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Full text of "Oesterreichische Monatsschrift für den Orient"

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UNIVERSITY OF TORONTO 
LIBRARY 



WILLIAM H. DONNER 
COLLECTION 

purchased front 
a gift bij 

THE DONNER CANADIAN 
FOUNDATION 




ÖSTERREICHISCHE 



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Herausgegeben 



K. K. ÖSTERR. HANDELS-MUSEUM 



IN WIEN. 



Redigirt von Julius Böhm. 



TIERTJNDZWANZI&STER JAHß&AN&. 



1898. 



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WIEN 1898. 

VERLAG DES K. K. ÖSTERR. HANDELS-MUSEUMS. 

Ch. Rei»s«r & M. \\>rthn*r. 



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INDEX. 



Salt« 

A. 

Aegypten, Die moderne Gesundheitspflege in , 86 

„ Statistischer Bericht über 60 

Aegyptischen Sprachen, Ein neues Wörterbuch der ... 48 

Afghanistan, Impfung in 48 

Afridis, Der Gefangene der 36 

Afrikanische Forscbungsexpedition unter Major Gibbons, 

Die 98 

Alexandriner Baumwollexport in der Saison 1897/98, 

Ueber den 134 

Alten, Der Bernstein als Handelsartikel der Ij8 

Altsyrische Baukunst (I., II.) 75, 87 

Amenophis II., Das Grab 86, 12 1 

Archäologie Ostasiens auf dem XI. Internationalen 

Orientalistencongress, Sprache und 21 

Asiens, Sven Hedin's Durchquerung 19 

Aufstände in China, Die (I., II.) 99, 113 

Ausgrabungen in Nippur 121 

Aussatzes, Die Chinesen als Träger des 47 

Aussenhandel Formosas im Jahre 1897, Der 130 

B. 

Baku, Ein neues 122 

Baukunst, Altsyriscbe (I., II.) 75, 87 

BanmwoUexport in der Saison 1897/98, Ueber den Ale- 
xandriner ■ 134 

Beginn des Jahres 1898, Die deutschen Schatzgebiete bei 13, 30 

Bericht über Aegypten, Statistischer 60 

Bernstein als Handelsartikel der Alten, Der 138 

Briefträger in China 97 

Buddha's Gebortsort 60 

Buddhistischer Priester, Die Selbstverbrennung 146 

c. 

Carl Neufeld II9 

Centralafrika, Die Expedition Dr. SchöUer's nach .... 44 

Centralasiatisches Kunstgewerbe 57 

Charakteristik der Japaner, Zur 54 

China, Briefträger in 97 

„ Die Aufstände in (I., II.) 99, 113 

„ Die französische Handelsexpedition nach 22 

„ Die Seidencultur in 123 

„ England in I 

„ Neue Reformen in 53 

, Schwimmende Landwirthschaft in 98 

„ Volkszählung in 35 

Chinas Theeproduction und Theeexport 65 

„ Verlegung der Residenz loq 

Chinesen als Träger des Aussatzes, Die 47 

Chinesische Kalender, Der 48 

Ostbahn und ihr Gebiet, Die 4g 

„ Petrolrumquellen 74 

, Seeräuber 12 

Chronik . . . . 11, 23, 34, 58. 72, 84, 96, 108, 120, 132, 145 
CommerJielle und industrielle Verhältnisse von New South 
Wales und damit im Zusammenbang stehende sociale 
Zustände seit 1894 gl 



SatM 
D, 

Deutsch-China 106 

Deutsche Philosophie in Japan 9 

Deutschen Schntzgebiete bei Beginn des Jahrei 1898, 

Die 13, 30 

Dr. Scböller's nach Centralafrika, Die Expedition .... 44 

Dunklen Welttheil, Knabenspiele im 143 

Durcbquerang Asiens, Sven Hedin'x 19 

E. 

Eisenbahnen in Palistina, Die 73 

England in China 1 

Entwicklang des japanischen Theateri, Die 3 

Eröffnung neuer Häfen in Korea II 

Expedition Dr. ScböP.er's nach Centralafrika, Die .... 44 



F. 

Formosas im Jahre 1897, Der Aussenhandel 130 

Forschungsexpedition unter Major Gibbons, Die afri- 
kanische ^ 

Frage der Yännanbahn. Zar - - 74 

Französische Handelsexpedition nach China, Die .... 32 
Fremden in Tokio, Die Zahl der 134 



o. 

Gebiet, Die chinesische Ostbahn and ihr ... 49 

Geburtsort, Buddha's bo 

Gefangene der Afridis, Der 34 

Gesundheitspflege in Aegypten, Die moderne . 86 
Gibbons,. Die afrikanische Forschnngsexpeditioo oatcr 

Major 9S 

Grab Amenophis IL, Das 86. 121 



H. 

Handelsartikel der Alten, Der Bernstein als . . 
Handelsexpedition nach China, Die französische 

Haushaltnngskosten in Japan 

Hawaii, Aus 

Häfen in Korea, Eröffnung neuer 

Hedin's Dorchquerung Asien, Sven 



12 
9« 
3» 
II 

•9 



L 

Impfung in Afghanistan 48 

Indien, Pest in 3» 

Indische Religionsgeschichte laa 

Industrielle Verhältnisse von New Soath Wales and damit 
im Zusammrnhange stehende sociale Zusltnde seit 

1894, Commercielle and 91 

Insel Zanxibar, Die $6 

Internationalen Orientalistencongress. Sprache and Archäo- 
logie Ostasiens auf dem XI 21 



Seile 

J. 

Japan, Deutsche Philosophie in 9 

„ Haushaltungskosten in 98 

Japaner, Zur Charakteristik der 54 

Japanische Zündholzfabrication, Die I22 

Japanischen Theaters, Die Entwicklung des 3 

Japans, Die Montanindustrie 37 

K. 

Kalender, Der chinesische 48 

Knabenspiele im dunklen Welttheil 142 

Korea, Eröffnung neuer Häfen in II 

Kanstgewerbe, Centralasiatisches 57 

L. 

Landor's Reise in Tibet • . . 135 

Rückkehr aus Tibet, Savage 12 

Landwirthschaft in China, Schwimmende 98 

Landwirthschaftlichen Verhältnisse in Turkestan, Die . . 82 

Lindau Rudolf 134 

M. 

Major Gibbons, Die afrikanische Forschungsexpedition 

unter 98 

Meyer's „Türkei" und „Türkischer Sprachführer" .... 36 

Moderne Gesundheitspflege in Aegypten, Die 86 

Montanindustrie Japans, Die 37 

Musealnachricht 36 

N. 

Neue orientalische Studien 104 

„ Reformen in China 53 

Neuer Häfen in Korea, Eröffnung II 

Neues Baku, Ein 122 

„ Wörterbuch der egyptischen Sprachen, Ein .... 48 

Neufeld, Carl II9 

New South Wales und damit im Znsammenhange stehende 
sociale Zustände seit 1894, Commercielle und in- 
dustrielle Verhältnisse von 9I 

Nippur, Ausgrabungen in 12 1 

o. 

Orientalische Studien, Neue 104 

Orientalistencongress, Sprache und Archäologie Ostasiens 

auf dem XI. Internationalen 31 

Ostasien, Skandinavien und 146 

Ostasiens auf dem XI. Internationalen Orientalisten- 
congress, Sprache und Archäologie 21 

Ostbahn und ihr Gebiet, Die chinesische 49 

P. 

Palästina, Die Eisenbahnen in 73 

Pest in Indien 32 

Petroleumquellen, Chinesische 74 

Philippinen, Ueber die politischen Verhältnisse der . . .111 

Philosophie in Japan, Deutsche 9 

Politischen Verhältnisse der Philippinen, Ueber die . . .111 

Priester, Die Selbstverbrennung buddhistischer I46 

Purpurkunde, Zur 61 

R. 

Reformen in China, Neue 53 

Reise in Tibet, Landor's • 135 

Religionsgeschichte, Indische 122 

Residenz Chinas, Verlegung der 109 



Salt« 

Rudolf Lindau 134 

Russisch- Asien. Aus 134 

Rückkehr aus Tibet, Savage Landor's 12 

s. 

Saison 1897/98, Ueber den Alexandriner Baumwollexport 

in der 134 

Samarkand und am Serafschan, Eine Woche in 25 

Savage Landor's Rückkehr aus Tibet 12 

Schutzgebiete bei Beginn des Jahres 1898, Die deutschen 13,30 

Schwimmende Landwirthschaft in China 98 

Seeräuber, Chinesische 12 

Seidencultur in China, Die 123 

Selbstverbrennung buddhistischer Priester, Die 146 

Serafschan, Eine Woche in Samarkand und am 25 

Skandinavien und Ostasien 146 

Sociale Zustände seit 1894 Commercielle und industrielle 
Verhältnisse von New South Wales und damit im 

Zusammenhange stehende 9t 

Sprache und Archäologie Ostasiens auf dem XI. Inter- 
nationalen Orientalistenconjjress 21 

Sprachen, Ein neues Wörterbuch der äi'yptischen .... 48 
Sprachführer", Meyer's „Türkei" und „Türkischer .... 36 

Statistischer Bericht über Aegypten 60 

Stadien, Neue orientalische 104 

Sven Hedin's Durchquerung Asiens 19 

T. 

Theaters, Die Entwicklung des japanischen 3 

iTheeexport, Chinas Theeproduction und 65 

Theeproduction und Theeexport, Chinas 65 

Tibet, Savage Landor's Rückkehr aus 13 

Tibet, Landor's Reise in 135 

Tokio, Die Zahl der Fremden in 134 

l'räger des Aussatzes. Die Chinesen als 47 

Turkestan, Die landwirthschaftlichen Verhältnisse in ... 82 
„Türkei" und „Türkischer Sprachführer", Meyer's .... 36 
„Türkischer Sprachführer", Meyer's „Türkei" und .... 36 

V. 

Verhältnisse der Philippinen, Ueber die politischen . . .111 
„ in Turkestan, Die landwirthschaftlichen ... 82 

„ von New South Wales und damit im Zu- 

sammenhange stehende sociale Zustände seit 1894, 

Commercielle und industrielle 91 

Verlegung der Residenz Chinas 109 

Volkszählung in China 35 

w. 

Welttheil, Knabenspiele im dunklen 142 

Woche in Samarkand und am Serafschan, Eine 25 

Wörterbuch der ägyptischen Sprachen, Ein neues .... 48 

Y. 

yünnanbahn. Zur Frage der 74 

, z. 

Zahl der Fremden in Tokio, Die 134 

Zanzibar, Die Insel 5^ 

Zustände seit 1894, Commercielle und industrielle Ver- 
hältnisse von New South Wales und damit im Zu- 
sammenhange stehende sociale 9I 

Zündholzfabrication, Die japanische 122 



Jännef 1898. 



Nr. 1. 



OESTERREICHISCHE 




onatsstlrlft ffir bm #rimt. 



Heransgegeben vom 

K. K. ÖSTERREICHISCHEN IIANDELS-MUSEUM IN WIEN. 

Redigirt von JULIUS BÖHM. 






Monatlich eine Nummer. 



Verlao des k. k. Östkkkeichischrn Handkus-Muskums in Wikn. Preis JihrL 5 (L 10 Mark. 



NIIAI.T: Kugland in Cliiaa. — Die Entnlcklung des Japanischen Tbealeri. 
Von Jltrimitin Ftii/l. — Deutsche l'hiloAoplile In Japan. — Chronik. — 
Mise ollen: Eröffnung netter Uifen in Korea. — Chinetlicbe See- 
rittbcr. — Savage Landor's RBckkebr ans Tbibet. 



An die geehrten 

Leser, Mitarbeiter, Redactionen 
und Verleger! 

Wir bitten alle für uns bestimmten Briefe und 
Sendungen stets „An die Redaction der Oesterr. 
Monatsschrift für den Orient, Wien, IX/1. Berggasse 
Nr. 16", zu adressiren, da nur Sendungen mit 
dieser Adresse bestimmt in unsere Hände ge- 
langen. 

Die Redaction. 



ENGLAND IN CHINA. 

Die Nachricht, das.s Ueutschland in China festen 
Fuss gefasst hat, hat Hingland vor eine chinesische 
Frage gestellt. Fs hat in Ostasien nicht oicbr bloss 
mit dem russischen Eiofluss zu rechnen, es ist ihm die 
„Madc-in-GermaDy"-Concurrenz nunmehr am Gelben 
Meere erstanden. Bedenkt man, wie viele Jahrzehnte 
England ganz allein in Ostasic^n stand und, von keiner 
Concurrenz gestört, sich politische und commercielle 
Vortheile hätte sichern können, für deren Kriingung 
so viel britisches Gut und Blut in die Schanze ge- 
schlagen worden war, hat es ihatsächlich den Anschein, 
als ob die Diplomaten in Downing-Street recht schlechte 
Arbeit geleistet hätten. Die englischen Waffen haben 
wohl Erfolge in China erzielt, aber die Ausnützung 
derselben liess zu wünschen übrig. Es fehlt gegen- 
wärtig nicht an Stimmen in England, die die Regierung 
grober Fahrlässigkeit in der Behandlung der oslasiati- 
schen Interessen Grossbritanniens beschuldigen und die 
reservirte Diplomatie des Foreign Office für Alles das 
verantwortlich machen, was verabsäumt und nicht er- 
reicht worden ist. Ein kuizer Rückblick auf die Ereig- 
nisse in China in den letzten Jahrzehnten spricht wenig 
zu Gunsten der englischen Politik. 

Vor Allem ist kaum zu bestreiten, dass die England 
von China bewilligten Gebietseröffnungen und Waaren- 
absatzerleichteiungen in keinem Verhältnisse zu dem 
Aufwände stehen, welchen England sowohl in politi- 
scher als in militärischer Beziehung gemacht bat. Für 
diese Thatsache spricht besonders die Periode zwischen 
l86o (Vertrag von Tientsin) und 1890. Während dieser 



30 Jahre geschah nicht nur nichts, um die Scbrankeo, 
welche China von der übrigen Welt trennten, nieder- 
zureissen, sondern ea gingen so manche Rechte wieder 
verloren, welche durch Expeditionen civilisirter Völker, 
die viel Geld und Blut gekostet, China abgeruogeo 
worden waren. Die britische Kaufmannschaft in den Ver- 
tragshäfen Chinas fordert schon lange, dass bei einer 
eventuellen Revision der Zolltarife, ihren berechtigten 
Forderungen an Chinas Regierung Rechnung getragen 
werde. Diese Forderungen variiren beute wenig nur von 
jenen, welche die Handelskammer Shanghai bereits im 
Jahre 1870 als absolut noth wendig aufgestellt und 
dazumal in einem Memorandum an Lord Clarendon 
ausführlich erörtert hatte. 

Es handelt sich hier in erster Linie um die viel- 
umstrittene „Likin"-Frage, in der sich die englische 
Politik thatsächlich völlig ohnmächtig gezeigt bat. Die 
Likinabgabe, die von Importartikeln eingehoben wurde, 
wurde 1860 nach der Taiping-Rebcilion „als temporäre 
Maassregel" eingeführt, als Entgelt für die Verluste der 
Regierung an entgangener Grundsteuer. Die Likin- 
abgabe hat sich seither zu einem gigantischen Zoll- 
und Steuersystem entwickelt, das die wesentlichsten 
Hindernisse für die commercielle Entwicklung darstellt. 
Im Frieden von Tientsin wurde die Frage der Import- 
zölle und Vereinheitlichung der verschiedenen chine- 
sischen Abgaben bis ins Detail geregelt. Aber von 
einer Durchführung der Vertragsbestimmungen war 
keine Spur. Die chinesische Regierung schritt vielmehr 
zu einer weiteren Ausdehnung der Likinabgaben, zu 
denen noch neue Zuschlagstaxen wie die ,toti-thui' 
u. a. hinzukamen. Im Jahre 1868 schrieb Sir R. Alcock : 
„China hat in seinen Verträgen alle Rechte auf weitere 
Besteuerung aufgegeben; — — die Likinabgabe be- 
deutet einen Bruch der Vertragsrrchte." Die englische 
Regierung hat aber die Durchführung der Vertrags- 
bestimmungen nicht bloss nicht durchgesetz', sie bat 
bald darauf ganz formell auf ihr gutes Recht Verlieht 
geleistet. Im Jahre 1870 informirt Sir R. Alcock 
selbst die Handelskammer in Shanghai, dass die im- 
portirte englische Waare, sobald sie aus den H&oJeo 
des Importeurs kommt, allen weiteren Abgaben unter- 
worfen ist, mit der die chinesische Regierung den 
weiteren Importhandel zu belasten für gut findet. 

Die Handelskammer in Shanghai hat im vorigen 
Jahre ein Memorandum veröffentlicht, dessen Tenor 
ganz derselbe ist, wie der ihrer vor nahezu 30 Jähen 
publicirten Denkschrift. Wie damals verlangt sie, dass 
die britischen Importwaaren nach einmaliger Verzollung 
abgabenfrei in ganz China sollen circulircn dürfen , 
statt wie gegenwärtig unrcgelmässigen und vielfachea 
Binnenzöllen und Abgaben aller Art zu unterliegen. 
Die Handelskammer würde zur Erreichung dieses 
Zweckes sehr gern in eine selbst namhafte Erhöhung 
der Vertragszölle willigen, wenn nur mit dieser ein- 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



maligen Zollzahlung die Waare für den Handel in 
China freigegeben wäre. Man sollte doch meinen, dass 
die Macht, die Peking einnahm, unschwer auch die 
Durchführung des Friedensvertrages hätte durchsetzen 
können. 

Nach diesem von der englischen Regierung erzielten 
Resultate ihrer Thätigkeit oder besser Unthätigkeit, 
konnte es wohl Niemanden überraschen, dass die eng- 
lische Kaufmannschaft sich vielfach von Unterneh- 
mungen in China zurückzog, welchen Umstand der 
englische Consul in China, Mr. Brenan, in seinem letzten 
Handelsberichte an die Regierung besonders hervorhebt. 

Der Londoner Correspondent der „Times" in Shanghii 
hat kürzlich die Inconsequenz und die wankelmüthige 
Politik der englischen Staatsmänner in der Behandlung 
der chinesischen Frage aufs Schärfste verurtheilt. 

Nur der Fahrlässigkeit der englischen Politik wäre 
es zuzuschreiben, dass die Ereignisse in China seit dem 
Tientsiner Vertrage einen für England ungünstigen 
Curs einschlugen und dass Handel und Verkehr mit 
China nur auf eine schmale Strecke am Meeresrande 
beschränkt blieb, und dass heute noch ebenso als zur 
Zeit, wo die Alliirten vor den Wällen Pekings lagen, 
die Beamten in China von dem alten Geiste der Aus- 
schliessung aller F'remden btseelt sind. Ein unparteii- 
scher Beobachter kann nur constatiren, dass die Art, 
wie die englischen Staatsmänner die chinesische Frage 
seit dem Jahre 1840 behandelten, den Ausspruch nur 
zu sehr rechtfertigt, dass dieselbe trotz ihrer grossen 
Wichtigkeit nur als Spielbail für die jeweilige Partei- 
politik angesehen und verwendet wurde. 

Die Erfahrungen, welche England im Verkehre mit 
anderen asiatischen Völkern gemacht hatte, wurden 
ausser Acht gelassen, und man vergass, dass uncivili- 
sirten Staaten gegenüber nur ein energisches und 
sicheres Auftreten von Erfolg begleitet ist. 

Der Record, welchen Englands Handel in der An- 
fangsperiode der Relation mit China sich zu verschaffr;n 
wusste, ist nicht allein der Tüchtigkeit der britischen 
Kaufmannschaft zu danken, sondern auch zum grossen 
Theile der anfangs bestandenen energischeren Politik 
Englands, welche es damals gut verstanden hat, ihren 
Drohungen den entsprechenden Nachdruck zu verleihen, 
wenn sie irgendwelche kaufmännische Interessen gefährdet 
sah. Nach und nach aber wurde England concilianter 
und gab successive die durch die Verträge errungenen 
Vortheile »aus ganz deplacirter Humanitätsduselei" 
wie man ihr vorwirft, wieder auf. 

Sowohl der Krieg vom Jahi e 1839/40 als die darauf 
folgenden Hostilitäten hatten lediglich den Zweck, Eng- 
lands Handel zu sciützen, und wenn die Chinesen da- 
mals eine ebenso gründliche als noth wendige Lection 
über englische Kriegführung bekamen, so kam dies dem 
englischen Handel sehr zu statten ; wenn die englische 
Politik in diesem von Lord Napier eingeschlagenen 
Fahrwasser geblieben wäre, so stünde es j'^tzt um die 
englische Stellung in China so gut, dass es nicht mehr 
zu besorgen hätte, von Russland und Deutschland über- 
flügelt zu werden. 

Der damals glücklich geführte Krieg endete mit dem 
Nankinger Vertrage. Lord Clarendon, welcher mittler- 
weile dem Lord Palmerston in der Regierung folgte, 
kehrte sofort nach Ratificirung des obsrwähnten Ver- 
trages zu der vor dem Kriege geübten laisser-aller- 
Politik zurück, so dass die Durchführung der wichtig- 
sten Paragraphe des Vertrages th"ils verschoben und 
mit der Zeit sogar ganz fallen gelassen wurde. 

Die chinesische Regierung legte dieses Vorgehen 
als eingestandene Schwäche aus, und die unausbleib- 
liche Folge dieser unrichtigen Anschauung war eine 
.ganze Reihe von Verfolgungen und Injurien der 
dort sich aufhaltenden Engländer sowie aller, die 
keine Chinesen waren, welche Vorgänge nothgedrungen 
wieder zum Kriege (1857) führen mussten. 



Schon zur Zeit der Bewegung im Jahre 1853 und 
später noch, als die Taiping-Revolution die regierende 
Dynastie Ta-Ching in Frage stellte, wäre es der 
Diplomatie Englands in China ein Leichtes gewesen, 
alle Forderungen der englischen Kaufmannschaft bei 
der chinesischen Regierung durchzusetzen, wenn die- 
selbe nicht, von Parteipolitikern zu Hause inflairt, 
schwankend geworden wäre. 

Es ist gewiss bezeichnend für die geringen Fort- 
schritte, welche Englands Diplomatie in China bisher 
gemacht, einerseits, wie auch für die Hartnäckigkeit 
der Chinesen andererseits, dass die englischen Gesandten 
in Peking, wie berichtet wird, sich heute noch alle 
Mühe geben müssen, um von der chinesischen Re- 
gierung die Anerkennung aller Forderungen zu er- 
langen, welche wiederholt, sowohl in dem Vertrage 
von Tientsin als Shimonoseki, also vor vielen Jahren 
schon, ausdrücklich zugestanden wurden. Die Provinzial- 
behörden in China nehmen heute trotz aller Verträge 
nach wie vor sich anmaassend das Recht heraus, 
die Fremden nur unter gewissen Bedingungen in den 
Vcrtragsbäfen zu dulden, und verweigern ihnen den 
Aufenthalt innerhalb ihrer Stadtmauer. 

Sofort nach Zeichnung des Tientsiner Vertrages 
wurde die chinesische Frage der Spielball der politi- 
schen Parteien im englischen Parlamente und musste 
zu einem Tadelsvotum Lord Palmerston's Politik als 
Vorwand dienen. Kaum hatte Lord Rüssel die Leitung 
des Ministeriums des Aeussern übernommen, beeilte er 
sich, gegenüber den Chinesen so schonend vorzugehen, 
dass bald fast alle durch den letzten Vertrag ge- 
wonnenen wichtigen Vortheile wieder verloren gingen. 

Die unzeitgemässe Verzichtleistung auf das im Ver- 
trage stipulirte Recht eines Wohnsitzes für einen 
ständigen englischen Vertreter in Peking, zumindestens 
aber die Thatsache, dass die Forcirung dieses Rechtes 
verschoben wurde, verführte die Chinesen zu einem 
solch unglücklichen Curs ihrer Politik, dass bald darauf 
der Feldzug von Pei-ho und endlich die Einnahme von 
Peking selbst erfolgte. 

Die Lection, welche die Chinesen da erhielten, wurde 
mit der Pekinger Convention besiegelt, aber wieder 
sind die so schwer errungenen Vortheile durch die 
unsichere Haltung der englischen Politik in Frage ge- 
stellt worden, indem schon im Jahre 1862 das Aus- 
wärtige Amt der britischen Kaufmannschaft die Rechte, 
welche Lord Elgin durchgesetzt hatte, in das Landes- 
innere zu dringen und sich dort sesshafc machen zu 
dürffu, schmälerte, und ein Jahr später wurde die 
Shanghaier Handelskammer von Lord Rüssel dahin 
instruirt, dass sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden 
Mitteln dahin wirken möge, dass die Engländer so 
wenig als nur möglich in Contact mit den Chinesen 
und ihren Behörden kommen. Sir Frederik Bruce, 
welcher dazumal Gesandter in Peking war, konnte 
nicht anders, als sich dieser Politik unterordnen. 

Um die damals friedliche politische Situation nicht 
zu gefährden, gab die Gesandtschaft in jedem Streit- 
falle zwischen Engländern und Eingeborenen stets den 
Letzteren Recht, so dass allgemein sich bei den briti- 
schen Kaufleuten die Ueberzeugung festsetzte, dass 
jede Hoffnung auf Ausbreitung ihres Handels voll- 
ständig nutzlos sei. 

Dem Einfluss von Sir Robert Hart, welcher dieser 
den Chinesen günstigen Politik das Wort sprach, war 
es zu danken, dass sich diese ungünstige Situation 
herausgebildet hatte. 

Unter Sir Alcock und Sir Thomas -Wade wurde 
jedem Consulareleven schon die Regel eingeschärft, 
sich stets besonders rücksichtsvoll den chinesischen Vor- 
urtheilen gegenüber zu verhalten und jeder Einmischung 
und Intervention aus dem Wege zu gehen, welche Instruc- 
tion bis heutigen Tages in dem gesammten englischen 
Beamtenköipjr in China ihre Nachwirkung übt. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Während der 34 Jahre, weiche zwischen der 
Pekinger Convention und dem letzten japanischen 
Krieg vergingen, haben sich Englands Beziehungen 
zu Cliina nach keiner Richtung in bemerkcnswerther 
Weise gebessert. In diesem Zeiträume fanden wieder- 
holt Gtiwaltthaten statt, wie das Gemetzel in Tientsin, 
der Margery-Fall und die blutigen Aufstände im 
Yangtze-'rhale. Die Privilegien, die l^ngland besass, 
standen wohl auf dem Papiere, waren aber nichts als 
todte Buchstaben. 

Obzwar selbst schon dem chinesischen Kaufmanne 
das veraltete Recht, Fremde vom Handel noch länger 
auszuschliessen, ein unhaltbarer und nur abstracter Be- 
griff war, beliebte es der Beamtenschaft Chinas, sich 
darüber hinwegzutäuschen und weiter das veraltete 
Fremdenausschluss-Gesetz (weil es ihnen nützlich war) 
zu handhaben. 

L)ie vergeblichen Versuche, die englische Dampf- 
schiffahrt nach Chungking auszudehnen, die Unmöglich- 
keit, den Handel unter den in den Verträgen stipulirten 
Bedingungen in das Landesinnere zu tragen, und 
endlich die sich stete wiederholenden Schwierigkeiten 
des „Likin" und Transitpass-Systems hätten thatsäch 
lieh die Londoner Politik etwas schärfer gestalten 
können. 

Das Auftreten Deutschlands in China bietet den 
Engländern eine ernste Concurrenz in der noch in 
Ostasien zu leistenden Pionnierarbeit. Im Interesse der 
civilisatorischen Aufgaben ist zu hoffen, dass diese 
Rivalität keine anderen Consequenzen nach sich ziehen 
wird als die Beschleunigung der Lösung jener Auf- 
gaben, die europäische Cultur in Asien zu leisten hat. 
Die künftige Entwicklung der Verhältnisse in China 
wird nicht zum mindesten davon abhängen, welche 
Politik England unter den geänderten Verhältnissen io 
Ostasien einschlagen wird. L. 



DIE ENTWICKLUNG DES JAPANISCHEN 
THEATERS. 

Von Htrmann Ftigl. 

Trotz aller unserer guten Kenntniss japanischer Ver- 
hältnisse und trotz aller unserer Bewunderung, die wir 
dem strebsamen Volke im Reiche des Sonnenaufganges 
entgegenbringen, stehen wir einer sehr bedeutsamen 
Erscheinung des Wesens und der Cultur der Japaner 
noch ziemlich fremd gegenüber und gestatten uns in 
Folge dessen, darüber achtungslos hinauszugehen oder 
nach oberflächlicher Betrachtung gar ein abfälliges ür- 
theil darüber abzugeben. Wir meinen hier die Poesie 
der Japaner im weiteren und ihr Drama im engeren 
S'nne. Nicht nur für die grosse gebddete Allgemein- 
heit, sondern auch für den kleineren Kreis der Literar- 
historiker, die es doch besser wissen könnten und sich 
darum gekümmert haben sollten, haben die Japaner 
als dichtendes Volk bis heute beinahe so gut wie gar 
nicht e.\istirt. Das ist gewiss sonderbar, aber es hat 
seine Gründe und lässt sich bis zu einem gewissen 
Grade sogar entschuldigen. 

Dass die Japaner ein geistig und künstlerisch be- 
gabtes Volk sind, das ist nun schon so allgemein be- 
kannt, dass es wohl keiner näheren Erörterung und 
keines Beweises mehr bedatf. Setzen wir nun noch 
hinzu, dass die Japaner auch gemüthvoll angelegt sind, 
so wäre bei «lern Vorhandensein aller die>cr Eigen- 
schaften nichts mehr zu verwundern, als wenn jene 
nicht auch das Bedürfniss empfanden hätten und fähig 
gewesen wären, sich poetisch zu äussern. In der That 
habt:n die Japaner dem Drange, ihren Anschauungen 
und Gefühlen dichterischen Ausdruck zu geben, auch 
entsprochen, und es fragt sich nur noch, wie sie dies 
gethan haben. 



Die Antwort auf diese Frage ist zum l'beiie auch 
die Erklärung des Umstandes, dass man den Japanern 
in der Weltliteratur bisher gar keinen Platz zugestaodea 
oder ihnen eben noch ein verachtetes Wiokelcbea eio- 
geräumt hat. Das Unrecht, das man dea japanischen 
Dichtern hiemit zufügt, ist nicht so gross, wenn es sich 
um die Beurtheilung dessen handelt, was die Japaner 
einzig und allr^in für Poesie halten und als so!cbe gelten 
lassen, nämlich die Lyrik. In Hinsiebt auf diese muss 
allerdings zugestanden werden, dass der Japaner sie 
schablonenhaft in der Form, beschränkt in Bezug auf 
den Inhalt und handwerksmässig nach jeder Richtung 
hin betreibt. So erheiternd auf uns die also „ge- 
arbeiteten" schülerhaften, eintönigen und armieligen 
„Erzeugnisse" japanischer Lyrik wirken, die der Stolz 
ihrer Verfasser und das Entzücken der Leser oder Zu- 
hörer — der japanischen nämlich! — sind, so müssen 
wir doch auch billiger weise bedenken, dass der J<ipiner 
theils durch die Sprache, the'ls durch die socialen 
Verhältnisse gezwungen ist, sich mit seinen lyrischen 
Ergüssen in einem sprachlich eng begrenzten Ribmen 
und auf einem sachlich nicht minder beschräak'en Ge- 
biete zu bewegen. Der japanischen Sprache fehlt jene 
Modulationsfähigkeit, die unbedingt dazugehört, dem 
Ausdrucke von Gelühlen eine subjective Färbung zu 
verleihen, und dem japanischen Dichter fehlt das Haupt- 
object aller Lyrik, das Weib, Die Stellung der Frau 
in Japan ist von solcher Art, dass dem Manne jede 
Bedingung abgeht, sich zum M nnesänger im besten 
Sinne des Wortes emporzuschwingen, und andererseits 
ist der Japaner auch wieder zu zartsinnig, um die 
physische Liebe poetisch zu verherrlichen oder an 
solchen Verherrlichungen Gefallen zu finden. So muss 
sich der japanische Lyriker aus sprachlichen Gründen 
immer mit denselben Redewendungen begnügen und 
aus sachlichen Gründen auf dieselben Gegenstände, 
hauptsächlich Naturobjecte, beschränken. Kurz, das 
hohe Lied der Liebe ist ihm unbekannt, und wenn er 
es auch kennen würde, so versagte ihm wieder seine 
Sprache die Töne, es zu variiren, und damit ist die 
japanische Lyrik, das wäre also nach der Anschauung 
der Japaner ihre ganze Dichtkunst, gerichtet und ab- 
gethan. 

Wir wollen aber gegen den Japaner freundlicher und 
gerechter sein, als er selbst es gegee sich ist. Die 
Metrik oder vielmehr das Silbenzähleo, worin die 
Stärke der japanischen Poeten besteht, macht ja noch 
kein Gedicht, und ausser der Lyrik gibt es ja auch 
noch andere Dichtungsarten. Die sprachlichen und sach- 
lichen Hindernisse, die der Entfaltung und dem Auf- 
schwünge der japanischen Lynk im Wege stehen, sind 
gewiss nicht im Sttnde, die Entwicklung der Epik 
und der Dramatik aufzuhalten. Für die erzählende Ü.ch- 
tungsart mangelt es weder der japanischen Sprache an 
Worten, noch dem japanischen Dichter an Stoff; der 
Epiker bat weniger durch das Wort (u wirkrn als 
durch die Thatsacben, die er erzählt, und er kann auch 
der Darstellung erotischer Gefühle entbehren, ohne 
dadurch monoton zu werden. In noch höherem Grade 
aber kommen diese Vortbeilc der Dramatik zugute. 
Was im Drama das Wort nicht zu sagen vermag, das 
leistet — und oft besser als das treffendste Wort — 
die Geberde, und der erhabenen Gefühle und ^wattigen 
Leidenschaften gibt es wahrlich noch genug, um darauf 
eine dramatische Handlung aufbauen lu können, ohne 
das Weib unJ die Liebe zu deren Hauptgegenstaod 
machen zu müssen. In der That leisten auch die Japaner, 
wenn schon nicht in der Ep>k, so doch io der Dra- 
matik bedeutend Besseres als in der Lyrik, Besseres, 
als sie selbst ahnen, und mehr, aU die Geschichten der 
Weltliteratur von ihnen wissen. Was unsere Ein- 
schränkung bezüglich der Epik betrifft, so darf diese 
durchaus nicht in abfälligem Sinne gedeutet werden ; 
die japanische Epik, ein im Verborgenen blühendes 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Blümeben, ist aber, wie uns scheint, mit der Dramatik 
so enge verwandt, dass man ihr die Selbständiglceit 
absprechen und sie, wie auch wir thun wollen, als zur 
Dramatik gehörig betrachten kann. 

Die Zurückhaltung unserer Literarhistoriker gegen- 
über dem japanischen Drama ist ebenso befremdend 
wie die Geringschätzung, die die Japaner ihrer Dra- 
matik selbst entgegenbringen. Ersteres deshalb, weil 
man doch weiss, dass die Japaner wie ihre 'l'heehäuser 
so auch ihre Theater haben, und weil man sich doch 
auch darum kümmern konnte, was in diesen vorgeht; 
und letzteres deshalb, weil die Japaner selbst wissen 
oder wenigstens fühlen sollten, dass das, was auf ihren 
Bühnen vorgeht, ein grosses Stück ihrer nationalen 
Eigenart darstellt. Ob die Lässigkeit der einen Seite 
auf die Urtheilslosigkeit der anderen Seite oder darauf 
zurückzuführen ist, dass man auch ohne Beeinflussung 
von Seite der Japaner deren theatralische Vorstellungen 
für gauklerische Spiele ohne literar- und culturhistori- 
schen Wcrth hielt, das ist gleichgiltig. Das aber ist 
gewiss, dass es ebenso die Mühe lohnt, das japanische 
Drama in seiner Entwicklung zu verfolgen, wie den 
Uranfängen des deutschen, englischen, französischen 
oder italienischen Theaters nachzuspüren. Und es mag 
auch hier vorgreifenderweise gleich bemerkt werden, 
dass die Anfänge und die Entwicklung des japanischen 
Theaters und der genannten europäischen Theater so 
viele gemeinsame Punkte zeigen, dass man schon in 
diesem reizvollen Ergebniss der Betrachtung allein Ge- 
nugthuung und volle Befriedigung finden kann. Zu be- 
dauern ist nur, dass eben wegen der dem japanischen 
Theater von allen Seiten von vorneherein entgegen- 
gebrachten Geringschätzung das rein sachliche Material, 
das über diesen Gegenstand vorliegt, ein höchst spär- 
liches ist ; immerhin aber ist es ausreichend genug, um 
eine zusammenhängende Darstellung der Geschichte 
und des Zustandes des japanischen Theaters zu ermög- 
lichen, und wir wagen es hiemit, uns dieser Aufgabe 
zu unterziehen. 

Die Frage nach dem Ursprünge des japanischen 
Theaters wird von den Japanern selbst verschieden 
beantwortet. Die historischen Anfänge dieses Theaters 
werden in die zweite Hälfte des sechzehnten Jahr- 
hunderts unserer Zeit zurückgeführt, und soll es ein Weib 
gewesen sein, dem die Japaner die ersten theatrali- 
schen Vorstellungen zu verdanken haben. Um das Jahr 
1560 herum, erzählt Suleia Takashima,^) lebte in Izumo 
ein junges Mädchen, Namens Okuni, die ihr Leben 
dem religiösen Dienste als „Miko" oder heilige Tänzerin 
geweiht hatte. Nun war der berühmte Tempel von 
Izumo Oyashiro in so baufälligem Zustande, dass Okuni 
sich entschloss, durch das Reich zu ziehen und Mittel 
zur Wiederherstellung des allverehrten Heiligthums zu 
sammeln. Auf ihrer Wanderung kam sie auch nach 
Kyoto und gab dort vor hervorragenden Persönlich- 
keiten Vorstellungen heiliger Tänze und mythologischer 
Spiele. Dadurch und durch ihre Sammlungen erwarb 
sie so viel, dass sie, in ihre Heimat zurückgekehrt, ihre 
pietätvolle Absicht ausführen und den Tempel restau- 
riren lassen konnte. Okuni, die auch den wohlbekannten 
Shogun Nobunaga durch ihr Spiel entzückte, war von 
ungewöhnlicher Schönheit und besonderer Frömmigkeit 
und Sittenstrenge. Zum grossen Bedauern ihrer hohen 
Gönner entsprach aber ihre spätere Lebensführung 
nicht den in sie gesetzten Erwartungen, und nach 
mancherlei Wechselfällen des Schicksals sank sie gar 
so tief — horribile dictu! — öffentlich als Schau- 
spielerin aufzutreten. Ein Ronin im Dienste des Shogun 
Nobunaga, Namens Nagoya Sanzaimon, schrieb ihr die 
Stücke, und im Jahre 1575 gab Okuni in Kitano, 
einem Vororte von Kyoto, die erste theatralische Vor- 
stellung. Adolf Fischer^) weiss nebst dieser noch eine 

>) Suleta Takashima, The Japanese Theatre. In nThe far East", Tokyo, 
September 1807. 

») Fischer, Adolf, Bilder aas Japan. Berlin 1897. 8°, pag. 178—179. 



andere Version über Okuni zu berichten. Nach derselben 
„war sie eine Priesterin im grossen Tempel von Kit- 
suki in Izumo (Nordwesten Japans), die sich in einen 
Schwerterverschlucker, Nagoya Sanzai, verliebte, mit 
dem sie nach Kyoto floh. Auf dem Wege dorthin ver- 
liebte sich ein anderer Gaukler in das schöne Weib, 
wurde aber von dem eifersüchtigen Sanzai getö itet. 
Dies Ereigniss machte auf Okuni einen so tiefen Ein- 
druck, dass ihr das Antlitz des um ihretwillen Er- 
schlagenen in Visionen erschien. Zu ihrem Unterhalte 
gab sie im ausgetrockneten Flussbett des Kamogawa 
pantomimische Aufführungen; dann ging sie nach Yeddo 
(Tokyo) und begann dort regelrechte Stücke darzu- 
stellen. Sanzai selbst entwickelte sich zum vortrefflichen 
Schauspieler. Nach seinem Tode kehrte Okuni nach 
Kitsuki zurück, wo sie eine bedeutende Dichterin wurde 
und auch Unterricht in der Dichtkunst ertheilte. Späterhin 
liess sie sich, da sie den Tod jenes Opfers ihrer 
Schönheit sühnen wollte, das Haar abschneiden und 
wurde Nonne ; auch erbaute sie, um seiner Seele Ruhe 
zu verschaffen, einen kleinen Tempel, worin sie bis zu 
ihrem Ende lebte und lehrte. Noch vor etwa dreissig 
Jihren stand dieser Tempel ; jetzt ist er ganz ver- 
fallen und nur noch eine gebrochene Statue des Gottes 
Jizo erhalten. Okuni's Familie existirt heute noch in 
Kitsuki, und bis zur Revolution (1868) hatte das Ober- 
haupt das Recht, von jeder Einnahme des dortigen 
Theaters einen Gewinnantheil zu fordern." 

Okuni ist also keine erfundene Gestalt, sondern eine 
historische Person, an deren Existenz nicht zu zweifeln 
ist ; und da sie dies ist, so ist auch weiter nicht daran 
zu zweifeln, dass sie die Begründerin des dramatischen 
Spieles in Japan ist, dass also das japanische Theater 
heute etwas mehr als dreihundert Jahre alt ist. Wichtiger 
aber als die genaue Feststellung dieses Zeitpunktes 
sind für die Verfolgung der Entwicklung des japani- 
schen Theaters einige andere Belehrungen, die wir aus 
den beiden angeführten Erzählungen schöpfen können. 
So verschieden darin berichtet wird, und so wenig 
vereinbar mit einander diese Berichte sind, in den für 
unsere Untersuchung bedeutsamsten Punkten stimmen 
beide Versionen mit einander überein. Okuni war eine 
religiöse 1 änzerin oder Priesterin, sie trat zuerst tanzend 
und in mythologischen Spielen oder in pantomimischen 
.Aufführungen auf und endlich gab sie regelrechte 
öffentliche Schauspiele. Ohne uns vorerst mit der Frage 
zu beschäftigen, welcher Art und welchen Inhalts diese 
ersten öffentlichen Schauspieldarstellungen gewesen sind, 
begnügen wir uns vorderhand, aus den also über- 
einstimmenden Berichten festzuztellen, dass das japa- 
nische Theater sich aus der Aufführung geistlicher 
Spiele entwickelt hat. Geradeso wie in Europa, in 
Frankreich und in Italien, in Deutschland und in Eng- 
land, bei vollkommener gegenseitiger Unabhäigigkeit 
und ohne Anlehnung an die alten Griechen und Römer 
das Theater gegen die Wende des Mittelalters aus der 
christlichen Liturgie und kirchlichen Ceremoaiea seinen 
Ursprung genommen und das profane Drama sich aus 
der Darstellung von Begebenheiten aus der biblischen 
Geschichte, von sogenannten Mysterien und Oiter- 
spielen (vgl. das Passionsspiel in Oberammergau), Mi- 
racles und Moralitäten') entwickelt hat, geradeso haben 
sich auch die Japaner vollkommen selbständig und von 
der Darstellung religiöser Ceremonien und mythischer 
Begebenheiten ausgehend ihr Theater geschaffen. Ein 
Parallelismu», wie er für die vergleichende Literatur- 
geschichte und Volkskunde kaum interessanter geJacht 
werden kann. 

Welcher Art die ersten Vorstellungen des japani- 
schen Theaters gewesen sind, das lässt sich nach dem 
Gesagten leicht beurtheilen. Wie in den genannten 
Ländern Europas die Schauspiele anfänglich der dramati- 

») Vgl. AU, H., Theater md Kirche in ihrem gegenseitigen VerbältniBSe 
historisch dargeatel't. 184(3. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT, 



sehen Handlung entbehrten, wie hier das dem Auge 
Gebotene die Hauptsache war und ein dürftiger Dialog 
nur zu dessen lirkiärung diente, so auch in Japan. 
Hier wie dort bestand die Aufführung in Pantomimen 
und Charakterrecitationen, nur mit dem Unterschiede, 
dass in Japan dem Tanze als liturgischer Handlung 
einerseits und als dem das Volk vorzüglich ansprechenden 
Vergnügungsmittel andererseits ein grösserer Raum ge- 
währt wurde, ja dass der Tanz in japanischen Theater- 
vorstellungen nicht nur das vorherrschende, sondern 
auch das ausschliessliche Kunstelement war. Okuni 
halte mit rein choreographischen Darstellungen gewiss 
grösseren Erfolg als mit der Aufführung der Stücke 
des ersten japanischen Dramendichters Nagoya Sanzai- 
lEon, und sie scheint auch vornehmlich Tanzvorstel- 
lungen gegeben zu haben. Dies dürfen wir daraus 
schliessen, dass ein gewisser Dansuky, der ein halbes 
Jahrhundert nach Okuni, also in der ersten Hälfte des 
siebzehnten Jahrhunderts, von Kyoto nach Osaka kam, 
um hier mit anmuthigen Mädchen Tanzvorstellungcn zu 
geben, diese „Okuni Kabuki", d. i. „Schauspiele ä la 
OkuDi" nannte; freilich waren diese Vorstellungen, zu 
welchen Dansuky die Mitglieder seiner Truppe selbst 
abgerichtet hatte, wohl keine heiligen Tänze, denn die 
reizenden jungen Damen, die er sich dazu auserwählt 
halte, waren auch keine Priesterinnen oder wenigstens 
solche eigener Art. 

Wie keine culturelle Errungenschaft plötzlich vom 
Himmel fällt, sondern stets nur auf einem wohl vorbe- 
reiteten Boden entsteht und ihre Vorläufer hat, die de 
Welt auf ihr Erscheinen vorbereiten und zu ihrem 
Empfange fähig machen, so ist auch nicht anzunehmen, 
dass die Japaner mit einemmale ein Theater und 
Dramen hatten und daran Gefallen fanden, ohne dafür 
gehörig gestimmt gewesen zu sein. Zweifeln wir also 
auch gar nicht daran, dass auf Okuni die Anfänge des 
japanischen Theaters, so wie dieses heute noch ist, 
zurückzuführen sind, so ist weiter doch auch daran 
nicht zu zweifeln, dass sihon vor ihr und ihrer Zeit 
bestehende Verhältnisse sie auf den von ihr zuerst ein- 
geschlagenen Weg führten. Für diese Behauptung 
mangelt is auch nicht an Beweisen, und für wie alt 
die Japaner selbst — nicht die Darstellungen von 
Dramen — sondern nur die Tanzvorstellungen halten, 
das zeigt eine japanische Legende. Nach dieser verbarg 
sich einst die Sonnengöttin aus Aerger über ihren 
Bruder Mond in einer Höhle, so dass im Himmel und 
auf der Erde tiefe Finsterniss herrschte. Da ver- 
sammelten sich die Götter der Erde zu feierlicher Bc- 
rathung und sannen nach einem Mittel, die Neugierde 
der vSonnengotiheit zu erwecken und sie aus ihrem 
Versttcke hervorzulocken. Sie kamen überein, das< 
dieser Zweck am sichersten durch die Vorführung 
heiliger Tänze zu erreichen sei, und in der That wuide 
die zürnende Göttin dadurch bestimmt, aus ihrer Ver- 
borgenheit herauszutreten, und die Finsterniss hatte ein 
Ende. Soweit die Legende, und da nach der japani- 
schen Theogonie die Erdengötter die Erde verliessen, 
als hier die himmlischen Götter zu herrschen anfingen, 
und da das Menschengeschlecht eben von den Himmli- 
schen abstammt, so versetzt die Legende die E' findung 
des religiösen Tanzes und zugleich des Tanzschauspiels 
in uralte, mythische Zeiten zurück. 

Eines wenigstens ist aus dieser mythologischen Er- 
zählung zu schliessen, nämlich, dass Tanzvorstellungcn 
in Japan schon so alt sind, dass die Japaner selbst 
sich nicht mehr an ihren Ursprung erinnern. Und dies 
ist begreiflich, wenn man bedenkt,] dass der Ueber- 
gang des im engeren Familienkreise gepflegten und je 
nachdem nur von einer oder einigen wenigen Personen 
ausgeführten Tanzes, also der Pnvatvorstellung in die 
öffeniliche Vorstellung sich nur nebenbei und unmerk- 
lich vollzogen hat, so dass ein Zeilpunkt für diesen 
allmäligen Uebergang unmöglich angegeben werden 



kaaa. Oeffentliche, d. b. vor eiaem grösseren Kreise 
gegebene und private Tanzvoritelluogea ntögca in 
Japan seit altersher nebeneinander bergegangen seio, 
sowie es auch nach Okuni und bis zum heutigen Tage 
öffentliche Vorstellungen auf den Theatern gibt, neben 
dem, dass man sich bei (estlichen Gelegenheiten oder 
auch ohne solche in geschlossenen Gesellscbaften oder 
zu Hause von den berufsmässigen Tänzerinnen (Gaisbas) 
etwas vortanzen lässt. 

Als Vorläufer des japanischen Theaters dürfen wir 
wohl mit Recht die sogenannten Notänze betrachten. 
Sogenannt, sagen wir,' weil diese Spiele weniger Tänze, 
als pantomimische Darstellungen mit gesungener Decla- 
mation sind. Die wichtigsten Mittheilungen über die 
Notänze verdanken wir Adolf Fischer, der es sieb, wie 
vor ihm noch Niemand, angelegen sein liess, in Japan 
Näheres darüber zu erfahren, und uns die« in einem 
höchst lehrreichen Capitel*) zur Kenntniss gebracht 
hat. Vor Allem geht aus seinem Berichte hervor, dass 
die Notänze sehr alt und ebenfalls kirchlichen Ursprungs . 
sind, wie unsere zum Vergleiche schon angeführten 
Mysterien, Osterspiele etc., da sie aus Sh otoku 'lai- 
shi's Zeit stammen sollen, der im VII. Jahrhunderte n. Chr. 
den Horinjitempel gründete. Eben wohl wegen ihrer 
Anlehnung an das Religiöse wurden sie am Hofe des 
Mikado und an den Höfen der Sbogune und später 
auch im Kriege in den Zelten der Fürsten und Feld- 
herren aufgeführt. Für den letzteren Umstand fehlt 
uns leider die Erklärung, wenn es nicht etwa die ist, 
dass in den Noschauspielen diesen Personen be-oiscbc 
Tbaten der Tapferkeit und der Vasallentreuc vorge- 
führt wurden, oder die, dass diese hochgestellten Per- 
sönlichkeiten es ihrer Stellung schuldig zu sein glaubten 
und es für zum guten Tone gehörig betrachteten, es 
ihren Herren auch in der Pflege dieses Vergnügens 
nachzumachen. Für jede dieser beiden Annahmen 
lassen sich Gründe anführen. Dass das japanische 
Theater oder eben diese Notänze seinerieit dem mili- 
tärischen Wesen nicht unbedeutende Zugeständnisse 
gemacht haben müssen, das dürfie aus den Aeusserlich- 
keiten der älteren japanischen Theaterbauten geschlossen 
werden können. Der Name Shibai oder „Grasplatz", 
womit das Theater noch heute in der japaniscbea 
Umgangssprache bezeichnet wird, obgleich es nun 
schon ein Bau nach europäischem Muster ist, dieser 
Name kann allerdings ebenso gut darauf hinweisen, 
dass in früheren Zeiten die theatralischen Vorstellungen 
auf offenem Felde und unter freieni Himmel stattfanden, 
als auch auf die Gepflogenheit der Heeiführer, sich 
im Felde an Schauspielaufführungen zu vergnügen oder 
zu erheben ; doch der Umstand, dass die Shibaibauien 
bis vor noch gar nicht langer Zeit mit militärischen 
Abzeichen und Sinnbildern geschmückt und ausgestattet 
waren, spricht sehr zj Gunsten der letzteren Vermuthung. 
Die Theater hatten fiüher nicht allein die Gestalt eines 
Y^gura oder Thurmes, den Manche geradezu für das 
Modell eines Schlachithurmes erklären, sondern an den 
Ecken jener Thürme staken auch, nebst anderen mili- 
tärischen Insignien, Speere und Saibai (eine .\rt Borst- 
wisch, den in der Feudalzcit der .\nfQhrer auf dem 
Schlachtfcldc schwang, um die Soldaten zu muthigem 
Vorgehen anzueifern), und auch der bei Scbauspiel- 
bäusern älterer Form noch heutzutage bestehende 
Brauch, daran Fahnen mit dem Namen der Schau- 
spieler aufzupflanzen, mag als Erinnerung an mililärF- 
sehe Sitte gedeutet werden. Man könnte sich «Uo 
mit der Erklärung Suteta Takasbima's, dass in alter 
Zeit Theatervorstellungen vielleicht (!) hauptsächlich 
oder gar ausschliesslich den Zeitvertreib der Soldaten 
im Felde bildeten, mit der Bedingung einverstanden 
erklären, dass mit den Soldaten nicht die Mannschaft, 
sondern die höheren Offtciere und .Anführer gemeint 



•) n$^tT, i., a. a. 0., Dm NolhMlar la Xyvt». 



X" 



TTo^ctK >\_ 



6 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



sind. Und dies aus dem Grunde, weil zugleich für die 
Annahme, dass die Vorstellungen nur für diese aufge- 
führt wurden, die Thatsache spricht, dass die Notänze 
nicht nur früher auf die höfischen Kreise und die vor- 
nehme Welt beschränkt waren, sondern dass sie auch 
heute noch fast ausschliesslich von den höheren Ge- 
sellschaftsclassen — auch von Damen, die sonst gerade 
nicht zum ständigen Theaterpublicum gehören — be- 
sucht werden. Der exclusiv höfische und aristokrati- 
sche Charakter blieb den Nospielen bis zum XIV. Jahr- 
hundert gewahrt; erst in dieser Zeit wurde vom Shogun 
Ashikaga Yoshimitsu in Kamo bei Kyoto eine Notanz- 
halle für das Volk errichtet. 

Die Notänze oder Nospiele unterscheiden sich durch 
ganz besondere Eigenthümlichkeiten von den gewöhn- 
lichen erst durch Okuni ins Leben gerufenen Schau- 
spielen. Auch jene haben wie diese eine dramatische 
Handlung und auch ihr Sujet ist nicht auf eine be- 
stimmte Gattung des Tragischen oder Komischen be- 
schränkt, aber ihre Ausführung ist eine andere, näm- 
lich halb pantomimische und halb recitative. Eine 
musikalische Introduction leitet das Stück ein und der 
Chor, dem eine ähnliche Rolle wie dem Chore im alt- 
griechischen Theater zugetheilt ist, erzählt nicht nur 
vor dem Beginne des Schauspieles, was in diesem dar- 
gestellt und von wem es dargestellt werden wird, 
sondern er tritt auch zwischen den Scenen theils er- 
klärend, theils betrachtend und moralisirend ein. Wenn 
Fischer sagt, dass die Notänze am ehesten der europäi- 
schen Oper entsprechen, so meint er damit nur das 
Vorherrschen des musikalischen Elementes darin, nicht 
aber die Musik selbst, die er für unsere Ohren ge- 
radezu als qualvoll bezeichnet, bie Noschauspieler 
gehen nämlich von der Anschauung aus, dass es zu 
profan und der Würde der Handlung gar nicht ent- 
sprechend wäre, wenn sie singen würden, wie Menschen 
gewöhnlich zu singen pflegen; deshalb bestreben sie 
sieb, recht übermenschliche — wir würden wohl sagen, 
unmenschliche — Töne hervorzubringen, und da sie 
überdies Naturlaute, wie das Rauschen des Wassers, 
Donner, Sturm u. dgl. tonmalerisch nachzuahmen 
suchen, so lässt sich vorstellen, was für musikalische 
Undinge auf den Nobühnen geleistet werden. Dazu 
kommt noch eine besondere Merkwürdigkeit, nämlich 
dass die Notänze „in einer heute nicht mehr verständ- 
lichen Sprache abgefasst, zudem in einer gezierten, 
unnatürlich veischnörkelten Manier geschrieben sind, 
die vor Jahrhunderten am Hofe der Shogune geläufig 
gewesen" sein soll. Deshalb sind auch die japanischen 
Besucher der Noiheater gezwungen, zum besseren Ver- 
ständnisse der Vorgänge auf der Bühne diese mit 
einem Ttxtbuche id der Hand zu verfolgen; ob aber 
eben die Unverständlichkeit der Sprache den Besuch 
der Notheater auf die höheren und gebildeten Kreise 
beschränkt hat, oder ob diese Beschränkung, wie 
schon angedeutet, ein Utberbleibsel aus alter Zeit ist, 
das wollen wir unentschieden lassen. 

Der Vorzug, dessen sich die Notänze vor den an- 
deren Schauspielen erfreuen, äussert sich übrigens auch 
noch in verschiedener anderer Hinsicht. Ausser in 
Tokyo finden Novorstellungen nur auch in Kyoto statt, 
wo ein Notheater von Kunstfreunden errichtet wurde 
und wohin die Schauspieler nur einmal des Monates 
von Tokyo kommen. Die Noschauspieler, in deren 
Familien die Nokunst sich von Generation auf Gene- 
ration fortgeerbt hat, rühmen sich ihrer Abstammung, 
und sie stehen auch in höherem Ansehen und nehmen 
auch eine geachtetere sociale Stellung ein, als die an- 
deren Schauspieler. Welche Werthschätzung die No- 
tänze bei den Japanern geniessen, das lässt sich auch 
daraus erkennen, dass vornehme und aristokratische 
Familien ihre Söhne von Noschauspielern in Nogesängen 
und Notänzen unterrichten lassen, und dass jene, sobald 
sie ausgebildet genug sind, sogar öffentlich auftreten. 



Wenn wir die Notänze für Vorläufer des mo lernen 
japanischen Theaters oder des Okuni-Kabuki-Theaters 
erklärten, so haben wir damit nicht im Sinne der land- 
läufigen Meinung gesprochen. Nach dieser ist der Ur- 
sprung des modernen japanischen Theaters auf die 
Puppenspiele zuiückzuführcn. Ob und in wieferne diese 
Ansicht als richtig angenommen werden kann oder als 
unrichtig verworfen werden muss, das ist unseres Er- 
achtens nicht schwer festzustellen. Wir wollen nicht 
einmal darauf hinweisen, dass Okuni oder den Be- 
gründern des modernen japanischen Theaters und 
Dramas die Notänze, die sie sich zum Vorbilde nehmen 
konnten, unbekannt waren ; das möchte zwar bei einer 
in der Abgeschiedenheit lebenden Person möglich sein, 
aber da Okuni das Land bereiste und bei der Aus- 
bildung der modernen Theaterverhältnisse auch andere 
Personen mitwirkten, so ist die Wahrscheinlichkeit, 
dass diese oder jene von der Existenz der Noschau- 
spiele nichts wussten oder nicht Kenntniss erlangt 
hätten, vollkommen ausgeschlossen. Angenommen aber, 
dass es dennoch so wäre und dass das Okuni-Kabuki- 
Theater thatsächlicb nur eine Weiterbildung von 
Puppenspielen wäre, so müssen wir doch wieder fragen, 
wie denn die Japaner auf diese gekommen sind? Was 
ist wahrscheinlicher: dass die Japaner durch das Spiel 
lebender Wesen auf das von Puppen gebracht wurden, 
oder dass sie umgekehrt durch das Spiel von Puppen 
auf den Gedanken kamen, diese durch Menschen zu 
ersetzen? Dass letzteres möglich wäre, wird durch die 
Thatsache bewiesen, dass man vor kaum einem 
Menschenalter erst im Ayatsuri Shibai oder Puppen- 
theater an die Stelle der Puppen kleine Mädchen als 
Darstellerinnen treten Hess. Eine solche Stellvertretung 
aber von allem Anfange an, gleichviel ob wir das 
Okuni-Kabuki-Theater oder die Notänze im Auge haben, 
anzunehmen, dagegen sprechen mehrere Gründe. Da 
der Anfang des Okuni-Theaters wie des Notheaters 
auf die Darstellung geistlicher Tänze zurückzuführen 
ist, so ist es wohl schon fürs Erste nicht glaubhaft, 
dass man diese Tänze anstatt von Priesterinnen oder 
wenigstens lebenden Menschen von Marionetten dar- 
stellen liess ; und sind später Marionetten zur Dar- 
stellung profaner Stücke verwendet worden, so ist eben 
das Puppentheater nicht das Ursprüngliche gewesen. 
Abgesehen aber von den geistlichen Tänzen, hat das 
tanz- und musikliebende japanische Volk ohne Zweifel 
schon lange vor der Zeit öffentlicher Vorstellungen 
sich im häuslichen und privaten Kreise an getanzten 
Liedern vergnügt; und wie der japanische Tanz ohnehin 
kein Tanz in unserem Sinne, sondern vielmehr ein Spiel 
ist, das für die Augen der Zuschauer berechnet, aus 
graziösen Körperwendungen und Bewegungen der Arme 
und Hände besteht, so ist schon damit allein der Grund 
und Aistoss zu pantomimischen Darstellungen gegeben. 

Wie stark die Neigung des japanischen Volkes ist, 
Gesang und Tanz, Wort und Geberde zu theatralischen 
Aeusserungen zu verbinden, das macht sich selbst bei 
rein epischen Vorträgen bemerkbar. Die Daikoku-ma- 
oder Volksgesänge der Yama - no - mono, eines ver 
achteten Volksstammes in Matsue (Izumo), 1 efern ein 
lehrreiches Beispiel hiefür. Obwohl es nur Balladen 
ohne jede dramatische Einkleidung sind, die die Yama- 
no-moDO zum Vortrage bringen, so i^t dieser doch 
ziemlich stark dramatisch gefärbt. Die Sängerinnen, 
junge Mädchen, treten in zwei Partien auf, von welchen 
die eine, mit Fächern und papierenen Hämmern ver- 
sehene, das eigentliche Lied vorträgt während die 
andere, mit Castagnetten spielende, den Chor bildet J 
ein älteres Weib tanzt dazu einen phantastischen Tanz, 
der ebensowenig zu dem mitunter recht tragischen In- 
halte der Balladen stimmt wie das Gelächter, mit 
welchem die Alte den Vortrag manchmal begleitet.^) 



') Vgl. Lajcadio Heatn, Three populär büllads. In Transactions of Ihe 
Asiatic Society of Japan. Vol. XXII., part. III., 18-'4. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



I 



Da die Yama-no-mono eine eigeoe Mündart sprechen, 
so ist es höchst bemerkenswerth, dass sie ihre Ge- 
sänge in reiner japanischer Sprache vortragen, obwohl 
sie selbst ganz ungebildet sind; das Uaikoku-mai hat 
sich eben als künstlerisrhes lirbe von den Eltern auf 
Kinder und Enkel fortgei)flanzt und bis zum heutigen 
Tage in der Sprache erhalten, in welcher jene Gene- 
rationen der Yama-no-mono zu verkehren pflegten, die 
aus der Gesellschaft noch nicht ausgcstossen waren. 

Ohne dem Balladengesange der Yama-no-mono irgend 
welche Bedeutung für die Geschichte der Entwicklung 
des japanischen 'Iheaters beilegen zu wollen, dürfen 
wir ihn doch als ein Beispiel für die ursprünglichen 
und ungekünstelten Anläufe der Japaner zu theatrali- 
schen Aeusserungen betrachten. Vielleicht ist bei keinem 
anderen Volke der Erde das Epische mit dem Dramati- 
schen so nahe verwandt wie bei den Japanern, und 
es darf die Entwicklung des japanischen Theaters als 
die natürliche Folge dieser Verwandtschaft betrachtet 
werden. Der mit dem Gesangsvortrage verbundene 
l'acz ist der Keim, aus welchem langsam aber sicher 
das dramatische Leben hervorgegangen ist. Als nächst 
höhere Entwicklungsstufe mögen die zwischen Panto- 
mime und Singspiel sich bewegenden Notänze gelten, 
und aus ihnen und neben ihnen mag mit Uebernahme 
des in ihnen wirkenden, erklärenden und moralisirenden 
Chores das Puppentheater entstanden sein. Aus dem 
Puppentheater mag sich hinwieder der Chor losgelöst 
und selbständig geworden, d. h. sich zum sogenannten 
Gidayu umgewandelt haben; das Gidayu ist näm- 
lich nichts Anderes als ein dramatischer Vortrag, in 
welchem eine Petson alle Rollen in sich vereinigt, 
also diese und die dazu gehörigen Gesänge allein und 
nur mit Musikbegleitung einer zweiten Person vorträgt. 
Das Okuni-Kabuki-Theater endlich hat, wieder selbst- 
ständig von den religiösen Tänzen ausgehend, sich 
theils an die Notänze, theils an das Puppentheater an- 
gelehnt und sich seit seiner Entstehung bis zum heutigen 
Tage ziemlich unverändert erhalten. 

Dc:r Stillstand in der Entwicklung des japanischen 
Theaters ist sowohl auf innere wie auf äussere Gründe 
zurückzuführen. Das gewöhnliche oder Okuni-Kabuki- 
Theater hat sich nie der besonderen Gunst der Macht- 
haber und des vornehmen Publicums erfreut. In Osaka, 
wo Dansuky, wie schon erwähnt, mit den von ihm 
unterrichteten Mädchen Tanzvorstellungen gab, wurden 
diese bald verboten, und wenn auch später wieder ge- 
spielt werden durfte, so wurde diese Erlaubniss doch 
auch öfters wieder aufgehoben. Die Gründe dieser 
Verbote sind zwar rieht bekannt, doch werden wir 
kaum fehlgehen, wei:n wir sie in sittlichen Bedenken 
der Bcbörden suchen. Gewiss hat es auf die Entwicklung 
des japanischen Theaterwesens auch nicht förderlich 
wirktn können, dass es in früheren Zeiten strenge ver- 
boten war, Schauspielhäuser in anderen, als in den 
h;ezu vorgeschriebenen Bezirken zu errichten. 

Nahcliegcnderwcise hatten unter so ungünstigen Ver- 
bältnissen auch die Bühnendichter und Schauspieler zu 
liiJen. Die dramatischen Dichter wurden nicht nur 
flüher, sondern werden auch heute noch für tief unter 
den japanischen „Lyrikern'" stehend angesehen und 
demgemäss geringgeschätzt, und die Schauspieler waren 
früher mitsaromt ihrem Berufe so verachtet wie die 
Bettler und das Betteln. Die Schauspieler waren nicht 
nur aus der Gesellschaft ausgeschlossen, sondern sie 
genossen auch keine unbeschränkte Freiheit ; wenn sie 
öffentliche O.te besuchten, durften sie nur mit dem 
Mebakari-Zukin auf dem Kopfe erscheinen, einem Hut 
oder Helme, der das ganze Gesicht bedeckte und nur 
die Augen frei licss, und wenn sie unbehelligt bleiben 
wollten, durften sie auch nur Vorstadtgastwirthschaften 
besuchen, wo sie ganz unbekannt waren. Wenn dies 
auch heute anders geworden und die sociale Stellung 
der Schauspieler eine bessere ist, so ist deren Ansehen 



im Allgemeinro doch noch lange otcbt mit dem «i 
vergleichen, dessen die Scbaucpielcr sich beute — in 
früherer Zeit ist das auch bei ud* ändert gewesen — 
bei uns erfreuen. 

Wenig zuträglich kann es einem Aufschwünge des 
japanischen Theaterwesens auch nur gewesen sein, 
dass bei den japanischen Schauspielern auch ein ge> 
wisses Kastensystem herrscht. In den Scbauspieler- 
familien oder Künstlerdyoastien erbt sich die Kunst 
vom Vater auf den Sohn oder auf den als Sohn 
adoptirten LieblIngsscbQlcr fort, und da jede Familie 
ihre eigene Darstellungsweise bat, an der sie pietätvoll 
und stolz festhält, so ist es schon aus diesem Grunde 
nicht gut möglich, dass die darstellende Kunst in neue 
Bahnen gelenkt wird. Dazu kommt aber auch noch 
ein gewiäsermaassen bandwerksmässiges Ausbildungs- 
system, das die freie Entfaltung persönlicher künstleri- 
scher Eigenheiten zu hemmen fähig ist. Der angebende 
und werdende Schau.<'pieler muss b'S zu seiner voll- 
kommenen Selbständigkeit alle die vorgeschriebenen 
Stadien der Lehrlingszeit praktisch durchlaufen, und 
er muss diese beispielsweise damit beginnen, dass er 
als — Pferdefuss auftritt, indem er mit einem Novizen 
gleichen Ranges die über einem Gestelle aufgebaute 
Figur eines Pferdes ohne Posse zu tragen und Schritt, 
Trab, Galopp, Aufbäumen u. dgl. zu markiren bat. 

Ehe wir auf die Leistungen der Schauspieler xa 
sprechen kommen, glauben wir hier zum Schlüsse noch 
auf eine besondere Eigenheit des jipanischen Theaters 
als ein Hinderniss von dessen künstlerischer Entfaltung 
hinweisen zu müssen, das ist nämlich das getrennte 
Spiel von Männern und Frauen. Es gibt in Japan 
Bühnen, auf denen nur Männer, und solche, auf denen 
nur Frauen auftreten, aber keine Bühnen, auf denen 
Männer und Frauen zusammen spielen. So ist es, 
seitdem im XVII. Jahrhunderte, wahrscheinlich aus 
aittenpolizeilichen Gründen, das Zusammenspiel von 
Männern und Frauen verboten wurde; seitdem müssen 
in Japan wie im classischen Alterthum, wo „der zarte 
Bathyll pantomimisch tanzte die Leda", die Männer 
auch die Frauenrollen spielen. Wahrscheinlich führte 
auch dies zu Zuständen wie im alten Rom, und da 
man einem Juvenal nichts zu thun geben wollte und 
Japan einen solchen auch gar nicht hervorbringen 
konnte, so machte man der üblen Sache damit ein 
Ende, dass man die öffentlichen Theatervorstellungen 
ganz und gar verbot; dieses Verbot wurde zwar ball 
wieder aufgehoben, aber unter der Bedingung, dass 
alle Schauspieler sich das Vorderbaupi und die Augen- 
brauen abrasiren Hessen. Heutzutage noch erfreuen 
sich die Onnagata oler Darsteller von Frauenrotlca 
besonderer Beliebtheit und Ansehens bei dem Publicum ; 
die „männlichen Liebhaberinnen" werden xu ihrer 
doppelt schwierigen Rolle besonders eriogen und 
dürfen von zartester Kindheit an, auch selbst stets aU 
Mädchen gekleidet, nur mit Mädchen verkehren, um 
sich dadurch das Weibische recht anzugewöhnen. 

Die Schauspieler werden nach ihrem Rollenfacbe in 
vier Classen eingetheilt. Der Aragotosbi spielt die 
Grobiane ; der Jitsugotosbi stellt historische Charaktere 
mit loyaler und ritterlicher Gesinnung dar; der Wage- 
toshi spielt wohlgebildete, feine Leute, und der J<isut- 
kushi ist der Intrigant. Die Leistungen der j<paoisch-n 
Schauspieler werden von allen unvoreingenommenen 
Beurthcilern im Allgemeiuen gelobt. Was in ihrem 
Spiele getadelt wird, dss sind die Ucbertreibungen und 
ihre oft unnatürliche Mimik und puppenhaften Be- 
wegungen ; die ersteren sind der Schulung und de« 
japanischen Wesen und Geschmack Oberhaupt tutu- 
scbreiben, und das Marionettenbafte ist ein Ucber- 
bleibsel aus der Zeit, wo historische Stücke auf dem 
Puppentheater aufgeführt wurden. Wenn auch der 
Taoz als die erste und letzte Qualification eines jipani- 
schen Schauspielers beteichnet wird, so wird doch 



l- 

'.—». 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



auch viel auf ein ausdrucksvolles Mienenspiel gehalten, 
und wie es auch andererseits im Orient gebräuchlich 
ist, £0 hält auch in Japan der Kurombo oder Theater- 
inspicient dem Schauspieler ein Licht vor das Gesiebt, 
um dessen Mienenspiel zu beleuchten. 

Die Ausstattung des japanischen Theaters sowohl 
auf der Bühne wie im Zuschauerräume war in früheren 
Zeiten so einfach wie im altenglischen Theater. Heute 
entbehrt der japanische Theaterapparat nichts, was 
wesentlich dazu gehört, die Vorstellung auch äusserlich 
möglichst wahrheitsgetreu erscheinen zu lassen. An- 
statt gemalter Decorationen und Seitencoulissen werden 
massive Gegenstände und Versatzstücke gebraucht, 
und eine drehbare Bühne, Mawari-butai, ermöglicht 
rasche Verwandlungen. Eine besondere Eigenthüm- 
lichkeit der japanischen Bühne bildet das Hanamichi 
oder der Blumenweg ; das ist eine Art erhöhter Treppen- 
weg oder Steg, der sich von der Bühne bis zum Aus- 
gange durch den Zuschauerraum zieht und auf welchem 
die Schauspieler, wie aus der Ferne kommend oder 
dahin ziehend, zur Bühne oder von dieser weggehen, 
und worauf sie, wie unterwegs, auch ganze Scenen 
spielen. Ein grosser Aufwand wird mit den Vorhängen 
getrieben, da man einem Künstler anstatt eines Kranzes 
oder einer anderen sichtbaren ."Auszeichnung einen 
kostbaren Maku oder Vorhang stiftet, auf welchem 
Pbantasiemuster oder die Hauptrollen des betreffenden 
Schauspielers eingestickt sind. In Theatern ersten 
Ranges sind die Vorhänge seitwärts, in solchen zweiten 
Ranges sind sie in die Höhe zu ziehen. 

Auch im Zuschauerräume des japanischen Theaters 
sieht es heute anders, nämlich geschmackvoller und 
bequemer aus als früher. Vormals gab es für die 
Zuschauer weder Polster noch Matten, und die Sitze 
waren nicht, wie heute, durch niedrige Holzgeländer, 
sondern durch Stricke abgetheilt. Heute ist für die 
Bequemlichkeit der Zuschauer vollauf gesorgt, und das 
ist um so nothwendiger gewesen, als sich die japani- 
schen Theaterstücke durch besondere Länge aus- 
zeichnen, und wo dies nicht der Fall ist, mehrere 
Stücke hinter einander aufgeführt werden, so da;s die 
Vorstellung den ganzen Tag von Vormittag oder 
Morgen bis Abends dauert. Die Theaterbesucher, die 
auf ihre Kosten kommen wollen und den ganzen Tag 
ausharren, richten sich deshalb im Theater so bequem 
als möglich ein, essen, trinken und rauchen da von 
den mitgebrachten Vorräthen und machen während der 
Pausen in der Undoba oder dem Theaterhof zur Er- 
holung einen Spaziergang. Um aller Plackereien der 
Vorbereitungen enthoben zu sein, wendet man sich 
drei bis vier Tage vor dem Theaterbesuch an einen 
Theehausbesitzer, der von den Billets angefangen alles 
Nöthige besorgt, was dazu gehört, sich des Kunst- 
genusses mit Behagen freuen zu können. Trotzdem 
also ein Theaterbesuch in Japan, wie die Japaner 
selbst offen gestehen, kein gar einfaches Ding ist, so 
haben die Theater doch ihr Publicum und sind be- 
sonders im F"rühlinge und Herbste stark besucht. 
Theaterstädte ersten Ranges- sind Tokyo, Osaka und 
Kyoto, wozu in der neuesten Zeit noch Nagoya ge- 
treten ist ; Tokyo konnte bisher als die vornehmste, 
Osaka als die blühendste Theaterstadt gelten. 

Was das Wichtigste, nämlich die Schauspiele der 
Japaner selbst betrifft, so würden wir diesen ein 
grosses Unrecht zuzufügen glauben, wenn wir unsere 
Kritik von dem Urtheile Anderer — selbst der er- 
klärten Freunde und Verehrer der Japaner — beein- 
flussen Hessen. Die Japaner kennen nur drei Kate- 
gorien von Stücken: das Jidaimono oder historische 
Drama, das Sewamono oder das bürgerliche (sociale) 
Schauspiel, und das Oiyemono oder die aristokratische 
FamilientragüJie. Das historische und das bürgerliche 
Schauspiel sind am volksthümlichslen und werden auch 
öfter als die aristokratischen FamilientragöJien auf- 



geführt ; in der Feudalzeit, da das Theater haupt- 
sächlich didaktischen Zweck hatte, scheint das histo- 
rische Drama den Vorrang vor anderen Stücken ge- 
habt zu haben. Mit der Erwähnung eines Zweckr^s 
des Theaters sind wir bei der nicht unbedeutsamen 
F'rage angelangt, ob das japanische Theater für die 
Erziehung des Volkes von Werth ist oder nicht. 
Gegenüber der Ansicht, dass das japanische Theater 
als Culturfactor nicht mitzählt, wollen wir nun die 
Aeusserung eines Japaners hören. Suteta Takashimi 
sagt: „Zur Zeit, als die Gelegenheiten zur Erziehung 
auf einen kleinen Kreis der Gesellschaft, nämlich auf 
die Samurai (Krieger) und Priester beschränkt war, 
hatte das gemeine Volk keine Mittel, sich Kenntnisse 
und Bildung zu erwerben. Ethische Zwecke scheinen 
mehr als reine Unterhaltung das Hauptmotiv in der 
Entwicklung der japanischen Theater gewesen zu sein. 
Dass Schauspiele die Kenntniss der Geschichte und 
den Geschmack daran Leuten beigebracht haben, die 
nie ein Buch in die Hand nahmen, ist nicht zu leugnen. 
Die Geschichten, die in die Dramen verwoben sind, 
sind auf die Idee der Loyalität, der kindlichen Liebe 
und der Ritterlichkeit gegründet. Vom Standpunkte 
der I hatsachen aus betrachtet, wie ihn die Europäer 
einnehmen, müssen die meisten Schauspiele eine Reihe 
von raffinirten Absurditäten scheinen. Die Ausländer 
werden vielleicht nie fähig sein, die Extreme zu ver- 
stehen, bis zu welchen die Idee der Loyalität von den 
Japanern geführt wurde, die nicht zögern würden, 
nicht nur sich selbst, sondern im Nothfalle ihre ganze 
Familie für ihren Herrn zu opfern. Was für eine mo- 
ralische Lehre könnte der Westländer aus der pathe- 
tischen Geschichte eines edlen Mädchens ziehen, die 
ihre Tugend verkauft, nur um ihre Eltern vom finan- 
ziellen Verderb-tn zu retten? Ohne Zweifel mag die 
ganze Richtung des Schauspieles fremden Kritikern 
unnatürlich und unbegründet scheinen, aber das- Volk 
ist in feudalen Ideen so geschult, dass sein Sinn auf 
Ereignisse vorbereitet ist, die der Westländer als 
höchst unnatürlich und grotesk betrachten würde. So 
lange unsere ausländischen Freunde dieses unser alt- 
ererbtes Gefühl nicht vollkommen zu schätzen wissen, 
werden sie wahrscheinlich auch nie in der Lage sein, 
unseren historischen Schauspielen mit vollem Verständ- 
niss und Mitgefühl zu folgen." Diesen Worten noch 
etwas hinzuzufügen, ist wohl überflüssig. 

Wenn aus dem Vorangehenden schon hervorgeht, 
welcher Art der Inhalt der japanischen Schauspiele ist, 
so fragt sich noch, wie es mit der Technik des Dramas 
bestellt ist. Europäischerseits wird diese im Allgemeinen 
kaum höher geschätzt als der Inhalt. Da hören wir, 
dass die Einheit der Handlung, des Ortes und der Zeit 
dem japanischen Dramaturgen nicht viel Kopfzer- 
brechens machen ; dass man Mühe haben würde, eine 
Lösung des Knotens in der Handlung zu finden, deren 
es eigentlich keine oder, wenn man will, mehrere gebe; 
dass die lotrigue vom Beginne bis zum Ende der Vor- 
stellung in eigentlicher Weise variire; dass eine und 
dieselbe Serie von Begebenheiten, die zu einer Lösung 
führen, sich nicht über zwei oder drei Acte des sechs 
oder acht Acte bietenden Stückes hinausziehe; dass 
man drei oder vier unter sich kaum im Zusammen- 
hange stehende dramatische Situationen sich successive 
aufrollen sehe und es schwer falle, herauszufiaden, 
wodurch Anfang und Ende zusammengehalten werden; 
dass das, was das Stück zum Abschlüsse bringt, nicht 
eine definitive Lösung, sondern die vorgerückte Zeit 
sei, da man ja doch nicht in die Ewigkeit hinaus fort- 
spielcn könne.") Dieses dramaturgische Sündenregister 
scheint uns lang genug, dass auch wir uns wieder zum 
Woite melden können. Unsere Erwiderung lässt sich 



•) Bing S. Le Japan .irtisliqae. Vgt. Das japaniäche Theater. In „Oester- 
reichische Monatscbrift für den Orient". Jahrgang XVI, November-Dccember 
18S0, pag. 17!). 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



j kurz in den Satz zusammenfassen, dass wir uns an- 
derer Meinung zu sein erlauben. Allerdings ist nicbt 
zu leugnen, dass das japanische Drama seine Schwächen 
hat, aber so bedeutend sind diese keineswegs, dass 
jenes zum uncjualiflcirbaren Uuding wird. Wir müssen 
, es uns hier versagen, auf den Inhalt und die Entwick- 
lung der japanischen Schauspiele im Besonderen cin- 
' zugehen, doch mag wohl auch der Hinweis auf die 
japanische Bühnenliteratur genügen, die Stücke genug 
aufweist, welche das abfällige Urtheil über den Inhalt 
und den technischen Aufbau des japanischen Dramas 
in keiner Weise rechtfertigen. Sprechender können jene 
Anwürfe doch nicht wideilegt werden, als durch die 
Möglichkeit, japanische Schauspiele auch für europäische 
Bühnen einrichten und für den europäischen Geschmack 
geniessbar machen zu können, wie dies thatsächlich 
schon geschehen ist.') 

Nach diesem bescheidenen Versuche der Ehrenrettung 
des japanischen Dramas — der uns gelungen sein möchte ! 
— haben wir noch ein Wort über die Bestrebungen 
der neuesten Zeit zu sprechen. Seit ungefähr zehn 
Jahren suchen sich in Japan die Soshi-Shibai, die 
„Theater der Jungen" oder der modernen Schule, 
Geltung zu erringen, die nicht nur mit der alten an 
das Puppenspiel erinnernden Darstellungsweise brechen, 
sondern auch Stücke aufführen wollen, die dem Geiste 
der Zeit entsprechen. Was damit gesagt sein soll, ist 
klar: die „Jungen" wollen nach dem Vorbilde der 
Europäer in Realistik arbeiten. Im Anfange schien es 
auch fast, als ob sie mit ihren Bestrebungen Erfolg 
haben sollten ; aber das Interesse, welches das japani- 
sche Publicum dieser Neuerung entgegenbrachte, machte 
bald einer kühleren Stimmung Platz. Erst in jüngster 
Zeit ist es den Soshi-Thcatern wieder gelungen, sich 
die Gunst des Publicums zu erwerben, und es scheint, 
dass dies nun für die Dauer ist. Kawakami, der Be- 
gründer der neuen Richtung, zu welcher er sich aus 
Paris das Vorbild holte, kann also mit seinem Erfolge 
zufrieden sein, und den Japanern ist nur zu wünschen, 
dass sie ihre europäischen Lehrmeister in der Realistik 
nicht am Ende gar noch übertreffen, wenn ein Ueber- 
bieten cocb möglich sein sollte. 



DEUTSCHE PHILOSOPHIE IN JAPAN. 

In der vorzüglich redigirten japanischen Monats- 
schrift „The Far East" finden wir unter obigem Titel 
einen Aufsatz von Pfarrer H. Minami, einem Prediger 
der Fukyu-Fukuin-Kyökwai, d. b. Allgemein-Evange- 
lischen Kirche, den wir nachstehend reproduciren : 

Wenn sich auch über die Existenz der deutschen 
Philosophie als lebendiger Macht in Japan noch nicht 
viel sagen lässt, so ist doch das unermüdliche Be- 
streben, die deutsche Philosophie zuerst anzueignen 
und dann zu eigenem Besten zu verwerthen, unver- 
kennbar. Wird doch die deutsche Sprache hierzu- 
lande als die Sprache der Wissenschaft, als ein noth- 
wendiges Mittel zur Gelehrsamkeit anerkannt und er- 
strebt im Gegensatz zu der englischen Sprache als der 
des praktischen Gebrauches. Nicht so verbreitet wie 
das Englische, dessen jeder Praktiker wie der Ingenieur, 
Fabrikant, Kaufmann, Lehrer u, s. w. mächtig sein 
muss, wird das Deutsche umsomehr als unentbehrlich 
für die tiefere, geistige Bildung angeschen. Wer auf 
Gelehrsamkeit Anspruch machen will, muss Kenntniss 
der deutschen Sprache besitzen, mag er Philosoph, 
Jurist, Mediciner oder sonst ein Specialist sein; ohne 
diese Kenntniss gilt er kaum als gelehrt. Dies ist un- 
zweifelhaft schon in der Entwicklung der deutschen 
Sprache und Wissenschaft an sich begründet. Aber 
die hiesige Entwicklung hat eine eigentbümlicbe Ge- 

^) Vftl- I.e courent du drjigon vort. Comt^tUa japonaite, «dapUfl i U sct^uc 
fran^aise ()ar Looiio U'Albano (Leon de Kosny). Parti, 1»7J, *". 



schichte hinter sich und dabei einen Augenblick tu 
verweilen, wird nicbt uninteresiant leio. 

Als in den letzten Decennien der Tokugawa-Regie» 
rung im Vorgefühl des herannahenden Sturme« die 
Geister besonders aufgeregt waren, wurden viele auf- 
gewecktere Männer von den in Nagasaki sieb aufhal- 
tenden Holländern in das Gebiet, welches das meoscb- 
licbe Webe und Wohl aufs Unmittelbarste berObrt, 
nämlich in die medicinische Wissenschaft eingeführt. 
Um sie beherrschen zu können, erlernten sie die hol- 
ländische Sprache und in Folge der Kenntniss derselben 
wurden sie auf die europäische Taktik aufmerksam ; 
denn sie waren unablässig bemüht, die Ursachen zu 
erforschen, durch welche die europäischen Mächte so 
gross geworden waren , und glaubten bald in der 
Taktik den Kern dieser Stärke zu erkennen. So war 
diejenige europäische Wissenschaft, die zuerst in Japan 
eingeführt wurde, die holländische Medicin und Taktik. 
Indem man sich immer mehr darein vertiefte, lernte 
man auch bald die deutsche Medicin und die fran- 
zösische Taktik kennen und schätzen, welche in jener 
Zeit in voller Blütbe standen. Die Mediciner vertauschten 
sogleich ihr Holländisch mit dem Deutschen, und die 
Officiere kleidc:ten sich mit Stolz in die französische 
Uniform. Bald aber sollte es wieder anders werden. 
Der Ruf der glorreichen Siege der deutschen Armee 
im deutsch-französischen Kriege drang zu uns herüber 
und allmälig wurde die deutsche Taktik der fran- 
zösischen vorgezogen. Es ist der Natur der Sache 
gemäss,, dass man zuerst das Sichtbare begreift und 
dann allmählig auf das Unsichtbare dringt. Um das 
Werk der Regeneration des Reiches zü vollenden, 
musste Japan eine Verfassung erbalten, und zu diesem 
Zweck wurde die Verfassung Preussens vor allen an- 
deren zu Rathe gezogen. Auch die Gesetibücber sind, 
natürlich die nationale Eigenart bewahrend, nach dem 
Vorbilde der deutschen umgeformt oder abgefasst. 
Dass bei all diesem immer die Sprache als Mittel zum 
Zweck dienen und also gelernt werden musste, ist 
selbstverständlich. Und so kam man endlich zu der 
Königin der Wissenschaften, nämlich zu der Philo- 
sophie. Es kann nur segensreich wirken , dass die 
deutsche Sprache auf diesem Gebiet aU die Sprache 
der Philosophie anerkannt worden ist ; denn sie ist 
wirklich die philosophische Sprache unter den mo- 
dernen Sprachen. Und Mtll, Spencer, Rousseau u. s. w., 
die zuerst als Philosophen mit Vorliebe citirt worden 
waren, wurden nun von tieferen Denkern mit den 
grossen deutschen Philosophen vertauscht. 

Für die Philosophie, welche dem Jipaner in der Form 
des Confucianismus oder der anderen chinesischen W^eis- 
heit und des Buddhismus schon seit looo Jahren be- 
kannt geworden ist, besitzt er reges Interesse, und da- 
durch war ihm schon der Sinn für Philosophie geweckt 
worden. Dasselbe Interesse zeigte sieb gegenüber der 
deutschen Philosophie, als diese bekannt wurde, und es 
ist ganz begreiflich, dass dabei der Pantheismus Spinoxa'a 
und Hegel's oder der Pessimismus Schopcnhauer's und 
Hartmann's oder die Gedanken des Skepticismus aai 
ehesten Anhänger gewann, da eine ähnliche Denlureise 
schon durch den Buddbismus und die chinesische Weis- 
heit vorbereitet worden war. Es ist ein ganz scbitfcs 
Unheil, wenn man meint, dass es nicht des Japaners 
Sache ist, das Angeeignete auch geistig lu durchdringe«, 
oder dass er wenig Interesse für metaphysische, ethische 
und religiöse Fragen hat, wie es öfters von den fremden 
Beobachtern behauptet wird. Vielmehr haben wir manche 
tüchtige Denker unter den buJdbistischin und shintoisti- 
schen Priestern oder den Gelehrten der chicesischen 
Weisheit aufzuweisen, wie der Priester Kuka<, gewöhn- 
lich Köbodaisbi genannt, um 8oo n. Chr., der Stifter 
der Shingonsectc; ferner die Confucianer Iio Zinsai, 
1627—1705, Ogiu Sorai, 1666 — 1728, der Shintoist 
Hirau Atsutane, 1775 — 1842, u. A. Man braucht sich 



10 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



nicht zu wundern, dass Japan während der letzten Jahr- 
zehnte keinen grossen Denker erzeugt hat. Dazu war für 
Japan eine zu grosse Aufgabe gestellt ; denn in das neue 
Japan strömen von allen Seiten eigenartige philosophische 
Systeme und Richtungen ein, welche zuerst verarbeitet 
sein müssen, und wer selbständiger Denker sein will, muss 
aus diesen Elementen der occidentalischen und orientali- 
schen Philosophie sein neues Gebäude aufrichten. Dafür 
ist kein anderes Land günstiger gelegen als Japan ; aber 
die Arbeit ist zu gross, als dass sie sich in ein paar 
Jahren thun Hesse. Aber in welchem Grade dem Japaner 
diese kolossale Denkarbeit gelingen wird, kann nur die 
Zukunft beweisen. Für heute kann er nichts Anderes thun 
als zu den Füssen der grossen Meister zu sitzen. Trotz- 
dem der frühere Rector der Universität in Tokyo 
H. Kato, welcher in seiner Denkarbeit unermüdlich ist, 
in seiner Socialphilosophie, die er in seinem deutsch 
verfassten Buche „Kampf ums Recht des vStärkeren" 
begründet, Originalität beansprucht, wird ihm dieselbe' 
doch von manchen gediegenen Kritikern abgesprochen, 
und zwar mit Recht. Er suchte dann die bestrittene 
Originalität zu vertheidigen, und zu diesem Zweck ver- 
öffentlichte er die Broschüre : „Was die Philosophen 
von mir noch nicht gesagt haben" und stellt drei 
Punkte als solche fest. i. Unser Recht ist im Allge- 
meinen nichts Anderes als das anerkannte Recht des 
Stärkeren, d. b. es ist nichts Anderes als die anerkannte 
Macht. 2. Die Tugend der Liebe ist nicht absolut 
nöthig für die Cultur der Menschheit, sondern in manchen 
Fällen schädlich. 3. Im Verkehr der Staaten gibt es 
eigentlich keine Moral. In seinen Ausführungen sieht 
man sogleich unzweifelhaft, dass er in die Schule der 
deutschen Philosophie gegangen ist. T. Inouye, Pro- 
fessor der Philosophie, veröffentlichte neulich den An- 
fang eines Aufsatzes in Tetsugaku-Zassi (^philosophische 
Zeitschrift) unter der Ueberschrift „Identitätsrealismus" 
als das Resultat seines zehnjährigen philosophischen 
Nachdenkens und nimmt ebenso Originalität dafür in 
Anspruch. Ueber den Charakter dieses Identitäts- 
realismus lässt sich leider noch nichts sagen, da der 
Autor nach Paris abgereist ist, um an dem dort tagenden 
II. internationalen Orientalistencongress theilzunehmen, 
und in Folge dessen den Aufsatz unvollendet liess. 

Wie schon bemerkt, sind pantheistiscbe Ideen dem 
Japaner bekannt, und ein amerikanischer Hegelianer 
wirkte früher an der Universität als Professor der 
Philosophie ; so ist die Berührung der alten und neuen 
philosophischen Ideen leicht erklärlich. Der Buddhist 
E. Inouye und der Schriftsteller Y. Miyake, die seiner- 
zeit auf der Universität studirt haben, vertreten einen 
mehr oder weniger abgeschwächten Hegelianismus. 
E. loobye veröffentlichte eine in dialectischer Form 
veifasste Broschüre (Tctsugaku Issekiwa), worin er seine 
Anschauungen über das Verhältniss von Geist und 
Materie, über Gott und endlich über die Frage, was 
Wahrheit ist, darlegte. Er kommt zu dem Resultate, 
dass es ein Etwas gibt, dessen Wesen ungeworden 
und unvergänglich ist, weder zu- noch abnimmt und 
ins Unendliche verbreitet ist, aus welchem durch die 
ihm innewohnende Kraft unendliche Veränderungen zur 
Erscheinung gebracht werden. Bald ist es die in den 
mannigfaltigsten Unterscheidungen bestehende Welt, 
bald ist es die unterschiedslos gewordene Einheit. Die? 
Werden und Wiederauflösen geschieht nach einem 
unverbrüchlichen Gesetze. Als Buddhist fügt E. Inouye 
noch hinzu : Es ist der Zweck des menschlichen Lebens 
in dieses anfangs- und endlose Wesen zurückzugehtn. 
Y. Miyake verfasste eine kurze Darstellung der Ge- 
schichte der Philosophie, betitelt Tetsukagu Kenteki, 
d. h. Tropfen der Philosophie. Zu diesem Buche hat 
er Schwegler und Kuno Fischer zugrunde gelegt und 
schliesst mit Hegel ab. 

Von gediegener philosophischer Production oder 
Reproduction gibt es noch sehr wenig; aber das ist 

/^' J £ u n i r^ "■■>. 



auch für die Gegenwart nicht die Hauptsache, sondern 
es kommt vor Allem darauf an, disä der japinische 
Geist zuerst in streng wissenschaftlich msthoJischem 
Denken geschult wird. Dann erst kann etwas Be- 
deutendes und Bleibendes geleistet werden. Dessen 
ist man sich in Japan auch schon bewusst. Der beste 
Beweis dafür ist, dass die historisch-kritische Methole 
besonders hervorgehoben wird und zur allgemeinen 
Tendenz der Behandlung philosophischer und wissen- 
schaftlicher Fragen geworden ist. Wem aber schuldet 
Japan den Dank für diese Methode? Es ist nicht zu 
bezweifeln, dass sie gerade in der deutschen wissen- 
schaftlichen Schule gelernt worden ist. Die Vorliebe 
für die deutsche Philosophie ist auch deshalb ganz 
natürlich, wenn man bedenkt, dass unter den 17 ordent- 
lichen Professoren an der philosophischen Abtheilung 
der Universität in Tokyo (die bis jetzt noch die ein- 
zige ist) drei geborene Deutsche, vier Japaner, die 
auf deutschen Universitäten studirt haben, und ausser- 
dem noch ein japanischer Kantianer, der in Amerika 
gebildet worden ist, vertreten sind. Es ist nur zu 
bedauern, dass von den Werken der deutschen Philo- 
sophen nur gar wenige übersetzt sind, da der Leser- 
kreis noch beschränkt ist. Bis jetzt sind nur erschienen, 
so viel ich weiss, Kant's „Kritik der reinen Vernunft" 
(erste Hälfte) und Psychologie von Herbart. Die Ethik 
von Schopenhauer ist aus dem Französischen ins 
Japanische übersetzt, und das Buch gab als Namen des 
Verfassers „Skopenoer" an, so dass man anfangs gar 
nicht wusste, wer der Autor sei. Ausserdem ist neuer- 
dings die Vorlesung über Einleitung in die Philosophie 
von Professor Dr. Köber, welcher gegenwärtig Vor- 
lesungen über Philosophie hält und Vertreter eines 
theistischen Idealismus ist, ins Japanische übersetzt 
worden, und eine Uebersetzung von Wundi's „Grund- 
riss der Psychologie" wird von Professor Y. Motora 
geliefert werden. 

Die deutsche Philosophie findet aber noch in einer 
anderen Form, nämlich in der Form der Theologie 
ihre Vertreter. Der allgemeine evangelisch-protestanti- 
sche Missionsverein in Deutschland, welcher im Unter- 
schiede von den meisten anderen Missionsgesellschaften 
es zu seinem Princip erhoben hat, nur solche Männer 
auszusenden, welche akademisch gebildet sind, treibt 
seine Missionsarbeit in Japan schon 12 Jahre durch 
Sendboten. Sie suchen das Christenthum mit Wissen- 
schaft und Philosophie zu versöhnen und damit viele 
Anstösse zu heben, denen es bei gebildeten Nicht- 
christen so oft begegnet. Von diesem Kreis ging zu- 
erst das Bestreben aus, das christliche Dogma wirklich 
philosophisch und die Bibel historisch-kritisch zu be- 
handeln. Wenn jetzt von manchen tüchtigen christ- 
lichen Gelehrten dem japanischen Christenthum die 
Aufgabe gestellt wird, den Kern von der Schale zu 
sondern und in das Innerste des Christenthums ein- 
zudringen und so das reine, einfache Christenthum 
Christi zu erfassen, so ist diese Tendenz dem Kreise 
der deutschen Mission entsprungen. Dass die deutsche 
Theologie, die in der deutschen Mission vertreten ist, 
der Entwicklung des japanischen Christenthums eine 
neue Richtung gegeben hat, beweist schon das seiner- 
zeit vielgebrauchte und bewunderte Wort Shin-Shingaku, 
d. h. die neue oder moderne Theologie, womit man 
die neue Richtung bezeichnet ; das beweist ebenso die 
Uebersetzung des zweiten Bandes der Religionsphilo- 
sophie Pfleiderer's durch M. Kanamori, die eine grosse 
Erregung der japanischen Christenheit verursachte. 
(Diese Uebersetzung ist durch die deutsche Mission an- 
geregt und veröffentlicht worden.) Das beweist ebenso 
die Rede T. Yokoi's, des jetzigen D'rectors der 
Doshisha in Kyoto, beim Abschiede des Missionärs 
O. SchmieJel, in welcher er sagte: Wir müssen alle 
anerkennen, dass Herr Schmiedel mit Erfolg ein 
wissenschaftliches Verständniss der Bibel in Japan ein- 



ÖSTERREKBBBCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



n 



I 



geführt bat und die japanische Kirche ist ihm deshalb 
zu ewigem Dank verpflichtet. Die ersten Missionäre Doctor 
W. Spinner und O. Schmiedcl begründeten eine theo- 
logische Hochschule, um junge Jitpaner philosophisch 
und theologisch auszubilden; in der Schule wirken 
jptzt die Missionäre Dr. M, Christlicb, Pastor E. Schiller 
und A. Wendt. Was uns hier interessirt und erwähnt 
werden muss, sind philosophische Vorlesungen von 
Dr. Christlieb über Geschichte der Philosophie, über 
Metaphysik, Darwinismus, Religionsphilosophie u. A., 
welche theilweise in der Zeitschrift „Shinri" schon 
veröffentlicht worden sind, unter denen ich besonders 
auf seine Erkenntnisstheorie, in der er von der Grund- 
lage der Goelhe'schen Weltanschauung aus die Grund- 
linien eines objectiven Idealismus zu ziehen versucht 
in einer Weise, die sehr an Eduard v. Ilartmann's 
'IVanscendentalen Realismus anklingt, aufmerksam 
machen möchte. Es ist selbstverständlich, dass diese 
Missionsmänner philosophisch den theistischen Idealismus 
vertreten. So finden in Japan verschiedene philosophi- 
sche Richtungen, welche in Deutschland ausgebildet 
worden sind, ihre Vertretung, was hoffen lässt, dass 
sie, gegenseitig sich ergänzend und fördernd, zur 
weiteren Vertiefung und Entwicklung des japanischen 
Denkens beitragen können. 



CHRONIK. 

Asien. 

Asiatische Türkei. Die Syro-Chaldäer (Nestorianer) 
zwischen Erzerum und Urmia und bei Bagdad sollen 
sich bereit erklärt haben, die orthodoxe Religion anzu- 
nehmen. 

Persien. Der Viceoberaufseher der Telegraphen- 
Ititung im Persischen Meerbusen, Greaves, wird an 
der Küste des Arabischen Meeres zwischen Dschask 
und Tschaubar in seinem Lager von Eingeborenen 
überfallen und ermordet. 

Inditn. Der l^^eldzug der Engländer gegen die Auf- 
ständischen wird wegen des Winters unterbrochen. Die 
Engländer rücken in das Chamkanigebiet vor und 
brennen 30 Döifer nieder. General Lockhart hat mit 
den Afritlis einen ernsten Zusammenstoss mit bedeu- 
tendem Verluste. Nach einem Erkennungszuge gegen 
Lala China dringt Lockhart über diesen Punkt hinaus 
vor und zerstört die Befestigungen der Aufständischen. 
General M iminond erreicht die Höhe des Khaibar- 
passes, ohne auf Widerstand zu stossen. Sir Havelock 
Allan wird von den Afridis überfallen, ermordet und 
verstümmelt. Die Expeditionstruppen werden zusammen- 
gezogen, um die im Barathale vorbereiteten Winter- 
quartiere zu beziehen. 

Die Pest dauert fort. Bisher sind in Bombay Ober 
14.000 Erkrankungen an Pest mit fast I2.000 Todes- 
fällen vorgekommen. 

China. Deutsche Mariaesoldaten und Matrosen rücken 
in die Stadt Kiautschau ein und besetzen die Wälle 
und Thore, ohne auf Widerstand zu stossen ; die 
chinesischen Truppen ziehen sich beim Vormarsche 
der Deutschen zurück. Deutsc-iland pachtet die Kiau- 
tschaubucht von China auf 99 Jahre. — Russland er- 
greift vom Hafen Port Arthur als vorläufigem Winter- 
hafen Besitz und besetzt den Hafen Kuan-l~schau nörd- 
lich von Port Arthur. 

In Tonking wird eine französische Expedition ge- 
bildet, um eine Forschungsreise nach Jünnan zu unter- 
nehmen. < 

Sumatra. Die Niederländer rücken gegen Reung- 
Reung vor und werfen hier die Banden Panglima Po- 
lim's zurück. 

Borneo. Eine Expedition der Polizei in Borneo greift 
das Fort des Rebellenführers Salleh an, muss sich 
aber mit Verlusten zurückziehen. 



Philippinen. Die Spanier bemäcbiigca »ich der 
Minuyasberge und des Lagers der Aufständiscbca bei 
Bacito; bei einem Angriffe auf Guamo werden die Re- 
bellen mit einem grossen Verluste zurOckgeworfen. Di« 
Friedensunterhaodlungen führen endlich zu dem Ziele, 
dass die Aufständischen auf Befehl ihres Anfübrert 
Aguinaldo sich unterwerfen; Aguinaldo und die übrigen 
Mitglieder der aufständischen Regierung werden nach 
Hongkong eingeschifft. 

Afrika. 

Tripolis. Mehrere tausend Arabtr veranstalten ausser- 
halb der l'horc der Stadt Tripolis kriegerische Kund- 
gebungen, werden aber von türkischen Truppen um- 
zingelt. Sic zerstreuen sich wieder nach der Ver- 
sicherung der Behörden, dass sie zum Militärdienst nicht 
herangezogen werden würden. 

Algier. Die Eingeborenen in Algerien leiden an 
Hungersnoth in Folge der schlechten Ernte. 

Marokko. Die Truppen des Sultans werden in der 
Provinz Tadia geschlagen und zum Rückzug gezwungen 
Mehrere Stämme der Umgebung von Marrakesch haben» 
sich verbündet und verweigern die Steuerzahlung. Die 
Truppen des Sultans besiegen den Mzabstamm. 

Spanien scbliesst mit den Rifpiratcn einen Vertrag 
ab, worin diese sich verpflichten, künftig von ihren 
Seeräubereien abzulassen. 

Aegyptitcher Sudan. Die Derwische rücken gegen die 
ägyptische Armee vor. Die Oberste Wingate und 
Gallwey treffen in Wadi-Halfah mit Kitchencr Pascha 
zusammen und begeben sich mit ihm nilaufwärls nach 
Berber. Die eingeborenen Hilfstruppen der Garnison 
Kassala überfallen den Posten der Derwische in EI- 
Fasclicr am Atbara, vertreiben den Feind, nehmen die 
Stellung und erbeuten Vieh und Kameele. Auch Oiobro, 
der wichtigste Posten zwischen Kassala und Chartum, 
wird nach scchsiägiger Belagerung und tapferer \'cr- 
theidigung von den ägyptischen eingeborenen Truppen 
eingenommen. 

llalienisch-Nordosta/rika. Kassala wird den Aegyptero 
übergeben. 

Französischer Sudan. Die Engländer besetzen Buna 
im Hinterlande der Goldkäste ohne VViderstanJ. Si- 
mory ziehi seine Streitkräfte in Kong zusammen. 

Britisch- Ostafrika. Die mit den Engländern verbün- 
deten eingeborenen Truppen greifen das von Major 
Macdonald eingeschlossene Fort Lubas an, werden aber 
von den Aufständischen zurückgeschlagen. 

Portugiesisch- Westafrika. Die Portugiesen erleiden auf 
dem Plateau von Mojsamedes eine Niedertage von Seite 
aufständischer Herero und Ovampo. 

Deutsch- Südwestafrika, Die erste Theilstrecke der 
Eisenbahn nach Wiodhoek in Damaraland wird er- 
öffnet. 

Madagaskar. Die H.iltung der Sakalaven ist unver- 
ändert ; die Lage wird als befriedigend bezeichnet. 



MISCELLEN. 

Eröffnung neuer Häfen in Korea, lieber die beiden 

Häfen in Korea, Chmaiopo und Mükpo, welche am 
I. October I. J. deiq fremden Handel eröffnet wurden, 
gehen uns folgende Mittheilungen zu : 

Chmainpo liegt an der Westküste der koreanischen 
Halbinsel, in der Provinz Pycngan, welche als eine 
der reichsten des gesammten Königreiches gilt. Die 
Hauptstadt dieser Provinz, Pyeogyang mit Namen, ist 
ungefähr 30 englische Meilen von dem vorgenannten 
Hafenorte entfernt, und obwohl sie während des letzten 
chinesisch -japanischen Krieges der Schauplatz eines 
heftigen Kampfes zwischen den beiden feindlichen 
Armeen war, so hat sie sich seitdem rasch erholt. 
Dazu trägt hauptsächlich der emsige Ge werbeil :i9S 



12 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



der Bewohner bei, welche als ausserordentlich fried- 
lich und geschäftstüchtig bekannt sind. Deshalb wird 
diese Provinz auch gerne von fremden Kaufleuten be- 
sucht, hauptsächlich Japanern und Russen, welche da- 
selbst glatten Absatz ihrer mitgebrachten Waaren 
finden. Die wichtigsten Ausfuhrartikel von Chmainpo 
sind Getreide, Bohnen, Tabak, Seide und Pelze, wofür 
die mannigfaltigsten fremden Industrieerzeugnisse ein- 
getauscht werden. Die natürliche Beschaffenheit des 
Hafens ist vorzüglich, und bietet letzterer selbst Schiffen 
grösseren Tiefganges sicheren Ankerplatz. 

Der zweite Hafen, Mokpo, befindet sich an der Süd- 
küste von Korea, in der Provinz Chulla, unmittelbar 
an der Mündung des Flusses Mongtan, welcher die 
fruchtbarsten Gegenden des südlichen Theiles Koreas 
durchströmt und bis weit in das Innere von Fahr- 
zeugen mittleren Seeganges befahrbar ist. Die Provinz 
Chulla zeichnet sich durch eine äusserst dichte Be- 
völkeiuDg aus, welche sich mit der Production von 
Reis, Tabak und Baumwolle sowie mit der- Ver- 
fertigung von Bambuswaaren, Fächern, Matten und 
Papitr beschäftigt. Da Mokpo auf halbem Wege 
zwischen Nagasaki und Wladiwostok liegt, so wird es 
in Zukunft von den meisten Schiffen angelaufen 
werden, welche zwischen diesen beiden Handelsplätzen 
verkehren und welche auch mit Korea in Handelsverkehr 
treten wollen. Der fremde Handel dürfte sich auch 
hier zumeist in den Händen von Russen und Japanern 
concentriren, doch bietet dieser neue Hafen mit Rück- 
sicht auf die günstigen Aussichten, welche sich durch 
dessen Eröffnung für die Erschliessung des frucht- 
barsten und reichsten Theiles der Halbinsel darbieten, 
auch Kaufleuten anderer Nationalitäten vortheilhafte 
Chancen für die Anbahnung von Geschäftsverbindungen. 
In dieser Hinsicht ist lebhaft zu bedauern, dass unsere 
Monarchie weder eine diplomatische, noch eine con- 
sularische Vertretung in Korea besitzt, umsomehr als 
letzteres gerade in jüngster Zeit der Schauplatz inter- 
essanter politischer Kämpfe war und in Folge des 
Wettstreites Russlands und Japans um die Oberherr- 
schaft auf dieser Halbinsel immer mehr fremder Cultur 
und Civilisation zugänglich gemacht wird. P. 

Chinesische Seeräuber. Der Jahresbericht des eng; 
lischtn Consulates in Pakhoi beklagt sich bitter über 
die gesetzlosen Zustände im dortigen Districte, und 
führt als ersten und gewiss auch treffenden Beweis 
hiefür an, dass die Seeräuberei dort zu den alltäg- 
lichen Dingen gehört. Die Unsicherheit an der Küste 
des südlichen China kann wohl nicht sprechender be- 
zeichnet werden, als dass der Hang zur Seeräuberei 
schon im Blute der dort einheimischen Race liegt. Die 
Dschunken der Pfraten terrorisiren das ganze Küsten- 
gebiet, und kleinere Raubanfälle wechseln mit grösseren 
ab ; die Räuber plündern ebenso ganze Pfandhäuser 
aus, als sie auch die Auswanderer überfallen, die mit 
ihrtn bescheidenen Ersparnissen von den Straits oder 
von Sumatra in die Heimat zurückkehren. 
Savage Landor's Rückkehr aus Thibet. Man berichtet 

aus Loi-don, 19, Jänner: Der englische Forschungsreisende und 
Maler Henry Savage Landor, der bei seinem Versuch, von 
Almo:a in Indien aus in Thibet einzudringen, von Einge- 
boreuen g€ fangen genommen und gefoltert wurde, ist nach 
Europa zurückgekehrt und hält sich gegenwärtig in Florenz 
auf. Das „Daily Chronicle" biingt einen vorläufigen kurzen 
Bericht über seine Erlebnisse, welcher aus einer Beschreibung 
der mitgebrachten Fhotogiapbien und mündlichen Mittheilungen 
des Reisenden zusammengesetzt ist. In Almora hatte sich, 
Landor von dem letzten Europäer verabschiedet und war mit 
30 Hindus und reichlich mit Lebensmitteln, wissenschaftlichen 
Instrumenten und dergleichen versehen, von dort ausgerückt, 
um den Himalaya zu überschreiten. Die erste photographische 
Aufnahme, ■ die gemacht wurde, stellt den Reisenden selbst 
dar in seinem Reisecostüm zusammen mit seinen beiden ver- 
trauten Dienern, wie sie im Begriffe waren, die Grenze zu 



überschreiten. Dann kommen Photographien vom Bivouac, wo die 
ganze aus 31 Köpfen bestehende Expedition nach langem 
Marsche ruht. Der allmälige Aufstieg zum Himalaya ist auf 
den Photographien dadurch sichtbar geworden, dass die erst sehr 
entfernten eisbedeckten Gipfel allmälig immer näher gerückt 
sind. Eine Photographie zeigt, wie der Reisende 15.000 Fuss 
über dem Meeresspiegel ein Bad nimmt. 

Ein kleiner Wasserstrom ergiesst sich über den Rücken des 
muthigen Badenden, nur die Wassertropfen gefrieren gleich zu 
Eisstücken. Eine andere Photographie zeigte das erste Heran- 
nahen einer Schaar Eingeborener, die mit sichtlichem Erstaunen 
langsam herankommen. Dann zieht sich die Linie näher heran, 
die Grösse der Eingeborenenscbaar und ihre Zusammensetzung 
wird deutlich erkennbar. Unterhändler werden ansgeschickt, 
diese erhalten aber eine Abweisung. Dann sieht man die letzte 
Nacht im Lager. Unheimliche B uhe liegt über der kleinen 
Gesellschaft, die zu einer Handvoll von Leuten zusammen- 
geschmolzen ist, denn die meisten Indier sind desertirt. Darauf 
folgen Porträts der einzelnen Theilnehraer der Expedition, eine 
Ansicht der schwachen Barricadeu, die zum Schutze des Lagers 
errichtet waren, und die ferne Landschaft im Ganzen und im 
Detail. Dann kommt ein Momentbild, wie die kleine Cavalcade 
zwischen den Hügeln entlang schleicht; die Gesichter sind ge- 
spannt, das Gepäck ist merklich weniger geworden, man hat 
sich offenbar von allem irgendwie Entbehrlichen befreit. Das 
nächste Bild zeigt eine an einen Baum gebundene nackte Ge- 
stalt. Die hässlichsten Menschen, die man sich denken kann, 
tanzen um sie herum; sie haben abgeflachte Köpfe, miss- 
gestaltete Körper, kleine, verschmitjte Augen, und der untere 
Theil ihrer Gesichter sieht mehr thierisch aus als menschlich. 
Ein indischer Diener Landor's ist es, der hier an den Baum 
gebunden ist, mit Stricken, die tief in seio Fleisch hinein- 
schneiden. Er wird von den Halbwilden geschlagen und ge- 
quält, verbirgt aber jede Spur von Schmerz. Auf dieselbe 
Weise wurde Landor anfänglich selbst misshandelt, aber davon 
konnte keine Aufnahme gemacht werden. Landor's Augenlider 
wurden mit weissglühenden Eisen verbrannt. Er wuide stunden- 
lang auf der Folterbank gemartert, dann musste er 80 Meilen 
auf einem Sattel reiten, der mit Nägeln gespickt war. 

Einer davon drang in das Ende des Rückenmarks ein und 
erschütterte das Nervencentrum ; Heisch, Sehnen und Knochen 
wurden ihm zu einer unkenntlichen Masse zugerichtet. Mit 
alledem erreichten es die Thibetaner doch nicht, den Gefangenen 
die gewünschten Aeusserungen des Schmerzes zu entlocken. 
Ein paar Photographien zeigen die Porträts der beiden Mäityrer 
nach den Torturen. Sie scheinen um Jahre gealtert, ihre Haut 
zeigt Narben und Wunden, Kopfhaar und Barthaar sind ihnen 
abgesengt, und wo die Augenlider sein sollten, sieht man zwei 
schreckliche Höhlen. Landor ist durch diese Torturen auf einem 
Auge ganz blind geworden. Er sagte, jedes Thier würde man 
erschiessen, das so zugerichtet wäre wie er. Dann kam die 
Rettung, als er gerade daran war, seinen Leiden zu eiliegen. 
Handeltreibende Thibetaner hatten die Kunde über die Grenze 
gebracht, dass im Innern ein weisser Mann hingerichtet werden 
solle. Dr. Wilson, Hr. Lavkin und ein eingeborener indischer 
Beamter machten sich eiligst auf den Weg, und sie erreichten 
trotz mehrfacher Verrätberei der Führer die beiden Gefangenen. 
Landor war bewusstlos, als seine Retter kamen, erst nach drei 
Stunden kam er wieder zu sich, und dann liess er gleich noch 
von seinen Peinigern, die schreckerfüllt den weissen Männern 
gegenüber hockten, eine Momentaufnahme machen. 



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verpflichtet die Abnahme der ersten Lieferung zum Bezüge des ganzen Werkes.) 
Die deutsche Ausgabe des Werkes wird nur in HK) numerirlen Exemplaren publtcirt. (Eine englische Ana- 
gabe in 100 Exemplaren gibt die Direction des k. k. IlanJels-Museams spüter heraas). 

lUustrirte Prospecte stehen auf Wunsch in massiger Anzahl zu Diensten. 

Ausführung und Au.sstattung sowie der Druck des streng auf 100 Exemidare limitirtcn Wetkaa werden »on 
der Direction des k. k Handels-Museums geleitet und überwacht. 

WIEN, im Mai 1895. .A-rtariBL Sz Oo_ 



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Der V. Jahrgang des „ZoU-Comp*»»- wird, Kleickwie der HI. 
bezieboogsweiie der ErgSozungiband deitclbea (IV. Jahrgang) 
liiferungsweisc zur Publication gebracht, and die einzclaeo Uefe- 
rungen werden nach Maasigabe der eintretenden Verändeningeo 
in den betreffenden Zolltarifen ericheinen. 

Der gestellten Aufgabe, die für nnseren Anuenhaadel 
wichtigsten Länder succesaive in den Rahmen diese« Jahr- 
buches elnzuhezieheo, wird der erscheinende V. Jahrgang dorch 
Neuaufnahme der ZollUrife der autlralitehtn Colonitn, Nitdtr- 
länditch-IndUns and der Philippintn entsprechen. 

Von dem in 2o Lieferungen erscheinenden V. Jahrgang sind 
bisher 1 1 Lieferungen publicirt worden, enthallend die Tarife tob 
l<.umSnien, Argentinien, Rnssland, Britisch-Indien, China, Japaa, 
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durch E. S. Mittler & Sohn, Berlin S. W. 12, Kochstrasse 68 — 70. 

Verlag des k. k. österr. Bandels-Musenms. 



K. K. PRIV. SÜDBAHN-GESELLSCHAFT . 

Auszug aus dem Fahrplane der Personenzüge. 



Giltig vom 1. Oetober 1897. 



Abfahrt von Wien: 



,5.r.O Früh (PcrsoneuKug): Mdr/^.nsrhlAK, K.iniz8a, Budapest; GOns 

(l)lfnstHg und Freitag); Fakrkcc-Lipik ; Kssegg, Sarajevo; Agram; 

Aspang. 
7.20 Fiilh (Schnellzug): Leoben, Vcrdemberg, Venedig (»1» Pontafel), 

Kanizsa, lOssogg, Sarajevo, Pakritcz-Llpik, Agram; Budapeat (via 

Krage, liof); Neuberg, Aäenz. 
».10 Frtth (Srhiiollicuij): Tiiost, Finmc, Tola, Sisxek (via SlelnbrOck), 

Cluuobit:^, KI»Ketifurt, Vlllach, Ito7.fii, Meran. Arco, Innsbruck (via 

Marliurg), Wollsberg, I.utteuberg (ClIeicIieiiberK), Köäacb. 
1.15 Nachmittags (I*08t«ug): 'lYiest, G»rz, Venedig; Finnie; l*oi*, Rovlgno, 

Siasek, Brod, Itanjaluka; Leoben, Vordornborg; Neuberg, AHenK. 
1.40 Nachmittags (Personeur.ug): Bares, Agram, Kaoizsa, Qüns. 
'J..55 Naclimittags (l*erBonen/.ug) : Wiener- Neustadt, Aspang, Kanlzsa, 

ittidapesr. 
4.30 Nachmittags (Personenzug): Clraz, Leoben. 
&.S5 Nachmittags (Personenzug): Wieuor- Neustadt, Stelnamanger. 
7.40 Abends (I^ersonenzng); Kantzsa, Budapest, Pakrics-Llpik; Etaegg, 

Boanisch-Hrod; Agram, Slssck, .Sarajevo. 
8.20 Abends (Schnellzug); 'l'riest, UOrz, Venedig. Rom; Malland, Genua; 

Pola, Kovigno; Fiume: Sissek. Hanjaiuka. Itudapeat (via l^ragerhot' . 
9. — Abends (Postzug); Trieat, liörz, Venedig, Rom, Hailand : Pola. 

Kovigno. Aijrani; GoaobUz. Itudapest (via Pragerhof) ; Klagonfurl, 

Wolfsberg, Meran, Arco, Innsbruck (via Marburg); Luttenberg. 

Kötlacb, Wies; Stiilnz, Leoben, Vordemlierg. 



Ankunft in Wien: 



6.40 Frah (Posting): Triest, Rom, Mailand, V*a*dlc, OSn; Pola; 

Agram, Budapest (vta Pragerbof); Arco, Inotbmck, Klaf«aftu1, 

Woiraberg(via Marbarg) ; LuUanberg, KAOaeh.Wtaa ; Staloi, LMbm. 
8.M Frah (Personenzug): Kaniua, Boaaiach-Brad, Bimtj PakfAca- 

Lipik, Agraiu, Budapest (via Uadeabarf). 
9.— Vormittags (gchneliing): Marburg, Are«, Maraa, laaabmek. Klag««- 

fort (via Marburg), L#«ot>«a. 
9.40 Vormitugs (Personenaug): 8t«lBaJBaBf«r, Qlaa. 
10.— Vormittags (Scbnelling) : Trieal, Hma, lUllaad, Teaadi«, Q9n\ 

Pola, Rovigno; Fiume, SliMk, A(ram, Bodapasl (rta PncvlMO. 
l.t& Nacfamitugs (PenoDanaag): Gra>, Laobva, V«r*« ia l n r » ; A l aai 
l.U Nacbmltta(«(Peraonanaa(): Kaalsaa, Glaa (Mrastac «■"»•Ua«), 

Wiener-Neosladt. 
4.— Naehmiltac« (PoaUng): Triart, Odri, Venedig, Pol«; RoricMS 

Flume, Sluak, Agram; Kadkerabarg, KABacb.Wiea ; Staiai.Vordarm- 

berg, i.«obeD, NaatMry. 
.'■.SS NarhmiiUgi (PenoMaiog): Bar.a, KaaisM, Ba Japaa t . Qtas, 

Agram, Oedrnbnrg, Wlaoer-NcnMadl. 
1'.— Abanda (Pcraonaningi: ftarajaro, Kaaegg; Agra«, üaiafnl, 

Kaniisa; Pakckea-Llpik (via Uwlaabarg); OaWMMa. 
•jSS Abends (Sehne" - "st, OOr«, Pola, KaHfae; Pimaa; BraA, 

Siaaek (via > Hndapaat (ria Pra««beO; O w M H , 

yillarh. Klag. . .: «rf; Lanmbarc, KtCack. 

'.).4.'i Abends (Schnellxu.;,; Venadlf (tU PoalsM), Baaaa, Man«, An», 

Innabruck ; Lachen, Vofdaraberg ; Naabarg, 



9.45 Abends (Seiinellzug) : Marburg, Klagenfurt, Franzonafeste, Heran, 
Arco, Innsbruck (via Marburg). 

Bolilafwag:en verkehren mit den Schuellillgen (Wien ab 8.S0 Abends, Wien an tO. - Vormittag«) awlseben ^lan-Trtaat. WtaB-a«rs 

via Corinons und iWien ab 9.45 Abends. Wien an :<.— Vormittag«) iniachen WlaB-Marbnrc-Marao 
Dlreote Wagen I., II. Olaaae verkehren milden .■ «(Igen iwiarben Wlan-Flum* ;At.b««i.i und Wtaa-Alk vi« 

feste, lerner mit den Selinell/.ilgen (Wien ab 7.S0 Krtth ^ ».s.'i Abend.«! ,»i..!,.!i Wtan • VaaaAlv-Mallaad «la 

iWlen :ib .H.io Irdh, Wien .nu 11.3.1 Alien.l Wl«n-FI«B* (Abbazla . Wlan-Pola und Wlan-OArs. 

Fahr-Ordnungen in l'laiat- und Taschen-Formal bei allen lliUdl. u-i'.i.-sen ; Taachen-FahrpUa dar Localtftf« ia «IUd T»k«k' 
Fahrkarten - Anagrabe (in besehrilnktem Masse) nnd Anaktinna bei dar Wiener Ag«>lnr der inieraaUoBalm 8«bUf m at»n O^saall 



Kärntnerring 15, ün Fahrkarteu-Stadtbureau der kgl. Ungar. Staat«ei.enb«hn«n in Wteo, I. KArala«rriB( », 4aa« ia 4« "J"" 
' Son, L Kitrntuerstr:i8se 32A. li. Schroeokl'» Witwe, 1. Kel.iwiat.lDg 1», 8oh»Bk«r*Co., I.8eb«««aMta«»(H»««t4aPl«a«aJ, ,' 
lutornaiioualus Kelae- nnd Fahrkarieubiircau Nagel jk Wortmaan, I. Oparafaaa« «. 



Tb. Cook 



rv 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Beschleunigte Eillinie Triest— Cattaro. 

Ab Triest jeden Donnerstag 8»/, Uhr Früh, 
li Oattaro Freitag 13 Utir Mittags, berühr.: 
Pola, Zara, Spalato, Oravo^a. 

Retour ab Cattaro 6 Ubr Abends, in Triest 
Samstag 10 Ubr Nai^bta. 

Linie Triest-Metkovlch A. 

- ' Ab TrIest jeden Mittwoch 7 Uhr Frflb, In 
Melkovii-h Freitag 4 Ubr Nachm., berühr. : 
RoTigno, Pola, Luasinpiccolo , Zara, Zaraveccbia, 
Sebenico, Trau, Spalato, 8. Pietro, AlmiBsa, 
Qelsa, S. Martino, Macarsca, S. Giorgio di Les., 
Trapano, Fort Opus. 

Retour ab Metkovloh jeden Sonntag 8 Uhr 
Frfih, iu Triest Dienstag 1'/« Ubr Nachm. 

Anschlussanf der Hinfahrt in Spalato an die 
Hiufahrt der beschleunigten Eillinie Triest— 
Cattaro. 

Linie Trieet— Metkovich B, 

Ab Triest jeden Samstag 7 Uhr FrOh, in 
Metkovich Montag A^U Uhr Nachm., berüLr. : 
RovignOf Pola, LnsFlnpiccoIo, Zara, Zlarin, 
Sebenico, Trau, Spalato, S. Pietro, Postire, 
Almissa, Pnciscbie, Macarsea, Qradaz, Fort Opus. 



Retour ab Metkovlch leden Mittwoch 8 Uhr 
Früh, iu Triest Freitag 6 Uhr Abends. 

Anschluss auf der Rückfahrt in Spalato an 
die Hinfahrt der Linie Triest— Cattaro A und in 
Zara an die Rückfahrt der Linie Triest— Pola— 
Zara. 

Linie Triest— Venedig. 

Von Triest jeden Montag, Mittwoch und 
Freitag um Mitternacht, Ankunft in Venedig den 
diirauffolgenden Tag 6*;, Uhr Früh. 

Retour ah Venedig jeden Dienstag, Mittwoch 
und Freitag um Mitternacht, Ankunft in Triest 
den darauffolgenden Tag 6';, Uhr Früh. 

Linie Pola— Zara. 

Ab Pola jeden Mittwoch 3 Uhr Nachmittags, 
in Zara Donnerstag 5 Uhr Nachm., berühr.: 
Oherso, Rabaz, Abbazia, Malinsca, Veglia, Arbe, 
LuBsingrande, Valcassione, Porto Manzo. 

Retour ab Zar« Freitag 7 Uhr Früh, in Pola 
Samstag 7»/» Uhr Früh. 

Anschlnsa In Zara an die Killinle Triest — 
Cattaro auf der Hinfahrt nnd an die Linie Triest — 
MetkoTich B auf der Rückfahrt. 



Linie Triest— Cattaro 4. 

Ab Trieat jeden Dienstag 7 Ubr Früh, io 
Cattaro Donnerstag 6V9 Uhr Abends, berühr.: 
Rovigno, Pola, Lussinplrcoto, Selve, Zara, 
Sebenico, Spalato, Milna, Lesina, Curzola, Gra- 
vosa, Casteluuovo, Teodo, Risano. 

Retour ab Cattaro jeden Montag 10 UhrVorm., 
in Triest Mittwoch 6 Uhr Abends. 

Linie Triest— Cattaro B. 

Ab Triest jeden Freitag 7 Uhr Früh, In 
Spizza darauffolgenden Mittwoch 11 Uhr Vorm., 
berühr.: Rovigno, Pola, Luasinpiccolo, Selve, 
Zara, Sebenico, Rogosoizza, Trau, Spalato, Ca- 
rober, Milna, Cittavecehia, Lesina, LIssa, Com)sa, 
Vallegrande, Curzola, OrebichjTerstenik, Meleda, 
Gravosa, Ragusavecchia, Castelnuoro, Teodo, 
Perasto-Risano, Perzagno, Cattaro, Bndaa. 

Retour ab Spizza jeden Mittwoch 11'/, Uhr 
Vorm., in Triest darauffolgenden Montag 5'/, Uhr 
Nachm. 

Anmerkung. Falls schlechten Wetters wegeti 
das Anlaufen von CastelnuoTO nicht möglich 
wäre, wird in MegHne aogelegt. 



XjE"V-A.PTTE-. TJJ>X3D iÄ^ITTEXiOiwCEEIt-DIEI^ST. 



Eillinie Triest- Alexandrlen. 

VonTrIest jeden Mittwoch ab VI Ulir Mittags, 
in Alexaudrien Sonntag 6 Uhr Früh, berührend: 
Brindisi. Rückfahrt von Alexandrlen Jeden Sams- 
tag Mittags. 

Anschluss InAlexandrien an die Syrisch-Cara- 
manische Linie. 

Anschluss iu Triest bei Abfahrt und Ankunft 
an den Luxuszag Ostende — Wien— Triest und in 
Brindisi auf der Hiufabrt an den um 11 Uhr 
Vorm. eintreffenden und bei der Rückfahrt an 
den um 6 Ubr 10 Min. abgehenden Eilzug. 

Eillinie Triest— Constantlnopel. 

Ab Triest jeden Donnerstag II Uhr Vorm., 
In Constantlnopel darauffolgenden Mittwoch 
6'/a Uhr Früh, berühr.: Brindisi, Sti. Quaranta, 
Corfu, Patras, Piräus, Dardanellen. Rückfahrt 
von Constantlnopel jeden Dienstag, in Triest Mon* 
tag 2 Uhr Nachm. 

Diese Linie wird eine Woche bis nach Odessa, 
die andere bis nach den Donaubäfen (im Winter 
bis nach Batum) verlängert. Anschluss in Corfu 
an die Linie Corfu— Preresa, In Piräus an die 
Thessallsehe Linie und in Constantlnopel auf der 
Hinführt an die Rückfahrt der Syrisch-Cara- 
manischen I^inie. 

Griechlsch-Orientaiische Linie Über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Trlest Sonntag vom 
10. Jänner 1897 ab 4 Uhr Nachm., in Smyrna zweit- 
nächsten Dienstag 6 Uhr Früh, berührend: Fiume, 
Durazzo, Valona, Corfu, Santa Maura, Patras, 
Zante, Cerigo, Canea, Retbymo, Candia, Vatby, 
Tschesm^, Chlos. Rückfahrt ab Smyrna Sonntag 
vom 10. Jänner ab 10 Uhr Vorm., in Triest 
zweitnächsten Dienstag 5 Uhr Früh. 

Griechlsch-Orieniaiisclie Linie über 
Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 
S. Jänner 18:t7 ab 4 Uhr Nachm., in Smyrna 
zweitnächsten Dienstag 7'/« 11 hr Früh, berüh- 
rend : Cattaro, Budua, Antivari, Dulcigno, 
Medua, Durazzo, Valona, Santi Quaranta, Corfu, 
Santa Maura, Argostoli, Zante, Canea, Retbymo, 
Candia, Vathy, Tschesm^, Chlos. Rückfahrt von 
Smyrna Sonntag vom 3. Jänner 1897 an 10 Uhr 
Vorm., in Triest zweitnächsten Dienstag 3 Uhr 
Nachm. 

Anschluss in Smyrna auf der Hinfahrt an 
die Syrisch -Caramaniscbe Linie nnd an die 
Rückfahrt der Syrischen Linie. Nach Cattaro und 
Budua keine Waaren- und Pasfiagieraufnahme. 

Linie Triest— Fiume— Alexandrlen. 

Jede vierte Woche. Ab TrIest Donnerstag vom 
28. Jänner 1^!^7 ab; in Alexandrlen zweitnächsten 
Sauistag 6 Uhr Früh, berührend: Fiume, Corfu, 
Patras. Rückfahrt von Alexandrlen Montag vom 
U. Jänner 1897 ab 9 UhrVorm., in Triest zweit- 
nächsten Dienstag 7',, Uhr Früh. 

Anschluss In Alexandrlen auf der Hinfahrt 
an die Syrische Linie. 



Thessailsche Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Trlest Sonntag vom 
8. Jänner 1897 abl Uhr Nachm., in Conatantiuopel 
zweitnächsten Sonntag 5'/« Uhr Früh, berühr. : 
Fiume, Corfu, Patraa, Zante, Catacolo, Calamata, 
Canea, Retbymo, Candia, Syra, Piräus, Volo, 
Salonicb, Cavalla, Lagos, Dedeagatscfa, Darda- 
nellen, OallipoII, Rodosto. Rückfahrt von Con- 
stantlnopel Freitag vom 8. Jäiner ab 8 Uhr Früh, 
in Triebt drittnächaten Sonntag 7 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis nach den Donauhäfen 
verlängert werden. An-^cbluss in Piräus an die 
Eillinie Trlest— Constantlnopel. 

Thessailsche Linie über Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Trlest Sonntag vom 
10. Jänner ab 4 Uhr Nachm., in Constantlnopel 
zweitnächsten Sonntag ö'/i Ubr Früh, berühr. : 
Cattaro, Budua, Antivari. Dulcigno, Medua, 
Durazzo, Valona, S. Quaranta, Corfu, S. Maura, 
Argostoli, Catacolo, Calamata, Canea, Retbymo, 
Candia, Piräus, Volo, Salonich, Cavalla, Dedea- 
gatsch, Dardanellen, Gallipoli, Rodosto. Rück- 
fahrt von Constantlnopel Freitag vom 1. Jänner 
1897 ab 8 Uhr Früh, in Triest drittnächsten 
Samstag 3 Uhr Nachm. 

Diese Linie wird bisBatum verlängert werden. 
Anschluss in Piräus an die Eillinie Triest— Con- 
stantlnopel und in Constantlnopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrischen Linie. 
Keine Waaren- und Passagieraufnabme nach 
Cattaro und Budua. 

Syrische Linie 

Jede zweite Woche. Ab Alexandrlen Montag 
vom 11. Jänner 1897 ab, 4 Uhr Nachm., in Con- 
stantlnopel zweitnächsten Mittwoch 7 Uhr Früh, 
berührend: PortSaid, Jaffa, Caiffa, Beyruth, Lar- 
naca, Liniassol, Rhodus, Chics, Suiyrua, Metelio, 
Dardanellen, Gallipoli. Retour ab Constantlnopel 
Montag vom 11. Jänner 1897 ab 3 Uhr Nachm., in 
Alexandrlen zweitnächsteuDonner8tag7UbrFrflh. 

Diese Linie wird bis Batttm verlängert werden. 
Anschluss in Coostantinopei auf der Hinfahrt 
an die Donaulinie nnddieL.inie (Jonstantinopel — 
Constantza (G) nnd an die Rückfahrt der 
Tbessaliscben Linie über Fiume; in Atexandrien 
auf der Rückfahrt an die Eillinie Triest— Ale- 
xandrlen. 

Syrisch-Caramanische Linie. 

Jede zweite Woche. Ab Alexandrlen Montag 
om 4. Jänner 1897 ab 3 Ubr Nachm., la Con- 
Btantinopel zweitnächsten Donnerstag 5 Ubr 
Nachm., berühr. : PortSaid, Jaffa, Caiffa, Beyruth, 
Tripolis, Lattakia. Alexandrette, Merflina,Rbodu8, 
Chios, Smyrna, Darlanellen. Rückfahrt von Con- 
stantlnopel Samstag vom 8. Jänner ab 3 Uhr 
Nachm. Ankunft in Alexandrlen zweitnächsten 
Mittwoch 8 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis Odessa (S) verlängert 
werden. Anschluss in Constantlnopel auf der 
Hinfahrt an die Linie C od stantinopel— Batum und 



an die Rückfahrt der Thessallscben Linie über 
Albanien, In Alexandrlen auf der Rückfahrt an 
die Eillinie Triest — Alexandrien. 

Donau-Linie. 

Ab ConstantlnopOl jeden Donnerstag 3 Ühr 
Nachm., In Braila Montag 10 Uhr Vorm., berühr. : 
Burgas, Varna, Constantza, Sulina, Oalatz. Retonr 
ab Bralia Mittwoch 8 Uhr Früh, io Constantlnopel 
Sonntag 5 Uhr Früh. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis bach 
Triest verlängert werden u. zwar eineWoche durch 
die Eillinie Triest — Constantlnopel, die addere 
Woche durch die Thesaalische Linie über Fiume. 
Anschluss in Constantlnopel auf der Rückfahrt 
an die Syrische Linie. 

Linie Constantinopei— Constantza mit Ver- 
längerung bis Odessa. 

Jede zweite Woche (U). Ab Constantlnopel 
Donnerstag, vom 7. Jänner ab 3 Ubr Nachm., 
in Odessa Samstag 8 Uhr Früh, berührend: Con- 
stantza. Hetour vou Odessa Freitag vom 15. Jänner 
ab 4 Uhr Nachm., in Constantinopei Sonntag 
10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis nach 
Triest verlängert werden durch die Eillinie Triest— 
Constantinopei. 

Jede zweite Woche (S). Ab Constantlnopel 
Samstag vom 16. Jänner 1897 ab, ^ Odessa 
Montag 8 I hr Früh, berührend Constantza. Re- 
tour von Odessa Montag vom 2.ö. Jänner 1H97 
ab, in Constantinopei Mittwoch 10 Uhr Vorm. 

Anf der Rückfahrt wi,rd diese Linie hl« 
Alexandrlen verlängert werden durch die Syrincb- 
Caramanische Lioie. Anschluss in Constantinopei 
auf der Rückfahrt an die Tfaessallscbe Linie 
über Albanien nnd an die Hinfahrt der Donan- 
L'nie und der Linie Constantlnopel — Batum. 

Zweiglinie Constantlnopel— Batum. 

Ab Constantlnopel ieden Freitag, in Baum 
nächsten Dienstag, berührend: Ineboll, Samsun, 
Kerassunt, Trapezunt. Rückfahrt von Batum 
Donnerstag 6 Ubr Abends, In Constantinopei 
darauffolgenden Mittwoch 10', Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie eine 
Woche bis Alexandrlen verlängert werden durch die 
Syrische Linie, die andere Woche bis nach Trlest 
durch die Thessalische Lin le über A Ibanien. 
Anschluss in Constantinopei auf der Rückfahrt 
an die Syrisch-Caramanische Linie und an die 
Hinfahrt der Donau-Linie und die Linie Con- 
stantinopei - Constantza (Q). 

Zweiglinie Corfu— Prevesa. 

Ab Corfü jeden SonnUg 4'/, Uhr Früh, in 
Prevesa 5 Uhr Nachm., berührend : Sajada, Parga, 
S. Maura. Retour ab Prevesa Freitag 6 Uhr Früh, 
in Corfu 6'/, Uhr Abends. 

Im Anschluss in Corfu auf der Rückfahrt 
an die Eillinie Triest — Constantinopei. 



OOE-A^mSOHEH. IDIErrST. 



Linie Triest— Shanghai— Kobe. 

Ab Trlest »m 20 jedes Monates 4 Uhr 
Nachm., berühr.: Fiume*, Port-Saii, Suez, 
Massaua (die BerUbrurg Massauas erfolgt auf 
der Ausreise nnd der Heimreise nur gelegentlich), 
Aden, KurracLee, Bombay, Colombo. Penang, 
Singapore, Hongkong, Shanghai. Rückfahrt von 
Kobe am 81. März, 2*J. April, 29. Mai, 27. Juni, 
28. Juli, 18. August, 29. September, 29. October, 
;l9. November, cO. December, 2y. Jänner 1898 
und 28. Fcbmar 1898. 

AndcblusH in Bombay sowohl bei der Hin- 
ais Rückfahrt an die EiUmie Triest — Bombay. 
Anschluss in Colombo bei der Hin- und R'lck- 
fahrt an die Zweiglinie Colombo-Calcutta. 

Die Abfabrts- und Ankunftszeiten in den 
Zwischenhäfen, ausgenommen Bombay und Co- 
lombo, können nach Umständen verfrüht oder 
verHpätet werden. 



Der Aufenthalt in Fiume auf der Heimreise 
kann nach dem absoluten Krforderniss für die 
Ladungs- und Löschungaarbeiten verlängert oder 
abgekürzt werden. 

Ausser den in dem obigen Fahrplan genannten 
Häfen können die Dampfer unter Umständen auch 
Nagasaki oder Mogi anlaufen, doch wird das Datum 
der Abfahrt von Kobe hiedurch nicht geändert. 

Eillinie Irlest— Bombay. 

Ab Trlest am 3. eines jeden Monates, be- 
rührend : Brindi i, Port-Said, Suez, Aden. Rdck- 
fahrt von Bombay vom 1. Februar ab Jeden 
1. des Monates bis incl. Jänner 1898. 

Anschluss in Bombay an die Linie Triest — 
Shanghai — Kobe. Die Ankunft und Abfahrt in 
den /.wischenhäfen kann nach Maassgabe der 
Bedürfnisse verfrüht oder verspätet werden. 



Zweigllnle Colombo-Calcutta. 

Ab Colombo am 27. jeden M<rnates, bcübrend: 
Hadra8. Rück 'abrt von Calcuttavom 14. Februar 
ab den 14. jeden Monates bis incl. Jänner 1898. 

AnscbluHH in Colombo an die Linie Triest— 
Shanghai— Kobe bei der Hin- nnd Rückfahrt. 

Die Dampfer dieser Linie berühren gele- 
gentlich auch CoL-onada oder einen anderen Hafen 
an der Küste von Coromandel. 
B. Mercantldienst nach Brasilien. 

AbtaUrt ab Triest am 10. Jänner, 10. März, 
10. Mai, 20. Juni, 20. Juli, 20 August, 1. October, 
10. November, berührend: Fiume, Pernambuco. 
Bahia, Rio d** Janeiro und Santos. Rückfa-irt von 
Santos am 12. Märe, 10. Mai, 10. Juli, 18. Anguu, 
17. September, 18. October, 29. November, 
10. Jänuer 1898. Die gleiche Anzahl ■ anrten 
unternimmt die „Adria" ab Fiume ii den 
Zwischen monaten mit Berührung von Triest. 



*) Finme wird auf der Ausfahrt am 81. der angeraden Monate (uämlich Jänner, März, Mai, Juli, September, November) bsrflbrt. 
Bei der Heimreise erfolgt die Berührung von Fiume am 88. Mai, ftO. Juli, 89. September, 28. November, 88. Jänner 1898 und 28. März 1898. 

Event. Aenderangen in dtn Zwischenhäfen ausgenommen und ohne Haftung für die Regel mässigkeit des Dienstes bei Contumazvorkehrungen. 



VERANTWORTLICHER REDACTEUR: JULIUS BÖHM. 



CH. REISSER & M. WBRTHNER, WIEN. 




Nr. 2. 



OESTERREICHISCHE 



Heraasgege))eD vom 

K. K. ÜSTERKItlClIlSCHEN IIANDELS-MUSEUM IN WIEN. 

Redigirt von JULIUS BÖHM. 




Monalllch eine Nummer. 



VEkt.AO DKS K. K. ÖSTERREICHISCHEN HANDBI.S-MUSEUMS IK WiEN. 



Preis JibrU 6 0. 10 Hark. 



INHALT ; Die deutschen Schutigebiet» bei IkniDn dea Jahres 1898. — S»fn 
lledin't Dm'chr]ucran|( Asiens. — .Stimche und Arcl äoloffie Ostaalens 
auf dem XI. ititeriiallüuali-n Orleiitulisteii-Congre^s. — Die frauzösbche 
llaudetiexpediilou nach China. — Chroulk. 



DIE DEUTSCHEN SCHUTZGEBIETE BEI BEGINN 
DES JAHRES 1898. 

Ein Blick auf die deutschen Scliutzjjcbiele bei Be- 
jjinn des Jalires 1898 gewährt den Eindruck, dass das 
Jdhr 1897 den coionialen Bestrebungen ein günstiges 
gewesen, dass es schöpferisciie 'l'haten gezeitigt, und 
dass in ihm im Allgemeinen den Colonien eine stetig 
(ortschreitende wirthschaftjiche Entwicklung vergflnnt 
gewesen ist. Mit den zunehmenden Werthen, welche der 
Anbau, die culturelle Arbeit, der Handel und die Auf- 
schlicssung des Innern zu Ta^je fördert, wächst auch 
das Vertrauen der eingeborenen Bevölkerung zu der 
neuen Staatsgewalt und befestigen sich die friedlichen 
Verhältnisse im Innern. Dasselbe gilt für die Beziehungen 
zu den Stämmen der Hlnt>>rlaadsspbäre und zu den 
noch unsicheren Nachbarn i(n eigenen wie im fremden 
Machtbereich. 

Die grösste Colonie Deutsch- Ostafrika hat ihrem 
l'lantagenartal eine derartige Ausdehnung gegeben, dass 
die dort zu gewinnende Ernte ein bisher unbekanntes 
Exportquantum liefern wird. Der Handel hat sich ge- 
hoben und neue Gebiete in seinen Kreis gezogen. 
Ausserdem ist die Hoffnung begründet, dass sich ein 
neues Besiedlungsgebiet daselbst, Uhehe, aufthut. Dem 
Verkehr werden in kurzer Zeit ein Dampfer auf dem 
unteren Rufi Ijifluss, eineDaropferyacht auf dem'l'anganyka 
und eine Dampfbarkasse von Aluminium auf dem Victoria- 
see dienstbar sein. Dies zieht wiedeium den Unter- 
nehmungsgeist an und bewirkt, dass sich derselbe noch 
anderen Gebieten zuwendet. 

In Westafrika haben Togo und Kamerun in Be- 
treff ihres Haushalts annähernd dieselbe Prosperität und 
Ertragsfähigkeit gezeigt und sich als gute Frucht- 
culturen bewährt. In Kamerun wurden die Bemühungen 
zur Erschliessung des Inneren mit Eifer fortgesetzt, und 
zwar vornehmlich nach Süden hin. Man hofft auf diesem 
Wege das Congogebict zu erreichen und dadurch den 
Zugang zu Gebieten zu erlangen, die als günstige Ankaufs- 
iiuil Absatzmärkte angesehen werden. Das Abkommen 
mt Frankreich bezüglich der Abgrenzung des Togo- 
staates hat nicht alle Ansprüche befriedigt ; zunächst ist 
ilurch dasselbe imraerl'.in Raum für eine ausgedehnte 
VVeiterführung des Colonisationswcrkes gewonnen 
worden. 

Nicht so leicht und günstig wie in den beiden vor- 
genannten Ländern liegen die Verhältnisse in Südwest' 
afrika. Der steigende englische Einfljss, die schärfere 
Entwicklung der Gegensätze in Südafrika, die schwierigen 
Verkehrsverhältnisse, die Calamität der Rinderpest, 
welche den Anstoss zur Erbauung einer Eisenbahn von 



drm Hafen Swakopmiind nach dem Innern zu gab, alle 
diese Umstände legen der Colonialverwaltuog die .\oth- 
wendigkeit auf, das weite Innere dieses Landes der 
deutschen Einwanderung zu öffnen und die Heranziehung 
d'utscher Elemente möglichst zu unterstützen. Sonst 
liegt die Gefahr nahe, dass später dieses Schutzgebiet 
von fremdem Einfluss beherrscht wird und nicht im 
Stande ist, sich politisch und wirthscbaftlich als ein 
selbständiges Staatswesen zu behaupten. 

Ostafrika. 

Auf die afrikanischen Schutzgebiete im Einzelnen 
näher eingegangen, sei zunächst bemerkt, wie sich die 
Ausichten der besten Kenner von Deutsch- Oslafrika 
immer mehr darin zusammcnfiadeo, dass dasselbe in 
nicht allzu ferner Zeit auch als Ackerbaucolonie in 
Betracht kommen kann. Die Vorbedingung dafür ist 
allerdings, dass die Hocbplateaux und die Gebirge durch 
Verkehrswege mit der Küste in Verbindung gebracht 
werden. 

Auf dem Wege von der Küste ins Gebirge hat der 
Einwanderer die die Malaria beherbergenden Niede- 
rungen zu durchschreiten, wo er den Krankbeitskeiin 
oft genug in sich aufnimmt. Die Fiebererkrankungen, 
die den Europäer alsbald nach seiner Ankunft auf den 
Plateaux und im Gebirge nicht selten befallen und an 
denen er oft monatelang nach seiner Ankunft zu leiden 
hat, sind in der libene aufgelesen. Nach längerer Zeit 
plltgt indess die mitgebrachte Malaria im Höhenklima 
von selbst nachzulassen ; bei geeigneter ärztlicher Be- 
handlung wird CS zweifellos gelingen, die Genesung 
la kurzer Zeit herbeizuführen. Einmal heimisch geworden 
auf dem Hochplateau o 1er im Gebirge, bleibt der 
Europäer trotz energischer .\rbeit andauernd fieberfrei. 
Was ihm ferner jetzt sehr zustatten kommt, ist der 
Wegebau ; ins Innere hinein hat derselbe im letzten 
Jihre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Durch 
eine geeignete Auswahl der Tracen und durch Ueber- 
brückung von Flussläufen etc. ist das Reisen im Küsten- 
bezirk und auf den Hauptrouten im Innern erleichtert, 
und dadurch wird der Reisende den Gelegenheiten sur 
Erkrankung mehr und mehr entzogen. 

Der Marktverkehr unterliegt in den Küstenstädteo 
der Aufsicht der Behörden ; von der grösstrn Bedeutung 
ist das für die Fleischbänke, weil leider die Küste Oit- 
afrikas vielfach von Viehseuchen heimgesucht wird. 

Auch der Karawanenverkehr wird nach Möglichkeit 
beaufsichtigt, da in Afrika der Verbreitung von Seuchen 
durch nichts in dem Maasse Vorschub geleistet wird 
wie durch die zu Handciszweckrn das Land durcb- 
querenden Karawanenzüge. Die Krankheiten, die dabei 
besonders im Auge zu behalten sind, sind R'ibr und 
Pocken. Die Ruhr hat im veifljssenen Jahre weniger 
Opfer gcfordeit, weil die Heuschreckenplage glücklicher- 
weise aufgehört hat und weil durch eine reichliche 



14 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Ernte die Bevölkerung wieder die Möglichkeit gewonnen 
hat, sich angemessen zu ernähren. Zu grösseren Pocken- 
epidemien ist es im Vorjahr nicht gekommen. Der rege 
Handelsverkehr zwischen Indien und dem Schutzgebiet 
liess die Gefahr der Einschleppung der in Bombay 
grassirenden Pest als naheliegend erscheinen. Zur Be- 
kämpfung dieser Gefahr wurde für das Schutzgebiet die 
Einfuhr von Leibwäsche, alten und getragenen Kleidungs- 
stücken, gebrauchtem Bettzeug, von Teppichen, Menschen- 
haaren, ungegerbten Fellen und ähnlichen Waaren ver- 
boten, sofern diese Gegenstände aus Indien und den 
sonstigen pestverseucbten Ländern Asiens kamen. Diese 
Maasregel hat sich auf das Beste berührt. 

Die früher häufig angezweifelte Frage, ob Ostafrika 
sich für die Plantagencultur eigne, ist jetzt ebenfalls 
auf Grund der gewonnenen Erfahrung dahin ent- 
schieden worden, dass der Boden sich wie kein 
anderer zu dieser Bestellungsart eignet. 

Das Anwachsen der Zahl der Plantagenunter- 
nehmungen im Anfang des Jahres 1897 eine Stock- 
ung dadurch erfahren, dass einerseits auf die sehr 
gute Erstlingsernte der ältesten Plantagen eine 
geringere zweite gefolgt, dass ferner der Weiter- 
bau der Usambarabahn in Frage gestellt, und dass 
drittens die Landfrage noch nicht so weit geregelt 
war, um das Landerwerbungsgeschäft glatt von statten 
gehen zu lassen. 

Wenn die zweite und dritte Frage auch noch keine 
genügende Lösung gefunden, so steht eine solche 
doch zu erwarten, und was die erste Schwierigkeit 
betrifft, so hat sich jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit 
ergeben, dass nur technische Fehler an dem Nach- 
lasse der Ertragsfähigkeit Schuld gewesen waren, 
denn die vorjährige Ernte verspricht über doppelt so 
gross zu werden wie die ersijährige. Daraufhin sind 
bereits wieder mehrere, und zwar sehr grosse Plan- 
tagenunternehmungen im Entstehen begriffen. 

Die hauptsächlichste Culturpflanze, auf welche das 
weitaus meiste Capital und die meiste Arbeit ver- 
wendet ist, bleibt wie bisher der ein Höhenklima ver- 
langende arabische Kaffee. Leider haben die Transport- 
schwierigkeiten verhindert, dass der in diesem grossen- 
theils aus mächtigen Baumriesen bestehenden Walde 
liegende Werth hat nutzbar gemacht werden können. 
Eine Gesellschaft, die wenigstens die nächsten an der 
Eisenbahnstation Muheza liegenden Waldstrccken 
rationell ausnutzen will, ist im Entstehen begriffen. 
Für eine Ernte in grösserem Umfange kommen wie 
im vorigen Jahre nur die ältesten der Deutsch-Ost- 
afrikanischen Gesellschaft gehörigen Plantagen in Be- 
tracht, da die anderen noch zu jung sind. Ausser mit 
arabischem Kaffee werden auf den Plantagen Versuche 
mit einer ganzen Reihe anderer Tropen- sowie Sub- 
tropengewächfe gemacht, so unter Anderem mit Thee, 
Cacao, Zimmt, Cardamom, Betelnuss, süditalienischen 
Weinen. Besonders Thee und Cardamom scheinen gut 
fortzukommen. Europäische Gemüse und Kartoffeln 
gedeihen durchwegs gut. Was den allgemeinen Stand 
der Pflanzungen betrifft, so bezeichnet Jeder, der die- 
selben zu Gesicht bekommt, denselben als sehr gut. 

Ueber ein in cultureller Beziehung sehr wenig be- 
kanntes Gebiet hat eine Expedition des jetzigen 
Gouverneurs wichtige Aufschlüsse gebracht. Es ist die 
Landschaft Wahehe oder Uhehe im Südwesten von 
Deutsch-Ostafrika, die sich nach den angestellten Er- 
mittlungen vorzüglich zu einem Ansiedlungsgebiet 
eignet, und deren Natur- und Productionsverhältnisse 
gegenwärtig Gegenstand aufmerksamen Studiums sind. 
Zwischen dem Ulanga im Südosten und dem Ruaha 
im Nordosten zerfällt das Land in fünf Zonen. Zu- 
nächst im Südosten und im Nordosten die beiden 
Flusszonen, durch welche hier der Ulanga, dort der 
Ruaha fliesst. Sie haben tropisches Klima, sind sehr 
fruchtbar, eignen sich aber ganz und gar nicht zur 



Besiedelung. Dagegen liegen zwischen ihnen in einer 
Höhe von etwa looo — 2000»/ das Uhehe-Gebirgsland, 
das Savanneniand und ein aus Acker und Grasland 
gemisches Gebiet: drei Zonen, welche der Gouverneur 
als „europäische Culturzonen" anspricht, und die sich 
in einer Ausdehnung von über einer Million Hektar 
als ein für deutsche Besiedlung geeignetes Gebiet be- 
zeichnen lassen. „Nicht laut genug kann das Lob 
des herrlichen Gebirgslandes erschallen," äussert sich 
der Gouverneur, wobei man nur dem Erstaunen Aus- 
druck geben muss, dass bislang Reisende und 
Officiere über dies Gebiet noch nicht derartig be- 
richtet haben, dass die allgemeine Aufmerksamkeit 
darauf gelenkt wird. Was man vom deutschen Wald- 
gebirge Schönes sagen mag, das findet sich auch 
hier : frische, kräftige Bergluft, entzückende Rund- 
und Fernsichten über grüne Kuppsn und Flächen, 
so weit nur das Auge reicht, Waldbestand in ver- 
schiedenster Form, vom jungfräulichen Urwald bis zum 
zwei Meter hohen undurchdringlichen Urbusch, in dem 
Brombeere, Farnkraut und Thuja Jeden an die Heimai 
erinnern, feuchter, schwarzer Humus in bedeutender 
Stärke, endlich in jedem Thale klares, rieselndes 
Quellwässer, häufi|; Wasserfälle und hübsche Strudel 
bildend, in den zahlreichen Kesseltbälern, die noch des 
Abzugs harren, allerdings auch Sumpfbildungen. Ob 
das Land fieberfrei ist, wagt General Liebert noch 
nicht unbedingt zu bejahen, obwohl frühere Stimmen 
sich sicher darüber äusserten, dass die Malaria in dem 
Bergland keinen Boden finde. 

Die wichtigste Vorbedingung für die Besiedelung, 
zu welcher das Gouverneur jetzt rückhaltlos dm 
deutschen Unternehmungsgeist auffordert, würde aller- 
dings eine billige, bequeme und schnelle Verbindung 
mit der Küste sein, und für diese weist die Natur den 
Weg in den beiden Stromläufen des Ulanga und 
Rufidji. Bis zu den Pacganifällen, d. h. 200 km strom- 
aufwärts, ist der Rufidji schiffbar. 

Die Wasserstrasse Rufidji-Uianga ist verwendbar; 
die Ulanga mit ihren Nebenflüssen erschliesst ein 
weites Gebiet, dessen grosser Theil für tropische 
Culturen sehr fruchtbar ist und schon jetzt durch 
Gummireichthum erheblichen Handelswerth besitzt; 
dies grenzt direct an das Besiedcluogsland Uhehe an, 
welches, an sich von grosser Ausdehnung und sehr 
zahlreichen Farmen Raum bietend, in directem An- 
schluss steht an die ebenfalls durchaus besiedelungs- 
fähigen weiten Gebiete, die längs des östlichen und 
nördlichen Nyassarandes laufen und von da ununter- 
brochen bis zum Rikwa und Tanganyika sich er- 
strecken. 

Hiezu tritt, dass hier die einzige nennenswerthe 
Wasserstrasse der Colonie zu finden ist. Umsomehr 
drängt sich die Ueberzeugung auf, dass es am meisten 
lohnt, gerade hier mit ganzer Kraft und mit allen 
Mitteln an das Werk heranzugehen. 

Freilich, es ist ein fast menschenleeres, von der 
Hacke des Negers kaum angekratztes Land, das hier 
des deutschen Pfluges harrt, und noch sind hier keine 
europäischen Gemüse und Getreidearten angebaut 
worden. Da handelt es sich zunächst noch um zahlreiche 
vorgängige Versuche. Auch Arbeiter würden im Lande 
nicht gefunden werden ; es müsste unternommen werden 
Waoyamwesi und Wasagara einzuführen, die sich als 
Landarbeiter eignen, aber allerdings das tropische 
Ebenenklima dem rauheren Höhenklima vorziehen. D.n 
Meiste müsste immer die eigene Arbeit der Ansiedler 
leisten. 

Die Arbeiterfrage ist jetzt in Deutsch-Ostafiika nicht 
so bedenklich, wie das den Anschein haben könnte. 
Das beste Zeichen dafür ist, dass die ostasiatischen 
Arbeiter, ohne die man früher nicht arbeiten zu köanen 
glaubte, fast ganz verschwunden sind. Auf sämmtlichen 
Plantagen zusammen aibeiten kaum noch lOO Oii- 




ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



15 



asiateo. Seit ca. I '/i Jahren ist überhaupt kein ost- 
asiatischer Arbeiter mehr eingeführt. Die Nachfrage 
nach Arbeitern ist dabei, wie sich schon nach den Lei- 
stungen der Plantagen in diesem Jahre ergibt, in 
einem sehr schnellen Teirpo gewachsen. Man kann 
annehmen, dass die Zahl der Arbeiter seit Anfang 
vorigen Jahres sich mindestens verdoppelt hat. Zur 
Zeit dürften bei den I'llanzungen und der Bahn 5000 
Arbeiter beschäftigt sein. lis ist naturgemäss, dass 
bei einer so schnell sich mehrenden Nachfrage nach 
Arbeitskräften in einem Lande, wo geordnete Arbeit 
bisher unbekannt war, Stockungen eintreten müssen, 
aber von diesen vorübergehenden Noihständen abge- 
sehen, können die Arbeiterverhältnisse im Allgemeinen 
als nicht ungünstig bezeichnet werden. 

Um sich über die mineralischen Schätze des süd- 
lichen Theiles des Schutzgebietes näher zu unter- 
richten, bereiste ein Techniker den Süden der Colonie 
von Kilwa, Lindi und Mikindani aus und konnte dabei 
sehr interessante Aufschlüsse über den geologischen Auf- 
bau des Landes erhalten. Zur Vervollständigung seiner 
Untersuchungen unternahm er noch Reisen in das Ge- 
biet von Usagamo, Ukami und Uluguru. Ein Kohlen- 
vorkommen bei Lindi hat sich nicht als ausbeutungs- 
werth ergeben, es sind nur geringe Mengen einer 
tertiären Braunkohle vorhanden. Verschiedene rothe 
Steine haben sich bei näherer Untersuchung als 
Granaten erwiesen. Glimmer in grossen Platten kommt 
an verschiedenen Stellen vor. 

Der Piospector Janke hat im Süden des Victoria- 
Sees Gold gefunden. Eme genauere Untersuchung 
dieser vielleicht ergiebigen Fundstelle ist in die Wege ge- 
leitet. Der Perlfischerei wurde im letzten Jahre besonderes 
Interesse entgegengebracht. Drei europäische Unter- 
nehmer erwirkten Concessionen, um die Fischerei im 
Milia-Canal und im Bezirk Mikindani zwischen Ras 
Mkubiro und Ras Sangambku, in der Muazi-Bucht und 
dem Wisete-Creek an Stelle des Raubbaues durch die 
Eingeborenen rationell zu betreiben. Ein Transvaal- 
Deutscher beabsichtigt zu diesem Zwecke ein eigenes 
Dampfboot herauskommen zu lassen. 

Leider hat die Lösung der Eis-nbahnfrage nicht 
einen so erfreulichen Fortgang genommen, wie dies 
erwünscht gewesen wäre. Im Herbste 1896 hatte sich 
die Usambara-Bahn auf der Strecke Tanga — Muheza 
bereits eines verhältnissmässig sehr regen Pcrsonen- 
und Frachtenverkehres zu erfreuen und erzielte Ein- 
nahmen, die zwar die Kosten noch lange nicht deckten, 
aber doch hoffen Hessen, dass bei der zu ge- 
wärtigenden Vermehrung der Plantagenanlagen in 
Bondei, Handel und West-Usambara sich nach .\usbau 
der Bahn bis Korogme der Betrieb in absehbarer Zeit 
rentiren würde. Da kamen gewaltige Regengüsse, die 
anhielten, und die Bahn an vielen Stellen derartig be- 
schädigten, dass der Gesellschaft ein Schaden von 
nahezu 50.000 Rupien erwuchs; dabei ist der Ausfall 
an Einnahmen für Personen- und Güterbeförderung 
nicht mitgerechnet. Die auch noch periodisch wieder- 
kehrenden Regenfälle und fortwährende Erkrankungen 
unter dem Baupersonale verzögerten die Wieder- 
herstellung der Bahnstrecke bis zum 10. April 1897. 
mit welchem Tage der Verkehr zwischen Taoga und 
Muchesa wieder aufgenommen werden konnte. 

Die Hoffnung, dadurch, dass die Bahndämme mit 
entsprechende Durchlässen versehen wurden, der Ge- 
fahr weiterer Beschädigungen des Bahnkörpers durch 
die Hochwässer entrückt zu sein, erwies sich als 
trügerisch. Denn seit April brachten anhaltende, grosse 
Regengüsse eine deraitige Ueberschwemraung zuwege 

— hauptsächlich in den Tagen vom 11. bis 25. Mai 

— dass die Durchlässe den AIHuss nicht mehr be- 
wältigen konnten und die Bahn an vielen Stellen über- 
llulhet und abermals zerstört wurde. Der Verkehr 
musste von neuem eingestellt werden. 



Der mit Unterstützung von Seiten der Regierung in 
beschränktem Umfang wieder eröffnete Betrieb wird 
hoffentlich sobald nicht wieder durch rlrmrntare Ge- 
walten unterbrochen werden. 

In d?n Verbindungen des .S nut/geuieic» mit Deatsch- 
laod ist eine Veränderung nur insoweit eiogetreteo, 
als die Deutsch-Ostafrika-Linie ihre Fahrten zwischen 
Hamburg und dem Schutzgebiete in der Weise ver- 
mehrt hat, dass die Ausreisen zwar nach wie vor in 
dreiwöchentlichen Zwischenräumen, die Rückfahrten da- 
gegen in Abständen von nur zwei Wochen erfolgen. 
Die Dampfer sollen demnächst auch auf der Ausreise 
in I4tägigen Fristen verkehren. Neben den vor- 
bezeicbneten deutschen Rcich»postdampfern werden noch 
die in Sansibar alle vier Wochen anlaufenden eng- 
lischen und französischen Postdampfer zur Postbefördemog 
benutzt. 

Bezüglich des so wichtigen Schulwesens, welchem 
die Colonialverwaltung einen sehr hoben Werth bei- 
legt, ist beobachtet worden, dass die Ueberzeuguog von 
dem Werihe der in der deutschen Schule erworbenen 
Kenntnisse und Fertigkeiten sich bei der schwarzen 
Bevölkerung immerhin Bahn bricht und zur Ueber- 
windung des arabischen Einfluuses beiträgt. 

Auch aus dem Hinterlande hat die Schule schon 
Schüler gewonnen, die mit Eifer und Erfolg sich 
mühen ; es sind dies Verwandte des Sultans Kiniassi 
in Wuga, die von seinem Gelde unterhalten werden. 
Das hat dazu geführt, junge Leute aus den ver- 
schiedensten Ortschaften auf Staatskosten einige Monate 
hindurch die Schule in Tanga besuchen zu lassen und 
auf diese Weise Schreibgehilfen für die Ortsältesten 
heranzubilden, so dass mit diesen ein unmittelbarer 
schriftlicher Verkehr ermöglicht ist; früher musste 
immer die Hilfe Anderer in Anspruch genommen werden. 

Auch für die wissenschaftliche Durchforschung des 
Schutzgebietes, sowie sriues Hinterlandes sind im 
letzten Jahre werthvolle, von wichtigen Erfolgen ge- 
krönte Anstrengungen gemacht worden. Ein in topo- 
graphischen Arbeiten vorgebildeter Officier war mit 
der Festlegung der Dreieckspunkte erster Ordnung be- 
traut. Vom Jänner bis Ende Mai hatte er zwölf grosse 
Signale auf dem Mlingaberge und bei Lewa gebaut. 
Diesen Arbeiten schliesst sich jetzt die Erkundigung 
und der Signalbau für die Basis im Luengerathal an, 
die zunächst provisorisch gemessen werden sollen. 
Nach der Winkelmessung werden die Arbeiten in Bondei 
und dem Küstengebiete folgen. 

Zahlreiche kartographische Arbeiten wurden von den 
Officieren der kaiserlichen Schutztruppe ausgeführt. Was 
das Vorhandensein von mineralischen Reichthümern 
endlich anbetrifft, so kann man nach den immerbin 
noch beschränkten Versuchen Deutch-Ostafrika eine 
Zukunft zusprechen. Mehrere Steinkohlenlager sind ge- 
funden, nicht nahe genug der Küste, um zur Zeit coo- 
currenzfähig zu sein. In verschiedenen Gegenden ist 
Gold gefunden, dessen Abbaufähigkeit an einigen Stellen 
gesichert erscheint. 

Südwestafrika. 
Südwesiafrika, die räumlich grösste Colonie der West- 
küste ist in letzter Zeit von einer fühlbaren Plage, der 
Rinderpest, heimgesucht worden. Die Folgen dieser 
Seuche lassen sich heute noch nicht übersehen. Sie 
sind wesentlich von der Frage der Immunität des Nach- 
wuchses und der Vernichtung des Rinderpestgiftes im 
Boden und in den Wasserstellen, worüber zur Zeit 
noch Untersuchungen angestellt werden, abhängig. Bevor 
diese nicht abgeschlossen sind, ist die von der Re- 
gierung beabsichtigte Einführung von Zuchtrindero 
untbunlich. Eines aber lässt sich schon heute sagen, 
dass nämlich die Rinderpest eine grosse l'mwäliung im 
Binnenhandel hervorrufen wird. Die gante Entwicklung 
des Schutzgebietes ist naturgemäss durch die Riader« 



16 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



pesigefahr sehr stark beeicflusst worden. Abgesehen 
hievon, war dieselbe eine friedliche. Der Friede wurde 
nur durch Räubereien einer kleinen Afrikaner-Hotten- 
tottenpartei am Orangt fluss vorübergehend gestört. 
Ueber den allgemeinen Charakter des Schutzgebietes 
in Bezug" auf seine Natur und Productionsverhältnisse, 
hat die Bereisung desselben durch den Regierungs- 
baumeister Rehbock einige bemerkenswerthe Auskünfte 
gebracht. Derselbe spricht sich auf Grund der von ihm ge- 
wonnenen Eindrücke dahin au.<=, dass Südwestafrika im 
Gegentheil zu allen übrigen deutschen Colonien, die, ent- 
sprechend ihrer Lage, ein rein tropisches Klima auf- 
weisen, ein subtropisches Klima habe, das durch die 
kalte, die Küste bestreichende Polarströmung und in 
Folge der hohen Lage des Landes so sehr gemildert 
wird, dass es, wenigstens im grössten Theil des Dä- 
maralandes und im ganzen Namalande ohne Bedenken 
als ein gemässigtes bezeichnet werden kann. 

Diesem Klima entsprechend, ist der Europäer nicht 
nur wie in den rein tropischen Ländern zur geistigen 
Arbeit, sondern auch zu einer intensiveren mechani- 
schen Arbeitsleistung befähigt. Bei der geringen Zahl 
der Eingeborenen und bei der Unfähigkeit eines grossen 
Theiles derselben zu dauernder körperlicher Arbeit 
wird sogar bei der Erschliessung des Landes wesentlich 
auf weisse Arbeitskräfte gerechnet werden müssen. 
Hierin liegt der principielle Unterschied in der Be- 
deutung Deutsch-Südwestafrikas für Deutschland gegen- 
über der Bedeutung seiner übrigen Colonien. 

Die Erschliessung Deutsch-Südwestafrikas ist daher 
nach Ansicht Rehbock's Sache weiter Kreise des deutschen 
Volkes. Dass das Land im Stande ist, eine ansehnliche Zahl 
von Europäern in behaglicher Weise zu ernähren, 
daran kann nicht gezweifelt werden, das beweisen die 
Erfahrungen aus den von der Natur nicht mehr be- 
günstigten Nachbarländern in Südafrika, das zeigen 
eine Reihe von im Namalande seit Jahrzehnten lebender 
Farmer und eine grössere Zahl in den letzten Jahren 
eingewanderter Buren, die sich im Lande wohl fühlen. 

In erster Linie ist Deutsch-Südwestafrika wie alle 
Steppenländer ein Viehzuchtland. Eine rationelle und 
wirklich gewinnbringende Viehzucht wird aber erst 
dann möglich sein, wenn die zum Lebensunterhalt der 
Bevölkerung erforderlichen Erzeugnisse im Lande ge- 
wonnen werden und der Preis der von auswärts ein- 
geführten Waaren durch Verbesserung der Transport- 
verhältnisse verbilligt wird. Mit dem Ackerbau ist 
bereits an vielen Stellen ein erfreulicher Anfang ge- 
macht worden. Bei der bedeutenden Triebkraft des 
Bodens wird es bei künstlicher Bewässerung möglich 
sein, auf die Dauer den Bedarf des Landes an Brot- 
frucht, Gemüseij und Früchten vollkommen zu decken. 
Zu rtchnen ist freilich auf bedeutende Schwankungen 
im Ertrag der Ernten, da der beträchtliche Unterschied 
in der Menge des jährlichen Regens auch durch künst- 
liche Bewässerung nicht überall vollkommen ausge- 
glichen werden kann, und gelegentlich Einfälle der 
Wanderheuschrecken ganze Ernten vernichten können. 
Von einschneidender Wichtigkeit für die künftige Ent- 
wicklung des Landes ist natürlich der weitere Verlauf 
der Rinderpest, über die sich zur Zeit ein abschliessen- 
des Bild noch nicht gewinnen lässt. Sollte es gelingen, 
durch die Schutzimpfung den grössten Theil des Rinder- 
bestandes des Landes zu retten, so wird bei den stark 
gesteigerten Preisen des Schlachtviehes in ganz Süd- 
afrika die Rinderviehzucht in den nächsten Jahren sicher- 
lich eine gewinnbringende sein zumal wenn dieselbe 
durch weisse Farmer in rationeller Weise betrieben 
wird, so dass die früher sehr empfindlichen Verluste 
durch Seuchen, namentlich durch die leicht zu be- 
kämpfende Lungenseuche vermieden werden. Einen un- 
ersättlichen Markt für Schlachtvieh bieten die Minen- 
districte Südafrikas. Neben Rinder- und Schafzucht ist 
die Schweine- und Geflügelzucht in Deutsch-Südwest- 



afrika als Nebenbeschäftigung gewinnbringend. Leider 
fehlt es seither an genügendem Zuchtmaterial, nach 
welchem lebhafte Frage besteht. Immerhin wird die 
Erschliessung und Besiedelung des Landes als reioe 
Vieh- und Ackerbaucolonie nur eine stetige und lang- 
same sein ; sie wird nur bei harter Arbeit der Ein- 
wanderer und bei klugem Vorgthen der Regierung die 
auf das Land bereits verwandten und noch zu ver- 
wendenden Mittel rechtfertigen, wenn nicht gleichzeitig 
mit der Erschliessung der im Lande vorhandenen Ma- 
terialien begonnen wird. Um dies in ausgedehnter Weise 
zu ermöglichen, ist zunächst nöthig, das Land in weit 
gründlicherer Weise auf Mineralvotkommnisse zu unter- 
suchen, als es seither möglich war, so lange die mit 
den Berggerechtsamen belehnten grossen Gesellschaften 
noch keine Bestimmungen über die Rechte der Ent- 
decker von Mineralfunden erlassen haben. 

Dieser in hohem Grade die Erschliessung des Landes 
behindernde Zustand muss thunlichst bald beseitigt 
werden, und es ist zu hoffen, dass die Besitzer der 
Gerechtsame in richtiger Erkenntniss auch ihres eigenen 
Vortheiles die Arbeit der Prospectoren durch günstige 
Bedingungen bald in ausgedehnter Weise nach Deutsch- 
Südwestafrika locken. Der Vortheil hieraus wird für 
die Gesellschalten, die ja meistens gleichzeitig Be- 
sitzerinnen des Landes sind, nicht ausbleiben. 

Nach dem Gesagten ist darauf zu hoffen, dass es 
gelingen wird, das südwestafrikanische Schutzgebiet, in 
dem nach schweren Kämpfen nun hofifentlich für die 
Dauer gesicherte Zustände geschaffen sind, auch wirih- 
scbaftlich in erhöhtem Maasse zu erschliessen. 

Die Eingeborenen haben sich fast durchwegs im ver- 
gangenen Jahre friedlich verhalten. Bei den Hereros, 
und zwar auch bei denjenigen, welche weiter von den 
Militärstationen entfernt wohnen, hat der letzte Krieg 
und die Erschiessung der Haupträdelsführer einen ausser- 
ordentlichen Eindruck hinterlassen. Ohne die Lection, 
welche sie damals erbalten haben, würde wohl weder 
die Grenzabsperrung, noch die Impfung im Herero- 
lande ohne ernsteren Zwischenfall verlaufen sein. 

Hendrik Witboi hat sich auch im letzten Jihre in 
jeder Beziehung loyal gezeigt, ebenso die Capitäne 
von Berseba und Bethanien. 

Die Arbeiterverhältnisse hinsichtlich der Eingeborenen 
sind noch immer nicht die besten, doch es hat den 
Anschein, als ob in dieser Beziehung die Rinderpest 
einen günstigen Einfluss ausüben würde, indem Aussicht 
ist, dass es gelingt, auch Hereros, die sich bei der 
reichen Nahrung, die ihnen zur Verfügung stand, bis- 
her mit ganz verschwindenden Ausnahmen überhaupt nicht 
zum Arbeiten bequemten, hiezu heranzuziehen. Der 
Regierung ist ts bereits gelungen, eine grössere An- 
zahl für sich anzuwerben. Nachd;m sie sich hier erst 
an die ungewohnte Arbeit gewöhnt haben, ist zu 
hoffen, dass sie ihren Stolz noch weiter beugen und 
auch in die Dienste von Privaten treten. Je mehr das 
Land besiedelt wird und die Schlupfwinkel, in die 
sich die Bergdamaras, Buschmänner und Hotten- 
totten zurückziehen, bekannt werden, desto leichter 
wird es werden, die Eingeborenen zur Arbeit beraii^ 
zuziehen. ■ 

Trotz des Hemmnisses, welches die Rinderpest dem 
wirthschaftlichen Aufschwünge des Schutzgebietes be- 
reitet hat, ist das letztere doch auch während des 
Jahres 1897 in seiner Entwicklung vorangegangen. 
Während von den deutschen Farmern im centralen 
Theile des Schutzgebietes mit dem Körnerbau in diesem 
Jahre noch nicht begonnen ist, ist in der Gegend von 
Grootfontein Korn und Mais in recht ansehnlichem 
Umfange von den dort wohnenden Boeren gebaut 
worden. Von den um genannten Ort liegenden Plätzen 
eignen sich eine ganze Reihe für Kornbau, da die 
Quellen verhältnissmässig hoch liegen und sich daher 
das tiefer liegende gute Ackerland in genügender Aus- 




ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



17 



bi 

i 



deboung und ohne Mühe aus deDselben bewässern 
lässt. Leider haben die Heuschrecken den Saaten zwei- 
mal grossen Schaden zugefügt. 

Von der Eisenbahnstrecke Swakopmund — Otyim- 
biegue wurde am 5. November 1897 die erste 
O km lange Theilstrecke Swako()mund — Noni 'as, 
eiche von einem Detachement des Eisenbahnregiments 
estreckt worden, in Betrieb genommen. 

Der glatte Verlauf dieser ersten Fahrt, bei der sich 
jeder von der Güte des zur Verwendung gelangten 
Materiales und der Exactheit der Bauausführung über- 
zeugen konnte, hat die besten Hoffnungen auf einr 
rasche Vollendung des bedeutsamen Werkes erweckt. 
Schon jetzt sind die geleiteten Tracirungsarbeiten 
80 km weit vorgeschritten, und täglich werden nun- 
mehr 800 m Geleise verlegt, so dass in wenigen Mo- 
naten bereits die Bahn in einer dem Verkehr wirk- 
lich nutzbringenden Länge eröffnet werden kann. Der 
Betrieb auf der ersten Strecke nach Nonidas geschieht 
vcläufig noch mit Mauleseln, doch ist alle Aus- 
sicht vorbanden, dass dieses kostspielige und auf die 
Dauer sicher völlig versagende Hilfsmittel nicht erst 
für weitere Strecken zur Einführung gelangt, sondern 
gleich durch die allein verwendbaren Locomotiven er- 
setzt wird. 

Der Fcldhandel nahm nach der Beendigung des 
Hererokrieges, namentlich im Hererolande, einen bisher 
nie gekannten Aufschwung, trotzdem sich die Ein- 
geborenen mehr und mehr an das Kaufen in den 
festen Läden der Ortschaften gewöhnen Der blühende 
Ocbsenbandcl de? Damaralandes hat durch die Pest 
einen schweren Schlag erbalten. Der Hauptplatz für 
den Aussenhandel ist zur Zeit Swakopmund, welches 
Walfisch- Bai fast vollkommen lahm gelegt hat. Der 
baldigste Bau eines Molo in Swakopmund ist dringend- 
stes Bedürfniss, damit eine Gewähr dafür geboten 
wird, dass die Güter niclit nur gelandet werden, 
sondern auch in trockenem Zustande an Land kommen. 
Der Wertb der in Swakopmund lagernden Waaren 
beläuft sich jetzt häufig auf mehrere Millionen Mark. 

Die Handelsbeziehungen des Schutzgebietes zum 
Mutterlande nehmen fortwährend zu, die nach Csp- 
stadt verschwinden immer mehr. Letztere dürften für 
den Norden nur noch als Nothbehelf dienen. Der Süden 
ist naturgemäss mehr auf Capstadr, beziehungsweise 
die Capcolonie angewiesen, doch sind die Beziehungen 
nicht mehr überwiegend, und eine regelmässige 
Dampferverbindung mit Deutschland wiid den Handel 
des Schulzgebietes noch enger auf das Mutterland 
verweisen. Eine Bahn von Lüderitz-Bucht in das Innere 
würde im wesentlichen Interesse dieses Tbeiles des 
Schutzgebietes liegen. Die Thätigkeit der Gesell- 
schaften während des letzten Jahres war im All- 
gemeinen keine sehr rege. Nur die deutsche Colonial- 
gesellschaft für Südwestafrika tritt mehr aus ihrer 
Reserve heraus. Sie beschäftigt zur Zeit ein grösseres 
kaufmännisches und landwirthschaftliches l^ersonal. 

Kamerun. 

Das Schutzgebiet Kamerun ist im letzten Jahn' 
durch den ausserordentlichen Aufschwung, den der 
Plantagenbau genommen hat, in ein neues Stadium der 
Entwicklung getreten. Die Abhänge des Kamerun- 
gebirges sind beinahe vollständig an grössere Unter- 
nehmungen vergeben, die theils Kaffee, theils Cacao 
daselbst anbauen. 

Auch wenn die sämmtlicben bestehenden und noch 
in Entstehung begriffenen Pflanzungen das ganze ihnen 
zugewiesene Land in Cultur genommen haben werden, 
so wird das anbaufähige Land an den Abhängen des 
Kamerunberges noch lange nicht erschöpft sein. Da- 
neben aber ist durch fachkundige Untersuchungen fest- 
gestellt worden, dass auch weiter landeinwärts Land 
in Menge vorbanden ist, das sich zur Anlage von 



Plantagen eignet. Auch far diese Llodereien linü die 
Transportverbältnisse durch die Watserverbiaduagen 
aber den Mungo und Wuri, beziehungsweise Dibombe 
so günstig, dass etwaige Plantagenun'ernebmuogen 
gute Aussiebten auf Erfolg bieten wQrden. Vor zwei 
Jahren hätte man allerdings noch nicht mit ganz gutem 
Gewissen zur Anlage von Plantagen, wenigstens ao 
der Süd- und Ostseite des Gebirges, rathen können, 
denn damals waren noch die Rakwiris, an ihrer Spitze 
die Buealeute, die Herren des Landes. Seit aber die 
Schutztruppe Ende 1894 gründlich mit d-:o Bueas 
aufgeräumt bat, und dann auch der Handel mit Waffen 
und Munition eingeschränkt wurde, haben sich die 
wilden Bergbewohner in friedliche Arbeiter verwandelt, 
und die Verhältnisse sind als völlig sicher zu be- 
trachten. 

Auch sind die Erfahrungen, die man seither mit dem 
Plantagenbau in Kamerun gemacht bat, ungleich viel 
reicher geworden als früher. Das Land ist durch 
Untersuchungen des Bodens durch Fachleute sowie 
durch Versuche mit der Cultur der verschiedensten 
Nutzpflanzen bedeutend besser auf seinen Wertb und 
seine Leistungsfähigkeit hin bekannt geworden. 

Von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung der 
Plantagenwirthschaft ist auch hier die Arbeiterfrage. 
Sie ist gegenwärtig ihrer Lösung nahe geführt. Das 
Bestreben der Regierung musste von Anfang an darauf 
gerichtet sein, den Plantagen den nötbigen Arbeiter- 
ersatz aus dem Schutzgebiete selbst zu sichern. In 
diesem Sinne ist stets auf die im Plantagengebict an- 
sässigen Eingeborenen eingewirkt worden, und in der 
That beschäftigen sämmtlicbe am Kamerungebirge ge- 
legenen Plantagen dort ansässige Bakwiris. 

Ein wesentliches Verdienst an der verbältnissmässig 
raschen Entwicklung insbesonders der neu angelegten 
Plantagen fällt dem botanischen Garten in der Hiupt- 
stadt Victoria zu, der Saatpflanzen in grosser Menge 
bereit hält und den Pflanzungen gegen geringes Entgel 
zur Verfügung stellt. Ueber seine Versucbungspflan 
Zungen liegen sehr günstige Berichte vor. Der Stan 
des Cacao ist einrecht befriedigender. Der arabisch 
Kaffee wächst üppig, in den tieferen Lagen fast il 
üppig, so dass deswegen eine nicht geringe Zahl vo 
Bäumen umknickt. Auch an dem Wacbstbum und Er 
trägniss des Liberia- Kaffets ist nichts auszusetzen. 
In der nächsten Zeit sollen auch Anpflanzungs- 
versuche mit Pflänzlingen des Kautschukbaumes ge- 
macht werden. Auch ist der Garten durch Neuanlagen 
wesentlich vergrössert und durch manche praktische 
Einrichtung verbessert worden. 

In Kamerun liegt der Handel zum grössten Tbeile 
in den Händen der mit Weissen besetzten Facioreien, 
wohin die Eingeborenen die Producte zum Verkauf 
gegen Erzeugnisse der heimischen Industrie bringen. 
Ankauf und Anhäufung von ProJucten seitens der Ein- 
geborenen selbst und directe Verschiffung kamen nur 
in ganz vereinzelten Fällen vor, und handelte es sich 
dann uro nur ganz geringe Mengen Nutzhölzer. Der 
Sohn des Dorfhäuptlings Bell, Manga Bell, der in 
dieser Beziehung früher erwähnt werden konnte, hat 
sein Geschäft aufgegeben, weil er nicht auf seine 
Rechnung kam ; nun betreibt er Elepbantenjagd und 
Zwischenhandel. 

Der Ausfuhrhandel erstreckt sich namentlich auf: 
Palmöl, Palmkerne, Gummilasticum, weniger auf Gummi- 
copal, Elfenbein, Ebenbolz, Cacao, Kaffee, ColanOssc, 
Tabak uud einige Nutzhölzer. 

Die Handelsverhältnisse im Nordbezirke hatten der- 
artige Störungen erfahren, dass die Scbutztruppe eine 
allerdings kurze und erfolgreiche Espedition nach 
Ngolo machen musste, um den Handelsweg aus dem 
Innern nach dem Rio del Rey wieder zu eröffnen. Die 
Station Buea bat einen weiteren .■\u>bau erfahren, 
zugleich wurde in Buca eine wisscnsctMltlicbe, durch 






18 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



einen Geologen besetzte Station errichtet, deren Auf- 
gabe es ist, die früheren Untersuchungen weiter zu 
führen und die geologische Beschaffenheit des Kamerun- 
gebirges und seiner Abhänge festzustellen. 

Betrachtet man die Ergebnisse des verflossenen 
Jahres, so zeigt sich, dass die Entwicklung des Schutz- 
gebietes zu einem Wendepunkte gekommen ist. Auf 
wirthschaftlichem Gebiete ist neben dem bisher fast 
allein maassgebenden Handel nun auch der Plantagen- 
bau als zweiter gleichwerthiger Factor getreten. Die 
Masse Capital, die mit einem Schlage zu Pflanzungs- 
rwecken in die Colonie hineinkam, beweist, wie sehr 
mit der Kenntniss der Bodenbeschaffenheit auch das 
Zutrauen zu einer gedeihlichen Entwicklung des Schutz- 
gebietes gewachsen ist, und es wird eine Hauptsorge 
der Regierung sein, durch Herstellung und Erhaltung 
geordneter Zustände im ganzen Schutzgebiete dem 
nunmehr im Grossen in Angriff genommenen Plantagen- 
bau die Btdingungen für eine erfolgreiche Weiter- 
entwicklung zu sichern. 

Togo. 

Ein Blick auf die Gesammtverhältnisse des Schutz- 
gebietes Togo läfst auch während des abgelaufenen 
Jahres einen erfreulichen Fortschritt erkennen. Palmöl 
und Palmkerne haben zwar eine bedeutende Minder- 
ausfuhr gegen das Vorjahr aufgewiesen. Allein gegen 
derartige, glücklicherweise äusserst seltene Missernten 
helfen keine Mittel, und es muss der Zeit überlassen 
werden, den dadurch entstandenen Schaden zu über- 
winden. Die Angaben über den Gesammtwerth der Aus- 
fuhr entsprechen nicht vollständig den thatsächlichen Ver- 
hältnissen. Es verdient erwähnt zu werden, dass die 
Kaufleute trotz des Productenmangels immerhin einen 
ziemlichen Waarenumsatz gehabt haben, und dass viele 
Waaren nicht gegen Pioducte, sondern gegen Baar- 
zahlung aus den Kaufhäusern entnommen wurden. Für 
die Richtigkeit dieser Thatsache gibt der gesteigerte 
Geldverkehr der Post ein treffendes Bild. Die Frische 
und das Grün, welche sämmtliche Plantagen am Ende 
des Jahres aufwiesen, sind eine treffliche Gewähr 
dafür, wie wenig selbst ein zehnmonatlicher Regen- 
mangel den Plantagen schaden konnte. Immer mehr 
bricht sich bei den Kaufleuten die Ueberzeugung Bahn, 
dass zur richtigen Ausbeutung des Landes auch eine 
persönliche Kenntniss der Hauptproductionsplätze und 
Haupthandelsplätze im Innern gehört, und es gibt wohl 
kaum eine Firma mehr im Schutzgebiete, deren Agenten 
nicht schon bis Misahöhe und darüber hinaus sich 
selbst im Lande umgesehen haben. Die Verstärkung 
des weissen Personals seitens der Firmen, die Besetzung 
der Plantagen mit europäischen Leitern und die An- 
lage neuer Plantagen sprechen dafür, dass das Ver- 
trauen der Kaufmannschaft und der Plantagenbesitzer 
auf die günstige Fortentwicklung des Schutzgebietes 
durch das glückliche Ueberstehen eines so ungünstigen 
Jahres bedeutend gehoben ist. Bedenkt man ferner, 
dass die Festlegung der Grenzen des Gebietes im 
Norden und Osten und damit die Gewähr für eine 
ruhige wirthschaftliche Erschliessung des reichen Hinter- 
landes in baldiger Aussicht steht, dass Hand in Hand 
damit an der Küste die Verbesserung der Landungs- 
und Verkehrsverhältnisse dem Import- und Export- 
handel günstigere Vorbedingungen schafft, so darf man 
mit voller Berechtigung sagen, dass die Colonie einer 
guten Zukunft entgegen geht. Was die einzelnen 
Culturen betrifft, so sind die Cocospflanzungen fast 
alle vergrössert worden. 

Bei den Kaffeeculturen ist zwar wegen der bereits 
erwähnten seit vielen Jahren nicht beobachteten Dürre 
eine Missernte zu verzeichnen. Doch ist anderseits 
durch diese seltene Dürre festgestellt, dass die Kaffee- 
pflanzen sich dem Klima vollkommen angepasst haben. 
Denn die ersten Regengüsse brachten neues Leben in 



die Kaffeepflanzungen. Jeder Baum steht jetzt im 
schönsten Schmucke mit Blättern und Blüthen und ver- 
spricht reichliche Ernte. Dies hat auch die meisten 
Unternehmer bewogen, ihre Pflanzungen bedeutend zu 
vergrössern und wieder neue Unternehmen hervorge- 
rufen, so dass man zu dem Schlüsse kommt, dass die 
Dürre für den Plantagenbau der Colonie nicht ohne 
Nutzen gewesen ist. 

Zu erwähnen bleibt noch, dass mehrere Plantagea 
ausser ihren Hauptproducten grosse Flächen mit Kassave, 
Yams, Mais und Erdnüssen bestellen, welche alle ihrer 
schnellen Entwicklung wegen schon nach kurzer Zeit 
einen Gewinn bringen und so dazu beitragen, die Un- 
kosten des Betriebes bis zur Ertragsfähigkeit drs 
Hauptproductes erheblich zu vermindern. Besonders 
gilt dies von Kassave, deren Pabricat, Tapioca, immer 
mehr in Handel kommen wird. Ueber die Handelsbewegung 
von Togo ist nicht viel zu sagen. Nach allgemeiner 
Ansicht der Kaufleute und Stationschefs im Innern bat 
nur der Gummihandel gegen das Vorjahr sich erheb- 
lich gesteigert. .Allerdings drücken die statistischen 
Angaben auch hier ein Minus gegen das Vorjahr aus. 
Das kommt aber daher, dass der grösste Theil des 
Gummi aus dem Schutzgebiete nicht nach Lome, 
sondern nach dem benachbarten englischen Quitta ge- 
bracht wird. Die fast auf das Doppelte geätiegene 
Anzahl des ausgeführten Elfenbeins ist ein Erfolg der 
Sicherung der Handelsstrassen durch die Posten im 
Inneren. In der Zunahme an Kaffee-, Cocosnuss- und 
Kopra-Au.-fuhr spiegelt sich der Wachsthum und das 
Gedeihen der Plantagen wieder. 

Die Schiffahrtsverhältnisse Togos sind dadurch in 
hohem Grade erschwert, dass längs der ganzen Küste 
eine sehr ht ftige Brandung tobt, welche mit elemen- 
tarer Gewalt die Wogen des Meeres gegen den Strand 
treibt, und das sichere Landen und Löschen von 
Schiffen sehr erschwert. Die wildbrausende Strömung, 
die an den Gestaden von Togo herrscht, hängt mit 
den Bewegungen des nach Osten rinnenden Guinea- 
stromes zusammen. Ein genauer Kenner der Verhält- 
nisse, H. Seidel, theilt aus seinen interessanten Beob- 
achtungen darüber Folgendes mit: Der Busen von 
Guinea ist das Reich der vielgefürchteten Calema, 
dieses lange unerklärt gebliebenen Phänomens, das 
mehr als Sturm den Seefahrer schreckt und jeden 
Verkehr mit der Küste aufs Schwerste gefährdet. Erst 
die neuere systematische Erforschung des Weltmeeres 
hat auch die Ursache der Calema aufgedeckt und in 
ihr die Fernwirkung der Stürme nachgewiesen, die — 
je nach der Jahreszeit — im nordatlantischen oder 
südatlantischen Ocean toben und sich oft „über hunderte 
von Meilen erstrecken". Naturgemäss hat Togo, wie 
das gesammte Ober-Guinea, am meisten während des 
Südwinters, also von Mai bis September, durch die 
Calema zu leiden, so lange sie nämlich voll aus Süden 
oder Südwesten heranrollt und das schutzlose Gestade 
im rechten Winkel trifft. 

Unter solchen Umständen ist eine Landung in der 
Colonie häufig eine sehr missliche Sache ; am besten 
geht dies Geschäft für Reisende und Güter in den 
Monaten November bis Jänner von statten, wenn der 
trockene Wüstenwind, der Harmattan, kräftig vom 
Lande herabbläst und die ohnehin schwächere Bran- 
dung dämpft. Im Mai und Juni und noch später 
kommt es dagegen nicht selten vor, dass die Calema 
auf Tage und Wochen die Schiffe vollständig isolirt 
oder sie nöthigt, vor dem englischen Quitta zu ankern, 
das bereits durch Cap St. Paul wirksamen Schutz 
geniesst und nur ausnahmsweise die Bootsfahrten ein- 
stellen muss. Weiter nach Osten dagegen nimmt die 
Gefahr mit jeder Meile zu, vor Allem an dem fran- 
zösischen Küstenabschnitt, der noch dazu von zahl- 
reichen Haifischen heimgesucht ist. Diese fehlen ja 
auch vor Togo nicht, doch scheinen sie hier weniger 




ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



19 



un 

i 



zudringlich zu sein, da man L>is heute von keinem 
ernstlichen Unglücksfall durch diese gefrässigen Räuber 
gehört hat. Und doch geschieht es recht oft, dass in 
den letzten und schwersten Brechern ein Boot kentert 
und nicht nur die Ladung, sondern auch sämmtliche 
osassen ins Meer geschleudert werden. 
Für die deutsche Küsienstreckc hat man daher bald 
ch der Besitzergreifung die Frage erörteit, wie ein 
fquemerer und sicherer Verkehr zwischen Schiff und 
Strand am besten einzurichten sei. An mächtige 
Wasserbauten, die Millionen verschlingen, darf man 
noch lange nicht denken ; deshalb hat man auch den 
Vorschlag, bei Klein-Popo durch Baggerarbeiten und 
Moli einen Hafen zu schaffen, ohneweiters bei 
Seite geschoben. Schon die Einrichtung eines Molo 
würde auf ungeahnte Schwierigkeiten stossen und arge 
Kosten verursachen. Desto mehr empfiehlt sich statt 
dessen die Aufstellung eiserner Landungsbrückeu, wie 
eine solche z. B. von den Franzosen bei Kotonu er- 
baut ist, die sich ausgezeichnet bewährt. Wer die 
Togoküste vom Seh ffe aus betrachtet, der gewahrt 
nur, dass sich hinter dem weissen Schaumgürtel der 
Brandung von Meile zu Meile ein niedriger, gelber 
Strand in ermüdender Gleichförmigkeit fortzieht. Ein 
hohes Factoreigebäude oder Missionskirchlein, ein 
Regierungsbaus, ein langgestrecktes Negerdorf oder 
eine Palmengruppe sind die einzigen, fernerhin erkenn- 
baren „Landmarken", die dem Seemann bei gutem 
Wetter und am Tage die nothige Handleitung geben. 
Ueber Meer und Erde wölbt sich bei dem regenarmen 
Klima der Sclavenküste fast 300 Tage im Jahre der 
eherne Tropenhimmel, von dem die Gluthstrahlen der 
Sonne blendend und verwirrend herniederschiessen und 
den an so viel Glanz und Wärme nicht gewöhnten 
Fremdling in den Schatten seiner Wohnung bannen. 
Selbst der Neger meidet in den Mittagstunden den 
trostlos öden Strand, wo in dem losen heissen Grunde 
jeder Schritt ermüdet, wo allerwärts der gefürchtete 
Sandfloh droht, dieser böse brasilianische Gast, der 
heute auch in Afrika das Bürgerrecht erlangt hat zum 
Schrecken für Weisse un 1 Schwarze. 

Es sind im Laufe des Jahres 1897 eine Reihe von 
Expeditionen in das flmterland entsandt worden, um 
die früher erworbenen Rechte zu sichern, die alten 
Schutzverträge zu erneuern und neue abzuschliessen. 
Manche dieser Expeditionen haben grössere Gefechte 
zu bestehen gehabt. Die unter Premierlieutenant von 
Massow nach der Station Sansanne-Mangu marschirende 
Expedition wurde von dem grossen Stamm- der krie- 
gerischen Dagombas angegriffen. Es gelang ihr, den 
Feind in mehreren heftigen Gefechten vollständig zu 
besiegen und die Strasse von Sansanne-Mangu freizu- 
machen. Zu diesen Expeditionen politischen Charakters 
trat eine weitere wissenschaftliche, die ganz aus Privat- 
mitteln ausgerüstet worden ist, und besonders di»-. 
geologische Erforschung des Landes, die bisher noch 
nicht in Angriff genommen war, im Auge hatte. Zu 
den bisherigen Stationen in Misahöhe, Krete-Kratschi 
und Mangu kamen noch eine Reihe anderer hinzu, die 
zum grösstcn Theil aber nur von vorübergehender 
Bedeutung waren. Dauernde Gründungen von Stationen 
liaben in Kpandu, Paratau und Bassari stattgefunden. 
Letzteres bddet den Stützpunkt für die Verbindung 
mit Mangu und den Knotenpunkt einer grossen An- 
zahl von wichtigen Handelsstrassen. Paratau ist die 
Hauptstadt des grossen und reichen Tshautshoreiches, 
dessen König Yabo seine Anhänglichkeit an die deutsche 
Flagge bei vielen Gelegenheiten bethätigt hat. Nach 
längeren mühevollen Verhandlungen ist es im Laufe 
des vergangenen Jahres gelungen, mit dem französi- 
schen Nachbar eine Auseinandersetzung bezüglich der 
Abgrenzung der Interessensphäre im Hinterland zu 
erreichen. Der Vertrag vom 9. Juli 1897 enthält dar- 
über die näheren Bestimmungen. 



Die Ansprüche der Franzoaea babeo licb ohne 
Zweifel nicht nur auf Gurma, sondera auf Saaianne- 
Maogu erstreckt, wo Deutsche und Franzosen Verträge 
abgeschlossen hatten. Während Deutscbjand dort eine 
S(atio3 errichtet hatte, zahlten die Franzosen dem 
Herrscher einen Jabresgebalt und batteo eine ganze 
Reibe von Stationen von ihrem U^ntTJand oacb San- 
sänne vorgescbobeo. 

Gegen die Anlage von Stationen auf üebiet, weichet 
wie Tsbautsbo Deutschland früher durch Verträge 
gesichert war, ist seinerzeit seitens der Deutschen Co- 
lonialgesellschaft protestirt worden, und es heisst, dam 
die Stationen soweit zurückgezogen sind, um Baßlo 
und Kirikiri zu erhalten. 

Für das Aufgeben der deutseben Aosiprflcbe haben 
die Franzosen eine „geographische Grenze an der 
Küste" bewilligt, welche bekanntlich nur die geringe 
Längenausdehnung von 52 km bat. Die Grenze nahm 
bisher an der kleinen Insel Bayol in der Lagune ihren 
Anfang und verfolgte den Meridian bis zu seinem 
Schnittpunkt nach dem 9" nördlicher Breite. Sie war 
ohne Zweifel so unglücklieb wie möglich gewählt und 
verdankte ihre Entstehung nur dem Bedürfniss de- 
Augenblicks, Eine geographische Grenze bildet erst 
der auf 150 km schiffbare Monofluss, dessen Mittel- 
und Oberlauf in unser Schuttgebiet fällt. Durch den 
zugesprochenen Unterlauf des Mono ist nunmehr eine 
im Verhältniss zur Küstenausdehnung unseres Schutz- 
gebietes nicht unbeträchtliche Vergrösserung erwachsen. 
Jedenfalls ist anzunehmen, dass, da von Sebbe aul 
der Lagune eine schiffbare Verbindung mit dem Mono- 
flusse besteht, der späteren Entwicklung unserer Colo- 
nie dadurch eine grosse Förderung entstehen wird. 

Die sogenannte Nigerfrage ist durch das Abkommen 
mit Frankreich noch nicht vollkommen geklärt. Die Fran- 
zosen haben das rechte Nigerufer von Say bis Badjibo 
mit einer Reibe von Stationen besetzt und überall Ver- 
träge mit den Häuptlingen geschlossen, welche, wie 
sie behaupten, vollkommen unabhängig von Gandu sind. 
Das linke Ufer des Niger befindet sich dagegen un- 
zweifelhaft in der Gewalt von Gandu, mit dem Dr. Grüner 
einen Vertrag abgeschlossen hat, welcher Deutschland 
nicht zu unterschätzende Rechte sichert. Zwar haben 
die Engländer hier auch Verträge abgeschlossen, aber 
abgesehen davon, dass über deren Natur nichts 
Genaueres bekannt ist, bat sich ihre Stellung gegen- 
über Gandu und Sokoto durch ihr Vorgehen gegen 
Nupe zweifellos verschlechtert. 

Deutschlands Ansprüche auf Gandu werden ebne 
Zweifel accentuirt werden müssen, wenn einmal die 
Frage einer Grenzauseinandersetzung mit England 
näher herantreten sollte. (SchUss folgt.) 



mm 



SVEN HEDIN'S DURCHQUERUNG ASIENS. 

Zu der ziemlich geringen .Anzahl von Forscbungs- 
reiseuden, die sich bisher um die Erforschung von 
Mittelasien vom Kaspischen Meere bis zum Stillen 
Ocean verdient gemacht haben, ist nun auch der 
Schwede Dr. Sven Hedin getreten, der im vorigen 
Jahre nach beinahe vierjähriger Abwesenheit wieder 
nach Europa zurückkehrte. Sven Hedin, der in di;r am 
14. Februar d. J. statrgefundenen Fesiversammlung 
der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien über 
seine Durch<)uerung Mittelasiens von Orenburg bis 
Peking in den Jahren 1894 — 1897 kurzen Bericht er- 
stattete, hatte CS sich zur Aufgab.; gemacht, durch 
seine mit Unterstützung des Königs Oikar von 
Schweden unternommene und durchgeführte Expedition 
vorzüglich mehrere für die Wissenschaft bochbedeut- 
same und auch viel umstrittene Fragen betreffs der 
orographischen und hydrographischen Verfailtnisse 
Mittelasiens lu lösen oder wenigstens der Lösung 



20 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



näher zu bringen. Allerdings war Hedin gezwungen, 
in der kurz bemessenen Zeit seines Vortrages nur die 
Umrisse seiner langwierigen Reise zu zeichnen, aber 
aus diesen und den interessanten Scbattirungen, die er 
dabei anzubringen wusste, lässt sich schon erkennen, 
dass die ausführliche Darstellung und die wissen- 
schaftliche Verarbeitung der Ergebnisse dieser letzten 
Durcbquerung Asiens nicht nur der Geographie im 
strengsten Sinne des Wortes, sondern auch der Geo- 
logie und den verschiedenen Zweigen der Naturkunde, 
der Ethnographie und der Archäologie reichlichen 
Stoff zuführen wird. 

Den Anfang der Forschungsreise Sven Hedin's 
zwischen Taschkent und Peking bildete eine Bestei- 
gung des Pamirgebirges. Von Margjlan im Mitteilande 
des Sir Darja ausgehend, stieg Hedin über Alai und 
Transalai in das gewaltige Hochland hinauf, das die 
Eingeborenen das „Dach der Welt" nennen, und in 
welchem der Himalaya, der Kuen-Luen, der Thian- 
Schan, Karakorum und Hindukusch wie die Speichen 
eines Rades in der Nabe zusammenstossen. Wenn man 
auch dank der Forschungen der Russen über einen 
guten Theil des Pamirgebirges schon ziemlich unter- 
richtet ist, so wird es doch noch geraume Weile 
dauern, bis wir über das von Gletschern starrende, 
in den höheren Regionen völlig unwegsame Gebirge, 
dessen über 7000 m hohe Gipfel noch hoch über dem 
Gebiete verderbenbringender Schneestürme liegen, 
genaue — fast wagt man nicht zu sagen gründliche 
— Kenntniss erlangt haben. Dieser Kenntniss hat uns 
Sv>^n Hedin gewiss um einen guten Schritt näher ge- 
bracht, indem er das Pamirgebirge nach verschiedenen 
Richtungen hin durchzog und dessen Structur be- 
sondere Aufmerksamkeit zuwandte. Dasselbe geschah 
auch bezüglich der dem Pamir angeschlossenen Mustagh- 
kette, die man bis heute kaum mehr als dem Namen 
nach kannte. Diesen Gebirgszug, der mit seinen 
Gipfeln, dem über 8600 m hohen Dapsang und dem 
7860 m hohen Mustaghata, das zweithöchste Gebirge 
der Erde bildet und sich als eine Fortsetzung des 
Kuen-Luen darstellt, versuchte Hedin dreimal zu be- 
steigen; doch der Mustaghata, der „Vater der Eis- 
berge", trotzte allen Bemühungen, denn an der höchsten 
Stelle, die Hedin erreichte, in einer Höhe von beinahe 
6000 m wurden der Forscher und die ihn begleitenden 
Kirghisen von einem wüihenden Schneesturme zu 
eiliger Rückkehr gezwungen. Nichtsdestoweniger ver- 
liess Hedin auch den Mustaghata nicht, ohne in der 
Lage gewesen zu sein, einige sehr werthvoUe Beob- 
achtungen, worunter auch die über die Rückbildung 
der Gletscher, zu machen. 

Vom Pamirgebirge aus wandte sich Sven Hedin 
ostwärts nach Kascbgar, um von hier aus in südöst- 
licher Richtung durch die Wüste Takla-Makan nach 
Chotan zu ziehen und von dort aus an die Unter- 
suchung der hydrographischen Verhältnisse des Tarim- 
beckens zu gehen. Der Zug Hedin's durch die Wüste 
Takla-Makan, welche den südwestlichen, ödesten und 
unbekanntesten Theil jenes ungeheuren in der Tertiär- 
zeit vertrockneten Binnenmeeres bildet, das wir mit 
dem Gesammtnamen Wüste Gobi (Schamo) bezeichnen, 
dieser Zug gestaltete sich für die ganze Karawane, 
Menschen und Thiere, zu einem entsetzlichen Mar- 
tyrium. Obwohl Alles für die Reise von Kaschgar 
nach Chotan, die ungefähr 25 Tage dauern sollte, 
wohl vorbereitet und auch für genügende Lebensmittel 
vorgesorgt war, machte sich doch bald Wassermangel 
fühlbar, da einer von Hedin's kirghisischen Dienern 
der Meinung war, Chotan sei in vier Tagen zu er- 
reichen, und deshalb auch nur für so kurze Zeit 
Wasservonath mitgenommen hatte. Nachdem schon 
der grösste Theil der Thiere verdurstet und die letzten 
geschlachtet waren, damit man ihr Blut trinken konnte, 
erreichte Sven Hedin mit seinen letzten zwei über- 



lebenden Dienern nach einer schauerlichen Wanderung 
von 24 Tagen einen rettenden Wassertümpel am Ufer 
des ausgetrockneten Flussbettes des Chotan-Darja. 

Da Hedin in der Wüste die Zelte, alle wissen- 
schaftlichen Instrumente und den photographischen 
Apparat hatte zurücklassen müssen, so kehrte er, 
indem er dem Laufe des Chotan-Darja nordwärts 
folgte, über Aken nach Kaschgar zurück, um sich 
hier wieder ganz von Neuem auszurüsten. Ein grosser 
Theil der Ausrüstung musste aber in Berlin bestellt 
und dessen Eintreffen von dort abgewartet werden, so 
dass Hedin hinlänglich Müsse hatte, in der Zwischen- 
zeit von Kaschgar aus grössere Touren zu Forschungs- 
zwecken zu unternehmen. Er besuchte also noch einmal 
den Pamir und den Hindukusch und machte sich dann, 
wieder gehörig ausgerüstet und diesmal mit genügendem 
Wasservorrathe versehen, das anderemal auf den Weg 
nach Chotan ; dies wurde nun, theilweise auf Wegen, 
die schon Marco Polo beiläufig 600 Jahre früher ge- 
gangen war, ohne Unfall in 23 Tagen erreicht. 

Nun schenkte Hedin auch archäologischen Dingen 
dankenswerthe Aufmerksamkeit. Bekanntlich liegt in 
der grossen Wü^te Gobi gar manche Stadt unter dem 
Sande begraben, ja Marco Polo erwähnt auch einer 
Provinz Tschartscban mit einer Stadt gleichen Namens, 
von der man bis heute noch keine Spur entdeckt hat, 
die also ebenfalls von Sandstürmen verschüttet worden 
sein muss. Da nun d.e Eingeborenen vom Hörensagen 
oder aus eigener Erfahrung durch zufällige Entdeckung 
der Ueberreste solcher Städte von deren Existenz 
wissen, sich aus deren Ruinen auch mancherlei holen 
und dort sogar nach verborgenen Goldschätzen graben, 
so wurde auch Hedin von einer solchen im Sande be- 
grabenen Stadt erzählt, und er zögerte nicht, sie auf- 
zusuchen. In der That fand er in der Wüste Takla- 
Makan, und zwar zwischen den parallelen Flussläufen 
des Chotan-Darja und des Keriya-Darja die Ruinen 
einer alten, grossen Stadt, deren Aussehen und Anlage 
mit der Art der heute bestehenden Städte Centralasiens 
in keiner Weise übereinstimmt. Die Häuser, die jetzt 
nur wenige Meter aus dem Sande herausragen, waren 
nicht aus Stein und Mörtel zusammengefügt, sondern 
aus Balken von Pappelholz mit Wänden von Schilf. 
HeJin konnte ganz regelmässige Strassenzüge mit 
Baumanpflanzungen verfolgen, er fand auf den über- 
tünchten Schilfwänden im Inneren der Häuser eifle 
Menge von noch ganz gut erhaltenen Wandgemälden, 
zahlreiche Figuren aus Thon, Gyps und Hol/, 
verschiedene Gegenstände der Kleinkunst mit eigen- 
artiger Ornamentik, Münzen, ja sogar auch eine Hand- 
schrift mit unbekannten Schrifizeichen. Was hier die 
conservirende Kraft des Wüstensandes erhalten hat, 
gehört unzweifelhaft der buddhistischen Cultur an, 
denn sowohl das Mährische wie das Plastische, das 
da gefunden wurde, auf dem Kelche der Lotusblüthe 
sitzende Buddha und die häufig wiederkehrende Dar- 
stellung von betenden Frauen und dergleichen, Alles 
zeigt buddhistischen Charakter. Die wissenschaftliche 
Untersuchung dieser interessanten Gegenstände, die 
nach Stockholm gebracht wurden, wird erst darüber 
Licht bringen, welcher Zeitepoche diese versunkene 
Stadt angehört und ob sie schon, was sehr wahr- 
scheinlich ist, vor der muhammedanischen Eroberung, 
also vor dem VIII. Jahrhunderte, oder nach dieser 
Zeit zugrunde ging und von ihren Einwohnern ver- 
lassen wurde. 

Vom Keriya-Darji, der zu den Quellflüssen des 
Tarim gehört, wanderte Hedin einundvierzig Tage lang 
durch die Wüste, bis er die Oase Schahyar am lanm- 
flusse erreichte, und von hier aus ging er an die 
Lösung seiner wichtigsten Aufgabe, die Bestimmung 
der Lage des Lob-Nor. Was man unter Lob-Nor zu 
verstehen bat, wo er liegt und wie er aussieht, darüber 
hat man bis heute zwar schon viel polemisirt, aber 




ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



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auch nichts bestimmtes j^ewusst. Das Wort Lob-Nor 
wurde mit „Drachensee" übersetzt (vgl. Prschewalski, 
Reisen in der Mongolei, Jena 1877, pag. 520), sein 
Umfang sollte nach dem „Tarichi Kaschidi" des Mirza 
Haydtr vier Monatreisen betragen, und mit der Lage- 
bestimmung dieses Sees stellte sich Prschewalski in 
Widerspruch mit den Angaben der C^hinesen, und 
Richtbofen in Widerspruch mit der Annahme Prschc- 
walski's. Dieser für die geographische Wissenschaft 
höchst peinlichen Unentschiedenheit bat nun Hedin's 
rEntdeckung glücklich ein Ende gemacht. Hedin, der 
Itm Laufe des Tarim und seines Zuflusses Ilek weiter 
'gegen Osten nachging als Prschewalsky, der den See 
am Nordabhange des Altyn-Tagh gefunden zu haben 
glaubte, endeckte einen Breitegrad weiter nördlich eine 
lange Reihe von Seen, die das Sammelbecken der 
Wasserstrassen des Tarimf-ystems, des Tarim und der 
ihn speisenden Flüsse von Kaschgar, Yarkand, Chotan 
und Kerya, bilden ; da nun das Wort Lob-Nor im 
tschagataisch-lürkischen Dialecte der dortigen Gegend 
„Sammelbecken" bedeutet, da ferner die von Hedin 
entdeckte Kette von Seen gerade dort liegt, wo nach 
der Angabe der höchst gewissenhaften und verlässlicben 
chinesischen Geographen der Lob-Nor zu liegen hat, 
und da endlich die von Prschewalski für den Lob-Nor 
gehaltenen Seen Kara-Kurtschin und Kara-Buram den 
dortigen Eingeborenen gar nicht unter dem Namen 
Lob-Nor bekannt sind und auch Ricbthofen auf Grund 
theoretischer Untersuchungen erklärt hatte, dass der 
Lob-Nor nördlicher liegen müsse, so ist nun jeder 
Zweifel ausgeschlossen, dass die von Hedin entdeckten 
Seen der lang gesuchte Lob-Nor sind. Eine für alle 
Zeiten giltige Bestimmung der Lage des Lob-Nor ist 
aber deshalb nicht möglich, weil in Folge der 
klimatischen Verhältnisse des Tarimbeckens, die sich 
periodisch von zwölf zu zwölf Jahren verändern, auch 
die Lage der Entwässerungsstellen eine andere wird. 
Vom Lob-Nor kehrte Sven Hedin wieder nach 
Chotan zurück und rüstete sich da zum letzten Theile 
seiner Forschungsreise, nämlich duich das cördliche 
Tibet nach Peking. Unter unsäglichen Beschwerden 
ging es am Nordabhange des Kuen-Luen, des Aliyn- 
Tagh und des Nan-Schan h n, durch das Zaidam zum 
Kuku-Nor und endlich nach Hsi-Ning, womit chinesi- 
sches Gebiet erreicht war. Von hier zog Sven Hedin 
nach Lan-tschau-fu, von da nach Peking, wo er von 
Li-Hung-Tschang und den Vertretern der europäischen 
Mäihte begrüsst wurde, und endlich durch die Man- 
dschurei und über Sibirien wieder zurück nach Europa. 



SPRACHE UND ARCHÄOLOGIE OSTASIENS AUF 

DEM XL INTERNATIONALEN ORIENTAUSTEN- 

CONGRESS. 

Die wissenschaftlichen Congresse, wie sie im XIX. 
Jahrhundert Mode geworden, bedeuten gegenüber der 
congresslosen Vergangenheit einen entschiedenen Furi- 
schritt; aber wir sind weit davon entfernt, die Reden 
und Vorträge, die bei solchen Gelegenheiten gebalit-n 
werden, für die Quintessenz der Wissenschaft zu halten, 
die durch ihre Fachleute in den einzelnen Sectiontn 
vertreten ist. Das harte Wort, das wir einen als Ge- 
lehrten wie als Menschenkenner gleich ausgezeichneten 
Nicht-Orientalisten vor unserer Abreise nach Paris aussei n 
hörten, nämlich dass auf den Congrcssen hauptsächlu li 
diejenigen Grössen sich hören lassen, die anderswo 
rieht zum Worte kommen, ist nicht ohne Weiteres zu 
verwerfen. Jedenfalls begebe man sich nicht mit zu hocli 
gespannten Erwartungen in die Sitzungen. Was den 
Congrcssen ihren Reiz verleiht, ist viel mehr der per- 
sönliche Verkehr als der Genuss der zum Thcil recht 
trockenen Arbeiten, die meist nur den Fachmann im 



allerengsten Sinne interesairen können. Wie Bclb»i der 
gewiegte Kunstkenner in einer grouen Gemlldeaut- 
Stellung immer nur bei gewissen Bildern stebeo bleibt, 
mag er sich für historische Darstelluogen, Genre oder 
Stillleben interessiren, so kann auch der betbeiligte 
Fachmann nicht Alles auf einmal verdauen, was ihm in 
den Class'nsitzungen der Congres«e geboten wird. 

Die chinesisch-japanische Abthcilung wählte zu ihren 
Vorsitzenden diesmal zwei distinguirte Ostaiiateo, uod 
zwar zum ersten Piäsidenten den chinesischen Ges^indien 
für Frankreich Tching Tchaog, der die franzötiscbe 
Sprache wie wenige seiner Landsleute beherrscht uod 
auch im Englischen und Deutschen einigermaassen zu 
Hause ist, zu Vicepräsidentcn den japanischen Fair Graf 
Tomii und Professor Schlegel. Als Classensecretäre 
fungirten die Herren Professor Hirth (Vläochrn), Pod- 
zndiev (St. Petersburg) und M. Courant (Paris). Die 
Sitzungen der Abtheilung waren gut besucht und bildeten 
meist Auditorien von 20 — 30 Mitgliedern, deren Interesse 
sich einer Reihe von F~ragen der h sturiscben und 
literaturgeschicbtlichcn Forschung zuwendete, während 
sprachwissenschaftliche Probleme weniger zur Geltung 
kamen. Die Frage der Methode des sinologischen Stu- 
diums, die seit einigen Jahren besonders in D^-utscb- 
land zu den brennenden gehört, nachdem sie in Frank- 
reich, l£ngl.ind, Holland und Russland längst abgethin, 
wurde im Privatverkehr der Fachleute lebhaft nörtert. 
Unter den zahlreichen Privaifesten, die zu Ehren der 
in Paris anwesenden Orientalisten veranstaltet wurden, 
waren einige von besonderem Interesse für die Ost- 
asiateo. Der chinesische Gesandte hatte eine auserlesene 
Gesellschaft zu einem in den Gesandtschaftsräumen ge- 
gebenen Dejeuner vereinigt, wo neben den Parisern 
Barbier de Meynard, Schcfer, Maspero, Prinz Roland 
Bonaparte, Seoart, dem Minister Gerard u. A. der ferne 
Osten durch Schlegel, flirth, Cordier, Courant und 
Radioff vertreten war. Auch bei Gelegenheit eines in 
den prachtvollen Räumen seines in der Avenue d'I6oa 
gelegenen Palastes vom Prinzen Bonaparte veranstalteten 
Abeodfestcs knüpften sich lebhafte Gespräche an die 
in der grossen Bibliothek des Prinzen ausgestellten ost- 
asiatischen Manuscripte. Ein Abscbiedsdiner, von den 
Japanern Graf Tomii und Professor laouyd veranstaltet, 
vereinigte wiederum eine Reihe der an der chinesischen 
und japanischen F'orschung betheiligten Gelehrtco 
nebst den hauptsächlichsten Pariser Orientalisten, zu 
denen sich noch die Seele der ostasiatischen Museologie, 
Herr Guimet mit seinen Custoden, gesellte. Kunst- uod 
Culturgeschichte des fernen Ostens bildeten daher den 
Hauptgesprächsstoff. Auch Herr Ed. Specht hatte für 
ein glänzendes Diner für seine ostasiatischen S'.udien- 
geoossen gesorgt. Ucberhaupt hat sich die Gastfreund- 
schaft der Franzosen bei dieser Gelegenheit «rieder 
aufs Glänzendste bewährt. Bei diesen Festen sowohl 
wie bei den bescheideneren Mahlzeiten in den Filialen 
der Bouillon Duval wurde sicher ebr'nsov el für die 
Wissenschaft gethan wie in den mehr cercmooieileo 
Sitzungen, die für unsere Abtheilung in einem Hörsaale 
der Sorbonne stattfanden. Wir haben seibstverstäodlich 
auch diesen Sitzungen beigewohnt und haben nur da 
„Colleg geschwänzt", wo es die Arbeitstbeilung durch 
Besichtigung wichtiger Sammlungen nicht anders zuliess. 
Trotzdem schätzen wir den Werth der im Gespräche mit 
den Fachgcuossen erhaltenen persönlichen Anregung un- 
gemein viel höher als den Eindruck der meist in fremden 
Zungen vorgetragenen Congressabhandluogen, deren 
voller Werth sich erst recht bemessen läsat, nachdem 
Druckerschwärze das (lüthtige Wort verewigt bat. 

Die Sitzungen nahmen ihren gewohnten ruhigen Ver- 
lauf. Auf Aotrag L6on de Rosny's be;chloss die Ab- 
thriluog einstimmig, dem durch Krankheit am Erscbeinea 
verhinderten ersten Sinologen Frankreichs, Professor 
Chavannes, baldige Genesung von seinem schveren 
Lungenleiden zu wünschen, wodurch er leider gcaödiigt 



22 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



wird, ein Jahr in strenger Ruhe in der Schweiz zuzu- 
bringen. Ein Vorschlag Schlegel's, wonach die Arbeiten 
nicht anwesender Congressmitglieder von der Tages- 
ordnung auszuschliessen sind, wurde laut Bulletin an- 
genommen. Trotzdem durfte die Abtheilung den von 
S. W. Bushell aus Peking verlesenen klaren Bericht 
über die Jutschen und verwandte Schriftarten als einen 
werthvollcn Beitrag zu ihren Verhandlungen begrüssen, 
ebenso am folgenden Tage die vom Pater Brücker vor- 
gelesene Arbeit des in China abwesenden Paters Havret 
„Ucber die nestorianische Inschrift in Si-ngan-fu". Es 
scheint, dass im Bulletin über Schlegel's Antrag nicht 
genau berichtet wurde. Was Schlegel meinte, ist wohl 
weniger die Ausschliessung der eingesandten Arbeiten, als 
die Zwecklosigkeit der Discussion darüber, so lange der 
Autor seinen Standpunkt nicht selbst vertreten kann. 
Es scheint uns fraglich, ob sich ein Sectionsbeschiuss 
in der Form, in der ihn das officielle Bulletin (Nr. 8, 
pag. 7) wiedergibt, mit der allgemeinen Organisation 
des Congresses verträgt. Von den zahlreichen in der 
Abtheilung gehaltenen Vorträgen seien erwähnt: Henri 
Chevalier über die Befestigungen der Stadt Syon-wen 
in Korea, eine klare, besonders die technische Seite 
berücksichtigende Beschreibung der Mauern, Thore, 
Bollwerke u. s. w. einer koreanischen Stadt, deren Ein- 
richtungen im Uebrigen als typisch auch für die meisten 
chinesischen Städte angesehen werden dürfen. Mit Korea 
beschäftigten sich ferner Maurice Courant's „Bemer- 
kungen über die koreanischen und japanischen Studien". 
Graf Tomii las eine lange Arbeit über die politische 
Entwicklung Japans. Eine Vormittagssitzung war einer 
Arbeit Hirth's ,,Ueber die einheimischen Quellen zur Ge- 
schichte der chinesischen Malerei" gewidmet. An der 
sich daran knüpfenden Discussion betheiligten sich der 
chinesische Gesandte Tching Tchang und die Herren 
Dr. F. W. K. Müller (Berlin) und Boell (Paris). Pro- 
fessor Inouye trug über „Die Entwicklung der Philosophie 
in Japan" vor. Die Vorschläge des Herrn Martin 
Fortris (Paris), betreffend die Feststellung eines ein- 
heitlichen Transscriptionssystems des Chinesischen in den 
europäischen Sprachen, wurden mit der Bestellung eines 
damit zu beauftragenden Ausschusses beantwortet ; die auf 
die Sinologen de Rosny, Schlegel, Douglas, Giles, Hirth, 
Turrettini, Deveria und Courant fallende Wahl wurde 
in der Schlusssitzung dem Gesammtcongresse vorgelegt 
und bestätigt. Deveria (Paris) machte einige interessante 
Mittheilungen über die Manichäer (^Mo-hi) in China und 
stellte fest, dass die bisher unentzifferte sechste Inschrift 
des Thores Kü-yang-kuan der Sprache der Si-hia an- 
gehört; Allen (London) spricht über das Alter der 
chinesischen Classiker, Thomsen (Kopenhagen) über den 
Consonantismus im Uigurischen. An der diesem Thema 
folgenden Discussipn betheiligen sich Schlegel und 
Courant. Von den zahlreichen Vorträgen abgesehen, ist 
den Mitgliedern der Abtheilung besonders durch die in 
Paris so reichlich vertretenen, die Cultur Ostasiens be- 
leuchtenden Sammlungen Förderung ihrer speciellen 
Studien zutheil geworden. Die chinesischen und japani- 
schen Sammlungen des Louvre, namentlich die prächtige 
Grandidier'sche für chinesische Porzellane der gegen- 
wärtigen Dynastie, die reichen Schätze des Musee 
Guimet, besonders auch eine in der Bibliotheque Na- 
tionale zu Ehren des Congresses veranstaltete Cimelien- 
ausstellung orientalischer Handschriften und seltener 
Drucke, sind von einzelnen Fachleuten fleissig studirt 
worden. 

Um den wahren Nutzen von einem wissenschaftlichen 
Congress einzuheimsen, ist es nöthig, dass man in persona 
zur Stelle ist. Die Präsenzliste (Liste des Membres 
inscrits), wie sie in Gestalt eines gedruckten Bulletins 
von den Mitgliedern in die Heimat mitgebracht wird, 
ist leider ein trügerisches Actenslück; darnach konnte 
man, um mit dem seligen Galetti zu reden, „so Manchen 
sehen, der nicht da war". So in dieser Abtbeilung 



Namen wie Chavannes, Douglas und de Hartez ; ferner 
Faber, Busheli, v. Rosthorn und Volpicelli, denen der 
Weg von Peking und Shanghai wohl zu weit gewesen 
sein mochte. Fleissige Besucher der Abtheilung waren 
die Herren Angier, Allen, Armstrong, Diösy und Luzac 
(London), Schlegel, de Groot, v. Stoppelaar und Kramp 
(Leiden), F. W. K. Müller und Gramatzky (Berlin), 
Hirth (München), Nocentini (Neapel), Turrettini (Gent), 
Thomsen (Kopenhagen), Donner (Helsingfors), Podzneiev 
(St. Petersburg); Japan stellte sein Contingent mit den 
Herren Graf Tomii, • loouye, Tamai, O ia und Ariga; 
das Gros der Sitzungen jedoch bildeten die Pariser de 
Rosny, Deveria, Chevalier, Specht, Boell, Courant, 
Cordier (der leider als Secretär des Gesammtcongresses 
oft am Erscheinen verbindert wurde), de Segonzac, 
Biücker, Perny, Dcshayes, Fortris, Ke^aval und die 
beiden Schüler Ed. Chavannes', Lccomte und Pelliot. 



DIE FRANZÖSISCHE HANDELSEXPEDITION 
NACH CHINA. 

Im Herbste 1895, einige Monate nach Beendigung 
des japanisch-chinesischen Krieges, rüätete die Handels- 
kammer von Lyon eine Expedition aus, die die wirth- 
schaftliche Lage in China vom Standpunkte der fran- 
zösischen Handelsinteressen aus einer eingehenden 
Untersuchung unterziehen sollte. Die commercielle 
Mission, die sich weitgehender Unterstützung der Re- 
gierung erfreute, stand unter der Leitung des Consuls 
Rocher, der sich durch einen dreissigjährigen Aufenthalt 
im Reiche der Mitte mit der Sprache, den Sitten und 
Gebräuchen des Landes innig vertraut gemacht hat; 
die Mitglieder der aus zwölf Köpfen bestehenden Mis- 
sion vertraten verschiedene Lyoner Industriegruppen, 
darunter vor Allem die Textilindustrie; ein Bergbau- 
ingenieur, ein Wasserbautechniker und ein Arzt ver- 
vollständigten die E.xpedition. 

Nach zweijährigem Aufenthalte in China ist im ver- 
gangenen Herbste die Expedition nach Frankreich 
zurückgekehrt und hat kürzlich ihren Bericht') erstattet. 
Der Rapport beschränkt sich nicht auf commercielle 
Dinge von rein kaufmännischem Interesse, sondern be- 
müht sich, ein allgemeines Bild der Lage in China zu 
geben ; er kann daher auch Anspruch auf das Inter- 
esse weiterer Kreise machen, zumal die Expedition tief 
in das Innere des Landes eindrang und sich wohl ein 
verlässlicheres Urtheil über chinesische Verhältnisse er- 
worben hat als etwa die Küste entlang streifende 
Touristen. Die Lyoner Expedition ging von Toaking 
aus; von da drang sie den Kothen Fluss aufwärts nach 
Yün-n in über Laokai, Manhao und Mung-tse. In 
Yüc-nan theilte sich die Expedition, indem ein Theil 
die Provinz Tan-hoa und den Norden Annams besuchte, 
worauf diese Gruppe auf dem Mekong Laos passirte 
und über Kambodscha nach Hanoe zurückkehrte. Die 
andere Gruppe hielt sich lange Zeit in der der besonderen 
Beachtung der Mission empfohlenen Provinz Se-tschuan 
auf, um von dort über Pe-se und Long-tscheu nach 
Tonking zurückzukehren. Am eingehendsten wurde die 
Provinz Se-tschuan studirt, von deren Hauptstadt 
Tschung-king aus die Expedition weite Streifzüge bis 
an die Grenze von Tibet unternahm. Im Ganzen legte 
die Expedition einen Weg von 16.000^« im Inneren 
Chinas zurück. 

Die Reise war zum Theile eine sehr beschwerliche, 
und auch das Moment ernster Gefahr fehlte nicht ganz. 
Auf dem Wege von Yun-nan-fu nach Long-tscheu 
musste die Expedition ihre Marschroute in Folge der 
Unruhen in Kuang-si ändern; ein Missionär wurde in 

») Chambre d? Commerce de Lyon. Rapport General sur rorigine, les 
Iravaux et les conclusioas rie la Mission Lyonnaise d'exploration commer- 
clale en Cliiue, preseiite par M. Henri Brenier. — Wir verdanken den Be- 
richt der Liebenswürdigkeit der Lyoner Handelskammer, die ihn der öater- 
reiobiach-nngarlschen Handelskammer in Paris flbermittelte. 




ÖSIKRRKrCHrSCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIKNT. 



83 






lieser Gegend getödtet, die lieständig von be- 
affneten Banden durchstreift wurde. Die der Missiua 

n Mandarinrn mitgegebene Scliutztruppe machte sich 
Ifertig aus dfm Staube, desgleichen Hessen die Sessel- 
träger und Mauilhiertreiber die Expedition im Stich, 
die so zur Umkehr gezwungen war. Bei dieser Ge- 
legenheit benützte sie eine bisher nur von einigen 
Missionären benutzte Wasserstrasse, die von Sao-Kio 
nach Lieu-tscheu-fu in der Piovinz K.uang-Si führt. In 
der Nähe von Scha-sche, dem Hafenorte eines wichtigen 
Baumwolldi«trictes, wurden zwei Mitglieder der Ex- 
pedition, die Herren Waeles und Riault von der Menge 
angegiiffcn und verwundet. 

Das Resultat der Expedition beschränkt sich keines- 
wegs auf das rein kaufmännische Gebiet, die Lyoner 
Mission hat vielmehr sowohl geographische und geo- 
logische als botanische, medicinische und ethnographi- 
sche Studien gepflogen, deren Ergebnisse zum grössten 
Theile den Gegenstand von Specialbtrichten der Delc- 
girtcn bilden werden. Hier können wir uns nur mit 
den allgemeinen Beobachtungen der Commission be- 
fassen, die im Folgenden kurz skizzirt wprdea sollen. 

Bezüglich der socialen Veihältnisse in China weist 
der Bericht in erster Linie auf die Manilarinenwirth- 
schaft hin. Der Mandarin ist zweifellos ein der euro- 
päischen Cultur feindlich gesinntes Element. Und doch 
ist er der Einzige, mit dem verkehrt werden rouss; 
allerdings, constatirt der Berichterstatter, fängt er 
bereits an, zu begreifen, dass er die Europäer braucht. 
Der chinesische Schriftgelehrte, der erst Mandarin 
werden will oder seine Beamtencarricre verfehlt hat, 
ist noch viel schiechter und umsoweoiger vertrauens- 
würdig, als er im Verkehr mit Europäern nie seine 
Stellung riskirt, vielmehr durch seine feindliche Hal- 
tung Fremden gegenüber nur eine solche gewinnen 
kann. Die Bevölkerung im Allgemeinen bringt den 
Europäern wenig Sympathie entgegen, aber sie ist 
friedliebend ; dies gilt vorwiegend vom Bauern und von 
den Kleinbürgern in den Städten. Im Uebrigen darf 
nicht verge ssen werden, dass die euiopäische Cultur 
erst an wenigen Orten mit dem chinesischen Volke in 
Berührung gekommen ist; die wenigen Beiührungs- 
puiikie verschwinden ganz in der Riesenmasse des 
Volkes: eine immense Majorität der Chinesen kennt 
weder Europäer noch europäische Producte. 

In Bezug auf die wirtbschaftlichen Verhältnisse in 
China verweist der Bericht darauf, dass sich in dieser 
Beziehung eine grosse Evolution vorbereitet, ja eigentlich 
bereits begonnen hat. Zwei Eisenbahnen smd im 
Norden Chinas bereits im Betriebe, die eine von 
Tientsin nach Shanghai-Kuan, von wo sie weiter in 
die Mandachurei führen wird, und die andere von 
Tientsin nach Peking. Zwei andere Bahnprojecte sind 
bereits Belgiern und Amerikanern conce>s onirt, uml 
zwar die Linien Peking — Han K'eou und Shanghai — 
Sutscheu — Nanking. Die Eisenbahnen in China werden 
um so dur( hschlagenderen Erfolg haben, als derzeit 
bereits, bei aller Mangelhaftigkeit des Communications- 
wesens, im Innern Chinas sehr viel gereist wird ; 
.,Waaren und Personen deplaciren sich in China mit 
einer seltenen Leichtigkeit", heisst es im Berichte, und 
der Vtrkebr zwischen den einzelnen Provinz^-n ist ein 
äusstrsl reger. Auch die industrielle Evolution hat in 
China bereits ihren Anfang genommen und die Chiacseti 
arbeiten nicht minder eifiig als die Fremden an der 
Errichtung von Fabriken. Der Berichterstatter tritt 
jedoch den pessimistischen Ansichten über die „gelbe 
Gefahr", die der europäichen Industrie durch die Ent- 
faltung der ostasiatischen Concurrenz drohen solle, 
entschieden entgegen ; es handle sich keineswegs um 
eine „gelbe Gefahr", sondern lediglich um eine „gelbe 
Illusion". 

Die commerciellen Darlegungen des Berichtes ent- 
halten kaum etwas, das nicht aus Consular- und 



Zeitungsberichten hinlänglich bekannt wäre. Auch die 
wenigen Anregungen, die er gibt, entbcbreo der Neu- 
heit; es wird vorzugsweise auf eine Ausbreitung der 
Consularthätigkeit im Innern Chinas, auf eine Förderung 
<ler Schiffahrt auf dem Rutheo Fluss und eine iatea- 
sive cooperative Thätigkeit zur Hebung der französisch 
chinesischen Handelsbeziehungen verwiesen. Wenn die 
Expedition nicht mehr praktische Resultate gezeitigt 
hat, als es die in dem allgemeinen Berichte enthaltenen 
Mittheilungen andeuten, dann stand der Aufwand der 
Mittel zum Ergebnisse der Expedition in commercieller 
Beziehung kaum im richtigen Verbältnisse. L. 



CHRONIK. 

Asien. 

Pertün. Hier macht sich allenthalben Unzufriedenheit 
über das unter MuzafTer ed-dins herrschende Regierungs- 
^ystem bemerkbar; verschiedenenorts brechen auch 
kleine Unruhen aus. Ein englisches Kanonenboot kapert 
den englischen Dampfer „Reluchistan", der eine für 
persische Häfen bestimmte Sendung von Waff'^n und 
Munition von London nach Buschir bringen soll. 

Belutichislan. Eine britische Vermessungsabtbcilung, 
aus über 200 Trägern und Signalisten l>estrhead, 
wird im Mekran-District von aufständischen ßelutscben 
angegriffen. Ucber 150 eingeborene Soldaten, welche 
die Abtheiluog begleiten, werden getöJtet, viele ver- 
wundet. Die Officiere retten sich durch die Flucht nach 
Ormara. Der Aufstand ist gegen den Khan von Kbclat 
gerichtet, gegen den sich die Stämme, hauptsächlich 
die Gitschkis, schon öfters empört haben. Ormara ist 
bedroht. Die Truppen des Kbans halten Nasirabad be- 
setzt. Von Khelat und Karatschi aus werden Truppen 
gegen die Ruhestörer geschickt und die abgeschnittenen 
Telegraphcndrähte der indisch-europäischen Linie wieder 
hergestellt. Der Vormarsch des Obersten Mayne, der 
von Ormara mit einer Culonne zur Bestrafung der Auf- 
ständischen aufgebrochen ist, begegnet unvorherge- 
sehenen Schwieligkeiten, und der Wcitermarsch geht 
nur langsam von statten. 

Indien. Die britischen Truppen ziehen sich wegen 
der scharfen Winterkälte aus dem östlichen Gebiete 
des Kriegsschauplatzes noch weiter zurück und sperren 
den Kbaibarpass. Der Emir vou Afghanistan versagt 
den Stämmen Afridi-Orakzai die von ihnen erbetene 
Unterstützung und Vermittlung, führt aber b:i den Eng- 
ländern Beschwerde über die Schädigung des Htnlels 
Afghanistans durch die Sperrung des Khaibarpasses. 
Die Unterwerfung derBonerwal, die allen Forderungen 
nachgeben sollen, schreitet vor; auch die Afridi unl 
die Zakkakhal unterhandeln wegen ihrer Unterwerfung. 
Die Akakhel unternehmen Raubzüge ; die zu ihrer 
Züchtigung entsandten fliegenden Colonnen und Artillerie 
Qnden die feindlichen Dörfer verlassen. Die vierte 
Brigade, auf dem Wege, sich mit den übrigen Brigaden 
zu vereioigrn, um die Eingeborenen von den Weide- 
plätzen von Kajuri zu vertreiben, geräth bei Scbinkumar 
Kotal im .Afridi-Lande in einen Hinterhalt und erleidet 
Verluste. 

In Boriavi im Districte Gujarat brechen ernste Un- 
ruhen aus und werden mehrere Sepoys getöJtet. Bei 
Ankunft der von .Ahmedabad dabin gesandten Truppen 
fliehen die Europäer. 

Die Beulenpest macht erschreckende Portschritte, 
die Sterblichkeit nimmt zu. In Sinnar im Nas>k-District 
(Pr.lsidentschaft Bombay) lehnt sich die Bc\ö'kerung 
gegen die zur Bekämpfung der Pest getroffenen Miass- 
regeln auf; der Pöbel töJtet den Hospitalsgehilfea, 
brennt das Lager nieder, in dem die Kranken abge- 
sondert liegen, demolirt das Postamlsgebäu Je und zer- 
schneidet die Telcgrapbendräbte. Die Polizei gibt Feuer, 



24 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



viele Unruhestifter werden arretirt, die Ruhe wird 
wiederhergestellt. 

St'am. Ein fran^ösisches Kanonenboot überwindet mit 
lirfolg die Stromschnellen des oberen Mekong. 

Tonking. Die aufständische Bewegung, die sich im De- 
cember im tonkinesischen Deltagebiet bemerkbar machte, 
ist unterdrückt, und es sind Maassregcin getroffen, um 
einer Erneuerung vorzubeugen. Die ergriffenen Auf- 
ständischen wurden sofort enthauptet. — Das Räuber- 
wesen nimmt in bedrohlicher Weise überhand. Eine 
Bande von hundert Piraten dringt bis in das europäi- 
sche Viertel der Stadt Haiphong, wird aber zurück- 
geschlagen ; ein Franzose fällt. 

China. Die Chinesen recrutiren tausecde von Truppen 
im Innern und verdoppeln die Zahl der Bataillone in 
allen Köstenprovinzen. Neun Chinesen, die an der Er- 
mordung der zwei deutschen Missionäre Nies und Henle 
betheiligt waren, werden ergriffen. Mit einem chinesi- 
schen Unternehmer in Shanghai wird ein Vertrag für 
den Bau grosser Caserren, Wohnhäuser und Magazine etc. 
zur Aufnahme der deutschen Garnison in Kiautschau 
abgeschlossen. Auf dem deutschen Posten in Tsinio 
(Kiautschau) ermordet der chinesische Pöbel einen 
Matrosen. Bei Langtben wird der Missionär Homeyer 
der Berliner Mission beraubt und verwundet; von 
chinesischer Seite werden Maassnabmen für die Sicher- 
heit der Missionsstation Nenjung, wohin Homeyer 
zurückgekehrt ist, getroffen, und für den Fall Genug- 
ihuung versprochen. 

Korea. Der König von Korea sucht beim amerikani- 
schen Gesandten um dessen Schutz bei einer etwaigen 
Revolution nach. 

Sumatra, Tuku Umar wird von den zu seiner Ver- 
folgung nach Djantoi ausgeschickten holländischen 
Truppen nicht erreicht; er ist von hier aufgebrochen, 
um sich bei Panglima Polim oder bei dem Prätendent- 
Sultan in Sicherheit zu bringen. Nachdem er den un- 
abhängigen Staat Pcdir {im Nordosten Sumatras) er- 
reicht hat, wird er nicht weiter verfolgt, und die 
holländische Colonre kehrt zurück. Pedir, der Zu- 
fluchtsort aller aufständischen Banden von Atschin, soll 
unschädlich gemacht werden; es wird eine Dampf- 
strassenbahn nach Selimun gebaut, von wo die Truppen 
in das Gebiet von Pedir unmittelbar einrücken können. 

Philippinen. Vorsichtshalber bleibt eine aus 22.000 
europäischen Soldaten bestehende Armee auf den 
Philippinen. An mehreren Orten wird die spanische 
Flagge gehisst und von den früheren Aufständischen 
mit Hochrufen salutirt. 

Afrika. 

Algier. Antisemitische Kundgebungen veranlassen 
einen ernsten Aufruhr, bei welchem Juden gehörige 
Geschäfte und Landhäuser geplündert und in Brand 
gesteckt werden. Polizei und Militär stellen die Ruhe 
wieder her. Mehrere Personen werden getödtet und 
verwundet, viele verhaftet. 

Marokko. Der Sieg der Sultanstruppen im Gebiete 
von Mzab wird amtlich bestätigt. Das Heer des Sultans 
tritt nicht den Rückweg nach Marrakesch an, sondern 
bleibt im Shania-Gebiefe. Gefangene und abgeschnittene 
Köpfe von Besiegten treffen in Rabat ein. Die ge- 
fangenen Rebellen beklagen sich, dass sie verrätheri- 
scherweise ohne ausdrückliche Kriegserklärung übrr- 
fallen wurden und keinen Widerstand leisten konnten. 
— Ein britisches Schiff versucht Waffsn und Vorräibe 
an der Susküste zu landen, wird aber <laran verbindert ; 
es feuert auf den Regierungsd^mpfer, und dieser er- 
widert das Feuer. Die Reg>erungstruppen nehmen ein 
Boot mit drei Engländern und setzen diese gefangen. 
Alle Dörfer, deren Bewohner sich den Fremden freund- 
lich erwiesen haben, werden zerstört, viele Einwohner 
getödtet und verwundet. 

Aegyptischer Sudan. Die Sudan-Expedition ist bisher 
noch keinem bedeutenden Widerstände begegnet. Die. 



VwMitwortlicber Redacteur: JULIUS BÖHM. 



Derwische ziehen sich immer noch bei Metemmeh und 
Schendi zusammen, wo sie sich von Omdurman aus 
verproviantiren. In Omdurman befinden sich 40.000, in 
Metemmeh und Schendi 20.000 Derwische. Aegyptische 
Kanonenboote passiren Schendi und Metemmeh und 
werden von den Derwischen beschossen ; deren Feuer 
wird durch Schnellfeuergeschütz zum Schweigen ge- 
bracht. Sussich, eine Stadt der Derwische westlich von 
Kassala, wird von einer Abtheilung der Garnison von 
Kassala ohne Widerstand genommen. Ein Trupp Der- 
wische zeigt sich im Norden des Atbara und wird mit 
Verlust zurückgeschlagen. Aegyptische Kanonenboote 
dringen bis zum sechsten Cataract vor, werden aber 
vom Geschützfeuer der Derwische empfangen und, 
weil der Fluss durch Ketten gesperrt ist, zur Umkehr 
gezwungen. Kordofan und Dafür sollen sich völlig in 
der Macht der Derwische befinden. — Französische 
Expeditionen halten Faschoda besetzt ; sie sollen eiligst 
den Weissen Nil herabgehen. 

Französischer Sudan. Die französischen Stationen nach 
dem Su-lan uud der Elfenbeinküste werden immer mehr 
vervollständigt. 

Nigergebiei. Die Engländer nehmen ohne Kampf 
officiell und für die Dauer Bere und Ilesha in Besitz 
und werden von den Baribas freundlich empfangen ; 
diese machen jenen betreffs des Handels und Verkehrs 
günstige Versprechungen. 

Niger- Territorien, Die Niger - Company unternimmt 
militärische Operationen gegen den Stamm der Ibuza, 
bei dem noch die Sitte des Menschenopfers herrscht ; 
bei einem Zustammenstosse erleiden beide Theile Ver- 
luste. — Der König von Niki ist gestorben. Der König 
von Beri wird nun Regent von gani Borgu. — Eine 
englische Truppenabtheilung besetzt Okuta in der Land- 
schaft Borgu. 

Togoland. Eine Expedition von i5oHaussas marschirt 
unter einem englischen Cai)itän in das neutrale Gebiet 
ein, besetzt Salaga und dringt unter Anlegung von 
festen Garnisonen weiter in das Innere vor. 

Britisch- Ostafrika. In einem Gefechte bei Fort Lubas 
fällt ein Bruder des Major Macdonald und ein Missionär. 
Aus Machako werden Verstärkungen abgesandt. Es 
soll zu fürchten sein, dass die Garnison von Buddu 
mit den Aufständischen gemeinsame Sache machen 
werde. 

Congostaat. Die Telegraphenverbindung von der Küste 
nach dem Innern von Borna aus ist auf eine Entfernung 
von 90 km von Stanleypool fertiggestellt. Der Eisen- 
bahnbau geht rasch von statten. 

Portugiesisch- Ostafrika. Die Eingeborenen am L'mpopo 
machen Schwierigkeiten. Der Gouverneur von Gasa- 
land sendet Soldaten ab, um einen Häuptling in der 
Gegend des Forts Tschibuti zu ergreifen, aber die 
Soldaten werden von den Eingeborenen gefangen ge- 
nommen. Zur Befreiung der Gefangenen und zur Theil- 
nahme der widerspenstigen Häuptlinge wird eine Reiter- 
abtheilung abgeschickt. 

Deutsch-Südwestajrika. Im Gefecht mit den Zwartboi- 
Hottentoten erleiden die Deutschen geringe Verluste. 
Basutoland. Der Basuto-Häuptling Lerothodi schliesst 
die Stellung der Aufständischen ein und erstürmt nach 
einem die ganze Nacht währenden wüthenden Gefechte 
die feste Stellung Masupha's. Dessen Sohn überbringt 
dem Resident- Commissioner einen Brief Masupha's, 
worin dieser seine Unterwerfung unter Lerothodi und die 
Regierung anzeigt. Der Basuto-Aufstand wird für be- 
endet betrachtet. 

Madagaskar. In veischiedenen Theilen Madagaskars 
macht sich neuerdings eine aufständische Bewegung 
geltend. Die auf der I isel Reanion gefangen gehaltene 
Exkönigin Ranavalo soll sich mit mehreren Rädels- 
führerj^-iö^rUi^ung gesetzt haben. 



^^V 

^9^ 






CH. EKISSBR fc M. WERTHHHE, WIKN. 



OESTERREICHISCHE 



MonatHSt^riÖ för öm #rimt. 



K 



XIV. JAHROANO. 



WIEN, FEBRUAR 1898. 



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Prof. GUSTAV SCHMORANZ 

im Auftrage und mit Unterstützung des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht 

lu-rausgt'g'ben vom 

k. k. Oesterreiehisehen Handels-Museum in Wien. 

30 Folioblätter In Farbendruck nebst einer lUustrlrten BeachrelbunK der dargestellten Objeote 
und einer Abhandlung ttber altorientalUohe Emallteohnik. 

3 Liefertiiigexi. 

Subscriptionspreis des ganzen Werkes ö. W. fl. 120. — . 

(Nach Erscheinen der letzten Lieferung: tritt für etwa noch vorfftthlfre Exemplare ein er- 
höhter Ladenpreis ein. — Einzelne Lieferungen oder Tafeln werden nicht abgegeben und 
verpflichtet die Abnahme der ersten Lieferung zum Bezüge des ganzen Werkes.) 

Die deutscl c Ausgabe des Werkes wird nur iu 1>I0 numcr ilcn Exemplateu publicirt. (Kine engliicbc A. 
in 100 Exemplaren gibt die Direction des k. k HaudcU-Museums spiter benuis). 

Illustrirte Prospecte stehen auf Wunsch in massiger Anzahl zu Diensten. 

Ausführung und Ausstattung sowie der Uruck des streng ;uif KM) Exemplare limitiiten Werke« «er-iea 
Direction des k. k. Handels-Museums geleitet und überwacht. 

WIEN, im Mai 1895. u^^rtaria. SZi (Oc^. 






gäbe 



der 



n 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



KAISERL KÖNIGL 




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Verlage des k. k- österr. Handels-Museums 
erscheint jeden Donnerstag die volkswirthschaftlicUe 
Wochenschrift 

mit der Beilage 

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ÖSTERRKICnrSCHK MONATSSCHRIFT KÜR HflNf ORfKNT. 



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ZOLL-COMPASS. 

Der V. Jahrgang dei „ZoU-Compaii" wird, gleichwie der UL 
beziehungsweise der Ergänzungsband detielben (IV. Jahrgang) 
lieferungswtist zur Publication gebracht, und die einzelnen Liefe- 
rungen werden nach Maassgabe der eintretenden VerindernngcD 
in den betreffenden Zolltarifen erscheinen. 

Der gestellten Aufgabe, die für unseren Anssenhandel 
wichtigsten Länder successive in den Rahmen dieses Jahr- 
buches einzubeziehen, wird der erscheinende V. Jahrgang durch 
Neuaufnahme der Zolltarife der auftralischen Colotitn, Nitd4r- 
ländisch-lndiens und der Philippinen entsprechen. 

Von dem in lo Lieferungen erscheinenden V. Jahrgang siad 
l>isher 1 1 Lieferungen publicirt worden, enthaltend die Tarife ron 
Rumänien, Argentinien, Russlaud, Britiscfa-Indien, China, Japan, 
Korea, Persien, Oesterreich-Ungarn, Schweden, Norwegen, Helgo- 
land, Italien, Argentinien (II. Auflage), Deutschland, Frankreich, 
Griechenland, Belgien, Vereinigte Staaten von Amerika and 
Schweiz. 

Preis per Lieferung 45 kr. ^ 90 Pfg. Einzellieferungen werden 
nicht abgegeben. Einbanddecke zum ganzen Jahrgang 50 kr. i— 
I Mark. 

Zu beziehen durch das k. k. österr. Handels- Museum sowie 
durch jede Buchhandlung. Für DtutichlanJ alleiniger Vertrieb 
durch E. S. Mittler & Sohn, Berlin S. W. la, Kochstrasse 68—70. 

Verlag des k. k. österr. Handels-Mnseuras. 



K. K. PRIV. SÜDBAHN-GESELLSCHAFT . 

Auszug aus dem Fahrplane der Personenzüge. 



Giltig vom 1. Oetober 1897. 



Ankunft In Wien: 



Abfahrt von Wien: 

S..'iO Frali (Personenzug): Mttrzzuschlag, K*niz», Budapeat; QBua 

(Di^-natag und Frritag) ; Pakräcz-Lipik ; Kasogg, Sarajevo ; A gram ; 

Aapang. 
7.20 Früh (.Schnellzug); Lcoben, Vordemberg, Venedig (via Pontafel), 

Kanir.sa, Kssegg, Sarajevo, Pakraczl.iplk, Agram; Budapeal (via 

Pragt'rLof); Neuberg, Aflenz. 

8.10 Krab (SchnellzuK): Trieat, Flume, Pola, Slsaok (via SlelnbrOck), 

Gonobitz. Klagnnfurt, VlUacb, Bozen, Meran, Arco, InuHbruclt (via 

Marburg), Wollabcrg, Lutlenberg (Oleicheiibeg), Kuflacb. 
1.15 NachmHUga(l>aEtzug):Trior<t, OOn, Venedig; Kinme; Pola, Uovlgno. 

Siasek, Brod, Banjaluka ; Ucoben, Vordernborg; Neuberg, Aflenz. 
1.40 Nachiiilttagfl (Personenzug) : Baroa, Agram, KauizNa, GUna. 
^.55 Nactimittags (Personenzug) : Wiener- XeUHtadl, Aapang, Kanizsa, 

Budapest. 
4.30 Naoliinittags (Personenzug): Graz, Leuben. 
5.25 Nacbmiltags (Personenzug): Wienir-Nensladl, Sleinamanger. 
7.40 Abends (Personenzug): Kanizsa, Budapest, Pakracz-I.!|iik ; I-Uaegg. 

Boaniscb-Brod; Agrani, Siasek, ."-^ai-AJevo. 
8.20 Abends (Schnellzug) : Triost, (Ifti-z, Venedig. Itom ; .Mailand, Genua; 

Pola, Kovigno; Kiume; Sissek, Ilanjaluka, lludapcsl (via Pragerhof . 
9.— Abends (Posliug): Triest, Uöri, Venedig, Uom, Mailand; Pol«, 

Kovigno, Aitram; Gonobitz, Budapest (via l*t-agertioO ; Klagenrurl. 

Wolfsberg, Meran, j^rco, Innsbruck (via Marburg); Luttenberg, 

Küfiacb, Wies; .Slainz, I.eoben, Vordernl^erg. 

9.45 Abends (.Schnei Izug) : Marburg, Klagenfurl, Franzensfeate, Heran, 
Areo, Innsbruck (via Marburg). 

Bohlafwagren verkehren mit den ScbnelliOgen (Wien ab 8.20 Abend«, Wies an 10. - Vormliiags) tnlachan ITlWt-Trlaat, WUa-SfcS-T»a*41S 

via Connons und iWien ab 9.45 Abends, Wim an <— Vornilllag«< iniM-bcn Wl*B-HarbBrc-K«r»B. 
DIreote Wagen I., II. Olaaa« verkehren mit den obigen Sehn, i:nlg<-n iwlachen WISB-Flam» vAi.l.aii«' uu.l WI*a-AlB ita !*•■»•••• 
teste, ferner mit den Sclinellzügcn (Wien ab 7.20 FrUh und Wien .in 9.3.') Abend«) «nisdi.n Wlan- Veaadls-HalUad tU LaoWai, 4tmm 

(Wien :ib S.IO FrUh, Wien au 9.'<A Abends) zwischen WlMS-Fiam« (Abbaata). Wlaa-FoU und WUn-OArs. 
Fahr-Ordnungen in Placat- und Taschen- Formal bei allen Blllett,n l'i-s.'u; Tasclien-Fahrplan der I.^.alinge in allen Tabak-TraSk*B WIeB». 
Fahrkarten - Anagrabe iiu boachräukiem Mas,<e) und Anakttafta l>ei der Wiener Agentur .ler IntersaUoaalMi 8cMaf»ra<e»-U w all i db a » , 
I. Kürnlnerring 1,1, im Fabrkarten-Stadiburcau der kgl. uugar. .■ii...i:-,i«c;ibahnen in Wien, 1. K.»rninerrlo» *, daa« la de« RetsebalMBa! 
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Intcrnaili>n9les K, Ise und Fahrkartenbureaa Ka(el It WorlBiaaB, I. OpemfasM «. 



6.40 FrOh (Poatzug): Triaat, Kam, Malland, Venedig, USn ; Pola; 

Agram, Budapest (via Prafferbof); Area, Inoabmck, Kla^afart. 

Wolfsberg (via Marburg) ; Luitenberg, K0llaeli,Wie(; Sulni, L,eob«a. 
».!>» Frdb (Personenzug): Kanizsa. Bosnisch-Bred, K aaiW, Pakrica- 

l.lplk, Agram, Budapest (via Oedcaburg). 
>.— Vormitugs (Schnellzug); Marburg. Areo, Meraa, laaabraek, KUfea- 

fart (via Marburg), Leobea. 
9.40 VormItUga (Personenzug): Stelnanianger. GSa«. 
10.— Vormittaga (Schnellzug): Trieat, Korn, Mailand, Venedi«, Olra; 

Pola, Kovigno; Flume, Siaaek, Agrsm, Badapeat (via PragerfeeO. 
t.15 Nacbmituga (Peraouenaag): Orai, I.eob«B, Vordarabarc; Ataas 
l.U Nachmittags (Peraoaenaug): Kaotaaa, QIIbs (Dteaata« «ad Frelta(), 

Wiener-N'enatadt. 
4.— Nachinitlaga (PoaUng): TriMt, USn, Ve»edi(, Pola; Rarlcaes 

Flume, Hiasak, Agram; Kadkersbarg, K«IUcl>,Wlea;8taiBa,Te<r<ara- 

berg, I.eoben. Neuberg. 
5.35 NachmiiiaK< (Personenzug): lUr.-a, Kaaiua, Ba i t a f a at, Olae, 

Agram, Dedenburg, Wiener-Neualadl. 
».— Abends (Per.onenr-ig-: Saraiern. Ki-eec: Agmm, Badapeat, 

Kanizaa; Pakr.i 
».S5 Abenda (Sehne ; Brad, 

Slaaek (via Sii . --, . .»aoMta, 

Vlllarh, K'agenfun, Wolfsberg; I.ulienberti, Kodeck. 
0.4'i Abends (.Schnelltog>: Venedig (via Pnnufel). Beaea, Meraa, Aroe, 

Innabruck ; I«oben, Vonleraberg ; .Neubrrg, Afleni. 



rv 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



""'bVrfVrrl'"" JTaörpIantiEÖ „d^EfterrEftöffdjen IClopb' 



amiff Tom 1. Jänner 1897 
bis aaf Weiteres. 



IDiJBISrST Ilvr -A.3DXtI.A.a7ISOHEISr nS^EEI^E. 



Beschleunigte Eillinie Triest— Cattaro. 

Ab Triest jeden Donnerstag SV, Ubr FrDb, 
t 1 Oattaro Fr«^itag 12 Ubr Mittags, berühr.: 
Pol«, Zira, Spalato, Gravosa. 

Retour ab Cattaro 6 Ubr Abends, in Triest 
Samstay 10 Ubr Nachts. 

Linie Triest— Metkovich 4. 

Ab Triest jedeu Mittwoch 7 Uhr Früh, in 
ileikoTicfa Freitag 4 Ubr Nachm., berühr. : 
Rovigno, Pola, LuasiDpircolo , Zara, Zaravecchia, 
Sebenico, Trau, Spalato, S. Pietro, Almissa, 
Qelsa, S. Martino, Macarsca, S. Giorgio di Lea., 
Trapano, Fort Opus. 

Retour ab Metkovich jeden Sonntag 8 Uhr 
Früh, ii) Triest Dienstag IV, Uhr Nachm. 

Anscbluss auf der Hinfahrt in Spalato an die 
Hinfahrt der beschleunigten Eillinie Triest — 
Cattaro. 

Linie Triest— Metkovich B, 

Ab Triest jeden Samstag 7 Ultr Früh, in 
VIetkovicb Montag 4'/} Uhr Nachm., berfibr. : 
Rovigno, Püla, LuR^inpiccolo, Zara, Zlarin, 
Sebenico, Traö, gpalato, S. Pietro, Postire, 
Almissa, Pnciscbie, Uacarsca, Gradaz, Fort Opus. 



Retour ab MetkOViOli jedeu Mittwoch 8 Uhr 
FrÜb, iu Triest Freitag 6 Uhr Abends. 

Anscbluss auf d'^r Rückfahrt in Spalato an 
die Hinfahrt der Linie Triest— Cattaro A und in 
Zara an die Rückfahrt der Linie Triest— Pola— 
Zara. 

Linie Triest— Venedig. 

Von Triest jedim Montag, Mittwoch und 
Freitag um Mittemacbt, Ankunft in Venedig den 
dHrauffoIgenden Tag 6',, Ubr Früh. 

Retour ab Venedig jeden Dienstag, Mittwoch 
lind Freit.«» um Mitternacht, Ankunft in Triest 
den darauffolgenden Tag 6'/» Uhr Früh. 

Linie Pola— Zara. 

Ab Pola jeden Mittwoch 3 Ubr Nachmittags, 
in Zara Donnerstag 5 Uhr Nachm., berühr.: 
Cberso, Rabaz, AbbarJa, Malinsca, Veglia, Arbe, 
LussiogrADde, Valcaiiioue, Porto Mauzo. 

Retour ab Zara Freitag 7 Uhr Früh, in Pola 
Samstag 7'/, Ubr Früh, 

Anscbluss in Zara an die Billinle Triest — 
Cattaro auf der Hinfahrt und an die Linie Triest— 
Metkovich B auf der Rtlckfabrt. 



Linie Triest— Cattaro A, 

Ab Triest Jeden Dienstag 7 Uhr Früh, ir 
Cattaro Donnerstag 6'/« Ubr Abends, berühr.: 
Rovigno, Pola, Lnssinpit'colo, Selve, Zara, 
Sebenico, Spalato, Milna, Lesina, Curzola, Gra- 
vosa, Casteliiuovo, Teodo, Risano. 

Retour ab Cattaro jeden Montag 10 UbrVorm., 
in Triest Mittwoch 6 Uhr Abends. 

Linie Triest— Cattaro B. 

Ab Triest jeden Freitag 7 Uhr Früh, in 
Spizza darauffolgenden Mittwoch 11 Uhr Vorm., 
berühr. : Rovigno, Pola, Lnssinpiccolo, Selve, 
Zara, Sebenico, Rogosnizza, Trau, Spalato, Ca- 
rober, Milna, Cittaveccbia, Lesina, Lissa, Comisa, 
Vallegrande, Curzola, Orebich, Terstenik, Meleda, 
Gravoaa, Ragusavecchia, Ca^telnuovo, Teodo, 
Perasto-Risano, Perzagno, Cattaro, Budua. 

Retour ab Spizza jeden Mittwoch 11'/» Uhr 
Vorm., in Triest darauffolgenden Montag 5'/a Uhr 
Nachm. 

Anmerkung. Falls schlechten Wetters wegen 
das Anlaufen von Caatelnnovo nicht möglich 
wäre, wird in Megline angelegt. 



XjE V^-A-ISTTE- XJJSI X> JMITTEXili^EEPl-IDIEISrSX. 



Eillinie Triest— Alexandrien. 

Von Triest jeden Mittwoch ab It Uhr Mitta-gs, 
in Alexandrien Sonntag 6 Uhr Früli, berührend: 
Briudi:«!. Rückfahrt von Aiexandrien jeden Sams- 
tag Mittage. 

Anscbluss in Alexandrien au dieSyrisch-Cara- 
manische Linie. 

Anscbluss in Triest bei Abfahrt und Ankunft 
m den Lnxusziig Ostende — Wien— Triest und in 
Brindisi auf der Hinfahrt an den um 11 Uhr 
Vorm. eintreffenden und bei der Rückfahrt an 
den um 6 Uhr 10 Min. abgeheuden Kllzug. 

Eillinie Triest— Constantinopel. 

Ab Triest jeden Donnerstag 11 Ubr Vorm., 
in Constantinopel darauffolgenden Mittwoch 
6Vj Uhr Früh, berühr.: Brindisi, Sti. Quaranta, 
Corfn, Patraa, Piräus, Dardanellen. Rückfahrt 
von Constantinopel jeden Dienstag, in Triest Mon- 
tag 2 Ubr Nachm 

Diese Linie wird eine Woche bis nach Odessa, 
die andere bis nach den Donauhäfen (im Winter 
bis nacb Batum) verlängert. Anscbluss in Corfu 
au die Linie Corfu— Prevesa, in Piräus an die 
Thessaliscbe Linie und in Constantinopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrisch-Cara- 
manischen Linie. 

Griechisch-Orientalische Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 
10. Jänner 1897 ab 4 Uhr Nachm., in Smyrna zweit- 
nächsten Dienstag 6 Uhr Früb, berührend: Fiume, 
Dura/.zo, Valona, Corfn, Santa Maura, Patras, 
/.ante, Cerigo, Canea, Retbymo, Candia, Vathy, 
Tschesme, Cbios. Rückfahrt ab Smyma Sonntag 
•om 10. Jänner ab 10 Uhr Vorm., in Triest 
'.weitnächsten Dienstag 5 Uhr Früh. 

Griechisch-Orientalische Linie über 
Albanien. 

Jede zweite Wocbe. Ab Triest Sonntag vom 
3. Jänner 18^7 ab 4 Uhr Nachm.. in Smyrna 
Äweitnächsten Dienstag 7'/, Uhr Frflb, berüh- 
rend: Cattaro, Budua, Antivari, Duicigno, 
Medua, Durazzo, Valona, Santi Quaranta, Corfu, 
Santa Maura, ArgostoH, Zante, Canea, Retbymo, 
Candia, Vathy, Tschesme. Chios. Rückfahrt von 
Smyrna Sonntag vom 3. Jänner 1897 an 10 Uhr 
Vorm., iu Triest zweitnächsten Dienstag 3 Uhr 
Nachm. 

Anscbluss in Smyrna auf der Hinfahrt an 
Jie Syrisch-Caramanische Linie und an die 
Rückfahrt der Syrischen Linie. Nach Cattaro uni 
Budua keine Waaren- und l'assagieraufuabme. 

Linie Trfest— Fiume— Alexandrien. 

Jede vierte Woche. Ab Triest Donnerstag vom 
28. Jänner 1897 ab; in Alexandrien zweitnächsten 
üamstag 6 Uhr Früh, berührend: Fiume, Corfu, 
Patras. Rückfahrt von Alexandrien Montag vom 
1. Jänner 1897 ab 9 Uhr Vorm., inTriest zweit- 
aäehsten Dienstag 7^,, Uhr Früh. 

Anscbluss in Alexandrien auf der Hinfahrt 
an die Syrische Linie. 



Thessaliscbe Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 
8. Jäuner 1897 ab4 Ubr Nachm., in Constantinopel 
zweitnäcbsten Sonntag 5'/» Ühr Früh, berühr. : 
Fiume, Corfu, Patras, Zante, Catacolo, Calamata, 
Canea, Retbymo, Candia, Syra, Piräus, Volo, 
Salouich, Cavalla, Lagos, Dedeagatscb, Darda- 
nellen, Gallipoli, Rudosto. Rückfahrt von Con- 
stantinopel Freitag vom 8. Ja ner ab 8 Uhr Früh, 
in Triest drittnächsten Sonntag 7 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis nach den Üonauhäfeu 
verlängert werden. Anscbluss in Piräus an die 
Klllinie Triest— Constantinopel. 

Thessaliscbe Linie über Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 
10. Jänner ab 4 Uhr Xaobm., in Constantinopel 
zweitnächsten Souutag 5Vi Uhr Früh, berühr. : 
Cattaro, Budua, Aniivari. Dulcigno, Medua, 
Durazzo, Valona, S. Quaranta, Corfu, 8. Maura, 
Argostoli, Catacolo, Oalamata, Canea, Retbymo, 
Candia, Piräus, Volo, Salonich, Cavalla, Dedea- 
gatscb, Dardanellen, Uallipoli, Rodosto. Rück- 
fahrt von Constantinopel Freitag vom 1. Jänner 
1897 ab 8 Uhr Früh, in Triest drlttnäcbsten 
Samsiag 3 Uhr Nachm. 

Diese Linie wird bitBatum verlängert werden. 
Anscbluss in Piräns an die Eillinie Triest— Con- 
stantinopel und in Constantinopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrischen Linie. 
Keine Waaren- und Passagieraufnabme nach 
Cattaro und Budua. 

Syrische Linie 

Jede zweite Woche. Ab Alexandrien MonUg 
vom 11. Jäuner 1897 ab, 4 Ubr Nachm., in Con- 
stantinopel zweitnäcbsten Mittwoch 7 Uhr Früh, 
berührend: Port Said, Jaffa, Caiffa, Beyrutb, Lar- 
naca, Limassol, Rhodus, Cbios, Sinyrua, Metelin, 
Dardanellen, Gallipoli. Retour ab Constantinopel 
Montag vom 11. Jänner 1897 ab 8 Uhr Nachm., in 
Alexandrien zweitnächstenDonnerstag 7 UhrFrüh. 

Diese Linie wird bis Batum verlängert werden. 
Anscbluss in Constantinopel auf der Hinfahrt 
an die Donaulinie und die Linie Constantinopel— 
Constantza (G) und an die Rückfahrt der 
Tbessalischen Ijiuie Über Fiume; in Alexandrien 
auf der Rückfahrt an die Eillinie Trieit — Ale- 
xandrien. 

Syrisch-Caramanische Linie. 

Jede zweite Woche. Ab Alexandrien Montag 
om 4. Jänner 1897 ab 3 Uhr Nacbm., iu Con- 
stantinopel zweitnäcbsten Donnerstag 5 Uhr 
Nachm., berühr.: PortSaVd, Jaffa, Caiffa, Beyrutb, 
Tripolis, Lattakia, Alexardrette, Mer8ina,Rbodus, 
Cbiotj, Smyrna, Dardane. len. Rückfahrt von Con- 
stantinopel Samstag vom 2. Jänner ab 3 Ubr 
Nachm. Ankunft in Alexandrien zweitnäcbsten 
Mittwoch 8 Ubr Früh. 

Diese Linie wird bis Odessa (S) verlängert 
werden. Anscbluss in Constantinopel auf der 
Hinfahrt au die Linie Constantinopel— Batum und 



an die Rückfahrt der Thessaliscben Linie über 
Albanien, in Alexandrien auf der Rückfahrt an 
die Eillinie Triest — Alexandrien. 

Donau-Linie. 

Ab Constantinopel jeden Donnerstag 3 Uhr 
Nachm., in Braila Montag lOUhr Vorm , berühr. : 
Burgaä,Tarna, Coustautza.Sulina, Galatz. Retour 
ab Braila Mittwoch 8 Uhr Früh, in Constantinopel 
Sonntag .5 Uhr Früb. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis nach 
Triest verlängert werden u. zwar eiueWoche durch 
die Plilliuie Triest— Constantinopel, die andere 
Wocbe durch die Thessaliscbe Linie über Pium«. 
Anscbluss in Constantinopel auf der Rückfahrt 
an die Syrische Linie. 

Linie Constantinopel— Constantza mit Ver- 
längerung bis Odessa. 

Jede zweite Wocbe (G). Ab Constanttnopei 
Donnerstag, vom 7. Jäuner ab 3 Uhr Nachm., 
in Odessa Samstag 8 Uhr Früh, berührend: Con- 
stantza. Retour von Odessa Freitag vom 15. Jänner 
ab 4 Uhr Nachm., in Constantinopel Sonntag 
10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese leinte bis nacb 
Triest verlängert werden durch dieEilHnieTriest— 
Constantinopel. 

Jede zweite Woche (S). Ab Constantinopel 
Samstag vom 16. Jänner 1897 ab, in Odessa 
Montag 8 < hr Früb, berührend ConHtantza. Re- 
tour von Odessa Montag vom 25. Jänner 1897 
ab, in Constantinopel Mittwoch 10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wj^rd diese Linie bis 
Alexandrien verlängert werden durch die Syrisch- 
Caramanische Linie. Anscbluss in Constantihopel 
auf der Rückfahrt an die Thessaliscbe Linie 
über Albanien und au die Hinfahrt der Donau- 
Linie und der Linie Constantinopel— Batum. 

Zweiglinie Constantinopel— Batum. 

Ab Constantinopel jeden Freitag, In B^tum 
nächsten Dienstag, berührend: Ineboli, Samsun, 
Kerassunt, Trapezunt. Rückfahrt von Batum 
Donnerstag 6 Uhr Abends, in Constantinopel 
darauffolgenden Mittwoch 10', Ubr Vorm, 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie eine 
Woche bis Alexandrien verlängert werden durch die 
Syrische Linie, die andere Wocbe bis nacb Triest 
durch die Thessaliscbe Linie Über Albanien. 
Anscbluss in Constantinopel auf der Rückfahrt 
an die Syrisch-Caramanische Linie und an die 
Hinfahrt der Donau-Linie und die Linie Con- 
stantinopel -Constantza (G). 

Zweigllnie Corfu— Prevesa 

Ab Corfu jeden Sonntag 4'/, Uhr Früh, In 
Prevesa 5 Uhr Nachm., berührend : Sajada, Parga, 
S. Maura. Retour ab Prevesa Freitag 6 UhrFrüh, 
In Corfu 6' a Uhr Abends. 

Im Anscbluss in Corfu auf der Rückfahrt 
an die Eillinie Triest— Constantinopel. 



ooE-A.nsrisci3:Eit idieistst. 



Linie Triest— Shanghai— Kobe. 

Ab Triest *m 20. jede« Monate i, 4 Uhr 
Kachm., berühr.; Fiume*, Port - Sni'-l. Suez, 
Massaua (die Berühru» g Massauas erfolgt aut 
ier Ausreis i und der Heimreise nur gelegentlich), 
\den, Kurracbee, Bomnay, Colombo. Penang, 
Singapore, Hongkong, SbKuahat. Rückfahrt von 
Kobe am 31. März, Sf9. April, 29. Mai, 27. Juni, 
28. Juli, 28. August. 29. September, 29. October, 
i9. November, .0. December, 29. Jäuner 1898 
und 28. Februar 1898. 

An^chlusB iu Homtiay sowohl bei der Hiu- 
als Rückfahrt an die EilLnie Triesi— Bombay. 
Anscbluss in Colombo bei der Hin- und Rück- 
fahrt an die Zweij^Huie Colombo-Calcutta. 

Die Abfabris- und Ankunftszeiten in den 
Zwischenhäfen, ausgenommen Bombay und Co- 
lombo, können nach Umständen verfrüht oder 
verspätet werden. 



Der Aufenthalt in Fiume auf der Heimreise 
kann nach dem abtioluten Krt'orderuiss für die 
Ladungs- und Löscbungs&rbeiten verlängert oder 
abgekürzt werden. 

Ausser den in dem obigen Fahrplan genannten 
Häfen können die Daiupfer unter Umständen auch 
Nagasaki oder Mogi anlaufen, doch wird das Datum 
der Abfahrt von Kobe bledurcb nicht geändert. 

Elllinie Triest— Bombay. 

Ab Triest am 3. eines jeden Monates, be- 
rübiend : Brindi i, Porl-ßaid, Suez, Aden. Rück- 
fahrt von Bombay vom 1. Februar ab jeden 
1. des Monates bis incl. Jänner 1898. 

Anscbluss in Bombay an die Linie Triest — 
Shanghai — Kobe. Die 4*)^^"*^ ^^^ Abfahrt in 
den Awischenhäfeu kasn nach Maassgabe der 
Bedürfnisse verfrüht o44r verspätet werden. 



Zweiglinie Colombo — Catcutta. 

Ab Colombo am27. jedenMcnatea, berührend: 
Madras. Rückfahrt von Calcuttavom 14. Februar 
ab den 14. jeden Monates bis incl. Jänner 1898. 

AnschluKs in Colombo au die Linie Triest— 
Shanghai — Kobe bei der Hin- nod Rückfahrt. 

Die Dampfer dieser Linie berühren gele- 
gentlich auch Coconada oder einen anderen Hafen 
an der Küste von Coromaudel. 
B. Mercantiidienst nach Brasilien. 

Aoraürt ab TrIest am 10. Jänner, 10. März, 
10. Mai, 20. Juni, 20. Juli, 20. August, 1. October, 
10. November, berührend: Fiume. Pemamouco. 
Habia, Rio de Janeiro und Santos. Rücklairt von 
SantOS am 12. März, 10. Mai, 10. Juli, 18. AugU4t, 
17. September, 18. October, 29. November, 
10. Jänner 1898. Die gleiche Anzahl t'anrteD 
unternimmt die „Adria" ab Fiume iii den 
Zwischenmonaten mit Berübruug von Triest. 



*) Fiume wird auf der Ausfahrt am 21. der angeraden Mouat« (nämlich Jäuner, März, Mai, Juli, September, November) berührt. 
Bei der Heimreise erfolgt die BerCbrung von Fiume am 88. Mai, &0. Jutt, K9. September, 28. November^ 28. Jänner 1898 und 88. März 1898. 

Event. Aeaderungen in d^n Zwischenhäfen ausgenommen und ohne Haftung für die Regelmänsigkeit des Dienstes bei Contumazvorkebrnngen. 



VERANTWORTLICHER RBDACTEUR: JULIUS BÖHM. 



QU. R£1SS£R & M. WEIRTUNBR, WIEN. 



März 1898. 



Nr. 3, 



OESTERREICHISCHE 




onatsisthrifi fiir bm #rimt. 




Henasgegeben ▼om 

K. K. OSTHRRIilClllSCHEN IIANDELS-MUSEUM IN WIEN. /^^^ 



Redigirt von JULIUS BÖHM. 



Monatlich eine Nummer. 



VKRI-AO des K. K. ÖSTERREICHrsCHKN HANDEI-S-MUSRUMS IN WiKN. 



PreU JihH. 6 fL 10 ÜArlc. 



INIIAI/I : Kiue Wuetut 1d SamurkaDd und am Herafacban. Vod Profeaior 
Dr. J. Kein (Honii). ~ Dl« düutflchon Schut/gebletu bei lloglnn de? 
JabrcB IH1»H. — Aut Haw..ii. - Chronik. — Mlsccllun: Volkszäblting 
In Cbiua. Pe'it in lodleu. Der CJefaiiueue der Afridin. MusealDa<;brlcbt. 
— Literatur: Meyer'a „Türkei' und „TUrkisL-ber Sprachführer**. 



EINE WOCHE IN SAMARKAND UND AM 
SERAFSCHAN. 

Von l'rofessor Dr. J. Run (Bonn '). 

Die UeisR vom Ostgestade des Kaspischen Meeres 
nach der berühmten Hauptstadt der Timurideo ist jetzt 
fast so sicher und bequem wie die Eisenbahnfahrt 
von St. Petersburg nach Paris. Wer sie unternimmt, 
darf sich deshalb nicht mehr wie früher der über- 
standenen Beschwerden und Gefahren rühmen, sondern 
muss und kann in anderen Dingen seine Befriedigung 
suchen und finden. Kenner von 1 urkestad empfehlen 
alle Samarkand als dessen sehenswerthestc Stadt. Sie 
denken dabt-i nicht bloss an den Zauber seiner alten, 
wechselreichen Geschichte, sondern auch an die zahl- 
reichen Ruinen und gut erhaltenen Zeugen seiner ehe- 
maligen Grösse und hohen Cultur. Dort in der alten 
Sartenstadt finden wir ausserdem wie in Buchara fast 
Alles, die Strassen, die Häuser, die Menschen und ihr 
Leben und Treiben, zumal an den beiden Bazartagen 
der Woche (Sonntags und Mittwochs) in seinem früheren, 
von der europäischen Cultur nur wenig beleckten Zu- 
stande. Das hat für den fremden Ankömmling aus 
liuropa natürlich einen grossen, unbeschreiblichen Reiz. 

Der Weg vom Bahnhof führt uns zunächst nach der 
5 Werst (5'4 ktri) entfernten Neustadt, dem russischen 
Samarkand. Dasselbe scblicsst sich dem alten Stadttheil 
in kurzer Entfernung nach Westen und Nordwesten an. 
Obwohl I2.0O0 Einwohner zählend und in demselben 
Style wie andere russische Neustädte erbaut, fehlt ihm 
doch bislang ein ordentliches Gasthaus. Man muss sich 
mit einem der ziemlich zahlreichen Häuser mit 
„möblirten Zimmern" begnügen und darf in der Regel 
keine hohen Ansprüche an Reinlichkeit und aufmerk- 
same Bedienung machen. Sie sind durch ein Schild 
mit der Aufschrift „Nomera" (Nummern) erkenntlich. 

Ich kam nicht in die Verlegenheit, eine passende 
Unterkunft suchen zu müssen, da ein Beamter mich am 
Bahnhofe empfing und nach den „Warschafski Nomera" 
(Warschauer Nummern) in einer der Hauptstrassen be- 
gleitete. Dort war mein naber Verwandter, der Director 
der grossen DampfschiffahrtsgeselUchaft „Kawkas 

'1 D.m ru«8l<ctien ,Nacli8clil«K<-bu<-h des Slutliiiaclien Cotnlt^a für daa 
Gebiet (UhlastJ) (iamaikund ISUS" entnahm ich foliteil'le gfOjrapbUolx' 
Daii-n : Samarkand, dKl eheiuali,;e Marakamia der allporal-clien Provinz 
Sogdiaxa, IteKt »n dir Irunshaspiicbrn Hahn I4I,% Waral (KW.» *iii) »un dem 
Aungangapuukle Krasnowod»k iint.r Sii" 39' 4 6" N., und 36" 37' .MS" 
O. l'ulkow» (66" 5(j' 36f," O Hr.) S3a8 Fuia ^730-9»i) librr dem Meer. Sein 
mittlf r. r Barumclerotand iat 699-6 »im, die uiltilere Jahrfaleinperatur 
ISl" c, dai Mailmum 37,1" C, d.« Minimum JOO" C. Ba gibt jUbrllch im 
üurchxhiilli »3 Tage mit wolkenloaem Himmel iihd 68 Tage mit HieJer- 
aoblaK, deasen llUbe Jedoch nur 394-4 »im beirügt und fast auavchllesslicb 
der Wlnterliälfte dra Jahre. »ufHllt. Die vorherrachendi-u Windrlchninneu 
sind W. »ST, S\V. 179 auf Tauie.id. Nacb d.T Volksiih ung vom S8. N .- 
Teuiber 1892 halle di« russische Neustadt 1U.UI8 Benobner, darunter 4L>0t; 
CKlUaten. 



& Merkur' auf Wolga und Kaspiscbem Meer, abge- 
stiegen und hatte auch für mich ein Zimmer bereit 
gebalten. Es lag neben dem seinigen und bot, der 
Strasse zugekehrt, den Vortheil, den ziecnlich starken 
Verkehr auf derselben bequem beobachten zu können. 

Am frühesten erscheinen Morgens Eingeborene und 
Soldaten der Garnison, letztere zu Fuss auf mancherlei 
Dienstwegen, erstere als gewohnte Reiter auf Pferdes- 
oder Eselsrücken. Das Gehen gehört entschieden nicht 
zur Gewohnheit und Liebhaberei der Turbanträger. 
Selbst die Unbequemlichkeit, als Hintermann sich mit 
einem Anderen desselben l'bieres zu bedienen, wird 
ihm vorgezogen. Esel sind in Transkaspien und 
Turkestan sehr verbreitet und flinker als die unsrigen; 
doch stehen sie darin wie in der Grösse und Stärke 
den ägyptischen weit nach. 

Nur die islamitischen Tagelöhner und Strassen- 
verkäufer von mancherlei Esswaaren kommen zu Fuss 
in die christliche Stadt. Der Sarte trägt diese Gegen- 
stände: Geflügel, Eier, Gemüse, Brot sowie mancherlei 
Früchte in der Regel in flachen Körben auf dem Kopfe 
einher und ruft ihre russischen oder einheimischen 
Namen vor den Häusern aus. So habe ich wiederholt 
Morgens durch das geöffnete Fenster meiner Wohnung 
Trauben und Pfirsiche das Pfund zu 2 — 3 Kopeken be- 
zogen und nie in meinem Leben bessere gekostet. Auch 
die meisten übrigen Nahrungsmittel sind hier wie in allen 
Oasen Turkestans billig. So wurde mir einmal eine 
Flasche einheimischen Weines vorgesetzt, der nur 
15 Kopeken kostete, aber dem besten kaukasischen 
in keiner Weise nachstand. 

Das klingt sehr verlockend; doch lebt der gebildete 
Europäer auch in Turkestan nicht gern von Brot und 
■''rücbten allein. Sein Leben hat hier, selbst in den 
grösseren Städten, gar manche Schattenseiten. Zu 
ihnen gehören auf der einen Seite klimatische Er- 
scheinungen, wie grosse Sommerhitze, Trockenheit und 
Staub, ferner die Malaria und andere dem Lande zum 
Theil eingenthümliche Infectionskrankbeiten, die man dem 
Wasser zuschreibt, auf der anderen Seite die weite 
Trennung von der Heimat und das nicilrige Niveau, 
auf dem im Allgemeinen das geistige Leben der Ge- 
sellschaft sich bewegt. Dass die jüngere männliche 
Bevölkerung ohne Familienhalt vorwiegt, versteht sieb 
in einem neuerscblossenen Lande von selbst. In den 
kleineren Orten fehlt es den Eltern an Gelegenheit 
ihren Kindern eine gute Schulbildung zu geben und 
meist an Mitteln, sich von ihnen aus Rücksickt auf 
dieselbe zu trennen. 

Stadt und Gebiet (Oblastj) Samarkand wurde bes 
kanntlich durch General Kaufmann von Taschkent aud 
im Jahre 1868 dem Emir von Buchara Entrissen unl 
dem russischen Turkestan einverleibt. Dem Genera- 
Abranoff, der sich in den Kämpfen mit den Bucbariotcn 
ausgezeichnet hatte, fiel als erstem Gouverneur des 



2». 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



annectirten Landes die Aufgabe zu, dasselbe zu or- 
ganisiren und der alten Hauptstadt ein neues, russisches 
Viertel anzugliedern. Die neuen Häuser sind — wohl mit 
Rücksicht auf die häufigen Erdbeben — wie anderwärts in 
Turkestan einstückig, geräumig und mit weissem Kalk- 
anstrich versehen. Aber in der Strassenanlage unter- 
scheidet sich Neu-Samarkand von den russichen Stadt- 
theilen der übrigen transkaspischen und turkestanischen 
Städte durch einen anderen Plan, der sich auf den 
Reicbthum an fliessendem Wasser stützt. General Abranoff 
ging damit rasch ans Werk. Von dem höchstgelegenen 
Osten der neuen Stadt, nicht weit vom Mausoleum des 
Timur aus, senkt sich und verbreitert sich dieselbe 
fächerförmig gen Westen, indem die Hauptstrassen, 
wie Katta-Kurganski-Prospect, Taschkentski , Urgutski- 
Prospect und andere von dort ausstrahlen und durch 
conceotrische Querstrassen mit einander verbunden 
sind. Die meisten haben den Beinamen Prospect. 
Alle sind breit und in der Regel auf jeder Seite mit 
einer doppelten Baumreihe in '/j "^ Abstand ver- 
schen. Sie haben in dieser Beziehung das Aussehen 
französischer Boulevards; doch führt nur eine Anlage 
diesen Namen, nämlich der Boulevard Abranoff. Dieser 
und ein Park, in welchem wöchentlich mehrmals eine 
Militärcapellc spielt, dienen den Bewohnern zur Er- 
holung. 

Der Boulevard Abranoff ist eine Sehenswürdigkeit 
eigener Art. Er bedeckt eine Fläche von i Werst 
(ro38 km) Länge und 60 Faden (128 m) Breite. 
Neben breiten Trottoiren, Fahr- und Promenadenwegen 
durchziehen ihn der Länge nach sechs Doppelreihen hoher 
Silberpappeln, jede mit einem Gräbchen fliessenden 
Wassers zwischen sich, zwei Reihen Karagatsch (Ulmus 
campestris, varietas suberosa), zwei Reihen Robinien 
und vier grüne Hecken. 

Der Boulevard entspricht einer der vom höheren 
Osten ausstrahlenden Strassen. Alle erhalten ihr Wasser 
vom Serafschan. Es fliesst zu beiden Seiten, zwischen 
dem breiten Fahrweg aus eingestampftem Thon und 
den Trottoirs entlang in ^2 "' breiten Gräbchen mit 
ziemlich starkem Gefälle, tritt in die Seitenstrassen ein 
und benetzt hier wie dort die untersten Stammtheile 
und die Wurzeln der Doppelreihen von Schattenbäumen. 
Es sind vorwiegend Silbeipappelo, die hie und da 
durch Karagatsch und Robinien, seltener durch weisse 
Maulbeerbäume und Ailanthus ersetzt sind. Das Wasser 
ist weisslich trübe und dient auch täglich mehrmals 
zum Bespritzen der Strassen, wozu fast nur Sarten ver- 
wendet werden. Mit breiten Schaufeln heben sie das- 
selbe aus den Gräben und werfen es auf die Wege. 
Der Eingeborene löscht auch seinen Durst damit, 
indem er sich nach dem Koran richtet, der alles 
fliessende Wasser für gesund erklärt, unbekümmert um 
die Verunreinigungen. 

Die Europäer meiden dagegen das Wasser des Seraf- 
schan, nicht bloss wegen seines wenig einladenden Aus- 
sehens, sondern weil es für ungesund und die Malaria 
fördernd gilt, während das durch Löss getrübte Wasser 
des Amu-Darja nach dem Urtheil der Aerzte unschäd- 
lich sein soll. 

Nach Mittheilungen des deutschen Gärtners Schlegel, 
der schon seit 25 Jahren in Samarkand lebt und bei 
vorerwähnten Alleeanlagen mitwirkte, wurden zuerst 
in den Jahren 1874 — 1876 schnellwachsende Weiden 
gepflanzt und diese einige Jahre später durch andere 
Bäume ersetzt. Dieselben sind demnach höchstens 
20 Jahre alt. Dabei haben die Silberpappeln (Populus 
alba L.) ihre Altersgenossen an Wuchs weit über- 
flügelt. Es gibt manche von i'6 — 1"8 Stammumfang 
und viele von 20 — 25 m Höhe. Wenn der frühe 
Morgenwind ihre Zweige und Blätter leicht bewegt, 
holt man in den nahen Wohnungen ein Rauschen, das 
dem eines starken Regens gleicht. Der Neuling öffnet 
wohl überrascht das Fenster, bemerkt aber beim Blick 



ins Freie einen wolkenlosen blauen Himmel und leicht 
auch die Ursache seiner Täuschung. In den späteren 
Tagesstunden wird dieses Rauschen durch die vielerlei 
anderen Erschütterungen der Luft, welche der thätige 
Mensch bewirkt, meist überhört. 

Da auch in den Parkanlagen und Gärten Samar- 
kands sowie an vielen anderen O'ten Turkestans die 
genannten Baumarten sowohl als Schattensp^nder als 
auch als Holzlieferanten von grosser Bedeutung sind, 
mögen hier noch einige v/eitere Angaben über die- 
selben folgen. 

Pappeln und Weiden (sartisch: Teiek und T6I) 
sind an den Flussufern C"ntralasiens weit verbreitet. 
Von ersteren findet man in Turkestan ein halbes 
Dutzend Arten, die theils einheimisch sind, wie Populus 
euphratica, theils angebaut werden, wie P. alba und die 
Pyramiden- oder Spitzpappel (P. pyramidalis). Die Silber- 
pappel zeichnet sich vor allen anderen Arten nicht 
nur durch rasches Wachsthum, sondern auch durch 
ihr gutes und festes Holz aus, das namentlich beim 
Bau der Häuser viel Verwendung findet. 

Der auffälligste und bemcrkenswertheste Baum 
Turkestans ist jedoch der Karagatsch (Kara-agatsch, 
d. h. „Schwarz-Holz"). Deshalb wird sein sartischer 
Name auch in fast jedem Reisewerk über das Land 
erwähnt, doch sucht man vergebens nach einer wissen- 
schaftlichen Feststellung desselben, die allein zu einer 
klaren Vorstellung verhelfen kann. Karagatsch ist aber 
nichts anderes als diejenige Abart unserer F'eldrüster 
(Ulmus campestrii L.), die als Korkulme (Ulmus sube- 
rosa Ehrh. ) bezeichnet wird, und bei der die Rinde der 
Aeste und Zweige mehr oder wfniger korkig geflügelt 
ist. Das kommt auch vielfach bei uns vor. In 
Turkestan hat sich aber daraus ein auffallender Baum- 
typus gebildet, mit einer fast kugelförmigen, dicht 
verzweigten und beblätterten Krone, den man be- 
sonders in und um Samarkand sehr häufig findet. Den 
hohen Silberpappeln gegenüber haben dort gleich- 
alterige Korkrüster kaum 10 — 12 m Höhe erreicht. 
Ihr Aussehen und die dunklere Farbe ihres Holzes 
sind offenbar die Ursache ihres sartischen Namens ge- 
wesen. 

Aus dem zähen und festen Holze des Korkrüsters 
werden die Radspeichen und Naben der hohen sarti- 
schen Karren (Arabä) gemacht, während man zu den 
Felgen das Holz der gewöhnlichen Ulms verwendet, 
die hiernach Arabä- Karagatsch, aber auch bloss Kara- 
gatsch genannt wird. Ulmenholz diente ausserdem zu 
Säulen, Gitterthüren und Täfelungen in Moscheen und 
Häusern der Reichen, die zuweilen noch durch schöae 
Schnitzarbeit weiter verziert sind. 

Wer das baumreiche Neu-Samarkand sieht, könnte 
meinen, dass hier an Brennholz kein Mangel ist. Nichts- 
destoweniger bedienen sich die Sarten in unmittelbarer 
Nachbarschaft vielfach, wie anderwärts, des Kuhmistes 
zum Kochen ihrer Speisen. So sah ich auf dem Hofe 
des sartischen Gartengehilfen unseres Landsmannes 
Schlegel einen kleinen Haufen trockener Kuhraist- 
scheiben von 12 — 15 cm Durchmesser. Der frische 
Mist wird von den Frauen mit den Händen in solche 
Platten geformt und wider die Innenseite der rauhen 
Lehramauer gedrückt, welche den Hof umgibt. Dort 
. klebt er fest, bis er trocken und verwendbar ist. 
Schlegel bemerkte dazu: „Wo eine Kuh im Stalle ist, 
hat man das ganze Jahr Brennmaterial. Es heizt sehr 
gut und hält lang das Feuer. Freilich wird damit dem 
Felde ein werthvoller Dünger entzogen." 

Auch das sartische Alt- Samarkand weist aus der 
Vogelschau viel Grün von Baumgruppen und Gärten 
auf, und unterscheidet sich dadurch wesentlich von der 
wenig unterbrochenen Einförmigkeit der Flachdächer 
von Buchara. Im Uebrigen sind seine einstöckigen 
Häuser aus demselben Material (Lehm mit oder ohne 
Hackstroh) aufgebaut und mit ihren, den wanke- 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



27 



ligen und gewundenen Gassen zugekehrten, fenster- 
losen, erdfarbenen Mauern ebenso nüchtern und arm- 
selig aussehend. Ausser und zum Theil neben dem 
Grün der Baumktonen überragen zahlreiche alte Bau- 
werke das I läuser meer von Samarkand. I£s sind die 
cylindrlschen Minarete, die Moscheen, Grabdenkmäirr 
und Medressen (Universitäten, richtiger Schulen) mit 
ihren Melonenkuppeln aus der zweiten grossen Glanz- 
zeit der Stadt unter der Herrschaft Tiraur's (Tamer- 
lan'.i) und seiner Nachfolger (1379 — 1506), Hauten, 
welche selbst in ihrem heutigen Veifall unsrre Bewun- 
derung wecken. Sie versetzen unsere Gedanken in die 
Zeit, in welcher Samarkand die Residenz des mächtigsten 
Fürsten Asiens, die Hauptstadt eines Weltreiches, das 
„Asyl des Friedens, der Kunst und islamitischen Ge- 
lehrsamkeit" war. 1 Jamals hatte es gegen 150.OOO 
Einwohner, d. h. etwa viermal so viel als heute, liinc 
regelmässige Poslverbindung zwischen ihm und dem 
persischen 'l'äbris, mit 50 — 200 Pferden an jeder 
Station, die Gonzales de Clavijo benützte, als er als 
Gesandter Heinrichs III. von Castilien im Jahre 1404 
zu Timur kam, gibt ebenfalls Zeugniss von der Grösse 
und Blütbe der Stadt. 

Timur starb ein Jahr nach diesem Ereigniss. Mit 
dem Besuche seines Grabdenkmales, Gur-Emir, das 
Grab des Herrschers, genannt, begann ich die Be- 
sichtigung Alt-Samarkands. Es ist gewissermaassen 
das vermittelnde Glied zwischen diesem und der russi- 
schen Nrustadt und erhebt sich auf einem grösseren 
freien Platze unweit iles Nordwestendrs vom Boule- 
vard Abranoff. Die Russen haben sich mit einer Rück- 
sicht gegen die religiösen Gefühle der Eingeborenen, 
die man in den Ostseeprovinzen und in Polen während 
des letzten Jahrzehnts vielfach verrnisste, jedes Ein- 
griffs zum Schutze und zur Erhaltung des Bauwerks 
sowie der übrigen geschichtlichen Denkmäler ent- 
halten, dagegen nicht unterlassen, den Zugang und die 
Umgebung freundlicher zu gestalten. Wir folgen einem 
kurzen, breiten Fahrweg, der auf jeder Seite von 
einer Doppelreihe schlanker italienischer Pappeln und 
weiter von einer weissgetünchten Lehmmauer ein- 
g(fasst ist. So gelangen wir zu einem weiten Hofe, 
in welchem sich aus dem schattenspendenden lieblich- 
grünen Laub der weissen Maulbeerbäume, Trauer- 
weiden und Robinien Minaret und Kuppelgewölbe des 
Mausoleums wirkungsvoll abheben. Ein sartischer Auf- 
seher empfängt und geleitet mich und meinen engli- 
schen Begleiter in das Innere. 

Wir gelangen in eine (juadratische Halle, deren 
Seiten den vier Himmelsrichtungen entsprechen und 
die von der Kuppel mit schönem Stalaktitengewölbe 
nach oben abgeschlossen wird. Von der mit Marmor- 
platten belegten BoJenfläche ist der grösste Theil auf 
drei Seiten in Form eines Rechtecks von g m Länge 
und 5*2 m Breite von einem 0*58 m hohen weissen 
Marmorgeländer mit prächtiger durchbrochener Arbeit 
umgeben. Die Längsseiten dieser Einfassung sovile der 
sechs Grabdenkmäler innerhalb derselben sind von 
Nord nach Süd gerichtet. Diese Denkmäler haben 
liegende Tteppensleinform. Zwischen fünf einfachen 
weissen ragt das. sechste hervor und ist ausserdem 
durch seine Farbe aus kostbarem dunklen Nephrit aus- 
gezeichnet. Es ist Timur selbst gewidmet, während die 
anderen .Anverwandten gelten, worunter auch sein be- 
rühmter Enkel Ulug-Btg. 

Auf einer engen Treppe gelangen wir hinunter in 
die mit Spitzbogen überwölbte Gruft. Hier sehen wir 
sechs der Lage nach den erwähnten Denksteinen 
genau ents-prechende Gräber. Die weisse Marmorplatte, 
welche die etwas erhöhte Ruhestätte Tamerlan's be- 
deckt, ist 21 »I lang, 60 cm breit und mit erhabener 
arabischer Schrift versehen, welche mit grösster Sorg- 
falt und Geschicklichkeit aus der Platte herausgemeis- 
selt wurde. 



Von der Moschee, welche sich ehemals diesem 
Mausoleum unmittellbar anscbloss, ist nur ein Tbeit 
der dicken Backsteinmauer und ein Bogen des Ge- 
wölbes vorhanden. Wir bestiegen dieselben, besichtigten 
die Aussensciten der Ruine und des ebenfalls stark 
verfallenen schiefen Minarets und wandten uns dano 
der nächsten Sehenswürdigkeit der St.idt, dm drti 
Medresstn am Regislan zu. 

Mit dem persischen Worte Regislan, d. h. Sandplatz, 
bezeichnet man den grossen freien Platz, an dessen 
Südseite der Bazar beginnt, während an den drei 
anderen sich die berühmten Medreyen (Schulen) er- 
heben, nämlich Vlug-Btg im Westen, Ttlah-Kari im 
Norden und Schir dar im Osten. An den beiden Bazar- 
tagen der Woche ist der Rrgistan meist sehr belebt. 
Hier ist vor Allem iler Obstmarkt. Bei meinen beiden 
Besuchen lagen im südwestlichen Theil hohe Haufen 
von Wassermelonen und mehr noch von Melonen in 
verschiedenen Farben, Grössen und Gestalten. Auf der 
Ostseite, nahe Schir-dar, hatten die Händler mit Baum- 
früchten : Granatäpfeln, Feigen, Pfirsichen, Birnen, 
Quitten, 'IVauben, ihre provisorischen Standquartiere 
aufgeschlagen. Nicht selten dient der Registan auch 
raschenspielern, Märchenerzählern und anderen Talenten 
zur Vorführung ihrer Künste. 

Das arabische Wort Medressl (Schule, doch nur für 
Erwachsene) wird inTurkestan Madrasiü ausgesprochen. 
Es sind zweistöckige Gebäude mit hohem Portal und 
Spitzbogen sowie sonstigen architektonischen Ver- 
zierungen in der Front und einem geräumigen Hof in 
der Mitte, von dem die Wohnungen ihr Liebt erhalten 
und nach dem sie au.sgcben. Zu denen des oberen 
Stocks führen enge, steile Steintreppen. Gewöhnlich 
wohnen zwei Studenten in einem Zimmer. Diese 
Wohnungen, wie die der Mollas (Mullas) oder Lehrer, 
werden gewöhnlich Zellen gtnannt. Sie sind aber viel 
geräumiger und freundlicher als viele Klosterzellen und 
stehen mancher deutschen Studentenwohnung an Be- 
haglichkeit nicht nach. Fast immer ist mit der Mcdresse 
auch eine Moschee verbunden. 

Die Medresse Ulug-Btg wurde im Jahre 142 1 vom 
Enkel Timur's, dem Mirza Ulug-Beg, erbaut und ist 
die älteste der drei genannten. Besonders auffallend 
sind die zwei schiefen Minarete links und rechts, welche 
um einige Grade von der Normalen abweichen und 
nach auswärts neigen. Da Aehnliches anderwärts noch 
mehrfach vorkommt, ist man wohl geneigt, dies der 
Absicht des Erbauers und nicht dem Zufall zuzuschreiben. 
Ulug-Beg trug noch durch verschiedene andere Bauteä 
sowie durch schöne Gartenanlagen zur Verschönerung 
der Stadt und ihrer Umgebung bei. Er zeichnete sich 
ausserdem nicht bloss als tapferer Heerführer, sondern 
auch als Gelehrter und insbesondere in der Astronomie 
aus. Seine dreistöckige Sternwarte, die längst ver- 
schwunden ist, krönte den Hügel (Tepe) Tschupan-Ata, 
dessen Fuss oer Serafschan bespült (8 km im Nord- 
osten der Stadt). Ulug-Beg starb im Jahre 1449, tief 
betrauert von seinem Volke. Von seinem grossen Ein- 
fluss auf dasselbe zeugt auch die Sage, welche ihn, 
einem Barbarossa gleich, wiederkehren lässt, damit er 
sein Reich zu neuem Glanz erhebe. 

Die Vorderseite der zweiten Medresse, Tilah-Rari, 
d, b. „mit Gold geschmückt", mit ihrem grossen Bogen- 
thor und Minaretcn ist in starkem Verfall, aber der 
Hof noch gut erhalten. In der anstossenden Moschee 
ist die Hülztreppe, welche zur Kanzel führt, wegen 
ihrer schönen Schnitzarbeiten besonders sehenswerth. 
.\m besten erhalten und am stattlichsten ist Schir-dar 
auf der Ostscite des Registan. Ihre Stirnseite, welche 
diesem Platze und der Medresse des Ulug-Beg zuge- 
kehrt ist, ist gleich anziehend und harmonisch in ihrm 
Formen und Verzierungen. In den beiden Zwickeln 
über dem hohen Spitzbogenthor erblickt man das 
persische Wappen, die Sonne aus blauen und den 



-SB 



OSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Löwen aus gelben glasierten Fliesen. Wenngleich die 
beiden Löwen asiatischen Tigern ähnlicher sehen, bat 
doch diese Medresse nach ihnen ihren Namen, denn 
Sc/it'f -dar htdeuiet „Löwenhabend", wie mir mein einst- 
maliger Schüler, der Orientalist und Akademiker Sale- 
roann aus Petersburg, erläuterte. 

Unser sartischer Führer geleitete uns in eine Studenten- 
wohnung, deren Schir-dar 64 aufweist. Wir fanden die 
beiden Inhaber fleissig an der Arbeit. Ihr Büchervor- 
rath war nicht gross und ihr Studiengebiet offenbar 
wenig umfangreich. Beides kann man ja auch von 
manchem unserer Musensöhne behaupten. Dass russi- 
scher Einfluss sefbst bis in diese Räume vordringt, er- 
kannte ich unter Anderem an einem Theetopf aus 
Moskauer Porzellan. Auch einem Professor wurde ein 
Besuch abgestattet. Sein Zimmer war grösser und be- 
haglicher eingerichtet. Die weissgetünchten Wände 
zierten Koransprüche; für solche hielt ich wenigstens 
die Inschriften. Der intelligent aussehende, freundliche 
Mann gab einem älteren Studenten ein Privatissimum 
im Arabischen und fragte mich, indem er mir den 
Folianten entgegenhielt, ob ich die Schrift lesen könne, 
was ich zu meinem Bedauern verneinen musste. Um 
ihm keinen schlechten Begriff von einem deutschen 
Professor zu geben, verschwieg ich meine Berufsstellung. 
In zwei Ecken seines Zimmers lagen auf Tischen zwei 
Haufen Bücher. Es mochten höchstens 40 sein, und 
das war offenbar sein ganzer Literaturschatz, aber 
unserem sartischen Begleiter imponirte derselbe nicht 
wenig, wie aus seinen Aeusserungen beim Weggehen 
hervorging. 

In der erhöhten Vorhalle am Eingangsthor zu Schir- 
dar fanden wir eine Menge Menschen, die einem 
corpulenten Redner zuhörten. Stehend und sich auf 
einen langen, dicken Stock zeitweise stützend, sprach 
er laut und mit grossem Pathos und Redefluss. Ich be- 
wunderte ihn und die ungezwungenen Gesten, mit 
denen er seine Worte nachdrucksvoll begleitete, ob- 
gleich ich nicht einmal erfahren konnte, worüber er 
sprach. 

Um zu den weiteren Sehenswürdigkeiten der Sarten- 
stadt zu gelangen, mussten wir einen grossen Theil 
des Bazar passiren. Von demjenigen Bucharas unter- 
scheidet er sich vor Allem durch seine viel breiteren 
Strassen. In Buchara würde das grosse Gewühl von 
Menschen zu Fuss, reitend oder fahrend, wie wir es 
thaten, gar nicht Platz finden. Auch hier findet man 
wieder Theilung nach Geschäftszweigen, wie das im 
Orient allgemein Sitte ist. Mich interessirten vor Allem 
die Salzverkäufer. Sie sassen in einer langen Reihe 
von Buden in der Nähe des freien Platzes, auf welchem 
sich der Pferdehandel abspielte. Es war rothes, eisen- 
schüssiges Steinsalz, das von dem Tus-Kul (Salzsee) 
nordwestlich von der Stadt Dschüak kommt und hier 
in verschieden grossen Stücken zur Schau lag. 

Ein Anziehungsmittel anderer Art ^ar ein Trupp 
singender und bettelnder Derwische. Dass ich diese 
höchst komische Gesellschaft nicht photographisch auf- 
und mitnehmen konnte, werde ich bei meiner Erinnerung 
an sie stets bedauern. Es waren etwa 12 — 15 Bursche 
verschiedenen Alters und in mancherlei Formen der 
Zerlumptheit, mit den verschiedensten kegelförmigen 
und an Clowns erinnernden Kopfbedeckungen, barfuss 
oder mit Stiefeln versehen, die einem besser gekleideten 
Führer und Vorsänger folgten. Nachdem sie ein Lied 
gesungen, wobei recht gute Stimmen erkennbar waren, 
denen nur Schulung und harmonisches Ineinandergreifen 
fehlte, winkte ich dem Capeümeister und gab ihm ein 
kleines Silberstück. Mit fröhlichem Gesicht, es hoch- 
haltend und eine Art Jodler singend, kehrte er zu seiner 
Capelle zurück, wo er alsbald ein neues Lied intonirte. 
Es wurde noch unharmonischer und lärmender vorge- 
tragen als das erste. 

Nachdem ich meinen Ohren diesen Kunstgenuss ge- 



gönnt hatte, konnte ich bald wieder ernsteren Be- 
trachtungen nachgehen. Anregung dazu gab es in Fülle 
beim Besuch des Begräbnisshügels von Bibi-Chanum und 
Scbachsanda in der Nähe. Links von der Landstrasse, 
die nach Taschkent führt und gleich dem Pferdemarkt 
sich vom Bazar abzweigt, erhebt sich ein flacher Hügel, 
über den ein staubiger Fahrweg geht. Dort auf der 
linken Seite desselben, ohne jedwede Art von Ein- 
friedigung, Dcnkzeicben oder Grün, ist die Begräbniss- 
stätte, wo die Verstorbenen verscharrt werden wie 
das Vieh auf dem Anger. Wir eilten von dieser Stätte 
trauriger Vernachlässigung hinweg und gelangten bald 
zu den Ruinen einer Medresse und Moschee, die in- 
mitten ihres Verfalls noch deutlich erkennen lässt, wie 
grossartig das Bauwerk ehemals gewesen ist und wie 
geschickt die Hände waren, die es in verschiedener 
Weise ausschmückten. Das ist Bibi-Chanüm, Bibi war 
die Lieblingsfrau Timur's, eine Tochter des Kaisers 
von China, und Chanum ihr Titel. 

Ein weiter, schattiger Hof, bepflanzt mit Reihen 
junger weisser Maulbeerbäume, hat in seiner Mitte einen 
Altar aus weissem Marmor. Ueber acht Postamenten 
ruht eine dicke Platte und auf dieser befioden sich 
wieder zwei gleiche Stücke, die wie recktwinklige 
Keilkissen geformt, mit ausgemeisselten Koransprüchen 
bedeckt und mit ihren geneigten Breitseiten an ein- 
andergeschoben sind. Hier war ehemals die Mitte der 
Moschee. Auf den beiden Keilkissen aber lag der 
Koran in Form eines grossen Folianten, aus welchem 
der gläubigen Menge vorgelesen wurde. In ziemlich 
gleichem Abstände von diesem Altar erheben sich 
einerseits die letzten Gewölbe der Moschee, links die 
Reste der Medresse in noch rascher fortschreitendem 
Verfall. 

Hier hat noch das letzte Erdbeben vom 17. Sep- 
tember i8Q7 einen neuen Einsturz bewirkt und manches 
schöne Stück Arbeit unter den Trümmern begraben. 
Die Medresse wurde von Timur selbst im Jahre 1398 
erbaut, die Moschee zehn Jahre früher von der Königin 
Bibi. Sie liess, wie berichtet wird, dazu Steinmetze 
aus Indien kommen. 

Das letzte, am schönsten ausgeschmückte und am 
besten erhaltene Bauwerk aus jener grossen ■ Zeit, 
welches ich kennen lernte, ist die Moschee Schah Sandd 
(oder Schah Sindeh), d. h. „Lebender König". Sie ist 
dem Andenken des Märtyrers Kasim-ibn-Abbas gewidmet, 
welcher der Sage nach zuerst hier den Islam ver- 
kündete und dafür an dieser Stelle von den Ungläubigen 
enthauptet wurde. 

Dem Mausoleum, das Timur hier im Jahre 1360 dem 
Heiligen errichten liess, sind später noch verschiedene 
andere Gebäude angereiht worden mit Gräbern von 
Familienangehörigen Tamerlan's. Am sehenswerlhesten 
sind jedoch die Mosaikverzierungen aus Fliesen, 

Der Zahn der Zeit und Erdbeben haben manches 
Kunstwerk dieser Art in Turkestan schon vernichtet ; 
immerhin bietet Samarkand auch heute noch Ver- 
zierungen, die in der geschmackvollen Zusammen- 
stellung und im Glanz der Farben unübertroffen da- 
stehen. Die tief azurblaue, nach violett übergehende 
Farbe herrscht vor. Man ist deshalb auch hier be- 
rechtigt, die spanische Bezeichnung anzuwenden und 
von .Azulejos und Azuiejos -Verzierungen zu reden. 
Weniger häufig finden wir grüne, gelbe, weisse und 
braune Emailfarben auf den turkestanischen Wand- 
veriierungen sowohl nach innen wie nach aussen. 

Das Verfahren war dabei nicht immer dasselbe. In 
der Regel wurden die kleinen prismatischen Ziegel- 
steine nur auf einer Grund- oder Seitenfläche mit der 
Emailfarbe bestrichen und diese dann eingebrannt. 
Beim Mauerwerk, z. B. dem Aufbau der Minarete, 
kehrte man die emaillirte Seite nach aussen, und er- 
zielte durch Zusammenfügung derselben Farbe oder 
verschiedener zu Figuren eine prächtige Wirkung. Ein 



ÖSTERKEICHISCHE MONA ISSCHRIKT KÜR DEN ORIENT. 



anderes Verfahren bestand darin, die kleinen mit Email- 
farbe versehenen und gebrannten Ziegelsteinplatten zu 
Figuren zusammenzulegen, in Mörtel einzusenken und 
mit diesem dann das Mauerwerk zu überkleidcn. Derart 
waren und sind die herrlichsten Wandverzierungen drr 
Moscheen und Medressen. Sie wurden in 'l'urkestan 
namentlich auch nach aussen in einem Umfang und 
einer Vollendung angewendet, welchen die arabisch- 
maurische Kunst in Spanien mit ihren Azul<-jus nichts 
Gleichwerihiges an die Seite stellen kann. 

Ursprünglich hatte ich auch Taschkent und Kokaud 
in meinen Reiseplan eingeschlossen. IJa aber zu ihrem 
Besuche die Zeit nicht ausreichte, auch andere Um- 
stände nicht günstig warf n, gab ich den Gedanken auf. 
Uafür wollte ich mir wenrgstens den 9 km entfernten 
Serafschan und die Reisfelder in seiner Nähe besehen. 
Der gegendkundige Apotheker Retter von Samarkand 
hatte die Freundlichkeit, mich dahin zu begleiten. 
Sonntag Mittag, den 26. September, machten wir uns 
in einer russischen Droschke, deren es viele in der 
Neustadt gibt, auf den Weg. Derselbe führte uns wieder 
am Registan vorbei und durch einen Theil des Bazar, 
dann bogen wir rechts ab und folgten der staubigen, 
ausgefahrenen Strasse rsach Taschkent. Beim Verlusten 
der Stadt in der Nähe des Viehmatktes fanden wir an 
beiden Seiten des Weges eine grössere Zahl Männer 
und schlrierloser, sartischer Frauen, die einzeln und in 
kurzen Abständen von einander sitzend, mit jammer- 
vollen Tönen und Geberden uns um Almosen an- 
sprachen. Es waren unglückliche und verstossene Aus- 
sätzige. Nach ciostündiger Fahrt an mehreren Vororten 
vorbei, erreichten wir das tieflirgende Reisland. lis 
dehnt sich beiderseits des Weges aus und erstreckt 
sich bis zum sehr breiten Fluthbett des Stromes. Die 
Gräben mit fliessendem Wasser, welche es vom Wege 
trennen, sind so breit, dass wir es nur hie und da 
wagen durften, sie zu über.springen. Bald erkannte ich, 
dass hier nicht die Sorgfalt herrscht, mit welcher der 
Reisbau in anderen, mir bekannten Ländern betrieben 
wird. Viele der Dämme waren mit Münze und Cyper- 
gras bewachsen und so holperig, dass das Gehen auf 
ihnen lecht beschwerlich wurde. Hier gibt es keine 
Verpflanzung des jungen Reis in Reihen, sondern nur 
Kieitsaat. Daher mag es kommen, dass die Pflanzen 
weniger kräftig und hoch werden, nur 65 — "JO cm er- 
reichen, während in Japan und Valencia die Höhe der- 
selben sich zwischen loo und \2o cm hält. Ich sah 
nur Grannenreis in mehreren Abarten. Solcher mit 
gelblich-weissen Spelzen wog vor, dann kam brauner. 
Obgleich die Ernte an verschiedenen Stellen schon be- 
gonnen halte, standen die Felder doch noch überall 
unter Wasser, so dass die Schnitter zum Theil bis 
über die Waden im Schlamm einsanken. Es waren 
förmliche Sümpfe, voll von Fröschen und anderen 
Wassetfreundcn. 

Unsere letzte Wegstrecke führte über das Ueber- 
schwemmungsgebict des Serafschan mit seinen Pfützrn 
und vielen Schotter- und Sandablagerungen, 

Auffallend ist die häufige Regelmässigkcit der Ab- 
rundung des Gerölles in Scheiben-, Ei- und cllipsoidi- 
schet Form, wie man sie sonst nur an Meeresgestaden 
mit starker Brandung findet. Dabei machte die Ge- 
steinsbeschaffeuheit keinen Unterschied, ob Quarz, 
Kieselschiefer, .Diorit oder ein anderes altes Eruptiv- 
gestein : sie boten alle vielfach die vorerwähnten 
Formen. 

Bei der Uebergangsstellc der Strasse nach Taschkent 
und weithin auf beiden Seiten sind die Ufer des 
Flusses flach. Er führte trotz der fast fünfmonatlichen 
Regenlosigkeit und Ablenkung durch viele Bewässe- 
rungsgräben hier noch recht viel Wasser mit starkem 
Gefälle über das breite Gerollbett. Obgleich die Tiefe 
nirgend i m erreichte, hatten Zug- und Reitthiere 
sowie durchwatende Personen doch Mühe, um das ent- 



gegengesetzte Ufer zu erreichen. Weiter abwärt«, wo 
8 km von Samarkand die Eisenbabnbrücke sich an den 
Tscbupan-Ata-Hügel anlehnend den Scrom Qbcrspanat, 
ist derselbe beträchtlich mehr eingeengt. 

In Samarkand hatte ich gehört, dass der Serafschan 
jährlich dreimal seine Farbe wechsle. Das ist leicht 
erklärlich. Während des strengen Winters, wenn 
Schnee die Gebirge bedeckt und der mächtige Seraf- 
schangletscher, der Ursprung des Flusses in 3000 m 
Höhe, nicht fortrückt und den Boden abschleift, wird das 
Wasser klar sein und seinen niedrigsten Stand haben. 
Kommt dann im FVülijahr die Regenzeit und mit ihr 
die Schneeschmelze, so nimmt es eine lebmigtrObe 
Farbe an und erreicht zugleich seinen höchsten Stand. 
Endlich zeigt der Serafschan den langen, trockenen 
Sommer über die grauweisse Farbe des Glctscher- 
wassers, wie ich sie fand und wie sie auch die Be- 
wässerungsgräben aufweisen. 

Durch 85 Aryks oder Hauptcanäle wird dies Wasser 
des Flusses weiten Gebieten beiderseits desselben zu- 
geführt und durch unzählige Verzweigungen vertbeilt. 
Es düngt den durstenden Boden und belebt seine 
Vegetationskraft in erstaunlicher Weise. Indem alle 
Culturen des Gouvernements Samarkand und im west- 
lichen Theil des Emirats Buchara vom Serafschan ab- 
hängen, wirkt er weithin „Gold streuend", wie sein 
persischer Name es ausdrückt. 

Die Oase des Serafschan umfasst 480.000 ha und ist 
die grösste von ganz 'Turkestan. An Fruchtbarkeit 
steht sie nur derjenigen des Syr Darja in Ferghana 
nach. Sie breitet sich beiderseits des Mittel- und 
Unter laufes vom Segen spendenden Strome aus Ober 
einen ansehnlichen Theil des Gebietes von Samarkand 
und des westlichen Buchara. 

Der Serafschan bildet ein Längsthal des mächtigen 
Tienschan oder Himmelsgebirges, dessen westlichste 
Ausläufer, die Hissarkelte im Sü Jen und die Serafschan- 
kette im Norden, seinen Überlauf auf einer Strecke von 
210 km begleiten. Der Fluss bewegt sich hier in 
engem, oft schluchiartigem Tbale mit starkem Gefälle. 
Für den ganzen Lauf desselben beträgt es durch- 
schnittlich I : 152 m. Bei PenJschekent beginnt sein 
Mittellauf und erstreckt sich 182 km weit bis zum 
Utbergang nach Buchara. Die Fortsetzungen der ge- 
nannten Gebirge, die Tachta Karatscha südwärts von 
der Stadt Samarkand, und der Nuratanyn-Tau, nebst 
seinem Ausläufer, dem Kara-Tau, nordwärts, entfernen 
sich weit vom Strome, der nun in reichem Maasse zur 
Bewässerung der Ebene herangezogen wird. 

Bei dem bereits erwähnten Hügel Tscfmpcm-Ata, 
8 km nordöstlich der Stadt Samarkand, an den sich 
die neue Eisenbahnbrücke der Strecke Samarkand — 
Taschkent lehnt, theilt sich der Fluss in die beiden 
Arme Aksu (Weisswasser) reclts und Kara-su 
(Schwarzwasser) links. Die 85 Aryks oder Bewässe- 
rungscanäle erster Ordnung haben eine Gesammt- 
länge von 2500 km. Der 75 km lange Dargam-CanaJ 
versorgt die Stadt Samarkand und Umgebung, der 
Nari-pai, welcher vom Kara-su ausgeht, mit letzterem 
gemeinsam das westliche Buchara mit Einscbluss der 
Hauptstadt. 

Ehemals war der 644 km lange Serafschan ein 
rechter Nebenfluss des Amu-Darja. Jetzt endet er ohn- 
mächtig 40 im davon entfernt in dem Saizsumpf Kara- 
A'b/ (Schwarz-See), nicht weit von der Stadt und Eisen- 
bahnstation gleichen Namens, an deren fruchtbare 
Oase er vorher fast den ganzen Rest seines Wassers 
abgibt. Es geht ihm, wie manchem alten Baum, dessen 
Aeste grünen, während seine Spitze abgestorben ist. 




so 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



DIE DEUTSCHEN SCHUTZGEBIETE BEI BEGINN 
DES JAHRES 1898. 

(Scbluss.) 

Neu-Guinea. 
Ueber das in stiller Abgelegenheit in der Wasser- 
wüste der fernen Südsee gelegene Schutzgebiet Neu- 
Guinea lauten die Nachrichten diesmal sehr dürftig. In 
Folge der Ermordung des Landeshauptmannes von 
Hagen am 14. August 1897 ist eine Stockung in der 
Verwaltung jener Colonie eingetreten, welche die Er- 
stattung verlässlicher Berichte von dort verhindert hat. 
Die Verhandlungen zwischen dem Reich und der Neu- 
Guinea - Compagnie wegen Uebernahme der Landes- 
hoheit auf das Reich, die eingeleitet worden waren, 
nachdem der Reichstag in seiner vorigen Tagung dem 
zwischen dem Reichskanzler Namens des Reiches und der 
Gesellschaft vereinbarten Vertrage seine Genehmigung 
versagt hatte, sind noch immer nicht abgeschlossen. 
Die Regierung hatte der Gesellschaft einen neuen Ver- 
tragsentwurf auf veränderter Grundlage unterbreitet, 
und die Gesellschaft hatte sich bereit erklärt, auf dieser 
Grundlage zu verhandeln. Im September vorigen Jahres 
fand darauf eine vorläufige Besprechung über die Haupt- 
punkte eines auf dieser Grundlage zu vereinbarenden 
Abkommens mit Vertretern der Colonialabiheilung des 
Auswärtigen Amtes statt. Seitdem stehen weitere Ver- 
handlungen aus. Bei der grossen Bedürfnisslosigkeit der 
Eingeborenen wird Deutsrh-Neu-Guinea, das bekannt- 
lich Kaiser Wilhelms-Land auf dem Festlande und die 
Inseln des Bismarck-Archipels mit der Gazell-Halbinsel 
umfasst, als erhebliches Absatzgebiet für die deutsche 
Industrie wohl noch für längere Zeit wenig in Betracht 
kommen. Der Werth der eingeführten Güter, den die 
Compagnie nach der Dauer des Verwaltungsjahres be- 
rechnet, beziffert sich für 1896/97 auf etwas mehr als 
700.000 M. für den Bismarck-Archipel. Im Ganzen 
scheint es, dass die Einfuhr etwas zurückgegangen ist. 
Die Hauptsache für das Schutzgebiet bleibt auf ab- 
sehbare Zeit die Ausfuhr, also der Ackerbau und die 
Pflege von Plantagen. Als Ausfuhrproducte kommen in 
Betracht in erster Linie Baumwolle, die Producte der 
Co cospalme und wohl bald auch Tabak und Kaffee. 
Die bedeutendsten Plantagen, nämlich die Tabaks- 
pflanzungen bei Stephansort und Erima in Kaiser 
Wilhelms-Land, ebendort die werthvollen Bestände von 
Cocospalmen bei Constantinhafen und die Baumwoll- 
plantagen auf der Gazell-Halbinsel in Neu-Pommern 
sind seit der Verschmelzung der Astrolabe-Compagnie 
mit der Neu-Guinea-Compagnie aus der Hand der 
ersteren in die der letzteren übergegangen. Im Uebrigen 
ist, was die Pflanzungen anbetrifft, das Meiste noch in 
den Anfängen, und man kann aus einem Bericht ersehen, 
wie schwer diese oft sind. So z. B. betrug der Bestand 
an Cocospalmen in Stephansort Ende Mai 27.000, trag- 
fähig davon aber sind erst 50, Mit Kapokbäumen, 
welche die als Polstermaterial geschätzte Kapokwolle 
liefern, hat man ebendort im letzten Jahre eme An- 
pflanzung von über 50.000 Pflänzlingen unternommen; 
es wird einige Jahre währen, ehe sie die ersten Pfunde 
Wolle liefern. Ein früherer Angestellter der Compagnie 
bemühte sich mit schönem Erfolge, der im Berlinhafen 
begründeten Ansiedelung zum Aufblühen zu verhelfen ; 
er starb am l. Februar v. J., und mit dem Verluste 
dieser einzigen geeigneten Kraft drohte dieser An- 
siedelung der Verfall. Erwähnt sei, das bei Stephansort 
mit der Cultur der Ramiefaserpflanze, die unter dem 
Namen Chinagras im Handel bekannt ist, im letzten 
Jahre fortgefahren worden ist. Diese Faser übertrifft 
an Schönheit im Glanz und in der Farbe unseren Flachs 
bedeutend und sie ist ihm an Festigkeit um das Vier- 
fache überlegen. Der Bericht meint, dass die Cultur 
der Pflanze einträglich werden könne ; einen ausge- 
dehnten Gebrauch aber dürfte ihr Preis ausschliessen. 



Zwar kosten lOO kg nur 60 M., während dieselbe 
Menge Baumwolle 160 bis 240 M. kostet; aber die 
Ramiefaser ist auch zwanzigmal schwerer als Baumwolle, 

Im Bismarck-Archipel hat nur die Fischerei von 
Trepang einen weiteren, schon im Vorjahre bemerk- 
baren Aufschwung genommen, es wurden als neues 
Feld der Ausbeute die Riffe um die Sandwichinseln in 
Angriff genommen. Im Koprahandel machten sich die 
andauernden Unruhen im Norden Neu-Mecklenburgs 
störend bemerkbar. Hier wurden drei Handelsnieder- 
lassungen von den Eingeborenen zerstört. 

Im Ganzen bestehen in dem Gebiet ausser drei Sta- 
tionen 51 grössere und kleinere Handelsniederlassungen. 

Die meisten dieser Stationen sind mit ein bis zwei 
Weissen, sonst durch Chinesen besetzt, die vorwiegend 
Angestellte der Firmen mit gegenseitig freiem Kündi- 
gungsrecht sind. Neun Händler arbeiten selbständig 
und stehen nur in einem Vertragsverhältniss zu den 
Firmen, welches Kauf, Verkauf und Verschiffung ver- 
mittelt. Die Errichtung von Niederlassungen auf den 
Carteret- und Tasmaninseln wird von der Firma E. E. 
Farsayth beabsichtigt. Die verschiedenen Versuche,, 
die Admiraiitätsinseln durch Handel zu erschliessen, 
sind bisher an der Wildheit der Einbeborenen ge- 
scheitert. Die reichen Bestände an Kopra und Trepang 
daselbst haben aber veranlasst, dass sich neuerdings 
zwei kleinere Unternehmungen zur Erneuerung eines 
diesbezüglichen Versuches gebildet haben. Bougainville 
und auch Choiseul werden durch Handel von Bord der 
Schiffe aus bearbeitet. Die in Neu-Lauenburg ge- 
wonnene Kopra wird durch Boote eingesammelt, 
welches Verfahren die Einrichtung weiterer Stationen 
übet flüssig macht. 

Der Absatz europäischer Waaren leidet auf der 
Gazell-Halbinsel dadurch erheblichen Schaden, dass 
von den Eingeborenen das Muschelgeld als Zahlungs- 
mittel der Waare oder den Münzen ganz erheb'ich 
vorgezogen wird, so dass die Händler in gegenseitiger 
Concurrenz gezwungen sind, sich dieses Muschelgeid 
durch directen Kauf im Süden Neu-Pommerns zu ver- 
schaffen. Eine neuerdings erzielte Einigung unter den 
Händlern brachte zwar die Preisfeststellung, zur Auf- 
gebung des Muschelgeldes konnte man sich aber nicht 
entschliessen. An Krankheiten erscheinen auch hier 
die üblichen Tropengäste : Malaria und Dysenterie, 
denen sich noch die Beri-Beri-Krankheit zugesellt; 
-immerhin aber vermögen im Schutzgebiete Europäer 
sehr wohl dauernd zu wohnen, wenn sie nur eine 
entsprechende Lebensart beobachten. Ausserdem haben 
sich die Gesundheitsverhältnisse bedeutend gebessert. 
Beri-Beri ist fast gar nicht vorgekommen. Eine merk- 
würdige Krankheit der Eingeborenen ist der herpes 
tonsurans oder der Ringwurm, eine Hauterkrankung, 
welche die sonst weiche, glänzend braune oder 
schwarze Haut missfarbengrau, hart und spröde macht. 
Sie wird auf den Mangel an Süsswasser und an Rein- 
lichkeit zurückgeführt. 

Das Hauptaugenmerk zog das Schulzgebiet im ver- 
flossenen Jahre auf sich, als über Australien Nach- 
richten von den Goldfunden eintrafen, welche australi- 
sche Diggers, die in der Nähe der britisch-deutschen 
Grenze auf dem Clydtfluss in -das Innere vorgedrungen 
waren, gemacht hatten. Diese Nachrichten entfachten 
das Goldfieber in Australien, und zahlreiche Goldsucher 
machten sich nach dem verheissungsvollen Gebiete auf 
den Weg. Das britische Gouvernement traf nach 
einigen blutigen Zusammenstössen zwischen den Gold- 
suchern und den Eingeborenen Maassregela, durch 
welche die ungebetenen Gäste ferngehalten wurden. 
Die Neu-Guinea-Compagnie hatte im Sommer i8g6 
eine Expedition unter Dr. Lauterbach, Dr. Kersting 
und E. Tappenbeck ins Innere von Kaiser Wilhelms- 
Land gesandt, die u. A. zur Entdeckung des mächtigen 
Ramuflusses geführt bat. Es stand schon damals fest. 



ÖSTERREICHISCHE MONA I SSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



ai 



dass diese Entdeckung durch eine weitere Expedition 
fortgeführt werden sollte; da inzwischen aber die Gold- 
funde am Mouot Scratchley gemacht worden sind und 
der Ramu wahrscheinlich einen wegsdmeo Zugang zum 
Bismaick-Gebirge bUdet, welches seiner geologischen 
Formation nach ebenfalls G(jld führen kann, so wiril 
mit dem ersteren Zwecke der andere, d. h. die Unter- 
suchung des Bismarck-Gebirges auf Gold, verbundrn 
werden. Wie es heisst, steht eine zweite Expedition nach 
dem Ramu unter Leitung von E. Tapjjenbeck bevor. So- 
bald die Expedition die Aufgabe gelöst hat, werden 
sich die Tbednehmer nach dem Bismarck-Gebirge be- 
gebrn, dasselbe gt-ographisch erfoi sehen und fs auf 
das Vorkommcif von Gold und anderen Metallen unter- 
suchen. Aus Berichten des kaiserlichen Richters 
Dr. Hahl, welcher in Vertretung des jetzigen Landes- 
hauptmannes Skopnik im Jahie 1897 Expeditionen 
mit der I'olizcitruppe u. A. an der büdostküste V(jn 
Kaiser Wilhelras-Land ausführte, ist eine bieher ge- 
hörige Beobachtung von Interesse, die er daselbst 
gemacht. In der „Veriätberbucht", wo er mit der 
„Möwe" vor Anker ging, traf er auf Goldgräber, die 
von Mount Scratchley nach der Küste zurückgekehrt 
waren, und die erzählten, sie hätten Waschgold aller- 
dings nur wenig gefunden ; das Klima im Innern sei 
gesund, ür. Hahl verfolgte bei selten klarem Wetter 
den Verlauf der im Innern gelegenen Gebirgsketten 
deutlich ; darnach ist es sicher, dass der westliche 
Thcil derselben im deutschen. Gebiete liegt. 

Lieber die Bevölkerung der Gazell-lnsel haben die 
Reisen eines Missionärs einiges Licht verbreitet ; zum 
ersteumale hat der Fuss eines Weissen diese von 
gänzlich unbekannten Stämmen bewohnten Gebiete be- 
treten, in denen Menschen leben, die, obgleich sie nahe 
Nachbarn, dennoch in Sprache, Sitten, Religion^ 
Lebensweise völlig vei schieden von einander sind. 

Die Gazell-Iüs'tl ist, soweit sie bis jeizt übersehen 
werden kann, von drei verschiedenen Vrilkerstämmen 
bewohnt. 

So wenig wie die .Sjjraclie haben die Bräuche dos 
geselligen Zusammenlebens eine einheitliche, Ausbildung 
erfahren. Die gemeinsame Grundlage i«t aber vor- 
handen. Ueberall herrscht der Duk-Üuk, der Bund der 
Iqgict, der Weiberkauf mit Tabu, das Mutterrecht und 
endlich ein Compositionstysteni, in w<;lchcm der, Tabu 
wieder das Mittel des Ausgleiches als eine Art Webr- 
geld oder Busszahlung bildet. Die Eingeborenen der 
beiden mittleren Gruppen zeigen auch hier die meiste 
Uebereiostimmung. 

. Die Eingeborenen sind sessbaft. Die Niederlassungen 
sind entweder Einzelgehöfte oder kleine Oörfchen mit 
zwei bis fünf Häusern, die je in einer Landschaft in 
nicht allzugrosser Entfernung von einander zerstreut 
liegen. Junge, unverheiratete Männer leben gesondert 
in einem Mäunerhaus (pal na larei). Um die Gehöfte 
stehen d^e Cocosnussbäuine, in Ftuchl, Blatt und Stamm 
gleich wichtig und unentbehrlich; in näherer oder 
weiterer Entfernung, je nach der Bodcnbescbaffcnheit, 
befinden sich die Pflanzungen. Die Bewohner der Küste 
bewähren sich als geschickte Fischer; binnenwärts liefert 
der Ackeibau den Untei halt. Zwischen den Fischern und 
Feldbebauern lindet ein reger Austausch der Erzeug- 
nisse der Beschäftigung statt. Es besitzen aber auch 
die Ersteren landeinwärts wohlgeptlcgle Felder. Die 
Haupterzeugnisse des Ackerbaues sind : die Cocosnuss, 
die Betcluuss, der zum Kauen der letzteren benutzte 
Pfeffer, Bananen, Jam, Pit, eine Kolbenfruchl mit hirse- 
ähnlichem Samen, süsser Jam, Galip, eine Art Nuss, Süss- 
kartoffel, Brotfrucht, eine besondeie Nussait, a nulla, 
eine andere, a pao genannt, eine Schotenfrucht, 
Zuckerrohr, eine Art Apfel, Mango, Ingwer. 

Der Handel wurde im Lande von den Europäern 
bereits xorgefundcn. Die Waaren gingen gewöhnlich 
im Wege des Tausches von einer Hand zur anderen. 



Es ist aber auch ein allgemeines Wertbscbätzuo^- 
uod Tauscbmidrl vorbanden, dan begehrte Muscbel- 
geld, Tabu genannt. Der Zuzug za den Marktplätzen 
erfolgte auf bestimmten Wegen und musste von den 
Häuptern der Landschaften mit Muscbelgcld erkauft 
werden. In Kriegszeiten waren die Wege oft lange ün- 
passirbar. Soweit die Verwaltung den Frieden und die 
Verkehrsfreibeit gesichert hat, hat der Waareoaustauacb 
einen entschiedenen Aufschwung genommen. Ea liaben 
sich an der Küste entlang und im Innern die alten 
Marktplätze vergrössert nnd neue gebildet. 

Auch die Schiffahrt ist in ihren ersten Anfängen vor- 
handen. Die Männer wagen sich mit ihren gebrech- 
lichen Ausliegercanocs weit in die See hinaus und unter* 
halten Veikehr und Austausch mit'Neu-Lauenburg fand 
Neu-Meklenburg. Unternehmende Seefahrer sind ifie 
Bewohner der Nordküste der Halbinsel von Tavoi bis 
Giretar. Sie kommen der Küste entlang tief zum Süden 
Neu -Pommerns hinunter un<i holen dort die zur Be- 
reitung des Tabu erforderlichen kleihrn Muscheln. 
Neuerdings haben die Eingeborenen den Gebrauch des 
Segels dem Europäer abgesehen und sich hübsche 
Scgelcanoes eingerichtet," 

Die anderen Wahrnehmungen, die in ethnograpfafscher 
wie in cultureller Beziehung an diesen Naturkindern 
gemacht, sind vielfach von den sonstigen Reisenden 
und Händlern, die diese' Landschaften beräbrt, Vtr« 
schieden dargestellt wor:den. ■ . ■. 

Die Marshall-Inseln. 

Das kleinste Schutzgebiet, die Marsballinseln, babtS 
in neuester Zeit weder in ihren culturellen Anlagen und 
ihren witthschaftlichen Betrieben,' doch in ihren aus- 
wärtigen Beziehungen namhafte Veränderungen aufzu- 
weisen gehabt. ' " ' '" 

Mit der Zählung dtt Eingeborenen ist ein Versuch 
gemacht worden, bis jetzt lässt sich indessen ein be- 
stimmtes Ergebniss nur von der Insel Nauru berichten. 
Die Bevölkerung dieser Insel beläuft sich iiuf 1378'' 
davon Mänüer 404-. Knaben 202, Frauen '5g i und 
Mädchen 181, sonach überwiegt im Allgemeinen die 
weibliche Be\'ölk'erung w^eseotlich die männliche, ' Da- 
gegen zeigt die h.er'anwachsendc- Jugend eine grössere 
■Anzahl Knaben als Mädchen. 45 Deutsche, darunter 
eine weisse Frau," ' sind gegenwärtig auf der Insel an- 
sässig. 

■ Eine Aus- oder Einwanderung hat nicht stattgefunden. 
Da der Marshallaner zu theuer und dabei unzuver- 
lässig ist, arbeitet die Jaluit-Gescllscbaft mit ange- 
worbenen l,euten von der zu den Karolinen gehörigen 
Insel Pingelap, die nach Ablauf ihres Vertrages nach 
ihrer Heimat zurückgebracht werden. 

Das Haar der Frauen 'ist von schöner, schwarzer 
Farbe und auffallender Länge; es zu schmücken und 
zu frisiren scheint ihr besonderer Stolz. Sämmtliche 
Insulaner sind gutmüthigc, ^ freundliche Leute, in ihren 
Bewegungen aber sehr langsam, ja geradezu faul. Unter 
den Frauen gibt es eine auffallende Menge hübscher 
Gesichter, daneben ist ihre Figur und ihre Haltung 
ungemein schön, Sie tragen Hängekleider wie die Kinder 
in England und Deutschland, die die Mission bei ihnen 
eingetuhrt hat. Diese Kleider nähen die Frauen sich 
selbst, denn fast eine jede von ihnen hat ihre Hand- 
maschine, an der sie auf der Erde hockend arbeitet. 
Die Hütten der Eingeborenen sind aus Palmen- lind 
Pandanusblättern immerbin gefällig aufgebaut. Matten, 
die sie sehr kunstvoll zu Hechten verstehen, dienen ihnen 
als Lagetstätten. Es wohnt in solchen Palmenhüttcn 
der gefangene König von Samoa, Mataafa, mit seinen 
zwölf Häuptlingen, alle grosse, babsche Gestalten mit 
intelligenten Gesichtern. 

Mataafa ist ein sehr wOrdigtsr Herr ; er' ist katholisch 
und hält an jedem Tag seine ,\ndacht in einem Räume, 
der ihnen zum Beten eingerichtet ist. Er kommt sehr bAufi^ 



ÖSTERREICHISCHE MONATSCHRIKl FÜR DEN ORIENT. 



zu den deutschen Ansiedlern, bringt auch sein Gefolge 
mit und lässt einen Tanz aufführen, was sehr interessant 
ist; er liebt die Musik sehr. 

Der Handel liegt in den Händen der deutschen Jaiuit- 
Gesellscbaft in Hamburg und der australischen Firma 
Henderson und Macfarlane in Sydney. Die Erstere 
arbeitet mit 28 Händlern auf den Inseln Jaluit, Arno, 
Majeru, Mille, L'kieb, Maloelab mit den nördlichen 
Badaks, Ailingldplap mit den nünllicben Raliks, Mejit, 
Namerik, R^bon und Nauru. 

Die Jaluit-Gesellsihaft beziffert den Werth ihrer Ein- 
fuhr auf insgesammt 326.100 M. Grosse Bedarfsartikel 
für die Eingeborenen sind Kattune, Demins und andere 
Zeuge, Mehl, Reis, Eisenwaaren. 

Im Schutzgebiete der Marshallinseln besteht eine 
Postanstalt in Jaluit, dem Sitze der Lacdesverwaltung. 
Die Postagentur wird nebenamtlich von dem Secretär 
des Landeshauptmanns verwaltet und btfasst sich mit 
dem Briefverkehr sowie mit dem Bezüge von Zeitungen 
im Wege des Postabonnements. Wegen Einführung des 
Postpacketdienstes schweben Erörterungen. 

Die Postverbindung des Schutzgebietes mit Deutsch- 
land wird in der bisherigen Weise auf dem Wege über 
die Karolinen und Pbilippineninseln und Singapore 
unterhalten, indem alle zwei Monate ein Segelschuner 
eine Fahrt zwischen Jaluit und Ponape verrichtet, wo- 
selbst Anschluss an den ebenfalls zweimonatlich ver- 
kehrenden spanischen Postdampfer nach und von Manila 
stattfindet, welcher seinerseits wieder mit der spanischen 
Postlinie Manila — Singapore in Verbindung steht. Daneben 
werden Handel^fahrzeuge, welche etwa alle vier Monate 
zwischen Jaluit und Sydney verkehren, zur Postbeförde- 
rung benützt. Der Postverkehr zwischen Jaluit und den 
übrigen Inseln des Schutzgebietes wird durch die Führer 
der Handelsfahrzeuge, welche die Inseln besuchen, sowie 
durch die Eingfborenen-Häuptlingc bereitwilligst und 
unentgeltlich vermittelt. 

Innerhalb des Schutzgebietes besteht kein regel- 
mässiger Verkehr. Die einzelnen Inseln werden nur von 
Segelschiffen der Jaluit-Gesellschaft, dem Dampfer 
„Archer" und den Eingeborenen-Fahrzeugen besucht, 
um Waaren zu bringen und Kopra zu holen. Einmal 
im Jahre läuft auch das Bostonmissionsschiff durch die 
ganze Gruppe. 

Bei den natürlichen Verhältnissen der Marshall- 
inseln kann es sich für eine weitere Entwicklung in 
wirthschaftlicher Beziehung nur um vermehrtes Pflanzen 
von Cocospalmen und dadurch bedingte grössere Aus- 
fuhr von Kopia handeln. Da Kopra das einzige in 
Betracht kommende Product ist, das der Eingeborene 
gegen Baargeld verwerihen kann, so wird sich mit der 
Steigerung dieses Ertrages auch sein Einkommen ver- 
mehren und deshalb auch die Einfuhr steigen. 



AUS HAWAII. 

Es war bei Gelegenheit der Entthronung der Königin 
Liliuokalani im Jänner des Jahres 1893, als wir über die zur 
damaligen Zeit auf Hawaii herrschenden Verhältnisse 
berichteten.') Wie anzunehmen war, dass die politische 
Umwälzung ein ungewöhnlich rasches und starkes Ein- 
dringen und Vorherrschen fremder Volksstämme und 
damit auch eine raschere und stärkere Zersetzung des 
einbeimischen Volksthums nach sich ziehen werde, 
so hätte man auch erwarten sollen, dass die Forschung 
nun mit verdoppeltem Eifer an die Sammlung alles 
dessen gehen werde, was zur Kenntniss des reinen, 
unvermischten Volksthums nur immer beizutragen ver- 
mag. Leider ist in dieser Beziehung gerade in den 
letzten fünf Jahren auffallend wenig geschehen, oder 
wenigstens hat die Literatur über Hawaii während 
dieses Zeitraumes nur geringe Bereicherung erfahren. 

>) Hawaii. In: ,0«l«rr. Mointtiebr. f. d. Oritnt". J»an«r 189S. 



Um so angenehmer überrascht uns daher das Er- 
scheinen eines Werkes, das sich wieder einmal mit der 
Geschichte, dem Lande und dem Volke der Sandwichs- 
inseln befasst. Mag dieses Werk') auch nicht den An- 
spruch darauf erbeben, im Sinne streng wissenschaft- 
licher Methodik geschrieben zu sein, und mag es auch 
weit davon entfernt sein, über Alles zu berichten, was 
über Hawaii noch zu erfahren uns besonders wünschens- 
werlh wäre, so verdient dessen Verfasser J. A. Owen 
(Mrs. Visger) doch unsere Anerkennung für das, was er 
oder vielmehr sie gebracht hat. Ein mehrjähriger Auf- 
enthalt in Hawaii und persönlicher Verkehr mit dortigen 
hervorragenden Persönlichkeiten haben Mrs. Visger eben 
in die Lage versetzt, sowohl geographisch wie ge- 
schichtlich Charakterbilder zu zeichnen, deren Un- 
mittelbarkeit und Frische in wobltbuendem Einklänge 
mit dem behandelten Gegenstande steht. 

Mrs. Visger nennt ihr Buch „Geschichte von Hawaii", 
ein Titel, der nicht buchstäblich zu nehmen ist. Mit 
der Geschichte von Hawaii hat es eben die eigenthüm- 
liche Bewandtniss, dass man von ihr über hundert Jahre 
von heute zurück nicht viel weiss, und dass von dem, was 
sich in den letzten hundert Jahren in Hawaii zuge- 
tragen hat, nur Weniges den Namen eines für das 
hawaiische Volk bedeutsamen historischen Ereignisses 
verdient. Und da gerade diese Ereignisse mehr von 
culturgeschichtlicher als von politischer Bedeutung sind, 
so wird gewiss auch Niemand, der diesen Umstand 
kennt, allzu hohe Ansprüche auf historischen Stoff 
stellen, und in dieser Hinsicht von Mrs. Visger mehr 
verlangen, als sie geben konnte. Uebrigens macht sich 
in Mrs. Visger's Buche auch allenthalben das Bestreben 
bemerkbar, dem Leser die Eigenart des hawaiischen 
Volkes vor Augen zu führen, und zu diesem Zwecke 
bedient sich die Verfasserin ebenso geschickt der 
historischen Unterlage wie des geographischen Hinter- 
grundes. 

Gleich im ersten Capitel lernen wir nicht nur die 
charakteristischen landschaftlichen Eigenschaften der 
einzelnen Inseln des hawaiischen Reiches kennen, sondern 
auch d.is denkwürdige Merkmal, das ihnen durch ihre 
Bewohner oder durch besondere Ereignisse aufgeprägt 
ist. Da ist die Insel Maui mit dem grössten erloscheneu 
Krater der Erde, der 24 Meilen im Umfange und eine 
Tiefe von 2700 Fuss hat; und auf Maui das herrliche 
Thal Wailuku, „das Schlachtenwasser", so genannt, 
weil dort das Blut floss, als Kamehameha I. dem Könige 
von Maui die Herrschaft entriss und seine eigene 
Dynastie gründete. Ferner die Insel Lanai, merkwürdig 
durch einen alten Tempel, in welchem noch der grau- 
samen Sitte icr Darbringung von Menschenopfern ge- 
fröhnt wurde. Die Insel Molokai, das Exil der Aus- 
sätzigen. Der erste Leprafall soll in Hawaii erst im 
Jahre 1853 vorgekommen sein; doch griff die Krank- 
heit während der folgenden zehn Jahre auf so schreck- 
liche Weise um sich, dass König Kamehameha V. im 
Jahre 1865 ein Gesetz erliess, wonach die Aussätzigen 
isolirt und nach Molokai gebracht werden müssen. 
Vielleicht, hören wir darüber, kann kein Platz auf der 
Erde, was Elend und hoffnungsloses Entsetzen betrifft, 
mit der Leprosenansiedelung auf Molokai verglichen 
werden. Weiters die Insel Kauai, zur Genüge gekenn- 
zeichnet durch ihren Namen „Garteninsel", mit dem 
Thale von Hanalei, einem wahren Paradiese, vorzüglich 
bemerkenswerth als Heimstätte des Sandelholzbaumes, 
einer Haupteinnahmsquelle der Könige und Häuptlinge 
von Hawaii. Die Insel Niihau, deren Bewohner sich 
des guten Rufes erfreuen, durch die Berührung mit den 
Fremden — vttlgo Culturträgern ! — weniger verdorben 
zu sein als die Bewohner der anderen Eilande. Die 
Insel Hawaii, die grösste des Inseirciches, die diesem 
auch ihren Namen gegeben hat, hauptsächlich ausge- 



») OiDtn, Jean A. (Mrs. ?iso«r). The «tory of Hswkli. (lllu«»r«t«d.) 
Loadon fc New-York. Harper ft Broth«r«. 1898. XI— 219 p. 5 t. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



zeichnet durch reiche Kaffeepflaozungeo. Und endlich 
•die Insel Oahu mit der Reicbsbauptstadt Huoolulu, 
ober welcher sich ein paradiesisches Thal hinzieht ; 
entzückender und civilisirter als Tahiti, und trotz dieser 
letzteren Eigenschaft in Hinsicht auf Moral weniger 
angefault als die Gesellschafisinseln. IJf;r Insel Ka- 
boolawe gedenkt Mrs. Visger nur nebenher; jene ist 
eben, weil von Menschen unbewohnt, nur eio Punkt 
von geologischer Bedeutung. 

Nachdem die Verfasserin uns io die Oertlicbkeiten 
eingeführt hat, widmet sie das zweite Capitel der Be- 
sprechung des reichen Pflanzenlebens von Hawaii, doch 
auch nicht ohne zugleich Streiflichter auf das Volk 
fallen zu lassen. Ausschliesslich der ethnographischen 
Darstellung ist das dritte Capitel vorbehalten, in 
welchem die Verfasserin über den Ursprung, alte Ge- 
bräuche und religiöse Riten der Hawaiier spricht. Dass 
die Bewohner von Hawaii in Sprache, Sitten und Ge- 
wohnheiten, Sagen und Traditionen Vieles mit den Be- 
wohnern der Marquesas- und der Gesellschaftsinseln 
(Tahiti) gemein haben, ist bekannt, und man kann 
daraus auch seine Schlüsse ziehen. Nach hawaiischen 
Traditionen sind Wakea (der auf den Marquesas- und 
Herveyinseln als Gott des Lichtes verehrt wird) und 
sein Weib Papa die Stammeltern der Häuptlinge von 
Hawaii ; ausser ihnen soll sich auch ein Elfen- oder 
Zwergvolk, die Menehune, an der Einführung religiöser 
(Kultur auf Hawaii betheiligt haben. Uies geschah um das 
XI. — XII. Jahrhundert unserer Zeit, und damals wurden 
nach der dortigen Ueberlieferung auch die Herveyinseln 
und Neu-Secland besiedelt. Dann kam auch, wie erzählt 
wird, Paao, ein Priester von Upolu auf den Samoa- 
inselu, mit einem Anhange nach Hawaii und wurde da 
Hoherpriester. Der letzte Hohepriester, der von ihm 
direct abstammte, war tlewahewa zur Zeit Kameha- 
mehas I. .Auch der erste König von Hawaii stammt aus 
der Fremde ; es ist Pili, der Urahne der Kamchamehas. 
Auch von einem grossen Schiffer geht die Sage, der 
Kaulu genannt wird und in Gesellschaft eines fremden 
Astronomen und Reisenden viele Inseln besucht haben 
soll. Wie aus diesen kurzen Andeutungen hervorgeht, 
sind sich die Hawaiier also bewusst, dass sie keine 
.Autochthonen sind, und sie wissen auch noch, dass sie 
aus dem Süden gekommen sind. 

In alter Zeit war das Volk von Hawaii in drei 
(.'lassen oder Kasten getheilt: i. Edle verschiedenen 
Ranges, darunter auch die Könige und Häuptlinge; 
2. Priester und Zauberer und 3. das Volk, die Ar- 
beiter; unter dem Volke standen die Sclaven, wahr- 
scheinlich Kriegsgefangene. Die Edlen erfreuten sich 
einer ausgezeichneten Stellung, galten als beilig und 
wurden nach ihrem Tode als Götter verehrt. Auch der 
Einfluss der Priester war gross, denn sie standen als 
Lehrer, Aerzte, Historiker und Astronomen in hohem 
Ansehen. Die Exclusivität der oberen Classen, der 
Häuptlinge und zumal der Könige führte zu einer 
Endogamie, die sich oft in Gescbwistereben und anderen 
seltsamen Verbindungen äusserte ; so wurde die Mutter 
des Königs Lunalilo, Kekauluobi, die Frau des Königs 
Kamehameba I., nachdem dieser ihrer Mutter Gatte 
gewesen war, und als er starb, wurde sie die Gattin 
seiues Sohnes Kamehameba II. 

Wenn den Hawaiiern nachgesagt wird, dass sie ein 
rohes Volk sind oder waren, weil von ibDen bei ver- 
schiedenen Gelegenheiten Menschenopfer dargebracht 
wurden, Mütter ihre Kinder, besonders Mädchen, 
tüdteten, alte Leute vernachlässigt und Narren ge- 
steinigt wurden, so will uns bedünken, dass dieser 
Vorwurf nicht das Volk, sondern seine Lehrer und 
Erzieher, die Priester, trifft. Das Tabusystem, das 
die Hawaiier oder ihre Priester aus dem Süden mit- 
gebracht haben und das in Hawaii ausgebildeter ist, 
als sonstwo in Polynesien, ist wohl in erster Linie 
für den grausamen Brauch von Menschenopfern vci - 



antwortlicb zu machen. Die Capelle für die Familien- 
idole und das Speisebaus der Männer darf von keioer 
F'rau bei Todesstiafe betreten werden, und keine Frau 
darf Bananen, Cocosnüsse, Scbweinefleiscb, Turtel- 
tauben und gewisse Fiscbgattungen essen, denn dies 
Alles ist für sie „tabu" oder durch religiöse» Gesetz 
verboten. Ereignete sich irgend eio Unglück, wurde 
beispielsweise ein Glied der königlichen Familie krank, 
und wurden die Priester oder Zauberer um dessen 
Ursache befragt, so wussten sie sich leicht aus der 
Verlegenheit zu ziehen, indem sie das Unheil auf eine 
Uebertretung des Tabugesetzes zurückführten ; der 
Tabubruch konnte nur durch Menschenopfer gesühnt 
werden, also wurden z. B. gleich zehn Männer als 
Opfer erschlagen, weil nach der Erklärung der Priester 
irgend eine Frau, die man weder zu nenuen wusste 
noch auch nannte, eine Cocosnuss gegessen hatte. Es 
konnte ebenso auch nur im Interesse des Ansehens 
der Priesterscbaft liegen, wenn in den Tempeln der 
höchste Act der Verehrung in Measchenopfcrn bestand. 
Dass in Folge dessen das Volk einen guten l'beil 
seiner von Naturanlage milden Gesinnung einbüsste, 
das ist nur natürlich; dass die Hawaiier aber that- 
sächlich mehr gutmütbigen als grausamen Sinnes sind, 
das finden wir in Mrs. Visger's Buche ebenso oft be- 
stätigt, als es schon von anderen Seiten bemerkt 
worden ist. 

Im vierten Capitel, das über „die Göttin der grossen 
Vulcane" handelt, lernen wir Pcle, die Hauptgöttin 
des mächtigen Vulcanes Kilauea, kenneu, dem Niemand 
zu nahe zu kommen wagte, weil da schon so viele 
Menschen der durch die Annäherung beleidigten Göttin 
zum Opfer fielen. Es ist das Verdienst der Königin 
Kapiolani, diese wenn auch im Volke entstandene, so 
doch von den Priestern zu ihrem Vortheiic entwickelte 
Mythe in ihrer ganzen Lächerlichkeit und Unbaltbar- 
keit dem Volke gezeigt zu haben. Trotz der Warnung 
der Priester stieg die Königin den Berg hinan, ass 
oben Beeren, die der furchtbaren Göttin geweiht 
waren, und ging zum Krater und warf Steine hinein. 
Dies geschah im Juhre 1824. nachdem einige Jahre 
vorher die ersten christlichen Missionäre aus .Amerika 
ins Land gekommen waren. 

Ueber die Missionen, ihre Wirksamkeit und ihre 
Erfolge, sowie über das Verhalten der Könige von 
Hawaii gegen die neue Glaubenslehre und über die 
Gr:schicbte dieser Könige selbst von Kamehameba I. 
an bis herab zu Liliuokalani belehren uns das fünfte 
bis zum neunten Capitel. Da erfahren wir vor Allem, 
dass die christlich europäische Cultur in Hawaii, wie 
ja auch anderenorts, im Branntwein ihren ersten Vor- 
läufer hatte. Unter Kamehameba I. wurde zu Ende 
des XVIII. Jahrhunderts Spiritus nicht allein in Hawaii 
eingeführt, sondern hier auch selbst erzeugt. Jeder 
Häuptling hatte seinen Destillirapparat, mit dem er 
sich seinen Haustrunk an Branntwein selbst bereitete. 
Nur der König enthielt sich des Trinkens und ordnete 
auf seinem Todtenbetle sogar die Zerstörung der Appa- 
rate an; was freilich seinen Nachfolger Kamehameba II. 
nicht hinderte, sich mit anderen Häuptlingen dem 
Trünke zu ergeben. Dass ein Volk von so biegsamem 
Sinne, wie die Hawaiier, sich der .Aufuahme der Lehren 
des Christentbums nicht widersetzte, das ist nicht zu 
verwundern. Wohl hören wir, dass nicht lange nach 
Kamebamebas I. Tode (1824), der schon als halber 
Christ und voll edler Gesinnung Menschenopfer bei 
seinem Begräbnisse darzubringen verbot, auf Hawaii 
eine Christenverfolgung stattfand, doch ist dies nur den 
Reibereien zuzuschreiben, die zwischen den Cbtisien 
der verschiedenen Bekenntnisse selbst vorkamen. Um 
das Jahr 1840 schon herrschte nach Kamebamebas III. 
Regierungsantritt Religionsfreiheit, und heute sind alle 
religiösen Parteien einander gleich. Die bedrutsamsiea 
Folgen der Eiofübrung des Christentbums «rarea die 



34 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT, 



Aufhebung der Polygamie und das Aufhören der Menschen- 
opfer und des Begrabens lebender Kinder. 

Die eigentliche Geschichte von Hawaii von Kameha- 
meha I, bis zu Liliuokalani ist beinahe nichts Anderes 
als ein halb offener und halb stiller Kampf ums Dasein, 
d. b. um die nationale Existenz. Das Schicksal von 
Hawaii darf mit dem Namen Kalakaua bezeichnet 
werden. Kamehameha V. sah die Dinge voraus, als er 
sagte: „Was soll aus meinem Reiche werden.-' Lunalilo 
ist ein Trunkenbold, und Kalakaua ist ein Narr!" 
Lunalilo regierte nach Kamrhamehas V. Tode im 
Jahre 1872 nur zwei Jahre. Kalakaua, der nun 1874 
zur Regierung kam, war der erste König von Hawaii, 
der als Abzeichen königlicher Würde nicht den üblichen 
Federmantel, sondern eine goldene Krone trug, und 
er war auch der letzte König von Hawaii. Ein Mann, 
der sich nicht scheute, den Ausspruch zu ihun, dass 
er gerne den Thron für ein gutes Einkommen und ein 
genussreiches Leben in Europa gäbe, und der auch 
nach diesem Grundsalze lebte, ein solcher Mann konnte 
das ohnehin schon stark untergrabene Ansehen seiner 
Dynastie, seiner Herrschaft und seines Reiches in den 
Augen der Fremden nur noch mehr herabsetzen. Vom 
Jahre 1887 an regierte er nur mehr dem Namen nach, 
die eigentlichen Herrscher waren die Fremden. Als 
Kalakaua im Jahre 1891 starb, war das Grab schon 
fertig, in das das hawaiische Königsthum versenkt 
werden sollte. Seine Nachfolgerin Liliuokalani be- 
schleunigte den Sturz durch ihre Rf gierungsweise ; als 
sie im Jahre 1893 durch einen Staatsstreich — eine 
neue Constitution — den wankenden Thron befestigen 
zu können glaubte, stürzte dieser vollends um. Eine 
im Jahre 1895 geplante Revolution zum Zwecke 
der Wiedereinsetzung der entthronten Königin wurde 
leicht erstickt und damit jede weitere Gefahr für die 
junge hawaiische Republik abgewendet. Als letztes 
historisches Ereigniss ist die Annexion von ' Hawaii 
durch die Vereinigten Saaten von Amerika zu ver- 
zeichnen. Die Fremden sind nun ganz und gar die 
Herren von Hawaii ; die Eingeborenen aber müssen 
sich mit dem Schicksale aller von der Civilisation heim- 
gesuchten Völker vertraut machen, das da heisst : Er- 
löschen, Untergang, l'od. H. F. 



CHRONIK. (V^^u^fM'' 



Asien. 

Persien. Die Perser und die Engländer wirken ge- 
meinsam, um die Mörder des an der Küste von Mekian 
grausam hingeschlachteten Telegraphen-Superintendenten 
Greaves zu bestrafen. Um die Bevölkerung zur Aus- 
lieferung der Mörder zu zwingen, zerstören die Perser 
die Dattelpflanzungen und die ganze Ernte. Inzwischen 
ist Alles in das schwer zugängliche Innere geflohen, so 
dass den aufgebotenen Truppen nicht viel zu thun 
übrig bleibt. 

Belutschistan. Die Bestrafung der Aufständischen, die 
die britische Vermessungsabiheilung überfielen, geht 
rasch und glücklich von statten. Oberst Mayne 
greift den .Anführer der Aufständischen, Belutsch Khan, 
der tnit 1500 Mann den Eingang zu dem nach Westen 
führenden Pass über den Turbat besetzt hält, an und 
schlägt ihn nach zweistündiger hitziger Schlacht; die 
Belutschen verlieren gegen loo Todte, darunter fast 
sämmtliche Führer, auch Belutsch Khan. Nach dem 
Siege setzt Mayne seinen Marsch fort und erreicht 
Turbat, die Hauptfeste des Feindes, wohin sich Mihrstb 
Khan, die Seele des ganzen Aufruhrs, mit seinen An- 
gehörigen zurückgezogen und verschanzt hat. Die 
Engländer bewerfen die Befestigung von Turbat mit 
Granaten, die Aufständischen räumen den Platz, und 
dieser wird von den Belagerern zerstört. Mihrab Khan 



Hiebt mit seinen Brüdern auf persisches Gebiet. Oberst 
Mayne zerstört Nasirabad und kehrt nach Turbat 
zurück. Noch mehrere One, die sich an dem Ueber- 
falle auf das Lager der Engländer betheiligt haben, 
sollen nach Eintreffen von Verstärkungen gezüchtigt 
werden. 

Indien. General Lockhart lässt den Staromvertretungen 
der Afridi mittheilen, dass bis zum 23. Februar alle 
Forderungen, die von der Regierung beim Waffenstill- 
stand gestellt wurden, erfüllt sein müssten, widrigen- 
falls er mit Zwangsmaassregeln vorgehen müsse. Es 
werden auch Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der 
Operationen gegen die Afridi getroffen ; die Regierung 
ordnet Erhebungen zum Bau einer Eisenbahn von 
Dschamrud nach Landi Kotal an. In Landi Kotal 
herrscht Ruhe, und sämmtliche meuterischen Stämme 
mit Ausnahme von zweien geben die Absicht kund, 
sich zu unterwerfen; es wird mit ihnen, auch mit den 
Zakhakbel von Kbaibar, unterhandelt. Die Malikdinkhel 
entrichten die auferlegte Busse an Geld und Waffen 
und bitten um Erlaubniss, auf englisches Gebiet über- 
gehen zu dürfen, um von da eine bestimmte Menge 
von Lebensmitteln zu ihrem eigenen Gebrauche aus- 
zuführen ; zu diesem Zwecke wollen sie Geiseln stellen. 
Andere Abtheilungen von Aufständischen stellen das- 
selbe Verlangen. 

Alle Schiffsangestellten der British India Company 
zu Bombay, Calcutta, Madras und Colombo sowie in 
anderen Häfen treten wegen Arbeitsüberbürdung und 
unzureichender Löhnung in den Ausstand. 

Die Bculenpest nimmt im Pendschab in bedenklicher 
Weise zu. In den Districten Hoshiarpur und Jalandhar 
sind viele Dörfer von der Pest ergriffen. Im Pesthospital 
in Frere-Road bricht Feuer aus und zerstört das Ge- 
bäude ; die Patienten werden in Sicherheit gebracht, 
doch sterben mehrere in Folge des Schreckens. 

China. Der Generaldirector der chinesischen Eisen- 
bahnen wird ermächtigt, mit dem Bau von Eisenbahnen 
in der Provinz Kwangtung zu beginnen. Die chinesische 
Regierung gesteht England das Recht zu, die bir- 
manische Eisenbahn durch Yünnan fortzusetzen. Deutsch- 
land sichert sich das Recht zutn Baue einer Eisenbahn 
nach Itschau. Die chinesische Regierung gesteht die 
Eröffnung aller Binnengewässer für Dampfschiffe zu, 
gleichviel ob diese Ausländern oder Einheimischen an- 
gehören, 

Korea. Der Kaiser von Korea weigert sich, in der 
russischen Gesandtschaft Wohnung zu nehmen. 

Afrika. 

Marokko. Die an der Küste von Sus von maurischen 
Truppen gefangen genommenen Engländer des engli- 
schen Dampfers „Tourmaline" treffen unter starker Be- 
deckung in Haha, eine Tagreise von Mogador, ein 
und werden in Kaid Dschiluly's Wohnsitz Tisnit ein- 
gesperrt. 

Aegypiischer Sudan. Die Derwische räumen Metemmeh 
und ziehen sich nach Omdurman zurück, wo der 
Khalifa die Befestigungen verstärkt. Die Derwische 
greifen die Oase Safya auf der Strasse von Kordofan 
nach Debbah an ; Patrouillen überwachen die Ufer des 
F-Iusses gegen neue Einfälle. Der von den Derwischen 
gefangen genommene Enkel des Sultans von Darfur, 
Wad Ibrahim, entflieht nach Berber. Die freundlich 
gesinnten Araber westlich der Bayuda-Wüste werden 
unruhig und begegnen den Raubzügen der Derwische, 
die sich bei Gabra verstärkt haben. Der Emir der 
Mahdisten, Mahmud, droht, das befestigte Lager am 
Atbara anzugreifen, weshalb den britischen Truppen 
befohlen wird, den Nil aufwärts zu marschiren. 

Die französische Expedition Matchand fährt den 
Fluss Sueh hinab. Marchand hat 200 Soldaten und 
führt 6000 Gewehre für die Abessynier und andere 
befreundete Völker mit sich, die er auf dem Wege 



5STERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



85. 



EantrifTt. Er will Fasclioda dauernd besetztn und von 
M>*nrlik ein kleines Landjjebiet erlangen. 

Französischer Sudan. (Neutrales Gebiet von Salaga ) 
Die englischen 'rru|)pen, die in das Gebiet von Salaga 
eingerückt waren, um hier !)ei den Kämpfen gegen 
den Häujjlling Samory einen Stützpunkt zu haben, 
werden dem deutschen Verlangen entsprechend von 
dort zurückgezogen. Die endgiltige Regelung der Salaga- 
frage, womit die letzte Deutschland interessiren<te 
Grenzfrage in Afrika erledigt sein wird, steht bevor. 

Brilisch- Westafrika. In Folge der Einführung der 
Flaussteuer brechen im Ilinterlande von Sierra L'one 
ernste Unruhen aus. Die Eingeborenen erheben sich 
und greifen die (Ifficiere der Grenzpolizei an. Zur 
Wiederherstellung der Ordnung gehen Truppen nach 
dem betreffenden Bezirke (Karene-Districi) ab, 

Nigergebiet. Im Nikkigebiete findet zwischen einer 
französischen Tnippenabtheilung und den Haribas ein 
Kampf statt ; beide Theile erleiden beträchtliche Ver- 
luste, die Haribas werden zersprengt. — Die Stadt 
Roria wird von englischen lUussas besetzt, die Fran- 
zosen ziehen sich hierauf zurück und schlagen drei 
Meilen von der Stadt entfernt ihr Lager auf. — Zwei 
französische Abtheilungen marschirt n in das Gebiet des 
Sultans von Sokoto ein ; dieser gebietet den I'ran- 
zosen, 40 Meilen (65 hii) von seiner Hauptstadt Halt 
zu machen. Der Generalagent der Royal Niger Com- 
pany, Wallace, hält Truppen mit Munition -und Vor- 
räthen bereit, um dem Sultan bei der Forderung der 
Räumung des englischen Gfbietes durch die F'ranzosen 
auf Befehl sofort beizustehen. 

Nigerterritorien. Die Feindseligkeiten zwischen der 
Niger-Company und dem Stamme der Ibuza sind ein- 
gestellt ; es fiaden Friedensverbandlungen statt. Die 
englischen Truppen besetzen Bereguru und Baschoro 
im Borgugsbiete. 

Nigerküsten- Protectorat. Die gegeu die Stämme im 
Ediba-Lande operirende Expedition hat ein ernstes 
Gefecht mit Verlusten zu bestehen. Eine Truppcn- 
abtheilung aus dem Nigerküsten- Piotectorat zerstört 
am Assay Creek einige Ortschaften und wird nieder- 
gemetzelt. Am Crossflusse findet zwischen den nach der 
Hauptstadt der Ekuri gesandten Truppen des -Schutz- 
gebietes und den EingeborcDen ein Gefecht statt, 
nachdem die von den Ekuri eröffneten Friedensver- 
handlungen abgelehnt worden waren; die Stadt wurde 
zerstört, die Einwohner erlitten schwere Verluste. In 
dem Beziike soll nun Ruhe herrschen. 

Btitisch-Ostafrika. Die aufständischen Sudanesen in 
Uganda räumen das F'ort Lubas und fliehen auf Booten 
über den Victoria-Nyanza ; eine englische Streitmacht 
verfolgt sie, um sie am Ucbergang über den Nil zu 
hindern, kommt aber zu diesem Zwecke zu spät. — 
Major Macdonald schlägt und zersprengt die Truppen 
des Königs Mwanga. 

Portugiesisch- Westafrika. Die Eingebui enen, über die 
Ausbreitung der Rinderpest erbittert, greifen die portu- 
giesische Garnison an und metzeln eine grosse Anzahl 
von Soldaten nieder. Im Bezirke von Mossamcdes 
greifen sie viermal hintereinander das Fort Humbc an, 
werden aber jedesmal mit beträchtlichen Verlusten 
zurückgeworfen. Ueber das Hochland von Mossamedes 
ist der Bel^tgerungszustand verhängt. 

Britisch-Centralafrika. Im Nyassaland erhebt sich 
Mpseni, der Häuptling des kriegerischen Angoni- 
stammes, gegen die Beamten der North Charterland 
Company. Den Truppen Oberst Manning's scheint es 
gelungen zu sein, den Aufstand zu unterdrücken. Dje 
Hauptstadt des Kaffernhäuptlings ist in den Händen 
der Engländer. 

Rhodtsia. In Maschonaland macht man sich auf Un- 
ruhen gefasst. Eine grosse Menge von eingeborenen 
Gefangenen, die ihrer Aburtheilung wegen bei dem 



letzten Aufstande begaogeaer Mordthatrn eotgegeo- 
sahen, sind aus dem Gefängnisse in Salisbuty enlflobea. 

Deutsch-Südwestafrika. Bei Saib unweit von Frans- 
fontein findet ein Gefecht der südwrstafrikanischeo 
Schutztruppe gegen Aufsiäodiscfae statt, wobei diese 
besiegt werden. 

Basutoland. Di?r Häuptling Moiketsi , der Haupt- 
urheber der Unruhen im Basutulandr, wird zu vierzcbn 
Monaten, Masupha wird zum Verluste seiner Häuptlings-, 
wflrde, zur Verbannung und Zahlung von Sirafe 
(200 Kinder) verurtheiit. 

Australien. 
Hawaii. Zwisf:hen Japan und den Vereiuiijtrn Staaten 
von Amerika fiiidet eine Vereinbarung statt, dass die 
Japaner auf Hawaii, sobald dieses annectirt ist, die 
gleichen Rrchle geniessen sollen wie die Japaner i'n 
«len Vereinigten Staaten. Damit rst zugleich auch er- 
klärt, dass sich die Japaner der .Annectirung Hawaiis 
durch die Vereinigten Staaten nicht mehr widrrsrtzrn. 



MISCELLEN. 

Volkszählung in China. Wenn wir China das „Vier- 
hunderimillionenreich" nennen, so mögen wir damit 
vielleicht annähernd das Richtige getroff-n haben, doch 
wenn wir beweisen sollten, dass China tbatsächlich 
vierhundert Millionen Einwohner hat, so mOssten wir 
schüchtern gestehen, dass wir dies weder aus eigenen 
Mitteln noch auf Grund fremder ,M ttel zu thun im Stande 
sind. Wir schätzen eben die Einwohnerzahl des Reiches 
der Mitte auf vierhundert Millionen, und wenn Andere 
dem grossen chinesischen Reiche hundert Millionen 
mehr oder weniger zuerkennen, so beruht ihre An- 
nahme auf eben so schwachen Gründen wie unsere 
Schätzung. Vielleicht wissen die Chinesen bis zum 
heutigen Tage selbst noch nicht genau, wie viele ihrer 
sind, sollten sie es aber ge«usst haben, so haben sie 
es nicht gesagt. Den Grund di'-ser sonderbaren und 
für uns ganz UDb<-grcifli<'hen Verschwiegenheit und 
Zurückhaltung von chinesischer Seite erfahren wir aus 
dem jüngst erschienenen Buche des Amerikaners 
Dr. Martin „A cycle of Cathay". Darin wird erzählt, 
dass das chinesische Finanzministerium vor mehreren 
Jahren die Schätzung der Einwohnerzahl von (^hina 
plötzlich geändert, nämlich aus 325 Millionen 215 Mil- 
lionen gemacht habe. Man verminderte die Bevölkerungs- 
ziffer um ein Drittel, weil man glaubte, dass bei weniger 
Einwohnern auch weniger christliche Missionäre nach 
China kämen, oder dass man es in diesem Falle über- 
haupt nicht der Mühe werth halten würde, Missionäre 
dahin zu schicken. Da sich aber herausstellte, dass 
sich die Missionsgesellscbaften auch durch die ver- 
ringerte Bevölkerungsziffer nicht abschrecken liesicn, 
machte man aus den angeblichen 215 Millionen wieder 
325. Auch diese Ziffer beruht aber nicht auf verläss- 
lichcn Daten, und da es doch wenigstens in Rücksicht 
auf die Gesammtbevölkerungszahl der Erde von B-- 
deutung ist, ob China 200 Millionen Einwohner mehr, 
oder weniger hat, so bat das Internationale statistische 
Institut Li-Hung-Tschang bei seiner .Anwesenheit ia 
Berlin, dass er dahin wirken möchte, dass in China 
endlich einmal eine ordentliche Volkszählung statifiide. 
Li-Hung-Tschang versprach zu diesem Zwecke zu thun. 
was in seiner Kraft läge, und machte nach seiner Rück- 
kehr nach Peking seinen F^influss bei der Kaiserin- 
Witwe geltend, dass auch sie sich dem Vorhaben ge- 
neigt zeigte. Ihre Befürwortung stiess jrdoch auf Hinder- 
nisse, denn der Kaiser von China betrachtete das An-, 
liegen des Internationalen statistischen Instituts als 
einen ganz unverschämten Versuch der fremden Bar- 
baren, sich in innere Reichsangelegenhciten ru miscbeo. 
Erst nach längerer Zeit gelang es Li-Hung-Tscbang, 



36 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



den Kaiser zu Gunsten des Planes umzustimmen, und 
endlich erhielten alle Vicekönige und Gouverneure den 
kaiserlichen Befehl, zu einer allgemeinen Volkszählung 
die vorbereitenden Schritte zu thun. Selbstverständlich 
haben alle hohen Mandarine versprochen, sich der 
Sache pflichteifrigst anzunehmen, doch ebenso selbst- 
verständlich darf man auch fürchten, dass es uns noch 
eine geraume Zeit freisteht, die Einwohnerzahl von 
China auf 300, 400 oder 500 Millionen zu schätzen. So 
bleiben wir denu bis auf Weiteres beim goldenen, i. e. 
arithmetischen Mittel von 400 Millionen. 

Pest in Indien. Seitens des Bürgermeisters von 
Bombay, Snow, ist jetzt ein Bericht über den Anfang 
und Verlauf der Seuche an die Pestexpedition gelangt, 
welche die kaiserliche Akademie der Wissenschaften 
in Wien nach Indien entsendet hatte. Diesem Berichte 
ist zu entnehmen, da«s die Krankheit schon lange ge- 
wüthet hatte, ehe sie von den dortigen Aerzten erkannt 
worden war. Dann hatte man den fanatischen Wider- 
stand der Hindus gegen jede Spitalbehandlung und 
jeden Europäer überhaupt zu überwinden. Ihre reli- 
giösen Vorschriften gebieten ihnen nämlich ein der- 
artiges Verhalten. Ein verhängnissvoller Zufall hat die 
Situation noch unglückseliger gestaltet. Kurz vor Aus- 
bruch der Epidemie halte ein brahmaniscber Advocat 
die Statue Ihrer Majestät der Königin Victoria von 
England verunglimpft. Nun verbreitete sich das Ge- 
rücht, dass die Hindus nur zu dem Zwecke in die 
Spitäler gebracht werden, um ihnen die Herzen aus- 
zuschneiden und sie der Königin als Sühne zu senden. 
Auch der Glaube, dass die Menschen nur als Studien- 
material verwendet werden, herrschte allgemein. Frauen 
und Kinder konnte man bei ihrer verzweifelten Gegen- 
wehr überhaupt nicht ins Krankenbaus schaffen. Bei 
einer behördlichen Hausdurchsuchung fand man viele 
Leichen und Kranke heimlich verborgen. Die Sterb- 
lichkeitsstatistik konnte auch nur nach den auf den 
Friedhof gebrachten Leichnamen aufgenommen werden. 
Danach grassirte die Pest im Februar 1897 am ärgsten, 
sils 3323 Fälle zur Anzeige kamen, mit einer Sterb- 
lichkeit von 97'26 Percent, um dann im Juli bis auf 
62 zu sinken, mit 69"35 Percent Sterbefällen. Augen- 
blicklich ist die Krankheit wieder rapid im Steigen be- 
gr. ffen. Bemeikenswerth ist die verschiedene Wider- 
standsfähigkeit der Racen. Buddhisten und Hindus zeigten 
eine Sterblichkeit bis 13 per Mille, eingeborne Christen 
3 per Mille, eingeborne Juden 2*3 per Mille, Moham- 
medaner l'3 per Mille, Europäer O'i 2 per Mille. Dabei 
ist zu beachten, dass von Leuten, die nicht Hindus 
sin(J, auch die leichtesten Fälle zur Anzeige gelangten, 
während bei den Hindus zahllose Erkrankungen unbe- 
kannt blieben. Von October bis Februar 1897 sind 
nach den Schiffslisten 398. OOO Menschen aus Bombay 
ausgewandert. Die Gcsammtbevöikerung betrug 1891 
schätzungsweise 846. OOO Einwohner. Es ist kein Zweifel, 
meint der Bericht, dass die überfüllten Wohnungen 
einen Haupiherd der Seuche bilden. Man zählte in 
kleinen, engen Häusern bis 600 Menschen. Die Viertel 
der Reichen blieben von der Krankheit fast ganz ver- 
schont. 

Der Gefangene der AfridiS. Man berichtet aus London : Der 
von den Afridis gelangen genommene und dann wieder frei- 
gegebene Seogeant Walker erzählt über seine Erlebnisse 
Folgendes: Walker gerieth am 13. December während des 
Rückzuges des Generals Westmacott den Barafluss entlang in 
die Hände der Feinde. Er glitt aus und fiel eine Schlucht 
hinab. „Im Nu," sagte er, „war ich von einigen Afridis um- 
ringt. Einer schoss mich durch den Arm; ein anderer richtete 
sein Gewehr auf meinen Kopf. Die Kugel ging dicht an der 
Schläfe vorbei. Darauf wurde ich ohnmächtig. Als ich wieder 
zum Bewusstsein kam, hatten die Afridis mir alle meine 
Kleider, bis auf Hemd und Unterhosen, geraubt und stritteu sich 
um die Beute. Nachdem die Sache erleligt war, schleppten sie 
mich fort und gaben mir durch Zeichen zu verstehen, dass 
Flucht vergeblich sei. In» Hauptquartier erhielt ich durch Ver- 
mittlung eines Afridi, der früher in der bengalischen Reiterei 
gedient hatte, meine - Uniform zurück. Dort erhielt ich auch 



etwas zu essen. Ich sah, dass die Afridis mit Lee-Metford-, 
Martini- und Snider-Gewehren bewaffnet waren. Dann ging der 
Marsch weiter, und ich wurde in ein Haus gebracht, wo ich 
neuQ Tage gefangen gehalten wurde. Am 22. December traten 
zwei Afridis herein und befahlen mir, ihnen zu folgen. Wir 
marscliirten in westlicher Richtung nach Laodapul, wo ich sehr 
freundlich behandelt wurde. Der Führer verband selbst meine 
Wunden. Ich kann mich über meine dortige Behandlung nicht 
beklagen. Ich erhielt freundliche Briefe von General West- 
micolt, während der politische Beamte Hardinge mir Thee 
Zucker, Zeitungen und Schreibmaterialien schickte, so dass ich 
ein Tagebuch führen konnte. Der Afridi, der mich ursprüng- 
lich gefangen genommen hatte, Hograt Nur, entfernte sich um 
diese Zeit häufig. Er sagte, er wolle meine Freilassung er- 
wirken. Während er wieder einmal fort war, kam ein Handels- 
mann von Bangu und forderte mich auf, einen Fluchtversuch zu 
machen. Da ich aber in den Zeitungen gelesen hatte, dass sich 
vier aodere britische Soldaten in den Händen der Afridis be- 
fänden, so »tand ich im Interesse ihres Lebens von dem Plane 
ab. Am 8. Jänner traf der Melik eiu. Ich hatte drei Tage- 
märsche zu machen, bis ich Barwan erreichte. An einem Nach- 
mittag langte dort ein englisch sprechender Eingeborener an, 
den der politische Beamte gesandt hatte, um mich nach Man- 
gani zu liringen. 



Musealnachricht. Am 4. d. M. verschied nach kurzer 
Krankheit einer der verdienstvollsten Beamten des 
k. k. österreichischen Handels-Museums, Herr Emilian 
Thiele, welcher durch zwölf Jahre mit rastlosem Eifer 
und einer seltenen Hingebung die Redaction der um- 
fangreichen Consularberichte und die administra- 
tiven Geschäfte aller Musealpublicationen besorgt hatte. 
Auch die „Oesterreichische Monatsschrift für den 
Orient" verliert in ihm einen unermüdlichen und pflicht- 
eifrigen Beamten, der auch das wärmste Interesse 
den redactionellen Arbeiten entgegenbrachte, mit 
denen er auf das Innigste vertraut war. Sein Rath war 
stets von grösstem Werthe für die Redaction, und nicht 
nur diese, sondern alle seine Collegen, denen er in ^ 
liebenswürdigster Weise als ein braver und arbeits- ^ 
freudiger Kamerad zur Seite stand, werden ihm für' • 
alle Zeit ein dankbares Andenken bewahren. 



LITERATUR. 



*: 



Meyer's „Türkei ' und ..Türkischer Sprachführer". Für die^ 

Bereisuog der Türkei und der untern Donaustaaten haben wir 
in Oesterreich uni Däutschland bekanntlich nur den Meyer'schen 
Führer — allerdings eine auf diesem Gebiete kaum noch zu 
übertreffende Autoriüt. Unentbehrlich auf der. Reise, liegt 
darum sein Hauptvorzug nicht weniger in den schätzbaren Ratli- 
schlägen bei den gerade hier mehr als sonst nothwendigen Vor- 
bereitungen. Der Werth des Meyei'schen Führers steigt denn 
auch progressiv mit dem immer kräftiger pulsirenden Reise- 
verkehr nach dem Orient: mehit sich doch jährlich die Zahl 
derer, die durch das Verlangen nach neuen und originellen 
Reisezielen oder um dem nordischen Winter zu entgehen, nach 
dem Morgenlande geführt werden. Den praktischen Bedürfnissen 
dieser Reisenden, die weniger wissenschaftliche Zwecke ver- 
folgen, aber desto mehr schauen wollen, trägt auch die soeben 
erschienene fünfte Auflage von iVIeyer's Türkei, Rumänien, Serbien 
und Bulgarien (Meyer's Reisebücher, Verlag des Bibliographischen 
Instituts in Leipzig und Wieu) Rechnung. Jede dem Touristen 
hinderliclie Abschweifung auf nebensächliche Dinge sorg- 
fältig vermeidend, geleitet das Buch nur zu den Haupt- 
sehenswütdigkeiten im Orient, weLhe ohne Gefahr und ohne 
grosse Strapazen, m'-'ist sogar mit den gewöhnlichen europäischen 
Vetkehrsmiiteln zu erreichen sind. Mit welcher Umsicht und Sorg- 
falt die letzteren zu Werke gegangen sind, beweist die Aulnahme 
der neuen, von deutschen Kiäften erbauten anatoliscben Eisen- 
bahnen von Con< tantinopel über Eskischehr nach Angora, be- 
ziehungsweise nach Konia, die nunmehr bis ins Herz von Klein- 
asien führen. Der Preis des Buches beträgt 7 Mark. — Als 
werthvoUe Ergänzung des letzteren und als ein Hilfsbücblein, 
das Reichhaltigkeit des Inhalts mit Zuverlässigkeit und prakti- 
scher Anordnung aufs Beste verbindet, verdient wärmstens 
empfohlen zu werden die gleichzeitig zur Ausgabe gelangte, 
von Grund aus umgearbeitete und stark vermehrte zweite Auf- 
lage von „Meyer's Türkischem Sprachführer" (Pieis 5 Mark). 
Wie das Conversatioos-Wörterbuch um viele neue Wörter und 
Wendungen bereichert, das tüikisch-deutsche Vocabular ganz 
umgeschrieben worden ist, so wurde auch den Fussnoten, die mit 
Sitten und Gebräuchen des Landes näher bekannt machen sollen, 
besondere Sorgfalt gewidmet. 



Tenkstwortlicher Redactenr : JCLICS BÖBU. 



ca. KBISSGR fc M. WGRTHNGR, WIEN. 



OESTERREICHISCHE 



^ünatssr|rift ft bm #rimt. 

rr "" "• ——^———,—.—^-^—11 ^1 Mj ■ I, Lj . .^ mw — ^— .P.^ ^^^M— — ■^.^^— — — ^^M^»!»^^»^^^^— ^^^^H^^^^^M^— ■^.^■f^ia^i^f^j-^l^^l^^ 

XXIV. JAHROANO. WIEN, MÄRZ 1898. Nr. 3 Beiulou. 

- - 1~^ . - ^ - ^^^^^m—m^^m^^i^rw^^mw-mm^m^am^mmm 

"Verlag des Ic. Ic. öaterr. !£^andelB-!£^UBeu.ixiH 'VAT'len, X2I./1. Serggaaa* IS. 

BV Erscheint >ltte t»t ■oniti. "VS 
AbonnameatsbediiiKnngen : Ims«rtioB*b«dlBr>BC«a 

(>Rn7jlbrli; ». W. H. 5.-, M. 10.—, Frs. 12.S0 uhiie Poslvnrsendtini;. FBr (IIa «intnalig« KlnarbaliiiDg «iner Vierulaeile S. W. II. S.— . 

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Monographien von Sir George Birdwood, M. D., K. C. I. R , C. S. I., L. L. D. in Ix)ndon, Geheimrath Dr. Wilhelm 
Bode in Perlin, C. Purdon Clarke in London, M. Gcrspach in Paris, Sidney J. A. Churchill, M. R. A. S. in Teheran, 
Vincent J. Robinson in London, J. M. Stoeckel in Smyrna. 

Mit 4 Lichtdrucktafeln und 30- Abbildungen'4m Texte. Preis ö. W. fl. 5. — . 



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Prof. GUSTAV SCHMORÄNZ 

im Auftrage und mit Unterstützung des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht 

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höhter Ladenpreis ein. — Einzelne Lieferungen oder Tafeln werden nicht abgegeben und 
verpflichtet die Abnahme der ersten Lieferung zum Bezüge des ganzen Werkes.) 

Die deutsche Ausgabe des Werkes wird nur iu IHÜ numerirten Exemplaren pablicirt. (Eine englische Ami- 
gabe in 100 ExempLiren gibt die Direction des k. k. Haudels-Museums später heraus). 

Illustrirte Prospecte stehen auf Wunsch in massiger Anzahl zu Diensten. 

Ausführung und Ausstattung sowie der Druck des streng auf 100 Exemplare limitirten Wtrke» werden von 
der Direction des k. k. Handels-Museums geleilet und überwacht. ■ • 

WIEN, im Mai 1895. .A-rtarisL Sz: Oo- 



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ZOLL-COMPASS. 

Der V. Jahrgang dei „Zoll-Compafi" wird, gleichwie der Ul. 
beziehuDgiweise der F,rgäniung»band dei«elbea (IV. Jahrgang) 
lir/erungsweise r.ur I'ublicalion gebracht, und die einzelnen Liefe» 
rungen werden nach Maasugabe der eintretenden Verinderungca 
in den betrefTenden Zolltarifen ertcheinea. 

Der gestellten Aufgabe, die für unteren Aufsenhaadet 
wichtigsten Länder «uccestive in den Rahmen dic«eii Jahr- 
buche« einzuhezieben, wird der erKheinesde V. Jalirgaag dnrcb 
Neuaufnahme der Zolltarife der australitchtn Cohniin, Nitdtr- 
lindisch- Indiens und der Philippinen entiprechcn. 

Von dem in 2o Lieferungen erscheinenden V. Jahrgang sind 
bisher 1 1 Lieferungen publicirt worden, enthaltend die Tarife tob 
r<.uniänien, Argentinien, Russltnd, Britisch-Indiea, China, Japan, 
K-orea, Persien, Oesterieicb-Ungarn, Schweden, Norwegen, Helgo- 
land, Italien, Argentinien (IL Auflage), Deutschland, Fraalireicb, 
Griechenland, Belijien, Vereinigte Staaten von Ameriica und 
Schweiz. 

Preis per Lieferung 45 Icr. —1 90 Pfg. Rinzelliefcrnngen werden 
nicht abgegeben. Rinbanddecice zum ganzen Jahrgang Jo lir. ^ 
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Zn beziehen durch das k. k. osterr. Handeli-Mnaeum sowie 
durch jede ]^«libandlung. Für Deutschland alleiniger Vertrieb 
durch E. S. Mittler & Sohn, Berlin S. W. la, KLochstraste 68—70. 

Verlag des k. k. österr. Handels-Maseums. 



K. K. PRIV. SUDBAHN-GESELLSCHAFT . 

Auszug aus dem Fahrplane der Personenzüge. 



Giltig vom 1. October 1897. 



Ankunft in Wien: 



Abfahrt von Wien: 

5..')0 Früh (Personeuzug): Mürzzugchlag, Kanizsa, Budapest; (.Uns 

(DI«n8Ug und Freitag); Pakracz-l.ipik ; Katpgg, Sarajevo ; A gram ; 

Aipang. 
7.20 Krtlh (8ct>uellzug): Leoben, Vordemberg, Venedig (vi« Pontafel), 

Kanizsa, Kuegg, Sarajevo, Pakricz-Lipik, Agrain ; Bndapeit (via 

Pragcrhof); Nenberg, Aflenz. 

S.IO Früh (Schnellzug): Tric.t, Flume, Pola, Sissek (vi» Stelnbrllck), 

Uonobitz, Klügenfurt, Villacb, Bozen, Meran, Arco, Inusbrnck (via 

Marburg), Wolfabeig, Lutlenberg (Oleiclienberg), KöHach. 
1.15 Nachmitlag8(l'o»tzug):Trleat, 06rz, Venedig; Fiume; l'ula, Kovigno, 

SiBsek, Brod, Hanjaluka; Leoben, Vorderuberg; Neuberg, ASenz. 
1.40 Nachmitlaga (l'orsoueuzug) : Bares, Agrain, Kanizsa, OUus. 
ä. 5.') Nachmittags (Personenzug): Wiener- Neustadt, Atpang, Kauiua, 

Budapest. 
4.30 Nachmittags (Personenzug): Graz, I.eobcu. 
5.25 Nachmiltags (IVrsoucnzug) : WieniT-Neustadt, äteiuauiauger. 
7.40 Abends (Personenzug): Kanlzsa, ßudape.st, Pakräcz-Llpik ; Kuegg, 

Bosnisch- Brod; Agram, Sissek, Sarajevo. 
g.HO Abends (Schnellzug): Triest, (ifirz, Venedig, Korn; Mallaud, Oenua; 

Pola, Kuvigno; Fiume; Sissek. Baujaluka, Budapest (via Pragerhof). 
9.— Abends (Posizug): Triest, (iftrz, Venedig, Rüni, .Mailand; Pola, 

Kovigno, Agram; Oonobllz, Budapest (via PiagerhoO; Klagenfurl, 

Wolfsberg, Meran, Arco, Innsbruck (via Marburg); l.nttenberg, 

Köflacb, Wies; Slainz, Leoben, Viirdernberg. 
9.45 Aboiids (Schnellzug): Marburg, Klagenfurl, Franzensfeste, Meran. 

Arco, Innsbruck (via Marburg). 

BohlafwaBan verkehren mit den Schnellzflgen (Wien ab g.i(l Abends, Wien an 10. - Vormittags) zwischen Wlan-Trlaat, ^tta-OArs ■▼•aaAlC 

via CoruKJus und iWien ab !i.45 Abends, Wien au :).— Vormittags) iwiachen Wlaa-Haibarr-Man^B. 
Dlraota Wagen 1., II. Olaaaa verkehren mit den obigen Sehuellziigen iwiachen WUa-Tlam* (Abbazia* und WUa-jLia. *la Fraaiaaa 
feste, ferner mit den Schnellzügen (Wien ab 7.S0 FrDb und Wien an :).35 Abend») zwischen WUn • V*B«d>ff-Halla,ad via I.«o»m, daaa 

(Wien ab 8.10 l-rith, Wien an ».3S Abends) zwischen Wlaa-Flnat« (Abbaaia). Wlaa-FoU unl WUb-0«h. 
Fahr. Ordnungen iu Placat- und Taschen-Formal bei allen BilletlfU Ca».<in ; Taschen. Fahrplan der I.ocaUUge in allen Takak-TraSkaa Wl»««. 
Fahrkarten - Aaacaba (in beachrllnktem Masse) und Anakttoft* l>ei dar Wiener Af«Dtur der Internationalen -«ch(»fw««»a OMin wba*, 
I. KHrnlnerring 15. Im Fahrkarten-Stadtbureau der kgl. Ungar. StsalselseolMthnen In Wien, I. Ktmtnerring », dann in den Kilukai »«« ! 
TU. Cook k. Sou, 1. Käraluaratraaae 3» A. tl. SohroeoWa Witwe, 1. Kolowratrio» 1%, Sohaak« k Co., I. 8«b olt — rt a g i (Uitd «U i'ra»n), ,Co«t*«", 
laternalionales Reise- und Fahrkactenbureaa Nacal k WorlmaaB, I. Op a ra t a w •. 



6.40 Prilh (Postzug): Triest, Rom, Mailand, Venedig, OSn ; Pola; 

Agram, Budapast (via Pragerhof); Arco, Innabniek, Klageaftoft, 

Woirsb«rg(via Marburg) ; Lutlenberg, K8aach,WlM ; Suins, Laobra. 
8.M Früh (Personenzug): Kaniisa, Bosniaeh-Brod, Easeggi Pakriet- 

Lipik, Agram, Budapest (via Oadaabarf). 
9.— Vormittags (f^chnellzug): Marburg, Arco, Maraa, laaabraek, Klagaa- 

furt (via Marburg), Leoban, 
9.40 Vormittag» (Personenzug): Sleinamangar, Otos. 
10.— VonuitUg* (Sebnelling) : Trfeat, Rom, Mailand, Vcaadl«, Obn; 

Pola, Kovigno; Fiume, Sisaak, Agram, Bndapast (via Pragerbaf). 
1.15 Nachmiiugs (Personeniug): Orai, Leobta, Vordemberg; Ataaa. 
l.U MaohmiUags (Personeniug) : Kanitsa, OSaa (Dteaatac aad Fialu«), 

Wiener-Naualadl. 
4.— Nachmittaga (PosUu(): Triett, GSn, Veaadlc, Pala; RoTi(Bas 

Fiume, Slwek, Agram; Radktrabarg, KSlacb,Wtea;Stalu,Tordara- 

berg, I.eoben, Neuberg. 
5.» Nachmillag« (Personaosug): Rares, Kaalaaa, Ba dap ae » , Otaa, 

Afram, Oedcnburg, Wiener-Neustadt. 
U Abaad« (ParaoBanzug): Sarajaro, Kasegg; Agram, Badapeai, 

Kaaiiaa; Pakraci-I.lpik (via Oedeaburg) ; ti utenautn. 
9.S5 Abend! (Sebnalliug): Triest, VHn. Pola, Ravlgao; rinme; Br»4, 

Siaaek (via Steinbrflck); BudapMt (via Pra«*TboO; Uaaalrtia, 

Villacb, Klagenfurt. Wolfsbarg ; Lutlenberg, KMaek. 
n.4.^ Abend' (.Schnellzugi : Venedig (via Pontafei). Bataa, Meran, Ateo, 

Innsbruck; Leoben, Vordemberg; Neuberg, A6«ds. 



IV 



QSTBPcREieHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



tillug vom 1. Jänner 1897 
bis auf Weiteres. 



jfaörplan öeg; „a^pftßtrcirfitfrticn IClopö' 



Ulittg Tom 1. Jänner 18tf7 
bis auf WeitereB. 



DiiliisrsT xis/L -A.i:)Dai.A^a?isoKCEnsr jvee:e;i^e. 



Beschleunigte Eillinie Triest—Cattaro. '■' 

Ab TriBSt jerten Donnerstag 8«', Ultr Frttk> 
ia_ Oattaro Freitag 12 Uhr ^Mittags, berühr.: 
Pola, Zara^ Spalato, OravO'^a. 

Retour ab Cattaro 6 Ubr Ab^ni^B, In Triest 
Samstag 10 Uhr Naubts. 

Linie Triest— Ittetkovich 4. 

Ab Trfest jeden Mittwoch 7 Uhr Früh, In 
Metkovlch Freitag 4 Uhr Macbm., berühr. : 
Rovigno, Pola, LuHwinpiccolo , Zara.Zaravecchia, 
äebenieo, Trau, Spalato, 8. ^letro, Almissa, 
Gelsa, S. Martino, Macarsca, S. Giorgio dl Les., 
Trapano, Fort Opus. 

Retour ab Hetkovlch jeden Sonntag 8 übr 
FrQh, In Trlesi Dienstag J'/, Uhr Nachm. 

AnachUiasauf der Hinfahrt In Spalato an die 
Hinfahrt der beschleunigten Eillinie Triest— 
Oattaro. 

Linie Trlest-Metkovich ß. 

Ab Triest jeden Samstag 7 Ulir Früh, in 
Metkovicb Montag 4V, Ubr Nachm., berühr. : 
Rovigno, Pola, Lussinpiccolo, Zara^ Zlarin, 
Sebeuico, Trau, Spalato, S. Pietro, Poatire, 
Almissa, Puciachie, Macarsca, Gradaz, Fort Opus. 



Retour ab Metkovloh jeden Mittwoch 8 Uhr 
^FrUh,. in Triest Freitag 6 Uhr Abenda. 

Anschluaa auf der Rückfahrt in Spalato an 
die Hinfahrt der I^inie Triest— Cattaro A und in 
Zara an die Rückfahrt der Linie Trieat— Pola — 
Zara. 

Linie Triest— Venedig. 

Von Triest jeden Montag, Mittwoch und 
Freitag um Mitternacht, Ankunft in Venedig den 
darauffolgenden Tag 6';, Uhr Früh. 

Retour ab Venedig jeden liienaiM^. Mittwoch 
und FreitMg am Mitternaobt, Ankunft in Trieat 
den darauffolgenden Taf 6' a Uhr Früh. 

Linie Pola— Zara. 

Ab Pola jeden Mittwoch 3 Ubr Nachmittag», 
in Zara Donnerstag 5 Uhr Nachm., berühr.: 
Oherao, Rabaz, Abbazia, Malinaca, Veglia, Arbe, 
Lu8.^ingrande, VaU-a84ione, Porto Mau7yO. 

Retour ab Zara Freitag? Uhr Früh, In Pola 
Samstag 7Vi Uhr Früh, 

Anaebluas In Si^ara an die Killlnie Triest — 
Cattaro auf der Hinfahrt und an die Linie TrieaL— 
Metkovicb S auf der Rftckfahrt. . - 



Alni9 THest— Cattaro 4. 

Ab Triest jedfin Dienstag 7 Uhr Früh, iL 
Cattaro Donueratag 6V| Ubr Abends, berühr.: 
Rovigno, Polaj LuKaiupi<'Colo, Selve, Zara, 
Sebenico, Spalato, Milna, Lesina, Curzola, Gra- 
vosa, Casteluuovo, l'eodo, Kisano. 

R«tour ab Cattaro jeden Montag 10 UbrVorm., 
in Triest Mittwoch 6 Uhr Abends. 

Linie Triest— Cattaro B. 

Ab Triest jeden Freitag 7 Uhr Früh, in 
Spizaa darauffolgenden Mittwoch 11 UbrVorm., 
berühr. : Rovigno, Pola, Lusainpin^olo, Selve, 
Zara, Sebenico, Rogosuizza, Traü^ Spalato, Ca- 
röber, Milna, Cittavecchia, Lesina, LiasaiUoiutsa, 
Vallegrande. Curzola, Orebicb, Teratenik, Meleda, 
Gravoaa, Ragusaveccbia, Castelnuovo, Teodo, 
PeraatoRisäno, Perzagfno, Cattaro, Budua 

Retour ab Spizza Jeden Mittwoch 11", Ubr 
Vorm., in Triest daraufToIgeaden Montag 5% Uhr 
Nachm. 

Anmerkung. Falls schlechten Wetters wegen 
das Anlaufen von Caateluuovo lücbt mA^ieb 
«T&re, wird in Megllne angelegt. - .,;■'-- ^ 



HjE^V^-A^ISTTE- Xri^:D :^^ITTaBIll^^^EEIt-ÜIE3^TST- 



Eillinie Triest— Alexandrien. 

Von Triest jeden Mittwoch ab 12 Uhr Mittags, 
in Alexandrien Sonntag 6 Uhr Früh, berührend: 
Brindiai. Rückfahrt von Alexandrien jeden Sama- 
tag Mittag«. 

AnscblusB in Alexandrien an dleSyrlsch-Cara- 
manische Linie. 

Anschluaa In Triest bei Abfahrt und Ankunft 
an den Luzuszug Oatende — Wien— Trieat und in 
Brindiai auf der Hinfahrt an den um 11 Uhr 
Vorm. eintreffenden und bei der Rtlck^ahrt an 
den um (j Übr 10 Miu. abgehenden Eilzug. 

Eillinie Triest— Constantinopel. 

Ab Triest jeden Donnerstag 11 Uhr Vorm., 
In Constantinopel darauffolgenden Mittwoch 
6'/a Uhr Früh, berijhr.: Brjudisi, Sti. Quaranta, 
Corfu, Palras, Piräua, Dardanellen. Rückfahrt 
von Constantinopel jeden Dientttag, ii) Triea^t Mou- . 
tag 2 Uhr Nachm. 

Diese Linie wird eine llVoche bia nach 04<'a8a, . 
die andere bia nach den Donauhäfen (Im VVinter 
bis nach Batum) verlängert. Anscbluss in Corfu 
an die Linie Corfu— PrevesÄ, In Plräud an die 
Tbea.saliscbe Linie und in Confitantinopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syriseb-Cara- 
nianiachen Lrnie. , , ' . "", 

GriechiscIl'Orientalische Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 

10. Jänner 1897 ab4UhrNft6iim., in Smyrna-zweili-- 
n&chsten Dienstag 6 Uhr Früh, berührend: Fiuuie, 
Durazzo, Valona, Cgrfu, Santc-'Maura, Patras,^ 
Zante, Cerigo, Canea, Retlü'ipor Candia, Yfrtby, 
Tscheam^, Chics. Kückfahrt ab Smyrna fjunulag. 
vom 10. Jänner ab 10 Uhr Vorm., in Triest 
Bweitnächaten Dienstag 5 Uhr Früh. 

Griechisch-Orientalische Linie über 
Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag-vom 
3. Jänner 18:t7 ab 4 Uhr Nachm., in Sniyrna 
zweitnächsteu Dienatag 7'/, Ubr Früh, berüh- 
rend : Cattaro, Budua, Antivari, Duicigno, 
Medua, Durazzo, Valona, Sauti Quaranta, Corfu, 
Santa Maura, Argostoli, Zante, Canea, Ue^ymo, 
Candia, Vatliy, Tscheauie, Chios. Rückfahrt von 
Smyrna Sonntag vom 3. Jänner 1807 an W lUir 
Vorm., in Trient zweitnäcbsten Dienstag 3 Uhr 
Nachm. 

AnschlufiS in Smyrna auf der Hinfahrt an 
die Syriach-Caramaniacbe Linie und an die 
Rückfahrt der Synschen Linie. Nach Cattaro und 
Budua keine Waaren- und Passagieraufnahme. 

Linie Triest— Fiume— Alexandrien. 

Jede vierte Woche. Ab THest Donnerstag vom 
28. Jänner 18Ö7 ab i, in Alexandrien aweitnäehsten 
Samstag 6 Uhr Früh, berührend: Fiume, Corfu, 
Patras. Rückfahrt von Alexandrien Montag vom 

11. Jänner 1897 ab 9 UhrVorm., in Triest zweit- 
nächsten Dienstag ?■,-, Uhr Früh. , ". ■ ,_ 

Anscbluas in Alexandrien aaf der Hinfahrt 
an die Syrische Linie. 



Thessalische Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Triesf S<tuntag vom 
3. jÄunerl897 ab 4 Uhr Nachm., iu Coustanlinopel 
zweitnächsten Sonntag 5'/i Übr Fcüh, berübr, : 
Fiiune, Corfu, Patras, Zante, Catacolo, Calamata, 
Canea, Reihymo, Candia, Syra, Piräus, Volo, 
SaiUuich, Oavalla, Lagos, Dedeagrat^ch, Darda- 
peilen, Gallipoll, Rodosto. Rückfahrt von Con- 
stantinopel Freitag vom 8. Ja ner ab 8 Uhr Früh, 
in Triest drittnathsten Sonntag 7 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis nach den Uonauhäfen 
verlängert werden. Anscbluss in Firäus an die 
Killinie TrieatJ—Constantlnopel. 

Thessalische Linie über Albanien. 

Jede zweite Wcth^i. Ab Trlest Sonutag vom 
10. Jänner ab 4 Uhr Nachm., in Constantinopel 
zweitnächsteu Sonntag ä'/, Uhr Früh, berühr. : 
Cat4M( Budua,. Antivkri. Duicigno, Medua, 
Durazzo, Valona, S. Quaranta, Corfu, S. Maura, 
Argostoli, CatsKolo, Calamata, .Canea, Reihymo, 
Candia, Piräus, Volo, Balonicb, Cavalla, Dedea- 
gatach, Dardanellen, Üallipoll, Kodosto. Rück- 
feh rt: -von Constantinopel Freitag vom 1. Jänner 
1897 ab 8 Uhr Früh, in Trieat äriWnäcl^steu 
Samstag ü Ulir Nachm. 

Cneae Linie wird blsRatiim verlängert werden. 
Auachlusa in Piräua an die Eillinie Trieat— Con- 
stantinopel und in Cohfltantinopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der frischen. Linie. _ 
Keine Waaren- und Pa.i.sagieVaufnalinie räcTi 
Cattaro und Hndua. 

"■ - Syrische Linie .' 

"Jede* zweite Woclie. Ab Atexandrien Montag 
vom U. Jänner 1S97 ab, 4 Uhr Nachm., iu Con- 
stantinopel zweitnäclisten Mittwoch 7 Uhr Früh, 
berührend: PorlSaid, Jaffa, Caiffa, Beyrntli, Lar- 
uaca, Limasaol, Rhodns, Chios, Smyrna, Metelin, 
Dardanellen, GallipoH. Retour ab Constantinopel 
Montag vom II. Jänner 1897 ab 3 Uhr N.ichiii., in 
Alexandrien z weitnächsten Donnerstag 7 UhrFrüh. 
Diese Linie wird bis Batnm verlängert werden. 
Anechluas ia Goustantinopel auf der Hinfaht*t 
an die Donaulinie unddlelJnie Constantinopel— 
Constantza (G) und an die Rückfahrt der 
Thessalis'-hen Linie über Fiume; in Alexandrien 
auf der Rückfahrt an die Eillinie Triest— Ale- 
xandrien. 

Syrisch-Caramanische Linie 

Jede zweite Woche. Ab Alexandrien Montag 
om 4. Jänner 1897 ab 8 Uhr Naciim., iu Con- 
stantinopel zweituächsten Donneratag 5 Uhr 
Nachm., berühr. : Port Bald, Jaflfa, Caiifa, Beyruth, 
Tripolis, Lattakia, Alexardrette, Mersina,Rbodua, 
Cbioa, Smyrna, Dardane -len. Rückfahrt von Con- 
stantinopel Samstag vom 2. Jänner ab 3 Uhr 
Nachm. Ankunft in Alexandrien zweituächsten 
Mittwoch 8 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis Odessa (S) verlängert 
werden« Anscbluss in Constantinopel auf der 
Hinfahrt an die Linie Constantinopel— Batum und 



an die Rückfahrt d«r TfiesBallscben Linie Über 
Albaiilen, in Alexandrien auf der Rückfahrt an 
die Eillinie Triest — Alexandrien. 

Donau-Linie- 

Ab Constantinopel jeden Donnerstag 3 Uhr 
Nachm., iu Braila Moutag 10 UbrVorm,, berühr. : 
Buj-gas.Varna, Coustaiitza.Sulina, Galalz. Retour 
ab Bräila Mitt?roch 8 Uhr Ffilb, iu Constantinopel 
St)nniag 5 Uhr Frflh: - 

Auf der Küclifahrt wird dieae Linie bis i^ach 
Triest verlängert werden n. zwareiueWochednrch 
dio Eillinie Triest— Cünat»ntinoj>el, die andere 
Wociie durch die Thessalische Linie Über Fiume. 
Auachluaa in Conatantlnopel auf der Rückfahrt 
au die -SyriHc,he Lini«. 

Linie Constantinopel— Constantza mit Ver- 
längerurig bis Odessa. 

Jude aweite Woche (G;. Ab Constantinopel 
Donnerstag, vom 7. Jänner ab 3 Uhr Nachm., 
in Odessa Samstag S Uhr Früh, berührend: Con- 
stantza. Ketour von Odessa Freilag vom 15. Jänner 
ab 4 Uhr Nachm.,' in Constantinopel Sonntag 
10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bla nach 
Triest verlängert wördefl dnrcb die Rillinie triest- 
Conatantinupet. 

Jedo zweite Woche (S). Ab Constantinopel 
-Samstag- Vom- »«'rJ'Rdnef l897 ab, In Odesa« 
Moutag 8 i hr Früh, ln-r(ibrend Constautza. Kc 
-tour- von OdMSa M«ntag vom 2.'}. Jänner 1.S97 
ab, in" t'on^t_»nt!nqpeI_ Mittwoch 10 Uhr Vorm. 
.'. Auf' der "EackYah'rt wi,rd dieae Linie bir, 
Alexandrien veiläogert werden durch die Jiyrinch- 
Cararaaniaehe Linie. An-^chluss in Constantiwepcl 
auf der RÜckfalirt. an die Thessalische Lluie 
über Albanien und an die Hinfahrt der Donau- 
L nie und der Linie Constantinopel— Batum. 

Zweiglinie Constantinopel— Batum. 

Ab Constantinopel jeden Freitag, In Batum 
näi-hattn i>ienatag, herübreud: Ineboli, Samsun, 
Keraasunt, Trapezunt. Rückfahrt von Batum 
Donneratag 6 Uhr. Abends, in ('onstautinopel 
darauffolgenden" Mittwoch 10', I'hr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie eine 
Woche bisAlexandrien verlängert werden durch die 
Syrische Linie, die andere Woche bis nach Triesl 
dur<^ die Tbeasaliache Linie Ober Albanien. 
Anachluaa in Constantinopel auf der Rückfahrt 
an die Syriacb-Caramaniache Linie und an die 
Hinfahrt der Donau-Linie und die Linie Con- 
stantinopel - Conatantza (G). 

Zwelglinie Corfu— Prevesa 

Ab Corfu jeden Sonnlag 4';, Uhr Früh, In 
Prevesa 5 Ubr Nachm.. berührend : Sajada, Parga, 
S. Maura. Retour ab PreveSa Freitag 6 Uhr Früh, 
In Corfu, 6'/a Uhr Abenda. 

Im Anschlags in Corfu auf der Rückfahrt 
an die Eillinie Triest— Constantinopel. 



OOE-^ISTISCiEiEIt r>IEr^ST- 



Linie THest— Shanghai— Kot)e, :. ■ 

Ab Triest »m 20. jede» Monates 4 tjhr 
Nachm., berühr.: Fiume*, Port - Sa'il. Suez,' 
Ma.«Baua (die BerOhrui g Massauaa erfolgt anf 
der Auareis-) und der Heimreise nur gelegentlich), 
Aden, Knrrachee, Homtiay, Colombo. Penang, " 
Singapore, Hongkong, Shangbaii Rückfahrt von 
Kobe am 31. März, 29. April, 29. Mai, 27. Juni, 
88. Juli, 28. August, 29. September, 29. October, 
29. November, «0. Deeember, 29. Jänner 1898 
und 28. Februar ^898. 

,1 Anscbluas in Bombay sowohl bei der Hiu- 
Jils Rückfahrt an die Eillinie Trietit— Bombay. 
lAnscttluab in Colombo bei der Hin- und Rück- 
fahrt an die ZWelglinie Colombo-Calcutta. 

Die Abtahrts- tmd Ankunftszeiten in den 
Swiaehenbäfen, ausgenommen Bombay und Co- 
lombo, können nach Umständen verfrüht odec 
verspätet werden. 



Der Aufenthalt In Fiume auf der Heimreise 
kann nach dem absoluten Erfordernisa für die 
Ladungs- and Löschungsarbeiten verlängert oder 
abgekürzt werden. 

..! -lÄusserden in dem obigen Fahrplan genannten 
Häfen-können die Dampfer unter Umstäuden auch 
Nagasaki oder Mogi anlaufen, doch wird das Datum 
der Abfahrt von Kobe hiedurch nicht geändert. 

Eillinie Triest— Bombay. 

Ab Triest am 3. eines jeden Monate*), be- 
rührend : Brindi i, Port-baUi, Suez, Aden. RÜtk- 
fahrt von Bombay vom 1. Februar ab jeden 
l.dea Monates bis incl. Jänner 1898. 

Anacblusa in Bombay an die I..inie Trieat — 
Shanghai— Kobe. Die Ankunft und Abfahrt iu 
den Ziwiacheohäfen kann nach Maaaagabe der 
Bedürfnisse verfrüht oder verspätet werden. 

21. der ungeraden Monate (nämlich JänneV, März, 
SO. Jnli, 29; Septemter. 28. Novembei*, 



Zweiglinie Colombo-Calcutta. 

Ab Colombo am 27. jeden Monates, bertihrebd: 
Madras. Küekuhrt von Calcutta vom U.Februar 
ab den 14. jeden Monates bis incl. Jänner 1898. 

AUHchlu^^s in Colotiibü an die Linie Triest— 
Shanghai — Kobe bei der Hin- und Rückfahrt. 

Die Dampfer dieser Linie berühren gele- 
gentlich auch Coconada oder einen anderen Hafen 
an der Küste von Coromandel. 
B. Mercantlidlenst nach Brasilien. 

Abiaürt ao Triest am 10. Jänner, lO. März, 
10. Mai, 20. Juni, 20. Juli, 20. August, 1. October, 
10. November, berührend: Fiume, Perpambuco, 
Babia, Rio de Janeiro und Santo«. Rückfatirt von 
Santos am 12. März, 10. Mai, 10. Juli, 18. AugQit, 
17. September, 18. October, 29. November, 
10. Jänner 1898. Die gleiche Anzahl tucrten 
unternimmt die „Adria'' ab Flame ii den 
Zwi&ehenmonaten mit Berührung von. Trieii. • 



Mi 



*j Fiiinie wird auf der Ausfahrt am 
:Bel der Heimrei-e erfolgt die Berührung von Fiume am 28.31ai 
liiL— l^yentr Aenjderungen in den Zwischenhäfen ausgenommen und ohue Haftung für die Regelmässigkeit des Dienstes bei Contumavorkehrungen. 



i, Juli, September, November) berührt. 
Jänner 1898 und 2S. März 1898. 



VERANTWORTLIOHER RBDACTBUR: JULIUS BÖHM. 



OH. RBISSfiR & M. WBRTHNBR, WIEN. 



April 1898. 



Nr. 4. 



OESTERREICHISCHE 




onatssflrift für kn #rimt. 



HerausKcgeben ▼om 



K. K. ÖSTERREICHISCHBN HANDELS-MUSEUM IN WIEN. 

Redigirt von JULIUS BÖHM. 




Monatlich eine Nummer. 



Vbklao des k. k. Österkrichischkn Handkls-Museums in Wi*n. 



Prell jUirLtfl. lOaark. 



INHALT: llio Muntaaiuduitile JapauH. — Die £x|/edUlun Dr. BcbSllisr's 
Dach Centralafrlka, — Miicellen: Die Clilnenen als Träger des 
Auflsatze». — Ein oeue» Wörterbuch der egyptluchea Hpracben. — Der 
chluuslfiche Kalender. — linpfutig in Afghanistan. 



DIE MONTANINDUSTRIE JAPANS.') 

Im späteren Mittelalter und zur Zeit der grossen 
Entdeckungsfahrten stand Japan in dem Kufe eines 
unermessiichen Reichthumes an edlen Metallen. Nicht 
nur in China und bei den handelseifrigen Arabern, 
auch in Europa wurde von dem fabelhaften Keichthum 
Japans viel gesprochen, Erzählungen, die durch die 
Berichte der heimgekehrten Seefahrer bestätigt und be- 
stärkt wurden ; Marco Polo berichtete, dass der Palast 
des Gebieters der Insel Chipangu, unter der das heutige 
Japan zu verstehen ist, mit dicken GoU'platten gedeckt, 
dass ebenfalls massive Goldplatten den Höfen und 
weitläufigen Gemächern und Sälen des Palastes als 
Pflaster und Fussboden dienen ; auch die Fensterrahmen 
seien von Gold, so dass ,der Reichthum dieses Palastes 
alle Grenzen und Vorstellungen übersteigt". Es wird 
auch berichtet, dass Columbus hoffte, auf seiner Fahrt, 
die zur Entdeckung Amerikas führte, diese wunder- 
volle, an Schätzen so reiche Insel Chipangu zu be- 
rühren. 

Nachdem die abendländischen Kaufleute dann endlich 
thatsächlich von den Philippinen und von dem heutigen 
Niederländisch-Indien aus mit Japan in Güteraustausch 
getreten waren, bestätigte der reichliche Export von 
Silber die alten Erzählungen von dem Reichthume 
des Inselreiches an edlen Metallen ; die Silberausfuhr 
hörte jedoch schon im Jahre 1642 völlig auf, an deren 
Stelle jedoch der nicht minder lohnende Export von 
Kupfer trat, der von den holländischen Kaufleuten, in 
deren Händen in jenen Zeiten der Handel mit dem 
heutigen Japan einzig und allein lag, recht schwunghaft 
betrieben wurde. 

Nach den allerdings mit grosser Vorsicht aufzu- 
nehmenden Nachrichten über die Metallausfuhr durch 
die Holländer und Portugiesen sollen in den Jahren 
1600 bis 1641 jährlich durchschnittlich 1200 — 1400 
Kisten Silber im Gewichte von 45 — 52 / und im 
Werthe von 4Y3 bis 5 Millionen Gulden ö. W. und 
später, als sie Kupfer statt Silber an Zahlungstatt an- 
nehmen, 12.000 — 20.000 Piculs oder 720 — 1200/ 
Kupfer fxportirt worden sein. Daraus ginge hervor, 
dass die Silberminen des Landes in jenen Zeiten viel 
ertragreicher gewesen sein müssen als in der Gegen- 
wart, da in dem Jahre 1877 bis 1881 die jährliche 
durchschnittliche Silberproduction nur 11*64/ betragen 
hat, die sich jährlich steigend aaf circa 72 / im 
Jahre 1895 gehoben hat. 

Die Japaner haben von altersher den Mincralschätzen 
des Landes ihre volle Aufmerksamkeit zugewendet, 

'} Speetalbericbt des k. und k. Onsiilsiea in Voknhauia, 



wenn auch erst io der neuesten Zeit von einem ratio» 
nellen Abbau gesprochen werden kann. Wie vordem 
fast überall wurde auch in Japan der Bergbau haupt- 
sächlich in der Weise betrieben, dass die Suche nach 
Erzen und Kohlen nur solange fortgesetzt wurde, als 
es die Bergwässer zuliessen und das Erträgnis« des 
Betriebes ein günstiges war. Der Abbau in der älteren 
Zeit bis zur Eröffnung des Landes für den Verkehr 
mit Fremden (1854), der im Ganzen an die primitive 
und irrationclle Betriebsweise der alten Römer erinnert, 
erfolgte lediglich durch Stollen, die je nach der Lage 
des abzubauenden erzreichen Ganges oder des Kohlen- 
lagers an- und abstiegen, während die Förderung des 
Erzes oder der Kohle entweder durch diese Stollen 
selbst oder aber in seltenen Fällen durch eigene 
schornsteinartig angelegte Gänge erfolgte, die jedoch 
nicht direct, auf dem kürzesten Wege zur Oberfläche 
führten, sondern sich wanden und krümmten, je nach- 
dem festes Gestein den Durchbruch erschwerte oder 
taubes Gestein und abbaufähige Gänge und Lager 
sich vorfanden. Besonders mangelhaft und unzureichend 
waren die Mittel, die das ältere System des japa- 
nischen Bergbaues anwandte, um sich der Bergwässer 
zu erwehren. Die primitiven Handsaugpumpen genügten 
in den wenigsten Fällen, und gar oft musste der Betrieb 
einer Mine eingestellt werden, da man die Wässer 
nicht bemeistern konnte. 

Die Werkzeuge des japanischen Bergmannes be- 
standen lediglich aus der Spitzhacke, der Brechstange 
und dem stählernen Keile. Ziemlich verbreitet und 
unterstützt durch den enormen Holzreichthum des 
Landes war die Gewinnungsarbeit durch Feuersetien, 
wie sie auch in Europa in Goslar, in Felsöbanya und 
in einigen Orten Norwegens in .Anwendung kommt, 
zumal die Festigkeit des Gesteines diese Methode des 
Abbaues in Japan empfchlenswerth erscheinen lässt. 
Da Sprcngmittel nicht in Verwendung kamen, wurden 
die Stollen durch das Gestein natfirlicb so enge und 
niedrig als nur möglich angelegt. Die sehr be- 
schwerliche Förderung des gewonnenen Materials, des 
Erzes oder der Kohle sowie des tauben Gesteines 
erfolgte auch in der primitivsten Weise, indem es in 
Körben oder anderen Strohgeflechten auf dem Rücken 
von Weibern und Kindern an die Oberfläche gebracht 
wurde. 

Dass bei dieser Art des Betriebes ohne Anwendung 
maschineller Einrichtungen, wenn man von den ein- 
fachen Pumpen, die verwendet wurden, absiebt, trotz- 
dem die Stollen in manchen Fällen bis zur Länge von 
10.000 Fuss oder 3000 m getrieben wurden und die 
tiefste Stelle, die erreicht wurde, mit 700 — 800 Fuss 
oder 210 bis 270 m angegebea wird, stellt der Beharr» 
lichkeit, mit der nach Erxen und Kohle gearbeitet 
wurde, das schönste 2^ugniss aus. 

Die Aufbereitung des gewonnenen Rrzes erfolgte 



38 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



ebeofalls ohne Mascbiaea und wurde fast ausschliesslich 
durch Frauen- und Kinderarbeit besorgt. Zuerst findet 
die Theilung in reiche und ärmere Erze statt, letztere 
werden zerstampft, und mit Hilfe des Wassers wird 
das erzlose Pecbgut entfernt. 

Das Schmelzen der verschiedensten Erze erfolgte 
auch in primitiver, unvollkommener Weise; hiezu 
dienten kleine Schmelzherde, die auf Sand ruhten ; 
der Herd selbst war durch flache, circa 15 cm tiefe 
Gruben gebildet, die einen Durchmesser bis zu einem 
halben Meter hatten, deren Mauern aus mit dicken 
Lebmschichten bedeckten Flechtwerken aus dünnen 
Aesten bestand. Zum Schmelzen der Erze selbst wurde 
ausschliesslich Holzkohle verwendet. 

Seit Eröffnung des Landes für den Verkehr mit 
Fremden (1857) ^^^ "un sowohl die damalige Regie- 
rung als auch insbesondere die neue in dem Jahre 
1868 zur Herrschaft gelangte Regierung mit dem ver- 
alteten System des Bergbaues gebrochen und schlug 
durch Berufung fremder Ingenieure auch auf diesem 
Gebiete neue, moderne Bahnen ein. Die geringe Aus- 
beute, die die im Betriebe gestandenen alten Berg- 
werke lieferten, glaubt man auf die mangelhaften zur 
Verfügung stehenden Einrichtungen zurückführen zu 
müssen ; doch die Hoffnungen, die man auf die 
Thätigkeit der europäischen und amer kaniscben Berg- 
ingenieure gesetzt hatte, die selbst voll Zuversicht 
und im Vertrauen auf die Richtigkeit und Stichhältig- 
keit der noch vor wenigen Jahrzehnten wiederholten 
Erzählungen von dem märchenhaften Reichihume Japans 
an Edel- und anderen Metallen an die Atbeit gingen, 
erfüllten sich nicht; es ergab sich, dass die Japaner 
schon in älterer Zeit mit giösserer Genauigkeit, als 
man bisher angenommen hatte, das Insclrcich geolo- 
gisch untersucht hatten ; denn es gelang weder den 
fremden Sachverständigen noch den jüngeren japani- 
schen Bergingenieuren, die ihre Ausbildung in Europa 
erbalten hatten, bedeutendere, bisher unbekannte Mineral- 
lager zu entdecken. 

Gleichwohl wandte die japanische Regierung dem 
Bergwesen grössere Aufmerksamkeit zu und erliess 
auch im Jahre 1873 ein Berggesetz, welches in seinen 
Grundzügen dem deutschen nachgebildet ist. Rechtlich 
steht Japan auf dem Standpunkte des Regals; der 
Staat allein ist demnach Eigenthümer sämmtlicber 
Bodenschätze, ihm steht das Schurfrecht zu, nur er 
allein kann bergmännisch nach Metallen und ihren 
Erzen, nach brennbaren Fossilien, Steinsalz, Phos- 
phorit und nach Edelsteinen graben ; nur bezüglich 
einiger für die Bauindustrie und Landwirthschaft 
nöthigen, dem Mineralreiche angehörigen Stoffe, wie 
Bausteine, Sand, Kies, Kalk u. s. w., macht das Gesetz 
eine Ausnahme, indem es dem Grundeigenthümer das 
Eigenthum an diesen Materialien zuspricht. Sein freies 
Verfügungsrecht über die Bodenschätze macht der 
Staat in der Regel in der Weise geltend, dass er 
gegen eine doppelte Abgabe den bergmännischen 
Abbau Privaten überlässt. 

Zuerst erhebt der Staat eine Steuer, die nach dem 
Flächenmaasse des Bergwerkes berechnet wird, indem 
für 1000 Tsubo (== 3305-8«^) eine jährliche Steuer 
im Betrage von 0*30 Yen (i Yen = fl. i'20 ö. W.) 
eingeboben wird. Das Erträgniss dieser Steuer ist 
ziemlich gering und betrug nach dem Budget für das 
Jahr 1875/76 nur 7431 Yen, stieg im Jahre 1881/82 
auf 26.631 Yen, fiel bis zum Jahre 1884/85 auf 
13.501 Yen, um im Jahre l888/8g wieder auf 46.733 Yen 
zu steigen. In der neuesten Zeit war das Erträgniss 
dieser Steuer in den Voranschlägen für das Jahr 
1895/96 mit 97.077 Yen und für 1896/97 mit 
121.209 Yen eingestellt. 

Ferner wird seit neuerer Zeit eine nach dem Werthc 
des aus den Minen zu Tage geförderten Productes 
berechnete Steuer eingehoben. Alljährlich wird von 



Seite der Regierung der Standardwerth der einzelnen 
Bergwerksproducte im Wege einer Verordnung ver- 
lautbart, der der Besteuerung zugrunde gelegt wird. 
Ein Percent des auf diese Weise ermittelten Werthes 
der jährlicben ProJuction wird dann als Steut;r be- 
einnabmt. Gegenwärtig ist der Standardwerth für die 
einzelnen Grubenproducte wie folgt festgesetzt: 

Gold 4-89 Yen per Momme = 37565 ^ 

Si'br o 14 „ „ 

Kupfer ... 25-30 „ per 100 Katties = 6o-lo /fe^ 

Antimon ... 15-41 „ „ 100 „ 

Antimonsulphat . 9-26 „ „ 100 „ 

Für Kohle schwankt der Standardwerth je nach 
Qualität zwischen Yen 13-10 und 27-88 per 10.000 
Katties = 6010-4 ig und für Kohlenstaub zwischen 
Yen 5-98 und Yen 20-07 für dieselbe Menge. 

Die Einnahme des Staates aus dieser Steuer ist in 
den Jahresvoranschlägen für 1895/96 und 1896/97 mit 
150.633 Yen und 2 15. 193 Yen beziffert. 

Was die Besitzverhältnisse betrifft, ist zu bemerken, 
dass von altersher die Bergwerke im Besitze des Bakufu, 
der alten Shogunatsregierung, und des Landesherrn 
sich befanden ; die minder ertragreichen wurden Pri- 
vaten zur Ausbeute überlassen. Gegenwärtig sind im 
Staatsbesitze nur mehr einige Kohlengruben und andere 
unbedeutendere Minen, da die Regierung nach und 
nach sich ihrer Minen entäusserte; auch der kaiser- 
liche Haushalt hat seine Bergwerke in den letzten Jahr- 
zehnten an Private verkauft, vor Kurzem erst die 
seinerzeit als Krongut erklärten recht ergiebigen Gold- 
und Silberminen von Sodo und Ikuno. Die besten und 
reichsten Bergwerke befinden sich demnach in den 
Händen von Privaten, die sie meist in den günstigen 
Zeiten erworben haben; der bedeutendste von diesen 
Grubenbesitzern ist wohl der Kupferkönig Furukawa, 
der die reichen und ausgedehnten Kupferwerke von 
Ashio, Ani und Innai im Jahre 1871 an sich brachte. 
Unter den Minenbesitzern, die schon seit altersher ihre 
Gruben ausbeuten, ist die fürstliche Familie von 
Shimazu zu nennen, die seit Jahrhunderten die reichen 
Gold- und Silberadern in Kagoshima bearbeiten lässt; 
auch die alte Handelsfirma Sumitomo in Osaka zählt 
unter die Grundbesitzer, die schon vor nahezu drei 
Jahrhunderten mit den Holländern in Handelsbeziehungen 
gestanden ist. 

Die nachstehende Tabelle gibt ein Bild der Ent- 
wicklung der Montanindustrie Japans seit dem Jahre 
1885 ; die producirten Erträge sind für Gold und Silber 
angegeben in Momme, für die übrigen Producte in 
Kwamme (i Kwamme = looo Momme ^ 375(>'5 £!)'• 

a) ProJuction der Rtgierungsgruben. 

1885 1890 I'<>5 

Gold 34007 68931 107.675 

Silber 1,209.282 1,784.074 3, '80.3/5 

Kupfer I 990 6.482 73.869 

Blei — — 1J.321 

Eisen 827.408 958.242 1,322068 

Steinkohle • • • • 71,749.712 1,783219 5.99'.327 

V) Production der Privatminen. 

1885 1890 1895 

Gold 39078 1 53450 144630 

Silber 5,146.909 13,301.629 19,907.586 

Kupfer 2,808.881 4850413 5,234.971 

Blei 23978 206.612 376.622 

Eisen 977-972 5,019810 4860.395 

Mangan 32.706 691.061 3558.518 

Schwefelantimon . . 136.516 504.412 418.968 

Steinkohle .... 275,990.943 696589.835 1.139,4^4.115 

Graphit in. 936 1,217.352 290 400 

Petroleum 293.025 447.214 6,074.440 

Schwefel ',3'9-933 5,5I9.924 5,001.147 

Alaun 2.816 3.139 — 

Der Vüllsiändigkeit halber sei noch angeführt, dass 
ausser den hier verzeichneten Producten nach den 
japanischen Statistiken noch folgende Artikel in den 
in den Klammern beigesetzten Quantitäten im Jahre 
1895 zu Tage gefördert wurden : Zinn (10.301 Kwamme), 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSC 



)EN ORIENT. 



Arsenik (1434 Kwamme), Kupfervitriol (240.767 
Kwamme) und Quecksilber (412 Kwamme). 

Aus der obigen Zusammeostelluag ist zu eotoehnicn, 
dasä der Reichthum Japans an Etfelmetallea keines- 
wegs bedeutend ist, und dass ausser diesen noch Eisen, 
Zinn, Blei und Quecksilber und andere Metalle in sehr 
bescheidenen Mengen gegenwärtig gefunden werden; 
Kupfer und Antimon kommt in grösseren Mengen vor, 
während das Land an Steinkohlen reich zu nennen ist. 
Besonders in letzterer Zeit wurden ergiebige Petroleum- 
quellen gefunden, die, eine rationelle Bewirthscbaftung 
vorausgesetzt, reiche Erträge liefern düiften. 

Gold kam früher in grösseren Quantitäten aus den 
Minen von Sado auf der gleichnamigen Insel; gegeü- 
wärtig scheinen sie jedoch ziemlich erschöpft zu sein ; 
fast ein Uriltiheil des gesammten in Japan gefundenen 
Goldes kommt aus der Provinz Kagoshima, die auf 
der südlichsten der japanischen I^auptinseln, Kiushiu, 
gelegen ist. Golderze finden sieb in Japan meist in 
Quarzgängen, deren Mächtigkeit oft von 60 cm bis zu 
6 tn schwankt; sie führen oft noch eingesprengte Sul- 
fide von Silber, Kupfer und Blei und selten nur ganz 
geringe Mengen gediegenen Goldes und Silbers. Auch 
Waschgold, wenn auch in sehr geringen Quantitäten, 
wird in einigen Flüssen, hauptsächlich in der eben 
genannten Provinz Kagoshima, gefunden. 

Silber wird häufiger und in giösseren Mengen ge- 
funden als Gold ; zu den ertragreichsten Minen zählen 
die von Innai, welche schon seit 1599 bearbeitet 
werden ; von Bedeutung sind noch die von Ikuno, wo 
auch Gold gefunden wird; Ende der Siebzigerjahre, 
als sie noch im Staatsbesitze waren und unter der 
Leitung eines Franzosen standen, warfen sie als einziges 
Regierungsbergwerk einen Reinertrag ab. 

Kupfer kommt in Japan in ziemlich bedeutenden 
Mengen vor und bildet schon seit 1642 ein hervor- 
ragendes Ausfuhrgut des Landes; man findet es selten 
gediegen, fast das gesammte in Japan gewonnene 
Kupfer wird aus Kupferkies geschmolzen. Die reichsten 
Kupferbergwerke Japans sind in den Provinzen Tochigi 
und Ehime gelegen ; unter ihnen nimmt gegenwärtig 
Asbio mit einem jährlichen Ertrage von rund i'/j Mil- 
lionen Kwamme die erste Stelle ein. Dann folgen die 
Gruben von Beoshi, die jährlich an einer Million Kwamme 
Kupfer liefern. Die beiden eben genannten Minen sind 
im Besitze des Ichibei Turukawa, der sie nach voll- 
kommen modernen Principien ausbeutet. Unter den 
zahlreichen weiteren, jedoch kleineren Gruben sind 
noch zu erwähnen die von Ahita mit einem jährlichen 
Ertrage von 600.000 Kwamme, Miyazaki, das über 
eine halbe Million Kwamme im Jahre 1895 lieferte, 
geringere Erträgnisse weisen die Gruben von Okayama 
(400.000 Kwamme), Shimane (350.000 Kwamme), Iwate 
(300.000 Kwamme) auf; noch kleinere Ausbeuten 
brachten die Kupferminen von Ishikawa, Fukui, Niigata 
und Kumamoto ein. 

An Blei und Zinn ist Japan ziemlich arm, die Be- 
dürfnisse des Landes werden durch die Ausbeute der 
Zinn- und Bleigruben nicht gedeckt. Die wichtigsten 
Bleiwerke sind in Hosokura, die einen Ertrag von 
ca. 400.000 Kwamme einbringen , die Minen von 
Kamioka folgen dann zunächst, liefern aber kaum ein 
Drittel des Ertrages der ersteren. Zinn kommt in den 
Districten von Gifu, Oita, Miyazaki und besonders, in 
dem goldreichen Kagoshima vor ; die in dem letzteren 
Gebiete gelegenen Gruben von Taniyama lieferten im 
Jahre 1895 etwas über 4000 Kwamme. 

Die Production von Eisen ist in Japan sehr gering 
und deckt auch bei weitem nicht den Bedarf; es wird 
hauptsächlich aus Eisensand und aus Magneteisenstein 
gewonnen. Fast die Hälfte des in Japan zu Tage ge- 
förderten Eisens, über 600. 000 Kwamme, kommt aus 
der Provinz Iwate. Die Hochöfen, die in Japan in Ver- 
wendung stehen, sind jedoch noch ganz alter Con- 



struction ; sie werden meist oocb mit HoUkoblea ge- 
speist, und besonders das angewendete Gtissverfabren 
ist ein sehr primitives. 

Die Verwendbarkeit des Anlimons haben die Japaner 
erst in der neueren Zeit kennen gelernt; die Ausbeule 
an diesem Metalle, das aus Grauspiessglanzerz dar- 
gestellt wird, ist zwar nicht sehr reich zu nennen, 
gestattet jedoch immerhin die Ausfuhr desselben. Bei 
weitem den grössten Tbeil des hier gefundeoeo Anti- 
mons produciren die in der Provinz Ehime gelegenen 
Gruben von Ichino-Kawa, aus denen im Jahre 1895 
an 350.000 Kwamme gefördert wurden. 

Auch die Production des Mangans aus Manganozyden 
ist neuesten Datums; dieselben werden hauptsächlich 
auf der nördlichsten der Hauptinseln Japans, auf Yezo, 
gefunden. Die Werke von Jedawa sind die reichsten, 
sie lieferten im Jahre 1895 tast 2 Millionen Kwamme. 
Steinkohle gehört zu den verbreitetsten Bodenschätzen 
Japans. Die japanischen Montanisten wenden diesem 
nicht nur für die verschiedensten Zweige der Industrie, 
sondern für die ganze moderne Volkswirthschaft so 
wichtigen Producte auch ihre volle Aufmerksamkeit 
schon seit Jahrzehnten zu, und es gelingt auch immer, 
neue, bisher unbekannte Fundstätten von Kohlen zu 
ergründen und aufzuscbliessen. Von der zu Japan ge- 
hörigen Inselkette der Riukiu-Eilande im Süden bis 
hinauf hoch in den Norden auf den Kurilen findet 
sich dieses schwarze Product, das in besonders grossen 
Mengen auf der südlichsten Hauptinscl (Hyushu) und 
auf der nördlichsten (Yezo) sich vorfindet. Der Ri-icb- 
thum Yezos an abbaufähiger Kohle wird besonders 
gerühmt ; doch scheint es, dass der englische Chef- 
geologe Lyman, der Mitte der Siebzigerjahre Yezo 
geologisch aufnahm, die Mächtigkeit der ausgedehnten 
Kohlenflötze überschätzte, als er berichtete, dieselben 
bergen an 150.000 Millionen / oder zwei Drittel so 
viel als die berühmtesten Kohlenlager Englands. Ihrem 
Alter nach ist die japanische Kohle Tertiärkohle; die 
sehr zahlreichen Blattabdrücke, die man in den sie be- 
gleitenden Schiefern findet, weisen auf das jugendliche 
Alter der hiesigen Kohlenlager; ihrem Aussehen und 
ihren Eigenschaften nach sind die in Japan gefundenen 
Kohlen Steinkohlen, die nur selten an Braunkohlen 
erinnern. In den jüngeren Tertiärlagerungen findet man 
jedoch nicht selten Braunkohlenflötze, die jedoch nie 
in grösserer Mächtigkeit auftreten. Von den 46 Fund- 
orten von brauchbarer Kohle, die Ende 1895 in Japan 
gezählt wurden und die sich auf 31 Districte des Landes 
vertheilen, sind bisher die erträgnissreichsten jene, die 
auf der südlichsten Hauptinsel Kiushu gelegen sind. 
Von der gesammten Kohlenproduction Japans, die im 
Jahre 1895 auf über 4Yf Millionen / geschätzt wurde, 
wurden 3*9 Millionen / aus diesen Gruben zu Tage 
gefördert, während '/, Million / aus den Fundstätten 
Yezos stammte und der verhältnissmässig kfeine Rest 
sich auf die übrigen Kohlendistricte Japans vertheilte. 
Auch Petroleum wird in Japan in nicht unbedeutender 
Menge gefunden, und es ist anzunehmen, dass diesem 
Zweige der japanischen Montanindustrie noch eine 
schöne Zukunft bevorstehen dürfte, bis alle die Quellen 
— und es gibt deren eine ziemliche Anzahl — rationell 
betrieben werden. Im nördlichen Theile der Haupt- 
inscl (Hondo) ist das Centrum der Petroleumindustrie 
der Bezirk von Niigata, wo Ende 1895 an 20 Plätzen 
das Leuchtöl gefunden wurde, während auch auf Yeso 
sich viele Quellen finden und auch auf der kleinsten 
der vier Hauptinseln, auf Sbikoku, dieses Rohproduct 
sich vorfindet. Der Ertrag der japanischen Petroleum- 
industrie wurde im Jahre i8q5 auf '/j Md'ion Yen 
gsschätzt und reicht für die Bedürfnisse des Landes 
bei weitem nicht hin; da jedoch in den leuten Jahren 
neue Quellen gefunden wurden, die einen grossen Ertrag 
zu versprechen scheinen, dürfte mit der Zeit dem 
russischen und » trrr lian>;chr n Pro('i'rfr in der I c'rei 



40 



ÖSTERREICHISCHE MONATSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



sehen Industrie ein beachtenswerther Concurrent er- 
wachsen. 

Bei der vulcanischen Beschaffenheit des Landes 
kann es nicht Wunder nehmen, dass die Schwefel- 
production auch entwickelt ist ; man findet Schwefel an 
den Kraterwänden sowie in den Rissen und Spalten 
der erloschenen und noch tbätigen Vulcane des Landes; 
hauptsächlich wird er jedoch durch Zersetzung des 
Schwefelwasserstoffes der Solfataren gewonnen. In 
früheren Zeiten war der Süden des Landes der haupt- 
sächlichste Fundort für Schwefel, jetzt ist der Norden, 
die Insel Yeso, an dessen Stelle getreten. Fast 70 Per- 
cent der Production Japans oder 3*1 Millionen Kwamme 
kamen im Jahre 1895 von dieser Insel; die ertragreichste 
Fundstätte war in demselben Jahre Atosanobori in der 
Provinz Iburi, die 1*7 Millionen Kwamme lieferte. Auch 
auf den Kurilen findet man Schwefel in grösseren 
Mengen ; der Ertrag der dort gelegenen zwei Minen 
bezifferte sich im Jahre 1895 auf nahezu eine Million 
Kwamme. 

Alaun findet sich ebenfalls, wenn auch nicht in 
grösseren Mengen in einem erdigen Zersetzungspro- 
ducte des vulcanischen Gesteines, aus dem er durch 
Auslaugen gewonnen wird. Zu den Producten der eigent- 
lichen Montanindustrie sind der Porzellanstein, das 
Kaolin, die Töpferthone, dann die Kalksteine und ver- 
schiedenen Schiefer, die in Japan auf den verschiedensten 
Punkten gefunden und gewonnen werden, nicht zu 
zählen, da sie nicht bergmännisch zu Tage gefördert 
werden, sondern aus Steinbrüchen stammen ; sie ver- 
dienen jedoch Erwähnung, zumal die ersteren in der 
recht hochentwickelten Keramik Japans Verwendung 
finden. 

Ein Product der Montanindustrie fehlt in Japan voll- 
ständig, nämlich das Salz, welches bisher weder als 
Berg- oder Steinsalz, noch in einer verwendbaren Sohle 
gefunden wurde. Das in Japan erzeugte Salz gehört 
hier eher in das Gebiet der Landwirthschaft, welche 
es in sogenannten Salzgärten durch Verdampfen aus 
dem Meerwasser gewinnt. Bevor nun auf den Handel 
mit den Producten der Montanindustrie und deren Ver- 
wendung in der japanischen Industrie übergegangen 
wird, erübrigt es noch, die Arbeiterverhältnisse in den 
japanischen Minen, so weit es die äusserst dürftigen 
vorliegenden Daten gestatten, zu streifen. 

Während in den grossen Werken seit den zwei 
oder drei letzten Jahrzehnten nach modernem Muster 
gearbeitet wird, fehlt es an solchen Einrichtungen in 
den kleineren Betrieben auch jetzt no<4 fast völlig, 
was umsomebr ins Gewicht fällt, da die japanischen 
Minen, wie gezeigt wurde, der überwiegenden Mehrheit 
nach aus solchen kleineren Betrieben bestehen, in denen 
vielfach nicht einmal das ganze Jahr gearbeitet wird ; 
naturgemäss fehlt es in diesen auch an stabilen und 
durchaus geschulten Arbeitern. Die Bauern, die im 
Frühjahre und Herbste ihre Felder bestellen, arbeiten 
nur während der Zeit, in der ihre Arbeitskraft in der 
Bewirthschaftung des Bodens nicht benöthigt wird, in 
den Minen. Die Arbeiterfrage scheint darnach auch eine 
Hauptschwierigkeit zu sein, welche dem Aufblühen und 
Gedeihen der japanischen Montanindustrie entgegen- 
steht, da wohl gesagt werden kann, dass Japan keinen 
ausgebildeten Bergmannstand besitzt. 

Nur die reichen Kohlengruben auf Kiushu haben 
gelernte, ständige Bergarbeiter, ein Umstand, der schon 
aus den Lohnverhältnissen zu ersehen ist. Während in 
den übrigen Theilen des Landes der den Gruben- 
arbeitern gegenwärtig gewährte Taglohn zwischen 27 
und 37 Sen (100 Sen = i Yen = ca. fl. i*02 ö. W.) 
schwankt, beträgt der tägliche Verdienst der Arbeiter 
in den Kohlenbergwerken im Durchschnitte 47 Sen. 

Die ökonomische Lage der Bergleute ist eine ziemlich 
traurige. Da jede staatliche Aufsicht fehlt und die 
Arbeiterschaft völlig den Händen von Mittelsmännern, 



den Contractoren, überliefert ist, ist dem Missbrauche 
und der Ausbeutung der Arbeiterschaft Thür und Thor 
geöffnet; eine rühmliche Ausnahme machen allerdings 
vereinzelte grosse Unternehmungen , wie z. B. die 
Kupferminen in Ashio, wo Krankencassen nach euro- 
päischem System und Unterstützungscassen für Fälle 
von Verunglückungen u. dgl. eingerichtet sind, die von 
dem Eigenthümer der Werke eingeführt und reichlich 
unterstützt werden. 

Was die Zahl der in den verschiedenen Montan- 
unternehmungen verwendeten Bergarbeiter betrifft, so 
betrug sie Ende 1895 118.963 Männer, Frauen und 
Kinder zusammen, von denen nahezu die Hälfte, rund 
54.000 Personen, in den Kohlengruben des Landes 
Beschäftigung fanden. 

Im Handelsverkehre mit den Producten der Montan- 
industrie kommen in der Ausfuhr aus Japan nur Kohle 
und Kupfer und in geringerem Maasse Antimon, Mangan 
und Schwefel in Betracht. Der Einfuhrhandel nach 
Japan beschäftigt sich jedoch mit einer Reihe von 
Artikeln und es kann gesagt werden, dass der Metall- 
markt zu einem der Hauptfelder der Thätigkeit haupt- 
sächlich der fremden Importeure zählt. Der Werth der 
nach Japan importirten Metalle und Metallmanufacturen 
betrug in den Jahren 1894, 1895, 1896 von 85.575 
Yen ä ca. 2 sb. '/^ d, beziehungsweise 13,106.026 Yen 
und 18,421.317 und hielt mit dem steten Anwachsen 
der Gesammtguteinfuhr nach Japan gleichen Schritt, 
da der Metallimport in diesen Jahren 9"04 Percent, 
beziehungsweise 10 Percent und iO'73 Percent betrug. 
Der Metallexport bewegte sich auch in einer auf- 
steigenden Linie ; sein Werth betrug in den letzten 
drei Jahren 6,030.372 Yen, beziehungsweise 6,538.220 
Yen und 6,734.417 Yen, 

Sowohl der Menge wie dem Werthe nach, nimmt 
die Kohle die erste Stelle unter den Ausfuhrgütern, 
die der Montanindustrie des Inselreiches entstammen, 
ein. Ein interessantes Bild ergibt sich aus den Daten 
über die Kohlenausfuhr in den letzten drei Decennien. 
Dieselbe betrug : 



Im 




Werth 


Jahre 


Tonnen 


in Yen 


1868 . . 


• «5-584 


79-519 


1870 . . 


. 25.163 


139.085 


'875 • • 


• 5« 305 


2«3.385 


1880 . . 


• «31.963 


460.085 


1885 . . 


19 [.800 


626.515 


1890 . . 


644.048 


2,565-703 


1894. . 


. 1,031.153 


3,9«7-265 


1895. . 


. 1,096.578 


4,426.400 


1896 . . 


. «.329 '9' 


5,312.227 



Fast in ji-dem Quirquennium verdoppelte sich der 
Export dieses Artikels; besonders in den Jahren 1885 
bis 1890 verdreifachte sich die Ausfuhr, indem sich 
die japanische Kohle neue Absatzgebiete, besonders 
in Britisch-Indien eroberte, wo die aufstrebende Baum- 
wollindustrie grosse Mengen Kohle benöthigt und die 
billigere japanische Kohle der wenn auch bei weitem 
besseren englischen vorzog. In den letzten Jahren nahm 
die Ausfuhr nach China grössere Dimensionen an, die 
darauf zurückzuführen ist, dass seit dem Frieden von 
Shimonoseki, der dem Kriege zwischen Japan und 
China ein Ende bereitete, in Folge der den Chinesen 
dictirten Friedensbedingungen die Errichtung von Fa- 
bfiken in den dem freien Verkehre eröffneten Häfen 
des Reiches der Mitte gestattet ist, und diese neuen 
Pioductionsstätten ihren grossen Kohlenbedarf haupt- 
fächlich aus dem benachbarten Japan beziehen, wäh- 
rend die reichen Kohlenlager, die China selbst besitzt, 
noch unerschlossen und in Folge der mangelnden Ver- 
kehrsmittel für die Industrie gegenwärtig noch nutzlos 
sind. 

Der Export von Kohlen vertheilte sich in den letzten 
zwei Jahren wie folgt : 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



41 



Australien . . . 
Oesterreich . . . 

Belgien 

Englisch-Amerika 
Britisch-Indien 

China 

Korea 

Frankreich . . . 
Französisch-Indien 
Deutschland . . . 

Hawai 

Holland .... 
Hongkong . . . 
Philippinen . . . 
Russisch-Asien 

Siam 

Vereinigte Staaten 

von Amerika 
Andere Länder 



Menge 

ia ToQpea 

8.6g8 

850 

400 

238 674 

515-889 
8.855 
2.000 
3.800 
1.550 
2.100 

478490 
21 250 
19.620 



26.513 
502 



h'M 


IHM 


Werlh Yen 


Mang« 


« Kh. i d 


in Toonan 


36.853 


950 


297s 


— 


2.200 


— 



1,005.244 

1,937.276 

31.372 

10.000 
13.660 

7750 
8.690 

1,965.102 
«3.300 
88.646 



1 16 650 

2-505 



1.876 

171 140 

422.048 

7 '74 



960 

I.OOO 

446.813 
25.170 

7-759 
250 

10.388 

I.OOO 



Wertb Yen 

S ib. 8 d 

4-273 



9.806 

736963 

1,636 980 

24.472 



4.650 

5.000 

1,830.114 

98.170 

33964 
1.250 

47-*54 
3.500 



Zusammen . . 1,329.191 5,312.227 1,096.578 4,426.400 

Hier ist noch zu erwähnen, dass in diesen Ziffern 
jene Koblenraengen, die zum Verbrauche auf den ver- 
schiedenen einheimischen und fremden, nach dem Aus- 
lande fahrenden Dampfern eingeschifft wurden, nicht 
eingerechnet sind ; leider stehen hiefür für die letzten 
Jahre keine statistischen Uaten zur Verfügung; jedoch 
daraus, dass schon im Jahre 1889 zu diesem Zwecke 
330.361 / Kohle verschifft wurden, während in dem- 
selben Jahre 558.449 / Kohle exportirt wurden, kann 
geschlossen werden, dass die für den Schiffsverbrauch 
gegenwärtig aus dem Lande gebrachten Kohlenmengen 
eine recht bedeutende Ziffer erreichen dürften, be- 
sonders wenn erwogen wird, dass der Schiffahrtsver- 
kehr Japans auch fortwährend Fortschritte macht und 
überdies auch die zahlreichen in den ostasiatischen 
Gewässern stationirten Kriegsschiffe recht bedeutende 
Mengen von Brennstoffen verschlingen, die auch zum 
Theil den japanischen Kohlengruben entnommen 
werden. 

Ueber die Brauchbarkeit einiger Gattungen japani- 
scher Kohle für die Zwecke der Dampfschiffe liegen 
folgende , von berufener Seite abgegebene Gut- 
achten vor: 

Die Miike- und Karatsu-Koble, die aus dem süd- 
lichen Theile des Landes stammt, brennt mit langer, 
rothgelber Flamme und erzeugt bei schwarzbraunem, 
qualmendem Rauch sehr viel Russ und Flugasche, 
welche die Feuerrohre und Rauchkammern rasch ver- 
legt, und hinterlässt nebst ca. 40 Percent Asche noch 
stark anhaftende Schlacke. Der Verbrauch dieser Kohle 
stellt sich zu dem an englischer Kohle wie 10 / zu 4*43 /; 
der Preis für lo / japanischer Kohle betrug fl, 9075 
Gold, während die 443 / englischer Kohle, mit der 
derselbe Effect erzielt wurde, nur fl. 8528 Gold 
kosten würden. Da die Dampfkessel in Folge des 
öfteren Oeffnens der Feuerthüren beim Aufwerfen und 
Reinigen mehr in Anspruch genommen werden und 
bei intensivem Betriebe das Lecken der Feuerrohre 
und Nietnahten herbeigeführt würde, müssen diese zwei 
Kohlengattungen als ungeeignet zur Verwendung auf 
Dampfschiffen bezeichnet werden. 

Ungleich günstiger lautet das fachmännische Unheil 
aber die Ortarukoble, die aus Yeso stammt. Diese ist 
der Cardiffkohle sehr ähnlich, ist schwerer als diese, 
hat einen glänzenden prismatischen Bruch und ist 
schwer brechbar. Bei sehr guter Daropfbildung brennt 
sie mit lichtgelber langer Flamme; beim Aufwerfen 
der Kohle «ntsteigt den Schloten schwarzer, qual- 
mender Rauch, doch schon nach zwei Minuten erfolgt 
ein gicichmässiges, leichtes Rauchen. Russ lagert diese 
Kohlengattung sehr wenig ab; sie hinterlässt circa 
20 Percent Asche, die zu einem nochmaligen Aufwerfen 
nicht gebraucht werden kann, und sehr wenig, leicht 
abnehmbare Schlacke. Bei einem vorgenommenen Ver- 
suche wurden während 44 Stunden 46-728 / Ortaru- 



koble verbraucht, die Yen 700*92 kosteten, während 
zur Erzielung desselben Effectes 4i'8 / englischer 
Kohle genügt hätten, die jedoch Yen 1043 gekostet 
haben würden; einem Mebrconsum von nur 4*928/ 
Kohle steht ein Geldersparnisa von Yen 344*08 gegen- 
Qber. Die Kessel werden nicht mehr wie beim Gebrauch 
der englischen Kohle durch Feuerreinigen oder öfteres 
Aufwerfen in Anspruch genommen. Die Ortarukohle 
muss demnach als ein in jeder Hinsicht geeignetes 
Feuerungsmittel für Dampfer bezeichnet werden ; tbat- 
sachlich wird sie auch nicht nur von vielen Schiff- 
fahrtsgesellscbaften, sondern auch in der Industrie sebr 
lebhaft begehrt und verwendet. 

Obwohl Japan ein kuhlcnreiches Land ist, das viel- 
leicht in wenigen Jahren mit seinen vorzüglichen 
Kohlen aus Yeso den ostasiatiscben Markt beherrschen 
wird, gelangten bisher doch stets Kohlen auch zur 
Einfuhr, die besonders in den letzten Jahren an Be- 
deutung zugenommen hat. Seit der Restauration der 
Herrschaft des Mikado kamen folgende Mengen zum 
Importe: ^', 

Jahre Tonnen Tan /'-v , 

«868 5936 33.753 /.ory 

1870 5.602 24.936 - -^^ 

«875 12-65« l47-5'3 

1880 22.031 156.226 ~ 

1885 10.699 85.038 ,' ' / . J 

1890 11.403 110.097 , ^. - ^o*. 

"894 37-247 472-757 ; '*-**\ ' 

1895 68.931 853.079 ', < X , 

1896 49-523 519-380 ^ .-' 

Der Import war stets, wie aus dieser Zusammen- 
stellung zu ersehen ist, ein schwankender ; besonders 
zu bemerken ist die Zunahme der Einfuhr in den 
letzten Jahren, die seit dem Kriege gegen China sieb 
immer mehr zu entwickeln scheint. Ucber die Herkunft 
der importirten Kohle gibt folgende Tabelle Aufscbluss : 

I8M 18»5 

Maaca WarUi Maat« Wa>tta 

Tonnan Yan') TooBaa Taa*) 

Australien 250 1.500 — — 

England 49-273 517.880 68.547 849.623 

Vereinigte Staaten v. Amerika — — j8o 3402 

Andere Länder — — 4 J4 

Zusammen . . 49.523 519.380 64.931 853.079 
Es ist anzunehmen, dass der Kohlenimport in den 
nächsten Jahren noch grössere Dimensionen erreichen 
wird, und besonders die australische Kohle dürfte in 
der nächsten Zukunft in grösseren Mengen nach Japan 
gelangen, zumal der Import ein sehr lohnender ist. 
Vor wenigen Monaten brachte ein japanischer Dampfer, 
der in Folge des Schiffahrtsermunterungsgesetzes für 
die Fahrt von Japan nach Neu-Süd-Waics und zurück 
eine Prämie von 12.300 Yen bezog, 4600 / austra- 
lischer Kohle nach Kobe und Yokohama, die für 
57.300 Yen veräussert wurden. Lic Gesammtkosten 
für die Charter des Dampfers betrugen 27.500 Yen, 
und die Kohlen wurden um 18.400 Yen an Ort und 
Stelle gekauft ; bei den Gesammtausgaben von 45.900 Yen 
ergab sich demnach ein Gewinn von 23.700 Yen, zu 
dem allerdings der Staatssäckel über die Hälfte in der 
Form der Schiffahrtsprämie beitrug. 

Endlich sei noch erwähnt, dass nach der officiellea 
Statistik seit dem Jahre 1889 Kohlemlaub zum Exporte 
gelangt. Die Ausfuhr betrug in den Jahren: 

Jabre Tonnan Van 

»888 87.789 130.984 

»890 209.362 53.158 

'894 234.351 757039 

»895 279490 982.710 

»896 285.533 930.704 

Im letzten Jahre waren die Bezugsländer Hongkong 
('54-255 '). China (120.922 /), Britisch-Indien (9647 /), 
Russisch-Asien (705 /). 

Die Preise der japanischen Kohle haben sich ia den 
letzten Jahren, wie im Allgemeinen alle Artikel, gaaa 

>) ! Ib. i i. >) * tk. I-S d. 



42 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



bedeutend gehoben. Während im Jahre 1893 der Werth 
einer Tonne japanischer Kohle im Mittel 4 Yen 60 Sen 
ä 2 sh. l"2 d, im Jahre 1894 und 1895 4 Yen 90 Sen 
h 2 sh. 1*3 d war, erhob er sich im Jahre 1896 auf 
6 Yen 50 ä 2 sh. 2 d und erreichte im Jahre 1897 
sogar 7 Yen 60 ä 2 sh. '/i ^• 

Als nächstwichtigster Artikel der Montanindustrie 
Japans, der in der Ausfuhr von Belang ist, folgt nun 
Kupfer, das sowohl in Ballen, in Stäben oder sonst 
manufacturirt, besonders als Draht und endlich zu 
Kupferwaare verarbeitet zum Export gelangt. 

Das in Japan gewonnene Kupfer bildete, wie oben 
erwähnt wurde, schon seit mehr als zwei Jahrhunderten 
einen sehr gesuchten Exportartikel und ist seiner 
Reinheit zufolge sehr geschätzt und besonders, seitdem 
in der neuesten Zeit in den grossen Gewerkschaften 
von Ashio und Besshi die modernen Verfahrungsarten 
im Hochofenbetriebe eingeführt wurden, kann das in 
Japan gewonnene Kupfer dem besten der Erde zur 
Seite gestellt werden. 

Die Ausfuhr von Kupfer in Barren und Stangen 
nahm seit der Restauration folgende Entwicklung 
(i Yen = ca. ö. W. fl. i'ZO, i Katty == ob kg): 



K u p f 



Menge 
EaUiei 



Barren 

Werth 
Yen 



1868 
1870 , 
1875. 
1880 . 
1885 , 
1890 . 
1894. 
1895, 
1896 . 



187.266 

402.661 

977.056 

8,183.267 

19,224.103 

9,645.269 

6,558.406 

11,241.018 



8.686 

28.110 

80.779 

160.831 

1.067.558 

3,049.761 

«.799-435 

>, 340-583 

2,423115 



Menge 
Eattiei 



233.649 
1,322.446 

5,225.100 
13,127.503 
6,074.919 
8,431.204 
2,736.295 



e n 
Werth 
Yen 



54.905 
252.185 
742.929 

2,302.551 
1,155.862 

1,693.376 

594-447 



Seit Beginn der 80 er Jahre gewann der Kupfer- 
export eine sehr grosse Ausdehnung, zeigt jedoch 
seither kein regelmässiges Bild der Entwicklung, in- 
dem die Ausfuhr oft schwunghaft in die Höhe stieg, 
um bald wieder einen namhaften Rückgang zu zeigen. 
Kupferbarren gingen im Jahre 1896 hauptsächlich nach 
Hongkong (5,461.007 Katties), England (2,446.766 
Katties), Deutschland (1,937-615 Katties) und China 
(1,254.088 Katties). Die Bezugsländer für Kupfer in 
Stangen waren im selben Jahre Hongkong (1,308.057 
Katties), China (776.701 Katties), England (250.599 
Katties) und Deutschland (242.771 Katties). 

Die Ausfuhr von manufacturirtem Kupfer, haupt- 
sächlich Kupferdraht, betrug im Jahre 1894 9,683.904 
Katties im Werthe von 1,945.456 Yen, im Jahre 1895 
9,197.160 Katties im Werthe von 2,123.706 Yen und 
hob sich im Jahre 1896 auf 10,207.089 Katties, die 
mit 2,461.038 Yen bewerthet wurden. Der Werth der 
exportirten Kupferwaare betrug im Jahre 1894 
134.970 Yen, im Jahre 1895 101.341 Yen und im 
Jahre 1896 135.079 Yen. 

Was nun die Preise betrifft, zu denen Kupfer in den 
letzten Jahren gehandelt wurde, so notirte dieser Ar- 
tikel im Jahre 1894 per Picul Sumitomo zwischen 
20^2 und 23 Y4 Yen ; im September 1895 erreichte 
Kupfer mit 25 Yen die höchste Notirung in dem ge- 
nannten Jahre ; in Folge der etwas höheren Preise, 
die während des Jahres 1896 auf den europäischen 
und amerikanischen Märkten gezahlt wurden, waren 
auch in Japan die Preise höher; auch, im Jahre 1897 
zeigte sich ein continuirliches Steigen der Notirungen; 
Ende December 1897 wurde Kupfer mit Yen 28*25 
bis Yen 28'50 per Picul gehandelt. 

Auch die Ausfuhr von Antimon ht von einiger Be- 
deutung. Seit dem Jahre 1882 erscheint dieselbe in 
den ofüciellen Statistiken aufgenommen und weist nach 
diesen folgende Entwicklung auf: 



a Jahre 


KatUea 


Werth in Yen 


1882 . . 


• . ».895-979 


101. III 


1885 . . 


. • 3 795-64 • 


183.289 


1890 . . 


. . 2,837.110 


349.961 


1894 . . 


■ . 2,682.813 


25426t 


1895 . . 


. . 3.4i3->85 


289.935 


1896 . . 


. . 1,037.448 


83.806 



Der Werth der ausgeführten Antimonwaare betrug 
im Jahre 1893 75.677 Yen, in 1894 72.366 Yen, In 
1895 130.277 Yen und in 1896 104. oio Yen. 

In den Jahren 1894 und 1895 waren die Preise 
des Antimon ziemlich constant zwischen 8 und 9 Yen 
per Picul (ä 6o"i kg) und auf einem Niveau, das die 
Ausfuhr gestattete; im Jahre 1896 fielen jedoch die 
Notirungen um lO — 15 Percent, und zu diesen Preisen 
konnte an eine Ausfuhr in grösserem Style nicht ge- 
dacht werden, und daher erklärt sich auch der bedeu- 
tende Rückgang des Exportes in diesem Metalle von 
fast 2^2 Millionen Katties im Jahre 1895 auf i Mil- 
lion im Jahre 1896. Das Jahr 1897 brachte bessere 
Preise, die selbst über 10 Yen stiegen, und auch zwei- 
fellos eine gesteigerte Ausfuhr. 

Bezugsiänder des japanischen Antimons waren im 
Jahre 1896: 

Hongkong (943.559 Katties), Deutschland (56.494 
Katties), Nordamerika (25.200 Katties), England 
(16.700 Katties). 

Antimonwaare ging hauptsächlich nach Nordamerika 
(35.947 Yen, also mehr als ein Drittel der Gesammt- 
ausfuhr), dann nach England und Hongkong. 

Von übrigen Metallen und Metallwaaren kamen in 
den letzten drei Jahren noch folgende zum Export : 



1894 

1895 
1896 



Bronze Bronzewaaren 

Menie Worth Werth 

Yen*) Yen 

70.608 183.687 

27.601 

14.569 



Katties*) 

508.595 

173.681 

89.036 



Messingdraht Eisenwaaren 
Menge Wertb Wetth 
Kattica Yen Yen 

386.236 85.850 62.142 

293.688 79.381 96.875 

369.047 108.612 105.481 



Unter Eisenwaaren 



besonders Eisendraht ; 



229.290 
180.318 

zählt 

Drahtstiften, die gegenwärtig noch ein ziemlich bedeu- 
tendes Importgut bilden, kamen bis jetzt nur in ganz 
geringen Quantitäten nach China, Korea und Russisch- 
Asien zur Ausfuhr, die sich wohl jetzt vergrössern 
wird, wenn die gross angelegte, nach modernen Prin- 
cipien eingerichtete Drahtstiftenfabrik, die im vergan- 
genen Sommer in Tokio errichtet wurde und schon 
beginnt, ihre Erzeugnisse auf den Markt zu bringen, 
den gehegten Erwartungen entsprechen sollte. 

Weiters kommen noch zwei Producte der Montan- 
industrie Japans beim Exporthandel dieses Landes in 
Betracht. Mangan und Schwefel. 

In der nachfolgenden Zusammenstellung wird die 
Entwicklung des Exportes dieser beiden Artikel und 
der Schwefelsäure gegeben, wobei zu bemerken ist, 
dass die Ausfuhr von Mangan erst in den letzten 
Jahren verzeichnet wird. 

Schwefel 
Ment^e Werth 

Katties») Yen*) 
1868 196.675 6.478 

1870 195.040 5.461 

1875 1.523.088 24.316 
1880 2,709525 37.318 
1885 12,466646 137.931 
1890 31,086.432 263.283 

1894 21,103,646 244.542 

1895 26,445.913 296.136 

1896 20,507.630 308.587 

Die vorzüglichsten 



Schwefelsäure 
Menge Werib 
Katties Yen 



30743 1-579 
1,236.985 70.423 
1,242.899 66.306 

1. 154258 46.431 
1,036.503 38.480 
2,109.766 75.287 
1,040.788 36.224 



Mangan 
Menge Werth 

Katties Ven 



29,341.892 198.880 
27,448.142 196.598 
31,918.804 274.834 

Bezugsländer für japanischen 
Schwefel waren im Jahre 1896: Vereinigte Staaten von 
Amerika (17,835.935 Katties), Hongkong (1,369.907 
Katties), China (847.849 Katties), Britisch-Amenka 
(313.806 Katties); für Schwefelsäure: China (622.304 
Katties), Britisch-Indien (172.943 Katties), Hongkong 
(162.965 Katties), und für Mangan: Vereinigte Staaten 
von Amerika (10,863.852 Katties), Deutschland 

•) 1 Katty = 0.6 ig. 

*) 1 Yen = ea. 8. W. fl. 1-80. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



48 



(9,487.380 Katties), Hongkong (7.423.754 Katties), 
England (3,528.000 Katties). 

Was nun die Verschiffungshäfen anlangt, so ist lu 
bemerken, dass die Kohle naturgemäss von dem der 
Gewinnungsstätte nächstgelegenen Hafen aus vcischifft 
werden. Als Haupthandelshafcn für die übrigen Pro- 
ducte der Montanindustrie ist Kobc anzusehen, wäh- 
rend in Yokohama Metallexportgeschäft fast gar nicht 
betrieben wird. 

Im Metallimporte nimmt bei weitem die erste Stelle 
ein die Einfuhr von Eisen in den verschiedensten 
Formen, als: Eisen in Barren, Roheisen, Eisenplatten, 
galvanisirtes Eisen, Eisenbleche, Eisennägel, Schrauben, 
Röhren und Draht, dann als Telegrafendraht, Ketten 
und Anker. 

Die Aufnahmsfähigkeit des Landes an fremden Pro- 
dücten und besonders an Artikeln der Eisenindustrie 
ist in den letzten Jahren ganz bedeutend gestiegen 
und hat noch lange nicht ihre obere Grenze er- 
reicht. 

Unter den Bezugsländern nimmt die erste Stelle 
England ein, dann folgen Deutschland, Belgien und 
Amerika. 

Der Handel mit Metallartikclo ist in Japan in den 
letzten Jahren trotz der stets steigenden Einfuhr in 
Folge der sehr starken Concurrenz ein sehr schwie- 
riger geworden. Durch die sehr gesteigerten Produc- 
tionskosten und die auch erhöhten Frachtraten konnte 
das Metall nur zu höheren Preisen auf den hiesigen 
Markt gebracht werden und der starke Wettbewerb 
verringerte den Verdienst. Hiezu gesellte sich in den 
letzten Zeiten noch die Geldknappheit, an der Japan 
schon seit einigen Jahren leidet, in Folge deren die 
Ucbernahme der bestellten Waare oft grosse Ver- 
zögerungen erlitt. 

Den Importeuren von Eisen und eisernen Manufac- 
turen dürfte in dem geplanten, grossangeleglen staat- 
lichen Hochofenwerke (Imperial foundry) ein starker 
Concurrent entstehen, wenn es gelingen sollte, die 
Werke in der Weise zu errichten, wie sie geplant 
werden. Vier Millionen Yen wurden zur Anlage der- 
selben schon von den gesetzgebenden Körperschaften 
bewilligt, doch zögern die maassgebenden Factoren 
an ihre Errichtung zu schreiten, da einerseits die Siu- 
diencommission, die nach Amerika und Deutschland 
gesendet wurde, ihr Gutachten noch nicht abgegeben 
hat, und andererseits von dem zum Dircctor des Eta- 
blissements ernannten Fachmanne die zur Verfügung 
gestellten Mittel als unzureichend erklärt wurden und 
noch weitere 4 Millionen Yen als nothwendig be- 
zeichnet werden, um eine in jeder Hinsicht moderne 
Anlage schaffen zu künnen, die jeder Concurrenz ge- 
wachsen wäre. Das Project ist ein recht grosses; es 
sollen jährlich an lOO.OOO / Roh- und Barreneisen 
sowie Eisen in Platten für die Schiffs- und Maschineu- 
construction erzeugt werden. Das Rohmateriale soll 
theils dem Lande selbst entnommen werden, dem 
grösseren Theile nach jedoch aus dem Auslande im- 
portirt werden. Die reichen Kohlenvorräthe des Landes 
Süllen das Brennmaterial liefern. Es werden jedoch 
wohl noch mehrere Jahre vergehen, bis dieses Project, 
das über die Vorstudien noch nicht hinaus gelangt ist, 
ausgeführt sein wird und bis die Erzeugnisse dieser 
Hochofenwerke auf den Markt gelangen werden. 

Von Kupferarttkeln kommen nur kupferne Röhren 
in grösseren Mengen zur Einfuhr ; der Werih derselben 
betiug im Jahre 1894 21.426 Yen, im Jahre 1895 
105.825 Yen und in 1896 83.487 Yen; bei weitem 
der grösste Theil kam aus England (im letzten Jahre 
Röhren im Werthe von 66.645 ^ cn). 

Blei kommt nach Japan sowohl in Barren als auch 
in Platten und Röhren. Die Einfuhr betrug nach 
Werth und Mengen: 



u I • 1 

Plulcn K4krca 

Mrac* W«rdi Wartk 
Kattl« Yta Xm 

8.732 614 — 

30.700 H.432 — 

205.232 15.136 1.289 

224.834 13.110 3.586 

417.065 15.324 a.772 



Barroo 
Meng« Wartb 

Kaule .•) Y«D*) 

1868 . . 2,007.231 107.326 
1870 . . 771.400 30.617 
'87s • • J56.035 24.633 
1880 . . 951.608 51.133 
1885 . . 436.024 16.678 
l8qo . . 1,605.790 85.424 

1894 . .2,726.253 177.637 1,586.479 89.511 9.986 

1895 . . 5,30s 9'3 J«3<>3i 730"» 44.803 40309 

1896 . . 4,oio.8y2 237.383 2,154.249 I4I-357 '44504 

Die Provenienzländer für Blei in Barren waren im 
Jahre 1896 hauptsächlich England (2,359.095 Katiick) 
und Australien (1,309.564 Katties], für Btciplaiicn 
England (2,148.810 Katties) und fOr Bleiröbrcu 
Deutschland (78.709 Yen) und England (63.687 Yen). 

Ueber die Einfuhr von Zinn, Zink, Zinkplallen, Nickel 
und Quecksilber gibt nachstehende ZusammeDstelluog 
Auskunft : 



Zinn 
Mnoge Wertb 
Kattlea») Ven*) 

1869 13055 2.409 

1870 27.286 8. 515 



Zink 
M«n(* W«rtb 
KmtUu Ten 

— 4 800 

52-773 355" 



Ziokplaltaa 
Maoce W«tth 
KstUM Ym 



1875 62.012 15.307 365,869 28.087 ~ — 

1880 288.909 79.671 1,367.929 91853 — — 

1885 113.880 32028 420.193 20.586 1,007.506 48.613 

1890 210.I31 69.280 903069 69716 2,753.218 268.687 

1894 468.123 179.068 799.416 66.970 3,699.301 426.853 

1895 527.631 191.936 1,652.361 134.614 4,790.143 500.862 

1896 448.517 146,412 1,794.069 144.240 3,874.89t. 453.709 

.Nickel Queckiilbcr 

Menge Wertb Menge Wertb 

Kaltlel Yen K»ltiej Yen 

1869 . . — — 4 973 300' 

1870 . . — — 440 423 
1875 . . 3.243 3.815 59.169 71.780 
1880 . . 44.764 25.157 4-303 2.200 
1885 . . 7.526 4.162 59.305 33 7^8 
1890. .140.512 118.422 106.644 103.832 

1894 . . 41.608 39.450 129.871 IJ7 54° 

1895 . . 48.419 37.710 >24-9U '4130' 

1896 . . 46.093 30933 129.710 139.30* 

Im Jahre 1896 waren die vorzüglichsten Herkunfts- 
länder für Zinn Britisch-Indien (444.109 Kattie^), für 
Zink Deutschland (1,030.152 Katties) und England 
(591.764 Katties), für Zink in Platten Deutschland 
(2,418.181 Katties), England (1,263.008 Katties) 

Auch aus Oestcrreich sollen ziemliche Quantitäten 
von Zink nach Japan gelangen, doch weisen die japani- 
schen Statistiken diese Mengen nicht nach; siedüiften 
wohl in den aus Deutschland eingeführten 2'/« Mil- 
lionen Katties inbegriffen sein. 

Quecksilber kam hauptsächlich aus England und 
Nordamerika. 

Endlich sei noch in kurzem auf die Verwendung der 
Producte der Montanindustrie im Lande selbst, soweit 
sie vom Kunstgewerbe in Anspruch genommen werden, 
hingewiesen. Die japanische Kunstindustrie ist sehr 
alt; mit den wichtigsten Metallen waren die Japaner 
schon seit altersher bekannt und verstanden dieselben 
schon frühzeitig in mannigfacher Weise zu benuuen, 
und namentlich seit dem VI. Jahrhundert der christ- 
lichen Zeitrechnung machte das japanische Volk grosse 
Fortschritte in der Bearbeitung derselben. Die vielen, 
in den alten Tempeln des Landes aufbewahrten Kunst- 
gegenstände, die Idole, Vasen etc. und hauptsficblicb 
die Bronze legen Zeugniss ab, dass die japanische 
M' tallindustrie im Beginne des VIII. Jabrhundertes 
schon eine sehr hohe Stufe erreicht hatte. Seit dem 
XII. Jahrhundertc bis zum Ende des XVI. Jabr- 
hundertes, der Periode der zahlreichen Bürgerkriege, 
hatte das Kunstgewerbe unter dem störenden Einflüsse 
der kriegerischen Ereignisse schwer tu leiden; ein 
einziger Zweig derselben jedoch erlangt gerade in 
diesen Zeiten seine Blüthe und Glanzperiode die 
WafTcnindusttie, welche die mi| Recht gerühmten 
Schwerter und eisernen Rüstungen schmiedete. Seither 
nahm die Kunstindustrie Japans eine ruhige, stets fort- 



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44 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



schreitende Eotwicklung und gewann besonders seit 
der vor drei Jahrzehnten erfolgten Eröffnung des 
Landes für den Verkehr neue Impulse. 

Neben der Schmiedekunst, die ausser Waffen und 
Rüstungen noch einige Gegenstände für den Haushalt her- 
stellt, beschäftigt sich das Metallkunstgewerbe des Insel- 
reiches seit alters mit der Verarbeitung von Kupfrr 
und mit der Herstellung und Bearbeitung von Bronzen, 
und seit neuerer Zeit mit der Herstellung verschiedener 
Gebrauchs- und Luxusgegensiände aus Antimon. Wahr- 
scheinlich mit dem Auftreten des Buddhismus in Japan 
im VI. Jahrhunderte unserer Zeitrechnung, der von 
Korea aus hieher verpflanzt wurde, kam die Kenntniss 
des Kupfers vom Festlande nach Japan. Zwar spielt 
weder im Hausbalte noch im Cultus des Japaners 
dieses Metall jene bedeutende Rolle wie in Indien, 
doch Schellen und Glocken aus Kupfer werden in den 
buddhistischen japanischen Tempeln seit Jahrhunderten 
benutzt, während zu den wichtigeren, aus diesem Me- 
lalle hergestellten Gebrauchsgegenständen das trag- 
bare Schreibzeug für Tusch und Pinsel, dann die 
Waschschüssel und der kupferne Kessel zum Wasser- 
kochen zählt. 

Bekannt ist die alte Bronzeindustrie Japans, die hier, 
wie in vielen anderen Ländern, die älteste Metall- 
industrie ist, da auch in Japan Waffen und Werkzeuge 
aus Bronze, welche durch Hämmern gehärtet wurden, 
in den frühesten Perioden hergestellt wurden, während 
man erst später an die Verarbeitung des Eisens 
schritt. 

Zu den aus Bronze hergestellten Gebrauchsgegen- 
ständen der Japaner zählen die Blumenvasen, das 
Räucherfass, das Kohlenbecken und der Spiegel, 
während religiösen Zwecken Glocken, Laternen, Leuchter 
u. dgl. dienen. 

Auch die edlen Metalle, besonders zur Verzierung 
der Bronzegegenstände, verwendet die japanische Kunst- 
industrie. 

Statistische Daten über die Fabrication von Bronze- 
und Kupfergegenständen sind in der früheren Zeit 
nicht gesammelt und veröffentlicht worden; die letzten 
bekanntgemachten Daten stammen aus dem Jahre 1894, 
nach denen in ganz Japan in diesem Jahre 995 
Fabricatiousstätten bestanden haben, in denen Bronze- 
und Kupfergegenstände verfertigt wurden, und die 
4094 Arbeiter beschäftigten; der Werth der in diesem 
Jahre aus diesen zwei Metallen erzeugten Objecte 
wird mit 714.41 1 Yen angegeben. Es ist bekannt, 
dass Tokio, die gegenwärtige Hauptstadt des Landes, 
und Kioto, wo bis zum Jahre 1868 der Kaiser resi- 
dirte, die Hauptceiitren nicht cur der Metallkunstindustrie, 
sondern überhaupt des Kunstgewerbes des Inselreiches 
sind. Thatsächlich verzeichnet auch die Statistik für 
die Hauptinsel, auf der sich diese beiden Städte bf finden, 
den Sitz von 978 Stätten, die sich mit der Erzeugung 
von Kupfer, und Bronzegegenständen befassen, in denen 
4059 Arbeiter tbätig sind, während der Werth der 
erzeugten Waare mit 711.092 Yen veranschlägt wird. 
Der Rest von 17 Erzeugungsstätten mit 35 Arbeitern 
entfällt auf die übrigen drei Inseln ; der Werth der 
dort erzeugten Bronze- und Kupferobjecte wird auf 
3319 Yen geschätzt. 

Die Erzeugung der Bronze- und Kupfergegenstände 
erfolgt nicht im Wege der Fabriksindustrie; es ent- 
fallen durchschnittlich nur vier Arbeiter auf jede 
Erzeugungsstätte. 



DIE EXPEDITION DR. SCHÖLLER'S NACH 
CENTRALAFRIKA. 

Das stetig wachsende Interesse, welches sich an die 
innere Entwicklung und die äussere Ausbreitung der 
deutsch-afrikanischen Schutzgebiete knüpft, regt immer 
wieder neue Kräfte dazu an, sich in den Dienst der 
Durchforschung derselben zu stellen und einerseits 
Material zu sammeln zu einer gründlichen und um- 
fassenden Beurtheilung des wirthschafllichen Werthes 
der einzelnen Landestheile, andererseits an einer Er- 
weiterung der Culturzone und an einer Erschliessung 
neuer Wege in das Binnenland, durch welche Fühlung 
gewonnen wird mit reichen Handels- und Productions- 
centren, die der Verbindung mit der Culturwelt harren, 
mitzuarbeiten. Auch die aufmerksame Beobachtung der 
an den inneren Grenzen der Colonie sich vollziehenden 
Bewegungen und Vorgänge innerhalb der afrikanischen 
Völkerstämme gehört jetzt zu den Aufgaben der 
Forscher und Reisenden, die der Exploration dienen, 
da von ihnen zum Theil die Integrität und Sicherheit 
der Interessen- und Machtsphäre abhängt. In ganz be- 
sonders rühriger Weise ist die Forschungsthätigkeit 
namentlich in Ostafrika lebendig. 

Fast alljährlich bricht eine Expedition auf, um neue 
Eroberungen für die Wissenschaft zu machen oder ge- 
wissen colonialpolitischen Zwecken Vorschub zu leisten 
und der Action der Colonialbehörden fördernd zur 
Seite zu stehen. Führer einer solchen, vornehmlich 
wissenschaftliche und zugleich Jagdzwecke verfolgendeo 
Expedition war in dem letzten Jahre Dr. Max Schöller, 
der sich durch seine in den Jahren 1893/94 nach Abyssi- 
nien und nach der erythräischen Colonie unternommene 
Reise bereits einen geachteten Namen gemacht hat. Be- 
gleitet von dem bekannten Afrikaforscher Prof. Schwein- 
furth drang Dr. Schöller bis zur äussersten Nordwest- 
grenze der italienischen Colonie, unter anderen in die da- 
mals noch völlig unbekannte Landschaft Mareb vor und 
machte dort in Bezug auf Fauna und Flora und auf 
jagdliche Verhältnisse manche bemerkenswerthe Wahr- 
nehmung, die er in seinem kleinen Werk »Die ery- 
thräische Colonie" später in anschaulicher Weise ge- 
schildert hat. Auch über die Natur und die Denk- 
mäler einer längst vergangenen Culturperiode des 
Hochplateaus von Kobaito mit seinen Tempel- und 
Scblossruinen hat der genannte deutsche Reisende im 
Anschluss an die Forschungen des Engländers Bent 
lehrreich berichtet und sorgfältige Untersuchungen vor- 
genommen. 

Die Aufgabe, welche sich Dr. Schöller für die im 
Mai 1896 angetretene, auf i Y2 Jahre Zeitdauer be- 
rechnete Reise stellte, war in kurzen Zügen zusammen- 
gpfasst folgende: Der Reisende beabsichtigte nach 
einem Besuch der Handideiplantage vom Kilimandscharo- 
gebirge aus Ober den Eyassisee und Natronsee in 
möglichst directer Linie die Massaisteppe zu durch- 
queren, auf einem Weg, der etwas nördlich von den 
Routen, die Baumann, Neumann und Fischer einst ver- 
folgt, lag. Die nächsten Reiseziele waren Kavirondo 
und Uganda. Angesichts des tiefen Dunkels, das noch 
immer über den Gebieten nördlich vom Elgongebirge, 
vom Baringosee und vom oberen Tana lagert, wollte 
Schölier sich der Erforschung derselben widmen und 
dort ebenso wie im Massailande bei seinen natur- 
wissenschaftlichen .Arbeiten und Beobachtungen ganz 
besonders die Aufmerksamkeit auf zoologische und 
anthropologische Studien richten. Von Seite der 
deutschen wie der englischen Colonialbehörden war 
ihm die ausgiebigste und thatkräfiigste Unterstützung 
bei seinem Vorhaben zugesagt. 

Die Hauptschwirrigkeit, welche sich dem Reisenden 
in den Weg stellte, war voraussichtlich der Wasser- 
mangel und die Sterilität der Landschaft zwischen 
Kilimandscharo und dem Natron- und Eyassisee, die 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT;fOk3DEN ORIENT. 



46 



den Charakter der Wüste tragen und ganz unbewohnt 
sind, so dass es bei einer üurchquerung derselben 
der Mitführung allen Proviantes auf etwa hundert Trag- 
thieren bedurfte. 

Der Reisende verliess Berlin Ende April 1896 und 
begab sich mit seinen beiden deutschen Begleitern 
über Neapel, Alfxandrien, Cairo, Suez nach Sansibar, 
wo zunächst die Ausstattung und Ausrüstung der Kara- 
wane vorgenommen und dieselbe organisirt wurde. Von 
Uar es Salam, dem Hauptplatz des Schulzgebietes, 
aus wurden dann die letzten Anordnungen zum Marsch 
in das Innere getroffen. 

Es ist hier vielleicht der Ort, einige Angaben über 
diese Organisation zu machen, da bei derselben ebenso 
wie bei der Ausrüstung die Erfahrungen und Wahr- 
nehmungen der letzten Züge in unerforschte Theile 
des Hinterlandes verwertliet worden sind. Als militäri- 
sche Bedeckung der Expedition dienten 35 Askaris, d. h. 
eingeborne Soldaten, meist Sudanesen. So viel als mög- 
lich waren bei der Auswahl solche Leute berücksich- 
tigt worden, welche den Zug des Grafen Götzen bis 
zum Congo im Jahre 1894 mitgemacht hatten. Uni 
dieser Schutzwacbe eine gewisse Autorität zu geben, 
war ihr eine Art Uniform gegeben, bestehend in einer 
Joppe und einem F'ez als Kopfbedeckung, die in einer 
Schneiderwerkstatt in Tanga ang.efertigt waren. Be- 
waffnet wurde diese Mannschaft mit dem Mauser- 
Gewehr M. 71 und einem kurzen Seitengewehr mit 
Patrontasche, welche 28 Patronen aufnahm. Ausserdem 
trugen die Soldaten noch sogenannte Bowimesser, 
Beilpicken, Schaufeln, Aexte etc. 

Ferner wurden durch Vermittlung der deutsch-ost- 
afrikanischen Gesellschaft in Pangani einige hundert 
Träger angeworben. Fünfzehn von diesen erhielten 
dieselben Waffen wie die Askaris, d. li. gute Hinter- 
lader — etwa lüo Träger, ausgesucht kräftige Ge- 
stalten, wurden mit Vorderladern versehen. 

Bei dem Aufbruch von Pangani, als dem Platz, wo 
die Schöllet 'sehe Karawane die Küste verliess und den 
Marsch in das Binnenland antrat, hatte sie folgende 
Zusammensetzung: 274 Träger, 12 Boys zu persön- 
lichen Diensten, ein Koch, einige Transporteure von 
Instrumenten, phoiographischen Apparaten, Medicin- 
und Verbandtaschen, sodann eine Anzahl Eseljungen 
und Viehtreiber, die schon genannte militärische Schutz- 
wache, im Ganzen 347 F"arbige, dazu noch ein Tross 
von Askariweibern und von Thieren, eine kleine 
Heerde Schafe, Ochsen und Ziegen. Die Vorräthc an 
Proviant, Tauschwaaren, Reisegeräih, Waffen, Muni- 
tion etc., im Ganzen 192 Lasten, wurden ebenfalls in 
Pangani gesammelt und von dort zunächst auf dem 
Wasserweg weiter befördert. 

Da neben den wirthscliaftlichcn jagdliche Interessen 
bei der Expedition in Frage kamen, verwendete der 
Reisende auch auf diesen Thcil seiner Ausrüstung 
grosse Sorgfalt. Um den Raubthieren und den Dick- 
häutern wirksam begegnen zu können, führte er mit 
sich: zwei Paradoxgewehre, Caliber 8, gegen Ele- 
phanten und Flusspferde ; zwei Paradoxgewehre, 
Caliber 12, gegen Löwen, Tiger, Büffel, Wildschweine, 
ferner sechs Doppelbüchsen, eine Millimeterbüchse, 
vier Schrotflinten zur Jagd auf ardercs Wild, wobei 
für jede Feuerwaffe eine Anzahl von 6000 Patronen 
gerechnet war. Zur Unterstützung bei der Jagd wurden 
mitgenommen : zwei Hühnerhunde, drei Terriers. Alles, 
was die neuere Technik ausserdem an Hilfsmitteln 
bietet, um möglichst reiche Beute an Thieren der 
Tropenwelt zu machen, war in vorsorglicher Weise 
dem Reisenden dienstbar. Derselbe war hier den 
neuesten Miitheilungen und Rathschlägen englischer 
Jagdliebhaber gefolgt, die gerade Ostafrika in letzter 
Zeit mit Vorliebe zum Schauplatz ihrer Excursionen 
gemacht haben. Hieher gehörten z. B. Raketenpistoten 
zum Signalisiren, Nachtlichter für den nächtlichen An- ' 



stand (weisses bengalisches Feuer, da« 5 Minuten 
brennt, und zwar in der Stärke von fflof elektrischen 
Bogenlampen), SelbstscbQsse für grössere Tbiere, 
Raubthierfallen neuer Construction, Vogeinctze jeder 
Art, Fischereigeräthe, ein Faltboot für drei Personen u. A. 
Am 18. Juli setzte sich die Expedition von Pangaoi 
aus in Bewegung, um bis zu der Araberniederlassuog 
Pomben zu marschiren und von dort den Panganifluss 
zur Weiterfahrt zu benutzen. An den Ufern desselben 
dehnen sich vereinzelt Zuckermübleo, von Arabern be- 
trieben, aus, die sichtlich in guter Culiur gehalten 
sind. Ab und zu tauchte ein Krokodil aus den Flutben 
auf, während man nur wenig Flusspferde bemerkte. 
Der Marsch vollzog sieb ruhig und friedlich. Aber 
bald änderte sich die Scenerie. Als man den Kilima 
Nadjaro-Bezirk nach vicrzebntägigem Aufentbalte auf 
der Station Moschi verlassen hatte, nähert sieb die 
Karawane den als wenig sicher geltenden Umgebungen 
des Meruberges. Wenn auch die Waruscba, eine aus 
Wakuafi und Massai gemischte Bevölkerung, scheinbar 
friedliche Gesinnungen hegte, so konnten die Reisenden 
dennoch ein Gefühl des Misstrauens nicht unterdrücken. 
Dieses Misstrauen fand sehr bald eine Bestätigung 
durch die Thatsachen, welche Hauptmann Johannes 
dem Dr. Schöller einige Wochen später brieflich mit" 
thcilte. 

Ein organisirtes Complot der umwohnenden Einge- 
borenen bezweckte einen nächtlichen Ueberfall mit' 
grosser Uebermacht. Weshalb derselbe unterblieben 
ob vielleicht in Folge der grossen Wachsamkeit und 
strengen militärischen Organisation der Scböller'schcn 
Karawane, bleibt unaufgeklärt ; wie ernst es die Wa- 
ruscba gemeint, geht aus der Ermordung der beiden 
Missionäre hervor, die kurz nach dem Abmärsche der 
Expedition und an derselben Stelle erfolgte. Noch 
mehrere Tagereisen folgten die Meruleute der Kara- 
wane; doch bot sich ihnen augenscheinlich nicht die 
gewünschte Gelegenheit. Analog war dies wohl auch 
bei den Massai der Fall, die höchstwahrscheinlich mit 
den Waruscba im Bunde gegen die Europäer gewesen, 
bei der unerwartet schnellen Annäherung der Expedi- 
tion jedoch nach dem See hin flüchteten,- während 
entgegengesandte Friedensboten die wahre Situation 
verschleiern sollten. Die Massai waren zur Zeit 4000 
Mann stark in Nyorongoro auf dem Hochplateau ver- 
sammelt. 

Recht schwierig gestaltete sich der Marsch durch 
die lange, wasserlose Massaisteppe, die sich vom Mcru- 
berge bis zum Natronsee hinzieht. Hier war die Ex- 
pedition in ein Gebiet gelangt, das vorher wohl nur 
von Dr. Fischer im Jahre 1873 näher beschrieben 
worden. Es bandelte sieb darum, die nicht ganz ge- 
nauen Autnahmen Fischer's zu rectiflciren und zugleich 
ein weiter nordwärts belegenes, noch unbekanntes 
Gebiet zu erforschen. 

Der Marsch vor Ngaruka war der schwerste, den 
dir Expedition zu überstehen hatte. Seit dem vorher- 
gehenden Mittag hatte man keinen Tropfen Wasser 
gefunden, und die Träger blieben, vom Durste er- 
schöpft, einer nach dem anderen auf der Strecke 
liegen, mit dem Fatalismus der Neger d«-n Tod er- 
wartend. Nur Schöller fast allein strebte weiter und 
gelangte endlich zum Dorfc Ngaiuka, dem einzigen 
Wasserplatze in dem weiten Gebiete, wo sich bald 
auch die übrigen Europäer einfanden. Durch grosse 
Versp-echungen gelang es Schöllcr, die Bewohner su 
veranlassen, seinen Leuten mit Wasser zu Hilfe su 
eilen. Zwei Tage und zwei Nächte dauerte es, ehe man 
alle, fast verdursteten Leute aufgefunden hatte. Wenige 
Stunden Verzögerung, und vielleicht ein Thcil der 
l'"xpcdition hätte in der entsetzlichen Hitze den Tod 
des Verschmachtens gefunden. Glücklich, dass die 
Massai geflohen und die Waruscba nicht diesen Augen- 
Mick benutzt, wo Alle ihnen wehrlos zur Beute ge- 



46 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



fallen wären. Mit berechtigtem Stolze konnte Schöller 
sich rühmen, dass ihm kein Mann und keine Last 
verloren ging. Allerdings hielt er eine eiserne Zucht 
unter seinen Leuten, der allein er es vielleicht zu ver- 
danken hat, dass er in den fast anderthalb Jahren 
der Reise nur 12 von 400 Mann verloren hat. So er- 
reichte der Reisende glücklich den Natronsee, der sich 
als gänzlich ausgetrocknet erwies. Eine seltsame Er- 
scheinung war es an demselben, dass bei dem Auf- 
schlagen der Zelte das ganze Ufer schwankte und 
jeder Schritt dumpf wiederhallte. 

In der Mitte des Sees sah man gleich Eisschollen das 
Natron, das früher in Massen nach Sansibar gebracht 
und mit einer Rupie per i kg bezahlt ward, jetzt aber 
gar nicht mehr ausgeführt wird. Am Südende liegt 
ein vulcanischer Berg, Dönyv-Ngay, zwischen dessen 
zwei hörnerähnlichen Kuppen der See herabzuströmen 
scheint. Hier haust ein gleichnamiger Geist, der bei 
den Massai die Rolle unseres Rübezahl spielt. Er 
schenkte, so erzählte ein Massai, armen Leuten Vieh 
u. s. w,, bis einmal ein Lügner zu ihm kam ; auch 
dieser erhielt eine Kuh, stiess ihr aber, weil sie 
störrisch war, später den Speer in die Seite, und 
statt Blut floss Wasser heraus. Seitdem schenkt der 
Geist nichts mehr.' 

Man ging dann weiter am linken, westlichen Ufer, 
da hier Flüsse von Süsswasser sind, die übrigens vor 
ihrer Einmündung in den See, im Gegensatz zu den 
Natronflüsseo, alle versumpfen. Dann wurden die schon 
von Fischer erwähnten heissen Quellen gefunden, die 
49"5*' ^- Temperatur hatten. Weiter erstieg man den 
800 m hohen afrikanischen Graben , um englisches 
Gebiet zu erreichen, wo man Wasser zu finden hoffte. 
Die von ihren Somali dressirten Kameele krochen 
dabei auf den Knien hinauf. 

Das Wasser des Sees hat hier keinen Abfluss, es 
sickert in der Regenzeit ein, aber man fand jeden 
Abend davon doch genügend viel. Menschen wurden, 
abgesehen von zwei Wandorobbo, nicht gesehen, aber 
umsomehr Wild, das bei jedem Schuss sich in 
Hee'rden zeigte. 

Mit dem Verlassen des Natronufers gelangte man in 
völlig unerforschtes Gebiet. In Sonyo waren die Ein- 
geborenen noch kaum mit Weissen in Berührung ge- 
kommen. Dies bekam die Expedition, die in Nguruman 
lagerte, zu fühlen. Die Proviantvorräthe waren er- 
schöpft, und man hoffte gegen Geschenke neue Nahrungs- 
mittel zu erhalten. Die Eingeborenen weigerten sich 
jedoch, auch nur das Geringste herzugeben. Sie zeigten 
von vornherein eine unfreundliche Haltung, und als 
tinige Mitglieder der Expedition in ihrem Verlangen 
nach Nahrungsmitteln dringender wurden, eröffneten die 
Eingeborenen die Feindseligkeiten, indem sie mit ver- 
gifteten Pfeilen auf die Träger schössen. Der Reisende 
wendete hier, das einzigemal während der Expedition, 
Gewalt an. Er schickte Soldaten auf einen nahe ge- 
legenen Hügel und liess eine wohlgezielte Salve ab- 
geben — im Nu war der ganze Schwärm der Neger 
spurlos verschwunden. Als er dann in die Dörfer einzog, 
waren sie verlassen. 

Dr. Schöller nahm sich nun die Vorräthe, die er 
brauchte, liess aber den Gegenwerth an Tauschwaaren 
auf den Strassen zurück und fügte sogar noch Ge- 
schenke hinzu. Nach Ueberschreitung der Grenze be- 
wegte sich die Expedition auf englischem Gebiete. Es 
ist der Lauf des Guaso Nyiro, dem die Karawane 
aufwärts folgte, und der zu den Gebieten der kriegeri- 
schen Bewohner von Lotiko und Lumbwa führt. Der 
Marsch gelang, und waren auch die Eingeborenen der 
genannten Gebirgsiänder anfangs zu einem feindseligen 
Empfange vorbereitet, so gelang es Schöller dennoch, 
bald freundliche Beziehungen hei zustellen, um mit den 
ihn allerdings stets begleitenden Kriegerschaaren im 
Einvernehmen zu verbleiben. Es war dies wesentlich, 



da derselbe diese Gegend mit ihrer Wakuafi-Bevölke- 
rung eingehend zu studiren gedachte. 

Hinter Lumbwa änderten sich Land und Leute, die 
Expedition war nun in Kawirondo mit seinen häss- 
lichen, nackten Niloten und somit am Victoria-See. In 
Mumias, der englischen Station, machte die Expedition 
Halt. ScLöller's Begleiter, Schillings und Kayser, 
blieben am Fieber erkrankt dort zurück, während 
Scböller mit einigen Leuten seine Reise fortsetzte, 
nach Uganda hinein. Von den britischen Behörden aufs 
Zuvorkommendste empfangen, hatte der deutsche 
Reisende hinreichende Gelegenheit, die Verhältnisse des 
Uganda-Protectorats eingehend zu studiren. Im ganzen 
englischen Schutzgebiete vertraten damals nur 16 Mann, 
zumeist Officiere, die weisse Race, Ueber die Zustände, 
die in diesem Negerreiche herrschen, bestehen noch 
immer sehr falsche Vorstellungen in der Welt. Man 
hält das centralafrikanische Reich für einen civilisirten 
Staat, in dem die europäische Cultur schon eine weitere 
Verbreitung gefunden habe. Thatsächlich liegen die 
•Verhältnisse aber ganz anders. Uganda ist allerdings 
ein grosses, organisirtes Reich, das ausser Abyssinien 
wohl nicht seinesgleichen in Afrika hat. Aber man 
darf nicht vergessen, dass es ein Negerreich ist und 
die alte und eigenthümliche Cultur dieser Staatsgebilde 
aufweist. Sollte die Eisenbahn, welche von Mombassa 
nach Uganda führen soll, und deren Bau von den Eng- 
ländern mit allen Mitteln gefördert wird, erst fertig- 
gestellt sein, so werden zweifellos die Verhältnisse in 
Uganda einen schnellen Aufschwung nehmen , und 
europäische Cultur wird ihren Einzug halten. Der Zweck 
der Bahn ist in erster Linie ein strategischer. Ihr 
grosser Werth liegt darin, dass sie Uganda zum 
Operationscentrum für die Engländer macht. Bis dahin 
aber dürfte noch eine lange Reihe von Jahren ver- 
gehen, und vorher werden die culturellen Verhältnisse 
Ugandas kaum eine rapide Veränderung erfahren. 

Im ganzen Reiche, das etwa i Million Einwohner 
zählt, wohnten — abgesehen von den Missionären — 
20 Europäer, fast durchgehends englische Officiere und 
Beamte. Die englischen Truppen, damals wohl nahe 
an 1500, bestehen grösstentheils aus sudanischen Sol- 
daten, die ein gutes Material bieten, aber eben durch 
den Umstand, dass sie Sudaner sind, auch eine gewisse 
Gefahr bilden. Dies hat sich bei der vor etwa einem 
Jahre stattgehabten Meuterei eines Theiles der Truppen 
in Ussoga gezeigt. 

Die politischen und religiösen Verhältnisse dort sind 
naturgemäss so beschaffen, dass Zündstoff zu Unruhen 
stets vorhanden ist. Man erinnert sich der zahlreichen 
Religionskriege zunächst zwischen den Muhammedanern 
und den Christen. Mit dem Vordringen der Europäer 
und dem stets wachsenden Einfluss der Missionäre 
wurde der Islam zurückgedrängt, so dass Uganda sich 
allmälig zu einem nominell christlichen Staate um- 
gestaltete. Doch das Christenthum der Grossen — und 
nur diese kommen in Frage — is"; ziemlich äusserlich 
und schwankend. In Folge Einwirkungen der französi- 
schen katholischen und der englischen protestantischen 
Mission standen sich lange Zeit Katholiken und Prote- 
stanten schroff gegenüber. Kön'g Mwanga wechselte 
seinen Glauben beständig je nach der Partei, die sich 
als die stärkere erwies und den Sieg davontrug. 
Heute ist durch den Einfluss der Engländer Frieden 
und gutes Einvernehmen zwischen den beiden religiösen 
Parteiengeschaffen. Was die Person des Königs Mwanga 
betrifft, so äusserte sich der Forscher vortheilbaft über 
den empfangenen Eindruck. Der Herrscher erscheint 
als ein kluger, intelligenter Mann, dessen ruhige Würde 
von angenehmer Wirkung war. Er scheint stets ängst- 
lich bestrebt nichts zu thun, was bei Europäern An- 
stoss erregen oder bei den Parteien Unzufriedenheit 
hervorrufen könnte. Zwei Premierminister, Katikäo ge- 
nannt, der eine katholisch, der andere protestantisch. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFt FÜR DEN ORIENT. 



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genau von gleichem Range und von gleichen Rechten, 
standen ihm zur Seite und wurden bei allen wichtigen 
Anlässen zu Rathe gezogen. In Uganda herrschten 
während der Abwesenheit des Königs (er war auf 
deutschem Gebiete internirt worden, ist aber aus dieser 
Haft geflohen) die grösste Unordnung und Gesetz- 
losigkeit. Für England könnte die Situation recht 
schwierig werden, wenn nicht hier wie stets zwei ver- 
schiedene E'arteicn das Land in zwei feindliche Lager 
theilten. Unter den obwaltenden Umständen wird sich 
jedoch das Gouvernement naturgemäss der einen Partei 
bedienen, um die andere zu bekämpfen. Es ist dies 
die einzig mögliche Politik in diesem Augenblick. Wird 
nach einigen Jahren de Eisenbahn von Mombassa 
nach Uganda fertiggestellt sein, so ist die ganze 
Situation verschoben, und England ist in der Lage, 
seiner Autorität zur absoluten Geltung zu verhelfen. 
Dann bricht wohl eine neue Zeit für dieses grosse 
afrikanische Reich an, das in Folge seiner Lage und 
seiner natürlichen Verhältnisse einer bedeutenden 
culturellen Entwicklung entgegenzugehen verspricht. 
In dem Reisewerke, welches Dr. Schöller über seine 
Expedition zu verfassen gedenkt, wird er den ethno- 
graphischen wie den politischen und wirthschaftlichen 
Verhältnissen einen breiten Raum zu widmen vermögen, 
da er mehrere Wochen in der vStadt Mwansa Auf- 
enthalt genommen und, wie schon gesagt, von engli- 
scher Seite sehr bei seinem Studium unterstützt worden 
ist. Wie sehr es übrigens dem Forscher gelang, das 
Vertrauen des Königs zu gewinnen, geht schon daraus 
hervor, dass Mwanga ihm neben vielen anderen inter- 
essanten Sachen auch seine Harfe mit eigenhändiger 
Widmung schenkte. 

Der Hinmarsch nach Uganda war somit gelungen. 
Der Rückweg von Uganda zur Küste nach Mombassa 
erfolgte mit nördlichem Bogen am Baringoste vorüber, 
durch Kikuyu und den Athifluss hinab. Im Ganzen 
nahm die Expedition eine Dauer von mehr als einem 
Jahre in Anspruch, woran sich bei Schöller eine ein- 
gehende Bereisung Südafrikas und Rhodesias aoschloss. 
Mit den geographischen Forschungen und der sehr 
reichen Ausbeute an wissenschaftlichem Material ge- 
hört die Schöller 'sehe Reise zu den interessantesten 
und wichtigsten Expeditionen der letzten Jahre. Die 
wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition besitzen 
zunächst in kartographischer Hinsicht hohen Werib. 
Die bisher txistirenden Karten der durchreisten Ge- 
biete werden dank der bewährten Kraft des Herrn 
A. Kaiser wesentlich verbessert und ergänzt werden. 
Damit werden zum erstenmal die weissen Flecke von 
der Karte Ostafrikas verschwinden, welche den geogra- 
phischen Raum bedecken, der sich zwischen dem 
Kilimandjaro und dem östlichen Ufer des Victoriasees 
ausbreitet und der vom Gusa Nyiro durchflössen wird. 
Ausser den zoologischen, botanischen, mineralogischen 
und sonstigen Beobachtungen der Herren Dr. Schöller 
und A. Kaiser sind speciell die zoologischen For- 
schungen und Ergebnisse werthvoll, zu denen der 
„grosse afrikanische Graben" Gelegenheit bot. (Unter- 
suchung des Geiser, Döngo-Ngai u. s. w.) Dr. Schöller 
selbst hat seine Hauptaufmerksamkeit der ethnographi- 
schen Sammlung der Expedition zugewandr, die er zu 
grosser Vollkommenheit gebracht, und durch welche 
er hofft, weitere ethnographische Aufschlüsse geben 
zu können, lloffenilich entschliesst sich der Forscher, 
seine werlhvollen wissenschaftlichen und pholographi- 
sehen Sammlungen der Allgemeinheit zugänglich zu 
machen, wie dies mit den Jagdtrophäep, die er auf 
seinen zahlreichen Jagdzügen erbeutet, in der zu 
Berlin am Anfang des Jahres veranstalteten Geweih- 
ausstellung der Fall war. ^______^ 




MISCELLEN. 
Die Chinesen als Träger des Aussatzes behandelte 

Dr. Caotlie vor der Epidemiologischen Getellichaft io 
London in einem Vortrage, der in der Gegenwart, 
wo die Chinesen sich mehr in andere Länder und 
Erdtheile verbreiten, besondere Reacbtungr verdient, 
('antlie hat während eines langen Aufenthaltes in Hong- 
kong alle zugänglichen Quellen benützt, um ein klares 
Bild von der Ausbreitung des Aussatzes in China und 
den östlichen Cebieten bis über den giniea Stillfed 
ücean bin zu gewinnen. Alle sachkundigen Beobachter 
stimmen darin überein, dass der Aussatz eine an- 
steckende, durch Berührung übertragbare Krankheit 
ist, die sich unabhängig von Klima, Boden und Nah- 
rungsweisc entwickelt. Die Lepra ist wesentlich eine 
chinesische Krankheit und hat sich von ihrem Brenn- 
punkte in den südöstlichen Provinzen Chinas nach 
allen Gegenden ausgebreitet, nach denen Chinesen der 
unteren Classen auswanderten. Die Einwanderung der 
Mandschus gab den Hauptanstoss zu einer starken 
Auswanderung der Chinesen aus ihren südlichen Ge- 
bieten, um in anderen Ländern Beschäftigung zu 
suchen. Die Kulis, die zu den ärmsten und untersten 
Classen gehören, haben viele Aussätzige in ihrer Mitte, 
welche die Krankheit nun nach anderen Ländern ver- 
schleppten. Der Aussatz ist in China gegenwärtig 
nicht überall heimisch, er fehlt in einer Anzahl von 
Provinzen des mittleren Reiches. Ein Verbreitungs- 
gebiet ersten Ranges für den Aussatz ist die Halb- 
insel und Provinz Scbantung, ein zweites um den 
grossen Flusshafert- Hankau am Yangtsee (wo Deutsch- 
land auch ein kleines Gebiet zu eigen hat); ferner 
nimmt er einen kleinen Strich in der Provinz Szecbuen 
an der Grenze des Hochlandes von Tibet ein ; wahr- 
scheinlich ist die |<rankheit in dem grossen südlichen 
Gebiet der Provinzen Fokien, Kwangtung und Kwaogsi 
verbreitet, von wo drei Viertel der auswandernden 
Kulis stammen. Frei von Aussati sind die Orte Pe- 
king, Shanghai, Amoy u. <>, w. ; dagegen liegcii 
'I'schifu, Hangkau und Kaiiton (wahrscheinlich auch 
Kiaotschau) innerhalb des grossen Aussatzgebiete^, 
und eine strenge gsuadhcitlicbe Aufsicht über die Aus- 
wanderung aus diesen Häfen ist eine gebieterische 
Pflicht aller europäischen BefaOrdeD. Nach Norden hin 
ist Japan durch die chinesische Einwanderung in Mit- 
leidenschaft gezogen worden, obgleich hauptsächlich 
nur die Urbevölkerung der nördlichen Insel Yeso, die 
Ainos, angesteckt wurden. In Korea sind die Aus- 
sätzigen meist Chinesen, und die Krankheit ist auf den 
südlichen Theil der Halbinsel beschränkt. Südwärts hat 
sie sich über ganz Tonking, über Annam, Slam, Birma 
und die malayischen Staaten ausgebreitet, die Malayen 
scheinen freilich für den Aus- atz weniger empfänglich 
zu sein als die Chineser, was man auch auf Formosa, 
Hainan und Sumatra beobachten kann ; in Java und 
Celebes ist der Aussatz auf ein kleines Gebiet be- 
schränkt. Nach Borneo wurde die Lepra 1888 von den 
Chinesen eingeschleppt, verschwand aber wieder mit 
deren .Auswanderung nach dem Aufstande in Sarawak. 
Auf den übrigen Sundainseln und in der melanesischen 
Inselgruppe, wo die Eingeborenen den Negtitos oder 
braunen Urrassen angehören, war die Lepra unbekannt 
und trat nur da auf, wo europäische Niederlassungen 
chinesische .\rbeiter heranzogen. Als sich die Chinesen 
bei der Entdeckung der californischen Goldfelder 
nach dem westlichen Amerika wandten, überschwemmten 
sie zugleich auch einige der Inseln im Stillen Ocean 
denen sie 'auch natürlich den Aussatz mittbeilten. Das 
furchtbarste Beispiel für diese von den Chinese, 
drohende Gefahr bietet der jetzige Zustand der Hawai- 
inseln, die geradezu furchtar. unter dem .Aussatz leiden. 
lU>enso veibreitete sich die Krankheit in Neucalcdonien, 
.ruf einer der Fidjiinseln, den Freundscbaftsinscln, 



48 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Samoa und Australien. In Neusüdwales wurden jetzt 
57 Aussätzige unter den Chinesen und 2 unter den 
Weissen, die mit jenen verkehrt hatten, gefunden. 
Diese Skizze genügt, um die grosse gesundheitliche 
Gefahr, die von einer chinesischen Einwanderung 
jedem Lande droht, klar zu zeigen. 

Ein neues Wörterbuch der ägyptischen Sprachen. 

Der deutsche Kaiser hat durch einen Erlass die Mittel 
zur Herausgabe eines Wörterbuches der ägyptischen 
Sprache bewilligt, und die königliche Akademie der 
Wissenschaften in Berlin, die königlichen Gesellschaften 
der Wissenschaften in Göttingen und Leipzig und die 
königlich bayrische Akademie der Wissenschaften in 
München haben vor Kurzem eine Commission zur 
Leitung dieser Arbeiten eingesetzt, die aus den Pro- 
fessoren Ebers, Erman, Pietscbmann und Steindorf be- 
steht. Diese Commission veröffentlicht nun in der Zeit- 
schrift der deutschen morgenländiscben Gesellschaft den 
Plan, wonach das , Wörterbuch der ägyptischen 
Sprache" bearbeitet werden wird. Es soll den gc- 
sammten Sprachschatz umfassen, den die in hieroglyphi- 
scher oder hieratischer Schrift geschriebenen Texte 
uns bewahrt haben; die demotischen und koptischen 
Texte sollen dagegen nur soweit herangezogen werden, 
als es die Erklärung hieroglyphisch geschriebener 
Worte verlangt. Die Sammlung des Materials soll 
vermittelst desselben Verfahrens erfolgen, das bei dem 
„Thesaurus linguae latinae" ausgebildet worden ist, 
und das es erlaubt, für jedes Wort sämmtliche Beleg- 
stellen mit verhältnissmässig geringer Mühe zu ver- 
einigen. Die Dauer der Arbeit bis zum Beginne des 
Druckes ist auf etwa elf Jahre berechnet. Da zur 
Durchführung dieses grossen Unternehmens auch solche 
Inschriften und Papyrus verarbeitet werden müssen, die 
noch unveröffentlicht sind, so richtet jetzt die Com- 
mission an alle wissenschaftlichen -Gesellschaften und 
Körperschaften, an die Verwaltung der Alterthümer 
Aegyptens, an die Vorstände der Museen und an die 
Besitzer ägyptischer Sammlungen die Bitte, ihr neu- 
entdeckte oder sonst noch unbekannte Texte in Ab- 
schrift, Abklatsch oder Photographie mitzutheilen und 
ihr die Berichtigung bereits veröffentlichter Texte zu 
erleichtern. Die Commission geht dabei für sich und 
ihre Mitarbeiter ausdrücklich die Verpflichtung ein, 
alles ihr so Zukommende als vertraulich mitgetheilt zu 
betrachten und es weder zu veröffentlichen, noch für 
andere Zwecke als die des Wörterbuches zu benutzen. 

Der chinesische Kalender. Ueber den chinesischen Kalender 
hat kürzlich der durch seine Reisen in Hinterindien bekannte 
französische Ethnologe Paul d'Enjoy in der „Revue Scientifique" 
einen Aufsatz veröffentlicht, dem wir Folgendes entnehmen : 
Das chinesische Jahrhundert, wenn man sich dieser wider- 
spruchsvollen Bezeichnung bedienen dürfte, besteht aus 60 Jahren. 
Dieser Abschnitt heisst chinesisch Lück Schiap, was, ins 
Deutsche übersetzt, heissen würde: Sechs Holz. Die einzelnen 
Jahre haben ihre eigenen Namen. Zunächst hat der Chinese 
eine Reihe von zehn Worten, welche in der ersten Hälfte der 
Jahresnamen wiederkehren; diese stammen aus der leblosen 
Natur und bedeuten der Reihe nach : todtes Holz, brennendes Holz, 
äusseres Feuer, inneres Feuer, Brachfeld, cultivirtes Feld, zwei 
Minerale, gewöhnliches Wasser, trinkbares Wasser. Man erkennt, 
dass sich diese zehn Begriffe in fünf Paare ordnen, die mit den 
von der chinesischen Weltanschauung angenommenen fünf Ele- 
menten Holz, Feuer, Erde, Mineral und Wasser zusammen- 
hängen. Das erste Wort Holz (Schiap) dient ausserdem zur 
Bezeichnung eines Zeitraumes von zehn Jahren. Nun kommt 
eine zweite Reihe von Begriffen, aus denen die andere Hälfte 
der Jahresnamen gewählt wird, diese sind der lebendigen Natur 
entnommen und bedeuten der Reihe nach Ratte, Rind, Tiger, Hase, 
Drache (die Personification der Wirbelstürme und tropischen 
Regen), Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Huhn, Hund und Schwein. 
Die Jahresnamen werden nun aus diesen beiden Wortreihen 
nach einander so gebildet, dass zunächst das erste Wort der 
ersten Reihe mit dem ersten der zweiten Reihe, dann das 
zweite mit dem zweiten etc. zusammengesetzt wird; da die 
zweite Reihe um zwei Glieder länger ist als die erste, so können 
auf/diese Weise gerade 60 verschiedene Doppelworte gebildet 
werden, so dass jedes Jahr seinen eigenen Namen hat. Es liegt 
in dem eigentlichen Interesse jedes Chinesen, mit dieser ver- 
wickelten Jahresbezeichnung genau Bescheid zu wissen, deas 



je nach dem Zusammentreffen zweier Worte bedeutet das Jahr 
Glück oder Unglück. Wenn z. B. im ersten Jahre des „Jahr- 
sechzig" das todte Holz und die Ratte zusammentreffen, so zeigt 
diese Verbindung ein Unglücksjahr an, in dem das Land von 
schweren Umwälzungen und Ränken aller Art bedroht werden 
wird. Das zweite Jahr, in dessen Namen sich das brennende 
Holz und das Rind vereinigen, bedeutet dagegen gute Ernte, 
allgemeinen Wohlstand und reine und lebhafte Freuten. Das 
dritte Jahr (äusseres Feuer und Tiger) stellt wiederum Er- 
oberungen und blutige Kriege in Aussicht, deren Ergebniss 
aber für die Entwicklung vortheilhaft ist, da das Zeichen des 
Tigers zu gleicher Zeit das der Weltschöpfung ist. So geht es 
weiter. Das Jahr 1897 war das34. "1*5 76. Cyklus der chinesischen 
Zeitrechnung, es hatte den chinesischen Namen Dinh-Dau, 
d. h. inneres Feuer und Huhn und bedeutele eine Friedenszeit. 
Das gegenwärtige Jahr 1898 heisst Mo-Tuat, Brachfeld und 
Hand und bedeutet, dass alle Lebenskräfte des Volkes sich 
von der Bearbeitung des Bodens abwenden, um sich angesichts 
fremder Drohungen der Bewachung und dem Schutze des 
Herdes zuzuwenden. Das jetzige Jahr ist nach chinesischer 
Zeitrechnung das 4585. der Welt. Die Erschaffung der Welt 
wird von den Chinesen 2687 Jahre vor Chiisti Geburt ange- 
nommen. Christus ist danach im 58. Jahre des 44. Cyklus 
chinesischer Zeitrechnung geboren. Ein Chinese wird in einem 
Jahre, dessen Namen Unglück bedeutet, niemals eine Unter- 
nehmung von Wichtigkeit beginnen, daran halten auch die Ge- 
lehrten und die Mandarinen fest. Dieser Umstand allein genügt, 
um Vieles in der Trägheit chinesischer Maassnahmen erklärlich 
zu machen. Ditf Eintheilung des chinesischen Jahres beruht 
wie bei anderen Völkern auf dem Laufe des Mondes. Der 
Chinese kennt aber eine doppelte Eintheilung, sowohl in 
24 Halbmonate als in 12 Monate. Die 24 Monate tragen die 
24 Zeichen des alten chinesischen Thierkreises und haben die 
Namen (übersetzt): Regenwasser, Bewegung der Reptilien, 
Frühlings-Tag- und Nachtgleiche, reines Licht, Regen für die 
Früchte, Morgenröthe des Sommers, kleine Regenzeit, Saat der 
Kräuter, Sommersonnenwende, Beginn der Hitze, grosse Hitze, 
Herbstzeichen, Ende der Hitze, weisser Tbau, kalter Than, 
Herbst-Tag- und Nachtgleiche, Reif, Winterzeichen, Anfang 
des Schnees, grosser Schnee, Wintersonnenwende, kleiner Frost, 
grosser Frost, Morgenröthe des Frühlings. Jahreszeiten kennt 
der Chinese ebenso wie wir vier, die er Mua nennt. Wenn das 
Jahr in ganze Monate eingetbeilt wird, so haben dieselben eine 
Länge von 29 oder 30 Tagen und werden danach schwache 
oder starke Monate genannt. Da das Jahr der Chinesen sich 
nicht mit dem eigentlichen Jahre deckt, so muss zuweilen ein 
Schaltmonat eingefühlt werden, und zwar sind in 19 Jahren 
nicht weniger als sieben Schaltmonate nöthig, um die Ordnung 
in der Zeitrechnung einigermaassen einzuhalten. Diese Art der 
Zeitrechnung ist der Sage nach von dem ersten Kaiser von 
China Ngien Thuan eingeführt und später nur noch in einigen 
Punkten verändert worden. Der chinesische Kalender kennt auch 
Wochen, aber wiederum zweierlei, nämlich solche von 15 und 
solche von 10 Tagen. Je nachdem wird der Monat in zwei (obere 
und untere) oder in drei (obere, mittlere und untere) Wochen 
eingetbeilt. Die Tage des Monates werden mit Zahlen bezeichnet, 
nur der erste Tag führt auch d'e Bezeichnung des Wiesels und 
der letzte das Zeichen der „Wiederkehr", ausserdem hat der 
Tag des Vollmondes die Bezeichnung der Hoffnung. Der Tag 
zerfällt in den eigentlichen Tag und die Nacht. Der eigentliche 
Tag zählt sieben Stunden, die Nacht fünf, so dass also der 
ganze Tag aus zwölf Stunden besteht und eine chinesische Stunde 
die Länge von zwei europäischen besitzt. Die Stunden des Tages 
werden von I — 12 gezählt, die Zählung wird aber um II Uhr 
Abends begonnen. Man kann die Stunden auch mit der Reihe der 
oben erwähnten zwölf Thiernamen bezeichnen, und dann ent- 
spricht die Ratte der Mitternacht und das Pferd dem Mittag. 
Endlich zerfallen die Stunden in Doppelminaten, Minuten und 
Secunden. 

Impfung in Afghanistan. Eine Aerztin aus Schott- 
land, Miss Hamilton, die nach Vollendung ihrer Studien 
nach Calcutta gegangen war und dort die ärztliche 
Praxis ausübte, folgte der fCinladung des Emirs von 
Afghanistan, gegen einen schönen Gehalt nach Kabul 
zu kommen, und sich da niederzulassen. Als Hausarzt 
der Familie des Emirs wusste sie dessen Zustimmung 
zur Durchführung einer Zwangsimpfung zu erlangen, 
und nun wird in Afghanistan die ganze Bevölkerung 
mit reiner Kalbslymphe geimpft. Der Emir ordnete 
auch an, dass sich in Zukunft Niemand der Impfung 
entziehe. 




yerutnortlicber Redticteur: JULIUS BÖHM. 



OH. REISSER k M. WERTHM£R, WIBN. 




OESTERREICHISCHE 



^onatssfl^tiö für kn #riEat. 

XXIV. jAHROANo. WIEN, APRIL 1898. N«. 4 Bbiuoe. 



^Vorlag de« Ic. Ir. öuterr. JcIa.ad.&lu-lsA.\AHe\J.iiaH 'VAT'len,, I2C.;1. B«rgg;*s«« 16. 

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verpflichtet die Abnahme der ersten Lieferung zum Bezüge des ganzen Werkes.) 

Die deutsclie Ausgabe des Werkes wird nur iu 100 numerirlen Exemplaren publicirt. (Eioe eoglische Aus- 
gabe in 100 Exemplaren gibt die Direction des k. k. Handels-Museums später heraus). 

lUustrirte Prospecte stehen auf Wunsch in massiger Anzahl zu Diensten. 

Ausführung und Ausstattung sowie der Druck des streng auf lÜO Exemplare limitirten Werkes werden von 
der Direction des k. k. Handels-Museums geleitet und überwacht. 

WIEN, im Mai 1895. -A.rta.ri€L cSz: Oo_ 



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Siidbahn. Seitens der k. Ic ötterreichUcbeo SuaUbabneD nod 
der k. k, priv. Südbahngeielltcbart gelangcD mit Giltigkeit 
vom I. Afril d. y. zur ütaiaigaht: „Er/duUrunftn und Btilim- 
mungtn für dtn Vetkehr mit TrUst.' Gleichzeitig werden die 
vom I. Juli 1891 giltigen „Briäuitrungtn und Btttimmungtn 
für den Verkehr mit Tritsl io Hinsicht aof die durch die Ein- 
beziehung der Stadt Trieit in das Zollgebiet eintretendcD ge- 
linderten Verhältnisse' auster fVirktamkeit getettt. 

Exemplare der neuen ab 1. April 1. J. giltigen „Erlänterungen 
und Bestimmungen" können um den Preis Ton 20 Heller per 
Stück bei den k. k. Staatsbabodirectionen, bei der commer- 
ciellen Direction der k. k. prir. Südbahngesellschaft in Wien 
sowie bei den Güterabfeitigungsstellen in Triest bezogen werden. 



Die Südbahngesellschaft beabsichtigt die mechanische Ein- 
richtung ihres gross'-o im Jahre 1863 erbauten Getreidemagatins 
(Sylos) in Triest, bestehend ans 473 eisernen Kästen für je 
50 t Getreide, den Paternostern, Schnecken, Transmissionen und 
Ventilatoren im Gesammtgewichte von 1700/ sowie einer Dampf- 
maschine sammt stehendem Dampfkessel und allem Zngehör za 
verkaufen, und ladet zur Beiheiligung an der bezüglichen Offert- 
verhandlung mit dem Bemerken ein, dass die Einrichtung sich 
in gutem, zur Wiederverwendung geeignetem Zustande befindet 

Die Offerte mit 50 kr.-Stempelmatke sind unter Convert ver- 
siegelt mit der Aufschrift „Offert für Ankauf der mechanischen 
Einrichtung des Getreidespeichers (Sylos) in Triest' bii läng- 
stens 28. April l8y8, 12 Uhr Mittags, bei der Babndirection, 
Südbahnhof, oder der Bahnerhaltungsinspection in Triest, Mira- 
mare-Strasse, einzureichen, woselbst auch die näheren Offert- 
bedingnisse eingesehen werden können. 

Die letztgenannte Inspection ertheilt auch die Erlaubniss zur 
Besichtigung der Einrichtung. 



K. K. PRIV. SUDBAHN-GESELLSCHAFT . 

Auszug aus dem Fahrplane der Personenzüge. 



Giltig vom 1. October 1897. 



Abfahrt von Wien: 



5..^0 Krllli (Personenzug): Mürr.zuaclilag, Kanizsa, Huilapest ; OUds 

(Dienstag und Freitag); Pakricz-Lipik ; Easegg, Sarajevo; Agram ; 

Aspang. 
7.Ü0 Früh (.Schnellzug)! Leoben, Vordernberg, Venedig (via Pontafel), 

Kanizsa, Kasegg, Sarajevo, Pakricz-Llpik, Agrani; Budapest (via 

Pragerbof); Nenberg, Äflenz. 

8.10 Früh (Schnellzug): Trieat, Fiume, Pola, Sisaek (via Sleinbrllck), 

tlonobllz, Klsgenfurt, Villacli, Bozen, Heran, Arco, Innabrnck (via 

Marburg), Wolfsberg, Lutlenberg (Gleicbeuberg), Köllach. 
I.t.'> Nachmittags (Postzug) : Triest, Görz, Venedig; Flunie; Pola, Rovigno, 

Siaaek, Brod, Banjaluka; Leoben, Vordernberg; Neuberg, Atlenz. 
1.40 Nachmillaga (Personenzug): Bares, Agram, Kanizaa, ClUna. 
2.5fi Nachmillaga (Personenzug): Wiener- Neustadt, Aspang, Kanizsa, 

Budapeat. 
4.30 Nachmittags (Personenzug): Graz, Leoben. 
S.25 Nachmittags (Personenzug); Wiener-Neustadt, Sieinamanger. 
7.40 Abends (Peraonenzug): Kanizsa, Budapest, I>akricz-Lipik; Easegg, 

Bosnisch-Brod; Agram, Siasek, Sarajevo. 
8.80 Abends (Schnellzug): Triest, 08rz, Venedig, Rom; Mailand, Genua; 

Pola, Rovigno; Fiume; Sisaek, Banjaluka, Budapest (via Pragorhof). 
9.— Abends (Posting): Triest, OBrz, Venedig, Rom, Mailand; Pola, 

Rovigno, Agraiu; Gonobilz, Budapest (via Pragerhof); Klagenfurl, 

VVoltsberg, Meran, Arco, Innsbruck (via Marburg); I.uttenberg, 

Köflacb, Wies; Ktatnz, Leoben, Vordernberg. 
9.15 Abuiula (.Schnellzug): Marburg, Klagenfurt, Franzenafeate, Memo, 

Arco, Intiabruck (via Marburg). 



Ankunft in Wien: 



ii.40 FrOh (Poatzug): Triait, Rom, Mailand, Venedig, USra; Pula; 

Agram, Budapest (via Pragerhof); Area, Innabrnck, Klagenfart, 

Wolfaberg (via Harburg) ; Lnttenberg, KMacb.WiM ; SUIna, Laobcn. 
8..'<3 FrOIi (I>eraonenzug): Kanizsa, Bosnlteh-Brod, Kasegg; Pakracx- 

Llpik, Agram, Budapest (via Oedenbarg). 
9.— Vormituga (Schnellzug): Marburg, Arco, Meran, Innabmck, KUfcn- 

fürt (via Marburg), Leobeo. 
9.10 Vormittags (Personenzug): Steiaamanger, Olln«. 
10.— Vormittags (Schnelltng) : TrtesI, Rom, Mailand, VaaodI«, OSn; 

Pola, Rovigno; Fiume, Sisaek, Agram, Budapwt (via PragartoO- 
1.16 Nachmittags (Peraonensug): Grat, Leoben, Vordenib«rf ; AAaan. 
t.35 Nachmittags (Peraonensug): Kanliaa, Gfins (Dieaatag und Fraitag), 

WIener-NeuaUdt. 
t - Nachmittaga (PoaUng): Trieat, GSri. Venedig, Pola; RuvigBo; 

Fiume, Siaaek, Agram; Radkerabnrg, K()llaeh,Wiea;8taiBt,Var<Uni- 

borg, Leoben, Nenberg. 
XKi Nachmittags (Personenzug): Bar •, Kanisaa, Badapaat, Otas, 

Agram, Oedenburg, WIcner-Neuala'it. 
:). — Atwnds (Personenzug): Sarajevo, Ks.segg; Agram, Bndapeai, 

KanUaa; PaiirävX-Lipik (via Oedenburg); Oulenstein. 
11 :<.'■ Abends (Schnellzug): Trieat, OOri, Pola, Rovigno; Flame; Brod, 

Siaaek (via Stoinbrflck); Budapeat (via PragarhoO; Ooaol>tta, 

Villach, Klagcnfurt, Wolfaberg; Lnttenl>erg, KMaak. 
:>.4'> Abends (Schnellzug): Venedig (via Pontafal). Boiaa, Maraa, Are«, 



tc^^ 



lanibruck; Leoben, Vordernberg; Neutjerg. Aflent. 



Bohlarwagan verkehren mit den Schnelliflgen (Wien ab 8.1W Abends, Wien an iO. - VormItUgs) zwischen Wlaa-TrlMt, WtaB-OAra-TaaadlC 

via Cornions und (Wien ab 9.4.^ Abends, Wien au 9.- Vormittags) iwlscben 'WI«B-Harbarff-Mer«B. 
Dtreote WageB I., II. Olaaae verkehren mit den obigen Schnellzügen zwischen Wt«B-Flam« (Al.baiia) und Wtaa-Ala vi« PraaMaa- 
feste, teruer mit den Schnelizilgeu (Wien ab 7.20 Früh und Wien an 9.5.. Abend») zwiachen WlaB-YaBadlK-Hallaad via Leobaa, daaa 

(Wien .Hb 8.10 Früh, Wien an 9..'i.') Abends) zwischen -Wien-Flum* (Abbasla). WtaB-FoIa un.l Wlen-OArx. 
Fahr Ordnungen in Placat- und Tascbcn-Formal bei allen Billetten.Ca,s.siii ; TaacbenFahrplan der Uicaltüge in allen Tabak-TratkMI Wl»Ba. 
Fahrkarten - Aaagrabe (In boachrSnkteni Masse) und AnakflaRs tiei ler Wiener Agentur der Inlernaiionalan S«klafWag«a-OaaaUMAan, 
I. Kitrntnemng 1,'j. im KalirliarlenStadtburcau der kgl. Ungar. Staal.seiMiil>ahnen in Wien, 1. Ktmlnerring 9, dann in d«a K*b«ban«Bx: 
Th. Co.ik & .Son, 1. K«rntnerstraaae32A, G. Schroeokl'a Witwe, I. Kolowratriog l», Scbenker k Co., I. Sekoiteartac S (HftKl da Fraaea), .Caarlar-, 
Intematlonalea Reiae- nnd Fahrkartenburean Nagel fc Wortmann, I. Opemgaaee S. 



tv 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRtFT FÜR DEN ORIENT. 



uliulg vom 1. Jänner iH'äl 
bis auf Wuiterea. 



faljrylaii öeö „<a e |t e c c e t c!i i l et) e n Cl o g ti*'. 



(iiiU^ vom 1. J&nQ«r Ibt«? 
Bl> «df Weilure». 



XJiBisTST I3vt .A.i>K.i-A.Tisc£a:Easr i>/i:eer.e. 



Beschleunigte Eillinie TrleSt-Catt^rp. 

Ab Trleil jeden Donnerstag 8'/, Ubr Früh, 
lu Oatiaro Freitag 12 Uhr Mittag«, berllhr. : 
Pola, Zar«, Spalato, Orarosa. 

Retour ab Cattaro 6 ühr Abends, in Triest 
Samstag 10 Uhr Nachts. 

Linie Triest-Metkovich A. 

Ab fHe»t jeden Mittwoch 7 Uhr Früh, in 
jleilsovich Freitag 4 Uhr Nachm., berühr. : 
Rovigno, Pola, Lusslnpiccolo, Zara, Zaravecchla, 
Sebenico, Traft, Spalato, 8. Pletro, Almissa, 
Oelsa, S. Martine, Macarsca, 8. Giorgio di Les., 
Tranaab, Port Qptis. 

Retour ab «etkovich Jeden BonnUg 8 Uhr 
Früh, in 'l'rlesi Dienstag l'/i Uhr Nachm. 

Anscblass auf der Hinfahrt in Spalato an die 
Hinfahrt der beschleunigten Eillinie Triest— 
Oattaro. 

Linie Triest— IMetliovIch B. 

Ab Triott Jeden Samstag 7 Uhr frtlh, in 
MetkoTicb Montag 4'/« Uhr Nachm., berlllr. : 
Rovigno, Pola, Lusslnpiccolo, Zara, Zlarin, 
Sebenico, Traft, Spalato, 8. Pletro, Postire, 
Almissa, fucischiej Macarsca, Oradat, Fort Opus 



Retour ab Detkovloh Jeden Mittwoch 8 Uhr 
Frfih, In Triest Freitag 6 ühr Abends. 

Anschluss anf der Rückfahrt ift Spalato an 
die Hinfahrt der Linie Triest— Cattaro A und in 
Zara an die Rückfahrt der Linie Triest— Pola— 
Zara. 

Linie Triest— Venedig. 

Von Triest jeden Montag, Mittwoch und 
Freitag nui Mittemacht, Ankunft in Venedig den 
darauffolgenden Tag 6',, Uhr Früh. 

Relour ab Venedig jeden niei stac, Mittwoch 
und Freitag um Mitternacht, Ankunft in Triest 
dW darauffolgenden Tag 0',, Uhr Früh. 



Linie ^ola— Zara. 



Ab Pola jeden Mittwoch 3 Uhr Nachmittags, 
In Zara Donnerstag 6 Uhr Nachm., berühr.: 
Cherso.Rabaz, Abbazia, Malinsca, Vegiia, Arbe, 
Lnsslngrande, Valcassione, Porto Manzo. 

Retour ab Zara Freitag 7 Uhr Früh, in Pola 
Samstag 7'/, Uhr Früh. 

Ansclilnss in Zara an die Eillinie Triest - 
Cattaro «uf der Hinfahrt und an die Linie Triest— 
MetkoTich B auf der Rückfahrt. 



Linie Triest— Cattaro ^. 

Ab Triott jeden Dienstag 7 Uhr Früh, Id 
Cattaro Donnerstag 6'/, Uhr Abends, berühr.: 
Ri.vigno, Pola, Lnssinpiicolo, Helve, Zara, 
Sebenico, Spalato, Milna, Lesina, Curzola, Gra- 
vosa, Castelbuovo, Teodo, Risano. 

Retour ab Cattaro jeden Montag 10 UbrVorm., 
In Triest Mittwoch 6 Uhr Abends. 

Linie Triest— Cattaro B. 

Ab Triest jeden Freitag 7 ühr Früh, in 
Spizxa darauffolgenden Mittwoch 11 Uhr Vorm., 
berühr. : Rovigno, Pola, Lnssinpiccolo, Selve, 
Zara, Sebenico, Rogosoizza, Trau, Spalato, Ca- 
rober, Milna, Cittavecchia, I>esina, Lissa, Comlia, 
Vallegrande, Curzola, Orebich, Terslenik, Meleda, 
Gravosa, Ragusavecchia, CastelnuoTo, Teodo, 
Perasto-Risano, Perzagno, Cattaro, Budua. 

Retour ab Spizza jeden Mittwoch 11", Uhr 
Vorm., in Triest darauffolgenden Montag 5'/, Uhr 
Nachm. 

Anmerkung. Falls schlechten Wetters wegen 
das Anlaufen von Castelnaovo nicht möglich 
wäre, wird in Megline a' gelegt. 



i.Bv-A.isrTE:- xjiNir> j^i-rTEX. is^EBB-piEisrsT- 



Eillinie Triest— Aiexandrien. 

Von Triest jeden Mittwoch ab 12 Uhr Mittags, 
n Aiexandrien Sonntag 6 Uhr Früh, berührend : 
Örindlsi. Rückfahrt von Aiexandrien jeden Sams- 
tag Mittags. 

Anschluss InAleiandrien an die Syrisch Cara- 
manische Linie. 

Anschluss in Triest bei Abfahrt und Ankunft 
an den Luxuszug Ostende— Wien— Triest und in 
Brindisi auf der Hinfahrt an den um 11 Uhr 
Vorm. eintrfeffeiidtin und bei der Rückfahrt an 
den um 6 Uhr 10 Min. abgehenden Eilzug. 

Eillinie Triest— Constantinopei. 

Ab Triest Jeden Donnerstag 11 Uhr Vorm., 
in Constantinopei darauffolgenden Mittwoch 
6'/, Uhr Früh, berühr.: Brindisi, StI. Quaranta, 
Corfn, Patra«, Pir&us, Dardanellen. Rückfahrt 
von Contfantinopel jeden Dienstag, in Triest Mon- 
tag 2 Uhr Nachm 

Diese Linie wird eine Woche bis nach Odessa, 
die andere bis nach den Donanhüfen (im Winter 
bis nach Batum) verlängert. Anschluss in Corfu 
an die Linie Corfu- Prövesa, in PIräus an die 
Tliessalische Linie und in Constantinopei auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrisch-Cara- 
manischen Linie. 

Griechiscil-Orientaiische Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 

10. Jänner 1897 ab 4 Uhr Nachm., in Smyrna zweit- 
nächsten Dienstag 6 Uhr Früh, berührend: Fluni«, 
Durazzo, Valona, Corfu, Santa Maura, Patras, 
Zante, Cerigo, Canea, Rethymo, Candia, Vathy, 
TschesmS, Chios. Rückfahrt ab Smyrna Sonntag 
(om 10. Jänner ab 10 Uhr Vorm., in Triest 
zweitnächsten Dienstag 5 Uhr Früh. 

Griecliisch-Orientalische Linie Ober 
Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonutag vom 
3. Jänner 18il7 ab 4 Uhr Nachm., in Smyrna 
zweitnächslen Dienstag 7'/, Uhr Früh, berüh- 
rend: Cattaro, Budua, Antivari, Dulcigno, 
Medna, Durazzo. Valona, Santi Quaranta, Corfu, 
Santa Maura, Argostoli, Zante, Canea, Rethymo, 
Candia, Vatliy, Tschesme. Chios. Rückfahrt von 
Smyrna Sonutag vom ö. Jänuer 1897 an 10 Uhr 
Vorm., in Triest zweitnächsten Dienstag 3 Uhr 
Nachm. 

Anschluss in Smyrna auf der Hinfahrt, an 
die Syrisch-Caramanische Linie und an die 
Rückfahrt der Syrischen Linie. Nach Cattaro und 
Budua keine Waaren- und Passagieraufnahme. 

Linie Triest- Fiume— Aiexandrien. 

Jede vierte Woche. Ab Triest Donnerstag vom 
28. Jänner 1H97 ab ; in Aiexandrien zweitnächsten 
Samstag 6 Uhr Früh, berührend: Fiume, Corfu, 
Patras. Rückfahrt von Aiexandrien Montag vom 

11. Jänner 1897 ab 9 Uhr Vorm., in Triest zweit- 
nächsten Dienstag 7',, Uhr Früh. 

Anschluss in Aiexandrien auf der Hinfahrt 
an die Syrische Linie. 



Thessallsolie Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 
S.Jänner 1897 ab l Uhr Nachm., in Constantinopei 
zweitnächsten Sonntag 5'/, ßhr Früh, berühr.: 
Fiume, Corfu, Patras, Zante, Calacolo, Calamata, 
Canea, Rethymo, Candia, Syra, Piräus, Volo, 
Salouich, Oavalla, Lagos, Dedeaeatsch, Darda- 
nellen, Gallipoll, Rodosto Rückfahrt von Con- 
stantinopei Freitag vom 8. Ja' ner ab 8 Uhr 1 ruh. 
In Triest drittnächsten Sonntag 7 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis nach den Uonauhkfeu 
verlängert werden. An chhi«s in Piräus an die 
Eillinie Triest— Constantinopei. 

Tiiessaiisciie Linie über Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 
10. Jänner ab i Uhr Nachm., in Constantinopei 
zweitnächsten Sonntag S'„ Uhr Früh, berühr. : 
Cattaro, Budua, Antivari. Dulcigno, Medua, 
Durazzo, Valona, 8. Quaranta, Corfu, S. Maura, 
Argostoli, Catacolo, Calamata, Canea, Rethymo, 
Candia, Piräus, Volo, Salonich, Cavalla, Dedea- 
gatsch, Dardanellen, «allipoll, Rodoslo. Rück- 
fahrt von Constantinopei Freitag vom 1. Jänner 
1897 ab 8 Uhr Früh, in Triest drittnüchslen 
Samstag 3 Uhr Nachm. 

Diese Linie wird bisBatum verlängert werden. 
Anschluss in Piräns an die Eillinie Triest— Con- 
stantinopei und in Constantinopei auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrischen Linie. 
Keine Waaren- und Passagleraufnahme nach 
Cattaro und Budua. 

Syrische Linie 

Jede zweite Woche. Ab Aiexandrien Montag 
vom II. Jänner 1887 ab, 4 Uhr Nachm., in Con- 
stantinopei zweitnäciiHten Mittwoch 7 Uhr Früh, 
berührend: PortSaVd, Jaffa, Caiffa, Beyruth, Lar- 
naca, Ijimassol, Rhodiis, Chios, Smyrna, Metelin, 
Dardanellen, Gallipoll. Retour ab Constantinopei 
Montag vom 11. Jänner 1897 ab 3 Uhr Nachm., in 
Aiexandrien zweitnächstenDonnerstag 7UhrFröh. 

Diese Linie wird bis Batum verlängert werden. 
Auschiuss in Constantinopei auf der Hinfahrt 
an die Donaulinte und die Linie Constantinopei — 
Constantza (G) und an die Rückfahrt der 
Tbessallschen I^inie über Fiume; In Aiexandrien 
auf der Rückfahrt an die Eillinie Trieft— Aie- 
xandrien. 

Syriscli-Caramanische Linie 

Jede zweite Woche. Ab Aiexandrien Montag 
om 4. Jänner 1897 ab 3 Uhr Nachm., in Con- 
stantinopei zweitnächsten Donnerstag .5 Uhr 
Nachm., berühr. : Port Said, Jaffa, Caiffa, Beyruth, 
Tripolis, Lattakia, Aiexardrette, Mer8ina,Rhodu8, 
Chios, Smyrna, Dardane .len. Rückfahrt von Con- 
stantinopei Samstag vom 2. Jänner ab 3 Uhr 
Nachm. Ankunft in Aiexandrien zweitnächsten 
Mittwoch 8 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis Odessa (S) verlängert 
werden. Anschluss in Constantinopei auf der 
Hinfahrt an die Linie Constantinopei — Batum und 



an die Rückfahrt der Tbessallschen Linie. über 
Albanien, In Aiexandrien auf dar Rückfahrt an 
die Eillinie Triest- Aiexandrien. 

Donau-Linie. 

Ab Constantinopei jeden DonnersUg S ühr 
Nachm., in Braila Montag 10 Uhr Vorm., berühr. : 
Burgaä,Varna, Constantza. Sulina, Galatz. Retour 
ab Braila Mittwoch H Uhr Früh, in ConsUnlinopel 
Sonntag 5 l'hr Früh. 

Anf der Rückfahrt wird diese Linie bis nach 
Triest verlängert werden u. zwar eineWoche durch 
die Eillinie Triest— Constantinopei, die andere 
Woche durch die Thessalische Linie über Fium-. 
Anschluss in Constantinopei auf der Rückfahrt 
an die Syrische Lluie, 

Linie Constantinopei— Constantza mit Ver- 
längerung bis Odessa. 

Jede zweite Woche (()). Ab Constantinopei 
Donnerstag, vom 7. Jänner ab ^ Uhr Nachm., 
in Odessa Samstag 8 Uhr Früh, berührend: Con- 
stantza. Retour von Odessa Freitag vom 1.5. Jänner 
ab 4 Uhr Nachm., in ConsUntlnopel Sonntay 
10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis nach 
Triest verlängert werden durch die Eillinie Trieat- 
Constantlnopel. 

Jede zweite Woche (S). Ab Constantinopei 
Samstag vom Iti. Jänner 1897 ab, in Odessa 
Montag 8 i hr Früh, berührend ConsUntza. Ke^ 
tonr von Odessa Montag vom 25. Jänner lft97 
ab, in Constantinopei Mittwoch 10 ühr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wM diese Linie bis 
Aiexandrien veilängert werd'en durch die Syrisch- 
Caramanische Linie. Anschluss In Constantinopei 
auf der Rückfahrt an die Thessalische Linie 
über Albanien und an die Hinfahrt der Donau - 
L'nle und der Linie Constantinopei— Batum. 

Zweiglinie Constantinopei— Batum. 

Ab Constantinopei jeden Freitag, In Bttiim 
nächsten Dienstag, berührend: Ineholi, Samsun, 
Kerassunt, Trapezunt. Rückfahrt von Batum 
Donnerstag 6 Uhr Abends, In Constantinopei 
darauffolgenden Mittwoch 10' , Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie eine 
Woche bis Aiexandrien verlängert werden durch die 
Syrische Linie, die andere Woche bis nach Triest 
durch die Thessalische Linie über Albanien. 
Anschlnss In Constantinopei auf der Rückfahrt 
an die Syrisch-Caramanische Linie und an die 
Hinfahrt der Donau-I^inie und die Linie Con- 
stantinopei Constantza (G). 

Zweiglinle Corfu— Prevesa. 

Ab Corfu Jeden Sonntag 4Va Uhr Früh, in 
Prevesa 5 Uhr Nachm., berührend : Sajada, Parga, 
8. Maura. Retour ab Prevesa Freitag 6 ühr Früh, 
in Corfu 6'/j Uhr Abends. 

Im Anschluss in Corfu auf der Rückfahrt 
an die Eillinie Triest — Constantinopei. 



ocE-Au2srisanER DiEisrsT. 



Zwelgllnle Colombo— Caicutta. 

Ab Colombo am 27. jeden Monates, berührend: 
Madras. Rti'ki'ahrt von Caicutta vom H. Februar 
ab den 14. Jeden Monate» bis incl. Jänner 1898. 

AnachluHB in Colombo an die Linie Triest— 
Shanghai — Kobe bei 'ler Hin- und RückfAbrt 

Ute Dampfer dieser Linie berühren gele- 
gentlich auch Coconada oder einen anderen Hafen 
an der Ktigte von Coromandel. 
B. Mercantlidlenst nach Brasilien. 

Abtabrt ab TrtOSt am 10. Jänner, lU. Miirz 
10. Mai, 20. Juni, 20. Juli, 20. August, 1. Octobei, 
10. November, berührend: Fiume, Peroambuco. 
Bahia, Rio de Janeiro und Santos. Rückfabrt von 
SantOS am 12. März, 10. Mai, 10. Juli, 18. Angast. 
17. September, 18. October, 29. November. 
10. Jänner I8ii8. Dia gleiche Anzahl r'atrtei: 
unternimmt die „Adria" ab Fiume ix der 
Z wisch enmonaten mit Berührung von Trieai. 

*) Fliime wird auf der A sfahit am 21. der ungeraden Monate (nämlich Jänner, März, Mai, Juli, September, November) berührt. 
Bei der Heimreise erfolgt die Berührung von Fiume am 28. Mai, SO. Jflli, 29. September. 28. November, 28. Jänner 1898 und 28. März 1898. 

Event. Aenderungen in den Zwisrhenhäfeu ausgenommen und ülü^e Haftung für die Regelmäsaigkeit des Dienstes bei Contumavorkehrun^en. 



Linie Triest— Shanghai— Kobe. 

Ab Triest fti^ 20 je«le:; Mona'e', 4 ühr 
Nachm., herlibr. : Fiume*, Port - Said, Suez, 
Massaua (die BerUbrurg Massauaa erfolgt auf 
der Auereis und der Heimreise nur gelegentlich), 
Aden, Knrrachee, Bombay , Colombo. Penang, 
Siugapore, Hongkong, Sbiingbai. Rückfahrt von 
Kobe am 31. März, 29. April, 29. Mai, 27. Juni, 

28. Juli, s;8. August, 29. September, 29. October, 

29. November, .0. December, 29. Jänner 1898 
und 28. Februar 1898. 

AnacbluHj in Bombay sowohl bei der Hiu- 
als Rückfahrt an die Eillinie Triest — Bombay. 
Anschluss in Colombo bei der Hin- und Rück- 
fahrt an die Zwelglinie Colombo-Calcutta, 

Die Abfabrts- und Ankunftszeiten in den 
Zwischenhäfen, ausgenommen Bombay und Co- 
lombo, können nach Umständen verfrüht oder 
verspätet werden. 



Der Anfentbalt in Fiume auf der Heimreise 
kann nach dem absoluten Erforderniss für die 
Ladunga- und LÖschungsarbeiten verlängert oder 
abgekürzt werden. 

Ausser den in dem obigen Fahrplan genannten 
Häfen können die Dampfer unter Umständen auch 
Nagasaki oder Mogi anlaufen, doch wird das Datum 
der Abfahrt von Kobe hiedurch nicht geändert. 

Eiiiinie Triest— Bombay. 

Ab Triest am 3. eines jeden Mouatei, be- 
rührend : Brindi i, Port-Said, Suez, Aden. Riick- 
fah rt von Bom bay vom 1 . Februar ab jeden 
1. des Monates bis incl. Jänner 1898. 

Anschluss in tiumbay an die Linie Triest — 
Shanghai— Ko'je. pie Ankunft und Abfahrt in 
den Äwiscbenhäfeij kann nach Maassgabe der 
Bedürfnisse verfrüht oder verspätet werden. 



VERANTWORTLICHER REDACTBUR : JULIUS BÖHBt. 



CB. REISSBR & U. WBRTHNER, WIEN. 



Mal 1898. 



Nr. 5. 



OESTERREICHISCHE 




anatestlrift filr hm irimt. 



Heranigegeben vom 



K. K. ÖSTERREICHISCHEN HANDELS-MUSEUM IN WIEN. 

Redigirt von JULIUS BÖHM. 



Monatlich eine Nummer. 



VeRLAO des K. K. ÖSTERRKTCHrSCHKN HANDKLS-MUSRUMS IN WiKIf. 



Preii JihrL 6 IL =s 10 Hark. 



INHALT : l)lo ohiaesische Ostbahn und Ihr Oebiet. — Neue Rerormxn in 
Cbln«. Von N. PohI lu Shanghai. — Zur Charakteristik der Japaner. 

— Die Insel Zanzlhar. — Centralaslatlscbes Kunstgewerbe. — Chronik. 

— MI «Collen: Buddha's Geburiaort. — St«li«ll«ober Bericht Ober 
Aegypten. 



DIE CHINESISCHE OSTBAHN UND IHR GEBIET. 

Einer der bedeutsamsten und grossartigsten Erfolge 
des zielbewussten und planmässigen Vorgehens der 
russischen Politik in Asien ist ohne Zweifel das der 
chinesischen Regierung abgerungene Zugeständniss, auf 
chinesischem Gebiete eine russische Eisenbahn bauen 
und betreiben zu dürfen. Allerdings wird diese Bahn 
durch die Mandschurei, deren Bau zu Ende des Jahres 
1896 beschlossen wurde und an deren Tracirung gegen- 
wärtig fleissig gearbeitet wird, den für die Chinesen 
etwas besser klingenden Namen Ostchinesische Eisen- 
bahn oder Chinesische Ostbahn führen, doch wird sich 
wohl kaum Jemand dem geringsten Zweifel hingeben, 
dass alle Vortheiie dieser Eisenbahn den Russen zu- 
gute kommen, wie sich diese auch alle Rechte auf die 
Bahn vorweggenommen und vorbehalten haben. Wenn 
die Bildung einer ostchinesischen Eisenbahngesellschaft 
für den Bau einer Eisenbahn in der Mandschurei auch 
auf Grund einer Vereinbarung der chinesischen Re- 
gierung mit der russisch-chinesischen Bank beschlossen 
wurde, so darf man sich weder durch das friedlich 
klingende Wort Vereinbarung, noch durch die Betonung 
des chinesischen als eines mitwirkenden Elementes 
täuschen lassen. Die gewiss höchst interessante Vorge- 
schichte der russisch-chinesischen Eisenbahnconvention ist 
leider unserer Betrachtung entzogen, da es beide vertrag- 
schliessenden Parteien aus leicht begreiflichen Gründen 
für gut befunden haben, darüber nicht viel laut werden 
zu lassen ; doch die Vertragspunkte selbst lassen hin- 
länglich vermuthen, was ihrer Feststellung voraus- 
gegangen sein mag. 

Uer Antheil, den China an der mandschurischen 
Eisenbahn hat und haben wird, ist thatsächlich so 
gering, dass man über den Titel „Chinesische Ost- 
bahn" staunen könnte, wenn man nicht wüsste oder 
sich nicht sagen könnte, dass dieser Titel nur so 
hübsch erfunden ist, um sowohl den Chinesen gegen- 
über dcn^Schein zu wahren, als auch um anderen an 
der Sache interessirten Mächten kein unzeitiges Aergerniss 
zu geben, und wenn dieser Titel nicht dadurch ge- 
rechtfertigt erschiene, dass ja die Trace der soge- 
nannten Chinesischen Ostbahn auf — wenigstens vor- 
derhand noch — chinesischem Boden liegt. Schon an 
der Grundlage, nämlich an der F'inanzirung des Unter- 
nehmens, haben die Chinesen so viel wie gar keinen 
Antheil, denn die russisch-chinesische Bank ist ein von 
der russischen Regierung unterstütztes Privatunter- 
nehmen, und wenngleich vereinbart wurde, dass nur 
russische und chinesische Staatsangehörige Actien der 



der Chinesischen Ostbahn erwerben können, ao ist 
vorauszusehen, dass die Actien nur in russische Hände 
übergehen werden und dass wahrscheinlich keine einzige 
von Chinesen erworben werden wird. Und wie die 
Bahn durch russisches Capital fundirt wird, so wird 
sie auch aus russischem Material gebaut und von russi- 
schen Arbeitskräften ausgeführt und verwaltet ; russi- 
sche Ingenieure leiten den Bau und führen ihn aus, 
russische Soldaten stehen ihnen dabei als schützende 
Bedeckung zur Seite, Russen werden auch die fertige 
Bahn leiten, verwalten, betreiben und beaufsichtigen, 
und die Chinesen werden nur alle Uiener und etliche 
Unterbeamte dazu beistellen dürfen. Dafür, dass China 
der Bahn den Titel, Grund und Boden und seinerzeit 
auch Kulis gibt — geben darf oder geben muss? — 
dafür hat China auch das Recht, die Eisenbahn nach 
80 Jahren an sich zu bringen ; ein Oberflüssig gross- 
müthiges Zugeständniss von Seite der Russen, ein 
rührend naiver Vorbehalt von Seite der Chinesen I 

Mag es einerseits einer uns nicht mehr berührenden 
fernen Zukunft überlassen bleiben, wer nach Verlauf 
von 80 Jahren Herr der Mandschurei und der Chinesi- 
schen Oätbahn seiu wird, so ist andererseits leicht zu 
durchschauen, wessen Nutzen und Vortheil diese Bahn 
in der allernächsten Zukunft zu dienen haben und 
dienen wird. Der Gedanke und die Errungenschaft, 
über fremdes Gut einen Schienenstrang zu ziehen, auf 
chinesischem Boden eine russische Eisenbahn zu bauen, 
ist gewiss ein bewundernswcrther Schachzug russischer 
Politik; unsere Bewunderung wird aber einigermaassen 
eingeschränkt durch die Erkenntniss, dass dieser 
Schachzug nicht allein in Rücksicht auf das, was ihm 
in Ostasien eben seit dem Ende des Jahres 1896 schon 
gefolgt ist und in Rücksicht auf die noch zu erwartenden 
Ereignisse im fernen Osten gerechtfertigt erscheint, 
sondern dass er auch durch die schon vorher bestehenden 
Verhältnisse bedingt, ja im Interesse Russlands sogar 
nothwendig war. 

Sowohl handelspolitische als auch strategische Er- 
wägungen müssen Russland, ganz abgesehen von aller 
Zukunftspolitik, von der Nothwendigkcit überzeugt 
haben, eine Eisenbahn durch die Mandschurei laufen 
zu lassen. Wenn die grosse transsibirische Eisenbahn, 
die Moskau mit Wladiwostok am Stillen Ocean ver- 
binden wird und zum Theile schon fertig und in Be- 
trieb ist, wenn dieser ungeheure Schienenstrang leisten 
soll, was er zu leisten im Stande ist, dann darf er 
nicht darauf beschränkt sein, sich an der Grenze von 
China hinzuziehen und sich dem fremden Lande ge- 
wissermaassen ängstlich ferne zu halten und auf einem 
Umwege, wie es die Strecke an der durch den Einflu^s 
des Ussuri in den Amur veranlassten Krümmung der 
russisch- (sibirisch-) chinesischen Grenze ist, auszu- 
weichen. Dieser Umweg, den die sibirische Eisen- 
bahn von jenseits des Baikalsees nach Wladiwostok 



50 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



zu machen hat, muss das Augenmerk der mit der 
sibirischen Eisenbahnfrage betrauten und vertrauten 
russischen Kreise schon vor Langem darauf gezogen 
haben, zwischen Transbaikalien und Wladiwostok nach 
einer kürzeren Verbindungslinie zu suchen. Sehr wahr- 
scheinlich war man in Russland auch längst darüber 
einig, dass eine solche Linie, die gezwungenermaassen 
nur durch die Mandschurei führt, im Interesse des 
Handelsverkehres zwischen Russland und China von 
grösster Wichtigkeit ist, doch war es wohl nicht 
räthlich, vor Vollendung der Ussurilinie der sibirischen 
Eisenbahn an der Grenze die Chinesen mit der Mit- 
theilung zu überraschen, dass man gesonnen sei, sich 
in ihrem Hause breit zu machen, d. h. auf chinesi- 
schem Boden eine russische Eisenbahn zu bauen. Nach- 
dem die Ussurilinie vollendet war, konnte Russland es 
schon ungescheut wagen, an Cbina mit dem Vorschlage 
einer Eisenbahnconvention zum Zwecke des Baues 
einer Eisenbahn durch die Mandschurei heranzutreten. 
Durfte es dies nun thun, da es durch das fertige End- 
glied der sibirischen Eisenbahn wenigstens leidlich 
strategisch gedeckt war, so musste es dies auch end- 
lich thun, da umgekehrt auch dieses Endglied, das 
längs des Amur und des Ussuri an der sibirisch- 
chinesischen Grenze hinläuft, selbst dringendst einer 
strategischen Deckung bedarf. Der Bau einer Eisen- 
bahn in der Mandschurei ist also sicherlich von Russ- 
land schon lange als eine Nothwendigkeit erkannt 
worden und auch schon längst in Aussicht genommen ; 
für wie dringlich man die Sache in Russland hält, 
geht daraus hervor, dass die Bahn Ende August des 
Jahres 1903 fertig zu sein hat, obwohl mit den Vor- 
arbeiten dazu erst Mitte des Jahres 1897 begonnen 
wurde und der Bau, wie sich schon bisher heraus- 
gestellt hat, auf sehr erhebliche Schwierigkeiten stossen 
wird. 

Die Chinesische Ostbahn, welche als ein Zweig oder 
als ein Schlussglied der grossen transsibirischen Eisen- 
bahn zu betrachten ist, bildet die Verbindung zwischen 
der Transbaikallinie und der Süd-Ussurilinie bei Wladi- 
wostok, doch ist ihre Trace noch immer nicht end- 
giltig bestimmt; dreimal schon wurde ihre Richtung 
abgeändert, immer aber weniger in der Absicht 
Terrainschwierigkeiten zu umgehen, als um die Bahn 
möglichst tief nach Süden in die Mandschurei hinein- 
zurücken. Den Hauptzügen nach wird die Bahn, soviel 
bis nun bestimmt ist, von der sibirischen Eisenbahn 
bei Stretensk an der Schilka abzweigen, über den 
Argunfluss und durch das Khingangebirge gehen, und 
über Petuna, Kirin und Ninguta die Süd-Ussuribahn 
bei Nikolskoje erreichen. 

Nach den Mittheilungen eines englischen Reisenden,^) 
der im vergangenen Jahre die nördliche Mandschurei 
besucht und das Gebiet, durch welches die Chinesische 
Ostbahn gehen wird, gründlich kennen gelernt hat, ist 
Stretensk, das Schiffahrtscentrum an der Schilka, eine 
Judenstadt. Wenn es einmal der Hauptbahnhof der 
transsibirischen Eisenbahn sein wird, wird es Kiachta, 
welches jetzt der Mittelpunkt des Ueberlandthaehandels 
zwischen China und Sibirien ist, vollständig verdrängen, 
da in Folge der billigeren Eisenbahnfracht der be- 
schwerliche Kameeltransport aufhören wird ; anstatt 
der Beförderung durch die bisher üblichen Theekara- 
wanen wird dann der Thee von Seedampfern von 
Hankau nach Nikolajewsk gebracht, von hier auf 
Flussdampfern den Amur hinauf und in die Schilka 
nach Stretensk und von da durch die Eisenbahn nach 
Irkutsk befördert. Ein gutes Stück über Stretensk 
hinaus soll die Zweigbahn die Hauptlinie beim Dorfe 



') Leider iit uua der Name dieeea trefflich unterrichteten Correspoodenten 
derTimesnicht bekannt. Seine Mittheilungen, denen wir im Weiteren folßen, 
■ind nm so werthvoll?r, als aie neuesten Datu ja sind und deshalb Einblick 
in die derzeit bestehenden Verhältnisae in der nördlichen Mandschurei ge- 
währen. 



Metrophanof verlassen, doch ist diesbezüglich noch 
keine endgiltige Entscheidung getroffen. 

Wie bekannt, wurden im Spätherbste des Jahres 
1897 zur Regenzeit durch mächtige, noch nie da- 
gewesene Ueberschwemmungen die Bahnarbeiten 
zwischen Tschita und Nertschinsk zerstört, und es wird 
zwei Jahre dauern, bis der Schaden wieder gut ge- 
macht ist ; durch diese trübe Erfahrung gewarnt, will 
man eben bei der Anlage der Trace der Zweiglinie 
nach der Mongolei doppelt vorsichtig sein. 

Wenn man sich von Stretensk ostwärts gegen Ner- 
tschinski Sawod am Argunflusse wendet und von da 
an der russischen Grenze hinab wieder eine Strecke 
gegen Süden zieht, gelangt man nach Staro Tsuro- 
kaitu, wo die Zweigbahn in die Mandschurei über- 
gehen wird. Nertschinski Sawod ist ein kleines 
Städtchen mit 3500 Einwohnern, hat Schulen und 
Spitäler, und in der Umgebung wird Gold und Silber 
gefunden. Einige Stunden von der Stadt entfernt be- 
findet sich eine Ansiedlung von Sträflingen, deren 
Anzahl sich auf vierhundert beläuft. An der russischen 
Grenze am Argun trifft man alle 20 bis 30 Werst auf 
Kosakendörfer, deren Einwohnerzahl in stetem Wachsen 
begriffen ist, da die Einwanderung von jenseits des 
Baikalsees her möglichst gefördert wird und trotz des 
strengen Klimas immer ein Zuzug stattfindet. Die 
russischen Ansiedler sind ein prächtiger Schlag, jeder 
Mann ist Soldat und bewaffnet, äusserst widerstands- 
fähig, kühn und disciplinirt, jeder ist ein vorzüglicher 
Reiter und hat ein Pferd, so fest, wie er selbst ist. 
Auf der mongolischen Seite des Flusses sind keine 
Eingeborenen und keine Wohnstätten zu finden ; die 
Russen ernten hier, als ob Grund und Boden ihr 
Eigenthum wäre. Auf beiden Seiten des Flusses sind 
fette Weiden für Pferde und Rmder, aber die ganze 
Gegend von Nertschinski Sawod bis weit hinab gegen 
Süden ist ohne Baum. Als besonders bemerkenswerth 
hebt unser Gewährsmann den Umstand hervor, dass 
es hier auch keine Chinesen gibt, ja dass die Chinesen 
hier eine ebenso seltene und staunenerregende Er- 
scheinung sind wie in Europa. 

Staro Tsurokaitu am Argunflusse ist eine kleine 
Grenzfestung (Stanitza), die mit dem jenseitigen Ufer 
durch eine Fähre verbunden ist ; es ist auch der Sitz 
eines mongolischen Grenzcommissärs, der hier die 
russischen und mandschurischen Pä-!se der Reisenden 
vidirt. 

Hundert englische Meilen südöstlich von Staro Tsuro- 
kaitu liegt die chinesische Grenzstadt Khailar. Der 
Weg, der dahin führt, weist in seiner nur von mon- 
golischen Jurten unterbrochenen Einsamkeit nicht im 
Entferntesten darauf hin, dass in Khailar selbst ein 
reger und geschäftiger Verkehr herrscht. Es ist be- 
sonders häufig von Russen besucht, die hieher kommen, 
um Rinder, Pferde und Schafe, Mehl aus Tsitsikar, 
Ziegelthee aus Tientsin, und Samschu, den chinesischen 
Wodka, einzukaufen. Die Zahlung geschieht in Gold 
und Papierrubeln oder in Silber, hauptsächlich aber in 
geschmuggeltem Golde, das von sibirischen Gold- 
gräbern herrührt. Khailar ist eine armselige Stadt 
von 2000 Einwohnern, die ausschliesslich aus Emi- 
granten von Schansi, und zwar nur aus Männern, aber 
aus gar keinen Frauen bestehen ; die Bevölkerung ist 
übrigens allem Anscheine nach sehr gutmüthig, denn 
die Russen, die unbewaffnet hieher kommen, werden 
in keiner Weise belästigt. Da es in Khailar keine 
Gasthöfe gibt und anderwärts auch nicht leicht ein 
Unterkommen zu finden ist, so lagern die Russen unter 
freiem Himmel oder suchen, wenn es regnet, in Tem- 
peln Obdach. Für den Eisenbahnbau ist Khailar in- 
soferne von Bedeutung, als hier das Hauptquartier der 
Ingenieure der ersten von den sieben Sectionen der 
transmandschurischen Eisenbahn ist. 

Von Khailar sollte die Bahn, wie ursprünglich ge- 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT KÜR DEN ORIENT. 



M 



plant war, beiläufig 300 englische Meilen weit bis an 
den Fluss Nonni nach Tsitsikar geführt werden ; doch 
ist man von diesem Plane abgekommen, und es wird 
nun die Bahn viel tiefer in die Mandschurei hinein, 
nämlich gegen Süden nach Petuna am Sungariflusse 
gebaut werden. Da- oder dortbin sind überall die 
gleichen Terrainverhältnisse und dieselben Schwierig- 
keiten zu überwinden : ein Hochplateau an den Khingan- 
bfrgrn, ein steiler Aufstieg und ein ebensolcher Ab- 
stieg zu und von dem Passe, und dann ein sumpfiges 
und morastiges Terrain bis zum Thalc des Nonni oder 
zu dem des Sungari. Am Plateau ist keine .Spur von 
einer Ansiedlung zu finden, nur alle zwanzig Meilen 
ein mongolisches Zelt und alle vierzig Meilen 
ein wohlbehütetes Stationshaus ; hie und da stösst man 
auch auf ein einsames Häuschen, den Zufluchtsort von 
Verbannten, die da ihr armseliges Leben fristen, indem 
sie mongolische Karren bauen. Das Plateau liegt bei- 
läufig 2200 Fuss über dem Meeresspiegel und steigt 
bis zum Fusse des Khingangebirges allmälig bis zu 
2700 Fuss ai.f. Die Strasse, die sich den Berg hinauf- 
windet, erreicht den Pass in einer Höhe von 3650 
Fuss inmitten einer prächtigen Landschaft und bei 
einem Tempel, der der Gottheit der Barmherzigkeit 
geweiht ist. Hier bt-findet sich nicht nur das von 
wohlbewaffneten Kosaken beschützte Hauptquartier von 
zwei russischen Ingenieuren, die das Khingangebirge 
durchforschen, hier wird auch das Hauptquartier der 
zweiten Section der Eisenbahn sein. Die schwierigste 
Aufgabe dieser Section wird es sein, über das Gebirge 
für die Eisenbahn einen Weg zu finden, und man gibt 
sich der Hoffnung hin, dass dies gelingen wird, ohne 
dass man, wie es schon tür unabweisbar erklärt wurde, 
einen mehrere tausend Fuss langen Tunnel durch den 
Berg zu bohren braucht. Der Abstieg von dem Passe 
ist, bei einem Gefälle von tausend Fuss in vier eng- 
lischen Meilen, so steil und überdies so eng und un- 
eben, dass eine Wegbarmachung ausgeschlossen er- 
scheint. 

Jenseits des Khingangebirges, das ist also auf 
mandschurischem Boden, gelangt man, dem Laufe des 
Yaluflusses folgend, durch unbewohnte Steppen in das 
ausgedehnte sumpfige Inundationsgebiet des Nonni, das 
den Ingenieuren ungeheuere Schwierigkeiten zu über- 
winden gibt. Die Niederung des Nonni ist monatelang 
ganz unwegsam, denn obwohl fünf tiefe Canäle, deren 
einer 300 Yards weit ist, für die Entwässerung sorgen, 
ist das Gebiet doch den jährlichen Ueberschwemmungen 
ausgesetzt. Eine Brücke zwischen dem trockenen 
Grunde im Westen und der Stadt Tsitsikar müsste 
eine Länge von nicht weniger als acht englischen 
Meilen haben. 

Tsitsikar liegt auf der östlichen Seite des Flusses, 
hat 30.000 Einwohner und ist die Hauptstadt der Pro- 
vinz Hch Lung Kiang und die Residenz des Tschiang- 
Tscbun oder Militärgouverneurs. Die Stadt ist, wenn 
man so sagen darf, schon ziemlich russisch präparirt. 
Hieher kommen viele Russen aus Blagoweschtschensk 
und Chabarowka, um Lebensmittel einzukaufen, russi- 
sche Soldaten geleiten die Ingenieure und bewachen 
die Eisenbahnmagazine, allenthalben wird russisch ge- 
sprochen, der russische Rubel wird als Zahlung ange- 
nommen, hier gibt es eine russische Agentie, und die 
Russen marschiren durch die Stadt, als ob sie da 
schon die Herren wären. Ausserhalb der Stadt sind 
auch schon die Eisenbahnbureaux gebaut, in denen 
amtirt werden wird, wenn die Eisenbahnverbindung 
zwischen Blagoweschtschensk und Tsitsikar und Petuna 
hergestellt ist. Ausser den russischen gibt es in 
Tsitsikar aber auch viele chinesische Soldaten, deren 
Bewaffnung jedoch den ersteren wohl weniger Sorge 
als Heiterkeit verursacht; die mandschurischen Soldaten 
sind nämlich mit Gewehren der verschiedensten Sy- 
steme ausgestattet, von alten Hinterladern bis zu mo- 



dernen Repetirgewebren, die einander aber alle darin 
ähnlich sind, dass der Rost auf ihnen liegt. 

Die Gegend um Tsitsikar steht in China nicht im 
besten Rufe, da sich die Bewohner von Tsitsikar wie 
auch anderer Städte der Provinz Heb Lung Kiang aus 
chinesischen Verbrechern recrutiren. Es soll Qbrigens, 
wie der englische Correspondent bemerkt, nichts im 
Benehmen dieses Volkes an seine Natur und Herkunft 
erinnern, was erklärlich ist, da ein guter Thcil dieser 
Bewohner der Mandschurei ehemalige chinesische Be- 
amte und Diener sind, deren Verbrechen nur darin 
bestand, dass sie in die Wagscbale der ihnen drohenden 
Gerechtigkeit nicht genug Geld werfen konnten. 

Pciuna ist von Tsitsikar 180 englische Meilen weit 
entfernt. Das Land, das zwischen den beiden Städten 
liegt und noch vor wenigen Jahren eine wflste Gegend 
war, ist jetzt dank dem unaufhörlichen Strome der 
Einwanderung wohl gepflegt und bebaut, und wo früher 
ein Häufchen Lehmhütten um eine Poststation stand, 
wachsen nun Dörfer aus der Erde. Petuna, einen Tag- 
marsch südlich von der Vereinigung des Nonni und 
des Sungari, ist eine bedeutende Stadt von 60.000 
Einwohnern, deren Anzahl in raschem Steigen be- 
griffen ist. Die Gegend im Süden von Petuna gegen 
Kirin zu ist das fruchtbarste und dichtest bevölkerte 
Gebiet der Mandschurei ; ist sie bisher nur die Korn- 
kammer der Mandschurei gewesen, so wird sie in Zu- 
kunfr, wie unser Gewährsmann hofft, die Weltmärkte 
mit ihrem Weizen versorgen, sowie ihre Ernten bereits 
jetzt mit denen Sibiriens in den Wettbewerb getreten 
sind. Vermöge seiner Lage an dem schiffbaren Sun- 
gari wird Petuna ein wichtiges Eisenbahnmagazin 
werden, und schon sind Russen in beträchtlicher Stärke 
hier stationirt; am gegenüberliegenden Flussufer hat 
derzeit Fürst Hilkof mit einem vollständigen Stabe und 
einer angemessenen Escorte von russischen Soldaten 
sein Quartier aufgeschlagen. Da der Fluss von Mai 
bis October offen ist, ist eine mächtige Entwicklung 
des Handels zu erwarten. Wie man schon erprobt hat, 
eri eicht ein Dampfer einerseits von Tsitsikar und 
andererseits von Kirin aus je in drei Tagen Petuna, 
und in dieser Saison beginnt eine im Auftrage der 
Kussisch-chinesischen Bank zum Zwecke des Trans- 
portes von Eisenbahnmaterial in England gebaute 
Flotille von 15 Dampfern und 40 Booten ihre plan- 
mässigen Fahrten. Die Chinesen in der Mandschurei 
haben sich mit der Dampfschiffahrt auf ihren Binnen- 
gewässern rasch und leicht befreundet. Die Zeiten 
sind eben andere geworden ! Auf Grund des Vertrages 
von Aigun vom Jahre 1858, der durch den Vertrag 
von St. Petersburg vom Jahre i88l bestätigt wurde, 
war der Sungariflüss dem russischen Handel geöffnet; 
als aber vor einigen Jahren russische Kaufleute 
daraufhin den Fluss hinaufzufahren versuchten, wurden 
sie von den Chinesen zur Umkehr gezwungen, und sie 
Hessen sich diese Ungehörigkeit ruhig gefallen. 

Kirin ist mit seinen 200.000 Einwohnern die zweit- 
grössle Stadt der ManJschurci und an einer Biegung 
des Sungari auch sehr schön gelegen. Wenn die Russen 
Kirin zum Centrum der transmandschurischen Eisen- 
bahn machen, so ist dies nur gerechtfertigt. Die Lage 
Kirins in Bezug auf Port Arthur, das zum Endpunkte 
der Eisenbahn ausersehen ist, und wohin die russischen 
Ingenieure auch schon Vermessungen machen; der 
Reichthum der Umgebung an Naturproducten und ganz 
besonders an Nahrungsmitteln, welch letzterer zur 
Approvisionirung der ganzen Armee von Sibirien hin- 
reichen würde ; und endlich die ezponirte Stellung 
Kirins, das von den russischen Grenzposten Poltafka 
und Nowokiewsk_ wenigstens vierzehn Tagmlrsche ent- 
fernt liegt, Alles weist die Russen darauf hin, Kirin 
zum Mittelpunkte des mandschiirischen Eisenbahnneues 
zu machen. Kirin ist reich an Holz, das in mächtigen 
Flössen die Gebirgsquellen des Sungari herabge- 



52 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



schwemmt wird, Balkenmaterial, genügend, um halb 
Asien mit Eisenbahnschwellen zu versorgen ; und es 
ist auch reich an Kohle, Schwarzkohle und Braun- 
kohle, die bei gehöriger Umsicht und Anwendung 
moderner bergmännischer Hilfsmittel in unerschöpf- 
lichem Maasse zu Tage gefördert werden kann, um 
beim Eisenbahnbetriebe Verwendung zu finden. 

Die Russificirung Kirins macht bedeutende Fort- 
schritte, so bedeutend, dass die Russen in der Mand- 
schurei nicht mehr viel zu gewinnen brauchen. Sie 
haben das Recht der uneingeschränkten Schiffahrt auf 
den Binnenwässern, sie haben das Recht, zu schürfen 
und alle Arten Maschinen für das Eisenbahn- und 
Hüttenwesen einzuführen, sie haben das Recht, Häuser 
zu bauen und sich, unabhängig von den Chinesen, 
selbst mit Gewalt zu schützen, — und die Chinesen 
sind mit Allem zufrieden. Am Westthore der Stadt 
wohnen mehrere hundert Russen in chinesischen Ba- 
racken und über ihnen flattert als Zeichen der russisch- 
chinesischen „Allianz" die kaiserlich chinesische Flagge 
mit den russischen F'arben im oberen rechten Winkel. 
Die Chinesen in Kirin betrachten die russische Occu- 
pation als unvermeidlich, und trachten nur daraus 
möglichst Vortheil zu ziehen, indem sie an Waaren 
herbeibringen, was immer unter den Russen seinen 
Käufer findet. 

Bei Kirin wird die Eisenbahn den Sungari über- 
setzen und ostwärts nach Omoso und von da in nord- 
östlicher Richtung nach Ninguta gehen. Hiebei bat sie 
auf ihrem Laufe zwei Bergreihen von massiger Höhe 
zu überwinden, worauf sie in das Hurkathal eintritt 
und darin bis über den See Bilten hinaus weiter auf 
Ninguta zufährt. Alle zwanzig englischen Meilen läng« 
dieser Route steht ein Wachthaus, in welchem sich 
30 — 40 chinesische Soldaten befinden. Der erste Pass, 
der zu übersetzen ist, liegt 2000 Fuss hoch und heisst 
der Lao Yeh Ling-Pass, das ist der Pass „Seiner Er- 
habenheit", nämlich des Kriegsgottes, weil auf dem 
Gipfel ein Tempel dieses Gottes steht. Der zweite 
Pass liegt 2800 Fuss über dem Meeresspiegel (1700 
Fuss über dem Plateau), ist der höchste Pass dieser 
Strasse und heisst Tschang Kwang Tsai Ling. Die 
Gegend dazwischen ist wohl hügelig, doch sind die 
Steigungen massig. 

Auch auf Omoso hat sich der Strom der Einwande- 
rung schon ergossen und nimmt unaufhaltsam zu, was 
in Hinsicht auf die charakteristische Eigenschaft dieser 
Gegend, ihre Fruchtbarkeit, erklärlich ist. Das einzige 
Hinderniss, das die Einwanderung nach Omoso einiger- 
maassen hemmt, ist die mehr oder minder berechtigte 
Furcht vor Strassenräubern. Nach der landläufigen 
Meinung wird die Strasse von Räubern unsicher ge- 
macht, welche als „Rothbärte" geschildert werden, die 
aber grösstentheils nur Geschöpfe der Einbildung und 
Furcht sind. Da sie als Hung-Hus oder Rothbärte be- 
zeichnet werden, lässt sich vermuthen, dass man sie 
damit als von der russischen Seite gekommene Ein- 
dringlinge in die Mandschurei kennzeichnen will. Unser 
Gewährsmann gibt auch zu, dass es in der dortigen 
Gegend thatsächlich Räuber gibt, und dass die Un- 
sicherheit seit dem letzten Kriege zugenommen haben 
mag ; da die Soldaten nach Beendigung des Krieges 
ohne hinreichende Mittel zu ihrem Lebensunterhalte 
heimgeschickt wurden, möge wohl die Dürftigkeit 
Manchen verleitet haben, sich durch Strassenraub den 
mangelnden Unterhalt zu verschaffen, doch seien die 
Berichte über das Unwesen der Räuber ohne Zweifel 
stark übertrieben. Da es in Kirin und in anderen 
grossen Städten Versicherungsbureaux gibt, welche die 
Fuhrleute gegen die Gefahr von Verlusten durch Raub 
versichern, so lässt sich schon daraus der Schluss 
ziehen, dass es thatsächlich Strassenräuber gibt; doch 
dürfte diese sonderbare Art Versicherungswesen kaum 
dazu beitragen, die Strassenräuberei einzuschränken. 



Angesehene Persönlichkeiten werden auch durch die 
gefährliche Gegend von chinesischen Soldaten geleitet. 

Omoso ist ein Ort von 2000 Einwohnern mit einer 
Garnison von 160 Soldaten. In der Mandschurei be- 
misst sich die Bedeutung einer Stadt nach der Anzahl 
und Grösse ihrer Pfandhäuser, und da Omoso kein 
Pfandhaus hat, ist es eine unbedeutende Stadt. Dieser 
Mangel ist unzweifelhaft dem günstigen Umstände zu- 
zuschreiben, dass die Umgebung von Omoso sehr 
fruchtbar ist und reiche Ernten ein Pfandhaus über- 
flussig machen. 

Ninguta, am Hurkaflusse, ist eine Stadt von 10.000 
Einwohnern und das Hauptquartier der russischen In- 
genieure, die früher ohne Erfolg nach einer Eisenbahn- 
strasse nach Salin gesucht haben. Es ist eine rege 
Stadt, die mit Wladiwostok und Poltafka zum Zwecke 
der Einfuhr von Waaren von dort in geschäftlicher 
Verbindung steht und auch ein Telegraphenbureau in 
ihrer Mitte hat. 

Von Ninguta nach Poltafka an der russischen Grenze 
wird die einzige Eisenbahnstrasse führen, die der ur- 
sprünglich bestimmten Trace entspricht. Sie ist 193 
englische Meilen lang und die Hauptschwierigkeit, welche 
bei ihrem Baue in Betracht kommt, ist die Bohrung 
eines Tunnels von 1400 Fuss Länge. Die Strecke geht 
im Zickzack durch die Berge, und die steilsten Pässe 
sind diejenigen durch die Wasserscheide zwischen der 
Burka und dem Mo-ling-ho und jene zwischen dem 
Mo-ling-ho und dem Suifun. Der Mo-ling-ho ist der 
Fluss, der als Muren bei Iman in den Ussuri mündet, 
und der Suifun ist jener Fluss, der die chinesische 
Grenzstadt San-tscha-kau von dem russischen Poltafka 
trennt. Von den Bergen niederwärts gegen das Thal 
des Suifun windet sich der Weg durch ein Defile bis 
hinab zu den Hütten der Bergwerksansiedlung Warugo ; 
hier gibt es eine Menge von seichten Goldgruben. Der 
Suifun fliesst in mehreren Canälen, und zwischen dem 
zweiten und dritten Canal liegt San-tscha-kau, und 
jenseits des dritten liegt Poltafka. Transbaikal-Kosaken, 
unter welchen es viele mongolische Burjäten gibt, be- 
wachen die Grenze; ist ihre Anzahl unter gewöhnlichen 
Verhältnissen auch nicht gross, so können sie doch im 
Bedarfsfalle rasch durch die Garnison von Nikoiskoje 
verstärkt werden. Nikoiskoje, nur eine Tagreise von 
Poltafka entfernt, ist heute noch eine Zwischenstation 
der Ussuri-Bahn von untergeordneter Bedeutung ; als 
Endstation der transmandschurischen Eisenbahn, die 
hier unfern von Wladiwostok einmünden wird, wird es 
sicherlich erhöhte und ganz besondere Bedeutung er- 
langen. 

Die Fortschritte, die der Bau oder vielmehr die Vor- 
arbeiten zum Baue der Chinesischen Ostbahn bis zu 
diesem Tage gemacht haben, sind allerdings sehr gering, 
doch ist dies begreiflich, wenn man in Erwägung zieht, 
dass der Eisenbahnbau in der Mandschurei mit ganz 
ungewöhnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Wenn 
es andererseits mit eben diesem Umstände nicht gut 
vereinbar scheint, dass dieser schwierige Bahnbau inner- 
halb einer unverhältnissmässig kurzen Frist vollendet 
sein soll, so ist hinwiederum zu bedenken, dass gerade 
in der Mandschurei eine Bahn deshalb leicht zu bauen 
ist, weil das zum Baue nothwendige Material im Winter 
zu Lande und im Sommer auf den Flussläufen, die das 
Land durchziehen, befördert werden kann. Werden nun 
diese günstigen Transportverhältnisse gehörig ausgenützt 
und wird der Bau an verschiedenen Stellen zu gleicher 
Zeit in Angriff genommen und ausgeführt, was als selbst- 
verständlich vorauszusetzen ist, so braucht man nicht 
daran zu zweifeln, dass die chinesische Ostbahn zur 
festgesetzten Zeit, nämlich im August 1903, fertig sein 
wird. 

Dies ist um so bestimmter zu erwarten, als nun auch 
geschehen ist, was vorauszusehen war. Russland hat 
sich nicht damit begnügt und begnügen können, durch 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



53 



die nördliche Mandschurei eine Bahn bauen zu dOrfen, 
sondern es hat in jüngster Zeit der chinesischen Re- 
gierung auch bezüglich der südlichen Mandschurei weit- 
gehende Zugeständnisse abgerungen: die Verpachtung 
Port Arthurs auf fünfundzwanzig Jahic als befestigte 
Station unil Stützpunkt; die Verpachtung von Talienwan 
als offenem flafen und zugleich als Endstation für die 
grosse mandschurische Eisenbahn auf eine ähnlich lange 
Zeit und mit dem Rechte auf Befestigung ; und endlich 
das Recht für den Bau einer Eisenbahn von Petuna 
nach Talienwan und Port Arthur unter denselben Be- 
dingungen wie die bei der mandschurischen Bahn 
geltenden. Was dies zu bedeuten hat, das lässt sieb in 
wenigen Worten sagen : China wahrt den Schein durch 
Beibehaltung des nominellen Hoheitsrechtes, aber die 
Verpachtung ist im Ucbrigen gleichbedeutend mit Ab- 
tretung. Schon heute herrschen, wie aus dem Vorher- 
gehenden zu ersehen ist, die Russen in der Mandschurei, 
als ob das Land ihnen gehörte, und das in einem Lande, 
um welches sie sich vor etwas mehr als zehn Jahren 
scheinbar gar nicht gekümmert haben und dessen innere 
und geographische Verhältnisse ihnen thatsächlicb un- 
bekannt waren, F. E. Younghusband schreibt in einem 
Briefe an die „Times" beiläufig also: Wenn man den 
Fortschritt der Russen in der nördlichen Mandschurei 
und dazu ihre neuesten Errungenschaften in der süd- 
lichen Mandschurei betrachtet, muss man zugeben, dass 
die Russen damit einen Schritt gemacht haben, der von 
unvergleichlich grösserer Bedeutung ist als aller Fort- 
schritt, den sie vordem je in Europa oder in Asien 
gemacht haben. Ein Ausspruch, den man unbedingt 
unterschreiben darf! H. F. 



NEUE REFORMEN IN CHINA. 

N. Post in Shanghai. 

Gleichzeitig mit der Nachricht vom erfolgreichen 
Abschlüsse eines chinesischen Anlehens in England 
und Deutschland, verlautete auch, dass der Tsung-Li- 
Yamen dem Drängen Grossbritanniens nachgegeben 
und die Eröffnung sämmtlicher Binnenwasserstrassen 
Chinas für die fremde Schiffahrt vom i. Juni 1. J. an- 
gefangen zugesichert hat. Bewahrheitet sich diese Nach- 
richt und gelangt diese Zusicherung auch thatsächlich 
zur Ausführung, so kann einer neuen Aera fremden 
Handels im Reiche der Mitte entgegengesehen werden. 

Bis jetzt ist bekanntlich die Schiffahrt unter fremder 
Flagge lediglich zur See, und auf Binnenwasserstrassen 
nur insoweit gestattet, als an denselben Vertragshäfen 
gelegen sind. So sind der Peihofluss im Norden von 
seiner Mündung angefangen bis zum Vertragshafen 
Tientsin, der Yangtse-kiang stromaufwärts bis zum 
westlichen Vertragshafen Tschungking, der Whangpoo- 
fluss gleichfalls stromaufwärts bis Shanghai , nicht 
minder der Ningpofluss bis Ningpo, der Westfluss bis 
Canton, der rothe Fluss im Südwesten Chinas bis 
Mengtse für den fremden Handel und Verkehr er- 
öffnet. Ausserdem ist auch die Schiffahrt unter fremder 
Flagge zwischen den Vertragshäfen Shanghai, Sutschau 
und Kangtschau auf Theilen des oberen Whangpoo- 
tlusses und des Kaisercanales gestattet. Im vorigen 
Jahre kam zu diesen Wasserstrassen auch noch der 
Westfluss von Canton stromaufwärts bis Samschue zu- 
folge der Bestimmungen der zwischen China und Gross- 
britannien abgeschlossenen sogenannten Burmaconven- 
tion hinzu. Alle übrigen Flüsse und Canäle Chinas 
sind jedoch bis heute anderen Schiffen als solchen 
unter chinesischer Flagge verboten und können auch 
fremde Waaren nur auf einheimischen Fahrzeugen im 
Innern Chinas verfrachtet werden. 

Sofern diese Waaren sich nicht des Genusses eines 
sogenannten Transitpasses erfreuen, jenes Passier- 
scheines, auf Grund dessen sie in Gemässheit des 



Artikels XXXIII des eogliscb-cbinesiscben Vertrages 
vom Jahre 1858 durch Entrichtung des allgemeinen 
5percentigen Einfuhrzolles und eines nur balbmal so 
grossen Transitzolles von der Bezahlung aller weiteren 
Inlandsabgaben befreit sind, bleiben sie, gleichwie die 
einheimischen Waaren, den sogenannten Likinsteuern 
unterworfen. Welche Unzukömmlichkeiten die wiilkür* 
liebe Einhebung der letzteren seitens der habsüchtigen 
Mandarinen erzeugt, und wie sehr dadurch jeder 
gedeihliche Aufschwung von Verkehr und Handel im 
Innern Chinas vereitelt wird, ist schon seit Jahrzehnten 
Gegenstand der Erörterung in der hiesigen Handels- 
welt, ohne dass es gelungen wäre, eine Beseitigung 
dieser drückenden Abgaben herbeizuführen. Man glaubte 
zwar anfangs in den obenerwähnten Transitpässen 
einigermaassen einen Schutz der fremden Waaren gegen 
die Likinbesteuerung, eine Art Fluss- und Strassen* 
mauth, gefunden zu haben, doch in der Praxis erwies 
sich auch die Institution des Transitpasses gegen das 
willkürliche und schlaue Vorgehen der Mandarinen 
ohnmächtig, wie schon die Thatsache beweist, dass in 
vielen Provinzen Transitpässe von den chinesischen Be- 
hörden gar nicht anerkannt oder ihre Vorlbetle dadurch 
vereitelt werden, dass die fremden Waaren, welche 
unter Transitpässen an einen bestimmten Ort im Innern 
Chinas gesendet werden, z. B. nach Ankunft daselbst, 
womit vertragsmässig die Giltigkeit des Transitpasses 
erlischt, mit desto höheren Specialabgaben belegt 
werden, welche oft sämmtliche Likinsteuern, welche 
diese Waaren ohne Transitpass zu zahlen gehabt 
hätten, übersteigt. Das Bestreben der Vertragsmächte 
sowie der fremden Kaufmannschaft in China war daher 
stets auf eine Beseitigung der Likinsteuern oder wenig- 
stens auf eine Rcformirung und Controlirung derselben 
nach westländischen Principien gerichtet, um welchen 
Preis die Interessenten selbst zu anderen Opfern bereit 
waren. So erliess, als im Jahre 1896 die chinesische 
Regierung bei den fremden Vertragsmächten eine Er- 
höhung des allgemeinen chinesischen Einfuhrzolles von 
5 auf 10 Percent ad valorem in Vorschlag brachte, 
die Handelskammer in Shanghai sofort folgende Er- 
klärung: „Der Vorstand der Kammer ist der Ansicht, 
dass unter gewissen Bedingungen eine Zollerhöhung 
dem fremden Handel in China nicht nachtheilig sein 
würde. Die Handelskammer in Hongkong und wir sind 
über diese Bedingungen einig, dass, wenn die Zoll- 
erhöhung der chinesischen Regierung zugestanden 
werden soll, dies unter der ausdrücklichen Zusicherung 
zu geschehen hat, dass, falls einmal der Einfuhrzoll 
bezahlt ist, die Waare von allen weiteren Auflagen der 
Likin- und anderer Zölle irgendwelcher Art, nach wel- 
chen Theilen des Reiches sie auch immer gesendet 
werden soll, befreit ist ; dass es ferner durchaus nöthig 
ist, dass die chinesische Regierung hinreichende und 
unleugbare Garantien stellt, dass ihre Zusage voll und 
ganz erfüllt werde." 

Soll daher die Eröffnung der chinesischen Binnen- 
wasserstrassen auch einen gedeihlichen Einfluss auf die 
Lage von Handel und Verkehr haben, so ist unbedingt 
eine Reform des bestehenden Likinwesens nöthig. Auch 
hiefür eröffnen sich gegenwärtig günstige .Aussichten 
insoferne, als die Einnahmen aus den Likinsteuern be- 
kanntlich zur Verzinsung und .Amortisirung des neuen 
16 Millionen Pfund Sterling-Anlehens Chinas verpfändet 
und gleichzeitig beschlossen wurde, dieselben gleichwie 
die Einnahmen aus den chinesischen Seezöllen unter 
eine europäisch organisirte Verwaltung und Controle 
zu stellen. Obwohl es keinem Zweifel unterliegt, dass 
die Durchführung einer solchen Reform nicht nur in 
der ungeheuren, räumlichen .Ausdehnung des Reiche« 
sondern auch in dem Widerstände der Mandarinen, für 
welche die Likinsteuern heute noch die wichtigsten 
Einnahmsquellcn sind, schwierige Hindernisie finden 
wird, so ist doch zu hoffen, dass in absehbarer Zeit 



54 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



auch letztere überwunden und die Likinsteuern schliess- 
lich einer ebenso für den Handel wie auch für die 
Finanzen Chinas günstigen Verwaltung theilhaftig werden. 

Was nun jene Binnenwasserstrassen Chinas anlangt, 
deren Eröffnung für die fremde Schiffahrt bevorsteht, 
so gestattet der Raum an dieser Stelle nicht, auf eine 
eingehende Aufzählung und Beschreibung derselben 
einzugehen. Es soll nur daran erinnert werden, dass 
China, vielleicht das wasserreichste Land der Welt, in 
den beiden Strömen Yaog-tse-kiang und Hoaug-ho 
sowie deren zahlreichen Zuflüssen nach dem Flusssysteme 
des Amazonenstromes die zwei grössten Flussgebiete der 
Erdoberfläche besitzt. Daneben ist das ausgedehnte 
Areal des Reiches von zahllosen grösseren und kleiueren 
Seen erfüllt und von altersher von unzähligen Canälen 
durchzogen, welche die einzelnen Fluss- und Seegebiete 
untereinander verbinden und ein Beispiel dafür 
sind, wie sehr die chinesischen Kaiser in vergangenen 
Zeiten für die Förderung von Handel und Schiffahrt in 
ihrem Reiche besorgt waren. In Ermanglung von 
Landwegen bieten aber diese natürlichen und künst- 
lichen Wasserstrassen in vielen Theilen des Reiches 
auch die einzigen, vortheiihaftesten und billigsten 
Communicationen, deren der Wasserverkehr in einem 
so ausgedehnten Lande wie China theilhaftig werden 
kann. Im Folgenden sollen nur die wichtigsten Flüsse und 
Canäle Chinas genannt werden, deren Erschliessung für die 
fremde Schiffahrt in erster Linie schon gegenwärtig in 
Betracht kommt. Diese sind im äussersten Südwesten 
Chinas der Mekong, der Schwarze und Reihe Fluss, 
welche nur im Oberlaufe chinesisches Gebiet du cli- 
strömen, im Unterlaufe hingegen auf dem Gebiete drr 
französischen Colonie Tongking gelegen sind. Diese 
drei Flüsse verbinden die fruchtbaren Ebenen Tongkings 
und Cochinchinas mit der chinesischen Provinz Yünnan, 
welche reich an Mineralschätzen ist, deren Ausbeutung 
sowohl von den Franzosen als auch von den Engländern 
von Oberbirmah aus angestrebt wird. Im Osten schliesst 
sich an das Flussgebiet dieser drei Ströme jener des 
Westflusses an, welcher den Verkehr zwischen dem 
östlichen Yünnan, Kueitschau, Kiangsi und dem wichtig- 
sten. Handelsemporium Südchinas, Canton, beziehungs- 
weise Hongkong vermittelt. 

In Mittelchina handelt es sich hauptsächlich um die 
vollständige Eröffnung des Yangtsestromes, auf welch^ m 
die Dampfschiffahrt eist vor Kurzem bis nach Tsching- 
king, dem bereits genannten westlichsten Vertragshafen 
Innerchinas, eröffnet wurde. Unterhalb letzterer Stadt 
münden am rechten Ufer der Wu-ki-pang, welcher die 
wichtigste Wasserstrasse des nördlichen Kueitschau 
ist, ferner der Juenkiang, und Hsuankiang, welche die 
Provinz Hunan durchströmen; weiter stromabwärts er- 
giesst sich unterhalb Ghasi, gleichfalls am rechten 
Ufer, in den Hauptstrom der Kaukiang, welcher die 
an Thee und Seide reiche Provinz Kiangsi mit dem 
wichtigen Vertragshafen Kiukiang verbindet. Am 
linken Ufer strömen dem Yang-tse-kiang folgende 
wichtige schiffbare Flüsse zu : in der Provinz Szetschuen 
der Taho-kiang und Kialing-kiang, ferner der Hanfluss, 
welcher bei Hankau mündet. Wenig an ^räumlicher 
Ausdehnung sowie an Wassermenge steht diesem 
Stromgebiete jenes des nördlich von Schantung in den 
Golf von Petschili mündenden Hoangho nach, dessen 
wichtigster Nebenfluss der Wei-ho aus den Gebirgen 
der Provinz Kansu ist. 

Im Norden Chinas sind die wichtigsten schiffbaren 
Flüsse der schon vorgenannte Pci-ho, welcher östlich 
von Peking fliesst und unterhalb Tientsin in die See 
sieb ergiesst, der Ksiu-ho, welcher im nördlichen Rand- 
gebirge der Mongolei entspringt. Diese beiden Flüsse 
Nordchinas stehen durch den berührten Kaisercanal 
mit den beiden vorgenannten Flusssystemen des 
Hoang-ho und des Yang-tse-kiang in Verbindung und 
setzt sich dieselbe, vielleicht die längste in ihrer Art, 



auch südlich des Yang-tse-kiang nach den Vertrags- 
bäfen Lutschau und Kangtschau fort. 

Im nordöstlichsten Winkel Chinas ist der Lianho, 
welcher bei Newtschwang in den Golf von LIantung 
mündet, sowie der Sungari, welcher^dem Amurstrome 
zufliesst, zu erwähnen. Von der Schiffbarkeit des Sun- 
gari, welche eine äusserst günstige Wasserverbindung 
der chinesischen Mandschurei mit dem russischen Amur- 
gebiet herstellt, beabsichtigt Russland für den Trans- 
port der Materialien zum Baue der ostchinesischen 
Eisenbahn, welche den Sungari im Oberläufe kreuzen 
wird, vorlhcilhaften G -.brauch zu machen, zu welchem 
Zwecke sie auch schon eine kleine Flotte von flachen 
Waarenbooten auf demselben durch einen holländischen 
Ingenieur hat erbauen lassen. 

In ähnlicher Weise wird auch auf den übrigen 
Binnengewässern Ch-nis die E- Öffnung derselben die 
Einführung der Dampfschiffahrt auf denselben be- 
schleunigen, welche schon auf einzelnen Flüssen und 
Canälen in steigenlem Maasse unter chinesischer 
Flagge betrieben wird. Insoferne wird dies nicht nur 
den einheimischen Schiffsbauanstalten, von welchen be- 
reits sehr leistungsfähige in Shanghai, Tientsin, Futschau 
und Hongkong bestehen, sondern auch vielfach schon 
in Japan, England und Nordamerika zum Nutzen ge- 
reichen, und wird es sich hauptsächlich um die Er- 
bauung leichter, kleiner Dampfschiffe und Schlepper 
mit sehr geringem Tiefgange handeln. Denn es ist 
nicht zu übersehen, dass sämmtliche Flüsse Chinas in 
Folge ihres schwachen Gefälles in den ausgedehnten 
Ebenen in Folge der grossen Erd- und Sandmassen, 
welche sie aus ihren gebirgigen Quellgebieten herab- 
führen, sowie der Rückstauung an ihren Mündungen 
stark der Versandung ausgesetzt sind. Eine Regulirung 
der Flussläufe ist, obwohl sich gerade in China der 
modernen Wasserbaukunst ein weites Feld der er- 
spriesslichsten Thätigkeit eröffnet und viele tausende 
von Quadratkilometern des fruchtbarsten Ackerlandes 
der Versumpfung und Versandung entrissen werden 
können, seitens der chinesischen Regierung nicht zu 
erwarten, seitdem deren Flnan^verhältnisse sich stets 
verschlechtern und die eiuheimischen Behörden noch 
immer in der Versandung der Flüsse das sicherste 
Mittel zu sehen glauben, im Frieden die fremden 
Waaren, im Kri'ge die Feinde abwehren zu können. 



ZUR CHARAKTERISTIK DER JAPANER. 

Unter den hervorstechendsten geistigen Cbarakter- 
eigentbümlicbkeiten des japanischen Volkes fällt keine 
so staik auf, als die Altklugheit der japanischen 
Jugend. Der japanische Knabe von 12 oder 
13 Jahren zeigt, indem er Theorien erörtert, politische 
Ansichten vertheidigt oder bekämpft, dass er in diesen 
Dingen weit über sein Alter hinaus bewandert ist. 
Verschiedene Ursachen sind hiefür verantwortlich, 
und zwar scheint die einflussreichste derselben die 
Natur der Erziehung zu sein, welche er genossen hat. 
Die Bücher, die man ganz jungen Knaben zuerst zum 
Studium in die Hand gibt, sind die konfuzischen 
Classiker. Wir in Europa fangen damit an, unseren 
Knaben und Mädchen einfache Thatsachen über Katzen, 
Hunde, Kühe u. dgl. zu lehren; nicht aber so der 
normale Japaner; er beginnt mit abstracten Ideen. Er 
legt in den Mund d^-.s jungen Schülers Worte, deren 
volle Bedeutung zu verstehen es manchen von uns 
mehr als ein halbes Leben lang in Anspruch nimmt, 
ja oft begreifen wir sie überhaupt nicht. Die frühe, 
oberflächliche Bekanntschaft — denn es kann nichts 
mehr sein — mit abstracten Fragen und Grundsätzen, 
mit Theorien über Leben und Moral, bringt eine ge- 
wisse Art geistiger Frühreife hervor. Als ein 'Er- 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Ö6 



zichungsvermittler hat das frühe Studium der alten 
WeiNt-n melir Unheil als Gutes üescbaffm ; e» hat 
einen unpraktischen Sinn entwickelt, d- r Theorien 
liebt; eine Gewühnheit, die abstractc Wahrheit durch 
eine andere, als die richtige Methode — ein s()r^;8amrs 
Studium der concrrien — zu erreichen. Auf Rech- 
nung der Gtündliihkeit wiid ein vorlautes Wrs' n ge- 
schaffen, welches die ausgeprägte Tendenz besiizt, 
Eigendünkel hei vorzubringen. In einer sehr gi<).>8en 
Anzahl von I'^ällen ist dies auch wirklich der Pill. 
Japan liefrrt hiefür zahllose TJewelse. Die Cliarakicii 
stik, die wir jetzt eben erwäjjen, ist auch die wirk- 
liche Ursache für einen gut-n Theil des wilden Jour- 
nalismus und der ged.inkenlosen Berediatnkeii, die 
sich in Japan seit den letzten paar Jahrzehnten so 
auffallend kundgibt. Kein Land der Krde enthält so 
viele Schaaren von Knabenpolitikern als Japan ; man 
wundert sich mitunter, Personen vorgestellt zu werden, 
die als Journalisten und Volksredner figurirt haben, 
und zu finden, dass sie erst Anfang der Zwanziger- 
jähre sind — ein Alter, wo der Europäer kaum 
weiss, ob er überhaupt iigend welche politische An- 
sichten hat. Es gibt wenige Länder, in denen man 
einer ganz unverantwortlichen, schnabelschncllen Redc- 
und Schreibweise so sehr huldigt als in Japan ; wenige 
Länder, in denen Männer, die keine praktische Kennt- 
oiss von Politik besitzen, so leicht sich durch die 
P'ähigkeit, mit der sie Theorien bilden, einen Namen 
für Grundgelchrtheit machen können. 

Verwandt mit der Charakteristik, die wir soeben 
be.«prochrn haben, und zumeist untrennbar von ihr, 
ist eine andere auffallende Eigenschaft der japanischen 
Sinnesart: das Unpraktischsctn ; dieses ist ebenfalls 
grossentheils auf das Erzicliungswcsen zurückzufüliren, 
wie es bis vor Kurzem in Jap in exisiirte. IJc;r M ingcl 
an Interesse an der Industiii-, der Landwirtluchafe und 
dem Handel, welcht:r bei jungen Japanern so deutlich 
an den Tag tritt, ist einzig di-, Folge der E'zichung, 
die sie genossen. 

Die Bücher, die man junge Leute in hobi m An- 
sehen zu halten bislang lehrte, behandelten Gegensiän le, 
die von dem alltäglichen Lt ben der Geschäftsleuie weit 
entfernt waren. Das z. H. in Riglerung-.schulrii vrr 
folgte Erziehungssystem wird zweifellos dem Ucbel be- 
deutend steuern. Es ist sicher, dass in der Vergangen- 
heit die Landwirthschaft, der Handel und Industrie 
zumeist Männern überlassen wurde, die Unwissenheit, 
Voruriheil und Aberglaube- von allrn Reformen a'i- 
schreckte. Bis nicht eine praktischere Denkungsart den 
guterzogenen Theil des japanischen Volkes charak- 
tcrisiit, muss auch die Mehrung des nationalen Rru h- 
thums nothwendigerweise eine langsam-; srin. 

Wir wollen zunächst einen ganz wesentlichen Unter- 
schied zwischen der japanischen und fremden Dci kungs- 
weise betrachten ; einen Unterschied, ilessen Aufhebung 
uns durchaus nothwendig erscheint, falls Japan eifolg- 
leich mit den westlichen Nationen in den Wettbewerb 
treten will. Wir beziehen uns auf den Widerwillen, den 
Männer von Erziehung und Veifeincrung gegen gcld- 
erwerbende Unternehmungen haben. Dies unterscheidet 
sich von der Charakteristik, d'C wir oben angeführt 
haben. Nicht die Befähigung für die Geschäftsbetreibun^ 
zu haben, ist etwas ganz anderes als geschäftliche 
Unternehmungen zu verachten. Ein Mensch, der fähig 
ist, Reiclithum zu erwerben, mag nichtsdestoweniger 
mit Widerwillen vor einem Versuche zurückschaudern ; 
so verhält es sich mit gewissen typischen Japanern; 
das Leben desjenigen, der sich sein Brot verdient, 
scheint ihnen eine schwermüthigc Existenz zu sein, zu 
der Männer getrieben werden mögen, die sie aber nie 
freiwillig wählen würden. Sie verträumen ihre Tage 
unter Zwergbäumen, Miniaturseen und eingebildeten 
Fujibergen ; sie sind der Ansicht, dass es Occidentalen 
trotz ihrer grossen Maschinen und Hilfsmittel um nicht 



ein Jota besser geht, dass sie im Gegeotbeil in Folge 
beständiger Arbeit und Plackereien, »ich nie der Ver- 
gnügen erfreuen können, die ihnen die Natur bietet. 
Sie halten es für einen Irrthum, anzunehmen, dass der 
Hauptzweck des menschlichen Lebens die Arbeit ist. 

D.ese Ansicht haben die Japaner von ihren Ahnen 
geerbt, und sie ist viel zu tief eingefleischt, um schnell 
ausgerottet zu werden. Vom philosophischen Gesichts- 
punkte aus kann man viel zu ihren Gunsten sagen. Wenn 
Air die Kürze des meiiscblicb^^n Lebens in Betracht 
ziehen, scheint es eine Anomalie zu sein, dass die 
inei>tcn von uns während des grössi-rcn Theils unseres 
Lebens mit Hochdruck leben sollten ; dass während der 
Zeit, wo unsere Sinne und Sinnesart am ausge- 
bildetsten sind, wir unsere Energie zumeist auf mecha- 
nische Arbeit verwenden sollen; dass wir mit einer 
Eisenbahngesch«indigkeit dahin eilen, ohne Zeit zu 
haben, zu überlegen, was dieses Liben ist oder was 
es uns nicht bringen könnte. Vom philosophischen Stand- 
punkte aus betrachtet, können wir Occidentalen das 
Leben, welches wir führen — oder, richtiger gesagt, 
in Folge des Miibewcrbs führen müssen — nicht mit 
dem Leben des Japaners, der einen guten Geschmack 
hat und sich ruhig vergnügt, vergleichen. Wir hängen 
an unseren Berufen so lange, bis physische Schwäche 
oder geistige Ermattung uns daran hindern, uns der 
kaum erworbenen Müsse zu erfreuen. Wir müssen dem- 
nach zugeben, dass die japanische Ansicht, diese Frage 
beireffend, die richtige ist. Allerdings wird Japan dies- 
bezüglich, wie in vielen anderen Dingen, in unsere Fuss- 
stapfcn treten müssen. Da es einmal in den Kreis der 
Nationen des Westens getreten ist, muss es auch für 
eine Zeit lang seine Poesie und Romantik der ernsten 
Nothwendigkeit der neuen Lage opf rn müssen. Japan 
muss sich entscblicssen das Leben anzunehmen, welches 
sich ihm am besten anpasst, um mit den Nationen, die 
jetzt die Geschicke der Welt regieren, in einen erfolg- 
reichen Wettbewerb treten zu können. Die eben be- 
sprochene nationale Charakteristik m»cht drmnach gegen- 
wärtig einen allmäligen, aber sicheren Process der 
Umgestaltung durch. 

Die Verachtung für ein Unternehmen, aus dem man 
Geld macht, ist von jeher ein hervorstechender Charaktrr- 
ziig des japunischcn Volkes gewesen. Der Kaufmann, 
der Wucherer, der Mittelmann, sie alle wurden für den 
l'ariah der alten japanischen Gesellschaft angesehen; 
lieber wäre der vornehme Samurai gestorben, als auf 
das Niveau einer dieser Geschäftsciassen herabzusinken. 
Km Zeitalter des Rittcrthums hat stets dieses Gefühl 
hervorgebracht; aber nicht in jedem Lande hat die 
Gesinnung eine solche Zähigkeit gezeigt wie in Japan. 
Die besten Tage des Ritterthums in Japan liegen etwa 
300 Jahre zurück, aber dennoch hat das alte Gefühl 
fü tgelcbt, ungeachtet eines fortwährenden Mangels an 
Ereignissen, die berechnet gewesen sein könnten, das- 
selbe zu bewahren. Verbunden mit diesem Cbarakter- 
zuge ist ein scharfes Ehrgefühl, grosse Unabhängigkeit, 
ausserordentliche Grossmuth und Uneigennützigkeit, 
sowie ein Geschmack fü' Einfachheit in der Lebens- 
weise, sämmtlich Tugenden, die wohl zumeist in aller- 
nächster Zeit von der Bildfläcbe verschwinden werden. 
Denn mit der Zunahme des Handelsgeistes und des 
Durstes nach Gewinn werden auch solche Togenden 
seltener und seltener. Doch treffen wir glücklicherweise 
noch manche Beispiele an, welche für das Vorbanden- 
sein dieser Charakteristiken sprechen. Das Unabhängig- 
kritsgefühl ist unter einer gewissen Classe von Japanern 
noch ebenso stark wie je zuvor. Viele Beispiele könnte 
man, anführen, au« welchen hervorgeht, dass Mannt r 
vo' zogen, ihre einträglichen Posten aufzugeben, als 
dass sie eine Politik unterstützten, mit der sie nicht 
einverstanden waren. Man schätzt in Wirklichkeit beute 
wohl kaum eine andere Tugend höher, als den Mangel 
an Knechtsinn ; ein Mann mag ernste Fehler haben. 



jtONOTÄ 



56 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



er wird dennoch ungemein populär sein, falls er 
sich unabhängig zeigt. Aber wie andere tugendhafte 
Züge, kann diese Charakteristik auch in einen Fehler 
ausarten; führt man sie zu weit, so entwickelt sie die 
Bildung zahlloser Cliquen und Kabalen. Die Zerstücke- 
lung, welche japanische politische Parteien in den letzten 
Jahren, namentlich in Folge des alizugrossen Vorhanden- 
seins dieses Gefühls, aufzuweisen haben, ist derart ge- 
wesen, dass eine erfolgreiche Mitwirkung zu einer Auf- 
gabe wird, die fast unüberwindliche Schwierigkeiten 
aufweist. 

Wir wollen jetzt eine andere Eigenschaft in Be- 
tracht ziehen, die, obgleich sie theilweise von dem 
eben behandelten Charakterzuge abgeleitet werden kann, 
auch noch andere Quellen besitzt; wir beziehen uns 
auf die Gleicbgiltigkeit, die Japaner bei Gelegenheiten 
an den Tag legen, wenn ein Europäer ernst und besorgt 
sein würde. Sie ertragen grosse Geldverluste und 
schwere Trauerfälle mit einem Gleichmuth, der er- 
staunlich ist. Wo Gold in Betracht kommt, erklärt das 
allgemeine Gefühl demselben gegenüber, wie bereits 
auseinandergesetzt, die Gleichgiltigkeit, mit der der Ver- 
lust ertragen wird. Da es den Japanern aber nicht an 
häuslicher Liebe mangelt, wie kommt es, dass sie uns 
Ausländern so stoisch erscheinen, wenn der Tod naher 
Verwandter sich ereignet? Man hat verschiedene Gründe 
hiefür vorgebracht. Einige sind der Ansicht, dass solch 
eine Gleicbgiltigkeit bei einem Trauerfalle nur an- 
scheinend ist; dass die Japaner, wenn von Unglück be- 
troffen, ebenso stark empfinden wie wir unter gleichen 
Umständen, dass sie es aber für einen Bruch der guten 
Manieren ansehen, bei solchen Gelegenheiten Gefühle 
an den Tag zu legen ; dass es in Wirklichkeit für einen 
Beweis grosser Gesinnungs- und Charakterstärke gilt, 
im Stande zu sein, die Gemüthsbewegung zu verbergen, 
wenn die Versuchung stark ist, niederzubrechen. Die- 
jenigen, welche dieser Ansicht sind, behaupten auch, 
dass in der Art, in welcher Männer und Frauen einen 
Unglücksfall in Japan tragen, ein markanter Unterschied 
ist. Unter den Letzteren ist die Gefühlsempfindung ebenso 
stark wie bei ihren westlichen Schwestern, wenn sie 
sich in ähnlichen Umständen befinden. Die Männer haben 
aber von ihren Kriegervorahnen die Kraft geerbt, ihre 
stärksten Gefühlsempfindungen zu beherrschen. Diese 
Kraft wurde durch Jahrhunderte lange Uebung ent- 
wickelt und dieser Ansicht zufolge hat die Unempfind- 
lichkeit der Japaner mehr die Natur der Etikette. Andere 
glauben wieder, dass diese Gleicbgiltigkeit wirklich und 
tief eing< fleischt ist, eine F~olge des Skepticismus, der 
einen so hervorragenden Zug der japanischen Denk- 
weise bildet. Da die Japaner, so sagen sie, an ein Leben 
im Jenseits nicht glauben, so schauen sie auf den Tod 
mit kaltem Blute. Würden sie, wie die Christen, glauben, 
dass der Tod bloss den Eintritt in eine andere Existenz 
bedeutet, so würden sie den Abschluss des Lebens in 
einem ganz anderen Lichte betrachten. 

Obwohl diese Erwägungen zweifellos in Verbindung 
mit der Eigenschaft stehen, die wir besprechen, so 
erklären sie doch dieselbe nicht ganz und voll. Die 
Thatsache ist, dass der Geschmack, die Erziehung und 
das ganze Leben der Japaner darauf hinwirken, Froh- 
sinn hervorzubringen. Sie haben erstlich eine äusserst 
grosse Freude an der Natur cultivirt; kein Volk jubelt 
und ist mehr vergnügt an einem schönen Frühlings- 
oder Herbsttage als die Japaner. Auf die Gesinnungen 
gar vieler Europäer hat eine düstere Theologie und 
Philosophie einen tiefen Schatten geworfen ; die Japaner 
sind als Nation solchen Einflüssen nicht im Ge- 
ringsten ausgesetzt. Die Lehren von Religionslehrern, 
ein zukünftiges Leben betreffend, haben für sie nur 
wenig Interesse; die Furcht einer zukünftigen Strafe 
wirkt nicht störend auf ihren Frohsinn ; ihre Grübeleien 
sind nie sehr tiefer Natur gewesen. Die Japaner leben 
in einem Status glücklichen Unbewusstseins, soweit^dic 



traurige Seite des Lebens in Betracht kommt, und daher 
können sie den Sonnenschein der Welt in seiner ganzen 
Fülle geniessen. Wie lange es ihnen möglich sein wird, 
unter den zahlreichen Einflüssen, die jetzt in ihrer Mitte 
auftauchen, diese kindliche Einfalt beizubehalten, können 
wir nicht sagen ; da die Japaner aber ein stark nach- 
ahmendes Volk sind, so ist es nicht unwahrscheinlich, 
dass in wenigen Jahrhunderten sie ebenso ernst sein 
werden, wie wir Europäer es heute sind. 

(„Export".) 



DIE INSEL ZANZIBAR. 

Einer unserer hervorragendsten Afiikaforscher, unser 
berühmter Landsmann Dr. Oskar Baumann, jetzt be- 
kanntlich österreichisch-ungarischer Consul in Zanzibar, 
hat vor Kurzem diese interessante Insel, welche trotz 
ihrer in letzter Zeit erreichten Berühmtheit, noch sehr 
wenig bekannt gewesen ist, zum Gegenstande einer 
geographischen und ethnologisch-ökonomischen Studie 
gemacht, aus welcher wir die nachfolgenden Be- 
merkungen hervorheben. Zanzibar ist als Hafen- und 
Handelsplatz, als Ausgangspunkt der wichtigsten Er- 
forschungs- und Entdeckungsreisen, durch welche Ost- 
und Aequatorialafrika in den letzten drei Jahrzehnten 
aufgeschlossen worden ist, von grosser geographischer 
Bedeutung, eine Wichtigkeit, die sich aber lediglich 
auf die Stadt, nicht auf die Insel Zanzibar bezieht. 
So seltsam es klingt, so weltbekannt erstere geworden 
ist, so unbekannt sind im Allgemeinen die Verbältnisse 
der Insel geblieben. In der älteren Geschichte spielt 
Zanzibar, das bereits von Jakut genannt wird, keine 
nennenswerthe Rolle. Arabische und Sbirazer Herrschaft 
wechselten miteinander ab, bis die Insel im Ent- 
deckungszeitalter an Portugal fiel, das jedoch mit dem 
Ende des XVII. Jahrhunderts Zanzibar wieder an 
Maskat verlor. In loser Abhängigkeit von diesem 
Reich verwalteten sunitiscbe Satrapen durch das 
XVIII. Jahrhundert die Insel, bis mit dem Eintreffen 
des Sultans Seyid Said 1822 die moderne Zeit über 
das kleine Inselreich hereinbrach, der von Anfang an 
Zanzibar zum Stützpunkt seiner Unternehmungen in 
Oitafrika machte. Durch die englische und deutsche 
Eroberung Ostafrikas in geographischer und demnach 
auch in politischer Hinsicht musste die Unabhängigkeit 
Zanzibars früher oder später verloren gehen, und in 
der Tbat kam die Insel 1896 bekanntlich unter engli- 
sches Piotectorat. 

Zanzibar ist als eine Koralleninsel von theilweise 
verkarsteter Obei fläche nicht gerade ein gesegneter 
Wohnplatz, der eine zahlreiche Bevölkerung ernähren 
könnte. Wäre nicht die Stadt als Handelsplatz und 
Hafen für Ostafrika von grosser ökonomischer Kraft, 
die Inselnatur allein würde den Platz zu inferiorer 
Stellung verurtheilen. Das unfruchtbare Korallenland 
nimmt die ganze Osthälfte der Insel und den grössten 
Theil des Südens ein. Das Culturgebiet liegt im Westen 
und hat tiefgründigen Alluvialboden, der aus der Ver- 
witterung des Korallenkalkes entstanden ist. Die regen- 
reiche, sehr warme Witterung droht häufig mit Fieber- 
gefahr, begünstigt dagegen eine Vegetation von wahr- 
haft tropischer Ueppigkeit im Culturgebiet und erzeugt 
selbst auf dem nackten Korallenland eine eigenartige 
Buschwildniss mit stacheligen und fleischigen Formen 
Auch die Thierwelt überrascht durch die Zahl ihrer 
Formen, unter welchen freilich die grossen Raubthiere 
fehlen, wogegen Affen, Zibethkatzen, Moschusratten, 
Zwergantilopen und Wildschweine einen häufigen Wild- 
stand ergeben. Die eigenthümlichen Bombayer Stadt- 
raben ersetzen unseren Sperling an Häufigkeit ; von 
Reptilien sind die mächtigen Pythonschlangen die auf- 
fallendsten Vertreter. Von der Heuschreckenplage ist 
die Insel fast vollständig verschont. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



b'l 



Die Bewohner Zanzibars sind naturgemäss in die 
Bewoliner des Landes und der Stadt Zanzibar zu 
trennen. Erstere, die Wahadimu, stellen schwerlich ein 
altes Bevölkerungselement dar, sondern sind das Pro- 
duct eines Gemisches verschiedener, bis in die jüngste 
Zeit andauernder Einwanderungen, die vielleicht einen 
alten bodenständigrn Bevölkerungskern als Basis be- 
nützen. Sie sind ihrer Stellung nach, wie auch ihr 
Name besagt, hörige Bauern, die von Maskat-Arabern 
aus den fruchtbaren Culturgebieten nach dem Korallen- 
land im Osten und Süden verdrängt worden sind. Sie 
sind Mohammedaner und stehen unter kleinen Schchs, 
weiche die Gerichtsbarkeit ausüben. Ehedem waren 
sie wie die Watumbatu, die zum grössten 'I'heil Fischer 
und Seeleute sind, den arabischen Sclavenrazzias sehr 
ausgesetzt; jetzt sind sie, dieser Plage ledig, selbst 
zu eifrigen Vermittlern des Sciavenhandels zwischen 
der Festlandküste und Zanzibar geworden. 

Neben diesen und anderen freien Suahili-Elementen, 
die von der Ostküste stammen, ist die Sclavenbevöl- 
kerung der Stadt und der Plantagengebiete der zahl- 
reichste und interessanteste Bevölkerungstheil. Alle 
Stämme Ccntralafnkas sind in ihr vertreten; am zahl- 
reichsten die Leute aus dem Seengebict ; auch aus 
dem Süden von Üeutsch-Ostafrika. Uer Preis eines 
Sciaven erreicht jetzt gewöhnlich loo Rupien; ein 
guter Esel kommt indessen bedeutend höher zu stehen. 
Ihrer Beschäftigung nach sind es Haus- und Acker- 
sclaven, erstere in der Stadt und auf den Landgütern 
ihrer Herren sich eines recht erträglichen Loses er- 
freuend, bei guter Nahrung und ziemlicher Freiheit, 
letztere dagegen weit bedrückter durch harte Frohn 
und geringe, schlechte Ernährung. Eben jetzt sind, 
freilich Wandlungen im Zuge, durch welche die Lage 
der Sciaven auf Zanzibar sich wesentlich verändern 
und hoffentlich verbessern wird. 

Wenn die Komoro-Leute, die zumeist als Diener in 
wohlhabenden Häusern, zumal bei Europäern leben, 
nur einen geringen, stark gemischten Btuchlheil der 
Bevölkerung darstellen und auch die Araber aus Ha- 
dramaut nur eine unbedeutende, ökonomisch einflusslose 
Classe bilden, so sind dagegen die Araber aus Maskat 
die eigentlichen Herren des Landes, denen die Familie 
des Sultans und die reichsten Geschlechter der Insel 
zugehören. Sie sind die Plantagen- und Sciavenbcsitzer, 
die aber vielfach bereits in starker finanzieller Ab- 
hängigkeit von den einbeimischen Indern — Moha- 
medanern und Hindus — stehen. Sie sind die eigentlich 
mercantilc Bevölkerungsciasse, welche durchschnittlich 
über sehr beträchtliche Vermögen verfügt. Unter ihnen 
sind die Rojas — die mohammedanischen Inder — 
die numerisch stärksten. Die Goanesen (katholische 
Inder), Perser, Beludschen sind nur einzelne Splitter 
dieser äusserst bunt gemischten Gesellschaft. 

Was endlich die wirthschaftlichc Bedeutung und 
Situation Zanzibars betrifft, so ist ja wohl bekannt, 
dass Zanzibar die Zwischenstation des gesammtcn 
Handels zwischen Europa und Ostafrika — sowohl 
dem Küstengebiet als dem Innern — darstellt. De 
Inselproducte selbst sind vorzugsweise landwirthsChaft- 
lichc. Die Gewürznelke ist die wichtigste Cultur- 
pflanze im westlichen Culturgebiet, welche viel Pflege 
erfordert und bei der Abnahme der Sciavenarbeit 
stark in Frage gestellt scheint. Die Cocospalme, 
welche Producte für den Export liefert, einige fremd- 
ländische Obstsorten, wie Mango und Orangen, das 
Zuckerrohr, rother Pfeffer, der Tabak, die Arekapalmr, 
Betelblättcr vollenden die Liste der Gewürze, deren 
Anbau noch immer lohnend ist. 

Unter den Nährpflanzen spielen Maniok, Reis und 
Sorghum die wichtigste Rolle, da sie die Hauptnahrung 
der Sclavenbevölkerung bestreiten. 

Was endlich die Viehzucht betrifft, so steht sie hier 
auf keiner besonders hohen Stufe ; am höchsten hat 



sieb die Eselzucbt entwickelt, welche Exemplare von 
schöner Gestalt und reinweisser Farbe erzielt. Vom 
Fischfang lebt die Kflstenbevölkerung, namentlich ist 
dies an der Oitküste der Fall. — dl. 



CENTRALASI ATISCHES KUNSTGEWERBE ') 

Seitdem Centralasien durch die russischen Erobe- 
rungen und die neue russische Verwaltung unserer 
mühelosen Kenntniss erschlossen ist, haben wir in den 
turkestanischen Landschaften mit ihren alten Cultur- 
stätten : Bochatä, Samarkand, 'I'aschkend u. s. w. immer 
mehr den echtesten und ungestörtesten Schauplatz 
orientalischer Cultur- und Kunstentwicklung kennen 
gelernt. So gross die Völkermischungen gerade auf 
diesem Gebiete waren, wo auf den altiranischen Grund- 
stock die verschiedensten turanischen, genauer ge- 
sprochen türkischen Elemente gepfropft worden sind, 
die greif- und sichtbaren Zeugnisse der orientalisch- 
mohammedanischen Cultur des vorderen Asien sind 
gerade in Centralasien am treuesten erhalten, nur 
durch chinesische Einflüsse, die sich aber leicht ver- 
rathen, in einem bestimmten Maasse alterirt. Freilich 
ist es auch hier hohe Zeit, diese archaeologischcn und 
künstlerischen Zeugnisse zu sammeln und zu studiren, 
da der Umschwung aller Verhältnisse auf diesem Schau- 
platz den glücklich geretteten alten Bestand nunmehr 
aufs Aergste bedroht. Es ist deswegen ein höchst 
dankenswerthes Unternehmen des bekannten schwedi- 
schen Sammlers und Forschers F. R. Martin, dass er 
der centralasiatischen Kunst und einzelnen Zweigen 
des turkestanischen Kunstwerkes die lange vorent- 
haltene Aufmerksamkeit der orientalischen Wissenschaft 
zuzuwenden sich mit ebenso viel Eifer als Erfolg be- 
müht. 

Kürzlich sind zwei schöne Publicationen erschienen, 
welche in vorläufiger Art sich mit zwei bewunderungs- 
würdigen künstlerischen P.oductionen Turkestans be- 
schäftigen. Sie regen mehr an, sich diesen kunst- 
gewerblichen Schöpfungen zuzuwenden, als sie ihr 
Studium erschöpfen. Das schöne Bildermaterial, das sie 
beibringen, so dankbar wir dafür schon sein müssen, 
regt nur die Lust nach weit mehr in dem verständniss- 
vollen Leser an. 

Während die keramische Kunst in den islamitischen 
Ländern — zumal ihrem Hauptsitz: in Persicn — 
gegenwärtig in ziemlichem Verfall angetroffen wird, 
— was namentlich von der Decorationsweise, viel- 
leicht weniger von ihrer Technik gilt — ist das 
Kunstgewerbe der Fayence in dem entferntesten Winkel 
der muhammedanischen Welt, in Turkestan, noch 
immer am Leben, wenngleich auch hier von ihrer 
alten Höhe und Verbreitung merkbar herabgesunken. 
Die archäologische Untersuchung der zahlreichen 
Trümmerstätten und Schutthügel, welche bei Samar- 
kand von entschwundener politischer und künstlerischer 
IMüthe Zeugniss ablegen, fördert so viel vollendetes 
keramisches Material — leider in traurigen Trümmern 
und Bruchstücken — zu Tage, dass man auch hier 
zum laudator temporis acti werden muss. Hauptmann 
BarschofTsky in Samarkand hat davon eine nach 
mehreren Tausenden zählende .Sammlung zu Stande 
gebracht, die ihresgleichen in der Welt nicht hat. 

Gegenwärtig wird das Kunsitöpfergewerbe noch ao 
drei oder vier Hauptorten Turkestans lebhafter und 
in nennenswcrthem Umfange betrieben: in Bocharä 
und Samarkand, Taschkend und Koksnd, wobei zu 
erinnern ist, dass damit nicht allein jene Städte, son- 
dern die ganze Gegend um sie herum gemeint ist. In 
d'-n Dörfern der Nachbarschaft zerstreut liegen da 

■) llod«riia Kai-amik ron OMtrala-lra. I» T*f*la a«bal Tut to* P M. 
Martin. Stookholm 1881. 4«. — TbSnu aui TorkMtw. t TkM« aakat Ttet 
TOD A K. HartiH. Stookholm lt»T. 



58 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



überall ,'die primitiven ' Töpferöfen, in welchen /^die 

Waaren gebrannt werden, wobei das Heu- oder 

Strohfeuer durch Oeffoungen in den gewölbten Brenn- 
raum dringt. 

Entsprechend den einfachen Bedürfnissen des 
mohammedanischen Haushaltes spielen die Schüsseln 
und Schalen, auf welchen die Speisen aufgetragen 
werden, und um die herum sich die Gäste lagern, 
sowie die Wasserkrüge eine Hauptrolle. Waschbetken 
und Leuchter, Kaijanknöpfe und Schnupftabaksdosen 
sind die nächsthäufigen Formen, die zur Verwendung 
kommen. Von Form edel und sehr zweckentsprechend, 
entfalten sie ihr Charakteristisches hauptsächlich in 
der Decoration durch Musterung und Glasur. Vor- 
wiegend sind vegetabilische Ornamente, aus Blüthen 
und Blättern gewonnen, in verschiedenen Graden der 
Stylisirung. Die Colorirung hat ihren eigenen Reiz. 
Es sind frische und doch gegen einander recht fein 
abgetönte Farben, die zur Verwendung kommen. In 
den Stücken aus Taschkend und Kokand ist der 
chinesische Einfluss häufig 5 unverkennbar ausgeprägt. 
Im Ganzen handelt es sich ersichtlich um eine aus- 
sterbende Kunstübung, wie der Reisende aus der 
Spärlichkeit der Fayencebuden mit besseren Stücken 
in den Bazaren von Kokand oder Taschkend ent- 
nehmen kann. 

Die zweite Publication, die wir hiemit kurz zur 
Kenntniss der Leser dieser Zeilschrift bringen wollen, 
beschäftigt sich allerdings mit keinem fortlebenden 
Kunstzweige, sondern führt eine abgeblühte und er- 
loschene Kunstübung Turkestans vor die .^ugen. Es 
ist dies jene erlesene Holzschneidekunst, welche zur 
Decorirung der Thür- und Fensterfüllungen in den 
Moscheen, Medressen und Palästen der turkestanischen 
Herrscher und Grossen so herrliche Arbeiten geliefert 
bat, wie sie uns in einigen glänzenden Beispielen noch 
glücklich überliefert sind. Die polychrome Ver- 
zierung dieser Schnilzwerke und der ganze Styl der 
Decoration macht es wahrscheinlich, dass es eigent- 
lich die Mijsterungsweise von Teppichen ist, welche 
dieser Thürkunst gewissermaasscn als Vorbild gedient 
hat. Vorgehängte Teppiche sind in der That ein 
häufiger Tbürverschluss im orientalischen Hause; es 
ist damit ein ähnlicher Fall gegeben, wie bei den 
Mosaikarbeiten zum Belag des Fussbodens, auf deren 
Musterungsstyl ebenfalls die Decoration des orientali- 
schen Fuss- und Wandteppichs eingewirkt hat. Die 
von Marlin publicirten turkestanischen Thüren sind 
wahre Prachtarbeiten und verdienten in modernen 
Nachbildungen aufzuerstehen. Wir können uns hier 
nicht in die gelehrten Untersuchungen des Verfassers 
über die Ornamentelemente in den Thüren und deren 
Herkunft einlassen, wobei ihm die vielfachen Ana- 
logien mit den Fafadenornamenten turkestanischer 
Moscheen erwünschte Anhaltspunkte zur zeitlichen 
Datirung geben. Je höher hinauf in der Zeit diese 
Arbeiten daliren, desto ersichtlicher ist^das Nach- 
lassen der Kunstvollendung und der Sorgfalt in der 
Ausführung. Gegenwärtig ist diese Holzschneidekunst 
völlig erloschen. 

Wir hofTen, dem höchst dankcnswcrthen Wirken des 
eifrigen Sammlers und Reisenden zu Gunsten des 
turkestanischen Kunstgewerbes noch öfter zu begegnen, 
und möchten namentlich auf dem Gebiete der Gold- 
schmiedkunst und der Goldarbeiten, worin Central- 
asien ebenfalls originelle und hervorragende Leistungen 
aufzuweisen hat sowie auch bezüglich seiner alten 
Waffenschmiedkunst ähnliche Publicationen und Unter- 
suchungen auf lias Freudigste begtüssen. 

Dr. M. Hdt. 



CHRONIK. 

Asien. 

Asiatische Türkei. U den Bezirken Erzerum, Wan 
und Bitlis finden neuerdings Zwistigkeiten zwischen 
Türken und Armeniern statt. 

Turkestan. Die im Bau befindliche Murghab-Eisen- 
bahn, die voa Merw nach Süden bis Kuschk (gegen 
Hcrai) geführt werden soll, ist im ersten Drittel ihres 
Weges von Merw für den Personenverkehr eröffnet. 

Persitn. Der Statthalter der Provinz Kerman nimmt 
auf dem Marsche gegen die Aufständischen die Feste 
Fanotsch, 90 km von Gih. Die Führer der Aufstän- 
dischen fliehen in das Hügelland bei Gih ; auch Binth 
wird geräumt. Es werden starke Hilfsmannschaften 
zurückgelassen. D.e Mörder des Tclegraphenbeamten 
Greaves sollen mit den Aufständischen in die Berge 
geflohen sein, wohin ihnen die persischen Truppen 
folgen werden. — In Hamadan findet in Folge eines 
Streites zwischen den Anhängern zweier Priester ein 
Aufruhr statt, wobei viele Personen getödtet werden. 
— Die von dem Oberhaupte der persischen Nesto- 
rianer, Bschof Johannes, angeregte Vereinigung aller 
Nesiorianergemeinden Persiens mit der griechisch- 
orthodoxen Kirche ist der Verwirklichung nahe. Die 
Nestorianer hoffen, durch die orthodoxe Kirche auch 
den Schutz Russlands gegen die Kurden zu finden. 

Belulschislan. Der englische Ojerstlieutenant Gaisford 
wird von einem Sipahi in seinem Schlafiimmer über- 
fallen und ermordet; der Mörder wird ergriffen und 
hingerichtet. 

Arabien. Unter der Bevölkerung von Jemen bricht 
in Folge von Hungersnoth ein Aufstand aus. 

Indien. Die Unter werfung der aufrührerischen Stämme 
geht langsam vor sich. — Die Beulenpest dauert un- 
geschwächt fort; in Folge der Agitation der Einge- 
borenen, Hindus und Muhammedaner, gegen die Pest- 
maassregeln der Sanitätsbehörden nehmen die Sterbe- 
fälle zu und die Krankkeit wird bösartiger. In Bombay 
brechen ernste Unruhen aus, die sich hauptsächlich 
gegen die Christen richten; beim Sturm auf die Pest- 
krankenhäuser werden Europäer getödtet und ver- 
wundet, und die Polizei ist gezwungen, gegen die 
Auf, ührer mit der Waff-i vorzugehen. Auch in den 
Distncten Jalandbar und Hoshiarpur brechen Aufstände 
aus, die mit Waffengewalt niedergeschlagen werden 
müssen. 

Btrma. Die Arbeiten der birmanisch-chinesischen 
Grenzcummission werden mit dem Schlüsse der Ar- 
beitssaison eingestellt; wegen mangelhafter Instruc- 
tionen der chinesischen Commissäre ist, mit Ausnahme 
der nördlichen Grenze, nur ein geringer P'ortschritt 
zu verzeichnen. 

Siam. In Battambang bricht ein Aufstand aus, da 
die Bevölkerung sich weigert, die Steuern zu be- 
zahlen. Eine siamessche Expedition wird gegen die 
Empörer gesandt und schlägt sie. Die Kämpfe, an 
welchm auch Cambodschaner thednehmen, dauern fort. 

China. China nimmt sämmtliche russischen Forde- 
rungen an und verpachtet Port Arthur und Talienwan 
auf 25 Jahre. — In der Umgebung von Tschung-king 
werden die Mitglieder einer wissenschaftlichen Mission 
amerikanischer Aerzte von einer Volksmenge ange- 
griffen, die eingeborenen Gehilfen der Aerzte werden 
misshandelt, einer getödtet. Die Mdizsoldaten suchen 
die Hinrichtung des Mörders zu verhindern; die fremden 
Consuln fordern die Behörden auf, die Soldaten aus 
cinanderzutreiben, den Mörder hinrichten zu lassen 
und die Rädelsführer der Meuterer zu verhaften. 

Sumatra. Die niederländische Regierung macht den 
Versuch, durch die Vermittlung Snouck Hurgronjc's 
mit den rechtmässigen Oberhäuptern der Bevölkerung 
in Unterhandlungen zu treten, um durch sie auf die 
Partei der Ulemas und der anderen fanatischen Führer 



ÖSTERREKHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



»9 



zu wirken, die nach dem Rückzüge der Holländer beim 
Abfalle Umars die Bevölkerung zur Ernruerung des 
Widerstaniles aufhetzten. 

Borneo. Der Führer der Aufstämlisclien, MJt-Salleh, 
unterwirft sich freiwillig den britischen Hehörden. 

Straits Settlements. Die deutsche Gemeinde in .Singapur 
gründet unter dem Namen „üeut.sche Vereinigung* in 
Singapur einen Verein von Rcichsangehörigen, der es 
ihr ermöglichen soll, in Fragen ites öffentlichen 
deutschen Lebens, die ihre Interessen berühren, ge- 
schlossen Stellung zu nehmen. 

Philippinen. Auf den Philippinen bricht neuerdings 
der Aufstand aus, spanische Truppen werden über- 
fallen, spanische Soldaten und Geistliche verjagt und 
getödtet. Die Aufständischen nehmen die Insel C-bu 
ein, werden von der zurückgekehrten Garnison ver- 
trieben und verlieren 500 Mann ; der Verlust der 
Spanier ist geringfügig. 

Afrika. 
Tunis. In Tunis brechen antisemitische Unruhen 
aus, weil die Juden eine Moschee betreten und be- 
schäm utzt haben sollen. 

Algier. In Algier fiadcii in Folge der Verhaftung 
eines Antisemitenfübrers, der an den jüngsten Unruhen 
betheiligt war, Demonstrationen statt, wobei es zwischen 
Mditär und Volk zu Zu.sammensiössen kommt. 

Marokko. Der Sultan verweigert die Auslieferung 
der von den Marokkanern gefangen genommenen Eng- 
länder, die mit dem Dampfer „Tourmaline" an der 
Küste von Sus gelandet waren, unter dem Vor*ande 
unannehmbarer Auslieferuogsbedingungen. Die Ge- 
fangenen werden nach Tanger gebracht und da nach 
einem kurzen Verhör beim britischen Consuiate in ll.ift 
genommen ; sie sind des gesetzwidrigen Imports von 
Waffen und Munition nach Marokko angeklagt. 

Abessynien, Der Negus Mcnelik beansprucht das 
ganze Gebiet zwischen Abessynien und dem Nd und 
sucht sich vollständig unabhängig zu machen. Er lässt 
Thaler mit seinem eigenen Rildniss prägen, die an 
Stelle der Maria Theresien-Tlialer und Eiyihräischen 
Thaler im Lande eingeführt werden. — Die geplante 
Caveodish-Expedition nach dem Rudolfsee und dem Nil 
unterbleibt vorderhand. — Die Expedition Boncbamps 
kehrt nach Adis Abeba zurück. 

Atgyptischer Sudan. E^ine combinitte britisch-ägyptische 
Armee verlässt das Lager von Kunar am Nd und 
gelangt an den Atbara, ohne mit den Derwischen 
Fühlung zu gewinnen. Ali Digma, ein Bruder Osman 
Digma's greift Adarama am Albara an, wird jedoch 
von den eingeborenen Truppen aus Kassala dreimal 
geschlagen und es fallen 40 Derwische. Cavallcrie und 
sudanesische Infanterie greifen die 400 Derwische an, 
die sich dem Lager des Ras Hudi genähert haben, 
und schlagen sie mit Verlusten zurück. General Kit- 
chener sendet eine kleine Expedition mit drei Kanonen- 
booten nilaufwärts, um Schendi, die Metemmeh gegen- 
überliegende am rechten Nilufer vorgei-chobene Basis 
Mahmud's zu nehmen. Schendi wird niedergebrannt 
und die vorhandenen Befestigungen gesprengt. Die 
Derwische fliehen mit Hinterlassung von 160 Todten 
nach Osten. Eine zur Erkundung der Stellung der 
Derwische ausgesandte Abtheilung geräth in ein heftiges 
Gefecht mit dem Feinde, der in geschlosfener Streit- 
macht anrückt, doch zurückgetrieben wird und 20oMann 
verliert. Das 13.000 Mann starke englisch-ägyptisclie 
Heer greift das ig.OOO Mann starke von Schendi ab- 
gerückte Heer der Derwische an und bringt ihm eine 
entscheidende Niederlage bei (Schlacht am Atbara). 
Die Derwische verlieren an 3000 Todte und 4000 Ge- 
fangene, General Mahmud wird gefangen, und der 
Rest des geschlagenen Heeres flieht mit Hintet lassung 
seiner Geschütze, Lagervorräthe und Tragthicre. Die 
Macht des Khalifa gilt als gebrochen, und die Lage 



der Derwische lässt eine Fortsetzung des englisch- 
äpypiischen Feldzuges im Sudan vorderhand übciflüMig 
erscheinen. Die Operationen gegen die Dernrischf 
werden deshalb bis Ende Juli eingestellt, — DieTrinkitat- 
cis-enbahn ist fertig. 

Die Expedition des Majors Marchand soll vollständig 
gescheitert sein; Marchand setzt, von allen seinen 
Begleitern verlassen, die Reise allein fort. 

Französischer Sudan, Der französische Posten in Kong 
wird von 2000 Sofas des Samory belagert. Die Gar- 
nison leistet tapferen Widerstand. Eine Colonne unter 
Major Caudrelier befreit die Belagerten nach mehreren 
siegreichen Gefechten. — Die Englinder errichten in 
Gambaga ein Fort und besetzen es mit 50 Mann. 

Italienisch Nordostafrika. Die Benadirgesellschaft (Be- 
nadiiküste) hält die Stellung in Lugh für gefährlich. 
Der Ncgüs Menelik macht die Souveränität Ober Lugh 
geltend. 

Britisch- Westafrika. Die Gesandten der Könige von 
Horgu und Yoruba treffen in Saki zusammen und vcr- 
liandtln in Gegenwart des Gouverneurs M'Callum über 
die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen den zwei 
Völkern. Es wird ein Freundschafts- und Handelsvertrag 
vereinbart, d. n die Könige selbst raiificiren werden. 
— Die Truppen unter Major Norris erreichen Karene. 
Zwischen den Eingeborenen und der Grenzpolizei unter 
Major Tarbet findet ein Gefecht statt, wobei dieser 
nebst Anderen verwundet wird. Die Eingeborenen im 
Hinterlande hemmen den ganzen Handel ; sie legen der 
Polizei in allen Richtungen des Hinterlandes Hinterhalte. 
In Qu'ah werden von Capiiän Moore und der Grenz- 
polizei 10 Städte verbrannt. Ein Dctachement unter 
Major Stansfeld rückt gegen Ro Bailang im Karcnc- 
(listrict vor; der Platz ist stark befestigt. Die Unruhen 
in diesem District dauern fort. Auf die Ergreifung des 
Rebellcnführers Bai Bureh ist ein Preis ausgesetzt. Die 
Tfmine-Eingeborenen verweigern noch immer die 
Zahlung der Hüttensteuer, und die in Folge dessen ent- 
stan lenen Unruhen verbreiten sich gegen Süden und 
bis an die Küste von Sierra Leone. Auf der Insel 
Scherbo und im Districte von Bandadschema herrschen 
Unruhe und Aufregung; Factoreien brennen und afri- 
kanische Händler werden vermisst. 

Niger gebiet. Wori Yaro, der Nachfolger des Königs 
Ologa, der die Besetzung st-iner Hauptstadt Niki durch 
die Franzosen nur einige Tage überlebte, wird zum 
Könige von Rorgu ernannt. I<> tnfft mit Oberst M'Callum 
ausserhalb Hoscha zusammen und geleitet ihn mit Be- 
deckung nach Bere. Die Royal Niger Compaiy-Truppen 
rücken von Lokodscha nach Sokoto vor, um dem 
Sultan bei der Abwehr der Occupation seines Gebietes 
durch die Franzosen beizustehen, wenn Letztere sich 
weigern, sich über den Niger zurückzuziehen ; die Ex- 
pedition, die gegen Argungu vorgegangen ist, marschitt 
auf das Gerücht von der Ankunft französischer Streit- 
kräfte in Sokoto nach Lokodscha zurück. Die Franzosen 
verstäiken ihre Truppen zu Bussa, Karamama und Ilo 
und ziehen grosse Streitkiäftc in Say zusammen. Dir 
Engländer besetzen Ekuta und Tabira im Hintcrlande 
von Lagos. Die Lage an der Grenze von Lagos ist 
noch stets bedenklich. 

Nigerterrilorien. Ein französicher Officier und ein 
Soldat werden bei Ilo am mittleren Niger von dem 
Gatten einer von ihnen vergewaltigten Frau nieder- 
gestochen. Di-r Mörder wird ergriffen und erschossen. 
Britisch- Osla/rika. Die aus dem Fort Lubas ent- 
flohenen Aufrührer werden von den Engländern bei 
Kabagambi eingeholt, angegriffen und in ernstem Ge- 
fechte geschlagen. Die Empörer haben viele Todte 
und Verwundete und ziehen sich mit den letiteren 
in die Sümpfe des Kiogasecs zurück ; sie leiden aa 
Munitionsmangel. König Mwanga sammelt seine zer- 
sprengten Streitkräfte. n Erwartung eines Conflicts 



60 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



mit den früheren eingeborenen Königen werden fort- 
gesetzt Verstärkungen nacii Uganda geschickt. 

Die Uganda-Eisenbahn ist bis Voi (i6o km von 
Mombassa) für die Beförderung von Reisenden eröffnet. 

Kamerun, Die von der Station Yaunde unter Carnap's 
Leitung aufgebrochene Expedition it.t, nachdem sie den 
Sangafluss entlang nach dem Congo und diesen entlang 
bis zum Stanleypool gezogen war, mit der Eisenbahn 
in Matadi angelangt. Die in letzter Zeit im Baneland, 
am unteren Lauf des Njong ausgebrochenen Unruhen 
werden von einem Theil der Schutztruppe unterdrückt. 
Ein anderer Theil der Schutztruppe wendet sich gegen 
die Buli, welche die Strasse nach Lolodorf beunruhigt 
haben, um dort Ruhe zu schaffen. 

Congostaal, Hauptmann Long stiess am Tanganyika- 
see auf eine kleine Schaar der aufständischen Soldaten 
und schlug diese in die Flucht. Die Mehrzahl der 
Meuterer wird zwischen 27 und 28" ö. L, nördlich von 
Riba-Riba vermuthet. Die Congo-Eisenbahn ist bis 
Dolo (Stanleypool) vollendet. 

Deutsch- Ostafrika. Die Nachricht von einem grossen 
Aufstande der Eingeborenen und der Niedermetzlung 
einer deutschen Expedition wird vom Gouverneur von 
Oslafrika als unrichtig bezeichnet. Der Gouverneur, 
General Liebert, bereist das Land, um die Cultur- 
verbältnisse des Hinterlandes von Bagamoyo und Saadani 
kennen zu lernen und in Usegua auf die sittliche Hebung 
der Bevölkerung (Kindesmord) einzuwirken. 

Britisch- Centralafrika. Der aufständische Kaffern- 
häuptling Mpseni unterwirft sich freiwillig den Truppen 
der Colonie, womit der für die verstreut im Lande 
lebenden Europäer bedenkliche Aufstand unterdrückt 
erscheint. 

Rhodesia. Im Mascbonalande brechen neuerdings 
wieder Unruhen aus. Viele von den eingeborenen Ge- 
fangenen entziehen sich durch die Flucht aus dem 
Gefängnisse in Fort Salisbury der Aburtheilung wegen 
der im letzten Aufstande begangenen Mordthaten. 

Deutsch-Südwestafrika. Die im Norden des Schutz- 
gebietes an der portugiesischen Grenze ausgebrochenen 
Unruhen machen der Behörde viel zu schaffen, da die 
Neger über lo.OOO gezogene Gswehre und genügende 
Munition verfügen. Die im Süden von Angola sich 
immer mehr ausbreitende Rinderpest vernichtet die Vieh- 
bestände, so dass die im Hochlande von Mossamedes 
wohnenden Europäer ihre einzige Habe verlieren, des 
Transportmittels zur Küste beraubt sind und demzufolge 
auch grossen Mangel an europäischen Lebensmitteln 
leiden. 

Madagaskar. Vierhundert Sakalaven greifen den 
französischen Posten in Ambiky an, werden aber mit 
einem Verluste von 53 Mann zurückgeschlagen. In 
Folge dieser Niederlage unterwerfen sich zahlreiche 
Eingeborene in jenem Theile von Madagaskar. 



MISCELLEN. 

Buddha'S Geburtsort. Man berichtet aus London, 
28. März: Sehr interessante, auf den Gründer des 
Buddhismus, den Fürstensohn und späteren Mönch 
Gautama, mit Beinamen Buddha, bezügliche Ent- 
deckurgen und Funde sind zwei gelehrten Kennern 
des Buddhismus, Vincent Smith und Dr. Vost, in Indien 
geglückt, worüber die „Royal Asiatic Society" einen ein- 
gehenden wissenschaftlichen Bericht veröffentlichen wird. 
Aus den auf Steintafeln erhaltenen Edicten des Königs 
Asoka, der um 250 v. Chr. lebte, etwa zwei Jahrhunderte 
nach Buddha, leiteten diese Gelehrten die geographi- 
sche Lage des kleinen Staates Kapilavastu ab, dessen 
Rajah Buddha's Vater war und in dem er selbst ge- 
boren wurde. Die Entdeckung e'ner anderen Asoka- 
Inschrift im Dickicht einer Dschungel im Districte 
Tarai von Nepal, hart an der Grenze von Audh, führte 



zur genauen Feststellung des Geburtsortes Buddha's 
selbst oder wenigstens des Ortes, welchen die Buddhi- 
sten der ersten Jahrhunderte als die Geburtsstätte ihres 
Religionsstifters verehrten. Die Ruinen des Ortes 
bestehen aus Backsteinhügeln, und in diesen fanden 
sich angebliche Reliquien von Buddha selbst: Knochen 
und ein hölzernes Gefäss, das vielleicht der Bettel- 
napf ist, den Gautama von dem Tage an bei sich 
führte, da er Mönch geworden war. Diese Reliquien 
waren zusammen mit einem kunstvoll gearbeiteten 
Becher aus Bergkrystall und vielen Juwelen verschie- 
dener Art in einem grossen Sandsteingefässe enthalten, 
das unter einer mehrere Fuss dicken Schicht von 
Mauerwerk verborgen war. Eine Inschrift in den 
Schriftzeichen der Asoka-Edicte besagt, dass dies die 
Reliquien von Buddha seien. In der Nähe wollen 
diese Entdecker auch die Lage der Stadt Sravasti, 
in der Buddha eine Zeit lang predigte, entdeckt 
haben. 

Statistischer Bericht über Aegypten. Der finanzielle 

Rathgeber des Khedive, Sir Edwin Palmer, hat soeben 
den statistischen Bericht für das Jahr 1897 veröffent- 
licht, welcher die seit der Occupation Aegyptens durch 
England auf wirthschaftlichem Gebiete erzielten Er- 
folge in das hellste Licht zu stellen versucht. Wir heben 
folgende Daten hervor: Die Bevölkerung Aegyptens 
hat sich seit 15 Jahren um 2,920.486 Einwohner, 
d. i. 43 Percent, vermehrt. Obwohl die steuerpflichtige 
bebaute Grundfläche um 13 Percent zugenommen hat 
(614.195 Feddans, i Feddan = 0^4467 ni), ist doch 
die Grundsteuer um 85.691 ägyptische Pfund gegen das 
Jahr 1881 ermässigt worden. Im Jahre 1887 war der 
mittlere Steuersatz für i Feddan l"075 ägyptische Pfund, 
er beträgt jetzt 0*9 1 Pfund. Seit 1891 wurde die 
Grundsteuer um 507. 600 Pfund ermässigt, die anderen 
directen Steuern um 223.000 Pfund, während die in- 
directen Abgaben, die 180.000 Pfund jährlich betragen 
hatten, ganz aufgehoben wurden. Die Durchschnitts- 
abgabe betrug im Jahre 1881 I"052 Pfund per Kopf, 
im 1897 0'865 Pfund, somit hat sie eine Ermässigung 
um 20 Percent erfahren. Dem Eisenbahnverkehr wurden 
212 englische Meilen neuer Geleise eröffnet. Die Zahl 
der Passagiere II. Classe ist von 416.000 auf 1,115.000, 
die der III. Classe von 3,100.000 auf 9,412.000 ge- 
stiegen ; der Güterverkehr zeigt eine Zunahme von 
1,275.000 / auf 2,796.000 /. Die Zahl der Telegramme 
ist von 680.000 auf 2,498.000 gestiegen. Die Aus- 
gaben für den öffentlichen Unterricht haben eine Ver- 
mehrung um 37 Percent erfahren, die Zahl der Schulen 
ist von 29 auf 51, die der Schüler von 5300 auf 
11.304 gestiegen. Bedeutende Summen wurden für Be- 
wässerungsanlagen und Landstrassen verwendet. In den 
Provinzen wurden 1700 km Landstrassen hergestellt, 
2512 km Entwässerungscanäle, 3054^»? Bewässerungs- 
canäle und 575 km Dämme für Wasserhaltungszwecke. 
Zum Frohndienst, den früher 281.000 Personen zu leisten 
hatten, werden nur mehr i i.ooo Personen herange- 
zogen. Trotz der enormen Baisse in den Zucker- und 
Baumwollpreisen bat der Werth der Ausfuhr nur eine 
geringe Einbusse erfahren, während die Einfuhr um 
2,600.000 ägyptische Pfund zugenommen hat. Der 
Tonnengehalt der Sch.ffe, die im Hafeu von Alexandria 
anlegten, ist von 1,250.000 / auf 2,270.000 / gestiegen. 
Der Schuldendienst, der im Jahre 1882 noch 4,235921 
ägyptische Pfund erforderte, konnte im Jahre 1897 mit 
3,908.684 ägyptische Pfund auskommen. Der Curs der 
fünfpercentigen Prioritäten, der im Jahre 1881 mit 
9674 notirt wurde, steht nunmehr nach der Conversion 
auf 3Y2 Percent auf 102. Der Curs der vierpercentigen 
unificirten Staatsschuld, der im Jahre 1881 mit 7l7i 
notirt wurde, steht jetzt auf lOÖ'/j. 



OH. B£I8SBR fc U. WBRTHNAH, WTEnV.T 



V«nuitwortllab« B«dMt«ar: JULIUS BUUM. 



OESTERREICHISCHE 



^tinatestl^rift ffir bm #rimt. 



XXIV 


JAHROAN«. 








WIEN, MAI 1898. 








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IPxoboliefte laiid T>rosp«»kt» gi?a.tls duroH jode 
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\erlas des liibliogrrapJilschen Institats, Leipzigr. 



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Verlage des k. k. österr. Handels-Museums 
erscheint jeden Donnerstag die volkswirthschaftliche 
Wochenschrift 

„f II» giin)»d0-Pufieum^^ 

mit der Beilage 

„CoiDinercißlle Berichte öer t \ \. österr.- 
nnear. CoiiSBlaräiter". 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



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K, k. landesbefugte 



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ZOLL-COMPASS. 

Der V. Jahrgang dei „ZolI-CompM«" wird, gleichwie der 11 1. 
beziehungsweise der Ergänzungsband desselben (IV. Jahrgang) 
licftrungrwtise zur Publication gebracht, nnd die einzelnes Liefe- 
rungen werden nach Maassgabe der eintretenden Verindemngen 
in den betreffenden Zolltarifen erscheinen. 

Der gestellten Aufgabe, die für naseren Aassenbaadel 
wichtigsten Länder snccessive in den Rahmen dietei Jahr- 
liuches einzuhezieheo, wird der erscheinende V. Jahrgang dnrch 
Neaaufuahme der Zolltarife der australitchtn Colonign, NuJtr- 
länditch-lnditns und der Philippinen entsprechen. 

Von dem in 2o Lieferungen erscheinendes V. Jahrgang iia4 
bisher II Lieferungen publicirt worden, enthaltend die Tarife von 
Rumänien, Argentinien, Russland, Britisch-Indien, China, Japan, 
Korea, Persien, Oesterreich-Ungam, Schweden, Norwegen, Helgo- 
land, Italien, Argentinien (IT. Auflage), Deutschland, Frankreich, 
Griechenland, Belgien, Vereinigte Staaten von Amerika und 
Schweiz. 

Preis per Lieferung 45 kr. -> 90 Pfg. Einzelliefernngen werden 
nicht abgegeben. Einbanddecke zum ganzen Jahrgang 50 kr. ^ 
I Mark. 

Zu beziehen durch das k. k. österr. Handels-Museam sowie 
durch jede Buchhandlung. Für Deutschland alleiniger Vertrieb 
durch E. S. Mittler & Sohn, Berlin S. W. u, Kochstrasse 68—70 

Verlag des k. k . österr. Handels-Masenms. 



K. K. PRIV. SÜDBAHN-GESELLSCHAFT . 

Auszug aus dem Fahrplane der Personenzüge. 



Giltig vom 1. October 1897. 



Ankunft in Wien: 



Abfahrt von Wien: 

ö..*)© Früh {PerBononziig): M()r7.7.iisc,)ila(;. KanizRa, Btldappst ; Otlna 

(OlcnHtag; und Freitag); l'akräcx-I.ipik ; Ksflegg, Sarajevo ; Agram ; 

Aipang. 
7.80 Früh (Sclmelli;ug)! Lcobcn, Vordemberg, Venedig (via Pontafel), 

Kanlzsa, Kasegg, Sarajevo, Pakricz-Lipik, Agrani; Budapest (via 

Pragerliof); Neuberg, Atlonz. 
a.lO Frflli (Schnelliug); Trleat, Finme, Pola, Siaaek (vi» Sleinbrllck), 

Gonobitz, Klagenfurt, Villacli, Bozen, Heran, Arco, Innabnick (via 

Marburg), Wolfaberg, Luttenl}erg (Oleictieuberg), Köflaoh. 
1.15 Naohmittaga(Poatzug): Triebt, Q8n, Venedig; Finme; Poia, Rovlgno, 

Siaaek, Brod, Banjaluka; Leoben, Vordernborg; Neuberg, AUenz. 
1.40 Nacbmittaga (Porsouenzug): Barca, Agram, Kanizaa, GOna. 
S.S.'S Nact]mittaga (Personenzug); Wiener -Neustadt, Aspang, Kanizsa, 

Hudapeat. 
4,30 Nachmittags (Personenzug): Qras, Laoben. 
5.25 Nacliinittaga (Personenzug): Wiener-Neustadt, Stelnamanger. 
7.40 Abenda (Personenzug): Kanizsa, Budapest, Pakräcz-I.ipik; Essogg, 

Bosnisch-Hrod; Agrain, Sissek, Sarajevo. 
8.S0 Abends (Sclinellzug): Triast, Oörz, Vrnedig. Rom; Mailand, Genua; 

Pola, Rovigno; Fiume; Sissek, Baujaluka, Budapest (via Pragerhof). 
9. — Abends (Postzug): Triest, Görz, Venedig, Rom. M.iiland : Pola, 

Rovigno, Agrara; tlonobltz, Budapest (via Pragertiof); Klagenfurt, 

Wolfsberg, Meran, Arco, Innsbruck (via Marbnrg); l.uttenberg, 

Köäach, Wies; Staiuz, Leoben, Vordernborg. 
9.45 Abeiitls (Schnellzug): Marburg, Klagenfurt, Fraosensfeate, Heran, 

Arco, Inusbruck (via Marburg). 

SohlafvraKan verkehren mit den Schnellzügen (Wien ab 8.80 Abenda, Wien an 10. - Vormittags) nvi.chen Wlan-Trlsit, Wlen-OöraT«»»«l« 

via Cormons und (Wien ab 9.45 Abends, Wien an 9. - Vormittaga) mischen Wtaa-HarbnrK-Keraa 
Dlreot* Wagan I., II. Olaaaa verkehren mit den obigen Schnelliüeen twischen Wlaa-Flnma (Ahbaila) nnd WUo-Ala ria Praa 
le»te, ferner mit den Schnellzügen (Wien ab 7.80 Früh und Wien an 9.S,'> Abends) zwischen Wlaa- Vasadls-Hallaad via Lto b isi, 

(Wien ab 8.10 Früh, Wien an 9.S5 Al>end.<) zwl,ichen Wian-Flvma (Abbaala). Wlaa-Fola und Wlaa-CMra. 
Fahr-Ordiiuugen in l'lacat- und Taschen-Formal bei allen Billetli nCaas.n ; TaachenFahrplan der LflcaUage In allen Tabak- Traftkaa WIeaa. 
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iBlamalloualei Relaa- and Fahrkarieiurir >a .«gel k Wartmann, I. Oparafaaaa t. 



6.40 Frtlh (Poatiug): Triest, Uum, Mailand, Venedig, Odra; Pola; 

Agram, Budapest (via Pragerhof); Arco, Innsbruck, Klagenfurt, 

Wolfsberg(via Marburg); Luttvnberg, Köttach.Wies; .Staini, l.«abra. 
B.AS Früh (Personenzug): Kanizsa, Bosnlseta-Brod, Basacff; Pakrica- 

LIpik, Agram, Budapest (via Oedeabart). 
9.— Vormitugs (Scbnellzag): Marburg, Area, Meran, laasbraek, KUgaa- 

färt (via Marburg), Leoban. 
9.40 Vormittags (Personenzug): Sieioamangar, QBb«. 
10.— Vormittagi (Schnelling) : Triest, Rom, Mailand, Vaaadig, Oin; 

Pola, Rovigno; Fiume, Siasek, Agran, Bodapait (Tia PrafcrhoO- 
1.15 Nachmittags (Penoneniug)i Qras, Laoben, Vorderal>arg ; Alaaa. 
t.Si Nachmittags (Personenzug): Kanlisa, Odaa (Diesataff und Prattac), 

WIener-NeuaUdt. 
4.— Nachmittag* (Pastaug): Triest, QSrs, Vaaadlc, Pola; Rorlgaa; 

Finme, Sissek, Agram ; Radkersbnrg, KBaaeh,Wlai ; StalBi,Vonlara- 

twrg, Leoben, Nenberg. 
5.S5 Nachmlilag« (Personeniog): Barci, Kaoisaa, Badapaa«, Qdaa, 

Agram, Oedenburg, WIenar-Naaatadl. 
:<.— Aband« (Personeningl: Sarajaro, Kasagg; Agram, Badayaai, 

Kaoiasa; Pakracs-I.ipik (via Uadaabnrg) ; UntcaalvlB. 
9M Abeods (Schneilaug): Triest, GSrs, Pola, Rovigno; FIbbm; Bred, 

Siaaek (via StelnbrQck); Budapest (via PragerlioO; OaaaMts, 

Vlllach, Klaganfart, Wolfabarg; Lnilaabatf, KAtaali. 
9.43 Abends (Schnellang) : Vaaadig (ria PoataM), Boaaa, Maraa, Art«, 

Iniubruck; Laoben, Vordemberg; Nanl>«r(, Aflana. 



IV 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



mutig Tom 1. Jänner 1497 
bii auf Wt*itere8. 



jfajjrplan öeö „a^cftcrrelcöf fcöen IClopü' 



iiüüg vom 1. J&nn«r 18t)7 
bis auf Weit«reg. 



IDI eisTST Xls/L -A.IDI^I.A.TISCJHCEI>T lyEEJBI^E. 



Beschleunigte Eillinie Trlest— Cattaro. 

Ab Triest je<ien Donnerstag 8'/, Uhr Früh, 
ti Oattaro Freitag 12 Uhr Mittags, berühr.; 
Pota, Zara, B|ialato, Gravo^a. 

Retour ab Csttaro 6 Utir Abends, in Triebt 
Samstag 10 Ubr Nathts. 

Linie Triest-Metkovich A. 

Ab Trlesl jeden Mittwoch 7 Uhr KrÖh, tn 
Metkovich Freitag 4 Uhr Nachm.. berühr. : 
Rovigno, Pola, LnaNinpiccolo, Zara, Zaravecchla, 
Sebeiiico, Trau, Spalato, S. Pictro, Almlssa, 
Qelsa, S. Martino, Macarnca, 8. Giorgio di Lea., 
Trapano, Fort Opus. 

Retour ab Hetkovloh jeden Sonntag 8 Ubr 
Früh, in IVieBt DiensUg l'/i Uhr Nachm. 

Anschluasauf der Hinfahrt In Spalato an die 
Hinfahrt der beschleunigten Eillinie Triest— 
Cattaro. 

Linie Triest— Metkovich B, 

Ab Triest jeden Samstag 7 Uhr Früh, in 
&fetkovich Montag 4'/» Ubr Nachm., benlbr. ! 
Rovigno, Pola, LuHfiiipic^oIo, Zara^ Zlarin, 
Sebenico, Trau, Spalato, S. Pietro, Postire, 
Almissa^Puciscbie, Macarsca, Oradas, Fort Opus. 



Retour ab Metkovioh jeden Mittwoch & Uhr 
FrOh, in Triest Freitag 6 Uhr Abends. 

AnachlusH a<if d*r UUrkfatirt in SpalatO an 
die Hinfahrt der LipJe Triest— Cattaro A und in 
Zara an die Rückfahrt der Linie Trient — Pola — 



Zara. 



Linie Triest— Venedig. 



Von Triest jeden Montag, Mittwoch und 
Freitag um Mitternacht, Ankunft in Venedig den 
darauffolgenden Tag 6' , i;iir Früh. 

Retour ab Venedjg jeden Uiensiatf. Mittwoch 
lind Freiu«: um Mitiernacht, Ankunft in Triest 
den darauffolgenden Tag 6Va Uhr Früh. 

Linie Pola— Zara. 

Ab Pola jeden Mittwoch 3 Ubr Nachmittag», 
in Zara Uoniierst&g 5 Uhr Nachm., berübr. : 
<>berRo, Rabaz, Abb^sia, Malinsca, Veglia, Arbe, 
Laxsingrande, Valcamone, Porto Mauzo. 

Retour ab Zara Freitag 7 Uhr Früh, In Pola 
Samstag 7»/, Uhr Früh. 

AnscljlusH in Zara an die Eillinie Triest — 
Cattaro auf der Hinfahrt nnd an die Linie Triest — 
Metkovicb B auf der Rückfahrt. 



Linie Triest— Cattaro 4. 

Ab Triest jeden Dicnsiag 7 Uhr Früli, n 
('attaro Donuerstag 6'/, Ulir Abends, berUbr. ; 
Rovigno, Pola, ImHHinpiccolo, Selve, Zara 
Sebenico, Spalato, Mllna, Leslna, Cursola, Qra- 
Toaa, Casteluuovo, Teodo, Risano. 

Retour ab Cattaro jeden Montag 10 UhrVorm., 
in Triest Mittwoch 6 Uhr Abends. 

Linie Triest— Cattaro B. 

Ab Triest jeden Freitag 7 Uhr Früh, in 
Spizza darauffolgenden Mittwoch II UhrVorm., 
berühr.: Rovigno, Pola, Lussiopiccolo, Selve, 
Zara, Sebenico, Rogosnizza, Trau, Spalato, Ca- 
rober, Milna, Cittavecchia, Lesina, Liasa, Comisa, 
Vallegrande, Curzola, Orebich, Terstentk, Meleda, 
Qravosa, Ragusavecchia, Ca»4telnuoTO, Teodo, 
PerastO'Risano, Perzagno, Cattaro, Budua. 

Retour ab Spizza jeden Mittwoch 11'/, Uhr 
Vorm.. in Triest darauffolgenden Montag 5Vs Uhr 
Nachm. 

Anmerkung. Falls scbTecbten Wetters wegen 
das Anlaufen von Castelnuovo nicht möglich 
wäre, wird in Megline angelegt. 



XjE'V'A.mrjB- a"Lsj D :buriTTEi:.3^EEit-i:>iEisr3T- 



Eillinie Triest— Alexandrien. 

Von Triest jeden Mittwoch ab 12 Uhr Mittags, 
in Alexandrien Sonntag 6 Uhr Früh, berührend; 
Brindisi. Rückfahrt von Alexandrien jeden Sams- 
tag Mittags. 

Anschluaa iuAlexandrien au dieSyrlsch-Cara- 
manische Linie. 

Anschluss in Triest bei Abfahrt und Ankunft 
an den Luxusziig Ostende — Wien— Triest und in 
Brindisi auf der Hinfahrt an den um 11 Uhr 
Vorm. eintretfenden und bei der Rückfahrt an 
den um 6 Uhr 10 Min. abgehenden Eilzug. 

Eillinie Triest— Constantinopei. 

Ab Triest jeden Donnerstag II Ubr Vorm., 
in Constantinopel darauffolgenden Mittwoch 
6V» Uhr Früh, berühr.: Brindisi, Sti. Quaranta, 
Corfu, Patras, Pir&us, Dardanellen. Rückfahrt 
von Constantinopel jeden Dienstag, in Triest Mon- 
tag « Uhr Nachm 

Diese Linie wird eine Woche bis nach Odessa, 
die andere bis nach den Douautiäfen (Im Winter 
bis nacb Batum) verlängert. Anschluss in Corfu 
an die Linie Corfu— Prevesa, in Piräus an die 
Tbessaliache Linie und in Constantinopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrisch-Cara- 
manischen Linie. 

Griechlscti-Orientalische Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 

10. Jänner 1897 ab 4 Uhr Nachm., in Sniyrna zweil- 
nächsten Dienislag 6 Uhr Früh, berührend: Fiume, 
Durazzo, Valona, Corfn, Santa Maura, Patras, 
Zante, Cerigo, Canea, Rethymo, Candia, Vathy, 
Tscheame, Chios. Rückfahrt ab Smyma Sonntag 
vom 10. Jänner ab 10 Uhr Vorm., in Triest 
zweitnächsten Dienstag .*> Uhr Früh. 

Griechisch-Orientalische Linie über 
Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 
Jänner 18H7 ab 4 Uhr Nachm., in Smyrna 
zweitnächaten Dienstag 7'/» Uhr Früh, berüh- 
rend : Catta'-o, Budua, Antivari, Duicigno, 
Medua, Durazzo, Valona, Santi Quaranta, Corfu, 
Santa Maura, Argostoli, Zante, Canea, Ketbymo, 
Candia, Vathy, Tachesme, Chioa. Rückfahrt von 
Smyrna Sonntag vom ^^. Jänner 1^97 an 10 Uhr 
Vorm., in Triebt zweitnächsten Dienstag 3 Uhr 
Nachm. 

Anschluss in Smyrna auf der Hinfahrt an 
die SyriHch'Caramanische Ijinie und an die 
Rückfahrt der Syrischen Linie. Nach Cattaro und 
Budua keine Waaren- und Paspagieraufnahme. 

Linie Triest— Fiunne— Alexandrien. 

Jede vierte Woche. Ab TrIest Donnerstag vom 
28. Jänner 1H97 ab; in Alexandrien zweitnächsten 
Sawatag 6 Uhr Früh, berührend: Fiume, Corfu, 
Patras. Rückfahrt von Alexandrien Montag vom 

11. Jänner 1897 ab 9 UhrVorm., in Triest zweit 
nächsten Dienstag 7Va tjhr Früh. 

Anschluss in Alexandrien auf der Hinfahrt 
an die Syrische Linie. 



Thessallsche Linie über Fiume. 

Jede zweite Wocbe. Ab TrIest Sonntag vom 
S.Jänner 1897 ab 4 Ubr Nachm., in Constantinopel 
zweitnächsten Sonntag 5'/a Ubr Früb. berübr.: 
Fiiiiue, ('orCu, Pal raii, Zante, Catacolo, Calamata, 
Canea, Rethymo, Candia, Syra, Piräus, Volo, 
Saloiiicti, Cavalla, f.atfoit, Dedt-Hiratscli, Darda- 
nellen, Gallipoli, Rodoato Rückfahrt von Con- 
stantinopel Freitag vom H. Ja' ner ab 8 Uhr Früh, 
in Trie«t drittiiächsten Sonntag 7 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis nach den i>onauhäfe» 
verlängert werden. An chlu^a in Piräua an die 
Eillinie Triest— Constantinopel, 

Thessallsche Linie über Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Trlest Sonntag vom 
10. Jänner ab 4 Uhr Nachm., in Onstantinopel 
zweitnächaten Sonntag 5'/, Uhr Früh, berühr. : 
Cattaro, Budua, Ä°ti^>-fi- Duicigno, Medua, 
Durazzo, Valona, S. Quaranta, Corfu, S. Maura, 
Argostoli, Catacolo, Calamata. Canea, Rethymo, 
Candia, Piräus, Volo, Salonicb, Cavalla, Dedea- 
gatscb, Dardanellen, (Tallipoli, Rodosto. Rück- 
fahrt von Constantiiiopel Freitag vom 1. Jänn<-r 
1897 ab 8 Uhr Früh, in Triest drittnächaten 
Samaiag 3 Uhr Na4hm. 

Diese Linie wird bisßatum verlängert werden. 
AnschluHS in Pirän« an die Eillinie Triest— Con- 
stantinopel und in (Constantinopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrischen Linie. 
Keine Waaren- und Passagieraufnahme nach 
Cattaro und Budua. 

Syrische Linie. 

Jede zweite Woche. Ab Alexandrien Montag 
vom II. Jänner 1897 ab, 4 Uhr Nachm., in Con- 
stantinopel zwfitnäcbsten Mittwoch 7 Uhr Früh, 
berührend: PortSajfd, J«flFa,Caiffa, Beynith, Lar- 
naca, Liniassol, Rhodos, ('hios, Smyrna, Metelin, 
Dardanellen, Gallipoli Uetotir ab Constantinopel 
Montag vom II. Jänner 1897 ab 3 Uhr Nachm., in 
Alexandrien zweitni^chsteuDonneratagTUhrFrüh. 

Diene Linie wird bis Batum verlängert werden. 
Anschluss in ('onstantinopet auf der Hinfahrt 
an die Donaulinie und die Linie <;onstMntinopel — 
Conrstantza ((J) und an die Rückfahrt der 
Thessalisi-ben Lioi« über Flnrae; in Alexandrien 
auf der Rückfahrt an die Eillinie Triept— Ale- 
xandrien. 

Syrisch-Caramanische Linie. 

Jede zweite Woche. Ab Alexandrien Montag 
om 4. Jänner 1897 ab 3 Uhr Nachm., in Con- 
stantinopel zweituftchsten Donnerstag 5 Uhr 
Nachm., berühr. : Port Said, Jaffa, Caiffa, Beyruth, 
'IVipolis, I^attakta, Alexardrette, Mersina,Rtjodus, 
Cbi<»s, Smyrna, Dardane. len. Rückfahrt von Con- 
stantinopel Samstag vom 2. Jänner ab 3 Uhr 
Nachm. Ankunft in Alexandrien zweitnächaten 
Mittwoch 8 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis Odessa (S) verlängert 
werden. Anschluss in Constantinopel auf der 
Hinfahrt an die Linie Constantinopel — Batum und 



an die Rückfahrt de^* Thessaliacben Linie über 
Alba-iien, in Alexandrien auf de Rückfahrt an 
die Eillinie Triest — Alexandrien. 

Donau-Linie. 

Ab Constantinopel jeden Donnerstag 3 Uhr 
Nachm., in Braila Montag 10 Uhr Vorm , berühr. : 
Burgas,Varna, Constantza Sulina. Qalatz. Retonr 
ab Braila Mittwoch h Uhr Früh, iu Constantinopel 
Sonntag 5 Lhr Früh. 

Auf der Itücitfahrt wird diese Linie bis nacb 
Triest verlängert werden u. zwar eineWoche durch 
die Eillinie Trieat- Constantinopol, die andere 
Woche durch die Theasalische Linie über Fiume. 
Anschluss in Constantinopel auf der Rückfahrt 
an die Syrische Linie. 

Linie Constantinopel— Constantza mit Ver- 
längerung bis Odessa. 

Jede zweite Woche (G). Ab Constantinopel 
Donnerstag, vom 7. Jänner ab 3 Ühr Nachm., 
in Odessa Samstag 8 Uhr Früh, berührend: Con- 
stantza. Hetour von Odessa Freitag vom 15. Jänner 
ab 4 Uhr Nachm., in Constantinopel Sonntag 
10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis nach 
Triest verlängert werden durch die EiltinieTrieat— 
Constantinopel. 

Jede zweite Wocbe (S). Ab Constantinopel 
Samstag vom 1 6. Jänner 1897 ab, in Odessa 
Montag 8 hr Früh, berührend Constantza. Re- 
tour von Odessa Montag vom ib. Jänner 1H97 
ab, in t'onstantinoppl Mittwoch 10 Uhr Vorm. 

Auf der Rüclt fahrt wj,rd diese Linie bif 
Alexandrien ve längert werden durch dieSyrlBcb- 
Caramanische l^inie. Anschluss in Constantinopel 
auf der Rückfahrt an die Thessallsche Linie 
über Albanien und an die Hinfahrt der Donan- 
fj-nie und der Linie Constantinopel— Batum. 

Zweiglinie Constantinopel— Batum. 

Ab Constantinopel jeden P>eitag, in Batum 
nächsten Dienstag, lierührend: Inebotl, .SamsuD, 
KerasHunt, Trapezunt. Rückfahrt von Batum 
Donnerstag 6 Uhr Abends, in Constantinopel 
darauffolgenden Mittwoch 10', Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird dle^e Linie eine 
Woche bisA lexandrien verlängert werden durch die 
Syrische Linie, die andere Woche bis nach Trieat 
durch die The^^salische Linie Über Albanien. 
AnschluKs in Constantinopel auf der Rückfahrt 
an die Syrisch-Caramanische Linie und an die 
Hinfahrt der Donau-Linie und die Linie Con- 
stantinopel - Constantza (Q), 

Zweiglinie Corfu— Prevesa 

Ab Corfu jeden Sonntag 4'/, Uhr Früh, in 
Prevesa 5 Ubr Nachm., berührend : Sajada, Parga, 
S. Maura. Retour ah Prevesa Freitag 6 Uhr Früh, 
in Corfu 6*;, Ubr Abends. 

Im Anschluss in Corfu auf der Rückfahrt 
an die Eillinie Triest — Constantinopel. 



OOE-A-I^ISaiiER, IDIEJSrST. 



Linie Triest— Shanghai— Kobe. 

Ab Triest *m 20 jeae» Mona'es 4 Uhr 
Nachm., berühr.: Fiume*, P'Tt - Sei'!. &!►"/., 
Maxsaua (die Berübrurg Massauas erfolgt auf 
der Ausreise und der Heimreise n'ir gelegentlich), 
Aden, Kurrachee, Bomoay, Colombo. Penang, 
Singaporo, Hongkong, Shaughai. Rückfahrt vr>n 
Kobe am ^l. März, 29. April, 29. Mal, 27. Juui, 
28. Juli, 28. August, 29. September, 29. October, 
Ü9. November, oO. December, 29. Jänner 1898 
und 28. Februar 1898. 

Anschluss in Bombay sowohl bei der Htn- 
als Rückfahrt an die Eillinie Triefet — Bombay. 
Anschluss in Colombo bei der Hin- und Rück- 
fahrt an die Zweiglinie Colombo-Calcutta. 

Die Abfahrta- und Ankunftszeiten in den 
Zwischenhäfen, auagenommen Bombay und Co- 
lombo, können nach Umständen verfrüht oder 
ver.xpätet werden. 



Der Aufenthalt in Fiume auf der Heimreise 
kann nach dem absoluten Erforderniss für die 
Ladungs- und Löschungaarbeiten verlängert oder 
abgekürzt werden. 

Ausaerden indem obigen Fahrplan genannten 
Häfen können die Dampfer unter Umständen auch 
Nagasaki oder Mogl anlaufen, doch wird das Datum 
der Abfahrt von Kobe biedurcb nicht geändert. 

Eillinie Triest— Bombay. 

Ab Triest am 8. eines jeden Monaten, be- 
rührend : Brindi i, Port-Haid, fSuez, Aden. Rück- 
fahrt vn Bombay vom 1. Februar ab jeden 
1. des Monates bis incl. Jänner 1898. 

Anscbluas in Bombay an die Linie Triest — 
Shangfaai—Kobe. Die Ankunft und Abfahrt in 
den /.'wischenhäfen kann nach Maasagabe der 
Bedürfnisse verfrilht oder verapätet werden. 



Zwelgllnle Colombo-Calcutta. 

Ab Colombo am 27. jeden Mcnale?*, uc --ntirend 
Madran. Rüikahrt von Calcutta vom 14. Februar 
ab den 14. jeden Monates bia incl. Jänner 1898. 

AnHchliix« in Colouiho an die Linie Triest— 
Shanghai- Kobe bei der Hin und Rücktatirt. 

Die Dampfer dieser Linie berühren gele- 
gentlich auch Coconada oder einen anderen Hafen 
an der Küste von Coromandel. 
B. Mercantlidlenst nach Braslller^. 

At)iaürt ap Triest am 10. Jänner, 10. März, 
10. Mdi, 20. Juni, 2U. Juli, 20 August, 1. October, 
10. November, berfihreu<l: Fiume, Pernambuco, 
Hahia. Rio de Janeiro und Santoa. Rücktä'>rt von 
SantOS am 12. März, 10. Mai, 10. Juli, 18. Angmt, 
17. September, 18. October, 29. November, 
10. Jänner 1898. Die gleiche Anzahl raurten 
nnternimmt die „Adria" ab Fiume i i den 
Zwischenmonaten mit Berührung von Triest. 



*) Fiume wird auf der Ausfahrt am 21. der nngeraden Monate (nämlich Jänner, März, M .1, Juli, September, November) berührt. 
Bei der Heimrel e erfolgt die BerÜhrun? von Fiume am 2S. Mai, .30. Juli, 2\\. Se, tember. 2S. Novemiier, 28. Jänner 18:^8 und ^8. März 1898. 

Event. Aenderungen in den Zwischenhäfen ausgenommen und ohne Haftung für die Regelmässigkeit des Dienstes bei Contumavorkebrungen. 



VERANTW^ORTLICHER RBDAOTEUß: JULIUS BÖHM, 



GH. KBISSBR ft H. WBRTHNER , WIBN. 



Juni 1898. 



Nr. 6. 



OESTERREICHISCHE 




anateist|riß ßir kn #ripnt. 



Heratugegeben TOm 



K. K. ÖSTERREICHISCHEN HANDELS-MUSEUM IN WIEN. 

Redigirt von JULIUS BÖHM. 



Monatlich eine Nummer. V>ri.ao des k. k. Österriichischen Handkls-Museums in Wibm. PrabJikilSIL -- iOHsrk. 



INHALT: Zur Purparkunde. VoD S.-L. — Cblnai Th<e|>rodaction und 
Thceexport. (Hpeclalbeiicbt das k. u. k. Oenerftl-Coosulaiei in Sbanghat.) 
— Chronik. — Mincellen: Die EUenbabnen In Pllftitina. — Zur 
Frage der VQnnaiibabn. — Cbinettlacbe Petroleumquetlen. 



ZUR PURPURKUNDE. 



Wie man weiss, konnte ein ganzes Volk seine 
Existenz von Urzeiten an auf den Fang der Purpur- 
sebnecke gründen und von seiner Industrie sogar den 
Namen „Pliöniker" (d. i. Rothfärber) annehmen. Bereits 
die Decke von Mosis Stiftshütte ist phönikiscber 
Purpur, und die Helena Homers spinnt Purpurwolle. 
In Moses Sagen von den Stämmen Issa.schar und 
Zebuloa heisst es: „Sie (die Phöniker) saugen den 
Reicbthum des Meeres und die verborgenen Schätze 
des Sandes." . . . Die Schätze des Sandes sind das 
Glas, eine altegyptische Erfindung, die aber von den 
Phöuikern ausgebildet wurde. Der Keicbtbum des 
Meeres ist die Purpurschnecke. Noch heute stösst man 
am syrischen Strande stellenweise auf buntfarbige 
Muscbcllager, und ein geschultes Auge kann noch die 
Arten unterscheiden, aus denen die verschiedenen 
Purpurfarben gezogen wurden. Von ersteren unterschied 
man die „Janthina", welche ein leicht wieder ver- 
legendes Scharlachroth gab, und die „Purpura", 
welche den unverwüstlichen schwarzen Purpur lieferte. 
Die Flüssigkeit war im Schlünde des Thieres in einem 
weissen Gcfässc enthalten. Bei den grösseren Schnecken 
wurde letzteres herausgenommen, die kleineren wurden 
sammt der Schale zerstossen. Die ausgenommenen 
Gefässe oder die gestampfte Fleiscbmasse wurde drei 
Tage in Salz belassen, dann zehn Tage lang bei 
gelindem Feuer gedämpft und abgeschäumt, durch 
eingetauchte Wolle prüfte man den Fortschritt der 
Farbenentwicklung, bis die gewünschten Töne erreicht 
waren. Die erwähnte scharlachene Janthinfarbe wurde 
mit der Purpurfarbe gemischt und damit eine dauer- 
hafte Amethystfarbe gewonnen. Man färbte immer nur 
die rohe, reine Wolle. Die kostbarste Art, der doppel- 
gefärbte „lyrische Purpur", wurde durch Eintauchen 
in den Saft der Purpurschnecke und später noch 
einmal in den der Scharlachschnecke gewonnen. Ein 
Gewand aus solcher Wolle war von vorne fast schwarz 
anzusehen und hatte seine rothe Farbenglutb nur von 
der Seite. 

Wenn es sich lediglich um die Purpursebnecke und 
die damit verknüpfte phönikischc Industrie handelte, 
wäre es ganz unbegründet, von einer „Purpurkundc" 
zu sprechen. Gleichwohl besteht eine solche und sie 
ist zugleich eine sehr verwickelte, wie eine kürzlich 
erschienene, mit grosser Sachkenntniss und vielem Fleiss 
gearbeitete Monographie beweist.') Der Verfasser bat 

') Ein Beitrag tur PurpurhinJ» to« Dr. Alexander Dadakind. Im An- 
hang«: Neu» Auigaben Mliener allerer Sobrirtrn Ober Purpur. Mit 
uiobrorou farbigen lafolu und eluem Portrlt. JUS SS. Uroeiuelar. Berlin, 
Mayer und MUller 1888. 



sieb die Aufgabe gestellt, die Grundbedeutung too 
zop<p6|>a und die zwei verschiedenen Bedeutungen von 
ÄOp'füjijo;, beziehungsweise purpurtui, sowie die eigent- 
liche Bedeutung von dem vielfach ganz irrtbOmlich 
aufgefassten jTop'^ops'.v und purpurare seit Homer bis 
Virgil, Horaz, Pedo Albinovanus und anderen Dichtern 
des classischen Altertbums erschöpfend darzulegen. 
Der Verfasser anerkennt das grosse Verdienst, das 
sieb einige seiner gelehrten Vorgänger in der Unter- 
suchung dieser Frage erworben, und nennt insbesondere 
den Züricher Professor Hugo Blümner einen „Purpur- 
forscber ersten Ranges" mit der ehrenden Bemerkung, 
dass es dem Leser fast unbegreiflich erscheint, wie 
ein einzelner Mensch ein solch ungeheure« wissen- 
schaftliches Material sammeln und verarbeiten konnte. 
Gleichwohl ist der Verfasser nicht in der Lage, bezüg- 
lich der Ergebnisse BIflmners, den etymologischen 
Kern von purpureus betreffend, übereinzustimmen. Hin- 
gegen muss hervorgehoben werden, dass beziehentlich 
der historischen Fortschung auf dem Gebiete der 
Purpurkunde — dem das vorliegende Werk vorwiegend 
dient — der grosse philologische Meister Dr. W. Adolf 
Schmidt noch immer unerreicht ist. 

Der Kern der Frage liegt darin, dass die Philologen 
in der Beurtbeilung des Wortes zoprp'jpa fast immer 
an den Begriff einer Farbe denken zu müssen glaubten. 
Bei Blümner stellt sich die Angelegenheit so : 
Bedeutung einerseits: 

purpurfarben. 
Bedeutung anderseits: 



bei Homer. 



Was nun ist dieses s? Der Verfasser anerkennt die 
meisterliche Motivirung, bedauert aber, dass der so 
viel versprechende Anlauf zur Lösung des x im Sande 
verlaufe. Denn mit diesem x scheint nach Blümner 
entweder eine ganz andere Farbe (nämlich als purpur- 
rotb) oder überhaupt gar keine bestimmte Farbe 
gemeint zu sein. Interessant ist ein Citat aus dem 
Schmidi'schen Werke (I. c, S. 142 f.). Es heisst dort: 
„Weiss doch Jedermann, dass purpurtui den Eigen- 
schaften des Purpurs gemäss, dichterisch und ver- 
gleichsweise überhaupt das Strahlende, Glänzende. 
Glitzernde, Schillernde, Schöne bezeichnet." Brumt Bucktr 
meinte: „Purpur war den Griechen der homerischen 
Zeit alles Dunkle ohne den Begriff einer bestimmten 
Farbe, wie denn der Tod, die Nacht, das stürmende 
Meer „purpurn" genannt werden; später meinte man 
damit wohl wirkliche Färbung." Nun nennt aber Homer 
(11. 17. 547) den Regenbogen „mpfopcrj* und der 
Verfasser fragt mit Recht, wie sich diese Beseicbnnog 
mit dem Begriffe „dunkel" zusammenreime. 

Zur Klarlegung der Etymolggi« des Wortes .Purpur' 
und den verwandten Ausdrücken konnte die ältere 
Porschungsmethode nicht ausreichen ; denn erst durch 
die wechselseitige Beleuchtung zweier ganz verschiedener 



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ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Gebiete — der einschlägigen Naturwissenschaften und 
der Sprachforschungen — war die Basis zur Lösung 
der Frage gewonnen. Hier springt der Verfasser des 
vorliegenden Werkes ein. Rr war von allen Purpur- 
forschern zuerst in der Lage, auf den raschen Farben- 
wechsel, auf das lebhaft bewegte, ungestüme Farben- 
spiel der frischen dem Sonnenlichte exponirten, zu 
Beginn weisslichen (oder gelblichen oder grauen) Purpur- 
materie als auf jene Quelle der Anwendung der indo- 
germanischen Wurzel „bhur" aufmerksam zu machen, 
beziehungsweise auf das Intensivum davon „bharbur" hin- 
zulenken, aus welchem Worte sich die bis jetzt älteste 
Ableitung des Wortes „Purpur" ergibt. 

Weit mehr Licht als die etymologische Untersuchungs- 
methode bringt die naturwissenschaftliche Beleuchtung 
der Etymologie des Wortes Purpur. Der Verfasser 
widmet diesem Thema den ganzen ersten Theil seines 
Werkes. Er knüpft zuerst an eine im Jahre 1686 er- 
schienene Dissertation von Elias J. Bask, „De purpura" 
an — einer sehr seltenen Schrift, welche sich nur in 
schwedischen Bibliotheken vorfindet — und knüpft hieran 
die in Frankreich gemachten wichtigen Untersuchungen, 
betreffend das durch frische Purpurmaterie gelieferte 
Absorptionsspectrum, an die chemischen Analysen der 
Purpurmaterie von Purpura capiUus, an das Photo- 
graphieren vermöge des lichtempfindlichen Purpursaftes 
u. s. w. Eine massgebende Stütze der Untersuchungen 
bilden die vom Nestor der Purpurforscher, Henri de 
Lacaze-Duthiers angestellten Versuche über Farben- 
wandlungsprocesse von auf Leinen angefertigten Zeich- 
nungen mit frischer Purpurmaterie, durch welche es 
zum ersten Male seit dem Wiedererwachen der Wissen- 
schaften gelungen war, jene zwei Purpurtöne vor Augen 
zu führen, welche in den assyrischen Keilschriften als 
„rother Purpur" und als „violetter Purpur" bezeichnet 
werden. 

Gehen wir weiter. In den letzten Jahren bat Augustin 
Lettelier in den „comples rendus'' einen Bericht über den 
lichtempfindlichen Purpur von Purpura capillus (welcher 
sich an der britischen Küste häufig findet) erstattet. Er 
sagt: „Der Purpurstoff besteht aus drei Substanzen; 
eine gelbe ist nicht lichtempfindlich ; die beiden anderen 
aber werden unter dem Einfluss des Lichtes roth, blau 
und carminroth. Die gelbe Substanz bildet Krystalle, 
ähnlich jenen der Harnsäure, ist löslich in Pottasche 
und wird durch schwache Säuren gefällt. Die eine der 
beiden lichtempfindlichen Substanzen ist apfelgrün, die 
andere graugrün. Die erste löst sich schwer im Wasser, 
leicht in Chloroform und Petroleumäther. Licht macht 
sie undurchsichtig und tietblau. Die andere, graugrüne 
Substanz ist leicht löslich im Wasser und wird im 
Lichte, je nach dem Grade ihrer Reinheit violett oder 
carminroth. Man braucht Hunderte von Muscheln im 
Vacuum über Schwefelsäure, pulvert sie, extrahirt sie 
mit Aether, dampft ab, behandelt Rückstände mit 
Pottaschenlösung, wplche die fettige und gelbe Materie 
löst, filtrirt, schlägt die gelbe Masse mit Essigsäure 
nieder und bebandelt den grünen Rückstand auf dem 
Filter mit Chloroform, welches die graugrüne Masse 
rascher als die apfelgrüne löst (Petroleumäther hat die 
umgekehrte Wirkung). Alle diese Operationen müssen 
im Dunklen ausgeführt werden," 

Der im Lichte gebildete Purpur ist in den herkömm- 
lichen Lösungsmitteln unlöslich; Salpetersäure ver- 
wandelt ihn in eine smaragdgrüne Substanz, welche 
mit Wasser eine indigoblaue Flüssigkeit gibt, und wobei 
ein Theil verkohlt wird. Es scheint, dass der Purpur 
durch Reduction gebildet wird, denn - Chlorwasser, 
Wasserstoffsuperoxyd, unterchlorige Säure oder chrom- 
saures Kali verändern die purpurgebende Substanz 
nicht, wohl aber liefert Natriumamalgen sofort einen 
rothen Purpur. 

Die Lichtempfindlichkeit der Purpurmaterie hat sie 
der Photographie dienstbar gemacht. Merkwürdigerweise 



wussten die deutschen Pbotographen von diesem Sach- 
verhalte durch Jahrzehnte hindurch nichts, obwohl 
De Lacaze-Duthiers solche Aufnahmen schon im Jahre 
1858 auf weisser Seide bewerkstelligt hatte. Solche 
Photographien wurden von ihrem Urheber dem Ver- 
fasser des vorliegenden Werkes zur Verfügung gestellt 
und sind letzterem Facsimilezeichnungen, welche von 
dem französischen Forscher auf Leinen mittels Purpur 
von Murex trunculus und Purpura haemastoma bewerk- 
stelligt wurden, in farbiger Ausführung beigelegt. 

Von den Purpurproben im Original (vornehmlich 
jenen auf Seide) berichtet der Verfasser, dass sie das 
von den Alten mit Recht hochgepriesene, so ent- 
zückende Farbenspiel zeigen, und dass sie Goethes 
Ausspruch (in dessen „Farbenlehre") bestätigen: „Der 
Purpur schwebt auf der Grenze zwischen roth und 
blau und neigt sich bald zum Scharlach, bald zum 
Violetten", und „das Blutrothe durch die Purpur- 
schnecke." Nach des Verfassers Zeugniss verleugnen 
sich bei keiner einzigen der ihm vorliegenden Purpur- 
proben die zwei Hauptkategorien der Purpurs: Der 
blutrothe (Oxyblatta) und der Janthin- oder Ametbyst- 
purpur. 

Auf Grund dieser Thatsachen und auf Basis der 
älteren etymologischen Untersuchungen hat nun Dede- 
kind in seinem vortrefflichen Werke versucht, die 
Lösung dieser Frage vermöge des Zusammenwirkens 
von linguistischer und naturwissenschaftlicher Beleuch- 
tung herbeizuführen und auf diese Weise volle Klar- 
heit zu schaffen. Dieser Doppelweg erschien ihm als 
der einzig richtige, um im vorliegenden Falle zu einem 
wirklich befriedigenden Resultate zu gelangen. Er hat 
zugleich den Versuch gemacht, zum ersten Male den 
Pragmatismus in die Purpurologie hineinzutragen. Er 
versteht darunter diejenige Behandlung desjenigen 
Faches der Purpurkunde, welche durch zergliederte 
Darstellung der Ursachen, Veranlassungen und 
Folgen der theils naturwissenschaftlichen, theils lin- 
guistischen Begebenheiten eine belehrende Vorbereitung 
zum tieferen Erkennen zahlreicher sonstiger analoger, 
Jahrtausende alter sprachlicher Niederschläge bietet, 
welche bis auf die gleichsam letzte Zelle klarzulegen 
mit zu des Geistes edelsten Beschäftigungen gehört. 
Durch diese Methode, welche rein philologisches und 
rein naturwissenschaftliches Material miteinander ver- 
knüpft, hat der Verfasser überzeugend nachgewiesen, 
dass dem Worte „Purpur" die indogermanische Wurzel 
„M«r", beziehungsweise das Intensivum „bharbhur'^ zu 
Grunde liegt, welches Wort zappeln, sich unruhig hin- 
und herbewegen, flimmern" bedeutet. Durch den Um- 
stand, dass seitens der Semitisten kein Einziger der 
Annahme, dem Worte ^tofj'föpa läge eine hebräische 
Wurzel zugrunde, sich anzuschliessen geneigt zeigte, 
und dass Professor David Heinrich Müller seiner Ueber- 
zeugung Ausdruck gab, dem Worte iropcpopa müsse 
eine indogermanische Wurzel zugrunde liegen, wurde 
Dedekind auf den richtigen Weg geleitet. 

Es würde zu weit führen, die etymologischen Unter- 
suchungen des Verfassers im Einzelnen hier auseinander- 
zusetzen. Der Begriff der Unruhe, des Flimmerns, 
welcher sich mit jener indogermanischen Wurzel deckt, 
schmiegt sich ganz ungezwungen jenem überaus 
unruhigen Farbenspiel an , welches die Purpur- 
materie vornehmlich unter der unmittelbaren Ein- 
wirkung der Sonnenstrahlen zeigt . . . Hier liegt der 
Kern vom Entstehen des Wortes Purpur. Nur in diesem 
naturwissenschaftlichem Vorgange ruht der archi- 
medische Punkt, von welchem aus die Sprachwissen- 
schaft darzutbun vermag, welche Bewandtniss es mit 
dem Entstehen des Wortes OTpcpöpa hat." Der Verfasser 
hat mit grossem Fleisse die verschiedensten Mit- 
theilungen von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, 
das vorbesprochene Phänomen betreffend, gesammelt. 
Unter diesen Zeugnissen ist jenes des Dr. Josef Maria 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Eder, Directors der Versuchsanstalt für Photographic 
und Reproductionsverfahren, von besonderem Interesse. 
Er sagt: „Der Purpur der Alten bildet sich nur unter 
dem Einflüsse des Lichtes. Die färbende Secretion der 
Weichthiere (Purpura lapillus) ist ursprünglich blass- 
gelb. Dem Lichte ausgesetzt, wird es sowohl für sich, 
als auf Leinen aufgetragen, purpurfarben. Die gelbe 
alkoholische Lösung wird im Lichte purpurn. Ein 
Stück weissen Leinenzeuges mit diesem Stoffe getränkt 
und dem Sonnenlichte ausgesetzt, geht durch Gelb, 
Grün, Blau in Purpur oder Scharlach über, unter 
gleichzeitiger Entbindung einer starken, an Knoblauch 
oder Asa foetida erinnernden Geruches. Tageslicht 
ist unerlässlich für das Zustandekommen dieser Farben- 
entwicklung ; sie geht sowohl in der Luft als in einer 
Wasserstoff oder Stickstoffatmospbäre, als auch im 
Vacuum vor sich. Im Dunklen kann die Secretion sehr 
lang unverändert aufbewahrt werden, beim Belichten 
tritt aber der Farbenwechsel sofort ein." 

Der Verfasser führt nun verschiedene Zeugnisse aus 
dem Alterthum vor, welche die beobachtete Licht- 
empfindlichkeit der frischen Purpurmaterie betreffen. Ja, 
er greift sogar auf die vorhomerische Zeit über. Es 
ist schon in den einleitenden Zeilen bemerkt worden, 
dass die Alten die rohe Wolle färbten. Erst aus der 
Färberei ging die Purperwolle in die Spinnerei und 
von hier in die Weberei. Daher die Stellen bei Homer 
vom Spinnen der Purpurwolle. Helena, Penelope und 
die Mutter Nausikaas beschäftigten sich damit. Auch 
von Sardanapal, der am liebsten unter Weibern lebte, 
ist dies bezeugt. Die Worte aX'.TOptpupo«; und ^op'füpeo?, 
wie sie bei Homer anlässlich des Spinnens von Woll- 
fäden, sowie in Verbindung mit Textilien unbestreitbar 
in dem Sinne von „purpurfarbig", „purpurgemischt" 

— sei's nun dunkelroth oder blauroth oder violett etc. 

— vorkommen, dürften kaum so ohneweiters aus dem 
Griffel des Sängers der Ilias und der Odyssee an das 
Licht getreten sein. Es darf vielmehr angenommen 
werden, dass diese Worte für „Purpurn" lange vor 
Homer gang und gäbe waren. 

Eine äusserst anregende Leetüre, vornehmlich für 
den classiscb gebildeten Leser, bietet jener Abschnitt 
des Dedekind'schtia Werkes, in welchem auf Grund der 
nachgewiesenen Etymologie des Wortes „Purpur" 
verschiedene dunkel gebliebene Stellen bei Homer, 
mehr noch aber bei den römischen Classikern aufge- 
hellt werden. Und diese Absicht gelingt dem belesenen 
Verfasser so überzeugend, dass man sich aufrichtig 
wundert, wieso derlei Aufklärungen bis jetzt auf sich 
warten Messen. Den Darlegungen Dedekind's kommt 
die Bedeutung einer That, ja einer förmlichen philo- 
logischen Revolution zu. Der Verfasser gibt zu, dass 
er den Philologen gegenüber eineu harten Stand haben 
werde, und dass in absehbarer Zeit die Anerkennung 
seiner mühevollen Untersuchungen nicht zu erringen 
sein werde . . . „Gegen vielhundertjährigen Autoritäts- 
glauben anzukämpfen, ist schwer, jedenfalls eine 
dornenvolle Aufgabe in einer Sache, welche im Anfang 
immer wenig oder gar keine Aussicht auf Erfolg hat. 
Hohle Anschauungen und bequem zur Hand liegende Aus- 
künfte, die nichts weniger als eine bedeutungsvolle 
Offenbarung gewesen sind, wurden so oft schon durch 
grosse Zeiträume hindurch als unantastbar und als ein 
Dogma, ja als ein Axiom betrachtet. Kein Gebiet hat 
unter diesem Suggestionsgeistc so sehr zu leiden ge- 
habt, wie bis zu dieser Stunde die edle Wissenschaft 
der Purpurkunde. Es muss endlich eine Periode ge- 
sunder philologischer Entwicklung für die io Rede 
stehenden Dinge anbrechen." 

Wir glauben, dass Dedekind's Buch in diesem Sinne 
eine bahnbrechende Rolle spielen wird. Es ist näm- 
lich einfach unmöglich, seinen Interpretationen ver- 
nünftigerweise Widerspruch entgegenzusetzen. Das wird 
der Leser sofort zugeben, wenn er die geistvolle Art 



und Weise kennen lernt, mit welcher der VerfaMer 
seiner Aufgabe zu Leibe geht . . . Wir bringen in Er- 
innerung, dass die indogermanische Wurzel „ihur", 
beziehungsweise das Intensivum „ihar-i/iur" , »o viel 
wie „zappeln, unruhig hin- und herbewegeo, flimmero, 
eih'g eracheinea, sich ungestüm zeigen, sich rasch 
bewegen, rastlos sich gehaben, unruhig, hurtig •ein* 
bedeutet, der Ausdruck der lebhaften Bewegung, des 
Sichaufbäumens (deshalb heissen auch Schlangen so, 
bei Claud. in Ruf. II, 176: laUque videret turgtrt 
purpureis undantes anguibus haslas), der Eile (jv^/^^y/x, 
(itcip'füpa) TTop'fOpi'.v), ist also die Krystallisirung eioe* 
höchst elastischen Begriffsbildes von einem lediglich tumuU 
tuösen Vorgange. Dessen Verbalfixirung kann daher, 
wie hier bei dem überaus unruhigen Processc, welcher 
dem Entstehen der definitiven Purpurfarbe vorausgeht, 
nur das lebhafte Farbenspiel gravitiren. 

Bekanntlich spielt das „purpurne Meer" sowohl bei 
Homer wie bei den lateinischen Classikern eine grosse 
Rolle. Diese Bezeichnung ist durch alle J^itläufe 
gedankenlos nachgebetet worden. Das kommt daher, 
weil das i:op'f'jpso; und purpureus von allen Philologen 
immer wörtlich mit „Purpur" überseut wird, und in 
diesem Sinne nie etwas anderes bedeuten kann als 
eine Farbe. Schon /oh. Heinrich Voss machte darauf 
aufmerksam, dass bei den lateinischen Classikern nur 
das „wogende" Meer /ttr^ttr«<* genannt werde. Gleich- 
wohl kann er sich von der Vorstellung nicht trennen, 
dass damit zugleich eine Farbe — dunkelroth oder 
bräunlich — gemeint sein müsse. Dr. W. Page leitet 
(Handwörterbuch der griechischen Sprache, II. Band, 
Braunschweig 1843, S. 650) zur Bekräftigung seiner 
(wörtlichen) Uebcrsetzung, das Wortbild „von der dunkel- 
rothen, bräunlichen Farbe des bewegten, unruhigen 
Meeres, das im Mittelmeere diese Farbe hat", ab. 
Wer das sagt, hat nie ein bewegtes Meer gesehen. 
Das Mittelmeer ist blaugrün, im bewegten Zustand fast 
alizerinfarbig, schwärzlich. Von Braun oder Dunkelroth 
ist keine Rede. Wenn Homer vom „weinfarbcnen" 
Meere spricht und um den Kiel die „purpurne Woge" 
branden lässt, so kann er im letzteren Falle unmög- 
lich eine Farbe meinen. Er hat vielmehr das unruhige, 
aufwogende Meer vor Augen. 

Die Sache liegt also so: uoprpöpsoc sowohl wie 
purpureus bedeuten: i. entweder nur eine Farbe oder 
2. nur eine lebhafte Bewegung. Aber das „purpurene 
Meer" ist nicht nur bei Homer, sondern bei allen 
Römern beständig ein „aufwogendes", und die Woge 
des Mittelmeeres dunkelt in's Rothe oder Bräunliche. 
Gellius hat diesen Vers des Furius erhalten : 

Spiritus Euroram virides quam pnrparat nodu. 
(Wann des Ostes Orcan die grünlichen Wogen bepnrpart) 

Damit kann nur eine heftige Bewegung gemeint 
sein. Dedekind macht darauf aufmerksam, „wie jede 
Sprache, von der ersten bis zur letzten, doppelsinnige 
Worte in ihrem Sprachschatze hat, wobei es inter- 
essant ist, zu beobachten, wie allmälig oft der Sinn 
eines solchen Wortes sich nach der Einen Richtung 
hin immer mehr und mehr verdunkelt, besonders, wenn 
es sich als Reflexwort (Lehnwort] bei einem Volke 
angesiedelt findet, welches dem Zeitalter eines gänz- 
lich verschiedenen Sprachgeistes angehört. An zahl- 
losen Beispielen könnte ich den Beweis erbringen, wie 
schon die Römer anfingen, ganz speciell das Wort 
purpureus in der hier von uns vorwiegend in's Auge 
gefassten Bedeutung misszu verstehen." 

Einige dieser Beispiele sind in der That sehr 
drastisch. So erklärt Voss die purpurea amima des 
Vtrgil für einen — Schreibfehler. Begreiflich, da er 
mit einer „purpurenen Seele" nichts anzufangen weiss. 
Ein anderer Interpret (Pedo Albinovanus) meint ohne 
Umstände: „Das ist Blut". Nun, Dedekind hat mit dem 
Hinweis, dass hier der „jagende Lebensodem, der 
ungestüm arbeitende, der rasch keuchende Atbem" ^ 



64 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



meint sei, den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn auch 
im Arabischen werden beispielsweise Seele und Athem 
durch dasselbe Begriffswort (Nafsun) ausgedrückt. Der 
Verfasser sagt: „Der von einer dichten Wolke von 
Interpretationsraffinement beschattete homerische Aus- 
druck TToptpupso? ö-ävaTO? ist bisher immer als „blutiger 
Tod" erklärt worden. Diese Auslegung ist total un- 
richtig. Jener Ausdruck bedeutet der „ungestüme", 
der jäh über den Betreffenden hereinbrechende, der 
rasche Tod" . . . Weiter . . . Purpureum mustum kann 
doch wahrlich nicht im Sinne der Farbe erklärt werden, 
sondern bedeutet einfach (in Folge des Gährungs- 
processes) „ungestümer" Most. Die bekannten /i«r/>«r«' 
olores des Horaz übersetzt Voss: „Viel wohlzeitiger 
schwebest du (Venus) von dem Gespann purpurner 
Schwäne erhöht, dort in Maximus Haus" . . . Puipurne 
Schwäne gibt es nicht, wohl aber sich rasch tum- 
melnde. Die rasche Bewegung stimmt zu der Vorstel- 
lung, dass die Schwäne sich ganz besonders beeilt 
hätten, die Göttin an ihr Ziel zu bringen. 

Sehr interessant ist, was der Verfasser über das 
ver purpureum vorbringt. Er kann darunter nur den 
„ungestümen Frühling, den in Alles neues Leben 
bringenden Lenz", verstehen, nicht aber, wie Andere 
gethan, in der fraglichen Bezeichnung etwas „Hell- 
glänzendes", „Hellscbönes", erblicken. Die Wahrheit 
ist die : das purpureum ver ist den Römern von den 
Griechen genau so „aufgepappt" worden, wie unserer 
Sprache das Wort „purpurn" von dem Lateinischen 
aufgebürdet worden ist. Ja, noch mehr. Die lateinische 
Sprache begann, die zweite Bedeutung von purpureus 
— heftig bewegt, ungestüm, rasch, jäh, wogend, in 
ungeheuerer Erregung brüadlich — mit der Farben- 
bedeutung vollständig zu identificiren, und zwar so 
intensiv, dass sie purpureus mit rutilus, rubens identifi- 
cirte, so dass dort, wo purpureum völlig sinngerecht 
steht, auf einmal rutilum oder rubens (z. B. Vergil, 
Georgicon, 2, 319, vere rubenti) bei einem Worte in 
die Erscheinung tritt, wo es gar keinen Sinn hat. 
Daraus erklärt sich nun, wie im römischen Schriftthum 
die Verwechslung von purpureus mit rubens, rutilus, 
ruber etc. und der vermeintliche Glaube, dass purpureus 
überhaupt unbedingt mit der „Purpurschnecke" zu thun 
hat, sich derart festsetzt, dass mit dem Worte purpureus 
zuletzt nur mehr eine Farbe gemeint ist. Aelian erzählt 
(in dessen Thiergeschichte), dass die Fischer die Pur- 
purschnecke mit einem Schlage zu tödten suchen, da 
andernfalls — d. h. wenn ein zweiter Schlag noth- 
wendig sein sollte — „die Farbe durch den Schmerz 
aufgezehrt" werde. Der Vers des Homer.: 

„Ihn erfasste der purpurne Tod und das mächtige Schicksal" 
sei daher so aufzufassen, „dass die schnell durch Einen 
Streich Sterbenden den Tod der Purpurschnecke er- 
leiden." Dass hier unter purpurner Tod ein „rascher 
Tod", und nicht der Tod gleich dem der Purpurschnecke 
zu verstehen ist, leuchtet nach dem bisher Gesagten 
ein. Auch auf die Farbe kann kein Bezug sein. Ganz 
dasselbe gilt von den herkömmlichen Uebersetzungen 
,, purpurnes Meer", „purpurner Frühling" u. s. w. In 
dem Verse Virgils 

„In mare purpureum violentior influit amnis"' 

zeigt sich besonders schlagend, dass hier die Bedeutung 
von purpureus mit ,,violens" (ungestüm, heftig bewegt) 
identisch ist, und dass das Ungestüm des Stromes dem 
Aufrühre der Meerfluth den Rang abläuft („violentior"). 
Der Verfasser bemerkt dazu: „Damit entfallen alle um 
diese Stellen gravitirenden Erklärungen, die sich auf 
die Analogie des raschen Tödtens (uno ictu) der Pur- 
purschnecke beziehen. An die Purpurfarbe ist hier eben 
gar nicht zu denken, sondern an das indogermanische 
Grundwort bhur, beziehungsweise an die Reduplication 
davon , welches Wort schon lange vor der Ent- 
deckung der Purpurschnecken, im Sprachenschatze 



der indogermanischen Grundsprache vorhanden war 
und in dem vorstehenden lateinischen Verse in seiner 
ursprünglichen Bedeutung „heftig bewegt" ver- 
wendet steht." Der Verfasser vertritt überhaupt mit 
Nachdruck die Meinung, dass — conform der „pur* 
purnen" Schwäne des Horaz, statt der „eilenden", wie 
die richtige Lesart ist — bei Homer und den römi- 
schen Dichtern in zahllosen Fällen sich schlagend nach- 
weisen lasse, dass alle Purpurstellen bisher falsch ge- 
deutet wurden, gewissermaassen als „versteinerte Irr- 
thümer" aus dem Lateinischen Schriftthum in unseren 
Sprachenschatz übergegangen, beziehungsweise bewahrt 
wurden." 

Sehr interessant ist der folgende Sachverhalt. Im 
Vers 62 der C. Pedonis Albinovani vel potius incerii 
auctoris elegia in obilum Maecenaiis ist von Bacchus 
Walten die Rede, und es heisst (v. 6l f.): 

Sum memor, et certe memiDi sie ducere thyrsus 

Brachia purpurea condidiora nive 

Et tibi tbyrsus erat gemmis ornatus et auro. 

Dieser viel angegrübelte und umstrittene Vers, 
welcher namenlos viel Kopfzerbrechen verursacht hat, 
bedeutet nach Dedekind nichts anderes, als „dass die 
beim heftigen Tbyrsosschwingen die Luft durch- 
wirbelnden Arme weisser waren, als , durcheinander- 
wirbelnder' Schnee, heller als Schneegestöber, 
schimmernder wie Schneeflocken, welche durcheinander- 
stieben". Man höre nun, wie andere Philologen diese 
Klippe zu umgehen trachteten, so Baehrens (in Poetae 
latini minores, 1879), der die Verse wie folgt „um- 
corrigirt" : 

Sum memor (et certe memini) subducere vestem 
Brachia purpuream canditiora nive. 

Warum diese Verstümmelung ? Der Verfasser legt 
sie klar dar. Baehrens hatte purpurea nur im Sinne 
der Farbe (purpurfarben) genommen, wodurch ihm der 
Originaltext unverständlich wurde. Um sich zu helfen, 
setzle er an Stelle von „thyrsos" das Wort „vestem", 
und brachte so das „Purpurgewand" zuwege, von 
welchem im Original absolut keine Rede ist. Bezieht 
sich purpurea auf nive, so ist nach Dedekind die Stelle 
so aufzufassen : Die Arme, welche mehr schimmern 
als „durcheinanderwirbelnder", ungestümer, heftig be- 
wegter [purpurea) Schnee, als Schnee, welcher stöbert 
{purpurante oder purpurea). Damit wird das Arm- 
schwingen mit der Lebhaftigkeit eines Schneegestöbers 
verglichen . . . 

Es wird noch eine grosse Menge sonstiger pur- 
/«r(?KJ-Stellen geben, welche sich im Sinne der von 
Dedekind klargestellten Auffassung berichtigen lassen. 
Schon das vorliegende Buch ist überreich an solchen 
Stellen und die gegebenen Beispiele dürften wohl ge- 
nügen, das Wesen der Sache zu beleuchten. Man 
kann mit Recht sagen, dass von nun ab der „pur- 
purne" Schnee, der „purpurne" Frühling, das „pur- 
purne" Meer und ähnliche eingelebte, in der philologi- 
schen Tradition petrefactenhaft erstarrte Redensarten 
ein für allemal abgethan sind. Die Ausführungen sind 
so exact, das Beweismatcrial so erdrückend, dass 
gegen Dedekinds Interpretationen kaum mit Erfolg an- 
zukämpfen sein möchte. Schliesslich musste ja in dieser 
Sache einmal ein energischer Anfang gemacht werden, 
und dass dem Verfasser der grosse Wurf gelingt, ver- 
dankt er wohl in ersterer Linie seinem reichen Wissen, 
und demgemäss der Methode, die naturwissenschaftliche 
Seite der Purpurkunde mit der linguistischen in un- 
mittelbare Beziehung zu bringen. Dass dies nur einem 
aus der modernen Schule hervorgegangenen Gelehrten 
gelingen konnte, liegt auf der Hand. 

Ein anderes Verdienst um diese Specialwissenschaft 
hat sich der V^erfasser dadurch erworben, dass er in 
einem umfangreichen Anhange Neudrucke alter, seltener 
Schriften über Purpur dem Werke beigab. Es sind 
dies die Abhandlungen von Bask (Upsala, 1686), von 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT TOR DEN ORIENT. 



66 



Wilckius (Wittenberg, 1706), von Sitger (Leipzig, 1741), 
von Richter (Göttingen, 1741), von Roswall (Lund, 
1750) und der Anfang der Abhandlung von Stip 
(Göttingen, 1741) . . . Es ist zu hoffen, dasB Dedekindt 
Werk in Gelehrtenkreiscn die demselben gebührende 
Beachtung findet. Todtschweigen oder starres Negiren 
ist keine Wissenschaft, zum mindesten keine wissen- 
schaftliche Methode. War es möglich, ganze wissen- 
schaftliche Systeme über Bord zu werfen, nachdem 
deren Unhaltbarkeit sich herausgestellt hatte, so wird 
es grosse Schwierigkeiten nicht kosten, auf einem so 
eng begrenzten Gebiete, wie es die Purpurkunde ist, 
der Wahrheit eine Gasse zu öffnen. v. S.-L. 



CHINAS THEEPRODUCTION UNO THEE-EXPORT. 

(Specialbericht des k. und k. General-CoDsulatei in Shanghai. \ 

China ist die Heimat des Thees und wohl auch 
jenes Land, wo der Consum am verbreitetsten und 
der Th'eeabguss von Arm und Reich und in vielen 
Gegenden allgemein statt Wasser getrunken wird. 

Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts war China auch 
das einzige Thee exportirende Land ; chinesischer Thee 
beherrschte damals den Weltmarkt, die Theeindustrie 
bildete eine der reichsten Einnahmsquellen der Be- 
völkerung, die Abgaben hievon eine der einträglichsten 
Revenuen der Regierung und der Theehandel gleichsam 
ein Monopol Chinas. 

Allerdings gilt auch heute noch das Rohmaterial 
Chinas als das beste, doch ist die Production und in 
Folge dessen auch der Export aus verschiedenen, 
später zu erörternden Ursachen in merklicher Abnahme 
begriffen und steht zu befürchten, dass diese alte, er- 
giebige Industrie Chinas, falls nicht rechtzeitig zeit- 
gemässe Reformen eingeführt werden, allmälig ihrem 
Verfall entgegen geht. 

Die Theepflanze, Thea viridis oder Thca bohoea, 
gehört zur Famlie der Camelien. Sie wächst als 
Strauch, der dem Myrtenstrauch ziemlich ähnlich ist, 
erreicht eine Höhe von 3 — 6 Kuss, ist stark verästet 
und dicht belaubt; das Holz ist hart und zähe und 
bat einen unangenehmen Geruch. Die Blätter sind 
lederartig, von dunkelgrüner Farbe, dabei weich und 
glänzend. Die Blattränder sind scharf und zackig und 
sitzen auf einem kurzen Stiel auf. Die im Süden bei 
Canton und F'oochow cultivirte Theepflanze ist den 
Botanikern als -Thea bohoea bekannt, während die in 
den nördlichen, sogenannten grünen Theedistricten ge- 
fundene Varietät Thea viridis benannt wurde, was die 
irrige Meinung veranlasste, dass schwarzer Thee nur 
von Thea bohoea, grüner nur von Thea viridis be- 
reitet werden könne. Der Unterschied zwischen grünem 
und schwarzem Thee liegt jedoch einzig und allein in 
der Präparirungsart ; das Rohmaterial, d. h. das grüne 
Theeblatt ist dasselbe. Allerdings sind in einigen 
Districten die Blätter mehr länglich und spitz zulaufend, 
in anderen mehr rundlich, und wurde lange Zeit an- 
genommen, dass sich erstere (Thea bohoea) mehr für 
die Bereitung des schwarzen, letztere (Thea viridis) 
mehr für die des grünen Thees eignen ; doch wurde 
auch diese Ansicht längst widerlegt. Es ist nämlich 
eine Thatsache, dass die Mooningdistrictc, die heute 
wegen ihrer hochclassigen schwarzen Theesorten be- 
rühmt sind, früher ausschliesslich nur grünen Thee 
producirten. In den Theedistricten bei Canton werden 
von der Thea bohoea sowohl grüne als auch schwarze 
Theesorten erzeugt, je nach Bedarf und Nachfrage. 
Allerdings werden in China in ein und demselben Di- 
stricte nur selten beide Theesorten erzeugt, doch ist 
der Grund hiefür nicht in dem Rohmateriale, sondern 
in alten Gewohnheiten, vorhandenen Investitionen und 
hauptsächlich in der Schulung der vorhandenen Ar- 



beiter, d. b. in der betseren Vertrautheit mit der eineo 
oder anderen Bereitungsmetbode zu tucbeo. 

Der Theestraucb gedeiht am besten auf Abhängen 
in sandig-lehmigem, etv/as feuchtem Terrain; der Strauch 
wird aus Samen, nicht aus Ablegern aufgezogen, dazu 
werden sogenannte „nurseries" (Samenbeete) angelegt, 
aus denen die junge Pflanze, sobald sie transplantirbar, 
in die Tbeegärten in einer Entfernung von 4 — 5 Fuss 
in die freie Erde gesetzt wird. Die Pflanze soll nicht 
im Schalten stehen und nicht östlichen Winden aus- 
gesetzt sein; Frost und Kälte schaden ihr nicht. 
Specielle Feinde des Thecstrauches sind eine Wurm- 
gattung, die sieb im Mark festsetzt und eine Moos- 
oder Lichengattung, die die Aeste überwuchert und so 
den Strauch zum Absterben bringt. Thee gedeiht in 
China bis zum 37." n. Br. fast überall; doch liegen die 
grössten und wichtigsten Tbeegärten zwischen dem 25. 
und jL^n. Br., und produciren die Theeg&rten zwischen 
dem 27. und 31." n. Br. die feinsten Theesorten. Die 
erste Ernte gibt die Theepflanze erst nach zwei bis 
drei Jahren; die grösste Höhe und Ertragsfäbigkeit 
erreicht der Strauch durchschnittlich in seinem siebenten 
Jahre. Seine Lebensdauer variirt je nach Klima, Lage, 
Pflege etc. zwischen 10 und 30 Jahren. 

I Acre Tbeegärten enthält im Durchschnitte 400 
Sträucher, ein Strauch gibt jährlich ca. 5 — 7 Pfund 
frische Blätter oder i — l'j^ Ibs. fertigen Thees. Der 
Durchschnittsertrag eines Acre per Jahr beträgt 
somit beiläufig 2000 Ibs. frische Blätter oder 400 Ibs. 
fertigen Thees. 

Das frische Theeblatt muss, bevor es als „Thee" in 
den Handel kommt, verschiedenen Proceduren (Prä- 
parationen) unterzogen werden, von deren mehr oder 
weniger sorgfältigen Ausführung zum grössten l'beile 
die Güte der Waare abhängt; hieher gehört das 
Trocknen, Pressen, Rollen, Gähren, Rösten, Reinigen, 
Sortiren, Mischen etc. Schon das Pflücken der Blätter 
verlangt systematisches Vorgehen und grösste Sorg- 
falt. Die Blätter sollen nicht alle auf einmal gepflückt 
werden, sondern immer nur die reifen ; das Pflücken 
soll regelmässig und oft, etwa einmal per Woche 
während der Saison vorgenommen werden. Die Blätter 
müssen mit den Blattstielen, unreife Blätter gar nicht 
abgenommen, verdorbene ganz entfernt werden. Von 
grossem Einfluss auf die Güte des Thees ist auch das 
Wetter am Tage der Lese sowie der Zeitpunkt de» 
Pflückens. In den meisten Theedistricten Chinas werden 
vier Lesen im Jahre gebalten, und zwar: I. Mitte 
April, 2. Anfangs Juni, 3. Mitte Juli und 4. Ende 
August. Die erste Ernte gibt wenig, aber beste Quali- 
täten. Die zweite ist die ergiebigste bei guter Mittel- 
qualität. Die dritte gibt Mittelsorlen und die vierte 
ist eine Art Nachlese, die nur ganz ordinären Ausschuss 
liefert. 

Der Unterschied zwischen grünem und schwarzen 
Thee liegt, wie bereits oben erwähnt, ausschliesslich 
in der Behandlung, das ist Präparirung des frischen 
Blattes, und besteht heute wohl kein Zweifel mehr 
darüber, dass sowohl schwarzer als auch grüner Thee 
von ein und derselben Pflanze hergestellt werden 
können. Der wesentliche Unterschied in der Zu- 
bereitung des schwarzen und grünen Thees besteht 
darin, dass ersterer, nach dem Pflücken in der Sonne 
getrocknet, einer Fermentation unterzogen und erst 
dann über Feuer geröstet wird, während grüner Thee 
sofort nach der Lese geröstet, also weder der Sonne 
ausgesetzt noch der Gährung unterworfen wird, wo- 
durch er die grüne Farbe und das .grüne BUturoma* 
beibehält. 

Zur Präparirung des grüntn Thtts werden die frischen 
Blätter in geschlossenen KOrben, um sie nicht dein 
Sonnenlichte auszusetzen, unter Dach gebracht, an 
einem luftigen, aber schattigen Orte auf Bambus oder 
Rohrgtflecht möglichst dünn aufgestreut und daselbst 



66 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



je nach Wetter i bis 3 Stunden trocknen gelassen. 
Hierauf werden die Blätter in entsprechenden Mengen 
(nicht zu viel auf einmal) in die Röstpfanne geworfen 
und über lebhaftem Holzfeuer 4 bis 5 Minuten mit 
der Hand gehörig durcheinander gemischt und in Be- 
wegung erhalten, wobei sie einen grossen Theil ihres 
Wassergehaltes abgeben. Dann werden sie rasch auf 
den Rolltisch geschüttet, wo jeder Arbeiter so viele 
Blätter fasst, als er mit beiden Händen zusammen- 
pressen kann, und daraus einen Ballen formt, den er 
auf der ^aus Rohrstöcken zusammengesetzten Tisch- 
platte (Rattan table) rollt und presst, bis das Blatt 
gedreht, das ist gerollt ist. Die Blattballen werden 
wiederholt gelockert und dann wieder zusammenge- 
presst und gerollt und gehen von Hand zu Hand bis 
zum Vorarbeiter, der sie sorgfältig zu prüfen hat; 
findet er die einzelnen Blätter genügend gerollt, dann 
werden sie auf flache Bambusgeflechte dünn aufgestreut, 
kurze Zeit trocken gelassen und nun neuerdings in die 
Röstpfanne, diesmal über schwaches, aber gleich- 
massiges Holzkohlenfeuer geschüttet und rasch und 
ununterbrochen mit den Händen gemischt. Nach 
I bis i^j^ Stunden sind die Blätter gehörig geröstet 
und ihre Farbe ist fixirt, das heisst, es ist keine Ge- 
fahr mehr, dass sie schwarz werden oder nachdunkeln. 
Sie sind jetzt dunkelgrün, werden aber später meist 
etwas lichter in der Farbe. Hierauf werden die Blätter 
gesiebt, um sie einerseits von Staub und Unreinig- 
keitcn zu befreien und um sie andererseits in die be- 
kannten grünen Sorten Pingsuey Hyson skin, Hyson. 
Young Hyson, Gunpowder etc. zu sortiren. Während 
des Siebens werden die ordinäreren Sorten noch ein- 
mal, die feineren bis zu viermal durch untergestellte 
Holzkohlengluth nachgeröstet, wodurch die Blätter 
eine mehr vollgrüne Farbe erlangen. Nunmehr ist der 
Thee versandtbereit, falls der chinesische Händler 
nicht noch Mischungen oder Fälschungen vorzunehmen 
beabsichtigt. 

Zur Präparirung des schwarzen Thees werden die 
frischen Blätter in offenen Körben eingebracht, auf 
Bambusmatten oder Geflechten vor dem Hause in 
freier Luft und Sonne zum Trocknen aufgeschüttet 
und daselbst längere Zeit, 4 bis 6 Stunden belassen, 
dann in kleine Baumwollsäcke gefüllt, die nur lose 
zugebunden werden, und in oben offene, seitwärts 
durchlöcherte Holzkisten gelegt. Ein Arbeiter steigt 
nun mit blossen Füssen auf die Säcke und tritt dar- 
auf so lange gleichmässig herum, bis aus den Seiten- 
löchern ein grünlicher Saft abfliesst. wobei die Blätter 
bereits etwas gerollt werden. Nun werden die Blätter 
einer Gährung unterzogen, wozu man sie meist in 
Körbe füllt, mit BaumwoU- oder Filzmatten zudeckt 
und I bis l*/j Stunden ruhig stehen lässt. Sie erleiden 
hiebei eine Aenderung der Farbe von grün in grünlich- 
schwarz, sind feucht und schlaff-weich anzufühlen und 
verbreiten einen angenehm aromatischen Geruch. Die 
nächsten zwei Manipulationen sind dieselben wie bei 
grünem Thee: Rösten in eisernen Pfannen über leb- 
haftem Holzfeuer und Rollen auf den sogenannten 
Rattan- oder Rolltischen ; dann werden die Blätter 
ziemlich lose und dünn auf Siebe gestreut und der 
freien Luft vor den Häusern ausgesetzt, wo sie etwa 
drei Stunden verbleiben und continuirlich gewendet 
und gelockert werden, wobei sie einen grossen Theil 
ihrer Feuchtigkeit und wohl auch ihres Volumens ver- 
lieren. Nun gibt man sie auf Siebe über stetiges 
Holzkohlenfeuer zum Rösten; von da kommen sie wieder 
auf den Rolltisch und wieder zurück auf die Röstsiebe, 
und wird diese Operation so lange, oft drei- bis vier- 
mal wiederholt, bis der Thee die richtige Farbe und 
Consistenz erreicht hat. Der Thee wird hierauf ge- 
siebt, d. h. von Staub und dergleichen gereinigt und 
gleichzeitig in die bekannten schwarzen Gattungen 
wie Congou, Souchong, Oolang etc. sortirt. Der für 



den Export bestimmte Thee wird von den chinesischen 
Händlern meist noch nachgeröstet, mit anderen Sorten 
gemischt, oft mit Blüthen gewisser Pflanzen parfumirt 
und dann verpackt. 

DU Theedislricte Chinas. Der Theestrauch gedeiht 
in China, wie bereits oben bemerkt, fast überall bis 
zum 36." n. Br. Die eigentlichen Theedistricte liegen 
jedoch zwischen dem 25." und 31," n. Br. und die 
besten Theesorten findet man nur zwischen dem 
27.* und 31.". Das folgende Verzeichniss gibt eine 
ziemlich eingehende Uebersicht aller theeproducirendcn 
Districte Chinas : 

/. Schwarzen Thee producirende Districte. 

A. Provinz Hupeh. 

1. Präfectur Wutschang. Theedistricte: Hening; Orte: Makheau, 
Pehtun. Puki ; Orte: Janglatung, Janglausze. Tsung-jang; Orte: 
Taschaping, Seanschaping, Pclinekheau. Tungschan; Ort: Jang- 
fanglin. Hingkwo; Ort: Lungkiang. 

2. Präfectur Etschang. Theedistricte: Tschangjang, Hofang. 

B. Provinz Hunan, 

1. Präfectur Jotsehau. Theedistricte: Liu-siang, Piukiang. 

2. Präfectur Tschangsche. Theedistricte: Ngankwo, Siangtan, 
Liujang, Leling. 

C. Provint Kiangsi. 

1. Präfectur Nandschaug. Theedistricte: Wuning, luing. 

2. Präfectur Keih-ngan. Theedistrict : Lungtsven. 

3. Piäfectur Kiukiang. Theedistrict: Schwuidechang. 

D. Provinz Ngan-hwui. 

1. Präfectur Tsehe-tschau. Theedistrict: Kienteh. 

2, Präfectur Luhngan. 

E. Provinz Fuihien. 

1. Präfectur Kien-ning. Theedistricte: Tsehungho, Saong-khi, 
Kienjang, Tsun-ngan. 

2. Präfectur Schau-wu. Theedistricte: Schauwu, Kwangtseh. 

3. Präfectur Jenping. Theedistricte: Jiu-khi, Schahie, Jungen, 
Schundschang, Tsianglo. 

4. Präfectur Lungjen. Theedistricte: Tschaugpin, Ningjang. 

5. Präfectur Tsoen-tsehau. Theedistrict: Ngan-kji. 

F. Provinz Kwangtung. 

1. Präfectur Kwaogtschou. Theedistricte: Nanhai, Tsingjuen, 
Hwahien 

2. Präfectur Tschaukhing. Theedistrict: Hoschan. 

3. Präfectur Choi-tschau. Theedistricte: Hoping, Chojnen. 

4. Präfectur Loting. Theedistrict: Loting. 



Präfectur Puurch. 



G. Provinz jfunnan. 



II. Grünen Thee producirende Districte. 

A. Provinz Ngan-hwuj. 

1. Präfectur Hwui-tschaa. Theedistricte: Hi-he, He, Ujuen, 
Hiuniog, Kiman. 

2. Präfectur Ningkwo. Theedistrict: Taeping. 

B. Provinz Kiangsi. 
1. Präfectur Jantschau. Theedistricte: Tehing, Fau-Iiang. 

C. Provinz Tschekiang. 

Präfectur Khü-tschau. Theedistricte: Hwa-fund und Ping- 
schwou. 

Hauptstapelplätze für Thee sind : 

a) für schwarzen Thee : Hankow, Futschau, Amoy, Tientsin 
und Shanghai; 

i) für grünen Thee: Shanghai, Kowloon und Swatow. 

Chinas Theesorten und Benennungen. Das Wort Thee 
dürfte aus dem chinesischen Tay (Dialect für Tsche 
= Thee) abzuleiten sein. Die Chinesen unterscheiden 
zunächst rothen (koung tscha) und grünen Thee (luh 
Tscha). Für die einzelnen Sorten des rothen (d. i. 
schwarzen) und grünen Thees haben sie zahlreiche 
Benennungen, von denen hier nur die im Handel ge- 
bräuchlichsten angeführt werden sollen. 

A. Schwarze Theesorten. i. Congou kommt von dem 
chinesischen Kungfu, d, i. „Arbeit", weil auf seine 
Herstellung Mühe und Arbeit verwendet werden muss, 
zum Unterschied von anderen inferioren Theesorten, 
die kaum zum Exporte gelangen. Unter Congou versteht 



\ 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



n 



man die gewöhnlichen Mittelsoiten schwarzen l'bees 
dritter Lese. 

2. Soucbong;, richtig Seau dscbong, bedeutet „kleine 
Sorte". Es sind dies die besseren Mittelsorten zweiter 
Lese. 

3. Panchong heisst „eingewickelte Sorte" ; das Er- 
trägniss jer eines Theestraucbes wurde in Papier ge- 
wickelt. 

4. Fiowery Pekoe (Pekoe = Blötlie), chinesisch Peh- 
keu, d. i. „weisser Flaum", weil er gepflückt wird, wenn 
die Blattknospen sich noch nicht geöffnet haben und 
von aussen mit einem weissen Flaum bedeckt sind. 
Es ist dies die erste Lese ganz junger, zarter Blätter, 
die, da sie wenig ergiebig ist und dem Strauche 
schadet, ziemlich theuer zu stehen kommt. 

5. Oolong, richtig Woolong („schwarzer Drache"), 
eine Bezeichnung, der eine chinesische Sage zugrunde 
liegt. 

6. Capu, chinesisch Schwangtsche, d. h. doppelt be- 
arbeitet, weil der Thee sowohl mit Händen als auch 
mit Füssen verarbeitet wird. Der englische Ausdruck 
Capu dürfte auf die Aehnlichkeit der Blüthenknospen 
des Tbees mit jenen des Capustrauchcs zurückzuführen 
sein. 

7. Scented Capu (chinesisch Tschu lan), weil diese 
Theegaitung mit den Blüthen der Agiaia odorata, 
chinesisch Tschin-tschin-lan, parfümirt wird. 

8. Scented Orange Pekoe, chinesisch „Hwa heang", 
d. h. Biumenduft, da zur Erzeugung des nöthigen 
Aromas diverse Blüthen verwendet werden. 

9. Bohea ist der Name der durch ihren Thee be- 
rühmten Boheahügel in der Provinz Fukhien. Obwohl 
auf diesem Hügel die feinsten schwarzen Theesorten 
gedeihen, werden mit Bohea-Thee doch nur die ge- 
wöhnlichsten Sorten schwarzen Thees bezeichnet. 

B. Grüne Thetsorten. Üie Chinesen bezeichnen grünen 
Thee entweder mit Luh-tscha (grüner Thee) oder mit 
Lung-lo-tscha, Lungio ist der Name eines Hügels, wo 
grüner Thee angeblich zuerst gefunden und cultivirt 
wurde. 

üie wichtigeren grünen Theesorten haben folgende 
Namen : 

/. Gunpowder, chinesisch Sean-Tscbü, d. h. „kleine 
Perlen". Für diese Sorte gibt es wieder zahlreiche be- 
sondere Namen : Ma-tschii == Hanfsamenperlen, Pan- 
tscbü = kostbare Prrlen, Tachiu-tschü = Austern- 
perlen, Juen-tschü = runde Perlen u. s. w. 

Die beste Sorte Gunpowder heisscn Hea-muh, d. i. 
„Krabbenaugen". 

2. Hyson, richtiger Hitschün, war der Name der 
Tochter eines berühmten Theebändlers Namens Le, 
dessen Nachkommen sich heute noch mit dem Handel 
von grünem Thee beschäftigen. Die verschiedenen 
Qualitäten von Hyson-Thee führen folgende Namen: 
Meihe = Augenbrauen-Hyson (Extra), Tsching-he -- 
bester Hyson (I, Qualität), Poo-ke = guter Hyson 
(II. Qualität). 

^. Foung Hyson, so genannt, weil er dem Hyson 
ähnlich, nur schmäler, kleiner im Blatte ist. Die Chi- 
nesen heissen diese Gattung Yu-tsin, wörtlich „vor 
Yu", Weil er vor dem Yu-Tage, der beiläufig auf den 
20. April fällt, gepflückt wird. Für die verschiedenen 
Qualitäten dieser Gattung .werden folgende Bezeich- 
nungen gebraucht: 

Ngo -mei = kaiserliche Concubinen - Augenbrauen, 
Mei-yu == Augenbrauen, gepflückt vor dem You-Tage, 
Ya-yu == Knospen, gepflückt vor dem Yu-Tage, Fung- 
mei = Pliönix-Aug-nbrauen. 

Thetproduction Chinas. Es ist mangels statistischer 
Daten »ehr schwer, verlässliche Angaben über die 
Gesammttheeproduction Chinas zu geben. Nimmt man 
die Bevölkerung rund mit 400 Millionen Seelen und 
den Uurchschnittsjahresconsum per Kopf mit 5 Ibs. an, 
so ergäbe dies einen Consum von 2000 Millionen 



Pfand, und den Durcbscbnittsexport von sooMilliooen Ibs. 
dazu gerechnet, eine Gesatnmtproductioo von z200 
Millionen Pfund per Jahr, worin Blatt-, Staub-, Ziegel-, 
I'afeltbee und Tbeeabfälle einbegriffen sind. Da der 
Chinese vorwiegend giOneo Thee consumirt, wird aucb 
viel mehr bievon (etwa vier Fünftel der Gesammt- 
production) erzeugt; dagegen gelangt viel mehr 
schwarzer Thee (über fünf Sechstel des Gesamint- 
exportes) zur Ausfuhr als grüner. Die gröasten Tbee- 
districte Chinas liegen , wie bereits oben erwäbni, 
zwischen dem 25. und 31." n. Br., also in den Pro- 
vinzen Hunan, Hupeh, Fukhien, Kwantung, Yunan, 
.Anbui, Kiangsin und Tschekiang. Die ersten fünf pro- 
duciren mehr schwarzen, Tschekiang fast nur grünen, 
Anbui und Kiangsi beide Tbeegattungen. Die Produc- 
tion hat in den letzten Jahren stark abgenommen, da 
(las Sinken der Theepreise und die hohe Abgabe die 
l'heecultur, wie sie heute in China betrieben wird, 
nicht mehr rentabel erscheinen lassen. Würden jedoch 
die von Fachleuten proponirten Reformen in der Be- 
steuerung, Cultur und Präparirung eingeführt, so würde 
die Nachfrage steigen, und die Production für den 
Export leicht auf das Doppelte bringen. Leider 
.sind hiefOr gegenwärtig keine Aussiebten vorbanden, 
und dürfte für die nächsten Jahre eine neuerliche At>- 
nabme der Production bevorstehen. 

Theehandtl und -Export Chinat. Bis zur Mitte dieses 
Jahrhunderts war China nahezu das einzige Thee ex- 
portirende Land der Erde. Der Theehandel war quasi 
ein Monopol ; chinesischer Thee beherrschte den Welt- 
markt ohne Concurrenz, und noch im Jahre 187 1 
deckte China über 86 Percent des gesammten Welt- 
consums. Die Theeindustrie bildete einen der wich- 
tigsten Erwerbszweige der Bevölkerung, und die Ab- , <sf 
gaben hievon die einträglichste Revenue der Regierung. / 
In den letzten 25 Jahren hat jedoch der Theehandel,' 
eine wesentliche Verschiebung zu Ungunsten Chinarf 
erfahren. Die Einführung der Theecultur in Indien unil < 
Ceylon, die Anlage grosser Plantagen daselbst mitt 
maschinellen Einrichtungen für die Theebereitung und\ *. 
der damit verbundene riesige Aufschwung und Erfolg ^_ 
der indischen Theeindustrie konnten auf den Theehandel 
Chinas nicht ohne rückstauenden Einfluss bleiben, und 
wenn auch heute noch der Export chinesischen Tbees, 
mit den Vorjahren* verglichen, quantitativ keine be- 
deutenden Ausfälle zeigt, so lässt doch der Rückgang 
im Exportwertbe, der Verlust von hochwichtigen 
.\bsatzgebieten , wie Grossbritannien, Nordamerika, 
Australien, sowie der Umstand, dass sich China im 
Jahre 1896 nur mehr mit 35 Percent an der Deckung 
des Weltbedarfes betheiligte und trotz der immensen 
Zunahme des Theeconsums keinerlei Exportsteigerung 
zu verzeichnen hat, auf eine krisenhafte Stagnation in 
der Production sowie auf einen wesentlichen Rückgang 
im Exporthandel schliessen. Bereits im Jahre 1885 ver- 
anlasste die chinesische Regierung, hauptsächlich wohl 
aus fiscalischen Rücksichten, eine Enquete zur Er- 
forschung der Gründe, warum der Export chinesiscbeo 
rhces continuirlich abnehme und warum fast alle Thee- 
trinker englischer Zunge, somit neben Russland gerade 
die wichtigsten Consumenten, indischen, Ceylon- und 
Japan-Thee dem chinesischen vorziehen. Das Ergebnis« 
dieser Eoquäte war kurz gefasst folgendes: i. Chinesi- 
scher Thee ist zu hoch besteuert und kann daher mit den 
gar nicht oder nur ganz geringe besteuerten indischen, 
C^tylon- und Japan-Thces im Preise nicht erfolgreich 
concurriren. Chinesisches Product zahlt heute nahezu 
20 Percent vom Werthe Exportzoll, ganz abgesehen 
von Grundsteuer, Likin und sonstigen Abgaben, während 
Japan-Thee nur 5 Percent, indischer und Ceylon-Thee 
gar keine Exportsteuer zu zahlen haben. 2. Die Thee- 
cultur und Theebereitung in Indien, Ceylon nnd Japan 
ist viel rationeller und ökonomischer und liefert 
daher ein gleichförmiges , besseres Fabricat bei 



68 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



niedrigeren Gestehungskosten. In Indien und Ceylon 
existiren ausgedehnte Plantagen mit den neuesten 
maschinellen Vorrichtungen für die Theepräparirung, 
und da die Leitung solcher ausgedehnter, fabriks- 
mässig investirter Pflanzungen in einer Hand con- 
centrirt ist, kann ein gleichförmigeres, daher besseres 
und billigeres Product hergestellt werden, auch setzt 
der indische Pflanzer sein Erzeugniss direct oder 
höchstens durch eine Mittelperson ab. 

In China dagegen existiren nur ganz kleine Thee- 
gärten, keine einzige ausgedehnte Plantage, und nennt 
der kleine Theepflanzer oft nur einige Sträucher sein 
Eigen. Die Bereitungsmethoden sind veraltet, ma- 
schinelle Vorrichtungen unbekannt und dieTheeindustrie 
Chinas heute noch eine, wenn auch sehr ausgedehnte 
Hausindustrie; die Folge davon ist, dass das Product 
grosse Verschiedenheiten in Qualität aufweist und, da 
es nicht en gros erzeugt wird, theuerer zu stehen 
kommt. Schliesslich vertheuert es den Thee noch 
wesentlich, dass der chinesische Pflanzer vorerst an 
den Collector, dieser an den chinesischen Händler 
(Teaman) und erst Letzterer an eine europäische Ex- 
portfirma verkauft. Ueberdles hat die Qualität der 
chinesischen Theesorten, nach Aussage von Thee- 
kennern, in Folge weniger sorgfältiger Zubereitung, 
immer häufiger vorkommender Fälschungen und nach- 
lässiger Packung während der letzten 25 Jahre 
fühlbar abgenommen. Die Chinesen, durch die indische 
und japanische Concurrenz hart gedrängt, glaubten 
das, was sie am Preise verloren, durch schlechtere 
Qualität, durch geringere Sorgfalt in der Bereitung, 
durch Ersparung an Arbeitslöhnen und Material herein- 
bringen zu können, was jedoch den chinesischen Thee- 
handel, falls nicht rechtzeitig Abhilfe geschaffen wird, 
zugrunde richten muss. 

Das chinesische Rohmaterial, das ist das frische 
Tbeeblatt, gilt nach dem Urtheile von Fachleuten und 
chemischen Analysen allerdings auch heute noch für 
besser als das indische. Es enthält weniger Tannin, 
mehr Thein und ätherische Oele, ist daher weniger 
stark, . bitter und herbe und gibt ein weit feineres, 
angenehmeres Aroma. Auch wird behauptet, dass 
chinesischer Thee gesünder ist, weil weniger tannin- 
und farbstoffhältig, während indischer in Folge seines 
hohen Tanningehaltes Magen und Nerven alterire. 
Das hindert Alles nicht, dass heute indischer Thee in 
England, Australien und Amerika gerade wegen seiner 
Stärke, dunklen Farbe und seines herben Geschmackes 
und wohl auch wegen seiner Billigkeit dem allgemeinen 
Geschmack mehr entspricht als der chinesische. Russ- 
land und der europäische Continent consumiren heute 
allerdings noch fast ausschliesslich chinesischen Thee. 
Aber schon beginnt man auch dort mildere Sorten 
von indischem und Ceylon-Thee mit chinesischem ge- 
mischt einzuführen, und da Mode und Geschmack 
wandelbar, der Preis aber doch immer die Haupt- 
sache ist, so erscheint es nicht als ausgeschlossen, 
dass chinesischer Thee allmälig ganz verdrängt wird, 
falls nicht rechtzeitig Reformen in der Production ein- 
geführt und durch Reducirung der fiscalischen Ab- 
gaben dem chinesischen Thee die Concurrenz er- 
möglicht wird. 

Die eingangs erwähnte Enquete, die sich sehr eiu- 
gehend mit den Ursachen des Niederganges und den 
Mitteln zur Wiederbelebung der Theeindustrie be- 
fasste, empfahl folgende Reformen : i. Verbesserungen 
in der Cultur der Theepflanze ; Anlage von ausge- 
dehnten Plantagen. 2. Reformen in der Theebereitung 
nach indischem Muster; Einführung von maschinellen 
Vorrichtungen ; Aufgeben des veralteten Systems der 
Hausindustrie; Errichtung centralgelegener Factoreien 
etc. 3. Grössere Sorgfalt beim Sortiren, Mischen und 
Packen; Schutzmaassregein gegen Fälschungen und 
Beimengungen. 4. Reducirung der auf Thee lastenden 



drückenden Abgaben, derLikin-Steuer, des Ausfuhrzolles 
und anderer willkürlicher Taxen auf 5 Percent des 
thatsächlichen Verkaufswerthes. um so dem heimischen 
Producte die Concurrenz mit indischem, Ceylon- und 
Japan - Thee zu ermöglichen. Heute betragen diese 
Abgaben für schwarzen Thee durchschnittlich 25 Per- 
cent vom Werthe, bei grünem fast 30 Percent und 
übersteigen bei den ordinären Sorten oft 45 — 50 
Percent. 

Nach den Ausweisen über den Theeexport Chinas 
im Jahre 1896 betrug der Gesammtexpoit (Ziegel-, 
Tafel- und Staublhee inbegriffen) 1,712.841 Piculs 
^ 133V3 '^®- =^ 227,578.800 Pfund englisch, im 
Werthe von 30,196.886 Hk. Taels ä ca. fl. i'50 Gold 
oder rund lo'/^ Millionen kg im Werthe von 45Y4 
Millionen Goldgulden. Davon waren: schwarzer Thee 
912,417 Piculs, grüner Thee 216.999 Piculs, schwarzer 
Ziegel 503.17g Piculs, grüner Ziegel 63.720 Piculs, 
Tafelthee 16 234 Piculs, Staub 292 Piculs. 

Der Bestimmung nach gingen davon : 

l'iculs 

Nach Russland und Sibirien per Land 624.810 

„ Vereinigte Staaten von Amerika 226.095 

Grossbritannien 319.409 

„ Russland via Odessa per See 195.203 

„ russischer Mandschurei 96.130 

„ Hongkong 74.800 

„ Australien 46.941 

Indien • 46.737 

„ europäischem Continent (ausgenommen Russland) 31.708 

„ Brilisch-Amerika 21.712 

„ Südafrika 17.278 

„ Franziisisch-China 4-4^6 

„ Straits Settlements 3-538 

„ Java 2.914 

„ Slam 2.578 

„ Japan 1.429 

Wie weiters aus den officiellen Nachweisungen her 
vorgeht, fiel der Export chinesischen Blattthees (Ziegel- . 
Tafel- und Staubthee nicht inbegriffen) von rund 212'/, 
Millionen Pfund im Jahre 187 1 auf 15 1 Millione.i 
Pfund im Jahre 1896, Wenn man bedenkt, dass der 
Weltconsum sich in diesem Zeiträume fast verdoppelt 
hat, und der Export indischen l"hees in derselben 
Periode von i Y2 Millionen auf über 120 Millionen Ibs. 
gestiegen ist, so erscheint die Krise in der chinesi- 
schen Theeindustrie begreiflich. 

Noch im Jahre 187 1 deckte China über 86 Percent 
des gesammten Weltbedarfes, im Jahre 1896 parti- 
cipirte es hieran nur mehr mit 35 Percent. Noch auf- 
fallender ist der rapide Rückgang im chinesischen 
Theehandel mit Grossbritannien und der gleichzeitige 
kolossale Aufschwung des Exportes von indischem und 
C-iylon-Thee ebendahin. China deckte nämlich im Jahre 
1871 über 90 Percent des englischen Consums, im 
Jahre 1896 jedoch kaum mehr 12 Percent, während 
Indien im Jahre 1896 bereits mit 54 Percent und 
Ceylon mit 34 Percent daran participirten. Aehnliches 
gilt von Australien, das im Jahre 1889 noch über 
22 Millionen Ibs. Thee aus China bezog, im Jahre 1896 
aber kaum mehr 6 Millionen Ibs. 

Der Export chinesischen grünen Thees nach den 
Vereinigten Staaten von Amerika war zwar stets ein 
schwankender, aber er betrug im Jahre 1896, selbst 
wenn man die Abtretung Formosas an Japan in An- 
rechnung bringt, kaum viel mehr als im Jahre 1871, 
d. i. 30 Millionen Ibs., während der bezügliche Export 
Japans in demselben Zeiträume von l8'/2 auf 62 Mil- 
lionen Ibs. stieg. Nur der Export nach Russland und 
anderen, allerdings weniger wichtigen Consumländern 
weist für die letzten 25 Jahre eine erhebliche Zunahme 
auf. So stieg die Ausfuhr nach dem europäischen und 
asiatischen Russland von 27*/2 Millionen Ibs. im Jahre 
187 1 auf 132 Millionen Ibs. im Jahre 1896, worunter 
allerdings 77 Millionen Ibs. Ziegelthee inbegriffen sind. 

Aus diesen Daten ergibt sich als Schlussfolgerung, 
dass der chinesische Thee fast überall an Terrain ver- 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



69 



loren bat, ausgenommen in Russland und auf dem europäi- 
schen Continent; dass die Steigerung auf der einen 
Seite den Ausfall auf der anderen bei weitem nicht 
auszugleicbtn vermag und dass in Anbetracht des 
rapid zunehmenden Exportes Indiens, Ceylons und 
Japans zu befürchten steht, dass die uralte chinesische 
Thecindustrie, falls nicht rechtzeitig Abhilfe geschaffen 
wird, allmälig zugrunde geht. Die chinesische Regierung 
hat bis jetzt trotz der kritischen Situation gar nichts für 
eine Reform der Theecultur veranlasst ; dafür hat sich 
in Futschau ein anglo-chinesisches Syndicat zur Ver- 
besserung .der Theefabricatipn, „Tea improving Com- 
pany", gebildet, das im Pehlingdistricte Thec nach 
indischem Muster zu erzeugen versuchte, und zwar mit 
ziemlichem Erfolge. Ein ähnlicher Versuch wurde auch 
in Shanghai gemacht, doch blieb derselbe mangels 
Theilnahme der chinesischen Regierung und der in 
erster Linie interessirten chinesischen Theehändler vor- 
läufig erfolglos. 

Die Ansicht von Fachleuten geht dabin, dass das 
chinesische Theeblatt bei gehöriger Manipulation das 
verlorene Terrain wieder zurückerobern kann, was 
durch einheitliches, zielbewusstes Zusammenwirken aller 
daran betheiligten Factoren : Regierung, Pflanzer, 
chinesischer Theehändler, unter Mithilfe europäischer 
Intelligenz und europäischen Capitals, unschwer zu er- 
reichen wäre. 

Die Hauptstapelpläize für dm chinesischen Theeexport 
sind : 

a) für schwarzen Thee in erster Linie Hankow, dann 
Futschow, Shanghai, Tientsin, Amoy, Canton, Kowloon, 
Luppa, Swatow und Mengtir; 

b) für geringen Thec hauptsächlich Shanghai, dann 
Kowloon und Swatow. 

Packung, Der Thee wird en gros per Picul == loo 
Katty = 13373 Ibs. engl. = 60 kg gehandelt. Die 
Verpackung des schwarzen Thees geschieht meist in 
Kisten zu '/g Picul == 30 kg, sogenannte ,half chests", 
über besonderen Auftrag auch in kleineren Kistchen 
zu 5 und 10 Katty (i Picul = loo Katty). 

Grüne Thees, und zwar Pingsueys, werden in Kisten 
zu 32 und 54 Ibs., Country Greens in Halbkisten zu 
45 — 70 Ibs. verpackt. Ausserdem gibt es noch soge- 
nannte „Shanghai packed teas", welche aus einem Ge- 
misch aller möglichen Sorten aufgemacht werden. Der 
Ausdruck „Chop" (etwa Marke) bedeutet ein und die- 
selbe Mischung, die selten mehr als lOOO Halbkisten 
ä 30 kg übersteigt. Der Thee wird in Kisten verpackt, 
die einen Einsatz aus gewalztem Blei haben, der oben 
eine meist runde, mit Bleiblatt und Papier verschlossene 
Oeffnung bat. Die Holzkisten sind aussen mit buntem, 
chinesischem Papier überzogen und werden ausserdem 
für den Seetransport noch in Bambusmatten verpackt. 

Bei Bezug en gros ist es vortheilhafter, Halbkisten 
ä 30 kg zu bestellen, weil hiedurch an Tara, Zoll, 
Transportkosten und Verpackungsauslagen erspart wird. 

Theepreise. Als China noch das Monopol des Thee- 
handels in Händen hatte, das war bis um die Mitte 
dieses Jahrhunderts, notirte i Picul (60 kg) guten 
Mediums durchschnittlich mit 45 Taels zum damaligen 
Curse von 4 sh. == 2 fl. Gold, wobei die einzelnen 
Qualitäten zwischen i8 und go Taels per Picul 
variirten. Bereits im Jahre 1860, als das Yangtsc- 
gebiet dem allgemeinen Verkehr eröffnet und hiedurch 
der Thectransport aus dem Innern nach den Vertrags- 
häfen wesentlich verbilligt wurde, sanken die Preise 
um etwa 15 Percent. Hauptsächlich aber war es die 
gegen Ende der Sechzigerjahre beginnende, conti- 
nuirlich zunehmende Concurrenz Indiens, Ceylons und 
Japans, welche die chinesischen Theepreise rapid 
herunterdrückte, so dass heute der Durchschnittspreis 
per I Picul loco Shanghai bei einem Curse von circa 
fl. Gold 1-50 per i Tael kaum mehr mit 24 Taels 
angenommen werden kann. 



Die Productionskosten de* Thee« stellen «ich 
Picul Medium auf ca. ij'/i Taeli, und zwar: 



I. An den Pflanzer für das grüne Blatt 

3. Abgaben, Likio and Taxe 

3. Präparirungakotten 

4. Arbeitslöhne 

5. Verpackung 

6. Capitalsinteressen 

7. Traoiport zum Vertragihafen 

Summe der Geitehaogskostea . 
Dazu : 

8. Auilagea und Profit des chinetiicbeD Hiodlen . . . 

9. Auslagen und Commiision der eutopäiichcB Export- 

firma 

10. Ausfuhrzoll 

Preii per Picul Bord Shaogbai . . 



per 

TmI* 

$•- 

»3» 

•V — 
I- — 

!• — 
—•20 
—80 



ij-3» 



•45 

»SO 

»73 

vr — 



Die niedrigsten Congousorten notirtea im Jahre 1897 
mit 10 Taels, die feinsten mit 67 Taels. Grüner Thee 
varürte zwischen 15'/, — 34*/» Taels per Picul. Maat»- 
gebend für die Preise ist nicht nur der quantitative 
und qualitative Ausfall der chinesischen Ernte und die 
Nachtrage sowie das Ernteergebniss in Indien, Ceylon 
und Japan, sondern auch der jeweilige Wecbselcurs. 

Chinesischer Theeexport nach Oesterreich- Ungarn. Aller- 
dings ist der chinesische Theehandel, respective Ex- 
port, für unsere Monarchie in Anbetracht unseres ver- 
hältnissmässig geringen Consums von keiner grcsseo 
Bedeutung. Immerhin würde es sich aber der Mühe 
lohnen, chinesischen Thee statt Ober Hamburg oder 
London direct aus Shanghai oder Hankow via Triest 
zu beziehen, und ist dieses k. und k. General-Consulat 
über diesbezügliche Anfragen stets bereit, detaillirte 
Auskünfte zu ertbeilen, nöihigenfalls auch Geschäfts- 
verbindungen zu vermitteln. Es wird allerdings etwas 
Thee von hier über Triest nach Oesterreich-Ungarn 
importirt, doch sind das ganz minimale Quantitäten, 
die bei weitem nicht unseren Bedarf decken. 

Bei dem auch in der Monarchie stetig zunehmenden 
Theeconsum dürfte es sich zweifelsohne rentiren, wenn 
sich eine namhaftere heimische Firma entscbliessea 
wollte, grössere Tbeequanten direct zu importiren und 
in Triest oder Fiume Theeauctionen zu veranstalten, 
wodurch der gegenwärtig den englischen und deutschen 
Zwischenhändlern zufallende Profit im Lande verbleiben 
würde und unsere Consumenten in die angenehme Lage 
versetzt würden, besseren und billigeren Thee zu trinken. 

Zum Schlüsse sei eine Liste der grössten Thee<- 
exportfirmen in China mitgetheilt: 

Tokmakoff, MolatkofT & Co., Hankow, Tientsin ; Molchanoff, 
PechatnofT & Co., Hankow, Tientsin, Foochow, Kinkiaag; 
Cheerkoff. Panoff & Co., Hankow; Kodewald & Heath; Barlow 
& Co., Shanghai, Hankow; F. S. Deacon & Co., Hankow; 
Theodor & Rawlins, Shanghai; C. & S. Popow frires, Hankow; 
Evans, Pui;h & Co., Hankow; Jardine, Matheson & Co., 
Shanghai, Hankow ; Ramsay & Co. : Gordon Brothers ; W. White, 
Hankow; George, Clark & Co., Hankow; R. Anderson & Co., 
Shanghai, Hankow; Keid, Evans & Co, Shanghai; Alex. Camp- 
bell & Co., Shanghai, Hankow ; Gneaves tt Co., Shanghai, Han- 
kow; Ovetbeck & Co., Shanghai; W. W. King & Son, Shanghai; 
Dodwell, Carlill & Co., Shanghai; Reiss & Co., Shanghai; 
J. H. Craven, Shanghai ; Turnbull, Howie & Co., Shanghai. 
Kearon, Daniel & Co., Shanghai; Welch, Lewis & Co., Shanghai. 

Die nachfolgenden Tabellen geben ein aoscbaulicbes 
Bild über den Theeexport China's in den letzten 25 
Jahren und die Preisbewegung. 

Chtnas Theetxpwt lSg6 

nach Galtung und Quantität in Picols k 60 1'/; 

Wtith in Haikuan Taels ii ä. 1-50 Gold. 

PteaU W«tb ia Halkua Tatk 

Schwarzer Thee 9II.417 19,409.486 

Grüner Thee 316.999 5.630.070 

Schwarzer Ziegelthee . . 503.179 4,241.980 

Grüner Ziegelthee .... 63.730 5<'9 j'S 

Tafelthee 16.334 364.644 

Staubthee 39a 1-391 



1,713.841 



30,I56.8U 



vo 



ÖSTKRREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Theetxport Chinas im Jahre i8g6 nach Gattung, Quantität und Destination. 



D eatination 



GODgOU OolODg 



Grossbritannien 152.922 

Hongkong 42.879 

Indien 85 

Singapore und Straits 22 

Australien 45-353 

Neuseeland 50 

Südafrilia mit Mauritius 888 

Britisch-Amerika 15-391 

Vereinigte Staaten 60.455 

Südamerika 28 

Europäischer Continent (exclusive 

Russland l6.o8t 

Russland: Odessa per See .... 169.902 

Russland und Sibirien via Klakhta 144.943 

Russisch-Manchurien 19.260 



Korea 

Japan 

Philippinen 

Cochinchina, Tonkin und Anam 

Siam 

Java 

Türkei in Asien, Persien, Egypten 

und Aden 

Uebrige Länder 



26 
283 



88 



Total . . 668 
Hongkong, von ICowloon, per Dschunke 
Macao, von Lappa, per Dschunke . 
Gesammtsumme , . 



1.148 
16-575 

2.049 



486 
53966 



»4 



390 

171 

3.876 

2.380 

1-797 



5»S 



h w a r 
Flowery Orange Scentod 



Souchong Pouchong pj|j„g pgjjoj 

U e n g e in 

606 177 2266 

«557 1847 



13.96t 

7.177 



50 

I 

7 609 
II 

24 



i3-m 

5 



25 
6 



886 



617 
132 



40 



10 

21 

191 

1102 



804 



1421 

4 

'3 

389 



18 
II 



Capu Mlied Pu-erh Leaf Stalk 

P 1 c n I • 

1 32 . . 

19 59: 600 8j 



75 



I 
211 



666 83.377 41-992 4381 2815 4931 307 9436 1033 582 



I 

10 

8769 
2 
6 



16 
9 



433 



499 



Total 
Schwarz 

171. 113 
72.138 

85 

3.008 

46.860 

50 
17.270 
15.904 

115-053 
28 

29-865 
170.059 

■44-943 
19.260 

30 

1.213 

206 

4346 
2-572 
2.91 1 

88 
525 



817.527 
69.383 
25.507 



912.417 



Destination 



Young 
Hyaun 



Grossbritannien 6.657 

Hongkong 333 

Indien 2.878 

Singapore und Straits 

Australien 5 

Neuseeland 

Südafrika mit Mauritius I 

Britisch-Amerika 644 

Vereinigte Staaten 11-343 

Südamerika 

Europäischer Continent (eiclusive 

Russland 

Russland: Odessa per See .... 
Russland und Sibirien via Kiakhta 

Russisch-Manchurien 

Korea 

Japan 

Philippinen 

Cochinctiina, Tonkin und Anam 

Siam 

Java 

Türkei in Asien, Persien, Egypten 

und Aden 5 

Uebrige Länder 

Total . . 22.613 
Hongkong, von Kowloon, per Dschunke . 
Macao, von Lappa, per Dschunke . 
Gesammtsumme . . 



251 
468 

27 
I 



G 

Hyson 

16.306 

1-332 

35-511 

530 



I.42I 
22.188 



907 

3-394 



64 

6 
3 

229 



r ü 
Imperial 



322 
8 



172 



54 
1.040 



9 
15 



80 



Gun 
powder 
Man 
18.885 

984 
8.091 

'76 



507 
704 



152 



61 



Total 
Gran 

e 

42.170 
2.657 

46.652 

530 
81 



SUnb 

D P 

92 

5 



7 8 

3.689 5.808 

76.471 1 11.042 



1.674 
4-581 

27 

I 

216 

80 
6 
3 

295 



163 



Ziegel 

(schwarz) 

i c u 1 a 

6-034 



Ziegel 

(grün) 



Tablet 



20.383 
416.138 47 
60.624 16 



81.891 1.700 109.627 215.831 260 503. 

I.I49 32 

19 



79 63 



567 
153 



16.162 
66 



,720 16.234 



Geaammt- 
aumme 

219.409 

74.800 

46.737 

3.538 

46.941 

50 

17.278 

21,712 

226.095 

28 

31.708 
195-023 
624.810 

96.130 

3» 

1.429 
206 
4.426 
2578 
2.914 

383 

525 



216.999 292 503.179 65.720 16.234 



1,616.751 
70.564 

25.5^ 

1,712.841 



Antheil der einzelnen chinesischen Vertragshäfen an dem Theeexporte Chinas im Jahre i8g6. 





Schwarzer "tfafe 


Grüner Thee 




PiCUlS jj^ ,j,,g,. 


!■'-« Hi^Tle.. 


Hankow 


216.277 4.917-097 


• 


Foochow 


. 267.581 4,640.873 


81 I.I22 


Tientsin . 


147-943 3,985-936 


57 1-283 


Shanghai 


124.007 2,844.402 


215.052 5.253.057 


Amoy . . 


46.17s 778.385 


• 


Kowloon 


62.662 1,253.233 


• 


Lappa . 


25.941 452.110 


- 


Canton 


10.868 222.476 


32 757 


Swatow 


6.005 118 709 


586 8.405 


Mengte: 


1.033 12-395 


. 



Grüner Ziegel 
Picula , '^'"■"' 



Schwarzer Ziegel 
Werth 
Hk. Taela 



Piouls 



66 



9J7 



Hli, Taela 

6.153 104.996 51.782 453-094 

22468 136.594 

1.283 47-567 404-319 416.137 3.537-I7O I6-I61 363.637 

12.791 III. 220 



Staubthee 

Werth Zusammen 

Hli.Taels 

fPiculs 284.278 
• JHk.Taels 5,476.107 
fPiculs 290.329 

'•°^^\Hk.Taels 4,779.61^ 
fPiculs 624.865 

iHk.Taels 8,292.345 



199 



60 



1-,^^''="'= 35'-9'° 
'^•♦IHk.Taels 8,408.803 

fPiculs 46.175 

IHk.Taels 778.38S 

iPiculs 62.662 
IHk.Taels 1,253.233 

fPiculs 25.94I 

IHk.Taels 452.110 

fPiculs 10.900 

IHk.Taels 223.233 

fPiculs 6.59I 

IHk.Taels 127.II4 

fPiculs 1.033 

IHk.Taels 12.395 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



71 



nach 

QroubrlUnnicn 

1871 i38,9iS-733 

1872 140,968.000 

1873 131,197.467 

1874 149,908.667 

1873 140,786.667 

1876 137,628.800 

1877 143,924.933 

1878 141,220.133 

1879 131,580.400 

1880 148.379733 

1881 139,110.000 

1882 135,366.267 

1883 134,599.867 

1884 128,162.133 

188$ 134.855600 

1886 126,604.933 

1887 105,832.933 

1888 91,762133 

1889 80,498.433 

1890 57,861.000 

1891 54,837.900 

1892 48,194.267 

1893 48,162.400 

1894 40974.000 

1895 33,401.867 

1896 29.254533 



Theeexport Chinas 
den wichtigsten Coosumländern der Erde während der leUlen 
Vereinigt« Ktulea 

roD Amerika Bauland AiutralUn 

39,806.533 4.277-333 12,269.200 

4'.939-333 9,863.066 «4.358.533 

29,870933 11,054.400 11,746267 

27,935.200 8.S37-467 «3,332.533 

29572.267 13,071.600 «4.159.333 

28,604.133 12,066.267 ■5.134-033 

36,090.367 9,451.600 13,670.000 

30,398400 11,823.733 13,001.200 

35.593.733 19,978.267 13.123.133 

35,956.667 16,613.867 19,182.667 

45,058.933 18,108x67 20,702,800 

34837.867 22,451.733 18,006.800 

33,877.200 24,776.800 13,704.800 

36,434.000 27,116400 16,898.000 

38,232.533 20,409.600 19,285.467 

40,595.200 31,878.134 17,120.800 

36,548.267 . 36,656,533 19,673.400 

40,266.000 35,534-000 21.846.933 

39,486.400 39,480.533 18,616.400 

35.752.133 37,407.333 14,554.000 

36,758.500 40,185333 13,541.067 

41,056.400 37,695.333 «5.976-«33 

45.638.333 38,907.732 n,955.867 

53,759.600 46,347.333 10,709.733 

41,482.667 56,044.933 11,244.267 

30,146.000 45,179066 6,358.800 



35 Jahre 

U*bri(e Plitz* <om«km- 

lieh Tla Uo0|lioaf 

17,511.601 

16,560.368 

17,522.000 

21,697.733 
33,608.400 
21,091.567 
31,781. 867 
30,847.067 
37,981 867 
38,420 266 

29.016533 
39,087.200 
28,852.000 
27,552.400 
33,703.000 
3«.24'.333 
44,190534 
44,568.934 
40,905.302 
36.855.934 
44,166.934 
40,353.868 
47,131.668 
43783467 
42.397999 
40,575.068 



313,780.400 
333,689.300 

3ol,39«.o«7 
331,411.600 
230,198.367 
314.524.800 
334,918.667 
227,390.533 
228,256.400 
248.S33.200 
251.996.533 
339.749.867 
335,810.667 
236,162.933 
246,485.300 
247,440400 
343900.667 
233.988.oco 
208,987.067 
183,430.400 

'89.489.733 
173,376.000 
191,796.000 
«95.574.133 
«»4.571.733 
«5«.4«3467 



Importabnahme chinesischtn Thtts, 
verglichen mit der gleichzeitigen Importsteigerung anderer Länder nach den wichtigaten Consamländera wihreod 1871 — 1896 

Japanischer nnd 
Formoia-Tbee naoli 
Amerika 
18,750.000 
19 875.000 
21,315000 
22,625 000 



1871 . 

1872 . 
«873 . 

«874 . 
1875 . 
1876. 
1877. 
1878 . 
1879. 

1880 . 

1881 . 

1882 . 

1883 . 



1885 . 

1886 . 

1887 . 

1888 . 

1889 . 

1890 . 

1891 . 
1892 

1893 . 

1894 . 

1895 , 
1896 

Theeexport nach den 



Indischer n. Ceylon- 
Thee nach OroM- 
britannien 
15,351.600 
16,942.000 
18,424.000 

17.377-900 
25,500.200 
29,001.700 
36,503.500 
35,581.500 
39,354.000 
45,528.000 
49,873.000 
56,523.000 
62,763.000 
65,547.000 
72,167.000 
87,167.000 
102,364.000 
122,399.000 

«34-97i-000 
151,175.000 

"74.785000 
172,648.000 
186,632 000 
191,548.000 
199,770.000 
215,405.000 



26,322 000 
23,596.000 
24,033.000 
24.995000 
35,195.000 
3»,477.ooo 
34,439.000 
33,146.000 
32,500.000 
34,700.000 
38,800.000 
40,300.000 
42,000.000 
43,000.000 
45.000.000 
46,000.000 
47,800.000 
46.700.000 
45,800.000 
46,200.000 
56,568.396 
62,064.000 



ToUl 

Nicht chineshchar The« 

Dach Europa u. Amerika 

34,101.600 

36,817.000 

39,739-000 

40,002.900 



51.822.300 

52,597.700 

60,536 500 

60,576.500 

74,549.000 

84,005.000 

84,313.000 

89,669.000 

95,263.000 

100,247.000 

110,967.000 

127,467.000 

144,364.000 

165,399000 

«79,975-000 

197,175.000 

222,585.000 

318,348.000 

232.432.000 

237.748.000 

256.338.396 
277,469.000 



Totaleiport 
chlneeUclien Tbeel 
212.780400 
223,689 200 
201,391.067 
221,411.600 
230,198.267 
214,524.800 
234,918.667 

227.290533 
228,256.400 
248,553.200 

251.996533 
239.749867 
235,810.667 

336,163.933 
246,485.300 
247,440.400 
242,900.667 
233.988.000 
208,987.067 
182,430.400 
189,489 733 
173,276000 
191,796.000 

«<)5,574'33 
«84.57 '733 
151,413.467 



Guammbamm« Pere«*l 

rblne<lMb«rTbM 



246,882.000 
360,506.200 
241,130.067 
261,414.500 
373,030.467 
367,132.500 

295.455.l67 
287,867.033 
303,805.400 
332.558.200 
336,308.533 
329,418.867 
331,073.667 
336,409 933 
357.452.200 
374.907-400 
387,264.667 
399.387.000 
388,963067 
379.605.400 
412,074.733 
391,624.000 
424,238.000 
433,322.133 
440,910.129 
438,881467 



86 
86 
83 
85 
83 
80 
80 

79 
75 
74 
75 
73 
71 
70 

69 
66 

63 
58 
54 
48 
46 
44 
45 
45 

42 

35 



Vereinigten Staaten von Amerika von 
i8yi — i8g6. 

_. , Japan uad _ . , Percant 

Odlna rorniosa ToUl Q^^^ ^t^,, 

«87« 39-806.533 18,750.000 58,556.533 68 

"872 41,939333 19,875.000 61,814.333 68 

1873 29,870.933 21,315-000 5'.«8S-93S 58 

1874 27,935.200 22,625.000 50,560.200 55 

«87s 29,572.267 26,322.000 55,894.267 53 

1876 28,604.133 23,596.000 52,200.133 55 

1877 36,094.267 24,033.000 60,127.267 60 

«878 30,398400 24,995.000 55.393-400 54 

«879 35-593 733 35.i95-ooo 70,788.733 50 

1880 35.956.667 38,477.000 74433.667 49 

«881 45.058.933 34,439-000 79497933 56 

1882 34,837.867 33,146,000 67,983.867 51 

1883 ..... 33,877.300 32,500.000 66,377.200 51 

1884 36,434.000 34,700.000 71,134.000 50 

1885 38.232.533 38,800.000 77.032.533 49 

1886 40,595.300 40.300.000 80,895.200 50 

1887 36,548.367 42,000.000 78,548.267 46 

1888 40,276.000 43,600.000 83,876.000 48 

1889 39.486400 45,000,000 84,486.400 46 

1890 35.752.133 46,000.000 81,752.133 44 

1891 36,758.500 47,800.000 84,558.500 43 

1892 41,056.400 46,700.000 87,756.400 47 

1893 45.638.333 45.800.000 91,438.333 50 

1894 53.759 600 46,200.000 99,959.600 54 

1895 41,482.667 56,568.396 98,051.063 43 

1896 30,146.000 63,064^54 91,310.354 33 



Export von Thte nach Grossbritannien 
1871— i8g6. 



1871 
1873 

«873 
1874 
.875 
1876 

1877 
1878 
.879 
1880 
188t 
1883 
1883 
1884 
188s 
1886 
1887 
1888 
1889 
1890 
1891 
189a 
1893 
•894 
1895 
1896 



China 

138,915-733 
140,968.000 

131,197-467 
149 908.667 
140,786.667 
137,628.800 
143924.933 
141,220.133 
131.580.400 

«48.379.733 

139,110.000 

135,366.267 

134,599.867 

138,162.133 

134,855.600 

126,604.933 

105,832.933 

91.763.133 

80,498.433 

57,861.000 

54,837,900 

48.I94.J67 

48,162.400 

40,974.000 

33,401.867 

29,354.533 



Indien 



CeyloB 



Toi»! tU«. TU» 

— 154.267.333 90 

— 157,910.000 

— 149,631.467 

— 167,286.567 
300 166,286.867 

1.700 166,630.500 
3.5OO 180,428.433 
81.500 176,801.033 
104000 170,934400 
278.000 193,907.733 
633.000 188,983.000 
1,523.000 191,889.267 
3,363.000 197,362.867 
3,797.000 193,709. «33 
5,361.000 207,466.600 
8,667.000 213,771.933 
86,750.000 15,614.000 208,196-933 
94,500.000 37.899.000 314,161.133 
100,685.000 34,290.000 215,473-433 
100,984.000 50,191.000 209,036,000 
111,017.000 63,768.000 329.622.900 
107,509.000 ^,139.000 320,842.167 
114,508.000 72,134.000 234,794.400 
115,261.000 76.J87.000 232,522.000 
117,900.000 81,870.000 233,171.867 
125,405.184 89,992.970 344,65 2.687 



15,351.600 
16,942.000 
18,424.000 
«7.377-900 
25,500.000 
3q,ooo.ooo 
36,500.000 
35,500.000 
39,250.000 
45,250.000 
49,250.000 
55.000.000 
60,500.000 
61.750.000 
67,250.000 
78,500.000 



89 

88 

89 
84 
82 
80 
80 
77 
76 
73 
70 
68 
66 
64 
59 
5» 
43 
37 
27 
»4 
aa 
30 
«7 
14 
la 



72 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Durchschnittspreise von grünem Thee während der letzten 
sechs Jahre. 

Sorten 1891 1892 1893 1894 1895 1896 sohnUt 

Haikuan Taela 
Common .... 15 16 16 17 14'/, 15'/, l4'/a 

Medium 19 20 21 23 19 21 20 

Fine 22 23'/j 24 30 24 26 25*/a 

Finest 24 26 27 33»/» 29 30 30'/, 

Choice . . . . ■ 27 28 29V, 37 32'/, 34'/» 33 
Durchschnitt 20-40 22'2o 2350 30'25 2225 2490 2375 

Durchschnittspreise von schwarzem Thee während der 
letzten sechs Jahre. 

1891 l''92 1893 1894 1895 1896 Dnrchschnitt 

Sorten 4/7 4/1 4/0 3/0 3/2 3/2 für 6 Jahre 

Haikuan Taels 

Common ... 15 9 8 10 10 8 10 

Medium ... 30 20 18 24 25 20 23 

Fine .... 45 30 28 37 40 30 35 

Finest .... 60 40 40 55 60 40 49 

Choice . ._j_^ 75 5 5 5o 7" 75 55 63'/, 

Durchschnitt . 27 18 17 23 27 24 2267 



CHRONIK. 

Asien. 

Arabien. In Rücksicht auf die seit den jüngsten Un- 
ruhen in der arabischen Bevölkerung von Jemen be- 
stehende Gährung wird die türkische Garnison in 
Jemen durch Truppen aus Hodeida und Taif ver- 
stärkt. 

Indien. Die Unterwerfung der aufrührerischen Stämme 
ist noch nicht vollendet. Zwischen englischen Truppen 
und herumschwärmenden Weziris findet ein Zusammen- 
stoss mit Verlusten der Letzteren statt. Deputationen 
von Afridis (Zakkakhels) gehen nach Kabul ab, um 
sich mit dem Emir von Afghanistan zu besprechen, 
werden aber, wohl auf Befehl des Emirs, vom Gouver- 
neur von Jelalabad aufgehalten und zur Umkehr ge- 
zwungen. — Nach verschiedenen feindseligen Angriffen 
auf die Aerzte und Ambulanzen bricht in Bhowanipur 
bei Calcutta ein ernster Aufruhr aus. Ein Arzt wird, 
während er einen Piatz für eine Isolirbaracke für Pest- 
kranke wählt, vom Pöbel verfolgt und feuert in den 
Volkshaufen, wobei eine Person getödtet und zwei 
verwundet werden. Der Pöbel rottet sich vor dem 
Gesundheitsamte zusammen und verlangt die Ausliefe- 
rung des Arztes, wird aber auseinandergetrieben. 
Während der Unruhen, an denen 3000 Personen be- 
theiligt sind, werden viele Personen misshandelt. 

Birma. Die Regierung von Birma .verweigert es, 
den aus Indien anlangenden Personen eine zehntägige 
Quarantaine aufzuerlegen. 

China. Weihaiwei wird von den Japanern geräumt, 
von den Chinesen formell übernommen und hierauf 
von den Engländern in Besitz genommen. — Prinz 
Kung, der Oheim des Kaisers von China, stirbt in 
Peking. — In Wentschau brechen Unruhen wegen der 
Ausfuhr von Reis aus ; alle ärarischen Gebäude werden 
zerstört, die Fremden werden nicht belästigt. — Im 
Gebiete des Yangtsekiangtbales herrscht Erregung, 
die von den chinesischen Beamten genährt wird ; diese 
sträuben sich gegen die Verwaltung der Likin-Ein- 
nahmen durch den General-Zollinspector Sir Rob. Hart. 
— An einzelnen Orten Mittelchinas finden christen- 
feindliche Unruhen statt. In Tschungking wird viel 
der Mission gehörendes Eigenthum zerstört und ein 
chinesischer Gehilfe des amerikanischen Missionshospi- 
tales getödtet; die fremden Consuln in Tschungking 
verlangen strenge Bestrafung der schuldigen Personen. 
In Hengschan in der Provinz Hunan wird ein der 
Britischen Bibelgesellschaft gehöriges Haus geplündert 
und eingeäschert; der Gouverneur uer Provinz Hunan 
wird vom Vicekönig Tschangtschitung angewiesen, 
überall Kundmachungen zum Schutze der Missionäre 



anschlagen zu lassen. — In Scbascbi, bei Kingtschau, 
kommt es zu ernsten Ruhestörungen, wobei das Zoll- 
gebäude und eine Anzihl den Ausländern gehörender 
Gebäude niedergebrannt werden und auch das japani- 
sche Consulat zerstört wird; von den Fremden ist 
Niemand verletzt, die Ruhe wird wiederhergestellt. — 
Die amerikanische Mission von Sokau bei Hutschufu 
wird von aufständischen Chinesen angegriffen. Der 
Consul der Vereinigten Staaten ersucht den Vicekönig, 
Truppen auszusenden, um den Aufstand zu unter- 
drücken und die Missionäre zu retten. — Frankreich 
verlangt als Entschädigung für die Ermordung des 
französischen Missionärs in der Provinz Kwangsi 
4000 If, ferner die Errichtung einer Gedächtniss- 
kirche in Pakhoi durch die chinesische Regierung und 
das Recht, die geplante Bahnlinie Lungtschau — Nanning 
mit einem Seehafen an der Küste von Kwangtung bei 
Pakhoi zu verbinden. 

Korea. Die Regierungen von Japan und Russland 
treffen ein Abkommen, durch welches die Selbständig- 
keit und gänzliche Unabhängigkeit Koreas endgiltig 
anerkannt wird. — Die koreanische Regierungbeschliesst, 
drei weitere Häfen zu eröffnen und Pingyang zum 
offenen Handelsplatze zu erklären. 

Sumatra. Tuku Umar beunruhigt von Pedir aus 
durch seine Banden Gross-Atjeh, und der Sultans - 
prätendent von Atjeh, der sich ebenfalls in Pedir auf- 
hält, verkündigt den heiligen Krieg. Die Expedition 
der Niederländer gegen das Reich Pedir wird be- 
schleunigt, und der Angriff auf Pedir wird von der 
Land- und von der Seeseite zugleich erfolgen. 

Borneo. Der Rebelle Mat-Salleh widerruft seine 
Unterwerfung und verbündet sich mit einem Inland- 
stamroe von 5000 waffenfähigen Männern. Zur Unter- 
drückung des neuerlichen Aufstandes sollen Truppen 
aus den malaiischen Staaten verwendet werden. 

Philippinen. In Folge der kriegerischen Verwick- 
lungen zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten 
und des Sieges der Amerikaner über die spanische 
Flotte bei Manila tritt auch die Insurrection auf den 
Philippinen in ein neues Stadium. Auf den ganzen 
Philippinen herrscht Anarchie, und die Aufständischen 
entziehen sich jeder Aufsicht. Die Amerikaner wie die 
Spanier suchen die Rebellen für sich zu gewinnen, 
deren Anführer Aguinaldo auf einem amerikanischen 
Schiffe von Hongkong nach den Philippinen zurück- 
kehrt. Die Spanier nehmen die Stadt Panay, wo sich 
über 4000 Mann Aufständische angesammelt haben, 
nach heftigem Kampfe ein, zerstören es und bringen 
den Rebellen grosse Verluste bei. 

Afrika. 

Marokko. Die Gefangenen des Dampfers „Tourmaline" 
werden gegen Bürgschaft freigelassen ; Mr. Grey bleibt 
wegen Verzögerung der Bürgschaftsleistung in Haft. 

Ahessynien. Der Negus Menelik soll Vorbereitungen 
treffen, um gegen die Derwische vor.'.ugehen. — Ras 
Makonnen übernimmt auf Befehl Menelik's die Führung 
der Colonne Bonchamps', gelangt an den Nil und hisst 
die abessynische Flagge. 

Französische Somaliküste. Eine französische Karawane 
unter Baron wird auf dem Wege nach Adis Abeba 
bei Tscheldessa, gegenüber Harrar, im Grenzgebiete 
der Somali und der Dankali, die mit einander im 
Kriege sind, angegriffen. Die Führer der Expedition 
kommen mit dem grössten Theile derselben glücklich 
davon, eine grössere Anzahl von Somalis und Dankalis 
fällt im Kampfe. 

Egyptischer Sudan. Die Derwische unter Osman 
Digma stossen auf den Engländern freundlich ge- 
sinnte Stämme bei Getaref; Osman Digma wird ver- 
wundet, entkommt aber. Ein ägyptisches Detachement 
von Kassala stösst am Atbara mit fliehenden Derwi- 
schen zusammen und schlägt diese zurück. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



73 



Französischtr Sudan. Eine Partie der Expedition 
Marchand, unter Führung des Capitän Germain, ge- 
langt vom Mbomu aus in das Thal des bisher uner- 
forschten Boicu und an die Mündung des Mere, der 
sich mit dem Boku vereinigt. — Die nach dem 
Tschadsee entsandte Forschungsexpedition unter Gentie 
hat den Tchari bis zum Tschadsee erforscht, mit dem 
Sultan von Bagirmi ein Freundschafts- und Handels- 
bündniss abgeschlossen und kehrt nach der französi- 
schen Mission zurück. — Gegen Uabemba, den König 
von Sikasso, wird von Bammako aus ein Strafzug 
unternommen, um ihn wegen Beleidung des französi- 
schen Hauptmannes Marisson zu züchtigen. Die 1500 
Mann starke Expedition nimmt Sikasso ein, Babemba 
und viele seiner Soldaten werden getödtet. Nun wird 
wieder gegen Samory, Babemba's Freund, vorgegangen 
werden. 

Britisch- Westafrika. Der Aufstand, der in Sierra 
Leone durch die Einführung der Hüttensteuer ver- 
anlasst wurde, ist zu einer allgemeinen Erhebung gegen 
die Weissen geworden. Bendu liegt in Ruinen, die 
Factoreien im Districtc von Kietam und Moh Palma 
sind verbrannt, Rotifunk ist zerstört und mehrere der 
dortigen amerikanischen Missionäre von den Auf- 
ständischen getödtet. Nachdem die Rebellen im Ka- 
rone-District mit Erfolg bekämpft worden, marschiren 
die Engländer gegen Kwellu und Bandadschuma. Die 
aufständischen Schwarzen concentriren sich in Mar- 
kover, zwischen Rotifunk und Kwellu. 

Nigerttrritorien. In unserer Mai-Nummer hatten wir 
in dieser Rubrik (Seite 59) eine englischen Blättern 
entnommene Notiz mitgetheilt, wonach ein französischer 
Officier bei Ilo von dem Gatten einer „von ihm ver- 
gewaltigten Frau" niedergestochen worden wäre. Wir 
erfahren aus competenter Quelle, dass diese Darstel- 
lung, welche geeignet ist, die Ehre eines tapferen 
französischen Officiers zu beflecken, gänzlich unrichtig 
ist, und geben der nachfolgenden Darstellung um so 
lieber Raum, als sie auf unzweifelhaften Berichten 
basirt : 

Am 30. Jänner d. J. befand sich M. de Bernis in 
Ilo, wo der Capitän Baud die Functionen eines Re- 
sidenten versah. Am Morgen kam eine zahlreiche 
Menschenmenge — an der Spitre der Dorfvorsteher, 
der Imam und die meisten der angesehenen Bewohner 
— um dem französischen Posten zu melden, dass der 
Bruder des Imams soeben in seiner Hütte von dem 
zweiten Häuptling von Lolo, einem kleinen Dorfe von 
Bendi, einige Stunden von Ilo, ermordet worden sei. 
Rache war das Motiv des Verbrechens, denn der 
Mörder hatte den Bruder des Imams züchtigen wollen, 
der ihm eine seiner Frauen geraubt hatte, und da er 
ihn bei ihr überraschte, hatte er denselben durch einen 
Lanzenstoss getödtet. Sofort wurden 20 Tirailleurs 
nach Lolo gesandt, um sich des Mörders zu bemäch- 
tigen, den sie am folgenden Morgen einbrachten. Er 
wurde — die Hände auf den Rücken gebunden — vor 
Gericht gestellt| da sich aber die Menge um den 
Mörder drängte, um ihn zu insultiren, liess ihn der 
Capitän Baud unter der Veranda seiner Hütte postiren, 
mit einer Schildwache, die ihn bewachen sollte. In 
diesem Augenblicke gelang es dem Mörder, seine 
Fesseln zu sprengen, er stürzte sich auf die in der 
Nähe befindlichen Tuareg-Lanzen, und ehe man ihn 
zurückhalten konnte, hatte er eine dieser Lanzen mit 
voller Wucht auf M. de Bernis geschleudert, der 
zwischen den beiden Schultern getroffen wurde. Der 
unglückliche Offlcier sank todt nieder, und als der 
Capitän Baud herbeieilte, hatten die in begreiflicher 
Aufregung befindlichen Tirailleurs bereits den Mörder 
massacrirt und ihren jungen Führer gerächt, der sieb 
ihrer vollsten Anhänglichkeit erfreute. 

Die Eingeborenen vertreiben den französischen Posten 
aus Kischi, im Hinterlande von Lagos; die Engländer 



marschiren in Kischi ein und bissen die britiicbe 
Flagge. 

Nigerküsten-Protectorat. Ein Strafzug der wettafrikaoi- 
sehen Grenzmacht und der Niger Constabulary im 
Hinterland von Onisba ist von Erfolg begleitet; der 
District ist nun der Niger Company unterworfen. 

Britisch- Ostafrika. König Mwanga zieht, von •einen 
muslimischen Verbündeten verlassen , nordwärts. In 
Kismayn sind unter den Somalia kleine Unruhen aus- 
gebrochen. 

Kamerun. Der Aufstand der Bane und der Buli im 
Süden Kameruns endet mit deren völliger Unterwerfung. 

Südafrikanische Republik. König Dunu von Swasiland 
weigert sich, in Bremersdorf zu erscheinen, um der 
Transvaalregierung Aufscbluss über die Ermordung 
eines Häuptlings, Tobapa, zu geben; demzufolge ziehen 
300 Milizen in Swasiland ein. 

Australien. 

Neuseeland. Ein Tbeil der Maori (Donstora) wider- 
setzt sich der Steuerinspicirung durch die Polizei; die 
Unruhen sind auf ein kleines Gebiet beschränkt. 



MISCELLEN. 

Die Eisenbahnen in Palästina, in einem Schreiben 

aus Jerusalem an den „Berl. Act." macht Georg 
Schweitzer folgende interessante Mittheilungen über 
die Eisenbahnen Palästinas: 

Wer in früheren Jahren im heiligen Lande gereist 
ist und die alte Pilgerstrasse entweder im Wagen oder 
auf einem Reitthier zurückgelegt bat, auf den macht 
das Getriebe der Eisenbahn, die jetzt den Hafen mit 
der „Wohnung des Friedens" verbindet, einen eigen- 
tbümlichen Eindruck. Das Fauchen der Locomotive 
und das Kreischen der Räder auf den Schienen will 
so gar nicht zu der Romantik und Poesie stimmen, 
die sich dem Reisenden fiüher zwischen den Oelbaum- 
und Orangenpflanzungen und beim Anblick der bläu- 
lichen Berge des alten Juda, namentlich wenn die 
Abendsonne sie mit goldenem Schein überzog, boten. 
Dafür ist jetzt das Reisen allerdings etwas be- 
quemer und vor Allem weniger zeitraubend als früher 
geworden. In drei und einer halben Stunde erreicht 
man heute von Jaffa aus Jerusalem. Eine französische 
Gesellschaft hat den eingeleisigen Schienenstrang 
zwischen beiden Städten gebaut und mit rollendem 
Material ausgestattet, das aus der Masse der berüch- 
tigten Panamagesellschaft erworben ist. Das dürfte 
schon zur Genüge seine Güte kennzeichnen. Die Wagen 
sind tbatsäcblich recht massig, und von den Loco- 
motiven muss schon jetzt ein Theil als unbrauchbar 
ausrangirt werden. Dass das Reisen unter solchen Um- 
ständen nicht gerade das denkbar angenehmste sein 
kann, liegt auf der Hand. Es mag sein, dass ich es 
ganz besonders schlecht getroffen hatte ; die Wagen 
waren wahrscheinlich, weil die beilige Woche mit ihren 
vielen hohen Festen eine besondere Anziehungskraft 
auf den Fremdenzuzug geübt hatte, bis zum letzten 
Platz besetzt. Natürlich war die Gesellschaft, die sieb 
da zusammenfand, durchaus international, freilieb, das 
englische Element überwog auch hier; neben einer 
ganzen Reihe von Briten machten sich namentlich auch 
mehrere Amerikaner recht breit. Sie waren alle mit 
Reisegepäck überladen und hatten dieses offenbar dem 
heimischen Zugpersonal nicht allein anvertrauen wollen 
und daher mit in den Wagen gebracht, so dass dieser 
kaum noch die Möglichkeit der Passage gewährte. 
Uebrigens wussten die Engländer aus der Situation 
das Beste zu machen ; die Locomotive musste der mit- 
I gebrachten Theemascbine das nötbige Wasser liefern: 
I für den Five o'clock tea fehlte in der Tbat nichts. 



74 



OSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Nachdem zunächst die Ebene an der Küste durch- 
quert war, stieg die Bahn hinter Ramie ziemlich stark 
ins judäische Gebirge hinauf. Die Curvcn, die das 
Geleise macht, sind unendlich stark, man hört fort- 
gesetzt ein lautes Kreischen der Räder auf den Schienen, 
das eine sehr beachtenswerthe Abnützung des Mate- 
rials anzeigen dürfte. Uebrigens folgt der Schienenweg 
keineswegs der alten Strasse. Der Verkehr zwischen 
den einzelnen Stationen, deren die Bahn im Ganzen 
sieben zählt, scheint verhältnissmässig lebhaft zu sein ; 
man sieht die Eingeborenen sich der Vortheile der 
schnelleren Beförderung rasch theilhaftig machen. Aller- 
dings verkehrt täglich in der Regel, d. h. fahrplan- 
mässig, in jeder Richtung nur ein Zug. Aber an hohen 
Festtagen oder zur Zeit der Märkte werden auch 
Extrazüge nöthig, um den gesteigerten Anforderungen 
derer, die auf Beförderung warten, gerecht zu werden. 
Die Züge setzen sich übrigens auch in Palästina aus 
Wagen zweier Classen zusammen, von denen die Ein- 
geborenen meistens die zweite benützen. Für hohe 
Gäste, Prinzen oder F'ürstlichkeiten, steht ausserdem 
noch ein eleganter Salonwagen zur Verfügung. 

Nach ziemlich unruhiger und unbequemer Fahrt waren 
wir endlich am Ziel. Jerusalem war erreicht. Aber wir 
wurden schnell gewahr, dass die Endstation von der 
Stadt noch ziemlich weit entfernt ist. Damit ist ein 
um so grösserer Fehler begangen worden, als gerade 
der Weg zur Stadt recht schwierig ist. Die Entschuldi- 
gung, es seien keine Baugelder mehr vorhanden ge- 
wesen, ist für den Reisenden schliesslich doch ein recht 
schwacher Trost. 

Die Bahn ist überhaupt viel zu theuer gebaut worden, 
oder richtiger ausgedrückt : es haben zu viele Leute 
daran verdienen wollen. Dabei ist der Bau vielfach 
recht schlecht ausgeführt, an mehreren Stellen ist zu 
verschiedenenmalen schon eine Erneuerung des Unter- 
baues nöthig gewesen. Dass unter solchen Umständen 
bisher keine Dividende hat gezahlt werden können, 
liegt auf der Hand; doch hofft der Director der Ge- 
sellschaft, ein Franzose, der der Verwaltung mit seinem 
Stabe französischer Beamten die grösste Aufmerksam- 
keit schenkt, dieses Jahr ein besseres Resultat erzielen 
zu können. Der Verkehr ist schon bisher recht rege ge- 
wesen, und die Verwaltung hofft auf eine weitere Steige- 
rung in den Herbstmonaten. Man wird das Ergebniss 
abzuwarten haben. 

Ob aber ein Weiterbau der Eisenbahn nach Beth- 
lehem, von dem man schon spricht, sich rentiren würde, 
scheint mir doch sehr zweifelhaft. Dagegen verspricht 
. man sich hier viel von einer Eisenbahn, die Jerusalem 
mit Port Said verbinden soll. Port Said ist heute ein 
gewaltiger Knotenpunkt des internationalen Verkehres. 
Sollte es gelingen, von hier aus eine bequeme Ver- 
bindung mit dem gelobten Lande herzustellen, so 
dürfte sich der Strom des Fremdenverkehres wohl in 
noch höherem Maasse als bisher nach den heiligen 
Stätten lenken, die der Ausgangspunkt unserer heutigen 
Cultur sind und deshalb auf alle Welt eine so grosse 
Anziehungskraft üben ; wie weit aber ein regelmässiger 
Localverkehr, ohne den sich eine Bahn schwerlich 
rentiren kann, auf der Strecke Port Said — Jerusalem 
zu etabliren wäre, entzieht sich meiner Beurtheilung. 
Fehlschlüsse sind hier nur zu leicht. Es braucht nur 
an die englische Gesellschaft erinnert zu werden, die 
das Privileg einer Bahn nach dem Hauran besitzt, 
jener wunderbaren Berglandschaft südlich von Damascus, 
in der die Araber theils in weiten Höhlenwohnungen 
hausen, theils sich schöner Steinhäuser, die aus glatt 
gehauenen Steinbalken ohne jedes Holz gefügt sind, 
erfreuen. lo m hat sie vom Hafenort Haifa ausbauen 
können, dann sind ihre Mittel zu Ende gewesen; jetzt 
benützen die Eingeborenen die Schwellen zum Häuser- 
bau. Ende August dieses Jahres lauft die Concession ab, 
ob sie erneuert wird, scheint zweifelhaft; nicht einmal das 



sonst übliche Bakschisch wird hier vielleicht alle 
Schwierigkeiten überwinden. Die türkische Regierung 
scheint wenig Neigung zu verspüren, ihren beiden 
Häfen Beirut und Jaffa in Haifa eine Concurrenz ent- 
stehen zu lassen, die im Stande wäre, in kurzer Zeit 
den gesammten Handel von Syrien und Palästina an 
sich zj ziehen und die kostspieligen Anlagen in den 
älteren Häfen brach zu legen. Bisher sind daher alle 
Pläne, Haifa einen besseren Hafen, für den alle natür- 
lichen Vorbedingungen da sind, zu geben, gescheitert. 
Dass es bald anders werden sollte, wird man kaum 
erwarten dürfen. 

Zur Frage der Yünnanbahn. Auf einer Reise um 

die Erde zu Rad trafen drei englische Radfahrer vor 
einiger Zeit in Japan ein, wo einer von ihnen, Namens 
Fräser, nach der „Japan Mail" in der „Asiatischen 
Gesellschaft" in Tokio einen längeren Vortrag über 
den bei weitem schwierigsten Theil des Unternehmens, 
über die Durchquerung des südwestlichen China von 
Oberbirma aus, hielt. Nach seiner Kenntniss dieses 
Landes sprach Herr Fräser die Ansicht aus, dass in 
absehbarer Zeit nicht daran zu denken sei, eine Eisen- 
bahn von Birma durch die Provinz Yünnan bis zum 
Yangtsekiang zu bauen. Hätte Deutschland noch keine 
Schienenwege, aber ein Dutzend von Westen nach 
Osten gehende Bergzüge, jeder 3000 — 8000 Fuss hoch, 
und wollte man dann eine Eisenbahn von Oberitalien 
nach Dänemark bauen, so wäre das eine ähnliche Auf- 
gabe wie die, von Birma aus den Yangtsekiang zu er- 
reichen. Die grosse Provinz Szetschuan am Oberlaufe 
von Chinas Riesenstrom, die man allgemein für be- 
sonders reich hält, wird deshalb kaum bald von Süd- 
westen her erreicht werden. Der natürlichste Zugang 
zu ihr ist vielmehr von Osten her auf dem Wasser- 
wege. Seit Jahren gingen daher unternehmende Eng- 
länder in Shanghai mit dem Plane um, die jetzt bis 
Itschang gehende Dampfschiffahrt auf dem Yangtsekiang 
bis zu dem Vertragshafen Tschunking im Szetschuan 
auszudehnen. Aber dem stellten sich lange allerlei 
Schwierigkeiten entgegen. Die letzte Post aus China 
bringt nun die Nachricht, dass der erste Dampfer von 
Itschang nach Tschungking endlich unterwfegs sei. 
Bisher ist die deutsche Schiffahrt, obwohl sie an 
der chinesischen Küste kräftig entwickelt ist, nur 
auf dem Unterlaufe des grossen Stromes vertreten. 
Seedampfer unter deutscher Flagge bringen regel- 
mässig Reis und Weizen aus den Provinzen am unteren 
Yangtsekiang, der Kornkammer Chinas, nach Kanton. 
Aber eigentliche Flussdampfer unter deutscher Flagge, 
die weiter stromaufwärts fahren können, gibt es dort 
noch nicht. 

Chinesische Petroleumquellen. Das an Mineral- 
schätzen aller Art reiche China hat auch an Petroleum 
keinen Mangel. Freilich sind diese Lager von Erdöl 
und ihr Product im Auslande kaum bekannt, weil 
die Chinesen keine ernste Ausbeutung vornehmen. 
Die Oclquellen befinden sich in der nächsten 
Umgebung der Salzquellen von Tsi-Li-Tsching. Das 
Petroleum tritt mit Wasser vermischt aus dem Boden 
aus und verräth sich schon durch den Geruch. Ein 
Raffiniren des Erdöls kennen die Chinesen nicht, sie 
begnügen sich damit, das Gemisch in Behältern auf- 
zufangen, zu warten, bis sich der beigemengte Sand 
u. s. w. zu Boden setzt, und dann das oben schwim- 
mende Oel abzuschöpfen, dieses wird dann in Röhren 
gefüllt und zur Beleuchtung benützt. Die Quellen ent- 
halten nur etwa ein Fünftel Petroleum, während das 
Uebrige aus Salzsole und Wasser besteht. Mit 
unseren Bohrwerkzeugen würden wahrscheinlich ausser- 
ordentlich reiche Petroleumlager gefunden werden, 
zumal die Ausdehnung des Vorkommens noch gar 
nicht bekannt ist und die Chinesen viele aufgefundene 
Quellen aus Mangel an Mitteln unbenutzt lassen. 



Yenntwortlicber Redacteur: JULIUS BÖHM. 






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(Dienstag und Freitag); Pakräcz-Lipik; Kssegg, Sarajevo; Agram ; 

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7.20 Früh (.Scbnellzug): Leoben, Vordemberg, Venedig (via Pontafel), 

Kanlzaa, Kssegg, Sarajevo, Pakräcz-LIptk, Agram; Budapest (via 

Pragerbof); Neuberg, Afleoz. 
8.10 FrSh (Schnellzug): Trieat, Fiiime, Pola, SIsaek (via StetnbrUck), 

Qonobltz, KlHgenfurt, Villaob, Bozen, Heran, Arco, Innsbruck (via 

Marl>urg), Wolfsberg, Luttenberg (Oletclienberg), Köflacb. 
1.16 Nachmittag« (Postzng) : Trlest, 08rx, Venedig; Finme; l'ola, Rovlgno, 

Stssek, Brod, Hanjatuka; Leoben, Vordernberg; Neuberg, Afleni. 
1.40 Nachmittags (Peraouenxug): Bares, Agram, Kantzsa, QQns. 

2.65 Naohmittaga (Personenzug): Wiener- Neustadt, Aapaag, Kanliaa, 

Budapest. 
4.30 Nachmittags (Personenzug): Oraz, Ijeoben. 
5.35 Nacbmittags (Personenzug): Wiener-Neusladt, Stelnamanger, 
7.40 Abends (Personenzug): Kanizsa, Budapest, Pakräcz-Llpik; Basegg, 

Bosnisch* Brod; Agram, Sisaek, Sarajevo. 
8.20 Abends (Schnellzug): Trlest, GBrz, Venedig, Rom; Malland, Oenaa; 

Pola, Rovlgno; Fiume-, Sissek. Baqjalnka, Budapest (via Pragerhof). 
9.— Abends (Postzug): Trlest, G8n, Venedig, Rom, Mailand; Pola, 

Rovlgno, Agram; Gonobilz, Budapest (via Pragerbof); Klagenfurt, 

Wolfsberg, Meran, Arco, Innsbruck (via Marburg); Luttanberg, 

KSflaob, Wies; Stainz, Leoben, Vordernberg. 
9.45 Abends (Sehnallsug): Marburg, Klagenfurt, Fransensfeste, Heran, 

Arco, Innsbruck (via Marburg). 



Ankunft in Wien: 



6 .40 Frflh (Posizug): Trlest, Rom, Mailand, Venedig, GSra; Pola 
Agram, Budapest (via Pragerbof); Arco, Incsbrnck, Klageaftert 
Wolfsberg[vla Marbnrg) ; Luiiei.brrg, KMack,Wle* ; Staiai, LcobfB 

8. SS Frflh (Personenzug): Kanizsa, Bosnisch- Brod, Eaaeff; Pakrica- 
LIpik, Agram, Budapest (via Oedenbnrg). 

9.— Vormitugs (Schnellzug): Marburg, Arco, Meran, lansbraek, Klagea- 

fürt (via Marburg), Lcoben. 
9.40 Vormittags (Personenzug): Stelnamaager, Gflas. 
10.— Vormittags (Scbnellsng) : Trieet, Rom, Mailand, Tea«dl(, Q9n; 

Pola, Rovlgno; Flume, Slaaek, Agram, Budapest (ria Pragerbof). 
1.15 Nachmittags (Personenaug); Graz, Leobeo, Vordernberg; Afleaa. 
1.36 Nacbmittags (Personenaug): Kanlasa, G&na (Dienstac nad Praltac), 

Wiener-Neustadt. 
4.— NachmItUgs (PosUug): Trlest, GSrz, Venedig, Pola; RoTlgao; 

Finme, Sissek, Agram; Radkersbnrg, K()Sach,Wie*;StaiBt,Var4«n>- 

berg, Leoben, Neuberg. 
6.35 Nachmittags (Personenzug): Bares, Kanlasa, Budapest, QSaa, 

Agram, Oedenbnrg, Wiener-Neastadl. 
9 — Abends ( Personen« ug)t Sarajevo, Easegg; Agram, Badapeet, 

Kanizsa; PakrAra-Llptk (via Oedenbnrg); Qal«nal«lB. 
9.85 Abends (Schnellzug): Trtesi. GSra, Pola, RoTlgao; Fiaase; Bn4, 

Sissek (via Steinbrack): Budapest (via Pragerbof); OeMobUa, 

Vlllach, Klagenfnrt, Wolfskerg; Lattanberg, KSflaeh. 
9.46 Abends (Scbnellsng): Venedig (via Pontafel). Bozen, Mona, Ate«, 

Innsbruck; Leoben, Vordernberg; Neuberg, Aflena. 



Boblaf wagen verkehren mit den Schnellzflgen (Wien ab 8.10 Abends, Wien an 10.— Vormittags) zwischen Wlaa-Trlaat, Wlaa-SOrm-TaBadlf 

via Connons und (Wien ab 9.46 Abends, Wien an 9.— Vonnltlags) awischen Wl*a-Harbnrv-H«raB. 
Direot« Wagen I., IX. Olaaae verkehren mit den obigen Sctanellzagea awlarhen Wlaa-Flam* (Abbaila) und Wtaa-Ala via Fraaaaaa- 
leate, leruor mit den Schnellzügen (Wien ab 7.10 Früh und Wien an 9.96 Abend*^ zwischen Wlaa - VamadtK-Hallaad vta Leebea, 4asa 

(Wien ab 8.10 t'rdh, Wien an 9.35 Abends) anlachen Wlea-FinB»« (Abbasla). Wian-FeU und Wlaa-OSis. 
Fabr-Ordnnngen In Placat- und Taschen-Formal bei allen Bllletten-Cassen ; Tasrhen-Fahrplan lier I/oralzOge In allen Taka k-Traflkaa WlrBa. 
Fahrkarten - Anagabe (in beachrtnktem Masse) und Anakflafte Ixi der Wiener Agentur der Internat! eaalen Schlafoafaa-Oaaallackaft, 
I. Kärntnerring 15, Im Falirkarten-Stadtbureau der kgl. Ungar. Suataeisenbabnen In Wien, I. Käratnerring 9, dasa la dea Sataebareaex: 
Tb. Cook & Son, I. KKrntuerstrasse 89A. O. Sebroeekl's Witwe, I. Kolowrsiring 12, Sebenker k Co., I. SebolMBri ag 3 (Btlol da Praaea), .Ceariae*, 
InlernationaJsa Belse- and Fahrkarlenbiirran Nagel 4 WortaMaa, I. Operakaaae C 



IV 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



I «iiltig vom 1. janner 1497 
bia auf Weiteres. 



JTflfirplan öcö „»j^eiterref c0f fdjen IClopö' 



Uiltl; vom 1. Jänner 1^97 
bla maf Weiteres. 



rJIßX^ST Ilvl -A-IDI^I-A^TISOüEISr 3^d:EER.E. 



Beschleunigte Eillinie Triest— Cattaro. 

Ab Triest jeden Donnerstag 8'/s UUr Früh, 
la Cattaro Freitag 12 Ubr Mittags, berühr.: 
Pola, Zara, Spalato, Uravoaa. 

Retour ab Cattaro 6 Uhr Abends, in Trient 
Samstag 10 Ubr Nachts. 

Linie Triest-Metkovich A. 

Ab Triest jedeu Mittwoch 7 Uhr Früh, In 
HetkoTich Freitag 4 Uhr Nachm., berühr, t 
RoTigno, Pola, Lussinpiccolo, Zara,ZaraTecchia, 
Sebenico, Trau, Spalato, 8. Pietro, Almissa, 
Gelsa, S. Martino, Macarsca, S. Giorgio di Les., 
Trapano, Fort Opus. 

Retour ab Metkovioh jeden Sonntag 8 ühr 
Früh, iu Triest DiensUg IVi Uhr Nachm. 

Anschluss anf der Hinfahrt in Spalato an die 
Hinfahrt der beschleunigten Eillinie Triest — 
Cattaro. 

Linie Triest— Meticovich B. 

Ab Triest jeden Samstag 7 Uhr Früh, in 
Metkovicb Montag 4*/« Uhr Nachm., berühr. : 
Rovigno, Pola, Lussinpiccolo, Zara, Zlarin, 
Sebenico, Trau, Spalato, S. Ptetro, Postire, 
Almisaa, Pacischie, Macarsca, Gradaz, Fort Opus. 



Retour ab Metkovlell jeden Mittwoch 8 Uhr 
Früh, in Triest Freitag 6 Uhr Abends. 

Anschluss auf d>4r Rückfahrt in Spalato an 
die Hinfahrt der Linie Triest — Gattaro A und in 
Zara an die Rückfahrt der Linie Triest — Pola — 
Zara. 

Linie Triest— Venedig. 

Von Triest jeden Montag, Mittwoch und 
Freitag am Mitternacht, Ankunft in Venedig den 
darauffolgenden Tag 6*,, Uhr Früh. 

Retour ab Venedig jeden DienetaR, Mittwoch 
nnd Freitag um Mitternacht, Ankunft In Triest 
den darauffolgenden Tag 6*,» Ühr Früh. 

Linie Pola— Zara. 

Ab Pola jeden Mittwoch 3 Uhr Nachmittags, 
in ^ara Donnerstag 5 Uhr Nachm., berühr. : 
Cherso, Rabaz, Abbazla, Maliusca, Veglia, Arbe, 
LassiDgrande, Valcaasione, Porto Manzo. 

Retour ab Zara Freitag 7 Uhr Früh, in Pola 
Samstag 7'/, Uhr Frtth. 

AnscbluBS in Zara an die Eillinie Triest — 
Cattaro auf der Hinfahrt und an die Linie Triest — 
Metkovich B auf der Rückfahrt. 



Linie Triest— Cattaro A. 

Ab Trieit Jeden Dienstag 7 Ubr Früh, In 
Cattaro Donnerstag 6'/, Ubr Abends, berühr.: 
Rovigno, Pola, LuBHinpiccolo, Selve, Zara, 
Sebenico, Spalato, Milna, Lesina, Curzola, Gra- 
Tusa, Casteluuovo, Teodo, Risano. 

Retour ab Cattaro jeden Montag 10 UhrVorm., 
In Triest Mittwoch 6 Uhr Abends. 

Linie Triest— Cattaro ß. 

Ab Triest Jeden Freitag 7 Uhr Früh, In 
Spizza darauffolgenden Mittwoch 11 Uhr Vorm., 
berühr.: Rovigno, Pola, L-ussinpiccolo, Selve, 
Zara, Sebenico, Rogosnizza, Trau, Spalato, Ca- 
rober, Milna, Cittavecchia, Lesina, Lissa, Comisa, 
Vallegrande, Curzola, Orebich, Terstenik, Meleda, 
Gravosa, Ragusavecchia, Castelnuovo, Teodo, 
Perasto-Risauo, Perzagno, Cattaro, Budua. 

Retour ab Splzz« jeden Mittwoch ll'/, Uhr 
Vorm., in Triest darauffolgenden Montag 5", ühr 
Nachm. 

Anmerkung. Falls schlechten Wetters wegen 
das Anlaufen von Castelnuovo nicht möglich 
wäre, wird in Megline angelegt. 



3L.EAr-A.3>TTE- XTISIID :5^ITTE31.DM:EER.-IDIEa>TST- 



Elilinle Triest— Alexandrien. 

Von Triest Jeden Mittwoch ab 12 ühr Mittags, 
In Alexandrien Sonntag 6 Uhr Früh, berührend: 
Brindiai. Rückfahrt von Alexandrien jeden Sams- 
tag Mittags. 

AnschluHS In Alexandrien an dieSyrlsch-Cara- 
manische Linie. 

Anschluss in Triest bei Abfahrt und Ankunft 
an den Ltixuszag Ostende — Wien— Triest und in 
Brindisi auf der Hinfahrt an den um 11 ühr 
Vorm. eintreffenden und bei der Rückfahrt an 
den um 6 Uhr 10 Min. abgehenden Eilzug. 

Eillinie Triest— Constanthopel. 

Ab Triest jeden Donnerstag II Uhr Vorm., 
in Constantinopel darauffolgenden Mittwoch 
6Vi Ühr Früh, berühr.: Brindisi, Sti. Quaranta, 
Corfu, Patras, Piräus, Dardanellen. Rückfahrt 
von Constantinopel jeden Dienstag, iu Triest Mon- 
tag 2 Uhr Nachm. 

Diese Linie wird eine Woche bis nach Odessa, 
die andere bis nach den Donauhäfen (im Winter 
bis nach Batum) verlängert. Anschluss in Corfu 
au die Linie Corfu— Prevesa, in Piräus an die 
Thessalische Linie und in Constantinopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrisch-Cara- 
manischen Linie. 

Griechisch-Orientalische Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab Trlest Sonntag vom 

10. Jänner 1897 ab4ühr Nachm., in Smyrna zweit- 
nächsten Dienstag 6 Uhr Früh, berührend: Fiume, 
Durazzo, Valona, Corfu, Santa Maiira, Patras, 
Zante, Cerigo, Canea, Rethymo, Candta, Vathy, 
Tschesme, Chios. Rückfahrt ab Smyma Sonntag 
vom 10. Jänner ab 10 Uhr Vorm., in Triest 
zweitnächsteu Dienstag 5 Uhr Früh. 

Griechisch-Orientalische Linie Ober 
Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 
S. Jänner 18^7 ab 4 ühr Nachm., in Smyrna 
zweitnächsten Dienstag 7'/» ühr Frflh, berüh- 
rend: Cattaro, Budua, Antlvarl, Dulcigno, 
Medua, Durazzo, Valona, Santi Quaranta, Corfu, 
Santa Maura, Argostoli, Zaute, Canea, Rethymo, 
Candia, Vathy, Tschesm^, Chlos. Rückfahrt von 
Smyrna Sonntag vom 3. Jänner 1897 an 10 Uhr 
Vorm., in Triest zweitnächsten Dienstag 3 Uhr 
Nachm. 

AnschluHS in Smyrna auf der Hinfahrt an 
die Syrisch -Caramanische Linie und an die 
Rückfahrt der Syrischen Linie. Nach Cattaro und 
Budua keine Waaren- und Passagteraufnahme. 

Linie Triest— Flume-Alexandrien. 

Jede vierte Woche. Ab Triest Donnerstag vom 
28. Jänner 1H97 ab; in Alexandrien zweitnächsteu 
SauiBtag 6 ühr Früh, berührend: Fiume, Corfu, 
Patras. Rückfahrt von Alexandrien Montag vom 

11. Jänner 1897 ab 9 Uhr Vorm., in Triest zweit- 
nächsten Dienstag 7*,, Uhr Früh. 

Anschluss In Alexandrien auf der Hinfahrt 
an die Syrische Linie- 



Thessalische Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab TrIest Sonntag vom 
S.Jänner 1897 ab 4 Uhr Nachm., in Constantinopel 
zweitnächsten Sonntag 5Vi Uhr Früh, berühr. : 
Fiume, Corfu, Patras, Zante, Catacolo, Calamata, 
Canea, Rethymo, Candia, Syra, Piräus, Volo, 
Salouich, Cavalla, Lagos, Dedeagatscb, Darda- 
nellen, Gallipoll, Rodosto. Rückfahrt von Con- 
Stantinopei Freitag vom 8. Jänner ab 8 ühr Früh, 
in Triest drittnächsten Sonntag 7 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis nach den Donauhäfen 
verlängert werden. AnttchluHS in Pir&us an die 
Eillinie Triest — Constantinopel. 

Thessalische Linie über Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Triest Sonntag vom 
10. Jänner ab 4 Uhr Nachm., in Constantinopel 
zweitnächsteu Sonntag 5'/, ühr Früh, berühr. : 
Cattaro, Budua, Antivari. Dulcigno, Medua, 
Durazzo, Valona, S. Quaranta, Corfu, S. Manra, 
Argostoli, Catacolo, Oalamata, Canea, Rethymo, 
Candia, Piräus, Volo, Salonich, Cavalla, Dedea- 
gatscb, Dardanellen, Gallipoll, Rodosto. Rück- 
fahrt von Constantinopel ''Veitag vom 1. Jänner 
1897 ab 8 Uhr FrOb, in Triest drittnächsten 
Samstag 3 Uhr Nacltto. 

Diese Linie wird blsBatum verlängert werden. 
Anschluss in Piräus audio Eillinie Triest — Con- 
stantinopel und in Constantinopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrischen Linie. 
Keine Waaren- und Passagieraufnahme nach 
Cattaro und Budua.' 

Syrische Linie. 

Jede zweite Woche. Ab Alexandrien Montag 
vom 11. Jänner 1897 ab, 4 Uhr Nachm., in Con- 
stantinopel zweitnäcbsten Mittwoch 7 Uhr Früh, 
berührend: Port Sat<i, Jaffa, Caiffa, Beyruth, Lar- 
naca, Limassol, RhoAns, Chios, Smyrua, Metelin, 
Dardanellen, GalMpali. Retour ab Constantinopel 
Montag vom 11. Jänner 1897 ab S Ubr Nachm., in 
Alexandrien zweitnächstenDonnerstag 7UhrFrÜh. 

Diese Linie wlrdhls Batum verlängert werden. 
Anschluss in Constantinopel auf der Hinfahrt 
an die Donaulinie und die Linie Constantinopel — 
Constantza (G) und an die Rückfahrt der 
Thessalischen X^Iuie über Fiume; in Alexandrien 
auf der Rückfahrt an die Eillinie Triest— Ale- 
xandrien. 

Syrisch-Caramanische Linie. 

Jede zweite Woche. Ab Alexandrien Montag 
om 4. Jänner 1897 ab 3 Uhr Nacbm., in Con- 
stantinopel zweitnädbsten Donnerstag 5 Uhr 
Nachm., berühr. : PortSaid, Jaffa, Caiffa, Beyruth, 
Tripolis, Lattakia, Alexardrette, Mersina,Rbodus, 
Chios, Smyrna, Dardanellen. Rückfahrt von Con- 
stantinopel Samstag vom 2. Jänner ab 3 Uhr 
Nacbm. Ankauft in Alexandrien zweitnächsten 
Mittwoch 8 Uhr Früh. 

Diese Linie wird bis Ode^isa (S) verlängert 
werden. Anschluss m Constantinopel auf der 
Hinfahrt an die Li nie' Constantinopel — Batum und 



an die Rückfahrt der Thessallschen Linie über 
Albanien, in Alexandrien anf der Rückfahrt an 
die Eillinie Triest — Alexandrien. 

Donau-Linie. 

Ab Constantinopel jeden Donnerstag S Uhr 
Nachm., in Braila Montag 10 ühr Vorm., berühr. 
BurgaSjTarna, Constantza. Snlina, Galatz. Retour 
ab Braila Mittwoch 8 Uhr Früh, In ConsUntinopel 
Sonntag 5 Uhr Früh. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis nach 
Triest verlängert werden u. zwar eine Woche durch 
die Eillinie Triest— Constantinopel, die andere 
Woche durch die Thessalische Linie (Iber Flum«. 
Anschluss in Constantinopel auf der Rückfahrt 
an die Syrische Linie. 

Linie Constantinopel— Constantza mit Ver- 
längerung bis Odessa. 

Jede zweite Woche (G). Ab Constantinopel 
Donnerstag, vom 7. Jänner ab 3 Ubr Nachm., 
In Odessa Samstag 8 Uhr Früh, berührend: Con- 
stantza. Ketour vou Odessa Freitag vom 15. Jänner 
ab 4 Uhr Nachm., in Constantinopel Sonntag 
10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis nach 
Triest verlängert werden durch die Eillinie Triest— 
Constantinopel. 

Jede zweite Woche (S). Ab Constantinopel 
Samstag vom 1 6. Jänner 1897 ab, in Odessa 
Montag 8 l hr Früh, berührend Constantza. Re> 
tour von Odessa Montag vom iö. Jänner lSi)7 
ab, In Constantinopel Mittwoch 10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis 
Alexandrien verlängert werben durch die Syrisch- 
Caramanische Linie. Anschluss in Constan linopel 
auf der Rückfahrt an die Thessalische Linie 
über Albanien und an die Hinfahrt der Donau- 
Linie und der Linie Constantinopel — Batum. 

Zweigiinie Constantinopel— Batum. 

Ab Constantinopel jeden Freitag, In Batum 
nächsten Dienstag, l-erührend: Ineboll, Samsun, 
KerasBunt, Trapezunt. Rückfahrt von Batum 
Donnerstag 6 Uhr Abends, In Constantinopel 
darauffolgenden Mittwoch 10', Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie eine 
Woche bisAiexandrien verlängert werden durch die 
Syrische Linie, die andere Woche bi» nach Triest 
durch die Thessalische Linie Über Albanien. 
Anschluss in Constantinopel auf der Rückfahrt 
an die Syrisch-Caramanische Linie und an die 
EUnfahrt der Donau-Linie und die Linie Con- 
stantinopel— Constantza (G). 

Zweiglinie Corfu— Prevesa. 

Ab Corfu jeden Sonntag 4V, Ühr Früh, in 
Prevesa 5 Uhr Nachm., berührend : Sajada, Parga, 
S, Maura, Retour ab Prevosa Freitag 6 Uhr Früh, 
in Corfu 6Vj Uhr Abends. 

Im Anschluss in Corfu auf der Rückfahrt 
an die Elllinie Triest — Constantinopel. 



ooE-A.asriscHCEE, r>iEisrsT. 



Linie Triest— Shanghai— Kobe. 

Ab Triest am 20. jedes Monaten, 4 Uhr 
Nachm., berühr. : Fiume*, Port - Said. Suez, 
Massaua (die Berührung Massauas erfolgt auf 
der Ausreise und der Heimreise nur gelegentlich), 
Aden, Kurrachee, Bombay, Colombo. Penang, 
Bingapore, Hongkong, Shanghai. Rückfahrt von 
Kobe am 31. März, S!9. April, 29. Mai, 27. Juul, 

28. Juli, 28. August, 29. September, 29. October, 

29. November, SO. December, 29. Jänner 1898 
und 28. Februar 1898. 

Anschluss In Bombay sowohl bei der Hin- 
als Rückfahrt an die Eillinie Triest— Bombay. 
Anschluss in Colombo bei der Hin- und Rück« 
fahrt an die Zweiglinie Colombo-Calcutta, 

Die Abfahrts- und Ankunftszeiten in den 
Zwischenhäfen, ausgenommen Bombay und Co- 
lombo, können nach Umständen verfrüht oder 
verspätet werden. 



Der Aufenthalt In Fiume auf der Heimreise 
kann nach dem absoluten Erfordemlss für die 
Ladungs- und Löschungsarbeiten verlängert oder 
abgekürzt werden. 

Ausser den in dem obigen Fahrplan genannten 
Häfen könneu die Dampfer unter Umtitänden auch 
Nagasaki oder Mogi anlaufen, doch wird das Datum 
der Abfahrt von Kobe hiedurcb nicht geändert. 

Eliilnie Triest— Bombay. 

Ab Triest am 3. eines jeden Monates, be- 
rührend : Brindl"!, Port-Said, Suez, Aden. Rück- 
fahrt von Bombay vom 1. Februar ab jeden 
1. des Monates bis inel. Jänner 1898. 

AnschluRS In Bombay an die Linie Triest — 
Shanghai — Kobe. Die Ankunft und Abfahrt In 
den Zwischenhäfen kann nach Maassgabe der 
Bedürfnisse verfrüht pder verspätet werden. 



Zweigiinie Colombo-Calcutta. 

Ab Colombo am 27. jeden Mtruates, berflhrend: 
Madras. RÜckrahrt vou Calcuttavom 14. Februar 
ab den 14. jeden Monates bis incl. Jänner 1898. 

An^chluHB in Colombo an die Linie Triest— 
Shanghai— Kobe bei der Hin- und Rückfahrt. 

Die Dampfer dieser Linie bertihren gele- 
gentlich auch Coconada oder einen anderen Hafen 
an der Küste von Coromandel. 
B. Mercantlidlenst nach Brasilien. 

Abtabrt ah Triest am 10. Jänner, 10. März, 
10. Mai, 20. Juni, 20. Juli, 20. August, 1. October, 
20. November, berührend: Fiume, Pernambuco, 
Babia, Rio de Janeiro und Santos. RÜckfatirt von 
SantOS am 12. März, 10. Mai, 10. Juli, 18. Auguat, 
17. September, 18. October, 29. November, 
10. Jänner 1898. Die gleiche Anzahl canrten 
unternimmt die „Adria" ab Fiume ia den 
Zwiscbenmonaten mit Berührung von Triest. 



*) Fiume wird auf der Ausfahrt am -21. der ungeraden Monate (nämlich Jänner, März, Mai, Juli, September, November) berührt. 
Bei der Heimreise erfolgt die Berührung von Fiume am 28. Mai, SO. Juli, 29. Söptember. 28. November, 28. Jänner 1898 und 28. März 1S98. 

Event. Aeuderungen iu den Zwischenhäfen ausgenommen und obue Haftung für die RegelmäBsigkeit des Dienstefi bei Contumavorkehrungen. 



VERANTWORTLIGHER RBDACTßljÄ: JULIUS BÖHM, 



CU. RBI8SBR & M. WERTHNER, WIEN. 



Juli 1898. 



Nr. 7. 



OESTERREICHISCHE 




flnates(|iiÖ ffir bm Orient. 



Heraiugegcben vom 

K. K. OSTBRKHICHISCHEN HANDELS-MUSEÜM IN WIEN. 

Redigirt von JULIUS BÖHM. 



Monatlloh eine Nummer. 



VIIRI.AO DES K. K. ÖSTERREICHISCHBN HANDKLS-MUSBUMS IN WlBW. 



PreU Jiliri. 6 fl. 10 ■srk. 



INHALT: AltnyrUche Baukunst. Von Hermann Feigl. — Ui« landwlrlb- 
ichaftllchen VerbälluU»» im TurkCitan. — Cürunik. — Mlicellen: 
L)a< Urab Auienopbia' II. Di« moderne Oeiundbeltipaego in Aegypten. 



• ALTSYRISCHE BAUKUNST. 

Die Ausgrabungin von Sendschirli-Jadai. 

Von Hermann Feigl. 

I. 

Hoch oben im Nordwesten Syriens liegt, östlich vom 
Amanus-Gebirge zwischen Alexandrette und Marasch, 
ein armseliges kleines Kurdendorf, Sendscbirli, um dessen 
Existenz sich vor dem Jahre 1883 noch Niemand 
kümmerte, von dessen Bedeutung für die Alter thums- 
wissenschafc man kaum eine Ahnung hatte. Wie es im 
ganzen Gebiete des Orontes und am oberen Euphrat 
eine Menge von Hügeln gibt, denen man, weil man sie 
für natürliche Bodenerhebungen hielt, keine Beachtung 
schenkte, so ging man auch an dem Hügel, dem 
Scndschirli angebaut ist, achtlos vorüber, bis ein ebenda 
gemachter unerwarteter Fund darauf hinwies, dass 
man es hier mit einem Schutthügel zu thun habe. 

Es war im Jahre 1883, als Hamdy Bey, der Director 
des türkischen Museums in Constantinopei, bei Gelegen- 
heit einer Reise nach Kommagene, wo C. Humann, 
O. Puchstein und F. v. Luschan die alten Königsgräber 
untersuchten, von Bewohnern der dortigen Gegend 
darauf aufmerksam gemacht wurde, dass am Hügel von 
Sendschirli Alterthümcr zu Tage liegen. Hamdy Bey 
fand hier eine Reihe von alterthümlichen Reliefs, die 
schon vor geraumer Zeit, vielleicht vor Jahrhunderten 
durch einen Wasserriss freigelegtworden sein mochten, und 
liess auch selbst noch von mehreren solcher Steine den 
Schutt abräumen. Obwohl aber Puchstein und v. Luschan, 
die einige Tage später an die Fundstelle kamen, sofort 
erkannten, dass die Entdeckung ganz besonders für die 
Geschichte der Baukunst des Orients, zumal Syriens, 
von hohem Werthe zu sein verspreche, da die Reliefs 
noch in der ursprünglichen architektonischen Anord- 
nung dalagen, wie sie ihnen gewiss vor mehr als zwei 
Jahrtausenden gegeben worden war, so mussten doch 
noch fünf Jahre vergehen, bis man sich endlich ans 
Weik macbeo konnte, diesen Schatz der Alterthums- 
wissenschaft zu heben. Doch kaum war Ende Februar 
des Jahres 1888 in Berlin das „Orient-Comiti" ') ge- 
gründet, als es auch schon beschloss, eine Expedition 
nach Nordsyrien zu schicken, und schon sechs Wochen 
nach seiner Gründung, nämlich am 9. April des 
Jahres 1888, wurde in Sendschirli der erste Spaten- 

•) Das Orleni-i'oriiitö lit bf(;rUu<let. um AlterlhUiii«r otieiiUUaoher Her- 
kunl't in farbmännisclier Weist* »u8r.u^'rat>eu. rrspectiTe zn erwerben und dle- 
selbi'ii ileutaclieu Museen cum ^,•lbslko!ltenpreile zur VertflEung lu stellen. 
Die Auatcrabungs-, respeclive Krwerbungskosteo werden bostrtllen aas den 
Mitteln flues Itetrit'bstouiles, der d- m l'oniitö von den Siiflprn mr VerfQ- 
gang fieotellt wird, nnd der Bi<-Ii aus der Vorwertbung der auigegrabenen 
reapective sonst erworbenen Objecte wouiügliob jeweilig wieder erseuen soll. 



Stich gethan, um die im Schutte begrabenen Denkmäler 
aufzudecken. 

Unter sieben Jahren, von 1888 bis 1894, wurden 
vier Expeditionen*) nach Sendschirli unternommen : 

Die erste Expedition (von April bis Juli 1888) unter 
Leitung von C. Humann und später von F. v. Luschan 
begleitet von F. Winter. 

Die zweite Expedition (von Jänner bis Juni 1890) 
unter Leitung von F. v. Luschan und unter Betheiligung 
von J. Euting und R. Koldewey, begleitet von Ed. 
Stucken. 

Die dritte Expedition (von October 1890 bis April 
1891) unter Leitung von F. v. Luschan und unter Be- 
theiligung von R. Koldewey und Ed. Stucken. 

Die vierte Expedition (von März bis Juni 1894) 
unter Leitung von F. v. Luschan und unter Betheili- 
gung von R. Koldewey und Frau v. Luschan. 

Wenn gesagt werden muss, dass die Erfolge dieser 
vier^Expeditionen der höchsten Anerkennung wertb sind, 
so ist dies vor Allem und hauptsächlich der ausge- 
zeichneten Leitung der Ausgrabungen zuzuschreiben. 
Ohne jene Umsicht und Vorsicht, mit welcher die Herren 
Humann, v. Luschan und Koldewey bei den Ausgra- 
bungen zuwerke giengen, hätte es gar leicht geschehen 
können, dass mit dem Schutte des Hügels von Sen- 
dschirli auch der grösste Theil der darunter begrabenen 
Bauten hinweggeräumt wurde, ohne dass man sich 
dieses Missgriffes noch zur rechten Zeit bewusst ge- 
worden wäre. Diese Bauten sind ja seinerzeit aus einem 
Materiale und in einer Weise aufgeführt worden, dass 
sie dem Verfalle und der Zerstörung durch Wasser und 
Feuer nur geringen Widerstand leisten konnten, und 
dass sie dort, wo sie noch erhalten sind, nur bei 
grösster Aufmerksamkeit und fachmännischer Erfahrung 
als Werke von Menschenhand zu erkennen und von 
dem sie umgebenden Schutte und Steingerölle zu unter- 
scheiden sind. Andererseits ist es aber gerade diesem 
Umstände wieder zu danken, dass die Reste jener alten 
Ansiedlung von Sendschirli, die etlichemale durch Feuer 
zerstört und wieder aufgebaut wurde, unter dem Schutte 
bis zum heutigen Tage in jenem Zustande erhalten 

') Die Ausgrabungsberiebie und wissensebaftllchen Brgebnisee der Bipe- 
ditionen werden niedergelegt in den ^,MitiktUHng«n a«e itn ^ritntaUtekf 
SammlutigtH" der knulgllc^ea Museen au Berlin. Von d«a ,.i««freAsMf«si 
iH StndzcHirti'', ausgerubrt und beranagegvbcn im Auftrag« de« Orieut. 
Cumites SU Berlin" (.'»peciaititel) sind bisher eraebieaeai 1. BtuMluag ued 
Inscbrificn, 1S$S (VlII -M S.S. mit 1 Karte nnd 8 Tafeln), nnd II. Aus- 
grabuDg.biTiolit und Arehiteklur. 18W (S. SS— MO, mit M Tafel«). Bertie, 
W. 8pem.inn, Qr. 4° 

I. «nibilt; Binleitung und Uonolitb dei Asarbaddnu tob P. r. Lusclimm. 
Uschrift Asarbadiou's von üitrltaTä StkradtT. muf Bildwerke aua U«r- 
«Iscbio von F. i. ImscAuh. Die Inacbrift des KSniga Panammu von Sekaaal 
von Ktiuard SaekäM. 

II. eutbgit: Vorbemerkung von F. r. Ltuckam. Berickt Aber die enle 
Ausgrabung von Seodseblrll IM:< von Carl HvaMraM. Dte Arebltektar *ea 
Sen<1si-birli von liuhtrt A\-lät»tif. 

Dir folgenden Ilrtte werden entbslten die Capliel : Keiieis vom Stadt- 

ibore. Kaliefs vom kuseeren Buigtbore ; Seulpluna de« laaena Buratkavaa ; 

8>'uli>tar>'n des Wesipalasiea; Brunsrn i tleraihe suM Ktsea; QarMk« aaa 

Kn"rhen, Hörn, Elfenbein; Teoncsftase ; Idol«, Puppe«, TWarflgurea; 8a- 

: riths aus Stein; Ueniobi» ; Siegel; auilaUeake Daua. 

Zu den von nu9 gebrscbien und dem geaaeatea Werk« eataoaiaaaaa 
j Abbildungen hat uns die VerlagsbuchhaaÄlaac dia CUaMa ftaaattlakat 
■ur Verf&gung gestellt. 



76 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



blieben, in welchem sie in Folge einer letzten grossen Feuers- 
brunst vor mehr als zweitausend Jahren versunken sein 
müssen ; unter den Trümmern des gründlich zerstörten 
Ortes gab es eben für nachfolgende Ansiedler nichts 
zu finden, was diese hätten als Baumaterial verwenden 
können, und so blieben jene, von Menschenhand unan- 
getastet, unter dem Schutte verborgen und geschützt 
liegen, bis die rechte Stunde schlug, sie wieder aufer- 
stehen zu lassen. Unter den vielen Schutthügeln des 
nördlichen Syrien ist der von Sendschirli der erste, 
dessen Inhalt untersucht wurde, und diese Untersuchung 
ist deshalb von grosser Wichtigkeit, weil sie uns zum 
erstenmale in die älteste Cultur Syriens Einblick ge- 
währt und uns damit auch über deren Verhältniss und 
Zusammenhang mit anderen Culturen des Orients Auf- 
schlüsse gibt. 

Wie eben angedeutet, gehören die Bauüberreste von 
Sendschirli verschiedenen Zeiten an, und zwar, soweit 
sich begründeterweise annehmen lässt, der Zeit vom 
Jahre 1300 v. Chr. bis — hier gehen die Meinungen 
auseinander — zum Jahre 600 oder 300 v. Chr. Eine 
genaue Bestimmung von dazwischenliegenden für die 
Geschichte der alten Stadt oder Niederlassung von 
Sendschirli bedeutungsvollen Zeitpunkten wird uns durch 
das in Sendschirli und in dessen Nähe gefundene In- 
schriftenmaterial ermöglicht. Mögen auch spätere Aus- 
grabungen noch manche werthvolle Inschrift zu Tage 
fördern, so liefern uns doch die wenigen bisher ge- 
fundenen Inschriften einige höchst schätzenswerthe An- 
haltspunkte und Hinweise für die Bestimmung von Zeit- 
abschnitten, die die verschiedenen Entwicklungsphasen 
der alten Stadt bezeichnen. Ehe wir deshalb an die 
Betrachtung der einzelnen Bauwerke von Sendschirli 
gehen, erscheint es im Interesse dieser Absicht geboten, 
uns auf dem Ruinenfelde nach Maassgabe des vor- 
handenen Materials nicht nur örtlich, sondern auch 
zeitlich zu orientiren. 

Die alte Ansiedlung von Sendschirli war von einer 
doppelten kreisförmigen Ringmauer von über 2 km im 
Umfange und mit je lOO Thürmen und 3 Thoren ein- 
geschlossen. Innerhalb dieses Mauerringes, doch nicht 
genau in dessen Mitte, liegt die Burgmauer von be- 
deutend geringerem Umfange und unregelmässig ovaler 
Form, mit halbrund vorspringenden Thürmen und einem 
grossen Burgthor; der von der Burgmauer eingeschlossene 
Raum ist durch eine innere Burgmauer, die abwechselnd 
viereckige und halbrunde vorspringende Thürme und 
ein starkes Doppelthor hat, in zwei ungleich grosse 
Theile getheilt. Auf dem grösseren dieser beiden Räume, 
also im Inneren der Burg, machen sich zwei grosse 
Bauten bemerkbar, im Nordosten ein Palast von ein- 
heitlicher Anlage („Oberer Palast") und im Westen ein 
Complex von drei grossen Gebäuden, die so mitein- 
ander zusammenhängen, dass sie von drei Seiten einen 
auf einer Seite offenen viereckigen Hof einschliessen 
(„Unterer Palast"). Unter dem oberen Palaste liegt ein 
älterer Bau mit besonders dicken Mauern und zwei sehr 
grossen Thürmen (das grosse oder alte Hilani I) in 
geringer Entfernung nordwestlich davon ein kleinerer 
Palast- oder Tempelbau (das kleine Hilani), und süd- 
östlich eine grössere Anlage mit fächerartig angeord- 
neten Räumen (Casematten) und mehrere kleinere Bau- 
werke. Der „Untere Palast", der von drei von ein- 
ander verschiedenen aber zusammenhängenden Gebäuden 
gebildet wird, besteht, in der Richtung von Osten gegen 
Westen, aus zwei von einander getrennten Palastbauten 
(Hilani II und Hilani III), die durch einen hinter ihnen 
aufgeführten Bau (dem östlichen und dem westlichen 
Hallenbau) mit einander verbunden erscheinen. 

Mit der Erkenntniss, dass die in den Ruinen ver- 
schiedenenorts und stellenweise reichlich gefundenen 
Sculpturen Leistungen der syrisch-kappadokischen Kunst 
sind, wäre, wenn sich nicht auch Inschriften gefunden 
hätten, für die Datirung der Baugesrhichte der alten 



Niederlassung von Sendschirli nur wenig gewonnen ge- 
wesen. Dagegen bietet uns auch schon eine einzige 
Inschrift einen festen chronologischen Ausgangspunkt, 
von dem aus wir die bauliche Entwicklung der Stadt 
nach vorwärts und nach rückwärts verfolgen können. 

Am östlichen Ende der an 50 m langen gegen Süd- 
west blickenden Fapade des erwähnten Hallenbaues 
wurde ein Stein in seiner ursprünglichen Lage gefunden, 
der in Relief das Bildniss eines thronenden Königs zeigt, 
welcher durch eine aramäische Inschrift als Bar-Raküb, 
Sohn des Panammu, bezeichnet ist. Da nun dieser Bar- 
Raküb ein Zeitgenosse des assyrischen Königs Tiglat- 
pilesar III. war, der von 745 — 727 v. Chr. regierte, 
und da auch eine wahrscheinlich gleichfalls zu diesem 
Facadenbaue gehörige Bauinschrift desselben Bar-Raküb 
gefunden wurde, der sich da als Knecht Tiglatpilesar's 
und als König von Schamal bezeichnet, so darf mit 
Bestimmtheit angenommen werden, dass dieser Bau in 
der zweiten Hälfte des VIII. Jahrhunderts v, Chr. auf- 
geführt wurde. Etwas älter ist, wie die Untersuchung 
gelehrt hat, der westliche Flügel des als „Unterer 
Palast" bezeichneten Gebäudecomplexes (Hilani III), 
noch älter und wahrscheinlich noch dem IX Jahr- 
hundert V. Chr. angehörig der östliche Flügel (Hilani II). 
Jünger als diese Gebäude ist der im Nordosten gelegene 
„Obere Palast", doch bedeutend älter als dieser ist der 
unter ihm liegende Bau mit den zwei Thürmen (das 
grosse oder alte Hilani I), und älter sind auch alle 
Umfassungsmauern und die Stadt- und Burgthore. 

Zwei Inschriften, die nicht in Sendschirli selbst, sondern 
in dessen Umgebung gefunden wurden, vermitteln uns 
einige weitere Kenntnisse über die Fürsten dieser 
Gegend. Bei Tachtaly-Bunar (Balkenquelle), etwa 2 km 
von Sendschirli entfernt, fand sich das Bruchstück, und 
zwar der untere Theil einer alterthümlichen Statue mit 
einer altaramäischen Inschrift, und aus dieser geht 
hervor, dass dieses Standbild seinerzeit von dem ge- 
nannten Bar-Raküb seinem Vater Panammu, dem Sohne 
des Bar-Sür, errichtet wurde. Wir lernen hier also 
Panammu, den Vater des Bar-Raküb, als den Sohn des 
Bar-Sür kennen, doch fehlt hier wieder seine Bezeich- 
nung als eines Königs von Schamal, wie sie in der 
Bauinschrift gegeben erscheint. 

Dagegen finden wir den Namen Panammu in einer 
anderen Inschrift mit dem Namen einer anderen Oert- 
lichkeit verbunden. Beiläufig eine halbe Stunde nord- 
östlich von Sendschirli entdeckte man in Gerdschin, in 
einem Sumpfe, der seltenerweise völlig ausgetrocknet 
war, das Bruchstück einer Kolossalstatue, eine Büste 
von drei- bis vierfacher Lebensgrösse, deren dazu ge- 
höriger walzenförmiger und mit einer altsemitiscben 
(altaramäischen) Inschrift bedeckter Leib auf dem be- 
nachbarten Hügel gefunden wurde. Die Statue, aus 
Dolerit, stellt einen stehenden bärtigen Mann dar, der 
durch eine mützenartige und auf beiden Seiten durch 
je zwei nach vorne gewandte Hörner geschmückte 
Kopfbedeckung als ein Gott gekennzeichnet erscheint. 
Es ist, wie gleich die erste Zeile der unter dem Gurte 
beginnenden Inschrift lehrt, das Standbild des Gottes 
Hadad, das diesem von ,, Panammu, dem Sohne des 
K-r-1, Könige von Jadai" gesetzt wurde. Bedauerlicher- 
weise ist die Inschrift so schlecht erhalten, dass aus 
ihrem Inhalte nichts zu entnehmen ist, was möglicher- 
weise zur Zeitbestimmung der Aufstellung dieses Weihe- 
bildes dienen könnte. Aus der strengen und alterthüm- 
lichen Behandlung des Gesichtes der Statue, aus der 
Art der Anbringung der Weihinschrift auf deren Vorder- 
fläche und endlich aus epigraphischen Merkmalen der 
Inschrift darf indess der Schluss gezogen werden, dass 
dieses Standbild dem Anfange des VIII. Jahrhunderts v. Chr. 
angehört. 

In welchem Verhältnisse stehen nun jener Panammu 
von Schamal und dieser Panammu von Jadai zu ein- 
ander und zur alten Niederlassung von Sendschirli ? 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



77 



Wir wissen, dass Nordsyrien in eine Menge kleiner 
Fürstenthümer getheilt war, deren Herrscher nach- 
einander der assyrischen Macht zum Opfer fielen, wenn 
sie sich ihrem Anstürme widersetzten, oder die ihr tribut- 
pflichtig werden durften, wenn sie sich ihr ohne 
Widerstand beugten ; endlich wurden auch die syrischen 
Könige, die auf ihrem Throne gelassen worden waren, 
durch assyrische Statthalter ersetzt, und unter dem 
assyrischen Könige Sargon (722 — 705 v. Chr.) ward 
die Annexion von Nord- und Mittcisyrien vollendet. 
Zu den Fürstenthümern, die zu Assyrien in ein freund- 
schaftliches Vasallenverhältniss treten durften, gehörte 
auch Scbamal, und dieses Verhältniss bestand nach 
keilinschriftlichen Berichten vom Jahre 859 v. Chr., 
da Salmanassar II. (860 — 825 v. Chr.) Schamal tribut- 
pflichtig machte, bis wahrscheinlich zur Zeit der Re- 
gierung .Salmanassar's IV. (727 — 722 v. Chr.), der 
Schamal annectirt zu haben scheint. Sonderbar mag 
es gewiss erscheinen , dass Schamal in älteren Be- 
richten (Salmanassar II.) als der Name eines Landes 
erscheint, dessen Burg oder Hauptfestung Lutibu (oder 
Dibtibu?) war, während es von der Zeit Tiglatpilesar's 
an als Stadt angeführt wird. Man könnte sich diese 
Unterscheidung allerdings leicht damit erklären, dass 
Schamal ein kleines Fürstenthum war, das nach dem 
Verluste seiner Selbständigkeit bis auf den Begriff, 



das von ihnen beberrscbtc Gebiet all identiich 
vorausgesetzt, dOrfen wir sie, wie auch Ed. Sacbau 
unter Anderem vorschlägt, einander mittelbar in der 
Regierung folgen lassen, als: Karal (815 ?), Panammu I. 
(790?), Bar-Sür (765?), Panammu II. (740), Bar- 
Raküb (730). Ob wir, wie Sachau übrigens auch oar 
der Vermuthung Oberlässt, annehmen dürfen, dass in 
Gerdscbin im Altertbum eine Stadt Namens Jadai, die 
Residenz des Fürsten eines gleichnamigen Herrschafts- 
gebietes stand, darüber werden vielleicht künftige Aus- 
grabungen und Funde entscheiden. Eines aber dürfen 
wir nach all dem Gesagten gewiss, nämlich die alte 
Niederlassung von Sendscbirli kurz als — wenn nicht 
diese, so doch eine — Burg von Jadai bezeichnen. 

Einigen Einblick in die jüngere Geschichte dieser 
Burg gewährt uns die im kleinen Hofe des äusseren 
Burgthores gefundene Stele des assyrischen Königs 
Asarhaddon, der von 681 — 668 v. Chr. regierte. Der 
gewaltige Monolith von 35 m Höhe und einem Ge> 
wichte von 6000 kg, der aus hartem Dolerit und ohne 
Zweifel an Ort und Stelle angefertigt wurde, lag in 
sechs grosse und mehrere kleine Stücke zerbrochen in 
einem Schutte von Asche und verkohltem Holze, er- 
sichtlicherweise bei einer Zerstörung der Stadt 
und Burg durch Feuer gewaltsam umgestürzt. Der 
König ist in der althergebrachten Art der assyrischen 




BURGTHOR 

. »^ NachFrvilvAunD des Pflnsters und der 

C' T Wnn(lb<'kleidtin£ 

' ^ -^ . ANSICHT.v«nJÜÜ. 






wenn auch nicht bis auf den Umfang einer Stadt zusammen- 
schrumpfte; doch steht einer solchen Annahme der 
Umstand entgegen, dass aus der Inschrift von Tachtaly 
Runar hervorzugehen rcheint, dass Schamal nicht einen, 
sondern mehrere Könige hatte, die sich in die Herr- 
schaft theilten. Vielleicht ist die Lösung dieses räthsel- 
haften Widerspruches — nach der unmaassgcblichen 
Meinung des Schreibers dieser Zeilen — nicht so 
schwierig, wenn man auf die etymologische Bedeutung 
des Namens Schamal, als das linke Land oder das 
,, Nordland" zurückgeht. Schamal, ,, Nordland", wäre 
also der Collectivname für eine Anzahl von kleinen 
Fürstenthümern im Norden Syriens, zu denen auch 
Jadai gehörte, das vielleicht als die bedeutendste Macht 
Nordsyriens oder Schamais kurzweg selbst Schamal 
genannt wurde; im Verlaufe einer nicht gar zu langen 
Zeit schrumpfte die Macht von Jadai-Schamal unter 
dem Drucke der assyrischen Herrschaft allmälig zu- 
sammen und die Assyrer kannten und anerkannten end- 
lich nur mehr ein Schamal als den Sitz eines assyri- 
schen Vasallen, die Residenz eines Vicekönigs — die 
Stadt Schamal. Wenn danach Jadai und Schamal in 
Bezug auf Jadai dasselbe bedeuten, so brauchen wir 
auch nicht anzunehmen, dass die in den Inschriften 
genannten Panammu von Jadai und Panammu von 
Schamal getrennten Linien desselben Fürstengeschlechts 
angehörten und über verschiedene Gebiete herrschten ; 



Königsstelen dargestellt, und zwar als Sieger, indem 
er zwei zu seinen Füssen um Gnade flehende besiegte 
und gefangene Könige an einer Schnur hält, die durch 
deren Lippen gezogen ist. Der eine der beiden Ge- 
fangenen ist durch die Uraeus-Schlange als ägyptischer 
König und durch seine negerhaften Züge überdies als 
ein Pharao der äthiopischen Dynastie gekennzeichnet, 
was auch durch die assyrische Inschrift der Stele be- 
stätigt wird; der andere ist vermuthlich ein syrischer 
Fürst, möglicherweise Baalu, König von Tyrus. Da 
nun dieses Siegesdenkmal Asarhaddon's erzählt, dass 
dieser nach Aegypten gezogen sei, 'I'hirhaka, den König 
von Aegypten und Kusch-Nubien, besiegt, Memphis ein- 
genommen und unter den Gefangenen auch den ägyp- 
tischen königlichen Prinzen Uschanahuru weggeführt 
habe, und da wir andererseits wissen, dass Asarhaddon 
dreimal nach Aegypten zog, aber Memphis bei seinem 
zweiten Zuge einnahm, der in das zehnte Jahr seiner 
Regierung fällt, so kann diese Stele in Sendscbirli 
nur um das Jahr 670 v. Chr. aufgestellt worden sein. 
Freilich erfreute sich das stolze Denkmal nicht gar 
lange des Anblicks der unterworfenen Stadt, da wurde 
es von seinem Postamente gerissen und mit der Burg 
unter deren Trümmern begraben. 

Was bisher von den Bauresten der Burg von jadai 
ans Tageslicht gefördert worden ist, das wurde von 
Rob. Koldewey in so grüadlicher und ausgexeicbneter 



78 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Weise untersucht, bis in das kleinste Detail durch- 
forscht und, soweit als nur immer innerhalb der Grenzen 
begründeter Annahmen erlaubt, auf seine ursprüngliche 
Form zurückgeführt und in ihr dargestellt, dass in dieser 
Hinsicht wohl wenig mehr zu tbun ührig bleibt. Selbst 
in dem höchst wünschenswerthen Falle, dass in der 
Zukunft noch besser erhaltene Werke der altsyrischen 
Baukunst, als die von Sendschirli, gefunden würden, 
wird kaum viel Neues zu dem beigebracht werden, 
was Koldewey mit durchdringendem Scharfblicke aus 
den Ruinen von Sendschirli-Jadai entziffert hat. Die 
sieben Jahrhunderte von Bautbätigkeit, die nachweisbar 
unter dem Schutte begraben lagen, liegen nun in des 
Wortes vollster Bedeutung als ein aufgeschlagenes 
Buch vor uns, und was wir darin lesen, legt Zeugniss 
davon ab, dass wir es in Sendschirli-Jadai mit einem 
ganz eigenen Culturkreise zu thun haben, der von den 
bekannten Culturkreisen des alten Ostens und Westens 
verschieden ist. 

Schon in den Bauelementen, in der Ausführung der 
Grundmauern, des Aufbaues und der Bedachung, in- 
soferne in letzterer Beziehung Schlüsse zu machen er- 
laubt ist, zeigt sich die Eigenart der altsyrischen Ge- 



überzogen, wenngleich dieses nicht über das Terrain 
herausragte. 

An dem zwischen Fundament und Aufbau liegenden 
Roste unterscheidet Koldewey drei Hauptformen : ent- 
weder sind starke Balken durch die ganze Dicke der 
Mauer gestreckt und der zwischen ihnen liegende, der 
Dicke der Balken gleichkommende Zwischenraum ist 
durch eine Steinpackung ausgefüllt, und das Ganze, 
Holz und Stein, ist zu einer glatten Fläche abge- 
glichen ; oder dünnere Rundhölzer sind ebenfalls mit 
Packung enger nebeneinandergelegt; oder die Stein- 
reihe zwischen den Balken fehlt. Wenn im zuletzt ge- 
nannten F'alle die Spuren der Balken nicht mehr nach- 
weisbar sind, lässt sich das seinerzeitige Vorhandensein 
eines Rostes gewiss auch ganz bezweifeln, und deshalb 
kann beute nicht mehr mit Recht behauptet werden, 
dass man in Sendschirli nie eine Mauer ohne Rost gebaut 
habe. Der Rost hatte den Zweck, die Grundmauer vom 
Oberbau zu scheiden, so dass in jener allenfalls ein- 
tretende Längsrisse sich diesem nicht mittheilen konnten. 

Dies war um so eher zu befürchten, als die Gebäude- 
mauern von Sendschirli durchwegs aus ungebrannten 
Lehmziegeln aufgeführt wurden. Diese bestehen aus 




Burgtbor, Rostbalkeolage auf dem öailicLen 'i'burm,|^voD ionen gesehen. 



bände. Zwischen dem Bruchsteinfundäment und der 
darauf ruhenden Lehmziegelmauer lag ein Balkenrost ; 
dies ist der immer wiederkehrende Typus der Mauern 
von Sendschirli, von dem man höchstwahrscheinlich 
— denn bei der Vergäcglichkeit des Holzes lässt sich 
der Rost nicht immer nachweisen — niemals abge- 
wichen ist. Die Schichtung des Fundaments geschah in 
der Weise, dass man der Dicke der Mauern ange- 
messene grössere oder kleinere Blöcke in Reihen 
nebeneinander lagerte, so zwar, dass immer die grösseren 
Stücke in regelmässiger Lagerung an die äusseren 
Mauei flächen zu liegen kamen, während die kleineren 
Stücke in weniger regelmässiger Lagerung zur Füllung 
des Inneren verwendet wurden ; die Lage einer Schichte 
wurde gegen die nächstfolgende dadurch abgeglichen, 
dass man die vorhandenen Unebenheiten und Lücken 
mit kleinen Steinen und Lehm ausfüllte. Koldewey 
rechnet, unbeschadet dessen, dass manchmal die Blöcke 
einer Schiebte in die nächst obere oder untere Schichte 
hineinragen, die Reihenschichtung der Wände zu den 
Haupteigenthümlicbkeiten der Bauformen von Sendschirli. 
Der Mörtel besteht aus Thonerde, und es sind damit 
nicht nur die äusseren Fugen verstrichen, sondern 
manchmal auch die ganze Aussenseite des Fundaments 



einem Gemenge von etwas geschlämmtem Thon und 
kleinen Flusskieseln, dem aucb, doch selten, pflanzliche 
Bestandtheile zugesetzt sind. Nur dort, wo die Ziegel 
als Belag des Fussbodens dienen, erscheinen sie ge- 
brannt. Die Ziegel sind in den Mauern so unregel- 
mässig geschichtet, dass die Fugen weder systematisch 
versetzt sind, noch auch in horizontaler und verticaler 
Richtung (als Lager- und Stossfugen) von gleich- 
massiger Stärke erscheinen. Allerdings waren die Fugen 
seinerzeit nicht sichtbar, da die Ziegelmauern mit dem- 
selben Thonputz abgeglichen waren, aus welchem der 
Fugenmörtel bestand. In gewissen Räumen ist die 
Wand von einer zweifachen Lage Mörtels bedeckt, 
dem auch reichlich Kalk zugesetzt ist. Von einer Be- 
malung der Wände ist nichts zu entdecken. 

Um die unteren Wandtheile vor den Einflüssen der 
Witterung und gegen Beschädigung zu schützen, als 
aucb, um sie nicht ganz kahl erscheinen zu lassen, 
wurden jene mit grossen mit Sculpturen geschmückten 
Steinplatten bedeckt. Diese Orthostaten sind in das 
Backsteinmauerwerk eingelassen, ruhen auf einem Stein- 
fundament und waren oben durch Langhölzer mit- 
einander verbunden, die wieder durch Querbalken im 
Mauerwerk verankert gewesen sein mögen. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



79 



Was die Bedachung betrifft, so wurden von einer 
solchen in Sendschirii keine Spuren gefunden, und man 
ist dieserhaib auf Vermuthungen angewiesen. Gewölbte 
Decken sucht man in Sendschirli-Jadai vergebens, und 
das ist begreiflich, da dessen einstige Einwohner mit 
ihren meist ungebrannten Ziegeln und nur aus dem 
Rohen gehauenen Bruchsteinen gar nicht im Stande 
gewesen wären, eine Wölbung kunstgerecht und dauer- 
haft auszuführen, selbst wenn ihnen die Idee nicht 
fremd gewesen wäre. Uass, wie Koldewey in Röck- 
sicht auf das wenig widerstandsfähige Ziegelmaterial 
annehmen zu dürfen glaubt, in Sendschirii auch keine 
stark geneigten Dächer vorkamen, bei denen Ziegel 
nicht zu entbehren seien, das mag wohl seine Richtig- 
keit haben, doch wollen wir dagegen auch zu be- 
denken geben, dass in einer so regenreichen Gegend 
— in welcher die Herren von der Ausgrabungsexpe- 
dition in ihren Zelten mit dem Regenschirme unter dem 
Arme schlafen mussten I — ein geneigtes Dach wohl 



innere Mauer ist 3-5 m dick, die äussere etwas dflooer, 
und diesem Verhältniss entspricht auch das der ThOrme, 
von denen bisher 77 ausgegraben sind und deren in 
Ganzen an jeder Mauer 99 oder loo lind. Die Tbürme 
der inneren Mauer sind ca. 7 m breit und spriogeo 
beiläufig 2 m vor; die der äusseren Mauer sind circa 
6*5 m breit und springen nur ca. fSmvor. Ihre An- 
ordnung ist so, dass, wenn auch nicht ganz genau, je 
ein Thurm der äusseren vor einem Tburme der inoereo 
Mauer liegt. Da von der Stadtmauer nur das Funda- 
ment, der Oberbau aber gar nicht erhalten ist, so 
lässt sich heute nicht mit Bestimmtheit sagen, ob die 
'I'hürme einstens die Mauer überragten; Koldewey be- 
zweifelt dies, weil durch ein Ueberragen der Tbürme 
der für die Vertheidigung wichtige Umgang auf der 
Mauerkrone zu häufig unterbrocbea worden wäre. Für 
die Baugeschichte der Stadt ist es gewiss nicht oboe 
Bedeutung, dass, wie die Technik des Fundaments 
zeigt, beide Mauern verschiedenen Zeiten angehören. 




-% 







Itui'glhor von iuu«n t{e«etieD. 



zur Nothwendigkeit wird. Koldewey ist also der An- 
sicht, dass die Bedachung in Sendschirii derart con- 
struirt war, dass grössere Balken darüber gestreckte 
Rundhölzer oder Bretter trugen, über die eine starke 
Schicht Thonerde gelfgt war. 

Zur Annahme, dass in Sendschirii schwere Pise- 
dächer oder Dachterrassen als Decke dienten, würde 
allerdings der Umstand stimmen, dass dort ohne Zweifel 
auch säutenartige Gebilde oder Stützen angewandt 
wurden. Darauf weisen die Säulenbasen hin, die, wenn 
auch vereinzelt, doch häufig und einige noch an ihrem 
ursprünglichen Platze gefunden wurden. Von den Stützen 
selbst fand sich keine Spur, und das ist erklärlich, da 
sie höchstwahrscheinlich nur aus Holz bestanden. 

Gehen wir nun zur Betrachtung der einzelnen Bau- 
gegenstände über, so macht sich vor Allem die Stadt- 
mauer bemerkbar, die aus einem doppelten Ringe be- 
steht, dessen Mauern mehr als 7 m von einander ab- 
stehen. Von den drei Doppelthoren liegt eines im 
Süden, eines im Westen und eines im Nordosten. Die 



Durch den Umstand, dass die innere Mauer einen 
Balkenrost hatte, den die äussere ursprünglich nicht 
gehabt zu haben scheint, ist jene als die bedeutend 
ältere gekennzeichnet ; übrigens ist das aus nicht sehr 
grossen Blöcken errichtete Fundament der inneren 
Mauer nur etwa i m hoch, während das der äusseren 
Mauer viel tiefer hinabreicht und auch aus viel grösseren 
Blöcken zusammengesetzt ist. Koldewey rechnet die 
äussere Mauer zu den spätesten Bauten der Stadt, io 
das VIII. Jahrhundert v. Chr., die innere aber zu den 
ältesten, in das XIII. Jahrhundert v. Cbr. Wie hoch 
beide Mauern waren, kann nicht mehr ermittelt werden ; 
doch dürfte, nach Koldewey's Annahme und der Zweck- 
dienlichkeit entsprechend, die innere Mauer die äussere 
überragt haben. Bezüglich des von der Stadtmauer um- 
schlossenen Gebietes ist zu bemerken, dass die vielen 
kleineren Gebäude, die da einstens standen und deren 
Mauern ausgegraben wurden, ebenfalls einer späteren 
Zeit anzugehören scheinen als die innere Stadtmauer, 
da unter ihnen keine älteren Ruinen gefunden wurden, 



80 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



wie dies bei den Gebäuden innerhalb der Burgmauern 
der Fall ist. Nach Koldewey's Ansicht war also der 
alte Mauerring nicht zum Schutze dieser Häuser er- 
richtet worden, sondern nur zu dem Zwecke, im Kriegs- 
falle die sonst ausserhalb des Ringes in Zelten und 
Hütten wohnende Bevölkerung schützend aufzunehmen. 
Von ganz besonderer Bedeutung ist die Anlage der 
Thore, denn diese stellen, wie wir bald sehen werden, 
eine Grundform dar, die in einer gewissen Art von 
Gebäuden in Sendschirli stets wiederkehrt. Von den 
Thoranlagen, deren jeder Mauerring, wie schon er- 
wähnt, drei hat, sind die inneren, im Grundriss selbst- 
ständig, für die Form des Thores in Sendschirli über- 
haupt typisch. Bei den inneren Stadtthoren sowie beim 
Burgthor und Quermauerthor liegt die Thoröffnung 
zwischen zwei Thürmen und dahinter quer ein läng- 
licher Raum, der Hof, dessen Innenwand wieder eine 
Thoröffnung enthält. Bei den äusseren Stadtthoren 
springt die Stadtmauer nach aussen vor, wodurch 
wieder ein länglicher Raum, Hof, gebildet wird, der 
aber auf der Innenseite keinen selbständigen Abscbluss, 
sondern nur die innere Stadtmauer als Hintergrund hat. 
An dem ausgebogenen Stücke sitzen, wie bei der 
inneren Thoranlage, die zwei Thürme zu beiden Seiten 



thor unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von den 
anderen Thoranlagen in Sendschirli. Besonders zu be- 
merken ist nur, dass die Thürme zu beiden Seiten des 
Thoreinganges kräftiger ausladen und auch in der 
Front breiter sind, sowie dass auch der Thorhof kürzer 
ist als sonst. Koldewey ist der Ansicht, dass der Hof 
überdeckt war, dass aber in diesem Falle aus fortifi- 
catorischen Rücksichten das Dach höher gelegen haben 
müsse als die seitlichen Plateaux hinter den Thürmen : 
daraus erkläre sich die Verkürzung des Hofes, durch 
die die Anlage von geräumigen Hochplateaus ermög- 
licht wurde. Das Burgthor war in seinem unteren 
Theile reich mit Relief-Orthostaten geschmückt, und hier 
stand auch die grosse Siegesstele Asarhaddon's. 

Unter den Sculptur-Orthostaten, welche allenthalben 
die Thore geschmückt haben, machen sich besonders 
jene bemerkbar, die in Relief die Gestalt eines Löwen 
darstellen, dessen Kopf frei aus dem Steine heraus- 
ragt. Solche „Laibungslöwen" fanden sich am südlichen 
Stadtthor, am Burgthor und auch am Thore der Quer- 
mauer. Die letzteren illustriren durch die Art und 
Weise der Lagerung, wie sie bei der Ausgrabung auf- 
gefunden wurden, ein Stück der tragischen Geschichte 
von Sendschirli- Jadai. „Sie lagen nicht auf einer Ebene, 




Löwen-Orthofltaten vom Thor der Quermaufcr» 



des Thores, Im Wesentlichen kehrt diese Anlage bei 
allen Thoren der Stadt wieder, doch macht das süd- 
liche Stadtthor insoferne eine Ausnahme, als es brei- 
tere und kräftiger ausladende Thürme hat, am äusseren 
Stadtthore auch die Mauer stärker vorspringt, und 
überdies die ganze Anlage dieses Thores dadurch ver- 
doppelt erscheint, dass in etwas kleinerem Maassstabe 
die Mauern noch einmal nach aussen vorspringen und 
zwei weitere Thürme noch ein Thor flankiren. Durch 
diese fortificatorische Verstärkung ist das Südthor als 
das Hauptthor der Stadt charakterisirt oder auch als 
das Thor nach jener Richtung, von welcher der Stadt 
am meisten Angriff drohte. 

Die innerhalb des doppelten Mauerringes der Stadt 
excentrisch gegen Südwesten liegende Burg nimmt 
etwa den achten Theil des von der Stadtmauer um- 
spannten Flächenraumes ein und war befestigt durch 
die nahezu 5 m breite Ringmauer mit einem Thore im 
Süden, eine diesem Thore im Innern des Ringes 
gegenüberliegende Quermauer mit einem Thore in der 
Mitte und, wie es scheint, einen inneren Ring, von 
welchem aber bisher nur der Ansatz an der äusseren 
Burgmauer freigelegt worden ist. 

Das im Süden der Burgmauer angebrachte Haupt- 



sondern in einer Vertiefung vor dem Thor,*^ erzählt 
Koldewey. „In gleichmässiger Schicht darüberhin und 
unmittelbar auf den Löwenblöcken zog sich eine Lage 
veraschten Schilfes hin, und die dieser Lage angren- 
zende Thonerde war geröthet. Es war also auf den in 
einer Vertiefung ganz unregelmässig liegenden Löwen 
unmittelbar ein grosses Feuer aus Schilf abgebrannt. 
Der ganze Befund musste zu der Ansicht führen, dass 
die Löwen bei der Demolirung des Thores in ganz 
bestimmter Absicht in die vor dem Thor liegende 
Terrainsenkung, welche vielleicht noch grubenförmig 
vertieft worden war, hineingeschleppt worden sind, und 
dass hier ihr „Schreckensglanz" praktisch und nament- 
lich wohl symbolisch durch Abbrennen eines Scheitei- 
haufcns aus Schilf über ihnen vernichtet wurde. Sie 
wurden also förmlich begraben und ein „Brand über 
ihnen angezündet". Dabei erinnere man sich, dass der 
Leichenbrand als besondere Ehre galt, die dem gott- 
losen Joram z.B. nicht zutheil wurde (2. Chron. 21, 19). 
„Sie machten nicht über ihm einen Brand, wie sie 
seinen Vätern gethan hatten." Unsere Thorlöwen sind 
also bei der doch zweifellos einem demolirenden Sieger 
zuzuschreibenden Vernichtung des Thores in aber- 
gläubischer Furcht, die für eine idolgläubige Zeit in 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



81 



diesem Falle sehr verständlich ist, mit ganz besonderer 
Hochachtung behandelt und mit zarter Sorgfalt ins 
Jenseits befördert worden." 

Haben wir oben auf die Bedeutung der Tboranlagen 
als stets wiederkehrende Grundform einer gewissen 
Art von Gebäuden in Sendschirli hingewiesen, so 
bietet sich uns nun der Typus derartiger Gebäude 
in den Ruinen eines älteren Baues dar, die unter den 
Ueberresten des sogenannten „oberen Palastes" ge- 
funden wurden. Der höchst einfache Grundriss des 
mächtigen Gebäudes, das nur in seinen Fundamenten 
erhalten ist, stimmt mit dem jener Gattung von Ge- 
bäuden überein, deren Name uns in assyrischen In- 
schriften als „Hilani" überliefert ist und deren Form 
wir aus dem von Sargen (722 — 705 v. Chr.) in Khors- 
abad erbauten und ausdrücklich „Hilani" genannten 
Palaste kennen, und dieser Umstand berechtigt uns, 
auch in dem fraglichen alten Gebäude in Sendschirli 
ein Hilani zu erkennen und es zum Unterschiede von 
anderen ähnlichen Bauten dieser Ruinenstätte „das 
alte Hilani (I)" zu nennen. Sein Fundament ist eine 
rechteckige, aus einer Reihenschichtung grosser Kant- 
blöcke und kleinerer Füllblöcke bestehende Mauer- 



raum mit zwei seitlichen Annexen liegt. Das ist nach 
Koldewey's Anschauung die Generalform des Gebäudes. 
Und „diese Generalform ist nichts Anderes als der Bau- 
körper eines Sendscbirlier Festungsthores, bei dem der 
Frontraum zwischen den ThOrmen durch ein säulen- 
getragenes Dach geschützt, der überdeckte Hof durch 
Einziehen zweier Quermauern in einen Haupt» und 
zwei Nebenräume getbeilt ist. Der ganze Aufbau muss 
also auch wie ein Festungstbor ausgesehen haben, 
welchem eine überdeckte Vorhalle zwischen den 
Tbürmen eingefügt worden wäre. Danach scheint mir 
die Vermuthung statthaft, dass das Motiv zum Hilani- 
körper dem Festungsbau entlehnt wurde, und dass das 
Hilani als ein modißcirtes Festungsthor aufzufassen ist. 
Wenn man nun bedenkt, dass dieselbe Frontbildung 
in Sendschirli allein ausserdem noch bei zwei grossen 
Bauten, fernerhin in einiger Umbildung beim oberen 
Palast zweimal und bei einem Seitenbau nochmals 
wiederkehrt, so gewinnt man C'ne Vorstellung von der 
weitgehenden Bedeutung dieses Motivs. Wenn wir 
weiter hier in Sendschirli die unmittelbare Entlehnung 
dieses Hilanimotivs aus dem Thor des einheimischen 
Festungsbaues annehmen dürfen — welche Bedeutung 




Illlant 1, Fuudament des Hnkflseitigen Thurmes. von Torn gefehen, mit einer £cke dM Torraamei ; 
hinten ; Ule Uebarhüliurg der Burgmauer. 



masse von 52 m Länge und fast 34 m Breite, aus 
welcher vier Räume ausgespart sind : vorne in der 
Milte der F'ront ein kleinerer, oblonger, dahinter und 
mit ihm parallel ein ebensolcher grösserer und rechts 
und links von diesem wieder je ein kleinerer Raum. „Die 
Entwicklung des (fehlenden) Oberbaues kann," nach Kol- 
dewey, „im Allgemeinen nur derart gewesen sein, dass 
der von zwei Nebenräumen begleitete Hauptraum von 
dem Vorraum aus zugänglich war, der seinerseits von 
zwei massiven, mächtigen Mauermassen — Thürmen 
— flankirt nach der Front zu sich öffnete." Aus der 
Lage des alten Hilani unmittelbar an der alten Burg- 
mauer und auf der Höhe des inneren Ringes, sowie 
aus der Massigkeit der Mauern zieht Koldewey den 
Schluss, dass das ganze Befestigungssystem der Burg 
zum Schutze dieses Baues angelegt worden sei, woraus 
wieder zu schliessen wäre, dass das alte Hilani, das 
Haus des damaligen Fürsten, zugleich mit der Burg- 
mauer erbaut wurde. 

Auf das ursprüngliche Aussehen des alten Hilani 
weisen die beiden Hilani II und III hin, die sich aus 
ihren Ueberbleibseln reconstruiren lassen als Gebäude 
mit einer säulcngetragenen Vorhalle zwischen zwei 
Thürmen an der Front, hinter welchem der Haupt- 



muss dann das hetbiiische Hilani in den Augen des- 
jenigen erhalten, der denselben Grundriss mit wenigen 
charakteristischen Abwandlungen fern in den Apadana- 
bauten persischer Könige wiedererkennt, in vor- und 
nachchristlichen Tempeln Syriens ebenso wie schliesslich 
in den islamitischen Moscheen mit ihrer Minarctfaifade ! 
So scheint es, dass der ganze Orient von den ältesten 
Zeiten seiner Cultur bis auf unsere Tage von diesem 
Baugedanken sich nie trennen konnte, und dass wir 
in dem alten Hilani von Sendschirli den ältest nach- 
weisbaren, unverkümmerten Grundriss besitzen, dessen 
Idee die Architekten des Orients in demselben Maasse 
jahrtausendelang beherrscht hat wie der griechische 
Tempel die des Occidents. In der That ist das Hilani 
ebenso vollkommen der Ausdruck für die breitstirnige, 
wie der griechische Tempel der für die schmalstimige 
Gebäudefront. ' 

Der über dem alten Hilani errichtete „obere Palast" 
besteht aus zwei Baucomplexen, einem Haupt- und 
einem Nebengebäude, die jedes durch einen ziegel- 
gepflasterten Hof kenntlich sind. Am Hauptgebäude 
sind deutlich die an den vier Seiten des trapezförmigen 
I lofes liegenden und von einander vollständig geson- 
derten Bauten zu unterscheiden. Zwei von diesen Bauten 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



erinnern in ihrem Grundrisse wieder an das Hilani. 
Der Nordwestbau zeigt vorne in der Frontmitte die 
offene Halle, daneben zu beiden Seiten je einen kleineren 
Raum, der dem Frontthurm des alten Hilani entspricht, 
dahinter den Hauptraum, und hinter diesem, wie wir 
es bei Hilani III finden werden, Nebenräume, also 
einen modificirten Hilanigrundriss. Der Nordostbau ist 
kleiner, hat offene Vorballe und Hauptraum, aber wahr- 
scheinlich eine unsymmetrische Fa9ade, da nur der Raum 
links an der Halle ausgeführt erscheint, also den Grund- 
riss eines beschränkten Hilani. Das westlich vom Haupt-, 
gebäude liegende und von diesem durch einen ge- 
pflasterten Hof getrennte Gebäude ist ein regelmässig 
gebautes kleines Hilani, dessen vier Umfassungswände 
durch vier durchgreifende Mauern in neun Räume ge- 
theilt sind. Auch die Reste eines darunter liegenden 
älteren Baues scheinen auf die Vorhalle eines Hilani 
hinzuweisen. 

Der „untere Palast" besteht aus einer Gruppe von 
Gebäuden, die um einen oblongen, nahezu rechteckigen 
Hof geordnet sind. An den kürzeren Seiten dieses 
Rechteckes liegt südöstlich das Hilani II, nordwestlich 
des Hilani III, und diese beiden mit einander ver- 
bindend an der westlichen Langseite des Hofes die 
Hallenbauten. 

Das Hilani II stellt ein Rechteck von 37 w Länge 
und 3I'30OT Breite dar, das durch zwei Längsmauern 
in drei Tracte getheilt ist. Der vordere Tract an der 
Front enthält in der Mitte den oblongen Vorraum, der 
an der linken Seite von einem kleinen schmalen Raum, 
auf der rechten aber, worauf das compacte Fundament 
hinweist, von einem starken Thurme flankirt war. Der 
mittlere Tract besteht aus einem grossen Saale, dem 
grössten in Sendschirli, an den rechts, also hinter dem 
Thurme, ein längliches Gemach stosst. Der schmale 
dritte Tract ist in drei Räume verschiedener Grösse 
getheilt. Trotz der Assymmetrie ist in der ganzen An- 
lage der Grundriss des Hilani zu erkennen, und welchem 
Zwecke dieses Hilani II gedient haben mag, darauf 
weist die grosse Statuenbasis hin, deren Bruchstück 
zugleich mit den Resten einer Statue im kleinen Ge- 
mache rechts vom Hauptsaal gefunden wurde. Da diese 
Basis zwei Pferdekörper darstellt, darf man sich an 
die auf Thierbasen stehenden Götterbilder erinnern und 
demnach das Hilani II vielleicht auch als einen Tempel 
betrachten. Diese Annahme wird übrigens auch noch 
durch andere Umstände gerechtfertigt. „In ihm (Hilani 11)," 
bemerkt Koldewty, „fiaden sich die Räumlichkeiten des 
Salomonischen Tempels, nur in theilweise etwas anderer 
Anordnung wieder; die Fronthalle (Ailam) mit den 
beiden Flögelbauten (Thürmen), der Hauptsaal mit dem 
Beiraum (Hckal und Dcbir) und die Reihe der Neben- 
räume (Zclaotb). Letztere liegen hier in ursprüng- 
licherer Weise nur an der einen Seite, weil der Hekal 
und Debir enthaltende Tract nicht senkrecht zur Front 
und also auch nicht an beiden Längsseiten freilag, wie 
das bei dem Haupttract des jüdischen Nationalheilig- 
tbums der Fall gewesen zu sein scheint. Im Debir 
unseres Gebäudes stand auf seinem Rossepostament 
die Statue eines „Greuels der Hethiter". Südöstlich 
von dem Gebäude ist die grosse Brandschicht einer 
Opferstätte gefunden worden, darinnen zahlreiche Idole." 

Das Hilani III entspricht im Grundrisse im Grossen 
und Ganzen dem Hilani II und unterscheidet sich von 
diesem im Plane nur dadurch, dass sein dritter Tract 
anstatt drei fücf Räume hat. Von der Architektur des 
Oberbaues lagen die beiden Säulenbasen der Vorhalle, 
die einst die Facade schmückten, noch beiläufig an 
ihrer ursprünglichen Stelle, und im Hofe fand sich 
auch unfern seinem ehemaligen Standorte der Ortho- 
staten - Löwe der rechten Eingangslaibung , und in 
der Nähe eine Menge Orthostateu- Reliefs der Front. 
Die Säulenpostamente stellen Zwillingsfiguren vor, die 
zu einem geflügelten Löwenleibe einen Frauenkopf 



haben, und nach vorne plastisch aus dem Steine her- 
ausgearbeitet sind, während sie an den Seiten nur 
flach reliefirt erscheinen. 

Der Hallenbau, der sich seiner ganzen Längenaus- 
debnuDg nach in offenen Stützenstellungen nach Süden 
hin öffnete, besteht aus einer kürzeren östlichen Halle 
mit dahinter liegendem Haupt- und Nebenraum und aus 
einer längeren westlichen Halle mit westlich daneben 
liegenden Beiräumen. Dieser Bau erscheint, was äussere 
Ausstattung betrifft, mit besonderer Sorgfalt behandelt. 
Der noch vorhandene Bewurf zeigt, dass die Wände 
mit weissem Mörtel verputzt waren, die Reliefs der 
Orthostaten weisen noch die Farbenspuren der Poly- 
chromirung auf, und im inneren Räume wurden auch 
in grösserer Menge verzierte Bronzebleche gefunden, 
die zu dessen ursprünglicher Decoration gedient haben 
mögen. Demgegenüber waren, wie es heute den An- 
schein hat, die Fussböden mehr als einfach ausge- 
stattet, und es muss angenommen werden, dass der nur 
aus Thon bestehende Fussböden entweder mit Teppichen 
belegt war oder dass er eine Pflasterung aus kost- 
baren Steinen oder anderem Materiale hatte, das ge- 
legentlich einer Plünderung geraubt wurde. Gerade der 
Hallenbau weist ja noch heute die deutlich erkennbaren 
Spuren feindseligen Wüthens auf.' Ziegel und Mörtel 
sind in Folge einer Feuersbrunst geröthet und ge- 
brannt, und man kann auch sehen, dass der Brand 
nicht zufällig entstanden ist, sondern dass das Feuer 
mit und in der Absicht gelegt wurde, das Gebäude 
gänzlich zu vernichten. „An der Stelle der Rückwand 
der Halle rechts, gerade, wo der verstärkte Rost an- 
setzt, sind die beiden obersten Steinschichten des 
Fundamentes herausgerissen, also der Rost unterhöhlt 
und von unten freigelegt. In dieser Höhlung ist dann 
offenbar das Feuer angelegt, und es verbreitete sich 
von hier aus zunächst in den verstärkten Rost, dessen 
Hölzer je eines an das andere unmittelbar anschlössen. 
Nach Vernichtung der Holztheile stürzte die Mauer 
nach. Diese lag bei der Aufgrabung in gebrannten, 
verglasten und zusammengeschmolzenen Stücken in- 
mitten von Asche und Kohle in der Grube des Funda- 
mentes, dessen Erdtheile dabei ebenfalls gerötbet und 
gebrannt wurden bis in die unterste Fundamentschicht 
hinein. Eioe ähnliche Brandgrube liegt weiterhin in 
der Rückwand der Halle, wo das durch den Thurm 
hindurchgreifende Rostwerk anfängt. Durch diese Brand- 
legung , bei der natürlich das hölzerne Dach- und 
Deckenwerk ebenfalls draufging, wurde den Mauern 
gerade das genommen, was beim Aufbau zu ihrer 
Kräftigung eingelegt war, nämlich das Holzwerk auf 
dem F'undament. Wenn dieses herausgebrannt war, 
musste die Mauer entweder stürzen, wie das an den 
Stellen des verstärkten Rostes gewiss der Fall war, 
oder jedenfalls derart leiden, dass an eine Wieder- 
herstellung des Gebäudes nicht mehr zu denken war. 
Das Haus war nach dem Brande ein reparaturunfähiger 
Trümmerhaufen." 



DIE LANDWIRTHSCHAFTLICHEN VERHÄLTNISSE 
IN TURKESTAN. 

(Specialbericht des k. und k. Consulates in Tiflis.) 
Als die Russen sich Centralasiens bemächtigt hatten, 
fanden sie dort die allerprimitivsten Zustände vor. 
Von einer rationelleren Landwirthschaft war keine 
Rede, und selbst die allereinfachsten Hilfsgeräthe und 
Maschinen waren unbekannt. Nur in einzelnen von den 
Sarden bewohnten fruchtbaren Gegenden war der 
Ackerbau nicht nur heimisch, sondern wurde sogar 
mit ziemlicher Sorgfalt und vielem Arbeitsaufwande be- 
trieben. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



88 



Heute ist schon allenthalben ein nennenswerther 
Umschwung zu verzeichnen. Die Bearbeitung der 
Felder ist zwar noch immer eine sehr primitive, 
und von einer wirklich intensiven Wirthscbaft ist 
gar keine Rede, doch ist ein Fortschritt zu consta- 
tiren, der lediglich den Bemühungen der russischen 
Regierung zugute geschrieben werden muss. 

Es bleibt aber noch viel zu thun übrig, um alle 
Hilfsquellen des Landes zu eröffnen und gehörig aus- 
zunützen. 

Der grosse über 650.000 km^ ausgedehnte und von 
kaum 3 Millionen Menschen bewohnte Landstrich ist reich 
an fruchtbaren Gegenden, und es könnten bei einem ent- 
sprechend angelegten Canalisations.system ganz über- 
raschende Resultate erzielt werden. 

Sowohl die Bodenbeschaffenheit als auch die klima- 
tischen Verhältnisse würden eine intensivere Ausnützung 
des Bodens zulassen, wenn sich der Landmann durch 
rationell angelegte Irrigationen von den Witterungs- 
verhältnissen ganz unabhängig machen könnte. Die 
ganze Zukunft der Landwirthschaft hängt lediglich von 
der Wasserfrage ab, was auch seitens der Regierung 
anerkannt worden ist. Es soll der Plan für die Cana- 
lisation des ganzen Gebietes bereits ausgearbeitet sein 
und harrt nur der Verwirklichung; es ist nur die 
Frage, ob angesichts der enormen Kosten der Plan 
überhaupt und wann zur Ausführung kommen wird. 

Die gebirgigen Theile des Landes sind bewaldet 
und wird der mit Wald bedeckte Complex auf 
1,500.000 Dessatinen (== 1,638.000^3) geschätzt. In 
den Ebenen findet man weder Baum wuchs noch Wasser; 
allerdings soll in der Tiefe Wasser vorhanden sein, 
wodurch die Vegetation ermöglicht wird. Fast die 
Hälfte (46'4 Percent) des Bodens ist culturfähig. 

Der Ackerbau ist hauptsächlich in den Gebieten 
Ferghana und Samarkand heimisch, ist aber auch hier 
nur bei künstlicher Bewässerung möglich. Es ist fast 
unglaublich, welche Geschicklichkeit in dieser Rich- 
tung die Sarden sich angeeignet haben und wie sparsam 
sie mit dem Wasser umgehen können. 

Der Boden ist sehr ertragsfähig, erheischt aber eine 
mühsame Bearbeitung. 

Unter den landwirthschafilirhen Producten finden 
wii alle bei uns bekannten Getreidearten : Weizen, 
Gerste, Buchweizen, Mais, ferner Hirse, Sesam, Pfeffer, 
Sorghum, Hanf, aber auch Culturpflanzen wie Tabak, 
Reis, Ramie, Baumwolle haben Eingang gefunden. 

Es wird zumeist eine eigene Art der Koppelwirlh- 
schaft betrieben. In der Regel besteht sie in einem 
Fünffeldersystem ohne Anbau von Futterpflanzen und 
ohne Weideland. 

Im ersten Jahre bleil t das Feld brach, im zweiten 
wird im Herbst Wintersaat (Weizen oder Gerste) an- 
gebaut, deren Ernte schon im Mai stattfindet ; unver- 
züglich wird das Feld sodann mit einer Sommerfrucht 
(Hirse, Mohrrüben, Linsen oder Melonen) angebaut, 
die dann, im Herbste eingeheimst, die sofortige Be- 
arbeitung für die Wintersaat ztilässt. 

Im dritten Jahre wird Wintersaat angebaut, ohne eine 
Sommerfrucht anzupflanzen, im vierten und fünften 
Jahre werden nur Sommerfrüchtc (Reis, Sorghum, 
Baumwolle, Zwiebeln etc.) angebaut. 

In manchen Gegenden ist ein 20Jährigcr Turnus 
üblich, und zwar wie folgt : 1. brach, 2. Wintersaat 
und darauf Sommerfrüchte, 3. Wintersaat ohne zweite 
Saat, 4. und 5. Sommerfrucht, 6. bis 15. Luzerne, 
16. Sorghum, 17. Melonen und Kürbisse, 18. und 
19. Wintersaat, 20. Sommersaat. 

Das Brachfeld wird fünf-, oft sogar zehnmal kreuz- 
weise umgepflügt und stark gedüngt, und zwar mit 
Dünger oder mit phosphorhaltigem Lehm, wovon 
2400 — 3000 Pud per Dessatine verwendet werden. Die 
Tiefe der Bearbeitung ist keine giosse und beträgt 
bloss 4 — 5 Werschok (= ca. l-j— 21 cm). 



Das Wintergetreide muss dreimal bewässert werden 
(und zwar bei der Aehrenbildung, zur Blüthczeit und 
bei der Bildung der Körner), Gerste dagegen braucht 
nur einmal, zur Zeit der Aehrenbildung, bewässert zu 
werden. Auf eine Dessatine werden in der Regel 12 
Pud gesät; der mittlere Ertrag beträgt 15, der gute 
sogar 20 Körner. Bei der Gerste gelten sogar 20 
Körner nur als Mittelernte. 

Ganz unüberwindliche Schwierigkeiten bietet dem 
Colonisten die zweite Aussaat in den ersten Tagen 
des Juni, wobei nicht ein einziger Tag verloren geben 
kann, da sonst die Ernte im Herbst zu weit hinaus- 
geschoben wird und keine Zeit zur Bereitung des 
Bodens für die Wintersaat bleibt. Sogar den Einge- 
borenen ist es oft fast unmöglich, in der schrecklichen 
Hitze Feldarbeiten auszuführen. Colonisten würden 
dabei einfach zugrunde geben. 

Für Sommerfrüchte wie Masch (Soja bispida) Hirse 
und Sesam braucht der Boden nur zweimal gepflügt 
zu werden. 

Masch ist ein hier sehr beliebtes Nahrungsmittel, das 
den Buchweizen vollkommen ersetzt und sehr nahrhaft 
sein soll. Die Aussaat beträgt 10 Pud per Dessatine 
und' gibt 40 Körner. 

Hirse wird auch vielfach angebaut. Die Aussaat be- 
trägt bloss 3 Pud per Dessatine und der Ertrag 
30 Körner. 

Weniger ergiebig ist der Sesam, da derselbe bei 
einer Aussaat von 3'/, Pud per Dessatine nur 10 Körner 
trägt. 

Auch der Anbau von Linsen, Mohrrüben, Pfeffer und 
Zwiebeln ist bei dem grossen Localconsum ein ziemlich 
gewinnbringender. 

Die Reiscultur erheischt eine ganz besondere Sorg- 
falt. Der Boden muss zuerst im Herbst zweimal, sodann 
im Frühjahre achtmal sorgfältig gepflügt werden, 
worauf das Wasser auf das Feld geleitet wird und 
dieses drei Tage unter Wasser bleibt. Auch das Eggen 
wird unter dem Wasser vorgenommen. Die Samen 
werden zweimal eingeweicht, und wenn sie zu keimen 
anfangen, wird die Aussaat im Wasser vorgenommen, 
nachdem der Boden vorher mit einer Egge aufgewühlt 
worden ist, damit die Samen mit Schlamm bedeckt werden. 
Auch während des Wachsthums müssen die Felder 
vielfach unter Wasser stehen. Die Aussaat beträgt 
12 Pud per Dessatine und gibt 30 — 40 Körner bei 
einem Durchschnittspreise von Rubel i-2o per Dessa- 
tine. 

Auch Sorghum wird vielfach angepflanzt. Derselbe 
erreicht eine Höhe von 4 Arschin (284 cm) und trägt 
bei einer Aussaat von i '/, — 2 Pud 100 — 230 Pud 
durchschnittlich bis 100 Körner. Die Körner sind sehr 
nahrhaft und werden nicht nur als Viehfutter, sondern 
auch als Nahrungsmittel verwendet. Oft wird Sorghum 
nur als Futterpflanze angebaut. In diesem Falle wird 
derselbe noch grün, bei einer Höhe von ca. 2 Arschin 
eingeheimst, i Dessatine gibt reichliche Nahrung für 
sechs Ochsen auf sechs Monate. 

Flachs und Hanf werden nur zur Samengewinnung 
gezogen ; aus dem letzteren wird Haschisch bereitet. 

Die Baumwolle erfordert ebenfalls eine sorgfältige 
Bearbeitung des Bodens ; derselbe muss zehnmal um- 
gepflügt und dann im Sommer zweimal, mit der Schaufel 
bearbeitet werden. Auch eine zweimalige, sehr sorg- 
fältige Bewässerung ist erfordtrlicb. Die .Aussaat be- 
trägt 3 — 4'/j Pud per Dessatine und der Ertrag 
25 Pud Baumwolle und 7 Pud Samen. Die aus amerika- 
nischem Samen gezogene Staude ist viel fruchtbarer. 

Die Baumwollernte beträgt im Gebiete Syr-Datja und 
Taschkent 700.000 — 800.000 Pud. Im Jahre 1884 wurden 
in Taschkent nur 300 Dessatinen mit Baumwolle an- 
gepflanzt und im Jabre 1897 schon 24.000 Dessatinen. 

Grosse Sorgfalt wird auf den Anbau von Luzerne 
verwendet. Dieselbe wird zweimal jährlich gemAbt und 



84 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



dient sodann bis zur Winterzeit als Weide für das 
Vieh. Im ersten Jahre beträgt die Heuernte 400 Pud 
per Dessatine. Im zweiten Jahre wird dreimal gemäht, 
nur müssen die Felder nach jedem Schnitte bewässert 
werden, und der Ertrag stellt sich auf 600 — 800 Pud 
per Dessatine. Im dritten Jahre müssen die Felder frisch 
gedüngt und nach jedem Schnitt bewässert werden. 
Der Ertrag beträgt 1200 Pud per Dessatine. Die 
folgenden sieben Jahre bleibt dieserErtrag constant, wenn 
alle zwei Jahre eine neue Düngung vorgenommen wird. 

Die Tabakcultur ist noch wenig verbreitet, obgleich 
die Qualität eine ganz vorzügliche sein soll. Dagegen 
werden weite Landstriche mit Melonen angebaut, die 
hier ein sehr beliebtes Nahrungsmittel bilden ; die 
Dessatine trägt 25.000 — 30.000 Stück. 

Der Weinbau nimmt immer grösseren Aufschwung; 
im Syr-Darja-Gebiet sind 1789 Dessatinen mit Reben 
bepflanzt. Die Dessatine trägt ca. 200 Pud Trauben. 
Bis jetzt sind die Weingärten von der Pbylloxera ver- 
schont geblieben, doch sind andere Krankheiten dort 
bemerkt worden. 

Die Maiscultur hat bis jetzt wenig Beachtung ge- 
funden, doch glaubt man, dass dieselbe immer mehr 
Eingang finden und den Reis immer mehr verdrängen 
wird, da die Bearbeitung eine viel einfachere, wenig 
kostspieligere ist und der Ertrag nicht so sehr vom 
Wasser abhängt wie beim Reis. 

Alle diese Culturen, die, wie geschildert, die Be* 
Wässerung des Bodens zur Voraussetzung haben, sind 
nur in den ebenen, von Flüssen und Canälen nicht ent- 
fernten Gegenden möglich. Wo die Verhältnisse minder 
günstig liegen, beschränkt sich die Cultur auf Sommer- 
weizen und Gerste und wird von einer Düngung fast 
ganz abgesehen. 

Brsonders misslich ist die Lage des Forstwesens. 
Im Ganzen wird das bewaldete Areal auf 1,500.000 
Dessatinen geschätzt. Von einer rationellen Forstwirth- 
schaft kann schon aus dem Grunde nicht gesprochen 
werden, weil der ganze Viehstand der Kirghisen im 
Sommer die versengten Weideplätze der Ebene ver- 
lässt und in die beschatteten Gebirgsthäler und in die 
Wälder zieht, wo noch Gras gefunden werden kann. 
Dass darunter die Wälder schrecklich leiden, braucht 
kaum hervorgehoben zu werden. Man denkt auch daran, 
diesem Uebelstande abzuhelfen und das Weiden in den 
Wäldern zu verbieten. Doch was macht dann der 
Kirghise, der zur Sommerszeit in der Ebene für sein 
Vieh kein Futter findet? Die Frage könnte nur mit der 
Ansässigmachung der nomadisirenden Kirghisen ihre 
Lösung finden, und dieselbe wird auch bereits in Er- 
wägung gezogen. 

Es muss überhaupt der Regierung das Zeugniss aus- 
gestellt werden, dass sie es an redlichen Bemühungen 
nicht fehlen lässt, die landwirthschaftliche Lage des 
Gebietes zu heben. 

Es sind Seidenbauschulen gegründet, botanische Gärten 
angelegt worden, man hat Versuche gemacht, Racevieh 
zu importiren. Es wurden Bienenstöcke, Setzlinge 
sowie amerikanische Baumwollsamen unter die Be- 
völkerung vertheilt. Allerdings handelt es sich hie- 
bei zumeist nur um einzelne Versuche, welche an- 
gesichts der grossen Ausdehnung des Gebietes erst 
in weiter Ferne positive Resultate ergeben werden. 

Es ist unlängst in der Nähe von Taschkent ein 
Gut angekauft worden, wo eine Versuchsstation für 
landwirthschaftliche Zwecke eingerichtet werden soll. 
Die Regierung hat für die Errichtung derselben 
36.800 Rubel ausgesetzt sowie eine jährliche Subvention 
von 10.000 Rubeln in Aussicht gestellt. 

Diese Versuchsstation hat sich folgende Aufgaben ge- 
stellt : 

I. Studium der Baumwollcultur und Hebung derselben 
durch Einführung entsprechender Reformen. 



2. Versuche, Reis auf ungewässertem Boden anzu- 
bauen, wie dies schon im Kutower Gouvernement mit 
Erfolg versucht worden ist. 

3. Hebung der Weincultur und des Gartenbaues 
mit besonderer Berücksichtigung des Trocknens des 
Obstes. 

4. Die Einführung und Förderung der Seidenzucht, 
und schliesslich 

5. Das Studium der Canalisationsfrage, da dieselbe 
als Grundbedingung für die Weiterentwicklung des 
Ackerbaues und für den allgemeinen Wohlstand des 
Landes angesehen werden muss. 



CHRONIK. 

Asien. 

Arabien. Die Stadt Sanaa wird nach dem Einzüge 
des neuen Wali abermals von den Rebellen umzingelt. 
Die Bewegung ist durch Intriguen und Plackereien 
hervorgerufen worden, denen einige Scheikhs von Seite 
der Behörden ausgesetzt waren. Scheikh Hamid ed-din 
sendet dem Sultan ein Schreiben, in welchem er sich 
über die Ungerechtigkeiten der Beamten gegenüber der 
Bevölkerung beklagt. 

Persien. Die persische Regierung ertheilt einem fran- 
zösischen Ingenieur das Recht, während 30 Jahre an 
den persischen Küsten Perlen zu fischen; dieser sucht 
russische Capitalisten für sein Unternehmen zu ge- 
winnen und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Gelegen- 
heit, die Russland geboten sei, seinen Einfluss auf die 
Küsten des persischen Golfs auszudehnen. 

Russisch- Cenlralasien {Ferghand). Eine über 1000 Mann 
starke Bande überfällt, nach Erklärung des heiligen 
Krieges, unter Führung Muhammed Ali Khans die nur 
163 Mann starke russische Besatzung von Andidschan, 
wohin eben die Eisenbahn von Samarkand aus fertig 
gebaut worden war. Nach kurzem Kampfe, wobei beide 
Theile Verluste an Todten und Verwundeten erleiden, 
werden die Rebellen zurückgeschlagen, können aber 
von den Russen wegen Mangels an Cavalleri.e und 
Munition nicht vei folgt werden. Einige Tage später 
wird Muhammed Ali Khan mit mehreren seiner An- 
hänger gefangen genommen und in der Festung Andi- 
dschan eingekerkert. Es werden viele Verhaftungen vor- 
genommen, und die Truppen des Ferghana-Gebietes, 
in welchem die Ordnung wieder hergestellt ist, werden 
von Taschkent aus verstärkt. 

Indien. Aus dem Khaibar-Passe ist der grösste Theil 
der Truppen zurückgezogen. Der Emir von Afghanistan 
weigert sich entschieden, Abgesandte der Afridi zu 
empfangen, die neuerdings nach Kabul geschickt 
werden. — Bei einem religiösen Feste (Muharram) 
bricht in Multan im Pendschab zwischen Muhammeda- 
nern und Hindus ein blutiger Kampf aus, wobei es 
viele Verwundete gibt. Zahlreiche Verhaftungen werden 
vorgenommen. 

Siam. Das siamesische Herrscherpaar besucht den 
deutschen Ministerresidenten; es ist das erstemal, dass 
dem Vertreter einer fremden Macht solche Ehre zu- 
theil wird. 

China. Die Regierung von China sucht um Er- 
leichterungen für die chinesischen Schiffe in Weihaiwei 
an, wie sie China von Russland in Port Arthur zugesagt 
wurden. Der Weihaiwei betreffende Vertrag ist noch 
nicht unterzeichnet. — China tritt die Halbinsel und 
das Vorgebirge von Kaulung und Langtao sowie die 
Wasserflächen der Mirs- und Deep-Bai als ein zur Ver- 
theidigung Hongkongs nöthiges Gebiet auf 99 Jahre 
pachtweise an England ab. — Japan beansprucht als 
Entschädigung für den Aufruhr in Schaschi das Recht 
auf die ausschliessliche Ansiedlung in Futschau, Wusung, 
Schaschi, Funing, Jotschau und Tschingwantao, und 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



85 



15.000 '£. — Die russisch-chinesische Bank unter- 
handelt mit der chinesischen Regierung wegen des Ab- 
schlusses einer Eisenbahnanleihe, für die die Peking — 
Schanhaikwan-Iiisenbahn als Sicherheit dienen soll. — 
Die französisch-belgische Gruppe erhält von der chinesi- 
schen Regierung die Concession der chinesischen 
Contralbabn von Hankau nach Peking, und die fran- 
zösische Gruppe die Concession der Zweigbahn nach 
Scbansi. — Die einzige Russland gewährte Eisenbahn- 
concession in Schansi soll die für die Eisenbahn von 
Tai-yuen-fu nach Tsching-ting-fu sein. — Die russi- 
schen Behörden entlassen die Wächter des Zoll-Leucht- 
hauses in Liaotieschan, so dass sich das Leuchtfeuer 
am Eingange des Golfes von Petschili in russischen 
Händen befindet. — Die russische Regierung erklärt, 
dass sie Port Arthur als russischen Hafen ansehe, und 
dass russische Waaren dort zollfrei eingehen werden. 

— Chinesen beschiessen ein in der Umgegend von 
Talienwan aufgestelltes russisches Piquet, doch können 
die Schuldigen nicht ermittelt werden. — Ein kaiser- 
liches Decret genehmigt die Errichtung eines Handels- 
ministeriums. — In chinesischen Beamtenkreisen herrscht 
allgemeine Unruhe, weil man fürchtet, dass grosse Ver- 
änderungen bevorstehen. Der Einfluss der Kaiserin- 
Witwe soll jetzt ausschlaggebend sein. — In Kiangpeh, 
am oberen Yangtsekiang, kommen Unruhen gegen 
Missionäre vor, wobei ein chinesischer Schüler des 
dortigen Missionsspitales getödtct wird. Der amerikani- 
sche CoDSul in Tschungking verlangt vergeblich von 
den Mandarinen die Bestrafung der Mörder ; der ameri- 
kanische Gesandte gibt die Anweisung, nicht zu schroff 
auf der Bestrafung der Mörder zu besteben, weil da- 
durch leicht Unruhen hervorgerufen werden könnten. 

— Die Franzosen stossen in Kwantschauwan auf grossen 
Widerstand seitens der Eingebornen. Der chinesische 
Lootse, der die französischen Kriegsschiffe in den Hafen 
geleitet hat, wird ermordet. Die Eingebornen weigern 
sich, der französischen Garnison Lebensmittel zu ver- 
kaufen. Die chinesischen Behörden trachten, Feind- 
seligkeiten zu verhüten. Es wird der Anschlag ent- 
deckt, Unruhen im Districte von Ma^ao in der Provinz 
Kwangtung zu stiften. — Die Tbore von Ningpo in 
der Provinz Tschekiang werden geschlossen. Es herrscht 
dort Aufruhr wegen der Reistheuerung und anlässlich 
der neuen Abgaben von Specereien. — In Tschan- 
tschan, Provinz Kwangtung, bricht ein Aufstand aus. 
Die Aufständischen bemächtigen sich der Stadt, tödten 
den obersten Beamten und brennen das Amtsgebäude 
nieder. — Die chinesische Regierung erklärt sich be- 
reit, Frankreich die für die Ermordung des französi- 
schen Missionärs Berthollet in der Provinz Kwangsi 
verlangte Genugthuung zu geben. 

Korea, Die koreanische Regierung zeigt die Absicht 
an, eine Eisenbahn von Söul nach dem 200 Meilen 
südlich gelegenen neueröffneten Hafen Mokpeo zu bauen. 

Sumatra. Die nach Pedir gesandte niederländische 
Expedition nimmt Garut. Die Atjeher ziehen sich mit 
Tuku Umar zurück. Die Pedircolonne bricht gegen 
Panglima Polim auf. Tuku Umar flieht nach Tjot Murong. 
Ein holländischer 'IVansport sowie das Bivouac bei 
Garut werden angegriffen, die Feinde werden mit 
schweren ^Verlusten zurückgeworfen. Auch Panglima 
Polim entzieht sich durch Flucht dem Kampfe. Der 
Widerstand des Feindes scheint erlahmt zu sein, da 
dieser seit der Eroberung von Garut nirgends mehr 
standhält. Tuku Umar hält sich zuletzt in Kemala beim 
Sultans-Prätendenten auf, dessen Macht und Ansehen 
gewachsen ist. 

Philippinen. Die aufständische Bewegung hat seit 
dem Erscheinen .Aguinaldo's einen neuen Aufschwung 
genommen. Die Insurgenten gehen, von amerikani- 
schen Kanonenbooten unterstützt, längs der Küste vor. 
S|)anische Eingeborenencorps meutern, ermorden ihre 
Officiere, desertiren und gehen zu den .-lufständischen 



über. Die Insurgenten besiegen die Spanier in der 
Provinz Cavite und machen zahlreiche Gefangene an 
OfGcieren und Mannschaft. Aguinaldo ist bemüht, einen 
allgemeinen Aufstand herbeizuführen. Er erobert die 
ganze Provinz Cavite. Die Spanier greifen die Insur- 
genten bei Zapote an und müssen sieb mit schweren 
Verlusten zurückziehen. Die Aufständischen flbcr- 
schreiten den Fluss Zapote und besetzen nach hartem 
Kampfe Las Pinas, Paranaque, Tunguh, Pineda und 
Maliba. Auch in der Provinz Bulacan werden die 
Spanier geschlagen. In allen Provinzen finden Kämpfe 
statt; die in den Dörfern liegenden Truppen müssen 
sich vor der Uebermacht der Aufständischen zurück- 
ziehen. Die Mauren auf Mindanao greifen die militäri- 
sche Linie Tukusan — Dinco — Marabuit an, werden 
aber zurückgeschlagen. Die Insurgenten reissen an 
allen Stellen die Eisenbahn nach Manila auf, um die 
Zufuhr abzuschneiden ; es ist nicht mehr möglieb, 
Manila mit Lebensmitteln zu versorgen. Der amerika- 
nische Admiral Dewey erlaubt den Aufständischen 
nicht, Manila zu stürmen. Die Familie des General- 
gouverneurs der Philippinen fällt in die Hände der 
Aufständischen. Die Lage ist sehr ernst. Aguinaldo 
erklärt die Unabhängigkeit der Pbilippinnen. Die Auf- 
ständischen beabsichtigen, eine Republik unter ameri- 
kanischem Schutze zu bilden oder die Philippinen zu 
einer amerikanischen Colonie machen zu lassen. 

Afrika. 

Marokko. Die Sultanssoldaten haben ein neues Ge- 
fecht mit den Riffpiraten der Bocoya-Kabylc und 
schlagen diese. Dagegen soll der dem Sultan von 
Marokko gehörige Dampfer „Sid el Turki" in der Bai 
von Bocoyas von Riffpiraten weggenommen worden 
sein. — Gegen die Gefangenen des Dampfers „Tour- 
maline" beginnt der Process. — Um den Ansprüchen 
Frankreichs hinsichtlich einer ausgedehnteren Grenz- 
regulirung zu begegnen, bietet Marokko Deutsch- 
land die Nutzniessung des Gebietes am Muluya- 
Flusse an. 

Abetsynien. Lagarde, der Vertreter Frankreichs, ver- 
lässt Adis Abeba an der Spitze seiner Gesandtschaft, 
die von Kaiser Menelik an den Präsidenten Faure ge- 
sandt wurde. — Leontjew und Prinz Heinrich von 
Orleans werden in Harrar freundschaftlich rmpfangen; 
Leontjew geht nach Antoito, Prinz Heinrich nach 
Dschadschura. — Die Expedition Boncbamps bricht 
in Folge von Zwistigkeiten auf. 

Aegyptischer Sudan. Eine starke englische Truppen- 
abtheilung wird einen Theil der englisch-aegyptischen 
Expedition nach Khartum bilden, welche 20.000 Mann 
stark sein und Anfangs Uctober in Khartum eintreffen 
soll. Die Derwische sollen Schabluka, zwischen Berber 
und Khartum, geräumt haben und der Khalifa soll 
südwärts gegen El Obeid und Kordofan geflohen 
sein. 

Französischer Sudan. Ein Detachement unter Major 
Pmeau gebt nach Kong ab, um die dortige Garnison 
zu verstärken, da dieser Posten seit der Einnahme 
von Sikasso von grosser Wichtigkeit ist. Major Pineau 
wird nach Kankan am oberen Niger zurückkehren, 
nachdem er Tombugu und Koro durchquert hat. — 
M. Gentil, der Tschadseeforscher, segelt mit der 
Gesandtschaft des Sultans von Bagirmi von Libreville 
nach Frankreich ab. 

Liberia. Die französischen Forschungsreisenden Baily, 
Forcil.ere und Pauly sind im nördlichen Thcile von 
Liberia bei der Ortschaft Zolu niedergemacht worden. 

Britisch- Wettafrika. Bei den neuerlichen Operationen 
im Grbiete von Kwellu werden Mabang und andere 
.Niederlassungen der Eingeborenen zerstört und Roli- 
funk besetzt. Der Rebellenführer Bai Bureh, den seine 
Anhänger verlassen haben, wünscht Frieden zu schliessen. 
Oberst Marshall verbrennt Masimira, Yonnipet und 



86 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Mabanhara im Kwellu-Districte, da deren Einwohner im 
Verdachte stehen, an der Gefangennahme des engländer- 
freundlichen Häuptlings Pa Grimbu Rokon betheiligt 
zu sein. Oberst Marshall operirt in den Gebieten von 
Karene und Kwellu noch weiter. Die Häuptlinge von 
Masimirah und Ribbi suchen Frieden zu schliessen. Im 
Kwellu-Districte wird es ruhiger. Zwischen Kwellu 
und Panguma wird für offene Verbindung gesorgt. 

^/^<r^«i/W. Die Frage der Besitztheilung zwischen Frank- 
reich und England im Nigergebiet, im Hinterlande der 
Elfenbeinküste (französisch) und der Goldküste (englisch) 
ist durch die Nigerconvention entschieden worden. 
Als Grenze des Hinterlandes der Goldküste ist nun 
der II. Breitengrad festgesetzt; Buna und Niki fallen 
nunmehr in französisches, Bere und Bussa in engli- 
sches Gebiet. 

Portugiesisch- Ostafrika. Es ist beschlossen, von Quili- 
mane nach Ruo, an der Grenze von Britisch-Central- 
afrika, eine Eisenbahn zu bauen, die dem Nyassa- 
gebiete dienen soll. 

Nyassaland. Im Domwe-Districte fand ein ernster 
Aufstand der südlichen Angoni statt. Bei der gegen 
diese unternommenen Expedition erlitten beide Theile 
Verluste. 

Südafrikanische Republik. Eine grosse Menge von 
Swasis (lo.ooo) vereinigt sich in einem befestigten 
Platze. Die Swasis behaupten, sie würden von den 
Zulus, mit deren Führern sie in ständiger Verbindung 
seien, Hilfe erlangen. 

Australien. 

Hawaii. Das Repräsentantenhaus der Vereinigten 
Staaten nimmt den Antrag auf Annexion Hawaiis mit 
Zweidrittelmajorität an. 



MISCELLEN. 

Das Grab Amenophis' li. M. Loret, der in Theben 
das Grab des Königs Thothmes III. fand, hat vor Kurzem 
in Aegypten einen noch viel interessanteren Fund ge- 
macht, indem er das Grab Amenophis' II., der der 
XVIII. Dynastie angehörte und ca. 1500 v. Chr. lebte, 
entdeckte. Allerdings waren die Kostbarkeiten, Juwelen 
u. dgl. schon — wie man als wahrscheinlich annimmt, in der 
Zeit der XX. Dynastie — aus dem Grabe gestohlen 
worden, doch fanden sich die Mumien von Amenophis 
und sieben anderen Königen unbeschädigt vor. Der 
Eingang in das Grab führt durch einen sehr stark ge- 
neigten Gang, der in eine etwa 26 Fuss hohe Mauer 
ausläuft; erst nach Ueberwindung dieser Hindernisse 
gelangt man in die Grabkammer des Königs. Im ersten 
Gemache wurde der Körper eines Mannes gefunden, 
der an ein reich bemaltes Boot gebunden war ; seine 
Arme und Füsse waren mit Stricken gefesselt, im 
Munde hatte er einen Knebel von BaumwoUenstofif und 
sein Kopf und seine Brust zeigten Wundmale. Im an- 
stossenden Gemafche lagen die Leichen eines Mannes, 
einer F'rau und eines Knaben. Keine dieser vier Leichen 
war einbalsamirt, aber vermöge der Trockenheit der 
Luft haben sie sich alle vollkommen erhalten und selbst 
ihre Gesichtszüge sind nicht verfallen ; obgleich sie 
anscheinend eines gewaltsamen Todes gestorben sind, 
sehen sie aus, als ob sie schliefen. Jeder der Todten 
hat reiches Haar und starke Aehnlicbkeit mit den 
Fellachen der gegenwärtigen Zeit. Das Gemach, in 
welchem der König liegt, ist gross und gut erhalten, 
die Decke wird von massiven viereckigen- Säulen ge- 
tragen und ist dunkelblau bemalt und mit goldenen 
Sternen geschmückt; die Wände sind mit Malereien 
bedeckt, deren Farben noch so lebhaft sind, als ob 
sie erst in jüngster Zeit aufgetragen worden wären. 
An einem Ende dieses Gemaches steht in einer Ver- 
tiefung des Bodens, der sich da gesenkt hat, der Sar- 
kophag des Königs auf einem massiven Alabasterblock. 



VenatwortUclier Redacteur: JULIUS BÖHM. 



Der Sarkophag ist aus Sandstein und kunstvoll mit 
einer breiten rosafarbigen Bordüre verziert; er enthält 
die unversehrte Mumie Amenophis' II., deren Füsse 
und Hals mit Blumenkränzen umwunden sind. In einem 
kleineren Gemache zur Rechten liegen noch neun 
Mumien; zwei von ihnen tragen keinen Namen, die 
anderen sind die der Könige Thothmes IV., Ameno- 
phis III., Set Necht, Seti II. (unter welchem die Israeliten 
aus Aegypten ausgezogen sind), Ramses IV., Ramses VI. 
und Ramses VIII., welche sämmtlich um 1500 — 1150 
V. Chr. regierten. Das Grab ist sicherlich für Ameno- 
phis II. erbaut und später geöffnet worden, um die 
Mumien der anderen Könige aufzunehmen und sie vor 
Verletzung zu behüten. In allen Gemächern ist der 
Boden von einer Menge von Gegenständen, Statuen, 
Vasen, hölzernen Thierbildern, Booten etc. bedeckt, 
deren Wegräumung grosse Sorgfalt erfordert. Das 
Ganze bietet einen Anblick, dessen man sich vorher 
nie erfreut hat, denn es ist das erstemal, dass der 
Körper eines aegyptischen Königs in dem für ihn be- 
reiteten Grabe gefunden wurde, da ja die vordem ent- 
deckten königlichen Mumien aus ihren Gräbern ge- 
nommen und der Sicherheit wegen nach Dair al Ba- 
hari gebracht worden waren. Was für ein Bewandtniss 
es mit den im Königsgrabe gefundenen ermordeten 
Personen hat, ist fraglich ; ob deren Auffindung, wie 
man hofft, endlich die vielumstrittene Frage ihrer Lösung 
näher bringen wird, ob bei den alten Aegyptern 
Menschenopfer Brauch waren, darüber wollen wir uns 
vorderhand jeder Aeusserung enthalten. Die Regierung 
hat M. Loret beauftragt, die kleinen Gegenstände aus 
dem Grabe zu nehmen, die Mumien und die nicht ein- 
balsamirten Leichen jedoch an ihrem ursprünglichen 
Platze zu belassen. Im Laufe des nächsten Winters 
soll der Eingang in die Grabkammer durch Eisenstäbe 
versichert werden, uro die Leichen, die nun über 3400 
Jahre alt sind, vor Berührung von Seite der Besucher 
des Grabes zu schützen. 

Die moderne Gesundheitspflege in Aegypten hat 

zweifellos ganz bedeutende Erfolge aufzuweisen, wie 
aus dem Berichte Lord Cromer's für das Jahr 1897 
hervorgeht. Es ist sogar mit einer Aufräumiing der 
Missstände begonnen worden, die durch die muham- 
medanische Religion und durch die Geschichte seit 
Jahrhunderten geheiligt waren'. In Cairo ist das Kasr- 
el-Aini-Krankenhaus so grossartig ausgebaut und aus- 
gerüstet worden, dass es den Vergleich mit den besten 
europäischen Anstalten nicht zu scheuen braucht ; auch 
ein bakteriologisches Laboratorium ist errichtet worden. 
Vier grosse Provinzial-Krankenhäuser sind im Bau 
begriffen, ferner eine ständige Quarantainestation für 
Rinder, sowie in dem Orte Tor Gebäude zur Aufnahme 
und Desinfection der Mekkapilger. Die Pocken werden, 
so kann man hoffen, nun rasch verschwinden, da für 
Vornahme umfangreicher Impfungen Sorge getragen 
wird. Den heilsamen Anstoss zu all diesen Maass- 
regeln, die einen erheblichen Schutz Europas gegen 
die Seuchen des Orients bilden werden, haben die 
Choleraepidemie von 1895 und die Pestepidemie in 
Bombay gegeben. Sogar Privatmoscheen haben sich 
einer gesundheitlichen Untersuchung nicht entziehen 
können. Die Friedhöfe in Cairo sind verlegt, Brunnen 
zu besserer Wasserversorgung gegraben, endlich auch 
der geschichtlich berühmte, aber gesundheitlich höchst 
bedenkliche Canal Khalig ist aufgefüllt worden, und 
jetzt geht — tempora mutantur — eine elektrische 
Eisenbahn über ihn hinweg. Auch die Irrenanstalt in 
Cairo verdient grosses Lob, nur ist sie viel zu klein, 
so dass Patienten vor vollendeter Heilung entlassen 
werden müssen, um gefährlicheren Kranken Platz zu 
machen. Ueber ein Drittel aller Insassen des Irren- 
hauses sind Opfer des Haschischrauchens, das eine 
der grössten Gefahren für die aegyptische Bevölke- 
i:uag._)st. 



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CH. REIS&ER & M. WüRTHMER, WX£N. 



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XXIV. jAHKOANo. WIEN, JULI 1898. Nr. 7 Beii-aoe. 

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Woir8berg(via Marburg); Lullenlx-rg, K«8ach, Wie»; Malm, l.eobni 
8.!U Frnh (Peraonenzug): Kanirjia, lloiniactaUrod, Ewcgg; Pakraca- 

Lipili, Agrani, Budapest (via Uedruburg). 
9.— VormitUg« (Scbuelliug): Marburg, Area, Meran, Inntbnick, Klagen- 

fürt (via Marburg), Leoben. 
9.40 Vormittag« (I'eraonening) : Steinamanger, Ofin>. 
10.— VormitUg» (Schnelling) : Trteat, Rom, Hailand, Venedig, U«r< . 

Pola, Rovigno; tHume, Siaaek, Agram, Bndap«at (via Pragrrbol 
1.15 Machmittags (reraonenaug): Gras, L,«obeu, Tordemberg ; Aliens. 
l.U Naohmituga (Personeniug): Kanissa, OSna (Dlenatag und Freitag), 

Wienar-Neusudt. 
4.— Naebrolttagt (Posting): Triest, OSra, Venedig, Pola; Rorigno; 

FInme, Siaaek, Agram; Hadkersburg, K<)ilac]i,Wles;Staln<,Vordwa- 

berii. Leoben, Neuberg. 
.■>.S5 NarbmilUga (Personentug): Rar< •• Kaniiaa, Badapaat, Qtaa, 

Agram, Oedeuburg. Wiener-Neiulant. 
'■>.— Abvnda (Personeniug): Sarajevo, Kssegg; Agfam, Uudap.» . 

Kaiilia»; Pakrars-I.tpik (<la Oede. bürg) ; Uutrnstein. 
9.S& Abends (Scbnelliug): Trleat. 06r«, Pola. Rovigno; Kinne: Brod, 

Siaaek (via SleinbrDrk); Budapest (via Pratrerhof); UaaeMb, 

Vlliacb, Kagenfnrt, Wnlfsberg; Lnlteuberg, KSOacll. 
•^.Ai Abend» (Sebnelltug): Venedig (via Poniafel). Boten, Hanta, Aiw., 

Innsbruck; Leoben, Vordemberg; Neoberg, Aflena. 

BohlafvraKenverkebren mit den Scbnelltllgen (Wien ab 8.20 Abends, Wim an 10.- Vormittags) iwiscben 'Wlan-Trlsat, ^l*B-06rm'V«n»41c 

via Cormons und (Wien ab 9.45 Abends, Wi«-u au '.f.- Vormittags) swischen Wten-Xarburi^-Mer&n 
Dlreot« Wagen I,, II. Olaaae verkebren mil den obigen Schiiellr.lli;' n iwiarhen WleB-Floma (Abbaria^ und Wler-Ala via FraaaeiU' 
teste, loiuor mit ilun Srliimllztlgcn (VVi,in ab ".JO Frtth und Wieu an ;• > Ab«-nils> »wisilicn ^virn- Venedtir-MallRsd via Leoben, daaa 

\\\\m nb X.IO l'iUh, Wien an 'J.s.«. Aliends) znischcn Wl< ti-Finme (Abbazli) Wtea-Pola und stlcn-06.s. 
Fahi-Oi-duungcn in l'lacat* uud Taschcn-Korniat bei alleu Biilctti ^-Ca^sl■l1 ; Tasohen-Kabrplan der I.*>calsilgr in aiien Tobak-Traflk*a Wien». 
Fahrkarten - Aaagrabe (in bcsctirikuktem Mass,.) und Anakünfte ix-i der Wieucr Agentur der Internailtinaleu ScbiafWagen-OeaelUcbaft, 
1. Kiirutnerring \b, im Kabrkartt>n-Sladtl)ur4'HU der kgl, Ungar. Sii,ats«-i^«-iibabuen in Wien, 1. KÄmlnerring it^ dann in de» Keiaeberveaa: 
Tli. l'iiiik & 80U, I. KKrnliiemtnissi' 32A. I). .Srlir<ieckl's Witwe, i. Kolo« lalring IS, Schenk.r s t^»., I. STboitenring .H (Hotel de FraDce), .Ooeriet*, 
Internailonales Kcise- und Fatarkarlenburcau Nagel & Wortmann, 1. Opemgasae t>. 



Abfahrt von Wien: 

.5..')0 Früh (Personenzug): MUrzzUBOhlag, Kanizsa , Budapest; tiüns 

(Dienstag und Freitag); Pakräcz-Lipik ; Kssegg, Sarajevo; Agratn; 

Aspang. 
7.20 Frlib (sciinüllzug): Ijeoben, Vordemberg, Venedig (via IVintafel), 

Kanizsa, Kssegg, Sarajevo, PakrAcz-Lipik, Agram ; Budapest (via 

Pragerbof); Nouberg, Adeuz. 
8.10 Früh (Schnellzug); Trieat, Flume, Pola, Siasok (via Sleinbrück), 

(lonobitz, KlHgenfart, Villacb, Bozen, Meran, Arco, lunsbrnck (via 

.Marburg), Wulfsberg, Luttenberg (QleicUeuberg), Köflach. 
I.IS Nachmittag« (Posting) :Trie<t, G8rz, Venedig; Fiume; Pola. Hovigno, 

SisHek, Brod, Baujaluka; Looben, Vordernborg ; Neuberg, Adens. 
1.40 Nachmittags (Persoueuzug): Bares, Agram, Kanizsa, GOns. 
8. S.5 Nachmittags (Personenzug): Wiener- Neustadt, Aspang, Kanizsa, 

Huiiapest. 
4.30 Nachmittags (Personenzug): Graz, leoben. 
5.25 Nachmittags (Personenzug): Wiener-Neustadt, Steinamanger. 
7.40 Abends (Persouenzug): Kanizsa, itudapest, Pakricz.Llptk; Kssegg, 

BosniHch-Hrud ; Agram, Sissek, Sarajevo. 
8.S0 Abends (Schnellzug): Triest, Ofirz, Venedig, Rom; Mailand, Genua; 

l'ola, Uuvigiio i Fiume ; SIssek, Ba^Jalttka, Budapest (via Pragerhof). 
y.— Abends (Postzug); Trieet, Görz, Venedig, Korn, -Mailand ; Poia, 

Kovigno, Agram; tionobttz, Budapest (via Pragerhof); Kiagenfurt, 

Wolfsberg, Meran, Arco, Innslirtiek (via Marburg); Luttenberg, 

Köflach, Wies; Slainz, Leoben, Vortlernberg. 
0.44 Abends (Schnellzug): Marburg, Kiagenfurt, Franientfesle, Meran, 

Aren. Innsbruck (via Marburg). 



IV 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



mitig vom 1. Jänner 1B97 
bia auf Weiteres. 



iTaörplan hEÖ „<l^efterrcf cgf fdjen IClotiti' 



ailUg Tom 1. Jänner 1897 
bis auf Weiteres. 



ÜIBISTSO? X2s/L -A-IDItlA-TISCHEISr 3VEEEHE. 



Beschleunigte Eillinie Tries*— Cattaro. 

Ab Triest jeden Donnerstag 8>/i Ubr Frttb, 
la üattaro Freitag 12 Ubr Mittags, berabr. : 
Pola, Zara, Spalato, tiravoaa. 

Retour ab Cattaro 6 Ubr Abends, in Triest 
Samstag 10 Ubr NacbU. 

Linie Triest-iMetkovicIl A. 

Ab Triest jeden Mittwoch 7 Uhr Früh, in 
MetkuTich Freitag 4 Uhr Nachm., berühr. : 
Rovigno, Pol«, Lussinpiccolo , Zara, Zaravecchia, 
Sebenico, Trau, Spalato, S. Pietro, Almissa, 
Gelsa, S. Martino, Macarsca, S. Giorgio di Les., 
Trapano, Fort Opus. 

Retour ab Metkovioh Jeden Sonntag 8 Ubr 
Früh, in Triest Dienstag IV« l^hr Nachm. 

Anschlugsauf der Hinfahrt in Spalato an die 
Hinfahrt der beschleunigten Eillinie Triest— 
Caturo. 

Linie Triest— Metkovich B. 

Ab Triest jeden Samstag 7 U)ir Früh, in 
Uetkovich Montag 4V» Uhr Nachm., berühr. : 
Rovigno, Pola, Lussinpiccolo, Zara, Zlarin, 
Sebenico, Trau, spalato, S. Pietro, Postire, 
Almisaa, Paciscble, Macarsca, Gradaz, Fort Opus. 



Retour ab Metkovieh jedeu Mittwoch H Uhr 
Früh, in Triest Freitag 6 Uhr Abends. 

AnschlusB auf d«)r Rückfahrt in Spalato an 
die Hinfahrt der Linie Triest — Cattaro A und in 
Zara an die Rückfahrt der Linie Triest— Pola — 
Zara. 

Linie Triest— Venedig. 

Von Triest Jeden Montag, Mittwoch und 
Freitag um Mitternacht, Ankunft in Venedig den 
darauffolgenden Tag fl',, Uhr Früh. 

Retour ab Venedio jeden Dienstag, Mittwoch 
und Freitag um Mitternacht, Ankunft in Triest 
den darauffolgenden Tag 6'/a Uhr Früh. 

Linie Ppla— Zara. 

Ab Pola jeden Mittwoch 3 Uhr Nachmittags, 
in ^ara Donnerstag 6 Ubr Nachm., berühr.: 
Cberso, Rabaz, Abbazia, Malinsca, Veglia, Arbe, 
Lnssingraude, ValcaBfione, Porto Mauzo. 

Retour ab Zara Ffeitag 7 Uhr Früh, in Pola 
Samstag 7'/» Uhr Frül^. 

Anscliluss in Zarsi an die Eillinie Triest — 
Cattaro auf der Hinfahrt und an die Linie Triest — 
Metkovich B auf der |^Ückfahrt. 



Linie Triest— Cattaro i. 

Ab Triest jeden Dienstag 7 Ubr Früh, 1l 
Cattaro Donnerstag 6Vi Uhr Abends, berühr.: 
Rovigno, Pola, Ijussinpiccolo, Selve, Zara, 
Sebenlco, Spalato, Miina, Lesina, Curzola, Ora- 
Tusa, Casteluuovo, Teodo, Risano. 

Retour ab Cattaro Jeden Montag 10 UhrVorm., 
In Triest Mittwoch 6 Uhr Abends. 

Linie Triest— Cattaro B. 

Ab Triest Jeden Freitag 7 Uhr Früh, in 
Spizza darauffolgenden Mittwoch 11 Uhr Vorm., 
berühr. : Rovigno, Pola, Lussinpiccolo, Selve, 
Zara, Sebenico, Rogosnizza, Trau, Spalato, Ca- 
rober, Milna, Cittavecchia, Lesina, Lissa, Comisa, 
Vallegrande, Curzola, Orebich, Terstenik, Meleda, 
Gravosa, Ragusa vecchia, Ca^telnuovo, Teodo, 
Perasto-Risano. Perzagno, Cattaro, Budua. 

Retour ab Spizza jeden Mittwoch ll'/, Uhr 
Vorm., in Triest darauffolgenden Montag 5*/« Uhr 
Nachm. 

Anmerkung. Falls schlechten Wetters wegen 
das Anlaufen von Caatelnnovo nicht mOglicb 
wäre, wird in MegUne angelegt. 



LEV-A-l^TTE- TJISIJ^ Iw^ITTEL3i-«lEER-i:>IEI>T3T. 



Eillinie Triest— Aiexandrien. 

Von Triest jeden Mittwoch ab 1 2 Uhr Mittags, 
In Aiexandrien Sonntag 6 Ubr Früh, berührend: 
Brindisi. Rückfahrt von Alexandrlen jeden Sams- 
tag Mittags. 

Anschluss inAlexandrien an die Sy riscb-Cara- 
manische Linie. 

Anschluss in Triest bei Abfahrt und Ankunft 
an den Luxuszag Ostende — Wien— Triest und in 
Brindisi auf der Hiufahrt an den um 11 Uhr 
Vorm. eintreffenden und bei der Rückfahrt an 
den um 6 Uhr 10 Min. abgehenden Eilzug. 

Eillinie Triest— Constantlnopel. 

Ab Triest jeden Donnerstag 11 Ubr Vorm., 
in Constantlnopel darauffolgenden Mittwoch 
6'/a Uhr Früh, berühr. : Brindisi, Sti. Quaranta, 
Corfu, Patras, Pir&us, Dardanellen. Rückfahrt 
von Gonstantinope) Jeden Dienstag, in Triest Mon- 
tag 2 Uhr Nachm. 

Diese Linie wird eine Woche bis nach Odessa, 
die andere bis nach den Donauhäfen (im Winter 
bis nach Batum) verlängert. Anschluss in Corfu 
an die Linie Corfu— Prevesa, in Piräus an die 
Thessalisehe Linie und in Constautinopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrisch-Cara- 
manischen Linie. 

Grlechlscii-Orientalisctie Linie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab TrIest Sonntag vom 

10. Jänner 1897 ab 4 Uhr Nachm., in Smyrna zweit- 
näcbsten Dienstag 6 Uhr Früh, berührend: Fiunie, 
Durazzo, Valona, Corfu, Santa Maura, Patras, 
Zante, Cerigo, Canea, Rethymo, Candia, Vathy, 
Tscbesme, Chios. Rückfahrt ab Smyrna Sonntag 
vom 10. Jänner ab 10 Uhr Vorm., in Triest 
zweitnächsten Dienstag 5 Uhr Früh. 

Griechisch-Orientalische Linie über 
Albanien. 

Jede zweite Woche. Ab Trlest Sonntag vom 
3. Jänner 1897 ab 4 Uhr Nachm., in Smyrna 
zweitnächsten Dienstag 7'/, Uhr Früh, berüh- 
rend : Cattaro, Budua, Antivari, Dulcigno, 
Medua, Durazzo, Valona, Santi Quaranta, Corfu, 
Santa Maura, Argostoli, Zante, Canea, Ketbymo, 
Candia, Vathy, Tschesm^, Chios. Rückfahrt von 
Smyrna Sonntag vom 3. Jänner 1897 an 10 Uhr 
Vorm., in Triest zweituäohsten Dienstag S Uhr 
Nachm. 

Anschluss in Smyrna auf der Hinfahrt an 
die Syribch-Caramanische Linie und an die 
Rückfahrt der Syrischen Linie. Nach Cattaro und 
Budua keine Waaren- und Passagieraufnahme. 

Linie Triest— Fiume— Aiexandrien. 

Jede vierte Woche. Ab Trtest Donnerstag vom 
28. Jänner 1897 ab ; in Aiexandrien zweitnächsten 
Samstag 6 Uhr Früh, berührend: Fiume, Corfu, 
Patras. Rückfahrt von Aiexandrien Montag vom 

11. Jänner 1897 ab 9 UhrVorm., in Triest zweit- 
nächsten Dienstag 7', tihr Früh. 

Anschluss in Aiexandrien auf der Hinfahrt 
an die Syrische Linie. 



Thessalisehe ynie über Fiume. 

Jede zweite Woche. Ab TrIest Sonntag vom 
S.Jänner 1897 ab 4 Uhrpachm., in Constantlnopel 
zweitnäcbsten Sonntak 5V» Uhr Früh, berühr. : 
Fiume, Corfu, Patras, Kante, Catacolo, Calamata, 
Canea, Rethymo, Caqdia, Syra, Piräus, Volo, 
Salouich, Cavalla, Layos, Dedeagatsch, Darda- 
nellen, Gallipoli, Roopsto. Rückfahrt von Con- 
stantlnopel Freitag vom 8. Jänner ab 8 Uhr Früh, 
in Triest drittnächsten'Sonntag 7 Uhr Früh. 

Diese Linie wird ^Is nach den Donauhäfeu 
verlängert werden. Apsohluss in Piräus an die 
Eillinie Triest— Constantlnopel. 

Thessalisehe Linie über Albanien. 

Jede zweite Wocbf. Ab TrIest Sonntag vom 
10. Jänner ab 4 Ubr ITachm., in Constantlnopel 
zweitnächsten Sonnta« 5^/« Uhr Früh, berühr. : 
Cattaro, Budua, Anpvari. Dulcigno, Medua, 
Durazzo, Valona, S. Quaranta, Corfu, S. Maura, 
Argostoli, Catacolo, C^lamata, Canea, Rethymo, 
Candia, Piräus, Volo, Balonlch, Cavalla, Dedea- 
gatsch, Dardanellen, Üallipoll, Rodosto. Rück- 
fahrt von Constantinnel Freitag vom 1. Jänner 
1897 ab 8 Uhr Früf, in Triest drittnächsten 
Samstag 3 Uhr NachQi. 

Diese Linie wird bUB3.tum verlängert werden. 
Anschluss in Piräus an die Eillinie Triest — Con- 
stantlnopel und in Constantlnopel auf der 
Hinfahrt an die Rückfahrt der Syrischen Linie. 
Keine Waaren- und Passagieraufnahme nach 
Cattaro und Budua. 

Syrisphe Linie. 

Jede zweite Woc(e. Ab Aiexandrien Montag 
vom 11. Jänner 1897 ab, 4 Uhr Nachm., in Con- 
stantlnopel zweitnächlten Mittwoch 7 Uhr Früh, 
berührend: Port Saidj Jaffa, Calffa, Beyruth, Lar- 
naca, Limassol, Rbodps, Chios, Smyrna, Meteliu, 
Dardanellen, Gallipolf. Retour ab Constantlnopet 
Montag vom 11. Jänner 1897 ab 3 Uhr Nachm., in 
Aiexandrien zweitnäcfastenDonnerstag 7UhrFrüh. 

Diese Linie wird bis Batum verlängert werden. 
Anschluss in Constaatinopel auf der Hinfahrt 
an die Donaulinie unddleLinle ('onstantlnopel — 
Constantza (G) unq an die Rückfahrt der 
Tbessalischen Linie tber Fiume; in Aiexandrien 
auf der Rückfahrt aq die Eillinie Triest— Aie- 
xandrien. 

Syrlsch-Carfimanlsche Linie. 

Jede zweite Woc^ie. Ab Aiexandrien Montag 
om 4. Jänner 1897 4b 3 Uhr Nachm., in Con- 
stantlnopel zweitnächsten Donnerstag 5 Uhr 
Nachm., berühr. : Por| Said, Jaffa, Caiffa, Beyruth, 
Tripolis, Latlakia, Al^x^ardrette, Mersina,Rhodus, 
Chios, Smyrna, Dard^ne.len. Rückfahrt von Con- 
stantlnopel Samstag vom 2. Jänner ab 3 Uhr 
Nachm. Ankunft in Aiexandrien zweitoächsten 
Mittwoch 8 Uhr Früh. 

Diese I^iuie wird bis Odet^sa (S) verlängert 
werden. Anschluss ia Constantlnopel auf der 
Hinfahrt an die Liuieponstantinopel— Batum und 



an die Rückfahrt der TheBsaUschen Linie über 
Albanien, in Aiexandrien auf der Rückfahrt an 
die Eillinie Triest — Aiexandrien. 

Donau-Linie. 

Ab Constantlnopel Jeden Donnerstag 3 Uhr 
Nachm., in Braila Montag 10 Uhr Vorm., berühr. : 
Burgas, Varna, Constantza. Sulina, Galatz. Retour 
ab Braila Mittwoch 8 Uhr Früh, in Constantlnopel 
Sonntag 5 Uhr Früh. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis nach 
Triest verlängert werden u. zwar eineWoche durch 
die Eillinie Triest — Constantinopol, die andere 
Woche durch die Thessalisehe Linie über Fiume. 
Anschluss in Constantlnopel auf der Rückfahrt 
an die Syrische Linie. 

LInleConstantinopel— Constantza mit Ver- 
längerung bis Odessa. 

Jede zweite Woche (U). Ab Constantlnopel 
Donnerstag, vom 7. Jänner ab 3 Uhr Nachm., 
in Odessa Samstag 8 Uhr Früh, berührend: Con- 
stantza. Retour von Odessa Freitag vom 15. Jänner 
ab 4 Uhr Nachm., in Constantlnopel Sonntag 
10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie bis nach 
Triest verlängert werden durch die Eillinie Triest- 
Constantinopel. 

Jede zweite Woche (S). Ab Constantlnopel 
Samstag vom 16. Jänner 1897 ab, in Odessa 
Montag 8 I br Früh, berührend Constantza. Re- 
tour von Odessa Montag vom 25. Jänner 1897 
ab, in Constantlnopel Mittwoch 10 Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wi^rd diese Linie bis 
Aiexandrien verlängert werden durch die Syrisch- 
Caramanische Linie. Anschluss in Constantlnopel 
auf der Rückfahrt an die Thessalisehe Linie 
Über Albanien und au die Hinfahrt der Donau - 
Linie und der Linie Constantlnopel — Batum. 

Zweigiinie Constantlnopel— Batum. 

Ab Constantlnopel jeden Freitag, in Batum 
närhsten Dienstag, berührend: IneboU, Samsun, 
KerasBunt, Trapezunt. Rückfahrt von Batum 
Donnerstag 6 Uhr Abends, in Constantlnopel 
darauffolgenden Mittwoch 10' , Uhr Vorm. 

Auf der Rückfahrt wird diese Linie eine 
Woche bisAlexandrien verlängert werden durch die 
Syrische Linie, die andere Woche bis nach Triest 
durch die Thessalisehe Linie über Albanien. 
Anschluss in Constantlnopel auf der Rückfahrt 
an die Syrlsch-Caramanische Linie und an die 
Hinfahrt der Donau-Linie und die Linie Con- 
stantlnopel— Constantza (G). 

Zweigiinie Corfu— Prevesa. 

Ab Corfu jeden Sonntag 4>/, Uhr Früh, in 
Prevesa 5 Ubr Nachm., berührend : Sajada, Parga, 
S. Maura. Retour ab Prevesa Freitag 6 Uhr Früh, 
in Corfu 6';, Uhr Abends. 

Im Anschluss in Corfa auf der Rückfahrt 
an die Eillinie Trieat— Constantlnopel . 



OOE-A.ISriSC3B:EE. DIEOSrST. 



Linie Triest— Shanghai— Kobe. 

Ab Triest am 20. jedes Monate^, 4 Uhr 
Nachm., berühr.: Fiume*, Port - Sai'd. Suez, 
Massaua (die Berühruug Massauas erfolgt auf 
der Ausreise und der Heimreise nur gelegentlich), 
Aden, Kurrachee, Bombay, Colombo. Penang, 
Singapore, Hongkong, Shanghai. Rückfahrt von 
Kobe am 31. März, 29. April, 29. Mai, 27. Juni, 

28. Juli, 28. August, 29. September, 29. October, 

29. November, 30. December, 29. Jänner 1898 
und 28. Februar 1898. 

Anschluss in Bombay sowohl bei der Htn- 
als Rückfahrt an die Eillinie Triest — Bombay. 
Anschluss in Colombo bei der Hin- und Rück- 
fahrt an die Zweiglinie Colombo-Calcutta. 

Die Abfahrts- uud Ankunftszeiten in den 
Zwischenhäfen, ausgenommen Bombay und Co- 
lombo, kfinnen nach Umständen verfrüht oder 
verspätet werden. 



Zweigiinie Colombo-Calcutta. 

Ab Colombo am 27. jeden Monates, berührend; 
Madras. Rüektahrtvon Calcuttavom 14. Februar 
ab den 14. jeden Monates bis incl. Jänner 1898, 

Anschluss in Colombo an die Linie Triest— 
Shanghai— Kobe bei der Hin- und Rückfahrt. 

Die Dampfer dieser Linie berühren gele- 
gentlich auch Coconada oder einen anderen Hafen 
an der Küste von Coromandel. 
B. Mercantlidler^st nach Brasilien 

Abiatirt ab Triest am 10. Jänner, 10. März, 
10. Mai, 20. Juni, 20. Juli, 20. August, 1. October 
10. November, berührend: Fiume, Pernambuco, 
Bahia, Rio de Janeiro und Santos. Rückfabrt von 
SantOS am 12. März, 10. Mai, 10 Juli, 18. August, 
17. September, 18. October, 29. November, 
10. Jänner 1898. Die gleiche Anzahl t'ahrten 
unternimmt die „Adria** ab Fiume In den 
Z wischen monaten mit Berührung von Triest. 

*) Flame wird auf der Ausfahrt am 21. der ungeraden Monate {nämlich Jänner, März, Mai, Juli, September, November) berührt. 
Bei der Heimreise erfolgt die Berührung von Fiume am 28. Mai, 30. Jul(, 29. September. 28. November, 28. Jänner 1898 uud 28. März 1898. 

Event. Aeuderungeu in den Zwischenhäfen ausgenommen und ohne Haftung für die Regelmässigkeit des Dienstes bei Contumavorkehrungen. 
VERANTWORTLICHER RBDACTEÜR: JULIUS BÖHM. CU. REISSBR t M WBRTHNBR, WIEN. 



Der Aufenthalt iß Fiume auf der Heimreise 
kann nach dem absoluten Erforderniss für die 
Ladungs- und Lösch ungsarbeiten verlängert oder 
abgekürzt werden. 

Ausser den in dem obigen Fahrplan genannten 
Häfen können die Dampfer unter Umständen auch 
Nagasaki oder Mogi ablaufen, doch wird das Datum 
der Abfahrt von Kobe hiedurch nicht geändert. 

Eillinie Triest- Bombay. 

Ab Triest am 3. «Ines jedeu Monates, be- 
rührend: Brindisi, Pprt-Said, Suez, Aden. Rück- 
fahrt von Bombay vom 1. Februar ab Jeden 
1. des Monates bis iacl. Jänner 1898. 

Anschluss in llopabay an die Linie Triest— 
Shanghai— Kobe. Die Ankunft und Abfahrt in 
den Zwischenhäfen kann nach Maassgabe der 
Bedürfnisse verfrüht, oder verspätet werden. 



August 1898. 



Hr. 8. 



OESTERREICHISCHE 




giats^fhriö filr ben (irient. 



•OTA 

UZttJ. 
3i_U 



Heransgegeben vom 

_ji*. ÖSTERREICHISCHEN HANDELS-MUSEÜM IN WIEN. 

Redigirt von JULIUS BÖHM. 



Monatlich eine Nummep. 



Verlag dbs k. k. Österreichischen Handem-Museums im Wien. PreU jihrL B IL 10 Kark. 



INHALT: Alt«yrl8cbe l!aukun«t. Von Hermann Fei gl. — (Jommerclollo 
und Indualrlelle Vcrh&UnUse von New South Walei und damit im 
Zusamnientiaugü Mteheudo sociale Zustände iteil 1894. — Ctironik. — 
MlBoollen: Briefträgor iu China. — Hau»ballung»ko»ten in Jaijan. 
— Schwimnicnde Landwlrihachaft In China. — Die airlkaoliche Kor- 
Hchunt^acxpeditlou unter Major Gibbons. 



ALTSYRISCHE BAUKUNST. 

DU Ausgrabungen von Sendschirli-Jadai, 
Von Hermann feigl. 
II. 

Die Tage von Sendschirli-Jadai verliefen demnach 
nicht ganz friedlich, und von seiner bewegten Ge- 
schichte geben die Trümmer seiner Burg ein beredtes 
Zeugniss. Nicht weniger als fünf Schichten von Bau- 
resten, die unter dem Hügel von Scndschirli begraben 
waren, kennzeichnen die eben nicht gar zu weit 
auscinanderliegenden Zeitpunkte, in denen das Sckicksal 
der Stadt und damit auch ihr Aussehen eine Ver- 
änderung erfuhr. Die tiefste Schichte des Hügels lässt 
mit ihren spärlichen Resten von Cultur nur gerade 
eben darauf schliessen, dass hier schon vor der 
Festungsbauzeit eine Ansiedlung bestanden hat. Der 
Anfang der Festungsbauzeit darf nach Schätzungen 
erst in den Beginn des XIII. Jahrhunderts v. Chr. 
verlegt werden. In dieser Zeit entstanden die 
Gebäude mit grossem Balkenrost mit zwischengelegten 
Steinen : die innere Stadtmauer, die äussere und innere 
Burgmauer und die Quermauer, die Vormauer vor dem 
alten Hiiani und wahrscheinlich auch das alte Hilani 
selbst. In der darauffolgenden Bauperiode, die durch 
die dritte Schichte gekennzeichnet ist, entstanden die 
Gebäude mit einem Balkenrost, aber ohne Steinreihen 
dazwischen: das Hilani II (?), Hilani III und der nörd- 
liche Hallenbau. Zu den Gebäuden der vierten Periode 
gehören: die Casemattcn, der obere Palast mit den 
nördlich daranstossenden Gebäuden und wahrscheinlich 
auch die äussere Statitmauer — sämmtliche ohne wahr- 
nehmbaren Rost. Die fünfte und jüngste Periode ist in 
den obersten Schichten des Hügels an den schwachen 
und kleinen Häusermauern zu erkennen, die zum Theile 
die heutige Oberfläche bilden. 

Wenn auch nicht zu bezweifeln ist, dass diese auf 
Grund der archäologischen Untersuchungen gewonnene 
relative Zeitbestimmung, wie sie Koldewey gibt, richtig 
ist, so fehlen uns bis in die Mitte des VIII. Jahr- 
hunderts V. Chr. doch alle Anhaltspunkte zu einer 
bestimmten Datirung. In dieses Jahrhundert fällt die 
Unterwerfung von Jadai unter die Oberhoheit Assy- 
riens, das Vasallcnthum des Königs Panammu II. 
unter l'iglatpilesar III., die Erbauung des Hilani III 
gegenüber dem schon früher erbauten Hilani II und 
die Aufführung des Hallenbaues unter Bar-Raküb. 
Aber unter den nächsten Nachfolgern Bar-Raküb's, der 



noch ein treuer Knecht liglatpilesar's war, muss bald 
einer gewesen sein, der des Vasallcnthums überdrüssig 
das assyrische Joch abzuschütteln suchte. Sein Wunsch 
war sein und Jadai's Verderben. „Eine grauenhafte 
Katastrophe, die vor der Aufstellung der Siegessäule 
Asarhaddons (68 1 — 668 v. Chr.) im Binnenbofe des 
Burgthores über die Stadt verheerend hinweggegangen 
ist, hat ihre deutlichen Spuren fast an allen grossen 
Gebäuden jener Zeit einschliesslich der Festungswerke 
hinterlassen. Die Stadt wird — das darf man aus den 
durchgreifenden Vernichtungsspuren schliessen — be- 
lagert, erobert und verbrannt. Brand beschädigte da* 
Burgthor, und der ganze untere Palast ging in Folge 
einer raffiinirt sorgfältigen Brandlegung in Flammen 
auf. Sowohl das Hilani III und der nördliche Hallenbau 
als auch der Tempel, wo der Thron der Landesgott- 
heit stand, und das alte Hilani oben — alle zeigen 
die in den Flammen gerötheten und im Rauch ge- 
geschwärzten Thonschichten, die im Feuer gerötbeten 
und verglasten Ziegel, verkohltes und veraschtes 
Balkenwerk in ihren Ruinen. Die blühende Burg war 
ein rauchendes Trümmerfeld geworden. Das ist die in 
jener Zeit durchaus übliche Hinrichtungsart für besiegte 
Städte. Man darf sich daher durchaus nicht wundern, 
bei jeder Ausgrabung dieser Art sozusagen auf 
Schritt und Tritt auf die Reste gerade dieser Ver- 
wüstungsmethode zu stossen." 

Nachdem Asarhaddon die abtrünnige Stadt auf 
diese Weise gezüchtigt und einen anderen Herrn über 
sie gesetzt hatte, kehrte wieder Frieden in die Mauern , 
und es begann eine neue Bauthätigkeit. Wo und so 
gut es möglich war, wurden die beschädigten Bauten 
ausgebessert und an Stelle der gänzlich vernichteteo 
neue aufgeführt. Das Burgthor und die Burgmauer 
wurden reparirt, das Hilani III beim unteren Palast 
mit den in der Feuersbrunst gebrannten Ziegeln wieder 
aufgebaut, und in jener Zeit der Restauration wahr- 
scheinlich auch der äussere Mauerring um die Stadt 
gezogen. Auch der obere Palast wurde in dieser Bau- 
periode auf dem Gipfel des Hügels aufgeführt, und 
zwar auf den Fundamenten und mit dem Steinmaterial 
des alten Hilani. Und zur Verstärkung der Sicherheit 
der Burg wurden wohl auch die Casematten, eine 
Caserne für die Besatzung, errichtet. 

Aber auch die unmittelbare, nur durch Statthalter 
.lus^eübtc Herrschaft der assyrischen Könige über 
Jadai dauerte nicht lange, denn im Jahre 670 v. Chr. 
hatte Asarhaddon seine Siegessäule in Seadschirli auf- 
gestellt und schon im Jahre 606 v. Chr. brach das 
assyrische Reich zusammen. Ob Sendschirli-Jadai vor, 
bei oder nach dem Sturze der assyrischen Macht 
seinem letzten Geschicke zum Opfer fiel, das kann bei 
dem Mangel historischer Zeugnisse vorderhand nicht 
mit Bestimmtheit angegeben werden. Eines aber ist 
gewiss: ri^yyr eine grössere Katastrophe hat die Stadt 



88 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT rOK DEN ORIENT. 



noch einmal heimgesucht. Auch der obere Palast fiel 
durch Brand. Das Thor der Querraauer wurde demo- 
lirt. Die Löwen seiner Orthostatenschicht wohl in 
Folge abergläubischer Furcht in eine vielleicht eigens 
zu dicem Zwecke erst gegrabene Grube hinabgeschleift 
und ein grosses Feuer darüber angezündet. Selbst die 
Siegesstele Asarhaddon's nach vorn übergerissen und 
zertrümmert. Das Alles ist gewiss auch wieder das 
Ergebniss eines feindlichen Eingriffs gewesen, aber 
über den Zeitpunkt dieser Katastrophe, des eigent- 
lichen Begräbnisses der Stadt, lässt sich mit Sicherheit 
nichts sagen." Auf den Trümmern der gänzlich ver- 
fallenen Stadt liessen sich bald wieder Ansiedler in 
nruen Wohnungen nieder, und Koldewey bezweifelt 
nicht, dass die Oberfläche des Ruinenhögels bis in 
verhältnissmässig moderne Zeit ohne Unterbrechung 
bewohnt geblieben ist. 



sehen haben, erfährt diese classische Form auch Modi- 
ficationen, und zwar einerseits durch Vermehrung der 
Räume durch eine dritte Reihe von Gemächern, und 
andererseits durch Hinweglassung des linken Beiraumes 
des Hauptsaales. Die letztgenannte Anordnung ist von 
grosser Wichtigkeit, „Dadurch ist die Richtung des 
Hauptsaales mit Entschiedenheit auf eben diesen einen 
Seitenraum gelenkt, und diesen können wir nunmehr 
nicht durch eine Thür vom Hauptraum abgeschlossen 
denken, sondern dürfen ihn vielmehr als einen unmittel- 
baren Annex, eine Nische, auffassen, die mit dem 
Hauptsaal noth wendiger weise zusammengehört. Ent- 
weder war die Maueröffnung zwischen beiden Räum n 
sehr weit oder sie war durch Aufstellung von Säulen 
besonders vergrössert. Gerade diese Art der Absonde- 
rung vom Hauptsaal legt diesem Beiraum eine hervor- 
ragende Bedeutung bei, sowie sie dem „Dcbir" im 







I /// Ai»N 
Bnrgthor, von innen gesehen , reconatruirt. 



Ist es vom Standpunkte der Geschichtsforschung auch 
bedauerlich, dass wir das Drama von Sendschirli- 
Jadai nur bruchstückweise kennen, so dürfen wir uns 
vom Standpunkte der Geschichte der Baukunst doch 
wieder Glück wünschen, dass von seinen Gebäude- 
ruinen genug erbalten geblieben ist, dass es uns der 
Fleiss und die Genialität berufener Geister in einem 
Zustande vor Augen führen können, der es uns in 
seiner ursprünglichen Gestalt vorstellbar macht. Die 
werthvollste Hinterlassenschaft von Sendscbirli-Jadai ist 
die uns in seinen Ruinen gebotene Möglichkeit, klaren 
Einblick in die Geschichte und das Wesen der Bau- 
form des Hilani zu gewinnen. 

Der einfachste Grundriss dieser Bauform ist uns im 
alten Hilani von Sendschirli erhalten, und wie schor\ 
bemerkt, ist jener auf den Grundriss des Festungs- 
thores zurückzuführen. In seiner classischen Einfachheit 
stellt sich das Hilani dar als: zwischen zwei Thürmcn 
ein durch zwei Säulen nach aussen geöffneter über- 
deckter Vorhof und dahinter ein Hauptsaal mit einem 
kleineren Bciraume an jeder Seite. Wie wir schon ge- 



Salomonischen Tempel gegenüber dem grösseren Hekal 
zukam. Wenn hier überhaupt ein Fürst zu Thron sass, 
so ist dieser Beiraum der geeignete Platz dafür. Es ist 
gewiss nicht zufällig, dass gerade an dieser Stelle das 
Thierpostament für eine Statue und deren Fragmente 
gefunden worden sind. Tempel und Palast unterscheiden 
sich in alter Zeit dem Grundriss nach kaum von 
einander. Der Tempel war eben auch nur die Woh- 
nung für den regierenden Gott." Wenn aber das Hilani 
Tempel und Palast oder Burg zugleich war, so erklärt 
es sich auch, dass die Thürme des Grundmotivs, näm- 
lich des Burgthores, beibehalten wurden, obwohl sie 
für ein Götterhaus überflüssig waren. Vertheidigungs- 
thurm blieb aber, wie der compacte Unterbau auf der 
rechten Seite der Vorhalle des Hilani II und des 
Hilani III zeigt, nur der rechte massive Thurm, wäh- 
rend der linke Thurm, da er hohl geblieben sein muss, 
dem Zwecke der Vertheidigung nicht dienen konnte. 
Schliesslich wurde, wie an dem am spätesten ei bauten 
kleinen Hilani neben dem oberen Palaste zu bemerken 
ist, auch der rechte Thurm nicht mehr massiv gebaut, 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



i&t 



und die beiden Tbürme, nunmehr bohl und 
nur als Thurmzimmer anjjelejit, dienten nur 
mehr als Fa^adcnmutiv zum Schinucjce der 
Front. 

Was die Hilaoibauteo vor Allem cbarak- 
terisirt und auf den ersten Blick ins Auge 
fällt, das sind übrigens nicht die Thürme, 
sondern das ist die Querlage der Vorhalle 
und des hinter dieser liegenden Haupt- 
raumes. IJadurch unterscheiden sie sich 
von den Bauten des alten Wtstens, von 
denen Griechenlands und Trojas, die Lang- 
bauten waren, sowie auch das dortige 
Festungsthor ein Langbau war! Koldewey 
weist auch auf die Wechselbeziehungen 
zwiscluii Thorgebäude und Palastgf-bäude 
hin, die auch im Verhältnisse vom Tempel Da» 
zur Festung sich äussern. Im Thorhofe 
spielten sich nach dem Zeugnisse des Alten Testaments 
wichtige Vorgänge ab, und in den verthcidigungsfähigen 
Tempel, den letzten Zufluchtsort, zog sich die Be- 
satzung nach der Eroberung der Stadt durch die 
Feinde zurück. Wie schon oben angeführt, sind die 
Haupt- und Nebenräume des Hilani, nur in etwas 
anderer Anordnung, auch im Salomonischen Tempel 




JtÜiiGTA 
/ POVZRUZEN» 



s^- 




-^-L'-Ll 1 9 '6 



Dm kita llilani (I), ergänzt. Maaaatab I :G00. Kiiifacbe 8<:braffirai]g^l'°aadainent 
Krauitotaraffirnn (^überbau, eng arhrafärt — Vorhandene«, weit scbratilrt^ 

Brgliuttei. 

wieder zu finden — die Front mit der Säulenhalle 
und der Hauptsaal mit dem Bairaum — doch freilich 
scheint aus der Beschreibung dieses Tempels hervor- 
zugehen, dass er ein Langbau gewesen ist.') Querbauten 
dagegen mögen nach Koldewey wieder die Tempel 
der Baalim bei den polytheistischen Stämmen Syriens 
gewesen sein, wie sich aus der Anlage des Tempels 
des Baalsamin im Hauran schiiessen lasse, dessen zwei- 
säulige Halle mit den beiden Frontthürmcn 
Aehnlichkeit mit dem hethitisiheu Hilani erkennen 
lasse. 

Das Recht der Identificiruug der Bauten von 
Sendschirli-Jadai mit dem hethitischen Hilani 
leiten wir aus den Ergebnissen der Untersuchung 
ab, die O. Puthstem bezüglich der von den 
assyrischen Königen erbauten hethitischen Hilain 
angestellt hat. In den keilin.schriftlichen D,-iik- 
mälern dieser Kö ligc, von Tiglatpilesar 111. 
(745 — 727 v. Chr.) an bis zu Assurbanipal 
(668 — 626 v. Chr.) finden wir das hcihiiischc 
Hdani stets als beliebtes architektonisches Vor 
bild für den Bau von l'alä!>ten erwähnt, und 
da und dort auch durch besondere Merkmale 
gekennzeichnet. Der Hinweis auf die örtliche 

■) ,Daa Haiii aber, dai KBolg* äalumo dem Herrn baute, war 
60 Ellen lang, 30 Kllen breit und 30 Ellan lioob. Und er baute 
eine Hallo vur dem Tempel, SU Bllen lang, naoli der Breite dea 
Uauaea, und lU Hlleu breit vor dorn Hauie her." I. KOnIg«, 6, g— 3, 



lii. — Wullichat Btadittaor erglait. — HaaaeUb l:M>. 

Lage eines solchen Gebäudes, eines „Appati nach Art 
eines Ekal (Tempels) des Hctbitcrlandes", in einer Inschrift 
Sargon's (727 bis 705 v. Chr.) iicss Pucbstein dieses 
Appati in einer schon früher entdeckten Ruine in Kborsa- 
bad wiederfinden, und dessen nur zum Tbeile noch 
erhaltenes Fundament zeigte im Grundrisse: den 
Raum der Fronthalle, den linksseitigen Thurm und 
dahinter den Hauptraum. Das ist das bethitiscbr 
Hilani, von welchem in den assyrischen Keilschrift- 
texten so oft gesprochen wird : eine offene Fronthalle 
/.wischen zwei l'hürmen und ein Hauptsaal parallel 
'ur Front dahinter. Die Identität des brihitischen 
Hilani der assyrischen Könige mit den als Hilaoi be- 
zeichneten Gebäuden von Sendschirli-Jadai erscbeiot 
nach durch den Umstand gewährleistet, dass die Bauten 
der älteren Könige mit den älteren Grundrissen und die der 
späteren mit den jüngeren Bauten von Sendschirli in den 
wesentlichsten Punkten übereinstimmen. Dass man durch 
diese Uebcreinstimmung die Möglichkeit geboten bat, 
die Bauten von Sendschirli genauer zu datiren, liegt 
auf der Hand. Das Verbältniss der assyrischen zu den 
Sendschirlier Hilanibauten stellt sich nach Koldewey's 
.Angabe also: „Man könnte fast sagen: in Assyrien 
baut jeder König so, wie es im Westlande zur Zeit 
seines Vorgängers üblich war. Eine wich'ige That- 
sache darf jedenfalls nicht übersehen werden: Die 
Importirung des Hilani nach Khorsabad geschieht unter 
Sargon in einer Form, wie sie in Sendicbirli bereits 
zu Tiglatpilesar's Zeit überwunden war, nämlich mit 
zwei massiven Thürmen und ohne den dritten Tracl 
der Nebenräume, während am Hdani II der linke 
Thurm bereits hohl und dem Hauptbau eine Reibe 
von kleinen Nutzräumen beigefügt ist. Es ist keine 
Vervollkommnung, die mit der Hilani-Idee in Assyrien 
vor sicli geht. Das IMani, welches als ein Fremdes 
im Ganzen importirt wird, zersplittert sich vielmehr 
durch Complicirung seines Grundrisses, durch die 




L)aa llilaiii lu Kburuliad. .\lju«.t..b t:CJO. Sjiiwjin: rorhAadcu, :>. .... .. 



ergiaz. 



90 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 




Satiherib's „Ekal — in der Weise , 
desHethiterlaudes^zuKujjundschick. 
Die Säulen der Fronthalle sind «r- Seiten 
gänzt. 




ÄSBurbanipars Hilani 
Kujjandscbick. 



Multiplication der Räume, und seine Hauptmotive 
dringen dabei in den assyrischen Palastgrundriss ein 
und gehen schliesslich in ihm vollständig auf." 

In anderer, nämlich in mehr künstlerischer Weise 
als von den Assyrern, wurde das bethitische Hilaoi 
von den Persern ausgestaltet. Die Aneignung der 
Hilani-Idee machte auch in Persien die raschesten 
Fortschrite. Während dem Palaste (Apadana) des 
Darius (521 — 485 v.Chr.) noch die Symmetrie in der 
Anordnung der Beiräume um den Hauptsaal fehlt und 
nur die achtsäulige Fronthalle mit den beiden Thurm- 
zimmern daneben und der sechzehnsäulige Hauptsaal 
mit den beiderseitigen Nebenräumen unverkennbar den 

symmetrischen Hilanigrund- 
riss zeigt, steht das Apadana 
seines Nachfolgers Xerxes 
(485 — 465 V. Chr.) schon 
einheitlich vollendet vor uns. 
Im kleinen Apadana des Xer- 
xes wird die Fronthalle von 
zwei Reihen zu je sechs 
' Säulen getragen, an ihren' 
liegt je ein Thurm- 
zimmer, und dahinter befindet 
sich der Hauptsaal mit sechs 
mal sechs Säulen, zu dessen 
beiden Seiten je ein Beiraum 
mit vier Säulen liegt ; Neben- 
räume befinden sich zwischen 
den beiden Beiräumen und 
den Thurmzimmern und der 
Rückfront. DcrGrundriss des 
grossen säulengeschmückten Apadana des Xerxes stimmt 
fast genau mit dem des ursprünnglichen Hilani überein. 
Dieses ist ein grossart'ger Bau, dessen Hauptsaal, 
60 Meter im Geviert, allein grösser ist, als das grosse 
alte Hilani zu Sendschirli. Die, wie beim kleinen, so 
auch hier beim grossen Apadana des Xerxes gegen 
Norden gewendete Fronthalle, gleichfalls zwölfsäulig, 
ist von zwei massiven Thürmen flankirt, und hinter 
ihr lifgt der sechsunddreissigsäulige Hauptsaal mit 
einem je zwölfsäuligen Beiraum auf jeder Seite. 
„In Persepolis," sagt Koldewey, „ist gerade der um- 
gekehrte Vorgang zu beobachten wie in Sendschirli 
und zum Theil auch in Assyrien. Statt des allmäligen 
Abnehmens der Maasse, statt des Aufgebens der ur- 
sprünglichen Symmetrie tritt hier im Gegcntheil eine 
schrittweise Steigerung der Abmessungen auf, ein Aus- 
schalten von Nebenräumen und eine Betonung sym- 
metrischer Gleichmässigkeit, die dem Grundriss einen 
ausserordentlich monumentalen-Charakter verleiht. Dabei 
ist der in dem kaltwinterigen Hethiterlande erwach- 
sene Beiraum am Hauptsaal zu einer dem Idealklima 
des Landes der Sonne angemesseneren, nach aussen 
geöffneten Veranda geworden." 

Ob man so weit gehen darf, auch den Palast zu 
Firuzabäd (ca. 47O' n. Chr.) mit seiner mächtigen, ge- 
wölbten Vorhalle oder auch den des Khosroes zu 
Ktesiphon (530 n. Chr.) auf den Grundriss des Hilani 
zurückzuführen, das muss vorläufig dahingestellt bleiben, 
da uns die vermittelnden Typen zwischen der altper- 
sischen und neupersischen, der achämenidischen und 
sassanidischen Baukunst fehlen. Jedenfalls ist Koldewey's 
Hinweis auf dem Plalze, dass der Grundriss jener 
Paläste aus einem vorderen hilaniartigen und einem 
hinteren romanisirenden Theil besteht. Wir können zu 
dieser knappen Kennzeichnung noch ergänzend hinzu- 
fügen, dass nach Dieulafoy's Untersuchungen der Palast 
von Firuzabäd auch dadurch an das Hilani erinner,t 
dass der hinter der Vorhalle liegende Hauptsaal an 
beiden Seiten von einem Gemach flankirt ist.*) Steht 

*) Vergl. M, Dieulafoy : L'art antique de la Perse, Achömenidea, Parthes, 
Sassanides. 4me partie. Les moniiinentB voüi^B de repoqne Acbcmeuide. 
Und H. Feigly Altpersiscbe ilauknnst. 111. und IV. In „Oesterr. Monata- 
»chrift für aen Orient", Jahrg. XI, 1885, Nr. 7 und 9. 



aber der Zusammenhang zwischen dem Plane der 
Paläste der Sassaniden und dem der Paläste der Achä- 
meniden, die wieder auf den Hilanigrundriss zurück- 
zuführen sind, fest, dann ist es gewiss nicht zu ge- 
wagt, mit Koldewey den uralten hethitischen Hilani- 
Gedanken auch an der neupersischen Moschee mit 
ihrer aus hoher Fronthalle zwischen zwei Minarets 
bestehenden Pischtak-Facpade und dem Hauptraum da- 
hinter wiederzufinden. 

Von hohem Interesse für die Geschichte der Bau- 
kunst des alten Orients sind auch die möglichen, ja, 
man darf schon sagen, höchstwahrscheinlichen Be- 
ziehungen des ägyptischen Tempelbaues zum Urmotiv 
des Hilani, nämlich zum F'estungsthore. Es ist that- 
sächlich nicht nnr nicht schwer, zwischen dem ägypti- 
schen Tempel und dem Hilani oder dem Festungstbore 
eine innere Aehnlichkeit zu finden, sondern deren 
äussere Aehnlichkeit ist schon in die Augen springend. 
Allerdings sind beim ägyptischen Tempel die beiden 
Frontthürme näher aneinander gerückt und liegt zwischen 
ihnen anstatt der Vorhalle das Thor, und die Halle 
liegt hinter der Thurmfront; aber hinter der Halle liegt 



• • • • 

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ii i iii im 






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^So^,% 



Das grosse Apadana des Xerxes zu Persepolis. Punktirtes ist ergänzt. 

parallel zur Front der Hauptsaal, und „bedeutsam muss 
die Lage des Säulensaales parallel zur Front ins Auge 
fallen: so liegt der Hauptsaal im hethitischen Hilani, 
und so liegen die unter hethitischem Einfluss befind- 
lichen Palasträiime in Assyrien". 

Werfen wir einen Blick auf all das Gesagte zurück, 
so lassen sich die Ergebnisse, die wir der Betrachtung 
der Ruinen von Sendschirli- Jadai verdanken, als solche 
besonderer unrl allgemeiner Natur kurz in zwei Sätzen 
zusammenfassen. Einerseits haben wir die alten Syrer 
als Baumeister kennen gelernt, deren mit den ein- 
fachsten Mitteln und mit der einfachsten Technik 
ausgeführte Werke jeder Grossartigkeit und jedes 
künstlerischen Schwunges entbehren. Andererseits 
aber haben die Ausgrabungen von Sendschirli mit 
dem Hilanigrundrisse einen für die Geschichte der 
Baukunst besonders werthvoUcn Beitrag zu Tage 
gefördert. In Sendschirli, wie in Nordsyrien überhaupt, 
werden in Zukunft gewiss noch mancherlei für die 
Alterthums- und Sprachwissenschaft kostbare Ent- 
deckungen gemacht werden, und auch was die Archi- 
tektur betrifft, mögen wir noch mehr und schönere 
Funde zu erwarten haben, als die bis heute gemachten, 
schwerlich aber einen von der weittragenden Bedeutung 
des hethitischen Hilani. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



91 



COMMERCIELLE UND INDUSTRIELLE VERHÄLT- 
NISSE VON NEW SOUTH WALES UND DAMIT 
IM ZUSAMMENHANGE STEHENDE SOCIALE ZU- 
STÄNDE SEIT 1894. 

(Specialbericht S. M. S. „Albatros"). 
New South Wales kann man seiner Bodengestaltung 
nach in drei Districtc eintheilen. 

1. Ein Landstreifen von 8oo englischen Meilen 
Läogp, auf der einen Seite durch den Ocean, auf der 
anderen durch die Gebirgskette begrenzt. Es ist unter 
dem Namen „the coast districts" bekannt. Die Breite 
dieses Landstreifens ist von 30 zu 100 Meilen, und 
Ist derselbe von 15 bedeutenden p-lüssen durchlaufen, 
ein Wasserreichthum, welcher der hier fallenden be- 
deutenden Regenmenge zuzuschreiben ist. Reiche 
Bodencultur bedeckt grösstentheils dieses vorzüglich 
bewässerte Gebiet, und der Transport der Producte 
derselben nach Sydney und anderen Marktplätzen er- 
fährt durch diese meistentheils schiffbaren Wasserläufe 
eine grosse Erleichterung. Grössere Strecken sind 
noch mit üppigen jungfräulichen Forsten bewachsen, 
welche nach und nach unter den Pflug gebracht 
werden dürften. Freundliche klimatische Verhältnisse, 
Sonnenschein, abwechselnd mit Regen, und die im 
Sommer vorherrschenden, kühlenden Südostwinde 
machen diese Landschaft dem europäischen Ansiedler 
angenehm bewohnbar. 

2. Das Hochland von looo zu 7000 Fuss Höhe, 
welches die Colonie der ganzen Länge nach durch- 
lieht. Die Regenmenge ist hier ebenfalls reichlich, 
und zahlreich sind die Flüsse und Bäche, welche dieses 
Gebiet zu einem gut bewässerten gestalten. Cerealien 
und Früchte gedeihen die Menge, doch eignet sich 
dieser Theil des Landes durch die ausgedehnten Weide- 
plätze hauptsächlich für die Viehzucht. 

3. Der Westen der Colonie bildet die dritte Ab- 
theilung und besteht aus den weiten Ebenen, welche 
vom Darling Lachlau, Murrumbidgee und dem Murray 
durchschnitten sind. Der Boden eignet sich hier haupt- 
sächlich für Viehzucht, da der Regcnfall für Boden- 
cultur zu gering ist. Nur der südöätliche Theil hat 
viel Regen im Winter, Frühjahr und Sommer, welcher 
Umstand, mit der Vorzüglichkeit des Bodens vereint, 
die Weizencultur sehr begünstigt. Es wächst hier der 
feinste Weizen Australiens und die in dieser Cultor in- 
vcstirtcn Cai)italien tragen hohe Zinsen. 

In früheren Zeiten waren viele Theile dieses Flach- 
landes in trockenen Jahren ohne Wasser. Es wurde 
jedoch viel Capital dem Bau von Wasserreservoirs 
(tanks) gewidmet, welche von artesischen Quellen ge- 
speist werden. Letztere wurden in enormer Anzahl 
gebohrt und werden jährlich immer noch vermehrt; 
sie liefern buchstäblich ganze Flüsse von Wasser ohne 
Unterbrechung, und die Wasser frage ist hiemit in 
diesem Gebiete als vollkommen gelöst zu betrachten. 
Die Temperaturen sind jenen Sicillens gleich. 

Die 800 Meilen lange Küste ist verhältnissmässig 
selten von Stürmen heimgesucht. Als dieselbe noch 
nicht gut beleuchtet war, hatten kleinere Schiffe, und 
namentlich Segler von den Ostkühlen zu fürchten, doch 
seitdem ein vorzügliches System von Secleuchten die 
zahlreichen und gut gedeckten Zufluchtsbuchten markirt, 
ist die Navigation an dieser Küste ganz ohne Gefahren. 
Ein wohlorganisirter Lootscn- und Schleppdampfer- 
kreuzungsdienst erleichtert den Kauffahrern wesentlich 
das Anlaufen der Häfen, von welchen die wichtigsten 
folgende sind : 

Twofold bay, Jervis bay, Botany bay, Port Jackson 
(Sydney), Broken bay, Newcastlc (Mündung des 
Flusses Hunter), Port Stephens, Schoal bay (Mündung 
des Clarence). 



Einwanderung, Bevölkirung, NaluralitaHon. Die Be- 
völkerungszahl von New South Wales beträgt beiläufig 
1,200.000 Einwohner auf 799.100 km* vcrtheilt. Von 
dieser Zahl entfallen ca. 500.OOO auf Sydney. Der 
Hauptstamm ist englisch; von den übrigen Nationali- 
täten ist nur die deutsche mit lO.ooo in Betracht 
kommend, worunter viele Schweizer mitgezählt werden. 
Eingeborene soll e« noch 5000 geben — Chinesen 
und Mischlinge 18.000. Die Einwanderung beträgt 
60.000 — 70.000 jährlich. Die Naturalisation Fremder 
ist durch den diesbezüglichen Parlamcntsact von 1875 
geregelt, wonach jeder Fremde, welcher fünf Jahre 
in der Colonie domicilirte, gegen Entrichtung einer 
geringen Taxe ein Naturalisations-Zeugniss von der 
Statthalterei erhält. Dasselbe verleibt ihm alle Civil- 
rechtc eines Bürgers der Colonie und legt ihm alle 
Pflichten eines geborenen englischen Untertbanen auf. 
Die vorhergegangene Naturalisation im vereinigten 
Königreiche oder in einer anderen englischen Colonie 
hat hier keine Giltigkeit, wohl aber erleichtert die- 
selbe die Erlangung eines Zeugnisses für New South 
Wales. Fremden, ob in der Colonie domicilirend oder 
nicht, können die Civilrechte zugestanden werden, 
doch mit Ausnahme der politischen und öffentlichen, 
und des Rechtes, als Besitzer eines englischen Schiffes 
registrirt zu werden. 

Die Einwanderung von Chinesen erfuhr durch einen 
Act in i888 die Einschränkung, da.ss jeder Chinese, 
welcher innerhalb der Grenze der Colonie eintreten 
will, eine Taxe von 100 £ zahlen muss, und kein 
Schiff mehr denn einen Chinesen per 300 / seines 
Gehaltes einführen darf. Kein Chinese darf nach seinem 
Eintritte in die Colonie sich dem Bergbau widmen 
ohne Bewilligung des Ministeriums. Die Naturalisation 
von Chinesen ist ein- für allemal verboten. 

Producte. Die hauptsächlichsten derselben sind: 
Wolle, Gold, Silber, Kohle, Talg, gefrorenes Fleich, 
conservirtes Fleisch, Häute, Schafwolle, Leder, Kupfer, 
Zinn, Eisen, Butter, Bauholz, Getreide, Zucker, Tabak, 
Nutzthiere. 

Für den Export kommen in Betracht: die Woll- 
industrie, Butter- und Käseindustrie, die Fleiscbgefrier- 
und Conservenindustrie, die Montanindustrie, der 
Kohlenbergbau. 

Sonstige Industrien, deren Producte derzeit nicht 
zum Export gelangen sind: Die Zuckerindustrie, die 
Tabakindustrie, die Seidenindustrie, die Textil- 
industrie, die Lederindustrie, die Mehlindustrie, die 
Metallwaaren-, Maschinen-, Eisenbahnwagen- und Werk- 
zeugindustrie, die Sägemühlindustrie, die Ziegelmacherci, 
die Wagnerei, der Schiffbau, die Buchdruckerei und 
-Binderei, die Kerzen- und Seifenindustrie. 

Durchschnittliche Bevoerlhung des Importes und Exportes seit 

der Finamkrisis von lOgß. 

Export 
Producta Import 

PfalKl Slsrlt^ 

Lebensmittel, Thee etc 2,2}6.oia 716.071 

Spirituosen 636.000 29 793 

Lebendes Vieh 632 5«>7 i<»**>> 

Wolle • ■ S87-9»i 9.01 1.79» 

Andere animalische und vegetabilische 

Producte i.73q-4«7 '.«S-STJ 

Tficher und Gewebe 3.286.953 »4 »«» 

Minerale und Metalle (theilweiie bear- 

beitet) I. «09 974 ».69J-893 

Kohle und Coaks 4»-6U 819.136 

Gemünztes und ungemünztei Gold . . 2,935o'4 J25-302 

Kunstgegenstände 599610 11.026 

Mauufacturen 1,616.248 59-963 

Unclassificirtes ^^j68jSO 27.860 

Summe 15,801.941 lS.9«H-96« 
Der Reexport an Producten anderer Länder 
betrug ausserdem noch 5.478-662 £ im Jahre 
1895, welcher Betrag zum Gesammtexportbcirag noch 
hinzuzuncbmcn wäre. Doch ist hier nur der Export an 
eigenen Producten in Betracht gezogen. 



92 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Die oben stehende Tabelle weist unter Anderem 
einen dem Export überlegenen Import an Lebens- 
mitteln, lebendem Vieh und gemünztem und unge- 
münztem Gold nach, was auf den ersten Blick hin auf- 
fallend erscheinen mag. Doch wird dieser Umstand 
durch die Thatsache erklärlich, dass die Colonie bis 
jetzt noch immer nicht genügend Weizen, Hafer und 
Zucker für den eigenen Consum producirt, dass sie 
Thee, Kaffee und getrocknete Früchte importirt, und 
dass der Lebensmittelexport, welcher hauptsächlich 
aus gefrorenem und conservirtem Fleisch besteht, noch 
nicht jene Höhe erreicht hat, welche der Production 
entspricht. 

Die folgende Tabelle gibt die Mengen der expor- 
tirten Güter an, welche den in der oberen Tabelle 
angegebenen Werthen entsprechen : 

Artikel Menge 

Wolle 331,774.424 Pfund englisch 

Gold 324.787 Unzen 

Süber 864.822 

Silbererz '37-8 '3 Tonnen 

Kohle 2,125.125 

Talg 847.236 Centner zu loo Pfund 

Gefrorenes Fleisch .... 339.404 „ „ '00 „ 

Conservirtes Fleisch . . . 16,382.577 Pfund englisch 

Rindshäute 77-4^0 „ „ 

Schafshäute 4I-251 Ballen zu 25 

Leder II-500 „ „ 25 

Kupferbarren 3 '-'3' Centner zu 100 Pfund 

Zinnbarren 52.225 „ „ 100 „ 

Gefrorene Butter 79- '64 Kisten 

Die Goldproduction, welche vor einigen Jahren ab- 
genommen hatte, nahm seit 1890 wieder wesentlich 
dadurch zu, dass die Wissenschaft dem Bergmannti 
neue Methoden zur Verfügung stellte, welchen nach 
die Gewinnung des Erzes auch dort mit Vortheii be- 
trieben wird, wo früher die Arbeit nicht die Mühe 
lohnte. Hingegen wurden viele Kupferminen ge- 
schlossen, welche gegen den diesbezüglichen grossen 
Aufschwung Amerikas nicht aufkommen konnten. Die 
Zinnindustrie, welche hauptsächlich von Chinesen be- 
trieben wird, nimmt seit 1881 ab. 

Es ist ersichtlich, dass der gegenwärtige Ueberschuss 
an Production für Eiportzwecke in der Pastoral- und 
Mineralindustrie besteht. Ackerbau, Butter- und Käse- 
erzeugung und Manufacturen dienen hauptsächlich nur 
dem Zwecke des eigenen Consums, wenn es auch 
ausser Zweifel steht, dass bei entsprechender Urbar- 
machung der noch in immenser Ausdehnung vorhan- 
denen brachliegenden Gründe die Colonie auch in 
Feldproducten exportfähig werden könnte. 

Seit der Finanzkrisis des Jahres 1893 hat man der 
Getreidecultur vielfach die Aufmerksamkeit zugewendet, 
und in einigen Jahren wird die Sachlage sich wesent- 
lich geändert haben, doch bis jetzt hat man die Vieh- 
zucht nur zu dem Zwecke der Gewinnung von Fleisch, 
Talg, Wolle und Häute betrieben. Der Fall der Preise 
in Wolle und Talg hat jedoch in neuerer Zeit An- 
regung gegeben, die Viehzucht auch zum Zwecke der 
Käserei zu betreiben, und thatsächlich fand auch schon 
ein kleiner Export an Butter statt. 

Verschiffungsverkehr. Im Jahre 1894 liefen zur See 
an Waaren in New South Wales 2,859.968 / ein. 
Verklart wurden hingegen 2,878.586 / im Werthe von 
15,355.584 i^; hiebei ist der Transport über Melbourne 
und Adelaide nicht eingerechnet. 

Die folgende Tabelle gibt die Nationalitäten der 
Schiffe an, durch welche die Verschiffung stattfand, 
mit den bezüglichen Zahlen an / und Werth der ver- 
schifften Waaren. 



Nationalität der Schiffe 
Australische . . . . 
Vereinigte Königr. . 
Sonstige Engländer . 



Totales u. engl.Flagg. 2,049.047 



Duroh Durch 

Dampfer Segler 

in Tonn 

1,442.079 74-427 

606.968 457-961 

— 21.775 


Total" 

1,51 #07 
i,o6i.929 

2f.775 


Werth 

X 

3,021.865 

7.956-377 
395-87' 


2,049.047 


554«63 


2,603.210 


",374-"3 



Werth 



Durch Darch 

Dampfer S e i; I e r Total 
Nationalität der ScLiifTe in Tonnen 
Ausländ. Flaggen : 

Französische .... 90.312 1.197 91-509 1,067.440 

Deutsche 60.866 19.374 80.240 917.310 

Vereinigte Staaten . 19-587 50.956 70-543 374-54' 

Norwegische .... — 14-95' '495'\ , ß,, ,80 

Andere . . . . . - 18.133 ■8.l33f '•''""° 

Totale u. fremd. Flae g. 170.6 65 104.611 275.376 3,981.471 

Totale Verklarung .2,219.812 658.774 2,878.586 15,355-584 

Es mag überraschen, dass der australische Tonnen- 
gebalt so bedeutend den englischen überragt. Doch 
die Erklärung liegt darin, dass an der australischen 
Küste selbst eine ausgedehnte Verschiffung von Passa- 
gieren und Waaren zwischen den intercolonialen Häfen 
vor sich geht, allerdings an Waaren minderer Be- 
werthung, wie z. B. Kohle, da die Bewegung theuerer 
Güter durch die hohen Zolltarife der verschiedenen 
Colonien sehr gepresst wird. Es unterliegt keinem 
Zweifel, dass, wenn Australien föderirt wäre, dieser 
Küstenhandel eine bedeutend grössere Wichtigkeit er- 
langen würde, obwohl man denselben dann nicht mehr 
als Export und Import classificiren würde. 

Was die Werthe der Verschiffungen anbelangt, er- 
sieht man, dass 52 Percent des Totalexportes nach 
England verschifft werden, in Wirklichkeit ist der- 
selbe noch grösser, da der Export via Melbourne 
und Adelaide beinahe ganz auch nach England geht. 

Die directe Verschiffung nach Frankreich, Deutsch- 
land (die deutschen Schiffe besorgen grösstentheils 
auch den Export nach Belgien) beträgt 20 Percent 
des totalen Exportwerthes, da sie aus theueren Gütern, 
hauptsächlich Wolle besteht; doch dürfte unter diesen 
Flaggen manches hievon auch nach anderen Gegenden 
verschifft werden, worüber die Daten nicht erhältlich 
sind. Deutschland und Amerika haben den Verkehr 
englischer Industriellen mit New South Wales in ge- 
wissen Handelsartikeln unterminirt, hauptsächlich in 
Musikinstrumenten, Eisen und Stahl, Maschinen, Werk- 
zeugen, Uhren und Galanteriewaaren, wenn auch viele 
dieser Artikel von englischen Häfen aus verschifft 
werden, und der Import von Deutschland namentlich, 
welcher nach zollämtlichen Angaben im Jahre 1894 
mit 917.310!? eingetragen ist, dürfte bis heute {1897) 
nahezu sich verdoppelt haben. 

Die wichtigsten Häfen, Sydney und New Castle, deren 
Einrichtungen, Hafen- und Importgebühren. Nicht selten 
enthält der Hafen von Sydney lOO grosse Ocean- 
dampfer und Segelschiffe, ein Umstand, der dafür 
spricht, dass derselbe der besuchteste in der südlichen 
Hemisphäre ist, zu welchem Vorrange ihn schon seine 
natürlichen Anlagen qualificireu. 

Viele Meilen hindurch ist die Tiefe seines Wassers 
dem Tiefgange der grössten Schiffe entsprechend ; 
seine Gezeiten betragen nur etwas über I m, und die 
Strömung ist in der Mitte nahezu unbemerkbar. Der 
Hafen ist ganz vom Land geschlossen, seine schmale 
Einfahrt zwischen den Heads ist von keinem Punkte 
Sydneys sichtbar, und die Oceanwoge bricht sich an 
den Felsenwänden, welche der Einfahrt gegenüber- 
liegen, oder rollt gegen die Küste von Middle Harbour, 
welche derzeit noch nicht in Betracht kommt; die 
zahlreichen grossen Seitenbuchten, welche tief ins Ge- 
lände an beiden Ufern des Hafens einschneiden, bieten 
genügenden Schutz bei jedem Wetter. 

Auf den Ufern des Hafens von Sydney wurden von 
der Regierung Dämme in der Gesammtlänge von 
5000 m in Tiefen von 8 — 9 m gebaut. Ebensoviel 
sind von Gesellschaften und Privaten gebaut worden, 
doch variiren die Tiefen derselben beträchtlich ; 
immerhin können viele dieser Privatdämme Schiffen 
von 6 zu 7 Yj «8 Tiefgang Vertäuung bieten und einer 
darunter sogar solchen von 10 m. Der Grund ist 
übrigens weich, und da keine Strömung vorhanden 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



ist, köunen Schiffe anstandslos wenn vertäut, auf dem- 
selben aufsitzen. Diese sieben Seemeilen Gesammtlängi- 
besitzenden Dämme sind mit zahlreichen mächtigen 
Krahnenwerken und Waarenschoppen versehen, deren 
Anzahl immer mehr vergrössert wird. 

In New Castle gibt es ebenso eine Front von 
Kegierungsdämmen in der Länge von 3000 m und von 
Privatt I» von 500 m, an welchen Schiffe von 5'/» bis 
ö'/j m Tiefgang sich vertäuen können. 

Mit Docks ist Sydney reichlich verseben. Die zwei 
Regierungsdocks auf der Cockatoo-Insel sind die wich- 
tigsten ; das Sutherland-Dotk ist 182-8 m lang und 
25'6 m breit und lässt Schiffe mit 97 m Tiefgang zu; 
das F'itzroy-Dück ist li^yz m lang und 18 w breit und 
nimmt Schiffe mit 6*5 m Tiefgang auf. Das nächste an 
Wichtigkeit ist das Mort's Dock, 124'9 m lang und 
20'l breit, fähig für einen Tiefgang von 5'8 m; dann 
gibt es noch eine Anzahl von Schwimmdocks und 
Patentslips in Sidncy und zwei Patentslips in New 
Castle. Der Leuchtfeuer- und Schleppdienst ist vor- 
züglich organisirt. 

Folgende sind die Daten der Waarenbewegungen in 
den Häfen von Sydney und New Castle im Jahre 1894 
gewesen : 

EingeUufen 18M Verklärt 1894 

Tonnen Wertb Tonnen Werth 

Pfd. 8t. Pfd. St. 

Sydney 1,959435 13 564-«8l 1.&12.179 13,790.770 

New Castle . . . 721. 931 424.114 1,035.930 1,485.475 

FJer Hauptexport von New Castle ist Kohle, und es 
können dortselbst durch die Einrichtung der Dämm'' 
bis zu 23.000 / täglich verschifft werden. 

Die Hafengebühren und sonstigen 'l'axen für Schiffe 
in Sydney sind folgende: die Hafengebühr (tonnage 
Charge) ist 4 d per /, welche Zahlung für sechs Monate 
Aufenthalt mit mehrmaligem eventuellen Aus- und Ein- 
laufen dazwischen ein für allemal geleistet wird. 

Die Lootsengebühren für Ein- und Auslaufen sind 
4 d per / und 3 i£ für jede Bewegung im Hafen. 

Die Gebühren für den Importeur sind ferner noch : 
die Quaigebübren mit i sb. 8 d per Bruttotonne, die 
Wagengebühren mit 2 sb. per ./ sowohl zum als vom 
Schoppen. Commission l Percent, Disconto 2'^j^ Per- 
cent, Wechselgebühr 3Yg Percent (60 Tage). 

Bei Ueberschiffung entfallen die Quaigelder und 
Wagengebühren, wofür die Gebühr für Lichterboote 
mit 2 sb. per / statt dessen zu entrichten ist. Ansonsten 
noch die Lagergebühren für Waaren, wr'che nicht 
sofort expedirt werden. 

Die Lootsengebühren entfallen, wenn der Capitän die 
Prüfung als Lootse von Sydney ablegt, wozu jeder 
Capitän langer Fahrt bei Entrichtung einer Taxe zuge- 
lassen wird. Die Capitäne des Norddeutschen Lloyd 
sind von ihrer Direction verhalten, diese Prüfung beim 
Marine Board in Sydney abzulegen. 

Die grossen Dampfcrgesellschaftcn einschliesslich des 
Norddeutschen Lloyd besitzen ihre eigenen Quais mit 
daranliegenden Waarenschoppen, welche die Privilegien 
von Zolllagern geniesscn. Dadurch entfällt für dieselben 
zum grossen Tbeile die Entrichtung von Taxen über- 
haupt. 

Die Hafentaxen Sydneys sind die niedrigsteo in ganz 
Australien, mit Ausnahme von New Castle, wo die Re- 
giei ung die Quaitaxen erlassen kann. 

Import. Es gibt keinen Zweig des Handels, welcher 
einen so grossen Einfluss auf den Reicbtbum und den 
Fortschritt von New South Wales und seine socialen 
Verhältnisse genommen hätte als der Importhandel. 
Mit dem Schlüsse seiner Fiskal-Lager verspricht New 
South Wales dasEntrrpöt von Australasien und Oceanien 
zu werden, was auch durch seine ungleich günstige geo- 
graphische Lage und die grossen Erleichterungen für 
Import, Ueberschiffung und Weiterbeförderung überhaupt 
um so wahrscheinlicher erscheint. 



Händler aus allen Welttheilen finden hier prompten 
Absatz für ihre Waareo und sehr leicht reiche Ladung 
an den Producien des Landes. 

Es ist kaum abzuschätzen, welche Ausdehnung der 
Handel New South Wales' unter der Flagge dei Frei- 
handels noch erreichen wird, wenn man die Fort- 
schritte betrachtet, welche es unter dem Regime des 
Schutzzolles gemacht hat. 

Der Importbandel in New South Wales ist zweifach 
einzutheilen, nämlich für den Consum im Lande selbst 
und für den Reexport. Was letzteren anbelangt, kommen 
hauptsächlich Queensland und Oceanien als Absatz- 
gebiete in Betracht, und man kann sagen, was letzteres 
Gebiet anbelangt, dass New South Wales und speciell 
Sydney dasselbe beherrscht. 

Eine der bedeutendsten Erscheinungen, welche im 
Zusammenhange mit der Entwicklung dieses Handels 
mit den Inseln stehen, ist jene, dass sich in neuerer 
Zeit in Sidney die Firma Lever Brothers (Limited) mit 
OelmOhlen etablirt bat zur Bearbeitung von Koprah 
und Cocosnüssen, und nun diese Robmaterialien in 
grosser Menge concentrirt, wo sie früher direct nach 
London verschifft wurden. Dieses Unternehmen wird 
jedenfalls reussiren, da die erwähnte Compagnie das 
ge.iiammte Erzeugniss an Oel in ihren englischen Werken 
verbrauchen wird. Dieses mit 20.OOO £ eingeleitete 
Unternehmen wird den Island trade nahezu gänzlich 
nach Sydney leiten, welches hiemit eine uneinnehmbare 
Position des Handelsverkehres mit Oceanien wird. 

Industrie. Mit Ausnahme der Wollgewinnung, der 
Gerberei, der Erzeugung von gefrorenem Fleisch im 
Zusammenhange mit der Talggcwinnung, der Käserei, 
dann der Gold-, Silber- und Kohlegewinnung gibt es 
in New South Wales keine Industrie, welche vom Im- 
porthandel des bezüglichen Rohmateriales unabhängig 
wäre. Dieselben machen auch den Hauptexporthandel der 
Colonie aus. 

Die Zuckerraffinerie bezieht das Rohmaterial haupt- 
sächlich aus Queensland. Die übrigen Industrien decken 
den Bedarf der Colonie (inclusive Reexport) bei weitem 
nicht, obwohl sämmtliche Industrien betrieben werden 
und die angewendeten Systeme und Maschinerien vor- 
züglich und die modernsten sind. 

Die Aussicht auf einen Aufschwung dieser Industrie 
ist trotz der äusserst optimistischen Anschauungen und 
Hoffnungen, welche die officiellen Kreise zur Schau 
tragen und verbreiten, für die nächste Zeit absolut 
nicht zu erwarten. 

Verschieden sind die Gründe hiefür, viele, welche in 
den socialen Zuständen der Bevölkerung liegen ; die 
hauptsächlichsten jedoch sind folgende: 

1. Der Freihandel, welcher einerseits New South 
Wales und namentlich Sydney, was seine commercielle 
Bedeutung anlangt, durch den Import und Reexport 
zum Centralpunkt für den South Wales Pacific machen 
wird und theilweise schon gemacht bat, macht anderer- 
seits eine Concurrenz dieser Industrie mit den billigen 
europäischen Industrieproducten sehr schwierig, und 
die immer mt-hr zunehmende Billigkeit der Frachttarife 
und die Anzahl der Dampfer aus Europa werden 
diese Schwierigkeit noch vermehren. 

2. Die exorbitante Höbe der Löhne, welche trots 
der Billigkeit der Lebensmittel in Folge der Prä- 
ponderanz der yocialdemokratischen Partei nicht berab- 
7udrücken sind. Arbeitskräfte von den farbigen Racen 
Oceaniens lässt New South Wales nicht zu. 

3. Der Umstand, dass das Capital auf diese Indu- 
stiien nicht angewiesen ist und in der Roh- und Halb- 
fabricatindustrie sowie in der Schiffahrt genügende 
und sehr fruchtbare Investirung findet. 

4. Der Mangel an Arbeitern, da der grösste 'Ilieil 
der Einwanderer iftr arbeitenden Clause nach den 
Goldfeldern zieht. Ganz New South Wales hat circa 
43.000 .-Arbeiter, inclusive der Bergwerks- und Wollea» 



94 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



arbeiter sowie jener, welche durch die Bearbeitung 
der Pastoralrohmaterialie:i beschäftigt sind, dann der 
Quai- und Eisenbahnarbeiter und Lastträger. 

5. Die socialen Zustände der Bevölkerung. Was die 
socialen Zustände anlangt, inwieferne nämlich dieselben 
einen besonderen Aufschwung in der Betreibung eigent- 
licher europäischer und amerikanischer Industrien in 
New South Wales nicht begünstigen, muss in erster 
Linie die grosse durchschnittliche Wohlhabenheit der 
Bevölkerung hingestellt werden. Ein .Land, welches 
über 100,000.000 i^ Werth an Mineralien in 50 Jahren 
producirte und welches von 9,000.000 zu 10,000.000 ^ff 
jährlich durch den Verkauf von Wolle einnimmt, ist 
im Verhältniss zur geringen Bevölkerungszahl zu reich 
an natürlichen Producten, um es für das Volk noth- 
wendig erscheinen zu lassen, sich in Werkstätten ein- 
zupferchen, wo die Löhne niedrig sein müssten, um 
die Concurrenz der gelieferten Waare gegen die im- 
portirte aufrecht zu erhalten, währenddem die Woli- 
und Minenindustrie des Landes, die Conserven- und 
Eisfleischindustrien und die öffentlichen Werke und 
Anstalten exorbitant hohe Löhne bei sehr geringer 
Arbeitszeit auszahlen und das Gros der überhaupt 
vorhandenen Arbeiter absorbiren. 

Es sei hier erwähnt, dass die Kohlenbergwerke von 
New Castle allein bei 7000 Arbeiter beschäftigen, dass 
bei den Eisenbahnen 12.000 Mann ihre Beschäftigung 
finden und dass der Post-, Telegraphen- und Telephon- 
dienst in New South Wales 5063 Personen in An- 
stellung hat mit einem Durchschnittsgehalt von 87 £ 
per Jahr. Diese drei Branchen allein nehmen zusammen 
schon mehr als die Hälfte der vorhandenen Arbeiter 
in Anspruch. Nun kommt noch zu berücksichtigen, 
dass ein weiteres Contingent an Arbeitern in der 
sonstigen Ausführung öffentlicher Werke und deren 
Betrieb angestellt ist, welche Werke in viel grösserer 
Anzahl ausgeführt werden, als selbe für das Land noth- 
wendig wären und für die Staatsfmanzen erspriesslich 
erscheint. 

Uebrigens sind in der Arbeiterclasse von New South 
Wales die Kenntnisse für den Betrieb der höheren 
europäischen und amerikanischen Industrien nicht ge- 
nügend vorhanden. Die Wenigen, welche hiefür fähig 
und nur eventuell in Europa eine Werkstatt leiten 
könnten, rangiren schon unter der Bezeichnung von 
Ingenieurs. Mangel an Kenntnissen ist z. B. das grösste 
Hinderniss der Betreibung der Rübenzuckerfabrication, 
welche bei den oft vorkommenden Missernten in 
Queensland auszuhelfen berufen wäre. 

Wenn man die socialen Verhältnisse von New South 
Wales betrachtet, fällt dem Beobachter die aus- 
gesprochene Vorliebe der Bevölkerung für das Stadt- 
leben auf. Diese Charakteristik ist auch anderen Ländern 
eigen, doch sollte man glauben, dass hier das Leben 
hauptsächlich nach dem Walde, nach der Haide, nach 
den Bergen gravitirt. Es wäre besser, wenn es so 
wäre, nämlich für das Land, doch so ist es besser für 
den Absatz fremder Industrieartikel. Von den Gesammt- 
einwohnern domiciliren 691 956 in den Städten. 

Als das Land neu war und seine Ressourcen erst 
bekannt wurden, da gab es grosse Neigung, aus- 
gedehnte Gründe für die Viehzucht zu kaufen und in 
den Betrieb des Bergbaues thätig einzutreten. Jene, welche 
den Beginn machten und das Innere des Landes als 
ihr Feld der Thätigkeit erwählten, wagten ihr Leben 
unter den Gefahren der Ueberfluthung und der Wasser- 
loäigkeit und im Kampfe mit den Eingeborenen ; doch 
die Zeiten sind verflossen, die Zustände consolidirten 
sich und das Volk concentrirte sich, die Früchte seiner 
Arbeit zu geniessen. Die günstigen Existenzverhältnisse 
und die rasche Zunahme der Bedürfnisse mit der Zu- 
nahme des Reichthums trugen v"el zum Eintritt der 
Vorliebe für das städtische Leben bei. Eine grosse 
Bevölkerung sammelte sich in Sydney und den übrigen 



wichtigeren Inlandscentren an und umgab sich mit den 
verfeinerten Einrichtungeneinerbcqucmen und anmuthigcn 
Lebensweise. Ein gewählter Geschmack begann sich 
geltend zu machen; die Universität, die Kunstschulen, 
die öffentlichen Bibliotheken traten ins Leben, die 
Sehnsucht nach Müsse begann sich fühlbar zu machen, 
und der Bedarf des reicheren Theiles des Volkes bot 
viel Gelegenheit zur Beschäftigung Minderbemittelter. 
Aussicht auf hohe Löhne und Gehalte, die verlockenden 
Anziehungen der Stadt, die Erleichterung in der 
Kindererziehung zogen bald das Volk hinweg von der 
Landschaft zu den Mittelpunkten und deren Um- 
gebung, welche Abströmung der Landbevölkerung zur 
Stadt durch die Einwanderer theilweise ausgeglichen 
wird. 

Man sollte aus dieser Vorliebe für das städtische 
Leben und die daraus folgende Zunahme der Stadt- 
einwohner und ihrer Bedürfnisse den Schluss ziehen 
können, dass in diesen Städten Industrien sich ent- 
wickelten, welche, begünstigt durch den Reichthum an 
Naturproducten des Landes, die Einfuhr von Fabriks- 
waaren von aussen grösstentheils abzuhalten im Stande 
wären. Doch dem ist nicht so in der hiezu erforder- 
lichen Ausdehnung. 

Die Ausfuhr der Rohmaterialien und Halbfabricate 
ernährt .dieses Volk nicht nur reichlich, sondern gibt 
ihm noch die Mittel, viel Luxus und Sport zu betreiben 
und wenig zu arbeiten. 

Gegenüber dem Italiener, welcher 153 Tage im 
Jahre zu arbeiten hat, um die Lebensmittel zu er- 
werben, die er verzehrt, dem Deutschen mit 148, dem 
Franzosen mit 132, dem Engländer mit 127, steht der 
Einwohner New South Wales' mit nur 119 Arbeits- 
tagen da, welche nicht früher als um 9 Uhr Vormittags be- 
ginnen. Und das ist nicht vielleicht deswegen, weil er we- 
niger isst, denn wo der stärkste Esser der alten Welt, der 
Engländer, 50 kg Fleisch jährlich verbraucht, ist der 
jährliche Consum seines Vetters in New South Wales 
137 kg dieses Nahrungsartikels. Dasselbe Verhältniss 
gilt in den übrigen Lebensmitteln, sogar beim Thee. 
Der Italiener gibt 6 £ jährlich für die Ernährung aus, 
der Deutsche 1 1 If , der Franzose 12 i^, der Engländer 
14 Si. In New South Wales ist die Durchschnitts- 
ausgabe 16 Sß per Kopf — ein Sechstel blevon für 
Wein, Bier und Spirituosen. Es soll vor der Finanz- 
krisis des Jahres 1893 noch viel mehr gewesen sein. 

Die Gesammtsumme der Auslagen für das tägliche 
Leben beträgt in New South Wales 47,000.000 £ 
jährlich. 

Diese Summe schliesst in sich nicht nur die Auslagen 
für Lebensmittel, sondern auch l^eidung, Wohnungs- 
miethe, Haushalt, Unterhaltung, ärztliche Ausgaben etc. 
und repräsentirt eine Auslage per Kopf von 37 if 14 sh. 
jährlich, und zwar nicht vielleicht auf die Erwachsenen 
allein, sondern auf alle Altersclassen vertheilt. Was 
diese Zahl bedeutet, ist erst aus dem Vergleiche mit 
anderen Ländern zu ersehen. Sie erklärt es, dass 
man in der Colonie eine wirklich arme Classe nicht 
kennt. 

Es gibt auch thatsächlich keine Extreme von Ar- 
muth, so wie es auch keine solchen von Reichthum 
gibt. Einige besonders grosse Vermögen, welche er- 
worben wurden, verschwinden gegenüber dem soliden 
Hintergrunde allgemeiner Wohlhabenheit, wie selbe 
durch die angeführten Zahlen angedeutet ist. 

Wenn man nun die Gesammtziffer des Werthes des 
Privatvermögens der Bevölkerung in New South Wales 
betrachtet, welche derzeit 400,000.000 £ beträgt und 
sich mit 66,000.000 i^ jährlich verzinst, ist der Schluss 
zulässig, dass die jetzt vorhandene Möglichkeit, ein so 
bedürfnissreiches Leben zu führen, kein momentaner 
Zufall ist, und dass die günstigen Bedingungen, unter 
weichen die Bevölkerung von New South Wales lebt, 
als stabil und progressiv anzusehen sind und demnach 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



% 



dem Importeur noch für lange Zeit einen reichen Ab- 
satz seiner Waaren versprechen. 

Ueber die Möglichkeit der Einleitung eines directen 
Handelsverkehres mit New South Wales aus Oesterreich- 
Ungatn. Indem mit Vorstehenden, soweit die Infor- 
mationen reichen, getrachtet wurde, ein Bil<l der Ex- 
port- und Importverhältnisse New South Wales zu 
geben, und durch die Darstellung der industriellen und 
auf die Industrie bezugnehmenden socialr-n Zustände 
dieser Colonie der Versuch gemacht wurde, nachzu- 
weisen, dass die Lebensbedürfnisse dieser Colonie für 
die nächste Zukunft immer vielfacher und höher werden 
dürften als AU: Möglichkeit, durch ihre eigene Industrie 
dieselben zu decken, ist die Absicht verfolgt worden, 
den Beweis zu liefern, dass jedem den modernen An- 
forderungen entsprechenden Fabrikanten dieser Erde 
der Markt dort offen steht. 

Ueber die Menge der derzeit nach New South Wales 
zur Einfuhr gelangenden österreichisch-ungarischen 
Fabricate Daten zu erhalten, war nicht möglich trotz 
eifrigster Nachforschung, und schon aus diesem Umstand 
ist der Schluss zulässig, dass dieselbe keinenfalls be- 
deutend ist, wenn auch deren Vorkommen ausser 
Zweifel steht, denn die Landwirlhschafts- und Mahl- 
mauhinen aus Ungarn sind beispielsweise rühmlichst be- 
kannt und vielfach in Verwendung, sowie auch Wiener 
Galanteriewaaren, namentlich ic Leder, sich des besten 
Rufes erfreuen. 

Es ist hingegen mit Bestimmtheit die Behauptung 
aufzustellen, dass jene Waaren österreichisch-ungarischer 
Provenienz, welche in New South Wales vorkommen 
dürften, keinesfalls direct importirt wurden, sondern 
durch englische und deutsche Importeure und Schiffe 
dahin kamen. 

Ein gutes Zeugniss übrigens für die Waaren selbst, 
dass dieselben bei dieser bedeutend vertheuernden 
Transaction noch concurrenzfähig bleiben. 

Die österreichisch-ungarischen Inlandspreise vieler 
Fabricate sind bedeutend niedriger als jene der meisten 
europäischen Industrieländer und im Verhältniss zur 
Qualität auch billiger als die Preise billigerzeugender 
Länder, wie Deutschland. 

Wenn also die österreichisch-ungarische Industrie die 
Wege hätte, um die Erzeugnisse dem Preise nach 
concurrenzfähig an die eigene Küste zu befördern, 
und mit den heimatlichen Schiffen nech Sydney zu 
verschiffen, würde es weiters keinem Zweifel unterliegen, 
dass dieselben hier einen raschen und für die Impor- 
teure lucrativen Absatz finden würden, wie es bei 
den deutschen, französischen und amerikanischen 
Waaren der Fall ist. 

Der österreichische Lloyd müsste hiezu speciell 
subventionirt werden, und die leicht zu erwerbende 
Rückfracht hätte den Hauptantheil dieser Subvention 
zu tragen. 

Die Rückfracht würde hauptsächlich Wolle sein, 
und die österreichische Industrie könnte dann durch 
Verarbeitung derselben sich in grossem Maassstabe 
am Import von Stoffen und Kleidern in New South 
Wales betheiligen. 

Ein wichtiger Importartikel nach New South Wales 
wären gedorrte Pflaumen, welche ausserordentlich beliebt 
sind und zu hohemPreise Absatz finden. Die Waare 
kommt derzeit aus Frankreich, doch würden noch viel 
grössere Mengen Absatz finden und einen Ex- 
portartikel für Bosnien via Metkovich abgeben, dessen 
Wichtigkeit für dieses Land eines eingehenden Studiums 
würdig ist. Damit könnte wenigstens ein Anfangsver- 
such gemacht werden, sowie auch mit Salz. 

Aussei ordentlich wichtig und dringend nothwendig 
erscheint es auch in Oesterreich, das gefrorene Fleisch 
einzuführen, um es den Arbeiterdassen in den Städten 
und namentlich in Wien möglich zu machen, sich ent- 



sprechend ernähren zu kCnnen. In dieser Angelegenheit 
waren übrigens zwei Wiener neuesteas in Sydney tbäti^. 
Selbstverständlich müssten sich biezu Compagoiea mit 
(iefrierhäusern in den österreichischen Städten etabliren, 
die Lastwagen der Bahnen und die Dampfer mit Kälte- 
kammern eingerichtet werden und der Verscbleits in 
'■igencn Markthallen vor sich gehen, denn sonst wan- 
dert das gefrorene Fleisch zum Fleischha-.ier, der es 
dann gerade so theuer verkauft wie das frisch ge- 
schlachtete, wie es in London geschieht. 

Was gefrorenes Fleisch anbelangt, besteht seit eioigtr 
Zeit Ucberproduction in New Souib Wales, und gibt 
fs Firmen, welche schon seit einem Jahre lOO.OOO 
Schafe in den Eiskammern am Lager haben. 

Wolle wird in Sydnty sowie in Melbourne und 
Adelaide jährlich öffentlich versteigert. Die französische 
und deutsche Wollindustrie, welche früher ihre Ein- 
käufe an Wolle zur Deckung des eigenen Bedarfes auf 
d«-m englischen Markte vollzog, kauft nun am Ur- 
sprungsort, um sich nicht mit dem zweiten Range io 
der Textilindustrie begnügen zu müssen, und hat Ver- 
treter in Sydney, welche den Versteigerungsmarkt be- 
herrschen. Unter diesen Firmen befinden sich auch die 
Agenten des Norddeutschen Lloyd und der Messageries 
Maritimes sowie anderer Dampfergesellscbaften und 
Kheder. Ueber 4,000.000 £ Werth an Wolle importirt 
Deutschland, also nahezu doppelt so viel als Frank- 
reich und beinahe die Hälfte des ganzen Erzeugnisses 
von New South Wales, und ein grosser Theil hievon 
dürfte seinen Weg nach O'tsterreich nehmen, dessen 
Industrie den Bedarf an Rohmaterial im eigenen Lande 
nicht decken kann. Dieser Import würde jedenfalls be- 
deutend billiger durch den österreichischen Lloyd über 
'l'riest sich gestalten, und zwar schon durch den 
kürzeren Steweg, und die Möglichkeit bieten, die 
'I'extilwaaren zu einem niederen Preise exportiren zu 
können. 

Was Persöolichkfiten anbelangt, welche in New South 
Wales sich eignen würden, mercantilc Beziehungen mit 
österreichisch-ungarischen Firmen einzuleiten, so gibt es 
dort wohl viele, namentlich Deutsche, welche Agenturen 
übernehmen würden, doch ist es wahrscheinlich, dass 
unsere Kaufleute und Industriellen wenig Nutzen von 
dieser Vertretung ziehen würden, sondern weit mehr 
die Vertreter selbst. 

So wie es Deutschland, Amerika und Frankreich 
schon vor 20 Jahren tbaten und noch thun, mflssteo 
die Kaufleute Oestcrreichs selbst den australischen 
Markt Studiren und ihre Vertreter dahin senden. 
Fremde Hilfe ist da nicht zu erwarten. 

Die jungen Söhne der österreichiscb-ungariscbcn 
höheren kaufmännischen und industriellen Welt sind die 
berufenen Vertreter zur Einleitung solcher Handels- 
beziehungen; sie sollen hinaus und den Markt studiren; 
der gastfreundliche Australier sieht gern den Fremden 
und geht ihm an die Hand, ist höchst zuvorkommend, 
sobald gegenseitige Handelsbeziehungen in Aussicht 
stehen. Die Polen und Ungarn mit den angeborenen 
anmuthigen Umgangsformen, der ernste und stets 
findige Böhme, der geschmeidige Triestiner, die besseren 
Classen der Städter überhaupt, sie würden im sonnigen, 
leichtlebigen Australien bald eine Rolle spielen, wenn 
mit Kenntnissen versehen und Unternehmungslust. 

Beautiful Sydney mit dem goldenen Kreuze des 
Südens am Haupte ist keine spröde Schöne, doch 
findet bei ihr Gnade nur der muthige, selbstauftretende 
Frsier. 



96 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



CHRONIK. 

Asien. 

Arabien. Die Lage in Jemen verschlimmert sieb. Die 
Behörden haben alles Ansehen und Binfluss auf die 
Bevölkerung verloren; es herrscht vollständige Anarchie. 
Der Anhang der revoltirendcn Scheikhs, die unter die 
hungernde Bevölkerung Lebensmittel vertheilen, wird 
immer grösser. Die Streitkräfte werden verstärkt, die 
Verbindung mit der Hauptstadt Sana wird aufrecht- 
erhalten. Man sucht die Bevölkerung durch fortdauernde 
Getreidesendungen wieder zu gewinnen und sieht noch 
von militärischen Operationen ab. 

Kaukasien. Ein Befehl des Czaren verfügt, dass Aus- 
länder in den westlichen und südlichen Grenzgebieten 
Kaukasiens ausserhalb der Hafenstädte und städtischer 
Ansiedlungen nur zur Errichtung von Fabriken und berg- 
industriellen Zwecken Liegenschaften erwerben dürfen. 

Rutsisck-Centralasien (Ferghana). Muhammed Ali Khan 
und viele andere Mitglieder der Bande von Ein- 
geborenen, die den Angriff auf das russische Militär- 
lager unternommen haben, werden vom Kriegsgerichte 
zu Andidschan zum Tode durch den Strang verurtheilt 
und das Urtheil von Eingeborenen vollstreckt; andere 
zum Tode Verurtheilte werden zur Strafarbeit begnadigt, 
und weitere Verhaftungen vorgenommen. Im Gebiete 
von Ferghana herrscht nun Ruhe. Auf die mittel- 
asiatischen Gebiete Russlands wird die allgemeine 
russische Gerichtsverfassung ausgedehnt. 

Indien. Im Dschandolthale an der afghanischen Grenze 
findet ein Zusammenstoss zwischen den Streitkräften 
des Nawwab von Dir, der im englischen Solde die 
Strasse von Tschitral offen zu halten hat, und den 
Badschauris statt, wobei beide Theile grosse Verluste 
an Todten und Verwundeten haben. — Zwischen Langting 
und Hatbikali wird ein britischer Ingenieur von 
Patbanen ermordet. 

China. Der Weihaiwei betreffende Vertrag wird von 
Prinz Tsching und S. Macdonald unterzeichnet. — Die 
russische Regierung sieht von dem Plane ab, die 
chinesische Provinz Ili (Kuldschau) zu besetzen, was 
sie zu thun gedroht hatte, wenn China die nördliche 
Bahn von Schanhaikwan nach Mukden und Niutschwang 
fortsetze. Der russische Geschäftsträger Pawlow ver- 
langt, dass für die neuen chinesischen Schiffe aus- 
schliesslich russische, aber keine britischen und deutschen 
Instructoren bestellt werden, und dass auch in Zukunft 
alle Armee- und Marineinstructoren Russen sein sollen; 
die Chinesen widersetzen sich dieser Forderung. — Da 
die chinesische Regierung sich weigert, den Franzosen 
südlich von Shanghai einige Ländereien zu übergeben, 
landet ein französisches Kanonenboot 75 Mann, um 
von diesen Ländereien Besitz zu ergreifen. — In der 
französischen Niederlassung in Shanghai brechen Unruhen 
aus, weil die Franzosen einen auf ihrem Gebiete 
liegenden provisorischen chinesischen Begräbnissplatz 
der Ningpo-Gilde wegen sanitärer Gefahr gewaltsam 
beseitigen wollen; bei dem Kampfe mit den Ein- 
geborenen, die die französischen Matrosen mit Stein würfen 
empfangen, werden mehrere Aufrührer getödtet. Die 
Eingeborenen rächen sich durch Strike und Boycott, 
werden aber von den Provinzialbehörden aufgefordert, 
den Widerstand aufzugeben. — Unter den Salar 
Dungan, den Bewohnern der Provinz Kansu, und zwar 
besonders im Districte von Siningfu, bricht wegen 
neuer Steuern wieder ein Aufstand aus. — Die evan- 
gelische und katholische Mission in Schungkingfu werden 
von Aufrührern angegriffen, und auch in Yuengtschong 
und anderen benachbarten Städten wird viel Unheil 
angerichtet. Ein französischer Priester wird gefangen 
und werden für ihn 10. 000 Taels Lösegeld verlangt. 
Mehrere Eingeborene werden getödtet und viel Eigenthum 
zerstört. Die Lage ist kritisch, — In den Districten 
von Itschau und Tsaotscbau in Schantung bricht eine 



gefährliche Empörung aus; die Aufruhrer sollen mehr 
als 40.000 Mann stark sein. — Aus Sungpu müssen 
zwei Missionäre flüchten, da das Volk eine drohent'e 
Stellung gegen sie einnimmt. — In Tschangscha, 
Provinz Hunan, müssen sich einige Missionäre, die 
öffentlich christliche Bücher verkaufen wollen, vor dem 
feindseligen Pöbel zurückziehen. In Folge dessen wird 
der Vicekönig Tschangtschihtung angewiesen, nach 
Wutschang zu geben und besonders auch die Uebel- 
thäter von Schaschi streng zu bestrafen. — Der Auf- 
stand in der Provinz Kwangtung dauert fort und 
breitet sich aus. Die Aufständischen nehmen Moning 
und Tienpack ein und umzingeln Wutschuchsien. Viele 
Likinbeamte werden getödtet. Der Aufruhr dehnt sich 
über das ganze Gebiet des Westflusses (Sikiang) aus, 
und auch in der Provinz Kwangsi brechen ernstliche 
Unruhen aus. Die Aufständischen in Kwangsi bestehen 
aus Schwarzflaggen und Annamiten, werden von Aus- 
ländern geführt und sind überall erfolgreich. Sie 
nehmen Yungschien, Peilin und Lutschuan und andere 
Städte ein und bedrohen Swatschau, Wutschuan und 
Wutschau. Die kaiserlichen Truppen werden von den 
Aufständischen bei Wutschau und bei Dschunggan 
geschlagen, doch wird letzteres von den Reichstruppen 
wieder genommen. Die Rebellen wollen die Mandschu- 
herrschaft in der Provinz stürzen und es soll eine neue 
Regierung gebildet werden, die aus Chinesen besteht, 
die von europäischen Ideen erfüllt sind. Der Aufstand 
soll von hervorragenden Persönlichkeiten der neu- 
chinesischen Partei unterstützt werden. — Frankreich 
will Kintschau auf der Halbinsel Liaotung als Flotten- 
station pachten. — Die Franzosen erzwingen in 
Kwangtschauwan die ihnen verwehrte Einnahme von 
Lebensmitteln, indem sie mit Gewalt landen und eine 
Anzahl von Eingeborenen als Geiseln festnehmen. — 
Die in Hongkong vereinzelt auftretenden Fälle von 
Beulenpest vermindern sich. 

Korea. In Söul wird wieder ein Anschlag gegen die 
Regierung entdeckt. Dem Kaiser wird eine Denk- 
schrift überreicht, worin er ersucht wird, abzudanhen. 
Japan. Japan ermuthigt China mit dem Vorschlage 
eines Offensiv- und Defensivbündnisses, doch mit 
dem Vorbehalte, dass China eine Kriegsflotte besitze. 
Sumatra. Der von Tuku Umar und Panglima Polim 
organisirte Widerstand nimmt zu und die Gefechte 
dauern fort. Die Parteigänger Tuku Umars greifen 
Edi an, werden aber mit Verlusten zurückgeworfen. 
Die Atschinesen fliehen vor den Truppen nach der 
Nordküste und werden in einem neuerlichen Gefechte 
bei Dschidschieng geschlagen. In Edi ist die Ruhe 
wieder hergestellt. Panglima Polim ist in Samalanga. 
Philippinen. Die Aufständischen nehmen die Provinz 
Bulacan ein und schlagen einen Angriff der Spanier 
bei Malale mit einem grossen Verluste der Letzteren 
zurück. Der Gouverneur von Bulacan geräth mit Weib 
und Kind in die Gefangenschaft der Rebellen. Agui- 
naldo fordert den Generalgouverneur Augustin ver- 
geblich zur Uebergabe von Manila auf, das von 50.000 
Aufständischen belagert sein soll. Die Amerikaner und 
die Aufständischen gehen in Cavite unabhängig von ein- 
ander vor, und zwischen ihnen herrscht auch Uneinig- 
keit, wer Manila einnehmen soll. Die Aufständischen, 
die Cavite besetzt halten, erheben sich gegen die 
Amerikaner und unterhalten gegen sie ein lebhaftes 
Geschütz- und Gewehrfeuer. Die Amerikaner ver- 
schieben ihre Operationen gegen die Aufständischen, 
bis sie genügend vorbereitet sind, ihnen die Spitze bieten 
zu können. Auch unter den Aufständischen selbst ist 
es zu einer Spaltung gekommen. Aguinaldo verlegt 
sein Hauptquartier nach Bacolor und bildet dort eine 
Regierung von Eingeborenen. Er weigert sich, die 
Autorität der Vereinigten Staaten anzuerkennen, und 
scheint entschlossen zu sein, auf den Philippinen die 
Republik einzuführen. 



ÖSTERRKICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



•7 



Afrika. 
Tunis. Zu finer militärischen Expedition nach der 
Sahara werden Vorbereitungen getroffen. 

Algier. Es finden neuerdings antisemitische Ruhe- 
störungen statt. 

Marokko. Die vier Gefangenen vom englischen 
Dampfer Tourmaline werden wegen Schmuggelei zu 
drei und vier Wochen Gefängniss verurthcilt. 

Atgyptischer Sudan. Der Bau der Kriegseisenbahn, 
die bis zur Mündung des Atbara in den Nil geführt 
wird, wird beendet. Im englisch-ägyptischen Heere 
Ijeginnen die Vorbereitungen für den Sudanfeldzug. 
Der Khalifa hat seine sämmtlichen Streitkräfte, gegen 
40.000 Mann, bei Omdurman vereinigt, das in Ver- 
tbeidigungszustand gebracht und befestigt wird. 

Italienisch- Nor doslafrika. Capitän Ciosodi Cola setzt 
seine Verhandlungen mit Menelik über die Südgrenze 
von Erythräa fort; die Verhandlungen nehmen einen 
befriedigenden F'ortgang. 

Britisch- Westafrika. Die Unruhen im Shangeh-District 
nehmen zu. Bompeh wird genommen, und Kapitän 
Goodwin verlässt Bompeh und den Shangeh-District, 
um die Rebellen zu züchtigen. Die Häuptlinge der 
Ribbie wünschen Frieden zu machen. Die Strafexpe- 
dition zerstört Yobofori, Runtunk, Mampu und Dscho- 
suolo. Nigua, der Häuptling der Panguma, wird wegen 
Theilnahme an der Rebellion im Ronietta-District ver- 
haftet und nach Kwellu gebracht. Die Aufständischen 
greifen Songo an, werden aber zurückgeschlagen. In 
Bargru finden Ruhestörungen statt, und Scherboro ist 
bedroht. Shengeh, Sulyma und Manoh werden von den 
Rebellen besetzt. Der Häuptling Bcmba Kalleh von 
Bargru wird in Freetown Gaol internirt. Ein Detache- 
ment des westafrikanischen Bataillons geht von Kwaia 
zur Züchtigung der Rebellen ab. Capitän Wallis, der 
mit einer Truppenmacht von Bontbe in Booten nach 
dem Bum Kittam-Flusse fährt, wird von Aufständischen 
angegriffen, und diese werden zurückgeschlagen. — 
Die Franzosen greifen Wam wiederholt an, werden 
aber von dem Könige dieses Landes zurückgeschlagen; 
die benachbarten Engländer verhalten sich bis zur An- 
kunft des englischen Commissärs zuwartend. 

Nigerterritorien. Capitän Cazemajou wird zwischen 
dem Niger und Tschadsee von Eingeborenen aus Sinder 
äDg^^griffen, wobei mehrere senegambische Schützen 
getödtet werden. 

Congosiaat. Mehrere hundert Aufständische greifen 
am Tanganjika-See die Colonnc des Lieutenants Char- 
gois an, werden aber zersprengt ; beide Theile erleiden 
Verluste. Chargois wird verwundet. Lieutenant Dubois, 
der mit einer Truppe zur Besetzung von Rivu abge- 
gangen ist, wird von aufrührerischen Congonegern 
überfallen, von seinen Soldaten verlassen und vom 
Feinde getödtet. 

Nyassaland. Der Aufstand der südlichen Angoni ist 
zu Ende. Die britische 'IVuppe stösst in Domwe nur 
auf unbedeutenden Widerstand und findet beim Vor- 
rücken auf das Dorf Mandala's den Platz verlassen. 

Südafrikanische Republik. Bunu, der König der Swasis, 
weigert sich, der Aufforderung der Regierung zu folgen 
und in Bremersdorf zu erscheinen; er zieht mit einigen 
Begleitern nach Umbegeza's Land, das britisches Ter- 
ritorium ist, und die Königinmutter wird an seiner Stelle 
zum Oberhaupte des Swasivolkes bestimmt. Dieses 
verhält sich ruhig, und die Verhandlungen zwischen 
Transvaal und den Engländern nehmen einen befrie- 
digenden Verlauf. Buren-Freiwillige werden nach Swasi- 
land geschickt und sollen eine Zeitlang dort bleiben. 
Es ist beschlossen, von den Swasis eine Hüttensteuer 
einzuheben. 



Australien. 

Neuseeland. Die Führer des jüngsten Aufstandes der 
Maori werden zu Gefängniss, andere Tbeilnebmer zu 
Geldstrafen verurthcilt. 

Polynesien. Die Engländer anoectireo die Inselgruppea 
Duff und Santa Cruz (zusammen 18 Inseln Astlicb von 
den Salümonsinseln). 

MISCELLEN. ' *"« ui.rt>. 

Briefträger in China. Auf dem letzten in Wasbiogtön'" 

abgehaltenen internationalen Postcongress bat China 
bekanntlich seinen Bitritt zum Weltpostverein erklärt. 
Bei der Abneigung der Chinesen gegen Eisenbabneo 
lässt zwar die Briefbeförderung in China an Schnellig- 
keit sehr zu wünschen übrig, doch wird die Post, so- 
weit man bis jetzt von einer solchen Einrichtung 
reden kann, von den Eingeborenen sehr in Anspruch 
genommen. Dies gilt besonders in Bezug auf Wertb- 
Sendungen, für deren Sicherheit der Staat jede Gewähr 
übernimmt. Im Innern des weiten Reiches gibt es in jedem 
Orte Postanstalten, die innerhalb ihres bestimmten 
Bezirkes die Verbindungen aufrechterhalten. Die Beför- 
derung geschieht durch Postboten, kräftige und uner- 
schrockene Männer, die beständig zwischen zwei Ort<-n 
unterwegs sind und Postsachen im Gewichte bis zu 
40 kg auf dem Rücken tragen. Da die Boten tüchtige 
Fussgünger sind, kommen sie verhältnissmässig rasch 
von Ort zu Ort. Sobald der Bote seine Endstation 
erreicht hat, liefert er seine Sachen ab, und ein hier 
wartender College marschirt sofort nach der Umsorti- 
rung weiter, während der eingetroffene oder ein an- 
derer Postbote mit der angekommenen Post baldigst 
wieder den Rückweg antritt. Auf diese Weise findet 
ein fortwährender Postverkehr statt, ganz gleichgiltig, 
ob es Tag oder Nacht, schönes oder schlechtes Wetter 
i3t. Die Marschlinien sind planmässig angeordnet, 
so dass die Beförderung ven Briefen und Packeten 
auf den schnellsten Wegen und ohne Unterbrechung 
durch das ganze Reich erfolgt. An unsere Briefträger, 
die treppauf, treppab wandern, werden nicht geringe 
Anforderungen gestellt, doch der chinesische Postbote 
muss weit grössere Leistungen vollbringen. Er muss 
vor Allem kräftig sein, denn es ist keine Kleinigkeit, 
mehrmals täglich im Dauermarsch einen langen Weg 
zurückzulegen und noch dazu mit einem Gepäck auf 
dem Rücken, das das festgesetzte Meistgewicht von 
40 kg nur selten nicht erreicht. Häufig muss er den 
ganzen Weg im Laufschritt zurücklegen, denn die 
Zeiten sind knapp berechnet. Um stets diensttücbtig 
zu sein, muss sich der chinesische Postbote tüchtig 
trainiren, und es herrscht daher unter diesen Leuten die 
Eigentbüralichkeit, dass sie sich nie ordentlich satt 
essen, da sie einen vollen Magen für schädlich halten. 
Sie treten aber auch den Marsch nicht mit nüchternem 
Magen an ; Regel ist, nur so viel zu essen, dass der 
(Junger einigermaassen gestillt ist. Die Chinesen haben 
im Allgemeinen eine merkwürdige Scheu vor der 
Nacht, weil sie glauben, dass dann die bösen Geister 
und Kobolde ihr Unwesen treiben. Der Postbote 
jedoch darf sich nicht fürchten; er muss ohne Unter- 
brechung durch Wald und Einöden, über Berge und 
Thäler wandern und wird streng bestraft, wenn er 
sich verspätet und aus Furcht verleiten lässt, zur 
Nachtzeit langsamer als bei Tage zu marscbiren. Auch 
muss er muthig und tapfer sein, um sich gegen Wege- 
lagerer, die in China zahlreich sind, zu vertbeidigen. 
Vom Postboten wird verlangt, dass er es selbst mit 
mehreren Räubern aufnimmt, und um diese F&higkeit 
zu zeigen, muss er jor seiner Anstellung eine eigen- 
thümlichc Probe ablegen. Auf einer sich in ziemlicher 
Höhe befindlichen wagrechten Stange werden an langen 



98 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Stricken eine Menge schwerer Saodsäcke aufgebängt. 
Mitten darunter hat sich der Bewerber zu stellen, und 
seine Aufgabe ist nun, durch kräftige Stössc die 
sämmtlichen Säcke in starke Schwingung zu bringen 
und dann schnell zwischen den schwingenden Säcken 
hindurchzulaufen, ohne sich von einem der Säcke 
treffen zu lassen. Er muss somit sehr gewandt sein, 
denn ein Schlag von dem schweren Sack würde ihn 
niederschlagen und er wäre damit zugleich mit seiner 
Prüfung durchgefallen. An Bewerbern für den Dienst 
fehlt es nicht, und die Probe ist um so schwerer, als 
nur die stärksten und gewandtesten Prüflinge genommen 
werden. Hieraus ergibt sich, dass es nicht so leicht 
ist, in China Postbote zu werden. K. Z. 

Haushaltungskosten in Japan. Was das Leben in 

Japan kostet, geht aus einer Mittheilung einer japani- 
schen Unterrichtszeitung hervor. Man hat viel von der 
Bedürfnisslosigkeit der Chinesen und Japaner gehört, 
wird aber doch durch die mitgetheillen Thatsachen 
überrascht. Es handelt sich um den Haushalt eines 
Lehrers an einer höheren Schule in der Provinz Ri- 
kuzen, im Norden der Hauptinsel Nippon gelegen. Die 
Familie dieses Mannes besteht ausser seiner Person 
aus der Hausfrau und einem Kinde von sechs bis 
sieben Jahren. Wir erfahren nun, was der Unterhalt 
dieser Familie gegenwärtig in einem Monat kostet. Es 
werden ausgegeben: Für 54 / Reis dritter Qualität 
etwa M. Q'50 (von japanischem Gelde umgerechnet), 
für Gemüse und Fische M. 3*25, für die Miethe von 
Bettzeug ebensoviel, für die Hausmiethe i'75, für Be- 
leuchtung und Heizung l*5o, für einen halben / Sauce 
zweiter Qualität i, für Thee 075, für Schreibmaterialien 
ebensoviel, für Kindererziehung 0'50, für ein Bad alle 
drei Tage ebensoviel, für Wohnungssteuer o-6o, für 
Schuhwerk ebensoviel und für verschiedene Ausgaben 
noch M. i-yo. In Summa würden sich diese Ausgaben 
auf rund 25 M. monatlich belaufen; rechnet man nun 
noch jährlich 15 Yen oder rund 30 M. für den Ankauf 
von Kleidern hinzu, so würde sich der jährliche Bedarf 
dieser P'amilie von drei Personen im Ganzen auf 330 M. 
stellen. So fabelhaft klein uns diese Summe erscheint, 
ist sie für japanische Verhältnisse doch schon hoch, 
denn seit dem Kriege ist Alles theurer geworden, 
namentlich in diesem Jahre. Der Reis ist in Folge eines 
Ausfalles der Ernte um etwa ein Fünftel erheblich im 
Preise gestiegen, in Tokio z. B. von rund 17 Yen im 
Jahre 1895 auf 28 Yen für das Koku, ein Maass von 
180/. Auch andere Gebrauchsgegenstände haben sich 
in ähnlichem Maassc vertheuert. Natürlich lebt der 
obengenannte Lehrer selbst bei seinen geringen Aus- 
i;aben nicht im Wohlstande oder legt etwa von seinem 
Gehalte ein kleines Vermögen zurück, er erhält viel- 
mehr nur etwa 20 M. Monatsgehalt und hat keine Aus- 
sicht auf eine Alterszulage. Bei den gegenwärtigen 
Preisen muss ein Lehrer in Japan, wenn er nur für 
drri Personen zu sorgen hat, also noch zusetzen. 

Schwimmende Landwirthschaft In China. Wie Vieles 

im Reiche der ^elb^^n Rasse nicht seinesgleichen hat, 
so dürfte auch die Art, wie die Landleute auf dem 
Riesenstrome Yangtsekiang ihre Producte von ihrem 
Ursprungsorte zu den verschiedenen Häfen schaffen, 
zu den merkwürdigsten Dingen der Welt gehören. Am 
ehesten ist ihr Verfahren noch dem der Holzhändler 
im nördlichen Russland und in Sibirien zu vergleichen, 
wenn dieselben ihre grossen Vorräthe nach den Haupt- 
holzmärkten Russlands, nach Nischnei-Nowgorod, Kasan 
und Astrachan bringen. Die Chinesen haben auch keine 
Transportschiffe, sondern bauen Flösse von geradezu 
ungeheurem Umfange, die bis zu i ÄaObei fläche haben; 
sie müssen ganz besonders zusammengefügt sein, damit 
sie den oft schwierigen Stromverhältnissen widerstehen 
können. Auf diesen Flössen aerrscht nun während 
der Fahrt, die angesichts der grossen Entfernung oft 
Wochen- und monatelang dauert, ein wunderbares 

Tenutwortlicher BedMtear: JULIUS BÖHM. 



Leben. Die Landleute errichten darauf vollkommene 
Farmen, die Alles zu einem Bauernhof Gehörige auf- 
weisen, ausser natürlich den Saatfeldern. Da stehen 
Wohnhäuser für die Menschen, Ställe für Pferde und 
Rindvieh, Schweinekoben, Vorrathshäuser für Futter 
und Nahrungsvorräthe für Menschen und Vieh. Da die 
Reise oft 1000 — 1500 km lang ist, so müssen die Be- 
wohner des Flusses diese Zeit selbstverständlich mög- 
lichst ausnützen. Meist nehmen sie einen Vorrath von 
Weidenruthen mit und flechten viele Gegenstände zum 
praktischen Gebrauch und zum Luxus daraus. Wenn 
sie an ihrem Bestimmungsort angelangt sind, so ver- 
kaufen sie Alles: das Vieh, das Getreide, die übrigen 
Früchte, die auf der Reise gefertigten Korbwaaren ; 
dann kommen die Häuser heran und endlich wird das 
ganze Floss auseinandergerissen und als Bau- oder 
Brennholz verkauft. Ist dies Alles an den Mann ge- 
bracht, so kehren die Landleute in ihre Heimat zurück. 
Die Einnahme muss für einige Zeit reichen, da so 
langwierige Reisen natürlich nicht jedes Jahr gemacht 
werden können. 

Die afrikanische Forschungsexpedition unter Major 

Gibbons, die den dunklen Erdtheil von Süden nach 
Norden durchqueren soll, hat sich in diesen Tagen auf 
dem Dampfer „Inyoni" eingeschifft und die Reise nach 
Afrika, zunächst nach Chinde, angetreten. Sie besteht 
aus acht Europäern, von denen zwei demnächst mit 
dem Postdampfer der übrigen Gesellschaft folgen. Ab- 
gereist sind mit Major Gibbons Rittmeister Quicke 
vom Königsgardedragonerregiment, Hauptmann Alexander 
von der 7. Schützenbrigade und Lieutenant Hamilton 
vom Dragonerregiment Inniskilling, der Ingenieur Weller 
und der Arzt Dr. Smith. Hauptmann Alexander wird 
sich der Ornithologie annehmen. Zwei weitere Civilisten, 
die Herren Rand und Oliver Halg, die auch zum natur- 
wissenschaftlichen Stabe zählen, schliessen sich der 
Expedition in Afrika an. Major Gibbons führt an Bord 
der „Inyoni" zwei Dampfpinassen aus Aluminium und eine 
eigens für die Expedition gebaute Barke mit. Diese 
Fahrzeuge sind nach dem System Hodgett's mit drei 
Kielen gebaut, um ihre Stetigkeit zu vermehren und 
den Widerstand zu verringern. In Chinde wird die Ex- 
pedition ausgeschifft und nachdem man Jete erreicht 
und die Stromschnellen passirt hat, sollen die Boote 
zusammengesetzt werden. Man hofft alsdann ungehindert 
und ohne die Fahrzeuge aus dem Wasser nehmen zu 
müssen, \\oo km bis zu den Victoriafällen dampfen zu 
können. Hier wird die eigentliche Forschungsreise be- 
ginnen. Die Reisenden werden langsam den Sambesi 
hinauf vordringen, den Fluss als Verbindungslinie und 
ihre Fahrzeuge als Operationsbasis benützen und nach 
beiden Seiten vom Ufer aus Züge bis über 300 km weit 
in das Innere unternehmen. Major Gibbons beabsichtigt 
zu diesem Zwecke seine Gesellschaft in vier Unter- 
abtheilungen zu theilen, weil er auf diese Weise den 
grössten Umfang an Ergebnissen zu erzielen hofft. Als 
Bedeckung sollen in Natal zehn Zulus angeworben 
werden, die bei der eingeborenen Polizeitruppe gedient 
haben Am Sambesi wird man die gleiche Zahl von Ein- 
gebor nen von der Uferbevölkerung einstellen. Als Be- 
waffnung dienen Mauser-Gewehre. Gibbons hofft gegen 
April nächsten Jahres Uganda zu erreichen. Auf der 
Strecke zwischen dem Tanganyka und dem Victoriasee 
erwartet er die grössten Schwierigkeiten, die aber wohl 
durch Zuhilfenahme der an Ort und Stelle zu findenden 
Träger überwunden werden könnten. Falls die Macht 
der Derwische im kommenden October gebrochen 
würde, glaubt die Expedition im nächsten Frühjahr von 
Uganda abgehen und im Herbst nach iSmonalicber Reise 
in Cairo eintreffen zu können. 



GH. BBISSER fc H. WBBTHliBB, W1£N. 



OESTERREICHISCHE 



XXIV. jAKROAwo. WIEN, AUGUST 1898. N*. 8 Bbilaob. 



"V'erlag de» k. Ic. öatorr- üandolB-JVCuBevimB 'V^T'ien, i:2C./l. Barggaas« IQ. 

BV Ei-iohelnt Hltte de« aoniti. "VS 

IiiserUo>sb*4taffvmc«a 



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KD NOTA 
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Monatsschrift für Handel, Industrie, Politi](, Wissenschaft, Knnst etc. 



Herausgeber und Chefredacteur : KISAK TAMAI aus JAPAN. 
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-A.rLzeigenpreis : 1 Seite SO IVEark, V» Seite 30 JS^ark, Vi Seite 15 IS^Earlt. 

„Kara-vranenreise in Sibirien." Von Kisak Tamai. 3 Mark. 
,.Da8 japanische Patentgesetz." Uebersetzt von Dr. Brunn. 3 Mark. 

Redaction and Expedition: Berlin SW. 12, Zimmerstr. 11. 



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gabe in lüO Exemplaren gibt die Direction des k. k. HaD'Iels-Museums später heraus). 

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liers etc., in denen alle in das Glasfach ein- 
schlagenden Artikel erzeugt werden. 

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für Petroleum, Gas, Oel und 
elektro-teclmisclien Qebraucli. 

Preiscourante und Musterbücher gratis und franCO. 

ar Export nacb allen Weltgegenden. 'W 



ZOLL-COMPASS. 

Der V. Jahrgang dei „ZoU-Compast" wird, gleichwie der III. 
beziebungüweiie der Ergänzungsband deiselben (IV. Jahrgang) 
lieferungrweise zur Publication gebracht, und die einzelnen Liefe- 
rungen werden nach Maassgabe der eintretenden Veränderungen 
in den betreffenden Zolltarifen erscheinen. 

Der gestellten Aalgabe, die für noseren Aossenbandel 
wichtigsten Länder successive in den Rahmen dieses Jahr- 
buches einzubeziehen, wird der erscheinende V. Jahrgang durch 
Neuaufnahme der Zolltarife der auttralitchtn Colonitn, Ni*d4r- 
ländisch- Indiens and der Philippin4n entsprechen. 

Von dem in 20 Lieferungen erscheinenden V. Jahrgang sind 
bisher 1 1 Lieferungen publicirt worden, enthaltend die Tarife von 
Rumänien, Argentinien, Rassland, Britisch-Indien, China, Japan, 
Korea, Persien, Oesterreich-Ungarn, Schweden, Norwegen, Helgo- 
land, Italien, Argentinien (IL Auflage), Deutschland, Frankreich, 
Griechenland, Bel|;ien, Vereinigte Staaten von Amerika, Schweiz 
and Vereinigte Staaten von Amerika. 

Preis per Lieferung 45 kr. =■ 90 Pfg. Einzellieferangen werden 
nicht abgegeben. Einbanddecke zum ganzen Jahrgang 50 kr. ^ 
I Mark. 

Zu beziehen durch das k. k. österr. Handels-Museum sowie 
durch jede Buchhandlung. Für Deutschland alleiniger Vertrieb 
durch E. S. Mittler & Sohn, Berlin S. W. IJ, Kochstrasse 68—70. 

Verlii«: des k. k. österr. Handels-Museums. 



K. K. PRIV. SÜDBAHN-GESELLSCHAFT . 

Auszug aus dem Fahrplane der Personenzüge. 



Abfahrt von Wien: 

5.r)U Früh (PerHonenztig): Mürzzusclilag, Kanizsa, Kudapest; Gllns 

(lit,instag und Freitag); Pakracz-Liplk; Ussegg, Sarajevo; A gram ; 

Aspang. 
7.20 Früh (Schnellzug): Leoben, Vordemberg. Venedig (via Punlafel), 

Kanlisa, Kuegg, Sarajevo, Pakriczl-Iplk, Agram; Budapest (via 

Hragerhof); Neuberg, Aflenz. 
8.10 Früh (Sibnellzug): Trieat, Fiume, Poia, Siasek (via Slelnbrück), 

Uunobltz, KlHgent'urt, Villacii, Ilozen, Meran, Arco, Innsbruck (via 

Marburg), Wollsberg, Luttenberg (Olelcheiiberg), Köflacb. 
1.1.1 iNachinitUg«(Po»tr.ug);Trle»t, QSra, Venedig; Fiume; Pola, Ravlgno, 

Siaaek, Brod, Ranjaluka; Leoben, Vordernberg; Neuberg, Afleni. 
1.40 Nacbmitlags (Persoueniug): Bares, Agram, KanUaa, QUns. 

2.5.1 Naclimitlag» (Personcning): Wiener- NousUdt, Aspang, Kanizsa, 

Hudapeat. 
4.30 Nachmittags (Personenzug): Graz. Leoben. 
.1.25 Nai'hmlltags (Personenzug): Wiener-Neustadt, Sielnamanger. 
7.10 Abends (Personenzug): Kanizsa, Budapest, Pakricz-Llpik ; liuegg, 

BuHuiseh-lirod; Agram, Sistiek, Sarajevo. 
8.20 Abend« (Sdinell/ug): Triost, G6rz, Venedig, Rott ; Mailand, Genua; 

Pola, Küvigno; Fiume; Sissek, Banjuluka, Kudaposl (via Pragerhof). 
!!.— Abends (Postzug): Triest, G8rz, Venedig, Koni, Mailand; Pola, 

Uovigno, Agram; Uonobilz, Budapral lvi:i Pragerhof); Klagenfurt, 

Wolfsberg, Meran, Arco, Innsbruck (via .Marburg); Lulteuberg, 

Köflach, Wie«; Stainz, Ijeoben, Vordernberg. 
11.45 Abends (Sohnellzng): Marburg, Klagenfurt, Franiensfetta, Heran, 

Arco, Innsbruck (via Marburg). 



Ankunft in Wien: 

11.40 FrUb (Postzug): Triest, Kom, Malland, Venedig, HBra; Pola, 

Agram, Budapest (via Pragerhof); Arco, Innsbruck, Klagenfnrt. 

Wolfsberg(via Marburg) ; Luttenberg, KSflach,WiM; Suinz, I.«obeD 
8..19 Frllh (Personenzug): Kanizsa, Bosnisch-Brod, Essegg; Pakrirz- 

LIpIk, Agram, Budapest (via Oedenbnrg). 
9.— Vormiiuga (Schnellzug): Marburg, Arco, Meran, Imubmck, Klagen- 

furt (via Marburg), Leoben. 
9.40 Vormittags (Personenzug): Steloamuiger, OOns. 
10.— Vormitugs (Schnellzug): Triest, Rom, Malland, Venedig, 0»raj 

Pola, Rovigno; Fiume, SIsaek, Agram, Budapast (via Pr*(erhaO. 
1.15 NachmilUgs (Personentag): Ormz, I.,«obeD, Vordemberg; Alaaa. 
1.35 Nachmittags (Personenzug): Kaniiaa, OUna (Dienstaff and Pralta«), 

Wiener-Neustadt. 
4.— NaehmitUgt (Posting): Triest, «»rr, Venedig, Pol»; RovIgBO; 

Flame, Siasek, Agram; Radkersbnrg, Kftaaeh,WlM;8iaina,Vorde>m- 

berg, I.eoben, Neuberg. 
5.S5 NaelimitUgs (Personenzug): Ryca, Kanizsa, Budapest, aSas, 

Agram, Oedenbnrg, Wiener-Neoltadl. 
'.>.— Abends (Personenzug): Sarajevo, Kssegg; Agram, Budapest, 

Kanizsa; Pakrici-I.lpik (via Oedeibnrg); OutenateiB. 
9.SS Abends (Schnellzug): Triest. G8r». Pola, Rovigno; Flame; 

Sissek (via .-^leinbrllokl ; Budapest (via PragerboO; Oo 

Vlllarh, Klageufurt. Wolfsberg; Lattenberg. KSIIach. 
•i.*i Abends (Schnelltag): Venedig (via Ponufel). Boten, Maraa, Aice, 

hmabruck; Leoben, Vordemberg; Neuberg, Aflent. 



Bohlafwagen verkehren mit den Schnellsflgen (Wien ab 8.S0 Abends, Wien an 10.- Vormittags) zwischen ^Tlan-Trleat. Wien-OArz Vanadtc 

via Curmons und (Wien ab 9.45 Abends, Wim au :i.- Vormittags) zwischen Wlen-Marbnrc-Meran 
Dlreots Wagen I., H. Olaaae verkehren mit den obigen Schnellzllg.n zwischen Wlan-Ftnme lAl.bazIa) and Wlaa-Ala via Franiens- 
toste, ferner luit den Schnellzügen (Wien ab 7.20 Frtth und Wien an ».'<.'> Abends) zwischen W len - VenaAlff-Kallaad via Leabea, daan 

(Wien ab 8.1U Früh, Wien an '.i.:<.1 Abends) zwischen Vrien-Flnm« (Abbazla). Wlen-Folat und Wlea-Otrs. 
Knhr-Ordnungen in i'lai-at- und Taschen-Formal bei allen Billettrn.Ca<.«.ii l raschen-Fahrplan der LocalzBge in allen Tabak-Tra4k«B Wie»». 
Fahrkarten - Ausgrabe (in bescliränktem Masse) und Anaktinn« bei der Wiener Agentur der Internallonalen Schlafw»g«a-Qee» ll » cb»l >, 
I. Kiirntnerring 15, im FahrkartenStadtbureau der kgl. uugar. Staatseiseiibahuen in Wien, I. Kämlnerring 9, dann In den RaUebareaax: 
Tli. Cook & Son, I. Kärutnerstrasse S2 A. G. Schroeekl's Witwe, 1. Kolowratring la, Sehenker Je Co.. I. Sctoitenring 3 (Hitel d« Fraaea), .Coartaf*, 
Internatlonalea Reite- und Fahrk»rtenbureau Nagel h Wortmanu, I. Opemgatee li. 



IV 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FtJR DEN ORIENT. 



»lltig vom 15. Juli 1898 
big auf Weiteres. 



jfafirplan öeö „^etBrtElcötfdjEn Wlnnb". ^" Va" weit"rV''' 



IDIH33NTST TlS/L A.X3R,I^TISCI3:EI^ l^EETtE. 



Beschleunigte Eillinie Triest— Cattaro. 

Ab Triest jeden Donnerstag 8'j, Ubr Früh, 
ii Oattaro Freitag 12 Utir Mittags, berühr.: 
Poia, Zar«, Spalato, Gravosa. 

Retour ab Cattaro Freitag 6 ULr Abeuda, 
lu Triest Samstag lü Uhr Nachts. 

Linie Triest— Metkovich A, 

Ab Trfest jeden Mittwoch 7 Uhr Früh, in 
Metkovich Freitag 4»/, Uhr Nachm., berühr.: 
Rovigno, Pola, Liissinpiccolo , Zara, Zaravecchia, 
Sebeuico, Trai^, Spalato, S. Pietro, Almissa, 
Gelsa, S. Martino, Ma<:ar8ca, Gvadaz, S. Giorgio 
di Les., Trapano, Fort Opus. 

Retour ab Metkovioh Jeden Sonntag 8 Uhr 
Früh, in Triest Dienstag I'/, Uhr Nachm. 

Anschluss auf der Hinfahrt in Spalato an die 
Hinfahrt der beschleunigten Eillinie Triest— 
Oattaro. 

Linie Trlest»Metl(Ovlch B. 

Ab Triest jeden Samstag 7 Uhr Früh, in 
Metkovich Montag 5 Uhr Nachm., berühr. : 
ttoyigno^ Pola, Lusciupircolo, Zara, Zlarin, 



Kebenico, Rogosinzza, Trau, Spalato, S.Pietro, 
Postire. AlmisNa, l'u^lscliie, Macarsca, S. Giorg. 
di Leslna, Trapano, 'iJradaz, Fort Opus, 

Retour ab MetkoVioh jeden Mittwoch 8 Uhr 
Früh, iü Triest Fr«it|ig 6 Uhr Abends. 

Anschluss auf d«*r Rückfahrt in Spalato an 
die Hinfahrt der Linie Triest— Cattaro A, 

Linie Trjest— Venedig. 

Von Triest jede|i Montag, Mittwoch und 
Freitag um Mitternacht, Ankunft in Venedig den 
darauffolgenden l'ag 6'/, Uhr Früh. 

Retour ab Venedig jeden Dienstag 11 Uhr 
Nachts, Mittwoch (ii(rt Freitag um Mitternaclit, 
Ankunft in Triest den darauffolgenden Tag 
6';j Uhr Früh. 

Linie Pola— Zara. 

Ab Pola jeden Mittwoch g'/, Uhr Nachmittags, 
in Zara Donnerstag 5 Uhr Nachm., berühr.: 
Cherso, Rabaz, Malipsea, Veglia, Arbe, Lassin- 
graode, Valcassiooe, Porto Manzo. 

Retour ab Zara ßonntag 5V» Uhr Früh, in 
Pola Montag 4 Uhr jrüh 



Linie Triest— Cattaro A, 

Ab Triest jeden Dieubiag 7 Uhr Früh, Ir. 
Cattaro Donnerstag 7'/, Uhr Abends, berühr.: 
Rovigno, Pola, LuBsinpiccolo, Selve. Zara, 
Sebenico, Spalato, Miloa, Lesina, Curzola, Gra- 
vosa, Castelnuovo, Teodo, Risano. 

Retour ah Cattaro jeden Montag 11 UhrVorm., 
in Triest Mittwoch 6 Uhr Abends. 

Linie Triest— Cattaro B. 

Ab Triest jeden Freitag 7 Uhr Früh, iti 
Spizza darauffolgenden Mittwoch 11 UhrVorm., 
berühr. : Rovigno, Pola, Lussinpiccolo, Selve, 
Zara, Sebenico, Rogosnizza, Trau, Spalato, Ca- 
rober, Milna, Cittaveccbia, Lesina, Lissa, Comisa, 
Vallegrande, Curzola, Orebich, Terstenik, Meleda, 
Gravosa, Ragusavecchia, Ca-stelnuovo, Teodo, 
Perasto-Risano, Perzagno, Cattaro, Budua. 

Retour ab Spizza jeden Mittwoch 11'/, Uhr 
Vorm., in Triest darauffolgenden Montag 1 Uhr 
Nachm. 

Anmerkung. Falls schlechten Wetters wegen 
das Anlaufen von Castelnuovo nicht möglieb 
wäre, wird in Megtine angelegt. 



IjE*V"-A.ISrTB- XJJSTID 3S^ITTEX.3i^^EER,-r>IElsrsa?. 



Eillinie Triest— Alexandrien. 

Von Triest ab jeden Mittwoch 12 Uhr Mittags, 
In Alexandrien Sonntag 6 Uhr Früh über BrindiMi. 
Rückfahrt von Alexandrien jeden Samstag 4 Uhr 
Nachmittags, in Triest Mittwoch Mittags. 

Anschluss inAlexandrien an die Syrisch-Cara- 
manische Linie, sowohl auf der Hin- als auf 
der Rückfahrt. 

Im Anschlüsse in Triest an die Ankunft und 
Abfahrt des Luxuszuges Ostende — Wien— Triest 
und in Brindisi auf der Hinfahrt an den Eilzug 
von 11 Uhr Vorm. und auf der Rückfahrt an 
eneu von 6.10 Uhr Früh. 

Eillinie Triest— Constantinopei. 

Von Triest jeden Dienstag ll»/, Uhr Vorm., 
in Constantinopei Montag 6 Uhr Früh Über 
Brindisi, S.ti Quaranta, Corfu, Patras, Piräus, 
Dardanellen. Rückfahrt von Constantinopei jeden 
Samstag i Uhr Nachm,, an in Triest Freitag 
4 Uhr Nachm, 

Anschluss in Corfu auf der Rückfahrt an die 
Dalm.- Albanesische Linie in derselben Richtung, 
sowie an die Linie Corfu— Pievesa und in Piräus 
an die Griechiach-Orientalische Linie sowohl auf 
d«r Hin- als auf der Rückfahrt, sowie an die 
Rückfahrt der Thessalischen Linie A. 

Syrisch-Caramanische Linie. 

Wöchentlich vom September bis Ende Februar; 
vierzehntägig vom März bis Ende August. 

Von Alexandrien ab Dieustatj*) 4 Uhr Nachm., 
in Constantinopei zweitnächsten Sonntag 5 Uhr 
Früh über Port Said, Jaflfa,Caifa,Beyruth. Tripolis, 
Lattachia. Alexar.drette, Meryna, Rbodus, Kblos, 
Smyrna, Mytilene, Dardanellen, Rodosto. Rück- 
fahrt ab Constantinopei Sonntag**) 10 Uhr Vorm., 
an in Alexandrien zweituäcbsten Donnerstag 
6 Uhr Früh. 

*) Am 12. und 26. Juli, 9. und 23. August, 
6., 13., 20. und 27. September, 4., 11., 18. und 
2.5. October, 1., 8., 15., 22. und 29. November 
und 6., 13., 20. und 27. December. 

♦♦) Am 10. und 24. Juli, 7. und 21. August, 
4., 11., 18. und 25. September, 2-, 9., 16., 23. 
und 30. October, 6., 13., 20. und 27. November 
und 4., 11., 18. und 2.^. December. 

Anschluss m Alexandrien an die Eillinie 
Triest — Alexandrien sowohl auf der Hin- als auf 
der Rückfahrt und in Smyrna (vom September bis 
Ende Februar) auf der Hinfahrt an die Rückfahrt 
der Thessalischen Linie B. 

Constantinopei- Batum. 

Von Constantinopei jeden Samstag 12 Uhr 
Mittags, in Batum Donnerstag 6 Uhr Früh, berührt 
Ineboli, Samsun, Kerassunt, Trapezünt, Rizeh 
(nur auf der Hinfahrt). Rückfahrt voif- Batum 
jeden Freitag 6 Uhr Abends, in Constantinopei 
Mittwoch 2 Uhr Nachm. 

Anschluss in Constantiuopel auf der Rück- 
fahrt an die Hinfahrt der Linie Constantinopei — 
Odessa und der Donaulinie. 

Constantinopei— Odessa. 

Von Constantinopei ab jeden Donnerstag 3 Uhr 
Nachm., in Odessa Montag 7 Uhr Früh, berührend : 
Burgas, Varna, Coätanza. Rückfahrt ab Odessa 



jeden Montag 4 Uhr Nachm., in Constantinopei 
Mittwoch 10 Uhr Vofm. 

Griechlsch-Orjentaiisctie Linie A. 

Von Triest ab jeden zweiten Sonntag*) 4 Uhr 
Nachm., in Ooustantii|opel zweitnächsten Mittwoch 
*i Uhr Früh, berührend: Fiunie, Corfu, Patras, 
Calamata, Piräus, Syra,KhioH, Smyrna, Mytilene, 
Dardanellen, GallipoU. Rückfahrt ab Constanti- 
nopei jeden zweiU-ü Montag**) 4 Uhr Naclim., 
in Triest zweitnächsten Sonntag H Uhr Vorm. 

*) Am 3., 17. und 31. Juli, 14. und 28. August, 

11. und 25. S^-pteuiber, 9. und 23. Oc ober, 6. und 

20. November und 4» und 18. December. 

**) Am 11. und «5. Juli, 8. und 22. August, 
5. und 19. September, 3. 17. und 81. October, 
14. und 28. November und 12. und 26. December. 

Ansi-hluss in Corfu auf der Hinfahrt an die 
rückkehreude Dalmatinisch- Albanesische Linie, 
sowie an die Linie Corfu — Prevesa und in Piräus 
an die Kitlinie Tiiest — Constantinopei t^owohl auf 
der Hiu als auf der Rückfahrt und in Con- 
stantinopei an die Linie Constantinopei — Odessa, 
sowie an die Donau^nie. 

Grieciiisch-Orlentaiisclie Linie B. 

Von Triest ab ji^en zweiten Sonntag*) 4 Uhr 
Nachm., in Con»taijtinopel /.wettnächsten Mitt- 
woch 6UhrFrüh,ber^hrend:Finme, Corfu. Patras, 
Catacolo, Calamatft, Piräus, Khios, Smyrns, 
Mytilene, Dardanellen, Gallipoli. Rückfahrt ab 
Constantinopei jeden zweiten Montag**) 4 Uhr 
Nachm.. in Triest zweitnächsten Sonntag U Uhr 
Vormittags. 

*) Am 10. und 24. Juli, 7. und 21 August, 
4. und IS. SeptembÄ-, 2., 16. und 30. October, 
13. und 27. November und 11. und 25. December. 

*») Am 18. Juli, 1., 15. und ^9 August. 

12. und 26. September, 10. und 24. October, 7. und 

21. November und 5. und 19. December. 
Anschluss in Corfu auf der Hinfahrt an die 

rückkehrende Daluiatiinisch-AIbanesiscbe T^inie, 
sowie an die Li lie Öorfu— Prevesa und in Piräus 
an die Eillinie Triest — Constantinopei bowobt 
auf der Hin- als auf der Rückfahrt und in Con- 
stantinopei an die I4nie Constantinopei— Odessa, 
sowie an die Douaulmie- 

Donau-Linie. 

Von Constartlnq|iel jeden Donnerstag 1^ Uhr 
Mittags, in Galat/. Dienstag 7 Uhr Früh, berühr.: 
Burgas, Varna, C<ntanza. Sulina. Itraila. Rück- 
fahrt von Qalatz jeden Mittwoch 9 Uhr Früh, in 
Constantinopei Sonntag 8 Uhr Früh. (Burgas, 
Varna nur auf der Rückfahrt, Braila nur auf 
der Hinfahrt.) 

Anschluss in Constantinopei an die Rück- 
fahrt der Griechisch- Orientalischen und der 
Syrisch- Caramauiscben Linie. 

Thessalische Linie A. 

Von Triest ab jeden zweiten Donnerstag*) 
3 Uhr Nachm., in Constantiuopel zweitnächsten 
Donnerstag 6'/» Uljr Früh, berührend: Fiuuie, 
Valona, Corfu, Oanea, Rethymo, Candien, 
Piräus, Volo, Salouich, Cavalla, Lagos, Dedea^h, 
Dardanellen, GallipoH, Rodosto. Rückfahrt ab 
Constantinopei jeie|i zweiten Samstag**) 8 Uhr 
Früh, in Triest drittpftchsten Dienstag 7 Uhr Früh. 



•) Am 7. und 21. Juli, 4. und 18. August 
1., 15. und 29. September, 13. und 27. October 
10. und 24. November und 8. und 22. December 

♦*) Am 2., 16. und 30. Juli, 13, und 27. August 
10. und 24. September, 8. und 22. October. 5. und 
19. November und 3., 17. und SI. December. 

Anschlu.HS in Corfu aut der Hinfahrt mit der 
Dalmatinisch Albanesischen Linie in derselben 
Richtung und in *'iräus auf der Hinfahrt an die 
Killinie Triest—Constantinopel, sowie an die 
Griechisch- Orientalische Linie B in derselben 
Richtung Die Rückfahrt ist weiters im Anschluss 
an die Hinfahrt der Eillinie Triest— Constan- 
tinopei. sowie der Griechisch Orientalischen 
Ijinie A, in Constantinopei auf der Hinfahrt an 
die Linie Constantinopei- Oiessa, sowie an die 
Donaulinie. 

Tliessalische Linie ß. 

Von Triest jeden zweiten Donnerstag*") 3 Uhr 
Nachm., in Constantinopei zweitnächsten Don. 
ners ag 6 Uhr Früh, berührend : Durazzo, Corfu, 
ArgostoIi,Zante,Cerigo,Canea, Rethymo, Candien, 
Piräus, Volo, Salonich, Cavalla, Dedeagh, Darda- 
nellen, (jallipoli, Rodosto. Rück fahrt ab Con- 
stantinopei jeden zweiten Samstag**^) 8 Uhr Früh, 
in Triest drittnächsien Montag 12 Uhr Mittags. 

*) Am 14 un 1 2 ü. Juli, 11. und 25. August, 
8. und 2i. September, 6. und 20. October, 3. und 
17. November und 1,, 15. und 29. December. 

**) Am 9. und 23. Juli, 6. u<.d 20. August, 
3. und 17. September, I., 15. und 29. October, 
12. und 26. November and 10. und 24. December. 

Anschluss in Corfu auf d^r Hinfahrt an die 
Albanesische Linie in derselben Richtung; in 
Piräus auf der Hinfahrt an die Eillinie Triest— 
Oonatantinopel, sowie an die Griectisch-Oiien- 
tj. ische Linie A in derselben Richtung; in Smyrna 
(vom September bis End« Februar) auf der Rück- 
fahrt an die Hinfahrt der Syrisch-CaramaniBchen 
Linie und in Constantinopei an die Linie Con- 
stantiuopel - Odessa, sowie an die Donauliuie. 

Dalmatinisch- Albanesische Linie. 

Von Cattaro als Verlängerung der Linie 
Triest — Cattaro A. 

Von Triest jeden Dienstag 7 Uhr Früh, in 
S. ta Maura nächsten Dienstag 6 Uhr KrÜh, 
berührend: Roviguo, Pola, Lussinpiccolo, SeWe, 
Zara, Sebenico, Spalato, Miina, Lesina, Curzola, 
Gravosa, Castelnuovo, Teodo. Risano, Cattaro, 
Antivari, Dulcigno, Medua, Duraxzo, Valona, 
S. Quaranta, Corfu (Sajada, Pargaauf der Rück- 
fahrt), Rückfahrt von S.ta Maura jeden Mittwoch 
I Uhr Nachts, in Triest nächsten Mittw.6ührAbd. 

Anschluss in Corfu auf der Hinfahrt an die 
Thessaliache Linie A in derselben Richtung und 
auf der Rückfahrt an die Hinfahrt der Billinie 
Triest — Constantinopei. sowie der Griechisch — 
Orientalischen Linie, in Cattaro an die Hinfahrt 
der Eillinie Triest— Cattaro. 

Zweiglinie Corfu— Prevesa 

Von Corfu ab jeden Donnerstag 4';, Uhr Früh, 
iriprevesa den gleichen Tag 5 Uhr Nachm., be- 
rührend : Sajada, Parga, 8. ta Maura. Rückfahrt ab 
Prevesa jeden Samstag 6 Uhr Früh, in Corfu den 
gleichen Tag 6Va Uhr Abends. Anschluss in Corfu 
an die Hinfahrt der Tuessalischen Linie B. 



ocE-A^isrisaiiEm dijeistst. 



Linie Triest— Shanghai— Kohe. 

Ab Triest am 20. iedes Monates, 4 Uhr 
Nachm., berühr.: Fiume, Port - Said, Suez, 
Massaua (die Berühnn'g Massauas erfolgt auf 
der Ausreis und der Heimreise nur gelegentlich), 
Aden, Kurracbee, Bombay, Colomho. Penang, 
Singapore, Hongkong, Shanghai, Yokohama.*) 
Rückfahrt vonKobe am 24. oder25. jedes Monates. 

Anschluss in Bombay sowohl bei der Hin- 
ais Rückfahrt an die Eillinie Triest — Bombay. 
Anschluss in Colombo bei der Hin- und Rück- 
fahrt an die Zweiglinie Colombo-Calcutta. 

Die Abfahrta- und Ankunftszeiten in den 
Zwischenhäfen, ausgenommen Bombay und Co- 
lombo, können nach Umständen verfrüht oder 
verspätet werden. 



Der Aufenthalt in Fiume auf der Heimreise 
kann nach dem absoluten Erforderniss für die 
Ladungs- und Löschungsarbeiten verlängert oder 
ab'gekürzt werden. 

Ausser den in dam obigen Fahrplan genannten 
Häfen können die Da.mpfer unter Umständen auch 
Nagasaki oder Mogi anlaufen, doch wird das Datum 
der Abfahrt von ICobe hiedurch nicht geändert. 

Eillinie Triest— Bombay. 

Ab Triest am 3. eines jeden Monates, be- 
rührend : Brindi i, Port-Said, Suez. Aden. Rück- 
fahrt von Bombay am 1. Jedes Monates. 

Anschluss in Bombay an die Liuie Triest— 
Shanghai— Kobe. Die Aukunft und Abfahrt ir- 
den /wischenhäfen kann nach Maassgabe der 
Bedürfnisse verfrüht oder verspätet werden. 



Zweigtinie Colombo-Calcutta. 

Ab Colombo am 27. jeden Monates, 'ip^fibreud: 
Madras. Rückfahrt von Calcutta den 14. jed. Mts. 

Anffchlusö in Colombo an die Linie Triest— 
Shanghai— Kobe bei der Hin- und Rückfahrt 

Die Dampfer dieser Linie berühren gele- 
gentlich auch Co<-onada oder einen anderen Hafen 
an der Küste von Coromandel. 
B. Mercantlidienst nach Brasilien. 

Abiabrt ab Triest -m 6. Juli. 8. August, 
I.September, 5. October, 5. December, berühreud : 
Fiuiu«, Pi^rnambuco, BaMia. Rio d<» Janeiro und 
Santos. Rücktä>irtvonSantosam 12. März,lO.Mai, 
1 Juli, 6. August, 3. September, 5. und SO. Oc- 
tober, 3. December. Die gleiche Anzahl i-aürten 
unternimmt die „Adria" ab Fiume in den 
Zwischenmonateo mit Berührung von Tries'. 



*) Diese beiden letÄtgenannten Häfen werden nur abwechselnd je einen Monat um den andern angelaufen. 
Event. Aeuderungen in den Zwischenhäfen ausgenommen und ohne Haftung für die Regelmässigkeit des Dienfetes bei Contumazvorkehrungen. 



VBBANTWORTLIOHER REDACTBÜß: JULIUS BÖHM. 



CH. REiSSBR & M WBRTHNER, WIEN. 



September 1898. 



Hr. 9. 



OESTERREICHISCHE 



ManatäÄf|tiö fllr öm (irimt. 



Herausgegeben Tom 



(''Ai^M 



K. K. ÖSTERREICHISCHEN HANDELS-MÜSEUM IN WIEN. ^^^^^^^ 

Redigirt von JULIUS BÖHM. 



ff 



Monatlich eine Nummer. Vbrlao des k. k. Österreichischen Handeis-Museums in Wien. PF*it Jihri. B S. =- 10 Mark. 



INHALT : Die Auf«l&nde in China. — Neue orlontaliicho Studien. — Deutich- 
Chlna. — (Jlironik. — Miscellen: VerlüKung der Ueiidenz China». 



DIE AUFSTÄNDE IN CHINA 
I. 

Unter den Ereignissen, die uns in neuester Zeit aus 
und über China gemeldet werden und unsere Auf- 
merksamkeit auf sich ziehen, machen sich Volks- 
aufstände durch ihre häufige Wiederkehr ganz be- 
sonders bemerkbar. Binnen Jahresfrist hat beinahe in 
jeder Provinz des grossen chinesischen Reiches eine 
oder mehrere Revolten von grösserer oder geringerer 
örtlicher Ausdehnung stattgefunden, und die Ver- 
suchung liegt nahe, sie miteinander in einen nicht nur 
äusseren, sondern auch inneren Zusammenhang zu 
bringen und daraus Schlüsse zu ziehen. In dieser Hin- 
sicht dürfen sich aber weder die Freunde noch die 
F'einde Chinas einer Täuschung hingeben, und jene 
haben von den Unruhen und Empörungen nicht mehr 
zu fürchten, als diese davon zu hoffen haben. Eines 
nur darf im Allgemeinen zugegeben werden : Herrscht 
im Reiche der Mitte überhaupt schon seit Jahr- 
hunderten nicht jener ideale Zustand ungestörter innerer 
Ruhe und Friedens, wie man sich in Rücksicht auf die 
frühere Abgeschlossenheit Chinas vorstellen könnte, so 
haben dich die socialen Erschütterungen in China er- 
heblich vermehrt , seitdem sich Fremde im Lande 
niedergelassen haben, und ganz besonders seitdem 
China in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts in die 
westliche Weltbewegung hineingezogen worden ist. Das 
ist begreiflich, wenn man die Unverträglichkeit chinesi- 
scher Ansichten mit westlichen Anschauungen, die 
politischen, volkswirthschaftlichen und alle anderen 
Gegensätze zwischen den in China in den Wettbewerb 
tretenden abendländischen Völkern einerseits und den 
Chinesen andererseits in Betracht zieht. Wenn nun 
aber auch ein grosser Theil der Volksaufstände in 
China dem Eindringen fremder Elemente zuzuschreiben 
ist, so dass diese als mittelbare oder unmittelbare Ur- 
sache der Unruhen für diese verantwortlich gemacht 
werden dürfen, so muss man sich doch auch hüten, 
dieses Zugeständniss in einem Sinne zu verallgemeinern, 
der irgendwie zu Gunsten politischer Bestrebungen 
und Anwartschaften gedeutet werden könnte. 

Betrachtet und vergleicht man die in China in der 
jüngsten Zeit ausgebrochenen und niedergeschlagenen 
und wieder ausgebruchenen und nicht niedergeschlagenen 
Aufstände im Einzelnen, so kann man zwar finden, 
dass sie öfters denselben Gründen entspringen, doch 
slösst man auch zugleich auf die in politischer Hin- 
sicht nicht unwichtige Thatsache, dass die örtlich und 
zeillich von einander verschiedenen Aufstände nur 
selten Grund und Ursache miteinander gemein haben, 



dass sie also im Grossen und Ganzen von einandei' 
völlig unabhängig sind. Selbstverständlich ist dies aber 
nicht so aufzufassen, als ob im letzteren Falle auch 
immer eine scharfe Grenze zu ziehen wäre ; im Gegen- 
iheile ist zu bemerken, dass der Ausbruch des Volks- 
unwillens in irgend einem Gebiete des chioesischea 
Reiches die Bewohner eines anderen Gebietes erinnert 
und ermuntert, sich im Interesse derselben oder einer 
anderen Sache zu erbeben, und dies ist in China um so 
leichter der Fall, als das chinesische Volk, wie ja zur 
Genüge bekannt ist, gar manche und sehr schwer- 
wiegende Gründe zur Unzufriedenheit bat und zum 
Ausdrucke seines Unwillens tbeils selbst geneigt und 
theils von Anderen leicht zu veranlassen ist. 

Die Empörungen der Chinesen lassen sieb in zwei 
Kategorien untrrscheiden, die, zwar von einander ge- 
trennt, doch auch — und dies besonders in neuester 
Zeit — miteinander zusammenfallen können und auch 
zusammenfallen. Die Chinesen revoltiren in ihrem 
Lande entweder gegen die Fremden und das Fremde 
oder gegen- und untereinander; mitunter führt die 
Empörung gegen die Ausländer oder das Ausländische 
auch zur Revolte gegen Einheimische oder, was seltener 
der Fall ist, auch umgekehrt. In den Fällen, die wir 
aus der jüngsten Zeit im Auge haben, sind die Volks- 
aufstände in China also einerseits gegen die christ- 
lichen Missionen und damit auch gegen die einheimi- 
schen Christen, gegen Zwangsenteignungen und Besitz- 
ergreifungen durch die Ausländer und andererseits 
gegen administrative Verfügungen, gegen Steuern und 
Theuerungen, gegen Beamte oder gegen die herr- 
schende Dynastie gerichtet. Begreiflicherweise sind mit 
dieser knappen Aufzählung der Beweggründe und 
Gegenstände, die in China zu Unruhen und blutigen 
Aufständen führen, nicht alle möglichen Fälle er- 
schöpft, da es ja vorkommen kann und thatsächlich 
auch vorkommt, dass man die Motive des aufständi- 
schen Pöbels gar nicht kennt oder wenigstens nicht 
erfährt, oder dass, wie schon erwähnt, mehrere Motive 
verschiedener Art und Kategorie zusammenwirken. 

Die für das chinesische Reich minder ernsten Auf- 
stände sind jedenfalls die gegen die Fremden, wenn- 
gleich sie für die Chinesen selbst oft von schweren- 
und, wie besonders in unserer Zeit, von empfindlichen 
politischen Folgen begleitet sind. Dass die Chinesen 
den fremden „Barbaren" nicht hold sind, das ist 
ebenso begreiflich wie ihre Abneigung gegen das von 
diesen vertretene Christentbum. Es ist bekannt, dass 
die Chinesen schon ohne äussere Veranlassung allem 
{■"remden einen an Mass streifenden Widerwillen ent- 
^'egenbringen, da ihrer conservativen Gesinnung alle 
Neuerungen, die sich im Gefolge der fremden Elemente 
bei ihnen einschleichen oder sich ihnen aufdrängen, 
wie Greuel und ihre Annahme und Einführung «rie 
Ketaerei erscheinen. Nichtsdestoweniger aber ist der" 



100 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Vorwurf, dass die Chinesen von Natur und durch das 
starre Festhalten an dem nationalen Herkommen 
reactionär sind, nicht ganz berechtigt. Die westliche 
Cultur hätte den Chinesen eben auf andere Weise bei- 
gebracht werden müssen, als dies in Wirklicheit ge- 
schehen ist und versucht wurde. Nicht mit Opium und 
Kanonenkugeln! Nichts hat die Abneigung der Chinesen 
gegen die F'remden zu so glühendem Hasse steigern 
können als die Fremden selbst und unter diesen vor 
allen Anderen die Engländer, die „rothen Teufel". 
Man erinnere sich nur des von den Engländern so 
schwunghaft betriebenen Opiumschmuggels nach China 
und aller daraus entspringenden Folgen und Verwick- 
lungen. Weil die Chinesen sich das Recht heraus- 
nahmen, das Unrecht energisch zu verbieten, begingen 
die Engländer das Unrecht, das gute Recht der Chinesen 
mit Waffengewalt zu unterdrücken. Es ist lehrreich, 
die Ansicht eines Chinesen darüber zu hören: „Die 
Engländer — Christen? Unmöglich! Sie können keine 
Christen sein. Sie würden die zehn Gebote nicht 
brechen, unsere Länder, unsere Städte nicht weg- 
nehmen und das schuldlose Volk nicht zu Tausenden 
todtscblagen. Wären sie Christen, sie würden das 
sechste Gebot nicht brechen, kein Opium verkaufen 
und nicht Tod und Verderben über ganze Reiche aus- 
giessen. Sind sie aber in der That Christen, so unter- 
richtet doch diese Heuchler, welche uns mit ihren 
Missionären, mit ihren Bibeln und Tractätlein über- 
schwemmen, in ihrem eigenen Christenthum, in den 
Lehren der Tugend und Gerechtigkeit. Auch den 
Russen könnt ihr sagen, sie mögen uns nicht, gegen 
die ausdrücklichen Vorschriften ihrer Religion, ein 
Land nach dem andern abstehlen." So und noch mehr 
sprach gelegentlich der Unterhandlungen zu Tientsin 
im Jahre 1858 ein Chinese zu den Amerikanern, und 
nicht anders haben über das Vorgehen der christ- 
lichen Engländer in China einsichtsvolle und gerechte 
Männer im englischen Parlamente geurtheilt: ,,Wir 
haben der Welt das Beispiel einer westlichen Civili- 
sation gegeben, vollkommen im Gegensatze zur Ge- 
rechtigkeit, zur Barmherzigkeit und zum Christenthum. 
Die östlichen Völker sind durch unsere Thaten befugt 
zu glauben, was man westliche Civilisation nennt, ist 
bloss westliche Grausamkeit, westliches Raub- und 
Mordwesen !" Mindestens haben die östlichen Völker 
nach dem Opiumkrieg und ähnlichen Vorfällen sich 
über die westliche Civilisation und ihre Folgen keiner 
Täuschung mehr hingegeben, und nach den Erfahrungen, 
welche die Chinesen mit den westlichen Barbaren ge- 
macht haben, wäre es unseres Erachtens nicht nur 
unbillig, sondern geradezu lächerlich, von jenen zu ver- 
langen oder zu erwarten, dass sie diesen freundlich 
gesinnt seien. Es ist sicherlich ein Irrthum zu glauben, 
dass ein Chinese, der die Geschichte der letzten 
siebzig Jahre seines Landes kennt, den westländischen 
Nationen aufrichtig gewogen sein kann ; er wird, wenn 
er ein verständiger Mann ist, die Einrichtungen und 
Fortschritte der christlichen Völker zu würdigen 
wissen, diese selbst aber wird und kann er im Grunde 
seines Herzens nur hassen, wenn nicht gar verachten. 
Er hat dazu ein historisches Recht, wie der ungebildete 
Pöbel dazu ein traditionelles Recht zu haben glaubt. 
Hätten die nach China gekommenen Europäer von 
jeher bis heute im Sinne wahren Christenthums ge- 
handelt, sanft wie die Tauben und klug wie die 
Schlangen, so wäre es in China vielleicht nie zu Auf- 
ständen gegen Christen, wenn auch zu solchen gegen 
Fremde gekommen. Als Christen hätte man die Fremden 
wohl kaum verfolgt, wenn sie nicht zugleich als Feinde 
altehrwürdiger chinesischer Bräuche und Sitten aufge- 
treten wären ; und auch in ihrer Eigenschaft als 
Fremde hätte man sie nicht behelligt, wenn sie 
nicht selbst dazu Anlass gegeben bättten. In religiöser 
Hinsicht sind die Chinesen viel zu tolerant oder in- 



different, als dass sie einen Andersgläubigen um seines 
Glaubens willen verfolgen würden, und wenn in China 
Buddhisten und Muhammedaner, Anhänger Confutse's 
und Laotse's friedlich nebeneinander wohnen können, 
so hätten sich auch Christen in deren Mitte ohne Ge- 
fahr niederlassen können; in Beziehung auf die Fremden 
aber wären die Chinesen im Interesse ihres Handels 
und Verkehres sicherlich so klug gewesen, nichts P^eind- 
seliges zu unternehmen, so lange sich jene keine 
Uebergriffe über die ihnen in China zugestandenen 
Rechte erlaubt hätten. Aber die christlichen Missionäre 
verletzten in heiligem Uebereifer das in den Chinesen 
tief eingewurzelte und unausrottbare Gefühl der Pietät 
gegen ihre Altvorderen, indem sie ihnen die Ahnen- 
verehrung als einen heidnischen und sündhaften Brauch 
untersagen zu müssen glaubten, und gaben damit selbst 
den Anstoss zum Hasse und zur Verfolgung der 
Christen ; und die Fremden missbrauchten auf die uner- 
hörteste Weise die ihnen von China gewährte Gast- 
freundschaft, führten Opium ein und Landeskinder als 
Kulis aus und fingen endlich, allem Christenthum Hohn 
sprechend, ungerechte und grausame Kriege an. Ist 
es nach solchen einander ergänzenden Vorkommnissen 
zu verwundern, dass die Chinesen die ihnen fremde 
Religion und die ihnen fremd gegenüberstehenden Aus- 
länder, also Christenthum und Fremdenthum mit ein- 
ander identificiren, dass ihnen danach beides gleich 
verhasst ist, und dass sie im Christen den Fremden 
verfolgen? Friedrich Müller') sagt auch, dass das 
Christenthum der chinesischen Regierung deshalb be- 
sonders anstössig sei, weil es seine Bekenner mittelst 
eines feierlichen Ritus, eines Sacraments aufnimmt, als 
sollten diese einer Art geheimer Gesellschaft, wie sie 
in China blühen, angehören ; doch es bedarf wahrlich 
nicht mehr dieses Bedenkens, um das Christenthum in 
China auch nach oben hin gefährlich erscheinen zu lassen. 
Gewiss ist, dass das Christenthum von den Mandarinen 
und vom Volke vor Allem deshalb gehasst ist, weil es 
sich als ein in die chinesische Anschauungsweise nicht 
einfügbares fremdes Element gezeigt hat. 

Die politischen Verhältnisse, die diplomatischen 
Niederlagen und Demüthigungen, die China in der 
letzten Zeit Schlag auf Schlag zu erdulden hatte, haben 
gewiss nur dazu beitragen können, den Groll der Chi- 
nesen gegen die westlichen Barbaren zu vermehren, 
und es ist leider nur begreiflich, dass dieser sich da 
und dort Luft macht, wo er eben kann. Die Chinesen, 
Mandarine und Volk, haben heute Grund genug zur 
Unzufriedenheit und zum Hasse gegen Alles, was in 
ihrem Lande fremd ist, und es bedarf gar nicht mehr 
eines besonderen Anstosses oder Vorwandes, diesem 
Hasse Ausdruck zu geben. Viel zu ohnmächtig, alle 
die gehassten Barbaren, Russen und Engländer, Fran- 
zosen und Deutsche, mit bewaffneter Hand aus den 
eroberten und erschlichenen, ersessenen und gepach- 
teten Gebieten des blumigen Reiches zu treiben — ^| 
was sie gewiss am liebsten thäten — begnügen sich ^m 
die Chinesen, ihr Müthchen an weniger grossen Ob- 
jecten zu kühlen. Ist der Zusammenhang der Unruhen 
und Aufstände mit den grossen politischen Ereignissen, 
die sich in China vollziehen, auch nicht oft nachweis- 
bar, so geht man doch gewiss mit der Annahme nicht 
viel irre, dass ein solcher Zusammenhang wenigstens 
in jenen Fällen besteht, in welchen höhere Regierungs- 
beamte ihre Hand mit im Spiele haben; selbstverständ- 
lich lässt sich aber auch dies immer mehr vermuthen 
als beweisen, denn die Mandarine hetzen wohl gerne 
das Volk ins Feuer, hüten sich aber, selbst hinein- 
zugehen. 

Von dem Hasse der Mandarine gegen die Fremden 
legen die von jenen verursachten, geduldeten oder un- 
bestraften Angriffe des Pöbels auf die Missionäre ein 
beredtes Zeugniss ab. Der durchsichtigste Fall dieser 
•) NoTan-Reiie, Etbnograpkischer Tbeil. Wien 1868. 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



101 



Gattung ist der Aufstand gegen die Mission in 
Tschantschaufu in der Provinz Scbantung, dem das 
Leben der zwei deutschen Missionäre Nies und Henle 
zum Opfer fiel. In der Nacht des i. November 1897 
drang eine bewaffnete Rotte in das eben fertig gebaute 
Missionsbaus ein, hieb die beiden genannten Missionäre 
nieder und licss sie mit vielen Wunden bedeckt, den 
einen todf, den anderen sterbend, liegen ; nachdem sie 
noch geplündert und den dritten anwesenden Missionär, 
der in einem anderen Zimmer schlief, vergebens ge- 
sucht hatten, zogen die Mörder davon. Die Sache war 
um so auffälliger, als sie sich in einer der blühendsten 
Christengemeinden zugetragen hatte und die Ermor- 
deten ihren Mördern gar nicht bekannt waren, so dass 
also von persönlicher Feindschaft gar nicht und von 
religiösem Hasse kaum die Rede sein konnte. Die 
„China Gazette" brachte darüber Aufklärung, indem 
man ihr aus Tsinanfu, der Hauptstadt der Provinz 
Schantung, schrieb: „Nicht nur die hier wohnenden 
Ausländer, sondern auch viele Chinesen sind über den 
Mord entsetzt, denn das gemeine Volk im Reiche der 
Mitte verabscheut solche Thaten, so lange Niemand es 
aufgereizt hat, ebensogut wie die Abendländer. In allen 
Ortschaften und Dörfern der Umgebung kann man auf 
Märkten und bei sonstigen Zusammenkünften des Volkes 
Ausdrücke des Bedauerns und des Unwillens wegen 
der Unthat hören. Daneben schwirren allerband Ge- 
rüchte über die Strafe durch die Luft, die das Land 
bald treffen werde. Man macht vielfach eine geheime 
Verbindung, A'it „Ta-tao-hui'^, d.h. die Gesellschaft der 
grossen Messer, für den Mord verantwortlich. Dagegen 
glaubt Niemand an die Behauptung der Mandarine, dass 
Räuber die Thäter gewesen seien. Diese geheime Ge- 
sellschaft, die viele Literaten als Mitglieder zählt, kann 
auf die volle Sympathie der Mandarine rechnen, so- 
bald sie etwas gegen die „fremden Teufel" ins Werk 
setzen will. Der Gouverneur Lipingheng, ein unerbitt- 
licher Feind aller Ausländer, wird wohl vorher um die 
beabsichtigte Blutthat gewusst haben. Nach vollbrachter 
Tbat konnten sich die Mörder unbehelligt entfernen, 
obwohl es für die zuständigen Beamten bei einigem 
guten Willen eine Kleinigkeit gewesen wäre, sie zu 
ergreifen. Die geängstigten Diener hielten sich ver- 
borgen, während die Bande im Hause war, und sie 
kamen erst wieder hervor, als sich die Mörder ent- 
fernt hatten. Da fanden sie die beiden Priester in 
ihrem Blute liegen. Sie waren fast völlig ohne Klei- 
dung und entsetzlich verstümmelt. Der eine war schon 
todt und der andere lag im Sterben. Beide waren von 
den Unmenschen buchstäblich in Stücke gehauen. Als es 
zu spät war, erschienen auch die Mandarine mit Tra- 
banten und Soldaten. Sie thaten, als ob sie höchst be- 
stürzt wären. Gleichwohl ist bisher (nach Verlauf von 
beiläufig zwei Monaten) noch kein Mensch festge- 
nommen worden. Bei der allgemein bekannten Stim- 
mung des Gouverneurs Li gegen die Fremden ist es 
nur ein Wunder (!), dass in Scbantung nicht schon 
häufiger solche Thaten vorgekommen sind. Denn wie 
sollen übelwollende Menschen vor Gewalttbaten gegen 
Missionäre zurückschrecken, wenn sie wissen, dass sie 
von dem obersten Beamten der Provinz nichts zu 
fürchten haben? Der Gouverneur Li zog vor Jahres- 
frist in einer Missionsangelegenheit, die von Schantung 
nach Peking ging, den Kürzeren, Dies erbitterte ihn 
dermaassen, dass er erklärte, er werde es den Mis- 
sionären schon vergelten (!)." Nun, die Deutschen 
wussten, was sie zu thun hatten, Hessen sich nicht erst 
in langwierige und unfruchtbare Unterhandlungen mit 
den Mandarinen ein, sondern schickten ihre Kriegs- 
schiffe nach Schantung und pflanzten in Kiaotschau 
die deutsche Flagge auf. Der Mord an den beiden 
Missionären ist allerdings heute noch ungesühnt, denn 
die chinesischen Behörden haben bisher die „richtigen" 
Mörder noch immer nicht erwischen — wollen ; aber 



die deutsche Reichsregierung, die so rasch und zur 
rechten Zeit zuzugreifen verstandeo hat, wird wohl 
auch nicht ruhen, bis die Unthat an den Mördern ge> 
rächt ist. Indessen hat sie von der chinesischen Re- 
^'ierung nebst anderen Zugeständnissen für den Mord 
an den Missionären auch verlangt und erreicht, dass 
der Gouverneur Lipingheng abgesetzt und ihm die Be- 
fähigung abgesprochen wurde, je wieder ein höheres 
Amt zu bekleiden, sowie dass sechs von ihr bezeich- 
nete obere Beamte aus der Provinz Scbantung versetzt 
und bestraft wurden. Während die Verhandlungen Ober 
diese Punkte kaum beendet waren, wurde im Jänner 
dieses Jahres in der Bucht von Kiaotschau ein deut- 
scher Matrose, ob von politischen Fanatikern oder von 
Raubgesindel, weiss man nicht, getödtet, und im Juni 
dieses Jahres brach in den Districten von Itscbau und 
Tsaotschau in Schantung eine Empörung aus, die als 
sehr gefährlich bezeichnet wurde, und an welcher mehr 
als 40.000 Mann theilgenommen haben sollen ; leider 
sind über die Ursache und den Zweck dieses Aufruhrs 
keine weiteren Nachrichten zu uns gekommen, doch 
scheint der jetzige Gouverneur von Scbantung, l'scbang, 
wohl gewarnt durch das Schicksal seines Vorgängers 
Lipingheng, dem Aufruhr energisch eotgegengetreten 
zu sein. 

Von welchem Ucbel die Nachgiebigkeit der 
fremden Mächte chinesischen Uebergriffen gegenüber 
ist, und dass in China allein durch unerbittliche Strenge 
und Bestrafung derjenigen, die sich gegen die Fremden 
Uebergriffe erlauben, einer Wiederholung von fremdeo- 
feindlichen Kundgebungen vorzubeugen ist, das zeigt 
sich überall dort, wo man es versäumt oder aus irgend 
welchen Gründen absichtlich unterlassen hat, sofort 
nach dem Grundsatze des strengsten Vergeltungs- 
rechtes einzuschreiten. So in Sungpu, wo im Jahre 
1893 ^^^' schwedische Missionäre vom Pöbel ermordet 
wurden. Da die schwedische Regierung damals nicht 
darauf bestand, dass die Missionsstation in Sungpu 
weiterbestehe, behielt sich die schwedische Mission in 
Hankau vor, diese Station bei geeigneter Zeit wieder 
zu errichten, und sandte im April dieses Jahres zwei 
Missionäre nach Sungpu. Da der dortige Bezirks- 
mandarin zu ihren Gunsten Bekanntmacbungen erliess 
und ihnen daraufhin auch vom Volke freundlich Land zum 
Kaufe angeboten wurde, glaubten die Missionäre schon, 
der Einwohnerschaft ihr Vertrauen schenken zu können. 
Es war ein Irrtbum, der ihnen bald hätte verhängnissvoll 
werden können. Schon in den ersten Tagen des Mai er- 
schienen die in China so üblichen, gegen die Fremden auf- 
reizenden Maueranschläge, und wenn sich die beiden 
Missionäre nicht eiligst und heimlich auf den Weg ge- 
macht hätten, wären sie in Sungpu oder von den 
Banden, die ihnen schon auf den Strassen nach Hankau 
auflauerten, erschlagen worden. Ob der freundliche 
Bezirksmandarin an diesem Vorfalle Antheil hat oder 
gar dessen Anstifter ist, darüber wird man freilich 
kaum etwas Bestimmtes erfahren; mindestens, .scheint 
uns, muss er um die Maueranschläge gewusst und 
darüber die Augen zugedrückt haben. 

Höchst bedauerlich ist das Verhalten des amerikani- 
schen Gesandten gegenüber den Unruhen in Kiangpeh' 
das am oberen Yangtsekiang dem Vertragshafen 
Tschungking gegenüberliegt. Allerdings kam bei den 
dortigen cbristenfeindlichen Unruhen Anfangs Mai 
dieses Jahres kein Ausländer zu Schaden, sondern 
wurde „nur" ein junger Chinese, Tang, ein Schüler 
des Missionshospitals getödtet. Wohl verlangten die 
fremden Consuln in Tschungking gemeinsam eine 
.strenge Bestrafung der schuldigen Personen, und man 
meinte auch, dass diese nicht ausbleiben würde, ob- 
wohl sich die Literaten in Tschungking die grösste 
Mühe gaben, dem Laufe der Gerechtigkeit entgegen- 
zuarbeiten. Als jedoch die Angelegenheit nach Peking 
kam, gab der amerikanische Gesandte Denby den 



103 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



Consul seiner Macht die Anweisung, nicht zu schrofi 
auf der Bestrafung der Mörder zu bestehen, weil 
dadurch leicht weitere Unruhen hervorgerufen werden 
könnten. Ob der amerikanische Gesandte so entschied 
in Rücksicht auf den gerade herrschenden Krieg mit 
Spanien oder in Rücksicht auf den guten Ruf, dessen 
sich die Amerikaner bei den Chinesen erfreuen, muss 
dahingestellt bleiben. Jedenfalls war diese Nach- 
giebigkeit nicht am rechten Platze, denn wenn der 
Mord an Tang keine Sühne findet, kann und wird 
auch, wie sich bald gezeigt bat, die fremdenfeindliche 
Strömung in Kiangpeh nur immer mächtiger und ge- 
fährlicher werden. Die erste Frucht dieser amerikani- 
schen Popularitätspolitik ist der Angriff auf die 
protestantischen und katholischen Missionen in Tschung- 
kiog , der Anfangs Juli dieses Jahres stattfand. 
Dabei wurde in Yuengtschong und anderen um 
liegenden Städten viel Unheil angerichtet , ein 
französischer Priester gefangen, für den die Räuber 
lO.ooo Taels Lösegeld verlangten, und auch mehrere 
Eingeborene getödtet. Den Consuln von Tschungking 
schien es bei so kritischen Umständen rätblicb, sich 
an Bord eines auf dem Yangtsekiang liegenden Schiffes 
zurückzuziehen, und den Amerikanern ist dringlichst zu 
rathen, in Bezug auf fremdenfeindliche Aeusserungen 
der Chinesen diesen gegenüber eine mehr zweckent- 
sprechende als um Popularität bestrebte Politik einzu- 
schlagen. 

Wie heilsam dagegen ein energisches Vorgehen, 
wie das Deutschlands in Schantung, auf das Verbalten 
der Chinesen, zumal der Mandarine, zu wirken vermag, 
wo die Beziehungen der Chinesen und Fremden zu 
einander in Frage kommen, das zeigt das Vorgeben 
der chinesischen Behörden bei Gelegenheit der Un- 
ruhen in Hunan. In dieser wegen ihrer Fremden- 
feindlichkeit ganz besonders berüchtigten Provinz wurde 
am letzten Februartage dieses Jahres in Hengschan ein 
der Londoner Bibelgesellschaft gehöriges Haus ge- 
plündert und eingeäschert. Da an diesem Tage das 
Fest des „Langlebigen Buddha" gefeiert wurde, wobei 
eine Menge Volkes zusammenströmte, scheinen die 
Literaten die gehobene religiöse Stimmung des Pöbels 
benützt zu haben, um diesen auf die Andersgläubigen, 
das beisst auf das Missionshaus zu hetzen. Sobald der 
Vicekönig Tschangtschibtung, der früher nie nach Ge- 
bühr, ja stets nur mit Widerstreben in dergleichen 
Fällen zu Gunsten der Fremden Verfügungen getroffen 
hatte, von dem diesmaligen Ueberfalle benachrichtigt 
wurde, wies er den Gouverneur der Provinz Hunan 
an, überall Kundmachungen zum Schutze der Missionäre 
anschlagen zu lassen. Leider war dieses rasche und 
entschiedene Eingreifen Tschangtschihtung's von keinem 
lange dauernden Erfolge begleitet, denn schon Anfangs 
Juli dieses Jahres nahmen die Bewohner von Tschang- 
scha, der Hauptstadt von Hunan, gegen einige Missio- 
näre, die da öffentlich christliche Bücher zu verkaufen 
versuchten, eine feindselige Haltung an, so dass sich 
Jene sofort zurückziehen mussten. Die Literaten wollen 
eben durchaus ei'ne Niederlassung der ihnen verhassten 
Fremden in Tschangscha verhindern, was ihnen durch 
den in Hunan herrschenden Fremdenhass bisher auch 
gelungen ist ; übrigens gibt es in dieser Provinz, wie 
es heisst, schon eine stetig wachsende Partei, die für 
die Zulassung von Ausländern ist, und es mag sein, 
dass der berechtigte Wunsch nach der Eröffnung von 
Tschangscha, wie ihn Dr. John im North China Herald 
ausspricht, bald in Erfüllung geht. 

Indem wir noch daran erinnern, dass zu Anfang 
dieses Jahres der deutsche Missionär Homeyer bei 
Langtsen beraubt und verwundet wurde, und dass 
Ende Mai dieses Jahres die amerikanische Mission von 
Sokau bei Hutschufu von aufständischen Chinesen an- 
gegriffen wurde, haben wir die Reihe der uns bekannt 
gewordenen Attentate, die binnen Jahresfrist in China 



gegen das fremde Element in religiöser Form verübt 
wurden, erschöpft und wenden uns nun den Feind- 
seligkeiten zu, die von den Chinesen aus anderen 
Gründen oder Vorwänden gegen die Fremden unter- 
nommen wurden. 

Dass die Chinesen, wenn sie die Macht dazu 
hätten, die Fremden am liebsten überall dort aus 
ihrem Lande vertrieben, wo sich diese festsetzen, ist 
ebenso selbstverständlich, als dass sie in Rücksicht auf die 
bei solchen Gelegenheiten stets vorhandene bewaffnete 
Macht der Fremden es vorziehen, ihrem Groll« keinen 
herausfordernden Ausdruck zu geben. Es ereignet sich 
daher nur selten, dass sie mit den Barbaren anzubinden 
wagen, wenn diese in Gestalt von Soldaten nach 
China kommen. So geschah es in neuerer Zeit nur in 
Kwangtscbauwan auf der an Frankreich abgetretenen 
Halbinsel Leutschau, wo die Eingeborenen im Juni 
dieses Jahres den Franzosen heftigen Widerstand ent- 
gegensetzten und sogar den chinesischen Lotsen er- 
mordeten, der die französischen Kriegsschiffe in den 
Hafen geleitet hatte, und in Nabar auf der Insel 
Hainan. Als ein tragischer Putsch darf der seit Ende 
Juli dieses Jahres bis vielleicht heute und noch später 
dauernde Versuch der mandschurischen Bevölkerung 
bezeichnet werden, sich gegen die Zwangsenteignung 
des Landes für die russische Bahn in der Mandschurei 
aufzulehnen ; fällt es auch, wie es heisst und zu glauben 
ist, den Behörden schwer, den Aufstand zu unter- 
drücken, so wird ja doch geschehen, was diese auf 
Befehl Russlands wollen müssen. 

Wie schwer es oft ist, unter den mancherlei Gründen, 
aus welchen die Chinesen sich gegen die Fremden er- 
beben, den richtigen herauszufinden, kann man an den 
Aeusserungen der Presse verschiedener Nationen über 
den Aufruhr in Schaschi in der Provinz Hupeh beob- 
achten. Die dort am 9. Mai d. J. ausgebrochene 
Empörung der ■ Chinesen gegen die Fremden, bei 
welcher das Zollamtsgebäude, das japanische Consulat, 
die Häuser der China Mercbants Steam Navigation 
Company u. s. w. zerstört wurden, hatte eine so ge- 
ringfügige unmittelbare Ursache, nämlich den Streit 
zweier Chinesen mit einander, dass es ganz unmöglich 
wäre, dass aus diesem kleinen Funken ein so ge- 
waltiger Brand sich entwickelt hätte, wenn nicht schon 
anderer Zündstoff angehäuft gewesen wäre. Wenn man 
erfährt, dass in Schaschi, das zwischen Itschang und 
Hankau am Yangtsekiang liegt, sich einige tausend 
Hunanesen aufhalten, deren Heimat, wie wir schon 
früher bemerkt haben, ob des Fremdenhasses ihrer Be- 
wohner im übelsten Rufe steht, dann erscheint das Er- 
eigniss schon einigermaassen erklärlich. Zu dem tief 
eingewurzelten Hasse gegen die Fremden brauchten 
nur einige schwerwiegende äussere Ursachen zu treten, 
um ihn zu hellem Ausbruche zu bringen und dabei die 
weniger feindselig gestimmten Elemente mitzureissen. 
Und solche Ursachen waren thatsäcblich und angeblich 
vorhanden. Die nicht lange vor dem Ausbruche der 
Empörung von den fremden Gesandten in Peking 
durchgesetzte Eröffnung der Handelsstadt Yutschau in 
der Provinz Hunan und die Stellung der Likinzölle 
unter europäische Verwaltung im Gebiete der am 
Yangtsekiang gelegenen Provinzen mussten das Volk 
und die niederen Beamten gegen die ihnen ungewohnte 
und nun so fühlbar gemachte Superiorität der west- 
lichen Barbaren aufbringen, und die Beamten, die 
durch die Einführung der fremden Verwaltung der 
Likinzölle den Verlust ihrer einträglichen Stellungen 
zu fürchten hatten, bedurften wohl keines grossen Auf- 
wandes von Ueberredungskünsten, um das nothleidende 
Volk gegen die Fremden aufzuhetzen; war ja jenes 
über diese ohnehin schon erbiitert genug, da es hiess, 
dass trotz des schon herrschenden Mangels an Reis 
eine Ausfuhr desselben nach Japan stattfinde und dass 
daran nur die Fremden schuld seien. Dass der Auf- 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



1(B 



rubr in Schaschi von Beamten angeschürt wurde, das 
darf man ohne jedweden weiteren beweisbaren Grund 
behaupten. Freilich weiss man, dass 'I^schangtschihtung, 
der Gencralgouverneur der Provinzen Hupeh und Hanau, 
seine Beamten strenge überwacht und sie empfindlich 
bestraft, wenn sie seinen Befehlen zuwiderhandeln ; 
doch wer will und mag beweisen, dass der Aufstand 
in Schaschi ganz gegen seinen Wunsch und Willen 
stattgefunden habe ? 

Gar keinen verständlichen Grund, wenn man als 
solchen nicht den Kremdenhass der Chinesen an und 
für sich gelten lassen will, vermag man in dem Ueber- 
falle einer wissenschaftlichen Mission amerikanischer 
Aerzte in der Umgebung von Tschungking Mitte März 
d. J. zu finden, wobei ein eingeborener Gehilfe der 
Aerzte getödtet wurde ; deutlich aber tritt in diesem 
Falle die Solidarität der Chinesen und die Einheit- 
lichkeit ihrer Stimmung gegen die Fremden in dem 
Umstände zu Tage, dass sich in Tschungking die 
Milizsüldaten zusammenrotteten, um die Vollziehung 
des Todesurtheils an dem Mörder des getödteten ein- 
geborenen Gehilfen der Mission, in welchem sie den 
b^reund der Fremden und daher ihren eigenen Feind 
erblickten, zu verhindern. 

Ein Act von staatspolitischer Bedeutung ist der Auf- 
stand von Schanghai, der Mitte Juli d. J. stattfand und 
der nur dadurch veranlasst wurde, dass die Franzosen 
eine schwierige juristische Streitfrage, wie der grosse 
Alexander den gordischen Knoten, mit einem Schwert- 
hiebe lösten. Allerdings ist damit, dass die Franzosen 
sich gegen die Chinesen mit Gewalt Recht verschafften, 
nur bewiesen, dass eben der Stärkere Recht hat, doch 
ist damit noch immer nicht die Frage entschieden, ob 
das Recht auf Seite der ersteren oder der letzteren 
ist. Uie Sache ist trotz aller Klarheit sehr verwickelt, 
der Sachverhalt ist der folgende : In Uebereinstimmung 
mit dem französisch-chinesischen Vertrage vom Jahre 
1844 wurde zwischen Frankreich und China im Jahre 
1849 ein Uebereinkommen getroffen, wonach jenes 
Gebiet von Schanghai, in welchem sich noch heute 
die französische Niederlassung oder Concession be- 
findet, den Franzosen unter gewissen Bedingungen 
überlassen wurde. Diese Bedingungen stimmen mit 
denen des Vertrages von Tientsin überein, welcher 
bestimmt, dass bei Landerwerb der den eingeborenen 
Grundeigenthümern zu zahlende Preis zwischen den 
betheiligten Personen ohne Druck und Zwang aus- 
gemacht und so weit als möglich nach dem jeweilig 
bestehenden Durchschnittspreise vereinbart werden soll. 
Dazu ist noch ausdrücklich bemerkt, dass einerseits 
die chinesischen Behörden das Volk davon abzuhalten 
haben, übermässige Preise zu verlangen, und dass 
andererseits der Consul dafür Sorge zu tragen hat, 
dass die Franzosen keine Gewalt anwenden, die Zu- 
stimmung des Eigenthümers zum Landverkaufe zu er- 
zwingen. Obwohl nun daraus hervorgeht, dass ohne 
Einwilligung des eingeborenen Eigenthümers kein 
Grundstück gekauft werden kann, so haben die fran- 
zösischen Behörden doch immer das Recht behauptet, 
Land auch gewaltsam zu erwerben ; nichtsdestoweniger 
übten sie über chinesische Unterthanen, mit Ausnahme 
der städtischen Besteuerung, keine Gewalt, aus und der 
Boden wurde als Eigenthum des Kaisers von China 
betrachtet, an den die staatliche Grundsteuer zu zahlen 
war und noch zu zahlen ist. Damit ist die französische 
Niederlassung in Schanghai als „Concession" gekenn- 
zeichnet, das heisst, als ein der Krone unterworfenes 
Land, das vom Souverän jener Macht gewissermaassen 
gcmiethet ist, welcher die Concession gewährt ist. 
Damit nicht zufrieden, trachteten die Franzosen schon 
im Jahre 1862 danach, dass innerhalb des ihnen ein- 
geräumten Gebietes nur französische Oberaufsicht 
geübt werde, und im Jahre 1866 wurde auf Befehl 
der französischen Regierung d-r gegenwärtige „Code de 



r^glemeots" herausgegeben, nach welchem tbatsächlicb 
die ganze Oberaufsicht Ober alle Aogelegenheiten auf 
französischer Seite in die HänJe des franzöiiscbea 
Consuls geirgt erscheinen, so dass es in der fraatöii- 
scben Niederlassung tbatsäcblicb nur eine B'rbörde 
^ibt, nämlich den französischen Consul. Nach dieser 
knappen Darstellung der staatsrechtlicbea Verbältnisse 
wenden wir uns nun dem speciellea Falle za, mit dem 
wir uns hier zu beschäftigen haben. Wie man weiss, 
legen die Chinrsen grosses Gewicht darauf, in beimat- 
lieber Erde, dort, wo sie geboren sind und wo ihre 
Ahnen begraben liegen, bestattet zu werden, und die 
Gilden der verschiedenen Landsmannschaften bewahren 
in der Fremde die Leichen ihrer Landsleutc so lange 
in einem Hause auf, bis sich Gelegenheit findet, sie in 
ihre Heimat zu dauernder Bestattung zu senden. Nun 
liegt in Schanghai das Haus der Ningpogilde, in 
welchem die aus Ningpo gebürtigen Landsleute ihre 
Zusammenkünfte haben und wo sie die Särge mit 
ihren verstorbenen Kameraden aufbewahren, im Gebiete 
der französischen Niederlassung, und es ist begreiflieb, 
dass die französischen Behörden, die bei grosser Hitze 
eine schädliche Wirkung der verwesenden Leichen auf 
die Gesundheit der Bewohner der Niederlassung 
fürchten, nach einer Abstellung dieses Brauches auf 
dem von ihren Landsleuten bewohnten Grunde ver- 
langen. Schon im Jahre 1874 trachtete daher der 
Municipalratb, von der Ningpogilde die Entfernung der 
Gräber und der unbegrabenen Särge zu erwirken, 
doch da damals der französische Consul vor einer 
feindlichen Demonstration und den Drohungen der 
Ningpogilde zurückschreckte, unterliess er alle gewalt- 
samen Schritte und traf überdiess mit der Ningpogilde 
das Uebereinkommen, dass sie für immer im unge- 
störten Besitze des von ihr innegehabten Platzes 
bleiben solle. Dabei blieb es bis in dieses Jahr, in 
welchem die Frage wegen der herrschenden Hitze 
wieder dringlich wurde. Die obersten Behörden der 
französischen Concession entschieden und beschlossen, 
dass in Rücksicht auf die durch die Lage des Ningpo- 
gilden-Friedhofs bedrohte öffentliche Gesundheit die 
Municipalität berechtigt sei, die Beseitigung aller im 
Gebiete der französischen Concession liegenden Gräber 
zu veranlassen und auf der Uebergabe des Grundes 
durch die Gilde zum Zwecke der Errichtung eines 
chinesischen Hospitales, einer Schule u. s. w. zu besteben. 
Als man aber den Vorstand der Ningpogilde und den 
Taotai von diesem Beschlüsse verständigte, verweigerte 
jener seine Einwilligung in die Forderung des fran- 
zösischen Generalconsuls, und dieser erklärte sich für 
machtlos, die Ningpogilde zum Aufgeben ihres Besitzes 
zu zwingen. Da alle Unterbandlungen fruchtlos blieben 
und die Chinesen sich weigerten, gegen eine Geld- 
entschädigung und Ueberlassung eines entfernter lie- 
genden Grundstückes das Gildenhaus zu räumen, so 
beschlossen die Franzosen, die Beseitigung der Gräber 
mit Gewalt vorzunehmen. Man setzte den Taotai davon 
in Kenntniss, und da er wieder erkl&rte, nicht im 
Sinne der Franzosen wirken zu können, begannen 
diese am 16. Juli d. J., von einem Detacbement 
Matrosen unterstützt, die Friedhofsmauer abzubrechen. 
Die Folge davon war eine Reihe von Unruhen, bei 
welchen viele Aufständische und Zuschauer getödtet 
oder verwundet wurden. Kanu man nun auch den 
Franzosen nicht Unrecht geben, dass sie eine notb- 
wendige sanitäre Maassregel erzwangen und sieb gegen 
den aufständischen Pöbel vertheidigten, so bleibt doch 
immer die Frage offen, ob sie auf Grund der be- 
stehenden Verträge das Recht haben, innerhalb der 
Grenzen der französischen Niederlassung auf- dem Ver- 
kauf von Land durch eingeborene EigenthQner zu be- 
stehen oder mit anderen Worten, innerhalb dieser 
Grenzen keine chinesischen GrundeigcMhümer anzu- 
erkennen, und es fragt sich endlich auch, ob die 



104 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT . 



Franzosen den Vertragspunkt respectirtcn, nach welchem 
der den Eigenthümern von Grundstücken zu zahlende 
Preis zwischen den betheiligten Personen ohne Zwang 
vereinbart und nach dem Marktpreise bestimmt werden 
soll. Die Ningpogilde handelte, indem sie sich gegen 
die Zwangsenteignung empörte, gewiss in dem guten 
Glauben, dass das Recht auf ihrer Seite sei, und 
durfte diesen Glauben aus dem Zurückweichen der 
Franzosen im Jahre 1874 ableiten, denn in den die 
fragliche Sache betreffenden Vertragspunkten ist seit 
jenem Jahre nichts geändert worden. Andererseits 
zeigt sich aber auch in diesem Falle wieder deutlich, 
dass die Nachgiebigkeit gegen die Chinesen stets von 
Uebel ist. Was die Franzosen heute billiger- und ver- 
nünftigerweise verlangen, darauf hätten sie auch 
schon im Jahre 1874 entschieden bestehen sollen. 
Allerdings haben sich seitdem die Verhältnisse in China 
stark verändert und die Chinesen müssen sich heute von 
den Fremden dictiren lassen, was diesen beliebt. 

Dass unter solchen Umständen die Chinesen den 
Ausländern im gegenwärtigen Augenblicke noch weniger 
gewogen sind als früher, das ist begreiflich. Mögen 
sie aber auch ihrem Grolle gegen die Fremden bei 
Gelegenheit Ausdruck geben, so stehen diese Fälle 
doch noch viel zu vereinzelt und von einander unab- 
hängig da, als dass ihnen eine tiefere Bedeutung zu- 
geschrieben werden könnte. Ihre eigene Ohnmacht hat 
die Chinesen den Fremden auf Gnade und Ungnade 
überliefert, und ohnmächtig sind sie auch, das ihnen 
von den Fremden auferlegte Joch, das immer schwerer 
auf ihren Nacken drückt, abzuschütteln. Viel bedeutungs- 
voller als die Ausbrüche des Unwillens der Chinesen 
gegen die Fremden für diese, sind für diejenigen, die 
es angebt, die Empörungen und Aufstände der Chinesen 
untereinander. Hervorgerufen durch die in China 
herrschenden innerpolitischen und socialen Verhältnisse, 
welche das Schicksal Chinas verschuldet haben, unter- 
graben sie das einzige Fundament, auf welchem die 
Stärke und Widerstandskraft eines Volkes gegen feind- 
liche Bestrebungen von aussen her beruht, die Einigkeit, 
und arbeiten diesen in die Hände. Auf diese Art von 
Aufständen kommen wir im Folgenden zu sprechen. 



NEUE ORIENTALISCHE STUDIEN.«) 

Das Berliner Seminar für orientalische Sprachen, 
welches in Folge der weitausgreifenden Colonialpoiitik 
des Deutschen Reiches , zumal seiner ostasiatischen 
und afrikanischen Unternehmungen in ausserordent- 
licher Entwicklung begriffen ist, beginnt mit dem 
laufenden Jahre die zahlreichen orientalischen Studien, 
welche aus seinem Schosse hervorgehen, vereinigt 
herauszugeben. Der erste Jahrgang, welcher wie die 
folgenden, die nachkommen sollen, aus drei Theilen 
besteht, wovon der erste den ostasiatischen, der zweite 
den westasiatischen und der dritte den afrikanischen 
Arbeiten gewidmet ist, entspricht in glänzender Weise 
dem Programm, welches der ganzen umfassenden Pu- 
blication von ihrem Herausgeber, dem Seminardirector, 
Geheimrath Professor Dr. Eduard Sachau, vorgezeichnet 
wird. „Es wird die Aufgabe dieser „Mittheilungen" 
sein," sagt der Herausgeber in der Vorrede zum ersten 
Bande, „die Sprachen, die im Seminar gelehrt werden, 
sowie verwandte Idiome, besonders in ihrer neuesten 
Entwicklung zu verfolgen, durch Specialstudien die 
allseitige Förderung der wissenschaftlichen Erkenntniss 
derselben anzustreben und bisher noch unbekannte 
oder ungenügend bekannte Sprachgebiete mit be- 
sonderer Rücksicht auf die sich ausbreitenden Inter- 
essen des Handels, der Mission und der Colonisation 



1) Mlttheilnngen des SeminarB fflr orientalische Sprachen an der könig- 
lichen Friedrich Wilhelm'g Univeriität zu Berlin. Herausgegeben von dem 
Director Prof. Dr. Sduari Sachau. Jahrgang I. S Abtheilungen Berlin. 
W. Spemaim 1888. 



der deutschen Nation anzubrechen und zu bearbeiten ; 
im Zusammenhange damit den Literaturen, Sitten und 
Gebräuchen, der Religion, den rechtlichen Anschauungen 
und Institutionen sowie der allgemeinen historischen 
und culturellen Entwicklung der betreffenden Völker 
ein möglichst sorgfältiges Studium zu widmen." 

An eine so umfassende Aufgabe lässt sich allerdings 
nur unter Mitwirkung eines grossen und sprachtüchtigen 
Gelehrtenstabes herantreten. Ein solcher steht nun dem 
berühmten Herausgeber in umfassender Art zur Seite. 
Das Berliner Orientalische Seminar zählte im Jahre 
1897 15 Lehrer und 7 Lectoren, die im Jahre 1898 
um 5 Lehrkräfte vermehrt wurden. Der Unterricht er- 
streckte sich im Wintersemester 1897/98 auf 13 Sprachen : 
Chinesisch, Japanisch, Hindi, Hindustani, Guzerati, 
Arabisch (Syrisch, Aegyptisch, Ostafrikanisch, Ma- 
rokkanisch), Persisch, Türkisch, Suaheli, Herero, 
Russisch, Neugriechisch, Spanisch und auf vier Realien- 
fächer : wissenschaftliche Beobachtungen auf Reisen, 
Tropenhygiene, tropische Agricultur, Landeskunde der 
deutschen westafrikaniscben Colonieu. 

Mit einem derartigen regelmässigen Apparate, zu 
welchem sich die Mitwirkung der im Seminar aus- 
gebildeten Reisenden und Colonialbeamten stellt, muss 
die in den „Mittheilungen" niedergelegte wissenschaft- 
liche Arbeit umfassend genug ausfallen. Der erste ab- 
geschlossen vorliegende Jahrgang stellt in dieser Hin- 
sicht dem bedeutenden Unternehmen die günstigsten 
Auspicien. 

Es sei uns nun gestattet, aus dem reichen Inhalte 
des Mitgetheilten Einiges herauszuheben, was nicht nur 
den Orientalisten vom Fach, sondern was allgemein zu 
interessiren vermag. 

Der erste, den ostasiatischen Studien gewidmete 
Band enthält als wichtigsten Beitrag einen überaus 
reichhaltigen und anziehenden Reisebericht aus China 
von A. Forke, der über seine Eindrücke auf der Tour 
von Peking nach C'hang-an und Layang handelt, also über 
ein Gebiet von etwa sechs Breiten- und acht Längen- 
graden. Die Fülle unmittelbarer Beobachtungen aus 
dem chinesischen Volksleben, von dem täglichen Thun 
und Treiben, seinen Sitten und Gebräuchen, seinen 
Intimitäten, wie sie sich dem Reisenden, der des 
Chinesischen vollständig kundig war, in reichster Zahl 
und Abwechslung aufdrängten, macht uns diesen Reise- 
bericht interessanter, als manche trockene Reiseschilderung 
quer durch das ganze chinesische Reich. Die Fahrt 
wurde durchwegs in chinesischen Maulthierkarren mit 
chinesischen Kutschern gemacht; ein tüchtiges Säckchen 
mit ungemünztem Silber und einer guten Silberwage 
musste für die Bedürfnisse des Reisenden aufkommen. 
Die vier Provinzen Chihli, Shansi, Shensi und Honan, 
welche so in gemächlichen Tagereisen durchzogen 
wurden, bilden ihrem Hauptcharakter nach eine ungeheure 
wechselvolle Lösslandschaft, welche vom Huangho und 
seinen Nebenflüssen bewässert und von zwei Gebirgs- 
ketten durchzogen wird, die von dem Reisenden an 
landschaftlichem Reiz oft mit den schönsten Gebirgs- 
partien Europas verglichen werden, immer aber noch 
den Reiz ungewohnter Formationen, die sich oft bis 
zu dem Eindruck vollendeter Bizarrerie steigern, voraus 
haben. Diese anziehenden touristischen Eindrücke werden 
durch das Hervortreten eines starken historischen 
Elementes in der Landschaft, wie es sich in Archi- 
tectur und Monumenten aller Art äussert, bereichert, 
und vollends gewährt die Beobachtung des so höchst 
eigenartigen chinesischen Volksthums, das gleichsam 
geschichtlos in diesem natürlichen und historischen 
Rahmen dem Beobachter entgegentritt, unerschöpf- 
lichen Genuss. Es ist unmöglich, an dieser Stelle von 
der endlosen Flucht wechselnder Bilder, welche in der 
Beschreibung des Reisenden wie ein Wandelpanorama 
an unserem Auge vorüberzieht, auch nur andeutungs- 
weise eine Vorstellung zu geben : man müsste den 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORI' 



\ 






'SV 



Reisebericht einfach wiederholen. Die ganze Buntheit 
des chinesischen Binnenverkehrs, die Verbältnisse des 
Karrentransportes, das Fuhrwesen, das Wirthshaus- 
treiben, die ganz mittelalterlich anmuthende Art des 
Handelsbetriebes und der Waarenverfrachtuug über 
Land tritt uns in ungezählten Bildern vor die An- 
schauung. 

Ebenso erfuhren die chinesischen Bau- und Woh- 
nungsverhältnisse in Dorf und Stadt die mannigfachste 
Beleuchtung. Die merkwürdigen in den Löss hinein- 
gegrabenen Möhlenwohnungen dieser Provinzen, in 
welchen zugleich das Hausmobiliar aus dem Lehm 
herausgehauen zu werden pflegt, die zahlreichen 
religiösen Bauten, vom grossen Tempel bis zu den 
Ehreomasten, die man vor den Häusern Graduirter zu 
errichten pflegt, die ganze bunte Architectur mit den 
symbolischen Motiven und das hochentwickelte In- 
schriftenwesen auf den verschiedensten Monumenten 
finden ihre Schilderung. Von der verschiedenen Bauart 
der chinesischen Häuser, den bizarren Geschmacksrich- 
tungen, die daran zum Vorschein kommen, ebenso von 
den höchst originellen Dorfanlagen, beispielsweise den 
seltsamen Tunnelbauten, die eine Nachbildung der 
Höhlenbauten zu sein scheinen und aus mehreren neben- 
einanderliegenden tunnelartigen Gewölben von Zfegel- 
steinen besteben, erhalten wir zum erstenmale genauere 
Kunde. Die Verhältnisse der Ackerwirthschaft, die 
Feldbaugeräthe werden beschrieben ; das festliche 
Leben und die bescheidenen Vergnügen im Hause und 
der Oeffentlichkeit werden berührt. Trotz mancher 
lärmenden Strassenscenen, die das Escheinen des 
Europäers an manchen Orten verursachte, hatte der 
Reisende sich doch nirgends ernstlich über Behelligung 
zu beklagen. Die Neugier der Bevölkerung verfolgte ihn 
freilich unablässig bei allen seinen Hantirungen. Selbst 
den intimsten. Es ist das grosse Verdienst dieser 
Reiseschilderung, an nichst, selbst dem kleinsten Zug 
des chinesischen Volkslebens, wie es sich in buntem 
Wirrwarr darbot, vornehm vorübergesehen zu haben. 
Auf diese Weise ist ein überaus lebensvolles Mosaik 
entstanden, dessen Einzelnheiten dem Leser bestens 
empfohlen seien. 

Eine zweite Arbeit, in diesem Bande, welcher Ost- 
asien gewidmet ist, erregt allgemeineres Interesse und 
verdient daher hier ausdrücklich hervorgehoben zu 
werden. Es ist die Herausgabe und Uebcrsetzung eines 
der wichtigsten und bekanntesten „Frauenspiegels" 
Japans, des „Onna daigaku" oder des „Schatzkästleins 
der grossen Wissenschaft der Frau". Bekanntlich hat 
Japan seine eigene Frauenliteratur, die nicht arm an 
vortrefflichen Erscheinungen ist und die Aufgabe hat, 
der Frau ihre Stellung in Leben und Gesellschaft zu 
erläutern, ihr die Pflichten des Weibes als Tochter, 
F'rau und Mutter in der hellen Beleuchtung des Ge- 
meinwohls zu zeigen und dadurch zur sittlichen Haltung 
und Vertiefung der japanischen Weiblichkeit beizu- 
tragen. Der Verfasser dieses Werkes ist der als 
Philosoph bekannte Kaibara Ekken, welcher im 
XVII. Jahrhundert eine rege schriftstellerische Thätig- 
keit entwickelte. Das Tractätlein gewährt einen tiefen 
Einblick in Bau und Sittlichkeit der japanischen Familie. 
Für den Japonologen ist die Uebcrsetzung einer ori- 
ginalen japanischen Gesehichtsdarstellung der neuesten 
Zeit, die, soweit mitgetheilt, von 1869 — 1873 reicht, 
von grossem Werthe und Interesse. Endlich enthält 
der Hand noch eine sehr dankcnswerthe Revue über 
russische Arbeiten auf ostasiatiscbem Gt-biete von 
Barthold, wobei besonders die Forschungen in der 
Mongolei, Tibet und im östlichen China, wie sie in 
der letzten Zeit von Russen durchgeführt wurden, von 
hoher Bedeutung erscheinen. 

Höchst mannigfaltig und in einer kurzen Ucbersicht 
unmöglich zu erschöpfen ist der Inhalt des zwtütn 
Bandes unserer Mittheilungen, welcher den westasiati- 



scben Studien des Seminars gilt. Abgesehen von den 
rein philologischen und linguistischen Arbeiten, an 
denen der Band reich ist, von denen die Aufsätze „Der 
Purismus bei den Oimanen" von Foy (handelt über die 
gegenwärtig starke puristische Spracbströmung in der 
türkischen Gesellschaft), sowie die Sammlung ma- 
rokkanischer Sprichwörter von A. Fischer hervor- 
gehoben seien, nimmt eine sehr gründliche und ge- 
diegene Arbeit über die „Entwicklung und jetzige Ver- 
fassung der ordentlichen Gerichte in der Türkei" von 
E. Schmidt ein sehr actuelles Interesse in Anspruch. 
Die Gerichtsbarkeit wird, abgesehen von den Con- 
sulargericbten, in der Türkei zur Zeit ausgeübt : 

1. von den mohammedanischen geistlichen Gerichten; 

2. von den nichtmobammedaniscben geistlichen Ge- 
richten ; 3. von den Handelsgerichten und 4. von den 
ordentlichen Gerichten. Die Entwicklung dieser beiden 
letzteren sowie deren augenblicklich geltende Ver- 
fassung darzustellen, ist der Gegenstand von Schmidts 
flcissiger Arbeit. Die geistlichen Gerichte wurden für 
dieselbe nur insoweit berücksichtigt, als es unerlässlicb 
ist, um einen allgemeinen Ueberblick über die Gerichts- 
verfassung zu gewinnen. Ein völliges Uebergehen der- 
selben wäre schon aus dem Grunde unmöglich, weil 
in den türkischen Provinzen die geistlichen Richter den 
Vorsitz in den ordentlichen Gerichten führen (S. 92). 
Die Abhandlung bezieht sich nur auf das engere Ge- 
biet der Türkei, mit Ausschluss von Aegypten, Ost- 
rumelien, Bosnien und der Herzegowina und beruht 
durchwegs auf ofilciellen Quellen. 

Mit dem dritten Band der in Rede stehenden Pu- 
blicationsreihe gelangen wir nach Afrika, das in der 
Reihe der deutschen Colonisationsgebiete den ersten 
Rang einnimmt, und auch in der deutschen Länder- 
forschung nunmehr einen breiten, man könnte fast 
sagen dominirenden Platz behauptet. Zur Völkerkunde 
Ostafrikas liegen hier mehrere belangreiche Beiträge 
vor, die umso höheren Werth beanspruchen dürfen, 
als sie von genauen Kennern der Verhältnisse und der 
herrschenden Sprachen herrühren. So ist der sehr 
inhaltreiche Aufsatz von C. Veiten über Sitten und 
Gebräuche der Suahili, das ist der osiafrikaniscben 
Küstenbevölkerung direct aus mehrfachen Aufzeich- 
nungen intelligenter Suahili über die Sitten ihres Volks- 
stammes hervorgegangen, und somit ein vollständig 
autcntisches Document der ostafrikanischen Sitten- 
geschichte. Der erste Thcil dieser gesammelten .Auf- 
zeichnungen, welche abgesehen von ihrem Inhalt auch 
formell grosses Interesse bieten, behandelt allgemeine 
Anstandsregeln, die in dem Leben der Suahili über- 
haupt eine sehr wichtige Rolle spielen. Der zweite 
spricht über die Geburt des Kindes, seine Erziehung 
in Haus und Schule, über Lehrverhältnisse, Beschnei- 
dung, Verheiratung, Sch:idung und Begräbniss, ist 
also eine vollständige Darstellung des Privatlebens; 
der dritte handelt über Sciaverci einst und jetzt; der 
vierte beschäftigt sich mit der Stellung und den Ver- 
hältnissen drr Ortsältesten, und entrollt ein Bild ihrer 
früheren und jetzigen Tbätigkeit, die vom Vater auf 
den Sohn vererbt. Die Darstellung ist voll von ethno- 
logisch belangreichen Zügen und wird der ver- 
gleichenden Rechtswissenschaft für Afrika neue Nahrung 
zuführen. 

Sehr anziehend ist die Mittheilung eines modernen 
ostafrikanischen Heldenliedes oder Kriegsgedicbtes, 
das einen militärischen Stoff der neuesten Zeit mit der 
Phantasie und Psychologie eines Suahili-Dichters in 
etwas über 300 Versen besingt. Dem Gedicht liegt, 
wie der Herausgeber Zcuhe mittheilt, als Gegeosund 
die Mordwirthschaft des gefürchteten Hassan bin Omar 
von KiUa und seine Niederwerfung durch die deutsche 
Schutztruppe zu Grunde, der er mit unglaublicher 
Frechheit getrotzt. -Ueber die Rechtshandhabung und 
die Rechtsbegriffe unter den Bantus bandelt der be> 



106 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



kannte Missionär H. Brincker, wobei es zumeist auf 
Zauberei und allerlei abergläubische Augurien hinaus- 
läuft. Das Verdienst dieser kleinen Arbeit beruht 
hauptsächlich darin, dass die Untersuchung auf dm 
einheimischen Recbtsausdrücken fusst und die V' r- 
schiedenen Proceduren, die zur Ermittlung der Thäter- 
schaft bei vorgekommenen Verbrechen führen sollen, 
genau beschreibt. 

In anderer Weise mit den praktischrn Intertssen als 
diese Arbeit hängt die hübsche Mittheiluog von 
Dr. G. Neuhaus über den „Obstreichthum der Insrl 
Zanzibar" mit wirthschaftlichen Gesichtspunkten zu- 
sammen. Die Fruchtbarkeit Zanzibars ist zum Tbcil 
eine sehr grosse und macht die Insel zu riner hervor- 
tagenden Agriculturstation der afrikanischen Tropen. 
Kenner der Verbältnisse haben wiederholt auf die 
Cultur der essbaren Früchte der Insel hingewiesen. 
Apfelsinen zumal und Bunanen gedeihen hier auf das 
Vortrefflichste; dasselbe gilt von zahlreichen anderen 
tropischen Obstgattungen, und eine Versorgung der 
ostafrikanischen Küstengebiete mit diesen Producten 
müsste für Zanzibar sehr lohnend werden. Unter diesem 
Gesichtspunkte ist die mitgetheilte pomologische Skizze 
eines Eingeborenen der Insel Zanzibar von doppeltem 
Interesse. Nicht ohne Interesse ist auch der orienta- 
lische Styl der Beschreibung in diesem kleinen Werk- 
chen, das nicht vergisst am Ende jeder (sehr kurz 
gehaltenen) Beschreibung zu versichern. » . . . und 
Gott weiss es am besten." 

Mit einigen sehr werthvolleo linguistischen Arbeiten 
über Zahlwörter und Zählgeberden in fünf Bantu- 
dialecten von Brincker, über die Sprache der Wassu- 
kuma von C. Herrmann (Glossar) und über ostafrika- 
nische Ortsnamenbildung von C. Veiten schliesst der 
Band. Die volksthümiicben Etymologien ostafrikanischer 
Ortsnamen, die aus dem Munde von Suahili-Ein- 
geborenen stammen, werfen ein interessantes Licht auf 
die Besiedlungsverhältnisse des behandelten Gebietes, 
wenn sie gleich auf eigentliche wissenschaftliche Be- 
deutung keinen Anspruch haben. 

Die vorstehende Uebersicht hat wohl gezeigt, welch 
reiche, wissenschaftliche Ernte von jener neuen Pflanz- 
stätte überseeischer Forschung, die sich an der Berliner 
Universität mit seinem Orientalischen Seminar auf- 
gethan hat, im letzten Jahre eingebracht worden ist. 
Mögen die nächsten Jahrgänge ebenso ergiebig sein 
und die Forschung in einem ähnlichen fruchtbaren 
Verhältniss zu den wirthschaftlichen und colonialen 
Interessen des Deutschen Reiches verbleiben wie 
bisher, H. 



DEUTSCH-CHINA. 

Die Festsetzung Deutschlands in China hat in hohem 
Maasse die Aufmerksamkeit auf das bisher von Forschern 
und Volkswirthen wenig beachtete Gebiet gelenkt, wo in 
Kurzem eine deutsche Handelsstation entstehen soll, 
die berufen erscheint, ein weites Hinterland zu be- 
herrschen und es der Civilisation, dem internationalen 
Handel zu ersthliessen. Von oberflächlichen und kargen 
Mittheilungen der Tagespresse abgesehen, war bisher 
wenig über Kiauischou und noch weniger über sein Hinter- 
land, die grosse Halbinsel Schantung bekannt. Ein 
eben erschicncnrs Werk: Schantung und Kiauischou von 
F. V. Richthof en'^) kommt daher einem wirklichen Be- 
dürfnisse entgegen. Allerdings ist es bedauerlich, dass 
das Buch auf Aufzeichnungen und Erinnerungen beruht, 
die der bekannte geologische Forscher während seiner 
Reisen in China in den Sechziger Jahren gesammelt 
hat und zum Theil fusst auch das Werk auf M.t- 
theilungen, die bereits in Richthofen's „China" ver- 
öffentlicht sind. Freilich erschwerten die fachwissen- 
schaftlichen, geologischen Ausführungen die Leetüre 

') Verlag von Dietricli Be.mer (Erust Voliseu). Berlia 1898. 



von „China" und der Autor bietet der Lesewelt daher 
thatsächlicb Neues, wenn er im vorliegenden Bande 
das früher Gegebene in eine allgemein verständliche 
Sprache übersetzt und es durch den Inhalt seiner 
Tagebücher und Reisebriefe ergänzt. Freilich verleugnet 
sich der wissenschaftliche Forscher auch im jüngsten 
Bande nicht, der reicher an geologischen Betrachtungen 
ist, als Reiseschilderungen es gewöhnlich zu sein pflegen. 
Schwerer wiegt jedoch der andere Nachihcil, der dem 
Buche anhaftet; mehr als drei Jahrzehnte sind verflossen, 
seit der Verfasser Schautung durchforscht hat und so 
wahr die Ergebnisse seiner geologischen Untersuchungen 
heute noch sein mögen, so sehr dürfte sich Vieles in 
Lebensibedingungen und wirthschaftlichen Verhältnissen 
geändert haben. Darum enthält das Buch aber doch 
zweifellos Vreles. das noch beute gilt und namentlich 
verdienen die Beobachtungen v. Richthofen's, der bereits 
vor 30 Jahren die grosse Bedeutung Kiautschou's für 
eine Erschliessung Schantungs erkannt hat, eingehende 
Würdigung, soweit sie sich auf die künftige Entwicklung 
und Entwicklungsfähigkeit Deutsch- China's beziehen. 
Es seien hier denn auch die Reisen v. Richthofen's, 
der 1869 von Shanghai über Tschinkiang, dann auf 
dem Grossen Canal bis Tsing-kiang-pu, von da nach 
Itschaufu am Gelben Fluss reiste und von dort aus 
seine Forschungen in Shantung antrat, die er in Tschifu 
beendigte, übergangen, eingehender dagegen der Theil 
des Buches, der sich mit Kiautschou und seiner Zukunft 
befasst, behandelt. 

Vorerst einiges über Schantung, Deutsch -Chinas 
Hiaterland, wie es v. Richthofen schildert. Ein dicht 
besiedeltes Land, dessen Bevölkerung nach den ver- 
schiedenen Schätzungen 25 — 36 Millionen betragen 
dürfte und dessen Einwohner mehr als andere chine- 
sische Stämme die Reinheit ihres Stammes erhalten 
haben ; hochgewachsene, schlanke Leute von dunklem 
Teint und verbältnissmässig wenig geschlitzten Augen, 
bieten die Einwohner einen durchaus verschiedenen 
Typus als er in Nord- oder Süd-China gefunden wird. 
V. Richthofen rühmt den Einwohnern gesittetes Be- 
tragen, Fleiss und Bildungsfähigkeit nach. In Schantung 
wird intensive Landwirthschaft betrieben ; man baut 
Weizen, Gerste, Hirse, Mais, Bohnen, Raps, Baumwolle, 
Hanf, Tabak, Mohn u. s. w. Die Obstcultur ist be- 
merkenswerth, desgleichen die Zucht von Seidenraupen. 
Das Klima Schantungs, das in der Breite von Nord- 
afrika liegt, ist nicht ungünstig, doch weist es grosse 
Extreme auf, relativ starke Kälte im Winter und grosse 
Hitze im Sommer. Das Jahresmittel der Temperatur 
liegt zwischen 12" und 13" etwa wie in Mailand oder 
Bordeaux. Die Provinz ist sehr reich an Kohle wie 
auch an Metallen. 

Die Halbinsel Schantung bildet einen bergigen Vor- 
sprung mit felsiger Küste, die sich nur an der Süd- 
seite zu grösseren, geschützten Buchten öffnet. Aber 
im Gegensatze zu den anderen Buchten der chinesischen 
Küste fehlt es hier au schiffbaren Flüssen, die den 
Verkehr zwischen Küste und Landesinnerem vermitteln. 
So erfreut sich Schantung am wenigsten von allen 
Küstenprovinzen einer wirthschaftlichen Erschliessung 
der inneren Gebiete von der See aus, an der Landes- 
grenze der Provinz dagegen verfügt Schantung über 
zwei Wasserwege, den grossen Canal und den gelben 
Fluss. Doch wirkt die Unzuverlässigkeit beider höchst 
störend. Auf dem Canal kann jederzeit Unterbrechung 
eintreten, und wieder, um diese zu verhüten, braucht 
es grosser Mittel, die durch überaus hohe Scbiffs- 
abgaben aufgebracht werden. Der Gelbe Fluss hin- 
wiederum bietet im besten Fall nur einen beschränkten 
und langsamen Schiffahrtsverkebr. 

Von den verbältnissmässig wenig bedeutenden Hafen- 
plätzen Schantungs, die eben an dem Mangel einer 
Wasserstrasse nach dem Inneren leiden, ist Kiautschou 
der bedeutendste. Die Stadt ist alt und führt ihren 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



107 



Nameo io Erinnerung an die Kiau-Barbaren, die einst 
das Land inne hatten und im sechsten Jahrhundert 
V. Chr. unterjocht wurden. 

Sfine grösste Blülhe als Zwischenplatz des nach 
Norden gerichteten Handels dürfte Kiautschou gehabt 
haben, ehe der grosse Canal den bionenländischen 
Keistransport von Süden nach Norden und damit die 
Verbindung des westlichen Schantung mit dem unteren 
Yang-tse ermöglichte. Verlor es auch spätt^rhin an 
Bedeutung, su war es noch immer ein bcmrrkens- 
werlher Verkehr splatz zur Zeit, als der internationale 
Handel eine Niederlassung in Schantung suchte. Man 
überging Kiautschou und wählte Tschifu, wahrscheinlich 
weil dieses für die Dampfschiffe eine Etappe auf dem 
Weg nach Peking bildet, das war im Jahre 1860. 
Es wurden Handelshäuser und Waarenniederlagen in 
Tschifu gegründet und die Kaufleute mussten dorthin 
geben, um die Waare in Empfang zu nehmen. ^Die 
Verbindung", schreibt von Richtbofen „war zwar lang- 
wierig, kostspielig und unbequem, da der Hafen von 
den Productions-Centren von Schantung weit abge- 
legen ist ; aber sie wurde doppelt erforderlich durch 
den Umstand, dass die fremden Dampfer nach Tschifu 
auch die Producte des südlichen China brachten, 
welche bisher nach Kiautschou gekommen waren, 
während nach diesem Ort überhaupt kein Dampfer 
ging. So geschah es, das Kiautschou seine Bedeutung 
verlor, Tschifu demnach nicht zur Blüthe kam, die 
Provinz darunter darbte, dass ihr gut gelegener und 
altgewohnter Eingangshafen ihr entzogen war. China 
hatte weder den Trieb, noch die Macht, dies zu ändern, 
Kiautschou wurde mehr und mehr ein todter Punk', 
obgleich die Betrachtung seiner ungemein günstigen 
Lage die fremden Kaufleute wohl hätte dazu auffordern 
können, hier Einiass zu begehren. Sie beachteten ihn 
nicht. Und als die chinesische Regierung von einer 
einsichtsvollen Seite auf die Vorthede des Ortes auf- 
merksam gemacht wurde, beabsichtigte sie zwar vor- 
übergehend ihn zu befestigen, aber sie dachte nicht 
daran, ihn zu der Eingangspforte zu gestalten, zu der 
er bestimmt ist, und von der sie selbst in erster Linie 
Vortheil zu ziehen berufen ist. Ohne das intelligente 
und zielbewusste Eingreifen einer fremden Macht 
wäre Alles beim Alten geblieben." 

War Deutschland schon lange darauf bedacht, eine 
Schiffs- und Handelsstation in China zu erwerben, so ist 
es erklärlich, dass die Wahl auf Kiautschou fiel. Im 
südlichen China fehlte es an einem brauchbaren, sicheren 
Hafenplatz. Das Gebiet der Yang-tse-Mündungen musste 
mit Rücksicht auf die erdrückende Concurrenz Shang- 
hais ausser Betracht bleiben, und im nördlichen China 
blieb also lediglich Schantung, da von Tientsin abge- 
sehen werden musste. So fiel die Wahl Deutschlands 
auf Kiautschou, dessen Bedeutung freilich lediglich in 
der Zukunft liegt. 

Vor Allem wird Kiautschou einen Concurrcnzkampf 
mit Tschifu aufnehmen müssen.') Wendet sich auch 



■) In Betreff der kOuftlgen Conourreuz /.wiBcheo Kiaut«oboa und 'riicbif'j 
Ut ein Berluht cIum uugliHcben OouvuU in Tschifu von actuetlem Interesse. 
Der (>'unsul berichtigt über den KittHruck, den die Erachl<CH«uni{ Klautichons 
UkU llatidetibafen güKfnUb'.r dem altiren und luebr nOrdlieb gelegenen Haien 
von T<icbifu üulvT tiiropälHcbou und vingeburencu Kauflfuten in Ttfi-blfii 
Komaclit bat. „Darnault w«r der erste Eindriu-k der, da«8 die H(Osp«TitJii dei 
älteren Hafens veriuien gelten würde. Mau glaubte, dass Sbanlung allein 
nicht genügend llandelaitiassu besitze, um zwei Vertragsb&fen in voller 
'l'häligke t au erballen, und v» konnte nirtit tiei>-uguet werden, da.s di • 
KiauiHOhoubuchl als Verheilungsrentriim für ausUtudiocbo Wa:tren und als 
ein Veriehlfrungiie minus (Qr Kiporie bsier rltuirt ist aU T«cbifu. Deshalb 
glaubte man, daSM -ich ditr Handel biufort nach «lern neuen litten ooncen- 
triren werr« und daaa ein allmtligcr Verfall, wenn iiiei.t scbnellvr Kuin. 
Tschifu befallen würde. Die Erwartung, dass Auasenslehemle von Snangbai 
und anderswo s>ch des Feldes, tiaa bisher von einer li>i>itlrteii Zahl von 
LocaMlrmen uiltivirt wurde, bemächtig n würden, v.-rbtäikte den t Oben 
Auslilick Nach Verlauf von einigen Mxnaten aber haben Hich die^e pessl- 
mist sehen Ansicbteu in gewl..sem Gra<1e modidefrt. Man erion-rte sich, 
daaa ein liauUels- und SchilTabrlabafen nicht in einem Tage er-tebeu kann, 
dass selbst noch nicht die Lage der Marinedocks und Koblensialiun und 
ander« Pläne fUr Kegirrungsbanten bestimmt Is' und deaialb selbatver- 
atändlicb auch das cukünllige ilanilclscinartier noch nnbestiuiuit ist. tlesobäfu- 
und Waarenbäusur hind noch nicht im Hau begritleu und Kanfleute sind 
noch nicht aur Stelle, utu in der .Scbatfung oder Auageataltung Kiaiitacboua 
als llandeta- und Scbiffahrlacentium niii/.nwirken. Kurz, die Erwartung 
eines pUHxlIohan Abbrucliea dci Kandela von T.HQhifii in grossem Maaaae 
nach den Ufern tler Kiantschoubucbt war vollständig verfrütit." 



der chinesische Handel ungero von bestebeadeo Linien 
ab, so fügt er sich doch, wenn von anderer Seite ein 
ersichtlicher Vortheil geboten wird. v. Richthofrn ist 
der Ansiebt, dass der Osten der Halbinsel auch feroer- 
bin am zweckmässigstcn von Tschifu aus versorgt 
werden wird, dass jedoch ihr westlicher und sQdwest» 
lieber Theil dem Handelsgebiete voo Kiautschou an- 
gehören werden. Unser Gewährsmann tritt der io letzter 
Zeit mehrfach geäusserten Anschauung entgegen, dass 
S> bantung eine arme P/ovinz sei, aus der die Bewohner 
massenhaft auswandern müssten. Dieser Meinung steht 
die in den Berichten aus den zwei letzten Jahrhunderten 
vertretene Ansicht entgegen, dass Schantung eine reiche 
Provinz sei, welche Alles erzeuge, was die Bewohner 
zum Leben bedürfen; sie wird auch durch die 'Iliat- 
sache bestätigt, dass sie unter allen KOstenproviozen 
am dichtesten bevölkert ist. Die starke Auswanderung 
erklärt sich aus der raschen Vermehrung der Bevölkerung 
ici folge frühen Heiratens, der Dichtigkeit der vorhandenen 
Bevölkerung, die einen bequemen Abfluss in die weiten 
Flächen der angrenzenden Mandschurei findet. 

Kann Kiautschou selbst ohne Aenderung der be- 
stehenden Verkebrsverbältnisse eine Handelsstellung 
von massiger Bedeutung einnehmen, so liegt doch seine 
Zukunft und grosse Bedeutung erst in der Erschliessung 
des Innern durch Eisenbahnen und der Ausbreitung 
der vorhandenen Koblenfclder.') 

Die Eisenbahnen, die hier in Betracht kämen, wären 
die Linie Kiautschou-Tsinanfu (350 km), Kiautschuu- 
Itscboufu (265 km), eine Verbindungsbahn Tsinanfu- 
Itscboufu und endlich die Strecke Kiautscbou-Tschifu 
(190 ^m). Von gleicher Bedeutung wäre die Erschliessung 
und Ausbeutung der reichen Kohlenlager der Provinz 
Schantung, die bestimmt erscheinen, einen grossen Theil 
des Kohlenbedarfes Ostasiens zu decken ; in unmittel- 
barem Zusammenbang mit der Kohlengewinnung steht 



*; Enteresaant ist das Urtheil eioea Engländers, der Im Jan I I. J. Kiaa- 
tsciiou beanchte und aeine Eindrücke In der «Tim s* V' röffeuülelite. g«in 
Urtheil deckt sich der Hauptsache nach mit jenen v. Richtbofen 's. Die 
hauptaächtiobste 8chatte>,sette Kiaut cbous erblickt der B«rlchterstmtter iu 
der Mangelhaftigk.-it der Ankerpiäis« für tiefgebende S ee ea h ifle. K« fib( 
deren zwei; der eine gr5-i»ere liegt nftrdl eb an dem Asliicbeo Vorgebirge, 
der kleinere an der SUdaelte bei Tsingban. Der crsiere bu den NautbaU, 
daas er im Wlnle den Nordwl<,den ausgesetzt lat, und nm ihn aiebcrvr au 
machen, werde geplant, vom Festtaude aus an einigen Felsen Im Meer blna«4 
einen Wellenbrecher zn bauen. Nabe dAbel aoll auch daa Dock aageleft 
werd-n, an ein^m Platz, der dafür ^ehr K*elffaet erscheine. lndea*eo werde 
mau wahracbeinlich beide Ankerplätze In Stand ae zen mftaaen, den einen, 
nördlicli vom Vorgebirge, für .leu Sommer und dec aiidiichen fnr den AVinier 
an dem letzteren ntfiasten dann noch viele unierae«laebe F«ia«o «iitrerat 
werden. Daa znaammenfa*>sende Urth- il dea >^glälld«ra ab«r die«* Fra«e 
lautet: flMit Aufwan i groser Gelkiauiuuiea kann awaifello« vi«! (•• 
seheben, de 1 nörd icben Ankerplata an verbessern, at>«r im Oaasen maa« 
loh sagen, dass man dabei auf «rh'-bt.che Scbwlerigketten atoeaen aad daaa 
die stetige Verlegung der Ank-rplätie vom Norden nach dem Md«a BBd 
umgekehrt auf den llaudl alMciirerkend wirken wird. Andanvita alf e t 
sich Talngtau ausKezeicbnet für eine groaae Stadt, waa La^ und Raam •■• 
geht, und die Nordseit« ist für die Anlage einas Docks, von VorraUa- 
bäuaern und anderen ReKlernngsgebai.den raeht güost'g.* Klo wetterer Miaa- 
stand ist die Waaaerversorgung. l)»r Rrgenfall be-ebrä kt sich auf zwei 
Mttnate, Juli und Anguat, Quellen gibt es nur weniae and Flü-sc zur aaa- 
reicheuden Wasserversorgung gar nicht. Daa Wasser in den Brunnen tat 
nicbt «ut. und bia jetzt aehen dl- B'bSrdeu noch kein Mittel, wie dia ga- 
nOgande Wa^ts-rveraoraung zu bewirken ist. Der E'giäudvr meint, die la 
l er Kegenz'dt gea.muielte Er.-ahrnng werde nwelf-llot auch diaaao Mtaa- 
stand hebou, aber aeine iteseitigunit werde koaispia U aain. «Dia cmiiaa Zn- 
Ituott D utschlands in Kiautscticu," so fahrt er (ort «bange jadocb von der 
Kohlenfrage ab. Dia Deutachen seien In dieser Hin-Ichi beatar HeOkaBt, 
und da auch sie wfiasten, dass ohne die Varaorgnng mit guter und biUigar 
Kohle der Werth Klautscbons ■■ hr vermindert würde, so mfiaataa aia wobl 
gute Gründe für ihre tlettauptung i aben, daas sie fute ScbilTakohle a^ 
Hafen selbst billUer abgeben kttnuten als jaaaniache tider auatrallacbe, vaa 
Shanghai eingeffibria Kotile, dl'^ geganwärtig 18 Dollar die Tomaa kaata.* 
Daa Gndurtbeil des KerichteraUltera laniet: «Wann gana«aada Saaaaa 
aufgewandt wardea, am .leu Hafen an verbastera. fSr Waaaar la aoigaa, 
die Wege In Sund an seiaaa und eine Eiaanbahn an baaaa, aad vntaaaga- 
satxt, daas die Deutsehen — waa sie, wie leb glaub«, t>aabaicbtlfaa — ihrar 
Ztuaga gettiä a Kiautachon wia Hangkoag dem Handel Affaaa, so Ma Iah 
der Analcbt, daaa ea ein bedeatendar Handelsplatz werden wird. Daa Kllaa 
lat anageseiehnet nnd gana earopälaeb. U e deutschen Soldaiaa kSaaaa dafft 
in Ihran kleinen Hflrten den ganten Tag über arbei ca, aiugaaamaMa im 
Juli, Augnat und vielleicbi Im September. Deeamber, Jlaaer aad fMtiMtr 
sind sehr kalt und ein Theil der nArdlicban BaaM ftlect daaa ao. Bia fBlir 
Qaitbof wird jetzt gebaut nnd ein Reit, und Sponpraii lat at 
«a daaa die Dcuisehen Shangbala, lloogkoags nad Kantoaa, dl« 
Sommer in Tschifu ,u verbringen ptlegen in Zukamt wähl KiMiti 
lieben werden, Ea i^t kei e Frage, naaa Tsebifa nat: .lar Zait durch 
WcUbeweib Kiantacbons leiden wird, wann ancb nicht s« bald, arta l 
auzunehmcu «che neu. Viel bangt dmvo,< ab. welcbea AntLe4 laaa das Ba* 
amtenelement au dar Regierung geben wird. Voriäuftg elaht KlauAMhoa 
unter der Admiralnät. aber die Erfahrung im foracu U<iaa lahrt, daaa (■ 
viel Beamtenwirth.chaft den Handel iSdtei. KlauUcbon Uaft dann, daaaaa 
berufen iit, der natOrlleba Saaimelpunkt das Seehaadala tm PraTtas Schaa- 
tuug zu werden, aber die Deutsahen habaa noah iahwara Arbak Tor itak, 
bis ra dabin kommt. Ilongkoag und Shanghai aiad alaht la aiaaa n«a 
gabaot worden." 



lOS 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



die Errichtung von Fabriken und Werkstätten mit 
Maschinenbetrieb. 

Das Bild, das v. Richthofen von der Entwicklung 
und künftigen Bedeutung Kiautschous entwirft, entbehrt 
nicht eines optimistischen Anstrichs, zumal wenn der 
Autor Betrachtungen über Üeutsch-Cbinas Verbindungen 
mit dem fernen Hinterland anstellt. Kiautschou sollte 
demgemäss die Eingangspforte für Schansi werden und 
der Ausgangshafen für die dort herzustellenden Pro- 
ducte der Eisenindustrie, v. Richthofen dehnt seine 
zukunftsmusikalische Betrachtung sogar bis nach Kiau- 
tschous Verbindungen mit den Nordwestprovinzen und 
Centralasien aus . . . 

V. Richthofen's Buch ist eine eingehende Wür- 
digung der gegenwärtigen und künftig möglichen Be- 
deutung Kiautschous. Seine geologischen, topographi- 
schen und wirthschaftlichen Darlegungen werden das 
Interesse aller Jener erwecken, die ein Verständniss 
für den hohen Werth der jüngsten colonialen Erwerbung 
Deutschlands besitzen. Eine Fülle photographischer und 
kartographischer Illustrationen bringt das fremdartige 
Thema auch Jenen näher, die sich bisher mit ost- 
asiatischen Verhältnissen nur wenig befasst haben. 

Das reich und geschmackvoll ausgestattete Werk 
V. Richthofen's dürfte der Grundstein zu einer ver- 
muthlich ziemlich reichhaltig sich entwickelnden Literatur 
über Deutsch-China werden ; es mag bald an Actualität, 
schwerlich jedoch an Gediegenheit übertroffen werden. 

Dr. E. L. 



CHRONIK. 

Asien. 

Asiatische Türkei. Im Districte Achlat, Vilajet Bitlis, 
plündern die Kurden acht armenische Dörfer, weil sich 
eine armenische Bande gezeigt haben soll. Auch in 
anderen Vilajets treten wegen der bevorstehenden 
Rückkehr der armenischen Flüchtlinge beunruhigende 
Anzeichen auf. In Sassun wird das Kloster geplündert. 

Arabien. Nach der Beseitigung der Brottheuerung 
durch Zufuhr grosser Mengen Getreides, das unent- 
geltlich an Bedürftige vertheilt wurde, ist die Nieder- 
werfung des Aufstandes in Jemen ziemlich gelungen. 
Die Pforte trifft auch kräftige Maassnahmen zur Ver- 
hinderung des Waffenschmuggels von Zeilah und 
Dschibuti nach Hodeidah. — England stellt ganz Süd- 
arabien von der Strasse von Babelmandeb bis zum 
Golfe von Oman unter sein Protectorat. 

Kaukasien. Im Bezirke Anal, Vilajet Tiflis, verüben 
Gendarmerieabtheilungen bei den Nachforschungen 
nach Waffen und aufrührerischen Schriften Ausschrei- 
tungen gegen die Armenier. 

Persien. Wegen der schlechten Beschaffenheit und 
des hohen Preises des Brotes finden in Täbris ernst- 
liche Unruhen statt; auf die Volksmenge wird ge- 
schossen und mehrere Personen werden getödtet. Haus 
und Besitzung des reichen Nizam ul Ulema wird vom 
Volke zerstört; vor dem russischen Consulate sammelt 
sich eine grosse Volksmenge und verlangt stürmisch Brot. 

Indien. Der Nawwab von Dir und die Badschauris 
sammeln grosse Streitkräfte. Der Khan von Paschat 
ruft einen Theil der Badschauris nach Dageh und be- 
ginnt da mit den Truppen des Khans von Nawagai, 
der den Engländern freundlich gesinnt ist, zu kämpfen. 
Da Mad Mullah die Absicht haben soll, den Nawwab 
von Dir anzugreifen, sendet dieser die Hälfte seiner 
Truppen nach Pandschkora. Auch die Waziris machen 
sich wieder bemerkbar, indem sie im Totschithale ein 
Lager von Kulis angreifen und eine Anzahl derselben 
tödten und verwunden. Die Afridis verhalten sich ruhig 
und erwarten die Entschlüsse der Regierung bezüglich 
der Erneuerung der Geldsubventionen. — Die Pest nimmt 
wieder epidemischen Charakter an und bricht auch in 
Südindien aus. Die Todesfälle in der Präsidentschaft 



Bombay hetragen in einer Woche mehr als 2000. Im 
Staate Haiderabad ist die Seuche neuerdings ausge- 
brochen. In der Präsidentschaft Madras kommen einige 
Todesfälle in F'olge von Pest vor, doch breitet sich 
hier die Choleraepidemie immer weiter aus. 

Birma. Es wird der Bau von zwei Flügelbahnen von 
Meiktila nach Myingyan und von Sagaing zum Tschind- 
winflusse beschlossen. 

Siam. Bei der Verfolgung von Chinesen dringt die 
Polizei in Bangkok in ein Gebäude der französischen 
Gesandtschaft ein, wohin jene geflüchtet waren. Der 
Ministerresident lässt mehrere Polizisten einsperren und 
richtet an die siamesische Regierung einen Protest; 
diese entschuldigt sich. 

China. Der Anleihevertrag bezüglich der Eisenbahn 
Peking — Hankau wird trotz des Einspruches des engli- 
schen Vertreters vom Kaiser sanctionirt ; für diese auf 
Grund des Betreibens des russischen und französischen 
Vertreters erfolgte Genehmigung fordert England ge- 
wisse Eisenbahnconcessionen. — Der russische Ge- 
schäftsträger Pawloff wiederholt seinen Protest gegen 
die Niutschwang-Anlcihe mit der Hongkong- und 
Shanghai-Bank. — Ein kaiserliches Dtfcret ordnet die 
Errichtung eines Centralbureaus für die Bergwerks- 
und Eisenbahnverwaltung an, die unter der Leitung 
zweier Cabinetsmitglieder stehen soll. — Der französi- 
sche, italienische und holländische Gesandte verlangen, 
dass die Lehrstühle der neuen Universität, deren Rector 
der Amerikaner Martin ist, unter Angehörige dieser 
drei Nationen vertheilt werden. — In Kirin widersetzt 
sich die Bevölkerung dem zwangsweisen Landankauf 
zu niedrigen Preisen für die russische Bahn; die Be- 
hörden vermögen den Aufstand nicht zu unterdrücken 
und verlangen Verhaltungsmaassregeln. DasTsungliyamen 
beauftragt den chinesischen Commissär, gemeinsam mit 
den russischen Behörden thätig zu sein, um die Zwangs- 
enteignung des Landes für die russische Bahn in der 
Mandschurei durchzuführen. — Trotz der Niedermetzelung 
der Aufständischen in Südchina nehmen die Unruhen 
in Kwangsi wieder ernsten Charakter an. Die Auf- 
ständischen stehen nordwestlich von Canton und beab- 
sichtigen, die Stadt anzugreifen. — In Nabar auf der 
Insel Hainan bricht ein Aufstand aus ; die Missionäre 
und die bekehrten Eingeborenen fliehen. Der ameri- 
kanische Consul in Canton beklagt sich beim Vicekönig 
über das Ausbleiben von Truppensendungen zur Unter- 
drückung des Aufstandes und zum Schutze der ameri- 
kanischen Missionäre. 

Korea. Die koreanische Regierung verweigert einem 
deutschen Hause die Erlaubniss zum Baue einer Eisen- 
bahn Söul — Gensan mit dem Bemerken, dass sie selbst 
Bahnen bauen wolle, und dass daher fortan keine Con- 
cession mehr vergeben werde. — Zwischen der koreani- 
schen Regierung und dem französischen Geschäftsträger 
wird wegen Anstellung eines französischen Beirathes 
für die Postangelegenheiten ein Uebereinkommen ge- 
troffen. — Korea nimmt die Goldwährung an. 

Sumatra. Die Atschinesen setzen den Holländern 
dauernden und kräftigen Widerstand entgegen. Die 
unter Oberstlieutenant Willems stehende Colonne hat 
auf ihrem Marsche, das Pedirthal entlang, von Segli 
über Kemala nach Dschidschieng zahlreiche Gefechte 
zu bestehen. Die Holländer werden auf den Märschen 
und im Lager vom Feinde beschossen, doch lässt sich 
dieser auf kein Gefecht ein. Willems, der sich Tuku 
Umars bemächtigen wollte, tritt unverrichteter Sache 
den Rückzug an. Unter Tuku Umars persönlicher 
Führung vereinigen sich seine Anhänger bei Grong- 
Grong. Es gelingt nicht, Tuku Umars habhaft zu 
werden. Dieser soll nach der Westküste, seiner 
Heimat, entflohen sein, woraus man schliesst, dass er 
seine Rolle in Pedir, im Osten, für beendet ansieht. 

Philippinen. Nach zweistündiger Beschiessung und 
einem Sturme, ergibt sich Manila bedingungslos den 



ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



100 



Amerikanern. Diese fordern die Insurgenten auf, sich 
in ihre ursprünglichen Stellungen zurQckzuzieheo, so 
dass zwischen diesen und der Stadt eine neutrale Zone 
bleibt. Die Aufständischen fahren fort, die spanischen 
Truppen anzugreifen. Aguinaldo soll den Aufständischen 
befohlen haben, die Waffen niederzulegen, was deren 
Führer sofort zu tbun versprachen, wenn sie die 
Gewissheit hätten, dass die Philippinen amerikanische 
oder britische Colonie oder Schutzgebiet würden ; 
andernfalls würden sie einen erneuerten Aufstand er- 
regen, wenn die Amerikaner sich zurückziehen sollten. 
Nach einer späteren Meldung soll Aguinaldo an die 
fremden Mächte eine Prociamation gerichtet haben, 
worin er sie um Anerkennung der Unabhängigkeit der 
Republik der Philippinen ersucht. Die Amerikaner 
schiffen neue Truppen nach den Philippinen ein, 

Afrika. 

Algier. In Algier findet ein Conflict zwischen Juden und 
Antisemiten statt. — Der neue Gouverneur von Algier 
Laferriere richtet eine Kundmachung an die Bevölkerung, 
worin er um die Wiederherstellung der Ordnung ersucht. 

Marekko. Unter der maurischen Bevölkerung herrscht 
grosse Unruhe, weil keine Nachrichten über die Ge- 
sundheit des Sultans ausgegeben werden. Man glaubt, 
dass die Regierung die Nachrichten unterdrückt. Einem 
in Fez verbreiteten Gerüchte zufolge soll der Sultan 
von Marokko gestorben sein. 

Aegyptischer Sudan. Der Khalifa bereitet sich in Om- 
durman zum Kampfe vor ; die Sudanexpediiion rückt 
truppenweise gegen Omdurman vor und die Concen- 
tration der englisch-aegyptischen Armee am Ufer des 
Nils geht rasch von statten. — Die Expedition Mar- 
chand, die das Vorrücken der Engländer am oberen 
Nil unterbinden soll, trifft nicht zur bestimmten Zeit 
im oberen Nilthal ein. 

Französischer Sudan. Samory verlässt sein Haupt- 
quartier südöstlich von Kong und flieht in das Hinter- 
land von Liberia. Die Operationen gegen ihn werden 
nach der Regenzeit aufgenommen werden. — Auf der 
Elfenbeinküste töilten die Eingeborenen bei Burun 
zwei Weisse vom Kanonboote „Diamant", worauf das 
Dorf, dessen Einwohner an der Mordthat betbeiligt 
waren, gänzlich zerstört wird. 

Britisch Westafrika. Bai Bureh hält sich zu Roballang 
im Busche auf. Mr. Alldridge sendet an die Häuptlinge 
des Imperidistricts ein Ultimatum, wodurch sie nach 
Bonthe gerufen werden. Da die Frist abgelaufen ist, 
ohne dass diese erschienen sind, wird zu ihrer Be- 
strafung eine Expedition unternommen. 

Nigerterritorien. Die Ueberlebenden der Expedition 
Cazrmajou, der im Auftrage des Comite de l'Afrique 
fran^aise die Linie Say-Barua auskundschaften sollte 
und von Eingeborenen niedergemetzelt wurde, treffen 
in Say ein. Ein Sokoto-Häuptling soll den Ueberfall 
veranstaltet haben. 

Britisch Ostafrika. Die Ogaden-Somalis, die mit den 
Truppen des Schutzgebietes seit Langem im Kampfe 
lagen und diesen erst jüngst in Kismayu Verluste bei- 
brachten, unterwarfen sich. 

Kamerun. Das Landungscorps des , Habicht" unter- 
nimmt einen erfolgreichen Streifzug gegen die Mpangwes, 
die die Station Kampo unweit Kribi bedrohten. — Der 
Häuptling Ngila, der sich bisher der deutschen Herr- 
schaft nicht fügen wollte, wird durch den Stationschef 
von Yaunde, Dominik, besiegt und bittet um Frieden. 

Zambesia. Der High Commissioner erlässt eine Pro- 
ciamation, dass eine Expedition nach dem Norden des 
Zambesiflusses vorbereitet werde, um von Gebieten in 
den Mascbukalumbe-, Batoka- und anderen Districtcn 
Besitz zu ergreifen, die innerhalb der Sphäre der 
Britisch South Africa Comi>any lägen. 

Südafrikanische Republik. Die Verhandlungen zwischen 
dem High-Commissioner der Capcoloaie und der Re- 



gierung der südafrikanischen Republik in Betreff dei 
Swasikönigs Bunu, nehmen einen befriedigenden Port- 
gang. Bunu, der vor den Landdrott gebracht und ver- 
hört werden will, wird ausgeliefert und nach dem 
Swasiland zurückgebracht. Die Einhebung der Hütten- 
steuer im Swasiland geht befriedigend vor sich ; den 
mittellosen Eingeborenen wird eine Pritt von zwei 
Monaten zugestanden. 

Madagaskar. Der Kreuzer „La Peroute", an deuen 
Bord Gallicni eine Inspectionsreise macht, wird beim 
Fort Dauphin während eines Sturmes an die Küste 
geschleudert und geht vollständig zu Grunde; die ge- 
sammte Mannschaft wird gerettet. Das eigentliche Ge- 
biet der Howas gilt nun als beruhigt. Trotz der 
Wiedereinsetzung der Königin Bibiasso bereiten die 
Sakalawen den Franzosen noch immer Schwierigkeiten. 
Zahlreiche Führer der Sakalawen bieten Gallieni auf 
seiner Reise ihre Unterwerfung an, dagegen verweigern 
die Krieger von Morondava trotz einiger Niederlagen 
die Unterwerfung und setzen den Franzosen beharrlichen 
Widerstand entgegen. 

Australien. 

Hawaii. In Honolulu wird die hawaiische Flagge von 
den öffentlichen Gebäuden entfernt und die amerikanische 
gehisst. 

Samoa. Der König von Samoa, Malietoa Laupepa, 
stirbt. Der deutsche, englische und amerikanische 
Cottsul, der Oberrichter und der Vorsitzende des 
Municipalrathes führen bis zur Wahl des Nachfolgers 
die Regierung. 



MISCELLEN. 
Verlegung der Residenz Chinas. Zur Frage der 

Verlegung der Kaiserresidenz wird von einem Kenner 
chinesischer Verhältnisse geschrieben : ,Es scheint 
richtig zu sein, dass die chinesische Regierung ernst- 
lich mit dem Plan umgeht, den Hof von Peking nach 
Singanfu in der Provinz Schensi zu verlegen. Die Seele 
dieser Bewegung ist die Kaiserin-Witwe. Sie soll all- 
mälig bedeutende Schätze gesammelt haben. Zum Theil 
folgte sie dabei den letztwilligen Bestimmungen ihres 
verstorbenen Gemahls, des Kaisers Hien Fung, tbeil- 
weise aber auch wohl ihrer eigenen Neigung. Denn 
sie hat immer für sehr sparsam gegolten. Mehr als 
einmal behaupteten ostasiatische Zeitungen, Li-Hung- 
Tschang, der stets ein besonderer Günstling der 
Kaiserin-Witwe war, hätte sich die Freundschaft der 
alten Dame in kluger Weise dadurch zu wahren ge- 
wusst, dass er ihr von Zeit zu Zeit das wertbvollste 
Geschmeide verehrte, das in Shanghai zu bekommen 
war. Nun beginnt die Kaiserin-Witwe offenbar besorgt 
zu werden, die Russen könnten eines schönen Tages 
Peking besetzen und alle ihre seit Jahren gesammelten 
Reichtbümer mit Beschlag belegen. Aus diesem Grunde 
wünscht sie den Schatz nach Singanfu zu schaffen. 
Der letzte „North China Herald" enthält eine Bestäti- 
gung der Angabe, dass die ganze Strasse von Peking 
nach Singanfu bereits militärisch bewacht sei. Die 
Truppen werden von General Tung-Fu-Siang be- 
fehligt, dem Bezwinger der letzten muhammedanischen 
Empörung in der Provinz Kansu.** — Ueber die zu- 
künftige Residenzstadt des chinesischen Hofes bemerkt 
das „Daily Chron.": „Die neue Residenzstadt Singanfu 
ist nach Peking die mächtigste Stadt des nördlichen 
China. In der früheren Geschichte des himmlischen 
Reiches, ehe die Mandschus in die Ebenen von Tschüi 
hinabmarschirten, war Singanfu die Hauptstadt Chinas. 
Tausend Jahre blieb es die Hauptstadt. Heutigen Tages 
bildet der Platz eine der wichtigsten Garnisonen in 
den achtzehn Provinzen Chinas. Singanfu zählt e ine 
Million Einwohner.' Starke Mauern bescbüuen die 
Stadt. Von Peking liegt es 600 englische Meilen ent- 



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ÖSTERREICHISCHE MONATSSCHRIFT FÜR DEN ORIENT. 



ferut. Die Stadt liegt am Hauptabfluss des .Hoangbo, 
Wei-ho. Nur vom Nordosten lässt sich die neue Haupt- 
stadt angreifen. Der Hoangho ist völlig unschiffbar, 
trotzdem er 2500 englische Meilen läuft. Die Chinesen 
nennen ihn „Chinas Sorge", weil der Fluss in den 
anliegenden Gegenden Hungersnoth und Pest ver- 
breitet. Im Jahre 1887 sind 1,600.000 Chinesen 
im Hoangho ertrunken. 5,000.000 Leute wurden 
obdachlos. Singanfu liegt am mittleren Strom- 
lauf. Jetzt können die europäischen Mächte nicht so 
leicht mit einem Schlachtschiff der chinesischen Haupt- 
stadt Angst einjagen. Die neue Hauptstadt liegt über 
500 englische Meilen von einem Punkte entfernt, wo 
ein europäisches Schlachtschiff seine Schüsse abfeuern 
kann. Jetzt können die westlichen Nationen ihre Vor- 
stellungen vorbringen. Eine Truppenparade wird keinen 
Eindruck machen." 

Die Nachricht, dass die chinesische Regierung die 
Verlegung der Hauptstadt des Reiches von Peking 
nach Singanfu in Shcnsi beabsichtige und dass zur 
Sicherung der Reise des Kaisers nach der neuen 
Hauptstadt die Truppen des Generals Tungfuching 
oder -hsiang an der von Peking nach Singanfu 
fühlenden Strasse aufgestellt seien, ist auf einen bereits 
am 2. Mai von dem in Shanghai erscheinenden „North 
China Herald" veröffentlichten Leitartikel „Die Zukunft 
Chinas" zurückzuführen, in welchem bei Gelegenheit der 
Besprechung eines im Spectator veröffentlichten Auf- 
satzes jene Angabe gemacht wird. Der Spectator hatte 
für die Zukunft Chinas drei Möglichkeiten in Aussicht 
genommen : die vollständige Aufsaugung Chinas durch 
Russland, die Verlegung der Hauptstadt von Peking 
nach Singanfu mit der Errichtung einer kräftigen, 
allerdings nur die Mitte und den Süden Chinas um- 
fassenden Reicbsgewalt, und drittens die thatsächliche 
Unabhängigkeit der jetzigen Generalgouverneure unter 
einem Schattenkaiser in Singanfu. Zu der zweiten 
dieser Möglichkeiten bemerkt der „North China Herald", 
dass ein Gerücht im Umlauf wäre, nach dem die 
Kaiserin Ex-Regentin auf Grund des Testamentes ihres 
verstorbenen Gemahls, des Kaisers Hienfcng, einen 
grossen Goldschatz in Peking angesammelt habe, der 
tbatsächlich den Grund für die von ihr noch immer 
ausgeübte Macht bilde. Seit einiger Zeit hat sich die 
Besorgniss, dass die Russen Peking nehmen und sich 
in den Besitz ihres Schatzes setzen könnten, ihrer be- 
mächtigt, und sie beabsichtige, denselben nach Sin- 
ganfu überzuführen. Nach sicheren Nachrichten solle 
die Strasse von Peking über Puotingsu nach Singanfu 
in Abständen von etwa 30 km durch Abtheilungen der 
Truppen des Generals Tungfuhsiang bewacht sein. 
Wahr ist an der Sache unzweifelhaft, dass die Kaiserin 
Ex-Regentin seit längerer Z^it bedeutende Ankäufe von 
Gold macht und dass seit dem chinesisch-japanischen 
Krieg von englischer und chinesischer Seite auf die 
Verlegung der Hauptstadt von Peking nach einer weiter 
im Innern gelegenen Stadt hingewirkt wird. Der Be- 
weis dafür, dass die Kaiserin Ex-Regentin grössere 
Ankäufe von Gold mache, wird darin gefunden, dass 
nach den Ausweisen der Hongkong- und Shanghai-Bank 
in der That ein Thcil des nach Peking eingeführten 
Goldes nicht wiedrr ausgeführt wird, sondern angeblich 
im kaiserlichen Pa'ast verschwindet. Früher wurde an- 
genommen, dass dieses Gold nach Mukden, der alten 
Hauptstadt der mandschurischen Dynastie, geschickt 
werde, um dort im Falle der Vertreibung der Dynastie 
aus China einen Nothgroscht-n für dieselbe zu bilden, 
wie Louis Philippe sein Vermögen vor sichtigerweise 
in der Bank von England niedergelegt hatte. Das 
Vorhandensein dieses Schatzes in Mukden wurde sogar 
als der Grund angesehen, warum der ersten japani- 
schen Armee in dem Kriege von 1894 dieser Platz 
als Ziel angewiesen worden war. Jetzt, wo die 
Mandschurei thatsächlich zum Interessenkreise Russ- 



lands gehört und bald in dessen Macbtkreis fallen 
wird, würde es erklärlich sein, dass die Kaiserin Ex- 
Regentin ihren Schatz sicherer unterzubringen 
wünschte, als er in Mukden oder selbst in Peking 
sein möchte, nur liegt Singanfu nicht besonders 
günstig für diesen Zweck. Es ist ein offenes Ge- 
heimniss, dass Russland Nordchina, d. h. den auf 
dem linken Ufer des Hoangho gelegenen Theil des 
Reiches, als sein Interessengebiet betrachtet, und nun 
liegt Singanfu, wenn auch auf dem rechten Ufer des 
Stromes, so doch fast unmittelbar dort, wo derselbe, 
von Norden kommend, in scharfem Winkel sich nach 
Westen wendet, so dass, wenn der chinesische Hof in 
Singanfu auch gegen die im Golf von Petschili ge- 
landete Expedition einer fremden Macht ganz sicher 
sein dürfte, er doch keineswegs gegen russischen Ein- 
fluss und Gelüste dort geschützt wäre. Die Engländer 
haben, seitdem der Krieg gegen Japan einen für China 
ungünstigen Ausgang zu nehmen drohte, nicht aufge- 
hört, für eine Verlegung der Reichshauptstadt wo- 
möglich ins Yangtsethal zu wirken. Der damalige eng- 
lische Gesandte, jetzige Botschafter in Constantinopel, 
Sir Nicholas O'Conor, hat in den Jahren 1894 und 
1895 sein Bestes gethan, um die chinesische Regierung 
zu einem solchen Schritte zu bewegen, und ähnliche 
Bemühungen haben seither nicht aufgehört. 1895 hoffte 
man in London, dass Japan sich in einem solchen 
Falle Nordchinas bemächtigen und einen wirksamen 
Pufferstaat zwischen Russland und den englischen 
Interessen im Yangtsethale bilden würde, jetzt ist man 
bereit, sich in das Unvermeidliche zu fügen und Russ- 
land als die Vormacht nördlich von Hoangho anzuer- 
kennen, aber man hält an dem Wunsch und der Hoff- 
nung fest, dass eine Verlegung der Reichshauptstadt 
an den Yangtse oder in dessen Nähe den Traum einer 
englischen Oberhoheit über ein mittelchinesisches 
Kaiserthum zu verwirklichen geeignet sein würde. 
Auch chinesische Kreise, namentlich die, welche man 
als Jung-China bezeichnen könnte, haben die Verlegung 
des Sitzes der Regierung, um diese fremden Bedrohungen 
und Einflüssen zu entziehen, wiederholt, zuerst vor der 
Vollziehung des Vertrages von Shimonoseki, in Anre- 
gung gebracht, und es ist durchaus nicht unmöglich, 
dass auch einzelne der Heisssporne der alten conser- 
vativen Partei, selbst Tschangtschihtung, diesen Ge- 
danken zu dem ihrigen gemacht haben können. Allen 
solchen Plänen steht aber die Macht der Thatsachcn 
hindernd im Wege. Abgesehen von politischen äusseren 
und inneren Schwierigkeiten, welche der Versuch der 
Ausführung eines solchen Planes unzweifelhaft hervor- 
rufen würde, fehlt es an Geld für den Umzug und die 
damit in Verbindung stehende neue Einrichtung an dem 
Platze, der Peking zu ersetzen bestimmt wäre. Der 
kaiserliche Hofstaat umfasst mindestens 7000 — 8000 
Personen, und die Zahl der Beamten der Centralver- 
waliung, die doch ebenfalls mit verlegt werden müsste, 
dürfte mit Allem, was darum und daran hängt, nicht 
viel weniger betragen. Singanfu war übrigens im 
III. Jahrhundert v. Chr. die Hauptstadt Shihwangtis, 
des Gründers der Tsin-Dynastie ; im VII. Jahrhundert 
n. Chr. war es einer der bedeutendsten Handelsplätze 
Chinas und unter der Mongolen-Dynastie im XII. und 
XIII. Jahrhundert der Sitz eines Prinzen des kaiser- 
lichen Hauses, aber seit der Zeit dürften seine Paläste 
zu Ruinen geworden sein, obgleich die Stadt bei dem 
mohammedanischen Aufstande in den Fünfzigerjahren 
dieses Jahrhunderts trotz zweijähriger Belagerung von 
den Aufständischen nicht eingenommen wurde. Ebenso 
verhält es sich mit Nanking und allen anderen Plätzen, 
die etwa in Frage kommen dürften. la Anbetracht der 
sich aus diesen Umständen ergebenden fiaanziellen 
Schwierigkeiten wird man wohl thun, bis auf Weiteres 
allen Gerüchten von der Verlegung der Hauptstadt 
skeptisch gegenüberzustehen. 



Verantwortlicber Kedacteur: JULIUS BÖHM. 



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XXIV. jAHROANo. WIEN, SEPTEMBER 1898. N». 9 Builao*. 

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Herausgeber und Chefredacteur : KISAK TAMAI aus JAPAN. 
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höhter Ladenpreis ein. — Einzelne Lieferungen o