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Ifumisinatische Zeitsclirift. 

Achter Band. 



NUMISMATISCHE 

ZEITSCHRIFT 

herausgegeben von der numismatischen öesellschaft in Wien 
durch deren 

Redactious - Co mite. 



Achter Bau d. 

Jahrgang 1876. 

Mii Vit Tafeln and 6 Holzschnitten. 



Wien, 1877. 

Selbstverlag der Gesellschaft. 
Druck der kaiserlicli-königlicheii UoC- und St aatsd ruckerei. 

In Commission bei Manz, k. k. nof-Veiiags-ßuchhandliiiig in Wien. 

Berlin: Mittlers Sort. Buchh. Leipzig: K. V. KShler. 

Paris: Hartgi & Le Soudier. London: Williams & Norgarte. 



CT 

5 

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Inhalt des achten Bandes. 



A. Mach der Meihenfolge der Artikel. 

Seite 

I. Dr. Fr. Keiiuer: (Triechisclie Inedita 1 

II. Dr. Fr. Kenner: Die Münzen von Axus Cretae 1.^) 

III. II. C. Reichhar dt: Ein Aureus von Pescenuius Niger 21 

IV, Franz Trau: Römische Inedita 23 

V. Dr. E. V. Bergniannn: Zur niuhammedanischen Münz- 
kunde 28 

VI. Dr. Otto Blau: Nachlese orientalischer Münzen ib 

VII. A. L u s c h i n - E b e n g r e u t h : Die Wiener Pfenninge. 

Fundverzeichnisse und kritische Studien 77 

VIII. Carl v. Wächter: Versuch einer systematischen Be- 
schreibung der Venetianer Münzen nach ihren Typen. 127 
IX. Eduard Forchheimer: Ein Thaler des Fürsten 

Syrus Austriacus von Correggio 190 

X. Carl Ernst: Zwei Thaler der Familien Rosenberg . . . 195 

XI. Dr. Otto Blau: 'Azubal König von Byblos 229 

XII. Dr. Otto Blau: Satrap Orontas 233 

XIII. Dr. Otto Bhiu: Barsine, Gemahlin Alexanders des 

Grossen 234 

XIV. Dr. Otto Blau: Noch drei Goldmünzen des Pharzoios 238 
XV. A. Markl: üeber die Herstellung der Prägestempel in 

der Zeit der späteren römischen Kaiser 243 

XVI. A. Luschin -Ebengreut h: Die Wiener Pfenninge. 

Fundverzeichnisse und kritische Studien 252 

XVII. Dr. E. Rüppell: Medaillen auf Aerzte und Natur- 
forscher 315 



VI 



B, Nach numisinotisclier Eintlieilung, 
Alte Zeit. 

Seite 

I. Dr. Fr. Kenner : Griechische Inedita 1 

IL Dr. Fr. Kenn er: Die Münzen von Axus Cretae 15 

III. H. C. Iteichhardt: Ein Anreus von Pescenius Niger . 21 

IV. Franz Trau: Komische Inedita 23 

XI. Dr. Otto Blau: 'Aziibal König von Byblos 229 

XII. Dr. Otto Blau: Satrap Orontas 233 

XIU. Dr. Otto Blau: Barsine, Gemahlin Alexanders des 

Grossen 234 

XIV. Dr. Otto Blau: Noch drei Goldniiiiizen des Pharzoios 238 
XV. A. Markl: Ueber die Herstellung der Prägestempel in 

der Zeit der späteren römischen Kaiser 243 

ÜVdittelalter und iN'eue Zeit. 

V. Dr. E. V. Bergmann : Zur muhamniedanischen Münz- 
kunde -J.S 

VI. Dr. Otto Blau: Nachlese orientalischer Münzen 45 

VII, und XVI. A. L US chin-Eb engreut h: Die Wiener Pfen- 
ninge. Fundverzeichnisse und kritische Studien. . 58 u. 252 
VIII. Carl V. Wächter: Versuch einer systematischen Be- 
schreibung der Venetianer Münzen nach ihren Typen 127 
IX. Eduard Forchheimer: Ein Tlialer des Fürsten 

Syrus Austriaeus von Corregio 190 

X. Carl Ernst: Zwei Thaler der Familien Rosenberg . . . 195 
XVII. Dr. E. Rüppell: Medaillen auf Aerzte und Natur- 
forscher 315 

Numismatische Literatur. 

1. A. Luschin -E bengre uth: 11. Dunncnbeig, die Münzen 

der sächsischen und fränkischen K.ii.«erzeit 207 

2. Dr. A. P. : Hermann .Jungk, die Bremischen Münzen 219 

3. Dr. V. Kaiman n: Dr. Friedrich Pichler, Keperforium der 

steierischen Münzkunde 221 



vn 



Seite 

4. Dr. A. P.: Engel, Etüde sur les monnaies Alsaciennes du 

Cabinet de France 225 

5. Johann Parapat: Na obranu pravosti staro srbskih 

zlatnih novaca od S. Ljubica. (Zur Vertheidigung der 
Echtheit der alt-serbischen Goldmünzen) 226 

6. M. Bahrfeldt: Fabrettl, Ariodante Raccolta numismatica 

del R. museo di antichitä di Torino. Monete Consolari 339 

7. Dr. F. Kenner: Zeitschrift für Numismatik, redigirt von 

Dr. Alfred v. Sallet 345 

8. Prof. Kar abacek: Catalogue of Oriental Coins in the 

British Museum 352 

9. Dr. A. P. : Revue beige de numismatique 367 

10. Dr. A. P.: W. Rentzmann. Numismatisches Wappen- 

Lexicon des Mittelalters und der Neuzeit 373 

11. Dr. F. K.: Georges d'Alexeieff. Dissertation sur une 

monnaie inödite d'un roi inconnu du Bosphore Cim- 
m^rien Inceus suivie d'une döscription de plusieurs 
autres medailles antiques inconnues 376 

12. Dr.F.K.: Ljubic. Simeon der Fund römischer Goldmünzen 

aus dem ersten Jahrhundert der Kaiserzeit etc 377 

13. Dr. A. P.: Adolf Weyl. Die Paul Henckel'sche Sammlung 377 

14. Dr. A. P.: H. Grote. Blätter für Münzfrennde 378 

15. Prof. Kar abacek: Blau Dr. Otto. Die orientalischen 

Münzen des Museums der kuiserl. historisch-archäolo- 
gischen Gesellschaft in Odessa 381 

Miscellen. 

Münzfund aradischer Tetradrachmen. — Münzzeichen auf Me- 
daillen. — Oesterreichische Medaillen vom Jahre 1875. 

— Münzprägungen Oesterreich-Ungarns im Jahre 1875, 

— Zu den serbischen Goldmünzen. — J. G. Seidl's 
Gedicht. — Anton Graf v. Prokesch - Osten f. — 
Alfred Tauber 385 

Sachregister 393 



vin 



Mitarbeiter des achten Bandes. 

Bahrfei dt, M. in Hannover. 

Bergmann, Dr. Ernst v., Custos des kais. Münz- und Antiken- 
kubinets in Wien. 

Blau, Dr. Otto, kaiserl. deutscher General-Consul in Odessa. 
Ernst, Carl v., k. k. Director in Wien. 
Forchheimer, Eduard. 

Karabacek, Joseph, Dr., Professor für die Geschichte des Orients 
und ihre Hilfswissenschaften an der Universität in Wien. 

Kenner, Dr. Fr., Custos des kais. Münz- und Antiken-Cabinets in 
Wien. 

Luschin-Ebengreuth, Dr. A. v., Professor an der Universität 
in Graz. 

Markl, A., k. k. Major a. D. in Linz. 

Parapat, Johann, Pfarradministrator in V'r.tnjapec (Krain). 

Pawlowsky, Dr. A. v., k. k. Hofrath, Director des k. k. Theresia- 
niinis in Wien. 

Reichardt, 11. C. Reverend, in Damascus. 

Raimann. Dr. Franz, Ritter v., k. k. Landesgerichtsrath in Wien. 

Rüppell, Dr. E. in Frankfurt a. M, 

Trau,' Franz, Kaufmann in Wien. 

t Wächter, Carl, Edler v. Wachenhain , k. k. Generalmajor a. D. 
in Linz. 



I. 
Griechische Inedita. 

Von 

Dr. f'r. Kenner. 

(Hierzu Tafel I.) 



Pisa in Elis (Fig-. 2). 
Jupiterkopf mit Lorbeerkranz von links. 
9». TTI — ZA getheilt durch den senkrecht gestellten 
Blitz. 

Silber. — Grösse 91/2 Mm. (Mionnet 1). — Gew. 
0-510 Grm. 

Etwas gemeine Arbeit, das Gepräge in den Hoch- 
theilen leicht abgeschliffen. — Aus der Samm- 
lung Seiner Durchlaucht des Prinzen Ernst zu 
Windischgrätz. 
Eine Münze der Pisaten in Elis ist meines Wissens 
noch nicht bekannt geworden. Die Zutheilung ist durch 
die Aufschrift und durch die Uebereinstimmung mit den 
Typen einer offenbar gleichzeitigen Münzenreihe von Elis 
gesichert, eine Uebereinstimmung, welche sich- auch auf 
das Gewicht erstreckt. Diesem nach ist unsere Münze ein 



Dr. Friedrich Kenner: 



fast vollwichtiges Hemiobolion der in Elis einheimischeu 
aeginaeischen Währung. 

Die Art der Ausführung weist auf die möglichst späte 
Periode hin, in welche derartige Gepräge überhaupt ver- 
setzt werden können, d. i. etwa in die letzten Jahrzehente 
vor Errichtung des achaeischen Bundes, an dem auch die 
Landschaft Elis Theil nahm (280 v. Chr.). 

Die Pisaten wurden um 570 vor Chr. von den Eleern 
besiegt und traten seither vom geschichtlichen Schauplatz 
zurück ; nur um 360 v. Chr.- tauchen sie vorübergehend 
auf. Nach Strabo gehörte die Stadt, über deren Existenz, 
man damals sogar im Zweifel war,, nicht zu den acht 
Städten der Landschaft Pisatis (p. 356) und diese selbst 
war zu seiner Zeit nur ein geographischer Begriff. Daher 
ist das Erscheinen eines eigenen unter ihrem Namen und 
in so später Zeit geprägten Geldes überraschend und die 
Untersuchung dieser Thatsache nicht ohne Wichtigkeit. Sie 
wird zugleich auf die eben berührte, schon im Alterthum 
vorhandene Verschiedenheit der Meinungen Rücksicht 
nehmen müssen, ob der Name Pisa wirklich einer Stadt 
oder ob er nur einer Quelle zugekommen sei, nach welcher 
die Landschaft benannt wurde. Strabo erwähnt ausdrück- 
lich dieser Verschiedenheit der Meinungen, während Pau- 
sanias nichts davon weiss. Entschieden scheint der Streit 
noch heute nicht zu sein. Curtius (Peloponnes IL 49) 
erklärt den Umstand, dass Strabo Pisa unter den acht 
Städten der Landschaft Elis nicht nennt, aus der Auflösung 
der Stadtgemeinde nach der Besiegung der Pisaten durch- 
die Eleer, an ihre Stelle sei von letzteren ein anderer Ort 
in die Reihe der acht Städte aufgenommen worden. Bursian 
(Geogr. IL 289 f.) widerspricht dieser Erklärung zwar 



Griechische Icedita. «^ 

nicht direct, findet aber, dass Strabo's Schweigen ttber 
Pisa der Ansicht Jener einiges Gewicht verleihe, weiche 
diesen Namen auf die Quelle, nicht auf eine Stadt beziehen. 

Die Aufschrift unserer Mtinze muss selbstverständlich 
mit niZATHN ergänzt werden. Es fragt sich nun, ob 
YliadcTCit als Name der Einwohner einer Stadt oder einer 
Landschaft zu nehmen sei, oder, da die Pisaten offenbar, 
um überhaupt Münzen schlagen zu können, zu einem 
Gemeindewesen verbunden gewesen sein müssen, ob dies 
Gemeindewesen auf eine Stadt Pisa beschränkt, oder auf 
eine ganze Landschaft ausgedehnt gewesen sei. War letz- 
teres der Fall, so hatte die Mittheilung des Münzrechtes 
von Seite der Eleer an die Pisaten eine grössere politische 
Bedeutung, sie bedeutete die Wiederherstellung der poli- 
tischen Existenz der Pisaten, eine Th eilung der Souver- 
ainetät in der Landschaft Elis, eine Gleichstellung beider 
Stämme. Nach dem, was uns über das gegenseitige Ver- 
hältniss der Eleer und Pisaten bekannt ist, kann all' diess 
ohne vorausgehende gewaltsame und vollständige Um- 
wälzung der bestehenden Ordnung der Dinge nicht gedacht 
werden; diese müsste nahezu kurze Zeit vor Gründung 
des achaeischen Bundes eingetreten sein. Dann aber 
hätten wir sicher eine Nachricht davon, zumal da die 
Landschaft Elis, zu der Pisatis gehörte, als Schauplatz der 
olympischen Spiele für alle Griechen eine der wichtigsten 
und anziehendsten war. Diess ist nicht der Fall, vielmehr 
war schon um Beginn unserer Zeitrechnung der Name der 
Pisaten nur mehr aus der Erinnerung bekannt. 

Aus eben diesem Grunde ist es auch ganz unwahrschein- 
lich, dass sich höhere Nominale des Geldes der Pisaten 
aus gleicher Zeit noch finden werden, etwa das Ganzstück, 



Dr. Friedrich Kenner : 



derStater, und die Drachme. Wir werden von vorneherein 
nach dem Massstab, welchen die dauernde Unterstellung 
der Pisaten unter die Herrschaft der Eleer an die Hand 
gibt, mit Sicherheit voraussehen können, dass die Präge 
der Ersteren auf die unteren Nominale beschränkt ge- 
blieben sei. 

Für diese Ansicht sprechen auch die MUnzbilder der 
Pisaten. Sie sind nach elischem Vorbilde gefertigt; sie 
sind ihm so ähnlich, dass man sie auch ungeachtet der 
abweichenden Aufschrift in eine Reihe mit den elischen 
Münzen stellen rauss. Diese Uebereinstimmung wird durch 
eine kleine Differenz, welche sich wahrnehmen lässt, nicht 
aufgehoben, vielmehr stärker betont. Während nämlich auf 
den entsprechenden elischen Münzen der Jupiterkopf von 
der rechten Seite genommen ist, erscheint er auf unserer 
Münze im Gegensinne, von links. Das geschah offenbar, 
um ein auffallenderes Merkmal der Unterscheidung vom 
elischen Gelde zu gewinnen, als die kleinen Buchstaben 
der Aufschrift gewährten, vielleicht in Folge einer aus- 
drücklichen gesetzlichen Vorschrift i). Wie dem aber auch 
sei, an und für sich betrachtet wäre die Wahl der genann- 
ten Typen von Seite der Pisaten erklärlich, da der Cult 
des olympischen Jupiter ganz Elis beherrschte und als 



«) Die Anwendung des Gegensinnes in der Richtung der 
Jupiterköpfe könnte aucii als ein Merkmal der Hälfte des Obolus, 
des Hemiobolion betrachtet werden. In der That zeigen ein Obolus 
und ein Hemiobolion (k. k. Cabinet, 9» Blitz) auf der Vorderseite 
Adlerköpfe, der Obolus von rechts, das Hemiobolion von links. 
Dem stehen aber andere Fälle gerade aus der Serie Jupiterkopf ^ 
Blitz entgegen: ersterer erscheint bei verschiedenen Nominalen 
von rechts , so dass seine Wendung nicht als Charakteristicum 
gedacht werden kann. 



Griechische Inedita. *^ 

massgebend für die ganze Landschaft betrachtet werden 
kann. Aber abgesehen davon, dass dieser Umstand An- 
spielungen auf die heimische Mythe , etwa auf die Quelle 
Pisa oder ihren berühmten König Oenomaos und dessen 
»Sohn Pelops, nicht ausschliessen würde, zumal für die 
kleineren dem localen Verkehre dienenden Nominale, so 
liegt in unserem Falle das Hauptgewicht nicht auf dem 
Inhalte der Münzbilder, sondern auf ihrer Form, auf 
der genauen Nachahmung nämlich der elischen Typen. 
Diese lässt die Münze der Pisaten als einen Bestand- 
theil des elischen Geldes erkennen, und so wird auch der 
Sinn der gesetzlichen Bestimmung, durch welche ihnen 
Geld zu schlagen gestattet wurde, kein anderer als der 
gewesen sein, sie auch in der eingeräumten Münzpräge 
als das erscheinen zu lassen, was sie gegenüber den 
Eleern in allen anderen Beziehungen ebenfalls waren, als 
untergeordneter organischer Theil des eleischen Staates; 
mit anderen Worten: das Münzrecht wurde ihnen mit 
Beschränkungen verliehen , dass es der Oberhoheit der 
Eleer möglichst wenig praejudicirte. 

Es lässt sich nun nicht denken, dass eine so eng 
umschriebene Concession einer Gemeinde ertheilt worden 
sei, die eine ganze Landschaft in sich fasste, eben so 
wenig, wie nach den geschichtlichen Verhältnissen von 
Elis der Bestand einer so grossen pisatischen Gemeinde 
in jener Zeit denkbar ist, der unsere Münze angehört. 
Vielmehr muss die Ertheilung des Münzrechtes an eine 
kleinere Ortsgemeinde erfolgt sein, welche auf das Weich- 
bild der uralten nun gänzlich herabgekommenen Stadt 
beschränkt war. In diesem Sinne ertheilt, hatte die Ge- 
währung des Münzrechtes keinerlei politische Wichtigkeit, 
sie war sehr wahrscheinlich nicht mehr, als eine Anerken- 



6 



Dr. Friedrich Kenner; 



nung für geleistete Dienste, die sich wohl auf die Feier 
der olympischen Spiele bezog. 

Das Ergebniss, welches sich in solcher Weise auf 
numismatischem Gebiete für die am Eingange erwähnte 
Frage gewinnen lässt, stimmt trefflich zu der von Curtius 
aufgestellten Ansicht, der zufolge nach Besiegung der 
Pisaten wohl ihr bisheriges grösseres Gemeindewesen auf- 
gelöst, die Stadt selbst aber, die ihren Mittelpunct gebildet 
hatte, nicht zerstört, sondern nur aus der Reihe der acht 
Städte genommen wurde. Es ist sehr gut denkbar, dass 
sie als kleinerer Ort ihr Dasein fristete und in einer 
Zeit, wo sie längst nicht mehr daran denken mochte, den 
Eleern zu nahe zu treten, durch treues Zuhalten die Aus- 
zeichnung einer beschränkten Mtinzpräge erwarb. 



Griechische Tnedita. 



Zakynthos und Pale (Fig. 1). 

Dreifuss in einem Lorbeerkranz; zwischen beiden 
A- = . 
9». Amphora, am unteren Ende der Henkel abstehende 
Zweige; am Fnsse P — A. 

Silber, 17 Mm. (Mionnet 4). Gewicht 3-710. — 
Gut erhalten. 

Diese seltene Münze, seit Kurzem im k. k. Münz- 
«abinete, ist schon von Postolaccas im Katalog der Insel- 
münzen, Nr. 1005, Tab. VI, wenn gleich nach einem unvoll- 
ständigen Exemplare mitgetheilt worden. Wie dessen Ab- 
bildung ausweist , fehlt an demselben der Fuss der 
Amphora mit den bezeichnenden Buchstaben P A, indem 
-der Stempel an dieser Stelle Über den Schröttling hinaus- 
ragte und im Gepräge des letzteren die betreffenden 
Theile nicht kamen, ich reproduciere sie hier aus diesem 
Grunde nach dem Wiener Exemplare. — Die Verbindung 
Ton Pale auf Kephallenia und von Zakynthos ist auf dem 
Gebiete der Münzkunde, so viel ich weiss, noch nicht 
beobachtet worden, und in dieser Beziehung unsere Münze 
von Wichtigkeit. 

Die Typen der Vorder- und Rückseite gehören beide 
nach Zakynthos, nicht nach Pale, dessen Gepräge voll- 
ständig andere sind ; die Verbindung beider Orte wird also 
in unserem Falle nicht durch die Gepräge, sondern nur 
■durch Erwähnung der Namen dargestellt. Diess könnte 
die Vermuthung nahe legen, dass die Buschstaben P A auf 



Dr. Friedrich Kenner: 



der Rückseite gar nicht einen zweiten Ort, sondern einen 
Magistratsnamen bezeichnen. Allein es steht dementgegen^ 
dass die wenigen behördlichen Namen, die wir von 
Zakynthos kennen, auf den jüngeren Silbermlinzen (mit 
dem Apollokopfe) und voll ausgeschrieben erscheinen, 
ferner, dass man in einer Zeit, in welcher rückläufige 
Schrift und die alte Form des Sigma noch gebräuchlich 
sind, wie in unserem Falle, überhaupt Magistratsnamen 
noch nicht kennt. Dazu kommt endlich die ausgesprochene 
Analogie zwischen dem rückläufigen A — I der einen, und 
p — A der Rückseite, sowohl in der Zahl der Buchstaben,, 
als in der Wahl des Platzes, wo sie angebracht erscheinen. 
Sowie jenes unzweifelhaft auf Zakynthos bezogen werden 
muss , so ist auch in diesem ein Ortsname zu suchen, der 
am wahrscheinlichsten Pale auf dem wesllichen Theile 
von Kephallenia bezeichnet; auf seinen Münzen wird der 
Name in der That mit denselben Buchstaben P k 
angedeutet. 



Griechische Inedita. 



Syros (Fig. 3). 

Knabenkopf von rechts, mit spitzigem Strohhut 

bedeckt. 
IJs. ZVP Stehender Bock von rechts. 

Silber. 10 Mm. Durchmesser (Mionnet IVa)- 

Gewicht 0-8H0 Gr. — Gut erhalten. — K. k. 

Mttnzcabinet. 
Ausser den grossen SilbermUnzen mit OCflN KABEI- 
PflN ZYPIflN, welche nach Sestini und Borell nebst 
andern kupfernen mit KABCYPION constant auf Syros, 
oder dessen nächsten Nachbarinseln gefunden werden «), 
habe ich eine andere Silbermiinze dieser Insel noch nicht 
veröffentlicht gefunden. Die Zutheilung der oben beschrie- 
benen ist durch die aus ihren Kupfermünzen bekannte 
EUckseite gesichert. EigenthUmlicher Weise zeigt der Kopf 
der Vorderseite keineswegs ideale, sondern vielmehr aus- 
gesprochen genrehafte Gesichtszüge. Ebenso vermag ich an 
dem grossen kegelförmigen Hute, der leicht auf den Kopf 
gestürzt ist, und in überaus feinen Linien das Geflecht, aus 
dem er hergestellt ist, anzeigt, irgend ein Symbol nicht 
zu entdecken. In dieser Erscheinung gemahnt der Kopf 
lebhaft an die Darstellungen von Hirtenknaben ; möglicher- 
weise ist mit der typischen Darstellung eines solchen im 
Gepräge des kleineren Nominales eine Hinweisung auf den 
Reichthum an Heerden in den höheren Gegenden der 
felsigen kahlen Insel beabsichtigt. Der einheimische Her- 
mesdienst, welcher durch denCaduceus auf einigen Kupfer- 
münzen von Syros angedeutet wird, und der Bock auf der 
Rückseite so vieler Münzen dieser Insel können als eine 
Bestätigung dieser Vermuthung gelten. 
1) Num. Chron. V, 181 f. 



10 



Dr. Friedrich Kenner: 



Thyatira Lydiae (Fig. 5), 

AVKAIACC — OVHPOC nCP Brustbild des 
Kaisers Septimius Severus von rechts, mit Lor- 
beer und Feldherromanlel ; auf der Achsel die 
Fibula und herabhängende Panzerklappen. 

1^. AVKAM ANTON€IN- — A C€ r€TAC K*; 

soweit reicht die Inschrift am Rande der Münze 
in deren oberem Theile, beginnend über einer 
schwebenden von vorne gesehenen Victoria, welche 
in beiden erhobenen Händen Kränze über die be- 
lorbeerten mit dem M;»ntel bekleideten Büsten der 
kaiserl. Prinzen hält, jene Caracalla's ist von der 
Linken, jene Geta's von der Rechten dargestellt. 
Unter ihr ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln 
gegen Geta emporsehend; er nimmt den unteren 
Theil des MUuzfeldes ein, so dass die Füsse der 
Victoria über seinem Kopfe , die Büsten über 
seinen Flügeln zu stehen kommen. Unter den 
Flügeln: €n CTP T — AVKHNOC | 0VA T€ 
— IPHNflN. 

Bronze. 42 Mm. Durchm. (Mionnet fast 13). — 
In der Mitte der Vorderseite ein Grübchen. Das 
Profil des Kopfes der Vorderseite in Folge 
Doppelschlages stellenweise doppelt. Gute Er- 
haltung. 

Die vorliegende Münze kam aus Anlass von Canal- 
grabungen im Jahre 1872 in Essegg zu Tage und befindet 
sich in der Sammlung des Herrn Ingenieurs Maximilian 
Zucker daselbst, welcher mir Mittheilung davon zu 



Griechische Inedita. 



11 



machen und die VeröflFentlichung zu gestatten die Güte 
hatte. 

Sie stellt sich als eine zu Ehren der kaiserlichen 
Familie geschlagene Münze an die Seite einer schon be- 
kannten Bronzemedaille derselben Stadt von gleicher 
Grösse^) und mit dem Namen desselben Strategen, welcher 
nach anderen Münzaufschriften vollständiger sich Quintus 
Aurelius Glyco, Lucii filius nannte. In der gedachten 
Münze sind die beiden Prinzen ohne Namen und Titel, 
aber in ganzer Figur mit Speer und Schale dargestellt, 
beide in den Feldherrnmänteln. Offenbar ist diese Münze 
und unsere aus gleichem Anlasse und gleichzeitig geprägt; 
es würde also durch Nachweisung dieses Anlasses auch 
die Verwaltungsepoche des Strategen bestimmt werden 
können. 

Dazu scheinen mir zwei Um stände verwerthet werden 
zu können. In der Darstellung der Rückseite erhebt der 
Adler den Kopf zu jener Büste, neben welcher der Name 
Geta steht, nicht zur anderen, so dass nicht Caracalla, ob- 
wohl er der ältere und angesehenere Bruder war, sondern 
Geta die besonders hervorgehobene Persönlichkeit in 
unserem Münzbilde ist. Das Ereigniss, welches den Anlass 
zur Herstellung unserer Münzen gab, betraf also vorzugs- 
weise Geta, nicht Caracalla. Ferner ist nicht bloss die eine 
der beiden Büsten, sondern es sind beide mit Lorbeer- 
kränzen geschmückt. Auf der hauptstädtischen Präge 
erscheint Geta, solange er Caesar ist , durchaus ohne 
Lorbeerkranz ; alle Münzen aber, auf denen er Augustus 
genannt wird, zeigen seinen Kopf belorbeert. Auf den 
Gold- und Silbermünzen , welche die Mutter Julia Domna 



Miounet IV, 163, 933. 



12 



Dr. Friedrich Kenner: 



auf der Vorderseite, die beiden Prinzen auf der Rückseite 
in Brustbildern darstellen, ist von letzteren jene des Cara- 
calla belorbeert, jene des Geta nackt (Cohen III, 358), da 
zur Zeit der Herstellung dieser Gepräge der erstere schon 
Augustus, der andere noch Caesar war. Aus diesem Grunde 
ist zu folgern, dass auch zur Zeit, da unsere MUnze ge- 
schlagen wurde, Geta bereits den Titel Augustus erhalten 
habe. Es kann damit die Art der Schreibung verbunden 
werden, welche die Titel unserer Münze zeigen. 

Nach der Composition des Mlinzbildes lag nichts 
näher, als die Umschrift im oberen Theile des MUnzfeldes 
/u trennen, indem die Victoria so angebracht wurde, dass 
ihr Kopf zwischen Anfang und Ende der Umschrift hinein- 
ragte , dann würde der eine Theil : AV-KA'M'A'A 
NTHNEINOC hinter die Büste Caracallas, der andere 
Theil ACCTETA C K* hinter jene Geta's zu stehen 
gekommen sein, ähnlich, wie die Aufschrift im unteren 
Theile der Münze durch die Füsse des Adlers getrennt 
wurde. Statt dessen scln-ieb man aber die Umschrift des 
oberen Theiles in continuo, so dass der Titel A V (T K 
PATflP) gerade in die Mitte derselben zu stehen kommt 
und beiderseits KAICAP folgt, mit KA und K abgekürzt. 
Demnach scheint die Sigle AV auf beide Namen bezogen 
und mit AVTOKPATOPCC oder AVTOKPATOPflN 
aufgelöst werden zu müssen. 

In der hauptstädtischen Präge hat Geta als Caesar 
niemals den Titel Imperator: dieser erscheint, sowie der 
Lorbeerkranz erst mit dem Titel Augustus. In der Provin- 
cialpräge, speciell in unserem Thyatira, lässt sich das 
Gleiche an den zwei zufällig bekannt gewordenen Münzen 
dieser Stadt mit Geta's Kopfe nachweisen (Mionnet IV, 
167, 960, 961). Die eine stellt ihn als Caesar ohne Lorbeer- 



Griechische Inedlta. -' ^ 

kränz und Imperatortitel, die andere mit beiden dar. 
Darnach muss auch auf unserer Münze Geta als Augustus 
betrachtet werden. Andererseits sind die Köpfe beider 
Prinzen noch sehr jugendlich , fast knabenhaft anzusehen, 
während sie um das Jahr 209, in welchem Geta Augustus 
wurde, auf den hauptstädtischen Geprägen schon mit 
Bartflaum erscheinen, der in kurzer Zeit kräftiger dar- 
gestellt wird. Es kann daher unsere Miinze schon nach 
diesem Merkmale nicht zu lange nach dem Jahre 209 
geprägt sein. 

Aus diesen Beobachtungen, zumal aus der Hervor- 
hebung Geta's, ergibt sich von selbst, dass die Ernennung 
desselben zum Augustus im Jahre 209 für den Strategen 
Glyco der Anlass war, zu Ehren des freudigen Ereig- 
nisses in der Familie des Kaisers unsere und die vor- 
erwähnte aus Mionnet bekannte Münze schlagen zu lassen, 
dass Glyco also um dieses Jahr Strateg von Thyatira war. 
Da er auch auf jener Münze genannt wird, die Geta noch 
als Caesar bezeichnet, so kann sein Amt vielleicht noch 
auf ein oder zwei Jahre vor 209 ausgedehnt werden; sicher 
aber fungirte er nicht lange mehr nach 209; denn die 
einzige Münze von Thyatira , auf welcher Geta allein und 
als Kaiser erscheint, ist unter einer andern Obrigkeit ge- 
schlagen i). Sestini las ihren Namen €TTI ICPONVMOV, 
ob diese Lesung richtig sei oder nicht, ist für unsere Frage 
gleichgiltig. Auch, wenn sie unrichtig wäre, hat gewiss 
nicht der Name unseres Glyco auf der Münze gestanden, 
da er fast constant CHI CTP KV AVP rAVKHNOC 
oder cni CTP AVP rAVKHNOC geschrieben wird, 



•) Mionnet IV, 167, 961. 



14 



I)r. Friedrich Kenner: Griechischo Tnfdita. 



was doch wohl nicht mit l€PONVI\(IOV verlesen werden 
kann. 

Der Name Glyco kommt auf zwei Inschriften von 
Thyatira vor, die aber ohne Werth für die Bestimmung 
unserer Münze sind. Die eine (c. J. Gr. II, 822, 3477) 
nennt einen Glyco Sohn des Eumedon, die andere (1. c. 
II, 834, 3498) einen Aurelius Artemagorus, Sohn eines 
Glyco, als Strategen. Möglicherweise hängt letzterer 
mit unserem Glyco zusammen. 



15 



II. 

Die Münzen von Axus Cretae. 



Von 

Dr. Fr. Kenner. 

(Hierzu Tafel I, Fig. 4.) 



Es gibt nicht viele Städte des Alterthiims, deren 
Münzen so verschieden bestimmt und auf so verschiedene 
Orte vertheilt wurden, als die oben genannte; diese Zu- 
theilungen bieten ein eigenthUmliches Beispiel dafür, wie 
der zeitliche Unterschied irrig als örtlicher aufgefasst, 
und was in verschiedenen Epochen einer und derselben 
Präge gehört, auf verschiedene Städte bezogen werden 
könne. 

Diese Verwechslungen wurden herbeigeführt durch 
die Unterschiede in den Geprägen von Axus selbst. Sie 
sind in den älteren Epochen so zierlich und sorgfältig, 
dass man sie für italisch oder griechisch hielt, in der 
jüngeren aber derb und roh, wie sonst auf der Mehrzahl 
der kretensischen Münzen; diese jüngeren blieben vor 
Umlegungen bewahrt, während die älteren von Hunter 
nach Axia in Lokris, von Neumann nach Elis gelegt 
wurden. Dazu kam noch die verschiedene Schreibweise 
des Stadtnamens, sowie der Umstand, dass Monogramme 



16 



Dr. Fr. Kenner: 



von Magistratsnamen nur in Verbindung- mit einer be- 
stimmten dieser Schreibweisen angeführt werden, so dass 
die entsprechenden Münzen eine selbständige Reihe für 
sich zu bilden schienen. Die rohen späten Kupfermünzen 
zeigen AZ, sie blieben, wie gesagt, schon wegen der 
Aehnlichkeit des Styles mit jenem der Münzen von Kreta 
in der Reihe der Städtemünzen dieser Insel. Daneben 
zeigte sich aber FAUHN ohne, dann CAEIHN mit 
Monogrammen, endlich FA mit dem Anfange eines Ma- 
gistratsnamens. Erstere wurden nach Axia in Lokris, die 
andere nach Saxus Cretae, die dritten nach Faleria in 
Etrurien und nach Elis gelegt. Eckhel empfand allerdings 
namentlich, was Axia in Lokris betraf, Missbehagen über 
diese Zutheilung; doch hielt er an der einen Bestimmung 
von Faleria fest. Ueber die verschiedene Schreibung des 
Namens der Stadt übersah man ein wichtiges Merkmal der 
Orientirung, welches die Münzen selbst bieten ; gerade in 
den älteren strittigen Epochen zeigen sie alle denselben 
Dreifuss, mag der Käme wie immer geschrieben sein. 

Nach diesem Merkmale lässt sich die Münzreihe von 
Axus herstellen. Ich versuche es im Folgenden und halte 
dabei die verschiedenen Prägeepochen auseinander, wie 
sie die MUnzen selbst erkennen lassen. Je nach dem Auf- 
treten der Magistratsnamen und der Sauberkeit der Arbeit 
können vier Reihen unterschieden werden. 

In die erste und zugleich älteste, sicher aber schon 
der Zeit des freien Styles angehörende Epoche muss eine 
Silbermünze sorgfältigen Gepräges ohne Magistratsnamen 
gestellt werden, die mir allerdings nicht selbst zu Gesichte 
gekommen, aber in drei Exemplaren nach Abbildungen 
bekannt ist. 

1. Apollokopf mit Loibeerkranz .von rechts. 



Die Münien von Axus Crefae. 



17 



^. FAi — IHN Dreifuss. 

Silber. Durehm. 16 Mm. (Mionnet etwas über 3). 
Gewicht unbekannt. 

Zuerst wurde sie von Liebe in der Gotha nummaria 
(1 730), p. 163 abgebildet mitgetheilt und nach Axus Cretae 
verlegt. Ein zweites Exemplar gab 1776 Dutens aus 
seiner Sammlung heraus in der Explication de quelques 
medailles etc., und zwar mit Abbildung auf S. 165 und 
Besprechung auf S. 186 und 228 ; er verlegte es ebenfalls 
nach Axus. Ein drittes Exemplar, gleichfalls in Silber^ 
fand sich in der Sammlung des Erzherzog's Maximilian. 
Neumann hatte das Stück in Händen und bewahrte in 
seinem Corpus nummorum (Münzabbildungen) eine treff- 
liche Federzeichnung, nach der unsere Abbildung repro- 
ducirt wurde. (Tafel I, Fig. 4.) 

Eckhel, der sonst so genau ist, führt dieselbe Münze 
als it. an, wenn gleich auf den Abbildungen von Liebe, 
Dutens (und der Zeichnung der Münze des Erzherzogs 
Maximilian) deutlich M steht. Auch Mionnet S. IV, 307, 
Nr. 73 bezeichnet sie unrichtig mit I^ 4, obwohl auch er 
die Abbildung aus Dutens citirt. Es muss also dieses 
seltene Stück als Silbermünze restituirt werden. Bezüglich 
ihrer Echtheit kann wenigstens das Zeugniss angeführt 
werden, das ihr Neumann gab, indem er ihre Abbildung 
in sein Corpus aufnahm. 

Eine correlate Kupfermünze ist, soviel ich weiss, 
nicht bekannt,- alle Kupfermünzen, von denen ich Originale 
gesehen oder Beschreibungen gelesen habe, zeigen statt 
des Apollo — den Zeuskopf Wenn wie bei Pellerin, pl. C, 
ein Apollokopf gezeichnet erscheint, beruht diess höchst 
wahrscheinlich auf dem minderen Grade der Erhaltung 

2 



18 



Dr. Fr. Kenner : 



der betreffenden Münze; manchesmal macht der Zeuskopf, 
wenn die erhabenen Theile des Gepräges stark abge- 
schliffen sind, den Eindruck eines jugendlichen unbärtigen 
Kopfes. 

In die zweite Reihe gehört eine sicher etwas jün- 
gere SilbermUnze folgenden Gepräges : 

2. Zeuskopf mit Lorbeer von rechts. 

^. F — A, dazwischen Dreifuss, über diesem horizontal 

ein liegender Blitz mit gekrümmten Strahlen, über 

diesem KP A. 

Silber. Durchm. 14 Mm. (Mionnet 3). Gewicht 

2-160 Grm. — Gut erhalten. 

Das im k. k. Münzcabinet befindliche bisher einzige 
bekannte Exemplar ist im Cimelium C. R. Austr. (1755) 
(Pars I, p. XXXVm, Tab. IX, Fig. 12) als Münze von 
Falisci beschrieben und abgebildet worden. Eckhel theilte 
sie im Cat. Mus. Caes. I, p. 14, Nr. 8 unter Falerii mit; in 
der Doctrina I, 91 erscheint sie ebenfalls daselbst, nur 
steht hier in Folge eines Druckfehlers fPA statt KPA. 
Aus der Doctrina nahm sie Mionnet im Hauptwerke auf 
(I, 99, Nr. 22) unter Faleria Etruriae, im Supplement IV, 
177, 22 erscheint sie bereits unter Elis. In Neumanns 
oben genanntem Corpus nummorum findet sich das Blatt 
der Münzen, welche heutzutage nach Axus gelegt werden, 
auch bei dieser Stadt eingereiht; nach einer mit Blei bei- 
gesetzten Bemerkung scheint es Director von Steinbüchl 
von Elis nach Axus restituirt zu haben, wahrscheinlich 
nicht bloss die Abbildung, sondern auch die Mün^e in der 
Sammlung selbst. Arneth legte diese wieder nach Elis 
zurück und beschrieb sie unter den elisehen Münzen in 
seinem Msc. Catalog. Zu einer Zeit, wo ich mich mit dieser 



Die Münzen von Aius Cratae. 



19 



Abtheilung nicht beschäftigte, hatte Herr Dr. Friedrich 
Imhoof-Blumer bei seiner Anwesenheit in Wien die 
oute, mich auf die Zugehörigkeit des Exemplares nach 
Axus aufmerksam zu machen. 

Gleichzeitig diesem Silberstticke sind zwei Bronze- 
mtinzen, die allerdings noch keine Andeutung des Magi- 
stratsnamens zeigen, aber nach Aufschrift und Gepräge in 
die gleiche Reihe gehören ; es sind : 

3. Zeuskopf mit Lorbeer von rechts. Perleurand. 
^f. F — A Dreifuss, auf diesem der Blitz horizontal. 

I - I 

n — N 

Bronze. Durchm. 12 Mm. (Mionnet 21/4). — Das 
Exemplar im k. k. Cabinet, 1820 in Paris erworben, 
wurde von Arneth nach Dutens Vorgange nach 
Axia in Lokris verlegt. 

4. Zeuskopf mit Binde von rechts. 

5«. Dreifuss zwischen FAZI — flN in zwei senk 
rechten Zeilen; Perlenrand. 

Bronze. 17 und 19Mm. Durchm. nach Länge und 
Breite (Mionnet Gr. 4). 

In die dritte Reihe gehören die Bronzemlinzen 
(i^4) mit CAZIfl N und Monogrammen von Münzmeistern. 
Sie sind aus den Anführungen von Mionnet bekannt und 
enthalten auf der Vorderseite den Zeuskopf mit Lorbeer, 
auf der Rückseite den Dreifuss. 

Alle Münzen, die bisher erwähnt wurden, zeigen ein 
besseres scharfes zierliches Gepräge und feine Buchstaben. 

Die vierte Reihe endlich, die gleichfalls nur in 
Bronze bekannt ist, lässt die Erwähnung der Behörden 

2* 



20 



Dr. Fr. Kenner: Die Münzen von Axns Cratae. 



hinweg, deutet den Stadtnamen mit A — Z an und zeigt 
eine rohere Arbeit. Auf der Rückseite sind eigenthUm- 
licherweise die Symbole der älteren Bronzemtinzen (oben 
Nr. 3) getrennt, indem bald der Dreifuss, bald der Blitz 
allein erscheint, Von ersterer Art führt Mionnet Suppl. IV, 
p. 308, Nr. 74 ein Beispiel an; ein zweites findet sich von 
ihm, allerdings mit einem Fragezeichen, Axia in Lokris 
zugetheilt (Suppl. III, 486, Nr. 6). Viel häufiger erscheint 
der geflügelte Blitz, hie und da von einem Kranz umgeben; 
derartige Kupfermünzen wurden theils zu Axus in Kreta, 
theils zu Axia in Lokris gelegt und finden sich sowohl bei 
Eckhel, als auch bei Mionnet unter beiden vertheilt. 



21 



III. 

Ein Aureus von Pescennius Niger. 

(Hiezu Tnf. II, Fig. 6). 

Von 
H. C Reichardt. 



Av. IMP CAES C PESC NIGER IVST AV6. Be- 

lorbeertes mit dem Paludamentiim bekleidetes 
Brustbild des Kaisers nach rechts. 
Rev. POMAE AETERNA. Behelmte Roma sitzend 
auf einem KUrass, linkshin ; in der rechten Hand 
eine Victoria die der Roma einen Kranz darreicht; 
linke Hand auf einem Stabe ruhend. 

Gold. Gewicht 6-97. Perlenrand auf beiden 
Seiten; vorzüglich erhalten. 

Diese Münze ist ohne Zweifel von der grössten Selten- 
heit i). Der Eindruck, welchen dieselbe auf ein geübtes 
Auge macht, spricht entschieden fUr die Echtheit 2). Das 
Gewicht ist ebenfalls den Münzen des Didius Julianus 3) 
gleich. Sie wurde von mir auf dem hiesigen Bazar von 
einem Araber, welcher sie eben für Goldwerth ver- 



1) Den ersten Aureus von Pescennius mit lOVI CONSER- 
V A T R I hat Dr. Dethier in Constantinopel publicirt Cohen "VII, 
p. 431, Nota. 

2) Von diesem Eindrucke konnte sich dieRedaction leider nicht 
überzeugen, nachdem die bekannte Unsicherheit des Verkehres in 
Syrien die Einsendung der Münze selbst unthunlich machte. 

Anm. der Redaction. 
8) Mommsen, Geschichte des röm. Münzwesens p. 754, Note 46- 



22 



H. C. Reichardt: Ein Aureus ■von Pescennius Niger. 



äussern wollte, gekauft. Um sie dem Tiegel zu entreissen, 
zahlte ich einige Piaster mehr als den wirklichen Goldwerth. 

Cohen i) hat eine Münze in Silber mit ähnlicher 
In Schrift und fast gleichem Typus nur mit einigen Varian- 
ten. Anstatt PESCEN zeigt meine Münze PESC Die 
Roma wird bei Cohen als sitzend beschrieben, wogegen 
auf meinem Aureus dieselbe auf einem Kürass sitzend 
dargestellt ist. Meine Münze kann daher nicht vom selben 
Stempel herrühren. 

Da Pescennius Niger hier im Oriente, und zwar in dem 
syrischen Antiochien regierte, vom Rom. Senat nie als 
Kaiser anerkannt wurde und daher alle seine Münzen hier 
zu Lande und nicht in Rom geprägt sind , so ist es erklär- 
lich dass dieselben hier auch am meisten vorkommen, und 
dass mein Goldstück, sowie jenes von Dethier, aus dem 
Oriente stammt. 

Die türkischen Beamten entreissen den Eingebornen 
alle Antiquitäten, welche gefunden werden; es ist sehr 
schwer aus diesem Grunde, den Fundort derselben zu er- 
forschen, ohne sich argen Belästigungen auszusetzen. Da 
meine Münze aber hier auf dem Markte für altes Geld ver- 
äussert wurde, dürfen wir auch Damascus als Fundort der- 
selben bezeichnen. Würde sie irgendwo anders in Syrien 
gefunden worden sein, so wäre sie ohne Zweifel nach 
Beirut oder Aleppo zum Verkaufe gewandert. 

Damascus, Februar 1876. 

ij III. p. 218, Nr. 39, richtiger beschrieben in VII p.216, Nr. 12. 
Das Wiener Exemplar , nach welchem Cohen die Beschreibung im 
Tom. III gab, hat auf der Vorderseite zum Unterschiede von jenem 
des Herrn Hamburger, das Cohen im Suppl. bringt, NIGR, auf 
der IV ROMA AETERNA, die Roma sitzt auch hier auf dem 
Panzer. Anui. der Redaction. 



23 



TV. 

Römische Inedita. 

(Hierzu Tafel II.) 

Von 
Franz Trau. 



Von den neuen Erwerbungen für meine Sammlung 
glaube ich folgende bisher unbekannte Münzen wegen 
ihrer Wichtigkeit für numismatische Studien mittheilen zu 
sollen. 

M. Aurel. 

Nr. 1. R.. Medaillon. Grösse 41 Mm. 

Av. IMPCAESMAVREL ANTONINVS AVG PNI 

Das mit dem Paludamentum bekleidete Brust- 
bild des Kaisers, mit blossem Kopfe, nach links 
gewendet. 
Rev. ROMA (im Abschnitte). Die auf einem Felsen 
nach rechts sitzende Roma, mit nach vorne ge- 
wendetem Oberkörper, stützt sich mit der Rechten 
auf den Felsen und hält mit der Linken ein 
Parazonium. Hinter ihr steht die Victoria, welche 
rechtshin gewendet, mit beiden Händen einen 
Schild empor hält, auf der anderen Seite ragt 



24 



Franz Trau: 



neben Roma ein einfaches Tropaeum auf; unter 
dem Felsen ein Helm. 

Sonderbarerweise ist eine auf die Roma bezughabende 
Darstellung auf keinem Nominale des Kaisers M. Aurel 
bisher bekannt gemacht worden, während die Roma-Typen 
doch sonst bei fast allen Kaisern häufig vorkommen. Es 
scheint nur ein Spiel des Zufalls die Ursache davon zu 
sein, da weder von Seite des Kaisers eine Veranlassung 
bekannt ist, welche es erklärlich machte, warum er die 
Verherrlichung der Schutzgöttin der Metropole vermeiden 
wollte, noch viel weniger aber zu vermuthen ist, dass der 
Senat nicht Gelegenheit gehabt hätte die Erzmünzen und 
Medaillen dieses überaus trefflichen Monarchen, mit dem 
80 beliebten Typus zu schmücken. 



Julia Paula. 

Nr. 2. Silberquinar. Gew. 1-215. Grösse 15 Mm. 
Av. IVLIAPAVLA AVG. Das mit dem Diadem 
geschmückte Brustbild der Kaiserin, mit dem 
Paludamentum bekleidet, nach rechts gewendet. 
Rev. CONCORDIA. Die Concordia auf einem Stuhle 
sitzend, links gewendet. Im Felde links ein 
Stern. 

Bis jetzt ist mir von der Existenz eines silbernen 
Quinar's dieser Kaiserin nichts bekannt geworden; es 
dürfte daher mein Exemplar das erste dieses Nominales 
von Julia Paula sein, welches publicirt wird. Dieses No- 
minale, das am häufigsten von Trajanus und Hadrianus zu 



Römische Inedita. 



25 



finden ist, wird in der Epoche der genannten Kaiserin 
schon sehr selten. 

Mein Exemplar ist von vorzüglichster Erhaltung, es 
stammt aus einem spanischen Funde. Ueberhaupt werden 
in Spanien im Verhältniss die meisten silbernen Quinare 
gefunden , und scheint dieses Nominal in dieser Provinz 
zumeist cursirt zu haben. Auch Mr. Wigan in London 
erhielt die meisten silberneu Quinare seiner überaus 
reichen Sammlung aus Spanien. 



Maximianus Herculeus. 

Nr. 3. N. Gew. 4-730. Grösse 20 Mm. 

Av. IMPCVALMAXIMIANVS PF AVG. Das mit 

dem Lorbeerkranz geschmückte Brustbild des 
Kaisers, mit dem Paludamentum bekleidet und 
nach rechts gewendet. 

Rev. MARTI PACIFERO. Der friedenbringende 
Mars im Kriegsgewande und mit dem Helm, 
stehend und nach links gewendet ; er hält mit 
der Rechten einen nach aufwärts gerichteten 
Zweig, mit der Linken, einen mit der Spitze nach 
unten gekehrten Speer. 



Die Mars - Darstellungen auf Münzen des Kaisers 
Maximian Herculeus, sowie auch seines Mitkaisers Diocle- 
tianus sind sehr selten — von Ersteren publicirt Cohen 
im VIL Bd., Nr. 6 ein Exemplar mit den Revers: MARTI 



26 



Franz Trau ; 



CONSERVATORi AVGG ETCAESS NN, im Abschnitte 
P R aus dem Besitze des M. H. Hoffmann, sonst könnte 
ich ausser meinem oben beschriebenen Exemplare keinen 
Aureus nachweisen. Obwohl mein Exemplar einem galli- 
schen Funde entstammt, halte ich dasselbe weder flir eine 
gallische, noch wie das von Hoffmann beschriebene Exem- 
plar für eine römische Präge , sondern möchte es, beson- 
ders der eigenthümlichen Auffassung des Bildes der Rück- 
seite wegen nach einer östlichen Münzstätte weisen. 



Constantinus Magnus. 

Nr. 4. A'. Gew. 4-480. Grösse 19 Mm. 

Av. CONSTAN TINVS PF AVG. Das mit dem Helm 
und Diadem geschmückte Brustbild des Kaisers, 
mit Harnisch und Paludamentum bekleidet, nach 
rechts gewendet. 

ßev. ADLOCVTIO AVG. Der Kaiser im Kriegs- 
gewande, steht auf einer kleinen Rednerbühne, 
nach links gewendet, die Rechte erhoben, und 
eine Ansprache haltend — vier Soldaten und 
zwei kleinere Figuren stehen zuhörend um die 
Bühne, hinter denselben sechs Feldzeichen, an 
deren fünf das Labarum zu sehen ist. Im Ab- 
schnitt: S-M-T. 

Scheint nach dem Jahre 1076 (323 n. Chr.) geprägt 
zu sein und auf den Sieg undEinzug in Thessalonica Bezug 
zu haben. 



27 

Bömiscfae Inedita. " ' 

Nr. 5. 'N. Gew. 5-485 Grm. Grösse 19 Mm. 

Av. CONSTANTI NVS PF AVG. Das mit dem 
Lorbeerkranze geschmückte Brustbild des Kai- 
sers, mit dem Harnisch und dem Paludamentum 
bekleidet, nach rechts gewendet. 

Rev. VICTORIBVS AVGG NN VOTIS. Eine Victoria 
mit ausgebreiteten Fitigeln von vorne gesehen, 
hält mit beiden Händen einen concaven Schild, 
worin zu lesen :^^. Im Abschnitt: PTR. 

Cohen citirt sub Nr. 140 einen Aureus mit derselben 
Revers - Darstellung, und zwar aus dem kaiserlichen 
Cabinet Wien, jedoch mit der Angabe XX auf dem Schild, 
welchen die Victoria hält; dies ist jedoch ein Irrthum, 
denn dort ist die Zahl XXX gleichlautend mit jener auf 
meinem Exemplare. Die Münze variirt nur im Avers — 
auch der Prägort ist derselbe. 



28 



Dr. E. V. Bergmann : 



V. 
Zur muhammedanischen Münzkunde. 



Von 
Dr. E. V. Bergmann. 



Buide. 
Adhad-ad-daula. 
1. Dirhem vom Jahre 36., geprägt zu as-Sirdschän. 
Av. Symbolum, darunter: 

Umschrift : . . . . il** öU* ^^^ r^J-^^ ^-^"^ <^j^ aDI f^ 
Rev AÜl J^j ^< 

£^*^.-^ 
Umschrift: Sure IX, V. 33. 

Gewicht 4-15 Grm. etwas ver wetzt. 



Znr muh; mmedanlsf hen Münzkunde. 



29 



Dieser Dirhem führt as-Sirdschän mit seinem Namen 
in die Eeihe der muhammedanischen Prägestätten ein. Für 
denselben erscheint gewöhnlich i) der Name der Provinz 
Kerman, deren Hauptort as-Sirdschän 2) ist. Dass diese 
Stadt auf einem Stempel Adhad-ad-daula's sich findet, ist 
wohl erklärlich, da der genannte Buide , welcher im Jahre 
357 nach dem Tode des Abu Ali Ibn Elias Kerman besetzt 
hatte, daselbst bedeutende Bauten auffuhren Hess »)» 

Das Gewicht des mittelmässig erhaltenen Dirhems 
beträgt 4-15 Grm. und fügt sich also ganz conform der 
Münzreihe der Buiden ein. Ich habe bereits in den „Bei- 
trägen zur muhammedanischen Münzkunde" darauf hin- 
gewiesen, dass das Nominal der Silberpräge dieser und 
anderer gleichzeitiger Dynastien vom normalen Dirhem 
von 297 Grm. verschieden ist, es aber bei der Unzuläng- 
lichkeit der bisher publicirten Wägungen damals unter- 
lassen, eine Vermuthung über den Ursprung und das 
Wesen dieses Nominals aufzustellen. Wenn ich es jetzt 
wage, eine Meinung hierüber zu äussern , so geschieht es 
mit der Reserve, welche bis zur Beibringung grösseren 
Münzmaterial es wohl geboten erscheint. 

Die mir bekannten Gewichte buidischer Dirheme 
sind folgende: 



1) So bereits auf einem Dirhem Welid I. vom Jahre 91 (Torn- 
oerg, num. cuf. p. L) und auf andern mit den Jahren 93, 95 etc. 

3) Jakut (Merasid II, 78) und Jakubi (Kitäb-al-buldän ed-Juyn- 
boll) p. 64 schreiben gleichfalls as-Sirdschän. Kazwini, dagegen 
(ed. Wüstenfeld II, 139) „Sirdschän" ohne Artikel. 

3) Kazwini 1. c. 



"'-' Dr. E. V. Bergmann : 

I ra a d - a d - d a u 1 a. 

Schiräz a. 326— 3-915 Grm. Lindberg p. 204 i). 
Schiräz a. 327 — 3-41 „ k. Gab. 
Arradschän a. 327— 3-045 Grra. Lindberg p. 207. 
Arradschän a. 329 — 3-791 „ Lindberg p. 208. 
Schiräz a. 333—2-85 Grm. k. Gab. (beschnitten). 
Amol a. ? — 3-71 Grm. k. Gab. 

Muizz-ad-daula. 

Al-Basra a. 335— 3169 Grm. Lindberg p. 215. 
Baghdad a. 336—2-454 „ Lindberg p. 215. 
Abadän min al-Ahwäz a. 336—3-29 Grm. Lindberg p. 215. 
Ahwäz a. 336-3-480 Grm. Lindberg p. 215. 

Kukn-ad-daula. 
Al-Basra a. 343—3-85 Grm. Lindberg p. 226. 

Adhad-ad-daula. 

Arradschän a. 340—3-293 Grm. Lindberg p. 226. 
Schiräz a. 341-2-5 Grm. ) ^ ^ .^^ , ^ ^ 
Schiräz a. 351-2.91 „ j besehmtten k. Cab. 

Schiräz a. 355 — 3-26 „ Marsden, num. or. L p. 67. 
Amol a. 369—4-61 k. Gab. 
Ramhormuz a. 36 — 4-51 Grm. k. Gab. 
as-Sirdschän a. 36—4-15 Grm. k. Gab. 
Arradschän a. 371—3-75 „ k. Gab. 
Schiraf a. ? —3-75 Grm. k. Gab. 
Schiraf a. ? —3-65 Grm. k. Gab. 



1) Lindberg, Essai sur les monnaies des Bouides in den „M6- 
moires de la tociötö des antiquaires du Nord" Copenhague 1840—44. 



Zur muliammedanischen Münzkunde. 



31 



Müajid-ad-daula. 

Amol a. 372—3-9 Grm. k. Gab. i). . 

Die vorstehende Tabelle zeigt zunächst, dass die Aus- 
münzimg- der buidischen Dirheme eine ungenaue und 
schwankende a) und ihr Gewicht jedenfalls von dem des, 
normalen Dirhems verschieden war. 

Aber auch die abbasidische Geldpräge am Ende des 
III. und Anfange des IV. Jahrhundertes unter dem Chalifen 
al-Muktadir, aus dessen Regierungszeit mir die relativ 
grösste Zahl von Wägungen vorliegt, weiset neben dem 
normalen Dinar undDirhem unverkennbar ein dififerirendes 
Nominal auf wie folgendes, Queipo's essai sur les systemes 
metriques et monet. tome III. p. 608 entnommenes Ver- 
zeichniss s) darthut. 

Dinare: 

a. 296—4-675 Grm. - a. 314—4-75 Grm. 
a. 302—4-535 „ - a. 318—4-86 „ 

Dirheme: 

a. 300—3-7 Grm. — a. 303—3-775 Grm. 
a. 300—3-64 „ — a. 309—3-76 „ 
a. 300—3-76 „ - a. 311—4-03 „ 
a. 302—4-6 „ - a. 311-384 „ k. Gab. (Präge- 
ort verwischt). 
a. ? — 4-48 Grm. (Nisibin) k. Gab. 

1) Zwei Dirheme Bistun's Ibn Waschmekir im kaiserl.Cabinete 
wiegen 4-55 Grm. und 4-31 Grm. 

2) Vgl. Makrizi, traitö des monn. musulm. tr. p. Sacy p. 24 
unter den Dynastien der ßuiden und Seldschuken verbreiteten 

sich die schiechten Dirheme in den Provinzen". 
8) Die Prägeorte sind leider nicht angegeben. 



90 

*'*' Dr. E. V. Bergmann : 

Die vier Dinare ergeben im Durchschnitte 4-7 Grm. die 
Dirheme 3-95 Grm. die auffällige Gewichtsdifferenz der 
letzteren erklärt sich genügend aus der herkömmlichen 
Ungenauigkeit der Silberpräge und der ungleichen Erhal- 
tung der Stticke. 

Die Uebereinstimmung im Gewichte der buidi- 
schen und abbasidischen Dirheme *) fällt sofort ins Auge. 
Die buidischen Fürsten acceptirten den schwereren abba- 
sidischen Dirhem aus Gründen, die bei der grossen Armuth 
der arabischen Chronisten an Nachrichten über das Münz- 
wesen sich unserer Kenntniss entziehen. Aber auch hin- 
sichtlich des Ursprunges und Wesens dieses neuen Nomi- 
nales lassen uns die Quellen in Stich und es erübrigt nur 
eine auf Conjectur beruhende Erklärung. Der Versuch die- 
selbe zu geben, nöthigt mich etwas weiter auszuholen. 

Nach Makrizi (traite des mon. muselm. de Sacy p. 9 
und 17) brachte Abdulmelik seinen Dinar auf das Gewicht 
von 22 Kirat syrisch weniger ein Habba oder (da 1 Kirat 
= 4 Habba) von 21-75 Kirat syrisch aus. Demnach erhält 
man, da das Gewicht des normalen Dinars zu 4-25 Grm. 
ausser Zweifel steht, die Gleichung 21-75 Kirat syrisch = 
4-25 Grm. Die Bestimmung des Dinars zu 21-75 Kirat flihrt 
aber auf einen syrischen Mithkal, der nach allen Analogien 
zu 24 Kirat gerechnet wurde, und demgemäss (24:21-75 
= X : 4-25) 4-69 Grm. wog. Die Normirung des Dinars auf 
21-75 Kirat syrisch, also auf eine höchst irrationelle Zahl, 
beweiset ferner, dass dieser vom syrischen Mithkal ur- 
sprünglich verschieden war, und erst später zu demselben 
in Beziehung gebracht wurde. 



') Ueber die bujidische Goldpräge bin ich ausser Stande Etwas 
zu sagen, da das k. Cabinet nicht ein bujidisches Goldstück besitzt. 



Zur muhainmedanischeo Münzkunde. 



33 



Die römische Herkunft des arabisclien Dinars steht 
auch seit langem ausser Frage. Die Dinare Heraclia und 
die Nachrichten bei Makrizi und Beladori (ed. Goeje 
p. 467), welche von den bei den Arabern einst cursirenden 
oströmischen Goldstücken sprechen, lassen keinen Zweifel 
übrig. Thatsächlich entspricht das Gewicht des Dioares 
vom Jahre 78 d. H. an genau dem Effectivgewichte des 
damaligen römischen Solidus von 4-25 Grm. Vor diesem 
Jahre zeigt sich aber der bemerkenswerthe Umstand, dass 
Abdulmelik beim ersten Beginne seiner Münzthätigkei t 
das Exagium solidi Romani von 4-55 Grm. zum effectiven 
Nominale seiner Goldpräge machte. 

Das merkwürdige Goldstück des Jenenser Cabinetes 
mit dem Chalifenbilde vom Jahre 77 i) wiegt 4-45 Grm. 
(Stickel, Handbuch der morgenl. Münzkunde, zweites Heft, 
p. 43), ein zweites gleichfalls vom Jahre 77 aber bereits 
mit dem omajadischen Typus genau 4'55 Grm. (Castiglioni 
mon. cuf etc. p. LXIV), dagegen wiegen ein anderer, ver- 
muthlich später geprägter Dinar in Jena vom Jahre 77 und 
drei aus dem Jahre 78 datirende Dinare nur mehr 4*45, 
4-25, 4-26 und 4-15 Grm. (Queipo 1. c), entsprechen also 
dem Effectivgewichte des Solidus, das fortan mit grösster 
Genauigkeit eingehalten wird. 

Hiermit bringe ich eine Stelle bei Makrizi in Verbin- 
dung , die nach meiner Ansicht bisher nicht richtig ver- 
standen wurde. Dieselbe lautet (de bist, monet. arab. ed. 
Tychsen p. 13): ^"U^ io j^ ^j^\^^j^\ jJüdi J^ J*»-^ 
^„jt-j Llil ijLj, iüjyi illlU jbj j\^\ jU:il Js. Sacy (1. c. 

1) Das Gewicht des von Sauvaire (Rev. Nuni. Bel^e 1860, 
p. 325) publicirten ältesten Dinars vom Jahre 76 ist leider nirgends 
-angegeben. 

3 



34 



Dr. E. V. Bprgmann : 



p. 19) tibeisetzt: Abdelmölik r^gla le poids de Tor dont 
il fit «sage pour la fabrication de ses diuars sur le mithkal 
de Syrie que l'on nomme mayala (tr^buchant) et auquel 
100 dinars sont egaux ä 102 dinars de l'antre poids. '^ 
Ebenso Tychsen: Abdalmelek autem aurum ex quo dena- 
rios conflavit, ad mithkalum syriacum quod al-mialah (sie) 
dicebaturet diio denariossupracentiimponderabat, exegit." 
Beide Uebertragungen sind aber ungenau und geben zu 
Missverständnissen Anlass. 

Die richtige Uebersetzung lautet: „Abdulmelik brachte 
das Gold, welches er prägte, als Dinare auf den syrischen 
Mithkal aus und diese (Dinare) waren überwichtig (maijala) 
und wogen bei 100 Stücken um zwei Dinare mehr." Von 
einem syrischen Mithkal maijal ist also hier nicht die Rede 
(es müsste sonst heissen: Jllilybj)^ sondern es wird be- 
richtet, dass der Chalife seine Dinare auf den syrischen 
Mithkal ausbrachte , und dass dieselben den normalen 
Dinar an Gewicht im Verhältnisse von 100 : 102 übertrafen. 
Der syrische Mithkal wog 4-69 Grm. des Exagium solidi 
4-55 Grm. und beide stehen im Verhältnisse von 100:102 
zu einander. Die Lösung zu Makrizi's Nachricht wäre 
gegeben, wenn das vorhandene Münzmaterial sich damit 
in Uebereinstimmung bringen Hesse. Dies ist aber ent- 
schieden nicht der Fall. Aus der Omajadenzeit ist mir 
nur ein einziges Goldstück Walid I. zu 4-75 Grm. vom 
Jahre 92 bekannt, das auf den syrischen Mithkal gedeutet 
werden könnte. Die angezogene Stelle Makrizi's scheint 
daher das Product einer Verquickung mehrerer nicht 
zusammengehöriger Ueberlieferungen zu sein, das sich 
auf seine, einzeln genommen, richtigen Factoren zurück- 
ftihren lässt. 



Zur muhammedaiiisohen Münzkunde. 



35 



1. Der normale Dinar wog 21-75 Kirat syrisch oder 
4-25 Grm. i). 

2. Zur Zeit Abdulmelik's gab es in Syrien zwei ver- 
schiedene Mithkale , den sogenannten syrischen von 4-69 
Grm. und den römischen von 4-55 Grm. ^), die im Verhält- 
nisse von 100:102 zu einander stehen. 

3. Abdulmelik münzte anfänglich auf das Exagiuni 
solidi Romani. Da aber vermuthlich der Abfluss dieser 
schwereren Dinare nach Aussen einen Verlust für den 
Staatsschatz mit sich brachte, so adoptirte der Chalife als- 
bald das Effectivgewicht des römischen Solidus von 
4-25 Grm. 

4. Makrizi wusste aus den Quellen, dass die Gold- 
stücke aus, der ersten Zeit der Münzthätigkeit Abdulmeliks 
den normalen Dinar an Schwere übertrafen, und nennt 
desshalb die auf das Exagium ausgebrachten Dinare 
maijala, bestimmt aber ihr wechselseitiges Verhältniss 
unrichtig auf 100 : 102. 



1 1 Das angegebene G3wicht des Dinars steht ausser Frage. 
Die Wägungen der vorhandenen, in den ersten Jahrzehnten unge- 
mein genau geprägten Goldstücke, die als Exagia dienenden Glas- 
pasten und endlich indirect das bekannte Kupferstück, welches das 
Normalgewicht eines Doppeldirhems darstellt, beseitigen jeden 
Zweifel. 

2) Die Versuchung liegt nahe, unter dem syrischen Mithkal 
geradezu das Exagium solidi zu verstehen. Aber Makrizi hätte in 
diesem Falle, da er den römischsn Ursprung des Dinars kennt 
„Mithkal rumi" geschrieben, und ausserdem widerspricht der Ansatz 
24 : 21-75=4*55 : 4-12 dem zweifellosen Gewichte des normalen Dinars 
oder 23-3: 21-75 = 4-55: 4-25 den 24 Kirat, zu welchen der Mithkal 
gerechnet werden muss. Dagegen scheinen die häufigen schwereren 
Dirheme von circa 3- 18 Grm. nach dem Ansatz 4-5.5: 3-18= 10:7 
mit dem Exagium in Verbindung zu stehen. 

3* 



36 



T>r. E. V. Borgmann : 



Der Name Mithkal maijal ist ein sehr vager und be- 
zeichnet eigentlich jedes Goldstück (mit Rücksicht darauf, 
dass „Mithkal'^ häufig für „Dinar" gebraucht wird), das den 
normalen Dinar an Schwere übertrifft. Makrizi erwähnt ihn 
noch einmal (traite des mon. p. 29). Die Stelle lautet nach 
der von Sacy im Magazin encyclopedique 1799 5. annee 
T. I, p. 210 gegebenen Correctur, wie folgt: „Unter dem 
abbasidischen Chalifen Abu Dschafar al-Mansur kamen 
die Dirheme haschemi (nach der Stadt Haschemia genannt) 
in Umlauf, welche auf den Mithkal von el-Basra ge- 
schlagen wurden. Man bediente sich zur Regelung ihres 
Gewichtes der Mithkale maijala von schwerem und vollem 
Gewichte (de mithkals trebuchans, forts de poids et par- 
faits). Demgemäss hatten die Dirheme haschemi genaues 
und dem Mithkale (sie) entsprechendes Gewicht, während 
die älteren Dirheme um s/4 Kirat (circa 0-148 Grm.) Ver- 
minderung erlitten hatten.« — Versteht man unter dem 
Mithkal maijal dasExagium, so ergibt sich für denDirhem 
Haschemi ein Gewicht von 3-18 Grm., welches in der That 
jenes des gewöhnlichen älteren Dirhems von 2-97 Grm. 
um 8/4 Kirat übertrifft. Nach Makrizi ward also durch Al- 
Mämun der Mithkal maijal als effectives Münznominal 
wieder aufgenommen und zugleich das legale Verhältniss 
von 10:7 zwischen diesem und dem Dirheni haschemi ein- 
gehalten 1). 



•) Ich will nicht verachweigen, dass der Mithkal von Basra 
gegenwärtig zu 4-66 Grm, gerechnet wird. Noback, Münz- und Maass- 
kunde p. 74. Wollte man den von Makrizi genannten Mithkal mit 
letzterem identificiren , so müsste die citirte Stelle anders erklärt 
werden. Endgiltige Entscheidung hierüber kann nur durch die be- 
treffenden Münzen selbst gegeben werden , welche bisher noch 
fehlen. 



Zar muharomedanischeii Münzkunde. 



37 



Kehren wir nach diesem Excurse zum eigentlichen 
Gegenstand unserer Erörterung zurück, so finden wir 
4-70 Grm. als Durchschnittsgewicht der angeführten 
Dinare al-Muktadirs i). Dieses Gewicht stimmt mit dem 
syrischen Mithkal genau Uberein. Dagegen wiegen zwei 
in jüngster Zeit in das k. Cabinet gelangte Dinare, näm- 
lich des Hasanweihiden Badr vom Jahre 389 aus Sabur- 
Chwast 4-45 Grm. (fleur de coin), und des Ghaznewiden 
Mahmud vom Jahre 401 aus Nisabur 4-52 Grm. und ent- 
sprechen dem Mithkal maijal. Bei der schwierigen Ent- 
scheidung, ob alle diese Goldstücke auf den syrischen 
Mithkal oder den Mithkal maijal geschlagen sind, erkläre 
ich mich mit Rücksicht darauf, dass das Exagium die 
eigentliche Münzeinheit der Geldpräge des Chalifats bildet^ 
für letzteres. 

Das Durchschnittsgewicht der Dirheme al-Muktadir's 
und der Buiden 2) beträgt 3-95 Grm. die gewöhnliche 
Relation von 10:7 zum Dinar findet factisch also keines- 
falls auf sie Anwendung. Ihr Normalgewicht ist aber bei 
Berücksichtigung der starken Abnützung und vielfachen 
kleinen Beschädigungen der meisten Stücke entschieden 
höher anzusetzen und bin ich deshalb der Ansicht , dass 
auch diese Dirheme auf den Mithkal maijal geschlagen 
sind. Vielleicht ist die folgende Bemerkung Makrizi's (de 
ponderibus p. 12) hierher zu beziehen: „Dies sind die 
Dirheme des Islams, von welchen zehn sieben Mithkalen 
genau entsprechen, und der schwere (wäzin) Dirhem, der 

1) Dinare von demselben Gewicht finden sich auch unter den 
späteren Chalifen. 

2j Beschnittene oder sehr stark beschädigte Stücke sind hier- 
bei nicht berücksichtigt. 



38 



T>r. E. y. Bergmann : 



ZU den cursirenden Dirhemen des Islams zählt, zu sechs 
(schwereren) Danek." 

Banu Ummareh. 

1 . Dirhem vom Jahre 340 geprägt zu Huzu. 

Av. Symbolum; darunter: ^^^k»g^ ^ C>\^j in ein- 
fachem Kreise. 

1. Umschrift: Alw (jjy-) ^j^\ \S^ <— j^ aÜI xw 

. . . ^j Ot*f j^ 

2. Umschrift: ^-^ -V^! J -^ Cr*^ Jt^ C/* ^^^^ ^ 
Ali! ^^ Oy^^i. Sure 30, 3, 4. 

Rev. a1] 

Alil 

aU «_Ja 1! in doppeltem Kreise. 
Umschrift: Sure IX, 33. Gew. 2-85 Grm. 

2. Dirhem wie Nr. 1 ; in der Mitte des Revers Punkt. 

Gew. 3-2 Grm. 

3. Dirhem wie Nr. 1. Gew. 3'57 Grm. 

Meine Bemühungen diese Dirheme, aufweichen durch 
ein gleiches Missgeschick der Prägeort zerstört ist, zu 
bestimmen, blieben vergeblich. Die Lösung des Räthsels 
gelang unlängst Herrn Tiesenhausen (v. Rev. Num. Beige 
1875, p.337), der auf einem identischen Dirhemfragmente 
des Petersburger Cabinetes den Namen der am persischen 
Meerbusen gelegenen Stadt Huzu las und aus dem Mua- 
dschim al-buldan des Jakuti die Notiz beibrachte, dasa 



Zur muliammedaniacbea Münzkunde. 



39 



Rid\iwän Ibn Dschafar als Chef der arabischen Tribus der 
Banu Umareh daselbst regierte bis er auf Befehl Adhad- 
ad-daula's durch Ali Ibn Hussein as-Sabi seiner Herrschaft 
entsetzt wurde. 

Aijubiden. 

Al-Karail. 

Fils vom Jahre 629. 
Av. In einem Quadrate 

In den Segmenten : . . . -X^ aUI —i\ aI! i 
Rev. J.-.IOI j)ill in einem Quadrate : 

In den Segmenten : ?i«j — iu- ^r;-*^ — ''^*^ i->r-^ 

•• Oi^J 
Diese Kupfermünze fuhrt KaläatDschabar in die Reihe 
der muhammedanischen Prägestätten ein. Das genannte 
Schloss lag am linken Ufer des Euphrat, nach Ibn Haukai 
fünf Parasangen von Balis und sieben Parasangen vonRakka 
entfernt und zählte zu den 14 Trutzburgen des Islam's. Sein 
älterer Name War Kalaat Dauser nach einem Untergebenen 
Numans, eines Parteigängers des Ohalifen Muawia, der die 
Feste erbaut haben soll. Gegenüber von KaläatDschabar am 
rechten Euphratufer lag Siffin , einst der südlichste Punkt 
des Gebietes von Haleb «), und Schauplatz der berühmten 



1) Kremer, Beiträge zur Geogr. des nördlichen Syrien p. 33. 



40 



Dr. E. T. Bergmann : 



Schlacht zwischen Ali und Muawia. Die Burg kam später 
in den Besitz des arabischen Häuptlings Dschäbar Ibit 
Malik (daher ihr Name i), dessen Söhne das Räuberhand- 
werk trieben, bis der Seldschuke Malek-Schah i. J. 479/80 
sich des Platzes bemächtigte und sie gefangen nahm. Die 
dominirende Lage des Schlosses machte es in den bestän- 
digen Kämpfen der verschiedenen Dynastien zu einem 
vielbegehrten Objecte, gegen dessen Besitzer, den Ukai- 
liden Ali Ibn Salim, Zenki im Jahre 541 seine letzte 
Unternehmung richtete, aber vor Einnahme der Feste von 
seinen Mamluken ermordet wurde. 

In der Folge gerieth Kaläat Dschäbar in die Hände 
der Aijubiden und ward Malik al-Häfiz, dem Sohne al- 
Adil's (596 — 615) zugewiesen 2). Zu Abulfeda's Zeiten 
lag die Burg in Trümmern, doch befahl Sultan Muhamraed 
im Jahre 1341 den Aufbau des Schlosses. 

Aijubide in Hama. 
al-MansurNasir-ed-din Abul Maali Muhammed, 

Einseitiges Messingmedaillon mit aegisgeschmllckter 
und belorbeerter Büste eines Imperators. Herum in sehr 
feiner Schrift: 

Albrecht KraflFt beschreibt in Welienheim's Kataloge 

«) Derartige Namenswechsel sind nicht selten. 80 hiess Qalaat 
an-Nedschm, das alte Europus, einst Dschirr Manbedsch und Karak. 
früher Hisn al-ghurab. (Quatrem. hist. des Maml. IL 237.) 

2) Weil , Gesch. d. Chalifen III. p. 434. 

8) Diese Form fehlt in Freitags Lexikon, findet sich aber öfter 
vgl. Quatremere hist. des Maml. II. 311. 



Zur muhammcdanischen Münzkunde. 



41 



Nr. 12368 dieses Stück folgendermassen : „Medaillon etc. 
mit dem belorbeerten Brustbilde des Fürsten.'* Es ist aber 
vielmehr der zu einem Schmuckstücke bestimmte Abguss 
einer schönen antiken Camee mit dem Brustbilde eines 
Imperators; ob des Augustus ist zweifelhaft. 

Tscherkessische Mamluken. 

Dinare. 

1. Av. Symbolum. äLu i^Ullj (^^^ 

Rev. ^j^\y\ .^,^ 

i^Js- Gewicht 3-5 Grm. 

2. Av. Symbolum. 
Rev. ^yi jUil 



6^ (>) Gewicht 3-42 Grm. 

3. Av. Symbolum. 
Rev. jJlUiOUs... 

Avr Gewicht 3-4 Grm. 

4. Av. Symbolum. 
Rev. J^ii jJÜdT 

A^-Näjjp ,j \Jj\i^f.^\y\ Gewicht 3-4 Grm. 



42 



Dr. E. T. Bergmann : 



5. Av. Symbolum 

unten 

Rev. JJIäijJüdl 

t^Js- Gewicht 3-4 Grm. 

6. Av. Symbolum 

oben: i^UiL 

Rev. J^i]M\ 

^^^ Gewicht 3-4 Grm. 

Der Gewichtsbestimmungen wegen habe ich alle 
Goldstücke der tscherkessischen Mamluken, die sich im 
k. Cabinete befinden, hier aufgeführt. Unedirt sind nur 
Nr. 1 und 3. 

Das mamlukisehe Goldstück von 3-4 Grm., dem tUr 
kischen Funduk entsprechend, ist der stark reducirte Dinar 
von 4-25 Grm. 

Osmanen. 
Muräd III. Ihn Selim. 
1. Funduk vom Jahre 982. 
A V. J(j^ OÜaL* 



Zur muhammedkuischen Münskuade. '**' 

Rev. j^\ t— ylö 

^i^^l J Gewicht 3-4 Grm. 

Muhammed Ibn Muräd. 

2. Funduk. 

A V. J^< C>ÜaL 

\ . • Gewicht 3-45 Grm. 
Rev. Wie Nr. 1. 
Das unter Nr. 1 beschriebene Goldstück ist bereits 
von Marsden, num. or. I. Nr. 410, aber unrichtig edirt. Er 
las hier einen unbekannten Prägeort Säkarna , indem er 
das Wort „senna" für eine Sylbe „na" -jJ hielt. Dieses 
Säkarna ging später in das Soret'sche Verzeichniss der 
muhammedanischen Münzstätten über (Rev. Num. Beige 
1865, p. 91). Dass Säkiz, d. i. Chios zu lesen, ergibt sich 
deutlich aus Nr. 2, auf welchem das „senna« fehlt. 

Ahmed Ibn Muhammed. 

3. Funduk von dem Jahre 1012. 
A V. J^-1 OUaL 



44 



Dr. E. V. Bergmann: Zur muhammedanischen Münzkunde. 



\'\X 
Rev. Wie Nr. 1 

Nach türkischen Quellen (s. Karabacek , in Wien. 
Numism. Monatshefte IV, p. 82) bestand in Tukät, in 
dessen Nähe Silberbergwerke sich befinden, ein Münzhof, 
dessen Thätigkeit bisher durch keine Präge bezeugt war. 
Der Zufall will , dass die vorstehend als erste publicirte 
Münze aus Tukät ein Goldstück und nicht wie zunächst zu 
erwarten, ein Silbersttick ist. 



45 



VI. 

Nachlese orientalischer Münzen. 

Von 
Creneralconsul Dr. Otto Blau. 



II. 

31. 

M.. Buweihidischer Dirheni, geschlagen zu Ramhor- 
muz Jahr 342. 

Tornb. Num. Cuf. XIV, 21. 

Ich schalte dieses Stück hier ein, weil der Prägort 
des oben (Bd. VI, VII, S. 21 Nr. 30) besprochenen Dirhems 
uns die Gewissheit gibt, dass der von Tornberg nicht ver- 
standene Ortsname, den er j^^l» oder jj^^ (N. CS. 255. 
291) las, kein anderer als Ramhormuz ist. Soviel sich 
aus der Abbildung bei Tornberg (Taf. XIII) sehen lässt, 
stimmen auch die Züge vortrefflich dazu. 

32. 

Aus Jabas Sammlung, welche unter anderen ausser 
den erwähnten folgende Buweihiden enthielt: Basra 
326, Basra 337, Medinet-es-Selam 341, Suk-el- 



"*" Dr. Otto Blau : 



Ahvaz i) 345, Basra 347, Mejafarikin 348, — führe 
ich specieller an : 



J<^\y\\i\jj\\j 



IT: ''^y, I J^^^l^j"^ C^M ^^ 

geschlagen zu Medinet-es-Selam im Jahre 348. 

Das Stück ist, auch wenn es schon anderweit bekannt 
und verzeichnet sein sollte, was ich augenblicklich nicht 
verifiziren kann, von Wichtigkeit für die Classification des 
folgenden, insofern es durch das Datum beweist, dass 
die Münze in Bagdad in diesem Jahre im Betrieb der 
Buweihiden war. „Die buweihidischen Sultane hatten", wie 
V. Kremer, Culturgesch. des Islam S. 185, sich ausdrückt, 
„die Chalifen ganz unter ihre Vormundschaft genommen 
und beliessen sie nur mehr als geistliche Oberhäupter des 
Islam." Die dieser Stellung gezollte Ehrerbietung fand 
im Mtinzvvesen keinen weiteren Ausdruck, als dass der 
Name des Chalifen, für diese Zeit el-Muti-lillah, auf 
der Rückseite des Gepräges angebracht wurde. Das 
Münzrecht übten die Chalifen als solche nicht mehr. (Vgl. 
Soret, Elements p. 221. Z. D. M. G. X, 479.) 

Unter diesen Umständen muss es befremden, dass 
St. Poole jüngst den Versuch gemacht hat, ein Goldstück 
vom Jahre 348 mit dem Namen el-Muti-lillahs als abbas- 
sidisch anzusprechen und unter den Chalifatsmünzen 
aufzuführen. (Journal Roy As. Soc. 1874: Inedited arabic 
coins Nr. 5, und Cat. Brit. Mus. S. IGO, Nr. 478.) Nach 
seiner Beschreibung und Abbildung hat dasselbe folgende 
Legenden : 



1) Möglicher Weise von Jaba ungenau gelesen statt Tuster- 
m i u - e 1 -A h v a z. 



Nachlese orientalischer Münzen. 



47 



33. 

N. I: Aill^JalllAU Umschrift: jLjJl IJjb ^^ aÜI xs^ 

II : Oben 1 Punkt ; unten Circellus, aI1| J^ I Xt< 
Umschrift: Is^ i^^kJ JsL\ jj^j \j^\i aJu-^I äHI J^j x^ 

In der Randschrift I fehlt am Schliisse iL; in der 
11 bricht der Vers mit i^ aus Mangel an Raum ab. Ebenda 
ist Ij^II» fehlerhaft statt ^^J^l , und ich füge hinzu, unge- 
wöhnlich die Orthographie jLj statt ^.>. — Poole glaubte 
in ^jaäj einen Ortsnamen als Prägstätte zu erkennen; ich 
habe in Z. D. M. G. XXIX, S. 662, die Vermuthung aus- 
gesprochen, dass die Schlusssilbe von jloij» mit folgendem 
^y^ nur eine auf Versehen des Stempelschneiders zurück- 
zuführende Dittographie des späteren ^y;f^^\ „vierzig"^ 
sein möge. Dem dort Gesagten füge ich noch hinzu, dass 
auch Poole's Versuch den Prägort auf Ain-el-Tamr zu 
deuten (F. R. As. S. 1. 1. S. 11) ganz unhaltbar scheint. 

Zwar hätte er, was nicht geschehen, für sich anführen 
können, dass Aintamr als Prägstätte wirklich vorkommt,^ 
nämlich in der Form ^^^^j^ auf einem Unicum der ehemals 
Rtihle von Lilienstern'schen Sammlung (Tics. Nr. 2536),. 
woneben sich die Schreibart y y^ bei Codama p. 165 
und Sprenger R. R.64 stellt (vgl. Zeitschr.D.M. G. XXVII, 
S. 339 und von Kremer Culturgesch. 360. 370). Allein 
daraus, dass einmal vorübergehend in der Zeit der ersten 
Chalifen , wo so viele syrische Städte Kupfermünzen 
prägten, einmal in Ain-tamr etwas Kupfer geschlagen 
worden ist, darf nicht gefolgert werden, dass noch um 



48 



Dr. Otto Blau : 



die Mitte des IV. Jahrhunderts der Hedschra, wo der 
kleine Ort ganz in Ruinen lag und völlig verschollen ist, 
dort in der Wüste eine Prägstatt fUr Goldmünzen des 
Bagdader Chalifen hätte bestanden haben können; ganz 
abgesehen davon, dass die bloss vulgärpersische Fonii 
und verkürzte Schreibung .ys-, die Poole im Maragid-el- 
Ittilä verzeichnet fand, sich auf einem MünzstUck etwas 
eigenthümlich ausnehmen würde. Verglichen mit den 
Serien von Goldmünzen aus dem fraglichen Jahrzehend 
passt aber unser Stück weder zu den samanidischen, noch 
zu den ichschidischen Dinaren, jene in Nisabur, diese in 
Filestin *) geprägt, zumal auch das Gewicht weder 1/3 
noch 1/2 Dinar repräsentirt. Und ich glaube daher nach 
dem Gesagten diesen räthselhaften Aureus nicht besser 
unterbringen zu können , als indem ich ihn dem Münzhofe 
der Buweihiden in Bagdad zuweise, aber ihn für eine 
blosse Schaumünze erkläre, wie deren damals in Gold 
und Silber Mode waren (s. Numism. Zeitschr. I, S. 456 
und besonders Z. D. M. G. XI, 208). 

34. 
iR. Dirhem, geschlagen zu Filestin im Jahre 353. 
I: ^\y\Js^ II: AÜ^l 

Coli. Jaba. 

In Jabas Sammlung lag dies Stück unter den Hamda- 
niden und er hatte als Prägort den Namen Maskat 
gelesen. An Seifuddaula Abulhasan ist aber kaum zu 
denken ; vielmehr weisen Prägort und Jahr das Stück zu 
den Ichschididen. — Auf einem A'. Filestin 361, den 

1) Dahin gehört z. B. auch Br. M. 45G. Vgl. Tiesenh. M61. de 
imni. Orient. Nr. 144. 



Nachlese orientalischer Münzen. 



49 



früher der General v. Wildenbruch besass, steht unten : 

35. 
/R. Dirheni, geschlagen zu Oman C>\^ Jahr 335. 

I: oLi^ ^ J^«st 11: aUI ^^LX\ 

Coli. Jaba. 
Jaba hatte ihn ebenfalls unter seinen Hamdaniden, 
die ich Übrigens Z. D. M. G. XI, 734, nur kurz verzeichnet 
habe, eingereiht und im Kataloge vermerkt : „Le pouvoir 
qu' exergaient ä cette 6poque les Hamdanides fait presumer 
que ce prince gouvernait en leur nom ia vilie d'Ouman, ce 
qui m'a fait classer cette belle medaille parmi cette 
dynastie." Seitdem hat Tornberg (Symbol. I) die omani- 
sche Dynastie der Benu-Vedjih in die Mtinzclassen 
eingeführt und ein ganz ähnliches Stück von Muham- 
med b. Jusuf geschlagen zu Oman 333 in Z. D. M. G. 
XI, 547, beschrieben. Die Vedjihiden-Dirhems gehören in 
allen Cabineten noch zu den grössten Seltenheiten. Ob 
die neuerdings von Tiesenhausen aufgestellten Classen der 
Beni 'Onimareh oder Djalandaiden (Melanges 
Nr. 93) davon abzutrennen sein werden, oder damit enger 
zusammenzufassen sind, werden weitere Funde lehren. 
Nach dem, was ich aus orientalischen Schriftstellern über 

die Dynastie der Djulandä Xx\L (Z. D. M. G. XXVII, 
320 f.) zusammengesucht, war eben Oman der Sitz ihrer 
Herrschaft. 

3G.— 41. 
Sechs Goldstücke tahiridischen Ursprunges. 
36. iV. Merw 243. 
Br. M. Nr. 318. 

4 



öü r>r. Otto Ulau: 

37. N. Merw 245. 

Br. M. Nr. 319. 

38. A^. Samarkand 250. 

T. 1943. 

39. iV. Merw 251. 

Br. M. Nr. 335 und herzogl. Cabinet in Gotha. 

40. A^. Merw 253. 

Br. M. Nr. 343. 

41. A^. Samarkand 253. 

Br. M. Nr. 342. 

Tahiridische Dinare haben als solche noch keinen 
Platz in der Numismatik gefunden. Nur Tiesenhausen hat 
mit seiner gewöhnlichen Umsicht nachtragsweise S. 306 
zu Nr. 1943 wenigstens die Frage aufgeworfen, ob dieser 
Dinar nicht vielleicht zu den Tahiridenmlinzen zu zählen 
sei? Poole dagegen, der überhaupt mit den Tahiriden des 
B. M. eigenthümlich verfährt, reiht sie ohne Weiteres in die 
abbassidischen Chalifenmünzen ein. 

Nach Lage der geschichtlichen Verhältnisse muss ja 
in diesen und ähnlichen Fällen der tahiridischen Zeit 
(206 — 257 ff.) der Prägort für die Zutheilung entschei- 
dend sein. Eine summarische Erörterung über die Münz- 
höfe der Tahiriden ist aber wieder einmal zeitgemäss , da 
auf diesem Gebiete immer wieder noch Missgriffe und Ver- 
sehen begangen werden, von denen auch ich selbst mich 
nicht frei weiss. 

Wie es mir selbstbegegnetist indenZap. Odess.Obsch. 
IX, S. 254 eine Samarkander Münze vom Jahre 253 irrig 
unter denAbbassiden nach Tiesenhausen's Registern gesucht 
und vermisst zu haben, so hat Poole einige 20 Tahiriden- 



Nachlese orientalischer Münzen. 



51 



Dirhems für ine dir tc Abbassiden ausgegeben. Aehnlich 
ist es, wenn Dorn (N. Suppl. 22, Nr. 308*) Isbahan 
238 (ebenda 23, Nr. 313«), Fars 254, und Tornberg 
(Z. D. M. G. XXII, 288) Samarkand 254 und Fars 
257 unter den Abbassiden stehen lassen, während diese 
im Tiesenhausen'schen Verzeichniss ausgeschlossen sind. 
Auch Isbahan 261 (Tornb. a. a. 0.) hat Tiesenhausen, 
weil er es mit Recht für soffaridisch halten wird (vgl. 
T. 2010, p. 306), nicht wiederholt. Bei Mah-el-Kufa 
251 (Dorn addit. p. 231, Nr. 312*) hat T. Nr. 1952 
dem Zweifel Ausdruck gegeben, ob es nicht tahiridisch 
sei, und Mah-el-Kufa 245 (Nov. Suppl. 23, Nr. 309*) 
in einer Anmerk. S. 212 entschieden zu den Tahiriden 
gezählt. Dagegen hat Tornberg el-Mutewekkilijja 
zu den tahividischen Münzhofen gezählt, während Tiesen- 
hausen den Dirhem Medinet-el-Mutewekkilijja 
247 (Nr. 1932) als abbassidisch bezeichnet. Fendjhir 
256 gilt beiden Gelehrten ftir abbassidisch (Nr. 1983). Da 
Fendjhir nahe bei Balch lag, also im Bereich der 
Tahiridenherrschaft, die in jener Gegend erst 257 H. 
gebrochen wurde und bis dahin nachweislich noch in 
Merw, Samarkand und el-Schasch münzte, so wird es doch 
wohl den tahiridischen zugezählt werden müssen. 

Soret Elem. p. 70 stellt folgende Orte als tahiri- 
dische MUnzhöfe zusammen: Muhammedia, Buchara, 
Komm, Samarkand, Merw, el-Schasch, Faris, 
Isfahan, Muttawakelia, Zerendj, Maaden-Ba- 
khines, Aberschehr, Mah-el-Kufa, Hamadan, 
H e r a t. 

Hiervon entfallen als ausserhalb der tahiridischen 
Statthalterschaft belegen ;Mutewekkilia und M a a d e n- 

4* 



52 



Dr. Otto Klau: 



Bakhines, oder wie es nach Jakut richtig^er lieisst 
Maden- Badjuneis <). Dagegen treten hinzu: Sura- 
dik-Abreschehr (nachT.p.l98) und Pendjhir. Mah- 
el-Kufa und Hamadan gehören mit Komm zusammen 
zum Steuerbezirk El-Djebal, der bei der Investitur der 
Taheriden ihrer Verwaltung nicht unterstellt war. Die 
Steuerrollen Ibn Codama's (für die Jahre 204— 237 H.) und 
Ibn - Chordadbeh's (für 231—260 H.) lassen in dieser 
Beziehung keinen Zweifel. Da nun die Silberprägungen 
dieser drei Städte nur eine bestimmte Epoche umfassen 
(Komm Jahr 227, 24"), (Hamadan 235), (Mah-el- 
Kufa 234, 237, 241, 245, 246, 247, 248, 250, 251, incl. 
Medinet-Mah el-Kufa 238), so mUssten diejenigen, 
welche den tahiridischen Charakter dieser Münzen ver- 
theidigen, den Beweis führen, dass zeitweilig, etwa seit 
Abdullah, Medien den Tahiriden tributär war. Hier- 
gegen spricht jedenfalls der Umstand, dass M ah -el- 
Kufa als bureaukratischer Beiname von Dinawer eben 
daher rührt, dass das Einkommen dieses Districtes zur 
Bestreitung des Soldes der Truppen von Kufa bestimmt 
war (Jakuby bei v. Kremer Culturgesch. S. 338). Bis auf 
Weiteres stelle ich daher diese drei Prägstätten nicht zu 
den Tahiriden. 

Von der Thätigkeit der tahiridischen Münzhöfe lässt 
sich ein auch für die politische Geschichte dieser Dynastie 
interessantes Bild entwerfen, wenn wir das ganze bis jetzt 



*) Nach Jak. M. B. I. 455 lag es in Armenia III., wie es denn 
auch aus dem Feldzuge des Ijadh b. Ganm bekannt ist (Beladori 
200). Vielleicht kann es in dem Bas^aviij^r^ wiedergefunden werden, 
das neben 'Apa^oaxa {j^S- ) am Euphrat als Bischofsitz in den 
Notic. Episc. 3, 642 ; 10, 720 vorkommt. 



Nachlese orientalischer Münzen. «5" 

Ijekannte Material zusammen stellen. Die mir bekannten 
tahiridischen Dirhems nach Prägort und Jahr geordnet 
sind folgende: 

Herat 206, 209. 
Suradik-Abreschehr 206. 
Samarkand 206, 208, 209, 210, 216, 217, 218, 
^19, 220, 221, 223, 224, 22.5, 228, 231, 232, 233, 234, 

238, 239, 240, 242, 243, 244, 245, 246, 247, 248, 249, 
^50, 251, 253, 254, 255, 256, 257. 

Merw 210, 212, 213, 214, 215, 216, 217, 219, 220, 
:223, 225, 226, 227, 229, 231, 232, 234, 237, 238, 239, 
240, 241, 242, 243, 244, 245, 246, 248, 249, 250, 251, 

253, ^^56. 

Zerendj 207, 208, 209. 

Abr esc hehr 210. 

El-Muhammedia 206, 207, 208, 209, 210, 218, 
221, 222, 223, 226, 227, 228, 229, 233, 234, 238, 239, 
240, 242, 243, 244, 245, 246, 247, 248, 249, 250, 251. 

Isbahan 208, 209, 210, 219, 220, 221, 222, 225, 
226, 227, 228, 229, 230, 231, 232, 233, 234, 235, 238, 

239, 240, 244, 245, 251, 252, 254. 

Fars 209, 219, 220, 224, 225, 227, 228, 229, 231, 
232, 233, 234, 238, 243, 245, 246, 248, 249, 250, 253, 

254, 256, 257. 

Maden-el-S chasch 218. 

El-Schasch 219, 220, 223, 224, 225, 226,228, 
229, 233, 234, 237(?), 238, 239, 241, 242, 243, 244, 245, 
246, 247, 248, 249, 250, 251, 252, 253, 257. 

Pendjhir 256. 

Buchara hat, soviel mir bekannt, nur Kupfer ge- 
sehlagen. 



54 



nr. Otto Blau ; 



Dass Samarkand und Merw in den vierziger und 
fünfziger Jahren tahiridisches Gold schlugen, da sie über- 
dies die Hauptmünzhöfe waren, wird hiernach nur natür- 
lich scheinen können. 

42. 
/R. SoflParid.-Dirhem, geschlagen Erredjan 275. 
I: ^^^^|jdll J9^1|aJJ1^_jJ^^U11 

II : Of-ji^^ ^^ J^ ->^^ 

Coli. Jaba. 

In Jabas Katalog als damals ineditus rarissimus 
bezeichnet. 

43. 
M. Fragment, Viertel eines Dirhems. 

, rechts „ >;jJl !jjb 



II; 



<dl! J „ „ in älterer kufischer Schrift. 

^l .. .. 



Od. Mus. 110. 
Dieses aus dem Funde von Bjelo-Omud stammende 
Stück hatGrigorieff in dessen Beschreibung nicht mit clas- 
sificirt. In meinen Nachträgen dazu Zap. Od. Obsch. IX^ 
356 habe ich angedeutet, dass nach dem ganzen Habitus 
des Stückes die Ergänzung J-c*'\ ^y j-^ auf N a § r b. 
Ahmed den Samaniden weist, und in der vorletzten Zeile 
demnach aHIj jä^l oder aUIj ^J^l ') gestanden haben muss. 



1) Radhi billah ist dort ein Druckfehler. Ich glaube Spuren 
eines schliesscnden ^_5 zu erkennen; doch kann es auch I sein. 



Nachlese orientalischer Münzen. 



55 



Die neuerdings in Z. D. M. G. XXI, S. 626 und 633 von 
verschiedenen Seiten beleuchtete Frage Über die ältesten 
Anfänge der Samaniden- Prägen bedarf noch weiterer 
sorgfältiger Vergleichung des Materiales. Unseren Dirhem 
möchte ich zunächst dem von 8oret E16m. 203 erwähnten 
Fuls vom Jahre 256 zur Seite stellen, welcher die Namen 
NaQr b. Ahmed ebenfalls enthält und zur Genüge 
beweist, dass, so gut schon in den Jahren 244 und 245 in 
der Samarkander Münzstätte, also unter den Tahiriden, 
Na^r's Vater, Ahmed b. Asad seinen Namen auf Münzen 
setzte , ähnliches in den fünfziger und Anfangs der sechs- 
ziger Jahre, für Nagr statthaft erachtet werden muss, bevor 
dieser das eigentliche Münzrecht übte. Das Stück weicht 
von dem ausgeprägten Charakter der Samaniden durch 
den kufischen Ductus der Schrift ab. Merkwürdig ist auch 
die Stellung der Randlegende der Vorderseite, wo die 
deutlich erhaltenen Worte >)^\ IJ^ rechts vom Beschauer 
an dem Platze stehen, wo sonst das Datum zu suchen ist. 

44. 

M. Dirhem des Samaniden Man^ur b. Nuh. I: oben 
J^i, geschlagen zu ?? im Jahre 35". 
Od. Mus. 170. 

Der Ortsname kann bei flüchtiger Ansicht für ^lill 
gehalten werden, und so hat auch Grigorieff B. 0. Nr. 30 
gelesen. Indess steht auch bei Frähn Rec. Nr. 315*' vom 
Jahre 359 ein ,J^\-^\ mit Fragezeichen, und mit der Loupe 
betrachtet zeigt der Name des Prägortes vielmehr folgende 
Gestalt: ».Ul ^J•^ , etwa als wenn der Schluss p^li-1 
gelautet hätte; vielleicht Endidjaragh. 



56 



Dr. Otto Blau: 



45. 
M. Samaniden-Dirhem von Nuh II; geschlagen zu 
El-Schasch Jahr 378. 
I : \ i\jXj jjjil Ajo-, AÜU il aIH I J-xc darunter 



II: aÜ ^ejüall darunter j^-ölo ^ ^y 
Od. Mus. 178. 

Der Name Ü^-xil J^-^^ kommt noch auf dem von 
Dorn Add.S.246 Nr.*, 342 beschriebenen und als „notab. 
rariss. ined." bezeichneten Dirhem von Samarkand 
Jahr 379 vor. 

46. 
?L. Fuls desselben Samanidenftirsten , geschlagen 

Buchara 385. 
I: oben O^j^ unten *-o-lsLi 

II : unten in ganz kleiner Neschischrift „ „ Isll O^jy^ 
Od. Mus. 180. 

Dieser sehr seltene Fuls ist jetzt von Tiesenhausen 
Mölanges Nr. 53 vollständig beschrieben. Ich ziehe auch 
Dorn Addit. 35 P hierher, wo die Orthographie öjjy^ 
wiederkehrt, und vermuthe dieselbe in der von Fr. Rec. 
347 ungenau entzifferten letzten Zeile des Fuls vom 
gleichen Jahre und Prägorte im Petersburger Cabinet. 

47. 

A^. Dinar, geschlagen zu Nisabur im Jahr 405. 
I: aUL jM, unten aJ^-xII j^ 

II : unten xJ^\ y\. 
Coli. Jaba. 



Nachlese orientalischer Münzen. 



57 



Unter den nicht katalogisirten Münzen Jabas fand ich 
diesen Dinar und erkannte, nach der Aehnlichkeit mit 
meinem damals durch Stickel Z. D. M. G.X, S. 299 Nr. 21 
näher beschriebenen Unikum Jemin-ed-Daulas von 
Nisabur Jahr 397 , in ihm eines der in europäischen 
Cabineten so seltenen Goldstücke der Sebukteginiden- 
Dynastie. 

48. 

A^. Gr. 5. I: a jL,^i | i j*- ^ aHI | ^U! ^, darüber Vy-^i^ 
unten in Neschischrift Xij „ „ 

II: dl J^jI^^'^^I^^-'J^^, darüber ^tr^v^, unten 
~-^^ ; von der Umschrift erkenntlich „ „ „ J j OU* 
iuw „ „ ; davor Spuren von £=*■ 
Od. Mus. 182. 

Schriftcharakter und Verzierungen erinnern einiger- 
massen an die Samanidenzeit, und wenn in der letzten 
Zeile des Averses der Ortsname zu suchen ist, so wäre 
Samarkand die zunächst liegende Ergänzung, so dass, 
wie ich in Zap. Od. Obsch. IX, 357 Nr. 3 anfänglich ver- 
muthete, wir einen neuen Samanidendinar vom Jahre 288 
oder 388 vor uns hätten. 

Herr von Tiesenhausen machte mich indessen bei 
Besichtigung des Originals mit Recht darauf aufmerksam, 
dass die Stellung des Ortsnamens auf der bezeichneten 
Zeile dem Gebrauche der Samanidenmünzen zuwiderläuft. 
Ich lasse es daher einstweilen dahingestellt, welch' andrer 
Dynastie (Sebukteginiden oder Seldschuken v. Chorasan) 
dieser Dinar, von dem mir kein zweites besseres Exemplar 
bekannt ist, etwa zuzuweisen sein wird, zumal die Zahl 



58 



Dr Otto Blau: 



des Jahrhunderts ganz verrieben ist. Erworben wurde er 
in Chiwa mit einer Partie turkestanischer Münzen. 

49. 
A^. Dinar des Seldschuken - Emirs von Chorasan 
Gajath - ed - Din Muhammed geschlagen Medi- 
net-es-Selam im Jahre 496. Am Rande: 

r*-^^ Cy. Jy^* ^.^ Oi-^^ ^-^'**^> das ist Om de t- ed- 
din Abu Man§ur ibn Dschehir. 

In der Müllerschen (früher meiner) Sammlung. 

Auf den sonstigen Dinaren dieser Gruppe, die Tiesen- 
hausen Mel. Nr. 105 ff. beschrieben hat, ist der Beiname 
nicht vollständig enthalten. Der hier zuerst erscheinende 
Zusatz ^^A^Ä- j>\ gibt weiteren Anlass zur historischen 
Ermittelung der fraglichen Persönlichkeit; denn dass dar- 
unter der präsumtive Thronerbe , Sohn des Chalifen 
el-Mustadhir zu verstehen sein sollte, wie Frähn und 
Tiesenhausen meinten, ist nicht möglich. So sicher es 
vielmehr ist, dass unter Amid-ed-Daula bei Tics. M61. 
Nr. 104 der Vezir des Chalifen El -Muktedi zu verstehen 
ist, der dem Barkiarok die Investitur ertheilte (s. Defr6- 
mery sur le r^gne de Barkiarok im Journ. Asiat. 1853 I, 
S. 451), so unzweifelhaft scheint mir die Identität des 
Omdet - ed - din mit dem Vezir Ab oul - MauQOur 
ibn Djehir, der die Investitur Mahmud's, des Sohnes 
der Turkan - Chatun von Malek - Schah , im Jahre vor- 
her vollzog (s. a. a. 0. S. 434, wo Defrt^mery in der 
Note das j*^ der Erpenius'schen Ausgabe von El-Makin 

glücklich in ^r^jf»^ verbessert hat). 

Von dem Dinar Medinet-es-Selam Jahr 501, den 
Tiesenhausen aus der Sammlung des Grafen Schouvaloff 



59 

Nachlese orientalischer Münzen. 

erwähnt (a. a. 0. Nr. 106) befand sich früher ein schönes 
Exemplar auch in meiner Sammlung, jetzt Müller in 
Dresden. Aus Jabas Katalog gehört in diese Eeihe folgen- 
der Dinar vom Jahre 502. 

50. 
N. Geschlagen Medinet-es-Selam 502. 

Jk^, rechts „ „ „ „ links ^;;^lo^l ? 
Coli. Jaba. 

Jaba hat die "Worte am Rande der Rückseite zu lesen 
versucht: JJ>1»J^J^\ Jä«il. Es kann aber kaum bezwei- 
felt werden, dass auch da j^-A-.^^L^^Iil Ix^ zu lesen ge- 
wesen wäre. 

In der Suite bei Tiesenhausen a. a. 0. fehlt gerade 
das Jahr 502 ; auch in den mir zugänglichen Werken finde 
ich diesen Dinar nirgends erwähnt. 

51. 52. 

Die beiden Saldukiden- Münzen, welche Bergmann 
Z. D. M. G. XXIII, 251, Nr. 18, 19, als bisher einzige 
Denkmäler dieser Dynastie publicirt hat, finden sich auch 
in Jaba's Sammlung. Ich lasse wörtlich das Excerpt aus 
seinem Katalog folgen: 

„iSi. I: Deux figures tenant au milieu le Labarum. 

II: Es-Sultan el-muasam Masoud ben Muham- 
med Izzeddin ben Selguk ben Ali. (2. Exx.)" 



60 



Dr. Otto Blaa: 



?L. „I: Margin: ö^j\ ^ J^ |Jä*ll OÜaUl Au 
champ J^ ^ x^o%>J\ \^ ^J^^^r^^* • • 
II: Reiter einen Hirsch schiessend." 

„J'ignore qui est ce Nasreddin Kara Arslan dout 
Talliance avec Togiul est marqu^e sur ces medailles. 
(3 Exx.)«. 

Soweit Jaba. 

Dazu habe ich damals (im Jahre 1857) an den Rand 
bemerkt ;,ibn Selduq (sie!)". Jetzt bedarf es keiner Er- 
örterung mehr, dass auf beiden Münzen J-xL* zu lesen ist 
(s. auch Tiesenh.Mel. Nr. 132), sowie dass Kizil- Arslan 
richtiger als KaraArslan ist. Jaba hatte Überdies, wie Pie- 
traszewski 283, das erste der beiden Stücke unter die 
Seldschuken von Rum gestellt. Hinsichtlich des zweiten 
waren ihm aber, und das zeugt für seine grosse Umsicht, 
soviel Bedenken aufgestossen, dass er es in eine besondere 
Classe unter dieRubrik: „Seldschuken von Erzerum" 
stellte. Beachtenswerth ist vielleicht noch, dass Jaba hinter 
Izzeddin ein ^ erkannt zu haben glaubte, ein Irrthum, der 
sich erklärt, wenn man die Abbildung bei Pietraczewski 
pl. VIII vergleicht, wo ein Zug mehr als auf dem Berg- 
mann'schen Exemplar zu sehen ist, der aber augenschein- 
lich das mangelnde .> des Namens :>yt.^ darstellen soll. 

Im Odessaer Museum Nr. 207 befindet sich eine 
Kupfermünze, die ich ebenfalls für saldukidisch halte. Die 
Vorderseite ist ähnlich wie Bergm. Nr. 19; die Rückseite 
zeigt eine stark verwischte Legende , die mit 5^ ^ zu 
beginnen scheint. 



Nachlese orientalischer Münzen. 



61 



53. 
Tiesenhausen hat neuerdings (Mel. Nr. 119) aus 
Frähn Mscr. Vol. XXVIII, beziehungsweise aus der Col- 
lection Jaba einen Dirhem beschrieben, den er dem letzten 
persischen Seldschukiden Togrul ben Arslan (Schah) 
(+ 590 H.) zuschreibt; „la date et le nom du lieu mone- 
taire sont effacös". In der Beschreibung ist zwischen 
J,yi^ und ö%jj\ eine Lücke markirt. Ich habe Jaba's 
Sammlung später als Frähn durchmustert und habe die 
Münze auch gesehen. Auf einem darumgeschlagenen 
Blättchen war von Frähn's Hand der Versuch gemacht 
jene Lücke „ „ aI^ ^ „ „ und die Jahrzahl ^U '*^ zu 
entziffern. In meinen Excerpten habe ich hierzu bemerkt : 

„Von Jaba durch Tausch erworben : 
„iR. Mugith-ed-Din Abul-fath Togrul b. Kilidsch 
Arslan; geschlagen zu Er ez er um 613. 

„So ist diese Münze nach einem besser erhaltenen 
Exemplar in Jaba's Sammlung zu lesen, und nicht wie 
Frähn. . .wollte." 

Ausser dieser Doublette besass aber Jaba noch 
folgende Münzen desselben Togrul, denen er ihren Platz 
unter seinen vSeldschuk en von Erzerum angewiesen 
hatte. 

54. 
.^. Mugith-ed-Diinja Togrul ben Kilidsch Arslan; 
Erzerum 608. 

55. 

iR. Derselbe; Erzerum 613, nur jl^-xll lÄA. statt 



Jb;jJl Ijjb. 



62 



Dr. Otto Blau: 



56. 

/?.. I: Reiter; II: Mugith cd dunja|veddin Abulfathj 
Togrul ben Kilidsch Arslaii. — 2 Exx. 

Es ist hiernach klar, dass die von Tiesenhausen 
gemeinte Münze nicht zu trennen ist von den in Dorn 
Additam. S. 266 Nr. cc, 1 und 1^ beschriebenen Stücken, 
die dort zwischen Kilidsch-Arslan II. und Keichosru I. 
eingeschoben sind. Aber auch da sind sie nicht an ihrer 
Stelle, da Datum und Prägort beweisen, dass Mugith-ed- 
din Togrul ein Zeitgenosse von Kei-kaus I. dem Sohne Kei- 
chosrus w^ar, und unabhängig von ihm das Münzrecht übte. 
In die geschichtlichen Verhältnisse der Zeit passt es ganz 
wohl hinein, zu statuiren, was Jaba that, dass ein beson- 
derer Zweig der Seldschuken unter einem dritten Sohne 
Kilidsch -Arslaus sich in Erzerum festgesetzt hatte; ja, 
mir scheint es sicher, dass unser Mugith-ed-din Togrul b. 
Kilidsch Arslan eben jener Bruder des Rukneddin Sulei- 
man b. Kilidsch Arsla ist, welchem der letztere nach 
georgischen Chroniken im Jahre 600 H. (Z. D. M. G. XXIII, 
253) die Herrschaft Erzerum verlieh, nachdem der letzte 
der Saldukiden abgesetzt war. 

An Münzen der Seldschuken-Sultane von Kleinasien 
war Jaba's Sammlung überhaupt sehr reich. Als Selten- 
heiten daraus hebe ich noch hervor: 

.^. Keichosru I., Malatia616. 

M. Kilidsch Arslan IV. (ü^t^^^^^)? Maaden 
655 (10 Exx.). 

iR. Derselbe, Erzingan 656. 

iR. Keichosru III., Kaisarijje 680. 

M. Derselbe, geschlagen in L u 1 u , ^^ iu ju, Jahr 
nicht lesbar. 



Nachlese orientalischer Münzen 



63 



Letzterer Ortsname in der Form ^^ , augenscheinlich 
identisch mit dem Castell ij^ bei Tarsus (JakutIV, 371), 
aus SeldschukidenmUnzen schon nach Castiglione ver- 
zeichnet bei Soret El. 127 *) kehrt in Jaba's Sammlung 
noch auf einer Bilinguis des Hulaguiden Suleiman wieder, 
und auf folgendem Ineditum meines Cabinets. 

57. 




iR. Gr. 6. I: In geschweiftem doppellinigem Sechseck 
jJJ] ; in den äusseren Segmenten 

rechts: liU««^ L^ : Contre- 



iUU 



i_^ ^ man, Jahr 2. 



marke: ^"i/iUi d. i. Sulei- 



ijwj 



II: Oben Ornamente, vgl. Nr. 48; vierZeilen schlecht 
erhaltener mongolischer (?) Schrift ; dazwischen 

in der Mitte ^,^, d. i. Mahmud. Also geschla- 
gen zu Lulu im Jahre 700. 



1) In Soret's Verzeichniss fehlen Malatia, LL^ , obwohl 
es schon bei Pietraczewski S. 81, 293 steht, und Kirschehr 
^^^V^ (S. Zeitschr. Z. D. M. G. XVIII, 614), zwischen Augora und 
Kaisarijje gelegen. 



"^ Dr. Otto Blau: 

Der allgemeine Habitus d,ir Münze, insbesondere die 
Aehnlichkeit mit einem „Trilinguis not. rar. ined. Bagdad 
701" bei Jaba weist sie dem Uchan Ghazan Mahmud zu. 
Von eben demselben habe ich auch einen sehr seltenen 
N. i) in Händen gehabt, auf dessen Vorderseite zwischen 
dem Glaubensbekenntniss^i^".^^,-^, das ist „Münze von 
Täbriz", und auf der Rückseite zwischen vier mongoli- 
schen Zeilen j^^O];^ zu lesen war. 

58. 
M. Gr. 6.1: In geschweiftem Achteck : aI^^ -U i 
\iSlo aÜI jJifiL|ju*w^| Jäp^l I OÜaUl, darüber ^^^,-0 
rechts ^t^, unten UaJl^ links a1)1 In den äusse- 
ren Segmenten L-wic c , i Al^oL^r^l^-J^I«— 'j-^ 
poU ^-*^^; aussen heruni Perlenring, geschla- 
gen zu Mar'asch im Jahre 719 (?). 
n : Glaubensbekenntniss und Namen der vier ersten 
Chalifen innerhalb verzierten Bogens. 
In meinem Besitz. 

Den Prägort Mar'asch, deutlich verschieden von 
APJ^ Meragha, vermisse ich in Sorets Verzeichniss. Das 
Datum ist wahrscheinlicher 719, vielleicht auch 717. 

Sollte einer meiner verehrten Fachgenossen sich 
speciell einmal der Münzgeographie der Ilchane erbarmen 
wollen, was nachgerade trotz Bartholomaei zeitgemäss sein 
dürfte, so bin ich gern erbötig Beiträge aus meinen Collec- 
taneen zur Verfügung zu stellen. 



1) üeber Goldmünzen der Hulaguiden, s. Stickel Z. D. M. G. 
XXVIII, 138 ff. 



Nachlese orienlaJischer Münzen. 



65 



59. 
Die zweite Lieferung von der neuen Ausgabe von 
MarsdensNumismata Orientalia ist so eben erschienen und 
umfasst die Ortokiden, bearbeitet durch Stanley L. Poole 
(Coins of the Urtuki Turkumans, 44 Seiten 4», VI Tafeln, 
London 1876). 

Zu der S. 33, Nr. 59 beschriebenen Münze , deren 
Abbildung III, CXXIV übrigens richtiger zu Var. a passt, 
als zu dem Text Nr. 59, kann ich noch folgende inter- 
essante Variante nachtragen. 

ffi.. I : Wie Nr. 59 a. a. 0. 

II: Alt^il ^„jJ^^Ull 

l^jU« t^yl y^] links j\ ^j\, unten O^^«*, rechts 

unleserliche Spuren, oben ^j^U 
Od. Mus. 228. 

Das i^y\ ^\, sonst zu oberst, ist also in die letzte 
Zeile heruntergezogen und der Schluss derselben mit den 
oben stehenden Resten zu ^^^■^ zu verbinden. 

60. 
Unter Nr. 87, S. 42, hat Poole „as a conjectural attri- 
bution" eine im Wiener Cabinet und in Wellenh. Katalog 
12273 vorhandene Kupfermünze mit der Aufschrift: 
|^..jJ| j Lij^Ü I ^^ J^Uil I , ,, Uli jJÜdl dem letzten Orto- 
kiden Schemseddin D aoud (691— 693H.) zugetheilt. 
Bei Jaba dagegen findet sich unter der Classe: 
Atabegs d'Adherbeidjan, und somit, wie ich glaube 

5 



"" Dr. Otto Blau: 

richtig, als dem Schemseddin Ildeghiz (+ 568) 
(Dorn Add. S. 273 D.) gehörig, folgendes Stück. 

Ri. „Monnaie de grand-bronze. 
I : „Le prince ä genoux tenant une balance sur ses 
6paules. La lögende marginale de la l^""« face 
de cette magnifique medaille est malheureuse- 
ment ä moitie detruite et la lecture en est 
diflficile. On pourra peut-etre hasarder de lire 
u^j^\^ ^\ Jsi^\ (555—566 H.). 



n 



» I üi-^^ j> V"^^ I ur^ J-^^^ I f ^^ »^^ ; Sans data 
ni Heu. Marg. Cor. sour. ? ?" 



Im Hinblick auf die im Werke befindliche Monogra- 
phie Über die Fatimiden, welche Herr Sau vaire für die 
neue Ausgabe von Marsden übernommen hat, wird es zur 
Vervollständigung des Materiales dienen, wenn ich mir 
erlaube, im Folgenden die Fatimidenmünzen zu verzeich- 
nen, die mir durch die Hände gegangen sind. 

61. 

A'. El-Mehdi. Jahr 317 (gefunden in Tunis). 
Coli. Jaba. 



62. 



JR. I: O^t^l^Us^l^i 

II: AiJl^j^iJAill|J^j 
Tunis im Jahre 327. 
Stempels.) 
Coli. Jaba. 



x^ \X»i\ geschlagen zu 
(3 Exx. verschiedenen 



Nachlese orientalischer Münzen. 



67 



63. 



II: ^U\y\ j^ji\^^\ AÜb jy^\ aII] Jup Jahr und 
Ort nicht erkenntlich. 
Coli. Jaba. 

64. 
A^. El-Kaim-biamr- Allah Jahr 3 . . 
Coli. Jaba. 

65. 

M. El-Imam \ el-Käim-biamr Allah | Muhammed 

resulu-llah | Emir ul-Muminln. Im Rande leserlich 

jy^suA und J-äc-'I. II : Oben Muhammed Abulka- 

sim; unten El - Mehdi - billah. Geschlagen El- 

Mehdie, Jahr 329. 

Coli. Jaba. 

66. 

A^. Dieselbe Legende. E 1 - M e h d i e, Jahr 332. 
Coli. Jaba. 

67. 

A^. II: Ismail | Emir el-muminln; geschlagen Isken- 
derie-Misr, Jahr 337. 
Coli. Jaba. 

68. 
A^. Muizz-lidtn Allah; geschlagen zu El-Man^uria, 
Jahr 342. 

Coli. Jaba. 

5* 



68 



Dr. Otto Blau: 



Vgl. jetzt Tiesenh. Mel. Nr. 151. Die Legende im 
Mittelfelde des Rev. las Jaba : ^it>%y\, wo Tiesenhausen 

aÜ ijjill oder aII 4^*11 erkennen will. 

69. 

iß. Derselbe. I: Innerer Kreis Symbolon; äusserer 
Kreis : „ „ c^-H^l^ i>^j\ ^\ Jj^j Jws£- 

11: Vom äusseren Kreis: „ i\ Xs>^*' Jä^ „ ' >il „ „ 
Innen um einen Circellus Ort? und Jahr? 
Odess. Mus. 245. 

70—72. 

A^. Derselbe. Misr 364; Misr 365 und El-Man- 
9uria, Jahr 365. 
Coli. Jaba. 

' 73. 

A^. Aziz-billah. E 1 - M e h d i e , Jahr 368. 
Coli. Jaba. 

74. 

A". Derselbe. Files tin, Jahr 37C. 

Müller, Dresd. (vgl. Z. D. M. G. XI, 452). 

75. 

A^. Derselbe. Misr, Jahr 384. 
Müller, Dresd. 

76. 

A^. Hakim-biamr- Allah. Misr, Jahr 388. 

Coli. Horowitz. 
Legenden wie Tiesenhausen Mölanges Nr. 153. 



Nachlese orientalischer Münzeu. 



69 



77. 

A^. Derselbe. II: Abu Ali el-Hakim Emir El-muminin. 
Jahr und Ort nicht lesbar. 
Coli. Jaba. 

78. 

A^. Derselbe. El-Hakim-biamr- Allah, El-Imam e'- 
ManQur. Jahr und Ort nicht lesbar. 
Coli. Jaba. 

79. 

N. ..!:„ „ „ AJJl Rand: „ „ aÜUI a1! „ „ 

II: Im Felde .U^ 

„ „ Juc am Rande. 

„ t, *^^ „ ,f *iy^^ Fragment; stimmt in 
der Vertheilung- der Legenden zu Frähn N. Suppl. 
p. 82, P. 

Ode SS. Mus. 246. 

80. 

M. El-Hakim-biamr- Allah. Misr, Jahr 408. 
Coli. Jaba. 

81. 

M. Derselbe mit J^y)jj^\- Nach Jaba geprägt zu 
Misr, Jahr 408. 
Coli. Jaba. 

Tiesenhausen Melanges Nr. 156 beschreibt aus Jaba's 
Sammlung ebendies Stück und liest j^^(?), Sür(Tyrus). 



70 



Dr. Otto Blau: 



• 82. 
A^. El-Zahir-li'zaz-lidtn- Allah. Dinar geschlagen Misr, 
Jahr 418. 
Coli. Jaba. 

83. 
AT. Gr. 3 = V* Dinar. 

I- ütr'J^^jt*^ I ^^ Oi-^ Jl^^l^^^- Am Rande: 

ÄjtU«j J^. Geschlagen Sikilia Jahr 421. 

11: Symbol, unten aÜI Jj Ji^. Rand: -üJl J^-y x^ 

A] aLjI bis jij!^\ J^ 
In meinem Besitz. 

84. 
AI. Derselbe. Geschlagen Sikilia, Jahr 422. 
Coli. Jaba. 

85. 

AI. Gr. und Leg. wie 83. — Aber geschlagen zu 
Sikilia, Jahr 424. 

In meinem Besitz. 

86. 

AI. Desgleichen Sikilia Jahr 428. 
Coli. Jaba. 

87. 
A^. Desgleichen 1/4 Dinar. 

I: Im Felde: 1 J^^l ^;^^!^l|^iy 1^^^11*111 JuP 

Umschrift: geschlagen zu Aj „ „ Jahr 429. 
n: Im Felde: Ujlyi^^AJo..^ 1*1)1^1 aIUaUIJjJ^ 



Nachleae orientalischer Münzen. 



71 



IaDI J^jJ^<. Randschrift: „ aÜI J^ j^^ etc. 

bis aIST 

In meinem Besitz. 



A^. Gr. 3 = 1/4 Dinar. 



jJnX^I Jjs-* s 



Schrift: geschlagen Sikiiia, Jahr 433 
II: Wie Nr. 87. 

In meinem Besitz. 

89. 

A^. Dinar. Mustan^ir billah. Misr, Jahr 434. 

Coli. Jaba. 
(Vgl. Z. D. M. G. XXI, 620 Nr. 4). 

90. 



J^** pUil Um- 




A^. Gr. 3. (RubaX) (s. Abbildung). 
I: In einem durch zwei nicht concentrische Halb- 



kreise gebildeten Oval : ^j^^l^;>w«l Ldib^y^-i),,!! X»'i\ 
Umschrift: a1^ äjij.>„„(Hj ^^^J\ \^ ^^ ^\ ^«w-j 

,11: Glaubensbek. und Randschrift bis ^ji-^^ J^, 
Also geschlagen El-Iskenderijje, Jahr 436. 
In meinem Besitz. 



72 



Dr. Otto Blau: 

Unedirt und höchst selten, da bisher die Bezeich- 
nung Rubai noch auf keiner Münze gefunden 
wurde, obwohl (worauf Hr. Geh. Hofrath Stickel 
mich aufmerksam macht), sowohl Makrizi Hist. 
mon. arab. 8. 24, als auch Ibn- Jubair ed. 
Wright p. m und rro der „Rubäi" genannten 
Stücke Erwähnung thun. 

91. 
A'. Derselbe Chalife. El-Man^uria, Jahr 436. 
Coli. Jaba. 

92. 
?L. Gr. „3, 5". I: El-imam Abu Temlm | El-Mustan^ir 

billah I Emir el-Muminln. 
n : La iläh illa Allah ! Muhammed resul Allah | Ali 
veli Allah. Randschrift beider Seiten abge- 
schnitten. 

Ode SS. Mus. 247. 

93. 
A^. Dinar desselben. Misr, Jahr 440. 

Coli. Jaba. 
Vgl. Z. D. M. G. XXI, 620, Nr. 8. 

94. 
N. Derselbe. Prägort undeutlich; Jahr 441. 
Coli. Jaba. 

95. 
N. Derselbe. Misr, Jahr 444. 

Coli. Jaba. 
Wohl = Pietr. 386. 



Nachlese orientalischer Münzen. 



73 



96. 

A^. Derselbe. Tarabulus, Jahr 444. 

Müller, Dresd. 
Beschrieben Z. D. M. G. X, 299, Nr. 22. 

97. 
N. Derselbe. Dinar von Misr, Jahr 445. 

Coli. Hör owitz. 
= Pietr. 387? „Notabilissimus." 

98. 
A^. Derselbe. El-Mehdie, Jahr 453. 
Coli. Jaba. 

99. 
N. Dinar desselben. El-Iskenderijje, Jahr 479. 
Müller, Dresd. (s. Z. D. M. G. X. 299, 23). 

100. 

A^. Derselbe. Dinar El-Iskenderijje, Jahr 480. 
Coli. Jaba. 

101. 
N. Desgleichen el-Mehdie, Jahr 480. 
Coli. Jaba. 

102. 
A^. 1/4 Dinar; stark beschnitten, so dass die Rand- 
schriften verloren gegangen sind. 

I: J^ II: J^ 



74 



Dr. Otto Blau: 



In der Vertheilung der Legenden sehr ähnlich dem 
Dinar Pietr. 398 vom Jahre 480 (= 100 oben) ; wozu nur 
zu bemerken , dass die Ergänzung Aly in der letzten 
Zeile vor J^ eine Ungenauigkeit Pietraczewski's ist, da 
^J^in der ersten Zeile dazu gehört. 

In meinem Besitz. 

103. 

A'. „Meme Chalife Mahdie, an ??? On remarque six 
lignes dans chaque face. Elles croisent le champ 
et le coupent traversalement, et sur chacune de 
ces lignes se trouve un mot de la lögende d'aprös 
l'ordre ci dessous döcrit; un petit cercle au 
milieu du champ orn6 de pointes ajoute de 
rinteret k cette medaille vraiment curieuse. 



I: ^_^ll^AÜl> 
II: lAillJ^lJ^Aill 



J^ji j^IaÜI i\U\ i (Giaba).^ 



Coli. Jaba. 

104. 

A^. Meme Chalife ? ? an ? ? ? 
Coli. Jaba. 

105. 
M. Dirhem desselben Chalifen; El-Mehdie; 
schlecht erhalten. 3 Exx. 
Coli. Jaba. 

106. 
A^. El-Mustealy-billah Ahmed; El-Iskenderijje, 
Jahr 488. 
Coli. Jaba. 



Nachlese orieutalischer Müusen. 



75 



107. 
A^. Dinar von El-ManQur-bi-ahkam- Allah; El-Isken- 
derijje, Jahr 503. 

Legenden - Pietr. 403. Im Felde : ^^ 
Coli. Horowitz. 

108. 
A'. Desgleichen El-Iskenderijje, Jahr 507 oder 
509: diu. 
Coli. Horowitz. 

109. 
A^. Desgleichen Misr, Jahr 509. 
Coli. Horowitz. 

110—112. 
A^. Desgleichen Misr, Jahr 512, 515, 517. 
Coli. Jaba. 

113. 

A^. Desgleichen Misr. Die Randlegende hat keinen 
Raum für die Jahreszahl. 
Coli. Jaba. 

114. 

A^. Dinar von Hafiz-lidtn- Allah, geschlagen zu El- 
lsken de rijje, Jahr 534. 
Coli. Jaba. 



Nachträglich erwähne ich noch, dass mir seit Abfas- 
sung des ersten Artikels dieser Nachlese noch zwei 
unedirte Abbassiden-Dirhems aufgestossen sind. 



*^ Dr. Otto Blau: Nachlese orientalischer Münzen. 

115. 
M. Dirhem von El - Mutadhid - billah , geschlagen 

Wasit, Jahr 289. 
Verzeichniss Koch & Comp. Nr. 1316. 

116. 

M. Dirhem von El - Muktedir - billah , geschlagen 

El-Maussil (Mosul), Jahr 308. 
Verzeichniss Koch & Comp. Nr. 1318. 

Beide waren in dem zu Berlin Jänner 1875 gedruck- 
ten Verzeichniss verkäuflicher Münzen etc. von Otto 
Koch & Comp, zum Verkauf gestellt, und sind in Privat- 
hände in England tibergegangen. Dagegen ist ein drittes, 
ebenda Nr. 1296 verzeichnetes anscheinendes Ineditum 
von El-Abbasia Jahr 150 nichts anderes als der be- 
kannte von Tornberg N. C. II, 58 (= Tiesenhausen 856) 
beschriebene Dirhem vom Jahre 156, wie ich mich durch 
Autopsie überzeugt habe. Der Verfasser des Katalogs hat 
ÄL. irrthümlich für L^ gelesen. 

Odessa, Februar 1876. 



77 



VII. 

Die Wiener Pfenninge. 
Fnndyerzeichuisse und kritische Studien. 

(Hierzu Taf. III— V). 

Von 

A.. Lnschin - Ebengreixtli. 



IL Abtheilung. 

Fundtabellen. 

§. 8. Die Fundtabellen zu den Funden O und 

A— J, 

Durch die Beschreibungen und Abbildungen, welche 
die erste Abtheilung enthält, sollten dem Numismatiker 
die verschiedenen Gattungen älterer Wiener Pfenninge, 
wie solche in den Funden A — vorkamen , jede für sich 
und so viel wie möglich auch anschaulich , zur Kenntniss 
gebracht werden. Darum wurden, wenn mehrere Stücke 
vorlagen, welche unzweifelhaft einer und derselben Gattung 
zuzuweisen waren , nicht einzelne Individuen mit den 
ihnen fast immer anhaftenden Mängeln vorgeführt, sondern 
nur der ihnen allen gemeinsame Typus berücksichtigt, 
darum wurde sowohl bei der Schilderung, als bei der 
Zeichnung, ein Stück durch das andere ergänzt, das Durch- 
schnittsgewicht neben den Einzelgewichten angegeben. 

Einem andern Zwecke sollen die Fundtabellen dienen. 
Durch sie soll in tibersichtlicher Weise der Antheil fest- 



78 



A. Luschin-Ebengreuth: 



gestellt werden, den die einzelnen Geprägesorten an dem 
jeweilig umlaufenden Gelde zur Zeit und an dem Orte der 
Vergrabung des Münzschatzes hatten. Der Typus der 
Hauptseite, — denn nur diese als die immer vorhandene 
bezeichnet die Gattung — ist zwar nur mit einigen Schlag- 
worten gegeben, allein die Hinweise auf die Nummer der 
vorhergehenden Beschreibung und die Abbildung dürften 
etwa entstehende Zweifel beheben. Die vierte Rubrik ent- 
hält die Durchmesser, und zwar in Form eines Bruches, 
wo es sich um viereckige Schrötlinge handelt. Mehr als 
die Genauigkeit des Durchschnittes ist jedoch , wenn man 
von den mit * bezeichneten Hälblingen absieht, nicht vor- 
handen, da die Münzplättchen wegen ungenauer Stücke- 
lung in der Länge oder Breite ganz wohl um 1 und 2 Mm. 
von den angeführten Grössen abweichen können. 

Die beiden folgenden Rubriken nehmen aus der Be- 
schreibung das geringste und das höchste Einzelgewicht, 
und ausserdem das Durchschnittsgewicht der Münzsorte 
herüber, und schliessen damit die erste Blattseite ab. Auf 
der gegenüberliegenden erscheinen dann die Münzfunde, 
so weit diess möglich war, ziffermässig nebeneinander. 
Den wichtigsten unter ihnen B— E, J, wurden eigene 
Spalten angewiesen, in welche die ermittelte Stückzahl 
eingestellt wurde , die geringeren F, G, H, kamen ebenso 
in die Anmerkung. Bei dem reichhaltigen Jaxberger Münz- 
funde konnte jedoch nur das Vorhandensein der Gepräge 
durch Wiederholung jener Nummer angedeutet werden, mit 
welcher sie auf Taf. HI und IV des Jahrgangs 1837 der 
Numismatischen Zeitschrift abgebildet sind, da eine Spezi- 
fizirung nach Geprägen mangelt. 

Anders verhält es sich mit den Funden K, L, M, N, 
deren Zusammensetzung mit Rücksicht auf ihre — den 



Die Wiener Pfenninge. **' 

bereits genannten Funden gegenüber um 50 bis 80 Jahre 
spätere — Vergrabungszeit, wesentlich verändert ist. Von 
ihnen konnte hier nur dasjenige, und zwar theils in der 
Anmerkung (L— N), theils in eigener Rubrik (K) unter- 
gebracht werden, was sie mit den älteren Funden gemein- 
sam haben, während hinsichtlich der neueren Beimengun- 
gen die Anlegung eigener Tabellen (§. 9) geboten war. 

Die Tabellen würden jedoch ihrem Zwecke nur unge- 
nügend entsprechen, wenn man sie auf die trockene Wie- 
dergabe der Zahlen beschränken wollte, mit welcher die 
einzelnen Geprägesorten in den verschiedenen MUnzfuuden 
wirklich vertreten waren. Da nun von den Münzfunden B 
mit 1865, C mit 687, E mit 735 und mit 2500 Stücken, 
sowohl dieGesammtzahl als die Zusammensetzung bekannt 
war, so konnte hier der percentuelle Antheil den die ein- 
zelnen Münzsorten an dem als Ganzes betrachteten Münz- 
funde beanspruchen, bezüglich der Funde B, C und 0, 
ausserdem der Versuch eines durchschnittlichen Procent- 
satzes in der Anmerkung ersichtlich gemacht werden. 
Mussten gleich kleine Abrundungen nach unten oder oben 
stattfinden, und tauchten auch sehr vereinzelt Zweifel über 
die Zugehörigkeit einer bloss aus Beschreibungen bekannten 
Münzsorte auf, so sind doch die hier als das Ergebniss der 
Untersuchung von mehr als 5000 Wiener Pfenningen ge- 
botenen Procentansätze im Ganzen als verlässlich zu be- 
zeichnen. 

Dass in der Anmerkung zur Vervollständigung des 
Gesammtbildes auch die (seither vermehrten) Feingehalts- 
angaben und Notizen über das Vorhandensein gleichzei- 
tiger Falschmünzerarbeit aufgenommen wurden, bedarf 
keiner weitläufigen Begründung. 



A. Luschin-Ebengreuth : 



to 


Nummer der 
Abbildung 


Haupt gruppe A. 
Typus: 


c 
1 

'S 

Q 


Gewicht 


^ s 

u 'S 


ja 
'S 

n 


o 

Q 


1 


41 


Reiter mit Balkenschild nach links 


"/15 


0-57— 0-70 


0-65 


2 


41a 


Ebenso, rechts 


*V,4 


0-45 




3 


42 


Geharnischtes Brustbild links, mit 
Schwert und Schild 


*yi4 


0-53-0-85 


0-60 


3a 


132 


Aehnlich, feinlinigeres Gepräge 

Kleiner Denar : stehender Herzog 
ebenso 








4 


13 


0-40-0-63 




5 


Holz- 
schnitt 


WIR zwischen zwei gekrönten 
Brustbildern 


lVl7 


0-85 




6 


43 


Balkenschild zwischen 2 Mönchs - 
brustbildern 


*Vl5 


0-50-082 


0-63 


7 


44 


Königsbrustbild mit Scepter und 
Reichsapfel 


*Vl6 


0-70 




8 


45 


Ebenso nach links mit Schwert 
und Reichsapfel 


*Vl5 


0-53-0-63 




9 


46 


Ebenso rechts mit Scepter und 
Reichsapfel 

Ftirstenkopf mit Schwert und Kreuz 
nach rechts, drei Stempel, auf 
einem ein gekrönter Kopf als 
Revers 

Brustbild rechts mit Mütze (Hirsch- 
geweih und Fahne in den Hän- 
den?) 


*Vl6 


0-68 


. . . 




49 




10 


lVl5 


0-55 




11 


8 


Drei Mönchsköpfe im Dreipass 


iyi5 


0-45 


. . . 


12 ) 
12af 


50) 
134( 


Gekrönter Kopf ober einer Laub- 
zierat 


»Vis 


0-50- 0-80 


• • • 



Die Wiener Pfenninge. 



81 





F 


n n 


d e 




A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 






3 t 


ü < 


3 k z a h 1 




Nr. 1 


ns 


14 

1 
5 


5 
3 


. . 




3 

3 


84 
44 


1 Stück in N. In B, C je 2%, in 
Oc. 3o/o,im Durchschnitte (B, 
C, 0)=2-7o/„. _ Ist 0-490 fein. 


Nr. 23 


17 


In B c. 1%, in C = 0-7o/o, in 
c. 2%, durchschnittlich 
c. lVa%. 










1 








Mader, Beitr. II. T. 1, Nr. 9. 


• • • 


2 


• • 


• • 


46 

1 






2 


In E = Go/o. Ist 0-655 fein. 


Nr. 57 


17 


7 


8 
13 


. . 






28 


In B, C, je lo/„. 

1 Stück in Leobnerfund (H). — 
Ist 0-680 fein. 








Nr. 67 


3 


• • 


3 
1 


7 
1 








Ist 0-660 fein. 






, , 








, , 


9 












2 






2 




Nr. 29 


16 


1 


3 


• • 


• • 




1 


Ist 0650 fein. 



82 



A. Fjuschin-Ebengreuth i 











Gewicht 


ha 


TS c 


H }i u p t g r u p p e A. 
Typus : 






•- S 

S " 

;5ö 


'S 

c 


u 
'iL 


12b 


134a 


Kleiner Pfenning, gekrönter Kopf 
ober zwei Lilien 


13 


0-53 




13 


47 


Kopf mit einem Hute bedeckt ober 
einer Laubzierat 


'Vis 


0-64— 0-68 




14* 


135 


Hälbling, ebenso 


11 


0-30, 0-32 




15 


48 


Gekrönter Kopf nach rechts 


•Vie 


0-60— 0-70 




16* 


133 


Hälbling, Kopf ebenso, von vorne 


12 


0-45— 0-50 




17 


51 


Kopf mit dreispitzigem Hute 


»Vis 


0-50— 0-60 




18* 


136 


Hälbling, ebenso 


11 


0-30— 0-32 




19 


52 


Lockiger Kopf mit dem Herzogs- 
hute bedeckt 


"/l5 


0-52-0-70 


0-54 


20» 


137 


Hälbling, ebenso 


11 


0-32-0-50 


0-40 


21 


1 


Kopf mit aufragendem Hörner- 
schmuck 


**/l5 


0.48-0-55 




22 


53 


Bärtiger Kopf rechts, mit rundem 
Hut 


«Vi 6 


0-45— 0-70 


0-62 


23 


54 


Lockiger Kopf nach links 


»Vl6 


0-47— 0-83 


0-68 


24 


55 


Kopf einer Nonne nach links 


'Vis 


0-49— 0-70 


0-60 


25* 


138 


Hälbling, ebenso 


11 


0-30 


. . . 


26 


56 


Gesicht innerhalb eines knorrigen 
Reifens 


*Vh 


0-46— 0-70 


0-56 


27* 


139 


HHlbIing,ebenso 


11 


0-33, 0-34 





Die Wfenrr Pfenninge. 



83 



F u n d e 



D i E 



K 



Stückzahl 



Anmerkung 









2 
2 


• • 


^ 






Nr. 27 




t) 


. . . 




. . 


. . 


. . 


2 






1 




. . 




4 




, 




. 


1 




6 




. . 






Nr. 34 


5 




• • 


1 


• • 


• • 


24 






1 
6 


5 




1 


1 


64 


Nr. 33 


16 


. . . 


4 








7 




• • 






2 

10 


2 

8 


23 




2 


1 


Nr. 35 


45 


Nr. 39 


44 


12 


4 






4 


53 


Nr. 31 


20 


5 


3 




2 


1 


38 


Nr. 38 


10 


9 


2 


• • 


2 


1 


29 



InO =1%. — Besser erhaltene 
Exemplare wiegen 0-70 Grm. 



In B, C, c. 1%, in 2-5%, im 
Durchschnitte c. l'7»/o. 

Ist 0-590 fein. 

1 Stück in G. — In E = S%. 

In B, 2-5, in C, l-3o/o. Ist 0-630 
fein. 

1 Stück in M. — In B, 2-5, C = 
1-7, = 2o/o. im Durchschnitte 
2-2o/„. 

InB, 10/,, C, O-70/o, = 1-304, 
durchschnittlich :=l-2o/„. 



In F, 7 Exemplare — %. In A 
= O-50/o, in B = lo/„, in = 
l-2o/o,durchschnittlich=«l/o. 



6* 



84 



A. Luschin-Ebengreuth : 



Sud 


II 


Hauptgruppe A. 
Typus • 


« 

CO 

ai 

s 

o 

Q 


Gewicht 


Ut s 

a> s 

'S jO 

i" 'S 




'S 

O 

m 

JS 

o 

s 

Q 






Unförmlicher Bischofskopf mit 
Strahlen 

Ungestalteter Kopf, darüber? 










57 




'28 


/Vis 


0-53 


• • • 






Sehr unförmlicher Kopf, darüber 
Wappenschild 

Bärtiger Kopf nach links, vor dem- 
selben ? 










58 




29 


'Vi* 


0-38 




30 


59 


Balkenschild zwischen zwei Löwen 


16 


49—0-74 


0-69' 


31 


29 


Aehnlich, mit einem Kreuzscepter 
ober dem Schilde 


16 


0-71— 0-84 




32 


61 


Balkenschild ober einem nach links 












schreitenden Löwen 


16 


0-67— 0-71 


. . . 


33 


60 


Löwe nach rechts , mit zurück- 












gewandtem Kopfe 


^•/l7 


0-52-0-68 


. . . 


34 


62 


Aufgerichteter Löwe mit Balken- 












schild, nach rechts 


^•Vis 


0-68— 0-75 


. . . 


35 


63 


Ebenso, nach links (ohne Schild) 


'Vte 


73 


. . . 


36 


65 


Ruhender Löwe nach links, mit 












zurückgewandtem Kopfe 


•Vl5 


0-40-0-55 


, . . 


37* 


141 


Hälbling (und kleiner Pfenning), 
ebenso, nur ist der Löwe ge- 












krönt 


12 


0-36, 0-41 


. . . 


38 


64 


Aufgerichteter Löwe nach rechts 


*«/lT 


0-55, 0-70 




39* 


140 


Hälbling, ebenso 


12 


0-35 


• . • 


40 


66 


Wachsender Bär(?), nach rechts 


'Vis 


053 


. . . 


41 


142 


(Kleiner Pfenning)Oberkörper eines 
Bären und halber Adler 


13 













Die Wiener Pfenninge. 



85 



Funde 




A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




Stückzahl 






1 

1 
1 




10 
3 
3 

3 

3 

2 

1 


1 

12 

1 

6 

43 
6 

1 

8 


2 , 

1 


2 


8 
1 
1 

19 

3 
11 


Stark abgenützt. 
Ist 0-800 fein. 








Im Leobnerfunde ^H) vertreten. 
Ist 0-680 fein. 

In E = \-h%. 




2 




Nr. 6 
Nr 4 


1 
5 

5 
1 


3 
1 


In F, 4, in L 1 Stück. — «''«, in 
E und = 0-8«/o. 

1 Stück in F und H. — In 
waren zwei Stempel vertreten. 



86 



A, T>uschln-Kbengreuth: 



ie 






(h 




CJ 


iJ3 


"C 


C3 


ti« 




OJ -C 


R 


^ 


S 


Xl 
^ 


55 


<5 



Hauptgruppe A. 
Typus : 



Gewicht 



W 



42 


Holz- 
schnitt 


43 


67 


44 


19 


45 


15 


4r)a 


. . . 


46* 


143 


46a* 


. . . 


47 


68 


48* 


144 


49 


69 


50 


145 


51 


17 


52 


70 


53* 


147 


54 


71 


55 


72 


56* 


142 


57 


148 



Elephant nach rechts, einen Thurm 
auf dem Rücken 

Hirsch nach rechts 

Hirschkopf 

Variante mit Stern. Ks. Vogel 

Steinbockkopf nach rechts 

Variante mit Punkt 

llälbling, Steinbock nach rechts 

Variante mit Punkt ebenso 

Osterlamm nach rechts 

Hälbling, ebenso 

Widder links , mit zurückgewand- 
tem Kopfe 

(Kleiner Pfenning). Ebenso, Zeich- 
nung abweichend und zierlicher 

Widderkopf nach rechts 
Aufrechtsitzendes Eichhorn 

Hälbling, ebenso 
Hase nach links 

Ebenso, nach rechts 

Hälbling, ebenso 

Kleiner Pfenning. Hund nach rechts 
springend 






11 



1*/15 

12 



13 



»/14 



11 

'Vl5 

'»/le 
13 



0-73— 0-80 
0-59 
0-46 



0-40 - 0-82 
0-50~087 
0-20— 0-38 
0-17 -0-23 
0-52 

0-46 



11 



0-30— 0-52 
0-43— 0-63 

0-34— 0-40 
0.46— 0-70 

0-53-0-63 
0-35— 0-50 

0-50— 0-63 



Die 'Wiener Pfenninge. 



87 



F 


u n 


d 


e 






A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




S t 


ü c 


k 


z a 


h 1 






_ 






1 


1 














1 


19 


• • 


• • 


1 




Nr. 14 




1 


1 Stück in G - %. In E = 2%. 


Nr. 15 
Nr. 15 


192 
101 
1 
2 


71 
35 

l 


1 




• • 


[ 50 


3 
|240 


) In = 10, in C = 15, in B = 
[ 160/^, durchschnittlich 12-7%. 
) Ist U-580, mit Punkt 0-574 fein. 


Nr. 10 


3 


1 


3 

1 
1 


33 


1 

1 


19 


10 


2 Stück in F 1 Stück in G — 
o/o. In E =,4o/j,. 
















Je 4 Stück in L und M, durch- 
aus etwas abgewetzt. 


Nr. 9 


19 


6 


1 




3 


1 


39 


1 Stück in G. — In B und C = 
c. 1%, in = l-5»/o. im Durch- 
schnitte 1-2%. 


Nr. 3 

Nr. 5 


15 

6 


4 
2 


1 

4 


3 


3 




41 


In C = 0-60/j,, in B = O-So/^,, in 
= 1*6%, im Durchschnitte 


- . . 


1 


• • 


3 


68 


• • 


• • 


• • 


In £=904. 



A. Luschin-Ebengreuth 



bß 


O» 'S 


Hauptgruppe A. 
Typus : 


u 

<a 

<a 
aa 
<o 

S 
'S 

Ö 

Q 


Ge 


wicht 




N 




'S 

00 

s: 
o 

s 

Q 


58 


73 


Brackenkopf nach rechts 


^Vl5 


0-47- 


-0-84 


0-62 






Wappen mit Krone und zwei Thiere 

Gekrönter Adler mit dem Balken- 
achilde 


^VlS 


0-50- 


-0-80 




59 


74 


0-67 


60 


76 


Adler mit BHlkenschild 


'Vie 




0-93 


. . . 


61 


75 


Adler nach rechts auffliegend 


*%7 




0-87 


. . . 


62* 


150 


Hälblinir, ebenso 


10 




0-30 




63 


10 


Adler ebenso, zurücksehend 


*Vl5 




0-52 




64 


77 


Wachsender Adler ober einem 
Zinnenthurm 


»y.5 


0-40- 


-0-66 


0-62 


65* 


151 


Hälbling, ebenso 


11 




0-35 




66 


78 


Adler nach links, im Flügel den 
Balkenschild 


»Vl4 


0-47- 


-0-62 


0-60 


67* 


152 


Hälbling, ebenso 


11 


0-33- 


-0-52 


0-39 


68* 


149 


Hälbling, Adler nach rechts 


11 




0-26 


. . . 


69 


79 


Kleiner Pfenning. Wachsender 
Adler zwischen den Flügeln 
Halbmond und Stern 


*yi4 


0-51 


-0-82 




70 


81 


Adlerflug, darüber der Balken- 
schild 


*yi5 


0-50 


-0-62 


O-60 


71* 


153 


Hälbling, ebenso 


11 


0-31 


-0-38 


. . • 


72 


82 


Schwan nach links 


"/i. 


0-69, 0-84 


. . . 


73* 


167 


Hälbling, ebenso 


12 




0-35 





Die Wiener Pfenninge. 



89 



F 


u n d e 






A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




S t 


ü c k z a h 


1 




Nr. 12 


43 


10 


8 


1 




4 


85 

1 


In C = 1-6%, in B = 2-3o/„, in 
= 3-4%, im Durchschnitte 
= 2-70/,. 

Ist 0'690 fein. Falschmünzer- 








producte bekannt. 








1 


39 






9r, 


In = 1%. in E =r bo/^. 


• 




. 


3 




1 










1 

8 


• • 


15 


. . 




i(?) 




Nr. 64 


19 


In B = 1%, in C = l-io/,,, in E 

= 2o/o. 


. . . 




• • 


• • 


• • 


1 




• • 




Nr. 17 


14 

1 
1 

1 


4 


4 

1 
•5 


1 


7 




32 

1 


1 Stück in G.— %in C = 0-5, in 
B = 0-6, in = c. I-So/^, im 
Durchschnitte = 1%. 


Nr. 44 


14 


3 


1 




4 


• • 


21 


In C = 0-4, in B = 0-6, in = 
0-8%, im Durchschnitte = 
0-7%. 


Nr. 18 


1 


1 
1 


• • 


1 






1 





90 



A. liUschin-Ebcngreuth : 



b£ 








Gewicht 


U C 


i^ 














Hauptgruppe B, 


CO 




*a 


Ol ^ 




Typus : 


s 




JS 
Ü 
05 








Q 




2 


74 


80 


Drei Vogelköpfe im Dreipass 


»V,5 


0-46— 0-70 


0-64 


75* 


154 


Hälbling, Vogel köpf rechts 


'Via 


0-35 




76 


83 


Drei Fische 


»*/,6 


0-57, 0-67 




77* 


155 


Hälbling, ebenso 

Drei mit dem Kopfe zusammen- 
gestossene Fische 

Balkenschild und zwei Fische 


12 


0-37 


• ■ • 








78 


31 


^♦/14 


0-44— 0-62 


0-56 


79* 


156 


Hälbling, ebenso 


11 


0-35-0-37 


0-36 


80 


84 


Thurm zwischen zwei Fischen 


*Vl6 


0-50— 0-74 


0-62 


81 


85 


Säule zwischen zwei Fischen 


'V,6 


0-55 




82 


86 


Gekrümmter Fisch 


/Vi 5 


0-53— 0-64 


. . . 


83 


87 


Drei grosse Kleeblätter im Drei- 












pass 


'Vi5 


0-45-0-70 


0-64 


84 


88 


Drei kleine Kleeblätter im Drei- 












pass und Dreibogen 


*Vl4 


0-44— 0-70 


0-58 


85* 


116 


Hälbling, ebenso 


11 


0-29— 0-39 


0-37 


85a 


157 


Drei geschweifte Blätter im Drei- 












pass 


^Vu 


0-60 


. . . 


86 


89 


Gezacktes dreigetheiltes Blatt 


«V.5 


046-0-71 


0-62 


87 


37 


Drei Lilienscepter und drei Balken- 












schilde im Dreipass 


"/15 


0.47-0-61 


0-60 



Die Wiener Pfenninge. 



91 





F 


u n d e 




A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




S 


t 


ü c k z a h 1 




Nr. 19 


33 
1 


13 

1 


2 




• • 


2 


• • 


In B = l-7o/„, in C = 1-9%. 


Nr. 53 


2 


• • 


1 


1 


1 




8 
61 


In = 2-4o/„. 


Nr. 46 


10 


2 


1 




6 




14 


In B und = 0-5o/„. 


Nr. 52 


56 
1 


23 


3 




7 


99*) 


*) Zwei Stempel, bei einigen im 
Rev. ein Stern. — 1 Stück in 
M — %. In B = 3, C = 3-37, 
in = 4% im Durchschnitte 
= 3-5%. — Ist 0-470 fein. 




3 


• • 


• • 






• • 






Nr. 47 


38 


8 


1 




• • 


1 


67 


In C = 10/,,, B = 2o/„, = 
2-6o/o> imDurchschnitte^2<yo- 


Nr. .')8 


12 

1 


6 


1 




5 




38 


1 Stück in F — %. In B = 0-6, 
in C = 0-8o/„, in = l-öo/^,, 
im Durchschnitte = 1'1%- 


Nr. 48 


25 


13 


1 






1 


38 


In B = 1-3, in = 1-5, in B = 
1-9%, im Durchschnitte = 
l-50/o. — Ist 0-450 fein. 


Nr. 45 


25 


7 






• • 


1 


34 


In C = l, inB 1-30, in = 1-4, 
im Durchschnitte = 1-3%. — 
Ist 0-670 fein. 



92 



A. Luschin-EbengreutU i 















Gewicht 


5X0 
















t, e 


ti 








^ 




-b> 




-S ''t 


H 


auptgruppe 


A. 


00 




a 












(U 




,JS 


SS 


©'S 
S!s 

5S^ 




Typus : 




Q 


Einzeln 


'S 



H,S 


90 


89 


91 


90 


92 


91 


39 


92 


93 


93 


94 


94* 


158 


95 


95 


96* 


158 


97 


159 


98 


97 


99* 


160 


100 


96 


101 


98 


102* 


161 


103 


6 


104* 


169 



Balkenschild zwischen zwei Lilien 
Stern aus sechs Liliensceptern 
Stern aus sechs Lilien 
Böse mit dem Balkenschild belegt 

Blume (Granatapfel?) 

Sechsspitziger Stern mit dem Bal- 
keuschilde belegt 



Hälbling, ebenso 

Sechsstrahliger Stern mit Klee- 
blättern in den Winkeln 

Hälbling, ebenso 

Kleiner Pfenning. Variante mit ver- 
tieftem Stern 

Brustbild eines Engels mit dem 
Balkenschilde 

Hälbling, ebenso 

Rohes Brustbild eines Engels 

Gekrönter Meermann mit zwei 
Fischschwäuzen 

Hälbling, ebenso 

Meermann mit Mönchskapuze links 

Hälbling, ebenso 



*Vl6 

'Vis 
'Vis 

11 

*Vl6 
11 

13 

'Vis 
11 



Vis 



11—12 



11 



0-57— 0-84 
0-65— 0-75 

? 
0.42—0-70 

0-49 

0-37— 0-70 

0-32— 0-37 

0-56- 0-77 

0-35, 0-44 

0-55, 0-59 

0-59, 0-74 

0-34, 0-40 

0.45—0-72 

0-47-0-70 

031—0-37 
0-50— 0-77 

0-32 - 0-40 



0-72 
0-55 

c.0-55 
0-58 



0-63 

0-57 

0-33 
0-54 



Die AVicner Pfenninge. 



93 





Fund 


e 






A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




S 


t ü c k 


z a 


h 1 










1 








1(?) 




• . . 






269 




1 




Ist 0-710 fein. 








8 








11(?) 
36 




Nr. 55 


15 


7 










In B = 0-8, in = 1, in = 1-2, 
im Durchschnitte = l-lo/o. 


• • • 


1 




• • 


• • 










Nr. 54 


17 


4 






o 




27 


1 Stück in M —%. In C = 05, 
in B = 0-9, in = 1%, im 
Durchschnitte = c 1%. 


Nr. 61 


3 
1 


4 


4 
1 


9 

34 
1 


3 




15 
11 


3 Stücke in F, 1 Stück in G. — 
Ist 0-663 fein. 

In E = QQ%. 




1 


1 


. . . 


. . 


. . 


. . 


. . 


3 




. . 




Nr. 42 


19 


10 




• • 


• • 


1 


32 


InB = l, in = 1-3, in = 
1-4 im Durchschnitte = 1-2%, 


Nr. 21 


13 


1 


• • 




6 


1 


• • 


5 Stück in F. —In B c.0-6%.— 
Ist 0-610 fein. 

Ist 0-520 fein. 


Nr. 16 


5 


2 


2 


45 


2 


1 




In B = 0-2, in C = O-30/0, in E 
7-50/0. — Ist 0-640 fein 



94 



A. tiUschin-Ebengreuth : 



bC 


TS C 

u 3 
O 'S 

!5^ 


Hauptgruppe A. 
Typus : 


05 
ao 
O 

S 
o 

a 
Q 


Gewicht 


u. 'S 

H 




"ä 
2 


lOö 


99 


Gekrönte Harpye nach rechts 


"/i« 


0-40— 0-66 


0-54 


106* 


162 


Hälbling, ebenso 


11 


0-33 




li'7 


105 


Panther mit Balkenschild , nach 
rechts 


"/l7 


0-71, 0-75 




108 


168 


Kleiner Pfenning. Panther mit 
Schwert nach rechts. 


12-13 


0-52 




109* 


n 


Hälbling, ebenso 


11 


0-43 


. . 


110 


12 


Einhorn links, unter dem zurück- 
gewandten Kopfe den Balken- 
schild 


»Vis 


0-52— 0-83 


0-60 


111 


25 


Ungethüm mit langen Ohren und 
borstigem Halse, nach rechts 


>V,5 


0-57 




112 


100 


Drache rechts , zurücksehend, 
ober dem Rücken der Balken- 
schild 


'V,6 


0-48 -0-70 


0-62 


113» 


163 


Hälbling, ebenso 


11 


0-40 




114 


102 


Drache ebenso, ohne Balkenschild 


"/l8 


0-73 


. . 


115 


103 


Ebenso, Kopf, wolfsartig 


'Vu 


0-55 


. . 


116 


23 


Drache rechts, mit wolfsartigem 
Kopfe und emporgehobenem 
Schweife 


«♦A5 


0-47_0-58 




117 


27 


Ebenso mit Vogelkopf und einge- 
zogenem Schweife 


*yi6 


0-65-0-80 


0-73 


118 


101 


Drache links, einen Thurm tragend 


'•.16 


0-72, 0-75 


• • 



Die Wiener Pfenninge. 



95 



Funde 






A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





A n m e r 


k u n g 




Stückzahl 




Nr. -24 


7 
1 


2 


5 

1 

3 

4 

2 

1 

1 

7 
2 


26 

1 
15 

3(?) 

19 

1(?) 


1 
1 

1 


1 
4 

10 


9 

25 
63* 

25* 


In B, C, 0, c. O-30/o, in E = 
4-3«/o. 

In E = 2 5%. 


• • • 


12 


10 

1 

9 

2 
1 


1 Stück in M. - 
0-6o/„, in = 
1-30/^ , im Du 
O-90/o. 

*) In drei Steinp 
In C = 13, inB 

2-5%, im Dui 

2-10/0. 

1 Stück in F — 

Je 1 Stück in F 
*) In zwei Stemp 


-0/,. In B = 
- 1%, in C = 
rchschnitte = 


Nr. 13 

Nr. 68 

Nr.26? 
Nr. 69 


36 

1 
1 

1 

4 


ein. 

c. 2%, in = 

•chschnitte = 

%,inE =3o/„. 

und G. 
ein. 











96 



A. Luschin-Ebengreuth: 











Gewicht 


bß 




Hauptgruppe A. 
Typus: 


<o 

B 

o 

s 
Q 




11 

5^« 


s 


'S 

JS 

o 

ao 

-C 
ü 

bi 
3 

Q 


119 


21 


Ebenso, ohne Thurm 


»/,6 


0-42— 0-71 


0-56 


120* 


164 


Hälbling, ebenso 


11 


0-31— 0-37 




121 




Gekrönter Drache links, mit auf- 












geringeltem Schweife 


•*/l6 


0-72 


. . 


122* 


165 


Hälbling, ebenso 


11 


0-42 


. . 


123 


104 


Drei Drachenköpfe im Dreipass 


W,5 


0-50-0-65 


0-62 


124* 


166 


Hälbling, ebenso 


11 


0-32 -0-44 


0-38 


125 


106 


Adlerflug, unterhalb räthselhafte 












Ungethüme 


*Vl5 


0-49 


. . 


126 


33 


Helm, daneben R — V 


•Vis 


0-57— 0-80 


0-70 


127 


119 


Balkenschild von drei Kronen um- 












geben 


*Vl5 


0-50-0-70 


0-61 


128 


35 


Thurm zwischen zwei Balken- 












schilden 


•Vis 


0-50— 0-75 


c.0-57 


129* 


170 


Hälblingj ebenso 


11—12 


0-42— 0-52 




130 


108 


Zinnenmauer mit Thurm, im Felde 












ein Kreuz 


«Vl4 


0-42 








Thurm , rechts und links zwei 
grosse Kreuze 

Kreuzsäule zwischen zwei Halb- 










109 




131 












monden 


"/,6 


044 




132 


110 


Kleiner Pfenning. Laubzierat, und 












in deren Mitte ein Kreuz 


13-14 


0-51— 0-56 





Die Wiener Pfenninge. 



97 



F 


u n d 


e 








A 


B 


c 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




S t 


ü c k 


z a 


h 


I 




• • • 


5 


8 


2 




1 


1 


18 
* 


InB =0-2, inO = 0-7, mC = 
l•^%, im Durchschnitte 06%. 


. . . 


• • 


. . 


3 




1 




• • 




TJr. 20 


11 


4 


1 




• • 


1 


28 


1 Stück in G — %, in B und C 
= 0-6, in = 1%, im Durch- 
schnitte = c. 0-8%. 


/" * ■ 


1 








8 


• • 


• 


Ist 0-600 fein. 


- . . 


5 








• • 


1 




Ist 0-584 fein. 


Nr. 51 


15 


5 






• • 


1 


32 


In C = 0-7, in B = 0-8, in = 
c. 1-3%, durchschnittlich = 

1%- 


Nr. 63 


10 

1 


4 


5 




2 




32 
2 


In B = 0-5, in C = 0-ß, in = 
c. 1-3%, im Durchschnitte == 
O-90/o. 


. . . 


1 




• • 




• • 




1 




. . . 






2 


4 


• • 




1(?) 





98 



A. Luschin-Ebengreuth 











Gewicht 


Sud 


s 

a ::: 


Hauptgruppe A. 
Typus : 


b4 
© 

09 

OJ 

a 
2 

O 




<s s 

u 'S 

IS 


a 


'S 

o 

OD 

Q 


133 


111 


Fünf laubartige Zieraten zu einem 
Sterne vereinigt 


"/l6 


0-44— 0-72 


0-58 


134* 


171 


Hälbling, ebenso 


11 


0-30— 0-38 


. . 


135) 
13()f 


112) 
113f 


Kreuz aus Seeblättern mit Ringen 
in den Winkeln 


*Vl5 


0-40— 0-75 


0-62 


136a 




Hälbling, ebenso 




0-27-0-39 




137 


114 


Kreuz aus vier Blumenkelchen 


13/14 


0.42—0-61 


0-59 


138* 


172 


Hälbling, ebenso 


11 


0-30-0-50 


0-39 


139 


117 


Blätterkreuz 


lVl6 


0-42— 0-69 


0-63 


140* 


173 


Hälbling, ebenso 


11 


0-40 




141 


118 


Ankerkreuz mit eingeschobenen 
Kleeblättern 


"/l6 


0-56— 0-65 


c.0-61 


142* 


174 


Hälbling, ebenso 


11 


0-32— 0-40 


, 


143 


120 


Balkenschild von drei Blätterzie- 
raten umgeben 


"Vis 


0-50-0-67 


0-57 


144* 


175 


Hälbling, ebenso 


11—12 


0-30- 0-43 


• • 



Die "Wiener Pfenninge. 



99 



Funde 




A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




Stückzahl 




Nr. 60 
Nr. 59 

Nr. 43 

Nr.49( 
Nr.6-2( 

Nr. ')0 
Nr. 56 


5 
34 

5 

29 

9 

6 

1 

10 

4 

18 

1 


2 
10 

9 

1(?) 
3 

3 
3 


3 

1 
3 

1 


14 
4 


3 

5 

1 
3 
4 


1 


63 

69 
16 

14 

17 


Ist 0-620 fein. — Gleichzeitige 
Fälschungen bekannt. 

Ist 0-605 fein. 

Ein gleichzeitiges, inissrathe- 
nes Falschmünzerproduct, 
Abbild. Nr. 115. — o/^, in C 
= 1-4, in B = 1-8, in 2-5, 
im Durchschnitte 2-3%. 

1 Stück in F. — O/^ = in C = 
1-3, in B = 1-5, in = 2-7, 
im Dciuhschnitte = 2-1%. 

1 Stück in G — o/^, = In B = 
0-3, C = 0-4, inO = 0-6, inE 
= 2-30/0- — In B, C, durch- 
schnittlich = 0-50/j,. 

In C = 0-4, in B und = 
c. 0-50/0 > iö3 Durchschnitte 
0-50 0. Ist 0-630 fein. 

In C = 0-4, in = 0-6, in B = 
c. lo/o , durchschnittlich = 
0-7%. 



100 



A. Luschin-Ebengreuth: 



bc 


J2 ^ 


Hauptgruppe B. 
Typus : 


OQ 

s 

s 
D 


G 


e w i c 1) t 


u a 
'o ja 
u 'S 

ig 

55 PQ 


a 


a 
ü 

OQ 

H 

3 
P 


145 


121 


VITVS einfacher Adler 


lVl6 




0-60 




146 


122 


Eule rechts 


^Vie 




0-46 




147 


124 


Fünf blättrige Rose, darüber Lilie 
zwischen zwei Kreuzchen 


*%6 


0-45 


-0-71 




147a 


123 


Variante mit grösseren Kreuzchen 


*«/l7 


0-50, 0-53 




148* 


125 


Hälbling, ebenso 


*Vl3 




0-22 




149 


129 


Brustbild eines Engels ober einem 
Sparren 


^Vie 




0-56 




150 


126 


Geflügeltes Ungeheuer mitKlauen- 
füsse« und Vogelschwanz, nach 
rechts 


*Vl7 


0-20- 


-0-56 


0-44 


151 


127 


Drache zwischen den Hälften einer 
Lilie 


^V,7 




0-55 




152 


128 


Thorbogen mit zwei Thürmen 


^VlT 


0-50, 0-84 




153a» 


130 


Hälbling. Thurm zwischen zwei 
Kleeblättern 


^VlS 




0-22 




154 


131 


Kreuz auf einem Bogen 
Hauptgruppe C. 


*«/i7 




0-45 




155 


177 


Brustbild mit Herzogshut, zwi- 
schen E— ß 


*«/l8 


0-44- 


-0-77 




156 


180 


Gekröntes Brustbild links, zwi- 
schen R— V 


"/l7 


0-47- 


-0-73 


0.55 


157 


176 


Gekröntes Brustbild im Vollge- 
sicht, im Felde R 


»%0 


0-45 


-0-52 




158 


183 


Desgl. mit Schwert und Zweig 


"/l7 




0-52 


• • 



Die "Wiener Pfenninge. 



101 



Funde. 






A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




Stückzahl 




. . . 


1 


1 








• 




Ist 0-810 fein. 




. . • 


4 


. 










4(?) 






. . . 


2 


. . 


















1 












• • 






• • • 


1 


• • 
















• • • 


5 


• • 


• • 


• • 




1 


8(?) 


Ist an 0-800 fein. Ein zweites 
Stück hielt 0-618. 


• 


1 


. 


. 


. 




. 






. . . 


1 




^ 


• • 




• • 








1 












, 




• * ■ 


1 


















1 


1 




_ 


■ 










30 


13 




• • 


• • 


■ • 


2 


InB = l-6, in C = 1-9% Ist 
0-650 fein. 


• • « 


5 


1 




^ . 


, , 




1 




Nr.40? 


• • 


1 


• • 


• • 


• • 


• • 


• • 







102 



A. Luschin-Gbengreuth: 



iX) 




Hauptgruppe C. 


09 


G 


e w i c h t 


1- s 






'S 


a ^ 




Typus: 


a 

, Q 




o 
m 

Q 


159 


178 


Brustbild mit Hämmern in den er- 
hobenen Armen 


*%7 


0-36- 


-0-66 


0-46 


160* 


179 


Hälbling, ebenso 


*VlS 




0-27 


. . 


161 


5 


Bärtiges Brustbild eines Mönches 
links 


"/l8 


0-36- 


-0-60 


0-47 


162 


181 


Gekrönte Frauenbüste zwischen 
zwei Fischen 


1%8 


0-53- 


-0-74 




163 


182 


Salvatorkopf 


1%» 


0-50, 0-60 


• . 


164 


187 


Vier Köpfe ins Kreuz gestellt 


l»/l7 




0-50 


. • 


165 


9 


Drei Mönchsköpfe im Dreipass 


"/l7 


0-48- 


-0-63 


• • 


166 


185 


Rohgezeichneter Kopf einer Nonne 
links, im Felde ein Fisch 


♦Vl7 


0-47- 


-0-61 


c.0-55 


167* 


185 


Hälbling, ebenso 


18/, 4 




0-36 


• . 


168 


2 


Bärtiger Kopf mit Hauptschmuck 
aus zwei gezahnten Hörnern 


*Vl7 


0-43- 


-0-46 


, 


169 


3 


Jugendlicher Kopf mit Haupt- 
schmuck aus Ochsenhörnern 


»«/,7 


0-39- 


-0-55 




170 


184 


Kopf zwischen zwei Schwertern 


i'/ts 


0-37- 


-0-53 


0-46 


171 


186 


Kopf rechts in einem siebenstrah- 
ligen Stern 


"/i9 




0-57 


. 


172 


188 


Aufgerichteter Löwe rechts 


*«/l9 




0-53 


• • 


173 


189 


Halber Löwe rechts, mit Balken- 
schild 


^Vl8 


0-35- 


-0-67 


, , 


174 


191 


Drei Löwenköpfe und drei Lilien 
im Dreipass 


'%0 


0-41- 


-0-65 




175 


30 


Schwert zwischen zwei Wolfs- 
köpfen 


"/18 




0-50 




176 


190 


Ochsenkopf und Balkenscbild 


*»/l» 




0-73 


• • 



Die Wiener Pfenninge. 



103 



Funde 






A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





A n m e r 


Ic u n g 




Stückzahl 






S'r 


28 


6 
1 

11 

1 

1 
1 
6 

30 
1 

3 

6 

8 

4 

1 
2 


3 

9 
1 

1 
12 

2 

5 

1 
1 

1 


' 


• 




, . 


2 
2 

1 


InB = 0-6, in C = 
0-700 fein. 

In B = 1-6, in C 

Ist 0-840 fein. 
In B = 0-4, in C 

Ist 0-860 fein. 

Ist 0-854 fein. 


= l-3o/„. — Ist 

= 1-90/,. 
= 0-70/,. 



104 



A. Luschin-Ebengreuth : 



bX) 


^ a 


Haiiptgruppe C. 


00 


Gewicht 






.0 


u 'S 

55- 


b 3 


Typus : 


0) 

a 

Q 


'S 

ISl 


o 

OQ 

a 


177 


20 


Hirschkopf und ßalkenschild 


'%7 


0-35-0-54 




178 


18 


Vordeitheil eines Widders, rechts 


'%o 


0-82 


. . 


179 


194 


Zwei Widderköpfe und zwei Bal- 
kenschilde ins Kreuz gestellt 


'%9 


0-46, 0-50 




im 


192 


Grosser Widderkopf mit Balken- 
schild 


*yi8 


0-44— 0-57 


C.0-4& 


181 


193 


Kleiner Widderkopf, ebenso 


*«/l8 


0-43, 0-70 




182 


16 


Steinbockkopf nach links 


1%6 


0-50, 0-65 


0-56- 


183* 


195 


Hälbling, ebenso 


'\2 


0-28 


. . 


184 


196 


Einfacher Adler, rechtssehend 


*VlT 


0-53 


• . 


185 


11 


Ebenso, rechts gekehrt mit erhobe- 
nen Flügeln 


lVl7 


0-44 0-54 


0-4S 


180 


203 


Ebenso , rechts schreitend mit er- 
hobenem Flügel 


»«/l7 


0-44 


. 


187 


197 


Ebenso, rechtssehend ober einem 
Bogen 


^Vl8 


0-48 


. 


188 


198 


Wachsender Adler ober einer 
Zierat 


1%6 


0-55 


^ 


189 


200 


Ebenso, ober einem Halbmond der 
einen Balkenschild deckt 


l»/l7 


0-35— 0-50 


o-4e 


190 


199 


Ebenso, gekrönt und mit dem Bal- 
kenschilde in gothischer Nische 


"/l8 


0-42 


. 


191 


201 


Halber Adler und halbe Lilie 
nebeneinander 


iy,9 


0-48, 0-50 


. . 


192 


202 


Behelmter Balkenschild und halber 
Adler nebeneinander 


'Vis 


0-46— 0-59 


0-52 


193 


204 


Reiher nach links 


•Vi 6 


0-50 


• - 


194 


205 


Schwan nach rechts 


"/l7 


0-48, 0-49 


• • 



Die Wiener Pfenninge. 



105 



Funde 




A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




S t ü c k 2 3, h 1 




N1-.65 ? 


11 

5 

12 

1 

33 

2 
1 

5 

1 

1 

1 

13 

3 

2 

2 
1 

1 


7 
1? 

2 

5 

7 
4 

2 
5 

5 
1 










1 


In B = O-60/o, in C = \%. — 
Ist 0-800 fein. 

In B = 0-6, in C = Q-1%. 

In C = 1, in B = 1-804. — Ist 
0-606 fein. 

Ist 0-760 fein. 

In B und C je Q-1%. — Ist 0-710 
fein 



106 



A. Luschin-Ebengreuth : 



ic 




Hauptgruppe C. 




Gewicht 






'S 


t. 'S 
1 " 

Im 




Typus : 


a 

P 




3 

Q 


195 


206 


Hahn nach rechts 


*«/l8 


0-43, 0-48 




196 


38 


Drei Lilien und drei Balkenschilde 


Wl8 


0-49, 0-55 


. . 


197 


207 


Lilie mit dem Balkenschilde belegt 


«Vit 


0-44— 0-50 


0-45 


198 


208 


Engelkopf, den Balkenschild zwi- 
schen den Flügeln 


1V,7 


0-30— 0-54 


0-52 


199 


209 


Engelkopf unter bethürmtem Drei- 
bogen 

Brustbild mit Adlerkopf, in der 
Hand einen Lilienscepter 

Ungeheuer mit zwei Thierleibern 


*«/l7 


0-3Ö 










200 


210 


*Vl7 


0-48— 0-73 


0-54 


201 


211 


Ungeheuer mit Judenkopf nach 
links 


*Vl7 


0-50— 0-59 




202 


212 


Ebenso, doch ohne den spitzigen 
Hut 


'%7 


0-39— 0-54 




203 


213 


Teufel nach rechts, mit Ziegen- 
füssen und Hörnern 


«Vis 


0-43, 0-51 




204 


214 


Teufelskopf ober einer gespaltenen 
Lilie 


*%7 


0-46 




205 


7 


Meermann mit Mönchskapuze links 


'Vis 


0-42— 0-70 


0-61 


206* 




Hälbling, ebenso 


*Vu 


0-25 




207 


14 


Einhorn nach links mit zurück- 
gewandtem Kopfe 


"/l7 


0-51 




208 


13 


Ebenso, Vordertheil, im Felde F 


*«/,« 


0-46, 0-48 


. . 


209 


215 


Ebenso, Vordertheil, zum Sprunge 
aufgerichtet 


"/l6 


0-43-0-54 


0-49 


210 


216 


Drei Einhornköpfe im Kreise um 
den Balkenschild 


"/l7 


0-45— 0-67 


0-49 



Die Wiener Pfenninge. 



107 



Funde 



D 



K 



Stückzahl 



Anmerkung 



1 

1 

7 
16 



2 


. . 


2 


2 


4 




14 


3 


1 


• • 


5 


• 


3 


1 


2 


4 


2 




1 




21 


12 



1 

3 

2 

11 



Ist 0-830 fein. 
Ist 0-740 fein. 



In C = 0-4, in B 
0-780 fein. 



= 0-8o,„. - 



15 



11(?) 



5? 



In B = 1-1, in C = 1-1%. Ist 
0-640 fein. 



In C = 0-3, in B = O-40/0. 
In B = c. 0-9, in C = 1-604. 



108 



A. Luschin-Ebengreuth ; 



tc 


S iß 


Hauptgruppe C. 
Typus : 


£ 

ö 
Q 


Gewicht 


hl p 

a> s 

E s? 


a 


'S 

CO 

O 

3 

Q 


211 


26 


Vierfüssiges Ungeheuer nach 
rechts mit "Vogelschnabel und 
Hörnern 


"/l7 


0-45— 0-58 


0-46 


212* 


26 


Hälbling(?), ebenso 


. . • 


0-25 




213 


217 


Panther nach links 


"/i7 


0-47 -0-90 


0-58 


214 


218 


Ebenso nach rechts 


Wl7 


0.45—0-70 


0-51 


215* 


218 


Hälbling, ebenso 

Eine Art Pegasus, links schreitend 

Geflügelter Löwenkopf und Kreuz 


'%» 


0-30 


• • 


216 


228 


^«/iS 


0-50 




217 


219 


Seepferd nach rechts 


"/l« 


0-47-.. . 


0-57 


218 


220 


Ebenso, Vordertheil 


*%9 


0-70 


. . 


219 


221 


Kopf eines Seeungeheuers nach 
links 


l'/lT 


0-50— 0-52 


0-49 


220 


224 


Zwei auswärts gestellte Drachen 


*V,7 


0-54 


. . 


221 


225 


Zwei einwärts gestellte Drachen 


*«/i6 


0-60, 0-62 


• • 


222 


222 


Drache(?) zurücksehend nach rechts 


"/l7 


0-49 


• . 


223 


226 


Zwei Drachen auf- und abgestellt 


*yi7 


0-40— 0-50 


. . 


224 


22 


Geflügelter Drache nach links 


*yi7 


0-45— 0-54 


0-47 


225 


223 


Ebenso, aber gekrönt 


*%7 


0-45, 0-62 


. . 


226 


24 


Drache nach rechts 


*%8 


0-37-0-53 


0-47 


227 


227 


Drache und halbe Lilie 


"As 


0-74 


. . 


228 


28 


Halber Drache 


»/l5 


0-35, 0-49 


. . 


229 


230 


Schachroche 


'Vl7 


0-55 


. . 


230 


34 


Stechhelm rechts zwischen R— V 


1%7 


0-40— 0-82 


0-59 



Die Wiener Pfenninge. 



109 



F u n de 



B C 



D 



K 



Stückzahl 



Anmerkung 



14 
1 

25 

15 

2 

1 
9 



5 
1 
1 
1 
4 
16 

9 
1 
2 



10 
6 



11 



In C = 0-4, in B = 0-S%. 



In B und C je l-40/„. Ist 0-700 
fein. 

In B und C je O-So/^- Ist 0-580 
fein. 



In C = 0-3, in B = 0-5o/o. 



In B = c. 0-9o/(,. 

In B = 0-5, in C = 0-70/„. 



In B = 0-V, in C » lo^. Ist 
0-672 fein 



110 



A. Luschin-Ebengrenth: 



»- a 

© 3 

Ih 'S 






s5 



Hauptgruppe C. 
Typus : 



S 
o 

3 

Q 



Gewicht 



W 



a 
ja 



231 



229 



232 


231 


233 


234 


234 


233 


235 


36 


236 


232 


237 


40 


238 


32 


239 


• • • 


240 


235 


241 


236 


242 


237 


243 


238 


244 


240 


245 


241 


246 


242 



Stechhelm rechts mit wachsendem 
Adler als Kleinod 

Thurm zwischen zwei Halbmonden 

Thurm, daneben ein Balkenschild (?) 

Dreidorn von drei Kreuzchen um- 
geben 

Hohes Kreuz zwischen zwei Balken 
Schilden 

Kreuz mit Rös'chen in den Winkeln 

Balkenschild in einem Laubkranze 

Ebenso, zwischen zwei Hirsch- 
stangen 

Münzplättchen (Hauptgruppe A) 



Fremde Beimengungen. 

Gekrönter Adler, rechtssehend 

Einfacher Adler rechts, zurück- 
sehend 



Pferd, nach rechts 

Einhorn, nach links 

Ebenso, rechts 

Engel mit Keule 

Lamm mit Kreuzfahne rechts 



'«/r 



'719 

''As 

'%7 



%7 

y.7 



0-40— 0-54 
0-55 
0-45 

0-56 

0-40, 0-70 

0-42 

0-46— 0-69 

...—0-62 
0-45— 0-57 



0-75— 0-90 

0-75— 0-92 

0-85 

0-70— 0-80 

063 

0-70— 0-77 

0-78, 0-80 



0-48 



0-47 
0-56 



0-72 



Die Wiener Pfenninge. 



111 



Funde 




A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




Stückzahl 




Nr. 22 


16 

2 

2 

6 
24 


6 

1 
1 

1 

3 
1 

6 

7 


1 
1 

1 

3 

170 

1 




1 




2 
84 

1 
1 


In C = 0-8, in B = c. 0-9o/o. 

In B = c. 0,3, in C = 0'80/^. 

In C = 1%, in B und = l-3o/<„ 
im Durchschnitte c. l-2o/o. Sind 
0-550 fein. 








0-890, ein zweites Exemplar 
aber nur 0-680 fein. 
















Nr. 11 


1 


• • 


Ist 728 fein. 



















112 



A. Luschin-Ebengreuth : 



bc 




Fremde Beimengungen 
Typus : 


CO 

<v 

a 


Gewicht 


■~ 'S 
55« 


a 


'S 

Ä 
O 
<n 

p 

5 
Q 


247 


239 


Thier nach rechts , mit gekröntem 
Kopfe und Fahne 


*«/l7 


0-63-0-80 


0-72 


248 


246 


Löwe rechts mit Kreuzstab 
Bayerische Gepräge. 


*Vl6 


0-51 




249 


• • • 


Grosser Löwe mit starker Mähne, 
rechts 


"/.7 


0-79 




250 


248 


Zwölfblätteriger Blumenstern 

Otto IIL, 1290—1312. Brustbild 
zwischen H — 

Ebenso, einseitig 
Mönchskopf nach links 


*^'l6 


0-77 


• • 
















251 


4 


»V,4 


0-48- 0-85 


0-63 


252 


256 


Variante 


l4/,4 


0-55 




253 


257 


Mönchsbrustbild mit Pilgerstab 
und vertieftem Kreuz 


^Vl4 


0-52— 0-63 


0-55 


254* 


258 


Hälbling, ebenso 
Variante des Pfennings 

Mönchsbrustbild nach rechts, ein 
Kreuz in den Händen 


12 


0-32, 0-38 


• • 


255 


259 


"/l4 


0-48 




256 


255 


Mönchskopf mit aufragender Ka- 
puze, links 


'Vis 


0-69 


• • 



Die "Wiener Pfennini^e. 



113 



Funde 



D 



K 



Stückzahl 



Anmerkung 



96 



Nr. 66 



33 



13 



Nr. 41 



28 



15 



44 



49 



Ist 0-764 fein. 



Beierlein Nr. 33, 34, In = 
0-6o/(,. — Ist 0-770 fein. 

Beierlein Nr. 37. 

1 Stück in G — %. In = 1-4 
B = 1-8, in C = l-90/o. im 
Durchschnitte = 1-7%. Nach 
Feuerprobe 0-560 fein.. Beier- 
lein Nr. 16—19. 



Stück in F — ^o. In C = 1-3 
in B = 1-5, in = c.2o,), im 
Durchschnitte 1-7%. Beierlein 
Nr. 39. 



In L 14 Stück. Beierlein Nr. 52 
bis 54. 



114 



A. Luschin-Ebengreuth; 



s>c 


2 


Fremde Beimengungen 
Typus : 


« 

in 

a> 
S 


Gewicht 


SS 

;2« 






'5 
« 

o 


257 


25» 


Kopf einer Nonne nach links 


15 


0-62 




258* 


254 


Hälbling, ebenso 


10 


0-32 


. . 


259 


252 


Panther oberhalb R— L 


"*/l5 


0-43— 0-63 


0-51 


260* 


249 


Hälbling, ebenso 


11 


0-29, 0-42 




261 


250 


Kopfmit spitzem Hute, nach rechts 


*Vl5 


0-53— 0-62 


0-60 


262 


251 


Hund nach rechts, darüber drei 
Rosen 

Ober-Pfalz. 

Rudolf II. und Rupert 1. 1329—1359. 
Kopf zwischen R— A. 


*^/l« 


0-42— 0-70 


0-58 






• • 






Rupert I. und II. (1353-1390). 
* * 
Kopf zwischen K— A 












. . . 


.... 


• • 






P a s 8 a u. 








263 


247 


Wolf, dahinter ein Kruramstab 


♦Vl6 


0-45— 0-57 


0-49 


264* 


247a 


Hälbling, ebenso 


12 


0-34-0-40 


. 


265 


245 


Kopf eines Bischofs zwischen zwei 
Thürmen 


"/l6 


0-47— 0-64 


0-58 


266 


244 


Brustbild eines Bischofs mit zwei 
Schlüsseln 


"/l. 




0-60 


^ , 


'267 


243 


Ebenso, ohne Mitra 


»Vl6 




0-49 


• • 



Die AViencT Pfenninge. 



115 



Funde 




A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung. 




Stückzahl 












1 
1 

7 
1 


5 

29 

28 
18 

21 

4 
101 

5 




Nr. 32 
Nr. 2 

Nr. 7 

Nr. 8 
Nr. 


1 
9 

1 

20 

7 

57 

2 

4 

1 
1 


8 

5 
1 

14 
1 


3 

2 

12 


14 


3 

1 


Je 1 Stück in F und L — %. In 
B = c. 0-5, in C und = 
1'1%, im Durchschnitte = 
O-90/o. 

InC=0-7,inBundO = c.l-lo^, 
im Durchschnitte = 1%. 

- 0/^. In B = 0-6, in = 0-7% 
auch in H vertreten. Beierlein 
Nr. 24. 

o/„ = 0-8o/(,. Streber, Oberpfalz 
T. I, 3, 4. 

Streber, Oberpfalz T. II, Nr. 8, 9. 

In C = 2o/„, in B = '6%, in 
= 4%, im Durchschnitte = 
3-4%. Ist 0-650 fein. 



8* 



316 



A. Luschln-Ebengreuth: 



t-r 'S 






Fremde Beimengungen 
Typus : 



a 



Gewicht 



3 



268 



2G9 



270 

271 
272 

273 



Regensburg. 

Bischofskopt 

Ebenso, auf der Rückseite zwei 
Köpfe 

Friesach. 

Brustbild mit Infel 

Fürstenkopf en face , links und 
rechts undeutlich, zwei Löwen 

Gekröntes Fürstenbrustbild auf 
der Hand einen Falken 

Engelskopf nach rechts 
Unbestimmter Heller 

B Ohmen. 

Karl (1363-1374). Kopf zwischen 
K— L 

Ebenso, Kopf gekrönt 

Wenzel IV. 1378—1419. Heller 

Aquileja. 
Petrus 1299—1802 
Bertrand 1334—1350 

Ungarn. 
Bela IV. 1235—70 



0-50— 0-57 



Die Wiener Pfenninge. 



117 



Funde 




A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 





Anmerkung 




Stückzahl 






















Nr. 70 


1 
3 


• • 
3 


1 


1 


21 




2 
23 

28 

36 
1 

7 

1 
7 


Beierlein, Nr. 31 (?) 

— %. In = c. 10^. Beierlein, 
Nr. 35. 

Welzl, ll/l, 9646. 
In = c. 1-10/^. 
In = c. 1-5%. 

2 in F. 

Streber, Böhm.-pfalz. Pfenning 
T. I, Nr. 3. 

Streber, böhm.-pfälz. Pfenning 
T. I, Nr. 4. 

Welzl, II/l Nr. 9447. 
Welzl, II/l Nr. 9455. 

Rupp, Species XIX , T. VII. 
Nr. 196 (Slavonien). 


. . . 


2 


• • 



118 



A. Luschin-Ebengreuth : 







Funde 


tß 








Fremde Beimengungen 


















r^ „^^ 




A 


B 


C 


D 


E 


J 


K 







Typus : 






















S t ü c k z a 


h 1 


^-* 




274 


Ladislans Cumanus 1272— 90. Rupp, 
Sp. XXXV, T. X, Nr.268 (Slavonien) 












1 






275 


Karl Robert I. 1308—42. Rupp, 
Sp. X, T. XII, Nr. 346 












5 


, . 


• • 


276 


Desgleichen. Rupp, Sp. XIX, T.XIII, 

Nr. 356 










.. 


16 


, , 


^ ^ 


277 


Desgleichen, Rupp, Sp. XXI, T. XIII, 

Nr. 359 












35 


, , 


, , 


278 


Desgleichen , Rupp , Sp. XLIV, 
T. XIII, Nr. 383 












1 




, , 


279 


Desgleichen, Rupp, Sp. XLV. T.XIII, 

Nr. 385 












1 




. ^ 


280 


Desgleichen , Rupp , Sp. XL VIII , 
T. XIV, Nr. 389 (Slavonien) 












1 




, » 


281 


Desgleichen, Rupp, fehlend 












1 






282 


Ban Nicolaus für Slavonien 












1 






283 


Ludwig 1342— 1382. Rupp, Sp.XXII, 

T. XV, Nr. 420 




1 















Die Wiener Pfenninge. 11 iJ 



§. 9. Tabellen zu den Funden K— M. 

Allgemeine Bemerkungen. 

Die Vergrabung der Funde A — J und musste ihrer 
Zusammensetzung nach der Zeit vor 1400 zugetheilt 
werden, weil darin nicht nur keinerlei der häufigen Ge- 
präge des XV. Jahrhunderts, sondern überhaupt, wenn 
man den Kegierungsantritt der Münzherren in Betracht 
zieht, keinerlei Münzen vorkamen, welche jünger als 1378 
zu sein brauchen. In die Funde K — N hingegen bilden die 
mit den früher genannten Funden gemeinschaftlichen 
Typen nur einen mehr minder grossen Bruchtheil und 
Münzen aus der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts die 
Hauptsache. Wir sind darum durch diese Funde, wie schon 
in §. 2 bemerkt wurde, in die Lage versetzt, Schlüsse über 
die Fortdauer des Umlaufes älterer Geprägesorten neben 
den neueren, zu ziehen. Diess ist der Grund, weshalb 
ihnen eigene Tabellen angewiesen wurden, deren Einrich- 
tung bedeutend einfacher sein konnte , da sich die gegen- 
wärtige Arbeit nicht auch auf die Ermittelung derGewichts- 
und Feingehaltsverhältnisse des XV. Jahrhunderts zu 
erstrecken brauchte. Die erste Rubrik enthält die neu 
beginnende Ordnungsnummer für die Funde K~N, welcher 
Sternchen beigesetzt wurden, falls das Stück auch in den 
anderen Funden vorkam ; die zweite die kurze Beschrei- 
bung des Typus, beziehungsweise den Verweis auf die 
Nummer, unter welcher das Stück bereits früher beschrie- 
ben und abgebildet wurde; die folgenden Rubriken geben 
dann die Anzahl der Stücke an, welche ich in den mir zum 
Theile nur unvollkommen bekannt gewordenen Münzfun- 
den K bis N nachweisen kann. 



120 



A. Luschin-Ebengreutb; 



Typus 



K 



Funde 



M 



N 



1* 
2* 

3* 
4* 

5* 

6* 

7* 
8* 

9* 
10* 
11* 
12* 
13* 
14* 
15* 

16* 
17* 

18* 

19* 
20* 



Oesterreich. 

Reite*- mit Balkenschild (Nr. 1, A 41) 

Geharnischtes Brustbild mit Schwert und 
Schild (Nr. 3, A 42) 

Drei Mönchköpfe imDreipass (Nr. 11, A8) 

Lockiger Kopf mit Herzogshut (Nr. 19, 
A52) 

Bärtiger Kopf rechts mit rundem Hut 
(Nr. 22, A. 53) 

Lockiger Kopf nach links (Nr. 23, A 54) 

Kopf einer Nonne, links (Nr. 24, A 55) 

Gesicht in einem knorrigen Reifen (Nr. 26, 
A56) 

Ruhender Löwe (Nr. 36, A 65) 

Steinbockkopf (Nr. 45, A 15) 

Widderkopf (Nr. 51, A 17) 

Eichhorn (Nr. 52, A 70) 

Brackenkopf (Nr. 58, A 73) 

Drei Vogelköpfe (Nr. 74, A 80) .... 

Thurm zwischen zwei Fischen (Nr. 80, 
A84) 

Drei Blätter (Nr. 83, A 87) 

Blatt mit kurzem Stiel (Nr. 86, A 89) 

Drei Lilienscepter und drei Balkenschilde 
Nr. 87, A 37) 

Balkenschild auf einem Sterne (Nr. 93, 
A94) 

Engelsbrustbild, rohe Arbeit (Nr. 100, 
A 96) 



2 
4 
1 

1 
2 
50 
19 
1 
4 
2 

7 
1 
1 



Die Wiener Pfenninge. 



121 



Typus 



Funde 



K L 



M N 



21* 

22* 
23* 

24* 

25* 

26* 

27* 
28* 
29* 

30* 

31* 
32 



33 



34 



35 



Gekrönter Meermann mit zwei Fisch- 
schwänzen (Nr. 101, A 98) 

Meermann nach links (Nr. 103, A 6) 

Einhorn links und Balkenschild Nr. 110, 
A 12) 

Drache rechts mit Bakenschild (Nr. 112, 
A 100) 

Drache mit Vogelkopf, rechts (Nr. 117, 
A27) 

Drache mit aufgeringeltem Schweife, 
links (Nr. 119, A 21) 

Drei Drachenköpfe (Nr. 123, A 104) 

Helm zwischen R — V (Nr. 126, A 33) 

Balkenschild von drei Kronen umgeben 
(Nr. 127, A 119) 

Kreuz aus vier Blättern mit vier Ringen 
in den Winkeln (Nr. 135, A 112) 

Befiedertes Ungeheuer (Nr. 150, A 126) 
Wilhelm und Albert (f 1404). Einseitige 
Pfenninge mit W — H und dem Bal- 
kenschilde. Mader krit. Beiti*. II, T. 1, 
Nr. 15. WelzlII, 1, Nr. 6673 ff. ungefähr 
0-460 und 0-440 fein 

Ernst, t 1424. Ebenso mit — R — R? 

Welzl Nr. 6680 ff. 0-580, 0-430 und fein 

ja. M 
Albrecht V, f 1439. Ebenso mit Hi-O-B 

Mader 11, T.l, Nr. 13. Welzl Nr. 6689 ff. 

0-450 u. 0-480 fein, sehr häufig, ungefähr 

Ladislaus f 1457. Ebenso mit L— R und 
gekröntem Balkenschilde. Mader II, 
T. 1, Nr. 16, 0-440 fein, ungefähr 



10 

1 
1 
1 



50 



20 



200 



20 



11 



20 



17 



122 



A. Luschin-Ebengreuth: 



Typus 



K 



Funde 



M 



36 



37 



38 



39 



40 



41 



42 



43 



Friedrich III, f 1493, Kaiser seit 1452. 
Ebenso mit P— I- R. Mader II, T.l. 

Nr. 18. Welzl Nr. 6742 

Böhmen. 

Wenzel IV, f 1419. Pfenning. Av. der 
böhmische Löwe. Rs. die böhmische 
Krone 

S. g. Hussitenpfenninge 1419 — 1436 mit 
dem böhmischen Löwen. Kilian Münz- 
sammlung Nr. 1146 ff. 

Oberpfalz. 

Wenzel von Böhmen zu Erlangen, 1378 
bis 1400. Gekröntes Brustbild. Rs. 
Krone. Streber böhm. pfalz. Silber- 
pfenninge, T. II. Nr. 2 

Ebenso, beiderseits gekröntes Brustbild 
zwischen 0— W. Streber T. II, Nr. 9 

Desgleichen zu Auerbach, 1397 — 1400. 
Grosses H zwischen zwei fünfblättri- 
gen Rosetten. Rs. der böhmische Löwe. 
Nicht bei Streber 

Otto V, der Finner. 1347-1379 (zu Sulz- 
bach oder Lauff). Brustbild zwischen 
— B. Rs. zwei Brustbilder unter 
Spitzdächern. Beierlein Nr. 66 

Johann II. von Bayern-München. 1392 bis 
1397 zu Sulzbach. Brustbild mit Hut 
von vorne in einem Sechsbogen. Rs. 
der Weckenschild, ebenso. Beierlein 
Nr. 138 



10 



Die Wiener Pfenninge. 



123 



T y p \i 



K 



Funde 



M 



N 



44 



45 



46 



47 



48 



49* 



50 



51* 



51 



Aehnlich, von i-oherer Arbeit, Brustbild 
und Weckenschild einfach eingekreist, 
fehlt bei Beierlein 

Rupert III. 1398—1410. Amberger Pfen- 
ning. R — D— V — X — Ä kreuzweise 
innerhalb eines Vierpasses. Es. der 
Amberger Schild. Streber pfälz. Münz. 
T. III, Nr. 40 

R V P ö R T D V X der pfälzische Löwe 
Rs. BHVHRI6( Brustbild mit Hut, 
Streber T. IV, Nr. 56 

Ottol. zu Moosbach, 1410—1461. °0o. 
Rs. der Weckenschild. Thomsen Cata- 
logue II, 2, Nr. 5566 

Pfalz. 

Friedrich 1. 1449—1476. Die Schilde Pfalz 
und Bayern , darunter R. Thomsen 
T. 11, 2, Nr. 5544 

Bayern. 

Rudolf I. 1294—1317 und Ludwig. Ingol- 

städter Pfenning. Rli Panther und Rs. 

Weckenschild (Nr. 259). Beierlein Nr.41 

Otto V. 1347—1379. Oettinger Pfenning. 
Beierlein Nr. 74 

AngebUch Stephan II. 1347-1375. Brust- 
bild des Mönchs und Weckenschild. 
Beierlein Nr. 52 

Stephan III. 1392 — 1413. Einseitig. 
Mönchskopf zwischen — t. Beierlein 

Nr. 78 • 



1 

6 

14 



124 



A. Luschln-Ebengreuth : 







Funde 


<a 


Typus 




a 














K 


L 


M 


N 


52 


Der Ingolstädter Panther. BeierleinNr.89 
0-350 fein 


1 




• • 


' * 


53 


Ludwig VII. 1413— 1447 *L* Ks. Wecken- 
schild zwischen zwei Zweigen, Beier- 
lein Nr. 96 


2 








54 


Bayern - Landshut. Heinrich der Reiche 












1393 — 1450. Pfenning. 1) und der 
Weckenschild. Beierlein Nr. 124 


? 




4 


. . 


55 


Bayern-München. Albert III. 1438—1460. 
Einseitig. Mönchskopf in einem Sechs- 
bogen. Beierlein Nr. 161 

Nürnberg, Burggrafen. 


1 


1 


1 


• • 


56 


Friedrich V. 1361—1396. Brustbild zwi- 
schen P — 3, unterhalb der Bracken- 
kopf. Es. zwei Brustbilder unter Spitz- 
dächem. Streber burggräfl. Pfenninge. 
T. I, Nr. 7 

P a 8 8 a u. 


1 


• • 


• • 


• • 


57* 


Wolf und Krummstab (Nr. 263, Abb. 247) 


7 


• • 


• • 


• • 


58* 


Kopf eines Bischofs unter einem kreuz- 
geschraückten Bogen, welcher zwei 
Thürme verbindet. (Nr.265, Abb. 245) 

Oettingen. 


1 




• • 


• • 


59 


Ludwig XII., 1 1400, u. Friedrich f 1423. 
Pfenning. Behelmter? Wappenschild 
zwischen? — fl. Rs. der Brackenkopf 
mit dem seit 1381 geführten Schrägen 


1 




• . 


• • 



Die AViener Pfenningo. 



125 



y p u 8 



Funde 



K 



M N 



W i r z b u r g. 

B. Gerhard 1372-1400. Pfenning. Grosses 
6. Es. Gekrönter Löwe wachsend, an 
den Seiten G — G. Streber Wirzbur- 
ger Münzen Abb. Nr. 16 

Ebenso zu Karlstadt geprägt. Gekröntes 
K zwischen Rosetten. Rs. wie oben. 
Streber Abb. Nr. 14 

Hildburghausen. 

Balthasar Landgraf von Thüringen 1374 
bis 1406. Pfenning, h— I— L— S 
ins Kreuz um ein Rös'chen gestellt 
und von vier Bögen umschlossen. Rs. 
der meissnische Helmschmuck in einem 
aussen mit drei Kleeblättern verzierten 
Dreibogen. Nicht bei Streber 

Friedrich L ? f 1440. Der meissnische 
Helmschmuck. Rs. verziertes li. Nicht 
bei Streber 

Hohenlohe. 

Ulrich 1 1407. Brustbild mitHutvon vorne 
umgeben von drei Sternchen, zwischen 
den Buchstaben V — ? Rs. zwei Brust- 
bilder mit Hüten unter Spitzdächern, 
unterhalb ein Stern. Aehnlich Streber, 
Hohenlohe Nr. 10 



^-^ A. Luscliln-Ebengreuth : Die Wiener Pfenninge. 

Ausser der hier aufgeführten Auslese enthielt der 
Fund K noch etwa 15 — 1800 StUcke, zu deren genauer 
Untersuchung mir die Gelegenheit mangelte. Dieselhen 
waren, so viel ich bemerken konnte, durchwegs gewöhn- 
liche bayerische Gepräge der Herzoge Heinrich des 
Reichen, 1393—1450, Ernst und Wilhelm (1397—1435), 
Albertni. (1438 — 1460, sehr häufig), Ludwig des Bärtigen 
1413 — 1447 u. s. w. Am zahlreichsten war das Gepräge, 
welches den Mönchskopf mit vertieftem Kreuze auf der 
einen und den Weckenschild auf der anderen Seite hat. 
Beierlein (Nr. 52 — 54) schreibt es Stephan II. (1347 bis 
1375) zu, ich bin geneigt es fUr jUnger anzusehen. 

(Fortsetzung folgt.) 



127 



vin. 

Versuch einer systematischen Beschreibung 

der weiland 

Tenezianer Münzen nach ihren Typen. 

(Fortsetzung von Seite 230 des V. Bandes.) 

Von 
Carl V. Wächter. 



66. Leonardo Loredano 1501—1521. 
Qiiattrino di due Metalli. 

Schon zu Beginn desXVI. Jahrhunderts (1509), wurden 
zu Venedig kupferne Quattrini im Werthe von vier Piecoli 
geprägt , und nicht mehr w^ie bisher mit dem Hammer ge- 
schlagen i). Vom Silber, aus welchem man im XIII. Jahr- 
hundert die entsprechenden Quartaroli zu münzen pflegte, 
war man mit der fortschreitenden Verschlechterung des 
Soldo auf minder edle Metalle gekommen. Nach Carli's 
Behauptung wäre als bemerkenswerth hervorzuheben, 



1) Carli Rubbi Delle monete I, 424. 



1 QQ 

■^*'^ C. V. Wächter: Systematische Beschreibung dfir 

dass das messingen MittelstUck dieser neue.i Quattrini 
von einem Kupfer — oder, was wahrscheinlicher, von einem 
gerinhaltigen Billonreifen eingerahmt ist. 

Av. + LEONARDO DVCE knieender Doge mit 
Fahne. 
Rev. + S. MARCVS. Der geflügelte Löwe von vorne. 
Wiegt 18 Gran und enthält IV4 Gran Fein- 
silber. D. 13 Millimeter. 

Das Museum Correr besitzt zwei solcher Quattrini aus 
zwei Metallen. — Bei dem Einen ist der figürliche Theil 
von Kupfer, und der Münzrand von Messing, beim anderen 
hingegen der Rand von Kupfer und der figurative Theil 
Messing. Sie werden wohl kaum wirklich in Umlauf 
gekommen sein, und dürften Stempelproben, Vorläufer 
der bekannten englischen Silberpenny's mit Kupfer- 
rand sein. 

67. Von demselben. 
Bez»o oder Quattrino Manco, 

a) Aehnlich dem runden von Agostino Barbadigo 
geschlagenen Münzstücke Nr. 61. 

D. 13 Mm. 

b) Ein viereckiger Bezzo oder halber Soldo, soll im 
Jahre 1514 geprägt worden sein. Derselbe hat im 
Av. das Bild des knieenden Dogen vor der heiligen 
Maria mit dem Kinde, und die Umschrift: LE* 
LAV-DVX. Rev. ohne Umschrift: Der sitzende 
Löwe von vorne; unten M. K. Die Mark dieser 
Quattrini bianchi soll 480 Caratti Feinsilber ent- 
halten haben. 



10Q 

Venezianer Münzen nach ihren Typen. xu\j 

Die Länge einer Seite dieses Bezzo beträgt 
12 Millimeter (Gew. 4 Gran). 

Preis des Zecchino zo Anfang des lYI. Jahrhonderts. 

Fiir's Jahr 1514 wird die Preiserhöhung des Zecchino 
auf 6 Lire 10 Soldi, d. i. 130 Soldi (zu 6 Gran im Gewichte 
und einer Beimischung von 60 Caratti per Mark) ange- 
geben. 

Die Preiserhöhung des Zecchino ging übrigens lang- 
sam vor sich, da man immer den festen Ansatz von 
6 Lire 4 Soldi per Ducato vor Augen hatte, obwohl es 
unmöglich war, ihn in diesem Preise zu erhalten, weil eben 
das Gewicht der Soldi abnahm. Im Jahre 1518 war die 
Zecchine bis auf 6 Lire 14 Soldi gestiegen, wesswegen i) 
man daran denken musste, dem Bedürfnisse einer stätigen 
Münze zu entsprechen, wie sie zum Abschliessen der Con- 
tracte für den Staat und für Private nothwendig war. Es 
wurden daher verschiedene Mittel zur Abhülfe getroffen. 

Im Jahre 1518 sind ausser dem halben Ducato d'Oro 
noch andere Münzen im Werthe von 4, 8 und 16 Soldi 
geprägt worden. 

68. Von demselben. 

Da Quattro, 

a) Die Münze zu 4 Soldi entspricht dem alten Matapan 
oder Grosso. Sie hat auf der einen Seite den heiligen 
Marcus im Profil, wie er dem knieenden Dogen die 
Fahne überreicht. An den Seiten S. M. VENETI 



1) Carli deüe monete et. p. 424. 



130 



('. V. "Wächter: Systcinaiische Koschreibung der 

und L. LA VRED- senkrecht auf das Haupt de» 
Dogen DVX. 

Auf der Kehrseite erscheint der Erlöser den 
Segen ertheilend in halber Figur und die Um- 
schrift: GLORIA TIBI-S OLL Zu beiden 
Seiten im Felde : IC— XC. 

Wiegt 24 Gran, enthält beiläufig 22 Va Gran 
Feinsilber. D. 21 Millimeter. 

b) Auf einem ähnlichen da Quattro dieses Dogen ist 
der knieende Doge nach rechts gewendet. Im Rev. 
sind sowohl ober als unter dem Bilde des Erlösers^ 
statt der Sigle, drei Sterne. 

69. Von demselben. 

Da Otto, 

A V. Der knieende Doge vor dem heiligen Marcus^ 
welcher stehend demselben die Fahne ttbergibt ; 
längs des Fahnenstockes DVX. Umschrift: 
LEOLAVREDANVS-S-MVENET. 

Rev. GLORIA-TIBI-SOLL Der Erlöser stehend 
auf einem Postament, in der Linken die Welt- 
kugel, mit dem Kreuz — im Felde des Posta- 
mentes die Sigle des Münzmeisters. 

D. 24 Millimeter. Gewicht und innerer Gehalt 
betragen das Doppelte des Da Quattro. 



1^1 

Venezianer Münzen nach ihren Typen. jcj 

70. Von demselben. 

Da Dieci oder Marcello, 

Eine Münze zu 10 Soldi (da dieci), gleich jener des 
Nicolo Marcello. Hat 60 Gran im Gewichte. 
D. 25 Millimeter. Siehe Nr. 49. 

71. Von demselben. 

I>a Sedici. 

Av. LEONAR-LAVKEDDVX-S-M-VENETI. 
Der heilige Marcus auf dem Kanzelstuhl sitzend, 
übergibt dem knieenden Dogen die Fahne. 

Rev. Der Erlöser auf einem Throne sitzend. Unter 
den Füssen desselben oder rechts ein A. Um- 
schrift: GLORIATIBISOLI. 

Diese Münze zu 16 Soldi wiegt 96 — und ent- 
hält 91 Gran Feinsilber. D. 30 Millimeter. 

72. Von demselben. 

Da Trentadiie. 

Der Trentadiie (32 Soldi), welcher mehr Medaille als 
Münze ist, hat auf der Seite des Av. die gewöhnliche Dar- 
stellung des knieenden Dogen, welcher vom sitzenden hei- 
ligen Marcus die Fahne empfängt. Umschrift: LEONAR- 
LAVREDANO-S-M-VENET- und längs der Fahne 
DVX. Rev. GLORIA- IN -EXCELSIS-DEO. Der 
heilige Geist über den Aposteln. 

D. 32 Millimeter. — Gewicht und Feingehalt das 
Doppelte des „da Sedici.'' 



i-OA c. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 

73. Von demselben. 

Saldo, 

a) Ist gleich dem des Agostino Barbadigo mit dem 
Kugelkreuze zwischen vier kleinen Bögen. Nr.62a9. 

b) Der Doge mit der Fahne, links gewendet, im 
Rücken desselben senkrecht: A-B-LEONAR: 
LAVREDA. Rev. # S -M ARCVS: VENETI. 
Der sitzende Löwe zwischen vier Lappen von 
Perlen. 

Ist von schlechtem Silber. D. 15 Millimeter. 

74. Von demselben. 

BagaUino, 

Der (ganze) Bagattino dieses Dogen hat im Av. den 
Kopf des Heiligen, auf dem Rev. ein Kreuz, wie Nr. 41 b). 

Ib. Von demselben. 
Haiher Bagattino. 

a) Der Halbe ist ähnlich jenem des Ch. Moro, Nr. 42, 
jedoch mit den Initialen L. L. DV oder 

b) mit: L. DVX. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. 



133 



76. Von demselben, 
Me»zo Zecchino, 

Der halbe Zecchino, welcher 1518 zuerst unter diesem 
Dogen geschlagen wurde, ist dem Ganzen ähnlich. In der 
Umschrift des Rev. hat er EGO'SVM-LVX-M VNDI. 

D. 19 Millimeter. 

77. Von demselben. 

Soldino, 

Av. Der knieende Doge tibernimmt vom heiligen 
Marcus die Fahne. Unten DVX. Umschrift: 
LEO-LAV-S-MV. 

Rev. Der Erlöser auf einem Postamente, in der Linken 
die Weltkugel, mit der Rechten segnend. Um- 
schrift: LAVSTIBI-SOLI. 
Silber. D. 13 Millimeter. 

78. Antonio Grimani 1521—1523. 

Osella, 

Unter diesem Dogen begann die Ausprägung eigener 
Denkmünzen, die man Oselle nannte. Es kam ihnen nach 
Carli-Rubbi's Ausführungen (a. a. 0. I, 426) ursprünglich 
derWerthvon nur 30 Soldi zu, wiewohl ältere Ueberlie- 
ferungen einen höheren Werth angeben i). 



1) So heisst es in einer Chronik von Venedig: Fü stampade mo- 
nede nove d'argento, Peggio Caratti 60 nominale Oselle ; valeva 
Soldi 33 l'una, p6sava Carati 4714. 



1 ^4 

-"■"^ C. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 

Ausser diesen zur jährlichen Betheilung des Adels 
am Feste der heiligen Barbara bestimmten Geprägen, auf 
welchen darum das Regierungsjahr des jeweiligen Dogen 
angebracht wurde, gibt es von demselben Regenten mit 
seinem Namen versehene und von seinen Nachfolgern 
anonyme Gedenkpfenninge mit der Aufschrift MVNVS 
DATVM NOBILIBVENET- u. dgl., welche als Aus- 
wurfsmtinzen für den Krönungstag des Dogen bestimmt 
waren. Ein näheres Eingehen auf beide Geprägesorten, 
müssen wir, da sie keine Münzen sind, hier übergehen. 
Die Osellen, 275 an der Zahl, in welchen von Antonio 
Grimani angefangen, alle Dogen mit Ausnahme des ephe- 
meren Nicolö Dona und Francesco Corner, und überdiess 
die Dogaressen Morosina Morosini Grimani und Elisabeta 
Querini Valier vertreten sind, hat Conte Leonardo Manin 
in seinem Werke: lUustrazione delle Medaglie dei Dogi 
denominate Oselle, sehr genau beschrieben. 

Andrea Gritti 1523—1538. 

Auf Antonio Grimani folgte als Doge Andrea Gritti. 

In der mehrerwähnten Chronik (Carli a. a. 0. 1, 426) 
ist bemerkt, dass unter diesem Dogen 1527 neue Silber- 
münzen geprägt worden sind, „Grossetti genannt" ferner, 
dass die Mocenighi im Werthe auf 24, — die Marcelli auf 
12, — die Münze zu 16 auf 18, — die zu 8 auf 9, — die 
zu 4 auf 41/2 Soldi erhöht und alle fremden Münzen ver- 
rufen wurden. 

Alle diese Veränderungen rührten davon her, weil 
der Soldo im Gewichte abnahm. 

Der Soldo oder Soldino von Gritti hatte 5 Grau im 
Gewichte, an Feingehalt 4%!, und die Lira 94«/^, Gran, 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. 



135 



daher die bewirkte Wertherhöhimg der harten Münzen 
nicht mehr als billig erscheint. 

79. Ch'ossetto, 

Av. Das Bild des heiligen Marcus, welcher stehend 
dem knieenden Dogen die Fahne reicht. Um- 
schrift: ANDGRITTI-DVX und hinter dem 
Heiligen senkrecht: S-M-VENET. 

Eev. Der stehende Erlöser, in der Linken die Welt- 
kugel, mit der Rechten segnend. Unten die 
Sigla. Umschrift: LAVS TIBI SOLI (oder) 
GLORIA-TIBI-SOLL 

Dieser Grossetto, welcher 4 Soldi galt, wiegt 
20 Gran, hat im Durchmesser 19 Millimeter und 
enthält ungefähr 19 Gran Feinsilber. 

Welcher Unterschied gegenüber dem Grosso 
oder Matapane, der mehr als das Doppelte, 
nämlich einen Silbergehalt von mehr als 40 Gran 
hatte ! Es wird darum begreiflich, dass der Zec- 
chino d'oro im Preis bis ayf 7 Lire 14 Soldi stieg 
(1528). 

Unter diesem Dogen wog der Grossone 30, — 
der Halbe 151/27 — der Viertel Grossone TVz 
Caratti. 

80. Von demselben. 

JJa Cinque, 

Av. Der knieende Doge mit der Fahne vor der in 
einem Armstuhl sitzenden Gottesmutter, längs 



136 



C. V. Wächter : Systematische Beschreibung der 



der Fahne DVX. Umschrift: AND GRIT I- 
A VE-G'PL. Im Abschnitte die Sigla des Mtinz- 
meisters. 

Rev. + S-MARCVS- VENETVS. Der sitzende 
Löwe. 

Silber. D. 22 Millimeter. 

81. Von demselben. 

Sciido und mezzo Scudo d'Ch'o, 

Im Jahre 1535 wurden unter Andrea Gritti neue 
Goldmünzen, „Scudo und mezzo Scudo d'oro" genannt, mit 
einem Zusätze von 96 fein per Mark geprägt. 

Der Scudo galt 6 Lire 10 Soldi und wiegt 16 Caratti 
und 21/4 Gran, — der Halbe Scudo im Werthe von 3 Lire 

5 Soldi wiegt 8 Caratti und 1 1/« Gran. 

Dieser Scudo, anderen Scudi Italiens nachgebildet, 
enthielt öOya Gran Feingold ; stieg jedoch schon 1538 auf 

6 Lire 15 Soldi. 

Derselbe hat einerseits im Felde ein Lilienkreuz und 
die Umschrift : A N D R E A SG R IT I • D V X- V E N E T I A R. 
Auf der Kehrseite einen Schild mit dem Löwen und der 
Umschrift: SANCTVS-MARC VS- VENETVS. 

Als das Gewicht des Scudo verdoppelt wurde, nannte 
man den Doppelscudo Doppia. (Vgl. Nr. 152.) 

82. Von demselben. 

Gazzetta, 

Im Jahre 1538 wurde eine SilbermUnze schlechter 
Legirung geprägt, die man Gazzetta nannte. Man rechnete 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. 



137 



288 Stück im Gewichte von je 4 Caratti auf die 432 
Caratti feine Mark. 

Diese Gazzette sind ohne Namen des Dogen und man 
muss um die Ersten von den später geprägten zu unter- 
scheiden, das Gewicht, die Legirung und die Präge beach- 
ten. Die Ersten wiegen genau 16 Gran, sind feiner und 
haben unter der Figur der Gerechtigkeit kein Zeichen. — 
Die späteren wiegen 24 Gran, sind schlechteren Gehalts 
und haben unter der Figur der Gerechtigkeit die Zahl' — 
II — was 2 Soldi bedeutet. 

Av. Die Figur der Gerechtigkeit, die in der Rechten 
das Schwert, in der Linken die Wage hält, — 
mit der Legende JVSTITI AM-DILIGITE. 

Rev. Der Marcus-Löwe stehend mit dem Buche. Um- 
schrift: SANCTVSMARCVS-VENETVS. 
Diese Gazzetta enthält 10 Gran Feinsilber und es 
war vortheilhaft sie gegen 2 Soldi, die zusammen 
kaum 9i/a Gran Feingewicht hatten, einzu- 
wechseln. 

83. Von demselben. 

Da due oder mezzo Grossetto, 

Av. Der knieende Doge empfängt vom heiligen 
Marcus die Fahne. Umschrift: S-M- VENET- 
AND -GRIT! Im Abschnitte DVX. 

Rev. Der Heiland in halber Figur, zu den Seiten des- 
selben IC— XC ohne Umschrift. 

Silber, OVa Grran Feingewicht. D. 17 Mm. 



138 



C. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 

84. Von demselben. 

Holdino, 

Av. Der knieende Doge vor dem stehenden Heiligen. 
Umschrift: ANDGRITI-S-M- V. 

R e V. Der Heiland auf einem Postamente, in der Linken 
die Weltkugel, mit der Rechten segnend. Um- 
schrift: LAVSTIBI-SOLI. 

Wiegt 5 Gran und hat 48/ii Gran Feingewicht. 
.D. 13 Millimeter. 

85. Von demselben. 

Av. ANDREAS • GRITI • DVX im Felde ein 
Perlenkreuz. 

Rev. Der geflügelte Löwe neben einem Kreuze. Um- 
schrift: IN-HOC-SIGNOVINCIT. 
Silber. D. 14 Millimeter. 

86. Von demselben. 

JSagattino, 

Aehnlich dem Bagattino des Cristoforo Moro Nr. 41 b). 

87. Von demselben. 

Quatti*ino, 

Av. * AND- GRITI- DVX. Der knieende Doge die 
Fahne in der Rechten. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. xt».' 

Rev. Der sitzende Löwe. Umschrift: +S-MARCVS 
VE. 

Billon. D. 17 Millimeter. 

88. Pietro Lando 1539—1545. 

Marcello. 

Der Marcello dieses Dogen hat im Abschnitte des 
Av. ein Sternchen oder einen Buchstaben zwischen zwei 
Punkten, oder den Buchstaben unter den Füssen des 
Erlösers. 

Silber. D. 23 Millimeter. 

89. Von demselben. 

I>a Oinque, 

a) Entweder ähnlich dem Da Cinque des Andrea Gritti, 
Nr. 80 oder 

b) im Av. PET-LANDO-VIRGAHESSE-FL. Die 
heilige Jungfrau auf einem Throne sitzend , übergibt 
die Fahne dem Dogen. Rev. Im Felde IHS und 
unterhalb ein Zweig mit zwei Blättern. 

Von schlechtem Gehalt. D. 19 Millimeter. 

90. Von demselben. 

Aehnlich dem des Gritti Nr. 85. 
Silber. D. 14 Millimeter. 



140 



C. V. Wftchter : Systematische Beschreibung der 



91. Von demselben. 
Bcu/attino. 

a) Av. PETLANDO • VIRGA • lESSE • FL. Die 
heilige Maria sitzend auf einem Throne, vor der- 
selben der knieende Doge mit der Fahne, neben 
der Letzteren D V X. 

Rev. Im Felde IHSrwie auf Nr. 89 b). 

Kupfer (Billon?). D. 18 Millimeter. 
Es gibt Bagattini dieser Sorte mit variirender 
Legende, und zwar: 

bj PE-LAN-DVXAFONSPL 

c) mitPE-LAN-DVX-MARGRP- und 

d) mitPELAN-DVX-RE-CEL. 

e) Aehnlich, jedoch von anderem Stempel mit der Um- 

schrift im Av. PE-LANDVX-A-FONSPL Rev. 
REXGLO. Der Erlöser mit der Fahne in der 
Rechten aus dem Grabe hervortretend. 
Kupfer (Billon?). D. 18 Millimeter. 

f) A\. Kreuz. 

Rev. Das Brustbild des Heiligen mit Schein um das 
Vollgesicht, ähnlich Nr. 41 b). 

^ 92. Von demselben. 

Quattrifio, 

Aehnlich dem Quattrino des Andrea Gritti Nr. 87. 
Billon. D. 17 Millimeter. 



141 

Venezianer Münzen nach ihrea Typen. x-rx 



93. Von demselben. 

Saldo, 

Av. Verziertes Lilienkreiiz. Umschrift: PETRVS- 
LANDODVX. 
Rev. Der Löwe von vorne, ohne den gewöhnlichen 
Perlenkreis. Umschrift : 4- *S*MARCVS* 
VE NET. Dieser Soldo wurde um 1540 aus- 
geprägt. 

Wiegt 5 Gran und hat 48/io G^ran Feingewicht. 
D. 15 Millimeter. 

94. Von demselben. 

Sesino. 

Im Jahre 1544 Hess Doge Lande aus schlechtem 
Billon Sesini schlagen, deren Einer 8 Piccoli galt. Eine 
Mark solcher Sesini enthielt 92 Caratti Silber. Da nun der 
Sesino ein Feingewicht von circa 21/3 Gran hatte, was 
ungefähr 2/3 des Soldo ist, so blieb die Berechnung zwar 
unbehindert; es war jedoch bei Herabsetzung des Soldo 
auf ein so geringes Gewicht nothwendig, die Bruchtheile 
desselben nahezu von Kupfer zu erzeugen , damit sie eine 
für den Verkehr angemessene Grösse bekamen. So hatte 
man sich nach und nach an kupferartige Billonmünzen 
gewöhnt. 

Dieser Sesino hat auf einer Seite in der Mitte ein 
Kreuz, mit Punkten zwischen den Schenkeln und den 
Namen des Dogen als Umschrift. Auf der anderen Seite : 
SANCTVSMARCVS-VENETVS und den sitzenden 
Löwen in einem Perlenkreise. 

D. 19 Millimeter. 



142 

^^^ (). V. Wächter: Systematische Beschreibung der 



95. Fracesco Dona 1545—1553. 

Sesino da due BagattinL 

Av. Ein pisanisches Kreuz. Umschrift: «f FRANC- 

DONATO-DVXVEN. 

Rev. Vordertheil des geflügelten Löwen von vorne. 

Umschrift: +SANCTVSM AR CVSVENET. 

Wiegt genau das Doppelte des Quattrino, 

nämlich 34 Gran. Billon. D. 19 Millimeter. 

96. Von demselben. 

Qmittrino, 

a) Von gleichem Gepräge, wie der Quattrino des Andrea 
Gritti Nr. 87. 

Billon. D. 17 Millimeter. 

b) Carli Rubbi (a. a. 0. I, 429) erwähnt eines Quattrino 
von anderem Gepräge, auf welchem statt des Löwen, 
das Brustbild des heiligen Marcus erscheint. 

97. Von demselben. 

Beszo, 

Av. Ein Perlenkreuz. Umschrift: FRANC-DON- 
DVX. 
Rev. IN-HOC-S-VINCIT. Der Marcuslöwe neben 
einem Kreuze. 

Silber. D. 14 Millimeter. 



1) Wurde von den Venezianern so genannt. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. x40 



98. Von demselben. 

Bagattino. 

Aehnlich dem Bagattino des Christ. Moro Nr. 41 bj. 
D. 17 Millimeter. 

99. Von demselben. 

Da Due (Saldi), 

Av. Der heilige Marcus , welcher dem knieenden 
Dogen die Fahne übergibt. Umschrift: F-VENE 
•DVX-SM-VENET. 

Rev. Der segnende Erlöser. Zu den Seiten des Heilan- 
des IC — XC; unten die Sigle. 

Enthält circa 9^'^ Gran Feinsilber. D. 17 Mm. 

100. Von demselben. 

Da Cinque, 

Aehnlich dem Da Cinque des Andreas Gritti Nr. 80. 
Umschriften. Av. FRAN-DON-AVE-GPLE. 

Rev; S-MARCVS-VENETVS. 

Silber. D. 22 Millimeter, wiegt 25 Gran. 

101. Von demselben. 

Da Sei (Sechser?) 

Cavaliere Carli Rubbi beschreibt in seinem Werke : 
„Delle monete e dell' istituzione delle Zecche d'Italia" 
p. 429 , nachdem er der Ansicht entgegengetreten, dass 



144 

^ ^^ C. V. Wächter: Systematische Bcschnibung der 

die Sechs -Soldi- Stücke erst unter Lorenz Priuli auf- 
gekommen seien, ein Stlick, welches mit dem da Cinque 
des Andreas Gritti nach Zeichnung- und Anordnung der 
Umsclirift stimmt, und nur durch das um einen Solde 
schwerere Gewicht (30 Gran gegen 25 Gran) unter- 
schieden ist. 

Verhältniss des Zecchino zum üocato da 6 Lire e 4 Soldi am die 
mitte des XTI. Jaiirhunderts. 

Da um die Hälfte des XVI. Jahrhunderts der Zecchino, 
welcher ursprünglich der Ducato d'oro war, allmälig auf 
acht Lire in Cours gelangt war ohne an inneren Werthe 
zuzunehmen, indem acht Lire nicht mehr als 663 s/u Gran 
Silber hatten, so gab man für einen Gran Gold, nicht ganz 
10 Gran Silber, während in den früheren Jahrhunderten 
mehr als 1 2 Gran Silber gegeben wurden. Diess ergab sich 
durch die Verminderung des Feingehaltes in den Denari 
oder Soldi und in den übrigen Bruchtheilen der Lira. Ferner 
muss bemerkt werden, dass in dieser Zeit auch die Zecchini 
im Gewichte abnahmen , da erwiesenermassen dieselben 
kaum das Gewicht von 16 Carati überschreiten, statt ein 
solches von 17 Carati zu erreichen. 

In einem von Lorenzo Manzoni 1553 gedruckten 
Buche findet sich am Ende desselben folgende geschrie- 
bene Anmerkung: 

II Cechin pesa Carati 17 a Soldi 10 Piccoli li/j al 
Carato. (Der Zecchino wiegt 17 Carati, zu 10 Soldi Pic- 
coli l^/a der Carat). Diess wurde also geschrieben, als 
der Zecchino 8 Lire 12 Soldi galt, nämlich um das Jahr 
1570. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. Irrü 

Indem sich die Zahl der Lire, die den Preis des 
Zecehino bildeten, vermehrte, ward der Ducato zu 6 Lire 
4 8oldi allmälig zur RechenmUnze , welcher der eflfectiven 
Zecchine entgegengesetzt wurde. Handelte es sich daher 
um Ansätze in alten Documenten, so musste dann entweder 
ein weitläufiger Vergleich zwischen den alten Lire mit den 
eben gangbaren angeführt, oder aber beschlossen werden, 
dass man für 6 Lire 4 Soldi der alten Währung einen 
Zecehino geben wolle. 

In dem Werke des Domenico Manzoni vonUderzo: 
La Brieve Rissoluzione Aritraetica Universale, Venedig 
1553, die von den damals im Gange gewesenen Münzen 
handelt, heisst es darum: „Ducati correnti sono una certa 
moneta anticamente usata, la quäle s'intende ma non si 
maneggia" 

Es waren sonach dreierlei Ducati üblich, — der 
Ducato d'Oro oder Ducato corrente zu 6 Lire und 4 Soldi, 
— der Ducato in Münze zu 6 Lire — und der Ducato d'oro 
in Gold und dieser war der Zecehino. 

Ch'osso a Ovo. 

Nach dem Ducato d'Oro gehen auch die Grossi a 
Oro. Einunddreissig derselben entsprachen nach der alten 
Rechnungsart, die man beibehielt — dem Ducato oder 
wirklichen Zecehino : aber diese Grossi waren Rechnungs- 
münze, denn die cursirenden Grossi waren eine im Laufe 
der Zeiten arg heruntergekommene Münzsorte. Der Werth 
dieser Grossi a Oro in currenter Münze konnte übrigens 
jederzeit leicht gefunden werden, wenn man den Lirepreis 
der eflPectiven Zecchine durch 31 dividirte. 

10 



14b c. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 

Piccoli a Ot*o, 

Ganz die gleiche Bewandtniss hat es mit den Piccoli 
a Oro, welche auf der Eintheilung des alten Grosso in 32 
Piccoli beruhten, und daher gleichfalls zur Rechnungs- 
mUnze geworden waren. 

Wollte man dann etfective Münze bezeichnen, so wurde 
zu dem Ansätze in Piccoli , Soldi oder Lire der Ausdruck 
„in moneta" hinzugefügt. 

102. Girolamo Priuli 1559-1567. 
Dttcato antico »u 6 Lire und 4 Soldi 1^ Typo. 

Diese hier angedeuteten Mtinzveränderungen , zwan- 
gen endlich die Regierung Venedigs, „den Ducato daß Lire 
4 Soldi" zur effectiven Münze zu machen. 

Aus diesem Grunde wurde im Jahre 15bl unter Doge 
Girolamo Priuli eine SilbermUnze von besserem Gehalte (zu 
60 Carati per Mark) und grösserem Gewichte geprägt. 
Sie wiegt 1539/i5 Caratti oder 6148/i5 Gran. 

Av. Das Bild des sitzenden heiligen Marcus, welcher 
die Fahne dem knieenden Dogen libergibt, Um- 
schrift: HIER-PRIOLO-DVX-S-M-VENE- 
TVS. 
Rev. Der links gewendete Löwe mit gestreckten 
FlUgeln und Heiligenschein, das offene Buch vor 
sich. Umschrift: D VC ATVS- VENETVS. 

Im Abschnitte *124*, was den Werth der 
MUnze in Soldi, d. i. 6 Lire 4 Soldi bedeutet. 

Vom Stempel dieses Ducato sind auch halbe 
und Viertel Ducati geschlagen worden. 



Venezianer Münzen nach Ihreu Typen. 1^* 

103. Von demselben. 

Me^zo Ihicato antico 1^ Typus, 

W ie der Ganze Ducato nur in der Umschrift auf der 
Rev. MEDI • DVCAT • oder (DIMIDIVS) DVC • 
VENT- und im Abschnitte *62*. 

D. 38 Millimeter. 

104. Von demselben. 
Quarto di Ducato effettivo 1^ Tipo, 

Ebenso — hat jedoch in der Umschrift des Rev. Q- 
DVCAT(oderQ-DVC) VENETVS und im Abschnitte 

t/3 31. m. 

D. 33 Millimeter. 

105. Von demselben. 
Soldo, 

Weil die Gestalt des Soldo zu dieser Zeit zur unhand- 
:8ame n Kleinheit herabgekommen war, suchte man sie zu 
vergrössern. Es wurden darum unter diesem Dogen grössere 
:Soldi aber von einem schlechteren Gehalte geschlagen. 

Av. Im Felde ein Lilienkieuz mit Perlen zwischen 
den Schenkeln. Umschrift; HIER-PRIOL- 
DV. — 

Rev. Der sitzende Löwe von vorne. Umschrift: S* 
MARCVS-VENETVS. 

Wiegt 8 Gran. D. 15 Millimeter. 

10* 



•*-^^ C. V "Wächter: Sysfemati?e!ic Beschreibung der 

Dieser Soldino hat4«/e Gran Feingewicht, das 
ist etwas weniger, als jener vom gewöhn- 
lichen Stempel, daher die Lira circa 83 </» 
Gran Feingewicht enthielt. 

106. Von demselben. 

Ch'ossetto, 

Av. Knieender Doge, welcher die Fahne vom stehen- 
den heiligen Marcus übernimmt. Umschrift:: 
Name des Dogen und S-M-V. 
Rev. Der Erlöser mit der Weltkugel auf einem Posta- 
mente. Umschrift: LAV STIBIS OLL Aehn- 
lich Nr. 79. 

D. 19 Millimeter. 

107. Von demselben. 

Bezzo, 

Av. Ein Kreuz mit der Umschrift : HIER-PRIOL- 
DVX. 
Rev. Ein geflügelter Löwe im Profil der ein Kreuz hält. 
Umschrift: I-N-HOCS-VINCIT. 

Wiegt 5 Gran und hat den gewöhnlichen Fein- 
gehalt. D. 14 Millimeter. Aehnlich Nr. 85. 

108. Pietro Loredan 1567—1570 ')• 
Qiiarto di Zecchino, 

In der Regierungszeit des Dogen Pietro Loredan 
wurde zu allererst der Viertel - Zecchino mit Beibehaltung 



«j Wurde von den Venezianern so genannt. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. 



149 



des alten Zecchinotypus geschlagen. Umschriften im Av. 
PETLA-DVX-8M-VEN;imRev.MYNstattMVNDI 
D- 16 Millimeter. 

■< I ',.■'■ .\ 
109. Von demselben. 

Saldo, 

/t) Aehnlich jenem des Dogen Lando. (Silber) Nr. 93. 

b) Variante, die Perlen zwischen dem Doppelkreuze 
sind weggelassen. 

D. 14 Millimeter. Silber. 

c) Variante, der Doge mit der Fahne in voller Rüstung 
links gewendet. Umschrift: PET'RVS-LAVRETA- 
DVX; Rev. + • S • MARC VS • VENETVS. Der 
sitzende Löwe. 

Silber. D. 14 Millimeter. 

d) Variante; Av. wie c). Rev. Der Heiland auf einem 
Postamente. Umschrift: TV-SOLVS-SANCTVS. 

Silber. D. 14 Millimeter. 

110. Alvise Mocenigo I. 1570—1577. 

Zecchino, 

Unter Alvise Mocenigo I. sind nur ganze Zecchini 
geschlagen worden. Sie unterscheiden sich von den sonst 
vollkommen übereinstimmenden Goldstücken seiner gleich- 
namigen Nachfolger durch die Namensform ALOY-MOCE 
in der Umschrift. 

Hinsichtlich der Silbermünzen gibt es ein anderes 
Auskunftsmittel. Viele Venezianer Silbermünzen sind mit 
den Anfangsbuchstal)en der Namen des Proveditore, 
Münzmeisters — Vervvalters oder MUnzwardeins der Zecca 



150 



C. V. Wächter : Systematische Beschreibung der 



von Venedig- bezeichnet. Diese Bezeichnungen wurde» 
Sigla benannt, und waren unter Mocenigo I. : B-C- — BP 
— E-L - F-B - F-L — MC - M-S — ST-D. Alle 
Venezianer Münzen, welche den Namen Aloys Mocenigo- 
ftthren und eine dieser Sigla tragen, werden daher Alvise 
Mocenigo I. zugeschrieben. 

111. Von demselben. 

Da, 40 Soldi pri/mo Tipo, 

Unter diesem Dogen ist zu allerst die Münze zu 2Lire- 
oder 40 Soldi geprägt worden. 

Av. Der knieende Doge übernimmt vom heiligen 
Marcus, der auf einem liegenden Löwen sitzt die 
Fahne. Im Abschnitte ist die Sigla. Umschrift: 
ALOYMOCE- — S-M-VENETVS. 

Rev. PRO-FIDE-NVNQVAM DEFESSA. Die 
Venezia auf einem ruhenden Löwen sitzend, die 
linke Hand in die Hüfte gestemmt, in der Rechten- 
ein Schwert. Im Abschnitte 40. 
Silber. D. 31 Millimeter. 

112. Von demselben. 

Da Quaranta Soldi secondo lipo, 

Aehnlich der Vorigen Nr. 111 wurde zur Erinnerung^ 
an den bei Curzolari über die Türken am Tage der 
heiligen Giustina 1571 — unter Doge Alvise Moceniga 
erfochtenen Sieg geschlagen, und nach dem Namen dieser 
Heiligen benannt. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. 



151 



Av. Wie Nr. 111. 
Rev. Die stehende heilige Giustina ein Schwert in der 
Brust, die Siegespalme in der Rechten, Umschrift : 
MEMORERO TVI * IVSTINAVIRGO; 
im Abschnitt 40. 

Silber. D. 31 Millimeter. Gewicht 433/4 Caratti, 
darunter ca 41 s/^ Caratti Feingewicht. 

113. Von demselben. 
Da 20 Soldi. 

Gleich der Giustina zu 40 Soldi (Nr. 112) und hat 
hinter der Heiligen noch den liegenden Marcuslöwen, 
welcher auf der Giustina zu 40 Soldi nicht vorkömmt. Im 
Abschnitte * 20 *. 

Silber. D. 28 Millimeter. 

1 

114. Sebastiano Venier 1577—1578, 

regierte nur einige Jlonate. 

Giustina da quaranta Saldi, 

Aehnlich der Giustina von Alvise Mocenigol. (Nr.ll2), 
und kömmt mit den Siglen H M und F B vor. Umschrift ; 
S-MVENET-SEBVENERIO. 

115. Nicolö Da Ponte 1578-1585. 
Quarto di Zecchino. 

Doge Nicolö Da Ponte Hess ausser ganzen auch 
Viertel - Zecchini mit Beibehaltung des üblichen Typus 
schlagen; halbe Zecchini von Da Ponte kommen dagegen 
nicht vor. 



^'-'*^ C. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 



116. Von demselben. 
Giustina tnaggiore »u 160. 

Die grosse Giustina zu 8 Lire oder 160 Soldi und 
deren TheilstUck, die halbe Giustina zu 4 Lire wurden zu- 
erst unter dem Dogen Nicolö da Ponte geschlagen. 

A V. Das Bild des heiligen Marcus, welcher auf einem 
Armstuhl sitzend dem knieenden Dogen die Fahne 
übergibt. Umschrift: NIC-DE PONTE *— * 
PVX-S-M'VENET- unten die Sigla. 

Rev. Die heilige Giustina stehend, die Palme in der 
Rechten und ein Schwert in der Brust; hinter 
derselben in Profilansicht , der ausgestreckte 
geflügelte Löwe. Umschrift: MEMOR-ERO- 
TVI-IVSTINA- VIRG- unten die Werth- 
zahl 160. 

Wiegt 175 Caratti 3 Gran mit 166«/i, Caratti 
Feingewicht. D. 44 Millimeter. 

117. Von demselben. 
Me^^a^ Giustina oder da 80, 

a) Wie die Ganze. Umschrift :*S-M-V-ENE-NIC-DE- 
PONTE:DVX. Rev. ebenso, unten die Werthzahl 80. 

Wiegt 878/4Caratti, Feingewicht circa 833/,, Caratti. 
D. 37 Millimeter. 

b) Eine Variante hat im Av. die Umschrift: * SM- 
VENET-NICDE PONTE -I- im Abschnitte ♦XAQ* 
(ohne Sigla). 



Venesianor Münzen nach ihren Typen. 



153 



118. Von demselben. 

Quarto di G^iustina maggiore oder da 40 Soldi, 

Aehnlich der halben Giiistina Nr. 117 a) , im Ab- 
schnitte die Werthzahl 40. 

Wiegt 433/4 Caratti, Feingewicht circa 41 s/4 Caratti. 
D. 31 Millimeter. 

119. Von demselben. 
Vs Giustina maggiore. 

Das Achtel der Giustina ist von gleicher Darstellung 
und Umschrift, wie die Ganze, nur dass beim „Achtel" der 
Titel D V X weggelassen ist. Im Abschnitte befindet sich 
die Zahl 20. 

Wiegt 21 Caratti ßVs Gran, Feingewicht etwa 20V8 
Caratti. Ist ähnlich der MUnze Da venti Soldi, Nr. 113. 
D. 28 Millimeter. 

120. Von demselben. 
y,6 Giustina da 10 Soldd, 

Ebenso, im Abschnitte die Zahl 10. 

Gewicht 48, Feingewicht 4b^/s Gran. D. 24 Millimeter. 

121. Von demselben. 

Scudo d'Argento oder della Croce auch Ducatone 

genannt. 

Die Verschlechterung der kleinen Silbermtinze hatte 
dieselbe Wirkung auf den Scudo d'Oro, wie auf den Zec- 
chino. — Nun waren die Leute seit längerer Zeit gewöhnt 



■*-*^^ C. V. Wächter: (Systematische Beschreibung der 

nach Scudi im Preise zu 7 Lire zu handeln, was z. B. 
aus einer in einem Buche, betitelt „Calendaria" im Jahre 
1573 eingeschriebenen Anmerkung entnommen werden 
kann i). 

Gegen 1578 nahm der Zecchino abermals im Preise 
zu, und der Scudo zu 7 Lire blieb nun nur mehr in der 
Vorstellung. Diess war die Veranlassung, dass man unter 
Nicolö da Ponte einen Scudo von Silber gleicher Zeichnung 
mit dem Scudo d'oro prägen und unter diesem silbernen 
Scudo die Zahl 140 (nämlich 7 Lire) setzen liess. Derselbe 
hat im Av. ein verziertes Kreuz, im Abschnitte nebst der 
Werthangabe die Münzmeister-Sigla und die Umschrift: 
NICOLAVS*DE PONTE * DVX *VENET* — Im 
Rev. *SANCTVS MARCVS VENET. Der halbe 
Marcuslöwe in einem Schilde. 

Wiegt 153 Caratti, mit einer Beimischung von 60 Ca- 
ratti, hat daher ein Feingewicht von 1458/,5aGran und galt 
später im Jahre 1754, 12 Lire 8 Soldi. D. 42 Millimeter. 



122. Von demselben. 

Me»»o Scudo d'argento. 

Dieser halbe Scudo d'argento oder della Croce ist 
dem Ganzen ähnlich. Im Abschnitte die Werthzahl 70. 
D. 36 Millimeter. 



<) Carli. Delle raonete e dell' istituzione delle Zecche d'Italia 
p. 438. 



Veneziantr Müii/.en nach ihren Typen. 



155 



123. Pasquale Oicogna 1585—1595. 
Da Cinque oder Vsa Giustina, 

Wie die oft genannte Chronik angibt, wurden nach 
dem Tode des Nicolö da Ponte, neue Silbermünzen zu 
5 Soldi geprägt, die 5 Carat und 2 Gran im Gewichte 
hatten und zuerst von dem am 17. August 1585 erwählten 
Dogen Pasquale Cicogna auf dem Marcusplatze unter das 
Volk ausgeworfen wurden. 

Av. Der stehende heilige Marcus tibergibt dem vor 
ihm knieeuden Dogen die Fahne, unten G. I. 
Umschrift: S-M- VENETPASCC ICON. 
Rev. *MEMOR-ERO. — T VI- J VSTINA- V* Die 
stehende Heilige wie gewöhnlich. Unten die 
Zahl *5*. 

Gewicht 22 Gran, Feinsilber 20*i/48 Gran. 
D. 19 Mm. 

124. Von demselben. 

JDa 20 Bagattini (beiläufig der Dritttheil des Da 
Cinque). 

Dieser kleinste Bruchtheil der Giustina maggiore 
wurde zuerst im Jahre 1587 geprägt, und hatte 21/4 Ca- 
ratti, nämlich 9 Gran im Gewichte, folglich beiläufig 
81/4 Gran Feinsilber. 

Av. Der Doge übernimmt die Fahne vom heiligen 
Marcus PAS C-C ICONDVX-SM-V. 
Rev. Die heilige Giustina. Umschrift: IVSTINA- 
VIRGO. 

Silber. D. 15 Millimeter. 



"^*^" C. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 



125. Von demselben. 

Ducato d'argento da Lire 6 e 4 Soldi oder 
Giustina nihiore da 124, 

Zum Jahre 1588 heisst es in der oftgenannten Chronik 
von Venedig i). „Es wurden neue Ducati und halbe Ducati 
von feinem Gehalte geprägt. Der Ducato hatte 135 Caratti 
3 Gran im Gewichte. Und zur Zeit des benannten Durch- 
lauchtigsten Fürsten stieg derZecchino von 9 Lire 12 Soldi 
jedesmal zu 2 und 2 Soldi im Preise zunehmend bis auf 
10 Lire 14 Soldi. Der Senat ^ den daraus erwachsenden 
Schaden und die Unordnung wahrnehmend, schritt am 
14. DeQember 1593 dagegen ein, und setzte denWerth der 
Zecchine auf 10 Lire fest.« 

Mit einem "Worte die Verschlechterung der kleineren 
Münze, welche im Jahre 1561 dahin geführt hatte den 
Rechnungsducaten von 6 Lire 4 Soldi durch eine Silber- 
münze von 158 Caratti 2 Grani zu verkörpern, war noch 
weiter fortgeschritten. Wollte man darum 1588 den Rech- 
nungsducaten nach dem Werthe der eben umlaufenden Lire 
und Soldi bestimmen , so musste man abermals herunter- 
gehen. So entstand der neue Ducaten des Pasquale 
Cicogna im Feingewichte von 1 35 Caratti 3 Gran, welcher 
auch Giustina nuova hiess, weil er nicht nach dem Ducato 
Stempel des Hieronymus Priuli , sondern mit dem Bilde 
der heiligen Giustina ausgemünzt wurde. 
a) Av. Der knieende Doge, der vor dem geflügelten 
Löwen die Fahne hält. Umschrift: S-M-VENE- 



1) Carli: Delle monete e del iatituzione delle Zecche d'Italia, 
p. 437. 



VeneziaiHT Münzen nach ihren Typen. 



157 



TVSPA8C-CIC0- — NIA DVX- zwischen 
der Figur und der Legende die Sigla. 

Rev. MEMOR-ERO • TVI • JVSTINA • VIRGO. 
Die heilige Justina wie gewöhnlich, im Abschnitte 
die Werthzahl 124, nämlich 6 Lire 4 Soldi. 
D. 40 Millimeter. 

Die Prägung des anderen Ducato wurde ein- 
gestellt, und erst unter Domenico Contarini 1659 
wurde derselbe Typus jedoch aus einem ver- 
schlechterten Metall und im Gewichte von 110 
Caratti erneuert. 

126. Von demselben. 

Ducato colle Galere oder Giustina minore 
genannt, — (Zu 124 Soldi, J 

b) Av. Der Doge mit der Fahne kniet vor dem links 
gewendeten Marcuslöwen, welcher vor sich das 
Buch hält. Umschrift : -S-M-VENETVS- 
PASC-CICON. Im Abschnitte *X A Q*. 

Rev. MEMOR-ERO -TVIIVSTINA- VIRGO. Die 

heilige Giustina wie gewöhnlich, jedoch im 
Hintergründe das Meer , mit zwei Galeeren- 
schiifen (davon der Beiname colle Galere). 
Unter der Heiligen zwischen Rosetten die Werth- 
zahl *124*. 

D. 40 Millimeter. 



^*J^ C. V. Wachte)-: Systematische Beschreibung der 

127. Von demselben. 

Mezxo Ducato colle Galere (oder Mezza Giustina 
ininoi^e). 

Wie Nr. 126, im Abschnitte des Revers dieWerthzahl 
62. — Silber. D. 35 Millimeter 

128. Von demselben. 

Quarto cli Ducato colle Galere. 

Zon versichert, dass unter Cicogna auch quarti di 
DuQato colle Galere geschlagen worden seien. 

129. Von demselben. 

Da Otto. 

Aehnlich dem des Leonardo Loredano Nr. 69. — 
Silber. D. 24 Millimeter. 

130. Von demselben. 

Da Quattro. 

Aehnlich dem da Quattro des Leonardo Loredano 
Nr. 68. — Silber. D. 21 Millimeter. 

131. Von demselben. 
Bagattino. 

Ist ähnlich jenem des Cliristoforo Moro Nr. 41 b). 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. 



159 



132. Marino Grimani 1595—1603. 
Ducato d'Argento. 

Av. Der knieende Doge, welcher vom stehenden 
heiligen Marcus die Fahne Übernimmt, längs 
derselben DVX. Umschrift: MARINVS- 
GRIMANO-SM-VENETVS. 

Rev. Der Erlöser auf einem Postamente stehend, hält 
in der Linken die Weltkugel. Umschrift : 
*GLORIA* TIBI* SOLI* Im Abschnitte 
*NITL 

Silber. D. 40 Millimeter, hatte den Werth von 
124Soldi. 

Da man sich aber in Venedig auch an den Ducato zu 
6 Lire gewöhnt hatte, welcher vom Zeitpunkte an, als der 
Zecchino diesen Preis überschritt ebenfalls nur mehr 
ideell bestand, Hess die Regierung, hierauf Bedacht neh- 
mend, zur Zeit des Dogen Marino Grimani um das Jahr 
1596 den Ducato zu 6 Lire wirklich ausprägen. 

133. Von demselben. 

I>ucato moz^Of da 6 Lire, 

Dieser Ducato mozzo, von welchen sich ein Exemplar 
im Museum Savorgniano befindet, hat im Av. den stehen- 
den Erlöser, welcher dem knieenden Dogen die Fahne 
tibergibt, unten N. T. Umschrift: PROTEGE-NOS — 
MARIN-GRIM. — Rev. S* MARCVS*VENETVS*. 
Der geflügelte Marenslöwe. Im Abschnitte *120*, nämlich 
6 Lire. 



160 



C. V. "Wachti^r: Systematische Beschreibung der 



Wiegt 1 31 1/2 Caratti, ist von der gewöhnlichen Mischung 
und enthält daher 1248/ia Caratti oder 498io/,i Gran Fein- 
silber. D. 39 Millimeter. 

Derselbe wurde Mozzo genannt, weil er 120 Soldi, 
und nicht, wie die Vorhergehenden 124 galt. 

134. Von demselben. 

Bez^o* 

Av. Ein Kreuz mit Kugeln und die Umschrift: 
+ MARINVS'GRIMDVX. 

Rev. *SANCT-MAR — VENE. Der stehende 
Löwe links gewendet. 
D. 13 Millimeter. 

135. Von demselben. 

Zecchino, 

Unter Marino Grimani wurden ausser ganzen auch 
halbe und Viertel-Zecchini geschlagen, auf welchen Übri- 
gens die bildliche Vorstellung dieselbe ist, wie auf den 
Zecchini der vorhergehenden Dogen. 

136. Leonardo Donato 1606—1612. 
Ducato d'Oro, 

Doge Leonardo Donato, Hess im Jahre 1605 eine 
Goldmünze prägen, die dem Werthe des Rechnungsducaten 
von 6 Lire 4 Soldi entsprach, damit Jeder den Unterschied 
der zwischen dem Ducato d'Oro und dem Zecchino bestand, 
gehen könne, weil mancherlei Klagen über Irreführung 
im Verkehre aufgetaucht waren. 



Venezianer Münzen nach Ihren Typen. 



161 



a) Dieser Ducato d'Oro hat auf der einen Seite das 
Bild des knieenden Dogen , welcher der sitzenden 
Heiligen die Fahne übergibt, und die Umschrift: 
SM-VEN-LEONDONAT- — *DVX*. Auf 
der anderen Seite den links gewendeten stehenden 
geflügelten Löwen. Umschrift: D V C A T V S- 
REIPVB. Im Abschnitte ein Stern zwischen zwei 
kleineren. 

Wiegt 41 Va Gran, daher gegenüber den 517 Gr. 
Feinsilber, die in den 6 Lire 4 Soldi dieses Dogen 
enthalten sind , sich das Verhältniss zwischen 
Silber und Gold, wie circa 1:12 1/3 ergibt. Gold. 
D. 20 Millimeter. 

b) Ein ähnlicher Ducato d'Oro dieses Dogen hat im 
Av. S-M-VENLEONAE-DONAT - *DVX. 
Im Rev. den auf einem Postamente stehenden 
Erlöser rechts segnend, links mit der Weltkugel. 
Umschrift: DEVS-REGATREIP-D VC AT. 

Gold. D. 20 Millimeter. 

c) Eine andere Variante hat im Av. das Bild des vor 
dem Marcuslöwen knieenden Dogen mit der Fahne 
und die Umschrift: S-M- VE N-LEON:DONAT. 
— *DVX*. Im Rev. MEMOR * ERO * TVI* 
JVSTINA. Die stehende heilige Justina, unten 
drei Sterne. 

Gold. D. 20 Millimeter. 

137. Von demselben. 
Mez^o Ducato d'oro, 

Av. Das Bild des auf einem Armstuhle sitzenden 
heiligen Marcus, welcher dem knieenden Dogen 

11 



1ß9 

^^^ C. V. Wächter : Systematische Beschreibung der 

die Fahne Übergibt. Umschrift: S-M-VEN- 
LEONDONAT- — *DVX*. 

Rev. DVCATVS*REIPVB* DerstehendeMareus- 
iöwe in Profilansicht. 
Gold. D. 17 Millimeter. 

138. Von demselben. 

Ducato d'oro Doppio. 

Av. Das Bild des sitzenden heiligen Marens, welcher 
dem knieenden Dogen die Fahne übergibt. Um- 
schrift: S:MVEN-LEON-DONAT *DVX*. 

Rev. Der Marcuslöwe stehend, in Profilansicht links 
gewendet, mit der Umschrift: DVCATVS- 
REIPVBLICAE. Im Abschnitte zwischen zwei 
Sternen die Werthzahl D. II. 
D. 24 Millimeter. 

Nach diesem Dogen wurde der Ducato d'Oro nicht 
mehr erneuert. Es muss sonach eine grosse Anzahl der- 
selben unter ihm geprägt worden sein, da noch sehr lange 
darnach solche Ducati d'Oro im Umlaufe waren. 

139. Von demselben. 
Zecchino d'Argento. 

a) Da der Ducato zu G Lire 4 Soldi, sowohl durch 
Silber- als durch Goldmünzen effectiv geworden 
war, der Zecchino aber der Willkür des Volkes 
ausgesetzt und folglich im Preise unbeständig war, 
Hess Leonardo Donä eine Silbermünze prägen, die 
ebenso viel galt, als der Zecchino von Gold. 



Venexianer Münzen nach ihren Typen. 



163 



Av. Der sitzende heilige Marcus übergibt dem 
Dogen die Fahne. Umschrift: S-M-VENET: 
LEONARD DONATDVX. 

Rev. SIT-T-XPE-DATQTV- REGIS-ISTE- 
DVCAT. Der Heiland stehend von Sternen 
umgeben. 

Wiegt 880, und enthält 834 19/^5 Gran Fein- 
silber. D. 53 Millimeter. 

b) Av. LEONDONAT und das Bild des knieenden 
Dogen, welcher vom stehenden heiligen Marcus 
die Fahne übernimmt, hinter dem Evangelisten 
senkrecht S-M-VENETVS und längs des 
Fahnenstockes DVX. Im Abschnitte die Sigle. 

Rev. SIT -T XP ED A T-Q TV. — REGIS-ISTE- 
DVCAT. Der Heiland von Sternen umgeben. 
D. 53 Millimeter. 

140. Von demselben. 

Mezzo Zecchino d'argetito, 

Av. *S-M:VENET-LEONARD:DONAT:DVX 

Der sitzende heilige Marcus übergibt dem Dogen 
die Fahne. Im Abschnitte die Sigla des Münz- 
meisters. 

Rev. SITT-XPE-DAT-Q TV — REGIS ISTE 
DVCAT. Der Heiland von Sternen umgeben. 
Silber. D. 38 Millimeter. 



11* 



'■'0^ C. V. Wächter: SystomatUche Beschreibung der 

141. Von demselben. 
Qiiarto di Zecchino d'argento. 

Von g-leichem Gepräge mit dem halben Zecchino 
d'argento. 

D. 34 Millimeter. 

142. Von demselben. 
Ottavo di Zecchino d'argento. 

Ebenso. D, 28 Millimeter. 

143. Von demselben. 

Soldo, 

a) Av. LEONAED VS-DONAT-D. Eine Figur, 
welche die Eeligion vorstellt, rechts gewendet. 
Im Abschnitte eine Rosette zwischen zwei 
Sternchen. 

Rev. SANCTVS-MARCVS-V. Der aufsteigende 
FlUgellöwe, mit dem Evangeliumbuche zwischen 
den Vorderpranken. Im Abschnitte eine Rose 
zwischen zwei Sternchen. 
Billon. D. 22 Millimeter. 

b) Ein ähnlicher Soldo hat im Av. LEON- 
DONATO-DVX-VE. Der knieende Doge 
rechts gewendet, mit ausgestreckten Armen. Im 
Abschnitte eine Rosette zwischen zwei Sternen. 
Rev. SANCTVS-MARCVS-VE. Der auf- 
steigende Marcuslöwe, wie früher. 
Billon. D. 22 Millimeter. 



' Venezianer Münzen nach ihren Typen. lOü 

c) Av. LEONAR-DONATO-DVX-V. Der knieende 
Doge rechts gewendet, mit ausgestrecliten 
Armen. 
Rev. S-MARCVS- VENET*. Der Marcuslöwe 
stehend, und unter demselben in drei Zeilen : 
SVBDITOR - COMODI - TATI* 
Billon. D. 21 Millimeter. 

144. Von demselben. 

Uezzo. 

Ist gleich dem Bezzo mit dem Kreuze des Marino 
Grimani, Nr. 134. 

145. Von demselben. 

Bagattino, 

Wie Nr. 41 b). 

146. Marc Antonio Memmo 1612—1615. 
Mai'chetto. 

Vor Antonio Memmo waren zwar Soldi von Kupfer 
nicht eingeführt, — doch eingeschlichen hatten sie sich 
thatsächlich schon lange vorher, indem die Billonmünzen 
sich fortwährend verschlechterten und verkleinerten und 
schliesslich nahezu aus Kupfer bestanden. 

Alessandro Vianoli erwähnt in seiner Hist. Veuet. 
p. 383, zum Jahre 1608 von Unruhen, welche stattfanden, 
weil der Stempel gefälscht und in Folge dessen die Stadt 
und der Staat mit falschen Münzen „so zu sagen" tiber- 
schwemmt worden war. Da diess im Handel grosse Ver- 
änderung verursachte , so hat der Senat nach Ernennung 



166 



C. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 



zweier Untersuchungsrichter, nämlich des Procurators von 
S. Marco Leonardo Donato — und Luigi Zorzi für das 
Festland, die Vertilgung dieser Münzen befohlen, und zu- 
gleich verordnet, dass sie von den Besitzern in die Zecca 
gebracht werden müssten, um den Ersatz für so viel als die 
Menge im Golde berechnet ergab, in Silber zu empfangen. 
— Noch ausführlicher wird dieses Ereigniss von Andrea 
Morosini erzählt, welcher ttberdiess von der kupfrigen 
Münze, welche vor den Marchetti in Umlauf war, Nach- 
richt giebt. Derselbe giebt an, dass sie den Werth von 
8 Piccolli hatte (Solidi dodrantem), und dass der Senat, 
um sie aus der Hauptstadt und aus dem Staate auszumerzen 
nach mehreren erfolglosen Versuchen, als er mit der Ein- 
berufung in die Zecca und Umwechslung gegen gute 
Münze vorging mehr als 500.000 Zechini für das Wohl des 
Volkes opferte. 

Unter Marc Antonio Memmo wurde dann die Kupfer- 
münze erneuert, oder richtiger eine Billonmünze, welche 
aus 920 Theilen Kupfer und 80 Theilen Silber bestand, 
geprägt, die man Marchetto nannte. 

Der Marchetto hat im Av. das Bild des knieenden 
Dogen mit der Fahne vor dem Marcuslöwen, und unten die 
Zahl*12*. Umschrift: SM- V- ANT-ME. Kev. der Erlöser 
stehend in Vollansicht und die Umschrift: *DEFEN- 
NOSTER. 

D. 22 Millimeter. 

Dies sind Soldi, wie sie auch nachher geprägt worden 
sind. Ein Marchetto des Dogen Marc Antonio Memmo, 
dessen Bestand von Manchen in Abrede gestellt worden 
ist, wird im städtischen Museum von Venedig bewahrt. Es 
fehlen : der Marchetto von Giovanni Bembo und Nicol6 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. 1 D I 

Donä, und es erscheint diese Münze erst unter Antonio 
Priuli erneuert. 

147. Von demselben. 
Soldo, 

Av. Ein Lilienkreuz und die Umschrift: *M' ANTON 
MEMO-DVX. 
Rev. *SANCT-MARCVENE(oderVE, oderVEN) 
Der Marcuslöwe im Profil. 
Silber. D. 16 Millimeter. 

148. Giovanni Bembo 1615—1618. 
Quarto tU Scudo della Croce, 

Av. Blumenkreuz, unten die Münzmeister - Sigla. 

Umschrift: JOANNES BEMBODVX- VEN. 

Rev. Der haibe Marcuslöwe in einem Schilde, unten 

die Werthzahl *35*. Umschrift: S A N C T V S- 

MARCVSVENETVS. 

D. 29 Millimeter. 

149. Von demselben. 

SoUlo. 

Ist vom Gepräge des Soldo des Memmo. Silber Nr. 147. 
D. 16 Millimeter. 

150. Von demselben. 

Bezzo, 

Ist vom Gepräge des Bezzo des Marino Grimani 
Nr. 134. Die Brera in Mailand besitzt einen Aehnlichen, 



168 



C. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 



der von Billon ist und auf einer Seite ein Lilienkreuz, auf 
der anderen den schreitenden Löwen hat. 

151. Antonio Priuli 1618—1623. 
Zecchino doppio d'oro col Tipo del Marcello. 

Ist vom Gepräge des Marcello. 

Av. Der knieende Doge, welcher vom heiligen 
Marcus die Fahne übernimmt. Umschrift: ANT- 
PRIOL'DVX* S-MVENET. 

Rev. Der auf einem Throne sitzende Heiland, den 
Segen ertheilend. Umschrift: GLORIA-TIBI- 
SOLL Im Abschnitte *12*. 
Gold. D. 28 Millimeter. 

152. Von demselben. 
Doppia oder doppio Scudo d'Oro. 

Die Doppia hat im Av. das Lilienkreuz mit der 
Umschrift: ANTON • PRIOL • DVX • VENET • oder 
VENETIAR- unten die Sigla des Mlinzmeisters. Rev. 
+ SANCTVS'MARCVS-VENETVS. Der Löwe in 
einem Schilde und zu den Seiten des Letzteren: S— 2. 
(Werthzahl.) 

Gold. D. 28 Millimeter. 

153. Von demselben. 
Ducato d'Oro. 

Av. Der heilige Marcus auf einem Armstuhl sitzend, 
tibergibt dem knieenden Dogen die Fahne. Um- 
schrift: ANTONPRIOLDVXVENET. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. 



169 



Rev. *DVCATVS*REIPVB* Der stehende 
Marcuslöwe im Profil. 

D. 20 Millimeter. (Gold, 1 Ducateu schwer.) 

154. Von demselben. 
Zecchino d'Oro, 

Vom Gepräge derZecchini der vorhergehenden Dogen. 
Unter Priuli sind auch halbe undViertel-Zecchini geschla- 
gen worden. 

Preis des Zecchino d'Or« im Jalire 1663. 

Es ist nicht genau bekannt , welcher Preis dem 
Zecchino d'oro in dieser Zeit zukam, es ist aber bekannt, 
das» im Jahre 1663 nach der auf Anordnung der Provedi- 
tori Verlautbarten Grida die Goldmünze auf 14 Lire — der 
Werth des Ducato d'argento auf 8 Lire festgestellt wurde. 
Wie immer aber es sei, wenn der Zecchino mit 821 Gran 
Feinsilber bemessen worden ist, so war das Verhältniss der 
Edelmetalle wie 1: 12. 

Der Zecchino d'oro nahm übrigens bei dem allmäligen 
Steigen des Goldes gegenüber dem Silber und der Ver- 
schlechterung der Silbermünzen bis auf 22 Lire im Preise zu. 

155. Von demselben. 

Bez^o da 6 Bagattini, 

Av. Der knieende Doge übernimjnt die Fahne vom 

heiligen Marcus. (Dieselbe Vorstellung wie auf 

dem Marchetto.) 

Rev. Die Verkündigung der heiligen Maria. Umschrift: 

ECCE-ANCILA-TVA. Im Abschnitte V-C- 



•*■ ''^ e.V. Wächter: Systematische Beschreibung der 

galt 6 Bagattini , hat im Abschnitte die Werth- 
zahl *6* und ist von Billon. 
D. 23 Millimeter. 

156. Von demselben. 
Marchetto doppio. 

Vom Gepräge des einfachen Marchetto. Umschrift: 
S-M-VEN — ANT-PRIOL. Im Abschnitte die Werthzahl 
*24*. — Rev. Der Erlöser stehend; DEFENSOR — 
NOSTER. 

Billon. D. 27 Millimeter. 

157. Von demselben. 
Marchetto Qiiadruplo, 

Ebenso nur im Abschnitte die Werthzahl *48*. 
Billon. D. 32 Millimeter. 

158. Von demselben. 
3Iez^o Marchetto, 

Aehnlich dem Ganzen, nur hat derselbe im Abschnitte 
die Zahl 6, und galt 6 Bagattini, wie der Bezzo dieses 
Dogen. 

Billon. D. 19 Millimeter. 

159. Von demselben. 

Bagattino, 

Wie Nr. 41 6^. 



171 

Venezianer Münzen nach ihren Typen. x « x 



160. Francesco Oontarini 1623—1624. 

Bagattiiio, 

Wie Nr. 41 b). 

161. Giovanni I. Corner 1625—1629. 
Zecchino, 

Der Zecchino von Corner I. hat den gewöhnlichen 
Typas, führt aber in der Umschrift (IO-CORNEL-) und 
die Fahne, die der Doge hält, hat zwei Spitzen. 

162. Von demselben. 
3Ie&^o Zecchino, 

Auf diesem Mezzo Zecchino lautet die Umschrift: 10* 
CORN. 

Die Münzmeister Siglen unter diesem Dogen waren : 
A-F — DB — DM — F-M-G-G — G-P — lAM. 
Alle Silbermünzen, die den Namen CORN EL und eine 
dieser Siglen führen, werden Giovanni I. Corner zuge- 
schrieben. 

163. Von demselben. 
Giustifia minore. 

Die Giustina minore führt wie gewöhnlich Nr. 125. 
Silber. D. 40 Millimeter. 

164. Von demselben. 
Scudo della Croce, 

Wie Nr. 121 in der Umschrift : lOAN-CORNEL. 
D. 42 Millimeter. 



172 



C. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 



165. Von demselben. 
JEÜnfacher Marchetto und halber Marchetto, 

Auf dem Marchetto von Corner I. beginnt die Um- 
schrift: lO-CORN. Die Fahne, welche der Doge hält, 
hat nur eine Spitze. — Dies die Merkmale, woran die 
Marchetti, welche Corner I. zugeschrieben werden, zu 
erkennen sind. Es gibt auch Marchetti, die im Rev. unter 
dem Bilde des Erlösers einen kleinen Löwen als Contre- 
marque haben. 

Billon ; wie Nr. 146. 

166. Von demselben. 
Doppelter und vierfacher Marchetto, 

Auf beiden beginnt die Umschrift mit lO-CORNEL. 
Billon — sonst gleich Nr. 156 und 157. 

167. Francesco Erizzo 1631—1646. 
Quarto di Giustina minore. 

Das Viertel der Giustina minore dieses Dogen ist 
gleich der halben bei Nr. 127, jedoch mit der Werthangabe 
*31* im Abschnitte. 

Silber. D. 30 Millimeter. 

168. Von demselben. 
Ottavo di Giustina minore. 

Ebenso im Abschnitte die Werthzahl 15i/,. 
Silber. D. 25 Millimeter. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen J- * O 

169. Von demselben. 
Vs Scudo della Croce, 

Der Achtel-Scudo des Erizzo ist ähnlich dem Viertel 
und Halben dieses Gepräges. 

Av. Blumenkreuz, unten Sigle. Umschrift: FRANC* 
ERIZZODVX. 
Rev. SANCTVS-MARCVSVEN. Der Marcuslöwe 
in einem Schilde und im Abschnitte die Werth- 
zahl*17ya*. 

Silber. D. 26 Millimeter. 

170. Von demselben. 
Da settanta due. 

Die Münze zu 72 Soldi hat im Av. S-M-V- FRANC • 
ERI-D. Der Marcuslöwe nach einem Castell links ge- 
wendet , wie auf dem Ducato argento. Im Abschnitte 
*MB*. Rev. ;,IVSTITI - AMDILIGITE. Die 
gekrönte Gerechtigkeit mit Wage und Schwert. Im Ab- 
schnitte *72*. 

Silber. D. 32 Millimeter. 

171. Von demselben. 
Da dodici. 

Der Zwölfer hat im Av. den knieenden Dogen nach 
links, mit der Fahne in der Faust. Im Abschnitte die 
Münzraeister - Sigla. Umschrift :FRANC-ERIZZOD. 
Rev. SANCT-MARC-VEN. Der Marcuslöwe im Profil 
links gewendet. Im Abschnitte *XII*. 

Silber. D. 25 Millimeter. 



J- '^ C. V. Wächter: Systematische Beschreibung der 

172. Von demselben. 

JJa Otto, 

Ebenso, im Abschnitte die Werthzahl VIIL 
Silber. D. 23 Millimeter. 

173. Von demselben. 
Da Quattro, 

Ebenso, im Abschnitte die Werthzahl *nil*. 
Silber. D. 20 Millimeter. 

174. Von demselben. 
Da Cinque. 

Av. Ein verziertes Kreuz. Umschrift: FRANC- 
ERIZZODVXVEN ZL. 

Rev. 4- SANCTVS-MARCVS-VENETVS. Der 
Marcuslöwe links gewendet gegen ein Castell, 
unter dem Löwen »V*. 

Silber von schlechtem Gehalt. D. 22 Millimeter. 

175. Francesco Molin 1646—1655. 
Da 20 f da 16, e da dodici Zecchini. 

Die Sammlung der Marciana besitzt (wie Lazzari in 
seiner Informazione 1858) erwähnt, em Probestück vom 
Da venti Zecchini in Silber. Das Gepräge war dem des 
einfachen Zecchino ganz gleich. Doch kam es nicht zur 
wirklichen Ausmünzung in Gold. 

D. 50 Millimeter. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. j. • »^ 



176. Von demselben. 
Doppel-Scudo della Croce. 

Von diesem Dogen gibt es Doppel-Scudi della Croce, 
vom Gepräge des einfachen Scudo. 

177. Domenico Oontarini 1659—1675. 
Ducato secondo tipo, oder Ducatello, 

Av. Der sitzende heilige Marcus, welcher dem knieen- 
den Dogen die Fahne übergibt; im Abschnitte 
die Münzmeister-Sigle zwischen zwei Rosetten. 
Umschrift: 8 • M • YEN • DOMIN • CONT • 
DVX. 
ßev. DVCATVSVENETVS. Der Marcuslöwe 
gegen ein Bergschloss links gewendet; im Ab- 
schnitte eine grössere Rosette zwischen zwei 
kleineren. 

Wiegt li5/jg Loth. D. 40 Millimeter. Silber. 

178. Von demselben. 
Mezzo Ducato (o Ducatello), 

Ebenso wie Nr. 177, aber im Rev. MEDI-DVCAT' 
VENET. 

Silber. D. 34 Millimeter. 

179. Von demselben. 
QuaHo dl Ducato, 

Ebenso nur im Rev. QUARDVC AT- VENET. 

Silber. D. 29 Millimeter. 



■l • O C. V. "Wächter: Systematische Beschreibung der 

180. Von demselben. 
Soldo oder Marclietto* 

Gleich dem Marchetto des Memmo Nr. 146. 
D. 22 Millimeter. 

181. Nicolo Sagredo 1675—1676. 
Ducato oder JDucatello, 

a) Av. Der sitzende Heilige, welcher dem knieenden 

Dogen die Fahne übergibt. Umschrift: S-M'V- 
NICOLASAGREDO *D*A*Z*. 

Rev. DVCATVSVENETVS. Der Marcuslöwe 
gegen ein Bergschloss links gewendet. 

b) Ebenso, aber NICOL-SAGREDO*D**G*. 
D. 40 Millimeter. 

182. Von demselben. 
Mezzo Ducato und Quarto di Ducato» 

Von beiden Stempeln a) und b) des ganzen Ducato 
dieses Dogen gibt es auch halbe und Viertel-Ducati. 
Silber. D. 34 und 29 Millimeter. 

183. Von demselben. 

Liretta* 

Av. *NICOLAVS* SAGREDO. Der knieende 
Doge rechts gewendet, mit abgelegtem Como 
(DogenmUtze), oben die heilige Cristofora auf 
einer Wolke. Im Abschnitte *XX*. 



1 77 

Venezianer Münzen nach ihren Typen. ± i t 

Rev. JVSTITIAMDILIGITE. Die Gerechtigkeit 
stehend mit Schwert und Wage ; links von ihr ein 
Löwe. Im Abschnitte zwischen zwei Rosetten die 
Münzmeister-Sigle. 

Silber. D. 27 Millimeter. 

184. Von demselben. 

Mezza lÄretta, 

Gleich der ganzen Liretta, nnr im Av. die Werthzahl 
*X*. 

Silber. D. 22 Millimeter. 

185. Alvise Contarini 1676—1684. 

Mezza Idretta, 

Av. ALOYSIVS - CONT-D. Der knieende Doge 
mit abgelegtem Corno, rechts gewendet, und oben 
die heilige Cristofora auf einer Wolke. Im 
Abschnitte *X*. 

Rev. wie Nr. 183. 

Silber. D. 22 Millimeter. 

186. Von demselben. 

Soldo oder 3£archetto, 

Gleich dem Marchetto des Memmo Nr. 146. 
D. 22 Millimeter. 



12 



•*■ »ö C. V. Wächter: Systematische Besclireibung der 

187. Marc Antonio Giustinian 1684—1688. 

MarchettO mit dem Stempel des Zecchino geprägt. 

Von diesem Dogen gibt es ausser den gewöhnlichen 
Billon Marchetti mit (12) und DEF-NOST: etc. auch 
solche, die mit dem Stempel des Zecchino geprägt worden 
sind. Die Halben von diesem Gepräge sind von doppeltem 
Gewichte des älteren halben Marchetti. 

Billon. 

188. Francesco Morosini 1688—1694. 

Da Zecchini» 

Ist ganz gleichen Gepräges mit dem einfachen Zec- 
chino, nur im Durchmesser grösser und entsprechend 
schwerer. 

Alvise Mocenigo II. 1700—1709. 

Die Siglen der Münzmeister unter Alvise IL Mocenigo 
waren: AB — BC — BG — BP — G-B — GF - 
G-M — G-T-S — GZ-P-B — P-M, daher die Silber- 
münzen, welche mit den Namen ALOYSIVS Mocenigo 
und mit einer der vorstehenden Siglen bezeichnet sind — 
dem Dogen Alvise Mocenigo IL zugeschrieben werden. 

189. Von demselben. 
Ganzer, halber und Viertel-Zecchino (Gold), 

Der Zecchino von Mocenigo 11. unterscheidet sich von 
jenen der anderen Mocenigo dadurch, dass er in der 
Umschrift: ALOY *MOCENIhat. Der halbe undViertel- 
Zecchino führt dagegen ALOY*-MOCEN oder MOCE. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. 1 < «7 

190. Von demselben. 
Vs Scudo della Croce. 

Der Achtel-Scudo vonMocenigo IL ist mit keiner Sigle 
t)ezeichnet, hat aber, verschieden von den Münzen der 
anderen Mocenigo , in der Umschrift: ALOYSIVS* 
MOCENICO*. 

191. Von demselben. 

Idretta, 

Die Liretta von Alvise Mocenigo IL hat im Abschnitte 
des Rev. einen Stern zwischen zwei kleineren. Sonst ist 
sie gleich mit jeuer des Sagredo. 

D. 27 Millimeter. 

192. Von demselben. 

Ganzer und halber Marehetto, 

Der halbe und ganze Marehetto , welcher Alvise 
Mocenigo IL zugeschrieben wird, ist sonst den Marchetti 
der anderen Mocenigo gleich, hat aber in der Umschrift 
^ALOY-MOC-". 

Giovanni II. Corner 1709—1722. 

Siglen» 

Die Silbermlinzen , welche Corner IL zugeschrieben 
Averden , sind mit einer der nachstehenden Siglen be- 
zeichnet: A-M- - AP - D-D — F-AP — G-B — 
MAB- - M-B- — V-A - ZBV. 

12* 



■l-ÖU e.V. Wächter: Systematische Beschreibung der 

193. Von demselben. 

Gan»€7' und Vievtel-Zecchino, 

Der einfache Zecchino führt die Umschrift : 1 A N - 
CORNEL. Auf der Stange ist ein Kreuz ohne Fahne. 

Der Viertel-Zecchino hat in der Umschrift: 1 AN- 
CO RN- sonst wie gewöhnlich. 

194. Von demselben. 

Zecchino doppio, 

Ist ähnlich dem Einfachen und hat die Jahreszahl 
1 722 im Abschnitte des Av. 
D. 24 Millimeter. 

195. Von demselben. 

Da dodici Zecchini. 

Die Goldmünze zu zwölf Zecchini ist vom Gepräge 
des einfachen Zecchino, jedoch von grösserem Durchmesser 
und entsprechend schwerer. 

196. Von demselben. 
Giustina minore. 

Hat in der Umschrift 10 AN* *CORNEL-* und ist 
sonst gleich der Giustina von Johann Corner I. 
D. 40 Millimeter. 



1 Q1 

Vpntzianer Münzen nach ihren Typen. XOJ. 



196*. Von demselben. 
Scudo della Croce, 

Auf dem Scudo lautet die Umschrift JOANNES- 
CORNELIO- sonst ist derselbe gleich dem Scudo von 
Oiovanni Corner I. Nr. 1 64. 

197. Von demselben. 

Da trenta oder Idrazza. 

A\. Das Bild des sitzenden Löwen mit der Umschrift : 
SANCT*MARCVS*VENET*. 

Rev. IVSTITIAM DILIGITE*. Die Figur der 
Gerechtigkeit auf zwei Löwen sitzend. Im Ab- 
schnitte die Jahreszahl 1722, 

D. 32 Millimeter von schlechtem Gehalt. 

198. Von demselben. 
Da dieclotti, 

Av. Der stehende Marcuslöwe, im Abschnitte *18*. 
Umschrift: S-M-V- JOCORNELD. 

Rev. PRESIDIVM-VENETORVM. Das Bild der 
heiligen Maria in halber Figur mit dem Kinde. 
D. 30 Millimeter von schlechtem Gehalt. 

199. Von demselben. 

Da quindici, 

a) Av. Der stehende Marcuslöwe, im Abschnitte zwischen 
zwei kleineren Sternchen ein grösserer Stern. 



182 



C. V.' Wächter: Systematische Beschreibung der 



Rev. REDEMPTOR • MVNDP. Das Haupt der 
Erlösers in Strahlen, nach rechts gewendet. Im. 
Abschnitte 15. 

Fast von Kupfer und hat 28 Millimeter in> 
Durchmesser. 

h) Av. Der knieende Doge links gewendet; mit der 
Fahne in der Faust, im Abschnitte *1722*. Um- 
schrift: lOAN-CORNELIO'D*. 

Rev. SANCTVS* *MARCVS * VENET*. Der 
stehende Marcuslöwe im Vollgesicht. Im Ab- 
schnitte zwei Rosetten. 
Ist von schlechtem Gehalt. D. 25 Millimeter. 

200. Von demselben. 
Da dieci, 

a) Av. Der sitzende Marcuslöwe mit der Dogenmütze 
bedeckt. Umschrift: S-M-V-IO-CORNEL. Im 
Abschnitte *10*. 

Rev. PRESIDNOSTRVM. Das Marienbild. 

Ist von niederem Gehalt. D. 22 Millimeter. 

b) Ein anderer Da dieci dieses Dogen hat im Av. 
das Bild des knieenden Dogen mit der Fahne 
links gewendet. lOAN-CORNELIO-D*. Rev. 
SANCTVS-MARCVS-*VENET. Der 
stehende Marcuslöwe im Profil ; unten nur Eine 
Rosette. 

D. 22 Millimeter. 



1 8^ 

Ven«'zianer Münzen nach ihren Typen. loa 



201. Von demselben. 
Da Cinque, 

Av. Der Mavcuslöwe im Profil. Umschrift: FAX- 
TIBI • MAR • EVANM. Im Abschnitte die 
Jahreszahl *1722* 
Rev. JVDITIVMRECTVM. Die Gerechtigkeit mit 
Scliwert und Wage auf zwei Löwen sitzend. 
Billon. D. 19 Millimeter. 

202. Von demselben. 
Gazzetta oder doppio Soldo, 

Av. Der sitzende Löwe mit der Dogenmütze, im Ab- 
schnitte die Werthzahl *24*. Umschrift: S*M- 
*V*IO*CORNEL*. 
Rev. PRESID:NOSTRVM*. Die mit Sternen ge- 
krönte heilige Maria mit dem Kinde, oberhalb 
einer Wolke. 

Von schlechtem Gehalte. D. 26 Millimeter. 

203. Von demselben. 

Soldo. 

a) Aehnlich dem Doppio Soldo oder der Gazetta Nr. 202, 
nur im Abschnitte die Werthzahl *12*. 

Billon. D. 22 Millimeter. 

b) Soldo ähnlich dem obigen, jedoch die Gestalt der 
heiligen Maria anders gezeichnet, die Umschrift ab- 
weichend, und die Zahl 12 fehlend. 

D. 12 Millimeter. Von schlechtem Gehalte. 



184 



C. V. Wachler: Systematische Beschreibung der 



c) Hat statt des sitzenden, — den auf die Hinterbeine 
aufgerichteten Löwen mit gekröntem Haupte und einem 
Oelzweige in der rechten Pratze; unten die Zahl 12 
— von schlechtem Gehalte. 

204. Von demselben. 
Marchetto und halber Marchetto, 

Der ganze und der halbe Marchetto dieses Dogen sind 
von gleichem Gepräge mit den vorhergehenden Marchetti. 
— die Umschrift auf dem Av. derselben beginnt jedoch 
(verschieden von der auf dem Marchetto von Corner I.) 
mitlOAN-CORN. 

Billon. 

205. Von demselben. 
Marchetto in Gold. 

Vom Gepräge des Marchetto in Kupfer, mit der Um- 
schrift DEFENS-NOSTER, gibt es auch Goldabschläge 
im Gewichte von Ein und Zwei Zecchinen. 

206. Alvise Mocenigo III. 1722—1732. 

Ganzer f halber und viertel Zecchino (in Gold)» 

Der Zecchino dieses Dogen hat auf beiden Seiten die 
gewöhnliche Vorstellung nur ist zu bemerken, dass bei den 
ganzen Zecchino Mocenigo III. (verschieden von denen 
Mocenigo I. und 11.) die Umschrift ALOY-MOCENI — 
auf dem halben und viertel Zecchino, mit ALO Y'MOC- 
beginnt. 



Venezianer Münzen iiRcli ihren Typen. 



185 



Die MUnzmeister Siglen unter diesem Dogen waren : 
B-G — CZ- —NB — PAT- - PQ- _ VQVV. 
— Die Silbermtinzen, welche eine der vorstehenden Siglen 
und den Namen ALOY oder ALOYSIVS Moeenigo 
fuhren, werden Alvise Mocenigo III. zugesehrieben. 

207. Von demselben. 
Ganzer und halber Marchetto, 

Der Marchetto dieses Dogen mit der Zahl 12 im Ab- 
schnitte des Av. , fuhrt verschieden von den anderen 
Mocenighi, die Umschrift ALOYS*MOC; eben so der 
halbe Marchetto. 

208. Von demselben. 

Da quindiüi (Fünfzehner), 

Av. Der Doge mit der Fahne. Im Abschnitte die 

Jahreszahl 1722. Umschrift : AL Y • M C E NI. 

Rev. Der stehende Marcuslöwe im Profil, unten zwei 

Rosetten. Umschrift: SANCT*MARCVS* 

VEN*. 

D. 25 Millimeter. 

209. Von demselben. 

JDa Diecl (Zehner). 

Der Doge mit der Fahne, unten 1722. Umschrift: 
ALOYMOCENI. Kev. S ANCT*M ARCVSVEN. 
Der stehende Marcuslöwe mit Heiligenschein, im Profil, 
unten eine Rosette. 

D. 22 Millimeter. 



-»■ÖD C. Y. "Wächter: Systematische Beschreibung der 

210. Carlo Ruzzini 1732—1735. 
Da tre Zecchini. 

Ist vom Gepräge des einfachen Zecchino mit verhält- 
nissmässig grösserem Durchmesser. 

211. Von demselben. 
Quarto di Doppia. 

Unter diesem Dogen wurde mir das Viertel der 
Doppia d'oro geprägt, und zwar mit dem Typus desScudo 
d'oro Nr. 81. 

212. Von demselben. 
Da cinque (Fünfer), 

Aehnlich dem Da cinque des Giovanni II. Corner 
Nr. 201 hat jedoch im Av. S*M*V*CAR*RVZ-D. Im 
Abschnitte die Jahreszahl 1734. 

213. Alvise Pisani 1735—1741. 
Ottavo di Ducato, 

Das Achtel des Ducato von Alvise Pisani ist vom 
Gepräge der halben Ducati der vorhergebenden Dogen, hat 
aber in der Umschrift des Rev. OCTDVCAT*VENET. 
Es scheint, dass von diesem achtel Ducato nur Probe- 
stücke geprägt worden sind. 

Silber. D. 25 Millimeter. 



Venezianer Münzen nach Ihren Typen. iöi 

214. Von demselben. 

Sedicesimo di Ducato, 

Das Sechszehntel des Ducato mit der Umschrift: 
XVI-DVCAT-VENET ist vom Gepräge des ganzen 
Ducato, scheint aber ebenfalls wie das Achtel-Sttick, nur 
versuchsweise gemünzt, und bald darauf eingezogen 
worden zu sein; übrigens sind von Beiden die Stempeln 
noch vorhanden. 

Silber. D. 20 Millimeter. 

215. Pietro Grimani 1741—1752. 
Da quindlci Zecchini. 

Dieses Goldstück ist vom Gepräge des einfachen 
Zecchino. (Durchmesser verhältnissmässig grösser.) 

216. Francesco Loredan 1752—1762. 
Ducato di doppio peso (vom IL Typus), 

Unter diesem Dogen sind nebst den einfachen 
Ducati vom selben Gepräge, wie Nr. 177 auch Stücke von 
doppeltem Gewichte der Letzteren geprägt geworden. 

217. Alvise Mocenigo IV. 1763—1778. 

Sigletl auf den Silbermiimen. 

Silbermünzen, auf welchen die Siglen A-B oder 
A-M-F - B-C- - CP — DG — GAF - G-M — 
GP — LAF - LB - MAT — MF - MS — NP 



188 



Carl V. \V lichter; Systematische Beschreibung der 



— P-A-B— P-D — PP - R-B — RPB — VAB — 

V-S — V-V vorkommen, und den Namen Alois Mocenigo 
fuhren, werden Alvise Mocenigo IV. zugeschrieben. 

218. Von demselben. 

Minfacher f halber und viertel Zecchino, 

Der einfache Zecchino in Gold, welcher Alvise IV. 
Mocenigo zugeschrieben wird, fuhrt die Umschrift: 
ALOYMOCEN. 

Der halbe Zecchino ebenfalls ALOY-MOCEN. 

Das Viertel aber ALO-MOC. 

219. Von demselben. 

Z>a died Zecchini, 

Ist vom Gepräge des einfachen Zechino , und führt 
wie dieser die Umschrift: ALOY-MOCEN. 

220. Von demselbeji. 

Marchetto. 

Der Marchetto, welcher diesem Dogen zugeschrieben 
wird, fuhrt die Umschrift: ALOY-MOCENI. Das Fähn- 
lein ist zweispitzig. 

221. Paolo Renier 1779—1783. 

Da 40 Zecchini, 

Die Goldmünze zu 40 Zechini ist vom Gepräge des 
einfachen Zecchino. 
D. 49 Millimeter. 



Venezianer Münzen nach ihren Typen. löj? 

222. Von demselben. 

Da 18 und da 10 Zecchini, 

Sind vom Gepräge des einfachen Zecchino mit ver- 
hältnissmässig grösserem Durchmesser. 

223. Lodovico Manin. 
Zu 100, 50 f 20 f 10, 5 und »u 4 Zecchini, 

Sind alle vom Gepräge des einfachen Zecchino. 

Anmerkung. Der einfache Zecchino wurde auch 
noch in den ersten Jahren der kaiserlich österreichischen 
Regierung von 1814 bis 1823 mit dem Namen Kaiser 
Franz I. für den Handel geprägt. 

(Schluss folgt.) 



190 



Eduard Forchheimer: Ein Thaler des Fürsten 



IX. 

Ein Thaier des Fürsten Syrus Austriacus von 
Correggio. 

(Hierzu Tafel VI.) 

Von 

ICduard Forchheimer. 



Av. ^ LEODEGARIVS-DGEPISCOPVS- 
AVGVSTODVNEN-P-S Brustbild von der 
rechten Seite mit Knebel- und Unterlippenbarte, in 
Mozzetta mit breitem Kragenumselilage, zwischen 
der Jahrzahl 16— ZI. 

Rev. INSIGNIAANTIQVISSIMAET- 
M A T E R N A. Der mit dem Erzherzogshute 
bedeckte, und an den Seiten etwas verzierte 
gesammtösterreichische Wappenschild. (Ungarn, 
Böhmen, Oesterreieh-Burgund, Habsburg-Görz, 
im Schildfusse die fünf Lerchen „ Alt-Oesterreich", 
im Mittelschilde Tirol). 

Durchmesser 42 Mm. Gewicht 26-7 Grm. Ge- 
ringhaltig, nach Nadelprobe 240 Tausendtheile. 
Tafel VI, Nr. 1. 
Bei dem ersten Anblicke dieser Münze, ohne die 
Umschrift genauer zu beachten, würde man sie für einen 



Syrus Austriacus von Correggio. 



191 



jener häufigen Tiroler Thaler (Madai 3868) halten, welche 
der Erzherzog Leopold, nachdem er Gubernator von Tirol 
geworden war, in den Jahren 1620—1625 ausmünzen 
Hess, so getreu stimmen Brustbild und Wappen mit jenen 
auf diesen Thalern Uberein. Trotz des Mitte! Schildes Tirol 
kann aber unsere MUnze nicht genanntem Lande ange- 
hören, da der auf der Umschrift genannte Bischof von 
Autun (Augustodunum) und Majordomus Childerich's , der 
spätere heilige Leodegar in keinerlei Beziehung zu Tirol 
stand. 

Dagegen finden wir den heiligen Leodegar auf MUnzen 
von Luzern und von der Abtei Murbach und Lüders. An 
ersteres ist freilich nicht zu denken; wie käme um das 
Jahr 1621 , Brustbild und Wappen eines österreichischen 
Erzherzoges auf eine Münze Luzern's, welches damals schon 
längere Zeit alle Beziehungen zu den Habsburgern gelöst 
hatte. Wohl aber war der Erzherzog Leopold 1614 — 1625 
Administrator der Abtei Murbaeh und Lüders, und Hess 
auch dort Thaler (Schulthess-ßechberg Thaler Cabinet 
Nr. 5208 — 5212) schlagen; alle diese zeigen jedoch nebst 
dem Stiftsheiligen auch die Wappenschilde der Abteien. 

Nun war im Jahre 1621 die Abtei Murbach, wie das 
gesammte Elsass von den Mannsfeld'schen Schaaren hart 
bedrängt, und die Versuchung, dort geringhaltiges Geld 
zu prägen, lag nahe. Es wäre aber dieses an sich kaum 
ein hinreichender Grund, um in unserm Thaler eine Mur- 
bacher Münze und nicht etwa ein Nachgepräge zu sehen, 
denn wenn auch Erzherzog Leopold, während seiner Ver- 
waltung in Tirol 1621 Kippergulden, Dreissiger und 
andere geringhaltige Münzen prägen Hess, und hierin 
dem Beispiele der meisten Reichsfürsten und des Kaisers 



192 



Eduard Forchheimer: Ein Thaler des Fürsten 



folgte, so differiren doch gerade seine Thal er nur wenig 
vom gesetzlichen Fusse. Was sollte ihn bewogen haben 
eine Murbacher Münze nicht als von ihm herrührend zu 
bekennen, da er doch die Tiroler Stücke offen als solche 
bezeichnete? Noch unwahrscheinlicher ist es, dass er 
noch durch weitere vier Jahre einen Typus beibehalten 
hätte, welchen er durch unser Stück selbst discreditirt 
hatte. Dazu kömmt die eigenthümliche Inschrift des 
Reverses. Die vereinigten Wappen des Habsburgischen 
Hauses und Besitzes konnte der Erzherzog wohl als 
Insignia antiquissima auflftihren, was freilich auf öster- 
reichischen Münzen nicht üblich war, aber wie konnte er, 
der Sohn des Erzherzogs Karl und einer bayerischen Her- 
zogin das Wappen als mütterlich (materna) bezeichnen? 
In solchen und ähnlichen Bedenken wurden wir durch Pro- 
fessor Dr. Luschin von Ebengreuth bestärkt, welcher das 
Stück für eine „in gewinnsüchtiger Absicht verfertigte" 
italienische Nachmünze erklärte und auf den Grafen und 
Fürsten Syrus von Correggio rieth, eine Ansicht die auch 
Museumsdirector C. Kunz in Triest aussprach. 

In Italien wurden dergleichen Nachprägungen gut- 
werthiger Nachbarmünzen bekanntlich mit vorzüglicher 
Ausführung der Stempel und mit grosser Spitzfindigkeit 
bezüglich Typus und Umschrift verfertigt. Dies trifft auch 
im vorliegenden Falle zu. 

Man wäre beinahe versucht die Münze einem Bischof 
von Antun zuzuweisen, wenn damals (1621) dort ein 
solcher Namens Leodegar regiert, und das Münzrecht 
besessen hätte! Glücklicherweise helfen uns urkundliche 
Nachrichten aus der Verlegenheit. In des Ansbacher 
Münzinspector J. C. Hirsch „Des deutschen Reiches Münz- 
archiv" finden wir unter zahlreichen Beschwerden und 



Syrus Austriacus von Corresgio. 



193 



Devalvationen die italienischen Nachprägungen betreifend 
auch eine Eingabe der Kreisstände von Franken, Bayern 
und Schwaben an den Kaiser de dato, 28. Juli 1623, 
welche unter anderen klagt: „Dass Ew. Majestät Fürsten 
und Vasallen einer in Italien Syro di Austria genannt, 
Principe von Chorezo ein falscher Mttnzmeister Rivarola 
Genuesen genannt, zu August ohne Scheu aufhalten und 
gegen Darreichung grosser Summe Gelds ins Nachsehen 
vieler Fürsten und Stände des Reichs Mtintz - Gepräg 
imitiren und gantz gering und falsch haltende Münzen 
schlagen und ins Reich verschieben lassen u, s.w." (Münz- 
archiv IV, S. 190). 

Wir sehen, dass Syrus ausdrücklich der Nachfälschung 
zahlreicher deutscher Münzen beschuldigt wird, und sein 
Beiname Austriacus, den er wegen einer fabelhaften Ver- 
wandtschaft seines Geschlechtes mit den Habsburgern 
führte (siehe darüber den weitläufigen Bericht in Köhler's 
Münzbelustigungen XVII. Bd., S. 201 ff.) mag ihn ver- 
anlasst haben die Umschrift des Reverses zu wählen, 
wobei freilich der Beisatz „materna" auch da dunkel 
bleibt. Unsere Zutheilung wird aber durch folgende drei 
Umschriften bestärkt , die sich auf unzweifelhaft der 
Familie Correggio angehörenden Münzen vorfinden: 

1. ORIGInis INCLITae SIGNum INSIGNe als 
doppelte Anspielung auf den österreichischen Herzschild 
und die übrigen Wappenbilder des Geschlechtes auf einem 
Dukaten des Grafen Camillus (f 1605) bei Litta, fam. 
celebri Italiane, fasc. 15. 

2.ANTIQVISSimaeFAMiliae INS IGNIA Thaler 
des Syrus Austriacus. Madai 2056 vom Jahre 1628 und 
Catal. Regnault Nr. 4766 (vom Jahre 1627). 

13 



1QA 

J c* Ed. Forchheimer : Ein Thalir d. Fürsten Syrus Austriacus v. Corregglo. 

3. ANTIQVISSimae FAMüiae AVStriacae IN- 
SIGNia Thaler des Syrus Austriacus von 1628 Madai 
4604, und Monn. en arg 313. 

Diesen schliesst sich unser Gepräge an, zu welchem 
der Genuese Rivarola, oder der gleichfalls in der Münze 
des Syrus thätige Schwabe Caspar Kurz aus Buchhorn, 
mit seinem Spiessgesellen, dem Allgäuer Magnus Lipp, die 
Stempel verfertigt haben mag. 

Es wäre nur noch das auf der Vorderseite am Schlüsse 
der Inschrift befindliche P-S zu erklären. Man könnte das 
S, trotz der darauf folgenden Rosette, als Beginn der 
Umschrift ansehen, und Sanctus Leodegarius etc. lesen, 
und das P am Schlüsse zu Protector ergänzen; vielleicht 
ist es aber zutreffender die Rosette als Trennung der 
Legende anzunehmen und das S als Abkürzung des Namens 
Syrus zu betrachten, auch Hesse sich das P • S mit Princeps 
Syrus auflösen. 

Bigi in seiner freilich lückenhaften Abhandlung „Di 
Camillo e Siro da Correggio e della loro Zecca, Modena 
1870 kannte unser Stück nicht. 



195 



X. 

Zwei Thaler der Familien Rosenberg. 

(Hiezu Tafel VI.) 

Von 
Carl Ernst. 

I. 

Av. FRANCISCVS-VRSINSR-I-PRICEPS- 
ROSENBERG- Kopf von der rechten Seite mit 
lang herabfallendem gelocktem Haare. Unter dem- 
selben IN-WIRTF. 

Rev. MONETANOVAAD-NORMAMCONVEN- 
TIONIS'1793. Unter einem baldachinartig ge- 
falteten, vom Ftirstenhute überdeckten Hermelin- 
mantel das von zwei aufrechtstehenden Bären ge- 
haltene Wappen der Rosenberg, von dessen Mitte 
das goldene Vliess herabhängt. 

Glatter Rand. Gew. 28-04 Grm.; Dchm. 41 Mm. 
Taf. VI, Nr. 3 ; k. k. Cabinet Wien. 

Zu diesem Thaler erlagen die meisterhaft geschnitte- 
nen Stempel unbenutzt in der hiesigen kaiserlichen Münze 
wohl seit ihrer zu Ende des vorigen Jahrhunderts erfolgten 

13* 



196 



Carl Ernst: Zwei Thaler 



Anfertigimg durch den damaligen Mtinzgraveur J. N. Wirt j 
wenigstens ist bisher kein Thaler dieses Gepräges bekannt 
geworden. Selbst die Familie Rosenberg scheint keine Notiz 
von der Existenz der gedachten Stempel gehabt zu haben, 
da sie erst durch den früheren Director des kaiserlichen 
Münz- und Antikencabinets Joseph Arneth auf dieselben 
auimerksam gemacht werden musste. 

Ob die Ausprägung der Thaler in Folge der damali- 
gen politischen Ereignisse, welche bekanntlich die Prä- 
gungen auch anderer münzberechtigten österreichischen 
Fürstenhäuser ins Stocken brachte, oder in Folge des 
Ablebens des Fürsten Franz Rosenberg unterblieb, ist 
bisher nicht zu ermitteln gewesen. Möglich auch, dass bei 
Lebzeiten des Fürsten nicht sämmtliche Prägerequisiten 
fertig gestellt waren ; denn als im Jahre 1853 Director 
Arneth, mit einer Anzahl anderer Münzen und Medaillen, 
zu welchen die Stempel im hiesigen Münzamte verwahrt 
wurden , die Nachprägung auch einiger Rosenbergthaler 
für das kaiserliche Cabinet in Anregung brachte, fand 
sich thatsächlich die sogenannte Rollirstrasse fUr den 
Münzrand nicht vor, und man sah sich genöthigt, diese 
Thaler ohne irgend eine Randverzierung oder -Schrift 
anzufertigen. Es wurde jedoch damals kein Stück abge- 
geben, da die oberste Münzbehörde vorerst den Nachweis 
erbracht wissen wollte, dass der Familie Rosenberg das 
Münzrecht auch wirklich zuerkannt worden sei. 

Erst nach vielfachen Bemühungen ist es im verflosse- 
nen Jahre möglich gewesen, dem kaiserlichen Cabinete 
einen solchen Rosenbergthaler zuzuwenden, welcher als 
der einzige seiner Art bezeichnet werden kann, der einer 
öffentlichen Sammlung einverleibt wurde. 



der Familien Rosenberg. 



197 



Wolfgang Franz Xaver GrafEosenberg:, der 
in Kärnten, Steiermark und Oesterreicii ansässigen Familie 
dieses Namens augehörend, war kaiserlicher Staats- und 
Oabinetsminister und Oberstkämmerer, und wurde von 
Leopold II. am 9. October 1790, während der Kaiser- 
krönung in Frankfurt, zum Lohne für seine vielfachen 
Verdienste um Thron und Staat und insbesondere bei der 
Verwaltung des Grossherzogthums Toscana während der 
Minderjährigkeit Leopolds , in den Reichsfürstenstand 
erhoben. Es scheint, dass ihm gleichzeitig vom Kaiser 
auch das Münzrecht unter jenen Beschränkungen einge- 
räumt wurde, welche seit den Tagen Maria Theresia's für 
die in Oesterreich ansässigen und zur Münzprägung berech- 
tigten Reichsstände üblich geworden waren. Lässt sich 
gleich hierüber, soweit wir informirt sind, keine urkund- 
liche Nachweisung erbringen, so darf man doch aus den 
in der kaiserlichen Münze befindlichen Thalerstempeln 
folgern, dass dem Fürsten Rosenberg, ähnlich wie dem 
Fürsterzbischofe von Olmütz (1777—1811) ') den Fürsten 
Auersperg, Batthiany, Esterhazy, Paar u. a. m. über ein 
Hofgesuch die Bewilligung zur Ausmünzung eines gewissen 
Quantums grober Münze mit eigenen Stempeln im k. k. 
Hauptmünzamte zu Wien gegen Entrichtung der in solchen 
Fällen norraalmässig bestehenden Schlagsatz- und anderen 
Gebühren bewilligt wurde. 

Die Abstammung des Hauses Rosenberg von dem alt- 
römischen Geschlechte der Ursini oderOrsini, aus welchem 
die Brüder Vitellus und Heinrich, die Begründer der böh- 



1) Vgl. Branowitzers Abhandlung über das Münzrecht der 
Fürsterzbischöfe von Olmütz Wiederabdruck bei Mayer Münzen 
und Medaillen des f. Hochstifts Olmütz S. 175, 176. 



198 



Carl Ernst: Zwei Thaler 



mischen und kärtnerischen Linie der Rosenberge 
hervorgegangen sein sollen, begegnet bei den Historikern 
gewichtigen Zweifeln. Nach dem uns vorliegenden genea- 
logischen Abrisse sollen die Glieder der kärntnerischen 
Linie von der orsinischen Rose in ihrem Wappen bald nach 
ihrer Ansiedlung in Kärnten, Herren von der Rose genannt 
worden sein und bereits 1231 den Namen Rosenberg an- 
genommen haben. 

Johann Andreas von Rosenberg, Oberstburg- 
graf in Kärnten, wurde 1648 von Ferdinand HL fUr sich 
und seine ehelichen Nachkommen der Reichsgrafenstand 
verliehen. Sein SohnWolf gang Andreas (11695) stiftete 
durch seine zwei Söhne Joseph Paris (f 1685) und 
Philipp Joseph (f 1765) zwei Linien, aus deren 
ersterer Wolfgang Siegmund (f 1739) und dessen 
Sohn Wolfgang Franz Xaver, von welchem der in 
Rede stehende Thaler herrührt, hervorgingen. Mit diesem 
erlosch im Jahre 1796 die durch Joseph Paris begründete 
Linie, und die ihm verliehene reichsfürstliche Würde ging 
auf den jüngeren, jetzt noch blühenden Stamm des Philipp 
Joseph über. 



1QQ 

der Familien Kosenberg. j.«^»/ 



II. 

Av. WILHELM:REGIR(ER)D(ES)— -HAVS: 
(E S) R S E N B : (E R G) Rosette. Innerhalb eines 
Perlenkreises Brustbild von vorne, bis zum Gürtel 
sichtbar, in voller Rüstung mit Halskrause und 
umgehängtem goldenen Vliesse, das bärtige Ge- 
sicht in dreiviertel Profil nach rechts gewendet. 
Die rechte Hand hält vor sich das Rosenbergi- 
sche Wappen, die linke den bis zur Mitte der 
Brust aufragenden Schwertgriflf. 

Rev. MONETA : NOVA : ARGEN :REICH- 

S T E IN : 87 (1587). Innerhalb eines Perlenkreises 
mit parallelen Stäbchen, der mit dem linken Beine 
ausschreitende heilige Christoph, die erhobene 
Rechte auf einen langen Wanderstab, die Linke 
in die Hüfte stützend ; auf seiner linken Schulter 
der durch den Perlenkreis bis an den Rand der 
Münze aufragende Heiland, die Rechte segnend 
emporhaltend, während die Linke die Kugel mit 
dem Kreuze trägt. Längs des Randes beiderseits 
Strichelkreis. 

Gew. 29-06 Grm.; Durchm. 42 Mm., k. k. 
Cabinet. Taf. VI, Nr. 2. 

Dieser kürzlich vom kaiserlichen Cabinete aus der 
Sammlung Missong erworbene Thaler stimmt mit jenem 
überein, welchen Appel (L Bd., III. Abth. p. 104, Nr. 81.-), 
sowie W. Hanka in seiner Abhandlung über die Familien- 



200 



Carl Ernst: Zwei Thaler 



münzen und Medaillen des Hauses Rosenberg i) beschrie- 
ben hat. Hanka erwähnt desselben in Kürze und lieferte 
eine sehr gut gelungene Abbildung davon. Da aber einer- 
seits des Letzteren, überdiess in böhmischer Sprache abge- 
fasste Abhandlung nicht allgemein zugänglich, und ander- 
seits die von Appel gegebene Darstellung höchst mangel- 
haft ist, dem Stücke aber jedesfalls die Eigenschaft grosser 
Seltenheit zuerkannt werden muss 2), so dürfte es nicht 
ganz zwecklos erscheinen, dass wir dasselbe hier zu 
reproduciren unternommen haben. 

Wilhelm gehörte dem mächtigen Hause der böhmi- 
schen Rosenberge an, welches, wie schon erwähnt, von 
Vitellus Orsini, oder Vitek, wie er sich angeblich nach 
seiner Ansiedlung in Böhmen genannt hat , abstammen 
sollte. Diese Abstammung und daher auch die Verwandt- 
schaft mit der kärntnerischen Familie Rosenberg wird von 
den Geschlechtskundigen in das Gebiet der genealogischen 
Fabel verwiesen und scheint auch der Familie selbst nie 
als constatirt gegolten zu haben. Schon Peter von Rosen- 
berg (t 1'641) suchte durch Bevollmächtigte, die er nach 
Italien entsandte, die verwandtschaftlichen Beziehungen 
zu den Ursini de Rosis wachzurufen, was zu persönlichen 
Begegnungen mit Gliedern dieses Geschlechtes führte, 
bei welchen der gemeinschaftliche Ursprung festgestellt 
worden sein soll. König Johann von Luxemburg erkannte 



1) Rodinne mince amedalie domu Rozmbersköho w Öechdch. 
Casopis ceskeho Museum. XI. Jahrgang 1837, p. 452 flf. 

2) Uns ist ausser dem hier beschriebenen im kaiserlichen Ca- 
binete befindlichen Kosenbergthaler dieses Gepräges nur noch einer 
bekannt, welcher sich in der Sammlung Sr. Durchlaucht des Fürsten 
Montenuovo befand und vielleicht mit dem einst in der gräflich 
Sternberg' sehen Münzsammlung verwahrten identisch ist. 



der Familien Uosenberg. 



201 



diesen auch an i), wobei freilicli der Wunsch mitgewirkt 
haben mochte, dem mächtigen Herrn von Rosenberg, der 
ihm wiederholt durch Darlehen und Bürgschaftsleistungen 
beigestanden 2), gefällig zu sein. Allein ungeachtet dieser 
Anerkennung müssen keineswegs alle Zweifel, wenn auch 
nicht über die Verwandtschaft mit dem italienischen 
Geschlechte, so doch über den Affinitätsgrad und die 
Abstammung selbst als behoben angesehen worden sein, 
da noch 200 Jahre später, Wilhelm v. Rosenberg in einem 
Briefe an Franz Ursini Grafen Blagay, dessen eigenhändig 
geschriebener Entwurf vom 6. December 1558 in den böh- 
mischen Archiven verwahrt wird, Anlass nahm, die genea- 
logische Frage neuerdings anzuregen 3). 

Den Titel Regierer (Gubernator) oder regierender Herr 
des Hauses Rosenberg führte Wilhelm vermöge eines von 
seinem Ahnherrn Ulrich v. Rosenberg (f 1390) mit seinen 
Brüdern Peter, Jobst und Johann im Jahre 1360 geschlosse- 
nen, von Kaiser Karl IV. bestätigten und auf Befehl 
des Königs Wladislaw im Jahre 1493 auch der böh- 
mischen Landtafel einverleibten Hausvertrages, in welchem 
gleichzeitig vereinbart wurde, dass die Verwaltung sämmt- 
licher Erbgüter der Familie stets nur Einem derselben 
zustehen sollte. 



1) (Fr. Miltner und Jos. Neumann) Beschreibung der bisher 
bekannten böhmischen Familienmünzen und Medaillen. Frag.) 

2) Graf Kaspar Sternberg: Umrisse einer Geschichte der böh- 
mischen Bergwerke, Frag 1837. Feter vonEosenberg wurde hierfür 
von König Johann zu drei verschiedenen Malen eine ganze Eeihe 
von Goldwäschen und Bergwerken verpfändet. 

3) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst, Jahr- 
gang 1826, p. 49 ff. Der böhmische Reichsbaron etc. "Wilhelm von 
Eosenberg. 



202 



Carl Ernst : Zwei Thaler 



Das Recht, Münzen zu prägen, war bereits vor Wilhelm 
mehreren Gliedern der Familie verliehen worden, doch 
konnte sich dieses Privilegium bei den Rosenberg, als 
einem nicht unmittelbaren Adelsgeschlechte, nur auf den 
Betrieb und den Ertrag einer Münzstätte, beschränken, 
aus welcher die zum Umlaufe bestimmten MUnzstUcke 
wohl mit dem Gepräge des obersten MUnzherrn, keines- 
wegs abeV mit dem Bilde und Wappen der Mtinzverweser, 
als welche die Rosenberge doch nur angesehen werden 
konnten , hervorgehen durften i). 



1) Man werfe nicht ein, dass die Grafen Schlick, ungeachtet 
sie keinem reichsunHiittelbaren Adelsgeschlechte angehörten, gleich- 
wohl die Münzfreiheit genossen. Die Urkunde Kaiser Sigmunds vom 
Jahre 1437, durch welche ihnen dieselbe nach Eröffnung des 
Bergwerkes in Joachimsthal mit den Worten verliehen worden 
sein sollte : „ .... so ertheilen wir ihm (Kaspar Schlick Grafen von 
Passaun [Bassano] ), seinem Bruder und ihren Erben und Nachkom- 
men kraft dieses Briefes die Freiheit, wenn und wo ihnen solches 
gelegen und gefällig, es sei im heiligen römischen Reiche, in der 
Krone Böhmen oder in anderen unseren Ländern, Gulden und Silber- 
münzsorten klein und gross wie alle andere unsere und des heiligen 
römischen Reiches Münzedicte und Ordnungen zulassen, gleich als 
andere nenachbarte Stände thun und verrichten, mit Umschrift 
Bildnissen, Wappen und Geprägen auf beiden Seiten 

schlagen und münzen zu lassen " eine Urkunde, deren Original 

nicht aufzufinden ist, wird von den Historikern als unterschoben 
und aus dem XVI. oder gar XVII. Jahrhunderte herrührend be- 
zeichnet. Nachdem das Bergwerk zu Joaciiimsthal thatsächlich erst 
1516 eine Ausbeute lieferte, konnte dasselbe im Jahre 1437 unmög- 
lich den Beweggrund einer Verleihung des Münzrechtes bilden. In 
der späteren Bestätigungsurkunde der Schlick'schen Gerechtsame 
von König Wladislaw geschieht auch davon keine Erwähnung, und 
bei den Verhandlungen über das Münzen der Schlick unter König 
Ferdinand I. ist immer nur von der Urkunde König Wladislaws, 
nie aber von jener Kaiser Sigmunds die Rede. Wohl räumten die 



9(V^ 

der Familien Rosenbftrg. ^\jk> 

Diess wird auch durch den Wortlaut der verschiede- 
Dcn Majestätsbriefe bestätigt, durch welche im XV. und 
XVI. Jahrhunderte, wie erwähnt, einzelnen Regierern des 
Hauses Rosenberg das MUnzungsrecht eingeräumt wurde. 

So heisst es in der Urkunde, welche König Sigmund 
von Skalitz am 8. März 1422 erliess und durch welche 
Ulrich V. Rosenberg, dritter Regierer des Hauses (f 1462), 
aus Anlass der durch die Hussiten in Kuttenberg geprägten 
Groschen und Denare, mit der Mtinzberechtigung begnadet 

wurde, „ Nobili Vlrico de Rosenberg, fideli nostro 

dilecto, dedimus licentiam et plenariam facultatem, huius- 
modi nostram Monetam cudendi sub numero 
pondere et grano quibus hactenus tenta est, per se uel per 
alium, sicut hoc sibi visum fuerit conuenientius expedire 

■ • • ^ ^)- 

Dass Ulrichs Sohn, Johann von Rosenberg (f 1472), 
der fünfte Regierer des Hauses und Parteigänger Georgs 
von Podiebrad, für seine, dem Könige geleisteten wesent- 
lichen Dienste das MUnzprivilegium angestrebt und auch 



böhmischen Stände 1520 dem Stephan Schlick das Recht ein, das 
Joachimsthaler Silber zu zwei Theilen in Thalern und Gulden- 
groschen, und zu 1 Theilen in böhmischen Groschen auszuprägen, 
allein dieses Conclusum wurde von Ferdinand L nicht bestätigt, im 
Gegentheile gerügt und dessen Extabulirung verlangt. Die Münzung 
der Thaler mit Schlick'schen Gepräge kann mithin keinesfalls als 
eine berechtigte angesehen werden. Im Jahre 1528 wurde desshalb 
auch vom Könige der Silberkauf und die Münze in Joachimsthal 
an sich gezogen , die Verwaltung der Münze wohl dem Grafen 
Schlick als königlichem Verweser belassen, aber der Betrieb 
derselben königlichen Beamten übergeben. (Nach Gf. Sternberg, 
Umrisse etc., p. 312 ti'.). 

1) Graf Kaspar Sternberg, Umrisse etc. p. 107 nach dem Ori- 
ginale im Wittiogauer Archive. 



204 



Carl Ernst: Zwei Thalcr 



erworben habe, erzählt Wenzel Brzezan aus Brzezy, der 
Posenbergische Historiograph, in seiner 1609 verfassten 
Chronik. Nach derselben hat König Georg diesen Rosen- 
berg ermächtigt Groschen, und Pfenninge zu schlagen. 

König Ferdinand I. endlich erneuerte im Jahre 1529 
das der Familie Rosenberg früher zuerkannte Recht zu 
münzen, doch soll dasselbe nach Brzezan nur auf die 
Dauer von 15 Jahren beschränkt gewesen sein. In der 
Instruction, welche der König von Prag am 6. Juni 1532, 
mit Beziehung auf dieses, den Brüdern Jobst und Peter 
von Rosenberg (XI. und XII. Gubernatoren des Hauses) 
verliehene Münzrecht erliess, werden die zu prägenden 
Münzen nachstehend beschrieben : 

„Auf den behemisch Groschen, so die gemelten von 
Rosenberg munczen, solle Kn.Mt. Gepräg, wie sich Ir. Mt. 
desselben zu Kuttenberg gebrauchet, vnd auf der aynen 
Seytten in der Vmbschriift zwischen dem Text der von 
^osenberg Wappen, daz ist ein Rösl geprägt und geschla- 
gen werden. 

„Vnd in den weissen vnd kleinen Pfenningen solle auf 
ayn Seytten ain F, vnd auf dj ander auch der von Rosen- 
berg Wapen, ein Rösl geprägt vnd geslagen werden" i). 

Dass trotz dieser wiederholt erlangten und höchst 
wahrscheinlich auch ausgeübten Münzberechtigungen 
bisher keine Münzen aus jenen Zeitabschnitten bekannt 
geworden, welche sich durch ihr Gepräge unzweifelhaft 
als-Rosenberg'sche erkennen Hessen — was in den uns 
vorliegenden, den Gegenstand behandelnden Schriften als 



ij Graf Kaspar Sternberg a. a. 0. p. 160. Nach dem Originale 
im Wittingauer Archive. 



der Familien Rosenbtri 



^05 



auffallend bezeichnet wird — erklärt sich wohl aus der 
oben ausgesprochenen und durch die vorstehenden Ur- 
kunden bestätigten Ansicht, dass die zur Zeit Sigmunds 
und wahrscheinlich auch König Georgs aus der Rosen- 
bergisehen Münzstätte hervorgegangenen Münzen eben 
auch das landesfürstliche Gepräge aufweisen musstep, und 
dass die später, unter Ferdinand I. erzeugten Rosenbergi- 
schen Groschen und Pfenninge sich von den gleichzeitigen 
Geprägen des Landesherrn durch die Rös'chen im Texte 
nicht genügend unterscheiden, da auch auf jenen ähn- 
liche Rosetten häufig als Trennungszeichen gebraucht 
wurden i). 

Erst von Wilhelm von Rosenberg und seinem Bruder 
und Nachfolger Peter Wok sind ausser einer Anzahl 
Medaillen, Jettons und Rechengroschen auch Münzen be- 
kannt, welche durch Bildniss, Wappen und Umschrift die 
von den Rosenbergs erworbene vollkommene Münzfreiheit 
erweisen. Diese erlangte, wie urkundlich bestätigt wird, 
Wilhelm jedoch erst, nachdem er die schlesische Bergstadt 
Reichstein mit Silberberg im Jahre 1581 käuflich an sich 
gebracht hatte, indem Kaiser Rudolph 11. bei Bestätigung 
dieses Kaufes , auf Wilhelm von Rosenberg und seine 
Erben auch die Ausübung des Münzrechtes tibertrug, 
welches die früheren Besitzer, die Fürsten von Münster- 



1) V. Posern-Klett Sachsens Münzen im Mittelalter bildet 
Taf. XXIV, Nr. 2 einen Heller ab, den er p. 14 der Stadt Altenburg 
beilegt, der aber von Einigen, wie wir glauben, irrthümlich den 
Rosenbergern zugeschrieben wird. Derselbe zeigt den wachsenden 
Löwen, darunter ein Schild mit einer Rosette, zur Hechten im Felde 
ein F, zur Linken eine Rosette. Posern-Klett sieht im Löwen den 
meissnischen und theilt diesen einseitigen Heller dem Landgrafen 
Friedrich zu. 



206 



Carl Ernst: Zwei Tiialer der Familien lloscnberg. 



berg und Oels, auf Grund eines kaiserliclien Privilegiums 
besassen. 

Nach De werdeck war die Bezeichnung: Moneta Reicii- 
steinensis im Jahre 1507 bei Uebertragung der Münz- 
stätte vom Kirchhofe zu Franckstein nach Reichstein ein- 
geführt worden. Die Darstellung des grossen Christoph 
auf der Reversseite zeigten die Reichstein'schen Münzen 
zu Ehren des Heiligen dieses Namens , als Schutzpatrons 
des dortigen Bergwerkes *). Wilhelm von Rosenberg 
behielt, wie der von uns beschriebene Thaler zeigt, das 
Gepräge der einen Seite unverändert bei und substituirte 
dem Wappen der münsterbergischen Fürsten auf der ande- 
ren MUnzseite sein Bildniss mit entsprechender Umschrift. 

Er starb am 31. August 1592 kinderlos, worauf ihm 
sein Bruder Peter Wok (geboren 1539) als letzter (XIV.) 
Regierer des Hauses Rosenberg folgte, welcher Reichstein 
und Silberberg im Jahre 1599 an den Herzog Joachim Fried- 
rich zu Liegnitz und Brieg verkaufte. Mit Peter Wok's am 
G. November 1611 erfolgten Tode erlosch das mächtige 
Geschlecht der böhmischen Rosenberg. Ein Theil der 
Güter fiel an Kaiser Rudolph H., der grössere durch Erb- 
schaft an Johann Georg von Svamberg, in dessen Familie 
die Erbfolge nach der Primogenitur eingeführt wurde. 
Nach diesem Erbfalle hat die Linie der Svamberg die 
Rosenbergische Rose in ihr Wappen aufgenommen. 



1) M. Gottfried Dewerdek Silesia numismatica. Jauer 1711, 
p. 410 flf. und 621 flf. 



207 



Numismatische Literatur. 



1. Hermann Dannenberg. Die deutschen Münzen der sächsischen 

und fränkischen Kaiserzeit. (2 Bde. gr. 4°, XX und 510 S. nebst 

einer Karte und 61 Tafehi. Berlin 1876, Weidmann, 40 Mark.) 

Die Frucht jahrelanger Vorbereitungen, das Ergebniss der 
Durchforschung von vielen Tausend Urstücken, die üebersicht und 
Prüfung einer weitläufigen, vielfach unkritischen Literatur, bietet 
der Verfasser in dem hier genannten Werke. 

Was sich Dannenberg vorgenommen hatte, war keine leichte 
Aitfgabe, und es wäre ihr auch ausser ihm und Hermann Grote, dem 
Altmeister auf diesem Felde, nicht bald ein Anderer gewachsen 
gewesen. Dass die Lösung, wie sie da versucht wird, hier mehr, 
dort weniger befriedigt, dass die aufgestellten Münzreihen Nach- 
träge und Berichtigungen erfahren werden, dass mit einem Worte 
auch nach diesem bedeutenden Fortschritte auf dem Gebiete der 
mittelalterlichen Numismatik noch Raum genug zu Untersuchungen 
über das Münzwesen der deutschen Kaiser erübrigt, diess Alles 
vermag die Verdienste des Verfassers nicht zu schmälern , der es 
der Erste unternommen hat, das ins UnendHche angewachsene 
Materiale von fünfzig Münzfunden in Verbindung mit zahlreichen 
Originalen aus allen zugänglichen öffentlichen und Privat-Samm- 
lungen, und mit stetem Bezug auf die weit zerstreute Literatur nach 
wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu sichten, und in einem Werke 
vereinigt vorzulegen. Wir glauben diess ausdrücklich hervorheben 
zu müssen, weil es auch an Bemänglungen solcher Lücken nicht 
fehlen wird, welche nicht auf Rechnung des Verfassers gehen, 



208 



Numismatische Literatur. 



sondern auf einem im Interesse der Wissenschaft höclist bedauer- 
lichen Mangel an Entgegenkommen seitens einzelner Besitzer oder 
Hüter von Münzfunden beruhen. Man vergleiche nur beispielsweise 
das S. XIV der Vorrede über den Director des Stockholmer Münz- 
cabinets, Herrn Keichsantiquar Hildebrand, schonend Angedeutete. 

Wenden wir uns zur Besprechung des Werkes selbst. 

Die Einleitung (S. XI) bringt die berechtigte Klage, dass die 
Geschichtsschreiber so selten von dem, was die Münzen uns lehren, 
Kenntniss nehmen. Dannenberg schiebt diess auf den Abgang 
brauchbarer Handbücher und auf die Schwierigkeit, den in Mono- 
graphien zerstreuten Stoff zu beherrschen. Beide Ursachen zuge- 
geben, so fürchten wir doch, dass das Uebel noch tiefer liegt, 
dass es zum Theile auf jener gewohnheitsmässigen Missachtung 
beruht, welche man in gelehrten Kreisen dem Gegenstande ent- 
gegen bringt. Der Umstand, dass Mader's Werke in ungenügender 
Anzahl ins PnbHkum gelangten, und dass die Pflege dieses Feldes 
nach ihm durch mehrere Jahrzehende meist in ungeeigneten Händen 
lag, haben die Anschauung grossgezogen, dass die mittelalterliche 
Numismatik ein nettes Dilettanten-Spielzeug, aber auch nicht 
mehr abgeben könne. Dabei übersieht man ganz, dass sich die 
Voraussetzungen mittlerweile geändert haben, dass seitdem Männer 
aufgetreten sind, welche eine wissenschaftliche Behandlung und 
Vertiefung dieses Faches mit Erfolg anstrebten. So kömmt es , dass 
namhafte Historiker mit wenigen Ausnahmen sich damit begnügen, 
die mittelalterliche Numismatik unter den Hilfswissenschaften der 
Geschichte in hergebrachter Weise — aufzuzählen, dass dafür 
aber auch ihre Werke, sowie sie ein Gebiet berühren, über welches 
die Münzkunde Aufschluss geben soll, die gröbsten, durch den 
Münzforscher schon lange beseitigten Irrthümer, wieder aufwärmen. 
Das ist ein ungesunder Zustand. Hoffen wir, dass Dannenberg's 
Werk den Anlass gibt, mit dergleichen Irrthümern zu brechen und 
endlich einmal mit dem vornehmen Ignoriren aufzuhören. Man 
bequeme sich, jene concreten Fragen an die mittelalterliche Numis- 
matik zu stellen, zu deren Beantwortung sie allein befähigt ist, 
dann wird man nicht so verschiedenartige Dinge wie allenfalls die 
gerichtliche Verrufung eines Siegelstempels, und die fast immer 
finanziellen Erwägungen entsprechende Verrufung einer Münzsorte 
mit einander vergleichen, dann werden auch die auf das Wirth- 



Numismatische Literatur. 



209 



Schaftswesen und die Geschichte der Preise bezügUcheu Partien 
unserer historischen Werke besser ausfallen , als sie meist ge- 
rathen sind. 

Durch zweierlei Thätigkeit sucht man heutzutage die wissen- 
schaftliche Vertiefung der mittelalterlichen Münzkunde vorzugs- 
weise zu erreichen ; einmal dadurch, dass man bei der Bestimmung 
von Münzen, d. h. bei Feststellung ihres Ursprungs nach Zeit, Ort 
und Prägeherrn sich nicht mehr durch den Wunsch des Sammlers, 
sondern durch strenge Kritik leiten lässt, und zweitens dadurch, dass 
man von der so gewonnenen sicheren Grundlage aus, unter Heran- 
ziehung neuen Materials durch Schlnssfolgerungen die Anknüpfungs- 
punkte an die politische oder Rechtsgeschichte, an die Kunst, 
oder an wirthschaftliche Verhältnisse u. s. w. herzustellen strebt. Den 
ersten dieser Wege kann naturgemäss nur ein tüchtiger, wissen- 
schaftlich gebildeter Münz kenn er einschlagen, um den zweiten 
mit Erfolg zu betreten, genügt eine umfassende Kenntniss der ein- 
schlägigen Literatur (siehe Soetbeerj; gesellen sich dieser auch 
praktische Kenntnisse im Fache der Numismatik bei, dann ist es 
umso bessei". 

Dannenberg's Werk bietet in beiden geschilderten Richtungen 
sehr Beachtenswerthes, doch liegt die Hauptstärke nach der Absicht 
des Verfassers in der Münzbeschreibung und Bestimmung. Hier 
stellt er , durch dessen Hände seit Jahren zahlreiche Müuzfunde 
gingen, seinen rechten Mann, und hier schuf er ein grundlegendes 
Werk für weitergehende Forschung. Was hingegen die aus der Münz- 
bestimmung gezogenen Folgerungen, die Münzstudien, um mit Grote 
zu sprechen, anbelangt, so sind diese mehr andeutungsweise behan- 
delt, da sichDannenberg darauf beschränkt, in der Einleitung Einiges 
über das Münzrecht, den Münzfuss, die Gepräge, Inschriften, Nach- 
münzen u. s. w. beizubringen. Da seine Ansichten sich theils durch 
neue Argumente unterstützen lassen, theils von den unseren in Ein- 
zelnheiten abweichen, so müssen wir hier einige Punkte hervorheben. 

Im ersten Capitel werden die Grenzen des Werks in geogra- 
phischer und chronologischer Hinsicht festgestellt. Der Grundsatz, 
dass der Begriff Deutschland nicht in seinem heutigen, sondern in 
dem Umfange genommen werden müsse, welcher der behandelten 
Zeit entspreche, ist ganz richtig, aber eben darum hätten einige 
Ausscheidungen nicht geschehen dürfen , welche Dannenberg vor- 

14 



210 



Numismatischp Literatur. 



nimmt. So hinsichtlich Böhmens ; denn der Behauptung, dass diess 
Land wohl in gewisser staatsrechtlicher Verbindung mit dem Reiche 
war, aber keinen integrirenden Bestandtheil desselben gebildet 
habe, steht die Thatsache entgegen, dass das Land, von aller 
späteren Entwicklung abgesehen, bereits durch Kaiser Heinrich IL 
in so nahe Beziehungen zum Reiche gebracht worden war, dass die 
deutschen Fürsten den Herzog Ulrich , wie einen ihresgleichen an 
der Wahl Konrad II. des Saliers Theil nehmen Hessen. Wichtiger 
erscheint der zweite geltend gemachte Grund, dass die böhmischen 
Münzen mit den deutschen, gewisse Berührungspunkte mit den 
bayerischen Geprägen ausgenommen, wenig oder nichts gemein 
hätten, doch ist auch diess nicht durchschlagend, weil Dannenberg 
sofort selbst zugibt, dass auch die bayerischen Typen von den 
übrigen deutschen scharf geschieden sind. Ausserdem hätte das 
Herzogthum Kärnten, selbst wenn von demselben keinerlei Münzen 
dieser Zeit nachweislich sein sollten , in Hinblick auf Streber, min- 
destens ebenso gut eine eigene Rubrik mit den erforderlichen Nach- 
weisnummern verdient, wie eine solche den geradezu iin bedeuten- 
den Burggrafen von Regensburg zugestanden wurde. Doch davon 
noch später. 

Die Ausführungen Dannenbergs , durchweiche er die von ihm 
gewählte chronologische Abgrenzung gegen Grote vertheidigt sind 
gelungen, was er dagegen Abschnitt II in Anlehnung an Grote 
über das Münzrecht sagt, bedarf noch mancher Ergänzung und 
Berichtigung, Irrig ist z, B. die Ansicht, dass aus so früher Zeit 
keinerlei echte Verleihungsurkunden an weltliche Personen vor- 
handen seien , unrichtig die Behauptung, dass nur in den Landes- 
theilen neuer Cultur eine ausdrückliche Verleihung nöthig gewesen 
sei, weil die Bischöfe in den von den Hörnern besetzt gewesenen 
Theilen unseres Vaterlandes von Alters her in Besitz vieler Immu- 
nitäten gewesen, welchen bei steigender Cultur das Münzrecht 
hinzugetreten wäre, und gänzlich unhaltbar der Ausspruch, dass 
das Zusammenfassen von mercatus, teloneum und moneta in den 
Verleihungsnrkundeu eine blosse Kanzleiformel (!) gewesen sei. 

Vollkommen zu billigen ist es dagegen, dass Dannenberg 
neben den Geprägen mit dem Kaisertitel auch alle mit Bischofs- 
namen bezeichneten Münzen in sein Werk aufgenommen hat, da 
dieselben, wenn auch für den finanziellen Vortheil des Bischofs, aus- 



Numismatische I^iteratur. 



211 



gegeben so doch staatsrechtlich als Reichsmünze angesehen wurden. 
Eine genauere Ausführung dieser und ähnlicher auf das Münzregale 
bezüglicher Fragen muss jedoch einer besonderen Arbeit vorbe- 
halten bleiben, für welche vom Referenten das urkundliche Mate- 
riale schon seit Jahren vorbereitet wurde. 

Im Abschnitte III, welcher vom Münzfusse handelt, wird mit 
Recht vor den Trugschlüssen gewarnt, welche aus dem Einzel- 
gewichte von Mittelaltermünzen abgeleitet wurden, und auf das 
Durchschnittsgewicht verwiesen. Desto mehr ist es zu bedauern, 
dass Dannenberg noch bis zur Stunde (vgl. seine Beschreibung der 
Münzfunde von Schwarzow und Gross -Rischow, Baltische Studien 
1875) die günstige Gelegenheit nicht benützt, welche Münzfunde 
zur Ermittelung der Durchschnittsgewichte darbieten. Ebenso wäre 
auf den Feingehalt in Zukunft das Augenmerk zu richten, da man sich 
bisher gemeiniglich mit der Annahme begnügte, die Münzen 
seien in jener Zeit noch aus feinem, d. h. aus gereinigtem, nicht 
absichtlich legirtera Silber angefertigt worden. Auch hier gewähren 
die Münzfunde in den oft zahlreich beigemengten Bruchstücken 
oder schlecht erhaltenen Exemplaren ein leicht zu beschaffendes 
Materiale, für die erforderlichen Feuer- oder nassen Proben. 

Hinsichtlich des Gepräges wird im Abschnitte tV (S. 23) die 
Ansicht ausgesprochen, dass von einer eigentlichen Continuität des- 
selben, von einer bestimmten Fabrik, welche einer gewissen Loca- 
lität eigen wäre, kaum die Rede sein könne, und dass es irrig wäre 
zu glauben, das Gepräge sei damals irgendwie unter staatlichem 
Einflüsse entstanden , da es vielmehr ausschliesslich ein Erzeugniss 
des unabhängig schaffenden Stempelschneiders gewesen sei. — 
Das ist denn doch weit über das Ziel hinausgeschossen , und wird 
schon durch die Regensburger Gruppe widerlegt. Da anerkennen 
sowohl der Verfasser als Grote, dem er hierin folgt, einen so engen 
Zusammenhang, dass sie die schwierige Frage, wie die bayeri- 
schen Münzen unter den verschiedenen Heinrichen aufzutheilen 
seien, aus der Uebereinstimmung der Herzogsmünzen mit jenen der 
Bischöfe von Augsburg beantworten. Wäre die Untersuchung auch 
auf den Grund dieser Uebereinstimmung ausgedehnt worden, so 
hätte man ihn doch nur in dem Wortlaute der königlichen Verlei- 
hungsbriefe finden können, welcher für Freising und Salzburg aus- 
drücklich die Erlaubnissmonetam Radasponensem in loco Frigisinga 

14* 



212 



Numismatische Literatur. 



(Salzpurc) imperiali auctoritate construi, enthält, und zweifelsohne 
auch in dem verloren gegangenen Augsburger Privilegium dieselbe 
Befugniss zugestand. Freilich hätte sich diess mit dem abfälligen 
Urtheile über den Werth der kaiserlichen Kanzleiformeln (S. 5) 
ebensowenig vereinigen lassen, als es zu begreifen ist, wesshalb das 
erste Auftauchen bischöflicher u. s. w. Brustbilder auf Münzen, eine 
Ehre, welche bis dahin bloss dem ßeichsoberhaupte zukam, S. 20. 
als Wagestück bezeichnet wird , wenn man dem Gepräge staats- 
rechtlich wirklich so geringe Bedeutung beigemessen haben sollte. 

Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Es war Spitzfindig- 
keit und verlorne Mühe, wenn man aus verderbten oder nachlässig 
gearbeiteten Umschriften die schönsten Suiten von Münzherren 
herausklügeltc , oder den Zufälligkeiten in der Darstellung, der 
Form einer Krone, eines Scepters u. d. m. tiefsinnige Erklärungen 
unterschob, davor aber, das Gepräge (und warum nicht auch gleich 
die Umschrift?) lediglich als das Erzeugnis» der Laune des Eisen - 
Schneiders, also als etwas durch und durch Zufälliges hinzu- 
stellen, davon hätte schon die Aufstellung des Begrifts der Nach- 
münzen und Nachahmungen abhalten sollen. 

In den Abschnitten IV und VII, in welchen diese letzterwähn- 
ten Kategorien von Münzen behandelt werden, begrüssen wir einen 
wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete der deutschen Münzkunde 
des Mittelalters. Dannenberg definirt als Nach münzen die 
(äusserst zahlreich vorkommenden) Münzen mit sinnlosen Umschrif- 
ten, ohne wie Grote weiter zu unterscheiden, ob sie aus der landes- 
herrlichen Münze selbst in Folge der mangelhaften Befähigung der 
Stempelschneider so fehlerhaft hervorgingen, oder ob sie etwa 
später und anderswo mit oder ohne gewinnsüchtige Absicht ver- 
fertigt wurden, als Nachahmungen die Nachbildungen anderer 
Muster, welche ihre Entstehung entweder dem Mangel an Origina- 
lität bei dem Stempelschneider, oder dem natürlichen Uebergewicht 
verdanken, welches eine beliebte Münzsorte erlangt hatte (z. B. 
die Kölner oder Goslarer Pfenninge). Sehr beachtenswerth sind 
nun Dannenberg's Ausführungen, in welchen er die Nachmünzen, 
wenigstens der überwiegenden Mehrzahl nach, als missrathene 
Producte der legalen Münzstätte erklärt, während Grote, zunächst 
freilich nur in Bezug auf die bayerischen Münzen, aber gleich gut 
oder gleich schlecht auch auf alle übrigen passend , die Ansicht 



Numismatische Literatur. 



313 



vertritt, dass sie theils in anderen Landen — für Bayern die barba- 
rischen in Polen, die zierlichen in Italien — theils auch im Lande 
selbst, „und zwar, da in der herzoglichen Münzstätte doch nur 
Urstücke gemacht werden konnten, in anderen (Privat-) Werkstätten 
erzengt" worden seien. — Referent muss nun gestehen, dass er 
bisher die Ansichten Grote's, bezüglich der bayerischen Nach- 
münzen, wenngleich mit starken Einschränkungen aufrecht erhalten 
und vertheidigt hat (Wien, Num. Zeitschr. L 364 if.), dass ihn jedoch 
Dannenberg'ö Gründe, die er für den heimischen Ursprung dieser 
Münzsorten S. 32 ff. entwickelt , überzeugt haben. Er möchte aber 
auch namentlich der seither gewonnenen Kenntniss Ausdruck geben, 
dass selbst das auf die italienischen Namensformen der Münzeisen- 
schneider A C I Z 0, C A N N und V E C C H gestützte Argument 
Grote's hinfällig ist, da in diesem Falle ebenso wie bei den GVAL, 
AZO, ECCHO u. d. m. einfach Koseformen deutscher Personen- 
namen vorliegen i). 

In dem folgenden Abschnitte (VIII) lernen wir das Rüstzeug 
kennen, dessen sich der Verfasser bedient, und die Grundsätze, nach 
welchen er es rerwendet. Nicht weniger als fünfzig Funde, die oft 
mehrere Hunderte , ja selbst Tausende von Münzen enthielten und 
zum guten Theile durch die HandDannenberg's gingen, werden hier 
aufgezählt. „Es ist oft hervorgehoben und bedarf keines Beweises, 
erläutert er seine Methode, dass, wenn unter Tausenden von 
Münzen sich keine einzige befindet, welche eine bestimmte Zeit- 
grenze überschreitet, man auch von den chronologisch zweifelhaften 
annehmen darf, dass sie dasselbe Jahr einhalten, dass also, wenn z. B. 
unter einer so grossen Zahl sich keine Münze befindet, welche über 
Konrad IL, Todesjahr (lü39) hinausfällt, alsdann auch mit Grund 
zu glauben , dass Münzen mit dem Namen Heinrich nur von seinem 
Vorgänger Heinrich IL nicht von seinem Nachfolger Heinrich III. 
ausgegangen sind, dass endlich mehrfache solche gleichartige 
Funde — schliesslich zu einer unumstösslichen Gewissheit führen." 



1) Nämlich ACIZO, entweder = AGlZO, EGIZZO, Foersteman alt- 
deutsches Namenbuch I, Sp.l2 oder versetzt für AZIC O = Adalricus, Stark, Kose- 
namen der Germanen, Sitzungsbei. d. k. Akad. d. Wiss. Bd. LH, 335, Foersteman, 
Sp. 190, C ANNO = HANNO (vgl. CANOald = HANolt) Sp. 603, VE CG HO 
= WIGO, WICHO, WEGO, Sp. 1292 aus Wltger oder Wihker. 



214 



Kumistnatische Literatur. 



Nun unterliegt es keinem Zweifel, dass eine derartige, auf der 
Zusainmensetzung genau bekannter Funde fussende Argumentation 
dem kritischen Forscher die Aussicht gewährt, sehr wahrschein- 
liche, ja sogar sichere Anhaltspunkte für die chronologische Ein- 
reihung zweifelhafter Gepräge zu erhalten. Kann man also die 
auf solche Weise gewonnenen Ergebnisse, als in der Regel rich- 
tige bezeichnen, so bleiben doch immerhin Ausnahmen von dieser 
Regel denkbar, und diess namentlich dann, wenn man die gleiche 
Methode zur Bestimmung schriftloser Typen anwenden will, oder 
wenn etwa das zweifelhafte Gepräge einen namhaften Bruchtheil 
des Fundes bildet, und die Zahl der zeitsicheren Exemplare nicht 
sehr gross ist, oder umgekehrt, wenn die in Frage stehende Münz- 
sorte nur in wenigen aber prägeblanken .Stücken unter vielen aber 
mehr abgebrauchten Münzen vorkommen sollte u. dgl. m. Glaubte 
der Referent in Hinblick auf die mitunter apodiktisch klingenden 
Zeitbestimmungen einzelner Gepräge, diese Umstände für den 
Leserkreis von Nicht-Numisinatikern mehr hervorheben zu sollen, 
welchen das Werk hoffentlich im grösseren Umfange gewinnen wird, 
so muss er auch seiner Ueberzeugung Ausdruck geben, dass es 
Dannenberg in der That in vielen Fällen gelungen ist, die Zugehö- 
rigkeit bisher streitiger Gepräge ausser Zweifel zu stellen. Wie 
kühl und besonnen der Verfasser bei dieser Arbeit vorgeht, davon 
gibt die grosse Zahl von Stücken (über 200 Nummern) Zeugniss, 
welche er unter die unbestimmten verwiesen hat, wiewohl nicht 
wenige darunter von andern Schriftstellern sei es bestimmten Münz- 
stätten, sei es gewissen Prägeherren, schon zugewiesen worden 
waren. 

Mit dem Abschnitte über die Münzfunde und einer Uebersicht 
über die vorhandene Literatur (IX) sind die einleitenden Münzstudien 
abgeschlossen, und es folgt nun der Haupttheil des Dannenberg'- 
schen Werkes , die sorgfältige Beschreibung von nahezu 1400 
Münzen , deren Abbildungen in einem besonderen Bande ver- 
einigt sind. Innerhalb des geographischen Rahmens, welchen die 
alten Herzogsthümer oder Stammesgebiete des deutscheu Reiches 
bilden (Lothringen, Friesland, Sachsen, Frauken, Thüringen, 
und Bayern) werden die einzelnen Prägeorte vorgeführt und die 
Münzen nach den Grundsätzen des Abschnittes II, S. 8, in kaiser- 



Numismatische Literatur. 



215 



liehe, bischöfliche und in solche abgetheilt, welche weder auf den 
Kaiser noch auf den Bischof hinweisen. 

Die Grundsätze, an welche sich Dannenberg bei der Beschrei- 
bung der Münzen hält, sind jene, welche Reichel in der Vorrede zum 
vierten Bande seines Katalogs aufgestellt hat. Die Ausdrücke 
rechts und links sind im subjectiven Sinne, d. h. vom Standpunkte 
des Beschauers aus, genommen. Andere Numismatiker, ich brauche 
bloss Grote und Erbstein zu nennen — haben sich aus Zweckmässig- 
keitsgründen für die entgegengesetzte, die objective oder heral- 
dische Bezeichnung ausgesprochen. Es hängt also, heutzutage die 
Wahl der einen oder anderen Benennungsweise noch lediglich von 
dem subjectiven Ermessen des Schriftstellers ab, weil wir leider 
wenig Aussicht haben, bald der Vortheile einer festen numismati- 
schen Terminologie theilhaftig zu werden. Dannenbergs apodictische, 
aber nicht näher begründete Verwerfung der heraldischen Bezeich- 
nung „rechts" und „links" bei Münzbeschreibungen, welche zunächst 
auf Cappe gemünzt war, muss darum trotz Bahrfelds Zustimmung 
als verfrüht bezeichnet werden. 

So verlockend die Gelegenheit auch wäre, einzelne Ergänzun- 
gen und Nachträge beizubringen, auf welche Referent erst durch 
das fertig vorliegende Werk aufmerksam gemacht wurde, so muss 
diess doch einer anderen Gelegenheit vorbehalten bleiben, um nicht 
die Besprechung allzulang werden zu lassen. Es seien daher blos 
die Münzverhältnisse des Herzogthums Bayern als des uns Oester- 
reichern zunächst liegenden und zumeist interessirenden Gebiets, 
einer kurzen Betrachtung unterzogen. 

Die bayerischen Gepräge aus dem X. und dem ersten Viertel 
des XI. Jahrhunderts sind bekanntlich in grossen Mengen uns über- 
liefert, allein der in der Herzogsreihe immer wiederkehrende Name 
Heinrich schien allen Versuchen einer chronologischen Anreihung 
zu spotten. Erst in neuester Zeit hatten Grote im achten Bande 
seiner Münzstudien und Dannenberg in den ßerhner Blättern (V, 82) 
von einander völlig unabhängig den Schlüssel zur Entzifferung ge- 
funden, und darum auch beinahe übereinstimmende Reihen aufge- 
stellt. Dannenberg überprüft nun nochmals den Erklärungsversuch, 
welcher auf dem nachweisbaren Parallelismus zwischen den Augs- 
burger und Regeusburger Geprägen beruht, erwägt mancherlei 



216 



Numismatische Literatur. 



gegen Grote's Auffassung von der Entstehungsursache der bayeri- 
schen Nachmünzen erhobene Bedenken , und gelangt schliesslich 
(S. 397 ff.) zu Ergebnissen, welche er (soweit er mit Grote voll- 
kommen einig ist) geradezu als ein noli me tangere bezeichnen 
konnte. 8. 403—444 werden dann die bayerischen Münzstätten 
Regensburg, Cham, Eichstädt, Freisingen, Nabburg, Neuburg und 
endlieh Salzburg zum Theile mit der Untertheilung in königliche 
(beziehungsweise herzogliche) und bischöfliche Gepräge angeführt. 
Verschiedene Unmöglichkeiten Cappe's werden gelegentlich im 
Texte verbessert, den Burggrafen von Regensburg, welchen Köhne 
einen Hälbling zugeschrieben hatte, eine eigene Rubrik gewährt, 
zugleich aber durch einen Hinweis auf die abweichende Ansicht 
des Verfassers eine Richtigstellung vorgenommen. Umsomehr ist 
es zu verwundern, dass das Herzogthum Kärnten der gleichen 
Auszeichnung nicht gewürdigt worden ist, wiewohl eine grössere 
Abhandlung Streber's eine Anzahl bayerischer Nachmünzen kärnt- 
nischen Herzogen zugewiesen hatte. Da Danuenberg einerseits 
bei Beschreibung der Funde (tStolp, S. 44) Münzen von Kärnten 
anführt, andererseits aber jeder Hinweis auf diess Land sogar in 
dem Inhaltsverzeichnisse fehlt, so könnte man ganz leicht auf die 
Vermuthung kommen, dass er die Münzen dieses Herzogthums 
wohl anerkenne, aber absichtlich — etwa aus staatsrechtlichen 
Gründen, wie die böhmischen und Veroneser Gepräge — aus 
den deutschen Kaisermünzen aussondere. Damit wäre jedoch Dan- 
nenberg's Standpunkt keineswegs errathen, da dieser vielmehr, 
wie seine auf S. 435/8 und S. 441/2 zerstreuten Ausführungen dar- 
thun, den Herzogen von Kärnten die Ausübung des Münzreclits 
während des X. und XI. Jalirhunderts abspricht. Referent stimmt 
nun mit dem Verfasser, soweit es die angeblichen Pfenninge der 
Herzog Heinrich (996—1000) und Konrad (l(J04—llj betrifft voll- 
kommen überein, umsomehr als er sie selbst, durch Grote's Arbeit 
angeregt, zuerst als das was sie sind, als bayerische Nachmünzen 
erklärt hat. Hinsichtlich des Adalbero - Gepräges muss er aber 
ebenso seine gleichzeitig (Wiener Num.Zeitschr. 1, 372 Anmerkung) 
geäusserte Ansicht aufrechtet halten, dass sich dasselbe, obwohl 
ebenfalls eine Nachmünzung, auf ein (bisher fehlendes) Urstück 
dieses Herzogs zurückführen lasse, denn das rückläufige, aber bei 
Streber deutliche ADALPDVX kann an sich doch mit mehr 



Numismatische Literatur. 



217 



Wahrscheinlichkeit auf den gleichzeitigen mächtigen Adalbero 
(Dominus Adalpeyro Dux nennt ihn eine Gerichtsurkunde vom 
14. Jänner 1017), als auf einen unbekannten Münzmeister bezogen 
werden. Wohl ist die Sache noch nicht spruchreif, denn noch sind 
unzweifelhafte Gemeinschaftsmünzen aus so früher Zeit zu erweisen, 
noch ist uns in Kärnten keine selbstständige Münzstätte jener Her- 
zoge bekannt. Der Einwand indessen, den Dannenberg durch ein 
Citut aus Grote's Münzstudien (VIII, 160) aufstellt, dass die Verlei- 
hung des „Münzrechts an Andere zu Lieding und Friesacli also in 
Orten an der grossen Handelsstrasse, wo man am ehesten Gelegen- 
heit hatte, niit Gewinn zu münzen, es unwahrscheinlich mache, dass 
die Herzoge selbst geprägt hätten, ist nicht stichhältig. Gab es doch 
in Kärnten andere und zur Ausübung des Münzwechsels noch 
günstiger gelegene Orte, so etwa das 979 als königlicher Hof auf- 
tretende Villach, dass den Knotenpunkt jener Handelsstrasse mit 
dem uralten längs der Drave aufsteigenden und in die Brenner- 
strasse mündenden Handelsweges bildet, und wo diess Kecht erst 
1060 an den Bischof von Bamberg gelangte, obgleich den Ort 
schon Kaiser Heinrich II. verschenkt hatte. Wer mag hier in der 
Zwischenzeit bis zur Vergabung der moneta den Münzwechsel geübt 
haben, wenn es nicht der Herzog im Namen des Kaisers that? Was 
hingegen die Schwierigkeiten anbelangt, welche sich aus dem Zu- 
sammentreifen der Namen zweier Münzherren ergeben, so sind diese 
auch ohne Streber's Auskunftsmittel, ohne eine Gemeinschaftsmünze 
zu überwinden, weil es ja bei Nachmünzen, deren eine der AD ALP 
DVX ist, vorkömmt, dass zu il.rer Herstellung zwei verschiedene 
Münzen, von jeder die eine Seite, haben herhalten müssen (Dannen- 
berg, S. 32). Gewissheit, dies sei nochmals hervorgehoben, werden 
wohl erst künftige Funde mit dem bisher noch abgängigen Urstücke 
bringen. Geht man aber auf die bestehende grosse Wahrscheinlich- 
keit ein, so darf man schon jetzt den fraglichen Pfenning, dessen 
Prägestätte vorläufig unbestimmt bleibt, dem Herzoge Adalbero von 
Kärnten 1012 — 1035 zuschreiben, in dessen Regierungszeit (nach 
1017) überdiess das Aufkommen der Schriftkreuzdenare auf den 
tonangebenden Regensburger Münzen fällt. 

Die Abbildungen sind nebst einer vorgehefteten Karte zur 
Uebersicht über die damals thätigen Münzstätten in einem beson- 
deren Bande vereinigt, was die handliche Benützung des Werkes 



218 



Numismatische Literatur. 



unstreitig erhöht. Schade, dass der Kostenpunkt keine andere als 
die photolithographische Vervielfältigung gestattete. Wohl sind die 
von Dannenberg selbst herrührenden Zeichnungen sehr getreu, aber 
ihre Wiedergabe ist hart, zuweilen fast roh ausgefallen, wozu 
namentlich auch der gewählte niattbraune Ton der Druckfarbe das 
Seinige beiträgt. 

Zum Schlüsse unserer Besprechung angelangt , möchten wir 
den Herrn Verfasser noch um einen kleinen Nachtrag — einige 
Seiten Text und eine üebersichtstafel zum Nutzen und Froramen 
derjenigen bitten, welche sich rasch in seinem Werke orientiren 
wollen. So wie es jetzt abgeschlossen vorliegt, ist die Gefahr vor- 
handen, dass so manches Stück, das man sucht, selbst dann über- 
sehen wird, wenn man seine Stelle beiläufig kennt. Was fängt voll- 
ends derjenige an, der ohne tiefere numismatische Kenntniss sich 
über eine, gewöhnlich mangelhaft erhaltene. Kaisermünze Rathes 
erholen will. Das Durchblättern von 1400 Abbildungen braucht 
viel Zeit, wenn es nicht abstumpfen soll, und die Typen-Nach- 
ahmungen können es leicht mit sich bringen, dass man bei Nr. 421 
(Köln) stehen bleibt, anstatt bis zu dem Urbilde Nr. 697 (Goslar) 
vorzudringen und umgekehrt. Dannenberg hat uns in seinem Buche 
einen kostbaren Schatz zusammengetragen, wolle er uns auch noch 
den Schlüssel zu demselben liefern. Es braucht kein Unternehmen, 
wie es Rentzmann jetzt mit seinem Wappenatlas beabsichtigt, es 
genügt, wenn nach Lelewel's Vorgang einige üebersichten angefer- 
tigt werden, welche das schnelle und zweifellose Auffinden des 
gesuchten Stückes ermöglichen , etwa eine Tafel für die Charakte- 
ristiken der Typen (Köpfe, Kreuze, Kronen, Gebäude u. dgl. m.), 
üebersichten der Prägeherren und der Münzstätten, deren sie sich 
bedienten, und umgekehrt, Dinge die zum Theile schon Cappe ver- 
sucht hat, ein Verzeichniss der Heiligen, welche auf den Münzen 
erscheinen und Aehnliches mehr. 

Ob uns der Verfasser auch mit einer Fortsetzung der deut- 
schen Kaisermünzen beschenken wird ? Referent weiss dies nicht, 
hoft't aber, dass mindestens noch die Periode der staufischen 
Kaiser den Ottonen und Saliern folgen wird. Wie dem auch werde, 
in jedem Falle sind wir Numismatiker dem Verfasser zum grössten 
Danke verpflichtet, dass er uns, vielfach von der traurigen Auto- 
rität der Cappe'schen Bestimmungen befreit, und in uneigen- 



Numismatische Literatur. 



219 



nütziger Opferwilligkeit mit einem Werke beschenkt hat, welches 
die ganze einschlägige Literatur kritisch erwägend wie in einem 
Brennpunkte vereinigt. 

Die Ausstattung des Werkes ist , von der obenerwähnten 
Härte in den Tafeln abgesehen, eine reichliche und prächtige, der 
Preis von 40 Mark in Hinblick auf das Gebotene, sehr massig. 

Graz. Luschin-Ebengreuth. 



2. Hermann Jungk. Die Bremischen Münzen. Herausgegeben von 

der histor. Gesellschaft des Künstlervereines. 8. Bremen 1875. X S. 

408 S. mit 39 Tafeln. 

Mehr als hundert Jahre sind bereits verflossen, seit Johann 
Phil. Cappel sein „Vollständiges Bremisches Münzcabinet" ver- 
öffentlichte. Obwohl dasselbe die bis zu seiner Zeit reichenden 
Münzen Bremens ziemlich vollständig anführt, und die Münz- 
geschichte der Stadt durch eine ansehnliche Reihe von Urkunden 
illustrirt, so Hessen doch der Mangel an Abbildungen, die Unge- 
nauigkeit einzelner Besehreibungen und die fragmentarische Behand- 
lung der Münzgeschichte eine auf kritischen Studien beruhende 
Arbeit über diese durch acht Jahrhunderte thätige, durch den 
Reichthum ihrer Typen imd Nominale, sowie durch die Isolirtheit 
ihres Münzsystems interessante Münzstätte schwer vermissen. Herr 
Hermann Jungk, welcher die von der Stadt Bremen im Jahre 1870 
erworbene, berühmte Schellhass'sche Münzsammlung ordnete und 
katalogisirte, und sich auch schon früher in seinen Mussestunden 
mit der vaterländischen Münzkunde beschäftigte, hat diese Auf- 
gabe in ehrenvoller Weise gelöst. Die Reichhaltigkeit der erwähn- 
ten Sammlung ermöglichte es ihm, die Münzbeschreibung und die 
Abbildungen fast ausschliesslich nach Originalen zu geben, was 
bei den Bremischen Münzen, deren Typen vielfach und meist in 
schwer zu beschreibender Weise variren, besonders schätzenswerth 
erscheint. Die zahlreichen, überaus sorgfältig gezeichneten und 
getreuen Abbildungen (1266 Nummern) gereichen daher auch dem 
Werke zur besonderen Zierde. Das bei der Abbildung der Medaillen 



220 



Numismatische Literatur. 



angewandte photolithographische Verfahren erscheint uns für Stücke 
von grösserem Umfange sehr praktisch, da es nicht nur den Typus, 
sondern auch die künstlerische Arbeit des Stempelschneiders 
getreu zur Anschauung bringt. 

Das Werk zerfällt in zwei, von einander streng gesonderte 
Theile, von denen der erste die eigentliche Münzgeschichte, der 
zweite die Münzbeschreibung enthält. — Der erste Theil be- 
handelt im ersten Abschnitte (9—37) die Geschichte der Erwerbung 
und Ausübung des Münzrechtes von Seite der Erzbischöfe, den 
Einfluss der Stadt auf die erzbischöfliche Münze, die thatsächliche 
Ausübung des Münzrechtes von Seite der Stadt in Folge des 
erworbenen Pfandrechtes oder der Pachtung, die Verleihung des 
Münzrechtes an die Stadt (1541), die mit den übrigen Reichsständen 
insbesondere mit den niedersächsischen Kreis- und Probationstagen 
geführten Verhandlungen und endlich die von der Stadt ausgegan- 
genen Münzgesetze. — Im zweiten Abschnitte (38—105) des ersten 
Theiles finden sich genaue Nachweisungen über den von den 
ältesten Zeiten bis zum Jahre 1872 geltenden Münzfuss, und über 
alle im Feingehalte, Gewichte, Curse und Typus der Münzen vor- 
gekommenen Aenderungen mit fortwährender Bezugnahme auf die in 
den übrigen deut:chen Ländern und insbesondere in Niedersachsen 
bestandenen Münzverhältnisse. Dadurch wird diese Arbeit zugleich 
zu einem werthvollen Beitrage für die niedersächsische Münz- 
geschichte. Diesen Abhandlungen fügt der Verfasser (106 — 133) 
eine für die Geschichte der Preise sehr schätzenswerthc Zusam- 
menstellung über den inneren Werth der Bremer Münzen vom 
XV. Jahrhunderte bis auf die neueste Zeit, sowie ein Verzeichniss 
der Münzherren, d. i. der vom Rathe bestellten Münzinspectoren 
und der Münzmeister und Stempelschneider Bremens bei. Das am 
Schlüsse dieses Theiles befindliche Urkiindenbuch (137—182) 
enthält 32 für die bremische Münzgeschichte besonders wichtige 
Urkunden und 58 von den Stadtbehörden erlassene Verordnungen 
ind Gesetze. Alle diese Arbeiten, welche auf sorgfältigen ai-chiva- 
lischen Forschungen und ernsten numismatischen Studien beruhen, 
liefern zugleich den Beweis, dass der Verfasser sämmtliche über 
dieses Münzgebiet erschienenen literarischen Arbeiten, insbeson- 
dere die werthvollen Leistungen Grote's, sorgfältig benutzt und 
kritisch gesichtet hat. 



Numismatische Literatur. 



221 



Der zweite Theil (183— 408) ist der Münzbeschreibung ge- 
widmet, und beginnt mit den Münzen des Erzbisthums, welche von 
der ersten Hälfte des XI. Jahrhunderts bis zum Jahre 1646 reichen, 
und im Ganzen 381 Nummern umfassen. Hierauf folgen die Münzen 
der Stadt Bremen, und zwar zuerst jene, welche sie vor Erlangung 
des Münzrechtes als Pächter und Pfandinhaber der erzbischöflichen 
Münze in den Jahren 1369 — 1454 schlagen Hess C21 Nummern), und 
dann die nach Erlangung der Münzfreiheit geprägten Stücke (909 
Nummern) nach Nominalen geordnet. Den Schluss bildet die Be- 
schreibung sämmtlicher auf die Geschichte der Erzbischöfe, der 
Stadt und der Stadtgenossen bezughabenden Medaillen (58 Num- 
mern) und der von hervorragenden Bremer Medailleurs gelieferten 
Arbeiten. Als Anhang ist ein vollständiges Literatur-Verzeichniss 
beigefügt. 

Die historische Gesellschaft des Künstlervereines in Bremen, 
welche die Herausgabe dieses Werkes auf eigene Kosten besorgte, 
hat sich durch diese Liberalität ein neues würdevolles Denkmal 
geschaffen, welches ihr und ihrer Vaterstadt zur Ehre gereicht. 

Dr. A. P. 



8. Dr. Friedrich Piehler, ßepertorium der steierischien Müuz- 

künde. III. Bd., die mittelalterigen und neuen Münzen und Medaillen 

der Steiermark. 8° 232 S., VII Tafeln. 

Dieser mit Unterstützung des steiermärkischen Landtages 
und der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften herausgegebene 
Band bringt das Werk zum Abschlüsse, dessen frühere 1865 und 
1867 erschienene Bände die keltischen, dann die römischen und 
b) zantinischen Münzen behandeln. 

Er enthält im ersten Hauptstücke die Münzgeschichte vom 
Ausgange des Römerreiches bis zu den Babenbergern, erwähnt im 
ersten Abschnitte, anknüpfend an den IL Band, die Fundmünzen 
aus der späteren römischen und byzantinischen Zeit, bespricht 
sohin die politischen und Culturverhältnisse von der Zeit der 
Völkerwanderung an, insbesondere auch die Metallproduction, und 



222 



Numismatische Literatur. 



geht auf das älteste Mass und Gewicht näher ein. Es werden hier 
das norisch-pannonische Normalgewicht und sein Verhältniss zum 
römischen Pfunde, die Verwendung von Silberbarren als Zahlmittel, 
der Beginn des mittelalterlichen Münzwesens bei den Franken, die 
karolingischen Münzverordnungen , die zahlreichen Münzrechtsver- 
leihungen, endlich das Auftreten bayerischer und im Typus damit 
übereinstimmender böhmischer Münzen, sowie die Eröffnung der 
Münzstätte zu Salzburg hervorgehoben. 

Der zweite Abschnitt behandelt die TraungauerZeit, beginnt 
mit der Lostrennung Karantaniens von Bayern, dem Auftauchen 
der Marchia de stire und endlich des Herzogthums Steiermark , und 
zählt die Reihe der Landesfürsten auf. Es fällt in diese Epoche das 
Aufblühen der Städte und die Aufschliessung verschiedener Silber- 
bergwerke, die Hebung der kunstgewerblichen Thätigkeit, letztere 
hauptsächlich in den Kirchenbauten romanischen Styles reprä- 
sentirt, sowie des Handels, welcher das Bedürfniss nach kleineren 
Münzen, und damit das Entstehen von Wechselstuben hervorrief. 
Die immer zahlreicher werdenden urkundlichen Daten über Mass 
und Gewicht geben Anhaltspunkte, zu deren Beurtheilung; der 
erste Silberdenar wird urkundlich im Jahre 1155 genannt. Die 
Zählweise, Geldart und die Preisverhältnisse erläutern zahlreiche 
urkundliche Notizen. Die Münzrechtsverleihungen für Liednig, 
Friesach etc. gehören dieser Periode an, und es erscheinen als 
Münzstätten Enns — vielleicht die erste Münzstätte der Traun- 
gauer — Neunkirchen, Fischau, wohl auchGrätz und Judenburg und 
eine saizburgische Filial - Münzstätte zu Pettau. Die Friesacher 
Mark scheint für die steirische Münzung die Grundlage zu bilden, 
welche später in die Wiener Mark übergeht. Der Panter kommt als 
Siegelbild der Traungauer nach Ansicht des Verfassers mindestens 
seit dem gleinker Stiftsbriefe 1125 vor — (einer übrigens falschen 
oder doch sehr verdächtigen Urkunde), — und werden dessen wech- 
selnde Gestaltungen erörtert. Im Umlaufe zeigen sich die herzoglich 
bayerischen Münzen von Regensburg und Salzburg, in geringerem 
Masse die deutscheu Kaisermünzen; von entscheidender Wichtig- 
keit aber sind die erzbischöflich salzburgischen, und ist vor Allem 
die salzburgische Münzstätte zu Friesach zu berücksichtigen — in 
den östlichen Grenzbezirken treten ungarische Münzen auf. Heimi- 
sche Funde geben für diese Zeit keinen Aufschluss. 



Numismatische Literatur. 



223 



Das zweite Hauptstück iimfasst die Babenberger Zeit und das 
Zwischenreich. Es beginnt in demselben, nach einer kurzen Dar- 
stellung der politischen Verhältnisse, des Bergwesens , Handels 
und der Kunstindustrie, dann des Mass- und Gewichtswesens — 
dieses durch zahlreiche Belegstellen erläutert, — und des MUnz- 
wesens, die Beschreibung der steirischen Münzen, mit den Pettau- 
Friesachem Leopold des Griorreichen, an welche die Denare mit 
den Inschriften D6-GR6TÄ etc. gereiht werden. Nach einer 
Besprechung der Münzstätten von Grätz, Pettau, Judenburg, und 
den Einrichtungen der Münzerzünfte, folgen die Münzen aus der Zeit 
der ungarischen Herrschaft, jene Ottokars von Böhmen, und werden 
die salzburgische Prägestätte zu Friesach, die herzoglichen Münz- 
stätten zu St. Veit , Völkermarkt und Grätz, das Bambergische 
Münzrecht zu Villach und Griffen, die Münzverhältnisse der angren- 
zenden Länder, Kärntens, Tirols, Oesterreichs, Ungarns besprochen. 
Am Schlüsse werden zahlreiche Funde aufgezählt, unter welchen 
der Marburger vom Jahre 1866 hervorragt. 

Das dritte Hauptstück umfasst die Habsburgische Herrschaft 
bis Kaiser Max L, io welchem Zeiträume zunächst die Wiener und 
Grätzer Pfenninge , dann die Agleier, die Friesucher, Prager und 
Salzburger, den Umlauf beherrschen , bis endlich Friedrich IV. mit 
der Moneta in Grez und Moneta nova Stirie auftritt. Der Verfasser 
theilt sohin jedem der einzelnen Regenten bestimmte Münzen zu, 
fügt chronologisch geordnete urkundliche Notizen bei, und zählt 
die Funde, welche seiner Eegierungszeit entsprechende Münzen 
enthielten, auf. 

Das vierte Hauptstück endlich reicht bis zum Jahre 1784, 
erwähnt auch die namentlich im XVI. Jahrhunderte zahlreich vor- 
kommenden Medaillen von münzberechtigten und nichtberechtigten 
Familien, sowie die Ortsmünzen, und behandelt in einem Anhange 
die neueste Zeit. Es enthält die Beschreibung aller in diese Periode 
fallenden steirischen Münzen, nach den Regenten geordnet, mit 
vielen urkundlichen und Fundnotizen. 

Bei der Menge von Daten in mannigfacher Richtung, welche 
das vorliegende Werk enthält, würde eine ausführliche und ein- 
gehende Besprechung des Inhaltes zu weit führen; es mögen daher 
nur einige Bemerkungen hier Platz finden. Vor Allem muss hervor- 



224 



Nuniismatischo Literatur. 



gehoben werden, dass der Verfasser fast alles Material selbst 
sammeln und ordnen musste, da Vorarbeiten sowohl in Ansehung 
des Münzstoffes, als des einschlägigen urkundlichen Materiales, fast 
gänzlich fehlen. Beides ist in zahlreichen Werken und Abhandlun- 
gen zerstreut, welche sich in der Kegel, was die Münzen anbelangt, 
nicht speciell mit den steirischen beschäftigen, und was den Urkun- 
denstoff betrifft, nicht bloss die für Geld- und Münzkunde wesent- 
lichen enfhalten. Hierdurch war natürlich einerseits die Arbeit 
bedeutend erschwert, und es beinahe unmöglich gemacht Vollstän- 
diges zu bieten, andrerseits die Gefahr zu irren vergrössert. 

Umsomehr Anerkennung verdient der wahre Bienenfleiss, mit 
welchem alle einschlägigen Notizen zusammengetragen, grupjiirt, 
und insbesondere alle Steiermark betreffenden Münzen verzeichnet 
wurden. Es häufte sich hierdurch eine Fülle von Daten, deren 
erschöpfende Verwerthung späteren Bearbeitungen des Stoffes vor- 
behalten bleiben musste, da es im Rahmen des vorliegenden 
Werkes, ohne dasselbe unverhältnissmässig anschwellen zu machen, 
nicht möglich, und wohl auch nicht in der Absicht des Verfassers 
gelegen war, sie in jeder Richtung auszubeuten. Verdienstlich ist 
auch, dass er sich nicht auf das Gebiet der Münzkunde beschränkte, 
sondern die demselben so nahe verwandte Wappen- und Siegel - 
künde in seinen Bereich zog, und überdiess in kurzen Umrissen die 
jeweilige Entwicklungsstufe der Kuustindustrie, des Handels und 
der gewerblichen Thätigkeit, zeichnete. Dass vielleicht Manches, 
das hieher gehörte, nicht aufgenommen wurde, dass auch Irr- 
thümer unterlaufen sein mögen, namentlich Münzen Steiermark 
zugetheilt wurden, welche wohl nicht hingehören, oder bei welchen 
diese Zuweisung doch sehr zweifelhaft ist — (so S. 54 Nr. 23, S. 55 
Nr. 9, 13, S. 56 Nr. 15—17, dann S. 80 Nr. 5 und ti, letzteres von 
Beierlein, bayrische Münzen desHauses WittelsbachS.41, Stefan III. 
von Bayern -Ingolstadt mit Ludwig VII. zugewiesen, S. 90 Nr. 4 
etc.), andere wieder ohne genügende Begründung trotz ihrer Gleich- 
artigkeit verschiedenen Regenten zugetheilt erscheinen (so z. B. 
S. 71 Nr. 1—4 an Albrecht I.; S. 73 Nr. 1 an Rudolf II. •, S. 79 
Nr. 1 — 4 an Friedrich den Schönen; S. 88, Nr. 2 an Albrecht IL; 
S. 90 Nr. 1, 2 an Rudolf IV. etc.), ist aus dem früher angegebenen 
Grunde, bei der Schwierigkeit der Bestimmung der steirischen 
Münzen des Mittelalters nicht zu wundern, einer Schwierigkeit, 



Numismatische Literatur. 



225 



deren Ursache theilweise auch darin liegt, dass dem steirischen 
Panter, als ein für die richtige Zuweisung gefährlicher Verwandter, 
der bayrische — Ingolstädter — (s. Beierlein 1. cit. 8. '2G ff.), zur 
Seite steht. Ist es ja auch bisher trotz allen Bemühungen nicht 
gelungen, die mittelalterlichen österreichischen Münzen mit voller 
Sicherheit zu bestimmen und zu ordnen, bei welchen doch mehr 
Vorarbeiten gegeben waren. 

Jedenfalls hätte es jedoch die Brauchbarkeit des Werkes 
erhöht, wenn den urkundlichen Daten nach Möglichkeit die Quellen- 
angabe beigefügt, und die Fundnotizen nicht zerrissen worden 
wären, wie es z. ß. bei den Bestandtheilen der Funde zu Kann 
(S. 62 und 64), zu Zehentdorf (S. 62 und 73), zu Marburg (S. 60, 88, 
90), St. Pankratz (S. 70, 94), Gasselsdorf (S. 96, 97, 108, 117), der 
Fall ist. 

Die Ausstattung ist im Allgemeinen lobenswerth. Die Tafeln 
enthalten zahlreiche Abbildungen, welche aber leider nicht so getreu 
und stylrichtig sind, als es bei numismatischen Werken wünschens- 
werth ist , und sind die Münzen der neueren Zeit verhältnissmässig 
noch übler angekommen, als jene der älteren, was wohl von gerin- 
gerer Bedeutung ist. Sehr schätzenswerth, und für die Kenntniss 
der allmäligen Entwicklung des steirischen Wappenbildes von 
Interesse, ist die auf den zwei letzten Tafeln gebrachte Zusammen- 
stellung der Panterdarstellungen nach der Zeitfolge — sie ist nicht 
bloss für den Heraldiker vonWerth, sondern gibt auch dem Numis- 
matiker Anhaltspunkte zur Bestimmung der stummen steirischen 
Münzen. Dr. v. Raitnann. 



4. A. Engel. Etüde sur les mouuaies Alsacieuues du Cabiuet de 
France. 8. Mulhouse 1874. (37 S., 1 Tafel). 

Da seit Berstett's vortrefflicher, aber durch die neueren For- 
schungen bereits überholter Arbeit eine zusammenhängende Münz- 
beschreibung der Elsässischen Münzstätten nicht erschien, und die 
französischen Numismaten diese Münzen beinahe nie in den Kreis 
ihrer Forschungen einbezogen, so müssen wir jeden Beitrag zu 

15 



220 



Numismatische Literatur. 



einer Münzgeschichte dieses Landes mit Freude begrüssen. Der 
Verfasser beschränkt sich in der vorliegenden Arbeit darauf, nur 
die im Cabinet de France befindlichen, auf Elsass Bezug habenden 
Münzen und Medaillen, welche in ßerstett's Werke fehlen, zu 
beschreiben. Es sind dies wohl zumeist nur Varianten schon be- 
schriebeper Münzen, doch finden sich darunter auch einige ganz neue 
Typen. Im Ganzen sind 235 Stücke beschrieben, von denen sieben 
auf einer dem Werke beigegebenen Tafel abgebildet erscheinen. 

Dr. A. P. 



ö. Na obranu pravosti staro srbskih zlatuih novaca od 

S. Ljubica. (Zur Vertheidigung der Echtheit der alt-serbischen 

Goldmünzen.) U Zagrebu 1876, 8» 38 Seiten mit einer Tafel. 

Ein kleines Schriftchen, aber inhaltsreich! Wie der Titel 
besagt, plaidirt dasselbe für die angefochtene Echtheit der jüngst 
zahlreich zu Tage geförderten alt-serbischen Goldmünzen. Nur 
ungern müssen wir uns mit Rücksicht auf den uns knapp zuge- 
messenen Kaum ganz kurz fa.ssen und. uns darauf beschränken den 
deutschen Lesern nur das Wesentlichste daraus mitzutheilen. 

Nach einer geschichtlichen Einleitung über den überaus 
reichen Fund von 6000 Silber- mehreren Goldmünzen , dann eines 
goldenen Siegels, zweier Kronen und eines Patriarchalkreuzes, 
sämmtlich aus Gold, auf dem Amselfelde im Jahre 1873, erzählt 
der Herr Verfasser umständlich den Verkauf goldener serbischer 
Münzen durch serbische Kaufleute in Wien , wo Anfangs Staunen, 
hernach aber wegen der Menge derselben ein gelinder Schrecken 
entstand, welcher sich in der Folge in Zweifel über die Echtheit 
derselben entpuppte, um endlich mit der bestimmten Erklärung an 
das Tageslicht zu treten: die gefundenen alt-serbischen Dukaten 
sind falsch. Dagegen sucht der Verfasser den Beweis der Echtheit 
herzustellen. 

Voran geht die Beschreibung der gefundenen Dukaten von 
Urosius IL Milutin 1275—1321 (6 Stückj; Dusan 134G-1355 



Niimisinatische Literatur. 



227 



(12 Stück mit zwei krönenden Engeln, 9 Exemplare mit dem 
stehenden Kaiserpaare, 8 mit dem reitenden Car und 8 mit 
Schrift im Revers); Vukaäin 1367—1371 (zwei Typen), Lazar 1371 
bis 1389 (drei Nummern) , endlich vier grosse interessante Gold- 
medaillen. Die beigegebene Tafel illustrirt die letzteren sämmtlich, 
von den Dukaten nur die verschiedenen Typen. Es zeigt sich dabei 
nach Fabrik, Schrift etc. eine fast vollkommene Gleichheit mit den 
Silberdenaren der angeführten Herrscher. 

Nun kritisirt Professor Ljubic die verschiedenen Einwürfe 
gegen die Echtheit der goldenen Münzen aus dem Amselfelde, be- 
spricht das Gewicht derselben, das sich an das byzantinische 
anlehnte, sich aber wie dieses, in der Folge verschlechterte , führt 
mehrere alt-serbische Dokumente von 1302— 1381 an, aufweichen 
grosse Goldmedaillen hängen und begegnet hiermit jenen Gründen 
der Gegner dieser Münzen, welche sich auf die ungewöhnliche 
Grösse einiger Stücke beziehen. 

Aus gleichzeitigen Schriften wird bewiesen, dass Serbien zur 
Zeit Dusan's II. als mächtiges Reich eigene Goldmünzen besass, 
die anfänglich den Namen Zlatica, d. i. Aureus, später Dukat 
führten. Das Gesetzbuch des Kaisers Dusan vom Jahre 1349 nennt 
ausdrücklich, die perpera careva, die Perpera des Cars, welche 
nämlich dieser prägen Hess. Ebenso wird in einer Urkunde Dusan's 
vom Jahre 1347 der dreifachen Goldperpera Erwähnung gethan, 
welche wie die einfachen in dem erwähnten Funde zu Tage kamen 
imd jene bislang dunklen Stellen der Urkunde aufklären (p. 29). 

Die Existenz alt -serbischer Dukaten beweisen überdies 
mehrere Schriftsteller, wie A. Banduri, Bern. Nani, Zanetti, DuVal, 
welche solche in Wort und Bild in ihren Werken beschrieben. 

Weiter befasst sich die Schrift mit dem Einwurfe der Gegner, 
dass man auf den Goldstücken von Simic Spuren eines älteren 
Gepräges entdeckt habe , und diese auf moderne österreichische 
Dukaten hinweisen. In Agram und Belgrad vermochten hervor- 
ragende Gelehrte, wie Safarik und Novakovic keine Spur davon 
zu entdecken, ebenso wenig als der Verfasser unserer Brochüre. 
Es können alt-serbische Goldmünzen ganz gut lateinische Buch- 
staben und selbst den Adler tragen, denn es ist ja bekannt, dass 
die serbischen Grossi lateinische Umschriften neben slavischen und 

16* 



228 



Numismatische Literatur. 



ab und zu auch italienische aufweisen; auch ist constatirt, dass 
Car Dusan auf seinem grossen Siegel den zweiköpfigen Adler ge- 
führt habe. Allein an moderne k. k. österreichische Dukaten zu 
denken verbietet schon das Gewicht, indem diese 2*35 — 3-33 
Grammes wiegen, während die serbischen Goldmünzen auf 3-70 bis 
3-76 Grammes stehen. Zum Schlüsse führt die Schrift die Aeusserung 
des Herrn Dr. Safarik an, welche dieser dem Verfasser gegenüber 
machte. Er spricht darin seine volle Ueberzeugung von der Echtheit 
der auf dem Amselfelde im Jahre 1873 gefundenen Münzen aus und 
erklärt die Annahme , dass dieser Fund gefeilscht sein könne, 
geradezu für absurd ij. Joh. Parapat. 



') Herr Director S. Ljubic richtete an die Redaction der numismatischen 
Zeitsclirift eine Entgegnung auf den im Bande VI, VII, S. 389 abgedruckten Artikel 
(Gefälschte serbische Goldmünzen), welcher interessante Aufschlüsse über den 
Fnnd gibt. Wir werden den Inhalt der Entgegnung, da bei dessen Einlaugen das 
Heft schon geschlossen war, im nächsten Hefte bringen. Vorläufig sei mit Rück- 
sicht auf die oben angezeigte Schrift bemerkt, dass die Ueberprägungen auf moderne 
österreichische Dukaten von 1853 und 1871, welche unter den in Wien ange- 
botenen serbischen Goldmünzen beobachtet wurden, eine unumstössliche That- 
sache sind. 

Die Redaction. 



229 



XI. 
'Azubal König von Bybios. 

Von 
Greneralconsul IDr. Otto Blau, 




Brandis, Münz, Maass und Gewicht, S. 512 theilt 
einem problematischen König Og von Bybios ein Unicura 
des Luynes Cabinetes (M 0-77 Grm.) zu: 

Av. Schiff mit Hopliten besetzt, darunter geflügeltes 
Seepferd. 

Rev. jy in phönikischer Schrift; Löwe, Stier fressend. 

Die vorstehend abgebildete Silbermilnze wurde mir 
vor Jahren von dem inzwischen verstorbenen k. k. Guber- 
nialrath Octav von Vest in Tri est, einem eifrigen 
Sammler asiatischer Münzen — mit folgender Zuschrift 
zugesandt : 

„Ich besitze eine mir aus Beyrut zugekommene, von 
einem Reisenden im Cilicien erworbene kleine Silber- 
münze, in den Typen ähnlich den Luynes'schen Azbaal- 

16 



230 



Dr. Otto Blau: 



und AinelmUnzen Nr. 41, 42 und 43, Tafel XV, aber mit 
den deutlichen griechischen Buchstaben AO (nicht 
den phönikisehen ZO), welche ich für den Anfang der 
rückläufigen Legende OABEXIN halte, und daher dem 
von Luynes Satrap, et Phen. S. 89 citirten Gesenius (Monn. 
Phoen.p. 354) glaube beipflichten zu können, welcher jene 
mit phönikischer Legende, mit einem „vielleicht" nach 
Olba Ciliciae zutheilt." 

Das Problem ist anders zu lösen. Die Buchstaben A 
sind nicht griechisch, sondern phönikisches Ajin 
undGimel; ersteres der Anfangsbuchstabe des Königs- 
namens, letzteres der des Stadtnamens Gebal. 

Bei der Identität des Typus beider Seiten mit den- 
jenigen Stücken bei Luynes, deren volle Legende „'Azuba'l 
König von Gebal" (Nr. 41, 42) und „'Ainel König von 
Gebal" (Nr. 43) lautet, kann man höchstens schwanken, 
ob die Initiale 'Ajin auf diesen oder jenen zu beziehen ist, 
da beide Namen mit dem gleichen Buchstaben anfangen. 
Es möchte vielleicht für die Ergänzung zu 'Azubal [f?yar]j^ 
der Umstand sprechen, dass, sofern dieser chronologisch 
dem 'Ainel vorausgeht, eine Abbreviatur des Namens auf 
seinen Münzen eher glaublich ist, als auf solchen seines 
Nachfolgers, wo ein jy , ebensowohl ihn als den Vorgänger 
bedeuten konnte. 

Aber freilich steht die chronologische Anordnung der 
Münzreihe der einheimischen Könige von Byblus auch 
noch keineswegs fest. 

Luynes bemerkt als unterscheidend zwischen den 
Typen des 'Azubal und 'Ainel, dass auf den Münzen des 
ersteren das Thier, welches der Löwe zerfleischt, ein 



'Azubal König von Byblos. ntji. 

1)0 euf bossu, auf dem zweiten dagegen ein taureau 
sei. Auch auf unserem Stück scheint mir der Höcker des 
Thieres unverkennbar; und würde das zu Gunsten der 
^utheilung an 'Azubal sprechen. 

Demselben 'Azubal — wohl zu trennen von dem 
anderen 'Azubal, von Citium, welchem seit Brandis' Vor- 
gange die beiLuynes pl.XV, 35—40 nach Gebal gesetzten 
Stücke zugetheilt werden müssen — gehören noch ein 
paar andere kleine Silbermünzen, die ich im ehemaligen 
Cabinet des Baron Tecco, zuletzt sardinischen Gesandten 
in Madrid, gesehen habe. 

M.. A V. Bärtiger Kopf nach rechts. 

Rev. Vordertheil eines Hippocamp. Darüber ZO, d. i. 
'Az(ubal). 

(Vgl. Luynes Nr. 42 Av.). 

M. Av. Muschel (wie unter dem Hippocamp bei Luynes 

a. a. 0. Nr. 45). 

Rev. Vordertheil eines Hippocamp; darunter und 
vielleicht ein zweiter Buchstabe. 

Die Abkürzung des Königsnamens auf diesen Stücken 
bestätigt unsere obige Deutung des von Vest'schen. 

Bemerkenswerth ist auf letzteren endlich noch , dass 
unter dem Löwen ein kleiner Halbkreis sichtbar ist, 
welcher das Zahlzeichen für 10 ist und vermuthUch das 
Regierungsjahr bedeutet. 

Für die Herstellung der Königsreihe vom alten Byblus 
Ist jetzt ein wichtiges Document in der Stele des J e h a w - 

16* 



232 



Dr. Otto Blau : 'Azubal König von Byblos. 



Melek*) gewonnen. Den Titel ^3J f^a ^ König von Gebal«^ 
den gleichen, wie die Münzen von Labal (^m^), 'Azubal 
und 'Ainel, führen darinnen Jechaw-melek und Uri-melek 
l^mn» und -j^oij< ; Wcährend der Vater des ersteren ^rainr 
(d. 1. Zoharu-Ba'l, etwa = griechisch Zwjoöfxßac Ptol. 6, 
8, 9; nicht bv2iw) den königlichen Titel nicht erhält. 
Urimelek -f^a^^< ist vielleicht identisch mit dem -jf?»-]!«, 
welches Brandis a. a.O.T.R. auf zwei Luyneschen Stücken 
als Adarmelek lesen wollte. 



1) Publicirt von Vogue, Paris 1875 in Comptes rendus de 
rAcademie des Inscriptions ; und von Euting, Z. D. Morg. Ges. 
XXX, S. 132 flf. 



233 



xn. 
Satrap Orontas. 

Von 
Generalconsul Dr. Otto Blau. 



Zq den seltenen Satrapenmiinzen mit griechischer 
Legende, die zuletzt A. v, Sallet im III. Bde. dieser Zeit- 
schrift S. 419 ff. besprochen hat, kann ich aus meinen 
Collectaneen noch eine bisher meines Wissens nicht be- 
schriebene des Orontas, Satrapen von Mysien undJonien, 
hinzufügen. 

Av. Haupt der Pallas. 
Rev. Halbes geflügeltes Seepferd, OPONT und TA. 

M. Im Besitze des Herrn L. Meyer in Smyrna, 

1855. 

Sie gehört also in die Reihe deijenigen, die v. Sallet 

nach Lampsakus setzt, hinsichtlich des Zusatzes T A steht 

sie aber der von Klazomenae (?) a. a. 0. S. 423 näher, auf 

welcher ausser dem Satrapennamen noch T steht. 

L. Meyer, dem das Stück aus Karlen zugekommen 
war, wollte mit Rücksicht hierauf in T A die Initialen von 
Tabae finden. 

Doch ist wohl wegen des Wappens des Seepferdes 
daran festzuhalten, dass die Münzstätte eine Seestadt war. 



234 



Dr. Otto Blau : Barsine, Gemahlin 



xin. 



Barsine, Gemahlin Alexanders des Grossen. 



Greneralconsnl Dr. Otto Blau. 




Unter der Ueberschrift „Incertaines" hat der Duo de 
Luynes am Schlüsse seines Werkes über die Münzen der 
Satrapen etc. Taf. XVI, 1 ein Stück seiner Sammlung publi- 
cirt, das er S. 97 folgendermassen beschreibt : 

Av. ^'X^^'\^ Tete de femme k droite, les cheveux 
retroussös et rattachös par un lien au sommet 
de la tete, avec pendant d'oreille form6 d'un 
disque entourö d'un anneau, et collier ä double 
rang de perles, ornö de pendeloques ressemblant 
ä des oves. 

Rev. ^^^^HL^ Lion dövorant un taureau ä 
gauche dessous H. 

M. S, 25, fourree. Fabrique tres nette, mai» 
demi-barbare. 



Alexanders des GroBsen. 



235 



S. 99 bemerkt er weiter: Cette curieuse m^daille 
fourree est l'oeuvre d'un faussaire de l'antiquitö. Elle doit 
avoir etö fabriquöe ä Timitation d'ime piöee sortie des 
ateliers de Tarse et frappec par un Satrape de Cilicie ou 
du voisinage. . . La tete de femme offre tous les caract^res 
d'un Portrait, peut-etre celui d'une reine .... 

Die Legenden zu entziifern hat er sich vergeblich 
gemüht : er transscribirt nnp3* und iijdj^N. 

Einen sehr versteckten Wink zu richtigerer Lesung 
der Buchstaben hat der um die Paläographie so hoch ver- 
diente verstorbene M. A. Levy gegeben, indem er in Z. d. 
D. Morg. Gesch. XVIII, S. 102, Anm. 1 die einzelnen Buch- 
staben der Kückseite genauer bestimmte und -njDD^J* her- 
auslas, ohne sich indess weiter zur Sache auszulassen. 

Wir gewinnen somit als Legende des Reverses unan- 
tastbar den Namen A-l*k-s*n-d-r- , d.i. Alexander, 
und zwar: Alexander der Grosse. 

Die Aehnlichkeit mit dem bekannten Typus von 
Tarsus — man vergleiche besonders Luynes Taf. VIII, 
9 ff. — weist darauf hin, dass die Münze in einer Gegend 
und in einer Zeit geschlagen wurde, wo jenes Emblem 
beliebt und gekannt war, d. h. zur Zeit des Unterganges 
der persischen Herrschaft in Vorderasien. 

Die Betrachtung des weiblichen Portraits der Vorder- 
seite führt in Verbindung mit diesen Thatsachen darauf, 
dass der Kopf füglich kein anderer sein kann, als der der 
Bar sine, der ersten Gemahlin Alexanders. 

Die beglaubigtesten Nachrichten über diese Barsine 
hatPlutarch aus Aristobulus aufbewahrt. (Eum. 1, Alex. 21). 

Als nach der Schlacht bei Issus der gesammte Hof- 
staat des Perserkönigs bei Damascus gefangen genommen 



236 



Ur. Otto Blau: Barsine, Gemahlin 



warcl(Arrian., Anab. II, 11, 15), befand sich unter den per- 
sischen Frauen auch Barsine, die Witwe des Memnon, 
Tochter des Artabazus und von mütterlicher Seite persi- 
sche Prinzessin von Geblüt, Schwester des Kophen, der 
dem Hof haushalte des Darius vorstand. 

Sie hatte griechische Bildung genossen und desshalb 
sowohl, als wegen ihrer Schönheit und adeligen Erschei- 
nung fand sie allein unter den gefangenen Perserinnen 
Gnade vor den Augen des jungen Eroberers : ovte roüT(tiv 

die erste asiatische Flamme des Macedoniers. 

Unleugbar spricht aus den Zügen des Portraits unse 
rer Münze etwas fremdartig Ungriechisches, aber cha- 
raktervoll Edles. 

Sie wurde, wie wir weiter wissen, von Alexander 
Mutter des Heracles. 

Dass eine andere Quelle ihren Namen ^ocpaiv-n schreibt 
(Porphyrius Fragm. 3) und wieder andere sie zu einer 
Tochter des Pharnabazus, statt Artabazus machen, oder 
gar zur ältesten Tochter des Darius selbst (Arrian Anab. 
VII, 4), ist unwesentlich. Unrichtig ist aber, dass sie später 
Gemahlin des Eumenes gewesen sein soll, was man aus 
Plutarch (Eum. 1) entnehmen wollte, wo vielmehr Bxpoivn 
entschieden ein Scln-eibfehler ist, der sich aus dem Frag- 
ment des Aristobulus bei Arrian VII, 4 erklärt i). 

Mag nun auch nach Arrians Bericht das festliche Bei- 
lager erst in Susa begangen sein , so haben wir die Ver- 
mählung Alexanders ohne Bedenken in die Tage nach der 



1) Eunienes'Gemahlin war eine Schwester der Barsine, Namens 
"ApTwvtj; eine andere Baisine wird gleich darauf als Schwieger- 
mutter des Nearchus genannt. 



Alexanders des Grossen. 



237 



Schlacht bei Issus (.533 v. Chr.) zu setzen und dürfen an- 
nehmen, dass unsere Münze ein Denkmal eben dieses 
Ereignisses ist. Dort in den cilicischen und nordsyrischen 
Küstenstädten war eben damals das Symbol des den Stier 
zerfleischenden Löwen landläufig ^) ; und es ist gar nicht 
erfindlich, welch' andere Königin neben dem Namen Ale- 
xanders dargestellt sein könnte. 

Zu alledem tritt nun hinzu , dass auch die Legende 
selbst den Namen Barsine enthält. Die ersten vier Buch- 
staben können kaum anders als 'itin Barsi gelesen 
werden. Das letzte Zeichen, das wie ein tj^ aussieht, von 
Luynes aber für 13 genommen wurde, ist so wie es da steht 
kaum zu lesen, zumal noch ein Querstrich darunter dazu 
gehört. Eine Ligatur etwa aus »j anzunehmen oder, was 
graphisch am ersten ginge, den Namen mit d (m) zu 
schliessen, ist immerhin bedenklich, da wir die Etymologie 
des orientalischen Namens nicht kennen. Man kann ent- 
weder an eine Zusammensetzung aramaeischer Wurzeln, 
oder an persisches partschtn (C/i*vi s. meine bosn. türk. 
Sprachdenkmäler S. 33 = p&-^ „Locke") denken. Der 
unsemitische Laut ^ wird häufig durch li wiedergegeben ; 

man vergleiche Ol^jl»- und C)\^\Je^ ^j^j\:> und ^j^^rii 
(Lagarde Abhdl. 35, 80). 

Die Verbindung der beiden Namen Alexander und 
Barsine auf dieser Münze erklärt sich am besten, wenn 
man sie als eine Art Denk- oder HuldigungsmUnze zur 
Verewigung der Vermählung, vielleicht seitens eines dienst- 
fertigen Satrapen dargebracht , betrachtet — ein Unicum 
von höchstem Werth. 



1) S. meine Beiträge zur phönikischen Münzkunde ZÜMG. VI. 
S. 477 ff. 



238 



Dr. Otto Blau: 



XIV. 



Noch drei Goldmünzen des Pharzo'ios. 



Von 



Greneralconsul Dr. Otto Slau. 




Publicationen in riissisclien Zeitschriften entgehen 
nur zu leicht der Beachtung der Gelehrten im übrigen 
Europa. 

Abhilfe kann unter den obwaltenden Umständen nur 
unvollkommen dadurch geschafft werden, dass hie und da 
das Bedeutendste aus solchen Publicationen reproducirt, 
und soweit es einer ferneren Vergangenheit angehört, 
nachträglich in die Repertorien der Wissenschaft ein- 
gereiht wird. 

Niemand wird also daraus einen Vorwurf herleiten, 
dass der Redaction unserer Zeitschrift ebensowohl als dem 
Herrn Verfasser der Notiz in Num. Zeitschr. Bd. I, XXII. 
S. 392 ff. es unbekannt geblieben ist, dass ausser den 
beiden dort besprochenen Goldmllnzen des Skythen- 



Noch drei Goldmünzen des Pharzoios. 



239 



königs Pharzol'08, deren eine im Museum Kotschubey und 
bei Uwaroff S. R. XXIII, 62, die andere im Cabinet 
Prokesch, in Russland bereits seit 1861 eine dritte Gold- 
münze desselben Königs, und jetzt eine vierte und fUnfte 
bekannt sind. 

Jene, im Besitze der Madame Vassal in Odessa, 
wurde im fünften Bande der Denkschriften der Odessaer 
historisch - archäologischen Gesellschaft (Zapiski Odes- 
skago Obschtschestwa Istorij i Drevn. 1862, S. 593) von 
N. Murzakewitsch beschrieben und abgebildet. Gefunden 
ist sie am linken Ufer des Dnjepr, im Gouvernement 
Cherson. Ich habe das Original in Händen gehabt. 

Av. Kopf des Pharzol'os mit flatterndem Diadem; 
davor Merkursstab. 

Rev. Aufrechter Adler mit halbgespreizten Flügeln; 
darüber [B] A Z I A E[0 T], darunter <D A P • 1 0[Y], 
davor QA und unmittelbar unter diesem das 
Monogramm [^, zvrischen welchem und dem 
linken Flügel ein unkenntliches, vertieft ein- 
geschlagenes Werkzeug. 

Das Exemplar steht hinsichtlich der Vertheilung der 
Legenden dem von Köhne beschriebenen näher als dem 
Prokesch'schen. 

Dass der Kopf des Av. nicht der des Zeus, sondern 
Porträt des Königs sei, hat schon Murzakewitsch glück- 
lich erkannt. 

In der Porträt- Aehnlichkeit, der Tracht des Kopfes 
und dem beigegebenen Caduceus stimmt unser Exemplar 
mit dem des Grafen Prokesch zusammen. 



240 



Dr. Otto Blau: 



Hinsichtlich der Legende ist bemerkenswerth , dass 
gleichwie auf dem in Ztschr. I, 392 abgebildeten Stück 
der Name nicht <l>APZOIOY, sondern <l>APLOIOY 
gesehrieben ist, auch Murzakewitsch Spuren eines Z an 
der schadhaften Stelle des Vassalschen Exemplares erkannte 
und demnach Pharsol" schreibt. 

Eigen ist unserem Sttick das Monogramm , welches 
wohl den Magistratsnamen involvirt, und das Beizeichen 
neben dem Adler , welches Murzakewitsch für einen 
,, Stempel der Art, wiewir auf aeginetischen Münzen finden" 
erklärt (?). 

Unerklärt ist bei Prokesch noch die Legende MOA 
geblieben. Da das danebenstehende OA unzweifelhaft auf 
Olbia zu beziehen ist, so ist Prokesch zu der Annahme 
geneigt, dass MOA „eine andere Oertlichkeit, vielleicht 
auch einen skythischen Stamm" bezeichne. Ich halte 
letzteres für das Wahrscheinlichere. 

Das Verhältniss zu Olbia ist ja unbedenklich so auf- 
zufassen , dass die Stadt im Schutzbündnisse mit dem 
Könige eines der benachbarten Skythenstämme stand. 
Unter den skythischen Stämmen nun, die in Frage kommen 
können, zählt Ptolemaeus VI, 14, 10 die MoXoYr/vot avif, 
nicht allzufern von dem damaligen Wohnsitze der 'A/avot 
und 'AXavopaot; und es dürfte somit die Ergänzung MOA 
(oYrjvöiv) naheliegen. 

Ferner mag noch erwähnt sein, dass Herr Georg von 
Alexejeff, Adelsmarschall des Gouvernements Jekateri- 
noslaw, ein sehr schönes Exemplar von PharzoYos besitzt, 
eine Variante des von Köhne beschriebenen. Die Stellung 
des Monogramms ist eine andere und der Fisch derContre- 
niarke, welche hier rechts unterhalb des Adlers steht, ver- 
schieden. Er hat dasselbe nebst einigen anderen Selten- 



Noch drei Goldmünzen der Pharzoios. 



241 



heiten seiner Sammlung in einer mir vorliegenden, nicht in 
den Buchhandel gekommenen Schrift publicirt, die den 
Titel fuhrt: Notice sur une Medaille antique inedite ainsi 
que sur deux autres trös rares de P h a r z o Y o s et de 
Kerkinitis; datirt Nice le 3/15 Fevrier 1870. 

Herr von Alexejeff hat in dem Kopfe des Av. eben- 
falls das Porträt des Königs erkannt und deutet das Mono- 
gramm, welches auf den Kotschoubey'schen und Vassal'- 
schen Stücken ganz ähnlich wiederkehrt, auf Pantika- 
paeum: (91 = TTAN. 

Last not least habe ich noch einen A'. des Phar- 
zoi'os gefunden, von dem ich hier eine Zeichnung mittheile. 




Sie bildet die xylographische Titel -Vignette des 
Jahresberichtes der hiesigen histor.-archäol. Gesellschaft 
fUr 1871/72 (Otschot Imp. Odesskago Obschtsch. Istory 
i Drewnost. Odessa 1873), und ist, eben als problematisch, 
ohne ein Wort der Erklärung gelassen, ausser dass sie der 
Stadt Olbia zugetheilt wird. 

Das Original befindet sich im Cabinet des Herrn 
P. Buratschkoff in Cherson, einer Sammlung, die in 
der Specialität griechischer Münzen und Alterthümer aus 
den pontischen Colonien gegenwärtig wohl die reichste 
im Besitze eines Privatmannes ist. 

Av. Jugendlicher Kopf rechts, mit flatternder Stirn - 
binde, davor Mercursstab. Umschrift B A S * A E fl, 



242 



Dr. Orte Ulau: Noch drei Goldmünzen des Pharzoios. 



unten drei monogrammatische Zeichen, zum Theil 
undeutlich. 
Rev. Rückläufige Legende: <J>APZ. . . Adler aufrecht 
stehend, mit halbgespreizten Flügeln rechts; 
davor OA und unter diesem das Monogramm V^. 

Der ganze Typus , die Uebereinstimmung der Rück- 
seite hinsichtlich des Monogramms und der Ortsangabe 
A(i3£a), der Gestalt und Stellung des Adlers, und hin- 
sichtlich des Mercursstabes und des Diadems auf der Kopf- 
seite, erinnert so unabweisslich an die anderen PharzoYos- 
münzen, dass ich die Lesung der Legende ^PA<I> als 
retrogrades 0(xp^(oiGu), um so mehr für die richtige Lösung 
des Problems halte, als augenscheinlich der Stempelschnei- 
der beim 4> als der Initiale des Namens mit vollem frischen 
Schwünge eingesetzt hat. 

Schwerlich möchte Jemand den neben BASIAEH 
erwarteten Eigennamen eines Königs in den Monogrammen 
unter dem Kopfe suchen wollen ; vielmehr hält die Stel- 
lung der Legende auf unserem Stücke die Mitte zwischen 
jenen, wo, wie auf dem Prokesch'scheu, die volle Legende 
auf dem Av. steht, und den anderen, wo sie ganz auf dem 
Rev. angebracht ist, indem sie hier halb und halb vertheilt 
wurde. 

Wenn in der Zeichnung der Kopf genau portraitähn- 
lich wieder gegeben wäre, — wofür ich aber keine Gewähr 
leiste, zumal die Münze oder doch der Abdruck, nach dem 
die Zeichnung gemacht ist, nicht besonders gut erhalten 
scheint, — so müsste Pharzol'os hier noch bedeutend jünger 
gewesen sein, als auf den anderen Münzen, und die 
unsrige wäre an die Spitze der ganzen Suite zu stellen. 

Odessa, 12. November 187G. 



243 



XV. 



Ueber die Herstellung der Prägestempel in der 
Zeit der späteren römischen Kaiser. 



Von 
A.. M-arM. 



Mein Specialstudium der MUnzen von Claudius II. 
Gothicus führte zu bestimmten Aufklärungen tiber manche 
schwierige und strittige Punkte der damaligen MUnzpräge. 
Ich erwähne davon hier ausführlicher den Vorgang, welcher 
bei Anfertigung der Stempel beobachtet wurde, und 
welcher unter Anderem die Verbindung von Namen- und 
Titelumschrift eines Kaisers mit dem Porträt eines anderen 
erklärt. 

Nach meinen zahlreichen Beobachtungen stellt sich 
heraus, dass in die Stempel zuerst das Porträt der 
Vorderseite und die bildliche Darstellung der Rückseite 
geschnitten und erst hierauf die Umschriften beigesetzt 
wurden. 

Was die Herstellung der Stempel für die Kopf- 
seite betrifft, spreche ich folgende Ansicht vorläufig noch 
als eine Vermuthung aus, die der Bestätigung durch 



244 



A. Markl : Ueber die Herstollung 



anderweitige Beobachtungen bedarf und solche hervorrufen 
dürfte. 

Die grosse Aehnlichkeit, — manchmal nahezu voll- 
kommene Gleichheit der Köpfe desselben Kaisers auf 
Münzen, die weiters nicht stempelgleich sind, 
scheint mir darauf hinzudeuten, dass die Stempel für die 
Kopfseite mit Hilfe eines Punzenstabes angefertigt wurden, 
der aus sehr hartem Stahl bestehend das sorgfältig und 
erhaben gearbeitete Bildniss des Kaisers gleichsam als 
Urstempel enthielt; von letzterem wurden auf mechani- 
schem Wege Reproductionen hergestellt und diesen durch 
Nach- und Reingravirung je nach BedUrfniss eine ver- 
schiedenartige äusserliche Ausstattung beigefügt. 

Enthielt der Punzenstab den blossen Kopf des Kaisers 
mit dem entsprechenden Theil des Halses, so war seine 
Anwendbarkeit eine unbeschränkte, denn : Lorbeerkranz, 
Strahlenkrone, insbesondere Bekleidung der Büste zur 
Erreichung der gewünschten Varietäten konnten nach 
Erforderniss mit Leichtigkeit aus freier Hand dazu gravirt 
werden, und es war dann nebst der angestrebten Bei- 
behaltung der Porträtgleicliheit auch die schnellere Anfer- 
tigung dieser Prägestempel ermöglicht. 

Hält man sich diesen Vorgang vor Augen, so erklären 
sich die manchmal nur winzigen Abweichungen, welche 
die Münzen desselben Kaisers zeigen; es wird dann auch 
erklärlich, wie in verhältnissmässig kurzer Zeit der enorme 
Bedarf an Münzstempeln aufgebracht werden konnte, und 
woher die vielfach sich erweisende frappante Porträtähn- 
lichkeit komme; sie müsste räthselhaft bleiben, wenn alle 
Stempel durchaus aus freier Hand gearbeitet worden 
wären ; wie viele unnütze Arbeit hätte ohne jenen nahe- 



945 

der Prägestempel in der Zeit der späteren römisclien Kaiser. ^t'-' 

liegenden mechanischen Behelf aufgewendet , wie viele 
Hände hätten in Bewegung gesetzt werden müssen, um so 
viele verschiedene Stempel hervorzubringen. Um sich von 
deren Menge einen annähernden Begriff machen zu können, 
will ich nur erwähnen, dass die Serie meiner Claudius 
Münzen aus der Münzstätte zu Rom allein, 800 Stücke 
übersteigt, und dass deren Kopfseiten sämmtlich verschie- 
deneu Stempeln angehören, sowie, dass ich aus einer 
gewiss dreifachen Anzahl vonDoubletten derselben Fabrik, 
die mir zu Gebote standen, kein volles Dutzend 
Münzen mit stempelgleicher Kopfseite herauszufinden 
vermochte. 

Einzelne Münzen meiner Specialsammlung von Clau- 
dius II. erweckten in mir die Voraussetzung des oben an- 
gegebenen Vorganges ; ich erwähne sie, wie gesagt, hier 
nur zu dem Zwecke, damit das Augenmerk hierauf ge- 
richtet und auch von anderer Seite nach Anhaltspunkten 
geforscht werde, welche diese bis dahin noch offen 
bleibende Frage einer bestimmten Erledigung zu- 
führen. 

Die Prägestempel für die Rückseite der Münzen 
scheinen dagegen sämmtlich aus freier Hand gravirt 
worden zu sein, da es sich hier nicht um eine auffallende 
Genauigkeit der Figur handelte und deren Ausführung nur 
geringere und leichtere Arbeit erforderte. 

Für die Ausführung dieser Stempel aus freier Hand 
sprechen mehrere Stempelfehler, wie sie bei Anwendung 
«eines Punzenstabes nicht vorkommen könnten, wie z. B. 
bei Claudius eine Felicitas, die nebst dem Caduceus, eine 
Wage in der rechten Hand hält (gute Fabrik). 

17 



^^b A. Markl: Ueber die Herstellung 



Erst nachdem, wie bereits erwähnt, die Stempel der 
Kopf- oder Rückseite mit der entsprechenden Darstellung 
versehen waren, erfolgte die Eintheilung der Schrift und 
die Gravirung derselben, sowie jene der Mtinzzeichen, aus 
freier Hand, und zwar nach Massgabe des Raumes, der 
neben Porträt und Figuren erübrigte, entweder zusammen- 
hängend oder unterbrochen. 

Dies ist aus den vielen, besonders durch die Dar- 
stellungen der Figuren auf der Rückseite der Münzen her- 
vorgerufenen Schrifttheihingen ersichtlich, deren Zahl bei 
einzelnen Legenden unter Claudius bis an 20 reicht. 

Es lässt sich daraus abnehmen, dass die Mannigfaltig- 
keit der Stempel für die Rückseiten nicht geringer als 
jene der Stempel für die Vorderseiten war,- erwägt man 
noch die Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich in Folge 
der primitiven Arbeit, der mangelhaften Hilfsmittel, sowie 
des dadurch bedingten schnellen Zugrundegehens der- 
selben ergeben, so gewinnt man eine Vorstellung, wie gross 
der ganze Apparat einer Münzstätte gewesen sein muss, 
um solchen Anforderungen zu genügen und vom rohen 
Materiale bis zur geprägten Münze zu gelangen; es wird 
dann begreiflich, dass bei der Unterdrückung des Auf- 
standes der Münzarbeiter in Rom unter der Regierung 
Aurelian's 7000 Arbeiter im offenen Strassenkampfe um- 
kamen, was auf einen noch grösseren Personalstand diaeer 
Münzstätte schliessen lässt. 

Ungeachtet der überaus grossen Mannigfaltigkeit der 
Stempel findet man Münzen des Kaisers Claudius, von 
welchen die Kopfseite oder die Rückseite, jede allein, oder 
auch beide Seiten, sowohl Darstellung als Schrift, voll- 
kommen stempelgleich zu einer anderen Münze sind. 



der Prägestempel in der Zeit der späteren römischen Kaiser. 



247 



Dieser seltenere Fall rlihrt eben daher, dass die 
stempeli^leiehen Seiten aus einem und demselben Präge- 
stempel hervorgingen und wahrscheinlich gleichzeitig'oder 
kurz hintereinander geprägt wurden. 

Ich bespreche diesen Umstand speciell, weil gegen 
die Existenz solcher stempelgleicher Münzen schon Be- 
denken erhoben wurden, — so unter Anderen durch den 
verstorbenen Dr. Elberling, der in dem Aufsatze: „Die 
wichtigsten Exemplare in meiner Sammlung römischer 
Münzen" p. 118 sagt, er habe bei den vielen Münzen die 
durch seine Hände gegangen, sein Augenmerk daraufge- 
richtet, ob sich nicht zwei ganz gleiche echte römische 
Münzen aus der Kaiserzeit fänden ; es sei ihm dies bis 
jetzt nicht geglückt. 

Er bezweifelt daher M. Finders Angabe (p. XIII), 
dass in der königlichen Sammlung an 40 sichere Beispiele 
mehrfacher Exemplare aus denselben antiken Stempeln 
vorhanden seien und vermuthet, es würden sich bei 
genauerer Nachforschung auch an jenen Beispielen irgend 
welche Verschiedenheiten im Münzrande, im Gewichte, in 
der Farbe des Metalles u. s. w. ergeben. Zum Beweise 
dafür erwähnt er des ursprünglich in seinen Händen befind- 
lichgewesenen Münzfundes von Bittburg (Mommsen p. 862) 
der unter ungefähr 250 Kleinbronzen von Constantin L, 
obwohl sie gut erhalten und scheinbar noch nicht in Ver- 
kehr gekommen waren, trotz sorgfältigster Durchsicht und 
Vergleichung keine wirkliche Doublette ergeben habe. 

„Es zeigt dies, fährt Elberling fort, von hoher Genie- 
alität, wenn dritthalb Hundert, scheinbar ganz gleiche 
Münzen in ihren Details so abgeändert werden können, 
dass auch nicht eine der anderen völlig gleich ist. Dem 

17* 



248 



A. Markl : Ueber die Herstellung 



genauen Durchsehen dieser Münzen verdanke ich aber 
eine Auffindung, die ich fUr die belohnendste in meiner 
Münabeschäftigung halte, nämlich, dass in einer Silbe von 
nur drei Buchstaben, der Sonnengott sechs Zahlen von I 
bis VI abtheilt und formirt, — dies ist die Silbe VIC in 
„Soli inVICto comiti"; ich habe dies in der Zeitschrift 
für Münzkunde, Berlin 1860, bekannt gemacht." 

Für stempelgleiche Münzen der damaligen Zeit, und 
zwar für Kupfermünzen, — denn auf diese wird im 
Verlaufe der Anführung Elberling's besonders hingewiesen, 
— Gleichheit des Randes, des Gewichtes und 
sogar der Farbe des Metalls! fordern zu wollen, 
scheint mit Rücksicht auf die primitiven Mittel, mit denen 
ihre Prägung geschah und in Anbetracht der minder scru- 
pulösen Manipulation, wie sie im grossen Ganzen in den 
Münzwerkstätten gehandhabt wurde, denn doch zu viel 
verlangt zu sein! 

Aber auch die von Dr. Elberling in den Münzen Con- 
stantin's I. mit der Legende „Soli invicto comiti" heraus- 
gefundene Combination, dass der Sonnengott in der Silbe 
V I C sechs Zahlen abtheile und formire, und der er einen 
besonderen Werth beilegt, wird sich dahin reduciren, dass, 
wie ich schon vorher nachgewiesen habe, die Gravirung 
der Schrift erst nach Vollendung der Darstellung, auf den 
Prägestempeln erfolgte, also in ihrer Theilung ganz von 
dem Räume abhängig war, der ihr durch die Zeichnung 
der Figur belassen wurde ; — dadurch stellt sich die von 
Dr. Elberling glücklich entdeckte Erscheinung einfach als 
eine Zufälligkeit heraus, der keine weitere Bedeutung bei- 
zulegen ist. 



der Prägestempel in der Zeit der späteren römischen Kaiser. 



249 



Weisen uns die Münzen die Mittel an die Hand, um im 
Allgemeinen den Vorgang- zu erkennen, der bei Anfertigung 
der Prägestempel stattfand, so ist auch das Räthsel auf- 
geklärt, wie Münzen verschiedener Imperatoren das 
gleiche Porträt aufweisen können. 

So besitzt das k. Mlinzcabinet zu Berlin seit neuerer 
Zeit folgende Münze von Claudius IL, syrischer Fabrik: 

Imp. C. Claudius Aug. Büste des Kaisers mit Strahlen- 
krone, rechtshin. 

J^. Aequitas Aug. Stehende Aequitas nach linkshin. 

Im Abschnitte ein Punkt i). 

Diese Münze, deren Abdruck mir vorliegt, enthält 
unverkennbar das Bildniss Aurelian's, wie es in den äusse- 
ren Merkmalen, speciell nur den in Syrien geprägten 
Münzen von Aurelianus und Vaballathus (Cohen V p. 160) 
eigen ist. 

Eine vollständig gleichlautende Münze dieser Fabrik, 
ebenfalls mit dem Punkte im Abschnitt signirt, die sich in 
meiner Specialsammlnng befindet, war schon vor einigen 
Jahren meinem Freunde Herrn Rohde, Specialisten für 
Aurelianus und glücklichen Besitzer einer nach römischem 
Typus geprägten Münze des Vabalathus (Cohen V, p. 159), 
wegen ihrer grossen Porträtähnlichkeit mit dem letzt- 
genannten Kaiser aufgefallen. 

Ich habe mir seither die Abdrücke der im Pariser 
Münzcabinete befindlichen, im Allgemeinen so seltenen 
Münzen von Vabalathus verschafft und die Gleichheit im 



Siehe Zeitschrift für Numismatik von Sallet III. Bd. p. 405 



250 



A. Maikl: Ueber die Herstellung 



Styl, sowie eine grosse Portiätähnliclikeit zu dieser Clau- 
dius-Münze bestätiget gefunden. 

Kechne ich noch dazu, dass die syrischen Münzen von 
Claudius derselben Prägestätte entstammen , in welcher 
jene des Vabalathus geprägt wurden, wie dies eigentlich 
schon aus den eben erwähnten beiden Münzen hervorgeht, 
— dass ferners schon Gallienus und nach ihm Claudius 
in Antiochia prägten, was ich an anderer Stelle seinerzeit 
eingehend begründen werde, weiters noch, dass nach dem 
grossen Siege über die Gothen, als der Osten des Kelches 
von den römischen Truppen mehr entblösst war, — oder 
spätestens unmittelbar nach Claudius' Tode sich Zenobia des 
ganzen Syrien nebst einem Theile von Kleinasien bemäch- 
tigte und mit Vabalathus und ihren Truppen Antiochia 
besetzt hielt, so wird man die Porträtähnlichkeit auf den 
obenerwähnten zwei Münzen von Claudius eben in dem 
Umstände aufgeklärt sehen, dass für Vabalathus zur Prä- 
gung sowohl der auf ihn allein lautenden, als auch der 
gemeinschaftlich mit dem Bilde Aurelians gezierten Geld- 
stücke, — sei es zufällig oder absichtlich, — schrift- 
lose Kopfs tempel von Claudius in Verwendung 
genommen wurden, wie sich solche in der Münzstätte, bei 
Besetzung Antiochia's vorfanden, auf welche also nur noch 
die geeignete Kopflegende anzubringen war. 

Einen gleichen Fall, aber in entgegengesetzter Rich- 
tung bietet mir folgende Münze meiner Sammlung dar : 

Imp. C. Claudius Aug. Büste mit Strahlenkrone 
rechtshin. 
1^. Mars Vltor. Mars rechtshin schreitend. 

Diese Münze enthält das frappant ähnliche Bildniss 
des Kaisers Gallienus, wie selbes auf den Münzen der 



der Prägestempel in der Zelt der späteren römischen Kaiser. 



25: 



römischen Fabrik aus der Zeit der Gemeinherrschaft mit 
Valeriauus vorkommt. 

Da die Legende Mars ultor in Verbinduna: mit der 
oben angeführten Kopfumschrift von Claudius, ebenfalls 
der Münzstätte zu Rom angehört, so sieht man auch in 
diesem concreten Falle, dass ein schrift loser Kopf- 
stempel, der für Gallienus vorbereitet war, zur Prägung 
von Münzen des Claudius in Verwendung genommen 
wurde. 

Linz, October 1876. 



^*^^ A. LuschiD'Ebengreuth 



XVI. 
Die Wiener Pfenninge. 

Fnndyerzeichuisse nnd kritische Studien» 

(Fortsetzung von Seite 126 dieses Bandes.) 

Von 

.A.. Liuschin - ÜCbengreuth. 



III. Abtheilung. 

Studien und Ergebnisse, 

§. lO. Das Iflünzreg^ale der österreichischen 
Herzog^e. 

Grote hat in seiner Mtinzgesehichte Baierns die Mei- 
nung ausgesprochen, dass die im X./XI. Jahrhundert mit 
dem Namen der Herzoge versehenen Münzen von diesen 
kraft ihrer Amtsgewalt geprägt wurden, und dass die 
Frage, ob den Herzogen das Münzrecht im Sinne späterer 
Urkunden ausdrücklich verliehen wurde, für die Zeit,^ 
solange die herzogliche Gewalt ein Amt und kein Privat- 
eigenthum war, ganz unstatthaft sei. 

Diese Ansicht, welcher sich Dannenberg, gleichfalls 
ohne tiefere quellenmässige Begründung angeschlossen 
hat, ist in der That sein- beachtenswerth, aber noch nicht 
als allgemein giltig anerkannt. Der wissenschaftliche 
Beweis ihrer Richtigkeit muss vielmehr von Fall zu Fall 
noch erbracht werden , für Baiern liegt er in der ganz. 



Die Wiener Pfenninge. 



253 



besonders beglinstigten Stellung , deren sieh das alte 
Stammesberzogthum im deutschen Reiche erfreute «s). 

Die baierischen Herzoge im X. und XI. Jahrhundert 
vor den Weifen besassen und übten demnach ibrMUnzrecht 
kraft des ihnen übertragenen Amtes; ihre Münzen sind 
Stücke, die durch einen Beamten des Königs in dessen 
Auftrage geprägt wurden, im Grunde also königliche 
Münzen. Mit anderen Worten: die Obsorge, dass das Her- 
zogthum stets mit der vom Verkehre erforderten Menge 
gemünzten Geldes versehen sei, gehörte zu jenen Obliegen- 
heiten, deren Besorgung dem Herzoge im eigenen Wir- 
kungskreise überlassen war. Dabei kann die Frage nach 
den Münzstätten füglich aus dem Wege bleiben. Der 
Herzog bediente sich der von früher her bestehenden 
Werkstätten, errichtete nach Bedürfniss neue oder schloss 
die alten, während auch der König keinerlei Schmälerung 
der herzoglichen Rechte beging, wenn er das Recht zur 
Aufstellung einer Moneta innerhalb des Herzogthums 
seinerseits an diese oder jene, geistliche oder weltliche 
Person gnadenweise, aber stets mit loealer Beschränkung 
verlieh. 

In solcher Art ist während der Jahre 908 — 1141 
innerhalb des ursprünglichen Stammesherzogthums Baiern 
die Moneta, nicht immer jedoch auch das jus cudendi 
monetam an einzelne geistliche Fürsten (Salzburg, Regens- 
burg, Eichstädt, Freising, Passau) und an weltliche Grosse, 
wie die Witwe Imma, die Grafen von Zeltschach, Puten 
u. s. w. gediehen. Für die Annahme, dass eine ähnliche 
Gunst den Markgrafen der Ostmark zugestanden worden 
sei, fehlen hingegen alle Anhaltspunkte, es fehlt an einer 

1*) Vgl. Giesebrecht Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit. Vierte Aufl. 
I, 211. 



9^4. 

^*-'^ A. Luschin-Ebengreuth: 

aiisdrlicklicheii Verleihiin^surkunde , obwohl sich der Vor- 
rath kaiserlicher Gnadenbriefe an die Markgrafen mit 
Ausnahme von 2 — 3 Stücken ganz so wie er um das Jahr 
1180 verzeichnet wurde, in Originalien erhalten hat, und 
ebensowenig werden uns Pfenninge aus einer markgräf- 
lichen Münzstätte in anderen Urkunden genannt. 

Auch der Freiheitsbrief von 1156 führt das Münzrecht 
nicht unter den Rechten auf, deren Verleihung damals 
erfolgte. Trotzdem haben wir ein unverwerfliches Zeugniss 
dafür, dass schon der erste Herzog, und zwar bald nach 
seiner Erhebung münzen Hess. Da Heinrich Jasomirgott 
vorher einige Zeit Herzog in Baiern und als solcher niUnz- 
berechtigt gewesen, so könnte man den Ursprung der 
Münzung davon herleiten ; wahrscheinlicher aber ist es, 
dass das MUnzrecht in den abgelösten und zu einem neuen 
Herzoi:thume erhobenen Gebieten, so wie es vorher von 
dem Herzoge in Baiern war ausgeübt worden, nun als 
etwas Selbstverständliches stillschweigend auf den Rechts- 
nachfolger, den neuen Herzog von Oesterreich überging. 

Innerhalb des Herzogthums Oesterreich wurde nun 
bis zum Schlüsse des XIV, Jahrhunderts nachweislich an 
folgenden Stätten gemünzt: 

1. Krems. — 20 Pfund ehremensis monetae werden 
bereits zum Jahre 1157 in einer Admonter Urkunde als 
gangbare Geldsorte erwähnt. Um das Jahr 1180 werden 
uns abermals Kremser Münzen und die Münzmeister 
Cadelhoh und Rimunt, ferner 1196 Dietricus et Pernoldus 
mutarii et monetarii eo tempore de Chrems und ein 
Leopoldus Wechsler, endlich 1223 ein sonst nicht näher 
bekannter Kremser Bürger Eberliardus incisor genannt i*). 
**) ürkundenbuch d. Steiermark 1, S. 374:. — ÜB. d, Landes ob 
d. Enns I, 182, Nr. 197, <;il, Nr. 283, Monumenta Boica XII, 363. 



Die Wiener Pfenninge. 



255 



Damit enden nun bekannte sichere Daten über die älteste 
Münzstätte der Babenberger. Dieselbe wurde, wie es 
scheint, sofort geschlossen, als die bequemer gelegene 
Traungauer Münzstätte zu Enns nach dem Tode Herzog 
Friedrich I. (f 1198) zu Oesterreich gezogen wurde. Wor- 
auf Becher seine Nachricht stützt, dassHerzog Leopold VI. 
(1198 — 1230) die Kremser Münze nach Wien in den alten 
Herzogshof übertragen habe is)^ weiss ich nicht; Leitz- 
manns Behauptung hingegen, dass die Kremser Münze 
wahrscheinlich im Jahre 1359 eingegangen sei (Wegweiser, 
S. 626), vermuthlich durch das Ungeldpatent veranlasst, 
ist gänzlich unhaltbar. 

Dagegen finden wir im XV. Jahrhundert einen Versuch, 
die alte Münzstätte wieder aufzurichten. Als es sich näm- 
lich im Jahre 1463 um die Bestrafung der Wiener und die 
Belohnung der treugebliebenen Städte handelte, da wurde 
unter anderen auch die Münzung mitsambt der Hausgenos- 
senschaft und allen ihren Gerichten Gnaden und Freiheiten 
wie sie vordem bestanden hatte von Wien auf die Städte 
Krems und Stein übertragen. Es sollten 40 Hausgenossen 
vorgeschlagen werden, die dann solches Amt erblich zu 
bekleiden hätten, die Ernennung des Münzmeisters, An- 
walts, Eisengrabers und Eisenhüters behielt sich aber der 
Kaiser vor. Gemünzt sollte nach dem bisherigen Wiener 
Schrot und Korn werden und die Münze von meniglichen 
genommen werden neben der Münz so vor zu Wien gesla- 
gen ist worden. — Dies Privileg scheint jedoch nie in 
Wirksamkeit getreten zu sein. Vermuthlich haben die 
Kremser und Steiner gegen irgend eine Abfindung zu 
Gunsten der Wiener Hausgenossen darauf verzichtet, nach- 



15) Oesterr. Münzwesen von 1524—1838, I, erste Abthl., S. 62. 



256 



A. Luschin-Kbengreuth ! 



dem Kaiser Friedrich III. die Wiener 14G5 wieder zu 
Gnaden aufgenommen hatte i«). 

2. Enns. — Ueber den Urspruni^ dieser Münzstätte 
herrscht bei Primisser und Mucbar die dunkle und unbe- 
stimmte Vorstellung, dass die Markgrafen von Steier 
schon lange vor ihrer Erhebung zur Würde der Herzoge 
ihre Hauptmünzstätte mit eigenen Münzgrafen (monetarius, 
dispensator monetae) in die Stadt Enns verlegt hätten i'). 

Sichere Nachrichten haben wir aus dem Ende des 
XII. Jahrhunderts. Da tritt 1191 einRiwinus qui tunc tem- 
poris monetam tenebat auf, da erscheinen auch die Aenser, 
Ensarii, Anasenses genannten Pfenninge in verschiedenen 
Urkunden i»). Kunde von der Fortdauer dieser Münzstätte 
geben das Wiener Hausgenossenprivilegiura in seiner Fas- 
sung von 1277 und dessen Bestätigungen von 1291 und 
1316, ferner das von Rauch veröffentlichte, der ersten 
Habsburgerzeit angehörige Rationarium Austriae. Auch 
mangelt es nicht an Nachrichten anderer Art : wir wissen, 
dass die Einkünfte der Ennser Münzstätte im Jahre 1282 
vom Kaiser Rudolf dem österreichischen Landschreiber 
Konrad für eine Schuld von 1500 /t Pf. verpfändet wurden, 
dass 1285 die Priorin von Imbach dem Kapeller ein Haus 
zu Enns verkaufte, in welchem bisher die Münze gewesen 



1«) Rauch Scriptores reriim Austriuc. III, 378 und Senckenberg 
Selecta juris V, 304. 

") Primisser in Hormayrs Geschichte Wiens, III, 210. — Muchar 
Gesch. d. Steiermark II, 18. 

18) In einer nndatirten Admonter Tradition c. 1185, Steir. ÜB. 
I, 619 — c. 1210, Mon. Boica IV, 319 — Keiserechnung d.B.Wolfger 
von Passau im Archiv zu Cividale v, J. 1203/4. 



Die Wiener Pfenninge. ^*^ • 

war, dass 1289 der dortige MUnzer Ekhard, der Eisen- 
setzer Hertilo, der Eisenschneider Pilgrim biess u. s, w. i»). 

Auch noch späterhin, kennen wir Ennser Münzmeister, 
z. B. zum Jahre 1330 Dietreichen den alten Chleber ao)^ 
allein im Ganzen scheint die Münze zu Enns, und das 
Gleiche gilt auch von Wiener Neustadt, während des XIV. 
Jahrhunderts ein kümmerliches Dasein gefristet zu haben. 
Die Wiener Pfenninge waren übermächtig geworden, und 
die Wiener Hausgenossen hatten 1277 das seither (1291 
und 1316) wiederholte Gebot zu erwirken gewusst, das 
die Erneuerung derWienerPfenninge mit einem einfachen 
(ainfoltig, simplex) Eisen, der Wiener Münze ausschliessend 
vorbehielt und den Hausgenossen zu Enns und Wiener 
Neustadt nur einen Verlag solcherin Wien verneuter Münze 
zum Verschleisse zugestand. Damit waren diese beiden 
Münzstätten in den weitaus gewöhnlicheren Fällen, in 
welchen man sich in Wien mit dem Wechsel der Haupt- 
seite begnügte, das andere Gepräge aber beibehielt, zur 
Anwendung abweichender Stempel , oder zum Feiern ge- 
nöthigt. Von Letzterem dürften sie reichlichen Gebrauch 
gemacht haben, so dass zeitweilig nur die „Münzerstrasse" 
an die bessere Vergangenheit erinnerte. Hat ja sogar der 
grössere Verkehr in der Landstadt selbst, die Wiener 
Münze vor den heimischen , gesetzlich doch nur auf einen 
kleinen Geltungsbezirk beschränkten Münzsorten bevorzugt, 
wie dies aus erhaltenen Privatschuldurkunden, Käufen 
und Verkäufen u. dgl. m. hinlänglich hervorgeht. 



19) Archiv f. österr. Gesch. XLI, 271 (Sep. A. S. 31) — Chmel 
Geschichtsforscher I, 537. ÜB. ob d. Enns IV, 111. 

ao) 1294 . . der MUnzmeister zu Enns ÜB. ob d. Enns IV, 201, 
V, 568. 



^^■' A. Luschin-Ebengreuth : 

Erst im XV. Jahrhundert nimmt die Ennser Münze ihre, 
übrigens nicht freudig begrtisste Thätigkeit wieder auf. 
Schon die Weisspfenninge mit dem Schilde des Landes ob 
der Enns, welche Herzog Albrecht V., im Jahre 1416 im 
Werthe von drei alten Hälblingen ausprägen Hess, erregten 
grossen Unwillen darum, „dass er das nicht nach einer 
ganzen Landschaft gethan hat"3i); noch übler aber wurden 
die Goldgulden, Groschen, Kreuzer, Schwarz- und Weiss- 
pfenninge angesehen, welche Erzherzog Albrecht VL, seit 
1458 hier prägen Hess. Bald nach dessen Tode scheint 
dann die Münzstätte eingegangen zu sein, denn Kaiser 
Friedrich IIL überliess 1489 seinen getreuen Ensern das 
überflüssig gewordene laudesfürstliche Münzhaus zur Ein- 
richtung eines Rathhauses a«). 

S.Wiener Neustadt dürfte ebenfalls (mittelbar) 
auf eine traungauische Münzstätte zurückzuführen sein. 
Das von König Konrad 111. zuletzt (1141) ausdrücklich 
dem Grafen Ekkebert II. von Puten verliehene Münzrecht 
zu Neunkirchen war nach dem kinderlosen Tode 
Ekkebert IIL (1158) mit der Grafschaft Puten an die 
Traungauer gelangt, die es jedoch — wohl um den unbe- 
quemen Ansprüchen auszuweichen, welche das Kloster 
Formbach erhob 23)^ nach dem nahegelegenen Fischa 



81) derselben Pfenning gingen die zeit 3 ßl. 28 dl. an ainen 
gülden — Kleine Klosterneuburger Chronik im Archiv f. österr. 
Gesch. VII, 243. 

a«) Vgl. meine Vorschläge und Erfordernisse f. e. Gesch. d. 
Preise in Oesterreich S. 14 ff., dann Oberleitner im Arch.XXVll, 153. 

88) Demselben war es 1136 von Kaiser Lothar II. 1139 überdies 
von P. Innocenz II. bestätigt worden. Dass sich das Kloster mit der 
Verfügung König Konrad III. zu Gunsten der kaisertreuen Pütner- 
grafen nicht zu Frieden gab, beweist die neuerliche päpstliceh 



Die Wiener Pfenninge. /iOv 

Übertrugen. Hier walteten 1166 Eberbardus und 1186 Ort- 
liebus Monetarii ibres Amtes und hier wurden jene denarii 
Uiscacenses ausgeprägt, welcbe ein Druckfeliler in Puscb' 
Diplomataria Sacra DucatusStyriae(I, 155) zuViennenses 
gemaebt batte, und welcbe dann bis in die neueste Zeit 
als ein Zeugniss für die 1166 nocb gar nicht bestehende 
"Wiener Münze galten. 

Als dann in den Jahren 1192 — 1194 auf damals noch 
steiriscbem Boden die Neustadt als Grenzwehr gegen die 
Ungarn erbaut wurde und die Herzoge alle Massregeln 
ergriffen, um sie rasch erblühen zu machen, da wurde 
einverständlicb mit dem biefür entschädigten Kloster 
Formbacb die Marktfreiheit von Neunkirchen, und damit 
wohl auch die von Neunkirchen nach Fischa gewanderte 
Münzstätte, auf die neue Stiftung übertragen. Urkundliche 
Zeugnisse fehlen freilich für diese frühe Zeit 2*), und auch 
späterhin fliessen dieselben nur spärlich. Der Notizen, 
welche das Wiener Hausgenossenprivilegium von 1277 mit 
seinen späteren Bestätigungen und das Rationarium 
Austriae für Wiener Neustadt bieten, haben wir schon oben 
beiEnns gedacht. Ausserdem wissen wir, das Kaiser Rudolf 
1277 die Bürgerschaft wegen Rückzahlung eines Darlehens 
von 1000 U JC ^uf den Schlagschatz der Münzstätte ver- 



Bestätigung, welche sie 1171 bei P. Alexander III. auswirkten. Vgl. 
Bergmann in den W. Jahrbüchern Bd. CI Anzeigeblatt über das 
Münzrecht zu Lieding u. s. w. 

24) Böheim, Chronik von Wiener Neustadt (zweite Aufl. I, 38) 
glaubt ein solches in dem Wiener Hausgenossenprivilegium gefun- 
den zu haben , allein dieses wiewohl seinem Kerne nach auf 
Leopold V. zurückreichend (f 1194) enthält doch schon viele Umge- 
staltungen und Zusätze, und zu letzteren zähle ich den Abschnitt 
über die Erneuerung der Münzen. 



260 



A. Luschin-Ebengreuth : 



wies, dass 1292 Heinrich von Westerburg, 1307 ein ge- 
wisser Clilune, 1327 der Chlebar Mlinzmeister waren, und 
dass 1354 das gleiche Amt der nachmalige Bürgermeister 
Niclas Vegengast bekleidete a^). 

Von der Gerichtsbarkeit des Münzmeisters, welche 
1361 nebst jener des Stadt- und Jndenrichters durch 
Rudolf IV, ausdrücklich aufrecht erhalten wurde, während 
er alle anderen Gerichte abschaffte, gibt auch die „ganze 
und fürstliche Freiung" Kunde, welche Herzog Albrecht II. 
1345 dem steirischen Kloster Neuberg für ein Haus in dem 
Eck zunächst dem Bnrggrabensteg gewährt, da als Inhalt 
der Freiung bezeichnet wird, dass weder der Münzmeister 
iioch der Stadtrichter, noch deren Knechte und Schergen 
oder Anwälte gewaltsam in das Haus dringen dürften. 
Freilich mussten die Mönche auch ihrerseits feierlich ver- 
sprechen, im Hause mit keinerlei Münze zu wandeln, d. h. 
keinen Geldwechsel zu treiben 2«). 

Erst mit der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts, 
wo 1469 Erwein und 1473 Hans vom Steg als Münzmeister 
genannt werden, und ausser Pfenningen auch Gulden, 16- 
und 8-Pfenninger (Groschen und Halbgroschen), Kreuzer 
und Grosseti geprägt wurden, beginnen wieder Nach- 
richten über die Thätigkeit der Neustädter Münze. In der 
Zwischenzeit etwa vom Ende des XIV. Jahrhunderts her, 
dürfte sie mehrestheils stille gestanden haben, ein Loos, 
dem sie nach dem Jahre 1485 abermals erlag. Das weit- 
läufige MUnzgebäude — es lag in der Neunkirchergasse 
und reichte bis an die Kesslergasse — wurde später in 
zwei Häuser abgetheilt, von denen 1503 das eine erst 

25) Böheim a. a. 0. I, 139 (vgl. Anm. 32). Chmel Geschiclitsf. I, 
29. — Was Leitzmann (Wegweiser 634) berichtet, ist nur ein übel- 
gerathener Auszug aus Böheim. ' 

a«) Lichnowsky (Birk) Kegesten S. 460, Nr. 1391. 



nie Wiener Pfeiiniugo. 



261 



seiuem Diener Bartholomäus Freibcrger und dessen Mutter 
Margretli, dann aber der Stadt g-eschenkt wurde. 

4. Wien. Das Bestehen einer Münzstätte zu Wien, 
lässt sich nach den Eingangsworten des Wiener Haus- 
genossenprivilegiums von 1277 bis in die Tage Herzog 
Leopold V. (1177 — 1194) zurück verlegen. Da er, der „En" 
Herzog Friedrich H, als Ertheiler der ursprünglichen Hand- 
feste bezeichnet wird, so wird er wohl auch der Begründer 
der Münze sein. Wiener Pfenninge sind mir in Urkunden 
zuerst um das Jahr 1180 begegnet 2'), noch um 1200 ist 
deren Erwähnung selten, bald werden sie häufiger, endlich 
die usualis moneta die man nicht einmal näher zu bezeich- 
nen brauchte. Wir erkennen auch in diesem einzelnen 
Falle der Münzpolitik die zielbewusste Festigkeit , mit 
welcher die österreichischen Herzoge von Anbeginn ihre 
Rechte wahrten, und durch welche sie im XIII. Jahrhun- 
dert zur ersten Macht in Süddeutschland heranwuchsen. 
Schon die 1236/7 angelegte Sammlung des unter Herzog 
Leopold VI. geltenden Gewohnheitsrechtes betont nach- 
drücklich die landesherrlichen Gerechtsame an der Münze, 
und Gleiches wiederholen der Landfrieden Ottokars vom 
Jahre 1251 und die jüngere Fassung des österreichischen 
Landesrechtes, letztere mit dem Zusätze, dass jedermann, 
welcher die Münze im Umlaufe hindern und nicht also 
fördern würde, als er es zu Recht thun sollte, dem Landes - 
fürsten vollen Ersatz zu leisten habe, wie der Münze 
Recht ist 2»). 

27) Mailler Salzburg. Regesten S. 131 und 489 hegt selbst 
Zweifel gegen das Alter der betreifenden Urkunde. 

38) Oesterr. Landrecht herausg. von Hasenöhrl S. 256, Art. 56 
und 8. 270, §. 36 und 73. 



18 



262 



A. Luschin-Ebengreuth: 



§•11. Die Organisation der Wiener Iflünz- 
stätte und das lierzog^lielie Oefälle. 

Das umfangreiche Document, welches die älteste uns 
bekannte Grundlage für das Wiener Mlinzrecht bildet, ist 
das schon mehrfach genannte Privilegium König Rudolf I. 
vom Jahre 1277 für die Wiener Hausgenossen. Unzweifel- 
haft liegen demselben frühere , vereinzelt bis auf Herzog 
Leopold V. zurückreichende Handfesten zu Grunde , da- 
neben enthält es aber auch das im Verlaufe der Zeit er- 
wachsene Gewohnheitsrecl*t und neu hinzugekommene 
Begünstigungen Man hat sich darum bei jeder einzelnen 
Verfügung des Privilegiums gegenwärtig zu halten, dass 
dieselbe wohl für die Zeit um 1277 gelten sollte, dess- 
wegen aber noch keineswegs für die Anfänge des Wiener 
Münzwesens zu Ende des XH. Jahrhunderts erwiesen ist. 

Dies gilt sogleich von der Zahl der Hausgenossen, 
welche der lateinische Urtext 2») nur auf 48 festsetzt, 
während die Einrichtung der Hausgenossen selbst etwas 
Ursprüngliches sein dürfte, da sie durch Enenkel lür die 
Zeiten Leopold VL beglaubigt ist. Unter dem Worte Haus- 
genossen haben wir uns zunächst Mitbewohner eines 
Hauses oder einer Burg zu denken, im weiteren Sinne 
aber, nachdem die Münze ursprünglich im Hause des 
Fürsten selbst untergebracht zu werden pflegte s«), jene 
Personen zu verstehen, denen das finanzielle Unter- 
nehmen der Ausmünzung übertragen war. Will man deren 



8») Derselbe wurde mir durch die Güte des Herrn Dr. Mantels 
aus einer Lübecker Handschrift gütigst mitgctheilt und wird im 
Anhange zum ersten Male veröffentlicht werden. 

SO) Lexer Mittelhochdeutsches Wörterbuch I, Sp. 1402. 



Dio Wiener Pfenninge. 



263 



Stellung richtig erfassen, so iniiss man im Auge behalten, 
dass zu Ende des XII. Jahrhunderts das Münzwesen schon 
zum blossen Staatsgewerbe herabgesunken war und 
zuvörderst als Einnahmsquelle in Betracht kam. Derjenige 
dem das Recht der Ausmünzung, sei es kraft seiner Stel- 
lung, sei es in Folge besonderer Bewilligung, zustand, 
konnte dann entweder den Betrieb auf eigene Eechnung 
führen, oder Privatpersonen in seinem Namen, aber auf 
deren Rechnung und Gefahr mit der Ausübung betrauen. 
Letzteres war bald sehr allgemein, weil es eine regel- 
mässigere und bequemere Einnahme gestattete, und wurde 
vorzüglich in doppelter Weise geübt. Bei der einen Art, 
welche ich die italienische nenne, weil sie zuerst in Italien 
auftritt, und auch in den angrenzenden Gebieten (Tirol, 
Friaul), ferner in dem durch die Angiovinen mit Italien 
verbundenen Ungarn herrschend wird, ist die staatsrecht- 
liche Seite des Münzwesens nahezu Null, gegenüber dem 
Erträgnisse das ähnlich anderen Staatsgewerben, etwa 
einer Saline, einem Bergwerke u. dgl. an den meistbieten- 
den Bewerber verpachtet wird. Da wird nach Verabredung 
über Schrot und Korn mit N. N. und seinen Geschäfts- 
genossen der Vertrag entweder gegen eine in vorhinein 
festgesetzte Summe oder gegen einen von jeder Münzmark 
bemessenen Schlagschatz abgeschlossen, diesen das Münz- 
gebäude mit dem vorhandenen Inventar eingeräumt, das 
Recht des Wechsels und des Silberkaufes im Lande zuge- 
standen, im Uebrigen aber die Sorge für Beistellung alles 
Weiteren dem Unternehmer selbst tiberlassen. Bei der 
zweiten, wie es scheint, in Deutschland entstandenen Form 
wahrte sich der Münzherr einen viel bedeutenderen Ein- 
fluss auf die Münze, und zwar durch Aufsichtsbeamte — 
in Oesterreich der oberste Kämmerer, der Münzmeister 

18* 



264 



A. Luschlii-Ebengreuth ; 



und der Münzanwalt — denen alle übrigen bei der Münz- 
erzeugung irgendwie mitwirkenden Personen in allen 
Angelegenheiten der Münze untergeordnet waren. Während 
aber die Ernennung der Aufsichtspersonen und des tech- 
nischen Münzpersonals vom Münzherrn entweder unmittel- 
bar oder mindestens mittelbar abhing, finden wir daneben 
in sonderbarer Veiquickung die Hausgenossen, deren Amt 
durch Erbgang oder Ankauf erworben wurde , gleichfalls 
an der Herstellung der Münze betheiligt. Dem germa- 
nischen Principe der Einung entsprechend haben wir sie als 
eine Genossenschaft zu betrachten, welcher die Besorgung 
der finanziellen Vorbedingungen für die Herstellung der 
Münze auf eigene Rechnung und Gefahr oblag. Ihre Auf- 
gabe war daher wesentlich die ßeischaffung des erforder- 
lichen Rohmaterials zu jedem Gusse, von dem sich der 
Herzog nur einen massigen Schlagschatz vorbehielt, der 
zu den Gestehungskosten der Münze hinzugerechnet wurde. 
Was nach Abzug derselben übrig blieb — und es lebte 
nach mittelalterlicher Sitte alles von der Münze, was mit 
derselben irgend in Verbindung stand, vom Münzmeister 
bis zum Juden und dem Wirthe herunter, welche den Münz- 
arbeitern zu Dienste standen — das war des Haus- 
genossen Gewinn si). Ihn traf darum auch ebenso der Ver- 
lust, wenn es am Gusse irgendwie gebrach, demselben 
Silber nachgesetzt werden musste, oder gar das ganze 
Werk noch einmal in den Tiegel wanderte. Folgerichtig 
war darum dem Hausgenossen der Silberkauf und die 
Einwechslung des verrufenen Geldes vorbehalten. Darum 



81) Im XV. Jahrhundert rechnete man auf einen Guss von 
136 Mark Rohmateriale an 20 8" Gestehungskosten , und wenn 
alles günstig und ehrlich ablief, für den Hausgenossen einen 
Gewinn von 11 — 13 8", sofern das Silber nicht zu theuer war. 



9^5 

Die Wiener Pfenninge. u\jxj 

erscheinen dann auch die Wechsler am Wiener Münzrecht 
allenthalben als bestellte Diener der Haiisg-enossen. 

Ob das Institut der Hausgenossen auch in Enns und 
Wiener Neustadt bestand, möchte ich trotz einiger urkund- 
lichen Andeutungen noch nicht für erwiesen ansehen. 
Jedenfalls konnte ihre Bedeutung nicht mehr gross sein, 
seitdem es die Wiener 1277 durchgesetzt hatten, dass die 
„Erneuerung" der Wiener Pfenninge, so oft sich dieselbe 
(was die Regel war) nur auf die Hauptseite beschränkte, 
der Hauptstadt vorbehalten sein sollte. 

Was den Ertrag betrifft, welchen die Münze dem 
Herzoge abwarf, so war er doppelter Art. Er bestand ein- 
mal aus dem Schlagschatze, welcher dem Anwalte 
neben seiner eigenen Gebühr für den Herzog bezahlt 
wurde, und dann in die Gusskosten einzurechnen kam, 
und vor dem Jahre 1359 auch aus dem herzoglichen 
Antheile an dem Wechselgewinne, welcher bei der 
zwangsweisen Umwechslung der verrufenen Münzsorte 
gegen die neu ausgegebene erwuchs. Wahrscheinlich be- 
zieht sich auf diese doppelte Quelle des Münzeinkoramens 
die Unterscheidung der Erträgnisse der camera sive moneta 
und jenes, das die consortes entrichteten , die uns öfters 
begegnet sa). 

32) Z. B. in der Urkunde von Wiener Neustadt von 1277 (vgl. 
Anm. Nr. 25) : Tempore renouationis denariorum, videlicet 7 diebus 
ante festum beati Jacobi predicti eines monete fabricam intrabunt 
medietatem obuencionum et redituum nostrorum qui vulgariter 
slegschatz dicuntur tarn diu a consortibus , quam a camera tamdiu 
recepturi, quousque pretata 1000 talenta integre receperint .... 
Orig. im k. k. Staatsarchive zu Wien, dann im Rationarium der 
österr. Herzoge vom Jahre 1328—1338 ebendort, Ms. Nr.38, Fol. 40: 
„de moneta sive camera Vienensi", endlich die eben daraus bei Chrael 
Geschichtsf. II, 256 abgedruckte Münzmeisterrechnung für's J. 1334. 



"^^ A. Luschin-Ebengreutli: 



Die Summe , welche auf solche Weise die Münze in- 
einem Jahre eintrug, waren sehr bedeutend. Im Jahre 1334 
verrechnete z. B. der Münzmeister Dietrich Vrwetsch im 
Ganzen 4971 U Wiener J(, an Empiangen, darunter 2176 ^ 
60 J^ an Schlagschatz aus der Wiener Kammer, 1970 ?J 
7 ßl 20 H^ von den Hausgenossen, dann Eingänge von 
369 S" 7 ßl. und 453 it 7 ßl 10 J^ von den Münzkammern 
zu Wiener Neustadt und Enns. Allein die jährliche Münz- 
erneuerung, welche in Oesterreich im Sommer, entweder 
Ende Juni oder Ende Juli in Anlehnung an die Kalender- 
heiligen Johann der Täufer und Jacob zu erfolgen pflegte^ 
war eine drückende Last. Zwar hören wir nicht von so 
tumultuarischen Scenen, wie sie in Ungarn an der Tages- 
ordnung waren, in dem Reiche, wo man dieMünzerneue- 
rung mit der trockensten Geschäftsmässigkeit durchführte, 
und wo das lucrum camerae auf dem flachen Lande geradezu 
die Gestalt einer Thürensteuer annahm ssj^ aber wie hem- 
mend muss nicht die Münzverrufung auf allen Bewohnern 
des Herzogthumes gelastet haben, damit sich im Jahre 1359 
alle Stände desselben zur Uebernahme des Ungelds, einer 
indirecten lOpercentigen Steuer von allen verzapften 
Getränken verstanden, bloss damit sie der Herzog seiner 
neuen Münze überhebe, wie es bezeichnend heisst s*). Nur 
auf ein Jahr vorläufig ging der vorsichtige Rudolf IV. die» 
Abkommen ein, allein der Erfolg desselben entsprach so 
sehr beiden Theilen, dass es in Hinkunft bei der neuen 
Einrichtung blieb. Dadurch änderten sich aber die Münz- 
politik und mancherlei damit zusammenhängende Rechte. 



8«) Schönwiesner S. 298, dann Krajner Staatsverfassung Ungarns^ 
S. 7<'3. 

34) S. das Ungeldspatent bei Herrgott Monumenta Domus 
Austr. Numotheca I, 258, Kurz Rudolf IV, S. 321. 



Die Wiener Pfenninge. 



267 



Während bis dahin , wie dies noch im Hausgenossenprivi- 
legium von 1277 heisst. die neue Münze, mit welcher der 
Hausgenosse oder der Wechsler den Markt bezog, als 
herzogliches Kammergut betrachtet wurde, und der unver- 
schuldete Verlust durch Beraubung einen Ersatzanspruch 
an die Kammer begründete, weil eben der Gewinn und 
Verlust aus der MUn/erneuerung auf Rechnung des Landes - 
fürsten ging und der Hausgenosse sich mit gewissen 
Procenten daran und mit dem Wechselgewinne ausserhalb 
dieser Zeit begnügen musste, verschwindet seit dem Jahre 
1359 dieser bedeutende Wechselertrag. Was übrig bleibt, 
das geht in die Einkünfte des Hausgenossen auf, welcher 
in der Folge nicht bloss die Ausmünzung und die gewöhn- 
liche Einwechslung von Gold und Silber, sondern überdies 
auch die Einziehung alter Münzsorten , wenn eine solche 
nothwendig wurde , auf eigene Rechnung und Gefahr be- 
sorgen musste. Dem Herzoge blieb fürderhin nur der 
Schlagschatz und auch dieser geschmälert. Er scheint 
früher (Münzbuch XXXVH) 2 'ä Ji vom Gusse betragen zu 
haben, wurde jedoch später auf die Hälfte herabgesetzt 
und betrug nach dem Anschlage des Hubmeisters in den 
Jahren 1437/8 nur bei 193 U X, „mehr oder minder dar- 
nach man minst" «s). Uebernahm einmal ausnahmsweise 
die landesherrliche Kammer die Beschatfung des Silbers, 
wie dies z. B. bei der zu Anfang des XV. Jahrhunderts von 
Herzog Albrecht V. aus volkswirthschaftlichen Gründen 
angeordneten Münzverrufung der Fall war, dann war auch 
der Gewinn beim Silberkauf ein verschwindender Betrag. 
(Münzbuch XLVII ff.). 

85) Chmel Materialien I, 86, 92. — Damit stimmt die Verpflich- 
tung der 48 Hausgenossen, je mindestens 3mal im Jahre zu münzen, 
sehr gut überein. 



^" - A. Ijuschin-Ebengreulh: 



§. 13. Das Silber- und das Probir^ewieht in 
der \l^iener lHünzstätte. 

Die Untersuchungen über die Schwere der Wiener 
Mark dürften durch die Studien Muffats abgeschlossen 
sein, welcher mit Beherrschung des vorhandenen und mit 
Heranziehung neuen Materials zu den Schlüssen kömmt: 
die alte Wiener Mark war ursprünglich das halbe Handels- 
pfund und betrug, da dieses, soweit unsere Vergleichungen 
zurückreichen, unverändert blieb, = 280.006 Grm. Die 
Erhöhung auf 280.644 Grm ist erst seit dem Jahre 1704 
eingetreten se). Man kann demnach die Schwere der alten 
Silberniark ohne nennenswerthen Fehler auf rund 280 Grm. 
veranschlagen, und ebenso auch die Ofner und die Prager 
Mark auf 245 (gegen 245.005) Grm. abrunden. 

Was dagegen das Probirgewicht anlangt, so hat 
Mutfat in seinen Beiträgen zur Geschichte des baierischen 
Münzwesens 87) dieVermuthung Grote's, dass man vor der 
Mitte des XIH. Jahrhunderts den Feingehalt des Silbers 
nicht genauer als nach Quintchen, also nur nach einer 
64 theiligen Scala ermitteln konnte, apodiktisch auf das 
ganze Mittelalter ausgedehnt und speciell für die Berech- 



5«) lieber das Gewicht und den Gehalt der österr. Pfenninge 
(Abhandl. d. k. b. Akademie d.W. III. Gl., XII. Bd. S. 79-91. S. A. 
S. 7—19). Da von mir die alte Wiener Mark früher mit 281.378 Grm. 
angenommen wurde, so bedürfen natürlich alle jene Ansatz e von 
Gewichtsmarken in meinen Münzgescli. Vorstudien (S. 263, S. A. 
45), bei welchen ich von der Wiener Mark ausging, einer kleinen. 
Correctur. 

87) a. a. 0. XI. Bd. S. 203 ff., insbesondere S. 227, dann Grote 
Münzstudien III, 51. 



Dio Wiener Pfenninge. 



269 



m\T\g des Münzfusses die Regel aufgestellt* dass die zu 
ermittelnden Verhältnisse mit den arithmetischen Gliede- 
rungen des Quintchens im Einklänge stehen müssten. 

Diese Behauptung mag für das baierische Mllnzwesen 
in ihrem Werthe bleiben, auf die Wiener Münze ist sie, 
nachweislich seit dem Anfange des XV. Jahrhunderts, ver- 
mnthlich aber auch schon für eine lange Zeit vorher, nicht 
anwendbar. 

Die älteste Aufzeichnung findet sich auf der Rückseite 
einer Urkunde des Herzog Ernst, vom 1. Jänner 1409, in 
welcher dieser die Grazer Münzstätte, dem ehemaligen 
Versucher der Wiener Münze Heinrich Probst überlässt. 
Es heisst hier: Item es ist zu merken daz vier Gewicht 
sind auf dem Versuechen an der Munss. Item das 1. haist 
ein Pfenning, das ander haisst ein Helbling, das 3. liaisst 
ain Medel, das 4. haisst ain halb Medel s»). Die Gussbe- 
rechnungen im MUnzbuche XIII und LXIV lassen vollends 
keinen Zweifel zu, dass die Medel, also ein Gewicht, das 
leichter als der Helbling ist, als Probirgewicht verwendet 
wurde. Aus den Worten, der Münzmeister müsse ein tüch- 
tiger Rechner sein, der wohl rechnen könne von Medel zu 
Korn und wieuil Medel eins yedn Guss auf ain Korn gen 
schol und wieuil yegleiche Medel Silber bedeuten schol in 
dem Guss u. s. w,, ergibt es sich sogar, dass die ganzen 
Gussberechnungen auf dem Gewichte der Medel aufgebaut 
wurden. Die Schwere der Medei gibt das Münzbuch 
(LXXXII) auf 1/45 Loth an, eine andere Stelle in dem 
Münzrechte das Kaltenbäck verötfentlichte (S. 7) sagt 

38) Lichnovvsky V, Regest. lOBo. Die Abschrift der Urkunde 
danke ich der Güte des Herrn Dr. G. Winter in Wien. 



270 



A. Luschin-Ebengreuth: 



minder genau : das Loth zum Einwiegen des Korns sollte 
haben gleich 46 Medeln und gar ein winzig minder. 

Ausser der Medel und Halbmedel nennt das so eben 
genannte Münzrecht von 1450 auch noch die Aufzahlmark 
und das Loth, die wir uns als sogenannte Stale, d. h. als 
Vielfache des Pfenninggewichts zu denken haben, mit denen 
die Prüfung des Schrot und Korn's vorgenommen wurde. 
Das Verfahren bei ersterer war ganz einfach. In Gegen- 
wart des Münzmeisters, des Anwalts und desjenigen Haus- 
genossen, welcher den Guss beigestellt hatte, wurden die 
von den Schrotmeistern angefertigten Münzplättchen „auf 
der Haut" erst gut durcheinander gemischt. Hierauf zählte 
der Jude des Münzhofs in Würfen zu 5 und 5 die Aufzahl- 
mark ab, z.B. um die Mitte des XV. Jahrhunderts 300 Pfen- 
ninge, welche genau 10 Loth wiegen sollten. Stimmte das 
Gewicht, oder erforderte es nur den Zuwurf eines Pfennings 
(der ist von Genaden hinzugeben worden) so war das 
Schrot eingehalten, fehlte es um 2— 3 Pfenninge oder mehr, 
so wurden die gewogenen Stücke „gesaigert", d. h. die 
unterwichtigen zerschnitten und die schweren unter die 
übrigen Münzplättchen eingemischt. Dann wurde die Auf- 
zahlmark von neuem herausgezählt und das geschilderte 
Verfahren so lange fortgesetzt, bis man es zu einer richti- 
gen Aufzahlmark brachte. Nun erst durften die Plättchen 
vom Hausgenossen den Setzmeistern zur Prägung ein- 
geantwortet werden, welche dem Gewichte nach das 
gleiche Quantum an geprägter Münze zu erstatten hatten, 
das ihnen an Münzplättchen war zugewogen worden. 

Genauer ging es bei der Prüfung des Korns zu. Hier 
nahm der Anwalt von den neu geprägten Pfenningen die 
vorgeschriebene Anzahl (Mitte des XV. Jahrhunderts, 



971 

Die Wiener Pfenninge. — i *. 

32 Stück) und wog sie mit dem Lothgewichte ein, doch 
derart „dass die Pfenning ein wenig auf das Silber 
schlagen" und übergab sie dann dem geschwornen Ver- 
sucher zum Feinbrennen. Das Korn, das jedoch nicht all- 
zusehr abgetrieben werden sollte „wann dhain Smelzsilber 
von Alter herkommen ist" (1409), musste dann die aus- 
gerechnete Zahl Medeln , z. B. bei 6 löthigen Pfenningen 
17 Medel enthalten. Gebrach es dem Korne um eine Medel, 
und ergab auch das Feinbrennen eines 2., 3. oder selbst 
4. Korns kein besseres Ergebniss, so musste das ganze 
Werk wieder eingeschmolzen werden, und es verlor daher 
der Hausgenosse die sämmtlichen Kosten, die an dessen 
Herstellung gewandt worden waren. Fehlte es um weniger, 
etwa um i/g — s/^ Medel, so waren Aushilfsgüsse erforder- 
lich, welche um 3, beziehungsweise 5 Mark Silber reicher 
waren so). Die Pfenninge des zu arm befundenen Gusses, 
die bis dahin unter Siegel gehalten waren, wurden nun 
mit den entsprechend besseren des Aushilfsgusses „auf 
der Haut" gut durcheinandergemengt, und konnten nun 
in den Verkehr gebracht werden. War jedoch das Korn 
nicht einmal um eine halbe Medel zu leicht, dann waltete 
Gnade, d. h. der Guss wurde, als innerhalb des gesetz- 
lichen Remediums stehend, passirt. 



3») Da der Guss von 136 Mark Rohmateriale zu Glöthigen 
Pfenningen 51 Mark Silber enthielt, so mussten die Aushilfsgüsse 
54, iDeziehungsweise 56 Mark Silber haben. Während also die zu 
arm befundenen Pfenninge anstatt 6 Lth. (0-375) nur 5 Lth. 14Grän, 
beziehungsweise 12 Grän oder 0-364 und 0-355 fein waren, stellten 
sich die Pfenninge des Aushilfsgusses auf 6 Lth. 7 — 11 Grän (0-400 
bis 0-415), so dass also eine Schwankung von 60 Tausendtheilen 
oder nahezu einem Lothe bei Pfenningen desselben Gepräges 
gesetzlich zulässig war. 



272 



A. Luschin-Ebengrcuth : 



Nicht leicht zu erklären ist die Schwere der Aiifzahl- 
mark, welche um die Mitte des XV. Jahrhunderts in Wien 
10 Lothe oder 175 Grm. wog. Am nächstliegenden ist es 
an die verschiedenen Zahlmarkcn zu denken, welche z. B. 
im Nordwesten Deutschlands (Köln) 144, ininnerösterreieh 
160^5^ enthielten, und sicherlich, ehe sie gleich demPfunde 
zum blossen Zahlbegriffe herabsanken, einer rauhen oder 
leinen Gewichtsmark entsprochen haben. 

Ich möchte folgende Hypothese vorschlagen. Im 
XIII. Jahrhundert, etwa während der Regierungen Ottokars 
oder der ersten Habsburger, wurden gesetzlich 300 Wiener 
Pfenninge auf eine rauhe Münzmark von 16 Wiener Lothen 
gerechnet, und zwar durch so lauge Zeit, dass sich die 
Anschauung festigte, die Aufzahlmark habe aus 300 Pfen- 
ningen oder 10 ß ^ zu bestehen. Dabei blieb man auch 
dann, als das Schrot der Pfenninge leichter geworden war, 
obwohl dies zur Folge hatte, dass die Schwere der Auf- 
zahlniark allmälig eine wechselnde Grösse wurde, weil sie 
jeweilig vom gesetzlichen Schrote des Pfennings abhing. 
Für diesen Erklärungsversuch, welcher das Wesentliche 
und unveränderliche der Aufzahlmark in dem Gewichte 
von gerade 10 ßl. X oder 300 Pfenningen und keinem 
mehr oder minder findet, — denn man könnte auch gerade 
entgegengesetzt die für das XV. Jahrhundert bekannte 
Schwere von 10 Wiener Lothen als das Bleibende und die 
vom Schrote abhängige Aufzahl der Pfenninge als das 
Wechselnde ansehen — lassen sich auch in den Quellen 
Anhaltspunkte gewinnen. Einmal die Textirung im Wiener 
MUnzrcchte von 1450: die Aufzahlmark zu der Münz 
sol haben an der Wag 10 Loth. . . , das Loth (um das 
Korn einzuwägen) sol haben gar ein gerecht Lott. . . ., 
welche erkennen lässt, dass Aufzahlmark und Loth con- 



Die Wiener Pfonnlnüe. 



273 



ventionelle Grössen waren, deren effectives Gewicht nicht 
aus ihrer Bezeichnung entnommen werden lionnte, sondern 
ausdrücklicher Normirung bedurfte. Ferner spricht daflir die 
Vorschrift, dass die Stale der Aufzahlmark und des Lothes 
nicht bloss mit des Herzogs Zeichen, sondern überdies mit 
der wechselnden Marke des MUnzmeisters und Zimen- 
tierers zu versehen waren, während für die unveränder- 
liche Medel und Halbmedel das erstere allein genügte. 
Endlich ist auch nicht zu übersehen, dass 1409 der Grazer 
Münze die wandelbaren Gewichte des Pfennings und 
Hälblings an Stelle ihres in seiner Schwere ebenso ver- 
änderlichen Vielfachen, der Aufzahlmark, überantwortet 
wurden. 

Für die Unterabtheilungen der Medel werden im 
Münzbuche (XXVI), freilich nicht in der Bedeutung des 
Probirgewichtes, sondern in Anlehnung an das eben be- 
stehende Pfenninggewicht die Ausdrücke Raif und NiflF 
gebraucht. Dürfen wir sie auf die bei den Kornproben vor- 
kommenden 1/2 und 1/4 Medel übertragen , und als Binde- 
glied die nicht genannten Probirgräne einschieben, so 
erhalten wir folgende Scala des Wiener Probirgewichtes : 

Loth Grän Medel Kaff Mff Tausendtheile 

1 Mark 16 288 720 1440 2880 1-000 

1 Loth .... 18 45 90 180 0-0625 

1 Grän 2Va 5 10 0-003472 

1 Medel 2 4 0-0013888 

Va Medel oder Raff 2 0-0006944, 

welche eine ideelle Auftheilung der Probirgrän in Zehntel 
(Niff) erschliessen lässt. 



274 



A. Luschin-Ebengreufh : 



§. 13. Der Oeldumlauf in Oesterreich. 

Im XII. Jahrhundert herrschten in Oesterreich neben- 
einander zwei Währungen : Die Barren und die Pfenning- 
währung-, spätestens im XIII. Jahrhundert tritt als eine 
Combination beider die Mark Silber gewegens hinzu. 

Die Barrenwährung, über welche Grote in seiner 
schwäbischen Münzgeschichte (S. 34—75) erschöpfend 
gehandelt hat, hatten die Deutschen von den Römern über- 
nommen, woferne man nicht in dem nordischen sogenann- 
ten Ringgelde einen nationalen Ursprung derselben finden 
will. Das Metall der Barren richtete sich natürlich nach 
der jedesmaligen Währung. Man zahlte im Zeitalter der 
Merovinge mit Goldbarren, seit der Münzreform Pippins 
mit Silber. Münzen konnten aber in den darauf folgenden 
Zeiten umsoweniger als ausschliessliches Zahlmittel ge- 
nügen, je mehr der zunehmende Verkehr die Handhabung 
auch grösserer Werthbeträge erforderte, je unbequemer 
der Gebrauch gemünzten Geldes durch den geringen 
Werthbetrag der umlaufenden Münzstücke wurde, je mehr 
das Bedürfniss nach einem Zahlmittel erwuchs, dessen 
Umsatz den verschiedenen Landesmünzen gegenüber mit 
dem geringsten Wechselverluste verknüpft war *<»). Neben 



*») Sehr anschaulich schildert diesen Vortheil der Barren- 
währung die Anra. 18 erwähnte Reiserechnung des B. Wolfger von 
Passau im Archiv zu Cividale. Da heisst es zum Jahre 1204 auf 
Bl. 4: „Apnd Cliramün cambuit Fr. Heinricus 3 marcas pro 18 soli- 
dis longis et 23 den. Aquilegon. Item ibidem i/j marcam pro 3 soli- 
dis et 4 den. Apud Pordinum 2 marcas pro 18 tt> Venetianorum . . . 
Apud Ferrariam 4 marcas pro 8 'S Imperialium. . . .Item 2 marcas 
pro 4 8". Imperialium minus uno solido breui . . . .Apud Bononiam 
14 iS. et fertonera et dimidium pro 106' Z? Veronensium et 23 U et 
12 ßol. Bononiensium u. s. w. 



97fS 

Die VViouer Pfenninge. ^ • '-' 

den gezählten Pfunden, Marken nnd Schillingen stand 
die gewogene Mark uiigeniünzten Silbers. 

In Baiern hatte sich übrigens, wohl durch den grösse- 
ren Verkehr mit avarischen und byzantinischen Gebieten 
der Umlauf von Goldmünzen länger als anderswo in 
Deutschland erhalten. Soetbeer hat auf eine Freisinger 
Urkunde von 816 hingewiesen, welche die Verpflichtung 
aufstellt, annis singulis unum solidum de auro soluere, 
aut XXX denarios, und als Strafsanction kömmt die Rede- 
wendung, auri libri tantas, argenti pondera tanta ungefähr 
ebenso lange vor 4i). Die Urkunden der folgenden zwei 
Jahrhunderte, meist königliche Gnadenbriefe oder Land- 
schenkungen, geben über die Währungsverhältnisse fast 
gar keinen Aufschluss. Von der Mitte des XII. Jahrhun- 
derts ab findet man aber die Barren und Pfenningwährimg, 
oft sogar in derselben Urkunde erwähnt 42^. 

Ausdrücke für die Barren Währung sind: marca 
argenti, oft mit Beisätzen, alsrpuri, legalis, examinati, cocti, 
fmi, wizzesilber, löthiges = lediges Silber, und im Gegen- 
satz dazu montani, non probati u. dg!. Theile der Mark 
.sind der Vierting, ferto = 1/4 und das Loth = 1/1 g Mark. 
Unterabtheilungen des letzteren sind dann noch Setin = i/a 
und Quintin = 1/4 Loth. Ausnahmsweise wurde übrigens 
das Silber auch nach Gewichtspfunden libra, talentum 



*i) Die Traditionsiukunden des Klosters Mondsee z. B. ent- 
halten dieselben regelmässig in den Urkunden aus der Zeit Herzog 
Tassilos und Karl d. Gr. Das letzte datirte Beispiel auro uncias 6. . 
exsolvat vom Jahre 820 s. Urkdb. d. L. ob d. Enns I, 72, Nr. 120. 

*2) Z. B. um 1160 a. a. 0. 171, Nr. 163 ipse autem Hugo volens 
redimere predictam vineam aut duo filii ejus redimant 20 marcis 
bene ponderati argenti et quinque talentis et totidem i^oüdis. 



276 



A. Luschih-Ebeni'ieuth ; 



argenti angeschlagen 43). Muffat erklärt diese letzteren 
Ausdrücke aus der praesumirten Uebereinstimmung des 
Feingewichts in einem Pfunde Pfenninge mit einer rauhen 
Silbermark und glaubt darum auch talentum (libra) argenti 
= marca argenti und den räthselhaften siclus argenti 
umgekehrt ^= 1 Schilling von 30 JC ansetzen zu dürfen, 
doch ist das vorhandene Material noch zu unvollständig, 
um hierüber eine bündige Erklärung abzugeben. 

Die Mark Silber konnte von verschiedenem Fein- 
gehalte und auch von verschiedener Schwere sein, obwohl 
die Eintheilung derselben stets die gleiche blieb. In öster- 
reichischen Urkunden ist, wenn kein weiterer Beisatz ge- 
macht wird, regelmässig die Wiener Gewichtsmark von 
rund 280 Grm. zu verstehen (§. 12). 

Schwieriger ist die Frage nach dem Feingehalte der 
Mark zu beantworten. Die marca puri, purificati oder selbst 
purissimi argenti sollte 1 6 Loth, oder nach heutiger Einthei- 
lung 1000/^000 fein sein, allein, wenn es erst der Gegenwartmit 
allen Mitteln verfeinerter Technik gelungen ist, das Silber im 
Grossen bis auf 0-998 — 0999 zu treiben, so ist begreiflich, 
das man während des Mittelalters umsoweiter hinter dem 
idealen Feingehalt zurückblieb. Es wird darum ziemlich 
allgemein und mit Recht angenommen, dass man damala 
das Silber nicht über 0-950 oder etwa 15 Loth (Argeut-le- 
Roi, Regulus argenti) aifiniren konnte **). Dies will mit 



*8) Urkd. des Mkgf. Otakar V von Steiermark vom Jahre 1147, 
Strafsaiiction : bis 60 talenta argenti probati in cameram nostram 
persolvat. — U.B. f. Stmrk. I, 271. — 1161. .pro XI talentis argenti 
coniparauimus . . U. B. ob d. Enns II, 314. 

**) Den höchsten Feingehalt den ich bisher durch Feuerproben 
sicherstellen konnte, hat eine Otto und Adelheids Münze (0-945 



Die "Wiener Pfenuinge. 



277 



anderen Worten sagen , dass während des Mittelalters ein 
Silber von effectiv 15 Loth nnd 2 — 4 Grän die Stelle des 
ideal Iß löthigen Silbers vertrat, und dass infolge dessen 
der Feingehalt einer Münze, den wir jetzt mittelst der Feuer- 
oder der nassen Probe als den eifectiven ermitteln, während 
des Mittelalters ideell um i/i« höher werthete. Wenn darum 
beispielshalber der Erzbischof von Salzburg 1286 anordnet 
„denarios renovabunt sub hac forma cudendos , scilicet 
quod argentum ponder;itura probari debet et purificari ita, 
quod addito uno lotone cupri ad marcam puram argenti . . 
340 denarii eudi debent" ^^), so sollte die Prägung aus 
15 Theilen lölöthigen Silbers und, 1 Theile Silber 
(15 löthig) erfolgen, während das Gemisch der heutigen 
Technik gegenüber in Wirklichkeit aus 15 Theilen etwa 
i5/,g feinen Silbers und 1 Theile Kupfer, also aus einer 
Legierung von ungefähr 14 Loth einigen Grän bestand. Es 
ergiebt sich daraus die nicht unwichtige Folgerung, dass 
die durch Feuerproben ermittelten Feingewichte zumal bei 
den feineren Legierungen noch eine Erhöhung von i/ao his 
Vi« erfahren müssen, wenn man auf den im Münzgesetze 
beabsichtigten Silberinhalt kommen will. 

Den Gegensatz zur feinen Mark, welche überall mit 
Sicherheit anzunehmen ist, wo das Silber durch Beisätze 



oder 15 Loth 2 Grän). Ihm reiheu sich Friesacher mit 0-920, 0-916, 
0-915 an. Obermuyr will im Reichenlialler Funde Stücke von 
151/2 Loth oder 0-966 gefunden haben, allein da er einen Friesacher 
auf 15 Loth oder 0-938 erhöht, für welchen in der Grazer Münze 
nur 0-915 gefunden wurden, so muss wohl eine kleine Reduction 
stattfinden. 

*6) Kleimayern Unpartheyische Abhandlung von dem Staate 
des h. Krzstiftes Salzburg, §. 320. 

19 



278 



A. Luschin-Ebengreuth: 



wie puri, cocti, gebranntes, lauteres, loetic *•) u. dgl. aus- 
gezeichnet wird, bildet die rauhe oder beschickte Mark 
(MUnzmark), deren Feingehalt sich nach der jeweilig für 
die betreffende Münzstätte giltigen Vorschrift richtete, mit- 
hin veränderlich war. Sie wird als marca argenti schlecht- 
weg oder mit dem Zusätze ponderis Wienensis. . .Wienisch 
Geloet, in innerösterreichischen Urkunden auch treffend 
als Wersilber bezeichnet. Aus dieser rauhen Mark konnte 
endlich auch noch eine locale Mark mit herkömmlichem Fein- 
gehalte hervorgehen, wenn sich der Feingehalt der Münze 
durch längere Zeit auf derselben Höhe erhalten hatte. So 
hielt dieRegensbur^er und die Augsburger Probe während 
des Mittelalters vermuthlich 14 Loth fein, der Freiburger 
Brand 12 Loth u. dgl. Für Wien lässt sich eine eigene 
Wienerprobe nicht mit Sicherheit erweisen. Die rauhe 
Mark hielt in Wien in der zweiten Hälfte des XHI. Jahr- 
hunderts durchschnittlich IO73 Loth (0-670), bei den Neu- 
prägungen in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts 
ebenso 12 (0-750) und selbst 13 Loth, verminderte sich 
dann entsprechend der „Theuerung des Silbers" mit 
raschen Schwankungen auf 71/3 Loth (0-470) und tiefer, 
um mit der MUnzreform Herzog Albrecht IV,, 1399, 9 löthig 
(0-562) zu schliessen. 

Diese Barrenwährung lässt sich in Oesterreich bis in 
die erste Hälfte des XIV, Jahrhunderts verfolgen, sie 
wurde erst durch die überhandnehmenden Goldgulden 
ausser Gebrauch gesetzt. 



*«) Abweichender Ansicht ist Grote, Münzstudien Heft 16, S.50 
da er, wie auch ich es früher annahm, den Ausdruck löthig = lega- 
liter mixtum = so und so viel löthig erklärt. In österreichischen 
Urkunden bedeutet, wie ich mich überzeugt habe, löthig unzweifel- 
haft soviel als argentum purum. 



Die Wiener Pfenninge. äI» 

Die Pfenningwähruug in Oesterreich schliesst 
sich an die baierische an, namentlich finden sich schon 
frühzeitige Beispiele für die abweichende Eintheilung des 
karolingischen MUnzzahlpfiindes. Ueber die Entstehungs- 
weise derselben sind wir nun nach Grotes und Soetbeers 
Untersuchungen wohl im Klaren. Der ursprünglich in 
Baiern übliche Solidus, wie er in den Bussansätzen der 
Lex Bajuuariorum uns entgegentritt, war mit dem bei den 
Franken, Alamannen u. s. w. üblichen römischen (con- 
stantinischen) Goldsolidus identisch und zerfiel gleich 
diesem in 40 Silberdenare. Es herrschte also völlige 
Uebereiustimmung bis zur karolingischen Münzreform, 
welche das neu eingeführte 367-2 Grm. schwere Silberpfund 
in 20 Schillinge zu 12 Denaren also in 240 Pfenninge 
eintheilte. Spuren dieser karolingischen Eintheilung finden 
sich in Baiern und Oesterreich bis ins XIII. Jahrhundert, 
und zwar werden diese Schillinge erst als solidi Francisci 
(815) später als solidi breves bezeichnet 4'). Viel verbrei- 
teter und schliesslich allein noch üblich war jedoch die 
Zählung nach langen Schillingen 4») zu 30 X welche ein- 
fach dadurch entstand, dass man in Baiern länger als 
anderswo an der Goldwährung festhielt. Da nur bei der 
damals bestehenden Werthrelation der Edelmetalle (1:10) 
30 karolingische Denare genau einem constantinischen 



47) ürkb. o. d. Enns II, 603, Nr. 266, P.issauer Tradition von 
-circa 1200, dann in den Reiserechnungen B. Wolfgers von Passau : 
pro cera 6 solidos breves et 7 ^ — 1256 ürkb. von Klosterneuburg 

I, S. 8, Nr. 10. 

48) Noch 1302 werden in der Urkunde Nr. 721 des deutschen 
•Ordensarchivs zu Wien redditus sex solidorum longorum denario- 
xum Wienuensium erwähnt. 

19* 



■""^ A. Luschin-Ebengreuth: 

Goldsolidiis entsprachen 49) und man mit acht Stttcken der 
letzteren bequem das karolingische Zahlpfund von 240 J^ 
erlegen konnte, so festigte sich in Baiern ein abweichen- 
des MUnzsystem, welches mit dem fränkischen den Denar 
und die Libra gemeinsam hatte, dagegen den bei den 
Franken lediglich als Kechnungsmünze bestehenden Schil- 
ling von 12 J(, durch eine Goldmünze im Werthe von 30^ 
oder 21/3 fränkischen Zählsolidus ersetzte. Bei dieser Ein- 
theilung des Zählpfundes in 8 ßl. verblieb es auch dann, 
als in Baiern die Goldcirculation endlich aufgehört hatte, 
nur war seither der Schilling zu 30^ gleichfalls zur blossen 
Kechnungsmünze geworden so). 

Da sich diese Schillinge zu 30 Jf von Baiern aus auch 
nach Kärnten verbreiteten (wo sie mit einer, wie es scheint 
im Lande selbst entstandenen Zahlmark von 160 J(, com- 
binirt wurden) obwohl der politische Zusammenhang beider 
Herzogthtimer schon seit dem Ende des X. Jahrhunderts 



*9) Ein Zeugniss dafüi- das man jedoch bisher übersehen hatte,, 
wiewohl es schon Tileman Friese in seinem Münzspiegel richtig deu- 
tete, (1592, S. 138) bietet der Sachsenspiegel, der bekanntlich man- 
cherlei höchst alterthüraliche Traditionen bewahrt III, Art. 45, §. 1, 
Man ehrt die Fürsten mit Gold und gibt ihnen „12 guldine phenning 
zu buze, der iclich ein dri pt'ennii;- gewichte Silbers wege; daz ge- 
wichte goldes nam man da vor zehne silbers". Also 1 Goldpfenning 
= 3 X 10 = 30 ^. 

50) Beispiele für diese baierische Eintheilung des Zählpfundes 
aus dem IX. — XIII. Jahrhundert bei Muflfat baierisches Münzwesen 
S. 204 ff. Weitere Zeugnisse bieten die Glosse in der Grazer Hand- 
schrift der Lex Bajuuariorum aas dem XII. Jahrhundert aber auf 
älterer Vorlage beruhend (Num. Zeitschr. II, 62 ff.), dann die Inter- 
polation in der Handschrift A 1 desselben Volksrechts (X. Jahr- 
hundert), welche um den gleichzeitigen Münzverhältnissen Rech- 
nung zu tragen , in Tit. V, c 2 den Strafsatz , da er die Hälfte vo» 
li/a solidi bilden sollte, auf Ty^ saigae — 2214 Denare emendirte. 



Die Wiener Pfenninge. 



281 



fUr immer unterbrochen war, so miiss die Eintheilung des 
Pfundes von 240 ,<^ in 8 ßl. zu 30 X schon vor dem Jahre 
1000 im Herzogthume Baiern und seinen Nebenländern 
herrschend gewesen sein. 

FUr Herzog Heinrich lag 1156 als er die MUnzungen 
selbst aufnahm keine Veranlassung vor, von dieser her- 
kömmlichen Eintheilung abzugehen, und so hat sie sich 
denn in Oesterreich, späterhin mit dem Gulden = 60Kreu- 
zern = 240 ^ in Verbindung gebracht, bis in das vorige 
Jahrhundert hinauf erhalten. 

Neben den so eben besprochenen langen und kurzen 
Schillingen steht der räthselhafte ^Schilling, welchen das 
österreichische Landesrecht Art. 13 auf 15 Pfenninge be- 
werthet. Diese Angabe ist ganz vereinzelt und schwer zu 
deuten. Sie gewinnt nicht an Klarheit, wenn man andere 
Eechtsquellen heranzieht, in welchen der gleiche Ausdruck 
vorkömmt si) und war jedenfalls für den MUnzverkehr ohne 
praktische Bedeutung. 

Der Silberinhalt des Pfundes Pfenninge, noch um die 
Mitte des XU. Jahrhunderts auf eine feine Mark ver- 
anschlagt, sank langsam aber stätig, da bald das Korn 
bald das Schrot der Münze verringert wurden. Zahlungen 
in affectiver Münze sind überall dort vorauszusetzen, wo 
die Verpflichtung auf talenta, in Innerösterreich auch marcae 
denariorum lautet oder aber der Beisatz „in uumerata 
pecunia" gemacht wird. 



51) Das Augsburger Stadtrecht von 1276, sagt Art. LI, §. 5 
und ist je des 6 schillinges drizzig phenninge. Dazu dann Art. VIII, 
§. 24. — Vgl. auch Loxer I, 708, welcher den Ausdruck ausserdem 
in Nürnberger Polizeiordnungen nachweist. 



282 



A. Luschin-Ebengreuth : 



Gerade diese Abnahme des Feingewichts im Zahl- 
pfunde führte in Oesterreich und noch allgemeiner in der 
Steiermark zu dem Auskunftsniittel der „Marken Silber 
gewegens" dem wir seit dem XIII. Jahrhundert begegnen. 
Wenn die Verpflichtung aufrauhe Marken, auf Währsilber 
lautete, so konnte demselben entweder durch Silberbarren 
von entsprechendem Feingehalt, oder was einfacher war, 
durch Münzen, in welchen das erforderliche Silberquantura 
enthalten war, geleistet werden. Letzteres konnte nun so 
geschehen, dass man so viele Pfenninge hingab, als nach 
dem jeweiligen Münzfusse auf die rauhe Mark gingen,. 
dann waren es sogenannte Aufzahlmarken 53) ^ welche bei 
den feinhältigen Friesachern oft vorkamen. Man konnte 
aber auch den sicherem Weg gehen und die Pfenninge 
ohne EUcksicht auf ihre Zahl nach Gewichtsmarken zu- 
wägen, wie solches noch heutzutage bei grösseren Zah- 
lungen in harter Münze vorzukommen pflegt. Die Mark 
Gewegens ist also nichts anderes als 16 Loth gewogener 
Pfenninge. Sie kömmt in Urkunden entweder ohne jeden 
weiteren Beisatz vor, oder mit Angabe der Münzstätte, 
deren Erzeugnisse hier in Betracht kamen, oder nennt sie 
endlich auch noch das Markgewicht, über welches man 
einig geworden war. Wir finden daher die Redewendungen: 
Märchen silber gewegens (argenti ponderati), oder marcb 
gewegens silbers, Greczer gewichtes, beziehungsweise 
march alter Wiener pfenning gewigter (argenti ponderati 
Grecensis. . .), oder endlich march gewegens Wienisch 



**) Vgl. die von mir in den münzgeschichtlichen Vorstudien 
S. 258 (40) fF. mitgetheilten Belege. Verscliieden davon ist die Auf- 
zahlraark der Wiener Münzstätte, ein stabiler Zahlbegriif für 10 ßl^ 
oder 300 ^, (Vgl. §. 12.) 



Die Wiener Pfenninge. aOO 

geloetes, Wienner gewiges. Frischer gewegens u. dgl. 
(marea Grecensis argenti, Wiennensis ponderis ss^ 

Betrachten wir nun die Ausdrücke Gewegens und 
Gelött so entsprechen dieselben genau der lateinischen 
Terminologie : ponderatum und pondus. Gewegens silber 
Graetzer, Wienner geloetes (gewiges) kann also heissen: 
nach Wiener Gewichtsmarken gewogenes Grazer Silber, 
oder gewogenes Silber, Grazerpfenninge nach Wiener 
Gewichtsmarken. Der Wirkung nach kommen beide Deu- 
tungen beinahe Uberein , denn ich erhalte offenbar das 
ganz gleiche Silberquantum, wenn ich mir 50 Mark Silber 
Grazer Brandes nach Wiener Gewicht, oder ebensoviel 
Wiener Gewichtsmarken an coursirenden Grazer Pfennin- 
gen zuwiegen lasse, nur erspare ich mir im zweiten Falle 
überdies die nicht unbedeutenden Prägekosten. 

Die Entscheidung dieser Frage, deren Erörterung 
breiter gerathen ist, weil Grote sich mit meiner Erklärung 
von Mark gewegens nicht befreunden kann, und erst kürz- 
lich versicherte keine Quellenstelle gefunden zu haben, 
aus welcher der Gebrauch Münzen bei Zahlungen mark- 
weise abzuwiegen zweifellos gefolgert werden könnte si)^ 
dürfte durch folgende Urkunden gegeben sein : 

aj 1287, 21. August Graz. Verkauf des Schlosses Pickelbach an 
den Bischof von Seckau, um 105 Mark Silbers, de quibus marca 
valere debet 17 lotis de moneta Grezensium denariorum. Steir. 
L. Arch. Urk. Nr. 1306. 



53) Urkb. des steir. L. Archivs Nr. 2078, 1976, 1767b, 1750b, 
dann Wiener Staatsarchiv, Abth. Innerösterreich L. 2 und 3, ddto. 
1312, 9. Febr. und 1325, 16. Mai Insbruck, Tan-,'!, Gesch. Kärntens 
IV, 528. 

54) Blätter für MUnzfreunde Nr. 45, S. 344 (1. Juli 1875). 



284 



A. Luschin-Kbengreuth: 



bj 1316, 5. April Wien 3000 March letigen Silbers , Wiener 

Gewichts, je für ain march 72 grozzer B rager Pfenning oder 
3 march alter Wiener Pfenning gewegner fnr 2 march silbers. 
(Muffat österr. Münzwes, «. 98, S. A. 28.) 

cj 1316, 10. Juli übergibt zu Oberwelz der Schaffer dem Notar 
des B. V. Freising : in denariis Grecensibus 4 marcas ponderati, 
18 lotonibus pro marca (seil pari) computatis. Item argenti 
puri 13 marcas u. s. w. Fontes Ker. Austr. I, 2, Bd. 36, S. 154. 

dj 1318, 30. April. Graf Herman v, Heunburg verkauft das Dorf 
Smersdorf an den B. v. Lavant um 36 (richtig 56) March ge- 
wegens silbers, da er uns für geben hat 32 march lotigs in 
pehaimischen Grozzen und vmb 24 march gewegens silbers 
Greczer Münzz , Weinniches gewichtes und beliält sich darf 
Wiederkaufsrecht um 60 Mark Silber gewegens Weinnichs 
Gewichtes innerhalb drei Jahren vor. St. L. A. Nr. 1839. 

ej 1335, 17. Jänner. Judenburg Revers des Konrad Pehaim... 
mit „156 Märchen Silbers gewegens oder daz geprant silber 
angeverde di march vir 18 loet gewegens an der werung zu 
nenien" soll Wiederlösung möglich sein. — St. L. A. Nr. 2078. 
Die Ansätze c) und e) rechnen 18 Loth gewegens auf die 
feine Mark, es ist mithin die Mark gewegens 14 Loth 4 Grän 
oder gerade so fein, als es die Grazer Pfenninge noch nach 
der Münzordnung von 1339 sein sollten. 

fj 1338, 24. Sept. Alchoch von Halbenrain verkauft dem Kloster 
Göss 3 Hüben um 5 March gewegens Silbers und um 6 March 
lötigs, gewegner Pehaimischer und vmb 6 Lot und vmb quin- 
tein. — St. L. Arch. Nr. 2127 1'. Hier sollen ausnahmsweise 
sogar böhmische Groschen, welche man sonst nur nach Auf- 
zahlmarken zu geben pflegte, nach Gewichtsmarken gezahlt 
werden. 

Sollten noch irgend welche Bedenken bestehen, so ver- 
weise ich auf die Aufschreibungen über den Eingang der 
päpstlichen Steuer vom Jahre 1280, welche Kleinmayr in 
seiner unparteyischen Abhandlung von dem Staate des hohen 
Erzstiftes Salzburg in §. 321, S. 376 giebt, auf König Karl 
Roberts von Ungarn Vorschrift über die Einlösung des Goldes 



99,^ 

Pie Wiener Pfenninge. ^wi/ 

vom Jahre 1342 **), und endlich auf die in der Anmerkung mit- 
getheilte Urkunde des Eb. Konrad von Salzburg vom Jahre 
1295 56). 

Es unterliegt demnacli, wie ich glaube, keinem Zweifel, 
dass in Oesterreich während des Mittelalters im Münzver- 
kehre der Gebrauch zugewogener Courantmtinze thatsäch- 
lich bestand, den z. B. Hofman in seinem Münzschlüssel 
für ganz Deutschland annimmt ^^), und dass die marca 
pouderati argenti, ponderatorum Graecensium, gewegens 
Wiener u. s. w. neben der Barren- und Pfenningwährung 
zumal bei grossen Zahlungen ihren selbstständigen Platz 



55) Schönwiesner S. 295. Item una marca auri ponderis Bu- 
densis 12 caratorum cambitur cum 7 marcis ipsorum denariorum 
camerae cum eodem pondere Budensi leuando in statera. 

56) 1295, 4. Jänner s. Oswald bei Zeiring. Erzbischof Konrad 
von Salzburg bekundet, dass ihm Probst Weriand von Seckau de 
decima terrae sanctae subsidio deputata 100 marcas denariorum 
Graecen sium in numero apud Leybnitz assignavit, quae in pondere 
fecerunt seu continebant argenti ponderati Viennensis ponderis 39. 
Item idem praepositus postea assignavit... Heinrico Laventinae 
ecclesiae episcopo vice nostra in solucione eiusdem decimae argenti 
ponderati marcas 34, duobus marcis denariorum pro una marca 

argenti computatis Summa totalis eorum erit argenti ponderati 

et non puri marcae 89 ponderis Viennensis. Alanus , Collectaneum 
Kunense. 

57) Der Vollständigkeit wegen muss auch noch auf die Mög- 
lichkeit von Verwechslungen hingewiesen werden, welche bei 
Quellenangaben über marcae ponderatorum leicht eintritt. Da diese 
Worte zumal in Eechnungsbüchern fast nur abgekürzt erscheinen, 
so hängt ungemein viel von ihrer richtigen Auflösung ab. Chmel 
hat z.B. im Abdruck desEationariums der österreichischen Herzoge 
aus den Jahren 1326 — 1338 an einer Stelle (Geschichtsforscher II, 
259) durchaus Grecensis ponderis gelesen, während die von mir 
genau verglichene Handschrift hier nur Gretzn pondr also Grecen- 
sium ponderatorum hat. 



286 



A. Luschin-Ebengreuth : 



behauptete. Die Rechnung nach Marken gewegens 
schwindet im AUgemeinen um die Mitte des XIV. Jahrhun- 
derts aus den Uriiunden; der letzte Nachzügler, denn ich 
kenne, fällt in's Jahr 1387. Hier behält sich Jemand die 
Wiederlösung einer abgetretenen Feste mit gewegem 
Silber bevor, setzt jedoch, da der Zeitpunkt der Wieder- 
lösung unbestimmt belassen wird, vorsichtig bei: oder für 
ain march silber gewegens als tewer gueter Wiener oder 
Greczer pfenning und die Zeit ain march silber gewegens 
wert ist. — (St. L. Arch. Nr. 3607.) 

Ausser den bisher angeführten Währungen kommen 
in Oesterreich im XIV. Jahrhunderte noch zwei auswärtige 
Münzsorten für den Verkehr in Betracht, die böhmischen 
Groschen und die Goldgulden. 

Die böhmischen Groschen findet man in öster- 
reichischen Urkunden mit sehr verschiedener Aufzahl auf 
die Mark ^s). Wie es scheint, gewannen hiezulande erst 
die von König Johann seit dem Jahre 1311 nach einem 
leichteren Mttnzfusse ausgeprägten Groschen ein starkes 
Absatzgebiet, da durchweg 72 Stücke auf die feine Wiener 
Mark gerechnet werden. Ansätze zu 64 Stücke auf die 
feine Wiener Mark, welche Zahlung in der besseren Münz- 
sorte König Wenzels bedeuten Avürden, habe ich in öster- 
reichischen oder steierischen Urkunden bisher vergeblich 



*8) Die umfassendste Zusaramenstellnng über den Umlauf der 
böhmischen Groschen in Deutsch-Oesterreich bietet Muffat öster- 
reiciiische Pfenninge S. 121—144 (S. A. 49—72). Vgl. dazu meine 
theilweise verschiedenen Ergebnisse in den münzgeschichtl. Vor- 
studien, 238—247 (S.A. 20— 29). Die ungarischen MUnzverhältnisse 
mit ganz abweichenden Aufzahlmarken (40, 50, 62. . .Schönwiesner 
Notitia 274, 275, 272) wurden von Keinem von uns Beiden berück- 
sichtigt. 



Die Wiener Pfenninge. 



287 



gesucht 59^^ in welchen die böhmischen Groschen über- 
haupt nur höchst ausnahmsweise vor dem Jahre 1315 auf- 
tauchen. Wo wir daher in den genannten Ländern den 
Ansatz von 64 böhmischen Zahlpfenningen antreffen, dort 
ist er jedesmal entweder auf eine rauhe Wiener — oder 
auf eine zwar feine aber minder schwere Gewichtsmark zu 
beziehen. Es fehlt namentlich nicht an ausdrücklichen 
Hinweisen, dass 64 Groschen auf eine Mark Grazer Ge- 
wegens Wienisch geloetes, also auf 248-894 Grm. Fein- 
silber gerechnet wurden. Die höheren Ansätze zu 66 und 
68 Stücken entsprechen entweder einer anderen Mark, wie 
etwa der Salzburger (256-681 Grm.), oder sind, was ge- 
wöhnlich der Fall war, auf Rechnung des verminderten 
Feingewichts der in Zahlung gegebenen Münzsorte zu 
stellen «o). 

Seit der Mitte des XIV. Jahrhunderts verschwinden 
die böhmischen Groschen allgemach aus den österreichi- 
schen Urkunden, weil die Goldwährung an Beliebtheit 
gewann , im Kleinverkehre aber bildeten sie nach wie vor 
als Mittelstufe zwischen den zur Unterwährung geworde- 
nen Pfenningen und den Goldgulden eine höchst wichtige 
Rolle. (Vgl. §. 14, Nr. 2.) 

Goldgulden waren vereinzelt schon währenddes 
letzten Viertels des XIII. Jahrhunderts in den diesländi- 



59) Das Beispiel, das Muflfat österreichische Pfenninge S. 122 
(50) für die mit der Wiener Mark gleichwichtige mährische Mark 
beibringt, gehört nach Böhmen. 

6") Es ist daher irrig, wenn Muflfat a. a. 0. S. 124 (52) behaup- 
tet, in steirischen Urkunden würden 64 im Silbergehalt verringerte 
Grossi sowohl auf eine löthige, als auf eine gewogene Mark Silbers 
gerechnet (sie). Auch hier gehört das Beispiel mit der löthigen 
Mark nach Böhmen. 



288 



A. Luschin-Ebengreuth: 



sehen Verkehr gedrungen, sie wurden jedoch vorerst noch 
wenig' beachtet, da man sie lieber nach Italien abgab, wo 
man sie besser zu schätzen wusste. Ueberhaupt ist es die 
päpstliche Curie, genauer gesprochen, sind es die von der- 
selben ausgeschriebenen und in Gold zu bezahlenden 
Steuern, was durch Jahrhunderte die Erinnerung an die 
Goldmünzen in Oesterreich nicht erlöschen Hess, und auch 
im XIII. Jahrhundert seitdem Florenz, Genua und Venedig 
Goldprägungen im grossen Style begonnen hatten, die 
Bekanntschaft mit diesem Zahlungsmittel in immer weiteren 
Kreisen vermittelte «i). Die Aufzeichnungen des bekann- 
ten päpstlichen Agenten Albert von Beham reduciren ein- 
gehobenes Silber auf Gold. Aehnliches geschieht 12G0 
durch den Nuntius Johannes de Ocra und in der Heberolle 
der päpstlichen Steuer vom Jahre 1280 e^). In den öster- 
reichischen Münzverkehr haben sich die Goldgulden erst 
später eingebürgert. Die Rechnungsbücher des B.Konradlll. 
von Freising (1316 bis etwa 1321) zeigen noch ausschliess- 



61) 1020, P. Benedict VIII. nimmt das Frauenkloster Goess 
in seinen Scliutz , ita tarnen ut singulis quibusque indictionibus 
pensionis nomine unus aureus sancte Romane ecclesie pcrsolvatur. 
— 1096 für S. Lambrecht ebenso singulis annis Rome Bizantium 
uel ualens ipsum persolvat, für Admont c. 1 145 u. s. w. Steir, Urkb. 
I, 718, 102, 114, 130, 248. — Vgl. auch das päpstliche Steuerregister 
von 1192 bei Muratori Antiquit. Italiae V, Sp. 877 ff., in welchem 
Marabutini, Squifati, Komanati, dann auch unciae auri unter den 
Zinsen der deutschen und speciell der österreichischen Klöster vor- 
kommen. Dem Bisantius wurde dann (z. B. 1320) nach dem An- 
schhige der früheren Steuereinnehmer ein florenus auri curribilis 
substitiürt. Steir. L. A. Urk. N. 1866. 

«2) Biblioth. d. liter. Vereins in Stuttgart 16b s. 152. — Mon. 
Boica XXIX, 2, S. 161. — Kleimayr unparth. Abhandlung §. 321 
S. 376. 



Die Wiener Pfennlnyo. 



289 



liehe Silberwähniiig, aber kurz darauf scheint der Um- 
schwung begleitet, von einer heftigen Silberkrise, ein- 
getreten zu sein. (Vgl. §. 14 Nr. 3). 1327 finde« sich Gold- 
gulden in Oberösterreich, 1330 sind sie schon ziemlich 
häufig, und ein Jahrzehend später werden sie in steierischen 
Urkunden als gemeine Landeswährung bezeichnet «s). 
Verstanden sind hier Goldgulden, wie selbe, seit 1252 in 
Florenz ausgeprägt und rasch in Süd- und Mitteleuropa 
nachgeahmt wurden. 

Auch die österreichischen Herzoge Albrecht IL 
(t 1358) und Kudolph IV. unternahmen die Ausprägung 
von österreichischen Goldgulden ; da jedoch das Land 
grösserer Goldbergwerke entbehrte und der Bedarf des 
Verkehrs durch die zahlreich umlaufenden guten Sorten 
der ungarischen Gulden und venezianischen Zecchinen 
(Ducaten) gedeckt war, so fand dieser Versuch seit dem 
Tode Herzog Rudolph IV. (1365), wie es scheint, durch 
nahezu ein Jahrhundert keine Nachahmung. Der Fein- 
gehalt der in Oesterreich während des XIV. Jahrhunderts 
hauptsächlich cursirenden ungarischen und venezianischen 
Goldmünzen blieb geraume Zeit ziemlich beständig, und 
der Verkehr sah darum , wie die beigefügten Klauseln 
guete guidein Florin die die wag habent, oder die ir recht 
pei der wag habent, darthun, bloss auf die Vollwichtigkeit 
der Stücke. Als aber seit dem letzten Viertel des XIV. Jahr- 
hunderts mehr und mehr leichtere Münzsorten eindrangen 
und der rheinische Gulden von den beständigeren Hungern 
und Ducaten guidein geschieden wurde, da hob man auch 
das Erforderniss feinen Korns in den Urkunden hervor, 



«8) Vgl. die Nachweise in den „Vorschlägen und Erfordernissen«* 
u. s. w. S. 10 S. 



290 



A. Luschin-Ebengreuth : 



und die Zahlungen wurden seither regelmässig in guten 
guidein (Ducaten u. s, w.) dy gut an gold sein und swer 
an dem gewicht u. dgl. m. ausbedungen «*). 



§. ±It-, Valvation der fremden Iflünzsorten in 
Oesterreich. 

Ehe wir an eine der schwierigsten Untersuchungen, 
an die Ermittelungen desMünzfusses der Wiener Pfenninge, 
übergehen, wollen wir noch kurz jene kärglichen Daten 
zusammenstellen, welche uns über das Werthverhältniss 
der Wiener Pfenninge gegenüber anderen Mlinzsorten 
überliefert sind, mag es sich nun im einzelnen Falle um 
Bewerthung der fremden Münzsorten in Oesterreich oder 
umgekehrt der Wiener Pfenninge im Auslande handeln. 
Dass dergleichen Ansätze in der Regel nur beiläufige sind 
und auch den nicht unbedeutenden Wechselverlust ein- 
schliessen, liegt in der Natur der Sache. Zu grösserer 
Genauigkeit erheben sie sich nur dort, wo die fremde 
Münzsorte in ihrem Feingewichte durch längere Zeit 
ständig blieb, und überdies gesetzliches Zahlungsmittel 
geworden war, also bei den Grazer Pfenningen, den Prager 
Groschen und den Goldgulden. 

1. Graz er Pfenninge. Ihr Gehalt wurde 1287 auf 
15 Loth (c. 0-940, 17 Loth rauh = 1 Mark fein) in den 
Jahren 1316-1339 auf 14Loth 4Grän (c. 0-890) geschätzt. 
Dabei rechnete man innerhalb der letztgenannten 23 Jahre 
2 Zahlmarken oder 320 Pfenninge auf die feine Grazer 
Mark, deren Gewicht, wie Muffat wahrscheinlich gemacht 



64) Urkunde von 1414, 23. Juni steir. L. Arch. Nr. 4563b , 



9Q1 

riip Wiener Pfenninge. «»/* 

hat, 248-894 Grm. betrug. Die Münzreform von 1339 be- 
hielt das Korn bei, verminderte aber das Schrot, so dass 
durchschnittlich 352 auf die rauhe und 396 Grazer Pfen- 
ninge auf die feine Wiener Mark gerechnet wurden. Das 
Rohgewicht des Grazer Pfennings betrug also seit 1339 
etwa 0-8, das Feingewicht 0-707 Grm. 

Gerechnet wurden zu Anfang des XIV. Jahrhunderts 
1 1/2 Wiener Pfenninge auf einen Grazer, so 1311, 1329 
(1 newer Greczer = l^/a alte Wiener) 1349, wobei aber 
zu berücksichtigen ist, dass die beiden letzten Daten 
Bewerthungen von Grundleistungeu sind, welche alte 
Ansätze enthalten können. Die Ausseer Amtsrechnung vom 
dritten Quartal des Jahres 1336 rechnet den Goldgulden 
auf 75 Grazer oder 90 Wiener, mithin den Grazer Pfenning 
= I1/5 Wiener, und unbedeutend höher werthet ihn eine 
Reuner Urkunde vom Jahre 1364 (l = l5/,8 Wiener). Seit 
dem Jahre 1366 und nun immer häufiger (1368, 1377, 
1379, 1380, 1389, . . .) kommt dann der Ausdruck guete 
Greczer oder Wiener J^, guete Greczer und Wiener ,^ vor, 
welcher die HerabdrUckung der Grazer Pfenninge auf den 
Münzfuss der Wiener Münze andeuten dürfte. Die Münz- 
ordnung von 1409, welche die Ausbringung der Grazer 
Pfenninge nach Korn, Wag und Aufzahl, wie zu Wien 
befiehlt, bestätigt diese Annahme «5). 

6S) Lichnowsky V, Regest. Nr. 1U63, für die andern Angaben : 
ürk. d. steir. L.A. Nr. 1306, 1749, 2383^, 3010^, 2972, 3264», 3356, 
3368i> und 3670 u. s. w. Chmel Geschichtsforscher I, 477. Nr.LXIII, 
II, 424, 441/3. — Diplom. Runense II, Nr. 475. Noch im Jahre 1433 
rechnet eine Seckauer Urkunde '/g markch (80) Greczer oder 14 U 
(120) Wiener ^, ein Beweis, wie wenig verlässlich im Allgemeinen 
die Weithangaben bei Grundleistungen für die Geld- und Preis- 
geschichte sind, da sie herkömmliche Ansätze wiederholen, welche 
oft Jahrhunderte vorher waren festgestellt worden. St.L. A.Nr.5403. 



-•^^ A. Luschin-Ebengreuth : 

2. Prager Groschen. Sailer nimmt an, dass man 
während der Jahre 1300—1340 den böhmischen Groschen 
im Durchschnitte mit 7 Wiener Pfenningen berechnet habe. 
Geht man aber auf die einzelnen urkundlichen Zeugnisse, 
so erhält man mehr minder grosse Abweichungen, welche 
von den Veränderungen im Feingewichte bald der Prager 
Groschen, bald der Wiener Pfenninge herrühren. Wir 
finden z. B. : 

1302. 1 Prager Groschen der besten Sorte (zu 64 auf die 
feine mährische oder Wiener Mark) = 7 y^ Wiener 
Pfenninge (ü. B. v. Hohenfurt S. 60, Nr. 56). 

1316. 1 Prager Groschen der leichteren Sorte (72 auf die 
feine Wiener Mark) = 62/3 alte Wiener Pfenninge 
(Regesta Boica V, Anh. 396). 

1326. 1 Groschen oder 7 Pfenninge. — Kleine Klosterneu- 
burger Chronik, Archiv VII, 231. 

1328. 1 Prager Groschen der leichteren Sorte (zu 72 Stück 
auf die feine, zu 64 auf die gemischte Mark zu 
143/9 Loth, Grezer Silber) = 71/2 alte Wiener Pfen- 
ningen. — Steir. L. Arch. Nr. 1976. 

1339. Singulos grossos vel 7 Viennenses. — Annales 
Zvvetlenses. 

1342. 6 denarios Viennenses pro uno grosso. — Ungarn, 
Schönwiesner, Notitia Hung. Rei Num. S. 284. 

1357, 1369, 1398, 1399. - 1 Groschen = 7 Pfenninge. 
(Huber zur Münzgesch.Oesterr. im Arch. für österr. 
Gesch. 44, 8.531, S.A.S. 9 und Urkb. d. Schotten- 
klosters S. 469). 

3. Goldgulden. Der Uebergang von der Silber- 
zur Goldwährung, welcher für Oesterreich um das Jahr 



Die Wiener Pfenninge. 



293 



1325 anzusetzen ist, war von einer heftigen Erschütterung 
des Silherpreises begleitet und es durclilebten unsere Vor- 
fahren eine vielleicht noch acutere Krise, als sie Europa 
jetzt durch den Anstoss der deutschen Münzreform bereitet 
worden ist. Eine Schilderung des Verlaufes dieser Geld- 
krise , deren Vorhandensein in unseren Gegenden bisher 
noch Niemand aufgefallen war, muss einer besonderen 
Arbeit vorbehalten bleiben, hier sollen nur einige unzwei- 
deutige Quellenbelege zur Sicherstellung der obigen Be- 
hauptung beigebracht werden. 

Da wären zuerst die von Schönwiesner leider nur mit 
der allgemeinen Jahresangabe 1317 — 1337 veröffentlichten 
Auszüge aus den Rechnungen der päpstlichen Steuerein- 
nehmer zu nennen, welche die feine Ofner Mark von 245.005 
Grm. auf 4 Goldgulden bewerthen «ß). Das ergibt für den 
Goldgulden von höchstens 3*5573 Grm. Gold ein Aequiva- 
lent von 61-251 Grm. Silber oder einWerthverhältniss der 
beiden Edelmetalle von 1:17-2, das sich zu Ungunsten 
der böhmischen Groschen oder der Wiener Pfenninge 
sogar noch etwas erhöhte. Ganz ähnliche Daten liefert 
Innerösterreich. 1336 verpflichtet sich das Kloster Admont 
zu einer Zahlung von 40 Mark Silbers immer für ein Mark 
66 Poeheimisch Pfenning oder 4 guidein oder ander werunge 
di danne gibig und gengig ist, und für's gleiche Jahr ver- 
rechnet der Vitzthum von Kärnten den österreichischen 
Herzogen 300 Mark Silber 66 grossis, vel 4 florenis et 



66) Notitia Hang, rei Num. S. 271 ff., z. B. Ex civitate et 
diocesi Vesprimensi 30% marcae fini argenti ad pondus Bndense, 
quaruni quaelibet valet 4 florenos. — Ex civitate et diocesi metro- 
politana Strigoniensi 10 Mark in böhmischen Groschen quorum 
Bveminorum 64 faciunt unam marcham fini argenti qua valet 4 flo- 
renos auri VI. s. w. 

20 



004. 

^"^^ A.. T.uschin-Ebengreuili : 



2 grossis pro marca coraputatis e?). Beide Angaben setzen 
mindestens 248-894 Grm. Feinsilber den 4 Goldgulden 
gleich oder die Verhältnisszahlen 1:17-5 voraus. Nahezu 
das gleiche Ergebniss gewährt die weiter oben bei den 
Grazer Pfenningen angeführte AusseerAmtsrechnung fiir's 
dritte Quartal des Jahres 1336, wenn man den Grazer 
Pfenning mit seinem muthmassliehen Feingewichte von 
0-777 Grm. substituirt. Den Höhepunkt scheint die Krisis 
im Jahre 1339 mit den Verhältnisszahlen 1:21-8 erreicht 
zu haben, wo die gleiche Mark von 66 Zahlgroschen in 
Gulden bezahlt wird, der wir ain für fumf Lot ie genomen 
haben mit der wag (St. L. A. Nr. 2135), wo also gar nur 
3</5 Gulden auf 248-894 Grm. Feiusilber kommen. Wenige 
Jahre später (1342) war der Goldpreis auf 4Va Gulden flir 
die Mark, also auf 1 : 15-5, im Jahre 1348 sogar auf bi/gü. 
oder 1:131/8 gesunken (St. L. A. 2200» und 1251) und 
war damit noch nicht auf seinen tiefsten Stand gekommen, 
denn die Münzausprägungen von 1399 und 1439 nahmen 
nur eine Werthrelation von 1 :ll-6 an. 

Dies war der Verlauf der Edelmetallkrisis im XIV. 
Jahrhunderte in groben Umrissen gezeichnet. Die Ansätze 
zn 4, 41/4, 4'/a, 5. . . Gulden auf die Mark haben dadurch, 
sofern sie vor das Jahr 1348 fallen, ihre Erklärung gefun- 
den. Sind es spätere Daten und hat dasVerhältniss 1 : 131/3 
seit dem Jahre 1348, wie zu erwarten, durch längere Zeit 
angedauert, dann ist für dieselben jener Erklärungsversuch 
zulässig, den ich in meinen Vorschlägen zu einer Geschichte 
der Preise in Oesterreich (S. 18 flf.) durch die Annahme 
verschieden legirter rauher Marken (zu lO'/sj 1-j 13 '/g 
u. s. w. Loth fein) aufgestellt habe. 



«7) stell-. L. Arch. Nr. 2096 f. und Chmel Gesch. II, 439. 



Die Wiener Pfenninge. 



295 



Durch das bisher Gesagte erhalten jene urkundlichen 
Angaben, welche den Wiener Pfenning mit dem Goldgulden 
unmittelbar vergleichen, ihr rechtes Licht. In der nun fol- 
genden Tabelle sind zum guten Theile Daten verwendet, 
w^elche auch bei Huber und Muflfat vorkommen, und bei 
welchen darum eine abermalige Citirung unterbleiben 
konnte. 

Die erste Valvation der Wiener Pfenninge gegen Gold- 
gulden liegt in der Steuerquittuug des päpstlichen Nuntius 
für das Stift Klosterneuburg vom Jahre 1256, vorausgesetzt, 
dass man dem Byzantius um die Mitte des XIII. Jahrhun- 
derts bereits den Goldgulden substituiren darf, wie dies 
im XIV. Jahrhunderte wirklich geschah (s. Anm. 61). — Es 
heisst da: 32 solidos breves Wiennensis monete pro 8 
Bisanciis aureis pro domini pape camera recepisse, com- 
putatis pro quolibet denario aureo 50 denariis monete 
supradicte. (U.E. v. Klosterneuburg I, S. 8). Man rechnete 
demnach einen Goldgulden (respective Bysantius) im Jahre 
1250 = 50 (48) Wiener JC 1371 = 100 Wiener J^ 



1323 = 1142/7 

in Ungarn, s. Nr. 6 
1336 = 90 Wiener 
1341 = 96 „ 
1346 = 90 „ 

in Ungarn, s. Nr. 6 
1354 = 94 Wiener 

St. L. A. Nr. 2517* 
1360 = 96 Wiener 
1364 = 9878 „ 



1373 = 100 „ ,. 

1375 =96 ,^ „ 

1376 = 108 (110) „ 

1377 = 115 „ „ 

1378 = 114 „ , 
1389 = 120 „ „ 

1394 = 145und 150 Wr. JC 

1395 = 148 Wiener JC 

1396 = 150 „ 
1399 = 100 



St. L. A. Nr. 2913 

4. Agleier. 1311. Pro qualibet marcaAquilegensium 
■denariorum coraputatur 1 libra Wiennensium (Diplom, et 

20* 



296 



A. I.utohin-Ebengreuth ; 



Acta, Bd. 36, S. 164). Es wertheten also 160 Agleier soviel 
als 240 Wiener, oder es wurden auf einen Agleier ebensa 
wie auf einen Grazer Pfenning anderthalb Wiener Pfenning 
gerechnet. 

5. Fries ach er. Eine ungarische Urkunde (Fej6r 
Cod. dipl. Hung. VII, 1, S. 3G7) nennt zum Jahre 1223 
denarii Australes, ex quibus commutantur duo pro uno- 
Frisatico. 

6. Ungarn. Hier waren, wie wir eben sahen, die 
Wiener Pfenninge schon im ersten Viertel des XIII. Jahr- 
hunderts im Umlauf. Grössere Bedeutung für den Verkehr 
errangen jedoch erst die seit dem Jahre 1291 immer häufi- 
ger auftretenden und bis nach Siebenbürgen vorgedrun- 
genen breiten Wiener Pfenninge, die denarii lati Vien- 
nenses «s). Seit dem Jahre 1324 (vielleicht aber auch schon 
in der vorhergehenden Zeit) werden sie bis über die Mitte 
des XIV. Jahrhunderts mit 400 Stücken auf die Mark 
angeschlagen «»). Muffat hat darum solche Urkundenstellen 
zum Ausgangspunkte seiner Berechnung des Werthes der 
Wiener Pfenninge genommen und dabei den Ausdruck 
marca latorum denariorumWyennensium decem pensis pra 
qualibet marca computatis, auf die beschickte Wiener Mark 



88) Z. B. Codex dipl. patrius I, 85, II, 55, 89, 164, III, 44, 54, 
81 Fejör Cod. dipl, Hung. VII, 2, S. 202, endlich Schönwiesner 
S. 272 flf. 

«9) Die Belegstellen bei Muffat österr. Pfenning. S. 100 (28) ff,. 
— Das letzte Vorkommen dieses Ansatzes : pro 7 marcis prompto- 
rum denariorum latorum Vyennensium marcam quamlibet 10 pensis 
(zu 40 Stück) computando kenne ich zum Jahre 1360. Cod. Patrius 
II, 175, Nr. 142. 



Dio Wiener Pfenninge. ^'^ * 

gedeutet. Mit Unrecht, da der ausdrückliche Beisatz pon- 
derisWiennensis fehlt, und es doch nicht ohne nähere Be- 
gründung- zu vermuthen ist, dass man in Ungarn das Silber 
nach Wiener Marken berechnet habe. Bestätigt wird dieser 
mein Zweifel durch die schon öfters genannten Aufzeich- 
nungen über die Einhebung päpstlicher Steuern in Ungarn, 
welche tiberall dort, wo kein anderes Gewicht ausdrück- 
lich angegeben ist, die Ofner Mark zu 245-005 Grm. vor- 
aussetzen. Da hier (Schönwiesner giebt leider nur die 
allgemeine Jahresangabe zwischen 1317 und 1337) 400 
hreite Wiener Pfenninge auf eine mit S'/a Goldgulden 
bewerthete Mark gerechnet werden , so erfahren wir dar- 
aus überdies, dass es sich nicht um eine feine Ofner Mark 
handelte — denn diese galt 4 Goldgulden (vgl. w. 
oben Nr. 3) — sondern um eine rauhe, deren Feingewicht 
«ich auf ^'^ ^ '^^^ = 214-37 Grm. berechnen lässt, wenn 
man den Goldpreis zum Ausgangspunkte nimmt. Zieht 
man den Wechselverlust in Betracht, den die Wiener als 
fremdes Geld in Ungarn erleiden mussten, so wird das 
Feingewicht der 400 denarii lati allerdings etwas zu er- 
höhen sein, etwa auf 217-782 Grm., wenn man die marca 
grossorum (Pragensium) numeri Budensis zu 56 Stücken 
auf die rauhe Ofner Mark in Parallele stellt, welche (nach 
Muffat) obigen Silberinhalt hatte und gleichfalls auf 
3i/a Goldgulden bewerthet wurde. Dies Ergebniss gewinnt 
an Deutlichkeit, wenn man es mit der Verordnung König 
Karls vom Jahre 1323 zusammenhält, in welcher die neuen 
königlichen Münzen auf 14Loth fein(octavae combustionis) 
normirt werden, denn es wird nun klar, dass man in 
Ungarn um das Jahr 1323 und vermuthlich auch einige 
Jahre früher oder später 56 Prager Groschen oder 400 
breite Wiener Pfenninge (c. 217-782 Grm. Feingewicht) 



^ifo A_ Luschin-Ebengreuth: 

mit Vortheil fUr die rauhe MUnzmark von 214-37 Grm. 
nehmen konnte. Auf den Gold^ulden wurden aber dazumal 
11477 breite Wiener gerechnet. 

Andere Daten aus dem Jahre 1346 lassen auf eine 
Veränderung im Schrot und Korn der Wiener Pfenninge 
zurückschliessen. In einer von Muffatmitgetheilten Urkunde 
werden 2^ oder 480 breite Wiener Pfenninge auf die feine 
Wiener Mark (280006 Grm.) und bei Schönwiesner 
(S. 216) im gleichen Jahre 400 Wiener auf eine Mark und 
90^ auf den Goldgulden veranschlagt. Die Mark zu 
400 ,X hält also 280: x = 480:400 = 233-338 Grm. fein. 
An die Ofner Mark ist hier nicht zu denken, da sie zur 
Wiener Mark, wie 7:8, die Aufzahl der 400 : 480 Pfen- 
ninge dagegen wie 5:6 sich verhält. Wir können darum 
im Jahre 1346 in den 400 Wiener Pfenningen nur die rauhe 
Münzmark erblicken, welche somit in diesem Jahre 13i/s 
Loth fein, oder, wie die ungarischen Münzgesetze sagen 
würden, sextae combustionis war. 

Nun mag es auf den ersten Anblick eine willkürliche 
Behauptung erscheinen, dass man in Ungarn im Jahre 1323 
400 Wiener Pfenninge auf die rauhe Ofner, und 1346 
auf die Wiener Münzmark gerechnet habe, allein sie wird 
gerechtfertigt , sowie man auf die Münzpolitik der unga- 
rischen Könige Karl Robert und Ludwig I. eingeht. Jener 
suchte das ihm verhasste Wiener Geld in jeder Weise 
zurückzudrängen und den Verkehr der königlichen Münze 
vorzubehalten, verbot z.B. noch wenige Monate vor seinem 
Tode die „parvi et mediocres Viennenses, quoruni omni- 
modam extirpartionem volumus" und untersagte gleich- 
zeitig die Bezahlung jener Gebühr, durch welche man sich 
von der zwangsweisen Umwechslung der alten Geldsorten 



Die Wiener Pfenninge. üy*/ 

loskaufte (das sogenannte „Lncriim camerae), in Wiener 
Pfenningen, da diese Münzerneuerung- nicht behufs Ein- 
hebung alter Münzsorten oder der Wiener, sondern zur 
Vermehrung des Umlaufs der königlichen Münzen ange- 
ordnet sei. Dabei sehen wir ein fortwährendes Experimen- 
tiren. Im Jahre 1323 werden 14 löthige Pfenninge geprägt, 
etwa in den dreissiger Jahren bis 1337 folgen AusmUnzun- 
gen, die sich im Korn und wohl auch im Schrot an die 
Wiener anschlössen, dann seit 1337 geht die königliche 
Münzstätte wieder davon ab, und ordnet 1342 monetae 
terciae combustionis, lOa/g löthige Pfenninge an. Im Jahre 
1323 sollen 3 Wiener Pfenninge auf einen königlichen, 
1342 4 breite Wiener auf 3 neue ungarische Pfenninge 
gehen •?<>). Aber all diese Anstrengungen erwiesen sich als 
vergeblich, die Wiener Pfenninge waren im Verkehre zu 
beliebt, um sich durch dergleichen fiscalische Massregeln 
daraus verdrängen zu lassen und aus den Zusatzartikeln, 
welche König Ludwig im Jahre 1351 zur goldenen Bulle 
König Andreas IL hinzufügte, erfahren wir, dass seine 
Münze in Schrot und Korn mit den Wienern überein- 
stimmte 71). Nach dieser Erörterung wird es uns nicht 

7") Quellen dieser Darstellung sind die Urkunde bei Fejer 
Tom. 8, Vol. 7, S. 152, erläutert bei Krajner Staatsverfassung 
Ungarns S. 361 ff. und die Münzordnung' von 1342 bei Schönwiesner 
S. 288 — 312 zumal die Stelle auf S. 291 : et tres ex ejusdem (seil, 
novis) denariis pro 4 latis Viennensibus vel aliis camerae nostrae 
monetis quinti anni jam abolitis, aur, etiam in aliis (nämlich in könig- 
lichen Münzstätten) praecedentis anni fabricatis combustionem Vien- 
nensem habentibus cambientur et 6 ex eisdem tam denariis novis 
quam annorum prateriti tertii et quarti camerae nostrae monetis 
(quia ipsorum annorum prateriti tertii et quarti in suo esse cursu 
et cambio remanere volumus, pro grosso. . . .solvantur. 

'1) Art. 4. — De lucro camerae. Lucrum vero camerae . . de 
quolibet integro fundo curiae 3 grossi solvebantur. Sic et nunc cum 



«5W A. Luschin-Ebengreuth: 

wundernehmen, dass man in einer Zeit, wo sich die hei- 
mische Münze möglichst genau an die Wiener Pfenninge 
anschloss, die von früher her geläufige Zählung von 
10 Pensae auf eine Mark Silber auf die Wiener Münzmark 
übertrug, welche auf dies Schrot ausgebracht wurde. Wir 
erhalten darum folgendes Schema für die lati Viennenses 
und die nach ihrem Vorbilde geschlagenen ungarischen 
Münzen um das Jahr 1346: 

1 feine Wiener Mark =280-000 Grm. =480 J^ 

1 rauhe „ „ (==13v3Loth)=233-338 „ =400,, 

1 feine Ofner „ =245-005 „ =420 „ 

1 rauhe „ „ (=13 1/3 Loth)= 204-21 „ =350,, 

1 „ Wr.M.(= 155/3, Ofner L.) = 233-338 Grm. = 400 ;, 
und für den Wertli der Wiener Münze gegenüber den könig- 
lich ungarischen Geprägen: 

1323 1 denarius camere regle = 3 Viennenses 
1342 „ „ „=11/3 lati Vienneses 

1346/51 . . „ „ „ = 1 latus Viennensis. 

Endlich ist auch noch der Wiener Hälblinge, jener 
MUnzsorte zu gedenken, welche König Karl Robert durch 
das Beeret vom Jahre 1342 in Ungarn gänzlich ausrotten 
wollte. Die einzige bisher bekannte Stelle ist bei Schön- 
wiesner S. 282 aus den päpstlichen Steuerrechnungen des 
Jahres 1341: Recepi a capitulo ecclesiae Vesprimensis 13 
marchas et 3 pensas parvulorum Viennensium computando 



3 grossis in nostra camera cudendis, quorum unus sex denarios 
camerae nostrae in valore et qnantitate 6 latorum Viennensium 
valeat, et ipsorum grossorum 14 unum fertonem faciaut, persol- 
vantur. Mir ist im Augenblicke nur die alte Tyrnauer Ausgabe der 
Decreta etc. inclyti regni Vngariae von 1584 zugänglich, in welcher 
diese Stelle S. 64 vorkömmt. 



Die Wiener Pffiinimje. 



301 



10 pensas pro marcha et 40 denariis pro pensa. Fuerunt 
venditae XVII florenis aiiri". Unter der Marclia ist hier 
kaum mehr eine Gewichtsmark zu verstehen, sondern eher 
eine Zählmark, wegen des erfahrungsgemäss leichten 
Schrotes der Parvuli. Den Feingehalt dieser Hälblinge von 
welchen 5320 : 17 = 313 8tück auf den Goldgulden und 
mithin 3 1/4 auf den Wiener ^% gerechnet wurden, setzt Muffat 
(Wiener Pfenninge S. 109, S. 37), um nicht zu tief zu 
greifen auf etwa ß-ä/s Loth an, obwohl man bei Ausprägung 
der Hälblinge in der Regel immer weniger als die Hälfte 
des Korns der ganzen Pfenninge genommen habe, und 
berechnet sohin nach dieser Annahme den mnthmasslichen 
Münzfuss derselben. Er hat dabei übersehen, dass der 
Nachsatz über den Verkauf der Hälblinge gegen Gold- 
gulden einen weit besseren Anhaltspunkt zur Berechnung 
des Feingewichtes der 400 Hälblinge gewährt. Aus der 
zum Jahre 1341/2 vorkommenden Angabe tribus florenis 
])ro 4Gi/a grossis (Schönwiesner S. 28G) geht nämlich her- 
vor, dass noch immer 4 Goldgulden auf die feine Ofner 
Mark von 62 — 64 Groschen gerechnet wurden. Da nun 
bei diesem Ansätze, wie weiter oben (Nr. 3) gezeigt wurde, 
61-251 Grm. Feinsilber auf einen Goldgulden gingen, so 
müssen, wenn 313 Hälblinge einem solchen entsprachen, 
400 Stück ^'^' ^JJ'"'^^ = 78-27 Grm. haben. Wir erhalten 
demnach für diese Hälblinge vom Jahre 1341 folgendes 
Schema: 

1 Ofner Zählmark = 78-27 Grm. fein = 400 Hälblinge 
1 Wiener Gew.- „ = 280 „ „ = 1430 „ 

üeber die Beschaffenheit der mediocres Viennenses, 
welche das Gesetz König Karl Roberts vom Jahre 1342 
gleichfalls mit gänzlicher Vernichtung bedroht, haben wir 
aus ungarischen Quellen weiter keinerlei Nachrichten. 



302 



A. Luschin-Ebensrenth : 



7. Regen sbiirger. Im Jahre 1282 werden für 
413 '/a g" Regensburger 500 u Wiener Pfenninge in An- 
schlag gebracht, es wird also ein Regensbiirger auf rund 
1 1/5 Wiener Pfenninge bewerthet. Mufüit , welcher die 
gleiche Urkundenstelle bespricht, ist aber der Ueberzeu- 
gung, dass der höhere Werth damals weit eher den Wiener 
Pfenningen zugekommen sei, und erklärt darum die DiflPe- 
renz durch Wechselverlust und vermuthete Zinsenzahlung. 

Muffat gelangt zu dieser seiner Annahme, weil er auf 
Gruna der Angaben, die Beierlein in seinem Schriftchen 
Über die baierischen Münzen des Hauses Witteisbach 
macht, das Feingewicht eines Pfundes Regensburger Pfen- 
ninge während der Jahre 1231 — 1312 auf 173*07 Grra. 
berechnete. Nun ist aber Beierlein, dessen Fleiss und 
guter Wille dankbar anzuerkennen sind, nicht einmal in 
seiner chronologischen Anreihung der Gepräge unanfecht- 
bar, geschweige denn, dass seine höchst unbestimmten 
Angaben über Schrot und Korn jene Exactheit besitzen 
würden, die zur Berechnung des Münzfusses unerlässlich 
ist. Ich komme darum jetzt zum Beweise einer Behaup- 
tung, welche ich schon früher einmal (Num. Zeitschr. V, 
143) angedeutet habe, dass nämlich Muffats Berechnungen 
des Schrot imd Korns der baierischen Münzen vor 1350 
soweit sie nur auf Beierlein fussen, wegen Ungenauigkeit 
ihrer Unterlage werthlos sind. 

Was zunächst die Bewerthung eines Regensburgers 
auf rund 1 1/5 Wiener Pfenninge anbelangt, wie solche aus 
den Angaben der Urkunde von 1282 zu folgen scheint, so 
steht dieselbe nicht vereinzelt da. Wir linden vielmehr in 
den Auszügen aus dem Rechnungsbuclie des Klosters 
Aldersbach, deren Veröffentlichung in den „Quellen zur 



Die Wiener Pfenninge. 



303 



bairischen und deutschen Geschichte" wir dem Fleisse 
Muffats verdanken, eine Parallelstelle, welche ihm offen- 
bar entgangen ist. Es heisst nämlich dort (I, S. 446) zum 
20. Jänner 1297 Dominus noster uadens ad Austriam. . . 
duxit secum 6 g' nouorum Wiennensium, qui ualuerunt 
5 ^ et 12Ratisponensium, was einer Bewerthung- von 1440 
neuen Wienern r=: 1212 Regensburgern entspricht. Es 
wird hier also gleichfalls ein Regensburger Pfenning auf 
genau 1-188 oder rund V/^ neuer Wiener Pfenninge taxirt. 

Es lässt sich aber weiters auch der Nachweis liefern, 
dass die Regensburger noch im Jahre 1312 besser im 
Schrot und Korne waren, als Muffat sie für das Jahr 1 1 80 
anzunehmen wagte, wobei freilich zur Erklärung einzu- 
schalten ist, dass er ihren Münzfuss als einen seit der 
ältesten Zeit fortwährend sinkenden betrachtet, was 
nicht ganz richtig sein dUrfte. Ich entnehme die beiden 
folgenden sich wechselseitig ergänzenden Nachrichten der 
Handschrift des Notizbuches B. Konrad III. von Freising, 
weil diese Stellen im Abdrucke der Fontes Rerum Austria- 
carum (IL Bd. 36) weggelassen wurden, da sie baierische 
Verhältnisse betrafen. 

Fol. 2. Adnotatio pecuniae: A. D. 1312 feria 3. post 
Georgi D. Gotfridus episcopus . . . nmtuauit communitati 
civium Monacensium 1187i/a ^ Ratisponensium pro quibus 
a festo b, Jacobi futuro per unum annum restituent D. 
episcopo ad cameram 1000 marcas argenti puri, Augusten- 
sis ponderis. 

Einwico Golbrio. . .3661/4 U Ratisponensium pro 300 
marcis Augustensis ponderis u. s. w. noch mehrere Ansätze, 
welche die gleichen Verhältnisszahlen ergeben. Aus einem 
erfahren wir überdies, dass 30 Regensburger =45 Münch- 
ner Pfenningen waren. 



304 



A. Luschin-Kbengreuth : 



Da die feine Augsburger Mark nacli Muffats Berech- 
nung 235-04 Grm. schwer ist, so wurden 1187 1/2 ^ oder 
285-000 Regensburger auf 235-040 Grm., der Pfenning 
mithin ziemlich genau auf 0-825, das Pfund auf 198 (genau 
197*9) Grm. Feinsilber veranschlagt. 

Eine andere Aufzeichnung (Fol. 22) aus dem Jahre 
1319 vergleicht dann Wiener und Regensburger Pfenninge. 
Item canonici kathedrales ex mutuo tenentur 15 marcas 
argenti Wiennensis ponderis, constituentes 18 libras Ratis- 
l)onensium super pascha. Substituiren wir das vom Jahre 
1312 her bekannte Feingewicht der Regensburger (denn 
es liegen keine Anzeichen, einer in diesen sieben Jahren 
vorgekommenen MUnzverschlechterung vor), so sind 15 
marcae argenti Wiennensis ponderis = 18.197 9 = 
336^-2 Grm. Mit anderen Worten im Jahre 1319 enthielt 
die Wiener Münzmark genau 238 Grm. Feinsilber, oder 
sie war ^^'— = 0-850, d. i. 13 Loth 10 Grän fein. 

In der Folge bewerthete man sogar die Regensburger 
noch höher, und als man im letzten Viertel des XIV. Jahr- 
hunderts die Wiener Pfenninge nach der Theuerung des 
Silbers auszumünzen begonnen hatte, da wurden sogar 
1 Va Wiener auf einen Regensburger gerechnet 'ä). 

8. Münchner. Directe Vergleichungen der Wiener 
gegen herzoglich baierische Münzen, zumal gegen Münch- 
ner Pfenninge sind mir nicht bekannt. Dagegen wurde 
durch einen kürzlich bei Guttenstein in Kärnten gemachten 
Münzfund 73) mir reichlich neues Materiale an Wiener 

") (1379) 60 8* Wiener oder 40 U Regensburger. Un- 

parth. Nachricht §. 325, Note. 

'■3) Eine ausführliche Beschreibung desselben gedenke ich in 
den Mittheilungen der k. k. Centralcommission für Kunst u. histor. 
Denkmale zu liefern. Vgl. auch §. 16. 



Die Wiener Pfenninge, öUO 

Pfenningen zugeführt, und es ergab sich daraus die wich- 
tige Thatsache, dass manche Gepräge, welche ich nach 
der Hauptseite für österreichische Erzeugnisse angesehen 
hatte, durch den Weckenschild, den sie auf der fast immer 
undeutlichen Rückseite aufweisen, nach Baiern gehören. 
Es unterliegt darum keinem Zweifel, dass die baierischen 
Herzoge zeitweilig geradezu den Wiener Typus nachahmen 
Hessen, wie dies auch durch die Bestallung des Münchner 
Münzmeisters im Jahre 1400 bestätigt wird, der da an- 
gewiesen wurde Tlöthige Pfenninge, jedoch also zu schla- 
gen, dass es nach dem Korn bey den Wienern bleiben 
soll 74). Der Verkehr in Baiern nahm daher, und mit gutem 
Grunde, Wiener gegen Münchner Pfenninge, in Oesterreich 
aber klagte man, dass bei dieser Taritirung der fünfte Pfen- 
ning verloren gehe. (Münzbuch L). 

9. Passau. Die Bischöfe dieses Hochstifts waren 
nicht bloss durch die Lage ihres Territoriums, sondern 
auch durch bedeutenden mittelbaren Länderbesitz darauf 
angewiesen, ihren Geprägen in den Herzogthümern Baiern 
uifd Oesterreich Eingang und Umlauf zu verschaffen. Wir 
gewahren darum in ihrer Münzpolitik das fortdauernde 
Bestreben, sich nach der Münze desjenigen Landes zu 
richten, die jeweilig besseren Vortheil versprach. Im 
Herbste des Jahres 1:::03 werden dem Hofmeister des 
B. Wolfger 10 Mark, 3 Loth Silber Kölner Gewicht für 



'*) Lori baier. Münzrecht I, S. 28, den Leuten die gen 

HaU in den Prun arbeittend und nach Salz, den wollen wir gönnen 
Wiener Pfenning darzuführen und auszugeben wann des von Oester- 
reich land da hereinstosset. — Noch im Jahre 1434 wird geboten 
keine Heller auszugeben noch zu nehmen, dann allein die bairischen 
Heller, die in unser der Herren von Bayrn Münzen gemtinzet seynd, 
und die alten Wiener Heller. A. a. 0. S. 35. 



306 



A. Tjisohin-Kbengreuth ! 



11 ?? Passauer angerechnet, und gleich darauf zu Krems 
9 U ß 22 ^ Passauer gegen 83/4 ^ Wiener J(,, also mit 
einem Aufgelde von 32 Passauern auf das Pfund Wiener 
Pfenninge, ausgewechseltes). Wäre dies Silber ganz fein 
gewesen, so hätten die 10"/,8 Kölner Mark = 233-856 
X 10V,6 = '^382-408 Grm., das Pfund Passauer 216-58 Grra. 
Feinsilber enthalten, und ein Pfund Wiener wäre sammt 
dem Wechselgewinne auf 245-453 Grm. in Passauern ge- 
kommen. Eine solche Daraufgabe (Vorwechsel) wurde 
auch 1260 bezahlt, als es sich darum handelte eine Forde- 
rung von 100 U Passauern an Zahlungsstatt für ebenso- 
viel Pfund Wiener anzunehmen '«). Es scheinen darum die 
Passauer Pfenninge im XIII. Jahrhunderte nach dem leich- 
teren baierischen Münzfusse ausgemünzt worden zu sein, 
und zwar nicht bloss seit dem Vertrage mit Herzog Hein- 
rich von Baiern mit B. Otto vom Jahre 1262, welcher den 
Münzen beider Theile wechselseitig freien Umlauf ver- 
stattete, sondern auch schon früher, da nach einer Werth- 



'5) In sabbato ante festum apostolorum Symonis et Judae 
accepit frater Heinricus in camera episcopi 10 marcas et fertonem 
minus 1 lothone ad pondus Coloniae, qui non ponderabant apud 
Wiennara plus quam 9 marcas et 6 ^9,. Illas ipsi dedit pro 11 talentis 
et hoc erat de argento quod solvendum Mag. Volenando de Wirz- 
burch. Item de eodem argento concambuit Andreas apud Cremis 
10 U, Pataviensium praeter 38 ^ pro 8 tt et diraidio et 40^ Wien- 
nensis monete. — Archiv zu Cividale. 

'*) U. B. ob, d. Enns III 269. . in quibus sibi valorem excres- 
centem quod Vorwechsel dicitur, dedimus. — Noch 1311 wird bei 
einem Wiedeikaufsvertrage als Begünstigung ausbedungen: also 
daz er von mir nem für gut als vil Pazzower als vil Wienner ich für 
die selben Höf an dem ersten drauf hangegeben. Mon. Boica XXX, 
2, S. .59. 



Die Wiener Pfenninge. 



307 



vergleichung aus dem Jahre 1240 den Passauern nur ein 
Feingewicht von ungefähr 0-57 Grni. zukömmt ";. 

Im XIV. Jahrhunderte hingegen erstrebten die Pas- 
sauer Bischöfe eine Gleichstellung ihrer Münzen mit den 
Wiener Geprägen, so zwar, dass mindestens in Passau und 
im südwestlichen Böhmen beide Münzsorten als gleich- 
werthig umliefen und Ausdrücke wie denariusWyennensis 
vel Patauiensis monete, Wiener Pfenning, Passauer w^erung 
u. dgl. in den Urkunden vorkommen 's^. Unter diesen Um- 
ständen gewinnt eine Entscheidung, welche der Kämmerer 
des Königreiches Böhmen im Jahre 1332 zu Gunsten des 
Klosters Goldenkron traf, auch für die österreichische 
Münzgeschichte Bedeutung , weil in derselben implicite 
anerkannt wird, dass mindestens 12 Schillinge auf die 
Mark ausgebracht wurden , und dass dieselben das Fein- 
gewicht von 64 Prager Groschen (ungefähr 248-894 Grm.) 
nicht erreichten 79). 

10. Italien. Ueber die Tarifirung der Wiener Pfen- 
ninge in Venedig, wo sie zweifellos vielfach vorkamen, 
sind bisher keine Daten bekannt geworden. Der Floren- 
tiner Pegolotti, welcher seine Prattica della Mercatura 



7') Mon. Boica XXVIII, 2, S. 384 und 303 pro solidis 

14 marca puri argenti debet persolvi in pondere Pataviensi. Die 
Passauermai-k (auch in dem Münzvertrage 1438, 1. Februar erwähnt 
a. a. 0. XXXI, 2, S. 323) war, wenn wir sie auf die Hälfte des ehe- 
maligen Passauer Pfundes (bei Nelkenbrecher = 9996 holl. Ass, bei 
Noback fehlt die Angabe) ansetzen dürfen = 239-9 stand also der 
Nürnberger sehr nahe. 

78) Pangerl U. B. v. Hohenfurt S. 89, 109, 110, 107, für die 
Jahre 1347 — 1378 Parvi Patavienses. S. 85, dann Mon. Boica 30, 2, 
S. 316, 31, 2, S. 384 (1447). 

79) Pangerl, U. B. von Goldenkron S. 80. 



308 



A. Luschin-Ebengreuth i 



ungefähr zwischen 1320 — 1340 schrieb, bewerthet im 
73. Capitel a che leghe di monete : Gratiani (Gräzer) della 
Magnia once 9,Viannani della Magnia once 7, den 14. (an 
anderer Stelle once 7 den 21.), oder, weil in Florenz das 
Probirge wicht in 12 once ä 24 denari eingetheilt wurde, 
die Wiener auf 0-632— 0-652 (lOVa-lOya Loth) und die 
Grazer auf 0-750 oder 12 Loth fein. 

Auch die Kirchenrechnungen von Eimini aus den 
Jahren 1388 — 1393 nennen an verschiedenen Stellen und 
in grösseren Betr<ägen Wiener Pfenninge (Vianare) und 
Hälblinge (quatrine Vianare) und bewerthen die ersten 
auf 3, die letztein auf li/a denari der ortsüblichen Münze »«). 

Noch im XV. Jahrhunderte finden sich Wiener Pfen- 
ninge im italienischen Geldumläufe. In wieferne die Reise- 
rechnungen des Rinaldo degli Albizzi darüber Aufschluss 
geben würden, welche Tonini anfuhrt, kann ich nicht beur- 
theilen, da sie mir nicht zugänglich waren. Dagegen ist 
mir eine Stelle aus der 1442 von Giovanni di Antonio 
d'Uzzano geschriebenen Prattica della mercatura bekannt, 
welche die Wiener Pfenninge nach Florentiner Feuerproben 
auf 5 once 12 denari oder auf 0-459 (7'/3 Loth) fein ver- 
anschlagt 81). 

Nicht zu verwechseln mit den Wiener Pfenningen sind 
die denari Viennesi , Vianenses auch speronati zubenannt, 



8") Periodico di Numismatica e Sfragistica per la Storia 
d'Italia II, 187 flf. Tonini : Della moneta forestiera di Kimini z. B. 
1390, 22. Sept. Item trouosse in moneda Bolognini, Anconitane, 
quatrine Vianare et un Boemo piziole in tiitto libre 7 — 1391, 
13. Jänn. in Vianare .57 tra bona e chative etc. 

81) Della Decima e delle altre gravezze IV, Lisbona e Lucca 
1766 — Capitolo 74 Leghe di monete d'ariento saggiate in P^irenze: 
Viannari della Magna tengono per libbra once 5 den. 12. 



Die Wiener Pfenninge. 



309 



welche schon im XIII. Jahrhunderte in den Urkunden des 
nordwestlichen Italiens vorkommen und im c, 24G des 
Statuts von Turin aus dem Jahre 13G() auf li/g denari von 
Asti bestimmt wurden. Diese Münzen, aut welche sich 
11. a. auch bei Du Gange das Citat im Artikel Vianenses 
bezieht, sind französischen Ursprunges und von den Erz- 
bischöfen von Vienne in der Dauphine (Vienna Galliae) 
ausgegangen »^). Von Westen gegen Osten fortschreitend 
mögen sie wohl mit den in entgegengesetzter Kichtung 
herunter strömenden Wiener Pfenningen in Mittelitalien, 
und, wenn nicht anderswo, so sicher in Rom zusammen- 
getroffen sein. 



§• 15. Dais Uinlaufsgebiet der V^iener 
Pfenning-e. 

Aus sehr bescheidenen Anfängen erwuchs allraälig 
den Wiener Pfenningen ein weit ausgedehntes Umlaufs- 
gebiet. Zur Zeit, da wir ihnen in Urkunden und anderen 
Aufzeichnungen zuerst begegnen (um das Jahr 1200) finden 
wir sie zwischen zwei Mlin/sorten eingekeilt, welche sich 
damals grosser Beliebtheit erfreuten. Von Norden her den 
Lauf der Donau abwärts kamen die Regensburger, vom 
Süden her waren die Friesacher bis in das heutige Ober- 
österreich einerseits, und das Gebiet von Wiener Neustadt 
anderseits vorgedrungen. Als das grosse Kreuzheer Kaiser 
Friedrich des Rothbarts 1189 über Wien nach Ungarn 



«2) D. Promis monete della Zecca d'Asti, S. 44. Albert von 
Beham bewerthet ihrer 2 auf einen Re^ensburger ^, in einem 1246 
(aus Lyon?) datirten Schreiben, ßibl. d, Stuttg. liter. Ver. XVI, 2, 
S. 103. 

21 



^i-^ A. I^uschin-Ebengreuth ; 

gezogen war, begegneten sich diese beiden MUnzsorten 
in der ungarischen Tiefebene. Kölner, Regensburger und 
Friesacher Pfenninge werden als die HauptmUnzen der 
Kreuzfahrer bezeichnet, und der drückende Wechsel- 
gewinn beklagt, welchen die Ungarn im Verkehre abfor- 
derten 83). 

Aber die kluge Umsicht, mit welcher die ögterreicbi- 
schen Herzoge ihre Rechte zu wahren und zu mehren 
wussten, kam auch ihren Münzen zu Statten. Die Wiener 
Pfenninge gewannen durch eine geschickte Münzpoiitik 
an Verkehrsfähigkeit und mehrten dadurch die Einkünfte 
ihrer Prägeherren. 

Wir haben nun im Umlaufsgebiete zwei Zonen zu 
unterscheiden : eine engere, in welcher die Wiener Pfen- 
ninge das Währungsrecht hatten , und andere Münzsorten 
(z. B. die Passauer, Regensburger und Salzburger. . . . 
Pfenninge) nur ungern geduldete Gäste waren und eine 
weitere, in welcher ihnen bloss die Rolle eines beliebten 
Zahlungsmittels zukam. Das erstere Gebiet umschreibt 
der bekannte Ungeldbrief Herzogs Rudolph IV. vom Jahre 
1359 durch die Worte „in allem dem Land ze Oesterreich 
under der Enns und ob der Enns , als weit und als verr 
vnser Münss von Wynn mit Recht geen sol". Nur auf dies 
Gebiet erstreckte sich das Recht des österreichischen 
Landesfürsteu zurVerneuung der Münze, dem dann seitens 
der Unterthanen die Pflicht entsprach, die gerade zur Ein- 



88) ürk. B. d, L. o. d. Enns : Regensburger 1154, I, 338 und 
öfter. — Friesacher: 1189, II, 419; 1224, II, 647; c. 1229, II, 681. 
Dann Herzog Friedrich II. Zolltarif für Wiener Neustadt von 1244, 
Archiv, X, 130, endlich: Historia de expedit. Friderici imp. neue 
Ausgabe in den Fontes Ber. Austr. Scriptores V, 19. 



Die Wiener Pfenninge. 



311 



lösung aufgerufene Mtinzsorte gegen die neu ausgegebenen 
Pfenninge umzutauschen (§. 11), wobei freilich zu ver- 
muthen ist, dass man auch in Oesterreich ebenso wie in 
Ungarn jeweilig nur die älteren Jahrgänge aus dem Ver- 
kehre zog, und die Gepräge der letzteren 3—4 Jahre un- 
berührt Hess. 

.Daneben gab es aber auch einen Cnrsus monetae 
major, welchen das ßationarium Austriae aus den Tagen 
der ersten Habsburger auf 14.000 a; J(, bewerthet, wenn in 
Oesterreich und seinen Nachbarländern Friede herrsche »'*). 
Dieser Umlauf der Wiener Pfenninge über die Landes- 
grenzen hinaus beginnt schon sehr frühe. Noch während 
der Babenbergischen Herrschaft lässt er sich aus einzelnen 
Urkunden in Steiermark und Ungarn nachweisen. In der 
zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts gewinnt dann die 
Wiener Münze neue Absatzgebiete in Salzburg, Böhmen 
und Kärnten, im XIV. Jahrhunderte können wir sie im 
gewöhnlichen Verkehre nordwärts bis nach Baiern, südlich 



8*) Cod. 543 der Wiener Hofbibliothek: Cursus monetae 
major est circa quatuordecira milia talentorum, et hoc quando 
terra est in statu pacificio et quieto una cum. aliis terris adjacen- 
tibus. Bei Rauch S8. Rer. Austr. 11, 3 aber fehlerhaft. Diese Stelle 
wurde früher z. B. Kurz Ottokar und Albrecht II., 62 und auch 
noch von mir auf die Summe bezogen, in deren Höhe die Wiener 
Pfenninge in Oesterreich überhaupt umliefen. Allein es ist bei 
nähei'em Eingehen auf die Sache undenkbar, dass ein so geringer 
Betrag dem Verkehrsbedürfnisse eines blühenden Landes entspro- 
chen hätte, denn es käme nicht einmal ein Schilling (30 ^) auf 
den Kopf der Bevölkerung, wenn wir diese auch nur auf den 
zehnten Theil ihres heutigen Bestandes, auf etwa 200.000 Seelen 
veranschlagen wollten. Wie hätten da Zahlungen von 2 — 30008'^, 
welche oft ausdrücklich in effectiver Münze und nicht in Silber- 
barren bedungen wurden, geleistet werden können? 

21* 



Sl9 

-'■-' A. Luschin-Ebengreuth: 

Über Krain hinaus bis nach Oberitalien , westlich bis Tirol 
und ostwärts bis tief nach Siebenbürgen hinein nach- 
weisen (§. 14). 

Geht man den Ursachen nach, welche den Umlauf 
der Wiener Pfenninge über die Grenzen von Oesterreich 
erweiterten, so wird man sie verschieden finden, je nach- 
dem es sich um ein Land handelt, das gleichfalls der Bot- 
mässigkeit der Habsburger, oder der eines anderen Herr- 
schergeschlechtes unterstand. In den erstgenannten ist der 
fiscalische Standpunkt der Mehrung des Schlagschatzes 
nicht ausschliesslich herrschend, und tritt überdies immer 
mehr zu Gunsten politischer oder volkswirthschaftlicher 
Gedanken in den Hintergrund. Man beförderte absichtlich 
den Umlauf derjenigen MUnzsorte, welche sich als die 
lebenskräftigste erwiesen hatte, weil man dadurch eine 
grössere Gleichförmigkeit des Verkehrs erstrebte, die man 
auch auf dem Gebiete des Masswesens mit Ausdauer ver- 
folgte, aber auch darum, weil man durch ein einheitliches 
Zahlungsmittel leichter der Ueberfluthung durch fremde 
Geldsorten zu begegnen hoffte. Wie hartnäckig erhielten 
sich nicht die friaulischen Agleier in den slovenischen 
Gebieten südlich der Drave bis in das XV. Jahrhundert! 
Endlich haben sie aber doch den Wiener Pfenningen 
weichen müssen, und so vollständig ist deren Sieg ge- 
wesen, dass der Ausdruck Wiener (Vinar) bei denSlovenen, 
so gut wie bei Cechen (Vidensky) zur technischen, noch 
heute üblichen Bezeichnung des Pfennings wurde. 

Auch den Absatz der Wiener Pfenninge nach den 
benachbarten Territorien fremder Fürsten, suchten die 
Herzoge von Oesterreich nach Kräften zu fördern. Hier 
waren dann freilich nur fiscalische Motive wirksam, denn 



Die Wiener Pfenninge. u iu 

man gewann an jedem Pfunde das ans Ausland, sei es 
gegen Rohmaterial, sei es gegen Waaren abgegeben wurde, 
einen massigen Sehlagschatz. Zumal dem silber- und gold- 
reichen Ungarn gegenüber war es von Vortheil, den Umlauf 
der Wiener Pfenninge daselbst möglichst zu vermehren. 
König Ottokar scheint sogar aus diesem Grunde die Aus- 
prägung einer eigenen, im Aussehen den ungarischen 
Münzen angenäherten Sorte von Wiener Pfenningen ange- 
ordnet zu haben, denn es ist mir dieselbe bisher nur aus 
ungarischen Funden bekannt worden. 

Neben dieser, man möchte sagen officiellen Verbrei- 
tung des Umlaufes der Wiener Pfenninge, steht die private 
durch Handel und Reisen. Letztere konnten eine MUnz- 
sorte weit über ihr gewöhnliches Verkehrsgebiet hinaus- 
führen, wie wir z. B. aus der schon oft erwähnten Reise- 
rechnung des ß. Wolfgers von Passau erfahren, dass er 
im Jahre 1203 Ennser Pfenninge bis nach Rom brachte »s)^ 
aber im Ganzen trugen Reisen, w^enn sie nicht zu Handels- 
zwecken unternommen wurden, wenig zur dauernden 
Erweiterung des Umlaufsgebietes bei. Der Handel hin- 
gegen, der sich nicht bloss mit der Erwerbung von Roh- 
producten oder Fabricaten, sondern auch mit dem Ankaufe 
von Edelmetallen und dem Eintausche gewinnbringender 
Münzsorten gegen die heimische befasste , wirkte auf den 
MUnzumlauf nicht selten noch viel gewaltiger als alle 
Regierungsmassregeln ein. Der Handel hat beispielsweise 



85) . . 6. Juni 1204. In dominica Exaudi redidi cuidam Scolari 
SVg ^ Bononensium pro 10 solidis Frisacensium , quos magr. 
Marquardus Rome expenderat. — Prepösitus s. Floriani dedit in 
cameram 14 S Patauiensium et 12 U Anasensium. Burchardo 
(Scolari) Romam currenti talentum Bononensium et 5 longos solidos 
Anasensium u. s. w. Archiv von (Üvidale. 



Q1 A 

o^^ A. Luschin-Ebengrenth: Die AViener Pfenninge. 

den Wiener Pfenningen ein grosses Absatzgebiet in Ungarn 
und Siebenbürgen eröffnet, und, durch kluge Massregeln 
der österreichischen Herrscher unterstützt, auch fest- 
gehalten. Wir sahen, wie sich die Wiener Pfenninge trotz 
aller Gegenmassregeln König Karl Roberts im Umlaufe 
erhielten, und im XV. Jahrhunderte erbaten sich ungarische 
Magnaten (der Graf v. Pösing, der Eilerbacher, der Baum- 
kircher u. A.) vom Kaiser F'riedrich IV. die Gnade, flir 
ungarischen Bedarf Wiener Pfenninge ausprägen zu dUrfen. 
Die MUnzsorte, in welcher Kauf und Verkauf ab- 
geschlossen wird, kann so zum wichtigen Fingerzeige 
über die Richtung des Handels, seine Ausbreitung und 
Intensität werden. 

Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass dieser aus- 
wärtige Umlauf der Wiener Pfenninge auf die Zusanmien- 
setzung der Münzfunde von grossem Einflüsse war, und 
dass z. B. die überraschende Erscheinung die wir tiber- 
einstimmend an den Funden A, B, C, und sogar an dem 
Guttensteiner Fund gewahren, dass die meist schlecht 
erhaltenen, aber in zahlreichen Arten vertretenen Pfenninge 
einen Zeitraum von 140 — 170 Jahren umspannen, durch 
ein allmäliges Zurückströmen der abgegriffenen Sorten aus 
den Nachbarsgebieten, zum guten Theile sich erklären 
lässt. 

(Schluss folgt.) 



315 



XVII. 
Medaillen auf Aerzte und Naturforscher. 



Von 
Dr. E. K,iippell. 

(Hiezu Tafel Vir.) 



Nachstehend die Fortsetzung der im Jahrgange 1874/5 
der Numismatischen Zeitschrift gegebenen Ergänzungen 
zu Duisburg's Sammlung von Medaillon und Jettons zur 
Erinnerung an Aerzte und Naturforscher oder Förderer 
der naturhistorischen Studien. Ich bemerke zum Voraus, 
dass die den Medaillen beigefügten Notizen mitunter man- 
gelhaft sind, und dass überhaupt der ganze Aufsatz nicht 
auf Vollständigkeit- Anspruch machen kann. 

Die den einzelnen Abtheilungen und den einzelnen 
Stücken gegebenen Nummern schliessen sich wie das 
vorige Mal an Duisburg's Publication an. 



I. Italien. 



CXIP. Carl Matte ucci, Professor der Physik, ge- 
boren zu Forli am 20. Juni 1811 ; er war im Jahre 1862 
w^ährend kurzer Zeit Minister des öffentlichen Unterrichts 
im Königreich Italien. 



^lO Dr. E. Klippel I Medaillen 

Av. Kopf im Profil nach rechts, auf dem Abschnitt 
des Halses: D. Bentelli. Umschrift: A. Carlo 
Matteucci MDCCCLXII. 

Rev. Inschrift in 6 Zeilen: Per | la iniziata | imitä 
degli studi | CGI professori | delle uiiiversitäl 
italiane. 

Bronzemedaille. Dmchmesser 22 Linien. 

CXIlP. Ludwig Friedrich Menabrea, geboren in 
Chambery am 4. September 1809, Professor der Mathe- 
matik und Physik an der Universität in Turin, später 
General des Genie-Corps der italienischen Armee. 

Av. Kopf im Profil nach links, darunter G. Ferraris. 
Umschrift: Al[oisioJ Federico Menabrea. 

Eev. Schrift in sieben Zeilen: Le scienze matematiche 
I dalla cattedra | dottamente esposte j applied | 
a difesa della patria | ad oppugnazioni | dl 
Ancona e Gaeta. 

Unten am Rande: I discepoli l'anno 1861. 
Bronzemedaille von 21 Linien Durchmesser. 



II. Frankreich. 

Abermals sind die Bildnisse von zwei französischen 
Naturforschern des XVIL Jahrhunderts in der Pariser 
Münze für schöne Preismedaillen verwendet worden, die 
bei landwirthschaftlichen und Pflanzencultur-Ausstellungen 
zur Vertheilung kommen. Die Medaillen selbst können für 
beliebige Orte dienen, deren Name dann eingravirt wird. 



auf Aerzte und Naturforscher. 



317 



CXIX. Olivier de Serres. 
5. Av. Brustbild nach links mit Schnurr- und Kinnbart, 
auf dem Abschnitte des Armes: Oudier (Stem- 
pelfertiger). Umschrift: Olivier de Serres sei- 
gneur du Pradel; ein Perlenkreis längs des 
Randes. 
Rev. Kranz aus Culturpflanzen gebildet, auf welchem 
oben ein Caduceus, unten ein Pflug, und ausser- 
dem die Köpfe eines Pferdes, Ochsen, Schweines 
und Widder als Verzierungen angebracht sind. 
Bronzemedaille. Durchmesser 22 Linien. 

CXXX. Johann de la Quintinie. 
5. Av. Brustbild nach links, mit lockiger Perücke; 
Umschrift: Jean de laQuintinie. Zu beiden Seiten 
der Büste: A. Bovy — 1864. 
Rev. Dicker Kranz aus Blumen schöner Zierpflanzen 
gebildet. — Durchmesser 22 Linien. 

CXCV'*. Julius Sebastian Caesar Dum ont d'Urville, 
Admiral, geboren in Conde sur Noireau am 21. Mai 1790, 
kam um's Leben auf der Eisenbahn bei Paris am 8. Mai 
1842, ausgezeichneter Seeofficier, der durch seine Beobach- 
tungen und die Beförderung von Sammlungen auf seinen 
Seefahrten den Naturwissenschaften wesentlich genützt hat. 
Av. Kopf nach links, darunter des Graveurs Name: 
E. A. Oudine F. Umschrift: Jules Sebastien Cesar 
— Dumont d'Urville MDCCCXLIV. 
Rev. Ansicht des Grabdenkmals. Auf einem vierecki- 
gen Unterbau ein abgerundeter Säulenstumpf mit 
eingehauenen biographischen Notizen. Im Felde 
neben dem Monument Schrift in fünf Zeilen: 



"1" Dr. E. Klippel: Medaillen 

A la me — moire 
du Contre — Arairal 
Dumont — d'Uiville 
mort sur le — cliemin de fer 
de Paris ä — Versailles 

Umschrift : Ne a Conde siir Noireau Calvados 
le XXIII Mai MDCCXC mort le VIII Mai 
MDCCCXLIL Unter dem Monumente in vier 
Zeilen: Monument öleve par les soins de la 
societe de Geographie inaugure le 1" novembre 
MDCCCXLIV. 

Zwischen jedem Schriftwort der beiden Seiten 
der Medaille ist ein Punkt. 
Durchmesser SO Linien. 

CXCV«. Johann Anton Chaptal, Chemiker, geboren 
1756 in Lozaret, starb in Paris am 30. Juli 1832, der sich 
frühzeitig durch seine Entdeckungen und Publicationen 
auszeichnete; zuerst Professor in Montpellier, dann in 
Paris, wo er zeitweise Minister des Innern gewesen ist. Im 
Jahre 1811 machte ihn Napoleon zum Grafen von Chante- 
loup und 1816 ward er Mitglied der Akademie der Wissen- 
schaften. 

Av. Brustbild nach rechts in einem Pelzmantel-Ueber- 
wurf ; unter dem Abschnitt des Armes : Oudinö. 
Umschrift: J. A. Chaptal C'^ de Chanteloup. 

Rev. Schrift in 13 Zeilen: Ne a Nozaret - Lozöre | 
en 1756 | chimiste professeur | öcrivain admini- 
strateur | fabricant agronome | membre de l'in- 
stitut I en 1797 | un des fondateurs et prösident 



auf Aerzte und Naturforscher. 



319 



jde ]a societö d'encouragement | pour | Vindustrie 
nationale | mort a (sie) Paris | en 1832. 
Bronzemedaille. Durchmesser 23 Linien. 

CXCV. Michael Eugen Chevreul, Apotheker in 
Paris, vorzuglicher Chemiker, Mitglied der Akademie der 
Wissenschaften, geboren in Angres am 21. August 1786, 
starb zu Paris 187 .. . 

Av. Kopf nach links, darunter: Alphee Dubois. Um- 
schrift: M. E. Chevreul membre de l'academie 

des Sciences. 

Rev. Inschrift in sieben Zeilen: Offert | le 31 aoüt 
1872 I a l'illustre | doyen des chimistes | par ses 
confröres | par ses amis|et par ses admirateurs. 
Bronzemedaille. Durchmesser 22 Linien. 

CXCV». Anton Caesar Becquerel, Chemiker in 
Paris, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, geboren 
in Chatillon sur Loire 1788. 

Av. Kopf nach links, darunter: Alphee Dubois. Um- 
schrift: Antoine Cesar Becquerel membre de 
l'academie des sciences. 

Rev. Inschrift in sieben Zeilen: Offert | le 13 avril 
1874 I a rilluslre | doyen des physiciens | par 
ses confreres | par ses amis | et par ses admi- 
rateurs. 

Bronzemedaille. Durchmesser 22 Linien. 

CKCV». Johann Baptist Dumas, Chemiker, Staats- 
mann , bleibender Secretär der Pariser Wissenschaft!. 
Akademie, geboren in Alais am 10. Juli 1800. 



320 



Dr. E. Klippel: Medaillen 



Av. Kopf nach links, darunter: Barre 1875. Keinerlei 
Umschrift. 
Rev. Inschrift in 15 Zeilen: Professenr | J. B. A. 
Dumas | secretaire perpetuel | de l'academie des 
sciences j grand-croix | de la legion d'honneur j 
vice- President | du conseil supe^ieur | de In- 
struction publique j ancien ministre | de l'agri- 
culture I et du commerce | ancien president | de 
la commission | des monnaies. 

Der Rand auf beiden Seiten von einem Perlen- 
kreis eingefasst. 

Bronzemedaille. Durchmesser 27 Linien. 

CXCV'. Alexander Bl auch et, in Paris lebender 
Arzt, der sich sehr thätig mit der Erziehung und socialen 
Stellung der Taubstummen und der Erblindeten beschäfti- 
get, und eine diesen Zw^eck fördernde Gesellschaft im 
Jahre 1849 in Paris gegründet hat. 

Av. Kopf nach links, darunter: Alf. Borrel 1868. 
Umschrift: Alexandre Blanchet. 
Rev. Um einen durch einen Perlenkreis abgeschlosse- 
nen Raum zvs^ei Umschriften in concentrischen 
Zeilen: Societe g'^ d'education de patronage et 
d'assist' ■ en faveur des sourdsmuets et des j°*^ 
aveugles. Innere Zeile: Fondöe en 1849 par le 
docteur Blanchet. 

Bronzemedaille. Durchmesser 18 Linien. 

CXCV^. J. Norman Lockyer und P. C. Julius 
Jan ssen , zwei Pariser Astronomen und Physiker, Vielehe 
im Jahre 1868 nach Guntoor in Indien geschickt wurden, 
um die totale Sonnenfinsterniss am 18. August zu beob- 



auf Aerzte und Naturforscher 



321 



achten , und welche dabei durch die Wahrnehmung bisher 
ungel^annter Phänomene und ihre Erklärung die wissen- 
schaftlichen Kenntnisse wesentlich förderten. 

Av. Zwei nebeneinander gestellte Köpfe im Profil 
nach rechts, darunter zwei Lorbeerzweige, und 
des Graveurs Name Alphee Dubois. Umschrift : 
J. Norman Lockyer — F. C. Jules Janssen. 

Tafel VIII, 1. 
Rev. Phöbus auf dem mit vier Pferden bespannten 
nach links gewandten Wagen , zeigt mit der 
Rechten auf die Sonnenkugel, an deren Rundung 
die Protuberanzen sichtbar sind. Unter der 
Sonnenkugel ein Segment des Thierkreises. 
Umschrift: Analyse des protuberances solaires. 
18 aoüt 1868. Auf beiden Seiten längs des 
Randes ein Perlenkreis. 

Bronzemedaille. Durchmesser 31 Linien. 



III. Deutschland. 

CCXCI. Salomon Alberti, kursächsischer Leibarzt. 
Unter den in Dresden im vorigen Jahre auctionirten 
Doubletten der öffentlichen Münzsammlung kam folgende, 
mir bis jetzt unbekannte geöhrte Silbermedaille auf diesen 
Arzt vor, die ich erworben und der hiesigen Bibliotheks- 
Sammlung geschenksweise zugeeignet habe. 
Tafel VIII. 2. 
3. Av. Brustbild von vorne mit Faltenkragen , auf dem 
Abschnitt des rechten Armes : Acta 56. Umschrift : 
Salomonis Alberti Doc. Chu. S. Leibartzs (sie). 



'^"^ Dr. E. Uiippel: Medaillen 

Re V. Der behelmte ovale Wappenschild auf einem aus- 
gespannten Mantel. Umschrift: Ora et labora. 

Durchm. zuzüglich des angelötheten Oehres: 
17 Linien, ohne das Oehr 14 Linien. 

Da Alberti im Alter von 60 Jahren 1600 starb, 
so ist diese Anhängmedaille 1596 gefertiget. 

CCCLXXIX. Friedrich von Schiller. 
24. Silbermedaille auf die Enthüllung des Schiller 
Denkmales in Berlin. 

Av. Kopf im Profil nach links, unter dem Abschnitt des 
Halses: E.Weigand F. Umschrift oben: Friedrich 
Schiller; längs des unteren Randes: geboren den 
10. November 1759, gestorben den 9. Mai 1805. 
R e V. Inschrift in acht Zeilen in einem oben offenen blatt- 
reichen Eichenkranze: Zur | Enthüllung | des j 
Schiller- | Denkmals | in [ Berlin] 10. Nov. 1871. 
Zwei Loth schwere Silbermedaille. 

CCCCLXXIIP. Johann Friedrich Brandt, unermüd- 
licher Naturforscher, der mehrere wissenschaftliche Reisen 
im Auftrag der russischen Regierung gemacht hat, und seit 
einer Reihe von Jahren in Petersburg wohnhaft ist. Ge- 
boren bei Berlin 1802 und auf der dortigen Universität am 
24. Januar 1826 zum Doctor der Medicin promovirt. Auf 
die Feier seines 50jährigen Doctorats wurde nachbeschrie- 
bene Medaille gefertiget. 

Av. Brustbild nach rechts, auf dem Abschnitt des 
Armes: B. AAEKC-BEBb. Umschrift: Ani- 
mantibus quotquot sunt ingenii lumen adhibuit 
extinctis vitam reddidit * . 
Tafel Vlir, -6. 



auf A«rzte und Naturforscher. 



323 



Re V. In einem offenen Lorbeerkranz Inschrift in sieben 
Zeilen : In honorem | Job. Frid, Brandtii 1 quin- 
quaginta abhinc annos | die XII (XXIV) 
M. Jan. A. MDCCCXXVI ] doctoris medicinae ] 
ab imiversitate Berolinensi | renuntiati. 
Bronzemedaille. Durchmesser 31 Linien. 



IT. Belgien und die Niederlande. 

1. Medaillen zur Erinnerung an ältere Naturforscher. 
CCCCLXXXIV. Anton von Leeuwenhoek. 

2. Medaille, die von der Amsterdamer Wissenschafts- 
Akademie zur Preisvertheilung verwendet wird. 

Av. Kopf nach links, mit lockenreichem auf den 
Nacken herabhängendem Haar, darunter des 
Stempelfertigers Name: J. P. Menger. F. Um- 
schrift: Anthonij van Leeuwenhoek =;?= Längs des 
unteren Randes: Ontdekker der mikroskopische 
Wezens Sept. 1675. 
Rev. Reicher Kranz von Lorbeer- und Eichenlaub, 
oben offen, unten mit einem aufliegenden 
Täfelchen, worauf eine bewegliche Schraube 
befestiget ist. Umschrift: Toegewezen door de 
Koninklijke Akademie van wetenschappen te 
Amsterdam. 

Bronzemedaille. Durchmesser 29 Linien. 

CCCCLXXXVL Hermann Boerhaave. 
Zur Erinnerung an die Errichtung seines Standbildes 
in Leyden wurde nachbeschriebene Medaille geprägt. 



324 



Dr. E. Riippel : Medaillen 



5. Av. Brustbild nach links. Umschrift: Herman Boer- 
haave, geb. 31. Dec. 1668 overl. 23. Sept. 1738. 

Rev. Standbild nach links. Umschrift: Onthuld te 
Leiden den 26. Juni 1872. Unten: J. T. Strackö 
sc. — J. P. V. d. Kellen F. 

Bronzemedaille. Durchmesser 24 Linien. 

CCCCXCIX'\ Theodor van S wind er en. 

Bei der Feier des 50jährigen Bestehens der von Pro- 
fessor van Svvinderen in Groningen gestifteten Genossen- 
schaft der Naturkundigen wurde nachbeschriebene Medaille 
ausgegeben. 

2. Av. Standbild der vielbrustigen Isis, vor derselben 
ein ovales Schild mit dem Wappen von Gronin- 
gen; neben demselben naturhistorische Gegen- 
stände und Instrumente. Umschrift: Het genoot- 
schap voor natuurkundige wetenschappen te 
Groningen. Im Abschnitt : gestiget | door ] Th. 
van Swinderen ( 1801. 

Rev. In einem Kranz von Lorbeer und Epheu : Bioeide 
jvijftig jaren | 1851. Ueberschrift: Bevorderde 
Kennis en Beschaving. 

Bronzemedaille. Durchmesser 19 Linien. 

DVP. Jacob Baart de la Faille i). 

Die vollständige Beschreibung der Medaille auf diesen 
ausgezeichneten Gelehrten, die wir nun im Original be- 
sitzen, ist: 



«) In meinem vorhergehenden Aufsatz ist der Name Biiast 
in B a aj* t zu ändern. 



auf Aerzte und Naturforscher. 



325 



Av. : Brustbild nach links, darunter v. d. K. (van der 
Kellen). Ueberschrift : Jacobo Baart de la Faille. 
Unter dem Brustbild in drei Zeilen: Viro cla- 
rissimo | M. D. MDCCCXVII-XXIV Maii — 
MDCCCLXVII I amici. 

Rev. Aesculap auf den Schlangen stab gestützt, reicht 
einigen Kranken einen Becher. Umschrift: Per 
decem lustra semper vigilans. 

Im Abschnitt: J. P. M. (Menger Stempelfertiger). 
Bronzemedaille. Durchmesser 29 Linien. 

Die in meinem Aufsatz: Beitrag zur Kenntniss der 
numismatischen Erinnerungen an Aerzte geäusserte Muth- 
massung, dass in Belgien und Holland noch manches 
Prägestück erschienen sein müsse, welches ich nicht be- 
schrieb, hat sich durch die Liberalität des ausgezeichneten 
Stempelfertigers des Utrechter Münzamts, Herrn P. J. van 
der Kellen, auf eine erfreuliche Weise bewährt, indem er 
• eine Reihenfolge auf holländische Aerzte gefertigter Me- 
•daillen, die mir unbekannt waren, der öffentlichen Münz- 
sammlung in Frankfurt unentgeltlich zugewiesen hat, 
wofür ihm hiermit die verbindlichste Danksagung abge- 
stattet wird. Zugleich habe ich die Verpflichtung, eine von 
.mir begangene Irrung in jenem Aufsatz zu berichtigen, die 
nur durch mein hohes Alter und damit verbundene G-e- 
däehtnissabnahme eine Entschuldigung in Anspruch 
nehmen kann. Ich schrieb, dass die an Herrn Professor 
Hooft van Ideking in Leyden gerichteten brieflichen An- 
fragen unbeantwortet blieben; es waren dieses aber die- 
jenigen, die in einem an einen anderen Professor inLeyden 
geschriebenen Brief standen. Herr van Ideking hat mir 
immer auf die freundlichste Art jede erbetene Auskunft 

22 



326 



l>r. E. Rüppcll : Medaillen 



ertheilt, wenn ihm solches seine vielen Berufsbeschäfti- 
gungen erlaubten. 

2. Medaillen auf holländische Aerzte und Naturfor 
scher neuester Zeit, die mir bisher unbekannt waren. 

DVP. Bernhard Franz Suerman, Doctor der Medi- 
cin und Professor in Utrecht, der in der ersten Hälfte de» 
XIX. Jahrhunderts thätig gewesen. 

Medaille, die ihm bei der Feier seines 50jährigen 
Doctorjubiiäums 1859 gewidmet wurde: 

Av. Brustbild nach links, darunter: D. van der Kellen 
F. Umschrift: Laborantibus praesidium — con- 
sulentibus luraen. 

Kev. In einem offenen Eichenlaubkranz Inschrift in 
zehn Zeilen: Bern. Franc. Suerman|per X lustra 
[medicinae professori | doctrina arte sapientiaj 
de academia et de patria ! optime merito | seua- 
tus academiae \ Rheno trajectinae | d. IX ooto- 
bris I MDCCCLIX. 

Bronzemedaille von 26 Linien Durchmesser. 

DVP. Gerhard Johannes Mulder, Professor der 
Chemie in Utrecht, geboren daselbst 1802. Zur Feier seines 
25jährigen Lehramtes wurde ihm von seinen Schülern im 
Jahre 1865 nachbeschriebene Medaille überreicht: 

Av. Brustbild nach links, darunter D, v. d. Kellen F, 
Umschrift: Gerardus Johannes Mulder. 

Rev. Inschrift in fünf Zeilen in einem offenen Lor- 
beerkranze : Praeceptori j carissimo | grati | dis- 
cipuli I MDCCCXL— MDCCCLXV. 

Bronzemedaille. Durchmesser 29 Linien. 



auf Aerzte und Naturforscher. 



327 



DVP. J. L. G. Schröder van der Kolk. Arzt und 
sehr thätiger Naturforscher in Utrecht. 

Auf einer im Jahre 1861 bei Gelegenheit des vier- 
hundertjährigen Bestehens des Irrenhospitals gefertigten. 
Bronzemedaille, sind auf der Rückseite die Namen der 
acht Pfleger verzeichnet, unter welchen sich derjenige des 
berühmten van der Kolk befindet. 

Av. Inschrift in zehn Zeilen, in einem Lorbeerkranze 
Ter i herinnering | aan het i vierhonderd jarig! 
bestaan | van het | Krank zinnigen gestight | 
te Utrecht j 31 ianuarii | 1861. 
Rev. Zwischen zwei Rosetten 11 Zeilen Schrift: Re- 
genten I J. S. Vernede ] J. L. G. Schroeder van 
der Kolk | N. P. J. Kien | P. H. J. Wellenbergh 
I Ihr G. G. A. van Rappard [ J. G. van Eelde j 
B. van Dorp | F. N. van Nooten — Geneesheer- 
Directeur | J. P. T. van der Lith. 
Durchmesser 18 Linien. 

DVF. A. Boomsma. 

Ueber diesen Arzt in Helder habe ich vergebens 
irgend eine biographische Notiz aufgesucht ; derselbe 
scheint nach den beiden Jahrzahlen auf der Kehrseite der 
Medaille, 1810 und 1865, fünfundfUnfzig Jahre im Staats- 
dienst gewesen zu sein. 

A V. Neun Zeilen Schrift: Aan | A. Boomsma | genees- 
herr | te Helder 1 nit achting | en | erkentelijk- 
heid I december | 1865. 

Rev. Viereckiges Untergestell, auf welchem eine Vase 
steht, aus welcher eine um eine Keule gewun- 
dene Schlange trinkt. Ein Wappenschild mit 

22* 



"^" Dr. E. Rüppell : Medaillen 

A B liegt links am Untergestell an. Oben im 
Felde MDCCCX-MDCCCLXV. 
Durchmesser J4 Linien. 

DVIs. Kichard van Rees, Professor der Mathematik 
und Physik in Utrecht, geboren in Leyden Ende des vori- 
gen Jahrhunderts. Medaille auf die Feier seiner 50jährigen 
Doctorpromotion 1871. 

Av. Brustbild nach links, darunter D. v. d. K. Um- 
schrift : Richardus van Rees math. et phys. prof. 

Rev. In einem offenen Kranz von Eichenlaub und Lor- 
beer, Schrift in drei Zeilen : Praeceptori | caris- 
simo I discipuli. Am oberen Rand: Leodium 
MDCCCXXI; am unteren: Trajectum ad Rhe- 
num MDCCCLXXL 

Bronzemedaille. Durchmesser 24 Linien. 

DVP. J. L. H. Haerten. Arzt, der noch in Utrecht 
lebt. 

A V. In einem Perlenkreis, Brustbild nach links, ohne 
Inschrift, auf dem Abschnitte des Armes der 
I^^ame des Stempelfertigers J. P. M. Menger F. 

Rev. Inschrift in neun Zeilen: J. L. H. Haerten | me- 
dico. doctissimo. |hoc. amicitiae.jet. grati. animi. 
pignus. I J. G. Putman | archiepiscopo. Ultrai | 
a. consil. et. decan. | civit. incidi. curavit j A. r.s. 
MDCCCLXXm. Rosette. 

Bronzemedaille. Durchmesser 22 Linien. 

DVr. S. C. Snellen van Vollenhoven. Jurist, 
Präsident der niederländischen entomologischen Gesell- 
schaft. 



auf Aerzte und Naturforscher. 



329 



Av. Brustbild nach rechts, keinerlei Umschrift, nur 
des Stempelfertigers Name: J. P. van der 
Kellen F. 

Rev. Acht Zeilen Schrift in einem offenen Lorbeer- 
kranze : Per XXII. ann. sodalis ] per XX. prae- 
ses I collegii. studia. exemplo | praeiuit. aucto- 
ritate. rexit | ingenio. ornavit. nomine | exteris. 
commendavit j VII. iunii | MDCCCLXXIII. Um- 
schrift: Viro. doctissimo. S. C. Snellen. van. Vol- 
lenhoven. J. U. D. coli, entomolog. neerland. 
hunc. num. fac. cur. -^ 

Bronzemedaiile von 25 Linien Durchmesser. 



DVP. Wessel Knoops, gründete in Arnhem im 
Jahre 1824 eine naturforschende Gesellschaft, welche nach 
50 Jahren ihres Bestehens nachbeschriebene Medaille 
prägen Hess. 

Av. Büste der Minerva auf einem Standpfeiler, 
welcher mit dem Arnheimer Stadtwappen ge- 
schmückt ist; zu beiden Seiten verschiedene 
physikalische Instrumente, ein Globus und ein 
Bienenkorb. Umschrift: Natuurkundig Genoot- 
schap tot nut en vergenoegen te Arnhem. Unten 
im Abschnitt: Gesticht door Wessel Knoops. 

Rev. In einem offenen Lorbeerkranz: 16 MaartI 1824 
— 1874. Umschrift: Herdenking aan het vijftig- 
jarig bestaan. LTnten am Rand: L. H. Eberson 
inv. — de Vries Arnhem fec. 

Bronzemedaille. Durchmesser 23 Linien. 



^'^^ Dr. E. Rüppell: Medaillen 

DVr. Adriaan van der Willigen. 

Auf die Feier der silbernen Hochzeit dieses in Haar- 
lem lebenden- Arztes wurde 1870 eine kleine Medaille 
geprägt. 

Av. Hymen kränzt zwei brennende Herzen, die auf 
einem mit 25 bezeichneten Altar ruhen. Im Ab- 
schnitt van der Kellen j*". F. 

Rev. In einem Kranz von Rosen, 10 Zeilen Schrift: 
25 jarig huwelijk | van | Dr. Adriaan | van der 
Willigen Pz. | en | Geertruida Aletta | vanVoor- 
thuijzen | Haarlem ! 29 Mei | 1870. 
Bronzemedaille. Durchmesser 18 Linien. 

Da Rudolphi und Duisburg die Medaillen auf die Vor- 
steher von Anstalten für die Taubstummen nicht aufgeführt 
haben, so tibergehe ich auch die Gröninger Medaille auf 
Heinrich Daniel Guyot. 



V*. Ungarn. 

DVI'". Johannes de Banfihuniad, Chemiker, der 
in England lebte; geboren 1576 in Nagy Banya (deutsch 
Neustadt, lateinisch Rivulus Dominarum), starb in Amster- 
dam 1649 (nach Angabe von Anton Wood , Athen. Oxoni- 
cum, Vol. IL p. 142) i). 

Einseitige gegossene und ciselirte ovale Me- 
daille : Brustbild in Zweidrittel- Ansicht, der Kopf 



1) Diese Notizen über Banfihuniad erhielt ich von Herrn Ignaz 
Doböczky in Buda-Pest. 



auf Aerztp und Naturforscher. 



331 



nach der rechten Seite gewendet; unten M 69. 
Umschrift: Johan Banfi Huniad Riwlinan. Unga. 

Um das Brustbihi ragen die Schenkel eines 
ausgeschweiften Kreuzes, auf welchen sich fol- 
gende Zeichen befinden : Auf dem oberen ein 
Globus , auf dem unteren + (Alchimistisches 
Zeichen?), auf dem zur Rechten ein gedecktes 
Gefäss, in welches eine Retorte mündet, auf dem 
zur Linken ein unten punctirtes Dreieck mit 
einem Zirkel. Die Medaille ist abgebildet in 
Werzerle Tabulae nummorum hungaricorum, 
Abtheilung G, Taf. IV, Nr. 11. Ich sah sie auch 
in einem älteren englischen MUnzwerk, kann 
aber nicht mehr angeben, wo. 

Grosser Vertical-Diirchraesser 26 Linien, der 
kleinere Horizontal - Durchmesser ist 22 Linien. 

DVP. Franz Toldy, oder vor seiner Magyarisirung 
Schedel, Arzt und Literat, wurde am 10. August 1805 zu 
Ofen geboren, wo er bis zu seinem am 10. December 1875 
erfolgten Tode vorzugsweise gelebt hat. 

Av. Kopf nach rechts, auf dem Abschnitt des Halses 
J. Radnitzky. lieber dem Kopf: Toldy Ferencz, 
unter demselben MDCCCLXXI. 

Rev. In einem offenen Lorbeerkranz, Schrift in vier 
Zeilen: IRÖI PALYAJA|FELSZÄZ- 
^VES I ÜNNEPEREj'TISZTELÖL Beide 
Seiten mit Perlenkreis am Rand. 

Silbermedaille von 16 Linien Durchmesser. 



332 



Dr. E. Riippcll: MedailJen 



V^ Russlaiul. 



DXXIP. Graf Theodor Petro witsch Lütke, geboreip 
in Petersburg, am 17./29. September 1797, gestorben im 
Jahre 1875, Seeoffieier, durch wissenschaftliche Beobach- 
tungen ausgezeichnet, die er auf der im Auftrag der Regie- 
rung ausgeführten Fahrt um den Erdball gemacht hat. Die 
Petersburger geographische Gesellschaft hat die Medaille, 
welche sie jährlich als Preis austheilt,' mit seinem Bildniss 
geschmückt. 

A V. Kopf nach rechts, auf dem Abschnitt des Halses: 
B A. Umschrift in russischer Sprache: Graf 
Theodor Petrowitsch LUtke. 

R e V. Unter den Lichtstrahlen einer Lampe ein Globus, 
zwischen einem Fernrohr, gerollten Karten, Bücher 
und Compass. Umschrift in russisch: Von der 
kaiserlich-russischen geographischen Gesellschaft 
wegen der Arbeiten (im Abschnitt als Fortsetzung^ 
der Umschrift) : im Gebiete der Geographie. 
Bronzemedaille von 22 Linien Durchmesser. 

Nachbeschriebene zwei Medaillen wurden mir von 
Russland zugeschickt und ich füge sie nur anhangsweise 
an, da sie nur sehr mittelbar mit dem von mir gewählten 
Thema zusammenhängen. Die eine vom Jahr 1804 ist zu 
Ehren des Grafen Nicolaus Petrowitsch Scheremetjeff 
geprägt, zur Anerkennung der zweckmässigen Anordnun- 
gen, mit welchen er die Pest und Hungersnoth in Russland 
bekämpfte, 

Av. Brustbild nach links in reich mit Orden ver- 
zierter Kleidung, unten: C. Leberecht eques F. 



auf Aerzte und Naturforscher. 



333 



Umschrift in russisch: Graf Nicolaus Petro witsch 
Scheremetjeff. 
Ke V. Eine Frau als personificirter Genius der Gesund- 
heit reicht mit der Rechten einen AehrenbUschel 
einer zu ihren Füssen sitzenden Familienmutter ; 
um ihren linken Arm ist eine aus einer Schale 
trinkende Schlange geringelt, welche sie einem 
zu ihrer Linken sitzenden Kranken reicht. 
Ueberschrift in russisch: Barmherzigkeit. Im 
Abschnitt gleichfalls in russisch: Von dem diri- 
girenden Senat 1804. 

A^f der Leiste, welche den Abschnitt bildet^ 
steht noch einmal der Graveur Leberecht. 

Bronzemedaille. Durchmesser 34 Linien. 

Die zweite Medaille wurde 1875 zum Gedächtniss an 
das hundertjährige Bestehen des Krankenhauses inMoskau 
geprägt, welches Katharina IL stiftete, und bei welchem 
sich B. M. Demetrius Momonoff besonders verdient 
machte, ob durch medicinische Dienstleistungen oder durch 
Geldschenkungen ist mir unbekannt. 

Av. Auf einem viereckigen Standpfeiler die gekrönte 
Büste der Kaiserin Katharina IL ; links angelehnt 
ein ovales Medaillon mit einem Brustbild nach 
links mit der Umschrift: M. B. Demetrius Momo- 
noff; an der rechten Kante des Pfeilers eine 
Schriftrolle mit russischer Aufschrift. Im Hinter- 
grund Moskau, über welchem die Sonne strahlt. 
Umschrift in russisch: Zum Gedächtniss der 
hundertjährigen Stiftung des Krankenhauses für 
Blinde (?) in Moskau von der Kaiserin Katharina. 
Errichtet am 12. Aug. 1775. 



*'"'* Dr. K. Riippell : Medaillen 

Rev. Unter einer Krone, auf einem Eichenlaub und 
Lorbeerzweig Ell zwischen 1775 und 1875, 
darunter russische Inschrift in vier Zeilen: Aus 
der uns eigenen Menschenliebe haben wir auf 
Bericht des Verwaltungspräsidiums dieses Kran- 
kenhaus gestiftet. 

Bronzemedaille. Durchmesser 29 Linien. 

Ich habe noch unter den für Russland gefertigten 
PrägestUcken einen Jetton zur Erinnerung an den Medi- 
ciner Dr. Lang in Gorzdi in Lithauen zu erwähnen, 
welchen dieser Arzt selbst fertigen Hess, um die Verbrei- 
tung der Blattern-Einimpfung zu fördern, indem er jedem 
von ihm geimpften ein Exemplar dieses Jettons (zweifels- 
ohne in Typenmetall) zustellte. Auf den beiden Seiten soll 
sich eine polnische (?) Inschrift befinden, in welcher Dr. 
Lang erwähnt wird. Da ich diesen Jetton nie zu Gesicht 
bekam, so kann ich jedoch keine Beschreibung geben. 

Andere Medaillen zur Erinnerung an russische Aerzte 
und Naturforscher, die in neuester Zeit geprägt wurden, 
wird der unermüdliche MUnzforscher Collegienrath Iversen 
in Petersburg hoffentlich baldigst veröffentlichen ; ich 
wünsche, dass es in einer Sprache geschieht, deren Kennt- 
iiiss in dem europäischen Publicum verbreiteter ist, als 
das Russische. 



VI. Scandinavien. 

DXXXVn. Carl von Linnaeus. 
Aus einem 1875 in Stockholm veröffentlichten Schrift- 
chen vonC. Snoilsky, betitelt: Svenska enskilda personers 



auf Aerzte und Naturforscher. 



335 



minnespenni gaf efter 1860 entnehme ich die Beschreibung 
mehrerer Prägestücke aufLinnö, die in meinen früheren 
Veröffentlichungen fehlen. 

18. Av. Brustbild nach links. Auf dem Abschnitt des 

Armes: Dubois F. Umschrift: Carolus Linnaeus. 

Kev. Um einen leeren Blumenkranz Umschrift: Soc. 
Linnaeana Burdigalensis. Unten ein Stern. 

Bronzemedaille. Durchmesser 1 i/a Zoll. 

Snoilsky, p. 8, Nr. 12. 

19. Av. Linne's Brustbild nach links, darunter: Wurden 

F. Brux. Umschrift: En tibi Pomonae Cereris 
Floraeque sacerdos. 

Rev. In der Mitte Inschrift: A. M. Rogier, ministre de 
Tinterieur, premiere exposition nationale 1847. 
Umschrift : Societe royale Linneenue de Bruxelles. 
Agriculture et horticulture. 

Bronzemedaille von 5 Centimeter (21 Linien) 
Durchmesser. 

Snoilsky, p. 9, Nr. 16. 

20. Av. In einem Oval von Blumen, Linnö's Brustbild, 

dessen Kopf ein Genius bekränzt; unten: H. 
Distexhe (Graveur). 

Rev. In einem Kranz von Blumen und Früchten das 
Wappen der Stadt Lüttich. Umschrift: Societe 
des Conferences horticoles # Li^ge *. 

Bronzemedaille. Durchmesser 21 Linien. 

Snoilsky, p. 9, Nr. 17. 



336 



Dr. E. Rüppell: Medaillen 



21. A V. Brustbild nach rechts? mit Ordensdecoration, dar- 

unter : W. J, Taylor. Umschrift : Carolus Linnaeus. 
Rev. Ein Kranz von Blumen und einem Band umwun- 
den, worauf: Jersey Society of agriculture and 
horticulture. 

Silbermedaille von 17 Linien Durchmesser. 
Snoilsky, p. 29, Nr. 23. 

22. Av. Brustbild nach links, darunter Hailid ay F. Dop- 

pelte Umschrift. Innere: Carolus Linnaeus. 
Aeussere: Dereham horticultural Society. 
Rev. In einem Blumenkranz: Prize Medal: der übrige 
Raum leer um des Empfängers Name einzugra- 
viren. 

Bronzemedaille von 15 1/4 Linien Durchmesser. 

Snoilsky, p. 29, Nr. 24. 

23. Von Snoilsky, p. 29, Nr. 22 wird noch eine 
13 Linien grosse Medaille mit Linne's Brustbild 
und Namens-Umschrift erwähnt, die ohne Revers 
zu sein scheint. 

DLXXIV". Gabriel Ah Im an. 

Lebte zu Anfang des XIX. Jahrhunderts als Guts- 
besitzer in der damals zu Schweden gehörenden Provinz 
Finnland und beschäftigte sich viel mit Botanik und Ac- 
climatisation nützlicher Gewächse; ausserdem hat er auch 
durch beträchtliche Geldschenknngen , welche er der 
öconomischen Gesellschaft Finnlands machte, zur Förde- 
rung ihrer Zwecke wesentlich beigetragen. Diese Gesell- 
schaft liess in dankbarer Anerkennung eine Silbermedaille 
prägen, welche als Preis für gewerbliche Verbesserungen, 
benützt wird. 



auf Aerzte und Naturforscher. 



337 



Av. Brustbild nach rechts, auf dem Abschnitt des 
Armes C. B. Ueberschrift : Gabriel Ahlman, 
Assessor. 
Rev. Eine Landschaft. Ueberschrift: Usque beneficus. 
Im Abschnitt in vier Zeilen : In memoriam socti 
I munifici R. Societ. | oecon. Fenn. | 1801. Auf 
beiden Seiten längs des Randes eine gestrichelte 
Kreiseinfassung. 

Silbermedaille l»/» Loth schwer, von 16 Linien 
Durchmesser. 

DLXXIV« . Israel H w a s s e r. 

Schwedischer Arzt und Professor in Upsala, geboren 
1790, gestorben 1860. 

Av. Brustbild nach links in Amtskleidung, unter dem 
Armabschnitt L. A. (Lea Ahlborn). Umschrift: 
Isr. Hwasser Med. theor. et pr. prof. Ups. — Am 
unteren Rande : nat. 1790. den. 1860. 
Rev. Diogenes mit der Laterne. Ueberschrift: Ardet 
et dirigit. Unten im Abschnitt: Socio ingeniosiss. 
Reg. Acad. Scient. Svec. MDCCCLXXIII. 
Durchmesser 14 Linien. 

DLXXIVp . Carl Johann E k s t r ö m e r , Vorsteher der 
Hospitäler und Arzt in Stockholm, geboren 1793, gestor- 
ben 1860. 

Av. Kopf nach rechts, unterm Hals L. A. Umschrift: 
C. J. Ekströmer Dir. supr. nosocom. Pr. coli, 
med. Unten am Rande: n. 1793. o. 1860. 

Rev. Aesculap stehend. Ueberschrift: Utramque meruit 
laude coronam. Im Abschnitt: Socio de re 



338 



Dr. E. Rüppel ; Medaillen auf Aerzte und Naturforscher. 



med. patr. opt. merito. R. Ac. scient suec. 
MDCCCLXXL 

Durchmesser 14 Linien. 

Beide Jettons sind beschrieben: C. Snoilsky, Minnes 
penningar, p. 19, 



Zum Schlüsse erwähne ich einige Druckfehler, die in 
meinem ersten Aufsatze über Medaillen auf Aerzte (im 
VII. Bande, p. 151 — 232) sich befinden: 
p. 161 (p. 11 Separatabdruck) zweite Zeile von unten 

Ginannis statt Ginonis ; 
p, 164 (p. 14 Separatabdruck) zweite und siebente Zeile 

von oben Canterzanus statt Cantezzanus ; 
p. 165 (p. 15 Separatab^ruck) 13. Zeile von oben 1833 

statt 1838 ; 
p. 209 (p. 59 Separatabdruck) 11. Zeile von unten Baart 

statt Buast. 

Frankfurt am Main im Mai 1876. 



339 



IJumismatische Literatur. 



6. Fabretti; Ariodante. Raccolta numismatica del R. museo di 
antichitä di Torino, Monete Consolari. Torino 1876. (Fratelli 
Bocca). 8°, XV und 324 S. mit vielen in den Text gedruckten Holz- 
schnitten, 12-50 Lire i). 

Der Katalog der römischen Consular - Münzen des Turiner 
Münzkabinets ist seit kurzer Zeit ausgegeben und befindet sich 
beim Erscheinen dieser Besi)rechung wohl schon in den Händen 
der meisten Numismatiker. Es ist erfreulich zu sehen, wie in Italien 
kundige und besonnene Männer Hand an das gerade dort so un- 
endlich reiche Material legen, es gewissenhaft sondern und wissen- 
schaftlich verarbeitet, in gediegener Form dem numismatischen 
Publikum vorlegen. 

Der Turiner Katalog eröffnet eine Reihe von Publicationen ; 
in nicht langer Zeit wird das Verzeichniss der in der vatikanischen 
Bibliothek zu llom befindlichen Sammlung — jetzt schon nahezu 
im Manuscript vollendet — nachfolgen. Er ist werthvoU durch eine 
bessere , dem jetzigen Stande der Wissenschaft angemessenere 
Verarbeitung und Zusammenstellung des Materials, ein Vorzug, der 
nicht vielen derartigen Publicationen nachgerühmt werden kann. 
Wenngleich auch noch nicht allen Anforderungen liechnung ge- 
tragen, das Ideal eines Katalogs noch bei weitem nicht erreicht 
ist, darf man immerhin mit dem Gebotenen zufrieden sein. 

Als der jetzige Conservator Professor Ariodante Fabretti das 
Münzkabinet in Turin übernahm , zählte die Sammlung der republi- 
kanischen Münzen 550 Stücke, welche Zahl unter der umsichtigen 



*) Diese nesclireibuiig erscliieii zugleicli im ,,TjUei'atui'blatt", Beilage zum 
numlsm.-sphragistischen Anzeiger v. M. Bahrfeldt, II. Jahrgang 1876- (M. S.). 



340 



Numismatische lateratur. 



Leitung des genannten Herrn im Moment der Herausgabe des Ka- 
talogcs auf rund 5300 Münzen angewachsen ist. Freilich ist in Erwä- 
gung zu ziehen, dass 'I'urin inmitten zahlreicher Fundstätten liegt, 
von hier aus dem Kabinet viel zugeflossen sein mag, doch haben 
auch Ankäufe von Sammlungen etc. viel zur Vermehrung bei- 
getragen. So gelangten mit der Sammlung des Dr. Rossi in Tivoli 
der sehr seltene Denar der 24. Legion und ein Denar des C. Cossu- 
tius Maridianus mit der eigenthümlichen Orthographie CAESAR 
PARE:S PATRIAE nach Turin. Seltene Stücke, namentlich 
Bronzen aus den Sammlungen Cornaglia und Lavy, und endlich 180 
Denare etc. vom March. C. Strozzi an das Kabinet gegeben, trugen 
zur weiteren Vervollständigung bei. Der Druck des Kataloges war 
bereits begonnen, so dass diese 180 Münzen als Supplement ange- 
hängt werden mussten. Einzelnkäufe wurden auch bei Münzliändlern 
und auf Auctionen gemacht, wie denn durch die Versteigerung der 
Sammlung Riccio in Paris 1808 ein grosser Theil derselben an das 
Turiner Kabinet überging «), 

Der ganze Katalog ist in sechzehn Abschnitte zerlegt, von 
welchen 1 — 15 das aes grave, die Münzen der römisch-campanischen 
Prägung, die ältesten Denare, sowie die Unternominale ohne Wap- 
pen, mit Münzmeister- und Münzstättenzeichen umfasst und ungefähr 
chronologisch nach Ailly's Recherches, auf welche sieh auch stets 
bezogen wird, geordnet ist , während Capitel 16 den ganzen Rest 
der Farailienmünzen aller drei Metalle, aber leider noch alphabetisch, 
nach den Familien rangirt, behandelt. 

Vom aes grave librale sind 44 Stücke vorhanden, darunter 
Nr. 8 ein sehr seltener Semis mit liegendem Werthzeichen XJX 
bisher Unicum in Ailly's Sammlung, ferner die seltene Serie mit 
nach links gewendetem Schiffsvordertiieil . vertreten durch As, 
Triens, Quadrans (2 Exemplare) undSextans. Da Verfasser ganz dem 
System Ailly folgt, nimmt er Mommsen gegenüber (wohl mit Recht) 
eine semilibrale und quandrantare Reihe an, während die trientale 
Serie , die aber unzweifelhaft ist, verworfen wird. Von ersterer sind 
zwei gegossene Semisse (62-85 und 55-70 gr.) verzeichnet; Sextana 



') Zahlreiche Stücke der bei Riccio so reich vertretenen Serie mit Vuceria, 
auch wohl der subacrate Denar des Cornuficius Nr. 2104, der auf der Auction 106 fr 
{Cohen schätzt ihn auf 400 fr.) brachte. 



Numismatische Literatur. 



341 



üncia und Semuncia kommen nur geprägt vor und sind sehr 
häufig. Die Quadrantarreduction ist durch seclis gegossene Asse 
und fünf Semiase vertreten, unter diesen Nr. 128 mit Z (Ailly 
pl. XXXVIII, 10), wiederum bisher ünicura. Capitel IV, V und VI 
enthalten die in Capua unter Oberhoheit Eoms geprägten Kupfer- 
und Öilbermünzeu mit Roma und Romano, die Nummen mit Dop- 
pelkopfeiner-, der Quadriga mit Jupiter andererseits, die ältesten 
aufschriftlosen campanischen Goldstücke mit der Quadriga und dem 
seltenen Typus: drei Krieger mit dem Schweine, endlich ein ."Sech- 
zig- und ein Zwanzig-Sesterzstück der ältesten römischen Goldprä- 
gung. Unter VII und VIII finden wir die Victoriati ohne Beizeichen 
und die Anderthalb=Sesterzstücke (Blacas 218) mit ähnlichem Ge- 
präge, freilich einer viel späteren Periode angehörend. 

Sehr werthvoll ist die genaue Darstellung der verschiedenen 
Formen, welche die Buchstaben des Gemeindennamens Roma auf 
jeder einzelnen Münze zeigen, wichtig, weil sich die Existenz des 
pararellschenkligen M schon während der Republik dadurch deut- 
lich und zweifellos ausweist. 

Die sämmtlichen Gold- und Bronzemünzen sind gewogen 
worden , und das macht den Hauptwerth des Kataloges aus, da es 
noch immer an neueren umfassenden und genauen Zusammenstel- 
hmgen von Wägungen mangelt und auf die früheren Verzeichnisse, 
wie dasvonRiccio, der unglaublichen Ungenauigkeit halber gar kein 
Werth gelegt werden darf. Sehr zu bedauern ist es, dass, wenigstens 
bei den Denaren mit Wappen und Münzstättenzeichen, die Gewichts- 
angaben fehlen, sie wären gerade hier sehr wünschenswerth ge- 
wesen , da die Zutheilung zu den beiden verschiedenen Münzfüssen 
von 1/73 ^^^^ Vsi noch immer nicht zur völligen Sicherheit ge- 
diehen ist. 

Unter Nr. 235 ist ein Semivictoriat aufgeführt; wir kannten 
bisher nur zwei Repräsentanten dieses Noraiuals , beide in der 
Sammlung Ailly befindlich; hier finden wir ein drittes Exemplar, 
doch leider mangelt das Gewicht, denn es würde in diesem Falle 
entscheiden , da ich geneigt bin, zumal wegen des mangelnden 
Ötadtnamens, diesen Semivictoriat für einen am unteren Abschnitt 
etwas abgegriffenen Quinar des Cn. Lentulus zu halten , der schon 
vielfach Täuschungen verursacht hat. Meine Vermuthung jedoch mit 

•23 



342 



Numismatische Literatur. 



allem Vorbehalt, da ich, ohne das Stück gesehen zu haben, nicht zu 
entscheiden vermag. 

Abschnitt X enthält die Denare, Quinare und Sesterzen ohne 
Beizeichen, darunter zwei Denare mit incusem Roma 2); das Kupfer 
des sextantaren und uncialen Fusses bietet nichts Besonderes, nur 
bei einem Semis steht fl retrograd im Gemeindenamen. Nr. 3G1 ist 
ein As vom Viertclunzenfusse zu 3-93 gr. Ailly's As pl. LVII. 7 war 
bisher der einzig bekannte der quartuncialen Reduction mit diesem 
Typus. 

Die Wappenmünzen sind reichlich vertreten, fast 270 Stücke, 
vorzüglich viele Bronzen, durch deren Gewichtsangaben die Ver- 
zeichnisse Ailly's eine werthvolle Bereicherung erfahren. Nr. 374 
Triens mit Anker 12-13 gr. (Ailly LXIX. 7) , 370» Unze mit Anker 
2-69 gr. (p. LVIII. 12), 425b Unze mit Lanzenspitze 4-19 gr. 
(pl.LXXXII.2), 433 As mit Delphin 21-36 gr. also uucial(pl.LXXIX. 
9), 455—457 drei Sextanten (Ailly pl. LXXXV. 6 u. 13 [2 Ex.]) mit 
Hasta 6-85, 90 imd 7-02 gr., 481 As mit Halbmond 19-10 gr. 
(pl.LXXVIII. 16), 520 Semis mit Lorbeerzweig 21-16 gr. (pl.LXXIIL 
13), 541 Semis mit Aehre 22-13 gr. (pl. LXXXI. 3), säramtlich sehr 
selten und nur durch je ein Exemplar bei Ailly bisher bekannt; die 
seltene Reihe mit dem gallischen Helm ist durch Denar, Victoriat 
und Quadrans vertreten , vom Quadrans mit Mast und Segel 
sind drei Stücke vorhanden. Ganz unedirt bisher sind Nr. 389 
Semis mit Stern 3-38 gr., also quartuncial; 408 (Abbildung) Qua- 
drans mit Keule 2-13 gr. und Nl A in Roma als Monogramm AA ; 
427 Quadrans mit Lanzenspitze 3*81, semuncial; 483 (Abbildung) 
Triens mitHalbmond rechts von derProra 7-49 gr. ; 568 (Abbildung) 
Triens mit zwei Trapezen 9-08 gr. Ailly benennt das Wappen 
so, er kennt nur den As; 509 e suppl. Uncia mit Eule 4-84 gr. ; von 
diesem Wappen war nur der nicht seltene Denar bekannt , endlich 
Nr. 590 As 14-17 gr. mit Volumen (?), doch vermag ich trotz der 
Abbildung nicht zu entscheiden. 

Die seltenen Denare mit den Wappen „männlicher Kopf" und 
„Schild mit Heerzinke" sind unter den Familienmünzen als Ver- 
treter der Geschlechter Horatia und Decia verzeichnet, denen man 
diese Denare auf Grund der Restitutionen Trajans beilegte. Es ist 



*) 3-78 und 3-67 Grm. beide Stücke sind jedoch stark verimtzt. 



Numismatirche Literatur. 



343 



■entschieden aber zu verwerfen , diese beiden Wappenmünzen von 
den übrigen zu trennen und keine Entschuldigung^ dafür, wenn 
Ailly dasselbe thut; das gesarainte Münzmaterial aus der Präge- 
periode der Wappen muss im Zusammenhange bearbeitet und nicht 
getrennt werden. Das Gleiche gilt von den Münzen mit den Initia- 
len oder Monogrammen der Nebenofficinen, welche im Turiner 
Kataloge halb nach Ailly's chronologischer und halb nach Cohen's 
alphabetischer Ordnung rangirt sind; dieser Mischmasch ist wun- 
derlich und wenig nütze, das Zusammensuchen der einzelnen Ge- 
wichte zeitraiibend imd daher unpraktisch. 

Die Zutheilung des Victoriats mit CROT zur Familie Mae- 
cilia (oder gar Metilia) , die Auflösungen von \B und ^/^ in 
Vibius und in Romilius , Romanius oder Q. Mari , anstatt sie als 
Namen der Städte Kroton, Vibo und Koma aufzufassen, sind doch 
wahrlich entschieden genug abgethan, als dass sie Cohen's oder 
Riccio's Werk zufolge immer wieder herbeigeholt werden sollten. 

Die Münzstätte Luceria ist durch eine Reihe schöner Stücke 
vertreten , die zum grössten Theil aus Riccio's Sammlung zu stam- 
men scheinen, bestimmt wenigstens Nr. 620 Semis mit U auf bei- 
den Seiten und 627* Victoriat mit l» auf Hs. Sehr werthvoU ist der 
gegossene As Nr. 616 von 86-85 gr., von welchem man nur noch 
ein anderes Exemplar im Collegium romanum kennt, Nr. 617 ein 
gegossener Semis 31-90 gr. derselben Emission gleichfalls von 
hoher Seltenheit, Nr. 626 Semuncia (5) 3-63 gr. mit Herkuleskopf 
und dem Pegasus auf der Rs. , ein zweites Stück in Ailly's Samm- 
lung. Von der seltenen Reihe mit P sind die Nominale Semis, 
Triens und Sextans (Ailly pl. CXIII. 9, 15 und 17) vorhanden, 
Nr. 608 (Abbildung) ist eine neue Unze (2-22 gr.) von Canusium 
mit CA rechts vom Werthzeichen auf der Rs. und p. 271 suppl. 
Nr. 632a der sehr seltene Denar mit M« Dazu kommen Nr. 3520 der 
Victoriat mit CROT, Nr. 4920 und 4921 der Victoriat und Semi- 
Victoriat mit \ß und endlich Nr. 4341— 4345 Denar, Quinar, Sesterz, 
Semis und Quadrans mit ^^ Denar und Sesterz sind sehr selten, 
ersterer durch die incuse Form des Stadtnamens von ganzer ein- 
ziger Bedeutung für die Chronologie dieser Münzen 8). 



*) Der Denar wiegt nach brieflicher Mittheilung Prof. A. Fabretti's 4-38 Grm. , 
■der Stadtname n\Jr'\/K hat dieselbe Form, -wie bei Ailly auf dem Den*r mit n> 

-das hcisst er ist vertiefe mit erhöhten Handlinien. 

23* 



H44 

■^ Numismatisclio Literatur. 



Mit dem Capitel XVI beginnen die eigentlichen Familienmünzen^ 
die den bei weitem grössten Theil der Sammlung ausmachen und 
nach Cohen's description etc. alphabetisch geordnet sind. Welche 
Uebelstände diese Anordnung im Gefolge hat, ist nicht schwer ein- 
zusehen : das Zusammengehörige ist auseinandergerissen und über 
das ganze Buch vertheilt, die gegebenen Gewichte der Kupfer- 
münzen , die in seltener Menge und Vollzähligkeit hier vorhanden 
sind, müssen behufs Vergleichungen mühsam zusammengesucht 
werden; welche ünzuträglichkeiten für den Forscher entstehen 
nicht daraus, wenn anstatt, dass die Münzen einer Periode zusam- 
mengestellt sind , sich Denare aus der Zeit des hannibalischen 
Krieges neben Caesars Münzen verzeichnet finden? Für die innere 
Anordnung und die Reihenfolge ist die alphabetische die entschie- 
den unzweckmässigste ; früher konnte sie genügen, durch die wich- 
tigen Folgerungen in Bezug auf Chronologie aus den grossen Münz- 
funden der letzten Jahre muss sie jedoch der hierauf biisirten Platz 
machen-, die chronologische Anordnung ist für wissenschaftliche 
Zwecke die allein brauchbare. 

Wie der Verfasser in der Vorrede sagt, sei es sein Bestreben 
gewesen , möglich alle Münzmeister der Republik in der Sammlung- 
vertreten zu sehen *) und so finden wir denn auch eine grosse Zahl 
der seltensten Denare , namentlich aus der späteren Republik, hier 
vereinigt. Es würde zu weit führen die Seltenheiten ersten Ranges 
hier sämmtlich aufzuzählen, ich erwähne nur die Denare der Münz- 
meister M. Arrius Secundus, Q. Cornuficius, Murcus imp., Brutus 
imp. mit eidibus mards, M. Minatius Sabinus und P. Venddius. 

Goldstücke dieser Periode zählt die Sammlung zwölf, dar- 
unter das höchst seltene von Trajan restitxiirte mit C'IVLIVS 
CAES IMP'COS ill und dem Kopfe Caesars, von welchem 
freilich nie das Original existirt hat. 

Die gewöhnlichen Denare , welche Münzbuchstaben und 
Zeichen zur Unterscheidung der Stempel tragen, sind sehr zahlreich 



*) Der Denar lilacas Xr. 150 des C. Nuniitorius wird laut der Notiz p. V 
des Kataloges vom Tiiriner Kabluet zu erwerben gesucht; ich erinnere mich diesen 
Denar im Herbste vorigen Jalires bei Kollin und Feuardent gesehen zu haben 
wenn ich nicht irre, sollte er 200 oder 250 Fr. kosten. 



Nuniismalische Litor»tur. 



345 



vorhanden; so sind von den Mihizmeiötern L. Piso Frugi und 
C. Piso L. f. Frugi circa 250 Stück beschrieben. In wie massenhafter 
Weise ersterer lür den im Jahre 664 beginnenden italischen Krieg 
gemünzt hat, bezeugt der Stempel mit der Münzziffer 50000. 

Die Kupfermünzen bilden einen Hauptreichthum des Turiner 
Kabinets, meh'ere unedirte Stücke und neue Varianten sind abge- 
bildet; zu bedauern bleibt nur, dass die sämratlichen Gewichte nicht 
noch zum Schluss besonders zusammengestellt sind. 

Gefutterte Münzen enthält die Sammlung auffallend wenig, 
einige Zwittermünzen und falsche Bucbstabenspaarungen auf den 
Denaren des L. Cassius Caeicianus, Lentulus M. f. und C. Marius 
C. f. Capito, endlich die drei schon früher von mir in der Zeitschr. 
für Num. III publicirten Denare mit V^espasians Nachstempel. 

Den Be.schhiss macht ein umfangreiches und sehr genaues 
Kegister, wodurch die Brauchbarkeit des Kataloges wesentlich 
erhöht wird, 

Bremen im Juli 1876. M. Bahrfeldt. 



7. Zeitschrift für Numismatik, redigirt von Dr. Alfred v. Sallet. 

Die Zeitschrift für Numismatik hat seit ihrem ersten 
Erscheinen {1873) rasch einen hervorragenden Platz in der Literatur 
unserer Disciplin eingenommen. Die Tlieilnahme ausgezeichneter 
Kräfte , die vortreffliche Ausstattung von Seite der Verlagsbuch- 
handlung, die Unterstützung durch den Staat und für die Illustra- 
tionen die Künstlerhand LeonhardBecker's — diese Umstände unter- 
stützten Herrn A. v. S., welcher in der Durchführung des Unter- 
nehmens Geschick und unermüdliche Thätigkeit beweist. 

Die Zeischrift umfasst das Alterthum , das Mittelalter und das 
XVI. Jahrhundert, das XVII , XVIII und XIX. Jahrhundert sind 
ausgeschlossen. Der Grund davon mag in Verhältnissen liegen, die 
wir nicht kennen, aber es bleibt zu bedauern, dass ein für die 
Numismatik so förderliches, nützliches Werk principiell sich 
eine Beschränkung auferlegt, die eine betvächtllche Abtheilung 



346 



Numismatische Literatur. 



von Münzen , welche in verschiedenen Beziehungen noch viel zu 
thun geben, von vorneherein der Discussion entzieht. 

In den reichen Inhalt der ersten drei Bände können wir hier 
nicht näher eingehen , ohne den uns gebotenen Raum zu über- 
schreiten. Bahrfeldt, Brandis, Brock, Cnrtius, Dannenberg, Droysen, 
Friedländer, Holm, Inihoof-Blumer, Lambros, R. Lietzmann, Merz- 
bacher, L. Müller, L. Mayer, Monimsen, v. Rauch, Reber, v. Sallet 
und Weil u. s. w. treifen wir mit mehr oder weniger ausgedehnten 
Arbeiten, theils zusammenfassenden Studien, theils Veröffent- 
lichungen einzelner Münzen. 

Vom vierten Bande liegt die erste Hälfte in einem Doppelhefte 
vor. In demselben bespricht zunächst Director J. Friedländer 
die Erwerbungen des kgl. Münzcabinetes in Berlin im Jahre 1875. 
Das Berliner Cabinet hat unter der gegenwärtigen Leitung einen 
Aufschwung genommen, namentlich in den letzten Jahren, wie ihn 
in gleicher Zeit auf dem Continente keine andere öffentliche Samm- 
lung aufzuweisen vermag, sie ist in Rücksicht auf die griechischen 
Münzen aus ihrer früheren untergeordneten Stellung in die erste 
Linie vorgetreten und kann mit den beiden grössten Sammlungen, 
der Londoner und Pariser, in dieser Hinsicht concurriren. Am 
meisten trugen dazu der Ankauf der Fox'schen Sammlung (187;i) 
und jener der Sammlung des Grafen Prokesch-Osten boi, welche 
beide, für sich ihrer Zeit zu den ersten Privatsammlungen Europa'» 
gehörend, noch überdies in ihrer dermaligen Vereinigung sich 
ergänzen. Die letzgenannte Sammlung enthielt 10.916 Münzen (575 
in Gold, 7102 in Silber, 3239 in Kupfer und anderen Metallen) und 
beschränkte sich auf autonome und auf königliche Münzreihen ; unter 
jenen rngen Athen mit 9U0 (4 goldenen, 650 silbernen und l'46 
kupfernen) Stücken aus allen Prägeepuchen hervor; daneben wäre 
die Suite der Kyzikener mit 20 Stateren und über 100 Sechstel- 
stücken zu nennen. Der Glanzpunkt der Sauniilung war bekanntlich 
die Münzreihe Alexander's d. Gr. mit 1800 Stücken, darunter 2r)0 
goldenen. Eine neue Grundlage für die numismatische und chrono- 
logische Forschung werden die zahlreichen Tetradrachmen der 
Arsakiden bieten, welche nebst den Seleukiden und Ptolemaeeru 
glänzend vertreten sind. Mit dieser Sammlung erwarb das Berliner 
Cabinet auch mehrere, schon bekanntgewordene Unica, wie den 



Numismatische Literatur. 



347 



Kersibaulos von lllyiien, Hyspaosines von Characene, Tymarchus 
von Babylon, die goldenen Achtclrachincnstücke von Tyrus und von 
Ptolaniaeus V. 

Neben der Sammlung' Prokesch-Osten gewann das Cabinet im 
letzten Jahre durch einzelne Erwerbungen Münzen von ausser- 
ordentlicher Seltenheit, z. B. den in Athen gepi'ägten Stater des 
Mithradates, macedonische Königsmünzen, eine Goldmünze der 
Olympias, das Tetradrachmon von Maeedonia prima mit der Artemis 
tauropolos nnd unter anderen grossgriechischen Münzen ein Tetra- 
drachmen von Rhegium mit den Typen der Mutterstadt Samos. 
Silberne Medaillons von K. Hadrian und Constantin d. Gr. (auf die 
Gründung der neuen Hauptstadt), das Bronze - Medaillon von M. 
Aurel und L. Verus mit den capitolinischen Gottheiten und andere 
seltene Gold- und Silberstücke bereicherten die Sammlung römi- 
scher Münzen. Ebenso wurde das hohe Mittelalter vorzüglich um 
deutsche Münzen, wie Bracteaten des K. Barbarossa, Heinrich VI., 
Abt Siegfried v. Pegau u. s. w. vermehrt. Diese und andere Stücke 
wurden aus Funden erworben. 

Ueberdies werden speciell eine Klippe vom Markgrafen Albert, 
ein Viertelthaler vom Jahre 1521, eine Münze des Dogen Sebastiano 
Ziani (1173), eine Zecchine Wilhelms II. von Montferrat, mehrere 
orientalische Münzen und Bildnissmedaillen des XVI. u. XVII. Jahi*- 
hunderts (unter letzteren ein Erzherzog Leopold Wilhelm v. Water- 
loos) aufgeführt. 

Lieutenant M. Bahrfeldt bespricht die „Stempelvertau- 
schungen bei römischen Familienmünzen", welche in zwei Listen 
zusammengestellt sind; die eine enthält die irrthümlich gekoppelten 
Typen, die andere die orthographischen Fehler und falsch zusam- 
mengestellten Serienbuchstaben. Gegenüber den Ansichten, von 
welchen die eine allefderartigen Münzen für alte Münzfälschungen 
— die meisten sind nämlich gefuttert, — ^die andere alle für Staats- 
geld hält, spricht sich B. dahin aus, dass die Stücke mit ortho- 
graphischen Unrichtigkeiten und falschen Serienbuchstaben sicher 
der privaten Falschmünzerei entsprungen seien, hingegen Vertau- 
schungen von Stempeln einzelner Münzmeister, welche zeitlich 
einander nahe liegenden Collegien angehören, recht wohl Staatsgeld 
sein und die Stempelvertauschungen durch zufällige Irrthümer 
erklärt werden können. 



348 



Numismiitische Literatur. 



Die Herren H. Danuenberg und S. Colin haben den wich- 
tigen Münzfund von Lübeck bearbeitet. Derselbe, im Jahre 1038 
vergraben, enthielt 1901 aiiglosächsische (darunter 1826 von Knut), 
450 deutsche, 158 dänische, je 1 schwedische, böhmische, italieni- 
sche und Jirabische Münze, zusammen etwa 2800 Stück. Die deut- 
schen Münzen, welche Dannenberg Anlass gaben, zu seinem Werke 
über die deutschen Münzen der sächsischen und fränkischen Kaiser 
Zeit einen Nachtrag zu schreiben, werden von diesem, die übrigen 
(1230 Varietäten) von S. Cohn im Anschluss an Hildebrands Werk 
verzeichnet. Zum Schlüsse theilt Dannenberg noch unbekannte 
unglosächsische und skandinavische Münzen mit. 

Es folgt V. Sali et mit einem Aufsatze über die Münzen 
Caesar's mit seinem Bildniss, in welchem der Verfasser gegen die 
Irrthümer in De Saulcy's Systeme monßtaire de la republique 
Romaine ä l'epoque de Jules ("esar 1873 die bisher hauptsächlich 
von Mommsen gewonnenen Resultate zusammenfasst und mit 
werthvollen Zusätzen vermehrt. — Mit einer noch nicht publicirten 
Silbermünze vonissus aus dem Berliner Cabinetc, ähnlich dem 
Gepräge des Satrapen Tiribazus, aber mit IZZIKON, führt 
v. S. die genannte Stadt in die Numismatik ein. — Ein von dem- 
selben Cabinete erworbener Alexandriner der Plautilla mit dem 
Jahre 12 des Sept. Severus bestätigt die vom Verfasser schon früher 
nach einer Münze von Gaza vermuthete Thatsache, dass die Ver- 
stossung dieser unglücklichen Fürstin nicht vor dem Jahre 203 
geschehen sein könne. 

Sodann erklärt J. Fried län der die räthselhafte Aufschrift 
VSS€ S90N auf zwei Goldmünzen des Königs Leo IV. Cha- 
zarus, und zwar den ersten Theil dieser Aufschrift VC als Abkür- 
zung für utöc; in dem zweiten Theile vermuthet F. aiaa'jg (Thron i. 

Dr. A. D. Mordtmann stellt die früher „subparthischen" 
oder „ostiranischen" , von ihm „persepolitanische" genannten 
Münzen der mehr oder weniger von den Arsakiden abhängigen 
Fürsten in der Landschaft Persis zusammen; sie wurden in der 
Zeit zwischen der macedonischeu Herrschaft im iiersischen Reiche 
und dem Auftreten der Sassaniden geprägt und haben Pehlevi- 
Legenden, sind also bis nun als die ältesten Denkmäler dieser 
Schriftgattung zu betrachten. Die ältesten Münzen der Sassaniden 



Numismatlsclio Uteratur. 



349 



scliliessen sich vollständig nach Geprä<,'e und Schriftcharakter den 
jüngsten persepolitanischen Münzen an. Aus drei Perioden — ge- 
sondert nach dem Typus : Reichsfahne — Säule — Brustbild des 
Münzherrn , und nach dem Titel werden 21 Fürsten der Landschaft 
Persis mit durchschnittlicher Regierungsdauer von 18 bis 20 Jahren 
nachgewiesen, deren letzter (Babek) Vater des ersten Sassaniden- 
fürsten Ardeschir I. war. Die verdienstliche Arbeit beruht auf 200 
in verschiedenen Sammlungen zerstreuten Münzen, welche 155 
Typen ergaben, und will sie der Verfasser selbst keineswegs als 
eine abgeschlossene betrachtet wissen, sowohl bezüglich der Zahl 
der Typen, als auch der Reihenfolge der Fürsten. 

Der M ü n z f u n d v o n A r n s b e r g (vergraben 1446, erhoben 
1875), von Professor Pieler in den Schriften der Rheinisch-West- 
phälischen Gesellschaft publicirt, erhält Nachträge durch J. Frie d- 
länder, Turonen, wie der seltene von Luderich beiWesel, Münzen 
von Neubrandenbiirg, Friedland, Walchin und Limburg an der 
Lenne, welche letztere eingehend beschrieben werden. 

In dem Aufsatze „Hedel" vertheiiligt H. Daunenberg 
die Zutheilung einer bisher unbestimmten Münze nach Hedel 
gegen die Einwürfe Grote's. 

Die Miscellen enthalten Notizen über den Kranz mit Eichen- 
blatt auf Köpfen des Demeter oder Kora (Tetradrachmen vonSyra- 
kus), über den Kopf des Veidius PoUio auf Münzen von Tralles, 
über einen Münzfund in Spandau (2198 Brandenburger Denare, 
1 Hamburger Bracteat), Beiträge zur Münzgeschichte von Crossen 
und eine Bemerkung Ad. Mayer's auf die „Entgegnung" (Bd. III, 
267). — Die Literatur bringt unter anderen eine eingehende 
Selbstanzeige von H. Dann enberg, betreffend sein hier schon 
genanntes Werk über die deutschen Münzen der sächsischen und 
fränkischen Kaiserzeit , Anzeigen von Jungk's Bremischen Münzen, 
Pichler's Repertorium *), Polkowski's Publication der interessanten 



') Uns will scheinen, dass diese Kritik denn doch zu wenig auf die eigen- 
thümliche Anlage des Buches als 11 e per to ri um Rücksicht nimmt und als Mängel 
tadelt, was Folgen dieser Anlage sind. AVir glauben, dass jener Kreis von For- 
schern und Sammlern, auf den das Werk zunächst berechnet ist, dem Autor nament- 
lich für die Zusammensti-llung des urkundlichen Matcriales und für die lehrreichen 
culturgeschichtlichen Nacliweise zu lebhaftem Danke verpflichtet öein wird. 



350 



Numismatisclie Literatur. 



polnischen Funde von Glebokie (c. 1600 Stück, fast durchaus pol- 
nische Bracteaten , darunter 640 mit hebräischer Schrift, vergraben 
um 1195) undWienic (bis um 1237 reichend, übrigens ähnlich dem 
anderen Funde) und der beiden Schlumberger'schen Schriften (Deiix 
sceaux et une monnaie des grands maitres de l'Höpital — und 
monnaies des princes chretiens d'Orient ä l'epoque des Croisades), 
endlich über R. Weil's Münzfnnd im Dipylon (athenische Münzen 
mit den Namen des Königs Mithradates, Aristion und des Sohnes 
des ersteren, Ariarathes aus der Zeit des ersten mithradatischen 
Krieges). 

Das eben erschienene dritte Heft des IV. Bandes enthält 
folgende Artikel : 

A. V. Sallet, zur Numismatik der Könige von Pontus und 
Bosporus I. Die von Baron Köhne dem 1, 2 und 3 Leuco zuge- 
tbeilten Kupfermünzen werden darin nach der Art des Stylos und 
der Ausstattung in eine jüngere Zeit, als etwa 200 v, Chr. her- 
abgedrückt, ebenso die /R 6 des Spartocus und die dem Paeri- 
sadcs II. zugetheilten Statereu. Ein neuerworbenes Unicum des 
Berliner Cabinetes mit trefflichem Brustbild eines Mithradates Phi- 
lopator, Philadelphus und mit dem stehenden Perseus im Rev. weist 
der Verfasser dem bei den alten Schriftstellern Euergetes zube- 
nannten Mithradates V. zu. Die wiederholte Abbildung der Münze 
Mithradates VI. mit dem trinkenden Pegasus veranlasst ihn der 
Wiederholung derMüiizbilder diesesKönigs auf griechischen Stadt- 
münzen am schwarzen Meere, in Cappadocien und Jonien, auf jenen 
von Athen und der italienischen Bundesgenossen zu gedenken, sie 
sind die bildlichen Belege für die weitgehenden Unternehmungen 
des bedeutenden Herrschers. — In einem anderen Aufsatze über 
einen Goldstater der taurischen Chersonesus rectificirt A. v. Sallet 
die Lesung eines von Georg v. Alexeilflf 1876 publicirten , noch 
unbekannten Goldstaters dieser Stadt im Pariser Cabinete, auf 
welchem letzterer einen neuen Königsnamen BACIAECOC 
HTETOV-PO las. Die Umschrift lauttet aber: BACIAE(V)OY 
C H C ■ E T V(C) P 0, wornach die Stadt den sonst allerdings 
unerhörten Beinamen paatXs-jo'jfjry führte; die Münze stammt aus 
dem Jahre 109 der Stadtära, d. i. 75 n. Chr. — In einem dritten Auf- 
satze : Brandenburgische Bracteaten, II bespricht A. v. S. für das 



Numismatische I.iteralur. 



351 



Berliner Cabinet neu erworbene, zum Theile noch unbekannte 
Bracteaten aus dem Funde von Seelensdorf bei Pritzerle; sie rühren 
von Otto II. (Ende des XII. Jahrhunderts) und Albrecht (1188 bis 
1220) her; unter ersteren wird ein Exemplar besonders hervor- 
gehoben, welches die älteste Darstellung des brandenburgischen 
Adlers als Wappenfigur im Schilde des Markgrafen enthält. 

J. Friedländer, Satrapenmünzen, weist eine mit der 
Fox'schen Sammlung erworbene, aus dem C.ibinet Allier stam- 
mende und eine ähnliche, aber vollständigere, jüngst erworbene 
Kupfermünze einem Satrapen in Armenien oder Georgien zu, wäh- 
rend sie früher nach Sariche Cappadocien gelegt wurde ; sie tragen 
einen orientalischen Namen in griechischer Schrift, dessen Fest- 
stellung den Orientalisten überlassen bleibt. Diesen folgt eine 
Münze von Ariaramnes I. (bis vor 350 v. Chr.) und eine übersicht- 
liche Zusammenstellung der bisher bekannten Münzen von Datames, 
Ariaramnes I. Ariarathes I. (darunter eine silberne Farailienmünze 
mit den Namen des Königs , der Königen Nysa und ihres Sohnes 
EpiphanesaufdemRev. und beider letzterer Bildnisse auf der Vorder- 
seite), dann zwei noch unbekannte Bronzemünzen eines späteren 
Ariarathes und eines Mithradates Callinicus, der nach Inschriften 
König von Commagene (I. Jahrhundert v. Chr.) gewesen wäre, 
wahrscheinlich aber älter ist und in Cappadocien herrschte, endlich 
eines Mithridates (sie) Philo . . Die Bildnisse aller dieser Könige 
sind erkenntlich an einem Helm, wie es scheint, aus Leder, der bald 
einen klappenartigen Umschlag, bald einen schiefabstehenden 
Zipfel zeigt. 

M. Bahrfeldt stellt zum ersten Male jene Einstempelungen 
auf Silbermünzen der römischen Republik zusammen, welche mit 
einem scharfen Instrumente vertieft eingeschlagen sind. Sie sind 
klein, bestehen aus Buchstaben und finden sich nur auf Denaren 
und Quinaren, stets aber nur auf vollsilbernen, nicht auf gefütterten 
Stücken, und zwar auf älteren seltener, auf jenen aus dem Ende 
der Republik zahlreicher, am häufigsten auf Legionsdenaren des 
M. Antonius triumvir. Verzeichnisse aus Funden und aus des Ver- 
fassers eigener Sammlung sind beigegeben. 

H. Daunen berg, zur Pommerschen und Mecklenburg'schen 
Münzkunde, beschreibt eingehend den Münzfund von Hohenwalde 



352 



Numismatische T/itoratur. 



bei Arnswalde. vergraben gegen Ende des dritten Viertels des 
XIII. Jahrhnnderts, entdeckt 1873. Er enthielt überwiegend pom- 
mersche und mecklenburgische Münzen nnd ist, da sich zahlreiche 
chronologisch sichergestellte Schrifrdenare unter ihnen linden, 
V. ichtig für die Bestimmung vieler aufschriftloser Bracteaten dieser 
Länder. Dr. F. K. 



H. Catalogue of Orieutal Coins in the British Museum. Vol. I., 
London 1875, by Stanley Lane Pool e. (XX, -2(33 pp., VIII Taf.). 

Der vorliegende erste Band dieser schönen Unternehmung 
enthält die nHmismati.sch genaue Beschreibung der im britischen 
Museum bewahrten Münzen „of the eastern Khaleefehs", also der 
Omaijaden und Abbasiden. Nach Zahl und wissenschaftlicher 
Bedeutung eine höchst werthvolle Reihe. Schon darum werden wir 
die Publikation mit Dank aufnehmen; wir gehen aber noch aus 
dem Grunde mit Interesse an die Durchsicht des Buches, weil der 
Verfasser desselben, eine junge Kraft, hier die Frucht frühen 
Strebens bietet. 

Herr St. L. Pool e, derzeit noch am Corpus Christi College 
in Oxford den orientalischen Studien obliegend, tritt gleichwohl 
schon auf numismatischem Gebiete literarisch hervor. 

Spricht aber der Erfolg hier zu Gunsten solch' einer g e- 
t heilten Thätigkeit? Wir glauben, dass dieselbe für Herrn Poole 
einen gefährlichen Keim in sich birgt. Jeder der mit Numismatik 
sich zu beschäftigen angefangen, hat die Gewalt kennengelernt, 
mit welcher diese Wissenschaft ihre Jünger an sich zu fesseln ver- 
mag. Nur zu leicht geschieht es dann, dass der Ernst der Sache in 
Spielerei und oberflächlichen Zeitvertreib ausartet, dass die Liebe 
zur W'issenschaft sich in eine Vorliebe für das Steckenpferd um- 
wandelt. Die Folgen sind unausbleiblich: das zu früh erwachte 
Gefühl literarischer Eitelkeit blendet, der erste scheinbare Erfolg 
beirrt das Streben nach gründlichem Wissen. Nirgends aber wird 
dieses letztere mehr als Grundlage für eine erfolgreiche literarische 
Thätigkeit gefordert, als in der orientalischen Numismatik. Ohne 



Numlsmatischo Literatur. 



353 



gründliche Sprachkenntniss und fertige grammatikalische Ausbil- 
dung ist ein Fortschritt in der selbstständigen Forschung nicht 
denkbar, die hiefür absolut nothwendige Erwerbung einer ausge- 
breiteten Quellen-Belesenheit unmöglich. Aus einer nur auf prakti- 
schem Wege erworbenen Pedanterie in den Münzbeschreibungen 
und dem schablonenmässigen Katalogisiren ganzer Sammlungen 
wird die Wissenschaft aber schliesslich wenig GcAvinn zielien. Wir 
möchten daher den Herrn Verfasser im Anbeginn seiner literarischen 
Laufbahn auf die vor ihm sich öffnenden Irrwege aufmerksam 
gemacht haben , glauben aber seinem gewiss lobenswerthen 
Streben nicht zu nahe getreten zu sein, indem wir dabei auf die 
Gefahren durch eine frühzeitig vom Studiengange ablenkende lite- 
rarische Ueberproduction hingewiesen haben. Dass Herr 
Poole jetzt also noch auf jenem Punkte steht, wo Wissen und 
Können sich nicht immer die Wage zu halten vermögen, wollen wir 
auf Grund der vorliegenden neuesten Arbeit zeigen. Das Buch 
enthält im Ganzen schon bekannte, von einander wenig abweichende, 
Münzlegenden. Trotzdem finden sich darin Ungenauigkeiten, Fehler 
und Verlesungen, für deren Dasein die Entschuldigung des Ver- 
fassers am Schlüsse seiner Vorrede uns nicht ganz genügen will. 
Verfolgen wir die Nummern der Ilcihe nach. 

Seite 22, Nr. 141. Der wohlbekannte Dirhem vom Jahre 131 
d. H. aus der Prägstätte läu-oLji, welche Herr Poole nach dem Vor- 
gange früherer Numismatiker iLollll esh - Shämeeyeh liest, 
wodurch auf eine syrische Stadt hingedeutet würde. Diese Zuthei- 
lung hat längst schon unser Bedenken erregt; denn die in Rede 
stehende Münze hat nicht nur nicht den syrischen Typus, sondern 
die epithetische Verwendung des Nomen relavitum (L-«uJi wider- 
streitet in diesem Falle geradezu dem geographischen Sprach- 
gebrauch. Wir finden vielmehr, dass der Typus irakänisch ist, 
und dass er den Dirhem in die Kategorie der Wäsith er -Prägen 
weist, wie eine Vergleichung mit den letzteren aus dem Jahre 131 
zweifellos darthut. Welche Stadt nun mit A.W.U1 im Irak gemeint 
sein könnte, darüber vermögen wir vorläufig keine Auskunft zu 
geben. Gewiss scheint uns aber noch, dass der Name ohne Punkti- 
rung, also iL« Ul es-Sämije, gelesen werden müsste, was dann 



354 



Numismatische Literntur. 



die wohl passende Bedeutung , die Erhabene, Herrliche" 
gäbe als Analogen zu ijllÄ.] „die Auserwählte" i). 

Auf dem S. 74 Nr. 185 publicirten Dirhem hat Herr Poole un- 
begreiflicherweise ein Wort übersehen: wohl desshalb, weil es auf 
etwas ungewöhnlicher Stelle steht. Wir finden dasselbe nämlich 
(Abbildung, PI. IV) in winziger Schrift unter der ersten Silbe des 
öSj^\: es ist der Eigenname Ju^ Homeid, wahrscheinlich 
einem Mtinzbeamten zugehörig. — S. 75, Nr. 191 ist t-^jl». keines- 
falls ^_^lf>., oder, wie der Index anders angiebt, (^ylo^ zu lesen, in 
welch' letzterem Falle man den Artikel vermissen würde. Allein 
richtig ist fc_j;lcw Härib, der gewöhnliche Eigenname. — S. 84, 90, 
106 und 247 ist die falsche Transcription Neesäboorin Neisäbür 
zu verbessern. Später erst hiess die Stadt Nischäbür. — Das unge- 
wisse C^Aji auf der Rückseite von Nr. 195, S. 76 mag ji»l -y 

oder jAji /y zu deuten sein. Die persischen Eigennamen Abuk 
oder Anik passen sehr gut zu dem Prägort Reij. 

S. 85, Nr. 230, PI. V. Die räthselhaften Worte auf der Rück- 
seite dieses Dirheras hat zuerst Stickel (Handb. I. p. 89 f.) als 
Wunschformel auf den Chalifen Haiiin als Münzherrn zu beziehen 
versucht. Herr Poole lässt sie unerklärt, reiht sie aber gleichwohl 
S. 259 in den V. Index der Währungsmarken etc. Wir halten das 
erste Wort, aus Gründen die ein anderes Mal erörtert werden sollen, 
für den Eigennamen e-W;. So hiess z. B. eben der Diener Haruns, 



1) Zu unserer grössten Genujjthuung finden wir, nachdem der Druck dieser 
Zeilen bereits begonnen, in dem so eben erschienenen ersten Tiieile der Geographie 

des el-Mokaddasi (schrieb Im Jahre 985/6 n. Chr.) ed. de Goeje, p » **' 

unter den im Bezirke von Wäsith aufgezählten Orten eine Stadt A»<U«Jl, 
wohl das arabische Epitheton zu der Variante A.k*V»»iJ, in welcher Verstümmelung 
Herr de Goeje mit Wahrscheinlichkeit den Namen des alten 8 p as in i - Kharax 
vermuthet. Um aber die epithetische Verwendung des A».»L«J1 für Localitäten über 
alle Zweifel zu ernebeu, weisen wir auf die Stelle iu M. J. Miiller's }leitr. zur 
Gesch. der westl. Araber I, p. »0, wo es heisst : i^-'^'*^' A**>**' A«i5.,,und 
e ne Festung herrlich an (jlanz". 



Numismatische Literatur. 



355 



welcher nach dessen Tode den chalifischen Mantel, Stab und Ring 
an sich nahm und in zwölf Tagen von Merw nach Bagdad reiste um 
diese Gegenstände dem Thronfolger el-Amtn einzuhändigen (M a- 
8'üdi, Murüdsch eds-dsähab, Bulaker Ausg. vom Jahre 1283, IL 
p. rrt und Sojüthi, Tärich el-Chuiafä, p. V^^, Calcutta). Oder, 
bei Abü-1-mahäsin, Annales ed. JuynboU, I, p. UV, finden wir 
einen ^o /y »-Wt) ^^^ Jnhre 159 als Statthalter von Jemen, 
u. 8. w. — Bezüglich der S. 88, Nr. 239 auf dem Dirheui von San'ä, 
Jahr 195, von Herrn Poole bemerkten Buchstabenelemente xvJl,»^. 
ist nur so viel zu sagen , dass man von denselben auf der auto- 
typirten Abbildung PL V eigentlich gar nichts sieht. Wie dem auch 
sei, das dort gestandene Woi't ist Eigenname gewesen , das Hyio- 
nymicou zu AjJl Ju& ^ , und sicher der Name des Statthalters, 
dessen Amtssitz eben San'ä war. Leider lässt Ibn Chaldün 
(AUgem. Gesch. IV. p. VW, Buläk) der den abbasidischen Land- 
pflegern Jemens einen Abschnitt widmet, gerade bezüglich des 
fraglichen Namens uns in Stich. Er sagt nämlich, nachdem er die 
Besetzung des Statthalterpostens im Jahre 133 d. H. erwähnt, 
folgendes: „Darauf wechselten die in San'ä residirenden Statt- 
halter über Jemen bis das Chalifat an el-Mämün gelangte" 
(Jahr 198). 

S. 107, Nr. 3Ü1. Auf dem Dirhem von Herät findet Herr Poole 
den Namen /«^•»l ^J^ ^*-«»J1 > im Index Seite "248 s. v. Ibrahim und 
S. 251 transcribirt er ihn aber ^^l Diese Unsicherheit ist auf- 
fallend, denn zwischen Ke und Ja giebt es im Münzductus des 
III. Jahrhunderts keine graphische Aehnlichkeit. Uebrigens ist 
5w)\ auch sonst unannehmbar. Das Wort dürfte ^*-lll d. i. ^liJl 
mit usueller Auslassung des Alef Productionis zu lesen sein. Auch 
jjxJl wäre indess möglich; man findet Beispiele für diesen Namen 
bei Sojüthi, 1. c. p. \ü, el-Makkari, IL p. 1^A , ooT , o"\«, 
WK u. s. w. Die Ansicht des Originals würde hier die Entschei- 
dung bringen. — S. 114 und anderwärts ist der Stadtname „Sarra 
uien-raa" richtig Surra man raa zu lesen. — S. 122, Nr. 351 
und S. 140, Nr. 407. Die Araber spreclien den Namen der alten 



356 



Numismatische Literatur. 



Stadt Nisibis immer Nasibin, nicht „Niseebin" wie HerrPoole will. 
Zu der auf den beiden Stücken vom Jahre 250 und 290 gebrauchten 

Orthographie j^/-*^ statt ^j^wjua» hätte bemerkt werden sollen, 
dass dieselbe nicht etwa einen Schreibfehler, sondern eine von 
den Stempelschueidern der damaligen Zeit angewandte Involutio 
literarum enthalte: es fand hier nämlich das Aufgehen des Ja in 
Säd statt-, der Zacken des letzteren Buchstaben wird demgemäss 
auch etwas höher gehen müssen, als sonst. 

S. 160, Nr. 478. Hier findet Herr Poole auf dem Goldstücke 
vom Jahre 348 die neue Münzstätte ^jAP 'Ain. Diese Deutung ist 
sprachlich unmöglich. Das Wort (^/.p raüsste hier als ikäUo« j^ 
d. h. nicht annectirt, wie die Grammatiker sagen würden, durch den 
Artikel determiuirt, also ^j>^\ geschrieben sein. Dann allerdings 
gäbe dies den Namen eines Dorfes am Fasse des Dschebel el- 
Lukkäm in der Nähe von Mer'asch. So steht es aber nicht auf der 
Münze. Daher muss angenommen werden, dass hier das nach ^^y^ 
dem Regens im Verhältnisse der begrifflichen Annexion noth- 
wendige Rectum mit determinirender Rückwirkung, aus Verseheu 
des Stempelschneiders weggeblieben sei. Der Schriftductus 
sowohl, als auch die mangelhafte Jahrzahl berechtigen zu diesem 
Schlüsse; auch findet ein Stück mit solch' barbarischem Gepräge, 
wie das vorliegende, recht gut seine Erklärung in den kriegerischen 
Wirren, namentlich innerhalb der an das byzantinische Gebiet 
stossenden Grenzdistricte (jj«j1). Aus diesem Grunde möchten 
wir denn auch aus den vierundzwanzig bei Jäküt (el-Muschtarik, 
p. V \ ^ aufgezählten, mit 'Ain zusammengesetzten, Localitäten 
insbesondere ^jj^^^ 'Ain Zarba, das alte Anazarbos in der 
syrischen Grenzmark nächst Mopsuestia, und i^\j ^y>C■ 'Ain täb 
die starke Festung in der Militärgrenze vom Gebiete Haleb, als 
diejenigen bezeichnen, die hier in Betracht zu ziehen wären. 

Sehr interessant ist die S. 179, Nr. 37 u. 38 in zwei Exemplaren 
beschi'iebene Kupfermünze, welche Hr. Poole jedoch nicht zu entzif- 
fernvermochte. Auf der Rück>?eite derselben liest er aIjI (?) <>ir-s»Jü. 
Das erste räthselhafte Wort ist, obwohl uns die Abbildung nicht 



Kumiamati&che Literatui*. 



357 



zur Verfügung steht, in seinen Elementen A.^=3 1 zu nehmen und 

das Ganze muss heissen aIIi A^=>JJ „für das Almosen 
O Ott es", d. h. eine Münze füi das auf Gottes Gebot zu ent- 
richtende Almosen. Wir sehen also hier nach alter Weise das 
lySj ohne Alef Productionis geschrieben. Als Gegenstück finden 
wir nun bei Tiesenhausen, Kh. Or. Nr.2610 eine andere Kupfer- 
münze mit der Aufschrift: AJul ^J-ju^ 3 dj^ju „eine Ausgabe 
auf dem Wege Gottes", d. h. zum Solde auf dem Kriegswege 
gegen die Ungläubigen. Auch diese Münze hat bisher ihre Erklä- 
rung nicht gefunden. Beide Aufschriften nun stehen in einem ge- 
wissen Zusammenhange miteinander, wenngleich sie verschiedenen 
Zwecken ihren Ursprung verdanken. 

Das letztere Stück wurde nämlich zum Solde für die 
iirabischeu Grenztruppen geschlagen, während das erstere 
dem Bedürfnisse des Staats- Armenfonds seinen Ursprung 
verdankt: in beiden Fällen war aber die arabische Steuergesetz- 
gebung die nächste Veranlassung zur Ausprägung. Wir wollen 
vorläufig Folgendes hierüber bemerken: Die arabischen Staatsein- 
künfte flössen aus zwei Hauptquellen: 1. aus der Vermögens- 
oder Almosensteuer (iüjuo, auch ilT)); 2. aus den allgemei- 
nen Einnahmen (^1) von den Tributzahlungen unterjochter 
Völker , der Kriegsbeute , Kopfsteuer , Grundsteuer und den 
Zehenten. 

Die Vermögens- oder Almosensteuer, obligatorisch für jeden 
Muslim, war einzuheben von dem ßesitzthume das aus sich selbst 
oder durch den Gebrauch einer Vermehrung fähig ist, also von 
Saatfeldern, Früchten, Heerden, Häusern, Gold und Silber, Berg- 
werken, Handelsgütern u. dgl. m. Aus diesem Staatseinkommen 
nun wurde ein Fonds gebildet, der in sogenannte Antheile (Ay-i) 
geschieden, an acht Classen Subventionsberechtigter als Staats- 
unterstützung vertheiit wurde. 

Ueber einen dieser Antheile sagt der berühmte Staatsrechts- 
lehrer el-Mäwerdi (f 1058 n, Chr.) in seinem Kitäb el-ahkäm 
es-sultänije (ed. Enger) p. V \ T Folgendes : 

24 



358 



Nnmismatisclie Literatur. 



Jb .i^ . rtr^"^ '^^ n^^'" siebente Antheil ist für den Weg 

Gottes (d. h. für den Kriegsweg gegen die ungläubigen^. Es 
participiren daran die Streiter gegen die Ungläubigen , denen ihr 
Antheil ausgezahlt wird, je nach ihrem Bedürfnisse im heiligen 
Kriege. Wenn sie nämlich ;in den Grenzmarken Wache gehalten, 
wird ihnen die Ausgabe (AÜ») für ihren Wegmarsch bezahlt 
und all' das, was bei ihrem Aufenthalt an der Grenze erforderlich 
ist. Und wenn sie heimgekehrt sind , nachdem sie die Ungläubigen 
bekriegt haben, wird ihnen wieder die Auslago für ihren Weg- 
marsch und für die Rückkehr vergütet." Aus dieser Stelle geht die 
Bestimmung der von Tiesenhausen publicirten Münze klar hervor. 
Dass für den Trup pensold überhaupt eigene Münzen, die so- 
genannten militärischen Dinare AiwsLl^li-Xll , geschlagen 
wurden, wissen wir bereits aus den arabischen Quellen-, mit dem 
eben erwähnten Kupferstück lernen wir nun auch solche militäri- 
sche Prägen kennen, die speciell zur Bestreitung (äÄÄj) der Reise- 
kosten und des täglichen Unterhaltes der Grenzsoldaten aus- 
gegeben wurden. 

Anders verhält es sich mit den beiden Stücken des britischen 
Museums. Sie wurden für weitere drei Classen Subventionsberech- 
tigter ausgegeben und zwar (el-Mäwerdi, 1. c. p. \\ • f.) : zur 
Unterstützung der ersten Classe oder der Armen (fukarä) d. h. 
solcher die gar nichts besitzen; der zweiten Classe oder Mittel- 
losen (mesäkinj d. h. Aller mit ungenügendem Einkommen, und 
endlich der achten Classe oder Fremdlinge (abna es-sebilj d. h. 
der mittellosen Reisenden, welche die Ausgaben für ihre Weg- 
zehrung nicht finden. Der höchste Unterstützungsbeitrag für ein 
Individuum aus den beiden erstgenannten Classen durfte nach 
Bestimmung des Rechtsiehrers Abu Hanifa (f 767 n. Chr.) die 
Summe von 200 Dirhem oder 20 Dinaren nicht erreichen, damit der 



Numismatische Literatur. 



359 



Begriflf des Almosens (il5j) nicht aufgehoben würde. Nach mus- 
limischem Gesetze gilt nämlich Alles was unter 200 Dirhem ist noch 
als steuerfrei; von dieser Summe ab nach aufwärts tritt aber schon 
die Vermögenssteuer auf Silber und Gold ein, die mit einem Viertel 
des Zehntels, also mit 21/2%, berechnet wird (el-Mäwerdi, 1. c. 
p. T •'\). Was wir nun aus diesen Bestimmungen entnehmen können 
ist, dass unsere speciell aII) iuji „für das auf Gottes Gebot 
zu entrichtende Almosen" geprägten Kupferstücke eben 
jenen milden Gaben ihren Ursprung verdanken, die aus dem Staats- 
Armenfonds in den gesetzlich vorgesehenen Fällen flüssig gemacht 
wurden. Es liegen also mit diesen Prägen im eigentlichen Sinne 
Armenmünzen vor, wie ja solche zeitweise auch in anderen 
Ländern üblich waren, z, B. in Oesterreich die bekannten Wiener 
Armenhausmünzen von 1756 oder, um ein dem Oiient näher liegen- 
des Beispiel zu wählen, in Byzanz die Kupferstücke mit griechi- 
schen Uebersetzungen aus den Sprüchen Salomonis, deren Bekannt- 
schaft wir Friedlaender verdanken. (Vgl. unsere Zeitschr. II. 
p. 453 f.). 

S. 180, Nr. 39; 181, Nr. 42; 203, Nr. 107 und Index S. 258. Herr 
Poole beschreibt hier Kupferstücke aus Arminija, Harrän und er- 
Räfika, welche nach dem Ortsnamen das von allen früheren Numis- 
niatikern unerklärt gelassene Wort jloi. aufweisen. Hier wird es 
nun JW ,it is current" gedeutet. Ganz unmöglich. Wie kann Herr 
Poole in diesem Sinne dasPerfectum sich erklären? DasVerbum 
Jlo^ drückt übrigens gar nicht den Begriff des Cursirens (vom 
Gelde) aus; den quellenmässigen Nachweis dafür müsste uns Herr 
Poole schuldig bleiben. Aber selbst die geläufige Wortbedeutung 
„erlaubt, zulässig, gesetzlich" angenommen, stünde hier das Partici- 
pium activi y^- zu erwarten, wie wir es auf anderen Prägen auch 
wirklich antreffen. Das fragliche Wort kann daher gar nicht anders 
als jW cursirend gelesen werden; es steht mit bekannter 

Elidirung des dritten Kadikais statt ^ßj^, von der Wurzel ^ß^^. 
Hier ein paar Belege: el-Makrizi, de pond. p. 11 sagt: 
j_5jlfä-l c-jj->ia)l „das cursirende Gepräge" ; in seiner Hist. monetae 

24* 



360 



Numismatische I>iteratur. 



arabicae, p. 10: -A>lj-xil ^S^y^ J^i^ „und es hatten die Drachmen 
cursirt. . ." Bei el-Bekil, Description de l'Afrique, ed. SUme, Algier 
1857, p. W heisstes: Ll:>^ öjy^ JjkS^ Jbjj> Jjj* -^j/i Ojj^j 

JbjJ» ^ij^ -^1^ P*»-^ ijj^f-^^ »das Gewicht ihres Karates ist 
ein gesetzlich richtiger Drittel -Dirhem nach dem Gewichte von 
Cordova, und das Cursirende (Geld) bei ihnen ist der Karat und 
Viertel- Dirhem", wobei wir den Gegnern aller Währungsmarken 
ganz besonders noch das ^3-^ r**-^"^ ^"'" Beachtung empfehlen. 
Um übrigens unser jW weiters auch numismatisch zu beglau- 
bigen, sei hier erwähnt, dass in der Sammlung des Herrn Grafen 
von Prokesch-Osten ein Dirhem mit Chosroen- Gepräge vom Jahre 
31 d. H. sich befindet, der am Rande deutlich und zweifellos die 
arabischen Worte Ijibjlow „cursirend ist dieser (Dirhem)" 

trägt, zur überraschendsten Bescheinigung des auf anderen Stücken 
an gleicher Stelle gefundenen, aber angefochtenen, pehlewischen 
jj^^lj , wodurch also die doppelsprachige Parallele auch für die 
arabischen Münzen sasanidischen Gepräges erwiesen ist. Zu Nr. 39 
aus Arminija bemerken wir schliesslich noch, dass ein identisches 
Stück, jedoch mit dem Ortsnamen ,_3-j^ Debil, gleichfalls in der 
Sammlung Prokesch-Osten bewahrt wird : es bringt die alte Ver- 
muthung, dass unter dem Provinznamen Arminija die Hauptstadt 
Debil zu verstehen sei, zur völligen Gewissheit. 

Die S. 184, Nr. 56 angeführte Kupfermünze überschreibt Herr 
Poole „IdUsuÄll^y-s^i* Misr el-Fus tat". Diese Zusammenstellung 
ist falsch. Dje hier gegebene Genitivsbestim iimng des Misr durch 
el-Fostät fördert einen Unsinn zu Tage, der wohl zu vermeiden 
gewesen wäre, wenn Herr Poole sich die Belehrung über die 
Bedeutung der beiden Nomina propria vorerst hätte angelegen 
sein lassen. Was die Münze betrifft, müssen beide Namen^ wie sie 
dort geboten sind, für sich getrennt angesehen werden : das durch 
den Artikel bestimmte el-Fostät bezeichnet den engeren, Misr den 
weiteren geographischen Begrift". Da die arabische Ansiedlung el- 
Fostät als Stadttheil von Misr (d. i. Memphis) aufblühte, sagt man 



Numismatische Literatur. 



361 



-wo* Jq. IVtu'» Fostätu Misra, nicht aber „Misr el-Fiistät", wie Herr 
Poole meint; man sagt ferner ^IJäi isLo;, iL-loji Ail-o; und „City 
of London" , aber nicht umgekehrt! IJebrigens ist Misr hier ja 
Landesnauie. Das in Rede stehende Kiipferstück reiht Herr Poole 
nun zu den iMünzen „witli mints but no dates". Die Frage, ob diese 
Classifizirung wissenschaftlich oder systematisch genannt zu werden 
verdiene, beantwortet sich von selber, wenn man bedenkt, dass ein 
Stück, dessen Zeitbestimmung bis auf das Jahr sicher ist unter den 
unbestimmten Omaijaden -Münzen figurirt, bloss desshalb, weil seine 
Legenden — verwischt sind. Aber auch dem praktischen Bedürf- 
nisse eines Katalogs entspricht dieses vom Verfasser noch ander- 
wärts eingeschlagene Verfahren nicht: denn wer würde z. B. 
jenes vielfach publicirte Stück in Herrn Poole's Buch aufzufinden 
vermögen, wo die natürliche Eingebung es unter des Chalifen 
Merwän IL Münzen suchen heisst. Ein Katalog antiker Münzen, 
welcher nach dem Vorgange des Herrn Verfassers aus Neuerungs- 
sucht etwa eine der allbekannten Tetradrachmen Athens zu den 
griechischen Incertis verweisen würde, weil ihre Aufschrift zerstört 
ist, hätte sich von selbst gerichtet. 

S. 187, Nr. 65, PL VHL Der nicht erkannte Prägort ist 
^jA}\^ b Tripolis in Syrien. Wir sahen im königl. Münzcabinet zu 
Kopenhagen ein gleiches Stück. — Zu S. 187, Nr. 67 und 189,Nr.74 
hätte der grammatikalische Fehler im Zahlwort j-^ <JXw (statt 
"y.^ JXu<) sollen bemerklich gemacht werden. 

S. 191, Nr. 86, PI. VIH. Das Stück ist vom Jahre 142 d. H. 
Die Einerzahl ^^^ hat nur einen Zacken verloren, lautet also ,y^. 
Dass der Prägort auf der Münze falsch iSi\i geschrieben , hat 
Herr Poole übersehen. — S. 197, Nr. 94. Eine der bekannten häufi- 
gen Kupfermünzen aus Kinnesrin vom Jahre 157. Der Verfasser 
notirt dazu: „Base-sil ver". Dies ist ganz und gar unglaublich. 
So viel wir wissen kommen gerade derlei Stücke hie und da ver- 
silbert vor; Herr Poole wird demnach bei nochmaliger Prüfung 
sich überzeugen, dass dies mit seinem Exemplare auch der Fall ist. 
— S. 200, Nr. 100. Wieder ein Stück das zu den Ungewissen des 
Chalifen el-Mansür geworfen wurde, weil der Verfasser den Prägort 



362 



Numismatische Literatur. 



Haleb nicht erkannt hat. Und doch gehört es zu den am häufig- 
sten vorkommenden Abbäsiden-Münzen; Herr Poole hätte es schon 
bei Castiglioni, Frähn, Möller, Tiesenhausen u. s. w. finden können. 
Wir haben dasselbe Stück übrigens gleichfalls, seiner Präge-Loca- 
lität wegen, in den Wiener Num. Monatsh. IV. pp. 22—28 ausführ- 
lich besprochen. — S. 201, Nr. 102. Die Elemente ^yJlo-. wie sie der 
Verfasser wiedergiebt werden wohl getrennt ylcw d. li. y^ als 
Eigenname zu lesen sein. — S. 212, Nr. 133. Der Name des Frei- 
gelassenen des Fürsten der Gläubigen ist «-Ij^l oder, wenn die 
Weglassung des Alef Productionis vorausgesetzt wird, 0>lfc.l 
Herrn Poole's Lesung •>-^'f~\ ist desshalb unmöglich, weil der 
Ei.i;enname «— j^ keinen Artikel hat. Er ist aus dem Index S. 249 
zu streichen. Das hier Gesagte gilt auch für Nr. 160, S. 221. — 
S. 212, Nr. 134. Auf der Münze muss ,^^*U-11 Jl^s^ J^ stehen. Sie 
wird in den achtziger Jahren des IL Jahrhunderts geprägt worden 
sein und statt j_^JiÄ)l dürfte wohl ^^-J^Äll zu sehen sein. — S. 216, 
Nr. 142. Der Stadtname Us>- ist offenbar das bekannte Ls»* 

Dschubba in Chuzistän. — S. 217, Nr. 144. Das Stück ist, wie wir 
im ersten Bande der Wien. Num. Monatsh. gezeigt, in Irbil ge- 
schlagen, welche Stadt der Chalife geerbt hatte. — Zu Nr. 146 die 
Bemerkung, dass der technische Ausdruck A^, mu milch ge- 
sprochen wird, nicht „muhmilleh" wie Herr Poole schreibt. 

S. 219 ff. bringt nun eine Reihe von Kupferstücken, welche 
für Herrn Poole durchwegs unbestimmbar erscheinen, ja nicht 
einmal so weit classificirbar, dass er die Omaijadon von den Abba- 
siden zu scheiden weiss. Er nennt sie: „of doubtfnl date: both 
Amawee and 'Abbäsee" und glaubt auf allen die Namen von 
Statthaltern zu finden. Gehen wir also an die Untersuchung! Wir 
werden aucii hier zeigen, wie schwer der Anwurf der Oberflächlich- 
keit den Herrn Verfasser trifft. 

Gleich die beiden ersten Stücke Nr. 151 und 152 aus Armi- 
nija mit dem Namen Ishäk ibn Muslim sind bestimmbar. Sie sind 
maijadisch. Ishäk ibn Muslim el-'Okeilt war im Jahre 132 d. H. 
Merwan's IL Statthalter von Arminija, vgl. Ibn el-Athtr, Chron. V. 



Niimismatiiche Literatur. 



363 



p. rrr f. Hcn- Poole schreibt den Prägort Ij1^j[> ohne weitere 
Bemerkung. Da er öfters Uncorrectheiten der Sterapelschneider 
bemerklich zu machen verglast, wissen wir nun nicht, ob hier blos 
ein Druckfehler oder eine falsche Münzorthographie statt des 
richtigen <)uLo;1j vorliegt. — Die folgende Münze, Nr. 153, ist ab- 
bäsidisch. Isma'il ibn 'All, der Oheim des Chalifen el-Mansür, 
war Statthalter von el-Mausil vom Jahre 141—142 d. H.. vgl. Ibn 
el-Athir, 1. c. V. p. TAY , TA^. — Nr. 154 und 155 müssen abbä- 
sidisch sein, das Glaubenssymbolum am Avers beweist dies. — 
Nr. 157 — 159 aus el-Mausil mit dem Namen es-Sakar ibn Nedschda 
sind wieder abbäsidisch. Dieser Emir war vom Jahre 147 — 148 
d. H. el-Mansür' s Statthalter von el-Mausil. Sein Vorgänger, Harb 
ibn Abdallah, fiel im Kampfe gegen die armenischen Türken -, sein 
Nachfolger war der Barmekide Chälid, von dem wir gleichfalls 
Kupfermünzen kennen. Vgl. Ibn el-Athtr, 1. c. V. p. 11 \ und 
IIV f. — Nr. 160 ist abbäsidi«ch — Nr. 161 und 162 des- 
gleichen. Der hier genannte el-'Abbäs ibn Muhamraed in el- 
Dschezlre heisst mit vollem Namen el-'Abbäs ibn Muhammed ibn 
'Ali ibn 'Abd-aliäh ibn el-'Abbäs und ist der Bruder des Chalifen 
el-Mansur. Er bekleidete in dessen Namen vom Jahre 142 — 155 
d. H. die Statthalterschaft von el-Dschezire und den Grenzpro- 
vinzen, vgl. Ibn el-Athtr, 1. c. V. p. fA^ und VI. p. X. _ Nr. 163 
ist wieder abbäsidisch und gehört nach Aegypten. Herr 
Poole hat übersehen, dass dieses Stück schon mehrfach, jedoch 
falsch, publicirt worden ist: Soret, Lettre ä M. Sawelief, S. 10, Nr. 9, 
Tab. I. Nr. 4; Pietraszewski, Numi Muham. Nr. 254, Tab. VI. ; 
Sawaszkiewicz, le Genie de l'Orient p. 95, PI. I. Nr. 4; Tiesen- 
hausen, Khalifes Orientaux p. 262, Nr. 2552—2553 u. s. w. Der hier 
genannte Mann ist der Emir Abu 'Aun 'Abd-ul-melik ibn Jezld 
el-Choräsäni. Derselbe war zweimal Statthalter von Aegypten : 
unter dem Chalifen as-Saffäh vom Jahre 133 — 136 und el-Mansür 
vom Jahre 140—141. Wir geben das Stück in die letzteren 
Jahre, denn aus der ersten Statthalterschaft liegen uns Prägen vom 
Jahre 133 vor. Abu 'Ann bekleidete auch vom J;ihre 159 — 169 
d. H. als Nachfolger des Homeid ibn Kahtaba die Statthalterschaft 
Choräsän (Ibn el-Athlr, 1. c. VI. p. TV f. und r\); allein die vor- 



364 



Numismatische Literatur. 



liegende Münze hat nicht nur den entschieden aegyptischcn 
Typus, sondern wir kennen auch, um jeden Zweifei zu beheben, 
ein in Buchara im Jahre 160 geschlagenes Stück dieses Emirs mit 
choräsänischem Gepräge (Tiesenhauson 1. c. Nr. 906). — Nr. 164 ist 
omaijadisch. Herr Poole hat hier wieder ein längst publicirtes 
Stück verkannt und unter der Firma des Gouverneurs 'Obeid- 
alläh beschrieben. Wir haben es diesmal aber mit einem Steuer- 
verwalter zu thun, der el-Käsim Sohn des Obeid-alläh heisst 
und im Jahre 112 d. H. in Aegypten unter dem Chalifen Hischäm 
dieses Amt bekleidete. Diese von allen Numismatikern falsch 
gelesene Münze ist von uns im III. Bande der Wien. Num.Monatsh., 
p. 35 f. ausführlich erörtert worden. Ihre Reversumschrift lautet : 
aÜI Ju*P ^y X-'Uil ^l — Nr. 167, Omaijadisch. Dass Herr Poole 
dieses gescnichtlich merkwürdige Stück nicht zu entziifern ver- 
mocht, wundert uns, da es eine völlig deutliche und correcte 
Legende bietet. Sie heisst: y^\j ^ ^ j J^ «fJ^i „Gott ist 
der Freund Omar's und sein Helfer". Wer der Omar mit 
solcher Münzaufschrift sei, kann nicht zweifelhaft bleiben: es ist 
der milde und glaubenseifrige Chalife Omar II. (99 — 101 d. H.), 
welcher gleichgültig gegen irdische Macht und Grösse, auch im 
Privatleben seinen Vorgängern gegenüber ein reiner Tugendspiegel 
gewesen. Sein Siegel trug die Inschrift: „Omar, Sohn des 'Abd ul- 
'aziz, der an Gott glaubt" (el-Makln, Annales, p. 76). Nach dem 
Koran, Sure III, Vers 61 (und ähnlich II, 258; XLV, 18) ist aber 
„Gott der Freund der Gläubigen", denn „ausser Gott habt ihr 
keinen Freund und Helfer« (Koran, II. 101, IX. 117, XXIX. 21, 
XLIl. 30). Wir denken, die Münzlegende bedarf darnach keiner 
weiteren Erklärung. — Nr. 168. Abbäsidisch. In dem Worte 
j-aP der Rückseite findet Herr Poole den Eigenamen ,r^ 
„Gheysh"! (vgl. auch Index p. 252). Fürwahr, ein sehr kühnes 
Unternehmen, zumal im Arabischen eine Wurzel ^^l^ überhaupt 
nicht existirt. Wenn der fragliche Name nicht ,cwji& zu lesen ist, was 
nur durch Autopsie entschieden werden könnte, wäre ^t'J^, j_^*^ 
oder (ToIaP vorzuschlagen. Den letzteren Namen, mit Artikel, 
finden wir übrigens auch auf der vorhin besprochenen Münze p. 221, 
Nr. 161 ohne Alef Productionis, also ^j-^l, geschrieben. — Unter 



Numismatische Literatur. 



365 



Nr. 170 erscheint ein Emir Jüsuf von el-Mausil, indem der Herr Ver- 
fasser die rückseitige Randumschrift ^-o^l» i^Jl^^j jj^^^\j^«i\ 
liest. Das ji^/^\ für sich allein ist schon ein Unsinn, mit dem 
vorangehenden Emirtitel zusammengenommen aber lächerlich, 
denn das ganze hiesse auf deutsch : „Der hitzige Emir Jiisuf in 
el-Mausil". j*/^\ ist also verlesen, es muss heissen ^^ Jlsl!, 
somit: „der Emir el-Hurr, Sohn des Jüsuf, in el-Mausil". Die Münze 
ist omaijadisch, denn der prachtliebende und kunstsinnige 
Emir el-Hurr, Sohn des Jüsuf, Sohnes des Jahja, Sohnes des el- 
Hakam, Sohnes des Abi-l-'Ass, Sohnes des Omaija war von 
106—113 d. H. Statthalter des Chalifen Hischäm in el-Mausil; er 
ward nach seinem, im Monat Dsü-1-hiddscha des Jahres 113 erfolg- 
ten, Tode in den Koreischiten-Gräbern dieser Stadt beigesetzt, vgl. 
Ibn el-Athir, 1. c. V. p. ^^, \r\. — Nr. 172. Wie diese Münze 
dynastisch unbestimmbar erscheinen konnte, ist unbegreiflich, da 
doch der Prägort el-Abbäsije jeden Gedanken an die Omai- 
jaden ausschliesst. 

Hieran reihen sich die Indices: I. der Münzdaten, IL Münz- 
höfe, III. Eigennamen etc., IV. Punkte und Beizeichen und V. Wäh- 
rungsmarken, Siglen etc. Aus diesem letzten Verzeichnisse S.259 f. 
sind die folgenden als Währungsmarken aufgenommenen Ei ge n- 
namen auszuscheiden: 

1. (JJy Bahlül. Diesen in die Münze eingeschmolzenen 
und als „Buhlül" (das sollte heissen „schön, vortrefflich" mit 
Bezug auf die Reinheit des Metalls) wieder auferstandenen Mann, 
hat der verstorbene E. Meier (Zeitschr. d. D. M. G.) auf seinem Ge- 
wissen. Kein Besonnener wird aber hierin das gewöhnliche Nomen 
proprium verkennen. So finden wir einen Emir Bahlül ibn Abd ul- 
wähid im Jahre 181 in Nordafrika, vgl. Ibn el-Athir, 1. c. VI. 
p. \ ♦ Y ; einen andern Bahlül ibn Marzük in Spanien in demselben 
Jahre, 1. c. VI. p. \ »A. Im Jahre 183 starb in Aegypten der Rechts- 
gelehrte Bahlül ibn Raschid, vgl. Abü-1-mahäsiu, Annal. I. p. l T 
und später , Jahr 233 , der Imäm Bahlül ibn Sälih , 1. c. I. 
p. W\ u. s. w. — 2. jU>^, wohl' der Eigename Ol^, 0^-«>*, Ol-«»* 



a66 



Numismatische Literatur. 



oder jLi>-. — o.ySs»-. = JJ^>- wie wir bereits dargethan haben. — 

4. ff-^j , bekannter Mannsname. — 5. \»^ = s-W; wie zu S. 85 
bemerkt wurde. — 6. .^-o Sard, gewöhnlicher Eigenname, z.B. bei 
Sojüthi, 1. c. p. V \o u. 8. w. — 7. JAjVh , wozu gleichftiUa schon 
das Gehörige erörtert worden. 

Zum Schhisse endlich wollen wir noch anfügen, dass sich zu 
der lange räthselhnften, und jüngst noch von Herrn Tiosenhausen 
unter die nnerklärbaren Worte aufgenommenen, Wortgruppe 
Ar*^ ^ , die E. Meier (Zeitschr. d. D. M. G. XVIII. p. 626) richtig 
durch ir*j rj erklärt (bei Poole, S. 68, Nr. 162), nun auch eine 
weitere inscriptionelle Bestätigung gefunden: es liegt uns nämlich 
die Inschrift eines Grabsteines des V. Jahrhunderts d. H. aus 
Assuan vor, welche mit den Worten: Ap^ji r^ Jkt*^ ic <uJl Xo 
schliesst. 

So viel über die Münzlegenden, Kleinigkeiten, das künstliche 
Transcriptionssystem Lane's und Druckfehler haben wir über- 
gangen. Was die allgemeine Anordnung, d. h. das System in der 
Beschreibung betrifft, können wir uns, besonders hinsichtlich der 
Kupferprägen, damit durchaus nicht einverstanden erklären. 
Es ist nicht nur unwissenschaftlich gedacht, sondern auch unkri- 
tisch durchgeführt. Auch sonst leidet der Inhalt des Buches an 
Unübersichtlichkeiten. Man betrachte nur z. ß. S. 163: die Hälfte 
derselben findet der Nachschlagende durch übereinander und 
durcheinander stehende Namen, Titeln, Zahlen und Ziffern angefüllt, 
bevor es ihm gelingt die Münzbeschreibung selber zu entdecken. 
Zu was die störende arabische Wiederholung allbekannter, 
immer wiederkehrender, Städtenamen und Titeln in den Ueber- 
schriften ? Es scheint fast , als hätte hier die bei den billigen 
Londoner Papierpreisen sich empfehlende Raumverschwendung 
nur für den erwünschten Embonpoint des Buches Dienste zu leisten 
gehabt — wenigstens wäre es sonst unerklärlich, warum Herr 
Poole , zufolge der bekannten nationalen Hartnäckigkeit in der 
Handhabung englischer Gewichtsmessungeu, seine zum Schlüsse 
angehängten Umrechnungstabellen in die fernen Hölien von 5 000 
Grains (!!) erstreckt hat. 



Numismatische Literatur. 



367 



Genug. Wir hoffen, unsere Andeutungen werden hinreichend 
die iui Eingange erhobenen Vorwürfe gerechtfertigt haben. Sie 
sind ebenso ernst gemeint , als die an derselben Stelle ausge- 
sprochene Warnung aus ehrlicher Ueberzeugung kam. Wird Herr 
Poole die Befolgung derselben über sieh gewinnen lassen, dann 
hoffen wir das Beste für seine künftigen Leistungen — jetzt aber 
thut ihm noch vor Allem die Beherzigung jenes arabischen Verses 
noth, der da lautet: 

oL-ju L_^s^^< ^ jixj'L ^ i : — i i\ X — seil JLl"^ i\ 

„Fürwahr sechs Dinge sind's, ohne welche Du das Wissen 
nicht erlangen wirst ; ich zeige sie Dir insgesammt hier mit deut- 
lichen Worten an : 

„Scharfsinn, Eifer und geduldiges Ausharren mit genügendem 
Lebensunterhalt; des Lehrers Anleitung und — Zeit!" ^) 

Prof. Karabacek. 



9. Revue beige de namismatique. Publice sous les auspiees de la 

societö Royale de numismatique par MM. Chalou et L. de Coster. 

31»« annöe 1875 (S. 540) et 32»« annee 1876 (S. 566). 8 Bruxelles. 

L. Maxe — Werly: Recherches historiques sur les monna- 
yeurs et les ateliers monetaires du Barrois (p. 5 — 54). Diese Fort- 
setzung eines schon im vorigen Jahrgange begonnenen Aufsatzes 
bespricht die Münzstätten Bar, Saint - Mihiel, Mousson, La Marche, 
Etain, Clermont und Varennes und enthält viele, bisher noch unbe- 
kannte Beiträge zur Münzgeschichte von Bar. 

M. Kluyskens: Numismatique Jennerienne (p. 55 — 65) gibt 
die Beschreibung der zu Ehren Eduard Jenner's (gestorben 1823) 



-) In einer deutschen Zeitschrift für Numismatik wurde dieser Band 
lobend besprochen ! Freilich, wie es scheint, von einem Nichtfachmaiin. 



368 



Numismatisclie Literatur. 



und auf die Einführung der Kuhpocken-Impfung geprägten Medaillen 
und Jetons 

M. G. Vallier: Numisinatique f6odale du Midi de hi France 
(p. 66 — 84). Der um die Münzgeschichte der Dauphine hochver- 
diente Autor liefert mehrere Nachträge aus den südlichen Provinzen 
Frankreichs, welche in dem grossen Werke Pory d'Avant's über die 
Feudalniünzen Frankreichs fehlen. Dieselben betreffen Oranien, 
Avignon und Arles. 

M. C. van Peteghem: Refiexions sur le denieräla legende: 
Greve (p, 85—89). Enthält die Besprechung eines im vorigen Jahr- 
gange beschriebenen und abgebildeten Denars, den der Autor der 
Stadt Gravenhage zutheilt. 

R. Chalon: Singularit6s et raretös numismatique d'origine 
recente (p. 90 — 95). Einige Medaillen und Münzen des spanischen 
Prätendenten Carl VII. und des französischen Prätendenten Hein- 
rich V., das zweite Centavo-Stück des berüchtigten Ex-Königs von 
Araucanien, Orllie - Anton, sowie eine griechische Probemünze 
Georg I. erscheinen hier beschrieben und abgebildet. 

A. de Seh o dt: Le chapitre de Saint -Larabert ä Li6ge et 
ses mereaux ou jetons de presence (p. 96—162 und 215 — 272). Die 
Fortsetzung eines schon im vorigen Jahrgange begonnenen, auf 
tiefgelienden historischen Forschungen beruhenden Artikels über 
die Marken und Jetons des Capitels der Cathedrale St. Lambert in 
Lüttich. 

M. W. T i e s e n h a u s e n : Melanges de numismatique Orientale 
(p. 189—214 und 329—379). Eine Beschreibung und Besprechung 
mehrerer seltenen und grösstentheils unedirten Orientalen. Der um 
die orientalische Münzkunde hochverdiente Autor liefert Beiträge 
zu den bisher bekannten Münzserien der Taheriden, Sofforiden, 
Samaniden, der Chane von Turkestan, Charezmier, Buveihiden, 
Kakweihiden, Cheddadiden, Sadjiden, Hamdaniden, Okailiden, 
Seldschuken, Atabegen, Saldukiden, Edrisiden, luluniden, drei 
Kochiditen, Fatimiden, Ajubiden, Hulaguiden, Nasriden, Kara- 
Koyunli, Ak-Koyunli und Sefiden. 

R. Chalon: Curiositös numismatiques (p. 275 — 277). Die 
Beschreibung von sieben bisher unedirten Münzen (Anholt, Antio- 



Numismatische Literatur. 



369 



chien, Kiiisermünze Vespasian's, Hasselt. Marsal , Portugal und 
Bearn) bildet die 21. Fortsetzung einer schon seit vielen Jahren 
begonnenen Artikelreihe. 

A. Le Catte: La medaillo de S. Benoit (p. 278—282). Die 
Abhandlung beschäftigt sich mit den zu Ehren des heil. Benedict 
geschlagenen Medaillen, welche in einigen Benedictinerklöstern bei 
feierlichen Gelegenheiten zur Vertheilung kamen. 

G. Vallier: Medaille d' Abraham Patras (p. 283— 303). Die 
auf den genannten General-Gouverneur von Java geprägte Medaille 
ist hier mit Beigabe biografischer Daten näher beschrieben. 

E. van den Broeck: Nnmismatique bruxelloise (p. 380 bis 
385). Unter diesem Titel werden zwei zur Feier der Inauguration 
der Börse in Brüssel (1869) geprägte Medaillen beschrieben. 

J. Dirks: Medailles historiques en bois, servant de dis- 
ques au jeu de Toccodille ou de Trictrac (p. 386 — 399j. Dieser 
Artikel hat für den Kunst- und Culturhistoriker mehr Interesse, als 
für den Nnmismaten. 

B. de Köhne: Les monnaies genoises de Kaflfa (p. 400 bis 
407). üeber die Geschichte und Numismatik dieser seit dem 
XIII. Jahrhunderte der Stadt Genua gehörigen Colonie hat Köhne 
schon im Jahre 1857 eine werthvoUe Arbeit geliefert, die hier durch 
neue Beiträge bereichert wird. 

M. C. de Nahuys: Vingt-deux dames en bois du jeu de 
trictrac (p. 425 — 436). Schliesst sich an den oberwähnten Artikel 
Dirks' an. 

A. Brichaut: Nnmismatique Siamoise (p. 437— 440). Einer 
kurzen Abhandlung über das dermalige Siamesische Münzsystem 
folgt die Beschreibung einiger Münzen und Medaillen der neuesten 
Zeit. 

H. V. J. Nnmismatique byzantine (p. 441 — 450). Die Abhand- 
lung befasst sich mit der zweifelhaften Medaille der Kaiserin 
Theophanon. 

J. Bar. de ehest r et: La seigneurie de Grand-Brogel (p. 451 
bis 461). Eine interessante Monografie über die Münzen Johann's 
de Bunde, Herrn von Bocholt, welche manche Aufklärungen über 
eine noch dunkle Partie der niederländischen Münzkunde liefert. 



370 



Numismatische Literatur. 



L. Maxe- Werl y: Melanies de nuraisraatique (p. 469 — 497), 
Werthvolle Beiträge zur Münzgeschichte von Bar, Toni und Cha- 
telet- Vau villers! 

Aus der Abtheilung Correspondance und Melanges, welche in 
keiner numismatischen Zeitschrift Europa's so reichhaltig aus- 
gestattet ist, wollen wir nur hervorheben, dass über nachfolgende 
Numismaten : M. Bazot, Notar in Amiens (gestorben 1875), A. V. J. 
Pasquier, oberster Feldapotheker der belg. Armee (gest. 1875) und 
Anton Durand, Verfasser von „Medailles et jetons des numismates" 
gest. 1874) kurze Nekrologe gebracht werden. Von neueren litera- 
rischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Numismatik sind ange- 
zeigt oder besprochen: 

W. J. deVoogt: Geschiedenis van het Muntwezen der 
Vereenigde Nederlanden etc. Deel I. Provincie Gelderland. 4 Amster- 
dam 1874. 

Dr. G. A. Nutsebos: De zumebeeldige Vorstelling van het 
eeurowige op romeinsche Keizersniünten. 8 Utrecht 1874. 

A. Münch: Die Münze von Laufenburg. 8 Aarau 1874. 

P. C oi re : Di una moneta di Pisa ed altra di Bologna. 8 No- 
vara 1873 und Di una moneta inedita della cittä di Novara. 

F. Sarazin: Traite des nionnaies d'or aujapon. 8 Paris 1874. 

L. Tat ton i: Della vita e delle opeie del Com. Dom. Promis. 
8 Torino 1874. 

L. Deschamps: Essai sur l'histoire monetaire des comtes 
de Flandre de le maison d'Autriche. 8 Paris 1874. 

A. Perrin: Le monnayage en Savoie sous les princes de 
cette maison. 8 Chambery 1872. 

G. L. Schlumberger: Des Bractöates en Allemague. 
8 Paris 1873. 

M. Th. Ducrocq: Memoire sur le tresor de Vcrnon. 8 Poi- 
tiers 1874. 

E. V. Mayer: Des fürstliehen Hochstiftes Olmütz Münzen 
und Medaillen. 8 Wien 1873. 

M. Bretagne: Dicouverte de monnaies lorraincs ä Sion- 
viller. 8 Nancy 1874. 



Numisraatiscne Literatur. 



371 



M. Langier: Notice sur quelques monnaies et ni6(lailles 
acquise par le Musee de Marseille de 1870 — 1874. 8 Marseille 1874. 

M. de Tiesenhausen: Monnaies du Califat de l'Orient. 
4, 5 Petersbourg 1873. 

y. Ljubica: Opis Jugoslavcnskih nov;ica. 4 Agram 1875. 



Der Jahrgang 1876 enthält folgende Aufsätze: 

C. Maurin Nahuys: Medailles et jetons inedits relatifs ä 
l'histoire des 17 anciennes provinces des Pays-Bas (5 — 48, 145 bis 
185). Die Fortsetzung eines schon in den früheren Jahrgängen be- 
gonnenen Aufsatzes über unedirte niederländische Jetons und 
Medaillen. 

L. Deschamps de Pas: Essai sur l'histoire monetaire des 
comtes de Flandre de la maison d'Autriche (49 — 115). Diese werth- 
volle, auf eingehenden Forschungen beruhende Arbeit ist inzwischen 
in einer Separatausgabe erschienen. Der vorliegende Artikel um- 
fasst die Kegierungsperiode Carl V. 

C. van Peteghem: Pions historiques ou disques en bois 
frappös comine des medailles (123—126). Angeregt durch die von 
Dirks und Nahuys in der Revue veröffentlichten Arbeiten beschreibt 
Peteghem einige aus dem XVII. und XVIII. Jahrhunderte herrüh- 
rende für das Bretspiel bestimmte Steine, welche in Form von 
Medaillen geschnitten sind. 

L. Alvin: Le quatrieme centenaire de Michel- Ange (186 bis 
190). Enthält eine kurze Beschreibung der beim oberwähnten 
Jubiläum ausgegebenen Medaille und Denksclmften. 

M. Laugier: Monnaies rares du Cabinet de Marseille (191 bis 
208). Der gelehrte Director des Münzcabinetes in Marseille, der 
alljährlich die ueu acquirirten Seltenheiten dieser reichen Sammlung 
veröffentlicht, beschreibt auch hier wieder einige interessante 
Stücke aus der Reihe der südfranaösischea Feudalmünzen. 

A. Van den Peereboom: Essai de numismatique Yproise 
(209—265, 329—378, 449—486). Eine vollständige Monogratie der 
Münzgeschichte von Ypern , welche erst im nächsten Jahrgange 
ihren Abschluss finden dürfte. 



372 



Numismatische Literatur. 



M. Ch. Robert: Un florin d'or de Robert, duc de Bar (266 

bis 274). Die Beschreibung eines interessanten Goldgnldens, der 
den Forschungen Saulcy's, Verly's und Dumont's entgangen war. 

B. de Köhne: Medailles russes (275—286). Unter diesem 
Titel gibt Köhne die Beschreibung und Erklärung einiger seltenen 
Medaillen Peter d, Gr., Anna's und Katharina II. — In dem folgen- 
den Aufsätze (287 — 291) liefert derselbe hochgeschätzte Verfasser 
unter dem Titel: „üne mödaille mensongere" einige berichtigende 
Bemerkungen über eine Medaille, welche 1874 dem Andenken 
einiger, angeblich wegen ihrer Glaubenstreue getödteten, rutheni- 
schen Bauern gewidmet wurde. 

M. J. Rouge r: Notes sur des jetons du moyen age relatifs 
aux Pays-Bas (379 — 402). Vierzehn, grösstentheils unedirte Jetons 
der älteren Periode werden hier beschrieben und erklärt. 

M. Charvet: Pieces les plus remarquables du tresor trouve 
en 1854 ä Dun-le-Roy (403—480). Die Seltenheiten dieses schon in 
der französischen Revue beschriebenen Fundes, welcher Münzen 
aus der zweiten Hälfte des XIII. und der ersten Hälfte des XIV. 
Jahrhunderts enthält, erscheinen hier abgebildet und erklärt, 

B. de Köhne: Deux medailles de Tilly (481—492). Eine 
Beschreibung der schon von Köhler veröffentlichten Porträt- 
medaillen Tilly's. 

B. de Köhne: Lithuanie (493—496). Besprechung des im 
vorigen Jahre zu Warschau erschienenen Werkes von Josef Tysz- 
kewicz über die Münzen von Lithauen. 

D. DugnioUe: Le jeton au type de l'ours (497—505). Der 
Verfasser weist nach, dass die aus dem XV. Jahrhunderte stam- 
menden Jetons mit dem Bären-Typus, welche in letzter Zeit Gegen- 
standvielfacher Combinationen waren, der Stadt Brügge angehören. 

R. Chalon: Cnriosites numismatiques. Unter diesem Titel 
veröffentlicht der gelehrte Herausgeber der Revue den 22., der 
Beschreibung unedirter Münzen gewidmeten Artikel. 

Nekrologe finden sich in diesem Bande auf die beiden hollän- 
dischen Numismaten W. H. Cost Jordens (gest. 23. November 1875) 
und W. Jacob de Voogt (gest. 16. December 1875) und auf Paul 
Henckel (25. October 1875). 



Numismatische Literatur. 



373 



Von numismatischen Werken sind angezeigt: 

C. Even: Abecedaire de numismatique roraaine. 8 S. 
Brienc 1874. 

F. Rabat: Mereaux de la sainte chapelle de Chambery et de 
l'öglise de Belley. (Extrait.) 

V. Promis: Su una medaglia inedita di Carlo Emmanuele I. 
(Extrait.) 

Melanges de numismatique V. et VI. fascicule. 8 Le Maus 1875. 

C. Kunz: Delle monete ossidionali di Brescia. (Extrait.) 

C. Robert: M61angesd'arch6ologie etd'histoire. 8 Paris 1875. 

H. W. Henfrey: The Bristol mint. (Extrait.) 

H, Cohen: Guide de l'acheteur de medailles romaines et 
byzantines. 8 Paris 1876, 

V. Promis: Notice sur les jetons de Margu^rite deBourgogne. 
8 Turin 1875. 

H. Lepage: Notes et documents sur les graveurs des mon- 
naies et mödailles et la fabrication des monnaies des ducs de 
Lorraine. 8 Nancy 1875, 

E. Lehr: Essai sur la numismatique suisse. 8 Lausanne 1875, 

F. de Saulcy: Histoire numismatique du regne de Fran- 
cois L, roi de France. 4 Paris 1876. 

H. Dannenberg: Die deutschen Münzen der sächsischen 
und fränkischen Kaiserzeit. 4 Berlin 1876. 

Ausserdem sind Inhaltsanzeigen aller numismatischer Zeit- 
schriften Europas beigefügt, Dr. A. P. 



10. W. Rentzmann. Numismatisches Wappen-Lexicon des Mittel- 
alters und der Neuzeit. Berlin 1876 (12 Bogen Text und 35 Folio- 
tafeln mit Abbildungen), 

Der verdienstvolle Verfasser des „Numismatischen Legenden- 
Lexicons", W. Rentzmann, veröffentlicht als Resultat jahrelangen 
Bienenfleisses ein Seitenstück oder gewissermassen eineErgäuzung 
obiger Arbeit: ein „Numismatisches Wappen-Lexicon", d. i. eine 

25 



374 



Numismatische Literatur. 



systematische Zusauimensteliung der auf Münzen des Mittelalters 
und der Neuzeit vorkommenden Wappen. Das Werk enthält auf 35 
nach Art der Atlanten gebundenen Tafeln je 240, im Ganzen 
daher 8400 Wappen-Abbildungen nebst einer kurzen Vorrede und 
einem umfassenden Index. — Der Werth einer solchen Arbeit hängt 
zunächst von ihrer Vollständigkeit und von ihrer systematischen 
Anordnung ab. In ersterer Beziehung dürfte das Werk auch den 
strengsten Anforderungen entsprechen. Der Verfasser geht sogar 
weit über die im Titel gesteckten Ziele hinaus, indem er nicht nur 
die auf Münzen, sondern auch die auf Medaillen und Jetons erschei- 
nenden Wappen nicht münzberechtigter Länder und Städte in 
seinen Rahmen aufnimmt. Auch hat er den Begriff des Wappens im 
weitesten Sinne des Wortes aufgefasst, und alle Figuren, welche 
vor dem Erscheinen der Wappen auf mittelalterlichen Münzen vor- 
kommen, wie Kreuze, Thürme, Bischofstäbe u. s. w., sowie die auf 
aussereuropäischen Münzen befindlichen stereotypen Figuren, die 
nach der Art ihrer Darstellung als Wappenbilder aufgefasst werden, 
können, in den Kreis seiner Darstellung einbezogen. Durch diese 
Ausdehnung gewinnt das Werk für den Numismatiker eine um so 
grössere Brauchbarkeit, weil die Bestimmung vieler mittelalter- 
licher und orientalischer Münzen dadurch wesentlich erleichtert 
wird. Dass es der Varfasser unterlassen hat, auch die sogenannten 
Nebenstücke der Wappen: Helmdecken, Kronen, Schildhalter 
u. s. w. und die Tinkturen aufzunehmen, wird der Numismatiker 
weniger, mehr aber der Heraldiker bedauern. 

Die systematische Anordnung des Stoflfes dürfte vielleicht 
mehrfachen Einwendungen zunächst von heraldischer Seite aus- 
gesetzt sein, allein bei Beurtheilung des Systems muss wohl zu- 
nächst die Bestimmung des Werkes ins Auge gefasst werden. Ein 
rein heraldisches System zur Anwendung zu bringen, erscheint 
bedenklich, weil die wenigsten Numismatiker zugleich wissenschaft- 
liche Heraldiker sind. Das in Wappenbüchern beliebte System nach 
Dignitäten oder nach geographischen und politischen Gränzen 
würde vielleicht dem streng wissenschaftlichen Zwecke besser ent- 
sprochen haben, hätte aber einerseits die Auffindung erschwert 
und andererseits eine Darstellung der historischen Entwicklung zu- 
sammengesetzter Wappen erfordert. Da nun das vorliegende Werk 
zunächst als Nachschlagebuch für Numismatiker dienen soll, so 



Numismatische Literatur. 



375 



schien es dem Verfasser am zweckmässig'sten, die Wappen nach 
den darin vorkommenden Figuren alphabetisch zu ordnen. Er 
beginnt daher mit dem Adler als der ersten, und endigt mit dem 
Zainhacken als der letzten Wappenfigur des Alphabetes. "Dass auch 
eine derartige Anordnung dem Verfasser und Benutzer des Werkes 
viele Schwierigkeiten verursacht, lässt sich nicht in Abrede stellen. 

Die Beneanung vieler Figuren kann sehr verschieden lauten, 
da die Heraldik, namentlich für die künstlichen Figuren, deren Zahl 
unbeschränkt ist, keine fixe Terminologie hat und auch nicht haben 
kann (z. B. Knoten, Schlinge, Schleife etc.), noch mehr aber ist bei 
diesem System die Anordnung und Auffindung begleiteter und be- 
setzter Vorstellungen, sowie mehrfeldiger Wappen erschwert. 

Um diese Schwierigkeiten zu beheben , musste der Verfasser 
in der Vorrede jene Grundsätze angeben , nach denen er bei der 
Anordnuung der Wappen überhaupt vorging, und zugleich ein 
alphabetisches Verzeichniss jener Hauptvorstellungen beifügen, 
nach denen die Wappen an einander gereiht wurden. Diese acht 
Seiten umfassende Vorrede bildet auch den gesammten , erläutern- 
Text, dem sich auf 113 Seiten ein Doppelindex anschliesst. Abthei- 
lung I enthält den Tafelausweis, d. i. die Angabe des Landes, dem 
das abgebildete Wappen angehört; Abtheilung H enthält ein alpha- 
betisches Verzeichniss sämmtlicher Personen, Länder und Städte, 
deren Wappen im Lexikon enthalten sind, mit Angabe der Tafel 
und Nummer, unter welcher sie zu finden sind. Da bei vielfeldigen 
Wappen die einzelnen Felder oft getrennt, und zwar nach der alpha- 
betischen Keihenfolge der Vorstellung abgebildet erscheinen, so 
erhält das Werk durch diesen Index erst seine volle Brauchbarkeit. 

Wer je ähnliche Zusammenstellungen, wenn auch auf anderem 
Oebiete unternommen hat, wird den Aufwand an Mühe und Zeit, den 
eine solche Arbeit fordert, zu würdigen, und wer sich mit der 
Numismatik wissenschaftlich beschäftigt, wird auch den Nutzen 
eines derartigen Werkes, das eine klaffende Lücke in der numis- 
matischen Literatur ausfüllt, gebührend zu schätzen wissen. Allein 
nicht nur die Numismatiker haben Ursache , dem Herrn Verfasser 
für seine Arbeit dankbar zu sein, auch die Historiker und Heral- 
diker werden dieses sorgsam und schön ausgestattete Werk mit 
Freude begrüssen. A. P. 

~~ ~ 25* 



^7R 

*"" Numismatische Literatur. 



11. Georges d'Alexeiefif. Dissertation sur une monnaie inödite d'un' 

roi inconnu du Bosphore Cimraörien Ineeus suivie d'une description 

de plusieurs autres medailles antiques inconues. Paris , Ernest 

Leroun, 1876. 

Einft bei Theodosia an der Südküste der Krimm gefundene 
Bronzemünze {^ 41/3) mit Königsbildniss und Astarte, genau wie 
auf den Münzen des Ininthimeus, aber mit der Aufschrift B A C I 
A € G) C I N H E O V , jetzt in der Sammlung des Verfassers, wird 
von diesem einem neuen bosporanischen Könige Ineeus (c. 339 — 254) 
zugewiesen und dieser vermuthungsweise zwischen Ininthimeus, 
etwa seinem Vater, und Phareanses, etwa seinem Sohne eingereiht, 
mit deren Zeit die vorliegende Münze nach den Merkmalen der 
Stilart am meisten übereinstimmt. 

Eine kleine Kupfermünze (-^ 3) mit einem Khescuporis V. 
ähnlichem Königskopf, zerstörtem Namen (nur H. . .K lesbar; und 
vogelköpfiger Astarte, rohen Gepräges und später Zeit theilt Ver- 
fasser dem König Rheskuporis VI zu. Es folgen weiter Inedita 
von Panticapaeum {M 21/3, 3-020 Grm. Löwenkopf von vorne, 
B* TT A N T I Widderkopf von links, darunter sechsstrahliger Stern, 
treffliche Arbeit strengen Styls) und Theodosia, überprägt auf 
eine ältere verschliffene Münze (die Marke ist rund und zeigt die 
Buchstaben E innerhalb eines Lorbeerkranzes) , die Zutheilung 
ist übrigens nur als Vermuthung ausgesprochen, welche durch die 
Buchstaben selbst und durch den Fundort bei Theodosia unter- 
stützt wird. Eine Silbermünze von Chersonesus Taurica (^ 4,. 
3-080 Grm.) mit zwei Contremarquen, Blitz auf der Vorder-, Delphin 
auf der Rückseite, ein noch unbekannter Stater von König Säur 0- 
mates 111. vom Jahre 176 mit M. Aureis Bildniss, 8-010 Grm., ein 
ovaler Stater von Cyzicus aus Electrum, 16-020 Grm. im Gewicht, 
gefunden im Gouvernement Ekaterinoslaw, nicht weit vom Dnieper, 
auf der einen Seite die Demeter mit zwei Fackeln auf dem 
Rücken des Thunfisches gehend, auf der 9* die Zapfenlöcher, und 
ein Solidus von Mauricius Tiberius (^ Victoria Augg 0S^ 
OB f *, auch im kaiserlichen Cabinet in Wien) bilden den weite- 
ren Gegenstand der Publication. K. 



Numismatische Literatur. 



377 



12. Ljiibic. Simeon, der Fund römischer Goldmünzen aus dem ersten 

Jahrhundert der Kaiserzeit etc. Agram 1876 (aus dem „Rad" der 

Südslavischen Akademie. Bd. XXXV, S. 29 und Tafel I). 

Ueber den wichtigen am 16. Deceraber 1875 in Semlin ge- 
machten Fund enthält die genannte sehr dankenswerthe Schrift 
ausführliche Mittheilungen und eine ins Einzelne gehende Beschrei- 
bung der Fundstücke nebst Gewichtsangaben und Beifügung der 
-Cohen'schen Schätzungen. Die 230 Goldmünzen beginnen mit der 
letzten Zeit Nero's und schliessen mit dem ersten Regierungsjahre 
4es Kaisers Trajan ab, sie vertheilen sich so : Nero 6, Vespasian 8, 
Titus 10, Julia Titi 5, Dorcitian 190, Domitia 10, Nerva 3, Trajan 6. 
Sie repräsentieren 87 verschiedene Typen , darunter mehrere noch 
völlig unbekannte. K. 



13. Adolph Weyl: Die Paul Henckel'sche Sammlung Brandenburg- 

Preussischer Münzen und Medaillen. Mit vier Tafein. 8. Berlin 1876 

(in drei Abtheilungen zu 287, 140 und 104 S.). 

Kataloge grosser Münzsammlungen und insbesonders reicher 
Specialsammlungen, wenn selbe ausführliche, mit kritischem Geiste 
zusammengestellte Beschreibungen enthalten, sind nicht nur für den 
Sammler, sondern auch für den Forscher eine willkommene Erschei- 
nung. Zu den besseren Arbeiten dieser Art gehört der ven Adolph 
Weyl verfasste Katalog der Münzsammlung des am 25. October 1875 
verstorbenen Numismaten Paul Henckel, der seinen Sammeleifer 
insbesondere auf ein verhältnissmässig enges Gebiet — auf das der 
Brandenburg-Preussischen Münzen — beschränkte, und daher auch 
eine höchst reichhaltige , mit grossen Seltenheiten gezierte Samm- 
lung von über 5400 Typen und Varianten zusammenbrachte. 

Der Katalog zerfällt in drei Abtheilungen , von denen die 
erste und grösste Abtheilung in 3097 Nummern die Münzen und 
Medaillen des Stammlandes Brandenburg und des nachherigen 
Königreiches Preussen behandelt. Der zweite Theil umfasst die 
Provinzen Preussen, Posen und Schlesien, der dritte Theil endlich 



378 



Numismatische l^iteratur. 



die Provinzen Sachsen, Hessen, Nassau, die Rheinlande, Westphalen, 
Hannover, Schleswig-Holstein, sowie die ehemals unter preussischer 
Herrschaft gestandenen Fürsten thümer Anspach- Bayreuth und 
Neuenbürg. Von allen diesen Provinzen und den darin befindlichen 
Städten und Ländern sind jedoch nur jene Münzen und Medaillen 
angeführt, welche von oder unter Brandenburg-Preussischer Herr- 
schaft daselbst geprägt wurden. Die Münzen und Medaillen sind 
chronologisch nach Jahrgängen und nach Münzstätten geordnet, 
und meist sehr genau und correct beschrieben, bloss bei den älteren 
Brandenburger Bracteaten und Pfenningen ist die Beschreibung 
meist nur durch eine Berufung auf Weidhas ersetzt, und eben dieser 
Theil wäre einer kritischen Sichtung am meisten bedürftig gewesen. 
Durch genaue Angaben der Grösse, des Gewichtes , sowie durch 
die Erklärung der Münzmeisterzeichen gewinnt die Beschreibung 
an wissenschaftlichem Werthe. Leider fehlt dem Werke zur vollen 
Brauchbarkeit ein Inhaltsverzeichniss ! 

Der Katalog, welcher mit seltener Schönheit und Eleganz aus- 
gestattet und mit vier gelungenen Tafeln geziert wurde, ist in 
jeder Beziehung geeignet, dieser seltenen Sammlung und ihrem 
patriotischen Begründer einerseits und dem Verfasser des Katalog es 
anderseits ein bleibendes Andenken in den Annalen der Numis- 
matik zu sichern. A. P. 



14. Blätter für Münzfreunde. Herausgegeben von H. Grote. 
XIL Jahrgang. 4 Leipzig 1876. (Nr. 49—56, p. 374—444.) 

Aus dem reichen, meist miscellenartigen, aber höchst inter- 
essanten Inhalte dieses Jahrganges sind von selbstständigeu 
Arbeiten hervorzuheben: Dannenberg, ZurWürzburg'schen Münz- 
kunde (p. 384). H. Grote: DasQuadratum supercusura (p. 388 etc.). 
Die Abtei Prüm als Münzstätte (p. 393). Ein Goldatal der Stadt 
Strassburg (p. 429) v. G. : Niedersächsische Bracteaten (p. 421). Dr. 
Salborn: Münzen und Medaillen der Stadt Sorau (p. 421 etc.). 
J. Lange: Mtinzfund bei Brandenburg a. H. (p. 426). B. Stübel: 
Ueber den Zwickauer Bracteatenfund (p. 437). Der Hauptwerth liegt 



Numismatische Literatur. 



379 



aber, wie bereits erwähnt wurde, in den zahlreichen, meist vom 
Herausgeber herrührenden Miscellen und in den Kecensionen der 
neuesten numismatischen Literatur. Von folgenden literarischen 
Erscheinungen sind in diesem Jahrgange Anzeigen oder Besprechun- 
gen enthalten : 

H. Jungk: Die Bremischen Münzen. 8. Bremen 1875. (408 S., 
39 Tafeln). 

Dr. Bluhm: üeber Baltische Münzen. (Sitzungsberichte der 
curländischen Gesellschaft f. L. u. K. Mittau 1875.) 

E. Hildebrand: Sveriges ort Svenska Konnungahusets Min- 
nespennigar, Praksmynt och Belöningsmedaljer. 8. Stockholm 1875. 

0. Freiherr v. Eyb: Die Münzen und Medaillen der Stadt 
München. 8. München 1875. 

Mülverstädt: Ueber das Münzwesen der edlen Herren von 
Ileburg. 8. Magdeburg 1875. 

S. Crosby: The early coins of America. Boston 1875. 

A. Forgeais: Numismatique des corporations parisiennes, 
m^tiers etc. 8. Paris 1874. 

F. de Saulcy: Monographie des monnaies de Frangois ler roi 
de France. 4. Paris 1876. 

H. Dannenberg: Die deutschen Münzen der sächsischen und 
fränkischen Kaiserzeit. 4 Berlin 1876. 

H. Dannenberg: Die Münzfunde von Schwarzov und Gross- 
Rischov. 8. Berlin 1875. 

• Grosshauser: Münzenfund bei Ruderatshofen (Zeitschr. d. bist. 
Vereines f. Schwaben. II. Jahrgang. Augsburg 1875). 

M.H.Cohen: Guide de l'amateur des medailles romaines et 
byzantines. 8. Paris 1876, 

F. Codera y Zaidin : Errores de varios numismativos estran- 
jeros al tratar de las monedas arabigo — espanolas. 8. Madrid. 

W. J. deVoogt: Geschiedenes van het Muntwezen der Pro- 
vincie gelderland. 2. Amsterdam 1874. 

Dorn: CoUection de monnaies Sassanides de Bartholomai. 
4. S. Petersburg 1875. 



380 



Numismatische Literatur. 



W. Rentzmann: Numismatisches Wappen-Lexicon. 8. Berlin. 
1876 mit Atlas. 

Ephemörides des Loges MaQonniques de Lyons. (Mit 150 Ab- 
bildungen), 8. Lyon 1875. 

Ar. Fabretti: Raccolta numismatica del r. museo di antichitä 
di Torino LBand. 8. Torino 1876. 

J. Polkowski: Decouverte ä Glebokie des monnaies polonai- 
ses. 8. Gnesen 1876. 

C. F. Gädechen: Hamburg'sche Münzen und Medaillen. (Dritte 
Abtheilung). 4 Hamburg 1876. 

R, W. Cochran-Patrik : The Records of the Coina,,^e of Scot- 
land. 4. Edinburg 1876. 

J. F. Dugniolle : Le jeton historique des XVII provinces des 
Pays-Bas (im Erscheinen begriffen). 

Catalogue de la collection de monnaies de feu Chr. J. Thomsen. 
Tome III. 8. Copenhague 1876. 

Pichler : Repertorium der Steirischen Münzkunde. S.Graz 1875. 

A. Engel : Documenta pour servir ä la Numismatique de l'AI- 
aace. 8. Malhouse 1876. 

L. Kunze : Weihmünzen - Sammlung in der Bibliothek des 
Benedictiner-Erzstiftes Martinsberg in Ungarn. Erstes Heft. 

L. Blancard : Le miliares, etude sur une monnaie du XlII si6cle. 
8. Marseille 1876. 

Th. Ducrocq : Observations sur le monnayage anglo-fran^ais 
de l'Aquitaine (Bulletin de la societö des antiquaires de l'Ouest. 1876.) 

Fr. St. R6my: Memoire sur la numismatique gauloise et du 
moyen-äge en Rovergne. 8. Villefranche 1876. 

J. Evans : The coinage of the anciens Britons. 8 London 1875. 

E. Thomas: Records of the Gupta Dynasty. 4. London 1876. 

S. Ljubiö: Der Fund römischer Goldmünzen zu Semlin. 
8. Agram 1876. 

J. Tyszkiewicz: Skorowidy Monet litewskich. 8. Warszava 
1875. 



Numismatisclio Literatur. 



381 



J. und A. Erbstein: Zur mittelalterlichen Münzgeschichte der 
Grafen von Mansteld etc. 8. Dresden 1876. 

L. Maxe-Werly : Etudes sur los monnaies antiques recueillies 
au chatel de Bovrolles. 8. Chalons s. M. 1876. 

Batty D. T. : Descriptive Catalogue of the Copper Coinage of 
Great Britain, Jreland, British Isles andColonies. S.Manchester 1876. 

0. Blau: Die orientalischen Münzen des Museums der kaiser- 
lichen histor.-archäolog. Gesellschaft in Odessa. 4°. Odessa 1876. 

A. P. 



15. Die Orient alischeu Münzen des Museums der kaiserlichen 
historisch-archäologischen Gesellschaft zu Odessa von Dr. Otto 

Blau.. (Odessa, 1876, 4°, V. 94 pp. mit einer Münztafel.) 

Unter den vielfachen Schätzen des Museums der kaiserlichen 
historisch-archäologischen Gesellschaft zn Odessa befindet sich auch 
eine werthvoUe Eeihe orientalischer Münzen, die. mehr durch Zufall 
als systematisches Streben, im Verlaufe von mehreren Decennien sich 
dort angesammelt haben. Vorzüglich dankt das Museum dem Eifer 
russischer Patrioten den ansehnlichsten Zuwachs dieser Sammlung, 
deren Publication in der vorliegenden Schrift nicht zu den gering- 
sten Verdiensten des kaiserlich-deutschen General-Consuls in Odessa, 
Herrn Dr. Blau, gehört. Und in der That, diese nur zufällig zu 
Stande gekommene Collection zählt nicht weniger als 3762 Num- 
mern, worunter 10 goldene und 1947 silberne Stücke sich befinden, 
und enthält Münzen aus 45 Classen. 

Den Inhalt solch einer Sammlung aber durch eine wenigstens 
katalogisirende Beschreibung kennen zu lernen, wird wohl jedem 
Fach-Tsumismatiker als Bedürfniss erscheinen. Herr Dr. Blau hat dem- 
nach mit seiner Arbeit, die zugleich dem im September 1876 in 
St. Petersburg auch zur Entscheidung von numismatischen Fragen 
berufenen internationalen Orientalisten-Congress vorgelegt wurde, 
nicht nur eine zweckmässige Wahl getroffen, sondern damit auch 
seine Aufgabe glücklich gelöst. 



582 



Numismatische Literatur. 



Es würde uns selbstverständlich zu weit führen, wollten wir 
die erwähnenswerthen Nummern einzeln besprechen. So viel sei hier 
nur gesagt, dass die 39. Classe, welche die Münzen der Krim- 
Chane behandelt, einen Glanzpunkt des Katalogs bildet: sie allein 
enthält niclit weniger als 1805 Nummern! Wie wir hören, gedenkt 
Herr Dr. Blau uns demnächst mit einer besonderen ausführlicheren 
Beschreibung dieser Münzen zu erfreuen. 

Der Herr Verfasser wird uns wohl gestatten, so weit eben der 
Raum es zulässt, einige Versehen in der Zutheilung und Lesung von 
Münzen, wie sie uns bei der Durchsicht des Katalogs aufstiessen, 
hier zu berichtigen. Nr. 12. Eine in unserer Zeitschrift VI/VII. Bd., 
p. 7, Nr. 1 vom Herrn Verfasser bereits publicirte Münze, die wir 
gleichfalls besitzen. Wir können daher sagen, dass jene 1. c. zuerst 
gegebene Lesung genau, die im Odessaer Katalog gebotene Ver- 
besserung aber unrichtig sei. Stünde nach „Muhammed" wirklich 
abd ullähi, so müsste nothwendig wa rasülahu darauf folgen. 
Herr Dr. Blau giebt nun dieses Stück dem omaijadischen Statthalter 
von Medina und Syrien, Muhammed ibn Sa'ld , f 69 oder 70 d. H., 
welche Zutheilung wir nicht für richtig halten. Diese Münze ist fast 
um hundert Jahre jünger, abbäsidisch und gehört sicher nur dem 
im Jahre 152 d. H. ernannti-n Statthalter von Aegypten, Muham- 
med ibn Sa'id an (Ibn el-Athir, V. Band, p. llo , VI, p. i. und 1). 
— Nr. 93. Auch dieses historisch überaus merkwürdige Stück hat 
Herr Dr. Blau zuerst in unserer Zeitschrift. 1. c. p. IG f. veröffentlicht, 
aber nicht bestimmt. Jetzt liegt uns die Abbildung desselben vor, 
nach welcher uns ein Urtheil gestattet ist. Indem wir uns eine ein- 
gehende Besprechung dieser Münze für ein nächstes Mal vorbe- 
halten, bemerken wir nur, dass die äussere Kandschrift des Averses 
nicht den Koranvers XXII, 40, wie Herr Blau vermuthet, enthält, 
sondern Sure XV, 129 mit Auslassung der Worte JUp L. Ferner 
lesen wir den vom Herrn Verfasser mit uulli transcribirten uner- 
klärten Prägort einfach ^JJj\> , da die beiden mittleren Radicale 
mit Rücksicht auf den geperlten Ductus nicht als Schiingenbuch- 
staben gedeutet werden dürfen. En-Nil ist aber das bekannte 
Städtchen im Districte von el-Küfa, nahe bei Hilla der Beut Mazjad 
(Ja'kubi, Kitäb el-buldän p. \ * K, Meräsid III. p. tl» u. s. w.). 



Numismatische Literatur. 



383 



der Schauplatz der verschiedensten Sectenkämpfe und Saramelphitz 
alidischer Missionäre, Prätendenten und Machthaber — ein „revo- 
lutionäres Nest" im besten Sinne des Wortes, aus dem die vorlie- 
gende Revolutionsmünze hervorgegangen. — Nr. 182 ist nicht 
samanidisch, sondern ehäriz mis eh. — Nr. 207 ist wieder nicht 
saldukidisch , sondern seldschukisch, die Reste der Legende 

sind zu lesen : ö%>J\ ^ a^=u^ — Bei Nr. 234 ist Nagir 

ed-dtn statt Nagreddin zu setzen. — Nr.24:4a. Der Name des Münz- 
herrn heisst Neteschgin, nicht Neschtegin, und steht wohl richtig 
auf der Münze. — Nr. 282 jK:si ist ^'}h- zu lesen. — Nr. 289 
gehört keinem Aijübiden von Hama, sondern dem Mamlüken el- 
Melik el-Mansür Seif ed-dln Abu Bekr. Das Wort X^ im Avers 
ist zu streichen. Mansür's Vater Näsir ed-dln Muhammed hat Münzen 
mit gleichem Typus geschlagen. — Nr. 290 gehört nicht dem Sultan 
Kiläwün, sondern dessen Sohn Muhammed zu. — Nr. 293. Die räth- 
selhaften Buchstaben äj . sind Reste aus der Jahreszahl L U»u*>^ 

— Nr. 299. Wir bezweifeln den neuen Beinamen UjjI 



denn erstens entspricht die heutige türkische Schreibweise 
nicht der Orthographie des VIII. Jahrhunderts d. H., zweitens wäre 
der Beiname nicht geschichtlich zu erhärten. Wir halten vw** als 
den zur Randschrift gehörigen Rest der Jahrzahl d-^i^jn^. — Nr. 300, 
wo blieb der Titel es-Sälih? — Nr. 312*. Die angeblichen latei- 
nischen Buchstaben INA sind sicher nur Reste der arabischen Um- 
schrift. — Nr. 312c. Gehört dem Sultan Känsuweh el-Ghawri906 — 922 
d. H. an, denn der unortliographische Prägort Aa«j Akka ist aus 
den verschlungenen Zügen des i^jy^\ verlesen. — Die ClasseXXIV 
„Khotaniden" ist zu streichen. Das Kupfergtück halten wir für 
seldschukisch, keinesfalls gehört es dem Mamlüken Beibars, 
wie Herr Dr. Blau in einem an uns gerichteten Briefe sich selbst 
verbessert. — Zu Nr. 356 unser lebhaftes Bedauern, dass dieses 
Stück nicht abgebildet wurde. — Die ganze Classe XXVIII „Tata- 
rische S oldmünzen" ist zu streichen, denn sämmtliche Stücke 
Nr. 376 — 399 sind türkische in Misr unter Sellm II. geschlagene 
Münzen. Die Jahreszahlen lauten nicht 774, sondern 974 d. H., und 



384 



Numismatische Literatur. 



Äkjlst 



was Herr Dr. Blau VVl a1-j *^j^ j^-a^ AHslsi „für die Garni- 
son von Misr, geschlagen im Jahre 774" liest, muss 
heissen: \Si. l^ l^^^\j....aA ^^j^ „Mün ze von Mi sr (Kairo) 
der wohlbe wahrten Stadt, Jahr 974". — Nr. 400. Das vom 
Herrn Verfasser JI*jj1 Erjatak (Ertojak) gelesene und nach ihm 
kumanisch klingende Wort ist ein Bruchstück des arabischen 
Titels ^^ jJl 5 U-xil^y-oU , wie die übrigen Reste beweisen. — 

Nr. 473. Das <^ SsS dürfte wohl als cto Jsll zu nehmen sein, was 
zu S e r a i an Stelle des el-dschedid sehr wohl passen 
würde, denn Ijl» Jo. ^| tj J»~ erklären die arabischen Lexico- 
graphen. — Die Classe XXXI „Aidln Bege" ist zu streichen. 
Die Münze ist os manisch, vom Jahre 855 d. H. — Nr. 694 lautet 

die Inschrift . . . aI-» (*"^)^ ly — Nr. 695 ist c-y^ niclits 

.•mderes als der Prägort Serez in Macedonien. — Nr. 747. Diese 
MUnzgattung haben wir schon in den Wiener Num. Monatsheften, 
III. Bd., pp. 198—218 „Geschichte der Kupferwährung unter Sultan 
Suleimän II. bis zur ihrer Aufhebung nach dessen Tode" ausführ- 
lich besprochen und gezeigt, dass die erste Prägung in Serajewo 
schon im Jahre 1099 d. H. stattgefunden habe, wonach also die 
Notiz des Herrn Verfassers zu berichtigen ist. — So viel zu den 
MünzbeschreiOungen , die allerdings nicht immer zu controliren 
sind, weil die Abbildungen dazu fehlen. Was den Druck betriflft, so 
macht auch dieser dem Herrn Verfasser alle Ehre. Wenn man weiss, 
dass seit 1849 in Odessa keine Zeile arabisch oder türkisch gedruckt 
worden und der vorliegende Katalog überhaupt das erste deutsch 
und orientiilisch gedruckte Werk aus Odessa ist, wird man den 
Text bei den wenigen kleinen Versehen nicht anders als muster- 
haft finden können. Die Münztafel ist vorzüglich gelungen. 

Prof. Karabacek. 



385 



MISGELLEN. 



MUnzfund aradischer Tetradrachmen. Am Nähr Ibrahim im Lande 
der Aradier wurden im Jahre 1874 mehrere hundert Stücke aradi- 
scher Tetradrachmen gefunden. Mir selbst sind mehr als 150 Stücke 
zum Ankaufe angeboten, worunter, wie natürlich, eine Menge von 
Doubletten sich befanden. Sie waren alle gut erhalten, die früheren 
Jahre sehr spärlich, dagegen die Jahre von 160 — 199 sehr zahl- 
reich vertreten. Da sich vom Jahre 200 i) kein Stück in diesem 
Funde vorfand, muss der Schatz im Jahre 199 der aradischen Aera 
vergraben worden sein. H. C. R. 



MUnzzeichen auf Medaillen. Bis zum Jahre 1868 war die Prägung 
von Medaillen in Oesterreich unter staatliche Controle gestellt, 
indem jedesmal, unter Vorlage eines von den fertigen Stempeln 
al3genommenen Blei- oder Zinnabschlages die Bewilligung zu ihrer 
Ausprägung nachgesucht werden musste. 

Diese Anordnung mag ursprünglich in der Absicht getroffen 
worden sein, die bildlichen Darstellungen und Umschriften der 
Stempel vor ihrer Verwendung einer Art Censur zu unterwerfen ; 
vornehmlich hatte sie aber den Zweck, Zeichnung und Ausführung 
zu prüfen und durch Verwerfung mangelhafter Compositiouen auf 
die Veredlung der glyptischen Kunst in Oesterreich hinzuwirken. 

Kupfermedaillen konnte, nach erhaltener Genehmigung, jeder 
Private erzeugen; alle Gold- und Silbermedaillen aber mussten 
im k.k. Hauptmünz am te, gegen Bezahlung des aufgewendeten Edel- 
metalles und einer bestimmten Gebühr, geprägt werden. 



•) Ich bes tze ein Tetradrac mon vom Jahve Uir (an 203). 



386 



Die letztere Beschränkung, welche den Medailleuren weniger 
aus fiscalischen Rücksichten als vielmehr desshalb auferlegt wurde, 
damit zu den Medaillen nur das vom Gesetze vorgeschriebene 
feine Metall (von 987 Tausendtheilen) verwendet werde, war 
nach Einführung des Gesetzes zur Regelung des Feingehaltes von 
Gold- lind Silberwaaren (Punzirungsgesetz), unter welche auch die 
Medaillen gezählt wurden, nicht mehr haltbar, und es musste daher 
die Prägung von Medaillen aus Gold und Silber freigegeben 
werden. Dieselben unterliegen seither nur mehr den Bestimmungen 
des Punzirungsgesetzes und werden gleich allen anderen Gold- 
und Silberwaaren, wenn ihr Gehalt einem der in demselben fest- 
gesetzten Feinheitsgrade entspricht, mit der entsprechenden Punze 
von Amtswegen versehen. 

Um jedoch die noch heutzutage im Hauptmünzamte geprägten 
Medaillen von jenen auf Privatwerken erzeugten zu unterscheiden, 
werden dieselben seit dem Jahre 1875 auf dem Rande mit dem 
eingeschlagenen Münzbuchstaben A bezeichnet. Nachdem sie da- 
selbst, wie früher aus sehr feinem Golde und Silber hergestellt 
werden und der Prägegebühr unterworfen sind, so wurden sie von 
der amtlichen Controle eximirt. C, E. 



Oesterreichische Medaillen vom Jahre 1875. Im Jahre 1875 wurden 
folgende Medaillen theils vom Staate, theils von Privaten im k. k. 
Hauptmünzamte zu Wien ausgeprägt. 

1. Medaille auf die See ular fei er der Vereinigung 
der Bukowina mit Oesterreich. 

IN MEMORIAM SOLLEMNIVM SAECVLA- 
RIVM BVCOVINAE ÖVIVI (sie) AVSTRIA CON- 
IVNCTAE. Im Abschnitte MDCCCLXXV, darüber zur 
Rechten des Beschauers, unter dem Abschnittleisten: 
j. TAUTENHAYN. Die Kaiserin Maria Theresia im Staats- 
kleide, throntnd, von rechts, in der Rechten dasScepter, die 
Linke wie segnend über einen Knaben haltend, der vor ihr 
steht, das Haupt gegen die Kaiserin gewendet; in der 
rechten Hand hält er eine aufgerollte Urkunde, die Linke 



Misct'lleu. 



387 



legt er in die linke Hand der Austria (von links), welche 
in faltenreichem Gewände und mit der Mauerkrone ge- 
schmückt vor dem Throne steht. Sie hält mit dem rechten 
Arme einen Schild bchirmend über den Knaben. 

^ AVSTRIAE GRATA B V C V I N A. Die Wappen der 
Bukowina und von Cernowitz zwischen Lorbeer- und 
Eichenzweig, darüber eine Krone. 

In Gold, Silber, Britanniametall und Bronze, 42 Mm. 
Durchmesser. 

2. Medaillen zu den Ehrenketten der Decune der neu- 
errichteten Universität in Czernowitz. 

aj FRANC. lOS. I. AVSTRIAE IMPERATOR. Brust- 
bild Seiner Majestät des Kaisers, von rechts, mit Lorbeer- 
kranz. Unten: j. tautenhayn. 

^ Am Rande oben: MVNIFICENTIA AVGVSTI, 
darunter in der Mitte: RECTO R I| VNI VERSIT ATIS 
[CZERNOVICENSIS, unten im Bogen MDCCCLXXV. 

h) Aehnlich, nur steht in der Mitte der Rückseite : FACVL- 
TATI I THEOLOGORYM. 

cj Aehnlich, auf der Rückseite: 

FACVLTATI 

IVRE 

CONSVLTORVM. 

d) Aehnlich, auf der Rückseite: 

FACVLTATII 
PHILOSOPHORVM. 
Sämmtlich in Silber und Bronze geprägt, 35 Mm. Durch- 
messer. 

3. Preismedaille für Künstler, gestiftet von Seiner kaiser- 
lichen Hoheit, Erzherzog Carl Ludwig, als Protector des Künstler- 
hauses. 

'^ ERZHERZOG CARL LUDWIG PROTECTOR 
DES KUENSTLERHAVSES. Treffliches Brustbild 



388 



des Erzherzogs, von rechts, im Waffenrock mit dem Viiess- 
orden. Unter dem Abschnitt der Achsel a. scharff. 

9> Die Kunst in faltenreichem Gewände, welches die Schulter 
freilässt, auf einem Sessel sitzend, von rechts, hält die 
linke Hand auf den Schild mit den Wappen der drei 
Künste und reicht mit der Rechten einen Lorbeerkranz 
dar, nach welchem ein vor ihr stehender Künster lanj;t; 
dieser, mit Rock, faltenreichemMantel und niederen Schuhen 
bekleidet, hält unter dem linken Arme eine Zeicheninappe. 
Auf den beiden Stufen, auf welchen der Sessel steht, liegen 
Hammer, Winkelmass, Meissel und Palette, unter ihnen ein 
Lorbeerzweig. 

Der Abschnitt leer; unter dem Abschnittleisten zur 
Linken des Beschauers: r. weyer inv. Zur Rechten 

A. SCHARFF F. 

Wird in Gold, im Gewichte von 30 Ducaten ausgeprägt. 
Einige Exemplare wurden in Bronze gepräpt. 53 Mm. 
Durchmesser. 

4. Medaille des ersten österreichischen Vereines 
für Kaninchenzucht für die internationale Kaninchen- Ausstel- 
lung in Wien 1875. 

^ ERSTER OESTERREICHISCH. VEREIN 
FÜR KANINCHEN ZUCHT. Liegendes Kaninchen, 
von rechts, am Abschnitt: a. kleebkrg. 

9? Auf dem breiten Rande: ^s INTERNATIONALE 
KANINCHEN AUSSTELLUNG IN WIEN. Inner- 
halb eines Lorbeerkranzes : DEM I VERDIENSTE. 

Von dieser Medaille wurden 25 Stiick in Silber mit 
22 «/^ Grm. Gewicht ausgeprägt. Durchmesser 38 Mm. 

5. Preismedaille für die Seidenzucht in Rovercto, zur 
Erinnerung an den internationalen Congress daselbst im Jahre 1872. 

AI MIGLIORI BACHICVLTORI E SERICVL- 
TORl DEL ROVERETANO E DEL TRENTI NO 
Mädchen, von links , reicht vorschreitend mit der rechten 



Miscellen. 



389 



Hand den ausgestellten Seidenraupen Futter; vor ihr ein 
Kästchen, halb verdeckt, darauf eine Luppe, hinter ihr der 
Haspel zum Aufwinden der Seide. Im Abschnitte links vom 
Beschauer: m. farnesi f. 

IJ" Innerhalb zweier unten gebundener Maulbeerzweige: 

RI CORD 0|DEL|CONGRE SSO BACOLOGICO] 

INTERNAZIONALE|DI ROVERETO|NEL 1872. 

Es wurden hievon drei Stück silberne Medaillen von 

40Grm. und einige in Bronze geprägt. 42 Mm. Durchmesser. 

6. Preismedailie der k. k. Ackerbau -Gesellschaft in 
Görz. 

Im Abschnitte: COLLEGIUM CAES-REG-| 
ARVALIUM I GORITIANORUM Frau im Doppel- 
chiton, welcher die Brust freilässt, an einen Felsen ge- 
lehnt, von vorne, in der Rechten eine Schaufel, in der 
Linken ein Füllhorn, am rechten Fusse ragt neben der 
Schaufel ein Pflug vor; im Hintergrunde das Meer mit 
der aufgehenden Sonne , auf welche die Frau ihren Blick 
richtet. Am Abschnittleisten zur Rechten des Beschauers : 

F. PUTINATI. 

ft" Innerhalb zweier unten gebundener Lorbeerzweige : 
AG RIGOL IS |INDVSTRIORIBVS|PRAEMIVM 
iCONSTITVTVM. 

In Gold, 20 Ducaten schwer; auch in Hronze, 47 Mm. 
Durchmesser. 

7. Medaille auf die erste landwirthschaft liehe und 
Industrie-Ausstellung von Dalmatien in Scardona. 

Innerhalb zweier unten gebundener Lorbeerzweige: 
PRIMA I ESPOSIZIONE | AGRICOLO - IND US- 
TRIALE|DALMATA | SCARDONA | 1875. Zwi- 
schen den Bandenden in sehr kleinen Buchstaben j. p. 

^ Zwischen ähnlichen Zweigen : PRVA|POLJOD- 
JELNA-OB RTNIC„1KAIZL0ZBA|DAL 
MATINSKA I SKRADIN | 1875. 

Wurde in Gold ä 4 Ducaten und in Bronze ausgeprägt. 
40 Mm. Durchmesser; die bronzene Medaille ist 1 Mm. dick, 

26 



öv^ Miscellen. 

8. Medaille auf die Gewerbe-Ausstellung in Tei)litz. 

GEWERBE AVSTELLVNG TEPLITZ 1875. 
Im Abschnitte zur Linken des Beschauers leisek. Weib- 
liche Figur in Chiton und Mantel , sitzend, von links, das 
Haupt etwas vorgeneigt; in der erhobenen Rechten einen 
Lorbeerkranz, die Linke auf einen Schild mit dem Stadt- 
wappen von Teplitz (Kopf des heil. Johannes Baptista in 
der Schüssel) legend; vor ihr Abzeichen der Gewerbe: 
Spinnrad und Rocken, Amboss, Winkelmass u. s. w. 
^ In einem Eichenkranze : D E M | V E R D I E N S T E. 

In Gold mit 18 Ducaten, Silber zu 30 Grm. und Bronze, 
42 Mm. Durchmesser. 

9. Ausstellungs-Preismedaille des gewerblichen 
Hilfsvereines in Böhmisch-Leipa. 

AUSSTELLVNG IN BÖHM. LEIPA. Innerhalb 
eines nach Innen mit Zinnen versehenen Kreisstabis das 
Stadtwappen, darunter auf einem aufgerollten Bande, ver- 
tieft: ^ugu|i l(S7ö, daneben im Rande : neudkck. 
1^ Innerhalb eines Lorbeer- und Eichenzweiges: DEM | 
VERDIENSTE, unten: leisek. Auch auf der Rev. ist 
der den Rand bildende Kreisstab mit abstehenden Zinnen 
versehen. 
Silber und Bronze, 33 Mm. Durchmesser. 

10. Preismedaille des KuttenbergerGewerbevereines. 

# S T A T N I D M E N A. '^. P RÜM YSL V Ä 
VYSTAVA V HÖRE KUTNE 1875. Kopf Seiner 
Majestät des Kaisers, von rechts, mit Lorbeerkranz, unten: 

J. TALTENKAYN. 

^r «t KOMU SE NELENi, TOMU SE ZELENI «= 
BESEDA REMESLNICKÄ Genius der Gewerbe mit 
fliegender Chlamys auf die Stufen eines Altares tretend, 
von vorne, das Haupt umwendend, in der erhobenen Linken 
einen Lorbeerkranz, auf den er mit der Rechten deutet; 
auf dem Boden hinter ihm Amphora und Winkelmass, vor 
ihm Maschine und Rad. 

In Silber und Bronze, 43 Mm. Durchmesser. 

Dr. F. K. 



391 



Münzprägungen Oesterreich-Ungarns im Jahre 1875. Bei dem k. k. 

Hauptmünzanite in Wien: 

Goldmünzen: 

Yierfache Ducaten zu fl. 19-20 . . . UM'i Stück fl. 223.353-60 

Einfache Ducaten zu fl. 4-80 184.488 „ „ 885.542-40 

Achtgulden- (20-Frs.-) Stck. fl. 8-10 86.387 „ „ 699.734-70 

Viergulden- (10-Frs.-) Stck. „ 4-05 „ „ 

282.508 Stück fl. 1,808.630-70 

Silhermünzen: 

Levant. Thaler zu fl. 2-10483. . . . 3,312.153 Stück fl. 6,971.5-20-39 

Doppelgulden 105.948 „ „ 211.896-— 

-Gulden 5,053.287 „ „ 5,053.287-— 

Viertelgulden 20.008 „ „ 5.002-— 

8,491.396 Stück fl. 12,241.705-39 

Scheidemünze : 

In Silber zu 20 und 10 kr — Stück fl. — 

In Kupfer zu 4, 1 und Va k^^" — n » — 

Zusammen.. 8,773.904 Stück fl. 14,050.336-09 

Für das Fürstenthum Serbien wurden: 

1,000.000 2-Dinarst. 

3,000.000 1-Dinarst. 

2,000.000 i/a-Dinarst. 

Zusammen. .6,000.000 Stücke im Werthe von 6,000.000 Dinar 

(Francs) aus 835 Tausendtheilen feinem Silber ausgeprägt. 

Ausserdem wurden theils für den Staat, theils für Institute, 
Vereine, Ausstellungen und Privatpersonen 21.216 Stück Medaillen 
— 94 Stück in Gold, 3631 Stück in Silber und 17.491 Stück in 
Kupfer geprägt. 

Bei dem königl. ungar. Münzamte in Kremnitz: 

(joldmünzen : 
Achtgulden- (20-Frs.-) St. zu fl. 840 260.537 Stück fl. 2,110.349-70 
Viergulden- (10-Frs.-) St. zu fl. 4-05 10.682 „ „ 43.262-10 

Fürtrag. 271.219 Stück fl. 2,153.611-80 
26* 



392 



Uebertrag. . 271.219 Stück fl. 2,153.611-80 

Silbermünzen: 

Galten 2,073.958 Stück fl. 2,073.958-— 

Scheidemünzen : 

In Silber zu 20 kr _ Stück fl. — 

zw 10 kr 425.044 „ „ 42.504-40 

In Kupfer zu 4, 1 und Va kr — „ „ 

Zusammen . . 2,770.221 Stück fl. 2,270.074-20 

C. E. 



Zu den serbischen Goldmünzen. Wie schon oben bemerkt (S.228y 
Note 1), richtete Herr Director S. Ljubic in Agram aus Anlass 
des Artikels „Gefälschte serbische Goldmünzen« (Band VI und VII 
dieser Zeitschrift , S. 389) briefliche Bemerkungen an die Redac- 
tioni), welche die dort vorgebrachten Angaben in dem Sinne 
richtig stellen, dass, wenn gefälschte serbische Goldmünzen in Wien 
angeboten wurden, diese nicht mit jenen Gold- und Silbermünzen 
verwechselt werden dürfen, welche aus dem grossen Funde auf 
dem Amselfelde stammen und für die Museen in Belgrad und Agram 
erworben worden sind. 

Wir heben aus den eingehenden Mittheiiungen des Herrn 
Directors hervor, dass die ersten Silbermünzen des letztgenannten 
Fundes nach Belgrad und Montenegro gingen, wo sie auch blieben, 
dass ferner beinahe zugleich mit den silbernen auch die goldenen 
zu Tage kamen; die ersten vier Goldmünzen wanderten noch am 
4. Juni 1874 durch Vermittlung des damaligen kaiserlich russischen 
Consuls in Prisrend in die Hände des serbischen Metropoliten in 
Belgrad. Wenn also in Wien schon im Laufe der Jahre 187'y74 
serbische Silbe rmUnzen in grösserer Anzahl auf den Markt kamen ^ 
so können sie nicht aus jenem Funde vom Amselfelde stammen. 

Die Angabe, welche Simi6 in Wien im Frühjahre 1875 auf 
die Frage nach dem Verbleib der übrigen Goldmünzen machte: ein 



•) Sie kamen uns in Sclireiben zu, welche vom 21. Mai und 5. Juni 1876 
datirt sind und konnten, da das erste Heft dieses Jalirganges damals bereits ge- 
schlossen war, niclit mehr aufgenommen werden. 



393 



Theil sei nach Belgrad und Agram verkauft worden, stellt sich 
dadurch als unrichtig heraus, dass Simiö erst später nach Agrain 
gekommen ist, wo nicht früher als im August vier kleine Gold- 
münzen und eine der grösseren für das Museum erworben wurden; 
auch nach Belgrad hatte er vor seinem Besuche Wiens nicht ein 
Stück verkauft. Damit entfällt auch die von ihm gemachte Aussage, 
dass jene Goldmünzen, die er in Wien angeboten, von Herrn Ljubic 
in Agram gesehen, geprüft und als echt erklärt worden seien, da 
eben damals in Agram weder von Simic noch von seinen serbischen 
Ooldmünzen etwas bekannt war. 

Andere Bemerkungen beziehen sich auf die auch in des Herrn 
Directors Schrift (zur Vertheidigung der Echtheit, der altserbischen 
Goldmünzen vgl. oben S. 226 i) gebrachten Nachrichten von dem 
thatsächlichen Bestehen solcher Goldmünzen, sowie auf die grossen 
Schwierigkeiten , welche die erst in neuerer Zeit aus archivalischen 
Studien sich ergebende genauere Kenntniss der südslavischen Ge- 
schichte und der alten serbischen Sprache Jedem diesen Forschun- 
gen ferner Stehenden bereiten. Aus diesem Grunde sei es gar nicht 
denkbar, dass heutzutage ein Fälscher solche Kenntnisse besitze 
wie sie nöthig sind, um die auf dem Amselfelde gefundenen Stücke 
zu fälschen; diese ergaben nach den genauesten Untersuchungen, 
welche die Slavisten an 2G kleineren und 6 grösseren Stücken in 
Agram angestellt haben, nicht das geringste Anzeichen einer Fäl- 
schung. Zum Schlüsse spricht Herr Ljubic die Ansicht aus, dass die 
in Wien angebotenen Stücke falsch sein mögen, dann aber nicht aus 
Prisrend stammen und im Juli 1875 gefälscht seien. K. 



(J. G. Seidl's Gedicht). Das, Band VI und VII, S. 375 dieser 
Zeitschrift abgedruckte Gedicht von J. G. Seidl, über welches wir 
von verschiedenen Seiten befragt wurden, scheint von dem Dichter 
selbst dem Scriptor der k. k. Hofbibliothek und kenntnissreichen 
Münzsammler, Paris (f 19. Mai 1861) übergeben worden zu sein, und 
wurde von diesem in einer der damals öfter gehaltenen Zusammen - 



') Schon vor deren Erscheinen hat ITr. Ljubic, die Echtheit der auf dem Amsel- 
felde gefundenen Münzen in der serbischen Zeitschrift Zastava vertheidigt (20. Aug. 
1875) in Erwiderung des in derselben erschienenen Artikels , von dem in dieser 
Zeitschrift Bd. VI, VII, S. 392 Erwähnung geschah. 



394 



Mlscellen. 



künfte von Nuniismatikern vorgetragen. Eine Abschrift, welche sieb 
im Nachlasse des Numismatikers , Herrn Joseph Carl Missong 
(t 16. April 1873) befand und seiner Zeit von unserem Mitgliede 
Herrn Dr. L. Alexander Missong besorgt worden war, Überhess- 
Letzterer uns freundlichst zur Mittheilung in unserer Zeitschrift. 



(Anton Graf v. Prokesch-Osten f). Das Ehrenmitglied der numis- 
matischen Gesellschaft in Wien, Graf Prokesch-Osten, geboren zu 
Grata am 10. December 1 795, ist am 26. October 1876 in Wien nach 
kurzer Krankheit verschieden. 

Es gehört nicht hieher, ein umfassendes Bild seines Lebens- 
laufes und seiner Thätigkeit als Staatsmann, Militär und als Schrift- 
steller im Gebiete der historischen und der Eeiseliteratur zu ent- 
werfen, wir haben es mit dem Numismatiker zu thun, und werden 
uns vorzüglich jene seiner Erlebnisse gegenwärtig halten müssen, 
die in dieser Richtung für ihn wichtig geworden sind. 

Ein bewegtes an Eindrücken der verschiedensten Art reiches 
Jngendleben begann mit seinem Eintritte in die kaiserliche Armee 
im Jahre 1813. Er wollte ursprünglich derselben nur für die Zeit der 
Feldzüge gegen Napoleon L angehören und sodann die Laufbahn 
des Advocaten betreten. Allein muthi^e Thaten, die er am Rheine 
ausgeführt, machten sehr bald seine Umsicht und Entschlossenheit 
bekannt, er wurde 1815 in die Kanzlei des Erzherzog Karl, der 
damals Gouverneur von Mainz war, gezogen; dies bestimmte ihn,, 
die militärische Laufbahn fortzusetzen. Schon im nächsten Jahre 
finden wir ihn in Garnison in Linz mit der Vollendung einer mathe- 
matischen Arbeit beschäftigt , welche seine sofortige Berufung als 
Lehrer der höheren Mathematik an der Cadettenschule in Olmütsi 
zur Folge hatte; er war damals 21 Jahre alt. 1817 treffen wir ihn 
als Adjutant des Fürsten Schwarzenberg, dann im Generalstabe. 
1823 wurde er Hauptmann mit der Garnisonsstadt Triest. 

An diese Versetzung knüpft sich eine entscheidende Wendung- 
seiner Laufbahn. 

Dem thatendurstigen lebhaften jungen Manne, der auch in der 
Friedenszeit fast in jedem Jahre auf einem anderen Schauplatze und 



395 



mit Erfolg thätig gewesen, war es nicht gegeben den Garnisons- 
dienst lange zu ertragen: und gar nun in Triesf, wo der tägliche 
Anblick des den Menschen in die Ferne lockenden Meeres seinen 
Zauber auf ihn übte, und wo täglich aufregende Nachrichten ein- 
trafen über den Fortschritt der griechischen Erhebung gegen die 
Herrschaft der Türken. Dies und der romantische Zug der Zeit, der 
auch Prokesch innewohnte und ihn zum Poeten gemacht hatte, 
kehrte alle seine Sehnsucht nach dem Oriente. Schon im folgenden 
Jahre 1824 begann er seine wichtigen Reisen, welche sieben seiner 
schönsten Lebensjahre ausfüllen. Der Archipelagus mit den griechi- 
schen Inseln, das schwarze Meer mit seinen Küsten, Kleinasien und 
Aegypten, wo er bis zu den Katarakten des Nil gelangte, wurden 
von ihm besucht. Er hatte dabei auch handelspolitische Geschäfte ab- 
zuwickeln, welche ihn namentlich mit den Anführern des griechischen 
Freiheitskampfes in persönliche Berührung brachten. Diese Verbin- 
dungen wurden befestigt, als er in dem Kriege gegen die Seeräuber 
des Mittelmeeres in den Jahren 1827 und 1828 als Generalstabschef 
der österreichischen Flotte fungirte \ gegen die Seeräuber, die 400 
Fahrzeuge mit 40.000 Seeleuten bemannt hatten, entwickelte 
Pri)kesch eine höchst energische erfolgreiche Thätigkeit, namentHch 
bei Auslösung von türkischen und christlichen Gefangenen, dadurch 
verpflichtete er sich die ersten griechischenFamilien auf das höchste. 
Nachdem er noch Palästina bereist und auch dort einen für die 
Christen günstigen Vergleich zwischen diesen und den Muhameda- 
nern erwirkt hatte, kehrte er nach 7jähriger Abwesenheit nach 
Wien zurück uml ward hier in den Ritterstand erhoben. 

Im Jahre 1831 that er als Generalstabschef der kaiserlichen 
Armee in Italien, die letzten Dienste als activer Officier; er wurde 
von nun an durchaus zu politischen Geschäften verwendet. Noch in 
demselben Jahre wirkte er bei der Gesandtschaft in Rom, 1833 ver- 
mittelte er in Aegypten zwischen dem Vicekönig Mehemed Ali und 
dem Sultan, 1834 zum Oberst ernannt, ging er als kaiserlicher 
Gesandter an den Hof König Otto I. in Athen, an welchem er bis 
1848 mit grossem Erfolge für die österreichischen Interessen thätig 
war. Für diese seine Verdienste wurde er 1H45 in den Freiherrn- 
stand erhohen und 1848 Feldmarschall-Lieutenant. In dem letzteren 
Jahre erfolgte seine Versetzung als Gesandter nach Berlin, 1853 
als Bundespräsidialgesandter nach Frankfurt am Main, 1855 als 



396 



Botschafter nach Constantinopel, wo er bis 1872, dem Jahre seiner 
Versetzung in den Ruhestand verblieb; er war in dieser Zeit gehei- 
mer Rath, Feldzeugmeister, Mitglied des Herrenhauses geworden ; 
beim Austritte aus dem Staatsdienste erfolgte seine Erhebung in 
den Grafenstand. 

Die bedeutenden Reisen in Griechenland und den im Aiter- 
thume mit griechischer Geistescultur genährten Küstenländern des 
Mittelmeeres, die Theilnahme am griechischen Freiheitskampfe, 
dessen Geschichte er schrieb , die genaue Local- und Geschichts- 
kenntniss des Orients, dazu die zahlreichen Verbindungen in Grie- 
chenland selbst, die beinahe 40 Jahre dauernde hervorragende 
Stellung in Athen und Constantinopel, die staatsmännische Thätig- 
keit, alle diese Momente förderten in selten sich wieder treffender 
Vereinigung die Vorliebe des Verstorbenen für Numismatik und 
seine Sammelthätigkeit in dieser Richtung, gaben ihr aber auch einen 
ganz speciellen Charakter, der die Einwirkung jener Momente klar 
spiegelt. 

Prokesch sammelte nicht im allgemeinen Münzen des Alter- 
thums; die römischen Münzen existirtennichtfürihn, die sogenannten 
Colonialmünzen hasste er, wie er selbst sagte. Die römischen waren 
ihm etwas Uninteressantes, die Colonialmünzen nach Styl und Zeit 
etwas Triviales, Gemeines. Aber die griechischen Münzen aus der 
Zeit der Autonomie , aus der Blüthezeit staatlicher Freiheit und 
künstlerischer Vollendung, das Neue Anziehende, wie sie Tag für 
Tag in den Funden auftauchten, und Stadt um Stadt, Gau um Gau 
aus alten Zeiten wieder erstehen machten, diese zogen ihn, den Mit- 
zeugen der Wiedererhebung des neuen Griechenlands vor allem an. 
Daneben sind es die Königsreihen des macedonischen , syrischen 
und parthischen Reiches . welchen er frühe seine Aufmerksamkeit 
zuwendete. Der Glanz des Hoflebens, zumal des orientalischen, 
den er auf seinen Reisen kennen gelernt , in dem er selbst so lange 
Zeit gelebt, die Geschichte jener Dynastien und ihrer Reiche war 
seinem Standpunkte nach das einzige würdige Gegenstück zu der 
Münzpräge des freien Griechenland. So bildete sich in seiner Samm- 
lung die Abtheilung der athenischen Münzen, die Alexander des 
Grossen und der Arsakiden zu einer Vollständigkeit aus, wie sie 
sonst in öffentlichen und Privatsammlungen nicht getroffen wird. 



397 



Kaum ein Decennium, nachdem er seine Sammelthätigkeit 
begonnen, trat er auch als Numisniatiker auf. Von dem Jahre 1843 
bis 1852 verötientlichte er in Gerhards Arch. Zeitung in Berlin und 
den Berichten der dortigen Akademie, 1851, 1854 und 1859 in 
den Berichten der Wiener Akademie, 1866 in der Revue Numis- 
matique, von da ab in den Wiener numismatischen Monatsheften 
und in unserer Zeitschrift die noch unbekannten Münzen seiner 
Sammlung; da diese meist Seltenheiten sind, und zum ersten Male 
bekannt wurden, haben seine Schriften in Europa unter den Fach- 
männern ein bedeutendes Aufsehen gemacht und ihm für alle Zeiten 
den Dank der Numismatiker gesichert. Es ist sein grosses unleug- 
bares Verdienst, dass er in einer Zeit, wo nach dem Aufschwung 
unserer Wissenschaft unter Eckhel eine gewisse Stagnation ein- 
getreten war, durch seine Publicationen eine Art von Austausch 
zwischen den damals meist theoretisirenden und katalogisirenden 
Fachmännern und den Sammelergebnissen des Orients vermittelte. 
Er hat damit der Numismatik namentlich in Oesterreich und Deutsch- 
land eine folgenreiche Anregung gegeben, gerade als sie deren am 
meisten bedurfte. 

Prokesch selbst ist nicht oder fast nicht über die Linie der 
Publication, der Vermittlung neuen Materiales hinausgetreten, nur 
selten hat er in die eigentliche Fnchgelehrsamkeit hineingegriffen, 
seine Commentare beziehen sich auf die Kritik des Thatsächlichen 
und die Motive der Zutheilung, gehen aber darüber nicht hinaus. 
In grösserem Umfani,'e und in sehr erfolgreicher Weise hetheiligte 
er sich an der Classificirung der Münzen von Athen, für welche er 
eine neue Ansicht herbeiführte , denn an der Chronologie der syri- 
schen und parthischen Könige, welch' letzterer seine kurz vor 
seinem Tode in Paris erschienenen letzte Schrift galt. 

Es liegt nahe, mit Prokesch einen anderen österreichischen 
Sammler und Numismatiker zusammenzustellen, der in einer ähn- 
lichen, wenngleich viel bescheideneren Laufbahn, ähnliches geleistet. 
Graf Prokesch und Chr. W. Huber, sie waren es, welche die öster- 
reichischen Numismatiker im Oriente glänzend vertraten. Beide 
ungewöhnUch reich begabt, beide Diplomaten, Zeitgenossen und 
Besitzer der berühmtesten Privatsauimlungen antiker Münzen in 
Oesterreich der neueren Zeit, gehören sie zu den wichtigsten 
Förderern der Numismatik des classischen Alterthums, der sie einen 



398 



Miscellen. 



reichen Schatz neuer Gepräge und Erscheinungen mittheilten, welche 
in früher nicht geahnter Weise unsere Wissenschaft sowohl für sich, 
als auch in ihren mannigfachen Beziehungen zu anderen archaeolo- 
gischen Disciplinen erweitern halfen. Dr. F. K. 



(Alfred Tauber f). Auch den Todfall eines der Mitbegründer 
unserer Gesellschaft haben wir zu beklagen. 

Herr Alfred Tauber, k. k. Börsesensal, stiftendes und ordent- 
liches Mitglied, in den Jahren 1870—1875 zugleich Mitglied des 
Vorstandes der Gesellschaft, verschied nach längerem Leiden am 
4. November 1876. 

Die auf Reisen namentlich in Italien angeregte Bewunderung 
für die Hervorbringungen der classischen Kunst entzündete in ihm 
die Lust, Münzen und Alterthümer zu sammeln , worin ihn günstige 
Vermögensverhältnisse unterstützten. Die Stärke seiner Sammlung, 
die er übrigens noch bei Lebzeiten weggab, bildeten die Gold- 
münzen und Bronzemedaillons der römischen Kaiser, von denen 
namentlich erstere in vorzüglichen und seltenen Stücken vertreten 
waren, Dr, F. K. 



399 



Sach-Register des achten Bandes. 



Abassidische Münzgewichte 
31. — 

— Dirhem 75, IG. 
Abdul Melik's Dinare 35. 
Acker 1) äuge seil s chaft in 

G()rz, Preismedaille 389. 
A d h a d - ad-daula, Dirhem 28. 
Agleier, deren Vnlvation in 

Oesterreich. 18G. 
Ahlman (Jabriel, Medaille 336. 
Aijubiden 39. 

— Hama, Messingcopie einer 
Camee 41. 

Aintamr, Prägeort, 47. 
Alberti Salomon, Medaille 321. 
Al-Kamil, Fils 39. 
Anasenses, Ennser Pfenninge 

25G. 
Atabegs v. Adlierbeidjan 65. 
Aufzahl mark in Wien und 

deren Gewicht 270, 272. 
Aurelius M., Bronzemed. 23. 
Axus Cretae, Münzen 15. 
Azubal von Byblos 229. 



B. 

Baart de laFaille, Medaille 324. 

Bagdad, Münzhof 48. 

B a i e r n, Münzrecht der Herzoge 
V. 252 f. 

Banfihuniad, Johann de, Me- 
daille 330. 

Banu Umraareh, Dirhem 38. 



Barrenwährung in Oester- 
reich 274. 

Barsine, Gem. Alexanders des 
Grossen 234. 

Becquerel Anton Caesar 319. 

B e m b Giovanni, Do^e, Münzen 
167. 

Beni Ommareh 49. 

Benu- Vedjih, Dinastie 49. 

Blanchet Alexander, Med, 320. 

B e r h a V e Hermann, Med. 323. 

Böhmische Groschen inOester- 
reich 286 f. 

Böhmisch - Leipa, Gewerbe- 
Ausstellung, Medaille 390. 

Boo rasma A. 327. 

B u c h a r a, Prägeort, 56. 

BuchstabA auf Medaillen des 
Wiener Mnnzamtes 385. 

Buidisclier Dirhem 28, Ge- 
wicht 30. 

Bukowina, Vereinigung mit 
Oesterreich, Medaille 386. 

Buweihidischer Dirhem 45. 

Byblos, Azubal V., 229. 

O- 

Camera, sive moneta 265. 

Carl Ludwig, Erzherzog, Künst- 
lerpreis 387. 

Chaptal Anton, Medaille 318. 

Chevreul, Anton Caesar, Me- 
daille 319. 

C i c o g n a Pasquale, Doge 155. 

Claudius IL, >tämpelreich- 
thum 245. 



400 



Sach-Uegister. 



Claudius II., Münzen mit Por- 
träten Aurelius und Gallien's 
249, 250. 

Co n Sorte s, Hausgenossen 262. 

Constantin der Grosse, Gold- 
münze 26. 

Contarini Alvise, Doge 177. 

— Domenico, Doge 17;"). 

— Francesco, Doge 171. 
Corner Giovanni, Doge 171. 
II., Doge 179. 

C u r s u s monetae major der 
Wiener Pfenninge 311. 

Czernowitz, Universität , Me- 
daillen 387. 



I>. 

Da quattro, Mze. in Venedig 129. 

— cinque, Münze in Venedig 135. 

— sei, Münze in Venedig 143. 

— Otto, Münzein Venedig 130. 

— dicci, Münze in Venedig 131 
und 182. 

— dodici, Münze in Venedig 173. 

— quindici,Mze. in Venedig 181. 

— seiiici. Münze in Venedig 131. 

— venti, Münze in Venedig 151. 

— trenta, Münze, in Venedig 181. 

— trentadue, Mze.inVenediglSl. 

— quaranta, Mze. in Venedig 150. 

— sessantadue, Münze in Ve- 
nedig 173. 

D a 1 m a t i e n , Ausstellung in 

Scardona, Medaille 389. 
D a Ponte, Nicola, Doge 151. 
Dinar und Solidus 33 f. 

— tabiridische .50. 
Dirheme der Buiden 28, Ge- 
wicht 30. 

Dirheme der Abassiden 31 f. 
Djalaniden, Dynastie 49. 
Donä Francesco, Doge 141. 
D onato Leonardo, Doge 160. 
Dop pia, Goldmünze in Venedig 

168. 
Ducatello, Mze. inVenedig 175. 



Ducato coHe galere Münze in 
Venedig 157. 

— d'argento, Mze. inVenedig 1 56. 

— doppio, Mze. in Venedig 162. 

— d'oro, Münze in Venedig 160. 

— mozzo, Mze. in Venedig 159. 

— zu sechs Lire in Venedig 146. 

— Theile 147, 158, 186, 187. 

D u c a t o n e, Mze. inVenedig 153. 
Dumas, Joh.Bapt., Medaille319. 
Dumont d'ürville. Medaille 317. 

E. 

E c k s t r ö m e r Carl Johann 337. 
El-Iskenderijje 71,73. 

— -Manguria 67, 72. 
Maussil 76. 

— -Mehdie 67, 68, 73. 

— -Scliasch 56. 
Endidjaragh 55. 
Enns, Münzstätte 256. 
Erre djan 54. 

E rr i z z o Francesco , Doge 172. 

Erzerum 61. 

E s c h i 1 1 i u g in Oes terreich 281. 

F. 

F a 1 s c h m ü n z u II g in Correggio 

190 f. 
F a t i m i d e n, Münzen 66 f. 
Feingehalt der Wiener Mark, 

Silbers 276. 
F i 11 e s t i n, Prägeort 34, 68. 
Fi scha, Prägeort 258. 
Friesacher Münzen, Valvation 

in Oesterreich 296, Cours 309. 
Fundta bellen der Wiener 

Pfenninge 77. 

Gaj ath-ed-Din , Muhamraed, 

Goldmünze 58. 
G a z e 1 1 a, Venetianer Münze 136. 
Geldumlauf in Oesterreich, im 

Mittelalter 274. 



Sach-Register. 



401 



Gewerbeausstellung in 
Böhmisch-Leipa, Medaille 390. 

— in Teplitz, Medaille 390. 
Gewerbeverein in Kutten- 
berg, Medaille 390. 

Gewicht (iSilber n. Probir-) der 

Wiener Münze 268. 
Giustina, Münze in Venedig, 

da 40 soldi 151. 

— Münze in Venedig, maggiore 
152. 

— Münze in Venedig, minore 
156, 157. 

— Münze in Venedig, Theile 
152, 153. 

Giustinian, M. Antonio, Doge 
178. 

G 1 y k n Strateg vonThyatiralS. 

Görz, Medaille der Ackerbau- 
gesellschaft 389. 

G o 1 d g u 1 d e n in Oesterreich 
286 f., Valvation 292. 

Goldwährung in Oesterreich 
1325, 293 f. 

G r a z e r Pfenninge, Valvation in 
Oesterreich 290. 

Gri ni an i Marino, Doge 159. 

— Pietro, D.ge 187. 
Gritti Andrea, Do^e 134. 
Groschen, böhmische, in 

Oesterreich 286 f. 
Grosso a oro, Münze in Venedig 
145. 



J a n s 8 e n, P. C. Julius, Med. 320. 
Jehaw-Melek, Stele 231. 
Jemi n-ed- Daulas 57. 
1 1 c h a n Ghazun, Mahmud 64. 
Industrie -Ausstellung in Scar- 

dona, Medaille 389. 
I s k e n d e r i e - Misr 67. 
Italien, Valvation der Wiener 

Pfenninge 307. 
Julia Paula, Qiiinar 24. 

K. 

Kaläat-Dschäbar, Prägeort 39, 

Kaninchen- Zucht , Vereins- 
medaille 388. 

Karolingische Münzreform 
286. 

K i 1 i d 8 c li - Arslan, Prägeort 
61 f. 

Knoops, Wesscl Medaille 329. 

Kolk, van der, 327. 

Korn, Prüfung des Kornes in 
der Wiener Münze 270. 

Krems, Münzstätte 254. 

Künstler Pi eismedaille in Wien 
387. 

Kuttenberg, Gewerbevereins- 
medaille 390. 



H. 

Hälblinge in Wien 268, 300. 

Haerten, J. L. H., Medaille 328. 

Hausgenossen der Wiener 
Münze, Privilegium und Orga- 
nisation 262 f 

Heinrich Jasomirgott, Münz- 
recht 254. 

Herzoge von Oesterreich, 
Münzrecht 252. 

H Wasser Israel, Medaille 337. 



L a n d o Pietro, Doge 139. 
Lang, Dr., Medaille 334. 
Lati Viennenses 300. 
L e e u w e n h e k , Anton v., Me- 
daille 323. 
Libra argenti in Wien 275. 
L i n n a e u s , Carl von 334. 
Lirazza, VenetianerMünze 181. 
Liretta, VenetianerMünze 176. 

— mezza, VenetianerMünze 177» 
Lockyer J. Norman, Med. 320. 
Loredano Francesco , Doge 

187. 

— Leonardo, Doge 127. 



402 



Sach-Kegister. 



Loiedano Pietro, Doge 148. 
L ü t k e Theod. Petrovitsch , Gf., 
Medaille 332. 

IM. 

Macrizi über die Golddenare 

33, 35. 
M a m 1 u k e n, Tscherkessische, 

Dinare 41. 
Man in Lodovico. Doge 189. 
Mansur Sabanide, Dirhem 55. 
M a r a s c h , Prägeort 64. 
Marca argenti für Silberbarren 

(puri, legalis, examinati, fini) 

275 f. 

— argenti (rauhe Mark) 278. 

— ponderis Vienensis 268, 278. 

— denariorum 281. 

Mar c eil 0, Mze. in Venedig 131. 
Marchetto, Münze in Venedig 
und ihre 'J'heile 165, 170 

— mit dem Stämpel des Zecchino 
178. 

Mark Silber gewegens in Wien 

282. 
Mateucci Carl, Medaille 315. 
Medaillen, Münzzeiclien auf — 

385. 
M e d e 1 , Probirgewicht der Wie- 
ner Münze 269. 
Medinet-es- Selain, Prägeort 

46, 58 f. 
M e mm e Marc Ant., Doge 165. 
Menabrea Ludwig Friedrich, 

Medaille 316. 
Mithkal-niaijal 33 f., 36. 
Misr 68 f., 72. 
Mocenigo Alvise, Doge 149. 

IL, Doge 178. 

III., Doge 184. 

IV., Doge 187. 

Molin Francesco, Doge 174. 
Mologeni scyth. Volksstamm 

240. 
M o m o n f f B. M. Demeter 333. 
Münchener Münze, Valvation 

in Oesteneich 304. 



Münzregale der österreichi- 
schen Herzoge 252. 

Münzpräge in Oesterreich- 
Ungarn 1875, 391. 

M ü n z z e i c h e n auf Med. 385. 

Muhamme dänische Münz- 
kunde 28. 

M u h a m m e d Ibn Muräd 43. 

Mulder, Gerh. Joannes 326. 

Muräd IIL Ibn Selim 42. 

]V. 

Nasr ben Achmed 54. 
Neunkirchen. Münzstätte 258. 
Niff des Wiener Probirgew. 273. 
Ni s a b u r, Prägeort 56. 
Nuh II., Samanide 56. 

o. 

Oester reich, Herzoge von, 
deren Münzregale 252 f. 

— Umlauf des Geldes 274. 

— MUnzpräge 1875, 391. 
Oman, Prägeort 49. 

r n t a s, Satrap 233. 
r t o k i d e n 65 f. 
Ose IIa, Venetianer Gedenk- 
medaille 133. 
sm an eu, Münzen 42. 



Pale und Zakynthos 7. 

P a r V u 1 i Viennenses (Hälblinge) 

300. 
P a s 8 a u e r Geld , Valvation 

gegen österreichisches 505. 
Paula Julia, Quinar 24. 
Pecunia nuraerata in Oester- 

reich 281. 
Pescennius Niger Goldmzc.21. 
Pf ennin ge, Währung in Oester- 

reich 274, 279. 
— Wiener 252 f. 
Pfund Pfenninge, Silbergehalt 

281. 



Sach- Register. 



403 



P f u u d Regeusburger Pfenninge 
302. 

Phaizoios Goldmünzen 2.38. 

Piccoli ä oro Venet. Rech- 
nnngsinünze 144. 

PisaElis, 1. 

Pisani Alvise, Doge 186. 

Prager Groschen , Valvation in 
Oesterreich 292. 

Preismedaille der Ackerbau- 
gesellschaft in Görz 389. 

— der Gewerbeausstellungen in 
Böhmisch-Leipa u. Teplitz 390. 

— des Gewerbevereins in Kut- 
tenberg 39ü. 

— der Industrie-Ausstellung in 
Scardona 389. 

— für Kaninchenzucht, Wien 388. 

— für Künstler, Wien 388. 

— für Seidenzucht, Rovereto388. 
P r i u 1 i Girolamo, Doge 146. 
Probe von Schrot und Korn in 

Wien 270. 
Probirgewicht in Wien, 

Medel 269, Scala 273. 
Prokesch- Osten , Graf Anton, 

Necrolog 394. 

Q u a t r i n e Vianare (Wiener 

Hälblinge) 308. 
Quattrini di due metalli in 

Venedig 127. 
Quattrino bianco in Venedig 

128. 
Q uarto di Scudo della Croce 

in Venedig 167. 
Quinare, römische meist aus 

Spanien kommend 25. 
Quintin, Theil der Mark 27.5. 
Quintin ie, Joh. de la Med. 317. 

Raff des Wiener Probirgewich- 
tes 273. 
Ramhormus, Prägeort 45. 



Rationarium Austriaciim 311. 

Rauhe Mark in Wien 278. 

Ree s, Richard van 328. 

R e g e n s b u r g e r Münzen, Val- 
vation gegen Wiener Pfenninge 
302, Cours in Oesterreich 309. 

Regulus argenti der Wiener 
Münzstätte 276. 

Renie r Paolo, Doge 188. 

Römische Inedita 23. 

R o s e n b e r g, Thaler der Fürsten 
Franz und Wilhelm 195, 199. 

R o v e r e t o, Medaille für Seiden- 
zucht 388. 

Ruzzini Carlo, Doge 186. 

s. 

Sagredo Nicolö, Doge 176. 

S a 1 d u k 1 d e n , Münzen 59. 

Samaniden, Münzen 55 f. 

Scala des Wiener Probirge- 
wichtes 273. 

Scardona, Medaille der Indu- 
strieausstellung 389. 

Schemseddin David 65. 

S ch e r e m e t j e f f Nicol.Petrow., 
Gf. V., Medaille 332. 

Schiller Friedrich, Med. 322. 

Schilling, Entstehung 279. 

Schrot, Prüfung des Sehr, in 
der Wiener Münze 270. 

Scudo d'oro 136. 

— d'argento (della croce) 153. 

Sebukteginiden Goldmünze 
57. 

Seidel J. G., über dessen Ge- 
dicht 393. 

Seide uzucht, Preismedaille 
von Rovereto 388. 

S e 1 d s c h u k e n, Sultanein Klein- 
asien 62. 

Serbische Goldmünzen 392. 

S er res de, Olivier, Medaille 317. 

Sesini, Venet. Münze 141. 

Set in, Theil der Wiener Mark 
275. 

Siel US argenti 276. 



404 



Sach-Register. 



Siglen des Dogen Giovanni II. 
Corner 179. 

— Mocenigo Alvise IV. 

187. 

.Sikilia, Prägeort 70. 

Sirus Austriacus v. Correggio, 
Thaler 190. 

Snellen van Vallenhoveu 328. 

Soffari den, Dirhera 54. 

ti 1 i d i breves, francisci 279- 

Solidus, römische und Dinare 
33 f 

Scale der Wiener Mze. 270, 273. 

S t am p el- Herstellung der spä- 
teren römischen Kaiserzeit 243. 

Stele des Jehaw-Melek 231. 

Suermann, Bernh. Franz, Me- 
daille 326. 

Swinderen Theodor van 324. 

Syros Münze 9. 

T. 

T a b r i z Münzstätte 64. 

T a h i r i s c h e Dinare 50, Präge - 

orte 51. 
Talentum argenti 276. 
Tauber Alfred , Necrolog 398. 
T e p 1 i t z , Gewerbeausstellung 

390. 
Toldy Franz, Medaille 331. 
Tscherkessische Mamluken, 

Dinare 41. 
Thyatira Münze 10. 

TJ. 

Umlaufgebiet der Wiener 
Pfenninge 309. 

Ungarn, Wiener Pfenninge da- 
selbst 296 f. 



Valvation der fremden Münz- 
sorten in Oesterreich 290. 



Veni er Sebastian, Doge 114. 
Vene zianer Münzen 127 f. 
Verhältniss von Gold und 

Silber im XIV. Jahrhund. 293. 
Vianare (Pfenninge und Hälb- 

linge) 308. 
V i a n e n s i (speronati) vonVienne 

in Frankreich 309. 
Videnskij (Wiener Pfenning 

bei den Czechen) 312. 
Viennenses lati 300. 

— parvuli (Hälblinge) 300. 
Vierting, Theil der Mark 275. 
Vinar (Wiener Pfenning bei den 

Slovenen) 312. 

Währungen inOesterreich274. 
Wasit, Prägeort 76. 
Wörsilber (rauhe Mark) 278. 
Wiener Neustadt, Münzst. 258. 

— Pfenninge, Fundtabellen 77. 

— — Studien U.Ergebnisse 252. 
Valvation 290 f. 

— — Umlaufsgebiet 309. 

— — Nachahmungen in Ungarn 
313. 

— Mark 268. 

— Münzstätte 261 f. 
W i e u i 8 c h geloet 278. 
Willigen, Adriaaii von der 330. 
Wizzesilber (Barrensilber) 

275. 

Z. 

Zakythos 7. 

Z e c c h i n o Preis um 1500, 129. 

um 1663, 169. 

— Theile 133, 148, 163. 

— Mehrfache 174, 186, 187, 188, 
189. 

— Verhältniss zuraDucato, Mitte 
des XVI. Jahrhunderts 144. 

— d'argento 162. 



Namism . Zeitsch .1876. 



Taf. L 




JßzeiucJ^ deine. 



Numism. Zeitsch. 1876. 



Taf. B. 




4. 
N 



5. 
N 





JdAUicIfM* 



Numism. Zeitsch. 1876. 



m'.ui. 




A.Luschin^.deC. 



J^ZfJucJf ^- 



Numisrn. Zeitsch. 1876. 



zöf.iv: 




Namism . Zeitsch. 1876. 



Taf.V 




A.LuschhideL. 



i(oieiui^.sc. 



Numism . Zeitäch.1876. 



Tat?JI. 







Mzniuci. dU&SC. 



Numism . Zeiisch.KlB. 



TafVU 




J^ftinttf^Mil •t-s'e- 





§0^4.5 fa-n :} h. i b 33 ^ »^ 8 



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