla pro Duo. GanceUario, do. 
Leo., ut scilicet cancellario extradam. Mains sigillum nunquam 
consuevit esse apud Gancellarium, quo iuxta statutum non erat 
utendum, nisi ad pulsum campanae Gapitularis. Et sigillum minus 
debebat esse in loco Gapitulari iuxta consuetudinem captatam, et 
non apud cancellarium : perfecte memini hoc quandoque fuisse 
conclusum, quamvis cancellarius prout in plurimum in aedibus 
suis habeat. Sed quid ad me de eiusmodi contractionibus ? 
Faciam ego, quicquid D. Vestrae mihi mandaverint. 



n. Briefe von Tiedemann Oiese. 



Mehrfach ist bereits der schweren Einbnsse gedacht worden , welche 
die Coppemicanische Forschung durch den Untergang des Briefwechsels 
von Tiedemann Oiese erfahren hat, des Bluts- Verwandten und eng- 
befreundeten Amtsgenossen von Coppemicus, welcher ihm in der zweiten 
H&lfte seines Lebens unter allen am nächsten gestanden. (Vgl. besonders 
I, 1, S. 97 ; I, 2, 8. 536 und 8. 140).* 

Schon um die Wende des 16. Jahrhunderts ist die reiche Korrespon- 
denz Oiese's aus Frauenburg entwendet und vorzugsweise nach Erakau 
entfahrt worden. Die Briefe desselben, welche Broscius um 1600 zu Era- 
kau gesehen, bezogen sich namentlich auch auf die Veröffentlichung des 
Werkes »de revolutionibusa ; sie enthielten wohl die Mahnungen , durch 
welche schliesslich die Bedenken von Coppemicus besiegt wurden. 
Viele dieser Briefe waren an Coppemicus selbst gerichtet. »Dominus 
Job. Rybkowicza — so schreibt Job. Broscius — »Collega maior in 
Academia Cracoviensi, pro sua in me artesque mathematicas amore, 
dedit mihi perlegendas Reverendissimi Domini Tidemanni Oisii, 
Episcopi Varmiensis epistolas, quarum plnrimae ad Coperni- 



* Ausser den nachstehend abgedruckten Briefen Giese's an Donner 
und Rbeticus nehmen noch zwei andere in den Archiven zu Frauenburg 
und Königsberg uns erhaltene Briefe desselben auf Coppemicus Bezug; 
sie sind bereits im ersten Bande 'abgedruckt worden. 

Der eine (aus dem Jahre 1539) ist an Joh. Dantiscus gerichtet und be- 
zieht sich auf das Verhältniss des Coppemicus zu Anna Schiiiing's; er ist 
Bd. I, Thl. 2, S. 366 mitgetheilt. — Mit dem andem Briefe {d. d. 23. Apr. 
1540) übersandte Giese dem Herzoge Albrecht von Preussen ein Exemplar 
der Narratio prima von Rheticus; auch dieser Brief ist bereits im ersten 
Bande Thl. 2, S. 396, 397 vollständig mitgetheilt worden. 

n. 27 



418 BRIEFE BEFREUNDETER ZEITGENOSSEN. 

cnm, absolutae snbtilitatis mathematicnm, sunt exaratae«. (Vgl. 
oben 8. 139.) 

lieber die weitem Schicksale dieser werthvoUen Schriftstflcke ist 
bisher keine Nachricht aufgefanden ; sie scheinen für immer verloren zu 
sein. Aus dem beklagenswerthen Schiffbrüche sind jedoch zwei werth- 
volle Briefe, welche sich auf Coppemicus beziehen, für uns gerettet. 
Broscins, welcher — wie bereits oben S. 140 erwähnt ist — die Absicht 
hatte, alle Briefe TOn und an Coppemicus, welche in seinen Besitz ge- 
kommen waren , zu veröffentlichen , hat sein Vorhaben leider nicht ans- 
gefahrt. Zum Glücke hat er jedoch wenigstens zwei — vielleicht die 
wichtigsten — Briefe Oiese's in einer kleinen Schrift abdmcken lassen, 
welche er im Jahre 1615 unter dem Titel »Epistolae ad naturam ordina- 
turam figurarum plenius intelligendarum pertinentes« zu Krakau er- 
scheinen liess. 

Der erste dieser Briefe ist an den Domherrn Georg Donner zu Frauen- 
bürg gerichtet und im December 1 542 geschrieben, als Coppemicus bereits 
dem Tode entgegensiechte. (Vgl. Bd. I, Thl. 2, S. 548 ff.) 

Durch den zweiten Brief — Ende Juli 1 542 an Rhetious geschrieben — 
erhalten wir das gewichtige Zeugniss des Freundes , dass die dem Werke 
»de revolutionibus orbium caelestium« vorangestellte erste Vorrede »Ad 
lectorem de hypothesibus huius operis« nicht von Coppemicus her- 
rührt, dass derselbe von der wissenschaftlichen Wahrheit seines Systems 
fest überzeugt und weit davon entfernt gewesen ist , dasselbe in h3rpo- 
thetischer Umhüllung der Welt zu übergeben. (Vgl. Bd. I, Thl. 2, 
S. 537 ff i 



a. Tiedemann Giese an Georg Donner. 

Georgio Donnero. 

Conturbavit me, quod de afflieta valetudine Venerabilis seniSj 
noBtri Copemici, seripsisti. Haie, ut vita incolumi solitn- 
dinem amavit, ita nunc aegroto paacos exstare fa- 
miliäres arbitror, qui casibus ipsiuB afficiantur, 



U. BRIEFE VON TIEDEMANK GUSSE. ^^^ 

cum omnes simus illi propter integritatem et exeel- 
lentem doctrinam debitores. Scio autem eum semper in 
fidissimis habuisse te. Oro igitur, si ita fert natura illius , velis 
tutoris ei esse loco et curam viri, quem mecum semper amavisti, 
suscipere, ne in hac necessitate destituatur fraterna ope, et nos 
ingrati erga hunc merentem habeamur. Vale. 

Labaviae die 8. Decembris Anno 1542. 



b. Tiedemann Giese an Joachim Rheticus. 

Joachimo Bhetico.'^ 

Ex nuptiis Regiis Cracovia rediens reperi Lubaviae geminum 
a te missum exemplum recens excusi operis nostri Copemiei, 
quem e vi vis excessisse non ante acceperam, quam Prussiam at- 
tigissem. Erepti fratris, viri summi, dolorem lectione libri, qui 
illum redhibere mihi vivum videbatur, pensare potuissem, verum 
in primo limine sensi malam fidem, ae ut ut vere ap- 
^ellas, impietatem Petreji, quae indignationem mihi 
priore moestitia atrociorem refudit. Quis enim non 
discrucietur ad tantum sub bonae fidei seeuritate 
admissum flagitium? Qaod tamen haud scio, an non tam 



* Wie am Schlüsse der Vorbemerkung bereits hervorgehoben ist, sind 
die Briefe Giese's an Donner und Rheticus uns nur durch das dort erwähnte 
Schriftchen von Broscius »Epistolae etc.« bekannt, von dem ein Exemplar 
den Warschauer Herausgebern des Werkes »de revolutionibus« zugänglich 
gewesen ist. Wahrscheinlich hat Broscius bereits in seinem Abdrucke die 
übliche Anrede-Formel, wie sie das Original sicherlich enthalten haben wird, 
hier, wie in dem vorhergehenden Briefe, weggelassen und dafUr die blosse 
Ueberschrift eingesetzt. 

27» 



420 BRIEFE BEFREUNDETER ZEITGENOSSEy. 

hnic excusori ex aliormn industria pendenti sit tribnendnm quam 
invido cnipiam, qni dolens descendendnm sibi esse a pristina 
professione , si hie liber famam sit consecntns, illius simplicitate 
in deroganda operi fide forsitan est abusns. Ne tarnen impnne 
ferret, qui se concessit alienae frandi corrumpendum , scripsi ad 
senatum Noribergensem docens, quid ad integrandam auetori 
fidem necessarinm mihi videretur. Epistolam ad te mitto cum 
ipsius exemplo, nt pro re nata diindicare queas, quem in modam 
sit institnendom negotium ; nam hoc qni apnd senatum illum agat, 
te neminem video aecomodiorem aut etiam volentiorem, qui cho- 
ragum egisti peractae fabulae, ut iam non magis auctoris interesse 
yideatur quam tua restitui, quae a recto dilapsa sunt. Si quid 
tamen refert te, ut id quam diligentissime efficias, vehementer 
rogo. Si recudendae venient priores ehartae, affi- 
genda videtur a te praefatiuncula, qua etiam ea, quae 
iam emissa sunt exemplaria, a calumniae vitio repur- 
gentur. Quin optem etiam praemitti vitam auctoris, quam a te 
eleganter scriptam olim legi, nee deesse historiae aliud puto. 
nisi exitum vitae, quem ex sanguinis profluvio et 
subsecuta dextri lateris paralysi nono Kalendas Ju- 
nii accepit multis ante diebus memoria et vigore 
mentis destitntus, nee opus suum integrum nisi ior 
extremo spiritu vidit, eo quo decessit die. Id ante 
mortem excusum exiisse nihil obstabit, nam annus consentit, et 
diem finiti operis non adscripsit excusor. Vollem adnecti quoque 
opusculum tuum, quo a Sacrarum Scripturarum dissidentia aptis- 
sime yindicasti telluris motum. Ita explebis iusti voluminis magni- 
tudinem et compensabis id quoque incommodi, quo in praefatione 
operis praeceptor tuus tui mentionem omisit. Quod ego non tui 
neglectu, sed lentitudine et incuria quadam (ut erat ad omnia, quae 
philosophica non essent, minus attentus] , praesertim iam langues- 
centi evenisse interpretor, non ignarus, quanti facere solitus 
fuerit tuam in se adiuvando operam et facilitatem. Quod ad me 



II. BRIEFE VON TIEDEMANN GIESE. 421 

misisti operis exemplaria, magnam habeo donatori gratiam ; erunt 
haec mihi monomenti perpetni loco ad tuendam memoriam, non 
solum auctoris, quem ego charum semper habni, sed etiam tui, 
qui ut te illi laboranti Thesenm strenue praestiteras , ita nunc 
nobis, ne confecti operis fructu careremus, cura et solicitudine 
tua contuliflti. Pro quo studio tuo quantum tibi debeamus omnes, 
non est obscurum. Cupio me facias certiorenij sitne Summo Pon- 
tifici über missas ; nam si factum non est. vellem ego id officium 
praestare defuncto. Vale. 



Dritte Abtheilung. 



Urkunden zur Familien-Geschichte 

von GoppemioQS. 



ni. 
URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE 

VON COPPERNICUS. 



Nachstehend sollen in Ergänzung der archivalischen Mittheilangen, 
welche im ersten Bande Thl. 1, 8. 44 ff. und S. 59 ff. veröffentlicht sind, 
weitere Dokumente über die nächsten Bluts-Verwandten von Cop- 
pernicus zum Abdi'uck kommen: über den mütterlichen Gross- 
vater Lucas WatzelrodO; den gleichnamigen Oheim Bischof 
Lucas von Ermland, den Vater Niklas Eoppernigk und deuBrnder 
Andreas. Die Beschränkung auf die allernächsten Anverwandten, 
welche für den Lebensgang von Coppemicus unmittelbar von Einfluss 
gewesen sind, musste. eingehalten werden, um den archivalischen Stoff 
nicht zu sehr anschwellen zu lassen. Aus gleichem Grunde wird auch 
nur ein Theil der Dokumente vollständig mitgetheilt werden. — 
Nicht wenige derselben dürfen übrigens, ganz abgesehen von der Be- 
ziehung auf den grossen Namen des Coppemicus, eine gewisse Bedeutung 
für die allgemeine Kultur- und die preussische Landes-Geschichte be- 
anspruchen. 



I. Der Orossvater Lucas Watzelrode. 

Ueber die Lebens -Verhältnisse des mütterlichen Grossvaters 
von Coppernicus Lucas Watzelrode, müssen an diesem Orte em- 
gehendere Mittheilnngen gegeben werden, weil in neuester Zeit eine 
tendenziöse Verdunkelung derselben erstrebt ist. Im einseitigen Interesse 
des Nationalitäts-Streits ist nämlich der wunderliche Versuch gemacht 
worden, seiner Tochter, der Mutter von Coppernicus, einen polnischen 
Ursprung aufzudrängen. Die Anwaltschaft über diesen schwachen Punkt 
des heiklen Processes ward einem Gelehrten übertragen, welcher sicher- 
lich nur durch das Andrängen nationaler Eiferer sich hat bestimmen 
lassen, diese verlorene Position zu vertheidigen. 

Der Vorstand der Bibliothek des OssoliAskischen Instituts in Lem- 
berg, Dr. W. E^trzy^ski, veröffentlichte im Anfange des Jahres 
1880 in verschiedenen polnischen Zeitschriften einen Aufsatz, in welchem 
er die Behauptung aufstellte, dass der Bischof Lucas Watzelrode, 
der Bruder der Mutter von Coppernicus, »ein Pole ge- 
wesen .... im Königreiche Polen geboren und erst als Knabe 
nach Thom gekommen ist«. »Wenn aber« — so folgert K^trzy£ski 
weiter — »der Bischof Lucas Watzelrode ein Pole gewesen, so unter- 
liegt es wohl ebenfalls keinem Zweifel, dass auch seine Schwester 
Frau Barbara Kopernik, die Mutter des grossen Astrono- 
men, eine Polin gewesen ist«!^ 



* KQtrzynski's Aufstellung , dass der Bischof Lucas Watzelrode , der 
Oheim von Coppernicus, ein Pole gewesen sei , stützt sich auf eine Beme^ 
kung , welche der polnische Geschichtschreiber und Bischof von Ermland, 
Martin Cromer, (f 1589) in einer Rede vor dem polnischen Senate verlant- 
bart hat. 



DEB GROSSVATER LUCAS WATZELRODE. 427 

Die Resultate dieser von E^trzyAski im Interesse der polnischen 
Ansprüche anf Coppernicns veröffentlichten Ansftthrnngen sind von 



Cromer, ein geborener Pole, war auf dem Wege der Coadjatorie auf 
den Ermlftndischen Biscbofstuhl gelangt. Der Kardinal Hosius hatte ihm 
1569, als er nach Rom reiste, die Verwaltung des Bisthums übertragen, in 
der Hoffnung, auf diese Weise den Weg zur Eathedra zu sichern. Das 
Kapitel leistete zwar Widerstand, musste sich aber schliesslich dem Befehle 
der römischen Kurie fügen, da Cromer durch ein besonderes Breve von 
Papst Plus V. zum Coadjutor von Hosius ernannt wurde. 

Als Letzterer 1579 starb, erneuten sich die Streitigkeiten. Die preussi- 
schen Stände legten gegen seine Nachfolge Protest ein, weil Cromer Pole 
sei und nach dem Privilegium von 1454 nur Landeskinder (»indigenae«) geist- 
liche oder weltliche Würden bekleiden dürften. Als die preussischen Landes- 
räthe diesen Protest im Reichstage zu Warschau wiederholten, stellte Cromer 
ihrer Auffassung des Indigenats eine andere Interpretation in einer Rede 
entgegen, welche er am 15. December 1579 im Senate hielt (abgedruckt bei 
Lengnich , Gesch. d. preuss. Lande , Bd. III. Doc. S. 97 ff.) ; in einer be- 
sonderen Denkschrift führte er dann seine Motivirung noch weiter aus. 

Um die Rechtmässigkeit seiner Wahl zum Ermländischen Bischöfe zu 
begründen, sucht Cromer sich u. a. ein Präjudiz zu schaffen. Er behauptet, 
dass auch schon vor ihm geborene Polen höhere geistliche und weltliche 
Aemter in Preussen bekleidet hätten; zu diesen Würdenträgern zähle auch 
einer seiner Vorgänger, der Bischof Lucas Watzelrode. »Praefecturas et 
dignitates nonnulli Poloni in Prussia obtinuerunt ; exempla non commemoro ; 
imo et episcopatum hunc Varmiensem Lucas quidem Conini in maiore Po- 
lonia natus, quemadmodum accepi, et parvulus a patre Toruniam im- 
portatus e sententia istorum indigena non fuit.« [Lengnich a. a. 0. III. 
S. 97.) Aehnlich, wie in der Warschauer Rede, sagt Cromer in der erw. 
Denkschrift: »Nam et alii praelati, utpote praepositi, decani etc. ecclesiae 
Varmiensis Poloni fuere. Et ut Cardinalem Hosium praeteream, Vincentius 
Kielbassa, nobilis Polonus, et Lucas Conini, ni fallor, natus et puer Hia- 
tus Toruniam, episcopi fuere in Prussia«. 

Woher Cromer seine Mittheilung über den angeblichen Geburtsort des 
Bischofs Lucas Watzelrode entlehnt hat, führt er nicht an. Durch den vor- 
sichtigen Zusatz »nl fallor« und das ganz allgemein gehaltene »qnemadmo- 
dnm aecenl« deutet er jedoch selbst an, dass er nur einer unsichem Tra- 
dition gefolgt ist. In der richtigen Erkenntniss von der Haltlosigkeit einer 
solchen Schein-Autorität sucht K^trzynski sich und Andere zu überreden, 
dass die Tradition auf Coppernicus zurückzuführen sei. Belege hat er 
für diese Annahme selbstverständlich nicht beibringen können. Denn die 
einzige Aeusserung, die wir von Coppernicus über seinen Oheim besitzen, 
beweist geradezu für dessen Thorner Abstammung; er sagt in dem S. 163 
angeführten Briefe, der Bischof Lucas sei der letzte Spross des alten Thomer 



428 CBKUNDEX ZUB FAMIUEN-OESCHICHTE VON COPPERSICUS. 

deatachen and franzdäischen BlAttern ttbernommen worden. Ausserdem 
öffnete sogar eine deutsche Zeitschrift auf Ansuchen E^trzy^ski seiner 
vollständigen (in das Deutsche tlbertragenen Abhandlung ihre 
Spalten. "" 

Bei der weiten Verbreitung, welche die Behauptungen K^tTZT^ski's. 
auch im Auslande, gefunden haben, ist es erforderlich, im Interesse 
der geschichtlichen Wahrheit die irrigen 8chlfisse desselben nachzu- 
weisen.** Es soll dies jedoch nicht durch eingehende Polemik ge- 
schehen. Fflr die Kreise, denen das vorliegende Buch bestimmt ist. 
genügt die Mittheilung der archivalischen Zeugnisse, um ein selbst- 
ständiges Urtheil über die angeregte Frage zu gewinnen. 



Geschlechtes der Watzelrode gewesen : » . . . Lucas a Waczelrodt . . . avuu- 
culuB maus .... in quo illa generatio finem accepit, cuius insignia in anti- 
quis moDumentis et nultis operibus exstant Torunii.« (Vgl. oben S. 163., 
* Die Altpreussische Monatsschrift in dem Jahrgange 1S80. S. 343 — 352. 

** Die in der vorstehenden Anmerkung erwähnte Altpreuss. Monats- 
schrift hat den Aufsatz K^trzynski s ohne irgend eine Gegenbemerkung ab- 
drucken lassen und die Widerlegung, welche die Ausführungen des poloni- 
sirten deutschen Gelehrten in dem 3. Hefte der »Mittheilungen des Coppera. 
Vereins (1S81 S. 111—115; durch Bürgerm. Bender gefunden haben, sind 
von den deutschen Zeitschriften seither unbeachtet geblieben. Es kann 
deshalb an diesem Orte von dem möglichst vollständigen Abdrucke der 
Dokumente, welche über die geschäftlichen und Familien-Beziehungen von 
Lucas Watzelrode Aufschluss geben, nicht Abstand genommen werden. 
Zugleich wird dadurch der Aufforderung K^trzynski's genügt »dass Hr. Prof. 
Prowe der Behauptung Cromer's gegenüber Stellung nehmen und seine ;in 
frühem Schriften' gegebenen Nachrichten (über den Grossvater von Cop- 
pernicus) ausführlich begründen möge« (Altpr. Monatsschr. a. a. 0. S. 347. 
Durch die mitgetheilten urkundlichen Zeugnisse wird sicher erhärtet, dass 
Lucas Watzelrode einer alteingesessenen Thomer Familie angehört hat, und 
seine Kinder in Thorn, nicht in Eonin heimatsbehörig gewesen sind. 

Der Verf. des vorliegenden Werkes muss der Versuchung widerstehen, 
auf die Übrigen Ausführungen des Aufsatzes von K^trzynski einzugehen; 
dieser sucht nämlich nebenbei nachzuweisen, dass der Bischof Lucas, abge- 
sehen von seiner vermeintlich polnischen Herkunft, auch eine nationalpolni- 
sche Gesinnung bethätigt habe. Zur Richtigstellung dieser Ansicht würde 
es eines besondern Exkurses bedürfen ; eine kurze, gelegentliche Beleuchtung 
wird sich freilich in den spätem Abschnitten nicht ganz umgehen lassen. 



DER GROSSVATER LUCAS WATZELRODE. 429 

Lucas Watzelrode,* der Grossvater von Coppernicus, ent- 
stammte einer alteingesessenen Thorner Familie. Er hat seinen 
Wohnsitz stetig in Thorn gehabt; es lebten ihm daselbst — neben 
einer weitverzweigten Sippe — Brüder und Schwestern. Das Wich- 
tigste über die Lebens- Verhältnisse des einflussreichen Mannes ist 
bereits im ersten Bande, Thl. I, S.59 — 73 mitgetheilt; nachstehend 
folgen weitere urkundliche Belege. 

Während eines ganzen Menschenalters, in den Jahren 
1432—1463 (also auch in der Zeit, in welcher ihm nach Cromer- 
K^trzynski seine Kinder zu Konin geboren sein sollen) war Lu- 
cas Watzelrode Mitglied des Altstädtischen Gerichts 
zu Thorn;** seit 1439 bis zu seinem Tode bekleidete 



* Im ersten Bande (Thl. 1, S. 56} ist bereits bemerkt, dass die Ent- 
scheidung über die Schreibung des Namens der Familie, welcher die Mutter 
von Coppernicus angehört, nur zwischen den Formen »Watzelrode« oder 
»Watzenrode« schwanken kann. Es ist ebenso darauf hingewiesen, dass 
in einem eigenhändigen Briefe, welcher neuerdings von dem mütterlichen 
Grossvater des Nicolaus Coppernicus aufgefunden ist, der Name freilich mit 
einem »n« geschrieben erscheint. Demohngeachtet ist auch bei diesem hervor* 
ragenden Träger der Familie die im ersten Bande durchgeführte Schreibung 
»Watzelrode« beibehalten, weil, wenn man diese eine bis jetzt bekannte 
Namen-Unterschrift als massgebend betrachten wollte, die ganze Umgestal- 
tung in »Watsenrode« angenommen werden mttsste, wie sie nur sehr ver- 
einzelt in den Urkunden angetroffen wird. 

** Neben der 1231 gegründeten Stadt war im Jahre 1263 die Neustadt 
Thorn zu gleichem Rechte mit der Altstadt von dem deutschen Orden an- 
gelegt worden. Die beiden nebeneinanderliegenden Städte waren durch 
Mauern und Gräben geschieden und hatten eine ganz gesonderte Verwaltung. 
Selbstverständlich waren auch die Gerichte geschieden ; sie blieben es auch 
nach der Vereinigung der beiden Städte im Jahre 1454. 

Jedes dieser Schöffengerichte bestand aus zwölf Mitgliedern, welche 
sich durch Kooptation auf Lebenszeit ergänzten, »ünde dy scheppfin — 
so besagt das Magdeburger Wistum für Kulm vom Jahre 1338 — sullen 
andir scheppfin kysen, vnd dy sie gekysin, dysullenscheppfinbliben, 
dy wyle sy lebin, vnd dy rotmanne haben keyne macht, daz sy 
scheppfin kysin mögen«. 

Als Vorsitzender des Schöffengerichts wurde alljährlich ein Rathmann 
deputirt: der »Richter« oder »Scholz« (»scultetus«) . Zur Erledigung grösserer 



430 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICUS. 

er das Amt eines Schoppen-Meisters. Eine länger 
dauernde Abwesenheit Ton Thom, wenn sie vielleicht dem ein- 
fachen Schoppen gestattet gewesen wäre, war mit der Stellung 
des Obmannes im Gerichte schlechterdings unvereinbar. 

Ueberdies würden, selbst wenn die amtliche Thätigkeit des 
Grossvaters von Coppemicus nicht urkundlich belegt wäre, schoo 
die nachstehend mitgetheilten Dokumente ausreichend bezeugen, 
dass Lucas Watzelrode dauernd seinen Wohnsitz in Thom ge- 
habt hat. Er erscheint — wie bereits Band I, 1, S. 61 erwähnt 
ist — während jener Reihe von Jahren vor Gericht als Käufer 
von städtischen und ländlichen Grundstücken, empfängt Aner- 
kenntnisse von Schulden, kauft Hypotheken an u. dgl. Ausser- 
dem kommt Lucas Watzelrode »vor gehegt ding« als Vormund 
von Wittwen und unmündigen Kindern, als Schiedsmann, als 
Bürge, als Bevollmächtigter von Auswärtigen — dies sind alle« 
Funktionen, welche einem Polen, einem Bürger des Städtchens 
Konin nimmermehr würden übertragen worden sein! 

Die Dokumente, welche aus den erwähnten Gründen zum 
Theil in grösserer Ausführlichkeit mitgetheilt werden müsseu. 
verbreiten nicht nur ein reiches Licht über die Vermögens- und 
sonstigen Lebens-Verhältnisse von Lucas Watzelrode, wir gewinnen 
durch sie auch einen Einblick in die nahen verwandtschaftlichen 
Beziehungen, welche den vermeintlichen Polen und Bürger von 
Konin mit zahlreichen Thomer Geschlechtern verbanden. 



Sachen versammelte sich das Gericht alle vierzehn Tage zu einer ordent- 
lichen Sitzung, dem »gehegten Dinge«; nur ausnahmsweise wurde bei drin- 
gender Veranlassung ein »verbottet ding« oder »Botdingc« einberufen. 

Die Berufung gegen ein Urtheil der Schöffen-Gerichte ging bis 1457 an 
den Schüffenstuhl zu Kulm, welcher durch die Eulmer Handfeste als Ober- 
hof für die preussischen Städte eingesetzt war; trat der Schöffenstuhl der 
Altstadt Thom an die Stelle von Kulm. — Die Berufung in dritter Instanz 
ging bis 1457 an den Magdeburger Schöffenstuhl, seitdem jedoch an den 
Thorner Rath und schliesslich an den preussischen Landes-Rath. 



A. Dokumente aus den Thorner Schöppen-Büchem.^ 

1427. 

Die ersten Verhandlungen, in welchen LucasWatzelrode 
Erwähnung findet, enthält das (gegenwärtig in der Eaiserl. Biblio- 
thek zu St. Petersburg — vgl. Bd. I, Thl. I, S. 34 — auf- 
bewahrte] älteste Schöppenbuch der Altstadt Thom: 

1. Vor gehegt ding sint komen Olbrecht, Tilman ynd Lucas 
gebrudere Wetczelrode genante vnd haben bekant das Olbrecht 



* Die Hauptquelle für die Familien-Verhältnisse der mütterlichen 
Qrosseltem von Coppemicus bilden die Schoppen- Bücher der Altstadt 
Thorn. Diese haben sich seit der Mitte des 14. Jahrhunderts, in Voll- 
ständigkeit bis znr Mitte des 17. Jahrhunderts, erhalten (von 1363—1641] ; 
die fünf ersten Volumina (1363 — 1529) sind auf Pergament, die späteren auf 
Papier geschrieben. Nur die drei ältesten SchöppenbÜcher (die Jahre 
1363 — 1479 umfassend) kommen bei den nachstehenden Veröffentlichungen 
in Betracht; sie werden mit I, II, III. citirt. 

Aus den neustädtischen Schoppen-Büchern ist nur eine Verhandlung 
abgedruckt (aus dem Jahre 1446 , den Verkauf eines Hauses betreffend] ; 
sie ist dem ältesten Qerichtsbuche entnommen, welches die Jahre 1387 — 1450 
umfasBt. Die beiden folgenden Bände sind Tcrloren; aus der ersten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts hat sich nur das Schöppenbuch aus den Jahren 1513 
bis 1531 erhalten, dann aber die ununterbrochene Folge von 1545—1713. — 

Die SchOppen-Bücher enthalten grösstentheils Akte der freiwilligen 
Gerichtsbarkeit — meistens Verträge, welche vor »gehegtem Dinge« yerlaut- 
bart worden. £s geschah dies namentlich bei dem Kaufe bez. Verpfan- 
dungen von Grundstücken. Nur ganz ausnahmsweise wurden bemerkens- 
werthe Process-Fälle in das Schöppenbuch eingetragen, namentlich wenn 
ein Spruch des Oberhofs ergangen war. Auch grössere »Besatzungen« (Ar- 
restlegungen) und Eonkurse wurden im SchOppenbuche eingezeichnet. 



432 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICÜS. 

Watzelrode vorgenanter gegeben hat den Erbern jungfrawen eyner 
Nonnen Hedwig genant durch iren Vormunden Lowrich iren Bruder 
eyne niuwe mark czu erem leben in all sin gut vnd nämlich off die 
czwiu buden in sente Annen gasse gelegen« (I, Bl. 153). 

2. Vorgehegt ding ist komen frauwe Elizabeth hitfeldynne vnd hat 
vorreicht vnd uffge tragen durch iren Vormunden Lucas Watzel- 
rode eyn frey erbe gelegen vff der grossen gassen und douon bleibet 
der vorgenante lucas watczelrode andirhalb hnndirt mark guts geldis 

der vorgedachtin frauwen Elizabet So ist borge worden 

her Girke ffryse vnd lucas watczelrode vorgenanter, seyn 
Swoger etc. {I, Bl. 154.) 

Während eines vollen Decenniums (1427 — 1437) erscheint der 
Name von Lucas Watzelrode in keiner Gerichts-Verhandlnng. 
Wir begegnen ihm erst wieder im Jahre 1437." Die zahlreichen 
Verhandlungen, welche seit diesem Jahre bis zu dem Erbver- 
gleiche seiner Wittwe in den Thomer Schöppenbüchem ver- 
zeichnet sind, werden nachstehend in chronologischer Folge mit- 
getheilt : 

1437. 

i. Her lucas watczenrode ist komen vor eyn gehegit ding In 
vormundeschaft Symon Valbrechts vnd hat vorreicht vnd 

ofgetragen . . . eyn erbe gelegen in sunthe Annen gassen dis 

czewgit Richter, Scheppen vnd eyn gehegt ding. (IL S. 127.) 

1437. 

Die frauwe Weleweckynne ist komen vor eyn gehegt ding vnd hot 
doselbinst durch iren vorm und hern Lucas Watczenroden vn- 
betwungen mit reyfem mute bekant irer elichen tochter Katherinen 
Westerodynne rechter schuld kostgeld als fierczig mark gerings gel- 
dis etc das czewgit Richter Scheppen etc. (IL S. 134.) 

1437. 

Ich Thomke bekenne das ich schuldig bin mit meynen erben Lu- 
cas Watczenrode vnd heinrich Weissehensel funfczig mark gerings 
geldis das czewgt Richter etc. (IL S. 140.) 

1438. 

Margrete Wernerynne ist komen vor eyn gehegit ding vnd hat 
durch iren Vormunden her Lucas Watczenroden vorreicht 
vnd ofgetragen hans forstenaw eyn halb erbe gelegen an der ecke 
do her ynne wonit .... dis czugit Richter etc. (IL S. 147.) 

1439. 

her Johan Tewdinkus ist komen vorgehegit ding vnd hat doselbinst 



DSB GBOSSVATEB LUCAS WATZELBODE. 433 

queit vnd ledig gelassen her Lucas Watczelroden vnd seyne 
stiefkindir der drittehalbhnndirt mark wegen, die sie Cuntczen 
Lewdescheiden schuldig woren, vnd her Johan Toydenkus off die sel- 
bigen iii<^ mark oben weysete mit mechtigen brifen, die yan gerichte 
mechtig geteilt wurden, welche iii<: mark her Lucas Watczelrode 
dem vorgenanten hem her Johan wol beczalt mit gelde vnd auch mit 
eynem hawse gelegen in der Aldthomischen gassen. das Im her Lucas 
Watczilrode vorgenant vor gerichte vfgetragen vnd vorreicht hat ge- 
losen. (IL S. 171.) 

1443. 

Michil der Scholcze van Conradswalde ist komen vor gehegt ding 
vnd hat doselbinst bekant, das her in eynem Rechten vnd redlichem 
kowffe vorkoufft hat Lucas Watczilrode seinen rechten erben 
vnd nachkomlingen funff firdunge gntis geldis czins vff seine iiii freye 
hüben vnd vff eynen Gretschin mit eynem Grarthen czu Conradswalde 
gelegen, douor Im Lucas Watczilrode gegeben hot funffczen gute 
marc vff abeczulosen etc. (11. S. 233.) 

1443. 

Wir sechs personen her Gk)t8chalk Hitfeld, Tilman vom Wege, Niclos 
Bamslow, alse von her Johan Sweidniczers wegen, vnd Philip vom 
Loe, Lucas Watczilrode, Paul Ruprecht von Jeronimo Bekaw 
von Ilkus wegen haben in foUir macht vor gehegtem dinge Ire sache, 

die sie mitteinander zu thun haben gehat, zu uns genome [es 

folgt nun der Beschluss der Schiedsrichter]. (II. S. 234.) 

1444. 

Lucas Watczilrode mit seiner elichen swester barbara 
frysinne sein komen vor gehegt ding vnd haben becant, das sie sich 
gutlich vnd frundlich endscheiden haben vmme das andlrstorbene gut, 
das en von irem ohemen Lucas Bewssen, dem got genode, an- 
dirstorben was, das en beiden genügt etc. (II. S. 246.) 

1446. 

Schelunge ist gewest czwischen Albrecht Beber vnd Conrad 

Palsats kindern also das sie ere zachen gesagt hatten czu fier 

erbaren mannen, her Johann Sweidnitzer, her philipp von Loe, her 
Gert von der Linden, her Lucas Watczilrode, die haben es also 
gemacht. ...... .Dis czugt Bichter vnd Schoppen. (II. S« 267.) 

1446. 

Her Lucas Watczilrode ist komen vor gehegit ding vnd hat 
Johann! Titcze dem cromer eyn frei erbe ken vnserer lieben frauwen 
gelegen vorreicht vnd vfgetragen etc. (IL S. 279.) 

1446. 

Lucas Watzilrode hat peter Krampken vorkouft vnd ofge- 
II. 28 



434 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICUS. 

geben ein Erbe am Binge gelegen vor V firdung csine gutiB 
geldifi etc. (Neustadt. Schöppenbnch S. 177.) 

1447. 

Vor gehegt ding ist komen her Lucas Wate zilrode an eynem 
teile vnd her Girke von der Linde als eyn machtsman* synes omen 
Bertram Palsad vnd Cuncze vnd Hans Palsad gebrudere an dem 
andern teile, so das die vorgesagten drey personen bekant haben 
durch eynen ossproch, den Johann von der Linde vnd Philipp vom 
Lohe getan haben, das sie her Lucas Watczilroden schuldig 
sein L mrk geringes geldis etc. (II. S. 292.) 

1447. 

Schelunge ist gewest czwischen Philipp vom Lohe vnd seinen 
brudem Johan vnd Jocob vom Loe van den guttem, die sie nach Ir 
vatirs tode in ungeschichten guttim gehandelt vnd gesessen haben 

dese schelunge haben sie von beidin teilen mechtiglich 

gesaczt czu fier erbar mannen, als zu her Tilman vom Wege, 
her Johaivvon der Linden, Johan von der Leipen, Lucas Watczil- 
rode, die fier erbar mannen haben zu sich genomen zu eynem obir- 
manne her herman Rusop etc. (II. S. 304.) 

1447. 

Jocusch von der frobele hat bekant vor vnserm gehegten dinge, 
das her empfangen hat von lucas watczilrode funfczig gute 
mark of beczalunge des forwerkis czu fredaw** das em 



* »Machtsmanne« oder »Berichts manne« Messen die Schiedsrichter, 
welche von den beiden streitenden Parteien vor Gericht erwählt wurden; 
ihr Urtheil Hessen sie in das Schöffenbuch eintragen. 

** Zwei ländliche Besitzungen in der Umgegend von Thom führten den 
Namen »Fredaw«, vielleicht durch Theilung aus einem grösseren Gute 
entstanden: das »Borckfrede« und das »Forwerck« (oder der »Hof«) zu 
Fredaw. In dem Bandl, Thl. I, S. 62 bereits erwähnten »Machtbriefe der 
erbam Manne des Thornischen vnd Birgelawischen gebietes« sind unter den 
Vollmachtgebern »lucas Watczelrode von fredaw« und »Jocusch 
von fredaw« aufgeführt. 

Schon seit längerer Zeit war die Familie Watzelrode im Besitze eines 
Landgutes »Fredaw«. Im Anfange des 15. Jahrhunderts besass dasselbe — 
was Bender (Mitth. des Copp. V. in, S. 66) irrthümlich bezweifelt — ein 
»Meister Cesarius Watczelrode«. Die Belege finden sich in mehreren £in- 
zeichnungen des Altstädtischen Schöppenbuchs, von denen an dieser Stelle 
jedoch kaum eine vollständig mitgethellt werden darf. Die wichtigste ist 
die Verhandlung aus dem Jahre 1418: 

»Ich Albrecht Bothe Burger czu Thorun Bekenne vnd thu kund 
offenbar mit dessem Briefe vor allen den, die in sehen adir hören lesen, 



DER GROSSVATER LUCAS WATZELRODE. 435 

jocusch verkoufft hat off tage alse in den scheppenbnche czu 
Leysaw gescreben steet. Actnm am neesten frei tage noch Epiph. 
Domini.* (II. S. 306.) 

1447. 

Unss gehegt ding czugit, das hans Czeginhals verkoufft hot Jocusch 
von fredaw seynen hoff czu der frobe vor 350 gute mark. Das hat 

im Jocusch bereit beczalt 75 gute mrk des kouff istgescheen im 

Jar etc das hat her Lucas Watczilrode von seyner wegen hans 



das ich mit mynen erben mitgesamptir band vngesundirt dem kunst- 
reichen vnd ersamen manne Meister Cesario watozenrode my. 
nem lieben frunde vnd mage der vmb frundschaft vnd sunderlicher 
gnnst willen mit vorbedachtem mute vnd von freyen willen syne guttir, 
als das vorwerk czu Fredow, dorynne eyn Borgfrid steet, 
von der wir de Achthundert marke Pruscher Muntczen vnd 
den wyngarthen gelegen vor der stat Thorun also gut als 
fierhundirt marke Pruscher Muntczen, mit allen czubehorungen deyne 
vnd grosse Eeyns vsgenomen mir vnd mynen erben czu der band off- 
getragen vnd ofgegeben hot, erblich czu besitczen mit allen rech- 
ten als sie Meister Gesarius vorgesagter hot selbir be- 
sessen, recht vnd redelich schuldig seyn von wegen der oftgenanten 
gutir vfreichunge vnd vftragunge Acht vnd achtczig vngarischer gülden 
gutis geldis vnd rechtis gewichtis alle jar jerlich czu seynem leibe 
czu entrichten« etc. 
Die — noch die Angabe der Zahlungs-Termine u. a. enthaltende — £in- 

zeichnnng schliesst mit den Worten » vnd desse vorschreibunge ist eyn- 

trechtiglich czwischen vns gescheen vnd gemachet in den jaren des herren 
Thttsend fierhundirt vnd fünften iaren«. 

Das Sch($ppenbuch enthält noch einß Reihe anderer Verhandlungen, 
welche sich an die vorstehende anschliessen. Die geschäftliche Abwickelung 
wurde in dem vorliegenden Falle schwieriger, da Albrecht Bothe nicht lange 
nach dem Abschlüsse des Vertrages starb, und die Auseinandersetzung nun- 
mehr mit den Erben erfolgen musste. Es würde jedoch ungehörig sein, 
diese Dokumente hier auch nur in einer kurzen Uebersioht vorzuführen. 

Dagegen dürfte wohl flüchtig mitzutheilen sein, dass das älteste Thomer 
gohtfppenbuch noch mehrere Verhandlungen aufbewahrt, aus denen Auf- 
schluss über die Familien-Beziehungen von Meister Gesarius Watzelrode und 
den übrigen bisher bekannten Mitgliedern der Familie gewonnen werden 
kann. 

* Wie und seit wann Lucas Watzelrode in den Besitz der zweiten 
Hälfte von Fredaw, des »Burekfrede«, gekommen ist, wissen wir nicht. Dass 
er dies Gut schon vor dem Jahre 1440 besessen, geht aus dem vorerwähnten 
»Machtbriefe der erbam Manne des Thomisohen vnd Birgelawischen ge- 
bietes« (S. 434) hervor. Das »Vorwerk Fredaw« kaufte er, wie die im Texte 

28» 



436 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPEBNICUS. 

czeginhalse gegeben L gute mark, vort alle jor sal her Lncas 
Watczilrode geben bans Czeginhalse XXX gute marc von 
Jocubs wegen von der Frobe von des hofes wegen Ton 
Fredaw, den her von im gekoafft hot. (II. S. 306.) 

Kethe Wjrttynne durch eren elichen son Hynrich Witten in vor- 
mundeschaft hot bekant, das sie in eynem rechtin konffe Torkoufft 
hot Lucas Watczilrode VIII mrc niuwes geldis czinss abczu- 
losen off VIII hübe czu kirchtauver off eyne gebauwer Clost genant 
noch innehaldunge des briffs aws dem landgehegtin dinge czu leysaw, 
dem si Lucas Watczilrode geantwort hot vnd ir Lucas Watczilrode 
die vorgesagte czinse czugenuge beczalt hot mit I<^ vnd LXXX marken 
ald geldis. Vort hot die vorgenante frauwe gloubit, das sie Lucas 
Watczilrode desselbigen kouffes bekennen wil czu leysaw in dem 
landgehegtin dinge, wenn er das nicht empören wil.* (II. S. 310.} 



abgedruckte Verhandlung darthut, im Jahre 1447. Nach seinem Tode ward 
die Besitzung wieder getheilt, wie wir durch deuErbrecess vom Jahre 1464 
erfahren (vgl. Bd. I. Thl. I. S. 66 ff.). Der ältere Schwiegersohn Tilman von 
Allen erbte »czu fredaw IX hüben, das dor ist genant das Burckfrede«, und 
dem Sohne (dem nachmaligen Bischöfe von Ermland) Lucas wurden gleich, 
falls »newn hüben czu fredaw« zugewiesen. Der Letztere verkaufte seine 
Besitzung jedoch schon nach wenigen Jahren (im Jahre 1469). Der Kauf- 
vertrag findet sich in dem AI tstäd tischen SchOppenbuche : »Magister 
Lucas Watzelrode hot bekant vor gehegtem dinge das her vorkoft hot 
dem Ersamen hem Tilman von allen IX hüben czu ffrede gelegen, dy etwan 
seynes vatirs hem Lucas watzelrode zeligen gedechtniss gewest seyn. Des 
Eouffs vnde der beczalunge seyn sie wol eyns. 

* Lei sau (das heutige Lissewo) im Kreise Calm ist in weiteren Kreisen 
als Versammlungsort der Eidechsen-Gesellschaft bekannt. Dort wurde unter 
dem Vorsitze des Vogtes zur Leipe alljährlich dreimal das Calmer Land- 
gericht abgehalten, vor welchem alle diejenigen Recht nahmen, welche nicht 
einem Stadt- oder Dorfgerichte unterstellt waren. 

Bei dem Landgericht zu Leisau musste jeder Vertrag über ein gerichts- 
freies Gnuidsttlck verlautbart werden, um gültig zu sein : 

alze denne ein Becht ist, das man in keynem andern gerichte gutter 
vorreichen und vorpfenden sal, denn in den gerichten, do sy ynne 
gelegen sein (Altst. Sch.-Buch II, S. 294). 

Doch war es üblich, die betreffenden Verträge, — bis zur demnächstigen 
Verlautbarung bei dem Landgericht, in das Stadt-Schöffenbuch eintragen zu 
lassen. (Vgl. Bender, Mitth. des Copp. V. III, S. 109.) 

Lucas Watzelrode war übrigens selbst längere Zeit Mitglied des 
Lissauer Landgerichts. Es wird dies durch zwei Urkunden aus dem Jahre 
1453 und 1460 belegt. In dem ersten Dokumente bezeugt »bruder olbrecht 



DER GROSSVATEB LUCAS WATZELBODE. 437 

1448. 

frauwe Elze van Allen in vormnndeBchaft Hinrich Weisenhensels. . . 
sein komen vor gehegt ding vnd haben bekant das sie recht vnd red- 
lich vorkonfft haben Lucas Watczilrode eynem rechten 
vormnnd synes omen Symon Falbrechtis eyn halbhaws 
in sinte Annengassen gelegen, do dy Hannynne innegewont hat, 
das der vorgenante Lucas Watczilrode dem vorgesagten Symon Fal- 
brecht czur band gekoufft bot (H. S. 310.) 

1448. 

Gehegtem dinge ist wissentlich, das das halbe haws in sente 
Annen gassen gelegen, do dy Hannyne inne gewonet hat, beczalt ist 

off XXX geringe mrk die sal Lucas Watczilrode beczalen 

in vormundschafft Simon Falbrechts etc. (11. S. 326 vgl. oben.) 

1448. 

Gehegit ding czeugit, das her Hans Jelin van siner elichen haws- 
frawen wegen vnd HansPeckaw der Junge van synes selbinst 
wegen vnd in Vormundschaft synes brudirs Balthazar Peckaw, 
sie haben gereicht vnd offgetragen Lucas Watczelrode 
das halbe haws durchgende mit dem halben hindirhawse in der 
czegelergassen gelegen, do her itzund Inne wonet* vnd der 
beczalunge sein sie wol eins. (IL S. 323.) 



Kalb kompthor czu Thom, des vogtes czur leipen Stadthaider« »das 

vor uns in lautgehegtem dinge czu Lissow komen ist Jocusch von der frobe 

vnde bot bekant, das her recht vnd redlich vorkoft bot der erbaren 

frauen dorothean armknechtynen borgerynen czu thom czwo mark 

czinses guttis geldis in seyn gut czur frobe vor vierundczwentzig gute mark pr, 
czwelft mark vor eine nach des landis gewonheit etc.« Unter den zwölf 
»Lantscheppin«, welche bei der Anerkenntniss dieser Hypotheken-Schuld 
»gesessin haben« wird an drittletzter Stelle »Lucas Watczelrode« aufgeführt. 
Das zweite Beleg-Dokument ist in dem Schöppenbuche der Altstadt 
Thom (III. S. 52) erhalten. In einer Verhandlung vom Jahre 1460 bekennen 
dort ftinf Gutsbesitzer, »das sie rechter vnd redlicher schuld schuldig sein 
dem ersamen Andreas Rackendorff burger czu Thorim Yl^ mark preuss. 

geringen geldis Dobey sint gewest czwene landtscheppen 

alse mit namen Lucas Watczenrode vnd Jacob Lange« (vgl. 
unten S. 442). 

* Das Haus, welches Lucas Watzelrode im Jahre 1448 von den Ge- 
schwistern Peckaw (seinen Stiefkindern) kaufte, hat er seitdem bis zu sei- 
nem Tode bewohnt; bei der Erbtheilung erhielt es Tilman von Allen. Es 
lag in der — gegenwärtig noch denselben Namen führenden — Seglergasse 
und war eins der grössten Patrizier-Häuser der Stadt Nach dem im 4. 
Hefte der »Mittheilnngen des Coppem. Vereins (S. 25—47) abgedruckten 



438 URKUNDEN ZUE FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICÜS. 

1448. 

Lucas Watczilrode ist komen vor gehegt ding vnd hat Hans 
van Breien das halbe haws, dodie Frysinne inne wonet, in der 
zegelergassen an der ecken by dem kirchowe gelegen vorreicht vnd 
offgetragen czu solchem rechte alse das Lucas Watczilrode 
gehat hot vnd besessen, vort so hat Hans von Breien Lucas 
Watczilroden die ander helfte von Cordula wegen von demselben 
hwse vorreicht vnd ofgetragen czu sulchim rechte, alse das Cordula 
gehat hot vnd besessen. (IL S. 324.) 

1449. 

Schelunge ist gewest czwischen her Matis Weisen vnd seynem 
stiefsone her Hans Peckaw. . ..selbige schelunge haben sie von beiden 
teilen mechtiglich vor gehegtim dinge aus der band gegeben vnd ge- 
koren fier erbare manne her Butchir von Birken, her Simon Belkaw, 
her Lucas Watczelrode etc. (IL S. 342.) 

1449. 

Gehegtim dinge wissentlich , das her Johan Jelin komen ist mit 

Jodoco Johannis dem Aldenstatschreiber vnd her Johan Jelin 

o£fenberlich bekant hot vnd gelautbart wie her demselben Jodoco 

vorkoufft hot sein erbe in sente Annen gassen gelegen 

Bey dem kouffe sind gewest her Butcher von Birken, her 

Mattis Weize, her Symon belkaw, her Lucas Watczenrode etc. 
(IL S. 351.) 

1450. 

Jorge fewkinkus sal beczalen Daniel Eonitz XI mrk So ist 

geschel gewest an Y mrc den aussprach thun von in macht 

von ir beidir wegen alse herman vasan ...Lucas Watczilrode etc. 
(II. S. 367.) 

1451. 

Symon Falbrecht hat gedancket Lucas Watczilroden syne voi^ 
mundeschaft, die her von syn wegen gehaldin hat, vnd sagit en van der 
wegen allis geschehenen queit, ledig vnd los. Vort bekennet Symon 
Falbrecht, das her schuldig ist Lucas Watczilroden LXHI mark 

alden geldis Vordan macht Symon Falbrecht mechtig her Lacas 

Watczilroden dieselbige erbe adir eyns alleine czu vorkooffen vnd 
czu reichen vnd gewere czu sein wenn her wil, darczu aller »yn 
schulde binnen vnd bawssen lande, eide czu empfan vnd czu dlrlosen 



»Spanndiens^-Begister« aus dem Jahre 1449 hatte Lucas Watzelrode 2 Wagen 
einen Tag zu stellen; nur drei andere Besitzer (Jorge Sweidnitzer, Ozegen- 
hals und Peter von Nichte) waren in gleicher Höhe eingeschätzt ; ein ein- 
ziger, Gotke Becker, stellte zwei Wagen zwei Tage. 



DBB OROS8VATBB LUCAS WATZELBODB. 439 

vnd dobey czu thun vnd czu| lossen, als ab Symon selbist kegenwertig 
were vnd vort eynen andern ozumechtigen als is not thun wirt. 
(II. S. 379.) 

1451. 

Vor gehegt ding sint komen Jorge Swidniczer (czu Crokow) vnd 
Janke Polak mit eren berichtsluten Alse Gotschalk Hitfeld, Lucas 
Watczilrode, Petir Banwenacker, Philipp vom Lohe, ere fülle macht 
habende sie czu entscheiden alle erer schelnnge, die sie miteinander 
gehat haben etc. [IL S. 479.) 

1452. 

Her Lucas Watczilrode ist komen vor geheget ding vnd hot 
bekant, das her seyn erbe kegen Pauel Strosberg obir gelegen vor- 
pfendit hat dem Ersamen Rathe alze vor nochmannnge vor dy Sig- 
mundynne etc. (II. S. 392.) 

1453. 

Conrad Knoff hot bekant, das her schuldig ist gelegen geld seynem 

elichen Sone Girken Knoflf darczu hot Girke Knoff gemechtiget 

Lucas Watczilroden das vorgescrebene hws inreichunge czu em- 
pfoen vnd den halben weyngarten mit der weze vnd schewne etc. 
(II. S. 399.) 

1453. 

Michel Jungehans vnd anders kemmer der sneider vnd Jorge hertel 
vnd haben bekant vor gehegtem dinge, das sie recht vnd redlich vor- 
koufft haben her Lucas Wastenrode XV scot gutte geld erbe 
czins off her Habundius Winter weingarte, vnd frauw träuden von 
Pötten Weingarten vnd euch off orthei netczen Weingarten vnd ouch 
off her Lucas Wastenroden Weingarten X pfennig czins die vor 
doruff gewest sein in dem Glostirchen gelegen, vnd des koufßs 
sind sie wol eyns, vnd her Lucas Wastenrode hot sie wolbeczalet, vnd 
die vorgenanten personen glouben vor dy andern, die hie nicht kegen- 
wertig sein, ouch glouben sie die vorgenanten cziuse dem vorgenanten 
Lucas Wastenrode czu reichen in dem Glosterchen in dem gerichte, 
do die czinse innegelegen sein. (11. S. 405.) 

1456. 

Her Lucas Watczenrode hat UP mrck geringe off dem dorfe 
kirchdorff, das niu der Stat Thorun zcugehoret, die sal Habundius 
Winther der Stat freyen vnd ouch die czinser dovon beczalen. Dovor 
hat her dem Ersamen Bothe vorsatczt sein huss in der zegeler gasse, 
dorinne her wonet, gleich dirfolgetem pfände, vnd hat geloubet die 
Stat schadelos zcuhalden von der II<: marcke vnd der czinser wegen 
bey demselbigen hwse vnd allen seinen guttem. (III. S. 9.) 



440 URKUNDEN ZUB FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICÜS. 

1456. 

Her Bertram von Allen ynd Götze Bnbith sint komen vor geh^t 
ding ynd han beide offenbar bekant mit vier ersamen mannen alae 
her Johan Rennenberg, her Lucas Watczenroden, HermanPapen 
vnd Heinrich Molnem, die die Sachen alczumole czwischen en zcnthnnde 
endscheiden haben gancz vnd gar etc. (III. S. 13.) 

1457. 

Her Lncas Watczenrode ist komen vor gehegt ding und bot 
bekant, das her vorkoufft hot Alexio Binkheym ein Erbe am Hinge 
gelegen, das etczwan zcugehort hot JohanRewsopp, das hot em Alexins 
obgenanter zcu foUer gnuge beczalet, vnd Her Lucas als ein rechter 
Vormund der ffrawen Jutten Rewsoppynne vnd mechtiger hot es 
Alexio dirreicht etc. (III. S. 15.) 

1457. 

Her Lucas Watczenrode, Niclas zateler, Barbara Netczynne 

sint komen allsampt vor gehe^ ding vnd han bekant, das sie 

schichtunge vnd Teylunge empfangen haben von Ursula Ludillynne 
von Jurge Lodill eres elichen mannes wegen foller gutter gnuge vnd 
haben alle disse obgenante Ursula queit ledig vnd notlos gesaget .... 
vnd den schichteyd dirlossen. (m. S. 27.) 

1458. 

Her Lucas Watczenrode in follmacht Trawde Jelynne ist 
komen vor gehegt ding vnd hot bekant, das her Niclos Fredewalden 
vorkoufft hat ein erbe uffir Rabiansgasse gelegen etc. (III. S. 35.) 

1458. 

Schelunge ist gewest czwischen Johan von der Linde Kindern vnd 
seyner elichen husfrauwen an eyn seite vnd Johan Peckaws stiff- 
kindem am andern teile, dy selbigen schelunge haben sie von beyden 
teilen gegeben zcu dirkennen VI personen: Johan vom Loe, her Do- 
minick Becker, her Lucas Watczenrode von Johan von der Linden 
kinder wegen etc. (HI. S. 39.) 

1459. 

Vor gehegt ding ist komen her Lucas Watczenrode yn vor- 
mundschafft Weisshensels vnd hot dirreicht Hans von der Thauwer 
eyn haws gelegen yn der feregassen etc. <III. S. 48.) 

1459. 

Gehegt ding czewgt, das Symon Falbrecht bekant hot, das 
her schuldig sey Lucas Watczenrode C vnd XLVII mrk ge- 
ringen geldis czu den LXIII marken, die vor yn der Seheppenbnche 
geschreben steen, das macht niu czusamene II<^ mrk geringen geldis, 
dovor tritt her ym abe vnd gibt ym vor beczalunge der II«^ marken 



DEB GBOSSYATEB LUCAS WATZELBODE. 441 

seyn haws in Sente Annegassen gelegen ynd seynen garten 
bey dem KottelhofQ vor der Newenstat vnd eyn geringe werder bey 
dem Glostirclien gelegen etc. (III. S. 49.) 

1459. 

Eyne vorricbtunge ist gescheen czwiscben Hans Koppen vnd Herman 
seynem sweger an eyne teile vnd her Niclas von der Linde vnd Bar- 
bara Rewsopinne seyne swester am andern teile. Diese sche- 

lunge haben sie gesatczt von beyden teilen czu sechss erbam personen, 
Am ersten teile hem Bertram von Allen, hem Johann Benneberg vnd 
hem Hans Peckow, vom andern teile hem Johan vom Loe, hem Do- 
minick Becker vnd hem Lucas Watczenrode etc. (III. 8. 53.) 

1459. 

Schelunge ist gewest czwischen Jorge Sweidnitezem vnd Hans 
Wintern als von Gompanie vnd rechnunge von her Johan Sweidnitczers 
wegen, dem got gnode. Dieselbe schelunge haben sie von beyden 
teilen mechtiglich aws der hant gegeben vir personen als hem Abun- 
diusWynthem, Jacob Langen von Colmen, Johan Toydenkos, Lucas 
Watczenrode, die haben is also gemacht etc. (III. S. 55.) 

1460. 

Niclas Knorre vnd Barbara Grynweldynne mit crem zone Erasmus 
Gmnwald haben bekant vor gehegt dinge, das sie entscheiden vnd 
bericht sein durch czwene erbare manne als her Dominigk Becker vnd 
Lucas Watczenrode etc. (III. S. 56.) 

1460. 

Wir hemochgeschrebene personen alse mit namen Hans Zebenwirt, 
Mattis von der Ditlow, Hans Ealksteyn, Symon Schaupke vnd Hans 
Rone sint komen vor gehegt ding vnd haben bekant, das sie mitsampt 
irer elichen hawsfrawen vnd erben vnd nachkemelinge rechter vnd 
redlicher schuld schuldig sein dem ersamen Andres Rackendorff bur* 

ger czu Thorun yi<^ mrk preuss. gering geld Also lawt der 

bri£f, den die obgenanten personen obir sich vnd ire elichen hus- 
frawen vnd erben vnd nachkomelinge dem genanten Andris Racken- 
dorff vnd seynen erben vnd nachkomelingen gegeben haben. Dobey 
sint gewest czwene landtscheppen Alse mit namen her Lucas 
Watczenrode vnd Jacob Lange. (III. S. 52.) 

1460. 

Jacob Kangisser vnd Peter Bewtler sint komen vor gehegt ding vnd 
haben her Lucas Watczenrode ledig vnd loss gesaget der 
Vormund seh äfft von irer beyden husfrawen wegen etc. (III. S. 67.) 

1460. 

Vor gehegt ding ist komen her Lucas Watczenrode yn foUir 
macht hem Tilman von Allen, vnd her Joachim Czirenberg von seynes 



442 URKUNDEN ZUR FAMILIEN- GESCHICHTE VON COPPERNICUS. 

eliohen weibis Girburg wegin, vnd her Niclas von der Linde ouch in 

follir macht Girke von der Linden kinder ynd haben bekant, wie 

das sie sich fgeeynt vnd vorgetragen haben mit Beynke Bnbith alze 

von der schichtenteilunge wegen vnd nachgelassene gatter die 

her Habundius Wynter vnd Girburg seyn hwsfrawe nach irem tode 
gelassen hat etc. (lU. S. 80.)* 



* Dass der Tod von Lucas Watzelrode im Jahre 1462 erfolgte, 
ist bereits Bd. I, Thl. 1, S. 60 bemerkt. Ausser den dort hervorgehobenen 
Momenten für die Bestimmung des Todesjahres ist gegenwärtig noch ein 
neuer Beleg in einer Verhandlung des SchOppenbuches d. d. fer. VI post 
Barthol. apost. des Jahres 1463 aufgefunden, in welcher »Eethe Watczel- 
rodynne« bereits als Wittwe erscheint. Die Urkunde lautet: 

»Her Johan Peckow hot besatczunge gethon vndir fr au wen 

Eethen Watczelrodyne vff etczlich gelt alse nemlich Vlll ung. 
gülden vnd V2 marc gering, das sy noch schuldig was frauwen Jotten 
Rew8opp3nie alse von der batstoben wegen hinder unser lyben frawen 
gelegen, dy ir her Lucas Watczelrode, dem got gnade, abe- 
gekoufft hatte; das gelt hat her Joh. Peckow mit rechte dirfordert 
vnd frawe Kethe Watczelrodynne hat is her Johan Peckow ge- 
geben etc.« (III. S. 103.) 



B. Aus den Akten des preussischen Bundes. 

Lucas Watzelrode hatte sich bereits bei der Stiftung des 
preussischen Bundes betheiligt, in welchem die Stadtherren und 
der Landadel im Jahre 1440 gegen den deutschen Orden in Ma- 
rienwerder zusammentraten. Der »Houptbrieff«, welchen die »erbarn 
Manne des Thomischen vnd Birgelawischen gebietes« ihren Abge- 
ordneten zum Marienwerder Bundestage »czu Thorun am nehsten 
Donnerstage noch letare in der fasten« im Jahre 1440 als Voll- 
macht ausstellten, wird im Thomer Archive aufbewahrt; erträgt 
auch den Namen »Lucas Watczelrode van fredow« und sein an- 
gehängtes Siegel. 

Als späterhin die aufständischen Land- und Stadtherren den 
offenen Kampf gegen ihre Landes-Obrigkeit unternahmen, hat 
Lucas Watzelrode sich seinen Mitverbttndeten und dem neuen 
Schutzherm mit ganzem Eifer angeschlossen; er hat sich — so 
rühmen die preussischen Landesräthe von ihm — »mit treue vnd 
vulkumenheit gehalden vnd vffrichtigk beweyset mit seynem 
gemutte, leib vnd gutte«. 

Im Anfange des Krieges ward Lucas Watzelrode zu Ver- 
handlungen mit dem Rathe nach Danzig entsandt. Einer der 
Briefe, welche er ttber die Erfolge seiner Thätigkeit von Danzig 
an den Thomer Rath überschickte, hat sich erhalten.^ Derselbe 



* Der in festen Zügen geschriebene Brief trägt ein grünes Wachssiegel. 
Von dem Wappenbilde sind nur einige Arabesken übrig; dagegen ist die 
Umschrift »Sigilium Lucae Watczenrode« klar ausgeprägt erbalten. 



444 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICUS- 

ist von Bender im 3. Hefte der Mitth. des Copp. V. S. 74 abge- 
druckt; er lautet: 

»Den Ersamen vnd Wolweisen Herren Bürgermeistern vnd 
Rotmannen der Stat Thoren mit Ersamkeit. 

Meinen willigen dinst noch alle meinem vermögen. Er- 
samen liben herren, als ich euch vor gescreben habe So 
wisset, wir haben uns alhie mit denen von Stargart und 
newborg vortragen, also das man aws dem Colmisclien 
Lande von dem houptgeschosse XIIHc gülden czu Grawdenez 
awsrichten sal bynnen XIIH tagen, der gleichen man ouch 
oif der pomerischen Seiten tbun sal. vnd haben gescreben in 
alle gebitte vnd dorffer off dess zeiten, das sie is geben 
sullen, vnd wer sich des weret, dem sal man das seine abe- 
bomen vnd halden als einen fint. Wissit lieben heren, ich 
hatte euch gescrebin, ir suldit den von Colmen und mir ge- 
leite haben geschaffit, das wir heim betten mögen komen; 
do vomeme wir keins von. Ich lege hie off grosse kost, 
vnd das geschefte, 'dorume ir mich awsgesantt habit off dese 
czeit, ist geendit, dovon euch her Stibor und die heren von 
Danczk und andir wol]awsrichtunge gesagit haben. Item 
von alle den dingen, die gelt antreffen, als ir mir gescribin 
habt von den heren von Danczk, do wellen sie sich nicht in 
geben vnd meinen, sie haben genug gethon. 

Item wisset hie geet Rede, das feste von Marienburg vnd 
von dirsaw und andern Steten der finde sein czum Reden vort 
den eren czu hülfe. Item wisset am Sonobende vor Oculi 
weren die Danczker awsgejagit in das werder und kregen 
do bei XL drabanten vnd Reisige bei XXX sleten, die sie 
mit hew und anderen dingen geladen hatten kegen Dirsaw. 
Wisset als ir mir gescreben habit von Raken czerunge czu 
leien, her hot mir keins czu leien, als her spricht. Ich 
hette euch gerne vil vnd gesachen gescrebin, ich konde nicht, 
ich habe krank gelegen vnd bin noch nicht gar stark. 



DER GBOSSVATEB LUCAS WATZELSODE. 445 

Wisset ich wil von hynnen des ersten, das ich kaa, do mete 
bevele ich euch dem almechtigen gote. Datum Danczk am 
montage noch Oculi.* 

Lucas Watsenrode 
der ewir alleczeit. 



Ausser seiner diplomatischen Thätigkeit hat Lucas Watzel- 
rode auch gleich den andern waffengettbten Stadtherren, persön- 
lich Kriegsdienste geleistet. Wir wissen dies durch das Zeugniss, 
welches die preussischen Landesräthe im Jahre 1 489 dem Bischöfe 
Lucas ausstellten, in welchem sie von dem Vater rühmten, dass 
er mit »Leib ynd gutte« für die Sache des Königs eingetreten 
sei »wen er hot S. K. M. gedynet vor dem Lessen vnd 
vor Marienburgk«. (VgL Band I, Thl. I, S. 64.) 



Vomämlich aber hat Lucas Watzelrode, gleich seinen 
begüterten Partei-Genossen, die Sache des preussischen Bundes 
mit seinem Vermögen unterstützt, indem er ausser der zwangs- 
weisen KriegB-Anlage , dem »Schoss«, welchen die Verbündeten 
zu entrichten hatten, theils baares Geld lieh, theils Korn lieferte. 

Einige Belege giebt uns das Bechnungsbuch, welches der 
Thomer Rathmann Conrad Toydenkuss über Einnahme und 
Ausgabe des preussischen Bundes in den Jahren 1450 bis 1465 
gefUhrt hat."^"^ S. 20 werden daselbst die Darlehen aufgeführt, 
welche Lucas Watzelrode den Verbündeten vorgeschossen hatte: 



* Die Jahres-BezeichnuDg fehlt; aus dem Inhalte ergiebt sich jedoch 
deutlich, dass der Brief in den ersten Jahren des 13jährigen Krieges ge- 
schrieben ist, wahrscheinlich 1455. 

** Die auf Lucas Watzelrode bezüglichen Auszüge aus dem Bechnungs- 
buche von Conrad Toydenkuss und dem »Liber copiarum« etc. sind zuerst 
von Bender im 3. Hefte der Mitth, des Copp. V. S. 75—83 veröffentlicht 
worden. Derselbe hat dort auch einige Notizen mitgetheilt, welche von 
allgemeinerem Interesse sind. 



446 URKUNDEN ZUR PAltflLIEN-OBSCHICHTB VON OOPPERNICÜS. 

Item man ist schuldig her lucas waczczelrode 64 leete kom, 
dy sal man am weder geben, kom ader gelt, was her wyl, item das 
kom habe ich verkofft kaczenreder dy last vor 7 marc. Snmma 
398 marc. 

Item noch ist man her lucas waczczelrode von alexander we- 
gen (schuldig) HO gülden. Summa 176 marc. 

Wichtiger noch ist ein anderes Bechnungsbuch, welches 
auf dem Archive zu Thorn aufbewahrt wird, mit der alten 
Aufschrift : 

»Liber copiarum 
de debitis olim contractis in antiquo hello Prutenico.* 

Die in dem »liber copiaruma enthaltenen Verrechnungen 
des Thomer Rathes mit Lucas Watzelrode in Betreff seiner Kriegs- 
Anleihe gewinnen dadurch ein besonderes Interesse, dass letz- 



Die beiden Reisen, welche der preussische Bund in den Jahren 1452 
und 1453 zum Kaiser abordnete, waren mit einem Qesammt- Aufwände von 
nicht weniger als 16 000 Mark verbunden. £s werden u. A. an ,den be- 
kannten Bundes-Oesandten , den Thomer Bürgermeister Tilman von Wege, 
»gesant ken Wyne in 3 oeltonnen, das her tilman empfung dominica oculi 
anno LIII 3997 ungar. gülden vnd lOÖO reinische gülden.« Der Kaiser selbst 
wird geehrt mit einem »silberin vollen vergoldeten kopp... kostet in all 194 
marc 54 Schilling«. 

Der König von Polen erhält »1000 Marc czu zerungen von bevel der 
lande vnd stete off der grossen tagefort czu Graudencz«, ausserdem in Thoro 
selbst ein silbernes Bora »wert 80 marc vnd 1 bran lundisch laken>; die 
Summa der Ausgaben fttr ihn betrag 2904 Mark. Ausserdem werden natür- 
lich viele polnische Grosse , der Kardinal , Kanzler u. a. »geehrt« , ebenso 
die alte und die junge »Konigynne«. 

Die Gesammt-Einnahme bis zum Jahre 1456 wird auf 66835 Mark be- 
rechnet, die Ausgabe ist beträchtlich grösser. 

* Der »liber copiamm« ist ein starker Folio-Band. Er enthält die mit 
den Bauptgläubigem des Bundes abgeschlossenen Schuldverträge, dann die 
Verrechnungen der Gläubiger mit dem Thomer Bathe und endlich eine 
Baupt-Abrechnung. Bei letzterer müssen die Gläubiger meistentheils auf 
bedeutende Theile ihrer Forderungen Verzicht leisten. So heisst es z. B. 
von dem Bathsherrn Marcus König »her Marcus König hat angesehen vnsir 

stat vorterbnis vnd armut vnd hot vnsir stat dirlossen alle des obge- 

schrebene summa geldes bis vff 400 marc«. 

Fttr den Best lassen sich die Gläubiger vom Bathe feste Abschlags- 
zahlungen versprechen, oder bestimmte städtische Einnahmen zur Nutzung 



DER GBOSSVATER LUCAS WATZELBODE. 447 

terer vor der Berichtigang seiner Ansprüche starb und die Ab- 
schlags-Zahlungen alsdann an die stets namentlich aufgeführten 
Erben erfolgen; es fällt dadurch manch ein Streiflicht nament- 
lich auf die Verhältnisse seines Sohnes, des nachmaligen £rm- 
ländischen Bischofs Lucas. 

a. Schuld-Urkunde des Raths zu Thom über die von Konrad 
Toydenkuss registrirten Forderungen des Lucas Watzelrode. 

(Bl. 17t) : 

Lucas Watczinroden. 

Wir Bürgermeister vnd Rothmanne der Stat Thonin Bekennen, das 
wir dorch vnsem burgermeister hem Tilman von wege vnd hem Coi^ 
rad Toydenkuss empfangen haben von vnserem meteburger Incas 
watczenrode LXIIII leste komis off land und stete behaff die Sol- 
dener domete abeezurichten; die selbigen LXIIII leste kornis haben wir 
geloubt von Lafaden und Steten wegen dem vorgenannten lucas w. 
adir seynen erbnamen wolczubeczalen widder mit gutem kome adir 
mit bereitem gelde bynnen eynem Jore vnd das sal steen czu des 
vorgenan. 1. w. adir seiner erbnamen willen. Noch bekennen wir, das 
her uns gelegen hat off landen und stete, do mete wir die Seidener 
abegerichtt haben» C vnd X ungerische gülden. Des czu merer Sicher- 
heit haben wir unser Stat Secrett hiruff lassen drucken. Qegeben 
czu Thorun am Sonnobende noch visitationis marie (2 Juli) im XUI^ 
und LIUI'« jore. Item noch sein wir dem obgenanten hem lucas w. 
schuldig noch 20 marc vor ein geczelt, das unser burgemeister obge- 
nant hem Scharleyszken hat gelegen, euch bynnen eyme jore czubeczalen. 

Nachträglicher Vermerk: der Briff ist tot, her hat einen 
andern a.^ LX? denn hat her den versigilten brieff behalten. 

b. Der vorerwähnte »andere« Brief findet sich Bl. 77^ des 
Über copiarum: 

Hern Lucas Watczinroden verschreibunge 
uff IIcLXIX vng. glden und HXXII mr vnd II scot preusz. 

geringen geldes. 

Wir Burgermeister und Rathmannen der Stat Thorun Bekennen 
mit das em vnserem briefe vor allen die en zeen adir hören lesen, 
das wir von unser Stat wegen schuldig sein dem vorsichtigen manne 



verpfänden, z. B. die städtischen Mtthlen, die Badestuben, die Zeise, den 
Bierkeller u. a. 

Die Rückzahlung der Darlehen war erst nach langer Zeit beende , die 
letzten Kriegsschulden sind im Jahre 1520 bezahlt. 



448 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICUS. 

lucas watczinrode unszenn methebarger dese nochgeschrebene Sammen 
gülden und geldis, die her uns gelegen hat und geborget und wir 
von em czu gutter gnuge empfangen und alles widder yn unser Stat 
und dyss landes notcz und notdorfft czu beczalunge der Soldener, 
abelozunge der Slosser und wo das denne von noten gewest ist, as- 
gewand und aussgegeben haben. 

Czum ersten sein wir em schuldig JI^ ynd LXIX gülden ungrisch, 
iczlichen gülden vor II marc vnd VI Schilling preusch geringen geldis 
czu beczalen, alze wir sie empfangen und wedder awszgegeben 
haben. 

Dorczu sein wir em noch schuldig vor kome, Silber, gelegit gelt 
vnd ander dinge noch dem wir mit em abgerechent haben Iß data 
diss briefes ynd abgekorczet die helffte aller Czinser, die her der 
Stat schuldig und vorsessen was* bes uff Sente Mertin tag Im LIX*«>^ 
jore nehstuorgangen noch ynnehaltdunge unser Stat Toffeln vsd Re- 
gistern und noch e3mtracht des Rathes, so das die bleibende Summe 
der Schulde MXXII marc und II scot ger. geld ane die golden ob- 
gescbreben. 

Dese beide summen glouben wir Burgermeister und Rothmanne 
obgeschreben dem yorgenanten Lucas Watczenroden seinen 
rechten erben und nochkomelingen wol ezu beczalen und czu vor- 
nugen mit alzovil geldis genger ynd geber preuscher montcze yn noch 
folgenden czeiten mit etc. mit solchem bescheide, was der yilgedochte 
Lucas Watczelrode der Stat schuldig wirt werden von Czinzen adir 
woyon daa denne were, das sal an den summen deser obgeschrebenen 
Schulde die helfte abegekorczet werden, und die ander helffte sal her 
bereith beczalen noch eyntracht des Rathes, die weil man em dese 
obgeschrebene schulde nicht yolkomelich beczalt hat und yomuget. 
Das alle dese yorgeschrebene stucke und artikele von uns und unssem 
nachkommelingen stete und feste sullen gehalden werden Glouben 
wir Burgermeister ynd Rathmanne der Stat Thorun offtgeschreben 
ane alle argelist ynd in crafft deses brieffs. Des czu merer Sicherheit 
haben wir ynser secret hiran lassen hangen. Gescheen ynd gegeben 
uff unsserm Rathhwze am freitage nehst noch purificationis Marie 
Noch Crists gebort Im yierczehenhundertsten und sechczigsten Jore. ** 



* Lucas Watzelrode hatte yon einzelnen städtischen und ländlichen 
Grundstücken an die Stadtkasse Zins zu zahlen. Davon musste die Hälfte 
baar entrichtet werden ; nur die zweite Hälfte wurde auf die Gegenforderung 
verrechnet. Bender a. a. 0. S. 35. 

** Für die kaufmännische Sinnesart des Grossvaters von Coppemicus ist 
bezeichnend ein dem »über copiarum« eingehefteter Brief vom 27. Januar 
1460. Lucas Watzelrode hatte sein der Stadt im Jahre 1454 geliehenes Ge- 
treide nicht, wie es vertragsmässig bestimmt gewesen war, im folgenden 
Jahre zurückerhalten. Erst im Jahre 1460 wollte sich der Rath seiner Ver- 



DER GROSSVATEB LUCAS WATZELBODE. 449 

3. Demnächst folgen anf Bl. 80 spätere Verrechnungen und 

Abzahlungen : 

Abgerechnet mit hem Lucas Watczenroden von allen czinsem die 
her der Stat schuldig was besz uff martini nehstvergangen versessen, 
und von allen andern Schulden die her der Stat was bes uff deze 
czeit, und ouch was em dy Stat widder schuldig was , alle ding dar 
und siecht kegen enander abgeslagen, So das dy Summa bleybend 
was GLXIII marc XVII scot. Do von ist die helffte, alze LXXXI m> 
XXI scot gering uff deze obgeschreben scliulde abgeslagen and dy 
ander helffte ouch alsovil sal her lucas bereit beczalen noch lawte 



pflichtong entledigen. Watzelrode aber weigerte sich, nun das Korn in na- 
tura ohne Zuzahlnng der Preis-Differenz anzunehmen ; er drohte mit der Be- 
rufung an den höchsten deutschen Gerichtshof in Magdeburg. Die Parteien 
einigten sich schliesslich, wie die im Texte abgedruckte »Verschreibung« 
lehrt, in gütlicher Weise. 

Der Brief Watzelrode's lautet : 

Ersamen liben herren, ich habe euch meyn Korn williglich gelegen 
und habe nicht dovon gesucht meynen eygen notcz; und als denne 
enwer briff ynnehelt, das ir mir meyn kom widder geben sullt bynnen 
eyme jore adir geld dovor, das sulde steen czu meinem willen, und 
des keins noch gescheen ist ; So dunckt mich das noch meinem guten 
gewissen, als ich euch Kom gelegen habe und nicht geld und etwas 
czweifels doran were an der vorbindunge, mir kom adir geld czu- 
geben, als ir euch vorbunden hat; so seyt ir mir noch yo schuld kom 
widder czugeben, und dorczu das obrige geld, das von czufelligen 
dingen und von gottes vorhengniss gescheen ist, als is geguldin hat 
off dy czeit das ir mich beczalen sullt, das macht uff dy last XIIII 
marc, und ab ich doran feite, als ir dirkennen moget, — das den 
lewten umb geldes und gutten willen der .sin vorkart 
wirti und dy gewissen gerne wellen off dy czeyte, do dy 
tassche henget, — und mich ouch irte has und unwille, 
der den lewten den sinvorkert, dassiedyworheit ader dy 
gerechtikeit nicht dirkennen mögen und ouch dy ungedold, 
dy do allewege dy Rechnunge sucht, uff das ich in sulchen dingen 
nicht vormerkt adir dirkant werde eygenwillig czusein; So dirbyte 
ich mich mit euwerm willen dy sache durch eyne froge, czu 
komen an dy von Meydeburg, czu dirkeni^en und czu undir- 
weisen; was uns dy undirweisen nnd sprechen vor ein Recht, do sal 
mir an genügen. 

Vermerk: Her Lucas watczinroden hat sulche schrifft seiner wei- 
sunge heruff geandwert. dominica priusquam purificationis 
marie anno LX. 

u. 29 



450 URKUNDEN ZUR FAMlLIBN-GEßCHICHTE VON COPPERNICÜS. 

dys obgeschreben briefes. actum fer. iiij*^ ante festnm kathedre 
petri anno sc. LXII, dobey gewest sint herren Mathes Teschner Barge- 
meister, her Conrad Toydenkos und Johann Scherer Oamerer etc. 

Item noch VIII m. gering ist her Lucas Watczenrode schuldig in 
dy Czeize, davon sint em IUI m. abgekorczt uff seine Schulden und 
IUI m. sal her euch bereit beczalen czu der obgeschrebenen summen. 
Actum die et anno ut supra. 

Item noch ist her Lucas Watczenrode schuldig III m. XXI scot 
Czins off ostem anno etc. LXII^ , do von dy helffte alze 1 m. 22V3 
scot abgeslagen an der schuld, und dy ander helffte ouch alsovil hat 
her bereyt beczalt noch lawte des briefes. So das |doroff itczund 
abgekorczt ist und beczalet Summa LXXXYII marc und XlX^'i scot 
gering, alle ding dar gerechent. 

Item abir abgekorczt an der obgeschreben schold 12 m. 9 soot 2 
den. gering von czinsen und andern schulden gerechent bes uff ostem 
anno etc. 63<>. 

Item abgerechent mit fraw katherina watczinrodynne anno 
etc. 6So in adventu von allen czinsem vorsessen bess uff martini im 
selben jore inclusive. So daz sie schuldig bieben ist 81 m, dy sulde 
sy die helffte mit bereytem gelde beczalen. die ander helffte sulde 
man anschreiben uff Ire schulde noch lawte des briefes, sunder sy 
hatte gar ynne behalden und nichten beczalt. 

Czu wissen : Der Rath und die eldesten heren haben sich vortragen 
mit meister luca watczenroden, zo das man em uff sein teil 
der schuld obgeschreben des Jar uszrichten und geben sal 25 unge- 
rische gülden , die helffte czu halben jaren , alze nemlich dy erste 
gulde uff Ostern nehstczukomenden 121/2 gülden und domoch uff mar- 
tini Im etc. 72t«n jore ouch 12V2 gülden und also vordan alle halbe 
jore czu 1272 gülden, die weile her im studio sein wirt, und 
solch gelt und gülden sal man antworten hem Tylman von allen 
uff alle Termine und tage czu halben joren, alze hie oben ist ge- 
schreben. Actum im vollen Rathe fer. secunda postquam omnium 
sanctorum anno Domini etc. II^t^o. 

Hiruff beczalt 20 m. gering und gegeben seynermutter, frawen 
katharinen watczerodinne per dominum Camerarium Johannem 
de ponte Sabbato ante Valentini anno etc. LXX secundo. 

Item 20 m. gegeben seyner muter, frawen katherinen watczero- 
dynne, dy em uff ostem vorgangen geborten, feria secunda vigilia 
Scti Bartholomei anno etc. 73 per dominum Marcum Konig LXX 
tertio. 

Item 10 m. frowen katherinen seyner mnter gesand durch Heinrich 
Witten sabbato postquam XI^ virginum anno eodem. 

Item 10 m frowen katherinen seyner mnter gegeben per dominum 
proconsulem Sabbato post Martini anno eodem. 



DEB 0BOSSVATEB LUCAS WATZELBODE. 451 

Item 10 m. der frowen sejner mater per dominum Marcum konig 
f. U yigilia Scti Andreae anno 73o. 

Item 100 m. hat her Tilman von Allen uff seyn anteil der 
schulde empfangen uff penthecosten ao etc. 10^<>. 

Item abgerechent mit frawen katherinen watczero- 
dinne anno etc. 73 im advent von allen czinsen vorsesBon bis uff 
martini im seibin iore miteyngeslossen. So das man ir abgekorczt 
hat an denselben schulden 81 m. 1 firdung gering, geldis ; actum sa- 
bato ptqu. Conception. Marie anno etc« 74o praesentibus domino pro- 
consule Tilmanno de Allen Gonsorteque ipsius domina Oristina et 
ipsa domina katherina watczerodinne. 

Item 10 m. doctori lucas gegeben uff dy schult noch eyntracht 
des rathis feria tertia post martini a? etc 74t<>. 

Item 20 m. doctori lucas gegeben uff dy schult feria quinta post festum 
sancti Thome apostoli anno eodem. 

Item 14 m. dem doctori luce uff dy schult gegeben feria sexta 
ante dominicam reminiscere anno 75tp. 

Item 10 m. dem hern doctori luce uff dy schult gegeben Sabto 
ante dominicam Jubilate anno 75o, 

Item 11 firdung an eynem fasse danczker hier kem Colmen uff 
seyner tachter Insegnunge Sabato Egidii. 

Item 4 marc 8 scot an 4 tonnen brombergsch bier eodem die; . 
item 8 scot an 4 ledigen tonnen aussem keller genomen praemisso die. 

Item 10 m. dem hern doctori gegeben per dominum marcum konig 
die praemisso. 

Item 10 m. hat her Tyleman Burgermeister gegeben hern doctori 
luce f. n ante purificat. Marie 75^. 

Item 30 m. hat her Tyleman von Allen burgerineister Innebehalden 
uff seyne Schulde, dy em der Bath hat czugesaget feria secunda 
praemissa, do her sich der swecze underwandt. * 

Item 10 m. hat her marcus konig domino doctori gegeben ex cel- 
lario anno 75^«. 

Item 1 m. hern Tyleman von Allen per dominum Marcum Konig 
mit ledige tonnen vomuget f. II postquam Reminiscere 76. 

Item abgerechent mit hern Tyleman von Allen burgermeister 
anno 77» f. y ante Thome Apostoli von allen czinsem versessen 4 jore 
bess uff Martini, imselbin Jore mite eyngeslossen ; So das man ab- 
gekorczt hat 72 m. 8 scot geringes praesentibus dominis doctore 
luca, Johan peckaw, Nicias Koppernigk et Johanne 
Seh er er. Actum die ut supra. 



* Die Burg Schwetz an der Weichsel war 1460 durch den lliomer 
Bürgermeister Johann von Loe', welcher selbst dabei fiel, erstürmt worden, 
und blieb zwei Menschenalter hindurch im Besitze der Stadt; 1520 tauschte 
sie König Sigismund gegen die Burg Birglan ein. 

29* 



452 URKUNDEN tVU FAMILIEN-GEBCHICHTE YQN COPPEBNICUS. 

Item der Ersame ratb ist schuldig bieben nnd gewessen herr Incas 
watczenroden seliger 1450 mai^k geringer prewsscher mnntze noch 
lante des hawptbriefes, den her Tilman von Allen Bürgermeister dem 
Rathe bot obirantwort. An welcher Summe bey her Lucas Watczel- 
rode und frauwen katberinan seyner elichen hawsfrauwen leben und 
ouch noch irer beider tode biss uff diesse czeit abgerechent yon allen 
versessen mocker czinsen und was sie dem Rathe sunst schuldig ge- 
wesen sein 413V2 m. firdung abgekortczt. So das die Summe bleibende 
ist lOSeVaO) m. gering; In welchen 1036V2 m. Her Tilman von 
allen, Doctor Lucas Wate zelr od e und her Niclas Co£p*nick 
noch eintracht und vortragunge mit her Job an peckaw gemacht, 
dem die tode haut seyn Muterlich anteil In der obgeschreben Summe 
bot erlanget, Vor ir veterlich anteyl 574 m behalden. Die selbigen 
574 haben sie under sich also geteilet, das her Tilman sali haben 
187V2 m. Doctor Lucas 175 m. Niclas Co^nick 211 V2 marc. 

Item Von muterlichem anteil So beheldet her Tilman von Allen 
1121/2 m- Doctor lucas II2V2 m. Johan Peckaw II2V2 m. Nic- 
las Co£pnick II2V2 marc. 

Was Iczlicher personen bey perciin(?) In alle die Summe obgeschre- 
ben und uff ir anteyl beczalt ist, findet man In dem schultbuche. 



Anhang. 

lieber die Gattin von Lucas Watzelrode sind im ersten 
Bande [Tbl. I, S. 68 ff.] die urkundlichen Nachrichten zusammen- 
gestellt, welche wir noch besitzen. Weiteres ist seitdem nicht 
aufgefunden. 

Die Eltern von Katharina Watzelrode sind uns zur Zeit 
unbekannt; unzweifelhaft aber gehört die Grossmutter von Cop- 
pemicus einem Thomer, deutschen Geschlechte an. Die Angabe 
eines Anonymus, welcher die Gattin von Lucas Watzelrode als 
»Catharina Rüdigerin gente Modlibog« bezeichnet (vgl. Band I, 1, 
S. 68) wird durch keine urkundlichen Belege unterstützt. Die 
vermeintliche Abstammung derselben aus dem Gesehlechte der 
Modlibog ist von den polnischen Schriftstellern auch nur aus 



ANHANG. 453 

national-politischen Gründen bisher festgehalten und Übereifrig 
yertheidigt worden. Erst in neuester Zeit hat einer der Polonisten, 
die Unhaltbarkeit jener Angabe anerkennend, sie gänzlich fallen 
lassen nnd in patriotischem Interesse eine andere wunderliche 
Anfstellnng zn begründen gesneht. 

Dr. K^trzynski, in seinem mehrfach erwähnten Aufsätze 
(Altpreuss. Monatsschrift 1880 S. 343—352) behauptet nämlich, 
dass Katharina Watzelrode gar nicht die Mutter, sondern die 
Stiefmutter des Bischofs Lucas Watzelrode und seiner Schwestern 
Barbara Eoppemigk und Christina von Allen gewesen sei, und 
dass die letzteren ihr durch ihren Ehemann Lucas Watzelrode 
aus einer ersten Ehe mit einer Polin zugeführt worden wären. 
E^tTzynski folgert dies aus dem ganz missverstandenen Eingange 
des Erb-Recesses von 1464, wonach »Frau Eethe Watzelrodyne 

bot schichtenteUunge geton von ires elichen mannes her 

lucas watzelrode nochgelassen gutter seynen Ein- 

dem kyrstynen vnd barbam vnd Lucas«. (Vgl. Bd. I, Thl. 1, 
S. 66.) 

Bei seiner irrigen Interpretation der yorstehenden Worte hat 
E^trzynski gänzlich übersehen, dass die dem Lucas Watzelrode 
von seiner Oattin aus ihrer ersten Ehe mit Heinrich Peckaw zu- 
gebrachten Einder bei der Erb-Theilung nach ihres Stiefvaters 
Tode selbstverständlich unberücksichtigt bleiben mussten, und 
dass der Ausdruck »seynen Eindem« im Gegensatze zu den 
Eindem von Heinrich Peckaw gebraucht ist. 

Nach der ungerechtfertigten Degradation der Eatharina 
Watzelrode zur Stiefmutter der Barbara Eoppemigk hätte E^ 
trzynski die Pflicht gehabt, wenigstens eine Andeutung über die 
echte Grossmutter von Coppemicus zu machen. Er erklärt je- 
doch offen, dass er dies zu thun nicht im Stande sei; er giebt 
sich lediglich' der Hoffnung hin, es würde den polnischen Ge- 
lehrten gelingen, aus den reichen Akten des Landgerichts 
zu Eonin, oder aus den dortigen Grod-Büchem den erwünschten 



454 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICUS. 

Aufschlnss zn geben. Diese Hofliiniig ist jedoch nicht in Er- 
füllung gegangen, trotzdem seit der Veröffentlichung seines Aufsatzes 
schon vier Jahre vergangen sind. Dagegen hat die Dnrchforsehaiig 
der Thomer Archivalien die — kaum erforderlichen — weiteren 
Beweise dafür geliefert, dass der Bischof Lucas Watzelrode nnd 
seine Schwestern Barbara (die Mutter von Coppemicus) und Chri- 
fltina (die Gattin des Tilmann von Allen) die rechten Kinder der 
Katharina (verwittweten Peckaw) aus ihrer zweiten Ehe mit Lucas 
Watzelrode gewesen sind. 



IL NiklaB Koppernigk. 

KachsteheDd werden zunächst die Dokumente mitgetheilt, 
welche ttber Niklas Koppernigk in dem Schöppenbuche der 
Altstadt Thom enthalten sind. Das wichtigste derselben ist der 
bereits im ersten Bande (Thl. I, S. 66, 67] mitgetheilte Erbrecess 
vom Jahre 1464. Der auf den Vater von Coppemicus bezügliche 
Abschnitt wird hier wiederholt: 

»Item dyss noch geschreben hat NicloB koppernick empfangen 
zum ersten das hawss yn sente Annagassen do her ynne wonet vnd 
dy Ecke do Walther ynne wonet* mit czwey baden vnd XVIII mr. 
czins vor der Stat vnd yn der Mocker vnd den weyngarten yn dem 
Clostirchen** vnd drey morgen wesen yn der Rore wese vnd XIX 
mr. czins czu Gonradswalde vff IX hüben vnd I firtel vnd an Silber 
und an golde vnd an varender habe das em genüget vnd lassen fraw 
kethen schichtenteil qweit vnd ledig*. 



* Das Haus, welches in dem Erbrecesse von 1464 als »dy Ecke do 
Walther ynne wonet« bezeichnet wird, ist nicht etwa das durch die Tradi- 
tion als Geburtshaus von Coppernicus bezeichnete Eckhaus. Nach dem 
Spanndienst-Register vom Jahre 1449 lag jenes Gebäude vielmehr an der 
entgegengesetzten Ecke der St. Annenstrasse ; im Register wird es in der 
Butter- (damaligen Hüner-) Strasse aufgeführt. (Die Eckhäuser wurden in 
jener Zeit bald zu der einen, bald zu der andern Strasse gerechnet.) 

** Als Besitzer des Gartens »yn dem Closterchin der Niclass Kop- 
pernick höret vnnd etzwan her Lucas Watzelrode gehört hat« wird der 
Vater von Coppernicus erwähnt in einer Einzeichnung des Altstädtischen 
Schoppenbuches vom Jahre 146S. 



456 UBKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE YOK COPPEBNICCS. 

Ausser den in der vorstehenden Verhandlung aufgeftlhrten 
Grundstücken hat Niklas Koppemigk noch ein drittes Haus in 
der Annenstrasse besessen. Wir ersehen dies aus einer Ver- 
handlung des Jahres 1474, laut welcher 

»Voytke der oisleger vorkoufft bot Stephan Olsleger seynem elichen 

Zone eyn haws off Sente annengasse czwischen her Nlklaa 

Koppemigk' B ynd der wittwe haws gelegen.« 

Eine Gerichts-Verhandlung^aus dem Jahre 1480 betrifft den 
Verkauf eines der Häuser in der St. Annengasse: 

Her Niclas koppemigk ist komen vor gehegt ding vnnd hot 
bekant das her polnische greger demKorssner vorkoufft hot ejn 
hawss vff Sente Annengassen czwischen Grawdenz des Botteners 
hausse vnd Stepfan olslegers hansse gelegen, dasselbige haws hot 
polnische greger hem Niclas koppemig beczalt vnd vomuget biss vff 
LX mrg geringe, dovon die ^beczalunge sal seyn vff Michaelis nest- 
kommede acht ader drey wochen domach vngeferlich vnnd der be- 
czalunge eyme frey qneit vnnd ledig czasagen denne vor gehegtem 
dinge domit ist das hawss polnische greger derreicht vnnd derlanget 
czubesitzen mit snlchem Rechte alsse es gehalden ist vnnd besessen, 
(in. S. 12.) 

Die Zahlung leistete »Qreger« binnen Jahresfirist, wie ein 
dem vorstehenden Dokumente später beigefügter Zusatz beweist: 

Vor gehegt ding ist komen her Niclas Koppemig vnnd hot 
bekant, das em der genante polnische greger die obgesagten LX nuug 
geringe- beczalt hot czu voller genüge vnd hot en derhalben frey, 
queit vnd los gesaget czu ewigen tagen dorumb nymer anczulangen. 
Actum feria VI post dionysii Im etc. LXX primo. 

Zu den Häusern in der St. Annengasse hatte der Vater von 

Goppernicus sich bereits in früherer Zeit, im Jahre 1468, ein Haus 

an der Ostseite des Marktes erworben. Dies wird belegt durch 

eine Verhandlung des Altstadt. Sehöppenbuohes vom Jahre 1468 

»feria VI post visitationem Mariaea: 

Vor gehegt ding ist komen Jacob Michaelis vnd hot bekant das 
her verkoufft hot hem Niclass Kopp er nick eyn halb Erbe ge- 
legen am Binge erst bey Winters zelig. Der beczalnnge seyn sy 
wol eyns ; vort so hat lorencz Scholz vff demselben halben Erbe hun- 
dert marg geringen geldis. dieselbe C marg sal her Niclas Eoppenik 
Lorenz Scholczen beczalen vff mitfast nestikomende etc. 



NIKLAS KOPPESNI0K. 457 

Laut den Bestimmungen des Torstehenden Kaufvertrags 

sollte Niklas Eoppemigk die auf dem Grundstücke für Lorenz 

Scholz eingetragenen 100 Mark binnen Jahresfrist bezahlen. 

Die Bescheinigung über die geleistete Zahlung findet sich zum 

Jahre 1469: ^ 

»Vor gehegt ding ist komen Lorencz Scholcz ynd hot bekant das 
her entpfangen hot von Hern Niclas copernik wegen hundert 
marg dy her em schuldig ist gewezenn czu vollir genüge domit let 
her en ledig vnd los. Actum feria VI in yigilia annunciationis 
marie«. 

Ausser dem im Jahre 1468 erworbenen »halben Erbe« hat 

der Vater von Coppemicus noch mindestens ein Grundstück am 

Hinge besessen. Es erhellt dies aus einer Verhandlung vom 

Jahre 1489, in welcher bekundet wird, dass 

»Gorge Jordann vorkouft hot Ludewjg Grubenn seyn hawss mit. 
sampt dem Mnderhowsse vnde buden czunest seyner durchfart in der 
Sohildergassen, welches hawss am Ringe czwischen herren Johann 
Scherer vnnde Eoppernigks hewsser am Binge gelegen 
ist«, (in. S. 92.) 

Wann und wie Niklas Eoppemigk in den Besitz dieser 
ferneren «Hewsser am Ringe« gekommen ist, geht aus den 
Grundbuch-Akten des Schöppenbuches nicht hervor. 



Den bei weitem häufigsten Anlass zur Erwähnung des Niklas 
Eoppemigk in den Gerichtsbttchem geben seine ausgebreiteten 
Geschäfts-Beziehungen. 

In einer Seihe von Verhandlungen erscheint der Vater von 
Coppemicus vor Gericht in Vertretung eigener Interessen oder 
als Bürge und Vertrauens-Mann auswärtiger Geschäftsfreunde; 
mitunter fungirt er auch als Sachverständiger in Streitfällen. 

Zum Jahre 1470 bewahrt das SchOppenbuch eine Verhand- 
lung, in welcher »Niklas Eoppernig« als geschwomer Sach- 
verständiger in einem Processe wegen mangelhafter Lieferung von 
Oel mitwirkt: 



458 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICÜS. 

»Am tage Borkordi ist bezehen mit gerichte vnd mit den geswo- 
reuen mekeler czu her heinrich Kruger vnder dezem gemercke XITTI 

tonnen oles etc Die herren, die ess bezehen haben: her Johann 

Peckaw Scholcz, her heinrich vom Felde, her caspar grotzener vnnd 
Niclas Eoppernig etc.« (II. S. 272.) 

Zum Jahre 1476 ist eine Verhandlung # eingetragen , in 
welcher 

»Hans Holczhwsen von danczke bekent, das her hans Kreier 

vorkoufft hot vor fastnacht nestuorgangene seyne anteile an der 
schuld, die Nickel Scholcze von Wyrbitcz statschreyber dyner csu 
Crokaw an beyden schuldig ist gewezen vnd noch schuldig ist in der 
geselschaft an den Uli fassen Kopperwasser, die N. Scholcze czu her 
N. Koppernigk burger czu Thorun Ingeleget hot, die dem haos 
Holczhwsen durch den genanten Niclas Scholcze vor dem Ersamen 
Bathe der Stadt Breslaw vffgetragen vnd obirgeben sint«. (II. S. 326.) 

In einer Verhandlung des Jahres 1478 wird Niklas Kopper- 
nigk von »Peter von Crokaw« als Bevollmächtigter eingesetzt in 
dessen Processe gegen »eynen furmann Andris Spot genant von Jan- 
gele^law«, welchen er beschuldigte 

»das her em seyn gut vorfurt hot so sal Her Niclas Kop- 

pernig eyn mechtiger peters von Crokaw eynen forder tag 
vffnehmen mit Andres spot obgenanten vnd peter von Crokaw hat 
volmechtig gemacht her Niklas Koppernig bey den Sachen czu- 
thun vnd czu lassen volkomeliche gleichen her selber thun vnd lassen 
mochte, so her kegen wertig wem«. 

Im Jahre 1480 wird Niklas Koppernigk von zwei Geschäfts- 
freunden in Polen, welche eine Streitsache wider »Lorenz Pat- 
czorekft (gleichfalls aus Polen) vor dem Thomer Gerichte an- 
hängig gemacht hatten, als Bürge für die entstehenden Kosten 
eingesetzt : 

» Peter Woijczigk vnd Sampson in der macht se3nier elidieo 

mutter haben dingstellig gemacht Lorencz Patczorek vnd haben sich 
verborget die sache bisz czum nyrne denn an desem gerichte czufoi^ 
dem vnd awsczusteen vnd ire bürge sint die ersamen hero Niclas 
Koppernigk vnd Johann Lysemann«. (III. S. 11.) 

Eine [ähnliche Bürgschaft übernimmt Niklas Koppernigk in 
demselben Jahre für Balthasar Bottener aus Erakau: 



NIELAS KOPPERNIGK. 459 

Hans Kreier bot zcugerichte geladenn Balthasar Bottener von 
Krokaw vimd bot en bescbuldiget umb etlicb ungelt, So bat sieb Bal- 
tezar Bottener mit der sacben beruffen ken Crocaw bans Kreier ge- 
recht cza werden ynnd baben sieb von beyden teilen voranemost vnd 
yorbobrt czu gesteen czu Crokow yff fastnacbt nestkomende bey vor- 
lost der sacben, vnnd der beruff ist en von beyden teylen geteylet, 
vnd ber Niclas Koppernigk ist albie zcu Tborun bürge worden 
vor balczar Bottener der sacben balben. (in. S. 12.) * 



In Vertretnng eigener Interessen wird Kiklas Koppernigk 
zum ersten Male in dem Altstädtischen Schöppenbuche in einer 
Einzeichnung ans dem Jahre 1461 aufgeftlhrt. Sie betrifft ein 
einfaches Schnld-Anerkeimtniss des Rathmanns Johann Toyden- 
knss: 

leb Joban toydenkus Bekenne mit meynen recbten erben, das icb 
recbter und redlicber scbuld scbuldig bin Niclas koppernig vnd 
seynen recbten erben XL vngriscbe gülden die icb czufoUir 
gnUge von seynen wegen voll babe empfangen, die gloube icb em 
vnd seynen erben wol czubeczalen niv nebstzukomende vff ostem X 
gülden vnd domocb obir eyn ior vff ostem XII vngriscbe gülden vnd 
obir domocb obir das ior vff Ostem XII vngriscbe gülden vnd abir 
domocb vff Micbaelis vff die letzste gulde VI gülden vngriscb alzo dass 
die XL vngriscbe gülden beczalt vnd vomuget werden vnd das 
gloube icb stete vnd feste czubalden bey alle meynen guttern farende 
adir vnfarende wo die seyn gleich eyme frey dirfolgten pfände vnd 
das czewgen Richter vnd Scbeppen mit gebegtem Dinge. Act. f. VI. 
post festum Conceptionis marie. 

Eine Gerichts- Verhandlaug aus dem Jahre 1466 bezieht sich 
gleichfalls auf eine Schnld-Fordemng des Niclas Koppernigk : 

Tidemann czirenberg ist komen vor gebegt ding vnd bot bekant 
dy Summa geldis dy ein der Ersame Ratb zcu Danczke scbuldig ist das 



* Aus den beiden letzten Lebens-Jabren von Niklas Koppernigk entbält 
das ScbOppenbuob keine Einzeichnung, in welcber sein Name erwäbnt wird. 
Dass sein Tod im Laufe des Jabres 1483 erfolgte, ist bereits Band I, Tbl. 1, 
S. 53 mitgetbeilt. Mit Sicberbeit kann durcb eine Yerbandlung aus dem 
Jabre 1485 belegt werden, dass der Vater von Coppemicus scbon vor diesem 
Jabre gestorben war. Es wird in dem bez. Jabre »fer. VI post assumpt. 
marie« ein Haus verkauft »vff der Scbildergasse czwiscben Scbönfaltens 
durobfart vnde ber Niclas Koppernigk's, dem got genode, nacb- 
gelassenen kindern buden gelegen«. (III. S. 58.) 



460 URKUNDEN ZUB FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICUS. 

denen an en gestorben ist von Bernd czirenberg dem got gnade, von 
demselben gelde geboret Niclas koppernig czu XL mr. 
geringes geldes. (Actum am nehsten Mittwoch vor der heiligen XI™ 
Ritter tag.) 

Zwei in dem Gerichtsbnche enthaltene Dokumente aus dem 

Jahre 1467 betreffen eine Process-Angelegenheit des Niklas Kop- 

pemigk gegen einen Danziger Kaufmann Hans Bemmer. Das 

erste ist die Kopie eines Schreibens des Danziger Bathes an den 

Bath zu Thom. Dasselbe lautet: 

Ynsem frundlichen grus mit vermögen alles gntten stets suvor 
Ersame vorsichtige vnnd Wolweyse bisunder gutte frunde alse 
ir vnns schreybbt wy Niclas koppernigk ewir metebar- 
ger besatzunge getan hot in etzliche nochgelassenen gattem bey 
em selbst steende hanns Bemmers seligen zubehorende, welchir gatter 
wir vnns Salden haben vndirwnnden gebrichens halben seyner elichen 
erbnamen, begemde ab wir ymands von vnns gemechtiget zu euch 
senden wolden, nach dem wir vnns desselben hanns Bemmers seliges 
nochgelassenen guttem suUen haben vndirwnnden dy zu vortreten 
vnnd zuuorand Worten adyr dy vor XL mr. weiden obirgeben etc. 
woruff tun wir Evir Ersamen weysheit zuwissen das dy sache nicht 
vnns sunder peter windsteyn vnsem burger ist antretende. Jedoch 
vermeinet derselbe Niclos koppernickvff vnns etczwis haben zu 
Sachen, wil her seibist her komen adir ymands gemechtiget von seyner 
wegen zu vnns deshalben senden, wir wolln em andworten vnnd allis 
rechtes pflegen noch awsweysunge desir landlouffigen rechten. Qeben 
zu danczk am abende Trinitatis Im etc. LXYII. Jore. 

Ratmanne 
Danczk. 

Den Ersamen vorsichtigen vnnd wolweysen Herren Bürgermeister 
vnnd Ratmannen der Stadt Thornn vnsem bisundem gntten 
f runden. 

Das zweite Dokument ist aus demselben Jahre, aber einige 
Monate später. Es ist: 

Das orteil von der stat Danczk vnd niclas cöpp ernick. 

Sint der Zeit das meyn hoptmann besatzunge gethan hat vnd sich 
seihest vff XL marg uff den Roth zcu danczke off hans bemmers 
naohgelossene gutter dem got genode dy sich niw der Roth scu 
danczke vnderwunden hot Alze Erbnamen zeugezogen haben vnnd 
meyn hoptman dy gutter derfolget hot mit allem rechte von dinge 
zcu dinge vnnd och meyn hoptman den Roth von danczke dor zcu 
vorbot hat Ab sy dy gutter weiden vorandworten addir vortreten, 



NIKLAS KOPPERNIGK. 461 

hyniff der Roth von danczke eyn wederbot geschrebin bot, dos sie 
dy Sache nicht ist antretende, zunderlpetir weynsteyn, mit dem si 
sich dorvmb vortragen vnnde geeynet haben, So steth hir meyn hobt- 
man vnnd bewth och se3m stark recht dorzcu wy ym das geteylet 
Wirt von der banck, das meyn hobtman besatzunge gethon hat vnnd 
dy derfolget mit allem rechte von der zceyt, Ee wen das petir weyn- 
steyn dy gutter zcu sich gekoufft hot von dem Rothe zcu danczke, 
Ouch stunde hyr petir weynsteyn vorgehegtem dinge vnnd her och 
gefroget wart durch den richter, ab her och dy gutter wolde vorend- 
worten adder vortreten, do sprach petir weynsteyn, das her hier 
dorumb nicht wer her komen das her tedingen wolde, sunder her 
fordert dy gutter siecht, ab man sy ym wolde lossen folgen vnnd 
sprach dy gutter weren seyn, Ersame liben hern, alze her spricht, 
das dy gutter seyn weren, So sprechen wyr liben hern wyr hoffen 
das wir dy gutter besatzet haben, ee wen das petir weynsteyn dy 
gutter von dem Bothe zcu danczke gekouft hot, vnde sie der Roth 
von danczke von meynem hoptmann nye gefreyet hat alze recht ist, 
Do sprach och petir weynsteyn liben hern froget yn, ab her mir dy 
gutter will lossen folgen, do sprach meyn hoptmann, do sal her vnns 
nisnicht abefrogen, zunder meyn hoptman der hot yn her lassen vor- 
botten, Ab her wil dy gutter vorandworten adder vortreten, adder 
mit vnns rechten wil, do sprach her das her nicht dorumb were her- 
komen das her mit vnns rechten wollte , Ersame liben hern synt der 
Zceyt, das das widerbot ist komen von dem Rothe von danczke vnnd 
sy dy gutter nicht wellen vorendworten vnnd vortreten vnnd och 
petir weynsteyn hier gestanden hot vor gehegtem dinge vnd her ouch 
nicht wil dy gutter vorendworten vnnd vortreten, zo sal sich meyn 
hoptmann der guttir vnderwinden vnnd sich do von bezalen seyn vn- 
vorgolden schult, off das orteyl teylte der scheppe das sich koppernig 
der gutter magk vndirwinden vnd dy vorkouffen sich dorfon beczalen 
seyn vnuorgulden schult. Actum f. VI post anne. 

Ein auf dieselbe Angelegenheit bezügliches Schreiben des 
Thomer an den Danziger Bath findet sich in dem städtischen 
Archive zu Danzig (Schbl. XXXVIII Nr. 1199). Dasselbe lautet: 

Vnsem frundlichen grus vnnd was wir guttis vermögen stetis 
czuvor Erssame wolweyse lybenn herm bisunders gutten frunde Vnsers 
Ratis Sendboten am nehstenn vffer Tagefart zcum Eibinge gewezen 
habenn vns vnder andern inbrocht vnnd alsse ewer Ersamheit vnns 
hot geschribenn betende alse von Peter wyndstein ewirs burgers an 
den die gutter vnnd schulde nach von zeligen hans bemmers sint ge- 
komen vnd gefallen welche Niclos koppernik vnser burger 
mit etlichem machtbrieffe gemanet hot etc. wir ewer weysheit eyn 
transsumpt ader abeschrifft senden sulden. Ersame lybenn herren 
vmb ewer beger senden wir desselbenn brieffs eyne abeschrifft hirynne 



462 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICÜS. 

YorBloBsen was wir euch zuwolgefallen ynnd frundschafft sullen erzey- 
genn thun wir mit willen gerne. Grebenn zcu Thorun Am freytage vor 
Inuocauit Im etc. LXXIII. Jor. 

Rathmanne 
zu Thorun. 



Eine Reihe von Dokumenten endlich bezieht sich auf die 
Konkurs-Angelegenheit des Thomer Kaoftnanns Berthold Becker. 
Die Gläubiger desselben — wenigstens die einheimischen und 
ein Theil der auswärtigen — erschienen 1477 (»feria VI. ante 
Lucie«) vor Gericht und legten Beschlag auf dessen bewegliche 
und unbewegliche Güter. Der erste unter ihnen ist Niclas Kop- 
pemigk; die ihn betreffende Verhandlung theile ich voll- 
ständig mit: 

her Niklas Koppe rnigk iBt komen vor gehegt ding vnnd hot 
besatczunge getan vff Bertolds becker all seyne gutter 
nemlichen yff zeyn haws am Ringe dorinne her wonet vnnd vff das 
hawB in der Schildergasse vnnd yff das haws in der schulgassen vnnd 
vff das haws in der Zegelergasse vnnd vff das hawB in der heyligen 
geist gasse vnnd vff eyn haws in der becker gassen vnd dorczu vff 
alle seyne farende habe vnnd Silberwerg alze Silberne gortel Crone 
Silberne koppe leffel knoffel perlen bortchen vff schussel kannen vnnd 
kessel vff all bettedeyder vnnd leynene cleyder vff decken kolthenn 
vnnd dorczu vff alle seyne farende habe bewegelich vnnd vnbewege- 
lich nichts vssgeslossen vff ILl^ mr. ane X mr. III ader IV mr. niy 
ader niche allewege czu gutter Rechenschafft vnnd ist der erste be- 
setzer vnnd hot es vffgebotenn vff den ersten dingtag alze Recht ist 
Actum f. VI. ante lucie. 

An einem der nächsten Gerichtstage erkennt Berthold Becker 
die Forderung des Koppemigk in ihrem vollen Betrage an und 
setzt sich bestimmte Zahlungs-Termine. 

Vor gehegt ding ist komen Bertolt Becker vnnd hot bekant wie 
das herNiclas koppernick rechter vnnd redlicher schult schuldig 
ist II<^ LXXXVII mr. vnnd V scot vor kopper Semlich seine schult 
globt der genante Bertolt Becker vor sich seyne rechten erben vnnd 
erbnamen zcu beczalen vff diesse naohgeschrebene termyn vnnd tage- 
zceit Also mit namen Ins erste 11^ mr. vff die nehstkomenden Ostim 
obir ein Jar das wirt sein Im etc. LXXIX. Jahr vnnd dornoch vff Mi- 
chaelis nehst dornoch folgende LX mr. vnnd das hinderstellige vff 



NIKLAS KOPPERNIGK. 463 

Ostirn dornoch Im etc. LXXX. Jare vierzehn tage adder drey wochen 
alczeit vngeuerlich dornach, Douor vorpfendet der genante 
Bertolt Becker Niclas Koppernick sein erbe an dem 
Binge gelegen do her Itzt inne wonet frey ynnd vnbeswert. Ap 
8ulche termyn der beczalange das got verbiete wie obgeschreben nicht 
gehalden wurden Alse denn sali der genannte her Niclas koppernick 
sich des Erbis gleich eynem frey erfolgetem Pfände vnderwinden das 
verkouffen vnnd sich seyner vnuorgulden schult doran erholen ane 
alle Inspruch vnnd sulche schult all addir einsteyls nynder anders 
denn vor gerichte qweit vnnd ledig zcu scheiden. Actum f. VI. ante 
dominicam Judica. 

Auch im Jahre 1478 wird Eoppemigk in dieser Angelegen- 
heit zweimal erwähnt. Am Gerichtstage ^»Sabato post Bonifacii« 
des Jahres 1478 erkennt Berthold Becker die Schulden von einigen 
andern Glänbigem »czu danczke« an, jedoch »ynschedelich 
her Niclas koppernigks vorschreybunge«. 

Femer erscheint »feria VI ante Dominicam Cantate« in der- 
selben Process-Sache Niclas Eoppemigk nebst seinem Schwager 
Tilmann von Allen vor Gericht, um die Auseinandersetzung des 
Berthold Becker mit einem seiner auswärtigen Gläubiger zu be- 
treiben : 

Schelunge ist gewest czwischen bertold becker an eyme teyle 
vnnd Gregor strosberg Burger von possnaw am andern teylc. So 
das sich vortragen haben durch gutte frunde alze von Bertolt beckers 
wegen her Tylman von allen vnnd her Niclas koppernig vnnd 
von Gregor strosbergs wegen etc. 

Die letzte Verhandlung in dieser Angelegenheit, — soweit 
Niclas Eoppemigk dabei betheiligt ist — habe ich im Jahre 
1480 vorgefunden; es überträgt dieser seine Schuld an Niclas 
Fredewalt : 

Vor gehegt dingk istkomen her Niclas Koppe rnigk vnnd hot 
Niclas Fredewalt dem Jungen vffgetragen vnnd obirgeben alle vor- 
schrebene schult die em Bertolt Becker schuldig ist nach laute vnd 
Inhalt des scheppenbuchs Im LXXVII Jor nahe am ende vorschrebene 
Nemlichen U^ LXXXYII marg vnd V scot geringen geldis vor seyne 
vnuorguldene schult mit allem Rechte vnnd alze sie her Niclas kop- 
pernig hot Bertolt beckem derselbigen schult queit gesaget etc. 

Actum feria VI in vigilia sancti Johannis baptiste. 



464 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON C0PPBRNICU8. 

Zum letzten Male erscheint Niclas Koppernigk wegen einer 

Schuld-Forderung vor Gericht im Jahre 1483: 

her Niclas koppernigk iit komen vor gehegt ding vnnd bot 
mit allem Rechte derfordert vnnd gewonen vff Nicias hanemami I^ 
ynde XC mr. geringen geldis die her em schuldig ist nemlich I^ Tnnde 
XX mr. von bnrgeschafft seynis bruders hans hanemann dem got ge- 
nade vnde her selber LXX mr. vnnd her Niclas koppernigk von der 
bangk geteylt ist, das em das gerichte behnlffen sal seyn czn der be- 
czalnnge. — Actum feria VI post divisionem Apostolomm. 



Im Jahre 1482 wird Niclas Koppernigk in einer Verhandlung 
des Schöppenbuches als Schiedsmann erwähnt: 

Eyne volkomene berathange ist gemacht durch die Ersamen vnde 
vorsichtigen herren Johan von der brücke Rathman, Hattis Richter, 
Niclas koppernigk scheppen vnde Lyborium Jode burger czu 
Thomn Czwischen Niclas dem Reichen Korssner an eyme vnde phi- 
lippo czan seynem swoger vnde frawen barbaren czanyne am andern 
teyle etc. Actum f. VI post conversionem S. Pauli. 

Dreimal geschieht noch ausserdem des Niclas Koppernigk 
Erwähnung in den Gerichtsbttchem, aber nicht in seinen eigenen 
Angelegenheiten, sondern als »Vormund« von Frauen, die nach 
Bestimmung des Kulmischen Rechtes nur in Begleitung eines dem 
Gerichten bekannten Mannes Akte freiwilliger Gerichtsbarkeit 
vornehmen konnten. 

Das erstemal erscheint Niclas Koppernigk vor Gericht in 
Angelegenheiten der »Fraw Elizabet henrich voykers nachgelassene 
hawsfraw«; sodaim im Jahre 1474 als Vormund der »fraw bar- 
bara tepperynne«; und endlich im Jahre 1478 als Beistand der 
»fraw katharine Thomas Zeypnitz eliche hawsfraw«, welche in 
Abwesenheit ihres Mannes 

»ist komen vor gehegt ding vnd bot durch eren vormundt her 
Niclas koppernigk sich czoges geozogen czu geswome Richter 
das ir elicher man besatzunge getan hat vff George watzelrode 
gutter die em ansterblich sint nach tode seyner Mutter etc. Actum f. 
VI. post Barnabe. 



NIKLA8 KOPPEBNIGK. 465 

Ausser den Schöppenbttchem erwähnen noch zwei andere 
Thomer Manuskripte den Namen von 'Niklas Eoppemigk. Das 
eine ist ein Heft, in welches Marcus König "^ als »Scholz der 
Altstadt Thom« sorgfältige Aufzeichnungen über richterliche Ge- 
schäfte eingetragen hat, die er ohne Zuziehung der Schöffen er- 
ledigt hatte« Dort findet sich nun (BL 10^) der Vermerk: 

»Hans WochsB von Danczik hot besaczunge geton vnder her Nicloa 
Eoppernik vff eczlich gelt, das Coppernik bey sich hat hans 

paske von Crocaw ozu behorende uff 21 ungeriBche gülden. 

Actum am tage francisci 1466«. 

Ganz unwesentlich sind die Vermerke, welche sich in zwei 
Rechnungs-Bttchem vorgefimden haben. Der eine (in der Eaths- 
keller-Rechnung vom Jahre 1469) lautet: 
»Coppernik hot 2 leste Danczker blr«. 

Die zweite Einzeichnung findet sich in der Weinkeller-Rech- 
nung von 1473 : 

»Item empfangen von h. N. Koppernik V2 ti^^to vor 2 halbe Kuffin 
Ungar. Win«. 



Auch in Krakauer Dokumenten wird Niklas Koppernigk 
einigemal erwähnt. Zuerst findet sich sein Name zum Jahre 1470 



* Der Name des Thomer Bürgermeisters Marcus König ist durch Gust. 
Freytag's Dichtung den weitesten Kreisen bekannt geworden. Im ersten 
Bande Thl. I, S. 62 ist jedoch bereits hervorgehoben, dass der Dichter nur 
den Namen den Thorner Chronisten entlehnt hat« Der Marcus König der 
Geschichte lebte mehr denn zwei Menschenalter vor dem letzten Hochmeister 
Albrecht von Brandenburg und war kein Freund, [sondern ein erbitterter 
Gegner des Ordens. Den a. a. 0. mitgetheilten Notizen ist hier noch anzu- 
fügen, dass Marcus König der Nachfolger des Grossvaters von Coppemicus 
Lucas Watzelrode als Schöppenmeister der Altstadt (1463) und der Nach- 
folger seines Oheims Tilmann von Allen als regierender Bürgermeister von 
Thom (1474) gewesen ist. Marcus König leitete längere Zeit mehrere 
städtische Verwaltungen ; deshalb sind noch viele Aufzeichnungen von seiner 
Hand im städtischen Archive erhalten. 

n. 30 



466 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPEENICUS. 

in dem »liber testamentomm« etc. (die Jahre 1427 — 1622 enthaltend 
Nr. \m)' Seite 96 Bteht daselbst das »Testamentum , margarethe 

myotkyn conditnm in praesentia domini panU newburgir 

anno 70«. Es beginnt mit der Aufzählung der Passiva: »primo 
recognovit qnia tenetnr infrascriptis hominibus«. Diesen Worten 
folgen die Namen von mehr als zwanzig Glänbigem; damnter 
befindet sich als letzter: »Niclas koppirnick von ThornXn 
gülden«. — Diese Schuld der Miotka wird an Niclas Eoppemigk 
bezahlt durch eine gewisse Katharina Kuczkynn. Das Anerkennt- 
niss der geleisteten Zahlung findet sich in dem zweiten Bande 
der Krakauer Acta consularia (A. 2, 1450 — 1485): 

ff. II poBt oculi. Niolos koppernik de Thorn recognoTit, 
quod katharina kuczkynn Solvit sibi XX florenos ungarioos pro mar- 
garetha myotky defuncti (sie) qaae sibi tenebatar, de quibus eam pro- 
nuntiat liberam et quittat in evurn. 

Ausser diesen beiden Stellen ist mir in den Krakaner Ma- 
nuskripten der Name des Niklas Koppemigk nur noch einmal 
aufgestossen. Ich fand ihn nämlich noch erwähnt in demselben 
Buche zum Jahre 1476. Das betreffende Document lautet: 

Actum f. f. VI post BeminiBcere. Michel fischer hat gelobet alhir 
vor vns nedirczulegen vnd czu beczaln nicios koppirnick XVIII 
vngar. gülden schult, dy her schuldig ist nicios Reich korssner czu 
Thorn, vnd nicios koppirnik hat gelobet im awsczorichten vor ge- 
hegtir bang czu thorn von demselben Reich korssner eyn quittam 
(ouff phinsten sol das gelegit werden) vnd zo michil sulchen queit- 
brieff haben wirt, so sal her martin Beize von niclas koppernieks 
wegen sulche XYIII gülden entphangen, vnd michil sal fort an sulch 
gelt gutten frlden haben, darume yn nicios koppernick hat ge- 
lobet czu vortreten vnd schadelos czu halten. 

Eine dritte aus Krakauer Manuskripten entnommene Ur- 
kunde über Niklas Koppemigk ist von Polkowski (Zywot Mik. 
Kopemika p. 65) veröffentlicht und bereits im ersten Bande Thl. 1, 
S. 52 vollständig abgedruckt worden. 



ANHANG. 467 

Die beiden im Dan zig er Archive aufgefundenen Doku- 
mente ttber Niklas Koppemigk finden sich Bd. I, Thl. 1, S. 49 
und 50 abgedruckt. 



Anhang. 

I. Den vorstehend abgedruckten Urkunden, welche ttber die 
Familien- und Yermögens-Yerhältnisse des Vaters von Coppemi- 
cus Auskunft geben, ist noch eine Urkunde anzureihen, welche 
ttber seine und seiner Familie Aufnahme in den dritten Orden 
des heil. Dominicus von dem i^Prinvincialis Poloniae ordinis prae- 
dicatorum« im Jahre 1469 zu Krakau ausgestellt ist."^ 



* Die Urkunde über die Anfnahme des Niklas Koppemigk als 
»frater tertiarius« in den Dominikaner-Orden ist zuerst in dem «Pami^t- 
nik Warszawski« (1819 S. 372) veröffentlicht worden. Danach ist der Ab- 
druck von R*** in den »Beiträgen zur Beantwortung der Frage nach der 
Ni^tionalität von Copemicns« S. 124 und im »Spicilegium Gopemicanum« von 
Hipler erfolgt. Die Original-Urkunde war früher im Besitze der Warschauer 
Gresellschaft der Freunde der Wissenschaften, befindet sich zur Zeit wahr- 
scheinlich in St. Petersburg. 

Der gegenwärtige Abdruck ist nicht wegen der Wichtigkeit des Doku- 
mentes erfolgt, sondern weil Wn polnischer Seite (R*** Beiträge u. s. w. 
S. 124) dem Verf. daraus ein Vorwurf gemacht ist, dass er in früheren 
Schriften dasselbe nicht mitgetheilt hat. Auch dieses Aktenstück ist näm- 
lich in tendenziöser Weise benutzt worden. £iner der neuem polnischen 
Biographen von Coppemicus, der massvolle Szulc (^ycie Mikoh Eopemika 
S. 23) erblickte darin einen Akt patriotischer Gesinnung, dass der Vater 
von Coppemicus sich in Erakau, und nicht von dem Prior der 'Thorner 
Dominikaner, jene Urkunde ausstellen Hess, weil die letzteren auf der Seite 
des Ordens gestanden hätten I Szulc stellt dabei die Conjunctur auf, es habe 
»der patriotische Nicias Eopemik mit Frau und Eind die mühsame Reise 
nach Erakau unternommen, um persönlich sich jenes Attestat zu holen« — 
eine Eonjektur, welche sogar der fanatische Verfasser der Beiträge R*** 
(S. 125) »weit hergeholt und geradezu lächerlich« zu nennen sich nicht 
scheut ! 

30» 



468 UBKÜNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON C0PPERNICU8. 

Dieselbe lautet: 

Proyido NicolaoEopernik* elvi Thorunensi et devotae Barbane 
consorti ipsias, cum liberis eorum, CulmenBis dioecesis frater Jacobns 
de Bidgostia (Zar^ba), Provincialis Poloniae ordinis praedicatoram, 
salutem in Domino Jesu et spiritualem consolationem ! Exigente 
vestrae deyotionis affectu, quem ad nostrom geritis ordinem, vobis 
omnium missarum, orationum, praedicationum, jejuniorum, Tigiliamm, 
abstinentiarum, disciplinarnm , studiorum, laborum ceterorumque bo- 
norum operum, quae dominus noster Jesus Christus propter fratres 
et sorores provinciae nostrae fieri dederit, universorum participationem 
teuere praesentium in vita pariter et in morte concedo specialem, nt 
multiplici suffragiorum praesidio hie augmentum gratiae et in futuro 
mereamini praemium vitae aeternae beatifice adipisci. Yolens insnper 
ex speciali gratia et dono singulari, ut, cum obitus yester, quem Dens 
felicem faciat, nostro in provinciali Capitulo fuerit nunciatus, pro 
vobis, sicut pro ceteris nostri ordinis defunctis fratribus fieri consuevit, 
orationum suffragia deyotius peragantur. In quorum testimonium si- 
gillum officii mei provincialatus praesentibus duxi appendendum. 
Datum in conventu Cracoviensi deeima die Mensis Martii. Anno Do- 
mini Millesimo quadringentesimo sexagesimo nono. 



II. Als Portrait des Vaters von Coppemicus wird ein Bild 
ausgegeben, welches im Jahre 1614 der Universitäts^Bibliothek 
zu Erakau von dem mehrfach erwähnten Professor Joh. Broscius 
überwiesen worden ist. Derselbe hatte das Bild auf der Ent- 
deckungs-Reise, welche er nach Preussen unternommen, um Cop- 
pemicanische Reliquien aufzusuchen, zu Thom aufgefunden und 
eine Kopie davon fertigen lassen. Bei wem Broscius das Bild 
dort gefunden, darüber hat er nichts hinterlassen. In Thom 
selbst hat sich auch nicht die geringste Ueberlieferung über Cop- 
pemicanische Familien-Bilder erhalten. Leicht möglich ist es 



* Der mehrgenannte Verfasser der »Beiträge« etc. B,*** macht bei 
seinem Abdrucke die Anmerkung, er wolle sich nicht yerbürgen, dass die 
Schreibart »Eopemik« die des Originals sei; das letztere ist nämlich, wie 
in der vorstehenden Anmerkung mitgetheilt ist, verschollen. 



ANHANG. 469 

wohl, dass es dem gläubig yertranenden Broscius mit dem 
Bilde von Niklas Eoppernigk ähnlich ergangen ist, wie mit 
den vermeintlichen Gedichten von Coppemicus (vergL oben 
S. 265 ff. und I, 2, S. 372 ff.) ; er fand — weil er eben finden 
wollte ! 

Trotz aller schwerwiegenden Bedenken, welche gegen die 
Echtheit des Bildes von Niklas Eoppernigk erhoben werden 
können, darf hier eine Besprechung nicht unterlassen werden. 
Das Bild ist nämlich in weiteren Kreisen durch die schöne photo- 
lithographische Kopie bekannt geworden, welche in dem 1873 von 
der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften zu Posen ver- 
öffentlichten Säkular-Fest-Album publicirt wurde. (Die erste Nach- 
bildung des Portraits findet sich im 1. Bande des »Pami^tnik 
Krakowski« vom Jahre 1830.) Eine eingehende Besprechung hat 
Hipler im Spicilegium Copem. (S. 301 ff.) gegeben. 

. Das Bild zeigt einen Mann in mittleren Lebensjahren ; er 
kniet, mit gefalteten Händen betend. Das unbedeckte Haupt 
trägt langes volles Haar. Mancherlei Anderes, namentlich der 
Schnitt des Schnurrbartes zeigt unverkennbar einen polnischen 
Typus ; das lange mit reichem Pelzwerk verbrämte Gewand dürfte 
auch kaum an einen Thomer Handelsherrn jener Zeit erinnern. Den 
Hintergrund bildet eine mit tempelartigen Gebäuden geschmückte 
Berg-Landschaft, aus welcher die gekrönte Himmels-Königin her- 
vortritt, mit der Linken das Jesus-Kind haltend, die Rechte zum 
Segen erhebend. 

In der Mitte des obem Rahmens findet sich (in kunstlosen 
lateinischen Charakteren) die Aufschrift: »nicolaus copebnicus 

PATER NICOLAI COPERNICI ASTROLOGIAE VNIÜS MIBACÜLI NATI 1473 

19. FEBRUARn«. Am Fuss-Ende des Bildes ist in sehr wenig ge- 
fälligen deutschen Lettern die Unterschrift gezeichnet: „SeS 
$crcn 3)octot SRicoIac Koppcrnid, XI)utn^cr t3nb Slftro* 
nim9, jur grauenbutg ©cincg jcligcn SBatcrS Sluc^ 911^» 
colaug doppttuid genant, feine geftalt". 



470 URKUNDEN Z\JR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPEENICÜS. 

Unter der letztern Schrift stehen noch die Worte : »Johannes 

BEOSCIÜS CÜBZELOVIENS(lS) DEPINGI CÜBAVIT TOEÜNn ATQ(üE) HIC 

BEPOSurr«; 

Die vorstehend aufgeführten Inschriften sind dem Bilde 
sicherlich erst später eingefügt ; einen recht späten Ursprung verräth 
die erste Inschrift (am obem Rande) schon durch die dem Kiklas 
Eoppemigk beigelegte latinisirte Namensform »Copemicus«, welche 
ausser dem grossen Träger derselben kein Mitglied der Familie 
gebraucht hat; selbst sein Bruder Andreas hat in seinen lateini- 
schen Brief-Unterschriften die alte Schreibung des Familien- 
Namens »Coppemigk« beibehalten. 

In gleicher Weise sind unzweifelhaft die Wappen, welche 
sich in den Ecken des Bildes finden, erst später eingezeichnet. 
Deshalb haben Hipler, E^trzynski u. A. eine vergebliche Htthe 
aufgewandt, da sie die Wappen zu deuten und mit dem auf 
dem Bilde angeblich Dargestellten in Verbindung zu bringen 
suchten. 

Keines der vier Wappen hat zu Niklas Koppernigk eine 
unmittelbare Beziehung; seine Familie gehörte überhaupt nicht zu 
den wappenberechtigten Geschlechtem. Er selbst gebrauchte 
eine Hausmarke (vgl. Bd. I, Thl. 1, S. 48); Nicolaus Cop- 
pernicus hatte sich zur Siegel-Gemme den Apollo mit der Lyra 
gewählt (I, 2, S. 378); sein Binder Andreas siegelte mit einem 
Wappenschilde, welches er an das Wappen der Familie seines 
Oheims von Allen anlehnte. 

Drei der auf dem Krakauer Bilde eingemalten Wappen ge- 
hören Thorner Geschlechtem an; das Wappen links oben zeigt 
das Wappen der Watzelrode, dem seine Gattin entstammt war 
(im obem Felde einen nach rechts gewandten Adlerkopf, im 
untem Felde zwei Beiterbeine mit Beinschienen, Stiefeln und 
Sporen bedeckt). Bechts oben ist das Wappen des Thomer Ge- 
schlechtes Küdiger, (der von einem Schwerte durchbohrte 
schwarze Büffelkopf, dessen Nase von einem Ringe durchzogen 



ANHANG. 471 

ist). Das dritte Wappen, links unten, hat im dnnkeln Felde 
links drei Arme mit geballten Händen, rechts im hellen Felde 
drei übereinander stehende Rosen; es gehört dem Thomer Oe- 
schlechte Rodde (Rothe), das mit den Watzelrode's vielfach 
verschwägert war. Das vierte der Wappen, welches rechts nnten 
steht, hat sich bis jetzt einer Deutung auf Thomer Familien 
entzogen (es zeigt ein helles einfaches Schwert mit einem Kreuz- 
Griff auf einem schräge rechts gehenden dunkeln Quer-Balken.) 



m. Andreas Koppernigk. 

Andreas Koppernigk, der Bruder von Coppemicns, war 
bald nach seiner Rückkehr aus Italien von der schweren Krankheit 
befallen, über welche im ersten Bande Thl. 2, S. 21 ff. berichtet 
ist. Um bei den Aerzten des Südens Heilung zu suchen, erbat 
und erhielt er im Jahre 1508 die Erlaubniss, sich von der Kar- 
thedrale entfernen zu dürfen. Näheres ergaben die Frauenburger 
Akten nicht. Man wusste nicht einmal anzugeben, woselbst er 
sich während der nächsten vier Jahre aufgehalten hätte. "^ 

Durch fünf eigenhändige Briefe (aus den Jahren 1510 — 1512), 
welche vor kurzem in dem Thomer Archive aufgefunden sind, 
erfahren wir, dass Andreas Koppernigk damals seinen Aufenthalt 
zu Rom genommen hatte. Seine Krankheit muss dort milder 
aufgetreten sein; er übernahm sogar im Interesse seiner Vater- 
stadt die Führung eines Processes bei der Kurie gegen den 
Bischof von Plock. 



* Andreas Koppernigk erhielt den erbetenen Urlaub auf ein Jahr be- 
reits im Januar 1508. Derselbe ward ihm in der Kapitel-Sitzung vom 
^9. August nochmals zugesichert; dagegen wurde seine Bitte, ihn in dem 
vollen Genüsse der Einkünfte seines Kanonikats zu belassen, abgeschlagen. 
Ob seinem Ansuchen später nachgegeben ist, wissen wir nicht; ebenso- 
wenig enthalten die Kapitel-Akten eine Andeutung über die Verlängerung 
seines Urlaubs. Derselbe wird ihm wohl stillschweigend zugestanden sein, 
da man die Gefahr der Ansteckung so sehr fürchtete. 



ANDREAS KOPPEBNIGK. 473 

Von der Korrespondenz des Andreas Eoppemigk mit seinen 
YoUmachtgebem haben sieh vier Briefe ans dem Jahre 1510 und 
einer ans dem Jahre 1512 erhalten; der letztere, in welchem er 
sein Mandat znrückgiebt, ist datirt Rom 14. Mai 1512. 

Die Namens-Dnterschrift ist in sämmtlichen Briefen dieselbe ; 
sie lantet »Andreas Coppernigk«. Wir erhalten hier also von 
einem zweiten Gliede der Familie den Nachweis, dass, nm die 
Herleitnng von dem deutschen Stammworte (»Eopper«) nnd die 
scharfe Accentnirung der ersten Silbe anzudeuten, die Ver- 
doppelung des »pa festgehalten worden ist. Ein ferneres Interesse 
gewähren nns die Briefe durch das angehängte Siegel. Dieses 
zeigt unter den Initialen »A. K.«* den von zwei Blattzweigen 
gehaltenen Wappenschild ; das Wappen selbst ist in seiner Grund- 
form dem der Familie Allen entlehnt.** Letzteres ist sehr ein- 
fach; es enthält nnr zwei unter einem rechten Winkel geneigte 
Balken, welche in der Mitte des Wappenschildes zusammen- 
treffen. Andreas Koppernigk hat dem Wappen seines Oheims 
noch drei fttnfblätterige Rosen beigefügt. 

Die Briefe des Andreas Eoppemigk sind in dem 4. Hefte 



* Andreas Koppernigk hat in allen Briefen seinen Namen mit der Ini- 
tiale »C« geschrieben, während das Verschluss-Siegel , welches auf einigen 
Briefen ganz deutlich erhalten ist, die Gutturale »K« aufweist — ein neuer 
Beleg dafür, dass die Orthographie der Eigennamen damals mit grosser 
Gleichgültigkeit behandelt wurde. 

** Es ist wiederholt hervorgehoben worden, dass Niklas Koppernigk 
der Vater von Coppemicus kein Wappen geführt, sondern sich an einer 
Eaufmanns-Marke hat genügen lassen. Vgl. oben S. 470 und Band I, Thl. 1, 
S. 48; dort ist gleichfalls mitgetheilt, dass Nicolaus Coppemicus sich für 
das Verschluss-Siegel den Gott Apollo gewählt hat. Diese Wahl ist leicht 
erklärlich. Dagegen ist nicht recht ersichtlich, weshalb Andreas sich bei 
der Wahl seines Siegels an das Wappen seines Oheims Tilman von Allen 
angelehnt und nicht das Familien* Wappen der Mutter bez. seines rechten 
Oheims, des Bischofs Lucas Watzelrode, zu Grunde gelegt hat. Vielleicht 
haben dieselben Gründe dabei mitgewirkt, welche letzteren bestimmten, 
seinem Vaters-Namen noch den der Familie von Allen beizufügen. Vgl. 
Bd. I, Thl. 1, S. 74. 



474 URKUNDEN ZUR FAMIIiI£N-0ESCHICHTE VON COPPERNICUS. 

der Mittheilnngen des Copp. Vereins (S. 56—98) yon Bender 
vollständig abgedruckt. Nachstehend sollen nur einige Stellen 
aoszüglich mitgetheilt werden, welche ein allgemeineres Interesse 
beanspruchen können. 

Der Gang des Processes war, wie stets bei der Kurie, ein 
schleppender; daher ist die Bitte um Geldsendung eine stets 
wiederkehrende, »damit nicht durch den Mangel an Geld Recht 
und Gerechtigkeit unterdrückt werde« (»ne pecuniarum defectns 
iustitiam opprimat«). — Wir erfahren femer, dass die Proeess- 
Gebühren nach der Zahl der Akten-Blätter — für je 100 Blätter 
sieben Dukaten — berechnet wurden : »Mihi pecuniis opus est«. — 
schreibt Andreas Eoppemigk am 26. Oktbr. 1510 — »Kam de 
quinquaginta Ulis ducatis parum mihi vel prope nihil superest, 
vix ut notario causae pro registro solvatur. Sunt pro parte 
nostra folia registri mille ducenti — centum folia pro Septem du- 
catis auri sc. — prout latius in computo apparebit«.* 

Für die Lebens-Verhältnisse von Andreas Eoppemigk gewährt 
nur der letzte Brief, d. v. 14. Mai 1512, einigen Anhalt. Wir 
ersehen aus demselben, dass seine Krankheit damals wieder 
einen schlimmeren Charakter angenommen , und Andreas Eopper- 
nigk in Folge dessen beschlossen hatte, seinen bis jetzt erfolg- 
losen Aufenthalt in Italien aufzugeben ; er beabsichtigte im Früh- 
jahre mit einem Thomer Landsmann, Lucas Krüger, in die 
Heimat zurückzukehren. Allein der plötzliche Tod seines Oheims 
Hess ihn die Rückreise wieder aufschieben.** 



* Von Interesse ist nach jener Bichtang für das damalige Gerichts- 
wesen noch eine andere Stelle (aus dem Briefe vom 12. Oktober 1510): >Be- 
manserant mihi de 50 illis ducatis 18, quos iam fere exposui; quanto 
magis aliqua causa diffinitioni approximat, tanto maiorem et 
diligentiam et pecuniam exigit«. 

** »Quod rarius ad dominationes vestra smeas dederim litteras« — schreibt 
Andreas Koppemigk d. d. 14. Mai 1512 an den Thomer Hath — i«egritadOi 
qua correptus decumbebam, causa fuit literarum mearum raritatis et vestrae 
causae dilationis. Nunc etiam cumulo tribulationis meae mors Beverendi»- 



ANDREAS KOPPERNIGK. 475 

Wann Andreas Eoppemigk nach Preussen zurückgekommen 
ist, erhellt ans der Korrespondenz nicht; ans seinem letzten 
Briefe nnd dem mit demselben gleichzeitig abgesandten Schreiben 
seines Nachfolgers Matthaeus Lamprecht ersehen wir nur, dass 
er die Weiterführung des Processes damals definitiv aufgegeben 
hatte. * 

Durch die Ermländischen Kapitels-Akten erfahren wir, dass 
Andreas Koppemigk im Herbste 1512 am Sitze des Domstifts 
anwesend war; am 4. September wurde der Beschluss gefasst, 
jede koUegialische Gemeinschaft mit dem Kranken aufzuheben, 
weil man die Gefahr der Ansteckung fürchtete. Trotzdem ver- 
liess derselbe Frauenburg nicht; ja er ist sogar noch zweimal in 
einer Kapitel-Sitzung erschienen, im September 1512 und im 
April 1513. Sein Tod erfolgte erst zwischen 1516 und 1519 
(vielleicht in Rom).** 



Bimi avuncali mei acoessit, de cuius obitu usque adeo afficior, ut vitam 
deinceps ducere taedeat. Verum cum in humanis nihil sit firmum, nihil 

stabile, aequo animo ferenda sunt Nisi haec vestra causa esset ac 

inopinata mors domini mei Warmiensis intervenisset , patriam repetiissem 
cum praesentium latore Luca Cruger, qui meam operam in vestra causa 

vidit« 

* »Si haec causa« — schreibt Andreas Eoppemigk — »ante proximas 
ferias seu vacantias non decidetur, reliuquam porrius pro hac causa defen- 
denda dominos Mathias Lambricht, olim Thesaurium in Castro Marienburg, 
et nonnuUos alios, quibus et residuum, quod apud me est pecuniae, relin- 
quam et me penitus negotiis absolvam et abdicabo deo amplius militando 
et serviendo«. 

** Die Dokumente, aus denen wir über die letzten Lebens- Jahre von 
Andreas Eoppemigk einige Auskunft erhalten, sind im ersten Bande Thl. 2, 
S. 27 ff. mitgetheilt. 



IV. Der Oheim Luoas Watzelrode. 

Ueber das Leben und die Wirksamkeit des Bischofs Lucas 
Watzelrode besitzen wir eine grosse Zahl archivalischer Zeugnisse. 
Die wichtigsten Urkunden, soweit sie für die Biographie von Coppemicus 
Interesse haben, sind bereits im ersten Bande mitgetheilt worden. In 
dem vorliegenden zweiten Bande finden sich gleichfalls in den Ab- 
schnitten , welche von dem Grossvater Lucas Watzelrode handeln, einige 
Notizen, welche für die Jugendzeit seines gleichnamigen Bohnes nicht 
unwichtig sind. 

Ein weiteres Material hier beizubringen scheint ungehörig ; dagegen 
dürfte es wohl gestattet sein , nach dem Vorgange Hipler's im »Spicile- 
gium Copemicanum« (8. 316 — 319) den Bericht mitzutheilen, welchen 
sein Kanzler Paul Deusterwald über die letzten Lebenstage des Bischofs 
Lucas niedergeschrieben hat. * Von Wichtigkeit zur richtigen Würdigung 
der Schwierigkeiten, welche Coppemicus bei dem täglichen Umgänge 
mit dem Oheime zu überwinden hatte, ist namentlich die Charakteristik, 
welche Deusterwald am Schlüsse seines Berichtes von dem Bischöfe Lucas 
entwirft. 



* Der Bericht von Deusterwald findet sich handschriftlich im bischöf. 
liehen Archive zu Frauenburg und ist von Hipler a. a. 0. zuerst veröffent- 
licht worden. 



DER OHEIM LUCAS WATZELBODE. 477 

Paulus Deusterwald: 
De obitu domini Lucae Watzelrode Episcopi Warmiensis. 



Anno M<> CCCCCXII decima quinta Januarii exivit Reveren* 
dissimus dominus Lucas Episcopus Warmiensis arcem Heils- 
berg versus Cracoviam ad nuptias Serenissimi principis domini 
Sigismundi Begis Poloniae, quae fuerunt die dominica octaya 
Februarii, magno quidem splendore et munificentissimis impensis 
celebratae, quibus peractis habita est ibidem generalis eonventio. 
Fuit hie transitus ad nuptias in principio suo iucundus et gaudio 
plenus, sed in reditu propter calamitatem inopinatam luctuosus. 
Eidem enim domino Episeopo Lucae Cracoviae primum et postea 
in reditu coeperunt nauseosi esse pisces in quadragesima praeter 
suam consuetudinem. Et coepit nausea extendi cum tempore latins, 
ita quod animadverteretur plane a nobis, qui cum eo cibum quo- 
tidie ad tabulam sumpsimus; per singulos enim dies coepit ei 
cibus et potus magis esse insipidus, observatumque est ipsum 
fieri in dies minus quam antea yigorosum. Et id ipsum quidem 
animadyersum est plus solito in Lancicia 23. die Martii magis 
autem die sequente in oppido Mosebrocke , ubi sumptum cibum 
stomachus retinere non potuit, sed e vestigio reddidit. Ac subinde 
coepit augmentari morbus et vires depascere exitialis aegritudo, 
adeo quidem, ut virtute propria neque gradi bene poterat, neque 
pedibus consistere. Accessit huic malo sitis inexstinguibilis et 
febricula, uti asserebat^ continua, quibus cruciabatur vehementer 
sine intercapedine. 

In hac tanta valetudine et morte deductus est in Thoroniam 
vicesima sexta Martii, quae erat dies Yeneris post dominicam Ju- 
dica, homini defancto haud dissimilis, ul^i die sequenti viribus 
vehementer destitutus et usu linguae magna ex parte privatus (im- 
peditum etenim sermonem edidit propter difficultatem Spiritus, 
quem imo ex pectore magno reddebat labore) repositus fuit in 



478 URKUNDEN ZUR FAMILIBN-GESCHICHTE VON COPPERNICUS. 

aegritndinis lectnm. PoBtero die inyaleBcente morbo confessionem 
fecit et corpus dominicum snmma devotione accepit. Et qnain- 
quam trepidante et confusa lingua eructaret verba, conabatnr 
tarnen eis, quibus erat familiaris, mnlta loqui, qui intelligebant, 
quandoqne quid yellet, magis ex signis et gestibus sibi notis 
quam ex yerbomm prolatione. Quandoque etiam absolatam et 
perfectam, quam vis magno labore, sententiam edidit; ex peetore 
enim m^ iudicio laborabat et eiici fiegmata viae praeelnsae non 
sinebant. 

Neque aderat mediens peritus, qui natnrae laboranti suppetias 
contnlisset. Accersiti tarnen fuere ex alinnde medici; sed dum 
venirent, mortaum ipsum invenerunt; die enim lonae, quae fiiit 
yieesima nona Martii, audito missae officio et unctione extrema 
snscepta, inter manns Reyerendissimi in Christo patris, domini 
Johannis Episcopi Gnlmensis et amicorum snoram fenrenti deyo- 
tione ad denm, quod ex signis compluribns yidebatnr, et ratione 
usqne ad exhalationem animae integra decessit in domino. Funns 
ipsins ad Ecclesiam Warmiensem debito snorum moerore et luctn 
dednctam; sepnltum fuit die Veneris secnnda Aprilis. 

Varia fuit statim de eins morte, nti fieri assolet, opinio. 
Quidam snspicati sunt cum hausto yeneno, dubium quo auctore, 
cecidisse : quorum sententiam fulcire yidentur maculae fuscae, quae 
corpus post exitum animae statim occupabant, item stnpenda in 
initio morbi natnrae prostratio, cum esset alias ex natura yigo- 
rosus et fortis. Alii putabant Senium fuisse mortis causam ; qua- 
tuor enim et sexaginta annos iam excesserat. Nonnulli existi- 
mayere cum decessisse ex moerore et yehementi animi anxietate, 
quia complures habebat sibi adyersantes. 

Frimores enim Prussiae magna ei ex parte con- 
trarii fuernnt. Nobilitas propter districtus Tolkemith et 
Scharffaw, quos pro ecclesiae donatione perpetua a Begia Maiestate 
impetrayit, item propter exemptionem districtuum Stuhm et Djr- 
saw, quibus ipsi alias posse solebant. Giyitates yero — El- 



DEB OHEIH LUCAS WATZELBODB. 479 

bingum propter iudicium, qnod in piseatores, qai in brachio 
marifl »habe vocato piscantnr, ex consnetadine exercnernnt in 
oppido Tolkemith, et qnasdam posseBsiones , qnas Gintates suae 
esse praetendebant, episcopns autem e diverso competere sibi ins 
in bis omnibns occasione districtns Tolkemith omni inre sibi do- 
nati, in quo consistnnt praedicta, asserebat. At vero Gedannm 
propter Neriam ecelesiae, qnam ab eis repetebat, et praeterea 
propter possessiones qnasdam per eandem civitatem a districtn 
Scharffaw alienatas. 

Crnciferi etiam capitalem esse inimicnm ordini sno 
episcopnm rati, in dissensione semper cnm eo vive- 
bant. Wilhelmns praeterea de Eysenberg ordinis Marscalcns im- 
pndentissimnm famosnm libellnm panlo ante mortem Episcopi de 
eo edidit. Parco de praedonibns, qnibns tnnc scatebat Prassia. 
qni mnlta mala ex snggestione qnornndam hominnm episcopo, nti 
ipse snspicabatnr, incendio intnlerunt et moliri mala in ipsins 
capnt non cessaverunt. 

Longnm foret omnia perseqni, vemm hoc sine contradictione 
constat, adversarios praedictos omnem snam navasse operam pro 
virili parte, et id ipsnm longo tempore, nt stomachnm Regis et 
indignationem in dominum episcopnm concitarent, Regi alioqnin 
semper acceptissimnm. Et nt hoc ipsnm perficerent, nsi sunt 
varia arte, calliditate et ingenio; sed episcopns yitae snae snffnltns 
integritate omnia illoram conamina flocci faciebat. 

Ego yero, qnam opinionum praedictamm de ipsins morte 
seqnar, non video, rem tamen gestam circa eins mortem hiece 
meis ocnlis visam praesentibns annotavi. Liberum modo est cni- 
libet indicare de ipsins morte et yita pro sna libidine. Qni vero 
conyersationem et mores ipsins nornnt, fateantnr necessarinm est, 
si modo fallax iudicinm ferre embescant, enm fnisse praelatnm 
grayem, omni yirtute et integritate praeditnm, prudentem, sobrium, 
castum, instnm, conscientiosum, religiosum, doctum, admirandae 
constantiae yimm, magnanimnm, consnltissimnm, et ideo tribus 



480 URKUNDEN ZUR FAMILIEN-GESCHICHTE VON COPPERNICUS. 

Regibus Poloniae successive: Alberto, Alexandro et SigiBmundo, 
totique regno Poloniae acceptiBsimum ; solebant enim stapere ipsins 
ingenium in consiliis et conBultationibns rerum magnarnm. Tota 
etiam Prnssia, quae regno obedit, band Becus ipBum ac parentem 
yenerabatur, antequam ex cauBis praedictis in diBsenBionem cnm 
eo devenisset. Alii effntiant paBBim eins vitia, ut Übet ; ego in 
tantiB, ut praedictnm est, virtutibuB, hoc praecipnnm in eo 
OBBe Vitium animadverti, quod sententiae Buae nimis 
perseveranter inhaerebat, ex qua yix potnit fortisBi- 
miB etiam argumentiB expugnari. Audivit tarnen libenter 
aliorum consilia , non tarnen paBBim omnium , Bed paucorum ad- 
modum, et eorum praeBertim, qui ingenii claritate conspicui eBsent. 
DefectuB etiam in eo admodum magnus fuit, quod 
conciliare Bibi amorem et benevolentiam hominum 
non potuit. Et Bi in ea re gratiam habuiBBet, fuisBet mirabi- 
lium operum effector; Bed non omnia poBBumus omnes. 
RequicBcat anima ipsiuB in Bancta pace. 



Vierte Abtheilimg. 



Ermland und das Frauenburger Domstift 



snr Zeit von Goppernions. 



11. 31 



IV. 

EBMLAND UND DAS FRAÜENBURGEß DOMSTIFT 

ZUR ZEIT VON COPPERNICUS. 



Im ersten Bande (Thl. I, Abschn. 2, 8. 178—211) sind— unter Bei- 
fflgnng urkundlicher Belege — einige Ausführungen über dasBisthum und 
Domstift Ermland gegeben. Nachstehend werden, in Ergänzung jener 
gedrängten Darstellung, zwei grössere archivalische Schriftstücke mit- 
getheilt, welche der Zeit unmittelbar vor und nach Coppernicus ent- 
stammen und über manche auf dessen Leben bezügliche Verhältnisse 
wünschenswerthe Auskunft; geben. Die beiden, auch für weitere Zwecke 
wichtigen Schriftstücke werden — das erstere in dem bischöflichen, das 
zweite in dem Kapitels-Archive — zu Frauenburg aufbewahrt und 
sind erst vor kurzem von Hipler in dem »Spicilegium Copernicanum« 
(8. 236—265) veröffentlicht worden. 



3r 



A. Die Besohreibong des BisthainB Ermland 

von Martin Cromer. 



Wir besitzen von sehr kundiger Feder eine Beschreibung von Land 
und Leuten in Ermland aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Diese 
treffliche Schilderung des geistlichen Fürstenthums und der eigenartigen 
Verhältnisse, unter welchen Coppernicus während eines Zeitraums von 
fast vier Decennien gelebt hat, verdanken wir einem jungem Zeitgenossen 
desselben 7 dem zweiten polnischen Bischöfe Ermlands (1579 — 1589), 
dem gelehrten Oeschichtschreiber seines Vaterlands, Martin Cromer.* 
Derselbe hatte das grosse Bammelwerk »de episcopatn Varmiensi« im 
Jahre 1572, bald nach seiner Einsetzung als Coadiutor des Kardinals 
Stanislaus Hosius begonnen und vier Jahre nach seiner Inthronisation 
im Jahre 1583 vollendet.** 

Die nachstehend mitgetheilte Einleitung dieses Werkes enthalt 
ausser einer allgemeinen Beschreibung des Landes eine Zusammenstellung 
der Rechte und Pflichten des Domstifts. 



* Ausser seinem Hauptwerke »de origine et rebus gestis Polonorum« 
hat Cromer später, als er schon in Ermland lebte (als Coadiutor des Bischofs 
Stanisl. Hosius) sein oftmals aufgelegtes Werk »Polonia sive de situ Polo- 
niae et gente Polona« im Jahre 1575 veröffentlicht. 

** Cromer's grosses Sammelwerk »de episcopatu Varmiensi« enthält eine 
Beschreibung der Rechte und Pflichten, Einkünfte und Lasten der geistlichen 
Pfründen Ermlands und ist für die Geschichte der Diöcese wichtig durch 
die grosse Zahl der darin aufgenommenen Urkunden. 

Die beiden ersten Bände, welche ausser der im Texte mitgetheilten 
Einleitung die Beschreibung von zehn ermländischen Dekanaten enthalten, 
werden im bischöflichen Archive zu Frauenburg aufbewahrt ; der dritte Band, 
welcher die Geschichte der übrigen vier Dekanate nmfasste, ist bis jetz 
nicht aufgefunden. 



Yarmlensis Episeopi Marttni Oromerl 

Prooemium 
operis de episcopata Yarmiensis. 

Ex quo divinitus nnllis nostris meritis in hac Bpecula Var- 
mienBis episcopae primum ut coadiutor lUustrissimi et Reveren- 
dissimi olim D. Stanlslai Hosii S. R. E. CardinaÜB presbyteri, 
deinde ut successor et episcopus coUocati sumus^ studuimus pro 
yirili nostra , conditionem eiuB ipBiuB epiBCopae atqne dioeceBeoB 
non modo in BpiritnalibuB, verani etiam in temporalibuB meliorem 
reddere. Quod quidem nemini obBCurum est, niBi Bi quiB forte 
malignitate excaecatuB eBt. Cum autem antiqnituB nullae exBtarent 
parochiaram et aliorum Bacerdotiorum cum BuiB rationibuB, oneri- 
bus et proventibus deBcriptionoB, quae EpiBCopo cognitu necoB- 
fiariae sunt, operae pretium OBBe iudicavimuB, curare, ut eae un- 
dique conquirerentur , in ordinem redigerentur et conscriberentur. 
Unde tria haec volumina eonfecta Bunt. Ea igitur buccobbo- 
ribuB noBtriB et Bupra memoratae VarmieuBi Ecclesiae relinquimuB 
et donamuB. Sperantes id non modo ipsiB SucceBBoribuB et Ec- 
clcBiae gratum, Bed etiam apud Deum Opt. Max. nobiB meritorium 
fore. Datum HeÜBbergae meuBe Aprili Anno Domini 15S3. 



486 EBMLAND UND DAS FRAUENBURGEB DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP. 

Tarmieiisis Episeopatus et Epigcopns. 

Varmiensis Episeopatus a regione Yarmia, qnae est 
praecipua pars dioeeeseos ac ditioBis episcopalis, nomen habet. 
Germani »Hermelandt« appellant. Appellatus est etiam Bnms- 
bergeBsis ab oppido, iB quo primuBi matrix ecclesia et sedes 
episcopalis erecta fnit. 

CoBditns autem is est ab iBBOceBtio eius BomiBis qnarto 
PoBt. Max. per legatnm Wilhelmnm MutiBeBsem Episcopum 
(qui postea fuit SabiBensis) aBBO a Christo Bato 1243. Quo 
tempore etiam SambioBsis et PomesaBieBsis Episeopatus foudati 
et erecti suut, terris, quae de Prussis pagaiüs a TeutoBibus Cm- 
cigeris et cruce siguata promiscua complurium natioBum multitu- 
diBe multis aBBis subactae eraut atque etiam tuuc subigebautur, 
iuter Episcopos et ordiBem Crucigerorum autoritate Apostolica 
(cui terrae illae per saeratos milites aequisitae et subiectae eraut) 
divisis ac distributis, ita ut Crueigeris propter ouera bellorum 
atque defeusioBis duae partes, Episeopis vero tertia cum ornuibus 
emolumeutis et iurisdictioBC obveBiret, et nihilo miBUS obtiBorcBt 
Episcopi autoritatem et ius episcopale etiam in duabus Crucige- 
rorum partibus, suae quisque dioeeeseos. 

His autem limitibus YarmicBsis dioecesis tuBc teruiiBata est: 
Mari receBti sive Habo et Druzuo sive Drauseuo lacubus, Passa- 
lieoBC et Praegola flumiuibus usque ad termiuos Lituauorum. 
Ita quidem habet diploma poutificium. Sed qui sit Passalico 
fluvius, BOB coBStat. Kisi forte est Passaria, qui et Seria per 
apocopeu dicitur et aliqua ex parte etiam bubc ducalem ditieuem 
ab episcopali distermiBat, ducta ad eum a medio Druzuo liuea 
per traBSversum, sive per rivum Elster iu eum ipsum Drusuum 
iBflueutem. Mulhäuseu quidem et Marieufeldt parochiae eis eum 
rivum iu ElbiBgCBsi Archypresbyteratu, ad Varmieusem Episco- 
patum pertiueute, sitae suut aBtiquitus. A foBte vero Passariae 
usque ad Praegolam [quae permagua est regioBum iBtercapedoj 



A. DIE BESCHREIBUNG DES BISTHUMS ERMLAND. 487 

nuUuB tone certus constitntus est limes, propterea quod Crncigeri 
bella cum Lituanis infidelibus gerentes in dies magis ac magis in 
ditionem eomm fines snos proferebant; atque id qnicquid sube- 
gissent, Yarmiensi dioecesi, ditioni vero Episeopi tertia pars eins 
ex praescripto pontificio cedere debnit. 

Snbieetns est antem Varmiensis Episcopns cum sna 
dioecesi inre metropolitico Bigensi Archiepiscopo, (ab 80 
prope annis desiit ei snbesse, nt patet ex literis Archiepiscopi 
Michaelis in archivo Heilsbergensi exstantibus de anno 1501) 
et in ea subiectione permansit propemodum, donec metropolis 
illa labe haeretica infecta est. Nunc nullnm agnoscit Ar- 
chiepiscopnm, immediate subiecta sedi apostolicae, ' 
eni, sicnt dudum dictum est, ab initio in temporalibus fuit sub- 
iecta, a Crucigerorum atque adeo ab imperatorum etiam Romano- 
rum dominatu et iurisdictione prorsus immunis. Quanquam quodam 
tempore imperatores in Episcopos itidem atque in ordinem Cruci- 
gerorum nescio quam iurisdictionem ultro ab eis susceptam usur- 
parunt, et Episcopus Varmiensis princeps imperii di- 
cebatur et habebatur. 

Episeopi creatio initio penes Pontificem Max. fuit. 
Deinde Collegium canonicorum sive Capitulum electio- 
nem liberam obtinuit, nuUo generis, ortus de nationum discri- 
mine, Pontificis tamen Max. (ultra ius confirmandi) etiam absolu- 
tae potestati obnoxiam, donec belle adversus Crucigeros a Rege 
Poloniae Cazimiro eins nominis tertio conflato Nicolaus Tnngenns 
Episcopus una cum Capitulo (Grucigeris et Mathiae regi Ungariae 
foederati) in angustum redacti, novo foedere et iureiurando Regi 
et Regno Poloniae sese addixere. Ibi tunc adstricta nonnihil 
electione in pactis convenit, ut non nisi gratus Regi Episcopus 
eligeretur et, ut iuraret is in verba Regis. Postea regnante 
Sigismundi seniore ea quoque ratio eligendi Episeopi mutata 
est, convenitque, ut Rex quatuor indigenas de Capitulo 
edat et nominet, de quibus Capitulum unum eligat 



488 EEMLAND UND DAS FBAUENBURGER DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP. 

eleetumque cum Rege Pontifici Maximo confirmandum 
commendet. 

In senatu Frassicio prineipem locum VarmienBis 
Episcopus obtinet, et praerogatiyam eius convocandi; propo- 
nendi in consultationem qnae opus Bunt, diem dicendi reis qnl- 
bnsvis in conventu indicandiB, et conclndendi promnlgandiqae 
eonstitutiones publicas atque decreta. 

Primus autem Episcopus autoritate pontificia factus est 
Anseimus unus e Crucigero'rum ordine, euius eleetione 
(Crucigeris quam Episcopo et ecclesiae commodiore) tertia pars 
dioeceseos. dudum memoratis finibus needum ad amuBsim cireum- 
scriptae, Episcopi ditioni certis limitibus segregata est et Cruci- 
ferica ditione ferme undique circumsepta. Nee tarnen ea divisio 
rata mansit, accisa postea quoquoversum maiorem in modum di- 
rione Episcopi et Capituli vi dolisque cupidorum Grucigeromm. 

Erat sub illud ipsum tempus Brunsberga oppidum con- 
ditum a Brunone Olomucensi vel, ut nonnulli volunt, PrageiiBi 
Episcopo, cum is cruce signatam militiam cum Ottocaro Rege Bo- 
hemiae contra Prussos suscepisset. In ea igitur Anselmus 
(cum iam antea parochias quasdam constituisset) sedem ac do- 
micilium suum, uti dudum memoratum est, collocavit: 
templum sive matricem ecclesiam titulo S. Andreae apostoli exili 
Btructura condidit, anno post Christum natum 1260 et in ea XVI 
Canonicos cum lY Praelatis instituit. 

Aliquante autem post secundi Episcopi Henrici tempore 
Basilica sive matrix ecclesia una cum sacro coUegio et ca- 
thedra Episcopi Fraumburgum, seu verius in collem Fraum- 
burgo oppido posterius condito et Habe impendentem trans- 
lata est. Manetque colli simul et oppido nomen, ex eo quod 
Basilica virginis matris (quam dominam vocare germanis non 
inusitatum est) nomine dedicata est, vel, ut alii volunt, a matrona 
sive domina donatrice. 

Habitata est autem et culta episcopalis ditio, quemadmodum 



A. DIE BESCHBBIBUNG DES BI8THUM8 EBMLAND. 489 

et ea quam Craeigeri obtinnerant , partim a reliqniis subactorimi 
PmsBonim, partim a deductis in vacaoB agros et pagos, vastasque 
et Bilvestres solitndines e Germania colonÜB. Atque inde est, 
qnod permagnus est et fere popalaris in maxima parte 
Episcopatus Germa'nicae linguae, partim maritimae, partim 
superioris et mediterraneae usns, et Germanica sunt plera- 
qne omnia pagorum oppidorum et arcium nomina, qnibus 
ädvenae contra barbarorum indigenaram impetnm fraudesqne suc- 
cessn tempomm sese mnnienmt. Cum Saxonicae autem tum 
Lubecenses leges a Germanis in totam dioecesim in- 
vectae sunt; verum Lubecenses in duo tantum oppida, Bruns* 
bergam et Fraumburgum , Saxonicae Culmensis iuris nomine cen- 
Bentur mutatis aliquot earum articulis. Priscum vero Prussicum ins 
iam propemodum exolevit. Quae yero loca vergunt ad Austrum 
et Euronotum, aPolonis fere Polonica lingua utentibus 
coluntur, pagi praesertim. Gondita sunt autem secundum 
Bupra memoratam Brunsbergam oppida: Wormita sive Wormdita, 
Melsacum, Gutstadia, Heilsberga, Seeburgum, Reselia. Vartemberga 
et AUensteinum cum adiunctis arcibus et domibus sive curiis do- 
minicis; sine arcibus vero Fraumburgum, Bisteinum et Bisburgum. 
TametBi Bisburgum quoque, quod Biskupiec a Polonis dicitur, 
olim arcem habuit, cuius adhuc apparent vestigia in coUe oppido 
imminenti, Bisteinum vero curiam; Fraumburgi basilica moenibus 
cincta pro arce est. Accessit bis postea Tolkemita donatione 
Begifi Alexandri et Sigismundi in compensationem damnorum 
belle superiori acceptorum, sed regnante Sigismundo Angusto 
rursus detracta est, praetextu interdicti seu legis cuiusdam, et a 
rege vindicata. Scbarpam quoque sive Scharfam territorium insulae 
maioris cum officio piscaturae, et iure LX navium anguillarium, 
quae Eeitelae vulgo vocantur, idem Alexander Lucae Episeopo 
donavit, ea conditione, ut ea sibi redimeret a quodam bypothe- 
cario possessore. Et redemit is quidem; sed Mauricius Geda- 
nensis sucoesaor eins vendidit Scbarpam Gedanensi civitati; ius 



490 BEMLAND UND DAS FBAUENBUBOEB DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP- 

tamen Keitelarnm retinuit et cum Capitnlo pro rata portione par- 
titus est. 

Praedia nnlla Episcopus initio habnit. Postea condita snnt 
exstirpatis silvis et in culturam redactis agris: sed pleraque a 
posterioribus Episcopis rursns vendita. NonnuUa nunc denao 
excitantur. 

Lacus non paucos et piscosos habet Episcopatus et melMcia 
lucnlenta. Ferarnm quoqne olim permagna fait copia, prinsqnam 
excinderentur et exstirparentnr silvae ; sunt et moletrinae non in- 
fmctuosae. Inde et e subditorum pensitationibus sustentabat se 
Episcopus cum suis. 

Ordines hominum in Episcopatu commorantium et bona 
possidentium duo snnt: ecclesiasticus et profanns, sive 
spiritualis et saecularis. In ecclesiastico censentur praelati, 
canonici, parochi et caeteri sacerdotes et clerici. Atqne hi 
omnes in tota dioecesi Episcopi potestati et iurisdictioni subiecti 
sunt. Profanus tria genera hominum continet: nobilitatem sive 
equestrem ordinem, oppidanos et rusticos. Sunt et liberi nonnulli 
medii quodammodo inter equites et rusticos et iis fere pares con- 
ditione sculteti^, patroni et adyocati pagorum. Qui utrique 
aeque ac nobilitas equestri militiae ad imperium Episcopi obnoxii 
sunt, (nam oppidani et rustici, cum opus est, pedestres militant) 
et insuper arcium muniendarum et reficiendarum onus ferunt. 
Ab aliis operis ordinariis, itemque a censibus immunes, cum 
emptitios agros habeant, itidem ac nobilitas. Pensitant tarnen 
liberi itidem atque nobiles de praediis suis aratralem annonam, 
pro locorum ratione et ex praescripto privilegiorum suorum. 
Kempe siiiginem et avenam, vel triticum vel hordeum. Itemque 
certum pondus cerae et senos nummos sive obolos in professionem 
subiectionis. Pendit etiam ex agris adscriptitiorum suorum anno- 
nam aratralem nobilitas; habet enim ea quoque subiectos sibi 
pagos rusticos. 

Oppidani colendis agris, re pecuaria, cerevisia coquenda et 



A. DIE BESCHREIBUNO DES BISTHUHS ERMLAND. 491 

▼endenda et opificiis yictnm qnaeritaBt. £ domibns et agris 
censum Episcopo pensitant; operas vero ad manitionem et uti- 
litatem oppidi sui quisque publicam praestant. , Rustici vero 
glebae adseriptitii et minuB liberae conditionis agrieolae sunt et 
ipsi et peeuarii (quod omnibus statibus commane est) et nonnnlli 
mellificiornm cnratores. Hi et censum de singulis mansis, et 
gallos, gallinasve, vel anseres pensitant, et ligna convehunt, et 
operas gratuitas praestant Episcopo, vel suo quisque hero; nee 
licet eis liberisve eorum maribns ex Episcopatu migrare, nisi se 
redimant, exceptis iis, qui sacris initiantur, aut literarum studiis 
sese addixere. 

Ab initio fundati Episcopatus exigui census et modicae operae 
impositae sunt advenis iuxta ac indigenis, propter continentia 
bella et incultos agros. Quin cum Episcopi praediis earentes 
operis non indigerent, passi sunt, ut rustici plerique eas parvo 
redimerent, quod etiamnunc ita durat, vocanturque liberi pagi. 

Decimas etiam ex agris omnes ordines profani pensitabant 
Episcopo et Capitulo antiquitus; verum eae deinde ad parochos 
translatae sunt. 

Jurant antem omnes Status, praeter sacerdotes, fidelitatem et 
obedientiam novo Episcopo. Porro ex pacto supramemorati Ni- 
colai Episcopi, etiam in novi Regis Poloniae, tanquam domini et 
protectoris ecclesiae, verba iurant tam Capitulares, quam Epis- 
copales snbditi, quin et praelati, canonici et caeteri beneficiati. 

Tributa extraordinaria nuUa imperat subditis suis Episcopus 
neque Gapitulum. Sed si quid opus est, sacerdotum quidem 
synodus, profanorum vero ordinum, nempe nobilitatis, 
ciyitatum, liberorum et scultetorum conventus ab utrisqueHeils- 
bergam plerumque cogitur. Eins consensu tributum sei- 
scitur, constitutiones novae conduntur, et si quid in conventu Re- 
giarum terrarum Prussiae decretum est, ad suos et Capitulares 
subditos refert Episcopus, ut eorum assensu approbetnr et susci- 
piatur. Keque enim ii obnixii sunt communibus illis caeterarum 



492 EBMLAND UND DAS FBAUENBUBGEB DOMSTIFT Z. ZEIT V. GOPP. 

illaram Prussiae conventibns^ ac neque Capitulum. Solu« 
eis interest et praeest Episcopus. Atque hae sunt 
rationes subditorum Episcopalium. Praeficiantur autem iis per 
arces et territoria praefecti singuli. Qui iidem sunt curatores 
rei familiaris Episcopalis, quorum plerique germanice 
Burgrabii appellantur, nonnalli Gapitanei, addito 
arcis nomine. Civitatibus vero pecnliariter praesunt magi- 
stratus ab ipsis civibus delecti, qui consules yo- 
cantur. Ex iis magistri ciyium Brunsbergae tres sunt, in aliis 
vero oppidis bini, Bisburgi unus. 

Est autem totius Episcopalis ditionis unus iudex 
(Advocatum terrestrem vocant) qui eausas criminales, rixarum, et 
Yulnerum, itemque fundorum et haereditatum iudicat, eamqne ob 
rem bis quotannis oppida Episcopo subiecta obit. Alia rero 
iudicia in oppidis quidem magistratus civiles, in pagis autem 
sculteti et praefecti exercent. Ab omnibus porro ordine proYOcatar 
ad Episcopum, exeeptis eriminalibus causis. In civilibus nobilitas 
non temere se ab alio quoquam, quam ab ipso Episcopo, vel pe- 
cnliariter delegatis ab eo iudicibus sive commissariis iudicari su- 
stinet. Sed ad advocatum revertamur. Fenes eum solet esse 
etiam cura rei bellicae et praefectnra copiarum. 

Est et OeconomuS; qui universae rei familiaris EpiscopaUs 
euram gerit, census et alios proventus coUigit et rationes aecepti 
et expensi a praefectis exigit, penum et cellam curat, contractus 
subditorum inter ipsos de fundis admittit et annotat. 

Habet etiam Episcopus iudiciorum ecclesiasticorum administrnm, 
scripturarumque et scribarum magistrum, Cancellarium, et 
alterum itidem spiritualium iudiciorum vicarium, qui Officialis 
generalis appellatur. Atque is solet esse unus de sacro eoUegio 
sive Capitulo, Cancellarius etiam plemmque. 

Sed iam perstricto obiter Episcopatu et Episcopo, ad ecdesias 
ipsi subiectas transeundum est, ordiendumque a matrice sive 
basilica. 



A. DIE BESCHREIBÜKG DES BISTHÜM8 EBMLAND. 493 

Cathedralls eeclesia siye Basilica Framnbargensis. 

Est ea satis decora et magnifica in coUe , nt iam dictum est, 
exaedificata et moenibus cincta, intra quae sunt etiam Episcopalis 
et aliquot canonieorum aliorumque ministrorum ecclesiae domus; 
caeterae foris sunt in patentibus campis et curiae vocantur, prop- 
terea quod habent adiunetos hortos et praedia fere cum re pecuaria. 

Praelati. 

Ecclesiae secundum Episcopum praesunt praelati et canonici. 
Snnt autem praelati quatuor. Nimirum Praepositus, De- 
canus, Cttstos, et Cantor^ iam inde ab initio ab Anselmo 
primo Episcopo, quemadmodum superius dictum est, constituti 
(Cantor tamen in eins diplomate Gustodi praeponitur] . Haec sunt 
autem praelatorum mimia. 

Praepositus praesidet Capitulo idque convocat, negotia 
tractanda ei proponit, suffragii potestatem cuique facit, et secun- 
dum ea plura decemit. Ipso absente aut nolente, ut quisque ei 
loco proximus est, haec peragit. 

Decani nlunus est vicariis et choralibus praeesse et cantui 
ritibusque ecclesiasticis in templo moderari. 

Gustos thesauri et suppellectilis ecclesiasticae sacrariique 
cnram habet; panem, yinum, thus, ceram, ignem et alia neces- 
saria usibus templi et cultui divino suppeditat. Ea per vicarium 
etiam diaconum administrat. 

Gantoris officium est, festis totis duplicibus praecinere 
choro, siye inchoare yel intonare cantum choralium cum uno de 
yicariis, cuius yices sunt hebdomadariae. Quod ipse quoque per 
conductum aliquem de yicariis praestare solet. 

Horum nuUus in Gapitulo locum habet, neque emolumentorum 
uUorum capitularium particeps est. Reditus modo certi anniyer- 
sarii penduntur eis a capitulo; praeposito quidem marcae leyes 



494 ERMLAND UND DAS FBAUENBURGEB DOH8TIFT Z. ZEIT V. COFP. 

sive communes XL, Decano XXVIII, Custodi XX, Cantori XVI. 
Praeter, qni Ganonicatum simnl obtinent, qnod fit pleromqne. 
Tunc enim omninm emolamentorum fiunt participes, quemadmodnm 
alii canonici, et praerogativurn loci et suffragii habent. Caeteraiu 
in templo divinisque ministeriis (sive sit canonici, sive non, et 
sive in sacris ordinibus, sive non) prima loca tenent eo, quo 
dudum enumerati sunt ordine. 

Reservarat Anselmns initio sibi et successoribus suis Episcopis 
etiam Archidiaconi institutionem, et fandavit enm Lncas Epis- 
copuB (at patet ex eins literis in archivo Heilsbergensi episcopali 
exBtantibas de anno D. 1503); sed unicuB is fuit. Fnit et Sehe- 
laBticus aliqnamdia. Institutus fuit aliqnando etiam Saffraganens, 
Eivitensi parochia ipsi attributa; sed nnicus is quoque fuit. 

Totis duplicibus festis si non canat Episcopns, canit praelatos 
aliquis summum sacrum et vesperas. 



Canonici. 

Canonici fnerunt quodam tempore XXTTII, novis prae- 
bendis octo a posterioribus Episcopis post Anselmnm institntis. 
Praebendae partim maiores, partim minores, partim mediae voca- 
bantur. Verum eae omnes in sexdecim Pontificis Max. auto- 
ritate redactae sunt, ut Anseimus instituerat. Adiuncta est 
quodam tempore communi Episcopi et Capituli decreto decima 
septima praebenda S. Andreae nomine, cuius corpus quotannis ad 
utilitatem et necessitatem urgentem Ecclesiae et Capituli asser- 
vatur. 

Ordo in templo et processionibus inter canonicos hie seryatuf, 
ut prima loca teneant presbyteri, deinde diaconi, mox subdiaconi, 
extrema ii, qui in minoribus ordinibus sunt, etiamsi priores co- 
optati sive recepti fuerint. 

Collegium canonicorum, quod Capitulum vulgo vocatur, 
est consilium Episcopi, custodes iuris Episcopalis, protectores 



A. DIE BESCHBBIBUNG DES BISTHUMS EBHLAND. 495 

ecclesiae et subditorum eias, et in basilica adminiBtri Baororam 
cnltusqae diviBi. Quem partim universi adminlBtrant, partim ali- 
quot simul, partim sisgoli per certas yices hebdomadarias. 

Tum demnm autem canonici finnt capitulares, qnando sunt 
in sacris ordinibus, hoc est, presbyteri, diaconi, vel subdiaconi, 
et cooptati in coUeginm, mensem unopi circa basilicam in cultu 
diyino exegerint. 

Convenit CoUeginm sive Capitnlum e praescripto statuti quo- 
libet mense eemel. Extra ordinem vero^ quoties opus est, conto- 
eatum a praesidente. 

Electio praelatorum et canonicorum communis est 
Capitulo cum Episcopo, Anselmi Episcopi constitutione. 
Alternos tamen menses Pontifex Max. usurpat, sive 
adeo ipsis reliquit vigore pacti, sive ut vocant, compactatorum 
cum ecclesiis Germaniae, quae hunc etiam Episcopatum comple- 
ctuntur. Ac priores quoque menses (nempe Januarius, Martins etc.) 
Pontifici debentur, posteriores ordinariis. 

Proventus praelatis et canonicis universe initio ab eodem 
Anselmo in ditione Episcopali segregati sunt: quaedam terrae 
cum decimis suis, et iurisdictione et aliis utilitatibus (bis enim 
verbis iile utitur in suo diplomate). Sed posteriori tempore Epis- 
copus partitus est Episcopatus totius bona cum Capitulo, ita ut 
duas eins partes sibi retineret, tertiam concederet Capitulo certis 
limitibus distinctam. Cesserunt autem per sortem Capitulo Allen- 
steinense, Melsacense, et Fraumburgense territoria. una cum iuris- 
dictione, qualem habuit Episcopus, et mero mixtoque imperio. 

Inde proveniunt Capitulo emolumenta e moletrinis, praediis, 
lacubus, silvis, frugibus, censibus, anserum, gallorum, lignorum 
et aliis pensionibus subditorum. Habet id etiam ins rusticarum 
operarum, itidem atque Episcopus. Quae partim praestantur, 
partim redimuntur. 

His accesserat paulo ante nostra tempora Tolkemitense terri- 



496 EBMLAND UND DAS FRAUENBURGER DOHSTIFT Z. ZEIT V. COFP. 

torium cum oppido, a Luca Episcopo et snccessore eius donatam, 
de quo Buperins mentio facta est. 

Acquisivit postea Gapltulum donationibus et emptionibus, Tel 
aliquo alio pacto nonnulla alia bona et census in ditione Episco- 
pali, partim ab ipsis Episcopis, partim a vasallis eius. Sed in 
bis iurisdictio summa manet penes Episcopum. Ex bis aatem 
Omnibus bonis emolumenta quotannis ad basilicam comportantar, 
et in vicariorum reditus, choralium salaria, fabricam, annirersaria 
defunctorum of&cia aliaque eultus divini et basilicae onera (quae 
sustinet antiquitus Capitulum) impenduntur, praelatis et canonicis 
praebendae, sive corpora earum anniversaria certa ratione distri- 
buuntnr. Praelatis quidem in quovis ordine ecciesiastico, absen- 
tibus iuxta ac praesentibus, pro rata portione, quemadmodom 
dudum notatum est, integra; Canonicis vero aequaliter residenti- 
bus quidem sexagenae marcae communes, quod est integrum 
corpus; non residentibus vero dimidium eius, nempe tricenae 
marcae, etiamsi non sint in sacris ordinibus. Is tarnen qui est 
in comitatu et ministerio Episcopi, et nonnuUi alii certis de causis 
statuto perscriptis absentes residentibus in hoc exaequantur. 
S. Andreae nomine duplum integri corporis in arcem Aliensteinen- 
sem reconditur. Neque enim habent Canonici distinctas et inae- 
quales praebendas, sive ut vocant fundos. Reliqua vero pecunia 
(exceptis quibusdam rationibus) inter residentes pro portione dili- 
gentiae in cultu divino certo anni tempore dividitur. Et antiqui- 
tus quidem aequaliter; iam vero nova Cardinalis Hosii constitutione 
diacono dimidium, subdiacono autem tertia pars eius, quod accipit 
presbyter. Nuper adeo ad praescriptum consilii Tridentini distri- 
butiones quotidianae institutae sunt, et ex ea summa reliqui de 
sententia nostra in dies certa ratione distribuuntur iis modo, qui 
missae et minimum duabus horis canonicis interfuerint. 

Distribuuntur praeterea certis anni temporibus siligo, avena, 
foenum, pisces, puUi gallorum, ligna, asseres et alia eiusmodi 
ad sustinendam remfamiliarem pertinentia. Eorum autem parti- 



A. DIE BESCHREIBUNG DES BISTHUMS ERMLAND. 497 

cipes finnt ii demum, qai iis ipsis diebus, quibns ea distribui 
oportet, in templo sacris intersant; idqne partim aequaliter Omni- 
bus, partim pro supra memorata portione sacromm ordinnm. 

Sunt etiam peculiaria praedia (allodia vulgo vocantur) non 
procul a basilica, quae cum vacuerint, singula singulis Canonicis 
petentibuB, secundum Senium, hoc est; pro eo ac prior quisque 
canonicatum adeptus est, sive sit in sacro ordine sive non, ab- 
senti iuxta ac praesenti (dum modo intra praestitutum tempus per 
procuratorem petat et intra praeteritam biennium vel semel basi- 
licam viserit) a Capitulo gratis conferuntnr. 

Domus autem et curiae emptitiae sunt; sed ad eun- 
dem modum ut allodia a Capitulo conferuntur. Pretium secundum 
aestimationem Capitali priori possessori vel haeredibus eins inter- 
polatis pensionibus exsolvitur. 

Ordines subditorum profanomm et magistratus ad eundem 
modum sunt in Capitulari ac in Episcopali ditione, praeter quod 
Capitulum ultra Bargrabios etiam singnlos Aratres de coUegio suo 
arcibus et territoriis suis quotannis praeficit, qui administratores 
vocantur, Fraumburgi vero iudex civitatis. 

Luculentior cognitio rerum Capitularium e statutis et rationi- 
bus ipsius Capituli petatur. , 



n- 32 



B. Die Statuten des Ermländisohen Domstifts 
zur Zeit von Goppernious. 

Die zur Zeit von Coppernicns für das Frauenbnrger Domstift gelten- 
den Statuten waren unter dem Bischöfe Nicolaus von Tüngen gegen Ende 
des 15. Jahrhunderts (zwischen 1485 und 1489) abgefasst;^ sie sind 
nach der im Kapitels- Archive aufbewahrten Abschrift von Hipler im 
))3picilegium Copernicanum(( 8. 246 — 265 abgedruckt. — Die nächste 
Redaktion der Kapitels-Statuten fand erst ein Decennium vor dem Tode 
von Coppernicus statt (unter dem Bischöfe Mauritius Ferber im 
Jahre 1532). 



^ Die Zeit der Promulgation der unter Bischof Nicolaus von Tüngen 
(1467 — 1489] neu redigirten Statuten des Ermländischen Domstifts lässt sich 
ausreichend bestimmen; sie muss innerhalb der Jahre 1485 bis 1489 erfolgt 
sein. Die letztere Grenze ist durch das Todesjahr des Bischofs Nicolaus 
von TUngen gegeben (er starb am 14. Februar 1489). Andererseits kann die 
Redaktion aber frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 1485 erfolgt 
sein, da der an letzter Stelle aufgeführte Domherr Andreas Tostier de 
Cleetz erst am 4. Juni 1485 in das Kapitel aufgenommen wurde. 



Das Ermländische Domstift war von dem ersten Bischöfe Anselm im 
Jahre 1260 fundirt und durch ein zweites Dokument d. d. 27. Jan. 1264 be- 
stätigt worden (Cod. Diplom.-Warm. I, 85). 

Die ältesten von (Anselm us selbst entworfenen Kapitel-Statuten 
waren bald als unzulänglich erkannt. Aber erst der Bischof Job. Stryprock 
(1355 — 1373) beantragte eine durchgreifende Umgestaltung bei der päpst- 
lichen Kurie; seinem Nachfolger Heinrich Soerbom war es vorbehalten, die 
neuen Statuten im Jahre 1384 zu veröffentlichen. (Voigt Cod. diplom. 
Pruss. y, 27.) Fernere Abänderungen werden uns aus dem Jahre 1393 und 
dann weiterhin bis zum Jahre 1423 vereinzelt gemeldet. (Cod. diplom. 
Warm. III, 119. 251. 323. 344.) 



(1) In nomine Domini Amen. Nos Hicolaus Dei et apostolicae 
sedis gratia EpiscopnB, Enoch praepositus, Ghristianns Decanus, 
Thomas Werner Gustos, Thomas Kynast Cantor, Werneras He- 
derich, Hieronymns Waldow, Johannes Czannaw, Leonardus de 
Loyden, Caspar Velkener, Zacharias Tapiaw, Martinas Achtisnieht, 
Mathias de Lannaw, Lucas Watczelrode, Helias de Darethen, 
Andreas Tostier de Gletz — Gapitulum ecclesiae Warmiensis capi- 
tulariter congregatum — : Attentis yariis additionibus et declaratio- 
nibus circa antiqua dicti Gapituli statuta dudum editis et in di- 
yersis locis librornm eiusdem Gapituli sparsim contentis easdem 
cum statutis ipsis in unum comportando pro honore dei ac bono 
ac tra^quillo statu ecclesiae ac Gapituli eiusdem ordinamus et 
statuimus infrascripta. Et quia sanctorum patrum tradit auctori- 
tas, quod beneficium datur propter officium, etiam quia haec fuit 
dictae ecclesiae fundatorum et eorum, qui sua ei beneficia con- 
tulerunt, intentio, ut in ea honor dei sanctorumque illius frequen- 
taretur in divinis. 

(2) Statuimus primo, ut in eadem Warmiensi ecclesia missarum 
et alia tarn diuma quam nocturna pro Yivis et defunctis ab ec- 
clesia catholica instituta officia eo modo et ordine peragantur, 
quo magis placari deus et sanctis eins exhiberi possit reverentia 
maior, laudabili tarnen et diu in eadem ecclesia frequentato non 
mutato ordine. Eo etiam moderamine semper adhibito, ut in eo 
maior solicitudo habeatur, quod in conspectu dei magis sit ac^ 
ceptum. 

32* 



500 ERMLAND UND DAS FRAÜENBÜRGER DOMSTIPT Z. ZEIT V. COPP. 

(3) Item statuimus et ordinarnns, qnod Canonici Wannienses 
maiores praebendas obtinentes, de quibus tantum Statuta infra- 
scripta intelligi volumus, nisi de mediis et minoribus praebendis, 
praebendatis et de vicariis mentio fiat specialis, teneantnr secun- 
dum ordinem curiarum ebdomadas in ecclesia hoc modo, nt in 
festis totnm duplicibas in ipsa ebdomada occurrentibüs Canonicus, 
quem ebdomada contigerit, per se yel per alium Canonicum ipsine 
festi officium in ecclesia peragere, a primis vesperis incipiendo 
usque ad Completorium festivae diei inclusive. (Nisi festum ipsnm 
die Sabbati evenerit.) Tunc enim Canonieus immediate sequens 
Secundas vesperas cum Completorio, si extra Qnadragesimain 
fuerit, in XLma autem solum Completorium teuere sit adstrictus. 
Quo . . (?) hoc enim ebdomadam a meridie unius Sabbati inchoari 
et in meridie alterius Sabbati immediate sequentis terminare cen- 
semus. In festo autem duplici aut semiduplici celebri Canonieus 
ebdomadarius solum Missam summam per se vel per alium Ca- 
nonicum cantare tenebitur. Reliquum vero ipsius festi officium 
per Vicarium ebdomadarium compleatur. In utrisque tamen festi- 
yitatibus ministros altaris in prandio procurare tenebitur. Et si 
praemissorum aliquid^ adimplere neglexerit, panum distributionis 
proximo p6st negligentiam occurrente sit privatus ipso facto in 
poenam negligentiae sie commissae. 

(4j Item statuimus, quod Ebdomadarius omnibus horis cano- 
nicis infra suam ebdomadam per Chorales decantari consuetis a 
principio usque ad finem in stalle residendo personaliter Interesse 
teneatur diligentemque caram adhibere, ut chorales ipsi cum de- 
bita reverentia et'integritate officia deyote perficiant. Ipso tamen 
legitime impedito per alium Canonicum poterit eins suppleri prae- 
sentia, nisi ratione legationis yel infirmitatis excusetur. Ipse 
etiam Ebdomadarius negligentiam, irreyerentiam aut insolen- 
tiam dictorum Choralium dominis eorum dennnciet, qui si in 
corrigendo negligentes fuerint, de hoc per Ebdomadarium re- 
latio fiat in Capitulo ex tunc de proximo celebrando. Negligenti 



B. DIE STATUTEN D. ERMLÄKD. DOMSTIFTS Z. ZEIT V« COPP. 501 

in praemissis et pro qnalibet hora unns scotus de proxima distri- 
butione sabtrahatnr. Ghorales vero ex suoram negligentia domi- 
nomm iurisdictioni capitali subiacebnnt. 

(5) Item statttimus, quod, quotiens dominum Episcopnm conti- 
gerit divina in ecclesia Warmiensi celebrare^ dno Canonici recep- 
tione inniores teneantur induti sacris yestibng, innior eorum Epi- 
stolam et immediate sequens Evangelinm legendo eidem ministrare. 
Duo quoque ex praelatis seu illis deficientibus seniores Canonici 
apnd altare in missa et in thurificando eidem assistant iuxta lau- 
dabilem consnetudinem observatam. In festis etiam totis dupli- ^ 
cibus aliisque diebus lectiones et homilias et Tersng ad Respon- 
soria aliaqne per inniores Canonicus legi et cantari consueta 
numero et modo pront per consnetudinem tentum est, sub debitis 
distinctionibtts et accentibus congrue et intelligibiliter legendo et 
cantando diligenter perficiant. Quod si aliquem eprundem nondum 
sacrum ordinem ad praemissa rel aliquod praemissomm requisitum 
contigerit suscepisse, vel fore alias legitime impeditnm, extunc 
faciat, ut per aliquem habilem exCocanonicis huiusmodi ministerium 
exequaturnec eundem causa quaecunque excusabit, quin ministerium 
ipsum vel per se vel surrogandum per eum compleatur. Absurdum 
est enim, quod seniores supplere debeant negligentias iuniorum, 
qui de iure communi etiam servire tenentur senioribus. Et qui 
culpabilis repertus fuerit in praemissis, pro primo articulo in uno 
fertone et pro singulis aliis totiens quotiens in duobus scotis de 
praebenda sibi defalcandis puniatur. 

(6) Item statuimus, quod in ecclesia Warmiensi in stallis, 
processionibus aliisque domini cultum tangentibus ordinatio iuris 
communis servetur, qua caveturj, quod presbyteri primum locum, 
diaconi 2imi, subdiaconi 3uiu, et sie de reliquis obtineant ordi- 
natim, etiam si posterius sint recepti. Et si quis contravenire 
praesumpserit, per praelatum superiorem una cum Capitulo totiens 
qnotiens in panum distributionibus puniatur. 

(7) Item, ut numerus in choro servientium siye psallentium 



502 ERMLAND UND DAS FRAUENBURGER DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP. 

continnata integritate perduret, statuimus, quod nnllus Canonico- 
rum choralem Bunm infra horas divinas, per ipsos decantari eon- 
Buetag, nullius officii sen ministerii praetextn extra chomm evoeet. 
Nee ipse ehoralis, enius ad hoc persona et industria censetor 
eleeta, ab eodem choro se absentare praesnmat, nisi in magna 
necessitate super hoc a Ganonico Ebdoniadario licentia petita 
fnerit et obtenta. Ordinationibus nihilominns memoratis choralibns, 
quoad poenas pecnniarias pro eorum negligentiis infligendas datis. 
in suo robore permansuris. 

(8) Item Statuimus, qnod deinceps nnllus Canonicomm optet 
aliquod altare in ecclesia Warmiensi, sed sit altari sibi per prae^ 
decessorem snnm dimisso contentns, salva consuetudine de primis 
quatuor altaribns per praelatos maioribns praebendis praebendatos 
eligendis hactenns observata. Et quotiens ratione eleetionis hnins- 
modi aliqnod altare yacare contigerit, iuxta seninm et modnm 
alias consuetnm optio altarinm habeatar. Quodque quilibet Ca- 
nonicus, etiamsi absens fnerit, in festis totum duplicibns in primis 
vesperis, in matutinis et summa missa dictorum festorum, in festis 
vero duplicibus eelebribus et quatuor doctorum in primis vesperis 
et matutinis in suo altari duos cereos ardentes secundum landar- 
bilem consuetudinem habere teneatur. Praeterea Vicarius habens 
Vicariam certe dignitati vel praebendae annexam in altari coUa- 
toris sui missam teneatur celebrare, dum tamen per coUatorem 
suum sibi quoad huiusmodi officium de luminaribus faerit praevi- 
sum competenter, nisi de voluntate eiusdem collatoris aliter fuerit 
ordinatum. 

(9) Item Statuimus, quod quilibet Vicarius et praesertim 
habens reditus, qui redimi possunt, Ganonico sive praelato, eui 
Vicaria sua assignata est, numerum marcarum seu redituum et 
copias literarum sive instrumentorum desuper confectorum cum 
exhibitione originalium, quotiens requisitus fuerit, tradere teneatur, 
in sua vero absentia eins procuratori. Praebenda autem vacante 
Seniori Gapituli praesentet easdem. In morte autem ultimae 



B. DIE STATUTEN D. ERMLÄND. DOMSTIPT8 Z. ZEIT V. COPP. 503 

Tolnntatis suae execntores literas originales, sive instrumenta 
publica, eidem Ganonico vel eins procuratori, si praesens non 
fuerit, vel alio modo praedicto per iuramentum sunm de more 
Capitüli integras pront faerint offerant et illaesas. 

(10) Item pro conseryatione communiam yicariamm Statnimus, 
quod confici debeant duo registra sive inventaria einsdem tenoris 
omnium fmctuum, reditnnm, literamm, omamentorum et attinen- 
tinm eamndem vicariamm et elymosinarnm , quomm nnum apud 
Capitnlum, reliquum yero apud Yicarios seu Seniores eorundem 
permanebunt debeantque singulis annis certi per Capitulum de- 
putari Canonici, qui bis in anno, yidelicet feriis Sextis, Quatuor- 
temporum, post diem Ginerum et festum sanctae Crucis cum 
senioribus aut procuratoribus ipsorum Vicariorum concurrant de 
capsa ad capsam altarium yel alias iuxta exigentiam registrorum 
integritatem literarum, redituum, proyentuum, omamentorum et 
attinentiamm yisuri. Quod si aliquis Vicariorum aut Elymosena- 
riorum in censibus aut attinentiis huiusmodi detrimentum ylcariae 
suae sua desidia, negligentia yel malitia quomodolibet intulerit, 
aut literas censuum, redituum yel omamenta praedicta per se yel 
aUum exhibere non curayerit, a perceptione frnctuum et iurium 
yicariae, yel elemosynae, necnon distributionum , per praelatum 
aut Ganonicum seniorem salyis aliis poenis a iure expressis irre- 
missibiliter suspendatur, donec yitium huiusmodi realiter purga- 
yerit et cum eflfectu. Mortuo yero Vicario yel Elemosynario ciyi- 
liter yel naturaliter, Aructus, reditus, iura et bona eins, quaecunque 
mobilia et immobilia sint an'estati. Et ne fraus contra hanc or- 
dinationem fabricari yaleat, executores testamentorum infra XV 
dies Gapitulo testamentum ipsius, si quod fecerit, edere et prae- 
sentare teneantur cum effectu. Et testamentum siye ultimam 
yoluntatem huiusmodi nnllo modo exequantur, nisi de indemnitate 
beneficii sie yacantis sufficienter cautum fuerit et proyisum in 
Omnibus, prout supra est expressum. 

(11) Item Statuimus, quod Ganonicus de noyo intrans ad 



504 ERMLAND UND DAS PEAÜENBüKGEB DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP. 

fabricam decem, et pro omatibus ad divinam officium spectantibus 
octo marcas infra qninqiienmam a die reeeptionis suae computan- 
dum solvere teueatur. Si autem dietns Ganonicas in ipso introitn 
etiam praelaturam aliquam assecutus fuerit, addat ratione prae- 
laturae huiusmodi marcas duas pro dictis omatibus infra terminnm 
supradictum. Sed si post lapsum quinquennium praelaturam 
consequetur, solvat dictas duas marcas a tempore reeeptionis ad 
eandem infra annum. Quodsi eundem, ut praemittitur, per cessnm 
Tel decessum dicta beneficia aut alterum eorundem dimittere 
contigerit, de sua praebenda aut bonis tantum retineatur. 

(12) Item Statuimus, quod nuUus Canonicus de novo intrans 
aliquam distributionem percipiat. nisi pistoriae de quadraginta 
Marcis satisfecerit, prout est hactenus observatum. 

(13) Item Statuimus, quod Canonicus de novo intrans et re- 
sidens censeri volens debeat apud dictam ecclesiam animo resi- 
dendi XXX quotannis diebus singulis ipsorum duabus boris 
canonicis ad minus in loco^ ubi cantantur, a principio usque ad 
finem interessendo^ sola panum et cervisiae perceptione contentus 
permanere. Quibus expletis si in eodem animo continue residendi 
permanserit, familiamque quotidianam et expensas ac apparatum, 
quem ordo rei familiaris exposcit, habere visus fuerit, ipsum re- 
sidentem censeri et, nisi aliud sibi obsistat, infrascriptarum 
distributionum participem fieri posse deelaramus. 

(14) Item Statuimus, quod annus residentiae apud dictam 
ecclesiam quoad perceptionem fruetuum praebendae incipiat a 
feste beati Martini Episcopi et Gonfessoris. 

(15) Item Statuimus. quod Canonicus, qui in praefato festo 
Sancti Martini usque ad pulsum primarum Yesperarum festi As- 
sumptionis gloriosae Virginis Mariae continue residens fuerit, 
praebendam integram, marcas scilicet XL intelligatur deseryisse, 
quas de censibus in proximo festo sancti Martini tunc immediate 
sequente colligendis percipiat et, si infra dictum tempus quicunque 
Canonicus esse disierit, tunc medietas praebendae et ultra eam 



B. DIE STATUTEN D. ERMLÄND. DOMSTIFTS 2. ZEIT V. COPP. 505 

pro singnlis septimanis usqne ad tempus desinentiae dimidia marca 
monetae currentis sibi cedat pro praebenda. 

(16) Item, ut Canonici ab illicitis evagationibus refrenentur, 
ex qnibüs pleramque laicis datur occasio eisdem detrahendi, Sta- 
tuimas. quod Ganonicus residens, qui se nltra XXX dies continnos 
ab ecclesia duxerit absentandnm , tarn panum et Qervisiae quam 
aliarum rerum distributione carebit, quonsque denuo visus faerit 
in divinis, nisi super ulteriori tempore a Gapitulo licentia petita 
fuerit diutins abessendi. 

(17) Item Statatum, quod Ganonicus modo quo supra residens, 
qui in festivitatibus et aliis diebus infrascriptis aut infra Vn dies 
dictas festivitates dictosque dies immediate sequentes ad minus 
duabus horis canonicis a primis vesperis incipiendo in loco, ubi 
cantantur, ex integre interfuerit, percipiat res et pecunias, ut 
sequitur. 

De feste S. Martini Episcopi et Confessoris ligna pro hieme 
distribnenda. 

Item de feste Natalis domini marcas III pro offertorialibus, 
porco etc. 

Item de Dominica Este mihi victualia pro Quadragesima 
distribnenda aut eorum loco marcae quinque. 

Item de magna Quinta feria ligna pro aestate assignanda. 

Item de feste Paschae marcae II pro o£fertorialibus. 

Item de feste S. Joannis Baptistae foenum, camales et an- 
gttillareS; scilicet marcae quatuor. 

Item de feste dedicationis ecclesiae pro offertorialibus mar- 
cae II. 

Item de feste S. Michaelis mel consuetum distribui. 

Item de feste S. Dionysii victualia tunc distribnenda vel 
eorum loco marcae II. 

(18) Item Statuimus, quod Ganonicus residens, qui interfuerit 
yigiliis ab exordio quarti psalmi usque ad inceptionem laudum 
inclusive et missis a cantu kyrie eleison usque ad Agnus Dei, 



506 EBMLAND UND DAS FRAÜENBURGER DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP- 

quae pro commemoratione praelatornm, Ganonicorani; mimBtoram 
et benefactornm ecclesiae Wannieusis singulis Qnintis feriis 
Quatuortemponim peragantnr, pecunias, qnae pro consolatione 
dari consueverunt ; et qui vigiliis et missis, quae Capitu- 
lares nominantar , modo praemisso interfuerit, denarios yinales et 
custodiales pro rata de singnlis dietomm oeto commemoratoniin 
percipiat. Quodsi in aliqua earum vigiliis tantum interfnerit et 
non missae, ant missae et non vigiliis, nihil distribntionis perci- 
piat de eadem. Tempus vero decantandi missam pro defanctis 
feriis sextis Quatnortemporam semper et immutabiliter erit imme- 
diäte post tertiam, qoae et tota nsque ad finem propter solemnem 
commemorationem omnium defunetorum Warmiensis ecclesiae de- 
cantari debebit. In aliis autem missis, scilicet Capitularibns. et 
in Änniversariis celebrandis, talis ordo habeatnr, quod ipsae im- 
mediate ante summam missam decantentur. Huic qnoqne statuto 
adiicimns, quod Ganonicus, qui in aliis änniversariis vigiliis tantnm 
vel missae tantum modo praedicto interfnerit, de vigilialibus tunc 
distribuendis dimidiam tantummodo percipiat portionem, alia me- 
dietate praesentibus distributa. 

(19) Item Statuimus, quod nullus beneficiatus ecclesiae War- 
miensis ad perceptionem fructuum beneficii sui admittatur , nisi 
absens per procuratorem suum et veniens ad residentiam perso- 
naliter solitum praestiterit iuramentum. 

(20) Item Statuimus, quod Canonicus ad realem possessionem 
praebendae snae, quae exhibitione duorum panum et unius canthari 
cerevisiae traditur, per Gapitulum receptus, etiam si absens fuerit, 
iuxta antiquam observantiam praebendam quadam Actione iuris, 
in festo D. Martini dimidiam praebendam intelligatur deservire. 
Et quando apud ecclesiam resederit, pro qualibet septimana resi- 

dentiae suae dimidia marca pro praebenda sibi cedat, qnemad- 

• 

modum superius de praesentibus est expressum. Fructuum quoque 
allodii sui si quod habet, non obstante huiusmodi absentia plena 
poterit perceptione gaudere, ita tamen quod de huiusmodi dimidia 



B. DIE STATUTEN D. ERMLÄND. DOMSTIFfS Z. ZEIT V. COPP. 507 

praebenda ad fabricam sive pro reformatione eccleBiae nna cum 
praesentibus Canonicis aequaliter contribuere teneatnr. 

(21) Item Statuimus, quod propter exilitatem fructnum prae- 
laturarum praelato de lieentia Episcopi vel Capituli qnacnnqne 
de causa absenti integri cedant annuatim fructus suae praelaturae, 
proviso ne ipsae praelaturae in oneribus suis debito fraudentur 
obsequio. 

(22) Item Statuimus, quod Canonicus de licentia Episcopi et 
consensu Capituli in studio privilegiato existens percipiat integram 
praebendam, ultra quam de consolationibus et vinalibus marcae 
quindecim, quas in Quatuortemporibus et Capitularibus defuncto- 
rum commemorationibus eo modo, quo eas Canonicus residens 
deservit, ipse deservisse intelligatur , sibi pro subsidio cedant, 
quod etiam cum eis, qui apud medicos vel in peregrinatione 
fuerint, volumus observari. Dummodo tamen iurent, quod sine 
fraude propter causas praedictas aut aliquam earum se absentant^ 
ne divinus cultus per figmenta defraudetur. 

(23) Item Statuimus, quod Canonicus residens per dominum 
Episcopum Yocatus vel per eundem de consensu Capituli in lega- 
tione intra tamen provinciam vel partes Prussiae missus poterit 
tanquam residens ac divinis interessens praebendae fructuum pro 
tempore distribui consuetorum plena perceptione gaudere. Si 
autem sit vocatus in continuum commensalem assumptus, et de fa- 
milia dicti domini Episcopi esse coeperit, aut per eundem extra 
dictas provinciam aut Prussiam etiam de consensu Capituli missus 
fuerit, illa praerogativa gaudebit, quae studentibus supra dinos- 
citur esse concessa. 

(24) Item Statuimus, quod si Canonico simplici vel etiam 
praelaturam habenti, qui praebendam et praelaturam suas per 
annum pacifice possederit, super eis aut altera earundem post 
lapsum dicti anni lis mota fuerit, et pro defensione iuris sui de 
licentia Episcopi et consensu Capituli se absentandum duxerit, 



508 EEMLAND UND DAS PRAUENBURGEE DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP- 

lite dnrante ultra integram praebendam qnindecim marcas Stude&ti 
dari seu snperaddi consuetas, eo modo quo praesentibas Canonicis 
diBtribnuntur 7 pro subsidio percipere valeat aimnatim. Insaper 
idem Canonicus vel praelatus sie litigans, ut praefertar, aut etiam 
ex Yoto vel propter indulgentiam limina sanctorum visitare pro- 
ponens ad stadinm vel ad medicos causa consilii vel recuperandae 
sanitatis ire cogitans, vel consimili honesta et legitima causa oc~ 
currente, dummodo diyinis secundum tenorem statuti praesentialiter 
interfuerit et cum favore et licentia Capituli aliqua praemissoram 
fecerit, mellis, lignorum, foeni et consimilium) ac si per sequentem 
annum residere intenderet, pro rata interessentiae licite percipere 
valeat solitam distribntiouem. 

(25) Item Statuimus, quod praelatus seu Canonicus, quocunqoe 
loco et tempore mortuus fuerit, habeat post mortem annum gratiae, 
videlicet quod sibi medietas praelaturae vel praebendae suae 
anno sequenti annum mortis suae integre debeatur. 

(26) Item Statuimus, quod amici et heredes, executores seu 
etiam familiäres Canonici testati decedentis curiam canonicalenoi, 
quam ipse reliquerit, per viginti continuos dies ipsius mortem 
immediate sequentes inhabitare panesque de pistoria distribni 
consuetos dicti Canonici praemortui nomine infra dictos viginti 
dies dumtaxat percipere possint. Indeque abeuntes omnes res 
mobiles, quae ad eundem Canonicum, dum ^averet, pertinebant, 
facere poterunt deportare. Proviso tamen. quod Capitulum deputet 
unum de Canonicis, qui inventarium de rebus immobilibus ibidem 
remanere debentibus faciat, et sie de servandis cautionem recipiat 
ab executoribus et heredibus ipsius Canonici defuncti, ut curiae 
non spolientur. 

(27) Item Statuimus, quod Canonicus de novo intrans, qui in 
praebendae suae real! et pacifica possessione per annum fuerit, 
residentiamque personalem modo quo supra facit, secundum 
ordinem receptionis suae possit et valeat domum canonicalem et 
allodinm, cum vacaverit, a die notitiae vacationis apud ecclesiam 



B. DIE STATUTEN D. ERMLInB. DOMSTIFTS Z. ZEIT V. COPP. 509 

infra yiginti dies dumtaxat optare. Et qni sie optaverit, summam, 
ad quam curia sive domus canonicalis per Gapitulum (ad quod 
solum huiusmodi taxatio pertiuebit) taxata fuerit, infra biennium 
proximum, unam videlicet medietatem in primo, reliquam in se- 
cundo anno, Ganonico ipsam dimittenti aut procuratoribns eo 
abeunte, seu Executoribus suis ipso iam defuneto, nisi ipsi in 
tempore seu in summa mitins agendum duxerint, sine diminutione 
persolvet. Pro allodio vero prima vice per eundem optato et pro 
animalibus inibi receptis magistro pistoriae yiginti marcas infra 
annum irremissibiliter solvere sit astrictus. Tunc enim curias et 
allodia optare posse decernimus, cum aut per cessum aut per 
decessum seu per alterius optionem vacaverit. Et si infra prae- 
dictos viginti dies optata non fuerit, domus quidem manebit apud 
Canonicum aliam optantem, sed allodium ad pistoriam divolvatur, 
possunt tamen per quemcunque habilem Canonicum quandocunque 
optari. 

(28) Item Statuimus, quod Canonicus unam tantum curiam 
canonicalem habens et eandem yendens de cetero aliam yel ean- 
dem vendere yel emere non debeat nee yaleat, cum yideatur ces- 
sisse iuri suo. Et quia yarietas in personis ecclesiasticis dinoscitur 
reprobata, idem yolumus in allodiis obseryari. 

(29) Item Statuimus, quod Canonicus de licentia domini Epis- 
copi et consensu Capituli studii peregrinationis , defensionis iuris 
sui super praebenda aut praelatura, recuperandae sanitatis apud 
medicos, legationis domini Episcopi aut Capituli causa absens, 
seu etiam in curia et de familia dicti domini Episcopi existens, 
licet residentiam apud ecclesiam non fecerit personalem, dummodo 
tamen praebendam suam pa,cifice per annum possederit, pro tem- 
pore huiusmodi absentiae suae curiam canonicalem et allodium 
aut alterum illorum per procuratorem suum dumtaxat apud eccle- 
siam a die notitiae yacationis infra yiginti dies continuos possit 
optare. Qui se autem ex quacunque alia causa de licentia tamen 
Episcopi et consensu Capituli duxerit absentandum et alias habilis 



510 ERMLAND UND DAS FBAÜENBURGEB DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP. 

ad optandum fuerit, optanti curiam canonicalem et allodium, nt 
praemittitur, infra bienium tantum a die recessus sui sibi sit 
coBcessa facultas. 

(30) Item Statnimus, quod CanonicnS) sive praesens faerit sive 
absens, curiam canonicalem aut allodium faabens ad dictamen 
Gapituli etiam nulla optione instante curiam et allodium huius- 
modi per se aut procuratorem suum restaurare teneatur, et si 
quomodolibet temerarie contradictum fuerit, per retentionem fru- 
ctuum praebendae et allodii compescatur et tamdiu, quousque 
aedificia reparayerit, optandi aliam curiam vel aliud allodium sit 
potestate privatus. Magister quoque pistoriae, quod sub sua ga-- 
bematione esse dignoscitur, de fructibus allodii, si suae gubema- 
tionis tempore defectuosum effectum fuerit, reformare teneatur. 
Yolentes igitur iam dictas reformationes facere aut utilia aedificia 
de novo engere, possint percipere ligna Gapituli et alia materialia 
more solito expensis restitutis pro eisdem, illaque nequaquam 
a talibus curiis et allodiis alienare quomodolibet praesumant; 
quod si fecerint, de alienatis ad satisfactionem irremissibiliter 
teneantur. 

(31) Item Statuimus, quod Ganonicus allodium habens et 
aliud optare volens id Gapitulo debeat intimare. Non tamen ad 
optandum admittatur, nisi prius per specialiter deputatos yel de- 
putandos a Gapitulo infra octo dies extunc sequentes allodium 
eundem dimittendum visitatum fuerit. Quod si in aedificiis vel 
alias defectuosum reperiatur, ad aestimationem visitatorum huins- 
modi aut aliorum bonorum yirorum tantam pecuniarum apud Ga- 
pitulum deponere debeat summam, cum qua merito yaleat allo- 
dium ipsum sie dimittendum reformari per suum successorem. 
Qua reformatione per ipsum successorem facta, idem successor 
«it astrictus de expositis et perceptis in huiusmodi reformatione 
coram Gapitulo plenariam facere rationem. Qua peracta, si de 
praedicta summa deposita aliquid superfuerit, antecessori resti- 
tuatur. Si yero ultra ipsam summam aliquid rationabiliter 



B. DIB STATUTEN D. BBMLAND. DOMSTIFTS Z. ZEIT V. COPP. 511 

exposueiit, per antecessorem suppleatur. Quodqne si optare yolens 
allodii per eam dimissi reformationem sais malaerit laboribus et 
Bumptibns infra certum et competens tempus facere, id dispositioni 
Capituli omnino relinquatur. Si vero propter negligentiam possi- 
dentis, per aedificiorum deformitatem aut collapsum aliqaod allo- 
diam contigerit verisimiliter in censibus diminid, ne snecessoribuB 
desidia Ben negligentia praeiudicet possidentiB, ipse possesBor 
poBBit et debeat poenam per Gapitnlum infligendam ad debitam 
ipsioB allodii reformationem compelli. Porro si Canonicus cedens 
aUodium deformatom et roinosnm dimiserit, omnes fructns, iura 
et obventioneB aliaqne bona per eum relicta, testamentiB aliisque 
nltimis voluntatibnB quibuslibet non obstantibnB, praesentium au- 
ctoritate sint arrestata ipso facto, quousqne pro reformatione allodii 
huiusmodi congraa portio iuxta dictamen bonorum yirorum, ut 
praemittitur, de bonis sive relictis ipsius deputetur. 

(32) Item Statuimus, quod Canonicus de valore curiae suae 
et de animalibus in allodio buo ultra extimationem yiginti marcis 
existentibuB et etiam de alüs rebus quibuscunque per ipsum in 
dictis domo et allodio vel alibi ubilibet habitis et possessis, prout 
hactenns de laudabili consuetudine est observatum, possit tam in 
vita quam in morte libere disponere, prout suae placuerit voluntati. 
Quod si ante dispositionem de rebus praedictis ipsum decedere 
contingat, Gapitulum de omnibus supradictis in utilitatem eeclesiae 
libere disponere possit. 

(33) Item Statuimus, quod Administrator et aliii Canonici 
officiati Capituli, quando praeficiuntur, totiens quotiens iurent of- 
ficia fideliter et legaliter exercere. 

(34) Item Statuimus, quod Administrator electus iuret, quod 
omnem censum de territoriis Melsagk et AUensteyn, quando eum 
perceperit, Capitulo vel eins deputatis integre praesentet. De 
lignis vero pro subsidio subditorum Capituli et de mulctis, pro 
qualitate personarum, iuxta bonam eonscientiam distribuat et re- 



512 ERMLAND UND DAS FRAUENBÜRGER DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP- 

mittat, pront sibi visnm fuerit ezpedire. De siligine autem sine 
licentia Capituli vendere non praesumat. 

(35) Item Statuimus , qnod Administrator Capituli absolntus 
ab omcio administrationis registrum, in quo villae eeDsns et bona 
Gapitularia sunt conscripta, et vasa argentea et omnia Gapitnli 
clenodia ac alia ad castri Allenstejn munitionem et provisionem 
pertinentia, ac etiam in curia Melsag existentia, yidelicet in bom- 
bardis, balistis, bladis atque aliis cum inrentarii exhibitione dicto 
Gapitulo praesentare et rationem facere teneatur de eisdem. 

(36) Item Statuimus, quod Administrator Capituli Capellanos 
seu Burgravios in Allensteyn et in Melsag constituere non debeat, 
nisi de personis talium in Capitulo capitulariter concordatnm eit 
et consensum. 

(37) Item Statuimus, quod nuUus Canonicus subditis Capituli 
rusticalia servitia, quae vulgariter Scharwergk nuneupantur, qua- 
liacunque audeat imponere, nisi et hoc competat rationi officii 
sibi iniuncti nee tunc pro suo aut alterius privato commodo id 
sibi liceat facere, nisi prius petita licentia et obtenta. Praeterea 
huic statuto adiicimus, quod nuUus praelatus yel Canonicus de 
communibus bonis seu locis Capituli vel fabricae ecclesiae War- 
miensis sine licentia et consensu Capituli se intromittere seu ea 
sibi usurpare praesumat. Et si aliquem forte ex ignorantia Tel 
^alias in hoc excedere contigerit, vel aliquis retroactis temporibus 
iam forsan excessit, postquam de hoc Capitulo constiterit, requisitas 
per Capitulum secundum dictamen eiusdem Capituli, hoc infra 
unius mensis spatium a tempore requisitionis huiusmodi immediate 
computandum emendare et Capitulo praedicto de hoc necnon 
damnis, quae exinde provenerunt seu provenient, realiter satis- 
facere teneatur, quacunque contradictione non obstante. 

(38) Item Statuimus, quod singulis annis in Capitulo generali, 
quod circa festum omnium sanctorum celebrari consuevit, duo de 
Canonicis deputentur, qui in coUectionem census in Melsag et in 
Allensteyn cum Administratore Capituli constituti omnes defectus 



B. DIE STATUTEN D. ERMLAND. DOMSTIFTS Z.. ZEIT V. COPP. 513 

tarn in hominibus quam in territorii statu a scnltetis et dnobus 
consnlibuB singnlarum villarnm tnnc etiam censum praesentantibus, 
sen aliis quibuscnnqne praedictoram territoriornm incolis debite 
et studiose perquirant, quos curent iuxta posse provide reformare, 
graviores yero casus pro eorum reformatione ad Capitulnm refe- 
rentes. Qnodsi forsitan dno Canonici praedicti vel alter eomm 
legitime impediti sen impeditns officium huiusmodi temporibus 
praedictis exercere non poterunt vel poterit, Capitulnm alium sen 
alios loco illomm poterit snrrogare. 

(39) Item nt debitus honor Officialibns Capitnli deferatur, 
Statnimns, qnod quiUbet Officialium Capitnli sie sua iurisdictione 
ntatur, nt falcem snam a messe prohibeat aliena. Et ne qnis 
errori suo ignorantiae velnm praetendere yaleat, praesenti duximus 
statnto declarandnm, quae ad quem debeat inrisdictio pertinere. 
Administrator enim in duobus districtibus AUensteyn et Melsag, 
Judex civitatis Warmiensis in civitate ipsa et intra suae libertatis 
terminos, Magister pistoriae in msticos ad eandem pertinentes 
qnoad exactionem censuum, in molendino quoque in dicta civitate 
sito et in aliis locis ad dictam pistoriam pertinentibus, et Magister 
silvamm in villis in districtu Frawenburgensi sub ditione Capitnli 
constitutis, prout hactenus de consuetudine longaeva observatum 
est, iurisdictionem retineant. Praeterea quilibet Officialis, cui 
pro executione officii sui aliqui de subditis Capitnli deputantur, 
pro tempore deputationis huiusmodi super negligentiis et excessi- 
bus animadvertere poterit in eosdem. Porro cuilibet Canonico in 
curia canonicali et allodio suis inrisdictio salva consistat. Non 
tamen volumus sie ad praedictos iurisdictionem pertinere, ut eam 
a Capitulo penitus abdictemus, quin immo Capitulum ipsum prae- 
missis non obstantibus per viam appellationis a subditis ipsius 
universis et singulis libere poterit adiri, et nihilominus iam etiam 
a praedictis personis iudicata citra earundem iniuriam, prout eidem 
videbitur, ex officio suo in melius reformare. Postremo si quis 
adversus quempiam de alterius iurisdictione existentem aliquid 

II. 33 



514 ERMLAND UND DAS FRAUENBÜRGER DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP. 

qnaestionis habuerit, ille etiamsi Ganonicns fuerit, coram suo enin 
conveniat iadice, cains diffiuitiouem suatineat. Vel certe si se 
yerisimiliter gravatnm senserit, facultas sibi maneat ad Gapitalam 
provocandi. 

(40) Item nt casus improyisi, qui sine expensis declinari non 
possunt, sustentamento providentiae facilius tolerentur, Statuimus, 
quod Administrator Capituli in virtute praestiti iuramenti singulis 
annis praesentare debebit Thesaurario ad hoc per Capitulum de- 
putato de censu coUecto circa festum Nativitatis Christi in terri- 
torio AUensteyn XII marcas, etiam antequam censum ipsum aliis 
distribuat. Unde expensas inopinatas Capitulum facere et odiosam 
contrahendi debita necessitatem yaleat evitare. 

(41) Item Statuimus, quod nuUus Canonicus arma qaaecunqne 
ad Capitulum deferat, et quod in Capitulis debita servetur hone- 
stas. Nee aliquis Capitularis vocem suam praeproperet, sed iuxta 
ordinem quilibet libere proferat votum suum. Nee aliquis Capi- 
tularis contra alium Capitularem in verba inhonesta, contumeliosa 
aut iniuriosa prorumpat vel votum suum impediat. Alioquin sit 
privatus pane et cervisia ad arbitrium Capituli, donec Capitnlo 
et personae offensae satisfecerit de praemissis. 

(42) Item Statuimus, quod gesta et gerenda Capituli secreta, 
quae pro talibus per praesidentem de voluntate Capituli declarata 
fuerint et nihilominus illa, quae quis in Capitulo existens prote- 
stando dicit se capitulariter dicere vel facere, nullus sub poena 
praefati iuramenti revelare audeat, quousque per Capitulum de- 
cretum fuerit propalari. 

(43) Item Statuimus, quod quilibet Canonicus obtenta a do- 
mino Episcopo abessendi licentia etiam a Capitulo personaliter 
vel necessitate urgente per alium eandem petere teneatur; quod 
si facere contempserit , in suo reditu per XXX dierum spatium 
panis et cerevisiae distributione in poenam temeritatis huiusmodi 
violatae consuetudinis irremissibiliter sit privatus. 



B. DIB STATUTEN D. EBMLÄND. DOMSTIFTS Z. ZEIT V. COPP. 515 

f 

(44) Item Statnimus. qnod habeatur campaua CapitulariS) 
qaae pro nuUo alio usu nisi pro Canonicomm Capitulari convoca- 
tione ad mandatum praesidentis pulsetur totiens, quotiens Gapitn- 
lum fuerit faciendum vel litera cum maiori Sigillo Capituli sigil- 
landa. Motns autem pulsandi talis observandus est, quod 
tribus vicibus more solito pulsetur et ad huiusmodi pulsus hora 
tertiär um, id est post primam sive maturam missam, convenien- 
dnm est, sed nbi magis ardua, et in qnibus acceleratione opus 
est, veniunt tractanda negotia, post tertium pulsum quaiio, sed 
differenter ad unum scilieet tantummodo latus pulsando, campana 
pulsari debebit, ut per hoc detur intelligi, quod mox pulsu -finito 
capitularis sit conventio necessario facienda. 

(45) Item ut nobis et subditis nostris, qui pro causarum de- 
cisionibus ad nos frequenter confugiunt, salubrius consulatur, 
Statuimus, quod singulis primis sextis feriis octo mensium usua- 
lium Kaiendario inscriptorum, si festum celebre non impedierit, 
alioquin proxima die präecedente, in qua tale festum non occur- 
rerit, Canonici praesentes ad sonum campanae Capitularis, sive 
ad hoc Petitor appareat sive non, ad celebrandum Capitnlum 
convocentur. In Januario autem, Majo, Augusto et Noyembre 
propter congregationes generales, quae in eisdem quatuor mensi- 
bus, videlicet in crastino Agnetis, Johannis ante portam Latinam, 
Agapiti et Animarum annua revolutione celebrantur, nisi forsan 
aliqua evidens utilitas vel instans necessitas exegerit, non erit 
necesse in praedictis sextis feriis congregari. Et qui ad huius- 
modi et ad singula alia etiam extra dies praedictos celebranda 
capitula legitimo impedimento cessante venire scienter neglexerit 
sive contempserit, duo scoti usuales eidem de praebenda sua to- 
tiens, quotiens in hoc culpabilis repertus fuerit, subtrahantur. 
NuUusque, si dictam poenam evitare voluerit, inde recedat, nisi 
a praesidente de conniventia Capituli licentia petita fuerit et 
obtenta. 

(46) Item Statuimus, quod si aliquem praelatorum vel cano- 

;i3* 



516 ERMLAND UND DAS FRAÜENBURGER DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP. 

nicorum ecclesiae Warmiensis ininste ynlnerari vel alias in per- 
sona vel in bonis laedi contigerit, omnes et singnli capitulares 
eidem laeso in iustitia fideliter verbis et factis assistant pro 
emenda consequenda. 

(47) Item Statnimus, qaod testamentarii dominomm praelato- 
rnm et canonicorum etiam mediorum et minomm infra viginti 
dies a morte testatoris eontinuo numerandos testamenta per ipsos 
condita vel eoram copias fideliter exemplatas enm inventariis etiam 
ante eomndem exeentionem capitulo praesentare sine contradictione 
qualibet teneantar. Idem de testamentis Yicarioram, cum et ipsi 
membra sint ecclesiae, yolnmus observari. 

(48) Item Statnimns, quod quilibet Canonicus maiori, media 
vel minori praebenda praebendatus et etiam Vicarius inret bonnm 
ecclesiae promovere ad qaemcunque statum ipsum peryenire con- 
tingat, alias fractus et distributiones non percipiat. 

(49) Item Statuimus, qnod statuta bis in anno in Qnatnor- 
temporibns, scilicet Cinerum et Crucis, quarta feria in eisdem 
omnibns Canonicis maioribus praebendatis praebendis, Gapitula- 
ribus et non Capitularibus praesentibus, per sonum campanae ca- 
pitnlaris convocatis per iuniorem canonicum capitularem, si ha- 
bilis fuerit, distincte et intelligibiliter , secundum quod eosdem 
Capitulares et non Capitulares respective concemunt, legantur, 
ne quispiam periurii periculum incurrere vel ignorantium eonm- 
dem praetendere yaleat aut allegare. 

(50) Item Statuimus, quod nuUus cuiuscunque conditionis. 
dignitatis vel Status exsistat, Dominis in Capitulo exsistentibus, 
cum armis quibuscunque ad ipsos ingredi permittatur. 

(51) Item cum de literatis implenda sit indigentia ecclesiae, 
ut fructum suo tempore afferre yaleant opportunum, Statnimus, 
quod quilibet Canonicus de noyo intrans, nisi in Sacra pagina 
Magister yel Baccaurelaus formatus, aut in Decretis, yel in iure 
ciyili, aut in medicina seu physica Doctor aut Licenciatns ex- 
stiterit, post residentiam primi anni, si Capitulo yisum et expe- 



B. DIE STATUTEN D. EBMLÄND. DOMSTIFTS Z. ZEIT V. COPP. 517 

diens faerit, teueatur ad trieimiam ad minuB in aliqno studio pri- 
vilegiato in nna dictarum facultatum studere, sicque soli studio 
operam dare, ut iugiter et continue in ipso per memoratum trien- 
nium perseveret. Kec se inde absentare praesumat, nisi pesti- 
lentiae, infirmitatis, famis, aut hostilitatis causa ad aliud se 
duxerit privilegiatum Studium ti*ansferendum. Quodsi ex alia 
causa, rationabili tarnen, Studium deserverit, pro tempore absen- 
tiae eidem tanquam Studenti Capitulum minime respondebit. Si 
vero ex frivola causa (quae an talis sit, iudicio Gapituli stabitur) 
se duxerit absentandum, pro tempore absentiae huiusmodi simpli- 
citer reputabitur absens. Et nihilominus teneatur dictum trien- 
nium reincipere studiumque, ut praemittitur, usque ad finem con- 
tinuare, ac si prins nihil esset actum in eodem. De praemissis 
itaque omnibus et singulis, antequam ad perceptionem distribu- 
tionum rediens admittatur, patentibus literis sigillo Rectoris Studii, 
in quo studuerit, munitis et assertione propra iuramenti teneatur 
facere plenam fidem. Praeterea si is utiliter se in studio habuerit 
petiyeritque sibi dari licentiam studendi diutius, non erit sibi 
talis licentia deneganda. 

(52) Item Statuimus, quod de triennio in triennium Capitulum 
certos Canonicos ad visitandum et discendum limites inter bona do- 
minorum de ordine et ecclesiae Gapitulique nostri signis, incisioni- 
bus et acervis lapidum consignatis debeat deputare, et ad soUici- 
tandum hoc ipsum Administrator Gapituli sit astrictus. 

(53) Item Statuimus, quod pro quibuscunque literis Gapituli 
sigillandis cera viridis immutabiliter sit in usu. 

(54) Item cupientes omnem materiam dissidii, quantum pos- 
sibile est, amovere, Statuimus, quod in literis missibilibus nomine 
Gapituli per Ebdomadarium de more in Melsag mittendis, non 
praesentationis, sed quando Gapitulariter decretae fuerint, tempus 
attendi debere, et qui tunc Ebdomadarius fuerit, easdem mittere 
teneatur. 

(55) Item Statuimus, quod nuUum instrumentum per quem- 



518 ERMLAND UND DAS FRAÜENBURGEB DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP. 

canque notarinm conficiendum super censibns per Vicarium eccle- 
siae Warmiensis aut quameunque aliam personam sen personas 
ecclesiasticas vel saeculares in dominio eiusdem ecclesiae emendis 
alicuius sit roboris vel momenti; nisi domini Episeopi ad mensam 
Episcopalem speetantibus^ ac Capituli Sigillum in bonis ipsins, 
literis contractuum hninsmodi sit appositnm. Coins constitutionis 
transgressor etiam si laicus sit, in tota capitali peennia;' quae do- 
minio ipso facto confiscata sit. nihilominns puniatur. 

(56) Item Statuimus, ut omnes impetrantes yel eomm procn- 
ratores insinuatis literis, antequam ipsis respondeatnr , si Capi- 
tulum petierit, literamm suarum copias tradere teneantar, proprüs 
eomm sumptibus et esipensis; et quod eoncnrrentibns dnobus vel 
plnribus impetrantibus, petentibns se ad praebendas yacantes vel 
alind beneficium quodcunque reeipi, is qui per se vel procuratorem 
suum receptus fuerit, ad aliqnod eomm cum effectu appellationnm 
per Capitulum ipsum contra processus, monitiones et reqnisitiones 
aliomm legitime interposita, suis sumptibus prosequi teneatur. 
Quod si ipsi ad hoc idonei reperti non fuerint, ipsum Capitulum 
vel cum aut eos, quem vel quos ad hoc exsequendum constituerit 
ab impensis et omnis satisdationis onere in virtute praestiti iura- 
menti penitus relevabunt. 

(57) Item quia testimonio fide dignomm et praecipue seniomm 
Capituli nobis innotuit^ nuUum vicarium ex antiqua et laudabiU 
consuetudine nisi in praesentia unius Canonici ad minus suum 
potuisse condere testamentum, quam quidem consuetudinem ap- 
probatam innovantes, Statuimus, quatenus ultima testatomm vo- 
luntas firmius teneatur, et bona ipsomm eis mortuis ad alios usus 
non distrahantur, sicut iam factum nostros praedecessores Intel- 
lexisse accepimus, ut deinceps nuUus Vicarius nisi praesente ad 
minus uno Canonico, quem elegerit, suum valeat condere testa- 
mentum. Indignum enim esset et suspicione malae dispensationis 
non careret, quod Vicarii, qui frequenter in executores ultimamm 
voluntatum Canonicomm eliguntur, ipsos Canonicos suis testamentis 



B. DIE STATUTEN D. ERMLÄND. DOMSTIPTS Z. ZEIT V. COPP. 519 

et eorundem executionibus non paterentur Interesse. Igitur si 
quis eorum ausu temerario hoc facere contempserit, testamentum 
Baum, si quod disposuerit, ipso facto initum sit et inane, et 
ecclesia ipsa, de cuins vixit stipendio, in relictis snccedat. Quod 
si aliqnis vicariornm intestatus discesserit, solutis prius deservitis 
et debitis, ecclesiae relicta omnia cedant. 

(58) Item quia frequenti experientia comperimus, ex eo quod 
capitulariter conclusa non fuerint scripturae munimine ad futuram 
rei memoriam roborata, errores yarios emersisse, Statuimus, quod 
inter Capitulares Canonicos ultimus de Junioribus, quotiens Gapi- 
tulum fuerit, faciendum penes se attramentum et alia ad scriben- 
dum requisita habere arduaque et specialiter commissa ad man- 
datum praesidentis de consensu Gapituli in libro ad hoc deputato 
per se vel alium Capitularem fideliter conscribere teneatur. 

(59) Item cum non debeat indignum iudicari, si superiorum 
mores et laudabiles consuetudines subditi cogantur amplecti, 
quam laudabiliter enim et quam utiliter introductum sit, quod of- 
ficiales Gapituli, qui ex nobis rebus nostris praeficiuntur, singulis 
annis officia sua in manibus nostris resignent, efficaci sumus ex- 
perientia, rerum magistra, edocti. Hunc igitur morem ad subditos 
nostros Officiales, ut exinde nobis uberior utilitas proveniat, deri- 
yare cupientes, Statuimus, ut omnes et singuli nostri Of&ciales, 
siye ecclesiasticae personae fuerint siye saeculares, deinceps singulis 
annis officia sua nobis resignent locis et temporibus infrascriptis. 
Adyocatus enim noster in Melsag cum praesentatione sigilli ofGcii 
sui, Diaconus et Subdiaconus ecclesiae, Magister scholae, Adyo- 
catus in Frawenburg et ambo Gampanatores in Gapitulo generali, 
quod circa festum omnium sanctorum singulis annis celebrari con- 
suetum est in nostris ; Burgrayius yero siye Gapellanus in Melsag 
et Gamerarii ibidem in feste sancti Martini, quando census coUi- 
guntur, in dominorum Administratorum , Visitatorum et Magistri 
Pistoriae; Gapellanus autem Gamerarius^ Magister piscaturae et 
silyarum Gustos in AUensteyn, ceterique minuta officia ibidem 



520 ERMLAND UND DAS FRAUENBUBGER DOMSTIFT Z. ZEIT V. COPP. 

tenentes in festo Gircumcisionis domini in praedictorum dominornni 
Administratoris et Yisitatorum manibus officia sua verbis intelli- 
gibilibus resignare effectualiter teneantur. Quicnnque antem iusto 
impedimento cessante praedictis [locis et temporibns hoc facere 
neglezerit, elapso tempore cnilibet, ut praemittitur, praefinito, 
censemus enndem haberi perinde ac si officium snum effectualiter 
resignasset, Nosque de officio huiusmodi sie vacante sine alia 
amotione seu absolutione, prout nobis visum fuerit, disponemus. 

(60) Item quia rationi consonat, eos onera aequalia recusare 
non debere, qui rerum commoda aequaliter amplectuntur, proinde 
Gapitulariter Statuimus, quod quilibet Ganonicorum, cum ad ple- 
nariam avenae et foeni perceptionem pervenerit pro opportunita- 
tibus ecclesiae incumbentibus deinceps tres equos proprio» ad 
minus habere teneatur, quorum cuiuslibet yalor secundum com- 
munem exstimationem marcas VII bonae monetae perficiat. Alio- 
quin praedictorum foeni et avenae distributione carebit, quousque 
huic statuto sufficienter paruerit. 

(61) Item Statuimus, quod personarum electio pro opportuni- 
tatibus Capituli in legationibus exsequendis tantnmmodo apud Ga- 
pitulum exsistat. In qua ad negotiorum incumbentium qualitatem 
habito respectu seryetur aequalitas, ne quispiam prae ceteris ni~ 
mium oneretur. 

(62) Item Statuimus, quod in commodandis equis praefatis 
personis in dictis opportunitatibus mittendis intra patriam, quando 
pemoctandum fuerit, tumus per situm curiarum domino Admi- 
nistratore secluso bis modo et ordine servetur, videlicet, quod si 
tumus electum sen deputatum tetigerit, ipse sibi de duobus pro- 
priis equis cnrrum trahere valentibns providebit, et tres alios 
domini etiam secundum situm curiarum singuli unum commodando 
ipsi deputato assignare sint adstricti. Si autem electum ordo non 
tetigerit, tunc tomarius ipsi electo de duobus equis, ut praemit- 
titur, currum trahere valentibns providebit, famulum etiam suum, 
ut equi confidentius gubementur, adiungere poterit, si placebit. 



B. DIE STATUTEN D. ERMLÄND. DOMSTIFTS Z. ZEIT V. COPP. 521 

Reliquos yero tres equos, quornm duo ipse electus de suis, ter- 
tinm yero secnndam ordinem curiarnm, ut snpra, recipiet pro 
huiusmodi itinere peragendo. Et hoc nisi idem electus quinque 
equos de suis secum recipere maluerit, vel nisi aliter voluerit 
cum tomario amicabiliter concordare. 

(63) Item Statuimus, quod, qui in praemissis temerarius con- 
tradictor exstiterit, totiens quotiens pro quolibet equo per diem 
naturalem subtractionis unius fertonis poenam a distributionibus 
proximis per Administratorem faciendis ipsi electo integraliter 
applicandam se noverit incursurum. 

(64) Item Statuimus, quod, sive quis per proprios equos sive 
alienos legationem sibi commissam exsecutns fuerit, per aliquem 
ad hoc d^putandum equi huiusmodi solerter debeant computari 
in tomum, adeo quod, qui tumum huiusmodi equos suos proprios 
ducen