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Full text of "Oesterreichische botanische Zeitschrift"

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Oestwroicliisclii 




Botanische Zeitschrift. 



(Oesterr. l»otaiii$»clies ^Wochenblatt.) 



Gemeinnütziges Organ 

für 

Bolaiiik und Bolaiiiker, Gärtner, Oekoiiomen, Forsimänner, Aerzle, 
Apolheker und Techniker. 



Kedigirt und herausgegeben 



Dr. Alex. Skofitz. 



1875. 




WIEN. 
Verlag von C. Gerold. 



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Oesterr Boian. ZeitscTirift.XXY Jahrcj. 




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Oesterreichische 

BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. 

Gemeinnütziges Organ 

für 

Botanik uud Botaniker, Gärtner, Oekonomen, Forstmänner, Aerzte^ 
Apotheker und Techniker. 

Mit 



Andüiler, Aiitoiiie, Ailzl. Bork, Bohalsch, Hoibas, Burgerstciii, Caiibj, Celakovskj, Dedefek, 
Dichtl, Pocke, Fieyii, Gieiiiblich, GuKeiiberg, Hauck,HaHsskiiechf, Hibsch, llolubjr, Huter, Jaiika, 
Keller, A. Reriier, J. Kerner, Knaf, Marchesetti, Neugebauer, Niessl, Oborny, Fächer, 
Plosel, Rehinanii, Reichardt, lleicheiibach, Richter, Schiedermayr, Schulzer, Sinikovics, 
Staub, Thüiueii, üechtritz, Val de Lievre, Vatke, Vräbelyi, Vukotinovic, Wavvra, Wiesbaur, 
Wiesiier, Willkomm, Winkler. 

Redigirt L.*1?*«tV 

D^ Alexander Skofitz. -^^^'^ 



XXV. Jahrgang^. 

(TVIit 1 LithograiiUie und. 4 HolzsoUiiitt-Abbildungeix.) 



Wien 1H7S. 

Verlae- von O. Oerold. 






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OcstciTcichiscIic 

Botanische Zeitsclirift 

Gemeinnützig'es Organ 

für 
uie niiterretciii<iciie Exemplare 

botnnlHclie ZrltschrKt Rrtf'llllL- llllfl Rnf <) III 1/ Al> die frei lurcl, Jic l'03t he- 

den Ersten jeden Monats. bl<><t bei <lei' Hr<laktloii 

"^°ST«U«-"'" Giirlner, OekoiioiiieD, Forsliiiäiiner, Aerzle/''- z^inulaZn^e;? '^ 

(iü R. Mark;') Im Wege des 

eanzj äh rie, oder mit Anrtllicl'pr llllil Tpcllllilpp BucUhandels übernimmt 

i H. ö. y\ . ,S R. Mark.) .'ipUlIHMI UlUl leiUlllKU. l'räuum er at i on 

halbjährig. C. ficrold'ü Sobn 

Inserate in Wien, 

dio ganze Petitzeile Pj ? I *" ^^''^ ^"® übrigen 

15 kr. ösl. W. Xl - Ai Buchliandlungcu. 



XXV. Jahrgang. VOM. Jäuiier 1815. 

INHALT: Gallerle österr. Botaniker. — Aus dem pQauzenphysinl. Institute. Von Dr. Wiesner. — 
Planlae ah Hildebian.it collectae. Von Vatke. — Yegetations-Yerhältnisse. Von Dr. Kern er. — Ans 
den uijrdlirhen Kalkalpen. Von Grera blich. — lieber Marrub. remotum und ilierac. sahaudum. 
Von AViesbaur. — L'eber Eucalyplus-Anpflanzungen. Von Dr. Wa-wra. — Reiseerinnerungen. Von 
Wink 1er. — Literaturberichl. Von W. — Correspondenz. Von Vrabelyi, Freyn, Pittoni, Dr. 
Reh mann. — Personalnolizen. — Vereine, Anstalten, üulernelimungen. — Literarisches. — Botanischer 
Tauschverein. — Inserate. 

Gallerie österreichischer Botaniker. L5»??Arv 
XIX. «^^^ ''^'^- 

Alexander Skofitz. hai^iwrn 

(Mit einem lithographirten Porträt.) 

Alexander Skofit/ wurde am 21. Jiinner 1822 zu Rzeszow in 
Galizicn, wo sein Valer, von Geburt ein Kraiiier, als k. k. Rcciinungs- 
ralli l'un^irte, geboren. Zwei Jahre alt zog er mit seinen Eltern nach 
Brunn und mit vier Jahren nach Laibach , woselbst er auch später 
seine Gymnasialstudien vollendete. 

Noch ein Iviud hatte er manchmal Gelegenheit den Laibaclier botani- 
schen Garten zu besuchen, in welchem unter der Direktion des damals 
schon in Jahren weil vorgerückten Hladnik, von dem botanischen Gärtner 
Fleischmann, die so reiche Flora Krain's kultivirt wurde. Die grosse 
Anzahl von mannigfaltigen Pflanzen, welche hier nach Art(Mi gereiht 
in langen, geradlinigen Beeten standen , Hessen bei S. einen tiefen 
Eindruck zurück und veranlassten ihn bei etwaigen Spaziergängen in der 
nächsten Umgebung Laibachs seine Aufmerksamkeit der Vegetation 
zuzuwenden, um nach Blülhen zu suchen, die ihm im botanischen Garten 
aufgefallen waren. So kam es, dass S. schon mit zwölf Jahren den 

OCäterr. botan. Zeitschrift. 1. Heft. 1875. 1 



Kustos am Museum in Laibach , Heinrich Freyer, auf seinen kleine- 
ren botanischen Exkursionen begleiten durfte, und dabei viele Stand- 
orte interessanter Pflanzen kennen lernte. Wenige Jahre spater durch- 
streifte S. in den Ferienmonaten ganz allein die Alpen Oberkrains. 

Zu jener Zeit hielt Hladnik am Lyceum öffentliche botanische 
Vorträge , welche aber Studirendo erst von der 5. Gymnasialklasse 
aufwärts besuchen durften. Als S. diesen Zeitpunkt erreichte, halte 
sich Hladnik bereits vom ölTenllichcn Leben zurückgezogen und Dr. 
Biatzovssky , Professor der chirurgischen Vorbereitungsstudien die 
Leitung des botanischen Gartens und die botanischen Vorlesungen 
übernommen. Letztere besuchte nun S. mit vielem Interesse, obwohl 
sie nur in der Durcharbeitung der Terminologie von BischofT und in 
einigen Uebungen im Bestimmen der Pflanzen bestanden. 

Als S. die Gymnasialstudiun vollendet hatte, trat die bedeutungs- 
volle Frage nach der künftigen Lebensrichtung an ihn heran. Es 
musste eine solche gewählt werden, die mit seiner Neigung zur Na- 
turwissenschaft nicht collidiren durfte, schon darum nicht, als damals 
naturwissenschaftliche Bestrebungen in den meisten massgebenden 
Kreisen missliebig aufgenommen wurden. Medizin studirte bereits in 
Wien ein älterer Bruder, auch hätten pekuniäre Verhältnisse den Be- 
such der fernen Universität nicht gestattet; der chirurgische Kurs in 
Laibach stand seiner bunt zusammengewürfelten Hörer wegen in einem 
üblen Rufe, also fiel die Wahl auf die Pharmazie. Sofort trat er 
auch im J. 1839 auf die Dauer von vier Jahren als Tiro in eine Apo- 
theke in Laibach ein, benutzte aber auch da die wenigen ihm frei- 
gebliebenen Stunden zu botanischen Ausflügen. Kaum hatte er aber 
das Tirocinalexamen abgelegt, so machte er auch schon eine botani- 
sche Fussreise durch Oberkrain, Kärnthen, das Salzkammergut und 
Oberösterreich , wobei von ihm viele Alpen und zwar stets ohne 
Führer erstiegen wurden. 

Um den pharmazeutischen Kurs an einer Universität frequen- 
tiren zu können , musste sich der Kandidat mit einer vierjährigen 
Kondilionszeit nach abgelegtem Tirocinalexamen ausweisen. S. erhielt 
von der Regierung die Bewilligung schon nach zwei Jahren die Uni- 
versität beziehen zu dürfen. Diese zwei Jahre brachte er als Assistent 
in Apotheken in Pottendorf nächst dem Leithagebirge in Niederöster- 
reich, in Znaim in Mähren und in Pettau in Untersteiermark zu, wo- 
durch ilim Gelegenheit geboten war, drei ihm gänzlich neue Floren- 
gebiete kennen zu lernen. 

Im J. 1845 begann S. seine pharmazeutischen Studien an der 
Universität Wien, wo der grosse Endlicher als Professor und Dr. Bill 
als dessen Assistent Botanik tradirten. Im Jahre 1847 legte er das 
Rigorosum als Magister der Pharmazie ab. 

Noch während seiner pharinazeulischen Lf^hrjahre nahm S. an 
der botanischen Tauschanstalt von Opiz in Prag, dem ersten derarti- 
gen Institute Tlieil. In Folge dessen lernte er den Werth eines der- 
artigen Institutes für den Botaniker kennen, und schon damals wurde 
der Gedanke in ihm wacli, nach der Weise der Prager Anstalt, wenn 



3 

auch in zeitgemässerer Forin, eine solche einstens in Wien zu l)c- 
gründen. Diesem Gedanken trug er sofort in so ferne Rechnung, als 
er bestrebt war inzwischen einen Fond von Doublelten seltenerer 
Arten aufzubringen. Im Herbste 1845 nach AVien gekommen, ver- 
wirklichte er auch sogleich seinen Vorsatz und gründete unter dem 
Namen „Botanischer Tauschverein, " oder, wie es damals die Polizei 
wollte, „Botanischer Tauschverkehr, " jene Anstalt, die bis nun, also 
bereits durch beinahe 30 Jahre, ihrer Aufgabe: Vermittlung eines 
gegenseitigen Austausches von getrockneten Pflanzen, gerecht zu wer- 
den sich bestrebt. 

Die Anstalt erfreute sich bald einer lebhaften Theilnahme, die 
Anzahl der Theilnehmer, darunter viele der bekanntesten Namen, stieg 
von Jahr zu Jahr und erreicht jetzt die Summe von 499 Botanikern, 
von denen freilich so manche im Laufe der Jahre gestorben sind, 
oder die Botanik aufgegeben haben. Im Durchschnitte gelangen jahr- 
lich 20.000 bis 30.000 Exemplare zur Vertheilung, die alle durch die 
Hand des S. gehen. Wahrend der ersten Jahre des Bestehens der Anstalt 
sammelte S. für dieselbe die selteneren Arten der Flora von Wien 
in zahlreichen Exemplaren und machte im Interesse derselben auch 
kleine botanische Reisen. So im J. 18-16 gemeinschaftlich mit P. Bili- 
mek eine solche durch Unterkrain nach dem Litorale , im J. 1849 
eine zweite in die südliche Steiermark und im J. 1830 eine weitere durch 
Innerkrain und das Gebiet von Gorz nach Oberitalien. Spater als sich 
seine botanischen Arbeiten meiirten, musste er das zeitraubende Sam- 
meln und Präpariren von Pflanzen aufgeben. Inzwischen entstanden 
an verschiedenen Orten neue botanische Tauschanstalten, auch in Wien 
eine unter der Leitung des Baron Leithner, welche im J. 1857 jener 
von S. einverleibt wurde. 

Im J. 1850 enlschloss sich S. ein botanisches Journal unter dem 
Titel „Oesterreichisches botanisches Wochenblatt" herauszugeben. 
Die erste Nummer erschien am 2. J.inner 1851. Nach sieben Jahren 
wurde das Journal in so ferne geändert, als es siatt in wöchentlichen 
Bogen , in monatlichen Heften , unter dem Titel „Oesterreichische 
botanische Zeitschrift" ausgegeben wurde, immer aber erschien es 
seit seinem Anfange regelmässig , was manchmal mit erheblichen 
Schwierigkeiten verbunden war. So während einer mehrmonatlichen 
Krankheit von S. im J. 1855; während der Kriegsepochen in den Jah- 
ren 1859, 1864, 1866 und 1870—1871, wo das wissenschaftliche 
Interesse theilweise stagnirte und die Verkehrsmittel Störungen un- 
terworfen waren; und endlich während des Setzer- und Drucker- 
slriks im Jahre 1870. Im Jahre 1871 wurde die Zeitschrift von dem 
k. k. österreichischen und von dem k. ungarischen Ministerium für 
Kultus und Unterricht den Mittelschulen empfohlen. Sie brachte wäh- 
rend ihres bisherigen 24jährigen Bestandes Originalbeiträge von mehr 
als 300 Autoren und Korrespondenzmitlheilungen von mehr als 250 
Orten. Seit dem J. 1859 bringt sie jährlich wenigstens Ein lithogra- 
phirles Porträt eines österreichischen Botanikers nebst dessen biogra- 
phischer Skizze. S. konnte es sich nicht versagen dem diesjährigen 

1^^ 



25. Jahrgange seines Journals sein eigenes Porträt beizugeben, nach- 
dem er (Hess schon seit Jahren vielen seiner botanischen Freunde, 
wenn sie ihn hiezu aufforderten, versprochen halte. 

S. wurde im J. 1854 an der Universität Güttingen zum Doctor 
pliilosopliiae promovirt. Im J. 1855 wurde er von der kais. Leopol. 
Carol. Akadeuiie der Naturforscher mit dem Beinamen Hoppe unter 
die Zahl ihrer Mitglieder aufgenouimen. Das freie deutsche Hochstift 
in Frankfurt am Main ernannte ihn im J. 1864 zu seinem Mitgliedo 
und im J. 1873 zum Ehrenmitgliedo und Meister. Zum korrespondirenden 
Mitgliede ernannten ihn: im J. 1867 die k. k. Geologische Reichs- 
anstalt in Wien, im J. 1848 die k. Botanische Gesellschaft zu Regens- 
burg, im J. 1850 die Gesellschaft für Botanik und Gartenbau zu 
Dresden, im J. 1853 die Naturhislorische Gesellschaft zu Nürnberg, 
im J. 1853 der Verein für Naturkunde im Herzogth. Nassau zu 
Wiesbaden, im J. 1858 der Siebenbürgische Verein für Naturwissen- 
schaften zu Hermannstadt, im J. 1861 (Ue Societe nationale des scien- 
ces naturelles de Ciierbourg, im J. 1867 die Wetterauische Gesell- 
schaft für die gesammte Naturkunde zu Hanau, im J. 1870 der Verein 
der Naturfreunde zu Reichenberg, im J. 1861 die k. k. Gartenbau- 
gesellschaft in Wien, im J. 1847 die Gartenbaugesellschaft in Bayern 
zu Frauendorf, im J. 1852 der Tischnowitzer Land- und forstwirth- 
schaftliche Bezirksverein. 

Zur Erinnerung an S. benannten Dr. Hasskarl und Dr. Kanitz 
eine Commelinaceen-Gattung Skoßtzia (Oest. botan. Zeitschr. 1872, 
S. 147) und Dr. Kerner eine Mentlienliybride Mentha Skoßtziana 
(Oesterr. botan. Zeitschr. 1863, S. 385). 

S., der den grOssten Theil seines Lebens botanisch thätig war, 
hatte auch vielfache Gelegenheit, die botanischen Zustände der letzten 
Dezennien kennen zu lernen und mit den verschiedenen Trägern der 
Wissensciiaft in personliche Beziehung zu treten, so dass seine Er- 
lebnisse, Erfaln'ungen und Wahrnehmungen nicht ohne allgemeineres 
Interesse sein dürften. Vielleicht, wenn ihm Müsse und Lust dazu 
gegeben sein sollte, wird er Erinnerungen aus seinem Leben ver- 
ölfentlichen. 

Kleinere Arbeiten des pflanzenphysiologischen Institutes 

der Wiener Universität. 

III. 

Veber das Yorkoinmeu von Haaren in den Intercellulargängen des Meso- 
phylls von Philodendron pej'tusutu. 
Von Prof. Wiesner. 

Das Vorkommen von Zellen im Parcnchym, welche morpholo- 
gisch den Haaren der Epidermis gleichwertliig sind, ist hinlänglich 
bekannt. Lange weiss man, dass in den Blallsticlen der Nympliaea- 
und Ntiphar-Ar\cn sich dickwandige, slend'ormigo Haare voriinden. 



die zwischen parencliymalisclieii Zellen lieg-en und in die das Grund- 
gowebo dieser Stiele (Iur("lis(Mzenden hifirüiirenden InterccIIularriiuino 
iiiiieinragen. Audi in (Um Luniiiela'n des Mesophylls der Hlaltspreite 
kommen bei den genannten (lattuuiren ähnliche Ilaare vor'), ferner 
in den Bliitlern der Eurijale-"^) und der Ilackca-Avlcn ^). 

Auf einige andere, bis jetzt nur unvollständig bekannte, an- 
scheinend inorpliologisch gleiohwerthige Bildungen in parencliymati- 
schen Geweben will ich hier nicht eingehen, sondern auf ein — so 
viel mir bekannt — neu(>s und höchst eigentliiimliches Vorkommen 
von haarf()rmigen Zellen im Grundgewebe des Blattes von Pkiloden- 
dnm periusum Kth. (Tornelia fragrans), einer als Blatt})flanze be- 
liebten Aroidee, die Aufmerksamkeit lenken. 

Am leichtesten findet man diese unten genauer beschriebenen 
Haare im Blattstiele der genannten Pflanze, und zwar in Längsschnitten 
auf; sie liegen hier in grosser Zahl zwischen den Parenchymzellen 
des Grundgewebes, in der Regel einzeln in den von ihnen zum 
grössten Theile erfidlten luftführenden Intcrcellulargängen. Aber auch 
in Onerschnilten, die durch den Blattstiel geführt wurden, sind sie 
unschwer nachzuweisen. In sehr gelungenen Ouerschnillen erscheinen 
diese Haare im Ansehen dickwandigen, querdurchschnittenen Basfzellen 
vergleichbar; in minder gut gelungenen ragen sie als lange, faser- 
förmige Gebilde aus den durchschnittenen Intercellularräumen hervor. 

Auch im Mesophyll der Blattspreite lässt sich die Anwesenheit 
der Haare conslatiren. In der Region der Miltelrippe treten sie nicht 
nur zwischen den parenchymatischen Elementen, sondern auch zwi- 
schen den Zellen des an die Oberhaut der unteren Blatfseite angren- 
zenden CoUenchyms auf. 

Die Haare erreichen nicht selten eine Länge von einem, hin 
und wieder sogar von l'G™"". Die Basis der Haare liegt zwischen 
parencliymatischen, beziehungsweise collenchymatischen Zellen, und ist 
senkrecht zum Verlaufe jenes Intercellularraumes gestellt, in welchen 
dieselben hineinragen. In der Region der Blattrippen, in welcher die 
Intercellularräume der Richtung der Gefässbündel folgen, verbreiten 
sich die von dem stets kurzen Basalstück an senkrecht ablaufenden 
Zweige des Haares nach zwei entgegengesetzten Seiten hin. Indess 
kommt es auch hier vor, dass die Verzweigung des stets einzelligen 
Haares eine komplizirtere ist, indem Auszweigungen in benachbarte 
Intercellulargänge eindringen, wodurch manchmal h- oder H-formige 
Gestalten zum Vorschein kommen. Die Verzweigung der Grundge- 
webshaare in mehrere Intercellularräume hinein kommt bekanntlich 
auch bei den Nymphaeaceen vor. Die im gcfässbündelfreien Theile 
des Mesophylls liegenden Haare folgen der räundichen Ausdehnung 
der daselbst gebildeten Intercellularräume, und verzweigen sich dem- 
gemäss in der verschiedensten Weise. Die hier auftretenden Haare 



■i\ 



Meyen. Neues System der Pflnnzenphysiologie. I. p. 312. 
Schieiden, Grundzüge. 4. Aufl., p. 397. 
Meyen. 1. c. p. 313. 



n 

sind kürzer als die in der Nähe der Gefiissbündel gelegenen und 
gewöhnlich viel reichlicher verästelt. 

Der grössfe Durchmesser der Haare beträgt zumeist etwa 0*005 — 
0-007 "'■^, das Basalstück der Haare ist häufig breiter (bis 0-012 """^ 
im Durchmesser haltend) als jede der aus demselben hervortretenden 
Auszweigungen, seltener habe ich den umgekehrten Fall beobaciitet. 
Das Basalstück ist relativ schwach, die Auszweigungen sehr stark 
verdickt, oft so stark, dass das Lumen der Zelle nur als Linie er- 
scheint. An jedem Haare lässt sich jene eigenthümliche Ausbildung 
der Verdickungsmasse konstatiren, welche ich an der Bastfaser von 
Corcliorus capsularis L. und C. olitorius L. (Jute) und an zahlrei- 
chen anderen Bastzellen auffand^), und die ich als „ungleichmässige 
Verdickung" bezeichnete. Es besteht dieselbe darin, dass der äussere 
Contour der Zelle dem inneren zumeist nicht parallel läuft, indem 
die Zellenwand an einzelnen Stellen stärker als an anderen ver- 
dickt ist. 

In Bezug auf die Form der Auszweigungen ist noch zu be- 
merken, dass selbe bei jenen Haaren, welche in den langgezogenen, 
in der Nähe der Gefässbündel gelegenen Intercellularräumen sich 
befinden, eine zumeist ziemlich regelmässig kegelförmige ist, dass 
hingegen die im gefissbündelfreien Mesophyll befindliclien Haaräste 
eine starke Neigung zu seitlichen Auszweigungen zeigen, wodurch 
entweder neue Zweige des Haares, oder bloss höckerformige Erhaben- 
heiten im Umfange des letzteren entstehen. 

Der Form der Verdickungsmasse wurde schon gedacht. Von 
anderen Strukturverhältnissen seien noch die folgenden hervorge- 
hoben. Auf Ouerschnitten erscheint, nach Einwirkung von verdünnter 
Chromsäure, die Wand des Haares undeutli('h geschichtet. Gequetschte 
Haare lassen, wenigstens stellenweise, spiralige Sireifung erkennen. 
Weder eine geformte Cuticula, noch Poren, Tüpfel u. dgl. konnten 
in der Zellmembran beobachtet werden. 

Im Inhalte der Zellen erscheint häufig eine bräunliche, nicht 
näher untersuchte Substanz, die namentlich im Basalstücke der Haare 
reichlich vertreten ist. 

Die Zellwand wird direkt weder durch Jod und Schwefelsäure 
gebläut, noch durch Kupferoxydammoniak aufgelöst. Diese Reaktionen 
der Cellulose lassen sich erst nach Vorbehandlung der Haare mit 
Chromsäure und kaustischem Kali hervorrufen. Verholzt sind die Haare 
nicht, wie die Prüfung mit schwefelsaurem Anilin lehrt, eher könnte 
man annehmen, dass ihre Wände partiell in Korksubstanz verwan- 
delt sind 2). 

Die Enlwi(;klungsgeschichte dieser Haare lehrt, dass sie glei- 
cher Abstammung sind wie jene Parenchym-, resp. Collenchymzellen, 
zwischen denen sie auftreten, und dass sehr frühzeiliu jene Bildungs- 
abweichungen eintreten, durch die sie sich so aulfallig von den 



*) Silzungsber. der k. Ak;id. d. Wissonsch., Bd. 62. 1870, Juliheft. 
*) Vergl. Haberlandt, Gest. bot. Zcitschr. 1874. Nr. 8. 



benacliharten Zellen des Grundgewebes, dem sie ang-ehüren, unter- 
scheiden. 

IV. 

Ueber eine bestimmte Orientiruiig der Rrjstalle von oxalsiiorem Ralk 
im Mesophyll der Blattstiele von Poutederia crassipes. 

Von Demselben. 

Sowolil die Blallstielo der Luft- als die der Schwiminldättcr des 
genannten Gewailiscs sind bekaiiiitlicli von kil'tliihrenden lnt(!rcellular- 
rauincn durclizogen. Das Volum dieser LufllUcken ist hei den Schvvimm- 
blatlern selbstverständlich ein viel grosseres als bei den Lurtblattern; 
denn nur auf diesem Unterschied in der Entwicklung der Inlerccl- 
lularräume beruht das relativ geringere spez. Gewicht der in Wasser 
nur wenig eintauchenden Blattstiele der Schwimm- und das relativ 
grössere spezifische Gewicht der Blattstiele der Lui'tblätter. 

Die Intercellularräume der Luftblatter sind im Allgemeinen so 
gebaut wie die der Schwimmblalter. Seitlich sind sie von relativ 
grossen, dicht aneinander schliessenden, oben und unten von viel 
Kleineren, dreieckige Intercellnlargange zwischen sich aufnehmenden 
Parenchymzellen begrenzt. 

Sowohl in den grossen als in den kleinen Zellen, welche die 
Luftlücken begrenzen, finden sich Krystalle vor, die nach Form, Los- 
lichkeit und nach dem chemischen Verhalten zu schliessen, aus oxal- 
saurem Kalk bestehen. Nicht nur im Mesophyll der Luftblätter, son- 
dern auch in dem der Schwimmblalter, und zwar vorzugsweise in 
den Blattstielen tritt kryslallisirter oxalsaurer Kalk auf; in den Luft- 
blättern reichlicher als in den Schwimmblattern, wie denn überhaupt 
der Gehalt an mineralischen Substanzen in ersteren ein grösserer als 
in letzteren ist. 

Man muss in dem genannten Gewebe zwei Arten von Krystallen 
unterscheiden, die substantiell wohl völlig identisch sind, sich aber 
gestalllich leicht auseinander halten lassen. Die einen bilden bündel- 
weise gruppirle zarte Nadeln — die bekannte Raphidenform — die 
anderen sind relativ dicke, lange, domatisch abgegrenzte Prismen, 
treten in den sie beherbergenden Zellen meist einzeln, seltener paar- 
weise auf, und scheinen die Zellen, denen sie angehören, nach zwei 
Seiten zu durchbrechen und frei in zwei benachbarte Intercellular- 
räume hineinzuragen. Meyen') hat schon derartige Krystalle in Blat- 
tern von Aloen und Agaven nachgewiesen und gezeigt, dass selbe 
die Zellwande nicht oder nur selten und dann sehr spat durch- 
brechen und gewohnlich von der 3Iembran der betrelTcnden Zelle 
umschlossen sind, welche erstere die scheinbar frei in die Intercel- 
lularräume hineinragenden Theile der Krystalle als überaus zartes 
Häutchen bedeckt. 



^ Meyen, N. Syst. der I^flanzenphys. 1. p. 221. Vt;!. auch Sclileiden, 
Grundzüge. p. 397. 



8 

Die Raphiden liegen in dünnwandigen Zellen, welche papillös 
in die Intercellularräuine hineinragen. Diese Zellen sind offenbar Tur- 
pin's „biforines". Die im kleinzelligen, die Luftliieken nach oben und 
unten begrenzenden Gewebe liegenden, die Raphiden umschliessenden 
Parenchymzellcn zeiclinen sich vor den Nachbarzellen durch Grösse 
aus^). Bei ihrem Auftreten sind die Raphiden nicht sogleich direkt 
wahrnelunhar, da sie in eine organische Substanz eingetreten sind, 
■welche mit den Krystallen im Lichtbrechungsvermügen so genau über- 
einstimmt, dass keine optische DilTerenzirung dieser beiden Substan- 
zen stattfinden kann. Im polarisirten Lichte werden die Krystalle aber 
sofort gesehen, da die genannte organische Grundsubstanz isotrop ist, 
wahrend die Krystalle doppelte Liclitbrechung zeigen, lieber die Na- 
tur der organischen Substanz, welcher die Krystalle anfanglich ein- 
gelagert sind, kann ich bloss aussagen, dass sie durch Schwefelsäure 
oder Salpetersäure eine goldgelbe bis braune Farbe annimmt, durch 
einfaches Kochen in Wasser sich roihbraun färbt, in Wasser leicht, 
in Weingeist unlöslich oder doch schwer löslich ist. 

Die grossen Prismen von oxalsaurem Kalk liegen in Paren- 
cliymzellen, welch sichtlich dickwandiger als die benachbarten kry- 
stallfreien Zellen sind. Während des Wachsthums der Krystalle wächst 
die Zellvvand mit. und es erfolgt eine Ausstülpung derselben nach 
dem Innern zweier benachbarter Inlercellular räume hin. Bei sehr ra- 
pidem Wachslhume der Krystalle hält die Flächenvergrösserung der 
Zellwand der Oberflächenzunahme der Krystalle nicht mehr Schritt, 
und es erfolfft ein Einreissen der Zellwand. In diesem Falle ragt nun 
in der That ein oder beide Enden des Krystalls frei in den Intercel- 
lularraum hinein. 

Sowohl die Krystallnadeln als die grossen Prismen lassen eine 
bestimmte Orientirung erkennen. Sie laufen nämlich in senkrechter 
Richtung auf den benachbarten Intercellularraum zu; präciser gesagt, 
sie stehen senkrecht auf jener Fläche, mit welcher die sie beherber- 
gende Zelle den Intercellularraum begrenzt, vorausgesetzt, dass diese 
Fläche eine ebene ist; ist diese Fläche eine gekrümmte, so stehen 
die Krystalle auf der Tangirungsebeno senkrecht. 

Die Krystalle sind also in Bezng auf die Zelle, in welcher sie 
auftreten, und auch in Bezug auf die Intercellularräume, denen sie 
zugewendet sind, genau orientirt. Da die Intercellularräume aber 
selbst keine regelmässige Stellung untereinander einnehmen, so sind 
die Krystalle in Bezug auf das ganze Gewebe oder in Bezug auf 
den ganzen Blattstiel nicht orientirt. 

Die Krystalle treten — so viel ich gesehen habe ■ — nicht früher 
auf, als bis die Anlage der Intercellularräume erfolgt ist. 

Auf welche Weise die gesetzmässigo Anordnung der Krystalle 
zu Stande kommt, lässt sich bei dem gegenwärtigen Zustande unse- 
rer Kenntnisse über das Wachstlium der Krystalle, wie ich glaube, 



') Vergl. Sachs, I.ohrb. der Bot. 3. Aufl. p. 69, wo auf gegentheilige 
Verhältnisse hingewiesen wird. 



nicht mit Beslimmthcil feststellen. Wohl weiss man, dass, wenn zwei 
bei ihrer Mischung eine krystallisirte Substanz liefernde Fliissifrkeiten 
(z. B. eine Lösung von Oxalsäure und eine Gypsl(»sung) sich durch 
MembrandilTusion meufren, Krysfalle entstehen, welche senkrecht auf 
das Diapiiran-ma gcslellt sind; aber hiernach müssten die Krystalle in 
den Parenciryinzellcn der Ponfederia crassipes eine auf die b(!obach- 
tete Richlung senkreclile Stellung- einnehmen, vorausgesetzt, dass der 
Oxalsäure Kalk hier durch Mischung von Oxalsäure (oder einem ge- 
lösten Oxalsäuren Salze) und einem Kalksalze, die auf dem Wege 
der Membrandiffusion sich begegnen, entsteht. 

Es ist nichts als eine vage Vermuthung, wenn man annimmt, 
dass der nach den Inlercellularriiumen gerichtete Verdampfungssfrom 
des Wassers die oben genannte Richtung der Krystalle zu Stande 
bringt. Ich unterlasse es , dieser Vermuthung noch andere anzu- 
reihen, und begnüge mich, das Faktum konstatirt zu haben: dass 
ähnlich wie in gewissen thierischen Geweben auch in pflanzlichen 
eine bestimmte Orientirung von Krystallen zu beobachten ist. 



-iOi- 



Plantas in itinere africano 
ab J. M. nildebrandt collectas determinat Vi, Tatke. 

Auctoritate herbarii regii berolinensis. 

Scrophulari aceae R. Er. 

446. Verbascvm Ternacha Höchst. (_aefhiopicutn Ehrnb. apud 
Swt. cf. Vatke pl. Schimper in Linnaea 1875 ined.) Abyssinia: Habab 
6ÜÜ0— 850Ü' ad pagos sept. 1872 fructiferum legit. 

72. Linaria aegyptiaca (L.) Dum. Cours. Suez inter Trifolia 
apr. 1872. 

447. L. macilenta Decne. (asparagoides Schweinfurth). Abys- 
sinia: Habab 4ÜÜÜ' in saxis granilicis aug. 1872. 

25. L. haelava (.Forsk.) Chav. In deserto Ramie prope Alexan- 
driam mart. 1872. 

6j7 b. Simbuleta arabica var. abyssinica Jaub., Poir. et Spach. 
sp. sub Annarrhino. Abyssinia: Habab Bora asgede 7000', aug. 1872. 

508. Alecfra parasifica (Höchst.) A. Rieh. Abyssinia: Bogos 
prope Heren parasitica; fiorcs flavescentes; sept. 1872. 

771. Anticharis glandiilosa (E. et H.) Aschers. Aden ad mon- 
tes jun. 1872. 

802. eadem. Planities prope Lasgosi usque ad 1500 m. in mon- 
tibus Abi diclis Somalensium locis humidis cum n. 861. 

673. Anticharis linearis (Benth.) Höchst. Abyssinia: Habab 
5000' in fluviorum ripa. aug. 1872. 

726. c. eadem. Samhar prope Massua dec. 1872. 



10 

863. a. Urhania lyperiaeflora Valke. In Soinalensium inontibiis 
Ahl dictis 1000 m. in saxoruin rimis | mart. 1873 („humor aquaticus 
glantlularum maniis attingentis conspergit" Hildebrandt in sched. sed 
has glandulas equidem frusira quaesivi.) 

Urbania Vatke. Calyx öpartitiis segmenlis linearibus, corollae 
deciduae tiibiis elongatus glaberriinus leviter ineurvus fauce vix di- 
latala; liinbi laciniae integrae, in labia 2 dispositae; stamina ferUlia 4, 
longiora exserta, breviora inclusa; Stylus apice integer vix dilatatus, 
Capsula calyce longior, ovata septicide bivalvis, valvulis ultramedium 
bifidis; semina rugulosa. Herba foliis infevioribus oppositis cordatis, 
superioribus alternis crenato-dentatis; flores axillares racemosi; genus 
Chaenostomati proximum, fructu diversum; dicavi in honorem Ignatii 
Urban, Medicaginis generis monographi peritissimi mihique amicissimi. 

U. lyperiaeflora Vatke. Annua Iiirsuta a basi ramosa, foliis 
longe petiolatis suborbiculatis inferioribus basi cordatis, superioribus 
rotundatis glabriusculis irregulariter crenato-serratis ciliatis, floralibus 
decrescentibus, floribus racemosis, pedicellis calyce duplo longioribus, 
sepalis linearibus obtusiusculis, corollae linibo tubo 5 — 6plo breviore. 
Gaules 2 ctni. alti, peliolis inferioribus 3*5 ctm, longi, lamina 2 ctm. 
longa, 2'5 ctm. lala; flos 1*5 ctm. longus. 

768. c. lAndenhergia sinaica (Decne) Benth. {Lind, abyssinica) 
Höchst. Vatke. pl. Schimper 1. c. ined.). Aden ad montes jun. 1872. 

863. c. L. nigrescens Vatke. Annua a basi ramosa hirta, foliis 
subrotundo-ovatis in pefiolum productis acutis dentalis, pilis brevis- 
simis albidis supra crebrioribus conspersis, floralibus inferioribus con- 
formibus , superioribus decrescentilnis calyce longioribus , racemis 
multifloris, floribus oppositis secundis, coroUa calyce triplo longiore 
glabra, Capsula villosula. Herba 1-5 decim, alta, siccitate nigricans; 
folia 3 ctm. longa , incl. petiolo 1 ctm. longo. Lind, indicae (L.) 
Vatke ined. (L. pulyanthae Royle) proxima, dislincta caulibus teneriSj 
indumento denso, pilis glanduliferis immixtis; calyces duplo minores 
glabriusculi. 

986. Torenia ramosissima Vatke. In Insulae Sansibar locis hu- 
midis praecipue allis. juli ad nov. 1873. 

T. C^oftenia) ramosissima Vatke glaberrima vel superne prope 
nodos cum peliolorum pedunculorumque basi pilosa, cauliDus radican- 
tibus difl'usis, foliis petiolatis ovalis basi rotundatis subcordalisve cre- 
nalo-dentalis subacutis p'ilosiusculis, calycis ad costas albido-ciliati 
alis 3 latiusculis basi acutis decurrentibus, corolla calyce, subduplo 
longiore, fdamenlorum anticorum appendicibus elongato-üliformibus 
apice clavato-incrassatis. Gaules ad 3 decim. longi; folia petiolis 
0'5 ctm. longis, lamine ca. 2-5 ctm. longa. 

A T. slolonifera Bojer differt floribus duplo minoribus, a T. 
parriflora Harn, calycis brevioris alis latiusculis, ab ulraque ex de- 
scriptione filamcnlorum anticorum appendicis forma; antlierae in nostra 
ut saepius in genoro per paria coliaerentes. 

642. Torenia planlayinea (Höchst.) Benth. Abyssinia: Habab 
ubique alt. 8000'. jul. ad sopt. 1872. 



11 

1010. Hysanthes rotnndifolia CL.) Benlli, Sansi!)ar in locis hii- 
niidis [»raecipue cullis. jun. ad nov. 1873. Stamina in floribus male 
sicealis non cxarninavi; sod liabiliis satis convenit. 

11 '27. ßuchncra leptoslachija Bcnih. e diagn. {B. longifolia 
Klolzsch. in l'olcrs Müsamb.) Hokotoni insiilae Sansibar in pratis pa- 
ludusis oct. 1S73. 

726. Slriga gesneriokhs (Willd.) Vatkc incd. (S. orobanchoides 
Bentli.) Samliar prope Massua in radicibus Bosweliiae parasitica. de- 
cemb. 1872. 

726 a. eadem in Cisso 4angnlar! (fidc H.)" 

510. eadcin. Abyssinia: Habab Nakfa in Enpliorbiae sp. parasi- 
tica, Aug. 1872 fr. 

512 eadem fr. 

1134. St. lutea Lour. (St. hirsuta Benth.) Insula Sansibar in 
pratis siccis herbareis; flores coccinei. oct. 1873. 

1129. Bhamphicarpa serrata Klolzsch. Sansibar in oris pratis 
gramineis seciis iUivium Wami; suffrutex; flores laeti; aug. 1873. 

Berlin, am 15. Dezember 1874. 



Die Vegetations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens. 

Von A. Kerner. 

LXXV. 

1378. Lysimachia vulgaris L. — Zwischen Röhricht und Ried- 
gras, in Zsombeküiooren und auf suinpfiijen Wiesen, auch als Be- 
standtheil des Gestäudes, welches an quelligen Plätzen entlang den 
Ufern der Bäche und am Rande der Wassergräben sich entwickelt 
findet und dann häufig kombinirt mit dem Strauchwerke der Salix 
cinerea. — Im mittelungar. Berglande bei Feinemet nächst Erlau; in 
der Matra bei Solymos und am Kozeptö bei Bakta; in der Pillsgruppe 
am Bache hinter der Ruine Visegrad, bei Set. Andrae, in der Nähe 
der Saukopfquelle bei Ofen und bei der Pulvermühle oberhalb Alt- 
ofen: auf der Kecskem, Landliohe bei Waitzen, R. Palota, Pest, Sorok- 
sar, Alberti, Säri, Nagy Köriis. Am Rande der Debrecziner Landhöhe 
im Ecsedi Läp; in der Tiefebene bei Czegled und Szolnok, auf der 
P. Ecseg, der Berettyö Särret und bei Szegedin; im Bereiche des 
Biliariageb. auf dem tert. Vorlande bei Szt. Marlon nächst Grosswar- 
dein und bei Lasuri, im Thale der schwarzen Koros bei Belenyes, 
Petrosa und Sedescelu nächst Rezbänya: im Thale der weissen Koros 
auf dem tertiären Hiigellande zwischen Halniadiü und Plescutia und 
auf der Chiciora südöstlich von Buleni; ifli Aranyosthale bei Negra. 
Dieser letztere, der höchstgelegene im Gebiete beobachtete Standort. 



12 

— Sienit, Schiefer, tert., diluv. u. alluv. Lehm- und Sandboden. 75— 
845 Meter. 

1379. Lysimachia punctata L. — An Bachufern und an quel- 
ligen Stellen sowohl in lichten Wühlern und Holzschlagen als auch auf 
Wiesen. — Im mittelungar. Berglande hei Waitzen; in der Magusla- 
gruppe bei Gross Maros; in der Pilisgruppe auf dem Piliserberge, bei 
Visegrad, Szt. Kereszt und Set. Andrae und auf den Ausläufern des 
Berglandes gegen die Stuhlvveissenburger Niederung bei Nadäp. Im 
Bihariageb. ober der Pietra lunga bei Rezbanya, bei Vasköli, zwischen 
Monesa und Rescirata, bei Chisindia nächst Buteni und am Körosufer 
bei Grosswardein. An der Nordostgrenze des Gebietes am westl. Ab- 
falle der Bükkgruppe bei Also Hoinorod. — Trachyt, Schiefer, Kalk, 
thonreicher Sandstein, tert., diluv. u. alluv. Lehmboden. 130 — 820 
Meter. — Fehlt im Tieflando. 

1380. Lysimachia Nummularia L. — An sumpfigen Stellen 
unter Röhricht, hohem Riedgras und Gebüsch am Ufer der Bäche und 
Flüsse; im feuchten Grunde von Geholzen, in Abzugsgräben und 
austrocknenden Zsombekmooren. Im mittelungar. Berglande bei Nana, 
Gross Maros, Visegrad, Set. Andrae, Altofen, Ofen, Promontor; am 
Velenczer See; auf der Kecskem. Landhöhe bei Pest, Soroksar, Nagy 
Koros; in der Tiefebene am Thcissufer bei Szolnok (hier häufig unter 
dem Gestände der Euphorbia lucida) und Kisujszälläs und in den 
Sümpfen entlang dem Berettyö, Mirrha und Hortobagy. Im Bihariageb. 
bei Grosswardein und Szt. Märton, zwischen Vasköh und Colesci und 
oberhalb der Schmelze bei Rezbiinya. Der letztgenannte Standort der 
höchsl gelegene im Gebiete beobachtete. — Trachyt, Schiefer, tert., 
diluv. und alluv. Lelim- und lehmiger Sandboden. 75 — 650 Met. 

1381. Anagalüs arnensis L. — Auf bebautem Lande, im Ge- 
schiebe der Flussufer, an Strassenrändern und auf wüsten Plätzen in 
den Dörfern, seltener auch auf wüstem Sandboden und auf salzaus- 
witternden Stellen der Niederung. — Erlau, Waitzen, Näna, Visegrad, 
Gran, Ofen, Sziget Szt. Miklos, Ercsin, Pest, Vörösegyhäz, Monor, 
Pills, Nagy Köriis, Szolnok, Gyula, Grosswardein, Felixbad, Belenyes, 
Petrani, Vasköh, Rezbanya, Monesa, Nadalbesci. — Trachyt , Schiefer, 
Kalk, tert., diluv. u. alluv, Sand- und sandiger Lehmboden. Scheut 
auch nicht das salzauswitternde Erdreich. 75 — 460 Met. 

1382. Anagallis caerulea Schreb. — An gleichen Standorten 
wie die vorhergehende yVrt. Auf dem Sikhegy bei Erlau, bei Näna, 
zwischen Visegrad und Domös, bei Solmär näclist Vorösvär, bei Ofen 
und Ercsi, auf der Csepelinsel, häufig bei Monor und Pills, im Bahn- 
hofe in Szolnok, auf dem Köbänyaliegy bei Felixbad. — ■ Trachyt, 
Kalk, diluv. u. alluv. Sand. 75 — 310 Met. — Im Tieflande stellen- 
weise häufiger als A. arvensis, während umgekehrt im Bihariageb. 
A. artensis weit häufiger und auch weiter verbreitet ist als A. cae- 
rulea. Die obere Grenze der A. caerulea liegt auch um 150 Meter 
tiefer als jene der A. arvensis. 

1383. Centunculus minimus L. — In den wenig befahrenen 
grasbewachsenen Geleisen feuchter Feld- und Waldwege. Im Bereiche 



13 

(los niiltolung'. Borglandes sehr sollen und Mslier nur bei Csenko und 
Muszia in der N;ilio der (Jranuiünduno^ von Foicli lingcr auf'jj'ofunden. 
Häufiger im Biliariagob. in» Tlialo der S(;li\varzen Körus in dein Eiclien- 
walde ober dem Dorfo Sodösfclu bei Rezbänya, bei Kiskoli, auf den 
Iliioeln bei Criscioru (Felsö Kristior) und zwisclion dein Dorfe Calu- 
giora und der inlcrnilUirenden Ouollo; iin Tlialo der weissen Koros 
auf den tert. Fliigebi bei Körosbänya. — Thonreicber Schiefer, tort. 
u. diluv. Lehm- und lehmiger Sandboden. 95 — 600 Met. — In der 
Tiefebene nicht beobachtet. 

1384. Androsace maxima L. — • Auf bebautem Lande. Auf 
Brachfeldern bei Dorogh, am Eisenbahndamme bei Nana, auf dem 
Adlersberge bei Ofen, auf dem Festungsberge und in der Cliristinen- 
vorstadt Ofens. — • Tert. u. diluv. Lehm- und lehmiger Sandboden. 
95 — 220 Met. 

1385. Androsace elongafa L. — Auf spärlich begrasten Plätzen 
sonniger Hügel und Berge und auf bebautem Lande. — Im mittel- 
ungar. Berglande bei Verpelet und auf dem Nagy Eged bei Erlau; 
in der Magustagrujipo bei Helemba und Nana; in der Pilisgruppe 
hinter der Iluina Visegrad und bei Set. Andrae; bei dem Leopoldi- 
felde und auf dem Adlersberge nächst Ofen (1860 und 1861), auf 
dem Meleghegy bei Nadäp und auf dem Gerecsehegy zwischen Gran 
und Totis. Auf der Gsepelinsel bei Csep. Nach Stoffe k auch bei 
Grosswardein. — ■ Trachyt, Kalk, tert. u. diluv. Sand- und sandiger 
Lehmboden. 95 — 380 Met. — A. elongata wird von Sadler in der 
Fl. Com. Pest. 96 nur bei Set. Andrae angegeben. Da kaum voraus- 
gesetzt werden kann, dass diese Pllanze zu Sadler's Zeit an den 
oben angeführten so oft besuchten Standorten bei Ofen übersehen 
wurde, so kann man wohl annehmen, dass sie sich seit jener Zeit, 
das ist also beiläufig seit drei Dezennien, im Gebiete weiter ausge- 
breitet bat. 

1386. Primula acaulis (L. var.). — Im Grunde der Laubwälder, 
zumal in Buchenwäldern und dann auf Grasplätzen, Wiesen und 
Angern, welche sich an den Saum der Wälder anschliessen. Im 
mittelungar. Berglande nur in den südlich der Donau liegenden Gruppen. 
Innerhalb des hier behandelten Gebietes am westlichen Abfalle des 
Meleghegy, nordostlich von Stuhlweissenburg im Walde nächst dem 
Teiche bei Pätka und in der Vertesgruppe bei Csäkvär. Häufiger dann 
in der Bakonygruppe, aber schon ausserhalb des Gebietes bei Zirz, 
Estergäl, Bakonybel etc. — Fehlt im Tieflande; dagegen sehr ver- 
breitet im Bihariageb.; im Rezbänyaerzuge auf den Grauwackenschiefer- 
bergen bei Poena und Rezbänya bis an den Abhang der Margina 
(aber nur bis zur Grenze des Glimmerschiefers! Sobald man aus dem 
(jebiete des Grauwackenschiefers auf jenes des Glimmerschiefers 
kommt, ist P. acaulis spurlos verschwunden); sehr häufig in der 
zerrissenen Randzone des Batrinaplateaus auf der Pietra Boghi, im 
Valea pulsului, Valea Galbina und Valca seca, auf der Scirbina und 
Stan^sa, im Valea lunga, bei der Pietra lunga, ober Fenatia nächst 
Rezbänya und bis licral) in das Thal hecken von Belenyes nach Sa- 



14 

voeni; auf dem Vaskuhcr Plateau zwischen Vasköh und Colesci; im 
Tlialo der weissen Koros auf den Hügeln bei Körösbänya und von 
den Höhen der Chiciora in der Hegyesgruppe bis herab nach Chisindia 
südöstlich von Buteni; im Thalgebiete der schnellen Koros im Wolfs- 
walde bei Grosswardein. — Der höchstgelegene im Gebiete beob- 
achtete Standort: die Höhe der Scirbina zwischen Rezbänya und Valea 
seca. — Auf bündigem tiefgründigen Boden, welcher durch Verwitterung 
kalkhaltiger Schiefer und thonreicher Kalksteine entstanden ist, mit 
Vorliebe auf den zwischen Kalkschichten eingeschlossenen Grauwacken- 
und Liasschiefern und auf dem mit W^ienersandstein wechselnden 
Aptychenschiefer, aber auch auf Kalk und tert. u. diluv. Lehmboden. 
Fehlt vollständig auf Sandboden, aber merkwürdigerweise im Gebiete 
auch auf der thonreichen Erdkrume über Porphyr und Trachyt. 
150—1420 Met. 

1387. Primula elatior (L. var.). — In Waldern und auf Berg- 
wiesen im Bihariageb. Auf dem Batrinaplateau auf der Pietra Batrina 
und Galinesa, im Thalkessel Ponora (hier in den Fichtenurwäldern 
häufig), im Hintergrunde des Galbinathales und auf der Tataroea, 
zumal an dem gegen Valea seca sich absenkenden Gehänge. Nach 
Steffek bei Hegyköz Ujläk im Flussgebiete der schnellen Koros. — 
Auf lehmiger durch Verwitterung thonreicher Sandsteine und Kalk- 
steine entstandener Erdkruine. 725 — ^LöSO Met. — Fehlt im mittel- 
ungar. Berglande und im Tieflande und auch auf den dem Hochge- 
birge vorgelagerten Gruppen des Bihariageb. Auch auf dem Glimmer- 
schiefer des Rezbänyaerzuges und auf dem Porphyr des Petrosaerzuges, 
selbst bei jener Elevation des Bodens, in welcher sie auf dem an- 
grenzenden Batrinaplateau verbreitet angetroffen wurde, nicht beob- 
achtet. 

1388. Primula Columnae Tenore. — • Auf felsigen Bergkuppen 
und auf den Gesimsen und Terrassen steiler Bergabstürze. Im Biha- 
riageb. in der zerrissenen Randzone des Batrinaplateaus an dem 
^e^f'-n Valea pulsului sehenden Gehänge der Pietra Boghi, auf der 
Pietra Galbina, Pietra muncelului und der Talaroea zwischen Petrosa 
und Rezbänya; in der Vulcangruppe auf dem Suprapietra poienile bei 
Vidra. — Im Gebiete nur auf Kalksubstrat beobachtet. 650 — 1300 
Met. — CP- Columnae zeigt wie alle Primeln heterostyle Blüthen 
und einen mit der Heteroslylie Hand in Hand gehenden, mannigfache 
Verwirrungen in der Nomenklatur veranlassenden Dimorphismus der 
Korolle. Die Kronröhre der androdynaniischcn Blüthen ist im oberen 
Drittel stark beckenformig erweitert, der Saum gbiichfalls becken- 
förmig, mit einem Durchmesser von 14 — ^IS"'"^; die Kronridire der 
gynodynamisclien Blüthen ist bis zum Schlünde gleicliwcit, der Saum 
zwar auch weit beckenformig, aber doch weit weniger konkav als 
an den androdynamischen ßUilhen und mit einem Durchmesser von 
15 — 19"". — Die Korollen zeigen demnach einen um circa 6'"°' 
gritsseren Durchmesser des Sautnes als iiin die verwandte Pr. offi- 
cinalis besitzt. — Mir vorliegende Originalexemplare der P. suareo- 
lens Bert, sind von P. Columnae Tenore nicht verschieden und 



15 

zeigen auch keinen l\loincren Kronendurchmesser als diese. Wenn 
Bertoloni seine P. suaceolens „limbo parvo" doünirt, so konnte 
diess nur im Vergleirh zu P. acaulis (L. var.) geineint sein, und 
wahrscheinlich halte Bertoloni bei Abfassung- seiner Beschreibung- 
zunächst androdynamische Exemi>laro im Auge. — Grenier & Go- 
dron, welciie Orig. -Exemplare der P. stiaveolens Bert, nicht gesehen 
haben, wurden übrigens durcli diesen niclit sehr glücklich gewählten 
und nur Aergleichswcise in Anwendung gel)rachten Ausdruck Ber- 
toloni's zu der Meinung veranlasst: dass die von Reichen b. in Fl. 
exsicc. sub Nr. Id'iO als P. Columnae Ten. = P. suaveolens Bert, 
ausgegebenen, vom Monte maggiore in Istrien herstammenden Exem- 
plare, mit welciien eine auf dem Pic de 1' Hieris vorkommende 
Primel ganz übereinstimmte, nicht die P. suaveolens Bert, sein kenne, 
da ja diese nach Bertoloni selbst einen „limbus parvus" haben soll, 
während doch die Primel vom Monte maggiore und vom Pic de 
r Hieris einen Kronendurchmesser besitzt, welcher sich jenem der P. 
elatior sehr nähert. Gren. & Godr. bezeichneten daher auch in Folge 
dieses Missverständnisses die Primel, welche Tommasini für Rei- 
ch enb. Fl. exsicc. vom Monte maggiore besorgt hatie und die, wie 
gesagt, auf dem Pic de Y Hieris in ganz übereinstimmenden Exem- 
plaren vorkommt, als Primnla Tommasinii [Vergl. Gr. & Godr. Fl. 
fr., II, 449]'"^). Noch weniger glücklich sind Gren. & Godr. mit der 
Deutung der von Tenore i"ür seine P. Co/w/«nae gebrauchten Phrase 
„corollis calyces maxime inflatos subaequantibus." Sie glauben näm- 
lich aus dieser Bemerkung herauslesen zu können, dass auch T enore's 
Pflanze eine kleine Korolle hai)en müsse, übersehen dabei aber ganz 
die Abbildung, welclie Tenore t. 13 gibt, sowie die in der Fl. 
Nap. I, 54 bei P. Columnae stehende Bemerkung .,col lembo piano 
e grande." — Auf Grundlage eines sehr reichliclien Materials aus 
Spanien, Südfrankreich, Savoyen, Ober- und Unteritalien, Gürz, 
Istrien, Dalinatien, Kroatien, Ungarn und Siebenbürgen kann ich auf 
das bestimmteste erkhiren, dass P. suaveolens Bert., P. Columnae 
Tenore und P. Tommasinii Gren. & Godr. eine und dieselbe Pflan- 
zenart bedeuten. — Da der Name P. Columnae Tenore aus dem 
Jahre 181 J, der Name P. suaceolens Bert, aus dem Jahre 1813 
herstammt, so hat die hier besprochene durch das ganze südliche 
Europa weit verbreitete Primel den Namen P. Columnae Tenore zu 
führen und P. suai'eolens Bert, sowie P. Tommasinii sind als Syn. 
beizusetzen. — Zum Schlüsse möchte ich noch bemerken, dassNeil- 
reich's in den Nachtr. zu Maly's Enum. p. 185 ausgesprochene An- 
sicht, wonach P. Columnae Ten. = p. Tommasinii Gr. & (iodr. 
„eine Var. der P. elafior Jacq. mit unterseits weissfilzigen Blattern" 
sein soll, ein vollsfäiuliges Verkennen der wahren Verwand Ischafts- 
verhältnisse dieser Primeln und ein Nichtbeachten der trefflichen 
Unterscheidungsmerkmale, welche der Kelch, die Kapsel und der 
Blatlrand bieten, beurkundet. P. Columnae Ten. stimmt durch den 



'^) In Folge eines Druckfehlers steht dort P. Tliomasmü. 



16 

grossen, nach oben zu sieh erweiternden, einfarbigen, bleichen Kelch 
und die kurze elliptisch-eifurmige Kapsel, welche nur halb so lang 
ist als der Fruclitkelch [während die schmale cylindrische Kapsel der 
P. elatior über den nach oben zu nicht erweiterten kleinen Kelch 
um 2 — S"''" hinausragt] ganz mit P. offlcinalis [L, var.] überein und 
ist auch mit dieser durch P. inflata Lehm, verkettet, während ein 
Bindeglied oder Uebergang zu P. elatior [L. var.] nicht exislirt.) 

1389. Primula inflata Lehm. — Aufwiesen und auf grasigen 
Plätzen im Grunde und in den Lichtungen der Geholze. Im mittelung. 
Berglande auf dem Kis Eged bei Erlau; auf dem Verczveres bei Bodony, 
auf der Veronkaret, bei Gyöngyös und bei Paräd inderMatra; auf dem 
Nagyszäl beiWaitzen; in der Pilisgruppe bei Visegrad, Szt. Läszlö und 
Set. Andrae, auf dem Ketagohegy bei Csev nächst Gran, auf dem Piliser- 
berge, bei P. Csaba, auf der Slanitzka (hier in Exemplaren, welche sich 
der P. Columnae Ten. sehr nähern), im Leopoldifelde und Auwinkel, auf 
dem Johannisberge und Schwabenberge, im Wolfsthale, im Kammer- 
waldc bei Promontor und auf den Anhöhen bei Stuhlweissenburg. Im 
Dünautiiale bei Nana und bei der Pulvermlihle zwischen Altofen und 
Krolendorf. Im Bihariageb. bei Grosswardein, am Bontosko bei Petrani 
und bei Vidra im Aranyosthale. — Trachyt, Kalk, Sandstein, tert. u. 
diluv. Lehmboden. 12Ü— 650 Met. — Fehlt im Tieflande. — (Unter- 
scheidet sich von P. Columnae Ten. durch den graufilzigen [nicht 
weissen], weniger dicht aufgetragenen Ueberzug der unteren Seite 
der ausgewachsenen Blätter, die längere Blaltspreite und den kleineren 
tieferbeckenfürmigen Kronensaum. Der Kronensaum der androdyna- 
mischen Blülhen zeigt einen Durchmesser von 12 — 15'"", jener der 
gynodynam. Blüthen einen Durchmesser von 13 — 16°"". P. inflata 
Lehm, bildet ein Mittelglied zwischen P. Columnae Ten. und P. 
officinalis (L. var.) und es ist oft schwierig zwischen diesen Arten 
die Grenze zu ziehen. Die echte P. officinalis (L. var.), wie sie in 
Skandinavien und England, im nördlichen und centralen Frankreich, 
in Deutschland, in der Schweiz und in den nördlichen Alpenländern 
vorkommt, scheint in dem hier behandelten Gebiete zu leiden. Ihre 
ausgewachsenen Blätter sind unterseits grün, von kurzen geglieder- 
ten Härchen weichhaarig, der Saum der androdyn. Blüthen hat einen 
Durchmesser von 9 — 11°™, jener der gynodyn. Blüthen einen Durch- 
messer von 10 — 12"". Die Zipfel des Saumes sind nach vorne ab- 
stehend und der Saum daher sehr stark konkav. — Lehmann hatte 
ebenso, wie später Reichenb. pat., die P. inflata aus Ungarn von 
Läng erliallen , und es kann keinem Zweifel unterliegen , dass 
Lehmann wirklich dieselbe Pflanze gemeint hat, welche Ueichenb. 
in Exeurs. 401 als P. veris ß. inflata Lehm, aufführt. Dass Leh- 
mann's Angaben in einigen Stücken ungenau, wurde schon von Rei- 
chenb. a. a. 0. bemerkt: „Ic. citata (P. inflata Lehm. Mon. t. II) 
secundum- speeimina hungarica viva et sicca minus bona, calyx enim 
in vivo oinnino angulatus, cor. lobi sicco tantum undulati, nee serrali, 
vix crenulali.'"') 



17 

1390. Hottonia palustris L. — In siehenden Gewässern im Ge- 
biete selten. Von mir nur an einig-en Stellen entlang- dem Rakosbaclie 
von Keresztiir bis Neu-Pest und in einem Tümpel bei Toszeg nächst 
Szolnok, von Borbäs in einem kleinen Teiche im Walde i)ei Szt. 
Läszlö beobachtet. 75 — 500 Met. — (Sa d 1er gibt H. palustris in 
der Fl. Com. Pest. p. 98 „in oinnibus aquis purioribus slagnantibus et 
lente fluentibus'^ an. Möglich, dass diese Pllanze daher in den letzten 
Dezennien im Gebiete seltener geworden ist.) 

1391. Cortusa pnheiis S. N. K. — An moosigen feuchten, theil- 
weise von durchsickerndem Quellwasser berieselten Felsen im Biharia- 
gebirge und zwar auf dt^m Batrinaplateau an dem Abfalle der Stäna 
di pietra, der Varasoea und an der Nordostseite der Pietra Boghi, 
entlang dem Reitwege, der von Valea Gropili und Valea Isbucu nach 
Petrosa führt. Gesellig mit Viola hiflora und Silene quadrifida. — 
Kalk. 1200—1400 Meter. — (Unterscheidet sich von C. Matthioli L. 
durch den aus sehr kurzen Hiirchen geliildeten Ueberzug, durch den 
lungeren Kelch, die kleinere Kapsel, welche kaum doppelt so lang 
als der Kelch ist, [(7. pubens- Kelch 5"5 •"" lang, Kapsel 8™™ lang. 
— C. Matthioli: Kelch 4-5™"' lang, Kapsel 10 ""^ lang] und insbe- 
sondere durch den anderen Zuschnitt der Blatter, auf welches Merk- 
mal zwar die Autoren [in Schott Anal. p. 17] kein Gewicht legen, 
das aber nichtsdestoweniger zu dem ganz verschii;denen physiogno- 
mischen Eindruck sehr wesentlich beifr;igt. Während die Lappen der 
C. Matthioli im Umrisse halbkreisförmig sind, und jeder Lappen 
selbst wieder durch Vergrosserung des mittelsten und zweier seit- 
licher Zahne sich in drei etwas spreizende Läppchen theilt, erscheinen 
die Lappen der C. pubens im Umrisse eiförmig-dreieckig, und jeder 
Lappen ist von der Basis bis zur Spitze von gleich grossen, spitzen, 
vorgestreckten, nicht spreizenden Zähnen gesägt, aber nicht in drei 
Läppchen getheilt. — Die Angabe der Autoren S. N. K., dass C. 
pubens gerundet -stumpfe, C. Matthioli dagegen spitze Zipfel der 
Blumenkrone haben soll, ist nicht richtig. Auch C. Matthioli hat 
stumpfe Zipfel der Blumenkrone und in dieser Beziehung ist ein 
Unterschied zwischen beiden nicht vorhanden. — C. pubens scheint 
sehr selten, und schliesst in Siebenbürgen die C. Matthioli L. nicht 
aus; wenigstens erhielt ich durch M. Fuss auch E.xemplare der 
echten C. Matthioli aus Siebenbürgen und zwar von der Frecher 
Alpe Csorte zugesendet, welciie sich von jenen aus Savoyen, Schweiz, 
Vorarlberg, Tirol, Baiern, Steiermark, Niederösterreich und Oberun- 
garn niclit unterschieden.) 

1392. Soldanella alpina L. — An kurzgrasigen Plätzen, insbe- 
sondere in der Nähe von Ouellen in kleinen Gruben und Mulden, 
eingesprengt in die vorherrschend aus Nardus stricta gebildete Wa- 
senformalion. Im ßihariagebirge im Rczbänyacrzuge von der Stäna 
Scevea entlang dem HochgebirgsKamme bis zur Cucurbeta und zu 
den Onellen im Valea cej)ilor; im Petrosaerzuge von Cornul munti- 
lor und dem Gipfel des Bohodei entlang dem ganzen Kamme über 

Ocsterr. botaa. Zeitschrift. 1. Heft. 1876 2 



18 

den Vervul Briti^i bis zur Vladeasa. Insbesondere häufig auf dem 
Bohodei. — Porphyrit, Schiefer. 1600—1845 Meter. 

1393. Soldanella montana Willd. — Im moosbewachsenen, 
schattigen, feuchten Grunde der Fichtenwälder im Bihariagebirge. Im 
Rezbanyaerzuge häufig am Gipfel der Ruginosa und im obersten 
Aranyosthale unter dem Sattel La Jocu; auf dem Batrinaplateau an 
der Ostseite der Pietra Batrina und in den Schluchten im Ouellen- 
gebiete der Szamos unter der Geisterhöhle Oncesa. Vorherrschend 
auf Kalk und Sandstein, seltener auch auf Glimmerschiefer. 1250— 
1600 Meter. 

1394. Samolns Valerandi L. — Am Rande von Ouellbächen 
und in Sümpfen. Im Bereiche des mittelungar. Berglandes an den 
lauen Quellen (Temp. der Quelle 23** C.) und in der sumpfigen Um- 
gebung derselben bei der Pulvermiihle zwischen Altofen und Kroten- 
dorf; nach Feichtinger auch bei Dorogh und in der Vertesgruppe 
bei Totis. Im Tieflande und im Bihariageb. von mir nicht beobachtet, 
obschon sie dort an vereinzelten Punkten gewiss nicht fehlt. — 
(Sadler gibt iS. Valerandi in Fl. Com. Pest. 106 „in palustribns 
frequens" an, was jedenfalls dermalen nicht richtig ist.) Diluv. und 
alluv. Sandboden. 95—130 Meter. 

1395. Glaux maritima L. — Auf salzauswitterndem Boden am 
Rande stehender Gewässer. Bei Muszla und Csenke in der Nähe der 
Granmiindung; auf der Csepelinsel bei Csep; am Velenczer See; bei 
Nagy Läng und bei Siir Keresztur in der Stuhlweissenburger Nie- 
derung. — Diluv. Natronsalze auswitternder Sand. 80 — 130 Meter. 

1396. Cyclamen europaeum L. — Im mittelungar. Berglande 
nach Reu SS in der Matra; nach Sadler in der Pilisgruppe bei Szt. 
Kereszt und Set. Andrae und nach Steffek am Saume des Biharia- 
gebirges im Szaldobagyer ^Yalde bei Grosswardein. Von mir im Ge- 
biete nicht beobachtet. 



Botanische Notizen aus den nördl. Kalkalpen. 

Von P. Julius Gremblich. 

Im Nachfolgenden berichte ich Ihnen kurz die wichtigsten Re- 
sultate meiner Exkursionen, welche ich heuer in die liebgewonnenen 
nördlichen Kalkalpen unternomnen habe. Ich durchstreifte dieselben 
in verschiedenen Richtungen, konnte aber wegen der meist nur kurz 
zugemessenen Zeit mich nirgends länger aufhalten, es kann desshalb 
auch nicht von einer erschöpfenden Untersuchung einer Gegend 
die Rede sein. 

Die erste grössere Partie war jene, welche ich innerhalb vier 
Tage über das Joch Lampsen, Hinterriss und Scharnitz machte. Da 
diese Partie noch in den Monat Juni (11. — 14.) fiel, so musste ich 



I 



19 

zur Lampson empor im schattigon Marzantliale wohl noch IV2 Stunde 
lang konlinuirlich im Schnee waten, was nicht ganz oline Gefahr 
war, da vom links fast senkrecht aufstehenden Gebirge unaufhör- 
lich herunterstürzende Steine das ohnehin schwierige Steigen noch 
verzögerten. — Gleich nach dem Uebergange fand sich bei etwa 
2000 Meter ein freier Abhang, auf welchem zahlreiche Soldanella 
alpina und S. pusilla sich befanden, und bei deren Anblick in mir 
gleich der Gedanke an die Möglichkeit des Vorhandenseins einer 
hybriden Form aufstieg. Ich suchte nun an Plätzen, die mir für die 
Bastartbildung geeignet schienen, nach und war auch wirklich so 
glücklich, einige zwanzig Stück der hybriden Form, welche wegen 
der grossen Verschiedenheit der Stammeltern eine ausgezeichnete ist, 
zu finden. Die Farbe der Blüthen, die Länge des Griffels und der 
Staubfäden, die Dimension der Spaltung der Korolle, endlich die zwi- 
schen den Staubfäden befindlichen Schuppen und die relative Grösse 
des Kelches deuten darauf hin, dass diese Form als Bastart zu er- 
klären ist, obwohl ich auch an einem vom vorigen Jahre noch über- 
ständigen zweiblüthigen Exemplare völlig reife Samen fand. Nach 
einer mündlichen Mittheilung traf A. Kerner diese Pflanze auch am 
Blaser im Gschnitz, und bezeichnet sie vorläufig als S. hyhrida. — 
Von Hinterriss aus bestieg ich am 12. Juni die Höhe der Moser- 
alpe, welche auf dem bairischen Antheile des an der Grenze gele- 
genen Scharfreuters sich bei 1500 Meter s. m. befindet. Ich besuchte 
diese Alpe schon im August vor zwei Jahren und traf dort unter 
zahlreichen Exemplaren das Hieracium glabratnm und H. villosum, 
welche sich in den Schrattein des karstartig ausgefressenen Gebirges 
befinden, auch einige, die ganz bestimmt eine hybride Kombination 
der beiden vorgenannten Arten sind. Leider nuiss ich aber deren 
weitere Untersuchung wegen Unzulänglichkeit meiner Hilfsmittel vor 
der Hand verschieben. Unterhalb dieser Alpe traf ich, gerade in 
schönste Blüthe kommend , die ebenfalls schon anno 1872 ange- 
troffene, von Sendtner (Vegetationsverhältnisse v. Südbaiern, p. 829) 
aufgeführte Pulmonaria mollis, welche nach Kerner, der eben die 
Pulmonarien monograpliisch behandelte, P. tuberosa Schrank ist, die 
von P. mollis, welclie mehr Avestlichen Gebieten angehört, völlig ver- 
schieden ist. In den Schrattein der Alpe selbst findet sich auch nicht 
selten Gnaphalium Hoppeanvm Koch, das überhaupt nach Clessin an 
mehreren Stellen in Südbaiern aufgefunden wurde. — Meinen Rück- 
weg von dieser Partie nahm ich über Vorderriss, Wallgau, Krien und 
Scharnitz. Sehr interessant sind hier auch die von der sog. Oswald- 
hütte bis Vorderriss und von da längs der Isar bis Krien befind- 
lichen Bestände der Pinus ohliqna Sauter, welche eben im Isar- und 
Lechgebiete vorkommt und sich oft sehr weit in die Seitenthäler 
versteigt, wie im Karwendel- und Hinterauthal. Durch ihren auf- 
rechten Wuchs und die Gestalt der Zapfen ist sie hinlänglich von 
den Latschen (P. montana Mill.) verschieden. Der Stiel des Zapfens 
liegt bei Pinus obliqua nicht in der Mitte, und die Apophysen der 
Schuppen, welche bei P. montana nur sehr klein und ringsum gleich 

o * 



20 

entwickelt sind, treten auf der grösseren Seite sehr stark hervor, 
sind dort hakenförmig gestaltet und wölben sich oft über den Stiel 
empor. Das dunkle Grün der Nadeln, das von dem jeder anderen 
-Pimis-Ai't absliclit, an den Bäumen, die nie höher als 18 Meter 
werden und wie zerlumpt aussehen, bewirkt einen düsteren Eindruck, 
der an manchen Stellen durch diis Roth, das von hiiufigen Daphne 
Cneorum herrührt, nur erhöht wird. — Gegen Krien traf ich in einem 
kein Wasser haltenden Feldgraben auch einen tüchtigen Büschel 
Euphorbia plathyplu/lla L., die bei uns im Unterinnthal gerade niclit 
zu (hMi grossen Seltenheiten zählt. Den Heimweg schlug ich über 
Seefeld ein, wo ich mir noch einige Cardamine trachypoda Kerner 
holte; am Schlossberge Fragenstein sammelte ich noch Orobanche 
ionaniha Kerner, die in Oesterr. botan. Zeitschrift 1874 Nr. 2 von 
Keiner kritisch beleuchtet ist; ich verschickte diese Pflanze vor deren 
Verüffentlicluing immer als 0. caerulea Yill. und bitte jetzt meine 
Tauschfreunde, den Namen ändern zu wollen. 

Am 2. Juli begab ich mich auf das am Angerberge bei Ratten- 
berg gelegene Torfmoor. Am Aufstiege zu demselben durch das 
sog. Moosthal findet sich sehr zaiilreich Lycopus mollis Kerner vor. 
Die feuchten Wiesen, welche die zwei auf der Anliölie gelegenen 
H()fe umgeben, sowie die um den Weiler „Hauss" befindlichen wei- 
sen eine ganze Reihe von Cirsien-Baslarten auf, als da sind die 
Mittelform und die beiden goneoklinisclien Formen zwischen Clrsium 
rlriclare und palustre und Cirshnn oleraceum und palustre. Auf dem 
Moore selbst — einem wahren Sphagnetum, das für die Betrachtung 
der Torfmoore als einander ablösender Pflanzenformalioncn, die in 
einer besliinmten, dem Sphagnetum, ihren Abschluss finden, ein ge- 
eigneter Platz, wie kaum einer ist — trifft man, wie auf allen heimi- 
schen Hochmooren Andromeda polyfulia und Lycopodiiim innndatum; 
ferner üieracinm Bertünae Gris., eine Rose aus der Gruppe der mol- 
lisshna, dann in den Gräben Seerosen, welche wohl aus dem benach- 
barten Mariathaler See herstammen und sich als Nymphaea semi- 
aperfa Klingg. ausweisen. An den das Moor umgebenden tertiären 
Hügeln findet sich, wenn auch vereinzelt, doch überall Plantanthera 
chloraniha Cust. 

Am 27. Juli bestieg ich mit meinem Freunde, dem Naturhistoriker 
Alb. V. Hörmann in einer 18stündigen Tagpartie das bei Münster im 
Unterinnlhal gelegene Sonnenwendjoch und zwar von der Ostseite 
her. Die andere Seite birgt, wie schon Hausmann angibt, Androsace 
argentea Gartn., Saussurea pygniaea Spreng., die wir leider wegen 
des fast beständigen Regens und noch schlimmeren Nebels nicht er- 
reichen konnten. Um die Cerain- und Bletzachalpe, sowie um den 
1800 Meter hochgelegenen Irdaniersee trafen wir Pulmonaria tube- 
rosa, welche sich bereits im Fruchtzustande befand, Astrantia alpina 
Stur, Orobanche flava Mart. und Orob. Scabiosae Koch, letztere an 
der sogen. Kniepasskapelle. Wegen des eingelretenen Regenwetters 
machte ich auch eine gute Ausbeute besonders seltener Conchylien, 
■was mir einigermassen Ersatz bot. Mein Freund Hörmann, der in 



21 

Rofhliolz wolint, durclistreifle oft schon diese, wie auch andere von 
si'intMn Wohnorte aus leicht zuoängllcho Gegenden; besonders ging 
er auf die bei Achenrain gefundene Polentilla procumbens Slbth. los, 
luinnto aber selbe niemals ■\vled(M' ünden. Um die Ruinen des alten 
Rollenbnrg, einer im VolUsmnnde wohl bekannten Veste, • traf er 
Aruin mactilaluiii, dessen Bliithenscheiden sehr lebhaft roscnrolh ge- 
färbt sind, und das ich desshalb Arum maculatum var. roseum nen- 
nen mik'hte. Er theilte mir davon mehrere Exemplare mit. 

Zu x\nfang des 3Ionats August machte ich eine Partie über 
das Gaisthal nach Rentte, Ylls, Füssen, Garnisch und Scharnitz, dann 
über das Karwendellhal in die Ilinterriss und von dort über das Joch 
Blums nach Hall znriiclv. Auf dem Ehrwalder Alpl im Gaisthal sam- 
melte ich Clrsium acaule All. und das echte Aconitum Napellus L., 
welches in blassen um das aus nicht weniger als 34 Hütten beste- 
hende „Alpl" herumwiichst. Auf den Wiesen gegen Ehrwald hinunter 
suchte ich vergebens unter den anscheinbar günstigsten Umständen 
zur Bildung eine.s Bastartes die aus Genliana pannonica und lutea 
kombinirte Gent. Kummeriana Sendln. Auf dem Leermoose finden 
sich ausser den schon auf dem Moore am Angerberge aufgeführten 
Cirsien auch noch Cirsium olevaceumycpahistre. Am W'ege zwi- 
schen Bichlbach und Heilerwang begegnete ich zwei Pflanzen, die 
mir schon vor zwei Jahren von meinem Klostergenossen P. Stanislaus 
Reisach in Reutle, früherem Gymnasialprofessor, zugesandt wurden, 
und die ich dann selbst noch im gleichen und den darauffolgenden 
Herbsten dort sanunelte. Beide in Rede stehenden Pflanzen gehören 
der Gattung Senecio an. Die eine schliesst sich an S. Jacobaea an, 
zeigt aber an der Form der Frucht, Blatter etc. nicht unerhebliche 
Abweichungen von der echten S. Jacobaea, wie sie etwa in Nied.- 
Oesterr. vorkommt. Weitere Beobachtungen sollen zeigen, was man 
von dieser Form zu halten habe. Die Pflanze findet sich im ganzen 
jenseits des Fernpasses gelegenen, von mir betretenen Gebiete häufig, 
sowie auch bei Füssen und Garnisch. Die andere Pflanze ist eine 
hybride, aus dieser und Senecio cordafus Koch, die ich S. Reisacliii 
nennen mochte; sie findet sich an Orten, wo die vermeintlichen 
Stammeltern vorkommen, besonders wo die eine oder andere seltener 
wird. Ich sammelte im verflossenen Herbste bei 300 Exemplare, und 
es hätte sich wohl noch eine hübsche Menge einsammeln lassen. 
Diese Pflanze hielt ich anfangs für identisch mit S. lyralifolius Rchb., 
wovon auch Gremli in seiner Flora der Schweiz (I. Auil. pag. 204) 
sagt, dass sie „ganz entschieden ein Baslart zwischen .S. cordatus 
und S. Jacobaea oder nach Christ zwischen S. cordatus und ernci- 
folius^ sei. Dass die Pflanze aber keine hybride zwischen S. cor- 
datus und erucifolius ist, dafür spricht der Grund, das S. erticifoHiis 
in dem \on mir besuchten Gebiete gar nicht vorkommt. Ich bin der 
Ansicht, dass wir es hier mit zwei Pflanzen zu thun haben, die sich 
ziemlich gut an der Behaarung der Achenen und der Dauer ihrer 
Lebenszeit unterscheiden lassen, worin mich auch noch von Pfarrer 
Zolliküfer in Marbach freundlichst überschickte Exemplare bestärken. 



22 

Die eine Pflanze wäre S. cordatus X erucifolkis = S. lyratifolius 
Reichb., die andere S. cordatus ycJacohaea = S. Reisachii. Dass 
die im betretenen Gebiete vorkommende Pflanze ein der Kombination 
S. cordatusXJacobaea entsprechender Bastart sei, vergl. K. Prantl 
in IV. Bericht des botan. Vereins zu Lar.Jsliut: Notizen zur Flora 
von Siidbaiern pag. 1 1 und Sendtn. Veget. von Siidbaiern pag. 799. 
Eine eingehendere Besprechung wird demnächst die ost. bot. Zeitschr. 
bringen. 

Am Wege vom Zollamte Griessen nach Garnisch traf ich Cir- 
sinm bulbosmnXpaIvstre und zwar in den Formen, die in der Dispo- 
silio Cirsiorum von Nägeli als Cirsium palustri X bulbosum und C. 
bulbosoXpalusfre bezeichnet sind. Unweit der Stelle, wo ein gar 
zierliches Brünnlein sich befindet, das sein Trinkrohr in einem noch 
lebenden Baume stecken hat, mit dem es bereits verwachsen ist, 
fand ich auch die merkwürdige Kombination Cirsium bulbosum X 
arvense, deren Beschreibung bald unter dem Namen Cirsium Prantlii 
folgen wird. 

In der Hinterriss-, dem Tummelplatze der Hirsche und Gemsen, 
sammelte ich ein Exemplar der Astrantia major X cilpina, ein an- 
deres mein Begleiter K. Schardinger, welche Kombination, deren Be- 
schreibung in diesem Blatte folgen wird, ich einstweilen als Ästr. 
Rissensis bezeichnen mochte. Es dürfte ein anderes Jahr, bei den für 
die Bildung von Hybriden aus den beiden Stammeltern sehr günstig 
scheinenden Lokalitäten nicht sehr schwierig sein, etwas zahlreichere 
Exemplare zu sammeln. Die Mittelform ist trotz der grossen Ver- 
wandtschaft der A. alpina mit A. major besonders an der Grösse 
und Gestalt der Blätter unschwer zu erkennen. 

Zu Beginn des September wiederholte ich die Exkursion über 
das Hallthal und Stempeljoch, auf welchem Wege ich im Pfeissthale, 
dem letzten Ausläufer des Hallthaies die Alpenrosen fand, von denen 
ich letzthin miltheilte. Ich sammelte von selben noch ziemlich viele 
Exemplare, jedoch wegen der vorgerückten Jahreszeit nicht mehr in 
Blüthe. Im Schotter, der sich g^^^^^n das Joch hin in einer Halde 
ausdehnt, dass man über selbe an zwei Stunden höchst beschwerlich 
steigen muss, findet sich ziemlich zahlreich Saxifraga aphylla Stern- 
berg (= iS. stenopetala Gaud.) vor, dann Papaver Burseri Crantz., 
Galium helveticum Weigel (non Koch; vide Kerner: Nov. plant, 
species Decas I. p. 9). Gegen den Uebergang des 2360 Meter hohen 
Joches findet sich noch Crepls hijbrida Kerner = C. hyoseridifoUaX 
chondrilloides (C chondrilloides L. = C. Jacquini Tausch). Besagte 
Partie machte ich am 12. und 13. Oktober mineralogischer Funde 
halber noclunals, als man zum Jochübergang' bereits eine Stunde 
lang mitunter knietief im Schnee herumkletlern musste. Dessenunge- 
achtet zeigten sich auf dem Joche Sorben, sowie gegen das Thaurer 
Joch und den Maulbersf hin, welche beide g-etren 270(3 Meter hoch 
sind, an von Schnee cnlblössten Stellen blühende Pflanzen, als da 
sind: Alsine verna, Cerastium lafifolium, Saxifraga aizoides, Leon- 



23 

todon pyrenaicus, Crepis hyoseridi/olia, Calaminlha alpina, Poa 
alpina etc. 

Die letzte Exkursion galt ebenfalls den Kalkalpen, und zwar 
dem Stocke, welcher auf den Ausläufern der Centralalpen liegt; pe- 
trographisch gehiu-t er aber den n()rdl. Kalkalpen an. Am 27. Okto- 
ber begab ich mich nach dem Wallfahrtsorte „Waldrast" bei Matrei, 
welcher ungefähr 1700 Meter s. m. auf dem GeriiUe des darüber 
befindlichen Serles (Waldrastspitze) liegt. Am Büchlein, welches un- 
millelbar unter dem Wirthshause herunterflicsst, fand A. Kerner vor 
mehreren Jahren eine Mentha, welche er wegen ihres späten Auf- 
blidiens (sie blüht, wie ich mich jetzt drei Jahre nacheinander über- 
zeugte, erst Mitte Oktober auf) vorläufig M. serotina nannte. Da aber 
dieser Name schon doppelt, nämlich von Host und von Tenore (vide 
Bentham: Labiatarum genera et spec. p. 172 und 178) vergeben ist, 
so theilte er mir mit, dass er sie als M. alpigena bezeichnen wolle, 
unter welchem Namen ich auch schon zahlreiche Exemplare ver- 
sandte. Diese Pflanze ist leicht an der Gestalt ihrer Blätter, der späten 
Blüthezeit und an den kahlen Samen ^on der neben ihr stehenden 
und mit ihr zunächst verwandten M. silvest7'is zu unterscheiden. Die 
nämliche Pflanze traf ich auch vor ein paar Jahren bei Mosern nächst 
Telfs, wo sie ebenfalls an einem Bächlein sich angesiedelt hat, und 
im Volderthal bei Hall an einer ganz ähnlichen Lokalität; an letz- 
terem Orte ist die Hauptunterlage zwar Glimmerschiefer, jedoch von 
Kalkbänken durchzogen. Mit dieser Exkursion ist für heuer der Cyclus 
derselben abgeschlossen. 

Hall in Tirol, am 8. November 1874. 



lieber 
Marnibium remotum Kjt. 

und 

Hieracium sahaudum L. Neilr. 

Von J, Wiesbaur S. J. 

Die Notizen über Marruhium remotum und M. peregrinoX. 
vulgare (Oest. bot. Zeitschr. 1874 p. 341 und 344) haben mich um 
so mehr interessirt, als sie von zwei verschiedenen Seiten kamen, 
und ich eben darnach suchte, ob die für den Tauschverein gesam- 
melte Pflanze Marruhium peregrinoXivulgare Reich, genannt werden 
müsse, oder ob sie auch M. remotum Kit. heissen könne. Diese 
Pflanze, die alle Eigenschaften eines Bastarles hat, ist an der öst.- 
ung. Grenze, wie es scheint, nicht so gar selten. Namentlich kommt 
sie um Deutsch-Altenburg und Neudorf a. d. March ziemlich häufig 



24 

vor. Audi bei Theben habe ich sie vor 10 Jahren mehrfach gefun- 
den, desgleiclien bei Stampfen und Berg-, worauf sich meine Angabe 
eines Mcü'nibhitn peregrimim. cc. latifolnnn in den Beiträgen zur Fl. 
von Pressburg (Jahrb. des Vereins für Naturkunde, Presshurg 1871, 
S. 32) bezielif. An allen genannten Orten fand ich sie in Gesellschaft 
von M. peregriniim und M. vulgare, jedoch weniger häufig als diese 
beiden. Erwäiinenswerth erscheint mir an diesem ü/«rrMÖm?»-Bastart 
auch die Bllithezeit zu sein. Denn, wie in der Tracht und den 
einzelnen Organen, so hält unsere Pflanze auch in ihrer Entwicklung 
die Mitte zwischen BI. vulgare und M. peregrinum, indem sie später 
als jenes, aber früher als dieses zu blühen beginnt. Stets fand ich 
nämlich diese Pflanze weiter entwickelt als M. peregritium, aber 
weniger als BI. vulgare. So am 11. August v. J. bei Deutsch- Alten- 
burg (in der Riclitung gegen Hainburg) und am 29. September d. J. 
zu Neudorf a. d. March. Am ersteren Orte machte P. Eschfäller auch 
dieses Jahr den 27. Juli dieselbe Beobachtung. 

Das Hieracium sabaudum L. Neilreich's halte ich nach den bis- 
herigen freilich noch zu kurzen Beobachtungen für eine Pflanzen- 
gruppe, die noch der Untersucliung bedarf. Vorläufig scheint es mir 
mehr Formen zu umfassen, als Neilreich Varietäten davon aufgestellt 
hat. Abgeselien von y. rigidum stellt seli)st s. racemosum zwei ziem- 
lich abweichende Formen dar: eine kleinere kaum über 1 Fuss 
hohe, einfachtraubige, mit auffallend hellbraunen Achenen (nicht 
„fusco-atra" wie Kilaibel plant, rar. p. 211 die von seinem H. race- 
mosum nennt und t. 193 sie auch so abbildet); und eine grössere 
Form mit meistens zusammengeselzttraubigein ßlüthenstande, welche 
dem bei Kit. (1. c.) abgebildeten H racemosujn auch in der Farbe 
der Achenen viel ähnlicher sieht als vorige. Diese grössere Form 
scheint sich auch in der Blütliezeit den heurigen Beobachtungen zu- 
folge von der kleineren zu unterscheiden, und sie muss es sein, die 
sowohl das H. racemosum, als auch H. harbatum Neilr. („krit. Zu- 
sammenstellung der in Oest. -Ungarn bisher beobachteten Hieracien." 
Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch., Wien [1871], LXllI, S. 483) 
enthält. Entsprechen diese beiden Abänderungen der grösseren Form 
auch den echten H. racemosum W. K. und //. barbatum Tausch, 
was ich niclit zu entscheiden vermag, dann hat Neilreich allerdings 
Recht. Jedenfalls haben auch schon friihere Botaniker das H. bar- 
batum Tausch zu H. racemosum W. K. gezogen. So z. B. in dieser 
Zeitschr. (1858, S. 156) F. v. Thümen-Gräfendorf. Auch Fries halte 
dieses früher (Symb. 187) gethan ; später aber (Epicr. p. 129) sie 
wieder getrennt und dem H. barbatum die Bemerkung beigefügt: 
„Sequenti {H. sabaudum L. Sp. p. 1131) multo magis affine 
videtur quam priori'* (//. racemosum W. K.)- — Das Hieracium 
tenuifolium Host, wird in der Flora von Nied.-Oest. als Synonym zu 
^. subverticillaltim gezogen, was es nicht ist. Letzteres ist eine Miss- 
bildung (eine Hieraciengalle, die manchmal Wallnussgrösse erreiclit, 
öfter aber unentwickelt bleibt, jedoch die Entwicklung der Pflanze 
beeinflusst); sie kommt namentlich an H. boreale Fries hier vor. Für 



25 

eine MissbiUlung kann ich aber die Exemplare des H. tennifoUum im 
Host'sclien Herbar, dessen Einsicht Hr. Hoffrärlner Maly bereitwilligst 
gestaltet hat, durchaus nicht hallen, wenigstens nicht alle drei. Diese 
summen \iclinclir mit 8. linearifoliiim Ncilr. übercin, nur sind die 
Bliilter fast zollbreit. Ich bin daher geneigt, das Hier, linearifolinm 
Ncilr. var. für eine schmalblättrige Form des H. lenuifolium Host 
zu halten. 

Kalksbiirg, am 14. November 1874. 

Ueber die Eucalyptus- Anpflanzung in Pola. 

Von Dr. H. Wawra. 

Ihrem Wunsche nach, einen Bericht bezüglich der Eucalyptus 
^/oö^z/ws-Anpflanzungen in Pola zu geben, glaube ich am besten zu 
entsprechen, wenn ich Ihnen die direkten Mittheilungen einsende, 
welche mir der Herr Marinegärlner Laube darüber gemacht hat. 

„Die Samen wurden auf der österreichischen Expedition durch 
Herrn LiiiienschilTskapitcin v. Wiplinger acquirirt und im Herbst 1871 
angebaut. — Die Sandinge standen bis September 1873 in Topfen, 
erreichten eine Hohe von 5 Fuss, wurden dann ins Freie versetzt 
und sind heule 12' und darüber hoch. — Sie treiben bis zum Eintritt 
der Fröste. — Vorigen Winter hatten die Pflanzen einen 2 Monate 
anhaltenden Frost und eine Temperatur von bis — 7^ R. zu über- 
stellen; jene, Avelche im trockenen Boden standen, hatten von der 
Kälte nicht gelitten; von den in feuchtem Boden befindlichen erfror 
die Mehrzahl und zwar knapp ober dem Buden; die letztere Erschei- 
nung will Laube dadurch erklären, dass die Rinde des in dieser 
Jahreszeit noch vollsafligen Stammes an die oberflächliche erstarrte 
Humusschichfo anfriere; die Krone selbst widersteht dem Frost, 
daher merkt man erst im Frühjahre, dass die Kälte Unheil ange- 
richtet hat. — Eine zweite Partie Samen wurde am 8. Dezember 
1873 ausgesäet und die Sämlinge in Kisten von 1 Kub.-Fuss Raum- 
inhalt versetzt; sie haben jetzt die Höhe von nahpzu einer Klafter 
und werden im nächstini Jahre ins Freie verpflanzt." 

Diesen Aufzeichnungen Laube's füge ich noch Folgendes bei: 

Wir haben hier in Pola etwa Ein Schock junger Eucalyptus- 
bäume; die Hälfte davon ist im Kaiserwald gepflanzt, die anderen 
sind im Sladtpark und noch einigen Anlagen von Pola verstreut. Die 
im Freien (Anlagen) befindlichen Bäume scheinen besser zu gedeihen, 
als jene im Walde; man wählte für die letzteren etwas gelichtete, 
feuchte, niedrige Stellen. Einen abgestorbenen Baum sah ich nie aus 
der Wurzel treiben. Der Hauptslamm eines zweijährigen Sämlings 
und einer einj.dnigen Pflanze wächst in einem Jahre um 6 Fuss und 
wird Einen Zoll stark, im drillen Jahre beginnt die Pflanze Ober- 



26 

bliitter anzusetzen und hiermit scheint das Längenwachsthum des 
Hauptstammes beendigt zu sein, ich sah den Baum sehr hiiuüg im 
Auslande, nirgends erreicht er eine namhafte Höhe. 

Die Kultur des Eucalyptus globulus ist hier zur Mode geworden 
und allerdings mag sein schnelles Wachsthum und das exotische 
Aussehen der jungen blaugrün belaubten Pflanze die Aufmerksamkeit 
der Gartenfreunde auf sich ziehen; doch dürften sich diese enttäuscht 
fühlen, wenn sie die so gewinnenden jungen Pflanzen zu einem 
Baum von g-ar tristem Aussehen aufwachsen sehen. An Stelle des 
saftigen blaugrünen Laubes treten später schmutziggrüne, schmal- 
lanzettliche, schlaff herabhängende Blätter an gleichfalls herabhän- 
genden Zweigen, der Baum gleicht dann einer Trauerweide, nur ist 
er lange nicht so zierlich wie diese. Ich kenne nur die kultivirten 
Bäume, man pflanzt sie am liebsten an trockenen hochliegenden 
Stellen; in seiner Heimath (Neuseeland) sah ich den Baum nicht; in 
Europa dürften die ältesten Bäume jene von Toulon sein, sie wurden 
im Jahre 1848 gepflanzt. 

Für Parkanlagen dürfte sich E. globulus kaum empfehlen, über 
seine technische Verwendbarkeit weiss ich nicht viel zu sagen. Der 
Stamm wird im Alter ganz verdreht und rissig und kann unmöglich 
ein brauchbares Bauholz abgeben. Das von diesem Gewächse ge- 
wonnene Febrifugum wird man gewiss hochschätzen lernen, sobald 
das sonst viel verlässlichere Chinin nicht mehr zu haben ist. Für die 
Bepflanzung trockener dürrer Stellen eignen sich Bäume mit horizon- 
talen Blättern jedenfalls besser als solche mit vertikalen ( — ich 
erinnere an die trostlosen Wälder Australiens, sie machten mir immer 
den Eindruck, als ob sie ganz nutzlos da stünden, allerdings ist E. 
globulus laubreicher als. seine austral. Verwandten). Dagegen müsste 
er sich für Sumpfgegenden empfehlen, nur scheint es, dass der Baum 
a^n solchen morastigen Orten nicht recht gedeihen will; jedenfalls 
wäre es räthlich, weitere Versuche damit anzustellen. 

Pola, am 6. Dezember 1874. 



Reiseerinnerungen an Spanien. 

Von Moritz Winkler. 

(Fortset/.uog.) 

Die reine trockene Luft gestaltete ein schnelles Abtrocknen 
unserer gesammelten Schätze und eine zweite Exkursion nach Alora, 
einem Städtchen oberhalb der gleichnamigen Station der Eisenbahn 
nach Madrid, 4 Meilen von Malaga entfernt, in reizender Lage, etwa 
500 Fuss über dem Thalkessel gelegen, durch welchen die Bahn 
führt, und wo man hübsche Villen, saubere Gärtchen und schattige 
Baumgruppen findet. 



27 

Auf den felsigen Höhen hinter der Stadt sammelten wir: Cam- 
pannfa moUis L., Centaurea svfphurea W., Cynara Cardimculns L., 
Echiiim crelicnm L., Elymus crlnitus Schreb., Erucastrwn incanum 
Koch, Ferula nodißora L. , Fvmaria corymhosa Dsf. , Helianthemnm 
larandnlaefolitim DC. , Herniaria poli/gonoides Cav., Jasione hle- 
pharodon B. Rt., Lacfnca tenerrima Poir., Linaria lanigera Desf., 
Putoria hispanica B. Rt., Ruta 7nontana L., Sfatice echioides L., 
Thymus jnostichina L., Tragopogon dubius Vill. und Verbascum si~ 
nuatutn L. 

Nun gelüstete es uns, auch den Standort von Abies Pinsapo 
Boiss. auf den Gebirgen um Ronda aufzusuchen und diese so pflan- 
^enreiche Gegend zu durchstreifen. Bis Pizarro benutzten wir die 
Eisenbahn und bestiegen dort gemiethete Pferde. Die Eisenbahnstation 
ist mit Punica granattim L. eingefasst, und ihre glänzend dunkel- 
grünen Biälter und brennendrothen Blüthen machten einen reizenden 
Effekt; bald senkte sich der Weg in ein breites abei ziemlich trocke- 
nes Flussbett mit Tamarix gallica und Neriiim Oleander ganz über- 
wuchert, und sobald man das jenseilige Ufer erklommen hat, glaubt 
man sich in die Wüste versetzt. Den Wanderer empfängt eine dürre 
Ebene, auf welcher nur die starre Zwergpalme, blaUlosc, mit düster 
graugrünen schlanken Aesten versehene Sträucher von Retama sphae- 
rocarpa und vereinzelte stachlige Büsche diverser Ginster -Arten 
gedeihen. 

Ueberhaupt ist Spanien das Land der Dornen und Stacheln, 
was man anfasst, sticht und brennt; das Höchste leisten hierin die 
Agaven- und Opuntienhecken, in denen sich vielfach seltene Ge- 
wächse angesiedelt haben, die man nur unter Schmerzen und Blut- 
vergiessen herausziehen kann, nicht Minderes leisten in dieser Be- 
ziehung die Vlex- und Getiista-Arlen, Erinacea pwrgens, Astragalus 
necadensis und eine zahllose Menge von Dislelgewächsen. 

Bald hob sich der Pfad aus der Ebene empor, und nachdem 
wir das Städtchen Casasabonella, welches in fruchtbarer Umgebung 
am Fusse der Sierra Yunquera liegt, seitwärts umgangen hatten, 
begann ein wahres Klettern nach der Passhöhe, die ca. 3500 Fuss 
Höhe besitzen mag. Von hier ab senkt sich das Terrain etwas gegen 
Burgo hinab, um dann wieder mächtig anzusteigen bis zu einer 
zweiten Passhöhe von mehr als 4000 Fuss. Der Umblick hier ist 
starr und grossarlig, Hunderte von kahlen, wild verworrenen Fels- 
zacken starren rundum, von denen die höchsten in einen Wolken- 
schleier gehüllt waren, und in diesem öden Chaos schien alles Leben 
erstorben; aber es war nur scheinbar, denn zwischen den Felsen 
fanden sich hin und wieder an tieferen Stellen kleine Gerslenfelder, 
oft nur wenige Ouadratklafler gross, und man freute sich darüber, 
dass die Xolh auch hier den Menschen zu Fleiss und zu kulliviren- 
der Thäligkeil anspornt. Später begegneten wir einer Heerde Rind- 
vieh von mehr als 100 Stück, welche, so wie in der Schweiz, zur 
Sommerweide auf die Berge getrieben wurde. Es waren grosse und 
stattliche braune Kühe, aber von ganz anderem Körperbau, als das 



28 

Schweizer Vieh. Nachdem wir uns durch einen Schluck Wein ge- 
stärkt, und einigen Nationalgardisten, welche den Pass besetzt hatten, 
Rede und Antwort gestanden hatten, ging es dauernd bergab, und 
nach einem interessanten, aber beschwerlichen cilfstimdigen Ritt er- 
reichten wir Abends 9 Uhr die Stadl Ronda. Gute andalusische Pferde 
halten enorme Sfraj3azen aus; wahrend dieser 11 Stunden konnten 
sie nur ein einziges Mal I)eim Durchreiten des Baches bei Burgo 
trinken, Futter wurde ihnen wahrend der ganzen Zeit nicht gereicht, 
dabei kletterten sie auf völlig ungebahnten Wegen bei grosser Hitze 
über zwei hohe Gebirgspässe, und als wir unmittelbar vor der Stadt 
auf eine gebahnte Strasse kamen, begannen sie unaufgefordert zu traben, 
und dabei trug das eine Pferd ausser dem Reiter noch über 100 Pfd. 
Gepäck. Solchen anstrengenden Touren würden unsere deutschen 
Pferde kaum gewachsen sein. 

Ronda ist eine Stadt von ca. 20.000 Einwohnern; aber da sie 
vom Weltverkehr ganz ausgescldossen ist, hat sie ihr Alterthüm- 
liches in allen Beziehungen gewahrt, und man glaubt sich um zwei 
Jahrhunderte in der Zeitrechnung geirrt zu haben, wenn man ihre 
Mauern betritt. Nur die Wirthshausrechnungen erinnern an die mo- 
derne Zeit, die Wirthshäuser selbst sind noch ganz ursprünglich. 
Wir waren von Malaga aus in die beste Fonda rekommandirt, wo 
es ausser dem gemeinsamen Aufenthalte von Mensch und Vieh meh- 
rere Gaststuben gab, die Avir auch mit Beschlag belegten. In der 
ersten war sogar ein Fenster und eine Thüre, wenn auch Schloss 
und Klinke daran fehlte, in der zweiten waren aber nur die betref- 
fenden Löcher gelassen, und zwar für das Fenster eine viereckige 
Oeffnung am Fussboden, unter den Lauben vor dem Hause, wodurch 
am Tage ein lauschiges Halbdunkel erzielt wurde, in der Nacht 
konnte man ein Brett vorlegen, und wenn man den Stuhl davor setzte, 
blieb es geschlossen. 

Hungrig und durstig langten wir an und baten dringend um 
Speise und Trank, aber es verging eine Stunde, ehe wir ein Glas 
Wein bekamen, und dieser war des Aromas wegen mit Anisbrannt- 
wein versetzt, was ganz abscheulich schmeckte. Auf unsere Erkun- 
digung, warum das Essen noch nicht gebracht wurde, erwiederte 
uns der Wirth: er habe uns erst fragen wollen, ob wir die Zube- 
reitung nach englischer oder spanischer Manier wünschten. Natürlich 
wählten wir die englische Kost, und als wir nochmals eine Stunde 
gewartet, kam die bekannte dicke, spanische Nudelsuppe, fast brei- 
artig eingekocht und übermässig mit Kn()l)lauch gewürzt, ihr folgte 
das tägliche Leibgericht der Spanier, (iarbanzos, ebenfalls mit Knob- 
lauch zubereitet, und zum Schlüsse ein Repphuhn mit Knoblauch ge- 
S|)ickt. Das war die englische Küche, und wir lachten unbändig über 
diese originelle Frechheit unseres biederen Wirthes, womit er sein 
Hotel herausstreichen wollte. 

Die Stadl Ronda besieht aus zwei Theilen, welche durch eine 
fast senkrechte Felsenspalle von 200 Fuss Tiefe getrennt werden; 
eine Brücke darüber vermittelt die Verbindung. Die Lage ist ganz 



29 

reizend und die Tempcralur durch die hohen umgebenden Berge 
gemässigt. Den ersten Tag durchstreiften wir die Umgegend und 
wurden l'iir unseren Fleiss reiclilich belohnt. Hatten wir den Tag vor- 
lier bei dem eiligen 3Iarsche die; Pferde kaum Ncrlassen i\önnen und 
nur Alliiiin roseinn L., Animi Visnaga L., Bu/iium ferulacemn S. S., 
Caucalis leplophylla L., Ceraslimn Boissierl Con., Cirshim echina- 
tum DC, (i'enisfa bijlura DC, Linum narbonense L., Quercus Bctl- 
lota Des!" , Saxifraga globulifera Desf., Scorzonera graminifolia L. 
und S. crtspa/ii/a Ijoiss., sowie Xeranlhemum inapertnm gleiclisam 
im Fluge altgerupft, so landen wir heute: Agrostemma coeli rosa L., 
Ali/ssum serpyllif'ollum DC, Anarrhimim bellidifolhim Desf., Arena 
filifolia Lag., Broiiivs macrostachijs l'arlat., Cynosurus efegans Dsf , 
Cyn. echinatus L., Er/üum albicans Lag., E. ilallciim Boiss., Erica 
sfricfa Don., Gladiohis segeluni Gawler, Helianlhemutn ledifoliiim 
Gawler, Herniaria incana DC, Iris foetidissima L., Linaria hirta L., 
Lonicera implexa Ait., Nepeta Apulegii Pier., Paeonia Broteri B. Rt., 
Phlomis herba venti L., Prolongoa setabensis DC, Ruta bracteosa L., 
Salvia lingitana Etil., Sediim micranlhum Bost., S. amplexicaule 
DC, Senecio pefraeus B. Rt., Seriola aetnensis DC, Sonchns agva- 
tilis Pourr., Thesiuni neradense Boiss., Trifolium micranthu/n Vid., 
Veleria rigida L. und Verbascum Thapsus L. nebst einer hybriden 
Form zwischen V. Thapsus und V. sinualmn. 

Der nächste Tag wurde der Besteigung der Sierra da Nieve 
gewidmet, wir braclien Friiii 5 Uhr mit guten Pferden auf und er- 
reichten die H()he, auf welcher Abies Pinsapo vorkommt, gegen 
J 1 Uhr Vormittags. Diese schöne und seltene Tanne bildet hier noch 
einen Bestand von mehreren tausend, zum Theil recht alten Stäm- 
men. Früher soll sie das ganze Gebirge bedeckt haben, jetzt ist sie 
schon eine Seltenheit geworden und dürfte bei der Sorglosigkeit und 
Indolenz der Bewoliner bald zu den ausgestorbenen Geschlechtern 
zu rechnen sein. Vergeblich suchten wir im ganzen Revier nach 
einigen Fruchtzapfen, es war keiner zu finden, man sagte uns, dass 
die Hamburger Gärtner gute Preise dafür zahlen, und daher ein 
ertragreicher Taglohn mit dem Sammeln derselben verdient wird. 

Die Hidien der Sierra da Nieve bergen manche seltene Pflanze, 
darunter: Achillea inicrophylla W. sp., Anthemis Bourgaei B. Rt., 
A. canescens Brot., Centaurea seosana Chaix, Crepis albida Vill., 
Erinacea pnngens Boiss., Erodi^im trichomanaefolinm L., Geraniuni 
malvaeflorum B. Rt. Helianthenunu polif'olium Pers., Helichrysum se- 
rolimim Boiss., Ilettrofaenia Ihaliclrifolia Boiss., Hippomarathrum, 
pterochlaemtm Boiss., Linaria snpina Boiss., Melilotns siilcala Desf., 
Microptis supinvs L., Moricandia Baniburaei, Omphalodes amplexi- 
caulis Lehm., Onobrychis eriophora Dsv., Scilla campanulata Ait., 
Senecio minutiis DC, Serralula pinnatißda Poi. , Silene mollissima 
Boiss., Taraxacum oboratnni Poir. und ValerianeJla tiiberosa L. 

Den drillen Tag verbrachten wir mit dcni Einlegen der reichen 
Ausbeule und am Aierlen Tage traten wir die Rückreise über Penna- 
ruvia und Gobanles nach Malaga an, wo wir noch Alliiun baeticuni 



30 

Boiss. , Centanrea eriocephala L. , Echinops strigosus L., Hedi/sarum 
Fontanesii Boiss., Kruhera leptophylla Hoffm., Lavatera triloba L., 
Medicago scutellata All., Nigella hispanica, Phlomis crinita Cav. 
sammelten. 

Bei unserer Einfahrt nach Malaga fanden wir die Stadt in 
grosser Illumination, und wir hörten auf unser Befragen, dass man 
nun in Beziehung auf politische Gestaltung den Stein der Weisen 
glücklich aufgefunden habe, indem man an Stelle der allgemeinen und 
später der Conföderativ-Republik nun die Cantönli-Republik gesetzt 
hatte, Malaga war damit auf einmal zu einem Grossstaat emporge- 
wachsen und der Jubel daher ganz gerechtfertigt. Steuern wurden 
nicht mehr erhoben, sondern die besser situirten Einwohner wurden 
nur h()fllichst eingeladen, einen Theil ihres Ueberflusses auf den Altar 
der Vaterstadt niederzulegen; da dem sich Weigernden Plünderung 
oder noch Schlimmeres drohte, beeilte man sich, dem freundlichen 
Ersuchen der Bandenführer auf das zuvorkommendste zu begegnen. 
Wunderbar bleibt es bei solchen Verhältnissen immerhin, wie in 
einem Lande, wo faktisch jede Autorität vollständig lahm gelegt war, 
sich doch immer noch eine gewisse Ordnung etablirte, und keine 
schlimmeren Exzesse zu verzeichnen sind. Man konnte mit Ausnahme 
der Provinzen, in welchen die Carlisten hausten, sich überall frei 
und unbehindert bewegen, ohne irgend einer Gefahr ausgesetzt zu 
sein. Jeder Ortsvorsteher (Alcalde) hielt in seinem Bezirke die Ruhe 
aufrecht, und wenn auch nicht nach den bestehenden Gesetzen, so 
urtheilte er doch nach seit alter Zeit geltendem Herkommen; ja die 
Kaufleute in Malaga versicherten uns, dass während keiner der frü- 
heren Regierungen so wenig Diebstahl und Messersticiie ausgeführt 
worden wären, als gegenwärtig, was allerdings darin mitbegründet 
lag, dass alle Bummler und Taugenichtse als Bürgergardisten eine 
gute Besoldung erhielten, oder unter den Fahnen Don Carlos standen. 

Merkwürdige Zustände lassen sich in Spanien überhaupt konsta- 
tiren. Zustände, die anderswo wenig glaubwürdig erscheinen. So hatte 
man, um die Stadt Ronda in irgend eine Verbindung mit der Eisen- 
bahn zu bringen, den Bau einer Strasse nach Gobantes beschlossen und 
arbeitet bereits 7 Jahre an der Ausführung dieses schmalen, etwa 
6 Meilen langen Weges. Etwa eine gute Meile von Ronda aus war sie 
in dieser langen Zeit erst fahrbar gemacht, die übrige Strecke war 
theils noch im Bau begriffen, theils waren die fertigen Stücke ent- 
weder mit Steinen verfahren oder mit mannshohen Disteln bewachsen, 
so dass weder ein Fussgänger, noch ein Reiter sie passiren konnte, 
und man sich gezwungen sah, kreuz und quer über die seitlich ge- 
legenen Hügel weg einen äusserst beschwerlichen Pfad zu suchen. 
Nur an drei Stellen beobachteten wir Arbeiter ; auf dem ersten 
Punkte waren fünf Menschen und drei Esel beschäftigt, von einer 
anliegenden kleinen Höhe Steinchen herab zu schafFen. Die ganze 
Entfernung betrug kaum 50 Schritt, und eine Manneskrafl konnte 
bequem auf die Strasse hinabwerfen; aber daran dachte man gar 
nicht. Die 5 Menschen klaubten die kleinen Schottersteine in eine 



31 

iMuUlo ein, scliültotiMi sie dann in Sj)artokörbe, welche den Eseln au(- 
yelnuiden waren, und trieben die beiadenen Thiere nun die wenigen 
Schritte abwärts; dort wurden die Schottersteine wieder einzeln aus 
den Körben herausgenommen und auf die Strasse geworfen. Jeder 
verstiindige Sinn muss sich empören über solche Vergeudung von 
Geld und Menschenkraft; dass Zeil und Geld verwandte liegriffe sind, 
mag dem S[)anier nicht einleuchten, denn Zeit hat er immer übrig, 
aber Geld niemals. 

Etwa eine halbe Meile westlich von Malaga geht der Küsten- 
fluss Guadalhore ins Meer, der im Frühjahr reissend anschwillt; aber 
im Sommer wenig Wasser hat. Der Umgebung desselben statteten 
wir noch einen Besuch ab und fanden dort: Ammi majus L., An- 
chvsa calcarata Boiss., Anlhemis mixta h., Dauciis aureus Desf., 
Malva porcifkrra L., Melilotns messanensis AU., Miimm montamtm 
Farlat., Pohjpogon maritwms W. , P. monspeliensis Desf., Pulicaria 
arabica Cass., P. siciila Mor. , Ridolphia segetum Mor., Rottboellia 
hicurcata L., Sarharuin lagvroides Pourr., Scolymus macvlalvs L., 
Sedum altissimum DC. und Xanfhnun macrocarpum, DC. 

Vor unserer Abreise von Malaga hatten wir die Freude, Herrn 
Staatsrath Wilkomm, welcher nach zweimonatlichem Aufenthalte auf 
den Balearen eine Tour durch das spanische Festland gemacht halle, 
nochmals wieder zu sehen; wir besuchten gemeinschaftlich mit ihm 
und dem als Botaniker wohlbekannten Apotheker Prolongo den rei- 
zend angelegten englischen Kirchhof, fanden dort Cleome riolacea L. 
und Pimpinella peregrina L., verlebten einen frohen Abend, packten 
den nächsten Tag unsere Effekten zusammen, und Avendeten uns nach 
Granada. 

Der erste Theil der Bahnstrecke läuft in einem freundlichen 
und ausserordentlich gut kultivirten Thale, bei der Station Gobantes 
aber riurchbricht sie ein wildes Felsengebirge mit hoch romantischen 
Ansichten, Tunnel reiht sich an Tunnel, und wenn man den einen 
verlässt, um in den anderen einzutreten, sieht man in schauerliche 
Abgründe oder auf himmelhohe, zerklüftete Felsen, die chaotisch 
durcheinander geworfen sind. Bei Bobadilla trennt sich die Bahn 
einerseits gegen Cordoba, andererseits gegen Granada; doch ist die 
letztere Route noch nicht ganz fertig, sondern bei dem Städtchen 
Loja wird man etwa eine Meile weit mittelst Diligence befördert, 
um jenseits wieder den Anschluss zu erreichen. Der Verkehr ist 
äusserst schwach, und es geht täglich nur ein Zug, welcher Nachts 
gegen 12 Uhr in Granada ankommt. 

Wir blieben nicht in der Stadt selbst, sondern nahmen Quartier 
auf der Alhambra, in der Fonda der Sieta suelos, welche ihren Na- 
men einem alten maurischen Thurme von 7 Stockwerken entlehnt 
hat, von denen gegenwärtig aber nur noch 3 vorhanden sind. 

Die Einfahrt durch den Park der Alhambra ist wirklich über- 
raschend, so wie man die Häuser der Stadt verlassen hat, glaubt 
man sich plötzlich in einen dichten Wald versetzt, man hört Quellen 
rauschen, und angenehme Kühle erfrischt die ermatteten Glieder. Kein 



32 

Wunder, dass die Spanier, welche unsere deutschen Wälder nicht 
kennen, Granada für ein Paradies halten, dem kein zweites auf dieser 
Erde ehenbiirlig- zur Seite steht, und ich kann nicht läug-nen, dass 
mir Granada mit seinen Erinnerungen ebenfalls ins Herz gewachsen 
ist, es lebt eine stille Sehnsucht in mir, nochmals durch diese geseg- 
neten Fluren zu wandeln, in denen ich fast drei Monate verweilte. 

Die Stadt Granada bietet wenig Besonderes und würde in kei- 
ner Beziehung einen Enthusiasmus erwecken, aber die Lage der- 
selben in einer fruchtbaren Umgebung, der herrliche Anblick der 
schneegekrönten Nevadakelte und die altehrwürdige Alhambra wir- 
ken beseligend und erhebend. Die Cathedrale, in welcher die Ge- 
beine Ferdinand's und Isabella's, sowie Philipp des Schönen und der 
Johanna ruhen, ferner die Cartuja , ausgezeichnet durch herrliche 
Mosaikarbeif, Schnilzwerk und verschwenderischen Reichthum an 
prächtigen Marmorsorten, sind die sehenswürdigsten Gebäude der 
Stadt. Originell sind auch die vielen Erdhöhlen am rechten Ufer des 
Flusses Dorro, welche von einer grossen Anzahl Zigeuner bevölkert 
sind. Die Ebene von Granada wird von vier Gebirgsflüssen durch- 
zogen, dem Darro, Jenil, Monachil und Dilar und die hierauf basirten 
Bewässerungsanlagen, welche noch aus den Zeiten der Mauren her- 
rühren, sind bewundernswerth. Jedes kleine Fleckchen Acker erhält 
täglich zu richtiger Zeit das benölhigte 0»antum Wasser, nach uralt 
hergebrachten Gesetzen und in genau abgegrenzten Zeiträumen. Um 
keinen Irrthum bezüglich der Nachtstunden aufkommen zu lassen, 
welcher durch Ueberhörung der Uhren entstehen könnte, tönt von 
allen Thürmen der Stadt und der umliegenden Ortschaften Abends 
zwischen 9 — 10 Uhr alle fünf Minuten ein Glockenschlag, zwischen 
10 — 11 Uhr zwei und zwischen 11 und 12 Uhr drei Glockenschläge, 
nach Mitternacht fängt die Zahl wieder mit 1 an u. s. f. 

(Fortsetzung folgt.) 



Literaturberichte. 

„Reciicil des meinoires et des travaux publies par la societe de bo- 
(aniqiie du Ciiraiid-Duche de Liixenibonrg.'- Nr. 1. 1874. f.uxem- 

bourg. Schroell. 

In Luxemburg hat sich ein botanischer Verein gebildet, dessen 
Zweck die Erforschung des Grosslierzogthums und die Zusammen- 
stellung eines Landesherbars ist. Die Mitglieder versammeln sich jeden 
Samstag, bei welcher Gelegenheit die botanischen Ausflüge festgesetzt 
werden. Miniatlich werde. i tieren wenigstens zwei unlernommen. Die 
erste Nnnnner der Jahresberichte dieses Vereins ist bereits 1874 unter 
obigem Titel erschienen. Auf 80 Oktavseiten bringt sie ausser den 
Statuten, welchen die oben angefidirten Notizen entlehnt sind, und 
der Mitgliederliste der Reihe nach: 1. die Entstehungsgeschichte des 



33 

Vereines (vom Vereinssckreliir Kollz), aus der sich crgiht, dass der 
Verein sein vorziiüliehes Anoennierk auf Kryptoganien und Pflan/xMi- 
fossilien riclden will, da die l'lianeroijiaincnnora wenijr nieiir zu wün- 
scluMi id)rio- lasse. 2. Eine Aufzalduno- (1(m- l'hanerogamen, weUIio 
im Grossherzoollium seil der VerDUenliicliuniJ- von Tinanl's Flora von 
Luxemburcr ( ls:]6j entdeckt worden sind. CCileielifalls von Kolt/,.) 3. 
Einen Abdruck aus der ^Bol. Zeit. 42. 1873 über Hijmcnophi/llum 
tunbrigense (L.) Sm. von Dr. P. Asclierson," da der Standort („in 
rupihus prope ßel'orl") dieses Zwergfarns im Gr. H. L. gelegen ist, 
und die si>llene Pllanze neuerdings von Koltz an zwei Stellen aufge- 
funden wurde. Darauf folgt 4. nach briellicher Miltheilung von Dr. 
Rossbach eine Abiiandlnng: .,Ueber eine zweifelhafte, vielleicht neue 
SaxifrcHja,'^ welche zur 7. Rotte (Dactyloides) Koch's gehörig, näher 
mit S. caespifosa L. (decipiens Ehrh.) und .S. spnnhemica Gm. (con^ 
fusa Lej.), als mit S. hi/pnoides L. verwandt, aber doch auch von 
beiden ersteren deutlich verschi(3den sei. In ausführlichen Tabellen 
werden die Unierschiede hervorgehoben. Dem scldiosst sich an 5. 
Stelle an ein „Catalogue des plantes vasculaires de la llore du Gr.- 
D. de Luxembourg" von Koltz, worauf 6. eine Notiz über die be- 
rühmte Linde von Schimpach folgt. Schliesslich ersucht der Verein 
um Beitrage an Material für die Sammlungen : altere Herbarien, 
Publikationen, die sich auf L. beziehen, Pflanzen, welche in diesem 
Lande gefunden Averden, die fossilen nicht ausgeschlossen, sind na- 
mentlich erwünscht. Dem schönen Unternehmen ist recht viel Theil- 
nalime zu wünschen. W. 



Correspondenz. 

Er) au in Ungarn, am 3. Dezember 1874. 

Im Jahre 18G9 brachte mir ein am hiesigen Gymnasium Slu- 
dirender etliche Zweige des Viscnm albiini mit der festen Behaup- 
tung, dass er selbes an Eichen um den Teich bei Felso Tärkany 
nächst Erlau gesammelt habe, Ich Hess daher mehrere Exemplare 
sammeln und verschickte selbe an meine Ivorrespoiuienten, die Eiche 
als Substrat angebend. Als ich aber viel später irgendwo las, dass 
das Viscnm auf Eichen nicht vorkommt, fasste ich einen Verdacht, 
begab mich auf den erwähnten Standort und fand das Viscnm, nach 
Durchstreifen der ganzen nächsten Umgebung, nicht auf einer ein- 
zigen Eiche, sondern in Menge auf Popnlus nigra schmarotzend, 
überzeugt über die Richtigkeit der Behauptung, dass Viscnm auf 
Eichen nicht vorkommt. Ich ersuche demzufolge jene Herren Botani- 
ker, welche das Viscnm von mir besitzen, auf der Etiquette statt: in 
quercubus ganz richtig: in Populo nigra zu setzen. — Auch Herr 
Dr. A. Iverner in seinen Vegetationsverliällnisseu, Oesterr. hol. Ztschr. 
XX, 23G, verleitet durch meinen Irrthum, gibt das Viscnm bei Felsö 

Oesterr. boUn. ZeitscUrift. 1. lieft. ItiTö. 3 



34 

Tarkany axi auf Eichen vorkommend, welcher Fehler jedoch nicht 
ihm sondern mir zuzueig-nen ist. Ebenso auf meinem Irrthum beruht 
die Angabe der Artemisia camphorata Vill. auf dem Agardi bei 
Erlau. (Kerner's Vegetationsverhültnisse Oest. bot. Z. XXI, 102.) — 
Ich fand dort zwischen Weingärten nächst einer Hiitte einen ziemlich 
grossen Strauch und sammelte mehrere Aeste in der Bliithe, um 
solche an meine Freunde zu versenden. — Ich suchte seither jeden 
Sommer diese Artemisia in der g-anzen Umgebung, jedoch ohne Er- 
folg, denn ich fand keine. EndlicTi auf den Gedanken verfallend, dass 
sie vielleicht dortiiin verpflanzt wurde, stellte sich nach Anfragen bei 
dem Grundeigenthümer heraus, dass die Artemisie vor mehreren 
Jahren an jetzigen Standort aus einem Hausgarten versetzt wurde. 
Es kommt daher keine wildwachsende Artemisia camphorata Vill. 
bei Erlau vor, sondern nur kultivirt. M. Vräbelyi. 

Pola, am 9. Dezember 1874. 

Ich habe gestern zum ersten Male Anemone Hackelii Pohl vom 
Öriginalstandorte zu Gesicht bekommen, und es freut mich, Ihnen 
nun berichten zu können, dass ich g-enau dieselbe Pflanze vor zwei 
Jahren bei Torda in Siel)enbi"irgen g-efunden habe. Auch an diesem 
Standorte kommen A. Pulsatilla und A. patens (und zwar gewöhn- 
lich in gesonderten Heerden) vor. — In Fuss Flora Transsilvaniae 
wird A. Hackelii zwar unter Nr. 41 angeführt, der Autor zitirt hier- 
bei jedoch Schur und macht ausdrücklich die Bemerkungen: „absque 
loco natali" und „e patria non vidi." — Nunmehr dürfte die Art 
für Siebenbürgen gesicliert sein. Bei dieser Gelegenheit erwähne ich 
noch, dass ich im vorigen Jahre zwei für Siebenbürgen neue Pflan- 
zen gefunden habe, nämlich Trifolium incarnatum L , welches ich 
in grossen Mengen an der Eisenl)ahn zwischen Bänffy-Hunyad und 
Egeres (nahe der Wasserscheide) antraf, und dann Verbascum Wierz- 
bickii HeufF., welches am Bahndamme und auf Grasplätzen zwi- 
schen BänfFy-Hunyad und Malomszeg vorkommt. Für die Flora Ost- 
Ungarns entdeckte ich ein bis dahin noch unbekanntes botanisches 
„Dorado" in der Gegend längs der Eisenbahn zwischen Rev und 
Bucsa, nämlich da, wo die scimelle Korijs die mächtigen Kalkfelsen 
des Rezgebirges in einem engen Defile durchbricht. Von den vielen 
Seltenheiten, welche ich dort zu sammeln so glücklich war, erwähne 
ich nur Aspleninm lepidum Presl (die Richtigkeit der Bestimmung 
wairde von Dr. Kuhn in Berlin konstatirt). — Dieses niedliclie Far- 
renkraul kommt in den feuchten Ilidilen am Körosflusse bei Rev vor 
und hat sich auch bereits in einem der drei Bahntunnels anzusiedeln 
begonnen. — Der erwähnte Standort ist der zweite in Ungarn, nach- 
dem die Angabe Rochel's (vcrgl. Neilr. Nachl'-äge zur Aufzählung 
der in Ungarn und Slavonien beol)achteten Gefässpflanzen. p. 2) durch 
Janka ebenfalls Bestätigung gcrunden hat. — • Zugleich ist aber der 
Standort bei Rev auch der nördliciiste bisher beobachtete und vom 
nächsten bekannten im Banale über :U)0 Kilometer enl lernt. 

J. Freyn. 



35 

Graz, am 10. Dezember 1874. 

Soeben crfulir icli, dass Herr Rudolf Gussenbauer, Declianl und 
Stadtpfarrer zu WoHsbero- in Kärnten am 30. November verslorben 
sei. Früher Pfarrer zu St. Peter im Kalsclitliale, war er eifri«- mit 
Durclil'orscliuny di(;ses in bolanisrlier Ik'zieliiing so reichen Thaies 
beschafliiil. Die Ik-rliarien des % erstorbenen Landesgeriilits-Priisiden- 
ten Eduard Killer v. Josth sind kauilich an das Stift Rein bei Graz 
übergegangen. Für das llerbar des verst. Statthallereiralhes Raron 
F'ürslenwarther, welches so schöne Exemplare der sleiermarkischen 
Alpenflora aufzuweisen bat und von den Erben um den Spottpreis 
von 2U0 fl. abgelassen würde, hat sich bisher kein Käufer gefunden. 

J. C. Ritter v. Pitloni. 
Krakau, den 11. Dezember 1874. 

Das Resultat meines diesjährigen Ausfluges in die Krim ist 
ziemlich günstig ausgefallen. Ich sammeile im Ganzen lü3ü Phanero- 
gamen, also fast Vs all*^'' ^'uf der Halbinsel bis jetzt beobachteten 
Pflanzen und trotzdem, dass diese Gegenden bereits von so namhaften 
Botanikern, wie Pallas, M. Rieberstein und Steven untersucht wurden, 
gelang es mir doch, mehrere für die Flora des Landes neue und 
einige noch gar nicht beschriebene Formen aufzufinden, unter den 
letzteren ein sehr interessantes, einjähriges Delphuüum mit zwei 
Carpellen, ich habe es meinem Landsinanne Herrn Slurmunlt in 
Balaklawa zu Ehren D. Skirniunttl genannt. Die reichhalligste Ge- 
gend am südlichen Ufer der Krim ist immer Sudak; Otiosma pohj- 
phyllum Led., Iledysarum candidum MR., 0.vi/fropis Pallasii Pers., 
Äsfra(/aius rupifragus Pall., Älsine glomerata MR., Dianlhus bicolor 
MR., Hclianthemum saliclfuHum Pers., H. prociimbcns Dnnal., Bupleu- 
rum cxcdtatiun MR., Seseli dichotomum Pall., ,S'. gvminiferum Pall. und 
viele andere Seltenheiten sind hier ganz gewöhnliche Pflanzen. Das 
Thal Laspi war reich an Pflanzen für Compere, der es 20 Jahre laug 
bewohnte, im Ganzen hat es aber nur wenige Pflanzen, welche wo 
anders nicht zu finden wären; Orchis Cojnpericaia Sle\. fand ich hier 
in den Ruchenwäldern ziemlich häufig. Die Vegetation der hiesigen 
Jajla ist ziemlich monoton, ich bestieg drei höchste Kuppen der 
Krim: den Czatyrdagh, den Demerdzi und den Rabugan, habe aber 
überafl dieselben Formen gefunden. Ebenso monoton ist die Vegetation 
der Steppen, die einzige Ausnahme bilden die Hügel bei Karasubasar, 
wo ich auf einem kleinen Räume das praclitvelle Hedijsaruni tauri- 
cum Pall., H. candidum MR., Inlghella purpurea DC, Jurinea linea- 
rlfolia DC, Convolni/us Cantabrica L., C. Iriqueter n. sp., C. holo- 
sericeus MR., Rniiiia laurica Hoflm., Ferula orienfalis L., Dianthus 
Pseudoarmeria MR., D. bicolor MR., Alsine glomerata MR , Liniim 
nodiflorum L , L. hirsutnm L., L. tenuifolinm L., L. sgnamulosum 
Rad., Haplophyllum tauriciim Spach., Galium tauricum R. et Schult., 
G. teniiissimum MR., Nonnea taurica Led., Salcia Uablifziana Willd., 
S. Sibthorpii Sm. gesammelt hahe. Die Ufer des Sciiiwasch — s. g. 
faules Meer — , welche ich auf der Strecke von Tusluszyjkil bis zur 
Mündung des Salgir bereiste, sind sehr reich an Halophyten. von 

3* 



36 

interessanteren nenne icli Obione vierrucifera Moqu. Tand., Campho- 
rosma perennis Fall., Hnlocnemum caspicum MB., H. strobUaceum 
MB., Sueda proslrata Fall., Aeluropus UtloraUs Fart. , Frankenia 
pulcerulenta DC, Fr. lüspula L., auf grasigen Stellen ist dagegen der 
Monotyp AeropiUon Picris C. A. M. zienilicli häufig. Die Doubletten 
von meiner diesjährigen Ausbeute verkaufe ich (150 — 350 Sp.) zu 
15 fl. die Centurie, einige weniger vollständige Serien (90 — 150 Sp.) 
auch zu 10 fl. In Sudak lebt der ehenialigo Ouaraulänen-Beamte 
Sielecki, ein Pole, der mit Steven befreundet war und mit grossem 
Eifer Pflanzen und Insekten sammelte. Geg-enwartig; will er seine 
Samndungen verkaufen. Die PflanzenkoUektion kann im Ganzen 900 
bis 1000 Spezies enthalten, darunter viele ausgezeiclmete Selten- 
heiten, leider haben einige Familien (Umbelliferen, Compositen) stark 
von Würmern g-elitten; die Kollektion konnte aber für ein grosseres 
Herbar, wo die taurische Flora schlecht vertreten ist, eine sehr gute 
Acquisilion bilden, Sielecki verlangt für dieselbe 70 Rubel. 

Dr. A. Rehmann. 



Personalnotizen. 

— Eduard Brandmayer ist am 15. Dezember nach längerem 
Leiden geslorben. Er wurde im J. 1810 geboren, war bis zum J, 
1844 Apotheker in Wien und etablirle sodann eine Fabrik chemischer 
Produkte, die er bis vor wenigen Jahren leitete. Seit dem J. 1848 
fungirle er als Gemcinderath der Stadt Wien und seit dem J. 1862 
als Vorstand des V. Bezirkes. Sein Wirken in letzteren Eigenschaften 
wurde vom Kaiser durch Verleihung des gold. Verdienstkreuzes mit 
der Krone und von der Ssadt durch Verleihung der grossen gold. 
Salvator-Medaille ausgezeichnet. Für die Botanik interessirle sich B. 
erst die letzleren Jahre seines Lebens, dafür aber entwickelte er eine 
desto grossere Energie in seiner botanis'Mien Thätigkeit. Er legte ein 
Herbarium an, sammelte fleissig und knüpfte zahlreiche botanische 
Verbindungen an, stellte kleine Sammlungen zusammen, die er an 
S.huleu veriiieilte und ordnete das Herbarium der zool. -botanischen 
(Gesellschaft. Aus Interesse für die Botanik wusste er auch den He- 
dakteur dieser Zeitschrift, zu dem er in mehrjaiiriger freundschaft- 
licher Beziehung stand, dahin zu beslinnnen, dass derselbe erst in 
seine Nähe und bald darauf in sein Haus zog. Die Konsequenzen 
dieses angehoirien Beisammenseins vereilcille leider der Tod. 

— Dr. Barschall und H. 31enges, welcher letzlere schon den 
General Gordon auf seiner Expedition bis Gondokora begieitet hat, 
unternehmen eine zoologisch-botanische Reise durch Abyssinien, den 
Sudan u. s. f. 



37 



Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 



— In einer SitzunfT der k als. Akademie der Wissenschaften 
am 22. OlWoher v. .1. überreirlile Dr. J. Peyrilscli eine Aljhandlun«- 
unter dem Titel: .,Zur Synonyinie einiger llippocralea-Xrhm'^. Der 
Verf. besprielit in <lerselben kritisch die Arten der von Miers in den 
Transacl. of the Linn. Soc. vol. XXVIII Part 11 aufgefidirten Gattuno-eu 
Hippocratea, Prionostemma, Frist imera, Hi/lenaea, Cnervea und An- 
Ihodon und zeigt, dass die Gattungen in dem Umfang-e, wie sie von 
Äliers begrenzt wurden, nicht, haltbar seien. Jede derseli)en enthiilt, 
mit Ausnainne von Cuerrea, Arten, die ihre niichsten Verwandten 
bei anderen Gattungen finden. Es wird die Ansiebt von Bentbam und 
Ilooker adojdirt, dass nach dem gegenwärtigen Stande, der Kenntnisse 
jene Hippocrafeacecn, die keine Iloischigen Friichte besitzen, zweck- 
mässig in eine Gattung (Hippocrntea der älteren Autoren) zu stellen 
sind. Die Arten werden nach den wahren Verwandschafts Verhältnissen 
in folgende Gruppen gebracht: Barbafae, Micranfhae, Comosae, Scu- 
tcUalae und Monocarpicae. 

— Die k. k. geologisclie Reichsanstalt feiert am 5. d. M. das 
25jährige Jubiläum ihres Bestehens. 



Literarisches. 

— Die 2. Auflage von Pritzers „Thesaurus literafurae bofanicae," 
deren Erscheinen dui'cii die Krankheit des Autors unterbrochen wurde, 
wird nun nach dessen Tode von Prof. Je-isen in Eldena zu Ende ge- 
führt werden. 

— Als einen Beitrag zur Moosflora von Spanien veröfFenlliclit 
Geheeb in der Flora 1874, Nr. 3.3 die von Fritze bei Gelegenheit 
seiner mit Winkler unternommenen botanischen Reise nach Spanien 
gesammelten IMoose. Es werden 54 Arten aufgezählt, darunter einige 
für Spanien neue. 

— Von Dr. Eduard Fenzl ist erschienen: .,üer Gartenbau 
(Gruppe If, Sektion 5)," 77. Heft des offiziellen Weltausstellungäbe- 
richtes, herausgegeben durch die Generaldirektion der Weltausstellung 
1873. (48 Seiten in Okt.) 

— Von den „Botanischen Untersuchungen" des Dr. N. J. C. 
Müller ist das 4. Heft bei C. Winter in Heidelberg erschienen. Es 
enthält: „Der sogenannte aufsteigende Saftstrom,'" als ersten Tlieil: 
„lieber die Vertheilung der xMolekularkräfte im Baume." (Okt. IGl 
Seiten mit Holzschnitten und 3 lithogr. Tafeln.) 



38 

Botanischer Tauschverein in Wien. 

Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Marchesetti mit Pflan- 
zen aus Istrien und Krain. — Von Herrn Priclioda mit Pfl. aus Nieder- 
österreich. — Von Hrn. Richter mit Pfl. aus Ungarn. — Von Herrn 
Wieshaur mit Pfl. aus Niederüsterreich. — Von Herrn Matz mit Pfl. 
aus Niederüsterreich. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Dr. Halacsy, Kiendl- 
mayr, Dr. Busenlechner, Boiiatsch, Dr. Purkyne. 

Aus N i e d e r o s 1 1! r r e i c h : Cortusa MatthioU, Daphne Laureola, 
Draba stellata, Eüomjmus latifolius, üelleborus viridis, Primula mi- 
nima u. a. eing. von Brandmayer. 

Aus Istrien und Krain: Artemisia coerulescens, Centaurea 
splendens, Edrajanthus Kitaibelli, Linum angustifolium, Lotus orni- 
t/wpodioides, Plantago Cornuti, Scabiosa atropurpurea, S- Eladni- 
kiana, Spiraea salicifolia, Trigonella ornithopodioides u. a. eing. von 
Marchesetti. 

Aus Niederösterreich: Anlhemis austriaca, Centaurea ba- 
densis, C. stenolepis, Cirsium canum, C. pamionicum, Dipsacus 
laciniatus, D. silüestris, Ecliinops spliaerocephalus, Festuca gigantea, 
F. glauca, F. heterophylla, F. rubra, Matricaria inodora, Verbascum 
Orientale, Veronica dentata u. a. eing. von Wiesbaur. 

Aus der Schweiz und aus Savoyen: Achillea moschata, 
Aconitum Anthora, Alsine linißora, Androsace carnea, Anthyllis 
monlana, Arahis muralis, Arctostaphylos alpina, Artemisia valesiaca, 
Astragalus arislatus, A. depressus, Bromuc rubens, Baffonia macro- 
sperma, Bulbocodium vernum, B. vern. albißorum, Bupleurum stellatum, 
Carex foetida, C. gynobasis, Centaurea valesiaca, Chamaeorchis 
alpina, Crassula rubens, Daphne alpina, Deschampsia Uttoralis, 
Dracocephalum austriacum, Ephedra helcetica, Fumaria capreolata, 
Geranium lucidum, Gentiana alpina, Gladlolus palustris, Helianthe- 
mum canum, H. pulcerulentum, Himanloglossum hircinum, Hypericum 
Richeri, Inula semiamplexicaulis, I. Vaillantii, Juncus trißdus, Li- 
gustrum ferulaceum, Linaria petraea, Linum monlanum, Littorella 
lacustris, Lumila lutea, Lychnis ßos Jocis, Myosotis Rehsteineri, 
Nigritella suateolens, Peucedanum Chabraei, Pinguicula grandißora, 
Plantago Cynops, P. serpentini, Potentilla caulescens, P. grandißora, 
P. petiolulata, Primula acaule X elatior, P. o/ficinale X acaulis, 
Ranunculus gramineus, R. parnassifolius, R. Thora, Rapistrum ru- 
gosum, Salix Scringeana, Saussurea depressa, Saxifraga aspera, S. 
planifolia, Scrophularia canina, Scutellaria alpina, Senecio incanus, 
Sideritis hyssopifoUa, Sison Amonium, Thaüctruni foetidum, Thlaspi 
Gaudiniana, Tozi'zia alpina, Trifolium alpinum, Trigonella monspe- 
liaca, Trisetum distichophyllum, T. Gaudinianum, Valeriana saliunca, 
Veronica acinifolia, Xeranlhemum inapertum u. a. eing. von Spiess. 

Oi)ige Pflanzen können im Tausche oder käuflich die Centurie zu 
fl. (4 TIdr.) al)gegeben werden. 



39 

Inserate. 
Einladung; zur Pränumeration 

auf den XXV. Jahrgang- (1875) der 
Oesterreichiscilcii 

Botanischen Zeitschrift. 

(öeslerr. bolan. Wocliciihlall.) 



Auf die ,,Oesterreichische botanische Zeitschrift," welche von dem 
hohen k. k. österr ei duschen und dem iiohen k. ungarischen 
Ministerium für Kultus und Unterricht den Mittelschulen 
empfohlen wurde, pranumerirt man mit 811. österr. W. (16 R. Mark) 
auf den ganzen Jahrgang oder mit 4 fl. österr. W. (8 R. 31ark) auf 
einen Semester und zwar auf Exemplare , die frei durch die Post 
bezogen werden sollen, nur bei der Redaktion: Wien, V. Schloss- 
gasse Nr. 15. 

Alle Buchhandlungen des In- und Auslandes nehmen ebenfalls 
Pränumerationen an. Die Versendung an die Buchhandlungen hat die 
Verlagshandlung C. Gerold's Sohn in Wien übernommen. 

Von dmi bereits erschienenen Jahrgängen können noch voll- 
ständige Exemplare gegen nachfolgende Preise bezogen werden: 
1. Jain-gang 4 11. (8 R. Mark) — 2. und 3. Jahrgang zu 1 fl. 
(2 R. Mark) — 8. bis 22. Jahrgang zu 2 fl. (4 R. Mark) — 23. Jahr- 
gang 5 fl. (10 R. Mark) — 24. Jahrgang 8 fl. (16 R. Mark) Bei Ab- 
nahme sämmtlicher Jahrgänge von der Redaktion, 20 Procent Nachlass. 

Skofitz. 

(V. ScJilossgasse 15 J 
Soeben erschien: 

Der Bauemtabak, eine Pflanze der alten Welt. 

Von L. Becker. 

Selbstverlag, Breslau, Neue Weltgasse 2. — Franco 80 kr. ö. W. 



In L. 0. Kern's Verlag (Max Müller) in Breslau ist soeben erschienen: 

Zur Abwehr der Schwendener-Bornet'schen Flechtentheorie. 
Von Dr. G. W. Körber, Prof. extr. ord. an der konigl. Universität 
Breslau. — Preis: ZVz Sgr. 



40 

Vorlag von Gebrüder Rornlriii^'cr (Kd. Eggers) in Berlin SW. , Zimmor- 

slrtisso 91. 

Botanischer Jahresbericht. 

Systematisch geordnetes I^epertorium 

d(?r 

Botanischen Literatur 

aller Länder. 

Unter Mitwirkung von 

Prof. Dr. Ascherson in Berlin, Dr. Askenasy in Heidelberg, Dr. Batalin in 
St. Petersburg, Dr. lüigler in Miin(;hen, Prof. Dr. Fliickiger in Strassburg, 
Dr. Focke in Bremen, Dr. Geyler in Frankfurt a. M., l'rof. Dr. .lust in Karls- 
ruhe, Dr. Kalender in Köln, Prof. Dr. Kanitz in Klansenburg, l'rof. Dr. Kny 
in Berlin, Dr. Kuhn in Berlin, Dr. Levier in Florenz, Dr. Low in Berlin, Dr. 
Lo.jka in Pest, Dr. \. Mayer in lleidi'lberg, Dr. H. Müller (Thurgau), Ober- 
lehrer Dr. II. Müller in Lippstadt, Dr. Poyritsch in Wien, Prof l)r. Pfitzer 
in lleid(!lbcrg, Dr. J. Schrötter in Rastatt, Dr. Sorauer in Proskau, l'rof. Dr. 
Strasburger in Jena, Dr. IL de Vrios in Amslerdam, Prof. Dr. A. Vogl in 
Wien, Dr. E. Warming in Kopenhagen, 

licrausKCKcboii von 

Dr. Iieopold Just, 

Profpsior am Pulvtccliiiikiim in Karlsruhe. 

Krslor JalirRaii« (1K73) Hand l 20 »o,-. L(!X.-8. Preis 8 Mark. 
Die Schhi.ssabthcilung crsehien im Dezember v. .1. 



Herbariiiiii-Verkauf. 



Ein Herbarium plantarum Eui'opaearum, niil, Pflanzen von den namhafte- 
sten Sammlern, bestehend aus 7000 Spezies Phaneiogamen und 1000 Spezies 
Kryptogam(!n, wird um den Preis von JiOO fl. o. W. verkauft. — Selbes dürfte 
sich besonders für eine Lehranstalt Verwendern lassen, doch bieten die Genera 
Ruhua , IJieracium, Tüia, Diantims auch Monographen ein sehr reiches und 
wichtiges Material. Näheres in der Redaktion d. Zeilschrift. 

In Carl Wintcr's Universitätsbuchhandlung in Heidelberg ist soeben 

erschienen: 
31üller, Dr. .1. IV. C, Professor der Botanik an der k. Forstakademie in 
Münden, Botanische Untersuchungen IV. Ueber die Verlheilung 
dei' Molekularkriifte im Baumi;. Erster Theil: Der sogenannte auf- 
steigende Saflsliom. iMit Holzschnitten und .'i lithographirten Tafeln, gr. 8**. 
brosch. 1 Rth. 18 Sgr. 

^fi^ Früher erschien vom gleichen Verfasser: 

Botanische Untersuchungen I. U(;ber die Sauersloffaussidieidung der 
grünen l'ilaiizen im Soiuienlichtc^ Mit 1 lithogr. Tafel. — 1'2 Sgr. IL Be- 
ziehungen zwischen Verdunstung, Gevvebespannung und Druck im Innern 
der Pflanze. III. üebei' di(! Krümmungen der Pflanzen gegen das Soimeu- 
licht. Mit 1 lithogr. Tafel. — ';!4 Sgr. 

Uoilakt'Mir uinj lliT.ius{,'eber Dr. Alexandor Skofitz. — Verlaj,' von C. Gorold's fiiohix. 
Druck und fapicr der C. Ueberreutcr sehen üucbdruckerci (M. Salzer). 



Oesterreicliische 

Botanisclie Zeitschrift 

Gemeinnütziges Organ 

für 
i>ie »«terreichidche Exemplare 

bot»nl«cl.e ZeltKChiirt ttntailJL llllll RnfHIlikfT die frei (lurci .Jio lost ')e- 

ersRheint l>«lrtllIK UHU DUidlUHt/l) Z3f<-n werden sollen, sind 

den Krsten jeden Monats. bl»» bei der lledaktlun 
Mao^pran^unnorin^auf^sdbe ^-^.^^^^^^ ()ekoilOlll(Ml, ForSllllälllier, kv^/'' ^'vr^^:.^: '"' 

(in R. Marko . Im Wege des 

can/.jäli ri?. odf-r mit Anrilll('l'i>r IIMll Torlllli^PP Buchhandels übernimmt 

in. a.W. S Ji. Mark.) .'HHniRMI UHU IIUIIUMI. Pränumeration 

halbjährig. C. «erold's Soliii 

Inserate __ ^_ in Wien, 

die ganze l'etitzeile Pf_ 2 *" ^'"^ *"*^ übrigen 

16 kr. Ost. VV. XI- Ä^i Buchhandlungen. 



XXV. Jahigaiis. Wlö. Februar 1815. 

INHALT: Jubiläum der österr. bot. Zeitschrift. Von Dr. Kerner und Dr. Wiesner. — Neue Kern- 
pilzc. Von Niessl. — Vegetabilische Chromatoiogie. Von Dr. B ü rgers lein. — Vegetationa-Ver- 
haitnisse. Von Dr. Kern sr. — Siebenbürgische Marriibium-\Tlen. Von Janka. — Zur Kenntniss 
iliT Ranunculaceen. Von Val de Lievre. — Zur Flora von Mahren. Von Oborny. — Zur Flora von 
Ungarn. Von Bohatsch. — Reiseerinnerungen. Von VVinkler. — Literaturbericlit. Von R., S. — 
Correspondenz. Von Freyn, Janka, Plosel. — Botanischer Tausclivercin. — Inserate. 



Das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der Oesterr. botan. 

Zeitschrift. 

Aus Anlass des 25. Geburtstages der „österr. botan. Zeitschrift" 
wurde dem verdienstvollen Begründer und Redakteur dieses wissen- 
schaftlichen Journals, Herrn Dr. Ale.x. Skofilz, am 1. Januar 1875 
eine Ovation dargebracht, über welche die Unterzeichner zur blei- 
benden Erinnerung an diese Feier in nachfolgenden Zeilen kurz be- 
richten wollen. 

Die Unterzeichner hatten, nach Einholung der Ansicht zahl- 
reicher Fachgenossen die Ueberzeugung gewonnen, dass die Idee, 
Herrn Dr. A. Skofitz aus dem genannten Anlasse ein sichtbares 
Zeichen dankbarer Anerkennung für seine uneigennützigen Bestre- 
bungen und Leistungen als Redakteur zu geben, bei allen Mitarbei- 
tern und Freunden des genannten Blattes Anklang linden wird. Sie 
versendeten an alle jene Personen, von denen sich annehmen Hess, 
dass sie an der Ausführung der Idee Interesse nehmen, einen Auf- 
ruf, in welchem sie zur Unterfertigung einer dem Circulare im Wort- 
laute beigelegten Adresse und zur Subskription zu einem Ehrenge- 
schenke für den Jubilar einluden. 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 2. Heft. 1875. 4 



42 

Der Erfolg entsprach den Erwartungen; denn obgleich die ganze 
Angelegenlieit in etwa drei Wochen durchgeführt werden nmsste, 
sollte die Uebergabe der Adresse und des Ehrengeschenkes am Neu- 
jahrstage dieses Jahres erfolgen; so sendeten doch nahezu 200 Bo- 
taniker und Freunde der Wissenschaft die Zusage zur Unterfertignng 
der Adresse ein. Trotz der Kürze der Zeit hatte auch die Subskription 
für das Ehrengeschenk ein günstiges Resultat aufzuweisen. 

Am Neujahrstage begab sich eine Deputation, bestehend aus 
den Herren Regierungsrath, Prof. und Dir. Dr. E. Fenzl, Franz 
Bartsch und dem zuletzt Unterfertigten zu Hrn. Dr. Skofitz. Prof. 
VViesner begrüsste und beglückwünschte den Jubilar im Namen der 
Unterfertiger der Adresse. Letztere wurde in kalligraphischer Aus- 
führung, mit reicher Enveloppe versehen, dem Jubilar übergeben""'). 
Sodann richtete Reg.-Rath Fenzl eine warm empfundene Ansprache 
an Herrn Dr. Skofitz, welcher hierauf tief bewegt beiläufig mit 
folgenden Worten antwortete : 

„....Meine Verdienste um mein Journal sind nur sekun- 
däre. Hat es eine Bedeutung, so hat eine solche in Folge des 
hochherzigen Entgegenkommens seiner Mitarbeiter, und wenn es 
das Glück hat, den 25. Jahrgang zu erreichen, so verdankt es 
dieses zum grossen Theile der Munificenz unseres hohen Mini- 
steriums für Kultus und Unterricht. Gewiss aber ist mein ganzes 
Sein mit der botanischen Zeilschrift so innig verwoben, dass die 
mi(;h so ehrende, so erhebende Bethätigung Ihres freundschaft- 
lichen Wohlwollens überwältigend auf mich wirkt. Wahrlich die 
Mühen und Sorgen einer langjährigen Thätigkeit, sie sind reich- 
lich gelohnt durch das Erlebniss dieses Momentes, welches anzu- 
hofFen ich wohl nie gewagt hätte. Stehen mir auch die Worte 
zu Gebote, wenn ich zur Feder greife, befangen hasche ich nach 
denselben, wenn ich sprechen soll. Erlassen Sie mir daher jedes 
vergebliche Ringen, den Gefühlen meiner Dankbarkeit einen ent- 
sprechenden Ausdruck zu verleilien, und gestatten Sie mir, den- 
selben in die wenigen Worte zu kleiden — ich danke Ihnen 
und den vielen Anderen aus vollstem Herzen." 

Hierauf wurde von Herrn Bartsch das Ehrengeschenk über- 
reicht, welches in einem edel ausgeführten silbernen Pokal, der theils 
mit Silber-, theils mit Goldgranalien erfüllt war, bestand. 

Der Wortlaut der Adresse ist folgender : 

Herrn Dr. L Skofitz, 

Redakteur der „Oest. botan. Zeitschrift" in Wien. 

Hochgeehrter Herr! 
Mit Beginn dieses Jahres erscheint der fünfundzwanzigste Jahr- 
gang der von Ihnen begründeten, unter Ihrer Redaktion stehenden 
^Oesterreichischen botanischen Zeitschrift." 



*) Die Envoloppo wurde von der Firma Schlöps, die kalligraphische Ar- 
beit von le. Demer ausgeführt. 



43 

Wenn es selbst heute nach Ablauf eines durch den mächtigen 
Aufschwung- DPcisligen Lel)ens und Strebens in Oesterreich bezeich- 
neten Vierteljahrhunderfs kein Leichtes wäre, mit privaten Mitteln ein 
wissenschaCtliches Journal zu gründen, welche Schwierigkeilen landen 
Sie vor, als Sie, hochgeehrter Herr Doktor, im Jahre 1851 die „Oest. 
bot. Zeitschrift" in's Leben riefen ! 

Viele von den Unterfertigten dieser Adresse — Freunde oder 
Mitarbeiter Ihres Blattes — sind sich dieser Schwierigkeiten nur zu 
klar bewusst und wissen auch, dass die Gründung und Entwicklung 
Ihres Unternehmens fiir Ihr Leben eine Kette von Ar])ci!, Miihe und 
Aufopferung bezeichnet, dass Sie aber dennoch, oft mitten unter den 
griJssten Widerwärtigkeiten und stets ohne Aussicht auf materiellen 
Gewinn — an dem Werke weiter arbeiteten, damit in Oesterreich 
doch wenigstens ein Journal für die Entwicklung und Verbreitung 
botanischer Kenntnisse sorge, während im Jahre 1851, wie die ersten 
Blätter Ihrer Zeitschrift lehren, in Deutschland allein nicht weniger 
als acht botanische Zeitungen erschienen. 

Wenn wir die nunmehr 24 Bände umfassende Oesterr. botan. 
Zeitschrift durchblättern, so erkennen wir, mit welcher Umsicht, mit 
welchem Geschicke, wie frei von jeder Parteilichkeit die Redaktion 
dieses wissenschaftlichen Journals geleitet wurde, und wie reich sich 
der Inhalt dieses stattlich gewordenen Werkes gestaltet hat. Ohne 
Uebertreibung darf man es aussprechen, dass kein europäisches, der 
Botanik gewidmetes Journal bis jetzt für die Flora Mitteleuropas 
mehr geleistet hat, als das unter Ihrer Leitung stehende Unterneh- 
men, welches sich in Folge des Reichthums der darin niedergelegten 
Beobachtungen zu einem wichtigen Quellenwerk für spezielle Botanik 
emporgeschwungen hat. 

Die Unterzeichner wollen durch diese Adresse der Hochachlung 
für Ihre Leistungen und Ihre Person Ausdruck geben und bitten Sie, 
dieses Schriftstück als ein Zeichen dankbarer Anerkennung der Ver- 
dienste, welche Sie sich durch Gründung der Oesterr. bot. Zeitschrift 
um Hebung und Verbreitung der botanischen Wissenschaft erworben 
haben, freundlichst annehmen zu wolleoi. 

Unsere besten Wünsche begleiten Sie und Ihre edlen Bestre- 
bungen in die Zukunft. 

Wien, am 1. Jänner 1875. 

Folgende Unterschriften stehen unter der Adresse: 
Aeademischer Verein der Natur- IBaenitz Dr. C. 



historiker in Wien : Nussbaumer, 
Präses. 

Aichinger Valentin v., k. k, Gym- 
nasialprofessor. 

Ambrosi Francesco. 

Andorfer Josef. 

Antoine, k. k. Hofgarten-Direktor. 

Ascherson Dr. P., Prof. 



Bartling, Prof. 

Bartsch Franz. 

Beim Dr., Präsident und ger. best. 
Vertreter der kais. Leop. Carol. 
deutschen Akademie der Natur- 
forscher. 

Bentzel-Sternau Graf, k. k. Ritt- 
meister i. R. 



44 



Berdaii Dr. Felix, Prof. 

Bermann Josef. 

Berroyer E. 

Biliinek Dominik. 

Bochkoltz Wilhelm. 

Böhm Dr. Jos., Prof. 

ßoissier Edm. 

Borbas Dr. Vinz. 

Die kimigl. bair. bot. Gesellschaft 
in Regensburg: Prof. Dr. Singer, 
Direktor. 

Brassai Sam., Prof. 

BreifUer J. B., Architekt. 

Brauer Dr. Friedr., Prof. 

Braun Alex., Prof. 

Braunstingel Jos. 

Breindl Alf., Stationschef der Süd- 
bahn. 

Buchenau Dr., Prof. 

Burgerstein Alfred, Assistent am 
pflanzen-physiolog. Institute der 
k. k. Wiener Universität. 

Caruel T., Direttore all' Orto bota- 
nico e Professore all' Universitä 
Pisa. 

Caspary Roh., Prof. 

Celakovsky Dr. Lad., Prof. 

Chlumecky Job. R. v., k. k. Acker- 
bauminister. 

Csäto Job. V., Vicegespan. 

Ebner Joh. R. v. Rofenstein, k. k. 
jub. Hofrath. 

Ebner Dr. Vikt. v., Prof. 

Engelthaler H. 

Engler Dr. Adolf. 

Ettingshausen Dr. Konst. v., Prof. 

Feichtinger Dr. Alex., Physikus und 
Direktor der Oberrealschule zu 
Gran. 

Fenzl Dr. E., Reg.-Rath, Prof. 

Finger Julius. 

Focke Dr. W. 0. 

Förster J. B., Chemiker in Wien. 

Fritsch Karl, em. Vicedirektor der 
k. k. Centralanstalt f. Meteor, u. 
E. in Wien. 

Fuchs Th., Kustos. 

Garcke Dr., Prof. 



Die k. k. geograph. Gesellschaft in 
Wien: Präsid. Dr. F. v. Hoch- 
stetter, Helfert, Hauslab F. Z. M., 
Jos. Türck, Jul. Payer, Simony, 
Schwegel, Dr. Polak, Kanitz, A. 
Artaria, A. Steinhauser, M. A. 
Becker. 

Die Direktion d. k. k. geol. Reichs- 
anstalt: Fr. V. Hauer. 

Grzegorczek Dr. A. 

P. Gremblich Jul., 0. S. Franc. 

Gremli Aug. 

Grisebach Dr., Prof., Hofrath. 

Grundl Ignaz, Pfarrer. 

Haberlandt F., Prof. 

Haberlandt Gottl., Cand. phil. 

Halacsy Dr. 

Haller Dr. Karl, Primararzt. 

Hampe Dr. Ernst. 

Haussknecht, Prof. 

Haynald Dr. Ludw., Erzbischof von 
Kalocsa. 

Hazsiinszky Friedr. A. 

Hegelmaier Dr., Prof. 

Heidenreich Dr. 

Heinzel Dr. Ludw., k. k. Stadt- 
Armenaugenarzt. 

Heldreich Th. v., Direktor des bot. 
Gartens in Athen. 

Heller Karl B., Prof. 

Hinlerhuber Julius, Apotheker in 
Salzburg. 

Hinterhuber Rud. , Apotheker in 
Mondsee. 

Hoffmann Dr. H., Prof. (Giessen). 

Holuby Jos. L., ev. Pfarrer. 

Huter Rup. 

Janka Vikt. v. 

Irmisch Dr. Thilo, Prof. 

Junger Ernst, Kunstgärtner in Bres- 
lau. 

Juratzka Jakob. 

Kalbrunner Herrn. 

Kalchbrenner Karl. 

Kanitz Dr. Aug., Prof. 

Keck K. 

Kerner Dr. A., Prof. 

Klinggraff v. 



45 



Knaf K., Assistent f. syst. Botanik 

an der Univcrsiliit Prag. 
Knapp Dr. Jos. Ann. 
Kny Dr. L., Prof. 
Kornhuber Dr. A., Prof. 
Kra.san Fr., k. k. Gyiniiasial-Prof. 
Krenl)erger Jos. A., Weltpriesler. 
Kristof Lorenz. 

Krzisch Dr. Jos., k. k. Bezirks- 
arzt. 
Leonliardi Dr. Herrn., k. k. o. ö. 

Prof. der Pliil. 
Lerch Dr. Julius. 
Letücha, Kriegskommissiir. 
Lindemann Dr. Eduard v., kaiserl. 

russ. Staats- und Medizinalrath. 
Lorenz Dr. Jos. R., k. k. Ministe- 

rialratli. 
Lorinser Dr. F. W., k. k. Sanitäts- 

rath und Krankenhaus-Direktor. 
Magnus Dr. Paul. 
Makowsky Alex., Prof. 
Maly, Hofgcirtner. 
Marcliesetti Dr. 
Marenzeller Dr. E. v. 
Matz Maximilian, Pfarrer. 
Mayr Dr. Gust. 
Mendel Gregor , Abt des Stiftes 

St. Thomas in Brunn. 
Mikosch K., Stud. phil. 
Minks Dr. Arthur. 
Munter Dr. Julius, Prof; 
Miirle Karl, Konsistorialratli, Prof. 
Niessl G. V., Prof. an der tcchn. 

Hochschule in Brunn. 
Ortmann Johann, Rechnungsrath d. 

k. k. obersten Rechnungshofes. 
Pantocsek Josef. 
Pawlovvsky Dr. A v., k, k. Hofrath 

und Dir. der Theres. Akademie 

in Wien. 
Patze C. A., Stadtrath. 
Pelikan A. v., Vicepräs. der österr. 

Finanzlandesdirektion. 
Petter Karl. 
Peyritsch Dr. J. 
Pittoni J. C. R. v. Dannenfeldt, k. k. 

Truchsess. 



Poetsch Dr. J. S., Stifts- u. Kon- 
vikfsarzt. 

Pokorny Dr. A., Reg.-Rath, Dir. d. 
Leopoldsliidter C. Real- u. Ober- 
gymnasiums. 

Porcius Florian, Dislrikts-Kapitan. 

Pi'ihoda Mor. 

Rabenhorst Dr. L. 

Rauscher Dr. Rob. 

Rehm Dr. med. 

Rciimann Dr. A. 

Reichardt Dr. H. W., Prof. 

Reichenbach L., leg. Prasid. <ler 
kais. Leop. Carol. Akademie der 
Nalurf. 

Verein der Naturfreunde in Rei- 
chenberg, der Vorstand: Hlasi- 
wetz. 

Reitlinger Dr. E., Prof. 

Ressmann Dr. 

Rogenhofer Kustos. 

Ronninger Ferd. 

Sadebeck Dr. R. 

Sauter Dr. F., k. k. Bezirksarzt in 
Lienz. 

Schlickum Jul., Rentner. 

Schröckinger Freih. v., Sektions- 
chef. 

Schüz Dr. Emil in Calw (Würtem- 
berg). 

Schultz Dr. F. W. in Weissenburg 
(Elsass). 

Schulzer v. Müggenburg St. 

Sekera W. J., Apotheker. 

Senoner Adolf. 

Siegmund Wilh. 

Simony F., Prof. 

Smith Anna Maria. 

Staufer Vinzenz. 

Stein B., k. k. Universitätsgärtner. 

Sternbach Otto Freih. 

Stohl Dr. Lucas. 

Straehler Adolf, Revierförster. 

Sirasnicki L. v., k. k. Seklionsrath 
im Unterrichtsministerium. 

P. Strobl Gabriel. 

Stur Dionys, k. k. Bergrath. 



46 



Tangl Dr. Ed., Docent a. d. Uni- 
versität Leinberg'. 

Tommasini Mutius R. v., k. k. Hof- 
rath. 

Treiiinfels Leo. 

Türk Rudolf k. k. Ministerialse- 
kretiir. 

Uechtritz R. v., 

Urban Em., Gymn.-Prof. 

Väg-ner Ludw., Forst- u. Domänen- 
amtseinnelnner. 

Val de Lievre A. 

Veiten Dr. W. 

Viclguth Dr. F., Apotheker. 

Yogi Dr. A., Prof. 

Wawra Dr.^ k. k. Marinestabsarzt. 

Innsbruck und Wien, im 



Weiss Dr. Adolf, Prof. 
Wetschky Max, Apotheker. 

Widerspach Max Freiherr v., k. k. 
Hauptmann in Pension. 

Wiesbaur Jos. S. J. 
Wiesner Dr. Aug., Hof- und Ge- 
richtsadvokat. 
Wiesner Dr. Julius, Prof. 
Wilkomm Dr. Moritz, Prof. 
Winkler Moritz. 
Wolff A., Privatier in Würzburg. 

Wretschko Dr. M., k. k. Landes- 
schulinspektor. 

Zimmeter Albert , Oberrealschul- 
lehrer in Steyer. 

Jcinner 1875. 

Prof. A. Kern er. 
Prof. J. Wiesner. 



Neue Kernpilze. 

I. Serie. 

Vou G. V. Niessl. 

Ich habe den nachfolgenden Beschreibungen nur einige kurze 
Bemcriiungen vorauszuschicken. Aus den Gattungen Sphaerella und 
Gnomonia sind durch Auerswald, Fuckel und Andere bereits so viele 
Arten beschrieben, dass man die Aufstellung weiterer neuer Arten 
nicht ohne Missbehagen betrachtet; wenigstens beschleicht mich in 
diesem Falle ein solches Gefühl. Man nimmt leicht an, dass der Autor 
durch Rücksichten auf die verschiedenen Substrate beeinflusst ist, wie 
dies z. B. bei den Brandpilzen vorkam, und immer noch vorkommt; 
man fragt sich, ob es denn nicht angemessener wäre, Mehreres zu 
vereinigen und die Arten weiter zu umgrenzen, muss aber schliesslich 
doch zugeben, dass einer solchen Arbeit die möglichst vollständige 
Kenntniss der vorhandenen Formen vorausgehen müsse, und dass es 
für diesen Zweck besser ist, sorgfältig zu unterscheiden, als durch 
Zusammenziehung Eigenthümlichkeiten zu verdecken, wobei allerdings 
blosse Unterschiede des Substrates nicht massgebend sein dürfen. Bei 
meinen Beschreibungen habe ich jede Form hinsichtlich ihrer morpho- 
logischen Merkmale mit allen mir bekannt gewordenen hieher gehö- 
rigen Arten sorgfältig verglichen, und nur solche als neu angenom- 
men, welche gut fassbaro Unterschiede walirnehmen lassen, wobei 



47 

auf die Waclislhiimsverhällnisso des Mycels und der Perilhecien eben 
so viel Gewicht gelegt wurde als auf die Gestalt der Schläuche und 
Sporen. 

Die Gatluno Dulymospltacrin fasse ich in weiteren Grenzen auf, 
als ihr Gründer Fuckel. Analoir dem Vorgange bei den meisten 
anderen Gattungen iiiaclie ich auch liier keinen generischen Unter- 
schied zwischen dem Auftreten gefärbter oder farbloser Sporen. 
"V^'ird man dies wohl ohne weiters als plausibel zugeben, so dürfte 
es eher Widerspruch erfahren, dass ich auch eine Gruppe unter 
einander sehr verwandter Formen hieher gestellt habe , welche 
von den typischen bisher angenommenen Arten einigermassen ab- 
Aveichen. Schläuche und Sporen erinnern an die Gattung Sphae- 
rella, letztere indessen kaum minder an andere Didymospharien. 
Dazu kommt noch, dass die Paraphysen oft nur rudimentär ange- 
deutet sind, manchmal in eine schleimige Masse zusammengeballt, 
vielleicht sehr vergänglich, da man sie bei sorgf;dtigen Untersuchun- 
gen meist in jüngeren Perithecien wohl nachweisen kann. In dem 
Umstände, dass wirklich Paraphysen vorhanden sind, sowie in der 
Verbindung mehrerer, einzeln genommen iniuu^rliin schwankender 
Merkmale, als da siinl: grössere und festere Perithecien. Entwicklung 
des Wachsthums in der inneren Rinde, stärker definirte ilmidungen, 
Bildung der Schläuche, welche nicht wie bei den typischen Spharel- 
len rosettenformig aus einem Miltelpunkte entspringen — zeigt sich 
die unläugbarste Verwandlsciiaft mit den verschiedenen Gliedern der 
Pleosporeen, und nun unter Rücksicht auf die Sporenform zunächst 
mit Dklymosphaeria. Als eine ziemlich bekannte Form kann beispiels- 
weise SpJiaeria Brijoniae Fckl erwähnt werden. Während Auerswald 
diese ohne Rücksicht auf alle anderen Umstände, bloss weil ihm die 
Paraphysen nichl deutlicii schienen, zu Sphaerella zog, hat Fuckel 
mit Recht Anstand genommen dies zu thun, und sie, freilich ohne die 
äusserste Konsequenz zu ziehen, unter die undefmirten Sphärien vor- 
läufig eingereiht. Wie gefährlich die Berücksichtigung eines einzigen 
Merkmales bei der Bildung natürliciier Gruppen ist, hat eben in letzter 
Zeit Auerswald's Arbeit über die Sphärellen gezeigt, bei welcher 
höchst verschiedenartige Formen in eine gezwungene Verbindung ge- 
bracht wurden. 

Speziell zur erwähnten Gattung kann auch erwähnt werden, 
dass die Didymospharien, welche ich in der Gruppe b) beschrieben 
habe, die Vereinigung der ersten mit der letzten Gruppe herzustellen 
scheinen, so dass sich die ganze Gattung — gerade so, wie die 
Leptosphärien — ziemlich natürlich an Sphaerella ansihliesst. 

Zur Abkürzung sind die Dimensionen in Bruchform angesetzt, 
wobei der Zähler die Länge, der Nenner die Breite bezeichnet und 
als Einlieit Viooo Millim. oder der sogenannte Mikro-Millimeter gilt. 

Brunn, am 1. Dezember 1874. 

Gnomonift rtparia n. sp. Perithecia gregaria, sub epider- 
mide imnnttata rel parum fuscesrcntc nidulantia, demum nio.r libera^ 
majvscula, globosa, Tandem ßcrticc collapso, patellaefonnia, cnriarea^ 



48 

atra, rnstro cylmdraceo saepe cnrvato, perifhecii diametro interdnm 
duplo — triplo longiori, apice submembranaceo ; ascis clavato-fusoideis 

:'.2— 45 
snbsessilibus ^ , 4sporis (an semper?J, sporidiis distichis 

fusoideis, inaequilateraUbus vel curvatis, utrimque obtusiusculis ap~ 
pendicuHs brembus ciliatisque, Sseptatis, 4guttulatis, media perpa- 

14—16 
rum constrictis hi/alinis, ^ • 

An dürren Stengeln von Epilobium hirsutum bei Gratz, längs 
der Bachufer hiiiifig. August. 

Die in und unter der Rinde, aber nicht in der Stengelsubstanz 
nistenden, gewölmlich kleine Gruppen bildenden Perithecien, werden 
bald durch Abstossung der ersteren blossgelegt. Sie erscheinen dann 
hüufig schüsselfürinig, wie jene von G. vulgaris und anderen Arten 
dieser Gattung. Die Mündungen sind manchmal S9hr lang und zierlich 
gekrümmt, an der Spitze in der Regel blass und durchscheinend. 
Schläuche und Sporen entsprechen den gewohnlichen in der Gattung. 
Die Cilie an jedem Sporenende erreicht etwa Va der Sporenlänge 
und ist äusserst zart. Der ganze Pilz hat viele Aehnlichkeit mit Dia- 
porthe rostellata und verwandten Arten, es widerstrebt mir aber ihn, 
bei dem gänzlichen Mangel des Stromas oder einer Saumlinie, in 
diese Galtung einzureihen, und zwar umsomehr, da er unbestrittenen 
Gnomonien nicht minder nalte stellt. 

Onomonia niisella n. s. Perithecia minuta, sparsa peri- 
dennio immutato tecta, hemisphaerica, depressa, ostiolo conico brei% 
submembranacea oHvaceo-fusca; ascis clavato- fusoideis subsessilibus 
32—40 

^ — , 4sporis (an semper?), sporidiis distichis fusoideis, inaequi- 
lateraUbus Viel curvatis, utrimque setulo hyalino, Sseptatis, 4guttu- 

12—1 
latis, medio parum constrictis hyahnis, — r^ 

So sehr diese Art hinsichtlich der Schläuche und Sporen mit 
der vorigen übereinstimmt, weicht sie im Uebrigen doch wesentlich 
ab. Die Perithecien stehen sehr vereinzelt, sind kleiner, zarter und 
bleiben bedeckt. Nur wenig ragt die konische Mündung hervor, deren 
Länge kaum den Halbmesser des Peritheciums übersteigt. Somit ist 
der Habitus auch ein ganz anderer. Der ganze Pilz ist wenig auffallend 
und wird meist nur zufällig gefunden werden. Ich fand ihn ebenso 
bei Gelegenheit einer anderen Untersuchung an einem dürren Stengel 
von Hypericum perforatum um Gratz im August. 

(Unonionia Chatnaemori. Sphaeria Chamaemori Fries s. m. 
II. p. !i09 Fuckel symb. p. 109. Epiphylla. Perithecia nervophila in 
foliorum parenchymate nidnlantia, demum saepe erumpenlia majus- 
cula snbglobosa, tandem vertice collahescentia, atra, coriaceo-tnem- 
hranacea, rostro cylindraceo, crasso, stricto, perithecii diametro sub- 

28—34 
aequante; ascis fusoideis, sessilibus 4-- vel Hsporis p j ~, sporidiis 



49 

distichis, ohlongo-ftisiformihus^ plerumque leniter curvatis, ulrimque 

obtnsiusculis, appendiculls setaceis instructis, Sseptatis, medio con- 

. . , , , 16—18 

strictis, nucleos 4 includentibns , hyalinis — ^ — r — * 

Spermogonia (Discosiä) epiphyUa, sparsa, rottindata, applanata, 
clipeiformia umbilicata, centro perfurata, coriaceo-membranacea alra; 
spcrmatüs fusifurmi-cylitidraceis, curvatis, utrimque rotundatis setu- 
losisque, Sseptatis hyalinis. 

An faulenden Blattern von Rubus fruticosus bei Voitsberg in 
Steiermark, Aug-ust, September. 

Die Stellung-, welche Fries seiner Sphaeria Chamaemori anweist, 
wie auch die Beschreibung- dieser Art, lassen kaum einen Zweifel, 
dass der mir vorliegende Pilz mit jener identisch ist, wenn er sich 
auch hier nicht an den Blattstielen, sondern an den Nerven bildet. 
Nicht minder wahrscheinlich ist auch die Identität mit dem von Fuckel 
beschriebenen Pilze. Vielleicht werden sich auch an seinen Exempla- 
ren die Sporen dreimal septirt erweisen. Die geringere Grösse der 
Letzteren (10 Mk.) hangt vielleicht entweder mit den 8sporigen 
Schläuchen zusammen , oder rührt von unvollständiger Entwick- 
lung her. 

Die Perithecien finden sich gewöhnlich in der Nähe der stärkeren 
Blattnervcn, oft ziemlich dicht, seltener einzeln auf der Blattfläche. 
In der Regel ist nur die nicht sehr lange und oft nur wenig hervor- 
ragende Mündung sichtbar, doch werden nicht selten auch die Peri- 
thecien blossgelegt, welche etwas kleiner als bei G. 'vulgaris und von 
ziemlich zarter Substanz sind. Die Schläuche, von der gewöhnlichen 
Form, sind bei meinen Exemplaren 4sporig, die Sporen ein wenig 
gekrümmt, an beiden Enden stumpflich und mit borstenartigen An- 
hängseln, welche, wie auch bei den zwei vorhergehenden Arten leicht 
abfallen, so dass man oft die meisten Sporen ohne Borsten findet. 
Die 3 Septa sind bei guter Einstellung vollkommen deutlich, aber 
äusserst zart; die Einschnürung in der Mitte ist ziemlich stark. 

Die Spermogonien, welche eine Discosienform darstellen, finden 
sich auf der Blattfläche zerstreut, und zwar häufig auch auf denselben 
Blättern mit der Schlauchform. Die Spermatien sind deutlich dreifach 
septirt und an beiden Enden mit je einer Borste versehen. Dass sie 
wirklich zur erwähnten Schlauchform gehören, ist nicht zu bezweifeln. 

(Fortsetzung folgt.) 



50 

Vergleichende vegetabilische Ohromatologie. 

Von H. C. Sorby. 

Älitgetheilt von Alfred Burgerstein, 

Assistent am pflanzenphysiologischen Institute der k. k. Wiener Universität. 

In den Proceedings of the Royal Society (1873 Nr. 146 vol. XXI. 
pag-. 442 — 483) ist unter dem Titel „On comparative vegetable chro- 
matology" eine Arbeit von H. C. Sorby erschienen, welche sich mit 
Untersuchungen der Pflanzenfarbstoffe beschäftigt. Da diese zweifellos 
sehr wichtige Arbeit in deutschen wissenschaftlichen Journalen nur 
in sehr dürftigen Auszügen erschien (Vergl. Bot. Ztg. 1873, p. 395; 
Naturforscher 1873 Nov. pag. 450; Botan. Jahresbericht von Prof. 
Dr. Just I. Abth. 1. Halbbd. pag. 182), so glaube ich nur im Inter- 
esse unseres botanischen Publikums zu handeln, wenn ich in den 
nachfolgenden Blättern einen genaueren, alle wichtigen Beobachtun- 
gen und Ergebnisse Sorby's enthallenden Auszug der Oeffentlichkeit 
übergebe. 

Die Zahl der in verschiedenen Organen verschiedener Pflanzen 
vorkommenden Farbstoffe ist eine sehr bedeutende. In der vorliegen- 
den Arbeit beschäftigte sich jedo("h Sorby bloss mit der Untersuchung 
jener Farbstoffe, welche in den Blättern der höheren und im Thallus 
der Lagerpflanzen vorkommen. Es ist vor Allem wichtig, hier einen 
Unterschied zu machen zwischen solchen Farbstoffen, welche für das 
normale Wachsthum einer Pflanze notliwendig und wesentlich sind, 
und in Folge dessen ziemlich allgemein vorkommen, und solchen, 
welche zwar viel zahlreicher, aber meist nur als zufällige Produkte 
erscheinen, und für das Leben der Pflanze eine weitaus geringere 
Bedeutung haben. Die Farbstoffe der ersteren Art sind charakterisirt 
durch ihre LOslichkeit in Schwefelkohlenstoff und in fetten Oelen 
(Fixed üils) und Unlöslichkeit in Wasser. Hieher gehört die Gruppe 
der Chlorophylle, Xanlhophylle, Lichnoxanthine, sowie das Fucoxan- 
tliin; dagegen zeigen die Farbstoffe der letzteren Art bezüglich ihrer 
Löslichkeitsverhältnisse ein gerade entgegengesetztes Verhalten und 
umfassen die Phycocyan-, Phycoerythrin-, Erythrophyll- und Chryso- 
I annin-Gruppen. 

Die Trennung der Farbstoffe geschah tlicils auf chemischem 
Wege, tlieils durch die zerselzende \'\ irkung der Sonne, welche letz- 
tere Methode Sorby als photochemische Analyse (photochemical ana- 
lysis) bezeichnet. 

Die Trennung der einzelnen Farbstoffe durch chemische Mittel 
wurde vorzugsweise durch Schwefelkohlenstoff", absoluten Alkohol, 
gewöhnlichen Weingeist, Benzol und Wasser bewirkt. Es zeigle sich, 
dass verschiedene Lösungsmittel einen Einfluss haben einerseits auf 
die Stellung der Absorptionsbänder, welche beispielsweise bei Lö- 
sungen in Schwefelkohlenstoff viel näher dem rothen Ende des Spek- 
trums liegen, als bei Lösungen in Benzol oder absolutem Alkohol, 
und andererseits auf die Breite der Absorptionsbänder. Letztere Er- 



51 



scheinung hängt jedoch auch von anderen Umständen ab, so von der 
Kalur der Substanz, ferner davon, ob dieselbe in fester oder flüssiger 
Form vorhanden ist, ob sie sich in einem freien Zustande befindet, 
oder in einem Oele, Waclis u. dgl. gelost ist. ßis jctKt ist es nicht 
gelungen, zwisch(?n dieser bandvergrossernden Kraft (ai)Sor|)lion-band- 
raising power) und irgend einer anderen physikalischen Eigenschaft 
einen einfachen Zusammenhang zu finden. 

In solchen Fidlen, in welchen die Trennung der FarbsfofTe auf 
rein chemischem Wege eine sehr umständliche Prozedur erfordern 
und dennocii kein befriedigendes Resultat liefern winde, kann mit 
grossem Vortheil die sogenannte photochemische Analyse angewendet 
werden. Das Prinzip dersellion beruht auf dem schon lange bekann- 
ten Faktum, dass weisses Licht auf verschiedene Farbsloife und ver- 
schieden gefärbtes Licht auf einen und denselben Farbstoff eine un- 
gleiche zersetzende Kraft ausübt. 

Indem nun Sorby entweder alle oder mit Benützung verschie- 
den gefärbter Gläser bestimmte Strahlen des Sonnenspektrums als 
Reagens auf eine gemischte Lösung von Farbstoffen einwirken liess, 
konnte er oft in ganz kurzer Zeit und auf eine sehr einfache Weise 
einzelne Farbstoffe in fast reinem Zustande erhalten. 

Nach dieser Methode ist es z. B. leicht, das Xanthophyll vom 
Orange-Xanlhophyll zu trennen (was bei einigen Algen auf rein che- 
mischem Wege unmöglich ist), indem das Orange-Xanthopiiyll im 
Sonnenlichte viel schneller zersetzt wird als das Xanthophyll. In an- 
deren Fällen ist es sehr schwer, das Gelb-Xanthophyll vom Lichno- 
xanlhin zu trennen; durch Aussetzen der Mischung an die Sonne 
wird aber der erstere Farbstoff bald zerstört, wie man sich durch 
das Verschwinden der Absorptionsbänder überzeugen kann, während 
das Lichnoxanthin zurückbleibt. Eine Verwendung bestimmter Licht- 
strahlen haben wir in folgendem Beispiele: Wird eine gemischte 
Lösung von Phycoxanthin mit Orange-Xanthophyll in Schwefelkohlen- 
stoff, wie man sie aus gewissen Algen und Flechten erhält, der 
Sonne ausgesetzt, so werden beide Substanzen zerstört, die eine 
schneller, die andere langsamer, und es ist schwier im richtigen 
Augenblicke den Versuch zu unterbrechen. Stellt man aber vor diese 
gemischte Lösung ein tiefgrünes Glas, so verschwindet das sich zer- 
setzende Phycoxanthin, während das Lichnoxanthin intakt bleibt. 

Sorby findet ferner, dass Farbstoffe weder durch Licht noch 
durch Luft allein, sondern nur durch die verbundene Gegenwart bei- 
der zersetzt werden. Die Schnelligkeit der Zersetzung hängt, abge- 
sehen von diesen beiden Faktoren, von der Natur verschiedener hin- 
zugefügter Substanzen ab. Am raschesten erfolgt die Zerstörung des 
Farbstoffes bei Lösungen in Terpentinöl, am langsamsten dann, wenn 
die Lösung durch Citronellöl (oil of citronelle '") geschützt ist. 

*) Ein ätherisches Oel, welches aus der Wurzel einiger indischer Andro- 
pogon-Arien gewonnen wird. 



52 

Oft ist es wimschenswertli, die relative Menge jedes einzelnen 
Farbstoffes in verschiedenen Pflanzen, oder in einer Pflanze, die unter 
verschiedenen Bedingiing-en wuchs, zu konstatiren. Um eine solche 
vergleichende Analyse durchzuführen, gibt man die zu prüfenden 
Losungen in Eprouvetten von gleichem Lumen und verdünnt die eine 
oder beide so lange, bis die Intensitäten der Farbe genau gleich sind, 
oder um exaktere Resultate zu erhalten, bis die charakteristischen 
Absorptionsbänder in beiden Fällen gleich sind. Die relativen Längen 
der Flüssigkeitssäulen geben dann offenbar die relative Menge des 
Farbstoffes an. 

Bevor Sorby auf die Beschreibung der einzelnen Farbstoffe über- 
geht, gedenkt er einer diessbezüglichen Arbeit von Prof. Stokes (Pro- 
ceedings of the Roy. Soc. 1864, vol. XIII, p. 144), welcher, ohne die 
Untersuchungsmethode anzugeben, zu folgenden mit den Sorby'schen 
Ergebnissen im Wesentlichen übereinstimmenden Resultaten gekommen 
ist. Er fand, dass das Chlorophyll der Landpflanzen eine Mischung von 
vier Substanzen sei, zwei grünen und zwei gelben. Alle Lösungen 
der grünen Substanzen zeigen eine starke rothe Fluorescenz, die der 
gelben nicht. Die grünen Seetange stimmen im Wesentlichen mit den 
Landpflanzen überein. In den olivengrünen Algen dagegen ist die 
zweite grüne Substanz durch eine dritte grüne ersetzt, und die ersle 
gelbe durch eine dritte gelbe Substanz, deren Anwesenheit die trübe 
Farbe dieser Pflanze bedingt'""). 

Dieses vorausschickend, bemerkt nun Sorby: „Die erste grüne 
Substanz des Autors (Stokes) ist offenbar mein blaues Chlorophyll; 
seine zweite grüne Substanz mein gelbes Chlorophyll und seine dritte 
grüne Substanz mein Chlorofucin, daher seine dritte gelbe Substanz, 
die in olivengrünen Algen gefunden wird, mein Fucoxanthin sein 
muss. Seine anderen zwei gelben Substanzen müssen auf die eine 
oder die andere Art die vier von mir als Orange-Xanthopliyll, Xan- 
thophyll. Gelb-Xanthophyll und Lichnoxanthin vielleicht mit ein wenig 
von meinem Orange-Lichnoxanthin beschriebenen gelben Substanzen 
repräsentiren." 

Sorby geht nun zur Besprechung der einzelnen Farbstoffgrup- 
pen über. 

I. Chlorophyllgruppe. 
Dieselbe umfasst drei verschiedene Substanzen, ausgezeichnet 
durch Löslichkeit in Schwefelkohlenstoff und Unlöslichkeit in Wasser. 
Alle werden durch Säuren mehr oder weniger leicht in neue Pro- 
dukte zerlegt, welche mit den Originalfarbsloffen einigermassen ana- 
loge, aber doch von jenen verschiedene Spektra zeigen. Ebenso wirkt 
Sonnenlicht bei Gegenwart von Luft zerstörend auf dieselben ein. 
Zu dieser Gruppe gehören: 

*) Diese Stelle wäre hiernach im bolan. Jaliresberichle (pag. 182) zu 
verbessern. 



53 

1. Das blaue Chlorophyll. Dasselbe kommt mit anderen 
FarbslofTen gemisclil in oliveng-rünen Algen (Fiicus, Laminaria) vor, 
und kann in fast reinem Zustande auf folgende Weise erhalten 
werden: die in Rede stehenden Algen werden gequetscht, schwach 
getrocknet und mit Weingeist erhitzt. Ist die Litsung erkaltet, so 
wird sie mit so viel Schwefelkohlenstoff geschüttelt, bis ein Theil 
desselben in der Eprouvette zu Boden fällt, mit sich führend das 
ganze Orange-Xanthophyll und den grössten Theil des blauen Chlo- 
rophylls, während ein Tlieil des letzleren mit anderen Farbstoffen im 
Alkohol zurückbleibt. Wird nun die Schwefelkohlenstoff-Lösung zu 
wiederholten Malen mit frischem Alkohol geschüttelt, und ist zugleich 
immer ein Ueberschnss von Schwefelkohlenstoff vorhanden, so wird 
heim Hinzufügen von etwas Wasser das ganze Chlorophyll im Schwe- 
felkohlenstoff gefällt. 

Das blaue Chlorophyll zeigt drei Absorptionsbänder am rothen 
Ende des Spektrums, wobei das dem äusserst en Roth zunächst ste- 
hende das intensivste ist. Seine Farbe ist ein solches Blaugrün, dass 
der Name „blaues CidorophylP passend erscheint. Ein Absorptions- 
band in Grün ist der Beweis für die Gegenwart eines Produktes 
einer Säurewirkung, und kann dasselbe dadurch beseitigt werden, 
dass man beim O'Jetschen saurer Pflanzen etwas doppeltkohlensaures 
Ammoniak zusetzt. 

2. Das gelbe Chlorophyll. Dieser Farbstoff kann am besten 
aus Ulca latissima erhalten werden. Dieselbe wird zuerst in Wasser, 
dann in Weingeist gekocht, die tiefgrüne alkoholische Lösung sodann 
mit Schwefelkohlenstoff geschüttelt, wenn nöthig, etwas Wasser zu- 
gesetzt, wobei sich der gesammte grüne Farbstoff niederschlägt, wäh- 
rend fast alle Xanthophylle in der Lösung zurückbleiben. Entfernt 
man diese und schüttelt den Niederschlag des Schwefelkohlenstoffs mit 
frischem Weingeist, gibt etwas Wasser dazu, trennt hierauf den ver- 
dünnten Alkohol, dampft den gefällten Schwefelkohlenstoff bis zum 
Eintrocknen ein und behandelt ihn mit Benzol, so erhält man schliess- 
lich das gelbe Chlorophyll in Benzol gelöst. 

Es besitzt ein sehr dunkles und scharf begrenztes schmales 
Absorptionsband in Roth, welches weiter vom rothen Ende des Spek- 
trums entfernt ist, als das entsprechende Band des blauen Chloro- 
phylls, und ausserdem ein breites Band in der Mitte des Blau. Die 
Farbe der Lösung ist gelbgrün. 

Der dritte Farbstoff dieser Gruppe, von Sorby Chlor ofucin 
genannt, bildet einen Hauptbestandtheil der olivengrünen Algen. Um 
es möglichst rein zu erhalten, werden die betreffenden Algen zer- 
quetscht, etwas getrocknet und mit Alkohol behandelt. Durch wieder- 
holtes Schütteln mit Schwefelkohlenstoff wird das ganze blaue Chlo- 
rophyll entfernt , und die alkoholische Lösung enthält sehr viel 
Fucoxanthin und das Chlorofucin. Wird sie nun mit einer gleichen 
Menge von Wasser verdünnt, 1 — 2 Tropfen Ammoniak hinzugegeben, 
und wiederum mehrmals mit frischem Schwefelkohlenstoff geschüttelt, 
so wird das Fucoxanthin in letzterem gefällt, während das ganze 



54 

Chlorofucin mit einer gelben, in Wasser löslichen Substanz in der 
Losung zurückbleibt, durch deren Entfernung man fast reines Chloro- 
fucin erhalten kann. 

Es zeigt dann eine gelbgrüne Farbe und im Spektrum zwei 
dunkle Absorptionsbänder, eines zwischen Roth und Orange und ein 
anderes zwischen Orange und Gelb. Das ganze Blau ist absorbirt. 

Sorby erhielt diesen FaibslofF zuerst aus einer Actinie, und 
zwar aus Anthea cereus var. smaragdina. 

Dass alle Glieder der Chlor ophyllgruppe eine starke, rothe Fluo- 
rescenz besitzen, wurde schon erwähnt. Sorby gibt eine bequeme 
Methode an, um zu bestimmen, ob eine Substanz eine echte oder 
eine unechte Fluorescenz hat. Er beleuchtet nämlich mit einem Lichte, 
welches durch eine Lösung von Didymsulfat gegangen ist. Ist die 
Fluorescenz der zu untersuchenden Substanz eine unechte, so zeigt 
das Spektrum alle Absorptionsbiinder des Didymiums. Hat man es 
dagegen mit einer wahren und echten Fluorescenz zu thun, so ist 
keine Spur von Didymiumbändern zu sehen. 

IL Xanthophyll-Gruppe. 
Aus derselben werden fünf der am häufigsten vorkommenden 
Farbstoffe beschrieben. Ihre Löslichkeitsverhältnisse wurden schon 
oben angegeben. Sie liefern Spektra mit zwei Absorptionsbändern, 
deren Stellung je nach der Substanz variirt. Sind drei Absorptions- 
bänder zu seilen, so kann man durch chemische und photochemischo 
Mittel leicht nachweisen, dass das dritte Band einer zweiten Substanz 
angehört. Zu dieser Gruppe gehören: 

4. Das Phycoxanthin. Im reinsten Zustande kann es aus 
Peltigera canina, welche an einem feuchten und schattigen Orte 
wuchs, erhalten werden; ebenso aus Oscillatorien. Die verschiedenen 
gefärbten Substanzen werden durch heissen Weingeist getrennt und 
die erkaltete Lösung mehrere Male mit Schwefelkohlenstoff geschüt- 
telt. Nach Abdampfen der alkoholischen Lösung und Wiederbehandlung 
mit Schwefelkohlenstoff erhält man eine rothe Flüssigkeit, welche ein 
Spektrum mit zwei ausgezeichneten Absorptionsbändern in Grün gibt. 
In absolutem Alkohol gelöst wird die Farbe ein hinlängliches Gelb, 
um den Namen Phycoxanthin zu rechtfertigen. Diese Bezeichnung 
wurde zuerst von Kraus für eine Substanz (nach Sorby war es ohne 
Zweifel eine Mischung mehrerer Farbstoffe) vorgesciilagen, welche er 
aus Oscillatorien erhielt. 

5. Pezizaxanthin. Diess ist ein orangegelber Farbstoff, der 
in Pe^iza aurantia und einigen anderen Pilzen vorkommt. Dem Phy- 
coxanthin ähnlich, unterscheidet es sich von demselben in der Stel- 
lung der Absorptionsbänder, welche weiter entfernt vom rothen 
Ende liegen. 

6. Orange-Xanthophyll. Dieser Farbstoff hat die grösste 
Verbreitung, da er in grösseren oder geringeren Ouantitäten in allen 
Pflanzenklassen vorkommt. Im reinsten Zustande kann er aus den 
orangegefärbten Antherozoiden (anlherozoids) von Fucus serralus 



55 

erhalten werden, wenn man deren Farbstoff in starkem, heissem Al- 
kohol lost und hierauf mit Schwefelkolilenstoif sciuilteit, wobei man 
das Orange-Xantliophyll im Niederschlair bekomml. Ebenso kann man 
es aus Pefttgera canina oder Oscillatoricn (hirstellen, nur ist es in 
diesem Fali(? nüthiof. sehr oft mit IViscIiem AlKoliol und Schwefel- 
kolilenslüir zu scliiitleln. Ist das Üranire-Xantliopbyli in Schvvef'elkoh- 
lenstoir gel()st, so hat es eine schwach orangerutlie ([link orange) 
Farbe, welche durch Zusatz von etwas Salzsäure und Terpentinöl 
alliniilig verschwindet, und zeigt zwei dunkle Absorptionsbänder am 
blauen Ende des Grün und am grünen Ende des Blau. 

7. Xanthophyll. Dieser Name wurde bekanntlich für jenen 
Farbstoff gebraucht, welcher zurückbleibt, wenn man aus einer alko- 
holischen Chlorophylll(»sung (Rohchlorophylllösung Wiesner) das Kya- 
nophyll (Kraus) (Chlorophyll Wiesner) durch Schütteln mit Benzol 
entfernt. Dieses Xanthophyll der Autoren ist aber nach den Unter- 
suchungen von Sorby ein Gemenge dreier Farbstoffe, nämlich seines 
Xanlhopliylls, (Jelb-Xanthophylls und Lichnoxanthins. — Das Xantho- 
phyll im Sinne Sorby's kann am einfachsten aus Porphyra vulgaris 
erhalten werden. Nach Entfernung des blauen Chlorophylls durch 
Schütteln mit Schwefelkohlenstoff wird zur alkoholischen Lösung et- 
was Wasser gegeben, welches den Schwefelkohlenstoff zugleich mit 
dem Xanthophyll fällt. In diesem Zustande hat es eine schwach 
orangegelbe Farbe und gibt ein Spektrum mit zwei Absorptions- 
bändern zwischen Grün und Blau. Ein anderes Material zur Xantho- 
phyllbereitung geben die dunkelgefärbten Varietäten von Cheiranthus 
Cheiri. 

Der letzte Farbstoff dieser Gruppe 

8. das gelbe Xanthophyll kann aus gelben Blüthen ver- 
schiedener Pflanzen, z. B. aus denen des gelben Chrysanthemum 
iChrysafith. segeUiml) erhalten werden. Seine Lösung in Schwefel- 
kohlenstoff ist citrongelb gefärbt und zeigt zwei Absorptionsbänder 
im grünen Ende des Blau. In unreinem Zustande kann dieser Farb- 
stoff auch aus gewöhnlichen grünen Blättern erhalten werden, und 
zwar im Wesentlichen auf dieselbe Weise, wie es oben für die Ge- 
winnung des Xanthophylls aus Porphyra beschrieben wurde. 

Interessant ist das Verhalten der Farbstoffe der Xanthophyll- 
gruppe im Lichte. Setzt man nämlich eine in Schwefelkohlenstoff ge- 
löste Mischung zweier dieser Substanzen der Sonne aus, so wird 
jene, welche ihre Absorplion über einen weiteren Raum ausgedehnt 
hat, und deren Absorptionsbänder näher dem rothen Ende des Spek- 
trums liegen, viel schneller zersetzt als diejenige, deren Absorption 
über einen kleineren Raum sich erstreckt, und deren Absorptions- 
bänder näher dem blauen Ende liegen. 

Werden zwei nahestehende Farbstoffarten der in Rede stehen- 
den Gruppe mit einander vermischt und der Sonne ausgesetzt, so 
werden sie fast gleichschnell zerstört. Thut man diess aber mit zwei 
von einander sehr entfernten Gliedern dieser Gruppe, so ist nach 
einiger Zeit von dem einen noch eine beträchtliche Quantität vor- 



56 

banden, während das andere bereits ganz zersetzt ist. Einen eigen- 
thiiinbcben Einfluss auf die Scbnellig-keit der Zersetzung übt die An- 
wesenheit von Chlorophyll. 

Setzt man nämlich beispielsweise eine in Alkokol oder in Schwe- 
felkohlenstoff g-eloste Mischung- von Phycoxanthin und Orange-Xan- 
thophyll dem direkten Sonnenlichte aus, so wird das Erstere viel 
rascher zersetzt als das Letztere. Befindet sich aber in dieser Mi- 
schung zugleich eine grössere Oua»tit^»t von blauem Chlorophyll, 
(welches für sich allein unter allen Substanzen am schnellsten zer- 
stört wird) so erhält man ein gerade entgegengesetztes Resultat. 
Diese Erscheinung lässt nach Sorby zwei Erklärungen zu. Entweder 
man nimmt an, dass während der energischen Zersetzung des Chlo- 
rophylls jene Lichtstrahlen verbraucht wurden, welche in seiner Ab- 
wesenheit auf das Phycoxanthin gewirkt hätten, oder man sucht die 
Ursache in einer durch die Gegenwart des sich verändernden Chlo- 
rophylls ausgeübten chemischen Wirkung auf die oben genannten Farb- 
stoffe. Jedenfalls folgt daraus, dass das Chlorophyll von grosser Wich- 
tigkeit für das Leben der Pflanzen sein muss. „Sowohl diese als auch 
mancherlei andere Thatsachen," sagt Sorby, „scheinen zu beweisen, 
dass die Eine von den in den Pflafizen auftretenden Substanzen 
durch Absorbirung der aktiven Lichtstrahlen oder durch Verbrauch 
des Sauerstoffes die Andere schützen mag, welch letzterer in der Ab- 
wesenheit jener diese zersetzen würde." 

in. 9. Fucoxanthin. Diese Substanz bildet den hauptsäch- 
lichsten Farbstoff der Fucns-Arten und anderer olivengrüner Algen 
und kann aus diesen durch folgende Behandlung gewonnen werden. 
Die zerquetschten Algen werden mit gewöhnlichem Weingeist erhitzt, 
die erkaltete Lösung wird sodann mit Schwefelkohlenstoff geschüttelt, 
wobei das ganze Orange-Xanthophyll und der grösste Theil des blauen 
Chlorophylls im Schwefelkohlenstoff gefällt wird, während ein Theil 
des letzteren mit fast allem Fucoxanthin und Chlorofucin im Alkohol 
zurückbleibt. Gibt man zu dieser Lösung einige Tropfen Ammoniak, 
etwas Wasser und schüttelt das Ganze wiederum mit Schwefelkohlen- 
stoff, so bleibt fast alles Chlorofucin in dem verdünnten Alkohol zu- 
rück, während das Fucoxanthin in Schwefelkohlenstoff gelöst ist. In 
diesem Zustande hat es eine schöne bernsteingelbe Farbe und zeigt ein 
Spektrum mit zwei dunklen Absorptionsbändern mitten zwischen denen 
des Orange-Xanlhophylls und Xanthophylls, so dass eine Mischung 
dieser beiden Farbstoffe fast dasselbe Spektrum gibt. Die dunkel- 
grüne Farbe jener Algen, in denen das Fucoxanthin so häufig vor- 
kommt, deutet auf einen freien Zustand und nicht auf eine Lösung 
desselben in Oel hin. 

(Schluss folgt.) 



57 

Die Vegeiations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens. 

Nun A. Kerner. 
LXXVI. 

1397. Globiilaria Willkommn Nyman Syll. Fl. Europ. p. 140. 
— An grasigen sonnigen IMiitzen. — Im mittelungarisclKMi Berg-lande 
auf dem Nagyszal bei Waitzen; in der Pilisgruppe hei P. Csaba, auf 
der Slanitzka und dem Kopaszhegy, auf dem Hölienziige, welcher 
sich von Krotendorf und ÜrOm gegen Altofen erstreclvt, auf der lüippe 
des Johannisberges, im Leopoldifelde und Auwinkel, auf dem Schwa- 
benberg-e und im Wolfslhale, auf dem Adlersberge und Spiessberge 
bei Ofen. — Auf der Csepelinsel bei Toivol, Ujfalii und Csep; auf der 
Kecskemeter Landiiöhe auf den Sandhiigeln uiul den mit PoUinia 
bestockten Grasfluren entlang dem Rakosbarhe bei Pest. — Kalk, 
Dolomit, tert. u. diluv. Sandboden. Im Bihariageb. und in der Tiefebene 
nicht beobachtet; auch auf der Kecskem. Landhidie scheint sie auf 
dem vom mittelung. Berglande weiter entfernten Theile zu fehlen. 
95 — 680 Met. — (Syn. Glob. vulgaris Sadler, Koch, und überhaupt 
der meisten Autoren. — Ueber die Nomenklatur dieser Pflanze vergl. 
Nyman a. a. 0. in Note.) 

139S. Stalice Gmeüni Willd. — Auf grasigen im Frühlinge vom 
Grundwasser durchfeucliteten, im Sommer austrocknenden, ebenen 
Plätzen der Niederungen. — Im Inundationsgebiete der Donau in der 
Nähe der Granmündung bei Ki»h. Gyarnidt und in der Umgebung der 
Bittersalzquellen südlich vom Blocksberg bei Ofen. In der Stuhlweis- 
senburger Niederung bei Ret Szilas, auf der Puszta Kishalom bei Ba- 
racska und bei dem Söstö nächst der Puszta Szent Ivany bei Aba; 
sehr häufig, ja geradezu massenhaft in der Tiefebene im Inundations- 
gebiete der Zagyva, Theiss, Berettyö, Hortobägy und Köriis bei Jäsz- 
bereny, Jakohalma, Czegled, P. Bessenyi), Abony, Szolnok, Komli», 
Egyek, P. Hortobägy, Kisujszälläs, P. Ecszeg, P. Lädäny, Gyula, Var- 
sand, Szalonta. — Auf schwarzem alluv. Thonboden, welcher im 
Sommer bei tieferem Stande des Grundwassers austrocknet, in harte 
Schollen zerklüftet und stellenweise Salze auswittert. 75 — 100 Met. 

— Stellenweise im Gebiete förmliche Bestände und die Hauptmasse 
einer eigenen Pflanzenformation bildend. (Vergl. A. Kerner Pflan- 
zenleben der Donauländer S. 67.) 

1399. Statice Anneria L. Fl. suec. — St. vulgaris (Willd). 

— Nach Steffek in Oest. bot. Zeitsch. XIV. 176 am Ostrande des 
Tieflandes an sonnigen Abhängen bei Boniküt nächst Grossvvardein. 

— Von mir im Gebiete nicht beobachtet. 

1400. Plantago argentea Chaix ap. Vi 11. — An grasigen Plätzen 
felsiger Bergrücken und Bergabhänge. An der südwestlichen Grenze 
des Gebietes bei Inota und Palota auf dem Höhenzuge, welcher die 
Stuhlweissenburger Niederung gegen Nordost umrandet. — Kalk. 130 

Ocsterr. batan. Zeitschrift. 2. Heft. 1875. 5 



58 

—300 Met. — (Nach Sa dl er Fl. Com. Pest. 229 auch „in campis 
salsis sicc-is circa praedium Epres, detexil Wierzbicki." — PL ar- 
gentea findet sich aber sonst immer nur auf felsigem Boden in niede- 
ren KalkgeI)iroen, und der von S ad 1er angegebene Standort scheint 
mir dalier einer Bestätigung sehr zu bedürfen. Da Wierzbicki P. 
argentea aucii auf Sumpfwiesen bei Moravica im Banat angibt [Flora 
1845, S. 323], wo doch diese Pflanze gewiss nicht wächst, so liegt 
die Vermutliung nahe, dass er P. argentea überhaupt nicht gekannt 
und eine andere Plantago-Ari dafür genommen hat. Es ist mir nicht 
unwahrscheinlich, dass die von ihm auf der Puszta Epres aufgefundene 
PlanfagOy welche er für P. argentea Chaix= P. Victoriaiis ?oir.= 
P. sericea W. K. hielt, zur folgenden Art gehört.) 

1401. Plantago eriophora Hoffmg. et Link Fl. portug. I. 423. — 
P. hnngarica W. K. Auf salzauswilternden, spärlich begrasten Plätzen 
in der Nähe von Lachen und Teichen sehr selten und von mir im 
Gebiete nur in der Tiefebene bei Czegled, Szolnok und Kisujszälläs 
aufgefunden. — Von F eich tinger aucli im nördlichen Theile des Comit. 
Gran und von Hillebrandt bei Szt. Miklos im Weissenburger Comitat 
angegeben. — Alluv. lehmiger Sandboden. 75 — 95 Met. — (Als Syn. 
ist hieherzusetzen: P. hungarica W. K. — Kitaibel gibt P. hunga- 
rica in den PI. rar. III. p 226 „ad acidulas sulphuratas Magyaradienses 
et Mercenses" in Gesellschaft der Halophyten: Arenaria marina, Glaux 
maritima und Poa distans wachsend an, und es scheint ihm nur die- 
ser eine Standort in Ungarn bekannt geworden zu sein. Ich fand sie 
gleichfalls gesellig mit Halophyten, und zwar nur an dem oben ange- 
führten Slaudorte. Sie ist in Ungarn jedenfalls sehr selten. — Häufig 
werden kleine auf salzauswitlerndem Boden gewachsene Exemplare 
der P. lanceolata für P. hungarica W. K. genommen. Was ich von 
ungarischen Botanikern als „P. hungarica W. K." versendet in den 
Herbarien sah, gehörte wenigstens durchweg zu P. lanceolata. Es 
scheint, dass auch Decaisne, welcher die Plantagineen in DC. Prodr. 
bearbeitete, durch solche mit dem unrichtigen Namen .„hungarica"- 
bezeicbnete Exemplare verleitet worden ist, PL hungarica W. K. im 
Prodr. XIII. 715 als Syn. zu seiner P. lanceolata capitata (d. i. 
P. sphaerocephala DC. Fl. fr. var.) zu ziehen, wohin sie entschieden 
nicht gehört. — Orig. Exempl. der P. hungarica aus der Hand Kitai- 
bel's im Herb. d. Innsbrucker Universität stimmen auf das genaueste 
mit P. eriophora Hffg. et Link fl. port. I. 423, welche mir von den 
Azoren, aus Portugal und von der westlichen Küste von Frankreich 
vorliegt und auf welche Decaisne a. a. 0. die Var. eriophylla ge- 
gründet hat, überein. Da der Name von Hffg. et Link aus dem 
Jahre 1809, jener von W. K. aus dem Jahre 1812 stammt, so ist 
der Name P. eriophora Hffg. et Link auch voranzustellen und ist 
demselben P. hungarica W. K. als Syn. beizusetzen. 

P. mllosa P r t e n s c h 1 a g = P. lanata Host. FI. austr. I. 2 10 (non 
alior.), welche von Petter in seiner Fl. dalm. exsicc. sub Nr. 292 
unter dem irrigen Namen „P. Victoriaiis L." ausgegeben und auf 
dem Portenschlag'schen und Petter'schen Standorte (Monte Marian 



59 

bei Spalalo) in neuerer Zeit von Pichle r wieder gesammelt wurde, 
wird von den meisten Autoren (auch von Decaisne a. a. 0.) als 
Syn. zu P. hungarica \V. K., beziehungsweise zu P. eriopiwra H. 
et Link zitirt. Sie weiciit jedoch von dieser sehr ah, und ich halte 
sie für eine eigene der östlichen mediterranen Flora eigenthüm- 
liche Arl.^ 

]4()2. Plantago lanceolata L. — Auf Wiesen und grasigen 
Platzen. — Erlau, Parad, Wailzen, Gran, Visegrad, Szt. Laszlö, P. 
Csaha, Ofen, Ercsin, Schilling, Ujt'alü, R. Palota, Pest, Soroksar, Al- 
berti, Monor, Pills, Czegled, Abony, Szolnok, Dcbreczin, Grosswardein, 
Belenyes, Vasköh, Rezbiinya, Halinadiu. — Der höchstgelegene im 
Gebiete beobachtete Standort: an der unteren Fichtengrenze im Rez- 
btinyaer Zuge des Bihariagebirges. — Trachyt, Schiefer, Kalk, tert., 
diluv. und alluv. Lehm- und Sandboden. Scheut auch nicht das salz- 
auswitternde Erdreich. 75—1420 Meter. 

U03. Plantago altissbna L. — Auf feuchten Wiesen. Im Inun- 
dationsgebiete der Donau auf den Donauinseln bei Gran, bei Muszla, 
INäna, Pärkany in d^r Nahe der Granmiindung, bei der Pulvermühle 
ober Altofen, bei Sinatelep nächst Ercsin; auf der Csepelinsel bei 
Csepel und Csep; entlang dem Rakosbache bei Pest, bei Soroksar und 
Alberti. Nach Kit. Itin. d. Bihar. Reise 85 auch an der Pecze bei 
Grosswardein. — Diluv, u. alluv. Saudboden. 90 — 150 Met. — (Nach 
Decaisne [DC. Prodr. Xlll. 714 u. 715] soll P. altissima L. von P. 
alfissima Jacq., Koch verschieden sein, welcher Ansiclit ich jedoch 
nicht beistimmen kann. — Linne schreibt seiner P. altissima: folia 
sesquipedaiia, lanceolata, crassa, glabra, obtuse et remote dentata 
und eine spica cylindrica longa zu. Decaisne sagt dagegen von 
der Pflanze, welche er für P. altissima L. hält, sie habe: folia ovalia, 
ovato-oblonga vel oblonga, pubescenti-hirta, basi stuposa, calloso- 
denticulata, mucronata und eine: spica oblonga. Aus dieser von De- 
caisne gegebenen von der Linne'schen so sehr abweichenden Be- 
schreibung ist zu ersehen, dass Decaisne jedenfalls nicht die wahre 
P. altissima L. vorliegen gehabt hat. Dagegen tritft die Beschreibung, 
welche Decaisne von seiner P. lanceolata ß irrigua gibt, so ganz 
mit den Angaben, welche Linne von P. altissima macht, zusammen, 
dass man nicht zweifeln kann, dass diese P. lanceolata ß. irrigua, 
zu welcher Decaisne P. altissima Jacq., Koch als Syn. zitirt, und 
die er: foliis elongatis linearibus vel lineari-lanceolatis, glaberrimis, 
obscure denticulatis, spica oblonga dein cylindracea definirt, auch in 
der That die P. altissima Linne ist. — Daraus ergibt sich aber auch 
die Identität der P. altissima L. mit P. altissima Jacq. — Die Plan- 
tago, welche Decaisne irrtliümlich für P. altissima L. hält, ist iden- 
tisch mit P. lanceolata ß. maritima Gren. et Godr. Fl. fr. II. 727, 
einer Pflanze, wel(;he der mediterranen Flora angehörend in Italien 
mit P. alfissima L., Jacq. zusammentrifft, aber nicht wie diese letz- 
tere über den Bereich der mediterranen Flora hinausgeht. Der nörd- 
lichste mir bekannt gewordene Standort dieser Plantago lanceolata 
ß. maritima Gren. et Godr., welche ich in meinem Herbar als P. 

5* 



mediferranea bezeichnet habe, ist die Küste des ndriatischen Meeres 
bei Triest, während P. altissima L., Jacq. aus Oberitalien weithin 
über Krain durch die Niederungen des östlichen Europas ver- 
breitet ist.) 

1404. Plantago sihirica Poir. — An feuchten salzauswittern- 
deu Stellen in der Tiefebene bei Püspök-Ladäny. (Steffek Oesterr. 
bot. Z. Xlll. 199.) Alluv, sandiger Lehmboden. 80 Met. 

140'\ Plantago media L. — Auf Wiesen, an grasbewachsenen 
Angern und an grasigen Plätzen in den Waldlichtungen. — Im mit- 
lelungar. Berglande in der Matra bei Parskl; in der Pilisgruppe bei 
Gran, an der Nordseite des Piliserberges, auf dem Schwabenberge, 
im Wolfsthale und auf dem Blocksberge bei Ofen; auf der Marga- 
re! heninsel und Csepelinsel. Auf der Kecskem. Landhohe bei Waitzen, 
R. Palola, Pest, Soroksar, Allierli, Nagy Kor()s; im Bereiche des Bi- 
hariageb. bei Grosswardein, Belenyes, Vasköh und Fenatia, ober der 
Pieira lunga bei Rezbanyn, auf der Dinesa bei Monesa, auf den ter- 
tiären Hügeln bei Halmadiu und auf dem Plateau des Suprapietra 
poienile bei Vidra im Aranyostliale. Dieser letzgenannte Standort der 
liöchstgelegene beobachtete im Gebiete. Schiefer, Kalk, tert., dil. u. alluv. 
Lehm- und Sandhoden. 95 — 1100 Met. — (Auf sandigem tiefgründigen 
etwas feuchten Boden, insbesondere in den Lichtungen der Nieder- 
wälder und Auen verlängert sich der Schaft manchmal bis zu 80 Ctm., 
die Fruchtähre wird dann bis 12 Ctm. lang und auch die Biälter sind 
auffallend verlängert, so dass die Blattspreife in einen deutlichen Stiel 
verschmälert ersclseint, der halb so lang, ja manchmal selbst so lang 
als die Blattspreite wird. Solche hypertrophische Exemplare [P. media 
var. Urnilleana Rap. Monogr. 452: Decn. in DC. Prodr. XIII. 698] 
fand Vrahelyi bei den Parader Glashütten in der Matra, ich bei 
Ofen und Pest und Tauscher auf der Csepelinsel bei Schilling und 
Ujfalii.) 

1406. Plantago maxima Juss. Hort. Paris, in Jacq. Collect. I. 
82 (178fi). — Auf feuchten Wiesen. Auf der Kecskem. Landhöhe auf 
den Grasfluren entlang dem Rakosbache bei Pest an zerstreuten Stand- 
orten, am häufigsten zwischen R. Palotri und Puszta Szt. Mihäly. In 
der Tiefebene bei Kisujszälläs. — Diluv. u. alluv. Sandboden. 75 bis 
120 Meter. 

1407. Plantago major L. — In dem Geschiebe und Schlamme 
am Ufer fliessender und stehender Gewässer, an Strassenrändern und 
auf wenig befalirenen Feldwegen, auf wüsten Plätzen in den Dörfern 
und auf Viehtriften, seltener auch auf feuchten Wiesen. — Paräd, 
Gyiingyös, Nana, Gran, Ofen (in riesigen Exemplaren am Rande der 
von warmen Quellen gespeislen Teiche nächst dem Kaiserbade), Cse- 
pelinsel, Waitzen, Pest, Steinbruch, Alberti, Monor, Pills, Nagy Koros, 
Szolnok, Debreczin. Auffallend selten im Bereiche des Bihariagebirges 
und von mir dort nur am Körösufer bei Rezbänya notirt, welcher 
Standort zugleii-h der h()chstgelegene im Gebiete ist. ■ — Schiefer, 
tert., diluv. u. alluv. Lehm- und lehmiger Sandboden. 75 — 460 Met. 



61 

1408. Planfago asinfica L. — In feuchtem Sande der Ufer ste- 
hender und langsam fliessendor Gewässer. In der Malra bei dem 
Bade Ajnacskö; im Stroin<^elande der Donau bei Muszla, Waitzen, 
Altofen, Ofen; auf der Csepclinsel bei IJjfalü; bei Pest und Sari. — 
Diluv. u. alluv. Sandboden. 95 — 150 IMet. — (Als Syn. sind hieher- 
zuziehen: P. limosa Kil. in Schult. Oest. Fl. I. 295; P. nana Tratt. 
Arcli. t. 42 [Tratt. begriff nur kleine Exemplare; sehr üppige Exempl. 
uerden bis zu 30 Centm. hoch]; P. paludosa Turcz. pl. exs., Ledeb. 
Fl. ross. III. 478; PL intermedia Gren. et Godr. p. p.; P. major 
ß asiatica Decn. in DC. Prodr. XIII. 694. — P. asiatica L. ist 
durch Europa weit verbreitet. Es liegen mir Exemplare aus Belgien, 
Frankreich, Italien, Deutschland, Ober- und Unter-Oesterreich, Böhmen, 
Ungarn und Russland vor. In dem liier behandelten Gebiete ist sie auf 
sandig - schlammigem Boden sehr häufig und stellenweise vielleicht 
häufiger als P. major L.) 

1409. Plantago tenuiflora W. K. — Auf ebenen, im Frühlinge 
überschwemmten oder vom Grundwasser durchfeuchteten, im Sommer 
austrocknenden und Salze auswitternden Plätzen der Xiederungen. 
Im Stromgelände der Donau bei Iviili. Gyarmat in der Nähe der Gran- 
mündung; in der Stuhlweissenburger Niederung bei Ret Szilas; am 
häufigsten in der Tiefebene bei P. Bessenyö, Szt. Ivan, Abony, Szu- 
nyog, Ohät, Egyek, Rekas, Szolnok, P Hortobägy, Kisujszällas, Konyär 
nördlich von Mezö Keresztes. — Kitaibel gibt in den PI. rar. diese 
Art „in locis salsis Com. Alb., Pestli., Szabolts., Bihar., Bekesiensis 
et Cumaniae minoris" an. — Diluv. u. alluv. Lehm- und lehmiger 
Sandboden. 75—130 Met. 

1410. Plantago maritima L. — An ähnlichen Standorten wie 
die vorhergehende Art. In den Thälern und Thalweitungen und im 
Vorlande des mittelungar. Berglandes auf der Ebene Brindza bei 
Hat\an, zwischen Alnuis und Gycuigyös und bei Heves; in der Nähe 
der Granmündung bei Muzsla, Csenke, Näna und Koh. Gyarmat; bei 
Set. Andrae, bei der Pulvermühle oberhalb Altofen und in der Umge- 
bung der Bittersalzquellen südlich vom Blocksberge bei Ofen; am 
Velenczer See, bei Szt. Miklos und Ret Szilas in der Stuhlweissen- 
burger Niederung; auf der Csepelinsel bei Csep; auf der Kecskem. 
Landhiihe bei R. Palota, Toth, Pest, Soroksar, Czinkota, Kis Tarcsa, 
Also Dabas; im Tapiogebiete bei Tapio Bicske, Farmos, Szt. Marlon 
Käta, Lorincz Kata; in der Tiefebene l)ei Abony, Szolnok, Kömlö; auf 
der Dcbrecziner LandhOhe bei Nagy Kallö, Nyiregyhäza, Bogdäny, 
Szakoly. — Diluv. u. alluv. Lehm- und Sandboden. 75 — 130 Met. 

1411. Plantago arenaria W. K. — Auf Sandflächen und Sand- 
hügeln. — Im mittelungar. Berglande in der Tlialsenkung, welche, 
die Pilisgruppe durchschneidend, von Gran nach Altofen herabzieht, 
bei Leänyvar, P. Csaba, auf dem Sandberge, einem Vorberge des 
Piliserberges (hier der hüchstgelegene im Gebiete beobachtete Stand- 
ort) und bei Solmar nächst Vorösvär. Im Stromgelände der Donau bei 
Csenke und auf der Csepelinsel bei Szt. Miklos; in der Stuhlweissen- 



fi2 

burger Niederurio' bei Keer im Tolnaer Komit.; auf der Kecskem. 
Landliölie bei Waitzen, P. Csorog, R. Palota, Pest, Soroksar, Bagh, 
Monor, Pills, P. Peszer, P. Sallosär bei Tatar Szt. Gyorg-y, Also Dabas, 
Nagy Koros, Sajtos und TiizkOveshalom; im Taplogebiete bei Tapio 
Szelle, Nagy Käta, Szt. Marlon Käta, Felsö Szt. György; in der Nie- 
derung am Fusse der Matra bei Puszta Szederkeny und Hatvan; auf 
der Debrecziner Landhöhe bei Nyir Bätor, BiJszürmeny, Teglas, Szakoly. 
— Diluv. u. alluv. Sandboden. 80— 260 Met. — Fehlt im Bereiche 
des Bihariagebirges. 



Die sieben bürgischen Marmbium- Alten. 

Von Viktor v. Janka. 

Aus Siebenbürgen waren bisher — wie aus Ungarn — nur 
zwei Mm-rubrnm-Arlen bekannt: M. vulgare und M. peregrinum; — 
denn was man auch da oder dort als dritte, beziehungsweise vierte 
Spezies aufführte, reduzirt sich auf die beiden Bastartformen 31. tml- 
gari-peregrinum oder M. peregrino -vulgare. 

Seit dem Jahre 1868 jedoch kenne ich in Siebenbürgen um 
eine sehr ausgezeichnete Art mehr. Selbige scheint bis jetzt auf das 
hügelige Steppenland im Centrum Siebenbürgens („Mezöseg" der hie- 
sigen Ungarn) beschränkt zu sein, blüht schon im Mai, also bedeu- 
tend früher als die übrigen und ist schon am ersten Blick durch 
Habitus (geringe aufrechte Verästelung), einen seidig schimmernden 
Ueberzug und durch eigenthümlich gr()ssere Blüthen auffallend. 

Damals hielt ich diese merkwürdige Pflanze, wissend, dass Kitaibel 
in seinen reliquiis botanicis in Ungarn vier Marrubia unterscheidet, 
— und dabei annehmend, dass derselbe unter der Benennung Mar- 
rubium intermediu7n die lieiden oben erwähnten Bastarte begriff, — 
für Marrubium remotum Kit. und bewahrte sie unter diesem Namen 
in meiner Sammlung, 

Als ich aber vor Kurzem im Kitaiberschen Herbar die Originale sah, 
und unter diesen als Marrubium remotum den Bastart M. peregrino- 
vulgare bezeichnet vorfand, erkannte ich sogleich, dass mein sieben- 
bürglsches Marrubium eine eigene prächtige Art bilde, die in den 
bisherigen Floren ihresgleichen nicht aufweist. 

Da in der Novembernummer der botan. Zeitschrift des verflos- 
senen Jahres in der Korrespondenz meines Freundes Borbäs ohne 
mein Wissen und Wollen auch auf mein Marrubium Anspielung ge- 
schieht, so beeile ich mich, lediglich zur Sicherung der Priorität, 
mein neues Marrubium praecox gegenüber den beiden anderen Arten 
kurz zu charakterisiren. 



63 



Marruhhwi rulqare L. 

Caliois lubus cyliii- 
dricus; 

denies seinpcr 10 
siibulato-sotacoi te- 
mies a[)ice recurvo- 
uiioiiiali vel liainati; 
hasi inlerstilio se- 
juncli. 



Marnibium praecox 
.laiika. 
Calicis lubus cylin- 
diii'us; 

d e n l e s semper 5 
subulalo-selacei le- 
nues recli; 
basi interstitio se- 
juncli. 

Die ausführlichere Beschreibung meiner neuen Art folgt in einer 
der nächsten Nummern dieser Zeitschrift. 



Marrubium pei'eyri- 
num L. 
Calicis lubus obco- 
nico - campanulalus; 
d e n t e s semper 5 
triangul.-acuti crassi 
rccti ; 

basi sinu aculo con- 
fluentes. 



Szamosujvär in Siebenbürgen, am 11. Jiinncr 1875. 



zur Kenntniss der Ranunculaceen-Formen 

der Flora TiideTitiiia. 

Von A. Val de Lievre. 

(Forlsetzung.) 



Adonis aeslivialis L. 

Die Fonminterschiede dieser Pflanze sind unbedeutend, fast nur 
auf die Dimensionen derselben und ihrer Theih; beschriinkl. Die L;inge 
des iistigen, am Grunde behaarten, oben kahlen Siengels variirt von 
16 — 48 Ctm. Die Länge der Fetalen von 12 -15 Mm., ihre Anzahl von 
5 — 8, die Blatter 2 — 3mal ficderspaltig. Der Farbe der Blume nacji 
kann man ausser der gewiUmlicheii Form mit mennigrothen, am Grunde 
schwarz gefleckten Fetalen auch noch die weniger häufige Form mit 
blassen, weissliclien oder gelblichen, am Grunde ebenfalls schwarz 
gefleckten Fetalen, welche von den meisten Floristen als Varietät 
(/? paUida Koch, citrina Hoffm., flava DC.) aufgeführt wird, un- 
terscheiden. 

Das angebliche Vorkommen dieser Fflanze um Trient konnte ich 
zwar niclit kouslatiren, will es aber auch nicht in Abrede stellen; 
jedenfalls diirfle es aber ein selteneres und mehr vereinzeltes sein, 
da die Fflanze dort, wo sie in gr()sserer Menge auftritt, zur Blüthe- 
zeit von weitem in die Augen fällt, wie ich dies im Val di Non zu 
beobachten (Jelegenheit hatte. Durch die Güte meines Freundes Loss 
besitze ich aus der Gegend von Cles Exemplare der gewi)lmlichen 
und der blassblüthigen Form, so wie rothblüthige aus Judicarien bei 
Sienico. Sie kommt überall in Getreidefeldern vor. Kalk. H — 700 M. 



64 

Itn Loss'schen Herbar findet sich auch 1 Exemplar der von Reichen- 
bacli in der Flora excursoria unter Nr. 4619 als A. microcarpa DC. 
aufgeführten Form aus der Gegend von Cles. 

Adonis flammea L, 

Auch bei dieser, wie bei der vorigen Art, sind die Al)imderun- 
gen nicht von Belang. Länge des Stengels 14 — 28 Ctm., der Fetalen 
6 — 10 Mm., der Fruchtähre 18 Mm. Die auffallendsten Unterschiede 
liegen immer in der Farbe der Blume, daher von den Floristen ausser 
der Species mit feuer- oder scharlachrothen Blumen noch eine var. 
ß pallida {A. citrina DC.) mit strohgelben Fetalen unterschieden 
wird. In unserem Gebiete sind gelbe mit rothen Streifen, oder mit 
rother Basis, oder oben roth und unten gelb die gewöhnlichsten. Voll- 
kommen rothe oder strohgelbe Blumen sah ich nie. Ich besitze durch 
die Güte des Herrn Loss Exemplare aus Val di Non auf Aeckern bei 
Pontalto « Aonsberger Mergel, 600 M.), und aus Judicarien von der 
Hügelregion bei Stenico (Kalk, 700 M.), 

Trient, 16. Dezember 1874. 



Beiträge zur Flora des südlichen Mährens. 

Von A. Oborny. 

Das Leskathal and das Thal di'S üranitzbaches. 

Das Gebiet zwischen dem Thajathale und dem Thale des Jaispitz- 
baches bildet einen Theil des westmährischen Plateaus, welches sich 
hier allmalig zur Hojaebene verflacht. In botanischer Beziehung ver- 
dienen im ganzen Gebiete bloss zwei seichte Einschnitte in diese 
Hochfläche eine Erwähnung, es sind dieses die bei Znaim ausmünden- 
den Thäler des Granitz- und Leskabaches. Ersteres von steilen Fels- 
wänden eingeschl(!ssen, liefert nur wenige, aber immerhin interessante 
Pflanzen, wahrend das Leskathal mit seinen flachen Abhängen mehr 
Abwechslung bietet. Auffallend sind in diesem Thale die zahlreichen 
verwilderten Pflanzen, worunter Lonicera caprif'olium und Iris ger- 
manica in solchen Mengen auftreten, dass an ein Verschwinden der- 
selben wohl nicht zu denken ist. Unterhalb des Balinviaduktes findet 
man noch Spiraeachatnaedri/folia, RhnsTijphina, Acer tataricum und 
hie und da auch Aster mwi BeUjii. Oberhalb desselben Rosa lutea 
Miller, Mespilus germanica und in den zum Theile offenen Obstgärten 
des oberen Thaies TuHpa sihestris und Ornithogalum nutans. Im 
mittleren Theile des Thaies, unfern der Vorstadt Neustift, wächst auf 
einem Bahndamim! und auf dem benachbarten Felde noch Hieracit/m 
glaucum All. Das Auftreten dieser Pflanze dürfte hier wohl nur ein 



65 

zufälliges sein. Aller Walirsclieinlichkeit nach wurde sie durch Bahn- 
arheiter und deren Geralhe aus den Alpenländern hieher gebracht, 
und hat sich seit da in mehr als 50 Exemplaren bis zum heurigen 
Herbste erhalten. 

Im Uebrigen findet man noch : Anemone silvestris, Anthemis 
ausiriaca Jacq., Aqnilegia ■vulgaris^ Ceralocephalus orthoceras I) C, 
diese ziemlich häufig, nicht nur da, sondern auch an vielen Punkten 
um Znaim; wogegen Sclilosser's Ceralocephalus falcatus Pers. in der 
ganzen Umgebung fehlt. Chondrilla juncea, Crataegus monogyna Jacq. 
Diplotaxis muralis DC, Dorycn'mm pentaphyllum Scop. var. a seri- 
ceiim Nl., Fumaria Vaillantii Lois., Gagea bohemica Schult., G. mi- 
nima Schult., G. pusilla Schult, und G. stenopetala Reichb. Iris pu- 
7nila, I. variegafa, Linum tenuifohum, Melilotus alba Desr., Muscari 
tenuißorum Tausch., Nonea pulla DC, Orobanche elatior Sutt., Poa 
dura Scop., Populus alba, Potamogeton crispus, Ranunculus bulbosus, 
R. scelerafus, Soi'bus torminalis, Stipa pennata, St. capillata und im 
unteren Tlieile des Thaies unfern des Dorfes Kl. Tesswitz noch The- 
sium humile Vahl. — Das nur mit spärlichem PHanzenwuchse be- 
dachte Granitzlhal bietet am linken Abhänge neben Helichrysum are- 
narium Gärtn., Sedum album, S. reßexum, Sempervivum tectoruni, 
Ecliinops sphaerocephalus auch noch Androsace maxima an Wein- 
bergsrändern unfern der Stadt Znaim und Lepidium, perfoliatum auf 
einem Bahndämme beim Dorfe Edmifz. Der rechte Thalabhang ist im 
oberen Tlieile des Thaies bewaldet, im unteren Theile dürr und steinig. 
Im ganzen Thale, jedoch sehr zerstreut kommen vor: 

Asplenium germanicum Weiss., Agrimonia Eupatoria, AlUum 
fallax Schult., Anthriscus trichosperma Schult., Astrantla major, 
Berula angustifoUa Koch., Colchicum autumnale, bei Edmitz häufig, 
in der übrigen Umgebung von Znaim nur sehr vereinzelt. Dianthus 
prolifer, Dictammts Fraxinella Pers., Dipsaciis laciniatus, Echino- 
spermum deflexum Lehm., Hesperis runcinata W. et K., Inula oculus 
Christi, Lactuca Scariola, L. iriminea Pressl., L. quercina, Linum 
catharticum L., Montia rivularis Gmel., Potentilla inclinata Vill., P. 
recta, Prunus Mahaleb, Sambucus EbulusL., Reseda luteola, Tordy- 
lium maximum, Verbascum nigrum, Viburnum Lantana und V. Opulus, 
Xeranthemum annuum, so wie eine Reihe von Rosen und Hieracien, 
Aus diesen wären hervorzuheben: Rosa pimpinellifolia Lam., Rosa 
canina a glabrescens Nl. und ß pnbescens Nl., Rosa rubiginosa var. 
a micrantha Nl. und ß macranfha Nl., R. rubiginoso X canina Meyer, 
so wie Rosa gallica und Rosa ganicoy<ca7iina; dann: Hieracitim echi- 
oides Lumn., a strigosum Nl. ß setigerum Nl., Hieraciuni Pilosella X 
praealtum Wimm., Hieraciuni graniticum Schultz Bip., H. barbatum 
Tausch., H. boreale Fries und andere Formen. 

Znaim, Dezember 1874. 



66 

Einige neue Fundorte der Flora Ungarns, 

Von Perd. Bohatsch. 

Ich hatte in den Jahren 1872 und 1874 Gelegenheit mehrere 
botanische Ausflüge in die nordwestlichen Karpaten zu unternehmen 
und theile im Nachfolgenden als Resultat dieser Ausdiige jene Fund- 
orte mit, die in Neureiches: „Aufzählung der in Ungarn und Slavonien 
bisher beobaciiteten Gefasspflanzen," sowie in dessen Nachträgen zu 
diesem Werke nicht angeführt erscheinen. 

Diese Exkursionen bestanden in der Besteigung der Prasiva und 
Kralowa Hola der Liplau-Soliler Alpen, des Kleinen Krivan, Roszudecz 
und Stoch der Klein-Krivan-Gruppe, und der Bela Skala des Arva- 
Liptauer Kalkgebirges, sowie in zwei Ausflügen in das Felkaer Thal 
und zum Grünen (Käsmarker) See der Hohen Tatra. 

Botrychium Lnnaria Sw. Auf den im Komilate Trencsin gelegenen 

Voralpen des Stoch (1200 Met. — Kalk). 
Selaginella spinulosa A. Er. Unter Krummholz auf den im Komitate 

Trencsin gelegenen Voralpen und Abhängen des Kleinen Krivan, 

Ötoch und Roszudecz (1000—1667 Met. — Kalk). 
Poa flexuosa Wahlb. Im sogenannten Blumengarten des Felkaer Thaies. 

(1769 Met. — Granit). 
• — sudetica Hänke. Krummholzregion des Stoch (1200 — 1500 Met. 

— Kalk). 

Carex atrata L. Steinige Triften des Stoch (1200—1500 Met. — 
Kalk). 

— Persoonii Sieb. Felsige Stellen am Käsmarker Grünen See (1560 
Met. — Granit). 

Eriophorum vaginatmn L. Feuchte Stellen der Krummholzregion des 
Kleinen Krivan (16Ü0 Met. — Kalk). 

Jtmcus trifidus L. Krummliolzregion der Kralova Hola (1700 — 1800 
Met. — Gneiss). 

Lloydia serotina Salis. Oberhalb des sogenannten Blumengartens im 
Felkaer Thale (1800 Met. — Granit). Gemeinschafllich mit Hrn. 
Prof. Staub aufgefunden. 

Allium Victoriaiis L. Krummholzregion des Kleinen Krivan und Stoch 
(1200—1500 Met. — Kalk). 

Gladiolus imbricalus L. Haferfelder bei Subiaszko am Fusse der Kra- 
lova Hola (Komilat Sohl). Im Vrätnaer Thale bei Tjerchova (Ko- 
mitat Trencsin) mit weisser Blülhe. 

Gymnadenia albida Rieh. Krummholzregiun der Kralova Hola (1200 

— 1500 Met. — Gneiss). 

Polygonum Bistorta L. Feuchte Stellen des Kleinen Krivan (800 — 
1300 Met. — Kalk). 

— tiviparum L. Auf den im Komitate Trencsin gelegenen Voralpen 
und Abliüngen des Kleinen Krivan, Öloch und Roszudecz (1000 
1667 Met. — Kalk). 



67 

Scabiosa lucida Vill. Felsig-e Stellen des Kleinen Krivan und Stoch 

(1200—1400 Met. — Kalk). 
Doronicum austriacum Jacq. Zwischen Krummholz auf dem Kleinen 

Krivan, Stoch, Roszudecz und der Bela Skala (1200 — 1400 Met. 

— Kalk). 

Senecio alpinus Koch. Alpenwiesen des Kleinen Krivan, Stoch, Roszu- 
decz und der Böla Skala (1000— 1400 Met. — Kalk). 

— carniolicus Willd. Im Felkaer Thale vom sogenannten Bhunen- 
garten bis zum Langensee (1769 — 1859 Met. — Granit). 

Hypochoeris uniflora Vill. Alpentriften der Kralova Hola (1200 — 

1400 Met. — Gneiss). 
Crepis Jacquimi Tausch. Felsige Stellen der Böla Skala (1000 — 1580 

Met. — Kalk). 
Hieracinm anrantiactim L. Auf den im Komitate Trencsin gelegenen 

Voralpen des Kleinen Krivan (1000—1200 Met. — Kalk). 

— vUlosum Jacq. Alpentriften der Böla Skala (1000 — 1580 Met. — 
Kalk). 

Swertia perennis L. Feuchte Stellen der Böla Skala (1300 Met. — 

Kalk). 
Bartsia alpina L. Felsige Triften des Kleinen Krivan und der Böla 

Skala (1200—1667 Met. — Kalk). 
Orobanche flaca Mart. Zahlreich auf Pefasites albus Gärtn. bei Ma- 

tyasowce am südlichen Fiisse der Bela Skala (700^Met. — Kalk). 
Ändrosace lactea L. Felsen des Kleinen Krivan und Stoch (1400 — 

1600 Met. — Kalk). 
Soldanella montana L. Moosige, sumpfige Stellen der Prasiva (1000 

—1500 Met. — Granit). 
Lysimaclüa. nemorum L. Feuchte Waldstellen auf dem nordöstlichen 

Abfalle des Kleinen Krivan (800 Met. — Kalk). 
Pyrola minor L. In Wäldern der Kralova Hola, ferner bei dem Bade 

Lucsky (Komitat Liptau). 
Pachypleuriim simplex Rchb. Am nördlichen Ufer des Felkaer Sees 

(1600 Met. — Granit). 
Sedutn rosenm Scop. Felsige Stellen der Kralova Hola und des Kleinen 

Krivan (1300—1800 Met. — Kalk, Gneiss). 

— Fabaria Koch. Felsige Stellen der Böla Skala und am Käsmarker 
Grünen See (1300—1560 Met. — Kalk, Granit). 

— repens Schleich. Am nördlichen Ufer des Felkaer Sees (1600 
Met. — Granit). 

Saxifraga caesiah. Felsige Stellen der Bela Skala (1300— 1580 Met. 

— Kalk). 

— bryoides L. Im sogenannten Blumengarten des Felkaer Thaies 
(1769 Met. — Granit). 

— aäoides L. Felsschutt der Böla Skala (1200—1400 Met. — 
Kalk). 

— moschata Wulf. Felsen des Kleinen Krivan, Stoch und der Bela 
Skala (1300—1600 Met. — Kalk). 



68 

Anemona alpina L. Steinig-e Stellen der Kralova Hola (1000 — 1700 
Met. — Gneiss). 

— narcissiflora L. Steinige Stellen des Kleinen Krivan (1300 — ^1600 
Met. — Kalk). 

Rammculus rutaefolius L. Oberhalb des sogenannten Blumengartens 
im Felkaer Thale (1800 Met. — Granit). 

— glacialis L. Im Felkaer Thale einzeln vom Felkaer See bis zum 
Langen See (1600—1859 Met. — Granit). 

— Traunfellneri Hoppe. Felsen des Roszudecz (1300 — 1400 Met. 
— Kalk). 

Arabis alpina L. Felsen des Kleinen Krivan, Stoch und der Bela Skala 

(1000—1600 Met. — Kalk). 
Hesperis matronalis L. Mit weissen Blüthen ziemlich häufig auf dem 

Roszudecz (1000 Met. — Kalk). 
Viola hiflora L. Unter Krummholz am Kleinen Krivan (1300 — 1600 

Met. — Kalk). 
Cerastimn alpinum L. var. lanatmn. Im sogenannten Blumengarten 

des Felkaer Thaies (1769 Met. — Granit). 
Dianthus nitidus WK. Krummholzregion des Kleinen Krivan und Stoch 

(1200—1600 Met. — Kalk). 
Silene quadrißda L. Quellige Stellen der Böla Skala (1000 — 1300 

Met. — Kalk). 
Epilohium alsinaefolium Vill. Feuchte Stellen der Bela Skala (1300 

Met. — Kalk). 

— trigonum Schrank. Feuchte Stellen des Roszudecz (1000—1400 
Met. — Kalk). 

Circaea alpina L. Bergwälder am Fusse des Kleinen Krivan, Stoch 

und Roszudecz (700—1000 Met. — Kalk). 
Potentilla aurea L. Alpentriften der Bela Skala (1000—1400 Met. — 

Kalk). 
Drijas octopetala L. Felsen des Kleinen Krivan, Stoch und der ßöla 

Skala (1400—1667 Met. — Kalk). 
Antkyllis vulneraria L. y. riibri/lura DC. (A. Dillenü Schult.) Die 

ganzen Blumenkrunen kirscliroth gefärbt. Einzeln im Vratnaer 

Tliale und auf dem Bobou bei Tjcrchowa im nördlichen Komitate 

Trencsin (600—900 Met. — Kalk). 

Pest, im Dezember 1874. 



Reiseerinnerungen an Spanien. 

Von Moritz Winkler. 

(f'ortset/.ua;,'.) 

Die Alhambra, auf einem etwa 300 — 400 Fuss hohen Hügel 
über der Stadt gelegen, umfasst nicht nur die alte maurische Königs- 
burg selbst, sondern noch eine Anzahl anderer Gebäude, auch einen 



69 

unvollendeten Palas! Karl V., ausserhalb der Llmfassungsmauer, in dem 
lierrlulien scliallioiMi Parke lietjon zwei hübsche und anständige Huteis, 
das schon friiher erwähnte Siele suelos, und Washing-Ion Irwin»-; auf 
einem zweiten, nur durch eine schmale Schlucht getrennten Hügel 
steht ein anderer maurisclier Palast: das (Jenaralif, und noch hiiher 
hinauf zieht sich der Pfad zu der Silla del Moro, einer Höhe, von 
welcher man die prachtvollste Aussicht geniesst, und auf welcher noch 
Schanzen und alters Mauerwerk sichtbar ist. 

Die iUu'g Aliiambra ist das beslerhaltene maurisclu? Bauwerk, an 
welches sich tausend Erinnerungen aus der Geschichte Granadas und 
den Grosstliaten der alten Bewohner knüpfen. Die Einfacliheit und der 
edle Styl des Baues, in Verbindung mit der wunderbaren Zierlichkeit 
der tausend Einzelheiten und dem staunenswertlien Wechsel der Orna- 
mentik, regt zu inuner neuer Betrachtung und Bewunderung an. Auch 
hier, wie in dem Alkazar zu Sevilla, sind mit grossen Kosten die 
Restaurirungs-Arbeiten vorgenommen worden, aber man hat nur ein 
Gemach mit Farben überkleidet, die ü])rigen nur gereinigt, den Kalk- 
putz, mit welchem die Wände zum Tlieil überwerfen waren, mühsam 
von dem darunter befindlichem Stuck abgelost und schadliafle Stelleu 
ausgebessert. Wohl gehört die Pracht der Farben wesentlich zur 
Vollendung des originellen maurischen Baustyles, aber sie blendet 
auch und lässt die Schönheit der Erfindung weniger klar hervortreten, 
als es hier ermöglicht ist. 

Wir kamen gerade zurecht , um die sogenannte Feria , ein 
halb geistliches halb weltliches Fest, welches alle spanischen Städte 
begehen, und welches vielleicht unserer Kirmes-s entspricht, mitzu- 
machen. In Granada fällt es gerade auf das Frohnleichnamsfest und 
wird nicht wie in Deutschland blos einen Tag gefeiert, sondern dauert 
9 Tage hindurch; dann war zweitägige Pause, und das Johannesfest 
begann, welches indess nur zwei Tage beanspruchte. Die Feria beginnt 
mit der üblichen Prozession, und ihr schliessen sich die vei'schieden- 
sten Unterhaltungen an: Jahrmarkt, Volksspiele, Konzerte, Pferderennen, 
Illuminationen, Feuerwerk und Stierkämpfe, die ja die Krone aller 
spanischen Belustigungen bilden. 

Unsere ersten Exkursionen waren den Höhenrücken gewidmet, 
welche die Grenzscheide zwischen den Flüssen Darro und Jenil einer- 
seits und Jenil und Monachil andererseits bilden. Der erstere Höhen- 
zug, eine Absenkung der Nevada-Kette, dessen Endpunkt der oben 
erwähnte Silla del Moro mit der Alhambra bildet, ist der pflanzen- 
reichere, und namentlicii bietet das Thal des Darro eine ausserordent- 
lich bunte Vegetation. Was ich hier und in der näheren Umgebung 
der Stadt, bei mannigfachen Spaziergängen im Laufe der drei Monate 
gesannnelt, fasse ich in Folgendem zusammen, wobei aber alle Ge- 
wächse ausgeschieden siiul, die icii bereits anderswo beobachtete. 
Adianthus capillus L., Agrostis Reuteriana Bois., A. scabriglnmis B. 
Rt., Antirrhinum glutinosum B. Rt., Allium paflens L., Artemisia 
Barrelieri Besser, A. glutinosa Gay, iiariabilis Ten., Asperula aristata 
L., Avena scabriuscula et A. bromoides L., Brachypodium mucrona- 



70 

tum Wilk,, Carlina corymbosa L., Caticalis coerulescens Bois., Cha~ 
maepeuce hispanica L., Croton tinctorium L. (auf einem Felde bei 
dein bekannten kleinen Hügel [el ultimo sospiro del Moro genannt]), 
Dianthus brachyanthus Bois., Daucns cr'mitus Desf., Eleoselinum 
Lagarcae Bois., Festuca granatensis Bois., Holcus glaucus Wilk., 
Hyoscyamus albus L., Jasione tuberosaBC, Lepidium gramtnifolium 
L., Linaria granatensis Wilk., Margotia laserpitioides Durrok, Me- 
lissa graveolens Benth., M. nepeta L., Ononis pubescetis L.^ 0. mollis 
Sa vi, 0. speciosa L., Orobanche Hederae L., 0. arenaria Walp., 
Onopordon nervosum Bois., Phlomis Lychnitis L., Plumbago europaea 
L., Scabiosa maritima L., Senecio Doria L., S. linifolius L., Silene 
portensis L., S. inaperta L., S. conica L., Stipa gigantea Lag., Tolpis 
umbellatah., Thapsia rillosaL., Thalictrum glaucumBsL, Trachelium 
coeruleum L., Urtica pilulifera L., Verboscum granatense Bois,, Xe- 
ranfhemum cylindraceum L. 

Hiermit ist aber keineswegs der Reichtluun der Vegetation er- 
schöpft, denn mehrere liundert interessante Pflanzen blieben unbe- 
achtet, weil ich sie bereits bei früheren Exkursionen bemerkte. Es 
wäre gar nicht schwer, um Granada mit der Nevadakette und den 
anderen kleineren Bergsystemen der Umgebung weniger Meilen, tausend 
Spezies aufzubringen, welche in Deutschland gar nicht, oder doch nur 
als Seltenheit vorkommen. Zum Trocknen der Pflanzen stellte uns der 
Wirth den mehrerwähnten maurischen Thurm zur Verfügung, auf 
dessen oberer, der Sonne exponirter Flache eine ganz ausserordent- 
liche Hitze sich entwickelte, und das Papier, wenn es eine Stunde 
gelegen hatte, so warm wurde, als ob es aus dem Backofen käme. 

Eine freundliche Rekommandation, welche wir der Güte des 
Herrn Lutteroth in Cadix verdankten, führte uns in die einzige deutsche 
Familie in Granada ein, und diesem glückliclien Umstände mussten 
wir es zumessen, dass wir uns dort so leicht einbürgerten und uns 
in Granada wie zu Hause fühlten. Herr Wilhelmi, aus der Rheinpfalz 
gebürtig, und sein unverheirateter Compagnon, Herr Lemne, ein 
Frankfurter, besitzen etwa eine gute Meile von Granada entfernt, 
am Fusse der Nevaila, und am Einflüsse des Flüsschens Agua blanca 
in den Jenil eine Papierfabrik, wohnen aber in Granada selbst. Im 
Kreise dieser geistreichen und liebenswürdigen Familie verbrachten 
wir meist die freien Abende, und fanden ausserdem bei unseren 
verschiedenen Exkursionen die lebhafteste und zuvorkommendste Unter- 
stützung, indem uns gute verhissliche Führer und billige Reitthiere 
stets zur Disposiüon gestellt wurden. Ohne diese freundliclie Hülfe 
würde es mir kaum möglich gewesen sein, die Hochpunkte der 
Nevadakette auf eine so leichte und angenehme Weise zu erreichen, 
eine so frohe und sorgenlose Zeit zu verleben, und so reiche botani- 
sche Ausbeute zu erlangen, als dies in Granada der Fall war. 

Noch lag die Hochgebirgskette weit hinab mit Schnee bedeckt, 
als wir im ersten Drittel des Juni ankamen; aber täglich konnte man 
beobachten, wie er sich verminderte, wie die weissen Flächen kleiner 
und kleiner wurden, und am 14. Juni wagten wir bereits die erste 



71 

Exkursion im Tlialc; dos .Tonil aufwürls, woboi wir etwa die Hübe von 
0000 Fuss orroiclitcn. Woilor liiiianr war kaum nocli oiuo lolinendo 
Vop-clalion walu-zunolimon, auch iiatton wir horoils eino s<» hodoutondo 
Anzahl Ptlanzon aufg-(;liiiul"l, dass wir oin Molir nicld zu bowalliocMi 
vermocht hallen; sondern mussten uns zur Umkehr entschliessen, um 
die ermüdende Thäligkeit dos Abtrocknens vorzunehmen. 

Den ersten Vormittag- erroicliten wir Guegar, das hix^lislg'elegene 
Dorf am nördlichen Abhanoe (bei etwa 3200' Meeresh()Iio), verliessen 
die Maulthiero, und begannen sogleich g^cgen die Lehne des Dornago 
anzuklotforn. Die Thiiler der kleinen Flüsse, welche von der Nevada 
liorabstriMnen, mit den anstossondon Berglehnen sind von wuiulerbarer 
Sclunihoit. Wild und gigantisch tiiürmon sich die Felsen in den präch- 
tigsten Formen auf, aber g-emildert durch das belebende Grün einer 
üppigen Vegetation, und mit einem Blüthenschmuck überkleidet, wie 
ihn in Deutschland kaum ein wolilgepflegter Garten bietet. In zivili- 
sirten Liindern wiirdcui Tausende nach einem solchen Paradiese wall- 
fahrten und komfortable Hotels die xNatureinfaclibeit verunzieren; hier 
trifft man keine reisondon Engländer mit dem unvermeidlichen rothen 
Buche in der Hand, keinen exaltirten Naturschwärmer, keinen Sammler 
überhaupt, kaum einen Menschen; nur die Vög^elein sing-en im Walde, 
und der rauschende Gebirgsbach beg-leitet murmelnd ihren Gesang-. 
Reine, unverfälschte Natur mit ihren kindlichen Freuden; aber auch 
mit allen Leiden, welche die Entbehrung- gewohnter Kulturgenüsse 
uns auflegt. 

Bis nach Guogar hinauf sieht man noch vereinzelte Agaven an 
den warmen Felsen, wenn auch ihre Schäfte nicht mehr die Hohe 
erreichen als tiefer im Lande, von Guogar ab beginnt die subalpine 
Vegetation sich einzumengen, und geht nun allmälig bei vermehrter 
Steigung in die ganz alpine Vegetation über. Eine scharfe Grenze 
kann hier um so weniger gezogen werden, als die herabstürzenden 
Frühlingswässer manchen Flüchtling von den Bergen herabwiilzen, 
welcher sich nun ein kurzes Leben unter den fremden Geschwistern 
südlicher Zone fristet. Was wir in Deutschland nur als schwache 
kletternde Gestaltungen oder niedrige strauchartige Gebilde vor Augen 
haben, wie Loniceren und Gonistoen, wächst hier in Lonicera arborea 
Bois. und Adenocarpus decorficans Bois. zu wirklichen Bäumchen 
heran, die wohl auf ihren Aeston einen Mann zu tragen vermochten. 
Acer granatensls Bois., Anthemis montana L., Barbarea sicula Presl., 
Berberis hispanica B. Rt., Calepina Corvini Dsv., Catananche caeru- 
lea L., Cochlearia glastifolia L., Cofoneaster granatensis Bois., Crepis 
pulchra L., C. opnrinnides Bois., Duriena hispanica B. Rt., Elaeagnus 
angustifolms L., Erodinm rnpicola Bois., Euphorbia nicaeensis All., 
Genista cinerea DC, Geraniiun pyrenaicum L., G. lucidum L., Helle- 
borus i'iridis L., Hordeum secalinum Schrb., Inula montana L., 
Koniga spinosa Spach., Ononis rotundifolia L., Pistacia Terebinfhus 
L. , Polygala Boissieri Coss., Potentilla recta L. , P. hirta L., P. 
rupesfris L., Sahia lavandulaefolia Vahl., Saponaria ocymoides L., 
Sarothamnus affinis Bois., Teucrium capitatum L. und Trifolium 



7 i 

gemellum Poir. , nebst einer grossen Anzahl früher beobachteter 
Pflanzen bildeten die Ausbeute des ersten Tages. 

Den nächsten Morgen um 5 Uhr war der weitere Aufbruch be- 
stimmt, aber unser Ariero, der sich schon am ersten Tage als ein 
arger Trunkenbold bewährt hatte, war nicht zu finden; endlich trieben 
wir ihn in einer Schnapskneipe auf und drängten zur Abreise, „sogleich 
meine Herren!" blieb seine siehende Antwort; aber dieses „Sogleich" 
erfolgte nicht, er verschwand abermals, und tauchte eine Stunde 
später in einer anderen Kneipe auf, wo wir ihn endlich mit Gewalt 
dazu brachten, die Maulthiere vorzuführen. Mittlerweile war es acht 
Uhr geworden, und die Sonne brannte bereits mit versengender Glut 
auf unsere Scheitel herab. Naclidem wir etwa 100 Schritt weit ge- 
ritten waren, machte der Mann Halt und erklärte, „etwas vergessen 
zu haben, auch eines Führers bedürftig zu sein, den er erwarten 
müsse." So standen wir, von der munteren Jugend des Ortes begafft 
und belaclit, bis 9 Uhr an der Ecke des Platzes, bis wir hall) ge- 
braten vorausritten, um wenigstens dem Spotte der Menge zu entgehen. 
Endlich kam er uns nach, schwer betrunken, und kaum im Stande, 
sich auf dem Maulthiere fest zu halten. Das verleidete uns die ganze 
herrliciie Partie, welche sonst eine der angenehmsten auf der ganzen 
Reise gewesen wäre. Auf sciiinalem, oft vom Wasser durchfurchten 
und kaum kenntlichen Saumpfade, immer dem Laufe des Flusses Jenil 
folgend, ging es in einem hochromantischen Thale allmälig aufwärts. 
Theils die Unmöglichkeit, den trunkenen Begleiter schneller fortzu- 
bringen, theils auch die Lockung, welche Flora's Kinder auf uns aus- 
übten, veranlassten uns, fast den ganzen Weg zu Fuss zurückzulegen. 
Nach etwa fünfstündiger Wanderung kamen wir zu einem verfallenen 
Hause, welches frülier als Pochwerk für Kupfererze gedient hatte, 
und in welchem sich nun einige Hirten angesiedelt hatten, bei denen 
wir freundliche Unterkunft fanden. Leider bemerkten wir, dass der 
Ariero Eier und Wein, den wir in reichlicher Menge mitgenommen 
hatten, unterwegs fast vollständig in seinem siebartigen Leibe hatte 
verschwinden lassen. Zum Glück war noch etwas Schinken übrig ge- 
blieben, auch kauften wir ein Dutzend Forellen und konnten mit dem 
geringen Weinrest, welcher sich noch im Schlauche vorfand, wenig- 
stens auf ein sättigendes Nachtmahl rechnen. So lange das Tageslicht 
währte, trieben wir uns botanisirend herum, stiegen noch etwa 1000 
Fuss aufwärts, wo die Vegetation noch im winterlichen Schlafe lag, 
und kehrten beim Dunkelwerden reich beladen in unser verfallenes 
Hotel zurück. Adonocarpus dccorticans Bois., AUjssam psüocarpum 
Bois., Anthcmis Triumfetti L., Anthericum baeticum Bois., Anihijllis 
arundana Bois., Aquileyia viscosa Gou., Arahis verna R. Br., Butinia 
bunioides Bois., Carum Bulbocaslamim Koch, Digitalis nevadensis 
Kze., D. obscura L., Doronicimi plantaginenm L., Eryngium Bourgnti 
Gou., Festuca indigesta Bois., F. elegans Bois., F. spadicea L., F. 
trißora Dsf., Cenista asphalatoides L^m., He7-acleum granatense Bois., 
Herniaria scabrida Bois., Lactuca ramosissima G. G., Linaria vter- 
ticillala Bois., Lonicera arborea Bois., Mahnt Tournefortiana L., 



73 

Marrubinm supinum L., Melissa granaiensls B. Rl., Ononis arago- 
nensis Asso., Onopordon acaulon Wild., Ranunculns granalensis Bois,, 
R. nevadensis Wilk., Reseda complicata Bory., Scrophularia crith- 
mifolia Bois., Senecio Duriaei (iity., S. praealtus Bois., Silene neva- 
densis Bois., Sniyrnium perfoliatum L., Tragopogon crocifnlius L., 
Trichera subscaposa B. Ht., Verbascum nevadense Bois. und Vicia 
pyrenaica l'oiir. wurden uiitgenoinnien, denen sich bei der Rückreise 
noch Alyssum serpyllifolinm Dsf., Anarrhinum bellidifolinm Dsf., A. 
laxiflorum Bois., Anchnsa granafensis B., Linaria Salzmanni Bois., 
Medicago apiculuta Willd. und Paronychia nivea DC. zugeseiilen. 

In Guegar, wo wir die Pflanzen vom ersten Tage zurückgelassen 
hatten, kehrten wir nochmals ein, um unsere Zeche zu berichtigen; 
durch wahrscheinliche Vermittelung unseres betrunkenen Arieros 
mussten wir für drei Mahlzeiten, bestehend aus Eiern und Schinken 
sowie etwas Landwein, die unverschämte Summe von 8 Duros (IP/s 
Thlr. pr. Ct.) zahlen, in einer schmutzigen Fonda, wo weder Tisch 
noch Stuhl, noch Gabel oder Messer zu finden war. Aergerlich über 
solche Prellerei Hessen wir den betrunkenen Kerl zurück und ritten, 
da wir nun den Weg kannten, ruhig nach Granada voraus, wo wir 
auch spät am Abend glücklich eintrafen. Man soll in Spanien niemals 
einkehren, wenn man nicht vorher Alles beiiandelt hat, das muss man 
sich zum festen Gesetze machen, sonst wird man unsäglich betrogen, 
während sonst das Reisen im Allgemeinen nicht theuer ist. 

CFortsetzung folgt.) 



Literaturberichte. 

Blüthendiagramme, construirt und erläutert von Dr. A. W. Eichler, Prof. 
der Botaniii an der Universität Kiol. 1. Theil, enthaltend Einleitung, Gym- 
nospermen, Monocotylen und sympetale Dicotylen. Leipzig 1875 bei Wilh. 
Engelmann. 8". 348 Seiten und 176 Figuren in Holzschnitt. 

Obwohl die botanische Literatur zahlreiche Untersuchungen über 
den Blüthenbau der einzelnen Familien besitzt, so fehlte bisher doch 
ein Werk, welches eine umfassende, gleichmässige, systematisch ge- 
ordnete Bearbeitung dieses wichtigen Gegenstandes enthielte. Prof. 
Eichler sucht diese empfindliche Lücke durch die vorliegende Publi- 
kation auszufüllen und es gelang ihm diess auch in ganz vorzüglicher 
Weise, so dass sein Buch für jeden Botaniker, der sich mit morpho- 
logischen oder systematischen Studien über Phanerogamen beschai'tigt, 
ein unentbehrliches Kompendium bildet. Der erschienene erste Theil 
der Blüthendiagramme behandelt in der Einleitung (S. 1 — 52) aus- 
führlich die bei der Konsiruirung und Interpretation der Diagramme 
festgehaltenen formen, weilers die Blüthe mit ihren Theilen, ferner 
die Vorbl.itter, den Anschluss und Einsatz der Blüthe, so wie die 
Blülhenstiinde. An diese allgemeine Einleitung schliesst sich die spe- 
zielle Behandlung der einzelnen Ordnungen der Gymnospermen (S. 
53—72), der Monocotyledonen (S. 73 — 186) und der Sympetalen 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 2. Heft. 1875. Q 



74 

Dicotylen (S. 187 — 347) an. Bezüglich der Disposition der Familien 
folgte Eichler im Allgemeinen dem Systeme, welches A. Braun in 
der Einleitung zu Ascherson's Flora der Provinz Brandenburg mit- 
theilte, nur wurde die Klasse der Apetalen gänzlich aufgelassen und 
nach Massgabe der übrigen Verwandschaftsverhältnisse unter die 
kronentragenden Gruppen vertheilt. Bei jeder einzelnen Ordnung zitirt 
Eichler sehr genau die einschlagige morphologische Literatur; dann 
behandelt er den Blüthenstand in seinen verschiedenen vorkommenden 
Typen; hierauf folgt eine Schilderung des Baues der vollkommen 
entwickelten Blüthe, erläutert durch zahlreiche beigefügte Diagramme, 
und den Schluss bildet eine Besprechung der entwicklungsgeschicht- 
lichen Verhältnisse der Blüthe. Die dem Texte beigegebenen Diagramme 
sind vorzüglich ausgefiilirt; sie geben nicht bloss Aufrisse einzelner 
BUithen, sondern erweitern sich häufig zu Projektionen ganzer Blüthen- 
stände unter genauer Berücksichtigung der Orientirungs-, Anschluss- 
und Einfügungsverhältnisse. Diese Illustrationen gereichen dem vor- 
liegenden Werke zur hohen Zierde und gewähren eine sehr anschau- 
liche Uebersicht der behandelten, oft komplizirten Verhältnisse. Wie 
aus dem Gesagten ersichtlich wird, bieten Eichler's Blüthendiagramme 
viel mehr, als der bescheidene Titel erwarten lässt. Sie gewähren 
eine treffliche Uebersicht der wichtigeren morphologischen Verhältnisse 
der Blüthen bei den Samenpflanzen, dem gegenwärtigen Stande der 
Wissenschaft vollkommen angepasst. Mijge der zweite Theil von 
Eichler's schönem Werke, welcher die Eleutheropetalen umfassen 
wird, bald erscheinen, denn vollendet wird es in erhöhtem Masse in 
den weitesten botanischen Kreisen die wohlverdiente Anerkennung 
finden. Dr H. W. R. 

Der Holzkropf von Popuhis tremula L. Von Dr. Fr. Thomas. Berlin 
1874. 1 Hell 8". 4 Seiten und 1 Tafel. 

In der vorliegenden Mittheilung beschreibt der Verf. eigenthüm- 
liche Auswüchse an den Aesten von Populus tremula L., nennt die- 
selben Holzkropf und bildet sie auf der beigegebenen Tafel ab. Sie 
werden der Beachtung der Mykologen empfohlen, weil sich an ihrer 
Bildung ein Pyrenomycet im picnidentragenden Stadium (Diplodia) zu 
betheiligen scheint. Dr. H. W. R. 

Botanischer Jahresbericht. Systematisch geordnetes Repertorium der bota- 
nischen Literatur aller Länder. Von Dr. Leop. Just. L Jahrgang, 1. Halbband, 
Berlin, Verlag von Gebr. Borntraeger, 1874. (320 Seiten in Gr. Oct.) 

Mit diesem hat Dr. Just ein Jahrbuch ins Leben gerufen, das 
gewiss als ein nun unentbehrliches Hilfsmittel bei allen botanischen 
Arbeiten freudig begrüsst werden muss, umsomehr als dieses Nach- 
schlagewerk, welches eine m igliciist vollständige Uebersicht sämmt- 
licher botanischer, vielfach verstreuter Publikationen des J. i873 bietet, 
mit deutscher Gründlichkeit durchgeführt erscheint und zwar von 
einer Reihe von Milarbeiteni mltNim:3ii besten Klanges. So referiren 
im obigen Bande über Algen: Askenasy und Dr. Putzer, über Pilze 
Schroeter und A. M.iyer, über Flechten Lojka, über Moose H. Müller, 
über Gefässkryptogamen Kuhn, über Morphologie der Zelle E. Pfitzer, 



75 

über Morpholoofie der Gewebe E. Loovv, über spezielle Morpliolos^ie 
der Coniferen E. Strassbur(j-er, iiher Murpholoirie der Muiiocolyledoiicii 
und Dicotyledonon E. Waniiinir, über pliysikalisclie Pliy-siolo(j;ie H. de 
Vries und über clieinisi-lio PliysiDloirie L. Jiisl. Mit der AiilVilirimg 
dieser Referenten ist zugleich eine Uebersiclit des Inlialtcs der ersten 
Hälfte des Jalirbuclies gegeben. Die Ausstattung lassl nichts zu wini- 
schen übrig. S 



Correspondenz. 

Carifanaro in Istrien, am 9. Jänner t87ä. 
In meiner letzten Korrespondenz, Nr. 1, S. 34 von d. J., erwähnte 
ich, dass Anemone Hackelü Pohl auch in Siebenbürgen in der Nahe 
von A. Pulsatilla und A. palcns vorkomme. Ich niuss der Vollstän- 
digkeit wegen noch nachtragen, dass in derselben Gegend auch A. 
pratensis heerdenweise vorkummt. J. Freyn. 

Szamosujvär in Siebenbürgen, am 11. Jänner 187.^. 
Freudig erregt zeige ich Ihnen an, dass mir Boissier die gr()sste 
Auszeichnung zu Theil werden liess, die mir in meinem Leben über- 
haupt erreichbar war. In einem gestern erhaltenen Briefe macht mir 
nämlich Boissier bekannt, dass er auf Haberlea Heldreichii Boiss. et 
Orph. mir zu Ehren die neue Gattung Jankaea gegründet habe. 
Uebrigens war ich schon lange der Ansicht, dass die sog. ^Haberlea 
Heldreichii" nicht zu Haberlea, sondern eher zu Ramondia gehöre, 
und habe ich die Pflanze des thessalischen Olymp in Briefen an 
Freunde Ramondia Heldreichii getauft. — Vor Kurzem erhielt ich 
von Herrn Burnat eine schime Pflanzensendiing, in welcher mich 
Ranunculus anemonoides Zahlbr. von der Spitze des Monte Baldo 
ganz besonders interessirte. Janka. 

Falken berg in Schlesien, am 27. Dezember 1874. 
Die Mitfheilung eines ersten Fundes für Schlesien von Ambrosia 
maritima^. (Oeslerr. bolan. Zeilschr. 1874, S. Ifil) muss ich insofern 
berichtigen, als sich die fragliche Pflanze nachtraglich als Ambrosia 
artemisiaefolia herausgestellt hat. Sie ist in Nordamerika heimisch 
und wurde von dort mit Kleesamen bei uns eingeschleppt. 

J. Plosel. 

Botanischer Tauschverein in Wien. 

Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Freyn mit Pflanzen aus 
Istrien. — Von Herrn Wiesbaur mit Pfl. aus NiederOsterreich. — Von 
Herrn Dr. Ressmann mit Pfl. aus Kärnten. — Von Hrn. Csato mit Pfl. 
aus Siebenbürgen. — Von Herrn Dr. Schäfer mit Pfl. aus Braunschweig. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Burnat, Dr. Brehmer, 
Dufft. 

6* 



76 

Aus N i e d e r () s 1 1! r r e i c h : Acer monspessulanutn , Aconitum 
Lycoctonum, Adnnis vernalis^ Alsine Jacquini, Anemone Pulsatilla 
V. angusfisecta, Arabis sagiftafa, Bupleurum Gerardi, Cerasfium 
brachypetalum. LaserpUium latifolium, L. Siler, Linum ausfriacum, 
L. flüDum, Medicago media, Orobus pannonicus v. macrorrhizos, 0. 
pann. v. microri'hizos, Papacer dubiwn, Peiicedanum alsaticum, Ra- 
pislnmi perenne, Roripa austriaca, Sairia sifcestris, Siler trilobum, 
Sisymbrium Columnae^ S. strictissimum, Thalictrum minus, Valeriana 
angustifolia, Viola alba, V. austriaca f. nemorum, V. austr. f. pine- 
torwn, V. collina, V. multicauUs, V. scotophylla f. albiflora, V. scot. 
f. viülacea u. a. eing. von Wiesbaiir. 

Aus Nieder i)st er reich: Allimn acutangulum, Aster canus, 
Carex humilis, Clematis integrifolia, Euphorbia epithymoides, E. 
lucida, Glaucium corniculalum, Gnaphalium nudum, Isatis tinctoria, 
Oenanthe silaifolia, Orchis laxißora, Pulicaria vulgaris, Rosa gallica, 
Seseli Hippomarathrum, Silene niscosa, Taraxacum serotinum, Torilis 
helcetica, Tribulus terresfris u. a. eing. von Matz. 

Aus Istrien: Adianthum Capil. ceneris, Bupleurum aristatum, 
Camplwrosma monspeliaca, Cynosurus echinatus, Gastridium lendi- 
gerum, Hnlimus portulacoides, Safureja montan a, Seseli tortuosum, 
Sesleria elongata. — Aus Ungarn: Chlora serotina einges. von 
Freyn. 

Obige Pflanzen können im Tausclie oder käuflich die Centurie zu 
6 fl. (12 R.-Mark) abgegeben werden. 



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Antiguarischer Anzeiger lY. 

Naturwissenschaften (besonders viele, sehr werthvolle Werke 
aus dem Gebiete der Botanik) enthaltend, ist von uns gratis 
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gamen aus der Flora von Mitteleuropa umtasst, und zu welchem ein 
genauer Katalog vorliegt, ist billig zu verkaufen. Etwaige Anfragen 
bittet man zu richten an Dr. Wilhelm Ritter v. Reuss (I. Mjlkerbastei 
Nr. 8, in Wien). 

Redakteur und Herauspeber Dr. Alexander Skofltz. — Verlap von C. Oerold's Sohn. 
Druck und Papier der O. Ueberreuter'sclien Bucbdruckerei (M. Salzer). 



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XXV. Jahrgaiis. Will. März 1815. 

INHALT: Primulaceen-Bastarte. Von Dr. Kern er. — Novitates florae italicae. Von Janka. — 
Neue Kernpilze. Von Niessl. — Vegelabilisclie Cliromatologie. Von Dr. Biirgerstein. — Flan- 
tae ab Hildebrandt collectae. Von Vatke. — Reiseennnerungeu. Von Wiokler. — Literalurbericlit. 
Von Anioine. — Personiilnolizen. —Vereine, Anstauen, Untemelimungen. — Botanischer Tauscliverein. 



Die Primulaceen-Bastarte der Alpen. 

Von A. Kerner. 

/. PritnuUi ternovania 

(acaulis X Colunmae). 

Bei Ternova nächst Görz (Glowacki). — Das Vorkommen die- 
ses Bastartes bei GOrz wurde von mir zuerst im Jahre 1861) iu der 
Oest. l)otan. Zeitschr. XIX. S. 224 bekannt gemacht; naclilraglich auch 
von Stricker, dem meine Notiz a. a. 0. entgangen war, in der Sitzung 
der Schles. Ges. f. vaterl. Kult, vom 20. Febr. 1873 besprochen. CVergl. 
51, Jahresber, d. Schles. Ges. S. 77.) 

2. Primuta hrevistyla DC. Fl. fr. Y. 383, 

(subacaulis X officinalis) . 

Der Schaft so lang oder wenig länger als die mit ihm gleich- 
zeitig entwickelten grundständigen Blatter. Die Inflorescenz 5 — 13blü- 
thig, die längsten Bliithenstiele V4 — V2 so lang als der Schaft. Schaft 
und BliithensHele dicht flaumig von abstehenden Härchen, die aber 
nicht länger sind als der Ouerdurchmesser der Blüthenstiele. Kelch- 
zipfel halb so lang als die Kelchröhre. 

Oosterr. botan. Zeitschrift. 3. Heft. 1875. 7 



78 

In der Form, Farbe und Grösse der Corolle ähnelt P. hrevistyla 
sehr der P. eJatior (L. var. ), unterscheidet sich aber von dieser durch die 
kurze über die Kelchrölire niclit vorragende Kapsel, durch den rela- 
tiv kürzeren Schaft, durch die Blülhensliele, welche immer länger 
sind als der Kelch, und durch eine andere Nervatur der Blätter. (Vergl. 
hierüber auch die treffenden Bemerkungen von J. D. Hook er in 
The Student's Flora of the British Isl. [1870] S. 299 bei P. elatior). 

Als Syn. sind hieher zu setzen: P. variabilis Goupil Ann. soc. 
Lin. Paris (1825), p. 293, t. 4. — P. intertnedia Facchin. Fl. von 
Südtirol p. 19(1855), non Traft. — Boreau, sowie Gren. etGodr. 
setzen den Namen P. variabilis Goupil voran und glauben von dem 
um zwanzig Jahre älteren Namen De Candolle's aus dem Grund(i 
absehen zu sollen „parce que toute les especes ont le style long ou 
court." Wenn es aber auch richtig ist, dass der De CandoUe'sche 
Name für die in Frage stehende Primel nicht treffend ist und er walu*- 
scheinlich daher datirt, dass DC. zufälligerweise nur Individuen mit 
androdynainischen Blüthen vorliegen hatte, so lässt sich doch ander- 
seits auch nicht behaupten, dass der Name „variabilis" viel besser 
gewählt sei, da ja am Ende diese Primel nicht mehr als irgend eine 
andere Art der Galtung variirt. Auch war der von Goupil gewählte 
Name schon vor 1825 von Traft, im Archiv f. Gew. vergeben, wo 
P. acaulis, officinalis und elatior unter dem Namen P. variahilis 
zusammengefasst werden. — Reichenb. fd., welcher auf die Priorität 
des Namens mehr Gewiclit legt, als auf die etymologische Bedeutung 
desselben, setzt in Icon. XVII, p. 35 den De Candolle'schen Namen 
voran, was auch ich für das richtigere halte. 

P. hreüistyla DC. ist in Frankreich sehr verbreitet und stellen- 
weise sogar so häutig, dass man dort an der hybriden Natur derselben 
zweifeln zu müssen glaubte. In den Alpen, wo P. acaulis auf weite 
Strecken felilt, ist P. brevistyla zwar ziemlich selten, aber unter den 
muthmasslichen Hybriden der Sectio Primulastrum doch jedenfalls noch 
die häufigste. Es liegen mir Exemplare aus der Gegend von (lenf, 
von Chillon bei Vevey am Genfersee, von Bassano in den Venelianer 
Alpen, von Trient in Südtirol, von Thauer in Nordtirol, von Neuwaldegg, 
Hütteldorf und Kaltenleutgeben im Wiener-Walde und von der Zweier- 
wiese bei Fischau und vom grossen Föhrenwalde bei W.-Neustadt 
vor. Facchini gibt sie auch auf dem Bordol bei Roveredo an. 

Sehr hemerkenswerlh ist der Umstand, dass alle mir aus den 
verschiedenen (iCgenden Frankreichs durch Bore au, Francliet und 
Huguenin zugesendeten Exemplare der P. breristyla (und zwar 
sowolil jene mit androdynamisclien als auch jene mit gynodyn. Blüthen) 
im Vergleiche zu den im östlichen Tlieile der Alpen beobachteten 
Exemplarcm bei gleichbleibenden relativen Massverhältnissen , ein 
grösseres absolutes Ausmass aller Tlieile zeigen. Es wiederholt sich hier 
eben das analoge Verhältniss, welches auch die eine der Stammarten, 
nämlich P. acaulis (L. var.) im wesilichen und östlichen Europa zeigt. 
Im westlichen Frankreicli zeigt P. acaulis Dimensionen, welche jene 
der gleichnamigen Pflanze aus dem Wiener V\^alde um ein Drittel 



79 

übertreffen und es sind z. B. Blülhen mit einem (juerdurclimesser des 
Saumes von nahezu 4 Cenlim. bei Angers keine Seltenlieit, während 
selbst die grüsslen Blüthen derselben Art in NiederOsterreich und 
Ungarn kaum jemals einen Ouerdurchmesser des Saumes von 3 Cen- 
timeter erreichen. 

Schon Boreau bemerkt in der Fl. du Centre de la France (ed. 
3) p. 438 und 439 ])ei P. brevistyla DC. {variabiiis Goup.): „On 
Irouve des individus qui par leurs caracleres sc rap|)rochenl do 
Vo/ficinalis et d"aulres qui tiennent davanlage du grandijlora (= 
acaulis), en sorte que los uns seraient ojficinaU-grandiUora^ et les 
aulres qrandißora-offic'marts.' — Sowie im westlichen Frankreich 
finden sich auch im Gelände der Alpen zwei gut unterscheidbare ßa- 
starte, als deren Stammeltern wir P. acaulis und P. officinalis anzu- 
sehen uns berechtigt halten und von welchen der eine der P. offi- 
cinalis, der andere der P. acaulis näher steht. Der letztere scheint 
allerwärts bei weitem seltener als der erstere. Die Beschreibungen, 
welche die franzosischen Autoren \o\\ P. brevistyla DC. (= variabiiis 
Goup.) geben, passt auch nur auf die der P. officinalis näher ste- 
hende Pflanze und es erscheint darum auch zweckmässig, den Namen 
P. brevistyla DC. nur auf diese zu bezielien. Die der P. «crtM^^s näher 
stehende Pflanze dagegen bezeichne ich hiermit als P. flagellicauUs. 

3. Priniula f.€igellicauUs 

Csuperacaiilis X officinalis). 

Der Schaft kürzer als die mit ihm gleichzeitig entwickelten 
grundständigen Blätter, die inflorescenz 2 — 7blüthig, die längsten 
Blüthenstiele V2 — -"lal so lang als der Schaft. Die Haare des Schaftes 
und der Blüthenstiele weniger reichlich, aber mehr verlängert als jene 
der P. brevistyla und immer etwas länger als der Querdurchmesser 
der Blüthenstiele. Ivelchzipfel fast so lang als die Kelchröhre. Quer- 
durchmesser des Ivronensaumes 2 Centim. 

Der P. acaulis sehr ähnlich, zumal den sehr selten vorkommen- 
den Individuen derselben, welche einen kurzen Schaft entwickeln. 
Solche Individuen der P. acaulis unterscheiden sich von P. flagelli- 
cauUs durch die grösseren Blüthen, den noch tiefer und in noch viel 
schmälere Zipfel gespaltenen Kelch und die noch mehr verlängerten 
zu einem fast spinnwebartigen lockeren Ueberzug verstrickten Haare 
der Blüthenstiele. 

P. flagellicauUs wurde \on General v. Sonklar bei W.-Neustadt 
und von meinem Bruder J. Kerner bei Kaltenlcutgeben und Dornbach 
im Wiener-Walde aufgefunden und wurden mir von letzterem lebende 
an den angegebenen Standorten gesammelte Stöcke milgelheilt, welche 
ich seit Jahren neben P. brevistyla DC. im Innsbrucker botanischen 
Garten kultivire. 

4. Prhnula flUfenea 
(acaulis X elalior). 

Blätter dünn, verkehrteiförmig, allmälig in den Blattstiel zusam- 
mengezogen, fein gczähnelt. Schaft beiläufig so lang als die gleich- 

7 ■"'■ 



80 

zeitig entwickelten grundständigen BUitfer. Inflorescenz 5 — 12blütliig; 
die Blüthenstiele länger als der Kelch. Saum der Krone im Ouer- 
durchmesser 22—26'"°'. — Kapsel ellipsoidisch, 12'""' lang, o™"" breit, 
über die Kelchröhre um 4 — S"""" emporragend und so lang als der 
ganze Kelch. 

P. elatiorXacaulis Reuter, Reichenb. Icon. XVII, p. 35 (1855). 
P. acaulis X, o/ficinalis Muret. in Rap. Guide ed. II, p. 484. 

Häufiger als die Vorhergehende und Nachfolgende. — Es liegen 
mir Exemplare von Montreux (Vaud), von Le Moni bei Lausanne in 
der Schweiz, von Thauer bei Hall in Tirol, vom Fusse des Kessel - 
berges am Kochelsee in den Itairischen Alpen *), von Gamming im 
Erlafthale und von Purkersdorf im Wiener-Walde in Nied.-Oester- 
reich vor. 

6. Primtila media Peterm. Fl. Lips. (1838), 
Celatior X officinalis). 

Obschon P. officinaUs und P. elatior in nächster Nähe und in 
grosser Individuenanzahl in den Thälern der Alpen vorkommen, ist 
doch der aus ihnen hervorgegangene Bastart äusserst selten. Ich beob- 
achtete denselben im Florengebiete von Innsbruck nur bei Vill und 
Ambras und zwar an beiden Orten nur in spärlichen Exemplaren. — 
Auch ausserhalb dem Bereiche der Alpen ist P. media selten. Am 
Südrande des böhmisch-mährischen Gebirgsplateaus fand ich einmal 
einige wenige Individuen zwischen den muthmasslichen Stammeltern 
auf der Donauleithen zwischen Mautern und Rossatz in Niederusterreich. 
— 0. Kuntze sagt von dieser Pflanze in seiner Taschenflora von 
Leipzig (1867), S. 77: „Aeusserst selten unter den Eltern zwischen 
Grossdülzig und Möritzsch." 

Pritnula Totnmasinii Gren. et Godr. Fl. fr. 449. 
Wurde von Schott für einen der Kombination elatior X Columnae 
entsprechenden Bastart gehalten (Nyman Syll. p. ll?8). Ich kann dieser 
Annahme nicht beistimmen und halte P. Tommasinii Gr. et Godr. für 
Syn. der P. Columnae Tenore = P. suaceolens Bert. (Vergl. meine 
diessfälligen Bemerkungen in Oest. bot. Zeitschr. XXV, p. 14 und 15.) 

6. PrimuUi venusta Host Fl. aust. I. 248, 
(Anriciila X carniolica) . 
Mit Sicherheit nur innerhalb des Verbreitungsbezirkes der P. 
carniolica, namentlich in der Umgebung von Idria (die Ex. meines 
Herbars vom Jelenk bei Idria). Nach Fleischm. im Ischkathale und 
auf der Kobila. — • Host gibt sie a. a. 0. in inontanis subalpinis 
Coinitatus Tolmiensis (Grafscliaft Tolmein bei Gurz) an und führt dann 
ausserdem noch als Standort den Monte ßaldo an, wo Weiden diesen 



*) Auch von Einsele bei Kleinweil am Koclielsee angegeben (Sendtner, 
Veget, Verb. Stidbaiems, S. 848). 



81 

Baslavt gefunden haben will. Auch Bertol. in Fl. ilal. II, 385 erwähnt 
dieses Vorkouiinens und Reicheul). unlersclieidet in Excurs. 403 die 
von Weiden aui M. Baldo gefundene Pflanze als ß Wcldeniana. — 
Da jedoch der M. Baldo scliun ausserhalb des Verbreit ungsbexirkes 
der P. carnioUca liegt und auch die zweite Slaniniart, niiuilich P. 
Auricnla L. dort fehlt *), so ist dort das Vorkommen der P. venusla 
wenig wahrscheinlich und beruht die Angabe W^elden's wohl auf 
irgend einer Verwechslung. 

7. PHmnlfi discolor Leyb. in Flora 1855. I. p. 344, t. 11, 
(Äuricula X önensis). 

Im südwestlichen Tirol. Von Leybold zuerst auf dem Monte 
Stabolctte in Judicarien entdeckt. Ebenda auf dem Frate di Breguzzo 
auf der Alpe Magiasone und Stabolfresco ober Daone von Porta im 
Jahre 1865 aufgefunden und dort neuerlich im Jahre 1872 in einer 
grossen Anzahl von Individuen gesammelt. Unter den dort wachsenden 
Exemplaren dieses Bastartes fanden sich merkwürdigerweise auch 
solche, deren Blütlienfarbe nicht eine Mischung aus dem Goldgelb der 
P. Auricnla L. und dem Roth der P. önensis Thomas {=P.daoncn- 
sis Leyb.) entsprach, sondern welche scliwefelgelbe oder fast weisse 
und nur an der Bühre bliiulich angehauchte Corollen zeigten, ebenso 
Individuen, welche vollständig kahle, grüne (weder mit dem mehligen 
Beschlag der P. Äuricula, noch mit den drüsentragenden Haaren der 
P. önensis besetzte) Kelche besassen, eine Erscheinung, auf die ich 
später nochmals zurückkommen werde. 

Auch konnte Porta unschwer zwei durch Kreuzung aus P. 
Äuricula und P. önensis entstandene Bastarte unterscheiden, von 
welchen der eine der P. Äuricula L., der andere der P. önensis 
Thomas näher steht. Das Gleiche war bereits Leybold aufgefallen, 
wie aus dtessen Bemerkungen a. a. 0. S. 345 hervorgeht; doch be- 
schrieb Leybold in der S. 344 gegebenen Diagnose unter dem Namen 
P. discolor nur die der P. Äuricula näher stehende Hybride. Die 
andere der P. önensis näher stehende Pflanze hat nun Hut er mit dem 
Namen P. Portae belegt, unter welchem Namen ich sie hiermit auch 
aulTiihre. 

8. Primtiln Portne Hut er in lit. 1873, 
(subauricula X önensis). 
Unterscheidet sich von P. discolor Leyb. durch den mit drüsen- 
tragenden Haaren bestreuten Schaft, den Mangel des mehligen Anfluges 
am Schlünde der Corolle und an den Kelchzipfeln. Die Blätter sind 



*) P. Äuricula L. ist auf dem Baldo sowie auf den dem Bälde östlich 
gegenüberliegenden Gebirgszügen im Süden von Yallarsa etc. durch die geruch- 
lose P. Balbisü Lehm. (= P. ciliata Moretti, non Schrank) ersetzt. — Da 
von alpinen Primeln dort nur noch P. spectabilis Tratt. vorkommt (P. car- 
nioUca Po 11 in. ist = P. spectabilis Tratt.), so könnte man muthmassen. dass 
die von Weiden gefundene Pflanze ein der Komhina[\on Bcdbisü X spectabilis 
entsprechender Bastart war. 



82 

weicher, reichlicher drüsenhaarig und etwas klebrig. — Von P. önensis 
unterscheidet sie sich durch die längeren Blülhenstiele, welche die 
halbkreisförmigen sehr kurzen Deckblattchen 2 — 3mal überragen, durch 
die trübrothe BUithentarbe, breitere Blätter und die geringere Zahl 
der Drüsenhaare an Blättern und Kelchen, in Folge dessen P. Portae 
wenig klebrig ist, während P. önensis zu den am meisten klebrigen 
Primeln gehört. 

Mit P. discolor Leyb. an den gleichen von Leybold mit 
„Primel-Gärten" verglichenen Standorten. 

9. Priinultt Göhelii 

(Aiiricula X villosa). 

Von Herrn Kriegskommissär A. Peheim in Graz auf dem Eisen- 
hut bei Turrach in Steiermark aufgefunden und Herrn Göbel in 
Innsbruck in lebenden Stöcken übersendet. 

Es ist begreiflich, dass sich bei der nahen Verwandtschaft der 
P. önensis Tiiom. und P. villosa Jacq. auch die Bastarte, welche 
durch Kreuzung dieser beiden Arten mit P. Auricula L. entstanden 
sind, sehr ähnbch sehen. Dennoch lässt sich durch dieselben Merkmale, 
durch welche sich P. nillosa Jacq. und P. önensis Thom. scheiden, 
auch die P. Göhelii von P. Portae unterscheiden. — Die Blätter der 
P. önensis sind keilförmig und an dem fast gestutzten oberen Ende 
mit grossen Zähnen besetzt, von welchen der mittelste seinen rechten 
und linken Nachbar nicht überragt, während die Blätter der P. villosa 
spatlielig-\erkehrteiförmig sind und an dem gerundeten oberen Ende 
derart mit Zähnen besetzt erscheinen, dass der mittelste derselben 
die seitlichen überragt. Dieser Zuschnitt des Blattes der P. villosa 
Jacq. spricht sich nun auch deutlich genug in P. Göhelii aus. 

Leider habe ich noch nicht Gelegenheit gehabt, diese Pflanze, 
von welclier mir ein Stock durch den eben so eifrigen als glücklichen 
Kultivaleur der Alpenpflanzen, Herrn Oberinspektor Göbel in Innsbruck, 
mifgetheilt wurde, in allen Entwicklungsstadien zu beobachten und zu 
ermitteln, ob vielleicht auch noch andere Unterschiede zwischen P. 
Göhelii und den beiden vorhergehenden Primeln existiren. — Jedenfalls 
möchte ich hiermit die steiermärkischen Botaniker, welche Gelegenheit 
haben, das Gebiet der P. villosa Jacq. zu untersuchen, auf diesen 
Primel-Bastart dringend aufmerksam machen. 

(Schluss folgt.) 



Florae italicae novitates quatuor. 

Auetore Victore de Janka. 

/. Colchicum JLevieri Janka. 
Autumnale, foliis hysteranthiis. Flores 1 — 7. Perigonii tubus 
limbo 2-plo longior. Limbi 2 — 3-pollicaris rosei tesselati segmenta 
lineari-lanceolata nervis circiter 20 untlulalis percursa, exteriora Ion- 



S3 

gioPH. Filaiiienta omiiia husin vorsiis sensiin incrassula, inliM'iora loii- 
giora |)aull() allhis ii!S(!rla iiuaciiiti aiilheris perii^oiiiü diiiiidio inaMit'esle 
hroviora. Anllierae lineares. Stili vix poiigonii diinidiaui longi. 
Sliginala stilis crassiora uiiciiiala unilateralia prolVinde suli-ata. Tuher 
parvuiu. lunicis firmiusiiilis cliarlaceis bruiiiieis vesliUiin. Folia 4—5 
lineari-lanceolata ulrinque attenuata atquo basi in plaiita fnictifera 
ita discreta, ut capsulae haud ovallatae; foliuiii inliimiin subsequenle 
plerumque aiigustius. Capsulae spüiigiosae subglobosae iiucilurmes. 

Hab. pr. Floren! iani Italiae septenUrionalis e. g. in pratis San Do- 
nato! et in graininosis infer vineas ad San Margarita! 

Nominavi in bonoreni clarissimi et aniicissiini Dr. Levier, de 
agri florenlini llora atque de illa Apruiioruin meritissiini. — Nulli 
propius accedit, quam 6'. lusitanico Brot., ex descriptione et icone in 
Phylographia lusitanica 2. p. 2il, tab. 173 et 174 miiü sülum noto, 
distinrtuin tarnen capsularuin forma atque foliorum dispositione. Lon- 
gius distat C. aulumnale L. foliis multo latioribus capsulas triplo ma- 
jores obvallanlil)us, perigonii forma ejusque eolore, sligmatibus etc. 

2. Colchicum variopicftiin Janka. 

Aiitumnale, foliis iiysterantiiiis. Spatlia ante aperturam laevissi- 
ma, demuin subtiliter slriatuia. Flores 1 — -5. Perigonii tubus limbo 
4 — j-plo longior. Limbus pollicaris vel paullo longior inaeqiialis, 
tarnen siinetricus. Segmenia exteriora longiora lalioraque lanreolato- 
spatliulala vel obovato-lanceolata; interiora a[)icem versus magis atte- 
nuata; omnia acutiuscula, colore rosea carina in segmenlorum parte 
inferiore excepta superficie reliqua utrinque dislincte tesselata nervis 
circiter 20 undulatis percursa. Filamenta basin versus sensim in- 
crassata atque introrsum leviter arcuata; interiora longiora paullo 
allius inserta demptis antberis — exteriora unarum anfberis diinidiam 
segmentorum suoruin aequantia. Antherae lanceolato-liueares obtu- 
siusculae ante foecuudationem pulchre roseae, demum dilute ila\ae 
subaurantiacae. Stili perigonii segmenta interiora longiludine plerum- 
que aequantes, saepius etiam e perigonio exserti. Stigmaia stilis 
crassiora arcuato-recurva, unilateralia profunde sulcata atque juxla 
sulcam lineis utrinque binis papillarum ciliolata. 

Tuber parvum Juglandem vix aequiparans, tunicis brunneis fir- 
miusculis chartaceis vestitum. Folia 5 — 9 stricta, poUicem ad summum 
— plerumque vero 5 — 8 lineas — lata, S|)ilhamam vel paullo ultra 
longa, basi breviter — apicem versus insensibiliter subacuminato- 
attenuata, ambitu lingulato-linearia vel sublinearia, inferne rotundalo- 
canalieulata, ceterum applanata, margine plana i. e. band undulata; 
foliuin infimum a ceteris remotum basi caulem 1—2 pollicarem tubu- 
losü-vaginans; reliqua alternatim valde approximata semiamplexicaulia. 
Capsulae farctae cylindraceo-ovatae 4 — 8 lin. latae vix 12'" longae 
apice abru])te longiusculc Srostratae. Semina parva illorum Sinapeos 
magnitudine. rugulosa, fuscescenlia. 



84 

Hab. in pratis campestribusque dumosis Inter Eboli (viae ferreae 
sfationem) et fl. Sele versus Paestum non procul a Neapoli, ubi de- 
texi d. 18. Junii 1874. 

Nee cum Colchico neapolifano Ten., nee cum C. Bwonae Guss., 
minime cum C. Tewore« Pari, conjungendum; distinctissimum. — Etiam 
Colchicum Tudarii Pari. fl. ital., quod idem cum C. Bisignani Ten.!, 
ex speoiminibus, quae attuli ex horto botanico ueapolitano, foliis sub- 
synantliiis, laete viridibus, laxis, perigonio, stigmatibus punctiformibus 
tolo coelo diversum. 

3. Dianthus Guliae Janka in epliemeridibus melitensibus „il 
Barth" III. (1874) Nr. 21. pag. 422. 

Perennis, laete viridis, praeter foliorum marginem sub lente 
scabriusculum glaber laevissimus. Caudex plerumque elongatus longe 
protractus stoloniformis atque inter dumeta varie flexuosus, quandoque 
subscandens, caules solitarios vel plures fasciculosque foliorum steriles 
emittens. Caules IV2— 3 pedales tenues simplices, teretes vel sub- 
angulati subtilissime striatuli, apice capitulo 3-multifloro terminati. 
Folia laxa, valde angusta, lineari-subulata lineam vix lata, usque 
seniipedem longa, caulina basin versus haud anguslata in vaginam 
laminae latitudine 4 — 5-plo longiorem connata. Turionum folia fasci- 
cnlafa basi longissime, in petiolum quasi attenuata. Squamae 8 al- 
bidae coriaceae obovato-cuneiformes laeves margine superiore utrin- 
que angusle mcmbranaceo l)reviter decurrente cinctae, omnes vel 
pleraeque plus minus abrupte in acumen subulalum herbaceum viridi- 
striatum squama ipsa nunc longius, nunc brevius calycemque sub- 
aequans vel superans productae. Calicis oblongo-elliptici tubus 
viridis mullistrialus; dentes lanceolato-acuminati, margine papilloso- 
puberuli tertiam tubi partem longi, purpurascentes. Pefala pulchre 
lutea : lainina imberbis quidom, sed tota superficie velutino-puberula 
calycis dimidiain aequans, su])tus band raro rufa. 

Hab. in campestribus dninosis inter Eboli (viae ferreae stationem) 
et fl. Sele versus Paestum non procul a Neapoli; detexi d. 18. Ju- 
nii 1874.. 

Clarissimo Dr. Gavino Gulia, solertissimo florae melitensis per- 
scrutatori dedicavi miram haue ])lantam : ad Dianfhum Carfhnskmorum 
fere ila sesc — ut D. Knappü Aschers, (e BosniaJ ad D. Ubuniicum 
Bartl. habitantem. 

4. Iris spuria L. 

Speciem hanc ex Italia adhuc haud notam — nam Iris spuria 
Bert. fl. ital. = /. foetldissima L. (cfr. Parialore flora italiana vol. 
III. pag. 299) — iisdem locis cum Colchico rariopiclo m. et Diantho 
Guliae m. supra descriptis legi alque frequentem observavi. 

Pestini in Hungaria, d. 16. Februarii 1875. 



8b 

Neue Kernpilze. 

I. Serie. 

Von G. V. Niessl. 

t Fortsetzung.") 

Gnomonia Seslerlae n. s. Perithecia tninutissima puncti- 
fonnia yregaria, globosa, tecta, ostiolo obscuro; ascis claixitis, in- 

60-66 . ^^^ ^.. 
ferne in stipüem tenunm attenuatis — (TZTa"; shpes 14 — In ; sponaus 

octonis, distichis, ocoideo-oblongis vel oblongis, utrimque obtusiiiscu- 

lis, rectis vel inaequilateralibus, medio septatis nunquam conslrictis, 

10—12 
hyalinis . - " 

An den beiden Flachen vorjähriger dürrer Blätter von Sesleria 
caerulea hei B'riinn und Polau in Mähren, zur Blüthezeit dieses Grases 
gesammelt. 

Die Perithecien bilden ganz kleine Heerden, welche, da erstere 
von dunkeln Fibrillen umgeben sind, bräunlich erscheinen. Der Habitus 
ist der einer Sphaerella, aber die Schläuche haben die charakteristisch 
am Scheitel verdickte innere Membran. Die Sporen zeigen eigentlich 
nocli kein rechtes Septum, sondern nur die Theilung des Nucleus ; 
ihre Form S'-,h\vankt zwischen der oblongen und eirunden. 

Im Ganzen weicht dieser Pilz ziemlich bedeutend vom gewöhn- 
lichen Typus der Gnomonien ab, doch weiss ich ihn vorläulig nicht 
besser anders wohin zu sielbm. 

Sphaerellfi, curniolicu n. s. Epi-rarius hijpophylla. Peri- 
thecia dense disseminata, minuta, pimctiformia, globosa, papillata, 
tandem vertice umbilicata, atra; ascis fasciculatis Ssporis, obuvatis 

30—42 ^ ,, . 

vel oblongis, sessilibus , . .o sporidiis farctis , cuneato - oblongis, 

15-19 
rectis, medio septatis vix constrictis, dilute mrescentibus . ^ 

An abgestorbenen Blättern von Draba ciliata auf dem Nanos in 
Krain. Die obere Blattfläche erscheint mit mehr oder weniger dicht 
stehenden schwarzen Pünktchen besäet, doch so, dass man die ein- 
zelnen Perithecien mit freiem Auge noch gut unterscheiden kann. 
Letztere gehören also nicht zu den kleinsten. Die Sporen sind oben 
breit abgerundet, nach abwärts verschmälert, nicht ganz farblos, aber 
doch sehr blass grünlich. 

Sph. conßnis Karsten an Blättern von Braija und Draba-ktiexv 
auf Spitzbergen vorkommend, gleicht, nach der Beschreibung zu ur- 
theilen, unserem Pilze wohl äusserlich. Dagegen werden aber die 

/50-65\ 
Schläuche als „fusoideo-elongati" und 5mal so lang als breit \\i_ij} 

die Sporen „aciculari- vel fusoideo-elongatae hyalinae," ebenfalls nur 



86 

/]6-24\ 
mit Vs <Jer Länge zur Breite i .3 - I beschrieben, so dass diese 

Art also von der obigen wesentlich verschieden ist. 

Forma: nuijoi', perithecia plerumque sparsa, papillata; sporidia 
16—20 
;• r. • An dürren Blättern und Blüthenstielen von Draha aizoides 

auf Alpen bei Bozen und Liezen. Juni, August. 

Vielleicht gehört hieher die von Auerswald in der Mycologia 
europ. flüchtig erwähnte, aber wegen mangelhaften Materiales nicht 
beschrie!)ene Sph. rninuta. 

Sphaerella eriophila n. s. Perithecia sparsa, erumpentia, 
rninuta, suhglobosa, ostiolo papillaeformi , atra, nitida^ himine di- 
spersa laete castanea, coriacea; ascis ohovatis- cet o-cuideo-oblongis, 

74—83 
sessilibus „^ /- ; sporidiis octonis, irregulari Sstichis seu farctis, 

ex ohlongo cuneatis, inferne perparum attenuatis, recfis, media sep- 

20—30 
tatis et paulo constrictis, dilutissime rirescentibus — — - — 

An abgestorbenen Blättern und Stengeln der filzigen oder wol- 
ligen alpinen Artemisien, so an A. Mutellina, spicata, glacialis und 
lanata, der Alpen Oesterreichs und der Schweiz, so wie auch auf 
A. Baumgartenii in den Karpaten, zur Blüthezeit der Mutterpflanze, 
offenbar gemein, da ich sie kaum an einem Exemplar vergeblich ge- 
sucht. Ist auch in den Phanerogamen-Herbarien leicht zu finden. 

Die glänzend schwarzen Perithecien stechen sehr ab von der 
weissen Wolle der Unterlage, und sind desshalb trotz ihrer Kleinheit 
schon mit freiem Auge leicht zu unterscheiden; auch die Mündung 
ist stets deutlich. Die Schbuiche sind sehr breit, die Sporen meist 
mehr keilfiirmig als oblong. Der obere Theil ist gewohnlich breiter, 
manchmal auch kürzer als der untere. Eine ihr verwandte Art ist 
S. clandestina. Bei dieser Gelegenheit bemerke ich, dass Auerswald 
letztere in dieser Zeilschrift unter dem Namen Stigmatea Primulae 
beschrieben hat. Obwohl diesem Artennamen die Priorität gebührt, 
halte ich den obigen doch aufrecht, da ich den Pilz auch auf Grego- 
ria und Andrnsace fand, so dass die Auerswald'sche Bezeichnung 
nicht recht passt. Zu Stigmatea gehört er übrigens sicher nicht. 

Sphaerella adiisla n. s. Perithecia minuta, dense conferla 

lateque ejf'usa, ambientia, globosa, papillata, tecta, membranacea, 

38—48 
atra; ascis oclongo-clavatis, subsessilibus, octosporis — 5 — , sporidiis 

farctis cuneato-oblongis seu inferne parum attenuatis, inaequilatera- 

12-16 
iibus, tnedio septatis, paulo constrictisque hyalinis —^ — ^' 

Bildet graue, erst einige Millimeter lange, später zusammen- 
fliessende, ausgebreitete und (Ion Stengel umgebende Flecken, so dass 
dieser wie angebrannt erscheint. An Convolvulus arvensis bei Brunn. Juni. 



87 

Die Sporen sind oben breiter abgerundet als unten, gewohnlich 
schiefkeilformig, im iiberreifen Zustande durch Anschwellung mehr 
oblong und stiirker eingeschnürt, in jeder Abtheilung mit mehreren 
sehr kleinen gliinzendcn Trijpfchen. 

Sp/tnerellfi polißf/ramma. Sphaeria polygramma Fries s. 

m. IL p. 432 partim? Ferithecia minufa, seriata, conferta, subcon- 

fluentia, globosa, tecta, obscnre papillafa, atro-fusca, membranacea; 

30 
ascis clavatis subsessilibus Sspnris, q , sporidiis fusiformibus vel 

paiUo clavatis, rectis curv>atisce, medio septatis, vix constrictis, hya- 

8—9 
Unis, — ^ — (an matiiris?). 

Bildet längliche oft slrichförmig zusammenfliessende schwarz- 
braune Flecken, an dürren Stengeln von Ballota nigra (im Juni noch 
nicht völlig reif gesammelt) bei Brunn. Sie sieht der Sphaeropsis po- 
lygramma sehr ahnlich und ist vielleicht die ihr entsprechende 
Schlauchform. Jedenfalls würde Fries sie für S. polygramma. erklart 
haben, und die Anwendung dieses Namens dürfte somit nicht ganz 
unpassend sein. Schläuche und Sporen gehören zu den schmäleren. 

(Fortsetzung folgt.) 



Vergleichende vegetabilische Chromatologie. 

Von H. C. Sorby. 

Mitgetheilt von Alfred Burgerstein, 

Assistent am pflaazenphysiologischen Institute der k. k. Wiener Universität. 
(Schluss.) 

IV. L i c h n X a n t h i n g r u p p e . 

Die Farbstoffe dieser Gruppe, welche in vielen Pflanzen auf- 
treten, in grosserer Menge aber besonders in Flechten und Pilzen 
gefunden werden, sind ausgezeichnet durch Unlöslichkeit in Wasser 
und Löslichkeit in Schwefelkohlenstoff. In einigen Fällen gehen sie 
leicht in Modifikationen über, welche in SchwefelkohlenslofT unlöslich 
sind, in absolutem Alkohol jedoch leicht gelöst werden. Ihre Spektra 
zeigen nicht scharfbegrenzte Absorptionsbänder. Gegen Licht und 
Säurewirkung haben sie einen permanenteren Charakter, als die bis 
jetzt besprochenen Farbstoffe, so dass sie in gemischten Lösungen 
oft als Rückstände übrigbleiben. Hieher gehören: 

10. Das Orange-Lichnoxanthin. Dieser Farbstoff, auch in 
Pilzen vorkommend, von Sorby aber vorzüglich an Flechten studirt, 
kann am zweckmässigsten aus Peltigera canina gewonnen werden. 
Nachdem man den zer(iuctschten Thallus in Weingeist gekocht und 



88 

das ganze Chloropliyll in der früher beschriebenen Weise getrennt 
hat, wird die alkoliülische Lüsung bis zur Trockene eingedampft und 
diese , das (Orange) Lichnoxanthin und Phycoxanthin enthaltende 
Masse in Schwefelkohlenstoff gelöst. Setzt man nun die aus den zwei 
genannten Farbstoffen zusammengesetzte Lösung unter einem grünen 
Glase der Sonne aus, so wird das Phycoxanlhin bald zersetzt (wie 
man sich leicht durch das Verschwinden seiner Absorptionsbänder 
überzeugen kann), und in der Lösung ist nur mehr das Orange- 
Lichnoxanthin enthalten. Seine Absorption umfasst das ganze Blau 
und Grün, alhnalig gegen das Gelb sich verlierend. 

Die oben erwähnte, in absolutem Alkohol lösliche Modifd^ation 
kann auch aus Platysma glaucum Nyl. (Cetraria glauca Ach.) und 
anderen Flechten gewonnen werden. 

11. Das Liciinoxanthin ist dei verbreitetste Farbstoff dieser 
Gruppe und kommt fast in allen Pflanzen, wenn auch manchmal nur 
in sehr kleinen Quantitäten vor. Am besten ist er aus Ciavaria fuci- 
formis und in Ermanglung dieser Pflanze aus der Wurzel von Dau- 
cus carota zu erhallen, und zwar wird die alkoholische Lösung 
zunächst mit Schwefelkohlenstoff geschüttelt, um das Orange-Xantho- 
phyll und den grösseren Tiieil des Xanthophylls zu entfernen. Nach 
Abdampfen der alkoholischen Lösung wird durch Schwefelkohlenstoff 
das Lichnoxanthin gelöst, zugleich aber mit einem guten Theile von 
Xanthophyll und gelbem Xanlhophyll. Um es von diesen beiden Stoffen 
zu reinigen, braucht man diese Misclmng bloss der Sonne auszu- 
setzen, wodurch dieselben zerstört werden, während das Lichnoxan- 
thin übrig bleibt. In Schwefelkohlenstoff gelöst iiat es eine schöne, 
oft orangegelbe Farbe und sein Spektrum zeigt eine sehr gleichför- 
mige Absorption, die sicli über das gesamrate Blau ausdehnt und um 
die Mitte des Grün plötzlich endet. 

12. Das Gelb-Lichnoxanthin stimmt in der Darstellung und 
im chemisch-optischen Verhalten mit dem vorhergehenden Farbstoffe 
ziemlich überein. Am besten gewinnt man es aus Physcia parietina. 

V. Phycocyan-Gruppe. 

Auf eine seiner früheren Arbeiten (Monthly microscop. Journ. 
1870 and 1871) hinweisend, in welcher die zwei dieser Gruppe an- 
gehörigen Farbstoffe näher beschrieben sind, macht Sorby nur wenige 
Bemerkungen. 

13. Das Phycocyan gibt ein wohlbegrenztes Absorptionsband 
im Orange und hat eine intensive rothe Fluorescenz. 

14. Das blassrothe Phycocyan (pink phycoc.) besitzt ein 
Hauptabsorptionsband zwischen Gelb und Grün, und seine Fluorescenz 
ist von orangegelber Farbe. 

Die Mischung dieser beiden Farbstoffe gibt Cohn's Phycocyan. 
Beide sind in Wasser löslich, kommen aber in der Pflanze, wie sich 
auf speklroskopischem Wege ergibt, entweder -in fester Form oder 
in konzentrirter L()sunor vor. 



89 

VI, P h y c e r y t Ii r i n - G r u p p e. 

Hieher gehören zwei in Algen gefundene Farbstoffe, welche 
Sorby schon früher (Monthly inicrosc. Journ. 1871) niiher beschrie- 
ben hat. 

15. Das blassrothe Phycoerythrin (pink phycoerythr.) gibt 
ein Spektrum mit einem Absirptioiishande am gelben Ende des Grün. 

16. Das rot he Phycoerythi^yn (red phycoerythr.) zeigt ein 
dunkles Band am blauen Ende des Grün. 

Keines fluorescirt, beide sind in Wasser löslich. 

VII. Erythrophyll-Gruppe. 

Wie gleich eingangs erwähnt wurde, scheinen die in diese 
Gruppe gehörigen Farbstoffe nicht wesentliclie, sondern nur zufallige 
Pflanzensubstanzen zu sein. Sie sind in Wasser löslich, in Schwefel- 
kohlenstoff unlöslich und werden durch Lichtwn*kung nur langsam 
verändert ^'). 

Ganz ähnlich verhalten sich auch die Stoffe der 

VIII. C h r y s 1 a n n i n - G r u p p e. 

welche mehr oder weniger blassgelb gefärbt sind und bei der herbst- 
lichen Färbung des Laubes betheiligt sein sollen. 

Nach der Charakterisirung der eben genannten Farbstoffe folgen 
nun in der vorliegenden Arbeit von Sorby eine Anzahl I{a})itel, 
welche ich desshalb in einem Resume folgen lasse, weil sie mit- 
unter interessante und wichtige Resultate enthalten. 

Vergleichung derselben Pflanzen, wenn sie unter ver- 
schiedenen Bedingungen wachsen. 

Wollten wir annehmen, dass die einmal geformten Farbstoffe 
weiter sich nicht verändern, so würde manche Thatsache unver- 
ständlich bleiben, die sich bei einer entgegengesetzten Ansicht leicht 
erklären lässt. Sorby glaubt auf Grund seiner Untersuchungen in der 
That annehmen zu müssen, dass die Farbstoffe der Pflanzen einer- 
seits wegen der bildenden Kraft (construclive energy) des Orga- 
nismus und andererseits in Folge der zerstörenden Wirkung des 
Lichtes in Verbindung mit dem atmosphärischen Sauerstoff in einer 
beständigen Veränderung begriffen sind, und dass der jeweilige Zu- 
stand eines jeden Pflanzentheiles zu verschiedenen Jahreszeiten durch 
das Gleichgewicht dieser beiden einander entgegen wirkenden Kräfte 
bedingt ist**). 



*) Das Nähere hierüber findet sich in früheren Arbeiten v. Sorby (Proc. 
Roy. See. 1867, p. 433 und Quart. Journ. of Science 1871.). 

*'■') Fast zu gleicher Zeit und auf einem anderen Wege gelangte auch 
Wiesner (Untersuchungen über die Beziehungen des Lichtes zuni Chlorophyll; zu 
demselben Resultate. — Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch "Wien 
LXIX. Band. 



90 

Lichtwirkung auf Chloropiiyil. 
Dass sich eine der Sonne und der Luft ausgesetzte Chlorophyll- 
lüsung zersetzt, wurde schon angegeben, ebenso der Einfluss, welclien 
das Losungsmittel, die Gegenwart oxydirender Substanzen, schützen- 
der Oele u. s. f. in dieser Beziehung haben. Ist das Chlorophyll in 
Schwefelkohlenstoff gelost, so werden einige carmoisin (crinison) und 
roth (red) gefärbte Substanzen gebildet. Da dieselben durch die Wir- 
kung der blauen Strahlen zerstört werden, so kann man sie leicht 
dadurch gewinnen , dass man eine Chlorophylllosung dem rothen 
Lichte aussetzt, welches anfangs zwar das Chlorophyll, nicht aber jene 
rotlien Produkte zersetzt. 

Entstehung rother Blatter. 

Sorby glaubt, dass die in den Blättern gefundenen rothen Sub- 
stanzen durch Lichtwirkung auf Chlorophyll aus diesem entstanden 
sind, und falls man diese Hypothese adoptirt, lassen sich viele diess- 
bezügliche Erscheinungen erklaren, z. B. jene, dass unter gewissen 
Bedingungen ein Theil eines Blattes roth wird, während der andere 
grün bleibt. Die bekannte (von Mohl, Kraus u. A. beobachtete) Erschei- 
nung, dass die Blätter mancher Pflanzen im Sommer grün sind, bei 
Beginn des Winters roth werden und bei Wiederkehr des Frühjahres 
wieder ihre grüne Farbe bekommen, erklärt sich nach Sorby aus 
einem von der Temperatur abhängigen Verhältniss zwischen den kon- 
struktiv und destruktiv in der Ptlanze wirkenden Agentien. 

Verlust und Ergänzung der Farbstoffe in den Pflanzen. 

Aus verschiedenen Versuchen (Nichtentwicklung von Farbstoffen 
bei Pflanzen, welche im Finstern wachsen, Zerstörung von Chloro- 
phylllösungen, welche dem Lichte ausgesetzt waren, etc.) ergab sich, 
dass das Licht sowohl eine zerstörende wie aufbauende Wirkung 
hat, und dass in den unthätigen, in den Eprouvetten befindlichen 
Lösungen dieselben Veränderungen wie in den lebenden Pflanzen vor 
sich gehen. 

Verschiedene comparativ-quantitati ve Analysen. 

Sorby untersuchte bei verschiedenen Pflanzen (Aucuba japo- 
nica, Hex aquifolium, Platysma glaucum, Fucus serratus) solche 
Blätter, respekt. Tiiallus, welche in der Sonne, und andere, welche 
im Schatten wuchsen, und bestimmte die relative Menge der in ihnen 
vorkommenden Farbstoffe. — Es zeigte sich, dass von jenen Sub- 
stanzen, weh^he dur(;h Lichtwirkung am wenigsten verändert werden, 
die in der Sonne stehenden Blätter fast ebensoviel enthielten, wie 
die im Schatten gewachsenen. Dagegen zeigte sich im relativen Ge- 
halle solciie Farbstoffe, welche durcli Lichlwirkung leicht und schnell 
zersetzt werden, eine bedeutende Diffcu'enz. 

Veränderungen in PelUgera canina. 
Sorby nahm Exemplare von Peltigera canina^ welche auf ver- 
schiedenen Standorten wuchsen, und theils S(;hr vollendete , theils 



91 

keine FruktifiUation zeigleiK und untersuclilc die relative Menge der 
einzelnen Farbstoffe, von denen in dieser Flechte inindoslens sieben 
vorkonniicM sollen. Nebst anderen aus einer Tabelle (p. A72) zu er- 
sehenden Ergebnissen zeigte sich das beinerkenswerthe Hcsullal, dass 
die im leuchten Schatten wachsenden und keine Fruktifikalion zei- 
genden Exemplare die geringste Menge der Lichnoxanlhine enthiel- 
ten, welche Substanzen vorzugsweise in den Fruktilikationsorgancn 
angetroffen werden (die in diesem Falle nicht entwickelt waren). Ein 
analoges Faktum ist jenes, dass das Orange-Xanthophyll last den 
alleinigen Farbstoff der Spermatozoiden von Fucus serralus ausmacht, 
während es im Thallus bloss in geringen Quantitäten vorkommt. 

Zusammenhang der verschiedenen Algengruppen. 

Die verschiedenen Algen enthalten wenigstens zwölf verschie- 
dene Farbstoffe. In einer Tabelle (p. 4741 sind die relativen, in den 
einzelnen Algengruppen gefundenen Farbsloffmengen zusammenge- 
stellt und Folgendes zu erkennen: Die olivengrünen Algen sind cha- 
rakterisirt durch eine relativ grosse Menge von Chlurofucin und Fu- 
coxanthin und die gänzliche Abwesenheit von gelbem Chlorophyll, 
Xanthophyll, gelbem Xanthoiihyll, Phycocyan und Phycoerythrin; die 
rothen Algen unterscheiden sich von den eben genannten durch den 
grossen Gehalt der Phycocyan- und Phycoerythrin-Farbstoffe, sowie 
durch die geringe Menge des Chlorofucins und Fucoxantliins; die 
grünen Algen sind ausgezeichnet durch das Auftreten von gelbem 
Chlorophyll, sowie durch die gänzliche Abwesenheit des Chlorofu( ins, 
Fucoxanthins, Phycocyans und Phycoerythrins. — Blaues Chlorophyll, 
Orange-Xanthophyll uiul Lichnoxaniliin treten in allen drei Algen- 
gruppen auf. Die Gruppe der rothen Algen steht daher in der Mitte 
zwischen der der olivenfarbnen und der der grünen Algen. 

Zusammenhang zwischen den niedersten Klassen der 
Thiere und Pflanzen. 
Wie wir gesehen haben, enthalten die olivengrünen Algen kein 
gelbes Chlorophyll, keines der beiden Xanthophylle, also keine Farb- 
stoffe, welche fiu" die höheren Pflanzen so charakteristisch sind, dao-eoen 
enthalten sie Chlorofucin und Fucoxanthin, welche beide in gewissen 
Aktinien gefunden werden. 

Veränderungen, welche in Oscillatorien vorkommen. 

Durch die Oscillatorien sind die olivengrünen Algen mit den 
Flechten verbunden. Sorby nahm Fucus serralus. Oscillatorien und 
Pelfigera canina, welche theils im Schalten, theils an einem der 
Sonne ausgesetzten Orte wuchsen, und bestimmte die relative 31enge 
der Farbstoffe dieser Pflanzen (siehe die Tabelle p. 476). Es ergab 
sich, dass die in Schwefelkohlenstoff li;slichen Farbstoffe solcher Oscil- 
latorien, die an einem schattigen Orte wuchsen, mit den in Fucus 
und anderen olivengrünen Algen gefundenen identisch sind. AVaren 
sie aber während ihrer Entwicklung sehr der Sonne ausgesetzt, so 



92 

fand eine grosse Reduktion dieser und zugleicii eine grosse Zunahme 
solcher Farbstoffe statt, welche in Flechten, z. B. in Peltigera canina 
in grossen Quantitäten vorkommen. 

Hauptzusammenhang der verschiedenen Pflanzenklassen. 

Erinnern wir uns an das Chlorofucin undFucoxantiiin, welche beide 
in so grosser Menge in den olivengrünen Algen und in gewissen 
Aktinien, z. B. in Änthea cereus var. smaragd'ma vorkommen, ver- 
gegenwärtigen wir uns die Vertheilung der Farbstoffe in den oliven- 
grünen, rothen und grünen Algen, berücksichtigen wir das soeben 
von den Oscillatorien Gesagte, so ergibt sich zwischen allen diesen 
Formen folgender Zusammenhang: 

Die Aktinien zeigen in der Anthea cereus var. smaragd'ma 
einen chromatologischen Zusammenhang mit den olivengrünen Algen. 
Von diesen führt eine Reihe zu den rothen Algen und von hier durch 
Porphyr a zu den grünen Algen, eine andere Reihe geht zu den 
Oscillatorien und von diesen durch Peltigera zu den Flechten. 

Beziehung der Pilze zu anderen Pflanzen. 

Die häufigsten Farbstoffe der Pilze stimmen ffenau überein mit 
jenen, welche in den Apothecien der Flechten gefunden werden; so- 
nach dürfen die Pilze nicht als vegetative, sondern als Fruktilikations- 
organe eines niederen Pflanzentypus angesehen werden. 

Zusammenhang zwischen den Farbstoffen der Blüthen und 
denen der Blätter. 

Die Zahl der in den Blumenblättern auftretenden Farbstoffe ist 
eine sehr grosse; manche von ihnen haben eine weite Verbreitung, 
andere werden nur in einzelnen Arten gefunden. In vielen Fällen 
sind die Farbstoffe der Blumenblätter dieselben wie in den Laubblät- 
tern, wenn das Chlorophyll verändert ist; in anderen Fällen sind aber 
besondere Farbsubstanzen entwickelt, welche in den Blättern fehlen. 
Die Farbstoffe der gelben Blüthen bestehen meist aus einer Mischung 
von Lichnoxanthin und den drei Arten von Xanthophyll. Orangegefärbte 
Blütiien enthalten bisweilen ausserdem noch andere Substanzen, ana- 
log dem Pezizaxanthin und Phycoxantliin. Die Entstellung rother 
Blüthen hängt von Substanzen ab , welche zur Erythrophyllgruppe 
gehören. 

Wirkung des Lichtes auf Blüthen. 

Sorby hat in dieser Beziehung wenige Versuche gemacht. Bei 
einer dunklen Varietät von Cheiranlhus Cheiri wurde durch Vermin- 
derung der Aussetzung an's Licht eine vollständige Veränderung in 
der relativen Menge der Farbstoffe herbeigeführt. 

So z. B. wurde k<Mn Erylln'ophyll g(3hi[det, welches in den der 
Sonne ausgesetzten Blüthen reichlich vorhanden war. 



93 

Zusammenhang zwischen den Pilzen und Flechten. 

In den höheren Pflanzenklassen sind die Blüthen mit den Blät- 
tern hesonders durch Xanthopliyil und gelbes Xanthophyll verbunden. 
Die Flechten entlialten sehr wenig oder gar nichts von diesen Sub- 
stanzen, wold aber eine grosse Menge der charakteristischen Lichnn- 
xanlhine. Von diesem chroinatologischen Standpunkte betrachtet, zei- 
gen die Pilze einigermassen dieselbe Beziehung zu den Flechten, 
welche die Blumenblätter eines blattlosen Parasiten zu den Laub- 
blätlern einer normalen Pflanze haben würden. 

Gelbe Blattvarietäten. 

Bekanntlich findet man bei manchen Pflanzen Blätter oder Blatt- 
theile, welche nicht saftgrün, sondern gelb sind. Sorby fand nun auf 
spektroskopischem Wege, dass dieser Umstand in einer sehr grossen 
Difl'erenz in der relativen Menge des blauen und gelben Chlorophylls 
begründet ist und gibt die Methode an, welcher er sich zu dieser 
Untersuchung bediente. Aus einer kleinen, die diesbezüglichen Resul- 
tate zusammenfassenden Tabelle ergibt sich, dass die relative Menge 
des gelben Chlorophylls in den grünen Blättern sehr variirt, wobei 
man wohl anzunehmen berechtigt ist, dass sie von der Dauer der 
Sonnen-Einwirkung abhängt. Wenn grüne Blätter in der Sonne gelb 
werden, so hat die relative Menge des gelben Clilorophylls zugenom- 
men, übereinstimmend mit der grösseren Leichtigkeit, mit welcher 
das blaue Chlorophyll zersetzt wird, aber sie ist geringer als in dem 
Falle, wenn eine gemischte Lösung der Sonne ausgesetzt wird. Wenn 
dagegen Blätter gelb sind, weil sie fast im Dunklen wuchsen, so ist 
die relative Menge des gelben Chlorophylls viel geringer als die nor- 
male, als ob unter solchen ungünstigen Bedingungen das blaue Chlo- 
rophyll viel leichter als das gelbe geformt würde. Aus diesen beiden 
Thatsachen lässt sich aber der allgemeine Satz ableiten, dass das 
blaue Chlorophyll viel leichter gebildet und viel leichter zerstört wird, 
als das gelbe Chlorophyll. 

Wenn auch trotz der vielen neuen und genauen Untersu- 
chungen, deren Resultate Sorby in seiner Schrift niedergelegt hat, 
noch vieles auf diesem Gebiete zu beobachten bleibt, so dürften doch 
wohl die bis jetzt gewonnenen Ergebnisse ein hinreichender Grund 
dafür sein, dass die Natur und das relative Verhältniss der verschie- 
denen Farbstoße in den Pflanzen eine sehr wiclitige physiologische 
Bedeutung haben dürften, und dass von einer vollständigen Kenntniss 
der vegetabilischen Chromatologie erwartet werden darf, dass sie 
auf die Enlvvickelung der Pflanzen viel Licht verbreiten und uns in 
den Stand setzen wird, eine Anzahl der fundamentals!en Fragen der 
pflanzlichen Biologie von einem neuen, und von den früheren An- 
schauungen unabhängigen Gesichtspunkte aus prüfen zu künaen. 



Oeiteii. botan. Zeitschrift. 3. Heft. 1875. 



94 

Plantas in itinere africano 

ab J. M. Hildebrandt 

collectas, deterrninat et pergit W. Vatke. 

Auctoritate herbarii regii berolinensis. 

IL 

Labiatae Juss. 
1001. Ocimitm gratissimum L. In insulae Sansibar locis siccis etiam 

cuUum ob folia, quae ab Arabibus et Suarelis comeduntur. 

nov. 1873. 
1000. 0. suave Willd. Insula Sansibar. Frutex 2 m. altus (ideo potius 

suffrutex) odorem caryopliylloidem spirat. nov. 187.^. 

430. 0. filamenfosum Forsk. Abyssinia: Habab. Rora asgede 6000'. 
5. aiig. 1872. 

338. 0. gracile Bentb. e diagn. In insulae Sansibar pratis siccis 
arenosis herbaceis copiose jul. — nov. 1873. 

428. 0. dichotomum Höchst. Abyssinia. Habab. a. 6000'. jul. ad 
sept. 1872. 

850. 0. reßexmn Ehrnb. in Schweinf. Beitr. In Somalensium monti- 
bus Ahl dictis solitarium. mart. 1873. 

431. Idem. Abyssinia: Habab in planitiebus siccis. jun.— sept. 1872. 
Stylum non vidi; an Orthosiphonis sp.? Videant, qui nieliora 
exemplaria possident. 

429. Orthosiphon deistocalyx Vatke in Linnaea XXXVIII. p. 317. 
Abyssinia c. 3000'. aug. 1872. 

854. a. Coleus? sp. In Soir.alensiuin montibus Ahl dictis: Yafir 2000 
m. in rupium fissuris; ranii prostrati. mart. 1873. Floribus de- 
ficientibus indeterminatus rernanet. 

437. C. barbatus (Andr.) Benth. Abyssinia: Habab. Bogos 5—6000' 
in sepibus loco granitico; fl. violacei. sept. 1872. 

438. C. Schioeinfurthii Vatke in Linnaea XXXVII, p. 323. Abyssi- 
nia: Bogos 6000' in solo sterili granitico. sept. 1872. 

1003. Hyptis pectinata (L.) Poir. Kidoti insulae Sansibar in pratis 

siccis rara; suffrutex 1 m. altus. oct. 1873. 
854. Lavandula ptibescens Decne? In rupium fissuris montium Ahl 

2000 m, calc. mart. 1873. Forma spicis abbreviatis; sp. non 

suppetit. 
658. Micromeria punctata (R. Br.) Benth. ß. angustifolia Vatke pl. 

Steudner ined. Abyssinia: Bogos in planitiebus sterilibus; suf- 
frutex. jul. 1872. 
24. a. Salvia lanigera Poir. (S. controversa Ten.). Ramie prope 

Alexandriam. mart. 1872. 
436. S.nudicaulisVdLhlß pubescens Benih. Abyssinia: Habab. Nakfa 

et Rora asgede 6—7000'. fl. albi. aug. 1872. 



95 

840. Ballota Hildebrandlii Vatko et Kurtz. In Soinaleiisium mon- 
tihus Ahl: Yafir 2000 m. Suffrutex (IVutox H.) 1 m. altus in 
locis umbrosis. inart. 1873. Superne breviler cano-tomenfella, 
foliis orbiculatis inaequaliter crenatis, supra viridibus rugosulis, 
hirtellis, subtus toinentosis, calycis limbo patente orbiculato, 
tubo sab 2plo long-iore ad costas praecipue breviter villoso, 
margine nndulato lOcrcnato, crenaturis mucronulatis. 

B. undulatae Benth. Proxima, caulis tomenlo, calycis tubo 
infra os coarctato diversa; folia caulina 2*5 cm. longa, ad 3 cm. 
lata; floralia caulinis subaeqiialia; flores aequantes vel supe- 
rantes; verticillastri pauci (5—6) flori laxiusculi; bracteae ca- 
lycis tubum subaequantes lineari-spathulatae; calyces demuin 
1 cm. longi; linibus rugosus intra hirtus margine ciliatus, cü- 
rollae galea oblonga, intus praecipue dense albido-villoso lanata 
apice emarginato (Vatke et Hurtz). 

434. Otostegia repanda (R. Br.) Benth. Abyssinia: Habab. Bogos 
5—7000' fl. albi. jul. 1872. 

851. Lencas indica (L.) R. Br. e diagn. In Somalensium montibus 
Ahl 1 — 2000 m. communis, mart. 1873. 

999. L. (Loxostoma) densiflora Vatke. Kokotoni insulae Sansibar in 
declivibus coUium calcareorum e corallis ortorum; suffrutex (H.) 
1 m. alt. Oct. 1873. Mihi potius herba videtur. Herbacea re- 
trorso-hispidula, foliis ovato-lanceolatis basi subcordatis cre- 
natis breviter acuminatis supra atroviridibus, subtus canescen- 
tibus, utrinque hirtellis, verticillastris densis multifloris calycis 
tubo hispidulo, ore obliquo infra producto membranaceo, supra 
vix fisso, dentibus Spungentibus. Gaules ultra 6 dm. alti erecti 
superne parum ramosi; folia inferiora petiolo 1*5 cm. longo, 
lamina ad 4 cm. longa, ad 2 cm. lata, floralia multo minora ; 
bracteae minutae vix calycem dimidium aequantes; verticilla- 
stri in spicam terminalem globosam vel ovoideam congesti 
nunc remoti in axilla proxima spicam globosam efformantes; 
calyx fructifer 1 cm. longus; flores ex sicco albi; connectivum 
staminum breviorum ultra antheras productum, quod in longio- 
ribus haud ita, quibus antherae minores; an ideo stamina bre- 
viora solummodo fertilia? Stylus ramis valde inaequalibus more 
generis. 

Species ob bracteas minutas et calycis figuram L. glahratae 
(Vahl) R. Br. proxima, cui ab illustri Bentham verticillastri 
pauciflori tribuuntur, sed ex materia nostra diti plerumque 
multiflori. 

691. L. urticae folia (Vahl.) R. Br. Abyssinia: Habab. 2000'. sept. 

1872. 
433. L. glahrata (Vahl.) R. Br. Abyssinia : Habab. 6000' inter fru- 

lices. aug. 1872. 

435. L. martinicensis (Svv.) R. Br. Abyssinia: Habab. Bogos 5600' 
tempore pluvioso. sept. 1872. 

8* 



96 

832. Lasiocorys argyrophylla Vatke. Fruticosa ramis simplicissimis 
elong-atis, foliis iiitegerrimis vel apice subdentatis utrinque se- 
riceo-argenleis ohtusiusculis, verticillastris 2 — lüfloris, calycibus 
tubulüsis, ore obliqiio infra productiore, denlibus minutis, su- 
premo erecto, lateialibus declinatis, infiinis fere ad apicem 
connatis, rorollae tubo incluso. Yafir in Sotnalensiuin mon- 
tibus Ahl 2000 ni. alt. friitex ramis striciis. mart. 1873. 

Raiiii ultra 5 dm. longi parce bifariam tomentelli; folia 
quam in L. capensi longiora ad 3"5 cm. longa, ad 6 cm. 
lata; bracteae acerosae pungentes calyce triplo breviores; ca- 
lyces obscure lOnervii; dentes subspinescenles tubo multo 
breviores; corolla magniludine L. abyssinicae. Species calyce 
distinclissima abnormis huic tarnen generi mihi ob dentes 5 in- 
serenda videtur, habitu inter L. abyssinicam et capensem fere 
media. 

432. L. abyssinica Benth. Abyssinia: Habab. Nakfa 5800' in loco 
sicco granilico. fl. lactei. aug. 1872. 

439. Leonotis palUda (Schum.) Benth. Abyssinia: Habab et Bogos 
in riparum silvis 2 m. alta. sept. 1872. 
Scrophulariaceis addenda et corrigenda: 

861. Antirrhlmim apterum Vatke (Schioeinfurfhia a. Vatke in herb, 
reg. ])erol.) Caule erecto a basi rainoso, foliis membranaceis, in- 
ferioribus oblongo-lanceolatis, superioribus oblongo-linearibus 
Omnibus obtusis, seminibus exalatis. O- ^^ planitie liltorali 
somalensi prope Lasgori usque ad mantes Ahl d. ad alt. mar. 
1500 m. copiose in locis humidis rivulorum recentium. mart. 1873. 
Herba alt. 3 dm.; folia inferiora ad 4'5 cm. longa, media 
ad 0'5 cm. lala, superiora ad 2 cm. longa ad 1 m. lata; e.rem- 
plaria mihi manca tanfum praesto, sed ab affini A. pterospermo 
A. Rieh, vel Schweinfurthia p, A. Br. seminibus eximie differt. 
Schweinfurthiae genus forte melius Antirrhini seclio, qua de 
re alio loco fusius disseram, var. abyssinica Jaub., Poir. et 
Spach. 1. Poir. var. abyssinica Jaub. et Spach. — Bora 1. Bora. 
— Heren 1. Keren. — Lasgosi 1. Lasgori. — In descr. Urba- 
niae lyperiaeflorae longi 1. longis. — Lindenbergiae nigre- 
scentis descr. adde: corolla 1 cm. longa; sp. unicum Hysanthes 
1, Hysanthes. — Hokotoni 1. Kokotoni. — Bosweliiae 1. Bal- 
samodendri (fide H. in colloquio). 

(Continuabilur.) 



97 



Reiseerinnerungen an Spanien. 



Von Moritz Winkler. 

(Fortsetzung.) 

Mein treuer Reisebegleiter, Herr Fritze, wurde nun durch Fa- 
milien- und gescliiiniiche Riicksichteu gezwungen, nach Hause zurück- 
zukcliren, witlirend ich mich von Granada nicht trennen konnte, ohne 
voriier die Hoilispitzen der Nevadaketfe besliegen zu haben. Ich 
unternahm mehrere kleine Partien in die nächste Umgebung allein, 
bis ich durch Freund Wilhelmi auf einen Mann aufmerksam wurde, 
der als Gärtner im Taglohne arbeitend, mir als sehr brauchbar und 
verlässlich erschien. Diesen vialim ich nun überall mit, wenn ich eine 
weitere Tour zu machen gedachte; er besorgte mir die nöthigen 
Reitthiere, kaufte die Viktualien ein, die mitgenommen werden mussten, 
half mir Pflanzen ausgraben, und bewies sich überhaupt so treu und 
tüclitig, dass ich iliin das allerbeste Lob spenden muss. Sein Name 
ist Manuel Jimenes. 

Ich veranlasste ihn, sich durch Sammeln von Pflanzen einen 
Nebenerwerb zu schaffen, und versprach ihm, beim Verkauf der Sachen 
behülflich zu sein, auch erhielt ich bereits eine Kiste trockener Pflanzen 
von ihm, doch sind meine Erwartungen leider nicht erfüllt worden, 
da der Inhalt ohne Sorgfalt praparirt ist, auch meist nur ganz ge- 
wöhnliche Spezies umfasst. 

Ein kleines, ziemlich isolirtes, ausserordentlich steriles Gebirge, 
die Sierra Elvira, bestieg ich am 26. Juni. Es war einer der heissesten 
Tage, die ich in Spanien erlebt hatte, und wahrhaft afrikanische Glut 
hatte die Felsen so durchwärmt, dass die Sohlen brannten, wenn man 
darüber hinging. Leider waren die Früh um 4 Uhr bestellten Maul- 
thiere wie üblich niciit gekommen, und nach zweistündigem vergeb- 
lichen Warten musste ich zwei Esel miethen, die Sand zum Bau eines 
Hauses herbeitrugen; daher kamen wir erst um 11 Uhr am Fusse 
des Berges an und stiegen sofort hinauf, liefen kreuz und quer über 
die öden Flächen, ohne etwas Besonderes anzutreffen, denn jeder 
Grashalm war bereits vertrocknet. Am Fusse wuchs Heliotropium 
svpinvm und Siderilis romana L. , oben bemerkte ich Änthyllis 
arnndana Bois., Ervca longirostris v. Uechtr., Lacandula latifolia 
Vill. und Tordf/fivm maximnm L. , auch Levrea conifera DC. und 
Serratula pinafißda Pour. , die übrige Vegetation, die im Frühjahre 
wohl interessant sein mag, hatte der Sommer bereits abwelken lassen. 
Gemartert von Durst und dem Uehermass von Hitze stiegen wir um 
5 Uiir Nachmittags ziemlich unbefriedigt hinab, um auf den unge- 
sattelten Eseln nach Granada zurück zu schleichen. Nach so anstren- 
gender Thäligkeit ist es eine unendliche Oual, diese trägen Thiere 
besteigen zu müssen, die aus dem langsamsten Schritt nicht heraus 
zu bringen sind, nach jedem geniessbaren Gegenstände haschen, keinen 
Sattel und Zaum kennen und so klein sind, dass meine langen Beine 
den Staub der Strasse aufschleiften. 



98 

Nach diesem ersten Versuche hatte ich wenig Vertrauen auf 
ein besseres Resultat bei der benachbarten Sierra Alfacar, doch wurde 
dasselbe in der That bei weitem übertroffen. Die Alfacar ist eine der 
pflanzenreichsten Punkte in der IJmg-egend Granadas, wozu die noch 
theilweise Bewaldung und ein gr()sserer Wasserreichthum beiträgt. 
Im Monat Mai muss hier eine wunderbar reiche Ausbeute aufzufinden 
sein und ich bedaure lebhaft, ihr nicht wenigstens bald nach meiner 
Ankunft in Granada einen Besuch gemacht zu haben. Bei dem Dorfe 
Alfacar am Fusse der Sierra entspringt ein so mächtiger Quell des 
klarsten und besten Wassers, dass er sofort bei seinem Ursprünge 
zwei Mahlgänge zu treiben vermöchte, und auch auf der Sierra selbst 
finden sich einige erfrischende Ouellen. Auf den zwei Exkursionen, 
die ich nach diesem ziemlich ausgedehnten Gebirge unternahm, sam- 
melte ich nachstehende Pflanzen. Ächillea microphylla W. G., Ädonis 
vernalis L.? (die Unterschiede von ^. iierwa/is sind kaum ausreichend, 
um eine neue Art darauf zu begründen, obschon es auffällig genug 
ist, dass ich diese zeitige Frühlingspflanze, welche bei uns schon im 
April und Mai blüht, dort in dem heissen Klima Spaniens noch Anfangs 
Juli mit unreifen Früchten und sogar noch mit vereinzelten Blüthen 
antraf), Allinm rnseAim L. , Alyssum serpyUifolium DC, Änthemis 
tuhercidata Bois., Anthyllis arundana Bois., Arctostaphylos officinalis 
W. G., Arenaria armeriastrnm Bois. ß caesia, Astragalns chloro- 
carpus Bois., Biscritella variegata B. Rt., Buniuni macuca Bois., 
Bupleurum aristatvm Bartig., B. rigidum L., Carduus granatensis 
Wilk., Carex humilis Leysser, Centaurea granatensis Bois., Cistus 
laurifolius L., Conrohulus lineatus L., Cynanchum nigrum L., Draba 
hispanica L. , Erinus alpinus L., Genist a Boissieri Spach., Geum 
sihaticum DC, Gladiolus illyricus Koch, Haenselera granatensis Bois., 
Hypericum hyssopifolium Vill., Jasonia glutinosa DC, Laserpitium 
angustifolium L., Lithospermum fruticosum L., Lonicera hispanica 
Bois., L. caprifolium L., Nepeta reticulata Dsf., Orchis Durandii B. 
Rt., 0. coriophora L., 0. pseudosambucina Ten., Passerina elUptica 
Bois., PotentiUa pensilranica L. (alles Suchens ungeachtet leider nur 
in einem Exemplare), Prunella laciniata L., Pterocephalus niveus 
Coult., Salvia pMomoideslj., S. SclareaL., Saxifraga erioblasta Bois., 
Siderlfis incana L., hirsuta L., Silene Boissieri J. Gay, Stipa Laga- 
scae B. Rt., Teucrium Webbianum B. Rt., Thym.us granatensis Bois., 
Turgenia latif'olia L., Trifolium ochroleucum L., Valerianella erio- 
carpa Desv. und Verbascum thapsiforme Schrad. 

Von einem Dauerlauf in dem Thale der Aqua blanca spät und 
ermüdet zurückgekehrt, wurde ich aufgefordert, noch nach einer, an 
die Alliambra anstossenden Besitzung zu kommen, wo sich die Familie 
Wilhelmi mit einigen spanisdicn Freunden zur Feier eines Geburts- 
tages vereinigt hatte; zwar war es schon 9 Uhr Abends und meine 
müden Glieder sehnten sich nach Ruhe, dennoch ging ich hin und 
traf in einem kleinen Gärtchen eine Anzahl Personen, die ich in der 
absoluten Dunkelheit nicht zu erkennen vermochte. Herr Wilhelmi, 
der mir entgegen kam, führte mich an die Umfassungsmauer, von der 



99 

man direct das tief(3rliegende Granada erblickt, welches sich an den 
Hügeln des Darro-Ufers allmali|r anhebt. Von den Hausern war nichts 
zu erkennen, nur die verschiedenen Licliler der Laternen und P'en- 
ster traten wie flimmernde Sterne heraus und verbanden sich so 
unmerklich mit den wirklichen Himmelssternen, dass man sich der 
Erde entrückt und mitten im Firmament befindlich denken konnte. 
Auf meine Bemerkung hierauf erwiederte Wilhelmi: „da haben Sie 
ganz recht, und die phantasiereichen Spanier iiahen das längst em- 
pfunden, indem sie Granada in dieser Abendbeleuchtung „y,el cielo 
bajo"'^ (den niederen Himmel) nennen." Noch starrte ich in diese 
abendliche Praciit hinaus, als ich durch einen hellen Lichtschein im 
Rücken aufmerksam gemacht, mich umwendete und ein wunderbares 
Märchen zu sehen glaubte. Zwei Flügelthüren waren geöffnet, und 
hinein sah man in eine alte maurische Moschee, hell von buntem 
Farbenschmuck erleuchtet, und reizende Menschengestalten in mor- 
genländischer Tracht bildeten in derselben eine Gruppe aus der Ge- 
scliichte Granadas. Es war ein so ganz zauberischer und unerwar- 
teter Anblick, dass ich halbträumend niein Auge nicht wegzuwenden 
vermochte, bis mich wieder die alte Dunkelheit umfing. Nun aber 
wurde auch das Gartchen erhellt, das lebende Bild hatte sich gelost, 
und die jungen Leute führten graziöse spanische Tänze auf. So 
wechselte Bild und Tanz, bis die Glocke die erste Morgenstunde 
verkündete und zur Heimkehr ermahnte. Solche Stunden des reinen 
und ungetrübten Genusses sind im Leben so selten , dass sie noch 
lange in der Erinnerung fortdauern und reichen Ersatz bieten für 
mancherlei Ungemach. — • Eine ebenfalls romantische und genuss- 
reiche Partie machte ich in derselben Gesellschaft an einem schönen 
Mondscheinabende von der Papierfabrik aus, am linken Ufer des 
Jenil nach dem Dorfe Canale, welches in prächtiger Umgebung am 
Fusse eines gewaltigen Felsenkegels liegt; auch hier bildete ein Tanz 
der ländlichen Schönen den Beschluss des Fesies. Ueber Tanz und 
Gesang in Spanien ist schon so viel geschrieben worden, dass es 
kaum am Orte ist, darüber sich auszulassen. Mit dem Gesänge habe 
ich mich nie recht befreunden kinnien, er klingt meinem Ohre zu 
monoton, und dauert er länger fort, so wirkt er ermüdend; dagegen 
muss ich gestehen, dass mich der Tanz oft entzückt hat, und dass 
die gebildeteren Stände eine unbeschreibliche Grazie darin entwickeln, 
eine Grazie, die unseren Tänzen und Tänzern nicht im entferntesten 
inne wohnt; auch das Landvolk tanzt vortrefflich. Die berühmten 
Zigeunertanze dagegen, welclie ich zu sehen Gelegenheit hatte, Hessen 
mich gänzlich kalt, sie sind mehr frivol als schön, und die Tanze- 
rinnen halten nicht Anmuth genug, um wenigstens den Schleier des 
Graziösen darüber zu breiten. 

Die natürliche Fröhlichkeit des Volkes, welche sich in Gesang 
und Tanz offenbart, nimmt übrigens, wie allgemein beklagt wird, 
mit raschen Schritten al); mit dem Verschwinden der Volkstrachten 
schwinden auch die Sitten, und das Streben nach Erwerb und Ge- 
nuss ertödtel die Freude an einfachen Belustigungen. 



100 

Da der Schnee noch immer die Bergspitzen bedeckte, und die 
Möglichkeit einer erfolgreichen Besteigung ausschloss, unternahm ich 
noch kleinere Partien, die eine nach dem Salzsee (Lago salida) in 
der sog. bätischen Steppe und die zweite nach dem etwa vier Stun- 
den von Granada entfernten Salinenbade La Mala. Der Salzsee liest 
nahe der Eisenbahn, welche nach Cordoba führt, bei dem Dorfe 
Fuente de Piedra, und man kann von Granada aus die Bahn benützen; 
er mag etwa eine gute halbe Meile lang sein und 1000 bis 2000 
Schritt breit. In heissen Sommern soll er vollständig austrocknen, 
und nur eine Salzkruste übrig bleiben, doch scheint mir, dass diess 
nur ausnahmsweise der Fall ist, sonst wiire es nicht gut denkbar, 
dass er Fische enthält, was man daraus schliessen muss, dass sich 
eine Menge Moven und auch Flamingos darauf herum treiben, welche 
doch ihre Nahrung in dem Wasser finden müssen. Rund um den See 
herum sind Aecker, mitunter auch kleine Salzwiesen und etwas nie- 
driges Buschwerk, in welchem Daucus maximus sich angesiedelt 
hat; auf einem der Felder wuchs die stattliche Serratula flaüescens 
Poir., ausserdem fand ich Allium pallens L. und eine mir noch un- 
klare Althaea, der A. Ursula ähnlich, aber bereits fast blattlos und 
daher schwer zu erkennen, ferner eine breitblättrige Form von Cow- 
vohnlus lineatus L., Cressa cretica L., Crucionella patula L., Dactylis 
littoraüs L., Erythraea spicata Pers. und E. tenuißora H. L., Fran- 
kenia pulverulenta L., Hordeum maritimmn With., Juncus maritimus 
L., Cenlrophyllum baeticum B. Br., Linmn maritimum L., Oenanthe 
sUaifolia M. 13., Ononis mitisshna L., Onopordon illyricum L., Pha^ 
laris nodosa L., Rotlboellia filiformis Roth, Salicornia fruficosa L. 
und Scabiosa stellata L. Auf Feldern um Bobadilla herum bemerkte 
ich noch: Carlina gnmmifera Less. und C. racemosa L. 

La Mala, von öden gypshaltigen Hügeln umgeben, ist eine kleine 
Saline, in der man durch Verdunsten der stark salzhaltigen Soole 
etwas Speisesalz gewinnt, auch wird sie zu Bädern benutzt, die je- 
doch wenig besucht scheinen. Zweifellos liegt in der Tiefe ein mäch- 
tiges Salzlager; da man jedoch kaum im Stande ist, das mit leich- 
terer Mühe um Cadix etc. gewonnene Seesalz zu verwerthen, so hat 
sich hier noch Niemand darum bekümmert, welche Schätze der Boden 
birgt. Die Gegend ist schrecklich öde und steril, Althaea off'icinalis 
L., Anthyllis cytisoides L., Carlina lanala L., Helianthemum squa- 
matum Pers., Ononis tridentata Cav., Peganum Harmala L., Salsola 
termiculata L. und Typha angustifolia waren die einzigen auffd lügen 
Pflanzen. 

Das erste Drittel des Monats Juli war verflossen, und ich be- 
schloss, der Nevadakette einstweilen >on der Südseite näher zu treten, 
indem ich mich nach dem Bade Langeron begab, um dort einige 
Tage zu verweilen. Langeron wird als ein sehr wirksamer Gesund- 
brunnen empfohlen und ist eines der beslbesuchten Bäder in Süd- 
spanien, hat auch zwei ziemlich gute Hotels, in denen man leidlich 
existiren kann; aber für die Bequemlichkeit und Annehmlichkeit der 



101 

Kurgaste wird auch nicht das allermindeste gethan, so wunderbar 
schön die gütige Natur hier vorgesorgt hat. 

An einem prachtigen Gebirgsflusse gelegen, welcher sich in 
den Cuadalfeo Cauch Rio grande genannt) ergiesst, grenzt es fast 
unmittelbar an ausgedehnte Kaslanienwaldiingcn, welclie durch künst- 
liche Bewässerung zu üppiger Fiuchtl)arl\eit enifallet, sich bis gegen. 
4000 Fuss 3I('eresh(»he an den Berglelinen emporheben; die Stamme 
zeigen mitunter riesige Dimensionen, so fand ich einen allen Stamm, 
der über der Erde gemessen, nahe 8 Fuss Durchmesser hatte. Wald- 
und Oueilenreichtiuun, ein so seltener Schatz in Spanien, mildern die 
drückende Hitze und kleiden die angrenzenden Hügel mit üppigem 
Frühlii'gsgrün; aber Niemand denld daran, einen Baum zu pflanzen, 
um Sclialten und erfrischende Kühle auch der leidenden Menschheit 
zu schafften, welche das Bad besut^ht. Die Trinkquelle sowohl, als die 
neuerbaute Badeanstalt liegen etwa V^ bis ^/j Stunde von dem Städt- 
chen entfernt, an der öden, staubigen Strasse, und die Patienten 
müssen der vollen Sonnengluth exponirt, den Weg hinaus und herein 
zurücklegen, wenn sie einen Becher trinken oder ein Bad nehmen 
wollen. 

Kein europäischer Badeort kann sich in Schönheit der Lage 
mit Langeron messen, und in einem civilisirten Lande würde es bald 
zu einem Eden umgeschaffen, einen Weltruf erlangen. 

Den ersten Tag stieg ich gegen den Monte Caballo auf, ohne 
jedoch bis zu der ca. 9800 Fuss hohen Spitze zu gelangen; so weit 
die Kastanienwaldungen reichen, ist der Weg schattig und angenehm, 
aber darüber hinaus wird die Lehne beschwerlich, weniger durch 
ihre Steilheit als durch die monotone Einförmigkeit einer viele Stun- 
den Weges anhaltenden gleiclimassigen Ansfeigung, welche ohne 
Baum und Strauch, ja fast ohne Pflanzenwuchs sich zu einem langen 
Rücken ausdehnt. Nach 7stündigem Marsche sah ich die Unmüglickkeit 
ein, noch vor eintf-etender Dunkelheit den Gijjfel zu erreichen, und, 
wenn auch im Mondschein, den Rückweg anzutreten. Zum Ueber- 
nachten war ein Obdach nicht zu finden, unsere mitgenommenen Nah- 
rungsmittel reichten nicht 2 Tage aus, und da die alpine Vegetation 
sich immer noch nicht bemerkbar machte, fasste ich den Entscliluss 
zur Umkehr; Avir kletterten zu einem Bache hinab und folgten dem 
Laufe desselben bis nach Langeron, das wir Abends 8 Uhr wieder vor 
uns sahen. In den Kastanienwiddern wuchs häufig Orohanche foetida 
Dsf., sowie noch eine andere stattliche Orobanche auf den Wurzeln 
von Spartium junceiim, die aber schon vollständig vertrocknet und 
theilweise im Fruchtstande war. Beim Herabsteigen, am Rande des 
Baches Adenocarpus decorticans Boiss., aber seltener und nicht in 
so baumartigen Exemplaren als im oberen Jeniltliale', dann Biipleu- 
nun spinosum L., Daphne GnkUum L., Hypericum baeticnm Boiss., 
Origanum virens H. L., Picj-is longlfolia Boiss., Ptycfwtis ammoides 
Koch, an einer anderen Stelle Verbasciim Haenseleri Boiss.? und F. 
mrgatum With. 



102 

Den nächsten Tag sah ich mir die Stadt und das Bad genauer 
an und durchsuchte die öden Hügel gegen Süden, am Bade stand 
Atriplex Halimus L., Statice delicatula Gir. und einige Chenopodien, 
auf den steinigen Hügeln : Dianthus attenuatus Sm., D. Broteri Boiss., 
Eryngkim ilicifolium Lam., Helichrysum angustifolium DC, Hyperi- 
cum tmnentosum L. und Rhamnus velutinus Boiss., auch fand sich 
Asparagus albus ziemlich verbreitet. 

Zwischen Langeron und Granada verkehrt täglich eine Diligence, 
ein ungeheurer Kasten von zwei Etagen, der durch 6 bis 8 Maul- 
thiere fort gezogen wird; eines derselben hat einen Zaum, und der 
Gespannführer dirigirt die Richtung, welche die Thiere zu nehmen 
haben, dadurch, dass er rechts oder links mit einem Stocke oder 
Peitschenstiel an den Wagen klopft und ihnen zuruft; geht es bergan, 
so steigt er vom Wagen und haut unbarmherzig mit Stock, Peitsche 
oder auch wohl mit Steinen auf den Thieren herum, ausserdem lauft 
noch ein Junge nebenbei mil lautem Schreien das Gespann aufmun- 
ternd, und ein Kondukteur (Majorat) hilft gelegentlich ebenfalls durch 
Rufe und Peitschenhiebe. Der Weg ist stellenweise so schmal, dass 
gerade nur der Wagen Platz findet, geht in den schärfsten Biegun- 
gen und Steigungen, so dass man wirklich staunt, wie geschickt das 
Ungethüm von Wagen glücklich durch alle die Hindernisse hindurch 
gebracht wird, ohne dass er mit seinen Insassen in irgend einen Ab- 
grund stürzt. 

Bei meiner Rückkehr nach Granada fand ich gerade wieder 
die Vorbereitungen zu einem Sliergefechte getroffen, und so wenig 
ich auch solchen grausamen Vergnügungen zugethan bin, betraclitete 
ich es doch gewissermassen als Verpflichtung, auch dieses nationale 
Vergnügen mitanzusehen, da ich einmal im Lande war. So gefähr- 
lich als man gewöhnlich annimmt, ist die Sache allerdings nicht, und 
nur selten wird ein Mensch dabei verwundet; aber die armen Pferde 
werden auf eine schreckliche Weise zu Tode gemartert. Muth und 
Gewandtheit der Kämpfer niuss man allerdings bewundern, aber es 
hilft ihnen mancherlei, die Gefahr zu vermindern, namentlich der 
Umstand, dass der Bau der Stiere ein schnelles Umwenden nicht ge- 
staltet, und dass sie, um einen Stoss auszuführen, sich immer erst 
mil dem Kopfe herab bücken müssen, was die Leute prächtig auszu- 
nützen verstellen. 

Das ganze Schauspiel besteht eigentlich aus vier Akten. Zuerst 
kommt ein Aufzug, an dem alle Betiieiligten in bunten, mit reicher 
Slickerei versehenen Anzügen Theil nehmen, sie bewegen sich lang- 
sam bei den Klängen eines Marsches um die Arena, auf deren einer 
Seite ein Madonnenbild, und auf deren anderer Seite die Loge für 
das Präsidium befindlich ist. Vor dem Marienl)ilde wird Halt gemacht 
und der Segen mittelst Kniebeugung erflehl, dann geht der Zug bis zur 
Präsidiallogt', und der Matador richtet eine kurze Ansprache hinauf 
uiul bitlel um Genehmigung zum Beginne. Ein Trompclenlusch erfolgt, 
die Pferde und Maulthiere mit ihren Treibern verlassen den Kauipl'platz 
und ein Stier stürzt heraus, dem man, während er den schmalen 



103 

Ausgang passirt, ein tellergrossos, buntes Medaillon mit langen, flat- 
ternden Bändern mittelst kurzer Widerhaken an das Widerrüst heftet. 
In diesem zweiten Akte kämpfen nun die Picadores zu Pferde, sie 
haben eine starke Lanze, und es ist ihre Aufgabe, den Stier mittelst 
derselben vom Pferde abzuwehren, was jedoch selten genug gelingt, 
meist st()sst ihnen der Stier gleich beim ersten Anrennen die Hörner 
tief in den Leib, dass sie zusammensinken; aber das hilft nichts, die 
armen Thiere werden mit Gewalt zum Aufslehen gezwungen, der 
Reiter setzt sich wieder darauf und treibt sie mit scharfen Sporen 
vorwärts, bis sie endlich den wiederholten schweren Verwundungen 
erliegen. Die Reiter sind gegen die Stösse durch eiserne Schienen 
unter den Kleidern und riesengrosse eiserne Steigbügel ziemlich ge- 
sichert und haben nur darauf zu sehen, dass sie beim Sturze des 
Pferdes nicht unter dasselbe zu liegen kommen. Stürzt ein Thier zu- 
sammen so sind gleich andere Kämpfer in der Nähe, welche den Stier 
durch bunte Tücher, die sie ihm vorhalten, ablenken und dem Reiter 

wieder auflielfen. (Fortsetzung folgt.) 



Literaturberichte. 

Die „Belgique Horticole" bringt mit der Ueberschrift „Origine 
du Guano" einen Artikel, der die neuesten Erfahrungen über die 
Entstehung des Guano über sein gegenwärtiges Vorkommen und über 
die Mächtigkeit der Lager mittheilt. Sie selbst entlehnte diese An- 
gaben dem Bull, de la Soc. d'acclimation 1874, p. 430, und der 
Inhalt ist im Wesentlichen folgender: Nach der allgemeinen Ansicht 
wurde die Entstehung des Guano, dieses kräftigen Agens der Frucht- 
barkeit in der Agrikultur, aus den durch Jahrhunderte angesammelten 
Ausscheidungen der Myriaden von Seevögeln, hergeleitet. Dr. Ha hei, 
welcher sich seit langer Zeit damit befasste, den Guano auf chemi- 
schem, mikroskopischen und sonstigen Wege zu untersuchen, verwirft 
in Folge der erhaltenen Resultate die früher aufgetauchte und ver- 
breite Ansicht, dass dieses geschätzte Düngungsmittel die riesig ange- 
häuften Exkremente dieses zahlreichen Vogelvolkes sei, da er bei 
Behandlung auf chemischem Wege einen unlöslichen Rückstand aus 
fossilen Meerschwämmen, Seethiercn und Meerespflanzen erhielt. In 
der Nähe der Chinchas und anderen Guanu-Inseln haftete an den 
Ankerschaufeln der von den Seefahrern ausgeworfenen Anker, nicht 
selten Guano, welcher vom Grunde des Oceans herauf geschafft 
wurde. Durch diese und andere Thatsachen schliesst der amerika- 
nische Doktor, dass die Guanolager die Resultate von Anhäufungen 
fossiler Pflanzen und Thiere sind, wovon die organischen Bestandtheile 
in eine azntartige Sul)sfanz umgewandelt winden, die mineralischen 
hingegen ungeandert blieben. Der Verbrauch des Guano ist ein rie- 
siger geworden, und die schnelle Abnahme der Guano-Bänke in Peru 
erregte Besorgniss. Man griff daher allenthalben zu dem Aushilfsmittel 



104 

künstlichen Guano zu erzeugen, wobei Fischabfälle das Hauptmateriale 
bildeten. Mittlerweile nahm man Nachsuchungen in Peru vor, und 
wenn die neuesten Nachrichten aus Peru nicht übertrieben sind, so 
entfällt diese Besorgniss, welche die Verminderung der Guano-Lager 
auf den Chinclios-Inseln hervorbrachte, gänzlich, denn durch eine 
wissenschaftliche Kommission des Peruanischen Gouvernements wur- 
den die Guano-Lagerungsschichten durchsucht; das Offenliegen von 
bedeutenden Lag-ern auf dem Festlande angekündiget und man machte 
gleichzeitig die Entdeckung, dass auch den Ureinwohnern Peru's diese 
Lager bekannt waren, da Tracen in grosser Anzahl ersichtlich wur- 
den, welche den einstigen Betrieb konstatiren. In Pabellon de Pica 
ergaben die Untersuchungen das Vorhandensein einer Lagerung, die 
auf sechs Millionen Tonnen schliessen lässt. Das Lager am Vorgebirge 
von Lobos dürfte auf zwei Millionen Tonnen veranschlagt werden 
und zwei Millionen Tonnen, jedoch untergeordneter Qualität, mögen 
noch an anderen Stellen vorhanden sein. Es gibt Lager, welche 
eine Mächtigkeit von 60 — 90 Meter haben und oft von einer kalkar- 
tigen Schichte überdeckt sind. Die Studien, welche die peruanische 
Kommission hierüber machte, werfen ein neues Licht auf den Ur- 
sprung des Guano und der Baum, auf welchen sich diese Masse 
befindet, geben zu zweifeln Anlass, dass die Lager einzig und allein 
durch die Abfälle der Seevügel gebildet wurden. Antoine. 

Vorläufige >Iittheiliiiigeii ül>er die Bedeutung der Asyngamie für die 
Entstellung neuer Arten. Von Dr. A. Kerner. Innsbruck bei Wagner 
1874. 8". 10 Stn. 
Im vorliegenden Aufsatze behandelt der Herr Verfasser, einer 
der geschätztesten und eifrigsten Mitarbeiter dieser Zeitschrift ein für 
die Entstehung neuer Arten sehr wichtiges Thema. Er macht nämlich 
darauf aufmerksam, dass jene vereinzeinten Individuen, welche bei 
sonst gleichen äusseren Verhältnissen früher oder später blühen, als 
die Hauptmasse ihrer Geschwister, (A synga misten), unter gewissen 
Umständen die Stammeltern neuer sich abzweigender Arten werden 
können. Die Bedingungen, welche diess erinr»glichen, bespricht der 
Herr Verfasser in ihren allgemeinen Umrissen sehr scharfsinnig und 
anziehend. Ausführlich soll diesen Gegenstand eine später erscheinende 
grössere Arbeit behandeln. Wir empfehlen die Lectüre von Prof. 
Kerner's Aufsatze angelegentlichst allen jenen Botanikern, welche sich 
für Systematik interessiren; sie werden in ihm eine Fülle schöner 
Beobachtung in trefflicher Darstellung finden. Dr. H. W. R. 



Personalnotizen. 

— Dr. Heinrich Wilhelm Reichardt wurde von Sr. Majestät 
dem Kaiser durch die Verleihung des Ritterkreuzes des k. k. Franz- 
Joseph-Ordens ausgezeichnet. 



105 

— Aus Anlass des 25jährig'en Jubiläums des Regierungsrathes 
Dr. Alois Pokorny, Direktors des ühergymnasiums im II. Bezirke 
Wiens versammelten sich am 1. Februar in obiger Anstalt Abgeordnete 
des Landessolmlratlies, des Bezirksscliulratlies und Orlsscliulralbes, 
ferner der Vorstand A. S. Haas und der Stellvertreter J. Ileinzelmann, 
Gaste, der Lelirkitrper und die Scliiiler. Vorerst wurde das von Decker 
gemalte Bildniss des Jubilars enlliidlt. Dann ergiill" Professor Kummer 
das Wort, um in warmer, herzlicher Weise ein Bild der wissenschaft- 
lichen und piidagogischen Thaligkeit des Direktors Pokorny zu ent- 
hüllen und die Motive zu bespre(;hen, welche zu dieser Art von 
Feierlichkeit die Veranlassung gegeben haben. Schliesslich stellte der 
Redner den Jubilar als ein leuchtendes Beispiel uneigennützigen idea- 
len Strebens für die Wissenschaft hin. Nach dieser mit vielem Beifall 
aufgenommenen Rede dankte der Bezirksvorstand und zugleich Vor- 
stand des Ortsschulrathes A. S. Haas dem Jubilar für seine Leistun- 
gen um die Hebung des Schulwesens des zweiten Bezirkes. Direktor 
Dr. Pokorny dankte gerührt für die ihm zu Theil gewordene Aus- 
zeichnung. 

— Dr. R. F. Hohenacker ist im November v.J. in Kirchheim 
a. T, gestorben. Seine zaiilreichen hinterlassenen Sammlungen werden 
zu erheblich reducirten Preisen verkauft. Auskunft über dieselben 
ertheilt Dr. B. Wartmann, Rector der Kantonschule in St. Gallen 
(Schweiz). 

— Dr. Georg Ernst Ludwig Hampe, Apotheker in Blankenburg 
a. H. und Dr. Heinrich Carl Hermann Hoffmann, Professor in Giessen 
sind von der kais. Leop. Carol. Akademie der Naturforscher zu Mit- 
gliedern gewählt worden. 

— Dr. Heinrich Robert Goeppert feierte am 11. Jänner 
zu Breslau sein 50jähriges Doktor-Jubiläum und zwar unter einer 
Theilnalime, wie sie nur die seltene Vereinigung hohen Verdienstes 
mit einem die allgemeinste Verehrung und Liebe erweckenden Cha- 
rakter hervorzurufen im Stande ist. — Goeppert wurde am 25. Juli 
1800 zu Sprottau in Niederschlesien geboren. Nachdem er in Breslau 
seine Vorbildung empfangen hatte, wandte er sich anfangs der Piiar- 
macie, dann aber der Medicin zu und wurde am 11. Januar 1825 zu 
Berlin promovirt. Seit 1826 praktischer Arzt in Breslau, habililirte 
er sich 1827 als Privatdocent bei der dortigen medicinischen Fakultät, 
wurde 1831 zum ausserordentlichen, 1839 zum ordentlichen Professor 
ernannt und trat 1852, indem er zugleich die Direktion des botanischen 
Gartens übernahm, als Professor der Botanik in die philosophische 
Fakultät über. Nachdem bereits am Vorabend der erkrankte Fürst- 
bischof, durch zwei Domherren ein Gratulationsschreiben hatte 
überreichen lassen, erschienen am Vormittage des 11. Januar der 
Oberpräsident der Provinz Schlesien, Graf Arnim, nebst dem Regie- 
rungspräsidenten und zwei Oberregierungsräthen in der Wohnung 
des Gefeierten und ersterer überreichte im Auftrage des Königs den 



106 

Kronenorden II. Klasse mit dem Stern und der Zahl 50 und eine 
Adresse der Konigl. Schlesischen Regierung. — Hieran schlössen sich 
in der Folge die übrigen Königl. Behörden Breslaus, das Appellations- 
gericht, die Polizeidirektion, die Militärbehörden, dieGeneral-Commission, 
die Provinzial-Steuerdirektion, das Konigl. Consistorium, das Oljer- 
bergamt, das Oberforstamt, die Sanitäts- und die Eisenbahnbehörden, 
meistens durch ihre Vorsitzenden oder grösseren Deputationen ver- 
treten. — Es folgte Professor Kny aus Berhn, der Namens der L. C. 
Akademie der Naturforscher, der Goeppert seit dem 24. Mai 1830 als 
Mitglied und seit dem lä, September 1863 als Adjunkt angehört, ein 
Schreiben des Prüsidenten verlas und seine dem Jubilar gewidmete, 
mit 8 Tafeln ausgestattete Abhandlung über die Entwickelung der 
Parkeriaceen überreichte. — Die Königl. Akademie der Wissenschaften 
zu Berlin, die biologische Section der Königl. Akademie zu St, Peters- 
burg und die Deutsch-geologische Gesellschaft in Berlin Hessen durch 
Geh. Bergrath Roemer ihre Glückwunschschreiben einhändigen. — 
Die schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur sandte eine 
Deputation, welche eine Festschrift, „die Kryptogamenflora von Schle- 
sien", übergab, die drei Aufsätze „über Gefäss-Kryptogamen" von 
Oberlehrer Dr. G. Stenzel, über „Laub- und Lebermoose" von G. 
Limprecht und über „Characeen" von Prof. Alex. Braun in Berlin, 
enthält. Die botanische Section dieser Gesellschaft hatte sich noch 
besonders vertreten lassen; desgleichen der Verein für schlesische 
Alterthümer, der schlesische Kunstverein, der Verein für Geschichte 
der bildenden Künste, der Verein Breslauer Aerzte, der naturwissen- 
schaftlich-akademische Verein, so wie der schlesische Central- und 
der Breslauer Gewerbeverein. — Die naturforschende Gesellschaft in 
Görlitz hatte eine Deputation gesandt, die ein künstlerisch ausgeführtes 
Schreiben und den dem Jubilare gewidmeten neuesten Band der Ab- 
handlungen des Vereins darreichten. — ■ Prof. Dr. Ascherson aus 
Berlin überbrachte die Glückwünsche des botanischen Vereins der 
Provinz Brandenburg. — Der Rector der Universität Breslau über- 
brachte von den Mitgliedern des Senates begleitet, eine Adresse der 
Universität und das von der Universität Berlin erneuerte Doctordiplom. 
Gleichzeitig wurden dem Jubilar von allen Fakultäten und von dem 
pharmaceutischen Institute Adressen überreicht, denen die philosophische 
Fakultät eine Festschrift des Prof. Dr. J. Cohn über die „Entwicke- 
lungsgeschichte der Gattung Volvox" beigefügt hatte. — Seitens der 
landwirthschaftlichen Akademie Proskau sprach eine Deputation die 
Glückwünsche aus. — Desgleichen die Gymnasien Breslaus durch ihre 
Directoren. — Eine Deputation des Magistrats und der Stadtverord- 
neten von Breslau übergab ein sinnig geschmücktes Diplom der Er- 
nennung zum Ehrenbürger. — Eine Deputation aus Sprottau, der 
Vaterstadt Goeppcrt's, überbrachte die Glückwünsclie der dortigen 
Stadtgemeinde. — Ein aus einheimischen und auswärtigen Freunden 
und Verehrern Goeppert's gebildetes Comite überreichte die Summe 
von zehntausend Mark zur Bildung einer Goeppertstiftung, deren Zinsen 
zu einem Stipendium für Studirende der Naturwissenschaften von 



107 

hervorragender Befähigung und wissenschaftlichem Streben an der 
Breslauer Universität zur Verwendung kommen und von Goeppert 
verliehen werden soll. — Eine Deputation der deutschen Apotheker 
übergab die von 335 Apothekern, ehemaligen Schülern des Jubilars, 
zu einer Gocppertstiftung für Studirendo der Pharmacie in Breslau 
gesammelte Summe von 3300 Rmk. mit der Bitte, Goeppert selbst 
möge die Statuten nach eigenem Ermessen feststellen. — Der akade- 
misch-pliarmaceutische Verein zu Breslau verehrte einen werthvollen 
und kunstvoll gearbeiteten silbernen Tafelaufsatz. — Ungleich grösser 
noch war die Zahl der Freunde und Verehrer von nah und fern, welche 
den Jubilar durch ihre Glückwünsche und Geschenke, durch gewidmete 
Schriften, Schreiben und Telegramme zu erfreuen suchten. Es sei davon 
nur eine Schrift des Gustos Dr. A. Engler in München über die Fa- 
milie der „Ochnaceae" erwähnt, welche in dem 37. Bande der Nova 
Acta erscheinen wird. — Die weiten Räume der Wohnung des Jubilars 
vormochten die grosse Zahl der Anwesenden und die reiche Blumen- 
fülle kaum zu fassen. — Der Gefeierte liess an seine Schüler, Freunde 
und Bekannton als Erinnerung an den 11. Januar 1875 eine als 
Manuscript gedruckte Festschrift: „Verzeichniss seiner literarischen 
Arbeiten" vertheilen. — An die Glückwunsch-Besuche in der VTohnung 
des Jubilars schloss sich am Nachmittage ein von Seiten der Univer- 
sität veranstaltetes Festmahl, 



Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 

— Das Festcomite zum Empfange der deutschen Naturforscher 
in Graz, bestehend aus Professoren und Bürgern, hat sich am 29. Jänner 
constituirt. Demselben stehen bereits über 20.000 Gulden für die 
Empfangsfeierlichkeiten zur Verfügung. Ausserdem hat Se. Majestät 
der Kaiser der Geschäftsführung zur Bestreitung der Auslagen bei 
dem Empfange, insbesondere zur Deckung der Kosten für die Heraus- 
gabe einer Festschrift, eine Subvention von 10.000 fl. aus Staatsmit- 
teln bewilligt. 

— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissenschaften am 
17. December hielt Oberlieutenant Julius Bayer einen Vortrag über 
die während seiner Schliltenreisen auf Franz-Joseph-Land über dessen 
Gebirgscharakter und Gletscher, dessen Vegetation und Thierleben 
gesammelten Erfahrungen. Die Vegetation des Landes ist überall 
äusserst dürftig. Sie steht tief unter jener Grönlands, Spitzbergens 
und Nowaja-Semljas. Ihr Auftreten gleicht dem Gesammteindrucke, 
nicht aber der Species nach, jener der Alpen in 9 — 10.000' Meeres- 
höhe. Selbst die günstigst situirten, schneefreien Niederungen bo- 
ten kein anderes Bild; ebene Flächen zeigten nur dürftige Gräser, 
wenige Steinbrecharten, Silene acaulis, selten das Hornkraut und 
den Mohn, — häufiger waren Moose und Flechten, dominirend aber 
war eine Flechte, die winterliche Umbilicaria arctica, welche die 



108 

Expedition in Grönland selbst noch auf 7000' Meereshöhe angetroffen 
hatte. Treibholz, älteren Datums, war ein gewöhnliches Vorkommen, 
doch in äusserst geringer Menge, welches gleich unserem Sciiiffe 
durch Winde angetrieben worden sein mochte. 



Botanischer Tauschverein in Wien. 

Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Hol üb y mit Pflanzen 
aus Ungarn. — Von Herrn Meyer mit Pflanzen aus Baiern. 

Sendunoren sind abgegangen an die Herren Dr. Stohl, Dr. 
Lorinser, Csato, Dr. Rauscher, Bohatsch, Waiss, Dr. Mayr. 

Aus Ungarn und den Karpaten: Achillea atrata, Aegilops 
caudata, Alkanna tinctoria, Allmm ßavum, A. moschatum, Ah/ssum 
arenarmm^ Anlhemis rnthenica, Artemisia pontica, Astragalus ex- 
scnpus, Brassica elongata, Campanula carpatica, Centavrea Tau- 
scheri, Cephalaria transsihanica^ Chrysanthemum alpinum, Ch. ino- 
dnrum, Colchicum arenarium, C. bulbocodiodes, Convohulus Canla- 
brica, Crypsis acnleata, C. schoenoides, Cuscuta urceolata, Dianthus 
plum. v. saxafilis, Dnrycnium siiffruticosum, Echium rubrum, Ephe- 
dra monostachya , Erodium Ciconium , E. Neilreichii ^ Euphorbia 
nicacensis, Gentiana frigida, G. punctata, Helminlhia echioides, 
Herniaria incana, Hesperis inodora, Hibiscus ternatus, Muscari 
transsihanicum, Nasturtium rivulare, Onobrychis arenaria. Onosma 
echioides, Orchis variegata, Orobus luteus, Podospermum Jacquinia- 
num, Polygonum arenarium, P. anic. v. buxifolium, P. virgatum, 
Rhodiola rosea, Salsola cinerea, Salma Aethiopis, S. austriaca, S. 
dumetorum, S. silfiestris, Schoberia maritima, Sedum Hildebrandtii, 
Senecio carniolicus, Sesleria Heußeriana, Silene longißora, S. viscosa, 
Spergularia marginata, Tribulus terrestris, Triticum ci'istatum, Tur- 
genia latifolia, Waldsteinia geoides u. a., eing. von Richter. 

Aus Istrien: Centaurea alba, C. er ist ata, C. rupestris. — Aus 
Frankreich : Geranium nodosum. — Aus Belgien : Juncus maritimus, 
Plantago ramosa, eing. von Richter. 

Ans Kärnten: Alyssum Wulfenianum, Aquilegia Einseliana, 
Arahis Halleri, Bupleurum graminifolium, Campanula Zoisii, Daphne 
striata, Dentaria digitata, Ferula rablensis, Gladiolus illyricus, Hie- 
racium porrifolium, Linum viscnsum , Myrrhis odorata , Papavcr 
Burseri, P. pyrenaicum, Phyteuma comosum, Wulfenia carinthiaca 
u. a., eing. von Dr. Ressmann. 

Aus Ungarn: Cuscuta Solani und zahlreiche Rubus-Formcn 
eing. von Holuby. 

Obige Pflanzen können im Tausche oder käuflich die Centurie 
zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 

Redaktpur und Ilerans^cber Dr. Alezander Skofitz. — Verla? von C. Gerold's Sohn. 
Ornck und Papier der O, Ueberreuter'scben Burlidruckerei (M. Salzer). 



OcsteiTeicIlischc 

Botanische Zeitsclirift 

Gemeinnütziges Org^an 

für 

Die nsterreiciiUche Exemplare 

botaiil§cl>e Zeltscliiirt ßftfflniL nil<l RAi'tlllkAI* diefreMiircli die Tost he- 

ersclioinf UWiailltt UHU UUI^llUinCI ^ zogen werdensoUon, sind 

Jen Ersten jede» Monats. blox bei der nednktlon 

*'"°ÄT»«^"i.^"' Gürliicr, (Ipkonoiiioii, Forsliiiäiiiicr, Aerzle/^ fr;,Snu™^e:: '"^ 

(10 R. IHark.} _ Im Wege des 

ganzjäh rip, oder mit Ahnlllflci' llllll TccIlllil/OP Buchhandels übernimint 

4 tt. Ö.W. [S It. Mark.) .1|MM1MI\LI llllll H'IIIIIMl. Pränumeration 

halbjährig. C. «erold's Sohn 

Inserate _ in Wien, 

die ganze l'etitzeile ^f? ^ ^° ^^'^ '^'^^ übrigen 

15 kr. Ost. W. im%- At Buchhandlungen. 

XXV. Jahigaiig. \Wim, Apiil 1875. 

ZNHAIaT: Plantae novae. Von Dr Willkomm. — Heber liannneulus Tummasinii. Vou Freyn. — 
Pnraulaceen-Bastarte. Von Dr. Kern er. (Fortsetzung.) — Cliromatologischc Verhältnisse von Spongüa 
fluviatilis. Von Dr. B ii rgers lein. — Neue Kernpilze. Von Niessl. — Ueber Hieracium tenuifo- 
lium. Von Wiesbaur. — Bemerkungen. Von Simkovics. — Reiseerinnerungen. Von Winkler. — 
Literatiirbericlit. Von Dr. R. — Correspondenz. Von Huter. — Personalnotizen. —Vereine, Anstalten, 
ünternelimungen. — Botaniseber Tauschvercin. — Inserate. 

Diagnoses plantarum novarum, quas in insulis Balearicis 

vere 1873 legit 

Mauritius Willkomm - ) . 

1. Hordeum riihens n. sp. Bipedale et alfius, culmo adscen- 
dente apice longe nudo, vaginis glal)ris sulcatis (in siccoj, summa 
subinflala, folioriim limbo lineari-lancoolalo longe aculato utrinqiie 
pubescenle; spica erecia absque aristis 4 — 6 cm. longa, lale di- 
sticha, rharlii f'ragillima, spiculis in qiiovis latere ternis, paleis exte- 
rioribus demiim amoene purpurascenlibus, aristis rulis divergentibus 
(more E. Zeocriti). — Species perennis (?) proxima H. miirino L. 

Mallorca : in cultis et ruderatis oppidi Söller, die 6. Maji jam 
fere defloratum. 

2. Smilax asper a L. var. nov. Balearica. Erecta v. adscen- 
dens, intricatü-ramosissima, ramis teretiusculis obsolete striatis fle- 
xuosis rigidis aculeatissimis, demum aphyllis (non nisi junioribus, qui 
flores produxerunt parce foliatis), aculeis patentissimis vel recurvatis 



*) Plura de bis speciebus in indice critico systematico omnium planta- 
rum in insulis Balearicis a me lectarum et observatarum mox edendo afferam. 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 4. Heft. 1875. 9 



110 

apice sphacelafis; foliis parvis ang'ustis hreviter petiolatis e basi sub- 
cordata truncata vel rotundata longe acutatis, siibsagittato-lanceolatis 
inermibus. valde coriaceis; cirrliis nullis aiit rudimenfariis, floribus? 
barcis solifaiiis aut pauris cymosis (nee paniculalis) sordide riibris. — 
Capspiles erectos vel solo adpressos pabnares aut pedales convexos 
format. 

Mallorca : in fissuris rupium glareosisqiie calcar. praecipue re- 
gionis montanae , ubi ad alt. 1540 met, usque adscendit. Flores 
non vidi. 

3. Aetheorrhiza montana n. sp. Tenerrima, fragilis, glabra, 
tubere parvo oblongo, stolonibus longissimis tenuissime fdiformihiis, 
folioriim fasciculos paucos ferenflbus; caulibus basi flexuosis valde 
attenuatis parce foliatis, deinde nudis incrassatis 1 — 2, 5 dm. 1., aut 
siinplicibus monoceplialis aut furcatis vel alterne ramulosis pleioce- 
pbalis; foliis stolonum lineari-Ianceolatis subintegerriinis runcinalisve 
in petiolum longissiinum subcapillarem attenuatis, ceteris ad basin 
cauliuni fasciculatis majorihus irregulariter runcinatis in petiolum 
brevem attenuatis; (alatliiis sul) anthesi erectis (alabastris cernuis) 
parvis, squamis anthodii sul)cylindri(i infimis cum pedunculo glandu- 
loso-setosis; ligulis sulphureis subtus lividis, aclieniis anguste fusi- 
formibus profunde sulcatis rufis, pappo niveo triente brevioribus. — 
Ae. huJbosa Cass. tubere grosso, caulibus stolonibusque multo robu- 
stioribus, calatliiis duplo majoribus, ligulis aureis, aclieniis pappo du- 
plo brevioribus etc. a nostra differt. 

Mallorca: in glareosis calcareis aridis regionis montanae ad 
alt. 700—1200 met., d. 17. et 23. Apr. c. flor. et fruct. 

4. Rubia peregrina L. v. BaJearica. Humilis, ramosissima, eximie 
glauca, asperrima, angulis nempe internodiornm marginihus nervo- 
que medio foliorum aculeis vaHdis recurvatis creberrimis obsitis, 
lateribus internodiurum concavis simul aspero-puberulis vel setosis; 
foliis senis angusle lineari-Ianceolatis brevihus longe acutatis, supra 
sparsim setulosis, margine revolutis valdeque incrassatis, nervo me- 
dio crassissimo, verticillis foliorum confertis; petalis breviter acumi- 
nafis (ncque cuspida'is). — Stirps in sicco fragillima aut caespitem 
intricalum erectum format aut inier dumeta scandit. 

Mallorca : in fissuris rupium calcarearum, ad muros atque in 
dumetis promonlorii Cabo Vermey prope Artä atque inter Söller, 
Deyi\ et Miiamar. April i et Majo c. flor. 

5. Planfago purpurascens n. sp. Perennis, radice lignosa per- 
pendi''ulari, foliis dense rosulalis crassis, lanceolalis spalhulatisve, in 
petiolum brevem latum attenuatis, grosse inciso-serratis, utrinque 
adpresse sirigulosis, supra saepissime purpurascentibus subtus cane- 
scentii)us; scapis adscendenlihus brevibus terelibus, adpresse sirigu- 
losis, plerumque purpurascentibus; spica cylindrica, scapum subae- 
quante, densiflora, bracteis ovato-acuminatis valde curvatis concavisque, 
flores superantibus, glabris, margine late albo-scariosis, dorso et 
acumine purpurascente; floribus valde compressis, calycis segmentis 
postice viridibus adpresse puberulis, ad carinam late cristato-alatis et 



111 

fimbriato-ciliatis; corollae fuscescentis lobis ovalü-lanceolatis acumi- 
natis. — Planta [rarva scapis 2 — 4 cm. longis, rusula solo adpressa, 
proxima P. macrorrhizae Poir. 

Malloroa : in collibus calcareis ad portum oppidi. SölltM', die 
3. Maji c. flor. 

6. Micromeria Barceloi n. sp. (i¥. approximata Barcelo Apunt. 
pag. 36, nee Reiclih.). Prostrata, raniosissima, suhglabra, caudiculis 
iignosis solo adpressis, ranuilis adscendentibus 14 — 28 mm. 1.; foliis 
2 mm. 1. densissime quadrifariam imbricalis, foliorum juvenilium mi- 
iiimorum fascioulos ex axillis edentibus, sessilibus, lineari-lanceolatis, 
obfnsis , valde re\ olutis et sursiim curvalis , junioribus virenlibus, 
adullis canoscentibus, omnibus crassis coriaceis snbenerviis; floribiis 
subsolilariis, secus ramulorum apicem inlcr folia nidnlantibus, pediin- 
culo abbreviato calyceque violascente, bracteolis minulis pedunculum 
superantibus; calycis 3 mm. 1. tubulosi deniibus tertiam calyris par- 
tem aoquantibus patulis, intus villosis (villis faucem claudentibus); 
corollae jjurpureae tubo incluso, labiis extus dense viHosis. — Spe- 
cies parvula, affinis Micromei'iae approximatae Reiciib. et j¥. xylorrhi- 
zne Boiss. Heldr. 

MaUorca: in rollil)US calcareis aridis pr. Palma atque in insiila 
Iviza (Barcelo!). Floret Decembre. 

7. Cyclamen balearicwn n. sp. (C vernum Cambess. nee Lob., 
C. repandum Auct. hisp. nee Sibth. Sm.). Tenerum, tubere depresso- 
globoso 1-5 — 2 cm. diam.; foliis glabris longissime peliolatis, petiolo 
basi tenuissimo, limbo cordato-ovato, supra obscure viridi et maculis 
albis par\is munilo, subtus violascente, margine obsolete repando- 
dentato; floribus longissime pedunculatis, pedunculis medio incrassatis, 
folia aequantibus vel superantibus; calycis campanulati tubo coioUae 
brevioris laciniis ovatis aculis, corolla 14 — 19 mm. 1. alba, fauce 
rosea, segmentis oblongo-lanceolatis obtusis breviter apiculatis, geni- 
talibus inclusis, antberis tubo corollae brevioribus obtusis, papilloso- 
punctatis, jiapillis conicis purpureis, stylo conico tubum aequante vel 
subsuperante. Flores suaveolentes. — Species proxima C. repando 
Sibth. Sm., quod differt foliis acute sinuato-dentatis, supra vix albo- 
inaculatis, floribus duplo majoribus, corolla intense purpurea, stylo 
tenui longe exserto, papillis antlierarum cristas transversales forman- 
tibus etc. 

In solo pingui saxoso Balearium abundat atque in insula Majore 
ad summa montium cacumina usque adscendit. Floret Martio — Majo. 

8. Saxifraga tenerrima n. sp. Glanduloso-puberula, caulibus 
tenuibus filiformibus adscendentibus subsimplicibus; foliis aut omnibus 
integris aut mediis cuneato-trilobis, in petioUim brevem longe atte- 
nualis; floribus parvulis solitariis oppositifoliis, longissime peduncu- 
latis, pedunculis capillaribus, post antbesin nutantibus; loro obovato, 
sepalis oblongis patenlibus torum subaequantibus, petalis albis anguste 
cuneatis uninersiis. — Plantula tenerrima, vix vrscida, gregatim cre- 
scens, caulibus caespitem densum depressum laete virentem forman- 
tibus. Affinis S. Tridactylifi L. 

9* 



112 

Mallorca: ad rupes madidas in faucibus Glorg bloar, d. 2. Maji 
c. flor. Q?. 

9. Anthyllis Vulneraria L. var. (?) i'osea Wk., caulibus secus 
totam lüngitudinem adpresse et sericeo-puberulis, foliolo terminali 
foliorum infiinorum foliolis lateralibus vix dimidio majore vel iis sub- 
aequali, vex;illo alisque dilute roseis, carina purpurea. — Stirps 
speclabilis, quoad liabiUim et robustitatem A. Vulnerariae var. mari- 
timae simillima. Folia crassa, supra glabra, subtus sericeo-villosa. 
Scgmcnta foliorum floralium valde obtusa. 

Mallorca: in fissuris rupium praeruptarum pr. Söller ad alt. 
c. 800 m. d. 5. Maji c. flor. 

10. Bhamnus halearica n. sp. iRh. Alaternus a. balearica 
Camh.). Fruticosa, dioica, foliis confortis breviter petiolatis, ellipticis 
vel su])rotundis, circacirciim siibspinoso-dentatis, supra laete viridibus 
nitidulis, subtus fcrrugineis parceque fusco-punctatis opacis; floribus 
pentameris in racemulos axillares folio multo breviores densos con- 
gestis, bracteolis pelviformibus obtusissimis griseo-tomentellis et glan- 
duloso-denliculatis, dense imbriratis, persislentibus: pedicellis tubo 
calycino turbinato brevioribus, sepalis ovatis, in floribus masculis re- 
flexis, staminii)us convergentibus, antheris oblongis. — Frutex ele- 
gans erecfus, alternc ramosus, 1 — 2 met. altus, ramulis nodosis. 
Folia conferta valde coriacea 10 — 25 mm. longa, saepe orbicularia, 
iis Quercus cocciferae simillima. Flores aurei, semina et fructus 
ignoti. 

Mallorca : in duniosis nemoribusque regionis submontanae in 
parte tractus Sierra dicti orientali passim, ad alt. 300 — 400 m. die 
26. April, c. flor. (quo die Rh. Alaternus L. jam deflorata erat,). 

11. Etiphorhia flavo-purpurea n. s\). Perennis (?), glabra, caule 
elato robuste stricto, sub umbclla terminali ramulos aphyllos umbelli- 
feros e foliorum axillis edente; foliis tenuibus, laete viridibus et mar- 
gine amoene purpurascentibus, penninerviis, circacircum inaequaliter 
dentato-serrulatis, infimis (parvis) spatliulatis in petiolum attenuatis 
obtusissimis, celeris sessilibns, e basi cordafa semiamplexicauli ob- 
longe -lanccolatis mucronatis, floralibus brevioribus cordato-ovatis; 
umbclla terminali grandi 5-radiata, radiis elongafis longo nudis tri- 
furcatis, furcationibus bifidis, l)ractcis flavis et margine amoene pur- 
purascentibus, infunis late ovato-rliombeis mucronatis, superioribus late 
ovato-rotundalis obtusissimis, omnibus denticulatis; involucris campa- 
nulati glaberrimi lobis obtusis, glandulis transverse oblongis auran- 
liacis; Capsula parva globosa glal)orrima laete virenle , verrucis 
cylindricis inaequilongis purpureis obsita; scminibus ellipsoideis fusco- 
griseis, levissime reliculatis, caruncula stipilata pileiformi. — Planta 
pulcherrima, caule 4 — 6 dm. longo, foliis mediis 3 — 5 cm. longis, 
umbella terminali 7 — 12 cm. diametr., proxima Euphorhiae piibe- 
scenti Desf. 

Menorca: ad fossas in solo pingui in ditiono oppidi Alayor ver- 
sus orani insulae occideulalem, die 3. April, c. llor. et frucl. mat. 



113 

12. Sayina Rodrü/uczü n. sp. Mullicaulis, glaljcrriina, caulihus 
prosIratis in orbcm oxpansis, e rosulac l'ulioriun centralis axillis jtro- 
deuntibus, dicliolomis, gracilibus; foliis brevibus oblong-o-lincaribiis, 
crassis, muticis niiurünatisve; pedunculis filiformibus gracillimis, primo 
internodio brevioribus, l'ructii'eris valde elongalis; floribus tetrameris, 
sepalis ovalibiis deuium cruciatini patentibiis, exterioribus inucronalis, 
pelalis nullis; Capsula calyce paulo longiore erecta. — Gaules 3 — 5 cm. 
1., folia laete virenlia, rosulae 8 — 10 mm., cauiina 2 — 3 mm. longa. 
Species annua proxima S. maritimae Don. 

Menorca: in arenosis liltoralibus, v. c. in ditione la Canasia, d. 
3. April, c. flor. et fruct. 

13. Silene ombigua Camb. var. Uttoralis Wk., caulibus difFusis 
decumbenti-adscendcntibus, ramosis, cum foliis subsericeo-cancscen- 
tibus, racemo pauci (2 — 3) floro, floribus minoribus et calyce angu- 
stiore, quam in forma typica, limbo petalorum purpurascente, flore- 
scentia serotina. Planta in sicco fragillima. 

Mallorca: in fissuris rupium maritimarum calcar. ad portum op- 
pidi Söller, d. 3. Maji c. flor. 

14. Paeonia coralUna Retz. var. (?) Cambessedesii Wk. (P. 
corallina var. fructibus glabris Camb.). Caule semper simplici uni- 
floro, sulcato, saepe purpurascente, foliis glaberrimis subtus pulchre 
purpurascentibus, superioribus subquinato-sectis, segmento terminali 
basi saepe rotundato; folliculis erectis glabris purpurascentibus. 

In locis herbidis solo pingui Balearium, praecipue in insulao 
Majoris regione montana int. alt. c. 300 et 800 mel., Aprili et Majo 
c. flor. et fruct. immaturis. 



lieber Ranunculus TowunasinU Rclib. 

und die ihm näclist verwandten Arten. 
Von J, Freyn. 

Im Jahrgange 1873 dieser Zeitschrift führt Herr von Tommasini 
auf Seite 222 bei dem nach ihm benannten Hahnenfusse eingeklammert 
auch R. neapolitcmus Ten. als fraglich an. Die so zum Ausdruck 
gelangte Vermuthung der Identität beider Pflanzen regte mich ge- 
legentlich des Einreihens meiner heurigen Ausbeute um so mehr zu 
einer eingehenderen Untersuchung an, als sich unter den von mir 
gesammelten Pflanzen aucli R. Tommasinü Rchb. befand, eine Pflanze, 
welche hier ihren Originalstandort besitzt und um Pola allenthalben 
auf sonnigen grasigen Hügeln an den Riindern der immergrünen 
Gebüsche zu treff'en ist. 

Da bekanntlich Koch in seiner Synopsis florae Germ, et Helv. 
die hiesige Pflanze als R. reiutinus Ten. anführt, so war es mir zu- 
nächst von Interesse, die Unterschiede der echten Art dieses Namens 



]!4 

von R. Tommasinii kennen zu lernen. Zum Vergleiche benützte ich 
sehr instruktive Exemplare des R. velutinus Ten. aus Toskana (^Abunde 
in pratis agris Florentini et latas piagas obtegens. Levier!") und 
Sizilien (^In nemoiibus — Boschi di Valdemone." Todaro Flora sicula 
exsic. n. 1272!) — Schon der erste Blick zeigte, dass beide Arten, 
abgesehen von den spater hervorzuliebenden Unterschieden, sofort 
durch die Gestalt der Wurzelfasern sehr leicht zu unterscheiden sind. 
R. velutmns Ten. hat nämlich eine büschelig-laserige Wurzel und 
obzwar iiaufig stärkere und schwächere Fasern beim selben Individuum 
gemengt vorkommen, so sind dieselben doch niemals so rübenartig 
verdickt, wie an R. Tommasinii Rchb. 

jR. neapolifanus Ten. selbst konnte ich zwar nicht in Vergleich 
ziehen '"'), aber es lagen mir Exemplare des R. hencherifolius Presl 
vor („In pascuis humidis — Palermo." Todaro Flora sicula exsic. Nr. 
1166!) und dieser soll zufolge Nyman's Sylloge Florae Europaeae 
Synonym dazu sein. Diess zunächst angenommen, zeigten sich doch 
gleichfalls Unterschiede gegenüber R. Tommasinii. — R. hencheri- 
folius hat allerdings die rübenförmig verdickten Wurzelfasern des 
R. Tojnmasinii, ist aber durch die langen fast hackigen Fruchlschnäbel, 
welche beinahe die Länge des Früchtchens erreichen, verschieden. 
R. Tommasinii besitzt nämlich nur sehr kurze Fruchlschnäbel, welche 
kaum Yß — Vi2 so lang als die Frucht sind — beide Arten sind dem- 
nach ganz wohl verschieden. 

Es war mir nun nach dem Vorstehenden sehr auffällig, in den 
Verhandlungen der zool. botan. Gesellschaft in Wien XVII. p. 129 
in dem Reiseberichte des Dr. v. Reuss bei Anführung des von ihm 
lim Pola gesammelten R. Tommasinii nachfolgende Bemerkung zu 
finden: ^R. Tommasinii Rchb. (R. telutinus Koch non Ten.) An trocke- 
nen kurzgrasigen Orten; eine hohe Form, mit unverdicktcn Wur- 
zelfasern auf der Pra grande sehr gemein." Der erwähnte Standort, 
eine grosse etwas sumpüge Wiese ist mir wohlbekannt, ich hatte 
jedoch leider den erwähnten Hahnenfuss an dieser Stelle nicht ge- 
sammelt und kann keine Exemplare von dort in Vergleich ziehen. 
Gleichwohl ist es nach der zitirten Angabe evident, dass die Form 
„mit den unverdickten Wurzelfasern" unmöglich zu R. Tommasinii 
gehören könne, denn meines Wissens ist es noch unerhört, dass die 
mit rübenförmig verdickten Wurzelfasern ausgestatteten Ranunkeln 
auch mit unverdickten Fasern variiren sollten. Jedenfalls gehört also 
die erwähnte Form zu einer anderen Art und ich vermuthete im 
Hinblicke auf Koch's Angabe zunächst, dass es R. velutinus Ten. sein 
werde, und zwar um so mehr, weil Koch in der betreffenden Be- 



'*) ^^Ran. neapolltanas'^ von Cistellamare 1^74 von P. Strobl ausgegeben, 
gehört wegen der nicht gerillten Blüthenstieie und der abstehenden (niclit zu- 
zückgeschlagenen) Kelchblätter in die Verwandtschaft des M. lanuginosus L. 
und nicht in jene des R. bulbosus L. — „Ä. neap'ditanus'^ von Palermo aus 
Todaro's Hand, unter Nr. 2428 in Baenitz Herb. Europaeum erschienen, ist R. 
hevxherifolius Presl! 



il5 

Schreibung von dem so augenfälligen iMerkinale der verdickleti Wur- 
zeUasern gar nichts crwillmt. Der Gedanke lag übrigens nahe, dass 
Koch und Ueiclionltach seinerzeit verschiedene Pflanzen erhiellen und 
dass demnach R. velulinus Koch auch nicht zu R. Tommasinü Rclib., 
sondern wirklich zur ecliten Pflanze Tenore's zu ziehen sei. 

Diese Zweifel zu liisen, und hauptsächlich auch, um über die 
Nyman'sciu* Angabe, dass R. heucher ifoJ Ins gleichhcdeulend mit 
R. neapoHtamis Ten. sei, in's Klare zu kommen, weiulefe ich mich, 
wie schon (»fler in zweifelhaften Fiillen, an Herrn Hofrath Ritter v. 
Tommasini in Triest, dem i(^h auch bei dieser Gelegenheit meinen 
herzlichsten Dank für sein freundliches Entgegenkommen und seinen 
oftbewährten gütigen Rath auszuspreclien mich verpflichtet fühle. 

Meine Remerkungen veranlassten nun Hrn. v. Tommasini, unseren 
unermüdlichen Nestor, zu einer eingehenden Untersuchung, deren 
Resultat endlich die Lösung aller Zweifel und Fragen brachte. Es 
wird wohl am besten sein, wenn ich Tommasini's klare Darstellung 
hier würtlich folgen lasse, weil dadurch ein ebenso übersichtliches 
Rild nicht nur über die Entstehung des Namens R. Tommasinü ge- 
■»vonnen wird, sondern auch über die ganzen Wandelungen, welche 
in der Nomenklatur dieser Pflanze im Laufe der Zeiten vorgekommen 
sind bis zur schliesslichen Klärung. Tommasini schreibt in den vom 
22. Dez. datirten Riiefe: 

„In einer der zahlreichen Pflanzensendungen, die ich an den 
Professor Rerloloni zu Bologna, zur Zeit als er seine Flora italica 
schrieb, richtete, erhielt er anno 1838 von mir Exemplare des Ra- 
minculus bulbosus L. aus der Umgebung von Triest, nebst anderen 
aus der Gegend um Pola und Veruda, die damals noch als zu R. 
hulhosus gehörig betrachtet wurden, obschon sie sich durch den 
Mangel des Knollens am Wurzelhalse und die verdickten büsclieligen 
Wurzelfasern von der eigentlichen typischen Form des R. bulbosus 
leicht unterscheiden Hessen, bald darauf auch wirklich als verschie- 
dene Si)ezies angesehen wurden. Indessen hatte Bertoloni, bekanntlich 
sehr stark zur Konzentrirung der Spezies geneigt — hatte er schon 
im ersten Theile seines Werkes unsere drei Sesleria-Avlen : tenuifoUa 
Schrad, caerulea L. und elongata Host, in eine einzige zusammenge- 
pfercht! — weder auf den Charakter des caudex bulhiformis bei 
R. bulbosus noch auf die fibras radicales napuliformes incrassatas der 
zweiten Spezies ein besonderes Gewicht gelegt, sondern vereinigte 
beide in dem 1842 erschienenen V. Bande seiner Flora als R. bul- 
bosiis, dabei aber die von mir angegebenen Standorte beider genau 
bezeichnend. Seine Ueberzeugung, dass es sich dabei nur um eine 
und dieselbe Spezies handelte, sprach er *) deutlich in der Bemerkung 



*) „ . . . . Basis cauüs turgens in bulbum globosum magnifudine varium 
et interdum exiguum, e basi demittentem, fibras fasciculatas, saepe cras- 
siusculas et napulos longos, non valde crassos fusifornies, collo 
arctatos, inferne in fibram attenuatos imitatas, interdum quoque 
habentur napuli isti mixti cum fibris." — Ferner in Observ.: „Botano- 



116 

aus, dass die Wurzelfasern bald in der Mitte rübenartig verdickt, 
bald unverdickt und dünn vorkommen, wesshalb er auch die Pflanzen- 
liebhaber gemalint wissen wollte, dass sie sich durch derlei un- 
wesentliche Abweichungen nicht an der Erkenntniss des 
R. hulbosus irre machen lassen sollten!" 

„Einige Zeit nach Bertoloni, im J. 1841, erhielt Hofr. Koch 
in Erlangen von mir in einer Sendung von Pflanzen aus Istrien und 
den Ouarnerischen Inseln Exemplare der Pflanze, die hier bereits als 
von R. hulbosus verschieden und zu R. velutinus Ten. gezogen worden 
war. Er nahm sie auch anstandslos unter dieser Benennung in die 
Addenda zum 1. Theile p. 434 der im J. 1843 erschienenen 2. Aus- 
gabe seiner Synopsis flor. Germ, et Helv. auf. An der dabei gelie- 
ferten Diagnose wäre auszusetzen, dass er die pedunculi als teretes 
bezeichnete, während sie, wenn auch zuweilen minder deutlich, sulcati 
erscheinen. Auch übersah er die Wurzelfasern und ihre eigenthüm- 
liche Gestaltung, oder hielt diesen Charakter bezüglich des R. velutinus 
für unwesentlich; es wäre denn, dass die ihm zugekommenen Exem- 
plare ohne, oder mit unvollständigen Wurzeln versehen gewesen 
wären, was mir jedoch nicht wahrscheinlich ist." 

„Indem ich gleichzeitig seltenere Pflanzen aus den hiesigen Ge- 
genden zu dem unter des Hofr. Reichenbach Leitung von Hofmeister 
in Leipzig herausgegebenen Herbarium norm. flor. germ. exsicc. lie- 
ferte, fand sich einer solchen Sendung im J, 1843 eine Partie des 
schon von Koch angenommenen R. velutinus Ten. in 130 Exemplaren 
vor. Sie erschien in der 1845 veröffentlichten XXV. Centurie des 
Herb. norm. sub. Nr. 2479 als R. Tommasinii Rchb. n. sp. mit der 
Diagnose: fibris radicalibus incrassatis, folii lobo medio non producto, 
pedunculo denium incrassato, und mit der Bemerkung: proximus R. 
rupestri Guss. et R. Holliano (?J. Ranunc. velutinus Ten. quem ab 
autore ipso habeo mihi non a R. geranifolio diversus videtur. Diess 
ist alles, was über R. Tommasinii Rclib. bekannt gemacht wurde. 
Von jR. neapolitanus scheint Reichenbach damals keine Kenntniss 
gehabt zu haben, obschon dessen Aufstellung von Seite Tenore's in 
der Flora Neap. und dem Sylloge zu derselben viel früher stattge- 
funden hatte. In Reichenbach's Iconogr. Fl. germ. wurden die Ranun- 
culacae in dem 1840 erschienenen III. Bande behandelt, daher in 
demselben keine Erwähnung der erst 1845 aufgestellten neuen Spezies 
geschehen konnte." 

„Diess ist also die Genesis des R. Tommasinii, von dem, wie 
gesagt, in späterer Zeit nichts Näheres bekannt gemacht, sondern 
sich nur auf die Autorität Reichenbach's in Exsiccaten berufen wurde." 

„In Bertoloni Flora italica Vol. V. sind die ausführlichen Be- 
schreibungen der nächslv(!rwandtcn Arten: R. bulbosus, palustris, 
velutinus, neapolitanus, heucherif'olius enthalten. — Es ist hieraus 



phili caveant, ne decipiantiir a lusihus radici[s nunc napiiliforniis, 
nunc tan tum fibrosae, parlier ac a lusibus fülioruiu nunc simpliciura, nunc 
ternatorum." 



117 

zu ersehen, dass, wie ich schon zu bemerken Veranlassung hatte, 
Bertoloni sich über die reelle Arteiiverschicdenheit des B. bulbosus 
et neapolitanus in Zweifel befand, auf die bezeichnenden Charaktere 
derselben kein besonderes Gewicht legte, und sie als nur zufällig und 
wandelbar zu betrachten geneigt war, am liebsten beide Spezies, wie 
er schon mit den ihm von mir zugekommenen Exemplaren gethan 
hatte, zusammengeworfen haben möchte ^'). Einer solchen Ansicht muss 
ich, was die Pflanzen unserer Flora betrifft, mit aller Entschiedenheit 
entgegentreten. R. bulbosus kommt hier um Triest und sonst im 
Küstenlande überall, auf Flysch (Sandsteinboden"), auf Kalk am Karste 
und sonst in höher gelegenen Gegenden des Inneren als sehr ge- 
meine Pflanze vor, fehlt dagegen liings des ganzen Küstensaumes 
Istriens von der Punta Salvore bei Pirano bis zu Promontore, dann 
auf den kleinen Scogli und den Ouarnerischen Inseln, im Inneren 
des Landes aber nur bis zu einer sehr massigen Höiie, hier von R. 
neopolitamis Ten. vollständig vertreten. In den äusserlich sichtbaren 
oberirdischen Theilen und Organen, Blättern, Stengeln und Zweigen, 
Bildung, BUithen etc. gleichen sich beide Pflanzen beinahe vollkommen; 
man erkennt aber ihren Unterschied, sobald man auf den verdickten 
Wurzelstock bei R. bulbosus, auf die verdickten Wurzelfasern des 
R. neapolitanus sieht." 

„Ich finde nämlich gegenwärtig keinen Grund, um 
unseren R. Tommasinii von R. neapolitanus Ten. zu trennen; 
höchstens könnte die in Bertoloni's Diagnose vorkommende Bezeich- 
nung der Napuli crassi zu einigem Zweifel Anlass geben, denn 
allerdings sind die Wurzelfasern nicht ausnehmend verdickt, so dass 
die von B. bei R. heucherifolius angewendete Bezeichnung cras- 
siusculi richtiger wäre; doch ist eine Verdickung gegen die Mitte 
immer wahrnehmbar, während bei R. bulbosus u. a. Arten die Fa- 
sern bei ihrem Ausgange aus dem Wurzelstocke am dicksten sind 
und gegen das Ende hinab immer dünner werden." 

„Auf die wahrscheinliche Identität des R. Tommasinii et neapo- 
litanus Ten. wurde ich schon durch mehrfai^he Winke von Freunden 
aufmerksam gemacht; darauf beruhte der in Skofitz' Botan. Zeitschr. 
des J. 1873 anlässlich der Beschreibung der Flora von Medolino und 
dessen Inseln angedeutete Zweifel, welchen ich jedoch jetzt nach 
reifer Untersuchung unumwunden aufgebe." 

Ueber die weiter oben von v. Reuss gemachte Angabe schreibt 
Tommasini weiter: 

„Auch mir war der bedeutende Unterschied derselben (nämlich 
des Ranunculus mit unverdickten Wurzelfasern) sowohl an der 
Wurzelbildung als in sonstigen Beziehunaen im Gegenhalle zu R. 
Tommasinii der gewöhnlichen Form aufgefallen; doch blieb es in- 
dessen bei dem Zweifel, denn es konnte allerdings die Vermuthung 



*) Berloloni macht bei R. neapolitanus Ton. die Bemerkung: „Valde 
proximus Ranunculo bulboso L., cum hie gaudet foliis simplicibus, triseclis. A n 
varietas insignis? 



118 

bereclitigt erscheinen, dass es sich bloss um eine durch die Beschaf- 
fenheit des sunipfig"en Bodens *) herbeig-efiihrte Modifikation der Wur- 
zelhildung- handle, von der man an anderen Pdanzen Beispiele hat, 
wie an Apium grareolens, welches in den ihm eigenthiimliclien Stand- 
orten, an Wassergräben, in Sumpfgegenden dünne, schmächtige 
Wurzeln hat, die in Gärten durch Kultur zu dicken Knollen ausge- 
bildet werden, desgleichen an Daucus carota u. a. m. — Es freien 
indessen bei dem am Pra grande wachsenden Ranuncuhis und dem 
gleichen in anderen sumpfigen Gegenden, wie auf der feuchten Wiese 
unter Stignano gegen Val Bandon hin (und besonders bei Cittanuova 
am Ausflüsse des Ouieto) gesammelten Exemplaren mannigfache Ab- 
weichungen an Grosse und Stärke der Pflanze, Form und Behaarung 
der Blatter u. dgl. vor, die ein eingehenderes Studium erforderten. 
Ich dachte zuerst durch Kulturversuche darüber io's Reme zu kommen, 
nämlich durch wechselseilige Versetzung- der Pflanze des trockenen 
in feuchten Boden und von diesem in jenen. Diese Experimente hätten 
zur Sicherung des Erfolges durch Aussaat veranstaltet werden müssen, 
denn die dem Samen entkeimende zarte Pflanze ist mehr geneigt die 
der Beschaffenheit des Bodens entstriimenden Einflüsse aufzunehmen, 
und sich darnach zu modifiziren, während die bereits erwa(;hsene und 
in ihrer Entwicklung erstarrte Pflanze auch nach bewirkter Versetzung 
ihre Organisation wenigstens auf längere Zeit behält. Auch müsste 
ein solcher Versuch in der Gegend, in welcher beide Pflanzen hei- 
misch sind, um Pola selbst statifinden, damit die klimatischen Einflüsse 
auf beide in gleichem Masse einwirken können"**). 

„Nun aber glaube ich in der Lage zu sein von solchem, jeden- 
falls längere Zeit und Vorkehrungen erfordernden Versuche absehen 
zu können, und hinreichende Anhaltspunkte gewonnen zu haben, um 
über die Arienverschiedenheit und Zugehörigkeit der fraglichen Pflanze 
mit Zuverlässigkeit zu urtheilen. Hierzu führte mich Boissier's Flora 
Orientalis, ein klassisc^hcs, mit Sachkeiintniss und kritischer Schärfe 
verfasstes Werk, welches bei der Behandlung der zur Flora des 
Orients gehörigen Pflanzen tief in die nächstverwandte Flora des 
Mittelmeeres eingreift, daher auch für unsere Küstenflora sehr schätz- 
bare Anhaltspunkte darbietet." 

„In diesem Werke findet sich nun in der Sectio IV. Evranun- 
culus a) species perennes, §. 2. Radix non grumosa a) folia varie 
parlila -|- Äxis hirsuta a) Carpella circumcirca margine ca- 
rinanti utrinque sulco impresso cincta X calyce reflexo 

zuerst Rcmunculus palustris (L. herb, et Mp. ex Smith) mit 
folgender Diagnose: Rhizomate broNissimo fibrös fasciculatas edente; 
caulibus inferne petiolisque patule et dense hirsulis, foliis adpresse 



*) R. heucherifoKus, welcher die gleiche Wiirzelbildung wie R. Tomma- 
sinii hat, kommt aber „in pascuis humidis"' vor (Todaro exsicc. und Bertoloni 
Flor, ilal.), während letzterer trockene Standorte bewohnt. F. 

**) Ich kann diesen Versuch leider auch nicht vornehmen, da es dazu 
eines längeren und stabilen Aufenthaltes bedürfte, als mir gegönnt ist. F. 



HO 

villosis, radioalibns ambitu ovalis, tripartitis, parlitionibus incisis üb- 
tusisque dcntatis, prdunculis sulcatis, carpollis ovatis in rostrum 
trianoulare brovissiiimni rocturn abeiintibiis ?! R. Consfanfinnpolilanus 
Stov. VI. Taiir, noii IJrv. R. erioplii/lfus C. Koch, Liiin. XIX. p. 46! 
— Hab in Graecia, Taiiria, Asia miiioro etc. Distrib. Geogr. Hispania 
australis, Cnrsica, SarHinia, AtVica liorealis." 

„Auf diese Besclireil)iinj(r passen alle Exemplare, die ich aus 
feuchten Standorten Islriens besitze, nur habe irh die Achse der reifen 
Fruclilsiiule mancliinal kaum behaart angetroffen, Avas wohl dem 
Umstände beizumessen ist, dass an den seit Jahren getrocknet er- 
liegenden Exemplaren beim Entfernen der Karpellen die unter den- 
selben liegenden spröden Haare weggesprengt werden. Wo die 
Blüthen kaum abgefallen und die Karpellen noch in Entwicklung be- 
griffen sind, wird die Behaarung der Achse deutlich sichtbar. An 
einem aus Citlanuova rührenden Exemplare ist sie es auch an einem 
ganz reifen Fruchtexemplai e in sehr deutlicher Weise. Insbesondere 
passen die von Boissier angegebenen Charaktere der Karpelle und 
des daran haftenden sehr kurzen, geraden Schnabels vollständig." 

„Unmiltelbar auf R. palustris und in derselben Unterabtheilung 
folgt bei Boissier R. neapolitanus Ten. mit der Diagnose R. neapo- 
llfanus (Ten. Syll. p. 27'2) adpresse hirsutus, rhizomate brevissimo, 
fibras napuliformes incrassalas edente, foliis ambitu ovato-ro- 
tundalis tripartitis, parlitionibus incisis acutiusculeque dentatis, pe- 
dunculis gracilibus sulcatis, carpellis rostro brevissimo conico recto 
apiculatis. Hab. in Orientis regionibus Distrib. geogr. Ilalia australis. 
Ferner bemerkt Boissier Folgendes: Variis botanicis varietas R. bul- 
bnsi L. (cfr. das oben Gesagte von Bertoloni!) me judice multo magis 
afFinis praecedenti (nempe R. paltistri) a quo habilu gratiliore, indu- 
niento adpresso , et radicis indole tantum difPert. R. heucherifolius 
Presl e Sicilia (cui R. pratensis Presl est quoque associandus) R. 
neapolifano a cl. Gussone associatus differre videtur rostro longo 
acuminato." 

„Der R. vehitinus Ten. wird von Boissier in der Section -\--\- 
Axis gl aber b) Calix reflexus folgendermassen diagnosirt: „pilis 
ad caulem et petiolas palulis vel retrorsis, ad folia sericeo-adpressis 
obtusis, rhizomate brevissimo recto foliis radicalibus ovalis profunde 
trifidis, parlitionibus e basi cuniiata obovalis obtusis acutiuscule inciso 
denlalis intermedia longiore, pedunculis tenuibus teretibus, carpellis 
plano-compressis ovato orbiculalis marginatis, in rostrum brevissimum 
latum coniium rectum abeuntibus. 2|. Hab. in pratis humidis region. 
orientis. Distrib. geogr. in Italia et Gallia australis. Observ. Habitu, 
foliis, rostro recto brevissimo Ran. palustrem referens sed axi non 
pilosa, carpellis margine non bisulcatis statim distinguendus."' 

„Von diesem R. velutinus besitze ich autiienische Exemplare 
aus der Flora von Pisa und dem Herbier norm, de la France von 
F. Schultz, welche wirklich unserem Sumpfhalinenfusse des Pra grande 
im äusseren Aussehen so sehr gleichen, dass ich den letztgenannten 
ohne Anstand dazu gezählt hätte, wenn nicht die von Boissier ange- 



120 

gebenen Charaktere, zumal der Unterschied an den Karpellen da- 
gegen wären." 

„Also wäre der bisherige etwas verworrene Knoten glücklich 
gelost und man könnte mit Zuversicht Ev^i^yia! ausrufen. R. Tommasinü 
Rchb. soll fortan eingezogen und titulo prioritatis, ungeachtet er bei 
uns vielleicht mehr als in Neapel zu Hause ist, sich R. neapolitanus 
Ten. nennen. Sein nächster Vetter und Mitbürger, mit den dünnen 
verlängerten und verschlungenen Wurzelfasern aus dem Pra grande 
und sonstigen Sumpfstellen soll in seine Rechte als eigene und für 
die österreichisch-illyrische Flora neue Spezies nomine R. palustris 
eintreten." 

So weit Herr von Tommasinü — Es bleibt dessen Darstellung 
nichts mehr beizufügen, und wenn es auch zu bedauern ist, dass 
dem Prioritätsrechte gerade einer von jenen Namen geopfert werden 
muss, welcher an die Verdienste des eifrigsten Erforschers der süd- 
österreichischen Flora zu erinnern bestimmt war, so liegt doch wieder 
hierin ein Ersatz, dass gleichzeitig ein neuer Bürger für diese pflan- 
zenreiche Gegend konstatirt werden konnte. 

Nun noch ein Wort für diejenigen Botaniker, welche der zu- 
sammenziehenden Methode huldigen, und von Verwandten des R. 
neapolitanus Ten. unter Anderen auch R. nemorosus D C. mit R. 
polyanthemus L. vereinigen, weil ihnen die Unterscheidung beider 
Arten nach der Länge des Fruchtschnabels als ungenügend erscheint. 
Diese werden konsequenter Weise wohl auch R. heucherifolius Presl 
zu R. neapolitanus Ten. ziehen wollen. Abgesehen jedoch von den 
prinzipiellen Bedenken wäre dagegen auch noch der beträchtliche 
Unterschied in den BelaubungsverhäUnissen dieser beiden Arten geltend 
zu machen. Bei beiden Ranunkeln ist der Schaft am Grunde von 
ziemlich vielen langgestielten Wurzelblättern umgeben, welche sich 
(wie überhaupt bei allen diesen nahe verwandten Arten) sehr ähnlich 
sehen. Bei R. neapolitanus Ten. sind nun die Stengelblätter an den 
Verzweigungsstellen ohne alle Uebergangsformen ziemlich plötzlich 
bis auf ganz kleine sitzende bracteeenartige Blättchen reduzirt, welche 
gewöhnlich dreispaltig aber auch zweispaltig oder seltener ungetheilt 
sind , im letzten Falle schmal lanzett-lineal erscheinen, wie auch 
in den ersterwähnten Fällen die ßlattzipfel diese Gestalt zeigen. Nicht 
so bei R. heucherifolius Presl. — Bei diesem nehmen die Blätter 
allmälig an Grösse ab; die unteren sind noch gestielt, wenn auch der 
Blattstiel unterhalb scheidenartig wird. Die Blaltfläche wird zwar 
vergleichsweise zu den grundständigen Blättern in den obersten Ver- 
ästelungen ganz bedeutend verringert, ist aber gleichwohl immer 
noch erheblich grösser als bei R. neapolitanus Ten., welch' letzterer 
überhaupt zierlicher und feiner gebaut erscheint. — R. heucherifolius 
hat überdiess auch einen caudex bulbilormis. Auf den Unters(;hi(!d 
in der Behaarung möchte ich weniger Gewicht legen, weil diese 
wenigstens bei dem nahe verwandten R. bulbosus L. sehr abändert. 
Ich besitze diese Pflanze sowohl mit dicht abstehend behaarten un- 
teren Stcngcltheilen und Blattstielen aus dem Banat („In pratis mon- 



121 

tanis ad oppidum Orsova. Borbä's!") als auch boinalie ganz kalil aus 
Belgien (,.Louvain." Dicudonnö!), von dort als R. Borreanus Jord. 
(Ol) aber letztere Besliiiimung richtig ist, weiss ich nicht. Nach 
Nyman's Syllogo zu urlheilon, gehört R. Borreanus in die Verwandt- 
schaft dos R. acris L.)- MitleHorm(^n aus Oborungarn („Höchst selten 
auf trockenen Wiesen bei Ns. Podliragy." Holuby!). 

Die in Boissier's Flora Orientalis angegebene geographische 
Verbreilung lasst aulTiilliger Weise bei R. palustris insoferne eine 
Lücke verniutlien, da es unwahrscheinlich scheinen niuss, dass der 
so weit verl)reilete jR. palustris gerade Italien überspringen sollte. 
Nachdeui er jetzt auch für Islrien nachgewiesen ist, so scheint es 
ziemlicli gewiss, dass er an geeigneten Orten auch in Italien noch 
gefunden werden kann, und dort mit dem sehr ahnlichen R. velutinus 
Ten. nur konfundirt worden sein wird. — Dagegen scheint R. heu- 
cherifo/ius Presl ausschliesslich auf Sizilien beschrtinkt zu sein und 
R. neapolilamis Ten. dem Oriente anzugehören. Istrien und Neapel 
würden somit die Westgrenzen fiir den Verbreitungsbezirk dieser 
Art bilden. — Nach ß. velutinus Ten. wäre auf den Quarnerischen 
Inseln zu forschen, weil diese Pflanze auch in Dalmatien angegeben wird. 

Schliesslich möge noch eine an Boissier's Fl. Orient, angelehnte 
kleine Tabelle hier Platz finden, in welcher die hier behandelten 
niichstverwandten Arten übersichtlich verglichen werden sollen: 

Sectio Evranunculus Boiss. 
Species perennes, radix non grumosa """), folia varie partita. 
I. Axis hirsuta carpella circumcirca margine carinata utrinque sulco 
impresso cincta, pedunculis sulcatis, calyx reflexus: 

1. Rhizomate brevissimo fibras fasciculatas edente, carpellis in 

rostrum trianguläre brevissiinum rectum abeuntibus: 

a) Caudex basi bulbiformis R. hulbosus L. 

h) Caudex basi non bulbiformis R. palustris L. 

(R. constantinopolitanus Stev., R. eriophyllus C. Koch; R. 

corsinis Viv. (Berlol.) 

2. Rhizomate brevissimo fibras napuliformes incrassatas edente. 

a) Caudex basi bulbiformis, carpellis in rostrum longum acu- 
minatum subuncinatum abeuntibus . R. heucherifolius Presl. 

b) Caudex basi non bulbiformis, carpellis in rostrum triangu- 
läre brevissimum rectum abeuntibus R. neapolitanus Ten. 

CR. telutinus Koch non Ten., R. Tommasinii Rchl).) 
II. Axis glabra, carpellis piano compressa ovata orbiculata 
marginata in rostrum brevissimum latum conicum rectum abeunt, 
pedunculi sulcati, calyx reflexus; rhizomate brevissimo fibras fascicu- 
latas edente R. neapolitanus Ten. 

Pola, am 1. Jiinner 1875. 

*) Die rübenförmig verdicliten Wurzel fasern des R. heucherifolius und 
R. neapolitanus dürfen nicht mit den Knollen des R. Ficaria verwechselt 
werden, denn letztere sind Stengelgebilde und keine „Wurzeln." (vergl. Oesterr. 
Butan. Zeitschr. XVUI. p. 107 und folg.) 



122 



Die Primulaceen-Bastarte der Alpen. 



Von A. Kerner. 

(Fortsetzung.) 

10. Primula pubescens Jacq. 

(superauricula X hirsuta). 

Syn. P. rhaetica Gaud. (non Koch!) — P. helvetica Don., 

Schleicher. 

Von Wulfen aus dem Pusterthale an Ja c quin gesendet und 
von diesem in Mise. I. 159. t, 18 beschrieben und abgebildet. Wul- 
fen will P. pubescens im PustertJiale auf den Alpen bei Pregralten 
gefunden haben. Obschon dieser Tlieil der Alpen in neuerer Zeit auf 
das sorgfaltigste nach allen Richtungen durcbforscht wurde, ist es 
aber bisher nicht gelungen, diese Primel in dem von Wulfen be- 
zeichneten Bezirke wildwachsend aufzufinden, und es ist daher weit 
wahrscheinlicher, dass Wulfen die an Jacquin gesendete Pflanze 
einem Garten in oder bei Pregratten entnommen hatte, und dass er 
nur auf die Aussage des Besitzers jenes Gartens als ursprüngliche 
Fundstatte die obengenannten Alpen erwähnte. So viel ist gewiss, 
dass P. pubescens Jacq. in den Bauerngarten des Pusterthaies in Pre- 
gratten, Windisch-M.itrei, Virgen, Sexten etc., so wie überhaupt an 
vielen Orten in Tirol seit uralter Zeit eiae beliebte Zierpflanze ist. 
Ja es kann geradezu als ausgemacht angeseiien werden, dass dieser 
Bastart (und nicht wie man so häufig angegeben findet die Primula 
Äuricula L.) auch den Ausgangspunkt für die „Garten- Aurikel" ab- 
gegeben hat, welche schon im 16. Jahrliundert in vielen europaischen 
Ziergarten kultivirt wurde und von der man, zumal in Holland und 
England spater eine Unzahl von Varietäten züchtete *J. — Die ur- 
sprüngliche Heimat dieser Pflanze sind aber oline Zweifel doch die 
Alpen. Gl US i US sah die schone Primel, von welcher er in Hislor. pl. 
IIb. UI. p. 30:3 eine treffende Beschreibung gibt, kultivirt im Garten 
seines Freundes Dr. Aicbholtz in Wien zwischen 1573 und 1588 
und sagt a. a. 0. (Äuricula ursi II.) „Hanc fruslra per Austriacorum 
Stiriacorumque monlium allissima juga quaesivi; primum autem mihi 
conspecta est in cultissimo horto C. V. Joan. Aicliholtzii Medici et 
Professoris Viennensis, mei amici veteris et hospilis, dum istic vixi 
charissimi, quam a nobili quadam matrona ante acceperat, ignari 
tarnen unde illi primum communicata fuisset. In Oenipontinis autem 
et vicinis alpibus abunde nasci postea intelligebam.'^ — 
Diese Stelle weist nun jedenfalls auf die Alpen Tirols und zwar spe- 
ziell auf jene bei Innsbruck als eine der ursprünglichen Fundstatten 
der P. pubescens hin. — Dass es mir gelang diese von Clusius 
speziell bezeichnete Stätte, wo P. pubescens ziemlich häufig wild- 



*) A. Kerner: Geschichte der Aurikel in der Zeitschrift des deut- 
schen und österreichischen Alpen-Vereins. VI. Band. 



123 

wachsend vorkoiumt, luich 300 Jahren wieder aufzufinden, habe ich 
in der Oesferr. Bot. Zeitschr. XVU. 1!)8 u. 199 bereits erwähnt und 
ich fiiiie den dort niedergeleo-ten Bemerkungen nur noch die Notiz 
bei, dass ich seither neben der Heinatkehl am Abhänge der Teiss- 
und Tliorsidtze bei Gschnilz nocli melinM'e and(!re Slandorte südwest- 
lich AOn Innsbruck in der Umgebung (h?s Trihulaun und Habiclit er- 
mittelte, niinilicli das nach Osten sehende Thalgehange im Hinter- 
gründe des Sondesthab's, das Kracliel Urlelt am Fusse des Habicht, 
das IMiüserjocii nnd die an (hiss(dhe sicli anschliessende Bergkette bis 
zur Serlos, sinnml liehe Punkte in dem Slocke aus dolomitischeni Kalk, 
weU'her siidwestlich ^on Innsbruck dem Schiefer aufgelagert erscheint. 
Aber auch in der Schweiz ist P. pubescens Jacq. zuverlässig 
wildwachsend gefunden worden und zwar auf der Senneralpe ober- 
halb des I)i»rfcliens Beatenberg am Thunersee von Bamberger 
(Oesterr. Bot. Wochenbl. 11. p. 23), auf dem Javernaz bei Bex von 
Char[)entier und Em. Thomas (Wegelin Enum. stirp. Fl. helv. 
p. 28) und in den rhalischen Alpen, von wo sie Bosch an Gaudin 
mittheilte. — Gaudin sagt von seiner P. i'haefica, welche mit P. 
pubescens Jacq. identisch ist ■'^") in der Fl. helv. II. 9: „Cum planta 
hinc inde in horlis culta ex omni parle convenif;" aus welcher Be- 
merkung hervorgeht, dass auch in der Schweiz P. pubescens schon 
vor längerer Zeit in die Gärten verpflanzt worden war. — Die Primel, 
welclie Schleicher unter dem Namen ^P. Iielvetica Don." versendet 
hat und die in der That auch nichts anderes als P. pubescens Jacq. 
ist, wurde von ihm im Garten kultivirt und alle von Schleicher 
versendeten Exemplare waren den im Garten kultivirten Stöcken ent- 
nommen. Wenn es nun auch richtig sein mag, dass wie E. Thomas 
angibt, Schleicher selbst diese Primel gar nicht in der Schweiz ge- 
funden, sondern dass er die Stöcke derselben aus englischen Gärten 
bezogen hat, so weist doch der Name ^helcetica,'^ welchen die Pflanze 
in den englischen Gärten führte, unzweideutig darauf hin, dass sie 
früher einmal auch aus der Schweiz in einen englischen Garten über- 
bracht worden ist. — Ob sie aber in die Schweizer Garten seiner 
Zeit von dem durch Bamberger neuerlich entdeckten Standorte am 
Thunersee oder aus den rhatischen Alpen oder von einer anderen 
Lokalitat gelangte, ist eine Frage, die sich heute mit Sicherheit nicht 
mehr beantworten lässt. Das walirscheinlichste aber ist, dass die schöne 
Primel, wie in Tirol, so auch in der Schweiz überall in die Gärten 
verpflanzt wurde, wo man derselben in der freien Natur habhaft 
wurde. 

Aus dem allen geht aber hervor: 1. dass die Stammpflanze der 
Gartenaurikel P. pubescens Jacq. ein durch Kreuzung der P. Auricula 
und P. hirsuta*^) All. entstandener Bastart ist; 2. dass dieser Ba- 



*) Vergl. hierüber die nachfolgenden Bemerkungen bei F. alpina 
Schleicher. 

**) In Betreff der Nomenklatur der Primeln aus der Sect. Erythrodrosum 
Schott., welche als Stammellern der hier aufgeführten Bastarte eine Rolle ge- 



124 

Start sich in den Alpen in Tirol und in der Schweiz zuverlässig wild- 
wachsend vorfindet; 3. dass derselbe von da schon vor sehr langer Zeit 
seiner auffallenden Schönheit und seines lieblichen Geruches wegen 
von den Anwohnern in ihre Gärtchen verpflanzt wurde und dann in 
die Gärten von Wien, Holland und England etc. übergegangen ist. 

Schliesslich möchte ich hier noch bemerken, dass an den Stand- 
orten der P. pubescens Jacq. im Gschnitzthale und Piniserthale süd- 
westlich von Innsbruck neben den zahlreichen Individuen, deren- Kro- 
nen färbe einer Mischung aus dem Roth der P. hirsuta All. und dem 
Goldgelb der P. Auricula L. entspricht, vereinzelte Exemplare vor- 
kommen, deren Blüthen rein weiss und andere deren Blüthen ganz 
schwefelgelb sind und endlich auch solche, deren Kronen einen weissen 
Saum und eine bläuliche Röhre zeigen. — „P. Auricula b. mollis: 
Foliis multo tenuioril)us parce serralis minute ciliatis, coroUa albido- 
flava" Reichenb. fd. Icon. XVII. 37, welche der Autor auf dem Ja- 
vernaz oberhalb Bex, also an demselben Standorte, wo Charpentier 
und E. Thomas P. pubescens Jacq. (= P. rhaetica Gaud.) ge- 
sammelt haben, auffand, ist wohl auch nichts anderes als solche weiss- 
lich oder gelblich weiss blühende P. pubescens Jacq., und es scheint 
sich die von mir im Gschnitz- und Piniserthal und von Leybold in 
Judicarien beobachtete Erscheinung auch bei Bex zu wiederholen. 

//. Prhnula Arctotis 

(subauricula X hirsuta). 

Blätter saftgrün, weich, nicht klebrig, länglich-verkehrteiförmig, 
über der Mitte gekerbt-gesägt; die Blattflächen, die Blattränder, die 
Blüthenstiele, die Kelchröhre, der Rücken und der Rand der Kelch- 
zipfel mit gestielten Drüsen besetzt; die Drüsen weisslich, an der 
frischen Pflanze etwas schimmernd, die Stiele derselben sehr kurz, 
am kürzesten in der Kommissur der Kelchzipfel und an der Basis 
der Kelchröhre, wo der Ueberzug auch häufig den Eindruck des 
Mohlstaubes macht, oime doch jemals aus jenen warzenförmigen un- 
regelmässigen , krümlichen , glanzlosen Massen gebildet zu sein, 



spielt haben, erscheint es bei der grossen Verwirrung, die bei den Autoren in dieser 
Beziehung noch immer herrscht, angezeigt, hier folgende Bemerkungen einzuschalten. 
Nebst 1 . jP. villosa Jacq., Schott., non Koch, finden sich in den Alpen 2. P. oenen- 
sis Thomas, Schott. Oest. Bot. Wochenbl. II. 36. (18521) =P. daonensis Leyb. in 
Oesterr. bot. Wochenbl. IV. 1. (1854); Flora XXXVII. Nr. 10 (1854); Flora 
XXXVIII. 345. (1855). — 3. P. hirsuta All. Fl. pedem. I. 93 (1785!) = P. 
viscosaMU. Fl. delph. II. 467(1787), Gren. et Godr. Fl. fr. II. 451, (nonAll.j = 
P. välosa Koch. Syn. 508. — 4. P. viscofsa All. Fl. pedem 1.93. (1785!) = 
P. hirsuta Vill. Fl. dclph. II. 469 (1787), non All. = P. graveolens Hegetsch w. 
Fl. d. Schweiz. lvJ4. (1840). Die Identität der P. viscosa All. und DG. Fl. fr. 
mit P. ijraveolens Hegetschw. kann nur von jenen bezweifelt werden, welche 
sich nicht die Mühe geben Allioni's Fl. pedem. naciizusehen. Allioni gibt als 
einzigen ihm seiner Zeit aus Piemont bekannt gewordenen Standort derselben 
p. 93 die Tlioruiae Valderiae an, wo aber aus der Sect. Erythrodrosum nur 
diese in Bünden so verbreitete Primel wächst, welche Hegetschw. ein halbes 
Jahrhundert >päter P. graveolens genannt hat. 



125 

welche der P. Auricula und P. pubescens das jo^opuderte Ansehen 
geben. Kelch glockiy-rithrig', die Zäline desselben langlich-eifiiiinig-, 
lV2ii«l so lang als breit. Saum der Krone rolh, der Schlund durch 
einen weisslichen Stern geziert, die Kronrolire weisslich, blassgelblich 
oder dort, wo sie nicht von dem Kelche bedeckt ist, an der Aussen- 
seite manchmal etwas ritthlich angehauciit. Der Schlund der Krone 
so wie die Aussenseite der Krone mit sehr kurz gestielten und sitzen- 
den Drüsen bestreut, die aber der Blülhe kein oepndertes Ansehen 
geben. Die Antlieren der androdynamischen (kurzgriifeligen) Bliilhen 
1*5 — 2 Mm. über der Basis der Kronnilire, die Antheren der gyno- 
dynamischen (langgriffeligim Bliilhen) im oberen Drittel der Kron- 
ridire eingefügt. Der Grillel der androdynamischen Blüthen doppelt so 
lang als der Fruclitknolen. 

In der Hematkehl bei Gschnitz südwestlich von Innsbruck mit 
P. pubescens Jacq. und zwar eben so hiiufig wie diese und ohne 
Zweilel auch durch Kreuzung der P. Auricula L. und P. lürsula All. 
entstanden. 

Die denselben Stammcltern ihren Ursprung verdankende aber 
der P. Auricula L. naher stehende P. pubescens Jacq. unlersidieidet 
sich von P. Arctotis durch den Mangel der Drüsenliaare an den 
Blattfliichen, durch den aus glanzlosen, weissen, warzigen Klümiichen 
gebildeten Beschlag der Blüthenstiele und Kelche, der insbesonders 
in der Kommissur der Kelchzipfel zu einer dicht aufgetragenen weissen 
krümlichen Masse zusammenfliesst, durch den gloikigen Kelch und 
die relativ breiteren und kürzeren eiförmigen Kelchzipfel, durch den 
bepuderten Schlund und die etwas bepuderte Aussenseite der Korolle, 
durch die dicht über der Basis der Korolle eingefügten Antheren der 
gynodynamischen Blüthen und den kürzeren Griffel, welcher in den 
androdynamischen Blüthen nur so lang ist als der Fruchtknoten. 

12. Prhnula alpina Schleicher, Reichenb. pat. Ic. IX. p. 11, 

f. 1121. 

(Auricula X viscosa ) 

Syn. P. rhaetica Koch. Syn. 508; Reichenb. fd. Icon. XYIl. p. 38, 

non Gaudin. (P. rhaetica Gaudi n ist = P. pubescens Jacq.) 

Unterscheidet sich von den bisher aufgezahlten Bastarten, welche 
einer Kreuzung der P. Auricula L. mit einer Art der Sect. Erythro- 
drosum Schott ihren Ursprung verdanken , insbesonders dadurch, 
dass die Antheren in den androdynamischen Blüthen ganz ähnlich 
wie bei P. mscosa All. (P. graveolens Hegetschw.) am oberen 
Ende der Rohre ganz dicht unter dem Schlünde eingefügt sind. 

Wo Schleicher die von ihm als P. alpina versendete Primel 
gesammelt hat, ist nicht bekannt geworden, doch liisst sich mit grösster 
Wahrscheinlichkeit annehmen, dass er sie innerhalb des Verbreilungs- 
bezirkes der P. viscosa All. (P. graveolens Hegetschw.) in der 
Schweiz aufgefunden hat. — In Betreff der Nomenklatur mochte ich 
Folgendes bemerken: Der Name P. alpina Loisel. wäre zwar älter 

üesterr. botan. Zeitsohrifs. 4. Heft. 1875. 10 



riß 

als der Schleicli(M-'sche Name; Loisel. verstand aber unter seiner 
P. alpina nicht eine l)eson(iere Art, sondern fasste unter diesen Namen 
„P. alpina" siimintliche ihm bekannten Arten der Sect. Erythrodrosum 
zusammen, und man kann daher von diesem Namen, der doch nie- 
mals acceptirt werden wird, füglich ganz absehen. Dasselbe gilt wohl 
auch von dem Nameu Primiila alpina Griess., welcher sich auf eine 
Androsace bezieht, und es scheint mir dalier das richtigste, den 
Schleie herrschen Namen voranzusetzen. — Dass P. rhaetica Koch 
als Syn. hieher zu setzen ist, wurde schon oben erwähnt. Die Be- 
schreibung, welche Koch von seiner P. rhaetica gibt, ist nach dem 
Exemplare verfasst, welches Schleicher unter dem Namen P. alpina 
an Reichenb. pat. gesendet hatte und welches dieser in Icon. IX. 
f, 1121 abbildete, und es ist nach Koch's eigenem Citate seine P. 
rhaetica mit dieser P. alpina identisch. Unrichtig ist es aber, wenn 
Koch P. alpina Schleich, und Reichenb. pat. beziehungsweise 
seine P. rhaetica für P. rhaetica Gaud. hält. Gaudin sagt in der 
Fl. helv. II. 92, er mulhmasse in seiner P. rhaetica einen Bastart 
aus P. hirsuta All. (d. i. Gaudin's und Villars' P. viscosa) mit P. 
Auricula L. Auch bemerkt er ausdrücklich a. a. 0. „Cum planta 
hinc inde in hortis culta ex omni parte convenit," citirt auch Clus. 
Hist. I. p. 303 (Auricula ursi II.), das ist: P. pubescens Jacq. und 
bemerkt: „Planlam suam etiam in hortis cultam observavit Clusius, 
sed eam in Tirolis alpibus frequentem provenire certior faclus est ^^)." 

Was den Standort der P. alpina Schi, anbelangt, so wäre hier 
schliesslich noch einer Notiz von Reichenb. fd. zu erwähnen. Reichenb. 
fd., welcher Koch folgend der P. alpina Schleicher et Reichenb. pat. 
irrthümlich den Namen „P. rhaetica Gaud." voransetzt, schreibt 
nämlich von P. alpina in Icon. XVII. p. 38 „Colitur in horto Thoma- 
siano prope Bex. Ipse E. Thomas mihi retulit, fratrem Philippum plan- 
tam sponte lectam in hortum attulisse. In scheda quadam quam scripsit 
idem patriam designat: „Suisse italienne." 

/5. PHmiila ohorjita Hut er in Oesterr. bot. Zeitsch. XXIII. 125. 
(Balbisii X firoliensis.) 

In den Venetianer Alpen auf dem Monte Cavallo im Distrikte 
Belluno und zwar „alla Forcella al Tremol" ober der Alpenhütte Ca- 
sera della Paleslina im Juli 1872 von Hut er aufgefunden. Huter 
fand nur 2 Exemplare, von welchen er eines mir milzutheilen so 
freundlich war. Nach diesem Exemplare zu urlheilen, ist als die eine 
Stammart die in den Venetianer Alpen verbreitete und dort die P. 
Auricula L. ersetzende P. Balbisii Lehm. (P. ciliata Moretti, non 
Schrank!), als die zweite Stammart P. tiroliensis Schott. (P. AI- 
lionii Koch, non Loisel.!) anzusehen. — P. obovata Hut. steht 
übrigens der P. tiroliensis Schott, näher, als der P. Balbisii Lehm., 



*) Vergl. oben das Cirat aus Clusius Hist. plant, bei P. pubescens Jacq. 



i27 

und es dürfte gelingen, in dem genannten Gebiete als Seitenstück 
derselben einen zwar aus den gleirlien Stanimarlen iiervorgegangenen 
aber der P. Auricula naher stellenden ßastart noch aufzulinden. 

(Schluss folgt.) 

Ueber die chromatologischen Verhältnisse von 
Spongiiiu fluvififiiis. 

Von H. C. Sorby. 

Mitgetheilt von Alfred Burger st ein. 

In jüngster Zeit ist von Sorby eine neue Arbeit chromatologi- 
schen Inhaltes erschienen, welche unter dem Titel: ,,0n the chroma- 
tological Relations of Spongfilla Iluviatilis" im Quarterly Journal of 
microscopical science (vol. XV". new ser. 47, fT.) publizirt wurde. 

Den Gegenstand der Untersuchung bildet die Konstatirung der 
in Spongilla ßiwialilis vorkommenden Farbstoffe, und die Verglei- 
chung dieses thierischen Organismus mit den verschiedenen Püanzen- 
klassen auf Grund chromatologischer Verhallnisse. 

Wie aus einer früheren Schrift ^'') des Verfassers hervorgeht, 
kommt in den Ptlanzen eine grosse Zalil von Farbstoffen vor, von 
denen mehrere (ciiarakterisirt durch Lüslichkeit in Schwefelkohlenstoff) 
ziemlich allgemein verbreitet, und für das normale Wachsfhum der 
Pflanzen wesentlich sind. Dahin zahlt das Blauchlorophyll, Gelbchloro- 
phyll, Orangexanthophyll, Xanthophyll, Gelbxanlhophyll und Lichno- 
xanthin. 

Es haben nun die Untersuchungen Sorby's ergeben, dass in 
Spongilla fluviatilis, welche er in frischen Exemplaren prüfte, alle 
eben genannten, in Sciiwefelkohlenstoff löslichen Farbstoffe vorkom- 
men, und ausserdem noch eine geringe Quantität einer gelben, in 
Wasser loslichen Substanz, welche viele Aehnlichkeil mit einem in 
zahlreichen Pilzen gefundenen Farbstoffe zeigt. Mit Hilfe der in seiner 
„vergleichenden vegetabilischen Chromatologie" angegebenen Methode 
versuchte Sorby die einzelnen Farbstoffe auch quantitativ zu be- 
stimmen, und finden sich die Resultate dieser Analysen in der hier 
referirlen Abhandlung in einer kleinen Tabelle zusammengestellt, aus 
welcher Folgendes zu ersehen ist. 

Vom chromatologischen Gesichtspunkte aus betrachtet, unter- 
scheidet sich Spongilla fluvialilis von der Gruppe der rothen Algen 
einerseits durch die Gegenwart von Gelbchlorophyll und Gelbxanlho- 



*) On comparative vegetable Chromatology (Fror. Roy. Soc. 1873. Nr. 146. 
v. XXI. p. 442. ff.;. Ein voilsliindiger Auszug dieser Arbeil findet sich in deut- 
scher Uebersetzuns; in Oest. Bot. Z."l8'7o. Nr. 1 u. 2. 

10 -^^ 



128 

pliyll, anderseits durch das Fehlen der verschiedenen rothen, in jenen 
Algen vorkommenden Substanzen. 

Viel naher steht Spongilla den grünen Algen, von denen sie 
durch eine geringere Menge an Gelbchlorophyll abweicht. 

Die Flechten unterscheiden sich von Spongilla hauptsächlich da- 
durch, dass in denselben eine relativ viel grossere Menge von Lich- 
noxanthin vorkommt, und nebstdem noch ein in Schwefelkohlenstoff 
unlöslicher FarbslolT, von welchem in dem Gewebe des Schwammes 
nichts zu finden ist, wahrend er in vielen Flechten in ziemlich grossen 
Quantitäten auttritt. Eine Verwandtschaft zwischen Spongilla und den 
Flechten zeigt sich aber darin, dass Blauchlorophyll, Gelbchlorophyll 
und die drei Arten von Xanthophyll in Beiden in nahezu gleichen 
quantitativen Verhältnissen enthalten sind. 

Den Pilzen gegenüber zeigt Spongilla den wesentlichen und 
bemerkenswerthen Unterschied in der Gegenwart von Chlorophyll und 
Xanthophyll, Farbstoffe, welche in Letzterer in nicht unbedeutender 
Menge vorkommen, den Pilzen dagegen vollkommen fremd sind. 

Vergleicht man endlich die in dem vielfach genannten Schwamm 
enthaltenen Farbstoff(j mit denen in den h()chsten Pflanzenklassen ge- 
fundenen, so untersclieidet si(;h Spongilla von den hochorganisirten 
Pflanzen durch den geringeren Gehalt an Gelbchlorophyll und Gelb- 
xantliophyll, durch viel weniger Orangexanthophyll, und anderseits 
durch das Vorkommen einer gelben, im Wasser löslichen Substanz, 
welche wahrscheinlich mit einem in vielen Pilzen gefundenen Stoff 
identisch sein dürfte, wie bereits oben erwähnt wurde. 

Sorby untersuchte ferner zahlreiche Exemplare von Spongilla, 
welche in verschiedenen Stadien der Entwicklung sich befanden, und 
in verschiedenen Tiefen wachsend, ungleichen Lichtintensitäten aus- 
gesetzt waren, bezüglich des relativen Verhältnisses der zur Entwick- 
lung kommenden Farbstoffe. (Das Nähere siehe in der Originalab- 
handlung). 

Schliesslich meint der Verfasser, es wäre des Studiums werth, 
sicherzustellen, ob niedere Thierformen, welche Chlorophyll enthalten, 
wie z. B. Spongilla ßuriafilis, auch die Fähigkeit besitzen, dem Lichte 
exponirt, Kohlensäure zu zerlegen, und sich bis zu einem gewissen 
Grade wie grüne Pflanzen zu verhalten. 



Neue Kernpilze. 



I, Serie. 

Vou G. V. Niessl. 

CFortsetzung.l 



Sphaerelia Gentinnne n.s. Perithecia laxe gregaria, glo- 
bosa, mitiuta, tecta, vix papillata, submembranacea; ascis oblongo- 

29—32 . 
clavatis plerumque inferne arnpliis, stipite breci, Ssporis, g ..^ ' ^^'^~ 



129 

ridiis farctis, ctmeatis vel clavatis, inferne attenuatis, reclis rel paulo 
curvatis , medio septatis , parum constrictis , guttulatis , hyalinis, 

10 
2—3' 

Die Perithecien stehen gesellig-, aber nicht dicht, zu grosseren 
Grupi)en vereinigt; das Periderni ist hautig durcli kriechende Fibrillen 
grau gefärbt. Die Schliiuche sind gewöhnlich ober dem kurzen war- 
zenförmigen Sliclchen ausgebaucht, die Sporen in der Regel gerade, 
oder nur schwach g(;krümmt, der obere Theil etwas breiter. Sie 
enthalten meist 4 in der Axe stehende Tröpfchen. 

Ich fand sie an dürren Stengeln von Gentiana asclepiadea bei 
Gratz im September. 

Sphaereila hadensis n. s. Ätiiphigenis. Perithecia minu- 
tissima, punctifoi'mia , dense conferta subconfluentia , effusa , glo- 
bosa, erumpentia, obscure papUlata, membranacea, alra; ascis oblon- 

44 
gis vel ovoideis, obliquis, sessilibus, :. ,q ; sporidiis farctis, 1 — 3 

stichis octonis, elongato-oblongis, supra medium septatis^ paulo con- 
strictisque, inferne attenuatis, rectis, 4nucleatis, dilute virescentibus 
16-18 

4-6 

An den vorjährigen Blättern von Poa badensis bei Baden, zur 
Blülhezeit dieses Grases. 

Flecken weit ausgedehnt, grau, gleichförmig, wie bei S. canifi- 
cans Fuckel, von welcher sie sich indess wesentlich unterscheidet. 
Letztere hat längere und schmälere Schläuche und zweireihig ange- 
ordnete, fast nur halb so lange Sporen (10 Mk.). Wie fast immer, 
neigen auch hier durch Verbreiterung der oberen Sporenhälfte und 
Verjüngung der unteren, die Sporen in's keilförmige. 

l}tdytnosphaeria applanaia n. s. Perithecia disseminata 
vel sparse gregaria, peridermio immutato vel expallente tecta, mi- 
nuta, rotundata, fere clipeiforme-applanata, vertice umbilicata, pa- 
pillata, fusco-atra, coriacea; ascis cylindraceis vel cylindraceo-cla- 

60—74 
vatis stipife brevi obliquo, jK~\o^ sporidiis octonis, distichis raro 

monostichis, obovato-oblongis, utrimque late rotundatis, medio sep- 

16 
tatis constrictisque, loculo superiori paulo inflato, hyalinis - _n ' 

Paraphyses graciles ascos superantia simplices. 

Auf, wie mir scheint, noch lebenden oder doch nicht ganz ab- 
gestorbenen Aesten von Rubus Idaeus. Von Mr. Plowright in England 
gesammelt und mir von Dr. Winter in Leipzig mitgetheilt. 

Das weissliche Periderm ist von den durchscheinenden aber 
bedeckt bleibenden Perithecien punktirt. Diese sind schon in den 
jüngsten Stadien sehr flachgedrückt, am Rande erhoben, im Centrum 
eingesunken, also concav, und durch die kleine papillenföruiige Müu- 



130 

duiig genabelt. Die Sporen sind meist gerade, nicht ungleichseitig, die 
Einschnürung ist ziemlich stark, die obere Hälfte breiter als die un- 
tere. Die Art ist verwandt mit Sphaeria Bryoniae Fuckel symb. p. 
112 Sphaerella Br. Awld. in der Myc. eur. p. 14, doch sicher spe- 
cifisch von ihr verschieden, durch die flachen Perithecien, mehr eiför- 
mige stärker eingeschnürte Sporen und einen ganz anderen Habitus. 
Die vorerwähnte Art ziehe ich übrigens ebenfalls zu Didymosphaeria. 

DUl\jmosph€ieria effusa n. s. Perithecia disseminata in 
mycelio nigerrimo subcorticati effuso nidnlantia, peridermio griseo 
tecta, media magnitudine, hemisphaerica vel suhglobosa, hasi de- 
pressa, atra, carbonaceo-coriacea, duriusctila nunquam collabescentia, 
ostiolo brevi, conico; ascis cylindraceo-clavatis, stipite brevi, Ssporis 
62—68 
.^ ,^ •) sporidüs distichis, demntn saepe monostichis, ovoideo-oblon- 

gis, plerumque inaequilateralibus, didymis, medio constrictis, hyalinis 
16-20 
ß ~" • Paraphyses graciles exiguae. 

An dürren Stengeln von Sambucus Ebulus bei Brunn, nicht 
selten, Mai — Juli, 

Der Stengel erscheint in grosser Ausdehnung grau und von den 
Mündungen schwarz punktirt. Entfernt man das Periderm, so findet 
man theils die Rindensubstanz, theils die Oberfläche des holzigen 
Stengeltheiles von dem vt^eit verbreiteten Mycel schwärzlich. Die Pe- 
rithecien gehören zu den grösseren, und ihre Substanz ist ziemlich 
fest, so dass sie nicht zusammenfallen. Die konische, oft fast cylin- 
drische Mündung misst etwa Va '^cm Durchmesser der Perithecien, 
sie ragt nicht weit über das Periderm vor, da jene in der inneren 
Rinde, gewöhnlich an der Oberfläche der Holzsubstanz aufsitzen. Die 
Sporen sind ansehnlich, mil starker Einschnürung und verbreitertem 
Obertheil. Die Parapliysen, zumeist im Umfange der Schlauchschichte 
stehend, sind zart, vergänglich, unter einander und mit den Schläu- 
chen verklebt, überragen diese oben etwa um V4 ihrer Länge. Sie 
unterscheidet sich von D. Bryoniae nicht allein durch die Eigenthüm- 
lichkeiten des Wachsthums, sondern auch durch die festen Perithecien 
und andere Sporen. 

Mit D. effusa und Bryoniae nahe verwandt und ebenfalls in 
diese Gruppe zu stellen ist auch Sphaeria commanipula Berkl und 
Br. in Ann. and Mag. 1852. IX. p. 380 auf Scrophularia, mit ein- 
gedrückten Perithecien, welche indess grösser und fester als bei D. 
Bryoniae sind. Die Mündung ist papillenförmig, die Sporen gleichen 
jenen der folgenden Art, sind in der Milte ziemlich stark eingeschnürt 

. 16 
und — ;: — Ich fand sie unter anderen mir von Herrn Dr. Schroeter 


in Rastatt zur Durchsicht überlassenen Sphaerien. 



131 

lieber Iiiera€*iiiin ienui/oiimn Host. 

Von J. Wiesbaur S. J. 

Damit niclit meine Notiz über Uieracium tenuifolinm S. 24 f. 
der diesjalirigen Jimneniummer die Begridsverwirrung, die über diese 
Pflanze lierrschl, statt sie zu lieben vermehre, muss ich mir folgende 
berichtigende Bemerkung erhuiben, und zwar um so mehr, als die 
Herren H. v. UeelitrÜz und Prof. Kerner liierübor schon so geliiuterle 
Ansichten in dieser Zeitschrift niedergelegt haben. (Vergl. J. 1873. 
S. 35 J und J. 1872. S. 355.) 

Ob das Hieracium sabaudum var. subterticillatwn Neilr. das- 
selbe sei, als H. tenuifolinm Host., kann schlechthin weder bejaht 
noch verneint werden; man muss eben wohl untersi^heiden. Im Herbar 
dieses verdienstvollen Forschers liegen neun Indi\iduen von wenig- 
stens drei verschiedenen Ptlanzen unter obigem Namen. Von den neun 
IndiNiducn gehin't eines zu H. sabaudum var. linearifolium Neilr., 
fünf zu H. fenuifolium Host., die übrigen wahrscheinlicii zu Hier. 
boreale, theilweise vielleicht auch zum formenreichen //. sab. var. 
rigidum Neilr. Das mit der Etiquetfe und Synonymik: ^Hieracium 
tenuifolium Host." versehene Exemplar ist nebst noch einem anderen 
sicher eine Missbildung, die weder mit der Host'schen Beschreibung noch 
mit dessen Exemplaren übereinstimmt. Nach ihnen aber wurde sicht- 
lich von Neilreich die Diagnose seines H. subverficillahim abgefasst. 
Diese missbildeten Pflanzen nun hatte auch ich bei Abfassung obiger 
Notiz namentlich vor Augen. 

Ausser ihnen liegen aber, wie gesagt, noch andere Pflanzen 
unter demselben Umschlage, die zwar weniger gestaucht sind, jedoch 
in überwiegender Mehrzahl sich befinden und mit den schwach ge- 
stauchten Exemplaren des H. lennifolium im Host'schen Herbar über- 
einstimmen. Aber auch die von mir (a. a. 0.) erwähnte kleinere 
Form des Neilreich'schcn H. racemosum gehört hieher. Nur ist zu 
bemerken, dass rücksich^lich der Farbe der Anihodialschuppen und 
der Form des Blüthensfandes Abweichungen vorkommen. 

Was die Anthodialschuppen anbelangt, so sind sie wohl auch 
an einem Host'schen Exemplare wie bei fast allen hier im Wiener- 
Walde vorkommenden ziemlich lebhaft grün; an zwei""') Individuen 
jedoch sind sie sehr dunkel gefärbt, fast wie an H. boreale, was 
mich verleitet hat, das Neilreicirsclie H. Jinearifolium (das gleichfalls 
nicht selten und manchmal sogar in stärker gestauchten Formen auf- 
tritt, als die Host'schen Exemplare es sind) mit H. tenuifolinm Host 
zu identificiren. Exemplare mit so dunklen Anthodien gehitren nun 



*) Eigentlich liegen vier Individuen als H. tenuifolium in der Host'schen 
Sammlung. Ich erwähne nur drei, weil das vierte niciit hieher zu gehören 
scheint, fast winzig ist und vielleicht Veranlassung war, dass Fries fil. "das H. 
tenuifolium Hosl für „lusus macilentus nemoralis'"' von H. boreale hält. 'Epicr. 
pag."l30.) 



132 

hier zu den Seltenheiten oder Ausnahmen und mögen sogenannte 
Uebergangsformen oder auch Blendlinge vielleicht mit H. boreafe 
und linear ifoJium Neilr., unter denen E. tenuifolium gefunden wurde, 
darstellen, ü. sab. var. linearifolium Neilr. hat, wo es in Mehrzahl 
und in reinen Formen auftritt, unter anderm Anthodialschuppen, die 
sich wie an H. boreale durch besonders dunkle Färbung auszeichnen 
und ist eine ganz analere, durch ihre eigenthümliche Tracht auffal- 
lende Pflanze. 

Der Blüthenstand ist an den Host'schen Exemplaren überein- 
stimmend mit der Diagnose („caule paucifloro" fl. austr. 2. p. 411. 
n. 23) arm (1 — 5) küpfig, ungefähr so, wie Reich, ic. XIX. t. 177. 
H. croaticum abbildet *). Es wäre somit die Forma pauciflora auch 
die Forma normalis. In der Tliat findet man auch im Wiener- Walde 
genug solche Exemplare, die aber in Rücksicht ihrer sicher gleich- 
artigen Kachbarn doch nur eine magere Slandortsform sind. Denn 
sehr oft, viclleiclit eben so oft findet man auch vielköpfige Formen 
und unter diesen sowold eine forma racemosa als auch eine forma 
corymhosa: alles hinwiederum bald mit kurzen bald (vielleicht nach 
dem Alter?) mit langen Köpfclienstielen. Die traitbige Form hielt ich 
nach dem vorliegenden Materiale sogar für die häufigere, weshalb ich 
auch in der eingangs erwähnten Notiz alles ohne Bedenken als //. 
racemosnm Neilreich ausgegeben habe. Unter allen diesen kommen, 
wenn auch in Minderzahl, so doch ziemlich oft auch solche Exemplare 
vor, deren Stengel gar nicht oder nur höchst unbedeutend gestau(;ht 
ist, die somit nicht zum Neilreich'schen H. subcerticillatum gerechnet 
werden können, aber dennoch H. tenuifolium Host bleiben. Solche 
Exemplare nun sind, namentlich wenn sie eine grössere forma race- 
mosa darstellen, scliwer von E. racemosum Neilr. (Flora v. N. Oest. 
S. 443 und Herbar) zu unterscheiden. Ob E. racemosum Neilr. über- 
haupt von E. tenuifolium Host verscliieden ist, wage ich noch nicht 
zu entsciieiden, zumal meine Vermuthung betreffs der Blüthezeit und 
Achenenfarbe (a. a. 0. S. 24) noch der Bestätigung bedarf. Mögli- 
cherweise handelt es sich daselbst um eine dritte Pflanze. Vielleicht 
gelingt es im hiesigen Parke auf magerem Boden aus Samen des 
//. racemosum Neilr. das E. tenuifolium Host und umgekehrt aus 
Samen des letzteren auf fetterem Boden das erstere zu ziehen. 

Das aber steht nun fest, dass obige Auffassung des E. tenui- 
folium nicht bloss mit Host's Herbar und d(n' Beschreibung in seiner 
Flora austriaca (II. ]). 411. n. 23) sowie mit einigen Exem|)laren 
der sch()nen Neilrcich'sclien Sammlungen übereinstimmt, sondern 
auch mit den gediegenen Ansichten so gewiegter Hiera- 
cien-Kenner, wie die Herren Prof. Kerner und von Uech- 
tritz es sind, wenig oder gar nicht im Widerspruch steht. 

Kalksburg 29. Jänner 1875. 

*) Damit wiid nicht behauptet, dass diese mir gänzlich unbekannte 
Pflanze hieher gehöre; sie hat auch (bei Reich. 1. c.) eine viel mehr gestauchte 
Hauptaxe, als die Host'schen Pflanzen. 



C-^^Öi'iJ 



133 

Bemerkungen zu Dr. Borbas' Bericht, 

ül)er soino botanischen Untersuchungen im Banale (Jelentes az 1873 

6vben Btinsng torülelcn tett növenylani luitatiisokröl) im XI. Bande 

der Publicalion der ungar. Akademie der Wissenschaften. 

„In scienlia natural!, principia veritatis 
observalionibus confinnari debent. L. Ph. B." 

Der Verfasser thcilt seinen Boriolit in zwei Theile. Im ersten 
Theile beschreibt er ausführlich jene Exkursionen, weh^he er im Jalire 
1873 unternahm. Er fiihrt an, dass er von Budapest dreimal, und 
zwar Anfangs April, zu Pfingsten und im Monate August in das 
Banat reiste; dass er dort vorzüglich das Donauthal von Baziäs bis 
zum Eisernen-Thor und die Umge])ung des Herkulesbades durch- 
forschte — ausserdem im August die Sarko- und Arschanaer Alpen 
besuclite. 

Dieser erste Theil ist zwar mit Begeisterung geschrieben, doch 
Schade, dass er mehr die poetische Gemüthsstimmung des Floristen 
Borbas als die wirklichen floristischen Verhältnisse des Banates schil- 
dert; er zählt die Pflanzen, welche er bei jeder einzelnen Exkursion 
gefunden, auf und indem er die interessanteren derselben in Familien 
gruppirtc — fand er den Stoff zur Verfassung des zweiten Theiles 
seines Berichtes. 

Herr Borbäs zählt auf der 26. Seite seines Berichtes 42 Pflanzen 
auf als solche, welche er zum erstenmal auf dem Gebiete Ungarns 
gefunden, und so unsere Flora mit 42 neuen bisher unbekannten 
Pflanzen bereichert hätte- Unter diesen kommen aber bloss sechs 
Species vor, welclie Herr Borbäs als für Ungarn neu gefunden haben 
kann; diese sind: Milium i^ernale M. B., Valerianella turgida DC, 
ScuteUaria alpina L., Aconitum poniculatum L. (welches im benach- 
barten Siebenbürgen sehr häufig ist), Alsine Arduini (Vis.), Campa- 
nula cnrnica Schiede — durch deren Auffindung er sich in der 
That Verdienste erworben hat. Die übrigen 36 verdanken aber ihr 
Dasein theils der irrigen Bestimmung, theils der Nichtbeachtung der 
Literatur von Seite des Berrn Borbäs. Eine Ausnahme mögen wohl 
bilden : Malcolmia incrassafa DC. und die straucliige Pinus silrestris 
L. Da er erstere auf einem Düngerhaufen und zwar nur einmal ge- 
funden, so kann sie wohl nicht als neuer Bürger der ungarischen 
Flora betrachtet werden; die zweite aber ist gewiss nur eine durch 
die eigenthümlichen Vegetalionsverhältnisse hervorgebrachte Modi- 
fikation. 

Campami fa carnica Schiede aber kenne ich bereits lange aus 
Herrn Hazslinszky\s Exsiccala, der sie in der hohen Tatra sammelte 
aber vor Borbäs nicht publicirte. 

Dagegen repräsentiren Luzula alpina Hopp., Viola rothomagen- 
sis Tluiill., Alsine Villarsii Koch., Silene dcnsiflora Urv. — die als 
neu angeführt werden — in Heufl'ers und Kochefs Werke richtig 



134 

bestiiiunt folgende Arten: Luzula nigricans DC, Viola dedinata 
W. K. = Viola mufabilis Roch, ß intermedia Rochl. (secundum Spec. 
originale), Alsine Gerardi Willd. und Silene Otites L. 

Die von ihm gefundene Stipa Graphiana Stev. hält er selbst 
an einer anderen Stelle für Stipa pennata L. und Ononis hircina 
Schur ist Ononis hircina Jacq. var. spinescens Ledeb., welche in 
Ungarn sehr verbreitet ist und auch von mir sclion publicirt wurde. 

Dass PeriStylus bracteatus Lindl., hmla media M. B., Picris 
pyrenaica L. (richtiger P. crepoides Saut.), Myosotis caespitosa Schultz, 
Origanum mrens Beruh., Rhinanthus angustifolius Gm. (richtiger 
Rh. alpinus Baumg.), Hieracium umbellatmn v. angnsfifolimn Koch, 
Prangos fernlacea Lindl., Saxifraga Chisii Gouan., Fnmaria Schlei- 
cheri Soy et W., Vesicaria microcarpa Vis., Alyssiun Orientale And. 
(zum erstenmal hat es Janka gesannnelt), Viola alba Bess., Gypso- 
phila serotina Hayn., Tunica rigida L., Medicago glomerata Balb., 
(schon von Kit. erwähnt), Vicia grandiflora Scop., Asperula canescens 
Vis. (= Asp. cynanchica. ß pubescens Wierzb., Roch., Reis.), Orchis 
speciosa Host., Linaria littoralis Barth, Anlhriscus nemorosa M. B., 
Pedicularis comosa L., Artemisia annua L., Triticum mllosuni M.B., 
Euphorbia Myrsinites L. und unter den Farnen, die mit fetten Let- 
tern gedruckte Cystopteris regia Pres!. — in diesem Berichte als 
neue Funde fungiren, kann nur von einer unverzeihlichen Unkennlniss 
der Literatur zeigen, oder es bliebe ein psychologisches Räthsel; 
denn neu in dieser langen Reihe von Namen ist bloss das, dass ein 
ungarischer Botaniker fähig ist, die erwähnten Pflanzen als sein Ver- 
dienst neu zu deklariren. 

In einem anderen Passus begegnen wir wieder Pflanzen, welche 
als neu für das Banat aufgeführt werden, und auch dort finden sich 
zahlreiche Irrlhümer. So ist Rhamtius infectoria des Herrn Borbäs 
= Rhamnus tinctoria W. B., die im unteren Donauthale (von Bazias 
bis Orsova, und von da bis zum Herkulesbade) sehr verbreitet ist. 
Die Banater Ferulago ist nur zu geringem Theile Ferulago monticola 
Boiss., meist Ferulago silratica Rclib. Die Jasione Jankae Neilr., 
welche er mit Jasione Heldreichii Boiss. zusammenzieht, kann unmög- 
lich J. Heldreichii sein, denn nach den Diagnosen besitzt J. Jankae 
sterile Blattbüschel und einen perennirenden Wurzelstock, welciie bei 
J. Heldreichii fehlen. 

Zweifelhaft sind ferner Poa caesia Sm. (vielleicht P. compressa?) 
von den stark besonnten Kalkfelsen des Kazän, welche eine subalpine 
Pflanze ist, und Juncus alpinus, welche Herr Borbäs auf dem Sarko 
anführt. Ich bezweifle letztere um so mehr, da am Sarko kaum eine 
Pflanze existirt, welche Rochcl oder HeuITel nicht gekannt hätten. 

Uebrigens sind die ferner von Herrn Borbäs als für das Banat 
neu angeführten Pflanzen: Cytisus ciliatus Wahlnb., Allium moscha- 
lum L., Geranium pyrenaicum L., Thaliclrum elatum Jacq., Trifolium 
elegans Savi und noch einige, gerade nicht neu für das Banat, indem 
sie in den Werken HeuIFers, Neilreich's und Hazslinzky's bereits an- 
geführt sind. 



135 

Zum Schlusso scho ich mich gezwungen, meiner Indignation 
darüber Ausdruck zu vorloilion, dass Herr Borbas, obwohl er einen 
Theil seiner veri»fTenlii(iilen Daten sowold der Freundlichkeit des Hrn. 
Victor V. Janka als auch mir verdankt, dessen mit keiner Silbe Er- 
wähnung gethan hat. 

Da Herr Borbt^s auf verbotenen Wegen Verdienste sucht, so 
fordere ich hieinit das Recht zurück, Verbasciun glabratwn Friv. als 
die im Banale weil verbreilete Pflanze, dessen Synonyme Verbascum 
leiocaulon Heuff. und VerJ>ascuin Hornemanni Wierzb. sind, als das 
Resultat meiner eigenen Studien publiziren zu können. 

Die Achtung vor der Wahrheit und literarischer Ehre bewogen 
mich zur VeröfTentlichung dieser Zeilen. Ich hielt diess umsomehr für 
meine Pflicht, als ich unter den Botanikern von Budapest lebend über 
ihre Verhältnisse orientirt bin, andererseits aber auch die Flora des 
Banales aus eigener Anschauung kenne, und daher meine Bemer- 
kungen für ebenso nothwendig als eompelent erachte. 

L. Simkovics. 
Budapest, Februar 1875. 



Reiseerinnerungen an Spanien. 

Von Moritz Winkler. 

(Fortset/.unjj.) 

Meist werden jedem Kampfstiere vier Pferde zum Opfer ge- 
bracht, sind diese kampfunfähig geworden, so treten die Picado- 
res ab, und die Bandarilleros nehmen den Kampf auf. Ihre Auf- 
gabe ist es, dem Stiere bunte, mit Bändern umwundene Stäbe, welche 
an einem Ende Widerhaken tragen, über die Horner hinweg in den 
Nacken zu stossen. Ist auch dieses glücklich bewerkstelligt, so kom- 
men nun im vierten und letzten Akte die eigentlichen Helden des 
Dramas, die Espados, zur Geltung, welche mit scharfen Degen be- 
waffnet, ihrem Gegner den Todesstoss geben; dieser muss ebenfalls 
kunstgerecht über die Hörner des Stieres hinweg zwischen Rippen 
und Schulterblatt so geführt werden, dass er direkt das Herz trifft. 
Glückt diess, so ertönt tausendstimmiger Jubel, gegentheils wird ein noch 
ärgeres Misstrauensvotum laut. Liegt der Stier verendet, so wird er 
mit samml den todten Pferden durch Maulthiere hinausgeschleift, und 
ein zweiter tritt in die Arena. Gewöhnlich fallen sechs Stiere und 
einige zwanzig Pferde dem Vergnügen des Publikums zum Oiifer. 
Ich wartete das Ende nicht ab, sondern entfernte mich vor dem Ein- 
tritte des sechsten Stieres und spüre nicht die geringste Lust, dieses 
blutige Schauspiel nochmals mit anzusehen. 

Mittlerweile war die Spitze des Picacho schneefrei geworden, 
und am 20. Juli wurde die Expedition dorthin zur Ausführung ge- 



136 

braolit. Um 12 Uhr Nachts war ich zum Aufbruche bereit, aber die 
Maulthierkarawane kam erst um 2 Uhr, und eine halbe Stunde später 
Sassen wir hoch zu Ross und ritten auf dem sogen. Schneewege 
(so genannt, weil die Arieros auf demselben für die Konditoreien in 
Granada den benüthigten Schnee zu Limonaden und Gefrorenem auf 
Eseln herbei schleppen), welcher sich zwischen den Fliissthälern des 
Jenil und Monachil auf einem langgedehnten Bergrücken aufwärts 
zieht, unserem Ziele zu. Bei Sonnenaufgang waren wir bei einer 
unbedeutenden Ouelle, oberhalb des Dorfes Canale angelangt, nahmen 
einen kurzen Imbiss und bewegten uns dann langsam weiter bis zu 
einer zweiten Quelle an dem pflanzenreichen Berge üornago. Hier 
wurde Halt gemacht, und ich botanisirte 5 Stunden in der Umgebung, 
worauf zum Aufbruche geblasen und der zum Nachtlager bestimmte 
Punkt um 5 Uhr Nachmittags erreicht wurde. Es war ein hübscher 
Felsen, auf dem Sattel des Picacho de Veleta, an welchen die Hirten 
lockere Steine so angefügt hatten, dass eine niedrige kurze Lager- 
stätte entstand, wo nothdürftig zwei Menschen eng an einander ge- 
drückt liegen konnten. Rechts gegen den Gipfel zu dehnten sich 
mächtige Schneelager aus, links blickte man in den Coral de Veleta, 
einen jähen, schneebedeckten Absturz, in welchem die Ouellen des 
Jenil liegen. Soweit das Tageslicht und der Mondschein es gestattete, 
durchsuchte ich die Umgebungen der Schneefelder und setzte mich 
dann zu einem lukullischen Mahle nieder. Freund Lemne, der mit 
aufopfernder Gastfreundschaft mich begleitete, hatte wirklich alles 
Erdenkliche aufgetischt, um ein feines Diner herzustellen. Schinken 
und Braten aller Art, Reis mit Parmesan, selbst Rebhühnerpastete, 
dazu Kaffee und Thee, Liqueure, Wein und englisches Bier. In sol- 
cher Höhe und bei solchen Strapazen nimmt man mit Allem vorlieb, 
was überhaupt geniessbar ist, werden aber derartige Leckerbissen 
geboten, so steigert sich der materielle Genuss zu einem fast idealen, 
und da das Wetter köstlich, der Himmel ungetrübt und nur mit dem 
zarten Hauche der Abendröthe und den flimmernden Sternen ge- 
schmückt war, so konnten wir uns nur schwer von der steinernen 
Tafel trennen, tranken wohl ein Gläschen mehr als gewöhnlich und 
schwärmten begeistert von der Schönheit der Umgebung. Das erste 
Morgengrauen fand mich bereits auf den Füssen und vertieft in die 
neue unbekannte Vegetation. Um 8 Uhr kehrte ich zum Frühstück 
zurück, welches insofern einige Schwierigkeit gemacht hatte, als das 
Wasser fest gefroren war, und man erst Schnee auflhauen musste, 
ehe man an's KafTeokochen denken konnte. 

Um 9 Uhr brach ich nach dem ca. 10.700' hohen Gipfel des 
Picacho de Veleta auf und erreichte ihn na(;h zweistündiger Wande- 
rung, die letzte steile, etwa 500 Fuss holie Spitze besteht aus festem 
Glimmerschiefer, der in mächtigen Platten übereinander gelagert, die 
Ersteigung etwas beschwerlich macht, zumal man hier bereits die 
Einwirkung der verdünnten Luft auf den Organismus spürt. Das trilt 
besonders hervor, wenn man sich bückt, um ein Pflänzchen auszu- 
heben, dabei scheint es, als ob das Blut nach dem Kopfe rollte, und 



WM 

ein Summen in den Ohren wird bemerkbar. So kühl der Morgen 
gewesen, so kösllich wurm war der Tag, kein Lüftclien wehte, und 
die Aussiclif war vollkonniien ungetrübt. Eine Schilderung des gross- 
artigen Umblickes ist schwer zu geben, und ich bin überzeugt, dass 
kein Punkt in Europa ein ähnliches Panorama bietet. Unmittelbar 
vor den Füssen der wohl 2000 Fuss tiefe, jähe, schneebedeckte Ab- 
sturz des Coral de Veleta, jenseits die den Picacho noch um 300' 
überragende dunkle Felsenpyramide des Mulahasen, des hitchsten 
Berges der ganzen Nevadalvette, ihm anscliliessend eine unendliche 
Reihe verschiedener Gebirgszüge immer ferner und ferner in den 
mannigraclisten Formen und Sciiatlirungen und im Süden das Mittel- 
meer, anscheinend nur ein breiter Fluss, von dem Festlande Marocco's 
eingeufert und im fernen Hintergrunde begrenzt durch das mächtige 
Atlasgebirge, dessen einzelne Kuppen sich deutlich vom Horizonte 
abheben. Nach zweistündigem Verweilen trat ich den Rückweg an 
und stieg in den Coral de Veleta hinab, einer Hauptfundgrube für 
Nevadapflanzen, es ist ein breites wellenförmiges, von vielen kleinen 
Rinnsälen durchflossenes Thal, in welchem sich jedoch die Vegetation 
noch nicht genügend entwickelt hatte. Nur am Ufer eines der kleinen 
Bäche fand ich die seltene und eigenthümliche Ranunkel, welche 
Boissier mit dem sehr passenden Namen Ranunculus acetosellaefolius 
belegt hat. Es ist ein niedriges PfläJizciien, in der Blüthe der Ra- 
nunculus alpesfris L. ähnlich, aber die Blätter denen von Rumex 
acetosella L. fast gleichgestaltet. Erst ain späten Abende erreichte 
ich wieder das Nachtquartier, doch war das Wetter nicht so schön 
als Tags vorher, es hatte sich der Wind erhoben, und sein eisiger 
Hauch nolhigte uns bald zur Nachtruhe. 

Der nächste Morgenspaziergang war einer grösseren Felsenpartie 
gewidmet, die ich bisher unbeachtet gelassen hatte, dann wurde dem 
knurrenden Magen Genüge geleistet und nach dem Thale Monachil auf- 
gebrochen, bis wir oberhalb des Cortejo de San Geronimo angelangt, 
eine längere Rast hielten, und ich einige Stunden botanisirend herum 
streifte. Weiter unterhalb überschritten wir den Bergrücken, um in 
das Thal des Jenil zu gelangen, und gegen Mitternacht waren wir 
zwar todtmüde, aber hoch befriedigt in unserem Domicil zu Granada 
wieder eingetrolTen. 

Meine Ausbeute bestand in Agrostis nevadensis Boiss., Ä. oli~ 
vetorum G. G., A. scabrigluinis B. Rt., AnthijUis Webhiana Hock., 
A. tejedensis Boiss., Arabis undulata Link., A. Boryi Boiss., Are- 
naria armeriastrum Boiss., A. Asmodesta Dsf., A. triquetra L., Ar- 
temisia granatensis Boiss., Astragalus nevadensis Boiss., A. Boissieri 
Fischer, Avena glacialis Boiss. und A. velutina Boiss., Batrachium 
hederaceum Dum., BiscuteUa glacialis Boiss., Brachi/podium Boissieri 
Nym., Brassica montana Boiss., Cachrys laevigata Lam., Campanula 
macrorrhyza Gay, Carduncellns monspeliensis All., Carduus carli- 
noides Gou., Chlnra citrina Boiss., Cirsium gregarium Wilk., Con- 
volvulus nitidus Boiss., Echium Fontanesii DC, Erigeron frigidus 
Boiss., Eryngium glaciale Br., E. dilatatum Lam,, Euphorbia neva- 



138 

densis B. Rt., Festiica pseudoeskia Boiss., Galiutn papillosum Boiss., 
G. rigidum Vill., Gentiana alpina Vill., HeUanlhemum glaucum Per»., 
Herniaria Boissieri J. Gay, Jasiune amethystina Lag., Jnrinea hu- 
milis DC, Koniga Lagarvae Webb., Leontodon Boryi Boiss., Lepi- 
d'mm stylatum Lag., Linaria glareosa B. Rt., L. glacialis Boiss., L. 
neradensis Boiss., Lotus glareosus Boiss., Luzula spicata DC, Ne- 
peta granafensis Boiss., Odontides longiflora Vahl., Onosma echioides 
L., Plantago nivalis Boiss., Poa ligulata Boiss., Prunus prostrata 
Labil. Pyrethrum radicans Cav., Ranunculus demissus DC, R. ace- 
tosellaefolius Boiss., Saxifraga glaucescens Reut., S. nevadensis Boiss., 
Senecio Boissieri DC, S. Tourneforlii Lap., Sideritis glacialis Boiss., 
Silene Boryi Boiss., S. tejedensis Boiss., Stachelina dubia L., Tara- 
xacum taraxacoides Wilk., Teucrium aureum Schreb., Thlaspi neva- 
dense B. Rt. und Viola nevadensis Boiss. 

Der westlichste Abhang der Nevadakette trägt nach dem Flüss- 
clien gleichen Namens die Benennung „Sierra Dilar", und dieser galt 
mein nächster Ausflug; aber der Gebirgszug ist für alpine Vege- 
tation viel zu niedrig, und die Wärme des Sommers war bereits 
vernichtend über alles Grünende liinweg gegangen. Auf den ausge- 
brannten H()hen fand ich nur: Alysstim alpesire L., Aster acris L., 
Lavandula lanata Boiss. und im Flusslhale des Dilar: Bonjeania 
recta L., Centaurea nevadensis Boiss., Chlora citrina Boiss., Dimor- 
phantes Gouani Cass., Lysimachia Ephemerum L. und Teucrium 
scordioides. 

Wie Freund Lemne es sich nicht hatte nehmen lassen, mich 
nach dem Picacho zu führen, so arrangirte Herr Wilhelmi die letzte 
grössere Partie nach dem Mulahacen. Es nahm eine Gesellschaft von 
sieben Herren und vier Damen daran Theil, fünf Lasithiere trugen 
Zelt, Speisen und Kochrequisiten, und zehn Arieros begleiteten den 
Zug, der sich wie eine ganz staliliche Karavane ausnahm, als er 
Abends 7 Uhr auf dem schmalen Saumpfade unter Gesang und Gui- 
tarrebegleilung bei hellem Mondschein am Ufer des Jenil sich vor- 
wärts bewegte. Da nur ein Tliier hinler dem anderen gehen konnte, 
auch die des Reilens zum Theil ungewohnten Damen inancherlei Auf- 
enthalt brachten, so ging der Mond früher unter, als gerechnet war; 
in liefer Finsterniss suchten die Maulthiere vorsichtig den Weg an 
wilden Abgründen entlang, die man zu Glücke nicht sehen konnte, 
abei" endlich sperrte ein kleiner Seitenbach den Pfad, die Thiere 
waren nicht darüber hinweg zu bringen, und wohl oder übel musste 
Pause gemacht werden. Einige angezündete Schachteln mit Streich- 
holzern überzeugten uns, dass wir mitten in einem alten Felsensturz 
waren, der keinen Raum zur Aufstellung des Zeltes bot, Brennma- 
terial war auch nicht zu finden, und so erübrigte nichts, als dass 
man sich in seine Decke hüllte und im Schulze eines Felsenblockes 
den Tag erwartete", welcher nicht lange auf sich warten liess, da 
bereits die zweite Nachtstunde vorüber war. Nach einem kurzen Im- 
biss wurde um 5 Uhr früh weiter geritten, und gegen 7 Uhr er- 



U9 

reiclilen wir diMi zur Tsaclitnilie l)e.slimiiit gewesonen Punkt, wo die 
Damen Kaffee koililen und ein Ireffliciies Friilisliick bereiteten, dorn 
ich nach einer niehrslündigen Promenade zur Erforschung- der näch- 
sten Umgebung- wacker zusprach. 

(Scliluss folgt.) 



Literaturberichte. 

Zur Ab-wehr dev Schwendener-Bornet'sclien Flechtentheorie von 
Dr. Ci. ^\'. Kürb(!i-. IJreslau, 1874. .1. U. Keiu's Verlag. 8. 30 Sin. 

Der vorliegende Aufsatz ist als genauere Ausführung- eines bei 
der letzten Naturforscher-Versammlung- in Breslau gehaltenen Vor- 
trages anzusehen. In demselben bek-ämpft der Herr Verfasser die be- 
kannte Theorie Prof. Schwendener's, nach w'elcher die Flechten von 
einem |)arasitischen Pilze bewohnte Algen sind. Namentlich laugnet 
Prof. Korber, dass der Hy|)hentlieil des Flechtenthallus von einem 
Pilze gebildet werde (p. 9 — 12), dass die Gonidien der Lichenen Algen 
seien (p. 13 — 20), dass die Flechten Erzeugnisse eines Parasitismus 
wären (21 — 23). Schliesslich theilt der Herr Verfasser seine eigenen 
Ansichten mit (p, 23 — 30). Die von Prof. Korber gellend gemachten 
Momente verdienen als Aussprüche einer der tüchtigsten Lichenologen, 
welcher sich um die genauere systematische Kenntniss der einheimi- 
schen Flecliten sehr grosse Verdienste erwarb, volle Beachtung. Sie 
enthalten schatzenswerthe Angaben, welche geeignet sein dürften, 
diese schwierige Frage ihrer definitiven Lösung- naher zu bringen. 
Es sei daher die Lektüre der angezeigten Abhandlung Jedem empfoh- 
len, der sich für Lichenologie interessirt, Dr. H. W. R. 

Die Rinde unserer Laubhölzer. Inaugural-Dissertation von Rudolf 
Müller. Breslau, 1875, bei A. Naumann. 8. 3ö Stn. 

Der Verfasser, ein Schüler Cohn's und Goppert's, theilt im vor- 
liegenden Aufsatze die Resultate seiner Untersuchungen über die 
Rinde der Laubhölzer mit. Er studirte Arten aus 16 Gattungen. Der 
erste Abschnitt behandelt die Morphologie der Rinde (p. 2—19); in 
ihm werden eingehender besprochen die Epidermis, die primäre so 
wie die secundäre Rinde, die Sclerenchymzellen, die Kork- und Len- 
licellenbildung. Der zweite Abschnitt (p, 19—31) ist der Erörterung 
der chemischen Verbindungen in der Rinde gewidmet; in ihm wird 
über den Gerbstoff, den o.xalsauren Kalk, das Cyanogen, die Alka- 
loide der Rinde und das Erythrophyll berichtet. Der dritte Abschnitt 
(p. 31 — 35) erörtert endlich die physiologische Bedeutung der ein- 
zelnen Theile der Rinde. Die vorliegende Dissertation ist mit Fleiss 
und Sachkenntniss gearbeitet und enthält so manche beachtenswerthe 
Angaben; sie kann daher als eine gelungene Erstlingsarbeit des 
jugendlichen Verfassers bezeichnet werden, welche fernere tüchtige 
Publikationen erwarten lässt. Dr. H. W. R. 



140 

Gorrespondenz. 

Sexten, Tirol am 15. März 1875. 

Meine Freunde, die Herren Porta und Rigo machten im vorigen 
Jahre, von Ende Mai bis Ende August, ihre erste grossere botanische 
Reise nach Süd-Italien, indem sie nacli einem kurzen Aufenthalte um 
Ascoli und Monte dei Fiori, über einen Monat den Monte Gargano in 
Apulien und anderthalb Monat die Majella-Kette in den Abruzzen 
durchforschten. Obschon nicht unerhebliche Zeitverluste durch unvorher- 
gesehene Umstände eintraten, sind doch deren Sammlungen, was Prä- 
paration und Seltenheit anbelangt, prachtvoll zu nennen; ich vernahm 
von keinem der zahlreichen Pränumeranten auch nur den leisesten 
Ausdruck einer Enttäuschung. Sie brachten an Novitäten mit: Scabiosa 
garganica P. et R., dann eine Reseda- und Cerastium- XvX; die bei- 
den letzteren freilich in zu wenig Individuen, als dass eine Renennung 
vor Abschluss eingehender Studien hätte erfolgen können. — Dieses 
Jahr werden die beiden Herren ihre zweite botanische Reise antreten, 
und zwar Herr Rigo in Regleitung des Vaters des Hrn. Porta, der 
sich schon viele Jahre mit Sammeln und Trocknen beschäftigte, schon 
im Laufe dieser Woche, worauf Porta selbst bis Hälfte April nach- 
eilen wird, weil er früher nicht wohl abkommen kann, als auch, indem 
für den ersten Monat Zwei genügen. — Ihr Vorhaben ist, die erste 
Zeit den Fuss des Monte Gargano zu durchforschen, dann nach Terra 
d'Otranto vorzurücken, um von den Stationen Capo di Leuca, Monopol!, 
Gallipoli und Taranto die dortigen Gegenden gut zu durchforschen. 
Später kehren sie nach dem Monte Gargano zurück, um sowohl die 
Raritäten in grösseren Quantitäten nachzusammeln, als auch die voriges 
Jahr nicht erreicliten Punkte auszubeuten, bis sie dann der Sommer 
in die Gebirge des Volturno-Thales, 3Iathese etc. treiben wird. Rleibt 
noch Zeit, so sind die höchsten Kuppen des Majella und Gran Sasso 
d'Italia-Stockes zum Besuche in Aussicht genommen. Die Länge der 
Zeil und die Beyleituna eines Dritten, der fast ausschliesslich zur 
Präparirung der Pflanzen Verwendung findet, lassen beim Eifer und 
der Ausdauer meiner Freunde ein reiches Material erwarten, und 
voraussichtlich werden wenigstens 50Ü Arten in dem Verzeichnisse 
aufgeführt werden können, mit möglichster Vermeidung gewöhnlicher 
Arten. Ferner werde ich durch Austausch mit Dr. E. Levier und H. 
Groves in Florenz weitere Raritäten zufügen können. — Wer sich 
in erster Reihe die Auswahl versichern will, lade ich höflichst zur 
Pränumeration ein und zwar für eine Centurie 10 fl. = 20 Mark 
= 25 Frank. = 1 Pfd. Sterl., wo es freisteht 1 — 5 oder mehrere 
Antheile zu nehmen. In Anbetracht der zu gestattenden freien Aus- 
wahl, der prachtvollen Präparirung und der grossen Kosten, ja auch 
Gefahren einer solchen Reise, ist es gewiss eine verh.iltnissmässig 
kleine Forderung, so dass mit Sicherheil auf grosso ßetlieiligung ge- 
rechnet werden kann, um so mehr, als auch die Pränumeranten das 
erste Recht auf unsere anderen Sammlungen damit erlangen. Jene 



141 

Herren, dio sich onlsclilii'sseii kijiinen, das Unfcrnelimen wohlwollend 
zu helVinkTii, sind hidiclist ersuild, die i'riinmiieralioiishelriigi; oder 
Ziischririen an meine Adresse H. Mut er, Sexten, Tirol (OesU-rreich) 
gelantren zu hissen, und zwar zeitlich, damit nicht durch kosts[)ieiigo 
Finanzoperationen das Unternehmen v<'rtheuert oder gehindert werde. 
Ich weiss, dass manche sich lietheilioen wollten, wenn die Zusendung 
in annehmharer Zeit erfolgen würde. Es ist wahr, schon mehrere 
Jahre bin ich in leidigsten Rücksliinden mit den Vertheilungen. Die 
einzige Ursache war die \errehlte Anlage des I)ul)Ielf(m-llerl)ars, wo 
mir die Zusammenslellung d(M" lndi\i(Un'n zum Exemplare mehr Zeit 
raubte als alles Uidirige. Seit Holfte J<.nner d. .1. ist nun alles so 
geordnet, dass dieser Uebelsland wegliillt. Gedrungen mache ich 
einige Andeutungen, bei deren Würdigung ich einige Nachsicht und 
Geduld erholFen darf. Die Zeit ist bei uns für einen katholischen (Jeist- 
lichen nicht gar so frei; Pdit ht und nothwendige Subsistenz stehen 
in erster Linie. Bei redlicher Benützung derselben nehmen aber Ord- 
nen der Sammlungen, Anfertigung der zinkographirten Verzeichnisse 
und EtiquelliMi, Correspondenzen, Auslheiiung aller speziellen Desi- 
derate, Verpackung, ja jeder kleinste HandgrilT, was alles ich allein zu 
besorgen liabe, so viel Zeit weg, dass mir die Monate kürzer werden, 
als den Herren Abnehmern die Tage, welche sie auf Einlangen warten 
müssen. Ich opferte der Wissenschaft die Erreichung einer selbst- 
ständigen Stellung, da mir unter den hiesigen Verhidtnissen als 
Hilfsgeistlichen mehr Freiheit bleibt meine Kräfte derselben zu widmen; 
ich opfere ihr mein kleines Einkommen sowohl zum Anspornen zu 
erneuerter Thätigkeit meiner Freunde, als auch zur Aufhringung ein- 
zelner Raritäten aus entlegenen Orten mit un\erliiiltuissmi':ssigen 
Kosten. Meine einzige Ermunterung ist die Freude und Anerkennung 
der zahlreichen Correspondenten. und auch die Anerkennung der 
ersten Wiener Weltausstellungs-Commission durch Zuerkennung der 
Fortschriltsmedaille sammt Diplom für dazumal ausgestellte kleine 
Mustersammlung unserer Pflanzen. Durch die jetzt eingerichtete Ver- 
theilungsart werde ich sicher in den Stand gesetzt, die künftigen 
Desiderate frühzeitig befördern zu ki'tnnen, um so mehr, da ich 
damit eilen werde, um das nächste Jahr zur gehörigen Zeit eine 
grossere botanische Reise in Begleilung meiner Freunde antreten zu 
können. Würden die löbl. Redaktioneti anderer botanischen Zeit- 
schriften gefalligst über die zweite italienische Reise Porta's und 
Rigo's eine kurze Notiz bringen, wäre ich zum grössten Dank ver- 
pflichtet. Rupert Huter. 



Personalnotisen. 

— Dr. Ernst Ferdinand Nolte, seit dem J, 1826 bis vor 
Kurzem Professor der Botanik an der Universität Kiel starb am 13. 
Februar, naehdem er das 84. Lebensjahr erreicht hat. 

Oosterr. botan. Zyitäcliritt. 4. Heft. 1875. 1 1 



142 

— Dr. Josef Krzisch, k. k. Kreisarzt in Wr. -Neustadt, ist 
am 11. Murz, 62 Jahre alt, gestorben. 



Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 

— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissenschaf- 
ten am 17. Dezember übersandte Prof. Konstantin Freih. v. Ellings- 
hausen in Graz eine Abliandiung, betitelt: .,Die genetische Gliederung 
der Flora Australiens." Durcli die Erforschung vorwelllicher Floren, 
sowie durch sorgfaltige Studien und Vergleichungen der jetztweltli- 
chen Floren konnte der Verfasser die wichtigsten Thatsachen der 
gegenwärtigen Pflanzenvertheilung mit früheren EntwicKlungszust;sn- 
den der Pflanzenwelt in Verbindung bringen, er konnte die BegrilTe 
y,Florenelement" und „Vegelalionseiement" aufstellen. Die zeitgemiisse 
Aufgabe, das Material, welches die Systematik und Geographie der 
Pflanzen bisher aufgehäuft, nach enlwicklungsgeschichtlichen Prinzi- 
pien zu sichten x\\n\ zu ordnen, dürfte denniach an der Hand der 
Erfahrungen der Pflanzeno-eschichte keinen allzugrossen Schwierig- 
keiten mehr unterliegen. Mit vorgelegter Arbeit übergil)t der Verfasser 
den ersten Versuch der genetischen Gliederung einer natürlichen 
Flora. Die allgemeinen Resultate, zu welchen der Verfasser hiebei 
gelangte, lassen sich in folgende Punkte zusammenfassen: 1. Jede 
natürliche Flora besteht aus Gliedern, die durch Differen- 
zirung der entsprechenden Florenelemente hervorgegan- 
gen sind. In der Flora von Australien lassen sich das Haupt- oder 
australische, das ostindische, das oceanische, das amerikanische, das 
europäische und das afrikanische Fk)renglied unterscheiden. 2. Die 
Florenglieder haben sich aus den gleichnamigen Florenelementen der- 
art entwickelt, dass jedes für sich allein schon eine, sammtliche 
Hauptabtheilungen des Pflanzensystems umfassende Flora darstellt. 
Jedes Florenglied enthält Gattungen der verschiedensten Ordnungen; 
durch die gegenseitige Ergänzung und Vervollständigung 
der Florenglieder konnte die Mannigfaltigkeit der Ge- 
sammtflora erzeugt werden. 3. Der Grad der Entwicklung, 
zu welchem die Flore nelemento in den verschiedenen Ge- 
bieten Australiens gelangt sind, also ihre Ausbildung zu 
Florengliedern ist verschieden. Das Haupl-Florenglied wiegt 
zwar in allen Theilen des Kontinents vor, ist aber am reichlichsten 
in West-Australien, am schwächsten im tropischen Australien ausge- 
bildet. Hingegen sind die Nebenttorenglieder verhüllnissmässig am 
meisten im tropischen, und in Ost-, am wenigsten in West-Australien 
entfaltet. Die ursprüngliche Mischung der Florenelemente 
ist daher im letzteren Gebiete am wenigsten, im tropi- 
schen Australien aber am deutlichsten ausgesprocheJi. 
4. Sowie in Europa sind auch in Neuholland die Floren- 
elemente nicht von gleichem Alter; ihr Entstehen sowohl als 



143 

auch die Plinson iliror forlsrliroilondon Entwicklung- und ihrer Riickhil- 
(Iiiny l'iiUcn iii( lil in die enls|)rei licnd ij;kMrlien Zeilahsclmille. In Kuropa 
Iriiten zuerst iXeheneienienle, das neuh(dl;in(hsciie und das chinesisch- 
japanesische Fh)reneleinent in der Ivreideflora; das llaupt-Florenelenient, 
ans der Did'erenziruug des Veifetalionselements der geujässigten Zone 
enlspruniicn, aher erst nach Ahschlnss der Kreideperiode auf. In Neu- 
hollaiid hingeoen hal die EnlwicMuiio- der Flora mit dem Haupt-Floren- 
chMuenl I)eironnen, weU-hes, gegen die Jetztzeit zu allinalio- sich entfal- 
tend, die Nehenelenienle in einen» verhaltnissniassig Iriiheren Zeilah- 
schnitle in den Hinlerorund drängte. 5. Das australische Florenr.'le- 
ment hat in Australien einen weit gr()ssercn Reichthum an Pnanzenlornien 
umfasst als in Eurojja, wo es nur Nebenelement war. Der Formeniuhalt 
des aus der Entwicklung dieses Elements in Australien hervorgegan- 
genen Haupt-Florengliedes zeigt die Abtheilungen des Systems 
ungleich reichhaltiger reprasentirt, als in jedem der übrigen genann- 
ten Florenglieder. Viele Ordnungen, darunter die fiir die Flora Austra- 
liens überhaupt bezeichnenden, sind denselben eigenthünilich und die 
meisten jener Ordnungen, welche auch den Neben-Florengliedem zu- 
kommen, weit ibrmenreicher als in diesen vertreten. Eine Ausnahme 
hievon machen einige hauptsächlich im tropischen Australien reichlicii 
rcpräsenlirien, dem ostindischen Florengliede zufallenden Ordnungen, 
z. B. die Rubiaceen, Apocynaceen und Laurineen. 6, Von den Neben- 
Florengliedern nimmt das ost indische einen hervorragenden Platz 
ein. Im tropischen Australien, wo es am reichhaltigsten entwickelt 
ist, fällt die grösste Formenentfaltung auf die Monopetalen, hingegen 
in den iibrigen Gebieten auf die Polypetalen. /. Das oceanische 
Florenglied hat in Ost-Australien seine grösste Entfaltung erreicht. 
Hieraus erklärt sich die eigenthümliche Beziehung der Fh>ra dieses 
Gebietes zur jetztweltlichen antarktischen Flora, an deren Entwicklung 
das oceanische Florenelement wesentlich betheiligt war. 8. Das ame- 
rikanische Florenglied hat vorzugsweise im tropischen, am wenig- 
sten in West-Ausiralien Entwicklung gefunden. Eine Reihe endemi- 
scher Gattungen, welche als transmutirte Bestandtheile des amerika- 
nischen Nebenelements in der Flora Australiens zu betrachten sind, 
zählt nebst vielen bezeichnenden Gatlungen hieher. 9. Das euro- 
päische Florenglied ist in Ost-Australien zur grössten Entfaltung 
gelangt und zeigt ein aufTallendes Vorwiegen der Monopetalen. 10. Das 
der Mehrzahl der Gattungen nach der Capflora entsprechende afri- 
kanische Florenglied ist im tropischen und in Ost-Australien am 
deutlichsten ausge^prochen. Das tropische Afrika erscheint durch 
endemische Arten einer geringen Anzahl bezeichnender Galtungen 
repräsenlirt. 

— Der Aerztliche Verein in Lemberg hat beschlossen, 
einen Kongress sämmtlicher polnischer Aerzte und Naturforscher für 
den Monat September d. J. nach Lemberg einzuberufen. 



11'- 



144 



Botanischer Tauschverein in Wien. 



Sendungen sind eingetroffen: Vun Herrn Val de Lievre mit 
Pflanzen aus Tirol. — Von Herrn Wiesbaur mit Pil. aus Nieder- 
osterreich und Tirol. — Von Herrn Dr. de Marcliesetti mit Pil. 
aus Istrien, Krüin und Kärnten. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: ^^ inkler, Kren- 
berger, Bentzelsternau, Dufft, Val de Lievre, Dr. Czech, 
Slrobl, Hoeme, Dr. Reichenbach, Spiess. 

Aus Tirol: Capsella pauciflora, eing. von Val de Lievre. 

Aus Niederüs terreicli: Ämaranlhus viridis, A/iagaUis coe- 
rulea, Anihi/Ilis rvbrißora, Carex ornithopoda, Chtnopodivm vnirale^ 
Euphorbia f'alcata, Malca borealis, Mehuupyrum barbatum, Pua ba- 
densis, Pofamogefon culoratus, P. densus^ P. prolixus, Quercns Cerris, 
Q. pubescens, Raminculus arv. tuberculatus, Sideritis montana, So- 
lanum humile, St eil er a Passerina, Taraxacum paluslre. Thesium ra- 
mosum, Zanichellia aculeata, Z. palustris u. a. eing. von Wiesbaur. 

Aus Tirol: Carex pilulifera , Triodia decumbens eing. von 
Wiesbaur. 

Aus Pommern, Braun schweig und Thüringen: Ändromeda 
polyfolia, Arabis Halleri, Aruni maculatum, Brotmis arvensis, B. 
serotimis, Carex distans, C. extetisa, Coro7iopus didymus, Digitalis 
purpurea, Empetrum nigrum, Ertjngium niaritimum, Geranium lu- 
cidum, Heleocharis nniglumis, Hieracium alpinum, H. ecliiodes, H. 
pratense, Hordeum secalinum, Juncus maritimus, Linnaea burealis, 
Luzula rubella, Myrica Gate, Najas marina, Obione pedunculata, 
Oenanthe Lachenalii, Orchis coriophora, Pinguicula vtilgaris, Plan- 
tago Coronopus, P. maritima, Potamogeton obtusif'olius, Ranunculus 
Bandotii, R. rejytans, Schoberia maritima, Scirpus caespifosus, S. 
pvrvuhis, S. riifus, Silene Otites, Stachys arvensis, Stellaria crassi- 
folia, Teucrium Scorodonia, Triticum acutum, Viola tric. maritima, 
Zanichellia palustris — Chara crinita, Fuccus serratus, Furcellaria 
fastigiata u. a. eing. v. Dr. Schäfer. 

Obige Pflanzen können im Tausche oder käuflich die Centurie zu 
6 fl. (12 R.-Mark) abgegeben werden. 

Inserat. 

Bei Gebrtidcr Boi-iifrafgcr (Ed. Eggers) in Berlin, Zimmerstrasse 91 
erschien soeben: 

Botanischer Jahresbericht. Systematisch geordnetes Reper- 
torium der bolanischen Literatur aller Länder. Unter Mitwirkung 
einer Anzahl Fachmänner herausgegeben von Prof. Dr. Jast in 
Karlsruhe. 1873. II. Halhband. Preis U Mark. Preis des kompleten 
Jahrganges 20 Mark. 

KeiJakteur und Herauspreber Dr. Alexander Skofltz. — Verla? von C. Gerold'3 Sohn. 
Druck unil Papier der C. üetaerreuter sehen Buchdruckerei (M. Salzer). 



Oesterreicliisclie 

Botanische ZeitscMft 

Gemeinnützig^es Organ 

liir 

nie nüterreiriiisriie Exemplare 

erscl.eint DOltlUlli II IUI UUl(llllK«;i , zogen werdcusollpn, sind 

den Krsteii jeden Monats. blos bei der Iteilnktlo» 

''"^KT«l.r^v:''' GiiiliitM-, Ooküiiöiiioii, Forsliiiäiiiier, Aei7je/''frpnu;'r;r;^et"'' 

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tn. Ö.W. [S R. Mark:] .'1|)01IIUH UIKi IKIIIIIMI. Pränumeration 

halbjährig. C. fterold's Soliii 

Inserate __ _. in Wien, 

die ganze l'etitzeile tH T '° ^^''^ "-^^^ übrigen 

15 kr. Ost. W. J.1 - t/i Buchhandlungen. 



\XV. Jaliigaiis. Wira. l»lai 18^5. 

INHALT: Ueber die Transspirntion cutlaiibter Zweige und des Stamnus der Rosskastaiiie. Von Dr. 
Wiesner und Fächer. — Priinulaceen-Bastarte. Von Dr. Kern er. (Schluss.) — Neue Kenipilze. 
Von .Niessl. — Plantae ab Hildebiandt coli. Von Vatke. — Mykologiscties. Von Scliiilzer. — 
Reiseerinnerungen. Von Winkler. — Literaturberichte. Von Dr. R. — Corresponderiz. Von üborny, 
Dr. Pocke. — Personalnotizen. — Botanischer Tauscliverein. — Berichligun.s. — Anmerkun,?. — Inserate. 



Kleinere Arbeiten des pflanzenphysiologischen Institutes 
der Wiener Universität. 

V. 
lebcr die Transspiration entlaabter XMoige und des Stammes der Ross- 
kastaiiie. 
Von Julius Wiesner und Johann Fächer. 

Ein- bis fiinfjiihrige Zweige von Aesculus Hippocastanum wurden 
im Januar d. J. vom Baume genommen und, nach Beseitigung der 
Knospen, an den Schnittwunden mit Siegellack sorgfaltig geschlossen. 
Die Zweige wurden so zugeschnitten, dass einige derselben bloss 
vom gew()hnlichen Periderm, andere aber ausserdem von dem peri- 
dermatischen, die Blaftnarben bildenden Gewebe bedeckt waren. Das 
Periderm zeigte sich reichlich von Lenticellen durchsetzt, die sich 
aber zur Zeit des Versuches als völlig geschlossen erwiesen. Auch 
die Blaltnarben waren an den Ausmiindungsstellen der Cet'assbündel 
für den direkten Durchtritt der Gase fast unfähig. Denn wenn auf 
die mit Wasser in Berührung stellenden Querschnitte der Zweige 
ein Druck \on 300 Millim. Quecksilber lastete, sie selbst aber unter 
Wasser sich befanden, so trat aus den Lenticellen gar keine, an den 

oesterr. botan. Zeitschrift. 5. Heft. 1876. [2 



146 

Blalfnarben aber nur aus den Aiisinünduntrsstellen der Gefässhündel, 
und aus diesen auch nur spurenweise, Luft heraus'""). 

Die so Torbereiteten Zweig-abschnilte wurden in einem luftigen 
grossen Räume, dessen Temperatur während der Versuchszeit zwi- 
schen IS'o^ und 17"5^ C. schwankte, belassen und von Zeit zu Zeit 
gewogen. 

Die folgende Tabelle gibt die von 24 zu 24 Stunden von den 
Zweigen abgegebenen Wassermengen an, ausgedrückt in Prozenten 
des Zweiggewichtes. Die Columne 1 bezieht sich auf ein einjähriges 
Zweigstück ohne Blattnarben, I a auf ein gleichalteriges mit Blalt- 
narben; II und III beziehen sich auf 2- und 3jährige Zweigabschnitte 
ohne, II a und III a auf 2- und 3jährige Zweigstücke mit Narben. 
Am 5jährigen Zweigabschnitte (V) sind die Blattnarben nicht mehr 
deutlich und überhaupt d(M' Einfluss der letzten auf die Wasserab- 
gabe der Zweige nicht mehr nachweisbar. 

I la II IIa III III a V 

0-836 1-583 0-965 1-268 MOS 1-206 0-641 

0-836 1-531 1-081 1-326 1-126 1-242 0-641 

0-836 1-688 1-390 1-563 1-294 1-228 0-603 

0-662 1-490 1-181 1-312 1-094 1-152 0-549 

0-767 1-320 1-043 1-238 1-043 1-052 0-573 

0-550 1-295 0-965 1-230 1-021 1-053 0-505 

0-635 1-343 1-236 1-239 1-023 1-075 0-493 

mithin nach Ablauf der Woche: 
5-122 10-250 7-861 9-176 7-706 8-008 4-005 

Die Versuche mit diesen Zweigen wurden durch 30 Tage fort- 
gesetzt. Nach Ablauf dieser Zeit hatte abgegeben: 

I la II IIa III III a V 

16-376 31-741 23551 28-879 23837 25-219 11-407. 

Aus diesen Zusammenstellungen geht hervor, dass 
die Blattuarben der Verdunstung einen geringeren Wi- 
derstand entgegensetzen, als das benachbarte Periderm, 
ferner, dass die einjährigen Zweige gegen die Verdun- 
stung durch das gewohnliche Periderm besser als die 2- 
und 3jährigen geschützt sind. Die normal bedeckten Zweige, 
welche also sowohl von dem gewöhnlichen Periderm, als auch von 
dem peridermalischen Blallnarl)engewebe umschlossen sind, trans- 
spiriren, wie die Zahlen unter la, IIa, lila und V lehren, desto 
weniger, je älter sie sind. 

Die relativ starke Wasserabgabe an den Blattnarben scheint 
weniger ihren Grund in der durchschnittlich geringeren Mächtigkeit 
der Peridermlagen, oder in der Fähigkeit, kleine Gasmengen aus dem 
Inneren der Gewebe bei den Ausmündungsstellen der Gefässbündel 

*) Vergl. Stall 1, Bot. Zeilsclir. 1873, p. 612 fid. 



147 

austreten lassen zu können, als vielmehr darin zu liabeii, dass das 
Holz des Stammes durch die an den ßlallnarben zu Tage tretenden 
Geliissbiindel mit der Atnios[)luire direkt kominunizirt, die Elemente 
des Holzt lieiles der Celassbinidel aber ein LeitungsMM'mögen üir im- 
bibirtes Wasser besitzen, wie ein solches keiner anderen Zellenart 
der l'llanze zukommt. 

Dass jüngere Zweige stärker transspirireu als iillere, scheint 
von vornherein über jeden Zweifel eriiaben. Die Eilaliruiig bestä- 
tigte es auch. Der Grund hierl'ür liegt aber, wie schon aus den vor- 
stehenden Daten hervorgeht, nicht, wie man ebenfalls von vornherein 
vermulhen sollte, einfach darin, dass mit dem Aellerwerden der 
Zweige die Peridermlagen mächtiger werden. Die Veriiältnisse sind 
offenbar komplizirter. Das Periderm der einjährigen Zweige ist noch 
stark mit Wasser imbibirt, gibt Wasser leicht ab und zieht aus den 
unterliegenden feuchten Geweben das Wasser leicht an, verdunstet 
also stark. Dennoch gibt das Periderm der 1jährigen Zweige we- 
niger Wasser ab als das der 2- und 3jährigen. Offenbar desshalb, 
weil das Periderm der 2- und 3jährigen Rosskastanienzweige von 
Rissen reichlicher durchsetzt ist als das der 1jährigen Zweige. Und 
dennoch gibt der entlaubte Ijalirige Ast mehr Wasser ab, als der 2- 
oder 3jährige, und zwar in ¥o\ge der reichlichen Transspiration der 
Blattnarben jener Zweige. Erst von dem 4jährigen Zweige angefan- 
gen scheint die Mächtigkeit der Perideradagen den immer griisser 
und grosser werdenden Transspirationsvviderstand zu bedingen. Mit 
der Austrocknung des Peridermgewebes dürfte dasselbe an Imbibi- 
tionsfähigkeil einbüssen und von dieser Zeit ab einen gesteigerten 
Transspirationswiderstand ausüben. 

Unsere Transspirationsversuche wurden auch auf Stämme aus- 
gedehnt, deren Alter bis auf 30 Jahre stieg. Die gewonnenen Resul- 
tate bekräftigen den oben ausgesprochenen Satz, wie folgende auf 
einen 30jährigen Stammabschnitt sich beziehende Zahlen lehren. 

XXX 

0-154 Proz. \ 
0-154 „ ] 

0-150 " abgegeben bei 15 — 17" C, von 24 zu 

n.ii- " I 24 Stunden; mithin 
14o „ [ ' 

0-138 „ 

0-135 „ 

nach Ablauf einer Woche 



1026 Prozent. 



Nach einem Monate hatte der Stammabschnitt noch nicht ganz 
3 Proz. Wasser, bezogen auf das Gewicht desselben, abgegeben. 

Zahlreiche andere Versuche bestätigten die oben mitgetheilten 
Resultate. Wir begnügen uns damit, die folgende Beobachtungsreihe 
der obigen anzufügen. 

12 * 



148 

Nach Ablauf von 10 Tagen gaben die nachfolgend aufgefiilirton 
Zweig- und Stainniabschnitte, welche an den Schnittflächen durch 
Siegellack oder Knetwachs verschlossen waren, und ihr Wasser nur 
durch Periderm, beziehungsweise Borke abgeben konnten, bei einer 
Temperatur von 15 — 17^ C. die nachstehend in Prozenten des Slamm- 
gewichtes angegebenen Wassermengen ab : 



ijährig. 


Zweig 


11-531 


2j ährig. 


» 


10-801 


Sjährig. 


w 


9-460 


4jährig. 


f) 


6-112 


Sjährig. 


V 


5-001 


lOjährig. 


n 


4-389 


15j<ihrig. 


ri 


3-472 


30J ährig. 


•n 


1-839 



Kaum besser als der Stamm sind die Laubknospen von Aescu- 
lus Hippocasfamim zur Zeit der Winterruhe gegen die Wasseral)- 
gabe geschützt, wie folgender Versuch lehrt. 

Eine Knospe wurde samnit einem etwa centimeterlangen Slamm- 
stücke vom Aste getrennt und gewogen. Das die Knospe tragende 
Stämmchen wurde in eine mit Wasser, jedoch nicht vollständig ge- 
füllte Eprouvette eingesenkt, durch Draht in dein Gefässe befestigt 
und hierauf die Wasseroberfläche des Gefässes durch eine dünne 
Schichte von Olivenöl an der Abgabe von Wasserdampf verhindert. 
Die Gewichtsverluste des A])parates gaben die Wassermengen an, 
welche durch die Knospen entwichen. 

Die nachstehenden Zaiilen beziff'ern die Menge des Wassers, 
welche von 24 zu 24 Stunden von der Knospe abgegeben wurden, 
ausgedrückt in Prozenten des nach Schluss des Versuches ermittelten 
Gewichtes der Knospe. Temperatur 14 — 16** C. 

1. 1-524 6. 1-600 

2. 1-524 7. 1-586 

3. 1-531 8. 1-542 

4. 1-523 9. 1-589 

5. 1-461 10. 1-556 

Ein Vergleich dieser Versuchsreihe mit der früher mitgetheilten, 
auf die Wasserabgabe von an den Schnittflächen versiegelten Zweig- 
abschnilten sich beziehenden, zeigt, dass die täglichen Wasserverluste 
der Knospe fast konstant sind, während die Zweigabschnilte in sicht- 
licher Abnahme begrifTene Wassermengen aushauchten. Dieser Unter- 
schied im Versuchsresullale kann nicht befremden: denn die Wasser- 
verluste der Knospe wurden durch das unter W^asser tauchende die 
Knospe tragende Stammstück gedeckt, während die Wasserverluslo 
der versiegelten Zweigabschnitto kt^nen Ersatz fanden. 

Die mit verschlossenen Zweigabsclinitten gewonnenen Resultate 
sind zweifellos unter einander vergleichbar, und die daraus abstra- 
hirte Erfaiirung, dass die Blallnarben mehr Wasser abgeben, als das 



149 

gc\V()lmlitlu' PcridiTin, und dviss die Wasserabgahe entlaubter Zweige 
mit dein Aller der letzteren ceteris parihus abnimmt, Uissl sieh ge- 
wiss von unseren vom Baume abgetrennten Versucliszvveigen auf die 
lebende Pflanze übertragen. 

Um jedoch der Kenntniss jener Wassermenge uns mitgliclist zu 
nähern, welclie von den Zweigen ein(^s lebenden Baumes unter be- 
stimmten iiusseren Verhältnissen abgeg(>ben werden, seliien es uns 
angemessen, die Zweige in jenem einlachen Transspiralionsapparate 
auf die Wasserabgabe zu prüfen, welche zur Bestimmung der Trans- 
spiration der Knospen benutzt wurde. Die Versuche lassen allerdings 
Keinen scharfen Schluss auf jene Wassermenge zu, welche die am 
Baume befindlichen Zweige unter den gleichen äusseren Verhältnissen 
abgeben. Aber eine grosse Annäherung an die waiire Transspirations- 
gr()sse der Zweige gewiihren sie gewiss, da die Versuchszweige sich 
so wie normal am Stamme stehende Zweige verhielten. Die Knospen 
schwollen, die Blüthen kamen zur Entwicklung, die Cambiumzellen 
theilten sich und bildeten Bastzellen, Holzzellen etc. Es lässt sich 
wohl annehmen, dass die Zweige in diesem Versuche auch in Bezug 
auf die Transs|)iration sich ziemlich genau so wie die Zweige am 
Baume verhalten. 

Es mag sein, dass die Menge des von den Versuchszweigen 
abgegebenen Wassers eine etwas grössere ist, als am Baume befind- 
liche Zweige gleichen Alters, gleichen Gewichtes, gleicher Oberfläche 
etc. unter den gleichen äusseren Veriiallnissen abgeben, da dem 
Ouerschnitte der Versuchszweige relativ mehr Wasser dargeboten 
wird, als dem gleichen am Baume befindlichen. Indess mao- der am 
Baume befindliche ein gr()sseres Leitungsvermitgen für Wasser als 
der durchschnittene besitzen. 

Ob nun die Versuchszweige oder die am Baume stehenden 
mehr Wasser aushauchen, diess lä>^st sich zur Zeit wohl nicht mit 
Sicherheit entscheiden. Indess darf man wohl mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit annehmen, dass die DifTerenz in der Wasseraushau- 
chung der mit der Schnittfläche in Wasser getauchten und der am 
Baume stehenden nur eine sehr geringe sein wird, namentlich bei 
hoch am Stamme stehenden Zweigen, die keinem Saftdrucke unter- 
worfen sind. 

Die Wasserabgabe der im Transspirationsapparate verdunstenden 
Zweige wich von jener der versiegelten Zweige anfänglich nur wenig 
ab. Erstere gaben etwas mehr Wasser ab als letztere. Später änderte 
sich dieses Verhältniss vollständig. Während bei künstlich verschlos- 
senen Zweigen, wie ja ganz selbstverständlich ist, die von einem 
bestimmten Zweige abgegebene Wassermenge eine immer kleinere 
wird, bleibt bei den mit Wasser in Berührung stehenden Zweigen die 
abgegebene Wassermenge einige Zeit fast konstant, später, nämlich 
beim Schwellen der Knospen, und wie andere Versuche lehrten, bei 
der Entwicklung der Blatter, steigert sich die Wasserabgabe 
des Zweiges, wie die folgende kleine Tabelle lehrt. 



150 



Die nachstehenden Zahlen beziehen sich auf einen Sjährigen, 
10' 151 Gramm schweren, mit der Schnittfläche in Wasser tauchenden 
Zweig, welcher, bei einer Temperatur von 15 — 17*' C. aufgestellt, 
von 24 zu 24 Stunden folgende Wassermengen aushauchte 



m 



Grammen: 


in Prozenten 


0-180 


1-77 


0-178 


1-76 


0-182 


1-80 


0179 


1-76 


173 


1-72 


0-185 


1-83 


0-189 


1-87 


0-191 


1-89 


0-212'"-) 


2-09 


0-216 


2-13 



Ein gleich alter, etwa gleich schwerer (10-592 Gramm wiegen- 
der) Zweig wurde am Schnittende durch Siegellack verschlossen und 
nei)en dem Zweige, dessen Transspirations-Grösse Verluste eben mit- 
gellieilt wurden, liegen gelassen. Er gab in den ersten 10 Versuchs- 
tagen folgende Wassermengen ab 

in Grammen: 



m 



0-1G9 
0165 
0-169 
0-168 
0-152 
0-158 
0-146 
0-138 
0-134 
0-129 



Prozenten; 
1-59 
1-55 
1-59 
1-58 
1-43 
1-49 
1-37 
1-30 
1-26 
1-22 



Es entsteht nun die Frage, ob die gesteigerte Wasserabgabe 
der mit den Schnittflächen in Wasser lauchenden Versuchszweige 
bloss auf Kosten der aus der Knospe heraustretenden Blätter zu 
stellen ist, oder ob nicht im Beginne der Belaubung das Periderm 
für Wasser durchlässiger wird, vielleicht durch Oeffnung der Lenti- 
cellen. 

Um diese Frage zu entscheiden, wurde die sich Öffnende 
Knospe von den Zweigen entfernt, die entstandene Wunde sorgfältig 
geschlossen und die Wasserabgabe dieser Zweigabschnitte ermittelt. 
Die letztere war nunmehr eine geringere, als zu Beginn des Ver- 
suches. Zweigsfücke, welche nach der Entfernung der Knospen ver- 
siegelt wurden, gaben so viel Wasser ab, als Zweigstücke gleicher 



*) An dem Tage, an welchem dieser Wasserverlust beobachtet wurde, 
öffnete sich die Terminallinospe des Zweiges. 



151 

Ausbildung" vor luihvicKfun*) der K'iiosjjc. Audi Iiiil sich herausge- 
stellt, dass die Leiiliccllen der Triebe in der Zeit, in welcher die 
Knospen sich öffneten und die ersten Bi.itter sich zu entfalten be- 
gannen, noch geschlossen sind; denn wenn derartige Triebt^ unter 
Wasser gebracht werden, und der Druck einer 300""" hohen Oi'»^^"''^- 
silbersiiule auf deui (ji'*''''^*'"''"<^ laslet. so treten aus den Lcnticelbni 
keine Lurtl)l<iS(Mi hervor, wolil aber hier und dort aus den in den 
Blallnarl)en betiudlii heu Miiudimgen der Getassbinuhd. 

Alle niitgetheillen Versuche bekriit'tigen die Thatsache, dass das 
Periderni und die Borke der Rosskastanie bei Temperaluren von 
13'5 — iJ'D^ C. in nicht unbelriu-htlichem Grade für Wasser durch- 
dringlich sind, welches an ihrer Oberfläche in Dampfform abgegeben 
wird. Es lasst sich nach den Versuciien auch erwarten, dass auch 
ältere als dreissigjahrige Sliunme der Rosskastanie bei der bezeich- 
neten Temperatur noch verdunsten. 

Aber die Versuche scheinen aus dem Grunde nur einen gerin- 
gen W^erth zu besitzen, als an belaubten Zweigen die Transspiration 
der mit Periderm oder Borke bedeckten Zweige, Aeste und Stämme 
im Vergleiche zu jener der grünen Vegetationsorgane eine nur ver- 
schwindend kleine sein wird, und als in der Zeit, in welcher die 
Zweige ihrer Bliitler beraubt sind, so hohe Temperaturen, wie die 
bezeichneten, nur ausnahmsweise auf die Zweige einwirken, und die 
hierbei entueichenden Wassermengen so unbeträchtliche sind, dass 
die Kenntniss derselben vom ]diysiologischen Standpunkte interesselos 
erscheint. 

Es lag daher nahe zu untersuchen, ob die blattlosen Zweige 
und Stämme auch bei niederer Temperatur noch Wasser in grosse- 
rer, oder doch wenigstens nachweisbarer Menge abgeben. Für alle 
von IS-ö** C. bis zum Nullpunkte abwärtslaufenden Temperaturen ist, 
nach unseren Beobachtungen, diese Frage, bezüglich der Zweige und 
der Stäuime bis zu einem Alter von 30 Jahren — auf ältere Stamme 
wurden unsere Versuche nicht ausgedehnt — zu bejahen. 

Bei Temperaturen unter Null ist eine Wasserabgabe der 15- 
bis 30jährigen Stamme entweder nicht vorhanden, oder, was gewiss 
die grössere Wahrscheinlichkeit für sich hat, so gering, dass sie 
sich unter Beobachtungsfehlern verbirgt, welclie hier um so weniger 
zu vermeiden waren, als die Versuche mit der Transspiration der 
Zweige bei Temperaturen unter Null nicht in demselben Räume durch- 
geführt werden konnten, in welchem die Wagungen erfolgten. 

Hingegen Hess sich an 1 — 3jährigen Zweigen mit voller Sicher- 
heit eine Wasserabgabe auch bei Temperaturen unter Null konsta- 
tiren. Die zur Konstatirung dieser Thatsache dienenden Versuchs- 
zweige standen in den oben genannten Transspirationsapjjaraten, ihre 
Schnittflächen befanden sich also unter Wasser; andere wurden an 
der Schnillflache einfach mit Siegellack geschlossen. 

Ein im Transspiratiousapparat befindlicher 'ijähriger Rosskasta- 
nienzweig, 7-730 Gramm schwer, nahm in 2i Stunden, nach Angabe 
des Thermomelrographen einer Temperatur von — 3-5 bis — lO^'^C. 



152 

ausgesetzt, uin 0024 Gramm an Gewicht ftb, was einer Wasserab- 
gabe von 0*323 Prozent entspricht. Derselbe Zweig gab in 24 Stun- 
den bei —5-5 bis — 13o C. 0-199 Proz. Wasser ab. 

Ein 3jiihriger , an der Schnittflache mittelst Siegellacks ver- 
schlossener Zweig desselben Baumes gab in derselben Zeit bei — 3'^ 
bis —8-50 C. 0-084 Proz. Wasser ab. 

Andere ähnliche Versuche haben das gleiche Resultat ergeben, 
dass nämlich von 1- bis 3jahrigen Aesculus-Zweigen bei Tempera- 
turen bis — 13*' C. innerhali) 24 Stunden Wassermengen abgegeben 
wurden, welche sich durch die Wage leicht bestimmen Hessen. 

Da jüngere Aeste von Aesculus Hippocastanum selbst bei Tem- 
peraturen unter Null Wasser abgaben, altere nur wenig, und 15- 
bis 30j<ihrige Stämme bei diesen Kältegraden keine Transspiration 
erkennen lassen, die Wassergehalte der Zweige den Winter über 
keine merkliclie Wassergehaltsabnahme aufweisen, so ist wohl anzu- 
nehmen, dass die Wasserverluste der Zweige durch das im Holz- 
körper der älteren Aeste und der Stämme enthaltene Wasser gedeckt 
werden. Diese Annahme ist um so berechtigter, als von Th. H artig 
schon vor Jahren erwiesen wurde, dass das Stammholz der Bäume 
vom Winter zum Frühlinge wasserärmer wird. 

Ausser mit der Rosskastanie wurden noch mit der Eiche und 
Eibe Versuche über die Wasserabgabe der mit Oberhautperiderm 
oder Borke bedeckten Zweige angestellt, welche lehrten, dass selbst 
bei Temperaturen unter Null von denselben Wasserdampf ausgehaucht 
wird, und zwar desto reichlicher, je jünger die Zweige sind. 

Folgende Beobachtungsresultate mögen hier noch Platz finden. 

Blattlose, an den Schnittflächen durch Siegellack verschlossene 
Zweige von Taxvs baccafa wurden bei 13— 14° C. liegen gelassen 
und von 24 zu 24 Stunden deren Wasserverluste bestimmt. 

Gewicht der frischen Zweigabschnitte. 
2jährige (a): 1-194 Gramm; 3jährige (b): 3-784 Grm,; 4jährige (c): 
5-305 Grm. 

Gewicht der Zweigahschnitte nach dem Verschlusse. 
a: 1-310 Gramm b: 3-976 Gramm c: 5-580 Gramm. 



Gewicht der Zweige 


nach je 24 Stunden 


a 


b 


c 


0-970 Grm. 


3-354 Grm. 


5- 125 Grm 


0-790 „ 


2-910 „ 


4-745 „ 


0-754 „ 


2-590 „ 


4-460 „ 


0-740 „ 


2-360 „ 


4-223 ,, 


0-735 „ 


2-255 „ 


4-028 „ 


0-730 „ 


2-210 „ 


3-874 „ 



Wasserabgabe der Zweigahschnitte in Grammen 

a b c 

0-340 0-622 0-455 

0-180 0-444 0-380 



153 



0-036 


0-320 


0-285 


0-014 


0-230 


0-237 


0-005 


0-105 


0-195 


0-005 


0-045 


0-154 



Wasserabgabe, ausgedrückt in Prozenten des Frischgewidiles 
der Zweiffabschnitte : 



a 


b 


c 


28-475 


16-438 


8-481 


15-076 


11-734 


7-163 


3-016 


8-457 


5-373 


1-181 


6-078 


4-467 


0-419 


2-781 


3-676 


0-419 


1-189 


2-903 



Ein 3jaliriger, 8-354 Gramm schwerer Eichenzweig gab bei 
einer Temperatur von — 3^ bis — 8-5*^ C. in 24 Stunden 0*251, bei 
— 3-50 bis —10-50 c. in der gleichen Zeit 0-228, endlich bei — 5-50 
bis — 13** C. gleichl'alls in 24 Stunden 0-192 Prozente Wasser ab. 

Auf andere Holzgewiichse ausgedehnte Untersuchungen werden 
lehren, ob die von uns gemachte Beobachtung, dass entlaubte Zweige 
selbst bei Temperatur unter Null nachweisliche Mengen an Wasser 
verdunsten, und dass die Wasserabgabe derartiger Zweige und der 
zugehörigen Aeste und Stamme desto geringer ist, je grösser ihr 
Alter ist, allgemeine Geltung besitzt. 



Die Primulaceen-Bastarte der Alpen. 

^ on A. Kerner. 

(Schluss.) 

14. JPrhnula ßerninae. 

(hirsuta X viscosq) 

In der Schweiz im Aug. 1863 von Christ ,,alla croce des 
Bernina'- zwischen 2200 — 2500 Meter Seehöhe aufgefunden. 

Syn. P. graceolenti-viscosa Christ in Flora 1865, Nr. 14, S. 
213. — Christ eritrtert a. a. 0. in trefflicher Weise die Unterschiede 
des von ihm entdeckten Primelbastartes von „P. villosa Jacq." und 
„P. graveolens Hegetsc hw.", welche er als die beiden Stammeltern 
ansieilt. In Betreif der Nomenklatur dieser Stammarten verweise ich 
auf die bei Nr. 10 eingeschaltete Note. Die eine der Stammarten, 
welche Koch und nach ihm mit vielen anderen Autoren auch Clirist 
für ^P. villosa Jacq." genommen haben, hat den Namen P. hirsuta 
All., die zweite Stammart, welche Christ mit Hegetschweiler P. 
graveolens nennt, hat den alleren Namen P. viscosa All. zu führen; 



154 

demenisprecliend lial auch die Formel, durch welche die muthmass- 
liche Abslaminung der P. Berninae ausgedrückt werden soll: hirsula 
X viscosa zu lauten. 

16. JPrimula Iflnretinna Moritzi Pfl. Graub. 111. 

Csubintegrifolia X riscosa) 

Syn. P. Floerkeana Wegelin En. sfirp. Fl. helv. p. 28; Hegetschw. 
u. Heer Fl. d. Schweiz 196 und 987 (nicht Sehr ad er). 

In der Schweiz von Moritzi auf der Prassignola (Averserseifs) 
und von Muret, ßovelin, Leresche und Diny auf dein Albulapass 
zuerst aufgefunden, spater noch von vielen anderen Botanikern auf 
dem Albula und im Val Bevers in Graubiinden, wo sie in Gesellschaft 
der Stammeltern ziemlich reichlich \orkommt, gesammelt. Nach Gri- 
seb. in Linnaea 1852, S. 602 auch in Tirol auf dem Fimberjoch im 
Hintergrunde des Paznaunthales. 

Es finden sich, wie bereits Brügger (in Reichenb. Icon. XVII, 
p. 24) bemerkt, zwei durch Kreuzung aus P. integrifoUa L. part. 
(= P. CandoUeana Reichb.) und P. viscosa All. (== P. graveolens 
Hegetschw.^ entstandene Bastarte. Die alt(;ren Autoren haben aber 
diese zwei Bastarte nicht auseinander gehalten. Moritzi hat unter 
P. Mtirefiana und Lagger unter Dinyana"") sowohl die der P. in- 
tegrifoUa als auch die der P. viscosa nidier stehende Hybride be- 
griffen. 

Der in der Tracht sich mehr der P. riscosa All. anschliessende 
Bastart besitzt weiche verkehrteiformige oder fast spatelformige, in 
einen ziemlich langen Blattstiel zusammengezogene, deutlich geschweift- 
gezähnte Blatter und einen schlanken Schaft. — Für diese Form, 
welche die häufigere ist und welche Brügger P. CandollecmnaX. 
graveolens nannte, dürfte es angezeigt sein, den ältesten von Moritzi 
eingefülirten Namen P. Muretiana zu reserviren. Für den zweiten 
selteneren in der Tracht der P. integrifoUa näherstehenden Bastart 
kimnte dagegen von nun an der L;i gge r'sche von Koch in der 
Syn. acceptir'.e Name P. Dinyana gebraucht werden, um so mehr, 
als olinediess der Wortlaut der Lagger'schen und Kocirsclien Be- 
schreibung, in so weit er die Blätter betrifft, auf die der P. integri- 
foUa näherstehende und nicht auf die mehr zu P. viscosa hinneigende 
Pflanze passt. Ich führe daher auch hier die (\er P. i?itegrifoUa mher- 
steliende Primel als P. Dinyana auf. 



"*) Nach BrLigi2;or wurde der Name P. Muretiana Moritzi um 3 Mo- 
nate früher als I*. .Dinyana Lagger veiöffenllicht. Vergl. Reichenb. Icon. 
XVII, p. 4ü. — Wenn aber an der eben citirten Stelle Lagger der Vorwurf 
gemacht wird, dass er zu der Beschreibung der von ihm in der Flora XXII, 
's. 670 aufgostelUf'ii P. Dinyana den kurz vorher von Moritzi gegebenen Na- 
men als Syn. cilirt habe, so ist diess unrichtig. Lagger cilirt a. a. 0. nicht nur 
keinen Namen Moritzi's, sondern bemerkt sogar ausdrücklich: ,.Mpinos Wissens 
hat sie (die in Rede stehende Primelj aber bis dahin noch Niemand beschrieben." 



155 

/6. PriinuUi Dhtynna Lag-ger in Flora XXII, S. 670. 
(superinlegrifulia X viscosd) 

Blätter dicklich, keilförmig, die elliptische Spreite in den sehr 
breiten kurzen Blatlsliol allmalig verschniüiert. ganzrandig oder un- 
deutlich in wenige sluniple Ziiline ausgescliwcilt; Schaft niedrig, wenig 
länger als die Blätter. 

Mit der Vorhergehenden und mit den Stammeltern auf dorn 
Albulapass und im Val Bevers, aber seltener als Nr. 15. — Die 
Exemplare meines Herbars von A n dee r auf dem Albulapass gesammelt. 

17. Prhnula Venzoi Hut er Exsicc. 1872. 
(tiroliensis X Wtilfeniana) 

y,P. venzoides Hüter" in Venzo Relaz. di un viaggio alpestre 
(Nuovo Giorn. bot. ital. V, 13Ü). — In den Venelianer Alpen auf der 
Alpe Valmcron zwischen Val di Forno und Cimolais im Bezirke Udine 
in der Seehohe von 1900 — 2200 Met. aufgefunden. 

Wie alle Primelbastarte wohl in weit geringerer Anzahl als die 
Stammeltern, aber doch in so grosser Individuenzahl, dass die Ent- 
decker dieser Pflanze auf beschränktem Baume Hunderte von Exem- 
plaren zu sammeln im Stande waren. Ich selbst verdanke meinem 
Freunde Huter ein halbes Hundert theils im getrockneten, theils im 
lebenden Zustande übersendete Stik-ke. 

Sehr bemerkenswerth ist der Umstand, dass P. Venzoi, welche 
ich nun seit 3 Jahren auch im Garten kultivire, daselbst weit besser 
gedeiht und viel kräftiger herangewachsen ist, als die an 
gleicher Stelle gezogenen Stammarten, denen sie ihren 
Ursprung verdankt. 

IS. Primulfi Stuiii Schott in Verh. d. z. b. Ver. 1853, S. 302. 

Cminima X inllosa) 

Syn. P. minima var. pubescens Josch Fl. v. Kärnth. S. 88. 

In Steiermark auf dem Eisenhut. — (Stur, Sitzungsb. d. kais- 
Akad. d. Wiss. 1856, S. 131 und Josch a. a. 0.) — Es ist mir 
nicht unwahrscheinlich, dass auch die von Zahlbruckner auf der 
Waldhornalpe südlich von Schladming in Steiermark aufgefundene, in 
der Flora 1820, S. 670 erwähnte P. truncata Lehm., welche Leh- 
man später als var. pubescens zu P. minima zog, als ein durch 
Kreuzung aus P. minima und P. rillosa hervorgegangener Bastart 
anzusehen ist, doch muss ich mich ohne Kenntniss der Lokalität, an 
welcher Zahlhruckner jene Primel auffand, und ohne Orig.-Exem- 
plare gesehen zu haben, eines bestimmten Urtheils liierüber enthalten. 
Sollte sich aber meine Mutlimassung bestätigen, so wäre für den hier 
aufgeführten Primelbastart der Name P. truncata Lehm, voranzu- 
setzen und ihm P. Sturii Schott als Syn. beizufügen. 



156 

19. Primula puniiln, 

Oninima X önensis) 

Die Blätter starr, keilförmig-, 1'5 — 2 Centiin. lano-, 7 — jo"" breit, 
über der Mitte von 7—9 verhiiltnissmiissig grossen, dreieckigen, in 
ein kallases Spitzchen vorg-ezogenen Zahnen grob gezähnt; der sehr 
schmale hyaline Rand derselben mit sitzenden Drüsen garnirt; der 
Schaft über die Blätter nicht oder nur wenig- herausragend, 1 — 2- 
blüthig, mit sehr kurz gestielten Drüsen bestreut; die Deckblätter 
länglich-iineal, länger als die sehr kurzen Blüthenstiele; der Kelch 
röhrig-glockig, die Zähne desselben eilV»rmig, stumpf, halb so lang 
als die Rohre; der Rand der Zähne mit sehr kurz gestielten und 
sitzenden Drüsen besetzt und auch die Aussenfläche des Kelches mit 
solchen Drüsen bestreut. 

In Südtirol auf der Alpe Magiascone in der Seehöhe von circa 
2000 Meter in wenigen Individuen unter zahlreichen P. minima, P. 
önensis, P, Facchinii und P. spectabdis im Juni 1873 von Porta 
aufgefunden. 

20. PrhmUa intertnedia Portenschlag in Tratt. Archiv t. 436. 

(Clusiana X minima) 
Syn. P. Flörkeana Salzer in Verh. d. z. b. Vereines I, 105 (nicht 

Seh rader). 

In Niederösterreich auf dem Schneeberge von F. Salzer und in 
Steiermark auf der Wildalpe von Portenschlag, an beiden Stand- 
orten nur in sehr spärlichen Individuen zwischen den Stammeltern 
aufgefunden. Die zwei von Salzer im Jahre 1851 auf dem Schnee- 
herge gesammelten Exemplare wurden von dem Entdecker meinem 
Herbar einverleibt, wofür ich demselben hiermit meinen besten Dank 
auszusprechen nicht unterlassen kann. 

21. Primula Facchinii Schott Prim. Blendl. S. 11 — 19, t. 3. 

Oninima X specfabilis) 
Syn. P. Flörkeana Facchini Fl. v. Südtirol, S. 19 (nicht Schrader). 

In Südtirol auf dem Frate im Val di Daone und auf der Alpe 
Magiascone von Facchini und Leybold und neuerlich in den Jahren 
1867 und 1873 von Porta aufgefunden. 

Während die drei vorhergehenden Primeln, welche durch Kreu- 
zung der P. minima mit P. villosa, P. önensis und P. Clusiana ent- 
standen sind, äusserst selten vorkommen und bisher nur in wenigen 
Individuen aufgefunden wurden, wird P. Facchinii an den angegebenen 
Standorten verhällnissmassig zalilreich angetrolTen, so zwar, dass dort 
auf l)esciiränktem Räume Hunderte von Exemplaren gesammelt werden 
konnten. 

22. Pritnula Flörkeana Sehr ad. in Krün. Enc. CVII, 393. 
{superglulinosa X minima) 
Unter dem Namen P. Flörkeana wurden von den Autoren die 
Bastarte begriffen, welche durch Kreuzuuff der P. minima mit P. 



157 

glul'mosa onlslaiulcn sind. Es lass(3n sich aber von don ans den eben- 
genannten Arien abstannnenden liyl)riden Primeln niclit weniger als 
vier Typen (bMillich nntersi bei(hMi. Von diesen finden sich zwei so 
hiinfig in den lirolischen Centrahdpen vor, dass man von ihnen gera- 
dezu als von zu Arten gewordenen Bastarten sprechen kann; 
denn abgesehen davon, dass sie fast jeder höliere Scliieferberg auf 
den Alpen im Westen und Osten des Wipptiiales, Pnsterliiaies etc. 
beherbergt, finden sie sich auch auf vielen dieser Berge in unzahl- 
barer Menge von Individuen, und es möge hier beispielsweise nur 
erwidint sein, dass in der Nähe meines Sommeraufenihaltes in Trins 
auf dem Muttenjoch zwischen dem Gschnitzthale und Obernbetgthale 
ganze Strecken davon idierzogen sind. — Neben den zwei hiinfigen, 
sich durcii keimfaluge Samen fort[iflanzenden Typen finden sich aber 
auch noch zwei äusserst seltene Typen vor, von welchen sich die 
eine der P. ylutinosa, die andere der P. minima sehr nahe anschliessf, 
und diese diirflen auch unbedenklich als Kreuzungen der beiden häu- 
figen Miltelformen einerseits mit P. glutinosa anderseits niil P. minima 
angesehen werden. Sie sind wie gesagt, sehr selten und finden sicli 
immer nur vereinzelt zwischen den beiden häufigen Miltelformen und 
den Stammformen vor. Der eine di(;ser goneiklinischen Bastarte, welclier 
sich der P. minima sehr naherl, wurde von Hut er in \\[l. P. bißora, 
der andere, auf welchen mich gleichfalls Freund Huter zuerst auf- 
merksam machte, von mir P. Huferi benannt. — In Betreff der No- 
menklatur der zwei anderen, so ungemein häufigen, von den meisten 
Autoren bisher unter dem Namen „P. F/örÄ-ea/?« Seh rad." kumulirten 
hybriden Miltelformen m()chte ich zunächst darauf aufmerksam machen, 
dass da auch noch ein zweiter Name, nämlich P. salisburgensis Flürke, 
in Willd. Herb. Nr. 3494 exislirt, der gleichfalls beide obengedachten 
Mittelformen begreif!, sogar vor dem Namen P. Flörkeana Schrad. 
in Kriin. Enc. CVII 393 die Priorität hat und darum auch von Schott 
in den V\"M. Prim. Blendl. 7 wieder zu Ehren gebracht wurde. Ob- 
schon nun P. salisburgensis Florke und P. Flörkeana Schrad. 
eigentlich Synonyma sind, so scheint es mir doch — um nicht einen 
neuen Namen schaffen zu müssen — erlaubt und zweckmässig, von 
nun an den Namen P. salisburgensis Florke so wie den Namen P. 
Flörkeana Schrad. auf je eine dieser zwei häufigen liybriden Mittel- 
formen zu beziehen, und ich gebe im Nachfolgenden die Merkmale an, 
durch welche diese Formen auseinander gehalten werden kiuuion. 

P. Flörkeana (super glutinosaX^minima^. Biälter spalel- 
formig, im vorderen Drittel von 9 — 15 kräftigen, dreieckigen, in eine 
kailose Spitze vorgezogenen Zähnen gesägt, der ends ländige unpaa- 
rige Zahn id)er die beiden bena(;hbartcn etwas vorragend, die S[tifzen 
der seitenständigen Zähne nach vorne abstehend. Schaft etwas klebrig, 
Deckblätter länglich, so breit als ein einzelner Keblizipfel, von den 
Kelchen etwas überragt. Krone rOthlich-violett; der Saum so lang 
als die Ridire. 

Sehr verbreitet in den östlichen Centralalpen zumal in Tirol 
(Hocheder und Rosskogel im Oberinnthal; Hornthalerjoch, Schafgru- 



158 

benspifze, Kaiserkijpfe zwischen Seirainer nnd Stiibaier Thal; Muttcn- 
joch, Sclimurzjoch und Trunajoch im Gschnitzthal; Trihulaiin im Obern- 
bergerthal; Alpen im Hintergrunde des Pflerschthales; Glung-ezer, 
Rosenjoch und Haneburger im Hintergrunde des Voldertliales; Tarn- 
thalerköpfe zwischen Navisthal und Wattenthal; ober der gefrorenen 
Wand in Dux und im Zemgrunde des Zillerthales; Kraxentrager im 
Vennathal; Alpen bei Sterzing; Wildseespitz ober der Burgumeralm 
im Pfitschthal; am Joche zwischen Pfunders und Ausserpfitsch; im 
Agstall unter dem Hexenstein bei Welsberg, auf der Dorieralpe bei 
Lienz, auf dem Kreuzberg bei Sexten, auf den Alpen bei Kais, Pre- 
graten, Gsies und nocli an zahlreichen and(;ren Standorten im Puster- 
thale; auf dem Manzoniberg bei Predazzo im Fassatiial); in Kärnthen 
auf dem Glockner und Kalserthörl an der tirolischen Grenze; in 
Salzburg auf der Schilchenholie und im Lungau ; in Steiermark 
auf der Hochwildslelle zwischen Grobming und Schladming und auf 
dem Hochgolling. 

23. Primtiln snlisbtirgensis Florke. 
(subglufinosa X minima) 

Blätter keilförmig, im vorderen Vierlei von 7 — 9 sehr kräftigen, 
dreieckigen, spitzen, in eine kurze hyaline Grane vorgezogenen Zähnen 
gesägt, der endstündige unpaarige Zahn über die beiden benachbarten 
niclit vorragend. Die Spitzen der unteren seitensländigen Zähne etwas 
spreizend. Schaft niclit klebrig. Deckblätter länglich, so breit als ein 
Kelchzipfel, von den Kelchen deutlich überragt. Krone dunkelpfirsich- 
blüthrolh ; der Saum länger als die Rithre. 

An den gleichen Standorten wie die vorhergehende; doch will 
mir scheinen, dass in den Alpen im Quellengebiete der Sill (bezie- 
hungsweise des inns) diese Bastart-Primel, dagegen im Oiiellengebiete 
des Eisaks (beziehungsweise der Etsch) die vorhergehende Bastart- 
Primel häufiger auftritt. 

24. Prbnuln Mflora Huler in litt. 
CFlörkeana X minima vel minima X salisburgensis) 

Blätter keilig-verkehrteiformig, vorne gestutzt und an diesem 
gestutzten vorderen Rande mit 5 — 7 radial abstehenden, grossen, 
dreieckigen, in kurze hyaline Granen vorgezogenen Zäluien gesägt. 
Schaft nicht klel)rig. Deckblätter 2 — 3, länglich, so breit als ein 
Kelchzipfcl, von den Kelclien deutlich überragt. Krone pfirsichblüth- 
roth; der Saum länger als die Röhre. 

Die sehr ähnliche P. minima unterscheidet sieh durch die in 
längere Granen ausgezogenen Zähne der Blatter und die linealen 
Deckblätter, welche schmäler sind, als ein einzelner Zipfel des Kelches. 
Gewöhnlich ist aucii an der Basis der Blüthenstielchen der P. minima 
— selbst dann, wenn ihr Sciiaft zwei Blüthen trägt — nur ein Deck- 
blatt entwickell. 

In Tirol auf dem Rosskogel, Hornthalerjoch, Muttenjoch, Tarn- 
thalerkopf, Hanneburger, Glungezer und auf den Alpen des Pustcr- 



159 

tlialos, al)or itmiicr mir in v(M-('iii/.t'Ilon St(")cken inilcr P. Flörkeana, 
minima uiul ylulinosa. 

2i». Pri/ttufa Hitferi, 

(Flürkeaiia X (jlnlinosa \c\ (jhilinosa X salisburgensis) 
Blätter l.in^lich-spalelforrnig , im vorderen Drittel von II — 15 
kurzen, breit-dreiecluoen. an der Spil/e kall()S V(!rdi(:klen Ziilinen ge- 
Siiiif!; der endstandiii-e un|)aarig-e Zalin über die beiden !)enacld)arlen 
etwas vorraoend. ScIiaTt oben klebrig, Deckblätler 2 — 3, langli(-h, 
breiter als ein einzelner Kelclizipfel, von den Kelelien nicbt überragt. 
Krone violett (von der Farbe der Viola odorata), der Saum kürzer 
als die Röbre. 

Primula gluiinosa Wulf., welcher sich P. Hiiteri sehr nähert, 
unterscheidet sich durcli die slunipi'en Zaime der klebrigen Blätter, 
durch die breit eifoimigcMi Deckbläller, welche sich an der Basis ge- 
ffcnseilio; mit ihren Randern decken, auch die Kelclie überragen und 
diese fast ganz verhüllen und durch die blauen Blumenkronen. 

In Tirol von mir auf dem Hornthalerjoch zwischen Lisens in 
Seirain und Oberiss im Stubaitlial, dann auf den Tarnfhalerköpfen im 
Hinlergrunde des Navisthales, von Hut er auf dem Villgratnerjoch im 
Puslerlhale aufgefunden. An allen diesen Standorten immer nur in 
sehr wenigen Exemplaren. 

26. Auffrosfice Heerii (Hegetschw.) Koch. Syn. 504. 
Cgiacialis X helrefica) 
In der Schweiz im Canton Glarus auf den Alpen des Kleinlha- 
les gegen das Martinsloch in der Hohe von 7 — 80Ü0 Fuss zuerst von 
Heer im Jahre 1828 aufgefunden. 

27. Atiilrosnce hybridfi. 

(hehetica X pubescens) 
In der Schweiz im Canton Waadt (..rochers de l'arrele de Ja- 
vernaz, alp. de Bex. Mnret). Grein li. ZusiUze und Berichtig, zur Ex- 
kursionsfl. d. Schweiz. S. 86. 

2S. Androsace nrefioides (Gaud. var.) 
((jlacialis X obtusifolia) 
A. obtusifolia ß. aretioides (laud. Fl. helv. II, 100; A. obtusi- 
folia var. exscapa Koch Syn. 505, halte ich für einen Baslart aus 
A. glacialis und A. obtusifolia, in deren Gesellschaft sie auch immer 
angehoiren wird. — In der Anordnung der Blülhen stimmt dieselbe 
mit A. glacialis überein; die Blumenkronen zeigen zudem im Beginne 
der Anthese einen röthlichen Anhauch , wodurch sich gleichfalls A. 
glacialis als die eine Stammart ausspricht; durch die Gruppirung der 
Blätter zu wenigen Rosetten an sehr kurzen Axen, so wie dadurch, 
dass nur die Kelchzähne und die von denselben gegen die Basis sich 
hinziehenden Zellengew ebsparticn grün, der andere Theil der Kelch- 
röhre blass weisslich geiärbt ist (während der Kelch der A. glacialis 



160 

einfarl)ig grün ersclioinl) stimmt A. arelioides (Gaud. var.) mit A. 
obtusifolia überein. 

Eine grosse halnluelle Aehnlichkeit zeigt A. aretioides (Gaud. 
var.) mit A. Wulfeniana Sieber und A. brevis Hegetschw. (_= A. 
Charpentieri Heer)'''), unterscheidet sich aber von diesen beiden 
durch die kleineren zur Zeit der vollen Blütlie vveisslichen Korollen, 
so wie durch die Blatter. Die Blätter des hier behandelten Bastaiies 
sind niimlich weich und werden im Aller g'elblich und schliesslich 
schwärzlich, indem sie zugleich verwesen , während die Blätter der 
A. Wulfeniana und A. brevis nach dem Absterben braun , lederig 
und starr werden und sich im mumifizirten Zustande noch lange er- 
halten. 

Von Gaud in zuerst im Jahre 1808 auf dem Berge Gries ge- 
sammelt. Von Em. Thomas im Nicolaithal im Wallis, von mir und 
meinem Bruder auf dem Hornthalerjoch zwischen Lisens in Seirain 
und Oberiss im Stubaithal in Tirol, von Stainer auf den Kaiser Al- 
pen aufgefunden. 

29. Androsace pedemonfan€i Reich b. fd. in Icon. XVII p. 48, 

t. 149. 
(carnea X obtusifolia) 
„Ex alpibus Pedemontii. Lisa.'' Reichb. fil. 1. c. 

30, Soldftneiln Ganderi Huter in Oest. bot. Zeitschr. XXIII, 22. 

Calpina X minima) 
In Tirol zuerst von Gander im J. 1862, später (1871) auch von 
Huter auf den Kalkalpen bei Sexten im Pusterthale aufgefunden. 

31. Soldanelia hyhrUla Kern. 
Calpina X pusilla). 
Blätter nierenformig, Schaft zwei-, seltener einbliithig; Kelch- 
zipfel länglich-lineal, '/} so lang als die bis zu V3 i" lineale Zipfel 
gespaltene riihrig-glockige Krone. Die Staubfäden an der Grenze des 
1. und 2. Fünftels der Krone eingefügt; die Basis dieser Staubfäden 
durch eine schmale vorspringende Kante oder häutige Leiste verbun- 
den; die Antheren mit ihrer pfriemenförmigen Spitze über die Mittel- 
höhe der Krone hinausragend; der Griffel mit seiner Spitze beiläufig 
die Mitte der lineaien Kronzipfel erreichend, immer etwas kürzer als 
die ganze Krone. Die Krone aussen und innen gleichfarbig, innen 
ober dem Ansätze der Staubgefässe mit violetlrothen striemenförmig- 
zerflossenen Makeln bemalen. 



*) Brügger hält A. Charpentieri Heer für einen Bastart aus A. gla- 
cialis und A. obtusifolia (vergl. Gremli n. a. 0. ö. 86), welcher Ansicht ich 
nicht beipflichten kann. — Auch Gremli hat Brügger's Ansicht in der ■>. 
Auflage seiner Exkursionsflora nicht accoptirt. — Nach meinem Dafürhalten ist 
A. brevis Heg. (= A. Charpentieri Heer) ebenso wie die ihr naiie verwandte 
A. Wulfeniana Sieber eine sehr seltene endemische Art, aber kein Bastart. 



IGl 

5J. nipina L. untcM'Sclieidol sich durch die weit ofTcMio (rlockig-e 
his zur Mille gespalleiu! Krone, die liiiuligeu gegen den (irillel ein- 
Wiirlsgebogenen und den u<'Klarridir(Mi(li'n Grund der Bliillie ganz ver- 
scldiesseuden ScIilniuIklapixMi und (h'ii üher die Krone ehvas vorra- 
gend(Mi (irilfel Die Sliuihrndi'n (Um* S. aJpina sind an der Grenze 
des l.und'2. Viertels der Krone eingefügt, die Anllieren erreichen mit 
ihrer plVienienlorniigen Spitze die Hasis der lineah'u Kronzipfel, die 
Krone ist zwar so, wie bei S. hybrida aussen und innen gleichfarbig, 
innen aber ohne violettrothe Makeln und nur mit dunklen violetten 
Linien gezeichnet. 

S. pusilla Bau mg. unterscheidet sich durch die röhrenförmige 
nur bis zu V* gespaltene Krone, den relativ kürzeren GrifTel, der 
niemals über die Basis der linealen Kronzipfel hinausragt. Die Staub- 
fäden der S. pusilla sind an der Grenze des 1. und 2. Sechstels der 
Krone eingefügt, die Antheren erreichen mit ihrer pfriemenförmigen 
S|)itze kaum die Mittelh(»he der Krone; die Krone ist aussen dunkler, 
innen lichter violett; innen über dem Ansatz der Staubgefiisse mit 
violettrotlien striemenformig-zerflossenen Makeln bemalen. 

Zuerst im Jahre 1861 auf dem Rosskogel oberhalb Innsbruck 
in einigen wenigen Exemplaren zwischen den Stammeltern beoiiach- 
tet, später in den Jahren 1871 — 1874 allenthalben auf den Alpen des 
Gschnilzthales aufgefunden. Am häufigsten in der Mulde unter der 
Kuppe des Blaser bei Malrei, wo ich im Jalire 1872 am Rande eines 
kleinen Schneefeldes auf beschränktem Räume 20 Individuen zu sam- 
meln Gelegenheit fand. Im Jaiire 1873 von Grem blich auch auf der 
Lampsen in Tirol (Uebergang aus dem Unterinnthale nach Hinteriss 
im Isarthale) aufgefunden. Vergl. Oest. bot. Zeilschr, XXV, 19. 



Als einige der wichtigsten Resultate, welche sich aus einer ein- 
gehenden Untersuchung der Form Verhältnisse, des Vorkommens und 
der Verbreitung der hybriden Primeln der Alpen ergeben , sind fol- 
gende hervorzulieben : 
1. Die gri)sste Zahl der hybriden Primeln (20) gehiu't der Abtliei- 
lung Auriculastrvm , eine weit geringere (5) der Abtiieilung 
Primulastrum Schott an. — Bastarte aus solchen Stammarten, 
von welchen die eine der Abtheilung Auriculasfruin, die andere 
der Abtiieilung Primulastrum angehören würde, sind nicht be- 
kannt geworden. — Aus der Abth. Primulastrum sind nur Ba- 
starte der Sect. Enprimula Schott nachgewiesen; die Arten der 
zweiten Section dieser Abtheilung , nämlich der Sect. Alenritia 
Duby sind überhau[)t an keinem der bisher ermittelten Primel- 
Baslarte betluMÜgt. — Aus der Sect. Euprimula zeigt P. acaulis 
zu den anderen die grössle sexuelle AlFiuitat; sie l)ild('t mit allen 
anderen Arten dieser Sectitm Bastarte, wäiirend die sexuelle AlTinitat 
der and(M-en Arten (lies(T Section unter sich weit geringer ist. — 
Aus der Abtheilung Auriculastriim sind P. Anricula und P. minima 
diejenigen Arten, welche an der grösslen Zahl der Bastarte be- 

Opsterr. botaii. Zeitschrift, h. Heft. 1875- 13 



16? 

Iheilig-t sind. — Die grösste sexuelle Affinität zeigt P. Anricula 
zu den Arten der Sect. Erythrodrosum Schott; P, minima da- 
gegen zeigt die grösste sexuelle Affinitiit zu der Sect. Cyanopsis 
Schott CP. glufinosa), eine geringere zu den Sectionen Er?//Äro- 
drosum und Arthritica. — Ein Bastart aus den beiden doch so 
sehr zur Bastarthihlung geneigten Arten P. Auricula und P. mi- 
nima ist dagegen, obschon diese beiden Arten oft zusammen 
vorkommen, zu gleicher Zeit blühen und von denselben Hyme- 
nopteren besucht werden, nicht bekannt geworden. Ebensowenig 
hat man bisher einen Bastart der P. Auricula mit einer Art der 
Sect. Arthritica und Cyanopsis gefunden, obschon die Verhältnisse 
des Vorkommens, die Blüthezeit etc. der Bildung eines derartigen 
Bastartes nicht im Wege stehen würden. — • Die Arten der Sect. 
Erijthrodrosum zeigen unter sich wahrscheinlich grosse sexuelle 
Ail'inilat, da sie aber der Mehrzald nach getrennte Verbreitungs- 
bezirke haben, sind auch Hybriden dieser Section sein* selten, 
und OS ist als hiehergehörig bisher nur P. Berninae bekannt 
geworden. — Aehnlich verhält es sicii wohl auch mit den Arten 
der Sect. Arthritica^ welche gleichfalls räumlich getrennte Be- 
zirke bewohnen. 

2. In Betreff der Individuenzahl lassen sich die hybriden Primeln in 
3 Gruppen theilen: 

a) solche, welche nur in vereinzelten Individuen unter vielen 
Tausenden der Stammarten vorkommen (P. media, intermedia, 
obovata, pumila) ; 

b) solche, welche man unter vielen Tausenden der Stammarten 
zu Hunderten antrifft und deren Individuenzahl etwa O'OÜl 
bis 0-0 1 ^ von der Individuenzahl der auf einer Ouadratmeile 
vorkommenden Stammarten betragen dürfte (P. brevistyla, 
pubescens, Miiretiana) ; 

c) solche, weh^he zu vielen Tausenden von Individuen unter 
den Stammeltern angetroffen werden, deren Zahl an manchen 
Orten 1 — 5^ der Stammarten ausmacht und die man ge- 
radezu als zu Arten gewordene Bastarte bezeichnen muss 
(P. F/örkeona). 

3. In der Kultur vermehren sich die Priinelbastarte auf vegetativem 
Wege in der Regel weit besser als die Stammarten, denen sie 
ihren Ursprung verdanken. Während P. tiroliensis und P. W%il- 
feniana nur sehr schwierig fortzubringen sind, gedeiht der Ba- 
start P. Venzoi (tiroliensis X Wulfeniana) ganz vortrefflich; 
walirend die Kultur der P. hirsuta manchen Schwierigkeiten 
unterliegt, gedeiht der Bastart P. pubescens (Auricula X hirsuta) 
äusserst leicht und es wurde dieser letztere sogar der Ausgangs- 
punkt einer sehr beliebten Zierpflanze der europ. Gärten, nämlich 
der Garten-Aurikel. Dasselbe gilt auch von den aus P. acaulis 
und P. officinalis hervorgegangenen Bastarten, welche gleichfalls 
zu belieliten, sich äusserst leicht vermehrenden, ja geradezu 
wuchernden Zierpflanzen geworden sind und unter dem Namen 



163 

^Prlmnla anglica^ schon st'it Jahrhunderten die europäischen 
Giirton soliiniicken. 

Die Merkmale der Prinielhastarlc entsiireclicn zwar in der Regel 
einer Conibinalion aus den Merkmalen der beiden Stammeltern, 
aber es finden sich an vereinzelten Individuen luiufig auch neue 
Merkmale, welche an keiner der beiden Stammarten beobachtet 
werden, oder es kommen mitunter gewisse Merkmale ganz in 
"Wegl'all. So z. B. findet man Individuen der F. piibescens (Au- 
riculaX.hirsuta), welche weder den mehligen 13eschlag der P. 
Auricula, noch die Driisenhaare der P. hirmta an den Kelchen 
zeigen, so wie auch Individuen, welche weder die goldgelbe 
Kronenfarbe der P. Auricula^ noch die gesättigt karminrothe 
Kronenfarbe der P. hirsuta, auch nicht eine Mischfarbe aus Gelb 
und Roth, sondern eine weisse Kronenfarbe zeigen. 

Diese Erscheinung drängt zu der Annahme, dass durch die 
Kreuzung die Variabilität der Sprösslinge gesteigert, dass gewis- 
sermassen die äussere Form erschüttert wird. Hiermit steht wohl 
im Zusammenhange, dass die Gärtner, um das Entstehen zahlrei- 
cher neuer Formen herbeizuführen, zunächst Bastartirungen vor- 
nehmen, weil die Bastarte eben weit mehr zur Bildung von in- 
dividuellen Varietäten geneigt sind, als die Stammarten. Bemer- 
kenswerth ist in dieser Beziehung noch, dass in alter Zeit, als 
dieser den Gärtnern gegenwärtig geläufige Kunstgriff noch un- 
bekannt war, von den in di(! Gärten eingeführten Primeln nur 
die sciion in der freien Natur ohne Zuthun der Gärtner entstan- 
denen Hybriden zu Zierpflanzen geworden sind. Während die 
gleichzeitig mit diesen Hybriden vor 300 Jahren in die Gärten 
eingeführten P. farinosa und P. Anricula ihrer Beständigkeit we- 
gen, als zu Zierpflanzen wenig geeignet, aus den Gärten wieder 
verschwanden, wurden die hybriden P. pubescens und P. breci- 
shjla zu weit verbreiteten Zierpflanzen, weil sich aus diesen 
bei wiederholten Aussaaten die mannigfachsten Varietäten ent- 
wickelten. 

Wie zwischen Pferd und Esel zwei Bastarte — Maulthier und 
Maulesel — , ebenso findet man bei den Primeln in der Regel 
zwischen zwei Stammarten, welche eine verhältnissmässig grosse 
sexuelle Affinität zeigen, die zu gleicher Zeit blühen und die 
räumlich nicht getrennt sind, zwei Bastarte, von welchen ge- 
wohnlich der eine der einen, der andere der anderen Stammart 
in seinen Merkmalen näher steht. Diese beiden Bast arte sind 
begreiflicherweise einander seiir ähnlich, aber doch in den meisten 
Fällen mit Sicherheit zu unterscheiden. Viele Botaniker haben solche 
ähnliche Bastarte kumulirt und als Eins bezeichnet, was zu mannig- 
fachen Verwirrungen Veranlassung gegeben hat. Es hat sich 
nämlich in Folge dieses Zusammenwerfens in neuerer Zeit all- 
mälig die Ansicht verbreitet , dass durch Kreuzung aus zwei 
Stammeltern immer nur ein und derselbe Bastart zum Vorschein 
kommen kijnne, gleichgillig ob die eine oder die andere der 

13* 



164 



Stammarten den Pollen zur Kreuzung- lieferte. — Diese Ansiclit 
sc^liien insbesonders auch durch die Experimente von Wiciiura 
eine Stütze zu finden, welcher beliauptete, durch wechselseitige 
Kreuzung- zweier Weidenarten jedesmal denselben Bastart erhal- 
ten zu haben. Die Untersuchung der von Wichura durch künst- 
liche Kreuzung erzeugten Weiden überzeugte mich aber, dass 
seine Angaben in diesem Punkte nicht richtig sind. Allerdings 
sind die zwei Bastarie, welche Wichura durch wechselseitige 
Kreuzung zweier Stammarten erzielte, einander sehr ähnlich — 
wie das ja gar nicht anders erwartet werden kann — aber sie 
zeigen doch gewisse Verschiedenheiten und sind in den meisten 
Fällen als zwei verschiedene Typen leicht auseinanderzuhalten. — 
Dass dann, wenn schon die beiden Stammeltern sich sehr ähnlich 
sehen, die durch wechselseitige Kreuzung aus ihnen entstande- 
nen zwei Bastarte kaum mehr zu unterscheiden sind , dass es 
mitunter nur zu einer Bastartform kommt, weil es Fälle gibt, 
wo zwar aus A durch Belegung mit dem Pollen von B ein Ba- 
start resultirt aber nicht auch umgekehrt, sind Sätze, die sich 
von selbst verstehen und auf die ausführlicher einzugehen ich 
für überflüssig halte. — Nur das eine mochte ich hier noch bemer- 
ken: dass dann, wenn zwIscIkmi zwei Stannuarten zwei Bastarie 
sich finden , diese nicht immer durch wechselseitige Kreuzung 
entstanden sein müssen. Es ist nach meiner Ansicht auch die 
Moglichkeil der von Grenier zuei-st vermutheten „inegale action" 
des Pollens einer und derselben Art und eine hiedurch bedingte 
Verschiedenheit der entstehenden Baslarte durchaus nicht auszu- 
schliessen. Die in neuerer Zeil von Nägeli vertretene Ansicht 
aber, dass aus zwei Slaminarten zunä(;hst immer nur eine Ba- 
startform mit einer und derselben Gestalt zum Vorschein kom- 
men könne, gleichgiltig ob die eine oder die andere der zwei 
Stammeltern den Pollen geliefert hat, so wie die von eben dem- 
selben vertretene Ansicht, dass dann, wenn zwei oder mehrere 
Bastarl formen zwischen zwei Staiinneltern vorkommen, nur eine 
der jiriiniire Bastart sein kann, während die zweite oder die an- 
deren abgeleitete durch Kreuzung des primären Baslarles mit 
einer der Stammeltern entstandene Bastarte sein müssen, halte 
ich mit allen von Nägeli gezogenen Konsequenzen als mit den 
Vorkommnissen in der freien Natur und mit den Ergebnissen der 
Experimente nicht im Einklänge stehend, für unrichtig. 

Abgeleitete Bastarie, d. i. solche, welche durch Kreuzung 
eines y)rimären Baslarles mit einer der Slammarten entstanden 
sind, finden sich ebenso wie Tripelbastarle etc. äusserst selten. 
Von Primeln sind mir nur P. biflora und P. Huteri bekannt ge- 
worden, die ich für abgeleitete Bastarie zu halten mich berech- 
tigt glaube. 



165 



Neue Kernpilze. 



i. Serie. 
Von G. V. Niessl. 

( Fortsot.'.unp;.) 

Diftyinosphaeria exigiia n. s. Perilhecia sparsa pcri- 

dermio itnnnilalo iccfa, hemispkaerica, alra, co7'iacea, minula, ostiolo 

pnpiUaef'orini vel subconoiäco ; ascis clacatis stipile brcri i:isp()i-is 

67 — 73 

ft i(T' */'^"*'^'''-^ distichis fusoideis, ulrimque obiusiusculis , leniter 

curcatis, cijinbiformibus, raro rectis; media septatis paulo consfrlc- 

15—17 
iisque, hyalinis, guttulatis ,^. - - Paraphyses paucae, ascos supe- 

rantia tenellae, fvgaces. 

An (liirron SIeng-eln oipUci«"''' von Dipsacus) bei Rastatt (Dr. 
Scliroeter). Sie hat viele Aeliniiclikeit nul manchen SphaereUcn, 
allein die FeritlKuien sind ansehnlicher, in die innere Rinde einge- 
senkt und die Paraphysen iinintjrhin nachweisbar. Ohne Zweifel ist 
sie den übriuen Gliedern dieser Gruppe nahe verwandt und von ihnen 
generisch nicht zu trennen. 

b) Transitores. Paraphyses distinctae. Sporidia disticha 

olivaeea. 
Didy mosphfierin Hlnteri n. s. Perithecia nunc sparso, 
nunc Inxe gregaria, miniifa^ henüsphaerica, tandem depressa, peri- 
dermio haud decolorato tecta, ostiolo papiUaeformi perfurantia, co- 

60—80 
ridcen - mcmbranacea atra; ascis clavatis stipitatis Ssporis TPr^Ai^ 

sporidiis distichis, rnrissime monostichis, lanceolatis vel lanceolato- 

oblnngis. obfnsiusculis, medio rel supra medium seplafis valde con- 

slricfisque, rectis vel leniter curfcifis, luteo mrescentibns seu oliraceis 

11—14 

-TT-/ z j Paraphi/ses nutnerosae, angustcie, ascos lange superanles, 

4 /2 .> 

simplices rel sparse romosae. 

An dürren Stengeln von Solanum Dulcamara und Lgsimachia 
vulgaris bei Graz, wie auch an Spiraea Anniciis bei Voitsherg in 
Steierinarix. August, Septbr. , wahrscheinlicii iil)erliaupt nicht selten, 
doch sehr bescluMden und \veo-(Mi ihres ineisl oeselliaen Vorkommens 
mit anderen Sphaerien leicht zu übersehen. 

Diese nette, nach H(M-rn Dr. Winter in Leipzig benannte Art 
ist sehr ausgezeichnet und von den bisher bekannten, nur mit D. 
Genistae Fckl. und der folgenden zu vergleichen. Die Schlauche sind 
Aerhällnissmiissig lang gestielt und die S|)oren liegen zweireihig im 
oberen Theile des Schlauches. Von sattgriinlicher Färbung, sind sie 
in der Form mehr lanzelliich als oblong, entweder gegen lieide 
Enden oder doch gegen das untere verjüngt, und enthalten wenig- 
stens 4 ganz kleine in der Axe stehende Öeltröpfcheu. Die Fara- 



166 

physen sind sehr zahlreich, überragen die Schläuche um Vz—'A ""^ 
zeigen höchstens sehr sparsame Verästelung. 

(Fortsetzung folgt.) 



Plantas in itinere africano 
ab J. M. Hildebrandt colleetas determinare perj^it W. Tatke, 

Auctoritate herbarii regii berolineosis. 

III. Borraginaceae Juss. 

473. Tournefortia suhulata Höchst, forma foliis undulato-crls- 
patis, Abyssinia: Habab: Bogos alt. 6000'. julio 1872. 

845. Heliotropium pallens Del. var. In Somalensium montibus 
Ahl d. prope Yafir alt. 2000 m. mart. 1873. 

720. b. idem Samhar prope Massua dec. 1872. 

470. H. cinerascens Steud. Abyssinia: Habab usque ad alt. 
7000', aug. 1872. 

136. E. europaeum L. 8. Schimperi DC. In locis humidis prope 
Geddah apr. 1872. 

137 et 137. b. H. arbainense Fresen. In locis desertis prope 
Geddah apr. 1872. flores flavi demum albescentes. TH.) 

846. b. H. (Euheliotropivm) somalense Viitke. Caule ereclo 
superne ramoso glabriusculo, foliis breviter petiolatis linearibus o!)- 
tusis margine planis integerrimis, spicis conjiigatis chracteatis pluri- 
floris, corollae tubo calyce triplo longiore, nuculis margine tubercu- 
lalis styloque glaberrimis. O- ^^ montibus Ahl ad Damalle c alt. 
1000 m. mart. 1873. (sp. unicum). Caulis alt. 3 dm.; folia 1 — 3 cm. 
longa, ad 3 mm. lala; flores in spica 10 — 12; spicae juniores scor- 
pioideae; Stylus brevissiinus; stigma conico-elongatum superne lineare, 
apice leviter l)ilobum styloque glabrum; flores deflorati fere omnes 
jam delapsi. 

763. H. strigosum Willd. (bicolor Höchst, et Steud.) Aden in 
desertis jun. 1872 bracteis in statu fructifero delapsis! 

718. a. idem prope Hamfale Jan. 1873 nomen vernac. : Giddemi. 

713. idem. Samhar prope Massua dec. 1872. 

Lithospennum? lencnphloeum Schweinfurth ex exempl. deflo- 
ratis videlur idem. Flores in hac specie saepius extraaxillares. 

830. a. //. thymoides Jaub. et Sp. var. foliis lineari-lanceolatis. 
In montibus Ahl prope Yafir alt. 2000 m. inter lapides mart. 1873. 

135. H. (Orthostachys 23 D. C) deserti Vatke. Fruticulosum 
humifusum ramosissimum ramis puberulis, novellis parce setosis, parum- 
subopposite ramulosis, foliis allernis suhsessilihus obovalis sinuato- 
crenatis obtusis basi angustatis rigide setosis, spicis in ramulis ter- 
minalibus solitariis paucifloris parum scorpioideis bractealis, calycis 
lot)is linearibus obtusis corollae tubum dimidium aequantibus, demum 
accrescenlii)us ovatis. %. 

In locis desertis prope Geddah apr. 1872. 



167 

Ranii circ. 'i dm. lorigi, sumuiilalilnis, iil fere fil in planlis de- 
serli aral)ici, dcfici^Mitibiis; Iblia O'ö cm. loiii>a, ad ü"3 tm. lala, pilis 
luberculo iinposilis obsila; sepala per antliesiii 0-4 cm. longa, i'ructi- 
fora fere cjusdem lonoiliulinis, sed laliora; fructus exsuccus l)iparUI)ilis 
nuculis binis geminatim concrelis latere inleriorc; alato-angularibus 
more HeliophyU sul)generis candollcaiii, sed afFinilas major ob spicas 
bracleatas videtur cum Ilcliolropü se(lit)n(! ürlhosfarhf/s D. Cf. 

763. H. ( Heliophi/fum) paradoxuin Valke. Frulicosum ramosis- 
simuiii, ramis crassLs dense selulo.sis, loliis ramorum slerilium obovato- 
oblongis subüessililiiLS aciiliusculis iiilegerrimis, ramorum lloril'erorum 
(liirormibus crassiuscuiis minulis sessilibus anguslis inter se coiifor- 
inibus, racemis conjug^alis {»aucifloiis ebraclcalis, coroUa calycem 
aequanle, stiginate conico sessili liirto inlegro. %. 

In lillore ad Bir Achmed prop(; Aden jun. 1872. fl. fr. Stirps 
abnormis H. lignoso (Schweinfurth) Valke {Lilhospermnni 1. ej.) pro- 
xima, quae a LUhospermo primo intuilu racemis ebracfealis «lislin- 
guenda; praeterea vero etiam sligmate conico apice leviter et aequa- 
liter bilobo, id qiiod in ipsius Schweinfurthii exemplaribus optime 
videre conligit slyloque terminali; species haecce H. nndulato Valil 
simillima characteiibusque proxima, sed differt ut ex analysi optima 
Schweinfurthii et autopsla mea patet, styli ramis semper valde inae- 
qualibus. ü. parodoxum ob fructus slructuram Heliopliytis est adnu- 
nierandum, a quibus habilu abhorret; nuculis geminatim concrelis 
etiam ab //. lignoso differt, quod nuculas 4 separabiles possidet; in 
nostro caulis allitud. 4 dm. subaeqnat; folia nunc basi petiolalim 
alleiiuala, nunc sessilia, in ramis slerilibus 1"B — 2'6 cm. longa, ad 4 cm. 
lata; in planta ilorifera valde difformia 3 — 5 mm. longa, ad 2 mm. 
lata Acres minuti; racemi densi 3 — 5 flori. 

846. a. H. (Heliophytum?) hirsutlssiinnm Vatke. Fruticosum 
ramosum dense liispidum, foliis alternis petiolalis subtriangulari-ovatis, 
l)asi subcordatis rotundatisve, supra pilis crebris tuberculo orlis, sublus 
ad nervös obsitis, margine repaiidis, pedunculis subterminalibus soli- 
lariis, calycis lobis linearibus coroUae tubo liirlo, i)er anthesin 4plo 
brevioribus, stigmate breviter conico apice integre, "jj. 

E Somalensium montibus Ahl prope Damalle sp. unicum mart. 1873. 

Ramus nosier 3 dm. longus; petioli 3 cm. longi; lamina 1"5 — 4 
cm. longa, 1'4 ad 2*5 cm. lata; Stylus modicus stigmateque breviter 
conico integre glaber; fructus ignotus. 

469. H. CHelioplii/tuin) Sleudneri Vatke in herb. reg. berol. 
caule fruticoso erecto a basi ramoso, in partibus herbaceis hirtello, 
foliis brc\iier petiolalis ovato- vel obovalo-lanceolatis acutiusculis 
repandulis supra scaberulis margine subciliatis, subtus secus nervös 
liirtellis, spicis solitariis conjugatis paniculatisve ebracteatis, calycis 
lobis linearibus, tubo coroUino adpresse piloso duplo brevioribus, 
nuculis laevibus glabris. 1>. 

In planitie basallica distr. Bogos Abyssiniae alt. 6000'; flores 
pallide flavescentes; jiil. ad sept. 1872. Caulis ad 3-5 dm. (in spe- 
cimine beccariano n. 145) altus'; folia peliolo incl. ad 7 cm. longa, 



168 

ad 2 im. lata; Stylus pilosiusculus apice levissime hilobus. Cf. de 
hac slirpe etiain eiium. nostram planlarum a divo Steudnero collect, 
mox edendam. 

470. 1). H. (Heliophytvm) abyssinicuni Vatke. Fruticosum siiperne 
ramulüsum, partibus lierbaceis dense hirtellis. foliis pavxidis breviler 
petiolalis ovalis obovalis ellipticisve inargine subundiilatis obtiisiusciilis 
utriiiqiK^ setosis, spicis solifariis conjug-atis paniculalisve cbracleatis, 
calycis lobis angustis corollae tiibo adpresse birtello quadruple) bre- 
\ioribus, nuculis laevibus breviter hirtellis. Abyssinia: Habab in locis 
sterilibus aug. 1872. 

Rami in spec. nostro 2 dm. longi; folia petiolo incl. 1-5 cm. 
longa, ad 0"5 cm. lata; fructus ut in praecedente globosus; Stylus 
ininute pilosus; sligma levissime biiobum vel integrum; an sp. alius 
Status depauperatus? 

721. H. (Ileliophyfiim) pterocarpnm Hoclist. et Steud. Samhar 
prope Massua dec 187 2. noinen vernac: Heleichimmn. 

8i0. idem. in planitie litlorali prope Lasgori Somalensium 
mart. 1873. 

720. a. H. (Heliophylvm) longißorntn Höchst, et Steud. Samhar 
l)rO[ie Massua rarum dec. 1872. 

471. idem. Abyssinia : Habab alt. ;:!000' jul. 1872; flores albi. 
Haue speciem ante hos quinquaginta annos in Arabia detexit et co- 
piose legit C. G. Ehrenberg! Ad Tournetbrtiam reftulit (in S'-Iied.) 
Schweinfurthius suadente habitu. fruclu obstante. 

2ß. Echium sericeum Vahl. In deserto Ramie prope Alexandriam 
mart. 1873. 

468. Anchusa affmis R. Br. Abyssinia: Habab alt. 6 — 800;)', 
fl. coernlei; ang. 1872. 

24. b. Alkanna tinctorkt (L.) Tausch Ramie prope Alexandriam 
mart. 1872. 

472. Ci/noglossum mirranfhum Desf. Abyssinia: Habab alt. 
6000', aiig. 1872. 

487. Trkhodesma afriranum (L.) R. Br. Altyssinia: Habab: 
Nakfa alt. 6000' inter fruticeta; Fl. lactei; aug. 1872. 

847. et 847. a. T. physaloides (Fzl.) D. Cf. In montihus Ahl 
alt. c. 1000 m. Exemplaria sub nuin. 847. a. distributa primo in- 
tuitu valde dilformia, omnii)iis piirlibus eliam aniheris glabrescen- 
tibus; atlamen post accuralain comijarationem huc rettuli. 

Obs. Spiroconus ghuicus Steven in Bulletin de Moscou 1851 
p. 576! ex specimine szovitsiano a cl. Koernicke huc relato est Tri- 
chodesma molle 1)C. prodr. X. p. 174! 

C n I i n u a b i t u r, 

Sequilnr descriptio Convolruli generis speciei novae: 
Convohulus affghanus Vatke. Frulicosus rainosissimus ramis 
junioribus serieeis , loliis ramorum oblongo-linearihus , ramulorum 
linearibus, omnibus integerrimis sessilibus, ramis ramulisque apice spi- 



169 

nosis. ixMlmu'ulis axillarihus 1— :^floris ralyce snblon<rionl)us bihracteatis, 
i>ei)alis sciii-eo-Nillosi.s ollipluis acutis, exterioribiis iiiiiiorihus, corolla 
calyce suh 5plo loiiuiitre liiisutissiina. 1j. 

In Alfghaiiia n-ppeiit oliin (IrifFilli! (n. 5857 ex distiib. kew.) 

C. (ruficoso Fall. c\ spliioso Desr. proxiiniis, ab iilr(){|uo cha- 

ract. ilatis salis vidoUir dislinctus. SulIVulex (Iharicalo-iamosus lere 

2 dm. altus; folia rainealia 2 cni. longa, l'S cm. lala, lainuloruin 

adulta phirima c, 1 cm. longa, ad 1 mm. lala. 



Mykologisches. 

Von St. Schulzer von Müggenburg. 

I. 

Ausser dem in mykologisclien Kreisen geleierten Professor Dr. 
Elias Fries, gab es noch keinen Menschen, dem die Gnnst des Schick- 
sals gestaltet halte, beinahe vom Knaben- bis in"s hohe Greisenalter 
sich mit der Pilzwelt zu beschilft igen. Dazu gesellte sich glücklicher- 
weise noch, dass er sehr friiii durch Herausgabe für die damalige 
Zeit massgebender Werke die Blicke der Mykologen auf siel» zog und 
nun sein Forschungstrieb durch Mitlheilungen aus allen Weltgegenden 
fortwährende Nahrung erhielt. Kein Sterblicher sah so viele Pilz- 
formen wie er. Keiner besass daher so ausgebreitete morphologische 
Erfahrungen, und seine daraus geflossenen Verdienste um Syste- 
malik sind unbestreitbar. Da indessen der Stoff, welchen zu bewältigen 
seine Lebensaufgabe war, übergross, so wird es mir der grosse 
Mann hoffentlich nicht übel deuten, wenn hie und da meine Ansicht 
von der seinigen abweicht. Nur um einige Jalire jünger als er selbst, 
führe ich die Feder nicht in der Absicht, einem würdigen, hochver- 
dienten Greise nahe zu treten. Mir liegt bloss (hiran, dazu beizu- 
tragen, dass in der Wissenschaft richtige Erkcnntniss ans Licht gelange. 

Es war im Jalire 1831 in Grosswardein, wo ich als Dilettant 
zu eigenem Vergnügen begann Schwämme abzubilden und zu be- 
schreiben. Unter anderen fand ich in allen dortigen Waldungen be- 
sonders häufig jene Art, welche die Icones selectae Hymenomycetum 
Hungariae Pestini 1873 I. Tal). 9. als Agaricus superbiens geben. 

Im mittleren Alter, welches zufällig auf obiger Tafel nicht be- 
sonders vertreten ist, sehen die feisten Rasen zum Genüsse überaus 
einladend aus. was mich veranlasste in einem Walde den rumänischen, 
nach einiger Zeit in einem anderen den magyarischen Waldhüter 
darüber zu befragen. Beide kannte ich bereits als gute Kenner ess- 
barer und schädlicher Arten. Einer wie der andere versicherte mich, 
der Schwamm sei gut. Auf diese Uebereinstimmung gestützt, nahm 
ich davon mit nach Hanse, Hess einen Teller voll bereiten und ass 
das Gericht zum Nachtmale. Ein Drang zum Erbrechen weckte mich 



170 

in der Nacht. Weder Wasser noch Kamillenthee konnten der iniich- 
tigen Entleerung- Einhalt tliun, bis sie endlich von selbst aufhörte, 
Avornach ich gleich einschlief und erst am Morgen, frei von jeder 
Mattigkeit oder sonstiger unangenehmer Folge des Zwischenfalles, er- 
wachte. 

Im vergangenen Herbste erlebte ich hier in Vinkovce einen 
zweiten Fall. Die Sohne einer Witwe verlockte das appetitliiihe Aus- 
sehen des Schwammes, eine bedeutende Quantität desselben aus dem 
Walde der Mutter zu bringen. Anderen Tages bereitete sie einen 
Theil davon. Der Witwe und ihrer Tochter mundete das Gericht 
sehr und sie verzehrten es. Noch war keine halbe Stunde ver- 
flossen , so begann bei beiden das Erbrechen und verlief trotz 
allen Hausmitteln gerade so wie einst bei mir, ohne Uebelkeiten, 
mit Staunenswerther Leichtigkeit, wonach sie sich so gesund fühlten 
wie je. In der Hand des Arztes wiire also der Schwamm vielleicht 
das beste Brechmittel, wenigstens bewirkt er leichteres Erbrechen, 
als der Wurzelsaft von Pliytolacca decandra, dessen sich das ser- 
bische Landvolk zu diesem Zwecke bedient. 

Erst viele Jahre nach dem mich betreffenden Ereignisse erlaubte 
mir meine ßerufsstellung duiw Uebeitrilt vom Dilettantismus zum 
ernsten Forschen, und da fand ich auf Viviani's Tafel 5Ü unverkennbar 
meinen Schwamm dargestellt, mit dem einzigen Unterschiede, dass 
bei ihm derselbe auf Holz wachsend abgebildet ist, was bei uns nur 
ausnahm.sweise vorkommt. Der erbiulernde Text fehlte leider in dem 
mir zugänglichen Exemplare des Werkes. 

Ich trug kein Bedenken, die dortige Benennung Agaricus olearius 
DC. , auf unsere Form zu übertragen. Sah ich ja doch unter anderen 
Holzbewohnern Ag. velutipes Curt. und A. melleus Vahl auch auf der 
Erde vegetiren. Uberdiess fand ich die ofTenbar dazu geh()rige Spiel- 
art immer an Stöcken nie auf der Erde. Siehe Icones. Da indessen 
unser Schwamm entschieden weisse Sporen hat, somit nicht zur 
Gruj)pe Dei'minus, wo Ag. olearius früher bei Fries und nach ihm 
bei Anderen Jahrzehnte hindurch stand, sondern zu Leucosporus 
gehört, so berichtigle ich dieses 1862 im zwölften Bande der Ver- 
handlungen der k. k. zool. bot. Gesellschaft, Seite 800. 

Als mein Freund, Herr Senior Kalchbrenner, die Zusammen- 
stellung der unter unseren beiderseitigen Namen von der ung. Akad. 
der Wissenschaften herausgegebenen, oben bezeiclineten Icones-Hefte 
begann, wobei er Fries, mit dem er gliickliclierweise in unausge- 
setztem Briefwechsel steht, zu Rathe zog, verständigte er mich, dass 
der alte Herr unsere Form nicht für A. olearius gelten lasse, wel- 
cher rostfarbige Sporen habe, sondern für A. zizyphimis Viv. halte. 
Ich machte ihn auf das Unpassende dieser Zutheilung aufmerksam, 
überliess ihm jedoch, wie immer, v()llig freie Hand zum Handeln, 
worauf er den Schwamm in meinem Namen und mit meiner Zu- 
stimmung Agar, svperbiens benannte. 

Ueber die Sporen larbe des südländischen A. olearius DC. kam 
man spat ins Reine; nachdem man sie, wie gesagt, die längste Zeit 



171 

für rostbraun liiclt, fnnd sio Hiisomann r()tlili('h, sicllle die Art aber 
docli niclil zu den Ut/porkodii , sundern zu d(;n Lencospori, wo er 
aucli in (U'r so ehen ersehienenen zweiten Ausoabo der Epikrisis von 
Fries mit dem Beisalze anlüeriilirl wird: „sporao albae." Es sclieint 
ühri<rens, dass die Sporenlarhe einiirer Tilze nach Geg-end und Wit- 
terung- variirl, denn zaldreiclie Exemplare des Ag. laetis Kromitliolz, 
die ich im abgewichenen Jahre fand, hatten durchaus reinweisse 
Sporen, ohne die gering-ste Beimengung- von sonst gewöhnlichem Rosa. 

Ich kann von meiner urspriingliciien Ansicht vorläufig- nicht ab- 
stehen, dass der in Mittel- und Siidiingarn, dann in Slavonien g-(Mneine 
Agar, siipcrbiens genannte Schwamm mit Ag. olearus DC. identisch, 
oder doch wenigstens eine Form desselhen sei. 

Vom Ag. z-iz-yphimis, dessen Viviani'scher Diagnose Fries, bei 
der Ausgabe seines neuesten Werkes, Einiges von meiner Form bei- 
mengte, weicht A. supcrbicns hauptsächlich in Folgendem ab: Ersterer 
erscheint in den meisten Fällen einzeln, was bei meiner Art, über- 
einstimmend mit A. olearius DC. , nur selten vorkommt. Dazu scheint 
Viviani's Schwamm bedeutend kleiner zu sein. Die L.ingc des Stieles 
gibt er auf selten melir als 2-5 Cm., seine Dicke olieu auf l'ö Cm. 
an und sagt: Der Hutdurchmesser betrage mehr als die Stiellänge. 
Die Lamellen werden im lateinischen Urtexte als "rariusculae," im 
italienischen als „raruccie," jene des Ag. superbiens in meinem 
Manuskrii)te mit den Worten „bei voller Entwicklung nicht sehr 
dicht" bezeichnet. Letzteres gibt der Herr Editeur in den erwähnten 
Icones durch den befriedigenden Ausdruck ,,subconfertae,„ wogegen 
Fries beim A. z,i::,gphinns seihe ,,confertae" nennt, was an das Ent- 
gegengesetzte der Angabe Viviani's streift. Endlich sagt Viviani aus- 
drücklich: der Stiel ist heiläufig zu zwei Drittheilen seiner Länge 
durch die herahlaufendcn Lamellen bedeckt, während sie bei meinem 
Schwämme in der Jugend bloss spitzig-angeheftet und erst bei voller 
Triebt er form entschieden, doch nie so stark herablaufend sind. Fries 
schweigt hierüber. 

Ans der von Fries gegebenen Diagnose des Ag. zyzyphinus ist 
weder Viviani's Schwamm no;h der meinige beim Anifinden mit voller 
Ueberzeugung anzusprechen, weil sie durch willkürliches Zusammen- 
werfen der Kennzeichen l)eider entstand und überdiess, wie soeben 
nachgewiesen in einem Hauptpunkte lückenhaft ist. Dagegen passt 
jedes Wort seiner Diagnose des A. olearius vollkommen auf meinen 
Schwamm im entwickeltsten Zustande, mit Ausnahme des Umstandes, 
dass dieser nur selten an Stocken vorkommt. 

Zum Schlüsse erwähne ich noch zwei Eigenschaften, welche 
Agai'. olearius DC. und A. svperbiens gemeinsam besitzen. Ersterer 
wird in allen Werken als giftig bezeichnet: die F'olgen nach dem 
Genüsse des Letzteren sind oben angegeben. Als ich die Witwe be- 
suchte, um mich über die stattgefundene Vergiftung (?) genau zu in- 
formiren, sagte sie unter Anderem: „Wie es dunkel geworden war, 
ging der eine Sohn hinaus und erschrak, denn in dem Winkel, wo 
die nicht verwendeten Schwämme noch lagen, leuchtete es wie ein 



172 

Liclit." Ich glaube, nach dieser Erfahrung ist jedes weilere Wort 
iiberflüssig, uui die gleiche Natur des Ag. olearlus I)C. mit meinem 
A. superbiens zu constatiren, denn das bei Ersterem längs! schon 
beobachtete Phosphoresziren der Lamellen ist keine häufige Eigen- 
sihaft an Agariiinen. 

Levcille zeichnet die Lamellen des A. olearius am Hutrände ab- 
gerundet, was weder zu unserem Pilze, noch zu Viviani's Abbildung 
stimmt, auch von keinem anderen Autor erwähnt wird. Vielleicht 
eine besondere Form desselben Schwammes. 

Schliesslich mache icli darauf aufmerksam, dass sich sowohl im 
ungarischen als im lateinischen Texte der mehrerwähnten Icones, bei 
Beschreibung des Stieles der Lapsus calami einschlich ..aufwärts ver- 
dünnt." Es sollte heissen: „aufwärts verdickt, in den Hui übergehend." 
Dann ist in der, der Kosten wegen wesentlich abgekürzten Besciirei- 
bung niclit erwähnt, dass ich den Schwamm in besonders nassen 
Jahren, mitunter auch an Weissbucheiistijcken erscheinen sah. 



Reiseerinnerungen an Spanien. 

Von Moritz Winkler. 

C-Scliluss.) 

Hatte sich bisher der Weg immer am Jenil hingezogen, so bog 
er nun links ab, und in scharfer Steigung musste ein Rücken über- 
klettert werden, welcher das Flussgebiet des Jenil von einem seiner 
Nebenflüsschen trennt, dann kamen wir an die Lehne d*^- Vacares. 
an welcher sich der Plad steil empor hob, hier fand sich bei circa 
7500 Fuss Seehühe noch ein kleines Gerstenfeld und bei ca. 8000' 
Höhe, unterhalb der Puerte de Vacares, erreichten wir nach 3 Uhr 
Mittags einen geschützten Punkt, der zum Nachtlager ausersehen 
war. Hier hatte ein Ziegenhirt sich noch eine kleine Fläche mit Ta- 
bak angebaut, der ganz üjipig stand und von Frost nicht gelitten 
halte. Fast am Gipfel bricht ein inaclitiger Gang von Kupfererz zu 
Tage, der sich wohl 4 — 5 Stunden lang am Abhänge des Mulahacen 
verfolgen li:ssl, aber nach kurzem Betriebe in Fristen gelegt wurde, 
da Wasserflnthen den angelegten Saumpfad zerstört hatten. Das Erz 
scheint uneischiipflich, aber in solcher H.)he, bei gänzlichem Mangel 
aller Beförderungsmittel und jedes Brennmaterials, ist wohl erst in 
sehr spater Zeit an einen Ausiiau zu denKen, zumal auch anderwärts, 
z. B. in den Alpujaras, sich bequemer gelegene Gruben von Kupfer- 
erz finden, die ebenfalls darnieder liegen, üeber die Puerta de 
Vacares (circa 9000 Fuss Seeliöhe) hinüber, welche ich erklomm, 
liegt ein kleiner Gebirgssee, die Laguna de Vacares; an ihm vor- 
iiber kann man mit Maulthieren, an der Lehne des Pic Lobo entlang, 
an die Südseite des Mulahacen gelangen und hat dann noch etwa 



17:? 

IV2 Slundc bis zum Cipfcl zu Klolforn. Wir wollten aber diesseits 
an der nijrdliclien Leiine entlano- (h-n (j!i[il'el|tuiikl erreidien nnd stärk- 
ten uns dazu durch Speise, Trank und S'-Iilaf. 

Als ich gegen 8 Uhr Abends von meinem Spaziergangi^ zuriick- 
kehrle, war das Nachtmahl l)ereit, die Sonne war untergegangen, 
das junge Volk unforhielt sich mit Gesang und Cnitarrelx'gleitung, 
und wir älteren Rlunncr setzten uns auf einen erhabenen Felsen, 
\(m dem n)an einen wundervollen BHck geiioss. Die Bergspilzen 
glühten no( h im rosigen Scheine der Abcndröthe, aber im Thale 
waltete bereits die Finsterniss. Fast gespenstisch stieg die Schnee- 
wand des ('oral de Veleta aus der tiefen Nacht des Grundes empor, 
ein leichtes Gewitter, das uns nicht einmal von unserem Sitze ver- 
jagte, webte einen leichten Sihleier über das Ganze, und die Bilder 
der Vorzeit uinschwel)ten uns. Einst mag die Nevadakette hiWier ge- 
wesen sein; an den schroffen Abstiirzen i\es grossen Kessels, dem 
der Jenil entquillt, sieht man deutlich, dass die I/.ge der Felsen \om 
Horizonte aus gegen einen h()heren idealen Mittelpunkt anstrebt, der 
\ov undenklichen Zeiten gehoben wurde und wieder in sich zusam- 
men gesunken ist. Es sind sihiine Stunden der Erinnerung, die sich 
an diesen seltenen Abend knüpfen. 

Unter dem schützenden Dache des Zelte.s, in warme Decken 
gehüllt, überlies.«en wir uns der wohlverdienten Ruhe, st;irkten uns 
am ^Morgen durch S|)eise und Trank und schickten die Manlfliiere 
sammt Gepiick auf dem bereits erwähnten Pfade über die i'uerta de 
Vacares. mit dem Auftrage an die Arieros, uns gegen AbiMul auf 
einem bestimmten Punkte zu erwarten, während wir uns zu Fuss in 
Bewegung setzten, um an der Nordlehne des Pic Lobo und Mula- 
hacen entlang den für das Besteigen günstigsten Punkt zu erreichen. 
Der Weg (obwohl ein solcher natürlich nicht vorhanden ist, sondern 
man beliebig an den Felsen hinklettert) ist prachtvoll, bald wildes 
Felsenlabyrinth, bald ein Alpensee, deren ich 8 zählte, bald eine 
kleine Cascade. Stets Wechsel der Szenerie und eine Vegetation, die 
an den h()chsten Norden und an die Glefsiherwände der Schweiz 
erinnert. Anfänglich ging Alles pr.ichtig \on Stalten, die belebende 
Kraft der Bergluft Hess manches llngemach ertragen, als wir aber 
nach 6stün(liger Wanderung den letzten steilen, aus wild durcheinan- 
der liegenden Steinen gebildeten Riegel emporstiegen, welcher den 
Picacho mit dem Mulahacen verbindet, ermüdeten die Damen zuse- 
hends, und nur schwer gelang es, bis zum Fusse des Mulahacen- 
kegels vorzudringen. Hier war aber an kein Weiterkommen zu den- 
ken, die Kräfte waren vollständig verbraucht, und obwohl nur noch 
eine kleine Stunde vom höchsten Punkte entfernt, blieb doch nichts 
übrig, als Halt zu machen und nach einiger Ruhe langsam gegen 
Süden hinab zu steigen, um die Reitthiere und Vorräthe zu erreichen. 
Da der eigentliche Kegel keine besondere Vegetation mehr bietet, 
auch die Aussicht nicht klar war, weil die Caleria (ein hohenrauchähn- 
liches Gebilde) den Horizont umdüsterte, so tritstete ich mich leicht 
darüber, obschon es mir leid that, nicht das Bevvusstsein mitnehmen 



174 

zu kimnen, meinen Fuss auf den liochsfon Punkt Spaniens g-esetzt 
zu haben. 

Unser Auge konnte weit g'egen Süden hinabblicken, aber weder 
Maulthiere noch Menschen waren zu erkennen; wir sucliten die Er- 
kUirung darin, dass sie an einer vertieften Stelle Halt gemacht haben 
würden, wodurch ihr Anblick uns entzogen sei, als wir aber in lang- 
samem Tempo mehrere Erdvvellen üherscliritten hatten und schon 
das Dorf Treveles von weiten zu sehen meinten, wurde der Irrthum 
klar. Wir halten uns viel zu weit rechts gehalten, und waren nicht 
in der Richtung nach Trevelez, sondern gegen Pitres zu gegangen. 

Nun war guther Rath theuer, die Damen waren nicht im Stande, 
einen Schritt weiter zu gehen, wir befanden uns noch gegen 8000' 
Höhe, das nächste Dorf mindestens zwei gute Stunden entfernt, kein 
schiilzendes Dacli, nicht einmal irgend eine warmende Hülle, sondern Alle 
in leichten Sommerkleidern; die geringen Vorräthe, welche die Arie- 
ros, die uns begleiteten, mit getragen hatten, längst aufgezehrt, und 
das Rewusstsein, hier bei der eisigen Kälte der Nacht im Freien auf 
einem Felsen liegen zu müssen, das waren wohl Umstände, welche 
die armen Frauen zur Verzweiflung bringen konnten, und auch wir 
Männer waren ihretwegen recht besorgt. Zwei Arieros wurden aus- 
geschickt mit dem bestimmten Auftrage, die Maulthiere aufzusuchen 
und auf jeden Fall herbeizuschaffen, der dritte von den mitgenom- 
menen musste helfen, eine Art Lager zu bauen und Rrennmaterial 
zu besorgen, wobei wir uns alle nach Kräften betheiligten. Wir 
trugen Steine zusammen, um wenigstens gegen die Windseite einen 
Scliirm zu bilden, und häuften Stauden von Koniga spinosa auf, 
welche als einzig brennbares Gewächs an den Felsen klammerte. 
Nun musste der übrig gebliebene dienstbare Geist Wasser suchen, 
was auch in ca. 1000 Schritt Entfernung zu finden war, und so er- 
warteten wir in einiger Unruhe das Hereinbreclien der Nacht. Als 
die Kälte empfindlich wurde, machten wir ein kleines Feuer, denn 
sparsam mussten wir mit unseren Vorräthen haushalten, und einer 
der Herren erhielt es abwechselnd eine Stunde lang im Rrennen, 
doch half es sehr wenig, denn die lockeren Büsche flammten leicht 
auf und verbreiteten dann mehr Rauch als Wärme. Um doch etwas 
Erwärmendes bieten zu können, nahmen wir einen Bleclibecher, füll- 
ten ihn mit Wasser, thaten eine Prise Manzanilla (das Kraul von 
Arlemisia granatensis) hinein, deckten einen Stein darauf und brach- 
ten diesen l)itteren Theo durch fortwährendes Anblasen der Kohlen 
endlicli zum Kochen. So sihaud(M-liaft dieses Getränk sclimecivte, wurde es 
doch von keiner der Damen versdimäht und bot noch den Vortheil, 
dass es die Lachlust erregte und die Zeit darüber leichter vergessen 
maclite. So hatten wir glücklich die zehnte Abendstunde herbei ge- 
braclit, aber nun war auch aller Muth geschwunden, und da der 
Wind immer schärfer und schneidender wurde, klapperten s(dbst wir 
Manner vor Frost und Hunger. Lc^gte man sich ein paar Minuten auf 
die Erde, so fror man noch mehr und erstickte im Rauche; stand 
oder ging man hin und her, so wollten die ermüdeten Füsse wieder 



175 

iimsinkm. Eiidlicli, fforado um Mittoniiicht, crlauhton wir oin fernes 
lluleii zu \erueliinen, und in der llolliiuiitr, dass es von unsereT 
Karawane herrühre, liessen wir das Feuer mit den ietzlen iloizvor- 
rälhen hoeh aullodern, um die Richtung zu bezeiclmen. GlucKlieher 
Weise hatten wir uns nicht gelauscht, und in einer halben Stunde 
langte das erste Maulthier an, dem hald die iihrigim folgten, und 
wenn aucii zum Aufschlagen di'S Zeltes keine Miiglichkeit war, so 
erhielten wir doch warme Decken und konnten be(jU(!m einige Stun- 
den ruhen. 

Dieses Missverständniss verdarb die ganze folgende Partie, ^on 
der ich mir noch grosses Vergnügen versprochen hatte. Menschen 
und Thiere waren iibermüdet und ein weites Sliick Weg umsonst 
gemacht; erst nach acht Uhr Früh kamen wir auf die Beine, wobei 
es so langsam vorwiirts ging, dass der Mittag langst vorüber war, 
als wir in die Alpujaras, der bekatmten Hochebene zwischyu der 
Sierra Nevada und den Küstengebirgen eintraten, (ilühend brannte 
die Sonne, kein Schatten, keine Erfrischung nach den ausgestandenen 
Strapazen, nur mühsam schleppten sich die Thiere dahin, und das 
reizende Thal des Flusses Guadalfeo mit seiner prachtigen Vegetation 
blieb fast unbeachtet. Abends 9 Uhr gelangten wir nach mehr als 
zwidfstündigem Ritt nach dem bereits früiier beschriebenen Badeorte 
Langeron, lagerten uns unweit der Stadt unter unserem Zelte, liessen 
eine MahlztMl bereiten und scidiefen wenige Stunden einen festen Schlaf. 

Es hatte sich in Langeron das Gerücht verbreitet: ,,in (jranada 
würde gekämpft", ob seitens der verschiedenen Parteien unterein- 
ander, oder von den Truppen des Regierungs-Generals Pa\ia gegen 
die Cantonli-Republikaner, darüber herrschten verschiedene Meinungen. 
Das ganze (jerücht erwies sich später als falscli, aber es beun- 
ruhigte uns doch durch sein blosses Auftreten, und veranlasste eine 
m(>glicbst beschleunigte Rückkehr. Bereits 1 Uhr Nachts slanden die 
Thiere wieder zum Abmarsclie bereit, aber nocli müde von den vor- 
angegangenen Tagen, und bei einem versengenden Wüsl(Miwinde 
wollte der Weg gar kein Ende nehmen; abermals mussten wir zwölf 
Stunden ohne Unterbrechung zu Ross sitzen ehe wir Granada er- 
reichten. Thier und Mensch sah etwas herabgekomnuni aus, die ver- 
schiedenen Zeltstangen, Guitarre, Kochutensilien und leeren Trag- 
körbe, die dcvastirlen Toiletten u. s. w. machten es erklarlicli, dass 
man uns in den Ortschalten, durch welche wir ritten, für eine Ko- 
ni()diantenl)ande ansah, und da unsere Arieros stets zur Kurzweil 
geneigt waren, bestätigten sie den Plinwohnern ihre Meinung von uns 
und erzihlten Wunderdinge von unseren Leistungen. ^Icin verwil- 
derter grauer Bart verschaffte mir die Auszeichnung, als Ciief der 
Bande bezeichnet zu werden. 

Die verschiedenen Störungen und angestrengten Märsche konn- 
ten meinen floristisciien Bestrebungen natürlich nicht günstig sein; 
aber immerhin brachte ich eine hübsche Bürde mit nach Hause, z. B. : 
Aconitum Napellus L., A. pi/renaiciim L., Agrostis necadensis Boiss., 
Arenaria pungens Clem., Campanula Uerniinii Link., Caruni verti- 



176 

ciUatnm Kocli, Cirskim odontolepis Boiss., Gar/en pygmnea V>. Rf., 
Genliana pneiünonanfhe L. ß. depressa, G. Buryt Boiss., 6'. brachy- 
phi/lla Vill., Holcus caespitosus Boiss., Koniga longicaulis Boiss , 
Nepefa Boissieri Wilk., Pedicularis verticillata L., Phyteuma Char- 
maelel Vill., Pinguicula leptoceras Rl)., PotentiUa nevadensis Boiss., 
Primula Intrlcala G. G., Ranunculus glac'ialis L., R. angustifolius 
DC, Reutera procnmbens Boiss., Saxifraga oppositifolia L., S. stel- 
Inris L., S. nevadensis Boiss., Sedum melananthertim DC, Semper- 
riruni mnnlamun L., Senecio quinqueradiahis Boiss., S. nevadensis 
Boiss., Scabiosa iomenlnsa Cav., Silene rupestris L., Thymus ser- 
pylloides Bory, Vella spinosa Boiss., Veronica alpina L. und Ver. 
Ponae Gon. 

Mit (lieser Exl\ursion war meine botanische Tliätig-keit in Spa- 
nien beendet, und icJi pfliickte nur noch ine und da iileine Andenken auf 
der Rückreise. Durch den Umstand, dass eine in Deutschland ver- 
heirathete Tochter Wilhelmi's schwer erkrankt war, und die Frau 
sich entschloss, dieselbe aufzusuchen, wurde ich veranlasst, noch 
einig-e Tage früher Granada zu verlassen, als es urspriino^lich in 
meiner Absicht g-eleg-en liatie, um einer anffenehraen Gesellschaft bei 
d(M" langen Tour nicht zu entbehren; und lang wurde die Reise 
allerdings. In Loja, wo die Eisenbahn gegen Malaga, wie oben be- 
merkt, noch unterbrochen ist, stiessen wir auf die Truppen des Ge- 
nerals Pa\ia, konnten weder vorwärts noch rückwärts, fanden auch 
kein O^s^i'Ü'-'' und mussten uns zwei Tage hindurch auf Strasse und 
Hansflur herumtreiben, bis wir endlich als Deutsche die spezielle Er- 
laubniss zur Weiterreise erhielten; dadurch war unsere Ankunft in 
Malaga verspätet worden, der fällige Dampfer bereits abgegangen 
und ein zweiter bei den vorhandenen Unruhen mit Sicherheit nicht 
zu erwarten. Zum GlücKie ersahen wir aus den Zeitungen, dass die 
von den Carlisten gest(»rte Bahn Madrid-Santander dem Verkehre 
wieder übergeben war, und fuhren ohne Zeitverlust nach Madrid 
weiter, sahen uns diese stattliche Residenz mit ihren Palästen, An- 
lagen etc., sowie die ausgezeii^hnete Gemiildegallerie an und ge- 
langten glücklich nach Santander, wo ein kleines französisches Dampf- 
schilT uns aufnahm und nach Bayonne bef(>rderte. Ohne Aulenihalt 
ging es weiter über Paris und Strassburg nach Wien, wo ich am 
11. Tage anlangte und während dieser ganzen Zeit nur eine Nacht 
rin Madrid) in's Bett gekommen war. Die vorausgesciiickten Pflanzen- 
kisten trafen alle glücklich ein, wiewohl die eine erst nach Verlauf 
eines halben Jahres, und eine andere, die irgendwo in's Wasser 
gefallen sein musste, in einem so traurigen Zustande, dass die un- 
tersten Pack»;te absolut verfault waren. 

Mancher Widerwärtigkeiten ungeaclitfU habe ich doch Volk und 
Land liebgewonnen und trage das Verlangen in mir, noch ein zweites 
Mal nach Spanien zu konnnen, besonders um auch die nordwestlichen 
Provinzen kennen zu lernen, die i(;h das erste Mal niclit besuchen 
konnte. Gerade dieser nordwestliche Theil ist am wenigsten botanisch 
durchforscht und müssle noch manche Seltenheit enthalten. Speziell das 



177 

alte Konigroirh Lron wurde mir als ein pr.ichlig-es wähl- iiikI wasser- 
reiflics Land a-csciiildcr;, und seine Bewuiiner als ein },nitiniil'iiirer 
und binner Menseiienseldai>\ 



Literaturberichte. 

Arbeiten des kais. Iiotaiiistlieii Ciini-k'iis zu St. Petersburg, 3. Bau .1 

1. Heft. St. Petersbur-, IS74. 8. 1G8 Seiten. 
Das vorliegeiule llelt cnlliall vier Abhandlungen, von welchen 
die zweite und vierle in lateinischer und deutscher, die erste und 
drille aber in russischer Sprache geschrieben sind. Der erste Aufsatz 
(.S. 2 — 2d) hat F. von Herder zum Verfasser und enthalt eine ver- 
gleicheiule Tabelle über phiinologischc Beobachtungen, die während 
der Jahre ISBfi — 1871 an mehr als OüO Pllanzenarten in den Umge- 
bungen Petersi)urgs angestellt wurden. Die beiden folgenden Abhand- 
lungen sind von E. K. v. Traut veiter geschrieben und zwar bringt 
S. ;ü — 83 einen Calalngus V^iciearum rossicarum, wahrend auf S. S'd 
bis 96 über den Sland des kais. botanischen Gartens zu St. Peters- 
burg berichtet wird. Den Schluss macht ein Aufsatz E. RegeFs, wel- 
cher Beschreibungen neuer Arten aus Turkestan und Bemerkungen 
über im St. Petersburger botanisclieu' Garten l'.ullivirte Gewiichse 
enthält CS. 97 — 198). Säinintliche Abhandlungen enliiallen, wie es von 
so tüchtigen Verfassern nicht anders zu erwarten war, zahlreiche 
interessante und beachtenswerlhe Daten. Die lateinisch und deutsch 
geschriebenen Aufsittze sind auch allgemein benutzbar, wahrend die 
in russischer Sprache veröffentlichten nur auf einen beschrankten 
Leserkreis zählen können. Dr. H. W. R. 

Norges Flora eller Beskrivelsor af de i Noige vildtvoxende Karplanler tilli.:('med 
Angivolsor af dercs Udbredel se at A^cl Blytt. 2. Theil, 2. Hälfte. Cliristia- 
nia 1874. In Com. bei Alb. Cammenndyer. 4. Heft. 8. S. (Ml— 855. 
Schon bei der Anzeige der 1. llidfte des 2. Tlieiles ■son A. 
Blytt's Flora Norwegens wurde in diesen Blättern hervorgehoben 
(XXIV'. 1874. S. 250), dass das vorliegende Werk mit Sachkenntniss 
und Gründlichkeit gearbeitet, eine gute Uebersicht der Phanerogamen- 
flora Norwegens gewähre. Das neues/e Heft schliesst sich in jeder 
Beziehung den früher veriiffentlicliten Theilen würdig an. Es enthält 
die Hauptmasse der Gamopetalen, beginnt mit den Ligulifloren der 
Compositi'n und endet mit den Diapensiaceen. Besonders her\()i-zu- 
heben wäre, dass Lector J. C. Lindel)erg die Hieracien bearbeitete 
( S. <>2() — 082). Da er ein gründlicher Kenner der genannten schwie- 
rigen Pflanzengattung ist, so entiiält diese Partie zahlreiche beachfens- 
werthc Angaben, welche allen Botanikern, die sich für Hieracien in- 
teressiren, erwünscht sein werden. Der 3. Theil soll die Dialypefalen 
enthalten und im Laufe dieses Jahres erscheinen. Es ist somit gegrini- 
ilete Aussicht vorhanden, Blytl"s Flora von Norwegen bald vollendet 
zu sehen. Dr. iL W. R. 



Oesterr. botan. Zeitsclirift. 5. Heft. 1S75. J4 



178 

Correspondenz. 

Znaim, am 6. April 1875. 
Die Biu'liberge bei Mailbcrg- in Niederösterreich, so auch die 
Niederungen um Seefeld und I{a(h)lz, haben, wie es scheint, von den 
niederösterreicliisclien Botanikern bisher nur wenig Beachtung gefun- 
den, obgleich dieser Theil des Landes manche interessante Pflanzen- 
art birgt. Ausser über Scovzonera parrijlora Jacq. fand ich bezüg- 
lich dieser Standorte keine Angabe. Ich selbst besuchte dieses Gebiet 
erst einmal und fand auf den Buchbergeu: Cypripedlum Calceolus 
ein- und zweiblüthig, Cephalanfhera pallens Rieh., Laserpitium lati- 
foliuin, Lithospermum pvrpureo-coeridenm, Polygala major Jacq., 
SUer trilohum Sco])., Viola mirahilis und viele andere. In den Auen 
und Niederungen um Seefeld und Kadolz: Äsfragalus ausfriacvs Jacq., 
Isalis twctojia, Lonicera CaprifoJivm^ Nasfvrfivni amphihhim R. Br. 
Orrhis laxißora Lani., Tefragonolobiis siliqvosus Roth nnd Vicia sor- 
dida W. et K., letztere Pflanze in grossen Mengen in den lichten 
Auen um Kadolz. Adolf Oborny. 

Bremen, "l. April 1875. 
Die auch in dieser Zeitschrift bereits warm empfohlenen Anpflan- 
zungen von Eucalypfen verdienen für Dalmatien gewiss die grösste 
Beachtung. Wenn im Allgemeinen das Wiirmebedürfniss der Arten 
von Citrus und EncalyptMS als ein ziendich über(>inslimmendes be- 
zeichnet werden kann, so ist doch die härteste der Eucalypten, niim- 
lich E. globulus, weit widerstandsfähiger als irgend eine der Agrumen. 
Vor einigen Jahren sah ich im botanischen Garten zu Kew bei Lon- 
don ein ansehnliches Exemplar von E. globulus, welches zwar einmal 
abgefroren gewesen war, aber doch die Mehrzahl englisc'her Winter 
offenbar ohne Schaden zu überstehen vermocht hatte. In den Gärten 
um London findet man nur wenige immergrüne Gewächse, welche 
nicht auch im nordwestlichen Deutschland in allen gewöhnlichen Win- 
tern aushalten; die empfindlichsten Pflanzen, welche man dort noch 
hiliifig sieht, sind: Quercus Hex, MagnoUa grandijlora und Viburnmii 
Tinas. Allerdings ist Eucalyptus globulus minder winterhart als diese 
Arten, während er den Lorbeer unzweifidhaft an Widerstandsfähigkeit 
weit übertrifft. Es scheint somit jener merkwürdige australische Baum 
etwa dieselbe \Mnterkälte ertragen zu können wie der Oelbaum, so 
dass seiner Anpflanzung in vielen Gegenden Dalmatiens gewiss kein 
Ilinderniss entgegensteht. Dr. W. 0. Pocke. 



Fersonalnotizen. 

— Dr. Josef Krzisch, dessen Tod im letzten Hefte angezeigt 
wurde, lebte in den Jahren 184{ bis 1847 als Schlossarzt in Man- 
nersdorf in Niederöslerreich und bis zum Jahre 1853 als solcher in 



I 



179 

Ilolilscli in Ungarn. Im Iclztoren Jahre wurde er als k. k, Comilats- 
FliysiKiis in Tyniaii aiineslelll, als aber im Jalire ISGl allen österrei- 
cliiscluieiilsrhen I5eamlen ihr Verbleilien in Ungarn unmi»olicli gcmachl 
wurde, iihersiedelle K. uaeh Baden hei Wien, wo er durch 2 Jahre 
in Disponihililat leble und sodann die Stelle eines Bezirksarzles in 
Neuukirchen erhielt und im Jahre 1868 in gleicher Eigens('irdlt nach 
Wr.-Neusladt id)ersetzt wurde. Hier fungirte er bis zu seinem Tode 
und widmete den grösslen Theil seiner freien Zeit der Botanik, wo- 
bei er häufig Ausfiiige in die niederösterreichischen Alpen machte 
und milunler wochenlang auf der Rax und dem Schneeberge ver- 
weille. Letztere Zeit hindurch beschäftigte er sich nur mit seinem 
Herbarium, dessen Katalog 881 Galtungen mit 4038 Arten von 7700 
Standorten ausweist. Diese Sanunlung nebst einem Mikroskop von 
Harlnack beabsichtigen die Erben zu verkaufen. 

— Gustav Jäger, Redakteur der Zeitschrift ..der Tourist" ist, 
fiO Jahre alt, am 7. April gestorben. Er liat sich grosse Verdienste 
um die nähere Kenntniss der Alpen erworben und in einem seiner 
Werke ..der Wechsel und sein Gebiet" befindet sich auch eine Zu- 
sammenstellung der Flora desselben von Dr. Krzisch. 



Botanischer Tauschverein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt von Herrn Wiesbaur mit Pflanzen 
aus NiederOsterreich. — Von Herrn Plosel mit rflanzen aus Schlesien. 

Sendungen sind al)gegangen an die Herren: Dr. Ressmann, Dr. 
Keck, Oborny, Dr. Busenlechner, Dr. Stohl, Keller, Dr. Marchesetti. 

Aus Istrien: Asphodelus ßsfulosus, A. ramosus, Fimbristyles 
dichotoma, Jiiniperus Oxijcedrus, Medicago fribnloides, Micropus 
erecfus, Orchis papilionacea, Passerina annua, Pulicaria grai'eolens, 
Piinica gr anal um, Satureja pygmaea, Senecio lanafus, Seseli Tom- 
masinü, Smilax aspera u. a. cing. v, Marchesetti. 

Aus Bayern: Carex paniculata, C. puUcaris, Chaerophylhim 
bulhosvm,, Cicnfa virosa, Eriophnrnm t^aginaiuni, Galimn tricornc. 
Gyninadenia albida, Nastnrlluni offfcinale, Potamogefon lucens, Ba- 
nunculns diraricalns, /?. Lingua, Stellaria tieinarum, Thesium pra- 
tense, Turgenia latifolia. — Aus der Schweiz: Gentiana acaulis 
w. a. eing, von Meyer. 

Aus N i e d e r (> s t e r r e ich: Althaea ofßc. parrißora, Cerasfium 
sihaticnm, Dianihus siipei-bus, Erysimum strichon, Geraniuni molle, 
G. sibiriritni, Helianlhetniim canum, H. Futnana, Lactnca Scariola, 
Lafhyrus lalifolius, Lithospernmm ofßcinale, Medicago prosfrafa, 
Myagrum perfoliatum, Nastttrliiun ofßcinale, Podospermum Jacqui- 
nianum, Potentilla inclinaia, P. obscura, Rhamnus saxalilis, Sapo- 
naria Vaccaria, Scorzonera attsfriaca, S. hispanica, Sentperriinin 
hirlum, Silene noctißora, Sorbus Aria. Thalicfrum anqustifoHum, 

14*' 



180 

Ti'ifolium campesfrc, Triticum caninum, T. repens ß. glaucum, y. 
ohiusiflorum, 8. arlslatum. u. a. eing. von Wieshaiir. 

Obij^o Pflanzen kimnen im Tausolie oder käuflich die Centurie 
ZI! 6 fl. (12 U. Mark) abiiegeben werden. 

-40«- 

Berichtigung. 

Ich habe bei Vornahme der Korrektur leider einen störenden Schreib- 
fehler übersehen, derselbe befindet sich auf Seite 121 des Aprilheftes, wo <-s 
unteren. Axis glabra" selbstverständlicii R.vclutinus Ten. und nicht Ä. ne^- 
pnlitanus heissen soll. 

Pola, am 1'2. April ls7ö. J. Freyn. 

Anmerkung. 

Gegenüber den ..Bemerkungen'-' des Herrn Simkovics (Heft 4, S. 133; 
ist der Redaktion von Herrn Dr. Borbas eine Erwiederung zugekommen, welche 
aber wegen zu späten Eintreffens in diesem Hefte keine Berücksichtigung finden 
konnte. 



Inserate. 

Elegante scliablonirte Eticjuetten 

zu 

M'i s s e n s ciiaf tl i c li eri S a ranil u ii g e n 

liefert bilHgst 

M. Steiner, 
Bad Nauheim. 

Herbarium-Verkauf. 

Das von dem verstorbenen Professor der Botanik Dr. E. F. Nolte zu 
Kiel hinterlassene Herbarium ist zu verkaufen. Dasselbe besteht aus einer all- 
gemeinen Sammlung und zahlreiciirn Separatkoüektionen , wie Beiclienbach's 
Flora germanica, Fiies' Herbarium noimale eic, umfasst im Ganzen mehrere 
hundert Packete und ist vortrefflich gehalten. 

Wegen näherer Auskunft wolle mon sich an Piufessor Eichler in Kiel 
wenden. 

Bei fjicbrüder Boriitracgcr (Ed. Eggers) in Berlin, Zimmerstrasse 91 

erschien soeben: 

Botanischer Jahresbericht. Systematisch geordnetes Reper- 
toriuin dvr bolanisclien Literatur aller Länder, l'iiler Mitwirkuntr 
einer Anzahl Fathiniinner lierausgegeben von Prof. Dr. Jast in 
Karlsruhe. 1873. IL Halbhand. Preis 14 Mark. Preis des kompleten 
Jahrganges 20 3Iark. 

K<!(lakl>;iir iiml Hi?r.iii!y;iljir lir. Alezander Skofttz. — Verla? von C. Gerold's Sohn. 
Druck uo I Pafier der C. Uoberreuter'sclien Burlulruckcrej (M. Salzer). 



Ocsterrcicliischi' 

Botanische Zeitsclirift 

Gemeinnützig'es Organ 

dir 
i>ie »»tepreic-iiiüc-he Exemplare 

botHnlHche Zelt, ein irt Rft^HHlli llllH Rftt'llliLAP die frei durch die Post be- 

crsctieiat DUldniK UIIU nUiaillker, zogen werden soUen, sind 

den Ersten jeden Monats. l.lo» bei der Reduktion 

"'^'Vir^'T^tt^w"""" Gäiiiier, Oekonoinen, Forstmänner, Aerzte, '''l::-^^;:^^: "' 

(/« R. Mark:f Im Wege des 

/«."ö.\'v"f «°.'*:iJä Apolheker und Techniker. ^''TrTnuLT.Vur' 

halbjährig. C. «lieroM'* «olm 

luserate in Wien, 

die ganze Petitzeile N_ ß so wie alle übrigen 

15 kr. Ost. W. AI- V» Buchhandlungen. 

\XV. Jalirgtiiig. Wllä^. J"n» 1815. 

ZNHAIaT: Hieracium eurypus. Von Knaf. — Ueber Transspiration. Von Burgerstein. — Thlaspi 
banaticum. Von Uechtritz. — Neue Eichen. Von Vu kütinovjic. — Zur Flora von Wien. Von 
Keiler. — Ueber Ebereschen. Von Hibsch. — Vegetations-Verhältnisse. Von Dr. Kern er. — Neue 
Kernpilze. Von Nit-ssl. — Exkursionen in die Tatra. Von Ric liier. — Erwiederung. Von Dr. Bnr- 
bas. — Correspondenz. Von Freyn, Dr. Sc hie d e rmay r , Dr. Marchesetti, Cechtritz. L. 
Reiclienbach. - Literaturberichte. — Personalnolizen. — Botanischer Tauscliverein. 

Hieraciutn eurypus n. sp. 

(//. nobile Gren. rornia Costa in sched.) 
Von Karl Knaf, 

Assistent für syst. Botanik an der Universität in Prag. 

H. phyllopodunt, eriopodum, pallide viride. Caulis erecfus^ infra 
detise albo-lanughiosus, super ne cano-ftoccosus glandulosusque, i/n- 
tnixtis pancis pilis simplicibus, foliosus. Folia rigidiuscula utrinque 
pilosa, quasi granulis obsifa pilorum bulbis majusculis^ haud immer- 
sis, margine petiolisque lanuginosa; radicalia horizontaliter patentia, 
oblonga lanceolatare, magna, lange petiolafa, dentata; caulina ocata 
reducta, inferiora obsalete denticulata, semiamplexicaulia, superiora 
integra, bracfeifonnia, basi rotundata sessilia. Anthela fastigiafa, 
pedunculis elongatis, gracilibus, subbicephalis. Capitnla ovato-cylin- 
drica. Incolucra primo intuitu glabrata, sed sub lente parce cano- 
ßoccosa, sparsis pilis simplicibus ; squamae appressae. Ligulae glabrae. 
Stylus fuligineus. Acliaenia fusco-alra. ReceptacuH alceoli membrana 
einet i obsessa perpaucis pilis tenuibus. 

In incultis prope Caldas de Mumbuy Catalauniae mense Sep- 
tembri 1872 leg. Compahö. 

Gegen 1' hoch. Den Namen gab ich der Pflanze nach der durch 
die zahh-eichen, grossen, ausgebreiteten Grundblälter aufTallend brei- 

Oetterr botan Zyit>r!irift. 0. Heft. 1S75- 15 



182 

Ion Basis. Am ii;ulislcn slolil sie jedenfalls dem H. pyrenaicum Jord, 
(mit H. nobile (iren.). Doch unterscheidet sich dieses durch meist 
steifen, dicken Stengel, meist grosse Stengelblätter, die minder zahl- 
reic'ien, aufrechten, [.inger gestielten, meist breiteren und undeulliclicr 
gezähnten Grundbliitter, die, wie die Stengelbltitter, meist dunkler 
grün und dünnhäutig sind, auch gewöhnlich der deutlichen Haarzwie- 
beln meiner Pilanze enthehren, ferner durch die drüsenlosen Kopfchen- 
stiele und Köpfchen, welch' letztere grösser sind und sich meist dichter, 
langer Zotten erfreuen, weit'.^rs durch blassbranne Achänen und zahl- 
reiche Haare auf der Randinoml>ran der Alveolen. 

Mit H. Costae Scheele (syn. daiuil, Avie schon Fries in sched. 
bemerkte, H. niyrio]}fn/Ilu7n Scheele, das jedenfalls hieher zu stellen 
ist trotz der übrigens kaum zu koiistatirenden geringen Anzahl Drüsen 
auf den Blättern, die überdiess auch bei jenem nicht fehlen) ist H. 
eurypiis m. wohl, obgleit'h jenes ähnlich drüsige Köpfchenstiele inul 
Hüllen hat, nicht zu vermengen, denn dasselbe besitzt nur wenige 
und anfreclile Crundblütter, einen steilen, dicken und ganz wie bei 
den Ärcipid'ina st^hr i'eich- und gr(»ssl)lätterigen Stengel, dunkleres 
Grün, grosse Köpfe, reichbewimiierte Aheolarmembranen. Anzuschlies- 
sen an diese jedenfalls verwandten Spezies wären noch H. composi- 
tum Lap. und H. lyrhnitis Scheele; beide besitzen jedoch zum Unter- 
schiede von meiner Art dunklergrüne, breilere Blätter mit weniger 
deutlichen Haarzwiebeln, die stengelständigen grösser, stengelumfassend, 
die grundständigen aufrecht, -weniger deutlich gezähnt, dicke, steife 
Stengel, weniger schlanke Köpfchensliele, grössere Köpfe, bleichere 
Achänen und, wenigstens das letztere, reich bewimperte Alveolar- 
membranen; ersteres überdiess minder zahlreiche Grundblätfer, dicht 
graufilzige, dicht zottige Köpfchenstiele und Köpfchen, letzteres sehr 
lang gestielte, grosse, breite, elliptische Grundblätter. Fries führt H. 
pyrenaicum Jord. (mit H. nobile Gren.) unter seinen Italica auf; die 
bleichen Achänen, die denselben zugeschrieben werden, würden die 
Identität eines derselben mit H. eurypus sofort ausschliessen; allein 
Fries i.st von nuuicher Spezies dieser Gruppe im Zweifel, ob die 
Aciiänen, die ihm vorlagen, reif gewesen seien. Indessen lassen die 
Diagnosen bcsi Fries (gesehen habe ich nur //. italicum Fr.) eine 
Identificirung meines Hieracium mit irgend einem der Italica nicht 
zu, die eine Abtheilung dersel!)en und H. crinitum Sibth. aus der 
anderen kommen wegen der grossen Köpfe nicht in Betracht, aus 
der zweiten dilTerirt //. Halicum Fr. durch die wenigen, sitzenden Sten- 
gelblätter, seine Kahllieil, die kurzen Aeste, H. virgaurea Coss. durch 
Kalillieit, grosse, sitzende Stengelhlätter, kurze Aeste, //. ageratoides 
Fr. durch Kahlheit, gedrängte Kopie an der Spitze der verlängerten 
Aeste, grosse, sitzende Stengelhlätter, H. Reinholdi Fr. durch grosse, 
sitzende Stengelhlätter, den Alangel des Filzes, hohe, steife Stengel, 
H. eriopus Boiss. durch kurzgeslielte Grundblätter, sitzende Stengel- 
blätter, steifiiaarige KOpfchensliele, lang-weisshaarige Hüllen. 

Von den Alpestria, zu denen meine Pflanze als entschieden den 
Pulmonarea angehOrig wegen der halbumfassenden Stengelblatter 



183 

zu ztililon wäre, mit donon sie ai)er gar keine Verwandtschaft hat 
(wohl aber ist dieselbe sicher mit //. pyrenairum Jord. vorlianden) 
wären nur höchstens die durch fast kahle Hüllen ausgezeichneten 
2 Species : //. Geurglcum Fr. und //, Dinoricum Fr. zu vergleichen. 
Allein ersteres ist (nach Fries) ganz kahl, besitzt stumpfe Grund- 
blütter und geöhrU-stengeUnufassende StengelbUitler, letzteres ist hy- 
pophyllopod und besitzt fast kahle, nur mit wenigen weissen, drüsen- 
losen Haaren versehene Hüllen. 

Schliesslich erfülle ich eine angenehme Pflicht, indem ich Herrn 
Prof. Willkomm, dem ich die Novität verdanke, und der mir bereit- 
willigst sein reiches Herbar behufs der Vergleichung zur Verfügung 
stellte, und Herrn von üechtrilz für freundliche Begutachtung meinen 
innigsten Dank ausspreche. 

Prag, im April 1875. 



Kleinere Arbeiten des pflanzenphysiologischen Institutes 
der Wiener Universität. 

VI. 
Ueber die Transspiratioa Ton Taiaszweigen bei uiedereo Teniperataren. 

Von Alfred Burgerstein. 

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich eingehend mit dem Ein- 
flüsse, den bestimmte chemische Individuen, die in gelöstem Zustande 
der Pflanze dargeboten werden, auf ihre Transspiration ausüben. 

Zu den Versuchen haben sich bisher Zweige von Taxus baccata 
als besonders geeignet erwiesen. 

Um die Beziehung der aufgenommenen Stoffe zur Transspiration 
der Pflanzen möglichst genau feststellen zu können, war ich genöthigt, 
äussere Einflüsse auf die Verdunstung der Versuchspflanze genau zu 
Studiren, u. A. den Einfluss der Temperatur. 

Ich gelangte hiebei zu einigen Resultaten über die Transspira- 
tion von Taxus barcafa bei niederen Temperaturen, die mir der 
Veröffentlichung nicht unwerth erscheinen. 

Die Versuche wurden mit Zweigen und nicht mit ganzen Pflan- 
zen angestellt. Dennoch erscheint es mir unbedenklich, die an Zwei- 
gen gewonnenen Resultate mit einer gewissen Einschränkung auf die 
ganze Pflanze zu übertragen. In einer gr()sseren Arbeit über die 
Transspiration der Pflanzen werde ich über diesen Punkt ausführlicher 
abhandeln. Hier will ich nur erwähnen, dass nach meinen Versuchen 
alle jene Einflüsse, welche die Transspiration normaler Pflanzen be- 
günstigen, auch die der Zweige in unzweideutiger Weise befördern, 
und alle jene die Transspiration normaler Pflanzen herabsetzenden 
Momente eine nach der gleichen Richtung gehende Wirkung auf 

15* 



184 



frische Zweige ausüben. Ich gestehe gerne zu, dass die unter 
mitgetheilten Zalilen, welche die Transspiration der Zweige bele- 
gen, absolut genommen, auf die ganze, normale Pflanze nicht un- 
mittelbar übertragbar sind; allein es ist keinem Zweifel unterworfen, 
dass die etwa wirklich bestehenden Differenzen so klein sind, dass 
sie auf die concrete Frage: „transspirirt eine Pflanze bei einer be- 
stimmten Temperatur noch, oder vermag sie dieses nicht mehr" kei- 
nen merklichen Einfluss haben. 

Auf meine Versuche selbst übergehend, ging ich bei denselben 
folgendermassen zu Werke: 

Der jedesmalige zuvor gewogene Versuchszweig wurde in einer 
mit destiilirfem Wasser gefüllten Eprouvette mittelst Draht befestigt, 
und damit aus Letzterer kein AVasser verdunsten könne, wurde die 
freie Wasserflache in der Eprouvette mit einer 6 — 10 3Im. dicken 
Schichte von Olivenöl bedeckt. 

Der ganze Apparat wurde nun gewogen, und an einem offenen 
Fenster eines ungeheizten Zimmers der kalten Atmosphäre ausgesetzt. 
Die eben herrschende Temperatur wurde von Viertelstunde zu Vier- 
telstunde nolirt. Nach Verlauf einer bestimmten Zeit wurde der Ap- 
parat wieder gewogen; seine Gewichtsabnahme entsprach der trans- 
spirirten Wassermenge. 

Die diessbezüglichen Beobachtungen sind aus der nachstehenden 
Tabelle zu ersehen : 



, 


Temperaturen 








Gewichte des 

Yersuchs- 

zweiges 


bei denen die 

Zweige trans- 

spirirten 


Temperaturs- 
mittel aus 
mehreren 


Dauer des 
Versuches 
in Stunden 


Gewichts- 
differenzen der 
Apparate 


in Grammen 


(sämmtlich 


Beobachtungen 


in Grammen 




unter 0"C.) 








5-282 


1-5-2-5 


- 2 


2 





030 


8-230 


2-5—3 


— 2-8 


2-25 





040 


5- 360 


4-5-6 


— 3-2 


1-5 





010 


6-380 


4-3— 3-75 


- 5-4 


2-25 





012 


5-755 


5 — 6-5 


— 5-7 


3 





021 


5-735 


5-5 7 


— 6-2 


3 





015 


5-790 


6-0—7-5 


— 6-8 


1-5 





002 


4-820 


9-5—11 


-iO-7 


1-5 





001 

1 



Damit die hier verzeichneten Gewichtsdifferenzen die jedesmal 
transspirirte Wassermenge genau angeben, ist noch Folgendes zu be- 
rücksiclitigen: 

Die Zweige waren auf offenem Fenster der Einwirkung obiger 
Kältegrade ausgesetzt, während die Wägungen in einem Räume ge- 
macht wurden, dessen Temperatur 15 — IZ^C. betrug. Es musste sich 
in Folge dessen nach Uebertragung des Apparates in den bedeutend 
wärmeren Raum Wasserdunst auf demselben niedergeschlagen haben, 
und es ist daher nothwendig, das Gewicht dieses condensirten Dunstes 
in Rechnung zu bringen. 



185 



Um die Grösse dieser Correciion zu errnitlelii, Hess ich einen 
gewogenen Taxuszvveig bei einer Tein(j(;ratur von — 5*^C. bis — 7^0, 
durch 10 Minuten neben den anderen Versuchszweigen stehen, und 
wog hierauf dieselben in jenem warmen Raum, in welchem die Wa- 
gungen überhaupt slallfanden. Es z(Mgte sicli iiiebei eine Gewichts- 
zunahme von durchschnittlich 0"1 Proz., welche in den oben mitge- 
theilten Versuchen in Rechnung zu bringen ist. Berücksichtigt man 
diese Correctur, so ergeben sich bei fernerer Umrechnung der Irans- 
spirirten Wassermenge auf die Dauer einer Stunde und auf ein 
Lebendgewicht von 100 Grm. Zweigen folgende Zahlen: 



Älittlere Temperaturen, 

bei denen die Zweige 

transspirirten. 

— 2 00. 

— 2-80 

— 5-20 

— 5-40 

— 5-70 

— 6-20 

— 6-80 

— 10-70 



Transspirirte Wasser- 
menge in Prozenten 
des Versuchszweiges 

0-288 
0-227 
0131 
0-093 
Ol 27 
0093 
0-028 
0-019 



Ein Taxuszweig von 4-36 Grm. Gewicht transspirirt pr. Stunde 

bei einer mittleren Prozente des 

Temperatur von Versuchszweiges 

— 17-oc. 1-491 

— 10 0-665 

— 20 0-246 

— 60 0-087 

Ein Taxuszweig von 5-66 Grm. Gewicht transspirirte pr. Stunde 

bei einer mittleren Prozente des 

Temperatur von Versuchszweiges 

-fl20C. 0-954 

4- 40 0-565 

— 20 0-358 

— 40 0-116 

Einen Versuch linderte ich in der Art ab, dass ich einen Taxus- 
zweig von 3-68 Grm. Gewicht nicht in destillirtes Wasser tauchte, 
sondern an der Schnittfläche versiegelte, und bei einer mittleren 
Temperatur von — IQOC. durch 3 Stunden an einem offenen Fenster 
liegen Hess. Da derselbe nach dieser Zeit gar keine Gewichtsabnahme 
zeigte, so reducirt sich das Gewicht des während dieser Zeit trans- 
spirirten Wassers lediglich auf jene oben erwähnte Correctur von 
0-1 Proz., und beträgt somit etwa 0-0036 Proz. vom Lebendgewichte 
des Versuchszweiges. 

Man muss sonach als Ergebniss dieser Versuche aussprechen, 
dass Zweige von Taxus baccata auch noch bei einer Temperatur 
von — lOOC. transspiriren. 



186 

Schliesslich sei noch bemerkt, dass sämmtliche Versuche in 
diffusem Lichte statthatten. 



Thlaspi banaticum, 

eine neue Species der nngarisehen Flora. 

Von R. V. Uechtritz. 

Bereits vor Jahren erhielt ich von meinem hochverehrten Freunde 
Janka jugendliche Bliithen eines Thlaspi vom Domogled bei Mehadia 
unter der Bezeichnung Th. alpestre L., Heuffel Enum. pl. Banat. Die 
Verschiedenheit der Pflanze von dem wahren Th. alpestre L. , einer 
formenreichen Collectivart, ist mir schon damals nicht entgangen; ich 
schrieb daher auf die Etikette: „a Th. alpestri L. diversissimum vi- 
detur," wusste indessen in Ermanglung von Fruchtexemplaren zur 
Zeit nichts weiter damit anzufangen und habe später mich nicht weiter 
daran erinnert. Dass das Thlaspi vom Domogled von Th. alpestre 
verschieden sei, scheinen neuerdings auch die ungarischen Fachkollegen 
ganz richtig erkannt zu haben. So bezeichnet es Dr. Borhäs in seinem 
Banaler Beisebericht von 1873 als „TÄ. alpinum^'^') HcufFel an et 
Linne?" und Dr. Simkovics hat instruktive fruchtende Exemplare, 
welche Ende Mai des vergangenen Jahres von ihm am HeufFeFschen 
Standort gesammelt sind und welche neuerdings meine Aufmerksam- 
keit wieder auf die Pflanze gelenkt haben, durch den schlesischen 
Tauschverein als Th. virgatum Gr. et Godr.? ausgegeben. Allein von 
diesem (= Th. brachypetalwn Jordan Observ. 3. Fragment) ist die 
Pflanze des Domogled, wie schon ein Blick auf die Abbildung bei 
Jordan zeigt, durchaus ebenso verschieden, wie von allen übrigen 
bekannten Arten und ich halte sie daher unbedingt für eine eigene 
Art (Th. banaticum m.) Nach den Beschreibungen hat sie mit Th. 
virgatum allerdings die Dauer gennnn, denn sie scheint normal zwei- 
jährig; die einfache Wurzel stirbt nach der Fruchtreife ab, im Ge- 
gensatz zu den meisten übrigen Alpestribus, die normal meist durch 
sterile Laubrosetfen treibende Stämmchen perenniren. Nur ausnahms- 
weise finden sich Individuen, welche durch eine seitliche kurzgestielle, 
wie es scheint aus Adventivknospen entstandene Laubrosette ausdauern ■'"^). 

Sämmtliche von mir gesehene Exemplare des Th. banaticum 
besitzen einzeln stehende, einfache, anfangs niedrige, zuletzt reichlich 
2 — 3 Decimeter hohe aufrechte, dicht bis zur Inflorescenz beblätterte 
Stengel. Im Anfange der Blüthezeit ist die noch sehr ver- 



*) Schreibfehler für Tk. alpestre. 

**) Umgekehrt findet sich Th. alpestre auch öfter zweijährig, zumal klei- 
nere Exemplare, wie denn überhaupt die Dauer bei diesen Gewächsen keine 
durchgreifende Constanz zeigt. Vergl. auch Kerner, Oest. bot. Ztschr. XVI, p. 297. 



J87 

kürzte T r a u h e i n d c n o 1) o r s I o ii L a u b 1» 1 a 1 1 (3 r n fast versteckt, 
die sie meist iiocii um etwas über ra<7-en, im (jcgeiisatz zu deu 
Alpestribus, bei denen schon in der Jugend Inflorescenz und Laub- 
blaltregion scharf gesondert erscheinen. Die Blatter der Rosellen 
gleichen in Gestalt, Form und Farbe beinahe den grundständigen von 
Samolus Valerandi. Die slengelstiindigen sind im Verhällniss zu jenen 
gross, zu nennen, namentlich im Gegensatz zu den verwandten Formen, 
übrigens auch absolut griisser als bei den meisten derselben, das Th. 
rirgalum etwa ausgenommen; sie sind bis 3 Centim. lang und oft 
reichlich J Cm. breit, die unteren und mittleren sind liinglich, abge- 
rundet, stumpf, die übrigen liinglich eiförmig bis eiförmig, minder 
stumpf, die obersten fast spitz, sammtlich mit herzpfeilformiger Basis 
sitzend, ganzrandig. Die Basalausbuchlung ist wenigstens an den obern 
und mittleren Blattern sehr breit, die Lappen stumpflich. — Die 
Fetalen sind weiss, zwar klein, aber ungefähr doppelt so lang als die 
gelbgrünlichen, weiss bcrandeten Kelchblätter, wodurch sich diese Art 
sofort von Th. rirgalum unterscheidet; verkehrteiformig-länglich, 
ziemlich schmal. Die Staubbeutel wenigstens anfangs grünlich-gelb; 
ob sie später die Farbe ändern, vermag ich nicht anzugeben, da ich 
Exemplare im letzten Stadium der Anthesc noch nicht gesehen habe. 
Die Fruchttraube ist im Ver hältniss zur Grosse der Pflanze 
stark verkürzt, etwa nur 4 — 5 Centim. lang, einfach; die 
Schölchen länglich-verkehrt-herzförmig, sehr gross (10 — 12 Mm. 
incl. der Spitze der Klappenflügel, 8 — 10 ohne dieselben), länger als 
der zuletzt fast wagrecht abstehende Fruchtstiel, nach vorn breit ge- 
flügelt, die Flügel nach der Spitze in zwei sich verschmä- 
lernde, an den jungen Schötchen oft spitze, immer aber 
nur schwach abgerundete, etwas einwärts gekrümmte an- 
sehnliche Oerchen lang vorgezogen. Ausbuchtung tief, weit 
geöffnet, im Quecrprofd öfter fast halbmondförmig. Griffel kurz, auch 
zulezt von den Flügeln der Klappen mindestens um das Doppelte 
überragt. Samen zu 4 — 6 in jedem Fache; hell gelbbraun, nicht 
dunkelbraun wie bei Th. alpestre. 

Der Habitus dieser Art ist sowohl zur Blüthezeit wie im Frucht- 
stadium ein von allen in den Kreis des polymorphen Th. alpestre 
gehörigen Formen durchaus verschiedener; zuletzt namentlich gleicht 
die Pflanze den Ali)eslribus schon wegen der stark verklirzlen Frucht- 
traube, die etwa nur Vä '^is Vb fler Gesammtlänge des Stengels be- 
trägt (bei jenen im Durchschnitt ungefähr die Hälfte!) und wegen des 
Baues der Schottchen, die in der Jugend wegen der spitzlichen stark 
vorgestreckten grossen Flügelöhrchen fast gehörnt erscheinen, so 
wenig, dass an eine Vereinigung nicht im Geringsten zu denken ist. 
Das Th. banatictim repräsentirt vielmehr einen neuen, dem des 77«. 
alpestre aut., Th. perfoliaium L., Th. alliaceum L. etc. völlig gleich- 
werthigen besonderen Typus; vermuthlich ist es ausser im Banal 
auch in den angrenzenden Ländern, in Serbien und der AYallachei zu 
finden. Uebrigens ist das Th. alpestre Panfie (Verz. der in Serbien 
wildwachsenden Phanerogamen) vom Berge Avala bei Belgrad wohl 



188 

schwerlich dieses, sondern ohne Zweifel einerlei mit der von Pant'ic 
neuerdings vom gleichen Standorte als Th. cochleariforme DC. aus- 
gegehenen Pflanze. Diese besilze ich nur in fast reifen Früchten; die 
von Tor da in Siebenbürgen (Wolff, mitgelheilt von Sr. Excellenz 
dem Erzbischof Dr. Haynald), welche Janka in der Linnaea (1860) 
für die nordasiatische Spezies erklärt hat, dagegen nur in Blüthen 
und mit noch unentwickelten Schötchen. Ich muss aber aufrichtig ge- 
stehen, dass ich beide in keiner Weise von den von Kerner und Janka 
selbst erhaltenen Exemplaren des Th. Jankae Kerner aus der Matra 
zu unterscheiden weiss und, falls die Bestimmung des Tordaer Thlaspi 
als Th. cochleariforfne DC, richtig gewesen, die Bezeichnung Th. Jankae 
Kerner einfach für ein Synonym der sibirischen Art ''') halten würde. 
Nach den nicht ausreichenden Beschreibungen bei DC. und Ledebour 
wage ich, ohne die letztere gesehen zu haben, kein definitives Urtheil, 
erlaube mir aber diejenigen, welchen ein Vergleich beider Pflanzen 
möglich ist, namentlicli Freund Janka selbst, zu ersuchen, sich über 
das Verhältniss von Th. Jankae Kerner und Th. cochleariforme DC. 
zu einander bei Gelegenheit näher aussprechen zu wollen. Von Th. 
praecox Wulfen, mit dem die Kerner'sche Art unter den westlicheren 
Formen am nächsten verwandt ist, miichte ich sie für verschieden 
halten, will aber bemerken, dass ich Neilreich's Angaben über die 
Veränderlichkeit des Baues, der Ausrandung der Schotchen und das 
Längenverhältniss des Griffels zu derselben (Diagn. pl. Hung. et 
Slavon. p. 16) bestätigt finde; am selben Individuum und in derselben 
Inflorescenz finden sich seicht buchtige fast gestutzte Schütchen mit 
weit über die Bucht hervorragenden neben tief ausgerandeten mit 
nicht hervortretenden Griffeln, wie es auch bei Th. alpestre vorkommt. 

Breslau, 24. April 1875. 



Neue Eichen Kroatiens. 

Von Ludwig v. Vukotinovic. 

Dass in den grossen, wenn auch theilweise schon stark gelich- 
teten Waldbeständen Kroatiens und Slavoniens noch so manche un- 
bekannte Eichenart verborgen liegt, das war schon längst vielen 
Botanikern bekannt, auch ich habe mich insbesondere vor mehreren 
Jahren davon überzeufft. 

In einem Walde, der meinem Wohnorte nahe gelegen war und 
den ich sehr oft besuchte, fand ich plötzlich ehedem unbeachtete grosse 
Eichenstämme, die nicht so sehr durch eine Verschiedenheit der Blätter- 



*) iSieman giebt diese auch in Euboea (fide Unger) an, doch finde ich sie 
bei Boissier (Fl. Orient) nirgends erwähnt. Eine wohl zur selben Form gehörige. 
Pflanze brachte Ascherson vom Orjen in Dalmatien mit. 



189 

form als vicliiielir (Jurcli eigeiilliüinlu-lio Slellimg- der Ehlielii ausge- 
zoichnet waren. Ich habe derartige Eichen später auch in anderen 
Gegenden Kroatiens gefunden und nachdem ich sie genauer lieobachtet 
und in den Schriften der südslav. Akademie der Wissenschaften, II. 
Band, p. 40, JS08 unter dem i^amen Qiiercus ßlipendiila beschrieben 
habe, wurde sie von mir und Dr. Schlosser in die Flora Ivioaliens 
aufgenommen. Spater habe ich meine Forschungen in dieser Hinsicht 
noch weiter fortgesetzt; Herr Ellinger, k. k. Förster in der ehemaligen 
Mililärgrenze zu I3eIovar besass eine bedeutende Sammlung von Eichen- 
hlättern und Früchten, die er durch eine lange Reihe seiner Dienst- 
jahre in den grossen Forsten des Belovarer Gebietes einsammelte; 
diese Sammlung war Herr Ettinger so freundlich mir zu überlassen, 
damit ich sie durchsehe und entsprechend benütze. 

Ich habe über diese Etlinger'sche Eichensammlung in der süd- 
slav. Akademie der Wissenschaften im Jahre 1872 einen Vortrag ge- 
halten, welcher 1873 im XXll. ßand der akadem. Schriften erschienen ist. 

Aus dieser Abhandlung erlaube ich mir der österr. botanischen 
Zeitschrift einen Auszug zu übermitteln, damit meine Arbeit weiteren 
Kreisen zuganglich werde. 

Dasjenige, was ich im Allgemeinen über die Eichen anführte 
und über einige Hauptarten, die liierlands vorkommen, in Erwähnung 
brachte, das kann ich füglich hier weglassen; ich gehe also zur Sache 
über und führe blos die Novitäten an. 

In der Gruppe der Q. sessilißora Sm. (Q. Robur Ruth. L.) fand 
ich einige Varietäten, die sich theils durch eine besondere Gestaltung 
der Eicheln, theils durch eine auffallende Verschiedenheit der Blüthe- 
zeit auszeichnen; ich erwähne bloss die Namen: Q. sessilißora colum- 
baria, vom Volke Golubnjak (Taubeneiche) benannt; Q. sess. sphaero- 
carpa (Kestenjar, Kastanieneiche); Q. sess. serotina (Späteiche); Q. 
sess. tnacrocarpa. 

In der Gruppe Q. pubescens W. fand ich bemerkenswerthere 
Formen, die ich als fest ausgeprägte Individualitäten betrachtete und 
mit dem Namen Q. palmata bezeichnete: Folia amorpha, palmato- 
1 ob ata, crassiuscula, subcoriacea; lobo terminali inciso, v. integro v. 
obtusiusculo; lateralibus rotundatis acutiusculis v. latere uno excisis; 
facie superiori lucida, inferior! leviter pubescente. 

Fructus breve pedunculati, solitarii v. gemini; cupula profunda, 
cyathiformis , squamis adpressis, verrucoso-gibbis; glande cupulam 
dupplo superante, oblonga, conoidea; apice umbonato retiisa. 

Q. pinnatißda. Folia amorpha, longe petiolata, profunde pinna- 
tifido-lobata, lobis angulatis, incisis aut errosis; fructus 
sessiles, v. brevissime pedunculati, gemini, terni, quaternive; cupula 
brevis, cyathiformis v. hemisphaerica, squamis lanceolatis. 

Q. oxi/carpa. Folia cuneata, brachyloba, lobis crispatis, incisis v. 
errosis; facie superiore laevigata, inferiore vis pallidiore. Fructus ses- 
siles, V. breve pedunculati, bini, ternive; cupula minuta, hemisphaerica; 
glans pollicem magna, ovali-globosa, in apicem acutum mu- 
cronatum protracta. 



Q.crispula. Fülia lalo-ovata; brachyloba marj^ine crispalü-uiulii- 
lata; lobo terminali inaequaliler trifido, lateraWjus siiiuato-iiicisis; sinu- 
bus hetcromorphis. Glans eloiigata, oblique ellipsoidea, sursuui versus 
angustata, leviter bifurcinata, apice truncala. 

Var. Q. crispula, carduif'oUa. 

Var. Q. ptibescens, scariosa. 

In der Gruppe der Q. pedimculata Ehrh. fand ich als neu: 

Q. lac'miata. Folia laciniato-lol)ata, basi sinuato-cordata, breve 
petiohita; fructus pedunculati, cupula patellaeforinis; glans oblonga, 
ovalis. 

Hiezu stellte ich die Varietäten: 

Q. lac'miata-falcata; glans ellipsoideo-falcata, apiceai 
versus acuminata, cupulae profunde insidens. 

Q. laciniata leptocarpa; glans gracilis, undique allenuala, 
umbonalo retusa; squamis cupulae palulis. 

Agram, am 5. April 1875, 



Zur Flora von Wien. 

Von J, B. V. Keller. 

Die Aufzählung der in der Umgebung von Wien gesammelten 
und bestimmten Pflanzen einer gesonderten Verolfenllichung vorbe- 
haltend — will ich in diesen Zeilen blos jenes Taeiles meiner vor- 
jährigen Pralerfunde gedenken, deren Belegstücke dem Herrn Dr. H. 
W. Keichardt jedesmal lebend vorzuweisen mir vergönnt war. Diese 
sind: Nonnea alba DC, Lolium ilalicum ß.ramostim, auch auf St'hutt- 
stellen hinter dem neuen Generalkommando-Gebäude; T/iesimn humile 
Vahl, die echte südliche Form; Potent'dla Güntheri Pohl (= collina); 
Plantago maritima^ wohl nur für den Prater neu, hier jedoch be- 
ständig, und Silene nmlfißora Pers. Die Belege zu diesen Pflanzen, 
welclic ich bis auf Nonnea und Lolium bereits 1873 beobachtet und 
gesammelt habe, befinden sich im k. k. botan. Hofkabinete. 

Im Anschlüsse an diese 3Iittheilung erlaube icli mir noch jener 
Arten zu erwähnen, die ich ebenfalls 1874 im Prater gefunden habe, 
u. zw. Anthem'ts rulhenica, neu für den Prater, massenhaft im südöst- 
lichsten entlegensten Theile desselben mit Orchis militaris. 

Senecio campest ris erschien im vorigen Jahre wieder genau an 
dem Neilreich'schen Standorte, — am anderen Tage war selbes jedoch 
von den spielenden Kindern, in deren Lager die Ungunst des Schicksals 
seinen Standort hineinbezog, ausgerissen; sein zeitweiliges VerscIiAvinden 
dürfte sicherlich hierin die Ursacjie haben. Rudbcciäa und Dipsacus 
pilosus sind bereits eingebürgert, aber nur an der klassischen Stelle 
Schur's. 

Wien, am 13. Mai 1875. 



IUI 

Mittheilungen des naturwissenschaftlichen Vereines an 
der k. k. techn. Hochschule in Wien. 

I. 

Einiges über aasere Ebereschen. 
Von J. Em. Hibsch. 

A. Neilreich fülirl in seiner Flora von Niederösterreicli pag. 976 
eine Eberesi-lie an, unter dem Namen Sorbus Aria-torminalis Reissek 
niit folgender Charakteristik: „Den gelapptblätterigen Formen der 
Sorbus Aria sehr ähnlich, aber durch tiefer gelappte, gegen die Basis 
vcrl)reiterte Blätter, die flockig-dünnfilzige graugrüne Unterseite der- 
selben und die von unten nach oben an Grösse abnehmenden Lappen 
(bei S. Aria der umgekehrte Fall) verschieden. Von S. torrninalis 
durch zweifarbige, seichter eingeschnittene Blätter und vorwärts ge- 
richtete (nicht spreizende) Lappen weit mehr abweichend. Auf dem 
kleinen Anninger (Reissek)." Von derselben Form spricht Neureich auch 
in seinen Nachträgen zu Maly's Enumeraüo pag. 288, sie sei von 
Briltinger auch in Oberiisterreich beobachtet und ganz gleich der 
Eberesche, welche Irmisch (in Garcke's Flora von Nord- und Mittel- 
deutschland) unter dem obigen Bastartnamen beschreibt. Nach Garcke 
(Fl. v. N. u. Mitteldeutschland 11. Aufl. pag. 141) kommt diese Form 
in Bergwäldern Thüringens und bei Koblenz und Trier einzeln vor. 

Im Mai v. J. wurde nun auf dem Bisamberge bei Wien ein 
schönes Ebereschen-Bäumchen ganz mit weissen Blüthen bedeckt, 
vorgefunden, welches Blätter hat, die genau in der Mitte stehen zwi- 
schen denen von Sorhiis Aria Crantz und S. torrninalis L. und die 
mit der vorausgeschickten Beschreibung des Reissek'schen Bastartes 
von S. Aria und torrninalis genau übereinstimmen. Ich hatte Gelegen- 
heit, diese Form mit den von Reissek auf dem Anninger gefundenen 
Exemplaren zu vergleichen: die Uebereinslimmung ist eine voll- 
ständige. 

Am 21. September 1874 kamen mir während eines Ausfluges 
auf den Wechsel eine grosse Anzahl von Ebereschen-Sträuchern unter, 
deren Blätter mich im ersten Augenblicke glauben machten, auch hier 
die Reissek'sche Form gefunden zu haben. Allein das genauere Stu- 
dium der Blätter und der Früchte, — letztere waren in reicher Fülle 
vorhanden — ergab, dass diese Wechselform dem S. Aria weit näher 
stand als die oben genannte. Auch im Wiener botanischen Garten 
befindet sich ein grosser Ebereschenbaum, welcher jährlich Blüthen 
und Früchte trägt und Blätter hat, deren Form die Miite hält zwi- 
schen Sorbns Aria und 5^. torrninalis. Nach Bechstein nennt man ihn 
Pi/rus rotundifoUa, Poiret nannte ihn P. latifoUa. Theodor Wenzig 
stellt diese Form in seiner Monographie der Ebereschen (Linnaea IV. 
Bd., Heft 1.) zu Sorbus lalifolia Pers. Auf alle Fälle ist es eine Mit- 
telform zwischen Sorbus Aria und S. torrninalis. Solche Mittelformen 



192 

wurden gewiss schon hiUifig beobachtet und Iheils als Baslarte, Iheils 
als echte Species beschrieben. 

So führt Koch in seiner Syn. pag. 263 diese Formen an unter 
Sorbus latifoäa Pers. syn. II. 38, und Sorbus scandka Lorek, Pruss. 
I. 120 (non Sorbus scandica Fries.), Crataegus latifoUa Lamarck 
dict. I. pag. 93, C. dentata Thiiill., C. hijbrida Bechst., Pijrus arguta 
Tausch und Azarolus hybrkla Borkhans sind alles Synonyma. Reissek 
und Irmisch sowohl als Neilreich und Garcke sehen hino-eo-en diese so 
vielnamige Form als Bastart an zwischen Sorbus Aria und tormi- 
tialis, weil ihre Bliitter die Mitte halten zwischen den beiden letztge- 
nannten Formen. Diese Eigenschaft und das vereinzelte Vorkommen 
sind die einzigen Stützpunkte dieser Annahme. Es tragt aber diese 
Form Blüthen und Früchte, und ganz abgesehen davon findet sich 
dieselbe nicht immer unter oder zwischen beiden anderen Arten; auf 
dem Wechsel war die von S. Aria so stark abweichende Form auf 
einem Standorte, wo weit und breit weder S. Aria noch S. tormi- 
nalis, sondern ausschliesslich S. aucuparia zu sehen war. Und schliess- 
lich sind die Blätter in ihrer Form, so weit bis jetzt die Beobachtung 
reicht, in jeder Hinsicht constant geblieben. Für den Bastart müssten 
erst irgend welche Beweise gebracht werden. 

Würde man diese Art der Formdeutung in der beschreibenden 
Botanik consequent durchführen und alle diese Mittelformen zwischen 
zwei beliebig aufgestellten Hauptformen als Bastarte derselben auf- 
fassen, so würden sich die gegenwartig als Species festgehaltenen 
Ruhepunkte in den verschiedenen Formenreihen, aus denen sich die 
Pflanzenwelt aufbaut, um ein Bedeutendes vermindern müssen. Man 
darf eben nicht alle von der ewig schaffenden Natur hervorgebrachten 
Pflanzenforinen mit Gewalt den für unveränderlich gehaltenen Species- 
Schablonen der alten Botaniker anpassen wollen. Die Natur bildet 
ihre Formen nicht nach „Schimmeln": ihr Gesetz ist unendliche Man- 
nigfaltigkeit. Nicht zwei Pflanzen sind einander congruent; nicht eine 
einzige Pflanzenspecies zeigt scharfe Grenze, immer zeigen sich Ueber- 
gänge zu allen verwandten Formen. Die Species der alten Schule 
können heute nur als Ruhepunkte in auf- oder absteigenden Formen- 
reihen aufgefasst werden. 

Dieselbe Auffassung machte ich nun auch unserer Sorbus-Yorm 
zukommen lassen: sie ist Mittelfortn zwischen Arm und torminalis, 
aber niciit ßaslart. Die Bezeichnungsweise S. Arki-torminalis ist als 
solche ganz passend, allein es knüpft sich an diesen Doppelnamen 
der Begriff des Bastartes; deshalb ist es wohl besser, den alten Na- 
men S. latifoUa Pers. beizubehalten. 

Zum Schlüsse will ich es versuchen, die verwandtschaftlichen 
Beziehungen unserer Ebereschen auf folgende Art auszudrücken. Ich 
wähle mir von unseren Formen die zum Ausgangspunkte, welche mit 
den übrigen Gattungen der Apfelfrüchler am meisten anknüpft. Diess 
ist der Fall bei Sorbus Aria, welche mit Pi/rus und mit Amelanchier 
von allen Ebereschen am meisten Verwandtschaft zeigt. Von diesem 
Ausgangspunkte lassen sich die anderen Formen in drei Reihen brin- 



193 



gen. Sorbus Aria Crantz = Crataegus Aria a. Linne speo. und ß. 
fl. suec. variirl inil am Rande gelapi»lon Bliiltern. Die Blütler von S. 
Aria sind eirnnd bis eifürniig lanoUdi. 

Tritt die Lappung- auf bei eirunden Blätlern, so ist der erste 
Schritt gemacht in der I. Formenreiho, welche von S. Aria zu S. 
lafifolia Pers. (8. Aria-torminalis Reissek und Irmisch) führt und 
mit S. torminalis Crenlz endet. Zwischen S. lalifolia und torminalis 
fallt wahrscheinlich S. Tommasinii Hladnik. Tritt die Lappung hingegen 
bei länglich-eirunden Bliitlern von S. Aria auf, so führt diess zur 
II. Formenreihe. Dieser folgend gelangt man zunächst zu S. scandica 
Fries. = Cr. Aria ß. Linne spec. und a. fl. suec. = P. suecica 
Garcke = P. intermedia Ehrhart. Von Mortens und Koch wurde diese 
Form in Röhling's Flora von Deutschi. 3. Bd. 1831, pag. 428 zu S. 
Aria gezahlt. Koch stellt aber in seiner Syn. II. Ed. 1843, pag. 202 
dieselbe als eigene Spec. auf mit dem Namen S. scandica Fries. 
Neilreicli sagt in seinen Nachträgen zu Maly's Enumer. pag. 288: 
„Vielleicht ist S. scandica nur Varietät von Aria mit gelappten unter- 
seifs graufilzigen Blättern" und begriindct hiemit auch meine Stellung, 
Ein weiteres Glied der IL Reihe ist S. hijbrida L. spec. 684 = Cr. 

P. hijbrida Smith brit. 534 (non P. hybrida 

pag. 262 weist dieser Form schon diese Stelle an: 

inter S. hybridam et S. Ariam est S. scandica 

P. tlwringiaca Ilse mit nur am Grunde gezähnten, 

Blätlern macht den Uebergang von S. scandica zu 



Aria y. L. fl. suec. 
Willd.). Koch Syn. 
„Intermedia quasi 
Fries. Die Form 
nicht ofefiederten 



hybrida zu einem noch glatteren. 8. hybrida L. bildet wieder in der 
II. Reihe den Uebergang sowohl zu S. domestica L. als auch zu S. 
aucuparia L. und dadurch wird die II. Reihe zu einer an ihrem Ende 
verästelten. Irmisch fasst diese Form (in Garcke's Flora von Nord- 
und Mitteldeutschland) als Bastart auf: S. Aiia-aucuparia. Auch 
Neilreich ist ähnlicher Ansicht (in Nachlr. zu Maly's Enum. pag. 288): 
_S. hybrida aut. begreift zwei verscliiedene Bastarte a) S. scandico- 
ancuparia = S. hybrida L. spec. ed. IL 684 und 6) S. Aria-aucu- 
paria Irmisch = S. hybrida Koch Syn. 262. Die III. Formenreihe, 
welche von S. Aria ausstrahlt, ist die kürzeste. Sie umfassl bloss 
die Alpenformen Pyrus sudetica Tausch, Aria Hostii Jacq. und Mes- 
pilus Chamaemespihis L., welche gewöhnlich zusammengefasst wer- 
den im Namen S. Chnmaemespilus Crantz. 

Es baut sich daher Gen. Sarbns Crantz folgendermassen auf: 
Sorbus Crantz. 
IL Formenreihe. 
(Blätter länglich- 
eiförmig.) 
scandica Fries. 
( Pyi'us thiiringiaca Ilse) 

hybrida L. 

domestica L., aucupa- 
ria L. 



I. Formenreihe. 

(Blätter eirund) 

Aria Crantz 
lalifolia Persoon 
CPyrtis Tommasinii 
Hladnk.) 

torminalis Crantz. 



III. Formenreihe. 

(Alpenformen.) 

( Pyrus sudetica Tausch) 
{_Aria Hostii Jacq.) 
iMesp. Chamaemespi- 
lus L.) 

Chamaemespilus Crantz 



19-i 

Die Vegetations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens. 

Von A, Kerner. 
LXXVII. 

1412. Amaranhis tiridis L. part. — Auf bebautem Lande, ins- 
besondere in Weingärltn. lui miltelung-. Bergl. bei Gran, Set. Andrae 
und Ofen und im Bereiche des Büiariagebirges zwischen Belenyes 
und Petrani und bei Grosswardein. — Tert., diluv. und alluv. sandi- 
ger Lehmboden. 95 — 250 Meter. ■ — Als Syn. sind hieherzusetzen 
Amaranhis Blituni Koch, Sa dl er und vieler anderen Autoren, aber 
nicht Linne; Albersia Blitum Kunth; Euxolus viridis Moq. Tand, 
in DC. Prodr. XIII, 2, p. 273. 

1413. Amarantus Blitum L.; Moq. Tand. {A. silvestris Desf.) 
— Auf bebautem Lande; im Gebiete selten. In Weinbergen bei Ofen. 
(Bayer in Oesterr. bot. Zeitschr. XIII, 47). — Sandiger Lehmboden. 
95—250 Meter. 

1414. Atnaranlns commutatus. — Auf sandigen, salzausvvittcrn- 
den Stellen in der Nahe stehender Gewässer, an Flussufern und an 
Schuttstellen in der Nahe bewohnter Orte bei Muzsla, Pest, Soroksar, 
Monor, Pills, Nagy Koros. 95 — 250 Meter. — Als Syn. sind hieher 
zu setzen A. Blitum ß. polygonoidcs Moq. Tand, in DC. Prodr. XIII, 
2, p. 263 (non A. polygonoides L.); A. Blitum ß. prosiratus FenzI 
in Ledeb. Fl. ross. III, 858 (non A. prostratus Balb.); yl. prostra- 
tus Sa dl er Fl. Com. Pest. ed. II, p. 454 (non Balb.). — Amarantus 
prostratus Bali), (welcher übrigens den alteren tarnen A. de flexus L. 
zu führen hat), ist eine vorzüglich im mediterranen Gebiete sehr ver- 
breitete Ruderalpflanze, welche ihren Verbreitungsbezirk im westli- 
chen Europa zwar bis Angers und Paris ausdehnt, aber im östlichen 
Europa die Grenze der mediterranen Flora nordwärts nicht über- 
schreitet. Die nördlichsten von mir beobachteten Standorte desselben 
in Oesterreich-Ungarn sind Canale im Isonzothale bei Görz, Triest 
und Fiume. In dem hier behandelten Florengebiete kommt diese Art 
nicht vor, und was Sa dl er für A. prostratus Balb. gehalten hat, 
ist eine im süd()stlichen Europa weit verbreitete Art, welche mit A. 
Blitum L. (A. silvestris Desf.) zunächst verwandt ist, sich aber von 
diesem durch die niederliegenden Stengel, die plötzlich in den Blatt- 
stiel zusammengezogenen breiteren und auch länger gestielten Blätter, 
die zu einer nackten endständigen Aehre vereinigten Blüthenknäule, 
grössere Blüthen und die mit einem stumpfen undeutlichen Kiele be- 
randelen Samen unterscheidet. Von dem habituell nicht unähnlichen 
A. niridis L. (A. Blitum Sa dl er) unterscheidet si(;h A. commutatus 
Kern, durch die rundum aufspringenden Früchte. — Die Diagnose, 
welche Sadler a. a. 0. von seinem „^. prostratus'^ {A. commutatus 
Kern.) gibt, ist nicht ganz zutreffend, was aber darin seinen Grund 



H)5 

hat, (lass Sa dl er Avic in so vielen anderen Fällen die Diagnose nicht 
nach der im Gebiete aufgefundenen Pflanze entwarf, sondern die 
Diagnose des A. prostratus Balb. aus Koch's Synopsis abschrieb 
und sie für den an salzauswitternden Stellen des Tieflandes bei Pest 
etc. vorI<omiuenden Amaranlvs, den er irrtluiinlich für A. prostratvs 
Balb. hielt, verwendete. 

1415. Antnrantus relroflexns L. — Auf bebautem Lande, an 
Flussufern, Dünimen und Strassenrändern, auf unkultivirten Pliitzen 
in den Dorfern, in der Umgehung der Pusztenhofe im Gebiete sehr 
häufig und sehr verbreitet. Erlau, Gyöngyös, Waitzen, Gran, Set. An- 
drae, Ofen, Pest, Soroksar, Monor, Pills, Nagy Koros, Farmos im 
Tapioo-ohiete, Arokszallas, Ujväros, Teglas, Egyek, entlang der Theiss 
von Tisza Füred über Szolnok nach Szegedin; Nagy Majteny, Gross- 
wardeiii, Buteni. — Tert., diluv. und alluv. Lehm- und Sandboden, 
Scheut auch den salzauswittcrnden Boden nicht. 75 — 250 Meter. 

Amarantus paniculatus L. — An Schuftstellen in Erlau; Flüchtling aus 
don Gärten. 

Phytolacca decandra L- In "NA'eingärton allenthalben kultivirt und hie und 
da (wie z. B. bei Ercsi und in der I'nsanerie bei Grosswardein) vorübergehend 
Vereinzelle Exemplare auch im verwilderten Zustande. 

1416. Suaeda marüima (L.) — Auf sandigem, vom Grund- 
wasser durchfeuchteten und im Sommer oberflächlich Natronsalze aus- 
witternden Boden in der Nälie stehender Gewässer, In der Umgebung 
des Velenczer Sees bei Stuhlweissenburg zwischen Pakozd und P. 
Dinnyes, dann bei dem Sostö nächst Szt. Iväny und bei Sär Keresztür. 
95—200 Meter. 

1417. Suaeda salsa (L.) — An gleichen Standorten wie die 
vorhergehende Art. In der Umgebung des Velenczer Sees zwischen 
Pakozd und Dinnyes, dann bei dem Sostö nächst Szt. Ivany und bei 
Sar Keresztür in der Stuhlweissenburger Niederung; auf der Kecs- 
kemeter Landhöhe bei den LacJien zwischen Pest und Soroksar unter- 
halb der Gubacs-Csarda und bei Nagy Koros; auf der Debrecziner 
Landh. im Salzsumpfe bei Konyär in der Nähe von Debreczin. Diluv. 
und alluv. Sand. 95—200 Meter. 

1418. Salsola Kali L. — Auf wüsten Sandhügeln und Sand- 
flachen, in Sand- und Schottergrubeu, an Eisenbahndämmen, seltener 
auf bebautem Lande. — P. Söshalma, Hatvan, Niina, Gran, Waitzen, 
Csepelinscl, Pest, Soroksar, Monor, Pills, Tatar Szt. György, Nagy 
Koros, Szecsö, Nagy Käta, Szt. Märton Käta, Tapio Szelle, Szolnok. — 
Diluv. und alluv. Sand. 75 — 200 Meter, 

1419. Salsola Soda L. — „Ad lacus salsos versus C. Batsien- 
sem legit M. D. St reim. Ad Zsölt similibus in locis detcxit M. D. 
Röszler." (Sadler Fl. Com. Pest. ed. II, p. 138). — „Ad lacuum 
salsorum ripas imprimis prope villam cl, Wargae in Bessenyö et in 
territorio domini Santa, '^ (Kanitz Sertum Fl. territ. Nagy Koros. 11.) 
— Von mir im Gebiete nicht beobachtet, 

1420. Salicornia herbacea L. — Auf salzauswitternden vom 
Grundwasser durchfeuchteten Stellen in der Nähe stehender Gewässer. 



196 

In der Stulihveissonburger Niederung zwischen Pakozd und P. Dinnyes 
am Südrande des Velenczer Sees, am Sostö bei Szt. Ivany und bei 
Aba; auf der Kecskem. Landhulie bei Nagy Koros und dann entlang 
der Zagyva und Theiss in der Tiefebene. — Alluv. sandiger Lehm. 
75—130 Meter. 

1421. Corispermum Orientale Lamk. — Im Flugsande auf dem 
Hiigellande bei Dorogli nik-hst Gran und auf dem Herminenfelde bei 
Pest. Diluv. Sand. 95 — 150 Meter. — (Wohl nur eine Abart der 
Folgenden. Man findet immer nur vereinzelte Individuen mit flügel- 
losen Früchtchen unter lausenden von Exemplaren des gew^öhnliclien 
Corispermwu nitiduni mit geflügelten Früchtchen. Zudem triff"! man 
auch Individuen, deren Früchtchen zum Theil flügellos, zum Theil 
aber mit einem schmalen flügelfurmigen Rande versehen sind. In der 
Inflorescenz, in den Blättern, in der Bekleidung und in der Tracht 
finde ich zwischen Corispermum Orientale und C. nitidum keinen 
Unterschied.) 

1422. Corispermum nitidum Kit. — Im lockeren Sande. Im 
mittelung. Berglande in der von Gran nach Altofen sich erstrecken- 
den Thalsenkung auf den Hügeln und Sandflächen bei Dorogh nächst 
Gran, bei dem „Hohen Stein" nächst P. Csaba und bei Solmär nächst 
Vörösvär ; in der Sluhlvveissenburger Niederung bei Keer; auf der 
Csepelinsel ])ei TokiU und zwischen Csep und Szt. Märtony; im Do- 
nauthale in der Nähe der Granmündung bei Csenke und Karva und 
abwärts entlang der Eisenbahn bei Helemba; auf der Kecskemeler 
Landhühe sehr häufig bei Wailzen, R. Palota, Pest, Soroksar, Monor, 
Pilis, Nagy Koros; im Tapiogebiete bei Szecsö, Nagy Käta und Szt. 
Märton Käta; in Jazygien bei Fenyszaru. Tert., diluv. und alluv. Sand. 
80—250 Meter. 

1423. Corispermum hyssopifolium L. — Im lockeren Sande mit 
der vorhergehenden und folgenden Art, aber weit seltener als diese 
beiden. Auf der Kecskem. Landliohe zwischen Wailzen und R. Pa- 
lota, auf dem Herminenfelde bei Pest, auf der Sandfläche bei Szecsö 
im Tapiogebiete und bei Fenyszaru in Jazygien. Nach Kit. llinerar 
d. Marm. Reise auch auf der Debrecziner Landhöhe. — Diluv. und 
alluv. Sand. 80—150 Meter. 

1424. Corispermum canescens Kit. — Im lockeren Sande im 
Tieflande. Zwischen Gyöngyös i;nd F. Abony, bei Csenke in der Nähe 
der Granmündung, zwischen Waitzen und R. Palota, auf dem Her- 
minenfelde bei Pest, bei Soroksar und Nagy Koros, bei Szecsö im 
Tapiogebiete, bei Csepele und Tököl auf der Csepelinsel. — Diluv. 
und alluv. Sand. 80 — 150 Meter. — (Der Fruchtstand des C. ca- 
nescens ist so wie jener des C. nitidum Kit. in der Regel eine 
lockere, aus zerstreuten, sich nicht deckenden Bracteen und Früchten 
gebildete Aehre; doch trifft man von beiden Arten auch vereinzelte 
Individuen an, deren Aehrenspindel so verkürzt ist, dass die Früchte 
und Bracteen dicht zusammengedrängt erscheinen. Solche habituell 
etwas abweichende Exemplare des C. canescens liabe ich wiederholt 
auf dem Herminenfelde nächst dem Stadtvväldchen bei Pest gesam- 



197 

moll. Audi Ilouffol hallo sio dorf beobachtet, und es wur<hin soh-Iio 
Kxeuiplare von ihm und aucli von Neilreich (l)iagn. ung-. und slav. 
ril. lÜS) für C. MarschaUii Stev. gehallen. Die Stevensche Pflanze 
unterscheidet sich aber ^on diesem Curispermum durch die sehr 
sciimalen Blätter, durch die in eine lange, krautige, pi'riemliche oder 
last ladliche Spitze vorgezogenen und an der Basis mit einem sehr 
breiten, weissen, liäuligen Rande eingdasslen Bracteen, d(Mi Mangel 
eines l'erigons und durch g-ritssere Früchlclien. Nach meiner Ansicht 
geh()ren daher die von Heutlel und Neil reich fiir C. Marsrhallii 
Slev. gehaltenen, aou Erslercm bei Pest gesammelten Exemplare zu 
C. cancscens Kit. — Das echte C. MarschaUii Stev. wurde in dem 
hier behandelten Florengebiete von mir nicht beobachtet.) 

1425. Polycnetmwi arvense L. — Auf Sand, Gerolle und Stein- 
schutt an felsigen Bergabhiingen. Im miltelungar. Berglande in der 
Maira im Thale Hoszupatak bei Sirok. Im Bihariagebirge im Thale 
der schwarzen Koros auf dem Bontosku bei Petrani nächst Belenyes 
und im Tlialgehiele der weissen Koros im Valea Liesa bei Halmadiu 
und Ulli erhall) der Ruine Desna nördlich von Buleni. — Im Gebiete 
seilen. — Trachyt, Kalk, tert. Sand. 200—280 Meter. — (Auf das 
Bergland beschränkt"'") und im Tieflande und niederen Hiigellande 
durch die folgende Art, welche von den meisten ungar. Bolanikern 
irrlhümlich für P. arvense gehalten wird, ersetzt. In Nie(ler()Sterreich 
ist die folgende Art (P. majus A. Braun) gleichfalls sehr häufig, 
während dort P. artense L. felilt. Neil reich hatte zur Zeit der 
Herausgabe seiner Fl. \o\\ Nied.-Oest. das P. arnense L. nicht ge- 
kannt und das in Niederösterreich häufige P. majus A. Braun dafür 
gehalten. Wie ich aus handschrifl liehen Notizen desselben ersehe, 
hielt er dann das ihm erst später bekannt gewordene eclite P. ar- 
vense L. für eine Uebergangsform des P. majvs [P. arvense a. ma- 
crophyUon Neilr. Fl. N. Oest. 286] in P. verrvcosum Läng [Polyen. 
arvense ß. brachyphyllon Neilr. a. a. 0.] und es erklärt sich auf 
diese Weise die zu letzlerer in den Diagn. ung. und slav. Pfl. S. 109 
gemachte Bemerkung „Multis forniis abit in varietatem « [i. e. P. 
majus A. Braun]). 

1426. Polyrnennon majus A. Braun. — Auf sandigem Boden, 
insbesondere auf bebautem Lande. Bei Paräd in der Matra, in der 
Nähe der Granmünduiig bei Muzsla; bei Dorogh, P. Csaba, Ofen, 
Ercsin ; in der Stuhlweissenburger Niederung bei Gasdony ; auf der 
Kecskem. Landhohe bei Waitzen, Pest und Monor; in der Tiefeliene 
bei Szolnok. — Tert., diluv. und alluv. Sandhoden. 75 — 200 Meter, 

1427. Polycnenmm verrucosum Läng. — An gleichen Stand- 
orten wie die vorhergehende Art. Bei Muzsla und Dorogh nächst 



*) Aus dem Gebiete der ungar.-siebenbürgischen Flora erhielt ich P. 
arvense L. noch durch Vägner von Szöllös und Huszt, durch Reuss von 
Kusic bei Weisskirchen im Banat und durch Fuss von Salzburg in Sieben- 
bürgen. Alle diese Standorte liegen aber ausserhalb des hier behandelten Floren- 
gebietes. 

üesterr. botan. Zeitschrift. 6. Heft. 1875. 16 



198 

Gran, bei P. Csaba und Ilideffküt, bei Pest; nach Kanitz auch bei 
Nagy Koros und nach Steffek auf Feldern bei Piispüki nächst Gross- 
wardein. — Tert., diluv. und alluv. Sandboden. 90 — 200 Meter. 

1428. Polijcne7nvm Hevffelii Lnng. — Auf Sandboden im Grunde 
der Widder. Bei Dorogh nächst Gran, auf dem Klastromhegy und am 
Fusse des Piliserberges, bei Veresegyhäz, Gyümrö und Jasz Bereny. 
— Tert. und diluv. Sand. 90—200 Meter. 

1429. Kochia Scoparia (L.) — Auf Schuft und an wüsten 
Plätzen in den Dörfern, an Strassen, Dämmen, Wegen und Fluss- 
ufcrn. Bei Bakta und auf dem Rätzhegy bei Erlau: bei Kidi. Gyarmat 
und Muzsla; bei Ofen am Wege gegen das Auwinkelthal; häufig bei 
Ercsi; bei Waitzen und Pest; bei Farmos im Tapiogebiete; bei Egyek, 
Czegled, Szolnok und Szegedin in der Tiefebene; bei Nagy Käroly 
am Ostrande der Debrecziner Landhöhe, bei Grosswardein, Buteni 
und Chisindia am Saume des Bihariagebirges. — Tert., diluv. und 
alluv. Lehm- und Sandboden. 75 — 200 Meter. — Wird auch in den 
Gärten und auf Feldern gebaut, um die dürren entblätterten Stauden 
als Besen zu verwenden; die Pflanze ist aber längst aus dem Be- 
reiche der Kultur ausgewandert und hat sich als Ruderalpflanze im 
Gebiete vollständig eingebürgert. 

1430. Kochia arenaria (W. K.) — Auf wüsten Sandhügeln und 
Sandflächen. Am Westrande unseres Gebietes in der Nälie der Gran- 
mündung bei Csenke, Mocs, Karva und 3Iuzsla; im miltelung. Bergl. 
in der von Gran nach Altofen sich erstreckenden Tiialsenkung bei 
Dorogh, Leänyvär, P, Csaba und Solmar; in der Stuhlweissenburger 
Niederung bei Keer und Ret Szillas; auf der Csepelinsel bei Szt, 
Miklos; sehr verbreitet und eine der häufigsten Sandpflanzen auf der 
Kecskemeter Landhölie bei Waitzen, R. Palota, Pest, Soroksar, Monor, 
Pills, Szt. Märton Käta, P. Peszer bei Also Dabas, P. Sallosar bei 
Tatar Szt. György und Nagy Koros. Auf der Debrecziner Landh. bei 
Karäsz. — Diluv und alluv. Sand. 95 — 250 Meter. 

1431. Kochia prosfrafa (L.) — Auf sandigen, vom Grund- 
wasser durchfeuciitefen, oberfläclilich austrocknenden und Natronsalze 
auswitternden Stellen, iiisi)es()ndere in der Niihe von stehenden Ge- 
wässern. In der Stuhlweissenburger Niederung ain Südrande des Ve- 
lenczer Sees und bei Kölesd; im Tapiogehiete bei Tapio Bicske, 
Farmos, Tapio Szelle (an allen diesen Orten sehr häufig und auf den 
Sodakehrplätzen in der Nähe der Dörfer gewöhnlicli die einzige 
Pflanze); zwischen Nagy Füged und Mera im Komitate Heves; sehr 
verbreitet in der Tiefebene bei Egyek, Abony, Czegled, Szolnok, Tö- 
rök Szt. Miklos, Kisujszälläs, Szalonta. — Salzauswilternder lehmiger 
Sandboden. 75— 100 Meter. 

1432. Kochia sedoides (Pallas). — Auf wüsten Bergabhängen, 
Sandhügeln und Sandfläehen. Im mittelung. Berglande auf dem Süd- 
und Südweslabfalle des Blocksberges bei Ofen in grosser Menge; 
im Tieflande bei Ahony und nach Janka auf dem Friedhofe bei 



199 

Rekas niiclist Szolnok und im Komitatc Hcves gegen die Tlieiss zu. 
— Kalk, (lilu\ . und alluv. Lelnn- und lehmiger Sandboden. 75 — 
22Ü Meier. 



Neue Kernpilze. 

I. Serie. 

Vou G. V. Niessl. 

(Schluss.) 

Dlttfjniosphaeria Schroeteri n. s. Perithecia sparse gre- 
garia, periäeniiiu immutato tecta, minuta hemisphaerica, ostiolo 
conoideo^ prormmilo, coriacea sed tenella, basi fibrillosa, atra; ascis 

50—60 
cylindraceo-clavatis, sfipite hrevi, octosporis; q q > sporidiis mono- 

stirhis ocoideo- vel oblnngo-lanceolatis medio septatis valde con- 

10—14 
slrictisque, rectis curvatisve, dilute olwaceis . - • Paraphyses ut 

in praecedente. 

An dürren Stengeln von Oenothera biennis bei Rastatt im Junner 
(Dr. Schröder). Mit der Vorigen hinsiclitlich der Sporenform nahe 
verwandt, bildet diese Art den Uebergang zur niichsteu Gruppe, in- 
dem die Schlauche mehr zur eylindrisclien Gestalt neigen, die Sporen 
nur an der Spitze des Schlauches zweireihig, oft auch durcliaus ein- 
reiliig gelagert sind. Das Sporenseptum ist iiaufig etwas oberhalb der 
Mitte, die obere Hälfte manchmal breiter abgerundet, die untere ver- 
schmälert, wodurch der Umriss sich der Eifonn niüiert. Die Oeltröpf- 
chen finden sich wie an der Vorigen, von der sie sich durch längere 
konische Wandungen, ganz kurz gestielte Schlauche und nicht voll- 
standig zweireiliige Sporen sehr gut unterscheidet, 
c) Genuinae. Paraphyses distinctae. Sporidia monosticha 
hyalin a, olivacea vel fuscidula. 

l}iiifjniosphneria cladophila n. s. Perithecia laxe gre- 

garia^ peridermio pallescente tecta, media magnitudine, hemisphaerica, 

tandem certice, depressa, papillata, atra coriacea; ascis ciarat o-cy- 

83—102 
lindraceis stipite brevi, Ssporis — p. » — '■> sporidiis monostichis vel 

hinc inde distichis lanceolato^ovoideis , plerumque rectis, medio sep- 

10—13 
tatts valde constrictisque, hyaünis; — r — . Paraphyses angiistae, 

simplices vel laxe ramosae. 

An dürren Aesten von Genista germanica bei Brunn im Juni. 

Wenig auffallend. Die Epidermis ist etwas entfärbt, die Perithe- 
eien sind nicht sehr gross, ein wenig niedergedrückt, die Schläuche 
im Vergleich zu ihrer Länge die schmälsten von Allen. Die Sporen 

16* 



200 

sind noruii)! einreihig-, doch hin und wieder an der Spitze einig'o 
paarweise, ziemlich stark anisomer, die obere Hälfte breiter, flacher 
abgernndef, als die untere nach abwärts versclimiüorte, gewöhnlich 
etwas lanzettlich geschweifte. Sie sind im Zustande voller Reife ganz 
liyalin. Eine ausgezeichnete, natürlich von D. Genistete Fckl. ganz 
verschiedene Art. 

Fuckel hat in seinen ausgezeichneten „Symbolae mycologicae" 
S. 114 eine, ebenfalls Genista germanica bewohnende Sphaeria als 
S. Genisfae beschrieben. Dieser ist unsere Art wohl iihiilich, doch 
nnlersiheiden sich beide ganz bestimmt spezifisch. Da ich durch die 
Freundlichkeit des Autors in die Lage gekommen bin, Originalexem- 
plare zu vergleichen, so ist es mir miigiicii, die Unterschiede genauer 
anzuführen als sie aus der kurzen Beschreibung allein hervorgehen. 
S. Genist ae Fckl. hat vollständig keulenförmige, D. cladophila mehr 
cvlindrische Schlauche, bei ersterer liegen die Sporen im oberen 
Drittel typisch zweireihig, bei der letzteren ist die einreihige Lage 
die normale, auch sind sie bei S. Genistae schlanker als bei unserer 
Art; ferner sind die Paraphysen reichlich verästelt, wie z. B. bei L. 
Dolioluni, und was am meisten charakteristisch ist: die Perithecien- 
miindung ist mit einer, allerdings nur mikroskopischen Borstenkrone 
versehen, wie bei L. modesta, ein stets sehr konstantes Merkmal. 

Die mir vorliegenden Proben der S. Genista zeigen noch nicht 
völlig ausgereifte Sporen. Vorausgesetzt, dass im Reifezustande nicht 
mehrere Septa vorkommen, was ich nach der Anlage nicht vermuthe, 
möchte ich sie ebenfalls zu Didymosphaeria stellen. 

Dklytnosphaeria mhiuta n. s. Perithecia sparsa, niacula 
fusca in peridermio pallescente fecta, miniita globosa^ ostiolo pa- 
pdlaeformi viel suhconico, atro-fusca coriaceo-membranacea ; ascis 

60—80 
davato-cylindraceis stipite brevi, Ssporis, interduni 4sporis ^ _j ; 

sporidiis monostichis, oblong o-oboti atis , medio septatis paulo con- 

10—11 
sti'ictisque olivaceis vel fuscescentibus . „ . Paraphyses angustae, 

simpiices vel raro laxe ramosae. 

Spermogonia sparsa, minutissima, pimctiformia, papillata; sper- 

3 
matiis cyUndraceis anguslissimis, rectis, hi/alinis -r} — • 

/s 

An faulenden Bliitfern von Carex paJudnsa bei Brunn und Hal- 
men v(m Jiincns effusns bei Graz. August. 

Dem geübteren Auge vcrriith sich der Pilz durch die Verblei- 
chung des Substrates in grosser Ausdehnung; bei Befeuchtung tritt 
diese noch deutlicher hervor, lieber jedem Perithecium l)elindet sich 
ein kleines schwarzbraunes Fleckchen von kaum Vs "'" D'"'^''i'^*^^^cr, 
gebildet aus einem Geflechte strahlend verlaufender, netzartig ver- 
zweigter in der Epideruiis nistender Faden. Dieselbe Eigenthümlich- 
keil zeigen auch die Spermogonien. Schlauche und Sporen sind die in 



201 

dieser Gruppe g-owölinliclicn, lelztero sali-, al)er nidil dunkeloliven- 
griin, spüfer etwas Itriiunlicli, docli niclit braun und nicht undurch- 
sichtig, mit 2 — 4 sehr kleinen üeltr()pi"chen. 

DidkfinosiphaerUi hruttneoln n. sp. Periihecia sparsa vel 
laxe gregaria, siib epidermide pa/fcscenfe 7iidula)ifia, macula fusca 
vel atro-purpurea tecta, majuscnla^ depresso-hemisphaerica vertice 
umbilicata, papillata, atro-fusca, coriacea, duriuscula; ascis sub- 

60-90 
cylindraceis stipite brevi, octosporis r. q , sporidiis monostichis, 

ovoideo - oblongis , media septatis paiilo constrictisque , olivaceis, 

7—12 

. rf . Paraphyses numerosae, elegantissime ramosae, angustae. 

Spermogonia punctiformia, sparsa, hetnisphaerica, atro-fusca 

2—4 
submembranacea, spermatiis angustissimis, cylindraceis rectis ^. 

hyalinis. 

Auf dürren Stengeln von Verbascum Orientale, Artemisia cam- 
pestris. Ridrus Idaeiis, Galium silraticum, Mentha silreslris inid 
Epilobium angustif'oUum, vom April bis September um Brunn und 
Graz. Wohl von allen bisher bekannten Arten die gemeinste und 
substratvagste. Das Auftreten des Pilzes ist immer ziemlich konstant. 
Fast immer ist die E])idermis etwas ausgebleicht, oft ganz weisslich. 
Davon heben sich die purpurbraunen Fleckchen, welche wie bei der 
vorigen aus einem dünnen Hyi)henstratum gel)ildel sind, gut ab. 

Die Perithecien sind halbkuglig, am Scheitel etwas eingedrückt, 
aber nicht zusammenfallend, sondern von ziemlich fester Substanz. 
Die Mündung ist sehr unbedeutend. Die Sporen sind bald vollkommen 
oblong, bald mehr eifiu'mig, oben breiter, mehr oder weniger einge- 
schnürt, auch in der Lange ziemlich ungleich. Die kürzesten befinden 
sich gewiihnlich an der Spitze, die längsten an der Basis des Schlau- 
ches, llu-e Farbe ist satt-, aber nicht dunkelolivengrün; braun sah 
ich sie nicht. In jeder Abtheilung befindet sich gewöhnlich ein klei- 
nes Oeltröpfchen. Die Paraphysen sind ober der Mitte traubig-, oft 
doppelt und dreifach verästelt. 

Fast auf allen erwähnten Substraten sind die schlauchführenden 
Perithecien von den beschriebenen Spermogonien begleitet^ welche 
ausserlich jene im Kleinen wiedergeben. 

Ich halte es für sehr wahrsclieinlich, dass auch Z). Galioriim 
Fckl. symb. p. 140 hieher gehöre, trotz der etwas abweichenden 
Dimensionen, die dort angeführt werden. Sphaeria Galiorum Roberge 
(nicht Desm.), welclie Fuckel als Synonym citirt, ist sowohl nach 
der Beschreibung in den Ann. sc. naf. 1846 p. 77, als auch nacli 
Exemplaren, welche von Roberge selbst gesammelt sind, ein ganz 
anderer Pilz, es ist derselbe, den F. an anderer Stelle (1. c. p. 136) 
als Pleospora Aparines n. sp. beschreibt, und der auch unter Nr. 1435 
in Desm. Kryptog. als S. Galiorum ausgegeben ist. 



202 

90—100 



Forma: sannentorum, major, ascis elongatis. 



7—8 ' 
sporidiis saepe inaequilateralihus vel leviter curvatis ex oliva- 

10—16 
ceo fuscescentibus p. _^ . 

An Humulus Lupulus nicht selten. Ich habe sie früher als be- 
sondere Art angenoiTiinen, doch sind die Unterschiede zu schwaniiend, 
und ein reicheres Material hat mich von der Unhaltbarkeit der frü- 
heren Ansicht überzeugt. 

JDidyinosphaeria alhescens n. sp. Perithecia sparsa sub 
peridermio paüescenle niduluntia, macula atro-purpurea tecta, ma- 
jtiscula, depresso-hemisphaerica, tandem vertice collapsa, papillata, 
fusco-afra, coriacea; ascis clavato-cylindraceis, stipite brevi, octo- 

58—86 
sporis j Q , sporidiis monostichis, hinc inde disfichis, ovoideo- 

9-13 
oblongis, medio septatis constrictisque p. ^ . Paraphyses angustae, 

ramulosae. 

An Lonicera Xylosteiim bei Eisleben (Kunze). 

Wahrscheinlich wird die Untersuchung eines reichlicheren Ma- 
teriales lehren, dass auch diese von D. brunneola nicht spezifisch 
verschieden sei. Da indessen selten ein und derselbe Pyrenomycet 
Stengel- und rindenbewohnend vorkommt, mir bisher auch nur eine 
sehr kleine Probe, nach welcher die voranstehende Beschreibung 
entworfen ist, zur Dispo.sition steht, so habe ich den Pilz einstweilen 
als besondere Art eingeführt. Die Perithecien sind von etwas zar- 
terer Substanz, später zusammenfallend. Mit Amphisphaeria Xylostei 
Ces. et de iVot. hat dieser Pilz nichts gemein. 

ßidyniosjfhaerea conoidea n. sp. Perithecia sparsa, 
tecta, tandem Ubera, majuscula, conoidea, basi applanata, vertice 
interdum paulo depressa, ostiolo papiUaeformi nel subconico, atra, 
nitida, coriacea, duriuscula, ascis cijlindraceis, stipite brevi, Ssporis 
60—70 
P- ~ ; sporidiis monostichis, obovatis medio septatis paulo con- 

6—9 
strictisque pallide oliviaceis — r — . Paraphyses angustae, simplices. 

An dürren Stengeln von Salvia glutinosa, Origanum vulgare, 
Urtica dioica, Solidago etc. stets mit Leptosphaeria Doliolum ver- 
mischt, bei Briinn, Voitsberg, Eperies. Sommer. 

Die Perithecien sind jenen von L. Doliolum, besonders der 
Form conoidea so iilinlich, dass ich bis jetzt noch nicht angeben 
kann, welche in dem Gemisch der beiden Arten zur einen, welche 
zur anderen gehören. Zuerst sammelte ich sie bei Voitsberg in einer 
kleinen Probe, welche ich unter der Loupe für L. Doliolum hielt. 
Bei mikroskopischer Untersuchung eines Peritheciums Hess sich je- 



203 

doch der hier beschriebene Pilz erkennen. In der Voraussetzung-, 
dass die übrigen I'erithecien gleicharlig seien, sammelte ich nun 
grosse Mengen davon. Zu meiner Ueberrascliung fand ich spiiter bei 
weiteren Untersuchungen, dass die Hau|)lmasse L. üoliolum sei, dass 
zwar auf jedem Stengel Didijmosphaerla vorkomme, aber sich iius- 
serlich nicht unterschied, liei der lievision verschiedener Formen von 
L. DoUolnm zeigte sich später zufallig oftmals dieselbe Didymo- 
sphaeria auf anderen Substraten. 

Diese lokale Verbrüderung bei grosser äusserer Aehnlichkeit 
ist allerdings eine eigenthündiche Sache, doch ist ein wirklicher in- 
nerer Zusammenhang dieser beiden sonst sehr verschiedenen Pilze 
durchaus nicht anzunehmen. 

Nach dem Gesagten ist es überflüssig weiter auszuführen, wie 
sich diese Art von der anderen der Gattung unterscheidet. 



Zwei Exkursionen in der Tatra. 

Von Ludwig Richter. 

Wenn auch die Centralkarpaten, deren hiichste Erhebung die 
Lomnilzer Spitze, iSSS^ oder 2632'5 Meter ist, an Höhe nur den 
89. Rang unter allen Bergen der Erde und den 31. unter denen von 
Europa einnehmen, so dürften doch nur wenige Gebirge selbe an 
Rauheit, wüd romantischer Zerklüftung und Steilheit, an Massenhaf- 
tigkeit der über einander gelagerten Felsentrümmer erreichen; diese 
übereinander gelagerten Felsen sind es vorzugsweise, welche die 
Ersteigung der verschiedenen Höhen schwierig und oft seihst gefahr- 
lich machen, abgesehen von der Steilheit vieler Klippen, welche sich 
meistens senkrecht und desshalb unersteiglich oft melirere hundert 
Meter hoch erheben. Gemildert wird die Kahlheit und das Starre die- 
ser ungeheuren Felsentrümmer, recht charakteristisch „Felsenmeere'"' 
genannt, durch eine bedeutende Zahl (62) von Seen, welche der Ge- 
birgsschaft den Ausdruck des Belebten wieder geben. 

Anfangs August vorigen Jahres nahm icli für einige Wochen 
meinen Aufenthalt in dem am südlichen Abhänge der Tatra 1002'1 
Meter hoch gelegenen Badeorte Schmecks '^•'■), Zipser Comitat, von wo 
aus ich am 8. August einen Ausflug zu den 5 Seen unternahm. 

Der Weg führt von Schmecks aus sanft ansteigend durch Pinus 
Picea L. Wälder, in denen Melampyrwn sylraticntn, Vaccininm Myr- 
tillus und Enpkrasia ofßcinalis den Boden bedecken, auf das Kolba- 
cher Gräfchen, von wo sich eine herrliche Fernsicht in das Kohl- 
baclier Thal und die umliegenden Spitzen und in die Zipser Ebene 
bis zur Kralova Hola darbietet. Von hier führt ein gut erhaltener 



*) Ungarisch Tatra Füred genannt. 



204 

geschlängelter Saum weg in die Tiefe des Kohlbacher Thaies zu den 
Wasserfallen der Kohlbach coder auch Kahlbach genannt j , deren 
Wasser sich tosend und schäumend, weithin h(')rbar, über terrassen- 
förmige Felsenhiinge hinabstürzen. Auf diesen Felsen nun begrüssen 
den Wanderer die ersten interessanten Pflanzen, es wachsen da: 
Adenostyles alpina Doli., Saxifrnga Aizoon, Chrysanthemum atratutn, 
Doi'onicum austriacum Jacq. und Thymus alpinus Bmg. 

Von hier aus führt der Weg an der linken Seite des Thaies 
zur Rainer Hütte, ein etwas primitiver Bau, welcher aber dem Tou- 
risten Schutz gegen etwaige Unwetter bietet. Hier ist zu sammeln: 
Senecio alpinus Koch ß eordifolius Neilr. und Anemone alpina. 

Von der Rainer Hiitte weg überschreitet man die Kohlbach und 
beginnt die Ersteigung des „Treppchens,^ ein staifelformiger Abhang, 
der in das kleine Kohlhaciier Tlial führt. Dieses Thal, dessen rechte 
Seite die Lomnitzer Spitze, die linke die unersteigliche „Treppe," den 
Hintergrund „die Seewand" bildet, ist in botanischer Beziehung sehr 
interessant. 

In diesem Thale liegt der sogenannte Feuerstein, ein Felsen- 
koloss, unter dessen einer vorspringenden Wand diejenigen Touristen, 
wel(;lie die Lomnitzer Spitze in zwei Tagen ersteigen wollen, über- 
nachten. Hier traf ich eine Gesellschaft von 8 Herren mit 3 Führern, 
welche noch selben Tages die Lomnitzer Spitze ersteigen wollten, 
unter ihnen einen Herrn, der bei dieser Partie, welche immerhin des zu 
passirenden steilen, mit losem Gerolle bedeckten Abhanges wegen 
zu den schwereren und anstrengenderen gehört, bei welcher gewöhn- 
lich ein Paar feste eisenbeschlaffene Berffschuhe in dem scharfkan- 
tigen Granitgeri)lle draufgehen, — in Commodschuhen, vulgo Pantof- 
feln, einen seidenen Sonnenschirm in den zart behandschuhten Hän- 
den, die Lomnitzer Spitze ersteigen wollte; nun war es aber lächerlich 
genug den wackeren Touristen in seinem Kam]>fe mit seiner unzweck- 
mässigen Kleidung zu sehen, — hald verlor er den einen, bald den 
anderen Schuh, l)ald brach etwas am Sonnenschirm entzwei, bald 
riss etwas am Handschuh, endlich gerieth gar ein Steinchen in den 
einen Strumpf, kurz Bescliwerden aller Art zwangen ihn schon vor 
der ersten schwierigeren Stelle, — dem Aufstiege, — zur Umkehr, 
bald folgten diesem Herrn noch 2 und dann abermals 2 Herren nach, 
so dass von der ganzen aus 8 Herren bestehenden Gesellschaft nur 
3 die Lomnitz erstiegen. 

Vom Feuerstein an führt der Weg am Bache aufwärts bis zu einer 
etwa 300 Meter hohen, sehr steilen, das kleine Kohlbacher Thal quer 
durchsetzenden Wand. Bis hierher wurde meistens am Rande des 
Baches gesammelt: 

Gentiana punctata., Cochlearia ofßcinalis, Anemone alpina, 
Geum monlanum^ Sepervivurn montanum, Chrysanthemum rolundi- 
folium WK. et C alratum, Campanula alpina., Phleum alpinum, 
Thymus alpinus Bmg., Adenostyles alpina Doli., Solidago Virgaurea 
ß carpatica, Achillea atrata, llomogyne alpina Cass., Ranunculus 
aconili/olius, Lychnis diurna Sibth., Veratrum Lobelianum Bernh., 



203 

Oxf/Ha dirjyna Camp., Hieracinm alpinnm., Poh/gomim Bistorla, Se- 
nerio alpinns Koch, ß vordifoHns A'cilr., BhiiKtnlhus alj)iniis Baiitiig., 
Polentilla avrcd, Pedicnhiris rcrfirilldfa, Rhodiola rosea am Bache, 
P/ii/fcuina arbiculnris iiiid hciiiisphacricniH iimnillelbar nelion dem 
FcMicrslcine, Bnrtsia alpina, Valeriana Tripteris, Primula elatior Jacq., 
Coeloglossntn viride Hartm., (ii/mnadenia albida Rieh, uninittelbar 
unler dem Aufstieg auf die Lomnilzer Spitze. 

An jener Querwand, welche man zu ersteigen hat, um zu den 
5 Seen zu gelangen, wurden gesammelt: 

Erk/eron alpinns, Pohjgonum Bistorta, Saxifraga Aizoon, Pri- 
mula elatior Jacq., Sempennvu7n monlanum, Campanula alpina, 
Anemone narcissiflora , Coeloglossum viride Hartm., Gi/mnadenia 
albida Rieh., Chrysanthemum alpinum, Gentiana punctata, Soldanella 
alpina, Hnnioggna alpina Cass.; hat man diese in zwei Absatzen, aus 
riesigen Felstriimmern und Schuttlialden bestellende Wand erstiegen, 
so befindet man sich vor dem ersten der 5 Seen. 

Diese 5 Seen liegen unmittelbar unter der Lomnitzer Spitze und 
zwar der erste und zweite hinter, der dritte und vierte nebeneinan- 
der und hinter diesen erst der fünfte, alle von schrofFen, kahlen, 
steil ansteigenden Felswiinden, welche an den meisten Stellen uner- 
steiglich sind, begrenzt und stellenweise mit ewigem Schnee bedeckt 
sind. Den fiinften See fand ich auch — den 8. August — noch 
grösstenthcils mit Eis bedeckt. An der hintersten Wand des 5. Sees 
(Seewand genannt) wurde von Prof. Karl Haussknecht der Ranunculus 
pigmaeus (siehe d. Z. im XIV. Jahrg.) am Rande des schmelzenden 
Schnees entdeckt. Trotzdem 1874 Herr Karl Kolbenheyer zweimal 
und auch ich dort 7 Stunden lang Fels ab, Fels auf die ganze Ge- 
gend durclisloberte, gelang es weder Herrn Kolbenheyer noch mir 
den vielgesucliten Ranunculus zu finden, so dass Herr Kolbenheyer 
meint , dass der Schnee von jener beschränkten Stelle , wo der 
Banuncnlus wächst, gar ni(;ht weggeschmolzen sei und derselbe 
desswegen nicht zur Entwicklung gelangte. Diese Ansicht mag 
wohl auch die richtige sein, wenn diese seltene Pflanze nicht viel- 
leicht ausgestorben oder gar ausgerottet ist, was mir immerhin denk- 
bar erscheint. 

An den Rändern dieser 5 Seen und an der Seewand bei dem 
Suchen nach dem Ranunculus sammelte ich folgende Pflanzen: 

Phlcum alpinum, Sesleria caerulea, Soldanella alpina, Arnica 
montana, Veronica alpina, Cochlearia ofßcinalis, Primufa miniina, 
Sempervirjum. montanum, Campanula alpina, Senecio carniolicus 'NMld., 
Sedutn atratum, Gentiana punctata, massenhaft, Gentiana frigida 
Haenke, Rhodiola rosea, Viola biflora, Chnjsanthemum alpinum. Eri- 
geron alpinns, Saxifraga carpatica Reicht)., Oxijria digyna Camp., 
Hieracium alpinum, Ranunculus nivalis Jacq., Saxifraga androsacea, 
Bartsia alpina. 



206 

Die Ufer des 5. Sees werden von grossen oft bis 20 Meter 
hohen übereinander gerollten (Granit-) Felsbliicken, von mehr minder 
knbischer Gestalt, gebildet, zwischen diesen Felsen verlieren sich die 
Ufer des Sees, so dass, wenn man das Unglück hat auszugleiten, wie 
ich das Malheur hatte, man nicht nur sich zwischen den Steinen 
zersclilägt, — sondern auch noch in einem etwa -\- 5" R. hältigen 
Wasser ein unfreiwilliges Bad nimmt. 

Nachdem nun die an seltenen Pflanzen reichen Ufer dieser Seen 
umgangen und durchsucht waren, wurde, eines drohenden Unwetters 
wegen, der Heimweg nach Schmecks im Sturmschritt zurü(;kgelegt, 
und nur noch im Vorbeigehen ein Rasen von Saxifraga muscoides 
Wulf., nahe dem Feuerstein mitgenommen. 

Nachdem die näclisten Tage zum Trocknen meiner Ausbeute 
und zu kleineren Ausflügen verwendet wurden, unternahm ich den 
15. August wieder eine grossere Partie, und zwar galt es diessmal 
den Polnischen Kamm und den Kahlbacher Grat zu ersteigen. Morgens 
5 Uhr ging es zu Pferde durch herrliclie Larix europaea Walder 
2 Stunden lang, bis in's Volkertlial, wo die Krummliolzregion mit 
Anemone alpina, Sempermvum montanum und Solidago Virgaurea 
ß carpatica beginnt, und von wo die Pfer-ie zurückgeschickt wurden. 

(ScMuss folgt.) 



Erwiderung auf die „Bemerkungen" des Herrn 
Simkovics. 

Es hat mich verwundert, dass Herr Simkovics mit einer Kritik 
über meine ungarisch geschriebene Arbeit in einer in deutscher 
Si»ra(;lie erscheinenden Zeitsclirift hervorgetreten ist. Um vor den 
Lesern derselben nicht in dem nachtlieiligen Lichte, in welches mich 
H. Simk. gestellt, zu verbleiben, möge mir eine kurze Erwiderung 
gestaltet sein, wobei ich mich nur auf die Erörterung einiger sach- 
lichen Differenzen beschranken will. Der leidenschaftliche Ton, in dem 
H. Simk., mit dem ich bisher in freundschafllichen Verhältnissen ge- 
standen, gegen mich ausschlägt, richtet sich selbst. Dies diem docet; 
die Mängel meines Berichtes kenne ich jetzt sehr gut. Die von H. 
Simk. gerügten Fehler und auch manche andere habe ich inzwischen 
selbst erkannt, und tlieilweiso au( h H. Simk. brieflich mitgetheill, 
worauf er mir aucii antwortete, und meine Bemerkung auf die Cen- 
taurea maculosa Lam. bei seinen Exsiccata auch verwerthele. Er hat 
in meinem, aus Berlin am 4. Februar der ungarischen Akademie ein- 
gesandten Manuskripte auf meinen Wunsch einige Einschaltungen 
besorgt, und dabei finden können, dass meine Alsine Villarsii gleich 



207 

A. Gerardi WWUl. ist. Manche der betrelFonden Pflanzen lial)e ich inzwi- 
schen unter den riihligen Namen meinen bolanisciien Correspondenten 
mitgetheilt. 

Ich gebe zu, dass die Zusaminenstelhuig von den für Ung-arn 
resp. Banal als neu sich ergebenden Pflanzen H. Simk. Stoff zu be- 
griindeten Angriffen gegeben liat. Meine beschränide Zeil gestattete 
mir nicht die in den Zeitschriften zerstreute Literatur ersch()pfend 
auszul)cuten. Dass ich nicht alle aufgeführten Arten resp. Aharten 
(zusamiruMi nur 34) als durch niicli neu entdeclU bezeichnen wollte, 
geht daraus hervor, dass icli bei Alyssnin Orientale (jetzt mit?) und 
i'rangos fervlarea (L.) H. v. Janka als ersten Finder genannt, und 
bei ,T weiteren Arten erwähnt habe, dass sie bereits von einem 
Standorte bekannt waren. Auch isl es unbillig, dass die 7 Arten, 
welche ich als früher zweifelhafte angeführt habe, von H. Simk. zu 
der Zahl der von mir aufgeführten Novitäten hinzugerechnet wurden. 
Diess thut er auch bei den für das Banal zwcMfelhaffen Arten. Ein 
ruhiger Kritiker wird in meinem Berichte auch die Lactvca hispida 
(M. B.) nicht übersehen. 

Zu einzelnen von H. Simk. erwähnten Arten habe ich folgende 
Bemerkungen zu machen: Von Stipa Graßcma Stev. 1843 (St. pnl- 
cherrima C. Koch 1848) liest Niemand in meinem Berichte, dass sie 
die gewöhnliche St. pennata L. ist, sondern von dieser eine forma 
rohnstior — welche sich zu der Stammform etwa so verhält, wie 
Briza elatior Sm. (Budae, sub montis Johannisberg radicibus) zu Br. 
media L , Piniis silrestris L. war für das Banal neu, die strauchige 
Form ist auch für Ungarn bemerkenswerth, und scheint im Orient 
weiter verbreitet zu sein, wurde auch als eigene Art: P. pontica C. 
Koch beschrieben. Herr Simk., mit dem ich die Pflanze ein zweitesmal 
aufgesucht habe, hielt sie für P. Mvghvs. Meine Innla media isl jeden- 
falls ein aus lingarn noch nicht bekannter Bastarl von /. germanica 
L. und /, squarrosa L., mithin als /. franssikanica Schur zu be- 
zeichnen. Meine Malcolmia incrassafa fand ich nicht auf Düngerhaufen, 
sondern am Schlossberge bei Versetz aber in der Nähe der Wein- 
gärten. Dass H. Simk. die Ononis psevdohircina Schur (nicht hircina 
Schur) ebenfalls in Ungarn aufgefunden habe, dass er Campanula 
carnica Schiede aus Ungarn besitze, war mir bei der Al)fassung 
meines Berichtes nicht bekannt. Jasione Jankae Neilr. und J. He/d- 
reichii Janka exsicc. Ferulago monticola Aucl. hung. et F. sihafica 
HeufF. sind jedenfalls nicht verschieden. Dagegen meine, nach Dr. 
Sanio dem Ahjsstun sinuatum L. nahe verwandte Vesicaria micro- 
carpa, die ich nach dem Standorte auf das nicht beschriebene Ah/s- 
sum edentidum b) stricttim Rochel bezog, ist nicht dieselbe Pflanze, 
welche Neilreich nach Janka's Exsiccata als solche beschrieb (= Algs- 
sum edentuhim \V. Kit.). Meine Poa caesia ist zwar nicht caesia Sm. 
aber auch nicht P. compressa, wie Simk. glauben will, sondern eine 
nicht gewöhnliche Form aus der Verwandtschaft der P. pannonira 
Kerner und wird, wie ich jetzt glaube, entweder ein schöner Fund 
für Ungarn oder vielleicht eine neue Art sein. Meinen Jiincus alpinus 



208 

bezeichne ich vorläufig als J. lamprocarpus b) subalpinus mihi (vix 
alpigetius Schur), und sehe ich hier etwa jenes Verhaltniss, gleich 
dem zwischen J. Rocheliatius R. Seh. et J. silraficus Reich. Meine 
Luzula alpina und Sllene densißora (stimmt mit dem Originalexemplar 
genau überein) und ist richtig bestimmt. Meine Viola rothomagensis 
(F. heterophiUa Hazsl., V. hanatica Simk. brief. Mittheil.) ist auch 
nicht die gewohnliche V. decllnata W. Kit., sondern V. declinata b) 
montana Schur. H. Simk. irrt, wenn er meine Medicago glomerata 
mit M. glomerata Kit. Add. identificirl. Kitaibel vergleicht seine M. 
glomerata mit M. prostrafa Jacq., womit M. glomerata Balb. nichts 
zu thun hat. 

Es ist gewiss, dass ich gegenüber den reichen Erfahrungen und 
der freundschaltliclien Belehrung des Herrn v. Janka, ebenso wie den 
Herren Professoren Kerner, Hazslinszky und Haussknecht, den Doctoren 
Sanio et M. Kuhn, zu herzlichem Danke verpflichtet bin, auch kann 
man den Namen des H. v. .Tanka in meinem Berichte p. 221, 222, 
238, 249, 251, 252 wiederholt finden, aber mein Verhaltniss zu H. 
Simk. ist ein anderes, auf Gegenseitigkeit beruhendes- Wir arbeiteten 
im Universittitsherbar in demselben Zimmer, und besuchte er mich 
nicht nur einmal in meiner Wohnung, um etwas nachzusehen, wir 
machten vielfach Exkursionen mit einander und besuchten mitunter 
dieselben Gegenden getrennt von einander. Da konnte es nicht fehlen, 
dass wir unsere Erfahrungen und unsere Zweifel uns gegenseitig 
mittheillen, und haben wir damals gegen einander nicht ängstlich auf 
die Walu'ung unseres gegenseitigen Eigealhums geachtet. Wenn es 
nun allerdings ein Unrecht von mir war, das Verbascum glabratum 
Friv. zu erwälinen, oluie zu bemerken, dass H. Simk, diesen Namen 
ermittelt hat (die Bestimmung als V. üornemanni rührt von mir her, 
und ich habe die Pflanze ein Jahr früher gesammelt), so hat auch H. 
Simk. auf .,diesen verbotenen Wegen Verdienst gesucht." Bei Harsäny 
habe ich Ruscus Hgpoglossum L. gefunden, ebenso habe ich All'tum 
carinatum L., welches H. Simk. nur in nicht blühendem Zustande 
(ohne mein Vorwissen) fand, zuerst blühend gesammelt und ihm als 
neu für das Koinit. Pest mitgetheilt. Beide nimmt er in seinen Bericht 
auf, ohne mich dabei zu erwähnen. 

Berlin, 17. April 1875. 

V. Borbäs. 



Correspondenz. 

Pola, am 24. April 1875. 
Bei dem Interesse, welches den Akklimatisirungsversuchen der 
Encalgplus-Ar\en entgegengebracht wird, mag es gerechtfertigt sein 
darüber zu berichten, wie die Pflanzen, welcher Dr. Wawra in Nr. 1 
dieser Zeitschrift gedaclit hat, den heurigen, bekanntlich sehr strengen 
Winter durchgemacht haben. Diejenigen ßäumchen, welche an sonni- 



200 

gen und trockenen Platzen, z. B. vor dem Marinekasino und dem 
Sta(it|)arke ge|)nanzl sind, haben die zahlreichen Froste des vergan- 
genen Winters gut überstanden, obgleich einige Orangenbäume, wel- 
che in einem Carlen im Freien überwintern sollten, erfroren sind, 
Diess wiire also ein nicht ungünstiges Zeichen für die Möglichkeit 
Eurah/pl US- Arien selbst im siidlichen Istrien fortzubringen, wenn man 
niindicli trockene Oertlichkeilen für diese Versuche auswidilt. Allein 
an den nassen Orten sind die Versuche auch heuer missrathen, denn 
die Biiumcheu im Kaiserwalde zeigen schon von Ferne, dass sie der 
Frost total zu (irnnde gerichtet hat. Damit sinken aber die Aussichten 
dafür, Eucalyptus in den Narenta-Sümpfen fortzubringen. Freyn. 

Linz, am 27. April 1875. 
Herr Dr. J. S. Putsch, welcher eingetretener Familienverhältnisse 
wegen seine Stellung als Stifts- und Convictsarzt in Kremsmünster 
aufgegeben hat, und nach Randegg in Niederösterreich übersiedelt 
ist, erhielt vor Kurzem das Diplom eines correspondirenden Mitgliedes 
der königl. botanischen Gesellschaft „Flora" in Regensburg. 

Dr. Karl Schiedermayr. 

Triest, den 20. Mai 1875. 
Nach einem überaus strengen Winter brauchten auch die Früh- 
lingskinder lange zu ihrem Erwachen, so dass am ersten Mai unsere 
Gegend dasselbe Aussehen darbot, wie sonst in der ersten Hälfte 
A|)rils. Nicht alle Pflanzen jedoch hatten gleichviel durch die Kalte 
gelitten. Am meisten zurück sind die in Alleen und Gärten ange- 
pflanzten exotischen Bäume, wie Bronssonetia, AUanthits, Robinia 
etc. Von unseren Waldbäumen blieben die auf Kalk wachsenden in 
der Entwicklung hinter denen, die auf Sandstein vorkonunen. Am 
wenigsten schienen die mit Zwiebeln oder dicken , perennirenden 
Rliizomen versehenen Pflanzen den Frost empfunden zu haben, so dass 
Frit'dlaria, Narcissus, Äsphodelns, Muscori, Paeoaia etc. nur sehr 
geringe Verspätung zeigten. Gegenwärtig ist jedoch das Verlorene 
ehigeholt und die Vegetation hat dasselbe prunkvolle Kleid, das unsere 
düsteren Karsteinüden auf ein paar Monate in einen wahren botanischen 
Garten umwandeln, angelegt. Vorige Woche habe ich mit Herrn Hof- 
rath Tominasini eine Exkursion nach Friaul unternommen, die uns 
manches Schiene lieferte. Obwohl der erste Theil unserer Exkursion 
mehr zoologischen Zwecken galt, um nämlich die Brunnen zu unter- 
suchen, in denen der Proteus anguineus gefunden wurde (von wel- 
chem wir so glücklich waren, drei Exemplare heimzubringen), so 
versäumten wir doch nicht, in Monfalcone die in der griissten Pracht 
ihrer Blüthe dastehende Medicago jnarina, sowie im Parke zu Sagrado 
Verbascum phoeniceum , Aruiri itallcum , Oniithogalum collimtm, 
Ant/tijl/is Dillenü etc. zu sammeln. Ueber Gradiska fuhren wir durch 
die smaragdgrüne Friauler Ebene nach Codroipo. Zwischen diesem 
Orte und Palma entspringt reihenweise auf den Wiesen eine Menge 
von Quellen, die so stark sind, dass sie gleich nach ihrem Entstehen 



210 

Mühlen zu treiben vermögen und überdiess säinmtllche Wiesen ver- 
sumpfen. Aber welche Fülle von Pflanzen in diesen Sümpfen! In 
tausend und ahermallausend Exemplaren stehen da im bunten Durch- 
einander: Brassica palustris, Armeria elongata, Senecio Doria, Cre- 
pis incarnata, Orcliis ustulata und Morio, Piatanthera chlorantha, 
Pohjgala comosa, Scorzonera humilis, Pinguicula alpina, Primula 
farinosa, Glohularia cordifolia var., Carex flava, Schoenus nigricans 
etc. Für Brassica palustris^ einer von Pirona entdeckten Pflanze, die 
jedoch grosse Aehnlichkeit mit der B. elongata W. K. hat, ist dies 
der einzige Standort. Von Anagallis tenella, die in den Sümpfen von 
Virco angegeben ist, konnten wir diesmal leider keine Spur finden. 

C. Marchesetti. 

Breslau, 23. April 1875. 
Sollte Jemand im Laufe des Sommers Gelegenheit haben, das 
Taraxacum leptocephalum Rchb. zu sammeln, so möchte ich den- 
selben freundliciist ersuchen, eine Partie getrockneter Exemplare, 
sowohl blühende als mit Frucht, für mich auflegen zu wollen. Ich bin 
gern bereit, mich anderweitig zu revangiren, denn es ist mir viel 
daran gelegen, die Variationsfiiliigkeit dieser von mir für eine gute 
Art gehaltene Pflanze, zumal in Bezug auf die Blattform, genauer 
kennen zu lernen, und mein eigenes Material reicht zu diesem Zwecke 
nicht aus. Auch wären mir Nachrichten über das Vorkommen dieses 
Taraxacmn in Südrussland resp. im Orient sehr M'illkommen; mir ist 
bisher nichts darüber bekannt geworden, aber ich vermuthe stark, 
dass es wenigstens in den nordpontischen Provinzen nicht fehlen wird, 
zumal die anderen Halophylen der pannonisch-österreichischen Flora 
Wühl sonst so ziemlich Scimmllich in jenem Gebiete wieder auftreten. 
Die Angabe von Marschall-Biebestein, dass sein Krimscher auf Salz- 
boden vorkommender Leontodon linidus im August und September 
blühe und namentlich das, was der genannte Autor über eine Varie- 
tät desselben mit buchtig-schrotsügeförmigen Blättern, die er eben- 
falls im Herbste am Dniepr und in der Krim beobachtet hat, im 
Supplementbande seiner Flora taurico-caucasica sagt, stehen mögli- 
cherweise in einigem Bezug auf das T. leptocephalum, welches aesti- 
val ist, nicht vernal wie T. palustre DC, zu welchem Ledebour den 
L. lividus M. B. sammt der Varietät bringt. Auch Steven (Verz. der 
auf der taur. Halbinsel wildwaclisenden Pflanzen 1856) zieht M. B.'s 
L. lividus zu T. palustre, allein die Varietät dürfte nach ihm viel- 
leicht mit dem mir unbekannten T. hybernum Ste\en zusammenfallen, 
welches nach der Beschreibung schwerlich mit T. leptocephalum iden- 
tisch ist. — Das T. leptocephalum Rchb. (^Leontodon parcißo7-us Tausch) 
ist von Siebenbürgen durch Ungarn, Niederösterreich, Mähren bis an 
den Fuss des böhmischen Erzgebirges verbreitet, aber nur sehr spo- 
radisch und nur in einzelnen Gegenden häufiger, in Oberösterreich, wo 
es Britlinger ohne weitere Standortsbezeichnung angibt, kommt es 
wohl nicht mehr vor, ebensowenig wie in ganz SW. Deutschland. 
Um so überraschender ist daher jedesfalls die Entdeckung dieser 



211 

Art im südlichen Tlioilo des centralfranzösischen Hochplateaus, in der 
Auvergne, denn das (;rst im Jahre 1874 im Bulhitin der französischen 
bolanischen Cesellschalt als neu aufg-eslellte T. salsuf/inenm Lamolte 
isl, uie ich aus der sehr guten Bes(hreil)ung des Autors alsbald ver- 
muthete und wie nachtriiglicli von diesem selbst mitgetluMlle Exem- 
plare es bestätigt haben, eben dieselbe Pflanze, wie unser T. leplo- 
cephahnn. Uechtritz. 

Dresden, am 22. Mai 1875. 
Mit unermiidef(>ni Fleisse bin ich in meiner so ungemein schwie- 
rigen Scleraiilluis-Arbeit so weit gekommen, dass ich nun wenigstens 
die Eintlieilung der Gruppen übersehen kann. Wenn auch die Anzahl 
derjenigen, welche ihre Aufmerksamkeit der höchst interessanten 
Sclerantlius-Gattung energisch und bleibend zugewendet haben, aus 
der Menge eine sehr kleine geworden ist, so dürfen wir doch hoffen, 
dass die Theilnahme wieder erwachen und sich mehr verbreiten wird, 
sobald man in den Stand gesetzt sein wird, durch Originale und 
Andeutungen die Arten zu unterscheiden. Deshalb folge ich dem 
Ratlie meines geehrten Herrn Kollegen Zetterstedt und habe zu diesem 
Zwecke einen jungen Mann acquirirt, der ganz dazu geeignet ist, 
Scleranthus-Sammlungen in Decaden billig zu verbreiten. Was meine 
Arbeit anbetrifft, so wird man erstaunen zu sehen, wie wichtig die 
Beziehungen derselben sind auf unsere Erfahrungen über Artbildung 
und über das zur Unterscheidung der Formen nothwendige botanische 
Sehen. Nächstens mehr. L. Reichenbach. 



«^C/GÖ-XKÄ— — 



Literaturberichte. 

Botanischer Jahresbericht. Systematisch geordnetes Repertorium der bota- 
nisclien Literatur aller Länder. Von Dr. L. Just. Berlin 1873. Verlag von 
Gebr. Borntraeger. 1. Jahrg. (1873). 2. Halbb. Seite 321—744. 

lieber den 1. Band, der zu Ende des v. J. erschien, wurde be- 
reits im Februarhefte berichtet: der 2. Halbband entlnilt ausser einem 
ausführlichen Inhaltsverzeichnisse die Fortsetzung der Referate über 
chemische Physiologie. Weitere Referate finden sich vor: über Be- 
fruchtungs- und Aussäungseinrichtungen und Verbreilungsmittel, von 
H. Müller-Lippstadt; über Hybriditat, von W. 0. Focke; über Ent- 
stehung der Arten, von demselben; i'iber systematische Monographien 
und aussereuropäische Floren, von Engler; über Phytopaliiontologie, 
von H. Th. Geyler; über pharmazeutische Botanik, von Flückiger; 
tiber technische Botanik, von A. Vogl; über forslwirthschaftliche Bo- 
tanik, von R. Hartig; über Pflanzenkrankheiten, von P. Sorauer; über 
holländische Literatur, von H. de Vries; ül)er italienische Literatur, von 
E. Levjer; überrussischeLiteratur, vonBatalin; überungarische Literatur, 
von Kanitz; endlich über Systematik der Phanerogamen und Pflanzen- 
geographie, von P. Ascherson. Ein Autoren-Register und ein solches 



212 

der Pflanzennamen schliessen dieses vorlreiTliche splendid ausgestattete 
Werk, welchem eine genügende Anzahl von Abnehmern dringend zu 
wünschen wäre, damit sein Forterscheinen für die Zukunft gesi- 
chert bliebe. 

Das kOnij^lirhe Bad Teinach im württembergischen Schwarzwalde. Von 
Dr. W. Wurm. Stuttgart 1875. Verlag von G. Hoffmann. 4. Aufl. 128 Seiten 
mit 4 Ansichten und 1 Karte. 

Den vielen Botanikern, welche alljährlich den Schwarzwald be- 
suchen, wird das Büchlein manchen Nutzen gewähren. Sie finden in 
demselben genügende Angaben über die ortlichen Verhältnisse, um 
darnach ihre Ausflüge regeln zu können, wobei ihnen die in Farben- 
druck vorzüglich ausgeführte Karte jede Nachfrage oder Führerschaft 
entbehrlich machen lässt. 



Fersonalnotizen. 

— Wenzel Johann Sekera, einer der ältesten und thätig- 
sten Botaniker Böhmens, ist am 21. April in Folge eines Herzleidens, 
zu Münchengrätz gestorben. 



Botanischer Tauschverein in Wien. 

Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Oborny mit Pflanzen 
aus Mähren. — Von Herrn Hibsch mit Pflanzen aus Niederösterreich 
und Böhmen. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Flether, DufFt, 
Krenberger, Forstinger. 

Aus Schlesien: Achyrophorus maculatus, Allmm arenarium,, 
Aster salicifolms, Campanula barbata, Carex Pseudocyperus, Ce~ 
phalanlhera rubra , Chaernphyllmn aromaticum , Larix decidua, 
Nymphaea semiaperta, Orchis maculata, Ranunculus aquatilis, Ribes 
rubrum v. silcestris, Spergula pentandra, Tilia platyphyllos, Viola 
Riviniana u. a. eing. von Plosel. 

Aus Mähren: Allhaea pallida, Echium rubrum, Hesperis tri- 
stis, Iris variegata, Papaver Argemone u. a. eing. von Oborny. 

Aus Nieder Österreich: Salix babylonicamas.! — Aus Böh- 
men: Camelina dentata, eing. von Hibsch. 

Obige Pflanzen können im Tausche oder käuflich die Centurie 
zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 

KedakUiur und Herausf?eber Dr. Alexander Skofltz. — Verla? von C. Gerold's Sohn. 
Druck und Papier der C. Ueberreuter'scben Buclidruckerei (M. Salzer). 



OesteriTichiscIie 

Botanisclie Zeitschrift 

Gemeinnützig'es Orgfan 

für 
Die BstepreU'iiUche Exemplare 

butanische Xeltschrlft RnfoiiiL' IIikI RAfuniLruit die n-el durch die l'ost be- 

erschoint DOl.inill Ulla DOldRIKer, zogen werden s.nen, sind 

den Ersten jeden Monats. blo« bei der Itediiktlon 

"^Vlfs"«"«! "«•""' Gärtner, Oekonoineu, Forslinäimer, Aerzle, '"'tu pänS;ir^?"' 

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ganzjährig, oder mit AnAlllplpp linrl Tprhnil'Pr Buchhandels übernimmt 

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INHAIaT: Verbasrtim Haynaldianum. Von Dr. Borbas. — Hieraeivmdacicutn. Von Ucchtritz 
— Phäüologische Ersclieiiiimgen. Von Staub. — Vegelülions-Vertialtnisse. Von l)r. Kern er. — Ve- 
getation Kciiailnrs. Von Dichtl. — Mykologisclies. "Voii Schulzer. Plantae ab Hililcbramlt coli. 
Von Vatke. — Exkursionen in ilie Tatra. Von Richter. — Flora von Pola. Von Neugebauer. — 
Correspondenz. Von Keller, Janka. — Personiilnotizen. — Vereine, Anstalten, ünternehniungen. — 
Botanischer Tauscliveriin. — Inserate. 

Verhascuni Hayuaidinnum n. hybr. 

(V. glabratum >Cphoemceui}i.) 
Aiictore Vinc. de Borbäs. 

Perenne, caule 2—3 pedali, inferne piloso, superne glaber- 
rimo, nilido, vimineo-paniculato; foliis inferioribus peliolatis, e basi 
rordala ovato-oblongis, subtus sparse pilosis (nee ut in V. gla- 
bralo cano-toinenlosis), supra glaberrimis iiitidis, grosse crenatis, 
superioril)us ovatis, dentatis, suinmisque minoribus glaberrimis; ra- 
mis anguhüis, interrupte floridis; floribus solitariis, t'requentius 
geminis (nunquam ut in V. glabrato lasciculatis), bracteis (ut iis 
Y. phoenicei) lanceolatis floribusque glaberrimis, pedicello 
duplo brevioribus vel nondum llorentem aequanübus; pe- 
talis sordidis la einlas calycis (iis V. phoenicei simWes) lineari- 
üblongas ter superantibus; antberis reniformibus, filamentis pur- 
pur e o - 1 a n a t i s , Capsula ? 

Dele.xi planlam inter parentes sub mnntis Allion radicibus infra 
Orsova Banatus d. 30. Maji 1874 et dicavi in honorem viri excellen- 
tissimi archiepiscopi Dr. L. de Haynald, de re herbaria optime 
meriti. 

0(>3terr. botaa. Zfitsclirift. 7. Heft. 1875 17 



214 

Habilu et glabritie al)snliita partiiiiTi caulis superiorum flnrum- 
que convenit quidoin V. Haynnidianvm m. mm V. glabrato Friv. 
{V. leiostachyo Gris. fest. i|)S() aiui.), stirps fainen Frivaldszkyaiia a 
mea fi>liis inferiorihiis suhtiis cano-tomentosis, bracteis, 
petiolisqiie diiplo breviori l)us, floribus fasciciilalis, pe- 
talis flavis la einlas calycJs quinquies superant ibiis faoile 
disting^uitur. Verbascum phoeniceum L. aeque ac Verb, rubiginosum 
W. Kit., quibusciim V. Haynaldianum m. longiludine bracteariitn ac 
petiolonim et forma calycis laciniarum bene congruit, hal)itu alieno, 
g^landulis et piibescenlia praecipue colore petalorum majoruin a 
mea stirpe diversa. 



Ilieraeiifin fiacfcmn n. sp. 

Auclore R. de Uechtritz. 

Accipitriiium , e sectione H. prenanthoidis. Subaphyllopo- 
dum, pallide glaucovirens. Rhizoma mediocre, descendens, lortuo- 
siim, fibrös validos c-oniosos emittens. Caulis miiltifoiiiis, obsolete 
fistulosiis, leviter striatiis, pilosus, versus basin sordide purpurascentem 
albo-liirsutus, apice glabratiis, depauperato-corymbosus. Folia nume- 
roisa, (7 — ^9), sensim decrescentia, remote denticulata, supra glabra, 
subtus pallidiora, nervis laxe anastomosanlibus, una cum margine albo- 
pilosa, praeserliin in nervo mediane; heteromorpha, inferiora petiolala, 
molliora; basilaria sub antliesin emarcida, late lanceolata, apioulafa, 
sensim in peliolum le\iter alalum anguslata; eaulina rigidiora, infima 
illis similia, sed eximie acuminata alqiie latius petiolala, petiolis basi 
liaud auriculatis, media anguste lanceolata vel oblonge lanceolata 
basi lata rotundata aut truncata amplexicaulia vel subamplexicaulia, 
summa minora, magis inter se remota, ovato lanceolata subintegra, 
glabrata aut margine parce tantum pilosa. Inflorescentia conferto- 
corymhosa, oligo- (3 — 7) cephnla, rarius depauperafo-paniculata, raniis 
brevibus strictis discretis folio suhjecto vnlgo longioribus. Pedun- 
culi abbre^iali, apice versus antliesin subcernui, saepe bracteolati, 
primo inluitu glabri, sed sub lente parce canofloccosi, pilis longiori- 
l)us prorsus destituli, eglandulosi. Involucra mediocria, primo cylin- 
drica, deinmn basi truncata, basi nigricantia, parce minuteque glan- 
dulifera, pilis longiorüjus alliis eglandiilosis raro immixiis, ceterum 
glabrata, squamis latis obtusissimis apice barbato-ciliolalis, extimis 
minoribus paucis modo adpressis, modo laxe patulis, exinde involu- 
criim saepe calyculatum evadit, exlerioribus nigricantil)us, interioribus 
glabratis margine lato pallidiore, intimis pallide virenlil)us linea media 
nigra tantum noiatis. Ligulae luleae, apice dentihus bre\ibus iri- 
crassafis oblnsis parce et irregulariter ciliolatis. Stylus fuligineo- 
nigricans. Acliaenia demum pallide brunnea, pappo sordido, basi 
rufescente. 



215 

HabÜat in nippslribus Zanoguca alpiiun Relyozat Trans- 
silvaniao (alt. GüüO pcd.), ubi luodio Aiiguslo a. 1874 iuvenil cl. 
Dr. V. Borbäs. 

Caiilis 0'3— 0*4 m. allus, l'olia caulina infcriora 0*08 — 0-1 m. 
b)nga, 0-0 12— 0-15 ni. lata. Pili caulis alhi, ba.si miniite bulbosi, bul- 
bis cxsertis lutoolis; fragiles, facile detergondi, quare interdum caulis 
deinuiM pseudoglabratus, at simul ob iiiloruin bulbos persistentes gra- 
nulato-seaber. — Species vix cum ulla desciiptarum e grege Pre- 
niinthoideoruin conferenda et media lere inter Prenanthoidea legitiina, 
(piibus liabitu et Crescendi modo omnino accedit et inter species Pul- 
nionareorum ex alTinitate H. silesiaci Krause (sectio Cernua m.), qui- 
bus colore iierbae, calatliidiis virgineis subcernuis, inflorescentia etc. 
affinis est. Recedit ab H. silesiaco, quocum praelerea involucri colore, 
squamis valde obtusis atque achaeniorum colore convenit, defectu ro- 
sulae perfectae basilari tempore florendi, caule strictiore, non flexuoso, 
niagis folioso, apice cum pednnciilis pilis longioribiis prorsus desti- 
tutis, foliis eNidentius beteromorpids, subtusmanifeste anastomosanti- 
nervosis, caulinis majoribus basi liaud angustata amplexicaulibus nee 
sessiiibus, involucris brevioribus minus cylindricis, paullo magis pilosis 
(in H. silesiaco pili longiores albi tere omnino desunt.) — H. siles'ta- 
cum Kr. ut Cernua reliqua, exenipligratia Hier. SchiiUzianinn Vis. 
et Panc. (ex parte) = H. cermium Friv. (nee Fries), H. porphyriti- 
ciim Kerner, H. Borbdsii m. (species nova niox describenda), est Pul- 
monareum verum, pliyilopodum, dum H. dacinm inter Accipitrina 
collocandum vulgoque gemmiferum apbyllopodum est, foliis basilaribus 
versus anthesin omnino emarcidis; attamen pro more nonnullarum 
aliarum ex H. prenanthoidis affinitate specierum v. c. H. riphaei m. 
interdum Jiypopliyllopodum, rosulas foliorum illis H. hohemici ceferum 
prorsus diversissimi liaud dissimilium discretas coaetaneas explicans. 
Innovationi igitur niinis magnum sane tribuit momentum cl. Fries in 
discernendis sectionibus hujus generis; exstant enim revera liaud 
paucae species bac ratione ambiguae vel variabiles (praesertim Sa- 
baudis Uml)ellatisque exceptis inter Accipitrina) mox gcmmis clausis, 
mox rosulis praemalure explicatis perhiemantes. Accuratius atque effu- 
sius de bis rebus tractavit cl. Nacgeli (Ueber die Innovation bei den 
Hieracicn und ihre systematische Bedeutung in Sitzungsber. der k. 
bair. Akademie der Wissenschaften in München 1866), cujus obser- 
vationes ingeniosae nee minus judicia in plerisque certe comprobanda 
magni pretii sunt. 

Vra tislaviae, Aprili 1875. 



17 



216 

Zwei phänologische Erscheinungen. 

Von M. Staub. 

I. 
Die Blüthezeit der rothen Heidelbeere ^f^«ccmtV«/w Vitis idaeah.}. 

Von dieser weit verbreiteten Pflanze schreibt W. 0. Pocke im 
vierten Hefte des dritten Bandes der Abliandlungen des naturw. Vereines 
zu Bremen, dass sie wenigstens im ganzen Nordwesten Deutschlands 
jiihrlicli zweimal blühe und ebenso oft reife Friichte bringe und 
glaubt, dass diese Erscheinung auch in anderen Theilen Deutschlands 
zu l»eo])ac]iten wäre. Die erste Ernte geschieht Ende Juli und im 
August; die zweite Anfangs November; ebenso scharf seien die beiden 
Blüthenzeiten von einander gelrennt; die erste fallt in den Mai, die zweite 
in die ersten Tage Augusts. Pocke erwähnt auch bei dieser Gelegen- 
heit, dass diess die einzige deutsche Pflanze sei, die ein so eigcn- 
thümliches Verhalten zeige. Pocke liat bisiier in der botan. Literatur 
vergebens nach den Grenzen des zweimaligen Bliihens gesucht; selbst 
im südlichen Schweden blüiit sie nur einmal ; ihre reifen Friichte 
werden dort im September gesammelt; warum auch Pocke mit Recht 
glaubt, dass zwischen der deutschen und schwedischen Pflanze ein 
gewisser Racenunterschied bestehen könnte, nachdem es nicht mög- 
lich ist, mit Hilfe der klimatischen Verhältnissi; allein, diese Erschei- 
nung zu erklaren. Selbst in Dänemark blüht die Heidelbeere nur 
einmal und setzt Lange in seinem „Haandbug i den Danske Plora" 
ihre Blüthezeit auf den Juni, Juli, also gerade in jene Periode, welche 
nach Pocke in dem obenerwähnten Theile Deutschlands zwischen die 
erste und zweite Blüthezeit fallt. Aehnliche Daten fand Pocke in den 
englischen Floren und er wirft folgende Fragen auf: Wo ist die 
Grenze des zweimaligen Blühens? Gibt es Gegenden, wo diese Pflanze 
zweimal blüht, aber in gewöhnlichen Jahren nur einmal reife Früchte 
gibt? Wie würde sich die schwedische Pflanze verhalten, wenn sie 
nach Deutschland vcn-pflanzt würde? Wie verhält sich diese Pflanze 
in Amerika unter verschiedenen Breiten? 

Nach dem Verhalten dieser Pflanze im östlichen Europa forschte 
auch ich nach. Es scheint, dass man das Verhalten dieser Pflanze 
selbst in dem uns benachbarten Oeslerreich nicht genau kennt. Neil- 
reich gibt in seiner Flora von Niederöslerreich die Blüthezeit von Mai 
bis Juli an; Pritsch setzt im normalen Bliithenkalender von Oester- 
reich-Ungarn rednzirt auf Wien den Beginn der Blüthe auf den 10. Mai, 
einer zweilmaligen Blüthe aeschieht nirgends eine Erwähnung. In den 
von mir zusammengestellten 20jährigen phänologischen Bcobachlungen in 
Ungarn und seiner Kronländer finde ich, dass diese Pflanze nur an 
5 Orten beobachtet wurde, u. zw. zu Rosenau (1869), wo die Pflanze 
am 6. Mai zu blühen begann; die erste reife F'rucht wurde 18fi6 am 
14. August beobachtet; in Leutschau fällt nach 3jährigen Beobach- 
tungen (1858—1800) die erste Blüthe auf den 29., 14. und 18. Mai; 



217 

in Obersoll iilzen nach einer Boobailifung- (1860) auf den 1. Mni. in 
Fellxa (1S63) auf den 28. Mai; in Neusohl nach :3jahri(rcn Beolnicli- 
tuug-en (18')T— 18.")7) auf den 27., 25. und 17. Juni; die Fruclilrcife 
nach einer Beobaclitun«»- (1855) auf den 25. August. Neusohl licsrt 
von Ferro unter dein 42" 13' ()stlicher Liinge und 47*^7' nordl. Brc.'ile 
in einer Meereshohe von 348*42 Meter; das jährliche Teniperalur- 
niittel betragt G^ C. und in Berücksicliligung der oben mitgetlieillen 
Beobachtung, derzufolge in Dänemark die Bliithezeit der rothen Hei- 
delbeere auf den Juni, Juli fallt, scheint es, dass diese Pflanze in 
einem gewissen Tlieile Dänemarks und Neusohl zu gleicher Zeit blüht. 
Es ist für den beo!)a(litenden Phiinologen von grossem Interesse, wenn 
Focke's Fragen beantwortet werden. 

II. 

lieber das anregehnässige Blühen einiger Pflanzen. 

Im Monate Juni des verflossenen Jahres 1874 habe ich am rechten 
Donauufer Budapests, wo icli seit 4 Jahren phänologische Beobach- 
tungen ma(;lie, eine eigenthümliche Erscheinung beobachtet. Es sei 
mir jedoch erlaub!, früher i\urz den Witterungs\ erlauf drT erst<Mi 
Monate des benannten Jahres zu schildern. Das Tem| eraturinilfel des 
Jänner betrug — Id^C, aber erst in den letzten Tayen fiel und zwar 
in diesem Winter der erste Schnee; dem folgte bald reichiiciier Regen, 
so dass die M(Mige des Niederschlages in den drei ersten Monaten 
des Jahres 71'"" betrug. Der Monat März zeichnete sich besonders 
durch seine wechselnden Teinperaturschwankungen aus; dreimal sank 
das Oiiecksilber unter — 0'^ und eben so oft hob es sich wieder, bis 
es endlich seinen Stand über O*' behielt. Die Vegetation verspäte! e 
sich in diesem Monate im Vergleiche mit 1873 um 3 Wochen. Mit 
Anfang April stieg die Temperatur bedeutend, aber gering war die 
Menge des Niederschlages, nur 21""". Die Vegetation entwickelte sich 
um 10*7 Tage später, als im April des Jahres 1873; in der Nacht 
vom 28. — 29. trat Frost ein. der in der Pflanzenwelt empfindlichen 
Schaden verursachte; ja der Mai braclile einen neuen Winter. Den 
10. dieses Monats begann es zu regnen (die gesammte Menge des 
Niederschlages in diesem Monate betrug ')4'0™"'), das Thermometer 
sank immer mehr, so dass es in der Nacht vom 18. — 19. auf den 
Bergen schneite und fror. Die Vegetation entwickelte sich um 6'4 
Tage später als im Mai des Jahres 1873; dagegen war der Juni 
entschieden günstiger. Regen und Sonnenschein wechselten regel- 
mässig ab. 

Im Folgenden theilen wir die Blüthezeit jener Pflanzen mit, die 
in diesem Monate beider Jahre beobachtet wurden. 

1874 1873 

Calamintha Arinos 27. Juni, 28. Mai, 

Carduus Aranlhoides .... 24. „ 14. „ 

Centaurea srabiosa .... 10. „ 4. Juni, 

Dianthus plumarius .... 24. „ 18. „ 

Dorycnium petifaphylhini .3. „ 16. „ 



218 

1H74 1873 

Hypericum perforalwn . . . 20. Juni, 16, Juni 

Linaria (jenisiif'olia .... 24. „ 4. „ 

Liguslrum vvJfjare 6. „ 2. „ 

Melilotus officinaUs ..... 3. „ '^- » 

Melampyrum arcetise .... 24. „ 16. „ 

PotenliUa argentea 6- w 31. Mai, 

Sedum acre 3- w 4. Juni, 

Tilia parvifolia ^- v ^- n 

Urtica dioica 20. „ 16. „ 

Vitis "üinifera 7. „ 1^« » 

Xeranlhemum anmmni . . 24. „ 25. „ 

Aus der Vergleiclumg dieser Zahlen sehen wir, wie auffallend 
der Unterschied bei jenen Pflanzen hinsichtlich der Blüthezeit ist, 
obwohl sie beinahe ohne Ausnahme in beiden Jahren an denselben 
Standorten beobaclitet wurden. Wahrend bei mehreren der Unterschied 
zwischen 4 — 8 Tagen schwankt, finden wir bei Melilotus officinalis 
und Sedum acre, dass sie einen Tag früher bhilieten, als 1873, aber 
am auffallendsten ist dieses Verhalten bei folgenden: Calamintha Acinos, 
wc*!che um 80, Carduus acanthoides, welche um 41, Linaria ge- 
nistifolia, welche um 20 Tage später bliiheten, Dorycnium penta- 
phyllum dagegen um 13 Tage früher als 1873. Für den Augenblick war 
ich bei der Konstatirung dieser Thatsache geneigt, sie meinerseits 
einer verfehlten Beobachtung zuzuschreiben, aber bei zwei in unserem 
Gebiete so sehr verbreiteten Arten, wie Carduus acanthoides und 
Linaria genistifolia ist wohl ein Fehler so leicht nicht vorauszusetzen, 
umsoweniger dann, wenn man eben speziell solcher Beobachtungen 
wegen den Ausflug unternimmt. 

Wie gross war nun meine Ueberraschung, als ich einige Zeit 
nachher von Herrn L. Simkovits, Assistent am bot an. Garten, erfuhr, 
dass er an den Pflanzen im bot. Garten bemerkte, dass einige viel 
früher, andere wieder \iel später blüheten als l'^73. Dieser Umstand 
bewog mich vorzüglich zur Publikation meiner Beobachtung. Wo 
sollen wir nun die Ursache dieser Erscheinung suchen? Die Tempe- 
ratur des J 873er Mai zeichnete sich besonders dadurch aus, dass 
sie sich nicht sehr veränderte, sie schritt heinahe ohne Unterbrechung 
vor bis zum 18, sank dann ein wenig, aber ihr Mittel bliel) immer 
über 80, ungeachtet des häufigen Regens: Aehnliches weist der Monat 
Juni auf, dessen Teinperaturmitlel 18-70 betrug. Im Mai 1874 erhob 
sich die Temperatur in der ersten Hilfle des Monates von b'\)^ auf 
1 7'9'', sank aber rasch auf 5"50 herab und erhob sich dann wieder 
so sehr, dass sie am 8. Juni 'l'r'l^ betrug, sank aber rasch wieder 
auf 8" und erreichte erst am 15. Juni wieder \7'i^ und am folgenden 
Tage 24" 1*^. Während dieser Zeit war der Niederschlag sehr gering. 
Es drängen sich hier folgende Fragen auf: Geschieht die konstante 
Entwicklung der Pflanze nur innerhalb der Grenzen des Wärmebe- 
diirfnisses der Art? oder: Ist es ein gewisser Grad der Temperatur 
in Verbindung von Niederschlägen, welche jenen nicht autfallend mo- 



219 

difizircn? oder: Bezweckt die reo'clmiissig'e Enlwicklung das konstante 
Fortschreiten der Temperatur ohne Riicksiclil aul" die Hiihe, welche 
sie erreicht?. Itninerliin ist es interessant, dass die Bilanzen einer und 
derselben Gegend verscliiedene Ansprüche an Wurme und Feuchtig- 
keit machen. 

Budapest, April 1875. 

Die Vegetations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens. 

Von A. Kerner. 
LXXVill. 

1433. Chenopodium Bonus Henricus L. — An Zäunen und 
Mauern, auf wüsten Platzen in den DOrfern, auf Diingerstatlen und 
an oedüngten Stellen in der Umgebuntj der Maierhol'e und Viehstalle. 
— Im mittelimgar. Berglande und im Tieflande selten. Bei Oten und 
bei Val im Stuhlweissenbui'ger Comitale; bei Nagy-Kurös auf der 
Ke< skemeter Landliohe. Im Bereiche des Bihariagebirges bei Gruss- 
wardein, Belenyes, Bezbanya. Der höchst gelegene im (iebiete beob- 
achtete Standort bei den Släna Scevea im Bezbänyaer Zuge des Bi- 
hariagebirges. — Schiefer, tert. dilnv. u. alluv. Lelim- und Sandboden. 
95 — I^ISO iMet. 

1434. Chenopodium rubrum L. — An gleichen Standorten wie 
die vorhergehende Art. — Bei Erlau, im Strumgelande der Donau in 
der N.the der Granmündung und bei Pest; bei jNagy-Körös. — Am 
Donauufer bei Pest fand ich einmal einige In(li\iduen dieser Art, deren 
Laubbldtter in lange Zipfel lief zerschlitzt waren. — Diluv, u. alluv. 
Sandboden. 95—130 Met. 

1435. Chenopodium botryoides Sm. Comp. Fl. brit. ed. II. p. 41 
(1816). — Ch. crassifolium Ri.m. et Schult. Syst. veg. VI. 262. — 
An den Ufern von Lachen und Wasserpfützen und auf sandig(Mi im 
Frühlinge inundirten oder vom Grundwasser durchininlvten im Hoch- 
sommer oberflächlich austrocknenden und Salze auswitternden Stellen 
in Gruben und Mulden im Stromgelande der Donau und Tlieiss und auf 
der Kecskemeter Landhohe. Bei Muzsla in der Nahe der Granmün- 
dung, auf dem Herminenfelde bei Pest, häufig unterhalb der Gubacs- 
Csarda gegen Soroksar, bei Tapio Szelle, Tapio BicsKe, Farmos und 
bei Szolnok. — Diluv. u. alluv. Sandboden. 75— 120 Met. (Abgesehen 
von dem niedcrliegenden Stengel, der Consislenz und dem Zuschnitt 
der Blatter unterscheidet sich Ch. botryoides von Ch. rubrum auch 
sehr bestandig durch die lockere fast blattlose Inflorescenz und die 
grösseren Samen.) 



220 

1436. Chenopodinm urhicnm L. — Auf Schulf, auf Dünger- 
stallen und an gedünirfen Platzen in der Nähe bewohnter Orte. — 
Erlau, Wailzen, Nana, Gran, Set, Andrae, Ofen, Pest, Szolnok, Kisuj- 
szalUis, Nyiregyhjiza, Debreczin, Grosswardein, Belenyes, Petrani, Bu- 
teni. ^ — Diluv. u. allnv. Sand- und sandiger Lehmboden. 75 — 250 Met. 

1437. Chenopodinm hybridum L. — Auf bebautem Lande, in 
Weingärten und Gemüsegärten, auf Dünger und an gedüngten und 
wüsten Plätzen in der Nähe bewohnter Orte. — Paräd in der Mätra; 
Waitzen, Gran, Set. Andrae, Ofen, Ujfalü auf der Csepelinsel; Pest, 
Nagy-Körös, Szolnok, Grosswardein, Valia (Vatze) im Thale der 
weissen Koros. Der letztgenannte Standort der hiichstgeiegene im 
Gebiete beobachtete. — Diluv. u. alluv. Sand- und sandiger Lehm- 
boden. 75—250 Met. 

1438. Chenopodinm murale L. — Auf Schutt und an gedüngten 
Plätzen in der Nähe bewohnter Orte; entlang der Mauern der Häuser 
manchmal in dichten Beständen. — Waitzen, Gran, Ofen, Nagy-Köros. 

— Diluv. u. alluv. Sand- und sandiger Lehmboden. 95 — 130 Met. 

1439. Chenopodinm album L. — Auf bebautem Lande, an 
wüsten Plätzen in den Dijrfern, an Dämmen und Flussufern. Das 
häufigste Chenopodium im Gebiete. — Erlau, Paräd, Gyöngyos, Waitzen, 
Nana, Gran, Set. Andrae, Ofen, Ercsi, Adony, Stuhlweissenburg, Ve- 
lencze, Ujfalü auf der Csepelinsel, Pest, Farmos im Tapiogebiete (hier 
bis zu ]60 Cenlim. hohe Exemplare!), Szolnok, Török Szt. Miklos, 
Egyek, Szegedin, Poröszlö, Bogdany, Kemencze, Grosswardein, Bele- 
nyes, Buteni, Vatia. — Traohyt, Kalk, tert., diluv. u. alluv. Lehm- 
und Sandboden. Scheut auch nicht salzauswitterndes Erdreich. 75 — 
220 Met. 

1440. Chenopodium serotinum L. — [_Ch. ßcifolium Sm.). — 
An den gleichen Standorten wie die vorhergehende Art, aber im Ge- 
biete bei weitem seltener. — Bei Ofen und Pest, nach Fe ich tinger 
auch im niu'dl. Theile des Comit. Gran und nach Kit. bei Debreczin. 

— Diluv. u. alluv. Sandboden. 95—130 Met. 

1441. Chenopodium opulifolium Sehr ad. — An den gleiciien 
Standorten wie die beiden vorhergehenden Arten. Waitzen, Nana, 
Gran, Ofen, Ercsi, Szolnok, Szegedin. — Diluv. u. alluv. Lehm- und 
Sandboden. 95—130 Met. 

1442. Chenopodium glaucum L. — Auf den im Frühlinge über- 
schwemmten oder von Grundwasser durchtränkten, im Sommer ober- 
flächlich austrocknenden und Salze auswitternden Stellen, auf dem 
Schlamme an den Ul'ern stehender und fliessender Gewässer, auf 
Schutt- und Düngerstatten in der Nähe bewohnter Orte, sehr ver- 
breitet und manchmal in dichten Beständen ganze Strecken überzie- 
hend. — Erlau, Gy()ngyi)s, Waitzen, Muzsla, Gran, Set. Andrae, Ofen, 
Ujfalü auf der Csepelinsel, Pest, Soroksar, Nagy-Körös, Tapio ßicske, 
Szolnok, Szegedin, Buteni. — Diluv. u. alluv. Sand- und sandiger 
Lehmboden. 75—200 Met. 

1443. Chenopodium Vuharia L. — Auf Schutt, an gedüngten 
Platzen in der Nähe bewohnter Orte entlang der Mauern der Häuser, 



221 

an Strassenraiulern, seltener auf dem austrocknenden Sclilaniine an 
den IJI'ern stehender und (liessender Gewiisser. - Erlau, Waitzen, 
Gran, Set. Andrae, Ofen, Pest, Szolnok, Grossvvardein. — • Diluv. u. 
alluv. Sand- und Leliinboden. 75 — 200 Mel. 

1444. Ckenopodium polyspermuin L. — Auf bebautem Lande. 
Im miltelunürar. Berg-lande bei Parad in der Matra und bei Pomäsz 
und M. Einsiedel in der Pilisgruppe, bei Ofen und Pest; im Biharia- 
gebirge bei Vaskub, Campeni, Colesci und Fenatia im Tliale der 
schwarzen Koros; bei Nadalbesci und Ki)rösbanya im Flussgebiete der 
weissen Kür()S. In der Tiefebene nicht beobachtet. — Während die 
anderen Arten der Galtung Clienopcdium aus dem Tieflande kaum in 
die Gebirgstliiiler eindringen, findet sii'h Ch. polyspermnm gerade im 
Bereiche des Berglandes am meisten verbreitet. — Schiefer, Sandstein, 
tert., diluv. u. alluv. Sand- und sandiger Lehmboden. 95 — 350 Met. 

1445. Chenopndium Botrys L. — Auf wüsten Sandhügeln und 
Sandfliichen. Im mittelungar. Berglande in dem Sandreviero in der 
Umgebung von P. Csaba: bei dem „Hohen Stein," bei P. Szänto am 
Fusse des Piliserberges, auf dem Sandberg und bei Solmslr; im Do- 
nauthale in der Nahe der Granmündung bei Karva, Csonke, Nana, 
Kh. Gyarmat; auf der Kecskemeter Landhöhe bei R. Palota, Pest, 
Soroksar und Nagy-Korös; auf der Debrecziner Landhöhe bei Teglas. 
Nach Steffek in Weingarten bei Grosswardein. — Tert. diluv. u. 
alluv. Sand. 95—2.-0 Met. 

Chennpodinm ambrosioidef: L. — Obschon nahe der Nord- und Süd- 
grenze des hier behandelten Gebietes seit längerer Zeit eingebürgert, wurde 
diese Art doch innerhalb fler Grenzen unseres t'lorengebietes bisher nicht auf- 
gefunden; doch zweifle ich nicht, dass sich diese nachgerade im ganzen süd-" 
liehen Europa zur Ruderalpflanze gewordene, aus Amerika eingewanderte Art 
über kurz oder lang auch im Gebiete einfinden und verbreiten wird. 

BUtvm capitatum L. — Nach Steffek in Oest. Bot. Zeitschr. XIV. 175. 
,,an cultiv. Orten in Grossw ardein. '•'• — Wohl nur in Gärten gepflanzt oder vor- 
überg:ehend in der Nähe eines Gartens verwildert. 

Blitum vifijatum L. — Nach Lang Phys. 318 im Comitate Bihar. — 
In neuerer Zeit in dem hier behandelten Gebiete nicht beobachtet. 

Beta vulgaris L. — Auf Feldern im Grossen gebaut. 

Spinacia oleracea L. — In Gemüsegärten gebaut. 

Atriplex hortensis L. — Nach Steffek a. a. 0. in Grosswardein ver- 
wildert. Wird in Gärten nur sehr selten gebaut. 

1446. Cainphorosma ovata W. K. — Auf sandigen im Frühlinge 
inundirten oder vom Grundwasser durchtränkten, im Sommer ober- 
flächlich austrocknenden und Salze auswitternden Sl eilen in der Nähe 
stehender Gewässer. Im Stromgelände der Donau bei Köhid Gyarmat 
in der Nahe der Granmündung und bei Csep auf der Csepelinsel; in 
der Stuhlweissenbnrger Niederung am Söstö bei Szt. Iväny; im Tapio- 
gebiete und in der Tiefebene bei Farmos, Tapio Bicske, Ret Szilas, 
Heves, Abony, Czegled, Szolnok, Kisnjszälläs, Püspök Lädany, Sze- 
kelyhid. — Diluv. u. alluv. Sand- und sandiger Lehmboden. 75 — 
130 Met. 

1447. Atriplex nifens Rebent. — Mit Disteln, Verbascum und 
anderen hohen Staudenpflanzen an wüsten Stellen in der Nahe be- 



222 

wohnter Orte, an Wegen, Dämmen, Weinbergsrändern und in der 
Umgebung der Pusztenbrunnen. — Erlau, Gran, Allofen, Ofen, Kis 
Velencze bei Stulilweissenburg, Pest, Nagy Koros, Tatar Szt. Gyorgy, 
F. Peszer, Nyir Bator, Grosswardein. — Diluv. u. alluv. Lehm- und 
Sandboden. 95—250 Met. 

1448. Atriplex tataricum L. — An wüsten Plätzen in der Nähe 
bewolinter Orte, auf bebautem Lande, an Dämmen, Ufern, Wegrän- 
dern. — Bei Szalök und auf dem Friedhofe bei Erlau, bei den Parä- 
der Glashütten, bei Ofen und Pest. — Diluv. u. alluv. Lehmboden. 
95-130 Met. 

1449. Atriplex patulum L. — An ähnlichen Standorten wie die 
vorliergehende Art, aber im Gebiete weit häufiger als diese. — Erlau, 
Paräd, Gyöngyös, Waitzcn, Nana, Gran, Ofen, Pest, Grosswardein. — 
Diluv. u. alluv. Lehmboden. 95—250 Met. 

1450. Atriplex hastatum L. — CA. latifolium Wahlenb.). — 
Auf Schutt und an gedüngten Stellen in der Nähe bewohnter Orte, 
an Ufern, in Strassengräben und an salzauswitternden Stellen in der 
Nähe stehender Gewässer. Muzsla, Gyarmat, Waitzen, St. Andrä, 
Ofen, Bevär bei Ercsi, Stulilweissenburg, Pest, Grosswardein. — Diluv. 
und alluv. Lehm- und Sandboden. 95 — 150 Met. 

1451. Atriplex litorale L. — Auf den im Frühlinge über- 
schwemmten oder von Grundwasser durchtränkten, im Sommer ober- 
flächlich austrocknenden und Salze auswitternden Plätzen, in der Nähe 
stehender Gewässer im Gebiete sehr verbreitet und stellenweise mas- 
senhaft den Boden bedeckend. Im Sfromgelände der Donau in der Nähe 
der Granmündung bei Muzsla und Kh. Gyarmat, bei Set. Andrae, in der 
Umgebung der Bittersalzquellen südlich vom Blocksberg bei Ofen und 
bei Promontor; in der Stnhlweissenburger Niederung am Siidrande des 
Velenczer Sees und bei Szt. Iväny, auf der Kecskemeter Landhöhe bei 
Pest, Soroksär, Nagy Koros; im Tapiogebiete und in der Tiefebene 
bei Farmos, Tapio Szelle, Heves, Czegled, Abony, Szolnok, Kisujszälläs 
und Konyär. — Diluv. u. alluv. Sand- und sandiger Lehmboden. 75 
— 130 Met. — Bei Pest beobachtete ich auch Individuen dieser Art 
mit breiteren, stumpflichen, am Rande gesägten Blättern (^4. marinum 
L.) und bei Szolnok Individuen mit sehr schmal linealen ganzrandigen 
Blättern (A. litorale var. angustissimum Marsson Fl. Pom. p. 394). 

1452. Atriplex laciniatum L. — Auf Schutt, an wüsten Plätzen 
in der Nähe bewohnter Orte, an Strasseniändern, Dämmen, Fluss- 
ufern, in der Umgebung der Viehställe und Brunnen auf den Puszien 
im Gebiete sehr verbreitet, gewöhnlich in dichten geschlossenen Be- 
ständen und mitunter weite Strecken di(;ht überziehend. — Erlau, 
Waitzen, Nana, Set. Andrae, Ofen, Szt. Iväny bei Stuhlweissenburg, 
Pest, Jäsz Apäti, Farmos, Nagy Kör(')S, Czegled, Szolnok, Szegedin, 
Kisujszälläs, Ujvj^ros, Tegläs, Debreczin, Grosswardein, Buteni. — 
Diluv. u. alluv. Lehm- und Sandboden. 75 — 250 Met. 

1453. Atriplex roseiim L. — Mit der vorhergehenden Art an 
jrleichen SlaiulorlcMi aber seltener und weniger verbreitet. In dem 
Vororte MaKlari höslya und gegen Batka bei Erlau; bei Muzsla, Ofen, 



223 

Ujfalü auf der Cscpelinsel, Pest, Nagy KOrös, Farinos im Tapiolhale, 
Cze<rled, SzoltioK, Szeg-cdiii, Chisiiulia bei Buteiii. — Diluv. u. alluv. 
Leiiin- und Saudhudcn. 75 — 250 Met. 



Beiträge zu den Vegetationsverhältnissen Ecuadors. 

Von P. Alois Dichtl S. J. 

Das Programm des Polyteeiinikum von Qmlo 1874 — 1875 ent- 
halt ausser dem LeUtionsplane eine botanische Abhandlung „Apunles 
sobre vegetacion ecuatoriana." Da Schulprogramme gewolinbcli 
eine geringe Verbreitung finden, so dürfte es den Lesern dieser Zeit- 
schrift niclit unangenehm sein, etwas über den Inhalt der „Apuntes'' 
und ihren Verfasser, P. Luis Sodiro S. J., zu hören. 

P. Sodiro war Professor der Naturgeschichte in Ragusa, so 
lange das Gymnasium von Mitgliedern seiner Ordensproviriz geleitet 
wurde. Später wurde ihm Gelegenheit geboten, ausser der dalma- 
tinischen und oberitalienischen auch die römische und rlieiiiische, 
sowie die Alpenflora kennen zu lernen, bis sich ihm 1871 am Poly- 
technikum von O'iito ein neuer Wirkungskreis erijlfnete, wo er die 
in Ragusa*) begonnenen Forschungen in grossartigerem Massstabe 
fortsetzen konnte. 

Diese Hoffnungen werden durch folgende dem Programme selbst 
entnommenen Ziffern ( pag. :i7) gerechtfertigt. Die Anzahl der von 
1871 — 1874 gesammelten Spezies betrügt nahe 2600, darunter z. B, 
Gefasskryptogamen 334 Sp. (Polypodiaceen allein 254> Mono- 
kotyledonen 4l9 Sp. (Gramineen 119 Sp., Orchideen Uö Sp.). 
Apetale Dikotyledonen 194 Sp. (Piperaceen 64 Sp., Urlicineen 
31 Sp. u. s. w.). Gamopetale Dikotyledonen 916 Sp. (Compo- 
siten 314, Solanaceen 115, Scrophularineen 80 Sp.). Dialypetale 
Dikotyledonen 691 Sp. (Leguminosen 100 Sp., Euphorbiaceen 43, 
Rosaceen 34). 

Das Programm beginnt mit einem kurzen Ueberblicke der bis- 
herigen Leistungen auf botanischem (jebiete in Ecuador (pag. 1—3) 
und geht dann über auf die geographischen und geologischen Ver- 
haltnisse dieses Landes (p. 4 ff.). 

Wohl kaum gibt es ein Gebiet, das so günstige Vegetalions- 
bedingungen aufwiese, als Ecuador. Schon die geographische La:j;e 
bewirkt, dass die obere Schneegrenze bis 480J Meter liinaufrückt, 
wesshalb im Vereine mit der Temperatur und Feuchtigkeit eine wun- 
derbare Mannigfaltigkeil der Vegelationszonen geboten wird. Wahrend 



*) Oesterreich-Ungarns Flora bereicherte er durch das Genus Franca 
(Franken'ta) (vergl. Visiani Fl. dahii. Suppi. p. 12(i). Weitere Beiträge zur 
Flora Ragusas und der Insel Meleda, wozu reiches Material gesammelt war, 
konnten \\e;.'en der Abreise nach (Juito niriit mehr vcrüirenllichl werden. 



224 

die Tropenzone mit 25 — 30'' C. eine Riesenvegetation an Palmen, 
Scitamineen, Aroideen u. s. w. hervorzaubert, birgt die Andenzoue 
die iileinen, zierlichen Vertreter unserer Alpinen; die mittlere (sub- 
tropische und subandine) Zone aber zeigt Formen, welche die Tro- 
pen- und Bergregion in sanften Uebergängen verschmelzen. 

Was die geologische Unterlage betrifft, herrschen vom Meeres- 
ufer bis zum Fusse der Cordilleren sedimentäre Bildungen vor; in 
höheren Regionen breiten sich vulkanische Tuffsteine, Andesite und 
andesitische Laven aus. 

Die Tropenzone (p. 9 — 18) erhebt sich bis 400 M. über den 
Meeresspiegel und wird vorzüglich von Palmen, Sterculiaceen, Myr- 
teen u. s. w. gebildet; das Gestriiuch setzt sich aus Akazien, Mi- 
mosen und Pro5o;)«s- Arten zusammen, über welche sichConvolvulaceen, 
Passifloren u. s. w. hinranken. Ausserdem finden sich noch an den 
einzelnen Stämmen selbst, die nach dem schönen Ausdrucke Grise- 
bach's (Veget. d. Erde, II, 26) mit ihren Verzierungen an Lianen 
und Epiphyten einem Treibhause gleichen, in bunter Zusammensetzung 
die verschiedensten Tropengewäclise. So sind z. ß. von Gefässkrypto- 
gamen 800 Sp. epiphytisch, von den 115 Orchideen 105 Arten. 

Die subtropische Zone (p. 19 — 25) erstreckt sich von 400 — 
2800 Meter bei einer Mitteltemperatur von 15 — 20» C. — Dass die 
künstlich gezogenen Vegetationsgrenzen nicht streng zu nehmen sind, 
sieht wohl Jeder ein. Denn so wenig die Palmen und Scitamineen 
sich innerhalb der 400 Meter finden''"'), eben so wenig lassen sich 
die Farnbäume und Cinchoneen, die Charakterpflanzen dieser Zone, 
innerhalb die 2200 M. bannen, welche als vertikales Verbreitungs- 
gebiet angegeben werden'"'*). Ausser den genannten Pflanzenfamilien 
tragen noch besonders Piperaceen , Artocarpeen , Proteaceen zum 
eigenthümlichen Vegelationsbilde dieser Region in den tiefer gele- 
genen Theilen das Ihrige bei; höher hinauf kommen die Fuchsien 
hinzu, allwo auch die Gesneriaceen und Calceolarien ihre Blüthen- 
pracht entfalten. 

Der Vegelalionsgürtel der subandinen Zone Cpag. 26 — 30) 
breitet sich von 2800 — 3400 M. aus und hat eine mittlere Jalires- 
wärme von 12" C. , er bietet bei weitem nicht die Mannigfaltigkeit 
und Abwechslung dar, welche der „Zona templada" zukommt. Diese 
geringe Vegetationsentwicklung dürfte einer doppelten Ursache zuzu- 
schreiben sein: einmal der bedeutenden Erhebung über den Meeres- 
spiegel, welche mit der Schneegrenze in unseren Alpen nahezu zu- 
sammenfällt, dann dem Boden selbst. Dieser besteht entweder aus 
porösem, vulkanischem Gestein, das die Feuchtigkeit ebenso leicht 
aufnimmt als abgibt, oder aus festen Tuffmassen — Cangaliua — , 
die gar keine Feuchtigkeit aufnehmen. Indess sind einige Seilenthäler 



*) Eine Helimnia z. B. gehl sogar bis 2150 M. 

**) In den Waldern von Angas — '200 M. — tauchen schon Cyalheen 
auf, während an den Abhängen des Corazon bei 3200 — 3470 M. noch Alsophila, 
Diksonia, Polylepis gedeihen. 



225 

des Hochplateaus von Quito gesegneter. Cliillo, Turuhamba etc. ver- 
sehen Ecuadors Hauptstadt mit Weizen und Mais, mit Pomeranzen, 
Trauben u, s. w. Eine eigenthündiche Erscheinung bleibt es, dass die 
Ausläufer der Cordilleren an ihrer Ost- und Nordseite eine viel rei- 
chere, üppigere Pflanzenwelt aufweisen als auf dem Westabhange. 
So geht z. B. am Cotacachi iui 'Osten und Norden die Baumgrenze 
bis 3500 Meter, am Antisana gar bis 4000 M., während dieselbe im 
Westen nur 2700 Meter beträgt. Ungenau ist für diese Zone — in 
Eiuador wenigstens — die Bezeichnung „Region der Bernavdesia, 
Escallünia, Dryinis (Grisei). Veget. d. Erde, H, 435); von Drymis ist 
bisher nur eine Art bekannt, von Escallnnia sind 4, von Bernardesia 
3 Spezies gefunden worden. Sonst bietet diese Region einem neu 
ankommenden Europäer schon manche Anklänge an bekannte Pflan- 
zen: da sprossen Setaria^ Fcstuca, Bromus; da wuchern Aniaran- 
tvs, Euphorbia, Plant ago, Rumex, Solanum u. s. w.*). Die Massen- 
vegetation jedoch wird durch andere Gewächse gebildet, durch Bud- 
dlein . Tournefortien, Miconien und Amsinkien, durch Ceslrum- und 
Baccharis- Ar\en , zu denen sich noch Gynoxideen und Datureen 
gesellen. 

Die untere Grenze der andinen Zone (pag. 30 — 36) beginnt 
bei 3400 Meter und reicht bis 4700 M., bis zur Grenze des ewigen 
Schnees. Das Hauptelement dieses Vegetatioiisbezirkes bilden die Gra- 
mineen, wie bei uns in den Alpen. Die Andengräser sind jedoch 
wahre Riesen im Vergleiche zu ihren europäischen Verwandten, da 
sie meistens mehr als Meterlänge erreichen. 

Auch die Pflanzen, welche in zweiter Linie die Vegetations- 
decke der Paramos (Hutweiden) Ecuadors bilden, zeigen eine grosse 
Analogie mit unserer Alpenflora. Von den 150 Genera, welche bisher 
von der Andenregion mit Ausschluss der Gramineen bekannt sind, 
haben 67 ihre Vertreter auf den Almen. Interessant ist besonders 
der Vergleich jener Pflanzenfamilien, welche unsere Alpenwiesen 
schmücken, mit den gleichnamigen in Ecuador. Hauptsächlich kommen 
dabei in Betracht die Ranunculaceen, Caryophyllaceen, Saxifrageen 
und Primulaceen. Unsere zierlichen Alpenranunkeln haben an B. pe- 
ruvianus und Guzmanni würdigen Ersatz; Anemone, Thalictrum, 
Aquilegia und Aconi/vm dagegen sind gar nicht vertreten. Unsere 
Caryophyllaceen sind durch Melandryum-, Arenaria- und Cerastium- 
Arten repräsentirt; wir suchen jedoch einen Dianthus, eine Gypso- 
phila oder Silene vergebens. Das zierliche Geschlecht der Saxifra- 
gen zählt nur zwei Vertreter: Saxifr. caespitosa (in Varietäten) und 
Boussingaulti; von Primulaceen sind nur eine Androsace, eine A7ia- 
gallis, zwei Centuncuhis bekannt. Dafür ist jedoch den andinischen 
Floren an Syngenesisten eine überreiche Recompensation geboten: 
da gedeihen die vielgestaltigen Mutisien, Baccharideen, die Wernerien, 



*) Erwähnenswerth sind speziell: Tragus^ racemosus, Plantago major, 
Rumex Acetosella, Solanum nigrum in allen seinen Formen, Viola tricolor 
u. s. vv. vielleicht eingewandert. 



220 

da ragen die dichlwollig-en Culcilien empor, an welche bei uns das 
viell>t^gehrte „Edehveiss" erinnert. Bis hart an die S(;hneegrenz(! drin- 
gen vor Werneria gramimfnlia, Valeriann alypifolia, Culcifium ru- 
fescens und nivale, Mahastrum Phijllanthos. 

Zum Schlüsse ist in mehreren Noten (p, 38 — 48) noch beson- 
ders auf einige interessante Familien RücKsicht genommen, sei es in 
Bezug auf deren allgemeine Verbreitung id)er die Erdoberfläche, sei 
es im Vergleich mit der europäischen Pflanzenwelt. Wir greifen noch 
Weniges heraus. 

Die Filices Ecuadors, verglichen mit denen Centraleuropas 
ergaben ein Verhältniss von 10 : 1 ; verglichen mit den bisher be- 
kannten Species der ganzen Erde von 7:1; sie bilden Ve der gan- 
zen Vegetation Ecuadors. 

Unter den Gramineen zeichnen sich mehrere durch ihre grossen 
Dimensionen aus, so erreichen z. B. einige Rohrarten {Gadua) bei 
einem Sfengeldurchmesser von 2 — 3 Ctm. eine Höhe von 20 Meter 
und darüber. 

Von Cerealien ist in Ecuador vielleicht nur Zea Mays einhei- 
misch, alle anderen sind aus der alten Welt eingeführt. Dafür hat 
es aber einen grossen Reichthum an amylumhälligcn Knollengewäch- 
sen aufzuweisen, welche jenem Mangel abhelfen. Solche sind: die 
Oca iOxalis crenata), der Melloco iUllucus tuberosus), die Mashua 
(Tropaeolum fuberomm)^ die Zanalioria (Arracacha esculenta), die 
Camote {Batatas edulis), die Yuca {Manihot utilissimä). 

Die Urticineen im weitesten Sinne umfassen nicht minder 
interessante Formen, Daher gehören die Brodbäume {Artocarpus), der 
Milchbaum (Galactodendron und die Kautschuk liefernde Cecropia 
peltata. 

Die Compositen, welche bei uns die reichste Pflanzenfamilie 
bilden, sind in Ecuador in der mannigfaltigsten Abwechslung zu 
finden. Der Vergleich mit der europaischen Flora bietet folgende 
Daten : 

1. Die Abtheilung der Labiafiflorae, welche uns gänzlich fehlt, 
ist in Ecuador durch 5 Genera vertreten. 

2. Während wir keine Vernonien, Eclipteen und Tagetineen 
haben, mangeln der Flora aequatoriana die Inuleen, Buphthalmeen 
und Cynareen. 

3. Die Anlhemideen haben ihren Hauptverbreitungsbezirk in der 
alten Welt, die Eupatorien, Baccharideen und Helianthcen dagegen 
in der neuen. 

Die Rosaceen zeigen im Vergleich mit Europa eine sehr ge- 
ringe Aehnlichkeit. Rosa selbst ist gar nicht vertreten ; bloss Rubns 
und AlchemiUa sind reichlicher zu finden. Vom ersleren nennen wir 
li. glancus, R. nubigemis, R. rosaeßorus, von letzterer A. niralis^ 
A. Mandoniana, A. galioides. Dafür ist da das seltsame Gescidecht 
der Polylepis zu Hause. Von den Leguminosen sind in Ecuador alle 
drei Unterordnungen in zahlreichen Arten vertreten; unser Welttheil 
weist gar keine Mimosen auf und hat von Caesalpinicn nur 2 einhei- 



227 

mische Arten. Während Ononis, TrifoUnm, Medicago, Cytisns, Vicia 
u. a. o;anz fohlen oder sehr ji^ering vertreten sind, bieten Crolalaria, 
Aeschynomene, Desmid'mm n. a., so wie die baumartigen Erylliriiien 
Coullherien, Aeaeien einen würdigen Ersatz. 

Diess in Kürze der Inhalt des interessanten Programmes. Was 
uns besonders beachtenswerth erscheint, ist der bestandige Hinweis 
auf die gleichliegenden Vegetationsbezirke unseres Erdlheiles, wo- 
durch er den Botanikern Ecuadors die Flora Europas zum näheren 
Verstiuidniss bringt, uns selbst aber einen leichteren Einblick in die 
Vegetalions Verhältnisse Südamerikas gewährt. 

Der Verfasser ist indessen auch für die Phytographie nicht un- 
thätig, von dem neuen Material, welches die botanischen Forschungen 
ihm geliefert, hat er im offiziellen „El nacional" (11. Dezember 1874) 
bereits eine neue Tacsonia beschrieben. Diess berechtigt zur Hoff- 
nung, dass P. Sodiro uns noch viele Aufschlüsse über die Pflanzen- 
welt Ecuadors geben wird, falls er ungestört in seinem Berufe thutig 
sein kann*). 



Mykologisches, 

Von St. Schulzer von Müggenburg. 

H. 

Rosellinia Aquila Fr. CSphaeria). Als neue Substrate dieses 
bei uns nicht häufig vorkommenden Pilzes verzeichne ich: feuclit mo- 
dernde Haseluussäste und liegende, dicke, entrindete Eichenbäume, deren 
Splintschicht bereits in Zersetzung begriffen ist. 

In Slavonien trifft man Mitte April die meisten Pyronien schon 
entleert an. Ungeachtet dessen bestehen Filz und Pyronien bis in 
den nächsten Winter fort, und zwar, wenigstens der Erstere, wie wir 
gleich sehen werden, keineswegs in abgestorbenem Zustande. 

Die Gebrüder Tulasne sahen Fasern des Pilzes sich erheben, 
baumfOrmig verästeln und an jeder Zweigspifze eine Conidie erzeu- 
gen. Also ein derbfaseriges Monosporium Bon. Ich war bisher noch 
nicht so glücklich, diese Conidienform zu beobachten, fand dagegen 
an dem vorjährigen, völlig intakten Filze , im Oktober und daini bis 
zum Winter, eine andere nicht minder interessante , einem derben 
Sporotrichum im Sinne Bonorden's entsprechend. Die Zweige der 
Filzfasern enden nämlich nie zugespitzt, sondern in voller Dicke und 
erzeugen dort zwei, nach den Narben zu urlheilen, wohl auch drei 
Conidien. Gleichzeitig entstehen aber auch einzehie seitlich in der 
ganzen Länge der Fasern durcii Ausstülpung an sehr kleinen Wärz- 
chen. Bei weitem die Mehrzahl dieser Conidien ist oval-kuglich , im 

*) Nach brieflictien Mittheilungen ist der Verfasser der „Apuntes" mit 
der Fortsetzung der Flora aeqiiatoiialis von Jameson beschäfligt. 



228 

lungeren Durchmesser O-OOB™" messend, wenige sind oval, bis 0*008"" 
lang, alle dunkelbraun, selbst unter Wasser kaum durchscheinend, einen 
grossen kuglichen Kern führend. 

Nodnlispoliuni Aquilae Schlzr. Um dieselbe Zeit beobachtete 
ich mein herbstlich entstehendes und bis zum Eintritte des Winters 
fortdauerndes, weissgraues, im Alter zusammensinkendes und gelblich 
werdendes, endlich verschwindendes Nodulisporium Aquilae. Dieser 
Schimmel bewohnt die ganze Oberfläche der um diese Jahreszeit 
schon längst entleerten oder verkümmerten Pyrenien, kommt jedoch 
nicht bei deren Mündungen heraus , obschon es so zu sein scheint. 
Er dürfte trotzdem derselbe sein, dessen Persoon in seiner Synopsis 
bei einer Spielart der Sphaeria byssiseda , wohin auch Roseüinia 
Aquilo geliört, mit den Worten erwähnt: „Ex ostiolis villum griseo- 
cinereum efflorescentein hoc vere observavi," 

Der Schimmel jedes Pyreniums besteht aus einem abgesonder- 
ten Individuum, und auch dort, wo bei nahe an einander liegenden 
Pyrenien die Scliimmelräschen sich berühren, somit scheinbar zusam- 
menfliessen , kann man deutlich die Zahl der darunter befindlichen 
Pyrenien ausnehmen. Die einzelnen Individuen bilden demnach Ras- 
chen, doch nicht aus getrennten aufrechten, sondern aus wirr durch- 
einander verflochtenen , durchaus mit Sporen besetzten , ästigen 
Hyphen, welche septirt und unter Wasser hyalin sind. 

Die Erzeugung der angefeuchtet wasserhellen, ovalen, 0-003 bis 
0-004°"° langen Sporchen in Klumpen, sowie alles Uebrige entspricht 
genau der Preuss'schen Gattung Nodulisporium. 

Die Fortpflanzung der RoseUinia Aquila durch die in Schläu- 
chen erzeugten Sporen steht ausser Frage , wenn aber dann weiter, 
sowohl die Conidien der Gebrüder Tulasne, als auch die meinigen, fähig 
sind den Filz und dieser die Pyrenien zu bilden, was kaum zu bezweifeln 
ist, so hat diese RoseUinia dreierlei Fortpflanzungsorgane. Das Nodulispo- 
rium kann ich dagegen nicht für das vierte ansehen, sondern für ein We- 
sen, zu dessen individuellem Vegeliren, vielleicht sogar ausschliesslich, 
die im Absterben begriffenen Pyrenien der RoseUinia dienen. Seine 
Existenz ist an diese gebunden, ohne dass es eine Nebenfruktifikation 
derselben wäre. 

Dass Thamnidium Link sammt Thelactis Martins keine selbsl- 
ständigen Gattungen, sondern Nebenfruktifikalionen vom Mucor sind, 
unterliegt nach mehrfachen Beobachtimgen Anderer, sowie nacii meinen 
eig(men, keinem Zweifel mehr und es kommen nur noch allenfalls 
auftauchende neue morphologische oder physiologische Data als Er- 
gtinzungen zu verzeichnen. Fries beurlhciltc diese Formen im Syst. 
myc, also vor beinahe einem halben Jahrhunderte, ganz richtig. 

0. E. Zimmermann"s Inaugural-Dissertalion zur Erlangung der 
Doklorwürde: „Das Genus Mucor 1IS71'' ist eine mit Benützung aller 
Behelfe verfasste Monographie, wo man wohl alles findet, was gegen- 
wärtig über diesen interessanten , der Haushaltung des Menschen 
schädlichen, in der Naturhaushaltung aber so hOchst nützlichen Schimmel 



229 

gesagt werden kann und ich füge derselben bloss ergänzend meine 
neuesten Bet)I)aclitungen bei. 

Ohschoii der Herr Verfasser S. 27 sagt, dass sich zwischen den 
wirtelig gestellten Sporaiigiolen Un einfaclien Stielen, Thelactis) und 
denen, welche ilne Spurangiolen an cymüs verzweigten Büscheln her- 
vorbringen CThaninUlnnrO , leii hl alle möglichen Uehergange beob- 
achten lassen, was ich nicht bestreite, so fand ich doch zwischen den 
typischen Formen beiderlei Sporangiolen mehrere wesentliche Unter- 
schiede. Da indessen erwiesenermassen das Substrat auf die Grösse 
aller Organe des eben daher so wandelbaren Mucor Mucedo Fres. 
grossen Einfluss übt, so schicke ich voraus, dass ich meine letzten 
Beobaciitungcn an einem mächtigen, Milchrahm bewolinenden Rasen 
machte. 

Die Sporangiolen an einfachen Stielen, die übrigens häufiger 
einseitig als wirtelstandig gestellt und nicht selten auch den oymüs- 
verzweigten Aesten beigemischt waren, hatten in der Mehrzahl einen 
Durchmesser von 0-028°"", waren immer vielsporig und dieselbe vom 
Stiele absperrende Scheidewand erhob sich, beim Anquellen durch 
Wasser, als konvexe Membran beinahe bis zum diillen Theile des 
Innenraumes. Jene an doldenförmig verzweigten Aesten massen da- 
gegen im Durchmesser bloss O'Oi — 0'015""^, umschlossen meistens 4, 
selten 5, doch auch nur 2 Sporen und die abschliessende Membran 
am Ende der Stielhyphe blieb unter allen Umstanden flach. Die Sporen 
beider waren in Form und Grösse völlig gleich. 

Die ersteren Sporangiolen bezeichnet Herr Z. I. c. S. 27 als 
klein, die letzteren als sehr klein, was wohl dahin deutet, dass auch 
er schon einen Unterschied in der Grösse walirnahm. Meine bestimmtere 
Angabe desselben wird holTenllich Niemand für Nachbeterei und viel- 
leicht auch nicht für überflüssig halten. 

Schliesslich noch eine Berichtigung. Herr Z. meint in seiner 
Dissertation S. 47 meine Gattung Scifovszhya dem Mucor raceniosus 
Fres. beizählen zu können und fügt in einer Anmerkung auf der 
nächsten Seite bei: „Sehr oft beobachtete ich an charakteristischen 
Exemplaren des Mucor racemosus ganz kurzgesiielte oder völlig 
stiellose seitliche Sporangien." Diese Waiirnelimung ist völlig richtig, 
denn auch ich kann es bestätigen, dass die fruchttragenden Seilen- 
zweige oder Stiele des 31. racemosus in ihrer Länge bis beinahe zum 
V()lligen Verschwinden variabel sind, das Sporangium hat aber immer 
eine mehr oder weniger vollkommene K'ugelgestalt und besitzt eine 
deutliclie, grössere oder kleinere Columella, welche den seitlichen 
Sporangien der Scitovszkya abgeht. Letztere sind übrigens auch nie 
kugelförmig, sondern unregelm.issiger Gestalt, in der Hyphenrichtung 
gedehnt und beiderseits verdüimt. 

Ich fand bisher bloss zwei Arten, die physiologisch wesentlich 
von einander abweichen, worüber ein andermal. Für jetzt nur soviel, 
dass bei der einen Art das Sporangium nacl» der ganzen Länge an 
der Fruchthyphe derart sass, dass letzlere seicht miteingeschlossen 
war; bei der zweiten ging die Hypiie wie eine Achse mitten durch 

Oesterr. botan. /.eits<^lirift . 7. Heft. iHTö. 18 



2no 

das liingliche Sporangium durch, erhielt an beiden Enden desselben 
je ein Septiim und der cylindrische Theil zwischen den zwei Scheide- 
wänden hatte die doppelte normale Hyphendicke. Terminale Produkte 
sind derlei Sporangien in keinem Falle. 



Plantas in itinere africano 
ab J. M. iliidehrandt coUectas deterniinare pergit W. Yatke. 

Auctoritate herbarii regii berolinensis. 
IV. Rubiaceae Juss. 

334. Spermacoce (Borreria) hebecarpa (Höchst.) Oliver Trans. 
Linn. soc. 29, 2, p. 89. Al)yssinia. Habab tempore pluvioso sept. 1872. 

464. S. (Hi/podemafium) ampliata (Höchst.) Oliver 1. c. p, 88. 
Abvssinia : Bogos alt. 6000' in planifiebus sterilibus tempore pluvioso 
sept. 1872. 

1158. Chasalia umhraticola Vatke. Foliis oppositis petiolatis 
obovato-oblongis basi angustatis apice abrupte acuminatis obtusiuscu- 
lis margine subrepando-crenulatis re(ur\is, stipulis brevibus subtrian- 
gularilius deciduis, panicula fricliotoma foliis paullo breviore, calyce 
snbtruncato, corollae lobis ... "5 

In insula Sansibar sub fruticetorum umbra sept, 1873. 

Frulex 2 m. altus ramis strictis, petioli infer. 1 cm. longi; la~ 
mina 6 — 9 cm. longa, 3 — 4 cm. lata; flores albi; baccae nigrae; 
semina orbicularia more generis. 

Vix non eandem in statu fructifero coli. Perville! in Mada- 
gascaria horeali-occidentali n. 508 ex distrib. herb. mus. paris. — 
Nostra Ch. borijonae DC. quodammodo simiiis. 

1136. Psychotria pvnctata Vatke. Glahra ramis teretiusculis 
striatis, foliis 4-natim verticillatis petiolatis ellipticis obtusis mucronu- 
latis, basi attenuala subinaequalibus, margine subrevolutis punctatis, 
stipulis memhranaceis trurcatis deciduis, paniculis terminalibus pedun- 
culatis laxe cymigeris, cymis ebracfeatis densiuscule multifloris, pedi- 
cellis glabriusculis, corollae laciniis tubum dimidium subaequantibus 
reflexis. "^ 

Insula Sansibar sopt. 1873. 

Frutex 2 m. altus; i)elioli 1 — 1-5 cm. longi; lamina 5—7 cm. 
longa, «d 3 cm. lata; flores albi; fructus rubri a me non visi. 

Cum P. (Criimilea Sond.^ capensi (Eckl.) Valke ined. affinitas 
summa non neganda, quam\is spe( ies distinctissiina. 

913 b eadeni. Sansibar sept. 1873. 

1126. Triainolepis? Hildebrandtü Vatke. Sansibar in loco are- 
noso sept. 1873. 

Frulex 1 — ? m. altus; fl. lactei; fructus rubri. 

Cum '/. af'ricana Hook. f. mihi lantum ex charactere generico 



231 

et descriptione generali in Btli. c\ Hook. f. gen. pl. II, I pag. 126 
datis sil cogiiila, hie sequitur nostrae descriptio: 

Friitex 1 — 2 m. alliis praeter l'olia subtiis sccus nervös, iiillo- 
resreiitiani, flores liirtellos glaber, raiiiis rarnulisque tcretiiisculis lig- 
nosis eievato-sirialis; lolia opposita petiolata; pttidli c. 1 cm. longi, 
lanüna ovato-lanieolala, eaudato-acinninata nioiiibritnacea ad 9 cm. 
longa, ad 3 cm. lala, supra parce nitidula, sublus opaca, nervis ar- 
cualis subtns proininentibus; stipulae ovato-triangulares utrinqiie dente 
aui^lae, in inflcirescentiac ramis lineari-mullifidae, deciduae! flores in 
paniculas terminales dispositi, ramis densiusrule cymigeris, cymis re- 
iaxandis, pediceliis demum divaricatis; bracteolae lineares deciduae; 
tlores Primarii sessiles, seriores bre\iter pediceliati; calycis tubus 
licmispliaerico-turbinatus; limbus cupularis irregulariter ö-deiitatus 
persistens; corolla dense hirtella tubo c. 1 cm. longo, iiiftindibuli- 
iormi vel cylindrico fance villosissima; limbi lobi 5 patentes, intus 
parce liirtelli; stamina 5 fauci corollae inserta fdamenlis brevibus 
iiliformibus; anllierae dorso affixae, lineari-obiongae utrinque obtusae 
inier villos faucis abscondilae; discns cilialus; ovariuni 7 loculare; 
Stylus filiforrnis sligmate capitato lobulato, nunc lobo clavalo separato; 
Ovula in loculis solitaria, e basi erecia compressa anatropa; drupa 
subglobosa costata, pyrenis osseis Ispermis; semina ercita compressa 
membranacea. 

Styli indole recedit ex descriptione Hookeri a T. africana, at- 
tamen huic videiur congener. 

436. Paretta gardeniaefolia Höchst, em., A. Rieh. a. longiflora 
Vatke. Flores ad 3 cm. longi. 

Abyssinia: Habab. alt. 5000' in riparum silvis aug. 1872. 

Flores albi. Eandem ibidem prope Keren c. 4500' a. 1870 coli. 
Beccari! (n. 148). 

889 a. ß brevißora Vatke. Flores c. 1-5 cm, longi. 

In Somalensiuni monlibus Ahl alt. mar. 2000 m. in fruticetorum 
unibra solitaria mart. 1873. Fl. alutacei. 

495. eadem. Abyssinia: Habab ad alt. 6000' in riparum sihis 
jul. ad sept. 1872. 

Frutex strictus 3 m. allus; flores flavescentes. 

1157. Plectronia zanzibarico (Klotzsch) Vatke ined. (Canthium 
ziinz. Kl. in Peters.) Sansibar sept. 1873. 

Frutex 1 m. altus; fl. albi; nomen Kisuaheli: Pumboa paca, id 
est felis testes ob fruclus formam. 

641. Vangueria edulis Vahl. Abyssinia: Habab: Bogos jul. ad 
sept. 1872. 

Frutex v. arbor. allit. 3 m. 

993. Pentodon pentandrus (Schum.) Vatke ined. {Hedyolis p. 
Sclium., P. decumbens Hoclisl.)- 

Insula Sansibar in pahulum pcrsistentium marginibus repens. 
jul. ad. nov. 1873. 

793. Hedyo'is (Kohaufia) Schimperi Presl botanische Bemerk. 
pag. 85. 

18* 



232 

Aden in descriis jiin. 1872. 

167. eadem. Geddah apr. 1872. 

Frulicuhis humiüs, quem ibidem ad i;uleos jan. florentem olitn 
detexit C. G. Elirenberg!, qui praeterea in Arabia ad Rocliman et 
ad Wadi Hebron regionis sinaiticae coUegit. 

656. eadem. Abyssinia : Bogos tempore pluvioso sept. 1872. 

1007. H. (Kohaufia?) fugax Vativo. Herbacea procumbens ramis 
adscendentibiis angulato-striatis glabriusculis, foliis oblongo-Ianceolatis 
subsessilibus acuminafis, stipulis foliaceis ovato-oblongis indivisis va- 
ginisque hirtellis, panicula 2 — 3 chotoma rariflora, pedicellis angu- 
latis. calycis lubo campanulato laciniis ovalo-lriangularibus obtusis 
2 — 3plo longiore, torolla ...., Capsula subglobosa. '4 

Insula Sansibar in pralis siccis herbaceis jnl. 1873. 

Gaules ad 5 dm. longi ramis prostratis, lineis prominentibus 
crebris nofati; folia ad 3*5 cm. longa, ad 0'5 cm. lata, marginibus 
in sicco liinc inde revolutis, uninervia; pedicelli fere 1 cm. longi, 
foliis floralibus minulis; calyx per anthesin c. 1 mm. longus; Capsula 
diam. longit. c. 3 dm. Flores lilacini a me non visi, sed ob inllore- 
scentiam pro Knhautia habeo. 

1008. H. (Oldenlandia) herbacea Blume em. Kokotoni insulae 
Sansibar in locis paludosis rara nov. 1873. Convenit fere cum spec. 
schomburgkiano e Guiana anglica ab ill. Bentbam in Hook, journ. ol' 
Bot. HI p. 218 (n. 17 ex Bentli., n. 127 in herb. reg. berol.) Iiuc 
relato. Cf. ceterum de specie etiam Benth. Fl. hongk. p. 151. 

908. H. (Oldenlandia) corymhosa (L.) Lam. in Sansibariae loci's 
udis inter agros sept. 1873. 

1130. H. (Diplophragma) Bojeri (Klotzsch. em.) Vatke. (Aga- 
thisanfhemum B. et Petersii Kl.). 

Insula Sansibar in pratis siccis herbaceis vulgatissima suffruticem 
alt. 1 m. formans; sept. 1873 coli. Stirpem simillimam verisimililer 
specie non distinctam panicula laxiore, sepalis longioribus in insula 
Mayotte coli. Boivin! (n. 3187). 

1124. Penfas Klofzschii Vatke {Penlanisia nervosa^ cymosa, 
snffrnticosa Ki.). Kidoti Sansibariae in madreporarum coUibus calca- 
reis sept. 1873. Suffruiex altit. 1 m. Huc spectat me judice sp. Boi- 
vini e Mayotte n. 3191. 

1128. P. zanztbarica (Kl.) Vatke {Penfanisia zanz. Kl.). 

In pratis siccis herbaceis Sansibariae repperit Hildebrandt, ul)i 
jam olim in locis humidis legit cl. Bojer! Species a praecedenle 
primo inluilu foliis subtus reticulato-venosis distinguenda. 

Obs. Spermacoce? denficnlafa Walp. ! in nov. ac;!. leop. XIX 
suppl. I. p. 35 fide sp. or. in herb. gen. reg. berol. a cl. Mayen 
lecto est Leucas zeylanica (L.) R. ßr. 

(Continuabilur.) 



23.-; 
Zwei Exkursionen in der Tatra. 

Von Ludwig Richter. 

(Schluss.) 

Im Völkerfliale sell)sl liegt der reizend gelegene Völkersee, 
vor welcliein die Granatenwand ilire senkrechten Felsen erhebt, zwi- 
schen welchen kleine unreine (iranale, vom Regen ausgewaschen, 
gefunden werden. Rechts von hier führt der Weg an einer etwa 50 
Meter hohen vorspringenden Wand, durch welche ewig durchsickernde 
Wassertropfen den „ewigen Regen" bilden, vorbei auf die Höhe der 
Granatenwand, über welche tosend und schäumend der Volkerbach 
seine Wasser dem Volkersee entgegenstürzt. Einige 100 Meter wei- 
ter beginnt der „Blumengarten,^ eine schmale rings von kahlen stei- 
len Felsenwünden eingeengte humusreiche Thalmulde, in welcher der 
(Volker-) Bach an blumenbegrenzten Ufern in idillyscher Ruhe und 
Schöne dahinfliesst. Hier nun wurden in meistens prachtvollen üppigen 
Exemplaren gesammell: Anemone alpina et narcissiflora , Cani- 
panula alpina, deren .H)nst dickliche Stengel mitunter bis zur 
Basis in viele fädliche einblüthige Schäfte sich auflösen, Veronica 
saxatilis Scop., Eriophorum vaginatwn, Saxifraga carpatica Reichb. 
am Bache, Oxyria digrjna Camp., Hieracium alpinum, Polygotium 
Bistorfa, Senecio alpinus Koch ß cordifolius Neilr., Silene araulis, 
Doronlcum ausiriacum Jacq., Chrysanlhemum atralum et rotundl- 
folium WK.. Pufentilla aurea, Pedicularis verticillafa, Barfsia al- 
pina, Veronica alpina, Cochlearia ofßcinalis, Adenostyles albifrons, 
Achillea alrata massenhaft, Saxifraga Aizoon, Rhodiola rosea, Ane- 
mone ulpina et narcissißora in bis ein Meter hohen Exemplaren, 
Veratrum Label ianum Bernh., Delphinium elatum. 

Von hier steigt der Weg steil zwischen Felsen bergan, von wo 
noch der schöne Ranuncnlus rutaefolins und Androsace ohtusifolia 
All. mitgenommen wurde, bis man den ,,langen See*^ erreicht, an 
dessen Ufern mich GenUana frigida Haenke in grosser Menge er- 
freute, ferner Sempervirum montanum, Cerastium arvense und Saxi- 
fraga carpatica Reicid)., welche aber überall in der Tatra nur ver- 
einzelt angetroffen wurde. 

Vom langen See aus beginnt der Aufstieg über fürchterliches 
Felsengewirre — Felsenmeer genannt — auf den Polnischen Kamm, 
von welchem sich eine prachtvolle Fernsicht eröffnet, und von wo aus 
man in schwindelnder Tiefe den „Gefrornersee", dessen Spiegel gröss- 
tenlheils auch im Hochsommer mit ewigem Eis bedeckt ist, erblickt. 

Auf dem Polnischen Kamm wurden gesammelt: 

Erigeron alpinus. Saxifraga carpatica Reichb., Silene acaulis, 
Primula minima, Saxifraga muscoides Widf., S. androsacea, Cera- 
stium latifolium, Cochlearia ofßcinalis, Ranunculus alpestris, Semper- 
mvum montanum, Senecio carniolicus Willd., Swertia perennis, in 
sehr kleinen zwergigen Exemplaren, Chrysanlhemum alpinum massen- 
haft, Saxifraga bryoides, Sesleria caerulea . 



234 

Hier war es, wo ein plötzlicher Windstoss mir, beim Einlegen 
meiner Ausbeute, einen grossen Theil meines Papieres erfassle und 
davontrug — • einen Bogen aber bis hoch über die Gerlsdorfer Spitze 
emporwirbelte, mit sehnsüchtigem Auge folgte ich dem Papiere, wel- 
ches auf der für mich unerreichbaren H()he niederfiel. 

Vom Polnischen Kamm führt der Pfad eine Strecke abwärts, um 
dann alsogleich desto steiler empor über kleineres Geröll auf den 
2052V Meter hohen Kahlbacher Grat zu führen, wo man für den 
beschwerlichen Steig, mit einer prachtvollen Fernsicht entschädigt 
wird, gegen Norden erstreckt sich das romantische Kahlbacher Thal, 
rechts vom Rücken der Schlagendorfer Spitze, links von der Treppe 
begrenzt, gegen Süden der Gefrornersee, im Hintergrunde erscheint 
in grauer Ferne Polen, rechts erhebt sich die wahrscheinlich noch 
unerslicgene Gerlsdorfer Spitze, links die Lomnitzer Spitze, mit einem 
Worte eine Fernsicht, der sicli nur wenig Punkte an Grossartigkeit 
der Fernsicht in Ungarn an die Seite stellen dürften. Gesammelt wur- 
den hier: Papaver alpinitm, Soldanella alpina, Sesleria coerulea, 
Cochlearia ofßcmalis, Ranuncnlus rutaefoiius, Sempervivum monta- 
mim, Sedum atralum^ Chrysanthemum aipinum, Erigeron alpinus, 
Saxifraga carpatica Reiclib., S. tmiscoides Wulf., S. androsacea und 
die seltene Saussurea pygmaea Spr, 

Von hier führt der Weg steil abwärts über fürchterliches Ge- 
rolle und Felsenmassen, durch Klüfte und Schluchten in das Kohlba- 
cher Thal hinab, wo noch eilends noiirt und theilweise auch gesam- 
melt wurden: Saxifraga carpatica^ Oxyi'ia digyna, Hieracium alpi- 
num, Senecio alpinus ß cordifolius, Viola bißora, Soldanella alpina, 
Arnica tnontana, Valeriana Tripteris, Cochlearia officinalis, Genfiam 
frigida, Semperritum montanum, Campanula alpina, Chrysanthemum 
atratum, Potentilla aurea, Pedicularis verficillata, Rhodiola rosea, 
Adenostyles alhifrons Rchb., Ranunculus aconitifolius, Trollius euro- 
paeus, Pyrola uniflora, Cerastium latifolium, Saxifraga Aizoon, Ve- 
ratrum Lobelianum, Thalictrum aquilegifolium, Delphinium elatum, 
Aconitum Napellus. 

Nachdem, während des Sammeins dieser Pflanzen, dem Laufe 
des Kcililbaches entlang, wieder die Wasserfälle erreicht wurden, war 
nach einem einstündigen scharfen Marsche Bad Schmccks bald wieder 
erreicht, von wo ich, nachdem die Pflanzen ziemlich trocken gewor- 
den waren und meine freie Zeit um war, mit dem Wunsche abreiste, 
bald wieder hier botanisiren und jene Thäler und Höhen durchsuchen 
zu können, wo Botaniker und Touristen nur seltener hinkommen. 



235 

Aufzählung der in der Umgebung von Pola wachsen- 
den Pflanzen. 

Von Prof. Leo Neugebauer. 

Die Flora von Pola ist wolil schon ziemlii-h bekannt; (hircli iliro 
Rciclilialüirkeit angelockt besuchen alljährlich nordische Botaniker die 
Gestade der alten Pietas Julia, und voröfFentlichen zuweilen auch ihre 
daselbst gemachte Ausbeute. Eine systematische Aufzählung der zur 
Flora von Pola gehi)rigen Arten existirt aber zur Zeit nicht, und 
schon aus diesem Grunde dürfte eine solche nicht unwillkommen sein. 
Freilich kann ich vorderhand nur Unvollkommenes bieten: Das Sub- 
strat dieser Arbeit bildet nämlich eine Kollektion von Pflanzen, welche 
Herr Dr. W. im Verlaufe des Jahres 1874 in der näheren Umgebung 
der Stadt (und auf einigen Inseln des Golfs von Medolin) gesammelt 
— während der Wintermonate (nach Koch Taschenbuch der Flora 
Deutschlands 1S48 und Visiani's Flora Dalmatioa) beslimmt und dann 
der k. k. Marine-Realschule geschenkt hat. 

Das in der Sammlung vertretene Florengebiet umfasst nur einen 
kleinen Kreis, dessen Halbmesser nicht über V2 deutsche Meile be- 
trägt; längere Excursionen gestattete seine Berufsthätigkeil nicht, 
nur einmal gelang es einen ganzen Tag zu gewinnen, welcher zum 
Besuche der erwähnten Inseln verwendet wurde. Die kleinen Insehi 
im Hafen selbst konnten im genannten Jahre nicht besucht werden; 
ferner wurde mit dem Sammehi etwas spät (im Marzj begonnen, und 
gar im Herbst musste es wegen eingetretenen Krankheitsfalles durch 
mehr als einen Monat unterbrochen werden; endlich ist es für Einen 
Sammler unmöglich auch in kleinerem Gebiete aller Pflanzen in 3er 
gegebenen Zeit habhaft zu werden. Wenn trotz dieser misslichen 
Verhältnisse dennoch eine Sammlung von 734 Nummern (resp. Arten) 
aufgebracht werden konnte, so spricht diess wohl deutlich für den 
Reichthum der hiesigen Flora und beweist auch, dass mit dem Sam- 
meln recht fleissig vorgegangen wurde. Das letztere wird heuer fort- 
gesetzt und das Verzeichniss der neu gefundenen Arten und etwaige 
Berichtigungen am Schlüsse des Jahres in dieser Zeitschrift veröfTent- 
licht werden. 

Ueber die gesammelten Pflanzen wurde ein genaues Journal 
geführt und auch dieses mir zur Verfügung geslellt, so dass ich in 
der Lage bin jeder Art ihren präcisen Standort beizufügen. 

Bezüglich der Genesis dieses Herbars und seiner Schenkung 
erlaube ich mir zu bemerken, dass das Anlegen einer Privatsammlung 
nicht im Sinne des Gebers lag, auch die Schenkung an die Anstalt 
erfolgte nicht ausschliesslich in der rein menschenfreundlichen Absicht 
ihre Lehrmittel zu bereichern. Es war vielmehr der Reichthum an 
Formen eines grossen Theiles der hiesigen Arten, welcher seine Auf- 
merksamkeit fesselte und den Anstoss gab zuerst eine Sammlung 
aller hier vorkommenden Pflanzen anzulegen und selbe dann der An- 



236 

stall zu überlassen mit der Botlingung, dass diese Sammlung den 
Kern eines Herbariums bilde, in welcher mit der Zeit alle Formen 
dieser Arten zu vertreten sein hätten. 

Diese Formen konnpn leicht durch die Ameisenthätiglieit bota- 
nisirender Schüler aufgebracht werden, der Vorstand des Faches 
brauchte nur aus dem zusammengeschleppten Material jede halbwegs 
abweichende Form herauszulesen und sie der Art im Normalherbar 
beizulegen. Würde dieser Vorgang bei Anstalten in botanisch wich- 
tigen, d. h. den Formenreichthum der Arten begünstigenden Punkten 
(D. W. nennt sie botanische Stationen) Nachahmung finden, so könn- 
ten auf leichte Weise Formenkollektionen entstehen, deren Benützung 
für RIonograplien von eminenter Wichtigkeit sein müsste. 

Und dazu ist schliesslich noihwendig, dass die Aufzählung der 
Arten veröfTenllicht werde, damit man überhaupt wisse, was da ist, 
und damit insbesondere der Forscher erfährt, wohin er sich zu wen- 
den habe, um vollständige Formensammlungen jener Arten zu erlan- 
gen, welche gerade den Gegenstand seiner speziellen Studien aus- 
machen. Diesem wäre die Formensammlung der Art oder der Arten 
unbedingt zu überlassen. 

Angeregt durch diese ausgreifende Idee habe ich mich anhei- 
schig gemacht, dieselbe für die Sialion Pola in's Werk zu setzen • — 
und beginne mit der Aufzählung der Pflanzen arten ■*''). 

Clematis Flammula L. Hügel, Hütten. 419. 

— Vitalba L. Zäune. 468. 

— Vitalba L. (fm. fol. dissect.) Zäune (d. Pra grande). 691. 
Anemone hortensis L. Hecken, humusreiche Anhohen. 35. 
Adonis fiammea Jacq. Saaten. 2R0. 

Rammculns aquatilis L. var. succulenfus. Foiva. 718. 

— ophioglossifolms Vill. Gruben d. Pra grande. 1 19. 

— illyrimis L. Gehört nicht zur Flora v. Pola; eine Gruppe dicht 
zusammenstehender Pflanzen — offenbar verschleppt — in der 

Allee zwischen Stadt und Policarpo. 146. 

— acris L. Wiesen. 498. 

— velutinus Ten. Wiesen, Hügel, Kaiserwald. 95, 118. 

— repens L. Wiesen, Gräben. 121. 

— arvensis L. Fette Ackergründe (d. Pra grande etc.). 128. 

— Schraderianus Fisch, e M. Sehr selten; Strassenränder vor der 
Portaurea. 80. 



*) Die nachgesetzte Zahl ist die Journalsmimmer. — Doppelnummern ge- 
hören den Formen; doch wurden letztere nur in den seltensten Fällen mit 
Nummern vorsehen. 

Nummern, welche zwischen 1—734 ausfallen, kommen auf die Zellkryp- 
togamen; diese konnten vorläufig in die Aufzählung nicht aufi^enommen werden. 

Die eingeklammerten Formen (fm.) sind nur provisorisch als solche hin- 
gestellt, ohne dass ihnen irgend welche systematische Berechtigung vindicirt wäre. 

Erklärung der Abkürzungen; F. = Fort, M. = Monte, V. = Val oder 
Valle (Bucht), S. = Stanzia fl^andgut). 



237 

Nigel/a arvensis L. AecKor. 432. 

— damasceiHi L. Sterile Aiihi»lien. 304. 
DelphiniuiH Consolida L. Felder. 43S. 

Papaver hyhridum L. var. argemonoides sehr selten; Felder in der 
Ntihe des Mariiiefriedliot'es. 535. 

— Rhoeas L. Saaten. 159. 
Glaiicinm hiteum Scop. V. Saline. 572. 

Cori/da/is acaviis Pers. Alte (röni.) Mauer in der Arsenalstrasse, 
Franciseuskirclie und einige benaehbarte Gartenmauern; von 
letzteren sind die Pflanzen am leichtesten herunter zu kriegen. 12. 

Fumaria ofßcinalis L. Schutlhaufen. 257. 

— agraria Lag. J. Marina. 213. 

Nasfurlium ofßcinale R. Br. Gräben d. Pra grande. 117. 
Turritis glabra L. M. Lorenzo (Kaiserwald). 361. 
Arabis verna Br. Foiva, Felsabhang ober dem Artillerie-Laborato- 
rium. 43. 

— hirsnta Scop. Schattige, steinige Stellen. 105. 

— hirsufa ffm. glabra). Sehr schattige, felsige Orte (Strasse nach 
Fisella). 108. 

Cardamine sylvatica Lk. Strassonränder (vor der Portaurea). 44. 
Sisymbrium ofßcinale Scop. Schutt. 417. 

— AUiaria Scop. Gräben (vor der Portaurea), Hecken (unter F. Mi- 
chele). 715. 

— thalianum Gaud. Foiva; auch in Feldern zerstreut, doch 
selten. 41. 

Sinapis arvensis L. Kulturboden. 279,305. 

Diplotaxis tenuifolia DC. Felder. 387. 

Ah/ssian campesire L. Grasige Hügel (F. Michele etc.). 77. 

Thlaspi praecox Wulf. Zerstreut über die Hügel im Juniperusgestrüpp 

(F. Giorgio, M. Guardie). 29. 
Lepidium Draba L. Slrassenriinder; Seeküste bei V. di Cane. 53, 

— campestre R. Br. Strassonränder (Pulverthurm am M. Signole). 
109. 

— campestre R. Br. (fm. glabra)., schattige Orte im Kaiservvalde. 392. 

— graminifolium L. Strassenränder. 570. 

Capsella Bursa pastoris Mönch. Schutt, Pygmäenformen in der 
Foiva. 40. 

Senebiera Coronopus Poir. Anschüttungen vor der Foibanbrücke, An- 
lagen vor der Schwimmschule; selten. 518. 

Myagrum perfoliatum L. In Feldern verstreut. 281. 

Neslia paniculala Desv. Felder d. Pra grande. 131, 

Calepina Coi^vini Desv, Am östlichen Ende der Pra grande in der 
Nähe der Ouelle. 132. 

Bunias Erucago L. Wege, Felder. 33. 

Cakile maritima Scop. Humusreiche Buchten (V. Saline, V, Con- 
filetti). 491. 

Rapistrum rugosum All. Pra grande, selten. 427. 

Raphanus Raphanisfrnm L. Kulturboden. 540. 



238 

Raphaniis RaphanLstrnm L. fl. flavo mit vor. 317. 
Cistus monspeliensis L. Hügel. 273. 

— creticus L. Hügel; am häufigsten am M. Gobbo. 274. 
Helianthemum Fumana Mill. Sterile, steinige Orte (F. Giorgio, Stein- 
brüche V. Fisella), nicht häufig. 150. 

— saUcifolium Gers. Grasige Hügel (F. Max, röm. Steinbrüche 
etc.). 66. 

— vulgare L. Hecken, Kaiserwald (M. Lorenzo). 88. 

— glutinosum Pers. V. Ovina nahe der Küste, selten. 705. 
Reseda Phyteuma L. Aecker, Wege (Max-Barake, Stoja Musil etc.). 

728. 

— lutea L. An Mauern, Steinbrüche. 331. 

Viola hirta L. Hecken, Kaiserwald. 631. 

— tricolor L. var. arnensis. Felder (um Veruda, scheint selten ?). 
197. 

Polygala nicaeensis Kis. Kalkhügel. 538. 
Tunica Saxifraga Scop. Steinige Anhöhen. 355. 
Dianlhus pi'olifer L, In der Nähe isolirter Gebäude, und zwar Ma- 
rinespital, Civilfriedhof, Artillerie-Laboratorium. 410. 

— Armeria L. Kaiserwald. 677. 

— sanguineus Vis. Grasige, buschige Lehnen (unterhalb M. Po- 
lante). 311. 

— sylvestris Wulf. Ueber alle Hügel verstreut. 460. 

— ciliatus Guss. Zerstreut über die südlichen und westlichen Hügel, 
am liebsten in der Nähe der Küste (Firella). 600. 

Saponaria Vaccaria L. Felder (S. Lombardo, Veruda). 249. 

Silene gallica. Buschige Hügel, meist in der Nähe der Küste (V. di 

Fora), J. Marina. 215. 
■ — italica Pers. Hecken von S. Lombardo. 332. 

— nutans L. var. livida. Kaiserwald am M. Lorenzo. 474. 

— inflafa L. Raine, Hecken etc. 294. 

— inßata L. J. Levano grande, eine feiste Halophytenform. 225. 

Lichnis flos Cuciili. Wiesen vor den röm. Steinbrüchen, Pra grande. 
112. 

— coronaria Lam. Kaiserwald. 367. 

— vespertina Siblh. Hecken etc. 307. 

Agrostemma Githago L. Saaten. 312. 

Lepigonum medium Wahlb. Küsten, Verbindungsdamm nach J. Pielro. 

153. 
Alsine verna Benth. Sterile Hügel. 101. 
Arenaria serpylHfolia L. Aecker etc. 168. 
Stellaria media Vill, Weinberge. 494. 
Linum gallicum L. Humusreiche Anhöhcm, im Wachholdergebüsch. 

255. 

— corymbulosum Rchb. Sterile Höhen (M. Rizzi). 483, 582. 

— strictum L. var. spicatum. Unfruchtbare steinige Orte am M. 
Rizzi und zwischen F. Michele und Pra grande. 359. 



239 

Linum nndiflorum L Wiesenränder bei Pelerino (Nahe von Fasana) 
512. 

— tenuifoüum L. Entwakleter Tlieil des M. Lorenzo. 85. 

— angusfifolivm Hiids. Grasige Hügel zwischen Gebüsch (ober dem 
ArliMcric-LaboraloriuiH elc.) 5H4. 

Malta sijlreslris L Hügel, Wiesen. 341. 

Althaea officina/is L. I'ra grande nächst dem Gasometer. 625. 

— lürsula L. Steinige, sonnige Plätze (M. Rizzi), scheint selten. 726. 
Ahutilnn Acicemiae Gärt. Pra grande in kleinen, dichten Gruppen. 

517. 
Hypericum perforaliun L. Steinige Orte. 373. 

— perfolialiini L. Kaiserwald. 372. 

Acer cainpes/rc L. Zäune (auf den Feldern hinter dem Mar. Spital). 69. 

— jnonspcssulatiiim L. Kaiserwald nordwesll. Theil. 363. 

Vitis i'inifcra L. \ar. apiifolia. Kaiserwald (verwilderter Wein, allent- 
halben um Pola). 478. 
Geranium pusUhnn L. Schutt, Steinbrüche (hinler dem Spital). 499. 

— dissectum L. Wiesen (Stoja Musil), Gräben (Pra grande), im 
Ganzen selten. 120, 515. 

— coJumb'innm L. (j rasige Hügel; an humusreicheren Stellen oft 
lange Ausläufer treibend. 67, 442. 

— rotinidifolium L. Kulturboden. 47. 

— rohertianum L. Feuchte, felsige Orte (Strasse nach Policarpo 
etc.). 55. 

— lucidum L. Foiva; sonst um Pola selten, dichte Hecken in der 
Nähe der Schiessstätte. 49. 

Erodium cicutarium Herit. Wege, Wiesen. 403. 

— ciconium Willd. Grasplatz hinterm Spital. 467. 

— malacoides Willd. Kulturanlagen um F. Max; sehr selten. 566. 
Oxalis corniculafa L. Maxbarake, Foiva, Stadtpark. 45. 

Tribulus terrestris L. Felder ober der Arena, Anlagen vor den Arse- 
nalsbaraken. 477. 

Rufa graveolens var. y. L. Steinhaufen und Küste bei Fisella. 503. 

EvonymMS europaeus L. Zäune (Pragrande) Mauern (Arena). 111. 

Palinrus aculeatus Lam. Hecken; wird mit Vorliebe zu Zäunen ver- 
wendet; ein fast baumartiges Exemplar steht in der Foiva. 466. 

Rhatimvs cathariica L. Hecken, Zäune; dornig und dornenlos. 124. 

— infectoria L. Auf sonnigen Hügeln (M. Turio etc.) ausserordent- 
lich dicht und dornig, bleibt schlank an schattigen Stellen (röm. 
Steinbrüche) 203, 288, 

Pistacia Terebinthiis L. Zäune. 113, 84. 

— Lentiscns L. Hügel. 205, 206. 

Spartinm junceiim L. Unfruchtbare Stellen. 160. 

Genista tinctoria L. {G. elatior? Koch). Buschige Hügel (besonders 

Stoja Musil). 354. 
Lupimis hii'sutus L. Wiesen von Stoja Musil und Fasana. 

— albus L. Feld am M. Foiban. 137. 
Ononis spinosa L. Wiesen. 345. 



240 

Ononis spinosa L. fl. albo. Sfoja Musil. 353. 

Anth'jllis Vulneraria L. var. rubriflora. Bergwiesen; um Pola findet 

sich nur! die Varietät. 548. 
Medicago falcata L. Kulturboden. 270. 

— falcata L. var. versicolor. Raine. 549. 

— sativa L. Kulturboden, hiiufig- gebaut. 430. 

— prosfrata Jarq. Sonnige Hügel in Gesteinspalten (M. Chiochi, M. 
Collsi, M. Lorenzo im Kaiserwald). 154. 

— hipulina L. Getreidefelder. 550. 

— orh'icularis Alt. Wiesengründe und Wege (auf Stoja Musil). 263. 

— fribuloides L. Küste von V. di Fova. 261. 

— Uttoralis Rliode. Stoja Musil. 59. 

— Gerardi W. K. Stoja Musil. 262. 

— minima Lam. Trockene Anhöhen. 83. 

— denticMlata Willd. Saaten. 286. 

— ? prostraf a? Jacq. Icgum. rect. Steinbrüche um Fiselia und hin- 
term Spital. 553. 

Melilotus alba Desr. Wüste Orte, (Steinbrüche hinterm Spital), selten. 
526. 

— ofßcinnlis L. Kulturboden. 293. 

— parniflora Desf. .1. Levano grande. 228. 

Trifolium pallidum W.K. Steinbrüche unterhalb des M. Daniele, rasen- 
bildend. 488. 
— • pratense L. Wiesengründe; je fetter der Boden um so robuster 
die Form. 325, 464, 546. 

— ochroleucum L. Stoja Musil; selten. 313. 

— stellatum L. Sonnige Anhohen. 73. 

— incarnatum L. Gebaut auf einem Feld am M. Signole, wild um 
Pola nicht gefunden. 144. 

— incarnatum L. var. Molinieri. Grasige Hügel. 188. 

— angustifolium L. Grasige Anhohen und die Inseln bei Medolin. 
223. 

— lappaceum L. Sonnige Hügel. 271. 

— lapaceum L. (fm. elata^. Wiesen auf Stoja Musil und im Kaiser- 
wald. 338. 

— Cherleri L. Hügel. 201. 

— Cherleri L. (fm. elata). Stoja Musil. 265. 

— arcense L. Aecker. 394. 

— Bocconii Savi. Wege im Kaiserwald. 451. 

— striatum Kaiserwald. 258, 339. 

— scabrnm L. Magere Wiesen. 266. 

— subterraneum L. Wiesengründe von Stoja Musil. 264. 

— fragiferum L. Feuchtere Wiesen, 352. 

— repens. L. Triften. 615. 

— procumbens L. An Wegen im Kaiserwald. 365. 

Dorycnium herbaceum Vill. Grasige Anhöhen (F. Bourguignon etc.) 

242. 
Bonjeani hirsuta Rchb. Kalkhügel. 482. 



24t 

Lotus corniculatus L. var. hirsutus. Steinbrüclie (am Wege nacli 

Veruda etc). 24. 
— tenuifoiius Rchb. Kulturboden (am M. Signole etc.). 456. 
Asirayalus hamosus L, Wiesen auf Stoja Musil, selten. 282. 
Scorpiurus subvilfosa L. Felsenhügel; im Kulturboden (Stoja Musil), 
ellenlange AusUiufer treibend. 278. 

(^Kortsetzuiig folgt.) 



Correspondenz. 

Wien, am 12. Juni 1875. 
Zu den in meiner Mittheilung S. 190 angeführten standigen 
Bürgern der Praferflora noch Viola elatior Fries in der Kriau (seit 
1870) nachtragend, bericlilige ich, dass sich die als Nonea alba an- 
geführte Pflanze nun als Nonea lutea DC. herausgestellt hat, und 
erwähne, dass mir in diesem Jahre an der Stelle meiner bereits mil- 
getheilten Neulieiten des Praters folgende neu aufgetauchte Arten zu 
finden gelang: Silene viscosa Pers. in üppigen Exemplaren mitunter 
von 16 Zoll langer Inflorescenz, Anchnsa italica Retz. und Saltia 
austriaca Jacq. Jos. ß. v. Keller. 

Pest, am 13. Juni 1873. 
Nächstens werde ich auf die Anfragen meines Freundes Uech- 
tritz ausführlicher antworten. Für jetzt nur so viel, dass Thlaspi 
cochleariforme aus Siebenbürgen, Thlaspi Arallanum Panc. und T. 
Kovatsii Heuff. mit einander identisch sein. Dieses Jahr blühten in 
meinem Garten in Siebenbürgen zwei wunderschone neue Iris-Arien, 
ebenso zwei neue Anchusa-Arlen aus der Türkei. Janka. 



Fersonalnotizen. 

— Dr. Anton Kern er, Professor in Innsbruck wurde \on der 
mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Kais. Akademie der 
Wissenschaften zum wirklichen Milgliede ernannt. Ebenso Charles 
Darwin zum ausländischen Ehreninitgliede. 

— Hofrath Muzius Ritter v. Tommasini und Regierungsrath 
Dr. Eduard Fenzl wurden durch Verleihung des Commandeur-Kreuzes 
des königl. ital. Kronenordens ausgezeichnet. 

— Zur Erinnerung an August Neil reich wurde eine neue 
Gasse im X. Bezirke von Wien .^Neilreichgasse^ benannt. 



242 

Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 

— In einer Sitzung- der kaip. Akademie der Wissenschaften in 
Wien am 15. April legte Prof, Jos. Boelun eine Abhandlung vor: 
„Ueber die Funktion des Kalkes bei Keimpflanzen der Feuerbohne." 
Mit Untersuchungen über die organische Leistung einiger Aschenbe- 
standtheile höherer Pflanzen beschäftiget, kam der Verlasser bald zur 
Ueberzeugung, dass, um hierbei zu einem befriedigenden Resultate zu 
gelangen, vorerst die Frage zu entscheiden ist, ob die mineralischen 
Nährstoffe nur zur Bildung von organischer Substanz dienen oder 
auch beim Aufbaue des Zellleibes aus bereits assimilirten Nährstoffen 
betheiligt sind. Zur Beantwortung dieser Frage schien ihm die That- 
saclie, dass aus grossen und kleinen Feuerbohnen und aus solchen, 
bei denen ein Samenlappen entfernt wurde, unter normalen Verhalt- 
nissen Pflanzen gezogen werden können, die sich an Starke und 
Ueppigkeit durchschnittlich nicht von einander unterscheiden, den 
Weg zu weisen. Falls die Aschenbestandtheile zur Umbildung der 
organischen Substanz in Theile des Pflanzenleibes nothwendig sind, 
Wiire es wohl, so schloss der Verfasser, zu vermulhen, dass mögli- 
cher Weise in den Samen, welche bekanntlich relativ arm sind, ge- 
rade an jenen mineralischen Stoffen, die in den vegetativen Organen 
in grosser Menge vorhanden sind, zwischen diesen und den organi- 
schen Baustoffen ein physiologisches Missverhältniss bestehen würde. 
Sollte sich dies bestätigen, so würden sich die weiteren Fragen und 
die Methoden zu deren Beantwortung von selbst ergeben. Die Resul- 
tate und Schlüsse, zu denen der Verfasser bei seinen diesbezüglichen 
Untersuchungen gelangte, fasst derselbe in folgenden Sätzen zusam- 
men: 1. Die in destillirtem Wasser gezogenen Keimpflanzen von Pha- 
seolus multiflorus sterben früher oder später, stets aber vor dem 
völligen Verbrauche der organischen Reservenahrung durch Erschlaf- 
fung und Verschrumpfung des Stengels unterhalb der Endknospe. 
Einem gleichen Schicksale verfallen die etwas weiter entwickelten 
Stielenden der Primordialbläller. 2. Dieses Absterben wird durch die 
verschiedenen Kalksalze (auch durch das Chlorcalcium in sehr ver- 
dünnten Lösungen [1 pro 3 Mille]) verhindert. 3. Der Kalk kann durch 
keine andere Base ersetzt werden; kohlensaure Magnesia für sich 
wirkt geradezu schädlich. 4. Bohnenkeimpflanzen, welciie gleichzeitig 
und in demselben Gefässe in destillirtem \A asser gezogen werden, 
sterben unter obigen Ersclieinungen in sehr verschiedenen Entwick- 
lungsstadien, die einen schon, nachdem der Stengel kaum die Länge 
von 2 bis 3 Ctm. erreicht hat; andere ei'sf, na{;hdem sie sich bis auf 
30 bis 40, ja selbst 50 Ctm. gestreckt haben. Das Samengewicht ist 
hierbei nicht massgebend. 5. Die Ursache dieses verschiedenzeitigen 
Abslerbens der Bohnenkeimpflanzen gleicher Kultur in destillirtem 
Wasser ist eine individuelle und offenbar durch den verschiedenen 
Kalkgehalt der Samen bedingt. 6. Die Aschenbestandtheile der Pri- 
mordialblätter von in destillirtem Wasser gezogenen Pflanzen sind nicht 
geringer als die dtir gleichartigen Blätter der bei Kalkzufuhr kultivirten 



243 

Scliwesterpflanzeii. 7. Der Kalk spielt bei der Umbildung der organi- 
sclicn BaustofTe in Fonnbeslandllieile des Pflanzeiileit)es dieselbe wich- 
tii>(; Rolle wie bei der Metainiirplsosi! der Knorpel in Knoclien. 8. Der 
Kalk ist für di(^ Bildung- von Starke aus Kohlensäure völlig belanglos. 
(Irüne, ainyhnnl'reie Priniordial[)lätler, deren Stiele bereits einsclirunipf- 
ten, in denen somit sicher k(Mn disponibler Kalk mehr vorhanden war, 
bildt^len unter sonst günstigen J3edingungen schon vväin'end '.i bis 5 
Minuten unverkennbare Slärkespuren und waren nacli einer halbstün- 
digen V(M-suehsdauer ganz damit erfüllt. 9. Bei den in destillirtem 
Wasser gezogenen Bohnenkcimlingen tritt eine höchst merkwiirdige 
Stockung der Stiirkeleitung ^on den Colylen zur Stengelspitze auf. 
Wahrend bei vergeilten Pllanzen, welche auf kalkhaltiger Unterlage 
gezogen wurden, die oberen Theile der gegen 40 bis 50 Ctm. langen 
Stengel nach Behandlung mit Kalilauge, Wasser, Essigsaure und Jod 
ganz schwarz werden und die unteren, bei noch ganz prallen Colylen, 
nur im Stärkeringe Amylum führen, ist gerade das Umgekehrte der 
Fall bei den in kalkfreien F4üssigkeiten gezogenen Pflanzen: die 
Stärke bleibt in den Mark- und Uindenzellen des ersten Internodium 
angesammelt. 10. Die Rolle, welche der Kalk bei dem Transporte der 
St,irk<> aus den Reservekammern zu den natürlichen Verbrauchsstatten 
spielt, ist bisher völlig räthselhaft. 



cr-e,<5S>'^-3 



Botanischer Tauschvereiu in Wien. 

Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Dr. Halacsy mit Pflan- 
zen aus Niederösterreich. Von Herrn P. (jremblich mit Pflanzen aus 
Tirol. Von Herrn P. Wiesbaur mit Pflanzen aus Niederösterreich. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren Richter u. Prihoda. 

Aus Tirol: Adonis autumnaUs, Alchemilla alpina, Älsine au- 
striaca, Anemone rernalis, Curdamlne impatiens, Cenlutwea rhenana, 
Daphne Cneoriim, D. striata, Delphininni elatum, Juncns trißdus, 
Mentha alpiyena^ Ophrys aratiifera, Pinvs montana, P. obliqna. Pri- 
mula Aur. androdyn.^ P. A. gj/nodijn., Rosa comosa, Rtibus Bellardi, 
Senecio Reisnrhii, Taxus baccala, üildenbrandtia sanguinea u. a. 
eing. von (iremblich. 

Aus Baiern: Sediun annuum eing. von Meyer. 

Aus Niedcrösterr eich : Aethusa agrestis^ Allium montanum, 
Bmmiis patulus, Bupleurum ßiticeum, B rotiindifolium, Carex hu- 
milis, C. nitida, C. pilosa, C. fotnentosa, Caucalis dancoides, C. 
nmricata, Chenopodium intennedimn, Ch. opulifolitim, Cyperus lon- 
giis, Elyjnus europaeus, Eriophorum angiistifohum, Globularia cor- 
difolia. Ilelminlhia echioides, Juncns obtusiflorus, Lactiica viminea, 
Laserpitium prutenicnm, Marrubium peregrint/m, Ornifhoga/um py- 
renaicmn, Oryza clandestina, Peucedannm Cerraria, Phlenni nodo- 
Siini, Plantago maritima, Poa nemoralis, Samnlus Valerandi, Scirpus 
acicularis, Seliuum carrifo/ium, Silaiis pratensis, Sonchus palustris, 



244 

Stachys alpina, Taraxacum corniculatum, Tordylium maximum, Viola 
ambigiia u. a. eing. von Wiesbaur. 

Obige Pflanzen kimnen im Tausche oder käuflich die Cenlurie 
zu 6 fl. (12 R. Markl abgegeben werden. 



Inserate. 

In J. U. Kern's Verlag (Max Müller) in Breslau ist soeben 

erschienen: 

Die Pilze Norddeutschlands mit besonderer Berücksiclitigung 
Schlesiens. Beschrieben von Otto Weberbauer. Heft IL Mit sechs 
nach der Natur gezeichneten kolorirten Tafeln. Gross Querfolio. 
Preis 12 Mark. 

J. D. Möller in Wedel (Holstein). 

Dem Unterzeichneten ist vielfach und immer von Neuem der Wunsch 
ausgesprochen worden: sein Verfahren bei der Präparalion der Dialomaceen 
verüffenthchen zu wollen. 

Derselbe erklärt sich gegen eine entsprechende Entschädigung dazu bereit 
und beabsichtigt folgenden Versuch: 

Eine genügende Betheiligung vorausgesetzt, wird derselbe eine kleine 
Schrift mit erklärenden Abbildungen unter dem Titel : 

Die Präparation der Diatomaceen 

in ihrem ganzen Umfange, 
verüffenthchen. 

Dieselbe soll enthalten: 

\. Das SaniiiK'ln. — 2. Das Reinigen, a) der lebenden, b) der ab- 
gestorbenen im Schlamme, c) der fossilen. — 3. Das Treiiiieii der ver- 
schiedenen Arten. — 4. Das Präpariren, a) als gewöhnliches (Massen- 
präparat), b) als Typen- und Probe-Platte, Geordnetes, etc. 
Preis für die deutsche Ausgabe 30 Mark. 
„ „ „ englische „ 1 L. 12 s. 
„ „ „ französische „ 40 l^'rancs. 
Ausser dem Unterzeichneten nehmen Bestellungen entgegen die Heri'en : 
G. F. Otto Müller. Berlin, W., Königgrätzer Str. i\. 
Dr. E. Hartnack & A. Prazmowsky, Paris, Rue Bonaparte 1. 
R. & J. Beck, i.ondon, E. C. 31 Cornhill. 
Edmund Wheeler, London, N. 48 Tollington Road. 
C. Baker, London, W. C. tiit High Holborn. 
James W. Queen & Co., 92 i, Chestnut Street, l^hiladelphia. 
Die Bestellungen müssen bis längstens .September d. J. angemeldet 
sein, worauf im Oktober den betr. Herren Bestellern mitgetheilt werden wird, 
ob das Unternehmen zu Stande kommt. 

Im günstigen Falle hat jeder Besteller den Preis an den Unterzeichneten 
oder an einen der vorgenannten Herren zu zahlen uud empfängt dagegen läng- 
stens Anfangs 1876 die Schrift. 

Wedel in Holstein. J. D. Möller. 

Kedakleur und llerausselier Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von C. Gerold's Sohn, 
Druck iiDil Papier der O. UeberreuterscIitMi Uuctidruckerei (IH, Salzer). 



Oesterreicliisclie 



Botanische Zeitsclirift 

Gemeinnütziges Org^an 



Die «IsfciTf Irlilselio 
Itotaiilsclie Xeltseiii'llt 

erscheint 

ilon Ersten jeden Monats. 

Mail priimiincrirt auf sflüi; 

mit H n. öst. « . 

ili: R. MarkJ 

ganzjährig, od v init 

4 II. ö. « . 'S' li. Mark.) 

h a 1 b j ä h r i g. 

Inserate 

die ganze Petitzeile 

15 kr. öst. W. 



Botanik und Botaniker, 

Gärliicr, Oekoiioiiieii, Forslinänner, Acrzlc, 
Apollicker und TecliiiikiM'. 

Nf 8. 



Exemplare 

dl" frei durch die Tost bp- 

zugen werden sullon, sind 

blos bei der l(e<laktlon 

er. />Vj., SdilosnyrtsMe Nr. 15 J 

ZU pränumeriren. 

Im \Vnge des 

riuchhaudels übernimmt 

Pränumeration 

C. «;pi-<>l<r!a Sulln 

in Wien, 

so wie alle übrigen 

Buclihandlungen. 



\XV. Jahriraiiir. 



Aiii£;ii8t 1875. 



INHAIiT: Algen des TriestcrGolfL's. Von Ha tick. — Italienische Pflauzeu. Von Jaiika. — Vegctations- 
Vurlialtnisse. Von Dr. Kern er. — Piseker Lebermoose. Von Dedecek. — Bemerkungen. Von Uech- 
trilz. - Flora von Pola. Von Neugebauer. — Literaturberichte. Von Dr. R. — Correspondenz. Von 
lloiuby, Artzt, Dr. Rehmann. — Personalüotizeu. — Vereine, Anstallen, UnternebmuDgen. — Bo- 
tanischer Taiischverein. 



Verzeichniss der im Golfe von Triest gesammelten 

Meeralgen ^''']. 

Von F. Hauck. 

Nachstehend gebe ich eine Anfziihlung- der Meeralgcn, welche 
ich in einer längeren Reihe von Jahren selbst gesammelt und beob- 
achtet habe, und die mir von meinen Freunden als zuverlässig von 
diesen Küsten mitgetheilt wurden. In mehreren Herbarien sah ich noch 
andere Arten mit dem Fundorte „Pirano" von P. Titius herrührend, 
die aber offenbar von fremden Küsten stammen, daher ich dessen 
Aufsannnlungen nicht milbenützen konnte ; ebenso erwähne ich nicht 
einige in verschiedenen Werken beschriebene Algen, die wold un- 
zweifelhaft im Gebiete gefunden, mir selbst aber nur aus der Be- 
schreibung bekannt sind. Man si(dit hieraus, dass dieses Verzeichniss 
keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht, dennoch hoffe ich damit 
manchem Botaniker, welcher diese Küste besucht, einen Wegweiser 
zu weiteren Forschunoren zu bieten. 



*) Die Grenzen des Gebietes sind einerseits bei Grado, andererseits bei 
l'T Punta di Salvore. Eine nähere Beschreibung des Iviistenterrains mit Bezug 
Ulf die submarine Vesetalion behübe ich einer späteren Zeit vor. F. H. 

19 



Oesterr. botan. Zeitsclirif». 8. Heft. 1S75. 



246 

Schliesslicli erlaube ich mir, liier meinen Dank besonders fol- 
genden Herren auszuspreclien, und zwar Herrn Hofr, R. v. Tomma- 
sini, durch welchen ich auf die verschiedenen an Algen reichhaltigen 
Lokalituten aufmerksam gemacht wurde, und welcher mit seltener 
Liebenswürdigkeit mich überhaupt in meinen Bestrebungen unter- 
stützte , ferner Herrn k, k. Hofgärtner A. Vogel , der mir seine 
wertbvollen Aufsammlungen um Bliramar zum Studium überliess, und 
schliesslich Herrn Baron F. v. Liechtenstern, welcher mit unermüd- 
lichem Fleisse die istrianische und dalmatinische Küste nach Algen 
durchforscht und mich ebenfalls durch Miltheilung von höchst 
interessantem Material in den Stand setzte, die Formenkreise so man- 
cher sehr veränderlichen Art besser kennen zu lernen. 

Florideae. 

Ccramieae. 

1. CalUthamnion strictum Ag. (Zan. Icon. pliycol. adr. \. p. 116, Tab. 

XX VII. B). Pirano, im Winter""') selten. 

2. — Borreri (Sm.) Harv. (J. Ag. Sp. Alg. H. pag. 49). Miramar, 

Triest im Hafen, Pirano etc., im Winter ziemlich häufig. 

3. — tenuissimvm Kg. (Kg. Tab. phycol. XI. 75). Miramar an Fels- 

blöcken im Winter und Frühjahr. — Die hiesigen Exemplare 
stimmen genau mit jenen von Brest (com. Lenormand) über- 
ein. — Hierher dürfte auch CalUthamnion pinnato-fnrcatum 
Kg. tab. pliyc. XII. 15 gehören. 

4. — Thmjoides (Sm.) Ag. (J.^ Ag. Sp. Alg. II. p. 44). Triest, Mira- 

mar, etc. Winter und Frühjahr. 

5. — tersicolor (DraparnJ Ag. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 41). Ueberall 

häufig im Winter und im Frühjahr. Manche Formen sind dem 
Callith. cori/mbosum (Sm.) Lyngb. zum Verwechseln ähnlich, 
von Avelchem Callith. versicolor wohl nur eine Varietät zu 
sein scheint. 

6. — lanceolatum (Derbes) Kg, (tab. phyc. XII. 10). Mit voriger Art 

zusammen vorkommend bei Miramar und Muggia. 

7. — crucialum Ag. (J. Ag. Sp. Alg. II. pag. 17). Verbreitet — im 

Frühjahr, 

CalUthamnion fragilissimtim Zan. (Icon. phyc. adr. p. 11, 
tab. III B) ziehe ich hierher als Varietät. Exemplare dieser 
Alge, welche Hr. Baron Liechtenstern bei Spalato in grösserer 
Anzahl sammelte, zeigen die entschiedensten Uebcrgänge in 
C. crnciatnm. 

Sehr bemerkenswerth ist das häufige Vorkommen eines 
Schmarotzers aus der Gattung Chytridivm (Cypkidium Magnus) 
auf dieser Art. Ich sah einzelne Exem[)lare der var. fragilis- 
simum Zan. so dicht damit besetzt, dass fast der Habitus der 



*) Die angegebene Jahreszeit ist jene, in welcher ich die betreffende Art 
sammelte, dadurch ist das Vorkommen auch in einer anderen Jahreszeit nicht 
ausgeschlossen. F. H. 



247 

ganzen Ptlanze verändert wurde. Näheres hierüber findet man 
in „Die bolanischen Eroebnisise der Nordseei'ahrt" vom 21. Juli 
bis 9. Sept. 1872 von Dr. P. Magnus (Separatabdrurk aus dem 
II. Jahresber. der Kommission zur Untersuchung der deutschen 
Meere in Kiel. Berlin 1874). 

8. Call, piumula (Ellis) Ag. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 'id). Triest. Miramar, 

Pirano eli:. Winter und Frühjahr häufig. 

9. GriffUhsia Sclwnsboei Montg. (Zan. Icon. phyeol. adr. I. pag. 48, 

lab. XX. A). Triest, Miranuir, im Winter. 

10. — barbata (Engl, bot.) Ag. (Zan. Icon. phyc. adr. II. p. 39. Tav. L.). 

Miramar an Cystosiren im Februar. 

11. Croua7iia atfenvafa (Bonn.) J. Ag. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 105). 

Triest, Miramar, Pirano etc. im Winter bis zum Sommer. 

Aus Lesina (leg. Liechtenstern) liegt mir ein Exemplar 
mit zweitheiligen Sphaerosporen vor, worauf Crouan seine Cr. 
Oospora gründet, die vegetativen Verhältnisse lassen aber einen 
Unterschied von C. attenuata nicht erkennen. 

12. Dndresnaya coccinea (Ag.) Bonnem. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 108). 

Miramar, Pirano im Sommer. 

13. — purpiirifcra J. Ag. (Zan. Icon. phyc. adr. II. p. 22, Tav. XLVI. 

1 — 3). Miramar, August. 

14. Ceramium diaphanum (Light.) Roth (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 125). 

Triest im Hafen, Pirano, im Winter und Frühjahr, als Syno- 
nym rechne ich nur liieher Hormoceras pulchellum Kg. Sp. Alg. 
p. 6765 tab. phyc. XII, 75. 

15. — elegans Ducl. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 124). Ueberall gemein vom 

Winter bis zum Sommer. 

Nach Alter, Standort, Jahreszeit äusserst veränderlich, und 
stimmen manche Formen ganz mit C. strictum Grev. (J. Ag. 
Sp. Alg. II. p. 123) überein. 

Zu C. elega?is ziehe ich die Abbildungen von Hormoceras 
polyceras in Kg. tab. phyc. XII. tab. 66, //. polygonnm tab. 67, 
H. diaphanum tab. 68, H. gracillhmim tab. 68, H. moniüforme 
tab. 69. 

An einigen Exemplaren eines Cerammms, die sich aber 
übrigens von C. elegans nicht unterscheiden lassen, traf ich 
die äussersten Spitzen der Gliederfäden sowie die Spitzen der 
Seitenästchen zu nackten Favellen (?) umgebildet. — Kützing 
bildet diese Pflanze als Hormoceras acrocarpum tab. pliycol. 
XIII. 1. ab, und bezeichnet diese Fruchtbildung als Knäuel von 
Vierlingsfrüchlen. 

F. Ardissone in „Le floridee italiche" führt noch C. gymno- 
goninm Meuegh. und C. sptnulosum Kg. als mit nackten Fa- 
vellen an, ich vermuthe aber kaum, dass man es hier mit 
normalen Favellen, sondern mit einer den Seirosporen bei 
den Callithamnien. in gewisser Hinsicht ähnlichen Bildung zu 
thun hat. 

19* 



248 

16. Cer. Biasolettiamun Kg. (Kg-, tab. phyc. XII, 74). Tricst, Miiggia, 

Pirami im Wiiiier und Frühjahr. 

17. — teniiissiimim Lyngb. (J. Ag. Sp. Alg. II. pag. 120). Miramar 

im Sommer. 

18. — radiciilosum (Grunow in litt.). Braunrotli, bis 6 Ccnlim. lang, 

Gliedertädcn perlschnurartig, haardünn, dicht diclicitum, liin und 
Avieder mit Seitenästchen besetzt, gleichhoch verästelt, Spilzen 
gerade oder schwach gekrümmt, untere Glieder dreimal, obere 
ebenso lang als der Durchmesser, Rindengürtel knotig, Inter- 
stitien durchsichtig, jene der Zweigspitzen rosenrolh gefärbt. 
Sphaerosporen eingesenkt, meist einreihig, Antheridien aus den 
oberen Rindengürteln didit hervorbrechend. Favellen an den 
Aestchen seitlich sitzend, von 3 — 4 sparrig abstehenden langen, 
oft gabelig gelheilten Hüllästchen umgeben. Im Flusse Timavo 
nahe der Mimdung an Rohr etc. Vom Frülijaltre bis zum Herbste. 
Ein eigenthümliches schon durch das Vorkommen im schwach- 
salzigen Wasser ausgezeichnetes Ceramium. 

19. — ciliatum Ducl. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 133). Ueberall gemein, 

Frühjahr, Sonnner. 

20. — rubrum Ag. und var. barhatuni Kg. (J. A^. Sp. Alg. II. p. 127). 

Häufig bei Triest, Pirano etc. Winter und Frühjahr. 

21. Ccntroceras cinnabarinum (Grat.) J. Ag. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 148). 

Bei Barcola, Pirano etc. im Frühjahr. 
€pjptoiiemeae. 

22. Nemastoma dichotoma J. Ag. (J. Ag. Spcc. Alg. II. pag. 164) =-. 

Ginnania irregularis Kg. (Ivg. Tab. phyc. XVI. 69). Miramar, 
Pirano, im Sommer. 

23. Grateloupia ßlicina (Wulf.) Ag. (.1. Ag. Sp. Alg. II. p. 180). Triest 

im Hafen, Miramar, Pirano etc. im Herbste. 

24. Hn/i/menia ßoresia (Clem.) Ag. (.1. Ag. Spcc. Alg. II. pag. 205). 

TriesI, Zaule, Capodisiria, Pirano etc. im Herbste. 

25. Chri/symcnia pinnulala (Ag.) J. Ag. (Zan. Icon. pliyc(»l. adr. I. 

p. 151, Tav. XXXIl. A). Triest, Miramar, Pirano, im Sommer, 
llieher gehören Chr. vcniricosa (Lam.) J. Ag. und Chr. Chia- 
jeana Menegh. (Zan. Icon. phyc. adr. I. p. 155, Tav. XXXVI. B) 
als Jugendzuständc. 

26. — dichuloma J. Ag. (J. Ag. Spec. Alg. II. pag. 211,' — Zan. 

Icon, phycol. adr. III. Tav. XCl. 3 — 5). Miramar, Pirano, im 
Sommer. 

27. — nvaria (Wulf.) .1. Ag. (J. Ag. Sp. Alg. II. ]). 214). Ueberall 

gemein, zu jeder Jahreszeit. Häufig an ausgeworlencn Cysto- 
sirenstännnen und SchwämnuMi fest gewachsen. 

28. Cryplonemia lomalion (Berlol.) J. Ag. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 227). 

Verbreitet, Vorkommen wie bei \origer Art. 

29. Gloiocladia f'urcata (Ag.) J. Ag. (Zan. Icon. pliyc. adr. I. p. 13, 

Tav. IV. A). Pirano, Miramar (leg. Vogel) im Sommer. 

(rortset/.un? folgt.) 



24 ;j 

Rnnunculns Tointnashtiaa ns 

und ein paar andere italienische Pflanzen. 

Von Victor V. Janka. 

In iiioiiirs Freundes Freyii Ariikel über Uanunrulus Tomma- 
sinianns Hciclil). fil. im JMailiel'lo dieser ZciLselirill wird Manches er- 
ürlerf, was man <len Floristen aligemein bei\annl vorauszusetzen 
bercclitigl war. 

Nicht — als ob ich etwa auf die Bemerkung Panlocsck's in 
dessen noch vor einem Jahre erschienenen „Adnotaliones ad floram 
ilercegovinae etc." pag. 86 anspielen wollte, wo es bei Uanunrulus 
ncapolitanus Ten. der Hercegovina luMSst: -,Convenit cum spccimi- 
nibns in iierbario celeb. Boiss. a me visis, et qiii in haue ordinein 
redigit plantam a celeb. Tommasini circa Polam lectam et sub nomine 
R. Tommasinü Rclib. Iconogr. Germ. Centr. emissam" — , nein, ich 
nuiss hier — so ungern ich diess sonst auch tliuc — mich selbst 
in den Vordergrund stellen und in Erinnerung bringen, dass ich die 
Identität des R. Tommasinü mit R. neapolilanus Guss. schon vor 15, 
ja 18 Jahren — nicht bloss „vermutliete", — sondern apodiktisch 
ausspracli. 

In meinen „Adnotationes ad plantas dacicas nonnullasquc alias 
curopaeas" Linnaea XXXI (1860, eigentlicii 1859) sagte ich: 

^Rammcnlus neapolifanus Ten.! (/l. velutinus Koch Synops. 
Fl. germ. et lieh, [neu Ten.]). — Planta ex Istria a cl. Tommasini 
communicata cum spcciminibus ncapolitanis a Gussonc mihi datis 
plane convenif. In R. velufino vero fibrae radicales non incrassalae." 

In meinem Artikel „Floristische Notizen" im Oesterr. botan. 
Wochenblatfc 1857, pag. 329 steht Folgendes: „.... es ist nämlich 
Raminculus Tommasinianus Reichb. Icon. (ß. velutinus Koch) = R. 
neapolilanus Tenore! R. velutinus Ten. ist weit verschieden, unter 
Anderem fehlen letzterem die verdickten Wurzelfasern." 

Jetzt kann ich auch noch hinzufügen, dass die jetzigen italie- 
nischen Botaniker diesen R. ncapolitamis oder R. Totnmasinii, der 
doch von Pisa und Florenz an, wo ich ihn gelegentlich des i)Otani- 
schen Kongresses im Mai des vorigen Jahres eben im Abblühen, durch 
das übrige Italien aber später nur in Rudimenten antraf, überall zu 
den gemeinsten Pflanzen gehört, selbst nicht kannten, und dass ich 
z. B. die Florentiner Botaniker aufmerksam machte, dass all' ihr 
„ß. bulbosus'^ nicht die wahre Pflanze dieses Namens, sondern eben 
R. neapolilanus Ten. sei. — Freilich nahm man diess kopfschüttelnd 
sehr ungläubig auf, und ich kann mich ciion wieder gefasst machen, 
dass abermals 18 Jahre vorübergehen werden, bevor man's einsieht. 
— Doch S|)ass bei Seite! 

Ranunculus neapolilanus Ten. Iialie ich um Florenz, z B. auf 
<len Wiesen im Demidolfschen (iarten zu San Donato ebenso ge- 
mein, wie den echten R. velutinus Ten. und oft beide untereinander 



250 

Avaclisend gefunden. — Letzterer war durch die stielrunden Frucht- 
stiele und linsenförmige mattere Carpelle mit scharfem Rande leiclit 
zu unterscheiden; bei Ranunculus neapoUtanus Ten. sind die Fruclit- 
stiele gerillt und die Carpelle mehr kuchenfurmig, d. h. beiderseits 
neben dem Rande erhaben und in der Mitte nicbt so convex, auch 
glänzender. 

Aber meine Florentiner Exemplare des R. neapoUtanus sind 
noch darum interessant, weil an der Basis des Stengels meist eine 
ganz deutliche bulbose Anschwellung des Stengels, genau so wie bei 
R. bulbosus L. vorhanden ist. Ueberdiess variirt der Griffel etwas 
bezüglich der Krümmung und Länge, so dass die Dazugehihügkeit 
des R. heiicheraefolius Presl aufs schlagendste nachweisbar ist. Das 
ist übrigens Alles nichts Neues, da bereits Gussone in seiner „Flora 
inarimensis" 1854 bei Rammciilns Ten. Index sem. bort. neap. 1825 
angibt: „Radicis collum raro globosum ut in affini R. hui- 
boso et radicis asphodeliformis fibrae magis elongatae ac 
crassiores; folia inferiora semper triparlita, nunqnam ternata üt in 
illo." Auch bezüglich des R. heucheraefolkis Presl erwähnt Gussone: 
„ß. heiicheraefolius Presl et Guss. Syn. Fl. sicul. vix hujus varietas 
est stylo subuncinaiü, nam in reliquis convenit." 

lieber die Art selbst wäre man nun im Klaren; nicht so über 
deren Benennung: ob nämlich der Name R. neapoUtanus für unsere 
Pflanze aufrecht erhalten werden kann. Schon Bertoloni trennt Te- 
nore's Abbildung in der Fl. neapolitana von der Beschreibung und 
zieht erstere zu Ramme, lanuginosus. — Auch ich erkannte in der 
Abbildung nicht eine mit R. Tommasinii gleiche Pflanze; weiters 
sah ich im Herbar des Florentiner Museums ein Tenoresches Origi- 
nalexemplar, das wohl mit der Abbildung, nicht aber mit unserer in 
Rede stehenden Art übereinstimmte. Derlei Doppeldeutung lassen übri- 
gens viele Tenore"sche Species zu. Es wäre also gar nicht unmög- 
lich, den schon todt geglaubten R. Tommasinii wieder auferstehen 
zu sehen. 

Nun noch eine kurze Notiz über ein paar andere italienische 
Pflanzen. 

Ranunculus serhiciis Vis. et Panc. in plantar, serbicar. pemptas 
1860 pag. 6 et 7 tab. II = R. acris var. calabricus Ten. Sylloge 
pag. 271. — Ich sah im Florentiner Herbar Exemplare aus Cala- 
brien von Gasparrini und habe ihn selbst in der ßasilicata gefunden. 

Ranunculus brutins Ten.! Fl. neap. I. (1811 — 18i5) pag. 315, 
den ich in den (iebirgen zwischen Äluro und Saviano in Lucanien 
gesammelt, ist = R. caucasicus M.aB. Fl. taur. cauc. II (1808) — 
fällt wenigstens mit Steven'sclu'n Exemplaren aus der Krim im Her- 
bar Webb zusammen. Jetzt handelt sich's, zu eruiren, ob dieser Ste- 
ven'sche taurische R. caucasicus auch wirklicli mit dem ecliten aus 
dem Kaukasus identisch ist, von dem ich noch keine Originale ein- 
sehen konnte. Ich kenne bloss von Hohenacker unter diesem Namen 
ausgegebene Exemplare, die am ersten Blick durch Kleinheit aller 
Theile, insbesondere Kürze der Griffel von R. brulius abweichen. 



251 

Gehört die HolienacKor'sclic Pflanze aber auch wirklich zu R. cau- 
casicns M. a 13.? — Marschall v. Bicherstoin"s Worlo sprachen wohl 
dafür, da dieser Autor nur von Griffeln wie bei R. acris spricht. 
Aber auch Steven redet (im „Verzeichniss der auf der taurischen 
Halbinsel wildwach'senden Pflanzen'- p. 47) \un kurzen Griffeln, und 
doch sind sie bei seinen eigenen taurischen Exemplaren des Herbars 
Webb so auflaliend lang, wie nur möglich. Zu den nächsten Ver- 
wandten des R. brntius Ten. gehört R. Villarsii DC. CR. aduncus 
(iren. Godr.). 

Iris pnmila Jacq., aus Italien noch nicht gekannt, sah ich von 
Baron Cesali am Monte (Jargano gesammelt. 

Lu^iila Sieberi Tausch. Regensb. bot. Ztg. XIX, (1836) vol. II, 
pag. 42:> = L. sicula Pari. ,,nuo\i generi e nuove specie di piante 
monocütyledoni^ (1854) pag. 59 et 60 (L. graeca Guss. Syn. fl. sie. 
non Kunth) wächst häufig am Monte St. Angelo bei Castellamare' un- 
weit Neapel. Pariatore gibt sie bloss auf Sizilien beschränkt an. Ich 
traf sie aucli in Lucanien und in der Basilicata an und hielt diese 
Standorte für neu. Aber schon Gussone gibt die Verbreitung dieser 
Species in der FI. sie, Synop. vol. II (1844) pag. 816 „a montibus 
prope Xeapolim usque in Calabriam et Siciliani'' an. Der Sprung bis 
Tirol wäre somit nicht mehr so gross. Vielleicht kommt die Art auch 
im nördlicheren Italien ohne Unterbrechung bis Tirol vor und ist 
bisher blos übersehen oder verwechselt worclen, wie so vieles Andere 
in Italien. 

Carex macrolepis DC. Diese prächtige Pflanze ist häufig in der 
obersten Region des Monte St. Angelo bei Castellamare. 

Eleuslne italica Terraciano = E. barcinonensis Costa in Will- 
komm et Lange Prodr. Fl. hisp. = E. tristachya (Lam.) Kunth de 
qua confer. cl. Ascherson in „Appendice pl. nov. vel minus cognitar. 
horti reg. bot. berol." 1871, p. 4 et 5. 

Trisetum myrianthum Pari. FI. ital. I. (1848—1850) — Tris. 
myrianthum C A. Meyer in Indice nono sem. hört. Petropolit. 1843. 

Budapest, am 15. Juni 1875. 



Die Vegelations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens. 

Von A. Kerner. 
LXXIX. 

Atriplex ohlongifoUum W. K. — Wurde von allen neueren Floristen als 
identisch mit A. tatarku-n L. betrachtet. In dem „Appendix, ad indic. semin. 
hört. Berol. anno iHli collectorum", der von mir leider früher übersehen wurde, 
weist aber Ascherson nach, dass Linne unter Ä. tatarkum Sp. pl. ed. 1. 



252 

pag. 1053 die durch Gmelin aus dem südlichen Russland erhaltene und ira 
Garten zu Upsala kultivirte Atriplex-Ari verstanden hat, welche alle neueren 
Floristen „^. lacinlatum L." bezeichnen. — A. laciniatum Linne Sp. pl. ed. I. 
p. 1053 (excl syn. Fl. suec.) ist dagegen nach Ascherson jene Pflanze, welche 
Woods in Babingt. Man. of brit. bot. ed. III, p. 271 als Ä. arenarium be- 
schreibt, und welche auf das Küstengebiet des westlichen Europas beschränkt, 
in dem hier behandelten Florengebiete nicht vorkommt. 

Nach Ascherson ist auch das im Linne'schen Herbar unter dem Na- 
men Ä. laciniatum liegende Exemplar = A. arenarium Woods und das 
ebendort unter dem Namen A. tataricum liegende Exemplar = A. laciniatum 
aller neueren Floristen. Dem widerspricht zwar Du Mortier im Bull. soc. bot. 
Franc. 1873 sess. extraord. p. XIII — XVI und behauptet, dass A. laciniatum 
des Linne'schen Herbars mit A. laciniatum Koch und der neueren Floristen 
identisch sei. Mir scheint jedoch Ascherson's auf Linne's Schriften begrün- 
dete Auseinandersetzung so überzeugend, dass ich mich jetzt auch für die von 
ihm vorgeschlagene Nomenklatur der betreffenden Arten entscheide und zwar 
selbst dann, wenn A. laciniatum des Linne'schen Herbars mit A. laciniatum 
der neueren Floristen eine und dieselbe Pflanze sein sollte, da nach meiner 
viuffassung in solchen Fragen die von einem Autor publizirten Angaben weit 
mehr Berücksichtigung verdienen als Herbarexemplare, bei welchen ja Ver- 
wechslungen so vielfach vorkommen können und auch thatsächlich vorge- 
konmien sind. 

Demnach wäre in der vorangehenden Aufzählung der in dem Gebiete 
des mittl. und östl. Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens vorkommenden 
Atriplex-Arlen der Name „vi. tataricuiu L." in A. oblonyifolium W. K. umzu- 
ändern und an die Stelle des Namens „^. laciniatum L." der Name A. tatari- 
cum L. zu setzen. 

1454. Polygonum Bistorta L. — Auf feuchten grasigen Plätzen. 
Im Gebiete sehr selten und von mir nur an einer einzigen Stelle am 
siidliclien Abhänge des Vervul Biharii im Rezbanyaerzuge des Biha- 
riagebirges beobachtet. — Schiefer. 1300—1400 Met. 

1455. Polygonum amphiblum L. — In stehenden Gewässern und 
auf schlammigem Boden am Ufer austrocknender Teiche und Lachen. 
Im mütelungar. Berglande im Szepasszonyvölgy bei Erlau; im Strom- 
gelände der Donau bei Muzsia, Nana, Pärkany, Waitzen, Pest und 
Ujfalü auf der Csepelinsel; in der Stuhlweissenburger Niederung im 
Velenczer See; auf der Kecskem. Landhölie bei Alberti im Tapioge- 
biete und bei Tö Almas; im Stromgelände der Theiss von T. Föld- 
vär über Szolnok nach Szegedin; am Saume des Biliariagebirges bei 
Grossvvardein. — Alluv. Lehm- und Sandboden. 75 — ^130 Meter. 

145ß. Polygonum lopafhifolimii L. — (P. nodosnm Pers. und 
der meisten neueren Autoren.) - — An den Ufern stehender und lang- 
sam fliesscnder Gewässer. In der Matra bei Parad; im Stromgeländc 
der Donau bei Nana, Gran, Set. Andfae, Waitzen, Ofen, Pest, Aba im 
Slulilweisseiiburger Komitale; sehr verbreitet und stellenweise ausge- 
dehnte Bestände l)ildend im Stromgeläiide der Theiss bei T. Füred, 
Szolnok und Szegedin. Im Tliale der weissen Koros bei Buteni. — 
Alluv, Lelim- und Sandboden. 75 — 130 Meter. 

Es lassen sich in dem hier behandelten Florengebiete aus der 
Gruppe Persicaria, von jenen Arten, deren Tuten nur kurz gewim- 
pert nicht aber mit langen granenartigen Borsten bescizt sind und 
deren Geschnmck nicht pfederarlig ist, drei Arten unterscheiden. 



253 

1. Die erste zeigt einen ans kniefiM'niig gc!)Ogener Basis aul- 
reclileii, vicliistigen Stengel, an dem nnteren Ende venlici\le, nach 
oben zu konisch verschmälerte Internodien, \erliingerte lanzeltlichc, 
lang zugespitzte Blätter, welche niemals wollig oder spinnwehenarlig 
hekieidet, wohl aber am Bande und an den nnterscils vorspringenden 
Nerven mit anliegeiuh'n kurzen (hcklichcn Trichomen bes(!tzl sind, 
sclilanke nach oben versclimiderte und mit der Spitze gewohnlicii 
etwas nickende rispig zusanniiengestellte Aeliren, 2""" lange Peri- 
gone, deren Zipfel am Schlüsse der Anthese die Früchtchen als eine 
eikejffelförnHge dünnhäutige Hülle ganz umschliessen, und die in die- 
sem vertrockneten Zustande nur am Rande mit schlingenformigen 
vorspringenden Nervenanastomosen geschmückt sind. Die von diesen 
Nervenschlingen umrandeten Felder der Perigonblhtter sind glatt und 
drüsenlos. Die Staubgefässe erscheinen in der offenen Blüthe fast so 
lang als das Feriijon. Die Früchte sind glänzend schwarzbraun, kreis- 
rund, in ein kurzes S[titzchen zusammengezogen, von zwei Seiten 
her zusammengedrückt und an diesen beiden Seiten etwas konkav; 
ihr längster Durchmesser beträgt S"^"". 

2. Die zweite zeigt einen aus knieformig gebogener Basis 
aufrechten, wenig ästigen Stengel, fast zylindrische Internodien, läng- 
liche oder länglich-lanzettliche spitze Blätter, von denen alle oder 
doch die unteren mit einem bald sehr lockeren, bald dicht aufgetra- 
genen grauen oder weisslichen, wolligen, häufig auch spinnwebartigen 
Ueberzugc an der unteren Fläche versehen sind, kurze, dicke, ge- 
drängtblüthige, nach oben nicht verschmälerte und niemals nickende, 
in den Blattachseln und an den Enden kurzer Aeste paarweise grup- 
pirte Aehren, 3°"^ lange Perigone, deren Zipfel am Schlüsse der 
Anthese die Früchtchen als eine eiförmige, vertrocknende Hülle um- 
schliessen, und die in diesem vertrockneten Zustande mit kräftigen, 
strahlenförmig verlaufenden und gegen den Rand zu sich schlingen- 
f()rmig verbindenden Nerven durchzogen sind. Die von diesen vor- 
springenden Nerven eingerahmten Felder der Perigonblätter sind mit 
Drüsen besetzt. Die Staubgefässe erscheinen in der offenen Blüthe so 
lang als das Perigon. Die Früchte stimmen in Zuschnitt, Farbe und 
Glanz mit jenen der vorhergehenden Art überein, sind aber konstant 
kleiner und zeigen einen längsten Durchmesser von 2""". 

'3. Die dritte zeigt einen auf den Boden hingestreckten nur 
mit den Astspitzen aufsteigenden vielfach verzweigten Stengel, an der 
Basis schwach verdickte Internodien, nnidlich-eifurmige oder eiför- 
mige, stuniijOiche oder in ein kurzes Spitzchen zusanunengezogene 
Blätter, von denen alle oder doch die unteren mit einem Itald locke- 
ren, bald dicht aufgetragenen grauen oder weisslichen wolligen, häufig 
auch spinnwebartigen Ueberzuge an der unteren Seite versehen sind, 
schmale, zwar nicht unterbrochene, aber doch ziemlich lockere, nach 
oben verschmälerte und mit der Spitze gewöhnlich etwas nickende, 
rispig zusammengeslellle Aehren, 2°"" lange Perigone, deren Zipfel 
am Scldusse der Anthese die Früchtchen als eine kugelige Hülle 
umschliessen. und die in diesem vertrockneten Zustande mit sehr 



254 

zarten, kaum vorspringenden, am Rande bogenförmig anastomosiren- 
den Nerven durchzogen sind. Die Perigone sind glatt, drüsenlos. Die 
Staubgefüsse erscheinen in der offenen Blüthe so lang als das Peri- 
gon; die Früchtchen, welche über das kugelige vertrocknete Perigon 
etwas vorragen, stimmen in Zuschnitt, Farbe und Glanz mit jenen der 
zwei vorhergehenden Arten überein und zeigen einen lang.'-ten Durch- 
messer von 2 •5"'". 

Die Blatter der ersten Art sind sehr selten, — jene der zwei- 
ten in der Regel, — jene der drillen immer mit einem dunklen 
Flecken in der Mitte der Biallflachen geziert. 

Die dritte der hier beschriebenen Arten, im östlichen Europa, 
zumal im Ufergelande der Donau in Niederösterreich und Ungarn 
verbreitet, scheint dem westlichen Gebiete ganz zu fehlen und wird 
von mir nachfolgend als P. damibiale aufgelührt werden, die zweite 
Art wird von den meisten skandinavischen, deutschen und französischen 
Botanikern für das echte P. lapathifolmm Linne gehalten; die erste 
Art aber als P. nodosum Pers. [bald als Art, bald als Varietät] von 
ebendenselben aufgeführt. — Es liisst sich aber leicht nachweisen, 
dass Linne unter P. lapathifolium jenes Polygonum verstanden hat, 
welches jetzt fast alle neueren Floristen P. nodosum Pers. nennen. 
— Linne hat sein P. lapathifolium auf ^Persicaria major lapathi- 
folio calyce floris purpureo" Tournef. Inst. 510 gegründet, gil)t 
dasselbe „in Gallia" an und zitirt in Spec. pl. ed. JI, 517 Lobelius' 
Abbildung der Persicaria Hydropiper. — Diese Abbildung, welche 
Lob. von Persicaria Hydropiper gibt, stellt aber eine mächtige, auf- 
rechte, vielüstige Pflanze dar, deren Internodien am unteren Ende 
stark verdickt und gegen das obere Ende konisch verschmälert sind, 
deren Blätter lanzetllich lang zugespitzt erscheinen, deren rispenför- 
mig gruppirte Aehren an der Spitze etwas nickend sind; mit einem 
Worte nicht das P. lapathifolium der neueren Autoren, sondern jene 
Pflanze, welche sich in den meisten Floren als P. nodosum Pers. 
(bald als Art, bald als Varietät) aufgeführt findet. — Diese Pflanze 
hat daher mit Fug und Recht den Namen P. lapathifolium L. zu 
führen und ist diesem Namen P. nodosum als Syn. beizufügen. 

Was nun aber jene Pflanze anbelangt, welche oben als zweite 
beschrieben wurde, und die von den Autoren bisher immer für P. 
lapathifolium L. gehalten wurde, so ist diese nichts anderes, als P. 
Persicaria y. (Persicaria foliis subtus tomentosis Hall. helv. 181) 
Linne Sp. pl. ed. 11, p. 518. — Linne hat diese von Hall er be- 
schriebene Pflanze unrichtig zu seinem P. Persicaria gestellt*), wie 



*) Hall er beschreibt die Pflanze „foliis ovalo-lanceolatis, subtus tomen- 
tosis, spicis ovatis, vaginis cihatis." Diese letzte Angabe veranlasste Linne, die 
Haller'sche Pflanze zu seinem P. Persicaria zu setzen. Die Tuten sind nun 
allerdings mit kurzen zarten Wimperlui.iren besetzt, wie diess ja auch an dem 
echten P. Lapathifolium L. [P. nodosum auct.) der Fall ist, aber dieselben 
sind nicht mit langen granenartigen Borsten versehen, wie jene des P. Persi- 
caria L., und Haller's Pflanze gehört daher auch nicht zu P. Persicaria L., 
sondern ist naturgemass an P. lapathifolium L. anzureihen. 



255 

das ja langst von Kucli orkaiinl wurde, welcher daruin auch granz 
richtig „P. Persicaria y. L." zu seinem P. lapalhif'oiium ß. incanum 
zilirt. Schrank lial dieselhe rilanze in der Bair. Flora 1, (iOl), als 
P. tomentosum beschrieben, und dieser iVame empfiehlt siidi aucii als 
der älteste Artname (er dalirt aus dem Jalire 1787) für dieses Poly- 
gnnuni, wenn er vielleiclit auch niclit gerade ganz z.utreflend ist, da 
die wollige Bekleidung der unleren Blattseite an den h()lier stehenden 
Blattern häufig ganz iehlt und auch an den tiefer stehenden Blättern 
oft so dünn aufgetragen ist, dass deren Unterseite nur mit spinnweb- 
arligen Haaren übersponnen erscheint. 

Es ergibt sich demnach für die oben beschriebenen drei Poly- 
gonum-Ar\cn folgende Nomenklatur: 

1. P. lapalhifoUum Linne (Syn. P. nodosum Pers. und der 
meisten Autoren). 

2. P. tomentosum Schrank (Syn. P. Persicaria y. L. — P. 
lapathifolmm der meisten Autoren, aber nicht Linne). 

3. P. daniibiale. 

1457. Poli/gomim tomentosum Schrank. — Auf schlammigen, 
austrocknenden Stellen in Gräben und am Rande von Lachen. Im 
(Gebiete selten. Von Tau seh er auf der P. Sinatelep bei Ercsi ge- 
sammelt und mir von dort in zahlreiclien Exemplaren mitgetheilt. — 
Alluv. Sandboden. 100 Meter. — (Im nordwestlichen Europa sehr 
verbreitet; auch am Rheine häufig. Schrank gibt P. tomentosum 
a. a. 0. auch „am Rheine" an. In den Alpenthälern in der Schweiz 
und in Tirol gleichfalls verbreitet. Auch aus dem Himalaja liegen mir 
auf Feldern bei Kyelang gesammelte Exemplare vor.) 

1458. Pohjgonum danuhiale. — Am Ufer der Donau bei Waitzen, 
Set. Andrae, Keupest, Ofen; am letztgenannten Orte insbesonders an 
dem Ausflusse der warmen Ouellen des Blocksbades und Bruckbades. 
— Alluv. Sand. 100 xMet. 

1459. Polygmium Persicaria L. — In austrocknenden Sümpfen, 
am Ufer stehender und fliessender Gewässer, in Strassengräben und 
auf feuchten Aeckern. Parad, Waitzen, Set. Andrae, Ofen, Margare- 
Iheninsel, Pest, Soroksar, Monor, Pills, Szolnok, Kisujszälläs, Gross- 
wardein, Vasköh, Rieni, Rezbänya, Vatia, Buteni. — Alluv. Sand- und 
sandiger Lehmboden. 75 — 460 Metei-. 

1460. Polygonum mite Schrank (1787 )'"'■) (P. laxiflorum Weihe 
[1826]) — An ähnlichen Standorten wie die vorhergehende Art, aber 
in dem hier behandelten Gebiete weit seltener als jenes und bisher, 
nur im miltelung. Berglande beobachtet. Bei Paräd, Näna, Kohid- 
Gyarmat und Ofen. — Alluv. Sand- und sandiger Lehmboden. 130 — 
400 Meter. 

1461. Polygonum minus Huds. — In Sümpfen, Gräben, an 
Ufern und an Strassenrändern. Im Thale Köszörüpatak bei Paräd in 

*) Schrank's Name ist älter als der gleichlautende Name Persoon's, 
und da sich der erstere unzweifelliaft auf jene Pflanze bezieht, welche Weihe 
J826 P. laxiflorum genannt hat, so ist nicht einzusehen, warum manche Flo- 
risten noch immer den Weihe'schen Namen voransetzen. 



256 

der Matra, l)ei Näiia, Waitzon, Gran, Ofen, auf der Marüar(;tlien- und 
Csepelinsel, hei l'ijsl, im Ecsedi Läp, dann beiVaslvöh, Rioni und Pelrosa 
im Biliariagebirgc. Der liöclistgeleg-ene im Gebiete beobachtete Standort 
bei der Schmelz im Poienathale in der Nidie vonPetrosa. — Sienit, Tra- 
chyt, diluv. und alluv. Lehm- und sandiger Lehmboden. 95 — 520 Met. 

1462. Poiygonum Hi/dropiper L. — An gleichen Standorten 
wie die vorhergehende Art. Bei Paräd und in Gräben am Fusse des 
Nagy Lipöt bei Bodony ni der Matra; bei Set. Andrae und Ofen; bei 
Pest; am Theissufer bei Szolnok; bei Grosswardein, Vasköh, Criscioru, 
Kieni, Buteni und bei Slatina im Bereiche des Bihariagebirges; an 
dem letztgenannten in der Hegyesgruppe gelegenen Standorte , an 
sumpfigen Stellen im Buclienwalde. — Seliiefer, Trachyt, tert. diluv. 
und alluv. Lehm- und Sandboden. 80 — 500 Meter. 

1463. Poiygonum aviculcü'e L. — An Wegen, Ufern, Dämmen, 
auf bebautem Lande und auf Viehweiden. — Erlau, Parad, Gyöngyös, 
Waitzen, Näna, Gran, Visegrad, Set. Andrae, Ofen, Promontor, Stuhl- 
weissenburg, Csepelinsel, Pest, Gödollö, Soroksar, Ecser, Monor, Pilis, 
Tapio Bicske, T. Füred, Szolnok, Szegedin Kisujszälläs, Grosswardein, 
Fenatia, Rezbanya. Der letztgenannte Standort der liöchstgelegene im 
Gebiete beobachtete. — Tert., diluv. und alluv. Lehm- und lehmiger 
Sandboden. 75 — 460 Met. — Scheut auch nicht das salzauswitterndc 
Erdreich. Massenhaft und förmliche Bestände bildend fand icli diese 
Art im Inundationsgebiete der Theiss auf ausgetrocknetem, Salze 
auswitternden Schlammboden. Sie ist dort oft auf weite Strecken fast 
die einzige Pflanze, welche sich auf dem austrocknenden, im Hoch- 
sommer in harte, dunkle Schollen zerspringenden Boden ansiedelt, 
und entlang der Zagyva, einem in die Theiss bei Szolnok mündenden 
Gewässer traf ich Strecken von 4 — 5 Joch Umfang, die nahezu aus- 
schliesslich mit P. amculare überzogen waren. — Auf sandigem von 
Grundwasser durchfeuchteten Boden in» Tieflando verlängern sich die 
Aeste oft seiir auffallend, die Blätter sind dann gewöhnlich lineal 
oder doch nahezu lineal und die ganze Pflanze sieht dem P. gramini- 
foliwn und liegenden Formen des P. Bellardl nicht unähnlich, unter- 
scheidet sich aber von beiden leicht durch die glanzlosen Friichtchen. 
Solche Exemjdare wurden von Schultes als P. ncglectum, von Jor- 
dan als P. hnmifusuiH beschrieben. 

1464. Pohjgonum Bellardi All. — Auf wüsten Plätzen, auf 
Schutt an alten Mauern, auch auf salzauswitternden sandigen Flächen 
und auf bebautem Lande. — Im mittelungar. Berglande in grösster 
Menge bei Ofen auf dem Blocksl)ergo und in der Umgebung des- 
selben bis zum Adlersberge und zu den Bittersalzquellen; auf der 
Cse|)elinsel bei Schilling und Csepele; im Stuhhveissenburger Conntate 
auf der P. Szinatelep und auf der Kcu'skem. Landhöhe bei Ullö. — Diluv. 
und alluv. Lehm- und lehmiger Sandboden. 00 — 250 Meter. 

1465. Poiygonum arenarmm W. K. — Auf wüsten Sandhügeln 
und Sandilächen. Im mittelungar. Berglande und im Donaulhaie bei 
Csenkc und Karva; in der Thalsenkung, welche von Gran über P. Csaba 
nach Ofen führt: bei Gran, Dorogh, Leanyvar, bei dem Höllenstein 



2-)? 

1111(1 iiul (lein SaiidlxTuc hei I*. ("saba, hei Soliiuir iiiid obcriialli der 
Allolciior Piilvcniiiililo; aiil der Cscpcliiiscl; auf der Kccskem. Land- 
liülie bei R. l'alola, Güd«dlö, IVsl, Soroksar, Moiior, Pills, P. Peszer 
liei Also Dabas, Na<(y Koros; in .lazyoieii und im Ta[)iogel)iote l)ei 
IS'auy Kala. Szf. Marlon Kala, Tapio Szellc, Fenyszrtru; auf der De- 
brei'ziiu'r Landliölie bei jVyir ßalor. — Terl., diluv. und aliuv. Sand. 
90—250 Meter. 



Die Jlitsci iicpatici der Piseker Waldungen. 

Gesammelt von Prof. Josef Dedecek. 

Obwohl ieli ihis Gebiet der Piseker ümirebuno- in Bezug auf die 
PhanerogannMi zieinheh vollkommen erforseht zu iial)en glaube und 
bei Gelegenheit aueh den Sporophyten Cim \yiiiter nur diesen) sowohl 
in der Natur als zu Hause eine unermüdliche Aufmerksand\cit gewid- 
met halle, muss ich bekennen, dass meinerseits den Sporophyten über- 
haupt mehr Sammel- und ßestimmungseifer zu Theil geworden als 
jeder einzelnen Familie im Besonderen. Daraus folgt das unzureichende 
Hesullal, dass ich die einzelnen Grup|)eii nicht gründlich erforscht, 
sondern von ihnen mir die häufigsten und auffcillendslen Repräsentanten 
gesammeil und bes'immt habe. 

Trotzdem, dass ich früher die Hepaticae mit Ausnahme etwa 
dreier Spccies gar nicht gekannt, habe ich es mit Hülfe der Museum- 
Sammlungen und würdiger Literatur doch dahingebracht, dass derzeit 
meine Samndung der Musci hepatici ganz gut beslimmt ist und, aus 
der Piseker Gegend entslammend, 22 Galtungen mit 33 Arten und 
einigen Varietäten aufweisen kann. Das gesammelle Materiale enliiäll : 
liiccia ßuifans Linn. Die typische Form lindet man da massenhaft in 
sielienden Gewässern, liesonders am Rande der Teiche und in 
denselben fast überall. Die Varietas ß. /?. canaliculata Lindbg. 
fand ich nur ol)erhalb Smrkovic in austrocknenden, vom Walde 
mit Wasser befeuchteten Feldgräbeu. — Die Grundform wurde 
auch bei B. Fellern nächst Budweis (1874) im Bahngraben ge- 
sammelt. 

— naians L. fand uA\ nur im grossen Teich naclist der Piseker 
BaluLslation, dann bei derselben und Uer Stalion Frauenberg bei 
Budweis, auch massenhaft am Wasser schwimmend. 

— glauca L. an feuchtem Erdreich an der Otava-Lehne unterhalb 
Pazderna, und im gemauerten Graben gegen Vodäk zu. — Bei 
Ciilomek (Turnau) ward sie in gewählten Stücken auf einem Sand- 
felde gesammelt (1873). 

Reboulia hcmispluicrica Raddi erschien in grossen ausgebreiteten Rasen 
an der feucliten Otava-Lehne bei Pazderna, kenntlich an ihre 
grösseren au dem umgerollten Rande purpiirrolhen Frons. 



2j8 

Fegatella conica Ci)r(la in frischen, fruchlüutlen Rasen in den Walil- 

scliluchten gegen Vrcovic; ferner bei Klingenburg. — Ebenfalls 

fruchtend am Waldpfade zur Wasserleitung inSichrov (Nordböhmen). 

Marchantia pohjmorpha L. findet man (il)erall bei Quellen, Brunnen 

und Bächlein. 
Metz-geria furcata Nees. v. Ess. Dieses leicht kenntliche, gewöhnlich 
gabelig verästelte Lebermoos finden wir fast überall, aber nur 
in Wäldern oder Feldhecken. Die Foimen aber, in denen es sich 
präsentirt, dann die Farbe und die Dimension der Lappen pflegen 
zu sein und sind auch an meinen gUicklich gesammelten Exem- 
plaren so mannigfaltig, dabei aber so konstant und in die Augen 
fallend, dass ich gezwungen war, ihnen eine intensivere Auf- 
merksamkeit zu schenken. Und diese war nicht resultatlos. V. 
Essenbeck stellt in seiner „Naturgeschichte der europäisciien 
Lebermoose" sechs Varietäten der Metzgeria furcata auf und zwar : 
a. extensa, die nur den wärmeren Zonen eigen ist; 
ß. communis, blassgelblich-grün: 

y. opuntia, sattgrün, am Ende der Abschnitte (eigentlich unter 
der Ausbuchtung) Sprossen treibend und am Rande nur an 
manchen Stellen gewimpert; 
S. gemmifera, dunkelgrün oder azurblau, mit smaragdgrünen 
Knöspchen am Ende der Lappen. Diese sind borstenförmig 
verdünnt ; 
s. prolifera, gelbgrün, mit zahlreichen am Rande der Frons oder 
von der Miltelrippe ausgehenden blattartigen Blättchen etc.; 
und endlich 
^ Ulvula, mit mit blossem Auge kaum erkennbaren Stämmchen. 
Von diesen sechs Varietäten sammelte ich die vier sub ß — s 
aufgezeichneten, theils an Baumstämmen und Strünken, theils auf der 
Erde unter anderen Moosen. Zur leichteren Erkennung dieser Species 
ist ihr gewöhnlich dicht-rasenförmiges Auftreten von grossem Belange. 
Nach meinen Exemplaren geschlossen erscheinen aber diese vier 
Varietäten nicht ganz deutlich von einander isolirt und nicht ohne einige 
Mittel- als Verbindungsformen. Nur die var. ß. communis erwies sich 
als deutlich begrenzt; die drei übrigen aber, obwohl an den von 
Essenbeck aufgestellten Merkmalen leicht erkennbar, boten dem Be- 
obachter ganz deutliche und zuverlässige Uebergangsmerkmale, auf 
deren Grunde sie nicht als selbstständige, reine, sondern eben durch 
die sie oben ausprägenden Kennzeichen in eine Kette verbundene 
Formen oder wohl als Varietäten zweiten Ranges erscheinen. 

So hat eine Form der Varietät opuntia, die also nur stellenweise 
am Rande bewimpert war, auch selbst an der unteren Fläche der 
Frons ziemlich zahlreiche Wimpern getragen. Dabei hatte sie stumpf 
abgerundete, eher breitere als verschmälerte Enden der Lacinien und 
entwickelte unter deren Spitze Sprossen, die ganz die Form der 
Seitenäste erhielten und nach kürzerem Verlaufe wieder Endsprossungen 
entwickelten. Bei allen diesen Merkmalen war aber die Frons am 
Rande geschweift und ganz deutlich wellig, immer aber von gelbgrüner 



259 

Farbe. Nun ist aber die wellige Kroris und ihre mil Wimpern be- 
setzte Flüche der Essenbeclv'schen opunlia ganz freiinl, aber wieder 
der il/. p«/öesceHS Raddi eigentbtimlicb und für sie eben charakteristisch, 
obwohl dieselbe auch an der oberen Flache und sehr zahlreiches 
Wiiniierkleid trägt, so dass sie schon mit blossem Auge wie sammf- 
arlig erscheint. — Kurz gesagt: ein Rasen meiner var. opunfia trügt 
aui'li deutliche Cliaraktere der M. pubescens Raddi. 

Ferner findet man wieder an der var. gemmifera zugespitzte 
oft borstenförmige Lacinien, die manchmal auch dreilappig sind. Mit 
Ausnahme des Randes erschien aber selbst die Unterflache des Laubes 
und zwar nur spärlich bewimpert (wenn man wie oben die Wimpern 
der Millelrippe nicht berücksichtigt). Immer erschien sie aber azur- 
blaulich gefärbt und trug am Lacinienende azurblaue Knospen, die 
sie besonders charakterisiren. — Auch diese Form trägt also zeitweise 
einige gewicliligen Merkmale der Art M. puhescens. In Anbetracht 
dieses doppelten Falles, nämlich: dass die M. fiircata var. opuntia 
manchmal einige der Artencharaktere von M. puhescens an sich hat 
und dass auch die andere var., nämlich M. furcata gemmifera^ nicht 
ohne jeglichen Uebergang zu anderen Formen dieser Gattung zu 
erscheinen pflegt, fühlt man sich gezwungen, die M. puhescens Raddi 
enger an die M. furcata anzuschliessen, was N. v. Essenbeck 
wold gemaciit hätte, wären ihm solche Uebergangs- oder eigentlich 
Verbindungsformen zu Gesicht gekommen. Er sagt nämlich in seiner 
,.Naturgeschichte der europ. Lebermoose", S. 506: „Die Metz-geria 
puhescens hat so viel Eigenthümliches, dass ich sie nicht für eine 
Spielart der M. furcata halten kann, umsoweniger, weil sich nirgends 
ein zuverlässiges Mittelglied der Verbindung findet, auch ist ihre Be- 
kleidung ganz eigenthümlich und ihr Zellgew^ebe verschieden." 

Bei weiterer Betrachtung der M. furcata gemmifera ergab sich, 
dass sie ihre Frons auch durch Sprossen, die von der Bauchseile der 
Mittelrippe entspringen, verästeln kann. Diese Sprossen erlangen die 
Form des Laubes und verästeln sich gabelästig. Eben durch diese 
Sprossen verbindet sich diese Varietät mit der var. prolifera, die 
ausserdem no(;h aus dem Laubrande sehr zahlreiche unter einander 
verschieden alte, also auch verschieden gestaltete blaltartige Sprossen 
en'iwickell, was ihrem Varietäts-Charakter eben eigen ist. 

Die var. cowmMms sammelte ich auf Waldboden in selbstständigen 
oder mil anderen Moosen verworrenen Rasen. 

Die var. opunfia, die typische wurde in einer beschatteten Wald- 
schlucht gesammelt und die Uebergangsform (?) zur M. puhescens 
mit jSeckera an einem Buchenstamme. 

Die var. gemmifera an Fichten und Tannen, aber auch auf 
dumpfen Stellen auf der Erde. 

Die var. prolifera war die häufigste als Ueberzug der Wurzeln, 
Strünke und Stämme besonders in kreisrunden Raschen sowohl im 
Walde als in Feldhecken. Es ist diess die feinste und verworrenste 
der angeführten Varietäten. 



260 

Aneura pinguis Dumort. Im Uaclic bei den allen Bädern. 

B/asia pusilla Michel, wächst in prächtigen Stücken am sandigen 
Otavaufer hinter der milit. Schwimmschule. Es ist diess die B. 
p. Hookeri mit zahlreichen Knospenschläuchen sowie Keimkörner- 
luiOtchen an der breitlappigen Frons. 

Pellia eplphylla N. v. E. massenhaft auftretend in einem Waldgraben 
(hinter Martinek) sowohl mit ausgebreiteten als aufrechten Lappen, 
unter denen beiden die var. crispa und undulata zu erkennen 
sind. — Auch bei ßudweis sammelte ich eine Form im Wiesen- 
graben. 

Lejeuuia serpyllifolia Libert. in einer Felsenhöhle im Hradister Wald 
mit Metzgeria. 

FruHania dilatataN. v. E. eines der verbreitetsien Lebermoose dieser 
Gegend, fast iiberall fruchtend angetroffen und zwar an Baum- 
stämmen der Wälder jeder Art, an Feldhecken sowie auch an 
Felsen. Die Polster erscheinen verschieden gefärbt , g-ewohnlich 
aber bräunlich, al)er auch ganz dunkelbraun ins schwärzliche und 
glanzlos. Letztere Form wurde an dumpfen Felsen gesammelt. 
Unter den Exemplaren erschien oft die ^ar. microphylla. 

— tamarisci N. E. wird nicht nur am Waldboden angetroffen, was 
Dr. Rabenhorst als Unterschied dieser von der vorigen Art in 
seiner Kryptogamen-Flora angibt, sondern auch an Felsen, die 
ganz frei am Otavaufer unterhalb Pisek emporsteigen. Wie im 
Hradister Walde zwischen Moosen, so auch an jenen Felsen waren 
die Exemplare prächtig an Wuchs und Ausbreitung. 

Madotheca platiphylla N. v. E. bildet an dumpfen Felsschluchten 
dichte und ausgedehnte lockere Rasen, obwohl sie dort (Kravihora, 
Hrad. Wald), in einem grösseren Reviere nicht doch so häufig 
vorkommt, wie z. B. bei S. Prokop nächst Prag in einem kleineren 
Gehege. Es ist die var. communis. 

— ricularis N. v. E. wurde nur einmal im Hradister Walde an öfters 
mit Wasser berieselten Granitfelsen gesammelt und in der Samm- 
lung der Frullania beigemischt. 

Radula complanata Dumort. ist ein treuer Gefährte der Frullania 
dilatata in Wäldern und Feldhecken die Baumrinde (besonders 
der Buchen) überziehend. Fruchtende und mit zahlreichen Keim- 
körnern am Blattrande besetzte Stücke waren nicht selten. 

Ptilidium ciliare N. v, E findet man zerstreut vor, besonders in 
trockenen Nadelwäldern der Fürst Lobkovic'schen und Piseker 
Wälder. In diesen fand ich (Hradiste, Hurky) die kleinere Form 
mit dem Stengel angedrückten Blättern und längeren Wimpern 
an engeren Lacinien, nämlich die var. Wallrothiana. In den 
Lobkovic'schen Wäldern die breitlappige und kürzer bewimperte 
var. speciüsa. 

Lcpidoüa reptans N. v. E. häufig mehr in schaltigen feuchten als an 
sonnigen trockenen Lokalitäten, so im Hradister Wald mit Pla- 
f/iochita, Jung, trichophylla und Lophocolea bidentata, besonders 
am Grunde aber auch an Aeslen der Stämme. Bei S. Venzel 



2fn 

wurde sie mit Lophoc. minor erosa angetroffen und zwar an einem 
Feldraine. — Die Blütter pdegen 1, 2, 3 bis 4zälinig zu sein. 

Calypogeia tricliomanis Corda wurde da seltener beobachtet. Einige 
Exemplare enistaminen von modernden Baumstrünken des Reviers 
Hurky, und ein Riischen vom Hradisler Walde, wo er an Lelim- 
"•rund gesammelt wurde. 

Lophocolea hidentata N. v. E. eines der häufigsten Moose, in lockeren 
Uasen zwischen Gras und anderen Moosen sowohl an Rainen als 
auch in Wiildern vorkomuiend. — Die Blattlappen pdegen kon- 
als divergirend zu sein, und die Bucht an der Blattfläche weiter 
oder enger, tiefer oder seichter. 

— minor, erosa N. v E. mit in Keimkörner zerfallenden Blattchen, 
deren beide Zahnchen dadurch stumpf und ungleich werden, 
wurde im Walde bei Hradist mit anderen Moosen an der Erde 
gesammelt. 

Liochlaena lanceolata N. v. E. An einer Mühlrinne am Otavaflusse 
in auswählbaren Stücken. 

— acuta Lindbg. aggregata in ziemlich ausgebreiteten selbststiindigen 
Polstern im Hradister Walde an Humusboden. 

Sphanoecetis communis N. v. E. vereinzelt an einer feuchten Feld- 
hecke bei den Klosterteichen. 

Jungermannia frichophylla Linn.: auch wieder eine der fast überall 
waclisenden Arten, die durch ihre Feinheit, durch die lockeren 
manchmal braunen Raschen leicht sich charakterisiren. Man fand 
sie an Rainen wie in Wäldern an Baumwurzeln mit Perianthien. 
Ebenso verbreitet ist die 

— intermedia Lindbg. Besonders an trockenen Feldrainen mit zahl- 
reichen Perianthien und Früchten. 

— divaricata Engl. Bot. kommt in deren Gesellschaft aber auch 
häufiger in Wäldern (Hradiste, Strakonitzer Strasse) vor. 

— barbata N. v. E. Den weitgreifenden Formenkreis dieser Essen- 
beck'schen Art hatte ich an meinem reichlichen Materiale noch 
nicht beobachten können, für die Zukunft es vorbehaltend. Diese 
Art ist eine der häufigsten Erscheinungen aus dem Moosreiche 
so an Feldrainen, als in Wäldern, wie in grünen als in bräun- 
lichen straffen Exemplaren. 

Scapania undulata N. v. E. auch gemein an Waldgräben, Schluchten, 
besonders an Lehmgrund, in Feldhecken u. s. w. 

Plagiochila asplenioides N. v. E. besonders in Wäldern an Terrassen, 
aber auch an bemoosten Rainen in grösseren und niedrigen Va- 
rietäten. 

— interrupta N. v. E. unter der vorigen zwischen Gras am Otavaufer. 
Alicularia scalaris, repanda Hüben, in Gesellschaft der Bartramia 

pomiformis an Lehm- und theilweise verwittertem sandigem 

Granitboden in den Wäldern ffegen Vrcovic. 
Das sind mit sehr geringen Ausnahmen alle Lebermoose, die ich 
von der Piseker Gegend besitze und bestimmen konnte. Die Veröf- 
fentlichung dieses in unserer Krone so vernachlässiffteu Gebietes der 

Ocsterr. botan. Zeitschrift. 8. Heft. 1876 20 



262 

Botanik soll aber hauptsächlich unter unseren Akademikern die Liebe 
und das Feuer zu diesen niederen Pflanzenformen anfachen und zum 
fleissigen Sammeln und Beobachten anregen. 



Bemerkungen zu dem Prodromus Florae hispanicae. 

Yon R. V. Uechtritz. 

Prodromus Florae hispanicae seu Synopsis methodica omnium plan- 
tarum inHispania sponte nascentium vel frequentius cultarum, 
quae innotuerunt auctoribus Mauritio Willkomm et Joanni 
Lange. Vol. III, pars I. Stuttgart, E. Schweizerbart (E. Koch) 1874. 

Ein Jeder, der sich für europäische Pflanzenkunde interessirt, 
Avird das Erscheinen einer neuen Lieferung des oben genannten 
Werkes ohne Frage als ein freudiges Ereigniss begrüssen; ganz 
besonders aber gilt diess für diejenigen, die, wie speziell Ref. seit 
längerer Zeit durch andauernde, fast tägliche Benützung der bisher 
erschienenen zwei Bände, den Werth und die Bedeutung des Buches 
in der Praxis zur Genüge kennen gelernt haben. — Die neueste 
Lieferung beginnt mit einer sehr sorgfältigen, mehrfach Originelles 
bietenden Bearbeitung der Umbelliferen aus der Feder Lange's, 
bei welcher der Hauptsache nach der von Moris in der Flora sardoa 
zu Grunde gelegten Eintheilung der Vorzug gegeben ist. Von dem- 
selben Gelehrten sind ausserdcjm die Onagrarieen und Halorrha- 
geen bearbeitet; die Lytrarieen haben einen jüngeren dänischen 
Botaniker, Kiaerskou""'), zum Verfasser. Die übrigen Familien (Ara- 
liaceen, Corneen, Saxifrageen, Ribesieen, Cacteen, Ficoi- 
deen, Crassulaceen, Paronychieen, Mollugineen, Portula- 
ceen, Myrtaceen, Granateen, Pomaceen, Sanguisorbeen) 
sind Willkomm's Werk, ebenso die Rosaceen mit Ausschluss der 
von Crepin bearbeiteten Gattung Rosa selbst. — Die Einrichtung des 
Buches setzt Ref. als bekannt voraus und will nur bemerken, dass 
die im Allgemeinen sehr ausführlich und gewissenhaft behandelten 
Beschreibungen der Species mitunter gegen einander etwas verglei- 
chender gehalten sein könnten. Namentlich würde empfehlenswerth 
gewesen sein, die wesentlichen Charaktere durch fettere Schrift her- 
vorzuheben, wodurch beim Gebrauche viel Zeit erspart werden konnte, 
namentlich bei Gattungen, denen ein analytischer Schlüssel nicht voran- 
geschickt ist. Ebenso wäre nach Ansicht des Ref. der Redaktion der 
Angaben über die Gesammtverbreitung der einzelnen Spezies, welche 
eine sehr werthvolle und nachahinungswerthe Beigabe des Werkes 
bilden, im Allgemeinen eine etwas grössere Sorgfalt zu wünschen, 
da die betrefFenden Notizen öfter dem jetzigen Standpunkte der Flo- 

*) So, nicht Knerskon, wie im Prodromus selbst gedruckt ist, lautet nach 
der Berichtigung von Prof. Ascherson der Name. 



2r.3 

rislik nicht immer ganz enlspreclien, iiuleiii zuweilen verallele Ouellen 
benutzt, neuere und verlässlicliere al)er unberücksichtigt geblieben 
sind. Freilich liisst sich nicht verhehlen, dass sich gerade in dieser 
Hinsicht dem Streben nach Vollständigkeit grosse Schwierigkeiten 
bieten, und dass bei der grossen Masse des überall zerstreuten Ma- 
terials eine ganz spezielle Liebhaberei dazu gehört, um vollkommen 
auf dem Niveau des in dieser Hinsicht Wissonswürdigen zu bleiben. 
Aber eine etwas grössere Vertrautheit mit den wichtigeren Erschei- 
nungen speziell der deutschen Florenliteratur (z. B. Garcke!) wäre 
wenigstens Prof. Willkomm zu empfehlen! 

Bei der Besprechung einiger ihm gelegentlich aufgefallenen De- 
tails verweist Ref. zur Vermeidung von Wiederholungen im Allge- 
meinen auf die Recension Prof. Ascherson's (Bot. Zig. 1874, Nr. 37, 
pag. 589 — 592), in weh^her Irrthümer, wie bei der in der nord- 
deutschen Ebene gemeinen Spergula ■cernalis W. iSp. Morisonü Bu- 
reau), in welcher Willkomm eine alpine Varietät der iS. pewfawf/r« L. 
vermuthet, oder bei der spezifisch pyrenäischen Saxifraga aquatica 
Lap. iS. adscendens Vahl, Gr. et H. nee L.), welcher aus Versehen 
die Verbreitung von S. adscendens L., All., Engler iS. conlroversa 
Stbg.'"") substituirt wird, bereits ihre Berichtigung gefunden haben. 

Bei der, wie schon erwähnt, sehr lehrreichen Bearbeitung der 
Umbelliferen durch Prof. Lange finden sich namentlich auch in Hin- 
sicht auf die Umgrenzung der Genera mehrfach vom Herkömmlichen 
abweichende Anschauungen. Ob aber die Vereinigung der Gattung 
Falcaria, der nach dem Vorgange von Reichb. fil. die habituell so 
äusserst unähnliche Ptychotis heterophylla Koch beigesellt ist, mit 
Carum ungetheilten Beifall finden wird, dürfte noch dahingestellt 
bleiben. Entschieden mehr ansprechend ist die ebenfalls bereits von 
Reichb. \ollzogene Verbindung von Helosciadmm Koch mit Apium. 
Die glatte Form des Laserpitinm prutenicum L. ist lange vor den 
Verfassern der Flore de France unter gleicher Bezeichnung (/?. gla- 
bratum} bekannt gemacht worden, so z. B. von Rochel (FI. Banat. 
rar. 1828) und in DC.'s Prodromus (1830), den Gr. et G. selbst 
bereits richtig zitiren, die keineswegs sich selbst die Autorschaft 
vindiziren: ein noch älterer Name ist indessen L. prutenicum var. 
glahrum Wallr. Sched. crit. (1822). Die Verfasser der Flore de 
France ziehen wie schon DC. zu ihrer Varietät, die nach der Be- 
schreibung schwerlich von der deutschen verschieden sein kann, als 
Synonym Dufour's L. daucoides, vielleicht mit Unrecht, denn nach 
Grisebach (Vegetation der Erde, I, 553) wäre dieses auf Grund eige- 
ner Beobachtung am Standorte eine selbslständige Art; leider ist von 
G. diese Ansicht a. a. 0. nicht näher begründet, so dass Ref., dem 
die Pyrenäenpflanze unbekannt ist, ein Urtheil unmöglich ist. Was 
Lange von seiner Pflanze von Bilbao sagt, passt übrigens genau auf 
die bei uns nicht seltene kahle Form. 



*) Bei Willkomm als »S. Linnaei Boiss. figurirend, wobei zu bemerken, 
dass Boiss. unter diesem Nanien eine üppigere Form der S. controversa, nicht 
eigentlich diese selbst beschrieben hat. 

20 "^ 



204 - 

Thapsia decussata Lag. wird von Th. yarganica L., die Lange 
aus Spanien nicht gesehen, spezifisch getrennt, nach Ansicht dey Ref., 
der in letzter Zeit von diesen Pflanzen reiches Material ans verschie- 
denen Gegenden geprüft hat, wolil mit Unrecht, da beide unmerMi* h 
in einander übergehen. Vergleicht man die meist stärker bekleidete 
breitzipflige sndspanische Pflanze, die Salzmann auch bei Tanger ge- 
sammelt hat, mit der kahlen schmalzipfligen, wie sie z. B. Todaro 
unter Nr. 1-395 seiner Fl. sicula exsicc. von Palermo ausgegeben'"'), 
so könnte man allerdings' versucht sein, an ganz verschiedene Arten 
zu glauben, zumal bei diesen auch die Differenzen in der Frucht 
nicht unbeträchtlich sind. Aus Sizilien und Griechenland hat Ref. 
aber entschieden in der Blattform intermediäre Formen gesehen, und 
was die Bescliaflfenheit der Frucht, namentlich der Flügel derselben, 
anbetrifft, so ist die Veränderlichkeit bei diesen Pflanzen eine er- 
staunliche; der Bau der Ausrandung und das Längenverhältniss der 
Oehrchen der Flügel zum Griflfelpolster sind daher hier nicht zur 
Begründung der spezifischen Verschiedenheit benutzbar , da diese 
Charaktere oft am selben Individuum variiren; im Durchschnitt sind 
allerdings die Flügelohrchen bei der ostmediterranen Pflanze minder 
zugespitzt, oft beinalie abgerundet, doch sind auch hierin feste Gren- 
zen nicht zu finden, ebenso wenig wie in der Länge und Richtung 
der oberen Flügelohrchen, die (oft in der nämlichen Dolde!) bald 
gerade vorwärts gerichtet und daher aufrecht, bald einwärtsgebogen 
und zusammenneigend sind. Früchte, bei denen das Grifl'elpolster von 
den Flügeln nicht überragt wird, hat übrigens M. W^inkler auch von 
San Roque bei Gibraltar mitgebracht; die dazu gehörigen Blätter hat 
Ref. nicht gesehen, aber möglich wäre es dennoch, dass auch die 
typische Th. garganica in Spanien vorkäme. 

Ferula tingitana L., eine zwar Aon älteren Autoren als spani- 
sche Bürgerin erwähnte, von Lange aber früher nicht gesehene und 
darum nur mit einem ? zugelassene Art, ist von M. Winkler und 
Fritze auf ihrer Expedition an den Felsen von Gibraltar wirklich 
gesammelt worden; die Bestimmung ist von Lange selbst erfolgt, 
also zuverlässig. 

Seseli Sihthorpii G. G. {LihanoHs verticillata DG. Prodr. exp. 
excl. loco graeco et syn. Athamanta verticillata Sibth.), eine früher 
nur von einem einzigen Standorte bei Bayonne bekannte Pflanze, 
wird von mehreren Stellen der caiüabrischon und asturischen Küste 
aufgeführt und mit dem neuen Namen Lihanotis Candollei belegt. 
Indessen ist dazu zu bemerken, dass Grisebach bereits zwei Jahre 
früher (1872) für diese seltene Art die Bezeichnung L. hayonnensis 
angewendet hat (Veget. d. Erde p. 232 und 553), die den Regeln 
der Priorität gemäss der Lange'schen voranzustellen ist. 



*) Dagegen gehört die von Strobl in seinen diessjährigen Exsiccaten als 
Th. garganica L. ausgegebene Pflanze von Catania bereits zu den kurzfrüch- 
tigen und kahlen Formen der Var. decussata. 



265 

Pelroselinum peregrimim Lag., für Spanien als ausscliliesslich 
im Bidassoa-(Jebiote der Provinz Guipuzooa vorkommend angegeben, 
besitzt Ref. auch von Calaceite (?) in Aragonien (Loscosj und hat 
sogar bei der Durchmusterung der von Fritze in Südspanien gesam- 
melten Doldengewachso ein von Gibraltar herrührendes Exemplar vor- 
gefunden. 

Bei der auf der Pyrenäen-Halbinsel einen besonderen Formen- 
reichthum entwickelnden Gattung Saxifraga ist die Eintlieilung des 
neuesten Monographen Engler von Willkomm nicht zu Grunde gelegt; 
nach seiner Ansicht ist bei E. (1866) die Zahl der Seclionen zu sehr 
vermehrt und überhaupt die Anordnung nicht natürlich genug. Dass 
die Begrenzung der Arten bei Willkomm nicht selten eine andere ist, 
darüber ist mit dem Verf. keineswegs zu rechten; der Lokalflorist, 
namentlich wenn er wie W. die Mehrzahl der Arten am Standorte 
beobachtet hat und ein geübtes und selbststandiges Urtheil besitzt, 
pflegt eben in vielen Fällen abweichende Ansichten von denen des 
Monographen zu haben und nach Ansicht des lief, in nicht wenigen 
Fällen gewiss nicht zum Nachtheil der Sache. Die Fülle des Materials, 
die Kenntniss zahlreicher, oft freilich nur scheinbarer Mittelglieder 
wird den Monographen im Grossen und Ganzen immer auf eine die 
Zahl der Arten m()glichst reduzirende Behandlung verweisen, wobei 
unnatürliche Zusammenziehungen nicht selten mitunterlaufen. Aber 
die vollständige Nichtberücksichtigung der bereits 1872 erschienenen 
Engler'schen Monograpliie, die nirgends cilirt wird und Willkomm 
überhaupt gar nicht bekannt gewesen zu sein scheint, ist sicherlich 
nicht zu billigen. Zum mindesten hatte die gut gearbeitete und auf 
alle Fälle dauernd werllivolle Arbeit des Münchner Gelehrten bei 
der geographischen Verbreitung der Spezies mit Vortheil benützt 
werden können, und es würden sich alsdann nicht Angaben, wie 
z. B. dass S. Ciusü Gouan in den Karpathen""'), oder dass S. hijpnoi- 
des L. in Böhmen und Siebenbürgen vorkomme, finden. 

Bei Meseinbryantheimtm wäre auf das merkwürdige, vielleicht 
noch an der andalusischen Küste aufzufindende, im benachbarten Por- 
tugal (Provinz Algarbe) vorkommende M. brachyphijllum Welwitsch 
aufmerksam zu machen gewesen. 

Sedum alpestre Vill. CS. ruhens Mattuschka sil. [1776], Hanke 
[1791] nicht L. sp. pl.), nur in den Pyrenäen angegeben, wurde von 
M. Winkler auf dem Mulahacen, dem höchsten Berge der Sierra Ne- 
vada, bei 9000 Fuss gesammelt. — Ob die als S. Faharia bezeich- 
nete Pflanze der Pyrenäen mit der Koch'schen wirklich identisch ist, 
möchte noch weiter zu prüfen und in dieser Hinsicht Boreaus Mono- 
graphie der rothblühenden französischen Seda der Telephiumgruppe 
(Mcm. de la Soc. acad. d' Angers XX, 1866) zu vergleichen sein. 
Mag immerhin der Werth der dort festgestellten Arten zum Theile 
zweifelhaft sein, Thatsache ist es auf alle Fälle, dass unter dem Na- 



*) Die Pflanze der südlichen Karpathen ist wie die der Aipen eine Va- 
rietät von S. Stella i-iä L. 



26fi 

men S. Faharia verschiedene Pflanzen gehen. Hat doch bereits Koch 
selbst unter diesem Namen zwei ganz gewiss nicht zu derselben Art 
gehörige Formen verstanden, einmal die mehr an S. purpurascens 
erinnernde Pflanze der Eifel und dann das spezifisch karpathische, 
von Schlesien bis zur Wallachei verbreitete subalpine S. purpureum 
Wimmer (nicht Tausch, dessen Pflanze zu S. purpurascens gehört), 
welchem letzteren am besten der Name S. carpatkicum G. Reuss bei- 
zulegen sein dürfte. 

(Schlusä folgt.) 



Aufzählung der in der Umgebung von Pola wachsen- 
den Pflanzen. 

Von Prof. Leo Neugebauer. 

CFortsetzuag.") 

Coronilla Emerus L. Zaune, sterile Orte; bildet bei Cassori vecchi 
ganze Bestände. 23. 

— scorpioides Koch. M. Clivo. 147. 

— cretica L. Auf sterilen Hügeln (M. Chiochi, M. Clivo etc.), auf- 
rechte Pygmäenformen , an günstigen Stellen niederliegende 
Stauden. 148, 241. 

— varia L. Raine (S. Lombardo). 326. 

Hippocrepis comosa L. F. ßourguignon, wüste Plätze hinterm Spital. 
32, 3S6. 

Securigera Coronilla DC. Kastell, F. ßourguignon, Steinbrüche hin- 
term Spital. 171. 

Cicer arietinum L. Gebaul auf einem Feld hinterm Mar. Friedjiof. 
276. 

Vicia villosa Roth. An Hecken allenthalben; oft sehr hoch klim- 
mend. 74. 

— villosa Roth. var. glabrescens. Pra grande südl. Rand. 571. 

— narbonensis L. Felder auf der Pra grande, selten. 122. 

— bithynica L. Felder vor V. di Cane, scheint selten. 61. 

— hybrida L. Kaiserwald. 547. 

— lutea L. Raine. HO. 

— grandiflora Scop. var. Scopoliana. Steingerölle (auf F. Musil 
etc.). 102. 

— grandiflora Scop. var. Kitaibeliana. Kaiserwald. 461. 

— cordata Wulf. Felder. 531. 

— peregri7ia L. Zerstreut auf Feldern. 139. 
Ervum hirsutum L. Kaiserwald. 5, 138. 

— hirsutum? L. (legum. glabr.). Steinhaufen zwischen den Feldern. 
721. 

— gracile DC. Kaiserwald. 368. 



267 

Pirum elatius M. Bieb. Hecken auf fetten Feldern (Pra grande, S. 
Lombardo), 36. 

Lathyrus Aphaca L. Kulturboden, 252, 

— Oclij'us DC, Saaten, docli selten (Felder der Ziegelei bei Veruda). 
245. 

— sphaericus Retz, Wiesen von Stoja Miisil; scheint selten, 56, 

— Cicera L. Grasige Hügel, 731, 

• — setifoliiis L, Steiniger, lockerer Boden (hinterm Spital), 149. 

— annuus L. Saaten. 251. 

— hirsutus L. Getreidefelder. 400. 

— tuberosus L. Raine, um Pola nicht häufig (S. Lombardo). 328. 

— pratensis L. Kaiserwald. 377. 

— lalifülius L. Wiesen und Aecker, J. Marina. 212, 545. 
Orobus niger L. Kaiserwald. 455. 

Cercis siliquaslrum L. Unter F. Michele; dieser Platz wurde December 
1874 verbaut; der ganze Vorrath beschrankt sich nunmehr auf 
3 — 4 Sträucher zu beiden Seiten der Strasse; ein stärkeres Bäum- 
chen steht noch am Verbindungswege zwischen F. Michele und 
Pra grande. 79. 

Prunus spinosa Zäune. 129. 

— Mahaleh L. Zäune; bildet im Kaiserwald auch grössere Bäum- 
chen; das grüsste steht am Kastell. 21, 684. 

Spiraea Filipeticliila L. J. Levano gr. 217. 

Geum urbanum L. Hecken, Kaiserwald. 78. 

Rubus fruticosus L. Zäune; gedeiht am üppigsten in den Felsengrä- 
ben aufgelassener Forts, bleibt sehr mager an freien Plätzen 
(aufgelassenen Feldern). 296, 

— fruticosus L. var. amoenus. Strassenränder (unter F. Max). 502. 

Fragaria vesca L. Kaiser wald. 673. 

Potentilla hirta L. Kalkhügel, Kaiserwald. 272. 

— reptans L. Gräben, Wiesen. 458. 

— cinerea Chaix. Sterile Hügel. 650. 
Agrimonia Eupatoria L. Hecken, Kaiserwald. 385. 
Rusa canina L, Hecken (S. Lombardo). 704. 

— sempernirens L, Hecken; um Pola weit häufiger als R. canina; 
eine Var, mit gefüllten Blüthen wird viel in den hiesigen Gärten 
kultivirt. 292, 

Poterium polygamum W. K. Wiesen, Felswände, 51. 

Crataegus Oxyacantha L. Zäune, Hecken, Kaiserwald. 54. 

Mespilus germanica L. M. Lorenzo im Kaiserwald. 151. 

Pyrus amygdaliformis Vill. Hecken, Kaiserwald; stärkere Baume zer- 
streut auf Feldern (Casson'i vecchi); ältere Bäume sind dornen- 
los und haben breitere grosse Blätter; die Sträucher hypophae- 
ähnlich. 22. 

— Malus L. Wird um Pola sehr selten, Foiva. 50. 

Sorbus torminalis Crantz. Sehr selten, Wald von Luscinamore. 504. 
Epilobium telragonum L. Gräben der Pra grande. 411. 



268 

Ceratophyllum demersum L. Tümpel am M. Gobbo (hinterm Spital), 

in der Foiva. 699. 
Lythrum Salicaria L. Pra grande. 425. 
Myj'tus communis L. Hügel der Westseite. 697 *). 
Bryonia dioica Jacq. Zaune (Pra grande etc.). 347. 
Ecballion Elatermm Rieh. Schutthaufen. 406. 

Portulacca oleracea L. Zwischen Maxbarake und Seeufer; Gärten. 617. 
Herniaria glabra L. Strassenränder (F. Michele etc.). 243. 
Crassnla rubens L. J. Marina. 216. 
Sedum acre L. Humusboden. 393. 

— sexangulare L. Hügel. 175. 

Eryng'mm campestre L. Unfruchtbare Stellen. 561. 

— amethystinum L. Sterile Anhöhen. 559. 
Ptychotis ammoides Koch. Grasige Lehnen. 314. 
Pimpinella peregrina L. Kaiserwald. 528. 

Bupleurum tenuissitnum L. Magere Wiesen (Schiessstätte, Stoja Mu- 
sil). 681. 

— junceum L. Kaiserwald, Hecken (zwischen F. Michele und Pra 
grande). 447, 587. 

— aristatum Bartl. Grasige Anhöhen. 244. 

— protraclum Lk. Saaten. 247. 

Oencmfhe ßstulosa L. Gräben der Pra grande. 484. 

— silaifolia Bieb. Pra grande und Wiese vor den röm. Steinbrüchen. 
130, 187. 

— pimpinelloides L. Wiesen, Kaiser wald; an sehr schattigen Stellen 
viel zarter und ohne Knollen. 320, 379. 

Foenicidum officinale All. Sterile Orte (Ränder des Pra grande) auch 

gebaut (F. Michele). 619. 
Seseli Tommasinii Rchb. Hügel, Kaiserwald. 682. 
Crithmnm maritimum L. Längs der Küste, meist Zwergformen in 

Steinspalten; sehr üppig in V. Fisella. V. di Cane. 593. 
Tordylium apulum L. Hecken (S. Lombardo). 127. 
Orlaya grandiflora HofFin. Aecker. 321. 
Daucus Carola L. Wiesen. 643. 

Caucalis daiicoides L. Saaten (vorm. Pulverdepot am M. Signole). 103. 
Turgenia laüfolia Hoffm. Saaten. (S. Lombardo, M. Signole). 336. 

— laüfolia Hoffm. Fl. rubre. Mit vok. 519. 
Torilis Änfhriscus Gmel. Hecken, Kaiserwald. 454. 

— hehetica Gmel. Sterile Orte. 485. 



*) Es ist auffallend, dass manche Pflanzenarten, welche auf der West- 
seite unseres Florengebietes sehr häufig ja sogar zum Theil massgebend sind, 
auf der Ostseite selten oder gar nicht vorkommen, trotz der in beiden Hälften 
ganz gleichen Bodenverhältni-se. Für die Westseite sind charakteristisch: 3Iyr- 
tus communis, Arbutus Unedo, Viburnum Tinus, Salvia ' officinalis ; für die 
Ostseite: Quercus suber, Carpinus duinensis, Laurus nobilis, JBuxus semper- 
virens. Eine Linie vom äussersten Ende des Kanals von Veruda direkt nach 
Norden (bis etwa zur Höhe von Punta Cristo) bezeichnet die Grenze, welche 
die genannten Gewächse nicht überschreiten. 



2G9 

Torilis heterophylla Guss. Buschige Hügel. 370. 

— nodosa Gärtii. Humusreiche Anhöhen (M. Collsi). 200. 
Scandix pecten Veneris L. Aecker. 25, 193. 
Anthriscus sylvestris Hoffm. Zaune d. Pra grande. 81. 
Bifora testiculala Rchb. Saaten (S. Loinbardo). 316. 

Hedera Helix L. Heclven etc. Die schönsten Exemplare sind im Walde 
von Lussinamore und in den Steinbrüchen am M. Vincuran; der 
6' hohe und an 4" dicke Stamm des grüssten von allen, der mit 
seinen Zweigen die ganze südliche Wand der rinn. Steinbrüche 
bedeckte, wurde im J. 1858 aus bäuerlichem Uebermulhe durch- 
gehackt. 700. 

Cornus sangu'mea L. Zäune (Pra grande). 670. 

— mas L. Zäune, Kaiserwald, Foiva. 17. 

Samhiicus Ebulns L. Strassenränder (von d. Pra grande, Strasse nach 
Dignano). 669. 

Viburnum Tinus L. Hügel der Westseite (F. Max, sehr hohe Sträu- 
cher auf Punta di Figo). 104. 

Lonicera Caprifolium L. Kaiserwald und sterile Anhöhen (M. Rizzi). 86. 

— etrnsca Savi. Hecken in Niederungen. 237. 
Sherardia arvensis L. Aecker etc. 627. 
Asperula arvensis L. Saaten. 145. 

— cynanchica L. Sterile Orte. 413. 

Rubia peregrina L. Auf sonnigen Anhöhen zwischen lockerem Ge- 
stein sehr dicht verzweigt (M. Rizzi) schlank und klimmend an 
schattigen Orten (Kaiserwald, Stadtpark). 240, 378. 

Galium Cruciata Scop. Hecken, Wiesen. 375. 

— tricorne With. Saaten (S. Lombarde, vor Veruda). 298. 

— parisiense L. Grasige Hügel (F. Max). 65. 

— palustre L. Ausgebreitete Rasen am Westrande des Pra grande. 
390. 

— verum L. Raine etc. auf der Pra grande (von S. Pazelt) sehr 
dichte ausgedehnte Rasen. 402. 

— sylvaticum L. Kaiserwald (Blätter 4-st.) 727. 

— lucidum All. Buschige Hügel (F. Max, F. Giorgio etc.) 165. 

— Mollugo L. Zäune. 319. 

Vaillantia muralis L. Kahle Hügel (F. Saline etc.) 13. 534. 
Valerianella eriocarpa Des. Humushaltige Stellen auf den Kalkhügeln 
(F. Max, F. Castori vecchi). 27. 

— auricula DC. Kulturboden (röm. Steinbrüche). 267. 

Dipsacus sylvestris Mill. Hecken (S. Lombarde), Waldwiesen (Fisella). 

599. 
Cephalaria leucantha Schrad. F. Giorgio, F. Bourguignon; selten. 

527. 
Knautia arvensis Coult. Waldwiesen (Kaiserwald) selten. 366. 
Scabiosa gramuntia L. Sterile Orte. 374. 

— multiseta Vis. Unfruchtbare Stellen (S. Lombarde). 329. 
Eupatorium cannabinum L. Um Pola äusserst selten. F. Saline. 409. 
Tussilago Farfara L. Ueber die Hügel zerstreut. 408. 



270 

Aster Tripolium L. V. Pietro. 719. 

Bellis sylvestris Cir. Grasige Anhöhen. 565. 

Erigeron canadensis L. Felder etc. 611. 

— acris L. Am Rande des Tümpels zwischen F. Giorgio und Gior- 
gietto. 680. 

Evax pygmaea Pers. Promontore. 231. 

Buphtkalmum salicifolium L. Steinbrüche in S. Lombardo. 486. 

Pallenis spinosa Cass. Unfruchtbare Stellen. 591. 

Inula germanica L. Pra grande (bei S. Pazelt). 689. 

— salicina L. Hecken (unter F. Michele). 544. 

— squarrosa L. F. Michele, waldloser Theil des M. Lorenzo. 476. 

— squarrosa L. (Fm. prostrata). M. Lorenzo im Kaiserwald. 672. 

— Conyza D C. Kaiserwald, felsige Abhänge (Strasse nach Policarpo). 
575. 

— crithmoides L. Seeufer. 634. 

— graveolens Desf. Aufgelassene Felder (F. Saline, Veruda). 658. 
Pulicaria dysenterica Gartn. Wege, Gruben (Pra grande etc.). 428. 

— ilnula~) viscosa Cass. Gräben um die Stadt. 665. 

Bidens tripartita L. Ein einziges Exemplar gefunden im Uferkies von 
V. di Cane. 679. 

Filago germanica L. Sterile Anhöhen. 444. 

Helichrysum angvsfifolium DC. Unfruchtbare Orte, oft in solcher 
Menge (F. Giorgio, M. Collsi), dass es die Luft der ganzen Um- 
gebung mit Wohlgeruch erfüllt. 666. 

Artemisia Absinthium L. Kulturboden. 558. 

— camphorata Vill. Unfruchtbare Anhöhen (F. Corniale). 701. 

— rulgaris L. Schutt. 574. 

Achillea Millefolium L. Triften, Steinbrüche von Fisella. 607. 

— nohilis L. Felder (F. Cassoni vecchi), Stadtpark. 692. 

— odorata L. Triften. 349. 
Anthemis altissima L. Raine. 308. 

— Cotula L. Triften. 668. 

Matricaria Chamomilla L. Wiese vor den röra. Steinbrüchen, selten. 

184. 
Chrysanthemum Leucanthemum L. Triften (Pra grande). 667. 
Senecio vulgaris L. Strassenränder. 610. 

— erraticus Bert. Strassenränder etc. 568. 

Calendula arvensis L. Früher auf allen Brachfeldern gemein, jetzt 

selten (hinterm Spital, F. Monumenti). 167. 
Cirsium lanceolatum Scop. Schutt, Steinbrüche (Fisella). 604. 

— arvense Scop. Kulturboden. 676. 

Tyrimnus leucographus Cass. Steinige Orte (Strasse nach Dignano etc.) 

525. 
Carduus nutans L. Schutt, Hügel. 297. 
Lappa major Gärtn. Schutt. 422. 
Carlina corymbosa L. Unfruchtbare Stellen. 557. 
Cenlaurea amara L. Triften, Hügel. 524. 

— Cyanus L. Saaten. 301. 



271 

Cenlaurea solstitialis L. Unfruchtbare Hügel. 560- 

— Calcitrapa L. Wegränder. 635. 

Crupina vulgaris Fers. Sonnige Anhöhen. (F. Giorgio, M. Rizzi). 253. 

Scolynins hispanictis L. Wegrander. 562. 

Lapsana comrimnis L. Kaiserwald. 376. 

Rhagadiohis slellatus Gärtn. Strassenränder, Hecken (unter M. Foi- 

I)an) 42. 
Cichorium Intyhus L. Wegränder. 664. 
Hedijpnois cretica Willd. Mauern des F. Max. 178. 
Picris hieracioides L. Wege etc. im Kaiserwald bis 2 Klafter hoch. 

452. 
Urospermum Dalechampii Desf. Aeusserste Westspilze von Stoja Musil, 

F. Levano grande. 211. 

— picroides Desf. M. Vincuran. 185. 
Tragopogon major Jacq. Schult (hinterm Spital). 471. 
Galasia vUlosa Gärtn. F. Max. 173. 

Chondrilla juncea L. Unfruchtbare Orte. 612. 
Lactuca Scariola L. Strassenschotter. 583. 
Sonchus oleraceus L. Kulturboden, 623. 

— asper Vill. Schutt. 490. 

Picridium vulgare Desf. Ueber die Hügel verstreut. 60. 
Zacyntha verrucosa Gärtn. Schotter, Hügel (F. Max). 170. 
Pterotheca nemauensis Cass. F. Max. 72. 

Crepis foetida L. Gipfel des M. Daniele. ~ M. Daniele, 336', ist der 
höchste Punkt in der Umgebung von Pola. 437. 

— vesicaria L. Hügel, humusreiche Stellen am Seestrande (V. di 
fora etc.). 166. 

— neglecta L. (Vis.). Sterile Anhöhen. 268. 

— pulchra L. Kaiser wald, Hecken am nördl. Rande der Fra grande; 
seilen. 300. 

Eieracium praealtum Koch var. florentinmn. F. Max. 162. 

— sabaudum L. Kaiserwald. 685. 

Xanthium strumarium L. Aecker (S. Lombarde). 597. 

— spinosum L. Schutt. 588. 

Campanula Rapunculus L. Unfruchtbare Stelle (in der Umgebung der 
Pra grande), F. Marina. 134, 219. 

— Rapunculus L. (Monströs.) 465. 
Specularia Speculum A. DC. Saaten. 303. 
Arbutus IJnedo L. Hügel der Westseite. 157. 

Erica arborea L. Hügel; auf M. Firudella (Veruda) viele Joch als 

undurchdringliches Gebüsch bedeckend. 70. 
Phillyrea media L. Hecken, Hügel, Kaiserwald. 18. 
Ligustrum vulgare L. Hecken etc. 295. 
Fraxinus Ornus L. Zäune etc. 87. 

Cynanchum Vincetoxicum R. Br. Steinbrüche, Stoja Musil. 350. 
Vinca major L. Kaiserwald, Zäune auf Pra grande. 123. 
Chlora perfoliata L. Hügel (Schiessstätte, Stoja musil etc.). 729. 
Erythraea Centaurium Pers. Kalkhügel, Kaiserwald. 343. 



272 

Erythraea maritima Pers. Hügel (F. Max, Stoja musil). 277. 
Convolvulus sepium L. Zäune (am Kastell, Pra grande). 407. 

— arvensis L. Kulturboden. 416. 

— Canfabrica L. Sterile Hügel. 269, 169. 
Cuscuta Epithymum L. Medicagofelder. 421. 
Heliotropium europaeum L. Aecker. 423. 
Echinospermiim Lappula Lehm. Sterile Orte, Steinbrüche. 290. 
Änchusa italica Retz. Aecker (648 Monstr.). 327, 648. 
Echium pustulatum Sibth. Schutt etc. 496. 

— ifalicum L. Wiesen, Schutt, 291. 
Lithospermum ofßcinale L. Stoja Musil; selten. 710. 

— purpureocoeruleum L. Kaiserwald. 364, 

— arvense L, Saaten, 322. 

— apulum Vahl, Wiese um S. Pelegrino (vor Fasana) gruppenweise. 
506, 

(Fortsetzung folgt.) 



Literaturberichte. 

Zur Pflanzengeographie des nördlichen und arlifischen Europas von Dr. J. C 
V, Klinggräff. Marienwerder 1875. Bei Levysohn. 8. 82 Seilen. 

In der neuesten Zeit wendete sich das Interesse, namentlich in 
Folge der deutschen und österreichischen Polar-Expeditionen, vielfach 
den nordischen Gegenden zu. Eine ausführlichere Schilderung dieser 
Region, so weit sie Europa angehört, dürfte daher für Viele von 
Interesse sein, Klinggräff versteht in der vorliegenden Abhandlung 
unter nördlichem Europa Europa nördlich von der Eichengrenze, 
unter arktischem den baumlosen Nordrand unseres Erdtheiles und 
sämmtliche Inseln des europäischen Polarmeeres. Er behandelt zuerst 
die arktische Zone (Seite 6 — 41) und hält sich dabei im Ganzen und 
Grossen an die treffliche Schilderung, welche Grisebach in seinem 
hochwichtigen Werke über die Vegetation der Erde entwarf. Der 
Verfasser weicht aber insoferne ab, als er Island nicht dieser, son- 
dern der folgenden Region einreiht. Ferner wird die arktische Zone 
Europas eingetheilt in eine Polarzone (sie umfasst Spitzbergen, 
Nowaja Semlja und die übrigen Inseln des Eismeeres) und in eine 
südlich-arktische oder Tundrenzone (zu ihr gehören die Samo- 
jeden-Tundra, die nordöstliche Hälfte der Halbinsel Kola, dann die 
Inseln Waigatsch und Kolgujew). Die nordeuropäische Zone wird in 
dem folgenden Abschnitte besprochen (Seite 41 — 82); namentlich aus- 
führlich ist die Schilderung von Island (Seite 57 — 75) und den Fa- 
röer-Inseln, welche letzteren dem britischen Florengebiete beigezählt 
werden. In der vorliegenden Arbeit ist die Rehandlung des Materiales 
eine klare und übersichtliche; sie zeugt von genauer Kenntniss der 
betreffenden Literatur und enthält manche beachtenswerthe Angaben; 
sie darf somit auf eine günstige Aufnahme in botanischen Kreisen 
rechnen. Dr, H. W. R. 



273 

Der Führer in die Lebermoose und die fiieffisskryptogamcii. Von Paul 

Kummer. Berlin 1><7ö. Verlag von Julius Springer. 8. 141 Seiten und 7 lith. 

T;ifeln mit 83 Figuren. 
Das vorliogonde Hoft srhliesst sich in Form und Inhalt genau 
an die früher erschienenen Lieferung-en des genannten Werkes an; 
dieselben wurden theilweise schon in diesen Blattern besprochen 
(Jahrg. 1874, S. 159). Anfängern oder Dilettanten, welchen weder 
eine botanische Bibliothek, noch ein Herbar zu Gebote stehen, werden 
aus dem vorliegenden Büchlein mit vcrhiiltnissmässig geringer Mühe 
die wichtigeren Formen wenigstens annähernd kennen lernen, und es 
wird ihnen dasselbe als erster Führer ganz gute Dienste leisten. Doch 
ist ein Studium der morphologischen Verhältnisse nach einem anderen 
Werke, namentlich nat^h dem trefflichen Lehrbuche der wissenschaft- 
lichen Botanik von .1. Sachs dringendst anzuempfehlen. Denn die 
spärlichen Angaben, welche Kummer's Führer in dieser Richtung ent- 
hält, sind oft veraltet und dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft 
nicht entsprechend. Von den Abbildungen ermöglichen jene der be- 
blätterten Jungermanniaceen ein Erkennen der meisten Arten, dagegen 
lassen die Figuren, welche die Marchantiaceen, Anthoceroteen, Riccien, 
das Farn-Prothallium, die Rhizocarpeen u. a. m. darstellen, sehr viel 
zu wünschen übrig. Bei einer zweiten Auflage, wenn dieselbe er- 
scheinen sollte, wären die obgenannten Partien gründli<;h umzuarbeiten. 

Dr. H. W. R. 

— J. Wiesner untersuchte (Dingler's polyt. Journal. B. 215. H- 
3, p. 270) in verschiedenen Papiersorten vorkommende 
punktförmige rothe Flecke; das Pigment derselben ist in Wasser 
schwer, in Alkohol leiclit löslich ; Essigsäure verändert die Farbe nicht, 
wohl aber Schwefel- und Salpetersäure, welche violette Farbentöne 
geben; Salzsäure, Ammoniak und Schwefelammon bringen die Farbe 
zum Verschwinden. Die durch Salzsäure entfärbten Partien wurden 
durch Kali wieder gefärbt, die durch Ammon zum Verschwinden ge- 
brachte Färbung trat auf Zusatz von Essigsäure wieder hervor. Nach 
diesen Reaktionen glaubt W. auf die Gegenwart von Anilinrolh in den 
rothen Flecken schliessen zu können und da die mikroskopische Un- 
tersuchung ergab, dass in den rothen Punkten kleine in molecularer 
Bewegung befindliche , mit Monas prodigiosa Ehrb. (Bacteridium 
prodigiosum Schroeter) identische Organismen vorkommen, so spricht 
der Verfasser ferner, mit Rücksicht auf die von Erdmann ermittelte 
Thatsache, wornach gewisse Ferment-Organismen Farbstoffe ausscheiden, 
die mit Anilinfarben übereinstimmen, die Ansicht aus, dass jenes rothe 
Pigment von diesen kleinen Organismen gebildet werde. Zwischen 
den kleinen farblosen il/onas- Körperchen erscheinen abgestorbene, 
intensiv roth gefärbte Pilzfäden (passiv gefärbt durch das von der 
Monas gelieferte Pigment). W. nimmt an, dass die rothen Punkte der 
Leimung des Papieres ihr Entstehen verdanken und darin nur in Folge 
des Klebergehalles jener Stärke sich bildeten, aus welcher der zum 
Leimen des Papieres benützte Stärkekleister bereitet wurde. — 'Ausser 
diesen rothen Punkten beobachtete W. grössere graubraun gefärbte 



274 

Stellen (y,Fladern") im Papier, die sich unter dem Mikroskop aus 
unregelmässigen Körnern von kohlensaurem Kalk bestehend erwiesen. 
Diese Kalkkörner gehören der mineralischen Füllung des Papieres an. 
(Lotos.) 

Correspondenz. 

Ns. Podhrad, am 30. Juni 1875. 
Die vorige Woche hatte ich das Glück, zwei für unsere Ge- 
gend neue Pflanzenarten aufzufinden. Es sind diess : Acorus Calamus 
L. und Helosciadium repens Koch, und es freut mich, dass durch 
diese Funde zwei starkbezweifelte Angaben der Kveina Slov, Reuss's 
bestätigt wurden. Wohl watete ich unzählige Male an den Wagufern 
herum, nach Acorus spähend, fand aber die gesuchte Pflanze nicht 
im eigentlichen Wagthale, sondern in einem kleinen Sumpfe der Bo- 
säcer Rodungen (hier Kopanice genannt) in grosser Menge. Wie 
diese angeblich im 15. Jahrhunderte aus Asien durch Russland nach 
Europa gebrachte Pflanze in die ßosäcer Rodungen kam, kann ich 
freilich nicht sagen; doch mir genügt es, hiesige Exemplare meinem 
Herbarium einverleiben zu kimnen. Helosciadium repens Koch wird 
zwar in Hazslinszky's Magyarh. ed. növ. füvesz. Kezik. (Pest 1873) 
p. 193 aufgeführt, doch mit der Bemerkung, dass Hazsl. noch keine 
Ungar. Exemplare dieser Pflanze sah. Ich fand diese niedliche Um- 
bellifere im Wagthale auf der Stvrteker Weide in ausgetrockneten 
Lachen an mehreren Stellen, wo sie dichte, polsterformige Rasen 
bildet. Ausserdem besitze ich Exemplare von der Insel Schutt durch 
Resely und aus Zurndorf im Wieselburger Comitate durch Theodor 
Fuchs gesammelt. Es war mir aulTallend, dass Helosciadium vom wei- 
denden Vieh gänzlich verschont blieb, da in dessen unmittelbarer 
Nähe selbst Ranunculus Sardous und R. acris bis auf die Wurzel 
abgefressen waren. — Hieracium floribimdum Wimm. fand ich heuer 
wieder auf mehreren Stellen sowohl bei Ns. Podhrad als auch auf 
Wiesen zwischen Bohuslavice und Stvriek in grosser Menge. In einem 
Holzschlage sammelte ich Crepis setosa Hall. fü. — Von allen diesen 
Pflanzen werde ich Ihnen Exemplare senden. Jos. L. Holuby. 

Zwickau in Sachsen, am 13. Juli 1875. 
Zur Beantwortung der Focke'schen Frage (Oest. bot. Zeitschr. 
S. 178), die Blüthezeit der Vaccinium Vifis idaea L. belreff'end, habe 
ich Ihnen mitzutheilen, dass im Königreiche Sachsen die rothe Hei- 
delbeere regelmässig jedes Jahr zweimal blüht, die Früchte hingegen 
im höheren Gebirge das zweite Mal nicht immer zur Reife gelangen. 
In den Niederungen fällt die erste Blüthezeit in den Mai, im Gebirge 
in den Juni, die zweite in die letzten Tage des Juli und in den 
August. Die Früchte gelangen in den Niederungen Ende Juli und 
Oktober, im Gebirge August und November zur Reife; man findet 
daher ausserordentlich häufig im Juli und August reife Früchte und 
zugleich Blüthen der zweiten Serie an einem und demselben Stocke. 



275 

Noch will ich lünzufiig'en, dass der Voiksmund von Sommerbeeren 
und Herbstbeeren spricht und von den Hausfrauen die Herbslbeeren 
den Sommerbeeren zum Einsieden vorgezogen werden. An Masse 
liefert allerdings auch in Jahren, in denen die Herbstbeere vollständig 
zur Reife gelangt, die Sommerbeere bei weitem mehr als die erst- 
genannte. A. Artzt. 

Cape Town, den 29. Mai 1875. 
Ich ersuche Sic, die Nachricht aufnehmen zu wollen, dass ich 
eine botanische Reise in das südliche Afrika unternommen habe. Ich 
bestieg am 21, April den „Windsor Castle" in London und erreichte 
nach 28tiigiger glücklicher Fahrt den Cap der guten Hoffnung, wo 
ich den Wmter zuzubringen beabsichtige; iin Monate August will ich 
eine Reise in die Moselbei, in die Knysna- und Zizikammagebirge 
unternehmen. Meine gegenwartige Adresse lautet: London — Cape 
Town. Dr. A. Rehmann, Care of Mess. \Vm. Anderson & Co. Cape 
Town. Dr. A. Rehmann. 



Personaluotizen. 

— Regierungsrath Dr. E. Fenzl wurde von Seite des land- 
wirthschaftlichen Ministeriums in Berlin in die grosse internationale 
Jury der Gartenbau-Ausstellung zu Köln berufen. 

— Dr. Alexander Braun, Dr. Grisebach und Dr. N. Prings- 
heim wurden von den Mitgliedern der botanischen Sektion der kais. 
L. C. deutschen Akademie der Naturforscher zu Vorständen der 
Fachsektion erwählt. 



Vereine, Anstalten, Unternehmung^en. 

— Der Verwaltungsausschuss des Museums des Königrei- 
ches Böhmen schreibt ddo. 26. Mai l. J. aus dem F. M. Opiz"schen 
Fonde zwei Preisfragen aus. i. Es ist eine der in botanischer Hin- 
sicht minder bekannten Gegenden Böhmens (des mittleren, südlichen 
oder östlichen Landestheiles), auf Grund eigener Untersuchungen, nach 
ihrem Vegetalionscharakter zu schildern und ein möglichst vollstän- 
diges Verzeichniss der daselbst beobachteten phanerogamen (nach 
Umständen auch kryptogamen) Arten nebst Angabe der speziellen 
Standorte für die nicht ganz gemeinen Arten, des geschilderten Ge- 
bietes zu geben. Preisbewerber, welche für die kritischeren und sel- 
teneren Arten auch selbstgesammelle Herbarsbelege beilegen, Avelche 
über Verlangen wieder zurückgestellt oder mit Gcslattung des Preis- 
bewerbers dem Museumsherbars einverleibt werden , haben unter 
übrigens gleicher Preiswürdigkeit den Vorzug. 2. Es möge eine 
Gruppe (Ordnung, Familie, grössere Gattung) niederer böhmischer 
Kryptogamen in systematischer Beziehung und in Hinsicht auf die bis- 



27(i 

her l)ekannte Verbreitung in Böhmen (mit Angabe beglaubigter Stand- 
orte) bearbeitet oder eine interessante phanerogame Gruppe (Familie, 
Gattung) der böhmischen Flora in morphologischer und anatomischer 
Hinsicht genauer untersucht und mit Beigabe von Zeichnungen dar- 
gestellt werden. Der Preis beträgt 100 fl. österr. \\ iihr.; die Frist 
zur Eingabe der Arbeilen lauft mit 1. Juni 1876 ab. Die Preisfragen 
können in beiden Landessprachen beantwortet werden; selbe sind mit 
einem Motto auf dem Titel, unter Beischluss des Namens des Preis- 
bewerbers in einem versiegelten Couverte zu versehen und an den 
Museumssekretär, Herrn W. Nebesky, zu richten. Die Arbeit, welche 
die zu diesem Behufe eingesetzte Kommissiojn von Sachverständigen 
und zwar die Herren Professoren: Dr. Lad. Celakovsky, Joh. Krejci, 
Dr. H. v, Leonhardi , Dr. Eman. Purkyne und Dr. M. Willkomm für 
preiswürdig erkennt, wird, wenn sie sich auf die erste Frage be- 
zieht, in dem Archiv des naturwissenschaftlichen Durchforschungs- 
Comites für Böhmen unter den gewöhnlichen Modalitäten veröffentlicht; 
wenn sie aber die zweite Frage beantwortet, so wird der Verwal- 
tungsausschuss dafür Sorge tragen, dass sie in irgend einer geeig- 
neten Zeitschrift, einem Archiv oder den Akten einer wissenschaftli- 
chen Gesellschaft veröffentlicht werde. 

— Der fünfte Kongress deutscher Gärtner und Botaniker findet 
vom 1. bis 6. September in Carl^ruhe statt. 



Botanischer Tauschverein in Wien. 

Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Wiesbaur mit Pflanzen 
aus Ungarn. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren Burnat, Schäfer, Dr. 
Lerch, Waiss, Polak, Meyer, Forstinger. 

Aus Nie der Österreich: Bifora radians, Ceratocephalus fal- 
catus, Corydalis pumila, Daphne Laureola, Draba nemoralis, Epi- 
lohium Dodonaei, Enisimum Cheiranthus, Gagea pusilla, Luzula 
Forsteri, Phaca frigida, Scilla bifoUa, Veronica anagalloides u. a. 
eing. von Dr. Halacsy. 

Aus Ungarn: Avena capUlaris, A. tenuis, Cenfaurea sfenolepis, 
Cytisus elongalus, Dianthus Seguieri, Draba nemnraiis ß hebecarpa, 
Elatine Aisinastrum, Geranium diimricatum, Glaucium corniculatum, 
Gratiola officinalis, Moenchia mantica, Oxalis stricta, Polycarpon 
tetraphyllum, Polycnemum niajus, Sagina subulala, Smyrnium per- 
foliatum, Trifolium patens f. genuina, T. procumbens f. minima, 
Urtica radicans, Veronica dentata u. a. eing. von Wiesbaur. 

Obige Pflanzen können im Tausche oder käuflich die Centurie 
zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 

Redakteur ud(J Herausgeber Dr. Alezander Skofltz. — Verlas von C. Gerold's Sohn. 
Druck UD(J Papier der C. Ueberreuter'scheo Burhdruckerei (U. Salzer). 



Botanische Zeitschrift 

Gemeinnütziges Organ 

für 

Die ösferrciciii«ciie Exemplare 

botanische ZcUscIirllt RnfllllL" nnil RAfiniLAi» die frei durch die Host be- 
erscheint DOLiUlll lina DOiaOlKCr, zogea werden soHen. siad 

den Ersten jeden Monats. blos bei der Itediiktion 

Mnn_j,rä,u,men,l^a,,f^seloe ßjjpfjjp^^ OekoflOmen, FürSlinäniier, AerZle, '^- z^^VränSn^ea:' "' 

(iö R. MarkJ Im Wege des 

/.ro.-'w^lf ^°':ua™^!) '^poiheker und lechniker. ''''TrTnnlef.\T:r' 

halbjährig. C. «erold's Subn 

Inserate in Wien, 

die ganze Petitzeile Ttf ? Q '° ^'^ ^''"^ übrigen 

15 kr. Ö3t. W. il- */• Buchhandlungen. 

\XV. Jahigaiig. WIM, September 1875. 

IKHALT: Pflanzen auf der Wdlausstellung. Von Antoine. — Algen des Triester Golfes. Von Hauck. 

(Fortselzunsr.) — Darlingtonia californica. Von Canby. — Bemerkungen. Von U e chtritz. (Scbluss.) 

- M jkoloebclies. Von Scliulzer."— Flora von Pola. Von Neugebauer. (Fortsetzung.) — (Jorre- 

spondenz. Von Dr. Borb a s, Artzt. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — 

Botanischer Tauschvereln. — Inserate. 

Das Pflanzenreich 
auf der Wiener Weltausstellung im Jahre 1873. 

Notizen über die exponirten Pflanzen, Pllanzenrohslofl'e und Produkte, sowie über ihre bildlichen Darstellungen. 
Von Franz Antoine. 

Bei meinem öfteren Besuche unserer grossartigen und pracht- 
vollen Weltausstellung im Jahre 1873, stellte ich mir in einigen Ab- 
iheilungen Notizen über die aus dem Pflanzenreiche vorhandenen 
RohstolFe und ihre Verwendung im Haushal'e des Menschen, so wie über 
ihr Erscheinen auf bildlichen Darstellungen oder Vegetationsansichfen 
zusammen. Ich fasste bald den Entschluss, auf diese Weise bei allen, 
aus dem Pflanzenreiche ausgestellten Gegenstanden vorzugehen, um 
eine Uebersicht zu erlangen, wie das vegetabilische Reich aus den 
verschiedenen Ländern vertreten sei. 

Es war eine schwierigei'e Aufgabe, als ich sie juir anfangs 
vorstellte, denn bald lernte i.h Hindernisse kennen, die sich meinem 
Vorhaben entgegen stellten. Oft waren die exponirten Gegenstande 
derart aufgethürmt, dass man die oberen nicht mehr deutlich besehen 
konnte, theils waren sie unleserlich eliquetlirt und entbehrten oft jeder 
Beihilfe eines Ivataloges, und theils konnte man nur mit sehr grossen 

<)o>terr. Uotan. /p-.tsohrift. 9. Het't. iSTü. 21 



278 



Zeitopfern Aufscliliiss ül)or Dieses (ider Jenes erhallen. Endlich aber 
wirlvte die ungeheure Menschenmeng-e und manclimal die holie Tem- 
peratur in dem Ausstellung-sraume geradezu abspannend ein. 

Ich habe meine Notizen mit den fremden Welttheilen begonnen 
und musste Europa, welches auf eine höchst glänzende Weise ver- 
treten war, grossentheils im Rückstände lassen, da mir schliesslich 
die Zeit mangelte, welche durch vermehrte Berufsgeschäfte in diesem 
Jahre selir in Anspruch genommen wurde. 

Es wolle demnach der Leser Nachsicht üben, wenn ich, beson- 
ders was den letzten Welttheil anbetrifft, nicht alles mit der Genauig- 
keit aufführen kann, als ich es mir zur Aufgabe stellte. 

Es schien mir von Interesse zu sein, die Namen der Weinsorten, 
Cerealien etc. aufzunehmen, welche von den verschiedenen Länder- 
gebieten eingesendet wurden, um nach dieser Riclitung den Kultur- 
zusland bemessen zu können. Aus gleichem Grunde verzeiciniete ich 
auch die Namen der exponirten plastisch dargestellten Früchle. 

Die Gelegenheit, die sich darbot, die Trivialnamen der Pflanzen 
grossentheils aufgeführt zu finden, unter welchen sie in den Ländern 
kursiren, woher sie zur Ausstellung gelangten, bewog mich, selbe den 
scientifischen Namen nachzusetzen. 

Oceanien. 

1. doeenslaud. 

Die Sammlung von Holzmustern, welche Queensland eingesen- 
det hat, bestand aus ansehnlichen Stammstücken, die in der Mitte 
gespalten waren und demnacii das Kernholz und die Rinde ersicht- 
lich maciiten. Bei den meisten Etiquetten war die Höhe des Baumes 
beigefügt, welche auch hier mit verzeichnet ist. Trivialnamen waren 
weggelassen. 

Holzmuster. 



Alphitonia excelsa Reissek. 
Ailanthus sp. 80 — 100' hoch. 
Acmena jlorihnnda DC. 
Acacia varians Benth. 

— sapindoides. 30 — 40' hoch. 

— aulacocarpa A. Cunn. 20 — 30' 
hoch. 

Atherosperma micranthum Tul. 50 

bis 80' hoch. 
Araucaria Bklwiliä Hook, 
Avicenia tomentosa L. 20 — 30'. 
Backhausia citriodora F. Müll. 

18—20'. 
Bavhinia Hookeri F. Müll. 
Bursaria incana. 30 — 40'. 
Bardya sijringaefnlia F. Müll. 
Blachontia ? citriodora. 



Banksia cornpar. Br. (Beefwood). 
Croton acurninatum Lam. 
Cedrela australis Haro et Müll. 
Celtis sp. 
CalUtris sp. 

Cupania pseudorhus A. Rieh. 30 — 
40 Fuss. 

— xylocarpa A. Cunn. 50 — 60'. 

— australis. 
Ceratopetalnm apetalum D. Don. 

70—90'. 
Cryptocaria glancescens Br. 
Cargilüa australis Br. 60—80'. 
Callistemon lanceolatus DC. 30 

bis 40' 
Casuarina tenuissima. 40 — 60'. 
Canthium ixoroides. 20 — 30'. 



279 



Duhoisia myoporoides Br. 30 — 4ü'. 
Eiir/enia sp. (Iron wüud). 14 — 20'. 

— marg'mata. 

Eucalyptus maculata Hook. 70 — 
90 Fuss. 

— sp. 70—90'. 

— paniculala Sin. (Bload wood). 

— lalifolia F. Miill. 10—16'. 
Elaeocarpus grandis F. Müll. 90 — 

100'. 
Ery/hroxylon australis F. Miill. 
Eryfhrina resperflUn. 30 — 40'. 
Eremophila Mitchelli Bentli. 20 — 

— bignoniaeßora F. Müll. 
Exocarpus sp. 
FUndersia australis R. Br. 

— Oxlei/ana F. Müll. 100—150'. 
Strz-eeleckiana F. Müll. 60—70'. 
G'ligera'? nmltijhra. 60 — 70'. 
Hodgkinsonia ovatifoUa. F. Müll. 
Hartighsea {Dysoxylon Blume) tri- 

cosiphona (?). 
llarpulia pendula Plancli. 50 — 60'. 
Jambosa n. sp. 
Jxora n. sp. 
Ixisporus spinescens F. Müll. 



Maclura (Morus) Calcar Galli A' 
Cunn. (Cudrania javanensis 
Treciil). 

Melia Azedarach L. 

Melaleuca f'errea. 

— viridiflora Sin. 40 — 50'. 

— nodosa Sin. 30 — 40'. 
MyrtusactnenioidesYMvi\\.'6Q — 40'. 

— argentea. 60 — 70'. 

Morus Bninoniana Endl. 40 — 50'. 
Maba gemminata Br, 
Noteiaea longifolia Vent. 
Owenia serrasensis? 

— renosa F. Müll. 40—60'. 
Olea pamculata Br. 50 — 70'. 
Petalostigma (?) quadrilocularis. 

40—50'. 
Rottlera tinctoria Roxi). 60—80'. 
Rhus anstralasia. 
Rhizophora Manglae L. 12 — 16'. 
Ratonia australis? 40 — 50'. 
Sersalisia sp. 40 — 60'. 
Stenocarpns sinuatus Endl. 40 — 

60'. 
Symphyodon australis (Gray Plum). 
Vitex lignum vifae Cunn. 
Xanthoxylon brachiatum. 



Corrhorus olitorins L. 
Fourcroya gigantea Vent. 
Mnsa paradisiaca L. 
— textilis Nees. 



Faserpflanzen. 

Sanseviera cylindrica. 

Sida retnsa L. (Queensland hamp., 

sehr lange Faser). 
Sterculia quadrißda R. Br. 



Von Auracaria Bidwilli Hook, lagen zwei der grossen kugel- 
runden Zapfen auf, welche wegen Mangels an hinreichender Verwah- 
rung in ihre riesigen Schuppen zerfielen. 

Macadamia tenuifolia war durch ihre Nüsse, Musa paradisiaca 
L., Manihot utilissima Pohl und Colocasia esculenta S. Mel. durch 
Mehlproben vertreten. 

In einer Grosse von 2i"Xl5" erschienen 40 Photographien, 
welche Ansichten von Landergebieten vorstellten, darunter Scrubland, 
Tiniber Culting (umgehauene Bäume werden von den Eingeborenen 
durch mit Ochsen bespannte Wagen verführt). Tee tree (Melaleuca 
ericifoUa Smith) Greek, Sandy bed of Greek, Coast Country, Agri- 
cultural land, open forest Country, Scrub Country mit liegenden Bäu- 
men und vielen Farnen. 

An 114 Photographien in der Grösse 10X11" waren kolorirt 
uiid in folgende Sektionen eingetheilt: 

21 - 



280 

1. Alluvium agricullural land des pazifischen oder östlichen 
Küstendistriktes. 

2. Oberflächliche und tiefere Goldgräbereien im aufgeschwemm- 
ten Gebirge. 

3. Gebüschland, hauptsächlich zur Zuckerrohr-, Baumwoll- und 
Maiskultur geeignet. 

4., 5. Unbrauchbares Land. 

6. Ebene, bedeckt mit Salzpflanzen und saftigem Grase. Vorzüg- 
liches Weideland. 

7. Grosser Reichthum ausgezeichneter Kohle. Schlechtes Wei- 
deland. 

8. Das ausgezeichnete, kohlenführende Schichtensystem der Ko- 
lonie. Schlechtes Weideland. 

9. Kalksteinlager, oben schlechtes Weideland. 

10. Formationen, in welchen die meisten Gold- und Kupfererz- 
legestätten vorkommen. Schlechtes Weideland. 

11. Bergbauterrain, reich an Gold, Zinn, Kupfer, Blei etc. 
Schlechtes Weideland. 

12. Gutes Weideland für Rindvieh und Pferde, jedoch nicht für 
Schafe. Sandhältiger Boden. 

13. Fruchtbarer Boden, geeignet für Ackerbau und von wesent- 
lichem Einflüsse auf die Erzführung und den devonischen, metamor- 
phischen Schichten. 

.14. und 15. Vorzüglicher Boden für Ackerbau und Wiesen- 
kultur. 

16. Squatter's Hain. Eine Niederlassung. 

17. Lebensweise der Viehzüchter. 

18. Bergmanns Leben. 

19. Gympie Goldfeld. 

20. Cap River Goldfeld. 

Queensland dient durch diese Aufnahmen als Muster, da es ge- 
wiss wünschenswerth wäre, auch von anderen Ländergebieten auf 
ähnliche Weise eine Anschauung zu erlangen. 

2. Victoria. 

Aus dem Pflanzenreiche fand sich unter den aus Victoria aus- 
gestellten Gegenständen eine geringe Menge vor, Holzmuster waren 
ärmlich vertreten, am zahlreichsten Eucalyptus-Sorten, Getreide waren 
unbedeutend, Wein hingegen zahlreich ausgestellt. Von photographi- 
schen Ansichten hingegen stieg die Zahl bis auf 150 in der Bild- 
grösse von 8XH", aber man beschränkte sich darin vorzugsweise 
auf Häusergruppen der Hauptstadt, und unter den wenigen landschaft- 
lichen Ansichten erschienen einige Bilder aus dem botanischen Garten 
jn Victoria. 

Holzmuster. 

Aster argophylhis Lab. (Musk.). 
Casuarina suberosa Otto et Dietr, 



Acacia melanoxylon R. Br. (Black 
wood). 
— implexa. 



(Weeping Sheoak). 



281 



Callitris verrucosa Br. (Deserl pine 
cypress). 

Dogwood (Cornus). 

Exocarpus cupressiformisLah. (Na- 
tive clierry). 

Eupomatia laurina R. Br. 

Eucalyptus globulus Labil. (Blue 
gum), hiorvon fand sich ein 
Staminstück von 5 Fuss Durch- 
messer vor, wovon der Kern 
vermodert war. 

— Stuartiana F. Müll. (White 
gum). 

— obliqua L'Her. (Stringy Bark). 

— mellidora A. Cunn. (Box). 

— ßssilis (Messmale). 

— rostrata Cav, (Red gum). 

— serferoa:y/owA.Cunn.(lronBark.) 



Eucal. albens Miqu. (Whüe Box). 

— corymbosa Sm. (Bload wood). 

— goniocalyx F. Müll. (Spotted 
gum tree). 

— longifolia F. Müll. Link. 
Fagus Cunninghami Hook. (Native 

Beech). 
Hedy curia Cunninghami Tul. 

(Myrtlewood.) 

Mountain Ash. 

Pepper tree. 

Sassafras-wood. 
Santalum acuminalum (Quandong). 
Tristania laurina R. Br. 

Victorian Blackwood. 

Wattle, (Acacia) long. 

Watlle, ground. 



Oele von: 



Atherosperma moschata Lab. (Na- 
tive Sassafras). 
Eucalyptus globulus Labil. 

— amygdalina odorata Lab. (Eu- 
calyptusöl des Handels , ein 
flüchtiges, sehr angenehm rie- 
chendes Oel.) 

— oleosa F. Müll. (Mallee Scrub. 
„Oleosa" des Handels, vor- 
züglich für Firnisse.) 



Eucal. fossilis. 

— fabrorum Schlecht. 

— Stuartianum F. Müll. 
Melaleuca ericifolia Smith. 

tree). 

— genistifolia. 
Mentha piperita L. 

— sativa L. 



(Tee 



Gummi und Harze. 



Eucalyptus amygdalina Lab. (Pep- 

permint bark). 
— sideroxylon A. Cunn. (Iron 
bark). 



Euc. rostrata Sm. (Redgum bark). 
— odorata. 

Xanthorrhoea hastilis Sm. (Grass 
tree). 



Essenzen und Tinkturen. 



Acacia decumanes (Wattle tree). 
Atherosperma moschata Labil. Es- 
senz. 



Eucalyptus globulus Lab. Liqueure 
und Tinkturen. 
— amygdalina Lab. Liqueure und 
Tinkturen. 

Opium: Papaver somniferum L. Wird vorzugsweise zur Er- 
zeugung von Opium in Gippsland gezogen. 

Zucker: aus Runkelrüben. 

Getreidesamen: Hafer, Gerste, Weizen, darunter mit roth 
gefärbten Halmen. 



282 

Weisse Weine: Riesling, Goiiais, Verdello, Hermitagc, Clias- 
selas, Pineau i)lanc, Museal, Tokay, Morillon. Darunter war Riesling 
die stärkst vertretene Sorte, ihr folgte der Verdello. 

Braune Weine: Muskat. 

Rot he Weine: Hermitage, Frontignac, Burgunder, Mataro, 
Muskat und Shiraz, Black clusler, Grenach, Sauvignon. Die hervor- 
ragendste Sorte war hierbei Hermilage. 

Ein Faszikel mit getrockneten Farnkräutern in riesigen Dimen- 
sionen nebst einer Sammlung von Früchten aus einer Masse nachge- 
ahmt, gehörte ebenfalls dieser Ausstellung an. Die Früchte waren 
ganz gelungen und zerfielen in 

Sauerfrüchte, darunter: Small fruited Shaddok, West-Indian 
Lemon, Citren, Coll's Seedling Citron, Lemon, Wild Lemon, Persian 
Sweet Lemon, Bergamot. 

Orangen: Silette, St. Michaers, Teneriffe, Poor man's, Bload, 
Seville, Mandarin, Cluster, Five Quartered, Parramata. 

Kirschen: Twyford Bigarreau, Clio, Monarch, CoU's Early black, 
Hero, Rockport und Black Bigarreau, Governor Wood, Ohio Beauty, 
Bigarreau monstrueux de Mozel, Black tartarian, Bigarreau Napoleon, 
Black heart, Scarlet bigarreau, White heart, St. Margaret, Reine Hor- 
tense, Downton, Sparliawk's Honey, Aston, La Margarite. 

Feigen: De T archipel, St. Dominique violette und blanche, 
Brunswik. 

Birnen: Citron de Carmes, Doyenne d'Ete. 

Pflaumen: St. Etienne, Yellow Chery, Damson, Blue violet, 
Early admirable, early Orleans, precoce de Tours, early rivers, An- 
gelina Burdelt, Peach, Black Mulberry, Loquats. 

3. Adelaide. 

Die Ausstellung von Adelaide war sehr beschränkt. Weizen und 
Gerstensorten, einige Weine, darunter Heidelberger Wein, Arrowroot, 
Mehl und Runkelrübenzucker waren Alles, womit das vegetabilische 
Reich repräsentirt war. Von dem botanischen Garten legte der rühm- 
lichst bekannte Direktor des Gartens, R.Schomburgk, ein photographisches 
Album mit Ansichten desselben vor. Der Garten ist ganz im modernen 
englischen Style gehalten, Pleasur Ground mit Teppichblumenbeeten 
fehlen auch in Adelaide nicht. Bambuspflanzungen, Musen und Palmen 
ragen oft aus Gebüschen hervor. Das Bassin eines geräumigen Glas- 
hauses enthält eine Victoi-in regia Schomb. und die Kuppel eines 
Palmenhauses wird von vielen Stellen ersichtlich. An einem Teiche 
sind die Ufer reichlich mit Gynei-ium argenteum Neos, bepflanzt und die 
Weiden, welche die hohen Baumgruppen um denselben formiren, 
geben dem Bilde einen ganz europäischen Charakter. Zu beiden Seiten 
des geraden Haupfweges sieht man Agaven in Blüthe. Phoenix-We- 
deln und Fwcca-Büsche geben dem Bilde ein fremdartiges Ansehen, 
und in dem für botanische Pflanzen reservirten Theile des Gartens, 
streckt ein dünn belaubter, gigantischer Eucalyptus seine Aeste him- 
melwärts. (Fortsetzung folgt.) 



28:i 

Verzeichniss der im Golfe von Triest gesammelten 

Meeralgen. 

Von F. Hauck. 

(Fortsetzung.) 

(i i g a r t i u c a c. 

30. Gigartina acicularis (Wulf.) Lamour. (J. Ag. Spo Alg. II. p. 263). 

Verbreitet, V^^inter, Frühjahr. 
:!!.— Teedii (Roth) Lamour. (J. Ag. Si)cc. Alg. 11. p. 266). Triest, 

Pirano, im Herbste. 

32. KaUymctüa microphijlla J. Ag. (Zan. Icon. Phyc. aciriat. Vol. III. 

p. 53. Tav. XClll.). Pirauo, an" Cysfosiren im Sommer. 

33. Gymnogongeiis Griffithsiae (Turn.) Mart. (J. Ag. Spee. Alg. II. 

p. 316). — G. Wulfenii (Zan. leon. phyc. adr. Vol. III. p. 57. 
tav. XCIV.). Häufig auf Steinen, die zur Zeit tiefer Ebbe trocken 
liegen. — Das ganze Jahr hindurch. — Reife Nemathecien 
fanden sich an Exemplaren, die ich sowohl im Miirz, als auch 
im August sammelte. 

34. riujllottjius palmettoides (J. Ag.) Thuret. (J. Ag. Spec. Alg. II. 

pag, 333). An Felsen bei Miramar, Pirano etc. Fruktifizirt im 
Winter. 

Diese Art, die man nur sehr selten fruktifizirend findet, 
wird gewöhnlich mit Rhodymenia palmetta Grev. verwechselt, 
der sie sehr ähnlich ist. Von den Abbildungen Kiitzing's in den 
Tab. phycol. Band XVIII. tab. 98 haben Sphaer. Palmetta var. 
siibdivisa und Sph. acutifolius die äussere Form des PhylL 
palmettoides, die Anordnung der Nemathecien hingegen ist wie 
bei Ph. siculus Kg. Tab. phyc. XIX, tab. 75 d, e. 

Spyridleae. 

35. Spyridia filamentosa (Wulf.) Harv. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 340). 

Verbreitet durcli das Gebiet, Sommer, Herbst. 

Daniontleae. 

36. Catenella Opiintia (Good. et W.) Grev. (J. Ag. Spec. Alg. II. 

pag. 352). An der Flutiigrenze an Steinen und Ufermauern, 
gemein. 

37. Chylocladia acicularis J. Ag. iChyl. mediterranea [Kg-] Zan. 

Icon. phyc. adr. II. 13. Tav. XLIV.). Triest, Pirano, im Früh- 
jahr und Sommer. 

38. — uncinata Älenegh. (Zan. Icon. phyc. adr. II. p. 9. Tav. XLIII.). 

An Lanre7icia etc. Pirano, Miramar, im Sommer. 

39. — clarellosa (Turn) Grev. var. sedifolia (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 366). 

Grignano, im Winter und Frühjahr. 



'284 

Khodymenieae. 

40. Rhodymenia palmetta (Esp.) Grev. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 378). 

An Schwummen und Cystosirenstämmen hiiufig. 

41. — Ugulata Zan. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 382 — Kg. tab. pliyc. 

XVIII. tab. 96 a, b.). Pirano im Sommer. 

42. — Rliodophyllis bifida (Good. et Woodw.) Kg. (J. Ag. Spec. Alg. 

II. p. 388). — Kg. tab. phyc. XIX. tab. 50 a — f. Inochorion 
dichotomum Kg. (Kg. Spec. Alg. 873, tab. phyc. XYI. tab. 22 
a — c). 

Var. cernicorne {Inochorion cervicorne Kg. Tab. pliyc. 
XVI. tab. 22 d— g). 

Triest im Hafen, Pirano etc. meist an grösseren Algen, 
im Winter und Frühjahr. 

Ich nehme keinen Anstand, Inochorion Kg. als Synonym 
zu obiger Art anzuführen. Von Kützing als Inochorion be- 
stimmte Exemplare, die ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, 
stimmen genau mit Rodophyllis bißda überein, selbst im Baue 
des Cystocarps finde ich keine Verschiedenheit; wurde bei der 
Untersuchung desselben der Schnitt nicht genau durch die 
Mitte der Placenta geführt, so erschienen die Samen (Gemi- 
dien) in Fachern geordnet, wie es Kg. in seinen Tab. phycol. 
Band XVI, tab. 22 bei b abbildet. 

Rhodophyltis Strajforellii Ardiss. (Le floridee italiche Vol. II. 
p. 58 tav. X, XI, XU) scheint mir nur eine kleine, proliferi- 
rende. Form von R. bifida zu sein, wie sie auch häufig mit 
dieser zusammen vorkommt. 

43. Plccamium coccineum (Huds.) Lyng. var. S. nncinatmn (J. Ag. 

Spec. Alg. II. p. 395). — PL uncinatum Kg. tab. phyc. XVI, 
tab. 44 d — f. — PI. fenestratum Kg. tab. phyc. XVI, tab. 43 
c, d. Verbreitet, Winter und Frühjahr. 

Helminthocladeae. 

44. Nemalion luhricum Dub. (J. Ag. Spec. Alg. II, p. 418). Muggia, 

Miramar, im Winter. 

45. Scinaia fvrcellata (Turn) Mont. (J. Ag. Spec. Alg. II, p. 422). — 

Ginnania f. Kg. lab. phycol. XVI, tab. 68 a, b. — Ginnania 
pulrinata Kg. et ß. prolifera Kg. 1. c. tab. 68. c, d, Triest, 
Pirano etc. im Frühjahr. 

46. Liagora riscida (F"orsk.) Ag. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 425). Mira- 

mar, Muggia, Pirano etc. Sommer und Herbst. 

Liagora ceranoides Lam. (Zan. Icon. phyc. adr. III. p. 89, 
tav. CIL 1 — 3) scheint mir von L. viscida nicht spezifisch 
verschieden zu sein. Der. Hauptunterschied von dieser besteht 
in flachem, bis in die iiusserslen Spitzen rinnenformigen Laube, 
was ich aber auch öfter an L. mscida bemerkte, deren Laub 
im Leben stielrund, nach dem Trocknen ganz flach und ge- 
furcht erschien in Folge eines etwas lockeren Gewebes der 
Markfäden. Nur eine Untersuchung der lebenden Pflanze könnte 



2M5 

daher über das Arlreclil vom Liayorn ceranoides Latii. eiil- 
si'lieideii. 

47. Cialaxaura adriaflca Zan. (Icon. pliyc. adr. I. p. !)1 lab. XXII A). 

Miianiar, im Soiiinior. Im Leben roseiiroUi. 

Galaxaura Schimperi Decnc, die mir aus dem rotheti 
Meere vorliegt, ist von G. adrialica. nicht verscliieden uiul 
muss walirsclieinlich mit noch einigen anderen Formen der 
Gruppe Emjalaxaura in eine Art zusammengezogen werden. 

Oypnaeaceae. 

48. Canlacanlhus ustulahis (Mert.) Kg. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 433). 

■ Verbreitel. An Cystosirenstammen im Sommer und Herbste. 

49. Hypnaea musciformis (Wulf.) Lam. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 442, 

H. Rissoana J. Ag. I. c. p. 44S). 

Wiederholte Beobachtungen ergaben, dass die beiden Ar- 
ten, welche als H. musciformis und H. Rissoana unterschieden 
wurden, wieder zu vereinigen sind. H. musciformis wächst 
mehr an der Brandung ausgesetzten Steinen, H. Rissoana 
dagegen in ruhigen Buchten, Salinen etc. Häufig findet man 
in einem und demselben Rasen beide Arten in einander über- 
gehend , daher H. Rissoana J. Ag. nur eine durch den 
Standort bedingte Form der H. musciformis Wulf. ist. 

Gelidieae. 

50. Geiidium cornevm (Huds.) Lam. (.1. Ag. Spec. Alg. H. pag. 469) 

mit folgenden Varietäten, zu denen ich die bezüglichen Kützing'- 
schen Abbildungen zitire. Ein strenge Sonderung dieser Va- 
rielalen ist aber bei dieser äusserst veränderlichen Art nicht 
möglich. 

Var. ß. Pristoides (G. corneum hypnoides Kg. tab. phyc. 
XVlIl. tab. 50, b, c). 

Var. y. Hystrix (Echinocaulon hispidum Kg. 1. c. tab. 38 
a' — c. — E. strigosum Kg. 1. c. tab. 39. a — c.) 

Var. s. caespifosa (Acrocarpus co7-ytnbosus Kg. 1. c. tab. 36 
a — c. — A. spalkulatus Kg. 1. c. tab. 36 d — g. — A. pu- 
sillus Kg. I. c. tab. 37 i, k. — Geiidium secundatum Kg. tab. 
phyc. XIX. tab. 25 b, c). 

Var. f. crinalis ^Acrocarpus lubricus Kg. tab. phyc. XVIII, 
lab. 32. — A. crinalis Kg. 1. c. tab. 33 a — c. — A. spine- 
scens Kg. 1. c. tab. 33 d, e. — Gel. polycladurn Kg. I. c. 
tab. 55 e, f. — G. miniatum Kg. I. c. tab. 58 c — h.) 

Sehr verbreitet , die typische Form var. s. und f. an 
Steinen und üfermauern, die bei liefer Ebbe trocken liegen, 
die var. ß. u. y. gewöhnlich an Cystosirenstammen zusammen 
vorkommend. 

Sqoamarieae. 

.51. Confarinia Peyssoneliaeformis Zan. (Icon. phycol. adr. I. pag. 47 
tab. Xil). Triest an Cystosirenstammen selten. 



286 

52. Hildenbrandtia Nardi Zan. (Kg. tab. phyc. XIV. tab. 91 i— 1). — 

H prototypus Nardo — H. rubra Menegli. — H. sanguinea 
Kg. Sp. Alg. (nee tab. phyc). Auf Steinen blutrothe Flecken 
bildend, an der Fhithgrenze, — Winter. 

Die Fruktifikationsorgane dieser Alge scheinen, so weit 
ich es nach der mir zuganglichen Literatur beurtlieilen konnte, 
noch nicht genügend bekannt zu sein. J. Ag. Spec. Alg. 11. 
p. 494 sagt bei H. Nardi: „Sphaerosporas oblongas cruciatini 
divisas vidi; paranemata nulla." Kiitzing in den Spec. Alg. 
pag. 694 führt dagegen als Gattungscharakter an: „Tetracho- 
carpia inter paranemata simplicia nidulantia .... pyriformia, 
inaequaliter et oblique quadrigemina.'' Bei einer grossen An- 
zahl von Exemplaren, welche ich genau untersuchte, fand ich 
die Sporen birnfürmig, unregelmässig in 4 und mehr Theile 
getheilt zwischen einer Anzahl von entleerten Sporenhüllen, 
welche, wie schon J. Agardh 1, c. bemerkte, leicht für Neben- 
fäden gehalten werden können. Kreuzweise getheilte Sporen 
sind mir bis jetzt nicht vorgekommen. — Ich vermuthe nun, 
dass die von Kützing beschriebene Fruchlform mit ungleich 
schief getheilten Tetrachocarpien den Cystocarp, die von J. Ag. 
erwähnten kreuzweise getheilten Sporen die Sphaerosporen 
darstellen. Die Abbildung Kützing's in den tab. phyc. Bd. XiX, 
tab. 91 scheint mir nicht hieher, sondern elier zu Lithymenia 
polymorpha zu geliüren. 

53. Lühymenia polymorpha Zan. (Icon. phycol. adriat. I. pag. 127 

tav. XXX). — ? Hildenbrandtia sanguinea Kg. tab. phyc. XiX, 
tab. 91. nee Spec. Alg. ! — Peyssonnelia orbicularis Kg. Spec. 
Alg. p. 694. — Peyssonelia Harveyana (Crouan) J. Ag. Spec 
Alg. II. p. 501. Ziemlich häufig auf Steinen, Muscheln etc. 

In der Jugend gleicht diese Alge sehr einer Hilden- 
brandtia, bildet wie diese blutrothe, verschieden ausgebreitete 
Flecken auf Steinen etc. und stimmt genau mit der Abbildung 
Kützing's, die er in den Tab. phyc. von seiner Hildenbrandtia 
sanguinea gibt. Von Hildenbr. Nardi unterscheidet sie sich 
aber in diesem Zustande leicht durch das Grössenverhältniss 
der Zellen. Während die Zellen der Oberfläche von letzterer 
nur V250 Millim. im Durchmesser betragen, messen jene der 
Lithymenia circa Vso Mm. Bei fortschreitender Entwicklung 
tritt schon mehr der peyssonneliaartige Typus hervor; die 
Alge bildet dickere Schicliten und ist leicht mit Kalk inkru- 
stirt; in dieser Periode finden sich häufig die kreuzweise ge- 
theilten Sphaerosporen in grossen unregelmässigen Flecken 
(Spongiolis nemathecioides). Die Cystocarpien traf ich nur in 
ausgewachsenen, stark verkalkten Exemplaren, wie sie Zanar- 
dini 1. c. abbildet. Die Farbe dieser ist im Leben rosenroth, 
die Oberfläche glatt, nur die Fruchthaufen erscheinen fein ge- 
k()rnt. Im Trocknen geht die Farbe in ein Orange bis Schar- 
lachroth, bei abgestorbenen und aus grösseren Tiefen hervor- 



287 

geliolloii StiicKon in ein lichtos Rotligelb über, docii l)k'iben 
die F'ruchUiauren als natli(hiiii^ehule Flecken inarkirL 

Die Besclireibung', die J. Aoardh von P. Hurceyana gibt, 
stimmt genau mit vorliegender Pflanze, wesshalb ich sie unter 
die Synonyma auHVilire, autheulisclie Exemplare dieser Alge 
konnte ich mir leider nicht verschalFen. 

5-1. Peyssomie/ia squamaria (Gm.) Decsne. (J. Ag. Sp. Alg. 11. p. 502). 
Verbreitet an Steinen, Cyslosirenstiimmen etc. Fruklifizirend 
fand ich sie im Herbst und Winter. 

Was ich von verschiedenen Orten der Adria und des 
Mittelmeeres als Peyssonnelia rubra (Grev.) erhielt, waren 
rothe ausgeblasste Exemplare von P. squamaria, wie sie sich 
hier häufig an ausgeworfenen Cystosiren angewachsen finden. 

55. Rhhophyllis denlata (Mont.) Kg. (Zan. Icon. phycol. adriat. III. 
pag. 29. tav. LXXXVII). Auf Peyssonnelia squamaria, Pirano, 
Miramar. — Im Gebiete selten. 

(Fortsetzung folgt.) 



Darling loa la CaUforn ica. 

Eine Insektenfresserir». 

Von W. M. Canby -)• 

Die natürliche Ordnung der Sarraceniaceen umfasst bloss drei 
Gallungen und acht Arten. Die sechs Arten der Sarracenia sind 
längs dem atlantischen Küstenstrich der Vereinigten Staaten , und 
hauptsächlich im Süden von Virginien einheimisch, eine von diesen 
aber trifft man nur nordwärts bis Neufundland und von da westlich 
bis Michigan. Die einzige Art der Gattung Heliamphora wurde bisher 
ausschliesslich auf einem Gebirgszug in Venezuela oder ßrilisch-Guiana 
aufgefunden, während das noch übrige Glied der Familie Torrey's, die 
Darlingtonia Californica, etwelche Brüche in einer Meereshöhe von 
6000 — 7000 Fuss in den nördlichen Gebirgen Californiens unterhalb 
der Schneefelder des Mt. Shasta bewohnt. Die Sarracenien, heimisch in 
einem Gebiete, welches längst der Herrschaft der CiAilisation unter- 
worfen ist, sind Gegenstand bereits langjähriger Untersuchung von 
Seite der Naturforscher. Trotzdem hatte man — vielleicht mit Aus- 



*) Von dem.selben Autor brachte die Gest. bot. Zeitschr. (18ß9, Seite 77) 
einen Artiki'l über Dionaea »ntscipula, welcher seiner Zeit von konservativen 
Botanikern gleichsam als botanisciier Humbug belächelt wurde. Inzwischen haben 
Stein in der Aldrovanda und Prof. Colin in' der Utrkularia Insekten verzeh- 
rende Pflanzen erkannt, ^väh^end Darwin und Hooker ihre Aufmerksamkeit 
anderen „fleischfressenden" Pflanzen zuwendeten; ja von Darwin ist soeben über 
solche Pflanzen (Insectivorous Plants) eine grössere Abhandlung (500 Oclavseiten) 
in London erschienen. " Anm. d. lled. 



288 

nähme der eiiiziifen Sarracenla variolaris — ihren ffanz eiyenarütjen 
Bau und ihre Ein- und Vorrichtungen, welche in so wunderbarer 
Weise ihrem Zweciie als Insektenfänger dienen , noch immer nicht 
eingehend studirt. 

Und in der That, erst seit Dr. Mellichamp's äusserst interessan- 
ten und belehrenden Untersuchungen über die obenerwähnte Art, sind 
deren Funktionen vollständig erkannt. 

Voll des regsten Interesses für derartige Untersuchungen, und 
von den Experimenten Mellichamp's in ihrem ganzen Verlaufe genau 
unterrichtet, wendete ich mich meinerseits der naheverwandten cali- 
fornischen Pflanze zu, um, wenn möglich, Gewissheit zu erhalten, ob 
sie ähnlicher insektenfresseriseher Natur wäre. Sie war im J. 1842 von 
Mr. ßrackenridge, Mitglied der Wilkes'schen Erforschungs-Expedition, 
entdeckt worden. Allein die von ihm heimgebrachten Exemplare 
waren zu dürftig und unvollständig, um eine genaue Beschreibung 
zuzulassen, und erst im J. 1851 erhielt der verstorbene Dr. Torrey 
Exemplare in blühendem Zustande. Noch weitere zwei Jahre ver- 
gingen, ehe seine ausgezeichnete Beschreibung und Abbildung durch 
das Smithson'sche Institut veröffentlicht wurde. Noch hatte man keine 
reifen Samen erhalten, und wieder verflossen Jahre, bis Prof. Gray's 
Beschreibung deren systematische Diagnose vervollständigte. Bot auch 
eine solche Pflanze, auf nur wenige Standorte in einem rauhen, bei- 
nahe unbewohnten und selten besuchten Landstriche beschränkt, allen- 
falls genügendes Materialo für eine systematische Beschreibung, so 
hatte sie doch nur um so dürftigeres zur Beobachtung ihres physio- 
logischen Baues und ihrer Beschaffenheit geliefert, denn, obschon man 
seither keimfähigen Samen erhielt und vertheilte, so wollte doch, so 
viel mir bekannt geworden, ihre Kultur nur in sehr beschränktem 
Masse gelingen. Ich hatte mich daher auf die Untersuchung getrock- 
neter Exemplare und auf die Darstellung eines einzelnen Beobachters 
der lebenden Pflanze zu stützen, und was hier geboten wird, will nicht 
sowohl eine erschöpfende Beschreibung ihres Baues und ihrer Funk- 
tionen geben, als die Aufmerksamkeit auf sie lenken, damit eine 
genauere Kenntniss dieser höchst seltenen und merkwürdigen Pflanze 
gewonnen werde. 

Alle in diesen Zeilen genannten Pflanzen sind „Kannenpflanzen," 
so genannt von dem ganz eigenartigen Bau der Blätter , indem der 
dem Blattstiel entsprechende Tlieil eine mehr oder weniger lange 
und breite Röhre bildet, die, entweder gerade oder ein wenig gebo- 
gen, eine ganz ansehnliche Menge Flüssigkeit zu fassen im Stande ist. 
Bei der Sarracenia ist dieser röhrenartige Blattstiel an der Spitze 
ofl'en und wird von einer Haube überragt, welche der sonstigen 
Blallfläche entspricht. Diese Haube ist bei einigen Arten gerade, 
und lässt somit die Mündung der Röhre mehr oder minder bloss, 
während sie sich bei anderen , wie bei Sarracenia r)ariolaris, voll- 
ständig über die offene Röhre krümmt, so zwar, dass sie sogar den 
Regen am Eindringen hindert, ja ihn nicht einmal vom Winde hin- 
eintragen liissl. An der Darlingtonia ist der Bau dieser Organe ein 



•2H9 

weseiitlicli \erscliiiMlciici. Jlier luilieii wir eine verlungerle, beinalie 
gerade, jedocli gowuudeiio U()lire \or uns. Alloiii üir Ende ist 
gewOlht und frei und so nach einer Seile übergebogen, dass die 
Mündung geradezu nach unten zu stellen kommt und gänzlich durch 
selbe überdeckt erscheint. Es ist dalier ganz und gar unmöglich — 
wenn anders die Blatter sich in ihrer natürlichen Lage befinden — , 
dass der Regen oder das Sumpfwasser in die Uolire eindringen kann. 
Ihr(! Enden sind mit grünen Adern und halbdurchsichtigen gelblichen 
P'lecken eigeuthiunlicli gemustert, fast in gleicher Weise wie die Sa- 
racenia variolaris. Die Oefi'iuiug an den breitesten Bl.itlern hat etwas 
über einim Zoll im Durchmesser. Am äusserst en Rande dieser Mün- 
dung befindet sich ein der Haube bei der Sarraceuia entsprecliendes 
Organ, von weitaus verschiedener und ganz eigenlhümlicher Gestalt, 
das schmal au seiner Anheftungss'.elle begiiuit, aber rasch sich ver- 
breitert und bald in zwei auseinanderfahrende Lappen gabelt, so dass 
(las Ganze in aufTallender Weise einem Fisclischwanz ähnelt. Dieses 
Anliiingsel ist nach abwärts gericiitet und seine Enden krümmen sich 
deutlich ein wenig einwärts. Es ist schwach gefleckt, die Ilauptfarbo 
wechselt vom gewöhnlichen Grün der anderen Theile bis zu einem 
dunklen Braun oder Roth. Die Inuenseite zeigt sich mit kurzen gegen 
die OelFunng gerichteten Borsleu besetzt. So viel ich aus der ge- 
trockneten Pflanze zu entnehmen vermochte, sind die oberen Ränder 
dieser Lappen nahezu ihrer ganzen Lange nach eingerollt, und zwar 
in einer Breite von Vir. '''S Vi Zoll, verbreitern sich malig von den 
aussersten Spitzen gegen die Mündung der Röhre und bilden dadurch 
eine Art Riiuie, die sich gegen die OefFnung erweitert und direkt in 
diese hineinfuhrt. Hier findet nun eine Vereinigung mit einer ähn- 
lichen Falte statt , welche sich über den ganzen inneren Rand der 
OefTnung hinzieht. Diese letztere jedoch ist weiter, stärker und tiefer ein- 
gerollt als erstere. An ihrem Verbinduiigspunkt macht sich übrigens 
noch ein anderes Organ bemerkbar: der an s.iminilichen Arten dieser 
Ordnung mehr oder miiuler entwickelte Flügel, der von der Mün- 
dung bis zum Grunde der Rohre hinabläuft. Er ist bei unserer 
Pflanze schmal, wohl kaum je über Vi Zoll breit und stellt sich in 
der That wie zwei dem grösseren Tlieil ihrer Länge nach verbundene Flü- 
gel dar, die sich jedoch innerhalb der Mündung trennen, wo sie die eben 
l)eschriebenen Falten bilden, und sodann wieder nahe am Grunde, wo sie 
sich erweitern, membranartig werden und daselbst den ihnen natürlichen 
Platz, wie bei einem gewöhnlichen vom Rliizom entspringenden Blatt- 
stiel einnehmen, so dass in morphologischem Betracht der ganze Bau 
nichts weiter ist, als eine eigenlhündiche Modifikation eines gewöhn- 
lichen geflügelten Blattstieles, der an seinem Ende ein tief gekerbtes 
Blatt trägt. Was nun die Sarracenien betrifft, so macht sich nahezu 
derselbe Bau des Flügels bemerkbar , und die eben ausgesprochene 
Ansicht erhält überdiess ihre ergänzende Bestätigung durch jenen der 
Helianiplurra, deren „Kannen" je zwei abgesonderte aber knapp sich 
beridn-ende Flügel aufweisen , welche fast \om Grund an bis zur 
OeHnuiiy neben einander laul'(Mi. 



290 

Nachdem ich diese kurze Skizze des Baues gegehen, wird es 
niUhig sein zu zeigen , auf welche Art er als Falle zur Erbeutung 
der Insekten angewendet wird. In Ermanglung näherer Mittheilung 
und eigener Versuche kann diess jedoch nur in ziemlich unvollstän- 
diger Weise geschehen. In meinen Forschungen über diesen Punkt 
stützte ich mich auf das Zeugniss von Mr. J. G. Lemmon , der, in 
Nord-Californien zu Hause, zu wiederholten Malen Gelegenheit hatte, 
die Pflanze an ihrem natürlichen Standorte zu sehen , mir frische 
Exemplare freundlichst miltheille und mir alle Belehrung zukommen 
Hess, die er nur im Stande war zu geben: dass unsere Pflanze eine 
Insektenfangerin ist in demselben Grade, wie nur irgend eine der 
besser gekannten Glieder ihrer Familie , das steht ausser Zweifel. 
Die getrockneten Blätter, welche ich untersuchte, enthielten — oft 
mehrere Zoll hoch — die Ueberbleibsel von gefangenen Insekten. 

Mr. Lemmon schreibt in an mich gerichteten Briefen: „Seien 
Sie versichert, die Pflanze ist eine Fliegenfalle von der wirksamsten 
Sorte. Die Blattstiele sind oft dreissig Zoll hoch , aufgeblasen und 
gegen die Spitze erweitert, wo sie in eine dünne, blattartige, durch- 
sichtige Hauije anschwellen, welche über den Flügel des Blattstieles 
hinausragt und von einer runden Oeffnung unterhalb durchbrochen 
ist, während das wirkliche Blatt gleich einem Schwalbenschwanz vom 
äusseren Rande der Haul)e absteht. Innerhalb dieser Haube wird eine 
die Insekten anziehende zuckerhaltige Flüssigkeit ausgeschieden. Die 
Innenseite des aufgeblasenen Blattstieles ist mit langen, steifen, ab- 
wärts gerichteten Haaren bekleidet. Der Boden der Röhre ist mehrere 
Zoll hoch mit einer klaren Flüssigkeit angefüllt (die doch wohl nur 
als eine Absonderung durch die Blälter zu erklären ist), und ich habe 
allemal in einem der ausgewachsenen Blätter eine grosse Menge In- 
sekten oder deren Reste gefunden. Während ich Exemplare nach 
Hause trug, um zu sehen , ob ich sie kultiviren könne, schlüpften 
Schaiiren von Hornissen hinein, so dass ich oft die Blätter mit einem 
Messer aufschlitzen oder sie stürzen nuisste , um jene zu befreien, 
welche sich noch ausserhalb des Wassers befanden." 

Mr. Lemmon hat mir freundlichst eine, Eine Unze hältige, mit 
der Flüssigkeit von zwei „Blattstielen'" gefüllte Flasche zugesendet. 
Uebcrdiess findet sich auch im letzten Bericht des „Torrey Botanical 
Club" die Bestäiigung , dass man an einem näher bezeichneten Orte 
die Blätter auch wirklich als Flieffenfallen verwendet, gerade wie es 
mit denen der Sarracenia oatiolaris geschah. Da ist es wohl kaum 
nr»thig zu sagen, dass. da nun einmal ganz gewiss kein Wasser auf 
gewohnlichem Wege in di(; Rühre einzudringen vermag und in ge- 
sunden Blättern die Flüssigkeit jederzeit vorhanden ist, sie durch die 
Pflanze selbst ausgeschieden werden muss, wie Mr. Lemmon versi- 
chert. Ich habe oben erwähnt, was er von einer süssen im gewölbten 
Theile der Röhre auso-eschwiizten Feuchtig-keit erzählt, welche die In- 
Sekten so sehr anzieht. Die Wahrheit zu sagen , bei einem neuer- 
liihen Besuche, welche er den Pflanzen an ihrem Standorte gemacht, 
hat er sie allerdings nicht gefunden, „aber," fügt er hinzu, „er er- 



291 

iiincro sicli ^nnz ociiiui, lici IVülicrcn Geloffonlioiloii war sie aiio-cii- 
scheinlicli da.'^ Ich zwoille nirhl , dass die l'flanze einer Ausschei- 
dung fähig ist, welche als Lockspeise oder Köder ebenso dient, wie 
hei ihren Verwandten, den Sarracenieen , denn bei einigen vor län- 
gerer Zeit durch Miss N. J. Davis gesamniellen ßlatl-E\emplaren, 
welclie sichtlich im Irischen Zustande mit Baumwolle ausgestopft 
worden waren, blieb letztere, waiirend sie sicii von der Röhre um die 
Miiudung Ikmuiu leicht entfernen liessCan diesemTheil (I(m- Pflanze befimlen 
sich übrigens weder Borsi(Mi noch findet eine zuckerhaltige Ausscheidung 
statt) mit einiger Zähigkeit am oberen Tiieile, ja selbst an einer 
Stelle des Anhängsels hangen. Der Umfang dieser Ausschwitzung 
ist sehr klar an vielen der von mir untersuchten getrockneten Blätter 
zu erkennen. Noch bezeichnender jedoch alsdiess scheint mirder Umstand 
zu sein, dass, während die Borsten des gewölbten Theiles der Aus- 
schwilzung ermangeln , die ganze Oberfläche mit winzigen Drüsen 
besäet ist, welche ohne Zweifel Ausscheidungsorgane sind. Daraus 
Hesse sich denn doch auf oine Ausscheidung den ganzen Flügel ent- 
lang bis zum Boden der Ri)hre schliessen, wenn auch ein gewichtiges 
Zeugniss dagegen spricht. Mr. Lemnion glaubt nämlich davon nichts 
bemerkt zu haben. Er hatte jedoch keine Gelegenheit zu weiterer 
Beobachtung, seitdem ihm mein Brief, welcher eingehende Untersu- 
chungen über diesen und noch andere Punkte enthielt, zugekommen 
ist. Es befinden sich längs dem Rande des Flügels, o<ler genauer 
gesprochen, bmgs der Hi'dilung zwischen den zwei nicht vollkommen 
bis zu ihrem Ende vereinigten Flügeln — winzige braune, drüsen- 
tragende Borsten, und hie und da eingestreut lichter gefärbte, fast 
kreisrunde Körperchen, welche gleichfalls Drüsen sein mögen. Das 
eine oder das andere oder vielleicht auch beide Organe mögen 
immerhin einige Ausscheidung von sich geben. Dem steht freilich 
das bestimmte Zeugniss des Prof. Riley entgegen, welchem die in den 
Blättern gefundenen Insekten eingesendet wurden, und der keinen 
einzigen Kriecher unter ihnen fand; alle erwiesen sich als Flügler, 
welche von dem Anhängsel angezogen oder in ihrem Fluge durch 
dasselbe gehemmt worden sein mochten. Und hier, scheint es, haben 
wir einen Köder vor uns, der die Insekten anlockt und sie gerade- 
wegs zu einer „Falle von der wirksamsten Sorte'' hinführt. Mr. Lem- 
nion sagt weiter: „Ich kam eines Septembertags an einen Fleck, wo 
ich den Geruch von weitem spürte, so aufdringlich war er. Mehrere 
von den 4 bis 6 Zoll hoch mit Insekten gefüllten Blättern waren um- 
gefallen , augenscheinlich unter der Last der Flüssigkeit und der 
Insekten." 

Wollen wir nun den wahrscheinlichen Gebrauch der anderen 
Organe in Betracht ziehen. Nachdem Dr. aiellichamp das Vorhanden- 
sein und die Verwendung der Ausscheidung am Rande des Flügels 
bei der Sarroccnia roi'iolaris gezeigt hat, so Hesse eine ganz ähnliche 
Einrichtung bei der Darlingtonia auf einen gleichen Gebrauch schliessen. 
Aber selbst wenn diess nicht sicherzustellen wäre, so könnte es 
kaum anders geschehen, als dass Insekten, welche um die Pflanze 



292 

herumfliegen , durch das eigenthumlich hell g-efiirljle Anhängsel 
angelockt werden. Indem sie sich auf einer oder der anderen Fläche 
dieser Lappen niederlassen, werden sie früher oder später aufwärts 
kriechen und durch die oben beschriebenen Rinnen oder Falten, sowie 
durch die vielen dicken aufwärts gerichteten Borsten unausweichlich 
gegen die Mündung geführt. 

Einmal auf diese oder jene Weise nach Innen gelockt oder durch 
die Honigweide (wie Dr. Mellichamp diese von der süssen Ausscheidung 
bedeckten Theile sehr richiig nennt) angezogen, bleibt ihnen wohl 
nur geringe Aussicht auf ein Entrinnen; denn es ist kaum anzuneh- 
men, dass sie abwärts und somit aus der Mündung fliegen machten, 
ebenso könnten sie nur aus einem kleinen Theil der Innenfläche her- 
ausfall en, weil sie, selbst wenn sie ihren Halt verloren, die Falte 
oder der eingerollte Theil der Innenfläche jedenfalls zurückhielte, ja 
ich bin der Meinung, er genüge selbst, sie am Herauskriechen zu 
hindern. Hier kommen nun selbst die halbdurchsichtigen Flecke in 
Mitwirkung, wenn Dr. Mellichamp's geistvolle Annahme sich bewährt, 
dass sie dadurch, dass sie in entgegengesetzter Richtung von der 
Mündung Licht einlassen, dazu dienen, das Insekt in seinen Flucht- 
versuchen zu verwirren. Es ist klar, dass ^ diese „Areolae" , wie 
sie nach und nach in die Linie der Sonnenstrahlen gelangen , mehr 
Lichtzutritt gestalten und an und für sich heller sind als die nach 
abwärts stehende Mündung, geradeso wie zahlreiche Dachfenster 
weitaus melir ein Oberstübchen beleuchten, als ein Thor im Hausflur. Auch 
das ist in Anschlag zu bringen, dass diese lichteinlassenden Stellen ziem- 
lich tief in die Rückseite der Röhre hineinreichen, also wieder in 
entgegengesetzter Richtung der OefFnung, und auch diess, dünkt mich, 
müsse die Wirkung haben, die Insekten in ihr Verderben zu locken. 

Als ein weiteres Fluchthinderniss müssen wir die mit zahllosen 
nach hinten und abwärts gerichteten Stacheln bedeckte Innenseite der 
Wölbung bi'trachten, eine Einrichtung, welche sich bei allen Pflanzen 
dieser Ordnung wiederholt. So sehen wir also, wie das Insekt zum 
Anhängsel hingelockt, längs der äusseren Rinnen zur Mündung ge- 
leitet, von den winzigen, insgesammt dieser zugekehrten Borsten in 

? TIS j ^ o 

der gleichen Richtung festgehalten, durch die süsse Ausschwitzung 
von der Mündung oder von dem Flügel immer nach Innen gedrängt, 
am Herausfallen oder -kriechen durch die inwendigen Falten gehin- 
dert, in seinen Fluchtbemühungen durch die glänzenden „Areolae" 
und die rückwärts gekehrten Borsten gehemmt, endlich in den un- 
vermeidlichen Todestrichter hinabgezogen wird. Gewiss reicht dies 
allein dazu hin, anderer hier nicht berührten Punkte zu geschweigen, 
.lene, welchen sich Gelegenheit bietet, zu veranlassen, genaue Beob- 
achtungen über die Funktionen dieser wunderbaren Pflanze anzustellen. 
Es bleibt nun noch eine andere, und zwar höchst charakteristi- 
sche Eigenlhümüchkeit der Blätter zu erwähnen. Sie alle sind um 
etwa eine halbe Drehung um ihre A\e gewunden. So weit ich in der 
Lage war zu beobachten, sind sämmtliche Blätter Einer Pflanze in der 
gleichen Richtung gewunden, aliein bei BlattiM-n an<lei-er Pflanzen 



293 

Kommt die Windtino- ancli in onlirogeng^esetzter Richtnnfr vor , und 
zwar nacli meiniMi Exemplaren zu schliessen, ziendicli ebenso häufig 
die nach rechts als jene nach links. Icli halie mich umsiiusl lieniiihi, 
den Zweck dieser Win(lun<r zu erkennen, aUcin dass sie einem solchen 
im liaushalle der Pflanze dient, dariUxT kann wohl kein Zweifel be- 
stehen. Vielleicht dass Beobachtungen an der lebenden Pflanze eine 
Liisung dieses Rälhsels geben. 

W Urning ton (Delaware), im Juni 1875. 



Bemerkungen zu dem Prodromus Florae hispanicae. 

Von R. V. Uechtritz. 

(Scl.luss.) 

Paronychia cymosa Poir., auf die hin DC. die Section Chaeto- 
nychla gegründet , heisst hier Cimet onijchia cymosa Wkm.; die 
neue übrigens schon von DC. angedeutete Gattung („potius genus 
liroprium") wird durcli den Bau der Kelchzipfel, die Gestalt Aes Em- 
bryos, die eiweisslosen (?) Samen und den BliUhenstand motivirt und 
erscheint auch habituell als gerechtfertigt, wiewohl auch Paronychia 
echinata Lam. von den übrigen Arten in dieser Hinsicht abweicht. 
Waren die Samen bei Chaetonychia wirklich völlig eiweisslos, was 
WilHvomm übrigens selbst nicht als positiv* gewiss hinstellt, so wäre 
diess eine für die Familie der Paronychien gewiss bemerkensvverthe 
Anomalie. 

Bei Epilobiwn, in welcher Gattung von Lange auch der Bau 
der Samen mit Konsequenz und Erlolg bei der Unterscheidung der 
Spezies benutzt ist, findet sich auch sonst Neues und Lehrreiches. 
E. Larambergianiim F. Schz. wird von L. als E. carpetanvm Wkm. 
(1852) betrachtet. Ep. coUinnm Gm. und Ep. lanceolatnm S el M. 
figuriren mit Recht als Arten; E. Tovrnefortü Michalet wird frage- 
weise mit E. virgatnm ß. majns Lge, identifizirt. E. gemmif'enim 
Boreau (£. gemmascens C. A. Meyer? ist auch in Spanien beobachtet; 
Ref. glaubt, dass dasselbe mit der von Baron Hausman bei Seis am 
Fusse des Schleern an Ouellen der Bergregion entdeckten, als E. 
Facchinii Hausm. bezeichneten und unter diesem Namen auch von 
Huler in Oiiginalexemplaren vertheilten Pflanze, die nach der Ver- 
niuthung des Autors ^ielleicht das räthselhafte E. saUcifolium Facch. 
<iarstelll, zu vergleichen sein dürfte. Sowohl die französische Pflanze*). 
als die Tyroler gleichen habituell am meisten einem üppigen, stark 



*) Diese ist im Allgemeinen etwas starker bekleidet, zumal gilt dicss 
von den habituell überhaupt am meisten von dem E. Facchinii abweichenden 
kulfivirten ßoreau'schen Originalen, doch sind andere, namentlich die sub i6H 
in Cent. III von F. Srhultz's Herb. norm, ausgegebenen, aus dem Dauphine fast 
ebenso schwach bekleidet oder fast kahl, wie die Tyroler Pflanze. 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 9. Heft. 1875. 'i') 



294 

verssteten E. alsinaefolimn; Ref. weiss niilil, ol» die fiir erslero 
rliarakterislisclien, selir leicht abfallenden und daher an der getrock- 
neten Pflanze wohl fast immer fehlenden Gemmae der oberen Blalt- 
axeln sich auch bei E. Facchinii finden, was sich leicht am Stand- 
orte oder in der Kultur entscheiden Hesse. — Bezüglich der allge- 
meinen Verbreitung des E. Lamyi F. Schz. ist zu bemerken, dass 
diese Art, abgesehen von den erst kürzlich bekannt gewordenen 
Standorten im östlichen Central-Europa (Böhmen, Schlesien) auch im 
südlichen Skandinavien einheimisch ist. Ref. besitzt sogar von Lange 
selbst, freilich als E. tetragonum mitgetheilte Exemplare von Fre- 
drikshorg bei Kopenhagen, sowie solche von Oeland, von E. Fries 
als E. obscurum Schreb. erhallen. Die Korrektur dieser Bestimnnin- 
gen hat sein Freund Celakovsky gebilligt (vergl. Oest. botan. Ztg. 
XXIJ, pag. 284). 

Bei der hier noch unter den Sanguisorbaceen aufgeführten Gat- 
tung Alchemilla ist zu bemerken, dass Willkomm nach dem Vor- 
gange Grenier's (Fl. de France) bei A. fissa Schummel den Namen 
Ä. pi/renaica Dufour (1821) voranstellt, indem die Schummersche 
Bezeichnung von 1827 (W. et Gr. Fl. siles.) dalirt wird, was irrig 
ist. Der Verführer Grenier's"""), dem als Franzosen der wahre Sach- 
verhalt nicht füglich bekannt sein konnte, ist jedenfalls Niemand 
anderer als der berühmte Verfasser der Synopsis gewesen. In der 
1. Ausgabe schreibt nämlich Koch: ^Ä. fissa Schummel in Wimm. 
et Grab. Fl. siles.", später einfach: y,A. fissa Schummel bei W. 
und Grab." Diess erscheint auffällig gegenüber der Thatsache, dass 
Koch die Dufour'sche A. pyrenalca mit der Bemerkung „ex Steudei 
et Höchst, als Synonym zu A. fissa bringt, Steudei und Hochstetter's 
Enumeratio aber schon 1826, also ein Jahr vor dem Erscheinen des 
ersten Bandes der Fl. Silesiae edirt worden ist. Noch befremdlicher 
aber wird die Koch"sche Schreibweise, wenn man in Erwägung zieht, 
dass die A. fissa Schumm. bereits 1823 unter diesem Namen in vier- 
tens' und Koch's Deutschlands Flora (I, Band) beschrieben ist, wo 
zugleich die wahre Ouelle für die Schummel'sche Bezeichnung zitirt 
wird. Es ist diess nämlich die im J. 1819 ausgegebene Centurie IX 
(nicht XI, wie W. und Grab, schreiben) der unter dem Namen der 
schlesischen Centurien bekannt gewordenen, von Schumtnel in Ge- 
meinschaft mit Günther herausgegebenen E.Tsiccatenkollektion schlesi- 
S(;her Pflanzen. Dort findet sich auf der gedruckten Etikette 
zugleich die erste Diagnose dieser Art; eine Copie derselben 
existirt in einer vom Vater des Ref. verfassten, im ersten Halbbande 
der Regensburger Flora von 1821 anonym erschienenen Besprechung 
der ersten neun Centurien jener für die Kenntniss der schlesischen 
Phanerogamen so bedeutungsvoll gewordenen Sammlung. 



*) Wohl auch Nymanns, der ebenfalls A. fi,ssa Scliummel in W. et Gr. 
M. Silos, schreibt, aber zu.^lcich die A. pyreyiaica Duf. net)en jener als selhsl- 
ständige All auflührt. 



295 

Bei Polenlilht inlennedia isl ein ai-yer Lapsus zu kouslaliron. 
Willlvornm riliit Uiiinlirli l)ei seiucr Pflauze ausscsr DG. Fl. fr., Cr. 
et G , Nestler Mimugr. l. 8 uiul Ueiclih. Icou. I. f/JÜ au<ii Lciiiiiauu's 
Hcvis. Potent, l. 41 und zwar die beiden letzteren Abbildunj^en als 
gesehen. Das Signum autopsiae ist aber wohl zu Le!iniann"s Bilde 
mir durch ein Versehen gcrathcn, da dieses eine ganz andere Pflanze 
darstellt, als die von Willkouun beschriebene, auf welche sich die 
üiirigen Citate aucb richtig beziehen. Leiiniann's Tafel stellt niirnlich, 
wie ein Blick in den Text sofort belehrt haben würde, die baliisch- 
nordeuropiiische Art dar, welche jetzt allgemein nach dem Vorgange 
\on Fries für die wahre Poi. mlermcdia L. geballcn wird*). Will- 
k()mm"s Pflanze dagegen ist die P. heplaphylla Miller (P. Nestleriana 
Tratt.) und die im Prodromus angegebene geogra])hische Verbreitung 
wird daher insofern zu berichtigen sein, als Skandinavien zu streichen 
isl. Die Angabe ,.Ross. med." dagegen ist beizubehalten, denn wenn 
auch sonst P. heplaphjjUa im Allgemeinen eine mittel- und südeuro- 
piiische Pflanze ist, so tritt gleichwohl eine in den F'ormenkreis dieser 
liolymorphen Spezies zu verweisende Unterart dort auf, die P. Gold- 
bacliii Rupr. Fl. ingrica (P. clongata Goldbachii ej. Diatr. petrop.j, 
welche noch bei Pcitersburg vorkommt. 

Bei Pot. cinerea ß. Irifolioiata Purkyne ist Willkomm gegen 
Asclierson (1. c. p. 592) in Schutz zu nehmen; einmal schreibt Koch: 
ß. trifoliata, und dann ist auch die Umgrenzung der Koch'schen Va- 
rietät eine andere, da dieser nach dem Synonym P. subacauHs Wul- 
fen und der Standortsangabe „südlich der Alpen" offenbar die spatere 
P. Tummasiniana F. Schultz gemeint hat, wiewohl die Charakteri- 
stik ebenso gut auf die diesseits der Alpen, (z. B. bei Wien! Mün- 
chen! Prag! Breslau!!) bisweilen unter der Stammform mehr oder 
weniger hiuifig vorkommenden Individuen mit 3zähligen oder wenig- 
stens vorherrschend 3zähligen Blättern passen würde, die den Ueber- 
gang zur P. Tommasiniana vermitteln; namentlich sind die Exem- 
plare von der Gaschinger Haide bei München kaum von der Triester 
Pflanze verschieden, die umgekehrt bisweilen mit vorherrschend özäh- 
ligen Blättern variirt. — Von dieser seiner Varietät trifoliala unter- 
scheidet Koch ausdrücklich (Syn. 11, 1, pag. 257, ferner M. et Koch) 
die südfranzösische Pflanze (P. veliilina Lehm., P. subacaulis Jordan 
Pugill. pag. 70; aut. gall. v. c. DC, Fl. fr. Gren. et Godr. max. 
ex p. fausschlicsslich des Standortes Valence, Dep. Dröme, die dor- 
tige Pflanze ist P. Clementi Jord. Pug. 70], ebenso P. subacaulis L. 
Sp. II, z. Th. [nach den Synonymen von Gerard und Garidel und den 
Standorten Gall. austr. Granada Galloprov.]); desgleichen bilden beide 
in Lehmann's Rev. Potent., wo P. velutina als Art eingezogen wird, 

*) Indessen ist zu erwähnen, dass die Potent, interntedia der Schriflrn 
Linne's nichts desto weniger im Grunde genommen keine unvermengte, mit der 
Fries'schen sich vollkommen deckende Art ist, und dass sie L. nicht einmal als 
schwedische Pflanze gekannt hat. Mit Recht schreibt daher der vorsichtige und 
gewissenhafte Ruprecht sowohl in den iliatriben zur Fl. von Petersburg als in 
der Fl. ingrica P. intermedia L. Maat. I. (exci. syn. et patria). 

9> * 



'296 

gesonderte Varietäten (hn* P. cinerea aut. — Ref. ist es nnbekannt, 
wie Purkynö selbst seine P. cinerea ß. trifoliolata begrenzt, ^ ennutli- 
lich aber verstebt er darunter sowohl die P. Tommasiniana F. Schz., 
als auch die P. i'elutina Lehm., denn trotz der im Allgemeinen ge- 
sonderten Verbreitung beider Formen seliein! es nicht ganz an Zwi- 
schengliedern zu fehlen, zu denen namentlich die riithselhafte, in 
neueren Zeiten nicht wieder gefundene P. grandiflora Scop. (Flora 
carn. I, t. 22!) gehören dürfte, welche schon der Blattform halber 
nicht mit der typischen Pot. Tommasiniana übereinstimmt; (vergl. 
Tommasini in Fl. 18:.7, [1, p. 478 und 479). Lehmann (Rev. Pot. 116) 
zitirt die P. grandißora Scop. nur fragweise zu seiner P. velutina, 
Gren. und Godron dagegen bringen das Bild unbedenklich zu ihrer 
P. siibacanlis. Dagegen vergleiclie man M. und Koch Deutschlands 
Flora H!. 534 ; die Verfasser geben die Aehnlichkeit der Blattform 
beider Pflanzen ebenfalls zu, machen aber zugleich auf die Differen- 
zen aufmerksam. Diejenigen Autoren, welclie alle erwähnten Poten- 
tillen zu einer Spezies verbinden, dürften somit der Wahrheit am 
nächsten kommen, so neuerdings auch Boissier (Fl. Orient. 11, 724), 
der sogar die von Lehmann für die P. subacaulis L. Kar sioxrjv 
gehaltene und noch als Art betrachtete, auf Tafel 56 der Revis. Pot. 
abgejjildete kaukasisch-sibirische Pflanze hinzuzieht und ausdrücklich 
bemerkt: „Nullo modo P. cineream, velutinam et subacaulem mani- 
feste una in alteram transeuntes specifice disfinguere possum." Boiss. 
stellt, wie schon früher Bertoloni, den Namen P. subacaulis L. voran, 
wohl der Anciennität halber, und bringt P. cinerea Chaix als var. ß. 
quinata dabei unter; von Lehmann und Purkynö wird dagegen nach 
Ansicht des Ref. mit Recht, umgekehrt P. cinerea als die typische Form 
angesehen. Die spanische Pflanze (P. subacau/is Boiss. Voyage) ist 
nach den Synonymen bei W^illkomm, aus deren Zahl jedoch P. sub- 
acaulis Lehm. Revis. t. 56 richtiger zu streichen wäre, da sie als 
()sfliche Pflanze schwerlich auf der iberischen Halbinsel auftritt (vgl. 
oben), identisch mit P. velufina Lehm., P. Tommasiniana F. Schultz 
(P. cinerea ß. trifoliata Koch) scheint dagegen wie in Südfrankreicl» 
zu fehlen, wesshalb die von Willkomm erwähnten Zwischenglieder 
zw. P. nwerert'"") und der Var. /ri/o/<o/afa \ielleicht eher mit der oben- 
erwähnten P. Clemenli Jordan zu konfrontiren sein werden, welche 
in der Gestalt der Blättchen und deren Kerbzähne dem Typus der 
Art sich nähert, von welchem sie sich durch die stark vortretenden 
Nerven der fast immer Szähligen Blätter und die Bekleidung sehr 
entfernt. 

Bei P. cinerea ß. trifoliolata Purk. heisst es in einer Anmer- 
kung: „Cl. Purkynö, qui omnes lierbarii mei Potentillas perlustravit, 



unter 



*) Formen mit •'Szähligen Bliidern fehlen nach Willkomm in Spanien ganz ; 
uiucr ihnen ist P. arenaria Borkh. (P. cinerea aut. pl. P. incana aut. recenf. 
vix Mch.) die bekannteste; P. cinerea Chaix, Joid. und P. vei^tita Jord. sind 
von dieser noch versi-liicden, aber gewiss nur Glieder einer und dersell en po- 
lymorphen Spezies, für welche alsdann mit Lehmann die Bezeichnung P. cinerea 
Chaix zu bevvühren sein würde. 



297 

non Sdhiiii linnc slirpcm ad P. cinercam perlinore, sed ipsam P. cl- 
ncreaiit loihiüse iiil nisi P. rernac variflalciii iiiislralcni esse ccn.sel." 
Allein in dieser Form gibt der zilirle Salz Keinen rechten Sinn, indem 
P. cinerea last ebenso weit nach Norden verbreitet ist (südl. Skan- 
dinavien, Lielland, Eslliland) wie P. rerna auf. rec. (efiam Willkomm). 
Vermuthlich ist bei der redaktionellen Fassung- einlach ein Versehen 
niünnlergelaulen; Purk. Ansicht ist wohl die, dass jene Variefas tri- 
foiiolata die südliche Form der P. cinerea und diese selbst wieder 
möglicherweise nur eine Varietät der P. rerna darstellt. 

P. pensylranica L. wächst auch in Algerien, was bei der son- 
derbaren Verbreitung dieser polymorphen Art zu erwähnen gewesen 
wäre. Zu welcher der vielen bei Lehmann aulgefidirten Varietäten 
die spanische Pflanze eigentlich geh()rt, ist Ref. nach dem einzigen 
ihm zu Gesichte gekommenen von M. Winkler auf der Sierra de Al- 
l'acar bei Granada gesammelten Exemplare nicht recht klar geworden, 
die in bot. Gürten gezogene Pflanze ist es jedenfalls nicht. 

Das centralspanische für G. hispidum Fr. gehaltene Geiim ist, 
obwohl selbst der neueste Monograph der Galtung, Scheutz, diese 
Bestimmung gelten lässt, und obschon es nicht ganz an Beispielen 
l'iir eine ähnliche aufTallende Verbreitung feldt '"•'), keineswegs mit der 
schwedischen Pflanze identisch, was eigentlich schon Willkomm hätte 
bemerken können, der das nach einem Fries'schen Originale ent- 
worfene Bild der Icones von Reichb. als gesehen zitirt, aber dabei 
das spanische Geum ganz richtig beschreibt (foliis basilaribus lyrato- 
pinnatisectis, segmento terminali niaximo cordato-oblongo et 
cum segmentis lateralibus multo minoribus crenatis etc.). Die 
Pflanze von Guadarrama behält nichtsdestoweniger ein besonderes 
l)llanzengeographisches Interesse, denn nach Ansicht des Ref., der 
Originale aller drei Gea besitzt, ist sie vollkommen mit den kleine- 
ren Exemplaren des serbisch-bosnischen Gevm molle Vis. et Panc. 
identisch. 

Ref. nimmt von dem ihm werth gewordenen Buche, dessen im 
Vorstehenden besprochene Lieferung im Uebrigen gleich den frühe- 
ren eine Fülle interessanter und lehrreicher Beobachtungen birgt, mit 
dem Wunsche Abschied, dass es den verdienten Herren Verfassern 
vergönnt sein möge, ihr wichtiges, zu den Fundamentalschriften euro- 
päischer Floristik zählendes Werk glücklich zu Ende zu führen, wozu 
jetzt, nachdem etwa drei Vierlei des Ganzen erschienen sind, ge- 
gründete Aussicht vorhanden ist. 

Breslau, Ende Dezember 1874. 



*) So die nordischen, den cenlraleuropäischen Hochgebirgen fehlenden 
Phyllodoce taxifolia Sahsb. und Trisetam ayrostoideum Fr. der französischen 
Pyrenäen, als merkwünJigstes Beispiel aber die spanisch-portugiesische Globu- 
larin spinosa Lam., die erst wieder auf Oeland und Gothland aui'lritt und die 
ursprüngliche G. vulgaris Linne's repräsentirt. 



298 

Mykoiogisches. 

Vun St. Schulzer von Müggenburg, 
111. 

Nach der schönen Entdeckung de ßary's ist es nun eben nicht 
schwierig-, sich davon zu überzeugen, dass Cincinnobolus Cesalü de B. 
keine Spermogonienform, sondern ein ungeladener Gast der Erysiphe 
und ihrer Conidienform, die ich Torula Albuginis nenne, sei. 

Ich verzeichnete denselben in einem Herbste von drei Pflanzen : 
Mitte Oktober in Menge auf nicht reif gewordenen Rebenschösslingen, 
seltener auf Blattern der Rebe und an Beerenspatlingen. Ebenfalls 
zahlreich aber später erscheinend und bis zum Eintritte des Wirth 
und Gast tiidtenden Frostes an Kiirbisbläitern. Vom Oidlum Tuckeri 
und von der Kürbisblatter bewohnenden MehUhaii-Torula sah man 
nur hin und wieder einige Rudera. Die Form war die denkbar- 
mannigfaltigste : vom Kugel- bis in's Spindelförmige, stiellos und lang- 
gestielt, einfacl» oder zwei Perithecien übereinander, Missgestalten 
u. s. w., je nachdem der Usurpator sich die unterste Zelle des Wirthes, 
eine oder inehrere der höher gelegenen zum Standquartiere erkoren hatte. 

An Gestalt ganz anders priisentirte sich der dritte Fund im halben 
November an Blattern des gemeinen Wildlings, weil sich der Pilz 
hier ausschliesslich in den Früchten der Erysiphe communis ausbildete, 
und zwar häufig in bereits der Reife nahen, schon mit Fulcri ver- 
sehenen Individuen. Hiedurch entstanden natürlich nur sitzende, kuge- 
liche Formen, welche 0'057^ — O-OSe"*™ im Durchmesser hatten, somit 
gegen die beiden ersteren, die nur 0*012 — 028"'" dick sind, gewaltig 
abstachen, was indessen begreiflicherweise keinen Grund an die Hand 
gibt, mehrere Arten zu unterscheiden, weil hier Form und Gri'jsse 
des Peritheciums keine Eigenthümlichkeiten des Pilzes sind, sondern 
vom occupirten Organe des Wirthes abhängen. 

Weiter fiel mir bei dieser Form auf, dass ganze Blätter, entweder 
der Cirinnobolus allein, oder die Erysiphe für sich bewohnten, ge- 
mischt nirgends vorkamen, und zwar ohne wahrnehmbare Ordnung 
das eine Blatt diesen, das nächste oft den andern Pilz ernährte. 

Grösse und Form der Sporen sind häufig bei demselben Indivi- 
dninn verschieden, am meisten an Reben, wo die Gestalt vom Ovalen 
bis zum Langcylindris„'hen W(!chsclt. Sie waren 0-006 — ^0'0145""" lang 
und 0-()026— 0-004""" dick, während bei den beiden anderen die 
cylindris(;h-ovale Form vorherrsi;lite uiul die Länge 0004 — ^0-009™", 
die Dicke meistens 0-003"^™ oder etwas darüber betrug. 

Wir haben den Cicinnobolus, besonders an Reben, als einen 
sehr nützlichen Pilz zu begrüssen, denn es ist klar, dass er die 
Erysiphe nicht bloss an der Fruklifikation hindert, sondern formlich 
ausrottet, wie ich es an vielen Blättern des Windlings sah. 



299 

Leider kann man vom Cctr eidcroslc, welcher bei uns nebst 
M.iusen, allgemeiner Ansicbl der Landwirlhe zu Fol<re, meiirere Miss- 
ernten verursachte, dann abnahm, nicht dasselbe sagen. Die auf 
Resultate von Anbauversuchen basirle Hypothese von der beinahe 
abenteuerlichen Forlpflanzungsweisc dieses bösen Feindes ist bekannt, 
soviel aber auch gewiss, dass die in manchen Gegenden Deutschlands 
belriebene Ausrottung der Berhcris vulgaris die Leute von dieser 
l'lage nicht befreien werde, denn nicht bloss in meiner Gegend, sondern 
auch in der Barska und dem grössten Tlieile des Banales, wo der 
Host seinerzeit uns so übel mitspielte, kennt man diesen Strauch nicht. 
Wo keimt da die Puccinia als Teleutospure? 

Ende August überzog ein grüngrauer Schimmel Dunstol)st 
CWeichseln) und erwies sich als Aspergillns repens de Bary, an dessen 
Fusse pflasterförmig, dicht zusammengedrängt, gleichsam eine Masse 
bildend, die Pyrenien der Schlauchform, Eurotium repens 6eB., sassen, 
doch entstanden später einzelne aucli weiter oben an Hyphen des 
Luftmyceliums und stellten sich dem unbewaffneten Auge als gelbe 
Pünktchen dar. Das Mycelium wucherte zwar in der obersten Kirschen- 
schichte und der dazwischen befindlichen Zuckerlijsung, aber der an- 
sehnlichere Theil davon verflocht sich über der Oberfläche und be- 
deckte die Eurotimn-Lage. Auf einen Teller herausgehoben, verbreitete 
es sich, als strahlenförmige reinweisse Fadchen, vom Rande nach allen 
Richtungen. 

Alle Mühe, zweierlei Mycelien zu unterscheiden, war hier und 
bei später gefundenen zwei Eiirofium- Arien (E. Aspergilhis glancus 
deB. und E. Aspergillns grisevs mihi) vergebens; somit muss ich, so 
sehr auch diese zwei Pilzformen von einander abweichen, de Bary's 
Entdeckung ihrer Zusammengehörigkeit bestätigen. Indessen kommt 
die Conidienform nicht selten auch allein vor. 



Die Myceliumhyphen der an einem im Keller zwischen Dezember 
und Jänner faulenden Kürbisse beisammen entstandenen Schimmel- 
formen, namentlich des Mticor ciliatns Bon. = Mucor Mucedo Fresen. 
und des Chaetocladkim Jonesii Fresen. = Botrytis Jonesii Berk. et 
Br., halte ich Gelegenheit deutlich zu unterscheiden. 

Bei Ersterem bestand das Mycelium zur Zeit der Untersuchung, 
wo bereits beide Formen fruklificirten, aus gegliedert-abgetheilten 
ästigen Hyphen, eigentlich aus länglichen, an den zusammenstossenden 
Enden abgerundeten Zellen, von denen wieder häufige blinddarmf(»r- 
mige. eben so starke, kurze Sei! entriebe ausgingen, aber auch auf- 
wärts gewendete, weil dünnere, zur Bildung des Hyphasma. Die völlig 
unseptirten Myceliumhyphen des Chaetocladium hingegen entsandten 
derlei Nebenäste nicht und verliefen, schlangenförmig glatt in einander 
verflochten, horizontal. Die durchschnittliche Dicke derselben war 
0-OOG— 0-007'^", jene des Mucor dagegen 00 i— 0-012"'". 

Mehr als ein Jahr nach dieser Beobachtung bekam ich, als freund- 
liches Geschenk des Herrn Verfassers. 0. E. Zimmermann's, „Das 



300 

Genus Mucor"^ in die Hand und fand die Richtigkeit derselben be- 
stätigt, wo S. 35 angeführt ist, dass er meint: eine Zeitlang in der 
Lage gewesen zu sein, die Keiinfaden des ^lucor an ihrem grosseren 
Durchmesser von jenen der Botrytis, die schliesslich vom Mucor 
überwuchert wurden, unterscheiden zu können. Also vor dieser Ueber- 
wucherung kann man wirklich zwei verschiedene Mycelien sehen. 

Trotzdem mochte ich der Zusammengehörigkeit beider Pilzformen 
eher das Wort sprechen, als der Trennung, und als Hauptgrund hiefür 
anfüüren, dass das Chaetoclad'mm meines Wissens noch nie anders 
angetroffen wurde, als in Gesellschaft von Mucor. Ist es elwa nicht 
möglich, dass von dem bekanntlich im Anfange unseptirten Mycelium 
des Mucor einzelne Parlhien es auch im weiteren Verlaufe bleiben 
und statt Mucor, Chaetoclad'mm erzeugen? Dem scheinen indessen 
die Resultate von Aussaatversuchen Zimmermannes zu widersprechen. 
Siehe 1. c. Fortgesetzte Untersuchungen werden uns wohl auch da 
Licht bringen. Es handelt sich ja nicht darum, dass Dieser oder Jener 
Recht behalte, sondern um Erforschung der Wahrheit! 

Bei dieser Gelegenheit deponire ich noch einige andere Beob- 
achtungen am Chaetocladium. 

Alle mir bekannten Untersuchungen hatten auf Thier-Excrementen, 
besonders auf Pferdemist gev^achsene Individuen zum Gegenstande, wäh- 
rend das meinige auf einem faulenden Yegelabil entstand. Höhe des Pilzes, 
Verzweigung mit allen ihren Sonderbarkeiten ist ganz dieselbe, aber 
den Sporendurchmesser fand ich nur 0*0053, Fresenius 0-0066 — 00083, 
de Bary 0-0066— 0-0078, bei einzelnen selbst 0-0105°"°, also zweimal 
so gross, überhaupt im Ganzen grösser wie ich. Die Ursache schreibe 
ich der Verschiedenheit des Standortes zu und notire dieses zur 
Warnung: bloss auf Grund verschiedener Sporengrösse neue Arten 
aufzustellen. 

Die zweite Beobachtung überraschte mich, weil sie die Sonder- 
barkeilen dieses Pilzes noch um eine vermehrt. Die zuweilen auch 
nahe am Fusse gabelig getheiUen Haupthyphen verlängern sich, nach- 
dem sie an zwei bis drei Stellen Quh'läste angesetzt haben, die dann 
den eigenthümlichen Bau erzeugen, weit, oft mehr als 13°"°, über die 
letzte Stelle hinaus, wobei sie sich normal pfriemlich zuspitzen, schlan- 
genförmig krümmen und steril bleiben. Einige erzeugen jedoch, und 
zwar oben, Früchte, welche sich von den an Wirtelästen entstehenden 
in gar nichts unterscheiden. Trocken massig vergrössert, sehen derlei 
Hyphenspitzen verdickt und warzig-rauh aus. Beim Zutritt von Wasser 
und starker Vergrösserung bemerkt man, dass das Hyphenende peit- 
schenförmig in 3—4 dünne Faden getheilt, an sich selbst zurückge- 
krümmt und verflochten war und nun sich die Fädchen langsam von 
einander trennen. Alle Fädchen tragen seitlich, stiellos Sporen, 
ganz so wie Ps'donia Fr. (nee Corda), was Ursache ist, dass sie, wie 
gesagt, in ihrer verflochtenen (iesammiheit angesehen, schlanken rauhen 
Keulchen gleichsehen. 

Die dritte Beobachtung endlich betrifft die kurzen tertiären oder 
quaternären On'i'lzweige, an welchen die Sporenklümpchcn entstehen. 



301 

Diese erlialten um die etwas verdickten Enden jene überaus zarl- 
liiiuligen Organe, welche Fresenius „Zellasle" neruit, an denen dann 
die Sporen sieli bilden. 



Aufzählung der in der Umgebung von Pola wachsen- 
den Pflanzen. 

Von Prof. Leo Neugebauer. 

CFortsetzunf.") 

Myosotis intermedia Lk. Humusreiche Anhöhen (F. Michele elc.) 
100, 177. 

— hispida Schlechtd. Triften, Strassenschotter. 31. 
Solanum miniatum Beruh. Schutt, etc. 640. 

— nigrum L. 3Iit voriger. 616. 

— DuJcamara L. Zäune (d. Pra grande etc.), 426. 

— Sodomaeum L. Schutt vor der Maxbarake, oline Zweifel aus Dal- 
niatien eingeschleppt. 709. 

Hyoscyamus albus K. Arena, Schutt vor der Fieberbrücke. 381. 
Datura Stramonium L. Anlagen vor der Schwinnuschule. 618. 
Verbascum phlumoides L. Aufschüttungen bei der Fieberbrücke ; selten. 
521. 

— sinuatum L. Wege, Schutt etc. 473. 

— sinnatoy^floccosum (?). Wege etc. 647. 

— phoeniceum L. F. Levano grande. 208. 

— Blattaria L. Wege, Triften. 348. 

Scrophuluria canina L. Unfruchtbare Anhöhen, Steinbrüche. 163. 
Antirrhinum tnajvs L. Schutt hinterm Sjiital (Gartenflüchtling?). 556. 

— Orontium L. Felder am M. Gobbo. 383. 

Linaria Cymbalaria Mill. Alte Mauern (Castell), Felsabhiinge (Strasse 
nach Policarpo). 382. 

— commufala Bernh. Maisfelder. 399. 

— spuria Mill. Aecker. 585. 

— minor Desf. Schutthaufen (hinterm Spital), Felder (M. Rizzi), 
Felsabhänge (Strasse zur Schwimmschulc). 335. 

— Httoralis Bernh. Seekiiste bei V. di Ovina, selten; eine Form, 
die den Uebergang zu L. minor vermittelt, in Steinbrüchen (beim 
Spital). 696. 

— pelisseriana Mill. F. Marina. 220. 

— vulgaris Mill. Schutt etc. 573. 

Veronica Anagallis L. Gräben der Pra grande. 114. 

— Chamaedrys L. Zwischen Gestrüpp am Fusse des F. Michele, ge- 
lichtete Stellen im Kaiserwald, eine staudige Form (475) an 
schattigen Stellen daselbst. 75, 475. 

— ofßcinalis L. Kaiserwald. 369. 



302 

Ver. arcensis L. KuKiirbüdcii, eine winzige Form (195) auf kahlen 
Hügeln. 195. 723. 

— agrestis L. Kulturboden. 180. 

Orobanche Hvida Koch (?). Auf Helichrysum angustif'olivm (M. Cli\ü, 

Hügel vor Veruda elc). 248. 
Euphrasia serotina Lam. Hügel, Triften, Felsabhänge. 624. 

— lulea L. Sonnige Hügel. 6U9. 

— Trixago Vis. Eine steinige, grasige Stelle am M. Rizzi; es dürfte 
wohl derselbe Standort sein, den Tommasini (Oest. bot, Zeitschr. 
XXni. 176) andeutet. 388. 

Mentha sylvestris L. Brachfelder. 553. 

— aqnatica L. Graben d. Pra grande. 594. 

Pulegium vulgare Will. Pra grande, 601 staudig, Strassenränder (Strasse 

nach F. Musil). 509, 601. 
Lycopns enropaeits L. Gräben der Pra grande. 730. 
Sahia officinalis L. Hügel der Westseite. 196. 

— pratensis L. Hügel, Triften. 309. 

— clandestina L. Kastell „F. Cassoni vecchi." 26. 

— verticillata L. Steinbrüche von Fisella, höchst selten. 501. 
Origanum hirtnm Lk. Unfruchtbare Orte. 448. 

Satureja montana L. Hügel. 725. 

— variegata Host. Grasige, felsige Orte. 552. 
Calomintha Acinos Clairv. Aecker. 285. 

— officinalis Mönch. Grasige Hügel, Strassenränder (F. Musil). 603. 

— Nepeta Clairv. Grasige Hügel. 551. 

Clinopodivm vulgare L. Hecken etc. 511. 
Melissa officinialis L. Schutt, Hecken. 578. 

Nepeta Cataria L. Schiessstätte, rechtsseitige Strasse d. Pra grande, 
selten. 595. 

Latnium maculatum L. Gräben, Kaiserwald. 94, 459. 

Sfachys italica Mill. Sterile Anhöhen; auf einem unbebauten Felde 
hinterm Spital im Jahre 1873 so dicht, dass zur Blüthezeit das 
ganze Feld gleichförmig roth erschien, 1874 war auf demselben 
Grundstücke auch nicht Eine Pflanze zu finden. 508. 

— sylvatica L. Kaiserwald. 371. 

— annua L. Felder am Pra grande. 569. 

— recta L. Sterile Hügel. 330. 

Betonica officinalis L. Buschige Hügel, Kaiserwald. 449. 
Siderilis romana L. Sterile Platze. 457. 
Marrnbium candidissimum L. Wüste Orte. 306. 

— vulgare L. Schutt etc. 690. 
Ballota nigra L. Schutt. 522. 

Cliaiturus Marruhiastrum Rchb. Foiva. 717. 

Prunella vulgaris L. Raine, Kaiserwald. 441. 

— alba Pall. var. pinnatißda. Stoja Musil zwischen Gebüsch. 357. 
Ajuga genevensis L. Wiesen, Schutt. 58. 

— Chamaepitys Schreb. Felder, Steinbrüche. 283, 532. 



803 

Tcunimn Scorclinni L, Ocsll. Tlicil d. Pra (rramle, Wiesen von Fa- 
sana. 513. 

— Chiimacdnjs L. Bnscliioe lliigel. 289. 

— fhiniDi L. Sloja Musil, Fisclla. 331. 

— Puliiim L. Hiigel^ Trit'len. 4'2ü. 

— montanum L. M. Veruda, Stoja 3Insil. 23S. 

Vilcx Agnus castus L. Stoja Musil; krüppelliafle Exeni[)lare am li in 

Veruda. 008. 
Verbena oß'icinalis L. Triften ete. 577. 
Lysimachia Limim sfellatmn L. M. Collsi in der Nähe der Saldame- 

gruben; scheint an das Vorkommen von Saldame (kieselguhr) 

gebunden zu sein. 28. 
Anagallis arvensis L. Aecker. 514. 

— coerulea Schreb. Aecker. 480. 

Cychimen repanduvi Sibth. Hecken, Kaiserwald, Foiva. 93. 
(ilobularia vulgaris L. Ueber die Hügel zerstreut (um Veruda, M. 

Clivo). 15. 
Slalice Limonium L. Seestrand (V. di Fora etc.). 632. 

— canceUata Bernh. Seestrand. 596. 

Plumbago europaea L. Kastell, Zaune d. Pra grande. 564. 
Plantago major L. Wege. 443. 

— altissima L. Pra grande. 649. 

— lanceolata L. var. ptimila. Sonnige Orte. 250. 

— Lagopus L. Raine, Triften (Max bar.). 538. 

— pilosa Pour. Hügel (F. Max etc.), Inseln im Golfe von Medolin. 
68, 222. 

— serpentina Lam. Hügel, Strand. 233, 287. 

— Coronopus L. Wege, Triften. 221, 404. 

— Psyllium L. M. Vincuran, selten. 187. 

Amaranthus sylvestris Desf. Schutt, Strasse zur Schvvimmschule. 598. 

— prost ratus Balb. Strassenränder. 414. 

— retroßexus L. Kulturboden. 622. 

— retroßexus I.. (fm. sangui7ieiis). An Mauern (Spital). 654. 
Sehoberia maritima Mey. V. Fisella. 638. 

Salsola Kali L. Humusboden am Strande, besonders üppig in V. Saline. 
492, 589. 

— Soda L. Mit voriger. 636. 

(Schluss folgt.) 



Gorrespondenz. 

Zwickau in Sachsen, am 10. August ISTo. 
Seil mehreren Jahren bereits hat sich, wie bekannt, der Alt- 
meister der Botanik, Ludwig Reichenbach in Dresden, mit der früher 
beinahe ganzlich übersehenen und vernachlässigten Gattung Sclcran- 



304 

thus bescliäftigl. Wenn solch ein tücliliges, über ein halbes Jalirlinn- 
dert eingeübles Auge sie aufgefasst und endlich diagnostisch vom 
Allgemeinen zum Besonderen übergehend, gesichtet hat, so darf kein 
Botaniker ohne weiteres ungläubig darüber die Achseln zucken, son- 
dern es ist Pflicht des Wissenschafters, sich genau zu inforiniren. 
Damit nun Jedem die Möglichkeit gegeben ist, diess zu thun, und 
zur Beseitigung des alten Vorurtheils von nur zwei Arten und Aner- 
kennung neuer Formen bietet Keichenbach auf den Rath des Prof. 
Zetterstedt in Linköping in Schweden jetzt 40 Arten und zwar aus 
den meisten der von ihm gebildeten J8 Familien zum Verkaufe aus. 
Die zur Zeit dem Verfasser vorliegenden und demselben von Reichb. 
gütigst überlassenen 40 Arten zeigen nun eine so grosse Mannig- 
falligkeit der Formen, dass man geradezu darüber erstaunt; es ist 
nicht nur eine ausserordentliche habituelle Verschiedenheit vorhanden, 
sondern auch die einzelnen Pflanzentheile, wie z, B. Früchte, Kelch- 
zipfel etc. weichen sehr bedeutend von einander ab. An den ausge- 
gebenen Arten ist daher zur Genüge zu ersehen, dass es entschieden 
mehr als die bisher angenommenen Arten Scleranthus gibt. 
Inwieweit freilich die von Reichonbach aufgestellten als feststehende 
zu betrachten sind, wird erst forlgesetzte Beobachtung lehren, und 
kann m(")glicherweise die so lebens- und variationsfähige Gattung sehr 
viel zur Lijsung des Problems der Artenentstehung resp. zur Befesti- 
gung der Darwin'sciien oder Moritz Wagner'schen Theorien beitragen; 
es ist daher eine möglichst weitverbreitete Kenntniss dieser Pflanzen- 
gattung zu wünschen und zu empfehlen. A. Artzt. 

Korenica in Kroatien, am 10. August 1875. 

Von Innsbruck an bin ich botanisirend bis Korenica unter dem 
Pleschevitza gekouunen und habe unterwegs die schönsten Pflanzen 
gesammelt: Polygala carniolica Kern, (am Nanos), Campanula Tom- 
masmii (am Monte Maggiore), auch einige neue Kreuzungen von 
Inula, Cirsiwn und Verbascum gefunden, von letzterem allein 5 bis 6, 
von denen die schönsten sind: Verb. Freynianum m. (V. Chaixi X 
Thapsiis zwischen Veprinätz und Vela Utzka), V. macilentvm Francii. 
{Vei-b. floccosum yc Blaff aria bei Ottoschatz), Verb, fliiminense Kern. 
(Chaixi y<^ floccosu7n bei Zengg und Oltoschatz). Für Ungarn neu 
habe ich Lapsana pisidin Bo'iss., Erysimum rhaeficnm DC. und Sta- 
chys pafula Gris. gesammelt. Borbas. 



Personalnotizen. 

— Dr. Hermann Freih. v. Leonhardi, Prof. an der Univer- 
sität Prag, ist am 21. August in Folge eines Schlagflusses gestorben. 
Leonhardi gehörte einer altadeligen, auch in Böhmen begüterten Fa- 



305 

iiiilic <m. I)(M- Vorltüclienc selbst war Mitbesü/JM" «Icr Herrscliaft Plan. 
Im Jaliro 1S50 wurde (m* vom Unlerriclitsiiiinisler Grafen Tliun von 
Frankfurt am Main, wo Leonbardi als l'ri\almann lebte, an die Pra- 
oer Universität berufen und ilim der Titel eines ausscrordentliclien 
Professors verlieben. Im Jalire 1803 erfolgte seine Ernennuno- zum 
ordentlicben Professor der Pbiiosopliic. In letzter Zeit gab Le(jnbardi 
die Zeitscbriff „Neue Zeit" in zwanglosen Heftern heraus. Sein Lieb- 
liiigssludium bihbite die Botanik, namentlich interessirte er sich für 
Violen und Cliaren, und in seinem INacblasse befindet sieh ein bedeu- 
tendes Herbarium. Prof. Leonbardi war ausserordeniliches Mitglied 
der bidimiscben Gesellschaft der Wissenschaften. Mitglied der kaiserl. 
Leop. Carol. Akademie und Ehrenmitglied des freien deutschen Hoch- 
stiftes zu P'rankfurt am Main. 

— Prof. Alexander Boreau, Direktor des botan. Gartens zu 
Angers, einer der bedeutendsten und verdienstvollsten Pflanzenkenner 
Frankreichs, ist kürzlich im Alter von 72 Jahren gestorben. Ausser 
einer Menge kleiiu'rer, die Flora des Departements Maine et Loire 
behandelnden Arbeiten, die wie seine Bemerkungen über die von 
Reveliere auf Corsica gesammelten Phanerogamen meist in den 
Schriften der Societe academique de Maine et Loire erschienen sind, 
ist es vorzugsweise seine Flore du Centre de la France et du 
Bassin de la Loire und zwar speziell deren dritte, im Jabre 1857 
erschienene und im Jordanischen Sinne die Spezies behandelnde Auf- 
lage gewesen, die dem Verstorbenen auch ausserbalb Frankreichs 
einen bedeutenden Ruf verschafft hat und dauernd erhalten wird. 



Vereine, Anstalten, Unternelimungen. 

— In einer Sitzung der kaiserl. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien am 15. Juli übergab Prof. Wiesner eine Ab- 
handlung unter dem Titel : Untersuchungen über die Bewegung des 
Imbibitionswassers im Holze und in der Membran der Pflanzen- 
zelle. Die wichtigeren Ergebnisse der Arbeit fasst der Vortragende 
in folgende Sätze zusammen. Das Holz hat die Fähigkeit, das imbi- 
birte Wasser nach allen Richtungen hin zu leiten. Am raschesten 
erfolgt die Bewegung des Wassers in der Richtung der Axe des 
Stammes. Je nach dem anatomischen Baue des Holzes ist die Lei- 
tungsfähigkeit desselben für imbibirtes Wasser nach radialer oder 
tangentialer Richtung eine grössere. Alle Elemente des Holzkörpers 
leiten das Imbibitionswasser, und zwar am raschesten in der Rich- 
tung ihrer Längsaxe. Die mittlere Geschwindigkeit des Imbibitions- 
wassers ist in zusammenhängenden Elementen des Holzkorpers eine 
desto grössere, je dünnwandiger und länger dieselben sind, so dass 
im Allgemeinen die Gefässe das Wasser rascher leiten als die Holz- 
zellen, die Frühlingsholzzellen rascher als die Herbstholzzelleu, die 



3ÜG 

Markstrahlenzcllrii rascher als die Holzpareneliymzellen. Dieses ver- 
schiedene Verhalten der Elemente des Heizkörpers in Bezug auf Lei- 
tungsfähigkeit des iinbibirlen Wassers findet seine Erklärung darin, 
dass jede Zellmembran das Imbibitionswasser in der Richtung der 
Verdickungsschichten weit rascher als quer durch die Wand leitet. 
Während im Zustande des Sättigungsgleichgewichtes der Gewebe des 
Holzk()rpers die Bewegung des Imbibitionswassers nur stattfindet, 
wenn die Pflanze transspirirt, bewegen sich die im Imbibitionswasser 
gelitsten Salze (die Versuche wurden mit Lilhionverbindungen ausge- 
führt) auch bei Ausschluss der Verdunstung in der Membran der 
Pflanzenzelle aufwärts. Die aus dem Aufsfeigen der Lithionverbin- 
dungen im Holzkiirper von Mc. Nab abgeleitete Geschwindigkeit des 
Wassers im Stamme der Pflanzen ist desshalb unrichtig. Die Ge- 
schwindigkeit des im imbibirlen Holzkiirper aufsteigenden Lithions 
wird indess doch durch die Transspiration begünstigt, und es zeigt 
sich hierbei, dass auch das Lithion in den Membranen dünnwandiger 
und langgestreckter Elemente rascher als in den Zellwänden stark 
verdickter und kurzer sich vorwärts bewegt. Aehnlich dem Lithion 
dürften sich wohl auch alle jene Körper verhalten, welche in den 
Zellmembranen mit dem Imbibitionswasser aufsteigen. Die ungleiche 
Geschwindigkeit des Imbibitionswassers in den verschiedenen Elemen- 
ten des Holzkörpers vermag uns zahlreiche Erscheinungen im Pfian- 
zenleben zu erklären. So wird nun u. a. auch die physiologische 
Bedeutung des Frühlings- und Herbstholzes klar. Das aus relativ 
dünnwandigen Holzzellen bestehende, bei den meisten Laubbäumen 
auch gefässreiche Frühlingsholz fordert die Bewegung des Imbibitions- 
wassers, besonders in der Richtung nach aufwärts, das gefässlosi^ 
oder gefässarme, dickwandige Holzzellen führende Herbstholz hemmt 
den Imbibitionsstrom nach der Rinde hin. Prof. Wiesner legt ferner 
eine Arbeit des Herrn Gottlieb Haberlandt über die Morphologie 
und Biologie der Lenticellen vor, welche im pflanzenphysiologi- 
schen Institute der Wiener Universität ausgeführt wurde. Haber- 
landt hat die Lenticellen an Blättern, und zwar an deren Stielen 
nachgewiesen, an welchen Organen man sie bis jetzt übersah. Sie 
entstehen auch hier unter SpaitöITnungen. An geneigten Zweigen 
\icler Gewächse, besonders deutlich bei Gleditschien, treten die Len- 
ticellen unterseits reichlicher als oberseits auf. Die Lenticellen sind 
Regulatoren der Transspiration, welche an grünen, peridermlosen 
Zweigen die Wasserverdunslung local vermindern, an peridermbe- 
sitzenden dieselbe lokal erliöhen. 

— In einer Sitzung der kaiserl. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien am 29. April hielt Prof. Jos. Boehm einen 
Vortrag: „Ueber Gährungsgase aus Sumpf- und Wasserpflanzen" und 
fasst die Resultate seiner Versuche in folgende Sätze zusammen: 
1. Alle bisher in dieser Beziehung untersuchten Landpflanzen erleiden 
bei Lnflabschluss unter Wasser und ohne weiteren Zusatz eines Fer- 
iiienlfs die ßuttersäurcgährung. Das Gleiche ist der P'all bei vielen 



307 

Siiinplplliinzcii. 2. Die luoisIcMi Wasser- und an(;li viele; Suiiiplpllanzcn 
oiit\vicl\(;lii unler o-leioluMi Bediiioungcn Stini[tr<<as. In tlieseiu Falle geht 
der Enlliinduno' von (iruIxMioas häiifitr BuUersiiureoiilinino' voraus. 
3. Die SiiiTipryasentwickliinii- unleridoiht, wenn die IMlanzen unmittelbar 
vor der Einrallung- in die Apparate oder in den Gälirungsoefiissen 
seihst jnekoelit werden; es stellt sicli dann nur Bultersäuregähruno- 
ein. 4. Werden gekochte Wasserpflanzen, welche nur Kohlensäure 
und Wasserstoir enibanden, in einem ofTenen Gefiisse gewaschen, so 
entwickeln sie dann bei weiter fortgesetztem Vt;rsuche Sumpfgas. 
5. Die Entwicklung von Sumpfgas aus abgestorbenen Pflanzen mus.s 
nach dem heutigen Stande der Wissenschaft als (mu Gährungsakt aufge- 
fasst werden. Die diesen Prozess bedingenden, l)isher noch unbekann- 
ten Organismen oder deren Keime, welche in der Luft nicht in iiber- 
grosser Menge vorhanden zu sein scheinen, sind gegen lioheTemperaturen 
entweder viel empfindlicher als das Buttersäureferment, — oder unsere 
Vorstellung über die Genesis des letzteren ist unrichtig. 6. Die Flüssig- 
keit, in welcher Pflanzen während längerer Zeit in Sumpfgasgährung 
begriffen waren, reagirt stark alkalisch; es findet sich in derselben 
Aunnoniak. 7. In Folge der Ammoniakbildung von im Meere verwe- 
senden Pflanzen (welche wohl hauptsächlich von der durch die Flüsse 
aus den Kontin(Miten zugeführten Salpetersäure ernährt werden) wird 
durch das verdunstende Wasser verbundener Stickstoff wieder den 
Landpflanzen zugeführt. 8. Der Zerfall der Cellulose bei der Sumpfgas- 
gährung erfolgt wahrscheinlich nach der Gleichung: CgHioO^ -J- H2Ö = 
= 3 CO2 -|- 3 CH4. Dass die Kohlensäure bei längerer Gährungsdauer 
in geringerer als der nach dieser Gleichung geforderten Menge auf- 
tritt, ist bedingt durch die Bindung des gleichzeitig gebildeten Am- 
moniaks. 9. Bei längere Zeit andauernder Sumpfgasgährung erfolgt 
eine theilweise Vertorfung der Versuchspflanzen. 



Botanischer Tauschverein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Dr. Ressmann mit Pflan- 
zen aus Kärnten. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren : Richter, Keller, 
Dr. Leimba(;h, Dr. Schmidt, Spreitzenhofer. 

Aus Kärnten: Aellüonema saxafile, Anemone alpina, Can/pa- 
nula spicata, Cardamine trifoUa^ Cytisus alpinus, Dianthns harhatns. 
Fraxinns Ornus, Gentiana punctata^ Lilium hnlhiferum, Mulgediun) 
aipmntn, Paederota Bonarota, Petasifes nirens, PofenlUla nitida^ 
Scrophularia Hoppii, Spiraea decumbens, Thlaspi roiutidifolium u. a. 
eing. von Dr. Ressmann. 

Obige Pflanzen kinnien im Tausche oder käuflich die Centurie 
zu fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 



308 

Inserate. 

Diesem Hefte liegt bei : Catalog des antiquarischen Bücherlagers 
von H. W. Schmidt in Halle a. S. 

Erste Ausgal3e normaler Sclerantlius-Origiiiale 

für Botaniker und Landwirthe, 

zur vorläufigen Kennlniss der Familien in Decaden ä 1 Mk. verschiedene, seltene, seltenere, 

seltenste, 40 Arten 
in vielen Exemplaren zum Vergleiche. 

ramilieneintheilung der ganzen Grattung, erste Diagnostik! 

I. aiiiiiii, einjährige. 

1. Polycarpi: vielfrüchtige : Fruchtknoten sehr klein, halbkugelich, Kelch- 

abschnitte lanzettlich. 
II. Setidentes: Fruchtknot. sehr klein, Kelchabschn. lanzettlich, pfriemlich 
zugespitzt. 

III. Graciles: Schlanke, einfach od. a. d. Basis ästig aufsteigend, Blüth. 
zugesp. quirl, od. endst. 

IV. Serpyllacei: feldkümmelartige, einf. Blüthen, endständ. traubig. 
Y. Intermedii: mittlere, wenig od. sehr ästig, Bl. ohne HüUbl. 

VI. Involncrati: hüllblüthige, sehr ästig, Bl. behüllt. 
VII. AUseitigblüthige: einzelne Bl. erdbeerartig, allseitig. 
VIII. Falschquirl: pseudoverticillati dichotomi: 

a. isopodi, ramorum artic. subaequales. Fol. Hn. v. filif. 

b. oedipodii, ramorum artic. basi incrassati. Fol. succ. 

II. pereiiiic«», ausdauernde. 

IX. ramulosi: holzig verästelt, bodenständig. 
X. rüdes repentes, planiflori. 

XI. uncinati, lacin. calycinis uncinatis distinctissimi I 
XII. setifolii, flor. oblong, obt., fol. tenuib. elong. 

XIII. dicranifolii, flor. oblong, obt. fol. atten. reeurvis. 

XIV. laevigati, (lor. obig. obt. brevifolii. 

XV. marginati, flor. oblong, ebt. lac. cal. alternis latius marg. emarginalis, 
XVI. laricifolii, flor. oblong, atten. obt. fol. ten. elong. 
XVII. cancellati, flor. obig. obt. post anth. cancellato-cymosis. 
XVIII. thyrsanthi, thyrsis distinctis acute stellifloribus. 

lieber die landwirthschaftliche Wichtigkeit der Gattung Scleranthus u. a. 
wird sich die Leipziger Zeitung aussprechen. 

Die neuen Ausgaben von Decaden, sowie die Bestimmungen von an mich 
zugesendeten unbestimmten, aber mit Standorten u. s. w. versehenen Samm- 
lungen werden ununterbrochen fortgesetzt. 

Ludwig Reichenbach, 

der einzig erwählte Präsident und Direktor der Kais. Akademie Leopoldina der Naturforscher. 



iikteur uiul Heranscreber Dr. Alexander Skofltz. — Verlas; vnn C Gerold's Sohn. 
Druck uoil Papier der C. Ueberreutar sehen Uucbilruckerei (M. Salzer). 



Oesterreichlsche 

Botanisclie Zeitschrift 

Gemeinnütziges Organ 

für 
Die ȟterreifiiixciie Exemplare 

hotaiilsche Zeitschrift RAf'jiilL- nilfl Rnfinilroi* die frei durch die Post bi?- 

erschoint UUlrtUIH IIUU UUldUlK«;!) zogea werdea sollen, sind 

den Ersten Jeden Monats. blos bei der lledHktlon 
Manj.ranu,uenn^a.a^sd.e jjjjp|„gp^ OekODOUiea, ForStllläimer, AerZte, '^z^VränuXI^el:"' 

( IG R. Mark.) _ Im Wege des 

ganzjährig, oder mit ÄnAlhpL'PP linil TpplllllL'PP Buchhandels übernimmt 

4n. ft. w. S R. Mark.) ApulUG^^:l UUU iGLIIlimci. Pränumeration 

halbjährig. C. «erolrt's Sohn 

Inserate in Wien. 

die ganze Petitzeile PM ** I II ^^ ^'® ^^^^ übrigen 

15 kr. Ost. W. 1.»= A,\J t Buchhandlungen. 

\XV. Jahrgang. Wli:^. Oktober 1875. 



ITJHALT: Batoffraphische Notizen. Von Hnluby. - Algen des Triester Golfes. Von Hauck. (Fert- 
selziins.) — Mvkolo!,'i>ches. Von Schulz er. — Plantae ab Hildebrandt coli. Von Valke. - Flora von 
Pola. Von Neügebau er. (Schluss.' — Pflanzen auf der Weltausstellung. Von Anloine. (Fort- 
setzung.) — Aufforderung. Von Dr. Willkomm. — Literaturberichte. — Vereine, Anstallen, ünter- 
nehmuugen. — Inserate. 



Batographische Notizen. 

Von Jos. L. Holuby. 

Für Freunde der formenreichen Gattung Rubus stellte ich im 
Laufe des vergangenen Herbstes eine mit fortlaufenden Nummern 
versehene Sammlung von ungarischen Brombeeren, und gedenke in 
deren Herausgabe von Zeit zu Zeit, je nachdem ich das dazu nolh- 
vvendige Material aufzubringen im Stande sein werde, fortzufahren. 
In dieser, S'l Nummern zahlenden ersten Serie sind meist nur Süd- 
Trencsiner Formen enthalten, in den folgenden werden auch aus an- 
deren Comitalen Ungarns die auffallenderen nach Thunlichkeit ver- 
treten sein. Da nun ein nicht geringer Theil der in der ersten Serie 
enthaltenen Brombeeren meiner Meinung nach neu ist, gebe ich, mit 
Berufung auf die fortlaufenden Nummern der Sammlung, in Nachfol- 
gendem eine kurze Beschreibung der neuen Arten, Bastarten und 
Varietäten. 

5. Rubus sulcatus Vest. forma aprica. Schössling meist nie- 
dergestreckt, reichlicher als die in Holzschlägen wachsende Normal- 
form bestachelt; Blätter unterseits graufilzig. Staubfäden die Griffel 
weit überragend. Auf steinigen Brachen der Abhänge Dubravy und 
Boky bei Ns. Podhrad stellenweise in Menge. — Dr. Focke war der 

Oesterr. botan. Zeitsclirift. 10. Heft. 1875. 23 



310 

erste, der den R. stilratns Vesl im Walde bei Resetarovec bei Ns. 
Podhrad erkannte. 

13. R. caesius L. flore pleno. Es ist diess eine gefüllt blüthige 
Form des R. caesius a. aquaticus NW. und wurde bisher nur in 
Avenigen St()cken an einem Gartenzaune in Ns. Podhrad angetroffen. 
Die Früchte ahortiren immer. 

20. R. nemorosus Hayne var. praecox Hol. Schössling 8 — lO'"'"* 
dick, niedrigbogig, kahl, drüsenlos, unbereift, stumpf kantig, nur 
mit kantenständigen 5 — 7°"^ langen, geraden Stacheln bewehrt; Blatter 
özählig, dunkelgrün, oberseits kahl, unterseits blassgrün dünnfilzig; 
Endblättchen aus herzförmiger Basis rundlich, zugespitzt, mittlere 
Blättchen kurz — die untersten undeutlich gestielt oder sitzend, alle 
breit, sich mit den Rändern theilweise deckend; Blüthenstand kurz 
abgestutzt, an der Spitze gehäuft blüthig, mit rothlichen schwach ge- 
bogenen Stacheln spärlich bewehrt, drüsenlos; die Blätter des 
Blülhenstandes oberseits, nur die obersten spärlich striegelhaarig, die 
unteren stets kahl; Kelch graufdzig, drüsenlos, nach dem Verblühen 
abstehend; Blumenblätter schneeweiss, gross, behaart, an der Spitze 
seicht ausgerandet; Staubfäden ausgebreitet, den gelblichen 
Griffeln gleich hoch; Fruchtknoten kahl; Frucht schwarz, glänzend, 
halbkuoeiig, grosspflaumig, von fadem Geschmack. 

Bislier nur bei dem Ziegelofen zu Ns. Podhrad in einer grossen 
Gruppe. Blüht noch früher als R. sulcatus Vest, schon in der ersten 
Hälfte Juni. — Es ist diess eine sehr merkwürdige Form, die in vielen 
Merkmalen von R. nemorosus Hayne — besonders durch den gänz- 
lichen Mangel an Stieldrüsen — abweicht, ihm aber in der Tracht 
sehr ähnlicli sieht, daher ich sie einstweilen als dessen Varietät be- 
trachte. Von R. nitidus NW. durch die sitzenden oder undeutlich 
gestielten unteren Seitenblättchen, die schwache Bewehrung des 
Sch(»sslings, die auch am Grunde des Blüthenstandes oberseits kahlen 
Blätter, die nach dem Verblühen abstehenden Kelchzipfel — hin- 
länglicb verschieden. 

23. R. Schneüeri Ho] , var. pilosus Hol. Blätter oberseits diclit 
striegelhaarig, sonst alles wie bei der Normalform. (Siehe Oest. 
B. Z. XXllI. p. 377). Häufig in den Rodungen „za Budisovou" bei Bo- 
saca im Trencsiner Comitat. Die Stücke sind zur Blüthezeit ganz mit 
Blüthen besäet, zur Fruchtzeit von den vielen Früchten nieder- 
gedrückt! 

29, 30. R. tomentosus Borkh., var. elegans Hol. Oest. B. Z. 
XXUI. p. 377. Blätter meist özählig, gross, breit, oberseits glänzend, 
kahl, nur an den Hauptnerven mit vereinzelten Striegelhaaren; Blu- 
menblätter eirundlich, gross. Kommt nicht nur am Fusse des Kalk- 
hüg(!ls Lisica, sondern auch auf Weingartenrändern bei Stwrtek im 
Südtrencsiner Comitat vor und ist überall steril. 

31. R. tomentosus Borkh. var. sctoso-glandulosus Wtg. Die 
unter dieser Nummer ausgegebene Form hat dicht abstehend beharrte, 
reichlich mit Stieldrüsen beisetzte, niedergestreckte Schösslinge und 
oberseits kahle Blätter. Auf sonnigen, steinigen Brachen nicht nur 



311 

in der Umgebung von Ns. Podhrad, sondern auch im Neutraer Co- 
niitat bei Hrusove, Starä Tnra, Caclilice (Csejtlie), dann bei Pressburg 
(Schneller!), Erlau, (Vrabelyi)! 

34. R. caesinsy^toTuentosus OK. forma: glabralus. Stieblriisen 
am Schussling reichlich vorhanden, Bialter oberseils kahl, unlerseits 
nur in der .lugend weissfdzig, ausgewachsen grünlichgrau, in Zäunen 
des Thaies Zlaby bei Podhrad. 

39. R. hirtusXtometilosus Hol. Sch()ssling sluinpfkanlig, nieder- 
liegend, di chtbestachelt, abstehend behaart, reichlich mit Sliel- 
driisen besetzt; Stacheln ungleich, die gr(»sseren von der Liinge des 
Sch()sslingsdurchmessers, gerade, oder nur schwacli gebogen, gelb; 
Blätter 3 — 5zahlig, oberseits weichsammtig mit reichlichen Strie- 
gelhaaren, unterseits graufilzig; untere Seitenblättchen lateral; 
Bliilhenstand schmal, dichtbestachelt und mit reichlichen Stiel- 
drüsen besetzt; FruchtKelch zurückgeschlagen; Frucht gut ent- 
wickelt. — Bisher nur in einer Gruppe im Walde Resetarovec bei 
Ns. Podhrad. 

Unterscheidet sich von R. niollis Hol. durch eine ganz andere 
Bewehrung, lederige (nicht schlaffe) Blätter und den zurückgeschla- 
genen Fruchtkelch von R. hyhridus'X^tomentosus OK. schon durch 
den sammtigen Ueberzug der Blätter und den zurückgeschlagenen 
Fruchtkelch; von allen Formen des R. tomentosus Borkli. durch die 
reichlichen Striegelhaare zwischen dem sammtartigen Ueberzug auf 
der Oberseite der Blätter. Zwar sah ich bisher unseren muthmassli- 
chen Bastart noch nicht blühend, kann micii daher über die Blumen- 
blätter, die Stellung und Höhe der Staubfäden nicht aussprechen, 
halte ihn aber nacii den oben bezeichneten Merkmalen für hinlänglich 
von den erwähnten verwandten Formen verschieden, ich werde nicht 
versäumen die Pflanze auch in der Blüthe zu beobachten und sie 
dann ausführlicher zu beschreiben. 

47, 48. R. Radula Whe. var. coloratus Hol. Blumenblätter, 
Staubfaden und Griffel purpurn. Häufig in Holzschlagen bei Ns. 
Podhrad, auch im Bosäcthale. 

49. R. Radula Whe. panicula dense aculeata. Aeste des 
Blüthenstandes mit langen gelblichen Stacheln reichlich bewehrt; 
Stacheln des Schüsslings fast gleichlang. In Zäunen und Rodungen 
bei Ns. Podhrad. 

50. R. Radula Whe. var. nobilis Hol. Schössling gefurcht, 
5kantig, grössere und kleinere. Stacheln gleichhäufig; Aeste des 
Blüthenstandes mit röthlichen langen Nadeln reichli.h besetzt; Blätter 
gelblichgrün. In Gebüsclien der Rodungen bei Moravske Ljeskove west- 
lich von Ns, Podhrad. — Unterscheidet sich von Nr. 49 durch die reich- 
lichen Stieldrüsen, die halbkugeligen (nicht konischen) Früchte, ver- 
zweigten, weniger behaarten, gefurchten Schössling, und die in's 
Gelbliche spielenden Blatter. 

56. R. cicur Hol, Schössling iü— IS"""' dick, verzweigt, 
stumpfkantig, kahl, mit spärlichen, kantenständigen, 4 — 6"°" langen 
geraden Stacheln und dazwischen eingestreuten drüsentragenden 

23* 



312 

Borsten besetzt; Blätter 5zählig mit centraler Blattchenstellung (nur 
die untersten Schösslingsblälter ausnahmsweise fussförmig), oberseits 
nur auf den Hauptnerven spärlich behaart, sonst kahl, unterseits 
reichlich kurzhaarig, fast gleichfarbig; Endblättchen eirund, mit 
aufgesetzter Spitze, die mittleren lang-, die untersten kurz- aber 
immer deutlich gestielt, sümmtlich doppelt grob gesägt; Blüthenstand 
bis über die Mitte beblättert, locker, mit 3gabeliger Verästelung, mit 
spärlichen nadeiförmigen, geraden, gelblichen Stacheln und dazwischen 
eingestreuten Stieldrüsen besetzt; Kelch graufdzig, nach dem Ver- 
blühen zurückgeschlagen; Blumenblätter verkehrt eiförmig, weiss, 
behaart; Staubfäden aufrecht, die Griffel weit überragend, nach 
dem Verblühen über denselben zusammenneigend; Fruchtknoten kahl; 
Frucht halbkugelig, gross pflaumig, schwarz, glänzend. — In 
Holzschlägen des Waldes Jarolinka bei Ns. Podhrad häufig. 

R. cicur steht dem R. rudis NW. nahe, unterscheidet sich aber 
von ihm durch die grossen Blättchen, den weitschweifigen, lockeren, 
auf der Spitze wie abgestutzten Blüthenstand, die spärliche Beweh- 
rung, den stets astigen Schi)ssling und die konstant weissen Blüthen. 

Der Güte Herrn M. Winkler's in Giessmannsdorf verdanke ich 
eine reichhaltige Sammlung meist böhmischer, von E. Weiss bei 
Rokytnice, gesammelter Brombeeren. Darunter finden sich auch 
einige Exemplare ohne Namen mit der Bezeichnung des Standortes: 
„Rokytnitz 12, 8, 1857," in welchen ich unseren R. cicur erkenne. 
Diese böhmischen Exemplare stimmen mit der hiesigen Pflanze ganz 
überein. 

Bei dieser Gelegenheit bemerke ich, dass die untersten Blätter 
am Schössling nicht nur bei R. cicur, sondern auch bei R. candicans 
Whe. auf der Oberfläche Striegelhaare führen, dass man also für's 
Herbar das Blaltstück eines Scliösslings womitglich von der Mitte des 
letzteren und nicht vom Grunde schneiden soll. Auch ist die Beweh- 
rung des Schösslings am Grunde stets von der der Mitte desselben 
verschieden. 

57. R. delicatus Hol. Schössling fi — 10™" dick, einfach, stumpf- 
kantig, abstehend dichtbehaart, mit eingestreuten spärlichen Stiel- 
drüsen; grössere Stacheln kantenständig, gerade oder nur massig 
gebogen, von der Länge des Schösslingdurchmessers, bis über die 
Mitte abstehend behaart, die kleineren sehr spärlich; Blätter 5zählig, 
fussförmig, oberseits spärlich striegelliaarig, unterseits grau- 
filzig; Endl)lättchen aus seichlherzförmiger Basis rundlich, zugespitzt; 
untere Seitenblältchen kurzgeslielt, oder auf den Stielen der initiieren 
Blättchen fast sitzend; Blüthenstand im Umrisse eiförmig, beblättert, 
dessen Aeste und Blütlienstiele abstehend dichtbehaart mit verein- 
zeinten Stieldrüsen und massig gebogenen gelben, dünnen Stacheln 
reichlich besetzt; Kelch graufdzig, nach dem Verblühen abstehend; 
Blumenblätter verkeiirt eiförmig, beliaart, auf der Spitze seicht aus- 
gerandet, rosafarbig; Staubfäden trichterförmig ausgebreitet, purpurn, 
den röthlichen Griffeln gleichhoch; Fruchtknoten behaart; Frucht 
schwarz, glänzend, halbkugelig. 



313 

Häufig im Erlengebiiscl) hei dem OslroliicKy'scIien Meierhof im 
Bosäcthale nordwestlich von Ns. Podlirad. Dem R. Radula var. co- 
loratus in der Tracht ähnlich, jedocii durch die abstellenden Frucht- 
kelche, den beblätterten Bliilhensland, die spärlichen Stieldrüsen, und 
andere Bekleidung des Schosslings leiclit zu untersclieiden. 

61, 62. R. polycarpus Hol. Schossling 8— 10'""" dick, stumpf- 
kantig, verzweigt, bereift, fast kalil, mit griisseren kantenslän- 
digen, geraden oder nur an der Basis massig geneigten, und kleineren, 
nadelformigen, häufigen Stacheln, sowie reichlichen Stieldriisen be- 
setzt; Blatter 3— 5zählig, letztere fussforinig, oberseits striegelhaarig, 
unlerseits graufilzig; Eudblättchen verkehrteilormig, zugespitzt; mitt- 
lere Blättchen lang — die untersten kurzgestielt; Bliithenstand bis 
über die Mitte beblättert, mit wiederholt 3gabeliger Verästelung; 
Blülhenstiele wenig behaart, aber reiclilich mit geraden langen Nadeln 
und Stieldriisen besetzt; Kelch graufilzig, reichliche Stieldriisen und 
zerstreute Nadeln führend, nach dem Verblühen aufrecht; Blumen- 
blätter elliptiscli, rosafarbig, behaart; Staubfäden aufrecht, blassrosa, 
die gleichfalls rosafarbigen Griffel etwas überragend; Frucht- 
knoten kahl; Frucht langkonisch, schwarz, glänzend, aromalisch 
süss, aus sehr zahlreichen kleinen Beerchen zusammengesetzt. 
Sehr häufig im Erlengebüsch bei dem Ostrolucky'schen Meierhof 
im Bosäcthale nordwestlich von Ns. Podhrad, dann am Fusse des 
Berges Rohacovä bei Bosaca. 

Von R. Radula Wlie. durch den bereiften Schossling, den aufrech- 
ten, die Frucht umsciüiessenden Kelch, und die auffallend langen, 
konischen, klein- und vielpflaumigen Früchte hinlänglich verschieden. 

63. R. lacteus Hol. Schossling 5 — 7™" dick, stumpfkantig, 
schwach bereift, spärlich abstehend behaart, mit grösseren, un- 
regelmässig stehenden, 3 — 4°"° langen, massig gebogenen, gelblichen, 
und dazwischen stehenden vielmal kleineren Stacheln bewehrt, reich- 
lich mit gelblichen Drüsen besetzt, Blätter 3 — özählig, lederig, 
oberseits dunkelgrün, dicht Striegel haarig, unterseits blasser, 
dünnfilzig, Eudblättchen aus sei(;ht herzf(3rmiger Basis verkehrt- 
eiförmig mit aufgesetzter Spitze; mittlere Blattchen lang-, die unteren 
kurzgestielt, lateral; Blüthenstand bis zur Mitte beblättert, im Um- 
risse eiförmig, gedrungen blüthig; Blüthenstieie mit dünnen 
Nadeln und Stieldrüsen reichlich besetzt, abstehend behaart und 
graufilzig; Kelch graufilzig, spärlich drüsig, nach dem Verblühen 
aufrecht; Blumenblätter inilchweiss, verkehrt eiförmig, behaart; 
Staubfäden aufrecht, griffelhocli; Fruchtknoten kahl; Frucht 
schwarz, glänzend, konisch. 

In Menge am Saume der Gebüsche oberhalb des Resetärovec 
unweit vom Kalkhügel Hlohovä bei Ns. Podhrad, bisher an zwei Orten. 

Durch die oberseits dicht striegelhaarigen, beiderseits fast gleich- 
farbigen, kleineren Blätter, die unregelmässig stehenden grösseren 
Stacheln, die graufilzigen Blüthenstieie, den kürzeren Blüthenstand 
und die konstant milchweissen Blumenblätter von R. polycarpus leicht 
zu unterscheiden. 



314 

67. R. Renssii Hol. Schössling einfach, sehr lanof, 4 — 6"^"^ 
dick, stiiinpt'kantig, unhcreift, mit unregelmassig' stehenden Stacheln 
von verschiedener Liinge, reichlichen Stieldrüsen und Borsten be- 
setzt^ die gr()sseren Stacheln über der Basis massig geneigt, dünn, 
purpurhraun, mit gelber Spitze, so lang wie der Durchmesser des 
Schösslings; Blatter meist dreizählig, dunkelgrün, oberseits fast 
kahl, unterseits spärlich behaart, gleichfarbig,; Endbliittchen aus 
herzförmiger Basis rundlich mit kurzer aufgesetzter Spitze, doppelt 
kleingesagt. Blüthenstand am Grunde beblättert, schmal, dicht- 
blüthig, mit kurzen Aesten; Blüthenstiele abstehend behaart, dicht- 
drüsig, benadelt; Kelch graugrün, rothdrüsig und benadelt, nach dem 
Verblühen aufrecht; Blumenblätter weiss oder rothlich, behaart, 
schmal; Staubfäden einreihig, aufrecht, kaum die halbe Höhe 
der Griffel erreichend; Fruchtknoten kahl; Frucht schwarz, 
glänzend, halbkugelig, gut zur Entwicklung gelangend. 

Bisher nur im Walde bei Resetärovec bei Ns. Podhrad, daselbst 
aber stellenweise in grossen Gruppen. 

Diese ausgezeichnete Form, die ich mit dem Namen des um die 
Flora Oberungarns hochverdienten Dr. G. Reuss (f), Verfasser der 
„Kvetna Slovenska" ziere, unterscheidet sich von manchen spärlich 
behaarten Formen des R. hirtus W. K. (wie Nr. 75 meiner Exsiccaten 
„Rubi hungarici)" durch die Bewehrung des Schösslings, die Gestalt 
der Blätter, den schmalen, dichten Blüthenstand, die einreihigen sehr 
kurzen Staubfäden. In seiner unmittelbaren Nähe wachsen eine Menge 
Glandulosen, mit griffelhohen und die GrilTcl überragenden Staub- 
fäden, ohne dass ich auf Uebergange von R. Reussii in eine oder 
die andere der Formen gestossen hätte. 

77. R. hungaricns Hol. Schössling niedergestreckt, stumpfkantig, 
dünn (3"^™), unbereift, spärlich behaart; die grösseren Stacheln 
meist länger als der Durchmesser des Schösslings, dünn, gekrümmt, 
die kleineren zerstreut, nadeiförmig, mit dazwischen eingestreuten 
spärlichen Stieldrüsen; Blätter vorherrschend Szählig, fuss förmig, 
oberseits striegelhaarig, unterseits dichtbehaart und grün; Endblättchen 
breiteiförmig, zugespitzt, untere Blättchen deutlich gestielt; Blüthen- 
stand lang, schmal, lockerblüthig, reichlich mit purpurnen Stieldrüsen 
und langen Nadeln besetzt; Kelch graufdzig, drüsig und benadelt, 
nach dem Verblühen aufrecht; Blumenblätter purpurn, schmal, be- 
haart; Stau!)f;idcn aufrecht, griffelhoch; Fruclilknoten filzig; 
Frucht halbkugelig, grosspflaumig, schwarz, glänzend. 

Auf steinigen, buscliigen Stellen im Walde Resetärovce bei 
Ns. Podhrad. 

Von R. Reussii durch den lockeren Blüthenstand, die Bekleidung 
der Blätter, die griffelliohen Staubfäden und filzigen Fruchtknoten 
verschieden. 

78. R. maleßcus Hol. Schössling 8—12'"'" dick, verzweigt, 
stumpfkantig, unbereift, kahl, mit dichtsteJienden, verschieden 
langen, wenio- geneigten strohgelben Stacheln und Stieldrüsen be- 
setzt; die grosseren Stacheln von der Seite zusammengedrückt, so 



315 

lang wie der Durchmessor des Scliiisslinos; Bhiller öziililio-. I'uss- 
forniig, obersoils kahl, unlerseils nur in der Jugend graufilzig, 
S[)iiter graugrün; Endhliiltclien aus herzt'önniger Basis rundlich, zu- 
gespitzt, die unteren Seitenhiiiltchen i\ur zge stiel t; Blüliiensland 
zieinlicli dichthliilhiu', am (irunde hehhitterl, oll 3gal)elig voriislell; 
Bliitlienstiele giaulilzig, mit dielitslehenden kurzen gelhen Slieldriisen 
und langen i\ad(>ln bewehrt; Kelch granlilzii»-, arnniriisig, nnhewehrt, 
nach dem Verblühen abs lohend; Hlumenblalter verkehrt-eilViruiig 
behaart, weiss, gross, Staubfäden trichlerig ausgebreilel, den grünen 
GrifFeln glcieli hocii; Fruchtknoten ka hl, Frucht schwarz, glänzend, 
grossidlaumig, halbkugelig. 

Im Tlialc Tmavä Dolinka bei Ns. Podhrad an mehreren Stellen. 

Von /?. infesfns NW. durch die fast gerachni Stacheln, den 
kahlen Schiissling, die oberseits kahlen, unterseits graufilzigen Blätter 
und die uni)ewehrten Kelche verschieden. 

79. R. begoniaefolius Hol. Schössling stumj)fkantig, meist nie- 
derliegend, 3 — 6™" dick, bereut, spärlicli behaart, reic^hdrüsig; 
Stacheln ungleich, dünn, gerade, gelblich; Blätter Szäliüg, beider- 
seits spärlich angedrückt kurzhaarig, oberseits gelblich 
grün, unterseits blasser; Endblättchen aus herzlV»rmiger Basis rund, 
zugespitzt, Seitenblätlchen kürzgestielt, an der Basis ungleich 
schief herzförmig; sämmtliche Blättchen gross, breit, am Rande 
spärlich bewim])ert, sich mit den Rändern theilweise deckend; Blülhen- 
slaiid kurz, locker, reichlich mit Stieldrüsen und feinen, geraden 
Nadeln besetzt, Kelch graufdzig, reichliche Stieldrüsen führend, nach 
dem Verblühen aufrecht; Blumenblätter verkehrt-eif()rmig. gewimp(>rt, 
weiss; Staubfaden aufrecht, sehr zahlreich, die Griffel überra- 
gend: Fruchtknoten kahl; Frucht halbkugelig, schwarz, glänzend. 
— In Holzschlägen bei Ns. Podhrad, so: Resetärovce, Jarolinka, 
Hlohovä. 

Von R. glandulosns Bell, durch die grossen, an Begonien er- 
innernden Seitenblättchen, den hin und her gebogenen Blülhenstaud, 
grosse Blüthen, lange Staubfaden und die sehr spärliche Behaarung 
der Blätter leicht zu unterscheiden. 

80. R. stenothyrsos Hol. (R. Sprengelii Hol. ers. non NW.) 
Schössling 5 — 7"" dick; gefurcht 5kantig, bereift, kahl, mit 
reichlichen gelben Stieldrüsen und ungleichen, fast geraden Stacheln 
besetzt; Blätter 3 — özählig, fussförmig, beid(;rseits grün und 
behaart (rauh): Endbliittchen herzeirund mit langer S|)ilze; Seiten- 
blätlchen deutlich gestielt — alle doi)pelt grobgesägt; Blülhensland 
lang, schmal, locker; Blüthenstiele graufilzig und von abstehenden 
kurzen Haaren rauh; reichlich mit Slieldrüsen und kurzen, geraden, 
feinen Nadeln besetzt; Kelch graufdzig und rauidiaarig, mit verein- 
zelten Slieldriisen, nach dem Verblühen aufrecht; Blumenblätter 
eiförmig, purpurn, behaart, gross: Staubfäden trichterf()rmig ausge- 
breitet, blasspurpurn, die gelblichen Griffel weit überragend; 
Fruchtknoten bekaarl; Frucht halbkugelig, grossptlaumig, schwarz, 



316 

glänzend. — Bisher nur auf einer Stelle im Walde Resetärovec bei 
i\s. Podhrad. 

In den Jahren 1872 — 4 habe ich diese Form unter dem irrigen 
Namen „ß. Sprengelü NW." an Freunde versendet, von welchem 
sie sich aber schon durch den stark bereiften, gefurchten Schossling, 
die sehr langen Staubfäden und die reichlichen Drüsen hinlänglich 
unterscheidet. 

Ns. Podhrad, 15. April 1875. 



Verzeichniss der im Golfe von Triest gesammelten 

Meeralgen. 

Von F. Hauck. 

(Fortsetzung.) 

Corallineae. 

56. Melohesia membranacea Lamour. (RosanofF Recherches anatom. 

sur les melübesiees p. 66. — Hapalidium roseulum Kg. Tab. 
phyc. XIX. tab. 92, a, b?). Ziemlich verbreitet auf vei'schie- 
denen Algen z, B. Gelidium, Cladophora etc. 

57. — farinosa Lamour. (Rosanolf I. c. p. 69. — Hapalidium Phyl- 

lactidium Kg. Tab. phyc. XIX, tab. 92 c — f? — Melohesia 
granulata Men. Kg. 1. c. tab. 95 a, b). Auf Zostera, Sargas- 
snm, Padina, Chaetomorpha etc. gemein. 

58. — pustulata Lamour. (Rosanoff 1. c. p. 72). Auf Fucus etc. oft 

gemeinschaftlich mit M. farinosa. 

59. — macrocarpa RosanofF (1. c. p. 74). An Cystosirenstämmen. 

60. Litophyllum Lenormandi (Aresch). Rosanoff (1. c. p. 85). Ueber- 

zieht Steine, Schnecken etc. mit einer violett rothlichen Rinde ; 
überall häufig. 

61. Lithothamnion racemus (Lamarck) Aresch. (apud J. Ag. Spec. 

Alg. 11. p. 521. — Spongites stalactitica Kg. Tab. phyc. XIX, 
tab. 98 a, b. — Spongites nodosa Kg. 1. c. tab. 98 c, d). 
Triest, Muggia. 

Auch Handelsartikel, als sogenannte Kropfsteine offizinell; 
darunter finden sich nicht selten Lithophyllum agariciformis 
(Fall.) Aresch., Lithophyllum decussata (Ell.) Aresch., und 
Lithothamnion polymorphum Aresch. 

62. — polymorphum (L.) Aresch. (apud J. Ag. Spec. Alg. IL p. 524. 

— Spongites confluens Kg. tab. piiyc. XIX, tab. 97, a — d). 
Triest, seilen. 

63. Amphiroa cryptarthrodia Zan. (Icon. phyc. adriat. III, p. 77, 

tav. XCIX. A). Miramar an Cystosirenstämmen. 

64. — verruculosa Kg. (Spec. Alg. p. 700, tab. phyc. VIII. 39. g — k). 

Triest, Miramar an Cystosirenstämmen. 



317 

Areschoug in J. Ag. Spec. Alg. p. 532 führt diese durch 
Kützing's Bild ^ut cliarakterisirte Art als synonym zu A. 
rigida an, von welcher sie jedoch verschieden ist. 
6'). Jania rtibens (L.) Lamour. (Aresch. apud J. Ag. Spec. Alg. 11, 
p. 557), häufig. — An verschiedenen Algen, wie Ryfiphlaea, 
Cladostephus etc. 

66. — corniculata (L.) Lamour. (Aresch. apud J. Ag. Spec. Alg. II. 

p. 558 — Corallina Plumula (Zan.) Kg. ta!). pliyc. Vlll, tab. 
86. a, b). Triest, Pirano. Vorkommen wie bei voriger Art. 

67. CoraUlna ofßcinalis L. (Aresch. apud J. Ag. Spec. Alg. II. pg. 

562). Triest im Hafen, Miramar, Pirano etc. an Steinen. 

68. -- virgata Zan. (Kg. tab. phyc. VIII, tab. 76, d— f). Häufig an 

Cysfosirenstämmen. 

Sphaerococcoideae. 

69. Gracilaria confervoides (L.) Grev. (J. Ag. Spec. Alg. II, p. 587. 

— Sphaerococcus divergens Kg. tab. phyc. XVIII, tab. 74, 
a, b). An sandigen Stellen, in Häfen, Kanälen etc., selir ver- 
breifet. — Das ganze Jahr hindurch. 

70. — armata (Ag.) j. Ag. (.1. Ag. Spec. Alg. II, p. 591). Triest 

im Winter. 

71. — compressa (Ag.) Grev. (J. Ag. Spec. Alg. II, p. 593). Im 

Gebiete häufig, fruhtifizirt im Sommer und Herbst. 

72. Sphaerococcus coronopifolius (Good. et Wood.) Ag. (J. Ag. Spec. 

Alg. II, p. 644). Miramar, Pirano, im Winter. 

Delesserieae. 

73. NitophyUum Vidovichii (Menegh. Giorn. bot. 1844, p. 299). 

Var. conferraceum (Menegh.) (Nit. confercaceum Men., Zanar- 
dini Icon. phyc. adriat. I, p. 87, Tav. XXI). 

Die typische breitlaubige Form nicht selten bei Triest, 
Miramar etc. Die var. confervacemn an Cystosirenstämmen, 
die aus grösseren Tiefen heraufgeholt wurden, bei Pirano. — 
Im Winter. 

74. — venulosum Zan. (Icon. phyc. adriat. II, p. 33, tav. XLIX A. — 

Acrosorion aglaophi/lloides Kg. tab. phyc. XIX, tab, 10. a, b). 
Triest. — Im Winter. 

Von N. uncinatum J. Ag., zu welchem diese Alge von 
einigen Autoren gezogen wurde, auch steril durcli das ganz 
eigenthiimliche Zellgewebe und die besonderen llaftorgane gut 
zu unterscheiden. 

75. — punctatum (Stackh.) Harv. var. ocellatum J. Ag. (J. Ag. Spec. 

Alg. II. p. 659). An grosseren Algen. — Im Winter sehr 
häufig. 

76. Delesseria Hijpoglossum (Woodw.) Lamour. (J. Ag. Spec. Alg. 

II, p. 693). 

Var. penicillata CD. penicillata Zan. Icon. phyc. adriat. I. 
p. 51, tav. XIII). 



318 

Var.? crispa (D. crispa Zan. Icon. phyc. adriat. III, p. 17, 
tav. LXXXIV). 

Meist an Cystosirenstämmen und grösseren Algen bei Triest, 
Miramar etc. Die var. penicillata bei Pirano. — Winter, 
Fnilijahr. 

Einen spezifischen Unterschied der beiden Varietäten von 
D. Hypoglossum kann ich nach den gemachten Beobachtungen 
nicht finden. Die var. petiicillata ist eine schmale in ziemli- 
cher Tiefe wachsende Form der Hauptart und steht zu dieser 
im selben Verhältnisse wie die var. confercaceum zu N. R- 
dovichü Men. Es ist eine bei den Meeralgen häufige Erschei- 
nung, dass jene, welche nahe der Oberflache wachsen, sich 
in allen ihren Dimensionen üppiger entwickeln, während die- 
selben Arten aus grösserer Tiefe die schmalen und zarten 
Formen annehmen wie im vorliegenden Falle; ebenso üben 
ruhige und der Brandung stark ausgesetzte Standörter, Jah- 
reszeit, Temperatur und chemisciie Beschaffenheit des Meeres 
einen weiteren bedeutenden Einfluss auf die äusseren Formen 
einer Alge aus, so dass man leicht versucht werden kann, 
die verschiedenen Extreme für eigene Spezies zu halten. 

Die entschiedensten Uebergänge in D. Hypoglossum trifft 
man auch bei der var. crispa, welche wieder neuerdings von 
Zanardini 1. c. als eigene Art hingestellt wurde; ob aber die 
Stellung der Coccidien seitlich von der Mittelrippe konstant 
und daher ein genügendes Merkmal zur artlichen Abtrennung 
von D. Hypoglossum bietet, müssen noch weitere Untersu- 
chungen dieser sehr veränderlichen und selten Coccidien 
tragenden Alge ergeben. 

Wrangelicae. 

77. Spermothamnion Turneri (Mert.) Aresch, (J. Ag. Spec. Alg. II. 

p, 23). Pirano, Grignano, an grösseren Algen. — Winter und 
Frühjahr. 

78. Wrangelia penicillata Ag. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 708). Triest, 

Muggia, Capodistria etc. Vom Winter bis zum Herbst. 

79. Naccaria Vidovichä Menegh. (Zanard. Icon. phyc. adriat. I. p. 

143, tav. XXXIV). Miramar im Sommer. 

Choudrieae. 

80. Lomentaria linearis Zan. (Icon. phyc. adriat. II. p. 161. Tav, 

LXXIX. excl. syn. L. phalligera Kg. tab. phyc). Triest, Pi- 
rano, Miramar. — Sommer und Herbst. 

81. — parviila (Ag.) Gaill. .(J. Ag. Spec. Alg. II. p. 729. — Kg. 

tab. phyc. XV. tab. 87. — L. brems Kg. 1. c. tab. 88, d, e. 
L. intertexta Chauv. Kg. I. c. tab. 89, a, b). Triest vom 
Winter bis zum Herbst. 

82. — Kaliformis (Good. et Woodw.). Gaill. (J. Ag. Spec. Alg. II. 

p. 731). 



319 

Folgende von Kiitzing in den Tab. phyc. Band XV. al)ge- 
bildeton Formen ziehe ich hieher : L. Kaliformis Gaill. — Kg. 

I. c. tab. 86, a — c. — L. patens Kg. 1. c. tab. 8*J, c, d, — 

— L. squarrosa Kg. 1. c. tab. 90, a — c. — L. dasyclada 
Kg. 1. e. tab. 93. — L. amhigua Kg. 1. c. tab. 95, a — c. — 
L. phalliger a Kg. 1. c. tab. 91, c — g? 

Sehr verbreitet und häufig. Vom Winter bis zum Herbst. 

— Im L(!ben scliitn irisirend wie die meisten Lomenlarien. 

83. Lom. reflexa Chauv. (.1. Ag. Spec. Alg. 11. p. 733). Triest vom 

W^iiiter bis zum Herbst. 

84. ~ clamta (Roth.) J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 735). Triest, Mug- 

gia, Miramar, Pirano etc. — Vom Winter bis zum Herbst. 

Lomentaria articulata (Huds.) Lyngb., welche nach J. 
Aghardh (Alg. maris medit.) nicht selten bei Triest vorkom- 
men soll, ist mir weder aus dem Triester Golf noch über- 
haupt aus der Adria bekannt. Die Exemplare, die ich unter 
diesem Namen erhielt, gehörten entweder zu L. linearis Zan., 
mit der sie grosse Aehnlichkeit hat, oder zu den Jugendzu- 
stiinden von L. Kaliformis. 

85. Riccardia Montagnei Derb, et Sol. (Zanard. Icon. phyc. adriat. 

II. p. 83, tav. LXI). Miramar, parasitisch auf Laurencia obtusa. 
Im Winter und Fridijahr. 

86. Laurenria obtusa (Huds.) Lamour. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 750). 

Mit folgenden Formen, welche im Gebiete vorkommen, die 
aber unter sich wieder durch die mannigfaltigsten Uebergange 
verbunden sind. L. obtusa genuina Kg. tab. phyc, XV. tab. 
54. a, b. — L. obtusa gracilis Kg. 1. c. tab. 54, c, d. — 
L. obtusa racemosa Kg. 1. c. tab. 55, a, b. — L. obtusa 
crucifera Kg. 1. c. tab. 55, d, e. — L. oophora Kg. 1. c. 
tab. 57, a, b. — L. multiflora Kg. 1. c. tab. 58, a, b. — 
L. patenfiramea Kg. I. c. tab. 59, a, b. — L. laxa Kg. 1. c. 
tab. 60. a. 

Sehr häufig und verbreitet vom Winter bis zum Herbst. 

87. — paniculata J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 755). Um Triest nicht 

selten. — Frühjahr bis Herbst. 

88. — papulosa (Forsk.) Grev. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 756). Mira- 

mar, Muggia, Pirano. Frühjahr bis Herbst. 

89. — pinnatifida (Cm.) Lamour. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 764). 

Verbreitet und ziemlich häufig. Winter bis Herbst. 

(Fortsetzung folgt.) 

Mykologisches. 

Von St. Schulzer von Müggenburg. 
IV. 

Nirgends im ganzen Pilzreiche scheint es leichter zu sein, für 
denselben Pilz zweierlei verschiedene Früchte zu erweisen, 



320 

als bei den Caeomacei Bon. = Monospori de Bary, wo man Hunderte 
von R'isclien nacheinander finden kann, in welchen Caeoma- und 
Phragmidium- Sporen gemischt demselben Hypostroma entspringen, 
und doch dürfte sich die Sache, nach meinen Beobachtungen, anders 
verhalten. 

Die nicht erweisbare Erklärung dieser alltäglichen Erscheinung 
durch die Gegner des Polymorphismus, dass nämlich die völlig gleich- 
artigen Mycelien zweier Formen sich durchwachsen, lasse ich ganz 
unbeachtet, obschon ich mich früher auf Autorität Anderer, selbst 
dazu bekannte. Verhandl. der zool. bot. Ges. 1867, Seite 712. 

Dass dieselbe Art bald ein scheinbar feinzelliges, durch das 
Mycelium gebildetes Hypostroma besitze, bald wieder nur ein deut- 
lich ästig -fädiges Mycelium, wird kaum Jemanden wahrscheinlich 
vorkommen. 

Nun sah ich Phragmidium bulbosum Schlchtd. an Himbeer- und 
Brombeerblättern in zahllosen Fällen, sowohl untermischt mit Uredo 
flava Bon., und Physonema flavum, als auch für sich allein, auf einem 
hervorgebrochenen, gelblichen Hypostroma; in einem Jahre fand ich 
aber auch diese Art mit ganz gleicher, durchaus in gar nichts ab- 
weichender Fruchlform, ohne alle fremde Gesellschaft, auf der Unter- 
seite von Brombeerblattern als anfangs punktgrosse und zerstreute 
kleine schwarze Raschen, zuletzt durch Zunahme an Zahl als grössere 
Flecke erscheinen. Hier war das Mycelium kein hervorbrechendes 
Hypostroma, sondern bestand aus hyalinen ästigen Hyphen, die sich 
im Blattparenchym nahezu horizontal verbreiteten, ohne sich zu ver- 
flechten. 1. c. 1864, Seite 113. 

Ich kann gegenwärtig nicht umhin, diese Myceliumform, als 
allen Phragmidien-Arten eigen anzusehen, um so mehr, da ich auch 
bei meinem, durch den Standort von seinen Genossen so völlig ab- 
weichenden Phragm. fructigenum eine ähnliche antraf. 

Die Hypostromata , auf welchen wir die meisten 
Phragmidien sehen, sind ausschliessliches Eigenthum der 
Monospori, aber das passendste Substrat für manches Phragmidium^ 
auf welchem dessen Sporen üppig keimen, mit ihren Myceliumfäden 
selbes fest umschlingen und durchziehen, die dann, ihrer Zartheit 
und Hyalinität wegen, nicht mehr getrennt verfolgbar sind. Nur dann, 
wenn die betreffende P/iragmidium-Spore diesen ihr von der Natur 
zugewiesenen Ernährer nicht vorfindet, keimt sie am nackten Blatte. 
Manche Raschen enthalten bloss Phragmidien ohne Beimengung einer 
Caeomacee und entspringen doch einem Hypostroma. In diesem Falle 
überwältigte das Mycelium des Gastes jenes des Wirthes, auf dessen 
Aussaugung es ohnehin angewiesen ist, in so hohem Grade, dass es 
zwar forlvegetirt, aber keine eigene Frucht zu erzeugen vermag. 

Dieses bestätigt auch die beim Phr. mucronatum Schlchtd., 
welches mit Caeoma Rosae Schlchtd., Uredo flava Bon. und Epitea 
hamata Bon. so häufig vorkommt, gemachte Beobachtung: Je mehr 
Phragmidium- desto weniger il/o/iosporü-Früchte, oft bis zum gänz- 
lichen Verschwinden der letzteren, und umgekehrt, was bei der Epitea 



321 

sogar auf die Zahl der Cystidien den auffallendsten Einflnss hat. Dort 
also, wo das Phragmidium auf einem Hyposiroma ers('heint, ist es 
ein Parasit der Gaooinacee, die er jedesfalls schadigt, oft un- 
fruchtbar macht, und kann eben desshalb nicht als ein hervor- 
brechender Brand pilz bctraclitet worden. 

Morphologisch scheint freilich Pfiragmidinin mit mehrmal sep- 
tirten Friichten nur eine weitere Stufe des einfachen Uromyces und 
der einmal gclheillen Puccinia um so mehr zu sein, da man nicht 
selten den normal ausgei)il(leten Phragmidien-Fn\ch\cn die beiden 
letzteren, tüuschend simuiirenden Formen beigemengt findet; doch hat 
diess bei näherem Betrachten seine Bedenken. 

Corda erkliirte in den Icon. fung. IV. Seite 7 beim Sepedonium 
mycophilum alle Phragmidien für Epipiiyten; die Neueren bezeichnen 
sie als Endophyten, welcher Angabe meine Erfahrung bei ein paar 
Arien entschieden widerspricht. 

Entsteht das Phragmidium auf einem Caeomaceen-Hyposfroma, 
so sind seine jungen Früchte mit gelbem Plasma gefüllt und die 
dunkle Färbung erfolgt bei fortschreitender Entwicklung von oben 
beginnend, erst spater. Wahrscheinlich eine Folge der aus dem gelb- 
lichen Stroma bezogenen Nahrung. 



Melampsora Gast, traf man meines Wissens bisher nur als Ge- 
genfiissler von Monospori an. Mir kam anfangs Oktober an Kirschen- 
und Weichselbliittern, zuweilen in Menge, auf der Unterseite eine 
Puccinia vor, die ich pallide-flacens benannte, deren Mycelium wie 
gewohnlich unter der Blattoberliaut' ein spater hervorbrechendes Hy- 
posiroma bildet. Fast unmittelbar von diesem gehen entgegengesetzt 
die als eine dichte Masse beisammen liegenden, der Galtungseigen- 
thümlichkeit entsprechend um diese Zeit noch unreifen Schläuche einer 
Melampsora in senkrechter Richtung ab, und diese Masse erstreckt 
sich nicht bbiss bis zur oberen Blattfläche, sondern zuweilen auch 
seitlich über das Hypostroma hinaus. 

Sehr leicht zu finden, denn auf den grünen Blattflächen verräth 
ihr Dasein die Melampsora schon dein unbewaffneten Auge durch 
lebhaft gelbe Flecke, die Puccinia durch bloss gelbbräunliche Tu- 
berkeln. In manchem Herbste ist beinahe jedes Blatt davon bewohnt. 
Nicht selten nimmt das Pilzchen die ganze Blattareola, wo es entsteht, 
in Besitz und macht das Chlorophyll verschwinden. 

Die Früchte dieser, wie ich glaube neuen Puccinia, sind gleich 
den Stielen und dem Hypostroma bläulich-weiss, erstere stellen sich 
jedoch unlerm Mikroskope, wegen ihrer Füllung bei durchfallendem 
Lichte gelbbräunlich dar. 

Unter dem die Puccinia erzeugenden, wenig mächtigen Hypo- 
stroma fand ich eine Reihe in der Gestali noch unangetasteter poly- 
goner Parenchymzellen, die jedoch von Myceliumhyphen wirr durch- 
zogen und beinahe ganz der grünen Farbe beraubt waren, an deren 
Stelle eine fast gelbbraune trat. Unmittelbar an diese Zellenschicht 
stossen die Schläuche der Melampsora mit ihrem Fusse an. 



322 

Ungeachtet letztere, wie gesagt, noch völlig unreif waren und 
dieselbe grünlich-gelbbraune Fiirbung hatten, gelang es mir doch 
mehrere von einander zu trennen, wo sich mir verschiedene Gestalten 
darboten. Die Grundform ist wohl die walzenförmige, in der Mehrzahl 
durch Kerbung in zwei oft ungleiche Stücke abgetheilt, aber stellen- 
weise Erweiterungen oder Verdünnungen sind fast eher Regel als 
Ausnahme. Auch sah ich sie verschiedene Male dreifacherig u. s. w. 
Im Ganzen sind jedoch die Schläuche zweisporig und die Länge der 
Sporen variirt von 0*037 — 0-048 Mm. Ich benannte das Gebilde 
M. Cerasi. 

Monstrositäten und durch Accommodation hervorgerufene, von 
der Normalform des Fruchtkörpers abweichende Gestalten, falls sie 
im Freien entstehen, mögen wohl auCh geeignet sein, unsere 
Einsicht in das Wesen der Pilzwelt zu erweitern. 

Canfharellus cornucopioides Fr. In dem sehr regnerischen Jahre 
1870 fand icii im September, im Ostrovoer Walde bei Vinkovce eine 
werkwürdige Monstrosität. Ein compacter, fleischiger, 1'9, stellen- 
weise 2"6 Cm. dicker, unten 5-2, oben über 13 Cm. breiter, 15'8 
hoher brüchiger Körper theilte sich nach aufwärts in unförmliche 
Aeste und diese wieder in kleine Lappen, von denen nur wenige 
eine trichterförmige Vertiefung anstreben, die meisten viel eher 
Sprt?'ass«s-Blältern ähnlich sehen. Die ganze äussere schwarzbraune, 
bläulichweiss bereifte Oberfläche war runzlich und mit einem frucht- 
trugenden Hymenium bekleidet; die Oberseite der Läppehen steril, 
rauh, braunschwarz. Sporen wie gewöhnlich, an pfriemformigen Sterig- 
men, doch ohne den normal vorkommenden kugelförmigen Anhang, 
(ieruch, was ich in demselben Jahre auch an gewöhnlich gebildeten 
Individuen wahrnahm, stark nach Aprikosen. 

Fistulma liepatica Bull. Ein seltenes Beispiel -der Accommoda- 
tionsfäiiigkeit mancher Pilze. Nach einem Anfangs September des nur 
zu sehr trockenen Jahres 1873 gefallenen Regen besuchte ich den 
Crni gaj, einen Wald bei Vinkovce. Beinahe kein Schwamm Hess 
sich blicken und ich machte mich nach stundenlangem fruchtlosem 
Herumstreifen schon mit dem Gedanken vertraut, leer heimzukehren, 
als ich auf dieses merkwürdige Gebilde stiess, welches etwas über 
anderthalb Meter von einer Eiche entfernt, als ein Rasen oder 
Busciien scheinbar aus der Erde gewachsen war. Vorsichtiges Nach- 
graben ergab folgendes Resultat: Eine lebende, dicke Baumwurzel 
streiclite 9-3 Cm. tief unter der Erde in beinahe horizontaler Rich- 
tung hin. Von dieser erhob sich mit schmaler Basis daran haftend, 
ein unregelmässig knorriger, compacter Fleischkörper vertical und 
begann, noch über 2*5 Cm. vor dem Austritte an Licht und Luft, 
sich astförmig zu theilen, was sich draussen, wo er die Dicke von 
8 Cm. erlangte, wiederholte. Die noch unausgebildeten Aeste waren, 
wie es dieser Art überiiaupt eigen ist, hörner- oder keulenförmig; 
die entwickelten endeten als 8*7 bis 11 Cm. breite Hüte. Das ganze 
Gewächs mit 6 Aesten hatte 26-8 Cm. Höhe, wovon etwas mehr als 



323 

oin Drititlioil imlerirdisrli, und breilote sich oben anf 2? Cm. aus. 
Ober- und rntorscitc der Hiite, Farbe, FleischbcschafFenlieit, kurz 
alles bis auf die Form war normal. 



Plantas in itinere africano 
ab J. ^I. llildehraiiilt collectas deterniinare pergit W. Yatke. 

V. Compositae Vaill. 

iOlS. Efhulia comjzoides L. var. angiistifolia (Bojer.). In pla- 
nitiebus sccus ripas fluminis Kingani in Sansibariae ore aug. 1873. 

Suffrutex altit. 1 ni. fide H., sed annua, nt jam DC. indicavit, 
colitur in horto berol., ubi olim a cl. Regel E. corymbosae nomen, a 
(1. Steetz in Peters Mosanib. Bot. p. 322 cominemoratuin accepit. 

403. FtvMOAim cmerea cL.) Less. Abyssinia: Habab ad alt. 3000' 
junio 1872. 

1016. eadem. In Sansibariae campis eultis et pratis siccis her- 
baceis jul. 1873; fl. lilacini. 

412. V. cyanopidea Höchst, in Scliweinf. Beitr. p. 161. (F. 
Aschersonü C. H. Schultz, bip. ibidem). Ai)yssinia: Habab inter saxa 
granitica et lapides schistosos scpt. 1872. Nomen prius, 1. c. rite edi- 
tum, rejeetum est ob. V. cyanopioidem Walp., quae vero ex Benth. 
Fl. austr. III. p. 459 eadem quae V. cinerea (L.) Less. Itaque nunc 
nomen hochstetterianum restituendum esse censeo. 

768. V. spalhulata (Forsk.) C. H. Schultz, bip. in Schweinf. 
Beitr. p. 162. (V. atriplicifolia Jaub. et Spach.) Aden ad montes jun. 
1872 maxima ex parte jam deflorata; frutex 1 m. altus. 

843. eadem. In Somalensium montibus Ahl alt. 1000 m. vulgaris 
mart. 1873. 

1020. V. (Lepidaploa) Hi/debrandfü Valke. caule fruticoso tereti 
striato liispidulo. t'oliis petiolatis subovato-lanceolatis crenatis obtusis, 
basi utrinque auriculatis supra parce, subtus dense liispidulis, corymbo 
polycephalo, capitulis sub 10-floris, involucri squamis sub 3-serialibus 
ovato-lanceolatis obtusis -pilosulis , achaeniis sub 5-costatis, secus 
costas puberulis, pappi albi serie exteriore minuta setiformi, inle- 
riore 1-seriali mulliseta %. 

Insula Sansibar nov. 1873. Frutex densus (H.) 2 m. altus ex 
affmitate V. capensis (Spr. f) Vatke ined. (F. mespUifoliae Less.); 
petioli c. 1 cm. longi; lamina c. 4 cm. lg., ad 2 cm. lata, subtus 
reticulato-venosa; achaenia nunc manifeste costata et ad costas pu- 
berula, nunc costis obliterantibus ubiqtie pilis tecta. Species distinctis- 
sima peregrinatoris nostri indefessi nomen servet. 

1019. F. zanzibarensis Less.! In Sansibariae locis siccis jun. 
1873. 



324 

405. V. paucißora (Willd.) Less. Abyssinia : Habab alt. 3 — 
6000' sept. 1872 Forma exilis. 

413. V. polymorpha Vatke. y accedens Vatke pl. Schimper. Abys- 
sinia: Habab Nakfa alt. 5000' aug. 1872; frutex usque ad 2 m. altus; 
fl. viülacei. 

1014. V. CLepidella) poskeana Vatke et Hildebrandt, caule erecto 
herbaceo divaricato-ramosissimo striato puberulo, foliis lineari-oblongis 
obtusis utrinque supra dense puberulis, subtus punctulalis, margine 
recurvulis subintegerrimis, corymbis polycephalis, involucri squamis 
pilosis, exterioribus ovato-lanceolatis, interioribus lanceolato-linearibus 
acutis mucronatis apice medio coloratis flores subaequantibus, achae- 
niis ö-strialis pubescentibus, pappo albido , exteriore 10-paleaceo, 
interiore sub l5-seto caducissimo. O- 

Sansibar in pratis siccis herbaceis jun. 1873; herba altit. 1. m., 
folia ad 5 cm. longa, ad 2 cm. lata; pappus exterior persistere 
videtur. 

Speciem insignom dicavimus Friederico Poske viro ingenioso, 
Studiorum olim socio amicissimo. 

1011. Ageralum comjzoides L. In pratis herbaceis et campis 
cultis Sansibariae jun. ad nov. 1873. 

1017. Mikania chenopodüfolia Willd. (M. mossambiquensis Steetz 
in Peters Mosamb.) In silvis secus ripas fluminis Kingani in Sansiba- 
riae ore suffrutex volubilis aug. 1873. 

407. Dichrocephala chrysanthemifolia (Bl.) DC. var. abyssinica 
(C. H. Schultz bip.) Aschs. in Schweini". ßeitr. Abyssinia: Habab alt. 
6—7000' aug. 1872. 

399. Felicia abyssinica C. H. Schultz, bip., A. Rieh. tent. Abys- 
sinia: Habab Nakfa, Rora, aug. 1872; fl. radii violacei. 

411. Conyza macrorhiza C. H. Schultz bip., A. Rieh. tent. Abys- 
sinia: Habab in planitiebus siccis aug. ad sept. 1872. 

409. Psiadia arabica Jaub, et Spach. (? P. resinißua C. H. 
Schultz in Schweinf. Beitr. nomen.) Abyssinia: Habab in solo granit. 
alt. 6Ü00' jul. ad aug. 1872; frutex 2 m. altus. 

6976. eadem eliam ex Abyssinia. Eandem ibidem prope Keren. 
c. 4500 p. jul. 1870. coli. Beccari! (n. 214). 

672. Tarchonanthus camphoratus L. (? T. abyssiniciis C. H. 
Seh. b. in Schweinf. Beitr. nomen). Abyssinia: Habab: Nakfa aug. 
1872; arbor 4 m. alta ramis laxis; forma latifolia. 

883. idem, E. Somalensium montibus Ahl ad Yafir all. 2000 m, 
mart. 1873; frutex 3 m. altus. 

A stirpe cajjcnsi admodum variabili vulgo in hortis bot. culta 
noslram equidem distinguere nequeo. 

1012. Blmnea lacera (Burm.) DC. Kokotoni Sansibariae in de- 
clivibus collium calcareorum e corallis ortorum oct. nov. 1873; suf- 
frutex (H.) potius herba 05 m. alta. 

4036. B. Bovei pC.) Vatke ined. iConyza B. DC, B. abyssi- 
nica C. H. Seh. bip., A. Rieh, tent.) Abyssinia: Habab ad alt. 3000' 
jun. 1872. 



325 

1022. Laggera sordida Vatko. IViilicdsa raniosissima, ramis luscis 
('levato-slrialis sii|)erne [tilusis, Ibliis obovalo-oblung'is oblusis in pe- 
lioluin anguslalis inIcgeiTiinis. capifulis numorosis parvis l)roviter pe- 
(liiiiculalis in paniculas confoiias raimilos tormiiiaiitcs dispusitis, invo- 
liicii sqiiainis iinhricatis, cxterioribus ovato-lanccolalis, inleridribus 
linearibus acutis pilosulis, (loribiis ^ pluriscrialibus, corolla tubulosa 
filiformi apice 2 donlata slioinalii)iis exsertis, in floribus ^ paucis ^ 
siiperanlibus stylo prüi'undc 2-lubo, pappi 1-plicis sclis scabris, acbac- 
niis adprcsse setosis. "^. 

In Insnlae Sansibar locis lapidosis ab aestii maris interduin hu- 
niefactis oct. 1873. 

Frntex altit. 1 m. aequat; folia petiolo incl. ad 2 cm. longa, ad 
0*5 cMii. lala; antberae basi sagittatae morc generis. 

404. Lagqera aurita (L.) C. H. Scbultz bip. Abyssinia: Habab 
ad allit. 3000'" jun. 1872. 

406. eadein ibidem lecta foi-nia lignosa. 

410. Pluchea Dioscoridis (L.) DC. Abyssinia: Habab all. 3 — 
7000' aug. 1872; frutex 2 m. altus. Eandem prope Keren (Bogos) 
maio 1870 coli. I3eccari! (n. 67). 

765. P. indica (L.) Less. var. Scbecb Otbman prope Aden in 
lillore arenoso jun. 1872. Habitus plantae summitatibns decerptis paul- 
luliim mutalus, sed procul dubio buc refero. 

1018. P. Kraussn C. H. Scbultz bip. in Walp. rep. H. p. Ü72 
(sub Conyza), Sleetz in Peters Mosamb. var. foliis integerrimis. Insula 
Sansibar in locis paludosis prope mare jun. ad nov. 1873; frutex 2 m. 
altus; florcs lilacini. 

Speciei hujiisuie praesto mihi sunt solummodo exempl. orig. va- 
rietatum duarum a cl. Steetz in Peters Mosamb. Bot. p. 442 descrip- 
tarum, quarum cum nulla convenit, sed species sane eadem. 

842 a. P. (Oligorcphalum) helerophjUa Vatko. basi frutescens 
superne ramosa, foliis ol)0\alo-'.)i»longis, in petiolum angustaüs, nunc 
integerrimis obtusiusculis, nunc profunde inciso-dentatis, lobis apiceque 
acutis, utrinque lepidoto-punctatis, capitulis paucis pedunculatis sub- 
corymbosis , involucri squamis pluriscrialibus angustis apice re- 
curvis. ■5- 

In calcareis monlium Abi d. all. 1 — 2000 m. mart. 1873 copiose, 
sed mavima ex parte nondum florens. 

FrulicuUis Iiumilis parum ramosus c. 2 dm. altus superne cum 
involucri squamis glandulis slipitatis obtectus ceterum glaber ramulis 
tenuibus loliosis; iolia carnosula? ad 4 cm. longa, ad 05 cm. lata; 
pedunculi bracteati; involucrum bemispliaericum diam. superne c. 2 
cm., squamis exterioribus gradalim brevioribus obtusiusculis, intimis 
acutis, recepfaculo breviter foveolato; flores ^ multiseriati nuinerosi 
corolla tubulosa rdiforini apice 2-(lentata, sligmatibus exsertis, flores 
c> in medio capitulo numerosi ^ superantes corolla anguste tubulosa 
apice breviter 5 fida, stylo indiviso summo apice levissime 2-lobo; 
antberae basi breviter caudato-acuminatae; acbaenia adpresse setosa; 
pappi sinq)licis setae scaberulae. 

Oesterr. botan. ZeitscUrlft. 10. Heft. 1875. 24 



P. pinnatißdae Hook. f. in Hook. u\ p1. t. 1156 ex eadom rr- 
gione proxima, sed ahunde distincta. 

J02J. Sphaei'cmthus microcephalus Willd. In Sansibariae locis 
paludosis oct. 1873. 

14. Fikigo piiramidata L. fide C. H. Schultz bip.! (F. spalhulaia 
Presl.). In deserto Ramie prope Alexandriam mart. 1872. 

13. Ifloga spicata (Forsk.) C. H. Schultz bip. Ibidem eodem 
tempore. 

420. AchyrocJine htzuloides (C. H. Schultz bip.) Vatke ined. 
(Gwf/p/trt/mm 1. Seh. bip. in Schweinf. Beilr. p. 149). Abyssinia: Habab 
alt. 5 — 7000' in solo granitico jul. ad sept. 1872; fruticulus alt. 0-5 
m. Eandem prope Keren repperit Beccari! jul. 1870 (n. 211). 

841 b. Inula somalensis Vatke. caule fruticoso crecto ramoso, 
ramis lignosis angulatis superne pubescentibus, foliis alternis obovato- 
oblongis, basi dilatata subauriculata subsemiamplexicaulibus antice den- 
ticulatis, dentibus apiceque in mucronem productis sublus punctalis, 
margine costaque infera longo pubescenti-villosis, capitulis breviter 
pedunculatis solitariis radiantibus, involucri squamis obovato-lanceolatis 
laxe iinbricatis murvonatis subaequilongis accessoriis paucis, achaeniis 
teretibus a basi ad apicem adpresse setosis. ■^. 

In solo calcareo montium Alil d. mart. 1873 sp. unicum. Fru- 
ticulus alt. 2 dm. habitu Pulicariae; folia ad 5 cm. longa, ad 1 cm. 
lata; receptaculum areolatum; pappi setae 15 barbellatae. 

767. Iphiona scabra D. C. Aden ad montes jun. 1872 frutex 1 
m. altus ramificatione densa. 

67. Pidicaria undulala (L.) D C. Inter Trifolia culta prope Suez 
apr. 1872. 

405 b. ejusdem var. Abyssinia: Habab: Keren aug. 1872. 

128 ejusdem var. (P. orientalis Jaub. et Spach.) Geddah apr. 
1872. 

842. P. (Decachaefa) Hildebrandtü Vatke. suffruticosa in par- 
tibus herbaceis pubescenti-pilosa, foliis late obovatis oblusis, basi dila- 
tata amplexicaulihus ultra medium ab apice grosse inaequalifer inciso- 
dentatis , dentibus apiceque mucronatis , pedunculis terminalibus 
1-cephalis bre\ ibus subnudis. capitulis subhemisphaericis radialis, invo- 
lucri squamis exterioribus lanceolatis herbaceis, interioribus lineari- 
lanceolatis scariosis laxe imbricatis, receptaculo alveolato, achaeniis 
ter(!tibus 10-costalis bis articulatis. "^ . 

In planilie littorali et proinonloriis monlium Ahl ad 1000 m. 
mart. 1873; nomen vernac. Farre odd. ut n. 841 (probabil. Inula 
sovtalcnsis) et complures Compositae, ut Somalenses saepius stirpes 
similes nomine generali salutant. 

Sulfrutex ()-5 m. altus, liabilu P. grandidenfatae .Taub, et Spach 
simillimus, sed involucrum non conveiiit. Folia odoratissima ad 6 cm. 
longa, ad 3 cm. lata; acliaenia forte moiislruosa? pappi exterioris 
dcntes breves parum laceri, interioris setae ad 20 barbellatae, quo 
quidem numero cum definitione subgcneris a cl. Spach data non con- 
griiil. sed reliqua omuia ('On\'eniunt. 



327 

760. P. (jlntinosa Jaul), et Spacli. Aden ad inonles jun. 1872. 

841=841 a. /-'. (Platuchaeta) kurlxiiana Valke. sutlViiiicosa in 
partibus lu>r!)aceis deiiso olaiidulircra et parco pilosa, Coliis ohlonoo- 
linearibus a[)U'cin versus grosse piiuialirido-dentalis caniosulis? calloso- 
nuicroiiulalis , pedunculis 1 - eeplialis , capilulis mullidons radialis, 
arilliodii polypliylli lalo campanulali squaniis ovato-sublaiiceolatis inac- 
quilonois, exterioribus g-radatiin niiiioribus iisque apice fuscis aculiu- 
siulis olabriusculis carinalis, floribus radialil)us disio vix triente lon- 
gioribus, liguUi obovato-oblonga 3-denIa!a, acliaeniis oblongis 8-coslu- 
latis glabris, pappi extcrni cam|)anulati leviter inciso-denliculati loi)is 
aruliusculis. inferiore corollae iloruin 5 sul)aequiiongo. "5. 

In ealcareis niontiuni Abi ad all. 1(100 ui. niart. 1873. 

Fruliculus 0'5 m. allus praecedenti et P. Grantii Oliv, et Hiern. 
affinis; l'olia ad 4 cm. longa, ad 1'5 mm. lala; radius luleus; pappi 
selae 8 spatbulatae latinsculae margine serrulatae, apice plumoso- 
barbellalae; setarum numerus in hac quoque non congruit cum sub- 
generis defniilione a cl. Spacb in 111. pl. or. 346 data, sed reliqua 
onuüa coiiveniunl; sligmata exserta recla lineari-fdiformia generis 
niore pai»ilIosa; antberae lineares appendicibus elongatis laceris, om- 
nino ut in praecedenle a eil. Jaubert et Spach sunt depiciae. 

Species dicata Friederico Kurtz excursionis hildebrandlianae fau- 
luri mibique ainicissimo. 

68. P. CFrancoeuria) crispa (Forsk.) Benth. et Hookf. Suez 
inter Trifolia culta apr. 1872. Adn. auctores quidam, si genus redu- 
xere viri eil. Bentliam et Hooker filius, etiain omnibus speciebus in 
iu)vo genere lios adscribunt auctores, equidem tantuin, si quo modo 
speciem commemorant, lios cito. 

127 eadem. Geddab apr. 1872. 

402 eadem. Abyssinia: in planitie Habab prope Keren jul. ad 
sept. 1872. Ibidem in valle Insaba, prope Keren coli. Beccari! maio 
1870 (n. 59). 

Obs. P. petiolaris Jaub. et Spach. est P. chrysopsidoides C. H. 
Schultz bip., de qna confer Scbweinf. ßeitr. p. 153. 

419. Geigeria ocaulis (C. H. Sciiultz bip.) Benth. et Hookf. 
(Diploslcnit)ia a Sciiultz). Abyssinia: Habab 5 — 6000' in planitiebus 
lapidosis tempore phnioso aug. 1872. Novus florae ai)yssinicae ci\is. 

63. Odontospermum graceolens (Forsk,) C. H. Schultz, bip. 
(Ceruana pratensis Aschs.! in Hildebr. pl. exs. non Forsk.). Suez 
inter Trilolia culla apr. 1872. 

414. Srierocarpus africanus .lacq. Abyssinia: Habab prope 
Keren tempore pluvioso sept. 1872 sub fruticetis. 

418. Wedelia abi/ssinica Valke. (Wi^'fffcnia frulescens C. H. 
Schultz bip. in SchweinF. Beitr. p. 287 nomen nudum). 

Frulescens caule erecto superne ramoso tereli strigoso, foliis 
breviter peliolatis ovato- vel oblongo-lanceolatis acutis repando-sub- 
serralis supra scabris vel utrinque hirlis 3-nerviis, capitulis longe 
pedicellalis, ad apices ramorum 1 — 3, involucri squamis ovato-lanceo- 
lalis obtusiusculis slrigoso-hirlis subbiserialibus, flosculis luleis, re- 

24* 



328 

ceptaculi paleis oI)loncro-lincaribiis mucronato-aculis, achaeniis obovoi- 
deo-oblong-is subcompressis strigoso-hirtis apice abrupte in collum 
breve (lesinenlibus, pappo cxteriore ex aristis 2 longioribus, interiore 
e squamellis pluribiis compusito. ■^. 

Abyssinia: Habab, Rora asgede rara aug. 1872. 

Frutex 1 in. altiis; raini ad 4 dm. longi; folia 4 — 8 cm. longa, 
1 — 2 cm. lata; flores radii aurantiaci feminei, qiiare Wedeliae nee 
Aspiliae species. 

1015. Äspilia Kotschyi (C. H. Schultz bip.) Benth. et Hookf. 
(Wirtgenia Kotschyi Schultz). Insnla Sansibar in locis udis rara oct. 
1873. annua (videtur H.) procul dubio. 

117. Coreopsis presünaria C H. Schultz bip., (Verbesina neris 
A. Rieh. tent.). Abyssinia: Habab tempore pluvioso sept. 1872. 

1023. Bldens pilosus L. In Sansibariae loco sterili oct. nov. 
1873. 

41b. B. abyssinicus C. H. Schultz bip., A. Rieh. tent. ß gla- 
braftis Vatke pl. Schimper. Abyssinia: Habab alt. 5000' tempore plu- 
vioso sept. 1872. 

Fere idem, qui in Schimp. pl. abyss. sect. III. n. 1427 editus, 
sect. I. n. 337 est forma typica. 

Slirps quibus diilerat characteribus certis a B. bipinnato L. non- 
dum intellexi. 

416. Chrysanthelhim incUcum DC. Abyssinia: Habab alt. 5000' 
in solo granitico tempore pluvioso sept. 1872. 

15. Anthemis retiisa Del. In deserto Ramie prope Alexandria m 
mart. 1872. 

64. eadem. Inter Trifolia culta prope Suez apr. 1872. 

66. Cotula cinerea Del. cum praecedente. 

1027. Gynura microcephala Vatke. Caule herbaceo erecto tereti 
parce pubcrulo striato, foliis late lanceolatis in pefiolum angustalis a 
medio ad a])icom inaequaliter repando-dentatis acutiusculis, corymbo 
densiuscule oiigoceplialo, pedicellis brevibus erectis demum cernuis, 
involucro sub 16-pliyllo anguste campanulato flosculis subbreviore, 
bracteolis subulatis sub 5plo longiore, achaeniis teretibus striatis ad 
coslas puberulis. O- 

In Sansiliariae locis cultis oct. ad nov. 1873. 

Herba altit. 0*5 m.; folia ad 1 dm. longa, ad 4 cm. lata; invo- 
lucruin 1 cm. longum, apice c. 0-5 cm. latum; flores lilacini; species 
G. crepiduHiU Benlli. proxima capitulis parvis confertis habitu Erech- 
titis insignis. 

408. Cineraria Schimperi C. H. Scluiilz bip. (Senecio lyratipar- 
titus ej., A. Rieh. tent.). Abyssinia: Habab: Rora asgede 6—8000' 
aug. 1872 frutex 3 m. altus. 

1024. Emilia sagiflala (Valil.) DC. cE. hmnifusa (Boj.) DC. 
e diagn.). In Sansibariae locis cultis siccis jun. ad nov. 1873. 

424. Notonia sempenrii^a (Forsk.) Aschs. Abyssinia: Habab 3 — 
6000' in montium tractibus sterilibus jul. ad sept. 1871. 



329 

844. eadem. Yafir in Sonialensium iiKnilibiis Ahl ad all. 2000 in. 
in rupium cakarearuni fissuris. 

lliiic, cui N. abyssinira A. Rieh, cerlissiinc; congener, perjjcrain 
corollae flavac liiluiunlur vel a viris Bentliaiu et Hoo'vcr fil. «cn. pl. 
II. 1, p. 44fi; sunt oniiii revera lilaciiiae. 

18. Senecio leitcanthemlfolius Poir., Boiss. ! Fl. or. III. iiiod., 
ex quo S. vernalis W. et K. \av. (S. curonopifulius Asclis. ! in Uil- 
debr. pl. exs. non Desf.). In deserto Ramie nuui. ls72. 

63. iS. coronopifolius Desf. Suez intcr Tril'olia culta apr. 1872. 

460. S. abjjssinicns C. H. Schultz hip., A. Rieh. fent. (inel. S. 
hellldifoUo ej.). Abyssinia 1872. 

401. S. petitianns A. Rieh, c deser. Abyssinia: Habab ad 6000' 
aug. 1872; frutex allit. 4 ni. 

S. tuberosus C. H. Schultz bip., A. Ricli. tent. adest in cull. 
beccariana e K(?ren jul. J870 lectus sub n. 189. 

16. Calendula arvensis L. Ramie niart. 1872. 

60. Volutarella Lippii (L.) Cass. Inter Trifolia culta prope Suez 
apr. 1872. 

61. Centaurea aegyptiaca L. cum praecedente. 

20. C. (jlomerata Vahl. Ramie mart. 1872. 

21. C. dimorpha Viv. (C. eriocephala ßoiss.) var. cum praece- 
dente. Materiam possidemus dilem speciei luijusce Alexaiuliiae mailio 
1824 ab Ehrenbergio lectam, quacum convenit tlurum struclura. sed 
folia aliam prae se lerunt faciem; in nostra laciniae laterales abbre- 
viatae ut terminalis minuta nun distinetae, sed altera ad alteram 
utrin(ßie late deeurrit. at nostram quoque huc speetare nullus dubito. 

423. Dicoma tomentusum Cass. Abyssinia: Habab : Bogos in 
planitiebus sterilibus tempore pluvioso sept. 1872. 

62. Cichorium divaricatmn Sehousb. Suez inter Trifolia eulta 
apr. 1872. 

19. Hijoseris lucida L. Ramie mart. 1872. 

17. Rhagadiolus hedypnoides All. CHedypnois globulifera Lani.) 
cum praecedente. 

426. Lactuca petitiana A. Rieh. Abyssinia : Habab alt. 4 — 6000' 
sept. 1872. 

Hujus syn. est Microrhynchus octophyllvs Höchst, a Schwein f. 
Beilr. p. 160 lapsu ad sequentem duetum. 

132. L. goreensis (Lam.) C. H. Schultz bip. Ceddah apr. 1872. 

1025. eadem. Insula Sansibar ad rudera in oppido nov. 1873 ab 
Europaeis interdum ut L. satita L. eomeditur; planta biennis. 

844 a. Heferachaena massaricnsis Fresen. E. Somalensium 
montibus Ahl ad altit. 1000 m. solilaria in loeis umbrosis mart. 1873. 

69. Reichardia tingUana (L.) Rth. Suez inter Trifolia apr. 1872. 

425. eadem. Abyssinia: Habab ?, — 5000' tempore pluvioso aug. 
sept. 1872. 

1026. Sonclms Bipontini Aselis. in Schweinf. Beitr. p. 286. (S. 
lactucoides C. H. Schultz bip., A. Rieh. lenl. non Bunge). Insula San- 
sibar in pratis siccis herbaceis sept. 1873; radL\ stolonifera. 



330 

\Q'l(\r Microrhynchtis nudicaulis (L.) Less. (Rhabdotheca chon- 
drilluides Asclis. ! in Hildebr. pl. exs. non Scliultz bip.). Inter Trifolia 
prope Suez apr. 1872. 

1028. M. sarmentosus (Willd.) DC. In Sansibariae littore are- 
noso nov. 1873; raiiii proslrati. 

131. M. glomeralus (Sieb.) Benth. et Hook. f. (Lomatolepis g. 
Cass.) Geddah apr. 1872. 

764. idem. Hodeida in locis hiimidis jun. 1872. 

129—130. M. chondrilloides (Desf.) ßenth. et Hook. f. Geddah 
apr. 1872. 

(Continuabitur.) 



Aufzählung der in der Umgebung von Pola wachsen- 
den Pflanzen. 

Von Prof. Leo Neugebauer. 

CScUluss.) 

SciHcornia herhacea L. V. Fisella; selten. 637. 
■ — fruticosa L. Felsiger Seestrand (V. Vergarola, V. Ovina). 642. 
Polycnemum artense L. Brachfelder (am M. Rizzi, Stoja Musil). 698, 
Chenopodium urbicum L. Strassenränder (Strasse nach Policarpo und 
Veruda). 660. 

— murale L. Schutt (M. Zaro), eine Halophytenform am Strande 
(V. d. Fora). 284. 

— albvm L. Schutt. 405. 

— polyspermum L. Trockene Stellen des Pra grande; sehr selten. 
516. 

Beta vulgaris L. Strassenränder. 641. 

— maritwfh L. Schutt (hinterm Spital), F. Marina. 224, 462. 
Camphnrosma monspeliaca L. Humusboden nahe der Küste (V. Fi- 

sella, Stoja Miisil). 590. 
Halhnus portulacoides Wallr. Sumpfige Buchten (V. Fisella). 639. 
Atriplex horlensis L. Kulturboden (Pra grande, M. Signole). 708. 

— latifolia Wahlb. Raine. 703. 

— rosea L". Seestrand, in unendlich vielen F'onnen. 702, 659. 
Riimex conglomerafus Murr. Kaiserwald. 337, 440. 

— pulcher L. Raine. 315. 

— crispiis L. Sloja Musil. 391. 

— Acelnsella L. Raine (M. Rizzi). 389. 

Polggomim PcrsicariaL. Criiben (Pragrande, Stoja Musil). 716, 431. 

— ariculare L. W(>ge, Steinbrüche. 418, 520. 

— diimeforum L. Hecken, Accker. 586. 

— Fagopyrnm L. Kulturboden (^am M. Signole, Anlagen vor der 
Sdiwimmschule). 567. 



3:51 

Passerina annua WicksIr. Saatt'U (M. Rizzi). 481. 

Lauras nobilis L. IN'iedcruntjeii imd lliigel des ösll. Gebietes. 9f). 

T/iesium diraricaliun Jan. IliiocdriuUen nürdl. mhi Pra g^raii^le. 401 

— roJHOSum Hayne. M, Daniele. 724. 
Osi/ris albti L. Huschige Hiiyei. 580. 
Aristolochia rolnmla L. F. !\larina. T17. 

— Ckmalilis L. Ileclven, BraclifeldcM-. '210. 

Buxus scmperrircns L. iXorduesll. Altliang des M. Cliioclii, wesll- (an 
der Strasse) und üsti. (bei S. Catora) Rand des kaiservvaldes. 
088. 

Etrphorbia Chamaesyce L. Aurschiillunoen vor der Fieberbriicke, 
Sehutler der Strasse beim Kaiserwald, selten. 579. 

— helioscopia L. Wegrander. 655. 

— fnujifera Jan. Felsige Orle (M. Ventino, F. Giovanni) besonders 
in der Nalie des Strandes (V. Vergarola, Punla Zonclii). 7, 98. 

— Cyparissias 1.. AecKer (M. Rizzi) und sterile Orte (M. Zaro). 570. 

— nicaeensis All. Sterile Hiigel. 554. 

— Paralias L. Seestrand (V. di Cane, V. Confdelli) , F. Marina. 
232, ()3;',. 

— pinea L. F. Monunienti. 9. 

— Pepliis L. Medolin. 209. 

— falcata L. Saaten, überaus formenreicli. 275, 463, 523. 

— exigva L. Kurzgrasige Hiigel (F. Max, M. Collsi, M. Corniale). 
140. 

Mevcnrlalis annua L. Schutt etc. 70. 

Andrachne telephioides L. Schutt hinterm Spital, selten. 384. 

Urtica vrens L. Kulturboden. 732. 

— dioica L. An Wegen etc. 733 

Parietaria diffusa M. et K. Feuchte Mauern (Stadt) SteingeröUe (F. Max). 

181. 
Cannabis sativa L. Vor der Portaurea, Schvvinunschule. 020. 
Humulus Lupulus L. Kastell. 563. 

Ficiis Carica L. Steinbrüche (am M. Vincuran, M. Daniele etc.). 182. 
Celtis australis L. Hecken, am Kastell kleine Bäumchen, bei Stignano 

ausgewachsene Bäume. 39. 
Ulmus campestris L. Kaiserwald, Zäune. 572. 
Quercns pubescens Willd. Bildet den Rizziwald und zum Theil den 

Kaiserwald; in einzelnen — meist kurz- und starkstämmigen 

Exemplaren über die meisten Hügel verstreut. 97. 

— Subcr L. Bildet das Wäldchen am M. Vincuran und mit der vor. 
den Kaiser wald und den Wald von Lussinamore; fehlt auf der 
West half le des Florengebietes. Vereinzelte Exemplare — meist ur- 
alte kronenlose Stämme — in den Carpinusgebüschen des M. Pero. 
204, 190. 

— I/ex L. Meist in ausgedehnten Beständen (F. Max, Fisella); immer 
strauchartig, selten (Xähe des Mar.-Friedhofes) höhere Bäumchen. 
Von Q. Subcr nur durch die verbreiterten Aapfschuppen der letz- 
teren zu unterscheiden, 15b. 



332 

Corylus AnelJcma L. Kaiserwald. 453. 

Carpinns diiinemis Scop. Bildet im Nordost (M. Pero) weil ausgc- 
deiinte Maische, bleibt strauchartig, nur im Kaiserwald auch hö- 
here Biiumi-lien; fehll auf der Weslh.ilfte des Gebietes, bildet an 
der Grenze des V(!rbreilungsbezirkes (M. Chiochi, M. Foiban) 
höchst merkwürdige Kriippelibrmen. 40, 539. 

Salix alba L. Zaune (Pra grande), Teichriinder (M. Gobbo), Gräben 
(unter M. Polante). 479. 

Juniperus Oxycedrus L. Hügel. 37. 

Alisma Planfago L. Pra grande, Tümpel von Stoja Musil. 344. 

Potamogeton fluitans Rotli. Tümpel am M. Gobbo. 656. 

— densus L. Stadtpark. 784. 

Ruppia maritima L. Tümpel zwischen F. Giorgio und F. Giorgetto. 541. 

Zostera marina L. Meeresgrund. 712. 

Sparganium ramosum Huds. Pra grande. 346. 

Arum italicum Mill. Schattige Orte zwischen losen Steinen. 495 

Orchis militaris L. F. Georgio, und F. Giovanni. 99. 

— variegata All. Sonnige Anhöhen (Cassoni vecchi). 6. 

— coriophora L. M. CoUsi, M. Rizzi. 246. 

— 3Iorio L. Hochgelegene Wiesen (Kaiserwald etc.). 38. 30. 

— palhns L. Ober der Monumenti-Barake, selten. 8. 

— laxißora Lam. Pra grande. 115. 

- — papilionacea L. Pra grande, F. Marina und F. Cielo. 116. 
Anaramptis pyramidalis Rieh. M. Clivo, M. Polante, Kaiserwald. 236. 
Platanthe.ra bifolia Rieh. M. Lorenzo im Kaiserwald. 92. 
Ophrys aranifera Huds. Hügel (F. Giorgio etc.). 34. 

— Berfolonii Mor. Hecken, Hügel. 141. 

— aravhnites Rchb. Hügel (M. Clivo, M. Corniale) Hecken (S. Lom- 
bardo). 152. 

— apifera Huds. Punta Zonchi, sehr selten. 3. 

Serapias Lingua L. M. Rizzi, dort, wo das neue Strafhaus gebaut 
wird; dürfte in Folge dieses Baues aus der Flora von Pola ver- 
schwinden. 155. 

— cordigera L. F. Levano grande. 214. 

Cephalanfhera ensifolia Rieh. Punta Zonchi, ein einziges Exemplar 
gefunden. 4. 

Spiranthes autumnalis Rieh. Waldwiesen (Kaiserwald), seltener auf 
Hügeln (um die Foiva). 687. 

Trichonema Bulbocodium Kor. Sonnige Hügel. 1. 

(jladiolus illyricus Koch. M. Chiochi, Sloja Musil, im Gebüsch. 280. 

Pancratium? F. Mariru»; es fanden sich nur Zwiebeln und die ver- 
dorrten Blüthenschiifte. 234. 

Asparugus arufifotius L. Hügel, Hecken. 581. 

Buscus nculeafns L. Hecken, Kaiservvald. 663. 

Smilax ospera L. Zaune, Kaiserwald. 71. 

Tanms communis L. Zaune, Hecken, röm. Steinbrüche. 191. 

Aspkodelus ramusus L. F. Cielo. 207. 



333 

Ornithogalum pyrenaicum L. Kaiserwald, F. Ciclo; sohr selten auf 
Hügeln in der Umgebung der Stadt (M. Rizzi). 235, 445. 

— confosnm L. F. Cielo. 229. 

— coUinum Guss. Hügel (F. Max etc.). 02. 
Scilla aulumnaiis L. Hügel, Kaiserwald. 592, 

Allium roseum L. Hecken (nordl. Rand des Pra grande, M. Rizzi). 
133. 

— moschatum L. Westende von Stoja Musil. 694. 

— Änipeloprasum L. Brachfelder (hinterm Spital), Hügel (M. Collsi). 
493. 

— sphaerocephaliim L. Steinbrüche bei Fisella. 489. 

— paniculatmn L. Hügel. 299. 
Muscari comosnm Mill. Aecker. 450. 

— racemosum Mill. Aecker (S. Lombarde). 82. 
Colchicum Kochii Pari. Kaiserwald. 675. 

— Kochii? Pari, eine Form? mit sehr schmalen Perigonalzipf(;ln: 
Rand des Waldes von Lussinamore. 720. 

Jnncus maritimns Lani. V. Pietro, Kanal von Veruda. 714. 

— capitatus Weig. Pra grande (Monstr.). 424. 
Limila Forsten DC. M. Lorenzo im Kaiserwald. 89. 
Cypems longiis L. Graben des Pra grande. 435. 

Schoemis nigricans L. Felsige Ufer (Saline, Stoja Musil). 651. 
Heleocharis pahtsfris R. Er. Tümpel (zwischen F. Giorgio und F. Gior- 

gietto am M. Pero.). 188. 
Scirpiis maritimns L. Pra grande. 412. 

— maritimns L. var. compactus. F. Cielo. 230. 

— Holoschoenns L. Pra grande (östl. Theil), Wiesen um Pclcg.ino 
(bei Fasana). 505. 

Carex dirisa Huds. Kaiserwald. 125. 

— rnipina L. Pra grande. 126, 136. 

— dirulsa Good. Kaiserwald. 396. 

— praecox Jacq. Hügel. 11. 

— depanperata Good. Kaiserwald. 57. 

— extensa Good. V. Pietro; selten. 507. 

— dista7is L Kaiserwald. 135. 

— sylratica Huds. Kaiscnvald. 91. 
Andropogon Ischaemiim L. Sterile Orte, Wiesen. 415. 

■ — Gryllus L. Sonnige Hügel (M. Collsi). 497. 
Sorghum halepense Pers. Wiesen, Schutt (M. (iobbo etc.). 628. 
Tragus racemosns Desf. Sonnige Anhöhen (Saline) 661. 
Panicum sanguinale L. Wegrander. 674. 

— Crus galli L. Kulturboden. 683. 

— miliaceum L. Anlagen vor der Schwimmsciiule. 621. 
Setaria riridis Beauv. Kulturboden. 602. 

— itatira Beauv. Weingiirlcn am M. Rizzi. 678. 

Phalaris canariensis L. Felder \or Veruda und am M. Collsi. 323. 
Anlhoxanthum odoratum L. Hügel (M. Cullsi) Kaiserwald. 542. 
Crypsis aculeata Ait. Tümpel (vor Stoja Musil). 706. 



334 

Phleum tenue Schrad. F, Bourguignon. 254, 

— pratense L. Wiesen, Kaiserwald. 302, 398. 
Cynodon Dacfylon Pers. Wiesen. 433. 

Agrostis stolonifera L. Steinbrüche (vor Vernda) etc. 662. 

— stolonifera L. var. gigantea. Graben des Pra grande. 434. 

— canina L. (fm. mutica?). Kaiserwald. 395. 

Lagums ovatus L. J. Marina; um Pola selten (F. Michele). 226. 
GastrkUum lendigerum Gaud. Buschige Anhöhen (F. Giorgio etc.). 

260. 
Piptatherum paradoxum Beauv. Kaiserwald. 90, 380. 

— muUiflorum Beauv. Buschige Lehnen (unter der Strasse zur Max- 
harake). 342. 

Stipa Aristella L. In Steinlöchern auf buschigen Kalkhügeln (ober 

V. Vergarola etc.). 707. 
Phragmites communis Trin. Wiesen (Pra grande), Zäune und Hecken 

(V. Saline, Stoja Musil; nirgends dicht). 652. 
Arundo Donax L. Westende d. Pra grande, Weingärten (M. pobbo, 

M. Rizzi). 671. 
Sesleria elongata Host. Grasige Hügel. 606. 
Koeleria crislata Pers. Sterile Hügel. 360. 

— phleoides Pers. J. Marina. 218. 
Holcus lanatiis L. Raine, Hügel. 529. 

Avena capillaris M. et Koch. Buschige Hügel (F. Max etc.). 64. 
Meiica ciliata L. Sterile Anhöhen. 469. 
Melica? (unenlwickcli). Fisella. 176. 
Brijza maxima L. Buschige Anhöhen. 63, 194, 340. 
Eragi'ostis megnstachya Lk. Kultur anlagen; in zwei sehr difFerenten 
Formen. 626, 693. 

— poaeoides Beauv. Gartenanlagen (Kasinopark). 613. 

— pilosa Beauv. Gartenanlagen (vorm. Spital). 630. 

— pilosa Beauv. (Im. paucißora) (iärten. 629. 
Poa loliacea Huds. Westküste von Stoja Musil. 356. 

— bulbosa L. M. Vincuran. 186. 

— compressa L. Raine (M. Gobbo etc.). 161. 
Glyceria fliiitans R. Br. Gräben des Pra grande. 333. 
Dactylis glomerala L. Kulturboden, Seeküste etc. 143, 358. 
Cynosurus echinatus L. Anliöhen unter Strauchwerk (M. CoUsi etc.), 

470. 
Festuca rigida Kth. Mauern (F. Max), Wege (Stadtpark). 179. 

— myurus L. Sterile Hügel (F. Max). 164. 

— ovina L. Steinbrüche (Fisella). 107. 

— otina L. (fni. pygmaea~) Kaiserwald. 436. 

— omna L. var. capillata. Steinbrüche (Fisella). 397. 

— ovina L. var. duriuscula. Kaiserwald. 198. 
Brachypodium sykaticum Rom. et Schult. Kaiserwald. 446. 
Bromus patnlns M. et K. var. velulinus. Hecken, Wegränder. 487. 

— asper Murr. Kaiserwald. 439. 

— ereclus Huds. Steinbrüche von Fisella. 106. 



,S35 

Bromus sterilis L. Kaiserwald. 172, 

Triticum villosum M. Bieb. Wege, Ziiune, 318. 

— gJauctim Dosf. Am Strande zwischen Gebüsch. (Sloja Musii). 429. 

— repens L. Sandige Ufer etc. 174. 

Horden/)/ secalinu//i Schreb. Pra grande (Mitte). 334. 
Loliu/)i pere/i//e L. \Yege. 711. 

— a/'re//sc With. Weingärten (Monstr.). 192. 

— fe//iuIenHf//i L. var. sub/z/uticm/i. Fehler (M. Coilsi etc.). 324. 
Aegilops orata L. Raine, Slrassenränder. 310. 

— f/'inncialis L. Tril'ten (vorm. Kaiserwald). 543. 
Leptiirus incuvcatus Trin. Verbindiingsdamm v. J. Pietro. 142. 
Psihi/'us nardoides Trin, Felder, sonnige Hügel (V, und F. Saline). 

156. 
Cete/'ach officinarw/i Willd. Felsige Stellen. 20. 
Adiantw/i capillus Ve//e/'is L. Steinbrüche am M. Vincuran. 199. 
Pterts aquilina L. Brachacker (F. Bourguignon etc.), Hecken (Fisella). 

605. 
Aspleniw/i Ttichomanes L. Foiva, Foiva bei F. Cerel, M. Corniale. 14. 

— Rufa i/in/'ci/'ia L, Felsspalten (Foiva, Fisella, M. Corniale). 536. 

— Adiantum nig/^um L. Foiva, Foiva bei F. Cerel, Rizziwald. 48. 



Das Pflanzenreich 
auf der Wiener Weltaiisstelliiiig im Jahre 1873. 

Notizen über die exponirten Pflanzen, Pllanzeurolistoll'e und Produkte, sowie über ihre bildlichen Darstellungen. 
Von Franz Antoine. ^ 

C Fortsetzung,") 

4. Nea-Sceland. 

Mit einer ganz vorzüglichen Ausstellung erschien Neu-Seeland. 
Die Erzeugnisse dieser sicli rasch entfaltenden Insel waren in nam- 
hafter Menge und gut geordnet vorhanden. Es fehlte niclit an reich- 
lichen Mustern von Cerealien und Holzarten, welche deutlich etiquet- 
tirt waren, sondern auch der Vegetatiousbilder ihres Landes war durch 
Aquarelle und Photographien gedacht, und in zahlreicher und sehr ge- 
lungener Durchführung eingesendet. 

H 1 z m u s t e i". 

Alecf/'j/on excelsu//i Gaert. (Titoki) ein derbes, dauerhaftes und werth- 

volles Holz für den Wagenbau. 
Atherospc/'/z/a norae-z-ela/idlae (Pukatea) Schiffbauholz. 
Aristotelea /'ace//iosa Hook. (Mako). 
— — var, hat lichtes, schöllgeflecktes Holz, 



336 

Avicennia tomentosa L. (Mangrove) liefert Pottasche. 
Caprosma linearifolki (Mikiiniki) ein kleiner Baum, liefert gelbes 
Füurnierliolz und Axtsliele. 

— rotundifoUa (Karaniu) der Stammdurchmesser beträgt 6 — 8 Zoll. 
Schreinerholz. 

— propingua (Karamu) mit 6 — 8 Zoll dicken Stämmen. 
Carpodetus serratus Forst. (Matipo, in Wellington: Piripiriwhata) ein 

kleiner zierlicher Baum mit weissem, zähen Holz für Axtstiele. 
Coriaria ruscifoUa L. die Rinde enthält 16-8 GerbestolF. 
Corynocarpus laevigata (Karaka) Schiffbauholz. 
Dammara anstraiis Lamb. (Wauri) das werthvollste Holz der Colonie 

für Häuser, Schiffbau, Brücken und Mobein. 

— — var. mit scheckigem Holz. 

Dacnjdium cupressinum Soland. (Rinru) 4 Fuss dickes Stammholz, 
sehr werthvoll namentlich das Kernholz. 

— Colensoi Hook, ein kleiner Baum, dessen Holz gelb oder vveiss- 
lich ist. 

Dodonaea viscosa L. (Ake-Ake). 

Dysoxylum spectabile (Kohe-Kohe) 1 — 2 Fuss Durchmesser, für Mo- 
bein verwendet. 
Dracophyllum latifoimm All. Cunningh. (Nei-Nei.) 

— Urvilleamim A. Rieh. Stammdicke 6 — 12 Zoll , feines Tisch- 
lerholz. 

— Tratersn (Nei-Nei) ein niederer, langsam wachsender, eigen- 
thümlich aussehender Baum, mit hellem, schongefärbtem Holze. 

Drimys axillaris (Horopilo) Stammdurchmesser 6 — 8 Zoll, Möbelholz. 

Discaria toumatou, ein kleiner Baum mit feinem, hartem, biegsamen 
Holze. 

Epicarpurus microphyllus (Milchbaum) ein hoher, schlanker Baum, 
der einen milchartigen Saft ausschwitzt. 

Elaeocarpus Hookerianus (Po-Wako) ein sehr grosser Baum mit 
leichtem und weichem Holze. Die Rinde liefert eine schöne pur- 
purne Farbe und enthält 9 "8 Gerbestoff. 

— dentatus Vahl. (Hinau) mit noch lichterem und weisserem Holze 
als der vorhergehende Baum. Dieser ist grösser und weit verbreitet. 
Die Rinde wird in der Lohegärberei mit Vortheil verwendet. Man 
färbt die Flachsarbeiten damit sehr schön schwarz. Auch zur 
Tintebereitung ist sie vorzüglich, da weder ätzende Säuren noch 
Harze darin enthalten sind. Die Frucht des Baumes ist geniessbar. 

Eugenia Maire (Maire-tawhake) 2 Fuss Stammdurchmesser. Das Holz 
wird für Ackergeräthschaften verwendet und die Rinde enthält 
16-7 Gerbestoff. 

Fagus fusca (Tawai) ein rothes, dauerhaftes Bauholz von grossen 
Dimensionen, da der Stamm bis 16 Fuss Durchmesser erreicht 
und bis 100 Fuss hoch wird. 

— Solandri (Black-heart-Birch) Stammdurchmesser 8 Fuss. Für 
Eisenbahnen und sonstige Bauten zu verwenden. 



337 

Fuchsia excnrdirata L. ül. (Konliii) ein schimor Baum mit weiss- und 

rotligeflecktem Holze für Tisi'-Iilorarbeiton. Es liefert rothen Far- 

bosloff und die Kinde enllialt 5-3 (lerbestoff. 
Grisel'mia llttoraUs. Hai rollies, grobkörniges, dauerliafles Holz. Grosser 

Baum mit sch(»nen, glanzenden BliUlern. 
Hedera crassifoUa (Oho) mit 6 — S Zoll Stanimdurchmcsser. 
Hedycaria dentata Forst. (Porokaiwliiri.) 
Hoheria populna A. Cunn. (Holierc). 
Ixerba hrexloides (Tawari). 
Korokia buddleioides (Korokia taranga). 
Knighfia excelsa (Rewa-rewa) Stamm mit 2 — 3 Fuss Durchmesser, 

schönes Holz fi'ir Fourniere. Die Rinde enthidt 2-7 Gerbestoff. 
Libocedrus Donniana Endl. (Kawaka) leichtes, dauerhaftes Möbelliolz. 

— Bidwillü (Kawaka) rothes und feines Holz. 

Lep-tospernntm ericoides Rieh. (Rawiri et Manuka). Ein 2 — 4 Fuss 
dicker Stamm, liefert Brennholz und Pfahle. 

— scoparium Forst. (Manuka) ein kleiner Baum mit festem, rothem 
Holze, zum Schiffbau verwendet. 

Myoporum laetum Forst. (Ngaio) ein kleiner zierlicher Baum mit 12 
bis 18 Zoll dickem Stamme. Das Holz ist leicht und zähe und 
wird zu Flintenkolben verbraucht. 

Myrsine UrciUei Dec. (Mapan) ein kleiner, schlanker Baum mit schö- 
nem, für Fourniere verarbeitetem Holze. Die Rinde hat 1'4 Ger- 
bestoff. 

— chalhamica F. Müll. (Matipo) der Stamm des zierlichen Baumes 
ist 1 — 2 Fuss dick. 

— salicina (Mapau und Tipau) der Stamm erreicht 1 — 2 Fuss Durch- 
messer. 

— ausfralis (Mapau). 

Metrosideros Incida Rieh. (Rata) ein kleiner Baum, gibt festes Holz 
für Schiffbau und Tischlerarbeit. 

— robusta (Rata) ungeheurer Baum mit 15 Fuss dickem Stamm. 

— tomentosa Rieh. (Pohutukavva) selir geschätztes Schiffbauholz. 
Melicyfus ramiflor'us Forst. (Hina-Hina oder Mahoe). Ein zierlicher 

Baum mit 2 Fuss Stammweile. 
Melicope ternata Forst. (Tataka) ein Halbbaum von einem Fuss Slamm- 

durchmesser. 
Myrtus pedunculata mit 6 — 8 Zoll dickem Stammdurchmesser. Das 

Holz dient zu Axtstielen. 

— bullafa Banks (Ramarama) der Stamm hiüt 6^ — 8 Zoll im Durch- 
messer. 

Nesodaphne Tarairi Hook. fil. (Tarairi). 

— Towa (Tawa) grosse Bäume mit 2 Fuss dicken Stämmen, von 
leichtem und glattem Holze. 

Olea Cuiininghami. 

Olearia ilicifolia (Ake-Ake) ein kleiner Baum mit gelblichem Holze. 

— Förstern (Ake-Ake). Ein bis 12 Zoll dicker Stamm von schwe- 
rem, hartem, dunkelfarbigem Holze für Tischlerarbeiten. 



:{38 

Ol. Cunn'mghamü (Akewharangl, Black Maire oder Wharangipirau). 
Das Holz des 3 — 4 Fuss dicken Stammes verwenden die Einge- 
bornen zu Ackerbau- und Kricgsgeratlischarten. 

Padocarpus ferruginea Don. (Miro). 

— spicata Poepp. (Matai) vvertlivolles und dauerhaftes Mijbelholz. 

— Totara Don. (Totara) ist selir verbreitet, wird zu Bauten ver- 
wendet und ist der Güte nach dem Dammara - Holz gleich- 
zustellen. 

— dacrijdiokles A. Rieh. (Kahikatea). Das Holz dient zu inneren 
Einrichtungen. 

Phyllocladus tricJiomanoides Don. (Tanekaha). Ein zähes, leichtes und 
dauerhaftes Holz. Die Rinde hat 2:V2 Gerbegehalt. 

— alpimts Hook. fil. (Toa-toa) ein kleiner Baum mit schwerem, 
dauerhaftem Holze. 

Panax Colensoi (Ivy tree), liefert gelbes Harz und der kleine Stamm 
bietet weiches und zähes Holz. 

— Edgerleyi (Raukawa). Der Stamm des zierlichen Baumes erreicht 
2 Fuss Durchmesser. 

— crassifolia (Horoeka). Das Holz dieses grossen Baumes verwendet 
man zu Lanzenstielen. 

Persoonia Toro (Toro), feines Holz zum Einlegen. 

Piper excelsum Forst. (Kawa-Kawa). Ein 6 — 8 Zoll dicker Stamm, 
dessen Holz sicli für Tisciilerarbeiten gebrauchen lässt. 

Pittosporum tenulfolium Gaertn. (Mapou oder Tarata) ein kleiner 
Baum mit weissgefärbtem Holze, welclies eine feine Politur an- 
nimmt. 

— eugenioides All. Cunningh. (Mapou) mit weichem und weissem 
Holze. 

Plaqianthus betulinus (Ribbonwood). Ein schnellwüchsiger Baum mit 
leichtem weissem Holz und faseriger Rinde. 

— Hi/allü (Al|)ine Ribbonwood), wie die vorhergehende Spezies aber 
kleiner. 

Pennanlia corymhosa Forst. (Kaiko-mako). Ein kleiner Baum, dessen 

Holz sehr leicht und weiss gefärbt ist. 
Quintenia serrata. 
Sophora telraplera Ait. (Goai oder Kowhal) wird der Dauerhaftigkeit 

des Holzes wegen allgemein für Wasserbauten verwendet. 
Senecio Hunlii. Ein Strauch mit f) — 8 Zoll dickem Stammdurchmesser. 

Santahim Cunninghamii (Black-Maire), wird bei Holzschnitten und für 
Mas(;hinen verwendet. 

Teiranthera caUcaris (Mangiao), Eine Holzsorte, welche der Zähig- 
keit und Diciüe wegen zu Schilfsrollen in Anwendung kommt. 

Vitex lilloralis Decaisn. (Puriri), eine der dauerhaftesten Holzarten 
des Landes, findet hauptsächlich beim Mas(;hinenbau Anwendung. 

Veronica Forsleri (Koromiko). Ein Strauch mit dem Stainmdurchmesscr 
von 6- -8 Zoll. 



:}3y 

Weinmannia racemnsa Förster (Tawliero). Ein schöner und hoher 
Baum mit 4 Fuss Stanundurclimesser, dichtem und schwerem 
Holze und mit einer Rinde, die i'Vl GerljestolF enthält. 
— sili'icola (Tawai). 

Ausser diesen Holzproben, welciie in Stamindnrclischnillen von 
'?, Zoll bis 2 Fuss Dicke aulgestellt waren, fand sich eine zweite Col- 
leclion von 40 Exemplaren vor, welche in der bekannten Buchform 
mit Charnierbändern zum Oelfnen eingerichtet und eine Wiederiiolung 
der eben angeführten Sorten war. 

Faserpflanzen. 

Phannium tenax Forst., Karakeko der Eingebornen, lag in sehr 
vielen und grossen Ballen gebrochen und ungebrochen, gebleicht und 
ungebleicht auf. Die Zubereitung des Blattes geschieht auf do|)peltem 
Wege, Iheils durch Erweichen im kalten, theils im warmen Wasser. 
Die Moaris schaben die Blatter auch öfters mit Muscheln oder passen- 
dem Eisenwerkzeuge ab und weichen sie dann im Wasser. Zu den 
sehr feinen Arbeiten werden besonders Abarten der Flachspflanze 
benützt und die jüngsten und besten Blatter dazu auserwählt. 

SchilTsthaue waren massenhaft ^orlianden und hierzu ist Phor- 
nüumfaser von ganz ausgezeichneter Verwendbarkeit, indem sie Stärke 
uiul Dauerhaftigkeit im Wasser verbindet. 

Die Eingebornen theilen den Neu-Seeländer Flachs in drei Haupt- 
sorten ein, und zwar: 

Tuhara, den Sumpfflachs mit grober, gelblicher Faser, 

Tihore, eine kultivirte Varietät, mit feiner, weisser, seidenartig 
glänzender Faser, und 

Wharaciki, den Bergflachs mit sehr grober Faser. 

PhormiuiH teaax ist den Neu-Seeländern eine unentbehrliche 
Pflanze. Die aus ilir hervorgehenden Produkte greifen in ihren Haus- 
halt lief ein. Abgesehen von den Schifisthauen, welche sie daraus 
fabriciren, so ist es vielfach ein Ersatz für Riemen, Hütten werden 
mit den Blättern überdeckt, Kähne geformt, Körbe, Schüsseln und 
Netze daraus geflochten und Segel angefertigt. Die davon gemaclUen 
Kleider färben sie mit der Rinde des Elaeocarpus schwarz oder roth 
mit Phylloc/adus-Kinde. 

Eigenthümlich ist die Rinde von Celmisla coriacea von den 
Tekapu hills, sie ist gelblichweiss, etwas dicker als Handschuideder 
aber ebenso milde anzufidilen. Sie lag in ziemlich grossen Stücken 
auf uiul wird von den Eingebornen zur Anfertigung von Kleidern 
verwendet, indem die Stücke aneinander gi'setzt und zusammengenäht 
werden. 

Astelia Banksii R. Br. Blätter waren ohne irgend eine Präpa- 
ralion eingesendet, sie sollen ein vortreffliches Materiale für Papier- 
fabrikation abgeben. 

Von Celmisia coriacea gab es ebenfalls eine Partie Blätter und 
von Hoheria populnea A. Cunn. speziell noch Rinde. 



340 

Nahrungsmittel. 

Der Pilz Hirneola polytricha ist als Export-Arlikel nach China 
aufgelegen, welcher dort in grossen Massen genossen wird. 

Harze und Gummi. 

Dammara australis Lamb. Prachtvolles Kauri-Harz gab es in 
grosser Menge und verschiedentlich gefärbt. Das Harz erscheint so- 
wohl an den Aesten, von welchen es in Klumpen herabhangt oder 
es befuidet sich an der Stammbasis in Stücken bis zu 100 Pfund. 
Das Vorkommen dieses Baumes ist für Neu-Seeland ein besciiränktes 
und mag etwa 4000 engl. Meilen betragen. Er liebt die Nähe des 
Meeres. Die Gewinnsucht der Neuseeländer sowohl wie der Fremden 
stellen dem Baum auf's eifrigste nach und seine gänzliche Ausrot- 
tung dürfte nicht ferne sein. 

Auf den Plätzen, wo der Kauri einst wuchs, wird häufig Harz 
in grosser Menge ausgegraben. Es ist ein schöner und mäclitiger 
Baum, der bei einer Höhe von 180 Fuss einen Stamindurchmesser 
von 15 Fuss bekommt und diese Grösse erreicht er nach einer Le- 
bensdauer von 7 — 800 Jahren. 

Dammara, Phormium und allenfalls Elaeocarpus dürften als 
die wichtigsten und nützlichsten Gewächse Neu-Seelands angesehen 
werden. 

Zwischen den Blättern des Phormium tenax tritt eine klebrige 
gummiähnliche Masse zu Tage, welche als Kleister oder slatt des 
Siegellackes gebraucht wird. 

(Fortsetzung folgt.) 



Aufforderung;. 

Herr H. Jenssen -Tusch, Verfasser des zu Kopenhagen itn 
Jahre 1807 erschienenen Werkes: „Nordiske plantennavne" beab- 
sichtigt ein in gleicher Weise abgefassles V'erzeichniss der deutschen, 
resp. germanischen Vulgärnamen der Pflanzen herauszugeben (denen 
später Verzeichnisse der romanischen, slavischen, finnischen u. s. w. 
Namen der Pflanzen Europas folgen sollen) und hat sich dessiialh 
an mich mit der Bitte gewendet, iiuu Verzeichnisse deutscher Vulgär- 
namen aus verschiedenen Gegenden Deutschlands zu verscdiaffen. Da 
jenes dänische Werk über die nordischen Pflanzennamen ein ganz 
Aorzügliches, der Verf. der deutschen Sprache vollkommen iriachtig 
und daher zu erwarten ist, dass die vom Herrn Jenssen-Tusch 
beabsichtigte Bearbeitung der deutsclien Vulgärnamen der europäischen 
Pflanzen sich durch gleiche Gründlichkeit auszeichnen werde, so er- 
laube ich mir, alle Botaniker Deuts(ddands und Deufsch-Oeslerreichs, 
welche sich mit der Erforschung der Flora ihrer Heimat oder iiires 
Aufeöthaltsortes beschäftigen und in der Lag(^ sind, Vulgärnamen zu 
sammeln, dringend aufzufordern, den genannten dänischen Gelehrten 



341 

(Adresse: Kopenhagen, Frederiksberg- Bredgade 22) durch Zusendung 
von mit Orts- und Quellenangaben versehenen Beitrügen IVeundlichst 
zu unterstützen. 

Prag, den 25. September 1875. 

Dr. Moritz Willkomm, 

k. k. Inivers. -Professor. 



Literaturberichte. 

Tue Kryplogamen Deutschlands. Nach der analytischen Methode bearbeitet von 
Dr.' Otto Wünsche, Oberlehrer am Gymnasium zu Zwickau. Die höheren 
Kryptogamen. Leipzig. Druck und Yeilag von B. G. Taubner. 1875. 

Dieses kürzlich erschienene Werk des bereits rühmlich bekannten 
Verfassers bereichert die kryptogamische Literatur um ein Averth- 
volles Erzeugniss. Die angewandte analytische Methode ist konse- 
quent und in einer so übersichtlichen Weise durchgeführt, dass 
dieses Buch unbedingt dem Besten seiner Art zugerechnet werden 
muss und der Kryplogamenkunde sicher neue Anhänger 7Aiführen 
wird. In diesem nur 162 ,,Klein-Oklav-Seifen" haltenden und durch 
sein handliches Format zum Gebrauche bei Exkursionen sich ausser- 
ordentlich eignenden Werkchen sind enthalten: „Uebersicht der Klassen 
des nalürlicTien Pflanzensystems, Uebersicht der Hauptgruppen der 
Laub- und Lebermoose, Schachtelhalme, Farne und Bärlappe, Tabellen 
zum Bestimmen der Gattungen der Lebermoose, Laubmoose und Farne 
nach augenfälligen Merkmalen, Diagnostik der Gattungen und Arten, 
Erklärung der hauptsächlichen terminolog. Ausdrücke und Register 
der lateinischen und deutschen Pflanzennamen." Die Sicherheit der 
Bestimmung ist durch den geringen Umfang des Buches durchaus 
nicht gefährdet, da die Diagnosen alles Nüthige enthalten, so dass 
man fast immer ohne Schwierigkeit zum richtigen Erkennen der 
Pflanzen geführt wird. Im Allgemeinen hat sich der Verfasser auf 
den neuesten Standpunkt der Wissenschaft gestellt, und wird die bei 
den lateinischen Pflanzennamen angegebene Bezeichnung der Beto- 
nung für Viele, insbesondere Schüler recht vortheilhalt sein. Der 
Preis von 1 Mrk. 60 Pf. ist ein geringer. W^as den Umfang des in 
Betracht gezogenen Gebietes betrifft, so umfasst dasselbe Deutschland 
von der Nord- und Ostsee bis zu den Alpen, also auch Böhmen, Mäh- 
ren und einen Theil des Erzherzogtliums Oesterreich, ebenso wie 
die bereits 1871 in demselben Verlage erschienene „Schulflora von 
Deutschland. Nach der analytischen Methode bearbeitet von Otto Wünsche. 
Die Phanerogamen," an welche sich gegenwärtige Schrift vollständig 
anschliesst. Als einen Mangel könnte man höchstens bei beiden Wer- 
ken das Fehlen von einigen auf wenige Standorte beschränkten sel- 
teneren Arten und Abarten bezeichnen, doch wäre durch Aufnahme 
derselben eine Erweiterung des Umfanges eingetreten und das Be- 

Oesfcrr. botan Zeiisclirift. 10. Heft. 1075. 25 



342 

stimmen erschwert worden, wodurch sich der Werth für Anfänj^er 
vermindert hätte. Nach einer Anmerkung- In der Vorrede des letzt- 
ersciiienenen Werkes werden auch die niederen Kryplogamen in 
gleicher Bearheitung hoffentlich noch in diesem Jahre erscheinen; ein 
schwieriges, anerkennungswerthes Streben, das unser vollstes Inter- 
esse verdient. At. 

„Catalogo de los muscos de las Baleares, par Don Juan Joaquin Rodrigue/. 
y Femenias (Anal, de la Sog. Esp. de Bist. Nat. Tomo IV. 1875)." 

Als weiteren sehr schäfzenswerthen Beitrag zur Kennlniss der 
Flora der Mittelmeer-Inseln hat der Verf. seinem Catalogo razonado 
(vergl. diese Zeitschr. XXIV, p. 251) nun auch eine Aufzählung der 
auf den Balearen bisher beobachteten Leber- und Laubmoose folgen 
lassen. Nach einer kurzen geschichtlichen Uebersicht, aus welcher 
zu ersehen ist, wie wenige bryologische Angaben von Hernandez 
und Cambessedes an bis auf Colmeiro (1867) von den Balearen be- 
kannt geworden sind, fülirt der Verfasser 9 Arten Lebermoose und 
57 Laubmoose als Gesammlresultat der bisherigen Beobachtungen an. 
Die meisten Arten wurden im Frühlinge 1873 vom Verf. in Gesell- 
schaft von Willkomm und Hegelmaier gesammelt und von Letzterem 
bestimmt. Von den älteren Angaben haben einige in neuester Zeit nocli 
keine Bestätigung gefunden und wurden daher besonders kenntlich 
gemacht. Weisia cirrhata Hedw., welche Colmeiro in seiner Enumera- 
cio de las criplogamas de Espaüa y Portugal als auf Minorca vorkom- 
mend angibt, wird aus pflanzengeographisclien Gründen ausgeschlossen. 
Obwohl nun weitere Forsciiungen die Zahl der von den Balearen be- 
kannten Laub- und Lebermoose gewiss noch vermehren werden, so kann 
doch jetzt schon die gewissenhafte Arbeit des Verf. als schätzens- 
werthe Berei(-herung unserer Kenntnisse über die Vegetation der Ba- 
learen begrüsst werden. Fy. 



Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 

— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissenschaften in 
Wien am 13. Mai übersandte Prof. Dr. Konstantin Freiherr v. Eltings- 
hauscn in Graz eine Abhandlung: ,. lieber die genetische Gliederung 
der Kapflora" für die Sitzungsberichte. Das südafrikanische Floren- 
element ist in Europa erst beim Beginn der Terliiu'periode aus der 
Differenzirung der Vegetationselemente der Kreidellora hervoroe- 
gangen, von dem Eintritt der Pliocenzeit an aber vom HauptelemiMit 
allmälig verdrängt worden. Dagegen hat es im heutigen Kapgebicie 
den geeignetsten Boden für seine Entfallung gefunden, dort das 
Haujitglied der Flora erzeugend. Nach Ausscheidung des Hauptgliedes 
der Kapflora bleiben Bestandtheile zurück, welche zum Charakter der 
Flora keineswegs i)assen. Die genauere Prüfung dieser fremden Bo- 



343 

slandlhoilo oviriht, dnss (lur(;li die Clcsainnillieit dersolhon die wich- 
tigstLMi iihrigon Floren der Erde n^priiseiitiii erscheinen. Diese Tliaf- 
saclie erkliirl sich aus dem Wesen der Tertiürflora, welclie auch im 
Kapoehiele die Elemente aller Fluren vereiuii)le. Jene anscheinend 
fremden, al)er zweifellos endemischen Bestandlheile sind nichts an- 
deres als die Ueberhleihsel der lerliiiren Nebenelemente. Diese Ueber- 
bleibsel, die Nebenllorencrlieder, zeitrcn sich hier in verhiiltnissmiissig 
gerini>erer Zahl als selbst in der Flora Australiens. In der Kapflora 
sind also die Nebenelemenle am meisten in den Hinterg-rund (bedrängt 
worden, in Foloe diM- sehr Aorwiegeuden Entwicklung des Hauptele- 
mentes. — Prof. Jos. Höhm überreichte zwei Abhandlungen: „Ueber 
die Respiration \on \Vasser[)nanzen'" und „Ueber eine mit Wasser- 
slofFabsorplion verbundene Giihrung." Im Anschlüsse an die vom 
Verfasser in seiner Al»liandlung „Ueber die Respiration von Land- 
pdanzcn" riS7S) beschriebene Thatsache, dass Landpflanzen in einem 
sauerslollfreieii Medium nicht sofort absterben, sondern sich die zu 
ihrem weiteren Leben uHthigen Kräfte durch innere Atlunung (innere 
Verbrennung), d. i. durch Spaltung von Zucker in Kohlensäure und 
Alkohol erzeugen, machte derselbe weitere Untersuchungen über das 
analoge Verhalten von Wasserpflanzen unter gleichen Bedingungen 
uml kam dal)ei zu folgenden Resultaten: 1. Bei der Respiration von 
Wasserpflanzen in atmosphärischer Luft wird viel weniger Sauerstoff 
verbraucht als unter sonst gleichen Verhältnissen von Landpflanzen. 
2. In gleicher Weise bilden Wasserpflanzen in einer sauerstoIFfreien 
aber sonst indifl'erenten Atmosphäre Kohlensäure, aber viel weniger 
als unter sonst gleichen Umständen die Landpflanzen. Es verhalten 
sich also beziiglich der Intensität der Respiration die Wasserpflanzen 
zu den Lan(l])flanzen in ähnlicher Weise wie die Kiemenathmer zu 
don Warmblut Ingen Thiercn. Bei den Versuchen über die innere 
Athmung von Wasserpflanzen wurde als indilTerentes Medium Was- 
serstolT verwendet. Hierbei zeigte sich b(n etwas längerer Versuchs- 
dau(>r zwischen der Menge der gebildeten Kohlensäure und der er- 
folgten Volumvergriisserung ein Verhält niss, welches sich nur durch 
die Annahme erklären liess, dass während der Versuchsdauer ein 
Tlieil des verwendeten Wassersloflgases verschwand. Eine eingehende 
Untersuchung über die Ursache dieser merkwürdigen Erscheinung 
führte zu folgenden Resultaten: 1. Todte Wasserpflanzen haben die 
Fligenschafl Wasserstolf zu absorbiren. 2. Diese Wasserslollabsorplion 
unterbleibt, wenn die Versuchspllanzen in mit Quecksilber abge- 
sperrten rief.issen auf circa 00 bis SO^ C. erwärmt wurden. Werden 
die Versuchsobjekte dann an die Luft gebracht, so a!)sorbir<Mi sie bei 
fortgesetztem Versuche wieder Wasserstofl'. Die Absorption von Was- 
serslofT durch todte Wasserpflanzen ist demnach nach dem heutigen 
Stande der Wissenschaft als eine Gährung aufzufassen — die in 
WasserstofTgährung begriffenen Pflanzen reagiren alkalisch. 3. Manche 
Wasserpl]anz(Mi, z. ß. Fonlinolis und Haniinciilus aqnafilis erleiden, 
wenn sie gekocht und noch heiss in Wasserstoflgas gebracht werden, 
unter andauerndei' Entwicklung von Wasserstoff die Butter- 

25* 



344 

säiireg-äliruiig. Bringt man in die Gähriing-sgefiisse jedoch ein Stück- 
ciien Kali, so erfolgt Wasserstoffabsorption. — Wurden die- 
selben Pflanzen bei früheren Versuchen in analoger Weise unter 
Wasser behandelt, so entbanden sie zuerst Kohlensäure und Was- 
serstoff, dann Kohlensäure und Sumpfgas. 4, Ein Gramm lufttrockener 
Oedogoniumfäden absorbirt, kalt aufgeweicht, mehr als 40 CG. Was- 
serstoff. 5. Wurden durch Trocknen getödtete Wasserpflanzen (^Spiro- 
gyra) in feuchtem Zustande in reinen Sauerstoff gebracht, so wurde 
beiläufig der fünfte Theil des zur Bildung von Kohlensäure verwen- 
deten (jases absorbirt. 6. In einem Gemische Non Sauerstoff uiul 
Wasserstoff unterbleibt die Absorption von Wasserstoff so lange, bis 
aller Sauerstoff theils absorbirt, theils zur Bildung von Kohlensäure 
verwendet ist. 7. Bei Landpflanzen wurde eine Absorption von Was- 
serstoff bisher nicht beobachtet. Dieses Absorptionsvermögen scheint 
nur jenen Pflanzen zuzukommen, welche die Sum,)fgasgährung er- 
leiden können. 



Inserate. 

Vollständig erscheint soeben: 

Dr. L. Pfeiffer. 

Nomenciator botanicns. Nominum ad finem anni 1858 publici factorum, 
classes, ordines, tribus, familias, divisiones, genera, subgenera vel sectiones, 
designanfium enumeratio alphabetica etc. "2 Vol. in 4. 232 M. 

Dr. L. Pfeiffer. 
Synonymik. Erstes Supplement, g. 8. 1% M. 

Dr. O. Feistmantel. 

Die Versteinerungen der böhmischen Kohlengebirg^sablaf^ernn- 
gen. 1. Abtheilung. Mit iä Taf. AlAild. Royal 4. (Sep.-Abdr. der Palaeon- 
togr.) 66 M. 

Dr. H. R. Göppert. 

Ueber innere Vorgänge bei dem Veredeln der Bäume und 
Sträucher. Mit 8 Taf. Abbild. Royal 4. G M. 

Verlag von Theodor Fischer in Cassel. 



In Carl Winter's Universitätsbuclihandlung in Heidelberg ist 

.«soeben ersrbionen : 

Müller, Professor Dr. N. J, C. Botanische Untersuchungen. IV. Ueber 
die Vertheilung der Molecularkräfte im Baume. Zweiter 
Theil. Der sogcnaiiiile absteigende Sal'tstioiii. Mit Holzschnitten und lithogra- 
phirton Tafeln, gr. 8" brosch. o M. 

Redakteur und HprausRpber Dr. Alesander Skofltz. — Verla? von C. Gerold's Sohn. 
Druck und Papier der C. UeberreuterscbeQ Buchdruckerei (M, Salzer). 



()esterrcirliisclie 

Botanische Zeitschrift. 

Gemeinnützig'es Organ 



Ul« «uterrelchUche 
botanUche Zeltschrllt 

erscheint 

den Ersten jeden Monats. 

Man piaiuimei'irt auf selDe 

mit 8 II. H»t. W. 

(16 li. Mark:') 

ganzjährig, oder mit 

4 0. ». w. |S M. Mark.) 

halbjährig. 

Inserate 

die ganze Petitzeile 

15 kr. Ost. W. 



Botanik und Botaniker, 

Gärtner, Oekonomen, Forslmäaner, Aerzle, 
Apotheker und Techniker. 

m 11. 



Exemplare 
die IVel durch die l'ost ba- 
zogen werden sollen, sind 
bloK bei der nednktlon 

(F.Brz., Srhlos.igas.ie Nr. laj 

zu pränumeriren. 

Im Wege des 

Buchhandels übernimmt 

Pränumeration 

C. «erold's i^lohn 

in Wien, 

80 wie alle übrigen 

Buchhandlungen. 



\XV. Jahrgang;. 



mia. 



]\oveiiiber 1815. 



INHAIaT: üeber Panicnm ambigtnim. Von Haussknecht. — Algen des Triester Golfes, Von 
Haue k. (Fortsetzung;.) — Vegelationsverhällnisse. Von Dr. Kerner. — Ueber Eichenformen. Von 
Wiesbaur. — Mvkologi.^ches. Von Schulzer. — Saxifraga sponhemica. Von Thiimen. — Pflanzen 
auf der Weliausslellung. Von Antoine. (Fortsetzung.) — Literatlirberichte. — Corresfiondeuz. Von 
Holuby, Andorfer. —48. Naturforscher-Versammlung.— Personal notizeo. -Botanischer Tauschverein. 



Ueber 
JPatiicntn afnhiguutn Guss (sub Setaria). 

Von Prof. C. Haussknecht. 

Als Novität für unsere Tiiüringer Flora sowohl als für die von 
Nord- und Mitteldeutschland theile ich Ihnen mit, dass ich im Laufe 
vorigen Monats das obengenannte Panicum in Menge längs den 
Mauern der Gärten und Häuser in der Stadt Frankenliausen aufge- 
funden habe. — Dass diese Pflanze der Aufmerksamkeit der deut- 
schen Botaniker bisher entgangen ist, hat sie der grossen Aehnlich- 
keit mit P. verticülatum L. zu verdanken, der sie in der Tracht 
Völlig gleichkommt. 

Von letzterer lässt sie sich jedoch sehr leicht schon durch das 
Gefühl unterscheiden, denn streicht man die Rispen des P. ambiguum 
von unten nach oben, so erscheinen dieselben wegen der nach oben 
gerichteten Zähnchen der borstenfin-migen Hüllen als glatt, während 
ein Sireichen nach oben bei P. verticUlatum wegen der nach unten 
gerichteten Zähnchen kaum möglich ist. In dieser Eigenschaft stimmt 
sie mit P. 'ciride L. überein, welches jedoch durch die gedrungene, 
dichte Rispe, sowie durch die zahlreichen borsteniormigen Hüllen 

Oesterr. botnn. Zeitschrift. 11 Feft. 1«T5. 26 



346 

abweicht, von donon hoi P. amhiguum, nur 1 — 2 vorhanden sind. 
Wegen dieser Eig-enschnften hat Godron in Fl. de France diese Pdanzo 
als Bastart der beiden genannten zu deuten versucht und zwar 
soll sie entstanden sein aus P. ceriiciUahim^ befruchtet durch P. 
viride. — Nachdem ich diese fragliche Art schon früher zu wieder- 
holten Malen beobachtet habe, kann ich mich dieser Annahme niclil 
anschliessen, denn einmal kommt sie oft an Orten vor, wo keine der 
angeblichen Aeltern in der Nahe wachst, dann aber auch sprechen 
die regelmassig ausgebildeten Früchte dagegen; auch aus der Beschaf- 
fenheit der Spelzen geht hervor, dass sie kein Bastart sein kann. 

Diese Pflanze wurde zuerst von Gussone auf Sizilien unter- 
scliieden, welcher sie 1827 im Prodr. fl. Sic. als Panic. verticill. ß. 
ambiguum aufstellte; erst 1842 wurde sie von ihm in der Synops. fl. 
Sic. als Setaria ambigua Guss. abgetrennt. Pariatore in der Fl. Pa- 
lermit. 1845 führt sie als Varietät von P. 'certicill. auf, ebenso auch 
in der Fl. Ital. 1850. Später wurde sie von C. Schimper, welcher sie 
bei Schwetzingen aufgefunden hatte, in den Schriften der naturf. Ges. 
zu Bonn 1857 als Setaria decipiens aufgestellt. 

Schon in der Flora der Prov. Brandenb. vermuthete Ascherson 
die Identität der letzteren mit Setaria ambigua Guss., die sich denn 
auch durch die Untersuchung meines Freundes R. v. Uechtritz her- 
ausgestellt hat, welcher ein Schimper'sches Originalexemplar mit den 
von mir in der Schweiz gesammelten Pflanzen zu vergleichen die 
Güte hatte ^""). 

,.Einmal die Identität dieser beiden erkannt, fragt es sich, ob 
die Pflanze den Gussone'schen oder Schimper'schen Namen zu führen 
hat. Unbestritten ist der Gussone'sche Name der ältere, wesshalb sie 
als Panicum ambigunni Guss. (sub Setaria) bezeichnet werden muss. 

Allerdings hat Lapeyrouse schon ein Panicum sanguinale ß. 
ambiguum und De Candolle ein Paspalum ambiguum aufgestellt, die 
beide sich auf Panicum lineare Krocker beziehen und daher keinen 
Anlass zu Confusion geben können. Wohl würde dies aber der Fall 
sein mit Panicum decipiens, unter welchem Namen schon Nees in 
der Agrostogr. brasil. ein solches publizirt hat." 

im Index sem. N. 6. Berolin. 1871 vereinigt A. Braun dieselbe 
wieder mit P. i^erticiU. als var. antrorsum, mit der Bemerkung, dass 
sie im Berliner Garten kultivirt, beständig geblieben sei, was auch 
schon früher Gussone konstatirt hatte. A. Braun stützt diese Vereini- 
gung auf Panic. Botlleri und Panic. Aparine, bei denen die Borsten- 
zähnchen theils aufrecht, theils rückwärts gerichtet vorkommen, ein 
Verhalfen, welches aber weder bei P. verticill. noch bei P. decipiens 
beobachtet worden ist. 

F. rerticillatum ist allerdings eine vielgestaltige Pflanze, die 
bald mit einfachen aufrechten, bald von unten an weit verzweigten, 



*) Durch eine unterdessen von Prof. Ascherson erhaltene Probe eines 
Schiinpcr'schon Orit>;inalexemplarcs der Setaria decipiens habe ich mich gleich- 
falls von der Idenlitäl der beiden überzeugen können. Der Verfasser. 



347 

an der Basis niedcrlipo-enden odor mit knrzon fast rasenfitrmiffon 
Steng-eln, mit schmiiclitigcT schmal zyliiulrisclior (»Um- mit fast lappig-er 
grösserer, mehr oder wonig-cr unlerhrocliener Rispe variirl. Auch die 
Liitige der Borsten ist oft an einem und demselben Exemplar sehr 
verschieden, denn während dieselben an den zuerst erscheinenden 
Rispen oft doppelt so lang- als die Früchte sind, erreichen sie bei 
den im Spätsommer zu Vorschein kommenden oft kaum die Länge 
derselben. 

Exemplare des P. rerticiUafum, die ich in Syrien, Kleinasien, 
Mesopotamien und Persien sammelte, unterscheiden sich von unserer 
milleleuropäischen Pflanze durch helleres Kolorit der ganzen Pflanze, 
namentlich sind die unteren Blattscheiden weit mehr weisshäutig, 
während der Mittelnerv der Blätter als weisse Linie erscheint, was 
sicher durch den Einfluss des trockeneren wärmeren Klimas hervor- 
gerufen ist. Ausserdem sind die Blattscheiden an den Rändern meist 
glatt und nicht wie bei unserer Pflanze gewimpert; allein auch dieses 
Merkmal ist sehr wandelbar, denn w^ährend die Blattscheiden an 
Exemplaren von Bagdad und Kermanschah am Rande ganz glatt er- 
scheinen, sind sie bei denen von Marasch nach oben hin schwach 
gewimpert. 

Ganz dieselben Variationen in der Tracht, in der Form der 
Rispen und in der Länge der Borsten bietet auch P. ombiguum dar, 
die als eine Parallelart von P. tierticillatvm anzusehen ist. 

Bei den von mir im Orient beobachteten Formen des P. ambi- 
gnum ist gleichfalls das Colorit viel heller, als bei der unsrigen, 
ebenso erscheinen auch die unteren Blattsclieiden fast weisshäutig 
papierartig. 

Was die Blattscheiden betrifft, so sind dieselben an meinen 
orientalischen Exemplaren nur an der Pflanze von Beyruth ganz 
kahl, während dieselben an denen von Marasch und Kermanschali im 
oberen Drittel deutlich gewimpert sind. 

Die geographische Verbreitung betreffend, ist diese Art bis jetzt 
aufgefunden worden in Deutschland: Frankenhausen in Thüringen! 
Schwetzingen (Schimper). In der Schweiz: Basel, in Weinbergen 
beim Schlösschen Wort bei Schaffhausen! an der Schweizerstrasse 
bei Genf! Rolle (Rapin). In Frankreich: Narbonne (Grenier et 
Godron Fl. de Fr.). In Italien von Ligurien und Etrurien an bis 
Neapel (Parlat.) und Sicilien TGussone). In Syrien: Beyruth! In 
Anatolien: um Marasch! In Persien: um Kermanschah! 

Bei näherer Nachforschung wird sich dieselbe nicht nur an 
vielen Orten in Deutschland, sondern hauptsächlich auch in den Län- 
dern des südöstlichen Europa auffinden lassen. 

Eine Gegenüberstellung der Charaktere mit den 2 nächstver- 
wandten Arten mag diese Mittheilung beschlicssen : 



26 



348 

i. Panicum viride L. 

Rispe: Dicht gedrun- 
gen; von unten nach 
oben gestrichen glatt 
erscheinend 



Borstenformige 

Hüllen: zahlreich, mit 

nach oben gerichteten 

Zähnchen. 

Die untere der häu- 
tigen Glumae: halb 
so lang als die benach- 
barte, in eine deutliche 
Spitze ausgehend. 

Die obere Gluma: 
5nervig. 

Die untere Gl umella 

der männl. Blüthe; 

elliptisch. 

Die obere: um die 
Hälfte kürzer, zwei- 
zähnig. 

Halm unterhalb der 
Rispe: nach oben ge- 
strichen glatt erschei- 
nend. 



2. Panic.verticülatumL. 

unterbrochen, mit 
scheinbar quirlformig 
gestellten Aehrchen; 
von unten nach oben ge- 
strichen widerhakig. 

meist 2, mit nach unten 
gerichteten Zähnchen. 



wie bei 1., aber kurz 
zugespitzt. 



5nervig. 
oval. 

Va kürzer, nur gestutzt. 

rauh widerhakig. 



3. Partie, amhiguum 

Guss. 
wie bei 2., aber von 
unten nach oben ge- 
strichen, glatt erschei- 
nend. 

1 — 2, mit nach oben 
gerichteten Zähnchen. 



Va kürzer als die be- 
nachbarte, kurz zuge- 
spitzt. 



Znervig. 
oval. 

Va kürzer, zweizähnig. 



glatt. 



Weimar, im September 1875. 



Verzeichniss der im Golfe von Triest gesammelten 

Meeralgen. 

Von F. Hauck. 

(Fortsetzung.) 

Rhodomeleae. 

90. Chondriopsis tenuissima (Good. et Woodw.) J. Ag. (Spec. Alg. 

II. pg. 804). Ueberail häufig vom Winter bis zum Herbste. 

91. — slriolata (Ag.) J. Ag. (Spec. Alg. II. pg. 806). — Alsidium 

subtile Kg. tab. phyc. XV. tab. 35. a— c). Bei Capodistria, 
Pirano, Grado. — Frühjahr, Sommer. 



349 

92. — dast/phijtla (Woodw.) J. A^r. (Spec. A\g. 11. pg. 809). Sehr 

verbreitet. Vom Winter bis zum Herbste. 

93. Alsidium coraUinum Ag. (J. Ag. Spec. Alg. II. pg. 841. — 

A. coraUinum et lanciferum Kg. tab. phyc. XY. tab. 33). 
Triest, Pirano. — Frühjahr, Sommer. 

94. Helmint Iwchortos (Lat.) J. Ag. (Spec. Alg. II. pag. 840). Triest. 

Selten. 

95. Digenea simplex (Wulf.) Ag. (J. Ag. Spec. Alg. II. pg. 845). — 

Mirainar im Sommer (leg. Vogel). 

96. Polysiphonia tenella Ag. (J. Ag. Sp. Alg. II. p. 919). Triest etc. 

an gr()sseren Algen im Winter. 
97. — secunda Ag. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 921). Pirano parasitisch 
an grösseren Algen. — Sommer, Herbst. 

98. — obscura Ag. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 943). Bei Triest. 

99. — rigens (Schousb.) J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 949). Sehr häufig 

auf Rytiphl. pinasfroides. 
100. — intricata J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 951). In den Salinen bei 

Zaule, Capodistria, Pirano, dann Ijei Aquileja und Grado, im 

Brackwasser häufig; das ganze Jahr hindurch. 
101. — divergens J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 952). Capodistria, Pirano; 

im Sommer. 

102. — pulvinata (Ag.) J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 957). An Zostera 

bei Triest, selten. 

103. — deusta J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 963). Capodistria. Winter 

und Frühjahr. 

Conferva deusta Wulf. Crypt. aqu. p. 25 und die Abbildung 
von P. deusta in Kützing's tab. phyc. XIII. tab. 77 dürften 
sich eher auf P. sanguinea (Ag.) Zan. beziehen. 

104. — sertularioides (Grat.) J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 969). Miramar, 

Capodistria, Pirano etc. Winter und Frühjalir. 
105. — purpurea J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 982). Bei Triest. Winter, 
Frülijahr. 

106. — sanguinea (Ag.) Zan. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 984). Ueberall 

sehr gemein. Winter und Frühjalir. 

107. — subulata (Ducl.) J. Ag. (Spec, Alg. II. p. 985), häufig, Vor- 

kommen wie bei voriger Art, auch parasitisch an anderen 
Algen. 

Manche Exemplare zeigen eine stark entwickelte Rinden- 
schichfe und nähern sich sehr der P. violacea Grev. Von 
den Abbildungen Kützing's in den Tab. phyc. dürften P. mul- 
ticapsularis (Zan.) Kg. Bd. XIV. tab. 54. a— d. — P. vestita 
Kg. 1. c. tab. 7 a — c. — P. Pevreymondi Kg. Bd. XIII. tab. 
95 a — d. — P. Montagnei Kg. 1. c. tab. 95 e — g, zu dieser 
Art zu ziehen sein. 

108. — teslita J. Ag. (Spec. Alg. IL p. 987, nee Kg.). Bei Triest, 

Muggia etc. im Winter und Frühjahr, nicht häufig. 

109. — spinulosa Grev. (J. Ag. Spec. Alg. U. p. 999). Capodistria, 

auch in den Salinen von Zaule und ScoITie häufig; das ganze 



350 

Jahr. — Hieher gehört P. acanthocarpa Kg. tab. phyc. XIV. 

tab. 26 c— e. 
110.— elongella Harv. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 1002). Triest, Gri- 

giiano, im Winter, selten. 
111. — ornata J. Ag. (Spec. Alg. II. p. 1003). Triest, Grignano, im 

Winter und Frühjahr. 
112.— elongata (Huds.) Harv. (J. Ag. Spec. Alg. \\. p. 1004). Ver- 
breitet und häufig, das ganze Jahr hindurch. 
113. — breviarticulata (Ag.) Zan. (J. Ag, Spec. Alg. II. p. 1007 

P. chnjsoderma Kg. tab. phyc. XIII. tab, 68 a — d). Bei Mug- 

gia und Isola im Winter, selten, 
114. — suhcontinua (Ag.) J, Ag, (Spec. Alg, II, p. 1009). Ein unvoll- 
standiges fraglich hieher gehöriges Exemplar fand ich bei 

Pirano. 
115.— Derbesü Solier (J. Ag. Spec. Alg. U. p. 1011). Triest, Mira- 

mar, Pirano etc. Im Winter, Frühjahr und Sommer, nicht 

selten, 
116.— coUahens (Ag.) Kg. (J. Ag. Spec. Alg, H. p. 1022). Triest, 

im Winter, selten. 
117.— furcellata (Ag.) Harv. (J. Ag. Spec. Alg. H. p. 1025. — 

P. Tommasiniana Bertoloni, flora italica cryptog. II. p. 271 

fide Specim. in herb. Tommas,). Bei Triest, Pirano etc. häufig 

im Winter und Frühjahr. 
liS.~ fruticulosa (Wulf.) Spr. (J. Ag. Spec. Alg. U. p. 1028 

P. humilis Kg. tab. phyc. XIV. tab. 29 d — g). Gemein, meist 

parasitisch an Cystosiren, 
119,— mriegata (Ag.) J. Ag. (Spec. Alg, II. p. 1030). Im Hafen 

von Triest, bei Capodistria, Pirano etc. im Sommer und Herbst, 

hitufig. 

120.— subulifera (Ag.) Harv. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 1052). Gri- 
gnano, im Winter und Frühjahr. 

121. — opaca (Ag.) Zan. (J. Ag, Spec. Alg. II. p, 1055), An flachen 
sandigen Stollen bei Triest, Muggia, Capodistria, Grignano etc. 
häufig. Im Winter und Frühjahr. 

Polysiphonia Biasolettiana J. Ag. ist mir aus dem Gebiete 
noch nicht zu Gesicht gekommen, was ich unter diesem 
Namen in den Herbarien Biasoletto's und Tommasini's sah, 
geborte zu P. spinulosa Grev. Typische Exemplare der obigen 
Art, welche icli mit einem Original-Exemplare J. Agardlfs 
zu vergleichen in der Lage war, sammelte Herr Baron Liech- 
tenstein auf Lesina. 

122. liyliphlaea pinastroides (Gm.) Ag. (J. Ag. Spec, Alg. II. p. 1088). 
Triest, Capodistria, Pirano etc. sehr häufig. Das ganze Jahr 
hindurch. 

123.— lincloria (Clem.) Ag. (J, Ag. Spec. Alg. II. p. 1094 R. 
rigidula Kg. tab. phyc. XV. tab. 13 a — d. — R. seminuda 
Kg. 1, c. tab, 14 a — c). Triest, Pirano etc. nicht häufig. 



351 

\2i.Vidalia volubilis (L.) .1. Atr. (Spcc. AV^. II. p. 1121). Bei 

Piraiio. 
125. Dasija plana Ag. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 1202). An Cystosiren- 

sliiiniiioii bei Mirainar, im Winter und Friihjalir, seilen. 
126. — spinella A**-. (.1. Ag-. Spec. Al<»-. II. p. 12U4). Miraniar, Pirano 

im Friihjalir, seilen. 
127. — rif/csrcns Zan. (It;ün. pliyc. adriat. Vol. II. p. 7 tav. XLII B.) 

Mirainar im Winter, sehr selten. 
128. — punirea Menegh. (J. Ag-. Spec. A\g. II. p. 120U). Muggia, 

Mirainar, Pirano, im Winter und Friihjalir. 
129.— elegcms (Marl.) Ag. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 1213), Triest, 

Capodistria, Grade. Im Frühjahr und Sommer. 
130. — arbuscula Ag. (J. Ag. Spec. Alg. II. p. 1221). Bei Triest etc., 

meistens an anderen Algen parasitisch. Im Winter und 

Frühjahr. 

131. Halodictyon mirabile Zan. (Icon. phyc. adria!. Vol. I. p. 17. tav. 

V). Triest, Miramar, im Winter, sehr selten. 

Ilonosporcae. 

132. Monospora pediceUala (Sin.) Solier. (Zanard. Icon. phyc. adriat. 

Vol. II. p. 112, tav. LXVII. B.) 

Var. clarata (Zanard. 1. c. p. 107, tav. LXVII. A). 
Triest, Pirano. Im Winter und Frühjahr. 
Chantransie ae. 

133. Chantransia secundata (Lyngb.) Thur. QCalL securidatum J. Ag. 

, Spec. Alg. II. p. 13. — Call. Lenormandi Kg. tab. phyc. XI. 
lab. 57 II. — Call, microscopicum Naeg. Kg. 1. c. tab. 58 II). 
Auf Sphacelaria scoparia etc., im Winter. 

134. — luxurians (J. Ag.) Hauck. (Call, luxurkms J. Ag. Spec. Alg. 

II. p. 14. — Call. Daciesii Lyngb. Rabenh. Algen Europ. 
Nr. 1458. — Call, pilifenim Kg. tab. phyc. XI. tab. 56 III. 
— Call. bijssaceuiH Kg. l. c. tab. 58 IV. — Call, pi/ymaeum 
Kg. 1. c. tab. 59 I. — Call, luxurians Kg. 1. c. tab. 59 111), 
An Zostera, Cyslosira etc. bei Triest. 
135. — rc/M^iM« Hauck n. sp. Ueberzieht die Stämme von Cystosiren mit 
einem karminrothen Sammt. Die einzelnen Faden bis 2 Mm. 
lang, wenig verästelt, fast einfach Vioo ^I"i- dick, Glieder 
1 — iVaU'ial so lang als der Durchmesser. — Kapselsporen 
meist auf der Spitze der Gliederfäden, selten seitlich sitzend, 
elliptisch, circa Vio ^I"^i- l^ng, und Vso ^I'"- breit, mit einem 
Vaso Mm. dicken hellen Saum umgeben. Bei Triest. 

Porphyreae. 

IW, Porphyra leucosticta Thurel. (Le Jolis. Algues marines de Cher- 
bourg p. 100. — P. rulyaris Auct. ex parte. — P. i'^ennl-' 
cellifera Kg. tab. phyc. XIX. tab. 80 g— m. — P. coriacea 
Zan. Kg. I. c. tab. 81 c — f. — P. mkrophylla Zan. Icon. 
phyc. adrat. Vol. I. p. 25. Tav. VII. A. — P. aulumnalis 



352 

Zan. 1. c. p. 26. Tav. VII. B). Ueberall gemein. — Herbst 
bis Frühjahr. 

137. Erythrotrichia ceramicola (Lyngb.) Aresch. (Le Jolis. Algues 

marines de Cherbourg p. 103. pl. III). An Gelidium corneum 
im Hafen von Triest. 

138. Bangia investiens Zan. (Kg. tab. phyc. III. tab. 28. I). Triest, 

Miramar, Pirano an Cystosiren im Frühjahr. — Von voriger 
Art i\aiim spezifisch versciiieden. 

139. — fuscopiirpurea Lyngb. (Kg. tab. phyc, III. tab. 29. VI. — 

B. vei'sicolor Kg. 1. c. tab. 29, I. — B. hidentata Kg. 1. c. 
tab. 28, IV. — B. compacta Zan. Icon. phyc. adriat. II. p, 
165, tab. LXXX. A.). Gemein an Steinen und Pfählen. An 
der Fluthgrenze. Im Winter. 

140. Goniotrichum elegans Zanard. (6r. elegans var. Alsidii Zan. Icon. 

phyc. adriat. Vol. III. p. 65. tab. XCVI. — G. dichotomum 
Kg. tab. phyc. III. tab. 27, I). Nicht selten an den verschie- 
densten Algen, jedoch meist nur in einzelnen Fäden. 

(Fortsetzung folgt.) 



Die Vegetations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens. 

Von A. Kerner. 
LXXX. 

1466. Polygonwn Convulvulus L. — Auf bebautem Lande, an 
wüsten Platzen in den Durfern, im Geschiebe der Fiussufer, an Däm- 
men und \^'egriindern. — Erlau, Paräd, Csenke, Waitzen, Gran, Ofen, 
Pest, Soroksar, Monor, Pills, Grosswardein, Vasköh, Crisciöru, Buteni. 
— Kalk, tert., diliiv. und alluv. Lehm und Sand. 95 — 380 Met. 

1467. Polygonum dumetorum L, — An Waldrändern, Hecken 
und Zäunen; insbesondere auf Gebüschen windend, welche hecken- 
fiirmig die Ufer lliessender und stehender Gewässer besäumen, so 
wio auch auf dein niederen Buschwerk, welches die Böschungen der 
Hohlwege bekleidet. Bei Erlau, Paräd, Gran, Ofen, in dem Waldre- 
\i('r(; zwischen Monor und Pills; im Bereiche des ßiliariagebirges im 
Becken von Belenyes bei Vasköii, Rieni und Petrani und insbesondere 
liäulii^- auf dem tert. Vorlande zwischen Grosswardein und Belenyes bei 
Felixlind, Lasuri und Robogani. — Kalk, tert., diluv. u. alluv. Lehm 
und Sand. 95—380 Meter. 

Polygonum Fagopyrum L. — Im mittelungar. Berglande, sowie im Be- 
reiche des Bihariagebirges hie und da, im Ganzen aber nur selten, auf Feldern 
gebaut. Die höclistgelegenen im Gebiete beobachteten mit P. Fagopyrum, be- 
ut. mdenen Aecker bei Körösbanya in der Seehöhe von 350 Meter. 



353 

Polygonum tataricum L. — Naoli Slel'fek bei Urossvvcirdein auf Fel- 
dern gebaut. 

1468. Rumex maritimiis L. — Im Schlamino der Ufer stehen- 
der und langsam fliessender Gewässer. Im Inundationsgebiete der 
Donau auf der Täther Insel hei Gran, bei Ehed siidwestl. von Näna, 
bei Set. Andrae und Pest, auf der Csepelinsel bei Ujl'alu. Nach Kit. 
häufiff auf der Dehrecziner Landhöhe an salzauswilternden Stellen am 
Rande der Teiche, so namentlich hei Nyiregyhäza. In der Tiefebene 
nach Simkovics bei Kisujszälläs. — Diluv. und alluv. Sand. 75 — 
ISO Meter. 

1469. Rumex palust er Sm. — An ähnlichen Standorten wie 
die vorhergehende Art. Bei Pest, am Donauufer bei Ujfalu auf der 
Csepelinsel; in der Theissniederung bei Szolnok, Törok Szt. Miklos, 
Kisujsz'Alläs und nach Steffek auf sumpfigen Wiesen bei Grosswar- 
dein". — Diluv. u. alluv. Sand. 75— 130 Meter. 

1470. Rumex co7iglomeratus Murr. — An sumpfigen Stellen 
in Auen, an Zäunen und Gräben und am Ufer stehender und langsam 
fliessender Gewässer. — In der Matra bei Paräd; in der Pilisgruppe 
bei Set. Andrae und Ofen; im Inundationsgebiete der Donau in der 
Umgebung der Granmiindung, bei Pest, auf der Csepelinsel, auf der 
Kecskemeter Landhidie bei Nagy Koros. — Tert., diluv. und alluv. 
Lehm- und lehmiger Sandboden. 95 — 200 Meter. 

1471. Rumex sanguinens L. — (ß. nemorosus Sehr ad.) — 
An ähnlichen Standorten wie die vorhergehende Art. Bei Zsercz im 
Borsoder Comitate; in der Matra; in der Pilisgrup[)e bei Set. Andrae; 
auf der Csepelinsel bei Ujf.du. — Tert., diluv. und alluv. Lehm- und 
lehmiger Sandboden. 95 — 200 Met. 

1472. Rumex Silvester Wallr. Sched. 161. — In Sümpfen und 
auf sumpfigen Wiesen. Im Donauthale und im mittelung. Berglande bei 
Nana; nächst dem Stadtmaierliofe bei Ölen und in den Sümpfen zwischen 
dem Blocksberge und Proinontor; auf der Csepelinsel; in den Sümpfen 
entlang der Theiss bei Szolnok. — Tort., diluv. und alluv. Sand und 
sandiger Lehm. 75 — 150 Meter. — (In den Sched. crit. [1822] be- 
schreibt Wallr. S. 161 neben jenem Rumex, welchen er für R. oh- 
tusifolius Linne hält, einen diesem sehr nahe verwandten Rumex, 
welchen er R. silceslris nennt, und den er vorzüglich durch die 
kleineren länglichen an der Basis ganzrandigen oder doch nur aus- 
geschweiften und niemals deutlich gezähnten inneren Perigonblätt- 
chen unterscheidet. — Diesen Rumex silceslris [Wallr.] erklärte 
später Fries in Mant. III, 25 et Summ. 51 und 202, so wie nach 
ihm Grenier und Godron in Fl. fr. III, 36 für den wahren Rumex 
obtusifolius Linne. Nymann bezeichnete dann im Jahre 1855 ge- 
stützt auf die Autorität Fries' jenen Rumex, welchen Wallroth 
und nach ihm die meisten Autoren nach Linne für R obtusifolius L. 
genommen hatten, als R. Wallrothii [Syll. Fl. Europ. 327] und Gren. 
et. Godr.. welchen diese von Nymann vollzogene Namensänderung 
entgangen war, im Jahre 1856 a. a. 0. als R. Friesii. 



354 

Ich schliesse mich nun allerdings insoweit der Auffassung' von 
Fries, sowie von Grenier et Godr. an, dass ich die beiden er- 
wähnten Rumex für zwei wohlunterscheidbare Arten halte, aber in 
Betreff der Nomenklatur kann ich den genannten Autoren nicht bei- 
stimmen. — Linne hat seinen Rumex obtusifolius auf das „Lapa- 
thum involucro seminis dentato, foliis obtusis" Hall. Helv. 172 
gegründet und citirt, auch in erster Linie Haller sowohl in der 
ersten als auch in der zweiten Auflage der Spec. plant. — Linne 
setzt ferner in der ed. L der Spec. plant, bei „Habitat in Germania, 
Helvelia, Gallia, Anglia", ohne einen Fundort aus Skandinavien zu 
nennen. Nun ist aber jene Pflanze, welche Wallroth für R. obtusi- 
folius Linne genommen hat, welche aber Fries, sowie Gren. et 
Godr. für eine hievon verschiedene Art halten [Rumex Wallrolhü 
Nym., R. Friesii Gren. et Godr.] allerdings in dem von Linne 
angegebenen Gebiete in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und 
England sehr häufig und verbreitet, dagegen fehlt jene zweite 
Art, welche Fries und Gren. et Godr. für R. obtusifolius 
Linne halten, in der Schweiz""') und in Frankreich**) voll- 
ständig und ist auch in Deutschland und England selten und nur 
sporadisch anzutreffen. Es ist darum nicht zulässig, den Namen, mit 
welchem Linne bei der ersten Aufstellung der Art ganz aus- 
drücklich und bestimmt den in der Schweiz vorkommen- 
den Rumex bezeiciinet hat [„Lapathum foliis obtusis Hall."], auf 
eine in der Schweiz nicht vorkommende Pflanze anwenden zu wollen! 
— Dass Linne in der zweiten Auflage seiner Spec. plantar. 478 
einen nachträglich auch in „Sudermania" aufgefundenen Rumex 
zu seinem R. obtusifolius zog, welcher dem schweizerischen „Lapa- 
thum foliis obtusis" Hall, sehr ähnlich ist, beweist höchstens, dass 
Linne nachträglich zwei Rumex, welche seit Wallroth von vielen 
Floristen als zwei Arten begriffen werden, zusammenfasste, oder 
richtijj-er gesagt, nicht unterschied, kann aber unmöglich Anlass geben, 
die Nomenklatur der L Auflage der Spec. plant., wo Ru- 
mex obtusifolius zuerst von Linne aufgestellt wurde, zu 
ändern. 

Es sind demnach auch unbedingt die Wallroth'schen Namen 
zu acceptiren und sind die Namen R. Wallrolhii Nym., so wie R. 
Friesii Gren. et Godr. als Synonyma dem R. obtusifolius Linne 
und Wallr. beizusetzen.) 

1473. Rumex obtusifolius Linne Spec. plant, ed. L p. 335. — 
Mit anderen hohen Stauden vor dem Eingange zur Höhle bei Fenatia 
nächst Rezbänya und in der Umgebung der Sennhütten bei der Stäna 
Scovea auf dem Rezbänyaerzuge des Bihariagebirges. — Schiefer, 
Kalk. 450—1230 Meter. — (ß. obtusifolius wird von Sadler in Fl. 
Com. Pest. 161, von Feichtinger in Adatok Esztergom. Fl. 272 
und von Steffek in Oest. bot. Ztg. XIV, 175 in den von ihnen be- 



*) Vergl. Crem 11 Exe. V\. der Schweiz, 2. Aufl. S. 341. 
"*) Gren. et Godr. a. a. 0. 



355 

liiindclteij Floreiigebieton vorkomrneiKl angegeben. Ich seihst nolirto 
gleichfalls einmal „ß. obtusifolius''' l)ei Grosswardein. Leider liegen 
nur aher von allen diesen Standorten im Bereiche des Donauthales, 
des mittelungar. Berglandes und der Umgehung von Grosswardein 
keine getrockneten Exemplare vor, und es vviire daher nicht unmiig- 
lich, dass sich alle diese letzteren Standortsangahen auf die voriier- 
gehendü Art beziehen. — Wenn iibrigens R. obtusifolius Linne, 
Wallr. [= R. Walli'othii Nym., R. Friesii Gren. et Godr.] auch 
an diesen Standorten vorkommt, was ich durchaus nicht bezweifeln 
möchte, so ist doch so viel gewiss, dass daselbst Rumex silveslris 
Wallr. vergleichsweise weit hiiufiger und verbreiteter ist. Jedenfalls 
bestätiget sich die von Trimen im Journ. of bot. 1873, 129 ausge- 
sprochene Miithmassung, dass Rumex Silvester Wallr. eine im Ost- 
lichen Europa verbreitete, im südwestlichen Europa dagegen fehlende 
Pflanze ist.) 

1474. Rumex crispus L. — Auf sumpfigen Wiesen, in Gräben, 
an Ufern und Zäunen, in der Umgebung der Brunnen auf den Puszten. 
— Gran, Nana, Wailzen, Pomasz bei Set. Andrae, Ofen, Pest, Nagy 
Koros, P. Sallüsär bei Tatar Szt. György, Nagy Majteny und ErdOd, 
Katonaväros, Grosswardein, Buteni. — Tert., diluv. u. alluv. Lehm- 
und Sandhoden. 95—200 Met. 

1475. Rumex Patienfia L. — An ähnlichen Standorten wie die 
vorhergehende Art. Massenliaft in dem lauen Wasser im Hofraume 
des Lukasbades in Altofen in den fünfziger Jahren von mir beob- 
aclitet (ein Standort, welcher durch die dort seither entstandenen 
Neubauten wohl verloren gegangen sein dürfte), dann im Stromge- 
lände der Donau bei Promontor und Teteny, wo schon Kit ai bei in 
seinem Itinerarium der Füreder und Ercsiner Reise diese Pflanze an- 
gibt. — Wird im Gebiete weder in Gemüsegärten, noch auf freiem 
Felde kultivir!, auch als Gemüse nicht benützt und ist daselbst sicher 
als wildwachsend anzusehen, ebenso wie auch im westlichen Theile 
von Ungarn (Umgebung des Neusiedlersees) und in Niederösterreich, 
wo die Pflanze am Westrande des Wiener Beckens ihre westliche 
Grenze erreicht. — Tert., diluv. und alluv. sandiger Lehmboden. 95 — 
200 Meter. 

1476. Rumex Hydrolapathum L. — Mit Binsen und Röhricht 
in den mit Wasser erfüllten Gräben, am Rande von langsam fliessen- 
den Gewässern. Im Stromgelände der Donau in der Nähe der Gran- 
mündung, bei Waitzen, im Räkosbache oberhalb Pest, im Velenczer 
See und in der Särviz bei Stuhlweissenburg, am Saume des Biharia- 
gebirges bei Grosswardein. — Diluv. und alluv. sandiger Lehmboden. 
95—200 Meter. 

1477. Rumex aquaticus L. — An ähnlichen Standorten wie die 
vorhergehende Art bei Ofen, bei Bag in den Ecseder Sümpfen und 
am Körösufer bei Grosswardein. — Diluv. u. alluv. Sand und sandi- 
ger Lehm. 95 — 200 Meter. 

147S. Rumex alpinus L. — An quelligen Stellen und am Rande 
von Quellbächen in der alpinen Region des ßihariagebirges. Im Rez- 



356 

bänyaerzuge unterhalb der Cucurbeta bei den obersten Quellen im 
Valea cepilor und am Abfalle des Tomnatecu gegen das Poienathal, 
— Schiefer. 1250—1770 Meter. 

1479. Rumex arifolius KW. — Gesellig mit anderen subalpinen 
Stauden unter Gesträuch und in den grasreichen Mulden auf der Mar- 
gine im Rözbänyaerzuge des Bihariagebirges. — Schiefer. 1350 — 
1600 Meter. 

1480. Rumex Acetosa L. — Auf Wiesen und an grasigen 
Plätzen im Grunde lichter Hochwälder. Im miltelungar. Berglande in 
der Matra bei Farad; in der Pilisgruppe bei Visegrad, Szt. Läszlö, 
Set. Andrae, im Auwinkel ober dem Saukopf und auf dem Schwa- 
benberge bei Ofen; auf der Margaretheninsel; auf der Kecskemeter 
Landhühe bei Waitzen, Palota, Pest, Soroksar, Monor, Pills, Nagy 
Koros; im Bihariagebirge auf dem tert. Vorlande zwischen Gross- 
wardein und Belenyes und auf den Bergen bei Rezbänya; hier auf 
den Waldwiesen ober der Pietra lunga der höchstgelegene im Gebiete 
beobachtete Standort. — Schiefer, Kalk, tert. und diluv. Sand- und 
sandiger Lehmboden. 95—850 Meter. 

1481. Rumex Acetosella L. — Auf grasigen Plätzen, wüsten 
Sandhügeln und Erdabrissen im Gerolle der Flussufer, nicht selten 
auch auf bebautem Lande. Im Gebiete sehr verbreitet. Im mittelung. 
Berglande bei Erlau, Paräd, Gyöngyos, Särhegy, Gross Maros, Vise- 
grad, Set. Andrae, Gran, P. Csaba, Sandberg und Piliserberg, Ofen; 
auf der Csepelinsel bei TiUiöl; auf der Kecskemeter Landhöhe bei 
R. Palota, Pest, Soroksar, Monor, Pills; auf der Debrecziner Landhöhe 
zwischen Debreczin und Karäsz; im Bereiche des Bihariagebirges bei 
Grosswardein, Bischofsbad, Fenatia, Belenyes, Petrani, Dealul mare 
bei Criscioru und im Valea Odincutia im Flussgebiete des Aranyos. 
Der letztgenannte Standort der höchstgelegene im Gebiete beobach- 
tete. — Auf dem sandigen und sandig-lehmigen Detritus von Schiefer- 
und Kalkgesteinen, sowie auf tert., diluv. u. alluv. Sandboden. 95 — 
900 Meter. 

Spinacia oleracea L. — In den Gemüsegärten der Städte allenthalben 
gebaut. 

1482. Steller a Passerina L. — Auf bebautem Lande, an den 
Böschungen der Eisenbahndämme. — Erlau, Nana, Zebegeny, Gross 
Maros, Visegrad, Schwabenberg und Blocksberg bei Ofen, Velencze, 
Sluhlweissenburg, Gomba, Czegled, Szolnok, Karäsz, Körösbänya, Bu- 
t^ni. — Trachyt, Trachyttuff, Lehm- und lehmiger Sandboden (Löss). 
Fehlt im Gebiete auf reinem Sandboden. 75 — 320 Meter. 

1483. Daphne Mezeremn L. Im Grunde und am Saume der Wäl- 
der. Im mittelung. Berglande selten und bisher nur in der Matra auf 
dem Disznokö bei Paräd und bei Jänosküt, daim bei Waitzen; in dem 
südlich der Donau liegenden Theilc des Berglandes schon ausserhalb 
des hier behandelten Gebietes bei dem Kerteskö in der Bakonygruppe 
beobachtet. Fehlt im Tieflande; dagegen ziemlich häufig im Biharia- 
gebirge und zwar im Rözbänyaerzuge auf den gegen das Aranyos- 
thal verlaufenden Rücken und Lehnen oberhalb Vidra und Negra; in 



357 

der zerrissenen Ranclzone des Balrinaplateaus auf der PitHra Boghi, 
l'i^lra pulsului Ix'i Petrosa, Pietra muncelului, Slanesa, Talarooa und 
l)is lierab auf die Pietra lunga bei Rezbanya ; in der Plesiugruppe 
auf der Bratcoöa und Dinesa oberhalb Monesa, in der Vulcangruppe 
auf dem SuprapitMra poienile bei Vidra; nach Steffek auch bei Ujiak 
niirdl. von (Jrosswardein. — Im Cebiete vorlierrschend auf Kalk, sel- 
tener auf Scliiefer. :U)0— 1285 Meter, am häufigsten in dem Höhen- 
gürtel von 800—1000 Meter. 

1484, Daphne Cneorum L. — Auf grasigen Berglehnen und 
Bergrücken, zumal in Waldlichtungen. Im miltelungar. Berglande in 
der Pilisgruppe auf der Slanitzka bei P. Csaba, auf dem Kopäszhegy 
bei Kovätsi, in der Nähe der „Schönen Schäferin" bei Ofen, im Kam- 
merwalde bei Budaörs und Promontor und zwischen Promontor und 
Teteny, An der Südwestgrenze des Gebietes bei Palota westlich von 
Stuhlweissenburg. — Auf der Debrecziner Landhöhe „in silva Nyir 
Bätor dicta et versus Ecsed" Kit. Add. 64. — Kalk, diluv. Sand. 
140—450 Meter. 

Daphne Laureola. „In Wtildern bei Budaörs nächst Ofen, Kit. Plant, 
croat. I." Neilr. Nachtr. zur Aufz. der ungar. und slav. Gefässpflanzen S. 29. 
Diese Angabe beruht auf einem Schreibfehler Kitaibel's, und der Standort 
„Budaörs" bezieht sich ohne Zweifel auf Daphne Cneorum, die in der Thal 
im Kammervvalde bei Budaörs sehr häufig vorkommt. 






Ueber Eichenformen. 

Von J. Wiesbaur S. J. 

Das interessante Büchlein, welches Herr v. Vukotinovic in der 
Südslavischen Akademie über die Eichen des Belovarer Gebietes schon 
1873 veröffentlicht hat, und worin den 20 beschriebenen Eichen la- 
teinische Diagnosen beigegeben sind, veranlasste mich, auf diese 
Baumgattung etwas mehr als sonst zu acliten. Der Erfolg war um so 
eher zu erwarten, als hier in nächster Nähe alle vier bekannten und 
allgemein angenommenen niederösterreichischen Eichenarten sich vor- 
finden. 

Das vorläufige Ergebniss nun ist, dass auch wir, was Frucht- 
und Blatlgestalt betrifft, einen grösseren Formenreichthum haben, als 
man ihn bisher beachtet hat. Mehrere bei Vukotinovic abgebildeten 
Eichen scheinen sich auch hier zu finden. Ja auch solche gibt es, 
die sich nicht einmal daselbst unterbringen lassen. Z. B. fällt am 
Ramasek bei Kaltenleutgeben schon von ferne eine Steineiche ihrer 
breiten, fast spitzlappigen Blätter wegen auf, so dass man fa^t eher 
mit einer Sorbiis torminalis, als mit einer Eiche Aehnlichkeit finden 
möchte. Der Baum sticht um so mehr von seiner Umgebung ab, als 
selbe aus gew()hnlichen Stein- und Zerreichen besteht. 

Zwei andere auffallende Formen könnten nach der hergebrach- 
ten Auffassung Mischarten sein, wenn es deren iiberhaupt unter Eichen 



358 

giht. Die cino Iial im Ganzen mehr die Tracht Her Querrns sessili- 
flora. aber durchaus n'cht deren Fruchtbecher, welche vielmehr mit 
denen der Q. pnhescens übereinstimmen. Es steht auch der betrefTende 
Baum von zahlreichen Flaum- und Steineichen umgeben. Die andere 
stellt ein Mittelding- zwischen Q. pedvnculafa und Q. sessiliflora dar. 
Die Blätter sind an ihr durchaus kürzer gestielt als an der Stein- 
eiche, fast so kurz als an der Stieleiche; die Fruchtstiele aber wech- 
seln in allen Tonarten: bald sind sie fast so lang, wie bei letzterer, 
bald fehlen sie ganz, wie bei ersterer; die meisten jedoch halten die 
Mitte und erreichen die Länge von 1 — 2 Ctm. Der Wald, worin diese 
sonderbare Form vorkommt, besteht ausser Zerreichen grossentheils 
aus Stiel- und Steineichen. Wir haben also hier vielleicht eine Q. 
pediinciilataXsessiliflora, sowie im vorigen Falle eine Q. puhescensX. 
sessiliflora nicht unmöglich erscheint. Nähere Untersuchung und ein- 
gehendere Beobachtung sowie Studium der bereits vorhandenen Lite- 
ratur bleibt freilich noch wünschenswerth sowohl für diese als für 
die obenerwähnten Formen unserer Eichen, die m()glicherweise mit 
solchen, welche Vukotinovic wohl beschrieben aber nicht abgebildet 
hat, doch übereinstimmen. 

Die hängefrüchtige Eiche {Q. fiUpendula) scheint in unseren Berg- 
wäldern gar nicht oder nur annähernd vorzukommen. Einmal, wo ich 
einen sehr langen Fruchtstiel an einem Baume bemerkte, fand ich gleich 
wieder mehrere von gewohnlicher Länge daneben am selben Baume. 
Beständiger finden sich kurz- und langgestielte Eichen in der Ebene, 
z. B. im Laxenburger Parke, so dass man beim Anblicke solcher 
nebeneinanderstehender fruchlbeladener Bäume gezwungen ist, wie 
ich es di(3ses Jahr im Schur zu St. Georgen bei Pressburg und in 
den spärlichen Eiclienwäldern des ungar. Tieflandes um Kalocsa ge- 
wesen bin, das Vorhandensein verschiedener Eichen (mögen sie nun 
Formen oder wie immer heissen) zuzugeben. Andererseits muss ich 
aber auch offen gestehen, dass ich an keinem der genannten Orte 
eine strenge Grenze zwischen Stiel- und Hängefruchteiche entdecken 
konnte. Denn, so ausgezeichnet letzterer Baum mit seinen langge- 
stielten, schon im Juli herabhängenden Früchten ist (so sah ich ihn 
bei Keczel und Foktü, sowie im Värszeg nächst Kalocsa), so gibt es 
doch auch andere Bäume daneben, deren Früchte oft viel länger als 
bei der gewöhnlichen Q. pednncnlata gestielt, aber von so starker 
Konsistenz sind, dass sie nur wenig herabneigen oder gar wie bei 
der Stieleiche aufrecht stehen. Wahrscheinlich halte ich da Gelegen- 
heit, mehrere der acht von Vukotinovic angeführten Formen der Q. 
pedimculata zu sehen. Vermittelst einer Q. peduncnlata X pendulina 
spränge man freilich über die Schwierigkeil auch hier leicht hinweg, 
aber die Sache scheint mir etwas mehr Vorsicht zu erheischen. 
Desshalb ist es auch schwer zu missbilligen, wenn solche schwie- 
rige Formen mit einfachen Namen belegt werden, wie es Vukotinovic 
gelhan hat. 

Kalksburg, am 12. Oktober 1875. 



359 



Mykologisches. 

Von St. Schulzer von Müggenburg. 

V. 
lieber Hyphoinyceteii. 

Die EintlieiluniT der von den Autoren aufa^estellten Hypliomycefen- 
Gatlungen in Familien bewirkte Dr. Bonorden in seinem Handhuche 
der allgemeinen Mykologie, nach meiner Ansieht, wohl am fasslich- 
sten, wesshalb ich selbe, erweitert und hie und da wohl auch etwas 
geändert, bei der Zusammenstellung meines, vorläufig bloss zum 
eigenen Gebrauche dienenden, Systems der Pilze als Grundlage be- 
niilzle. 

Dieses geschah keineswegs aus Ueberzeugung von deren Halt- 
barkeit für alle Zeiten, sondern als einstweiliger Nothbehelf zur un- 
entbehrlichen Uebersicht. Kommen ja doch jedem praktischen Forscher 
Fälle vor, wo er sich der Erkenntniss: dass diese oder jene Hypho- 
mycetenform mit ganz anders gebauten Pilzen in engster Beziehung 
stehe, nicht verschliessen kann. Ueberdiess sind fast alle Mycelien 
der Hymenomyceten augenscheinlich Scliimmelgebilde, die jedoch für 
sich keine Sporen, sondern einen mächtigen, parenchymatösen Frucht- 
körper erzeugen. Die Vorstellung liegt nahe, dass die Spore, z. ß. 
eines ^(7flr/c?/.>f, auf unrechtem Substrate keimend, anstatt dieses, eine 
in ihrer Art fruktifizirende Hyphomycete erzeuge, und beobachtete 
man, meines Wissens, bisher an Myceliumgebilden der Hymenomyce- 
ten kein Entstehen von Nebenfrüchten, wie unter Anderen an jenen 
zahlreichen Spliäriaceen, so kann dieses möglicherweise auch darin 
begründet sein, dass noch Niemand darnach suchte. Mir fiel zulällig 
etwas Aehnliches bei Beobachtung meiner Varietät thelephoroides des 
Meruliiis lacrymans Schum. auf. 

Es wird demnach, falls ich nicht irre, die Ordnung Hyphomy- 
cefes einstens aus dem Systeme ganz verschwinden. Dahin haben wir 
zur Zeit noch sehr weit. Die zumeist von günstigen Umständen ab- 
hängige Entdeckung des eigentlichen Wesens so zahlreicher Hypho- 
myceten, wie sie die Natur hervorbringt, wird Fleiss und Mühe noch 
gar Vieler in Anspruch nehmen. Doch Sandkorn zum Sandkorn un- 
verdrossen getragen, erzeugt einen Berg. 

Heut will ich ein Paar meiner bisherigen Erfahrungen über 
Formwandel auch zarter Hyphomyceten, d. i. echter Schimmel, mit- 
theilen, die doch im Ganzen weit beständiger sind, als die derben. 

Die Gattung Epochnium Lk. charakterisire ich in meinem Sy- 
steme als ästige, liegcnd-verwebte Hyphen, an der Spitze und seit- 
lich spindelförmige, septirte Sporen erzeugend. Anodotrichnm Corda 
ebenso, nur sind die Sporen cylindrisch oder fast keulenförmig, doch 
zuweilen auch durch Verdünnung gegen beide Pole in"s Spindelför- 
mige neigend. 



?.60 

In zwei Fallen, an Kürbissen und Aepfeln, beide faulend, über- 
zeugte ich mich vom Erscheinen desselben Schimmels in beiden 
Formen und machte dabei folgende Beobachtung: Das Anodotrichum 
entwickelt sich meistens an der Fruchtoberhaut, das Epochnium auf 
der Schnittfläche; Ersteres beim Zutritte von Luft und Licht, Letzteres 
an Stellen, welche gegen beide abgesperrt sind; endlich waren die 
Sporen des Epochnium immer etwas länger als jene des Anodo- 
trichum. 

Nachstehende Erfahrung mitberücksichtigt , scheint es , dass 
Epochnium eine vage Form ist, die sich nicht bloss statt des ver- 
wandten Anodotrichum bildet, sondern auch Andere vertritt. 

Am Wurzelhalse eines Nebenschösslings der Zea Mays, welcher 
seit Herbst bis Dezember jeder Witterung ausgesetzt war, bemerkte 
ich mehrere ganz kleine Hyphasmata. Die zuerst untersuchten erwie- 
sen sich als Monosporium Bonorden „Hyphen unregelmässig-ästig, 
mit je einer runden Spore an den Zweigspitzen. " Die übrigens lie- 
genden Hyphen waren dicht in einander verflochten. Einige der später 
angesehenen waren dagegen exakte Epoc/mmm-Formen, indem die 
Hyphen, sonst den früheren völlig gleich, in der ganzen Länge mit 
mondformigen Sporen besetzt waren. Ob auch hier die letztere Form 
vom Lichte abgewendete Stellen bewohnte, kann ich n