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Offenbarungen
der
Hchwester Mechthild
von Magdeburg,
oder das
fliessende Licht der Gottheit,
aus der einzigen Handschrift
des Stiftes Eiiisiedelu
heraiiflgegebeii
von
F. OaU Morel.
Regensburg.
Druck und Verlag von Georg Joseph Manz.
1869.
V
'>.•
\
Vorrede und Einleitung.
Es möchte gewagt scheinen, diese Visionen, mystischen Ergüsse
oder „OflPenbarungen" einer mittelalterlichen Nonne in ihrem
ganzen Umfange und ursprünglichen Gewände dem Publikum
mitzutheilen^ hätte nicht der gelehrte Herr Dr. Carl Greith,
derzeit Bischof in St. Gallen, hiezu in seinem vortrefflichen
Buche „die deutsche Mystik im Predigerorden"*) den Weg ge-
bahnt^ indem er nicht nur auf das Werk und die Verfasserin
desselben aufmerksam machte, sondern auch eine beträchtliche
Anzahl poetischer Bruchstücke dieser Visionen in erneuerter
Sprache mittheilte. Auch über die, meines Wissens einzige
Handschrift^ welche die Visionen der Schwester Mechthild ent-
' hält, so wie' über diese selbst ist in dem erwähnten Buche schon
das Wichtigste gesagt, was hier theilweise wiederholt und jeden-
falls ergänzt werden muss.
Die Handschrift, Nro. 277, der Stiftsbibliothek von Einsie-
deln gehörend, ist ein wohlerhalteuer, mit ursprünglichem weissen
») Freiburg im Br. (Herder) 1861. 8.
a'
IV Vorrede und Einleitung.
festen Lederbande versehener Codex in Oktavform, 221 Blätter
enthaltend, und sehr deutlich und kräftig in der bekannten gothi-
schen Minuskel des 13. bis 14. Jahrhunderts, und zwar bis Blatt 15
in einer, von da an aber in zwei Columnen gesehrieben. Der
erste Theil, Mechthildens Visionen, endet mit Blatt 166 a., wor-
auf von gleicher Hand noch einige fromme Gedanken ttber die
sieben Tagzeiten, und ein Bruchstück aus der unbekannten Schrift
eines „Gottesfreundes^^ folgt, auf das wir später noch zurück-
kommen.
Der zweite Theil der Handschrift, von Blatt 169 an, ist von
anderer Hand, eben so schön und klar aber kleiner geschrieben,
und wie der erste Theil, ziemlich reich mit leicht aufzulösenden
Abkürzungen versehen. Er enthält Aufsätze und Predigten deut-
scher Mystiker, vorzüglich des Meisters Ekhart. Dieser zweite
Theil ist beinahe ganz von Dr. Franz Pfeiffer im zweiten Bande
seiner „deutschen Mystiker"*) herausgegeben worden.
Die Sprache der Handschrift ist die oberdeutsche, wie sie
um den Oberrhein her zu Ende des 13. und im Anfang des 14.
Jahrhunderts gesprochen und geschrieben wurde und wie sie bei
uns Schweizern im Dialekte noch grossentheils sich erhalten hat,
jedenfalls leicht verstanden wird, obschon gar viele bekannte
Worte jetzt einen andern Sinn erhalten haben. ^) Der Styl ist
kräftig und ziemlich gedrungen, die Orthographie aber nicht eine
durchweg folgerechte. Sie konnte auch in diesem Abdrucke
nicht folgerecht durchgeflihrt werden, und ich hielt mich daher.
^) Die deutschen Mystiker des 14. Jahrb. Lpz. 1845. (2 B.)
') Z. B. in diesem Buche: Mutwillen statt Muth, bekafitniss statt Erkennt-
nias, erlich statt herrlich, leichtfertig statt leicht, wunderlich statt wunder-
bar, unmenschlich statt übermenschlich, aber statt wieder, in statt ihnen,
vernehmen statt erkenen, wan statt den, allein statt obschon, durch statt
für, verklagen statt beklagen, diemtitig statt niederträchtig, der sftssliche
gott, u. 8. w.
Vorrede und Einleitung. V
wo nieht offenbare Verstösse vorkommen, genau an die Schreib-
weise der Urschiift; was ich mir um so leichter erlauben zu
dürfen glaubte, da es sich hier um die einzige und zwar gute
Handschrift eines mittelalterlichen Werkes handelt. Ich berufe
mich dabei auf Franz Pfeiffer, der zur Herausgabe von Herr-
mann's Heiligen -Leben bemerkt: Bei einem Werke ; das nur in
einer Handschrift vorhanden ist, war eine streng kritische Be-
handlung des Textes ; wie man sie bei Werken des 13. Jahr-
hund^i» anzuwenden pflegt, nicht wohl thunlich, ja ich hätte
sogar volle Berechtigung gehabt einen buchstäblichen Abdruck
zu geben., ich mochte mich aber den Anforderungen, die an
Herausgeber altdeutscher Schriften mit Hecht gestellt werden
nicht entziehen, selbst auf die Gefahr hin, dass ich hie und da
etwas unrichtig aufgefasst habe.'' Meine geringen Aenderungen
betreffen in dem vorliegenden Buche grösstentheils die Inter-
punktion, die zum Verständniss desselben nothwendig berichtigt
werden musste. Auch die so oft wiederkehrenden Reime, Asso-
nanzen und Alliterationen, die offenbar ursprünglich besser zu-
sammenklangen, erlaubte ich mir, doch nur in seltenen Fällen,
herzustellen.
Eine eigenthümliche Schwierigkeit ergab sich aus der Be-
stimmung was vom Texte in Versen auszusetzen sei, da in der
Handschrift Alles als Prosa fortläuft, obschon viele Abschnitte
entschieden auf Verse hindeuten, während anderseits nur schwache
Anklänge an solche bemerkbar sind. Entscheidend war hiebei
ftir mich, nebst dem Reim, der höhere Schwung der Rede oder
des Gefühles, der in den meisten Fällen auch die Sprache poe-
tischer macht. Das ist bei dieser Schrift oft der Fall, wo Per-
sonen redend eiugeftlhrt werden, oder wo die Betrachtung oder
die Vision dem Schlüsse zueilt.
Die Geschichte der Handschrift ist nicht ohne Interesse und
VI Vorrede und Einleitung.
knüpft sich auch an die Geschichte des religiösen Lehens im
Hoch-Thale von Einsiedeln während dem Mittelalter. Es lebten
nämlich schon sehr MhC; die Zeit ist nicht genau zu bestimmen,
daselbst fromme Einsiedlerinnen; zuerst einzeln ; dann in vier
Häusern vertheilt, die später in einem einzigen Kloster vereinigt
wurden. Man hiess sie Waldschwestem. In eines dieser vier Häu-
ser, die vorder Au genannt, schrieb noch im 14. Jahrhundert,
Heinrich von Eumerschein von Basel zu S. Peter folgendes, der
Handschrift später beigefligtes Blatt: Den swesteren in derTorderen
owe: Ir s6nt wissen, dz das buch, dz tch wart von der zem
Guldin Ringe, dz do heist, das liecht der Gotheit, des s6nt
ir wol wamemen, also, das es soll dienen in alle höser des
waldes und sol us dem walde niemer komen und sol ie ein
monat in eim huse sin, also dz es vmb sol gän von eim in dz
ander wenne man sin bedarf, vnd s6nt ir sin sunderlich behfit
sin, wand si sunderlich trüwe zu vch hatte. Bitent öch für mich
der ihr bichter was, leider vnwirdig. Von mir Herr Heinrich
von ßumerschein von Basel ze sant Peter. — a tergo: der
vordren owe. Ein ähnliches Blatt von Rumerschein ist dem
Codex 268 beigefligt, welcher, ebenfalls mystischen Inhalts, von
derselben Geberin den Schwestern in AUeg (Albegg, eines der
vier Schwesterhäuser in Einsiedeln), geschenkt wurde. Diesen
Schwestern schreibt ßumerschein: Ir s5nt wissen, dz das buch,
dz tch wart von jungfrow Greten zem güldin Ring, dz kün-
gunt . . . Hier ist eine Zeile ausgelöscht, der ttbrige Inhalt stimmt
mit dem obigen Briefchen an die Schwestern in der vordem Au
tiberein, nur ist noch beigefligt: Ir s6nt wissen dz irs mit usser
den wald nüt sönt leng (leihen).
Nun ist merkwürdiger Weise diese Grete zum goldenen
Ringe in Basel höchst wahrscheinlich keine andere als Mar-
garetha, die Tochter des bekannten Schwärmers Nikolaus von
Vorrede und Einleitung. Vll
Basel; dessen mystische Schriften Dr. Karl Schmidt*) heraus-
gegeben und mit einem sehr gediegenen Lebensabriss des Ver-
fassers begleitet hat; wovon schon em Theil in dem Buche:
Basel im 14. Jahrhundert und in andern Schriften mitgeiheilt
war. ;;Margaretha; so erzählt E. Schmidt (S. 71); ward B^gme,
Conversa; erwarb ein Stttck Holz vom Ereuz Christi; das aus
dem Mttnster gestohlen worden war und gab es diesem zurüek;
1376 vermachte sie ihr ganzes Vermögen den Dominikanern und
wählte bei ihnen ihr Grab. Sie ist ohne Zweifel die Margaretha
zum goldenen Bing; der in den Briefen Heinrichs von Nördlingen
als einer besondem Freundin Gottes gedacht wird. Das Be-
ginen-Haus zum schwarzen Bären stiess an das Haus zum gol-
denen Ring; in letzterm selw scheint eine Zeitlang eine Samm-
ung bestanden zu haben. Aus allem diesem lässt sich schliesseU;
dass in der Familie zum goldenen Bing der Hang zum geist-
lichen mystischen Leben heimisch war.^' So weit Dr. Schmidt.
Es ergibt sich nun aus dem obigen Briefchen ; wer Beichtvater
der mildthätigen Geberin zum goldenen Ringe wax; und ergibt
sich; dass zwischen den Gottesfreunden in Basel und deren
Gönnern und Gönnerinnen Verbindungen mit den Beginen in der
innem Schweiz bestanden. Däftir sprechen ohnehin noch andere
ThatsacheU; wie die Beziehungen der Gottesfreunde zu Engel-
berg; die Niederlassung derselben im Herrgottswald am Fusse
des Pilatus u. s. w.; wovon C. Schmidt (a. a. 0.) erzählt.
In Einsiedeln selbst hat man keine weitere Spur von dieser
Verbindung als eben diese Handschrift nebst der zweiten vorhin
erwähnten; die aber nur Schriften eigentlicher deutscher Mystiker
») Wien, 1866. 8.
') Basel 1856, S. 283: Nikol. v. Basel und die Gottesfrennde und be-
sonders S. 92 in der ,,Topographie des alten Basels** von Dr. Fechter.
VIII Vorrede und Einleitung.
enthält und woraus von Franz Pfeiflfer in „Haupt's Zeitschrift
ftr deutsches Alterthum" (Bd. 8, S. 209), und in Band 2 der
„deutschen Mystiker" sehr Vieles mitgetheilt wurde. Zu welcher
Zeit diese zwei vortrefflich geschriebene und erhaltene Hand-
schriften in die Stiftsbibliothek von Einsiedeln kamen, ist unge-
wiss. Eine Hand des 15. Jahrhunderts bemerkt noch: „Dis buch
höret in die vier hflser in dem walde", eine spätere des 16.
Jahrhunderts: „Dem Gotshuss S. peter vflf dem Bach in Schwitz
gehörig."
lieber Inhalt undVerfasser vorliegender Schrift gibt diese
selbst gleich Anfangs, zuerst in lateinischer, dann in deutscher
Sprache Auskunft. Sie ward im Jahr 1250 und darnach wäh-
rend fünfzehn Jahren einer fromiMi Schwester geoflfenbart in
deutscher Sprache. Diese Schwester lebte über vierzig Jahre
lang gottselig, der Regel des Predigerordens gemäss. Ihre
„Offenbarungen" aber sammelte und schrieb ein Bruder desselben
Ordens. Der Name dieses Bruders war nicht zu ermitteln; die
begnadigte Schwester aber wird einigemal, sowohl im Texte als in
den Kapitel-Üeberschriften genannt. So z. B. S. 168: „Wie Swester
Mehthild danket etc." und S. 215: „Dise schrift die in disem
buche stat, ist gevlossen vs von der lebenden gotheit in Swester
Mehtilden herze und ist also getrüwelich hie gesetzet, alse si
vs von irme herzen gegeben ist von gotte und geschriben von
iren henden." Der scheinbare Widerspruch der eben an-
geführten Stelle, mit obiger Bemerkung, es sei das Buch von
einem Dominikanerbruder gesammelt und geschrieben, findet
seine natürliche Lösung in dem Worte gesammelt, so dass mit
Greith (S. 207) anzunehmen ist, dieser Bruder habe die von
Mechthild geschriebenen einzelnen Blätter gesammelt und abge-
schrieben. Dass sie selbst diese „Offenbarungen" schrieb, be-
weist auch das, was sie (S. 140) sagt: „Meister Heinrich, mich
Vorrede und Einleitung. IX
iamert... das ich sAndig wip schribcn müS; das ich die wäre
bekantnisse und die heiigen herlichen anschöwunge nieman mag
geschriben^ sunder dise wort alleine, si dünken mich gegen die
ewigen warheit allzekleine." Meister Heinrich war ihr leib-
licher Bruder und ebenfalls im Prediger-Orden.
Dass Schwester Mechthild diesem angehörte, unterliegt wohl
keinem Zweifel, deim bei jedem Anlass ist auf diesen damals
so frisch blühenden und fruchtbaren Orden und dessen Stifter
hingewiesen, welchen Mechthild ausdrücklich ihren Vater nennt.
Auch ist das Zeugniss zu Anfang des Buches: „Sequens perfecte
vestigia fratrum ordinis praedicatorum", deutlich genug. Wenn
sie daneben eine Begine genannt wird, und sich einigemal
selbst so nennt, so wird ^s durch die eben angeführte Stelle
berichtigt und zudem war damals der Begriff Begine noch von
der allgemeinem Bedeutung einer in besonderer Weise Gott
suchenden Seele, wie etwa Schwester zu verstehen.
So wird denn Dominikus vor allen andern Ordensstiftem
genannt und gepriesen und sein Bild wird höchst lieblich ge-
schildert. Für die Gegenwart wie ftlr das Ende der Zeiten wird
seinem Orden eine hochwichtige Aufgabe zugedacht. Im beson-
dem werden noch genannt Br. Heinrich, vielleicht der Jugend-
freund des berühmten Br. Jordans, ferner ein Br. Balduin und
Br. Albrecht, wahrscheinlich Albrecht oder Albert der Grosse.
Es handelt sich nun hier nicht um Mechthild von Spanheim,
die Zeitgenossin des heiligen Bernard und der heiligen Hilde-
gard von Bingen, nicht von Mechthild von^Diessen und Edel-
stetten, die schon 1160 starb, noch von Mechthild von Helfeda,
die dem Benediktinerorden angehört, sondern von einer ganz
andern Persönlichkeit.
„üeber die Heimath und das Predigerkloster*), wo unsere
') Greith a. a. 0. S. 207. Unten S. 243.
X Vorrede und Einleitung.
Schwester Mechthild über vierzig Jahre gelebt, scheinen einige
Stellen nach Thüringen oder Sachsen hinzuweisen. Wir lesen:
„Von der not eines vrluges. Mir wart bevolhen mit ehne heii-
gen ernste, de ich bete vAr die not, die nn ist in Sahsen-
landen nnd in DAringenlanden'^, in welchem Kriege, nach
der Schilderung Mechthildens, furchtbare Gräuelthaten, an Gottes-
häusern und durch Strassenraub verübt wurden. In einer andern
Betrachtung') spricht sie von den Boten, die Gott zur Rettung
der gesunkenen Christenheit gesandt habe und nennt unter diesen
Sanct Elisabeth und die heiligen Dominikus, Franziskus, Petrus
Mariyr, den ersten Märtyrer aus den Predigerorden, endlich die
Schwester Jutte von Sangershausen, über die ihr offenbart
wurde: die han ich den heidene geftnt ze hotten mit irme heiigen
gebete und mit irme guten bilde. „Wahrscheinlich geschah die-
ses gegen das Jahr 1260, als der deutsche Orden unter dem
Hochmeister Anno von Sangerhausen einen neuen Kreuzzug ge-
gen die Preussen unternahm."
Diese Jutte von Sangerhausen und die Erwähnung der ver-
weltlichten Domherrn* von Magdeburg, gegen welche sich
Mechthild mit scharfer Rüge ausspricht, veranlasst Mone^),
diese Schwester in das Kloster S. Agnes bei Magdeburg zu ver-
setzen. Er schreibt in einer Anmerkung: „Das Kloster S. Agnes
liegt an der Ostseite der Neustadt Magdeburg und hatte ur-
sprünglich die Regel des Cistercicnser- Ordens. H. Beyer hat
im 17. Bd. S. 59, 156, 260 und 330 des aUgemeinen Archivs
flir die Geschichtskunde des Preussischen Staates von L. v. Le-
debur eine Geschichte des Nonnenklosters S. Agnes veröffent-
licht, in welcher gerade der wichtigste Punkt fehlt, nämlich, dass
S. 166.
') Qnellensammlung z. Bad. Geschichte. Bd. 4. S. 31.
Vorrede und Einleitung. XI
die Dichterin Mechthilde, deren Werke Greith herausgab, dort
Äbtissin 1273 war. Die in den Gedichten der Mechthild* ge-
nannte Vorsteherin Jutte von Sangershausen ist die Äbtissin Jutte
von S. Agnes von 127j0." Mone behauptet dann, Mechthild sei
keine Dominikanerin gewesen, sie war aber doch wahrscheinlich
wie gesagt, eine solche, das zeigt das ganze Werk. Gar viele
Klöster Cistercienser-Ordens nahmen die Regel Dominiks an. —
Nur ergibt sich dann wieder eine grosse Schwierigkeit aus dem
urkundlichen Nachweis, dass in der Zeit von 1250 imd den fol-
genden Jahrzehenden S. Agnes wirklich von Cistercienserinnen
bewohnt war. Durch gütige Vermittlung meines hochverehrten
Freundes, des Grafen R. von Stillfried, Graf von Alcantara, zog
ich von den bewährtesten Forschem und Kennern der Geschichte
Preussens, Erkundigungen hierüber ein. Was darüber, nebst dem
Grafen Stillfried selbst, die Herren Riedel, Ledebur und Mtilver-
städt, Archivrath in Magdeburg mittheilten, geht dahin, dass die
Nonnen von S. Agnes in Neustadt bei Magdeburg noch im Jahre
1260, laut einer Urkunde dieses Hauses „Cistercienser-Nonnen"
genannt werden. Später nahm das Kloster, wie es scheint, den
Benediktiner-Orden an, schon 1270 heisst es, de regula S. Be-
nedicti und 1311 noch bestimmter, ordinis S. Benedicti. — (Beyer
a. a. 0. S. 276). „Die in Rede stehende Mcchtildis, bemerkt
Herr Ledebur, wird allerdings am Schlüsse der Abhandlung
S. 370 in der Reihe der Äbtissinnen und zwar mit den Jahres-
zahlen 1271 und 1281 aufgeführt, das Jahr 1271 ist daselbst
urkundlich belegt; von dem interessanten Umstände aber, dass
Mechtildis deutsche Lieder gedichtet, hat Beyer keine Kunde
gehabt. Herr von Mttlverstädt verweist einfach auf die „Mag-
deburgischen Geschichtsblätter" (herausg. v. dortigen Geschichts-
verein) Jahrg. n (1867) p. 339 ff. und auf das obengenannte
„Allgemeine Archiv" von Ledebur.
XU Yorrede und Einleittmg.
Wer nun die folgenden Blätter aufinerksam liest, wird sich
kanm vorstellen können, wie unsere Sohwester Mechthild später
Äbtissin eines Bemardiner- Klosters wurde. Dass übrigens da-
mals, und namentlich in Magdeburg geistliche Verbindung zwi-
schen beiden Orden unid den betreffenden Klöstern bestand, er-
gibt sich auch aus einem Wunder, das bei Mone (a. a. 0. S. 30)
erzählt wird, wie nämlich in Theutonia (Magdeburg) eine Ci-
stercienser Äbtissin nebst ihren Schwestern für einen verstorbe-
nen Predigerbruder Namens Albert viele Gebete verrichtete,
worauf ihnen dieser Bmder erschien. Wenn Mone hier, wohl
mit Becht, an die Äbtissin Jutte und jenen Albert, den Binder
unserer Mechthild denkt, so ist doch damit das Bäthsel noch nicht
gelöst. Die nun im Druck vorliegende Schrift wird tüchtigem
Kennern und Kritikern Anhaltspunkte zu neuen Forschungen
geben. Einstweilen mag deren Verfasserin zum Unterschied der
genannten und anderer Namensverwandten immerhin Mechthild
von Magdeburg genannt werden.
Vergessen wir indessen über der Dichterin und dem Aeussern
der Handschrift nicht die Hauptsache, den Inhalt des merk-
würdigen und seltenen Buches. In Bezug auf diesen verweise .
ich vor allem auf das was Greith in seinem oftgenannten Buche
darüber sagt. Es würde auch zu weit flihren, wollte ich mich
hier in dem, wenn auch wundervollen und oft anmuthigen Irr-
garten mittelalterlicher deutscUer Mystik ergehen.
Eines vor allem bitte ich zu bemerken, dass die Gattung
Mystik in diesem Buche bedeutend verschieden ist von den spe-
kulativen Schriften der etwas spätem Meister, besonders eines
Meisters Ekhart und der sogenannten Gottes freunde. Wohl
wird dieses Wort auch einigemal von Mechthild genannt, wo es
aber in einem allgemeinern Sinne zu nehmen ist, denn sie steht
durchweg weit mehr auf dem Boden der Klosterregel, und ihre
Vorrede und Einleitung. XDI
Visionen tragen fast ausschliesslich das Gepräge nicht von Ver-
nunft-Spekulation^ sondern von Gefbhls- und Phantasie-Ergttssen.
Der Unterschied von Aufifassung und Sprache zeigt sich schon
iiuffallend in einem kleinen ^ der Handschrift angehängten Frag-
ment der Schrift eines Gottes freundes (unten S. 283) das jeden-
falls nicht von Mechtild herrührt.
Um indessen doch vom Inhalt Einiges anzuftlhren; lasse ich
hier Greith reden:
,,Den Stoff für ihre Lieder^ Betrachtungen und moralischen
Lehren zog Mechthild aus dem Christenglauben und den selbst-
eigenen Erfahrungen ihrer mystischen Zustände. Sie feiert darin
die innigen Bezüge Gottes und der Seele, welche die Minne
vermittelt und nach unten das Wechselverhältniss zwischen Seele
und Leib (Sinnlichkeit, Leichnam), welches durch die Begier-
lichkeit der Sünde zu einem gegenseitig feindseligen sich aus-
gebildet. Ihre didaktischen Sinnsprüche verbreiten sich über die
Tugenden und Laster, die Vollkommenheiten und Mängel der
Seele auf ihrem Pilgerzuge nach oben, und mit besonderer Vor-
liebe wählt sie zuweilen die Form des Zweigespräches, das sie
zwischen Gott und der Seele, der Minne und der Seele, der
Minne und der Erkenntniss und zwischen der Erkenntniss und
dem Gewissen mit Gewandtheit zu führen weiss... Allein die
„Offenbarungen^^, die sie in den Stunden ihrer Beschaulichkeit
empfangen, verbreiten sich auch noch über die jenseitigen Re-
gionen der Hölle, des Fegfeuers und des Himmels mit eigen-
thümlicher Zeichnung. Sie beklagt wiederholt und nicht ohne
eine gewisse Schärfe in der Weise der seligen Hildegardis
den gesunkenen Zustand der Christenheit in Kirche und Reich,
bei der Geistlichkeit und bei der Laienschaft, was, verbunden
mit einigen gewagten Lehren, ihr auch die Misskennung von Seite
ihrer Mitschwestem mag zugezogen haben, über die m mm
XIV Vorrede und Eiuleitung.
öftem Klage fllhrt. Die Erleuchtung, die ihr zu Theil geworden,
will sie keiner Schule menschlicher Weisheit verdanken, „mit
der man, wie sie irgendwo so schSn sagt, viel gewinnen und
auch viel verlieren könne;" sie bezeugt gegentheils, selbe von
oben herab erhalten zu haben."
Die Ansichten und Ausdrucke in diesem Buche sind aller-
dings oft gewagt, und wer den streng dogmatischen Massstab
anlegen wollte, könnte leicht Häretisches herausfinden. So sagt
Mechtild von Maria: „Ir sun ist got und si göttine" und an
einer andern Stelle heisst die Seele „aller creaturen gottine."
Buch 2, Gap. 19 heisst es: So siht sie (die sele) werlich vnd
bekenet, wie got ist allA ding in allen dingen. Nebst den Er-
läuterungen, die Greith (a. a. 0.) ttber den Sinn solcher Aus-
sprüche giebt, erwähne ich eine Stelle eines Mystikers aus der-
selben Handschrift, welche Mechthild's Visionen enthält. Es heisst
f. 169: Die heiligen sprechen: alle ding sint got, indeme alse
si ewiklich in gotte gewesen sint. Nit also, de wir in gotte
wSren in der gropheit als wir nu sint; wir waren in gotte ewik-
lich als die kunst in dem mei'ster. Gott sach sich selben an
und sach alle ding.
Aufiallend ist in dogmatischer Hinsicht die Vision, worin die
entzückte Schwester sah, wie der heilige Johann Baptist „der
armen Dirne Messe las", obschon er ein Laie war. *) Es macht
den Eindruck, als ob damit die Lehre von einem allgemeinen
Priesterthume angedeutet werden wolle. Sie sagt aber zu ihrer
Rechtfertigung später*): „De Johaües Baptista der armen dime
messe sang, de wc nit fleischlich, es wc also geistlieh, de die
sele alleine beschöwete und gebruchte; aber der licham hatte
nit davon, deüe er von der sele edelkeit in sinen menschlichen
») S. 30.
') S. 210.
Vorrede und Emleitung. XV
sinen mobte begriffen^ darum mflssen die wort menscblichen
luten."
Diese ricbtigen scbönen Worte mögen auch zur rechten Auf-
fassung sehr vieler anderer gewagter^ ungewohnter Bilder und
Worte einen Fingerzeig geben. Ich denke besonders hiebei an
die^ nach jetzigen Ansichten oft allzufreien Schilderungen geist-
licher Minne, wobei man unwillkttrlich an die unbefangene Naive-
tät frommer mittelalterlicher Künstler, germanischen sowohl als
romanischen Stammes, in Darstellung des Sinnlich > Natürlichen,
namentlich des Geschlechtlichen erinnert wird. Die heilige Schrift,
zumal das Hohelied Salomons in seiner symbolischen Anwendung
auf geistliche Minne, gab solchenDarstellungen eine höhere Weihe.
Gleich zu Anfang von Mechtildens Visionen sind sechszehn Arten
von Minne kurz beschrieben, die auffallendste derselben wohl:
Die tütesche mine von Gots Ure,
Die böget sich noch zu einem kinde vi! gerne.
Was ist diese deutsche Minne? Ist etwa mit dem zweiten
Verse deren heilige Einfalt bezeichnet? Greith (S. 212) sagt:
Die Wissenschaft und insbesondere die Poesie der christlichen
Mystik hat zu aller Zeit in dem hohen Liede ein analoges
Ideal für das gefunden was sie über den übersinnlichen Verkehr,
der zwischen Gott und der Seele in der Minne waltet, auszu-
sprechen versuchte... Wie die Reinen in der Anschauung des
ewigen Geheunnisses, das in jenem Liede der Lieder seinen rein
menschlichen Ausdruck gefunden, an den üppigen Bildern des-
selben keinen Anstoss nehmen, weil, wie der Apostel lehrt, den
Reinto alles rein, den Unreinen aber alles unrein erscheint, so
erregte es auch in der tiefsinnigen Zeit des Mittelalters selten
ernsteres Bedenken, wenn die Mystiker in ihren Darstellungen
eine Freiheit übten, wie solche in unserer Zeit schwer ver-
letzen müsste/'
XVI Vorrede und Einleitung.
Alles das rechtfertigt die ScUilderungen unserer Dichterin
um so mehr, weil eben dieselben mehr in's Gebiet der Poesie
als der Wissenschaft gehören. Poesie sind diese Ergüsse einer
entzückten Seele und entbehren desswegen aller jener Formen
der Wissenschaft, welche so oft nur zu sehr von dem Schönen
sich entfernen. Es finden sich daher auch keine Gitate, nicht
einmal solche aus der heiligen Schrift, denn da ist Alles nur
unmittelbare Schilderung innerer Seelenzustände. Wie diese
wechseln, so wechseln, steigen oder fallen auch der Styl und die
Sprache, die sich nicht selten in selbst auffallender Kraft und
Schönheit erhebt. Mechthild spricht mit Recht zuweilen von einer
Hof spräche: Ihren Gott giiisst sie „in der hovesprache, die
man in diser kuchin nit vernimet.^^ Diese Hofsprache ist keine
andere als die dichterische und sie hat ihre äussern wie Innern
Schönheiten.
Mehr Wohlklang liegt schon überhaupt in diesem alten
Hoch- oder Oberdeutschen und bei Mechthild wird es oft wahre
Musik, und die Fülle von Reimen, Assonanzen, Alliterationen
macht, eben weil sie ganz ungesucht, ganz Natur und kunstlos
erscheint, desto mehr Wirkung. „Din wunder hat mich verwun-
det'' sagt z. B. Mechthild, und das ist kein Wortspiel, es kam
ganz ungesucht im Zustand der Begeisterung, des Enthusiasmus,
des Aussersichseins.
Mechthild selbst schildert gleich im zweiten Kapitel des Wer-
kes, wie die Seele den Körper verlässt und zu Gott, ihrem Wirth,
ihrem Bräutigam kommt und was sie da sieht und hört; kehii; sie
dann in den Leib zurück, so fragt dieser: ^,Wa bist du nu ge-
wesen? Du kumest so mineklich wider, schöne und creftig, frie
und sinenrich? . . So sprichet si: Swig, morder, la din clagen
sin''. Und wenn sie beiftlgt: „Das ist ein grüs, der hat manige
ädern, der dringet usser dem vliessenden gotte in die armen.
Vorrede und Einleitung. XVII
dürren seien ze allen ziten mit nuwer bekantnüsse und an
nüwer beschowunge und in sunderliche gebruchunge (genuss)
und nüwer gegenwürtekeit", so sind damit vier der wichtig-
sten Eigenschaften jeglicher ächten Begeisterung gezeichnet, das
Erkennen der Vernunft, das Schauen der Phantasie, das Ge-
niessen des Oeftihles und das Unmittelbare eines höheren
Zustandes, das Conzentriren von Vergangenem und Künftigen
in der Gegenwart, von Himmel und Erde, Hölle, Fegfeuer und
Paradies im Auge der Seele. Diese vier Eigenschaften finden
sich an Mechtildens Poesie. Der Denker wird in dieser Schrift,
die dem nüchternen Verstand als Phantasterei erscheinen möchte
Goldkömer tiefer Spekulation finden. Aus dem geistigen Schauen
erkläii; sieh die Wahrheit und Lebendigkeit der Schilderungen
so wie der einzelnen Bilder und der wirklich epische Gehalt
vieler Visionen, vor allen derjenigen, die das Geheimniss der
Menschwerdung des Sohnes Gottes schaut; (B. 5, Kap. 23) in
welcher Lucifer und sein Diener Satanas als das feindliche
Princip so trefflich geschildert ist, und die ausflihrliche Be
Schreibung der typischen Bilder des Hungertuches sogar an
den Schild des Achilles oder des Aeneas bei Homer und Virgil
erinnert.
Derlei Schilderungen gehen oft in sinnreiche Allegorien über,
von denen einige, vielfältig im Mittelalter in ähnlicher Weise
behandelt wurden. So z. B. das Leiden Ohristi mit Anwendung
auf das geistige Leben, Leiden und Sterben der Seele (B. 7,
K. 53) oder „das geistliche Kloster", unter welchem Titel nur
in München allein vier alte deutsche Handschriften sich finden. ')
') Nach dem Catalog der deutschen Handschriften die Nummern 509,
519, 831 , 835.
H. MochthUd. b
XVin Vorrede und Einleitung.
Eine solche , welche diese Allegorie dem heiligen Benihard zu-
schreibty besitzt auch Einsiedehi.
Ausftlhrlich und vortrefflich geschildert ist der goldene
Pfennig der Messe, die Krone der Gemeinschaft der Heihgen^
analog der goldenen Schmiede des Konrad von WUrzburg, die
Wohnung der Seele, die Hölle, das Fegfeuer und besonders
lieblich das Paradies, wo jetzt noch Henoch und Elias wohnen.
Femer das geistliche Hofleben, des Ritters Streit, das
Ruhelager der Gnade, die Kirche, der Adler der Betracht-
ung u. s. w.
Dabei gebricht der Dichterin oft das Wort. Vom Himmel
weiss sie nicht mehr zu sagen
Als ein bini honiges
Vs einem vollen stok an sinem fAss mag getragen.
Dagegen fliessen die Worte bei Schilderung von grässlichen
und schrecklichen Dingen, wie z. B. der Höllenpeinen, oder des
Kampfes der Dämonen um eine scheidende Seele, nur zu reich-
lich, und es ist als ob solche Bilder mit gewisser Vorliebe aus-
geführt seien. Auch das ist analog und im Geist der mittelalter-
lichen Kunst, vorzüglich der bildenden, die selbst einen Orcagna
und Giovanni da Fiesole zu solchen Ungeheuerlichkeiten verlei-
tete. (Vgl. z. B. S. 83.) Die plastische Darstellung der ver-
schiedenen Abtheilungen jenseitiger Räume, vor allem des Para-
dieses (B. 7, K. 57) und der Hölle (B. 3 K. 21), und der ver-
schiedenen Strafen je nach Verschiedenheit der Sünde, erinnern
an Dante, von welchem übrigens natürlich Mechtild keine Kennt-
niss haben konnte.
Solche entsetzliche Schilderungen finden sich auch in der
Vision der letzten Zeit, der Zeit des Antichrists, in welcher dem
Predigerorden eine grosse, schwere Aufgabe zugedacht ist.
Vorrede und EinieLtung. XIX
Neben diesen an's Bohe streifenden Ansmalangen finden sich
wieder die zartesten^ reizendsten Bilder^ wie etwa in der Be-
' Schreibung des Grabes des heiligen Apostels Johannes (B. 4,
K. 23)^ bei welchem je zu sieben Stunden die Engel singen:
„Zwischent sinem lidiamen und der sch5pinisse des himelriches
ist mt me dene ein döne want als eines eies hüt^ und ist doch
als ewig vestC; das dar kein lichame me dnr mag untz an den
Jungesten tag/^ In reicher Fülle sprudelt der Quell der kleinsten
poetischen Figuren^ durch das ganze Werk, besonders im ersten
Buche. Viele dieser Bilder kommen auch in der heiligen Schrift
oder bei altern Dichtem vor. So nennt schon Ottfried die hei-
lige Jungfrau: Taube ohne Galle; die meisten aber sind neu und
um so lebendiger.
Poesie spricht auch aus einzelnen kurzen Sprüchen wie
z. B.: „Wer von mine stirbet, den sol man in Gott begraben.'^
Oder, wo vom Leben in Gott die Rede ist: „der visch mag im
Wasser nit ertrinken etc." (S. 21). Gnade kommt von oben: „Das
der adeler also hohe vliiget, de darf er nit der f welen danken."
Die Seele soll sich vor der Sünde hüten: „reht als ein müs, die
in der valleu sitzet und wartet ires todes". Einmal wird die
Dichterin entzückt in Gott, „de si sich rehte vfhüp ane arbeit ir
selbes und bewant (mänd) sich rehte in die heiige drivaltekeit,
als ein kint sich bewindet in den mantel siner müter und leit
sich rehte an ir brüst."
Bei solcher Poesie klingt etwas prosaisch das viel&che Zer-
stückeln der Gedanken nach Zahlen, wie das ebenfalls in der
Prosa des Mittelalters Manier war, und wie wir es fast durchweg
bei Mystikern und Predigern z. B. bei Bruder Berchthold finden.
Hievon finden sich in dieser Schrift Beispiele zur Genüge schon
in den Kapitelaufschriften.
"XX Vorrede und Eiuleitung.
Angenehm sind die Anklänge au Cultnrzuständc und
Sitten ded Mittelalters. Das ,,Kaiserreicb'^ wird hochgehalten
;,es sol öch an der cronen (der Herrlichkeit Gottes) stan gebil-
det,"gewiret und geblfimet untz an den jungesten geburen (Baver)
jemer danach wirdig de si gotte gedienet haut. Der Hof, das
Hofleben, das Höfische wird oft als Bild benutzt, wie schon
aus der oben genannten Hofsprache erhellt, „die man nit in
der kuche hört. Es begint ein spil das der lichame nüt weis,
noch die dörper (Arbeiter) bi dem pflüge noch die ritter in dem
tumei." Die Seele wird zu ihrer Hofreise gekleidet „mit den
kleidem so man ze palaste tragen sol.^^ Von dieser Hofreise
spricht das Kap. 4 des ersten Buches und B. 4, Kap. 17: Von
einer Frau die zu Hofe gern war. Merkwürdig ist in dieser
Hinsicht auch das Kapitel (B. 3, 18) „von des ritters stiite mit
vollen waflFenen wider die begerunge." Wollte, heisst es da z. B.
ein im Streit ungeübter Mann
in fürsten turneien komen,
dem wäre schiere sin lip benomen.
Darambe müs ich (sagt Gott) der liite schonen,
die so lihte ze valle körnen:
Die lan ich striten mit den kindcn,
vf de si ein blümeoschappel ze lone gewinen.
Auch der Kreuzzüge wird an einigen Stellen Erwähnung
gethan. Die Unsitte des Strassenraubes ergibt sich aus der
oben angeführten Schilderung des Krieges in Sachsen und Thü-
ringen, da es heisst: „Die die Strasse röbent ze fflsse, were kein
urlfig, so weren sie diebe und valsche lüte."
Doch genug und vielleicht schon zu viel hievon. Ich über-
gebe nun die Schrift der Beurtheilung des Publikums, und hoflfe,
mit derselben einen schönen Beitrag zur Kenntniss älterer deut-
scher Litteratur geleistet zu haben. Wenn Mone (a. a. 0.) be-
merkt, Herr Greith habe die Werke der Mechtilde herausgege-
Vorrede und Bioleitung. XXI
ben, so wird schon ein Blick in Greith's, übrigens höchst werth-
volles Buch über deutsche Mystik zeigen, dass nur ein geringer
Tbeil des vorliegenden Werkes daselbst mitgetheilt ist. Dieser
ist zudem, wie es des Buches Zweck und Leserkreis verlangte,
in die neue Sprachweise übersetzt und endlich ist als Poesie
grösstentheils nur das lyrische Minnelied und einiges (fidaktische
und allegorische mitgetheilt, während gerade das poetisch Schönste
und Erhabenste, wie z. B. das schon genannte Kapitel von der
Menschwerdung Christi tibergangen ist. Ueberhaupt möchte ich
den epischen Gehalt des Werkes, als Dichtung betrachtet, als
höher und auf für die Litteraturgeschichte bedeutender ansehen,
als den lyrischen, den Minnesang und ich hoffe darum, unsere
Litterarhistoriker, werden das Buch, so wenig Geschmack viele
derselben in anderer Beziehung an ihm finden mögen, nicht
ganz tibersehen.
Bei preussischen Gelehrten, die so Vieles für deutsche Sprache
und deren Geschichte gethan, wird dieses Uebersehen um so
weniger zu beftlrchten sein, da die Dichterin ihre Landsmännin
ist. Nach einer Mittheilung des Herrn v. Ledebur hat um die
gleiche Zeit eine andere Mathilde, nämlich eine Gräfin Mathilde
von Sayn durch ihre in deutscher Sprache abgefassten Urkunden
um die deutsche Sprache sich Verdienste erworben. ') So bieten
sich frühe schon im Norden auf zwei der verschiedensten gei-
stigen Gebieten zwei ebenfalls sehr verschiedene Frauen die
Hand zur Ausbildung unserer deutschen Sprache, beide wahr-
scheinlich ohne ein solches Verdienst auch nur zu ahnen. Dem
Pi-edigerbruder, der diese Visionen niederschrieb, fällt ebenfalls
ein Theil jenes Verdienstes zu, und ich wünsche, es möchte
') Höfer, Auswahl der ältesten Urkunden deutscher Sprache. Vor-
red, vn.
XXn Vorrede und Einleitnng.
auch der Benediktinerbruder, der so spät diese Schrift der Lese-
welt mittheilt, nicht ganz leer ausgehen.
Vorläufig wird diese Ausgabe in der Ursprache einen klei-
nem Kreis von Lesern finden, es ist aber bereits dafür gesorgt,
dass das Buch in Uebersetzung auch einem grossem Lesekreis
zugänglich werde.
Inhalts-Verzeichniss.
Ton Offenbarangen einer liebhabenden Seel ....
Dls ist das erste teil dis bäches.
Dls buch sol man gerne enpfan, wan got sprichet selber die wort
Dis buch heisset ein vliessendes lieht der gotheit .
I. Wie die mine und die künegine zesamene sprachen
II. Von drien personen nnd von drien gaben
IIL Von den megden der sele und von der mine schlage
IV. Von der hovereise der sele an der sich got wiset
V. Von dem qwale nnd von dem lone der hello
VI. Von den nun koren wie si singent
VII. Von gottes vlüch in ahte dingen
VIII. Der minste lobet got an zehen dingen
IX. Mit drin dingen wonestu in der h6hin
X. Der got minet der angesiget drin dingen
XL Vier sint an dem strite gottes
XII. Die sele lobet got an fünf dingen .
XIII. Wie got knmet in die sele
XIV. Wie die sele got enpfahet und lobet
XV. Wie got die sele enpfahet
XVI. Got gelichet die sele vier dingen
XVII. Die sele lobet got an fünf dingen .
XVIII. Got gelichet die seien fünf dingen
XIX. Got liebkoset mit der sele an sehs dingen
XX. Die sele widerlobet got an sehs dingen
XXI. Von der bekantnisse und von der gebrüchunge
XXII. Von Santo Marien botschaft und wie ein tugent der an-
dern volgot, und wie die sele ein jubilus der drivaltekeit
wart gemachot und wie sante Maria alle heiigen gosöget
unde noch s6get
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II
VXIV Inhalts - Verzeichiiiss.
Seite
XXIII. Du 6oIt beten, de dich gut mine sere dikke uude lange
so wirdest du reine, schone und lange . . . . 13
XXIV. Wie got antwui-tet der sele 13
XXV. Von dem wege pine ze lidene gerne dur got . . 13
XXVI. In disen weg zühet die sele ir sine und ist vr! ane her-
zeleit^ 14
XXVU. Wie du siest wirdig dis weges und tn behaltest und voUe-
komen siest 14
XXVIII. Die mine sol sin mortlich äne masse ane vnderlass, de
ist toren torheit 15
XXIX. Von der 8cb6ni des fordtegömes und wie im die brütini
volgen «ol . 15
XXX. Von den siben zitcn JG
XXXL Du solt nit ahten smahheit IG
XXXII. Du Bolt nit ahten 6ren, pine, betrübdi an der sünden . 16
XXXIII. Von der pfründe trost und mine IG
XXXIV. Du solt sin in der pine ein lamp, ein turteltübe, ein brüt IG
XXXV. Die w&stin hat zwölf ding 17
XXXVI. Von der bosheit g&tin und wundere . . . . 17
XXXVII. Die sele antwurtet got, de si wirdig si der gnaden . 17
XXXVIII. Got rfimct sich de die sele überwunden hat vier sünde 17
XXXIX. Got vraget die sele was st bringe • . . . Ib
XL. Des antwurt st im de besser ist dene vier ding . • 18
XLI. Grot vraget mit einem lobe, wie 'das cleinöter heisse . IH
XLII. Das cleinöter heisset des herzen lust . . . . Is
XLIII. Dinen lust leg in die drivaltekeit lö
XLIV. Von der mine weg an siben dingen, von drin kleiden
der brüte und vom tanze 18
XLV. Von ahte tagen in denen vollebraht der propheten gerunge' 2J
XLVl. Von der manigvaltigen zierde der brüte, und wi si kunt
zu dem brütegöme und wielich ir gesinde ist, de i«t
nünvalt . - • . '23
Dis Ist das ander teil dis b&ches«
I. Die mine machet hohe in der sele nit vmbe menschlich
sine, de kuqt von eigem willen ..... 2G
II. Von zwein Ueder^n der mine des der in der mine wart
geisehcQ . ., 2G
IXI. Von der Zungen der gotheit, von dem liebte der warheit,
. von den vier stralen gotz in die nun köre und der drival-
tekeit und von S. Marien 27
IV. Von der armen dimen, von der messe joh. baptiste, von '
der wandelange der onelaten in de lamp, von engel schöni,
von vierhande lüte geheliget.und vonguldinenpfeningen 30
V. Ein sang der Selen zu gotte an fünf dingen und wie got
ein kielt ist der seien und die sele gottes . .• . 31
Inhalts -YerzeichniM» XXY
Seite
VI. Ein widersang gottes in der sclo an fünf dingen . . 31
VI}. In der pine lobe so erschinet er dir. Von zwein guldin köpfen
der pine und des trostes .34
VUL Von dem vegefür alzemale; davon I5sete ein mensche tusent
seien mit den minetrehenen 35
IX. Got lobet sin brat an fünf dingen 36
X. Die brat widerlobet got an fünf dingen .... 36
XI. Von sibenhande liebin Gottes ...... 36
XII. Von sibenhande vollekomenheiten 36
XIIL Zwischen Got and der Sele sol die mine sin ... 36
XIV. Wavon kunt luterkeit, swacheit, krankheit, wisunge, swinde-
keit, n5te, eilende, selten getr58tet 37
XV. Wie der von minen ist wunt wirt gesunt .... 37
XVI. Von siben gaben eis brüders 37
XVII. Wie got vriet die sele und machet wise in siner liebln 37
XVIII. Wie die sele ber&ret gottes vriheit in aht dingen . . 37
XIX. Wie die bekantnisse und die sele sprechent zesamne, nnd
si spricht de si drivaltig si von drien himelen. Die bekant-
nisse spricht allererst 38
XX. Wie swester Hiltegunt ist gezieret in dem himelriche mit
dem mantelen, mit VII Cronen, wie si lobet die nun köre 41
XXI. Wiltu den berg ansehen, so solt du haben siben ding . 42
XXII. Wie die schowunge vraget die minenden seien von seraphin
and von dem nidersten menschen 42
XXIII. Wie die mine vraget und leret die stumpfen seien und brechte
si gerne zu irme liebe und spricht allererst und du stumpfe
sele antwurt 43
XXIV. Wie sich die minende sele gesellet gotte und sinen user-
weiten lieben, und sol gelich sin allen hcligen. Wie der
tüfel und die sele sprechen zesamene .... 46
XXV. Von dßr klage der minenden sele, wie ir got schonefund
enziehet sine gäbe, von wishoit, wie du sele vraget got wer
er si und wie er si. Von dem böngarten, von den blümen
und von dem sänge der megde 49
XXVL Von diseme buche und von deme schriber dis büches . 52
DIs Ist das dritte bftch.
I. Von dem himelriche und von den nun koren und wer den brüchen
solle erfüllen. Von dem trone der apostelen und 8ante Ma-
rien und da Cristus ine sint. Von dem 16ne der predieren,
martereren und megden und von den vngetöften kinden . 55
IL Wie die sele lobet got an siben dingen und got si von der
salbe beite 62
III. Ein clage das die sele maget ist, und von der mifie gotz 63
IV. Wie vnser:Vrowe S. Maria sünden mohte und wie nit, das
leret der heiig geist ...,,,,. 65
XXVI Inhalts -Yerzeichniss.
Seit»
y. Wie die sele klaget de si keine mesBe noch die zit h5ret
und vfie got 8i lobet an zehen dingen .... 66
VI. Wiltu rehte volgen gotte, so 8oltu hän siben ding . 67
VII. Von siben offenbaren vienden vnser selekeit, die machen
siben schaden 67
VIII. Von siben dingen die alle priester soUent haben . . 68
IX. Von dem angenge aller ding^, die got hat geschaffen 68
X. Von dem passio der minenden sele die si von gotte hat, wie
si vfstät und in den himel vert. XXX partes habet . 71
XI. Zwischent got und der mi&enden sele sint alle ding sch5ne 73
XII. Du solt loben danken und geren nnd bitten. Von dem
lühtere und dem lichte . 74
XIII. Von schszehenhande mine 74
XIV. Von zwein vaTschen tagenden, swer da ine wonet der lebet
der lugenen 75
XV. Mit aht tngenden soltu gän zu gotfes tische. Mit den I5se-
pfanden 15set ein mensche sibenzig tnsend seien von dem
grüwelichen vegefiire, de manigvaltig ist ... 76
XVI. Nach der gäbe volget geissele nnd nach der smacheit Sre 78
XVII. Von eis geistlichen menschen vegefiir, von einer fünf hande
helfe vs der pine und von edelkeit predier-ordeia . . . 79
XVIII. Von des ritters strite mit vollen waffenen wider die be-
gernnge 80
XIX. Von zweierleie armen lüten, (die) minenklieh unde pin-
liche arme sint . 80
XX. Von fünf propheten die dis buch erlühtent ... 81
XXI. Von der helle, wie si drü teil hat. Wie lucifer und schs-
zehenhande lüte sint gepinet. tn wirt kein helfe. Von
lucifers cleide 82
XXII. Ich han (gehört) von gotz barmherzekeit, von siner bekor-
unge und gerehtekeit . 87
XXUL Die kraft der gerunge benimet die "W^ort. Jungfröwen mag
got nit enbem. Gotz angesiht umbevahen und sin lust
überwinden tusent tode 88
XXIV. Zweierleie lüten wirt gebotfen zweierleie geist. Von got
nnd von dem tüvel. Vpn sibeAhande mine ... 88
DIs Ist das vierde buch.
I. Fünf ding s6nt die Intern megde hän .... 90
II. Dis buch ist von gotte komen. Die sele lobet sieh an
mangen dingen. Ir sint zwen engel geben und zwen böse
tüfel und zwölf tugenden stritent wider das vleisch . 90
III. Die sündere enpfallent gotte von drien gaben der wisheit.
Von dem steine. Von der jungfr5wen lob, do ist die
cristanheit . . . . . . . . . . 95
Inhalts-Yerzeichniss. XXVH
Seite
IV. Von zwein vngellchen wegen, der ein gät nider zu der
helle, der ander Btigt vf in den himel .... 98
V. Vnser sünde zukünftig val, irdenlAch wesen, de himelrich,
gottes gäbe, söllent stän offen vor vnseren ögen . . 100
VI. Grotz vswelunge mag nleman Bt5ren. Rehtü rüwe hat ab-
las (von) gottes gnade und ist ane vegeför . . . 101
VII. Wie ein vriü sele sprichet zA gotte in ganzer liebin . 102
VIII. Von gotz licham, der siechen, der verlassent und der craft 102
IX. Von vierhande opfer der priesteren 102
X. Von der leien opfer nach Iren statten .... 102
XI. Wie eristan gegen den Juden sich 85Uent halten an vier
dingen 103
Xn. Wie die brüt, die vereinet ist mit gotte, verwirfet aller erea-
turen trost, sunder aileine gotz, und wie si sinket von der
pine . 103
XIII. Die Schrift dis büches ist gesehen, geh&ret onde bevunden
an allen lidem .107
XiV. Von der heiigen drivaltekeit, von der geburt und von dem
namen Jesu Gristi und von des menschen edelkeit . 107
XV. Die rdite luter mine hat vier ding. Gibest du dich gotte,
so git sich got öoh dir 109
XVI. Die grosse mine hat mg dene zehen stuke und zwieger-
hande clage . 109
XVII. Von einer vröwe, die ze hove gerne was, von irme tüfel
der ir siben bosheit riet 110
XVIII. Der geistlich Mensche ist glich eim tier an drissig dingen
siner nature 111
XIX. Das ambaht der gebenedigten mine ist manigvalt 114
XX. Von sehs tugenden S. Dominicus . . 115
XXI. Dur sehszehen ding hat got predierorden liep . 116
XXII. Von vierhande crone brüder Heinrichs und von der wirde-
keit S. Dominicus 116
XXIII. Von Santo Johanes ewangeliste begrebde . . 118
XXrV. Wie got in himelriche die Selen enpfahet und wie er drier-
leie lüte cr5net, und wie er si grüsset, zieret, lobet und
inen danket . 119
XXV» Wie vnser gegenwirtekeit s! nu in dem himelrich, in dem
vegefür und in der helle 120
XXVI. Von dem gotztrost eis besw^reten brüders Baldewinus . 120
XXVII. Von dem ende predierorden, von dem endecrist, Helya und
Enoch 121
XXVni. Von fünferleie craft der mine. Dur krenket und der lüte
Talscheit müs man swigen der warheit . . 127
XX VIII Inhalts - Verzeicbniss.
Seite
Dis Ist der fanfle teil des bftches.
I. Von di*ieiieie rüwe und zehenhandc nütze und von dem wege der
engelen und der tüfelen 128
II. Von zweierleie pine und ¥on vierleie nutz und von der ma-
nigvaltigen schar der Bänden 130
IIL Got wil wegen alle vnschuldige pine und öch drierleie lüte
blüt 131
IV. Der wunderlichen mine ist manigvaltige craflk. Wie die
smeket. Von vierhande diemüt. Von sibenleie 8cb6ni der
minenden sele . . ^ . . . . . . 131
V. Von einer begine vegefiir, die dur eigen willen ^ein geb^t half 1 34
VI. Wie die sele lobet die heiige drivaltekeit . . . 135
VII. Wie got widerlobet die sele . . . . . . 135
VIII. Drü kint sol der mensche haben, für die er bitten sol . 135
IX. Von der 6re sibenzig mane, die mit Gristo stünden ze gezüge -137
X. Wie die sünde si gelich gottes grossi . > . . 138
XI. Oeistlich namen sol geh6het werden. Von der swestem
gelas. Wie si betten und erbitten s6nt mit gotte . . 138
XII. Wie got antwurtet einem brüdere von der scrift dis büches 140
XIII. Von zehenhande nützen eines guten menschen gebet . 140
XIV. Von b5ser priester vegefür 141
XV. Von eines guten priesters vegefür . . . . . 141
XVI. Es ist tüfelich, de man sündet 141
XVII. Dis ist ein grüs und ein lob und ein gebet der Sünderin 142
XVIII. Wie got hiezü antwurtet 143
XIX. Wie sibenzehenhande sünde jagent den menschen . . 143
XX. Ein lob gottes von aht dingen. Von der Sünden oppfer 144
XXI. Warumbe der Mensch ist verworfen und doch geminet, und
wie du dich segnen solt . . . . . . . 144
XXII Von siben dingen des gerihtes. Von schemede und gutem
willen . . . . 145
XXIII. Von sante marien gebet. Von Gabrieles lieht. Von des
kindcs tüch. Wavon die milch kam und des kindes oppfer.
Von den tüfelen und von dem hungertüeh . . . 147
XXIV. Von sehsleie kleide vnsers herren gotz und von den ta-
genden Sant Dominicus und wie got sinen orden geeret
hat an vier dingen 151
XXV. Eines dinges genüsset man in dem bimelriche, de ist in
siben dingen , danach volgent siben ding. Das lob des
betrübten menschen ist nuz in siben dingen . . . 157
XXVI. Wie got sich lobet und singet 158
XXVII. Mit zw5lf Worten enpfieng der himelsch vatter sinen sun
Jesum 159
XXVIII. Von siben cronen brüder Albrehtes. Ein anderes ist
satzunge gottes, ein anders ist erwelunge . . . 159
InhalU-Yeneichniss. XXIX
XXIX. Nach gotz znge were der menach als ein enge!, eb er dem
Yolgete. Und von der boaheit des tüfels • 160
XXX. Von zwenzig kreflten gottes mme und von manigvaltigen
Damen 161
XXX [. Von zehen creften der mine nnd de keine creahire mag vol-
gedenken der sele genüge ze gotte . . . 163
XXXIL Von dem hohen ende swester Mehthilt . . • . 164
XXXIII. Wie die deine sünde schadet der vollekomenheit and wie
sich der tüfel davon nahet der sele 165
XXXIV. Von fünfleie nüwe helig^ dar böse lüte gesant, and wie
got wil weschen die cristanheit in sin selbes bliite hienach 166
XXXV. Wie swester Mehthild danket nnd lobet got and bittet für
drierleie lAte and f&r sich selber 168
Ms ist der sehsle teil iM Mehes«
L Wie ein prior oder priorme oder ander prelaten sich soUent
halten gegen iren vndertanen 171
n. Von der regele eis kaooniken, wie er sich halten sol. Die
ist von got komen 177
in. Got gibet herschaft. Wie die b6ke lamber werdent . . 178
IV. Von der bescheidenheit and vorhte, die die sine bewarent
von irdenischen dingen 179
V. Nach der mine and genüge, die sch&ni der creataren git
bekantniase mit jamer 180
VX In der jangesten zit solta haben mine, gSronge, voriite,
rdwe drierleie 181
VII. Vnser dgen wüle mag widerstan den widerhaggen. Die
gute sele ist snell zu gotte 182
Vlll. Zwischent Got nnd Lacifer ist zweierhande vegeför. Wie
der tüfel piniget die seien 183
IX. Wer die heiigen ^t^ den ^rent si and tr5stent an dem fode 184
X. Grebdty messen, gotteswort, guter lüte leben, vasten ande
caninen l5Ben die seien von dem vegefür . . . 185
XI. Wie ein sch&ler tot ist and ein predier . . . . 186
Xn. Wie da dich halten solt an vierzehen dingen . . • 186
XnL Wie geistlich lüte von blintheit sich hutent vor der minekeit
Von sehsleie craft gottes gaben 187
XrV. Clager in der pine enbSrent sehs dingen. Wie man suche,
smacheit tragen sol 188
XV. Von Enoch and Elyas pine nnd von den jangesten predien-
den nnd von endemstes bosheit 189
XVI. Wie die sele vnsers herren wonet in der drivaltekeit and
von irme ambahte. Wie si sprichet für den sünder, and
von dem ambahte vnser fruwen 193
XVn. Got sihet den sünder an vür gut. Was gfit reht wille si.
Von der guten bnrdinen . . 195
XXX Inhalts -Yerz^chniss.
Seite
XVni. Da solt din herze ansehen ze aHen ziten . . 195
XIX. Von dem guten willen, den man nit ze der getät mag
bringen 19G
XX. Dis buch ist komen von drierhande gäbe. Die mine vliosz.
Sie ist rieh und gitig. Si wirt siech. Wer de himelrich
habe. Got git pine und 5ch trost . . . . 197
XXI. Wie böse pfafheit sol genidert werden. Wie predier
alleine predien s6nt und bisch&ve sin und von den jnn-
gesten predieren 198
XXn. Von siben dingen d6r man fünfe vindet In himelrich tind
zwei in ertrich 193
XX ni. Wie in drien stetten sprichst got mit der seien . 200
XXIV. Wie in w^tagen offenbart Cristns sine wanden. Vier
ding kloppfent vor der himelporten .... 200
XXV. Von der verbranten mine ...... 201
XXVI. Gedenken an den tot und lange leben ist gflt . 201
XXVII. Wie da solt danken und bitten 202
XXVn. Swene du sterben solt, so nim urlop zft zehen dingen 202
XXIX. Von zehen stnkken gotliches fiires vs der edelkeit gotz 203
XXX. Die luter mine hat vier ding 203
XXXI. Wie got die sele gemachet hat von woUust und pine
Wie got glich ist eime clote 205
XXXII. Wie wir glich werden gotte, S. Marien und den engelen 207
XXXIII, Von dem scharpfen capittel, da der bilger tn zAkam, der
schein ein gros herre 208
XXXIV. Der die weit versmahet den sol man §ren mit aht dingen 209
XXXV. Wie die selig sele spricht zu irme lichamen an dem jon-
gesten tage 209
XXXVI. De Johanes Baptista der armen dimen messe sang, de
WC geistlich bekantnisse in der sele . . . . 210
XXX Vn. Da solt got loben, clagen und bitten zwölf ding . . 211
XXXVni. Niemah mag Gotz himel stören. Die helle verwiset got 213
XXXIX. Von dem gegenblike gottes schin an vnser Vröwen nnd
ir gewalt 213
XL. Bekorunge, die weit und ein gut ende priüfent vns • 214
XLI. Von dem gegenblike gotz in den Menschen und in die
engele. Fünf ding hindemt die schrifft . . • 211
XLII. Dis schreib swester mehtilt an einer cedelen irem brAder
B. predier orden und sprach . . . • • . 215
XLin. Dise Schrift ist vs got gevlossen 215
Dis ist de sibende teil«
I. Von der crone und von der wirdekeit vnsers herren Jesu
crisii, die er nach dem jangesten tage empfahen sol . 216
II. Wie an aller seien tag ein mensche bat vür die seien
gemeine 221
Inhalts - Yerzeichniss. XXXI
Seite
III. Wie nüze de s!, de ein mensehe mit diemfttigen werten
sin herze besehe äne vnderlas 222
IV. Von dem besmen vnsers herren 224
V. Warumbe de kloster ze einer zit angevohten wart . 224
VI. Von dem capitel und wie der mensche besehen sol sine
briiche und die beweinen. Von zwein gnldin pfeningen
und von gutem willen und gerunge .... 225
VII. Wie der mersche ze aller zit mit got vereinet si . 225
Vin. Wie ein mensche got suche 227
IX. Wie die minende sele lobet vnsem herren mit allen creaturen 228
X. Dis geschach ze einer zit, do gros vnfäre was , . 228
XI. Wie vnser herre wart glich gesehen einem arbeitenden
mane 229
XII. Wie ein mensche ital 6re und bekorunge widerstän sol 230
XIII. Wie unser herre wart gesehen glich einem pilgerin . 230
XIV. Von gotz erwelunge und segene 231
XV. Wie der mensche, der die warheit minet, bitten 3ol . 231
XVI. Wie ein mensch geret und bat 232
XVII. Wie bekantnisse sprichet zu dem gewissede . . 232
XVIII. Von der bevelhunge der siben ziten der martir vnsers
herren 233
XIX. Von dem grüsse vnser vröwen 235
XX. Wie man de ave Maria sol bevelhen vnser fröwen 236
XXf . Wie ein mensche sin herze sol besehen eb de er ze gotz
tische g6 237
XXII. Von dem lobe des himelschen vatters .... 289
XXIII. Wie man dem sune danken sol 2S9
XXIV. Von der mine vlüt , 239
XXV. Von dem grüsse der heiigen drivaltekeit . . . 239
XXVI. Wie man zu gotte vliehen sol in der bekorunge . . 240
XXVII. Wie der geistlich mensche sin herze sol k§ren von der
weit 241
XXVIII* Von der not eis urlüges 243
XXIX. Von einer Igre 244
XXX. Ein gebet wene man die jung&^wen crönet . . . 244
XXXI. Von einer klage 244
XXXn. Wie des gftten menschen werk lühtent gegen den werken
vnsers herren 245
XXXIII. Von dem geistlichen trank 246
XXXIV. Von der geistlichen spise 246
XXXV. Von den siben salmen 247
XXXVI. Von einem geistlichen closter 249
XXXVII. Von der ewigen hochgezit der heiigen drivaltekeit . 251
XXXVIII. Wie ein geistlich mensch sol clagen und bekenen got
sin sünde alle tage 253
xxxn
Inhalts - y erzeiohniss.
en
XXXIX. Wie die tüvel sich sciahent und jagent, bissent und na-
gent, wene ein minendü sele, die von g5tlicher mine
brenet, von (fiser weit scheidet ....
XL. Alsus sprichet dA minende sele ze irme lieben herren
XLl Wie ein predierbrüder wart gesehen
XLII. Von dem honigtrank
XLIII. Von der einvaltigen mine, wie die wise wart geseh
XLIV. Von fünf Sünden und von fünf tugenden
XLV. Von siben dingen in der mincnden g^runge
XLVI. Wie sich die sele meldet in geistlichem armüte
XLVIl. Von' einer sünde die b5se ist über alle sünde •
XLVIII. Wie die mine wart gesehen mit iren jungfröwen
XLIX. Von eim leienbrüder
L. Von der pinlichin gottes . . .
LI. Ein gebet vor versumekeit
LU. Wie sich die minende sele neiget under die haut gottes
LIII. Von dein gevengnisse geistlicher lüten
LIV. Von vier dingen des gel5ben .
LV. Also schribet ein frünt sineme Mnde
LVI. Wie got rftret sine fründe mit der pine
LVII. Ein wenig von dem paradyso .
LVIIl. Von Sanfe Gabriel ....
LIX. Wie die botschaft für got kam
LX. Wie das kint gesehen wart
LXI. Wie man sich bereiten sol zft gotte
LXIl. Wie die jungfröwen dienent ir frSwen der künegin
LXIII. Götz Wille ist ein fürste in allem wesende
LXIV. Wie got dem menschen dienet
LXV. Wie got die sele zieret mit der pine
Zusatz über die sieben tagzelten .
Brachstüek ttber mystisches leben
Einige Worterklftrnngen ....
Seite
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283
285
;♦
Von Offenbarungen einer liebhabenden Seel.
Aäo domini MCCL fere per anos XV Über igte fuit teutonicft
caidam begine^ qase fnit virgo saneta Gorpore et spiritu per
gratiam a domino inspirata, ^) quse in humili simplicitate, in exu-
lari paupertate, in oppresso conceptu, in coelesti contemplatione
nt in scriptura ista patet^ plus quam XL anos domino devotissime.
servivit, seqnens perfecte vestigia fratrmn ordinis praedicatorum,.
de die in diem semper proficiens^ semper melior se fiebat Coii-
scriptüs antem a fratre quodam predicti ordinis et oontinet multft
bona; prout in titulis praenotatar.
De trinitate H. lib. 3. (^ap., HI. lib. 9. C, IIH. 1. 12. et
14. C, V. lib. 26. C.
De Christo H. 1. 3. C, IV. 1. 24. C, V. 1. 23. Cap.
De domina nostra I. 1. 4. C, II. 1. 3. C, V. 1. 23. C. de
IX ordinibus angelorü I. 1. 6. C, lU. 1. 1. C, V. 1. 1. Cap.
De prerogativa qnorundam Sanctorü IUI. 1. 20. et 21. et
23. Capitulo.
De maUtia demonum IV. Üb. 17. C, II. 1. 24. C, V. lib,
29. C, V. lib. 9. Cap.
De hominis dignitate I. 1. 44. C* IV. 1. 14. Cap.
De raptu et separatione animse a came I. 1. 2. C.
De descriptione coeli HI. 1. 1. C.
De descript. infemi III. 1. 21. C.
') Handschrift inspiratus.
H. Meohthild. 1
2
De multiplici purgatorio ü. 1. 7. Cap.^ m. 1. 15., 16. Cap.,
1. XIV., 15. C.
De multig virtutibus et vitiis I. 1. 22., 25. C, IIL 1. 7. et
14. C, IV. 1. 4. Cap. et de caritate maxime IIL 1. 13. Cap.
De praedicatoribus in fine mundi tempore antichristi IV. L
27. Cap. et de multis inauditis quae intelliges, si cum cre-
dulitate, humilitate et devotione novies perlegeris librü istü.
Hie est prophetia de preterito presenti et futuro. Hie est etiä
distinetio triam personarü V. 1. 26. Cap.
In dem jare von Gottes geburte drizehendhalphandert jar,
bi darnach f&nfzehen jaren wart dis b&ch geo£feint m tusche von
Gotte einer swester, was ein heiig maget beide an lip und an
geiste. Si dienete Gotte andehtekliche in demütiger einvaltekdt,
in eilender armftt in himelschem eontemplierende, in verdrukter
versmehte, mg dene vierzig jar, und nachvolgete vesteklich und
vollkommenlich dem lichte und lere des predier orden; und nam
ftr von tage zu tage und besserte sich tegelich. Aber das buch
samente und schreib ein brftder des selben ordens und vil gutes
stat in disem buche von vil Sachen, als in den tavelen ist vor-
gezeichent das solt du gelöblich, diemflteklich und andehteklich
lifinstunt tberlesen.
Dis ist das erste teil dis buehes.
Dis bftch sol man gerne enpfan, wan got sprichet
selber die wort.
Dis bAch das sende ich nun ze botten allen geistlichen lüten,
beidt b5sen und gAten^ wand wen die süle vallent, so mag dafi
werk nüt gestan, und ez bezeichent alleine mich; und meldet
loblich mine heimlichkeit. Alle die dis bftch wellen vernemen
die s511ent es ze nun malen lesen.
Dis bftch heisset ein vliessendes lieht der gotheit.
Eia, herre got, wer hat dis bftch gemachet. Ich han es
gemaehet an miner vnmaht, wan ich mich an miner gäbe nftt
enliialten mag. Eya herre, wie sol dis bftch heissen, alleine ze
dineneren? Es sol heissen : ein vliessende lieht miner got-
heit, in allft die herzen die da lebent ane valscheit.
L Wie die mine und die künegifie zesamene sprachen, *)
Die sele kam za der mine
Und grftste si mit tieffen sioDen
Und sprach: Got grftsse vch vro mine.
Gk>t lone ^ch, liebe vro künegifie.
Vrd mine ir sint sere voUekomen.
Vro künigine, des bin ich allen dingen oben.
Vro mine, ir band manig jar gerungen,
E ir habint die hohen drivaltekeit darzft betwiingen,
Das sü sieh hat alzemale gegossen
In Marien demütigen magetüm.
') Greith deutsche Mystik S. '222.
1
4 Erster Theil.
Frowe künigifie, das ist <^wer ere und vrome.
Fro mifie, ir hant mir benome
Alles das ich in ertrich je gewan.
Frowe künegin, ir hant einen seligen wehsei getan.
Frowe mine, ir hant mir benomen mine kintheit.
Frowe künegine, dawider han ich vch gegeben himelische vriheif.
Frowe mine, ir hant mir benomen alle mine jugent.
Frowe künigin, dawider han ich vch gegeben manig heiige tugent.
Frowe mine, ir hant mir benomen gut fründe und mage.
£ia frowe künigin, das ist ein snödü klage.
Frowe mine ir' bant mir benoifien die weit, weltlicfa ere und allen welt-
lichen richtAm.
Fro. künig., das wii ich vch in einer stunde mit dem heiligen geiste nach
allcjn vweren willen in ertrich gelten.
Frowe mine, ir hant mich also sere betwungen, das min licham ist komen
in sunderlich krankheit. ')
Frowe kün., dawider han ich vch gegeben manig hohe bekantheiL
Frowe miüe, ir hant vcrzert min fleisch und min bli\t.
Frowe kün., damit sint ir gehitert und gezogen in got.
Fröwe mifie, ^r sint ein röberine, defioch sont ir mir gelten.
Frowe kün., do nement reht mich selben.
Frowe mine, nu hant ir mir vergolten hundert valt in ertriche.
Frowe kün., noch hant ir zc vordernde got und alle sine riebe.
//. Von drieii pe^'sonen und von drien gaben.
V. Der wäre gottes grAs, der da kumet von dem himelschen
fl&t vs dem brunen der vliessenden drivaltekeit^ der hat so grosse^
XrB&y das er dem lichamen benimet alle sine mäht, und machet
die sele ii* selben offenbar, das si sihet dich selben den heiigen
gelich und emphahet deüe an sich gotlichen schin, so scheidet
die sele von dem lichamen mit aller ir macht, wisheite, liebin
und gerunge; sunder das minste teil irs lebendes belibet mit
dem lichame als in einie süssen schlaffe. 80 sihet sü einen
ganzen got in driü personen und bekenet die drie personen in
eime gotte vngeteilet. So grfisset er si mit der hove spräche
die man in dirre kuchin nit vernimet, und kleidet sü mit den
kleidern, die man ze den palaste tragen sol und git sich in ir
gewalt. So mag sü bitten und vragen was si wil, des wirt si
beriht. Warvmbe si nüt beriht wirtj das ist du erste sache von
drien. So zühet er si fürbas an ein heimliche stat. Da müs si
') Handschrift krakheit
Cap. IL 5
für nieman bitten noch fragen, wan er wil alleine mitir spüen
ein spil das der lichame nüt weis, noch die dörper bi dem
phlüge noch die Ritter in dem tnmei, noch sin mineklichi mftter
Maria ; der mag si nüt gepflegen da. So swebent si fttl-bäs äni
ein wunenriche stat, da ich nüt vil von sprechen mag noch wil;
Es ist ze notlich; ich engetar, wan ich bin ein vil sündig mönsche.
Mer wene der endelose got die grundelose sele bringet in die
h5hin, so verlüret si das ertrich von dem wmider,. und bevindet
nüt, das si je in ertrich kam. Wene das spil allerbest ist, so
müs man es lassen. So sprichet "der blüiende Got: Junefrö, ir
müssent vch neigen, so erschriket si: Herre, nu hast du mir
hie so sere verzogen, das ich dich in minem lichamen mit keinem
orden mag geloben, sanderdas ich eilende lide und gegete demv
lichame strite: So sprichet er: Eya, du liebü tube, din stimme
ist ein seitenspil minen oren; dine wort sint wurtzen minem
munkle, dine gerunge sint die miltekeit miner gäbe. So sprichet
sü: Lieber herre, es müs sin als der wirt gehütet. So er-
süfzet si mit aller mäht, das der lip erweget wirt. So sprichet
der licham: Eya frowe, wa bist du nu gewesen? Du kumest
so mineklich wider, schöne und creftig, frie und siiienrich. Din^
wandelen hat mir benomen minen smak, rüwe, farwe und alle
min mäht. So sprichet si: Swig, morder, la din klagen sin;
ich wil mich iemer hütten vor dir, das min vient verwundet sie,
das wirret vns. nüt, ich fröwe mich sin.
Dis ist ein grüs, der hat manige ädern, der dringet usser
dem vliessenden gotte in die armen, dürren seien ze allen ziten
mit nüwer bekantnüsse, und an nüwer beschöwunge, und in
sunderliche gebruchunge der nüwer gegenwürtekeit. Eya sÄs-
licher got, fürig inwendig, blugende vswendig; nu du dis den
minesten hast gegeben, mohte ich noch ervarn das leben, däö
du dii^en meisten hast gegeben, darvmbe wolt ich dest langer
qweln. Disen grüs mag noch müs nieman empfan, er si deiie
vberkomen und ze nihte worden.
In disem grüsse wil ich lebendig sterben ;
Das mögen mir die blinden heligen niemer verderben.
Das sint die da minent vnd nit bekennent.
Erster Theil.
Hl, Von den megden der ade und von d&i* niine schlage. ')
Alle heilige cristanliche tugende sint der seien megede.
Der seien süsser verdrutz claget der mine ir not:
Die sele: Eya alterliebeste jungfrowe,
Na hast da lange min kamerin gewesen;
Nu sage mir, wie sol ich dnrane weseo.
Da hast mich gejagt, gevangen, gebanden,
Und so tief gewandt,
Das ich niemer werde gesant.
Da hast mir manigen «kalenschlag geben ;
Sage mir, sol ich ze jungest vor dir genesen?
Wirde ich nüt getödet von diner haut?
So were mir bas, das ich dich nie hette bekafit.
Die mine: Das ich dich jagete^ das laste mich;
Das ich dich vieng, des gerte ich;
Das ich dich bant, des fr5wete ich mich,
Do ich dich wundete, do wurde du mit mir vereinet.
So ich dir kuline schlege gibe, so wirde ich din gewaltig.
Ich han den almehtigen got von dem himelrich getriben
Und han ime benomen sin monschlich leben
Und han in mit eren sinem vatter widergegeben.
Wie mögest du, sn6der warm, vor mir genesen.
Sprich, min keiserine, ich v5rhte ein kleine heimeliche arzenie,
Die mir got dikke hat gegeben.
Das ich von derselben möge genesen.
Die mine: So man die gevangenen nüt wil haben tot,
So git man inen wasser und brot.
Die artzenie, die dir got dikke hat gegeben,
Das ist anders nüt dene ein vristunge in dis mönschliche leben.
Swene aber knnt din oi^tertag.
Und din lichame enpfat den totschlag,
So wil ich dich alumbe van
Und wil dich aldureh gän,
Und wil dich d!me licham stelen
Und wil dich dime liebe geben.
mine, discn bricf han ich us dinem munde geschriben, na
gib mir frowe din ingesigel.
Swer got je vber sich selben liep gewan, der weis wol, wa
er das ingesigel nemen sol; es lit zwisohent uns zwein.
Die sele spricht: Swig liebe, sprich nüt me.
Genigen sie dir aller juncfrowen liebeste
Von allen creatnren und von mir.
Die sele :
Die sele:
Die
mine:
') Greith S. 225.
Cap. ra— V. 7
Sage minem lieben, das sin bette bereit sie
Und das ich minesiech nach ime bin.
r Ist dirre brief ze lang, das ist djs schult: Ich war in der
matten, da ich manigerleige blfimen want.
Dis ist ein süisse jamer clage: Wer von mifie stirbet, den sol
man in gotte begraben.
IV. Von der hovereise der sde an der gicb got wiset ')
Swene die arme sele kämet ze hove, so ist si wise mid
wolgezogen; so siht si iren got vr&lichen an. Eya, wie lieplieh
Wirt Bi da enpfangen. So swiget si und gert ynmesseklich sines
lobes. So .wiset er ir mit grosser gernnge sin götlick liene.
Das ist gelich dem roten golde das da brinet in eime grossen
kolefbre. So tftt er si in sin glfigendes herze alse sich d^r
hohe fiirste nnd die kleine dime alsust behalsent und vereinet
sint als wasser und win. So wird si ze nihte nnd knmet von
ir selben, alse si nüt mere mögi, so ist er minesiech nach ir^
als er je was, wan im gat (weder) zn noch abe. So spricht si:
herre, dn bist min trost, min gernnge, min vliessend^r bronc^
min sune, und ich bin din Spiegel. — Dis ist ein hovereise der
minenden seien, die ane got nät wesen mag.
V, Von dem qtcale und van dem lone der helle.
Min licham ist an langer qwale, min sele ist an hoher wnne,
wan si hat beschowet vnde mit armen vmbevangen . iren lieben
alzemale. Von ime hat si die qwale, die vil arme. So ziehet
er si, so vlöset si. Si kan sich nüt enthalten, vntz er sü bringet
in sich selber. So spreche si gerne nnd si enmag. So ist si
gar verwanden in die wunderlichen drivaltekeit mit hoher einnnge.
So lat er si ein kleine, das si geron möge. So gert si sines
lobes, das kau si nach irem willen nnt vinden. Ja si wolt« das
er si zn der helle senden wolte, vf das er von allen creatnren
aber vnmasse gelobet werde. So sihet si in an und sprichet im
zn: Herre gip mir dinen segen. So sihet er si an nnd zöhet
si wider, nnd gtt ir einen gr&s.
*> Greith S. 229.
8 Erster Theil.
Dem der lichiun sprechen nit mAs.
So spricbt der licham zn der sele:
Wa bist du gewesen? Ich mag nit me.
So spricht die sele: Swig, dn bist ein tore. *
Ich wil mit mime liebe wesen,
Soltest du niemer me genesen.
Ich bin sin frftde, er ist min qwale.
Dis ist ir qwale, niemer müsse si genesen.
Dise qwale mftsse dich bestan,
Niemer müsest du ir entgan..
VL Von den nun kSrm me »ie tingent
Nu h6re, liebü, höre mit geistlichen oren, sust singent die
4|iKi k&re:
Wir loben dich herre das du uns hast gesuchet mit diner demücikeit:
W. 1. d. h. d. d. u. h. ') behalten mit diner barmherzekeit.
W. 1. d. h. d. d. u. h. geheret mit diner smahheit
W. 1. d. h. d. d. u. h. gef&ret mit diner miltekeit.
YH-. 1. d. h. d. d. n. h. geordent mit diner wisheit.
W. 1. d. h. d. d. u. h. beschirmet mit diner gewalt.
W. 1. d. h. d. d. u. h. gehelget mit diner edelkeit.
t^. L d. h. d. d. u. h. gewisset mit diner heimlichkeit.
yf. 1. d. h. d. d. u. h. gehöhet mit diner mine.
VIL Von gottes vltLch in ahte dingen.
Ich vlüche dir: din lichame müsse sterben,
Din wort müsse verderben
Din ögen müssen sich schliessen,
Din herze müsse vliessen,
Din sele müsse stigen,
Din licham müsse bliben.
Dine menschliche sine inüssin vergan,
Din geist müsse vor der heiigen drivaltekeit stan.
VlIL Der minste lobet got an zehen dingen.
du brenender berg, o du vserwelte sune!
du voller inane, o dn grundeloser brune!
du nnreichhaftü li6hi, o du klarheit ane masse!
wisheit ane grünt!
barmherzikeit ape hinderunge!
sterki äne widersatzunget
Grone aller erenl
Dich lobet der minste, den da je geschüffs!
') „Wir loben dich herre das du uns hast** wird hier neunmal wiederholt.
Cap. VI— XIV. 9
IX. Mit . drin dingmi wonestu m der hShin,
Die da brinent in der waren mine nnd of einen steten gmnt
bnweni der warheit nnd fmht bringen mit vollem hnffen des.
seligen endes, die wonent in der h5hin. Glosa: das ist tber
seraphin.
X Der got mimt der angesiget dAn dingen,
Swelcher mansch die weit vbersiget
Und sime lichamen allen vnnutzen willen benimet
Und den tüvel überwindet,
Das ist die sele die got minet.
TAt ir die weit einen stoss,
Davon leidet si kleine not.
Tut ir das vleisch einen wank,
Davon wirt der geist nüt krank.
TAt ir der tüvel einen buk,
Das achtet die sele aber niht;
Si mifiet und si mifiet
Und si kan anders nit beginen.
XL Vier sint an dem strite gottes.
tube ane gallen! maget ane sere!
Ritter ane wanden t kneht vnverzaget!
Das sint die vier die gotte in sinem strite wol behagent.
XIL Die sele lobet got an fünf dingen*^')
keyser aller eren! Crone aller ffirstenf
wiahdt aller meistern! geber aller gäbe!
löser aller gevangnisse.
XIII, Wie got kwnet in die sele.
Ich kam zA miner lieben
Als ein töwe vf den biAmen.
». ■ ... - • . • •
' XIV, Wie die sele got enpfahet und lobet.
Eja fröliche ansehe wnnge! Eya liepliche grfts! Eja minek-
liche ymbehalsnnge! ■ Herre din wander hat mich verwandet,
din gnade hat mich verdmket. du hoher stein, du bist so wol
dargraben, in dir mag mema^ nisten dene tnben vnd nahtegal.
•) Greith S. 229...
10 Erster Theil.
XV. Wie got die ade enpfahet
Siest wilkomen liebä tube^ du hast so sere geflogen in dem
ertriche, das dine vedern sint gewahsen in dem himelriche.
XVL Got gdichet die sele vier dingen.
Du smekest als ein wintrübel^ du ruehest als ein balsam,
du Inhtest als du sune, du bist ein zftnemunge miner höchsten
mine.
XVIL Die sele lobet got an fänf dingen.
du giessender got an diner gäbet
du vliessender got an diner mine!
du brenender got an diner gerunge!
du smelzender got an der einunge mit dinem liebe!
du rüwender got an minen brüsten, ane die ich nüt wesen mag!
*
XVI IL Got gelichet die sden fünf dingen.
du schöne rose in dem dorne!
du viiegendes bini in dem bonge!
.0 du reinü tube an dinem wesende!
du schönü sune an dinem schine!
O.du voller mane an dinem stände!
Ich mag mich nit von dir gekeren.
XIX, Got liebkoset mit der sde an sehs dingen.
Du bist min legerküssin, min minckliches bette, min heim-
ichestü rüwe, min tiefeste gerunge, min höhste ere. Du bist
ein lust miner gotheit, ein trost miner m5nscheit, ein bach
miner hitze.
XX, Die sde widerlobet got an sehs dingen.
Du bist min spiegelberg, ein ögenweide, ein vertust min
selbes, ein stürm mines hertzen, ein val und ein verzihunge
miner gewalt, min h6hste Sicherheit.
XXI, Von der bekantnisse und von der gebrüchunge.
Mine ane bekantnisse
Dunket die wisen sele ein vinstemisse.
Bekantnisse ane gebrüchunge
Dunket si ein helle pin.
Gebrüchunge ane mort kan si nit verklagen.
Cap. XV— XXII. 11
XXIL Von Sante Marien botschaft und vne ein (ugent der an-
dern volget, und wie die sele ein iuhilus der drivaltekeit wart
gemachot und wie sante Maria alle heiigen gesSget
unde noch söget ')..
Der süsse tftwe der vnbeginlicher drivaltekeit hat sich ge-
sprenget vs dem binnen der ewigen gotheit in den biftmen der
vserwelten maget, und des blünien fruht ist ein vnt5tlich got,
und ein tätlich mensche und ein lebende trost des ewigen liebes,
und vnser lösunge ist brütegöm worden. Die brut ist trunken
worden von der angesihte des edeln antlütes. In der grösten
sterki kunt si von ir selber, und in der grösten blintheit sihet
'si allerklarost. In der grösten klarheit ist si beide tot und
lebende. Je si lenger tot ist, je si vrölicher lebt. Je si vr6-
licher lebt, je si mer ervert. Je si miner wirt, je ir me zü-
flüsset. Je sisieh mere vörhtet*) Je si richer wirt je si armer
ist. Je si tiefer wonet, je si breiter ist. Je si gebietiger ist,
je ir wunden tieflfer werdent. Je si mer sttirmet, je got minenk-
licher gegen ir ist. Je si hoher s webet, je si schöner lühtet
von dem gegenblik der gotheit, je si im naher kunt. Je si mer
arbeitet, je si sanfter rftwet. Je si mer begriffet, je si stiller
swiget. Je si Ittter räflFet, je si grosser wunder wirket mit siner
kraft nah ir macht. Je sin lust me wahset, je ir brutloft grosser
wirt, je das minebet enger wirt. Je die vmbehalsunge naher
gat; je das muntkAssen sAsser smekket. Je si sich miüeclicher
ansehent, je si sich nöter scheident. Je mer er ir glbet, je mer
si verzert, je me si hat. Je si demftteklicher vrlop niiftt, je e
si wider kunt. Je si heisser hübet, je si e entfunket. Je si
mere brennet, je si schöner Mhtet. Je gottes lob mer gebreitet
wirt, je ir girheit grösser blibet.
Eya war vart vnser loser brütgöm in dem jubilus der he-
iigen drivaltekeit Do got nit me mohte in sich selben, do mähte
er die seien und gab sich ir ze eigen von grosser liebi. Wovon
bist du gemachet, sele, das du so hohe stigest über alle creaturen,
und mengest dich in die heiigen drivaltekeit vnde belibest doch
*) Greith S. 210. ') Hier scheint etwas zu fehlen.
12 Erster Theil.
gantz in dir selber? ') Du hast gesprochen von minem anegenge;
nu sage ich dir werlich: Ich bin in derselben stat gemaehet
von der minC; darvmbe mag mich enkein creatnre nach miner
edelen nature getrösten noch entginen dene allein die mine.
Vrowe sant Maria, dis Wunders bist du ein mAter. Wefie ge-
scbach dir das? Do vnsers vatter jubilus betr&bet wart mit-
adames vaUe, also das er miste zürnen. Do enphieng die'
ewige wisheit der almehtigen gotheit mit mir den zom. Do
erweite mich der vatter ze einer brnt, das (er) etwas ze minende
hette, wand sin liebü brut was tot, die edel sele. Vnd do kos
(erkies) mich der sun zft einer mftter, und da enpfieng mich
der heiig geist ze einer trutine. Do was ich alleine brut der '
heiigen drivaltekeit und mftter der weisen , und trüg si für gotz
ögen, also das si nit ze male versunken als doch etliche taten.
Do ich also müter was maniges edeln kindes, do wurden mine
brüste also vol der reinen vnbewoUener milch der waren milten
barmherzekeit, das ich sögete die propheten und die wissagen
e dene got geborn wart. Damach in miner kintheit sögete
ich Jesum; fürbas in miner jugent sögete ich gotz brut die
heiigen cristanheit bi dem crütze, das ich also dürre und
jemerlich wart, das das swert der vleischlicher pine Jesu
sneit geistlich in min sele. Do stünden offen beide, sine
wunden und ir brüste. Die wunden gussen, die brüste vlussen
also, das lebendig wart die sele und gar gesunt. Do er den
blanken roten win gos in iren roten munt, do si alsust ys den
offen vnmden geborn mid lebendig wart, do was si kindesch
und vil jung. Solte si do nach irem tode und ir geburt vol-
leklich genesen, so müste gottes müter ir müter und ir ame sin.
, Gotte, es was und ist wol billich. Got ist ir rehter vatter und
si sin rehtü brut, und si ist im an allen iren liden glich Vrowe
in dinem alter sögetost du die heiigen aposteln mit diner müter-
lichen lere und mit dinem creftigen gebette, also das Gott sin
ere und sinen willen an inen tete. Vrowe, also sögetestn da
und sögest noch die martyrer in Iren herzen mit starkem gelQben,
') Marift oder die Seele Bprioht.
Cap. XXII— XXV. 18
di^ bihter mit heiiger beschirmange an iren oren, die megde
mit diner küscheit^ die wittewen mit stetekeit^ die dm^ehten mit
loilt^keit, die Bünder mit der bittunge.
Vrowe^ noch mftgt du nn» sögen, wan dine brflste sind noch
«Iso vol, das du nät mäht verdruken. Woltostu nit sögen me^
90 tete dir die milch tu we. Waii werlich ich han gesehen dine
brüste so Yol, das siben stralen gussen, alzemale us von einer
brüste vber minen lip und vber min sele. In der stunde be-
nimest du mir ein arbeit, die kein Gotzfrünt mag getragen
one herzeleit. Alsust solt du noch sögen bis an den jüngsten
tag, so m&st du ersihen, wan so sint gotz kint und dinü kint
gewefiet und volle gewahsen in dem ewigen lip. Ejä, darnach
sollen wir bekenen und sehen in unzellicher lust die milch und
och dieselbe brüst, die Jesus so dikke hat gekust.
XXI IL Du solt beten, de dich got mine sere dikke unde lange
so wirdest du reine, schone und lange, *)
Eya herre, mine mich sere und miiie mich dike und lange;
wände je du mich dikker minest, je ich reiner wirde; je du mich
serer minest, je ich schöner wirde; je du mich langer minest,
je ich heiiger wirde hie in ertrich.
XXIV, Wie got antwurtet der sele.
Das ich dich mine dikke, das han ich von natnre,' wan ich
oelbe die mine bin. Das ich dich sere mine, das han ich von
miner gerunge,*) wan ich gere das man mich sere mine.*)
Das ich dich lange mine, das ist von miner ewekeit, wan ich
aiie ende bin.
XXV* Von deni wege pine ze lidene gerne dur got,
Got leitet sinü kint, die er vserwelt hat wunderliche wege.
Das ist ein wunderlich weg und ein edel weg und ein heiig
weg, den Got selber gieng, das ein mensche pine lide ane sünde
' ») Greith S. 33.
') Am Baode: Deos Caritas est.
') Hier scheint eine Lücke zu sein.
14 Erster Theil.
und ane schulde. In diBem wege fröwet sich die sele^ die nach
got jamerig ist, wan si fröwet sich von nature ze irem herrsi^
der dur sine woltat manige pine gelitten hat Und sin lieber
herre der himelsche vatter gap sinen liebsten snn, das er ge-
pingot wart von den beiden, und gemarterot von den jaden ane
sine schulde. Und ist die zit komen de etlich lüte die geistlich
schinent gotz kint pingent am libe und marterent an dem geiste,
wan er wil si sinem lieben sune geliehen, der an libe und an
sele gepinget wart.
XX VI. In disen weg zühet die sele ir sine und ist vri
ane herzdeit.
Es ist ein selzen und ein hoher weg, da wandelt du ge-
trüwe sele iiie und leitet na ir die sine, als der sehende tftt den
blinden. In disem weg ist vri die sele und lebt ane herzeleit,
wan si wil anders nit dene als ir herre, der allü ding uffen
das beste tot.
XXVII , Wie du sieat wirdig dis weges und in behaltest und
vollekomen niest.
Drti ding machent einen des weges wirdig, das er in er-
kene und kerne darin. De erste, de der m6nsehe sich selber
twinget in gotte ane alle meisterschaft und die gottesgnade
heleklich behalte und willekliche trage, in verzihunge aller
dingen nach dez menschen willen. Das ander behaltet den
menschen in dem wege das im allü ding ze danke sint ane
allein die sUnde. Das dritte machet den menschen vollekomen
in dem wege, de man allü ding glichlich gotte ze eren tu, wan
min snödeste notdurft wil ich got also hohe reiten, als ob ich
were in der hohesten contemplacie, da ein mensch inkomen mag;
warumbe^ (den) tun ich es in einer liebin gotte ze eren, so ist
es alles ein. Swenne ich aber sünde, so bin ich an disem
wege nit.
Cap. XXVI— XXIX. 15
XX VI IL Die mine $ol sin morüich dne masse dne vnderlass,
de ist toren torheit ')
Ich fr&we mich, de ich miiien mfts den der mich minet und
gere des, de ich in mortlich mine ane masse und ane underlas:
Vröwe dich, min sele, wan din leben ist gestorben von mine
dur dich, und mine in so ser^ de du mögest sterben dur in, so
brenest du jemer mere vnverlöschen als ein lebend funke in dem
grossen füre der lebend majestat.
So wirst du minefiires vol,
Damit dir hie ist so wol.
Da darfst mich nit me leren,
Ich enmag mich nit von der mine keren;
Ich müs ir ^evangen wesen,
Ich mag anders nit geleben. —
Da Bi wonet, da mag ich beliben
Beide, an tod und an libe.
Das ist der toren torheit,
Die lebent ane herzeleit.
XXIX. Von der schSni des brdtegömes und wie im die
brütini volgen sol.
Vide mea sponsa: Sich wie schöne min ögen sint, wie
relit min munt si, wie ftrig min herze ist, wie geringe min
hende sint, wie snel min fasse sint und volge mir. Du solt
gemartert werden mit mir, verraten in der abegunst, gesftchet
in der vare, gevangen in dem hasse, gebunden in höresagen,
din ögen verbunden de man dir die warheit nit wil bekenen,
gehalsschlaget mit dem grime der weite, f^r gerihte gezogen
an der bichte, georsehlaget mit der bisse, ze herode gesant
mit dem spote, entkleidet mit dem eilende, gegeiselt mit dem
arm&te, gekrönet mit bekorunge, angesptet mit der smahheit,
din erüze tragen in dem hasse der Sünden, gecrüzegot in ver-
zihunge aller dingen nach dinem willen, genegeit an das erüze
mit den heiigen tugenden, gewundot mit der mine, sterben an
dem erüze in heiiger bestandunge, in din herze gestochen mit
steter einunge, von dem erüze gelöset in warem sige aller diner
') Greith S. 233.
16 Erster Theil.
vietideii; begraben in der unahtbarkeit, nferstan von dem tode
in einem heiigen ende, ze himel gevam in einem znge gotz
ateme».
XXX. Von den aiben ziten.
Mettin: mifien vol in thaae wol.
Prime: minen gere ein Bftsae swere.
Terde: minen lost ein süisse turst.
Sexte: minen vülen ein sftsse kAIen.
None: minen tot ein atane not
Vesper: minen vliessen ein süsses gieasen.
Gomplet: minen rüwen ein sftssds frftwen.
XXXL Du soll nit ahien smahheiL
Ich wart versmehet sere, do sprach vnser herre: la dich
nit sere wundem; sit de here drisem rag so sere verworfen und
angespiet wart, was sol dene dem essig vas geschehen, da nüt
gutes ine von im selber ist?
XXXII, Du 8olt nit ahteM eren, pine, gut hetr&hdi an
der Sünden.
■
So man dir ere hütet, solt du dich schämen; so man dich
pineget, so solt du dich vröwen; so man dir gut tut, so solt
du dich vörhten; so du wider mich tftst, so solt du dich be-.
trfiben von herzen. Mäht du dich nit betrüben, so sich wie sere
und wie lange ich dur dich betr&bet was.
XXXIIL Von der pfrd,nde tro$t und mint.
Min sele sprach alsust zu irem lieben: Herre din miltekeit
ist die pr&nende mines lichamen wunderliche, dine barmherzig-
keit ist der trost miner sele sunderlich. Die mifie ist die rftwe
nunes lebens ewiklich.
XXXIV, Du solt sin in der pine ein lamp, ein tttridtCbe,
ein brät.
Du bist min lamp an diner pine.
Du bist min turteltube an diner süfznnge.
Du bist min brat an diner beitünge.
Cap. XXX— xxxvm. 17
XXXV. Die wSstin hat zwölf ding,^)
Da solt minen das niht.
Da solt vliehen das iht.
Da solt alleiDe stan
Und solt zu nieman gan.
Du solt sere unmüssig bXü
Und von allen dingen wesen vrt.
Da solt die gevangenen enbinden
Und die vrien twingen.
Da solt die siechen laben
Und solt doch selbe nit haben.
Da solt das wasser der pine trinken
Und das für der mine mit dem holtz der tagende entzünden,
So wonest du in der waren wüstenunge.
XXXVL Von der bosheit gutin und wundere.
Mit der bosheit diner vienden solt du gezieret werden.
Mit den tagenden dines herzen solt du gehöret werden.
Mit dinen guten werken solt da gecrönet werden.
Mit vnser zweiger (Zweier) miiie solt du gehöhet werden.
Mit minen lustlichen wunder solt du geheliget werden.
XXXVII. Die sde antwurtet got, de si wirdig 6^ der gnaden^
vil liebet vnschuldiger smacheit lustet mich,
Herzeklicher tugenden beger ich,
Güter werken hau ich leider nit,
Unser zweiger mine die verderbe ich,
Dines schönen wunders bin ich gar vnwirdig.
XXXVIII. Got rämet sich de die sde überwunden hat vier sünde.
Unser herre rümet sich in himelriche
Siner minenden sele, die er hat in ertriche,
Und spricht: Sehent wie si kunt gestiegen,
Die mich verwundet hat.
Sie hat den äffen der weit von sich geworffti,
Si hat den beren der vnküschi vberwunden,
Si hat den löwen der hochmüti under ir fasse getreten,
Si hat dem wolf der girheit sinen rans zerrissen
Und kunt gelöffen als ein verjageter hirze
Nach dem bruiien der ich bin.
Si kumet geswungen als ein are
Usser der tieflfi in die höhin.
') Greith S. 2:]5.
H. Mechtild.
18 Erster Theil.
XXXIX. Got waget die seh was »i hnnga, ')
Du jagest sere in der mine.
Sage mir, was bringest da mir, min kunigine.
XL. Des antwurt st im de besser ist dene vier ding,
Herre, ich bringe dir mine kleinöter:
Das ist gr&sser defie die berge, es ist breiter deüe die weit,
tieflfer deüe das mer, höher deüe die wölken, schöner deüe die
soüe, manigvaltiger deüe die steme; es wiget me deüe alles
ertrich.
XLL Got waget mit einem lobe, wie das cleinoter heisse.
Dein*) bilde miner gotheit, gehert mit miner menschheit,
gezieret mit minem heiigen geiste, wie heissent dinü kleinöter?
XLIL Das cleinoter heisset des herzen lust,
Herre, es heisset mins herzen lust, den han ich der weite
entzogen, mir selben erhalten und allen creaturen versaget; nu
mag ich sin mit fürbas getragen. Herre, war sol ich in legen?
XLIIL Dinen lust leg in die drivaltekeit,
Dines herzen lust solt du nienar legen deüe in min götlich
herze und an min menschlich brüste. Da alleine wirst du ge-
trost und mit minem geiste gekiisset.
XLIIIL Von der mine iceg an siben dingen, von drin kleiden
der bnite und vom tanze.
Got spricht: Eja minendü sele, wilt du wissen wielich din
weg si?
Du sele: Ja lieber heiiger geist, lere mich es. Also du
kumest Über die not des rüwen und über die pine der bihte.
') Greith S. 23«.
') Handschrift: ein.
Cap. XXXIX— XLIIII. 19
imd über die arbeit der büsse, und über die liebe der weite,
und über die bekorunge dez tüvels, und über die überflüssekeit
des vleisehes und über den verwassenen eigenen willen, der
manig sele zeruggen zühet so sere, de si niemer zu rehter liebin
kunt, und so du alle dine meisten viende hast nidergeschlagen, —
so bist du also müde, de du den spricliest; Schöner jungeling,
mich lustet din; wa sol ich dich vinden? So sprichet der jungeling:
Ich höre ein stime,
Die lutefr ein teil von mifien.
Ich han si gefriet manigen tag,
De mir die stinie nie geschach.
Nu bin ich beweget,
Ich müs ir engegen.
Sü ist diejene, die kunber und mine mitenander treit.
Des morgens in dem towe, de ist die besclossen inekeit,
Die erst in die sele gät.
So sprechent ir kamerere, de sint die fi^nf sinne:
Die sine : Vrowe ir sollent voh kleiden.
Die seele: Liebe, wa sol ich hin?
Sine: Wir han das ninen wol vernomen,
Der fiirste wil vch gegen komen
In dem töwe und in dem schönen vogelsange.
Eja frowe, so sument nit lange.
So zühet si an ein hemede der sanften demütikeit, und also
demütig, de si vnder ir nit mag geliden. Darvber ein wisses
kleit der luteren küschekeit, und also reine, de si an gedenken,
an Worten, noch an berürunge nüt me mag geliden, de si be-
vlekken möge. So nimet si vmbe einen mantel des heligeu ge-
ruchtes, den si vergolten hat mit allen tugenden.
So gat si in den walt der geselleschaft heiliger lüten. Da
singent die allersüsseste nahtegale der getemperten einunge mit
gotte tages und nahtes, und manig süsse stinie höi-t si da von
den vögeln der heiigen bekantnüsse. Noch kam ^) der jungeling
nüt. Nu sendet si hotten vs, wan si wil tanzen, und sant vmb
den geloben abrahe, und vmb die gerunge der propheten und
vmb die kusche diemütekeit vnser vröwen Santo Marien, und
') Handschrift: kan.
20 Erster Theil.
ymb alle die heiige tagende Jesa christi, und ymb alle die
frumekeit siner vserwelten. So wirt da eine schöne loptantzen.
So kunt der jungeling und spricht ir zu : Junkfrowe, alsust
fromeklich sont ir nachtantzen, als üch mine vserwelten vorge-
tantzet haut. So spricht si:
Ich mag nit tanzen, herre, du enleitest mich.
Wilt da das ich sere springe,
So müst du selber voran singen.
So springe ich in die mine.
Von der mine in bekantnisse,
Von bekantnisse in gebruchunge,
Von gebrnchnnge über alle monschliche sine.
Da wil ich bliben und will doch vürbas crisen.
(Wie die brut singet) Unde mfts der jungeling singen alsus
dur mich in dich und dur dich von mir gerne mit dir, von dir
nöte. — So sprlchet der jungeling: Juncfröwe, dirre iobetantz
ist vch wol ergangen. Ir süUent mit der megde sun vwem
willen han, wan ir sint nu inenkliche müde, kument ze mittem
tage zu dem brufien schatten in das bette der mine, da sönt ir
üch mit im erkülen. So spricht die jungfröwe :
herre, das ist vbergros,
De du ist diner mine genos,
Du nit mine an ir selber hat,
Si werde e von dir beweget
So spricht die sele zu den sinen, die ire kammerere sint:
Nu bin ich ein wile tanzens mfide. Wichent mir, ich müs gan,
do ich mich erkfile. So sprechent die sine zft der sele: Vrowe,
wellent ir f ch külen in den mine trehnen Sante Maria Magdalene,
da mag vch wol benfigen. Die sele:
Swigent, ir herren; ir wissen t nit alle was ich meine.
Lant mich ungehindert sin;
Ich wil ein wenig trinken den vngemengeten win.
iSine: Vröwe, in der megde küschikelt
Ist die grosse mine bereit.
Seele: Das mag wol sin, das enist das h&hste nit an mir.
Sine: In der marterer blute mögen t ir i'ch sere k&Ien.
Seele: Ich bin gemartert so manigcn tag.
De ich dar nu nit komen mag.
Cap. XLIIII. 21
Sine: In dem rate der bihteren wonent reine lüte gerne.
Seele: Mit rate wil ich jemer stan,
Beide tun und lan,
Doch mag ich nu dar nüt gan.
Sine: In der aposteln wisheit
Vindent ir grosse Sicherheit.
Seele: Ich han die wisheit bi mir hie,
Damit wil ich je zem besten kiesen.
Sine: Vröwe, die engel sint klar
Und schöne minevar;
Went ir üch külen, so hebent \^ch dar.
Seele: Der engelen wune tut mir minen we,
Swene ich iren herren und minen brutgöme nit anseh.
Sine: So külent fch in dem heiigen hei*ten leben ,
De got johani baptisten hat gegeben.
Seele: Zu der pine bin ich bereit,
Jedoch gat der mine kraft vber alle arbeit.
Sine: Frowe, went ir '^ch minekliche külen,
So neigent vch in der jangfröwen schos
Ze dem kleinen kint, und sehent und smekent,
Wie der engel fröde von der ewigen maget
Die unnatürlichen milch sog.
Seele: De ist ein kintlich liebi,
Das man kint s5ge und wiege;
Ich bin ein vollewachsen brüt,
Ich wil gan nach minem trüt.
Sine: Frowe, komest du dar,'
So müssen wir erblinden gar,
Wan du gotheit ist so fürig heis.
Als du selb wol weist.
Das alles für und alle die glüt
Das den himel und alle heiigen lühten tut,
Und brennen, das ist alles geflossen
Usser sinem gotlichem ateme.
Und von sinem menschlichen munde
Von dem rate des heiigen geistes;
Wie macht da beliben ioch eine stunde?
Seele: Der visch mag in dem wasser nit ertrinken.
Der vogel in dem lüfte nit versinken.
Das gold mag in dem füre nit verderben,
Wan es enpfSrt da sin klarheit und sin lühtende varwe.
Got hat allen creature das gegeben,
Das si ir nature pflegen;
22 • Erster Theil.
Wie m6hte ich den miner nature widerstan?
Ich müste von allen dingen in got gan,
Der min vatter ist von natiire,
Min brüder von siner mönscheit,
Min brütegSm von mine
Und ich sin ane anegenge.
Went ir, das ich nit enpfinde ire wol?
Er kan beide, kreftiglichen brenen nnd tröstlichen ktilen.
Nu betr&bent '^ch nit ze sere.
Ir s&llent mich noch leren.
Swene ich widerkere,
So bedarf ich vwer lere wol,
Wan das ertrich ist maniger strikke vol.
So gat die allerliebeste zu dem allerschönesten in die ver-
holnen kamern der vnschuldigen gotheit; da vindet si der mine
bette und mifie gelas, und gotte und menschliche bereit. So
spricht unser herre: Ötant, vrowe sele. — Wa^ gebütest du
herre? — Ir sönt vs sin. — Herre, wie sei mir dene geschehen?
— Frow sele, ir sint so ser^ genatuii; in mich, de zwischent
vch und mir nihtes nit mag sin. Es enwart nie engel so her,
dem das ein stunde wurde gelihen, das vch eweklich ist ge-
geben. Darumbe sout ir von vch legen beide, vorhte und schäme
und alle uswendig tugent. Mer alleine die ir binen vch tragent
von nature, den sont ir eweklich enpfinden wellen. Das ist
vwer edele begerunge und vwer grundelose girheit, die wil ich
«
eweklich erfüllen mit miner endelosen miltekeit.
Herre, nu bin ich ein nakent sele,
Und du in dir selben ein wolgezieret got.
Unser zweiger gemeinschaft
Ist das ewige liep ane tot.
So geschihet da ein selig stille
Nach ir beider wille.
Er gibet sich ir und si git sich ime.
Was ir nu geschehe de weis si
Und des getröste ich mich.
Nu dis mag nit lauge stan.
Wo zwoi geliebe verholen zesamen koment,
Sie müssent dikke vngescheiden von einander gan.
Lieber Gottes fr und, disen mine weg han ich dir geschriben ;
Got müsse in an din herze geben. Amen.
Cap. XLV, XLVI. 23
XL V. Von ahte tagen in denen voUebraht der propheten gerunge.
Dis ist ein tag der gerunge und der seligen fr5den in der kündunge
cristi.
Dis ist ein tag der rüwe und der liplichen zartekeit in der gebnrte
cristi.
Dis ist ein tag der trüwe und de seligen einu nge, der. hohe Donrstag.
Dis ist ein tag der miltekeit und herzeclicher liebi, der stille vritag.
Dis ist ein tag der gewalt und frölicher vr5de, die vrstandunge.
Dis ist ein tag des geloben und des elenden jamers, der vffart tag.
Dis ist ein tag der warheit und des brenenden trostes, der pfingestag.
Dis ist ein tag der rehtekeit und der waren stunde, de jungest gerihte.
Dis ist ein wuche, der sollen wir siben tag began Stctegunge.
Einen wil vnser herre began an dem jüngsten tage mit uns allen.
XLVL Von der manigvaltigen zierde der hi*ute, und wie si kirnt
zu dem brutegöme und toiellch ir gesinde ist, de ist nünvcdt.
Die brut ist gekleidet mit der sufien und hat den manen
vnder die fasse getreten, und si ist gekrönet mit der einunge.
Si hat ein cappellan, de ist die vorhte, der hat eine guldine rüte
in der hant, de ist die wisheit. Der capellan ist gekleidet mit
des lambes blüt, und ist mit der ere gekrönet. Und die wisheit
ist gekleidet mit der wolsamikeit und ist gekrönet mit der ewekeit.
Die brut hat vier jungfröwen. Die raifie leitet die brut. Die
miüe ist gekleidet mit der küschekeit und ist gekrönet mit der
wirdekeit. Die ander ist demütikeit, die haltet die brut, die ist
gekleidet mit der vnahtbarkeit und ist gekrönet mit der höhi.
Die dritte juncfröwe das ist rüwe, die ist gekleidet mit den
wintrübelin und ist gecrönet mit der vröde. Die vierde juncfröwe
ist erbarmherzekeit, die ist gekleidet mit der salbe und ist ge-
crönet mit der wune. Du zwei tragent der brut den mantel uf,
das ist das heiige geruhte. Si hat einen bischof, das ist der
gelobe, der bringet die brut vor den brutegöme. Der bischof
ist gekleidet mit türem gesteine und ist gecrönet mit dem heiigen
geiste. Der bischof hat zwene ritter, der eine ist die starchekeit,
die ist gekleidet mit dem strite und ist gekrönet mit dem sige.
Der ander künheit, der ist gekleidet mit genedikeit und ge-
krönet mit aller selikeit. Si hat einen kamerer das ist die hüte,
24 Erster Theil.
der ist gekleidet mit stetekeit und ist gekrönet mit bestandunge;
er treit das lieht vor der brate und treit ir das tepet nach.
Das lieht ist vernünftekeit, die ist gekleidet mit der bescheiden-
heit und ist gekrönet mit miltekeit. Das tepet ist die heiige
conscientie, ') die ist gekleidet mit gutem willen und ist gekrönct
mit gotz behagunge. Si hat einen schenken, das ist die be-
gerunge, die ist gekleidet mit girikeit und ist gekrönet mit vride.
Si hat ein spilman , das ist die minesamkeit. Sin harpfe
das ist inikeit; der ist gekleidet mit dem gunste und ist ge-
krönet mit der helfe. Du brut hat fünf küngrich. Das erste
sind die ögen, die sint gebuwen mit den trehnen und gezieret
mit getwange. Das ander ist die gedenke, die sint gebuwen
mit dem strite und gezieret mit dem rate. Das dritte ist de
sprechen, das ist gebuwen mit der not und ist gezieret mit der
trüwe. Das vierde ist das hören, das ist gebuwen mit dem
gotzworte und ist gezieret mit dem tröste. Das fünfte ist die
berürde, die ist gebuwet mit der gewalt und ist gezieret mit
der reinen gewonheit.
Dise fünf küngriclie haut einen voget, de ist die schuld,
die ist gekleidet mit der bihte und gekrönet mit der büsse. So
hat er einen rihter, der ist gekleidet mit der discipline und
gekrönet mit der gedult. Du brut hot einen sömer, das ist
der lichame , der ist gezömet mit der unwirdekeit , und
smacheit ist sin fflter, und sin stal ist bihte. Der someschrin
den er treit ist die unschulde. Die brut hat einen pellelbovivir,
das ist die hoffen, die ist gekleidet in die warheit und gekrönet
mit dem sänge. Si hat einen palmen in der haut, das ist die
sege vber die sünde, und ein buhsen in der andern haut, die
ist vol gerunge und miüe, die wil si iren lieben bringen. Si
het einen pfawenhfit, das ist das gute geruhte in dem ertrich
und hohe ere in dem himelrich. So gat si einen weg, das ist
die senftmütekeit, die ist gekleidet mit dem vliessenden honge
und gekrönet mit Sicherheit. So singet si deüe: Vserweltes
liep, ich geren din. Du nimest und gibest mir vil mange
') sain wiszikeit
Cap. XLVI. 26
herzensweri. Joch han ich von dir vnsineliche not. Swene du
herre geb&test, so wird ich von mir erlost. So sprichet er:
Minekliche liebe, gedenke an die stunde,
Da du begriffest den vollen fant,
Und la dich nit belangen,
Joch han ich ze aller stnnt
Mit armen (dich) vmbevangen.
So spricht vnser herre zu siner vserwelten brut: Veni, di-
lecta mea, veni coronaberis. So git er ir eine crone der war-
heit; die nieman tragen müs dene geistliche lute. In der kröne
siht man vier tagende: Wisheit nnd kumer, gernnge und be-
haltnisse. 6ot gebe vns allen die kröne! Amen.
26
Dl8 ist das ander teil dis baelies.
/. Die mim machet hohi in der sele tut vnibe menschlich sine,
de kunt i:on eigem loillen.
Die hohe der sele geschiht in der mifie, und die zierde des
lichamen geschiht in dem heiigen cristan töffe; wafi über die
mine ist kein höhe, und ussen der eristanheit ist enkeine zierde.
Darumbe törent si sich selber vil sere, die mit grülichen, un-
menschlichen arbeiten wenent erstigen die höhi, und tragent
doch ein grimes herze, wan si haut der heiigen diemütige tugent
nit, die die sele in got kan leiten; und da stület gerne valschu
helikeit, da der eigener wille die meisterschaft in dem herzen treit.
IL Von zw ein liederen der mine des der in der mine
wart gesehen.
Ich stürbe gerne von mine, m6hte es mir geschehen,
Den Jonen den ich rninen, den han ich gesehen,
Mit minen lihten ougen in miner sele stan.
Sweh'i brnt iren lieben geherberget hat.
Die bedarf nit vere gan.
Du mine mag nit wol vergan.
Swa die juncfröwen dike nach dem jungelinge gant.
Sine edel nature die ist so bereit,
Das er si aber gerne enpfät, und leit
Sie im von herzen nach. Das mag den tumben lichte entgan,
Die ungerne nach der liebe stant.
Zweiter TheU. Cap. I— lU. 27
HL Von der Zungen der goiheit , von dem liehte der warheit,
von den vier stralen gotz in die nun kSre und der drivaltekeit
und von S. Marien. *)
edeler arn! o süsses lamp!
füres glM, entzünde mich!
Wie lange sol ich alsns dürre sin?
Ein stunde ist mir alze swere.
Ein tag ist mir tnseht jar.
So du mir frömede w5ltest sin,
Solte es ahte tage weren,
Ich wölte lieber ze helle vam,
Da ich doch ine bin,
Wand de got der miüenden sele vr5mbde si.
Das ist pine über menschlichen tot
Und über alle pine,
Das glöbent mir. Die nahtegal
Die müs je singen,
Wan ir natnre spilet von minen al.
Der ir das beneme, so were si tot. '
Eia grosser herre, bedenke min not.
Do sprach der heiig geist zö der sele:
Eya edele junkfröwe bereitent vch,
Vwer lieber wil komen.
Do erschrjk si und wart inerlich fro
Und sprach: Eya trut hotte, kerne es jemer also!
Ich bin so böse und so gar ungetrüwe,
Das ich sunder minen h'eben niena mag gei*üwen.
Swene ich das bevinde,
Das ich von siner mifie enwenig erkrtle.
So ist mir in allen enden we
Und ist mir ze danke,
Das ich jamerig müs nach im gan.
Do sprach der botte: Ir söllent wünschen
Und begiessen und betten und blümen str6wen.
Do sprach die eilende sele:
Wen ich w^ünschc, so müs ich mich schämen.
So ich begüsse, so müs ich weinen,
So ich betten, so müs ich hoffen.
So ich blümen briche, so müs ich mifien.
Swene min herre kunt, so kum ich von mir selben,
Wan er bringet mir so mangen süssen seitenklang.
Das mir benimet allen mines fleieches wank.
Und sin seitenspil ist so vol aller süssekeit.
Damit er mir benimet alles herzeleit.
') Greith S. 237.
28 Zweiter Theil.
Die grosse znnge der gotheit
Hat mir zugesprochen manig kreftig wort,
Du han ich enpfangen mit wcDigen oren miner snödikeit.
Und das nllergr5ste lieht hat sich ufgetan
Gegen die ögen miner sele.
Daiiie han ich gesehen die unsprechliche ordenange
Und bekante die unzellichen ere.
Das unbegriflich wunder
Und das sunder trüten mit vnderscheide,
Die genügekeit vf das höhste
Und die grossen zuht in der bekantnisse,
Die gebruchunge mit der abebrechange
Nach der mäht der sinen,
Die ungemengete fr6de in der einunge
Der geselleschafc , und das lebende liop der ewekei^
Als es nu ist und jemer wesen soL
Da werden vch gesehen vier stralen,
Die schiessent alzemale
Usser dem alleredelsten armbrust der heiigen drivaltekeit,
Von dem gotlichen throne dur die nun köre.
Da blibet nieman so arm noch so rieh,
Er treffe in miiieklich.
Die strale der gotheit schüsset si
Mit einem vnbegriffenliehem lichte.
Die miüende mönscheit grüsset si
In brüderlicher geselleschaft,
Der heiig geist rüret si
Mit der durchfliessunge
Der wunderlichen schöppfunge
Der ewigen wöne.
Der vngeteilet got spiset si
Mit dem blikke sines heren antlütes
Und füllet si mit dem unlidigen ateme
Sines vliessenden mnndes.
Und wie si gant ane arbeit als die vögele
In dem lüfte, so si keine vedren rürent,
Und wie si varent swar si wellent
Mit libe und mit sele,
Und doch in ir satzunge blibent unvermischet,
Und wie die gotheit dinget,
Die monscheit singet,
Der heiig geist die liren des himelriches vindet.
Das alle die selten mussent dingen,
Die da gespanet sint in der mine')
') Am Rand: Maria mangelt noch der letzten zierde.
Cap. m. 29
Da ward öch gesehen dasselbe here trisem yas,
Da Christus nun manot in sas
Mit sele und mit libe,
Als si jemer sol beliben
Aneht alleine die grosse zierde,
Die der himelische vatter an dem jungosten tage
Allen seligen lichamen sol geben.
Der müs vnser fröwe noch enbern,
Diewile das tlis ertrich swebet vf dem mere.
Do wart gesehen wie schöne vnser fröwe stund an dem
throne zer linggen hant des himelsehen vatters unverborgen an
aller megdlicher schöpfnisse, und wie der menschlich licham ist
getempert und geformet in die edel lühtnisse der sele vnser
fröwen, und wie die lustlichen brüste vnverborgeA sint vol der
.suessen milche ^ de die tropfen vliessent dahin dem himelsehen
vatter ze eren und dem menschen ze liebe, also das der mensche
vber alle creature wilkomen si. Wan so sere wundert den hohen
fürsten, die ertzengel sin des, das andere fArsten der menschen
über in komen sint, das es loblich ist das vnser volle züge da st.
Zu der vordem hant vnsers herren stat Jesus, vnser 15ser
mit offenen wunden.
Blutig, un verbunden,
Ze überwindende des vaters gerehtekeit,
Die mangen sünder vil nahe leit, ')
Wan diewile de die siinde uf ertrich weret,
So s511ent Christi wunden offen sin,
Blutig ane sere.
Mer nach dem gerihte
So sol Christus ein sogetan cleit anzien,
Das nie wart gesehen,
Eb wisete deiie got vngeschehen.
So sollen die süssen wunden heilen,
Als ob ein rosen blat
Geleit were an der wunden stat.
Da sieht man dene die vröHch miiievar,
Die niemer sollent vergan.
Dene wil der ungeschaffen got
Alle sin sch5pnisse nüwe machen,
Und also nüwe, das si niemer mügent alten.
') Handschrift lit.
30 Zweiter Theil.
Nu gebristet mir tüsches, des latines kan ich nit, so
was hie gutes anliget, das ist min schult nit, wafi es wart nie
hunt so böse, lokete im sin herre mit einer wissen simelen^ er
kerne vil gerne.
im. Von der armen dinien, von der messe joh . baptiste, von
der wandd^inge der ouelaten in de lamp, von enget schont, von
vierhande litte geheliget und von giddinen pfeningen,
Eya lieber herre, wie nütze de si, das ein mensche von
gfttem willen sie, noch dene das si der werke nit vermag, de
wisete unser lieber herre einer armen dime, da si nit me mohte
alleine si, doch leider ze sinem dienste nit endohte. Do sprach
si alsust ze gotte:
Eya lieber herre min,
Sei ich hüte ane messe sin?
In dirre begerunge benam ir got alle ir irdensche sine und
brahte si wunderlich hin in ein schöne kilchen. Da vant si
nieman ine; do gedahte si: we du vil arme, tragü; nu bistu
ze spate komen, das du nit bist vfgestanden. Das mag dir hie
kleine fromen. Do sach si einen jungeling komen, der brahte
ein gebunt wisser blümen, die ströwete er niden in dem turne
und gieng hin. Do kam ein anderer und brahte ein gebunt
vielaten, die ströwete er mitten in die kilchen. Do kam aber
einer und brahte ein gebunt rosen, die ströwete er schone vor
vnser fröweu alter. Do kam ein vierter und brahte ein gebunt
wisser lilien und ströwete si in dem köre. Do si dis hatten
getan, do nigen si schone und giengen enweg. Diese jungelinge
waren also edel und schöne anzesehende, das uiemer menschen
pine möhte wesen also gros am libe; möhte er si reht ansehen,
alle sin pine müste vergau.
Do kamen zwene schftler mit wissem gewete, die brahten
zwöi lieht; die sasteu si ufen den alter. Do giengen si vil
schone und bliben in dem köre. Do kam ein vngelich lang
man, der was vil mager, und doch nit alt. Sinü kleider waren
also arm, das im sin arm und sin bein blekoten. Der trftg ein
Cap. IUI. 31
wisses lamp vor siner brüst und zwo ampellen braht er an
sineu vingeren. Do gieng er zu dem alter und saste das lamp
daruf und neig do lieplicb dar. Das was Johanes Baptista,
der solte singen die messe. Do kam ein jungeling, was rehte
verzartet mit sinem gelasse, der trüg einen adlar vor siner brüst.
De was Johaües ewangelist. Do kam 'ein einvaltig man,
S. Peter. Do kam ein jungeling gros, der brahte ein gebunt
gegerwedes, damit gerweten sich die drie herren. Da kam ein
grossü schar, das was das kreftige gesinde des himelriches, und
fülleten die kilchen also vol, de die arme dirne dekeine stat
konde vinden da si bliben möht«. Do gieng si niden in den
tum stan. Do vant si einerhande lüte mit wissem gewete, die
enhatten kein har, mere si hatten einvaltige krönen vf iren
höpten. Das waren die nit hatten gelept nach der e. Die ge-
zierde des hares, das ist guter werken, hatten si nit. Wamit
waren si deüe zu dem himelrich komen? mit rüwen und mit
gfttem willen an irem ende. Fürbas vant si noch schöner lüte
gekleidet mit vlelvar kleidern, die waren gezieret mit schönem
hare der tugenden und gekrönet mit der Gottes e. Noch vant
si schöner lüte, die waren mit rosenvar kleidern gekleidet, die
hatten ein schön zeichen der wittewen und ein crone der
angenomenen küscheit.
Die arme dlrne was übel gekleidet, und was krank am
libe, und bi den drin scharen mohte si niena bliben. Do gieng
si für den kor stan und sach hinin, wa unser liebü fröwe stünt
in der höhsten stat, und sant Katharina, Cecilia, bischove,
marterere, engele und megde harte vil. Do dirre arme mensche
dise grosse herschaft gesach, do sach si öch sich selben eb si
bliben getörste vor ir snödekeit. Do hatle si vmbe einen roten
brunen mantel, der was gemachet von der mifie und nach der
brunekeit der suie, nach Gotte und nach allen guten dingen.
Der mantel was gezieret mit golde und öch mit einem liede;
das sang alsust: Ich stürbe gerne von miüen.
Si sach sich ouch einer edeln juncfrowen glich und trug vf
irem höbet ein schapel von golde herlich, daran was geleit aber
ein liet; de sang alsust:
34 . Zweiter Theil.
V. Ein sang der Sden z^ gofie an fänf dingen und wie gat
ein kleit ist der seien und die sele gottes, *)
Du lühtest in die sele min
Als die sune gegen dem golde.
Swene ich mAs rAwen in dir herre,
So ist min wufie manigvalt.
Da kleidest dich mit der sele min
Und du bist Öch ir nehstes kleit,
Das da ein scheiden müs geschehen,
Joch ervant ich nie grosser herzeleit.
Wöhist du mich serer mifien,
So keme ich sicher von bükan,
Da ich dich ane vnderlas
Nach wünsche m5hte mifien.
Nu han ich dir gesungen,
Noch ist mir nit gelungen;
Wollest du mir singen,
So m&ste mir gelingen.
VI. Ein uidersang gottes in der sele an fünf dingen.
Swene ich schine so müst du liihten,
Swene ich vlüsse, so müst du wüthen,
Swen du süfzest, so zühehst du min^) g&tlich herze in dich.
Swelie du weinest na mir, so nim ich dich an den aren min;
Swene du aber minest, so werden wir zw6i ein,
Und wene wir zw6i alsust eines sin, so mag da niemer geschehen scheiden,
Mere ein wonenklich beiten wonet zwüschent vns beiden.
Herre, so beite ich defie mit hnnger und mit durste.
Mit jagen und mit Inste,
Vnz SB die spilenden stimde
De vs dinem g6tlichen munde
Yliessen die erweiten wort,
Die Ton nieman sin gehört,
Mere von der sele alleine.
Die sich von der erde enkleidet
Und leit ir ore für dinen munt; —
Ja die begriffet der mine fiint.
yjL In der pine lobe so erschinet er dir. Vm z\ioein guldin
k6pfen der pine und des trostes.
Ich sundigü; tregü, ich solte zu einer stunt betten ^ do tat
got als ob er mir enkeinerleie gnade w51te geben. Do weite
Greith S. 240.
') Handschrift: din.
Oap. V— vin. 85
idi micb betrflben jämerlich ymb mine vleisoblich sftcbe, die mich
dBbte ein bindernisse geistlicher gebrnchiinge. Eya neio; apra<4>
min sele^ gedenke noch aller trüwe und lob dinen herren algnst.
Gloria in elcelsis deo.
In dem lobe eriscbein ein groe lieht miner sele nnd mit dem
liebte wisete sich got in grosser ere nnd nnzallicber claA^.
Do büp ynser herre zwene gnldin k&pffe in sinen benden/ 4it^
waren bede vol lebendiges wines. In der linggen hant waz d^
rote win der pine, nnd in der vordren hant der tberhere trost.
Do sprach ynser herre: SoUch sint die disen win trinkent; wand
alleine ich bede schenke von gotlicher liebi; so ist doch der
wisse edeler in im selber und aller edlest stnt die, die beide
trinkent wissen und roten.
VIIL Von dem vegefi&r alzemale; davon ISsete ein mensche
ivisent seien mit den minetrehenen.
Ein mensche 8<e betten mit grosser begirde
Vil einvalteklich vür die armen seien Got von bimelricbe.
Do wisete in got de grüwelicb yegefär zemale,
Und daine so mengerlelge quäle
Als die Sünde an in waren.
Do wart also kreftgrimig des menschen geist.
De er de vegftir ze male in sin arme begreif.
Do gebarte er knmberlicfa
Und begerte mineklicb.
Do sprach got von himelricb:
Last du na zu dir nüt we,
Es ist dir alzeswere.
Do sprach der geist jemerlich:
Eya vil lieber, nn 15se doch etliche.
Do sprach vnser herre: Wie vil wilt du ir?
Der geist sprach: Herre als vil als ich mit diner gAti mag
vergelten. Do sprach vnser herre : Nu nim tusent und bringe si
war du wilt Do. hüben si sich vsser der piae^ swartz, fArig;
phfllig; brinnendig; blutig^ stinkende. Do spradi aber des menschen
geist: Eya lieber herre min^ was sol disen armen nu geschehen?
Wand alsuil egeschlich koment si niemer in din rieh. Do neigete
got vnmassen sere nider sine edelkeit und sprach ein wort; das
uns sündigen sere ze tröste stat: Du solt si baden in den mine
3*
36 Zweiter Theil.
trehnen, die da nu vliessent asser den ögen dines liebamen. Do
wart da gesehen ein sinwel grosse. Da bAben si sieh mit einem
swunge zemale in, und badoten in der miüe klar als die sone.
Do enphieng des menschen geist ynzelliche wune und sprach:
ßelobet siest du villieber von allen creaturen eweklich! Nu
ziment si dir wol in dinem riebe. Do neigete sich vnser herre
9SÜ In von der h5bin und saste tn vf ein kröne der miüe, .die si
gejöset hatte von hinan und sprach : Dise kröne sont ir tragen
eweklich %e erkenende allen den in minem riebe, das ir mit den
ininen trebnen erlöset sint nun jaren e dene flwer rekte» zit
IX, Got lohet sin brat an fdnf dingen.
Da bist ein lieht der weite,
Da bist ein krön der megde,
Du bist ein salbe der verserten,
Du bist ein trüwe der valschen,
Du bist ein brut der heiigen driualtekeit.
X, Die brät widerlobet got an fönf dingen.
Du bist ein lieht in allen liebten,
Du bist ein blüme ob allen cronen,
Du bist ein salbe ob allen Beren,
Du bist ein unwandelbar tröwe sonder valscheit,
Du bist ein wirt in allen herbergen.
XI, Von sibenhande liebin Gottes,
Du rehte gotz mine het siben angenge:
Du vröliche mine trit in den weg,
Die v6rhtende mine enpfat die arbeit, du starke mine mag vil tun,
Die minende mine enpfat enkeinen rüm,
Du wise mine hat bekantheit,
Du vrie mine lebet sunder herzeleit.
Du gewaltige mifie ist jemer me gemeit.
XII, Von sibenhande vollekomenheiten.
Gerne vngeeret, gerne vngevörhtet, gerne alleine.
Gerne stiile^ gerne nider, gerne hoch, gerne gemeine.
XIIL Zwischen Got und der Sele sol die mine sin,
Zwischcnt dir und got sol jemer mere die mine sin. ,
Zwischent irdenschen dingen und dir sol angest und vorhte sin.
Zwifichent Sünden und dir soll hass und strit sio.
Zwischent himelriche und dir sol stete hoffen sin*
^
Cap. IX— xvm. S7
XIV. Wavon kunt luterkeit, swachsit, krankheit, wisunge, ^
uwindekeit, note, dlende, $elten getröstet,
Bitterkeit des herzen kunt von der vönscheit, j^
Swacheit des lichamen kunt von dem vleisch alleine,
Swinde gemfit kunt von der edelkeit der selö,
Engschbarkeit vor der pine knnt von der schulde,
Krankheit des libes kunt von nature,
Not ellendig kunt von mütwillen,
Selten getrost kunt von vnrAwe.
XV. Wie der von minen ist wunt wirt gesunt.
Swelch mensche wird ze einer stunt
Von warer mine reht wunt.
Der wirt niemerme wol gesunt,
Er enküsse no denselben munt.
Von dem sin sei ist worden wunt.
XVI. Von siben gaben eis bräders.
Die sele ist grundelos an der gerunge, hrefieqde an der
lieben, minesäm an der gegenwürtekeit, spiegel der weite, wenig
an der grössi, getrüwe an der helfe, gesament in götte.
XV IL Wie got v)net die sele und machet wise in siner liebin,
Alsust friet got die einivaltigen sele und machet si wise in
siner liebi. Eya liebü tube, din fSsse sint rot, din vedem sint
eben, din mund ist reht, din ögen sint schöne, din höbet ist
sieht, din wandelange ist lustlich, din flug ist snel, und du bist
alzesnel zu der erde.
. XVI IL Wie die sele beräret goties vrtheit in aM dingen*
HeiTC, min fflsse sint geuerwet mit dem blute diner waren
l&sunge, min vedren sint verebent mit diner edeln erwelunge,
min munt ist gerihtet mit dinem heiigen geiste, min ögen sint
gekläret in dinem förigen liebte, min höbet ist gesichtet mit diner
getrüwen beschirmunge , min wandlunge ist lüstlich von diner
muten gäbe, min flug ist gesnellet mit diner unrüwigen lust,
min irdensch sinken kunt von diner einunge mines lichamen.
Je grösser lösunge du mir gist, je langer ich in dir mfts sweben.
38 Zweiter Theil.
XIX^ Wie die bekantnisse und die sele spreckent zescmine, und
si spricht de st di'iv(dtig si von dnen hifnelen. Die bekantnisse
spricht allererst. ')
luifiende sele, ich sach dich an,
Du bist harte minenklich wunderlich getan.
£in Itht wart darzu gclüben
De ich dich mochte besehen.
Es were mir »nders nie beschehen.
Du bist drivaltig an dir,
Du mäht wol gotz bilde sin.
Du bist ein menlich man an dincm strite,
Du bist ein wolgezieret juncfrowe
In dem palast vor dinem herren.
Du bist ein lustlichü brut in dinem mifiebette.
Gotz minende sele, in deme strite
Bist du gewäfent mit vnmezlicher kraft,
Und mit so grosser samenunge dines gemütes,
Das dich alle die mengi der weite,
Noch alle helfe dines fleiches.
Noch alle scharen der tüvel,
Noch die kraft der hellen
Nit mag von gotte gevellen.
Du werst dich als mit blümen,
Din swert das ist die ') edel rose Jesus Christus,
Damit werst du dich.
Din schilt der ist die wisse lylie Maria,
Es enhilfet si nit de si dich bestände,
Mere das si dich ziere und an dir mere
Unermessedich gottes ere.
Alle die luterlich an diseme strite stan,
Die s611ent riehen solt von dem keyser enpfan.
Eia notlichü sele, an dinem palaste der heiigen Drivaltekeit,
do du so minekliche stast gezieret vor dinem heren, wielich
ist dein ere?
Vrowe bekantnüsse, ir sint wiser dene tch si, wammbe
vraget ir mich?
Vröwe sele, got hat veh erweit ob allen dingen; ir sint min
yröwe und min kAnigine.
>) Greitii 267.
') Handschrift: der.
Cap. XIX. 39
Vröwe bekantnisse, ich bin edel und vrt geborn; ich mfts
nit vngeeret sin des ich alleine mifie. So mfts ich gewinen das
mich minety trutet; und eret.
Du heilige driualtekeit
Und alles das himel und erde treit
Mäs mir eweklich vndertenig sin.
Lan ich nun die mine gewaltig vber mich,
Also das ich ir die State gebe.
Das si mich mfisse binden in die heiigen geduld,
De ich nit enmere mine schuld.
So leitet si mich defie in die edel sanftmütekeit,
Das ich zu allen guten dingen müs wesen bereit,
Und spanet mich in die starke gehorsami,
Das ich got und allen creaturen
Lieplich müs wesen vndertan.
Die bekantnisse, Eya vr5 brut, went ir mir noch ein Wortzeichen sagen
Der vnsprechlichen heimlicheit,
Die zwischent got und vch leit?
Vrowe bekantnisse, das tön ich nit;
Die brüte müssen alle nit sagen was in beschiht
Die heiig beschöwunge und du vilwerde gebruchunge
Sont ir han von mir.
Die vserwelte bevindunge von gotte
Sol vch an allen creaturen jemer me verborgen sin,
Sunder alleine mir.
Vrowe sele, vwer wunderschowen und ^wer hohi wort
Das ir in gotte haut gesehen und gehört.
Wen ir mich darzü twingent.
Das ich das ein kleinen fürbringe.
So setz ich des keysers lieht
In einen vinstem fulenden stal.
Die rinder essent doch ir str5 wol;
Wan etteliche, die schinen gotzkinder.
Und stossent sich doch als vngebundene rinder
In dem vinsteren stalle
Und sprechent was inen sogtan getüsche solle,
Es si von mütwillen gedaht,
Und in valscher helikeit vürbraht.
Vröwe bekantnisse, man vindet also geschriben,
Das sant Paulus wart gefürt in den dritten himel.
Es were im nie beschehen, were er Saulus beliben.
Hette er die warheit funden
In dem ersten und in dem andren himele,
Er were nie in den dritten gestigen.
40 Zweiter Theil.
Du sele: Ein himel ist, den het der tüvel gemachet,
Mit sinen schönen valschen lisUm.
Do wandeint die gedenke ine mit trurigen äfften,
Und die sele lit alstille,
Wan si bevindet nit ir natnre mi&e.
Da hübet die sele vngetrost
Und betrüget die einvaltlgen sine.
In disem hiinele wiset sich der tüfel
Einem lühtenden engel geh'ch,
Ja öch an sinen f&nf wunden gotte glich.
Einvaltigü sele hüte dich!
Der ander himel ist gemachet
Von heiiger gerunge der sine,
Und von dem ersten teile der mine.
In disem himel ist enkein liht,
Die sele siht da gotz nit ine.
Si smeket ein vnbegriffliche süssekeit,
Die ir alle irü lider durgat.
Si h5rt öch eine stime von etlichen dingen,
Die si doch gerne wil,
Wan es ist noch gemenget mit irdenschen siften.
Ist dene die tieffl aller diemfitikeit da nit.
So bütet der tüfel dar sin liht;
Das dene da geschiht,
De ist von gotte nit.
Ist aber die volle diemütikeit da,
So müs die sele vürbas vam
In den dritten himel;
Da wirt ir de wäre lieht gegeben. —
So sprechent die sine:
Ynser fröwe, du sele hat gesclaffen von kinde,
Nu ist si erwachet in dem lihte der offenen mifie.
In disem liehte sihet si sich al umbe
Wie der sl, der sich iro wiset,
Und was das si das man ir zu sprichet.
So siht si werlich und bekenet
Wie got ist allü ding in allen dingen. —
Nu leg ich allen knmber nider
Und var mit sant Paulo in den dritten himel.
Wene got minen sundigen lichamen mineklich sclat da nfder.
Dirre dritte himel ist gewelbet und geordent.
Und verlüthet schone mit den drin personen,
Die begifien alsust:
Der wäre gottes grüs,
Der da kunt von der himelschen blflt.
Cap. XX. 41
XX, Wie swester Hütegunt ist gezieret in dem himelriche mit
dem mantelen, mit VII Cronen, wie si lobet die nun kSre,
An einer seligen jnncfröwen tag, sante Barberen , enpfieng
Swester hiltegunt ir ere. Das wisete got eim lamen hunde,
der noch mit jamer lekket sine wunden. In minem gebete es
also beschach, das ich nit weis, weder de himelrich were ge-
neiget zu mir, oder ich was gezogen in das wunerrich hus gotz.
Da stünt hiltegunt vor dem trone des himelschen vatters ge-
zieret als ein nüwe brut, die der künig geholet hat zehuse. Si
het vmbe sich drie mentel und treit vf irem höbet siben cronen,
und sunderlichen loben si n&n k5re. Do ich si sach, do be-
kante ich si in aller gäbe die si enpfangen hat von gotte. Doch
luste mich mit ir ze redene und vragete si doch in der ge-
bruchunge, vf de ich deste langer bi ir were. Eya, wavon hast
du disen rosenuarwen mantel? Do sprach Hiltegunt: Ich was
ein martererine in der fürinen mine, also de dikke min herze
blüt vber min höbet gos. Do vragete ich si fiirbas : wavon hastu
disen guldinen mantel, der so schone lüht^t. Do sprach si: von
dem bilde gftter- werke. Do sprach ich: Wavon hastu disen
blAmenden wissen mantel? Do antwort si: von der notlichen
mine, die ich heimlich trAg in miner sele und in miner sinnen.
Dis waren die siben cronen : Orone der stetekeit, Crone des
heiigen glöben, Crone der trüwen, Crone der muten barmherze-
keit, Crone der heiigen vernünftekeit, Crone der mine, Crone
des magtümes. Do vragete ich me: Liebü, wa ist die crone
der diemütikeit, die geistlichen lüten so wol anstat? Do ant-
würte si: Der han ich nit sunderlich, noch nie gewan, mere
also vil, das mich got hochmAtes mitte benam. Dise siben cronen
sint alle gezieret sunderlich mit dem schapel der edelkeit der
lütere^ heren') küscheit.
Alsust lobent si die köre an nun tugenden: Wir loben dich
an diner rüwe, an dinem guten willen, an diner warheit, an
diner wisheit, an dinem sfissen jamer, an dinem willigen armftte,.
Handschrift: herren.
42 Zweiter Theil.
an diner starkheit , an diner gerehtekeit. Alsnst lobent die von
Seraphin, wan si ir gesellen sint: Wir loben dich an der mifie
gottes, künegifie. Die throni loben si alsust: Wir loben brAti-
göme an der sehöni der brAte.
Ich vragete si mancher dingen,
Der ich nu swigen wil,
Wan alleine, das himelriohe si minevar.
So ist doch leider das ertriche vil wandelbar
An mir und an mangem man,
Der noch ze himel nie kam,')
Da man die warheit schöwen sol.
XXL WUtu den berg ansehen, so soll du haben siben ding.
Einen berg han ich gesehen,
Das was vil scheire (sie) geschehen,
Wan enkein lichame mohte das getragen,
Das die sele ein stunde da were.
Der berg war niden wis, wolkenvar
Und oben an siner höhin fürig sonenclar.
Sin beginen und sin ende konde ich niena finden,
Und binen spilte er in sich selber
Vliessende goldvar in vnzellicher mifie.
Do sprach ich: Herre, selig sint die ögen.
Die das minesweben eweklich sont schÖwen
Und dis wunder bekenen.
Ich mag es niemer genemen.
Do sprach der berg: din ögen.
Du mich s5nt alsust sehen.
Die müssent gezierent sin mit siben dingen,
Es mag enanders niemer beschehen.
Die sprechent alsust: N6te bürgen gerne gelten.
Und nit halten an im selben,
Vngetrüwe wider den hass
Und minneklich wider die vreislicheit,
Luter an der schulde und bereit
Gegen der enpfengnisse.
XXII. Wie die schowunge waget die minenden seien von se-
raphin und von dem nidef'sten menschen.
Vröwe sele, wöltet ir lieber sin ein engel von seraphin oder
ein mensche mit libe und mit sele in dem niederosten köre
der engel?
') Handschrift: kan.
Gap. XZIU. 48
Die sde zil der leschotounge: Vrowe beschöwnnge, ir hant
de wol gesehen, de die engel von seraphin hohe fürsten sint,
und das si ein mine, and ein für und ein äteii und ein lieht
mit gotte sint.
Die beschötounge: Vrowe sele, ir hant das wol gesehen, das
die engel einvaltige personen sint und das si got nit me lobent,
noch minent, noch bekenent, deiie in an ist geborn; und des
mag sich der niederste mensche alsust erholen mit cristanen ge-
loben, mit ruwe, mit gerunge, und mit gutem willen, mere sin
sele mag in der gotheit so sere nüt brenen.
Die sele: Yrö beschöwunge, ir hant das wol gesehen, das
die engel von seraphin gotz kinder und doch sine knehte sint.
Die minste sele ist tohter des vatters und swester des snnes und
vröndine des- heiigen geistes und werliche ein brut der heiigen
driualtekeit.
Swene das spil vberein get,
So sehe man den weles allermeist wege,
Den werdesten engel Jesum Christum,
Der da swebet oben seraphin,
Der mit sinem vatter ein ungeteilet got müs sin.
Den nim ich, minste sele, in den arm min,
Und isse in und trinke in
Und tun mit im was ich wil.
Das mag den engein niemer geschehen,
Wie hohe er wonet ob mir.
Und sin Gotheit wirt mir niemer so tür, *)
Ich m&sse ir ane vnderlas
AIlü minü gelide vol beainden,
So mag ich niemer mere erkülen.
Was wirret mir dene was dfe engel beninden?
XXIIL Wie die mine waget und leret die stumpfen seien und
brechte si gerne zu irme liebe und spricht allererst und du
stumpfe sele antwurt.
Mine: Eya torechtige sele, wa bistu,
Oder wielich ist din wonunge und wes lebestu?
Wa macht du rüwen nu du nit enminest
Dinen lustlicben got vber dinen eignen Willen
Und über alle dine mäht?
') Handschrift: türe.
44 Zweiter Theil.
Sde: Las mich vngeweket.
Ich weis nit was du mir sagest
Mine: Man müs die Küoigine wol weken,
Swefie ir künig komen wil.
t^ele: Ich bin in einem heiigen orden,
Ich vaste, wache, ich bin ane höptsünde,
Ich bin gnüg gebunden.
Miile: Was hilfet, das man ein ital vas vil bindet,
Und das der win doch usrinet?
So müs man es fdllen mit Steinen der vswendigen arbeit
Und mit eschen der vergenglicheit.
^e^e; Ich wonen in der woUust miner mage
Und miner Üben geistlichen vründen;
Und wie mohte ich den Instlich minen,
Den ich nit erkefieV
Mine: we, kannst du den herren nit erkenen,
Den man dir so dikke nemet?
Du bist mer bekümbert mit dinem huntlichen lichamen,
Dene mit Jesu, dinem siissem herre.
Des gewinestu vor sinen ögen niemer ere.
Sele: Ich leben mines eignen willen,
Das ich den gerne vol lebringe.
Mine: Wiltu got rehte trüwe leisten,
So soltu in siner liebin volgen sinem geiste.
Sde: Ich röwe in der weite mines lichamen.
Mine: Des mäht du dich hütte vor gotte schämen,
Das du doch treist geistlichen naroen,
Und gast doch alles umbe mit dinem lichamen.
Sele: Wes solte ich mich generen,
Ob ich mich mit dir w51te besweren.
Mine: Eya untrüwe, der die sele so edel het gemäht.
Das si nüt dene got essen mag,
Der lat noch iren lichamen nit verwüschen.
Sele: Du schiltest mich sere,
Wiste ich wa er were,
So mohte ich mich noch bekeren.
Mine: Wiltu mit im wonen in edeler vriheit.
So müstu e rumen dise wonunge der b5sen gewonheit.
Sele: we! das tut menig man nit der wise ist von lere
Und von natürlichen sinen,
Das er sich iht getörre legen
In die gewalt der nakkenden mine.
Mine: Mere die einvaltigen reinen,
Die got in allem irem tünde luterlich meinen.
Zu den müs sich got natürlich neigen.
Cap. XXIII. 45
^e^; Ich wände, wene ich mich dur ^ot begebe,
Das ich deüe vil hohe were gestigen.
Mine: Was hilfet, das man ein sclaifenden man schone kleidet
Und im edele spise vorsetzet diewile er schlaifet,
So mag er doch nit essen?
Eya liebi mi, lä die weken.
Sele: Eya, nu sage mir, wa sin wonunge st.
Mine: Es ist en kein herre mer,
Der zemale in allen sinen hüsem wone, dene alleine er.
Er wonet in dem vride der heiigen minesamkeit
Und runet mit f>iner liebi in de enge en5te der sele
Er halset si Öoh in der edelen behagunge siner liebi.
Er grtisset si mit sinen liplichen 5gen,
Wene sich die lieben werlichen schowen.
Er darküsset si mit sinem g6tlichen mnnde.
Eya wol dir, me dene wol der Überheren stunde!
Ertratet si mit voller mäht in dem bette der mine.
So kant si in das höchste wol
Und in das minenklichste we,
Wirt si sin rehte ifie.
8elei Eya liebü na la dich minen
Und were dich nit mit grime.
Wie sint die die sich mit grime werent?
Mine-, De sint die, die ander lüte and sich selber
Mit ir bosheit beswerent.
Nu sage ich dir wer er si:
Er ist der allerhöhste höher,
Und der selbe h5hste hohe hat sich geneiget
In das allemiderste tal.
Und dis allerniderste tal
Hat sich gesetzet in den allerh6hsten hohen,
Stumpfü sele, sich dich vmb und vmbe
Und tu uf die blinden 5gen.
S^le: Ist er von der h5hsten h5hi dur mini liebi nidergetreten,
Und hat sich gentzlich mir mit allen creaturen gegeben,
Ja enwolte er sine g&ti mir nüt benemen.
So möchte ich mich jemer me vor sinen ögen Schemen,
De ich min vngeneme kupfer me
Qentzlich vmb sin türes gold wolte geben.
we, wa bin ich gewesen ich vnselig^ blinde,
Das ich also lange gelebet han ane kreftige mine.
Damit ich werlich alle mine not
Sander aller miner viende dank überwinde?
Nu alleine ich armü vil gutes versnmet hän, ')
') Handschrift: habe.
46 Zweiter Theii.
•
So wil ich doch noch vs allen dingen in got gan.
Eya mifie, wiltu mich noch enpfan?
Mine: Ja, got hat sich nieman verseif,
Das ist ein glich masse.
Wiltu liep haben so müst du liep lassen.
XXIV. Wie sich die minende sde gesellet gotte und sinen
userwdten liehen, und sol gelich sin (dien hdigen. Wie der
tAfd und die sde sprechen zesamene, ^)
Eya, herre Jesu christe, die vnsohuldigA pine tr&stet
micb,^) wan ich an allen minen pinen schnldig bin, und din
heiige tot haltet min hügenisse lebendig in dir^ und din vnbe-
wollen blfit hat min sele durch vlossen.
Maria/ tmt mfiter, ich stand bi dir bi dem crüze mit allem
minem cristanen geloben, und das swert des heiigen jamers
snidet durch min sele, darumbe das der so vil ist wandelber
die geistlich schinent.
Johanes baptista, ich bin mit dir gevangen, wan die
yngetrü von dirne der valscheit hat gotz wort getötet in minem
munde.
Johanes ewangelista, ich bin mit dir entsclafenin herzek-
licher liebe vf den brüsten Jesu christi, und danen da han ich
so erhaftigü wunder gesehen und vemomen, das min lichame
ist dikke von im selber komen.
Petre, ich bin geträte got mit dir, wan mir wirt niemer
menschlich wol, und mir ist dikke geistliche we nach dem lobe
Jesu Christi.
Paule, ich bin wunderlich yfgeznket mit dir und han ein
solich hus gesehen, das mich nie keines dinges so gewunderte,
so das ich sider dem male ein lebendig mensche mohte sin.
Swene ich gedenke das der himelsche vatter da ist der seligen
schenke und Jesus dei^kopf, (Becher) der heiig geist der luter win,
und wie die ganze drivaltekeit ist der volle köpf, und mine der
gewaltige keller, — weis got, so neme ich gerne, das mich die
») Greith S. 241.
*) Am Rand: An vnsern pinen sind wir schuldig.
Gap. XXIV. 47
mifie da ze hnse bete. Nu ich wil noch hie gerne gallen trinken.
£ya lieber Jesn, nu lone es inen allen liplieh, die mir hie schen-
kent bitterkeit, man si macheut mich gnadenrYch. Mir kam ein
köpf mit gallen 9 der was also kreftig, das er min lip und sele
al durgieng. Do bat ich sunderlich got fiU* minen schenken,
das er im wölte schenken den himelschen win. Werlich das
tet er und sprach: Du jungfrowe, gehabe dich wol. Die grössi
mines Wunders sol vber dich gan, die löwen solten dich vörhten;
die beren solten dich sicheren, die wolfe solten dich fliehen.
Das sol din geselle sin. Ich bin des gewiss, unde als mir vnte-
har ist beschehen, das ich noch manigen köpf mit gallen vs sol
trinken ; wand leider der tAfel hat noch vnder geistlichen Ititen
vil manigen schenken, die der gift so vol sint, das si es nit
alleine m5gent getrinken, si mfissen si gottes kinder bitterliehen
schenken.
Stephane; ich knüwe bi dir vor dem judeschen herzen
vnder den scharpfen steinen, wand si vallent vf mich gros und
deine. Die, welche gfite lüte schinent die steinent mich ze rugge
und vliehent und wellent nit de ich es it wisse, de es mir von
inen ßi geschehen. Got hat es doch gesehen.
Laurenti, ich was in dir gebunden, mer dene zwenzig
jar uf einen grAlichen rost; doch behielt mich got vnverbrant
und hat mich nu me dene siben jar gelöschen.
Martine, ich wonen mit dir in der ynahteberkeit und du
wäre gotzmine hat mich gemarteret ob aller arbeit.
' Dominice, lieber vater min, ich habe en wenig teiles mit
dir, wan ich haj>e es gegert manigen tag,
De noch müsse min sAndiges herzblAt ^iiessen
Under der vngelöbigen ketzeren f&ssen.
Katherina, ich gan mit dir ze strite, wan die meister von
der helle weiten mich gerne vellen. Do einer kam zu mir, schone
als ein sehin von der suüen, de ich solte wissen de er ein engel
were und brahte ein lühtendes bftch und sprach. Nime doch
das peize (pax) da du zfi der messe nit komen mäht. Do sprach
di sele mit gezogner wisheit: Der selber keinen vriden hat, der
mag mir keinen vriden geben. Do vAr er hin und verwandelt
48 Zweiter llieil.
sich und kam wider gelich eim vil armen siechen roane; dem
sin gederme vs wil^ nnd sprach: Eya, du bist also heiig, maebe
mich gesunt. Do sprach aber dt sele: der selber siech ist, der
mag nieman heilen. Es ist geschriben: Wer bas mag der sol
dem andern helfen. Es ist öch geschriben , man sol nieman
wider got helfen, de man wol tAt de ist nit wider got. Da nit
gfltes an ist, da mag nieman nit gfltes antun. Da hast ein
ewig siechi, wiltu gnesen, so var hin and zöge dich einem
priester, oder einem bischof oder einen erzbischof oder dem
habest Ich han en keinen gewalt deüe alleine de ich sandigen
mag. Do sprach er mit grime: das wil ich niemer getün. Do
wart er gelich einem scwarzen r&che und zögete sich vngezogen
und ftkT hin. Ich fürchte mich doch nit ¥on ime.
Maria. Magdalena, ich wone mit dir in der wöstnnge wan
mir sint ölü ding eilende, sander alleine got. Herre, himelscher
yatter, zwischent dir und mir gat ane anderlas ein vnbegriflich
aten, da ich vil wanders und ynsprechlicher dinge ifie bekefie
and sihe und leider wenig nütze empfahe, wan ich bin so sn&de
ein vas, de ich dinen minsten funken nit erliden mag. Die un-
gebunden mine wonet in den sinen, wan si ist noch gemenget
mit irdenschen dingen, also de der mensche rufen mag: In der
gnade ist die mine in den sinen vtlegen und hat noch leider die
sele nit erstigen. Der lüten ist vil gevallen, wan ir sele bleip
vnyerwunt. Salomon und David enpfiengen den heiigen geist
in iren menschlichen sinen; do sich aber die sine wandolten,
do vielen si Yn die valschen mine. Weis got, ir sele war ^ nit
gesenket in die niedersten tieffi vnder aller creature, noch ge-
wundet mit dem creftigen teil der mine,
Von der des besten wines nie enbeis,
Der groieret dike allermeist
die gebunden mine wonet in der sele und stiget über mensch-
liche siüe und gestattet dem lichamen enkeines sines willen. Si
ist gezogen und vil stille. Si lat ir flügel nider und h&ret nach
der vnsprechlichen stime, und siebt in das vnbegriffelich lieht
und wirbet mit grosser begirde nach irs herren willen. Mag
dene der licham veder schlagen, so enmag du sele de h5hste
Cap. XXV. 49
de menschen geschehen mag niemer eruaren. In diser gebun-
denen mine wift rieh die gewundete sele, und vil arme ir vs-
wendigen sifie, wand, je me got richtümes in ir vindet, je sie sich
von rehter edelkeit der mifie tieffer diemfitet. Swelch mensche
alsust gebunden wirt mit der gruntrfirunge der kreftigen mifie,
den kan ich entkeinen val zu den höptsünden vinden, wau die
sele ist gebunden, si müs ie miüen. Gott mi\sse mis alle alsust
binden !
XXV. Vo7i der Mage der mineaden sele, wie ir got schonet nnd
enziehet sine gäbe, von vnsheit, %oie du sele vraget got icer er
tA und wie er «?. Von dem böngarten, von den blämen und von
dem sänge der megde. *)
du unzalhaftiger schätz an diner richeit! du vnbe-
griffenliches wunder an diner manigvaltekeit! du endelose
ere in diner herschaft diner edelkeit! Wie we mir dene na dir
sie, als du wilt schonen min,
De möhten dir alle creaturen nit volle sagen,
Ob si müsten vür mich clagen,
Wan ich lide ynmcQSchliehe not.
Mir tete vil sanfter ein menschlich tot.
Ich suche dich mit gedenken,
Als ein junkfröwe verholn ir liep;
Des müs ich sere kranken,
Wan ich mit dir gebunden bin.
De bant ist sterker dene ich si,
Des mag ich nit werden von minen vrt.
Ich rftflfe dich mit grosser ger
In ellendiger stime.
Ich beiten din mit herzen swer.
Ich mag nit rftwen, ich brine
Vnverlöschcn in diner heissen miüe, ^
Ich jage dich mit almaht.
Hette ich eines risen kraff,
Du were schiere von mir verlorn, .
Keme ich reht von dir vf das spor.
Eya lieber, nu löfe mit ir nit ze lange vor
Und rüwe ein wenig minekltch,
üf de ich dich begriffe.
') Greith S. 241.
H. MeobthUd.
&0 Zweiter Theil.
Eia herre, als du mir hast alles enzogen de ieh von dir
han, so la mir doch von gnade dieselben gäbe, die dn von nature
einem hunde hast gegeben, de ist, de ieh dir getrüwe si in miner
not ane allerleie widertrutz: Des gere ieh sicherlich serer deüe
dins himelriches.
Liebü tabe, nn höre mich :
Min götlichü wisheit ist so sere über dich,
De ich alle min gäbe an dir also ordene,
Als du si an dinem armen libe mäht getragen.
Din heimliches suchen mAs mich vinden,
Dines herzen iamer mag mich twingen,
Din sfisses jagen machet mich so mfide,
De ich begere, de ich mich kule
In der reinen sele din,
Da ieh in gebunden bin.
Din ser herze süfzende biben
Hat min gerehtekeit von dir vertriben»
Des ist vil rehte dir und mir.
Ich mag nit eine von dir sin.
Wie wite wir geteilet sin,
Wir m5gen doch nit gescheiden sin.
Ich kan dich nit so kleine beriben,
Ich tu dir vnmassen we an dinem libe.
ShWte ich mich dir ze allen ziten geben nach diner ger,
So muste ich meiner süssen herbergen
In dem ertrich an dir enbem ;
Wan tusent lichamen machten nit
Einer miiienden sele irre ger volle wem.
Darumbe, je hoher miiie, je heiiger marterer.
herre, du schonest alzesere mines pfAligen kerkers,
Da ich iiie trinke der weite wasser
Und isse mit grosser jamerkeit
Den eschekAchen miner brödekeit,
Und ich bin gewundet vf den tot
Mit diner fürigen mine strale.
Nu lastu mich herre ligen
Ungesalbet in grosser qwale.
Liebe herze min künegiiie,
Wie lange wiltu also vngedultig sin?
Wene ich dich allerserost wunden,
80 salben ich dich allermineklichost in derselben stunden.
Die grössi raines richtümes ist alleine din,
Und über mich selber solt du gewaltig sin.
Ich bin dir mineklichen holt;
Hast dn de ge]5te, ich habe de golt.
Cap. XXV. 51
Alles das da hast dur mich getan, gelassen und gelitten,
De wil ich dir alles widerwegen
Und wil dir mich selben eweklich vergeben
Nach allem dinem willen geben.
Herre, ich wil dich zweier dinge vragen;
Der berihte mich nach dinen gnaden:
Wene min Hgen trurent ellendekliche
Und min mnnd swiget einvaltekliche
Und min zunge ist mit jamer gebunden
Und min sine mich vragent von stunde ze stunden,
Was mir sie, so ist es mir
Herre alles nach dir,
Und min vleisch mir entvallet, min blAt vertrukent^
Min gebein kellet, min adem krempfent
Und min herze smilzet nach diner miiie,
Und min sele brenet mit eines hnngerigen lowen stime.
Wie mir dene si, wa du dene bist,
Vi! lieber das sage mir.
Dir ist als einer niiwen brut,
Der sclafende ist engangen ir einig trut,
Zu dem si sich mit allea trüwen hat geneiget.
Und mag des nit erliden, de er ein stunde von ir scheidet.
Alse si den erwachet , so mag si sin nit me haben,
Dene alse vil als si in iren sinen mag getragen.
Davon hebet sich alle ir chigen.
Diewile de der jungcling siner bnit ist nit heim gegeben,
So mAs si dikke ein von im wesen.
Ich kum zA dir nach miner lust, weiie ich wil;
Siest du gezogen und still
Und verbirg dinen kumber wa du mäht.
So meret an dir der mine kraft.
Nu sage ich dir wa ich dene si.
Ich bin an mir selben an allen stetten und in allen dingen.
Als ich je was sunder beginen
Und ich warten din in dem bömgarten der mine
Und briche dir die blöme der süssen einunge
Und machen dir da ein bette
Von dem lustlichen grase der heiigen bekantheit
Und die liebte sune miner ewigen gotheit
Beschinet dich mit dem verborgenen wunder miner lustlicheit,
Des du ein wenig heimlich hast erzöget.
Und da neigen ich dir den hohsten b(5n miner heiigen drivaltikeit.
So brichest du dene die grünen, wissen, roten opfel miner san^tigen menscheif ,
Und so beschirmet dich der schatte mines heiigen gelstes
Vor aller irdenscher trurekeit,
So kanst du nit gedenken an din herzeleit.
4*
52 Zweiter Theil.
So du den bön vmuahest, so lere ich dich der miegde 'sang,
Die wise, die werte, den süssen klang.
Den die eine an inen selben nüt m&gen verstan,
Die mit der vnküdcheit sint durgangen,
Si sollent doch süssen wandel han.
Liebü nu sing an und la hören wie du es kanst. x
we, min vil lieber, ich bin heiser in der kelen miner köscheif,
Mere das zukker diner süssen miltekeit
Hat min kelen erschellet das ich nu singen mag,
Alsust, herre: Din blüt und min ist ein vnbewolleo,
Diu mine und minü ist ein vngeteilet,
Din kleit und min ist ein unbevleket,
Din munt und miner ist ein vnküst etc.
Dis sint du wort des sanges der mine stime,
Und der süsse herzeklang müsse bliben,
Wan de mag kein irdensehü haut geschriben.
XXVI . Von diseme buche und von deme schriber dis büches.
Ich wart von disem buche gewamet,
Und wart von menschen also gesaget;
Wolte man es nit bewaren,
Da mohte ein brant i\bervaren.
Do tet ich als ich von kinde han gepflegen;
Weiie ich betrübet je wart, so müste ich beten.
Do neigete ich mich ze mincm liebe und sprach:
Eya herre, nu bin ich betrübet,
Dur din ere sol ich nu ungetrostet von dir beliben.
So hastu mich verleitet,
Wan du hies mich es selber schriben.
' Do offenbarte sich got zehant
Miner trurigen sele, und hielt dis buch in siner vordem hant,
Und sprach: lieb minü, betrübe dich nit ze verre,
Die warheit mag nieman verbrenen.
Der es mir vs miner hant sol nemen,
Der sol sterker dene ich wesen.
De buch ist drivaltig
Und bezeichent alleine mich.
Dis bermint, de hie vmbegat
Bezeichent min reine wisse gerehte menscheit,
Die dur dich den tot leit.
Du wort bezeichent mine wunderliche gotheit.
Du vliessent von stunde ze stunde
In dine sele us minem götlichen munde.
Du stime der werte bezeichent minen lebendigen geist
Und voUebringent mit ir selben die rehten warheit.
Nu sich in allii disii wort,
Cap. XXVI. 53
Wie loblich si niine heimlicheit melden
Und zwifel nit an dir selben.
Eya berre, were ich ein geleret geistlich man,
Und faettistu dia wenig grosse wunder an im getan,
So mohtistu sin cwi^e cre enphähn.
Wie sol man dir uu das getruwen,
Das du in den vnfletigen pfül
Hast ein guldin hus gebuwen,
Und wonest da werlich ine mit diner müter
Und mit ^ller creature
Und mit allem dinem himelschen gesindc.
Herre da kan ich die irdische witfheit nit gevindcn.
Tohter, es verlürct manig wise man sin türes golt
Von verwarl6si in einem grossen herwege,
Da er mitte ze hoher schule mohte varen;
De mAs jeman vinden.
Ich habe von natnre das getan manigcn t»ig.
Wan ich je sunderliche gnade gap,
Da sAchte ich je zA die nidersten,
Minsten, heirolichosten stat,
Die hosten berge m5gent nit enpfan
Die ofFenbarunge min er gnaden,
Wan die vlät mines heiigen geistes
yiüsset von nature ze tal.
Man vindet mau igen wisen meister an der schrift,
Der an im selben vor minen (5gen ein tore ist.
Und ich sage dir noch me.
Das ist mir vor inen ein gros erc
Und sterket die heiigen cristanheit an in vil scre,
De der vngelerte munt
Die gelerte zungen von minem heiigen geistc leret.
Eya min herre, ich süfze und gere
Und bitte für dinen schribere,
Der das buch na mir habe geschriben,
De du im öch welest die gnade geben zo lone,
Die nie menschen wart gelühen,
Wan herre, diner gäbe ist tnsend stunt mc
Dene diner creaturen die si mögen t ncmen:
Do sprach vnser herre:
Si hant es mit guldinen büchstaben geschriben.
Also 85nt allii disii wort des büches
An irem obersten clcide stan
Eweklich offenbar an minem riebe
Mit himelschem, lühtenden golde
Ober aller ir gezierde wesen geschriben.
Wan du vrie mine müs je das höhste an dem menschen wesen.
54 Zweiter Theil. Gap. XXVI.
Die wile de mir vnscr Iwitc diso worte eflgef,
Do Bach ich die herh'che warheit
In der ewigen wirdekeit:
Eya herre, ich bitte dich, de du dis bAch wellest bewaren
Vor den Ögen der valschen vare,
Wan si ist von der helle vnder vns komen.
Sie wart nie iis dem himelriche gcnomen,
Si ist gezüget in lucifers herze
Und ist gebom in geistlichem homüte
Und ist gedruten in dem has
Und ist gew^ahsen in dem gewaltigen zorne als gros,
De si des dunket, de kein tugent si ir genos.
So müssent gottes kindcr vndergan
Und müssent sich mit der smacheit verdruken lan,
Wellent si die h5hsten orc mit Jesu enpfan.
Ein heligc vare
Müssen wir uf uns selber
Ze allen stunden tragen,
Das wir uns vor gebrcsten vei'waren.
Ein mineklich vare
Sön wir ze vnsern cbeneristanen haben.
So si missetünt, de allcine getrüwelich sagen.
So mögen wir manig unnütze rede bewaren. Amen.
Ö5
Dis ist das dritte buch.
1, Von dem himelriche und von den nun koren wid wer den
hrCichen solle erfüllen. Von dem trone der apostelen und Sante
Marien und da Cristus ine sint. Von dem lone der predieren,
martereren und megden und von den vngetöften kinden.
Du sele sprach alsust zA ir gerunge:
Eya var hin und sich wa min lieber si,
Sag im, ich wolte minen.
Do vür die gerunge drahte hin,
wan si ist von nature snel und kam zu der hohen und rief:
Grosser herre, tu uf und la mich in. Do sprach der wirt: Was
wiltu de du so sere breiiest?
•Herre. ich künde dir.
Min Fruwe mag nit lange alsust leben,
Wöltistu vliessen so m5hte si swcben,
Wan der visch mag uf dem sand nit lange leben
Und frisch wesen.
Var wider ich la dich nu nit in.
Du inbringest mir die hungerige sele,
Der mich lustet ob allen dingen.
Do der botte nu widerkam
Und die sele irs herren willen vemam,
Eia, wie mineklich si es do erkam!
Si hAp sich uf in einem sachten zuge
Und in einem lustlichen fluge.
56 Dritter Theil.
Do kamen ir zwenc cngel gemützet vil schiere, die sante
ir got gegen von herzeklicher licbi und sprach ir zu: VrÖwe
scle, was wellent ir sust verre? Ir sint je noch gekleidet mit der
vinsteren erden J) Do spracli si: Je herre, swigent des all stille
und grucssent micli ein wenig bas, ich wil varen minen. Je
naher ir dem erlrieh sinket, je mer ir verbergent vwer süsses
Miimelbliken, und je höher ich stige, je klarer ich schine. Do
namen si die sele zwuschen sich, und vorten si vrölich hin.
Do die sele gosach der engel lant,
Da ßi ane vare ist bekant,
Do WC ir der himel vfgctan,
Do stünt si und smaltz ir herze und sach
Iren lieben an und sprach : •
herre, wen ich dich sieh,
So müsse ich dich loben in wunderlicher wisheit.
War bin ich?
Komen bin ich nu in dir verlorn.
Joch mag fch nit gedenken in das ertrich.
Noch an kein min herzeleif.
Ich hatte willen, wene ich dich gesehe,
De ich dir von dem ortrich vil wolti cl.igen;
Nu hat mich, hene, din ansehen erschlagen,
Wan du hast mich über mine edolkeit
Aizemale erhaben.
Do knüwete si nider und dankete im siner gnaden, und nam
ir cronen von irem höbet und saste si vf den roseuarwen naren
siner füssen und gerte des, de si im nahe komen müsste. Do
nam er si imter sine götlichen arme, und leite sin vetterliche
hant uf ire brüste und sach si an ir antlüt. Merke, ob si do vt
geküsset wart. In dem küsse wart si do vfgeruket in die höhsti
höhi vber aller engel köre.
Du minstc warheit,
Die ich da han gesehen, gehöret und bekant,
Der gelichet nit du höhste wisheit,
Die in disem ertrich je wart genant.
Ich han da ine vngehörtü ding gesehen, als mine bihter
sagent, wa ich der schrift vngeleret bin. Nu vörhte ich got ob
') Am Rnnd: Gregorius exponit.
Cap. I. 57
ich swige, und vörhtc aber viibekantc lüle ob ich svvjge. Villicbe
lüte, WC mag ich des, de mir dis geschiht und dikc geschehen ist?
In der denifitigen einvaltekeit und in der eilendigen armfile,
und in der verdrukten schmacheit hat mir got sinü wunder
erzöget: Do sach ich die scliopnisse und die ordcnungc gotzhuses,
de er selber mit sinem munde liat gebuweu. Da in het er de
licbeste gesasst, de er mit sinen heuden hat gemäht. Du
schöpnisse des huses heisset der himel; die köre da ine heissent
de riche, darumbe sprichet man zesamen himelrich.
De himelrich hat ende an siner satzunge, aber an sinem
wesende wirt niemer ende funden. Der himel gat vmb du köre,
und zwischen dem himel und den liplichen koren sint geordenet
die weltlichen sünder jemer danahe gelich hohe den kören, de
si sich besseren und bekerent. Die köre sint so kleinlich und
heiig und notlich, de an küscheit und miile verzihunge aller dingen
nieman darin kumet, wan si waren alle heiig die da vs vielen,
und danach mfissent si wesen heiig die wider in koment. Alle
westbaren und kint von sehs jaren füllen den bruch nit höher
defie in den sehsten kor. Danach untz in seraphin sönt die
megde den bruch erfüllen, die sich besodclten mit kintlichem
willen, und doch der tat nie geschach, und die reinten sich
danach in der bihte. öi mögen sich doch des nit erholn, si
haben die luterkeit verlorn. Die luter geistliche megde sint, die
' söllent nach dem jungosten tage den bruch erfüllen oben se-
raphin, da lucifer und sin nehsten von Verstössen sint.
Lucifer begieng ze male drie hobetsünde, has, hofart und
gitekeit, die sclugen den kor also geswinde in de ewig abgrunde,
so man mohte sprechen alleluja. Do erschrak alles das riebe
und erbibeten alle des himelriches süle. Do vielen der andern
etliche. De eilende ist noch ital und lidig, da ist nieman ine
und ist als luter in sich selber, und spilet von wufie got ze eren.
Ob dem eilende ist der gottes thron gewelbet mit der gottes-
kraft in blüiender, lühtender, füriger clarheit und gat hernider
untz an den himel gegen von kenibin, de der gotzthron und der
himel ein erlich hus sint; und da ist de eilende und die nun
köre beuangen ine.
58 Dritter Theil.
Ob dem gottes thron ist nit me dene got, got, got, vn-
messelicher grosser got. Oben in dem throne siht man den
Spiegel der gotheit, de bilde der menscheit, de liht des heligen
geistes und bekenet wie die drie ein got sint, und wie si sich
ftgent in ein. Niht mere mag ich hievon sprechen.
Lucifers bruch mftss erfüllen Johanes Baptista und sin ere
besitze in dem süssen eilende ob seraphin, und «alle luter geist-
liehe megde mit im, di sint noch behalten gegen dem eilende.
An dem throne vnser vröwe Sante Marien da sol enhein bruch
erfüllen, wan si hat mit irem kinde geheilet aHer menschen
wunden, die in selber der gnade gonden, de si es behalten
wolten und konden. Ir sun ist got und si göttinne, es mag ir
nieman glich gewinen. Die apostelen wonent allemaheste got
in dem throne und haut de eilende von seraphin ze lone nach-
dem de si reine sint. Johanes Baptista ist 5ch in dem throne
ein fürste. Die engele wonent nit hoher dene in seraphin. Da
obe müssent si alle menschen sin. Die heligen martirere und
, gottes brediere und geistlichen minere koment in die köre, alleine
si nit megde sin. Ja si komen erlich in kerubin.
Da han ich vngegert der predier Ion geseheo
Als es noch so! geschehen^
Ir stüle sint wunderlich,
Ir Ion ist snnderlich.
Die vordersten st&le sint zwoei brinendü lichter, die be-
zeichenent die mifie und de heiige bilde und die getrüwe mei-
nunge (bine). Die lene der stfile ist also sanfte vri und in
wuneklicher rfiwe also süsse, me dene man sprechen müsse
wider den starken gehorsam, dem si hie sint undertan.
Ir fasse sint gezieret mit manigerleie
Türen gesteine, also schone,
De ich mich werlich fr6wete,
Wnrde mir so erlich eiü crone.
De haben si wider ir arbeit,
Die hie an ir f&ssen ist, geleit.
ir predier, wie regent ir vwer zungen nu so ungeme und
neigent vweri oren so nöte vor des Sünders munt!
Cap. I. 59
Ich hau vor gotte gesehen, de in dem himelriche sol ge-
schehen das ein atem sol schinen vs von vwenne munde, der
sol vfgan vs den koren vor dem throne und sol loben den
himelschen vatter vmb die wisheit, die er an vwcr zungen hat
geleit, und grftssen den sun vmbe sin ersam geselleschaft, wan
er selber ein predier was, und danken dem heiigen geiste vmb
sine gnade, wan et ein meister ist aller gaben. So söllent die
gottes predier und die heiigen martirer und die minenden megde
sich vfheben, wan inen die groste ere ist gegeben an sunder-
lichem gewete, und an liplichem gesange und an wunderlichen
schappcin, die si tragent got ze eren.
Der megde gewete Ist wisse lilienvar,
Der predier gewete ist fürig sunenclar,
Der martyrer gewete ist lühtende roseorot,
Wan si mit Jesu litten den blätigen tot.
Der megde scbappel ist manigerlei var
Der martyrer crone ist gros offenbar.
Der predier schappel ist alles von blümen, de sint die gotz
wort, damit si in die grossen ere sint hie komen. Sust gant
diser drier seligen usspilen fiir die heiigen drivaltekeit in einen
süssen reien.
So flüsset inen engegen vs von gotte
Drierleie spilende vlüt,
Die erfüllet iren müt,
De si singent die warheit
Mit vr&den ane arebeit,
Als si got an si hat geleit.
Alsust singen die predier: vserwelter herre, wir han ge-
volget diner muten gütin in willeklichem armfite, und haben
dinfi wizelosen schaf ingetriben, die dine gemieteten hirten Hessen,
gan usser dem rehten wege.
Alsust singen die martyrer: Herre din vnschuldiges blftt
hat erfüllet vnsern tot, de wir sint diner marter genos.
Die seligen die nu in dem himel swebent und da so wunek-
lichen lebent, die sint alle beuangen mit einem liebte, und sint
durchflössen mit einer miiie und sint vereinet mit einem willen,
jedoch so haben si der \yirdekeit noch nit, die an den erlichen
stfilen lit. Si rftwent in der gottes kraft und vliessent in die
CO Dritter Theil.
wufie uud haltent sich in dem gotzzuge als der luft in der snnen,
mere nach dem jüngesten tage.
So got sin abentessen wil haben , so sol man stfllen den
brüten gegen irme briitegöme, und so sol* liep zft liebe kcmien,
der lip zu der seje, und besitzen deüe volle herschaft in der
ewigen ere.
du lustliches lamp und woneklicher jungeling Jesu, des
himelschen vatters kint, als du dich deüe vfhebest und alle k5re
durchverst und winkest den megden wunenUlichen, so volgen si
dir lobeliche in die allernotlichesten stat^ de ich nieman sagen
mag. Wie si deile mit dir spilent und dinen mifielust in sich
vcrzerent, de ist so himellichü süssekeit und so notliche ver-
einikeit, de ich desgliches nit weis. — Die witwen sollen och
volgen in herlicher lust, und in süsser anschöwunge lassen si
sich begnügen in die hShsten, so si das müssent ansehen, wie
sich de lamp zu den megden füget. Die ehte söUent sich 8ch
mifieklich ansehen, also verre, als es in nach ir edelkeit mag
geschehen. Wan je me man sich hie sattet mit irdenschen
dingen, je me vns da der himelschen wone mfts überbliben.
Die köre haut alle sunderliche lühtenisse an irem schine
und der himel die sine. Du lühtenisse ist so seltzen erlich, de
ich nit mfts noch mag geschriben. Den kören und dem himele
ist von gotte manig würdekeit gegeben,
Do mag ich von jegelichem ein wörtelin sagen.
De ist nit me dene also vil,
Als ein bini honges mag
Vs einem vollen stok an sinem fasse getragen.
In dem ersten köre ist die lustlicheit
De hohste de si haben in allen ^aben.
in dem andern köre die sanftmütekeit,
In dem dritten köre ist die minlicheit,
In dem vierden s&ssekeit, in dem fünften fr51icheit,
In dem seefasten cdele rüche,
In dem sibenden ist richeit,
In dem achtoden wirdekeit,
In dem nünden das minebrenen,
In dem süssen eilende ist du luter helikeit.
Das höhste in dem throne ist du gewaltigü ere, und die
kreftigü herschaft. De höhste vberal das je wart in dem himele,
Cap. I. 61
ist die wnndernnge. De höchste de ist, das si mögent ansehen
de nu ist und jemer sol geschehen.
Eya das erliche tüme und du süsse ewekeit, und de kreftig
durschauen aller dingen, und die sunderlichü heimlielieit, das
zwisehent gotte und einer jeglichen sele ane vnderlas gat! Die
lit an so notlicher zartekeit, hette ich aller menschen wisheit
und aller engele stime, ich k6nde es nit für bringen.
Du vngetöften kint vnder fünf jaren wonen in einer sunder-
lichen wirdikeit, die inen got vs sinem rieh hat bereit.
Si sint nit an irme scbopnisse
Gewahsen von d rissig jaren,
Wan si nit cristan mit cristo waren.
Si haben Iteine cronen,
Got mag inen nihtes gcloneD;
Er hat in doch sine gfiti gegeben,
Das si in grossem gemache leben.
De hohste de si habent,
De ist die vollede der gn<nden. Si singent alsiist:
Wir loben den der vns geschaffen hat,
Alleine wir in nie gesahen,
M6hten wir pine liden, so wolten wir es jemer clagen;
Nu sollen wir uns wol gehaben.
Nu mag etliche lüte wundern des, wie ich sündig mensche
das mag erliden, de ich sogtan rede schribe. Ich sage vch
werlich fürwar: hette es gott vor siben jaren nit mit wunderlicher
gäbe an minem herzen vndervangen, ich swige noch und hette
es nie getan. Nu wart es mir von gotz gute nie kein schade,
de kunt von dem Spiegel miner oflFenen bosheit, die so rehte
gegen miner sele oflFen stat und votk edelkeit der gnaden, die
da lit an der rehten gotz gäbe.
Doch je höher die sele ist gestigen, je me dem lichamen
mit werten und mit gelasse minre lobes sol geben; tuan sol och
sinen kumber vor dinen 8gen nit klagen, wan er ist von nature
ein zage. Man sol in halten als einen alten pMndener, der
nit me ze hove mag gedienen, so git man ime die almüsen
, alleine dur die gotz liebi. Dis ist warlich nütze, wan: je edeler
hunt, je vester halsbant.
Nu lieber herre, dise rede wil ich diner milten gfiti bevelhen
62 Dritter Theil.
und bitte, vil lieber min, mit siifzendem herze und mit weinenden
5gen und mit eilender sele, de si niemer kein pharisei mfisse
gelesen und bitte dich vil lieber herre me, de dise rede dinü
kint mfissen also vernemen, als du si, herre, in der rehten
warheit hast vsgegeben.
//. Wie die seh lobet got an siben dingen und got si von der
salbe beite*
süsser Jesu, allerschöneste forme unverborgen in nöten
und in liebe miner eilenden sele, ich lobe dich mit derselben,
in mine, in noten und in liebe mit der gemeinschaft aller creaturen.
Des luste mich defie ob allen dingen. Herre, du bist die suüe
aller ögen, du bist die lust aller oren, du bist die stime aller
Worten, du bist die kraft aller vromekeit, du bist die lere aller
wisheit, du bist de liep in allem lebende, du bist die ordenunge
alles wesendes.
Da lobte got die mifiende sele loblich, des luste in süssek-
lich alsust: Du bist ein liht vor minen ögen, du bist ein lire vor
minen oren, du bist ein stime miner worten, du bist ein meinunge
miner vromekeit, du bist ein ere miner wisheit, du bist ein liep
in minem lebende, du bist ein lop in minem wesende.
HeiTC, du bist ze aUon ziton inifiesiech na mir,
De hast du woi bcwiset an dir.
Du hast mich geschriben an din buch der gofheit.
Du hast mich gcmalet an diner mincr monscheit.
Du hast mich gegraben an diner siten
An henden und an fussen,
Eya erlöbe mir, vil lieber.
Das ich dich salben m&sse.
„Ja wa woltestn die salben nemcn herzcliebe?"
Herre, ich weite mincr sele herze in zwei rissen
Und wolte dich darin legen,
So mohtest du mir niemer so liebe salbon gegeben,
Als de ich ane vnderlas
In diner sele mfiste aweben.
Herre, weitest du mich mit dir zo hiiBe ncmon,
So wolte ich jemer din artedine wesen.
„Ja, ich wil; jedoch min tröwe heisset dich beiten,
Min mine heisset dich arbeiten.
Min geduld heisset dich swigcn,
Cap. II— IIL «3
Min knmber heisset dich arufit liden,
Min Smahheit heisset dich vertragen,
Min gernnge heisset dich not clagen,
Min sig heisset dich an allen tngenden volle varn,
Min ende heisset dich vieles ') tragen ;
Des hast du ere, swene ich dinen grossen last entlade.'*
///. Ein dage das die sde maget ist, und von der miue gotz.
Sede: „0 herre, wel ein armü sele de ist und eilende, die
hie in ertriche von diner mine maget ist! wer Inlfet mir
clagen wie we ir ist, wan si weis es selbe nit des si enbirt,
was de ist."
Mine: Fröwe brut, ir sprechent in der mine buch liwerem liten
zu, de er von vch vliehe. Berihtet mich notliche, frowe, wie ist
vch dene geschehen? wan ich wil lieber sterben, m5hte es mir
geschehen, in der luteren miüe, dene ich got in der vinsteren
>visheit heisse von mir gan, Weiie ich mit minem lieben müs
notlichen spielen, so darf mich die wisheit kein vnderscheit leren.
Swene Ich aber arbeite an anderen dingen mit mineu fünf siüen,
so nim ich vil gerne, de si mir die heiige messe bringe. Hör
mich liep gespile'*). Ich was vröliche wan trunken in der mine,
darumbe sprach ich zärtlich von sinen. Swene ich aber werde
vbertrunken, so mag ich mines liebes nit gedenken, wan du
miile gehütet mir, de si wil de mfts sin, und des sich got ge-
trost, des genende ich mich; wände, nimet er mir den lip, so
ist die sele sin.
Wilt du mit mir in die winzelle gan.
So mAstu grosse kosten han.
Hastu tusend marche wert,
^ De hastu (in) einer stunde verzert.
Wilt du den win ungemenget trinken, so verzerest du jemer
me als du hast, so mag dir der wirt nit volle schenken. So
wirstu arm und nakent und von allen den versmehet, die lieber
') Handschrift: viele.
^) Am Rande sind auifallender Weise von späterer Hand zwei Verse
ans Ovidius angefllhrt.
64 Dritter Theil.
sich fröwent in dem pfftle, denne si iren schaz in der hohen
winzelle vertun.
Du möst oeh das liden,
Das dich dieiene nidcn,
Die mit dir in die winzelle gnnt.
wie scre si dich etteswene versroahent,
Wan si so grosse koste nit get5rrent bestan.
Si wellent das wasser ze dem wine gemengel han.
Liebe viö brut, in der tauerne wil ich gerne
Verzeren alles das ich han
Und lasse mich dur die kolen der mine ziehen
Und mit den brenden der smacheit sclahen^
Uf de ich vil dike in die seligen winzelle müsse gan.
Hie wil ich gerne zu kiesen, wan ich mag an der mine nit
verlieren. Darumbe der mich piniget und versmehet, der schenket
mir des wirtes win, den er selbe getrunken hat.
Von dem wine werde ich also ti unken,
De ich allen creaturen werlich wirde als vndortan,
De mich des di'inket na miner menschlieheii vnedelkeit
Und na miner angenoraenen bosheit,
De niemer mensche hat so vbel wider mich getan,
De er deheine bünde möge an mir vnseligen began.
Harvmbe mag ich min leit an minem viende nit wirken.
Jedoch so weis ich das wol, si mögent gotz gebot 8ch an mir
zerbrechen.
Liebü gespile, weile de geschieht, de man die winzelle
vfsclüsset, so müstu in der Strasse gan hungerig, arm, nakent,
und also versmehet, de du aller spise cristanliches lebens an dir
nit me hast wan den geloben. Mahtu defie mifien, so verdirbestn
niemer.
Vrö brut, ich habe nah dem himelischen vatter einen hnngcr.
Da ine vergisse ich alles kumbers,
Und ich han nnch sinem sun einen dnrst,
Der benimet mir allen irdenschen Inst;
Und ich han von ir beder geiste ein solich not
Die gat bouen des vattere "wisheit,
Die ich begriffen mag
Und über des sunes arbeit
Defie ich erliden mag,
Und vber des heiigen geistes frost
Defie mir geschehen mag.
Cap. III— IUI. 66
Swer mit dirre not wirt bevangeD|
Der mAs jemer me vogelost
In gottes selekeit hangen.
IUI. Wie vnser vrowe S. Maria sündm mohte und wie mt,
das leret der heiig geist.
Maria y erlichü keyseriüe, gotz müter und vröwe min,
Ich wart gevraget von dir, ob du Sünden möhtest andern men-
schen glich, do du were vf disem sündigen ertrieh. Nu hat
mich berihtet der heiig geist, der, vrowe, alle din heiralicheit
vol weis, also de du raohtest Sünden, wan du were ein volge-
machet mensche von gotte, in aller vrowelicher nature und an
atler megtlicher schöpfenisse , und du were nit lä an din^r
nature. Das machet du alle lange küscheit vor gotte edel
und türe.
Aber vifiwe, edel göttifie ob allen luteren menschen, du
mohtest och nüt sünden. De hattest du von dir nüt, wan der
hirlielsch vatter beschirmde dine kintheit mit der vordahtekeit
siner alten erwelunge, und der heiig geist baut din jugent mit
der erfüllede siner nüwen liebi, und Jesus gieng dur dinen lip
als der töwe dur di blfime, also de dinü küscheit nie wart be-
rüret. Und die kraft der. heiigen drivaltekeit hatte din nature
also bedruket, de si sich vor irem Schöpfer nie getorste noch
mohte menschlich geregen, und du ewig wisheit der almehtigen
gotheit hatte dir, fröwe, einen schatten gegeben, da du ine
behieltest din menschlich leben, also de du pine mohtist liden
ane sünde, und de öch dine blümende nienscheit in der suüen
der creftigen gotheit nit verswinde. In dem schatten trüge du
Jesum menschlich und zuge in müterlich. Aber, fröwe, in des
vatters botschaft und in des heiigen geistes enpfengnisse und in
des sunes wort was, frowe, das für der gotheit und das lieht
des heiigen geistes und die wisheit des sunes also gros an dir,
de du des schatten do wenig mohtest bevinden. Weis got,
frowe, da na müstest du dich mit armüte mit missekomen und
mit manger herzen swere ellendekliche k&len. Jedoch belibe
du im herzen an guten werken grösseclich in fürig von dem
H. MMhthUd. 5
66 Dritter Theil.
füre de da brefiet sunder begiüe und sunder helfe in sieh selben.
De hat, fröwe, dine wende durschinen und hat alle vinstemisse
US dinem huse getriben.
V. Wie die sele klaget de st keine messe noch die zit höret und
tvie got si lobet an zehen dingen,
Sust klaget sich ein eilende sele, do si got hatte verworfen
von siner notlichen liebi und miüte si mit gi*osser pine. O we,
wie übel ein rieh man mag liden, de er nach erlieher richheit
in gros armüt wirt gewiset und sprach: Eya herre, nu bin ich
yil arm an minem siechen licharaen und bin vil ellendig ao
miner armen sele, also herre, an geistlicher ordenunge, de
nieman din zit vor mir liset, noch nieman dines heiigen ^nbahtes
von der messe vor mir pfliget.
Do sprach der mifiekliclie munt
Der niine sele hat durwunf,
Mit sinen grossen Worten,
Die ich nie wirdige horte alsust:
Dn bist min geninge, ein mine wohinge,
Du bist miner brüst ein süsse külnnge,
Du bist ein kreftig kus mincs mundes,
Du bist ein vrolich vröde mines vundes,
Ich bin in dir und du bist in nrir.
Wir inogcn nit naher sin, .
Wan wir zwoi sint in ein geviossen
Und sin in ein forme gegossen,
Also son wir bliben eweklich vnverdrossen.
Eya liebü, wie sprichest du mir so nahe; joch getar ich
niemer an dise wort vrÖlich gedenken, wand mir der tote hunt,
min lichamen ane vnderlas mit jamer zu stinket und ander mine
viande so steteklich zu bremen und ich, herre, an minen sinen
nit weis wie es solle ergan (an) minem ende. Mer an diner
anschöwunge alleine, so weis ich nit von leide, so hast du,
herre, mich mir benomen und hast dich in mich verstolen. De
du mir defie hast gelobet de müsse geschehen und müsse dir
noch ze lobe komen. Alsust antwurt vnser herre:
Min tieffü reichunge, min breitü wandet unge,
Min hohü gerunge, min langü beitnnge.
Ich mÜB dich aber leren:
Cap. V— VII. 67
Die edeln juncfröwen kostet ir zuht vil sere,
Si mussent sich twingen an allen iren liden
und müssent vil dike vor ir zuhtmeisterine bibenen, also ist minen
brüten in ertriche an irem liehamen gegeben. Ich wart in ertrich
dur dini liebi mit nöten bevangen und mine viende trügen minen
tot vor minen Ögen grimeklich in iren banden, nnd ich leit in
scbame ') vil manig armüt. Darüber getrüwete ich minem vatter
vnzellige güti. Hienach rihte din gemüte.
VL Wiltu rehte volgen gotte, so soUu hän aiben ding,
Swer got volgen wil an getrüweliehen arbeiten, der sol nit
stille stan; er sol dike reissen, er sol denken was er was in
der Sünde und wie er nu si in den tugenden, was er noch werden
mag in dem valle. Er sol klagen Und loben und bitten naht
und tag. Swefie du getrüwe brüt erwachet, so gedenket si an
ir liep; mag si sin deüe nit haben, so gat es an ein weinen.
Eya Avie dike das gotz brüten geschieht geistlich.
Vlh Von siben offenbaren cienden vnser sehkeit, die machet^
siben schaden.
Du vnnützekeit ist an uns ein vil schedeliche sitte, und du
böse gewonheit schadet vns öch an allen stetten, und irdensehe
girheit verdilgget an uns de heiige gotz wort, und der böse
krieg von mütwillen wirket an vns vil manigen schedlichen mort,
und vientsehaft des herzen vertribet von uns den heiigen geist,
und zornig gem&te benimet vns gotz heimlicheit, und die valsche
helikeit mag niemer bestan, und die luter gotzmiüe mag an
nieman vergan. Wellen wir disen vienden nit etwichen, si be-
nement vns me deüe de himelrich; wan de ist ein vorhimelrich,
de wir hier leben heleklich. Wellen wir aber disen vienden irer
listen und irer gewalt an vns gönen, so beröbent si vns der siben
gaben des beiigen geistes und si verlöschent uns de wäre lieht
der waren got^liebe. Si verbindent vns öch die ögen der heiigen
bekantnisse und leitent vns verblendet in die siben höbtsünde.
War gat deüe der weg hin, dene in de ewige abgrunde?
') Handschrift: schäme.
5*
68 Dritter Theil.
VIII. Von siben dingen die alle priester sollent haben.
Der himelftelie vatter .bat mir siben ding gesagt, die ein
jeglicb gotz priester an im haben sol, und sprach: Si söUent
vnschuldig an in selben wesen, und de geziige sol voUekomeD
weseu. Ist da kein zwivel an, so sol man es lassen und nit
tftn. 8i s&llent alle vorht« von in legen und s5nt der judescheD
e vergessen und sftnt min lamp lebendig essen, und sönt sin
blüt Hüfzende trinken, so mögen si siner grossen sere reht ge-
denken. Ist er aber schuldig an im selben, so essent minti kint
de himelbrot und judas vert zft der helle. Und ist das gezöge
de da hört zu der messe nit vollekomen, so stat der gotz tisch
ital und den kinden wirt ire spise benomen. Koment si aber
ob dem alter in die not ires libes, so ist besser das si ir bl&t
giessen deüe das mine.
IX, Von dem angenge aller dinge, die got Itat geschaffen,
Eya vatter aller gute, ich vnwirdig M. danke dir aller
trüwe da du mich mitte hast gezogen usser mir selber in diu
wunder, also herre, de ich in diner ganzen drivaltekeit han
geh5i*t und gesehen den hohen rat der vor vnser zit i«t ge-
schehen, do du herre were besclossen in dir selben alleine, * nnd
din unzelliehü wufie nieman was gemeine.
Do lAhteten die drie peraonen »Iso schone in ein,
De ir jeglicher dnr den andern schein, und wäre doch gantz in ein.
Der vatter was gezieret an im selber in mefilichem gemflte
der almehtikeit, und der sun war glich dem vatter an vnzellicher
wisheit, und der heiig geist in beden glich an voller miltekeit.
Do spilte der heiig geist dem vatter ein spil mit grosser miltekeit
und schlflg vf die heiigen drivaltikeit und sprach im z4: Herre,
lieber vatter, ic'h wil dir vsser dir selber einen milden rat geben,
und wellen nit langer ^Isust vnberhaftig wesen. Wir wollen han
ein geschaffen rieh und solt die enge! nach mir bilden, de si
ein geist sin mit mir, und das ander sol der M. (Mensch) sin.
Wand lieber vatter, de heisset vröde alleine,
De man si in grosser meine
Und in unzellicher wune vor dinen. dgen gemeine.
Cap. Vm— IX. 69
Do sprach der vatier: du bist ein geist mit mir^ de du ratest
und wilt, de behaget mir. Do der engel gesehaffen was, ir
wissent wol wie es gesehach, were der engel val vermitten, der
menseh musste doeh gesehaflFen werden. Der heiig geist teilte
mit den engein sine miltekeit^ de si vns dienent und sich
vröwent aller vnser selekeit. Do sprach der ewig sun mit grosser
zuht: Lieber vatter, min nature sol och frucht bringen. Nu wir
Wunders wellen begiüen, so bilden wir den M. na mir, alleine
ich grosses jamer vorsihe; ich müs doch den M. eweklich minen.
Do sprach der vatter: Sun, mich rüret och ein kreftig lust in.
miner götlichen brüst und ich dönen al von mine. Wir wollen
fruhtbar werden, vf das man vns wider miüe und das man vnsere
grossen ere ein wenig erkeiie. Ich wil mir selben machen ein
brüt, du sol mich mit irem munde grässen und mit irem an-
sehen verwunden, deile erste gat es an ein miilen.
Do sprach der heiig geist zfi dem vatter: ja, lieber vatter,
die brut wil ich dir ze bette bringen. Do sprach der sun:
vatter, ich sol noch sterben von miüen, du weist es wol; jedoch
wellen wir diser dingen in grosser heligkeit vrölichen beginen.
Do neigete sich du heiige driualtekeit nach der schöpfunge aller
dingen und mähte vns lip und sele in unzellieher miiie. Adam
und Eva waren gebildet und adelich genaturet na dem ewigen
sune, der ane hegifle von sinem vatter ist geborn. Do teilte der
sun mit Adame sin himlische wisheit und siuen irdischen gewalt.
Also de er hefte in vollekomner mine
Ware bekentnisse und heiige sifie
Und de er gebieten mohte aller irdcnschen creature,
De ist vns nii vil türe.
Do gab got ade von herzeklieher liebi ein gezogne, edel
kleinliche jungfröwen, de was eua, und teilte ir mitte sine
minekliche eliche gezogeuheit, die er selber sinem vatter ze eren
treit. Ire liehamen sollen reine wesen, wan got schuf ^inen nie
schemeliche lide, und si waren gekleidet mit engelscher wete.
Ire kint sollen si gewiüen in heiiger mine, als die sune spilende
in de Wasser schinet und doch de wasser vnzerbroeheu blibet.
Mere da si assen die verbotenen spise, do wurden si sehemlieh
70 Dritter Theil.
versöhaffen an dem Übe, als es uns noch anscbinet. Hette vns
die heiige drivaltekeit alsust engelsclich geschaffen, so enmöhten
wir vns von siner edelen natnre siner geschafnisse niemer
m
geschamen.
Der himelsche vatter teilte mit der sele sin götlich mifie
und sprach: Ich bin got aller götten, dn bist aller creatnren
göttine und ich gibe dir mine hant trüwe de ich dich niemer
verkiese. Wilt du dich nit verlieren, so s6nt dir mine engel ane
ende dienen. Ich wil dir mfnen heiigen geist ze einem kamerer
geben, de du dich vnwissende in keine höptsünde mäht gelegen,
und ich gibe dir.... vrien willefcore. Liep vor allen liebe, nu
sich dich eben Avislich vor.
Du solt halten ein klein gebot,
Uf de du gedenkest, de ich si din got.
Die sele, die vil reine spise.
Die inen got hat gelobt in dem paradyse,
Die solte in grosser helikeit mit iren lichamen bliben.
Mere, do si die vngenemen spise,
Du nit fugte irem reinen übe,
Hette gessen,
Do wurden si der vergift so vol gemessen,
De si verluren der engele reinikeit
Und vergassen ir megtliche küschekeit.
Do schrei du sele in grosser vinsternisse manig jar nach
irem lieb mit eilender stime und rief:
herre liep, war ist komen din vbersüssü mine?
Wie sere hast du verkebset din elich königine!
(Dis ist der propheten sin.)
grosser herre, wie mäht du erliden dise lange not.
De du nit tötest unsern tot!
So wilt du doch werden gebom.
Mer herre allü dinü getat
Ist doch voUekomen also ist 5ch din zom.
Do hüp sich aber ein hoher rat
In der heiigen drivaltekeit.
Do sprach der ewige vatter: Mich rüwet min arbeit,
Wan ich hatte miner heiigen drivaltekeit
Ein also lobelich brut gegeben
De die h5h8te engel ir dienstman solten wesen.
Ja were 5ch lucifer an sinen eren bliben,
Si sölte sin g&ttinen sin gewesen.
Cap. X. 71
Wan ir war de brQtbetto alleine gegeben.
Do wolte si mir nit langer glich wesen.
Nu ist si verschaffen und grülich gestalt,
Wer solte den vnflat in sich nemen?
Eya, do knüwete der ewig suii vor vor sinem vatter und
sprach: Lieber vatter, de wil ich wesen; wiltu mir dinen segen
geben. Ich wil gerne die blutigen nienscheit an mich nemen
und ich wil des M. wunden salben mit dem blute miner vnschulde,
und wil alles menschen sere verbinden mit einem tftche der
eilenden smacheit untz an min ende, und ich wil dir, trut vatter,
des M. schulde mit menschlichem tode vergelten. Do sprach der
heiig geist zu dem vatter: almehtiger got, wir wellen ein
schöne procession haben und wellen mit grossen eren wandeln
unvermischet von diser höhi hin nider. Ich bin doch Marien
kamcrer vor gewesen. — Do neigte sich der vatter in grosser
raine zft ir beider willen, und sprach zu dem hcligen geiste:
Du solt min lieht vor minen lieben sun tragen in allA di\ herzen,
dö er mit minen Worten sol bewegen, und sun, du solt din
crüze vfnemen. Ich wil mit dir wandeln alle dine wege und
ich wil dir eine reine juncfröwe zu einer mftter geben, de du
die unedel menschheit dest erlichcr mäht getragen. Do gieng
die schöne proccssio mit grossen fröden harnider in das templum
Salamonis, do wolte der almehtigc got nun manode ze herberge
wesen.
X. Von dem passio der minetiden sele die ät von gotte hat, wie
si vfstdt und in den hiihel varL tWe XXX partes habet.
In warer liebi wirt die miilende sele verraten, in der srtf-
zunge na gotte. 8i wirt verköffet im heiigen jamer nach siner
liebi, si wird gesftchet mit der schar der manigvaltigen trehnen
na ircm lieben herren, den bette si also gerne. Si wirt gevangen
in der ersten künde, so got si küsset mit süsser einunge. Si
wirt angegriffen mit manigen heiigen gedanken, wie si ir fleisch
getöde de si nit wenke. Si wirt gebunden mit des heiigen
geistes gewalt, und ir wune wirt vil manigvalt. Si wirt gehals-
schlaget mit grosser vnmaht de si des ewigen lihtes sunder un-
derlas gebruchen iiit mag. Si wirt vor gerihte gezogen in
72 Dritter Theil.
bibender schemeude, das got ir von ir sündeu vleken ist so dike
vromede. Öi antwurtet och zft allen dingen helekliche und mag
das nit erliden, de si sieh mit jeman argliehen begrife. Si wirt
georsehlaget vor gerihte, weile si die tüfel geistlich anvehtent.
Si wirt ze herode gesant, wene si sich selber untüre und vn-
wirdig bekefiet, und versmehet sich selber mit den grossen herren
al irer danken. Pylato wirt si wider gegeben, wene si mfis
irdenscher dingen phlegen^ si wirt geschreiget, gesclagen mit
grosser sere, weiie si sich müs ze irem lichame keren. Si wirt
enkleidet mit de phellere der schönen mine. Si wirt mit manig-
valtiger trüwe siisseklich gekrönet, weile si des geret, de ir got
alles ires kumbers niemer me gelone, jo vf de höliste ze sinem
lobe. Si wirt verspottet mit heiiger italkeit, weiie si so ven*e
in got verdolet, das si verlüret irdensche wisheit. So knüwet
man für si in grosser smacheit, weile si sich in der kleineu
demütekeit vnder aller creature füsse leit. Ir ögen werden ver
bunden mit irs lichämen vnedelkeit, wan si so sere in ir vinster-
nisse gevangen leit. Si treit ir crütze in einem süssen wege,
wene si sich got werlich in allen pinen gibet.
Ir höbt wirt gesclftgen mit einem rore,
Weiie man ir grosse helikeit glichet einem tore.
Si wirt au dem crüze so vaste genegelt mit dem hamer der
starken miile löiFe, de si alle creaturen uit mögent wider gerftflfen.
Si dürstet och vil sere an dem crüze der miile, wan si trunke
vil gerne den luteren win von allen gotzkinden.
So koment si al mit alle
Und schenkent ir die galle.
Ir licham wirt getödet
In der lebendigen mine,
Wefie ir g-eist wirt geh6het
lieber alle menschlich sine.
Nach disem tode wirt (vart) si zu der helle
Mit irer mäht und tröstet die betrubeten seien
Mit irme gebette von gotz guti
Sunder irs lichämen wissenhaft.
Si wirt gestochen von einem blinden
Der vnschuldiger mine durch ire siten
Mit eime s&ssen spere; >
Da vliessent vs irem herzen manig heiig l^e.
Cap. XI. 73
Si hanget öch hoch in dem süssen luft des heiigen geistes,
gegen der ewigen suficn der lebendigen gottheit an dem crnze
der hohen mifie, das vollen dürre wirt von allen irdenschen
dingen. So wirt si defie in einem Keligen ende von irem orütze
genomen. 80 spricht si: Vatter enphahc minen geist. Nu ist
CS alles vollekonien. Si wirt geleit in ein bcsclossen grab
der tieflfen demütekeit, so si sieh steteklicli die vnwirdigoste
weis under allen creatiiren. Si stat öch vf vrolicli an eim oster-
tage weile si mit ireme lieben hat gehabet in dem notlichen
brütbette ein süsse mineclagen. So tröstet si ir juncherre des
morgens frü mit Marien, wene si enphät von gottc dii wäre
Sicherheit, de got alle ir sünde in der miile rüwe hat vertilget.
Si kunt zft iren jungem wider in beselossener tür, weüe ire fVnif
sine die heiigen gotzlere so dikke vorsaget. So gät s! vs von
Jerusalem des heiigen crlstantümes mit manger tugenlicher schar.
So betrübet sich der lichame, der mit allem sinem wesende nach
aller siner unedelkeit gerne allen sinen willen neme. So spricht
si: Ich bin twer meister, ir sönt mir volgeu und in allen dingen
gehören. Vöre ich nit zu minem vatter, ir belibct alse toren.
Vi vert öch vf in den himel, wene ir got in heiiger wandelunge
alle irdensche ding benimet. Si wirt enphangen in einer wissen
wölken der heiigen beschirmunge, wefic si mifiecliche vert und
vrölich widerkunt ane allerleie kumber. So komeut die engel
wider und tröstent die man von galylea, wene wir gedenken
an gots vserwelte fründe und an ir heiig bilde. Dise marter
lidet ein jeglich sele, die in heiiger temperunge alles irs tündes
ist werlich durchvlossen mit warer gotzliebi.
XL Zwischent got und der mineuden sele sint alte ding schone,
Wene die minende sele sihet in den ewigen Spiegel, so
spricht si: herre, zwischent dir und mir sint alle ding schone,
und zwischent dem tüvel und siner brflt, der verdampneten sele,
sint alle ding egensclich und also griiwelich, weüe si gedenket
an den mineklichen Jesum, so erbibeüet si und wirt irüüwet
alle ir hellepin.
74 Dritter Theil.
XIL Du soll loben danken und geren und bitten. Von dem
lühtere und dem Hellte.
Eia lieber herre, wie arm ich doch was, do ich aller diser
Worte nit^mohte gedenken, noch gebettcn, noch minen. Do
kriegete ich doch zft dir mit minen eilenden siüen und sprach
alsust; Eya lieber herre, wamit sol ich dich nu eren? Da
sprichestu den vnwerdosten zu, den du je geschüffe alsust: Du
solt mich loben miner getrüwen beschirmunge. Du solt mir
danken miner milten gaben. Du solt geren mines heiigen Wun-
ders. Du solt bitten vmb ein gut ende.
Do vragete du sele mit edelen worten: Vil lieber, was Wun-
ders sol ich geren? Dis müs ich ftirbas al weinende scriben.
Got helfe mir allercrmesten menschen, das ich mit Jesu hübe. —
Do sprach min lieber alsust: Ich wil das lieht vf den lühter setzen,
und allü du Ögen, du de lieht angesehent, den sol ein sunderlich
stralc schinen in de oge ir bekantuisse von dem lichte. Do
vragete du sele mit grosser vndertenekeit ane vwhte: vil lieber,
wie sol der lühter sin. Do sprach vnser herre: Ich bin das
lieht und din brüst ist der lühter.
XIIL Von sehazehenhande mine.
Du milte mine von heiiger barmherzekeit
Vertribet ital ere und die bösen krankheit.
Du wäre mine von gotlicher wisheit
Bringet genügunge und vertribet die unlobliche girheit.
Diemütigü mine von heiiger einvaltckeit
Gesiget alleine vber die hoffkrt
Und bringet die sele mifc gewalt
In heHge wäre bekantheit.
Die stete *) mine von guten sitten
Mag keiner valscheit gephlegeo.
Du grosse mine von kCiner getat
Weis ir in allen dingen guten rat.
Die beuintlich mine von gottes heimlicheit
Verblendet dis ertrich sunder arbeit.
Du gebunden mine von heiiger gewonbeit
Du rüwet niemer und lebt doch in ir selber sunder arbeit
') Handschrift: steste.
Cap. XII— XIIII. 75
Du ingcnde mine von grosser vbci*flüf,
Du liget mIIo stille und ir sint alle ding bitter sunder alleine got.
Du rüffende mine von edeler vngedult
Die swiget niemer und si hat seleklich vergessen aller schult. ^
Die dütesche mine von gotz lere.
Du b6get sich noch zu einem kinde vil gerne.
Du schöne miüe von hoher gewalt,
Dd iungert du sele und der lip wirt alt.
Du minekliche mine von offener gäbe
Vertilget des suren hcrtzen clage.
Du verborgen mine treit türen schätz
Von gutem willen in heiiger tat.
Du clare mine von spilcnder flüt
Tut der sele süsse not;
Si todet si öch sunder tot.
Dd windesche mine von vbermaht,
Das ist die nieman gedulden mag.
XIIIL Von zwein valschen ttigevden, swer du ine wone( der lebet
der lugenen.
Ich ban einen meister, de ist der heiig geist, der lert mich
vil sanfte was ich wil, und das ander behaltet er mir. Nu
spricht er alsust:
Die wisheit sunder vestenunge des heiigen geistes,
Die wirt ze jungost. ein berg des hohen mAtes.
Der vride sunder baut des heiigen geistes,
Der wirt vil schiere ein itel tobekeit.
Diemät snnder vür der mine
Wirt ze jungost ein offenbarü valscheit
Du rehtekeit sunder tieffi gotz diem&tekeit
Die wirt vf der stat ein grüwelich has.
Armät mit steteklicher girheit
Das ist in- im selber ein süntlich vbci-fl&ssekeit.
Du grüwelich vorhte mit warcr schult
Bringet egestlich vngedult.
Schöne gelas mit wolves siöcn
Des werdent die wisen schier in ine.
Heilige gerunge von ganzer warhcit.
Das geschichet nieman sunder arbeit.
Gütlich leben sunder bagen
De wirt zu unätzcn dinge vil tragen. ')
) Handschrift: tr&gc.
76 Dritter Theil.
Du vermessen tugcnt ano gotzgabe
Du wirt mit dem hohen mfite versclagen.
Schöne gclübde snnder trüwe tat,
De ist valschcit und des tüvels rat.
Gdte trost sunder wäre Sicherheit ,
Der sele und des heiigen gcistes volbArt,
Der wirt an dem jungosten ende ein vnvrölich tot..
Grosse gedult sunder neigunge des herzen in got
Das ist ein heimlich schuld,
Wan alle, di\ an allen dingen
In gotz warheit mit hangen t,
Die müssen dem ewigen gotte
iMit grosser schände entvallen.
Die miiie sunder müter der demütekeit
Und sunder vatter des heiigen vorhten,
Die ist vor allen tilgenden verweiset.
XV. Mit nlit tilgenden soltu gän zu gotfes tische. Mit den
ISst'f 'fanden loset ein mensche sibenzlg fitsend seien von dem
gvuwelichen vegefüre, de mamgvaltig ist.
Die vil torehfig;en beginen, wie sint ir also vrevele, de ir
vor viiserm almehtigen rihter iiit bibenent, w^ene ir gotz lichamen
so (likke mit einer blinden gewonheit nement! Nu, ich bin die
niiiistc vnder vcli, ich müs mich Schemen, hitzen und biben. In
einer hohgezit w^as ich also verblödet das ich sin nit getorste
nemen, wan ich mijier besten fromekeit vor sinen ogen scheme.
Dil bat ich minen vil lieben, de er mir sin ere daran wölte wisen.
Do sprach er: Werlich gast du mir vor mit demütigem jamer
und mit heiigen vorhten, so müs ich dir volgen als die hohe
flüt der tieffen mülen. Gast du mir aber gegen mit blüender
gerunge der vliessender mine, so müs ich dich gemüssen und
mit miner gotlichen nature berüren als min einige künigine. Ich
müs mich selber melden, sol ich gotz gute werlich mögen ver-
bringen. De hinderte mich werlieh nit mer dene einen heissen
ouen das hinderte, das man in al vol wisser simelen Schübe.
Do gieng ich zu gotz tische in einer edeln schar. Die bewai-ten
mich viltrüwelich und hielten mich doch vil sere ze vare. Du
warheit zfigete mich, die vorhte schalt mich, die schäme geiselte
mich, die rüwe vertumete mich, die gerunge zog mich, die
Cap. XV. 77
mine fflrte mich, der cristangelöbe schirmete mich, die getrüwe
meinange zft allen guten dingen bereite mich, nnd allü minü
guten werk schrüwen waffen vber mich. Der gewaltige got
enpfieng mich, sin reine menscheit vereinete sich mit mir, sin
heiliger geist tröste mich.
Do sprach ich: herre, nu bist du min, wan du bist mir
hütte gegeben, und öch an der stat do man spricht: Pner natns
est nohis. Nu gere ich, herre, dines lobes und nit difies fromes,
also de hütte din here Kehame den armen seien ze trost kome.
Du bist werlich min, nu solt du, heiTC, hütte den gevangenen
ein lösepfant sin.
Do gewan si also grosse mäht, de si in ffirte mit siner
kraft, nnd kamen an ein so gnhvellch stat die min oge je gesaeh,
80 eigesclich ein bat gemachet, gemischet von für nnd von beche,
von pfüle, roch und stänke. Ein dike vinster nebel gieng dan\ber
als ein swarzü hüt gezogen. Da lagen die seien iile gelich als
die krotten in dem horwe. Ir geschöpfuisse war menschen
geltch, si waren doch geiste und hatten des tüvels gelichnisse
an in. Si sutten und brieten mit einander. Si schrüwen und
hatten unzallich jamer vmb ires fleisches willen, das si so tieffe
hat gevellet. De fleisch hatte verblendet iren geist, danmibe
sutten si allermeist. Do sprach des menschen geist: herre,
wie mange ist diser armen, du bist min wäre losepfant, du mftst
dich nu erbarmen. Do sprach vnser herre: Der ist ane menschen-
zal und du mäht ir zal nit begriffen, diewile din fleisch irdenshen
teil mit dir haben sol. Si sint alle zerbrochenü vas gewesen
und haut in ertrich geistliches lebenes vergessen. Si sint von
allen lebene und von allen landen.
Do fragete der menscheliche geist: Eya lieber herre, wa
sint die klosenere, der wirde ich hier keiner gewar? Do
antwurte vnser herre: Ihre Sünden waren heimlich, nu sint si in
disero gründe alleine mit den tüuelen gebunden. Do betrfibete
sich des menschen sele vil sere und leite sich vf die fasse vnsers
vil lieben herren und gerte krefteklich arbeiten mineklich und
sprach : Vil lieber, du weist wol was ich gere. Do sprach vnser
herre: Du hast mich mit rehte harbraht, ich lasse si nit unfoedaht.
78 Dritter Theil.
Do stünt vmbe si ein vil grossü schar der täfeln, die ir
pflagen in dem ungesegenten l)ade. Die waren öeh fiber min
zal, die si riben und tvvügen und vrassen und gnägen (nagenj
und si mit fürinen geisein sehlügen. Do sprach inen des menschen
geist also zu: hörent ir sündenfresse (freise?), sehent an das
lösepfant, ist es iht türe das üch daran begnüge. Do erschraken
si al bibende in grüwelicher schemede un sprachen: Ja, nu vörent
si von hinan. Wie vnselig wir sin! wir müssen vch der warheit
jehen. Do gap unser herre einen süssen wünsch der armen
seien us sinem götlichen herzen. Do hüben si sich vs mit
grossen fröiden und liebe. Do sprach die frombde sele: Eya
vil lieber herre, wa s5nt si nu hinkeren? Do sprach er: Ich
wil si bringen uf einen blümenberg, da vindent si me waüe deüe
ich gesprechen küne. Do dienete in vnser herre und was ir
kamrer und ir villieber geselle. Do seite mir vnser herre , das
ir da sibenzig tusent wenn. Do vragete aber die sele, wie
lange ir pine weri. Do sprach vnser herre: Iure drissig jaren
kamen si nie zu iren licbamen und zehen jar selten si noch
ze pine wesen, were ein so edel pfant für si nit gegeben. Die
tüfel fluhen, si getorsten es nit nemen. Vil lieber, sprach aber
die sele, wie lange söllent si hie wesen? Do antwurt unser
herre und sprach: als lange als uns gut dunket.
XVI , Nach der gäbe volget geissele und nach der amacheit ere»
Diso sele ermanet vnsern herren siner alten werten alsust:
Herre, du hast gesprochen, es si enkein gäbe vf disem ertrich,
da lige ein geisel uffe. Das hast du mir vorgeseit mit dins
selbes munde und hast mir es nachgeleistet zu maniger stunde.
Du seitest mir och vor über sehs jar, mich selten geistliche lüte
noch vil sere versmahen; das tünt si nu vlisseklich und haut es
dikke arglich getan. Ist dis, hen*e, das wunder, des ich geren
sol. Do antwurte mir vnser herre und sprach: Min vatter gab
mir die gewalt siner warheit und gab mir du Wissenschaft siner
heUkeit, und danach gab er mir vil manige smaheit. Aber
danach gab er mir grosse ere und unzellich wirdekeit. Alsust
wil ich dir geben min heiig drivaltikeit.
Cap. XVI— XVII. 79
XVIL Von eis geistlichen menschen vegefurj von siner funfhande
helfe vs der pine vnd von edelkeit predier- ordert.
In pinen hnn ich öch gesehen einen geistlichen man;
ZA dem hatte ich bi sinem leben gilten wan.
Ich bat dric manode fi\r sine sele
Mit herzeh'cher serc,
De im das nie mohte geschehen,
De ich sine not mohte besehen.
Untz an dem abcnt in dem jüngsten tage.
Als er ßinen geist vfgap, do wart er mir vil schiere gewiset
in minem ^ebetc, de ich für die armen seien tet. Ich sähe (in)
alleine und sine pine mohte er mir nit erzögen. Er was bleicher
varwe in einem wissen nebele. Do vragete ich: we, warumbe
bistu nit ze hiinele? Do antwurt er al mit verborgen worten in
rüweclicher schäme, und er las ein bftch al weinende und alle
die wort schrieteO; das loichte über tn, und dazu allü du buch,
d& er je hatte gelesen. Do sprach er: Mir war zu der weit
alze liebe an gedenken, worten und gelässe. Zwene drakken
lagen zfi sinen fassen, die sugen im aller den trost vs, den er
enphahen solte von der heiigen cristanheit wider den sincranken •)
gehorsam, das er sunder not nach sinem willen und nit nach
siner prelaten lere wolte gan. Ich vragete in: Wa sint dine
viende, die dich selten pinegen? do antwurte er: Von der edel-
keit mines ordens mohte mich nie kein tüfel berfiren. Ich hatte
grossen strit in minem lichamen, und ich hatte eines dinges
willen, were de voilegangen, das were vil unnütze gewesen,
dammbe lies mich got nit langer leben. Ich brine in mir selber,
min eigen willen müs mich qwelen. Do vragete ich: Eia sag
mir, wamitte mag man dir helfen? Do sprach er: Der mir ein
jar alle tage hundert venien und zwölf disciplinen und vil trehnen
mit rüwigem herzen us reinen ögen gebe, das solte min büsse
sin und wesen. Messen sol man doch lesen. Eya, sage megden
und priestem, de si wellen für mich bitten. De ende miner
pine wil ich dir nüt sagen, wan ich wil mlne brädere damit nüt
**) Handschrift: sieranken.
80 Dritter Theil.
betr&ben. Nu var von mir. Do enpfieng er des tüfels gelich-
nisse an sich unde brante und wart stnme gegen mir.
XVI IL Von des ritters airite mit vollen waff&i\en wider die
begervnge.
Ich bat für einen menschen, als ich was gebetten, de im
got des lichamen berürungc wölte benemen, de doch ane Sünde
geschiht, des der b6se wille dazu nit bringet. Do sprach vnser
hen-e: swig. Behagete dir, de du ein ritter were mit vollen
wafFenen und von edeler kunst unde mit warer mankraft und
mit geringen henden, de der lidig were und versuraet« sines
herren ere und verlüre den riehen solt und den edeln lobes
schal, den beide, der herre und der ritter in den landen behaben
sol. Mere, wa aber were ein ungetrierter man, der von vngetete
nie ze strite kam, wolte der in füreten tumeien komen, dem
were schiere sin lip benomen. Darumbe müs ich der lüte
schonen, die so lihte ze valle koment. Die lan ich striten mit
den kinden, vf de si ein blftmenschappel ze lone gewinen.
XIX, Von zweierlete ai^men lüten, (die) minenklich unde piidlche
arme eint.
Ich habe zwöigerleige lüte arm gesehen, die einen sint
minenklich arm und haut jemer angst, de inen ze vil werde
diser armen erden. Die andern sint ane iren dank vil pinlich
arm und löffent jemer vmbe und haut grossen angest, de tn nit
möge werden diser armen erden. Hie zft antwui-t vnser herre
und spricht: Die pinlich armen stant in miner gerehtekeit, wan,
betten si vil irdenscher dingen, si w61ten mich doch nit wider
mineklieh minen noch heileklich bekeüen, darumbe mäs ich si
mit dem hertosten gewinnen. Den mineklieh ai'men gib ich me
dene si getörren begeren, wan ich mag den stob an in niter-
liden, de si sich mit irdenschen dingen ze verre besweren, und
ich gere, de ir herze jemer offen stände gegen mir, und de ich
ane hinderunge und ane vnderlas möge lühten und schinen dur
das miue.
Cäp. xvm— XX. 81
XX. Von fönf propheten die die buch ei^liUitent
Unser herre hat mir gelobet^ er welle das bAch erlühten
mit fftnf liehten: Moyses grosse heimliclieit und sin heiig arbeit
und sunderliche smacheit^ die er ane schulde treit und sine erlich
zeichen und sin sAsse lere, und das yserwelte minereden; das
er dikke gegen dem ewigen gotte yf dem hohen berge tet. Das
sol alles ein liht wesen und got hat und wil mir de geben^ das
ich dnr aller miner vienden b5sen list in siner beschirme ane
schuldige scheme sol gan und mineklich sweben. Als Moyses
mit sinen frAnden tet dur de rote mer. Und pharao und sin
frAnde,
Die s6nt vns nit volgen alze verre.
we, wie sint si ertranken in disem mere!
Eya erbarme dich, lieber herre,
De unser viende sich bekeren!
EAnig David ist in disem bAche das ander liht mit dem
salter ; da ine er vns leret und klaget , bittet , manet und got
lobet.
Salomones wort lAhtend und sine werk nit^ wan er selber
vervinstert ist, in dem bAche eanticiS; da dA brut so trunken
knene vunden ist und der brAtegöme so rehte nötlich ir zA
sprichet: du bist alles schöne ^ min Mndine und kein flekke
ist an dir. ,
Jeremias lAhtet 5ch sin teil; do er sprichet von unser
fröwen heimKchkeit.
Wan also het mir got geseit.
De hette die later küscheit.
Die höhl der mifie und de er die marter leit
In eristanen geloben,
Den er nie gesach mit sinen fleischlichen ögen«.
Daniel lAhtet öeh in wunderlicher >visheit; das im got von
gnaden vnder allen sinen vienden gab die spise an sele und an
libe. Also ze glicher wis ist mir unwirdigen in minen nöten
geschehen.
Des hant mine viende ein kleine gesehen
Und mögent das nit erliden
Darumbe geben si mir manige pine.
H. Mechthild. 6
82 Dritter XheU.
XXL Von der helle, tote si drä teil hat. Wie lücifer und sehs-
izehenhande Mte sint gepinet. In wirt kein helfe. Von lucifers
cleide.
Ich habe gesehen ein staf,
• Ir narae ist der ewige hass.
Si ist gebnwen in dem nidersten abgronde
Von manigerlei steine der hSptsünden.
Die hoffart war der erste stein,
Als es an Incifer ist wol schein.
Vngehorsami, böse gitekeit, vberessen, unküschekeit^ das
'waren vier stein vil swere, die sante allerersten vnser vatter
Adam dar.
Zorn, yalscheit und mansljaht,
Die drie steine hat caym darbraht.
Lugi, verratenlsse, verzwivelen,
Die sich selben machen h'blos, *)
Mit disen vier steinen mordete sich 8eh der arme Judas.
Du Sünde von sodoma und valsch lielikeit,
De sint die notlich winkelstein^
Die an dem werke sint geleit.
< Du stat ist gefouwet mänig jar,
We allen den, die ir helfe senden dar!
Je me si da hinfür sendent,
Koment si selber nach, si werdent
Dest mit merer schaden enpfangen.
Die stat ist alse verkert, de je die hohsten sint gedrdent
in die niderste, und unedelste stat. Lucifer sitzet in dem nider-
sten abgrunde mit siner schult gebunden ^ und inii flüsset ane
vnderlas von sinem fürigen herzen vs und usser sinem munde
alle die sünde, pine^ suche und schände^ do die hellC; de fegfür
und dis ertrich so jemerlich mitte ist bevangen.
In dem nidersten teil der helle ist de für und die rinster-
nisse und stank und eisunge und allerleige pine allergrost, und
j^a sint cristanlüte na iren werken ingeordent. In dem mittelen
teile der ist allerleie pine meslichor. Da sint die Juden nach
') Handschrift: liebkoa.
Cap. XXI. 83
iren werken ingeordent. In dem oberosten teil der helle ist
allerleie pine allermiiiest, und da sint die beiden nach iren
werken ingeordent.
Die neiden clägen alsust:
we, betten wir gehabet ein e
So were vns nit eweklich sust grftslichen we!
' Die jaden clagen öch alsus:
P we, betten wir gotte gevolget an Moyses lere,
Ho weren- wir nit verdampnet alsus serel
Die eristan klagent nocb mere,
Das si die grossen ere
Von mütwtUea bant verlorn, . '
Do «i GbriBtus mit grosser liebi bette zA erkorn.
Lucifer aebeu si ane vnderias mit grossem jamer an,
Und mftssent offenbar mit all irer schuf de nakent ffir in gan.
we/ wie sehen tlieh werden si von im empbabnl
Er grüss^t.si grüwelich un^ spricht bitterlich:
„Ir verfluchten mit mir,
Was fröden sucbtent ir hier? ')
' Jodi gehoHent ir nie gut von mir gesagen;
Wie ipochteat ir ^eh dene sowol behagen?^
So begriffet er den homfttigen allererst nnd druket in vnder
sinen zagel und spricht alsust: Ich bin nit so versunken^ ich
welle es nodii f her dich han. Alle die sodomiten varent im
dur sinen hals und wonent im in sinem buche. Wene er sinen
atten röhet so varent si in sinen buch, wene er aber hustet, so
varent si wider vs. Die valschen heiigen setzet er in sine schos
niid kfiss€^t -si vil grüwelich und spricht: Ir sint min genos. Ich
was 5ch mit der schönen ralscheit bezogen, danä sint ir alle
betrogen. Den wocherer naget er ane vnderias, und verwisset
im, de er nie barmherzig wart. Deü röber beröbet er selber
und bevilhet in defie sinen gesellen, das si in jagen und schlahen
nnd keine erbermede ftber in haben. Der diep hanget mit sinen
fuessen vf und ist in der helle ein lühteväs ; die vnseligen sehent
doch nit deste bas. Die hie zesamen sint vnküsche gewesen,
die mAssen vor Intzifer in solicher ahte gebunden ligen ; kunt er
aber alleine dar, so ist der tüfel sin gumpan.
*) fiaindscfarift : hie.
^'
84 Dritter Theil.
Die yngelöbigeu meister sitzent vor lutzifers ftssen, vf das
si iren ynreinen got re}it ansehen müssen. Er disputieret öcfa
mit in, de si geschant werden müssen. Den gitigen fiisset er,
wan er icmer wolte haben mer. Als er in dan verslukket hat,
so tut er in dur sin zagel vam. Die morder m&ssent blutig
vor im stan, und mfissent fürig swert sclege von dem tüfel
empfön. Die hie des grimen hasses enpflegent, die mässent da
sin trisemvas wesen, und hangent iemer vor siner nasen. Die
hie den vberatz und den vbertrank so flisseklieh begant, die
m&ssent mit ewigem hunger vor Lutzifer stan und essent glAien-
dige steine. Ir trank ist swebel und bech. Da wirt alles sür
wider süssen geben, wir sehen wes wir hie pflegen. Der trege
ist da mit allen pinen beladen. Der zornig wirt da mit fürinen
geisselu gesclagen. Der vil arme spilman, der mit hohem mute
süntliche italkeit machen kan, der weinet in det helle m6 trehnen,
dene alles wassers si in dem mer.
Ich sah vnder Lueifer der helle grünt, das ist ein hart swarz
vlins stein, der sol tragen das werk iemer mere. Alleine die
helle hat weder grünt noch ende, si het doch an der ordenunge
bede tiefi und ende.
Wie du helle brinet und in sich selber gremet, und wie die
tüfele sich mit den seien vnderschlän, und wie si siedent und
bratent, und wie si swiment und wattent in dem st^ake und
mftre, und in den wurmen und in dem pftle und wi si badent
in swebel und bech — das m5gent si selber, noch alle creature,
nie mer volle sprechen. Do ich von gotz. gnade ane arbeit diso
not hett gesehen, do wart mir armen von stänke und von vn-
irdenischer hitze so vil we, de ich nit mohte sitzen nodi gan,
vnde was aller miner fünfe sine vngewaltig drier tage, als ein
mensche den der tunre het gesclagen. Min sele leit do doch
keine not, wan si hatte der stihte dar nit braht, die da heisset
der ewige tot. Doch were das müglich de ein reinä sele dabi
in were, de were tu ein ewic lieht und ein grosser trost Wan
da vnschuldige sele mfts von nature iemer lAhten und schineni
wan si ist gebom usser dem ewigen liebte sunder pine. Nimet
si aber des täfels glichnisse an sich, so verlAret si ir schdn lieht
Cap. ZXI. 85
Mag in der ewigen helle von gcbette
Von almftsen, den verdampneten ein einig trost komen.
De han ich nit vernomen,
Wan si aint Btetekllch in so grimeklichcm mAte,
De inen grdwelt vor allem gAte.
Na dem jangesten tage sol lucifer
^B nAwe kleid anziehtün,
De ist gewahsen in sich seihen
Vsser-dejn miste aller vnfletigen sünden,
Die je menschen oder engel brahtc in künde,
Wan er ist das erste vm aller sündc.
So ist er defie enbnnden,
Und ist doch sin griAi und sin vrcislicheit
An aHen seien nnd in allen tüfeln also gemischet,
Das man siner gegenwürtekeit niena vermisset.
So sol er sich ze stunden derinten (sie) also gros und sin
grang wirt im vil wit; da versinket er mit eime zuge sines
atemes ifie die tüfel; jnden und heiden. Denoch hant si ire
volle Ion in sinem buche und ir sunderliche hochgezit. We defle
sele und lip! das menschenmunt hie von nit gesprechen mag!
Das ist alles niht vrider der vnzellicher not, die in da geschiht.
Wan werlich ich mag des nit erliden, de ich so lange gedenke
daran als man gesprechen mag Ave Maria. we, also grdwe-
lieh ist es da!
Die helle hat ein höbet oben, de ist also vngefflge und hat
an im vil manig 8ge grAwelich, da die flammen vs slahent und
die armen seien al vmbevahent, die do in der vorburg wonent,
do got adam und ander vnser vetter vs hat genomen. De ist
na das grössest vegfür, dar ein sonder mag komen. Da han ich
gesehen bischofe; vögte und grosse herren in langer not mit un-
zellicher sere. Alle die dar koment, kume hat in got die ewige
helle benomen, wan ich han nieman da funden, der an sinen
ende je luter bihte gesprach mit sinem fleischlichen munde. Do
tn von des todes nature die vsseran sine wrden benomen, do
lag der licham stille, noch da hatten sei und lip einen willen.
Do hatten si verlorn die irdenische vinstemisse, do gab In got
in de schulene wäre bekantnisse! wie enge ist da der weg
zu dem himelriche! Do sprach die gemeinschaft libes und sele
noch den vngescheiden alsust: Warer got, begnade mich, min sände
S6 Dritter Theil.
sint mir werlichen leit. Das ist ein kurze stunde, in der hat got
vil manig offenbar verloren sele heimlichen widerfunden; Ich han
des nit funden, de dis je menschen geschehe, er hette etwas gutes
mit gutem willen getan. Die tüfel fürent die befleketen seien von
dem licham zu dem vegefür, wan die reinen engel mögent si
nit berären, diewile si in einer klarheit inen nit gelieh schinent.
Ein sele mag aber in ertrich die helfe han von jrändeo,
Das es die tüfel wol bewaren^
Das si die tüfel jemer angeaaren. v
Ist si sere schuldig, si müa doch lindere pine haben,
Das mag si alles bas betragen,
Wan de si die tüfele müstin gevangen
Und ane vnderlas ze spotte haben. ^
Do vnsere heilige vettere zft der helle ffiren, das si mit in
brahten, de was wäre hoffunge in kristan gelpben mit heiiger
^otzliebin vnd vil manigi diemfttigü tugent und getrüwi arbeit.
Alle fftren si ziV der helle, si waren doch zft dem himelrich
bereit; do mohte inen in der helle nit geworren, das si mit in
brahten, de mftste si da brenen. De was die miäe, die sol
eweklich brenen in allen gotzkinden.
Komen si zu dem himelrich niemer,
Dis hat got alsust gemessen:
Was wir mit uns hinan füren,
Das müssen wir da trinken und essen.
Aber die versumeten, die mit so grossen Sünden
Nu vngewandelt von hinan varent,
Die mogent es niene vnverdampnet han so böse,
So vor der helle munde,
Da ze allen stunden
Lucifers atem mit aUer pine ussciät, ,
Und fii so jemerlich dnrgat,
De die armen so sere vereinet sinf
In der flame und in dem manigvallig^n grime,
Als die vil seligen vereinet warent
In der suessen bekanten gotzmiiie.
Ich sach da aller fröwen nft meris
Dan die hohen fürsten, die hie allerleie sünde
Glich mit den fürsten mineten. .
Du helle hat öch oben vf irem höbet einen munt.
Der stat offen ze aller stunt.
Alle die In den munt komen,
Den wirt der ewig tot niemer me benomen.
Cap. XXI— xxn. 87
XXlL Ich %an (gehört) von gotz harmherzekeit , von siner
hekorunge und gerehtekeit.
Ich han so vnmessige barmberzekeit von gotte gebort und
gesehen äc idi sprach: Herre wie mag dis geschehen?
Joch ist din rehtekeit diner barmberzekeit genos,
Wie ist din gftti alsast gros?
Do spraeb vnser berre ein vilgetrüwes wort alsns:
Ich sage (ttr bi minet götüchen trüwe,
Pas der me ist in der beh'gen cristanheit
Die. von dem munde ze himelrich varent,
Defi[e der sie, die zu der ewigen helle varent.
Die rehtekeit hat doch stete ir gewatt.
Swas ir mit schulden vorgevallt.
De wirt ir von mir niemer benomen.
Ich wü aber allererst als eiii vatter zu der bcswerten sele komen.
Hab ich ft gutes vnverzwivelt von ir vernomen,
Das kunt von der grossen bekorange,^
Die ich nach minen kinden han.
Do sprach die sele: Eia vil lieber, woltest du mir dine
hekorunge sagen, vf das din lust und min gerunge überein komen?
Do sprach vnser herre:
Nu h^ wie ich bin bekort
Min güti und min miitekeit, min trüwe und min harmherzekeit
Twingent mich so sere, de ich si lasse vliessen
Ueber die berge des hochmütes und über die tal der diemfitekeit
Und vber die b&sche dar verrikeit
Und über die sclehten (graden) wege der reinekeit.
Und noch serer twinget mich min guti,
Dene dem b5sen menschen tut sin vngemüte.
Und grosser ist aber min rehtekeit
Dene aller täfeln bosheit.
Do sprach du sele:
Herre, din rehtekeit
Fuget dir als reht wol in der lebendigen warheit,
De si mir git unzelliche fröde ane herzeleit
Swar si 5ch hin schielt
' So frowet sich je du warheit.
' .. .
86 Dritter Theil.
XXIIL Die kraft der gerunge benimet die wort. Jnngfr6v)en
mag got nit enhern, Götz angesiht vmbevahen und sin tust fAber-
winden tusent tSde.
Swer do brant in der creftigen mifie für, der mag des nit
erliden, de er sieh mit den Sünden iergen ergliehe (sie) kAle,
Eya vil lieber, wene sol dich des lusten des mich lustet? Alsust
sprach ein ellendlge sele, do antwurt ir dar villiehe und sprach,
ass er nit wiste was si wölte. Wes Instet dich? Do sprach si
aber: Herr, du kraft der gerunge hat mir benomen die stime
der werten. Do sprach er: Die juncfröwen könent nit wol vrien,
wan ir scheme ist von natnre edel. Do klagte si: O we herre!
Joch bist du mir alzelange vrömde. Könde ich dich, herre, 'mit
zöfere gewinen, de du nit möhtest geruhen dene an mir. Eya
so gienge es an ein minen, so mfistest du mich dene bitten, de
ich f&re mit sinen. Do antwmt er und sprach alsüst:
du vnbewollen tübe,
Nu gbüe mir des, de ich dich müsse, sparen,
.Di« ertrich mag ^in noch nit enbern. - . )
Do sprach si: Eya herre,
M^hte mir das ze einer stunt geschehen,
Das ich dich nach mines herzens wünsche mdffate angesehen
Und mit armen vmbevahn,
Din götlichen mifie lüste
M&ssen dar mine sele gan.
Als es doch mensch in ertrich mag geschehen!
Was ich danach liden wölte,
Das war nie von menschen dgea gesehen^
Ja tasent t5de weren ze lihte,
Mir ist, herre nach dir also we;
Nu wil ich in der trüwe stan.
Mäht du es herre erliden,
So las mich lange jamerig nach dir gän. ^
Ich weis de wol, dich müs doch, herre,
Der erste Inst nach mir besten.
XXIV, Zweierleie luten wirb gebotten zweierleie geist. Von
got und von dem tuveL Von sibenhande mine.
Nu wil ich vch schriben von einer waren geistlichen swester
und von einer weltlichen beginen, die vndersprechent sich alsost
Cap. xxm— XXIV. 89
Dt geistliche swester sprichet: Usser dem waren lihte des heiigen
geistes sunder herzeleit; aber die weltlieh begine sprichet vs
von irem fleische mit Incifers geiste, in grüwelicher arbeit
Zw&igerleie geistliche Iftte sint vf disem ertrich; den wirt gebom
zweigerleie geist. 6ot hütet sinen heiigen geist den reinen
geisteu; die hie lebent in getröwer heiiger meinunge alles irs
Wesens. Do komen zwo reine nature zesamenC; de heisse för
der gotheit und de vliessende wahs der minenden seien. Ist
da dene ein reine dahte der steter diemiUekeit, so wirt da ein
sch6n lieht, da man verre davon gesiht. minende sele, so
wirstu also riebe, das 4ic> niaman mag verarmen, und bist du
allerarmest Von diemütekeit wirt man rieh, von .wolgezognen,
von g&ten sitten wirt man edel und wolgeborn, voq mine wirt man
schöne und lobesam, von smacheit wirt man vil hohe in gotte
erhaben. Hie an gedenke, geistliche swester, und la dich nieman
von dinen gftten sitten triben, so mäht du heiig beliben.
Der tüfel bütet $ch sin^n geist den geisten.
Die mit hasse und mit hoehm&Hger girekeit
ZA den ergsten sint bereit.
Die wissent nit wc du mifie alles gutes treit;
Si werdent also arm von bösem hasse und von tüfels grifiii,
De es vnmü^Iich were,
De si jemer bevnnden oder gevolgetcn gotz mine.
Die getrüwe mifie hat zfl gotte ein stete lop;
Die gerende mine tut den reinen herzen vil jnanig süsse not;
Die suchende mine ist ir selbes »Heine;
Die bekante mine git sich allen creaturen gemeine;
Die lühtende mine ist noch gemenget mit tmrekeit; #
Du swigende mifie gebruchet snnder arbeit.
was si stille wirket, de es der Ijehamen nit enweis!
Du Inter mifie ist in got alleine stille,
Wafi si habent beide einen wille
Und ist enkeine creature so edele die si möge hindern.
Dis hat da bekantnissd us dem ewigen bAche geschriben.
Das golt wird dikke mit dem kupfer beflekket vil sere;
Also tut die valscheit und ital ere,
Die vertilget alle tugehden von des menschen sele.
Dd unedel sele, der zA zergenglichen dingen ist to liep,
De si von mifie nie erschrak,
Und. de got nie mineklich in ir gesprach,
we, leider! der ist dis leben aUes nacht.
»0
t • 1 . .
Dls ist das vierde bfich.
/. Fünf ding sont die lutern megde hdn..
Wilt du den maget&m zieren,
Den got also sere geheret hat,
Das er dur dine lieb! einer megde sun wart:
(Eya gedenke wc sprichel das!)
So solt du diemftteklich swigen
Und mineclich kumber liden
Und in allen stetten ., '
Alle din tage megdlicher schemede pflegen,
So mäht du an der kiischeit genesen.
ma^et, was dir deiie got wil geben,
Er wil dir ein schöner jungling wesen,
Und wil den himelreigen mit dir trefien.
O ich vnselig lamer hunt!
Ich hülze ^ch mit dir.
Prüve wie ich ,di8 meine,
Der luteren megde (zal) ist kleine/
IL Dis blich ist von gotte komen* Die seile lobet sich an mangen
dingen, Ir.sint zwen enget geben und zwen bSse tüfel und zwölf
tugenden stritent wider das vleisch.
Allen minen lebtagen, e ich dises bfiches began, und ©b sin
von gotte ein einig wort in mine sele kam, do was leb der
einfaligosten menschen eines, das je in geistlichen lebende er-
schein. Von des tüfels bosheit wiste ich nit, der weite kraöcheit
kante ich nit, geistlicher lüte valscheit was mir öch vnknndig.
'. V^-J-
Cap, I— n.' ^91
loh mAs sfHrechen got ze eren and öeh durch des b&ches lere«:
Xch vnwirdige günderm wart gegr&sset von dem heiigen geiste
in minem zwölften jare also >1iessende sere, do ich was aUeine,
de. ich das niemer mere möhte erliden^ das ich mich zu einer
grossen tßglidien sAnde nie mohte erbieten. Der vil liebe grfts
was alle tage und mähte mir miüeklieh leit. Aller weit s&sse-
keit und ere wahset noch alle tage. Dis geschach vber ein
un4 drissig jar.:
Ich wust^ von gotte nit mer denen cristanen glöben alleine^
und da stAnt ich je mit flisse nach; de min herze werde reine.
Got ist selber des min vrkAnde, das ich in nie bat mit willen
noch mit geren^ das er dise dinge w51te mir geben die in disem
bfiche sint geschriben. Ich gedahte öch nie, de es mensehen
möbte geschehen. Diewile ich wc bi minen tagen und bi minen
frömbden fründen, den ich je die lieboste wc, do hatte ich diser
dinge keine künde. Do hatte ich lange vor gegert, de ich sme
mine SQbulde wärde versmähet. Do ftr ich dur gotz liebi in
ein stat^ da nieman min.frAnd was, deiie ein mensche alleine.
Vor demselben hatte ich angest, de mir die heiige smacheit
uud die luter gottes liebi werde mitte entteilet. Do lies mich
got niergen einC; und brahte mich in so mineklicbe süssekeit,
in so heiige bekantheit und in so vnbegriflich wunder, de ich
irdenscher dingen wenig gebruchen konde. Do wart erst min
geist vs minem gebette bracht zwischent den hunel und dem
Infte. Do sah ich mit miner seien ögen in himelscher wofie die
schöne menscheit vnsers herren Jesu Cristii, und ich bekante in
an sinem heren antlüte, die heiigen drivaltekeit, des vaters
ewekeit, des sunes arbeit, des heiigen geistes sfissekeit Do
sach ich den engel, dem ich bevolhen wart in dem töffe und
minen tüfW. Do sprach vnser herre: Ich wil dir disen engel
nemen und wil dir zwene widergeben, die söllent diu in disen
wundem pflegen. Do dt sele die zwene engel ansach, o wie
sere si in diemAtiger amehtikeit erscrak, und leite sich vf die
f&sse vnsers herren, und dankete im und klagete im vil sere,
de si also vnwirdig were, de sogetane flirsten selten wesen ir
kamerere. Der eine engel was von seraphin, und er ist ein
\
9t Vierter Theil.
mifie bre&er, und der verweneten sele ein heiig lAhter. Der
ander engel wc von chembin; der ist der gaben ein behalter
und ordenet die wisheit in der minenden sele.
Do lies unser herre zwen tüfel harvtir komen, die waren
grosse meister und waren usser lucifers sehAle genomen, und
warent 8ch selten vskomen. Do du sele die til grüwelich tüfel
angesach^ do erbibete si ein clein und Mwete sich zA ynserm
• herren und nam si doch vil gerne. Der eine tüfel ist ein tmgener
mit schönem engelschen gewete. wc von einis er mir ze
erste manige valsche liste vürleite! Er kam ze einer stunt in
der messe von der höhi hamider und sprach: Nu bin ich vil
schöne, wöltest du mich anbeten? Do antwurt du sele: Man
sol got alleine anbetten in allem g&ten und in aller not. Do
sprach er: Wöltest du doch vfsehen, wer ich si? Do wisete
beniden der luft ein schöne valsche clarheit; die mangen ketzer
hat verleitet, und sprach: In dem trone vf dem stftle solt du
alleine die höhste juncfröwe sin und ich der schöneste jungeling
bi dir. Do sprach aber si: Er were nit wise, der wol zu dem
besten keme, de er dene de ergeste neme. Do sprach er: Nu
du mir dich nit wilt geben, du bist also heiig und ich also
demfltig, ich wil dich doch anbetten. Do sprach si: Dir wirt
keine gnade davon gegeben, das du einen pffil anbetest. Do
wiset er gemalet die fünf wunden an flissen und an henden und
sprach: Nu sihst du wol wer ich bin; wiltu mines rates leben,
ich wil dir gros ere geben. Du soltost d^n lüten dise gnade
sagen, so keme da vil gutes von. Do sprach si und si verdros
vil sere sitier unnützen mere; jedoch so horte si die gerne vf
de si dester wiser were: Du seist mir de du got siest, nu sage
mir, wer dene der sie, der jetzent hie des lebenden gotz sun
in des waren priesters banden si. Do wolte er enweg, und si
sprach:
In dem almehtigen gotte mane ich dich,
Das du nu hörest mich.
Ich weis dine meinunge wol;
Solte ich allen lüten min herze sagen,
Es sötte ein kurze wile wol behagen,
So woUtestu mit flisse danach Btan,
Cap. n. 93
Das sich das spil in&Bse verschlan.
Das woltest da darumbe tun,
Das icli fiele -m zwivel und in trurekeit
Und in vngeldben nnd in vnkAsohelceit^
Und danach in ewig lierzeleit.
Und darumbe tust du es öch,
Das ich sMle wenen de ich hch'g si.
Das du suFt kumest zfl mir.
Ja da vil alter trngener,
Diewile das mir got bistat
So verlürest du alle dine arbeit.
Do rief er: Waffen über deinen zöuer, las mich nu von dir
yaren, icb wil dich niemer besweren.
Der ander tüfel mir wart gegeben, der ist ein fridenbrecher
und ein meister der heiigen {keimlichm) ynküscheit. Jedoch so
hat im got de verbotten; de er selber niemer zft mir mag komen.
Er sendet mir aber verkerte lüte ze hotten, die mir gflte ding
verkerent, und nement mir was si mügent mit werten miner ere;
öch ramet er damite, do g&te lüte zesamene sint, und redent
si iht Yiiütze nach ynküscher wise, so mag ich arme da nit
unbetr&bet hüben. Das geschah mir nie.
In einer naht was ich den ersten sdaf in minem gebette,
do kam diser selbe tüfel in dem lüfte gevaren und nam des
sündigen ertriches vil grosse war. Er was gros als ein rise, er
hatte einen kurzen zagel und ein krumbe nasen, im was sin
faöpt gros als ein zuber und kamen us sinem munde gevaren
fi&rige funken in swarzer flaffie bezogen. Do lachete er mit
valscher grime ein vil grüweliche stime: Do vragete in die sele,
wes er lachete, wc er suchte und was er pflege. Do antwurt
er und sprach: Ich fr5we mich doch des, sider ich dich selber
nit mag pinen, de ich der also vil vinde, die engel schinent
und es gerne fär mich t&nt, de si dich pinent. Nu spricht er
aber: Ich bin geistlicher lüte kamerer und ich suche an in
zweigerleie krankheit die si allerschierost vo gotte scheident;
das ist heiige oder heimliche unküscheit. Swene ein mensche
in einem heiligen leben gemach sines fleisches ane rehte not-
dürftekeit und an allen sinen fünf Binen suchet, so werdent si
vnküsehe; de ist grob und las^ und wirt verkaltet du wäre gotz-
94 Vierter. Theil.
miiie. Das ander ist verborgen has in der offenbaren zwi-
drahtikeit^ das ist mir also nütze sünde^ swa ich die beschlafen
vngewandelt vinde, da ist es min gewiüen, wan dis ist ein fiin-
dament langer bosheit und rerlust aller helikeit.
Do sprach du sele: nu hastu von natnre nihte niht gutes
an dir; wie mag dis wesen, das du dise nütze rede vor diner
bosheit mäht fürgelegen. Do sprach er aber: Swar ich hin
wende, got hat mich so vaste in sinen henden, de ich nüt mag
tfin, er wise mich darzü.
Ich vnselig mensche! ich hatte in miner ersten kintheit so
grosse Sünde getan, were ich ane rüwe und ane bihte beliben,
ich mflste zehen jar ze vegfür sin gewesen. Nu über hene,
sweüe ich stirbe, ich wil durch dini liebi gerne noch darifie
qweln.
Das spreche ich nit von sifie,
Es heisset mich die mifie.
Do ich zu geistlichem leben kam ^
Und zä der weite urlop nam,
Do sach ich minen lichamen an,
Do war er gewaffent sere
Uf mfne arme «ele
Mit grosser vollede der starken mäht i
Und mit vollkomener naturen kraft.
Do sach ich wol, das er min viehd was,
Und sach dad 5ch: solte ich dem ewigen toiü entgan,
So[ müste ich mich darnider sciäq,
Do müste es an ein striten gan.
Do sach ich 5ch miner seien wafen an;
De was die here marter vnsers herm Jesu Christi,
Damitte werte ich mich.
Do müste ich steteklich in grossen vorhten stan,
Aiie mine vient grosse schirmeschlege,
Uf mfnen liehamen schlan. . .
Da» was süfzen, weinen, bihten, vasten, wachen,
Besinen, schlege und betton steteklichen an«.
Dis waren du Waffen miner sele, da ich denlip mit über-
want also sere, da bi zwenzig iaren nie die zit wart ich were
müde, siech und krank allererst von rüwen und von leide/ da-
nach von guter gerutige und von geistlicher arbeit, und därzfl
manig swere siecbtag von nature. Hiezu kam du giewaltige
Cap. n—m. 95
mi&e und beschalle mich so sere mit disen wundern, de ich es
nit getorste verswigen. Alleine, do wart mir an miner dn-
yaltekelt yil leide. Do sprach ich: Eya, milte got, was hastn
mi mir gesehen? Joch weistu wol, de ich ein tore, ein sündig
und ein arm mensche bin an übe and an «ele. Disü ding
«(Jtestu wisen lüten geben , so möhtest du sin gelobet wesen.
Da zürnet sich vnser herre wider mich armen vil sere vnde
fragete mich eines nrteiles. Nu sage mir, bistu doch min? —
Ja herre,. das gere ich an dich. — Müs ich deile mit dir nit
tftn de ich wil? — Ja allerherzeliebester vil gerne, sölteichioch
ze nihte werden. — Do sprach vnser herre: Du solt mir an
disen diirgeu volgen und getrüwen, und du solt 5ch lange siech
wesen und ich wil din selber pflegen und alles des du bedarft
an lip und an sele, das wil ich dir geben.
Do gieng ich armü bibende, in diemütiger schäme zA minem
bihter und seite ime dise rede, und gerte och siner lere. Do
sprach er, ich s61te frölich volle vam; got der mich hette ge-
zogen, der sölte mich wol bewaren. Do hies er mich das, des
ich näich dikke weinende scheme; wan mine grossü vnwirdekeit
vor minen figen offen stat, das was, das er eim sn5den wibe
hie» V6 gottes herzen und munt dis buch schriben.
Alsus ist dis bftch miüenklich von gotte harkomen und ist
tis menschlichen sinen nit gemmien.
///. Die sündere enpfallent gotte von drien gaben der wiaheiL
Von dem steine. Von der jungfröwen, lob, de ist die cristanheit,
Alse man de liebe kint stillet, so slahet man das leide;
also tAt vnser lieber herre vnde spricht alsust: Der nit gutes an
im hat, der kunt niemer in min riche, und der nit kan vol werden
vergenglicher dingen, der söl gesattet werden mit dem ewigen
honger. Und we dem, der das gut hat, de an sim herzen klebet
und der sich tber ander lüte setzen wil, der sol mir enpfallen
in de grundelose tal. HiezA antwurt du heiige bekantnisse, de
vnn gbt gegeben hat drierleige gäbe an der waren wisheit, daran
wir VB8 initte söHen satten und allen unsem schaden bewaren;
Das ernte ist pfeffS^icbü wisheit und erisfanlrche lere,' als mir
96 Vierter TMl.
got gez&get hat in grosser ere. Ich sach mit wavtn Sgen miner
ewekeit, in s&sser wane sunder arbeit, einen stein, der we gelioh
einem gefögen berge und was von im selber gewahsen, mid
hatte an sich geformieret allerlei varwe und smakete vil s&ise
Yon edelen himelscben wurtzen. Do Vragete ich den vU s&ssen
stein, wer er were. Do spnM^ er alsust: Ego sum Jesus. Do
kam ich minenklich von mir selber und leinte min höbet an in.
Do sach ich, de vs wendig ime wo besdossen alle vinstemisse
und inwendig was er erflillet mit dem ewigen liebte. Uf dem
steine stAnt du allerschöneste juncfrowe, die je wart gesehen,
sunder vnser lieben fröwen sante marien, jedoch ist si ir gespile.
Ire f&sse sint gezieret mit einem steine, heisset Jaspis. Der
stein hat so grosse kraft, de er vertribet die bösen gitekeitvon
den füsse ir gerunge. Er git 9ch reinen smak und reisset (r^gsß)
den heiligen hunger. Er verwiset alle vinstemisse von den Sgen.
Diser edelstein de ist cristan gelobe. Die juncfrowe stftnt vf
zwein f&ssen, der eine ist das bant, der ander die I6sunge an
beiliger gewalt, die haben alle cristane gel6bige priester. Si
treit in irer vordem haut einen kdch mit rotem wine, den trin-
ket si alleine in vnzellicher wune, die engele versftehent sin
niemer. De ist des ewigen sunes blAt, de erfüllet iren taäi so
sere, de si vns git yil manige süsse lere. In ir lingen haut hat
si ein fiirin swert, das hanget alles vol guldiner cinbalen; die
klingent also süsse, de alle die zft ir komen müssent, die der
heiigen drivaltikeit gerftchent.
Do vragete ich die juncfrowe, wie das were, de si ir swert
in der linggen hant trüge und den kelch in der rehten haut?
Do sprach si: Ich sol tr6wen, wan ein jegliches menschen jüngsten
tage, so schlahet got sin sclag. Ich sol öch sin bl&t schenken
mit minor .vordem hant, als cristus sinem vatter ze eren ist
genant. Si hat 5ch eine grosse eraft in iren henden, damit
zAhet si zft ir alles de got erweit, und wirfet öch von ir alles
das sich dem tftfel hat gegeben. Eya, si treit ein also seh&ne
antlit, ich mag si ansehen jemer deste bas. Ir flüsset olei ysser
ir kelen, de ist barmbefzekeit, salbe der sftnde« Si hat 5oh
in irem munde guldin z$n> .. da kftw^t si mi^ die himelsdieD
Cap. III. 97
kranwurtzen, de sint der propheten Sprüche. Ir trüfet honig vs
ir Zungen^ de die snellen binen, die heiligen aposteln, vs den
s&ssesten veltblümen hant gesogen. Si treit vor irem munde die
blüienden rosen, und ir nasel5cher sint verstopfet mit süssen
violen. Si treit an irem vorhöpte die grünen wissen lylien, de
bezeichent: Si ist ein müter der wittewen, ein vründin der elichen
und ein ere aller megden. Ir ögen spilent alles von wune als
de wisse grüne morgenrot, wor sich tribet die spilenden suüe.
Und also ir ögen sint von nature drivalt und doch gantz, also
ist es vmb die heiligen drivaltekeit gestalt Das wisse bezeichent
den vatter, de grüne den sun, die cleinliche suüe den heiigen geist.
Sweüe 81 sich von herzen ansehen.
So mng kein grösser fr5cie ^^chehen.
Dise jiincfrowe treit öoh vf irme hübet eine crone,
Du ist gewiirchet von rotem golde.
Das ist der hohe rat
Und die heilige tat,
Die man von den heiligen meistern hat.
Dise crone ist gelich einer gezinneten bürg, davor lit ein
gros armes her und die hant einen vil vngetrüwen herren, de
ist der tilfel und sine volgere, der ist arm und vngetrüwe. In
der cronen wonet ein loblich her in voller mäht mit richer wer.
Die hant einen getrüwen herren, de ist Jesus vnser löser, der
wiset die bekerten je zu der gewer und die verarbeiten in dem
winkelre. In dirre cron Itt ein drivaltig cron, da müssent die
starken inne wesen. Die der grossen mifie pflegent, die müssen
schützen und wartman wesen, s511ent die nidersten genesen.
In der crone ist och ein tum.
Die seligen, die da vife wellent wonen,
Die bed5rfent nit vil gestrtte komen.
Da mag aber nieman vf komen,
Im werde von mine
Aller sin irdenscher wille benomen.
Die crone hat oben an iren zinen
Vil wanigen edeln türen stein.
De sint die, die nu von hinen
ZA dem himelriche gevaren sint.
In dirre junefröwen herze inwendig
Sach ich einen lebenden brunen entspringen.
H. Mechthild. , 7
98 Vierter TheU.
DasA trüg man der heidenen kint,
Die warent alle nssetzig und blint.
Ob disem binnen stftnt ein vil geiatlich man;
Da mohte anders nieman In griffen,
De WC Johaües Baptista.
Er wAsch in dem brunen die kint,
De si werden sehende und schöne gesnnt.
Do vragete ich die juncfröwe, wer si were.
Si sprach, ich bin die, die du so liop hast
Und ich bin din gespile.
Ich bin die heiHge cristanheit,
Und wir haben bede einen bnUgöme.
Dia ist der seligen pfaffen juncfröwe,
Die si 80 dikke lieplich |tnsch5wen.
Die ander wisheit ist von natürlichen sinen;
Da man beide mitte tun , verlieren und gewinen.
In dirre wisheit wonen vil verkeeerter leien
Und valschen pfaffen und swinder geistlicher lüten.
Es wirt niemer mensche also heilig,
De er sich kone vor den drien volle hüten.
Also arg ist ir gemute,
De si verkerent alle gftti.
Nieman wirt geistlich von dirre gäbe.
Er si je dabi ein tore durch die gotzliebe,
Wan reinü heligü einvaltekeit
Ist ein müter der waren gotteswisheit.
Was hilfet, das ein fürnem man vil pfeiiige hat,
Und köffet doch nit dene hunger und turst, und lange smacheit
Und darzü ewig herzeleid!
Die dritte wisheit ist von gnaden
Und du verrihtet sieh an allen gotz gaben.
Si cnwirt niemer also riebe.
De si sich den minsten creaturen getürre gliche.
Vmbe ir vngemach betrübet si sich niemer mere;
Si frowet sich alleine in go(z willen.
Si mag öch des nit erliden,
Dg ein einig tugent vs ir tür beschlossen belibe.
• IV, Von zxcein vngelichen wegen, der ein gdt nider z^ dei* helle,
der ander stigt vf in den hiiTiel,
Die rieheit zergengiicher dingen ist ein vngetrüwe gast,
das heilige armüte bringet vor gotte tiiren last.
Die italkeit gedenket nit an Iren schaden,
die stetekeit ist aller tilgenden vol geladen.
Cap. IV. 99
Die tnmpheit behaget ir alleine selbe,
die wisheit kan niemer volle leren.
Der zorn bringet in die sele grosse vinsternisse,
die heilige sanftmütekeit hat alle gnade gewisse.
Du hochvart wil Je du beste wesen,
, dieinutikeit mag nit genWen,
si müsse sich allen creaturen ze dienste geben.
Die ital ere ist vor gotte töb und blinf,
die vnschuldigü smacheit heiliget allii gotzkint. ^
Die valschheit hat den schönsten glas,
die vollkomenheit ist von den h5hsten luten vcrsmohet.
Die girheit het jemer einen grellen munt,
die selige masse hat je einen süssen grünt.
Die tragheit versumet riehen schätz,
der heilige vlis suchet nit ze sere öin gemach.
Du untrüwe git jemer valschen rat,
ganze trüwe versumet niemer gute getat
Die wäre geistlicheit mag sich an nieman rechen,
Das vngebuwete herze wil je den vridcn brechen.
Die gAte andaht mag nit böses began,
Der b6se wille ist nieman vntertan.
Die argheit hat von natare einen bösen grnnt,
die gotliche gnade hat ein mifiekHch antlüt und einen sfissen munt.
Die welllichen herren sint gerne ahtbar,
die geistlich sele wil jemer anderswar.
Die verborgene grimekeit hat einen schlichten munt,
die offenbar minesamkeit hat den gottesfunt.
Die vngetrüwe fare wonet dem hasse vil nahe,
die heiige barmherzekeit sol alleine mit gotte ges tan.
Die lugni ist ussen schöne und iiian grüwelich getlin,
des wirt si von iren gnossen vil lieplich enpfan;
Die warheit ist Verstössen dur ir vnahtbarkeit,
die miissent alle, die si miüent, liden mit Jesu manige smacheit.
Der has grimet jemer ane vnderlas,
die mine briiiet ane sere, ir ist von allem jamer bas.
Der böse abergunst hasset gotzmiltekeit;
das reine herze vol mine frowet sich aller selekeit.
Die aftersprache schemet sieh vor den lüten und vor gotte nit,
der doch alle ding höret und siht.
7*
tOO Vierter Theii.
Der zwivcl ist ein grüwelich val;
die wäre hoffen behaltet es al.
Der valschß trost wirt niemer vro;
die wäre schult betrübet in so.
Hienach sprach unser lieber lierre, do er mir das gezöget
liette, vil schier alsust: Der da gedenket wie gut ich si, der
haltet sieh vaste je an mich. Dazfl hilf uns herre dur diu
selbes efe!
V. Vnser siinde zukünftig val, irdenisch icesen, de himelrich,
gottes gäbe, sSllent stän offen vor vnset^en ögen.
Herre, min schalt, damite Ich dich verloren han,
Die stat vor minen Ögen gel ich dem gr5sten berge
Und hat lange vinsternissc geniachet zwtschcnt mir nnd dir
Und ewige verrunge von dir nnd von *) mir.
Eya liep vor allen liebe,
Züch mich wider in dich«
Aber herre, der zukünftige val
Stat Öch vor minen ögen, geh'ch
Einem fürinen trakenmunde.
Der mich ze allen ziten gerne verschmde.
Eya min einiges gut, nn hilf mir, de iöh
Vnbefleket möge vliessen in dich.
Herre, min irdenscfa wcsen stat vor minen ögen,
Gelich einem dürren akker,
Da wenig gutes uffe ist gewahsen.
Eya süsser Jesu Christe,
Nn sende mir den süssen regen diner menseheit,
Und die heisse sniien diner lebendiger gotheit
Und den milten towe des heügcn geistea,
De ich verclage min heizeleit.
Herre, din ewig rieh
Stat offen vor minen ögen gelich
Der edelstein bmtlofte und der grososten hochgezit
Und der langesten Wirtschaft.
Eya min trut^
Dar solt du ane vnderlas
Za dir vögen din minelustige brut.
Herre, alle dine gäbe,
Die ich enpfangen habe
Von dir, die ist vor minen ögen
') Handschrift: owe.
Gap. V— VI. 101
Glich einein ellendigon orschlagc an mich,
Wun mich nidcret hie diu hohesto gifc.
Alsus antwurt got, der es alles gibet:
Din berg sol versmilzen in der minc.
Dine viande sollen keinen teil an dir gewinen.
Dincn aker hat heisse sufie diirschinen,
Und din friiht ist doch vnverdorben bliben,
Und in mineni riche soltii ein nüwü brat wesen.
Und da wil ich dir ein süsses muntküssen geben,
Das alle rain gotheit
Diir din selo sol sweben,
Und minü drivaltigcn ögen
SoUent jemorme ane vndei^las
In dincm zwivalten herzen spilen.
Wa ist deüe din trurcn bliben V
Betest dn deöc tusent jinr,
Ich wolte dir nit einen süfzen geben dar.
VI. Götz vswelunge mag nieman stSren. Rehtü ruwe hat ablas
(von) gottes gnade und ist ane vegefür.
Ein betrübet mensche bat mich, de ich für in bete, das tet
ich mit vorhten simder mich. Do gehorte mich got mit jsiner
ansehunge, mit sinen worten und mit siner warer stime und
sprach alsus: Es ist kein lamp also wis noch so reine, qs si
betwungen vor der wollen, und min vserwelnnge mag nienHUi
zerstören, de hau ich im bezöget mit drin dingen: de erste, de
ich barmherzig was über sine schulde, de ander, de ich im mine
gnade han gegeben, de dritte, de ich nie wolte gestatten, de
vngetrüwe lüte je einig gewalt möhten an im began. Do klagete
ich für in alsus: Herre, er vörhtet noch sere, de du im sine
schulde nit gentzlich habest vergeben. Sus antwurt got: Das
were vnmftgliche. Dem sin sünde leit sint, dem vergibe ich si;
den si aber mit jamer rüwent, dem gib ich min gnade, und den
si also rüwent, de er sin lip gebe, eb er es me tete, und blibet
also stete, der wirt nach disem Übe dur die schulde ze keiner
pine me gezihet, er entue grosse tegeliche sünde und der vnge-
wandelten wirt gewunden, (sie)
102 yiert^r' TheiL
VIL Wie ein vriii sete sprichet zä yotte in yanzer liebin,
Herre darumbe de ich vndertenig bin gewesen aller creaturen,
so hast du mich gezogen fber allü ding zft dir, und darumbe,
herre, de ich keinen irdensoheü schätz habe, so enhan ich kein
irdensche herze. Wan du, herre, min schätz bist, so bist du
och min herze und du bist alleine min gti und ich bin wandelbar
an allen dingen.
VIIL Van gotz licham, der siechen, der verlassent m\d der craft.
Das ein sieche gotz lichamen nit mag enpfän der verlasset,
(ist), da was ich also einvaltig an, de ich mich (mit) minen sifien
und mitte minem glöben nit volle konde eutrihten, wan man got
nit mag verlieren, wan alleine mit sünden. - Do vragete min
sele in der vereineten liebi vnsern herren wie es darumbe were.
Do antwurt unser herre alsus: Du hast war, er mag mich nit
verlieren defie mit sünden; aber sin licham mag von krankheit
mineiT lichamen verlieren. In disen Worten sah ich in der heiigen
drivaltekeit dise glosen: Sv^ene wir gotz lichame enpfSn, so
vei'dnet sich die gotheit in vnser unschuldige sele, und mischet
sich gotz menscheit mit röserm gnivvelichen lichame, und so
maehet der heiig geist sine wonunge in vnserme geKbcn. Dis
selig einung© sollen wir mit ^osser hüte behalten.
I
• ■ . * t
IX, Von vierhande opfer der priesteren.
Hienach seite mir vnser herre, de die priester ir opfer sont
enpb&D an vier enden und anders niergen: Von dem altur, von
der bftsse, mit gotz lichamen, wr (für?) den siechen. Aber sol
der sieche opfern vf die ölunge nach, sinen statten, und nach
sinem mütwillen. Und vf dem velde sol er nemen de man im
da wil geben. Der priester sol nit kiesen und sol mt vordem,
wan de der sieche geoppfert hat, de -sol er alles enpßin, von
gnaden und nit von rehte.
X, Von der leien oppfer nach iren statten.
Die leien, die da oppfemt, die söUent sieh in irem oppfer
also dike bewaren vor der bösen kargheit, als der priester sich
Cap. VII— XII. 103
sol be waren vor der geswinden girekeit, das ist uns beiden vil
not, wan der leie sol oppfern mit grosser liebi und mit einer
lachenden sele got in^sin muten haut. Der priester sol es mit
diemutigen vorhten und bibenden herzen us got« henden nemen,
und sol üs in allen sinem tünde got lobelich widergeben, wan
dis irdensche gftt ist schalkhaft, so man es nimet ; es ist ,aber
harte fri, so man es gibet
XL Wie crJstan gegen den Juden sich sSllent kalten an vier dingen.
Hien^ich lerte mich got, wie sich die cristane sönt halten
gegen den Juden. Man sol ir 6 nit halten. Man sol mit inen
nit wonen. Man sol 5ch über naht mit inen nit wesen. Man
sol mit inen köffen und verkoflfen ane fruntliche geselleschaft
und ane valsche girekeit.
<
XI L Wie die brüt, die vereijiet ist mit gotte, vef^wirfet ailer
creaturen trost, sunder alleine gotz, und nyie si sinket von der
pine.
Dis spricht gotz brut, die gewonet hat in der besclossenen
triskameren der heiigen gantzen drivaltekeit. Eya, stant bi und
gaut von mir alle creaturen, ir tünt mir we und ir mögent mich
nit getrösten. Die creaturen sprechent: warumbe? Du brut
spricht: Min lieber ist mir in minem schlafe engangen, do ich
in siner einunge rftwete. „Mag vch disü schonü weit und alles
das si gutes hat nit getrösten?" Nein, ich sihe den sclangea
der valscheit, der valschen list sclindet In. (ein) alle wollust dirre
weite. Ich sih öch den angel der girekeit in dem ase*) der
unedelen siissekeit, da si manigen mitte vahet. „Mag vch de
himelrich nit getrösten?" Nein, es were in im selber tot, wen
tete der lebendige got (sie). „Nufie, vrö brut, mögent vch die
heiligen nit getrösten?" Nein, sollten sie von der durvliessunge
der lebendigen gotheit scheiden, si solten seror weinen dene
ich, wan si über mich sint komen und tiefer in got wonen.
„Mag tch gotz sun iemer getrösten?"
') Handschrift: asse.
104 Vierter Theil.
Ja, ich vrage in wol, wene wir wellen gan
Inf die bhunen der heiigen bekantnissc
Und ich bitte in vil gerne,
De er mir vfßchliesse
Die spilende vlüt,
Die in der hcligen drivaltekcit swebet.
Da die sele alleine von lebet
Sol ich getröstet werden nach ininer ödelkeit,
So sol mich gotz aten in sich zieben sonder arbeit,
Wan die spilende sune der lebendigen gotheit
Schinet dur de clare wasser der vrölichen menschcit.
Und der süsse lust des heligcn geistes
Us in beiden ist komen^
Der hat mir alles das benomen,
De beniden der gotheit wonet.
Mir smekket nit, wan alieine got.
Ich bin wunderliche tot-
Dis smakes wil ich allerdikost gern euberen,
Vf de er wunderlich gelobet werde.
Wand, wene ich vnwirdiger mensche
Mit miner mäht got nit kan geloben.
So sende ich alle creaturen ze hove
Und heisse si, de si got für mich loben
Mit aller ir wisheit, mit aller ir mine.
Mit aller ir schöne und mit aller ir gerunge,
Als si vn verböse t von gotte waren geschaffen
Und 5cli mit aller ir stime als si nu singent.
Sweiie ich dis grosse lob ansich
So ist mir niergen we.
Ich mag 8eh des nit erliden de mieh ein einig trost berüre,
deüe alleinig min lieber. Min irdensche frünt mine ich in einer
Mmelscher geselleschaft und mine viende mine ich in einem
heiligen jamer nach ir selekeit. Got hat alles dinges genüg;
finnder alleine der berfirunge der sele wirt im niemer gcnftg.
Do dis wunder und dirre trost hette gewert aht jar, do
wolte mich got alzusere trösten vber miner sele edelkeit. Eya
nein, lieber herre, höhe mich nit so sere! Sus sprach die vn-
wirdige s^le: es ist mir alzegftt in dem nidereten teile; da wil
ich jemer vil gerne sin durch dine ere. Do viel dö arme har-
nider vnder die verhangenen und vnder die verworhten seien
und dünkte ir alze gut. Dar volgete ir vnser herre nach als
solicher getane, als si erliden mohten, die in der nidersten fröde
Cap. XU. 105
warent, wand got schinot in allen darnach sch5ne, als si hie
geheiliget siut in der miüe und geedelt an tugeaden* Sant
Johans spricht: wir sollen got sehen als er ist. Das ist war;
aber die sufie schinet nach dem wetter. Maniger hande wetter
ist vnder der soöen in ertriche^ also ist manigerleie wonnnge in
dem himelriche. Mere wie ich in mag erliden und sehen ; also
ist er mir.«
Do sprach vnser herre: wie lange wiltu hie wesen? Die
brut: £ya, entwich mir lieher hene und la mich färbas sinken
dur din ere. Hieoach kam beide ^ sele und lip in so grosse
vinstemisse^ de ich du bekantnisse verlor und das lieht, und vm
gottes hdmlicheit wiste ich nit/ und du vil selige mine f&r öeh
ir Strasse. Do sprach du sele: War sint ir nu vrö trüwe?
Ich wil vch nu der mine ambaht bevelhen, und ir sönt gotz ere
an mir bewärn. Darvnder vant sich dise kamererine ir vröwea
mit so heiiger lidunge und so vrölicher beitunge, de ich lebte
sunder kumber. Do kam der vngelobe und vmbvieng mich
alumbe mit einer grosser vinstemisse und rief mich an mit so
grossem grime, de mich sere grüsete vor siner stime und sprach:
Were dise gnade von gotte gewesen, er hetti din so sere nit
verzigen.
Do sprach du sele: wa sint ir nu vrö stetekeit? heissct den
waren glöben zu mir gan. Do sprach der vatter von himelriche
zä der sele: Gedenke was du bevunden und gesehen hast, do
niht zwischent dir und mir wc. Do sprach der sun: gedenk
was diu licham von minen pinen gelitten hat. Dis sprach der
heilig geist: Gedenk wc du geschriben hast. Do antwurt beide,
sele und lip mit des waren geloben der stetekeit: Als ich habe
gelobet, gemifiet und gebruchet und bekant, also wil ich unver-
wandelt varen von hinan.
Hienach kam die stete vrömedunge gotz und bevieng die
sele so sere alumbe, de du selig sele sprach: Siest wUlekomen,
vil selig vrömedunge. Wol mir de ich je geboren wart) de du,
vrowe, liu min kamerin solt sin, wan du bringest mir vng^bwone
vr&de und vnbegriflFenlich wunder und darzü vntreglich sSssekeit!
Aber herre, die süssekeit solt du von mir legen, und la mich
106 Vierter Theil.
dine vrömedunge han. Eya wol mir tmt got, de ich si muos
nach der miöe wandelunge tragen wan in dem gftme miner sele.
Hiezu gerte ich de alle creaturen lobten vnsern herren mit 2e
deum laudamns. Des >vx)lten si nit tftn, und kerten mir den
naken zt. Do wart du sele vnmassen vro und sprach dis selbe:
De ir mich nü versmahent und tweren naken zu mir kerent,
sehent, und wol mir! dis lobet vnmesseklik vnsem herren- Nu
gat es an mir an sin ere^ wan nu ist got wunderlieh mit mir,
nu mir vrömedunge bekemer ist dene er selber. Dis wiste du
sele wol, do si got wolte trösten in der gröstcn vrömedunge.
Do sprach si: gedenk herre, wie ich si, nnd enthalte dich von
mir. Do sprach vnser hen-e zu mir: göfie mir dis, de ich die
hitze miner gotheit, du gerunge miner mönscheit und den lust
des heiigen geistes mit dir k&Ien mfige. Dazu antwurte si:
Ja herre, also bescheidenliohe, do dir, herre alleine damitte wol
si und mir nit.
Hienaeh kam dii brut in so grosser vinstcrmsse, de der
licham swiste vnde krainp in der pine. Do wart si von men-
scfhen gebeten, de si were ein ^)otte iinx si ze gotte. Do sprach
ich: Vro pine, dis beuilhe ich vcb, de ir mich lösent nu, wan
ir nu de höhste an mir sint. Do hüp sich du pine von der sele
und von >dem libe gelieh einem vinstern sehine und vor*) ze
gotte mit wisen sifien und rief mit grosser stime: Herre, du
weist wol WC ich wil. Do begegente ir vnser herre vor des
riches tür und sprach, willekomen vro pine. Ir sint das nehste
eleit, de ich in ertrich trüg an minem libe und aller der weit
smacheit was min höhstes vmbecleit. Swie sere ich feh dort
minte, ir koment doch nit harifi. Mere du junefröwe du zwöi
ding wil tun, der wil ich zwöi ding geben. Si sol sin stetekKch
gezogen und wise, so hilfet si, das du ir botte siest, und so wil
ich ir geben min vmbehalsunge und min herzeeinunge. Do
spraeh du pine alsust: Herre, ich mache manigen selig und bin
ich doch üit selig, und ich verzer manigen heiigen lichamen und
bin selber böse, und ich bringe manigen zu dem himelriche^ und
') Handschrift: vor.
Cap. XIII— XIV. 107
kum doch selber iiieuier dar. Hiezft antwurt vnser lierre alwis:
Pine, du bist vs dorn bimelricke lüt geborn, darvmbe niabt da
nit wider harin komen. Mere du bist vs lucifei-s berxe geborn,
da soltu wider in koiueii und solt mit im eweklic wonen.
Eya, selige gotzvrömdunge, wie miilenkiicb bin ich mit dir
gebunilen! Du stetigest miuen willen in der pine und liebest
mir du sweren langen beitunge in disem armen übe. Swamittc
je ich mich me zft dir geselle, got, je got grösser und wunder-
licher uf mich vallet. herre, ich kan dir in der tieffi der un-
gemischeten diemfitikeit nit entsinken,
0w6 ich dir in dem hotnüte übte entwenke,
Mere, je ich tieffer sinke,
Je ich süsser trinke.
XIIL Die Schrift dis bäches ist gesehen, gehöret unde bevunden
an allen lidern, ^
Ich enkan noch mag nit schriben, ich sehe es mit den ögen
miner sele und höre es mit den oren mines ewigen geistes und
bevinde es in allen liden mines lichamen die kraft des heiligen
geistes.
XIV. Von der heiigen drivaltekeit, von der gebuvt und von dem
namen Jesu Cristi und von des menschen edelkeit.
Ich sach und siehe drie personen in der ewigen höhi, e
gottes sun enpfangen wart in Sante Marien libe. Do waren si
bekant und mit vnderscheide angeseben von allen heiigen engein
an ir ganzheit und an irem naraen und wie die drie ein got waren.
Swie dar ir ogen waren, si sahen doch noch weder bein noch
vleisch noch varwe noch den herren namen Jesum. Dis was
in wunderlichen verborgen in des ewigen vatters brüst. Si
namten den vatter den vngeschaffen ewigen got, den sun die
vnbegunene wisheit. Ir beider geist nanten si die rehte kunst
der warheit. Die heissen engel von dem höhsten rate, die do
hangent gegen die mine der gotheit in eime zuge des atems
der ganzen drivaltekeit, die dienten und sahen an den wunek-
') Handschrift: owe.
1 08 Yierter Theü.
liehen rat do got gotmensche wart. Gabrid flirte den namen
Jesu mit dem grüsse alleine hernider. Im war weder bein,
noch vleisch, noch blüt mitte gegeben. Die ander persone
de WC je der ewige sun, alleine hette der die menscheit noch
nit angezogen; er was je vnser und wart vns nie gegeben, e
Gabriel dil botschafl; tet. Were die selbe an der persone vor
der botschaft dur vns gewesen ze lösende, so mftste er ein bfe-
gine wesen, de geschach nie. Die selbe ander persone -was
ein nature worden mit Adames menscheit, S er sich verbösete
mit den Sünden. Alleine was adames nature ^ zerbrochen und
verwandelt und sin teil jemer mer verlorn, do enkos got nie zu,
daiTmbe mohten wir, und mögen noch widerkomen. Got hat
sin edel mifiende nature gantz behalten, darumbe mohte er sich
nit enthalten. Got warf lucifer zehant von im in den ewigen
kcrcher; mere adam gieng er nach und vragete in, wa er were,
und brahte in wider ze wegc. Lucifer hatte nit wan ein einig
nature in gotte, do er die zerbrach, do mphte er niemer wider-
komen.
Der mensche hat volle nature in der heiigen drivaltekeit,
und den gcrüchte got ze machende mit sincn götlichen henden.
Do er die vilheiligen arbeit an vns verlor, do wart er betwungen
in im selber mit einer drivaltiger lust. Darumb wolt er vns
widerbringen mit sinen ffissen und mit sin selbes henden, de
wir so grosse einunge mit im betten. Were der mensch in
dem paradys bliben, got der were ze stunden s&ulich mit im
gewesen und hette gegrüssct sin sclc und gevröwet den lip.
Also sach ich got komen von dem himel in de paradys, einem
grossen engel gelich. Dieselbe nature twinget got noch dazu,
de er uns grüsset hie mit bekantheit, und mit heiiger inekeit, als
•
verre wir sint mit heiigen tugenden und mit warer vnschuld bereit
Swene ich de gedenke, de götlich nature nu an ir hat bein
und vleisch, lip und sele, so erhebe ich mich mit grosser vröde
verre über min wirdekeit. Aber der engel ist etlicher masse
gebildet na der heiigen drivaltekeit; doch ist er ein luter geist.
Du sele ist mit irem vleisch alleine hus vor dem himelriche, und
sitzet bi dem ewigen wirte, im selber allcrglichesti Da spilct
Cap. XV— XVI. 109
öge in öge nnd da flüsset geist in geiste, und da rfirct hant zc-
bände und sprichet mund ze munde, und da grusset hertz in
hertzen. Alsus eret der wirt bi siner stten die busfröwen. Mcrc
die forsten und die dienstben'en, de sint die heiigen enge), die
bat der wirt vor sinen ögeu. Aller der dienst und alles das lop^
des die engel pflegent, de ist alles der busfröwen mit dem wirt
gegeben. Jemer darnach als wir hie rieh sint an heiligen^ tu-
genden, also sint ynser dienstmaü edele.
XV. Die rehte luter mine hat vier ding, Gihest du dich gotfe,
80 git sich got och dir.
Du rehte luter gotzmiüe hat vier ding an ir, die rflwent
niemer. De erste ist du wahsende gerunge, de ander die vlies-
sende qwelunge, de trit die brinende bevindunge sele und libes,
de vierde stetü einunge mit grosser hüte gebunden. Hiezü kan
öcb nieman komea, er tflge ein gantze wehselunge mit gotte,
also de du got gebest alles de diu ist, inwendig als vswendig,
so git er dir werlich alles was sin ist, inwendig und uswendig.
Wene du selig stunde ist vergangen,
Als got der ininenden sele
Sinen ^berheren trost hat getan.
£ya, so ist dene du mifieklieh so wol gotnüt,
De 6i alles de dunket gAt
De vrömeden seien we tut.
Bistu dene grel, so ist da grossii angesf,
Ane das dich der tüfel gesnlbet hat.
XVL Die grosse mine hat me dene zelien stuke und zioiegerhande
clagc.
Hienach hat die grosse mine ir nature, si vlüsset nit mit
trebnen, mere si brenet in dem grossen himelfüi'e. Da iüe vlüs-
set si allerverrost, und stat doch in ir selber allerstillost. Si
stiget gotte allemebest und blibt an ir selber allerminst. Si
begriffet, allermeist und behaltet allerminst. allerseligste mifie,
wa sint die, die dich bekenent. Si sint gentzlich verbrant in
der heiigen drivaltekeit, si wonent nit in tn selber. Dise seligen
mögent niemer vallen in höptsünde. Warumbe? Si sint mit gotte
durvlossen und umbevangen so sere; je me si besuchet werdent,
110 Vierter Theü.
je starker si werdent. Warumbe? Je langer si hie sint in dem
gtrite nnd miüent^ je edeler si got dunket und je sn5der imd
unseliger si sich selber dunkent. Warumbe? Je heiiger mine,
je grösser angst und je maniger trost je steter rorhte. Aber
dti mifiende sele mag nit grüwelichen vürhten, mere si vörhtet
edellich. Zw6i ding kan ich niemer verklagen, de eine, de got«
so sere vergessen ist in der weite, de ander, de geistlich lüte
so unvollekomen sint. Harvmbe mfts manig val besehehen, wan
voUekomen lüte vielen nie.
XV IL Von einer vröwe, die ze hove gerne taas, von ii*nie infd
der ir siben hosheii riet.
Ein vrowe bette sich begeben
Und wolte denoch ze hove dienen,
Do bat ich für si mit aller miner mahf,
Bede tag und naht,
Wan ich sach iren schaden also gros,
De 81 nach disem übe, eb si do blibe
JetDerlich m&ste wesen der tüfel genos.
Si minete ir herscbaft alze sere,
Und hielt sich nit zu gotz ere;
Mere si ordente die vnnütze hofzuht
Und bette jemer vor den Ögen
Die edellicheit irs berren und ir vröwen.
Hienach kam ein grosse tüfel, fürig, blutig, swartze mit
takken und mit hörnen glasögen, und gieng vor mir hinstan.
Ich vorhte in nit, doch segente ich mich und entsclief. Do wal-
terte er über mich als ein balg vol wassers und pingete mich also
sere, de ich suchte gnade zä vnserem herren. Do kam mir ein
wis engel ze helfe, der was von dem vierden köre der engelen,
und was derselben vröwen hfiter. Den vragete ich wer dirre
viande were und wc er mir wisse. Eya da sprach der liepliche
engel mit himelscher stime : Es ist der bösesten tüfeln einer, den
die helle mag geleisten und hat das ambaht, de er der lüte herze,
die doch gut wellent sin, zesamen knüpfet mit schedelicher liebi,
und pineget dich darumbe, de du in wilt Verstössen von diser
vröwen. Eya, sol er mich vf lange pinigen? — Nein, got der
wil sin gAti alsus zeigen. Hienach kam der tüfel aber und sclios
Cap. XVII— XVIII. 1 1 1
nffen mich mit fürigen Straten ^ die schutzzen achter mich helle-
scbe pine an Übe und an sele. Do sprach ich: Alles de dir
got gestattet de tu mir. Do erwachete der tüfel und sprach:
Nu du dich diem&teklich zu der pine gibest, nu verhire ich alle
min kraft. Do sprach du sele: bi dem lebenden got mane ich
dich; de du mir sagest dinen namen und wc din ambaht an dirre
vröwe si. -- Minen namen? Ja den wil ich dir nit sagen, wau
es möhte mir alzesere schaden. Du müst bi dem jungesten tage
(es wissen). Ich pflege an ir des grimen hochmütes und Ö!dx
geswinden wisheit und der kreftigen girheit, und ich heicwe
zornige grellekett^ die geistliche herzen störet.
XVIIL Dei* geistlich Mensche ist glich eim tier an drissig
dingen siner nature.
Alsus klaget sich ein betrfibtü sele und sprach ellendeclich
zA irme lieben: Eya herre, ich habe lange zwöier dinge gegert^
der bin ich noch nit gewSrt. Da$ eine ist ein getrüwes geistlich
leben. we mir, herzeliep, de ist alles vnderwegen bliben.
De ander ein heiig ende; darzä fr5we ich mich also sere, de
ich minen trurigen ernst verliere. Hiezfi antwurt vnser herre
und zeigete mir ein snöde vnahtbar tierlin und sprach: Sieh an,
disem deinen tier bist gelich. Do sach ich wie de tier wart
gezelet an einem eilande in dem mere von dem schlime der sich
süveret ts dem mere, zwischent der heissen suüen und dem mere.
Also de di suüe wc des tieres vater und de mer sin müter und
der schlim sin materie.
Also wart adam von gotz craft vf der erden von kranker
materie gemacht. Dis tier betütet wäre geistlich lüte. Weiie
der mensche enphät einen geistlichen geist, so wird er gezelet
mit der heissen gotheit und wirt enpfangen in siner müter, der
gotes menscheit, so ist sin materie der lieilge geist, der sine
süntliche nature in allen dingen vertilget. Dis tier wahset gegen
der waren sunen. Also tut der geistliche mensche, der gotz geist
enpfangen hat. De ist ein so edel sat, si kimet und wahset vntz
an des seligen menschen ende.
1 1 2 Vierter Theil.
Dis tier isset nit merc, es hat einen grossen zagel^ der ist
vol honiges, den suget es alle tage. Es hat öch guldine grane,
die klingent also sehone als es suget, das im die sflsse stime
und der vröliche klang spiset in sin herze, und der lip wirt
gespiset von des süssen houiges trank. Dirre zagel ist heiliger
läten ende, den si mit guten werken und mit steten tngenden
vrölieh und wislieh vor iren ögen habent und doch gerne grosse
trüwe an langer beitunge tragent. Die guldine grafle, das ist die
edel gotzmine, die dur das minende herze in die edel sele klinget.
Wol fm, de er je mensche wart, der das rehte einist enpfindet.
Das tier hat etweüe ein natürliche lust, de es des mores
trinke dur einen unnützen turst, so mag es niemer genesen, es
müsse das bitter merwasser vslassen und widergeben. Also isf
es vmb vns sünder gelegen. Sweüe wir trinken den pfftl der
weite und nützen du unedelkeit vnsers vleisches na dem rate
des bösen geistes; o we! so ist uns selben mit vns selben ver-
geben. Wellen wir dene jemer genesen, so müssen wir vns
selben verlassen, und der weite schult widergeben.
Dis tier hat grosse oren, du stant im offen gegen dem
himel, und es hört nach der vogel sänge, es fiühetdü egescliehen
tier und vörhtet du irdensche sclangen. De tftt öch weriich dft
miüende sele : si vlühet steteklich böse gesellschaft und si hasset
valsche wisheit und ir oren sint bereit ze hörende gotz wisheit
Dis tier hat ein edel gemflte. Es mag nit bliben in dem
mer, so du tier reient und de wasser wötet. Es miüet öch
küscheit und löffet vf den höfasten berg, den es weis und küset
da den allerschönesten boun und klimet daruf mit vrölicher
arebeit und behalset dene den hohen stame, und so rfiwet es
mit grosser liebi in hoher vriheit. Alsus tat die minende sele:
ir ist bitter du itelkeit und flühet sere zergenglicheit, die als
ein wasser hinan vert. Si weis öch wol, wie si mit grossen
tugenden und mit heiligen arbeiten löffen sol vf den höhsten
berg des schönen himelriches. So klimet si fürbas in die gnade
sunder arbeit, uf den schönesten bön der heiigen gotheit, da
behalset si den höhesten stamen und wirt selbe vmbehalset von
der heiigen drivaltekeit.
Cap. XVIII. 113
Dis tier hat 5ch zw5i scharpfü liorn , damitte wert es sinen
lip mit so gi'oöser wishelt, das es vou allen tieren vri hinan gat.
mifiende sele, was du dis wol verstSst? Du vei-tribest du
tüfel mit gotz wisheit von dir, und lebest in heiiger luterkeit
von allen Sünden vri.
Dis tier hat zw6i schönü menschlich ögen, du vliessent !m
vol trehenen na dem schßnen berge; da werc es aber gerne.
Eya miüende sele^ wie schone sint die ögen diner bekantnisse^
wan du hast gesehen in den ewigen Spiegel, und dir sint di\
süssen trghne vil lieplich bereit; du lidest doch gerne des sün-
digen meres biterkeit.
Dis tier hat einen' reinen niunt und ein reine zungen. Es
enbat ßch keine zene, es kan nit grinen noch bissen. Der
minende mensche hat öch einen nützen munt, er leret und be-
rihtet ze aller stunt gerne, und sin zunge ist von allen schede-
lichen Worten gezogen und gebunden. Er hat öch kein bissende
zgne, er tröstet du betrübten jemer gerne. Er hat öch enkeinen
grim, wan alleine vf die sünde und vf gotz smacheit, ja im ist
kein pin so leit. Des tieres mmid ist oben offen und niden klein.
Die gr6ssi vnsers mundes ist das vnbegriffenlich lop, de wir got
leistet s511en mit der gemeinschaft aller creaturen, allem unserm
tünde und an allen dingen, zu allen stunden. Das niderste teil
vnsers mundes sprichet alzegerne von der sündigen erden.
we ob allem sprechen! Wc sol der välschen heiigen werden,
du mit heiiger lüte gäbe' valschlich ireu sündigen lip generent,
und bewisent sich reht, als ob si es alles in der rehten gotz-
warheit haben ervaren. Der geti-üwe got, der allein die warheit
het geminet, der müsse sine reine trünt vor tn bewarn.
De tier hat snelle füsse und hat kein stiine, es ist in im
selber stille. Dieselbe nature hat die gezogen sele; in der hShsten
miiie ist si beide, snell und stille.
Dis tieres hüt und här ist unedeler varwe, wan es ist väl
vnde sn6de anzesehende. Es jaget Öch nieman dur sine gegeu-
wirtige sch6ni, mere nach sinem tode, so.andrü tier fulent, so
wirt sin hut also edel und sin häi* so mangerleie schon i, de alle
die böbisten, die es m6gent haben, sine hüt für die edelsten
H. Mechthild. g
114 Vierter Theil.
zobele tragent. VoUekomeuer lüte vride und tr nütze Bitten und
ir heiige lere^ der ahtot man bi ireme übe leider alzeklein^ mere
nach irme tode, swa wir sündigen kumen in nöte und wir deiie
gedenken, wie heleklich si lebten und wie getn\welich si vns
wameten, so komen wir in süntlich schemede, de wir in wareu
so vrömede. So wirt ir leben ein schöne zobel, den wir sün-
digen vor vnsern ögen vil schöne in vnserm herzen tragen. Aber
bi irme seligen libe vorhten wii* je das vngebe kupfer, de wir
dis edel golt nit mögen berflren.
Dis tieres vleisch isset man an dem fritag. Es stu'bet och
nit, es werde von des meres vinden tot gesqhlagen. Heiiger
lüte leben de sint alles fritage, wan si vastent alles von sündeii,
und si essent nit die verbotten spise, mere si lebent nach göt-
licher wise. Die grossen bulgen der stürmenden mine tut si
sterben aller dingen und leben got alleine; ja deüe erste sint
allü ding ir alleine in der mifie mit gotte gemeine, so hat ir
mine nütze krefte in gottes lobe ze allen dingen.
Dis tieres gebeine ist eis edelen visches grat, do machet
man schöni cleinot abe, de edel lüte zu iren eren babent. Wie
edel ein cleinöt de si, de ein heiig licham minevol und sündeu
si vri, de wiset vns got an sine^n liebsten fründen,. ü^ wir du
waren zeichen an vinden. Got hat vns an sinen beligen vründen
manig nütze kleinöt gegeben; loben wir in nit danunbe so mögen
wir nit der heiigen ein werden, die man erhebet hie vfl von der
erden. Dises tieres namen sprichet ze tüte alles nütze. Wol
Im, das er je mensche wart, der disen namen vor gotte hat!
XIK. Das amhdht der gebenedigtm mine ist manigvalU
gebenedeite mine, de was «under begine
Din ambaht und ist noch,
De du got und des menschen sele zesamene bindest,
De sol din ambaht sunder ende sin.
.Gegrüsset siest du vrdwe min,
-Und beware de ich nit klage
Mime schonen herren '^ber dich.
• Wil er ze lange von mir sin,
So erfrüre ich ze sere;
De bewar, herzefröwe, künegini
Cap. XIX— XX. H5
Dn hast mich in gotte verleitet,
De ich seleklich gebunden bin.
mine fröwe , hilf du mir,
De ich ftn sinen armen verscheide,
Da ich' mit ime bev.ingdn bin.
Jedoch wil ich gerne liden des todes pin
An dem sündigen lichamen min.
Miiie, dn hast den grftssosten gewalt
. Vor allen tagenden jemer me,
Des wil ich got danken,
Dn benimest mir manig herzensere.
Ich habe kein lügende mere,
Er dienet mit den togenden sin.
De were mir swcrer als der tot.
De ich iht giltes mohte getün snnder den herren min.
Alles de ich von mine spriche,
De getar ich mir leider nit zAziehn,
Mere got der meinet alle die damitte,
Die in sin^m herzen erweit sin. ')
Den dis angat der bevindet es wol;
Die mihie machet ital herzen vol.
Mere wefie wir werden vol wranges nnde surekeit,
So ist.vns der miiie spilvil vnbereit.
Güte naht, mine, als ich schlaffen welle. Alleluia,
XX: Von seJis lugenden 8, DMninicus.
In sant Dominicus tage bat ich vusern herren für der pre-
dierorden gemeine. Do gerftchte des vnser liQber lierre, de er
selber zu mir kam und bralite Sant Dominicum, den ich mine
vber alle heiigen. (Idi vrage) eb ich getar sprechen, (da) sprach
vnser herre: Dominicus, min sun, hatte in ertriche vier ding an
im, die solten alle pi'ior an tn haben. Er hatte sine brüder also
mineklichen liep, de er de nie mohte erliden, das er sie betrübete
mit den Sachen, die von sinem eignen mfttwillen kamen. Das
andere de er dikke sin spise bösorte, sinen brüdern ze helfe und
ze liebe, vf de junge brüder wider in dehten in die weit, i|nd
de die alten nit erlegen in dem wege. De dritte de er inen mit
heiiger wisheit das bilde gab, de si dazu dur got solten messig
sin in allem irem wesende und an allen 4ren sitten und an aller
irer notdurft. De vierde de er so barmherzig was, de er sine
■j-**.
>) jElAnteshrift: siot.
8
116 Vierter Tlieil.
lieben brüder nie wolte besweren mit dekeiner bftsse, die im der
orden nit wisete nach der schulde. Aber sprach vnser herre^
Noch sage ich dir zw5i ding. Swefie Dominicus lachete, so
lachete er mit warer sfissekeit des heiigen geistes, so er aber
weinete, so weinete er mit so grosser trüwe, de er jemer alle
sine brüder zevorderste an siner gerunge trfig vor oiinen ögen,
und dazu mit aller mäht die heiige cristanheit. Das einige lachen
sunder italkeit mag böse sin^ des wiste ich §des nit.
XXI. Dur sehszehen ding hat goi predierorden liep,
Hienach sprach unser lieber herre alsus: Zw8i ding mine
ich also sere in der Bredier orden, de inen miii g5tlich herze
zu lachet ane rnderlas. Das eine ist du helikeit irs lebens. Das
ander ist der grosse nutz der heiigen cristanheit. Darzü grfls-
sent si min heiigen drivajtekeit mit siben dingen, die sprechent
alsus: Crefteklichen süfzen, herzeclichen weinen, lebendige ge-
runge, horten twang, kumberlich eilende, getrüwi demütekeit,
vr51ichü miiie. Aber sprach vnser hörre: Si 8rent öch mine
drie namen mit siben dingen vswendig: an lobelichen sänge mit
warer predeunge, mit rehter losunge, mit mineklicher tr5stunge,
mit früntlicher helfe, mit hetigem bilde, u^d öch sint si ein heil-
sam baut des heiigen Cristan geloben. Mere sprach vnser herze-
lieber herre alsus: Ire almusen, du si gebent den armen dur min
liebin, die ist also heiig, de der armen lüte Sünden geminfet
werdent, die si enpfant, und das öch der tüfel da niergen bliben
mag, da man ir almäsen isset. Dis kunt von der helekeit irs
gevelligen armüt^s. Eya ewiger brqne der gotheit, da ich vs-
gevlossen bin und allü ding, ich vnwirdigü creature lobe dict
mit alle dem das vnder dir ist, de ich, heiTC, doch alsus von
dir geti-5stet bin.. Amen.
XXIL Von vierhande crone hrüder Heinrichs und von der
tcirdekeit S. Dominicus.
In predierorden starb ein brüder an eim h^ren osterta^, do
er hatte geprediet, messe gesungen und den lüteri iette gegeben
Cap. XXI-^XXII. 117
vnsers herren heiigen lichamen. Und do er alle sin pfliht hatte
vollebraht, da hies er sich oleien, nnd vfir gegen naht. Do er
wac begraben, do gieng ein mensche zft sinem lichame und
gr&ssete beide, sele und lip. D«s pj3ag si alle zit nach geist-
licher lüte ende. Und do machte got in ir sele eine götliche
hochgezit. Und also wart ir sin sele in gotes vmbehalsunge in
grosser ere bewiset. Do sach si wol, de sin ere noch nit wc
voUekomen und fragete vnsern herren, wie lange er also wölte
wesen, und eb er dehein vegefür bette gelitten. Do spi'ach vnser
herre: Er sol alsus sin vierzig stunde, de waren siben tag und
siben naht.
Er hatte sich geneigct vf gotz brüst
In vnzellicber wollust
Wider die geistlichen inekeit,
Die im hie was vil vnbereit;
Und also snelleklich
Wc er do. ane pine komcn.
Als ein müter ir liebes kint
Vs der eschen in ir schösse hat genomen.
Do sprach er: sag miner swester,
Ich wil si trösten inront vierzig tagen
Mit gotte. Das geschach.
Si starp vierzehen naht danach.
Do ladet er mich zu siner hochgezit
Als er solte enpfän sin ere.
Darzü bereite sich alles himelsch here
, Und' 'schareten sich in ein sch6ne procession.
Sant Dominicus kam mit einer ganzen schar,
Die waren alle predier, und si trügen alle guldine ktenza
Die in dem orden sint hingevam,
Danach edel als si in dem orden heiig waren.
Saut Dominicus brahte brüder heinrich
Zegegene ein lühtende crone,
Die spilete in ir bliknnge also schone
Als die snne in irem liehtosten done;
Die gab er im von gotte ze lone^ '
De er sinem heiigen bilde hat gevolget
In der predier orden.
Sant Dominicus ist vor den andern vnzellich schöne,
Wan er hat von jeglichem brüder sunderlich wirdekeit ze lone.
Ich sach in sunderlich gekleit *
An drierleie wirdekeit.
Er treit ein wisses kleit
118 Vierter Theil.
Der angebomen') küscheit,
Darzü ein grfin kleit der wahsenden gofzwigheit
Und dazA ein vnbesprenget rot kleit,
Wan er die marter geistlichen leit.
Si bant ein b^rzeichen von des ordens wirdekeH,
Das nieman nie treit.
Ein seh5ni\ baner gat in vor,
Dem vo]gcnt alle die nach,
Die hie an irme rate stant.
Vn^er berrc sas in siner alraehtekeit
Und ki*6nte disen brAder mit drierhande wirdekeit.
De was einvaltigü gehorsami,
WiUigü armüt, stetü unahtibark^it.
Do dankete brüder Heinrich vnserm henen alsus;
Ich danke dir herre , dines fundes
Und diner behaltnisse und zflnefiunge.
Do neig er vnserm herren
Und kerte sich zu sinen brüdern.
Do sprach sant Dominicas:
Sist willekomen lieber snn,
Nu gang in die ere dines herren, alieluja. ')
De' mir disü gnade mohte beschehen
Und dis mohte besehen,
de was siinderlieh davon de ich dur got eiieudie was und von
gotz fründeu steteklichen arglich versmähet.
XXIIL Von Sante Johanes ewangeliste btgrebde.
Sant Johans e wangelisten liehamen han ich gesehen
werlich mit flen ögen miner vnwirdigen sele. Er iit in grosser
wune und begraben ob allen zergenglichen dingen und der
Schöpfnisse des ewigen riches. Sin licham hat nu der götlichen
ewekeit also vil enpfangen, das er lühtet als ein ftirig kristalle.
Er Iit reht also miueklich menschlich geschaflFen, als er were in
eim himlischen jubilo geistlich entschlafen. Sin ögbrawen sint
im alleine brun und hat sin ogen zugetan und Iit vf sinem ruggen.
Vnder im, oß im und alumbe ime ist es alles klar, und je ze
siben stunden koment die heiigen engel zu dem liehamen mit
lobelichem sänge, der lutet alsus: heiig lüter, einvaltig wise, gotte
') Handschrift: andergebomen. ,
') Am Randf
De WC der sibende kor
De WC an endo.
Cap. XXin— XXIV. 119
»
von herzen liep. Süsser wise'hat der sang, dene tusent selten
oder harpfenklang. Zwisehent sinem liehamen und der schSpf-
nisse des himelricbes ist nit me deüe ein düfiü want als eines
eies hüt, und ist doch als ewig veste, das dar kein liehame me
dur mag; untz an den jungosten tag.
XXIV. Wie got in himelHcke die seien enpfaket tmd wie er
drierleie ItUe cr&nety und wie er 8t grtUset, zieret, lobet tmd
inen danket.
Das hiinelriche hat manige porten 8ch6n und hat doch en-
keine. Die manigvaltigen porten ist der herlich vnterscheiden
Ion, da got ein jeglich sele mit enpfat, und sich der gantze
himel vf tftt gegen der wufieklichen gotzhrut. Got der gat her-
nider dur die köre alle, der sele engegen und im volget alles
' * '
himelsch her, alles da nach schöne de si mag empfahen ze lone.
So vart *) du sele vro vs dem vegefür oder vs disem elende, so
volgent ir och vil manig schöne engel. In der himelporten koment
die zwene gelieben zesafnene, got und die sele. Sin edel ansehen,
da er si mitte enpfahet, hat so grosse kraft an ir, de si niemer me
mag gedenken an Iren schaden noch an dekein ir herzeleit.
Ein gemeine krotie des riches kunt vf ir höbet in der porte,
das ist gotz wille; damitte leitet er si erlichen in. Darumbe
heisset si des riches kröne. Dem verworchten sünder vntz an
sin ende, dem got rüwe sendet, dem wirt anders kein Avirdekeit
ze lone. Got krönet drier bände lüte mit sinen vetterlichen
henden, raegde, wittewan und Elüte. Als er si hat mit allem
lob enirfangen, so krönet er si defie. Die wittewen und die an
der 6 krönet unser hen-e sitzende an siner alraehtigen ere; aber
gegen den megden stat er vf und krönet si stunde, als ein
keyserlich juncherre. Er grüsset si inewendig mit siner leben-
digen gotheit, er eret si vsvrendig mit siner almehtigen menscheit,
er zieret si mit sines heiigen geistes miltekeit. Er lonet in och
ane ende mit siner gantzen drivaltekeit, ordenlich in sinem riche
alles des de si da mit in bringent. Er danket in allen sunder-
') Handschrift: wart.
122 Vierter TheU..
eigen wonunge. Si sint in allen stetteri geste und lident ma-
nigcn kränber. 8i enhant weder hus noch hofj silber noch golt
niergen behalten. Ir jeglicher gat mit einem Stabe, der ist wis
geverwet (und) rot. Der stab hat ein kruken, die ist einer
Spangen lang und ist von helfenbein. Bi dem helfenbein sont
si Tvesen kusch und in allen dingen reine. Der stab ist \ds
und rot, dabei gedenkent si ehristi tot. Einhalb an dem Stabe
ist die märter vnsers herren gegraben, anderhalp sin himelvart.
Den stab müssen si an allen stetten bi tti haben, so si essent
oder sclaiFent, bettent oder predient oder messe singent oder
bihte hörent, und wa si den stab vs der haut lassent, da m&ssent
si in in die erden stossen vor iren igen, de si ehristi marter
steteklich anschöwen.
Swefie ir weg ist drissig milen lang, da si hin mfissent dur
nutz oder not, «o müssen t si zwene einen esel mit fn v5ren.
Da si etwene riten, so mßgentz iren stab nit vftren bi iren siten,
mere si müssent in in der haut vor inen vfgerihtet vören als ein
gottescrAze. Darumbe müssen si de snöde tier riten, de si sich
got an der demftt geliehen, und och ir fSsse werdent inen also
ser, de si die lengi nit mögent vollegan. Aber die schflhe tragent,
de mag nit langer weren defie von aller heiigen tiag vntz saiit
peters tag als er Bapst wart.
Si söllent nieman nit bitten ze buche noch ze kleiden : mere
als man inen de brot nüt hütet, so sönt si es diemüeteklich bitten,
und sönt bi den gemeinen lüten essen und trinken alle die spise
die si inen gebent, ane vleisch alleine. Si sftnt öch nit me
vasten, dene de du cristan ^ gehütet und s5nt also herbergen,
de si mögen betten und sclaffen von den lüten vnder einem
sunderlichen tache.
Als die lüte dis helig leben erkefient und angesehent, so
weiden si sin also sere gebessert, das si inen gerne ir notdurft
willeklich mit grosser liebi gebent. Si sönt öch mit keiner Wit-
wen ze herberge wesen. Die lüte sönt in ir hertö vüsse wüschen
mit grosser inekeit und söllent des got sere danken, de si da
gen und salbent die verweisete cristanheit, als Maria Magdalena
tet vnserm herren. Si salbent si öch na, de söllent maües namen
Cap. XXyil. 123
tun, (sie) wan si nit got siut Als die löte de gesehent, de ir
kleider ze krank sint, so gebent si inen nitwi. \\l w61tc man
inen gerne geben: si s6nt es nit nemen; mere si ratent barm-
herzekliehe ze gebende an alle nütze stette.
Ir gros kapittel ist zwürent im jare vsgeleit dnr nutz und
notdnrft der cristanlieit ze sumer in dem walde, ze winter in der
stat vf der burger rathus. Wer in disen oi-den wil varen, der
sol selber zweierleie buch haben: Vs dem grossesten buche sol
er predien. De erste de an dem bftche ist gesehriben, de spricht:
„Credo in deum^*, und darnach sint es alles meisterliehe sermone,
alles geordent mit dem cristan geloben. Vsser dem minsten
bftche sol er sine gezit vom jare leisten vnserm hen'en. Der
erste meister der dis leben sol erheben de sol des könges sun
von Rome wesen. Sin name spricht vor gotte ze tfite alleluja.
Dem sol der Babest sinen nehsten gewalt geben, und danach
kftset er selber und enpfSt von dem Babest dis leben. So bc-
gebent sich alles hohe meister mit im; die sftllent nit junger den
von vier und zwanzig jaren wesen. Si enpfant öch nieman^ er
^i deile gesunt und habe ze hoher schttle gelernet, und sie mfis-
sent^lle priester, bihter und hohe vsei-^elte lerer wesen. Den
ersten meister »ont si heissen ir vtirste und sol gan selbe vierde
brfldcm, wan der cristangelöbe wirt allerdikost an im versftchet,
und die vierzehen sönt einen meister vnder tn han, den s6nt si
heissen iren hfiter, und der sol gan selb dritte brfidem. Ir ge-
walt ist vil gros, wan kein Bischof ist ir genos. War si kömen,
da ist inen predien, bihte hören und messe singen und lesen
vnverboten. In jeglichem bistftme sönt ir siben wesen, nach
den siben gaben des heiigen geistes; in eim er/bistftme drie-
zehen, nÄch dem heiigen convent vnsers hen*en. Ze Rome sönt
ir drlÄsig wesen, na dem seligen köflfe der an Christo wart ge-
geben. Ze Jerusalem sol Ir wesen allermeist, do Jesus dur vns
den tot leit.
Ir minste capitel sont si haben ze drien wochen, nach der
ganzen einunge der heiigen drivaltekeit mit fünf brftderen nach
dem bilde der heiigen fünf wunden odet mit siben en, nach den
siben gabeH^ des beugen geistes und danach me als si zesameu
124 Vierter TheiL
m&gent komen. Swa si essent oder trinkent^ da sol diewile der
eltegt in dem orden etwas sprechen von eristi wandelunge und
von sinem heiigen leben und die andern s&llent swigen.
Ich sach Öch ir bette, wi si söUent ligen vf dem ströwe
z\vißchen zwein wissen woUentüchem, und ein küssen ii?t In vnder
de höpt gegeben, de sol vf.dem yndern tüche, vf dem «tröwe
ligen. Ir lenden sSllent nienier sanfte sitzen noch ligen, wan si
s5nt alle ir tage gesunt wesen untz an die heiige marter, als
cristus tet, Mere jeglich alt meister, der vil nütze ist gewesen
und vor alter nit mag volle herten untz an das ende des ordens,
er werde krank oder siech, den sol man sanfte legen und liep-
lich halten, waa si könen noch den vil heiigen rat geben; und
der besten spise sönt si defie leben.
Dis heiig leben sol stan mit gutem viide drissig jar; da-
zwischent sont die si cristanheit so sere erlühten und l^ren, de
von vngelerter einvaltekcit nieman darf von cristangelöben keren.
we, dana sol es an die not gan. So kunt der endecrist und
vnderwindet sich der weltlichen vürsten mit golde und mit dem
edelsten gesteine und mit grundelosen valschen listen, da inen
nu vil liep ist. Harvmbe volgent si im vil gerne und sprechent,
er st ir got und ir herre, und gebent !m grosse geleite, ir in-
gesigel und ir brieve. we, so kunt er zu geistlicher gewalt,
da vindet er öch die gitekeit und bringet also grosse valsche
wisheit, de der Bischöven und Br&psten und der pfaffen al ze
kleinen gestat. So tragent dise seligen brüder iren lip veil und
predient vil sere cristan geloben, und gebent ein gewaren apla«
aller Sünden, allen den, die in cristanem geljSben in warer rüwe
sterbent, de si sunder vegefiir behalten Werdent. Dut 4c dise
heiige brftdere mit den lüten also helekliche vw: habent vmbe-
gangen, so sol manig heiig martrer mit inen werden. Manig
Jude und semlich wise beiden sönt von disen brfidem den heiigen
töf und cristan glöben enpfan. Dis sol den endecrist so sere
besmahen, de er sin gros gebot und sweren twang vf alle die
legen sol, die zu irre predie gant. Der dene dar gät und mit
inen gestat, der ist ein seliger man.
So gat es an die not, so scheident sieh die guten vs den
Cap. XXVII. 125
bösen/ «nd verwegent sieb des libes nnd alles des de si hant.
So köment des endecristes boten dar tind diirstechent allererste
den heiigen predier dnr sine cristane lere mit einer isenstangen;
da m4s der gottestrüt an hangen nnd winden zft den atmen
gotteskinden. So tragent si in defie z wischen t tn gespisset, den
heligen man fftr alle die weit gemeine; die gflten weinent. So
siriget er mit des heiigen geistes stime: Credo in deum, nnd tröstet
und rÄflTet: VoJgent mir, heiige gotteskinder. Alle, die Im dene
volgent die werdent gevangen', nnd ir ögen verbunden, und
werdent mit geiselen gesehlagen und getriben als die schäf in
dem r5be in ein stat, da ein gros wasser gat. Da schlahet man
tri allen ir selig höbet äbe und wirfet si in das wassere. Da
des Wassers nit ist, da tribct man si uf de velt und martert si
da. Oot der git den bösen iii sin, de si den guten die ftgeii
verbindent, de si in ir gevengnisse nit mögen gesehen die grosse
Zierde und die vnmessigen hersehaft und ere die diö vnseligen
hänt von dem Endecrist irem herren, durch das si deste bas
geständen, wan si öch menschen sint als si. Den seligen pre-
dier nemerit si also tot und setzent in vil hohe in derselben stat;
da er de gotzwort sprach und geraärteii: wart.
Die danach den CristangelÖbeh prediien wellent, die müssent
weseri lebende marterer und hohe heiige. Des Endecristes gewalt
ist also gros, de nieman ist sin genos. Als der habest widier
in nit me mag gestriten, so kert er sieh zu den heiigen brfidem,
und lidet de si lident. So kunt ineil äc helfe Enoch und Helyas,
die nu sint in dem sfissen pavadyse, und leben da mit seien und
mit Übe in derselben wnile, und essent dieselben spise die Ade
WC gegeben, eb er da ifie were beliben. Si mfissent öch in gotz
gehorsami denselben bönmiden, do Eva und Adam den öpfel
von assen, do Si gotz gebot brachen. Disen bön hari ich ge-
sehen; 'fer ist nit gros und sin fruht ist vswendig vil scliöne und
lustlich als ein rose, aber inwendig ist si von nature vil sur.
De bezeichenet den bittern schaden der standen, den got nie
manschen gonde. Darvmbe de dise fruht dem edelri menschen
als vnbekeme ist, de si noch vnser vergift ist, so leite got sin
gebot da vf, wän er den menschen nie vngemach erschfkf.
126 Vierter Theil.
In dei' Jungesten not, als dise seligen brfider das gemeine
Volk also lange liant getröstet, das nieman gutes ist beliben, er
habe dur got die marter gelitten, so lebent noch dise brüder
allenneist. So ist irü vnsehuligü not also gros, de ir gebet ist
also belig, de inen deüe erste got £noch und Helyam sendet,
die (jtl) dene tröstend und von dem walde leitent und gant aber
predien und sieb zem tode bereiten. Dise zwene heiTen. die
deüe komon sint vs dem paradys, die sint von götlicher warheit
also wise, de si den Endecrist mit gewalt .vmbetribent. Si sa-
gent tni rehte wer er si und von welcher raaht sin zeichen sint
und wie er harkomen si und welich ein ende {&»') solle nemen. Als
dis die verkerten veniement, wie unselig ein got tn ist; gegeben
dur ir grosse gitekeit und dur ir woUust maniger bosheit, die
got an irme herze weis, so bekeret sich deüe manig edel man
und manig Ächöne frowe, die von den cristan (dem) endecrist
waren gevolget.
. So mfissent die seligen gemarteret werden, wan dem Ende-
crist ist deüe in ei*triche der grös^est gewalt gegeben. Er heisset
samneu alle die man^ die er (an) Cristum geloben geprüfen kan.
So bereitet man vffen der Strasse siedende pfaüen und tribet si
deüe zemale dar z& und sendet na iren hiisvrowen und m^ ireii
schönen kinden. So heisset man die man kiesen, weder si lieber
behaUen in dem vngelöbeji die schöner yröwen und ir lieben
kiut, richt&m und ere, oder si in Cristum geloben, in den pfaüen
sieden und iren liep verlieren. So sprechent du man: Eya lieben
wip und kint, gedenket nit an mich, mere gedenket, de ir cristan
sint und opfernt got einen lip, so scheiden wir vns nit. — So
bindet man den maüen ir ffisse und hende und wirfet si in die
pfaüem So sprechent vrowen und kint öch:< Herre Jesu, o
marien kint, dur dine liebi so wellen wir gerne liden dieselbe
not So machet man ein grüben yjoI vüres, da in wirfet man
die kint und die müteren sint und wirfet vf si für, holtz und
strowe und verbreüet si also.
Der engel geleitet Enoch und Helyam vs dem paradyse.
Du clarheit und die wune, die si nu han an irme libe^ du mi£
alle alles da bliben. Do si de ertrich. angesehent, so erschrekent
Cap. XXVIII.
127
si, als die man tftnt^ die de mer aDsehent^ und sieh vörhtent wie
si fberkomen söllent. So enpfahent si den irdensehen sehin und
müssent tötliehe mensehen sin. So essent si honig und vigen
und trinkent wasser gemischet mit wine und ir geist wiii; öch
Von gotte gespiset.
XXVIIL Von fiinferleie traft der mine, Dur krenket und der
ItUe valschett müs man steigen der warheit.
Dis buch ist begonen in der mine, es sol öch enden in der
miüe, wand es ist niht also wise noch also heiig, noch also
schöne, noch also stark, noch also vollekomen als du mine. Do
sprach vnser berre Jesus Christus; Sprich Vatter, ich wil nu
swigen alse du 8\vigest' in dem munde dins sunes albrinende
dur die krankheit der lüten; und min menscheit sprach albibende
durch die valschheit der weite, wan si lonete mir mit dem bit-
teren tode.
128
Dis ist der flinfte teil des b&ehes.
/. Von drierleie tiiive und zekerihande nütze und von dem wegs
der engelen und der füfelen.
Es ist drierhande rüwe damit sieb der sfmder weget wider
in de ingesigel de am crüze was gegraben, als vns die Sünden
zerbrochen haben. Das erste ist der rüwe der schnlde, die hat
drie dinge an ime, du bitterkeit in dem herzen, da du sünde
vsgeflossen ist, schäme in den sinen, die der sünde gebruchet
hajit, gut bilde des lebendes, wa sich der mensche verböset hat.
Dise rüwe versfinet den himelschen vatter nnd die sündigen sele
imd löset si von der ewigen helle pine. Das ander ist rüwe
der bässe; du hat öch drü ding an ir: Vlissig arbeit und stete
Sicherheit und Intern sig über alle bekorunge. Dise i*üwe löset
den Sünder von allem vegfür. Die dritte ist rüwe der miile,
wan si ist got alleine getrüwe. Ir ist vil leider gotz smaeheit
deüe ir schade oder ir herzeleit. Si wollte öch lieber mit lip
und mit sele zfi der ewigen helle varn, eb si im lieben mit einer
höptsünde wölte betiaiben. Dis miüerüwe heliget und machet
vollekomen lüte in ertrich nnd höhet si in himelriche vor gotte.
Swefie die selig sele an diser ahte stat, so ist ir got vber ir
selber liep und die sünde vf das höhste leit. Der selige der
diser dreier rüwen hat, dem geschiht hie in ertrich die ere, de
Cap. I. 129
got sunder vnderlas sinen vürigen geist vs siner heligen dri-
yaltekeit schinen lat in die miüende sele, glich als ein schöner
sunenstral, der aiswebende vs der heissen suüen schinet vf einen
nüwen goltvarwen schilt. Der gegenblik gotz und der mifienden
sele, der vs von tn beiden so wmleuklich blikket, der hat also
grosse kraft und also offenbaren schln,
Vor allen die in dem himclriche
In vegefür und in der helle sin.
Das die h5hsten engein, cherubin und seraphin
Der minenden sele mfissent heimlich sin
Und wandelen hernider bürnende in unzelUcher liebin
Zu der minenden, vürigen sele in demselben schin.
De ist der edelen fürsten weg zu der verweneten sele in
disem armen libe, wan der eugel und du miüe der sele sint von
gotte ein ganze nature von angeborner küscheit und von der
mine vüre in seraphin. Aber die angenomen küscheit, gezieret
und verlühtet mit dem vliessenden füre der götlichen mine, die
bliben in cherubin. In (ihnen) gat aber harnideren gen ein fürig
klare miüelust vs von seraphin, wan si miüen fürig sint.
Darumbe zühet der edel schin hamider,
De si von minen blikkent wider.
Die engel die vns in dem t<5ffe werdent gegeben,
Die m5gent nit der brenenden mine pflegen,
Wan got hat inen nit die hitze gegeben,
Mere si sint vns darzA gegeben.
De si vnser tugenden pflegen. —
Ire edlü gegenwirtekeit und vnser beste mütwillen, die hei-
ligent allü vnsre werch und vertribent des tüfels list und sinen
gewalt von unsern fünf siüen. Aber der grosse fürin schin, der
alles lühtende hamider gat vs von der heligen drivaltekeit in
die miüende sele, den fürhtent die tüfel also sere, de si niemer
getörent gevaren dur die heligen sfrale. Des lident si manige
smach^it die wege, die tn got in den lüften hat gegeben, das
inen die ein irdensch mensche mit der gotzeinunge mag benemen.
Si mSgent alle ir wege vollevaren, di si von bosheit wellent
haben, und wa si einer minenden sele in einem licham werden
gewar, da mfissent si vnder die erden varen. Och mögent si
den luft nit entreinen, wa si die seligen vindent, die werliche
lebent sunder hoptsünde. Alle die sünde, die sie vns anbringent,
H. Mechthild. 9
130 Fünfter Theil.
der mtssent si zen ersten begiüen. So mAssen wir dene mit
cristan geloben in vnsem besten siüen vf zu got stigen^ so ver-
lierent si alle ibr mabt und m&ssent yor vns vliehen.
IL Von zweierleie pine und von vierleie nutz und von der
manigvaltigen schar der mnden.
Ich danke got aller gfiti, und klage vber mich selber alle
die wile de ich lebe, wan got der pinget nit vergeben. Diewile
de der mensch Sünden mag, so bedarf er der pine alsowol als
der tugenden. Die pine ist vil nütze, die der mensche im selber
anleit dur got mit rate. Die pine ist aber also vil nützer und
edler die vns got anleit mit sinen vienden oder mit sinen vinin-
den, als got edelor ist an allen pinen. Christus löste vns nit
mit der pine, die er im selber anleit, mere er lerte vns, wie wir
im solten dienen mit arbeiten und mit pine. Aber er löste uns
mit der pine, die im sine viende anleiten ane schulde, und mit
dem jemerlichen smehlichen ende, do nieman was sin getrüwe
frürit, dene ein maget alleine. Maria 'sin müter, die im was ver-
einet werlich inwendig, du gestünt alleine uswendig mit im.
Do mieh vngetrüwen menschen erdros miner pine, do gab
mir got disen trost und sprach: Nu steh, der pine mag nieman
enberen, wan si lütert den menschen je von stunde ze stunde
von sinen manigvaltigen Sünden. we, do sach ich vns mitte-
volgen ein also gi'os grüwelich schar der manigvaltigen sünden,
als ob alle berge, alle steine, alle regenstropfen, alles gras,
böme, 16p und sant, alles lebende personen werin und vns ver-
druken- wöltin, de wir niemer vf ze gotte kemin. we der
leidigen stöbsilnden, die wir nit zen Worten bringen köüen! da-
wider wirt uns hie die pine gegeben^ die wir hcimlict an vnserm
armen Übe tragen. Das ander, die bitterkeit der pine beschirmet
vns vor dem zukünftigen valle, davor dik ein rein herze bebet,
de gotz geist in im treit beselossen. Das dritte, die edelkeit
der pine machet vns wirdig der gnade gottes ze enpfahende,
wan wene ich alles min gemach, mine notdm-ft und allen minen
irdenschen trost mit angest und mit vorhten und mit elleodigen
herzen enpfön, so ist got mit sinem trost da.
Cap. U— IV. 131
7/7. Got wil wegen alle vnschuldige plne und och drierleie lute
um.
An . dem jüngsten tage so wil Christus Jesus vor sinem vatter
uf haben ein herliche wage, da sol sin heiig arbeit und sin un-
schuldige pine ufligen und da iile und dabi allü du vnschuldigü
pine, smacheit und herzeleit, das je dur Christi liebin von men-
schen wart gelitten. Ja so gat es an die rehte wage, so vrö-
went sieh die allermeiste, die da ine vil habent. Der megde
blüt von nature, der martrer blüt dur den cristaiien geloben und
ander man mansclahtige bifit, das anc schult geschihet in rehter
not, das wil der heiige gotz sun mit sinera bifite wegen, wan
es ist in warer vnschult vs geben. De rehte blüt kunt nit in
die wage? Warvmbe? Es ist vor bewollen, aber es löschet die-
selben Sünden, die da kunt von des vleisches künde.
IV. Der wunderlichen mine ist manigvaltlge craft. Wie die
smeket. Von vierhande diemüt. Von sibenleie schmi der
minenden seele.
wnnderlichü gottesmine,
Du hast heilig grosse kraft:,
Du erlühtest die sele und lerest die siüe
Und gibest allen tugenden volle mäht.
Wol mir armen dorperine,
De ich dich vröwe je gesach.
Eya mine, du bist wuneklich
Und zu allen werken lobesan,
De bevinde ich in der sele min,
Dir sint alle tugende undertan.
Aber die sinkende diemütekeit.
Die nit ist vndersnitten mit hohenmüte in der geistlicheit
Und die angebomü küscheit
Oder angenomen, die gliche lüter vollestan,
Dise zwo tugende müssent mit der mine gan,
Doch sint si ir yndertan.
Die mine wandelet dur die siüe und stürmet mit ganzen
tugenden vf die sele. Diewile de die mine wahset an der sele,
so stiget si mit girekeit vf zu gotte und breitet sich alvliessende
gegen das wunder de ir gemuszet. Si smelzet sich dur die sele
9*
132 Fünfter Theil.
in die sine; so mfls der lichamen och sin teil gewiüen, also de
er wirt gezogen an allen dingen.
Mag man mit der gottesmine böse sitten haben, de kan ich
niergen vinden, also gros kraft hat die vngevelschete gottes
miüe. Mere die sele wlrt niemer so sere dnrflossen mit gStlicher
miüe, si werde dikke bekort mit irdenschen dingeii. De kaü
die sele nit enpfahen, die mit der valschen mine ist durgangen.
Als du miüe volle wahsen ist an der sele, so hat si öeh vfwert
voUestfgen, als verre es muglich von menschen mag wesen, wan
die miiie hat masse an ir ordenunge. Hette si nit masse, eya
süsser got, wie manig rein herze in süsser wnfie breche!
Swene die sele mit der mine zuge und mit maniger girikeit
irs jagenden herzen nach gotte uf den hohen berg der gewaltigen
miüe und der schönen bekantnisse komen ist, so tut si als der
bilgeri, der berge ufgestigen hat mit grosser gerunge, so stiget
er anderhalp nider mit grosser vorhte, de er sich nit vberwerfe.
De ist, de die sele so sere durschinen ist in der hitze der langen
miüe, und also unmehtig worden ist in der vmbehalsunge der
heiigen drivaltekeit so beginet si ze sinkende und ze külende
Als die snne von der hohalen stat herpider gat
Und sinket unfz in die naht.
Weis got also wirt es an der sele
Und Öeh am übe voUebraht.
Die miüenriche sele sinket haraider in dem zuge der vn-
gruntlichen diemutekeit und wichet je vor. Wc ir got ze liebe
tut das ist ir vilbekeme von der edelen nature, di got und si in
einer meinunge erfüllent. Aber si kert de öge der woUust von
allen dingen, vf das si gotte vil lobes möge gewinen.
Der licham sinket och vil sere, wene er sinem viande dienet
und verswiget und sine vründe got ze eren vermidet. Die sele
sinket noch fürbas wan si merer mäht hat dene der licham; si
sinket mit grossem vlisse in die nidersten stat, die. got in siner
gewalt hat. wie getar ich dise stat den ') nemen, die der sin-
kenden diemutekeit nit erkeüent.
') Handschrift: dem.
Cap. IV. 13a
Die erste Demfitekeit lit vswendig an den kleidern nnd an
der wonunge, de die messig und geistlich gesnitten und geneiet
sin, nnd doch reine. Die ander lit an den Bitten in der geselle-
Schaft; das die miüesam sin in allen nöten vnd zu allen dingen.
Hievor wahset dd heiige gotzmiüe. Du dritte dem&tikeit lit an
den sinen, also de si aller dinge nach sinem rehten gebrucbe
und ordentliche minet. Die vierde diemütikeit wonet in der sele,
de ist die sinkende diemütikeit, die also manig süsses wunder
an der minerihen sele begat Si jaget si vf in den himel und
zöhet si in dis abgrunde nider. Si leitet du sele zt allen crea-
turen sunderlich und sprichet: Nu steh, dis ist alles besser als
du bist! und bringet si deüe an ire stat, da si nit förbas mag,
de ist unter lucifers zagel. MÖbte si deiie in der gerunge nach
irem willen gotte ze eren da wesen, da w61te si nüt fiimemen.
Alsus sere wirt die arme, mifierich sele mit der diemütigen
miüe gebunden, de si sieh nit vorhtet noch schämet deiie alleine
in gezogener wise, als man pfleget in himelriche ze vörhtende.
Mere der arme, licham mfis sich vor vinsternisse sines herzen
und vor krankheit siner vswendigen sine beide, vörhten und
Schemen, wan er noch vn verwandelt ist vom tode. Aber die
sele ist also schöne in irme lichamen als in himelriche, si ist
aber also gewis nit Si ist also küne, si ist aber also stark nit.
Si ist also gewaltig, si ist aber also stete nit. Si ist also miüe-
sam, si ist aber also vrölich nit. Si ist also milte, si ist aber also
rieh nit. Si ist also heiig, si ist aber also unschuldig nit. Si
ist also gnfiglich, si ist aber vol nit. Dis ist alleine du sele du
hier durvlossen ist mit der diemütekeit got ze liebe.
Als si alsus vfgestigen ist in de hShste das ir geschehen
mag, diewile si gespanen ist ze irme lichamen, und harnider ge-
sunken ist in de tiefeste de si vinden mag, so ist si defie volle-
wabsen an tugenden und an helikeit. So müs si defie gezieret
werden mit pine in der langen beitekeit.
So gat si vf die trüwe stan
Und sihet alle ding mit grosser wisheit an,
80 mag ir enkein ding entgan,
Si gewine je got sin lob daran.
134 Fünfter Theil.
V, Von einer begine vegefur, die dar eigen Willen kein gebet
half.
we Bünde; de du so schedelieh bist sider dem male de
IieligA werk also schedelieh sint^ die man tut ane rät; also de
man sprichet: Nein, Ich bin homen über menschen rat. „Ich
wil leben nach gotz rate;" vor disen Worten grüwelot mir je und
je. Wan sich kein mensche an keiner stat also rehte nützlich
diemfitigen mag, als de er mit vndertenigem herzen cristanliches
rates volget.
Das han ich funden an einer Fröwen: Die hatte ynsem
herm von herzen lieb, und der liebi gebruchete si mit also vn-
menschlicher arbeit, de ir nature verdorret also sere de sü mAste
sterben. Da bat ich für si in <;ri8tanlicher gewonheit. In dem
zuge mines geistes sach ich iren geist, der was dar an im selber
als die sune. De hatte si von irme reinen herzen in getrüwer
meinunge. Si wc bevangen mit einer grossen vinstemisse und
begerte vil sere zu dem ewigen lichte. Si wc in eim ufzuge,
so WC je du vinster naht davor. Das was der eigen wille ane
rat der disen vollekomenen menschen also sere gehindert hat.
Ich vrage si: wamit mag man dir gehelfen? Do antwurt si
alsus: Ich wolte in ertriche keines menschen rat volgen nach
cristanlicher ordenunge, darumbe mag mir keines menschen gebet
noch gerunge helfen. Do kerte ich mich zft vnserm lieben herren
und vragete tn, wie das jamer were, de ein mensche ze pine
mfthte komen, der sich hie dur sine liebi so heiiger pine bette
angenomen: Do sprach vnser herre: Alle tugenden sint mir vn-
merer die ane rat geschehent; wan ich kam in ertrich mit rate
und ich diente vf dem ertrich mit grosser vndertenikeit minem
vatter und allen menschen, und do fftr ich ze himele in ganzer
vriheit; mere das ich nie getet, da volgete mir nieman mitte.
Die gerunge, gebet und alle arbeit, die man hie für si tut, da
wirt si mitte gezieret, wene si ze himele vert. Die sele: wand
alles das vns in dem wege zum himelriche wirt gegeben, de ist mit
rehte vnser. Als wir aber dar komen, so wirt es den gemeinen
Cap. V— VIII. 135
seien. De tftt vns got ze liebe, de si deste 6 zu vns komen
und helfen uns got in der ewigen ere loben.
Die rehtekeit ires lidens de waren sibenzehen jar; aber die
erbarmherzekeit gotz hat es ir gelassen vf sibenzehen manode,
wand si es von also herzelicher liebi tet. Got helfe vns rehter
masse. Amen.
VI. Wie die sele lobet die heiige dnvcdtekeit,
Herre Jesu Christe, der du bist gevlossen sunder begine us
dem herzen dines ewigen vatters geistlich, und gebom von einer
lutem ganzen maget, Sante Marien fleische, und der du bist mit
dinem vatter ein geist, ein wille, ein wisheit, ein gewalt, ein
oberste craft vber alles de je wart sunder ende! Herre, ewiger
vatter, wan ich, aller menschen vnwirdigeste, öch vs dinem
herzen gevlossen bin geistlich, und ich, herre Jesu criste, geboren
bin US diner siten vleischlich, und ich, herre, Got und Mensche,
mit vwer beder geist gereinget bin, — so spreche ich armer,
betrübter mensche alsus: Herre himelscher vatter, du bist min
herze ! Herre Jesu Christe, du bist min Hp ! Herre heiiger Geist,
du bist min atem! Herre, heligü drivaltekeit, du bist min einigt!
zufluht und min ewig rüwe.
VII. Wie got widerlobet die sele.
Du bist ein gruntvestunge mines götlichen vleisches, du
bist ein ere megetlicher b3standunge, du bist ein blfime der
hohen wuue, du bist ein v5gtin der tüfelen, du bist ein Spiegel
der ewigen anschowunge.
VIIL Dru kint sol der mensche haben, für die er bitten sol.
Nieman weis was trost oder pine oder gerunge ist, er werde
selber g gerflret mit disen drin. Ich suche helfe, wan mir ist
leider alzewe. Ich habe drü kint, da ich grossen jamer an sihe.
De erste sint dö armen sünder, die ligen in dem ewigen tode,
da ist nit me trostes an, dene de si den menschlichen lip hant.
we, dis kint gihe ich mit blätigem herzen an und ich mine
es mit .weinenden ögen an miner sele arme, und trage es fär
136 Fünfter Theii.
die f&sse sines vatters, da ich es bi gewunen habe. So sihe
ich dises kint an, bitte sinen getriiwen vatter Jesum, de er die
kint erwekke mit derselben stime siner götlichen barmherzekeit,
da er Lazarum mitte erwahte.
Hiezu aiitwurt got alsus:
Ich wil des kindes siechtagen wandelen.
Wölte es Dit wider in disen tot vallen,
So sol es mir jemer gelich wesen
An miner 8ch5nin, an miner edelkeit,
An miner richeit,
Vmbevangen und durchgangen
Mit aller wollnst in der ewigen ewekeit.
Stant uf liep kint min, du bist genesen,
Den frien willen ker, den ich dir han gegeben.
Den wil ich dir niemer benemen.
Wan dagegen
Wirt allü din wirtekeit gewegen
In dem schonen himelrich
Den heiigen gelich.
we, noch lit dis stille
Vf sinem eignen mütwillen!
Min ander kint, das sint die armen seien, die in dem vegefür
qwelent, den müs ich min herzeblüt ze trinkende geben. Weile
ich fiir si bitte, und ich die manigfaltige not und den bitterlichen
gesmak ansihe, den si von jeglicher sünde sunderlichen lident,
so han ich müterliche pine, doch ist mir liep de si mit rehter
schulde pine got zft eren liden.
Si lident ir pine mit grosser gedult,
Wan sie sehen olfcnbar alle ire schuld.
Si lident ir not in gezogner wisheit
Und trinkcnt in sich selber vil manig herzcleit:
Sol dis kint vil schiore genesen.
So müs die miitcr vil getrüwe und erbarmherzig wesen.
Min dritte kint, de sint vnvollekomen geistliehe lute. Wene
ich allü minü kint ansihe, so ist mir enkeinem also we als von
disem alleine, wan es sich leider mit vs wendigen sinen in ver-
genglichen dingen also verre und also sere von himelschen
dingen hat geteilet, das es die edele gewonheit und die süsse
gotzheimlicheit alles hat verlorn, dar es got mit sunderlieher
erwelunge iile hatte gezogen. Hienach werdent si also sere
verkert, de si nieman mit Worten vmbe getün kan, so be-
Cap. VIII— IX. 137
scheltent si du inekeit nud verkerent gottes sfissekeit^ und haltent
ö(^ alles das zeuare de si gesehent und liörent. So schinent
si vswendig wise, und sint doch alle leider inwendig toren, Dis
kint mag allerwirst genesen, wan es vallet allererst in mutwilligen
krieg; darnach in tragheit, danach in valschen trost, danach in
missetrost, darnach wirt es leider aller gnaden los. So craset
dis aime kint dene in süntlichen lebene untz in sin ende; so
ist es vil sere gewaget war die versumete sele hinwende.
IX, Von der ere nbenzig mane, die mit Oristo ständen ze gezüge.
An dem heren ostertage, da vnser losnnge also sere ge-
ofiFenbaret wart, de Jesus Cristus also gewalteklich erstfint und
also erlich rumete sin grap, de die Juden und die heidene ver-
luren ir mankraft und alle ir ere, und die waren cristenlüte
wurden gebenediht mit des vatters willen und wurden gesegent
mit des sunes gewalt und wurden geheliget mit des heiigen
geistes lere jemer me, —
Do erständen mit vnserm herren iif sibenzig man,
Die waren gewesen gotz geboten also vndertan,
Do 81 den gotzstrit hatten getan —
Do wurden si gerehte lütc vunden.
Do si besuchet wurden,
Do si de wasser in irem grossen turste
Mit den beiden würfen zu irem munde.
Ir sele wart inen von got in irem lichamen wider gegeben,
also de man das wol merken möhte, de si tote lüte waren ge-
wesen. Aber de sündliche menschliche saf, das adam vs dem
6pfel beis, de noch natürlich allü unsre lider durgat, und darzfi
de verfluchte blüt, de Even und allen wiben von dem oppfel
entstfint, das wart inen nit wijjergegeben, wand ire wandelunge
solte götlich, ein geziigc mit got wcsen, de der ewige tot tot
was. Darumbe stürben si nit me, do si diser zweier dingen
an inen nit hatten. Do teilte sich aber ire sele von irem Übe
ane pin und ane we. Ir lichame ligen vil schöne obe dem lüfte
und ob den Sternen. Darumbe de si anderwarbe nit menschlich
stürben, so mohten ir lichameq nit me zä der erden bestatet
werden. Adam behielt de saf an ime und danach alle man.
138 Fünfter Theil.
Eva und allü wip behielten dis vil seliemlich blüt. Dis ist das
alleine pinget natürlich vnser vleisch und vnser sine und zu
jungest in vns bitterlich sterben müs, wan Jesus Cristus hat vns
nach Ades valle alle pine nit me benomen, dene den ewigen
tot nnd dazu, de wir mögen mit rüwe widerkomen. Er hat uns
aber vil mangen trost und rat und lere gegeben, davon wir
aller unser suche wol mitte mögen gesehen.
X, Wie die suade si gdich gottes grossi.
Der almehtigen gottes grössin ist kein grössi so gelich so
du sündige grössi miner bosheit
XL Geistlich namen sol gehohet werden. Von der swestern Geists*
Wie si betten und erbitten sSnt mit gotte.
geistlich namen, wc du edel bist über alle irdenschen
namen! darumbe wolte dich Jesus cristus selbe in allem sinem
lebende also getrüwelich ti-agen, de alle hohe namen, künge,
keyser, grauen und alle namen die edel danach sint genant.
Die namen mftssent alle verwlen, mere geistlich name alleine,
der sol erhöhet werden, darnach de er hie edel getragen wirt.
Ja er sol wunderlich, sunderlich, heleklich gehöhet werden, bi
brüderei Jesus und bi swester Marien, die du allerersten waren,
die je ein geistlichen namen getrügen in so grosser verdamp-
nisse ussewendig.
Dis ist vil sere wider di lüte, die sich hie geistlichen also
sere vswendig zierent mit so heKgem gelasse und mit so tiefer
bögunge, und behenkent sich vor den offenbaren lüten mit schönen
Worten, das man rehte wenen mag, das si inewendig haben des
heiigen geistes vlüt, der es alles ^Iso hervür tribe. Nein^ es ist
etswene leider ein vil gros geswinde bekorunge, die der mensche
von mütwillen an sich nimet, de er ane arbeit hatte ein gut
wort, und enpfindet doch in sinem herze nit des heiigen geistes
volle gehurt. Dis wird an der stat wol schin, da er wirt ein
grimig bere und ein brümende löwe, bi sinen heimlichosten
genossen, da er ein lamp an der sanftmütekeit und ein tnbe an
den tugenden solte sin.
Cap. IX— XL 139
So ist ir leben von der weite ein trugene und vor gotte und
vor ir genossen ein vil schedelichü lügene. we dir vil vn-
seligen girekeit, wie gram ist dir min herze! wan du berobest
mine lieben swester der inewendigen gottes süssekeit und der
vswendigen minesamekeit^ die si s51ten bereiten und in de heiige
brutbette leiten, der heiigen drivaltekeit. Die machest also harte
inwendig und also unwillig uswendig, de man nit getar ein geist-
lich wort vor !n sprechen, es si zehant von in verkert.
Nein, liebe swester, du mftst von erste haben breite siiie,
so wirt dir ein gütwillig herze und ein offen sele, do dö gnade
invliessen mag. Machest du dine notdurft ane rat und ane not
alzebreit, so wirt dir werlich diu höhin der heiigen gerunge und
din breite der gStlichen vftlunge und die tieffi der vliessenden
gottessüssekeit jemerme vnbereit. Wan es ist ein ewig schade
und ein hohü vnzuht, de ein küngesbrut also gerne in dem pfüle
wattet. *)
Eya swester, so du ze rehte bitten solt, so gib dich gentzlic
gotte und sprich: Vil lieber trut Jesu criste, dise stunde ist alleine
din und der vil armen Sündern und der heiigen cristauheit und
der betrübten seien und nit min. Alle mincs herzen mäht und
kraft die gibe ich dir herre hüte, de du, vil lieber, dir selber ze
lobe nach miner gerunge !n ze helfe wellest komen und gib mir
herre danach de ich rehte erkene wer ich selber si, so erste
betrübe ich mich.
Aber liebü Swester, weüe du ze diuem werke gast, so segen
dich^ und sprich:
Hilf mir Jesus, min horzeliep,
De ich min sele und min sine also tief in dich winde.
De ich die irdonsch girekeit nit ver clinde.
Ja, Swester, bist d:i wise von sincn,
So vihtet dich du gitekeit an mit grimc;
Bista aber wise von gnaden,
So mag dich kein bjsheit verleiten noch verraten,
Wan in der gnade die harnider vlüsset
Vs der heiigen drivaltekeit
In ein herze das jemer gegen den himel offen stat
') Am Rand: wie si sont arbeiten.
140 Fünfter Theil.
Da vindet man dA warhcit
Und aller dinge besoheidonhcit.
Es Ist vil lihte angenomen,
De man vor den liUen gut si;
Ist die warheit da nit,
So bist du eis sclangen vergift.
Mache dein herze je brinen reine,
Und bewise dich vswendig oleine,
So bistu mit gotte gemeine. ')
XIL Wie got antwurtet einem brädere von der schrift dis büches.
Meister Heinrich, vch wundert sin nienlicher worten, die
in disem buche gescriben sint. Mich wundert wie vch des wun-
dern mag. Mer mich jamert des von herzen sere sid dem male
das ich sündig wip schriben müs, das ich die wäre bekantnisse
und die heiigen herlichen anschöwunge nieman mag geschriben,
sunder dise wort alleine, si dünken mich gegen der ewigen war-
heit alzekleine. Ich vragete den ewigen meister, wc er hiezu
spreche? Do antwurt er alsus: Vrage in wie de geschach, de
die apostcln kamen in also grosse künheit nach also grosser
blodekeit, do si enpfiengen den heiigen geist. Vrage me, wa
Moyses do wc, do er niht wan got ansach. Vrage noch me,
wavon de was, das da Daniel in siner kintheit sprach.
XIIL Von zehenhande nützen eines gäten menschen gebet,
Dis gebet hat grosser kraft, de ein mensch leistet mit aller
siner mäht. Es machet ein sur herze süsse, ein üiirig herze
vro, ein arm herze rieh, ein tump herze wise, ein blöde herze
künc, ein krank herze stark, ein blint herze sehende, ein kalte
sele brifiende. Es zühet harnider den grossen gott in ein klein
herze; es tribet die hungrigen sele vf zu dem vollen gotte; es
bringet zesamen du zw6i geliebe, got und die sele, in ein wunek-
liche stat, da reden si \\\ von liebe. we, ich vnsefiger entphä
sis sak(ramewO dar, de ich nit gesterben mag.')
') Dies Gebet ist zum Theil von andrer alter Hand geschrieben.
') Der Text ist hier dunkel.
Cap. XII— XVI. 141
XIV, Von hoser priesier vegeför, '
Des ist lapg de ich ein vegfür sach, de was gelieh eim
fürigen wasser und es sot als ein fürig gloggenspise, und es
was oben mit einem vinstern nebel bezogen. In dem wasser
swebten geistliehe visehe, die waren glich menschlichen bilden.
Dis waren der armen pfaflfen seien, die in diser weit hatten
geswebet in der girekeit aller wollust und hatten hie gebrant
in der verwassenen vnküschikeit, die si also sere verblendet,
de si nit gutes mögent gewifien. Vf dem wasser färent visehere,
die hatten weder schif noch netze, mere si vischeten mit iren
fürigen klawen, wan si och geiste und tüfd waren. Als si si
brahten vf das lant, so lEugen si inen geistlich bitterliche die
hüt abe und warfent si in einen siedenden kessel alzehant;
^arin stiessen si si mit fürigen gablen. Als si den nach irem
willen volgere waren t, so vrassen si si in iren sneblen. So
hüben sich die tüfele vf das wasser aber, und taten si dur iren
zagel und vischeten si und vrassen si und döweten si aber.
XV, Von einea^ guten priest er 8 veffefur.
Ein reiner priester starb in siner eigner rehter pfarre. Do
bat ich für fn als f&r einen andern menschen in eristanlicher
gewonheit. Do sach min sele die sinen in loblicher wirdekeit,
also de er noch in b^itun^e wc der himelschen ere. Vier engel
die färten in vber alles vnwittere in dem ersten himele, und si
lireten ime mit den himelschen selten. De was sin vegefür,
damitte si in zfi der himelschen wufie bereiten. Ich vragete in,
wamit er die sunderliche wirdekeit hette enpfangen. Da sprach
er: ich miüete in ertriehe de einöte und ich vorlite mich alleine
in minem gebete. Do sprach ich: Eia du vil seliger, warumbe
vfire du nit zehant mit disen wuneklichen engele ze himele. Do
sprach er aber alsus: Die ere ist also gros, die ich erapfan sol
von miner reinen pfafheit, de ich dar noch nit komen mag.
XVI, Es ist i'&felich, de man sundet.
Semliche lüte die geleret sint, sprechent, es si menschlieh
de man sündet. In aller miner bekomnge tnines sündigen lieha-
142 Fünfter Theil.
men und in aller gevülunge mines herzen und in aller miner
bekantnisse miner sine und in aller edelkeit miner sele^ so konde
ich es nie ander vinden, es si tüfelieh, de man sände tut:
Di Sünde si klein oder gros,
Der tüfel ist je ir genos.
Mere vnsere angenomenü tüfellieheit von vriem mütwillen,
die ist vns alleine schedelicher, deiie alle vnser menscheit. Dis
ist menschlich, hunger, turst, hitze, vrost, pine, jamer, bekorunge,
sclafen, mfidekeit; de sint ding, die Cristus an ime leit, der ein
wäre mensche was, dur uns und mit yns. Mere were du siinde
alleine menschlich, so sölte er och gesundet han, wan er ein
warer mensche was an dem vleische und ein gerehte mensche
an der wisheit und ein steter mensche an den tugenden und ein
vollekomen mönsche an dem heiigen geiste; und da vber wcer
ein ewiger got in der ewigen warheit und nit einsÄnd^. Mere
sollen wir im glich werden, so müssen wir im och glich leben
oder mit rüwe behalten werden.
XVII. Dis ist ein grüs und ein lob vnd ein gebet der sünderin,
Gegr&sset siest da lebender got!
Du bist vor allen dingen min.
Das ist mir eine endelose vr5de,
Das ich ane vare magl^eden mit dir.
Als mich mine viande jagent,
So flühe kh in den arm din,
Da mag ich inin leit verklagen,
Als du dich neigen wilt zu mir.
Du weist wol wie du i'üren kanst
Die Seiten in der sele min.
Eya, des begine alzehant,
De da jemer selig müsist sin.
Ich bin ein vnedel brüt,
Jedoch bist dn min edel trüf,
Des wil ich jemer frowen mich.
Gedenke wie du traten kanst
Die reinü sele in dinem schos
Und voilebringe es herre an mir alzehar
Allcine ich si din yngenos.
Eya züch mich, herre, vf zA dir.
So wirde ich rein und klar;
Last du mich in mir selber,
So blibe ich in vinstemisüe und in Swere.
Cap. XVI— XIX. 14»
XVIIL Wie got hiezü antwurtet.
Sus antwurt got:
Min widergrüs ist ein so gros bimelvlAt,
Solte ich mich in dich nach miner mäht geben
Du behieltest nit dein mensch'ch leben.
Du sihest wol, ich müs mine mäht enthalten
Und Übergen mine klarheit,
Dur de ich dich deste langer behalte
In der irdenschen jamerkcit.
Wan da vfgal allü din sussekeit
In der höhi der ewigen wirdekeit,
Und mine Seiten sont dir süsse klingen
Nach der trüwen koste diner langen mine.
Jedoch wil ich vor beginen
Und temperen in diner sele mine hi&elschen Seiten
Uf de du deste langer mögest gcbeiten
Wan hohe brüte und edel ritter
Die müs man mit türer koste
Lange und sere bereiten.
XIX» Wie sibenzehenhande mnde jagent den menschen.
Diso ding jagent einen menschen also verre von gotte, de
er niemer wider komen mag zu gotte, ime werde grosse gewalt
getan von der heiigen drivaltekeit. Du italkeit ist du erste
Sünde, die den menschen bsgiüet ze jagende von gotte, und
lassen wir die nit, so ribtet sich die vnküscheit vf. Mere lassen
wir die vnküscheit nit, so rihtet sich die gitekeit uf. Lassen
wir die nit, so rihtet sich die tragheit uf; lassen wir die nicht,
so rihtet sich die lugine uf, lassen wir die nit, so richtet sich
der meineit uf, lassen wir die nit, so richtet sich der zom vf,
lassen wir den nit, so rihtet sich die hinderrede uf; lassen wir
die nit, so rihtet sich der hochmüt uf; lassen wir den nit, so
rihtet sich der has uf; lassen wir den nit, so rihtet sich räche
vf , lassen wir die nit, so rihtet sich missetrost uf ; lassen wir den
nit, so rihtet sich böse kfinheit uf, lassen wir die nit, so rihtet
sich vnschemede uf, lassen wir die nit, so rihtet sich die ver-
kerte wisheit vf; lassen wir die nit, so rihtet sich vngelöbe uf
und spricht: Es ist nit als man seit.
144 Fünfter Theil.
we, so emphahent si alle die ding so von gotte har-
koment also arglich, de man nie kume üt tar gesagen; und wc
si selber fürbringen, de ist also verkert und mk luginen so sere
gemenget, de leider nienian den heiigen geist in iren worten
vinden kan. Aber si wisent sich ettesweüe löblich^ es ist doch
leider trügelich. —
Dumehtige sele, vrowe dich,
Dn bist aHeine got gelich.
Ja es ist wol billich,
Wan du trinkest mit gotlicher gedult
Ane schuld
Vil manig bitterkeit in dich.
Du wirst von dinen vienden dikke betrübet. Alsus der helle
rief vf die himelblümen, ja si blfliet doch für sich bin vil hohe
in ir edelen schoni, wand du wurzeile ir stetekeit, die ist von
dem heligen geiste ze allen zit^n grflne.
XX. Ein loh gottes von aht dingen. Von der »ünden oppfer»
grosser tö der edelen gotheit!
kleine btöue der sfissen maget!
nütze fruht der schönen blAmen!
heilig opph6r des himelschen vater!
g'etrüwelose pfant aller der weite!
Du bist, herre, min labunge
Und ich din bluiunge.
Du bist mir, herre, kleine mit diner vntertenlkeit
Und ich bin dir gros in dem jamer miner bosheit.
. Ich oppher dir, herre, alle tage
Alles das ich an mir habe,
De ist alles bosheit.
Da solt du, hcrre, din gnade ingiessen,
So mag ich von diner mine vliessen.
XXL Wartnnhe der M, ') ist venoorfefn und doch geminet, und
wie du dich segnen solt.
Also sprechent des menschen sifie, der die warheit hat er-
varen: Herre, min lichame ist gedötet in der verwandelunge aller
bosheit. Darvmbe haben mich dine viende verworfen von ireni
antlüze als einen toten der da vbel smeket. Aber herre, min
') Das 3/. ist radirt.
Cap. XXI— XXII. 145
sele die ist lebendig in dir, darumbe bin ich gemifiet von dinen
fründen. Eya herre, lieber brütegöme, min süsser Jesu crist,
ich segene dich ') ane vnderlas in minem lierzen vür aliü irden
sehü ding und bitte dich, de du mich vor inen behaltest vnge-
menget, wan swie heiig si sint, si wegen mich doch in dem
höhsten punte von dir. De mag ich nit erllden, darumbe mfis
ich von inen kriegen.
XXIL Von siben dingen des gerihtes. Von schemede und gutem
willen.
Die alleredelste vröde der siüe und der allerheiligoste vride
des herzen und de allermineklicheste glas^) der werke de kunt
davon de ein mensche warhaftig ist in allem sinen tünde.^)
Hie sprichet vnser lieber herre und leret mich selber siben ding,
die alle die selige s511ent an in haben, du de jungeste geriht
mit Jesu crist sont besitzen über alles menschlich küüe* Swer
diser dinge nit hat, der mfts vor gerihte stan als ein verköfet
kneht vor sinem herren; wan alle die sich hie strengent wider
die gottes warheit mit der geswinden lugene, die verköflFent dise
tugende. De erste ist gerechte in der gegenwirtekeit. Dis ist
die glose: Sihe ich, de min frünt minen vienden und gotz un-
rehte tut, so sol ich minem fründe getrüwlich schult geben und
minen vienden mifieklich helfen. Das ander ist: barmherzig in
der not. Glose, Sihe ich minen vrünt und minen vient in glichen
nöten zesamen, ich sol in glich helfen. Das dritte ißt getrüwe
in der geselleschaft. Glose: ich sol minen gesellen niemer schel-
ten, deüe vmbe sine vngetrüwete sele alleine. Das vierde ist
nothelfig in der heimlicheit. Glose: Das man suche und vrage
wa die eilenden siech sien und die gevangenen und tröste si mit
Worten und bitte si, de si dir sagen ir heimliche not, dur de
du inen mögest ze helfe komen. we, de man ane süfzen und
ane trehene und allerleie erbarmeherzekeit vor den eilenden
siechen hiüe gat!
*) Handschrift: mich.
') Glast oder Glanz?
') Am Sande: dri'i ding koment von warhaftikeit.
H. Mechthild. ]0
146 Fünfter Theil.
Was de geistlichen luten übel stat.
Und si leider also verre von gotte schaltet,
De si vf derselben stat
Verlierent die süsse gotzheimlicheit,
Und wellent doch des nit wissen
De gotz vrteil also schlät.
De fünfte ist, das man spraehelos sie in nöten. Glose, also
de man der girigen wort, die da vfstigent vs eim homütigen,
zornigen herzen mit spreche; davon vindet man grundelose gnade
in gotte. De sehste ist, de man si vol der warheit. Glose:
Der mensche ist v^erlich vol der warheit, dem sin herze in siner
besten gewissende luterliche keine schulde git und sich des
frSwet de gotz öge in sin herze sihet, und sich des niergen
mohte schämen, ob alle die liite in sin herze sehent. Das si-
bende ist; de man sie der liigene vient. Glose: Das wir die
lugene an allen liiten schelten und das wir si nit verdeken an
vns selben.
Dise siben ding sollen wir \ben und vollebriDgen
Wider den smakke vnscrs armen vlcisches
Und wider die wollnst nnd krenkine menschlicher sine,
Wir mögen si anders nit voilebringen.
Aber vnser sele edelkeit zu allen gilten dingen
Die gibet uns mit rehter gottes süssekeit
Den ersten rat;
Mere vnser verbosetes vleisch versumet mit siner unedelkeit
Vil magen manigcn gotlichen tag.
Sweüe si gedenkent an die gebenedeiten stunde,
Als vns got vs sinem vngrüntlichen herze
Und US sinen wisen sifien, und ns sinem vrolichen gemüte,
De ane vnderlas vol vlüsset aller gute,
Und US sinem süssen munde
Also vile getempert hat gei&tlich in vnser sele,
Wislich in vnser sine, nothaftlich an vnserme übe.
So müssen wir vns Schemen uswendig
Unser bosen sitten, und inwendig
Unsers ungetrüwen herzen.
Wir mögen uns öch leider schämen an vnsern sinen.
Das wir die edelen manigvaltige gottesgaben
Als unnützekliche tragen,
De si also kleine fruht bringent
Wider in dieselben stat
Da si vsgeflossen was, das ist gotz herze.
Cap. XXII— XXIII. 147
we miBcr schuldigen smerze!
Der giiie willen bringet alle tugende in rehte stat,
Alleine der licharo der werke nit vermag.
XXIIL Von gante marien gebet. Von Gabrieles lieht. Von des
Icindea tüch. Wavon die milch kam und des kindes oppfer.
Von den tufelen und von dem hungeMch,
Ich sacb ein maget an irme gebette, ir lichame was geneiget
zu der erden und ir geist hatte sich ufgerihtet gegen der ewigen
gotheit. Wand vor der zit da J. cristus den himel vfsloz mit
dem sclüssel des heiigen cn'izes, so wart nie mensche also heiig,
de sin geist möhte oder müste vfstigen mit arbeite und sweben,
mit gerunge und bebalsen, mit der mine der heKgen drivaltekeit
in der ewigen höhin. Darumbe mohte der reinen juncfröwen
gdst in den himel nit komen, waü adam hatte den grendel alze
verre flürgeschoben. ^)
Mere got der neigete sich und er stunde dem ertrich also
nahe, de er sine vründe tröste, und de si sinen willen vernamen.
Aber die propheten riefen lute und ladeten vnseren herre sere
barnidere. Mere disü juncfröwe zob vnsem herren hamider
mit einer süssen stime irer sele; und si sprach in irme gebete,
do si was alleine, alsus: Herre got, ich vrowe mich des, de du
komen wilt in also edeler wise, de ein magt din mftter wesen
sol. Herre, da wil ich zu dienen mit miner küscheit und mit
allem dem- de ich von dir habe. Do trat der engel Gabriel har-
nider in einem bimelschen liebte. Das lieht bevieng die junc-
fröwe alumbe, und der engel hatte also lieh gewete, de ich des
gelicb in ertrich niergen vinden kan. Do si das lieht, gesach
mit vleischlichen ögen, do stfint si vf und erschrak. Do si den
engel ansach, do vant si ir gelichnisse der küscheit an sinem
antlütc. Do stfint si mit grosser zuht und neigete ir oren und
rihte vf ir sine. Do grüste si der engel und kündete ir gottes
willen. Sinü wort du warent bekeme irme herzen und ir sine
wurdent vol und ir sele wart fürige. Jedoch vragcte si nach
') Am Band: Sünde ist der grendel.
10
148 Fünfter Theil.
dem vnderseheide, da brahte si m&gdeliehü scb&mede zu und
götlichü liebi. • Do si berihtet wart, so tet si ir herze vf in gfitem
willen mit aller malit. Do knüwete si nider und sprach: Ich
gebe mich gotte ze dienste nach dinen Worten.
Do trat du ganze heiige drivaltekeit mit der gewalt der
gotheit und mit dem guten willen der menscheit, und mit der
edeln gevügheit des heiigen geistes dur den ganzen lichamen
ires magtftmes in der vorigen sele irs guten willen, und saste
sich in das offen herze ires allerreinosten vleisches und vereinete
sich mit allem dem das er an ir vant, also das ir yleisch sin
vleisch wart, also de er ein vollekomen kint wuchs in irme libe
und also, de si wäre mftter wart sines vleisches und ein unver-
seret maget bleip. Also, je si in langer trüg, je lihtor, schönor
und wisor si wart. Do stftnt si vf und sprach: Herre, vatter
ich loben dich, wan du best mich gros gemachot und min ge-
siebte sol gros werden in himel und erden.
Do die zit vmbe kam, als andere vrowen trurig sint und
besweret gant, do was Maria lihtevertig und vrö. Ir licham
was doch al vol davone, wan si hatte da ine vmbevangen den
wolgemachten gottes sun. Maria wüste die zit nit vor, weüe
got wolte von ir werden geboren, e si in in iime schösse sach
in der Strasse und in der naht ze betleeme in der vrömeden stat,
da si selber was ein arm vngeherbergete gast.
Der almehtige got mit siner wisheit, der ewige sun mit siner
menschlichen warheit, der heiig geist mit siner cleinlichen sässe-
keit, ging dur du ganzen want Marien lichamen mit swebender
wuüe ane alle arbeit. Das wc also schier geschehen, als die
suiie gibet iren schin nach dem süssen töwe in minenklicher
rüwe. Do Maria ir schöne kint angesach, do neigte si ir höbet
ze sinem antlit vnd sprach: „Siest mir willekomen min vnschul-
diges kint und min gewaltiger herre, der alle ding din sint.^
In der enpfengnisse vnsers harren
Und mit der drahte siner müter,
Und in der geburt, und in der schösse siner müter,
£ er in die kripfen kam,
Do WC die kraft der heiigen drivaltekeit
Und de wnfiekliche himelvür an Marien also heia,
Cap. xxm. 149
Das der hellongeist, der alle du weit durch vart
Und alle geschiht der dingen weis,
Dem lande und der stat, da Maria ine was,
Nie als nahe mohte konien,
De er das wunder hette vernomen,
Wie das kint wero har komen.
Maria nam von Josephs sattel ein hertes tüch
Das der esel uf sim ruggei^vnder dem sattel trüg,
Und darzü das oberste teil von irme hemde,
Da si vnsem herren vnder hatte getragen,
Das ander teil bant
Si wider vm iren lichamen zesamne.
In disd tüch want
Die cleinliche jungfröwe den grossen heilant
Und leit in in die krippfen. Do weinete er alzehant,
Als ein nüwegeboren kint.
* Wan diewile de du kint sprachlos sint,
So weinent si niemer ane rehte not.
Also tet vnser herre.
De er wider siner edelen art
In eime vihestalle
Also herte gebettet wart,
Durch die böse sünde.
Do wenete er alles menschlich küne,
Do verbarg er alle sine wune und allen sinen gewalt.
Do wart du jungfröwe betrübet
Und de kint wart hungerig und kalt.
Do müste du müter iren sun stillen,
De was sines vatters Willen
Und des bei igen geistes wollust.
Do neigte sich dd jungfröwe mit m&terl icher liebi
In megtlicher zuht
Ze irem gepingeten kinde
Und bot im ir kintliche brüst.
Höret nu wunder:
Die lühtende bluiunge ir schonen ögen
Und die geistliche schöni irs megtlichen anth'tz
Und die vliessende s&ssekeit irs reinen herzen
Und die wunenklicho spilnnge ir edelen sele —
Dise vier ding zugon sich zesamene
Nach des vaters willen
Und nach des sunes notdurft
Unde nach des heiigen geistes wollust
In ir megdtliche brüst.
Do vlos du süsso milch harus von irme reinen herzen
Ane allen smerzen.
150 FüQfter Thdl.
Do 8011g de kint mouschlichc
Und sin niutcr viwete sich hclckliche.
Die engele suDgen got einen lobesang.
Die hirten kamen , si suchten und funden ')
Vnser war losepfant.
Do vragcte icli Marien wo Joseph were.
Do sprach si, er ist in die stat gangen
Vnd köfet vns kleine vische und gemeines brot,
Und Wasser trunken si öcb. ,
Do sprach ich: Eya vröwe,
Du soltest essen das allerschoneste brot,
Und trinken den alleredclosten win.
Nein, sprach si, das ist richer lütc spise,
Der haben wir nit in disem armen libe.
Do der vromde sterne schein,
Do kam Sathanas zil bethleem und volgete den drein
Klingen vil geswinde nach und er sach
Das kint vil arglichen an.
Do man dem kint mit dem hohen opfer also grosse ere bot,
Do kamen satanas gedenke in grosser not.
Und sprach in im selber alsus:
Wie ist dir vnseliger nu geschehen!
Dis mag wol dasselbe kint wesen,
Da die propheten haut von geschriben.
Das dir din meister Incifer
Also lange und also vil dikke hat bevolhen.
De du ze siner zelunge soltest komen
Und machen die vnreine,
So blibet vns zu der helle alle dd weit gemeine.
Dis kint ane sünde gezilet und gebom,
Es were mir anders nie verholn.
Nu habe ich alle mine kunst verlorn^
Nu mos ich wider zu minem meister komen
Und klagen im diso not,
Wan dis kint wirt vns noch alze gros.
Sol es über vns stigen.
Wie son wir das erliden?
Es wart e nie enkein kint geborn.
Dem dise ere wurde gebot'en.
Do lucifer dise mere vernam,
Do sas der grünt vicnt und gram
Mit sinen zenen und grein
Das sines zomes für über alle holle schein.
') Handschrift: wnden.
Cap. XXIIL 151
Do sprach er nlsust: Sol ein mensche vnser rihter wesen?
So müssen wir jemer me vor allen menschen beben ; ')
Die nach sincm willen leben.
Var hinwider Sathanas, und nini ze helfe die fiirsten von
dem lande^ die meistere von Juden und lere si v^i si !n töten in
siner kifitheit, eb das er in die schule gat. Do Sathanas zft
herode kam, do vant er lucifers gelichnisse an dem verbSseten
man, bas, homüt, gitekeit. In dise drie wege gieng der grosse
tüfel in sin grosses herze und bereitet sich in alle sine fünf
sine, und mähte den künig also mortgirig, de er tot des tüfels
willen an den vnschuldigen kinden, die nu erlichen heiigen in
himelriche sint.
Ich vragete Mariam, war si das oppfer hette getan, de si
ir selben nit kofte ein opferlamp? Do sprach si: die heiige
vliessetide miltekeit, und du notdürftige barmherzekeit und die
mine williger armüt, die haut mir den schätz benomen. Min
oppferlamp was J. Cristus, des almehtigen gottes sun, der us
minem herzen was geborn, und dem nach sines vatters gebotte
alle die vubevleketen lamber je geopfert und gebraht werden
ze eren nach sines vatter meinunge, der ist min war oppferlamp.
Ich solte anders keines haben.
Das oppfer das minem kiiide wart braht,
Da han ich mitte alle die bcdnht,
Du ich weriich konde vinden nothaft.
Das waren yerarmete weisen und reine jimgfrÖwen,
Die kamen damite zur e, de man si nit durfte steinen;
Und dazu die elenden siechen und die langen alten.
Die solten es geniessen und den hatte es got behalten.
Aber drissige marke goldes die waren mir nach rehter not-
dürft von diseu armen vberbliben, die solte ich zu den hungcr-
lachen geben, da die gemeine lüte zügiengcn zft irme gebette,
wan da lag grosse bezeichunge an. Das tüch was halp swarz
und halp wis. Norden ime tempel wc das tüch swartz, das was
die lange vinsternisse in der alten e. Daruf waren geneiet
grfinü bilde. Wan alleine die 6 vervinstert was mit manigen
grossen sünden, so waren doch sumeliche menschen darifie, die
'i) Handschrift: bibcnen.
152 Fünfter Theil.
nie dürre werden von iren Sünden, mere si waren vinster mit
der schuldigen. Die scheflFenisse der bilden, de was alles von
der schulde und von der pot, die den grossen got also sere be-
wegeten de er und wie er behielt mit sinem gesinde Noe den
rehten man, und lies alle die weit vndergan.
So defie in dem bettehusc was das tftch edel wis. De was
ein Vorzeichen der reinen, klaren küscheit Sante Marien, da wir
noch alle mitte solten vberwinden alles vnser herzeleit. Da vf
waren bilde geneiet mit golde, die waren glich den vogelen,
die Noe vs der arche hatte gesant, de dobi weren bekant die
vngetrüwen girere, die allen iren trost hie süchent vf der erden.
Mere do wc och angeneict du reine tube mit eim grünen zwige,
Die also vnscliuldig wider kam,
Daz 8i das as in iren mnnt nit nam.
Dabi waren die bekant,
Die alle tage mit nüwen tilgenden ze gotte koment,
Und halte'nt sich in dem getrüwcn himolvluge
Mit des hcligen geistes zuge.
Lange hcrnider, do die stukke zesamen giengen, do was ein
guldin liste. Mitten über mittes gieng ein grüne borte, der wc
besetzet mit edelm gesteine. De bezeichente das alleredelste
boltz,
Das unscrs herrcn lichamen an ime trüg,
Do man die himelporten durchgrüp
Und mit den hamcrcn si vfschlüg,
Das Adames grendel danan vloch.
Alleine die betütunge wenig jeman wiste, so waren doch
die zwo gezierde ein erlich crüze. Uf dem crüze was geneiet
ein wis oppferlamp, und es was gezieret mit edelm gesteine und
mit clarem golde, als es rehte verbürnen solte. Das was vor-
bezeichenct und wart do vollebraht. do das vnschuldige gottes-
lamp einen grossen minetot an dem hohen crüze nam. Darumbe
viel das tote hungertüch mit dem toten lambe in der marter
vnsers herren nider, de man das lebende gotzlamp in derselben
stat jemer nie solte anbetten.
Maria nähte irme kinde Jesu einen rok mit also gevSger
nat, weüe im der rok würde kurz und enge, de si in mbhie
Gap. XXm. 153
m and leogern. Der rok was bninval von liertem gezwir-
m garne.
Joseph WC anner lüto ziuib^nnaii)
Also de er sumelichen pfcnig zu ir notdiirft gcwan.
Maria die nate und span
De si in drien cicidcm gewan.
Do 8i vluhen in Egyptenlant, do hatte si gottes engel vm-
mgen mit eime himelHchto^ das der tüfei nit wiste wa das
hinkam, untz an die zit de es gewohS; ein kint von
ng jaren, ein voliekomen man. Do ward der tüfel sin gewar
ler wSstenunge und danaeh zu manigen stunden götlicher
iiene. Do kerte er sich zu den jüdenschen meisteren^ die
jn iüewendig vil böse und vssewendig an irme gelasse vil
ne. Die lerte er, wie si Jesu mit verkerten Worten solten
^rstan
Und soltent sine lere niemer enpfan^
So n)6hten si an ir jndeschen c gestan.
Do für aber Sathanas zu Incifer und sprach:
we meister, unsre lere müs vergän!
Ich han vunden in dem sündigen ertrich einen man,
Der ist alleine starker und wiser dene wir alle waren,
£ wir ze valle kamen,
Wan ich kan im mit allen minen sinen
Einen sündigen gedank nit anbringen.
Do gram aber lucifer als ein hnnt
Und beiss sinen hellenhunt und sprach:
Du solt ime mit allen menschen widerstän;
Ist er dene aller menschen hohster,
So mag er allen süoden entgan.
Meister, wir komen wol vs discr not,
Wan ich vinde der lüto allermeist
den man gerne töten t. Do sprach er: Nein, ich vörhte es
) uns villihte böse, wan er mit des obersten gotz kraft die
vleiscblicher suche und von menschlichem tode also drahte
let, werde im sin lip benomen. Ich vörhte noch mcre, de
äele zu vns wolte harkomen und lösen die sinen. Wan de
»^erre vber vnser mäht, de er die lüte in ertriche löset wider
nature von allerleie pine sterben, mer er selber müs mit
erbesünden varen zu der helle. Aber blibet er reine von
f
154 Füufter Theil.
allen Sünden, und nimet man im sinen lip vnverschuldet, so ge-
hört er nit zu der helle. Wand nie engel noch menöche wart
ane schuld verdumct, so ist er alleine edel und vri, und was er
defie wilj de müs über vnscrn dank geschehen, Mere du mähst
das mit lihtcr kunst zu bewaren, de vns zfi der helle behöret
du meiste schar. Aber du solt je danach stan, de man in uf
das allerhöhste versmahe und de man in qwelc mit der allcr-
schai-phosten pine. Ist er defie ein mensche, so mag er Valien
in grossen zwifcl und also mag er vns bliben.
Maria; vnser frowc sprach mit iren gedenken
Vnserm herren zu als dikke si weite,
Und so antwurte ir eteswene sin gotheit,
Davon trüg si gezogenlich ir herzeleit,
Und das wc Mari« magdalenc vil vnbcreit.
Wenc 8i vnsern herren mit vieischlichen ogen nit sach,
So wart si vngetröstet, und ir herze trfig
Diewile grossen jamer und vngemach.
Si brante ser in einvaltiger mine,
Sander hohe bekantnissc himelscher dingen,
Untz an die stunde,
Do die aposteln enpfiengen den heiigen geist.
Do allererste wart ire sele wunde ')
Mit der gotheit. Aber vnser vröwe was vil stille,
Do vnser herre von dem tode vferstünt
Also erliche. Doch hette ir herze
An gotlichcr bekantnissc
Vor allen menschen den tiefcsten grünt.
XXI V, Von seJishie kleide vnsers herren gofz und von tugenden
Saut Dominicus und tcie got sinen orden geeret hat an vier dingen*
Ein hoher fürste, der einen nützen sun hat im selljer, und
einen tröstlichen sun sinem volke, der sun ist ein also lobelich
sun sinem vater und ein also erlich liep sun, de die gehügenisse
des sunes und alü sinü werk erwekkent des vatters ere, swa
der sun hinkeret. Dirre hohe fürste de ist vnser liebe hen*e der
himelsche vatter, der hat gewuüen siben nütze süne und ein vil
schöne tohter, bi vnser müter der heiigen cristanheit.
') Ilandschrift: verwundet.
Cap. XXIII— XXIV. 155
Sin erste sun, vnser liebste brftder de wc vnser herre J.
Cristug. Welieh cre der himelsch vatter des sunes hat, und
welchen trost sin volk von im hat, de ist wol oflFenbar. Vnd
wie sich der himelsche vatter mit disem sune vereinet hat, und
wie er in zu der rehten hant gesetzet hat, und wie vil gewaltes
und eren er im geben hat, das ist ane masse und doch wol
zemasse. Der ander sun des himelschen vatters, de waren die
heiigen apostelen, die vns den türen schätz behalten hant, der
vssert dem hohen berge wart gegraben, den ein bön trüg und
vnser viende an fünf enden durgrftben und allen vnsern himel-
schen schätz da vs jageten und seifigen. Der dritte sun, de
waren die küne marterer^ die die himelstrasse mit irme blfit
begossen hant. Der vierde sun, de waren die steten bihter, die
vns reine (warheit) gent und lercnt. Der fünfte sun, de waren
die reinen jungfröwen, die ir küscheit dur gotz liebi hant be-
balten. Die mdgent den himelschen vatter bewegen, wa si öin
gelichnisse ganze an !n tragent. Er wil si tm selber alleine
haben, und si söllent ire schappel in siner trutunge eweklich
tragen. Ja si söllent ir höbet nit mit schemede bedeken, als
die irdenschen brüte pflegent, da vnser herre dise nütze kint in
die hohen Wirtschaft also erlichen bette bi ime gesezzet, das
alles irs leides und ir vromekeit in ertriehe vergessen was.
Do gieng sin gemeine volk also ser irre an dem rehten
geloben und an der lutem bihte, de sich der himelsche vater
erbarmete und gewan do zwene süne in einer trabte aber bi
vnser lieben mftter, der heiigen cristanheit, und si sögete selber
dise zwene süne ja mit iren brüsten, die also vol der süssen
milch sint, de si si nie und och niemer me m6gent volle sugen
US. Dise brüste, de was und ist du alte e und die nuwe 6, do
vnser mftter du heiige cristanheit mitte sögent allü gotteskint.
Dis sprach och vnser herre: Man solte nieman ze priester
wihen, er kSnde deiie beide, die alten g und die nüwen e.
Wan vf einem füsse mag nicman ze hove gan,
Und öch nit lange ze diensten stan.
Dise zwen süne de sint die predier und die minren brftder,
do Sant Dominicus und Sant Franciscus die ersten wurzeilen von
156 Fanfter Theil.
warent. we, was des vil vergangen ist, des si gctrüwelich
pflagen! Je mere des verget, je krankor der orden wirt; je
langer er stät, je e ein ander sun gebom wirt vs dem getrüwen
herzen des ewigen vatters, der sinü kint zemale nit wil verlassen.
Sant Dominicus der merkte sinß brfider mit getrüwer andaht,
mit lieplicher angesiht, mit heiiger wisheit, und nit mit vare, nit
mit verkerten sinen, und nit mit getrüwelicher gegenwirtikeit.
Den wisen leret er f&rbas me, das er mit gotlicher einvaltekeit
solte temperen alle sin wisheit, den einvaltigen lerte er die waren
wisheit, dem bekorten half er tragen heimelich alles sin herzeleit.
Die jungen lerte er vil swigen, davon werden si vs wendig ge-
zogen und inwendig wise. Die kranken und siechen tröste er
vil mineklich und er bedahte öch alle ir not mit getrüwem vlisse.
Si fröweten sich alle gemeine siner langen gegenwirtekeit und
sin sässü geselleschaft machte inen senfke alle ir kumberliche
erbeit. Dirre orden war in den ersten ziten reine, einvaltig und
darzfi vol der brenenden gotzliebi. Die reine einvaltekeit, die
got einigen menschen git, die wirt also vnderwilen gespottet
von etlichen lüten, das er die gäbe verluret, da man die gotz
wisheit ine vindet und küset. De verlöschet öch gotz brenendü
mine.
Dem in dem orden von herzen leit ist, de er ahtber wirt
und alle irdensche ere für ein grosse bekorunge enpfahet, der
mag des nit gelassen von rehter edelkeit sines geistlichen geistes,
den er von gotte hat enpfangen mit heiiger sinkunge sines herzen
vnder alle creaturen. Eintweder er mfts die ere behalten mit
vorhten der schemede und mit getrüwem vlisse und mit erbarra-
herziger helfe und mit milter vröde oder er müs darnach stan
mit aller wisheit, de er die burdine mit ere gelasse, wan ein
geistlich herze, de müs stillen vriden haben und minenklich sol
es blfiien vf gegen der heiigen drivaltekeit.
Got hat dise zwene süne sunderlich geeret mit vier dingen.
De hat er darumbe getan, de si vmbe sich selber nit me sorgen,
dene alleine de si die sünde lassen; mere alle ir sorge und
arbeit, sprach unser herre, solte darümbe geschehen, de min
Volk selig und heilig werde. Das erste ist schöne enpjTengnisse
Cap. XXIV— XXV. 157
von den lüten, de ander getrüwi helfe an der notdurft von
nihte^ das dritte die heligoste wisheit vs der gotlichen warheit,
das vierde der nülzoste gewalt der beiigen cristanheit. De man
die brftdere ze sere tribet ane barmherzekeit und ane sflsse lere,
davon geschehen schedelichA ding der ich nu mfls swigen.
XXV. Eines dinges genüsset man in dem hlmelriche, de ist in
siben dingen, danach volgent sihen ding. Das lob des betrtibfen
menschen ist nnz in siben dingen.
Eines dinges genüsse ich in dem himel allermeist; es ist
öch alleredelost und lühtet allerschönost gegen der heiigen dri-
valtekeit und kostet öch in disem libe allermeist, de ist, das
man in armüt, in smacheit, in eilende, in wetagen, in geistlichem
armüte, (das allerswerost ist,) in getvvange der gehorsami, in
allerhande bitterkeit inwendig und uswendig, ja das man hie iüe
welle und möge und k6ne got loben von herzen, danken mit
vröden und reichen vf mit der gerunge und voilebringen mit
den werken. Hievon wirt sele und lip in himmelriche also ahtber
und lobsan, das si sehönor singent und mifient deüe die andern
und claror lühtend in der vröide deüe die andern, und de si
hoher swebent deüe die andern, und wuüeklicher lebent deüe
die andern, und de si notlieher gezierent sint deüe die andern,
und von richtuome grosser wirdekeit habent (mere) deüe die
andern, und de si wuneclicher gebruchent und tiefer sugent in
die heiigen drivaltekeit deüe die andern.
Herre got, ich vrage dich : Wie «meket dir dis lob und dise
aüemikeit, die dir ein betrübter mensche leistet ane alle sftsse-
keit? Höre nu wc er saget:
•
Es stiget vf mit gewalt,
' Und des ere ist und wirt roanigvalt,
Wan inie müs rumen alles de je wart,
Unz es kunt in die götliehe stat
Miner heiigen drivaltekeit
Und es da alsolich wunder ifit.
Das es mine drie personen al durchgat.
Und ruret und reizet und machet minenlustig
Mine ganze drivaltekeit.
Minen sroak den ich habe,
158 Fünfter Theil.
Den bevindet die sele selber wol;
Ich mag ir mit vollen heimlich wesen,
Si welle sich rehte müssig und blos
An minen götlichen arm legen,
Und de ich müs mit ir spilen,
Wan darum hau ich mich in ir gewalt gegeben,
Kindesch, arm, nakent, blos, versmehet
Und ze jungest in den tot,
De si alleine sol sin (Eya, ob si wil)
Min nohste min liebste genos,
Und si Sül jcmcr me in miner hcligen drivaltekeit
Mit sele und mit libe sweben und spilen sat
Und ertritjken als der visch in dem mere.
War ist dtTie komen alle ire swere,
Die si durch mich und na mir hat gelitten?
Alsus wil ich ir süssen wehsei geben.
XXVI, Wie got sich lobet und singet
I
Eya nu höre wie die heiige Drivaltekeit sieh selber lobet
mit ir vnbeginlicher wisheit und mit ir endelosen g&ti, und mit
ir ewigen warheit und mit ir ganzen ewekeit. Nu höre die
allersüsosten , die allerhöbsten , die allerwuüeklichosten stime,
wie die heiige drivaltekeit in ir selber singet mit einer ganzen
stiiney da aller heiigen süssen stimen vsgefiossen sint^ die je
gesungen wurdent in himelriche und im ertriche und noch söUent
ewekliche:
Des Vaters stime sprichet ime lobesange: Ich bin ein vs-
vliessende bruiie, den nieman erschöpfen mag. Aber der mag
villihte sin herze selber mit eime vnnütze gedank verstoppfen,
de die vngerüwige gotheit, die jemer mere arbeitet ane arbeit
nit in sin sele mag vliessen.
Der sun singet alsus: Ich bin ein widerkomende richtuom,
den nieman behalten mag, wan alleine die miltekeit, die je ge-
vlossen und jemer gevliessen sol von gotte, die kunt alles wider
mit sime sune.
Der heiig geist singet dis lob: Ich bin ein unüberwunden
kraft der warheit, de vindet man an dem menschen, der löblich
mit gotte bestet swas in angat.
Cap. XXVI— XXVIII. 159
Alsus singet die ganze drivaltekeit: Ich bin also stark an
mincr vngescheidenheit, de mich gescheiden nieman mag noch
zerbrechen an miner ganzen ewekeit.
XXVIL Mit zwölf Worten enpfieng der Mmelsch vatter sinen
sun Jesum. ')
Mit disen worten enpfieng der himelsche .vater sinen sun,
do er US von diesem irdenschen strite in den himelschen vriden
was komen: Siest willekomen min erliche sun, de ich selber bin
min hant an dinem werke, min ere an diner gewalt, min kraft an
dinem strite, min lob an dinem sige, min willen an diner wider-
kunft, min wunder an diner vftart, min zorn an dim gerihte.
Die vnbeflekte brut, die du mir bringest, die sol din und nu
jemer me vngescheiden sin. Min gotheit ist din crone, din
menseheit ist min sune, vnser beder geist de ist ein wille, ein
rat, ein craft an allen dingen, ane begifie und ane ende. Din
sele ist vnser drier personen allernehstü brut.
wie wufienklichen cristi sele in der ganzen heiigen dri-
valtekeit spilet! ze gelicher wis, als das wunderlich büken, de
in der schönen suüen swebet, de nieman kan gesehen, defie der
vil schönü ögen hat.
XXVIIL Von siben cronen Innld&r Albrehtes, Ein anderes ist
'satzmige gottes, ein anders ist ericelunge.
Swa du kunst hat wisheit und mifie, da bringet dil erwelunge
frnht, und nieman weis was er gutes an ime hat, er werde deüe
mit dem bösen versuchet. Ich bat für brfider Albertes sele
von miilen, do wisete mir got sin wirdekeit. Do sach ich siben
megde cronen ob sinem höpte sweben. Do wunderte mich sere
wie es da vmbe were, wand er ein rüwere was gewesen. Do
sprach vnser herre: Dise crone hat er darumbe gewuüen, de er
siben jungfrowen an irer küscheit behielt mit manigen arbeiten,
alleine dur mine liebi, und eweklich s6nt si alle sine wirdekeit
zieren, und sönt doch niemer berfiren sinen lip noch sine sele.
Ich habe de in himelriche gesehen, Ion, wirdekeit und crone,
') GreJth 258.
1 60 Fünfter Thdl.
und das ist nit alles ein. Der Ion lit an dem werke, du wirde-
keit an den tugenden, crone an der miiie. Aber der Ion ist rieh
nach der manigvaltekeit girier werke, du wirdekeit ist gebreitet
nach der niasse der tugenden, die crone lühtet in der höhi nacli
dem vlisse der brefiunge in der miile. Brüder Albreht seite mir do,
de ein brftder solte sterben vber sechs jar. Das wart nit war. In
dem sibenden jare vragete ich vnsern herren, wie de were. Do
sprach vnser herre: Er sach die satzunge und nit mine erwelunge.
Ich erwele minü sunderliche vründe in langer smacheit ane
schulde, und ich vriste si in heiiger gerunge langer ze lebende.
Swene der mensche in der mifie lichte, das ist in der war-
heit, sin herze besihet, so vinäet er niht wan de er ze rehte
versmähet sol sin me defie jeman. Dariiie wahset die gerunge
mit vnmessigera hunger und bringet defie den menschen vsser
im selber in gotz willen also verre, de gott des gerüchet, das
er den menschen vristet, und git im dene alles nüwe gäbe, ob
er si mit gutem vlisse wil behalten und bewaren.
XXIX. Nach gotz zuge teere der mensch als ein enget, eb er dem
volgefe. Und von der hosheit des tufels.
Der sich rehte hielte nach dem zuge der von gotte kunt
und nach dem liechte de er bekefiet, der keme *) in also grosser
wune und in also heiiger bekantnisse, de enkein herze möhte
getragen. So were er als ein engel allezeit minenklich mit gotte
vereinet in allen dingen. So wrde er des tüfels helle und gottes
himelrich. Swene aber der gute mensche von dem zuge lat, so
sendet im got den ttifel zu, de er in bekore mit den dingen die
allerswerost sint, vf de er in wider erwekke. Aber vnser lieber
herre der entzfthet dem tAfel sine mäht und beschirmet den
menschen, de er in nit gevellen mag. Mere er wenet rehte, de
im vrlob si gegeben, das er den menschen nach sinem willen
möge vellen, darvmbe ist er also vlissig tag und naht.
we mir armen! mir ist vil dikke also geschehen. 6ot
hat mir ein also erlich ding gewiset und gelobet ze leistende;
') Handschrift: kene.
Cap. XXIX— XXX. 161
eh es vor miner vnwirdekeit iiit getorste getrüwen, nnd darum
mkete ich es im leider niet. Do kam der tüfel und wolte
pine anlegen. Do sprach ich, wo wiltu? Joch sihest du wol,
jot hie mit mir ist. Wie gedarst du mich gepinigcn vor
r gegenwirtekeit? Do sprach der tüfel: Ich wil nu als ich
rolte, minen stül setzen hi dem sinen; ja ich wolt in von
stüle diner sele triben ob ich möhte und setzen mich da in,
wolte gerne, de das himelrich, paradys, vegefür und ertricli,
lie alle ein helle werin in der ewigen helle. Do sprach ich :
testu nicht, de disü ding allii ein himelrich werin, vf de du
zehulde kemest? Do sprach er: Nein, das mag ich niemer
n. Do sprach ich: we, wie bistu so reht vnselig, de du
vor gotte nit schemest! Do sprach er: Swer iht gutes an
hat, der ist nit alzemale böse und swer sündet der veHieret
schäme, wan schamete er sich, so tete er der Sünden nit.
bin durkfine als ein vliege imd valle je zft. Ich schone
[laöes; nu der sich mit tugenden weret, der bleibet vnbe-
ret und der in gotte veste stat, der überwindet erlich alles
herzeleit.
X, Von ztoenzig kreften gottes mim und von manigvalftgen
namen.
Eja liebe gotzmiüe, bchalse je die sele min,
Wan es mvrdete mich ob allem we,
Solte ich Wesen von dir vri.
Eya minc, nn Ja mich nicht erkulen,
Mine werk sint alle tot
So ich dich nit vule.
mine, du machest süsse pine und not,
Du gibest lere und trost den waren gotteskinden.
minebant, din süsse hant
Hat den gewalt, si bindet beide jung und alt.
mine, du machest grosse bürden lichte
Und kleine sünde dunket dich swere.
Du dienest gerne sunder lön
Allen crcaturcn vnderton.
E3'a süsse gotziniüe, swene ich alzelange sclafo
An versumekeit guter dingen,
I. Mechtbild. 1 |
t
1 62 Fünfter Theil.
So tft wol lind wckc niich und singe
Mir vrowe dincn sang,
Da du die sele mitte lurcst
Als ein süsse soitenklang.
Eya miüe , fi öwe , wirf mich vnder dich,
Ich werde vil gerne sigelo»,
Das du mir defie benemist eis leben,
Daran lit vrowe aller min trost.
we, milde gotzmine, du schonest min alzescre,
Das clage ich jemer mere.
Mine, din vil edle giüs der l.at ervüllet minen munt,
Miüe, din vil reine qwolen tut mich ane sünde leben.
Mine, dinii stetii andaht
Hat mich in also sfissen kumer braht.
götlichii miüe, wie sol ich din mit gedult enbern?
h>o du mir wilt frombde sin.
Äliüe, de ist ein wuneklich hoher mflt,
De mir din vroradi wol tfit!
wunderlichü miüe, wol selig der jemer, den du lerst.
De ist sin wunenklichestü dieniütikeit.
De er, fröwe, dich es bittet, das du von ime kerst.
Eya miüe, wie kleine du der vindest,
Die dich mit aller raaht in allen dingen sAchent
Und mit stetem vlisse din gebruchent
Und die dich in miüeklicher gere heissent,
Das du von inen vliehest.
Der ist aber vil, die dir mit dem munde ruffent
Und mit den werken von dir kerent.
Miüe, din scheiden und din kernen.
Das ist gliche willekorocn
Der wolgeordeneten sele.
Miüe, du hast alles das undergetan.
Das got hat mit uns in herzeklicher liebi began,
Miüe, din vil edele luterkeit.
Die als ein schöner spiegcl stat
Vor gotte an der ki'ischen sele,
Die machet heisse miüelust
In der raagetlichen brüst
Zu Jesu irmo lieben.
Die sere miüen vnde raegde sin.
De sin die jungfröwen von seraphin.
Miüe, din heiig barmherzekeit.
Die tAt den tüfelen manig leit.
Miüe, din vil sfisser vride
Bringet scnfte gemfite und reine sitten.
\
Cap. XXX— XXXI. lös
Mine din heiige gcnugiinge machet vri gerofUe
In willecliehem aremütc.
Mine din wäre diimetekeit
Die clnget iiit gerne missekcmi noch arbeit.
XXXI. Von zehen creften der mine vnd de keine creaiure mag
volgedenken der seh gernnge ze gotte,
miüe, wie breit wirt dein liht in der sele, und wie vArig
ist din schin, und wie vnhegriflieh ist din wunder, und wie manig-
valt ist din wisheit und wie snell ist din gäbe, und wie kreftig
ist diu baut, und wie durnehtig ist din wesen, und ^ie senfte
ist din vlus, und wie gros ist din koste, und wie getrüwe ist
din arbeit und wie heiig ist din vndergeheidenheit! Alse du
die sele mit allen disen dingen durchvarest, und si den sich
vfhabet und begiüet vliegen mit tubenvedern, de ist mit allen
tilgenden, und begiüet dene ze gerende mit des aren girheit, so
volget si der hitze vf ze himele, wan es dunket si alles kalt
und vngesalzen wo zergenglieh ist.
So spriche vz dem munde der warheit alsus: Herre, die
gerunge, die ich zfi dir habe in dinem zuge; herre, die wisheit
die ich defie enpfan in der miüe'vluge; herre, die einunge, die
ich dene begriffe in dinem willen; hen-e die stetekeit die
ich dene behalte nach diner gäbe; herre, die süsse gehügnisse
als ich din gedenke; herre, die verwenete.mine die ich zu dir
habe, die ist in ir selbe also rieh und vor dinen gotz ögen also
gros; eb du es nit wistest, herre, so möhten es nit alle sant-
kömer, alle wassertropfen, alles gras und löp, stein und holz,
alle toten crcaturen, dazu alle lebenden creaturen, vische, vögele,
tier, wurme, vliegende und kriechende, tüvel, beiden, Juden vnd
alle dine viende, noch me alle dine vründe, menschen, engel,
heiigen, nu, eb alle die personen sprechen könden, wolten und
riefen ane vnderlas untz an den jungosten tag, werlich, herre,
de weistu wol, si möhten dir nit halp gekündigen die meinunge
miner gerunge, und die not miner qwelunge, und das ja-
gen mines herzen, und das vfruken miner sele nach dem
11*
164 Fünfter Theil.
smake diner salben und dem vngeseheidenen anhangen ane
vuderlas.
Ja Maria, fröwc, gottesrnütcr, wie solte es dir ergan, eb du
begondest mit dinem sune ze kündende der ewigen gotheit die
liebi du ein vercinitii selc ane valscb in disem übe in der ewi-
gen gotheit hat und das rflren. damit er si tratet. Vrowe, du
möhtist müde werden und din sun , nuiste ämehtig werden,
wan der gütlichen miüe vürige kraft gabt über alle menscli-
liche mäht.
XXXTI. Von dem holten ende swester Mehthilf,
Nu mils ich doch diso rede betwungen schriben^
Die ich gerne wolte verswigcn,
Wan ich vorhte vil sere,
Den heimlichen swung der italen ere.
Aber ich v5rhte michel mere,
Wil mir got gereht wesen,
Das ich gotz arme deiie alzcvil habe verswigen.
Jamer, vorhte und stete herzeleit han ich getragen heimelich
von kinde vm ein gut ende. Nu an miner jungeston zit hat mir
got alsus gewiset, das von himelriche kamen vier scharen in
procession, das waren juncvrowen und cngel. Die jungvroen
bezeichenten tugenden, da ein mensche got mit gedienet hat.
Die engel bezeichent ein rein leben, da der mensch got mit
gevolget bat.
Unser herre und sin erlich mAter
Volgeten der wuneclichen procession,
Untz die ersten stünden
Vor des menschen munde,
Also WC der weg vridesam alnmbe und vmbe
Wc er clarer deiie die sune
Von dem schine der heiigen,
Die da kament von der gotz wune. ^
Do sprach du sele: Herre, dirre weg behaget mir über alle
mine wirdekeit unmassen wol, aber ich vörhte sere, wie ich us
minem lichamen solle komen. Do sprach vnser herre: Alse de
sol geschehen, so wil ich minen aten ziehen, das du mir volgest
Cap. XXXII — XXXIII. 165
als ein agestein. An beiden lialbcn der procession was ein schar
tufelen, der was also vil, de mir de nit mohte geschehen das
ich möhte vbersehen, jedoch so vSrchte ich keine. Si vnder-
slügen sich mit grossem grime und si undercratzten sich als die
vnsinigen. Des vröwet sich die sele noch mer, defie das si
vor ir sach vnsern herrn. Do vragete si von grossem wundere
vnsem herrn, wie de were. Do sprach vnser herre: Die vrßde
kunt vor der gewissen Sicherheit, de dich alle dise tüfele nicmer
mögent von mir gehinderen.
XXX 11 L Wie die deine silnde schadet dar vol/ekmnenhelt und
wie sich der tnfel davon nahet der sele.
Das hindert geistliche lüte allermeist an rehter vollekomen-
heit, de si der kleinen sünde also wenig ahtent. Ich sage -vch
des werlrchen: Sweüe ich mich versume mit eim lachende de
nieman schadet oder mit einer surekeit in mineni herzen, die ich
nieman bewise, oder mit einer kleinen vngedult miner eignen
pine, so wirt min sele also vinster, und mine sine also stumpf
und min herze also kalt, de ich ellendeklich müs weinen und
jemcrlich müs klagen, und früntlich bitten und krefteklich geren
und diemüteklich bekenen alle mine vntugende, deüe erste mag
mir ai-men die gnade geschehen, de ich widerkrieche als ein
gesclagen hunt in die kuchin.
Noch mere, sweüe ich einen gebresten an mir habe vnbe-
kant und vngewandelt, so stat zehant ein helle vlekke an miner
sele. So mag des kein rat sin. Der tüfel, der des vegefüres
pfliget, da die sünde iüe brenen solte, er wil zehant sin glich-
nisse ansehen. So begifiet mich ze eisende, da ich alleine bin,
wan min sele wart vri gemachet von aller eisunge, do ich du
gäbe enpfieng die man heisset bekantü mine. So valle ich ze-
hant vf die erde und spreche: mtserere mei deus oder 'pater
noster. So zehant kume ich wider in min süsses paradys, da
mich der vlekke us het gewiset.
Ibb Fünfter Tlieil.
XXXIV, Von fünf leid uüice helujen, dar böse liUe yescmt, und
wie got wil iceschen die cristanheit in sin selbes bl&le hienach. *)
Mich wundert sere nach der edelkeit die do lit an der
helikeit und nach der krankheit die an den menschen Itt. Das
Öante Elyzabeth also drahte heiig wart und also vnlange vnder
der erde lag, des berihte mich unser herre und sprach alsus:
Es ist der hotten reht de si snelle sien. Elyzabeth die ist und
si was ein botte den ich gesant habe ze den vnseligen vröwen,
die in den bürgen sassen, mit der vnküscheit also sere durflossen
und mit dem homi\te also sere vberzogen, und mit der italkeit
also stete vmbevangen, das si nach rchte in de abgründe gölten
sin gegangen. Irme bilde ist manig vrowe gevolget, dermasse
si wolten und mohten. Sant Dominicum sante ich den vnge-
löbigen ze hotten und den tumben ze lere und den bctrfibten ze
tröste. Ich sante och Franziscum ze hotten den girigen pfaflFen
und homütigen leien. Mere Sant peter, der nüwe marterer
der ist min böte des blfttes, do nun die valsche cristanheit so
jemerlich ine bevangen ist. Si sprechen alle, si sint reine und
si' sint vor mineu Sgen vnküsch. Si sprechen si sint getrüw,
und si sint doch vor minen ögen valsch. Si sprechent si haben
mich liep, und si hant ir fleisch michels lieber. Wer mit mir
wil hüben, der getröste sich mit sant peter des irdenschen libes.
Die verborgen schulde machet zejungost du offenbare not.
Ich armer mensche, ich war in minem gebete also kflne,
de ich frevenlich tet, und nam alzemale die verbösete cristanheit
an miner sele arm, do borete ich mit jamere. Do sprach vnser
herre:
Las, ß'ist'; dir alzeswere.
Eya, nein, süsser herre
Ich wil 81 vfheben und fiii* dine flisse tragen
Mit din selbes armen,
Da du si mit an dem crüze trüge.
Do gestattete mir armen got mines willen,
Uf de er hiieh möhte gestillen.
') Am Rand: cessa, als Wink für den Leser oder Schreiber.
^) Handschrift: sust.
Cap. xxxiv. 167
Do du arme Cristanheit alsns für vnsern herren kam, do
was si glich einer juncfrowen. Do sach ich si an und ich sach
och de si vnseren herren ansach. Do scheuiete ich mich vil
sere. Do sprach vnser herre: Nu sich, gezimet mir, diso jung-
frowe wol in minem ewigen brütbette ane ende ze minende und
mit minen keyserlichen armen zu mir ze nemende und mit niinen
götlichen ögen anzesehenÖe, wan si suröggc ist an ir bekantnisse
und si och lam ist an iren henden, wan si n6te gütü werk tütV
Si ist och hufhaltz an den fassen irre gefunge, wan si min
selten und treglich gedenket. Si ist öch vnvletig an der hüte,
wan si ist vnreine und vnküsche. Do sprach der 'arme geist,
wel rat sol ir dene werden? Do sprach A^nser herre: Ich wil si
weschen in ir selbes blüte und alle die seligen, die da warhaftig
unschuldig sint, die wil ich beschirmen, und nemen si verborgen
zu mir in eime heiigen tode.
Mere sprach vnser herre: Swester Jutte von Sanger-
husen die han ich den heidene gesant ze hotten mit irme heii-
gen gebete und mit irme guten bilde. Dis sprach öch vnser
herre: Dis buch sende ich nu ze hotten allen geistlichen lüten,
bedü den bßsen und den guten. Wan weile du süle vallent,
so mag de werk nit gestan. Ich sage dir werlich, sprach unser
herre, in disem buche stat min herzeblfit geschriben, de ich in
den Jungesten ziten anderwarbe giessen wil. Von drierhande
blftte Seite mir vnser herre alsust; Das erste blüt, das Abel und
du kint, ') Johafies Baptista und alle die ir heiig unschul-
diges blüt gussen vor der marter vnsers herrn, de was cristi
blüt, wan si litten dur sine liebi den seligen tot. Das ander
blüt das was des himelischen vatter blüt, das cristiis us sinem
vnschuldigen herzen gos. Das dritte blüt, de man vor dem
Jungesten tage giessen sol in cristanem geloben, de ist des
heiigen geistes blüt, wan sunder des heiigen geistes andaht
wart nie guttat vollebraht. Der martrer blüt dur cristum, de
gibet geselleschaf und küüe; des vatters blüt in cristo git
') Die von Herodcs ermordeten. •
168 Fünfter Theil.
losunge und geloben. Das jungest bl&t in dem heligen geiste
git behaltunge und ere.
XXXV, Wie Sivester Mehthild danket wid lohet got und bittet
für drierleie lüte und für sich selber,
Eya railto vattcr, got von himdricb,
Zühc mine selc al vliessendc, vnbekümcrt vin dich,
Und vlüsse ir herre engegen mit allem dem
De du hast wunenkliches in dir.
So mag si bitten und gebieten
Und dich, herre, volle loben aller diuer guti.
Eya und gib mir herre diner heligen drivaltekeit zuge
In dem süssen mine fluge.
Also, herre, de ich dich lobelich gcbruche
Aller diner milten gaben.
Und ich dich, süsser herre, niemer bitte.
De du mir herre zä dinem lobe nit wellist geben. Amen *)
Eya vatter aller gfiti, ich arme sünderine danken dir aller
trüwe mit minera gcpingeten libc und mit miner ellendigeik sele
und minem sündigen herzen und mit minen bgtr&bten sinea und
mit minem versmeheten wesene an dirre weite. Herre vatter,
das ist min und anders nit, und mit dinem lieben sune J. cristo,
und mit der gemeinsehaft aller creaturen. Alle si waren vnver-
böset; und als si noch widerkomen sönt in de allerloblichost de
si werden wöllent und mögeut.
Eya süsse vater, mit alle disen dingen so lobe ich dich
hütte vmb alle din getrüwe schirmunge die du je geletest (legtest)
an minen armen lichamen, und an mine ellendig sele. Mit disen
dingen, grosser got, so danke ich dir, herre, aller diner milten
gaben, die du mir, herre, je gerftchtest ze gebende an lip und
an sele. Mit diser meine {gemeine) aller creaturen so gere ich
herze hütte dines lobes in allen dingen, vmb alle ding, du, herre
vatter, vs von dinem süssen herzen vnbewollen sint geviossen.
Aber mit allen disen dingen, liep vor allen lieben, so bitten ich
dich, herre, dir selber ze eren umb wäre wandelunge und vmb
ganze bekerunge der armen sündern, die hütte ligent in den
') Am Rand: Danke mit siben dingen.
Gap. XXXV. 169
höptsunden. Ich bitte dich mere, min war liep, vmb heiige
wahsunge aller tagenden und cristanlicher bestandnnge allen den
seligen die hie lebent ane höbetsünde.
Ich bitte dich aber, vil lieber, vür alle gepinegeten seien,
die dur vusere sünde rn de vegefür sint gevarn, das wir mit
gutem bilde solten be waren. Ich bitte dich herre, vmb heiige
heilange und vmb wäre beschirmunge, und vmb dines heiigen
geistes ervüUunge, allen den bi namen, die min eilende, herre,
mir armen dur dine liebi helfent hie tragen an libe und an sele.
Ich bitt dich, richer got, dur dinen armen sun Jcsum, de du
die pine mines geistlichen arraütes und die gallen miner bitter-
keit ze honig wellist machen in dem göme miner sele. Ich bitte
dich, lebender got vmb »die ewigen edelkeit vnsers cristanen
geloben, de du vns, herre, dcne bewarest vor allen valschen
gezügen mit diner gotlichcn wishcit. Uud stete, herre, vnsern
geist, ze rftwende in diner heiigen drivaltekeit.
Ich bitte dich, süsser herre, vür alle mine cristanpiuger, de
si dich noch mfissen bekeüen uud helecliche mifieu. Ich bitten
dich, almehtiger got, vmb wäre stürunge mit vnderscheide den
valschen lüten in der herschaft, und vmb barmherzige schonunge ')
der vnschuldigen in der gemeine. Ich bitte dich, ewiger trost,
de du hütte ze tröste wellest komen allen den betrüebten seien,
du hütte mit angest von irme lichamen scheidin, de du, erbarm-
herziger got, ir hehalter weelist sin und vrteilen si in das ewig
leben. Ich bitte dich herre, vmb reiue lüterunge und geistliche
bestanduuge, und lobelich behaltunge der gotlicheu warheit in
allen dingen, allen den bi namen, die geistlichen schin und
geistlichen gewalt alleine dur dine liebi tragent. Ich bitte dich
milter got vmb wäre dankncmekeit ze allen zitcn vmb alle din
gaben, den ze helfe, die dur dini liebü kumberliche burdin tragent.
Ich bitte dich, heiiger got, vmb erbarmherzige angesihte
mines unützen lebenes und vmb stete einunge, herre, din selbes
in miner sele, und vmb die getrüwen wegespise dines heiigen
lichamen, de der müsse sin an minem ende min jungestü spise
') Handschrift: schonunge.
170 FüQfter Theil. Cap. XXXV.
an sele und an libe. Och bitte ich dich, hohü wutienkliehe dri-
valtekeit, vmb die jungesten stunde der eliendigen scheidunge
mincr armen sele von minem sündigen libe, de du dich dene,
herre, wellist zu mir neigen, also de alle mine viende trurig von
mir scheiden, und ich, herre, danach diner süssen wollust und
miner langen gerunge, dich möge ane vnderlas ansehen, also de
miner sele ögen in diner gotheit müssen spilen, und dine süssü
minelust us diner götlichen brüst dur mine sele müssen sweben.
Per dorn, nostt'tmi J, Ch, filium tainn, Amen.
171
Dis ist der sehste teil dis büehes.
/. Wie ein prior oder priorine oder ander prelaten sich sollent
hcdten gegen iren vndertanen. Das erst cnpitel.
Gros vorhte lit an der gcwalt. S weile man spricht: ir sint
nu vnser prelaten oder vnser prior, oder vnser prelatine, weis
got, lieb mönsche, so bist du vf das höhste bekort, so solt du
mit grosser demütekeit dinc venie machen und gan dene zehant
an din gebet und lassen dich got trösten. So solt du dcile din
herze vcrwandelen in hcligcr gottesliebin, also de du ein jeg-
lichen brüder oder swester, die dir bevolhen sint, sunderlich
mifiest in allen sinen nöten. Du solt wesen mit dinen vnder-
tanen und Brüdern minenklich vrölich oder gütlich emest, und
erbarmherzig solt du sin vber alle ir arbeit und mit süssen werten
solt du si vs heissen gän, predien künlich und bihtehßren vrö-
melich, wan si got dazu hat gesant in dise weit, de si losere
und belfere söllent wesen der armen Sündern ze glicher wise als
cristus aller weite löser wc, und gieng hamider vs von dem
hohen palaste der heiigen drivaltekeit in dise pfülige weite.
Alsus solt du sprechen zu einem jeglichen bi*üdere mit grun-
deloser diemütekeit dines reinen herzen:
Eya lieber mensche, ich vnwirdig alles gutes,
leh bin din kneht mit allem dicnste
Da ich e:) veiuiag, und nit din hcne.
112 Sechster TheU.
Mere leider, ich habe du gewalt vber dich,
Und mit herzeklicher gotteslicbin sende ich dich vs.
Mich erbarmet sere din arbeit,
Doch habe ich das vnderscheit.
Ich frowe mich der höhsten wirdekeit.
Die der himelsche vatter dir hat bereit.
Nu ich sende dich in denselben namen
Als Jesus gieng von sinem vatter,
Do er suchte das eine verlorne schaf
Also lange, de er von mine starb.
Die w^re gotzliebin müsse dich geleiten
In heiigen wegen und in nützen arbeiten.
Ich wil miner sele gerunge und mines herzen gebete
Und die trehenen miner sündigen Ögen mit dir senden,
De dich got heilig und minevol
Uerwider mir ze liebe sende. Amen.
Alsust solt du alle din brüder trösten ') als si vsgant
Du solt si öch vröwen swene si widerkoment.
Du solt vorgan in das gasthus
Und schaffen von gotz miltekeit
Den gotz jungern alles das notdürftekliche gcma6h.
De du jemer vollebringen mäht.
Eya, mensche, du solt selber ir fasse weschen;
Du blibest dennoch meister oder meisterine
Und bist in demüteklich vndertan.
Du solt nit lange bi den geston wescn,
Du solt des Conventes ordenlich pflegen;
Die gaste sont nit lange wachen.
Das ist ein heligü sache.
Du solt alle tage in das siechhus gan
Und salben si mit den tröstlichen gotswortcn
Und laben si mit irdenischeft dingen milteklich,
Wan got ist über alle koste rieh.
Du solt je reine bi den siechen machen
Und solt in gotte süsseklich mit in lachen.
Ir heimlichea notdiirft die solt du selber von in tragen.
Und si getrüwelich minenklich vragen,
Wielich ir heimliche suche si, '
Und stan in dene werliche bi,
So vlüsset die gots sussekeit in dich.
Du solt 5ch in die kuchine gan und besehen,
Das die notdurfl der brüdern des conventes als gut si,
De dinü kargheit und des kochestragheit
Vnserm herren nit verstelen
') Handschrift: trüsten.
Cap. I. 173
Den süssen sang in dem köre,
Wan ein verhungerter pfaiTe , der singe niemer sclione ;
DarzA ein hungerig man mag nit tieffe studieren,
Alsns mos got dur das ergeste de beste dike verlieren.
Im capittele soltu mit süssem gemüte gercht wesen und
dariüe nach der schulde glich rihten. Du solt dich sere hüten,
de du diner gewalt iht volgest wider der brftderen willen oder
des conventes willen, wan da kunt grossi'i zwiunge von. Du
solt dich jemer segenen vor der honult gedanken, die doch
leider mit gutem gelichnisse in de herze vallent und sprechent:
Ja, du bist doch ob In allen prior oder priorin, du möhtist wol
tun was dich gut ducht. Nein lieber mönsche, damitte brichest
du den heiigen gotzvrideu. Du solt mit vndertenigem gelesse und
Diit mifieklichen vröden sprechen dis: Liep brüdor oder swester,
wie behaget vch dis, und defie nach irme besten willen so rihte dich.
Sweüe din brüdere oder din swestern dins conventes ere
bietent, so soltu dich inwendig vörhten mit scharpfer hüte dines
herzen und solt dich vswendig Schemen mit gezogenlichem ge-
lasse. Alle klage soltu barmherzeklich enphahen und allen rat
soltu getrüwelich geben. Wellent dine brüder hoch buwen, das
soltu heileklich wenden und sprich alsus: Eya vil lieber brüdere,
wir wellen der heiigen drivaltekeit buwen einen wuüeklichen
palast in vnser sele mit dem zimber der heiigen schrift und mit
den steinen der edelen tugenden. Der erste stein des erlichen
palastes, da der ewige got ane ende sine miüelustlichen brut
lue traten sol nach siner creftigen wölkst und nach ir smekende
gerunge, de ist die grundelose diemütekeit, di also wol gebiket
ist mit der süssen genüge irdenscher zergenglicheit, da die girige
homüt und die snidende ital ere niemer ir gewalt geben so sere,
de wir iht buwen als irdensche herren oder vröwen, mere wir
wollen buwen als himelsche fürsten in ertrich. So sitzen wir
an dem jungesten tage bi dem armen Jesu, den herren apostelen
gelich. Lieben brüder, wir wollen buwen vnser himelwonunge
mit gotlicher vröde und unser irdenische schülunge welen wir
buwen mit sorgen, wan wir haben kein gewisse vrist ze lebende
vntz ze morgen.
174 Seclistcr Tlieil.
Du sült haben eines aren oge und merken und sehen dine
vndertane in spotte, minenklieh und nit arglich. Vindestu jeman
der heimlich bekoret si, eia dem staut mit aller liebin bi, so
mag des got nit gelassen, er müsse dir heimlich sin.
Die selige Brfider, die einig ambaht haben, den wil ich dise
wäre rede sagen, die ich in der heiigen drivaltekeit sach, do ich
in minem eilendigen gebete was. Swene der mensch betet in
cristanem geloben, mit einem also demi^tigem herzen, de er en-
kein creaturc beuinden im enmag erliden, und mit also ellen-
diger sele, de im allü ding mftssent entwichen in sime gebete,
ane got alleine, so ist er ein gStlich got mit dem himelschen
vatter. Doch gedenket der mensche defie do allerbest, wie rehte
snöde er an im selber ist, er vörhtet öch sin selbes in der süssen
vmbehalsunge also sere, de im niht erkant ist deile alles gotz
ere. Sweüe aber der mensche erbeit in rehter nutz, durch wäre
not, mit derselben liebin da er mitte gebettet hat, so ist er ein
menschliche got mit cristus. Mere alles das man clutteret (?)
und arbeitet sunder nutz und sunder not, das i^st alles vor gotte
tot, sweüe alleine der mensche dur gotz liebi und niht durch
irdensche meite den tumben leret, und den Sünder bekeret und
den betrübten tröstet, und den verzwifelten wider zc gotte brin-
get, so ist er ein geistlich got mit dem heiigen geiste.
Eja, der vilselige mensche, der alle ding du gotte loblicli
sint und dem menschen sint mugelich ze tünde, de er die tut in
glicher liebi got ze lobe mit steter meinunge alles sines herzen,
so ist er ein gantz personc mit der heiigen drivaltekeit. Aber
der stöbe der Sünden, der vf vns vallet alseme als ane v^isem
dank, der wirt von der miüe für also drahte ze nihte als vnser
selenoge wank die gotheit gerüret mit der ellendiger süfzendiger
si^ssen geninge, der kein creature mag widerstan. Sweüe si
begiüet ze stigende so entriset ir der sündc sfob, so wirt si
defie mit got ein got, also de er wil de wil si, und si mögent
anders nit vereinet sin mit ganzer einunge.
Eya mensche, du solt je des tages oder der naht vnserm
lieben herren gotte ein lidige stunde geben, da du ane hinderunge
lieplich iüe mogist betten, wan die himelsche gäbe da got mitte
Cap. I. ' 175
pfliget grfissen und leren sine vserwelten lieben, die ist von
nature also edel und also eleinlieh und vhlisset also süsse, sweüe
der ewig got zA der miüelustigen sele in de notlicb brutbette
wil gän. Wand er ist also sere verwuut von irer miüe, de er
aller dingen bat verzigen mere deüe drissig jär die ime beke-
melieh waren, vf de er si möhte durküssen und mit sinen blossen
armen vmbevahen. Woltestu bie an gedenken, wie möbtestu also
gebürlicb wesen! Du mflstest tm gegen drissig jaren zem tage
eine stunde geben.
Sweüe icb, aller menseben armeste, an min gebet gan, so
ziere ieb micb nach miner vnedelkeit, so kleide icb micb mit
dem pf&Ie der ich selber bin. Danach schöbe (beschuhe) icb mich
mit der edelen zit, die ich verlorn han alle mine tage, und so
gürte ich mich mit der pine die ich verschuldet habe. Danach
nime ich vmbe mich einen mantel der bosbeit, der icb vol bin.
So setze ich vf min höbet ein crone der heimlichen schemede,
die ich wider got begangen han. Hienach nime icb in min hant
einen Spiegel der waren bekantnisse, so besihe ich micb dariüe,
wer icb selber bin, so sibe icb leider anders nit deüe alles o we!
Dise cleidere sint mir vil lieber anzetragende, deüe alles
irdenische gut nach wünsche ze habende, und sint mir dabi also
leit in jemerlicher vngedult, de ich lieber were mit der helle
bekleidet und mit allen tüfelen gecronet ane mine schulde.
we leider, wie vil dike koment die röbere der vnstetekeit und
benement vns disü cleider weüe wir vns*) selber behagen und
wir in unser schulde uns vnscbuldig sagen, so sin wir mit den
italen eren beröbet und mit der homät nidergesclagen, so sint
wir naketer den nakente. we, wie sere mögen wir uns dene
Schemen vor gotte und vor sinen vründen und vor allen creaturen !
Wellen wir alle vnsere scheme vberwinden mit grossen eren, so
mässen wir vns aber mit vns selben alsus cleiden. Alsus ge-
zieret sAche ich Jesum minen süssen hcrren, und ich vinde in
mit keinen dingen also schiere; alleine si sint swere und vnge-
v5ge. Man sol rehte vrömelich hintretten mit creftiger gerunge.
') Handschrift: vn.
176 Sechster Theil.
und mit scbuldiger schemunge und mit vliessender liebi und mit
demütiger vorhte, so verswindet der vnflat der Sünden vor den
götlichen ögen vnsers hen-en, und so begiüet er minenklich ze
lühtende gegen der sele und si begiüet ze vliessende von herz-
klieher liebi. Da verhiret du sele alle ir schulde und allen iren
jamer, und so beginet er si ze lerende allen sinen willen. So
begiüet si ze smekende sine sässekeit und so begiüet er si ze
grflssende mit siner gotheit, de die kraft der heiigen drivaltekeit
ire sele und iren lip aller durgat, und da enphät si die waren
wisheit, und so begiüet er si ze trutende, de si krank wirt. So
begiüet si ze sugende, de er miüesiech wirt und so begiüet er
die masse ze temperende, weüe er ir masse besser bekenet defie
si selber. So begiüet si ze gerende grosser trüwe tm ze lei-
stende, und so begiüet er ir die volle bekantnisse ze gebende,
und so begiüet si deüe vroliche ze smekende an irme vleisch
dur sine liebi, und so begiüet er alle gäbe ze bestetgendc mit
heiiger willunge in ir sele. — Wil »i sich deüe hüten ver der
vnedelen liebin irs vleisches und vor der girigen süssekeit aller
irdenschen dingen, so mag si v^llekomenlich miüen und got
manig lob an allen dingen gewiüen.
Nu lieber mensche, noch sint zw5i ding, da soltu dieh mit
heiigem vlisse vor hüten, wan si brahten nie heiige fruht; de
ist, de ein man oder vröwe in der andaht guter werke und guter
Sitten vil wil began , vf de er ze prelaten werde erkom. Dem
siüe ist min sele gram. Sweüe si deüe begriffent du gewalt,
so werden ire vntugende also manigvalt, de nieman wirt von
*
ime getröstet, der In mit grosser gerange kos. So wirt er defie
verwiset von den eren, und so werdent sine valsche tugende ze
lästere bekeret.
Der ander ist, eb ein mensche wirt lobelich bekoren ane
alle schulde, de er sich deüe also verwandelt, de er niemer gert
von der korunge ze körnende. De ist ein zeichen maniger vn-
tugenden. All eine ist er lobelich daran, so sol er sich doch je
vSrhten und diemi^tigen. Ein warhaftigü vrowe und ein gflt
man, der sol dis büchelin lesen, der nach minem tode wolte
gerne, und mag nit mit mir reden.
Cap. IL 177
IL Von der regele eis kanoniken, wie er sich halten soL Die
ist von got körnen.
Wir sollen grfissen die lüte in dem hei igen geiste mit siner
gotlichen volleiste und wir sollen danken irer erbarmherzigen
gäbe. Wir sollen aber me danken mit der gemeinsehaft aller
ereaturen dem himelischen vater siner heiigen gäbe die er vsser
siner heiigen drivaltekeit güsset in der süudere herze von tage
ze tage, und ane vnderlas. — Das der adelcr also hohe vlüget,
de darf er nit der vwelen danken.
Ich bat für einen herren durch sine gerunge. Dis ist die
heiig antwurte von gotte und er sprichet alsus zu mir: Sin
gerunge die ist sinkendig ze diemütigem lebene und min gäbe
die ist gros, die ich im gibe, und sin wille ist heiig; doch sol
er rehte beliben da er ist. Dise regele hat im got gesant, der
hohe habest von himelriche und sprichet alsus: Er sol betten
jemer, alsemerals ane vnderlas nach pfaef lieber ordenunge. Dazu
wil ich im geben mine gotlichen süssekeit, der sol er gebruchen
in dem einöte sines herzen. Sweüe er bekoret ist, so sol er*
mich crefteklich ani-üflFen, so wil ich im snelleklichen helfen. Er
sol sine schult genzlichen gelten und sol sinen kosten kleine
machen. Er sol nieman haben in siner koste durch herschaft
noch dur miete, mere er sol halten reine hotten zfl siner rehten
not. Er sol sich mit sinen magen nit bekümbern, mere eb im
einer w61te volgen, dem solte er helfen. Er sol also lichtü
kleider tragen als er nu traget; mere bi siner hflt sol er sich
kleiden mit hertem gewande wider die manige süssekeit, die er
in siner hüt enpfangen hat. Er sol 5ch slaflFen vf dem ströwe
zwüschent zwein wollinen tüchen, und zwoi küssin sol er haben
vnder sinem höbete, und des tages sol er ein schöne culteren
dekken über sin bette und sin bette sol stan an derselben stat
da es e stünt offenbar. Ein matte sol vor sinem bette ligen
und ein bettebloch. Also sol er mit demütigem herzen gut
bilde wider geben wider ein hose leben. Er sol och zwen
besmen haben bi sinem bette, da mitte er sich kestige so er
erwachet.
H. Mecbthild. 12
178 Sechster Theil.
Alle tage zu einem male sol das sin gebete sin an siner
langen venie alsus: Herre, ewiger vatter, got von himelriche,
ich vnwirdig mensche, ich danke dir herre, de du mir dine gnade
hast geneiget. Nu bitte ich dich, vil lieber vatter, mit allen
dinen wunderen de din süsse himel val, der hernider güsset ane
vnderlas us dem grundielosen, lebendigen bruüen diner ganzen
heiigen drivaltekeit müsse mine sele reinigen ane vnderlas von
allen vleken: per dorn nostrum,
Hienach vragete ich: Herre, wie sol er sich halten ane Sünde
in der irdenschen ere? Do sprach vnser herre: er sol sich halten
mit steten vorhten, reht als ein müs, die in der vallen sitzet und
wartet ires todes. Das niderste teil der vallen, de ist disti
irdenschü ere, das oberste teil min almehtige kraft. Die glose
sprichet vnser herre: Swer des geret, de ich im rehte smeke,
den sol jemer ze allen ziten, an allen dingen eisen vor dem
funken sines vieisches, da de herze spilet mit heimlicher wollust.
Darumbe de er isset, so sol er genügig sin und milte; so er
sclafet, so sol er gezogen und alleine sin mit mir. Alse er mit
der weite ist, so sol er ein müs in sinem herzen sin. Als er
bihtet, so sol er warhaft und gevSlgig sin und allü ding mit
sines bihteres rate vollebringen.
///. Got gibet her schaff. Wie die bSke lamber werdent ^
Das dirre herre selber herre ze techan ist erkorn, das ist
gottes willen, wan das hat er selbe gesprochen alsus: Darum
han ich In von einem stfile vf den andern gesetzet, de eine spise
sol wesen der böken. Glosa: De got die tümeherren heisset
böke, de tfit er darumbe, de ir vleisch stinket von der vnküscheit
in der ewigen w^arheit, vor siner heiigen drivaltekeit. Des bokes
hüt ist edel, also ist es vmb ir herschaft und vmb ir pfrflnde.
Mer, swefie dise hüt mit dem tode abegat, so hat si verlorn
alle ir edelkeit.
Und vnser herre got wart gevraget, wamitte dise böke
lamber möhten werden. Do sprach vnser herre alsus: Wellent
') Am Rand: de predicto canonico megdebiirg.
Cap. III— IV. 179
81 de vüter essen de in her dietrich in die krippfen leit, dfc ist
die heiige büsse und der getriliwe rat in der bihte, so s6nt (si)
einerhande lamber werden die man heisset wider, lamber mit
hörnen. Die hörn de ist geistliche gewalt, der si heileklichei)
gebruchen zu gottes lobe. Man sol wesen stark, nnd getriiwen
volleklichen gotte, wan er spriehet: Ich wil selber des herren
schulde 'helfen gelten mit gelük^.
IV. Von der bescheidenheit und vorhte, die die sine heioarent
von irdenischen dingen,
we, ich vil arme! ich klagen gotte von himelriche, de ich
nu arger bin, dene ich was vor drissig jaren, wan die creaturen,
die mir da hülfen tragen min eilende, die dörften nit also edel
sin, sol der arme lip genesen. Darvmb müs ich ane vnderlas
zwene hüter setzen, zwüschent mine sele und allü irdenesche
ding, das mir die an minem vleische nit mere smekken also vil
als min arme notdurft bewiset. Si bewarent och mine siüe, de
mich diso irdenschü ding nit verleiten in ein girekeit vil ze
habende, lange ze bruchende. Der eine hüter de ist die beschei-
denheit, die aller dinge ordenet ze bruchende voUekomenliche
nach dem willen gottes, also de der mensche jemer ein vrömedes
herze hat zu allen irdenschen dingen und also vrömde, eb der
mensche irdenschü ding verlöret, de im defie sin herze also lihte
wirt, und sin sele also vrt und sin sine also uubekümbert, das
im rehte also wol ist in gotte, als eb im sin allerliebster vrönt
bette sin allerswerist burdin abgenomen; wand, swelichen men-
schen irdensche ding nit ein swere burdin sint, der mag vor
gotte nit heissen ein warer geistlich mensche: Darumbe sprach
vnser herre alsus. In nöten gebruhet man aller dinge rehte,
wand 'de gut armüte de ist nothaftig, darumbe ist es heiig, und
da mag die vbermasse keine vinsternisse bringen in die sele.
Min ander hüte de ist du heiige vorhte, die mit der gotz-
wisheit de bewaret, de min sele den irdenschen dingen die ir
gegeben werdent nit mag zülachen; mere si enphahent si, als
eb es eine bekorunge si, dur den angest der girekeit und der
italen eren, die mangen gelobeten menschen in geistlichem
12*
180 Sechster Theil.
lebende also sere vervinsteret, de er de lieht der bescheidenheit
und de vür der miüe, und smekken gotz sfissekeit, vride und
erbarmherzekeit also sicher die gere hat verloni, de er de selber
nit enweis.
Alsus sprach viiser herre: Ja si sprechent schöne gelichnisse;
si wellent darvmbe irdensche ding minen und vil an sich zieheu,
de si mir doste bas mögen gedicnen; mere si dieneut In selber
mere defie mir. Der mensche, der im selber einig gemach tut
oder vrome, der ist sin selbes. Mere ein jeglich mensche s51te
wesen an im selben ein cristus, also de der mensche gotte lebete
und nit im selber. Der vil selige, der ganz in gotte lebet, dem
ist es alles ein wc er hat, wan de heiige annfite, da got den
menschen inwirfet mit siner gewalt, ze gelicher wis, als er sinen
allerliebesten sun hernider von dem himel warf, uf der Strassen,
in die gastkripfen, also wirfet noch vnser herre sin vserwelte
fründe von allem irdenischem trost, vf de in hungeren möge nach
dem himelschen tröste. Ein war heiig mensche vörhtet mer
irdensche gelüke, dene er sorge vmb irdensche notdurft. War-
umbe? Ir wonunge ist in dem himelriche und ir gefengnisse ist
in diser weite. Darumbe sprach vnser herre: Swer du edelkeit
miner vriheit bekeilet und minet, der mag des nit erliden, de er
mich alleine miile dur mich, mere er mfis mich miilen in den
creaturen. So belibe ich der nehste in siner sele.
i V. Nach der mine vnd gerwnge, die schoni der creaturen git
hekantnisse mit jamer,
i; Die erste bekantnisse, die mir got gab nach der vnberflrunge
jder mifie und nach dem vlusse der gerunge, die kam mit eini
: jamer. Swene ich iht des gesach das schöne was oder mir lieb
was, so begonde ich ze süfzene, danach ze weinende und danach
lj>egonde ich ze denkende, ze klagende und ze sprechende alsu^
,,ze allen dingen: Eya nein, nu hüte dich, wan dis ist din lieber
»^lit, der din herze gerfisset hat und dine sine erlühtet hat und
j.^^ne sele also wuüenklich gebundeji hat, das dise manigvaltig^
,j,Sy^ssckcit irdcnischcr dingen dich nit von mir dringet. Mere di<5
Cap. V— VI. 181
edelkeit der creaturen, ir seh6ni und ir nutz, da wil ich got ine
meinen und nit mich selben.
VI. In der Jungesten zit solUt haben mine, gerunge, vorhte, ruwe
drierleie.
Ich vragete minen herren, wie ich mich sÖlte halten an der
jnngesten zit mines endes. Do sprach vnser herre: Du solt dich
also halten an der jungosten zit, als du dich hielte in der ersten
zit. Du solt dich halten, mifie und gerunge, rüwe und vorhte,
wan dise vier ding waren ein bcgifie dines lebendes, darvmbe
müssen si och din ende wesen. Do sprach ich: lieber herre; wa
blibent noch zw6i ding, die fundament und ein crone sint der
himelschcn ere, de ist cristangelöbe und warü züversiht? Do
sprach vnser herre alsus: Diu gelobe ist worden ein Wissenschaft
und din begirde hat sich verwandelt in ein wäre Sicherheit.
Dise glosen sach ich in sinen werten und >veis si öch in minem
herzen. Min drierhande rüwe lit an drin dingen.
Mich riiwet mine sunde nu alleimeist, de kunt von der liebin.
Aber die pine der rüwe, die han ich verlorn in der mine al-
miüende. Mich rüwet aller menschen sünde, also de mir rehte
ist als eime siechen, den eines also edelen dinges lustet, de es
im nit werden mag, oder leider selten. — Des müs min herze
jamerig sin und min sei jaget mit ir gerunge nach dem grossen
wilden tiere. Darumbe sprach vnser herre: Man mag du grossen
tiere nit gevahen, man jage sii dene in ein wasser. Also wirt
niemer sündcr bekeret, er werde deile gejaget mit ilender gerunge
heiliger lüten in die tiefen trehene irs herzen.
Mich rüwet alü guten werk du ich versumet habe durch
mine vleischesliebin ane wäre not. Davon sprach unser herre:
Man mag keine wonunge buwcn, man habe eine') stete; also
mag man keinen Ion enpfän in himelriche ane guttat guter werken.
De lassent vnser herre durch herzekliche liebin, de er sprechen
möge zu einer jeglichen sele: Nim, min allerliebstü, dise manig-
valtigen wirdekeit, die hast du selber verdienet, de got dis wort
') ITaDdschnft: ienc. .-M-zn i-i'» t*\\: luv il --'.!/: :,!«
'I • '' f
482 Sechster Theil.
sprechen müge mit warheit der sele ze eren iind ze liebin, reht
als ob er die sache ir selekeit nit were und si möge enpfäu
vollekomen ere an lip und an sele.
Harumb ist vnserin herren ze vnsern arbeiten zu vnserm
armüte ze vnsern wetagen also herzklichcn liebe, de wir hie in
der waren miüe tragen, de er sine ' rehtekeit .also edellich ent-
wichet, als jemer siner gotheit gezimet. Das han ich gegriffen
in dem huffen der gottegaben.
VIL Vnser eigen wille mag toiderstän den iciderhaggen. Die
gute sele ist snell zu gotte.
In miner geselleschaft ist (ein) geistlich mensch, von dem
lide ich manig not dur sine bösen siten, also de mir der mensche
an keinen dingen volgen wil. Das klagete ich gotte mit aller
miner gerunge und wunderte mich sere wavon de möhte sui.
Do sprach vnser herre: Sieh was es weret: Do sach ich,' de ein
sunderlich tüfel dem menschen zühangete und zoh si') wider
von allen guten dingen. Do sprach ich: Wer hat dir den gewalt
gegeben, de du gotte also grosse smacheit hütest an disem
menschen? Do sprach der tüfel: Mir hat nieman den gewalt
gegeben deile alleine ir eigen mütwille.
In disen worten säch ich, de der tüfel allen geistlichen lüten
mit also smehlichem spotte volgete, die im vrlop gebent an In
selben, also de si lugelich leben, de er gotte vnschuldeget sich
selben und alle creaturen. Do sprach ich: Wer sol disem armen
menschen des helfen, de es von -dir erlöset werde? Do sprach
der tüfel betwungen von gotte: Ir mag iiieman helfen, wan ir
eigen mütwille, wan got hat ir den gewalt gegeben, de si iren
sin mag vmbekeren. Swefie si das tut, so müs ich von ir ilen. —
Nu vrage ich dich in der ewigen warheit: wie heissest du?
Do sprach der tiifel: Ich heisse der widerhak, und dise schar,
die du hinderwert sthest, das sint alles mine gesellen von disem
selben ambahte de ich habe, und der ist also maniger als wir
') Sie, der Mensch war also ein Weib.
Cap. VII— VIII. 183
maDigen menschen vinden, der zu gfiten dingen siner getrüwen
meistersehaft nit volgen wellent.
Hievon wart min sele also snell zu gotte, de si sich rehte
vfhüp ane arbeit ir selbes, und bewant sich rehte in die heilige
drivaltekeit, als ein kint sich bewindet in den mantel siner
müter und leit sich rehte an ir brüst. Do sprach min sele mit
der mäht und mit der stime aller creaturen alsust: Eya, vil lieber,
nu bedenk mine not in disem menschen, also de du herre sin
sine verwandelest mit diner götlichen sfissekeit. — Nein, sprach
vnser herre, miner sfissekeit ist si nit wirdig, mere ich wil si
siech machen an irme Übe, de si von der pine also lam wirt,
de si nöte süntliche wege gat. Und ich wil si also stume machen,
de si bössü wort sol verswigen. Si sol och also blint werden,
de si sich schemet italkeit ze sehende. Mere swas man ir dene
tut, das tut man mir. Werlich de geschach darnach in vierzeheu
tagen.. AUeluja.
VIIL Zwischent Got vnd Lucifer ist zweierhande vegefür. Wie
der tüfel piniget die seien.
Unser menschlicher brfider Jesus Cristus der ist mit allen
tugenden vfgevaren ze himel in die höhi siner gotheit, und ime
mag dar nieman volgen, er habe dene och alle tugende ze glicher
wis, alse sich die heiige drivaltekeit hat erlich gesetzet ob allen
dingen in die wuilenklichen höhin mit allen sinen tugentlichen
vründen, danach jemer erlichen schöne und vröderich, alse si de
lobeliche glichnisse siner götlichen tugenden mit inen bringent.
Ja ein jeglich tugent, die hie in ertrich wirt gcfrümet, mit gutem
willen sunder valsch, gezieret mit der miüe und voUebraht ane
Sünde, das sint in himelrich die selten die da klingent jemer
ane ende vs von der getrüwen sele, und von dem gütwilligen
lichamen in die heiigen drivaltekeit, de der vater sinem sun
danket, de er si mit tugenden dargezogen hat, und de der sun
den vatter eret, das er si geschaffen hat, und das der heiige
geist den vatter und den sun also zartlicheij twinget, de die
heiige drivaltekeit also sere krefteklich gegen ir vlüsset und also
sfisse singet, das si allü ding mit got meinen und minen.
184 Sechster Thcil.
Also ist der silndig tüfel Lucifcr versunken vnder allen
dingen mit allen den alleinc, die vntugenden mifient und meinent.
Zwischent gottes hfthi und des tiifcls abgrunde ist noch zvveiger-
hande vegefür. In den zwein vegefüren ist manigerleie pine
und not. De erste vegefür de ist der nütze kuräer, den wir in
dirre weit liden in manigvaltigen pinen. Das ander vegeför. de
ist nach disem libe also gros, das es sich anhebet vpr der helle
munt und endet vor der himelporte. Aber die tüfel mögent du
seien nüt fürbas pinigen deile uf ertriche, in dem luft und an
allen den stetten da der mensch gesundet hat, und in aller der
höhin, da er den luft enti'ihtet hat mit sinen Sünden. Damit
erzüget si der ttifel, de ir schäme und ir pine deste grösser si
von allen defn sünden die hie vngewandelt blibent.
IJere swefie si also selig werdent, de si je von des tüfels
banden werdent gelöset, so briüent si in selben pinliche dar
deine not. Darnach koment si mit helfe und lidunge vber alle
not, das ist, dem himelriche also nache, de si alle vröde habent,
ane drierleie vröde haut si noch nit: Das si got nit sehent, das
si ir ere nit enpfangen haut, das si nit gekrönet sint. Alsus^ist
de vegefür vf ertrich und in dem lüfte zwüschent der helle und
dem himelriche. Es ist aber in geistlicher wise also, de die sele
von irdenischen dingen kein pine mag geliden, sweüe si kunt
von disem libe.
IX. Wer die heiigen eret, den erent si und irostent an dem iode*
Das man die heiigen eret mit schöner gehügenisse und mit
aller der meine, so man haben mag in dem tage, als si got
geeret hat mit einem heiigen ende, das ist in also wol ze danke,
de si da gegenwirtig koment mit aller der herschaft, die si von
vromekeit enpfangen habent. Das sach ich werlich an Sante
Maria Magdalena tag, do man got erte mit lobelichem sänge,
vmb die grosse ere die si ze lone hat enpfangen. Si schrikete
in dem köre nach dem heiigen sänge und si sach einem jeg-
lichen senger in die ögen und si trat (hin) und sprach : Alle die
jene, die min ende eren, zu der ende wil ich komen, und ich
wil si wider eren; alles nach dem als si mögen enpfan, so wil
Cap. IX— X. 185
ich tn ze statten gan. Vier grosse crtzengel, die vorten si zwi-
schen inen und der lützeligen engcl was vil über menschen zal.
Do vragete ich, wie die vier vürsten hiessin. Do sprach si:
der erste heisset kraft, der ander heisset gerunge, der dritte
gut wille, der vierde heisset stetekeit. Wand mit disen vier
tilgenden han ich vberwunden alles min herzelßitji darumbe hat
got mir gegeben ze lone beide dienst, berren und crone. Von
andern heiigen ist es och also. Do sprach vnser herre: Weile
man den minsten vunken blaset er gibet hitze und schin in dem
bimelviire, da bi briüende heiligen sint.
X. Gebit, messen, gotieswrt^ guter litte leben, vasten unde
carrin&ii lösen die seien von dem vegefür.
Ich bat vür ein selej dSr licham wart ermordet in eim sun-
digen lebeüe; do sprach vnser herre alsus: Siben jar vasten und
siben carrene, de were als ein regentropfen in eime grossen
vüre. Inrent drissig jaren wirt er mir nit ab erbetten, wan er
hat mit törlichem homüte sinen lip verlorn drissig jar vor siner-
zit, die mfts er mir gelten in der not. Die sele sprach: Eya
herre ja er') mag doch diner güti gebeiten. Got spricht: Ja
wa zwene ringent mit enander, da müs der krankest vndergan.
Der krenker de wil ich sin, alleine ih almehtig bin. Drissig
hundert messen ist sin lösunge, wan er nie ganze messe gehorte,
er entete es durch Schemen, (sele) Herre, wamitte wart er be-
halten? — (got.) Swene er horte mm wort, so süfzete er, des
lonete ich in, do er ze jungest lebte also, de er do stifzete vmb
sine sunde. — Herre, eb siner müter brüder, der ein geistlich
maUi ist gesehen von siner jugent unz an sini\ grawen bar, mit
manigen arbeiten und kumber, der das opferte für in, und gienge
da vs, und saste sich in die stat, da er erste ine bekafit wart
durch dine liebin, woltest du die sele nit ledig lassen? — Ja,
sprach vnser herre. Würde ich also scre getwungen, so mfiste
ich geben, alles de man w61te. — Herre, eb der geistlich man
sinü guten werk der armen sele gebe, wie sölte ir defie ge-
schehen?
') Handschrift: cn.
186 Sechster Theil.
Alzehant lies mich got den seligen sehen,
De mir e nit mohte geschehen
Dnr sine unküsche pine, die min sele nit mag erliden.
Do was er schöner dene die sune,
Und er swebete in clarer wune
Hoch vber alle irdenische jamerkeit.
Do sprach er vrölich und war vil geroeit.
Sag minen yründen: und were das ertlich guldin
Und die clare sune darin,
Schine ane vnderlas,
Beidu tag und nahtes,
Darzö des s&ssen meien Inft,
Schone blömen mit voller fruht,
So enwolte ich nit eine stunde darine wesen,
Also wunenclich ist dis leben.
Noch was er nit in den ewigen himel kernen.
XL Wie ein schlier tot ist vnd ein predier.
Alsust spricht vnser herre: Ich sag dir mit miner brenenden
gotheit und mit miner lebenden menschheit, de sin nature tod
•ist eines heiligen todes, also de er niemer höptsünde me getüt
vf crtriche. Do wart er gesehen einem predier gelich, vnd stünt
vf einer roten marmel snle und prediete dem volke alsus: Veniie
henedicti patris mei, Koment zu mir alle seligen und gant von
mir alle vnseligen. Do wart gesehen und bekant, de alle predier
vns von disen zwein werten predient und lerent.
XII, Wie du dich halten soll an vierzehen dingen.
Alse du betest, so soltu dich kleine machen
Mit grosser diemutikeit.
So du bihtest so solt du warhaft sin.
So du dine bösse leistest so solt du flissig sin.
So du issest so soltu gnügig sin.
So du sclafest, so soltu gezogen sin.
So du alleine bist, so soltu getrüwe sin.
So du bi den lüten bist, so soltu wise sin.
So man dich gute sitten leret, so soltu gevolgig sin.
So man din boshcit schiltct, so soltu geduldig sin.
So du iht götes tust, so soltu dich selber böse dünken. *)
So du übel tust, so soltu zehant gnade suchen.
') Handschrift; diik^n.
Cap. XI— XIII. 187
So du itellich bist, so soltu dich vorhten.
So du betrübet bist, so sollu grossen trost ze gotte haben.
So du arbeitest mit den henden, so soltu sere ilen,
So mahtn b5se gedenke vertriben.
XIIL Wie geistlich lute vmi hlinihelt sich hütent vor der
minekeit. Von sehsleie craft gottes gaben.
Eya lieber Jesu, got von himelriche; ich müs dich herre,
eines dinges vragen, das kan ich nit langer vertragen dur die
grosse blintheit die ich daran erkene, de ist, das geistliche lüte
sich hütent vor der götlichen inekeit also: Swene got des ge-
rüchet de sin götlich herze von minen gegen der vil seligen sele
vfbliket, also vil, de ein klein vunke har vlüget an die kalten
sele, und enpfenget si also vile, das des menschen herze be-
ginet ze brenende und sin sele ze smelzende und sin ogen ze
vliessende, so wolte vnser herre gerne einen irdenischen menschen
also himelsche machen, das man got werliche möhte an ime
volgen, minen und erkenen; so sprechen die menschliche sine:
Nein, ich mag wol nütze sin an vswendigen dingen. Alsus
sprechent nemeliche closterlüte, so si aller wisost sint. — Hiezü
antwurt vnser herre alsus:
Min gotheit kam in ertrich, min menschheit tet die arbeit;
Min gotheit trat an de crüze, min menscheit leit den tot;
Min gotheit stönt vf von dem tode und vorte die menscheit in den hifael.
Alle die mich von in tribent,
Die sont von mir vertriben werden.
Was mag der mensche getön in im selber?
Niht mere dene sünde!
Sit dem male de nu menscheit nie niht vollebrahte,
Wan alleine wc min gotheit vorbedahte.
Si sprechent: herre es si wisheit,
De man den h'chamen spari, wo din gotlich atem,
Der vs von diner heiigen drivaltekeit
Also s&sse hamider swinget
Und dur die sele so kreftekliche dringet,
De der lichame verlüret alle sine mäht,
So ist der mensche vnberhaft.
Dis spricht vnser herre: Man sol des künges spise nit ver-
geben hin setzen, e man die irdenii^chü notdurft wol habe gessen.
Min sunderliche gäbe bringet sunderliche wirdekeit dem menschen
188 Sechster Theil.
an sele und an libc. Si git lere den tumben und trost den wisen.
Si git och ewig lob und endelos ere dem grundelosen bruüen,
da si vsgevlossen ist, swene si mit voller fruht wider vfswinget,
da si nidervlos von mir. Ja du gnade die got dem menschen
pfliget ze gebende mit gewalt und vorsehen, die ist in ir selben
also edel und si kunt mit also grosser vrüntschaft gotz, de der
mensche nit eine deine sünde beget, die in dur zergenglicbe
Sache von ime wisent. we, unedel seje, wie mahtu das er-
liden, das du got von dir wisest e du in wol genützet hast nach
sinem willen, wan sin höhstu woUust in dir verborgen ist. Wiltu
wissen wie du die heiige gotzgabe nützen solt und die verzeren
nach gotz willen?
Ja, si Bol es wol selber dich leren,
Ist si dir willekomen. Mit vswendigen tilgenden
Und mit inwendiger gerunge sult du si cnpfahen;
Mit dem&tiger vorhte soitu si behalten
Tn allen nöten vndertan.
Gib ir stunde nnd statte in dir,
Si bittet anders niht.
Si sol dich smelzen also tief in got,
De du sinen willen erkenest,
Wie lange du volgcn seit
Siner nötlichen trütnnge an dir selben
Und ze weler zit und wie du arbeiten seit
Für die sündere und für die in dem vegefür sint.
Und besehen jegliches menschen not
Er si lebende oder tot.
Alse du dis hast voUebraht
Inwendig nach gottes wollust
Und nach diner sele mäht,
Wan si wirt müde in ir selber,
Diewilc si ist in irme t5tlichen lichamen behafc.
Nach dirre gebruchunge sprichet du sele alsus:
Herre vlüch nu von mir inwendig
Und stant bi mir vswendig.
Also de allü min werk sinken nach diner gäbe
Und ich gerne nöte kumber klage.
XIV, Clager in der pine enberent sehs dingen. Wie man Stiche^
smacheit tragen sol,
Swer sine hinderunge in der pine klagte
Der ist in der bekantnisse blint,
Cap. XIV— XV. 189
Oder er ist an der gedult verzagt,
Oder er ist an der mine verkaltet
Und an den tugenden veraltet,
Oder er ist «n den sinen tump
Und 5ch an gilten Worten stnmpf.
Darumbe sprach unser herre alsus: Der mensche v^il nit
siech sin und wil nit versmShet sin, und waruf vell ich deile
sine ere binden? — Herre, als der mensche siech ist und sniahet,
wamitte sol er deiie ere buwen? — So er siech ist, so sol er
mich eren, dienen, miilen, alleine mit vrölicher gedult; so er
versmehet ist, so sol er mich miüen und gebeitig sin: wan de
die predier, die bihter also betwungen sint von irme ambahte,
also de si es nit mögen üben, und si doch heiigen willen
habent, das ist nit ein hinderunge ir selikeit, es ist ein zierde
ir aureolen.
I
XV. Von Enoch und Elyas pine und von den jungeshn
jivedienden und von endecrisfes bosheit,
kräftige gotzmiüe, du hast also süsse not an mich geleit,
de min sele nach wunder qwelt. Sweüe ich des gedenke, de
min lichara* erlöschen sol also mit dem tode, das ich nit nie
liden noch loben sol niinen lieben Jesum, so ist mir also we,
de ich defie gere, eb es müglich were ze leben in den jüngsten
tag. Da twinget mich zu die getrüwe mifie die gottes ist ane
mich und nit min. Darumbe sprach vnser herre: Soltu sterben,
so la dich rüwen alle dinü zit, swie hclig du siest. Eya herre,
ich bitte dich, de min gerunge nit sterbe, so ich mit minem
licham nit me mag erwerben. Do sprach vnser herre: Din
gerunge sol leben, wan si mag nit sterben, dur de si ewig ist.
Erbeitet si also dur mich unz in die jungesten zit, so kunt wider
zesanme sei und lip. Da setze ich si deiie wider in, so lobet
si mich ane ende, und si hat mir gedienet sit dem ersten begiüe,
wan du wcdtest mit Adame untzhar dur mini liebi gewesen sin ;
alsust woltest du aller menschen kumber und aller menschen
dienest vollebringen dur mich. Ich sprich me: Din wesen sol
stan vntz an den jungesten menschen.
190 Sechster Theil.
Eya villieber min,
Wie sol der jungoste mensche sin^
7A dem sich min leben v6ge?
Wan geistlicher lüte leben
De wirt an dem ende der weite vil türe.
/ Alsus antwurt vnser herre: Enoch sol der jiingste mensche
wesen, der geistliches lebenes sol pflegen. Darnach wisete mir
got de ende dirre weite aber, sweile die jungesten brüdere sönt
geniarteret werden also. Ir har de si niemer sönt abegesniden^
das ist von eime suuderlichen vorrate des willen gotz; damit
heisset si endeerist henken an die böme. Da hangent si und
sterbent vil schone, wan ir herze de brenet enbiiien von dem
süssen himelvüre also sere als der lieham qwelt an der not.
Darumbe, zwischent dem tröste des heiigen geistes und der pine
des armen fleisches, so scheidet ir sele von irme libe ane alle
eisunge der pine.
Helyas und Enoch, die wandelent von India untz an de
mer, und ir jeglichem volget ein michel schar, die allo-cristan-
lüte sint und von entcristo zu inen vliehent. Die werdent alle
tot geschlagen ze glicher wis, als man die tobenden Tiunde in
der Strasse jaget. Den ist vergeben und si nit lenger mögen
leben. So volgent inen die andern aber die heimlich cristan
sint, wan si erkenent das von gotte wol, de si dem vngelöben
nit anders mögent entvliehen. Helyas wirt allererst gemarteret
und er wirt an ein hohe crüze gebunden und genegelt dur s\^
hende.
Das tönt si dur den grimen has,
De er je von den heiigen sprach
Und was Gristo da angeschaeh.
Si gebent ime keinen tot,
Wan dur de er also lange qwele
De er vorsache der cristanen lere
Und also zu dem entcriste kcre.
So stat der heiige gotztrut
Und wirt siner pinen nie mer tut.
Er tröstet die heiigen cristanheit
Drie tage und drie naht
Untz im die sele vsgat.
Ich sach den himelschen vatter zA sinem ende,
Und er enpfieng Helyas sele
Cap. XV. 191
Mit sinen menschlichen henden,*)
Und er sprach: Kum min lieber, es ist zit an dir!
Und in oime himelblike vorte in got hin.
>er vnselig mensche der endecrist, der gestattet des nit,
n den^gotztrut it begraben mflge, dar de er wil, de di
len alle verzagen, daran ist er betrogen; wan alle die den
en angesehent, die werdent beweget zu cristanen geloben
i gelust de si in anbetent, wan si werdent also vol sfisse-
on des heligen lichamen gegenwirtikeit, de si vergessent
nunge des todes und alles irdenscben gätes.
Enoch der lebet denoch,
Wan den endecrist, den gelüstet des,
De er alle die wisheit gehöre.
Die Enoch von gotte weis,
Uf de er es offenbarlich möge verkeren
Mit siner valschen lere;
Und eb er Enoch m5hte zu tm geziehn,
So were allü die weit mit grossen eren sin.
Inderdes so wirt der bösen also vil von dem endecrist
en, de er Enoch mit grimigen werten bestat, und defie
saget Enoch dem endecrist die ganzen warheit alsus:
Du bist aller weite ein geisel
Gesant von gotte dur der b5sen bosheit
* Und der guten helikeit.
Du kanst wol die schrift der alten 6
Und alswol der nüwen ö,
Nu sieh wie du nach dinen werken solt gedihen.
Iliezu hast du mit vlisse gekorn,
Nach der schrift mAst du sin verloiii.
Das kanstu selber wol gelesen.
Du hast 5ch nit geschaffen die erden noch den himel,
Du gibest den engein nit de ewig leben,
Dil enhast den menschen nit gemachet
Noch sele und lip.
Du hast nie keinen creaturen
Sinen natürlichen lip geben,
Wie m5htest du dene got wesen?
Dinü werk alles mit luginen und valschen list;
DA ewig warheit de ist Jesus crist,
Der ein ewig got mit sinem yater ist. ^
«In manibus filii."
192 Sechster Theil.
Der endecrist der spricht mit grime:
Wie getarst du minen viend vor mir nemen,
Dem du miner eren vber mich erkenest?
Ich wil mich din getrosten
Und ich wil alle du weit von dir lösen.
Niment in drate mit miner gewalt
Und giessent tm bech siedende in sinen munt
Und bindent im sere sinen hals,
So swiget zehand min vient.
Mühte ich sinü wort hören,
Ich Hesse in gerne lenger qweln.
Henket in nlso tot hoch über alle morder,
Dur de alle die in ansehent,
De si dem cristangelöben entwichen. ^
Er hat mir gesprochen an min ere,
Nieman darf siner lere.
Ich bin lange vor gesehen,
Es sol mir nach miner lere gehen. ')
Enoch spricht sin heiig gebet in sinem herzen alsus:
Ewiger vatter und sun und heiiger geist.
Du ewiger got ungescheiden,
Ich danke dir herre an mir dincr langen crwelunge
Und ich lobe dich herre nu in dirre qwelunge.
Ich bitte dich, herre für dinü und minü schaf,
Die nu ane hirten blibent;
Behalt si herre sunderliche
Und tröste si heimliche.
Nu enpfahe herre mine sele.
Ich habe zA mincm lichame keine irdensche liebin.
Die antwurt, die im deiie got wil geben und sin dankeu
und sin gebet, de hie stat geschriben, de saeh ich und ieb las
es in der heiigen drivaltekeit geschriben alsus:
Lieber sun , nu ile sere zu mir,
Ich bin werlich in dir.
Dine vründe, f&r die du mich hast gebctten,
Du s&nt irü kinder selber t5ffen.
Ich wil si schiere von dem endccriste I5sen.
Si sont in irme herzen cristan blibcn,
Und ich wil si behüten vor allem zwivel.
Kum liebes trut, ich beite din,
Und min herze spilet gegen dir.
') Handschrift: gän.
Gap. XVL 193
7. Wie die sde vnsera herren wonet in der drivaltekeit und
irme ofmhahte. Wie si sprichet für den sünder, vnd von
deni ambaJUe vn839' frqwen.
Als ich erwache in der naht,
So versuche ich mit wltiheit mine mäht
£b ich arme ^t betten mag
Vür dise vngetrüwen eristanheit,
Die minem Übe tftt so manig leit
Underwilen zühet er mich einen andern weg,
Ane bruggen und ane Steg,
Da ich ime volgen müs, blos und barfAs,
Von allen menschlichen dingen.
Wer mag dd menseheit so sanfte betwingen?
Wer mag dA sele so sanfte vfrnkken?
Wer mag die siie so hohe erhöhten,
Als got der si geschaffen hat
Der tAt mit vns wunderliche tat?
Also gedachte ich in einer nacht
An die heiige drivaltekeit,
Mit s&ssem vlosse miner sele, ane arebeit.
Do sach ich in der h6h]n der ganzen heiigen drivaltekeit
Ungegeret die sele vnsers herren Jesns.
Sin sele wonet stete ob aller wirdekeit
In der heiigen drivaltekeit
Da ist si ine bevangen und wunderlich beworeht,
Und 81 lühtet erHch über alle creatnren schftno
Dur die heligcn drie personen.
Do begerte ich mit grosser gezogenheit, ^
Als man da ze hone pfliget,
Do ich möhte sprechen zA einer eren
Mit der sele vnsers herren,
Wand mich des bednhte, de si sunderlich wunder worhti.
bo swebete ich ir also nahe, de ich si gr&ste alsus: Gebe-
licte siestn vil liebe! Wc wunders wirkest du in disem ewigen
egel, da sich Alle seligen so wunderlich in^ beschowent! Du
it süsse arbeit in wunenklicher vnrfiwe. Do sprach du sele
lers herren zft der su5den also:
Siest willekomcn min gelichnisse,
Wan ich bin 5ch ein sete als du bist,
Und ich hau aller seien bnrdtn getragen
Mit mincm vnschuldigen lichameo.
Dis ist min ambaht.
H. MeehthUd. ]3
19^ Sechster Theil.
Ich rüre ane vnderlas di&e g^nndelosen gotheit,
Damiite manen ich deo himelaehen vatter
Siner endelosen liet)in, die er zu des menschea sele treit
Ich grtisse ^ch niine gotliche menscheit
Und danken ime miner selekeit
Und manen in siner geselleschaA, .
Wan er selber ein irdensch mensche was,
De er gedenke von wanan er si komen,
Wie gros vnd wie edel der menschen sibbe an Im hi
Und lasse den menschen nit verlorn werden,
Wan nieman hat sich selben gezilet noch geboro. .
Diirumbc hastn alle dine not ane sünde f berkoitteik.
Also mane ich.gotz menscheit
Z& sunderl icher erbarmherzckeif.
Und de er des gedenke wie krank der mensche si,
Und de er nit ist; geschaifon von sinen vienden vri,
Und de der mensche müs jener me vehteft
Als ein wolgewafenter man,
Dem doch sinü 5gen verbunden sinf, ...
De ist ir vinstrü menscheit, . .
Damit si gebunden sint.
Gedenke edler gottessun,
Wie jemerliche ich in ertrich was
In dirre betrübet '
Und sfant noch allen menschen vetterlich bi,
Die min glichnisse in in tragent,
Wan ich din sele bin. ,
Ich mAs Öch den heiigen geist zA sitter gäbe twingeo,
Wan er müs alle selekeit
Dem menschen von dem himelriche in de ertrich bringen.
Schübesta, ewiger vatter, den grendcl diner gerehtekeit vür
Also veste vor des himelriches tür,
De die armen sünder hie In nit mögent komen,
Ich klagen es Jesu dinem lieben snne,
Der da hat den scliissel dines riches
Tn siner menschlichen hant '
Mit diner ahnehtigen gewalt.
Derselbe scliüssel wart gesmidet in demselben land
Von der judenhand.
Swenne Jesus den sdiüssel tmbe wendet,
So mag der verworfen sdnder komen zA dinen hnlden.
Dis ist des himelsehen vatters wort:
. Min sele mag des nit erliden;
De ich den sdnder von mir wise,
Darvmbe volgcn ich manigem also lange nach
Cap. XVII— XVIIL :/M5
Vntz de ich In begriffe,
. . Und behalte im also enge Btat, v 7
De mir nieman mit sinen gevolgen mag.
Nu spricht aber vitsers ^rren se^le alaus: . ,
Das ist min wirdekeit und alsus bin ich gelieret,
Dd gotbeit ist mfn c^one, -^
Sine menscheit han Ich ze loaef.
Der faulig geist liat mich vmbevangen
Und also wonenklich durgangen,
De mir kein creature mag geliehen noch afit langen.
Alsus trage ich ane vnderlas
In diser heiigen drivaitekeit
Alle irdensehe sündere von stunden ze stunde.
De si got noch nit lasse vaMen in das ewig abgrundc,
Aber 'die jnngfröwe, in der lichame Ich zu herberge was,
Do ich US von der heiigen gothelt kam
In ires sunes menscheit.
Du jnngfr5we ist ein besehirmcfrin aller käscheit
Und ein klagerin der bekorten.
Die sich mit n\we vorhtent
Hie vor der heiigen drivaitekeit,
De gerihte noch an iren henden steit. ']
VIL Got sihet den sünder an vür güL Was ffät'reht wille
81, Von der guten burdintn.
Das ist grundeloS; de got den sAnder ansihet für einen
kerten menschen und, de ist reht wille, gotte ze dienende, de
in sere ile zä mir und nif ze rugge sehe, und ich trage alle
rdine, die dur mine liebi v^irt gehaben.
XVIIL Du 8olt din herze ansehen ze' allen ziten.
Sich in din herze zA allen zIten
Mit des heiigen geistes warheit.
So wirt dir alle lügene luterlich leit; '
Wan lugina vertribent g6llioh nrine
Und si stetiget in dem gemüte überdekete valsche sifie,
Has und grime.
*) Handschrift: stät. Stat ist öfter auf eit gereimt.
13*
1:96 Sechster TheiL
XIX, Von dem guten willen, den man nit ze der getät mag
bringen, ^)
Ich habe manigen jamer gettkgen dammbe,
De ich guten willen zu guten werken me möhte bringen.
De benimet mir vnstete und vnmaeht,
Und de mir es nieman getar raten.
Und ich getar es leider über mine natore nit wageD<
Dis kunt davon , sit dem male de mich got lies vallen
, Von der wune der h6hin nach min selbes willekore,
Do ich so sere verwundert was,
De ich der dingen kein endß konde vii^den,
Do mich du gewaltige mine
Jiit irs füres flamen hin gezogen hatte.
Nu hat si mich gedruket in einen grondelosen. sumpf,
Da vinde ich keinen grant,
De ist alles das ich lide.
De heisse ich nit pine,
Wan ich were gerne fürbas
In der rehten minsten stat,
De ist verworfen als ein tobender hnnt
Und niemans menschen vrAnt, .
In eilende, vnbekant,
Mit armen lüten in vr5mdü lant.
Nu will änb gehorsami nit wesea,
Wan die heiige diem&tige gehorsam!
Ist aller lugenden ein ingesigel.
Der gute wille, den der gute mensche hat
Und in nit mag bringen ze guter gehif,
Der glichet sich den edelen schönen blAinen^
MitJSUBsem gesmake ane fruht
Also hat got mich getröstet
Das aller gAter wille des hufen gutes lebenes
Sol werden der ewigen woiie blümen,
Da got ze sinei; endelosen hohgezjt wil krcnze von machen,
Die sine vsei weiten da söUent tragen,
Die im hie so getrüwelich gant Vber lande
Mit so manigvaltigem guten willen,
Den si nit mögent zA g&ten werken ;bringen.
Eya, milter got, nu xeiche mir noch
Din vetterliche haut
Und f&re mich in der mine lant,
Wan ich han leider lange schöne zit verlorn.
*) Greith 261.
Cap. XIX— XX. 1«?
Des wolte ich mich, hcrre, noch mit dir erholn,
Wand gemach des lichamen und dor sine trost
Die müi man mit demütiger vorhte enpfan,
Sol man in der ganzen warheit gest&n.
r. Dis bAch ist koihen von drlerhande gäbe. Die mine
Hsz. Sie ist rieh und gitig. Si wirt siech. Wer de himel-
rieh habe, Got git pine und och trost.
Dise gäbe, die in disem bftche stat geachriben,
Die hat mir in drierhande wise geben,
Allererst mit grosser zartekeit.
Danach mit grosser heiimelicheit,
Nu mit sweren pinen.
Da wil ich gerne inebliben
Dene in den andern zwein, darumbe: alleino
Si die zartekeit nnd die heimlicheit gotz ewig und an tn selben edel, '
So sint si doch in dirre weke leider also vr6mede.
Alle die si werlich bekefient,
Si mogent ir nit nemen^
Und (5ch so v5rhte ich mich in der woIIust allermeist,
Wände so manche «charpfd not Christas in dirre weit leit.
Aber der mine natnre ist, de si allererst vsvlüsset von sfisse-
t, damaeh wird si riebe in der bekantnisse, zem drittenmale
t 81 gitig in der Verworfenheit. Ja du bist rehte vnbestet;
r leider die rehte gotzmiüe, die wirt bi wilon also siech von
' bösen sftssekeit der italen eren, und von der trütunge des
nütes, und von der leidigen tobesucht des zqrneS; und von
' breiten gerunge irdenischer dingen, das si erlernet wird an
m iren liden, de ist an allem begiue fr flbunge, die si von
ur an ir hat. Mer nieman hat ein ganz himelrich in sim
zen dene der alleine , der sich begeben hat von allem tröste
1 von allen gnaden in dirre weite. Wan die wollust hat vns
i sgotte gesundert, darum mflssen wir mit pine widerkomen.
eil mag got des nit gelassen und wir mögen des nit enberen.
gebe yns sine: woIIuste zti alleni dem wc wir tftn, lassen
1 lid^.
198 Sechster Thcil.
XXL Wie bSs^ pfcifheit sol genidert werden. Wie predier
alleine predien sSnt und bischSve sin und von den jungesten ^
predieren. *)
we, crone der heiigen eristanheit, wie sere bist du ge-
selwet! Diu edelsteine sint dir eDtvallen, wan du krenkest und
schendest den heiigen cristanen geloben. Din golt de ist ver-
fulet in dem pfüle der vnküschheit, wan du bist verarmet und
hast der waren miiie nit. Din k*scheit ist rerbrant in dem
girigen füre des frasses, din demut ist versunken in dem sümpfe
dines vleisehes^ din warheit ist ze nihte werten in der lugine
dirre weite, din blümen aller tugenden sint dir abe gevallen.
we, crone der heiigen pfafheit, wie bistu verswtmdeö, joch
hastu nicht mere deue das vnbeval din selbes, de ist pi&ffeliche
gewalt, damitte vihtestu vf got und sine vswwelten vrAnde.
Harvmbe wil dich got nidern e du icht wiseät,*^ wan vnser
herre spricht alsus: Ich wil dem habest von rome sin herze rflren
mit grossem jamere und in dem. jamere wil ich ime z& sprechen
vnd klagen im de minü Schafhirten von Jerusalem mordere und
wolfe sint worden, wände si vor mipen 8gen me wissen lamber
mordent, und die alten sehaf da sint alle hSptsiech, wan sä
mögent nit essen du gesunde weide, die da wahset ap deb hohen
bergen, de ist götlichri liebi und heligü lere, Swer den helle-
weg nit weis, der sihet an die verbösete pfafheit, wie rehte ir
weg z6 der helle gat, mit wiben und mit kinden und mit an-
dern offenbaren Sünden.
So ist des not, de die jungesten brüder komen, wane
' " . . ...
sweüe der mantel ist alt, so ist er och kalt. So i;nös ich miner
brut, der heiigen eristanheit einen nüwen mantel geben, de
s61Ient die jungesten brfider weseri als davor ist geschriben.
Sun habest, dis soltii voDebringen, so mahtu din leben lengen.
De nu din vorvare also unlange lebent, de kunt davon, de si
mines heimlichen willen nit vollebringent. Alsus sach ich deü
») Greith 261.
') weise wirst.
Cap. XXI— XXII. 199
habest an sinem gebete und do horte ich, de im got kündete
dise rede.
XXII. Von iihen dingen der man ftlnfe vindet in himdrich
und zwei in ertrich,
S|beQ ding mfis ich gott ze eren sprechen, üerre got, igt
es m&gelichy so gib mir es, de ich ir in ertrich niemer vergesse.
Fünfe vindet mao in himelrich, zwöi mflssent hie blibeo. De
erst« ist der schade miner schulde, wan ich.gesAndet habe und
die versumekeit guter werken, die ich wol getan möhte haben.
Das ander, de iofa, herre, ane vnterlas warte din, wene du
komen wellest; welcher wis du hütest mit einem heiigen ende
zft mir. Das dritte, die vürige gerunge, die ich habe na dir.
Das vierde, mine brenen und verlöschen in mir dnr dich« Das
fünfte, din erste gegenblik dines heren antlütes gegen mir. Do
konde mir in ertrich leider nach miner gerunge nie geschehen,
des singet min sele dike, o we! De sehste getar ich kume
nemen, ich würde stum, als ich es bekeüe, idi gehorte es in
ertriche nie genemen, de ist die spilende minevlüt, die von got
heimlich in du sele vlüsset und si wider mit siner kraft nach
ir mäht. Was zwischent tn beiden deüe wunen si, de weis
meman von den andern wc si wirken vndefen ander, wen ein
jegliches vindet sinen teil; was er hie hat vsgeleit, de wirt im
dort alles widergeben.
Di8 ist die himelsche gotz mine,
Die- hie vil kleinliche beginet
Und d6rt niemer ende gewinet.
Dag sibetide mag man kume mit werten rfiren; mit crista-
nem geloben mag man es vfilen, wie gros, wie hoch, wie wit,
wie wuneklich, wie erlich, wie vrödenrich, wie vnzergenglicher
vröden vol. Wol fm, der da eweklich wonen sol! Die vröBch
angesiht vol aller woUust und die heiige gebrnchunge nach
woQSohe, die vbera&sse gerunge, wuüekliche, hungerig, minevol,
die vlüsset jemer mere in die seien vl)erswendig von gotte.
Noch deae behaltet die sele iren s&ssen hunger und lebet doch
ane kumb^.
200 Sechster Theil.
XXIIL Wie in drien sfeiten sprichet got mit der wlen.
In der ersten stat sprichet der tüfel der sele dike zft, in
den andern zwein stetten mag er es nit tun. Die erste stat
sint des menschen sine. Disü stat ist gemeine gotte^ den töfeln
und allen creatQi*en, inzevarende^ ze sprechende nach derselben
willekor. Die ander stat, da got mit der sele redet; de ist in
der sele. In die stat mag nieman komen defie got alleine.
Swene aber got in der sele sprichet, de geschihet ane allerhande
wissentheit der sifien mit grosser, creftiger, sneller einnnge gotz
in der sele. So raftgent die sine de wufiekliche reden nit ver-
nemen. Si >yerden also diemfitig, de si keine creatnre vnderfn
mögen erliden. Sol sich der mensche vhder den tüfeln die-
mAtigen? Ja mit solicher andaht, de in des danken sol^ de er
gotte so grosse smaheit gebotten habe mit sime lebende, also de
er dike des tüfels glichnisse an siner sele gemalet habe mit
tegelichen Sünden und etweüe mit den hSbetsünden grosse wan-
den gesclagen hat an sine sele.
Die sele die mit dem heiigen geiste beyang^A ist, die mag
sich nit enthalten, si mfts je sinken von allem irdenscfaem tröste
und wollast in dem tröste; aber die sele, die mit irm eigenen
mAtwilten bevangen ist, die neiget sich mit manger wollnst zfl
irdenischen dingen.
Die dritte stat, da got mit der sele sprichet, de ist de
himelriche, sweüe got du sele yfiruket mit sines willen wollast
und henget si dazu, da ir sins wanders gelasten mfts.
XXIV. Wie in wetagery offenbart Crisiu^ sine u^tmcien.. Vier
ding Idoppfent vor der Jumelport^n^
In tninen grossen wetagen offenbarte sich göt miner sele
and wisete mir sines herzen wanden und sprach: Steh, wie wc
si mir getan habent! Do sprach min sele: Eya herre, warvmbe
lidest du also grosse not? Sit dem male de dines reinen blflteCf
also vil vergessen wart in dinem reinen gebette) do soltc bfllich
alle die weit mit geWset wes^n. Nein, sprach er, minem vatter
genflgete also nit, wan alles de armftte und alle dft-itfbeit, und
Cap. XXill— XXVI. 201
alle die marter tind smacheit ist alles ein klopfen vor der himel-
porle^ vntz an die stände, do min herzeblAt gos vf dise erden.
Dö wart do himelrich erst vf entsclossen. Do sprach dti sele:
Herre, do dis geschah, do wcre da tot; mich wundert von einem
toten^ wie mag er bitten. Do sprach vnser herre:
Min licham wc do menschlich tot,
Do min herzeblüt • .
Mit der stralen der gotlieit diir raine sitcn vlos.
Das blAt kam ') von gnaden zc glicher wis alse die milch,
Die ich von miner megetlichen mAter sög.
Min gotheit woneto in allen mines lichamcn gelider,
Dicwilo ich tut was, als vor und sider.
Min sele rüwcte dicwile in miner gotheit
Nach ir langen trnrekeit,
Und ein geisilich bilde miner mendcheit,
Das swebet je sundcr begine in miuer ewigen gotheit.
XXV. Von der vei'branien mtne.
Eia lieber herre, erbarme dich vber den, der hie verbrant
ist in diner mine, verre und verswunden in diner diembtekeit,
und ze nihte worden in allen dingen. Gott spricht:
MiD gotheit hat dich verbrant,
Min m6nscheit hat dich bekant,
Min heiiger geist hat dich geheligot an der arm&fe.
Die da vH mfnent die swigent gerne,
Die niht miflMit die sint je verer der mine.
XXVJ, Gedenken an den tot vnd lange leben ist gtlt.
Ich bin sere wunderlich und mich wundert in minen mensch-
lichen sifien^ de min sele als wunderlich ist. Swene ich gedenken
an den tot^ so vr5wet sich min sele mit so grosser craft gegen
der vsvartj de min licham swebet in vnmenschlicher sanftekeit
und mine sine bekenent vnsprechelich wunder in der vsvart der
sele. Alsust stirbe ich allergemost in der zit, die got vorge-
sehen hat Nu spreche ich aber harwider: ich wil leben aller-
gemost vntz an den jungesten tag, und nu sterket sich min
gSronge hin in die zit der martireren^ vf de ich noch min san-
diges blAt in warem cristanem geloben möhte giessen, dur Jesum
■) Handschrift: kan.
202 Sechster Thoil.
den ich li^p han. De ich daa gespreohen getar^ de ieh got liep
habe, dazft zwinget mich ein sunderlicbü gäbe, wand swene mit
lasteF und pine wirt gebotten, zehant beginet min dele ze bren-
nende in dem füre der waren gotzliebi mit so wuneklicher snesse-
keit, das min lichame swebet in g5tlicher woUust. Aber mine
sine behaltent ein jamer und bittent got fär alle die mich le-
sternt oder schcndent, de si got vor Sünden beware.
XXViL Wie du soll danken und bitten.
Herre vattcr, ich danke dir ser, de du mich gedcbaffen hast.
HeiTO Jesu criste, ich danke dir, das du mich erloset hast.
Herre heJiger gcist, ich danke dir de dn mich gereinget hast.
Herre, ganze vngescheiden heJige drivaltekeit,
Ich bitte dich, de du nn gedenkest aller trüwe
Und senda mir nu einen barmherzigen tot,
Der mich lose von aller not.
In manus tuas comendo spiritum meum.
XXVII L Swene du sterben solt, so nim urlop zu zehen dingen,^)
Sweüe ich sterben sol; so nime ich vrlop alsns ze allen den
da ich von scheiden sol: Ich nim vrlop zft der heiigen cristanheit
und ich danke des gottC; das ich ein eristanmensche hies, und
bin ze warem cristanen geloben komen, und bUbe ich langer
hiC; so wölte ich mit erbeit ein helfe sin der heHgen cristanheit;
die in manigeu Sünden stat.
Ich nim vrlop zu allen den armen seien , die nu in dem
vegeflirsint. Blfbe ich langer hie, ich wölte gerne v wer schulde
helfen gelten, und ich danke got de ir gnade werdent han.
Ich nim vrlop zft allen den , die in der helle sint und ich
danke got, de er sine rehtekeit an inen vbet. Beltbe ich hie,
ich wölte inen niemer gutes gewünschen.
Ich nim vrlop zA allen den sündem, die in den hSptsünden
ligent. Ich danke es got, de ieh ir geselle nit bin, und bttbe
ich hie, ich wölte gerne ir burdin tragen vor gotie. '
Ich niin vrlop zft allen den rftwem, die an irre bftisse ötant.
») Greith ?03.
Cap. XXVll— XXIX. 203
leh daake dea. gotte, do icb ir geselle bin. BItbe ich langer
bie^ ich mftste si liep haben.
lefa nim yriop zft alten minen yienden. Ich danke des gotte,
de ich Toüberwnnden Yon in bin. Bltbe ich langer hie, ich
wdite mich vnder ir f&sse. legen.
Ich nim vrlop kü allen irdenischen dingen. Ich kkge got^
de T<^ Ir nie gebmhte nach siner heiigen ordenunge.
Ich nim vrlop zA allen minen lieben vränden. Ich danke
gotte nnd in, de si min helfe in nöten gewesen sini. Bltbe ich
langer hie, ich mAste miner vntugenden mich jemcr Schemen,
die si an mir erkeüent.
Ich nim vrlop zA aller miner bosheit. Ich klage de gotte,
das ich sin heiige gäbe an miner sele also verderbet habe, de
nie kein gebreste so deine .enwart, er sie in himelricbe an miner
sele bekant Swi es gewandelt si, so ist der schade doch dabi.
Herre Jesu, ich klage es dir, joch ist die smacheit alles din.
. Ich. nim vrlop zA minem leiden lichamen. Ich daiike des
gotte, de er mich an maniger stat vor maniger sAnde hat bewart.
BÜbe ich langer hie, sin bosheit ist so manigvalt, ich wArde im
meiner rehte holt.
XXIX» Von zehen stukken gotliches ftires V8 der eddkeit goiz.
•
Ein vnwirdig mensche gedahte einvaltekliche vmh die edel-
keit gotsi.. Do gab im got ze bekenende in den siiien und ze
besehSwende mit der seien ögen ein f Ar, de brande ane vnderk»
in der höhi tber allA ding. Das vAr hatte gebrant ane begin
und sol noi3h brinen jemer ane ende. Dis vAr ist der ewig got,.
der in im bebalten hat do ewig leben nnd vs von im gegeben
hat allA ding. Des vAres funken die sint gevlogen, de sint die
heiigen engele. Des vAres blikken die sint komen, de sidt aUe^^
gotz heiigen, wan ir leben de hat manigen schönen blik der
cristanheit gegeben. Dis vAres kolen die glfiient noch; das sint
alle die seligen, die hie brifient in der bimelischen oiine und
lAhtend mit gAtem bilde, als die ei'kaltet sint in den sAnden, di
mögent sich bi den kolen wermen. Des vAres geneiste sint
gestoben und sint ze nibte wordcfi^ d^ts siot f^l]^ di^ selig;ea
202 Sochsicr Thcll.
den ich licp hau. De ich das gcsprechen getar, de i
habe, dazu zwinget mich ein sunderlichü gäbe, wa'
laster und pinc wirt gebotten, zehant beginet m' ^'
nende in dem füre der waren gotzliebi mit so ly ^^
keit, das min liehame swebet in götlicher ' ^ g r
sine behaltent ein jamer und bittent gut ^ ^ %
sternt oder schcndcnt, de si got vor süv ^ f /
XXVIL Wi^ du soll df l
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Herre vattcr, ich danke dir ser, ; ^ C-
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Herrc Jesu cristc, ich daiiko ^ • .. f
Ilcrrc iieJigcr geist, ich dank / |
Herre, ganze vngescheiden
Ich bitte dich, de du nn
Und sende mir nu einer
Der mich löse von all' .
In manus tuas caw
XXVUL Swene dv
Ol
.vicut als ein
maehent Seh surö-
Swene ich p ^^Q igt ^[^ wunenkliehe wolliist, die
da ich von seh upfät von gotte mit so heiiger wermi des
und ich dank ^ ^jr hje bürnen wider in dem gotlichen flire
bin ze wa^ .^q bestafi, de wir nit erlSschin. Die bitteilicheit
nie, Bo V ^ jgt (Jas wort, de got sol sprechen an dem junge-
die in yi^ g^^t von mir ir vervlühten in de ewige für. Der
^> • rdres de ist die lühtende anschöwunge des gotlichen
yefr jfß ^^ heligen drivaltekeit, die vnsern lip und ynser sele
^^^ ^^^' ^'^^ ^^ ^^^ ^ ^^^ wunderliche selekeit sehen and
'^v^en, wir wir nu hie nit m6gen nemen.
^ 0iBe ding sint vs von disem vüre komen, und vliessent öch
»AfiT tOy jedes nach gotz ordenunge mit ewigem lobe.
Swcr hicvon rae sprechen wil der lege sich in das vüre,
Und sehe und smeke wie du gothcit vldsset
Wie die menscheit güssct,
Wie der heh'g geist ringet
Und manig herze twinget,
De es got manigvalteklich mifiet.
') Handschrift: vaste.
204 Sechster Tkeü.
licharaen die in ertrieh noch beitent des himelschen lones. Dis
vtires meistersehaft sol noch komen, de ist Jesns CristnSy dem
sin himelsch VatteF die erst ISsunge und do jongest geribte be-
volhen hat. Der sol an dem jangesten tage vs von d&i gendsten
die allerschönesten köpfe machen dem himelschen vatter^ da er
in siner ewigen hochgezit selber vs trinken wU alle die helikeit^
die er mit sinem lieben snne in nnser sele nndin vnser mensch-
liehen sin gegossen hat.
Ja idi sol trinken vs von dir.
Und du Bolt trinken vs von mir,
Alles de got gutes in vns behalten hat.
Wul dem der nu vcste *) stat,
Und hit hie verscöi^, de got in In gegossen hat.
Dis vöres roch sint allA irdenschü ding, der nian dike ge-
brühet mit vnrehte wollnst. Wie «ch6ne si löhtent in vnsem
ögen^ wie lastlich si spilent in vnserm herzen, si tragent doch
raanige bitterkeit in inen verborgen, wan si verswindent jeiIs ein
roch nnd machent* blint die hohesten, ja si machent Seh surö-
gende die heligosten. -
Das gemach dis TäreSy de ist die wufienkliche wollnst, die
vnser sele inewendig enpfät von gotte mit so heiiger wermi des
götlichen vüres, de wir hie bürnen wider in dem gotlichen flire
und mit tagenden bestafi, de wir nit erlöschin. Die bitteilicheit
des Mres das ist das wort, de got sol sprechen an dem jnnge-
sten tage:: Gant von mir ir vervlühten in de ewige f6r. Der
schin dis vtires de ist die lühtende anschöwunge des gotlichen
antlAtz der heiigen drivaltekeit, die vnsern lip und vnser sele
dürlöhten sol, also de wir da die wunderliehe selekeit sehen imd
bekennen, wir wir nu hie nit mögen nemen.
Dise ding sint vs von disem vüre komen, und vliedsent öeh
wider tu, jedes nach gotz ordennnge mit ewigem lobe.
: Swer hievon me ^ifrechcn wil der lege sich indas.vörej
Und sehi^Kjind smeke wie du gothcit vlusset -
Wie die menscheit güssct,
Wie der heiig geist ringet
und manig herze twfnget, •
. •; De es got manigvalteklieh mifiet.
*) Handschrift: vaste. • •;
Cm», xxx^xxxi. -805
XXX. Die htier mine hat vier ding.
Di loter gotamme bat disü ding an ir^ also de man ein-
trahtig fii mit gotte swas vns geschehe ane sunde^ das wir es
mit iiikeit. got dankin. Das ander, de wir ordenlich gebrachen
der gäbe, die wir von gotte haben an lip nnd an sele. Das
dritte, de wir luterliche leben in g&ten sitten, ane alle sände.
De tierde, de wir alle tngende an ans haben. O we,:'dc ich
die bette und werlich an allen Sachen vollebrehte! Das n§me
ich fiir alle die contemplacie da ich je gehorte von sagen. Was
beifent hohA wort ane barmherzigä werk? Wc hilfet liebin zi\
gotte nnd grimi zft gAten lüten? So Bprichest dn: Geh mir m
got, ieb tete es gerne. Höre nu: Die tagende sint halb gäbe
von gotte und halb sint si tagenden an vns« Sweüe vns got
gibet be^entnisse, so s5Uent wir der tugenden gebrachen. .
^XXL Wie got die sde gemachet hat von wolluat und pine.
Wie got glich ist eime clote.
Icll sprach an eiper stat in dt^aoae bflche, ') de die gotbeit
min vatter ist von natQre, de veraeme da nit und spreche:
Alles (das got mit uns hat getan, de ist alle» von gnaden und
nit. von nature. Du hast war und ich han öch war. Nu hör
ein glichnisse: Wie schöne ögen ein mensche hat, er mag ge-
sehen lüiber ein mile wege^; wie scharpfc siäe der mensdie hß,i,
er kau vnsinelicher dinge nit begriffen deüe mit dem geloben
und grei0it als ein- blinde in der vinstemiss^ Die miüende sele,
die alles da« minet de got minet und alles de hasset .de ^got
hasset, die hat ein öge, de hat got erlühtet. Damit sihet si in
die :ewige gotheit, wie die gotheit gewircht hat mit ir Qlltane in
der sele. Er hat si gebildet nach im selber, er hat si gepflabzet
in kn selber, er hat sich allermeist mit ir vereinet vnder allen
creaturen. Er hat si in sich besclossen und hat siner götlichen
nature so vil gegossen, de si anders nit gesprechen mag, deüe
de er mit aller einunge me deüe ir vatter ist.
») I. Cap. 44.
'206 : Sechsür The».
Der licbam enpfät sin wirdekeit von dem sane des himel-
schen vatters an bräderlicher geseUeschaft^ und an dem lone der
arbeit Der gotzsun Jesus Oistus hat ödi sm werk igewirket in
herzeklicher liebi durch not, in arraüte; in pine, in arbät6, in
smaoheit, unte an sinen heiigen tot. Der heiige getst hat 5ch
«inü werk gewirket; als du sagest, mit siner gnade in aAer
mser gftbe, die wir je enpfiengen.
Diso werk sint drierhande, doeh hat si ein vngescheiden
got in Vns gewirket. Zwöi ding wirkent in ertricfae in das
vegefür mit der gotzkraft ane vnderlas ; das eine wirket alleine
in der helle, das ist woUust in himelriche ane pine und pine
in der helle ane woUust.
Wa was got eb er ihtes iht geseh&f? Er was in üb selber
nnd im warent alle ding gegenwirtig und offenbar, ab si hätte
sint. Wie war ynser herre got do gestalt? Bebte se glicher
wis als er ein clote ') und alle ding in gotte besclossen ane
selos und ane tAr. Das niderteil des klotes de ist bin grunde-
lose vestenunge beniden alle abgrönde. Das oberste teil des
<)tetes das ist ein höhi, da ndt tber ist. I)as vmbelal des clotes
de ist ein drkel vnbegriffenlich. Noch deüe was got nit sehepfer
•worden5: do er aber alle ding gesdiüf, do wart der dote vfge-
sclossen. Nein, er ist noch gantz und er sol jemer gantz be-
liben. Do got Schöpfer wart, da wurden alle creatnren lan In
selben offenbar. Der mensche got ze minende, ee gebruchende
und ze bekefiende, gehorsam ze blibende; — vogel und tier ir
nature ze bekefiende, die toten creatnren ze stände in irme we-
sende. Nu höre, was wir erkenen de ist alles niht, wir minen
deüe got ordenlieh in allen dingen, als er selber allü ding in
ordenlioher miüe geschaffen hat, und uns selben gebotten und
geleret hat.
*) Am Rand: „üiö klote was der val der tür.** Clofe = dose, soviel
als VerscMusfi, Kliiiise.
Cap. xxxn. 2W
* - • . '
XXXIL Wie wir glich werden gotte, S, Moi'ien und den
engdefi*
Alge vil wir mifien barmherzekeit^ und stet ekeit fben, alse
ril gliehen^ wir dem failnelschefi ratter, der disü ding aue vnder-
las ftbet in uns.
Al8o vil als wir bie armütes^ versmacheit, rerweisete, pine
liden, akK> ti1 glichen wir dem waren gotz sun.
Als vile als wir hier ysvliessen mit aller miltekeit vnsers
herzen y ze gebende vnser gftt den armen, fise dienste vnsern lip
defi kranken, also vile geliehen wir dem heligen geiste, derein
milte vsvlüt ist des vaters und des sunes.
Also vile als wir wariiaftig 6int, messig und bescheiden in
heiiger einvaltekeit, also vile glichen wir der heligen drivaltekeit,
die ein war got ist und aUe sinü werk in ordenlicher masse
gewirket hat und noch tut.
Also vil als wir kusch sin mit aller luferkeit, dienifitig mit
aller vndertenekeit, diensthaftige mit aller heligkeit, vnsculdig von
aller bosbeit, also vil glichen wir vnser lieben frowen Santo
Marien ; die mit disen tilgenden geedelt ist, also dcsi maget
mäter ist" worden und m&ter maget ist bliben and ist alleine
keyserifie über alle creaturen.
Also vil als wir gÄtlich, minesam, vridesam sin, also vil
glichen wir den engein die nie mer ärglich tftnt.
^ Also vile als wir heleklich leben in eilende und in vnge-
mach vngetr&stet, also vil glichen wir Santo Johanse baptisten,
der vber manigen heligen gehöhet ist.
Also vil als wir gemnge haben nach gotz lobe, bekäntnisse
in der gäbe, ordenliehe gebrüchunge des willen gotz, also vil
glichen wir den propheten, und den heligen vettern, die sich
mit grossen tugenden getwnngen haut in gotte.
Also vil als wir wisheit lernen, und ander lüte damitte be-
keren und mit gotte bestan in aller not, also vil glichen wir
den heligen aposteln, die sich verlassen hatten bis in den tot.
Alt vil als wir gednlt haben in aller not und als gros als
vnser etistangelöbe ist nutz in den tot, ilse vil glichen wir den
.tos Sechster Theil.
heiigen martirern die mit irme blute vns haben besprenget den
waren himelweg. .
Als vil als wir mit ylisse tragen die not der heiigen cristan-
heit^ beide der lebenden und der toten^ alse vil gtitohen wir den
heiigen coofeasoren^ die mit manigen arbeiten wAchent und mit
sorge bihte hörent.
Alse yil als wir stritira haben und vberwinden und mägetlich
ere behalten, alse vil glichen wir den heUgen jfuncfiröweiiy die
den waren «ig nit verloren haut
Alse grosse ri^we wir haben und alse mattigvaltige b&sse
heiige wir leisten , alse vil glichen wir den heiigen wittewen,
die nach den sünden als grosse ere eramet haut.
Alse vil als wir aller tugenden an vns haben, als vil glichen
wir gotte und allen siuen heUgen die mit aller vrämefceit got
gevolget baut,
.XXX II L Von dem scharpfen cafittel, da der hilger in z'äkam,
der schein ein gros herre,
Ejn mensche pflag des lange, das er mit.eim scharfen ca-
pittel in sin herze gieng und besach siuen sphaden und gotz
smaeheit an im selber. Do warf er vs von sinem herzen allen
sündigen smak sines vleisches und . saste wider in alle pine
^eme ze lidende dar got ^r warf öch vs alle wollust siner
magen und vrunden und saste wider tu die smaeheit, die /im
sine anvechter t&n wolten. . Er warf öch vs alle liebin riohtfim^s
und eren, da sich die sündig weit zA vröwet, nn4 saste wider
tu alles de armüte, de möglich ist ze lidene nach rate.
^ In das kapitel k^am vnser herre Jesus Cristus glieh eim
armen bilgerin. Do wart des menschen geist so erlühtet, de er
bekande, de es vnser herre was und sprach: Eya lieber bilgerin,
waüen kunstu? Do antwurt by: Jch kum von Jei*usalem, da
wart iph sere gewundet, da leit ich grosse smachei^ armät und
pine, de han ich dir gebracht. — Des danken ich dir vil lieber
h^rre, und das han ich wol bevundeu vil madigen tag. Do nam
ynser herre ein einvaltige crone und saste si dem menschen vf
.sin höbet .und sprach : Dis iist du kröne des .anoAl^s^ der
Cap. XXXIII— XXXV. 209
smacheit nnde pine; disA kröne sol noch gezieret werden mit
min selbes bilde. Do vfir der bilgerin hin. Der mensche wart
betr&bet und sprach: wt! o we mins lieben bilgeris? Ja,
wan ich wolte gerne me mit im geredet haben.
Do sach si') vf Jn die höhin , do wart si sin gewar. Do
was er glich einem gewaltigen herren nnd was ynbevangen mit
himelseher wuiie und sprach: Ich segne dich nnd grflsse dich!
min yride si jemer mit dir, amen.
XXXI V. Der die weit versmahet den sol man eren mit aht
dingen.
Ein stime wart gehört nnd dise wort warden gesprochen
alsnst:
Ja sehent, si (komt) kuot, du die weit hat yeremehet
Und die lugene hat ervlouget
Und die warheit hat gemmet
Und die gebenedigt hat.
Man Bol 81 enpfUn mit aUer ere,
Man sol si stetigen in der warheit,
Man 8oI si benedigten ane ende,
Man 8o1 81 kleiden mit aller schönin,
Man sol si crönen mit aller wirdekeit,
Man sol si setzen vf den 8töl des ewigen gemaches,
Man sol si grfi88en mit allen zungen,
Man soll ir dienen mit aller gift,
Mao sol si vröwen mit aller gäbe.
XXXV. Wie die selig sele spricht zu irme lichamen an dem
jüngesten tage.
Stand nf min vil lieber,
Und erhole dieh aller diner pine,
Aller diner wetagen, aller diner smacheit,
Aller diner tnirekeit, alles dines eilendes,
Aller diner serekeit, aller diner arbeit.
Der morgensteme ist vfgegän')
De ist Sante Marien geburt und ir leben.
Die sone hat iren schin getan.
De ist de got mensche wart,
Sin werk und sin himelvart.
') Die sele.
') Handschrift: vfgegangen.
H. MechthUd. 14
210 Sechster Theil.
Der man sol jemer stete stan;
De ist, das wir dene jemer stete sollen wesen
In dem ewigen lebene.
Ettewene lag alles min heil an dir,
Nu lit aller din trost an mir.
Were ich zA dir nit widerkomen,
Us disen aschen würdest dn niemer genomen.
Der ewige tag ist vns entstanden,
Na sön wir ynsern Ion enpfan.
XXXVL De Johaiies Baptiata der armen dimen messe sang, de
WC ^geistlich hekaninisse in der sde.^)
Man mag götliche gäbe mit menschlichen sinen nit begrifen,
darurobe besündent sich die lüte, die nit habent den offenen geist
der ynsehelichen warheit. Das man mit vieischlichen ögen mag
gesehen, mit vieischlichen oren mag gehören, mit vleischlichem
munde mag gesprechen, de ist also vngelich der offenen warheit
der minenden sele, als ein wachslieht der claren suüen.
De Johaües baptista der armen dimen messe sang, de wc
nit vieischlich, es wc also geistlich de die sele alleine beschöwete
und gebrachte. Aber der licham hatte nit davon, deiie er von
der sele edelkeit in sinen menschlichen sinen mohte begriffen,
darum müssen die wort menschlichen luten.
Min pharisei sprach vf die rede, Johanes baptista were ein
leie: Das allerheiligoste de in der messe ist, de ist gotz lichame.
Denselben gots sun berfirte Johanes baptista mit diemfltigen,
bibenden vorhten, in also grosser wirdekeit sines heiigen lebenes,
de er des himelschen vatters stime horte und sinü wort vernam
und den heiigen geist sach und bekante in tn beiden. Johanes
baptista prediete öch offenbar allen lAten den heiigen cristanen
geloben und bewisete mit sinen vingern den lAten vf den waren
gots sun, der da gegenwertig wc. Ecce agnus dei. De Johanes
baptista gotzwort sprach, alsus verre mag es niemer habest noch
bischof noch priester voilebringen, dene alleine mit vnsrem vn-
sinelichem cristanen geloben. Wc dis ein leie? berihtent mich
ir blinden, vwer luginen und vwer has wirt üch niemer ver-
geben ane pine.
') L. II. c. 4.
Cap. XXXVI— XXXVII. 2 1 1
XXXVIL Du 8olt got loben , clagen und bitten ztoSlf ding.
Gebenedict ststu lieber herre Jesu eriste, got des lebenden
gQ]l;z, sun an der acht mines geloben; so weis ich werlich, de du
hie gegeuwirtig bist^ war got und mensche. In demselben namen
bitte ich dich^ herre^ hAte an^ als minen got und minen heiTcn,
als minen sch&pfer und minen 15ser, als minen aller manen
liebesten und aller herren werdesten hüte und jemerme.
Herre, himelscher vatter, nu klage ich diner heiigen drivalte-
keit, de ich vor dinen 5gen gesundet han ane Yorchte und ane
schäme. we, hilf mir hütte, milter got (mit) diner ganzen
hulde, wan min herze vinster ist von gewonheit der sAnden.
Beinige, herre, hAtte min herze von aller irdenischer liebin und
gfis herre nider dine himelvl&t in mine dArre sele, de ich be-
weine din grosse smacheit und miner sAnden jamerkeit
Herre, ich danke dir aller der gnaden, die du, lieber herre,
mit vns getan hast und nu mit vns tust, und eweklich mit vns
t&n wilt Ich bitte dich, herre himelscher vatter, in dem namen
Jesu cristi, de du mich mit diner gnade lAterst von allen minen
sAnden und beschirmest mich vor aller sAnde und beiige mich
mit allen tngenden in das ewige Jeben.
Ich bitte dich, herre Jesu Criste, dur dinen heiigen tot und
dur die kumberliche not, die din heiiger licham an dem heiigen
crAze leit, de du herre, mit den 8gen diner gotlichen erbarm-
herzekeit und diner menschlichen trAwe und dines heiigen geistes
gunst, alle mine not und minen jungesten tot wellest rflchen
anzesehen; und gib mir herre, dene dia selbes lichamen, de ich
dich herre, dene m&sse enpfön mit warem cristanen glöben, mit
herzeklicher liebin, also, de din heiiger licham mfisse wesen und
bliben die jungeste spise mines lichamen und de ewige brot
miner armen sele.
Ich bitte dich mer, vil lieber herre, de du deüe miner armen
sele mit dir selber wellest trösten und mich deüe von allen
vienden wellist lösen. Ich bitte dich, vil lieber herre Jesu Criste,
de du den min arme sele wellest enpfön in dine vetterliche
hende, und bringe mich deüe mit aller vröde us von disem
14*
212 Sechster Theil.
eilende in dines gebenedigten valter lant, da ich dich, herre,
mit allen seligen heiigen mflsse benedigten nnd loben, die nu
da sint und noh komen s51Ient.
Des gewer mich, lieber herre Jesu christe, und alle die mit
mir, die mich dur dine liebin gnedig und geträwe sint, und hilf
öch alle den mit mir, die mir wider dine hulde vngetrüwe und
vngenedig sint, und gemeine allen den mit mir, die gelöbig
cristanmenschen sint.
Ich bitte dich, herre, dur din selbes ere, de du vns cristanen
lüten wellest geben ane vnderlas in dem stfile ze Borne ein
höpt vol aller cristanen tugenden, da die heiige cristanheit von
gebreitet müsse werden in der meine und gelöset von allen
s Anden und geheliget mit allen tugenden, also de du, lieber
herre, hütte mit diner almehtigen haut wellest rüchen zu lösende
Jerusalem und alle die stette und die laut, die mit unrehter
gewalt betrübet sint, durch dine, herre, namen drie.
Mit allen heiigen bitte ich dich, vil lieber Jesu Criste, vmb
cristanlichen vriden und vmb notdürftige frühte und vmb gne-
dichlich^) wider disem lande und allen cristanen landen.
Ich bitte dich^ herre, de du dine vründe behaltest in dime
dienste, und dine viende bekerest und krenkest an ire bosheit.
Ich bitte dich, keyser aller eren und crone aller fürsten,
herre Jesu Criste, für die forsten in disem lande und in allen
cristanen landen, de du si, herre, hütte rüchest vereinen mit
deinem heiigen geiste, also das si niemer kein sündige reise
stiften wider dinen hulden und wider ir selekeit.
Ich bitte dich, lieber Jesu Criste, vür alle die cristanmen-
schen, die hütte in nöten sint, in wassernot, in suche, in ge-
vengnisse, in betrübnisse, in alzegrossem armüte. Ich bitte dich
dur dine milten güti, de du si hütte also wellest trösten, de si
dinen ewigen trost und dine gebenedigten hulde niemer mögen
verlieren.
Ich bitte dich, heiiger vatter von himeh-ich, ftr alle die
cristanen seien, die hütte von irme lichamen scheiden, de du,
') Hier stheiiit etwas in der Handschrift zn fehlen.
Cap. XXXVIII— XXXIX. aio
erbarmherziger got, ir behalter wellest sin^ und vrteilen si in
das ewige lieb.
Eya, lieber hene, erbarme dich vber die seien mins vatters
und miner müter und vber alle die sela, die in dem vegefär
sint L5se si herre^ dur dine here namen dri in dirre stunde:
Requiescant in pace. Amen.
Ich bitte dich, lieber herre vür mine gaden, de du uns allen
die tugende wellist geben, die vnser leben reinigen und heiigen,
dir ze lobe ttnd ze helfe der heiigen eristanheit. Nu enphäh
herre, hütte dis gebet und min clage, und gewer mich nach
dinen gnaden. Amen .
XXXVI IL Nieman mag Götz himel stören. Die helle verwiset goL
Eya lieber herre, almehtiger got, wie lange sol ich hie stan
in der erden mines vleisches gliöh eime stekken oder einem male,
da die I6te zft lÖfPent, werfent und schiessent, und langa miner
eren haut geramet, mit geswinder argheit? Hörent nu dise ant-
wurt: Nieman ist so listig in sime schütze, nieman ist so arg
an sinem grime, de er mine himele möge zerstören, zerbrechen
oder schedelich gerfiren, da ich wonhaft iiie bin. Mere die mich
hüte in die herberge zühen und mich mome vswisent, die
glichent der helle. Des fundament ich bin, des tynaphel wil
ich och bliben. Eya herre, wer sol mir des gehelfen, dd iob
alle mine wege also wandele, eb ich glippfe, de ich nit Valle.
Die vorhte sol mich vf halten, der gotz wille sol mich 'leitönjH /
XXXI X, Van dem gegenblike gottes sckui an vnser VrÖwen und
ir gewalt, v -o uo"! .\\7,
0, drie personen haut ein namen in eitifeitf^ot vngeteilt.
Si vliessent gegen Marien antlize wunenyi^b)ljn},jeil^/ g^iirame
vngescheiden mit voller vlftt, in milter >g^b^ijfl^t;I^laiif^ .j^cjhiflft
der himelschen eren. Mit vnsprechliql^^l' g?ift^ei|r)$r§fcer4?^i|e66flß
de si schinet und lühtet also, de (J^r .bgbeig^g^pj})ik ^absHg/HK
drivältekeit vor vnser fröwen 9J0iji%i\^i^^trjaio imid loh lov
Er vlüsset noch fürbas
Und erfüllet alle diemfitigen mi^ajÄ^s.jlhiloBbnisH ('
s^^^ Sechster Theil.
Und git inen schin und ere
Vor den andern verre.
In dem gegenblikke mag unser frowe wol gebeiten; mere wil
si bitten y de mag si diemäteklichen tnon, wan got mit siner
mine in irer diemütekeit mensche wart, bedarf vnser fröwe die-
mfltekeit in dem himelriche niht mere, dene de si den almehtigen
got eret über sich in vndertenikeit, mit allen seligen, die irem
bilde volgent.
Unser vröwen gegenblik ist gekläret mit aller der gäbe
unverderbet, die si enpfieng von gotte. Si ist 8ch gezieret mit
allen tugenden vollekomen; si ist gekrönet mit aller wirdekeit.
Hiemitte vlüsset si wider in got vol aller annemikeit.
Wie vnser fröwe gebruchet der heiigen drivaltekeit und wie
sich got mit ir vereinet ob allen Intern menschen, de ist vn-
sprechlich; mere, also vil als si hie vereinet waren, also vil ge-
bruchet vnser vröwe und also vil gösset vnser herre ob allen
heiigen in si. Vnser vröwe hat gewalt vber alle tiifel ze hin-
dernde von den menschen. Darvmbe bestanden wir gerne vnser
Ave maria in irme gegenblike, de si vnser hie gedenke.
XL, Bekorunge, die wdt vnd ein gut ende prüfent vm,
Nieman weis wie vaste er stät, er werde e gestossen mit
der bekorunge des libes.
Nieman weis -wie stark er si, er werde dene e anges4cbet
von der weite bosheit.
Nieman weis wie gut er selber si, eb im werde ein gftt ende.
XLL Von dem gegenblike gotz in den Menschen und in die
engele. Fünf ding hindernt die schriffL
Ir wellent de ich fürbas schribe und ich enmag. Die wune,
die ere, die clarheit, die trütunge, die warheit, die ist ob mir
also gros, de ich stum wurde') vürbas me ze sprechende das
ich bekene. Mere ein Spiegel wart gesehen in dem himelriche
vor der brüst einer jeglichen sele und lip, darin schinet der
') Handschrift: wrde.
Cap. XL— XLIII. 215
Spiegel der heiigen drivaltekeit und git warheit and bekantnisse
allen den tagenden^ die der lip je begieng^ und aller der gabe^
die du sele in ertrich je cnpfieng. Davon schinet der here
gegenblik von einer jeglichen persone wider in die hohen majestat
da si vsgeviossen hat.
Der engel gegenblik ist furig minenclar, wan si haben grosse
liebin zu vnser selekeit. 8i dienent vns anc arbeit und ir Ion
wahset^ diewile dise weit gestat. Dö wäre gottesmiüe hat die-
selben eraft an den engelen die si an den menschen hat. Das
wir mit arbeiten dienen, de ist davon de wir sündig sin.
XLIL Die schreib sivester vidüilt an einer cedden irem bräder
B, predier orden und sprach.
Die allergröste vröde die in himelrich ist, de ist der wille
gotz. De vnwille wille si, davon kumet götlichü vrÖde in des
betrfibten menschen herze. Das ist eis geistlichen menschen
bihte, de man die gäbe versmahet, die von gotte kumet. Pin-
liche gaben sollen wir mit vröde enphäu. Tröstlich gaben sollen
wir mit vorhten enpfahen, so mögen wir vns alle ding nötze
machen, da über vns gant. Lieber b&le, sicst eintrehtig mit
gotte und vröwe dich sines willen.
XLIIL Dise schrift ist vs got gevlosseti.
Dise Schrift die in disem buche stat, die ist gevlossen vs
von der lebenden gotheit in Swester Mehtilden herze und ist
also getrüwelich hie gesetzet, also si vs von irme herzen gegeben
ist von gotte und geschriben von iren henden. Deo gratias.
216
Dis ist de sibende teil
/. Von der crone und von der wirdekeit vnsers herren Jesu
cristi, die er nach dem jungesten tage empfahen soL
Unser herre^ der himelsch vatter^ hat noch behalten in siner
gotliehen wisheit manige vnsprechliche gäbe, da er nach dem
Jungesten tage sine vserwelten kinder mitte zieren wil, nemlich
sinem eingebomem sane Jesam vnsem I&ser. Dem hat der
himelsche (vater) ein cronen bereit mit also grossen ^ erlichen,
manigvaltigen werke gemachet und gezieret, das alle die meister
die je wurden und nu sint und jemer sönt werden nit möhteut
volle öchriben die clarheit und die manigvaltigen wune der crone.
Die crone wart gesehen mit geistlichen ögen der minenden sele
in der ewigen ewikeit, und wart ir bekant ir geschöpfnisse.
Wc ist de, ewekeit? Das ist die vngeschaffene wisheit der ende-
losen gotheit, die weder begine noch ende hat. Die crone hat
drie bogen: Der erste böge der crone waren die patriarcheu,
der ander die propheten, der dritte die heiige cristanheit. Die
crone wirt gebildet und geblümet mit der gegenwirtikeit aller
seligen die an dem jungesten tage gotz rieh besitzen sölleut.
Si söUent doch ire wirdekeit ordenlich besitzen nach iren werken.
Der erste böge der crone wirt gewiret und erl&htet mit edelme
gesteine aller der heiigen inikeite und guter werken, die die
Cap. I. 217
pakiarchen je vollebrahten. Der bogen wirt öoh gebildet mit
menschlichem bilde sei und lip. De erst bild uf dem bogen der
crone ist Sant Stephan nnd alle die martyrer gebildet mit ime^
die je in cristaneti geloben ir blüt gegossen hant; dabi sant
Peter und alle gotz apostelen mit im öch gebildet. Dabi alle
die seligen, die der apostelen lere gevolget habent. Di elichen
lute sön och an dem bogen gebildet sin mit iren kinden, die
mit guten werken gotte gevolget hant.
Der ander bogen der crone der wirt gebildet mit allen
Bebisten und allen geistlichen vettern mit tm^ denen got sinü
schaf bevolhen hat. Der bogen wirt gewiret mit aller geistlicher
gewalt und wirt geblfimet mit cristanlicher lere.
Der dritte bogen der crone wirt gebildet allerschonost mit
der edelen menscheit vnsers herren Jesu cristi, und bi tme sin
erlichA müter Maria mit allen iren jungfröwen die dem lambe
volgen söUent. Sant Johans Baptiste der wirt da dem lambe
gebildet vil nahe, und alle die gebl&met bi ime, die vnder sinen
henden cristen worden sint. Der böge der crone wirt mit der
schöpfhisse aller creaturen gewiret nach der liebi und nach der
meinnnge des sch&pfers die er dozü hatte, do er alle ding ge-
schAf nach sinem willen. Du crone wirt vberal geblfimet mit
mangem ritterlichen schilte des heiigen starken cristanen geloben.
De keyserrich sol öch an der cronen stan gebildet, gewiret
und geblfimet untz an den jungesten geburen jemer danach
wirdig de si gotte gedienot hant. Die crone sol öch geziüet
werden bi endecristes zite mit manigem erlichen bilde, als helyas
und Enoch und manig heiig martyrer vor tn, geblfimet mit der
helikeit ira lebenes und gewihet mit irm getniwen bifite.
Die crone sol öch geverwet sin mit des lambes blftte und
erliihtet und vergAldet mit der creftigen mine, die Jesu brach
sin sfisses herze enbinen. Dise crone hat vnser faimelscher vatter
geschaffen, Jesus cristus hat si verdienet, der heiig geist hat si
geworcht und gesmidet in der vürinen mine und also vtige")
gemachet mit der edelen kunst der heiigen drivaltekeit, de st
') Handschrift: wge.
218 Siebenter Theil.
vnserm löser Jesu ehristo also wol füget und also erliehen stät,
de der himelsche vatter und von sinem eingebornen sune me
vröden enpfät. De mü sin. Alleine die ewige gotheit sunder
begine alle wu&e und vr5de hat in i^ne und nu hat und jemer
haben sol, so tut im doch de sunderlichen eweklich wol, de er
den ewigen sun mit allen sinen volgen so vrölich ansehöwen sol.
Sweüe Jesus cristus sin j äugest gerihte hat getan und sin abent-
essen hat gedient und begangen, so sol er dise crone von sinem
himelschen vatter in grosser ere enpfän und mit ime die mit
libe und mit sele zu der ewigen hohgezit dar mit arbeit komen
sint. So sol ein jeglich sei und lip ir wirdekeit an der crone
sehen.
Die crone ist geztiget in ertrich in türer koste, nit mit silber
iioch mit golde, noch mit edelm gcsteine, mer mit menschlicher
arbeit, mit menschlichen trehenen, sweis unde blfit, mit allen
tagenden und ze jungest dem pinlichen tot. Die engele werdent
an der cronen nit gesehen j darumb das si nit menschen sin; aber
si müssent mit wuneklichem sänge got loben an der erone.
Der erste kor singet alsus: Wir loben dich herre, vmbe din
elichen e, da alle dise von sint komen, die gebildet sint an diner
crone. Der ander kor: Wir loben dich herre mit dem geloben
Abrahe und mit der heissen gertinge und prophetien aller pro-
pheten. Der dritte kor: Wir loben dich herre, mit der wisheit
und vromekeit aller diner apostelen. Der vierde kor: Wir loben
dich herre mit dem blute und mit der gedult aller diner mar-
tyrer. Der fünfte kor: Wir loben dich herre, vmb de heligc
gebet und cristanliche lere aller baptisten und aller bihtem. Der
sehste kor: Wir loben dich herre, mit der rüwe und stetekeit
diner wittewen. Der sibende kor: Wir loben dich herre, mit der
küscheit aller juncfröwen. Der ahtode kor: Wir loben dich herre
mit der ft-uht diner mftter und maget. Der nünde kor: Wir
loben dich herre vmb dinen heiigen tot und vmbe din erlich
leben nach dinem tode und vmb dinen grossen vsvlus aller gäbe
und aller gute, da du uns herre mitte gehöhet und loblieh ge-
ordenet hast. Wir loben dich herre mit diner vürinen mine, da
du uns ine vereinet hast.
Cap. I. 21 »
Oben vflTen der crone swebet de allerschönste baner, de je
in disem keyserriehe wart gesehen. De sol das heiige crüze
weseD; do eristus sinen tot het an gelitten. Das crüze hat vier
ende, de niderste ende ist gezieret mit wune, claror dene die
sune. Zft dem vordem ende vnder dem crüze swebent vfgerihtet
die söle, geverwet mit des lambes bifite, geblfimet und gezieret
mit den nagelen, da vnser herre mitte wart gewundot. Oben
vf dem böme des crüzes swebet die allerschönestü keyserlichü
dtirninti crone des riches.
Die dorne sint geblftmet
LilienwiSy rosenvar,
Wuneklich, himeldar.
Dis ist de baner der cronen, da Jesus eristus den sig mitte
gewan und lebendig wider zfi sinem vatter kam. Alzehant nach
dem Jungesten tage in der ewigen hochgezit, kis got allu ding
nüwe hat gemachet, so wirt disü crone geoflfenbart und swebet
vf dem höbet der menscheit vnsers herren, der heiigen drivalte-
keit ze eren und ze lobe und allen seligen ze vröde jemer mere.
Die menschheit vnsers herren ist ein begriffenlich bilde miner
ewigen gotheit. Also, de wir die gotheit begriffen mögen mit
der menscheit, gebruchen gliche der heiigen drivaltekeit, halsen
und küssen und vnbegrifliche gotheit vmbevahen, den himelriche
noch ertrich, helle noch vegefür niemer begriffen mag noch
widerstan.
Die ewige gotheit schint
Und lühtet, und machet miüelastig
Alle die seligen die ime gegenwirt^g sint,
De si «ich vr6went ane arbeit
Und lobent jemer ane herzeleit.
Die menschheit vnsers herren g^üsset,
Vröwet und minet ane vnderlas
Sin vleisch und sin blfit.
Alleine da vleisch noch bl&t nu nit si,
So ist doch die brüderliche sibbe also gros,
De er sine mensehlich nature
Sunderlichen minen müs.
Der helige geist git 5ch us
Sinen minenden himelvlus,
Damitte er den seligen schenket
Und si so voHen trenket,
220 Siebenter Theil.
De si mit vr5deii BiDgeut,
Zartelich lachent und springcnt
In gezogener wise, und vliessent and swiment,
Si vliegent nnd klii&ent
Von köre ze köre nnd vür des riches h&hin.
Da sehent si in den Spiegel der ewekeit
Und bekenent den willen und die werk der heiigen drivallekeit;
Und wie si selbe geformet sint an übe
Und an sele, als si jemer mere s51Ient blibe.
Die sele ist in dem lichamen gebildet menschen glich,
Und hat den g5tlichen schin in ir
Und schinet dur den lichamen
Als das lühtende golt dur die clare cristallen.
So werdent si also vro und also vri,
Snelle, gewaltig und minerich,
Clar und gotte glich
Als das mag müglich sin.
So varent si war si wellent über tusent mile,
Als man nu einen gedanken denken mag.
Prüuent was das varendes sie;
Denoch m5gent si das ende des riches niemer begriffen
Noch ber&ren das wite rum und die guldine Strassen;
Die sint vbergros, und sint doch wo! ze masse;
Und doch nit guldin, want si eweklich besser sint
Dene golt und edelgesteine;
Dis ist alles erde '
Und sol ze nihte werden.
Hie kunt das ende der crone:
Der heiig geist der smidet noch das ende diser crone
Untz an den jungesten t»g;
So wil im der vater und der sun sin arbeit Ionen.
Er wil im geben ze ione alle die seien und lip,
Die in gotz rieh gesamet sint.
Da soi der heiig geist eweklich ine rüwen,
Und er sol si ane vnderlas grüssen und vrdwen
Alles de dur gotz liebin je gutes wart
Oder je wirt getan ;
Alles das durch got wirt gelassen und gelitten,
De müs alles an den cronen geblümet stan.
Eya wel ein crone!
Eya wer gehilfet mir des, de ich noch an der cronen
Ein klein bl&melin m5ge sin,
Als die westbaren, die du minsten blümen an der eronc sint!
Ist dise rede iht ze lange^ das ist des schult, de ich in der
crone manigleie wune vant; doch han ich mange länge rede mit
Cap. I— n. 821
kurzen Worten gesetzet. Dis sprich ich vf mich selben: Wie
lange wilt«, snöde weit, bellen? Du nifist doch swigen, wan de
allerliebeste müs ich verswigen.
//. Wie an aller seien tng ein mensche hat vär die selan gemeine.
An aller seien tag bat ich mit der beiigen cristanheit für
die gemeine seien, die ir bfisse in dem vegefür gant. Do wart
ich gewar eins vegevüres, de war glich eim ouen, der was
ussen swarz, innenan was er färesflammen vol. Do sach ich
hinin, wie si stünden in den flamen, und brunen als ein gebunden
stro. Do stfint eine bi mir, die wc glich einem grossen engele,
den vragete ich wie de were, de sich die seien so sere vstrungen,
sweüe das gebette kam zu inen von guten lüten. Sümliche
trungen vs, und sümlich mohten nit vs. Do antwurt mir der
den ich vragete: Do si in ertrich waren, do weiten si nit ze
helfe denen, die si in nöten baten. Do erbarmete sich min sele
über ir mäht und über ir wirdekeit und rief in den himel: Herre
got, m5hte ich zu inen hie in vain und liden mit inen, uf de si
desto § zu dir kemen! Do wisete sich vnser herre, de er der
engel was, der bi mir stünt und sprach: Wiltu hie in, so wil
ich mit dir hie in. Do ymbevieng vnser herre des menschen
geist und vürte si hinin. Do du sele hinin kam mit vnserm
herm, do was ir nit we. Do vragete si, wie manigi ir were?
Do sprach vnser herre: Du mäht ir nit erzellen, und es sint die,
vür die du hast gebetten, do si uf ertrich waren.
Do vant ich den, über den ich vor drissig jaren pflag ze
bitten, do wc ich betrübet, wan ich hatte (bäte?) mich in ze
geben, und ich entorste vof miner snödekeit also grossen heiTen
also grosser dingen nit bitten. Do sprach ich ein wort alsus:
Eya lieber herre, wbltestu si lösen? Do hüben si sich allzemale
vf in grosser meine, wunenklich, wisser dene ein sne und swebten
hin gegen dem paradis in einer süssen, claren wune; da rüweten
si mit vröden ine. Do si sich hüben vs dem vüre, do sungen
si den salmen allen vs : Laudate ptieri dominum. Da nach sun-
gen si: Wir loben dich herre, vmbe die gr5ssi diner gflti, vmb
die milti diner gäbe und die trüwe diner helfe.
222 Siebenter Theil.
Noch stAnt vnser herre bi der statte des vüres und hatte
des menschen geist vmbeyangen; do sprach des menschen sele:
Eya herre ^ du weist wo! was ich gere.
Das WC de si gerne wolte, uf unsers herren füsse,
De si ime danken m5hte.
Do lies si vnser herre nider,
Und si dankete ime wider,
De si die grossen ere mohte ansehen,
Die von gotte den armen seien was geschehen.
Do vant si vf sinen v&ssen
Die rosevarwen wunden
Vnser waren idsunge.
Do bat si: Herre gib mir dinen segen.
Do sprach vnser herre:
Ich segne dich mit minen wunden. --
Po m&sse mir geschehen
Und allen gotz und minen fründen.
Dis ist leider von minen arbeiten nit geschehen,
Wan ich han der heiigen cristanheite vile
Yil werder dene das mine.
« ■
///. Wie nüze de «^, de ein mensche mit dierh'ätigen Worten dn
herze besehe äne vnderlcts»
Ich enweis nieman also güt^ tn st des not, de er sin herze
äne vnderlas besehe und bekeüe, wc da ine wone und ^h vil
diker bescbelte sine werk alle. Dis sol man tun mit düemüUgen
Worten. Dis lerte mich gottes stime, wan ich nie kein werk so
wol getet, ich bette es wol bas getan. Dis ist min schelten; an
schelten wir vnser blödekeit alsus: Eya du allersnödestA creatar,
wie lange wiltu din vnnütze gewonheit herbergen in dinen fänf
sinen? Vnser kintheit die was toreht^ vnser jugent wird ange-
vohten, wie wir darine gesiget haben ^ de ist gotte offenbar.
WO; leider min alter stat mir nu sere ze scheltende, wan es
ist ufiAtze an schinenden werken und ist leider kalt und von
gnaden. Es ist öch vnmehtig, de es der jugent nit hat, da; es
die vürigen gotzmiüe mitte tragen mag. E^ ist öch ynlidig, de
ime kleinü pipe vil we tat, da du jugent nit vf enahtet. Doch
ist de g&t alter geme langbeitig und es getrüw^t got alleine.
Vor siben jaren do dagete ein betr^beter a}t m^omebe disen
schaden vuserm herrn. Do antwurte im got alsus: Din kintheit
Cap. II— m. 223
WC ein geselline mines heiigen geisteS; din jugent was ein brut
miner menscheit, din alter ist nu ein husvröwe miner gotheit. —
we, lieber herre, wc hilfet de der hunt billet; diewile de der
wirt sclafef, so brichet der diep in sin has: Das gebet des reinen
berzen erweket doch vnderwilen denselben toten Sünder. we
Sünder^ wie sere mag man dich beweinen, wan du bist ein mor-
der din selbes, und ilu bist ein schade aller gfite und öch ir
vrome! Der gfite mensche enpfahet grossen vromen; sweüe er
sihet de ein ander snödet oder vallet in die sünde, so sihet er
wtl wite vmbe sich, de er in die not iht kome; so bessert sich
der gfite mensche böser dingen, da volgent gerne gfiti werk
nach; aber der böse wirt erger. Weüe er böse bilde sihet, so
wirt er also böse, de er gfitü werk und gfite lüte versmähet;
so behaget im sin eigen verkertfi wisheit allerbest.
Min lieber schfilmeister, der mich einvaltigen, tumben, dis
bftch geleret hat, der lerte mich öch dise rede alsus: Swas der
mensche tfit, ist er nit warhaftig, du solt tm nit heimlich sin.
Ich bekeüe einen vient, der ist ein dilker götlicher warheit in
des menschen herzen. Eb man ime die statte git, so scribet er
mit willekor des menschen die valschen wisheit dem mönschen
in sin herze und spricht: Ich bin von nature zornig und krank. —
Damitte mahtu dich nit enschuldigen mit gotte noch mit eren.
Du solt von gnaden sänftmfltig und stark werden. „Ich habe
kein gnade. ^^ — So soltu in vngnaden den gnedigen got anrufen
mit diemfitigen trehnen und mit stetem gebette in heiiger gerunge,
so mfis der wurm des zornes sterben. Du solt dir selber gewalt
tftn, so darf kein pinlich gewalt vber dich gan von gotte noch
von jeman; so wirt der wurm des komes zeniht. Wellen wir
vnsem zom und alle vnser vnvoUekomenheit mit gotte über-
winden und vertriben, so mfissen wir rehte vnser säntUcbe be-
koninge beimelicbe verswigen^ und bewisen vswendig belig vr5-
licb gelesse.
we arme! Swie lange wir in zorne stürmen, haben wir
iht gfttes an vns. Wir mfissen doch je wider zfi vnserme herzen
komen, so müssen wir vns von schulden Schemen, so hat der
zom vnser mäht verzert, und hat vnser vleisch verderret, und
224 Siebeuter Theil.
so haben wir vnsre nütze zit verlorn, da wir got ifie gedienet
solten han. we, das ist ein ewig schade! Aber o wel die
sündige trehne rüwent mich, die man weinot in homütigem zome.
Da wirt die sele also vinster von, de der mensche diewile keiner
guter dinge rehte kan gebrachen.
Die rüwige trehne sint also heiig; möhte ein grosser sünder
einen rüwigen trehnen vmb alle sine sünde weinen, er kerne
niemer zft der ewigen helle, blibe er also. Swie kleine teglich
Sünde der gute mensche an im hat, die er fberein nit lassen
wil diewile er lebt; stirbet er also ane bihte nnd ane büsse, wie
heiig er ist, er mfis') ein zu bitterem vegefüre. Wan, als er-
barmherzig got ist, als gereht ist er öch dabi allen sündcB
und gram.
Das rate ich mir, do müs di miüe wonen, bi dunkel gut
sollen wir niemer sin. Da wonet du diemfitekeit gerne bi.
/F. Von dem besmen vnsers herrm.
Do ich ze kloster kam, darnach nit lange, so wart ich also
sere gepinget von suche, de es mine vröwen erbarmete. Do
sprach ich ze vnserm herren: Lieber herre wc wiltn mit diser
pine? Do sprach vnser liebe herre alsus: Alle dine wege sint
gemessen, alle dinü vosspor sint gezellet, din leben ist geheliget,
din ende de wirt vrölich und min rieh ist dir vil nahe. — Herre,
warambe ist min leben geheliget, und ich so wenig gutes mag
getün? Do sprach vnser herre: Damitte ist din leben geheliget,
de min beseme nie von dinem ruggen kunt. — Te deum lauda-
mu8, d(; got also gut ist.
V. Warumbe de kloster ze einer zit angevohten wctrl.
Die söUent den heimlich gut tun, die si wisent des si Ilo^
haftig sint, wan de gfit de man in enthaltet, de wil ich an dem
clostere nit haben. — Dis ist du glosa. De ein jeglicher von
sinem ambahte barmherzeklich denen gut tut, die er weis not-
haftig sin.
*) Handschrift: ^bein.
Cap. VI— vn. 225
VI. Von dem capitd und wie der mensche besehen ad sine brückt
und die beiwein&n. Von zwein guldin 2]feningen und von güiem
willen und gerunge,
Swer dise bekantüisse hat, der klage und weine mit mir.
Wan die vserwelten gotzkinder dike gotz liehamen nement und
heleklich enpfahent, so müs ich mit brenender samwitzd[:6it in
min eapitelbus gän. So kunt min vnwirdekeit und rflret mich,
so knnt min vnylis und beschnldet mich, so kunt die lihtekeit
mines gemütes und verwiset mir mine vnstetekeit, so kunt die
snödekeit mines unnAzen lebefies und beträbet midi, so kunt die
götliehe vorhte und geiselet mich, so krüche ich hin als ein deines
würmelin in der erden und hfite mich vnder dem grase miner
manigvaltigen yersumnisse alle mine tage, so sitze ich und schrie
yf in den himel: Eya barmherziger got! Gönne mir, de ich hüte
teilsamig möge sin der gnaden, die dine vserwelten nu enpfangen
habent. Ilie antwurt unser herre alsus: Nim zwene guldine pfening
die bdde glich sware sint und köf damitte; geltent si glich vil,
1^ fikit fli glich gut. we lieber herre, wie mag min sn&dekeit
dimr gftti glichen, wan ich bin nit, als ich dir eren wol g5nde!
* ■
Idi -babe nit als es dir wol gezimet, und ich haften an nihte
mit irost miner sele in der weite. Alsust bin ich verworfen und
leiderer worden. Ich enbin nit als ich lange gegert habe. Dnsei^
herre sprieht alsus: Mit gfttemi willen und mit heiiger gernng«(
mäht du vergelten wc du wilt.
VIL Wie d^r mensche ze aUer zit mit got vereinet «$.
De der mensehe ane vnderlas vereinet si mit gotte^ de ist
himelsdift Wofie Aber alle irdensche wöllust. Wie sol uns dis
gMmhebeii? Unser gerunge sol ane vnderlas wandeln in allem
vnsem werk, und söUent mit cristanem geloben und mit got-
Uober bekantnisse ane vnderlas allA vnser werk besehen und
tikmer unAtze sin^ so leben wir vnserm herren ^ot mit allen
vns^m werken y vmb idlA sinen werk, dA er je gewirchte in
ertrich durch vnser liebin. Sus sin wir vereinet mit ime in sinen
irdenischen werken mit himelscher liebin. Hienach werden (wir)
H. MeehthlM. 25
2S6 Siebenter Theil.
geistlich erhöhtet ^ so loben wir ynsern herrengot mit allen den
gaben, die je gegaben (wnrden), nnsern lip und gftt, yrAnde
nnd mage und alle irdeniscbe wollust, die wir begeren mfthten.
Hiemitte so danken wir gotte aller siner milten gaben , die er
vns je gegab in ertrich an Übe oder an sele. So sin wir aber
mit got vereinet an 'nemelieher liebin und dem&tig^r danbjbarkeit
Damitte s511en wir alle gotzgaben in vnser herze druken, so
wirt unser herre ') minenvol, so werdent vnser sine geoffenet und
so wirt vnser sele also dar, de wir sehen in die gdtlich^B be-
kantnisse, als ein mensche sin antlize besihet in einem claren
Spiegel. So m&gen wir gotz willen bekeüen in allen ynseni
werken, de wir den willen gotz eren und liep haben in pinlidier
gäbe als in tröstlicher gäbe, nnd vröwen vns des de vns ge-
schibet ane sünde. Die sollen wir beweinen und hassen wan si
ist zit verwassen. Hie mitte werden wir in ertriche vereinet
mit den heiigen in dem himelrieh, wan si vr5went sich allermeist
vmb den willen gotz in dem himelriche.
Ich enweis nit, wie der vient des gewar wart^ do mir got
dise bekantnisse gab in der naht, nnd ich da ine mit grosser wufie
vereinet was, do er z& mir kam und sprach getr&welieh, yfm
er wolte mich beswichen. Sin stime horte ich mit min Tleisch-
liehen oren und ich saeh schdpfenisse mit geistiichen dgen, BWBXtn,
horwehtig and eime grAwelicheu maüe gelich» Ich vor)ite mich
doch vor ime nit. De ist davon: Swen gotz gäbe in der sele
swebet und in den sinen ringet, so mag sich der liohaine ia siner
gegenwrtekeit nit ^) vorhten. Aber swene der licham doch in nAtzen
werken ringet, kunt er dene, so wirt dem lichamen also we in
siner gegenwörtekeit, de ich (nie) in so grosse pine in ertrieh kam.
Do sprach er zu mir: Mir trömet ze naht; wie kb rieh wef6
und vil hatte. Do wolte er, de ich solle wenen, das diw bdiige
gotteseinunge mit der sele alles ein tröm were. Do spraali die
husvrowe inwendig, des lichamen (die) sele: Du faigt nit war-
haftig. Do sprach er: Ja, sol ich doch geweren also l|mg# als
got lebt. Do sprach die sele: Nu bistu doch gelert^ sag mir.
*) SIC vieleicht, hetre. ') Handschrift : mit
(Jap. vm. 227
WC sd ich tftn? Der tAfel mähte es alzevil: Du soltest dich
vr5wen mid soltest dis grosse ding tragen in grossem gemflte.
Die 8de: Ich bin noch leider also deine niet, de ich möge griffen
durch der nadelen &ri aller miner vienden in die himelporten
mines ewigen landes. Dei- ttifd: Da bist alzesere bezAnet. Die
$de: In dinen Worten bekene ich din valscheit^ zwifel, ital ere
and liofart. Gienge ein ^stehelin mnre vntz in die wölken al-
tmbe mich) deiloch wArde min herze niemer von minen vienden
sidier und jtl. Do stünt er und bibente vor mir. we, wie
vol TalBcheit dächte mich das sine. Do röfte er sin höbet und
ipmog zomeKchen hine.
VIII. Wie ein mensche got suche.
Als got wil wesen dem menschen vrömede, so sAchet er
viisem herren got und sprichet: Herre, min pine ist tieffer
deüe das abgmnde, min herzeleit ist bitterer deüe die weit, min
Torbte ist grösser dene die berge ^ min ^erunge ist höher deüe
die ateme. In disen dingen kan ich dich niergen vinden. —
In disem jamer wart die sele irs lieben gewar bi ir^ gelich einem
tchönra jungeling also schöne, de es vnsprechlich ist Und noch
kette cd sich verborgen , so vället si vf sine vösse und grftsset
sine wunden, die sint also sflsse, de si aller irer pine und alles
ira altera nit bevinden mag. So dahte si: We, wie gerne sehestn
sin antlAt, so mfistest du dich der wunden verzihen, und wie
gerne hortestu sinA wort und sine gir! So stat si vf in vnwenk-
lieber zuht gekleidet und gezieret. So spricht er: Sist wille-
komen min allerliebeste! In der stime des wertes erkante si de,
de ime ein jeglichA sele, die in siuen hulden gotte dienet, die
allerfiebeste ist Do sprach er: Ich mAs din schonen an der
brüchunge beide, din und min. „Die bruchunge ist vnsprech-
Hch," — t)o sprach er: Nim dise cronen der juncftöwen. Do
kam die crone von im und gieng vf ir höbet, die lAhte als ob
si were von krterm golde. Die crone was zwivalt und was öch
der mifien crone. Do sprach vnser herre: Dise crone sol offen-
bar sin vor allem himelschen here. Do bat si: Herre, wiltu
mome min sele enpfan, als ich dinen heiigen lichamen enpfangen
15*
228 Siebenter Theil.
haD? Do sprach er: Du soll noch rieher werden mit lidende. —
Herre, was solte ich hie in diseme closter tän? — Da seit si
erlAhten und leren, und solt mit inen bliben in grosser ere. —
Do gedahte si: Eya, uu bistu hie alleine bi vnserm herren.
In dem gedanke sadi si zwen engel bi ir staU; die waren also
abtbar alse irdenische vArsten vor andern armen lüten. Do
sprach si: Wie wil ich mich nu verbergen? Do sprachen si:
Wir wellen dich bringen von pine ze pine^ von tugendep zfl
tugendeU; von bekantnisse zft bekantnisse^ von minen ze miiie. —
Das dis ein sündig munt sprechen sol und müs, de ist mir swere
und ich engetar es doch nit lassen von gotte, und vor gehorsami
menschlicher schemede und götlicher vorhte müs ich behalten
alle mine tage.
IX, Wie die minende sde lobet vnsem herren mit allen creaturen.
Die miüende sele wirt niemer lobes sat, dammbe samet si
in sich selber alles de got je geschüf in ir gerunge und rftffet
deüe in den himel: Herre, worin alle dise personen also volle-
komen, und also helig^ eb es müglich were^ als din gebenedigte
müter Maria, deuoch genflgete mir armen nit, de ich dich nAt
möhte volle loben mit dinem einebomen sune. Herre^ mag man
dich volle loben? Nein, des vröwe ich mich. Do antwurt vnser
herre alsus: Die juncfröwen die mir lange gedienet habent, die
sönt mich loben.
X. Dis geBchach ze einer zit, do gros mfäre was*
Ich bat vnsem herren got für vrlAges not und für manige
Sünde der weite, do antwurt vnser herre alsus und sprach: Die
Sünden stinken t mich an, vs von dem abgrunde des ertriches
nutz in den himel. Were es müglich, si triben mich vs. Die
Sünde hatten mich einist vsgetriben, do kam ich diemftt^klich
und dienjte der weite untz an minen tot; nu mag des nit me
geschehen. Nu müs ich biwilen mine rehtekeit buwen (sie) durch
die Sünde. — Lieber herre, was sollen wir armen nu tun? Do
sprach vnser herre: Ir söllent tch diemfltegen vnder die bibenden
Cap; IX— XI. 229
baut des almehtigen gottes und vörhtent tn in allen ywercn wer-
ken. Ich wil noch volk lösen von aller not^ de sint mine.vrände.
Das gemeine gebette sattet min herze. Wie min gemflte stat^
de bewise ich. Das gebet höre ich gerne von geistlichen lüten,
die es von herzen miöent. (Adjtitorinm nostrum in nomine Do-
mini. Laudate dominum omnes gentes, Gloria patri. Regnvm
mundi. Erttctavit cor mmm. Quem vidi. Gloria patri etc. *)
Herre^ himelscher vatter^ enpfahe dinen dienst und din lop
von dinen betrübten kinden und löse din volk von disergegen-
wirtigen not^ und löse vns von allen vnsern bänden^ dene alleine
der miöe banden ^ die mflssen nie von vns genomen werden.
XI. Wie vmer herre wart glich gesehen einem arbeitenden maiie.
Unser herre wisete mir ein glichnisse^ das er an mir erfüllet
hat und noch tut. Ich sach einen armen vfstan vf der erden,
der WC gekleidet mit armen lininen tfichen als ein arbeitende
man. Ein borien hat er in den hande, da lag ein burdi vffe
glich der erde. Do sprach ich: Guter man, wc tragest du? Ich
trage, sprach er, dine pine. Kere dinen willen zft der pine und
heb vf und trag, Do sprach der mensche: Herre, ja bin ich
als arm de ich nAt habe. Do sprach vnser herre: Also lerteich
min jungc^m, do ich sprach: Beati pauperes spiritu. Das ist,
swene ein mensch nit vermag und gerne tete, de ist geistlich
armftte. Der mensche. Herre, bistu es? Kere din antlAt zft mir,
de ich dich bekenen möge. Do sprach vnser herre: Bekefie
mich enbifien. Die sde. Herre, sehe ich dich vnder tusenden,
ich bekailte dich wol. Min herze hat mich gebuwen in binen
ze eime vare, und ich getorste ime nit zihen de er es werr.
Do sprach ich: Lieber herre, disü burdi ist mir ze swerei. Do
sprach vnser herre: Ich wil si mir also nahe legen, de du si
wol mäht getragen. Volge mir, und sich, wie ich stftnt vor
minem himekichen vatter an dem crAze und blip also. Do sprach
si: Herre, des gib mir dinen segen. — Ich segne dich ane vn-
') Psalmen und Antiphonen im Ofßciam von hl. Jungfrauen.
230 Siebenter Theil.
derlas. Diner piuen sol werden gtt rat. — Herre, de» hüf allen
den, die gern pine liden dnr dich.
XIL Wie ein mensche ital ere und hekorxinge widerstdn sd.
Swefie der mensche iht gutes gedenket von ime selben^ so
kunt zehant die ital ere gesprungen vs dem winkel des himel-
schen herzen mit einer süntlichen woUust und wil sieh bereiten
in die fnnf sine. So sol der mensche sin gemftte zft twingen,
nnd sei sieh ze hant vür sin herze mit diemfitiger vorbte slagen
und segen sich mit dem segne des heiigen crüzes^ so wirt si
zehant ze nihte, als eb si nie wurde. De han ich arme dike
bevunden. Dis selbe sol man tun zehant, swene die bösen
vliegenden gedenken koment. Die verswindent öch von der
craft des heiigen crüzes, swefie es dem menschen leit ist.
XIIL Wie unser herre wart gesehen glich einem pilgerin.
Ich ai*me vnwirdige, ich versache min selbes und sprich das
ich gesehen han und gehöret in gotte. In einer naht sach ich
vnsern herren stan in einem glichnisse eines pilgerines, and er
tet als er gewandelt hette die cristanheit durch. Do viel ich vf
sine fisse und sprach: Min lieber pilgerin, wanan kumestn?
Do sprach er: Ich kum von Jerusalem, (do meinte. er die cristan-
heit) und ich bin vertriben von der herberge min. Die beiden
bekanten min nit; die Juden wellent min nit, die eristane vek-
tent mich an. — Do betete ich fär die cristanheit Da ent-
schuldete sich vuser herre allerscbönest von der grossen smaoheit,
die er lidet von der cristanheit, und leite us, wie vU g&tes er
der cristanheit getan hat von anegenge^ nnd wie vil er gearbeitet
het vür die cristanheit und noch alle tage sftdhet die etat an tn,
de er sine gnade in si giessen möhte. Do clagete vns^ herre
aber nnd sprach: Mit ir willeküre tribent mich die lAte von der
herberge irs herzen, und swene ich keine stat an ia vinde^ so
lasse ich si bestan an irre willeköre nnd wene si atefbcmt, ab
ich ß\ dene vinde, als vrteile ich vber si. — Do bat ich- tta die
samenunge: Lieber herre, la si nit verderben, ich wil in iren
fVithof setzen ein lieht, da sönt si sich bekenen bi.
Cap. XII— XV. 231
XIV. Vofi gotz erwelimge und segme.
Ih einer andern nabt, do ich in minem gebete wa» und in
geninge und versach mich nibtes^, do wart ich gewar vnsers
berren. Er stflnt in dem fritbove nnd hatte vor im die ganzen
samenungC; also geordenet als »i komen waren ze clostere. Do
sprach vnser bene zfl inen: Ich han veh er>velt, erwelent ir mich,
80 wil ich fch geben. Do »sprach ich: Herre, was wiltii In geben.
Do sprach er: Ich wil schinende Spiegel vs !n machen in ert-
riebe, also, alle die si gereu, de si ir leben bi tn bekenen s511ent.
Und in dem himelriehe wil ich st machen lähtende spiegele, also
alle di si gesehen de si bekenen, wie ich si erweit habe.
Do reichte vnser herre sine haut und gab fn sinen segen
nnd sprach: Ich segenen fch mit mir selben: ir wellent mich
in allen irv/em gedenken. — Die vnsem berren wellent in allen
iren gedenken, de sint die seligen, die vnsem berren ze rehte
lobent. Do sprach ieh, si wellent mich vragen, in welicher ahte
ich dich gesehen habe. Do sprach er: Es sint semliche vnder
inen die mich bekenent.
XV. Wie der mensche, der die warheit mimt, bitten sol.
Der mensch der die warheit minet, der bittet gerne alsus:
Eya lieber herre, g5fie mir und hilf mir de ich dich ane vnderlas
stehe mit allen minen fftnf sinen, in allen dingen heleklich, wan
ich dich erkom habe ob allen berren, und ich dich erkom habe
ob allen vArsten miner sele brütegöme. Gib mir och herre, de
ich dich vinden müsse mit aller miner gerunge, brenender und
verloschener. Ich geren öch, de ich din gebrucheii tnüsse mit
vliessender mifie aller diner gäbe. Gib mir herre, vollen dinen
widervltts, der ervolle ^) minen munt, de mir pine, smehnisse,
bitterkeit, jemer senfte tA. Das müsse mir von diner gnaden
jemer geschehen; milter got, nu gewer es mir. Hilf niir och
herre, de ich dich behalte in verzihunge alles mines willen nach
diner gere, so verlüre ich mine vnverl5schen jemer me. Amen.
') Handschrift: er vollen.
232 Siebenter Theil.
XVL Wie ein mensch geret und bat.
Ein mensche liegcrti^ aber alle gäbe und Aber alle pine,
das got sine sele entbunde mit eime heiigen ende. Do sprach
ynser herrc: beit min. Do sprach der mensche: lieber herre,
ich mag mine gerunge nit gestAren, ich wcrc bi dir also gerne.
Do sprach vnser herre: Ich habe din bcgert e der weit begine;
ich gere din und du begerest min. Wa zwöi heisse begerunge
zesamen koment, da ist die miüe vollckomcn.
XVIL Wie bekantniese sprichet ztl deni gewissede.
Das bekentnisse sprach zA dem gewissen : Wie vi! man dich
smehet und dir pine tAt^ das du doch luter in gotte stast
Das gewissen. Vrö bekantnisse, ir hant ein gAt w5rtelin
geseit. Sweüe alle sine wirrenisse^) hangen , der mAs ein die-
mAtig herze haben.
Bekentnisse. Vröwe gewissen^ ir hant einen so edeln spie-
gele da ir Ach so dike teger (sie) ine besehent. De mag wol der
lebendige gotz sun sin mit allen sinen werken. Es möhte öch
anders nit gesin, de ir alsus wise sint.
De gewissen. Vrö bekantnisse, swefie ich ni....*) ich, so
ist mir beide wol und we; wol^ wan got de vliessende gAt ist
gegen mir, we, wan ich so kleine an gAten werken bin.
De bekantnisse: Vrö gewissen, ir hant an allen dingen lieber
gottes willen und gottes ere deüe vwem vromen an libe und
an sele, ir sint des tAfels h^le und gotz himelrich, was mag
vch deile geliehen.
Die getvissende. Vrö bekantnisse, alles de ich von gotte
habe, de hat er mir ze borgende getan, das ich damitte werbe
sin lob und sin ere und öch minen vromen; wan ich es im wi-
dergeben sol, so bedarf ich sincr gnaden wol.
Die bekantnisse: Vrö gewissende, ir sint sere gebunden mit
der werlte sAnden, und geistlichen lAten vnvollekomenheit tAt
') Handschrift: wenisse.
^) Lücke in der Handschriflt.
Cj^. XVI— XVUI» 233
vch manig herzeleit Si babent die vrien willekAr, de si mögent
varen ze himelriche oder zA der belle^ oder in das lange vege-
fAr; das ist ^cb ein swerA burdin.
Das gewissen: Vrö bekantnisse, ich klagen nit^ de ieb vn-
willen babe nnd de ich wetag lide. Micb rAwet der weite sAnde
ze glieber wis als die mifle pine reiniget den liebamen von
sAnden nnd beiiget die sele in gotte; alsns wellen wir mit fröden
stän ze sinem gebotte.
Die bekantnisse: Vrö gewissende^ die gAtwilligen rieben in
der weite, die opfemt got ir gAt und ir ahnAsen, die geistlicben
lAte oppferent got in sinem dienste ir vieiscb und ir blAt, ob
allen dingen oppferent si gotte in geborsami iren eigenen willen.
De me wiget de mAs me gelten.
Die gewissende: Vrö bekantnisse, biemitte ist es nit genAg,
wellen wir gotz gebrucben in der höhin, so m Assen wir haben
die crone der diemAtekeit und luterkeit, der kuscheit angeborn
oder angenomener, und die höhi der mine ob allen dingen. Dis
selbe wuüeeliche eleit treit an ir die heiige drivaltekeit; der
vatter die höhi der mine, der snn der diem Atigen luteren kAscheit,
die hat er allen sinen vserwelten mittegeteilet; der heiig geist
das miüe brenen zA vns, allen vnsem gAten wisrken.
Die bekentnisse: Vrö gewissende, die stetikeit an gAten din-
gen, de ist ein arbeitende miüe, der mag man nit enbern, wil
man mit gotte besitzen die höchsten eren in beidi, hie und in
sinem ewigen riebe. Wol tm, der sich hie an in vlisaet.
XVIIL Von der beveliunge der siben ziten der martir vnsers
Herren.
Ze mettin.
grosser tow der edelen gotheiti
deiner bläme der eftssen m^get!
nütze fruht der schönen blumen!
heliges oppfer des himelschen vattcrs!
getrAwes lösepfant jiUer weite, herre Jesu Criste!
Enpfahe din heiige mettiii ze lobe und eren
Diner eilenden gebnrt, diner eilenden not,
Diner seren martir, dime heiigen .tode,
Diner erliohen vrstendi, diner sdiöner hiööelvart,
284 Siebenter Theil.
»
Diner almehtigen ere ee lobe und xe eren.
Gedenk min, lieber herre,
De ich an allem minem tftnde, an allem mincn lassende
An allem minen lebende
Dinen heKgen willen mftssc vollebringen
Vf ein gut ende, diner heiigen drivaltekeit lü eren,
Und alle die mit mir, die in dinem namen
Dine und min vründe sint
Z6 prime ziL
ellendö smacheit, o kumberlicher smerze,
Die totigete din herer licham und din süsses herze!
Hilf mir, lieber herre, de ich alle min smaoheit
Und alles min herzeleit
In diner liebln mfisse und m6ge vorklagen,
Als es dir in dinen ewigen eren m^ge behagen,
Und ich da jemer selig ifie blibe.
Ze tercie zit.
swere burdi, o eilende draht,
Die da uns herre hast getragen vnder dineni crüz^!
Thig ona herre, Vber alle unser not
In das ewige leben.
Ze %eosU zu.
blütigü not,
wunden tief, o smerze gros!
La mich herre nit verderben
In aller miner pinen not. Amen.
Ze none zit
allerseligistü not!
aüerheligester tot!
allerwufieklichester Spiegel des himelschen vatter,
Jesu criate, hoch an dem crüze gesdagen
Dnr f&sse und dur hende:
Ich bevilhe dir herre, min sele an minem jnngesten ende,
Das ich m&sse ane vnderk» jemer me vereinet sin,
Also din himelscher vatter was und ist tnit dir..
Des gewer mich und alle die dich mit trAwen meinent. Amen.
Ze Vesper zU, .
gebundenes minevliessen!
getrüwes herzegiessen!
herer licham, der da dar mich getMet wart,
Vil lieber Jesu Criste!
Ich Mite dich,
c^. na. 155
De mne UM aiia ine vaderlM
Mfinea und mhgeü eidi Mwen.
An dem blfttigen sper
Und an den wnnden dines B&saen henen,
Und de mich min ellendü eele
Da eweklich mftaee iile yr5wen
Und die mit mir, f&r die ieli
Cristauüich bitten mAs nnd wiL Amen.
Ze eompldU zit
hehgä tie£6n aller diem&telLeit!
miltd breitin aller n^ben!
erlichü mine aller h6hin, aller miöe, Jesu criste.
Da du Ine bittest dinen himelsehen vatter!
Erfölle na herre, din gebet an ans
Und helige vns in der warheit
Und gib vns die tieffin aller diemütekeit»
Da wir ine neigen m5gen vnder alle Creatoren
Waa die Creatoren in widerstan
Der nit als wir tut.
Gib vns herre, die breitin aller miltekeit,
Gütwillig in aller vnser ordenange
Ze voilebringen dor din liebin.
Und gib ons herre die hOhin diner mine,
Die vns loter halte in dir
Und vn verderbet von allen irdenischen dingen. Amen.
XIX, Von dem grüsse vnser vröwen.
Ich grAiGfse dich, vröwe, liebA Marin:')
de du bist ein wune der heiigen drivaltek^it.
de du bist ein begine aller unser selekeit,
. de du bist ein gesellin der heiigen engelen bie and in gotte«
riche. —
Ich gr&sse dich vrSwe, liebA Maria:
de da bist ein blAme der patriareben.
de da bist ein hoffiiange der propheten.
de da bist ein wysse lylie der diemfltigen juncfröwen and
Gedenken wie dir gekomen ist der grAs von Gabriels monde»
Und gr&Bse mine sele an miner jnngesten stände,
Und bring mich ndt vrftden vnbetrAbet
') Ich grfisM dich ^e. whrd jedeMMl MtaoeigBartig wftedetiiolt
236 Siebeater. Theil.
Vs diBem «»llende in de VrödeBriche laoC.
Dines lieben kindes da ich r&we vinde.
Ich grüsse dich etc.
de da bist ein lerende wisheit der apostelen,
de da bist ein rose der marteren,
de du bist ein bescherange der bihtere,
de da bist ein helferin aller wittewen,
de du bist ein ere aller heligen dinas lieben kindes,
bit vnr mich, de ich mit allen minen werken
geheliget werde mit inen,
als es mir arme m&gelich si,
Maria liebe keyserine.
Ich grüsse dich etc.
de du bist ein z&vluht der sündere,
de du bist ein menlich hehrerin der verzwivelten,
de du bist ein trösterin aller heligen cristanfaeit,
de du bist ein eisunge aller der vbelen geisten,
Wan si vervlöchet sint von dir worden.
Betwing si, liebft vröwe von mir,
de si sich niemer me gevröwen an mir^
und ich jemer stete si an dinem dienste.
XX. Wie man de am Maria sol bevdhen vnser fröwen.
Gegrflsset siestu himelschö keyserifie, gotz mftfer und hferze-
liebe vröwe min, enpfahe vröwe, bitte din Ave M., zc lobe und
eren dem wuneklichen ögenblike des vatter und des sunes und
des hellten geistes, der so wufieklich gegen dem tnegtlichen
mAterlichen antlize offen und vnverborgen stat, vol aller selekeit.
Eya vr5we, da an gedenke ich
Mit aHer miner gerunge nnd aller miner bette.
Alle mine pine und aUü mini\ not,
Und aUes mtns herzeleidc«, miner eren,
Miner seien und minea jnngeaten endea,
Wene ich hioan wende
Us disem jemerlichen eilende, —
Dia m&sse alles dinen m&terlichen trüwen
Und diner megtlichen ere bevolhen sin.
Und diner vr5welichen gfiti ane vnderlas bevolhen sin,
Und danft:iine'di6 iBft mir,
Oap. XX~XXI. 28t
Die dine und mine vrAnt
In dem namen des almehiigen gottes sint.
Herzeliebe vrowen min,
Maria, edele keyaerin.
XXL Wie ein mensche sin herze sei besehen eh de er ze gotz
tische gt>
Ir wellent lere haben von mir, nnd ich selber vngeleret bin.
Des ir je gerent^ de vindet ir tnsentvalt in tweren bftchen.
Weüe ich arme dar zA gan und mfls enpfahen den lichamen
vnsers herren^ so besihe ich de antlitze miner sele in dem Spie-
gel miner sAnden. Da sihe ich mich Ine wie ich gelebet habe^
wie ich nu lebe und wie ich noch leben wil« In disem Spiegel
miner s Anden ^ da sihe ich niht ine defie o we und o we! So
wirf ich min anÜiz zA der erden und klage und weine eb ich
mag, de der ewig ynbegriffenlicher got also gAt ist^ de er sich
wil neigen in den Tnvletigen pfäl mines herzen. So gedenke
ich alsuSy de billicher were nach rehte, de man minen lichamen
Züge zA dem galgen als einen diep^ der sinem rehten herren
Verstössen hat den tAren schätz der luterkeit, den mir got in
dem heiigen töffe hat gegeben.
Des wellen wir jemerlich klagen
Alle die wile wir leben,
De wir dikke vervinatert haben
De m&saeata vns herre, vetterlieh vergeben,
Welch Sünde der mensch nit gebihtet hat, noch öch nAt bihten wil,
' Da mitte sol er nit gotz lichame enphahen.
Nu wil ich an die wäre hoffennnge trotten
Und danken des gotte, de ich je wart gesehen,
De mir armen de mag geschehen,
De ich gotz lichamen mAs enpfön.
Nu wU ich mit vr&den zA gottes tische gin.
Und ich wil enpfUn das selbe blutige lamp,
De an dem heiigen crAze wolte stän,
Blätig vnverbnnden.
Mit sinen heiigen fAnf wunden.
Wol uns de de je beschachl
In siner heiigen marter
Wil ich verklagen alles min vngemach.
So gan wir dene mit vr5den und mit herzeclicher liebin,
Und mit einer offenen sele und enpfahen mnerti liebeü.
tS8 Siebenter TbeU.
Vnsern aller berzeliebotten lieben,
Und legen tn in vnser tele
Als in ein sftsse B&ssende wagen.
Und singen ime dene lop und ere,
Vmb de erste vngemach de er liden wolte,
Do er in der kripfen lag.
So nigen wir ime mit vnser sele
Und mit vnsern fünf sinen
Und danken vnaerm lieben und a|M«cben alsu6t:
Herre, ich danke dir din selbes.
Nn bitte ich dich, vll lieber,
De du mir din olein6ter wellest geben,
De ich luteiiich mbge laben
Vs von allen Bünden.
Herre, war wil ich dich defie legen?
Was ich habe das wil ioh dir geben.
Ich wil dich an min bette legen.
Das bettelin ist alles pin,
Swene ich gedenk an dine pine,
So vergesse Idi der mine.
Da solt mir herre min hMße legen.
De wangeküssen, de ist min herzeleit.
De ich nit enbin ze allen ziten bereit
Ze enpbabende dine pinlicheti gäbe;
Des ist herre, alle min clage.
Dis bettes dekki ist min geronge,
Da mitte ich bin gebanden.
Wiltu nu herre mich stillen,
So tft minen willen.
Und gib mir die snndere, die In den hdbetiünden sin,
So vr5we8ta die sele min.
Herre, wc wellen wir nn von mifien reden,
So wir alsust nahe zesamen sin gelegen
In dem bette miner pine.
Ich habe dich herre, enpfan,
Als dn vf erden erstanden bist von dem tode.
Lieber herzeliep, nu tr&ste min gem&te,
De ich ane vnderlas Interlich bl dir gest&n.
Da volget grosse selekeit nach.
Gib mir herre, die schnldigen sele vs dem vegefÜr
Alleine mir; de widergelt si alzetür.
Nn han ich dich herre, enpfangen,
Als du bist ze himel gevarn,
Nu soltu mich, vil lieber, nit ze sere spam.
leh müs je sterben yon mine^
Du mäht mich harret niemer anders gestiUen«
Gib mir herre, und nim mir herre alles wo dti wellest,
Und las mir je disen wiUen,
De icli sterben mftsae von mifie in der mine. Amen.
XXIL Von dem lohe des himdichen natUirs.
Wo! mir! ieh lobe didi alle wege,
Groty diner edelen gAti,
De da mich erweit hast
ZA dime helfgen dienste.
Heiige min gemftte,
De ich mit hellger ifiekeit
Alle dine gäbe enpfkh
Und ich mit vröden b! dir bestt.
XXIIL Wie man dem sune danken sol.
Wol mir! ich danken dir, keyserlicher gotz aun«
Des denke ich dir jemer me.
De du mich in der weite von der weite hast genoAen.
Din heiige pine Ist min,
Die dn dur mich hast gelitten.
Alles de ich jemer gelide,
De wil ich dir da wider geben.
Alleine es vngeliche si,
Es machet doch mine sele vrl.
Halt mich je in dinen hnlden,
De du jemer gelobet mftssent sin.
Jesus, min vil lieber,
L6se mine bende, la mich zÜ dir beliben.
XXIV, Von der mme vHt.
Wol mir! Ich danke dir, heiiger geist.
De ist min gelÖbe, de du bist
Ein persone der heiigen drivaltekeit
Din sAssen minenden bmne&vlüsse
Vertilgent alles min herzeleit, '
Wan si sanfte hergand
Vsser der h^ligen drivaltekeit
Ich bitten dich herre, hellger geist,
De du mich bedekkest von aller argheit
Der ^blen gelsten mit diner g&tlichen mine,
Was si an mir suchen, de si de nit linden.
XXV. Von dem ffinlsse der heiigen drivaltekeit.
Ich arme von allen tagenden,
Ich sn&de an minem wesselidei
24d Siebenter TheU.
Getar ieh od^ nag,
So grftsse ich die h5hin> die clarheit,
Die 'wufie , die Wisheit , die edelkeit,
Die wanderliclie einnnge der heiigen drivaltekeit,
Do alles de vsgevlossen ist, vnbewollen,
De do WC, de ist, de jemer wesen sei;
Da müs ich je wider in;
Wie sol mir de geschehen?
Ich müs widerkriechen, wan ich schuldig bin;
Ich müs gän vf besserunge mit guten werken;
Ich müs löffen mit getruwem vlisse;
Ich müs vliegen mit tabenvederen,
De sint tagende nnd güti werk und heiiges gemüfe.
Ich müa sweben an allen dingen über mich selber;
Als ich allermüdest bin,
So kume ich wider in. .
Wie ich defie enpfangen werde,
Do gesach nie menschen Öge,
Das gehört nie menschen ore.
Es mohte nie menschen mnnt gesprechen.
Gloria tibi trinitaa!
XXV L Wie man z& gotte vliehen sei in der bekorunge.
Herre Jesu criste, ich armer mensche
Vlehe dir und gere diner helfe,
Wan mine viende jagent mich.
Herre got, ich klagen dir,
Wan si wellent mich dilken von dir. .
Herre, almehtiger gotz sun, tilge si von mir.
Gib mich nil in ir gewalt,^
Und halt mich later in dir, .
Wan du hast mich mit diner marter erl58et.
Sist nu min helfe und min trost
Und la mich herre nit verderben,
Wan du wolltest für mich sterben.
Herre Jesu Criste, ich suche dine helfe.
. Erwek mine sele von dem sclaf miner tragheit
Und erlühte mine siüe von der vinstemisse mines vleisches,
Gib mir diu geleite,
Ze wandelend alle mine wege zu dir ane sündc,
Als es mügelich si von menschen,
Wan tninü gebresten sehen dinü 8gen.
■ Maria, gotz müter, himelschü keyserin,
Hiezu müssest min helferin sin,
Wan ich leider schuldig bin.
Das ich gnade .vinde
Cap. XXVI-^XXVII. ^41
ZA dime lieben luDde,
MAter aller küscheit,
Ich klagen dir alles min herzeleit. -Salve re§ina.
XXVIL Wie der geiaäich mensche sin herze sol kiren von
der weit
Sweüe der geistlich mensche mage und «inen liebsten vrünt
vor im sihet schone gezieret und gekleidet nach der weite, so
bedarf er wol, de er gewaffent si mit dem heiigen geiste, de er
nit gedenke: Alsus möhtestu öch wol getan haben! Von dem
gedanke wirt im sin herze als vinster und sin sine als vnbereit
zfi gotte, und sin mfit also treg ze heligem gebette und sin sele
also rehte eilende von gotte, de er deiie sinen weltlichen magen
inewendig gelicher wirt dene eim geistlichen menschen:
Wil er luter mit gotte gestan,
So müs es an ein striten gan,
So ist dene sin gewissede betrftbet,
Das ein lühtevas ist des heiigen geistes,
Wan die gewissede lühtet niht
An des heiigen geistes lieht
Swene de lieht schone in dem lühtevas Istentbran^
So ist des lühtevi^sses zierde schone bekant.
Also ist es vmb dem geistlichen menschen,
Dem aller der weite zierde
Ein eisunge ist in sinem herzen, '
Der behaltet si^i lühtevas schone und vnverl&schen;
Ist aber sin herze offen gegen der weite,
So ist sin lühtevas zerbrochen,
So kunt der bitter nortwint der girekeit
Der weite von vnsern magen,
Das si vns vil klagen,
De si des pfüles «nlze kleine haben,
Da si doch leider ine versinkeht,
Und in den sünden ertrinkent.
Dis verlöschet vnser lieht
Und haben doch der weite niht.
Damach kunt der sünde wint,
Die valsche wollnst der weit , de i^i 8ch5n^ schint,
Und hat doch mam*g bitter pine;
Wil vns dis wol behagen.
So haben wir in den ewigen schaden.
De m5gen wir gerne bewam,
Wan es ist kein sünde so deine^
H. Mechthild. Iß
242 6iebenUr Theih
Si 8t vns an vnser sele ein ewig sehade.
Warumbe? Es wart nie sünde als heleklich gewandelt,
Si were besser unget&o.
Darambe müssen wir stete vorhte han')
Ob wir mit gotte m5gen biterlich bestan.
De wir gotte haben gegeben,
De m5gen wir im niemer ane vnsern schaden wider genemen,
Wand wir sin im erlich gegeben.
Der visch in dem wassere der sihct
Mit grosser ger de rote as an,
Damitte man in wil vähn;
Er sihet aber nit den angel.
Also ist es ymb der weite vergifr,
Si bekenet ires schaden nit.
Wiltu nu rehte widerkeren,
So sieh an dinen brütgSmen, aller weite herreu,
Wie 8oh6ne er gekleidet st^nt
Mit pfellorinen deidern, rot blöt,
Swarz varwe, mit geiselen zersclagen,
ZA der süle gebunden.
Do enpfieng er dar dine liebin
Manige scharpfen wunden.
Dis las in din herze gän.
So mäht du der weite trüginen entgän. .
Wiltu fürbas volgen mit dinen heiigen gedanken.
So sich yf, wie er an dem erüce stunt,
Vfgerichtet hohe,
Vor aller weite 5gen mit blÄte bernnen.
Die cleider s6llent wesen dines herzen wunen,
Sine keyserlichü 5gen mit trehnen vbervlossen.
Sin süsses herze mit der mine dnrstossen')
Nu h&re noch die stime;
De leret dich die gotzmine,
Wie der smiden hamere klopfeten und slügen
Dur sine hende und vosse an dem cri\ze.
Gedenk öch an des speres wunde.
Das dur die siten gieng ze sines herzen gründe,
Und clage im alle dine sünde,
Sust gewinestu gotz künde.
Sich die scharpfen cronen an
Die er vf sinem höbet trüg,
Küs in vor allen dingen.
Er gibet dir aller wunen gnüg.
*) Handschrift: haben.
') Handschrift: durvlossen.
G^i. xxvni. 248
Danke im wie er sterben wohe .
Dar dine grosse liebin
Und la dich ni^oonn betriegen,
So msht du ein känigine sin eines Hohes jemenne
ynha hieza kriesen, so fberwindestn
Mit Yr5den aller weite herzeleit.
XXVIU. Von der not eis urInges.
Mir wart bevolhen mit eime heiigen ernste, de ich bete vir
die not, die nn ist in Sahsenlanden and in DAringenlanden.
Da ich mich zft bot mit lobe nnd mit gemnge, do wolte mich
vnser liebe herre nit enpfan, nnd sweig mit ernster stille: De
mäste ich vertragen, sibenzehen tage mit minenelieher gedult.
Do sprach ich zu vnserm lieben herren: Eya lieber herre, weile
sol komen die behegeliche stunde, de du wilt und de ich mfts
bitten vür dise not. Do wisete sich mir vnser herre und sprach :
Der wunenkliche morgen rot
• Mit maniger Varwe, de sint die armen
Die nu Udent manigerleie not.
Da sol in die ewige snüe nach vfgan des ewigen liehtes,
Di si bescbinen sol mit ewiger vr&de na diser not.
Do werdent si mitte gehelfget
Und gekleret als die spilende sune,
Als si gegen dem mitten morgen vftringet
Und die h&hi tritet.
Seiniieb sint in deme h6r
Da si note sint und mit vorhten,
Die lan ich werden gevangen und libelos,
Vf de si zu mir komen m5gin.
Die die sache sint des vrlüges,
Die sint grüwelicher an tn selber
Und grime an iren werken,
De si die bilde mines gotzhuses getörreat angriffen.
Do bekante ich , do do der ewige tot nachvolget.
Die die Strasse röbent ze vüsse,
Were kein vrlüg, so weren si diebe imd valsehe lüte.
Alsus machent je die bösen die seligen gAt.
Alsust müs got die sinen mit pine mlfien,
Er kaa si anders nit gewiäen.
Alsus hat mir got gesaget (von) den vroAen,.
Und nit weis noch wa es sol ende nemen.
Ich weis de wol vürwar,
De ich noch gotz vründen von herzen sol wol behagen.
16*
214 Siebenter Theil.
Ich weis das wol vürwar wc gotz vründe Hdent,
De ir got niemer vergisset,
Wan er. ist ir helfe und ir trost in aller ir not.
Damach sollen wir kriegen nnd mit vr5den gerne liden,
So mögen wir vor gotte bliken nnd schinen.
XXIX, Von einer lere.
Wiltn din herze ganz zft gotte keren,
So soltn drü ding haben zA einör lere:
Yörhte dich vor allen sünden,
Gütwillig zA allen tagenden^
Stete zA allen guten dingen,
So mahtu din leben zA einem gAten ende bringen..
Wiltn dich selben dazA twingcn,
So mahtu es mit gotz helfe wöl voUebringen.
Bitte got steteklich hieumbe,
So tragest du sanfte allen dinen kumber.
Bitte luterlich und diene got mit vlisse,
So wirstu vr5denriche.
XXX. Ein gebet wens man die jungfröwen crSneL
Enphahe herre, dine brAte^) und begegene tn mit den
lylien der luter käscheit alle ire tage. ^
Eophahe herrC; dine brate und begegene tn mit den rosen
der vlisaigen arbeit uf ein gftt ende.
Enphahe herre, dine brAte und begegen inen mit der vielen
der grundelosen diemfitekeit und leite si in din bnUbette unde
vmbehalBe si mit aller liebin jemer vngesoheiden.
XXXI. Von einer klüge.^)
Dis ist der minenden sele klage,
Die si alleine nit mag getragen;
Si mAs es gottes vründen sagen,
Vf de inen minedienst behagen.
Minen siech und Ubes krank,
Pine, not und harten twang.
De machet mir den weg zelang,
ZA minem lieben herren*
Wie sol ich dich, lieb, alsns lang enberen.
Ja, bin ich dir leider alze verre.
') Handschrift: bruehe.
«) Greith S. 264 nnd S
nnd 217.
Gap. XXIX— XXIU. 245
Wilta herre, mine clage nit enpfan,
So mäB ich wider in min tmren g&n,
Und beiten und liden, beide, stiUe nnd offenbar.
Du weist do wol lieber henre,
Wie gerne ich bei dir were.
Vnser herre. Wene ich knme^ so käme ich groe.
Ea war nie vngemach so gros,
Ich m5ge es wol geheilen.
Du müst noch me beiten,
Ich wil dich bas bereiten,
£b ich dich bringe vür minen vatter,
Vf de du vns deste bas behagest.
Ich h5re noch gerne dinen mifie klang.
Swene vinster werdent nnser menschliche sine.
So erweken wir mit der klage
In vnserm herzen die götlichen mine.
XXXIL Wie des guten menschen iverk Mhtent gegen den werken
vnsers het^ren.
Wie des gflten menschen werk sSllent lühten und schinen
in der him eischen ere, de merkent an disen werten:
Darnach als wir hie ^iischnldig sin gewesen, darnach (wirt)
gotz vnschult schinen und lühten in unsere heiig vnschult.
Damach als wir hie arbeiten in g&ten werken, darnach sol
gotz heiige arbeit lühten und schinen in vnsere heiige arbeit.
Damach als wir hie inekeit haben in gotte heimliche, dar-
nach sol gotz heiige inekeit lühten und bliken in vnsere heiige
inekeit manigvaltekliche.
Darnach als wir hie vnsere pine dankbarlich enpfSahen und
gedulteklich liden, darnach sol gotz heiige pine lühten und
schinen in vnsere pine.
Damach als wir hie alle tagende geübet han mit vlisse,
darnach s6nt gotz heiige tagende lühten und schinön in vnser
tugende in manigvaltiger ere. De were eweklich jemer mere.
Darnach als wir hie in mine brefien und lühten in heiigem
lebefie, damach sol gotz mine in vnsere sele und in vnsern
lichamen brenen und lühten ane vnderlas, jemerme vnverlöschen.
Dise gegenblike schinent und lühtent von der ewigen gotheit.
Dis guten werk han wir enpfangen von gotz heiiger menschheit.
Und haben si vollebraht mit des heiigen geistes volleist.
2(46 Siebenter Theil:
Sust. kumen vnser werk und vnser leben wider in die heiigen drivaltekeit.
Da wirt es offenbar, wie es vns nn hie stat.
Darnach de wir hie helekliche in götlicher mifie leben,
Damach sollen wir da in der h5hin wufieklich sweben,
Und darnach wirt der mine mäht vns da ze lone gegeben,
Das wir gewaltig werden allen vnsem willen ze tuende,
De wir von den heiigen bekant werden wie wir sint gewesen,
Hiemit müssen wir ir geselle wesen. Amen.
XXXIIL Von dem geistlichen trank. ')
Ich bin siech, mich lastet sere eis gesunden trankes,
De Jesus Cristns selber trank.
Do er, got und mensche in die kripfen kam,
Do WC im das trank zehant bereit,
Des trank er also vil.
De er also minenvürig trunken was,
Das er in allen tugenden vür^) alles sin hei*zeleit.
Er gab jemer tugende, die guti sin die wart nie siech.
Des gesundes trankes lustet mich.
Diß trank ist pine durch gotz liebin/ ^
Die pine ist bitter.
So malen wir darzä eine würzen, heisset: gerne liden.
Die ander würzen heisset, geduld in der pine
Die ist öch bitter;
So malen wir darzü eine würzen, heisset, heiige inekeit,
Die machet die gedult süsse und aller vnser arbeit.
Die dritte würze, de ist, in pine lange beiten
Vnsers ewigen leb^nes und vnsers heiles;
Das ist 5ch vil bitter.
So malen (wir) darzü ein Würzen, die heisset: Mit vröden vnverdrossen.
Eya lieber herre, woltestu mir dis trank geben,
• So m6hte ich vnverdrossen mit vr5de in pine leben.
Da w5lte ich zu einer wile des himelriches enbern,
Alsus süsse ist nach ime min gere.
Nn müssistu dis, herre, mir
Nach dinem liebesten willen geben.
Und allen den^ die es durch dine liebin geren.
XXXIV, Von der geistlichen spise.
Nach bitterme tränke bedarf raan wol senfter spise. Die
yfstigende geroDge und die sinkende diemfitekeit un4 die vlies-
') Greith S. 265.
') Handschrift: vir.
Cap. XXXIIl— XXXV. 247
sende mine, dise drie juncfröwen bringent die sele uf ze himele
vür got, und so wirt si irs lieben gewar. So spricht si: Herre,
ich klagen, de du so sere angevohten bist von dem liebesten de
du in ertrich hast, de ist der cristanmensehe. Herro, ich klage
dir, de dine vründe so sere gehindert sint von dinen vienden.
Vnser herre, Haben si di rehte gfiti an In, alles das vber si
gat ane sünde, de verzerent si wufienkliche zu der waren gottes
künde. Darumbe die pine ruffet allerlutost: vber allen gotzdienst,
wichent mir, wan de der mensche vngetröstet ist nach dem
willen gotz, wan de der mensche getröstet were nach sinem
eigenen willen. Gotz wille ist luter, vnser wille ist sere ge-
menget mit dem vleische. Alle, die sere minent iüewendig, die
werdent uswendig gestillet, wand alM vswendig ai:beit hindert
den inwendigen geist. De deüe der geist inwendig singet, de
gat über alle irdensche stime.
Die gedult singet allerschönost über aller engelen chöre,
wan die engcl haben kein gedult, wan si kein pine enpfindent.
Dis haben wir von der menscheit vnsers herren, dazu alle die
ere damit wir von gotte in ertrich geeret sint und damit in dem
himelriche mit gehöhet sollen werden. Von der edelen arbeit
vnsers herren und von siner heiigen pine ist vnser cristanlichü
arbeit und vnser gütwilligü pine geedelt und geheliget, ze glicher
wis als allü wasser sint geheliget von dem Jordane, da vnser
lieber herre ine getöffet wart.
Eya lieber herre, hilf vns, de vnser heiige geninge niemer
müsse gerüwen*) und vnser sinkende diemfttekeit sich niemer
müsse vfgerihten mit dem homüte, und die vliessende bürnunge
der heiigen gotzmine, die müsse hie vnser vegfür sin, da alle
vnser Sünden ine getilget werde.
XXXV. Von den siben salmen,^)
Lieber herre Jesu Criste, dise heiigen siben salmen spreche
ich ze lobe und ze eren aller diner heiigen pine, da da ine
sterben weitest dur mich an dem heiigen crüze.
') Handschrift: gerfiwen.
^) Die Busspsalmen.
248 Siebenter Theil.
Vil lieber, ich bitte dich, swene knnt die zit,
Do da din gebot ervüllen wilt
An mir mit minem tode,
De du dene komen wellest zu mir
Als ein getröwer arzat zu sinem kinde.
Und gib mir dene berre, eine heiige suche,
Da ich mich i&e bereite mit rehten sinen
Und mit warem crietanem geloben. — Domine ne in furore.
Ich bitte dich, vil lieber herre^
De du dene komen wellest
Als min allerliebster vrünt ze miner not;
Und bringe mir defle, herre, also waren rüwen
Da alle min sünde ine getilget werden,
De ich ir nach disem libe
Unbetr&bet blibe. — Beati quorum remis.
Ich bitte dich vil lieber herre,
De du defie komen wellest
Als ein getrüwer bihter zu sinem lieben vründe,
Und bringe mir dene das wäre lieht, dines heiigen geistes gäbe.
Da ich mich ine sehe und bekene,
Und alle mine sünde von herzen ine vor clage,
Mit also heiiger hoffunge,
De min (geist) werde mit gebunden
Von allen minen Sünden
Und das ich luter werde vunden,
Und gib mir herre dene din selbes lichamen,
De ich dich dene, vil lieber,
Mit also grosser liebi müsse enpfan,
Als je ein menschen herze kan;
De du dene müssest bliben
Die wegespise miner eilenden sele,
Also, de ich, vil lieber, din liep geselle blibc
Mit dir zu dem ewigen liebe. Amen. — Domine ne in furore.
Ich bitte dich lieber herre
De du dene wellest komen
Als ein getrüwer brüder zu siner lieben swester —
Und bringe mir das heiige wafFenkleit,
Da min sele mit werde bereit,
De mir mine viende nit mögen geschaden,
Wefie si wellent über mich klagen,
De si sich dene müssen schämen aller ir arbeit.
Die si an mich haben geleit. — Miserere mei deus.
Ich bitte dich herre, de du wellist zu mir komen
Als ein getrüwer vatter zu sinem lieben kinde^
Und beware dene min ende.
Cap. XXXYI. 249
So ieh mit minem sündigen munde nit sprechen mag,
So sprich dene miner sele inwendig zu,
De du si tr&stest und jemerme beh&test,
De ich gevröwet werde und nit betrübet
Des bitte ich dich, herre, dur dine muten g&tin. Amen.
Domine exaud. o, et. da.
Ich bitte dich herre, de du mir dene wellist senden
Dine migetliche müter;
Der mag ich nit enbem,
De si dene ir volle mine lange gere,
Und min arme sele vor allen vienden beware.
De profimdis da.
Ich bitte dich, lieber jnngeling
Jesus, der reinen megde kint.
De du dene wellest komen
Als min allerliebster brütgöui.
Und rihte dene über mich
Als die edelen brüfg5me pflegent.
So si iren brüten grosse morgengaben gebent,
Und enpfahe mich dene an dem arem diner mine.
Und bedeke mich mit dem mantel diner langen gerunge.
Wol mir jemerme , so bin ich dene entbunden.
Welten wir dikke gedenken an die stunde,
So sunke aller vnser hochmüt ze gründe.
Als er vns defie sin her antlitze offenbaren wil,
So hat min sele Wunsches spil.
Da ich nu nach jamerig bin,
De mag mir in ertriche nach wi|ksche niemer gesch^.
Domine exaudi or, m, auribus percipe,
XXXVI. Von einem geistlichen doster.
Ich gerte des zu gotte, eb es jsin wille were, de er es mich
Hesse verstan, de ich nit mere schribe. Warumbe? Deich mich
nu also snöde und vnwirdig weis, als ich wc vor drisöig jaren
und me, do ich es beginen mäste. Do wisete mir vnser herre
in siner hant ein sekelin und sprach: Ich habe noch würzen.
Do sprach ich: Herre, ich erkene der würzen nit. Dö sprach
er: du solt si wol erkefien, so du si sihest. Man sol die siechen
mit laben, die gesunden Sterken, die toten weken, die guten
mitte heiligen. Hienach sach ich ein geistlich closter, de
WC mit tugenden gebuwen. *)
') Grcith 275 Dies Gleichniss kommt im M. A. öfter vor.
250 Siebeüter Theil.
Die eptiscbin Ist die wäre mine,
Die hat vil heiiger siÄe,
Da si mit vlisse die samennnge mit bewaret
An libe und an sele, alles t^ goiz ereii,
Si gibet in manige heiige lere ;
De jemer gottes wllle si,
Davon wird ir eigen sele vri.
Der mine capellanine ist die göüiche diemütelteit;
Die ist jemer der mine vndertan,
So mfts die hofart bi siten gan. ^
Die priori fie, de ist der heiige gotzvride.
Irme g^ten willen wird gednld gegeben,
Das si die samenunge mit gotlicher wii^eit leret;
Zu welen dingen si keret,
De ist je ze gottes eren.
Die vnderpriorine, das ist mifiesamkeit
Si sol die deinen broken zesamene lesen
Und tilken si mit gotlicheit
Swas man missetüt de sol man nit lange tragen im gem&te,
Damit meret got des menschen ghte,
Do capittel sol vier ding in im haben:
De ist die offenbarunge der hehkeit,
Die an gotz dienest lit Ir senftmütige arbeit
Tut den viend^ manig leit
Und gotte manig ere,
Des mag si sich vröwen sere.
Si hüte sich vor italer ere,
Andere der eren helfe sin*
Dienent si mit vlisse, so lonet in got geliche.
Die sangmei Sterine, de ist die hoffunge,
Ervüllet mit heiiger, diem&tiger andaht,
De des herzen vnmaht
In dem sänge vor gotte so schöne ciingen,
De got die noten minet, die in dem henien sfaigen.
Der mit ir also singet, dem sol mit ir gelingen
In der bimelschen mine.
Die schülmeisterin, de ist die wisheit,
Die mit gAtem willen die tumben vlissekHch leret.
Des wirt de eloster gdieliget und geeret.
Die kell er in ist ein vsvlos in belflicher gäbe.
De si das in g5tlicher vröde tut.
Davon gewinet si heiig gemüte in g&tlichier gäbe.
Alle die iht von ir gerent.
Die söllent gezogen und genügig wosen
Jemer ane clage.
So vlüsset in ir* herze die süisse gottesgabe.
Cap. XXXVII. 251
Die ir helfe do zu sin,
Die söllent jemer gewinen
Alse si die süsse gotzgabe.
Die kamererin, do ist die miltekeit)
Die jemer gerne woItAt in ordenlichen massen.
Si gibet de si nit enhat mit gütlichem willen,
Des müs si von gotte sunderliche gäbe gewinon.
Den si was gibet die danken des gotte
Mit heiiger inekeit, der bevindet des herzen stat
Als de edel tränke in reine vas.
Der siechen meist er ine, de ist die vlissendo barmherzekcit,
Die jemer danach hungeret,
De si vnverdrossen den siechen si bereit
Mit helfe und mit reinekeit,
Mit labunge und mit vrölicheit,
Mit tröste und mit minesamkeit.
So gibet ir got sin widergelt,.
De si es jemer gerne tut,
Der ir helfe dazu senden sol,
De selbe von gotte geschehen.
Die portenerine de ist die hüte.
Die jemer ir vület mit heligetQ gemüte
Ze werbende wc ir ist bevolhen.
So blibet ir arbeit vnverloren,
So mag si bereite zu gotte komen
Swene si bitten wil,
So ist got mit ir in einer heiigen stille,
Ze verclagende ir herzeleit.
Wand si es vnderwilen swerlichen tut.
De versünet alles die heiige gehorsam!,
Der si dene ist mit vr5den vndertan.
Die zuhtmeisterin, de ist die heiige gewonbeit,
Die sol jemer brenen als ein kerze,
Vnverl5schen in der himelschien vriheit,
Sust tragen wir sanfte alles vnser herzeleit
Untz in ein heiig ende.
Der Brobest ist die g&tliche gehorsami,
Dem sint alle tugenden vndertan
So mag de closter in gotte gestan.
Der sich in dis dosier wil begeben,
Der sol jemer mit g5tlicher vr5de leben.
Hie und in dem ewigen leben.
Wol in die da ifie blibent!
XXX VIL Von der ewigen hochgezit der heiigen drivaltekeit,
Swer in warer mine sich bereiten wil
Zu der ewigen hochgezit der heiigen drivfdtekeit,
252 Siebeater Theil.
Der müs es je begifien:
Er sol dem himelscben vatfer volgen tmd dietran
Ane vnderlas mit hellgen vorhten
Und mit diemfitiger diem^tekeit an allen dingen.
Er sol sinem ^une volgen und dienen
Mit pine und mit gedult,
Mit willigem arm&te in heligen arbeiten.
Er sol dem heiigen geiste volgen und dienen
In heiiger hoffunge ob allen Worten
Mit süssem herzen in senftem gemftte,
So smeket man siner gute.
Die reinen minenden juncf r Owen,
Die sölient vürbas volgen dem edeln jnngeliüge
Jesn Cristo, der reinen megde kint,
Der al vol minen,
Als er wo von ahtzehen jaren, so ist sin t^rsone
Den juncfröwen allerminenkHchost und er aUerschfrnost;
So volgent si ime mit wanenklicher Zartheit
In die bl&iende wise ir reinen gewissi.
Da brichet Inen der jungeling
Die blümen aHer tngenden,
Da machent si di6 edelen crenfze von,
Die man zü der ewigen hohgezit tragen sol.
Swene die edelen gerihte sint geschehiep,
Da Jesus Gristas selber dienen wil,
So sihet man da den allerhötiesten lobetanz,
Da sol deüe ein jeglich sele und lip
Tragen iren tugenden krant^,
Die si hie haben vollebraht
«
Mit maniger heiiger atidabt.
So volgen si dem lambe in vnzellicher wone,
Von wone ze minen, von mifien ze vr5den,
Von vr5den ze clarheit, vqn clarbeit ze gewaltekeit,
Von gewaltekeit in die höhsten h&hin,
Vür des himelscben vatter 5gen.
So gr&sset er sin^ eingebornen sun
Und darzü manige reine brut,
Die dar mit im sint komen.
£ya lieber sun, de du bist, de bin ich,
Und de si sint, des vr5we ich mieh.
Mine lieben brüte , vr5went vch jemer me,
Vr5went f eh in miner ewigen luterkeit,
Verklagent nn sanfte alles we und alles leit.
Min heligen engele sont ^di dienen,
Mine heligen sont veh er^
Die m&ter mines sunes menscheit
Cap. XXXYIII. fefiS
Sol f ch mit lobe sin bereit,
De ir gesell» sint Vr5wexit ttoh lieben brAte,
Min snn sol f eh al ymbeyän^
Min gotheit sol vch al durgän,
Min heiig geist sol f eh jemer me leiten
In Miineolioher angenweide
Nach allem fwera willen.
Wie m5hte f eh ba^^gelingen?
Ich wil ich selber minen.
Die nit hitere megde sin^ ') ^
Si s5llent dise hochgezit besitzen und besten
Und gebruchen als verre es müglioh mag gesin.
Do ich in kurzer stände mit jtniner sele 5g6n dis gehorte
md gesach; do wo ich «in mensclich JStAppe und, ein esch als
ch e was.
KXXVIIL Wie ein geistlich meuMch sol dagm und bekenen got
sin sünde edle tage.
Ich sündiger mensche,
Ich klage und bekene gotte alle mine sdnde,
Da ich schuldig an bin vor gotz ögen.
Ich bekene und klage allü rainü göten Werk,
Du ich versumet han.
Ich bekene und kli^e die sünde die ich tet,
Do ich nit wiste wc sünde was. .
Ich klage die sünde die 4Stgor sint,
Die ich getan habe mit wissen
Und mit argheit und mit vninüjiekei^ und mit itelkeit
Erbarme dich herre, über mich,
Wan si sint mir warlich leit, .
Und gib mir herre, dine ganze Sicherheit»
De du si mir alle habest .vergeben, -
Ich mag anders nit mit vröden leben.
Jesus ) villieber büle min,
La mich in warer rüwe
Und in herzelicher liebe zu dir (In);
Und lä mich niemer erk&len; ;. • -
Also de ich diner herzeklicber mi^
In minem herzen und minor ^ele
Und in minen fünf sinen,
Und in allen minen geliden
Ane vnderlas enpfinde.
So mag ich nit erkülen.
*) Die Wittwen.
%H Siebenter TheU.
XXXIX. Ww die^ t'Avel sich iclc^ent urui jageni, bissmt und
nagent, wme ein minendü sde, die vtyn gStlichet mine bi^enet,
von diser weit scheidet,
Wol dem guten menschen, de er Je wart geborn,
Der mit allen tagenden volget gotte,
Die ime müglich ze vollebringende sint!
Sin sele virt in minen vr!,
In sinem jnngesten ende, so koment die heiigen engele
Und enpfahent die reinen seien
Mit. vnzellieher liebin in himelischer ¥m&e
Vnd vürent si von hinan mit vr5dei},
Und mit grossem lobe bringent si s! ze gotte.
Die viende von der helle, die dar waren t kometo,
Den wart alle irü arbeit benomen.
Mit hasse und mit grime warent si dar komen;
Alse si dene das gesehen,
De irs willen nit ist geschehen.
Wie si sich dene efclahent und jagent,
Wie si sieh dene bissent nnd nagend,
Wie si sieh dtii» höwetettl Bnd^^ gtinbn,
Wan si v&rfatent: die grüweliebe pinen,^
Die si von iren meisteren s&nt enpfön.
De si die sele verloren han. —
So schelten si sieh vttdereinander:
Vnseliger, es wc din sehnk! —
„Swig geselle! loh vant sie nie an grosser vngediilt
Als ich tr b5se gedenke zftsehos,
So was je rüwe hr genos.
Das ronen mit den bSitem, de beniSet vns aHie vnser ere;
Vnser gesellen war vil mere.
Den') si tdre was bevolhen.
Wie s5nden wir na ze hove komen?
we meister, wc hast da vns gewissen,
De da vns disen menschen hast bevolhen t
Wir konden keine grosse sünde an ir bekedien.
Ich bekorte si dike sere,
So gieng es an ein weinen, '
(Ich) and ander mine gesellen,
Wir konden si nie gevellen.
Mit weinen vertreip si mich.
Mit süfzende verbrante si mir '
Min har and mine dawen,
*) Handschrift: dem.
C^, XXXIX. 2Ö&
Ich mohte ir niergen genahen;
Ir gehorsam! was also gros,
Ir wart nie eben genos.
Von der ist bekomeo,
Sl ist vns mit rehte benomen.
De ist vnser gr&ster schade.
Alle ir guten werk branten enbifien
Von g5t]icher mine,
Wan si tet alle ir gäten werk mit götem willen.*^
So spricht ir meister:
„Ir sint mit schaden ze hove komen.
Ich hatte si vch bevolhen,
Die pine wirt ^ch niemer benomen;
Die ich vch darumbe wll geben.
Ir wellent bi den lüten nit wesen , als ich gerne were.
Ob mir die ^e were gegeben;
Nu müssent ir mit mir hie in der helle leben, ')
De sol vwer büsse wesen.
Ich wil hoher meister vssenden,
Vf de s! guter lüte bekentnisse verblenden.
Ronden wir iren grossen vlis
Den si haben ze gotte , zerstören,
So begiengen wir alle vnser ere,
So volgeten !n die jungen,
Sns würde alles vnser gescleht gemeret.
M5hte mir der seien eine werden,
Die von gotlicher mine so sere breiien!
Damit wolte ich mich selber cronen.
Und weite mir selber Ionen miner langen arbeit.
So verdagete ich sanfte alles min.herzeleit.^
Tu dich diner diemütigen gerunge abe,
Dil gerost des, de dir nie geschach
Und dir niemer sol gesdiehen.
Dir werde tbel oder we,
Alle die seligen, die in der cristanheit got im herze minent,
Die sint so sere durgossen
Und mit der mine darvlossen,
De si lühten mit heiigen tagenden
Und minenclichen bümen in allen iren werken.
Du weist wol, es hilfet dich nit.
De du si so sere verkerest
Si beitent kume vntz de es kome,
De si got darine loben.
') Handschrift: ligen.
356 Siebenter Theil.
Wie vil du inen mit listen naeh gast,
Si sint je mit lobe bereit.
Das brumen und de grimen
Und de bissen nnd de nagen, de er do tet,
De ist vnsprechlich in sinen banden.
Herre got, wir danken dir! gib vns ein heHg ende:
Dis ist der grösten vr5den ein , die die selige sele hat, ')
De si sihet und weis,
De sieb die viande vnderenander sclahen
Und ir büsse in der helle haben.
Die tr also manig leit ban getan,
So ist si doch inen mit vr5den entram
Und sol die ewige erone fragen,
Von der pine (so) si ir getan haben.
•
XL. Alsus sprichet du minende sde zs irme lieben hei*ren.^)
Were alle die weit min
Und were si luter goldin,
Und solte ich hie nach wünsche eweklich sin,
Die alleredelste, die allersch&neste.
Die allerricheste keyserin, —
De were mir jemer vnmere,
Also vil gern
Sehe ich Jesum Criatum minen lieben herren
In siner himelschen ere.
Pr5vent we si liden, die sin lange beiten.^)
XLL Wie ein predierbi*äder wart gesehen.
Ich bekante vor vierzig jaren einen geistlichen man; deüoch
warent geistliche läte einvaltig und ininenvärig. £r nam zA in
geistlichem lebende und in v]:omekeit iind leiste vnsenn herren
offenbar manige heiige arbeit. Der ist nu hinangevaren; do bat
ich vnsern herren vür sine seien cristanlicfae, eb einig schult an
ime were, de got Ime de vergebe. Do sach ich allererst eine
clarheit, die wc ime von gotte bereit; do envant ich In nit ine,
do betn\bete sich min sele. Damaeh zu einem andern male,
do ich aber vür in bat, do vant ich In in einer vorigen wölken,
do bat er deüe, man ime (welle) wc geben.. Do sprach ich mit
') Handschrift: die seligen seien hant.
') Greith S. 266.
■) enberen.
Cap. XL— XUII. 257
aller mäht zu vnserm lieben heiTen : Eya lieber herre, g5ne mir
des, de ich müsse vbels mit gutem Ionen. Do rihte er vf in
dem wölken und sprach: herre, wie stark ist din kraft! Wie
rehte ist din warheit. Do sprach ich: Wa nu, wie gehabestu
dich nu? Do sprach er: ich gehabe mich als mir schinet. —
„Wavon habestu dise pine?" — Die seien, die valsch heiig
schinen, die besageten die vnschuldigen zu mir; des lies ich
entgelten, und hatte sündigen wän vf si, davon habe ich diese
pine. — ,jEya hette ich noch ein süfzen, des mohte ime von mir
nit beschehen, er hatte sich och ein teil vergezen an mir."
Zem drittenmale bat ich aber vür tn, do vür er wunenklich
hin. Do begegente im vnser lieber herre und sprach ime zu:
Das din weg alsus lange und alsus swere ist gewesen nach
dinem tode, de ist dir von bösen lüten gegeben. Du hast mir
heleklich gevolget und getrüweklich gedienet, du solt der junc-
fröwen cronen tragen, cronen der rehtekeit und cronen der war-
heit. — Do vür er lühtende hin vber aht köre und rfirte den
münden 5 do sach ich sin nit mere. Hetten ime die valschen
lügenere nit zugetragen, so were er ane pine zu der ewigen
vröde gevarn. De er inen getrüwen wollte, de was sin schade. -
XLIL Von dem honigtrank,
Herre got, besclüs nu dinen türen schätz
Mit eime heiigen ende,
Und sclÜ8 den vf, do er dir ze lobe werde
In himei und in erde.
Do sprach ein stime: Du seit mir honges trank behalten,
Der h'get in maniger valden;
Ich wil in vf scliessen ;
Des sol noch maniger geniessen.
XLIIL Von der einvaltigen mine, wie die wise wart gesehen.
Die wellent bekenen und wenig mifien,
Die blibent je in eim beginen
Eis guten lebenes.
Des müssen wir je stete vorhte tragen,
. Wie wir gotte da ine behagen.
Die einvaltekliche mine
Und deine bekeflen,
Die werdent grosser dingen ine.
H. Mechthild. 17
258 Siebenter Theil.
Die heiige einvaltekeit
Ist ein arzatine aller wisheit
Si machet den wisen, de er sich binet vür einen tumben.
De die einvaltekeit des herzen
Wonet in der wisheit der sine,
Davon kunt manig helikeit an des menschen sele.
XLIV. Von f'ähf Sünden und von fünf tugSnden.
In arm&te girikeit
Und lugenhaftig in der warheit,
Trege zu der barmherzekeit,
Honsam spot in der gegenwirtekeit,
in der ordenunge:
Dise fünf ding unvollekomen
Machent hSptsiech geistlich leben.
Warheit ane valsch.
Offenbare mine vndereinander,
Vorchte in drien vorchten,
Verborgen lieb ze gotte in mime herzen offenbar,
Vlis zu allen guten dingen
Disü fünf ding haltent gesunt geistliche liebin.
XLV. Von siben dingen in der minenden gerunge.
Siben ding müs ich gotte zu eren sprechen:
Herre got, ist es mügelich, so gib es mir,
De ich ir in ertriche niemer m6ge vergessen.
Fünfe vindet man in himelrich,
Zw5i müssent hie bliben.
De erste ist der schade miner schulde,
Wan ich gesundet han und versumekeit guter werken,
Die ich wol getan m5hte han.
De ander ist, herre, de ich ane vnderlas warte din, wene du mir
Eomen wellest, weh* eher wis
Du gebütest mit eime heiigen ende zu mir.
Das dritte din vnrüwig gerunge,
Die ich habe nach dir.
De vierde , minenbümen vnverlöschen jemer dur dich.
De fünfte der erste gegenblik
Dines heren antlüzes gegen mir.
Das konde mir in ertriche
Leider nach miner gerunge nie geschehen,
Des singet min sele dike: o we!
De sehste getar ich kume nemen (nenen)
Ich werde stum als ich es bekene.
Ich horte es in ertriche nie genemen.
Cap. XLIV— XLTI. 259
De ist die spilende miiie vlut,
Die von gotte heimlich in die sele vlüsset
Und si wfder mit ir cnift nach ir mäht.
Was zwischent in beiden dene wuiie si,
Das weis nieman von dem andern,
Wc de si wirken vndereinander,
Wan ein jeglicher vindet sinen teil.
Was er hie hat vsgelühen.
De wirt ime dort alles wider gegeben.
Dis ist die himelsche gotzmine,
Die er hie vil cleinlich beginet
Und dort niemer ende gewinet.
Das sibende mag man knme mit Worten rüren.
Mit cristangelöben mag man es enpfinden.
Wie gros, wie hoch, wie wit, wuneklich,
Wie erlich, wie vrodenrich, wie rieh.
Wol im , der eweclich bi im wonen sol !
Die vroliche angesihte vol aller wollust
Und die hei ige gebruchunge nach wünsche,
Die sint vil manigvalt ane z'al
Und ane gesehen jemer me erlich gezogen,
Wand si swebent vs von dem lebendigen gotte.
Die vbersüsse gerunge, wunenklich hungerig, minenvol.
Die vliessent jemer me in die seien
Vberswenkig von gotte.
Noch dene behaltet die sele iren süssen hunger
Und lebet ane kumber.
XLVI. Wie sich die sele meldet in geistlichem armüte.
Hie meldet sich die sele in geistlichem armflte und in ewiger
liebi ze gotte und unrüwiger gerunge ze gotte hin ze varende.
Si sprichet alsust: Der lange beitunge der gät abe, die zftkunfti-
keit die machet de got und die sele vereinet söllent werden
vngescheiden jemer me. Sweüe ich daran gedenke, so vröwet
sich min herze sere.
Eya lieber herre, wie stille du nu swigest.
Des danken ich dir jemer me, de du mich so lange vermidest,
Sust müstest du jemer eweklich gelobet sin.
De din wille geschihet und nit der min.
Nu wil ich mich hinten^) in dinen Worten,
Die ich in cristangelöben gehört han.
Da du sprichest: Die mich liep hant, die han ich liep,
') Handschrift: hiitte.
17*
260 Kebenter Theil.
Zu den wollen wir komen, min vatter und ich
Und wellent ein wonnng mit im machen.
Wol mir lieber herre, diner milten gfifil
Des mahtu nit versagen.
Do sprach vnser herre:
Weiie knnt die zit miner bebaltunge,
Das ich dir die himelschen gaben wolle geben,
So bin ich vil snel,
Da min ewekeit lit ine behalten.
Ich wil si noch entvalten,
Und ich wil si hohen us von der blutigen erden,
Wan mir mag nit liebers me werden.
Die ewig liebi ze gotte wonot in der sele,
Die vergenglich liebi ze irdenischen dingen, die wonot in dem vleische.
Hie sint fünf sine gewaltig vber, zu welem si sich keren.
XLVIL Von einer sünde die bSse ist über alle sünde.
Ein Sünde bab ich gehöret nemen. Ich danken des gotte,
de ich ir nit erkefie, si dunket mich und ist ob allen Sünden
böse, wan si ist der hohste vngelöbe. Ich bin ir von aller
miner sele und von allem minem libe, und von allen minen fiinf
siüen, und von allem minem herzen gram. Ich danken des
Jesu cristo, dem lebendigen gotzsune, de si nie in min herze
kam. Dise sünde ist nit von cristanen lüten vfkomen; der die-
mfitige (sie) vient hat die einvaltigen lüte mit betrogen. Si
wellent also heiig sin, de si sich in die ewigen gotheit wellent
ziehen und legen bi der ewigen heiigen menscheit vnsers herren
Jesu cristi. Weüe sich die vindent in bobenheit so gebent si
sich in den ewigen vlüch. Si wellent doch die heiligostien sin.
Si habent iren spot vf gotz wort, die von der menscheit vnsers
herren sint gescriben. •
Du allerarmester mensche, bekantestu werlich die ewigen
gotheit, so were de vnmügelich, du bekantest öch die ewigen
menscheit, die da swebet in der ewigen gotheit, du mistest öch
bekenen den heiigen geist, der da erlühtet des cristanmenschen
herze und smeket in siner sele über alle süssekeit und leret des
menschen sine über alle meisterschaft, de er diemfitekliche da
sprach, des (er) vor gotte vollekomen mag.')
') Der Text scheint verdorben.
Cap. XLVII— XLVIIL 261
XLVIIL Wie die mine wart gesehen mit iren jungfröwen.
In der naht sprach ich alsus ze vnsenn herren: Herre, ich
wone in eime lande de heisset eilende, de ist disü weit, wand
alles de da ine ist, de enmag mich getrösten noch gevröwen
ane pine. Daine han ich ein hus, de heisset pinenvol, de ist
das hüs, da min sele ine gevangen lit, min lichame. Dis hus
ist alt, dein und vinster. Dis sol man geistlich vememen. In
disem hus han ich ein bette, de heisset vnrftwe, wan mir ist
mit allen dingen we, die gotte nit zu hörent. Vor dem habe
ich einen stül, der heisset vngemach. De vngemach git mir
vrömde Sünde ze bekenende, der ich nie wart schuldig. Vor
dem stüle han ich einen tisch, der heisset vnwille, de ich geist-
liches lebendes vnder geistlichen lüten sol deine vinden. Vf
dem tische Itt ein tischlachen, de ist reine, de heisset armflte,
de hat in ime vil manige heiige ^it. Wolte man es rehte ge-
bruchen-, so hette man es von herzen liep. Die liebin richtümes
ist ein diep des armütes. Vf den tische kunt mir ein spise, de
heisset bitterkeit der Sünden, darzü sol de heissen gütwillig arbeit.
Das drank heisset kume loben, wan ich leider alzekleine guter
werke an mir han.
Dis sach ich vinster enbinen, do offenbarte sich mir die
geware gotzmine. Die wc glich einer edelen keyserin jung-
fröwen. Si was adellich gebildet an irme libe, wis unde rot in
blfiiender jugent. Si hatte mit ir vil manige tugent, die warent
alle jungfröwen glich; damit diente si mir ob ich selber wolte.
Joch wolten si sich mir alle gerne ze dienste geben. Si wc
gecrönet mere dene mit dem lühtenden golde. Ir gewant wc
gelich grünem zendale.
Do ich si rehte angesach, do wart min vinster hus erlühtet,
de ich alles de bekante, de da iüe was, und de je da iiie ge-
schach. Do ich si gesach, do bekante ich si wol, wan ich si
och gesehen hette, do si min liebe conpaniue wc. Des wil ich
nu swigen, wan die sint öch in dem buche geschriben. — Do
sprach ich: Eya allerliebestü jungfrowe, nu bistu mere dene
tusendvalt vber mich; noch den so dienest du mir mit also grossen
262 Siebenter Theil.
eren, als ob ich mer den ein keyserin were. Do sprach si:
Do ich dich in dem luteren willen vant, de du dich von allen
vergenglichen dingen wollest begeben, do enwolte ich nit alleine
din vröwe wesen, ich müste och din stetü juncfröwe sin, also
sere lastet mich eins Intern herzen, de sich dur die waren gotz-
mine hat gelöset von allen irdenschen dingen. (Das meinet si:
Wie vil man irdenscher dingen hat, de es doch den menschen
nit ze herzen clebet.)
Liebü jungfröwe, sit du mir so lange hast gedienet, de ist
der snöden vröwen reht, de si der edeln jungfröwen erlichen
Ionen. Ich habe dir ze lone gegeben alleß de ich hatte und de
mir in ertrich mohte geschehen sin. Do sprach si:
Ich hau es alles vfgelesen,
Ich wil es dir mit grossen eren wider geben.
Ich enweis vrowe^ wc ich dir me sei geben;
Den wiltu mine sele, die wil ich dir alzegerne geben.
Do sprach si: des han ich lange an dir begert,
Nu hastu mich des jungesten gewert.
Sprich öch minen jungfröwen zu,
De 81 dir vlisseklichen dienen
So mag ich bliben bi dir in warer gotzliebin,
Die ich selber bin.
So spricht dii sele der ersten jungfröwen z& der rüwe:
Vröw wäre rüwe, koment har zu mir
Und bringent mir heiige trehene,
Die machen mich Bünde ane.
Frö diemütekeit, sitzent hie bi mir,
Und tribent homüt und ital ere von mir.
Wene si vch bi mir sehent, so müssen si vor mir vliehen.
Liebin Frö senftmütekeit,
Sitzent hie bi mir under min cleit.
So blibet mir die minesamekeit bereit.
£ya edeler gehorsam, ich gibe mich dir
In allen minen werken vndertan,
Du solt niemer von mir gan,
So mag ich behalten in allen minen werken
Du gotlich warheit ane lugine,
Die gotz vründen wol stat.
Liebü vröw erbarmherzekeit,
Sint bi mir, so ich den siechen dienen vlissig,
De ich die koste wol möge liden,
De ich den diene mit gute und mit libe.
Cap. XLVin. 263
Eya liebü vrowe kusch ekeit.
Ich bevil vch min ma gedieh kielt,
De es jemer liiter und reine si,
Wand min lieber brütgöm Jesus Christ,
Der ist ze allen ziten bi mir.
Vrö gedult, ich habe grosse kraft
In swigende und in lidende,
Ir benement aller miner anevehtunge ir mäht.
De si mir nit mögen schaden.
Ich wil vch mit arbeiten bi mir halten.
Vrö helikeit, koment har-zü mir,
Und küssent miner sele munt,
Und wonent in mines herzen grünt.
So blibe ich jemer mere gesunt.
Frö hoffunge, ich bitte vch,
Das ir zesamen bindent alle min herzenwunden.
Die mir die mine hat gesclagen.
De ich je behalte den gotz segen.
Was mir vngemaches werde gegeben.
Eya erlicher, heiiger cristaner gelobe.
Du erlühtest je rainer sele öge,
De ich wol weis war ich gekert bin
An cristanlichen dingen;
Ich bevilhe dir minü werk und mine sine.
Eya liebe vröwe verhüte, sitzent nit,
Stant zo allen ziten mir bi, ')
So belibe ich von vbel vrt.
Vröwe messekeit, wesent ze allen ziten mir bi,
So mag ich gotte zu allen ziten
Zu sime dienste bereit sin.
Vröwe genuglicheit, ir sint min liebü kamererine,
Ich müs vch sere minen,
Ir machent min herte bette senft,
Mine groben spise smakbaft,
Ir gebet mir macht in dem armüte,
Dis kunt von gotz güti.
Vride und still ekeit mag ich nit enberen,
Ir mussent mit mir wandelen in allen minen wegen.
Di vil sprechent und vil runent
Und die behaltent ire ere kume;
Die vil rüme redent
De mag in niemer alles nütze wesen.
Die wisheit ist ze allen ziten bi der mine.
Und ist aller jungfröwen meisterine.
') Handschrift: bi mir.
264 Siebenter Thefl.
Si bchaltent swas die mine git,
Si machet den menschen nütze wc er leret oder liset.
Die kusche schemede hat sunderliche tugent an ir,
Si ist gerne \nigelobet in aller lüten gegenwirtekeit.
Nu bin ich mit jungfröwen wol besessen;
Noch sint zwoi der wil ich nit vergessen,
Vorhte unde stetekeit —
Du zw5i s5llent jemer bi mir wesen,
So m&gent alle mine jnngfröwcn
Irs ambahtes wol enpflegen.
Ich danke dir, liebü gotzmine,
Vröwe keyserine;
De hast du alles ze helfe mir gegeben
In mime ellendigen himelwege.
XLIX. Von eim leienbi'üder.
In der predierorden wart ein brüder ersclagen von dem
tunre; de wart vür sine sele gebetten mit getrüwer gerunge,
ab iht an irae were vngewandelt, de ime de werde vergeben.
Do wart sin sele demselben menschen bewiset, der vür in bat,
do was er schöne in himelscher wune und hatte kein pine. Das
was davon, als sin sele sprach: Ich was diemütig in minen
werken, ich was vorhtig an minen sinen, ich was gütwillig in
allen minen werken; darumbe hab ich keine pine. Die sele:
Warumbe v6re du nit zehant zu dem himelriche: Do sprach er:
Ich müs allererst hie enphahen gotliche bekantnisse und himelsch
mine, der bette ich in ertriehe nit. „Wavon ist de, de du den
deinen vleken hast an dinem antlize?" — Do sprach er: Ich
wiste min antlize ernst den, die minen willen nit taten, das
bleip vngewandelt an mir. — „Wamit mag man dir den vleken
benemen?" — Do sprach er: Hette ich einen süfzen! — Do
mohte ime davon nit geschehen von dem menschen, wan diewile
wart im gegeben. Do vröwete er sich und sprach: Nu ist es
enweg. — „Wavon tragest du dise cronen? Nu bistu noch zu
dem himelrich nit komen." — Do sprach er: Ich hatte einen
sunderlichen tot, davon hat got mir si gegeben.
L, Von der pinlicJiin gottes.
Eya lieber herre Jesu Crist'e, der da ist ein ewig got mit
dem ewigen vatter, gedenke min. Ich danke herre, dir diner
Cap. XUX— -LI. 265
sünlichen gaben, da d]i mich mitte rfirest ane vnderlas, die alles
min gebein und alle min ädern und alles min vleisch dursnidet.
Swene ich dir des herre, mit heiiger dankberkeit danken mag,
so bin ich sicher und anders nit. Du mäht wol dineh snöden
snödenlich halten, wan, herre,. din meinunge ist gut und besser
dene gut; wand manig ding heisset gut, de also gut nit enist
als de dine, de du mir tust. Wan du aber mich rürest mit diner
Überheren sfissekeit, die mine sele und minen lichamen al dur-
gat, so vörhte ich mich, de ich diner götlichen wollust alzevil
in mich mag geziehen, wan ich ir in ertriche vnwirdig bin.
Darumbe bitte ich dich vnderwilen vür ander liite me dene vür
mich, de ich miner wollust verzihe dur gotz liebi und dur cri-
stanliche trüwe.
Hienach vorhte ich die vfstigunge des homütes, die den
werdesten engel vs dem himelriche warf. Ich vörhte och den
sclangen der italen eren die Evam betrog. Ich v6rhte die vn-
trüwe die Judam von gotte sclüg. Bin ich gotte getrüw so he-
stan ich mit allen tugenden, mit aller gute in aller h&te, bi
gotte mit vnser lieben vröwen siner megtlichen müter.
LI, Ein gebet vor versumekelt
Ich allerminste, ich allersnödeste, ich allervnwirdigoste vnder
allen menschen küne, ich gere, ich bitte dich himelscher vatter,
herre Jesu Christo, herre heiiger geist, herre heligü drivaltekeit,
de du mir hütte wellest vergeben alle die versumekeit, da ich mich
mit versumet han an dinem heiigen dienste nit alleine durch nutz
und dur notdurft, mere dur mine sündige bosheit, die ich wol
gelassen hette eb ich wolte. Nu enpfahe herre, diso deine bes-
serunge, die ich dir nu leiste mit minem willen und diner lieben
müter ze eren und allen den heiigen, die man hütte begät in
der heiigen cristanheit, und allen gottesheligen ze lobe und ze
eren in selekeit, da si, lieber herre, mitte zu dir komen sint.
Nu hilf mir, lieber herre, sogetaner wandelunge an minem
lebende, de ich diner h'eligen geselle müsse werden in ertriche
alse in heiigem lebende, de ich in dinem riebe ir gesellschaft
266 Siebenter Theil.
möge besitzen vor dinem beren antlütze und alle die mit mir,
die mines gebettes begerent.
LIT. Wie sich die minende sele neiget under die Jiant gottes.
Ich sprich minen fünf sinen zu: Neigent vch vnder die al-
mehtigen hant gottes, wan die viende von der helle müssen sich
neigen und bögen, wie homütig si sint, in iren vürigen banden
* vnder dem herten getwange des almehtigen gottes.
Die in dem vegfür sint.
Die mussent sich neigen in irre schult vnder die büsse, -
Untz in die jungesten stunden,
De si luter werden vunden.
Die sündere vf dem ertrich, die mfissen sich neigen vnder
die burdin irre schult in dem vrteile mit der riiwe in die büsse
oder in die ewigen helle.
Die guten lüte vf deme ertriche die müssent sich neigen
mit der . . . *) in die büsse alle ir tage.
Die vserwelten reinen die vnsern herrengot mit allen trüwen
meinent, die sint sere betwungen, und si lident manigen heiigen
kumber. Si neigent und bögent sich vnder alle pine und vnder
alle creaturen mit swebender miiie. In ist homüt vil türe. Hie
an sol ich gedenken, und ich wil jund müs vsser demselben
napfe. trinken, da min vater vs getrunken hat, sol ich sin rieh
besitzen.
Das himelrich neiget sich mit allen heiigen engelen mit
wuüeklicher helikeit, wan de si sint und lebent, de hat tn got
vergebens gegeben.
Die heiigen neigent sich und bögent sich vor gotte
In vliessender mine und wunenklicher gerunge
Mit vlizeklicher annemekeit.
So danken si gotte,
De inen sine gaben in iren notcn
In ertriche wc so mineklichen bereit;
Damit vertrügen si alles ir herzeleit.
Also müsse mir geschehen,
Wan ich öch dur sine liebin ^
In manger pine bin.
*) Das Wort fehlt in der Handschrift.
Cap. Ul—UY. 267
LIfl. Von dem gevengnisse geistlicher lüten.
Mich erbarmet in rainem herze der kumber diser samenunge
da ich bin. Do sprach ich in der naht in der einöte mines
•herzen vnserm herren alsus: Herre, wie behaget dir dis geveng-
nisse? Do sprach vnser herre: Ich bin gevangen in im. — In
diseme worte wart mir gegeben der sin aller dirre Worten alsus:
Ich vastete mit in in der wostunge.
Ich wart bekort von dem viende mit in.
Ich arbeite alle mine tage gezogenliche in nützer vruht mit in.
Ich wart verraten mit hasse mit in.
Ich wart verköffet ime glöben mit in, alse si sich ofifenten mir in gotzdienste.
Ich wart gesüchet in der vare mit in.
Ich wart angegriffen mit in in ganzem grime.
Ich wart gevangen mit giriger abgunst mit in.
Ich wart gebunden in der gehorsami mit in.
Ich wart verspottet in grosser vngunst mit in.
Ich wart georschlaget mit grosser vnschult mit in.
Swas si n&te horent, de sol si nit betrüben.
Ich wart für gerihte gezogen mit in als ein schuldig diep.
Des sont si gedenken im capittele und in der biht.
Ich wart gegeiselet mit in; alse si sich geiselent, so s&nt si min gedenken.
Ich trüg min crüze mit in.
Wene si beswerent eint, dabi sollent si gedenken min.
Ich wart mit in an de crüz gesclagen,
Dur de si gerne liden und nöte cumber clagon.
Ich bevalch minen geist an minem tode mincm vater mit in;
Also sollent si sich mir bevelhen in allen iren nöten.
Ich starp mit in in einem heiigen ende,
Also sol los werden alle ire gebende.
Ich wart begraben mit in in einem irdenischen steine;
Also söUent si wesen und beliben, von allen irdenischen dingen reine.
Ich stünt vf von dem tode, also sont si jemer von iren brüchen vfstän,
So mögent si die himelschen clarheit in ire sele enpfän.
Ich vor ze himele mit miner gotlichen craft.
Dar sollent si mir volgen in aller dirre vorhte tnaht.
Ich hoffe des werlich, de ir de ane vnderlas leistent und
bekenent. An wem es noch nit ensi, das müsse noch der wäre
got an ime voilebringen!
LIV, Von vier dingen des geloben.
Das man cristanliche gelobet an got, und de man got he-
lekliche minet und de man Jesum Cristum werliche bekenet^ de
268 Siebenter TheU.
man siner lere getrüwelichen volget untz in des menschen ende,
des gelöb ich, das man in disen vier dingen de ewige leben
vinde. Wir geloben cristanliche, niht alse Juden, noch als vn-
gelöbige cristanlüte. Si wellent geloben gotte und nit an sin
allerheligosten werk die er worchte, das ist, de er vns sin ein-
gebornen sun gegeben hat; den versmahent si. Herre got de
clagen wir dir. Wir geloben ime vntz an den willen gotz, da
er vns sin eingebomen sun gesant hat in dise weit. Wir ge-
loben an die werk und an den tot vnsers herren Jesu Cristi, da
er vns mitte gelöset hat. Wir geloben an den heiigen geist,
der alle vnser selekeit vollebraht hat in dem vatter und in dem
sun und noch voilebringet in allen vnsern guten werken.
Wie sollen wir got helekliche raifien? Wir sollen alles de
mifien de die heiige drivaltekeit heisset. Got hat die sünde nit
geschaffen, darumbe hasset er si an vns. Got minet die gute
an vns, die er selber ist.
Wie sollen wir Jesum Cristum bekenen? Bi sinen werken
sollen wir in bekenen und sollen in vber vns miüen. Wie sollen
wir siner lere volgen? Als er vns geleret hat und sine volgere
vns noch lerent. Diewile de wir hie sint, so wirt vnser selekeit
gemeret.
LV. Also schribet ein frünt sineme f runde.
Wand du got mifiest tber diöe menschlichen mäht, wand
du got liep hast mit aller diner sele craft, wan du got bekenest
mit aller diner sele wisheit, wan du gotzgabe enpfangen hast
mit maniger heiiger dankberkeit, — darumbe sende ich dir
disen brief.
Der grosse vbervlus götlicher mifie, die niemer stille stat
und vlüsset jemer me ane vnderlas, ane allerhande arbeit, mit
also süssem vlusse jemer vnverdrossen, de vnser dein vesselin
vol und vbervlüssig wirt, — wellen wir es nit verstopfen mit
eigenem willen, so vlüsset vnser vesselin jemer über von gotz
gäbe.
Herre, du bist vol und machest vns och vol mit diner gäbe.
Du bist gros und wir sint clein,^ wie sollen wir dir glich werden?
Cap. LT. 269
Herre, du hast tos gegeben und wir sollen 8ch vürbas geben.
Älleine wir ein deines yesselin sin, so hastu es doch gefüllet.
Man mag ein dein vol vas so dike giessen in ein grosses vas,
de das grose vas toI will; von dem deinen vasse. Das grosse
(ist) die gnfigunge gotz, die er von vnsern werken enpfät; wir
sin leider also deine, de vns ein vörhtelin von gotte oder von
der heiigen sehrift also vol machet, de wir nit me mögen zft
der stunde. So giessen wir die gäbe aber wider us in de grosse
vas de got ist. Wie sollen wir das tun? Wir sollen es mit
heiiger gerunge giessen uf die sündere, de si gereiniget werden,
so wirt es aber vol. So giessen wir es aber vf die vnvoUe-
komenheit geistlicher lüte, de si vürbas criegen und vollekomen
werden und bliben. So wirt es aber vol, so giessen wir es
aber vs uf die not der armen seien, die in dem vegefür qwelent,
de tn got dur sine gute ir manigvaltige not beneme. So giessen
wir (es) mit heiiger barmherzekeit (vf) die not der heiigen eristan-
heit die in manigen Sünden stet. Vnser herre got hat vns allererst
geminet, er hat 8ch allererst für vns gearbeitet, er hat öch dur
uns allermeist gelitten. De selbe sollen wir im widergeben,
wellen wir tm glich wesen.
Also sprach vnser herre zu einem menschen: Gib miralies
de din ist, so gib ich dir alles de min ist. Das widergelt der
mine de wir got leisten, de ist vil süsse. De widergelt der
arbeit de ist vns leider vil dike swere, wan de die miüe hat
inwendig verzert, des müs leider der mensche vnderwilen vs-
wendig enbem. Wie swere de si, vraget man mich? De möhte
ich doch mit menschlichen sinen niemer vürbringen. Vnser herre
hat vil vür vns gelitten bis in den tot. Nu dunket vns leider
ein deines liden also gros, des müs ich mich selber versmahen
und gotte clagen, de ich also deine tugende han. Die miile
machet liden süsse, me deiie man gesprechen möge, und wellen
wir got werden glich, so müssen wir sigen über manigen strit.
De gehügenisse gotz und der miüenden sele kumet zesamene
glicherwis als du suüe und der luft mit der edelen gotzkraft
sieh zesamene mengent in einem süssen gedrenge, de die suüe
dem luft sin keltnisse und vinstemisse überwindet.
270 Siebenter Theil.
De man nit mag gemerken es sie alles ein snne;
De kumet von der g5tlichen wune.
Got gebe vns und behalte vns allen dise minel Amen.
LVL Wie got r&ret sine f runde mit der pine.
Swene der mensch eine trübekeit hat,.
Da er nit nach enstat
Und deine schulde an im hat;
Alsus spricht vnser herre dnrzü:
Ich habe si geruret. Glosa.
Ze glicher wis als mich min vatter ruoren lies vf ertriche,
Also, die ich zu mir zühe vf ertriche,
Dene ti\t der zug vil we.
Si sollent de vürwar wissen,
So ich si swerer zö mir zühe
Je nahor si mir koment.
Wene der mensche "^ber sich selber gesiget,
Also de er pine und trost glich wiget.
So wil ich in in die süssekeit heben.
Also sol ime smeken das ewige leben.
LVIL Ein wenig von dem paradyso.
Dis wart gewiset und ich sach wie das paradys geschaffen
was. Siner brciti und siner lengi, der vant ich kein ende. Do
ich erste zukam , de wc zwischent dirre weite und des pamdyses
begine, do sach ich böme, löp und clelich gras und nit vncrutes.
Etteliche böme trügen öppfel und du ineiste menigi nit wan lop
mit edelme gesmake. Snellü wasser vliessent da durch und
sudenwind zu norden. Do begegente in den wasseren irdenschü
süssekeit getempert mit himelscher wuüe. Do wc der luft süsser
deüe ich gesprechen mag. Da ifie was tier noch vögele, wan
got hatte es alleine dem menschen bevolhen, de er mit gemache
da inen wonen solte.
Do sach ich zwene man iiie, de wc Enoch und Helyas.
Enoch der sas und helyas der lag an der erden in grosser iüe-
keit. Do sprach ich Enoch zu. Ich vragete tn, was si lebten
na menschlicher nature? Do sprach er: Wir essen ein wenig
von den öppfelen und trinken ein wenig des wassers, de der
lichame sine leblicheit behalte, und de grosseste ist die gotzkraft.
Ich vragete in: Wie kerne du bar? — Ich kam bar, de ich nit
Cap. LVI— LVIL 271
wiste wie ich har kam und wie mir was g ich har sas. Ich
vragete vmbe sin gebette. — Geloben und hoffunge, darus betten
wir. — Ich vragete, wie tm were, eb in it verdrusse da z*
sinde. Do, sprach er: mir ist alles wol und niergen we. —
Vörhtestu iht vor dem strite, der da in der weite noch sol ge-
schehen? — Got sol mich waflfenen mit siner craft, de ich dem
Stiche (stehen?) wol vermag. — Bittest du iht vür du cristan-
heit? — Ich bitte das si got von Sünden löse und bringe in sin
riebe. Elyas rihte sich vf; do wc sin antliz schöne vürig, himel-
var, als wissü wolle wc sin har. Si waren gekleidet als arme
mane, die mit dem stabe vmb ir brot gant. Do vragete ich
helyam, wie er bettete vür die cristanheit. — Ich bitt barmherzig,
diemütig und getrüwe unde gehorsam. — Bittest vt vür die
seien? — Ja, als ich gere, so wirt ir pine gemindrot. ') Als ich
bitte, so gat och die pine abe. — Werdent si it gelöset? — Ja,
ville. — Warumbe hat vch got harbraht? — Das wir helfer sin
der cristanheit und gotz vor dem iungesten tage.
Ich sach zwivalt paradys. Von dem irdenschen teil hau ich
gesprochen; das himelsche ist da oben, de hat de irdensche teil
beteket vor allem vngewitter. In dem höhsten teil da sint ine
die seien, die des vegevüres nit würdig waren und doch noch
nit in gotz rieh waren komen.
Si swebent in der wime
Als der luft in der sune.
Herschaft und ere, Ion und cronen
Habent si noch nit, eb si in gotzrich komen.
Swene alles ertrich zergat
Und de irdensche paradys nit gestat,
Als got sin gerihte hat getan ,
So sol de himelsche paradys öch zergan.
Es sol alles in dem gemeinen huse wonen
De (was) zu gotte wil komen.
So ensol kein siechhus me wesen;
Wer in gotz rieh komet.
Der ist vor aller süchete vri.
Gelobet m&sse Jesus Cristus wesen,
Der vns sin riche hat gegeben!
*) Hier scheint eine Frage zu fehlen.
272 Siebenter Theil.
LVIIL Von Sante Gabriel.
Helig engel gabriel, gedenk min!
Miner gerunge botschaft bevilhe ich dir.
Sage minem lieben herre Jesu cristo,
Wie minesiech ich sie nach ime.
Sol ich jemerme genesen,
So müs er selber min arzat wesen.
Du mäht ime in trüwen sagen.
Die wunden die er mir selber gesclagen,
Die mag ich nit langer vngesalbet tragen
Und ungebunden.
Er hat mich gewunden
Untz in den tot;
Lat er mich nu nngesalbet ligen,
So mag ich niemer genesen.
Weren alle berge ein wuntsalbe
Und alle wasser ein arzatin trank
Und alle böme mit blümen ein heilsam wundenbant,
Damitte möhte ich niemer genesen.
Er müs sich selber in min er sele wunden legen.
Helig engel gabriel, gedenk min!
Dise mine- botschaft bevilhe ich dir.
Swer got liep haben welle,
Diser minebrief erweket sine sine,
Ob er got volgen welle.
LIX. Wie die botschaft für got kam.
Ich habe die warheit in mime geiste wol vemomen,
Min botschaft ist zu gotte komen.
Die antwort die mir da wider sol komen,
Die ist so gros,
So creftig, so grundelos.
So manigvaltig, so .wunerich und so ^berclar,
De ich si nit mag enpf^n,
Diewile ich irdensche wesen sol.
Ich entscheide aller ein deine wile
Von diseme armen leben.
Also de ich da niemer blibe.
Nu müs ich beswinde der rede geswigen;
Ich enmohte nit me davon enpfan,
De man offenlich davon sprechen sol.
Mer ich sach sant Gabrielen in wunenklicher ere
In der himelschen h5hin vor gotte stän,
Als ich arme es mohte enpfön.
c«^. LVUi^Lii. 878
Im waren angetan
Nüwi mineviirige cleider, die wurden ime ze lone,
Do er wäre botschafit; so erlich werben kan.
Sin antliz sach ich minevilrig spilende dar.
Er was mit der gotheit vmbevangen und dargangen.
Sine wort mohte ich noch verst&n noch geh5reny
Wan ich bin noch glich einem irdenachen toren.
LX, Wie das kint gesehen ioart.
In der naht, als gotz sun geboren wart, de wart das kint
gesehen in armen tflehem bewanden und mit snflren gebunden.
De kint lag alleine vf dem herten ströwe vor zwein tieren. Do
sprach ich der müter zu: Eya liebü fröwe, wie lange sol din
liebes kint alsust eine ligen? Weüe wiltu es nemen vf din schose?
Do sprach vnser vrowe, si enlies doch de kint niergen vs iren
Sgen; si reichte im ir hende^) und sprach: Es sol dise siben
stunden under naht und vnder tage vf diseme ströwe ligen. Sin
himelscher vatter wil es also. Dem himelschen vatter wc sunder
wol damitte, de bekante ich do. Ich bat de kint vür die, die
sich mir bevolhen hatten. Do sprach ein stime vs dem kinde,
es regte doch sinen munt niergen: Wellent si mich halten in
irme gehiigenisse, so wil ich sie halten in minen hulden. Ich
han in nit ze gebende dene minen lip und de ewige leben. In
presepio de kint lag vf dem ströw herten, sin himelscher vatter
wolte also.
LXL Wie man sich bereiten sol zu gölte.
De der vogel lange bi der erden ist, da mitte verböset er
sine vlügel und sine vedem werdent swere. So hebet er sich
vf in eine höhin und weget sine vederen und zühef sich vf in
eine höhin also lange, untz er den luft ergriffet, so kumet er
in dem vluge. Je lenger er vlüget, je er wunenklicher swebet,
kume als vil de er de ertrich berfiret de er sich labe. Also hat
ime der mine vlügel die irdensche woUust benomen, glicher wis
sollen wir vns bereiten, alse wir zu sollen komen. Wir sollen
die vederen vnser gerunge jemer vfwegen zu gotte. Wir sollen
') Handschrift: in ir h6de.
H. Meebthild. lg
371 • Siebenter Theil.
ynsere tugenden und unsrä guten werk hohen mit der mine,
wellen wir' hie nit. abe lassen^ so werden wirgöttes ine.
(Vacat.)
Eya begerende mine,
Da HiffiBst BDAnige sfiase stime
In de ore dines lieben herren;
Din riftwe die ist deine.
Nu fröwe.. dich und swige nit, . - ~
Et wil sich noch mit vr6den zft dir kereu.
Eya sinkende mifie,
Pü Hdest manige sfisse not,
Din eilende de ist gros.
Wie soitu Jesum gewinen?
Er 15ffet dir alzelange vor.
Du hast in doch vür die sünde erkom
Und hast dich selber in Im verlorn.
Des müst du manige pine liden;
Ich wil mich in ime erholen.
Eya voZ^') mine,
Du spengest sere min herze und mine sifie,
De ich balde wil von hinan,
Ich enkan dich doch nach wünsche nit gewinen,
So müs ich doch nach jamer mifien.
Eyia creftige mine, du bist in grosser h&te.
Du meinest alle ding mit gute,
Du tragest sere über alle not,
Din hoffunge und din geföbe ist g^ros,
Du solt vberwinden alle din not. . .
Eya wisü mine, du hast heiige ordenunge.
Wie dit got darine lobest imd bekenest
Und sinen willen in allen dingen voilebringest.
Tftstu dis mit triiwen,
So mahtu in gotte rüwen,
Haran wil ich mich vr6wen.
LXIL Wie die jungfrowen dienent tr frowen der Icdnegin.
Also die rede wart geoffenfaaret einem menschen in sinem
jgeiste alsust: Ich sach einen weg; der gieng von osten da
die sune vfgat, untz in westen da si vndergat. In dem
wegen wandelten alle die von gutem willen sint ze gotte. Si
wandelten alle bi tale und ileten doch vngeliche. Si wandelten
*) Handschrift: wlü — wole?
Cap. LXli. 276
alse bilgerine; die gelassen betten de ei liep betten und wolten
s&eben de allerbeste; de got ist. Semlicba karten wider mit der
Wollust; die si gelassen hatten und die volldgiengen nit. Sem-
liebe rüweten in dem grase der manigvaltigen woUust und in
dem bl&men der italkeit; die bliben yil lange in dem wege.
Den wirt danacb yil swere beseme des bitteren vegevüres ge-
geben ; eb si doch ane hSbetsAnde lebent.
Hiezü antwurt vnser herre alsus: Semliche lAte^ die wan-
deint mit g&tem willen an heiigen werken^ und haut doch an
in selben also swere sitten und machen sich mit ire swindekeit
also vnbekeme; de man si kume mag erlideU; in den lüten ist
min vrteile behalten. Si solten sere min barmherzekeit suchen
mit diemfitigen Worten ; so behielten si ire g&ten werk ynverlom
und die bitterkeit irs herzen wArde ze nihte, also möhten si zft
in selber komen. Der mine barmherzikeit suchet; der mag
yinstemisse nit erliden.
Einer gieng alleine in dem wege. Das wc davon; de ime
irdenschü woUust an siner sele nit einen trost mohte geben.
Do sach er zw6i menschen vor im gan. Der eine gieng zer
lingen hant der ander ze der rehten haut des weges. Do vra-
gete der menschC; wer si weren und wes si pflegen. Do sprach
der zer lingen hant:
Ich bin gotz gerehtekeit,
Götz gerihte de wart mir gegeben, de ist min,
Do Adam in dem paradyso sünde tet.
Min gerihte hat gewesen lange und gros;
Na ist gekomen dise jungfrowe, die bi mir gut,
Die ist worden min genos,
Die heisset barmherzekeit.
Alle die si süchent und steteklich anrftffent,
Die fberwindent alles ir herzeleit.
Si ist sere voUekomen,
Si hat mir mine rehtekeit foenomen.
Swas kambers an dem menschen geschihet,
Und der dene mit rüwe zu mir vlühet,
So leit si ire senfte hant vf de crombe,
So 8tä.n ich als ein tombe
Und mag dawider nit getün.
Dis machet alles der geware gottes sun,
Der bat mir mit siner barmherzekeit
18*
,276 Siebenter Theil.
Benomen mine gr68ten gerehtekeit.
Si fr&8tet den betrftbeten, si heilet den wanden,
Si rrSwet alle die th ir komen,
61 hat mir grosaen gewaJt benomen.
Si hat mich liep und ich aie;
Wir s&Ilen jemer bisamen sin
Untz an den jungesten tag, so ist de gerihte min.
Gottes gerihte und gottes gerehtekeit
De ist nit alles ein.
Das gerihte erteilet die schnlde.
Die ime ane rüwe vorgevallet,
Die gerehtekeit ist ein heiig leben, *)
Die hat got allen sinen lieben vränden gegeben ;
Der wolte er selber an sinem lebende pflegen,
Wan er in allem sinem tünde gereht wc;
Also weis er de wir pflegen,
So m6gen wir luter mit tm wesen.
Dirre gottes barmherzekeit tind sines sünes heiige gerehte-
keit, die er selber hielt in ertriche an sinem lebende und ir
beider heiiger geistes gäbe, dem volgete in dem wege ein ei*-
lichü schar. Die waren alle jungfrowen glicli. Do ich si sach,
do bekafite ich alle wol, doch so wolte ich si vragen vf de,
de ich antwnrt von tn haben wolte. Ich vragete wer si worin
und WC ambahtes si pflegen. Do sprachen si:
Wir sin jungfrowen edel und wolgezogen
Und dienen gotte ze sinem lobe
An siner allerliebsten känigiöe,
Die got hat erkom ob allen dingen, ^
De ist des menschen sele und lip.
Wir dienen vnser vröwen der künigine,
De si mit allem vlise und mit allen irem sine
An allen dingen irs herren willen voUebringe
In cristanlicher ordenunge,
So wirt si niemer schuldig vunden.
.Vrö wisheit, wc küfient ir dienen
Mit Wer swester der bescheidenheit?** —
Wir leren mine vröwen die künegin,
De si jemer küne scheiden de böse von dem guten
Mit g6tlicher wisheit
In heiiger bescheidenheit,
De si denken wie es nu si
Das biblische: justitia justus.
Cap. LXII. 27t
Und w\t eis noch m5ge komen.
Des gewinet si in allen dingen vromen,
„Vrö war hei t, was könent ir dienen ze hove
Mit liwer swester der helikeit?" —
Ich diene niinem herm und miner vröwe der kdnegin
Mit allen trüwen, de si irme herren
In allen Iren n6ten jemer getrdwe sin; •
Davon blibet si sicher und vri,
Und de si jemer inwendig heiig si,
In allen dingen irme herren vndertan,
So blibet si vswendig lobesam.
„Vrö diemütekeit, wc k6nent ir dienen
Mit vwer swester, der senffcmfttekeit?'*
Ich lere mine vröwen , die künegine.
Da si mines herren willen
Und alle sine gaben von herzen mine,
So mag si rüwen in heiiger slnfmutekeit,
So vertribet si mit yr5den als ir herzeleit.
„Vrö miltekeit, wc k6nent ir gedienen
Mit üwer swester der gehorsamkeit?''
Ich lere mine vröwen die künegin,
De si je mit gerender gotzmine
In irme gebette mi|te si
Den bösen und den guten.
Den lebenden und den toten.
Der schätz ist manigvalt. und gros,
Der kunt aller wider in ir schos.
Wil si tun irs heiTen willen,
So sol si die heiige gehorsami
In allen iren werken vollebringen,
So blibet si gotz künegln.
„Vrö starkeit, wc könent ir gedienen
Mit vwer swester, der stetekeit?** —
Ich lere mine vröwen, de Bi Btark si in allem strite,
So mag si in irme riche bliben.
De si jemer stete si.
So blibet si je von irme herren vri.
' Dirre jungfrbwen ist tu ane menschlich zal, wan alles de
der gute mensche in got tut inwendig und vswendig, da h6rent
alles tugenden zu. Mit disen jungfröwen in dem wege wandelte
ein gros herre, der wc glich eime heligosten und dme aller-
gewaltigösten bischof, de wc vnser cristan gelobe, der wc v*rig
in binen und braute alles von gotlicher mine. Mit allen diseü'
tugenden diente er diser künigine. Oben in der höhin swöble'
278 Siebepter Theü.
ein jungfröwe, die wc glich eime gnldia aren. Si wo vmbe-
yangen mit eime bimelschen fichine, si löhtete und si lerete und
si temperte alle dise jungfröwen ze dienste irre vröwe der
könegin.
Dise mine wonet in dem cristangelöben, si rftwet in dem
palaste ir vrowen der könegin. Das ist ir ambaht.
Das si liep zd li6be twinget,
Got zu der sele und die sele zft gotte,
Darumbe stat ni in dem emten gebotte.
LXIIL Götz tüäle ist ein fArste in edlem weaende.
Stete geruDge in der geninge,
Stete wetage in lichameD,
Stete pine id den siiien,
Stete hoffnnge in dem herzen nach Jesu alleine.
Alle die sich selber verlassen habent in gotte,
Die merkent wol wc ich meine.
Ich was zwene tage nnd zwo naht
In also gros angemach komen.
De ich hoffenunge hate, de min ende were komen.
Do dankete ich gotte als verre ich mohte vmb sine gaben.
Do gerete ich zu gotte, de er mich zu ime neme,^
Ob es sin liebste wille were.
„Jedoch herre, mag din lop dJtvon iht gemeret werden,
So wil ich gerne dar dine liebin bliben
In disem armen libe.
Herre, ich han gelebt alsus manig jar und manigen tng,
De ich dir herre , nie also swere oppfer gegab.
Herre din wille geschehe und nit der min,
Wan ich min selbes nit enbin,
Mer in allen dingen din.**
Do sach ich in verren höhe ein bereitunge der heiigen, als
eb si komen wolten zu minem ende. Ire personen die si waren,
der ensach ich nit zwischen !n, waä mir wc ein also creftig
lieht, das da in mitten schein, das mich das duhte, de ich mit
tn were ein. Dis wc hohe in dem westen, da die sune vnder-
gät Von norden waren komen vbele geiste, die hielte da W,
die müsten min gerihte besehen. Si hatten 6ich zcEHSimen gef-
wanden und waren getwungen als die besclagenei) hundei Si
wrgetent mit irme halse ze mir. Ich vorhte iro nijj ich.yrft-:
wete mich.
Cap.'LXm— LXIV, 911
Do bekante ich de si got ze eren dar m&ssent komen.
Da got sinen yründen alle ir not hat henomen,
Und si dene mit irme lästere wider z& der helle komen.
In disen dingen wart mir in minem libe
Eine wandelange gegeben,
De ich müste bliben
In disem bitterm, ellendigem leben.
Ich was also sicher and also vri,
Ane vorhte and ane pine. wi, o wi, o wi !
Und de do nit mohte bliben im tode gotz güite,
So were mir na we ze mute.
Hette ich na menschliche mäht and g5tliche ,mine,
So wolte ich nn allererst gotte dienen beginen; ^ ,
Das wolte ich vf ein gute ende «bringen, --
Als ich je wolte and noch wil.
LXIV, Wie got dem menschen dienet. /
Alsas spricht ein betlerin in irme gebete ze gotte: Herre
ich danke dir^ sit da mir mit diner mine benomen hast «lleu
irdenschen richtflm^ de du mich nu eleidest und spisest mit vröm-
dem güte^ wan alles das mir in eigenschaft mit wollust nüt in
dem herzen cleidet, das müs mir alles vrömde wesen.
Herre, ich danken dir, sit du mir benomen hast die mäht
miner ögen, de du mir nu dienest mit vrömden ögen.
Herre, ich danken dir, sit du mir benomen hast die mäht
miner henden. ...
Herre, ich danken dir, sit du mir benomeii Wt die mäht
mines herzen, de du mir nu dienest mit vr5niden (hc«iden und)
herzen. ;:
Herre, ich bitte dich yür si, de du es In wellest Ionen in
ertrich mit diner götlichen mine, do si dir mflssen vtehen und
dienen mit allen tugenden untz in ein heiig ende. AMe die mit
luterm herzen allü ding lassent dur gotz liebin, . - ^*-
Die siht alle erzebettelere;
Die s6llent an dem jangesten tage
De gerihte besitzen mit Jesu vnserm 16sere.
Hen-e, alles de ich dir dage,
De müsestu wandelen an mir and an allen sünderen^
Herre, alles des ich dich bitten,
Des müsesta mich geweren -
Und allen vnvollekomenen geistlichen lüteni , . r
280 Siebenter Theü,
Dnr diu selbes ere.
Herre, din lop müsse an minem herzen niemer geswigen,
Swas ich tt, lasse und Hde. Amen.
LXV. Wie got die sde zieret mit der pine.
Swene die jungfröwen ze allen ziten sint gekleidet nach
dem willen irs brütegömes, so bedürfent si nibtes me dene hoch-
zit cleidern, de ist, de man pinevol si in söchede, in wStagen
in anvehtunge und in manigem herzeliden/ de^ wir vil vinden
in der sandigen cristanheite.
Dis sint die hochzitcleider der miüenden sele; aber die werk-
tagcleider, das ist yasten, wachen, discipline^ bihten, süfzen,
weinen, betten, vörhten die^) sünde, herte getwang der sinen
und des libes iü gotte dar got, süsse hojfunge und ane vhd^rlas
mifiekliche gerunge, und ane vnderlas ein bettende herze in
allen werken. Dis sint die werktagcleider des guten menschen.
Swene wir siech sin, so tragen wir die hochzitcleider; swene
wir aber gesunt sin, so tragen wir die werktagcleider.
Alsust spricht der gepineget licham zu der ellendigeri'sele:
Wene wiltu vliegen mit den vedern diner gerunge
In wuneklichen h6hin, zu Jesu, diner ewigen liebe?
Danke im da, vröwe, für mich,
AUelne ich sn6de und unwirdig si,*
De er doch min w6lte sin,
Do er in die eilende kam
Und vnser menscheit an sich nam,
Und bit, de er mich ane schult behalte
In sinen lutem hulden untz in ein heiig ende,
Wene da, liebiü sele, von mir wendest
Die sele, £ia min allerliebste gevengnisse,
Da ich ine gebanden bin,
Ich danken dir alles, des du hast gevolget mir.
AUeine ich dike betr&bet bin von dir,
So bistu doch mir ze helfe kernen.
Dir wirt noch alle din not benomen
An dem jungesten tage.
So wellen wir nit me clagen.
') Handschrift: dise.
Cap. LXV. 281
So sol es vns allen wol behagen,
Do got mit vns hat getan,
Wiltu da nu vaste stan
Und süsse hoffange han.
Die gehorsami ist ein heiig bant, si bindet die sele ze gotte
nnd den lichamen zft Jesu und die fünf sine ze dem beiigen
geiste. Je langer »i bindet, je me die sele niinet. Je snöder
sich der licham haltet, je snöder sinü werk vor gotte, und vor
den lAten mit gutem willen.
Explicit Über.
282
r- \
Zusatz Über die sieben tagzeiten«
(Ton gleicher Hand und sldchieitl^O
Man sol prüven ze mettinzit, eb die craft der gotheit an
die sele komen si, und habe den menschen vfgezogen von der
kargheit dines libes und der blintheit dines herzen. Da hörent
zwene gezüge zu, ein binunge des libes mit einem sftchenden
vlisse, stetekeit des geistes in gotte.
Man sol prfiven ze primezit, eb die wisheit der gotheit
an die sele komen si, de man bekenen köne vollekomenheit und
vnvoUekomenheit. Da höjent zu zwene — ^)
Man sol prfiven ze mittem morgenzit, eb de für der got-
heit an die sele komen si und habe abgebrant alle vleken der
Sünde. Dazu hörent zwene gezüge, ein herzeklich blangen nach
vnserm herren und inige trehene nach götlicher liebi.
Man sol prfiven ze mittemtagezit, eb die miltekeit der
gotheit an die sele komen si, und habe begeben alle weltliche
vründe. Dazu hörent zwene gezüge, ellendekelt vs allen crea-
turen, stetekeit des geistes in gotte.
Man sol prfiven ze nonezit, wc got an das crüze brahte,
menschlich barmherzekeit und götliche trüwe. Da hörent zwen
gezüge zu, de man vnsern herren bekene und de man in mine.
Swie vil tugenden wir hetten, wir sollen allewegen einen hunger
, und einen turst haben nach vnserm herren.
Man sol prfiven ze vesperzit, eb der vride gotz in die
sele komen si, eb der mensche vriden habe mit gotte und mit
allen menschen und mit im selber und mit allen creaturen«
Dazfi hörent zwen gezüge, swigen und de einöde.
*) Die Zeugen sind nicht genannt.
283
Man sol prüven ze completezit, eb de götliche wunder
an die sele komen si, das gotte zftspraeh an dem crüze. Dazu
hörent vier gezüge: De man got vlisseklieh s&ehe und de man
in behalte in berzeklieher mine und de man stn gebruehe. Deir.
getrtiwe kneht vnsers herren, der sol niemer sin einen tag, er
si eintweder an fbunge guter werken oder an vlisse der lere,
das er siüe sine lere, wie si got von herzen minen sollen oder
an bevindunge der s&ssekeit oder an gebruchunge der vröden.
Ein reht geistlich mensche, de ist allewege m§ besorget vmbe
gläke dirre weite, de es ime iht ze sere zügg, dene er besorget
si ymbe sine notdurft. Das sint, die gotte wol behagent, wer-
liche es gange tn wol alder übel.
Bruclistilk tber mystisches leben von einem nnbekanten.
Das edelste und de nüzeste, das alle meister und alle gotz-
yründe gesprechen mfigent von gotte, de sint die artikel eristans
geloben. Mer nu ist ein verborgen abgrunt in der sele, das
rfiffet ane vnderlas mit einer wilden, abgrüntlicher vnbegriflfen-
lieher stime (vs) deme götlichen abgrunde, so de der vernmifte
als in einem ögenblike endeket wirt. So wiii; si gereisset in;
ein tberwunderlich gros jagen danach und kan ir doch nit werden
in der zit. Mer de hohste, de nutzeste und das edelste de ir
hie werden mag, de ist, de si allü wort, alle gedenke, alle be-
girde, alle mine, die sele alzemale,^ »ach ir ziehe und versenke
und ertrenke in dem götlichen abgrunde und de die Vernunft
harus bringe wie gros de st. De ist doch niiwan (nur) di"! al-
m&sen schussele und die brosemen, die von der herren tisch
vallent. Und wie hoch und vberswenkig de der vernunfte s!
und sehine, als es ir von mine ze eigen gegeben si, so mag si
es doch niemer bas behalten vn siehorlieher, dene de si es
wider von minen verliere in dem götlichen grundelosen abgrunde,
da alleine allü ding eweklieh ine behalten sint.
284
Aber die tegellcbe spise, die den ifieren und den ygseren
menschen von not bliben müs hie vs, de ist ein vemönflkig war-
nemen der ordenunge gotz gegen got, gegen im selben, gegen
sinem ebenmenschen, der gnftg sin, in welicher wise sie de er-
bütet, es st tn tribende zu dem sacramente, oder vf ein ifier
abgescheiden rüwe, oder zft einem ifiem yemäüftigen reissen,
bekenen gStliche warheit, oder ze gebet, oder ze oflTenbarungen,
oder ze geistlicher gesiht, oder ze gStlicher sfissekeit,' oder ze
vsseren minewerken, oder ze einem vernünftigen, mi&enden,
reissenden, claflFenden der vründe gotz vndereinander, von 3er
edelsten götlichen warheit. Und alles, de hie nöwes geborn nnd
gewnnen wirt, de sol also geteilet werden, de de 6delste verlorn
und wider geoppfert werde in das vorgenant abgründe, und mit
dem andern gespiset werde die vorgenant ordenunge in einem
einzigen zünemende götlicher wisheit in Christo Jesu. Dis ist
alleine dem rehte willigü armüt und das allervoUekomenest leben,
danach alle wäre gotz vründe jagent, und wc in andere wis ge-
boren wirt, de verblibet und vervallet in manigvaltig vngeordent
pinlich wise, der got niemer gantwurt'et, oder vallent in vnge-
ordent vernünftige vriheit des geistes und de ist der schedelichest
<
val oder keret sich aber wider zu der weite. ^)
*) In der Handschrift folgen drei leere Seiten, womit der vferzehende
Sextem endet.
Einige Worterklänmgeii.
Abe, babon.
abe^nst, 9^etb.
achter = after, naäf (einem ^kL)
adan, Stirem, aud^ atten, aten.
agestein, ©ernftein, 3Wagnctftein.
afite, aht, aäft,
alleine, oBfc&on.
ambaht, Slmt, ©icnft.
amehtikeit, Unmad^t.
anderhalp, auf bcr anbem @eite.
anderwarbe, nod^ einmal.
aneth, ol^ne.
ar, S(b(er.
amen, büßen, fü^^nen.
artedine, ^äfai^ffütmn,
arzat, ^rgt; arzatine, ^ergtin.
ass, atd bag.
aten, atten, f. adan.
aureole, 9^imbu8, ©lorte.
Bagen, ganfen^ fc^etten.
bat, «ab.
beiten, »arten, entbc^frcn,
bekeme, angenclfim.
bekenen, fcnnen.
bekoren, toerfud^en; bekorung, ^tx*
fud^ung.
bermint, Pergament,
besagen, )>er(äumben.
beslagen, gefd^tagen.
besmen, «efcn, dtutift.
bewellen, bewollen, bcflerfcn.
bewaren, getoal^ren.
bewisen, toeifcn, l^injeigen.
beworcht, gemirft?
bibenen, biben, beben,
binen, tnnerl^alb; auc^: fid^ für etttjaö
l^attcn.
bleken, geigen, bloß fei«,
bliken, bli^en, gtängen.
blüme (der), 3ungfraufc^aft.
bobe, über, oben,
bobenheit, ^obeit.
borien, «ol^rer.
Bremen, zubremen, murren, jumurrctir
fremere.
br5de, brodekeit, gebred^ßd^.
brach, 9?aum?
bruchung, (Senug.
bulge, Soge, Söeae. Slud^ 2:rinfgefä6.
bümen, brennen,
büten, bieten.
C (icbe K.
Dahte, 2)od^t.
den, benen.
defie, dane, bann,
der, bereu,
dilker, 2:ifger.
doln, trogen, bulben.
drahte, ©cbtoangerfd^aft , i)on tragen,
druhten, trinten, Pflegen,
dürfen, bebarf.
dnrnehtig, )ooUfommm, gang.
£9 ebe, )ut}or.
ß, ®efefe.
eb; betoor.
egeslich, egestlich, fd^eugUd^.
ehte, ©bleute?
eigenschlich, gugebörenb.
einvaltig, einfad^.
eisen, fd^aubem, erfd^redfcn.
eisunge, ©d^auber.
enbeisen, enbizen, genießen,
end. Ort.
engetar (ich), td^ barf nid^t.
entgelten, gelten foffen.
enthalten, gurüdCbatten.
entreinen, befcbmutjen.
entrichten, i)ertt)irren.
entrisen, reis, rim, entfoffen.
entschulden (sich), fid^ bellagen.
entwichen, ertDeic^en.
erarnen, abbüßen,
erdriezen, fatt bftben, überfatt fein,
erschellen, erfd^atten.
ervlongen, in bie glud^t jiagen, fagere,
erwegen, aufregen.
286
WorterkläruDgen.
Ettesweüe, etzwene, ttxoa. '
F, mt V.
Gaden, $aud (^(oßcr).
gebende, Äo^jfjeuö ber grauen.
gebur, ^aucr.
gebürlich , »ol^Ianftänbig.
gedenke, ©ebanfen.
gegen, entgegen.
gegerwe, ^eiliger ©c^mucf, SWeßKeib.
gehügenisse, gehügnisse, (^ebä^tnig*
gelass, ^(eib?
gelöte, ®en?id^t gu einer 2öage.
gelten, gelten (attito), f. Schuld.
gemeine, gememltd^.
geneiste, guntett.
genemen, nennen.
genenden, crfü^nen.
gere, Regier.
geringe, (eid^t, flin!.
gerüchen, gerufen, l^eUeben.
getempert, rid^dg gefUmmt, georbnet.
getrosten, entbehren.
gewenen, cnttobl^nen.
gewete, Äleib.
gift, 2«itgtft, aWorgengol&e.
grane, ©art an ber ?lel?rc, @d^nurrbart.
grans, ^äfmUl, 9{üffe(.
grein, greinen, murren.
grel, grett.
grendel, 9{iege(.
grinen tote greinen.
groiren, gtoriren.
Harte, fel^r.
heimlich, k>ertrant.
herten, ausharren.
hinderrede, ma^^^mbt (bbfe).
hitzen, l^eigmerben.
hohen, erl^bl^en.
hör, g. hör wes. m. ^otl^.
horwetig, fotl^ig,
hüffe, SBange.
hüfhaltz, hüffehalz, Pftenlal^m.
hügenisse, hüge, greube.
hülzin, Vi^^jcm.
hungerlachen , hnngertfich , langet
Xndf, in ber gaften bie Slftöre gu
t>er^üC(en.
lergen, irgenb.
joch, unb bod^.
jtal, (cer.
juncherre, 3nn!er, Sungl^err.
K unb C.
careiie, Cuabragene, gajlen.
klelich öon kle, @amen, frud^tBar.
clote, ^(anfe.
köpf, köpfe, ^ecjer.
kosen, Üejen, to'dffUn.
kouwen, kiuwen, (Saunten,
Krank, fd^toad^.
krantwnrzen, Sad^l^olber, Junipems.
kriegen, fd^reien, ganfen.
crisen, chnsam ober freifen.
culter, culteren, S)edfe ül&er bie iWatragc.
kume, faum.
künde, Äcnntniß.
kune, ©efd^rcc^t, SSerioonbtfd^aft.
Langen, erretdben; aft längen?
lassen, nad^taffen.
leid, unt)ertröglid& , mürrifdb.
lid, ©Heb («ugeiilib).
lidig, lebig, frei.
Magen, Äroft, auc^ SJertoanbte.
man, SD'^onb.
manslaht, ^rieg, @d^(ad^t.
masse. Wlaa^,
me, me^r.
meit, bie meide, frol^, greube.
mer, aber.
mere, al9, auger.
meslichor, mägiger.
miner, minber.
mortlich, tbbtlic^, U9 gunt ^obe.
mü, mug t)on muffen.
müre, äj^orafl.
miltwillen, mutl^iger SBittc, guter Sitte.
Nar, ^axht.
nemen, nennen.
niet, ^aft, @tift.
nuwar, nur.
nüwen, erneuen.
Olei, öl, oleien, bie ki^tt Oefung geBcn.
51Ü, aae.
Peize, beize, 2odff^)eife.
pellol bovivir, ^etgträger?
pfeffelich, ^rieflerti^.
pfellel, ©eibenfloff.
Qwelen, teiben.
Bam, Stadien, <Sd^(unb.
rans, @d^naM, ^tad^en.
reien, Sangen, (Steigen).
reise, ^rieg«gug*
reissen, rcigett.
rief, Steif, pruina.
rum, 9?aum.
runen, ffüftem, raunen.
r&ren, o eruieren.
rüch, ^ä^er, @aatfrä^e.
rüchen, gerui^en.
Sache, Urfad^e.
saf, @aft.
samenung, Sammlung, ^(ofler.
schappel, iD^i^rtl^enfrang.
Bcheffenisse, ^efd^affen^eit.
schöpnisse, @d^b)>fung. .
schreigen, anfd^reien.
schriken, f^ringen.
Worterklärungen.
287
Sege, ^ti}.
segen (sich), fegnen.
seist, fagfi (bu).
selweD, entfärben.
semlich, fämmtüd^.
sere, SBunbe.
sid dem male, {Internat.
siech, !ranf.
simelen, @emmeL
sinkrank, 6Iöbflnnig. ^
sinwel, sine -welle, $3br6ung.
sieht, einfad^.
slinden, sclinden, fd^Ungen, fd^Iuden.
smaken, neutr., \^ma\iiid), gering fein
ober tperben.
Bn6d, axmüä), i^erad^tet.
sogetan, sogtan, fo(d^.
sömer, $!aftträger.
spengen, f)>annen.
sprechen, l^eigen.
stein, geU.
stral, $fet(.
stüle, £]^ron; stülen, tl^roncn.
stappe, ^tanh.
sümlicn, 3emanb, sAmliche, Einige,
sünlich, (inbUd^.
surögge, triefäugig.
BUS, fo.
swarheit, ©d^toere.
swindekeit, ^eftiged, gä^ed Sefcn.
Tepet, Zt)ppx^f Zapttt.
togen, dogen, taugen.
t5ren, [täf bet^Bren.
torsten, bürfen.
t6tlich, flerbUdji.
tris, ^d^ai^; triskamer, (^d^a^fammer.
trisemvas, @d^at$.
tumbe, ^avXf (bumm).
twagen, }n>adten, }toidten.
twahen, toafd^en, Sunt mad^en.
tynavel toon tine, ^mm. SCud^ fron-
tispicium ober ©etäfet.
Ueberhere, übergroß,
ufwegen, tmpoxtokatn , aufn)iegen.
ulin, 5>ö(>re.
umbetal, Umfang.
unberhaftig, nic^t gebärenb, unfrud^tbar.
undersniden, abfied^en.
UDgebe, toertl^tod.
ungewandelt, unerfe^jt, ungeübt?
unschaldi^en , t)on <^d^ulb reinigen,
entfd^utbtgen.
nnsehelich , unftd^tbar.
nrlü^, Ärieg.
ftweie, (Snle.
Yar, Xrug.
vare, garbe.
vederschlagen, glügelfd^tagen, flatttvn.
verdümet, t)^bammt.
vergebens, umfonfl.
verkiesen, i)ergeffen, überfeinen.
verslinden, toerfd^Ungen.
verwahsen, fraftio« toerben, toertoünfdjt.
verworchten , toerttjirfen , (g. «. bic
®nabe.)
verzehren, benüfeen,
vielaten, ^Jeitd^en.
v6gen, fügen,
volburt, ©eftätigun^, voll = borten,
beijHmmen, befiätigen.
volger, Begleiter, golger.
volleist, \ioUt ?eiflung, Söirfung.
voren, führen,
v5re, toarum.
v6rhtelin, Keine gurd^t.
vosspor, gußf^jur.
vreislich, fd^redUd^.
vriesen, frieren.
vrom, fremb.
vrome (die), greubc.
vr5melich, nü^tid^ — tjon fnimen,
SRufeen.
vröwen, erfreuen,
vülen, mien, füllten , ioal^rneinmen.
vuoge, gefügt, funflreid^.
Waffen I m^l
wage (die), SBiege.
wan, benn.
war, toober, tool^in.
wegen, toenben.
weinig, betrübt,
werlich, beftänbig, bauerM^»
westbäre, Plural, bie batb nad^ ber
Xaufe geflorbenen Äinber.
wü, inbeffen, bietoeit.
wirren, werren, binbem, »el^rcn.
wlu, „Eya wlü mine", \>oUt Wlxmt.
wor, toorin.
w6stunge, Söüfle, SJertoüflung.
wrang, ringen, luctari.
wunderlich, fonberbar, faunifd^, tonn*
berbar.
Zage, furd^tfam.
zagel, ©d^toong, ©d^toeif.
zelen, gielen, gengen.
zendal, l^albfeiben 3c«Ö/ ©d^ettertaffet.
zihen, jeiben, auflagen,
zinen, fd^affen?
zöfer, 3<Juber.
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