(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Ornithologische Briefe : Bler der Erinnerung an seine Freunde"

FOK THE PEOPLE ' 


' FOR EDVCATION 


1 FORSCIENCE | 



LIBRARY 

OF 

THE AMERICAN MUSEUM 

OF 

NATURAL HISTORY 



-^ ■ i/^y^S _^.v_-v^l^^- 



I yfSJZH 







Ornithologische Briefe. 



-x^ 




' :' Blätter der Erinnerung l^V 

® 




seine Freunde 

gesammelt von 

E. F. von Homeyer. 






Berlin. 



Verlag von Theobai d Grieben. 



i 



^C=>^M- 



1^ 






Ornitliologische Briefe. 



Blätter der Erinnerung 



seine Freunde 



gesammelt von 



E. F. Yon Homeyer. 



Berlin. 

Verlag von Theobald Grieben. 

1881. 



lA-^'^V^o '^15V,>^ 



Vorrede. 



Die Briefe, welche ich nachstehend der Oeffentlichkeit über- 
gebe, erscheinen mir in mehrfacher Hinsicht für die ornitholo- 
gische Welt von Wichtigkeit. Zunächst enthalten dieselben 
vielerlei Dinge und specielle Angaben , welche trotz ihres Alters 
in mancher Beziehung neu sind. Vor Allem aber geben sie 
ein Bild der Personen, ein Bild, welches um so naturgeraässer 
sein muss, als die Briefe ursprünglich nicht für die Oeffentlich- 
keit geschrieben sind und um so getreuer den Character, den 
Geist und das ganze Sein des Schreibers erkennen lassen. Wenn 
auch manche Dinge weggelassen sind, theils weil sie weniger 
erheblich, theils weil sie für die Oeffentlichkeit nicht geeignet 
waren, so habe ich doch Vieles aufgenommen, was nicht eben 
in die Ornithologie gehört, was aber geeignet ist, den Charakter 
des Schreibers, seine Leiden und seine Freuden, und mit ihnen 
das Innerste seines Lebens zu erkennen. 

Wohl zu keiner Zeit haben die Naturwissenschaften so be- 
deutende Fortschritte gemacht, als in der zweiten Hälfte des 
vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts. Nicht allein, 
dass damals die Wissenschaft sich aus einem Chaos herausarbeiten 
musste, um zu dem innern, festen Halt zu kommen; die dama- 
ligen Leistungen sind um so bedeutender und anerkennungs- 
würdiger, als der Naturforscher mit Schwierigkeiten zu kämpfen 
hatte, von denen die Mehrzahl der heute Lebenden sich nur eine 
sehr unvollkommene Vorstellung machen kann. 

N i c h t b 1 s s das reiche Material, welches dem Naturforscher 
heute von allen Ländern der Welt dargeboten wird, ermöglicht 
manche Untersuchungen ; auch der so unendlich erleichterte Ver- 
kehr fördert dieselben auf eine Weise, von der — vor dem Zeit- 
alter der Eisenbahnen — Niemand sich eine Vorstellung machen 
konnte; auch die Brief- und Packetpost sind Förderungsmitte 



IV 

von früher nicht geahnter Wichtigkeit geworden. Während einst 
das Porto eines Briefes so bedeutend war, dass alle Mittheilungen 
um deswillen wesentlich eingeschränkt wurden — zumal wohl in 
den wenigsten Fällen die pecuniäre Lage des Naturforschers eine 
so opulente war oder ist, um diesen Punkt nicht besonders be- 
rücksichtigen zu müssen — wurde das Porto — Dank der vorzüg- 
lichen deutschen Postverwaltung — auf ein Minimum reducirt, 
so dass der gegenseitige Austausch der Gedanken und Beobach- 
tungen und damit die Förderung der Wissenschaft auch hier- 
durch in einem Maasse erleichtert ist, von welchem man heute 
schwer eine volle Anschauung gewinnt. 

Doch ungeachtet aller der vielfachen Schwierigkeiten, welche 
die frühere Zeit zu bekämpfen hatte, war das Leben und Treiben 
in der Ornithologie in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, 
namentlich in den dreissiger und vierziger Jahren, ein ausser- 
ordentlich frisches, bis das Jahr 1848 auch hier verderblich ein- 
griff. Die Klagen über die so ungünstig gewordenen Zustände 
finden sich allgemein, vom Fürsten bis zum Handwerker, und 
noch heute möchte ich glauben, dass ein so allgemeines Inter- 
esse für, und eine so allgemeine Eegsamkeit in der Ornitho- 
logie nicht wiedergekehrt sind. Es ist ja sehr nahe liegend, 
dass der erleichterte Verkehr mehr Entdeckungen bringt als eine 
frühere Zeit, aber es will mir nicht erscheinen, als wenn das 
Interesse ein so allgemeines sei, als es vor dem Jahre 1848 war. 

Das grösste Contingent von Briefen stammt von C. L. Brehms 
Hand, theils weil ich dieselben in sehr grosser Zahl besitze, 
theils auch weil ich in Brehm vor Allen den Mann verehre, der 
mir im Studium der Natur zuerst den Weg gezeigt hat, den ich 
noch heute, nach einem halben Jahrhundert, für den allein rich- 
tigen halten muss. Brehm verstand es mehr wie irgend ein 
Anderer, eine jugendliche Kraft für das schöne Studium der Natur 
anzuregen und ihr zu zeigen, welche unendliche Freude darin 
läge, welch' treuer Freund in Freud und Leid die Wissenschaft 
und vor Allem die Naturwissenschaft sei. 

Wohl Niemand von allen Denen, welche ich je gekannt habe 
und kenne, hat so viel Kämpfe, so viel Angriffe bestehen müssen 
wie Brehm, wesentlich aus dem Grunde, weil er seiner Zeit 
voraus war und von ihr nicht begriffen wurde. Sein scharfes 
Auge bemerkte Unterschiede , welche der grossen Mehrzahl der 
Menschen entgingen. Die Schlüsse, die Folgerungen, welche die 



Jetztzeit*) anfängt auf solche Unterscheidungen zu gründen, diese 
sah Brehm mit klarem Blick voraus. 

Wie man aus den Briefen ersehen wird, tritt mit dem Tode 
seines Sohnes Oskar und noch mehr seiner Tochter Thekla in- 
sofern ein Wendepunkt ein, als das frische, fröhliche Forschen 
durch die traurigen und schmerzlichen Gedanken gehemmt und 
gehindert wurde, wenn auch immer der starke, kräftige Geist 
danach trachtete, Schmerz und Trauer abzuschütteln und der 
Wissenschaft zu leben. 

Wie anders erscheint uns das Bild, wenn wir auf Nau- 
mann blicken. Naumann, der durch sein herrliches Werk sich 
ein Denkmal gesetzt, welches fester steht wie ein anderes; 
Naumann, der im stillen Forschen sich wenig um die Aussen- 
welt kümmerte, der sich selten an Kämpfen und streitigen Fragen 
und nur in sehr beschränktem Maasse betheiligte, der in seinen 
zwar bescheidenen, aber sorgenfreien und ihm lieb gewordenen 
Umgebungen seinen ererbten Studien lebte, dessen liebenswürdige 
Herzlichkeit überall da nachgab, wo es sich eben nicht um die 
Wissenschaft handelte, und auch da oft seine abweichende Mei- 
nung nur durch Schweigen andeutete; Naumann blieb in seinem 
ganzen Leben bewahrt vor Kämpfen und schweren Schicksals- 
schlägen und erfreute sich bis in sein hohes Alter einer rüstigen 
Gesundheit. 

Ganz anders hatte sich das Leben Thienemanns gestaltet. 
Mit Feuereifer dem Studium der Ornithologie anhangend, war 
es ihm nicht beschieden, den gehofften Erfolg auch in seinem 
äussern Sein zu erreichen. Manche Widerwärtigkeiten, wozu sich 
noch körperliche Schwäche und Krankheit der Seinigen gesellten, 
übten in den letzten Jahrzehnten seines Lebens auf ihn einen 
niederdrückenden Eintluss, und sein weiches edles Gemüth wurde 
dadurch veranlasst, sich öfter in Bitterkeiten zu ergehen: Bitter- 
keiten, die dazu beitrugen, ihn mehr und mehr zu isoliren und 
ihn sich immer mehr von der Welt abschliessen zu lassen. Und 
doch gab es keinen wärmeren, keinen theilnehmenderen Freund als 
Thienemann, und Niemand übertraf ihn in der Auffassung des 



*) Ueberall in meinen Schriften habe ich es grundsätzUch vermieden, 
von einer modernen Wissenschaft zu sprechen, wie dies von vielen 
Seiten und oft mit gewisser Selbstgefälligkeit geschieht. Die Wissen- 
schaft steht mir zu hoch, als dass ich sie der Mode, einem Kinde der 
Laune, untergeordnet erachten könnte. 



VI 

geistigen Lebens der Thierwelt, wovon allein schon seine in der 
„Khea" niedergelegte Erzählung „Meine Schwalbe" ein herr- 
liches Bild giebt. 

Wenn ich nicht weiter auf das Leben der einzelnen Schrift- 
steller eingehe, so liegt dies schon um deswillen nahe, als es 
mir theils nicht vergönnt war, über jeden Einzelnen so genaue 
Bilder zu erlangen, wie sie nöthig wären, theils weil der Raum 
es nicht gestattet. Ursprünglich war es meine Absicht, nur von 
solchen Naturforschern Briefe zu bringen, welche nicht mehr 
unter den Lebenden weilen. Ich bin jedoch in einzelnen Fällen 
davon abgegangen, theils wo ich diese Mittheilungen von ganz 
besonderem Werthe halte, daher die Erlaubniss der Veröffent- 
lichung erbeten und erlangt habe, theils bei meinem Freunde 
Landbeck, der seit langen Jahren Europa verlassen" hat und 
in Valdivia weilt. So lange Derselbe sich in Europa befand, 
waren wir nicht allein eng befreundet, sondern wir strebten auch 
einem gemeinschaftlichen Ziele zu. Leider war dasselbe ver- 
früht und wurde nicht erreicht. Möchte es mir gelingen, we- 
nigstens einen Theil von Dem auszuführen, was wir gemein- 
schaftlich, vor über 40 Jahren, geplant und was Landbeck mit 
rechtem Feuereifer beharrlich verfolgt hat. 

Einen sehr wesentlichen Beitrag erhielt ich jüngst durch 
meinen Freund Rad de und ich sage Demselben auch hier meinen 
ganz besonderen Dank, indem ich wohl mit Sicherheit erwarten 
kann, dass derselbe ein allgemeiner sein wird. 

Das sind in grossen Zügen die Gesichtspunkte, von denen 
ich die Leser bitte, diese Briefe anzusehen. 



E. F. von Homeyer, 



Offenes Sendschreiben an den 

Präsidenten der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, 

Herrn E. y. Homeyer, 

von Dr. G. Eaclde. 

Tiflis, 15./27. September 1880. 

Mein theuerster Freund und Gönner! 

Endlich komme ich dazu, Ihnen ausführlich zu schreiben, 
obgleich ich in dem neuen, noch nicht ganz vollendeten Museums- 
bau keinesweges gut und gemüthlich installirt bin, vielmehr in 
wahrhaft chaotischer Unordnung einstweilen hause und sehn- 
süchtig das Ende von allerlei Arbeiten erwarte, welche gemacht 
werden müssen, die ich aber persönlich nicht forciren kann. Doch 
zunächst einige Mittheilungen über die Expedition und ihre Er- 
folge. Was ich mir vornahm, als ich am l./io. November v. J. 
von Tiflis gegen Osten aufbrach, habe ich in der That erreicht. 
Das ungeheure Material von 3000 Nrn. kaukasischer Vögel in 
meistens guten Exemplaren ist nicht nur beschafft worden, sondern 
auch schon hier in Tiflis angekommen und einstweilen nach Arten 
und Gattungen geordnet in Kisten verpackt. Zu diesem neuer- 
dings beschafften Materiale kommt nun das frühere kaukasische, 
über 1500 Nrn. betragende und ein in Europa zum Theile ge- 
kauftes oder - getauschtes, welches zum Vergleiche dienen soll 
und wohl auch auf 1000 Nrn. sich belaufen dürfte. Schon seit 
dem Winter liegt nun eine Ornis caucasica fertig geschrieben vor, 
allein ich wollte sie möglichst vollständig geben, und jetzt stellt 
es sich heraus, dass die beabsichtigten Ergänzungen viel bedeu- 
tender sind, als die ursprüngliche Stammsammlung. Dieses wird 
aber der Sache selbst sehr nützlich sein, nur müssen die Freunde 
und Herren Collegen noch einige Geduld haben, denn ich bin 
anderweitig gerade in dieser Zeit sehr beschäftigt und kann nur 

V. Homeyer, Ornitliolog. Briefe. 1 



nebenbei an meiner Ornis arbeiten. Wir werden nämlich im 
September 1881 zum ersten Male im Kaukasus einen gelehrten 
Congress abhalten und zwar einen Congress der Archäologen unter 
dem Präsidium des Grafen üwarow. Nun bin ich freilich kein 
Alterthumsforscher, allein als Director des Museums muss ich 
mich für diese Sache doch um so lebhafter interessiren, als alle 
einschlagenden Materialien-Sammlungen in mein Institut kommen 
sollen und darauf hin eben die grossen Bauten seitens der Re- 
gierung bewilligt wurden. 

Es geht nun auch bis Dato Alles ganz gut. In Zeit von 
2 Monaten ist der Bau beendet und dann kommen die Samm- 
lungen an die Eeihe. Für die Geologie werde ich wohl zeitweise 
Gehülfen bekommen; die grossen ethnographischen Gruppen (in 
Lebensgrösse die Völker des Kaukasus, nach den Stämmen gruppirt) 
werden von einem Künstler ausgeführt, aber die gesammte Zoologie 
und Botanik muss ich allein besorgen und dabei auch das Ganze 
arrangiren und möglichst zweckmässig aufstellen, signiren, cata- 
logisiren etc. etc. Da geht es denn beim besten AVillen mit 
Specialarbeiten nur langsam vorwärts und meine Ornis wird vor 
Ende 1881 nicht fertig im Manuscripte sein können. Auch das 
neue Werk über Talysch denke ich demnächst in zwei Bänden 
zu publiciren und soll dasselbe ausführlicjier Nachricht über die 
Natur dieses reichen Landes geben. 

und nun lassen Sie uns zunächst einen Blick zurück auf die 
Expedition werfen und von den Localitäten, an denen gesammelt 
wurde, sprechen; sodann die interessanteren Revue passiren, bei 
welcher Gelegenheit ich aber in diesem Schreiben noch keines- 
weges das letzte Wort über diese und jene Species gesagt haben 
will, was ja erst in der Ornis geschehen soll. 

Am 1./13. November verliess ich in Begleitung des öster- 
reichischen Entomologen Leder und des Präparators Rubansky 
Tiflis und verfolgte die Poststrasse nach Elisabethpol, erreichte 
diesen Ort aber erst nach circa einer Woche, weil ich von der 
Poststation Dsegam gegen Süden kehrte und direct das Rand- 
gebirge von Hocharmenien , d. h. den kleinen oder Anti- 
Kaukasus erstieg, um zu den Kupferbergwerken der Gebrüder 
Siemens (Kedabeg) zu gelangen und in den Wäldern an den 
Quellen des Schametor mir die Vogelwelt anzuschauen. Bis auf 
die Schwanzmeisen fand ich dort mitteleuropäische Arten, nahm 
von dem Hochlande selbst Phileremos alpestris zum Vergleichen 



mit und fand auch hier noch den typischen grosswüchsigen 
Garnüus glandarius v. melanocephahis Gene. Sie werden sich 
nicht wundern, wenn ich diesem Vogel die artliche Selbständig- 
keit nicht beilege, da sie meine Ansichten über die Art ja kennen. 

Ich habe aus Talysch über 40 Eichelhäher absichtlich mit- 
gebracht, um Blanfords neueste, von dorther stammende Art zu 
prüfen. Es giebt unter diesen in der That auffallend kleine und 
auch auffallend dunkle Exemplare, allein die ganze Suite ver- 
mittelt durch üebergangsformen die Extreme, und es kommen in 
Transkaukasien, wenn auch selten, Eichelhäher der typisch euro- 
päischen Tracht an denselben Stellen vor , wo ich die var. : 
Krynickii und melanocephalus erlegte. — Hier nur soviel dar- 
über, in der Ornis kommt Alles ganz ausführlich. 

Schon jenseits Mingetschaur , wo das Kurathal sich sehr 
verbreitet, beobachtete ich die Wildgänse. Immer waren es hier 
vorwaltend Blässgänse und Saatgänse, die sich vor und mit Sonnen- 
aufgang auf die Brachen und namentlich auf die Eeisstoppeln 
begeben. Oestlicher an den Ufern des Caspi ist Anser minutus 
die gemeinste Art und wird dort von den Tataren, wie auch 
jedwede Enteuspecies, mit Netzen gedeckt, was während des Ein- 
fallens der Vögel früh am Morgen auf den Wasserflächen im 
Kohr geschieht. Von dorther besitze ich auch Anser cinereus, 
die schon 'feehr zeitig brütet, und zwar auf einigen unbewohnten 
Inseln im Caspi. Einmal bei den Gänsen, will ich Ihnen doch 
von der prachtvollen Bernicla ruficollis Fall, erzählen. Es ist ja 
lange bekannt, dass diese schönste aller Gänse im Winter auf 
dem Caspi bis unter dem 39^ n. B. erscheint. 

In diesem Jahre kam sie in ungeheurer Menge an, woraus 
man mit Sicherheit wissen konnte, dass es nördlicher einen 
überaus strengen Winter geben musste. Lenkoran selbst be- 
rührten Flüge dieser Gänsearten nur selten bei schlechtestem 
Wetter, wenn es ihnen in der Mugan-Steppe gar zu stürmisch 
wurde. Dort aber, etwa 80—100 Werst oberhalb Lenkorans, lebten 
diese Prachtvögel zu Tausenden. Ich wurde darüber leider zu 
spät benachrichtigt. Man hatte nach Schneefall einmal im März 
bei dem grossen Dorfe Kisil-agatsch an 200 Vögel mit einem 
Male gedeckt. Als ich nach dreien Tagen dahin kam, gab es 
keine einzige Rothhalsgans mehr. Ich eilte nun weiter westwärts 
in die Mu§^n, allein auch hier kam ich zu spät ; so musste ich 
mich denn mit circa 10 Exemplaren begnügen, von denen nur eines- 



— 4 — 

bei Lenkorau getödtet wurde, die anderen aber lebendig gefan- 
gene Vögel waren. Ich brachte auch (3 lebende Individuen mit 
nach Tiflis, wo sie jetzt die Herbstmauser überstanden haben 
(zwei junge Vögel gingen davon zu Grunde) und in einer der 
grossen Volieren im Museums-Garten bei Gerste und Blättern 
sich ganz wohl befinden. 

Am liebsten weiden sie kurzen Rasen ab und sind recht 
gefrässig. Eine andere hochnordische Gans erscheint ebenfalls, 
aber nur selten und in kleinen Trupps, im strengen Winter auf 
dem südlichen Caspi, es ist dies Anser hyperboreus! ! Wir wussten 
schon durch Menetries, dass Harelda glacialis in manchen Jahren 
wenigstens ein Gast im Winter auf diesem Binnenmeere ist,. 
auch die Oidemia- Arten erscheinen, obwohl viel seltener und 
weniger zahlreich. Diese Suite also der hochnordischen x4natiden 
unter dem 39*^ n. B. im Winter ist nun durch den Nachweis des 
Vorkommens der Schneegans noch vergrössert worden. 

Wir sind ja aber noch auf der Reise nach Lenkoran und 
zwar im unteren Kurathale. Da ist zunächst vom schönen Se- 
rinus pusillus Pall. zu sprechen. Das Vögelchen lebt im Sommer 
im Hochgebirge, ebensowohl in den Einsamkeiten der Felsen- 
meere, wenn diese die alpinen Wiesen in der Nähe haben, wie 
auch unweit menschlicher Ansiedelungen bis circa 6000 Fuss 
Meereshöhe, und an letzteren Localitäten ist der Karmingimpel 
sein Freund. Zum Winter verlässt der zierliche Zwergzeisig 
die Höhen und kommt in die breiten, sonnigen Thäler. So traf 
ich ihn auf dem Wege in der Nähe menschlicher W^ohnungen 
auf Brachen, die dürre Disteln trugen, wo sich Stieglitze tum- 
melten und Feldlerchen schwärmten. Das Roth der Kopfplatte 
zieht im frischen Winterkleide sehr stark in Gelb, und erst zum 
Frühjahr, wenn die Ränder der Federn Verstössen sind, erscheint 
das Vögelchen im elegantesten Kleide. 

Es ging ohne Aufenthalt vorwärts gegen Osten. Die Wege 
waren damals noch gut und die Gegend verspürte noch nichts 
von dem schrecklichen Winter und der Hungersnoth, welche sie 
später heimsuchten. Man ersteigt vom Kurathale aus die Ge- 
birge von Schemacha und kommt von der Station Aksu steil 
bergan fahrend, durch ein Gebiet, in welchem Fasan, Feldhuhn 
und Steinhuhn beisammen leben. Allein das edle Frankolin ist 
hier nicht zu finden und bleibt ein, die Garten- urj^l Jongeln- 
Landschaft des ganzen Kura-Unterlaufes charakterisirender Vogel^ 



— — 

<lessen in schmaler Bandform sich hinziehendes Verbreitungsge- 
biet sich leicht in die Karte eintragen lassen wird. Uebrigens 
muss ich leider, ohne Prophet zu sein, doch die baldige Ver- 
nichtung dieses edlen Wildprets vorhersagen. Zwar vermehrt 
sich das Frankolinhuhn sehr stark, man sprach mir von Gelegen 
bis zu 16 Eiern, allein es ist kein besonders scheuer Vogel und 
wird ihm ungemein eifrig nachgestellt. Das geschieht durch die 
Eingeborenen (Tataren) des gesammten Kurathales auf einer 
Distanz von circa 50 geograph. Meilen, mit Hund und Habicht 
und seitens der Jäger von Tiflis und Elisabethpol mit Pulver 
und Schrot. Ich kann das Zurücktreten der Art von seiner west- 
lichsten Verbreitungsgrenze gegen Osten schon ganz deutlich 
nachweisen und werde es in meiner Karte der Verbreitung der 
Gallinaceen im Kaukasus übersichtlich eintragen. Unten im 
Mündungslande des Schamchor und Dsegam werden alljährlich 
Massenvertilgungen des schönen Vogels von Tiflis aus ins Werk 
gesetzt, und weiterhin begegnet man an heiteren Tagen im Herbste 
und Winter oftmals den tatarischen Cavalkaden mit Spürhunden 
und Hühnerhabichten, welche dem delicaten Vogel keine Ruhe 
lassen. Immer ist es Astur palumbarius, der hier zur Falken- 
jagd gebraucht wird. 

Von Schemacha geht es steil bergab und dann gegen S.-S.-O. 
über tertiäre, kahle Hügel, deren Südfuss sich in die Mugan- 
Steppe lagert. Das Gebiet war leer. 

Nur Feldlerchen, ab und zu eine Weihe, eine Xebel- oder 
Saatkrähe traf ich an. Es ist wohl interessant, dass C. corone 
hier im östlichen Theile Transkaukasiens gar nicht vorkommt, 
immer war es C. frugilegus und C. cornix, die ich antraf, und 
auch der Kolkrabe ist hier schon selten und fehlt dem Tief lande 
von Talysch vollkommen. Dagegen ist bei Tiflis C. corone die 
häufige Art, und die Saatkrähe kenne ich dort nur als Zugvogel 
im Frühlinge. Dohle und Elster wurden in Bezug auf ihr Vor- 
kommen im Kurathale scharf beobachtet und sind beide nur local 
zu finden ; dabei sei bemerkt, dass die in der Krim oft mit fast 
durchgehendem weissen Halsband versehene Dohle hier nicht zu 
finden ist, vielmehr das typische europäische Kleid des Vogels 
angetrofi'en wird. 

Auch die Mugan war leer. Spät, wenn es oben gegen N.-O. 
kälter und unwirthsamer wird, erscheinen die Calander und 
Mohrenlerchen, sowie auch AI. sibirica in grossen Zügen, aber 



— 6 — 

nur für kurze Zeit in ihr. Jetzt, zumal in der Nähe der Kura,. 
der Akuscha und des Aras lebten hier ungeheure Staarenschaaren, 
die ohne Uebertreibung nach Tausenden in den einzelnen Flügen 
zählten und Abends und Morgens gleich Wolken bei ihren Flug- 
übungen am Horizont auf- und niederstiegen. Ich habe absicht- 
lich von den Staaren aus den verschiedensten Jahreszeiten von 
jedem Monate Exemplare, alte und junge, Männchen und Weib- 
chen, gesammelt. Viele Hunderte dieser Vögel sind mir zu 
Gesichte gekommen, und ich besitze in diesen Suiten neben dem 
typischen Staar auch ebensowohl den St. nitens Hume, wie St. 
unicolor La Mr. Sehr ausführlich bespreche ich diesen Gegen- 
stand in meiner Ornis caucasica. 

Tag und Nacht ging es vorwärts. Aus N.-O. heulte der 
kalte Sturm und bleischwer lag formloses Gewölk überall am 
Horizonte. Nichts war von der lieblichen Landschaft der Ta- 
lyscher Tieflande und der sie landeinwärts begrenzenden Gebirge 
zu sehen. Eegen zwang uns am 18. /25. November in dem grossen 
Molokanerdorfe Prischil zu übernächtigen. Am folgenden Morgen 
lag die herrliche Gegend in vollem Sonnenschein vor uns. Es 
war eine Freude, das zu sehen. Prachtvolle Pferde, fünf an der 
Zahl, vor unserm Wagen, durchflogen förmlich das fruchtbare 
Südende der Steppe, und immer deutlicher traten die letzten Aus- 
läufer der Elbruskette in das Gesichtsfeld. 

Die Steppe war frühlingsgrün und die Laubwälder des Ge- 
birges (Quercus castaneaefolia, Parosia persica, Pterocaria cauca- 
sica, Acer insigne etc. etc.) prangten noch im frischen Grün. 
Nun wurde es mehr und mehr belebt. Da standen die grossen 
weissen Keiher, von denen ich als Knabe in Danzig so oft ge- 
träumt hatte, im frischen Wiesengrün, oft an ganz trockenen 
Stellen, da sie für die Insecten weit mehr schwärmen als für die 
Fische und Eeptilien. Ich zählte auf einem Gebiete von einigen 
100 Quadratfuss an 16 Exemplare, und an den Gräben gab es kleine 
Gesellschaften der zierlichen Garzetten. Auch sah man schon 
weiter gegen Süden die Pelicane kreisen und lange Kettenlinien 
von Baklanew (Phalacrocorax), die zum Meere abzogen. Quer 
durch die Steppe fuhren wir, Kiebitze und unzählige Staare 
sammelten auf den Wiesen. Ab und zu sprangen auch Hasen 
vor der dahin eilenden Equipage auf und suchten das Weite ; ab 
und zu zog, schwerfällig die Flügel schlagend, ein Seeadler über- 



— 7 — 

die Fläche, der hatte sich gesättigt und strich ab in den Wald 
zur abgetrockneten Spitze einer riesigen Eiche, um Euhe zu halten. 

Nun gab es wieder neues Vorspann, und eilig ging es fort 
gegen Süden durch grosse russische Dörfer, die von russischen 
Sectirern bewohnt werden und wo der gemeine Spatz gern sein 
nachlässiges Nest in hohen Weiden baut und zwar immer in 
ganzen Colonien. Nun kamen wir zum Meere, das Tiefland war 
schmal geworden. In ihm zog sich weithin bis Lenkoran das 
gestaute, durch niedrige Dämme vom Meere abgesperrte Wasser 
der Gebirgsbäche hin. Ungeheure Kohrwälder umstanden diese 
tiefen, stillen Fluthen. weiter hin im Flachlande und auch th eil- 
weise auf den niedrigen Dünen die Jongeln, welche vornehmlich 
durch die stark bewaffneten Gebüsche von Rubus fruticosus ge- 
bildet werden und in denen die Chaus-Katze dem Fasanen auf- 
lauert. 

Landeinwärts dann die Wälder. Ja das sind Urwälder, die 
nur aus Laubhölzern bestehen und einige asiatische Originalformen 
haben , darunter auch Riesen , namentlich von der erwähnten 
kastanienblättrigen Eiche und der gewöhnlichen Rüster, die 
120 — 150 Fuss Höhe erreichen und über welche der kletternde 
Smilax sein tausendmaschiges , elastisches Netz wirft. Auf 
hartem Muschelsande ging es vorwärts. Larus cachinans be- 
grüsste uns mit jodelndem Geschrei, und bald tauchte aus üppigem 
Grün das Städtchen Lenkoran hervor mit seinem hochragenden 
Leuchtthurm, der auf der runden massiven Thurmbastion auf- 
gesetzt wurde, welche den Persern zur Abwehr nach der Er- 
oberung von Taiysch (1829) dienen sollte. Da war ich nun 
wieder angekommen, wo der seelige Menetries zuerst in dem 
soeben erwähnten Jahre gesammelt hatte und wo ich schon 
J866 die Basis der ornithologischen Sammlungen des kaukasischen 
Museums gelegt, auch später mit Dr. G. Sievers längere Zeit 
(1870) geweilt hatte. 

Das ist vielleicht das reichste Gebiet in jeder Hinsicht im 
ganzen russischen Reiche. Das Meer und die Süsswasser wimmeln 
von guten Fischen, im Sumpfterrain giebt der Reis reiche Ernten, 
der Wald hat edle, alte Bäume, Fasan und Waldschnepfe leben 
im Winter nachbarlich neben einander, fette Eber wühlen im 
Dünensande nach den hellen gelben — nicht schwarzen — 
Trüffeln. Panther und Königstiger treiben sich im Walde 
umher. Gemeinlich ist der Winter milde , die Unarten des 



Klimas aus N.-O. unterbrechen freilich ab und zu das schöne 
Wetter, und dann wird man sehr fühlbar daran erinnert, dass 
man in Asien ist. 

Tiefer gegen Süden haben die Orkane der transcaspischen 
Wüste und Steppe ihre Macht fast ganz verloren. Dort grünen 
im freien Lande die Pommeranzenbäume, und der Jasmin er- 
schliesst noch im December seine duftenden Blumen. 

Wie verhält sich nun der Zugvogel zu diesem Eldorado. — 
Vergegenwärtigen wir uns ein wenig die Oberfläche Russlands 
im Meridiane der Wolga und denken wir dann an Hochpersien, 
so wird es uns gleich klar werden, weshalb die befiederte Welt 
hier gerne bleibt. Sie zieht auf ihrer östlichen Wanderstrasse, 
im breiten Wolgathale, direct N.-S. im Herbste und setzt die 
Keise vornehmlich der Westküste des Caspi entlang fort. Es 
giebt da für den Vogel keine Hindernisse. Der Grosse Kaukasus 
fällt allmählich zum Meere ab, die Ufer desselben bieten auf 
weite Strecken hin gute, fruchtbare Ebenen oder Hügelländer, 
auf anderen tragen sie im Flachlande brackige Wassermassen und 
Salzsteppen. Je weiter gegen Süden hin, um so mehr verändert 
sich die Natur zum Vortheile, und der nach und nach bis in 
die Gilaner Gebiete gewanderte Zugvogel findet reichliche Nahrung, 
zumal wenn er auf das Wasser angewiesen ist, und entschliesst 
sich nicht leicht, weiter gegen Süden fortzuziehen. Denn wenn 
er es thäte, so müsste er sich zuerst 6 — 7000 Fuss hoch über die 
Caspifläche erheben und käme dann auf ein kahles, wasser- 
und waldarmes Hochland, an dessen Südseite erst wieder mildes 
Klima und gute Existenzbedingungen dem Wandervogel geboten 
werden. Nicht anders verhält es sich, wenn der Vogel mehr west- 
lich oder östlich fliegen wollte. Hier gegen Westen muss er über- 
all höher und höher steigen und hat gegen Süden stets die steilen 
Mauern des sogenannten Kleinen Kaukasus vor sich, jenseits 
Avelcher der breite, flache, aber hohe Rücken Kleinasiens sich 
hindehnt. 

Oestlich aber liegt die unwirthbare Turkomanen - Wüste, 
welche nur wenigen und nur eigenthümlichen Vogelarten con- 
venirt. Der Zugvogel der Wolgastrasse bleibt also gerne im 
Tieflande von Talysch und von Gilan und wintert dort wenigstens 
gut. Freilich trifft ihn nicht selten auch grosses Missgeschick, 
und selbst grosse Arten kommen um, wenn das Unwetter aus 
N. u. N.-O. länofere Zeit anhält. 



— 9 — 

Hier nun in Lenkoran, wo ich einige gute Jäger kannte 
imd namentlich Beistand von den Molokanern (russische Sectirer) 
zu erwarten hatte, auch allerlei garantirte Nachrichten und Be- 
nennungen der verschiedenen Vogelarten erkundigen konnte, 
miethete ich ein ganzes Haus und richtete zunächst die Trocken- 
kammern ein, von denen die grössere isolirt im Garten stand, 
wohin die ganz grossen A-'ögel, Pelicane, Gänse, Adler etc. ge- 
schafft wurden, um die üble Ausdünstung derselben während des 
Trocknens nicht nahe vor uns zu haben. Nun ging es los. 

Am 14. 2ß. früh begannen wir mit No. 1, und schon am 
17./29. Abends schrieb ich No. 134. 

Damals nahmen wir Alles, ohne Auswahl. 

Das herrlichste Wetter von der Welt hielt sich bis Ende 
December; dann erst entlaubten sich die Eichenwälder und 
es wurde winterlich, d. h. regnerisch und kühl. Ich notirte 
täglich recht ausführlich Alles, was die Vogelwelt anging und 
fügte den meteorologischen Beobachtungen auch vielerlei phäno- 
logische hinzu. Ausserdem schaltete ich mehr und mehr in die 
bezüglichen Abschnitte der Ornis caucasica ein. Es gab Tage, 
an denen wir 40, ja 5Ö Bälge machten, und keineswegs waren 
sie klein, vielmehr meistens mittelmässig. Namentlich sorgte 
ich dafür, dass grosse Suiten solcher Arten gesammelt wurden, 
deren Selbständigkeit mir zweifelhaft erschien und bei denen 
ich sorgfältig nach Uebergängen und vermittelnden Zwischen- 
stufen suchte. So interessirte mich auch besonders das talyscher 
Rothkehlchen , dessen Colorit gewöhnlich etwas lebhafter ist als 
bei dem europäischen. Uebrigens kommt diese Blanford'sche 
Art: Rubecula hj'rcana auch anderweitig im Kaukasus vor und 
zwar weiter westlich mit der typischen zusammen. Sehr grosse 
Suiten beschaffte ich von Picus Poelzami Bogd., die ich mir sorg- 
fältig mit dem Buntspechte der centralen transkaukasischen 
Landschaften vergleichen will. 

Fürs Erste muss ich bezeugen, dass die Bogdanowsche Art 
in der That im talyscher Tieflande stets chocoladenbraun (in 
helleren und dunkleren Nuancen) auf der Bauchfläche ist. Mit 
Taczanowsky's P. Saundersi, als Art, ja nicht einmal als Varietät, 
kann ich mich nicht befreunden; die Differenzen, so geringfügig an 
und für sich, scheinen überdies nur ganz individuell zu sein, und 
die Schnabellängen sowie ihre Schneidespitze werden wesentlich 
durch das Material bedingt, in welchem der Vogel arbeitet. Das 



— 10 - 

Capitel über die transkaukasischen Spechte wird jedenfalls recht 
interessant werden. In erster Reihe müssen wir zur richtigen 
Beurtheilung der Spechtfragen einen Blick auf die Wälder unseres 
Gebiets werfen und nicht vergessen, dass dieselben gegen S.-S.-O. 
und 0. ganz aufhören. Ebenso verhält es sich in Bezug auf 
Verbreitung und Abweichung im Gefieder von den typischen 
Kleidern bei einigen Meisen. Ich bemühe mich in meiner aus- 
führlichen Arbeit überall da zu vereinigen, wo üebergänge, 
sei es im Colorit, in der Zeichnung oder in der Plastik der be- 
treffenden Körpertheile vorliegen. Den hauptsächlichsten An- 
schauungen Glogers stimme ich vollkommen bei. Wir müssen 
zugestehen, dass die wechselnden Naturverhältnisse, zumal den 
weitverbreiteten Arten, Localcharaktere gewissermassen auf- 
impfen, welche durchaus nicht scharfe Grenzen einhalten, und in 
solchen Fällen ist die Varietät berechtigt, nicht die Species. So 
verhält es sich nach meiner Ueberzeugung auch mit Blanfords 
Picus Sancti-Johannis, den ich aus den Kura-Niederungen unter- 
halb Tiflis mit P. medius typ. zugleich sammelte. 

Dagegen halte ich P. syriacus Hemp. und Ehrb. als Art 
bis auf Weiteres aufrecht. Auch dieser Vogel fehlte dem öst- 
lichen Theile Trauskaukasiens. 

Im Verlauf des ersten Monats, d. h. bis zum 13./25» Debr., 
brachten wir es schon bis No. 562, und hatten sich zu dieser 
Zeit auch viele der nordischen Tauchenten auf dem Meere ein- 
gestellt. Doch kamen zuerst meistens junge Vögel, wie das ja 
auch au der Ostsee der Fall ist. Viel später als diese er- 
schienen z. B. die alten Männchen von Glaucion clangula und 
den Fuligula Species. 

Am 15. 27. December trat ich allein die Reise nach Tiflis 
an, wohin mich zum Schlüsse des Jahres dienstliche Geschäfte 
riefen. Meine Equipage war unter andern auch mit ein Paar 
Hundert Beccassinen befrachtet, welche am Tage vor meiner 
Reise, während weniger Stunden, bei Lenkoran in den über- 
schwemmten Reisfeldern erlegt wurden. Diese und auch die 
Waldschnepfen überwintern hier, während die Doppelschnepfe nur 
Zugvogel ist und die Haarschnepfe nur vereinzelt vorkommt. 

Meine in Lenkoran zurückgelassenen Leute, für welche Herr 
Leder sorgte, hatten bis zum 5./17. Februar abermals an 
600 Bälge fertig gestellt, und diesmal waren es meistentheils 
mittelwüchsige und grosse Vögel, w^elche präparirt wurden. Er- 



— 11 — 

wähnen will ich hier nur, dass mit dem im Norden immer 
rauher werdenden Winter die verschiedenen Lerchenarten, zumal 
die gewöhnliche Feldlerche und die Melanocor3^pha-Arten, letztere 
nur für kurze Zeit, aber in grosser Zahl, in die nassen Niede- 
rungen von Talysch förmlich hineingedrängt wurden. Die Feld- 
lerche fehlt im Sommer hier vollständig, es ist ihr gar zu nass. 
Erst wenn wir aus dem Tieflande bergan durch die schweig- 
samen, schattigen Wälder steigen und die Baumgrenze passirt 
haben, schmettern die Lerchen auf dem persischen kahlen 
Hochlande überall ihre jubelnden Lieder. Ich war theils durch 
schlechte Wege, theils auch durch die Hungersnoth, welche 
namentlich im unteren Kurathale obwaltete, gezwungen, mich 
von Schlemacha auf meiner Eückreise nach Baku zu begeben 
und von dort per Dampfer Lenkoran zu erreichen. Ich passirte 
also während dieser Reise Naphta- und Salzgebiete der Küstenzone 
des Caspi. Hier tummelte sich M. Calandra (typisch), auch Phile- 
remos sibirica und kleine Banden von Zwergzeisigen wurden 
ebenfalls angetroffen. Aber nirgend sah ich zu dieser Zeit Ph. 
brachydactyla, von welcher ich grosse Suiten, aber nur aus der 
Sommerzeit besitze. 

Hatte einerseits das im Januar und Februar oft rauhe, 
stürmische Wetter in den Ebenen die Vogelwelt gezwungen, mehr 
und mehr südwärts zu ziehen, so zwang andererseits eben dieses 
Wetter einzelne Arten thalabwärts vom persischen Plateau ins 
Tiefland zu steigen. Das thun nun freilich manche Arten schon 
sehr zeitig. So kommen alle Edelfinken schon im December 
aus den Wäldern des Gebirges herab in die Ebenen und treiben 
-sich in grosser Zahl auch im Städtchen Lenkoran umher, aber 
dem erwähnten schlechten Wetter verdanke ich eine für die 
kaukasische Ornis noch ganz neue Fringillidee , nämlich die 
seltene Erythrospiza rhodoptera Licht = sanguinea Gould. — • 
Bei schlechtestem Wetter, als Schneesturm und Kälte wütheten, 
wurde ein prachtvolles Männchen dieser Species auf den niedrigen 
Dünen am Meere erlegt. 

Schon sehr zeitig begann sich im Tieflande von Talysch 
der Frühling zu regen und man sah, ebensowohl im Pflanzen- 
reiche wie auch unter den Vögeln, allerlei Spuren davon. 

Ich copire hier einige Notizen aus meinem Tagebuche: 
Februar 8./20. 7 Uhr früh -^ 5,0 R. N.-W. schwach. 
2 Uhr Nachm. -|- 0,5 R. N. massig. 
9 Uhr Abends — 2,25 R. N.-N.-W. massig. 



- 12 — 

Schneesturm seit gestern während der ganzen Nacht hält 
an. Die Jäger finden fast gar nichts, Alles hat sich in den 
Jongeln versteckt, wo man nicht jagen kann, weil "/^ vom Er- 
legten im dichten Dornengebüsche nicht zu finden ist. 

Das Laub der Passifloren im Garten hat sehr vom Froste 
gelitten. Erst Nachmittag am 8. lässt der Schneesturm nach. 
Es sind 3 Zoll Schnee gefallen. Ermüdete und halbverhungerte 
Enten und Waldschnepfen werden beständig gebracht, nament- 
lich viele F. ferina und rufina. Die Molokanerknaben fangen in 
Schlingen, die sie auf schneefreien Stellen legen, allerlei Yögel, na- 
mentlich Beccassinen, Waldschnepfen, Eothkehlchen, Singdrosseln. 
Alle Staare halten sich in der Nähe der Wohnungen auf. 
Grosse Züge von Anser ruficollis werden beobachtet. Sehr un- 
ruhig, ziehen gegen Süden, kehren aber auch um und ziehen 
wieder gegen Norden, wissen gar nicht recht, wo sie bleiben 
sollen, denn dort im Süden liegt hohes bewaldetes Gebirge und 
hier im Norden wüthet der kalte N.-W. und N. Viele Vögel 
kommen um. 

Dagegen notirte ich schon wenige Tage später : 
Febr. 13./26. 7 Uhr früh + 0,50 R. N.-N.-W. schwach. 
2 Uhr Nachm. + 12,75 ß. S.-O. schwach. 
9 Uhr Abends + 10,50 R. S.-O. schwach. 
Die Sperlinge kämpfen um die Weibchen und machen dabei 
grossen Spectakel. Die Kohlmeisen locken. Cygnus olor ist 
angekommen. 4 lebendige Exemplare gekauft. Der erste schwarze 
Storch. Anser cinereus erlegt. 

Kraniche ziehen. Die Knospen jüngerer Pyramiden-Pappeln 
schwellen stark. Die Eiche und Acer insigne noch nicht im 
Safte. — Obwohl im Verlaufe des März-Monats oft schon recht 
warme Tage waren und ebensowohl der Zug der Vögel, als auch 
die Entwickelung der Flora begann, so treten dann mitten im 
Frühlingsgrün und nachdem die Schwalben schon angekommen 
waren, schroffe und ungünstige Witterungsverhältnisse ein, dass 
Mitte April neuen Styls allerlei Vögel umkamen. Lesen wir 
Avas mein Tagebuch vom 2., 3. und 4., d. h. vom 14. 15. und 
16. April dieses Jahres berichtet: 

Mittwoch 2./14. April 7 Uhr früh + 7,0 R. N.-O. schwach. 
2 Uhr Nachm. -[- 3,75 R. N.-O. schwach. 
9 Uhr Ab. + 3,0 R. O.-N.-O. stark. 
Regnerischer Tag. 



— 13 - 

3./15. April 7 Uhr früh + 2,25 K. K-0. stark. 

2 Uhr Nachm. -f 1,50 R. N.-N.-O. massig. 
9 Uhr Ab. + 0,75 R. N.-N.-O. massig. 

Seit gestern 9 Uhr früh entsetzliches Unwetter, Regen und 
Sturm aus N.-O. Von gestern Abend an Schnee, heute von 
9 Uhr früh an Schneesturm, um 11 Uhr ruhiger. Der Schnee hält an. 
Freitag 4./16. April 7 Uhr früh + 0,25 R, N.-W. massig. 

2 Uhr Nachm. -|- 0,75 R. N.-W. massig. 
9 Uhr Ab. + 0,75 R. N.-W. massig. 

üeberall gleichmässig bezogen, es liegt ^/o Fuss hoher Schnee. 
Von 8 Uhr an fällt wieder Schnee, sehr grossflockig. 

NB. Man vergesse nicht, dass der Beobachtungsort noch 
80 Fuss unter dem Niveau des Oceans (Spiegel des Caspi) gelegen 
ist, auch nicht, dass wir uns in Lenkoran unter dem 39*^ nördl. 
Breite befinden; aber man trage Rechnung dem Einflüsse des 
ungeheuren Conti nents in Nord und Ost. 

Am 4./16. April schrieb ich nun Folgendes zu den oben- 
angeführten meteorologischen Beobachtungen nieder. 

Alle Haus- und Uferschwalben sind umgekommen (H. rustica 
und Cotyle riparia). Man kann sie zu Hunderten im Graben 
am Leuchtthurm finden, desgleichen ist Muscicapa luctuosa zum 
grössten Theile ein Opfer des schlechten Wetters geworden. 
Selbst grössere Stelzer als Charadrius morinellus und asiaticus, 
sowie Beccassinen, Waldschnepfen und Wiedehopfe sind so er- 
mattet von Hunger und von der Kälte, dass man sie mit der 
Hand ergreifen kann. Ueber Nacht stürmen eine Menge kleiner 
Vögel an die Fensterscheiben, ein Theil rettet sich in den 
Häusern. Auch Körnerfresser leiden sehr. 

Fringilla coelebs stirbt. Die Sperlinge lassen sich gar 
nicht sehen. 

Am 5./17. April liegt 1 Fuss hoher Schnee. Die erfrorenen 
Vögel, unter denen sich sogar Ibis falcinellus und Numenius 
phaeopus befinden, werden über Nacht von den Schakalen fort- 
gefressen. Auch am 5./17. April steigt um 2 Uhr Nachmittags 
die Temperatur bei schwacher N.-N.-W.-Briese nicht über 6,75. 

Trotz dieses Unwetters brüten schon Anser cinereus und 
Corvus cornix und sind angekommen: Sterna anglica und hirundo 
und schon am 3./15. April wurde Merops apiasterü in der 
Ebene zum ersten Male erlegt, ein ganz ausnahmsweises, gar 
zu zeitiges Erscheinen dieser Art in diesem Jahre. 



— 14 — 

um mm auch meinen Freunden und Collegen einen Begriff 
davon zu geben, in welcher Weise wir sammelten, copire ich 
das Arbeitsbuch, z. B. vom 6. /IS. December 1879. Der Prä- 
parator begann 7 Uhr früh mit No. 414 und endete Abends 
9 ühr mit No. 464. 
Er präparirte: 
No. 414. Bomb3xilla garrula, so tief im S.-O. zum 

ersten Male beobachtet, bei Tiflis von mir 
zu wiederholten Malen nachgewiesen. x\uch 
in diesem Winter bei Derbent erlegt. 
„ 415. Picus Poelzami. Bogd. 

,, 416 — 417. Totanus calidris. 

,, 418. Garrulus glandarius var. hyrcanus Bogd. 

,, 419. Strix aluco (feurig fuchsbraun). 

,, 420. Picus martius. 

,, 421. Ardea stellaris. 

„ 422. ,, cinerea. 

„ 423—26. Fuligula nyroca. 
„ 427-28. „ rufina. 

„ 429 — 33. Anas crecca. 
„ 434. Ardea alba. 

,, 435 — 36. ,, purpurea. 
„ 437 — 40. Fringilla chloris. 
„ 441. „ cannabina. 

„ 442 — 46. Passer domesticus. 

„ 447. Falco aesalon. Bis dahin aus Transkau- 

kasien noch nicht nachgewiesen, besitze eine 
Suite von mindestens 20 Vögeln, darunter 
auch sehr helle. 
,. 448. Motacilla boarula. 

,: 449. Larus ridibundus. 

,, 450. Regulus flavicapillus. 

„ 451. Circus p3^gargus. 

„ 452—53. Porphyrio hyacinthinus. 
,. 454—55. Anas angustirostris. 
,, 456. Anas strepera. 

„ 457. Charadrius pluvialis. 

„ 458—60. Balkis aquaticus. 
„ 461. Emberiza i)yrrhuloides. 

„ 462 — 62. „ schoeuiclus. 

„ 464. Anas boschas. 



— 15 — 

Es bleiben noch unpräparirt liegen: 
2 Ardea garzetta. 
2 Falco laniarius. 

1 ,, peregrinus. 

2 Anas mersa. 

2 Anser minutus. 
Und das Arbeitsbuch führt auf vom 4./16. April: 
No. 1914 — !(). Phönicopterus antiquorum. 

„ 1917—28. Charadrius niorinellus. 

,\ 1924—30. „ Geoffrovi. 

„ 1931 — 40. „ asiaticus. 

„ 1941 — 44. Ibis falcinellus. 

„ 1945. Glareola pratincola (typ.) 

„ 1946—50. Pterocles alchata. 

„ 1951 — 52. Sterna hirundo. 

„ 1953. Oedicnemus crepitans. 

„ 1954. Falco subbuteo. 

„ 1955 — 56. Pelecanus minor. 

,, 1957. Sterna anglica. 

„ 1958. Tringa alpina. 

„ 1959. Merops apiaster 

„ 1960 — 61. Passer salicicola. 
Es bleiben für den nächsten Tag eine grosse Anzahl ge- 
schossener Vögel, darunter die Eclelfalken, Flamingos, Ibis 
falcinellus und an 40 Charadrius asiaticus liegen. Schon am 
6/18. April wurde die Ziffer 2000 in der Zahl der Bälge erstrebt. 
Ich machte nun im Frühlinge mehrere grössere Excursionen, wo- 
])ei, wie bei allen meinen diesmal ausgeführten Reisen, stets dem 
Vogel die vorzüglichste Aufmerksamkeit zugewendet wurde. Die 
Keise, welche den Rothhalsgänsen galt und die mich circa 15 
deutsche Meilen gegen N.-W. in die Mugan-Steppe führte, w^ar leider 
ganz vergebens. Drei Tage vor meiner Ankunft hatten sich 
diese schönen Vögel, welche im Februar in sehr grosser Anzahl 
am Westufer des Caspi erscheinen (aber immer nur im Steppen- 
gebiete bleiben, wo sie am liebsten den kurzen, im Herbste auf's 
Neue hervorwachsenden Rasen abweiden), auf die Reise gegen 
N. gemacht und zwar vereinigten sich zu derselben im Verlaufe 
der Zeit die einzelnen Schaaren mehr und mehr und bildeten 
zuletzt nur eine ungeheure Masse. Nicht anders thun es Kampf- 
hähne, welehe, wie viele andere Vögel, in getrennten Geschlechtern 



— 16 — 

ziehen und sich nach etwa 5-wöchentlichem Aufenthalte in den 
Ebenen dann alle vereinigen, um weiter zu wandern. Weiss- 
halsige im Winterkleide kommen vor. 

Der Besuch der Burwani-Inselu im Busen von Kisil-agatsch 
war nicht ergiebig. Zwar stiessen wir auf Möwen -Colonien^ 
allein es war noch zu früh, um Eier zu sammeln. 

Dieses aber geschah im Mai auf der langen und schmalen 
Insel Sari, wo ebensowohl Larus ichthyaetus, als auch L. 
cachinnans*) in getrennten, nahe bei einander gelegenen grossea 
Colonien brüten und ebenso Sterna caspia, als auch St. hirundo 
in ihrer Nachbarschaft ihre Brütplätze haben. Auf dem ent- 
gegengesetzten Ende der Insel, dem südlichen, traf ich einzelne 
Paare von St. minuta und St. cantiaca an, die zweifelsohne hier 
brüten, deren Gelege ich aber nicht finden konnte. — 

Anfangs April musste ich dienstlicher Geschäfte halber wieder 
nachTiflis reisen, namentlich um dort den in Angriff genommenea 
Umbau der Museumsräume zu forciren und die grossen ethnographi- 
schen Gruppen, welche die Völkerstämme des Kaukasus darstellen 
sollen, einigermassen vorzubereiten. Ich nahm diesmal den Weg 
von Baku über Derbent zu Lande und begab mich von dort, den 
Nordost des Dagestan umfahrend, in die Sundscha- und Terek- 
steppen, erreichte Wladikawkas und überstieg, die grosse Grusi- 
nische Heerstrasse verfolgend, das Gebirge, an dessen Südseite, 
abwärts im Thale des Aragion und zuletzt in dem der Kura^ 
Tiflis erreichend. Das Hochgebirge lieferte mir Schneefinken, 
Alpen-Flühvögel, Phileremos und Anthus aquaticus, welch letzterer 
überall auf den Schneefeldern sein schönes Lied schmetterte und 
dabei sich aus der Luft herabstürzt. Der schöne Vogel über-^ 
wintert zum Theile in den Tiefländern und brütet in der Schnee- 
zone des ganzen Kaukasus. 

Ein Lawinensturz hätte mir bald den Garaus gemacht, als ich 
von der Station Kobis über den sogenannten Kreuzberg reiste, 
um an der Südseite des Gebirges die Station Gudaur zu erreichen. 
Länger als ich es beabsichtigt hatte, musste ich in Tiflis bleiben 
und kam erst Anfangs Mai, nachdem abermals die Strecke an 
der Nordseite des Gebirges bis Derbent zurückgelegt worden 
war und ich dann ein Dampfschiff benutzen konnte, in Lenkoran an. 



*) Der Mantel ist zu hell bei den Vögeln des Westufers vom 
Caspi, ich muss hier noch untersuchen. R. 



- 17 — 

Da war nun voller Sommer. Alles strotzte im üppigen Grün. 
Nach und nach verschwand das Grau der alten Kohrbestände 
und überall erscholl von dort her der rauhe Gesang von Sali- 
caria turdoides, welclie hier die gemeinste Art von den Rohr- 
sängern ist. In den Jongeln, zumal wo sie hoch und dicht 
waren, lebte der Hafis-Sänger, eine Nachtigall, die gewiss, obwohl 
äusserlich sehr nahestehend zur Nachtigall Europas, doch sicher- 
lich eine gute Species ist. Ich habe von ihr wohl an 20 Exemplare 
mitgebracht; sie ist schwer zu beschaffen, denn wenn man sie 
auch nach langem Suchen im dichtesten Dickicht endlich erblickte 
und erlegte, so ist sie darum noch nicht gefunden. In den 
Jongeln ist uns bei der Jagd stets mehr als die Hälfte verloren 
gegangen, da man die kleineren Vögel in dem verrotteten und 
ül)erall bewaffneten Buschwerk oft nicht findet. Vom Hafis-Sänger 
bringe ich auch Nester und einige Gelege mit, was Alles in 
der Ornis ausführlich besprochen werden soll. 

Sehr bald aber hatten wir die im Sommer in den Tieflandeu 
von Tal^'sch lebenden und brütenden Vogelarten in genügender 
Anzahl gesammelt. So reich das Gebiet als grosse Winterstation 
für das Geflügel ist, so arm muss ich es doch eigentlich nennen, 
wenn ich an die Sommerornis desselben denke. Die mehrmals ins 
Eohr gemachten Excursionen waren gar nicht lohnend. Die ßrut- 
vögel hatten sich dort in die absolut unzugänglichen Dickichte 
zurückgezogen, und überdies liegen die Brutcolonien, z. B. der 
Eeiher, nicht hier, sondern viel weiter nördlich in dem Mün- 
dungslande des Kura und der Akuscha, wo die Vögel ganz 
ungestört dem Familienleben nachgehen können. Dort brüten 
.auch die Pelicane, und zwar ist hier P. crispus die gemeinste Art. 
Ihr folgt dann der Zahl nach P. minor, und vom P. Onocrotalus 
erhielt ich nur ein Exemplar. Eben dort brüten auch die Zwerg- 
scharbe und Podiceps cristatus. Von den Sultaushühnern brachte 
ich zwar an 40 schöne Exemplare zusammen mit und hätte mit 
Leichtigkeit im Winter ein Paar Hundert beschaffen können, 
aber trotz aller Bemühungen und guter Prämien ist es mir 
nicht gelungen, der Gelege habhaft zu werden. Was man mir 
brachte, waren stets die Eier von Eulica atra. Die Jäger ver- 
sicherten, dass Porphyrie eben an vollkommen unzugänglichen 
Stellen im dichtesten Rohre brüte. 

Nachdem nun Ende Mai eine Reise nach Enseli und von 
da nach Rescht ausgeführt worden war und ich namentlich aus 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 2 



— 18 — 

dem Gilanischen Tieflancle manche interessante ethnographische- 
Objecte für das Museum erhandelt hatte, damit dann nach 
Lenkoran heimgekehrt war, unternahm ich am 10. /22. Juni meine 
letzte grössere Keise, welche einen Monat währte, und deren 
Hauptzweck es war, zunächst das Rundgebirge zu ersteigen und 
dann auf dem persischen Hochlande gegen S.-W. zu wandern, 
um Ardebil zu erreichen, von wo aus der Sawalan besucht und 
auch seine Yogelwelt und Flora eingehender studirt werden sollte. 
Ich begab mich im Tieflande zuerst seitwärts bis zur Grenze,, 
zum Theile am Meeresufer verbleibend, zum Theile auch tiefer 
landeinwärts in den herrlichen Laubholzwaldungen hinwandernd 
und dem grossen Süsswasser Kaladagna einen Besuch abstattend. 
— Die Landschaft ist, wo man sie frei überschauen kann, gan^ 
entzückend schön. Dem brillanten Grün ausgedehntester Reis- 
felder schliessen sich die verschiedensten Nuancen und Färbungen 
des Laubes der Urwälder am Rande derselben an. Man durch- 
zieht weite Strecken, die mit Gleditschia caspica, andere, die mit 
Pterocaria oder Acacia Julibrissin bestanden sind. Hier strich 
Pandion mit Fang hoch in der Luft zum Horste ab, dort kreisen 
schwerfällig ein Paar Schrei- oder auch alte, weissschwänzige 
Seeadler, weiterhin schwärmen rosaschimmernde Pelicane unter 
dem hellen reinen Himmelblau, oder blendend weisse grosse 
Lachmöwen ziehen bachaufwärts im Thale, dessen Ränder vom 
stolzesten Urwald bestanden sind. Merops (in beiden Arten) 
gaukelten in den Lüften, und die Blauraken treiben ihr Wesen 
im Unterholze unweit von einer Wiese. Yerhältnissmässig todt 
erscheinen die Sümpfe und weitgezogene Wasserlachen, deren 
Spiegel oft auf das Dichteste mit den zierlichen Blättern von 
Trapa natans bedeckt ist, die so fest geschlossen neben einander 
stehen, dass das Boot nur mit Mühe an solchen Stellen vorwärts 
gebracht werden kann. Am Ufer treiben sich Schildkröten 
herum und stürzen sich plump, bei herannahender Gefahr, kopf- 
über in die Fluthen. Ueberall glotzen uns die Augen grosser 
Frösche an, und hie und da hebt die Wassernatter den Kopf 
hoch empor, wenn sie mit schlängelnder Bewegung geradehin 
schwimmt. 

Der kleine Grenzort Astara wurde bald erreicht, und nun 
ging es im Thale des gleichnamigen Baches in der Hauptrich- 
tung gegen West fort ins Gebirge, dessen Höhe im Verlaufe 
eines Tages erstrebt wurde. Da waren wir denn an dem hohen 



— 19 — 

Scbinclan-Kala, einem hart am Rande hervorgetriebenen, circa 
7000 Fuss hohen „Kopfe" des Gebirges, das einstens stark be- 
festigt gewesen, wovon man jetzt noch allerlei Spuren sehen 
kann. Es war dort am 12./24. und 13./25. Juni recht schlechtes 
AVetter, aber mitten im Nebel und Regen erlegten wir doch 
einige Anthus-Exemplare, über die ich erst später genauer be- 
richten kann, und auch ein abweichendes Exemplar von Pyrrhula 
Erythrina. — In den Wäldern, zumal den höher gelegenen, 
brütet hier auch Muscicapa parva. — Sobald wir nun auf dem 
persischen Hochlande uns befanden, jubelte uns überall die Feld- 
lerche entgegen, die wir bisher im nassen Talyscher Tieflande 
und in der Waldzone nicht gehört hatten. Vergebens aber 
schaute ich mich um nach Alauda bimaculata. 

Wir wanderten nun zunächst immer gegen Xorden dem 
Rande des Gebirges entlang in Höhe von 6—7000 Fuss über 
dem Meere. Es ging zu einem zweiten, bedeutend hohen (8000 
Fuss) „Kopfe-, zum sogenannten Küs-jurdi, d. h. verdeutscht 
zu den „Mädchen-Sommerfrischen-', wohin im Sommer, wie fast 
überall hier, die Mohamedaner des Tieflandes auch aus andern 
Orten mit ihren Heerden hinziehen, um die Alpenweiden zu 
benutzen. An den Ostabstürzen dieses Küs-jurdi wurde fleissig 
gejagt und wir schössen auch 4 Exemplare Megaloperdix Caspius 
Gm = M. Raddei Brehm et Bolle. Auch wurden manche inter- 
essante kleine Vögel erlegt, von denen eine Accentor-Art viel- 
leicht mit der Blanford'schen Sp. identisch sein dürfte. Auch 
hier schwebte über den Abgründen jene Bussard -Art, welche 
neuerdings durch H. M. Bogdanow zur Species erhoben wurde 
und über die ich in der Ornis sehr eingehend berichten werde. 
Hier nur soviel, dass, wenn ich überhaupt Buteo tachardus Bree=: 
B. desertorum Daud. als eigene Art betrachten soll, unser Vogel 
dazu gehört und nur in einzelnen Individuen als Var. rufa zu 
bezeichnen wäre. Ich habe circa 15 Exemplare im Verlaufe der 
Zeit in Händen gehabt und darunter auch lebendige in den 
Volieren bis zur Stunde, überdies den Vogel vielfach im Frei- 
leben beobachtet. Meine üeberzeugung über seine Stellung bildete 
sich, noch bevor ich Herrn Bogdanows Arbeit kennen lernte. 
Es giebt von diesem Mäusebussard alle möglichen Farbennüancen, 
die zwischen erdbraun und fuchsrothgelb liegen. Zumal sind die 
Exemplare aus dem Aragwa-Thale bei Mleti und auch solche 
aus dem Trialetischen Gebirge sehr fuchsig. ^— Wie gesagt, 

2* 



— 20 — 

wenn man bedenkt, wie ausserordentlich in der Färbung der 
gemeine Mäusebussard variirt und nun ganz dasselbe an dem 
transkaukasischen Vogel wahrnimmt, zudem auch nahe ver- 
mittelnde Grössenverhältnisse nachweisen kann, so wird die 
Ansicht, es hier mit einer guten Varietät zu thun zu haben, 
gewiss berechtigt sein. Doch will ich mein durch die letzte 
Keise bedeutend vermehrtes Material nochmals mustern, um mein 
letztes Wort in dieser Sache zu sprechen. — Vom Küs-jurdi 
begab ich mich nun, gegen S.-W. hinziehend und immer Ange- 
sichts des imponirenden Sawalan, zur Stadt Ardebil, w^elche durch 
die sie heimsuchenden Erdbeben berüchtigt, durch die Pracht- 
bauten (Mausoleum von Ismail-Schah und Scheik-Sefi) berühmt 
ist. Ich nahm mit, was sich uns an kleinerem Geflügel darbot, 
und summa summarum brachte ich von dieser Reise auf dem 
persischen Hochlande an JOO Exemplare mit. Aber ich ver- 
misste hier, wie auch später auf dem Sawalan, die so sicher 
erhofften Saxicola- irrten, deren Persien so ausgezeichnete besitzt. 
Der Kaukasus scheint überhaupt an diesem Reichthum nicht zu 
participiren, es sei denn, dass der Dagestan, dessen Gebirge ich noch 
nicht kenne, mehr Arten von Steinschmätzern besitzt. Was ich hier 
oben und auch auf dem Sawalan bis zum Schnee fand, war wohl 
immer nur S. oenanthe, aber im stark abgeriebenen Sommerkleide. 
Die Tour von Ardebil zum Sawalan, wo im Sommer die räuberischen 
Schah-sewanzen hausen, wurde am 19. Juni (1. Juli) in Angriff 
genommen. Von dem Onkel des Schah in Ardebil auf das Be- 
reitwilligste unterstützt und mit Localeskorte versehen, begab 
ich mich zum Ostfuss des gewaltigen todten Vulkans und stieg 
unverdrossen bergan. Der gesammte Fuss des Sawalan ist gut 
bebaut und bewässert. Hier flöteten überall Carmingimpel und 
Kappenammern (Emb. melanocephala). Vor uns lagen gegen 
W. die sogenannten Kisil-bari-Höhen, welche noch viele Schnee- 
schrammen besassen und die den eigentlichen Centralkegel des 
Sawalan von dieser Seite und gegen N. hin förmlich umgürten. 
In etwa 9500 Fuss, bei dem etwas friedlicheren Tribus der 
Larinzen, blieb ich, erhielt eine ihrer Kibitken, placirte sie 
ausserhalb des Lagers und ging nun ebensow^ohl den botanischen, 
als auch den ornithologischen Beschäftigungen nach. Hier 
schwebten in nicht mehr als S — 12 Faden Höhe Lämmergeier 
über den Schafheerden, ohne die Thiere auch nur im Geringsten 
belästigt oder geängstigt zu haben. Fast scheint es mir, dass 



- 21 — 

der Vögel in der Schweiz einen ganz anderen Charakter habe 
als hier zu Lande, wo er auch in der Gefangenschaft ein durch- 
aus liebenswürdiges Benehmen zeigt. Ich beobachte nun schon 
im Verlaufe von IT Jahren den Lämmergeier im Kaukasus und 
gebe über ihn sehr eingehende Mittheilungen in meiner Ornis. 
Immer habe ich ihn als nicht grimmigen Vogel gesehen, der 
meistens auf frisches Aas geht. Die Geschichte übrigens mit 
dem Fallenlassen der Knochen aus grossen Höhen, damit diese 
zerschellen und dann leichter vom Vogel verschluckt werden 
können, ist hier bei den Hirten und Jägern im Gebirge allge- 
mein bekannt. 

Vom Sawaian brachte ich auch die gewöhnliche Hausschwalbe 
Hirundo urbica mit, und dies besonders zu erwähnen stehe ich 
hier nicht an, weil diese Art im gesammten Transkaukasien nur 
an wenigen Localitäten in kleinen Gesellschaften vorkommt und 
zwar meistens hoch im Gebirge, wo es H. rustica nicht mehr 
behagt. 

Nur an einer einzigen Stelle, nämlich in der Stadt Derbent, 
fand ich H. urbica bis zum Niveau des Caspi herabsteigend. 

Auch H. rustica ist insofern interessant, als einmal gegen 
Osten diese Art entschieden an Zalil rasch abnimmt und zweitens 
die Männchen meistens schon röthlich gefärbte Bauchseiten 
haben. 

Ich könnte Ibnen nun wohl noch manches xingenehme 

niederschreiben, so auch ein ziemlich langes Capitel über die 

Würger, allein für diesmal genug. Ich werde es aber nicht 

unterlassen, während der Bearbeitung meiner Materialien Ihnen 

Mittheilungen zu machen, die Sie nach Belieben verwenden 

können. ,, , , 

Ihr treu ergebener 

Dr. G. Eadde. 



An den Direktor des kanlvasischen Museums zu Tiflis, 
Herrn Dr. Radde, 

von E. F. V. Homeyer. 

Stolp, den 20. November 1880. 

Mein werther lieber Freund! 
Eine unendliche Freude haben Sie mir bereitet durch Ihren 
ausführlichen Bericht über Ihre herrliche jüngste Reise, die ia 



- 22 — 

ihren Erfolgen eine wesentliche Bereicherung unserer natur- 
wissenschaftlichen Kenntnisse der von Ihnen besuchten Länder 
und Gegenden geben wird. Mit mir ist die AVeit gespannt auf 
den ausführlichen Bericht, den wir hoffentlich in nicht zu ferner 
Frist von Ihnen zu erwarten haben und auf die Gegenstände, 
welche Sie Gelegenheit genommen zu sammeln und mit sich zur 
Bereicherung Ihrer Sammlungen nach Hause zu bringen. 

Bei Ihi-er bekannten grossen Arbeitskraft dürfen wir wohl 
hoffen, dass die Zeit, welche Sie zur Vollendung Ihres Werkes 
bestimmt haben, innegehalten wird, wenn wir auch alle wissen, 
dass bei solchen Arbeiten trotz sorgfältigster Dispositionen sich 
Schwierigkeiten erheben, die man in vollem Umfange a priori 
nicht hat berechnen können. Von ganz besonderem Werth möchte 
ich erachten die sorgfältigen Untersuchungen, welche Sie über 
die Thierform der von Ihnen besuchten Gegenden angestellt haben 
und worauf, wie ich aus Ihrem Schreiben ersehe und wie ich 
von vorn herein erwarten konnte, Ihre Untersuchungen ganz speciell 
gerichtet waren. Es wird dies ausserordentlich dazu beitragen, 
unsere Ansichten über Art und Abart, über klimatische und an- 
dere Form zu kläj*en, wenn wir uns auch wohl sagen müssen, 
dass die gründlichsten Untersuchungen des ausgezeichnetsten 
Beobachters nicht im Stande sein werden, mit einem Schlage 
über alle diese Dinge eine endgültige Entscheidung zu bringen 
und dass wir fortfahren müssen, auf dem gegebenen Fundament 
weiter zu bauen. Wie Ihnen ja bekannt ist, stehen wir in diesem 
Punkte im Wesentlichen zusammen, wenn auch die Art und 
Weise, auf welche wir diese Räthsel der Natur zu lösen trachten, 
eine etwas verschiedene sein mag. Das wird aber unser Zu- 
sammenwirken nicht nur nicht stören, sondern, wie ich fest über- 
zeugt bin, fördern, indem wir Beide bestrebt sind, die vorhan- 
denen Unterschiede festzuhalten und nicht zu verwischen, auch 
unsere Schlüsse auf lange mühsame Untersuchungen begründen, 
nicht auf einen Eindruck des Augenblicks oder auf einen momen- 
tanen, mehr oder weniger geistreichen Gedanken. Wie 
wichtig eine solche genaue Unterscheidung sein wird, werden wir 
erst dann in vollem Masse erkennen, wenn die Beobachtung der 
Wanderungen der Vögel, mehr wie bisher geschehen, in wirklich 
wissenschaftlichem Sinne ausgeführt wird. Wir werden dann 
mit grosser Sicherheit nachweisen können, dieser oder jener Vogel 
kann nur von jenem Punkte der Welt gekommen sein und er 



— 23 — 

inuss einen Weg gewählt haben, der in den meisten Fällen ein 
möglichst direkter sein wird. 

Verbindet sich mit dieser Erkenntniss die genauere Beob- 
achtung der Zugrichtung, sowie von Wind und Wetter und anderen 
begleitenden Umständen, so haben wir ein Fundament der Beob- 
achtung, welches sich von der bisher üblichen Methode wesent- 
lich unterscheidet und unzweifelhaft in verhältnissmässig kürzerer 
Zeit uns dahin führen wird, die Wege, welche die Wanderer 
wählen, zu erkennen. 

Es ist sehr zu beklagen, dass manche Schriftsteller (zwar 
oft unter dem Mantel grosser Gelehrsamkeit) ihre Ansichten auf 
Beobachtungen gegründet haben, welche theils wenig zuverlässiger 
Natur, theils aber auch so dürftig sind, dass es unmöglich ist, 
daraus sichere Schlüsse zu ziehen. — Wie Ihnen ja bekannt, 
beschäftige ich mich eben jetzt mit einem Werke über die 
Wanderungen der Vögel, und ich habe mich bemüht, so viel 
wie möglich mir Kenntniss zu verschaffen von den Beobachtungen 
und Ansichten älterer Schriftsteller. Von manchen Seiten sind 
allerdings sehr schöne Beobachtungen gemacht und auch An- 
sichten ausgesprochen, welche volle Berücksichtigung verdienen. 
Immerhin aber bleibt des Räthselhaften soviel, dass es mir 
nicht möglich war, eines der vorhandenen Systeme ganz zu adop- 
tiren. Sehr hohen Werth haben für uns auch die Beobachtungen 
Middendorf s, und wenn auch dessen Methode aus Gründen, die 
ich später ausführen werde, nicht die gewünschte Sicherheit hat, 
so ist sie doch unendlich besser, als die reine schematische 
Arbeit Palmens. Weder die Auswahl der Arten, welche dieser 
gelehrte Herr zu seinen speciellen Untersuchungen getroffen hat, 
noch die Wege, welche er dieselben wandern lässt, kann ich 
für richtig erkennen. Ich will hier nur darauf hindeuten, was 
ich in meinem Werke genauer auszuführen gedenke, dass bei 
vielen der von Palmen als Muster gewählten Arten das Vor- 
kommen ein so sporadisches, die Beobachtung eine so zufällige, 
die Zahl der beobachteten Vögel eine so geringe ist, die Lücken 
zwischen den Beobachtungspunkten so grosse sind, dass es un- 
möglich wird, daraufhin einen einigermassen zuverlässigen Schluss 
zu ziehen, um so mehr, als eine Beobachtung der Zugrichtung 
irgend eines Vogels nirgends erwähnt wird. Dazu gesellt sich 
eine Anzahl anderer Arten, welche eine so ungeheure Ver- 
breitung haben, jedoch kaum, oder gar nicht abändern, dass es 



— 24 - 

unmöglicli Avircl, mit irgend einer Zuverlässigkeit ihren Wegen 
zu folgen. Palmen entsagt auch noch dem vorhin erwähnten 
Mittel zur Erkenntnis» der Wanderungen, indem derselbe Arten 
vereinigt oder verwechselt, welche unzweifelhaft verschieden 
sind , viel weniger noch die localen Varietäten in Betracht zieht. 
Ein Schriftsteller, welcher nicht vermag, Anser albifrons von 
Anser minutus, Tringa Temminckii von Tringa minuta zu 
unterscheiden , begiebt sich dadurch eines Hauptmittels, in die 
Geheimnisse der Wanderungen unserer Vögel einzudringen.*) 
Eigenthümlich zeigt sich denn auch der Erfolg solchen Bestrebens. 
Man braucht nur einen Blick auf die dem Werke beigegebenen 
Karten zu richten, um zu erkennen, dass ein fertiges System 
vorlag, welchem die Beobachtungen später eingefügt wurden. 
Man kann mit wenigen Worten dasselbe bezeichnen: 

„Meeresküsten und Ströme sind die Strassen, welche die 
Vögel ziehen , mögen dieselben auch noch so grosse Umwege 
bilden, mögen sie die Wanderer auch auf vielfach längerem 
Wege dem erstrebten Ziele zuführen**)." 

Es soll nun keineswegs behauptet werden, dass nicht manche 
Wasservögel den Küsten- und Flussbetten folgen, indessen in 
den weitaus meisten Fällen sind vermeintliche Beobachtungen 
solcher Wanderungen dahin zu berichtigen, dass diese Localitäten 
geeignet sind, den Wandervögeln einen kürzern oder längern 
Aufenthalt zu gewähren und daher von denselben aufgesucht 
werden als Sammel-, East- oder Winterstationen. 

Ihr Vorhandensein an solchen Localitäten ist daher keines- 
wegs ein Beweis für den Weg, w^elcher sie dahin geführt hat. 

Ihre Beobachtungen über die massenhaften Wanderungen 
der Vögel des Baikal zeigen zu deutlich, dass auch kleine Vögel, 
welche verhältnissmässig schwache Flieger sind, die unendliche 
Wanderung über die mittelasiatische Hochsteppe vollführen, und 
es ist dies sicher ein Beweis, dass die Umwege, welche manche 
Vögel machen sollen, um auf einem verhältnissmässig günstigem 
Terrain zu bleiben, in der That nicht gemacht werden. 

Das Kaspische Meer und die Ströme, welche in dasselbe 
fallen, sind gewiss natürliche AVanderstrassen für eine grosse 
Zahl von Vögeln und bilden zu gleicher Zeit die so wesent- 

*) Vevgl Palmen p. 20G. 

**) Es sind dies genau die Wege, welche "Wallace die Vögel ziehen 
lässt; verg], dessen Verbreitung der Thiere, übersetzt von Meyer I. p. 24. 



- 25 — 

liehen Käst- iiud Winterstationen, wie Sie das ja auch bei Ge- 
legenheit Ihrer sibirischen Keise in den unbedeutenden, aber 
einzig dastehenden ..Gemüsegärten der Kosackenstationen" ge- 
funden haben. 

Solche Punkte scheinen mir von den Wanderern vorzugs- 
weise aufgesucht zu werden, und es ist mir oft begegnet, dass 
ich die Vögel, welche verhältnissmässig selten in hiesiger Gegend 
vorkommen, zu gewisser Zeit, an gewissem Orte gefunden habe; 
wieviel mehr muss dies alsdann der Fall sein, wo ein ein- 
ziger fruchtbarer Punkt, mit verhältnissmässigem Schutze, sich 
neben einer unendlichen Wüste befindet. Sie können sich wohl 
denken, mit welchem Interesse ich Ihren speciellen Beobachtungen 
entgegensehe und welchen Werth ich auf dieselben lege. 
Interessant waren mir auch Ihre Mittheilungen über die ent- 
wickelte grosse Thätigkeit im Präpariren von Xaturgegenständen, 
und das erinnert mich an die Zeiten, wo ich in Begleitung 
meines als Schützen , Beobachter und Präparator gleich aus- 
gezeichneten Jägers Meyer ornithologische Excursionen machte 
und reiche Beute heimbrachte. 

Ihre ausführlichen Mittheilungen über Ihre Jagdbeute ge- 
währen auch noch ein Bild der Fauna der Gegend, das von um 
so grösserem Interesse ist, als Sie mit scharfem Blick die 
localen Varietäten bezeichnet und gesammelt haben. Ich zweifle 
auch nicht, dass Sie daran festhalten werden, in Ihrem Werke 
alle diejenigen Formen deutlich hervorzuheben, welche sich in 
irgend einer Weise von andern unterscheiden, mögen Sie den- 
selben auch keinen artlichen Werth beilegen. 

Wir werden dann Gelegenheit haben, unsere Ansichten zu 
vergleichen, und ich freue mich schon jetzt auf den Austausch 
derselben. 

Meine sorgfältigen Untersuchungen, welche ich an einem 
grossen Materiale gemacht habe, lassen mich die Unhaltbarkeit 
mancher Arten unzweifelhaft nachweisen, die, wenn man nur 
die Extreme kennt, einen Schein für sich haben, z. B. Sitta. 

Ueber Lauius major P. werden Sie auch wohl mit mir 
übereinstimmen. 

Ich denke nach meinen Auseinandersetzungen und den vor- 
züglichen Untersuchungen von Mewes ist die Sache nicht zweifel- 
haft. Nun kommt aber noch eine wesentliche Hauptsache. 
Pallas hat unter Lauius major unsern L. excubitor verstanden 



— 2G — 

und sein excubitor ist ein junger minor. Das beweisen schon 
die Grössenangaben und die Vergleicbungen mit seinem L. vigil. 
Der Lanius major und der Lanius excubitor als nahestehende 
Arten ist eine Erfindung neuerer Zeit. 

üebrigens wird die Werthlosigkeit des fehlenden oder vor- 
handenen Spiegelfleckes sich auch wohl bei der Gruppe der Roth- 
w^ürger nachweisen lassen. 

Ueber unsere ornithologischen Zeitschriften wäre auch noch 
mancherlei zu sagen. Cabanis' Journal, welches seinen altbe- 
währten Ruf aufrecht zu erhalten bemüht ist, erscheint leider 
gar zu spät; der zoologische Garten, der in den letzten Jahren viele 
ausgezeichnete Artikel brachte, dagegen mit grosser Pünktlich- 
keit ; ebenso die Wiener Zeitschriften, voran die Verhandlungen 
der zoologisch-botanischen Gesellschaft zu Wien, zunächst die 
Mittheilungen des ornithologischen Vereins in Wien. Aber auch 
verschiedene österreichische Localblätter brachten sehr schätzens- 
werthe Mittheilungen. Das kann man nun freilich nicht von 
allen unseren deutschen Journalen sagen. Unter der grossen Zahl 
unserer Vogelschutzblätter steht weit obenan die von 
Schlechtendahl redigirte Zeitschrift. Auch Jagdzeitungen giebt 
es eine Menge, darunter einige ganz vortreffliche, z. B. Nitsche's 
illustrirte Jagdzeitung, Neue deutsche und Wiener Jagdzeitung. 

Nun leben Sie wohl und seien Sie herzlich gegrüsst von 
Ihrem treu ergebenen 

E. F. von Homeyer. 



Villa Tännenhof bei Hallein, 2. Dezember 1880. 

Hochgeehrter Herr! 
Durch Ihre werthvollen Mittheilungen über die grossen europ. 
Grauwürger angeregt, unterwarf ich auch meine 15 Stück (9 L. 
excub., b L. major, 1 L. Homeyeri), sowie G durch Pfarrer Hanfs 
Gefälligkeit mir zugeschickte (3 L. excub. und 3 L. major) einer 
eingehenden Prüfung. Anfangs glaubte ich in der ersten Schwinge 
ein Unterscheidungskennzeichen gefunden zu haben, indem bei 
den von mir untersuchten L. major durchgängig dieselbe die 
Handbinde um ein Beträchtliches überragt, während bei L. excu- 
bitor die erste Schwinge über die Binde gewöhnlich nicht oder 
sehr wenig hinausreicht. Doch da zwei Stücke meiner Sammlung 
eine Ausnahme davon machen — bei einem alten S reicht die 



erste Schwinge beinahe so weit als wie bei dem L. major, und bei 
einem $ mit verdecktem undeutlichen Spiegel, das ich 
auf der zweite Seite meiner mitfolgenden „Bemerkungen" beschrieb, 
geht sie so weit vor wie bei L. major — so lege ich darauf nicht 
viel Werth. 

Beiliegend erlaube ich mir Ihnen kurze Bemerkungen über 
einige interessante Grau Würger aus meiner und Pfarrer Hanfs 
Sammlung zu übermitteln und falls Sie dieselben für interessant 
genug halten, bitte ich Sie, diese gelegentlich zu veröffentlichen. 
Als Species wird Lan. major nach Ihren Untersuchungen kaum 
weiter bestehen können, doch als Form wird man ihn wohl auch 
ferner unterscheiden müssen. Ob Sie wohl mit meinem Vorschlag 
einverstanden sind? 

Da ich aus Ihren Mittheilungen über Ihre Sammlung sehe, 
dass Sie Linaria rufescens aus den Alpen nicht besitzen, so bin 
ich so frei, Ihnen ein S zu übersenden. Sie erscheinen hier nur 
einzeln oder zu 5 — 6 Stück. ? konnte ich heuer noch keins 
erblicken. 

Trotz der ungewöhnlich milden Witterung verliessen uns 
heuer die Zugvögel weit früher als sonst; selbst die Lerchen, 
die ich bisher einzeln noch spät im December antraf, sind schon 
lange nicht mehr zu sehen. 

Im nächsten Jahre gedenke ich im ornithologischen Interesse 
nach Galizien zu gehen. Werden wir nicht das Vergnügen 
haben, Sie zur Zeit der Naturforscherversammlung im kommenden 
Jahre hier zu sehen? 

Mit der Versicherung besonderer Hochachtung und freund- 
lichen Grüssen 

Ihr ergebener 

V. Tschusi zu S c hm idh offen. 



Bemerkungen über Lanius excubitor und L, major. 

Anschliessend an die kritischen Bemerkungen Herrn Eugen 
V. Homeyers über die grossen europäischen Würger dürften 
nachstehende Zeilen, welche das Resultat sorgfältiger Unter- 
suchung einer grösseren Suite oben genannter Würger bilden, 
nicht ganz ohne Werth sein. 

Seit Herr Dr. Jean Cabanis von Neuem (Gab. Journ. 1873 
p. 75) die Aufmerksamkeit der Ornithologen auf den von Pallas 



— 28 — 

(Zoogr. Kosso Asiat. I p. 401) beschriebenen L. major gelenkt 
hatte, sammelte ich der grossen Grauwürger so viele, als ich 
nur erhalten konnte. Ich besitze gegenwärtig deren noch 15 
Stück und zwar 9 Lanius excubitor und 8 L. major aus dem 
Salzburg'schen und je ein Exemplar der letzteren Form aus 
Ober-Steiermark und Ober-Ungarn und einen Lanius Homej^eri 
von der Wolga. Ausserdem hatte Herr Pfarrer B. Hanf die 
Güte, mir seine 6 Würger, worunter sich o L. excubitor und 
3 L. major befinden, zur Vergleichung einzusenden, sodass ich 
21 Grau Würger vor mir hatte. 

Lanius excubitor. 

Die Zeichnung der ersten Steuerfeder ist sehr variabel, 
selbst bei sonst egal gefärbten Vögeln, doch kommt bei Jüngern 
Exemplaren in der Regel ein verschiedenartig gestalteter schwarzer 
Fleck vor, der sich mit zunehmendem Alter verkleinert und 
zuletzt ganz verschwindet, wie sehr alte rein weissbauchige 
Exemplare zeigen, die nur einen kleinen Theil des Schaftes 
schwarz haben. Es finden sich aber auch Vögel, die trotz ihrer 
weissen ungewellten Brust die erste Steuerfeder mit einem 
schwarzen Flecken, meist Längsflecken, besetzt haben und schwach- 
gewellte, denen dieses wieder fehlt. 

Ein hier am 15./1. 1875 erlegtes ?, mit schwacher Wel- 
lung auf der Unterseite, bietet einiges Interesse. Dasselbe hat 
einen sehr lichten Bürzel, aber graue Schwanzdecken, und der 
Armspiegel, der sich nur auf sehr wenig Weiss an den Feder- 
wurzeln beschränkt, wird erst durch Aufheben der schwarzen 
Decken sichtbar. Die erste Steuerfeder ist, bis auf einen im 
zweiten Viertel auf dem Schafte befindlichen, 1,8 cm langen 
schwarzen Streif, ganz weiss. Die zweite hat den Schaft in der 
Mitte schwarz und auf der Innenfahne, ohne den Schaft zu be- 
rühren, einen 4 cm langen Längsfleck. 

Ein sehr alter Vogel aus Mariahof, mit rein weissem Unter- 
körper, hell aschgrauer Oberseite und tiefem Schwarz auf Flügeln 
und Schwanz, hat den Bürzel Aveisslich, Hand- und Armspiegel 
sehr ausgeprägt und die Armschwingen mit sehr breiten weissen 
Enden versehen. Erste Steuerfeder, bis auf den im dritten 
Fünftel braun gefärbten Schaft, rein weiss; die zweite hat das 
zweite Drittel des Schaftes und einen schmalen Keilfleck auf 
dem Innenrande schwarz. 



— 29 — 

Laniiis (excubitor) major Pall. 
Die Zeichnung der ersten Steiierfeder variirt auch bei 
diesem Würger, wenn auch nicht in dem Grade wie bei L. 
excubitor. Bei jüngeren Vögeln fand ich die erste Schwanzfeder 
zu %, bei älteren zur Hälfte schwarz. 

Aus Pfarrer B. Hanfs Sammlung lag mir ein sehr altes, 
in den 50er Jahren zu St. Lambrecht (Ober-Steiermark) erlegtes 
S vor, wie ich bisher noch kein derartiges gesehen, obschon 
ich gegen 20 Exemplare in Händen hatte. Bei diesem ist die 
Oberseite hell aschgrau, die Unterseite rein weiss, ohne die 
geringste Spur von Wellung, der Bürzel ist sehr hell, beinahe 
weiss, die Armschwingen sind schwarz, mit braunem Schimmer 
und breiten, weissen Enden ; die Handschwingen ins Braune 
ziehend, das Schwarz der Steuer federn wie das der Armschwingen. 
Die erste Steuerfeder hat den Schaft bis Y-, ^'^r dem Ende 
schwarzbraun, die Innenfahne ist im zweiten Fünftel vom Schaft 
bis zum Rande schwarz und dieses wird durch das von oben sich her- 
abziehende Weiss keilförmig ausgeschnitten. Der Spiegel ist normal. 

Den 2li./ll. 1879 schoss ich in meinem Garten ein $ jun., 
dessen Brust und Seiten gewellt und, wie der Kopf, bräunlich 
überflogen sind. Trotzdem zeigt dessen erste Steuerfeder das 
wenigste Schwarz, das ich bisher bei L. major beobachtet. Der 
Schaft ist bis 2 cm vor dem Ende schwarzbraun und mit Aus- 
nahme eines im ersten Viertel beginnenden, etwa 3 mm breiten, 
ungefähr bis zur Mitte reichenden, rasch sich verschmälernden 
schwarzen Fleckes ist die Feder ganz weiss. Bei der zweiten nimmt 
das Schwarz mehr als die Hälfte der Feder ein und auch auf 
der Aussenfahne befindet sich ein kleiner Fleck. 

Die Unterscheidung des L. major von L. excubitor besteht 
nur in dem Fehlen der Armbinde, während die plastischen 
Verhältnisse beider übereinstimmen. Nach sorgfäl- 
tiger Vergieichung einer grossen Reihe von grossen Grauwürgern 
aus verschiedenen Gegenden gelangt Herr Eugen von Homeyer 
zu dem Resultat, dass das bisherige Unterscheidungskennzeichen 
als solches ferner nicht mehr dienen könne, da sich unter den 
untersuchten Würgern Exemplare befanden, die durch die allmählich 
sich verkleinernde Armbinde — ein altes S zeigte sogar nur an der 
Wurzel einiger Armfedern eine kaum sichtbare weiss und schwarz 
marmorirte Stelle — • einen deutlichen Uebergang zu L. major 
zeigten, deren Deutung daher persönlicher Ansicht überlassen 



— 30 — 

bleibe. Solche Exemplare, bei denen man schwanker d werden 
könnte, wohin dieselben zu stellen seien, scheinen im Allge- 
meinen denn doch selten vorzukommen, während Würger mit 
verdecktem Armspiegel, der erst nach Aufheben der Decken 
zum Vorschein kommt, nicht allzu selten sind. 

Nach den Ergebnissen der Untersuchungen Herrn von 
Homeyers, der üebergangsformen von Lanius excubitor zu L, 
major nachwies, bei dem Umstände, dass die plastischen Ver- 
hältnisse beider keine Abweichung zeigen, die Unterschiede beider 
also nur auf dem Vorhandensein oder Fehlen der weissen Arm- 
binde beruhen, muss L. major als Species w^ohl fallen; immerhin 
wird es aber nothwendig, ihn als sich doch grösstentheils gut 
unterscheidende Form von L. excubitor zu trennen. 

Heutzutage, wo man mit Recht sorgfältig unterscheidet und 
das Unterscheidbare trennt und benennt, wird der Gebrauch der 
trinären Nomenclatur zur Nothwendigkeit, um die Formen als 
das, was sie sind, zu bezeichnen. Logischer Weise können Formen 
nicht in eine Parallele mit der Species gestellt werden, da sie 
deren Abweichungen darstellen; bedient man sich jedoch der 
trinären Nomenclatur, indem man den Namen der Form dem 
der Species beifügt, so wird jene sowohl genügend bezeichnet, 
als auch ihre Zugehörigkeit gekennzeichnet. Man würde dem- 
nach den Pallas'schen Würger in Zukunft als Lanius (excubitor) 
major, Fall, bezeichnen. 

Ich bezweifle zwar sehr, dass dieser Vorschlag allgemeine 
Billigung finden wird, doch bin ich der festen Ueberzeugung. 
dass die Annahme der trinären Nomenclatur nur eine Frage der 
Zeit ist, da die locale Form, da die Subspecies nur auf diese 
Weise richtig bezeichnet wird. 

Villa Tännenhof bei Hallein, im Dezember 1880. 

von Tschusi zu Schmidh offen. 



E. F. von Homeyer an Herrn von Tschusi. 

Stolp i/P., den 14. Dezember 1880. 

Geehrter Herr! 
Ihre Auseinandersetzungen über die grossen Grauwürger 
sind mir von grossem Interesse. Seit meiner Veröffentlichung 
in Gab. Journal habe ich dem Gegenstande auch bleibende Auf- 
merksamkeit zugewendet und bei nochmaliger Durchsicht der 
Zoogr. R. A. von Pallas ist mir die Ueberzeugung geworden, 



- 31 - 

dass Pallas nicht daran gedacht hat, unsern Lanius major von L. 
excubitor zu trennen. Sein L. major ist unzweifelhaft unser L. 
excubitor und sein L. excubitor unser minor jung (L. vigil. Fall.) 

Dies erhellt sehr deutlich aus den Grössenverhältnissen und 
der Schwanzform. Zwar soll sein L. excubitor in der Grösse 
zwischen L. major und L. vigil. stehen, doch der Schnabel 
schwächer als bei L. vigil. sein. Nun haben aber die sorg- 
fältigsten Yergleichungen des heutigen L. major und L. excubitor 
weder in der Grösse noch in den plastischen Verhältnissen auch 
nicht die kleinsten Unterschiede ergeben, während Pallas die 
Spiegelflecke gar nicht einmal erwähnt. Sein L. excubitor ist 
ihm auch nur nach drei Exemplaren bekannt, daher der seltenste 
dieser Würger, während für Europa L. major (der neueren 
Naturforscher) seltener als L. excubitor ist. Es war ja erklär- 
lich, dass man dahin strebte, auch diese von Pallas angeführten 
Arten zu entwirren, aber einen glücklichen Griff hat man damit 
nicht gemacht, um so weniger, als man viel auffälligere locale 
Abänderungen des grossen grauen Würgers findet, die zwar 
bisher unbeachtet geblieben sind, aber wesentlichere Unterschei- 
dungen bieten, als L. major und L. excubitor. 

Von hohem Interesse ist mir die Anregung Ihrerseits, der- 
gleichen Abänderungen als Subspecies zu behandeln. 

Von einer Seite hätte dies allerdings viel für sicli, da die 
Wichtigkeit genauester Unterscheidung der Formen sich mehr 
und mehr geltend macht und der grosse Werth bei Beobachtung 
des Zuges der Vögel, sowie verschiedener anderer Lebenser- 
scheinungen immer allgemeiner beachtet werden müsste, aber 
die Sache hat auch ihre Bedenken. Zunächst würden die Namen 
der Vögel unendlich vermehrt werden und damit das Gedächt- 
niss des Naturforschers so überanstrengt, dass es dem Einzelnen 
kaum möglich sein würde, alle zu behalten; dann — und darauf 
lege ich besonderes Gewicht — würde bei Aufnahme von Sub- 
species die Artgrenze noch schwieriger zu ziehen sein als jetzt. 

Sie, mein geehrter Herr, werden daher wohl mit mir ein- 
verstanden sein, dass es einstweilen rathsam erscheint, noch 
nicht zu den Subspecies überzugehen, sondern diese wichtige 
Frage noch ferneren Erwägungen anheim zu stellen. 

Empfangen Sie die Versicherung vorzüglicher Hochachtung' 
Ihres ganz ergebenen 

E. F. von Homeyer. 



32 



Ziebigk bei Cötben, den 24. Januar 1846. 

Mein theuerster Freund! 

Anbei erhalten Sie endlicb Ihre schönen Vögel zurück und 
damit Sie über deren langes Aussenbleiben nicht böse werden, 
eine naturgetreue Copie der herrlichen Drossel, so gut ich sie 
herzustellen fähig war. Nehmen Sie das Bildchen als ein kleines 
Andenken'*') von mir freundlich auf! Ich meine, es wird sich am 
besten conserviren und auch gut ausnehmen, wenn Sie das Blatt ge- 
falligst so auf einen rein weissen Bogen legen und in den äussersten 
Ecken mit etwas Mundleim befestigen Avollen, dass das weisse 
Papier einen 1 — 2 Zoll breiten Eand (zwischen dem schwarzen 
imd dem Innern Eand des Eahmens) bildet. Nachdem es so 
unter Glas und Eahmen gebracht und aufgehängt, muss es je- 
doch eine Stelle an der Wand bekommen, wo nie Sonnenstrahlen 
darauf fallen können, weil diese selbst der Deckfarbe nicht zu- 
träglich sein möchten. Ausserdem dass Sie mir die Vögel ge- 
liehen, habe ich Ihnen noch verbindlichst zu danken für den 
schönen jungen Ortolan, welchen Sie mir durch Baldamus 
;mkommen Hessen und nehme ich Sie beim Wort, sobald wieder 
alte dergl. im Herbstkleide vorkommen; hier ist und bleibt 
diese Art ein seltener Vogel. Für Ihr Unternehmen, von dem 
Sie mir eine Probe in einer Abbildung und Beschreibung der 
Sylvia Nattereri übersandten, wofür ich ebenfalls von ganzem 
Herzen danke, wünsche ich viele Käufer, mag aber die Her- 
stellungskosten nicht mit Ihnen theilen. Soll ich ein Urtheil 
aussprechen, so lassen solche Beschreibungen nichts zu 
wünschen übrig, wohl aber die Bilder; abgesehen, dass Herr 
Landbeck sein Vögelchen sehr gut darzustellen weiss, fehlt 
■doch sehr viel, dass man dies von den Umgebungen sagen 
könnte, die hier doch auch von eben solcher Wichtigkeit sind, 
weil sie den Ort des Nistens und das Nest selbst darstellen sollen. 



*) Ein ausserordentlich schönes altes Männchen A^on Tardus Sibiriens, 
auf Rügen gefangen, welches ich an Naumann behufs Abbildung und Be- 
schreibung für sein Werk übergab, ist der Gegenstand dieses Bildes. 

Naumann hatte auch die beiden Exemplare der Neustädter Samm- 
lung durch Professor Ratzeburg zu gleichem Zwecke zugesendet erhalten 
und diese Vögel setzten denselben in den Stand, die jungen sibirischen 
Drosseln, welche bisher unter Turdus auroreus P. (Cxlogerj gingen, richtig 
ZM bestimmen. v. H. 



— 33 — 

Für die herrlichen Notizen in Ihrem lieben Briefe vom 24. 
October 1845 meinen herzlichsten Dank ! Sie sollen unter Ihrem 
Namen gewiss nicht unbenutzt bleiben. Mit Aquila Clanga 
wäre ich im Keinen (die Maasse der Berliner Stücke stimmen 
ganz mit denen der meinigen), nur wäre mir jetzt wünschens- 
werth, auch den ganz alten Vogel der Art gesehen zu haben ; 
denn die hiesigen (gepaartes Paar) sind offenbar keine ganz 
alten, doch mindestens zwei Mal vermauserte Vögel, wie die 
üeberbleibsel einzelner (alter) Jugendfedern beweisen. Und nun 
möchte man auch wünschen, die Eier beider Arten zu be- 
sitzen, überhaupt unterscheidende Notizen über die Lebensart 
derselben. — Allerdings ist der Turdus minor, in dem hier ge- 
fangenen Exemplare, die des Gmelin oder T. solitarius, Wilson, 
wie ich sie in mehreren Exemplaren aus Nordamerika erhalten, 
wo sie sehr gemein ist. Mit einem solchen von daher (und 
genau mit dem hier gefangenen übereinstimmend) könnte ich 
allenfalls noch aufwarten, aber das hier gefangene müssten Sie 
an Ort und Stelle untersuchen, wozu ich mit Freuden behülflich 
sein würde, was auch mit dem Erbstücke meines Vaters von 
T. Naumanni der Fall ist, da dieses nicht abgebalgt, sondern im 
Fleische getrocknet war und beim Herausnehmen aus dem Kasten 
leicht in Stücke gehen könnte. Ich denke, Sie reisen künftigen 
Sommer nach Dresden, da müssen Sie über Cöthen, finden 
mich daselbst, wir öffnen mitsammen den Kasten und reisen 
dann zusammen von Cöthen nach Dresden. Das giebt eine gött- 
liche Gelegenheit, uns über so Manches aussprechen zu können 
und nichts kann plausibler sein. — Gern unterhielt ich mich 
heute noch länger mit Ihnen, denn gar Vieles hätte ich noch 
auf dem Herzen ; allein die Gelegenheit zur Stadt, die in dieser 
Jahreszeit zu selten, treibt mich, die längst gepackte Schachtel 
heute mit fortzuschaffen. Hoffentlich schreiben Sie mir doch 
gewiss bald die glückliche xlnkunft der Sendung und dann werde 
ich mich in der Antwort über Mehreres noch auszusprechen 
haben. Wenn Ihnen nur das Bildchen Freude machen wird! 

Unter den herzlichsten Grüssen der Meinigen, hochachtungs- 
voll und in der freundschaftlichsten Ergebenheit zeichnend 
Ew. Hochwohlgeboren 

innigst liebender 

Dr. J. F. Naumann. 



V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 



34 



Ziebigk, den 24. August 184G. 

Hochverehrtester Freund ! 

Eigentlich möchten Sie wohl Ursache haben, etwas böse auf 
mich zu sein, dass ich Sie so lange ohne Antwort liess. Ich 
will mich auch gar weiter nicht auf Entschuldigungen einlassen, 
sondern bloss bemerken, dass mir die Verheirathung meiner 
zweiten Tochter nach Dresden viel Zeit geraubt und der Hochzeits- 
rumor am 20. und 21. v. M. mich so ernstlich krank gemacht, 
dass ich drei Wochen auch gar nichts habe thun können und 
mich erst seit Kurzem wieder ordentlich zu erholen anfange. 
Es rückt nun jetzt die Zeit heran, wo unser ornithologischer 
Verein in Dresden abgehalten werden soll, auf welchen sich auch 
meine Tochter vielleicht mehr als irgend jemand freut, indem ihr 
dann zu gleicher Zeit der erste Besuch der Aeltern zugedacht ist. 
Sie hatte demnach nichts Eiligeres zu thun, als mir zu schreiben, 
dass der Dresdener Anzeiger ihr bereits den 30. September 
nebst dem 1. und 2. October als die Tage unserer Versammlung 
angekündigt habe. Ich reise also mit meiner Frau wahrscheinlich 
ein paar Tage früher dahin ab. 

Dieser Beschluss ist indessen noch kein definitiver und wird 
sich namentlich ganz nach Ihrem Willen modeln lassen. Ich 
nehme nämlich Ihren prächtigen Vorschlag, auf der Durchreise 
sicher nach Ziebigk zu kommen und in Ihrer lieben Gesellschaft 
nach Dresden zu reisen, für haaren Ernst und freue mich un- 
endlich darauf. Wir können uns dann gehörig aussprechen und 
ganz ungestört über unsere Lieblingswissenschaft verhandeln, 
ohne dass uns die Gegenwart meiner Frau im Geringsten geniren 
wird. Um uns ganz zu gemessen, hätte ich auch in Dresden 
mit Ihnen zusammen wohnen mögen; da ich nun aber meine 
Kinder dort habe, so muss ich wohl bei diesen wohnen, wie Sie 
ja selbst einsehen werden, zumal es mein erster Besuch bei 
denselben ist. Ich glaube übrigens nicht, dass es Ihnen darauf 
ankommen kann, zu einer Reise wie diese ein paar Tage mehr 
oder weniger zu bestimmen; denn womöglich reisen wir doch 
auch wohl ein Bischen zu Freund Loebensteiu, da wir ihm einmal 
so nahe sind! Dem sei nun wie ihm wolle; Sie sehen wohl, dass 
der Familienverhältnisse wegen allein . schon mir diese drei Tage 
in Dresden nicht genügen können, auch dass ich gern ein paar 



— 35 — 

Tage vor dem 30. September dort sein möchte. Wollen und 
können Sie sich nun dazu entschliessen, den 26. September mich 
zu besuchen, so würden wir Sonntag den 27. September von 
hier zusammen nach Dresden reisen und gegen Abend dort 
eintreffen. Wollten Sie vielleicht schon den 25. September in 
Cöthen eintreffen und mit mir die dortige Sammlung durchmustern, 
so würde ich gern dahin kommen und Sie zu mir abholen. Der 
Gewinn für mich liegt zu sehr auf der Hand, als dass ich noch 
etwas zuzufügen hätte ; es wird nun lediglich auf Sie ankommen, 
ob Sie mich in dieser Weise beglücken wollen. Ich hege übri- 
gens so grosse Hoffnung, dass Sie diese Vorschläge billigen 
werden und enthalte mich deshalb für heute alles Wissenschaft- 
lichen, das wir weit besser mündlich abmachen werden, zumal 
wie Sie sehen, mir das Schreiben (noch in Folge meiner Krank- 
heit) nicht sonderlich abgeht. 

Jedenfalls erwarte ich nun recht bald bestimmte Nach- 
richt, ob Sie obige Vorschläge genehmigen wollen oder Abän- 
derungen darin wünschen und welche? Hoffentlich werden solche 
"vvohl nicht von der Art sein, dass sie dies lange geträumte 
Vergnügen mir zu Wasser machen sollen. Mit grosser Sehn- 
sucht sehe ich daher einem Brief von Ihnen entgegen und 
verbleibe so hochachtungsvoll als ergebenst 

Ihr wahrer Verehrer 

Dr. J. F. Naumann. 



Ziebigk, den 7. Februar 1847. 

Hochverehrtester liebster Freund! 
Weil ich so spät mit meiner Condolenz komme, muss ich 
zuvor dringendst bitten, sie deshalb nicht für minder herzlich zu 
halten. Ich hoffe der Verspätigung wegen Entschuldigung zu 
verdienen, wenn ich Ihnen mittheile, wie seit Empfang der be- 
trübenden Anzeige es in meinem Hause gegangen und Krank- 
heiten eingekehrt gewesen, die mich kaum zur Besinnung kommen 
Hessen. Auch ich sah mich genöthigt, mich einer ernstlichen 
Kur zu unterwerfen, weil mein Befinden sich von Tage zu 
Tage verschlimmerte, da nicht allein das Rheuma aus meinem 
linken Arm sich mehr über die Brust verbreitete und leider 
auch wieder^ wie vor zwei Jahren, zu Kopfe stieg, sondern auch 

3* 



— 36 — 

noch die angehende Balggeschwulst unter dem rechten Arm sich 
auffallend vergrösserte. — Seitdem habe ich nun auch (also 
schon über zwei Monate) mediziniren müssen, doch leider zur Zeit- 
noch ohne besoudern Erfolg, bis auf den Magen und die Ver- 
dauungswerkzeuge, die allein hergestellt scheinen; aber ich war 
in dieser Zeit mehr als halber Patient und meistens ans Zimmer 
gefesselt, zwar nicht bettlägerig, aber auch nicht gesund, miss- 
muthig, unlustig zu jeder Beschäftigung, habe auch nicht eine 
der benachbarten schönen Herbstjagden beiwohnen, selbst die 
eigene nicht abhalten können, ausser kurz vor dem Jagd Schlüsse, 
im Januar, mich einige Mal per Schlitten in meinem Revier 
umgesehen nach nordischen Vögeln und nebenbei einige Hasen 
und Hühner erlegt. Wir hatten hier nämlich eine ungeheure 
Masse Schnee, welcher vor 8 Tagen schleunigst fast ganz zu- 
sammenfloss, und viele Saatäcker unter Wasser gesetzt wurden, 
worauf aber sogleich wieder l^/o Fuss hoch Schnee fiel, sodass 
vorläufig nicht allein fast alle Passage von Dorf zu Dorf auf- 
gehoben, sondern auch für die Saaten unter der 'dichten Decke 
und im Wasser stehend, recht sehr zu fürchten ist. Die Freuden 
des Landmannes sind indessen häufig der Art, dass ein Wenn 
oder Aber sie zu massigen pflegt ; denn dass sich jeder freuen, 
musste über die herrliche Winterfeuchtigkeit, die unsern Aeckern 
durch die Schneemassen zugeführt wird, liegt am Tage, zumaL 
dieser jetzige Zustand zugleich auch auf Verminderung der ent-^ 
setzlichen Menge von Feldmäusen zu wirken verspricht, dass 
aber dadurch auch das junge Getreide, wenigstens theilweise,. 
sehi* leiden dürfte, steht leider auch mit vieler Wahrscheinlich- 
keit zu befürchten. So hat denn jede Sache ihre zv/ei Seiten, 
eine gute und eine schlechte. 

Sehr überrascht bin ich durch den plötzlichen Entschluss 
unsers Freundes B. v. Loebenstein, sich schon im nächsten 
Frühjahr auf die Reise nach Taurien begeben zu wollen, in die 
Nähe des Kriegs und der Cholera. Ich weiss dies jedoch nicht 
durch ihn (er ist mir unbegreiflicherweise seit fast ^/^ Jahr 
Antwort auf einen Brief schuldig), sondern durch den jungen 
Mann (den Sohn unseres höchst interessa-nten Brehm). 
Es thut mir unendlich leid, damals in Lohsa (wir waren beim 
Frühstück) nicht ausführlicher über diese Reise gesprochen zu 
iaben. 

Wünschen Sie denn noch eins von den beiden Exemplaren^ 



— 37 — 

Ton Grus Yirgo, welclie Sie bei mir gesehen haben, zu besitzen? 
"Ich finde nun wirklich, dass beide Männchen sein müssen 
und wäre gern erbötig, das eine Ihnen im Tausch zu überlassen, 
liätte aber dafür freilich am liebsten ein Weibchen derselben 
Art einzutauschen gewünscht. 

Hat Ihnen der Winter viel Neues von der Ostsee gebracht? 
Ich bin begierig zu erfahren und bitte um freundliche Mitthei- 
lung der Erlebnisse, indem ich mich Ihnen empfehle und hoch- 
achtungsvoll verbleibe 

Ihr aufrichtig ergebener Freund 

Dr. J. F. Naumann. 



Renthendorf, am 30. März 1833. 

Euer Hochwohlgeboren 
geehrtes Schreiben vom 10. dieses hat mich erfreut und be- 
schämt zugleich. 

Wohl habe ich Ihr früheres Schreiben, in welchem Sie mir 
von Ihrem Karmingimpel Nachriclit gaben, erhalten; allein 
durch einen mir bis jetzt unbegreiflichen Zufall ist es unter 
meinen Papieren verloren gegangen, oder doch so verschwunden, 
dass ich es nicht auffinden konnte, und leider konnte ich mich 
Ihres werthen Namens nicht völlig erinnern. So lag mir der 
Umstand, dass ich Ihren so lieben ersten Brief nicht beant- 
worten konnte, schwer auf der Seele, und meine Freude war 
schon um deswillen sehr gross, als ich Ihren zweiten empfing; 
tillein auch der Inhalt dieses letztern hat mich um so mehr er- 
.freut, je deutlicher er es ausspricht, dass die Naturgeschichte 
von Ihnen nicht wenig zu erwarten hat. Ich nehme deswegen 
den von Ihnen mir angebotenen Freundschaftsbund sehr dankbar 
an und bin fest überzeugt, dass er uns beiden und der Wissen- 
schaft sehr förderlich sein wird. 

Dass Sie gut beobachten, habe ich aus Ihrer schönen Be- 
merkung über die Federohren des Schneekauzes gesehen; ich 
zweifle an der Richtigkeit derselben nicht einen Augenblick 
und bitte Sie dringend, alle Beobachtungen über diesen inter- 
essanten Vogel, sowie über den Karmin- und Hakengimpel, 
sorgfältig zusammen zu stellen und mir gelegentlich mitzutheilen ; 
ich will sie sogleich an die Redaction der Isis absenden, und 



— 38 — 

Sie werden sie bald gedruckt lesen; es versteht sich, dass Alles^ 
was Sie beobachten, unter Ihrem Namen erscheint. 

Sie glauben nicht, wie unendlich viel es noch zu beob- 
achten giebt. So hat mein Freund von Seyffertitz eine neue 
Strepsilas collaris, eine neue Limosa melanura, Sterna hirundo 
et Hydrochelidon leucoptera und vieles Andere aufgefunden. 
Erst in diesem Jahre schoss ich ein Paar Pieper, den einen im 
Januar, welche ich Anthus longirostris nenne, mit unglaublich 
dünnem und gestrecktem Schnabel, welche zu den Wiesenpiepern 
gehören, kleiner als alle andern sind und unter Insekten auch 
Grassämereien im Magen hatten. Von einer andern 
verwandten Art erlegte ich in dem letzten Schnee 4 Stück, 
unter diesen sogar ein gepaartes Paar. Auch bekam ich ein 
Paar Kiebitze. Ich schreibe Ihnen dies nur, um zu zeigen, wie 
viel zu thun ist. Es ist sehr möglich, dass bei Ihnen ein ganz 
neuer Gimpel unter Pyrrhula vulgaris vorkommt. Darum nehme 
ich Ihr freundliches Anerbieten, mir Vögel aus Ihrer Gegend 
zu senden, sehr dankbar an und trage Ihnen zugleich meine 
Wünsche vor. Zuerst bitte ich um ein gepaartes Paar 
von allen Vögeln, die bei Ihnen brüten oder so durchziehen, 
dass gepaarte Paare zu erhalten sind; dann um alles Seltene, 
z. B. künftighin einen Schneekauz u. dgl., was Sie abgeben 
könuen und wollen. Ich sende Ihnen dafür aus hiesiger Gegend 
meine neuen Gattungen, genau bestimmt, und für die Selten- 
heiten seltene Sachen, auch aus dem Süden, namentlich aus 
Ungarn. So sind mir alle die Stücke, welche Sie vom Haken- 
gimpel entbehren können, sehr willkommen, auch bitte ich dabei 
zu bemerken, was zusammen erlegt ist. Es ist keinem Zweifel 
unterworfen, dass unter den bei Ihnen brütenden Vögeln manches 
Neue vorkommen wird. Dieses mache ich dann bald unter 
Ihrem und meinem Namen in Her Isis bekannt. Habe ich so 
von einer solchen Gattung ein gepaartes Paar, dann ist die 
neue Gattung sogleich festgestellt. Am liebsten sind mir Bälge; 
allein ich nehme sie auch ausgestopft. 

Da Sie dieses Frühjahr nach Rügen gehen wollen, bitte ich 
Sie dringend, mir von allen dort brütenden Vögeln, von denen 
dies zu erlangen ist, ein gepaartes Paar zu verschaffen. So hat 
mir Herr Schilling gesagt, dass auf dem Bug im dürftigen 
Strandgrase eine Alauda arvensis lebe ; dass diese neu ist, glaube 



— so- 
lch gewiss; schiessen Sie ja davon, was Sie können, womöglich 
ein Paar gepaarter Vögel. 

Ebenso bitte ich Sie dringend um Aquila naevia, was davon 
zu erhalten ist, ebenso einen Sprosser. Auch Eier von Aquila 
naevia und den Sprossern wären mir sehr lieb. Schilling hat 
bei Greifswald Muscicapa parva gefunden; sollte dieser nicht 
auch bei Ihnen vorkommen ? Wenn Turdus torquatus noch ein- 
mal im Sommer bei Ihnen vorkommt, bitte ich dringend darum. 
Dass Sie Anser cineraceus besitzen, freut mich sehr; geben Sie 
ja eine genaue Beschreibung davon. So wären Sie denn von 
meinen vielen Wünschen in Kenntniss gesetzt. Ich hoffe, Sie 
werden sie nicht für unbescheiden erklären, wenn Sie erwägen, 
dass es die Wissenschaft ist, welche dadurch gefördert werden soll. 

Was Sie mir schicken, bitte ich durch Fuhre an den 
Bankier Heinrich Ploss den Sohn in Leipzig unter meiner 
Adresse zu senden. 

Was Sie Seltenes aus Schweden bekommen, heben Sie ja, 
w^enn Sie etwas abgeben können, für mich auf. 

Nun leben Sie wohl, empfangen Sie meinen herzlichen 
Dank, seien Sie meiner vollkommnen Hochachtung versichert und 
schreiben Sie bald wieder 

Ihrem 

C. B r e h m. 



Renthendorf, am 24. October 1833. 

Hochverehrter Herr ! 
Endlich komme ich dazu, Ihren mir sehr angenehmen Brief 
vom 12. August d. J. zu beantworten. Es freut mich ungemein, in 
Ihnen einen Mann gefunden zu haben, von welchem die Natur- 
wissenschaften noch sehr viel erwarten können, und es wird mir 
zum ganz besondern Vergnügen gereichen, Ihre Beobachtungen 
genau zu untersuchen und, versteht sich, unter Ihrem Namen 
an das Licht zu fördern. Die über den Schneekauz und Haken- 
gimpel werden sehr bald in der Isis erscheinen und die über 
den Schneekauz um so interessanter sein, da ich zu gleicher 
Zeit Bemerkungen von Herrn von Seyffertitz über denselben 
Vogel mittheilen werde. Haben Sie die Güte, den Schnabel 
Ihrer merkwürdigen Gans nach seiner Gestalt noch genauer zu 
beschreiben, damit ich genau weiss, ob es vielleicht der junge 



- 40 - 

Vogpl von Anser brevirostris ist, welcher sich durch seinen un- 
gemein kurzen Schnabel auszeichnet; bei meinem Anser cine- 
raceus ist der Schnabel durch seine sehr geringe Breite aus- 
gezeichnet genug. Anser medius ist meines Wissens von 
Temmink zurückgenommen und für den jungen Vogel von Anser 
albifrons erklärt worden. 

Es freut mich sehr, dass Ihre Güte so freundlich für meine 
Bedürfnisse sorgt, besonders wegen der gepaarten Paare ; da ich 
jetzt diese vorzüglich sammle, mache ich manche sehr interessante 
Beobachtungen, z. B. dass die gepaarten Paare sehr vieler 
Vögel zusammen wandern, oder wenn sie Standvögel sind, 
den ganzen Herbst und Winter zusammen bleiben. 
Das letztere thun z. B. alle Krähenarten, die Elstern, 
Baumläufer, Kleiber, viele Meisen -Arten u. dgl. 
Ja ich habe gefunden, dass viele junge Vögel sich im 
Herbste schon paarweise zusammenfinden und es 
den Winter über und dann stets bleiben. Ich habe Grund 
zu vermuthen, dass dies Geschwister*) sein mögen. 

Vorigen Sommer machte ich die sehr merkwürdige Beob- 
achtung, dass eine alte Sumpfmeise 5 zwei junge Parua major 
fütterte. Ich habe wieder eine Menge neuer Subspecies auf- 
gefunden, z. B. einen Wiedehopf mit sehr langem Schnabel, 
welcher sich sehr auszeichnet. 

Ihi'em Wunsche gemäss erhalten Sie die Gimpel und 
Lerchen. Ueber die ersteren bemerke ich, dass Pyrrhula major 
höchst wahrscheinlich in zwei Subspecies zerfällt. Die von mir 
im Handbuche beschriebene erhalten Sie mit, die andere künftig; 
ich besitze zwar zwei Männchen davon; allein ich brauche diese 
noch zu künftigen genauen Untersuchungen. Dieser Gimpel ist 
dann die ächte P3Trhula major, noch merklich grösser als die 
übersandte, aber sein Scheitel ist merklich höher als die Stirn- 
leisten. Sie sollen diesen Vogel künftig auch noch erhalten. 
Ihre P}Trhula minor ist gewiss gut. Haben Sie nur die Güte, 
das Ganze des Betragens und des Gesanges etwas ausführlicher 
zu beschreiben und mir recht bald ein Stück zuzusenden, dann 
mache ich ihn als Pyrrhula minor, Homeyer, bekannt und sage 
zugleich, dass ich die Art nach eigener Ansicht richtig befunden. 



*) Auch bei vielen Strand vögeln ist dies sehr wahrscheinlich. 

V. H. 



— 41 — 

Auch Ihre Lerchenart interessirt mich sehr; sehen Sie ja zu, 
class Sie ein Paar dieser Lerchen für mich erhalten. Unter den 
meinigen habe ich' Ihnen die Berglerche absichtlich im Sommer 
geschickt, weil ich vermuthe, dass sie zu dieser Zeit bei Ihnen 
gar nicht vorkommt. Herr Schilling hat mir erzählt, dass es 
auf Rügen, namentlich auf dem Bug, eine Lerche gäbe, welche 
dort in dem kümmerlich wachsenden Grase an der Küste lebt. 
Sollten Sie nach Rügen kommen, dann bäte ich dringend, 
alle Aufmerksamkeit auf diese Lerche und ihr Nest zu richten ; 
es müsste sich sehr sonderbar machen, wenn diese nicht ab- 
weichende Merkmale zeigte. Ich erhielt eine neue Lerchenart aus 
Ragusa, welche ich AI. albigularis wegen ihrer weissen Gurgel 
genannt habe; nur einmal erlegte ich eine ähnliche im Orlathale. 
— Schreiben Sie mir nur, was Sie aus unserer Gegend wünschen, 
ich weiss, dass bei Ihnen MotaciUa sulphurea, Cinclus aquat. und 
Galerida nemorosa et arborea selten sind; ich werde mir eine 
Freude daraus machen, sie in allen Kleidern zu schicken. Ihre 
Bemerkung wegen der Wespenbussarde ist mir sehr lieb, ich 
werde sie auch nächstens bekannt machen. Dass Coracias in 
einem Thurme genistet hat, ist sehr merkwürdig, sowie, dass 
er in Eichhornnestern brütet. Haben Sie nur die Güte , alle 
diese abweichenden Dinge recht genau zu bemerken, damit ich 
sie alle unter Ihrem Namen gebe. Ich würde dann bei den 
neuen Arten meine Bemerkungen zur Unterstützung Ihrer Be- 
hauptungen beifügen und eben deswegen meinen Namen dazu 
setzen.*) Wünschen Sie aber die blosse Bekanntmachung Ihrer 
Neuigkeiten, so lasse ich natürlich meinen Namen als ganz 
unnütz weg. Schreiben Sie mir, wie Sie dies wollen gehalten haben. 
Haben Sie ja die Güte, auf die Schilfsänger Ihrer Gegend 
aufmerksam zu sein; bei diesen Thieren ist noch viel zu thun. 
Ich habe von meinem Freunde Seyffertitz einen Vogel als 
Calamoherpe fluviatilis erhalten, welcher einem Sprosser täuschend 
ähnlich sieht und auch viel kleiner und langschnäbliger ist, als 
die Calam. fluviatilis von der Donau. Auch von Calam. locustella 
giebt es mehrere verwandte Vögel, und so von allen. Sehen 
Sie ja zu, dass Sie davon recht viel erlegen, besonders ge- 
paarte Paare. 



*) Damals gab mein alter Freund Mittheilungen aus meinen Briefen. 
Heute ist es umirekehrt. v. H. 



— 42 - 

Ich habe im August und September nur J4 Stück erhalten. 
Im Mecklenburgischen soll eine Schilfsänger-Art im Tannenwalde 
brüten; haben Sie davon etwas bemerkt? Es wäre mir sehr 
wichtig, darüber etwas ganz Genaues zu erfahren. — Haben 
Sie die Güte, wenn Sie mir etwas senden, es womöglich durch 
unsern Freund Schilling besorgen zu lassen, dann werde ich es 
am billigsten erhalten; dass ich mich sehr auf eine Sendung 
von Ihnen freue, brauche ich nicht zu sagen. 

Nun , verehrter Freund , leben Sie wohl und erhalten Sie 
ferner Ihre Liebe 

Ihrem 

B r e h m. 



Renthendorf, am 17. Februar 1834. 

Geliebter Freund! 
So bitte ich Sie, sich von mir nennen zu lassen und mich 
zu nennen, ohne alle Umstände; denn diese sind zwischen Männern, 
welche die Wissenschaft lieben, nicht nöthig. Nun zur Sache. 
Ihr lieber Brief vom 26. Dezember des vorigen Jahres hat mir, 
wie die ihn begleitende Sendung grosse Freude gemacht, und 
ich sage Ihnen meinen herzlichen Dank dafür. In Bezug auf 
Ihre wissenschaftlichen Beobachtungen bemerke ich 1) dass der 
kleine Gimpel eine sehr gute Art ist und von mir hier nie be- 
merkt wurde; neulich erlegten wir drei Weibchen von P3Trh. 
peregrina auf einen Schuss, es war ein altes Weibchen mit zwei 
Jungen, wahrscheinlich Mutter mit ihren beiden Töchtern; 
2) dass ich Ihre Bemerkungen über den Schneekauz wie die über 
Corythus enucleator vortrefflich finde und bereits Alles, auch 
die Beschreibung der Pyrrh. minor, an die Isis abgesandt habe. 
Ich habe bei dem Schneekauz eine Schilderung des Herrn von 
Seyffertitz über denselben Vogel und meine Behauptung, dass 
es zwei Subspecies dieses Vogels giebt, hinzugefügt. Schreiben Sie 
mir nur, ob Ihre Schneekäuze einen dunkelhornfarbigen oder 
schwarzen Schnabel haben. Auch habe ich dem Aufsatze über 
den Hakengimpel einen Nachtrag beigefügt, und ohne auf Ihren 
Streit mit Herrn Seh. die geringste Rücksicht zu nehmen, von 
Neuem gezeigt und durch Ihr entwischtes und wieder einge- 
fangenes Männchen unwidersprechlich bewiesen, dass die Farbe 
der alten Männchen dieser Vögel nicht gelb, sondern roth ist. 



— 43 — 

Natürlich liabe ich Ihrer und Ihrer schönen Beobachtungen dabei 
bestens gedacht; ich hoffe, Sie sollen mit mir zufrieden sein. 
Liegt Ihnen nicht besonders viel an dem bewussten Stücke, 
dann bitte ich es mir von Ihnen aus. Die beiden übersandten 
Stücke gehören zu Corythus enucleator. Sehen Sie doch zu, ob 
Sie unter Ihren Vögeln nicht Stücke mit ganz kleinen Schnäbeln 
finden, ich erhielt zwei solcher aus Berlin und möchte gern mehrere 
haben. Ueberhaupt bitte ich mir von diesen Vögeln noch etwas 
aus, wenn Sie dieselben entbehren können. Wenn Sie mir Bälge 
schicken, haben Sie die Güte, die Armknochen darin zu lassen, 
weil dies wegen der Länge der Flügelspitzen von Bedeutung ist. 
Ihre Curruca hortensis scheint mir von der unsrigen verschieden; 
ich werde Ihnen darüber nächstens mehr schreiben. Das über- 
sandte Ei von Calamoherpe palustris ist ohne Zweifel acht und 
ähnelt einem von den meinigen sehr! Die x\bänderungen unter 
den Eiern dieser Vögel mögen wohl in der Abänderung der 
Vögel ihren Grund haben, denn auch Calamoherpe palustris zer- 
fällt ohne Zweifel in mehrere Subspecies. Sie w^erden mir durch 
Uebersendung der Schilfsänger Ihrer Gegend grosse Freude 
machen; die Certhia brachydactyla ist ganz acht; es ist mir, 
da dieser Vogel einen ganz anderen Lockton hat, ganz unbe- 
greiflich, dass man ihn nicht für eine wahre Species erkennen 
will. Ein Paar Junge und noch ein Paar Alte von Sylvia hor- 
tensis erbitte ich mir. Auf Ihre neue Lerche freue ich mich 
sehr. Sehr Recht haben Sie mit Calamoherpe phragmitis, da 
giebt es mehrere Arten; auch Ihre Art salicaria erbitte ich 
mir, damit ich darüber urtheilen kann. Bei Phyrrh. minor be- 
merke ich, dass das übersandte Stück sich auch von allen andern, 
die ich besitze, dadurch auszeichnet, dass der helle Flügelstreif 
viel schmäler und undeutlicher als bei allen andern ist, auch 
die letzte Schwungfeder weit weniger Zeichnung hat als bei 
diesen. Ich habe dies nicht in der Beschreibung bemerkt, weil 
ich nicht weiss, ob es mehreren Stücken dieser Art gemein ist. 
Cinclus aquaticus und MotaciUa sulphurea, die letztere in 
allen Kleidern und Subspecies, stehen Ihnen zu Diensten ; auch 
verspreche ich Ihnen mit Gewissheit Gecinus canus, obgleich 
ich ihn jetzt nicht übrig habe; ich will ihn aber schon auf- 
treiben. Saxicola kann ich Ihnen sogleich ablassen; allein von 
den Blaukehlchen kann ich Ihnen Cyanecula suecica et orientalis. 
im Frühlingskleide und im männlichen Geschlechte nicht ver- 



— 44 — 

sprechen, die andern stehen zu Diensten. Ueberhaupt werde ich 
Alles aufheben, Avovon ich glaube, dass es Ihnen angenehm sei. 
Von den Vögeln, welche versteigert werden sollen, bitte ich zu 
erstehen, wenn sie schön sind und um beigesetzte Preise *) zu 
haben: Aquila albicilla Vj^_ Rthlr. , naevia J Rthlr., Grus 
cinerea 2 Kthlr. , Tringa platyrhincha IG Sgr., Tringa pugnax 
'76 Rthlr., Recurvirostra avocetta 1 Rthlr., Sterna hirundo 
^/o Rthlr., Larus canus ^o Rthlr., avgentatus 1 Rthlr., Anas 
tadorna 1 Rthlr. Sind die Vögel schon fort, w^enn dieser Brief 
bei Ihnen ankommt, so macht es auch nichts aus. 

Aus Ihrer Gegend würden mir Aquila naevia et Grus cinerea 
ganz besonders willkommen sein. Ich möchte gern durch meh- 
rere Schreiadler über diese Vögel in das Reine kommen. Sehr 
angenehm wäre mir auch ein Ei von Aquila naevia. Reisen Sie 
ja künftiges Frühjahr, wenn es Ihnen irgend möglich ist, nach 
Rügen und sehen Sie zu, dass Sie von den dort brütenden 
Vögeln, namentlich den Lach- und Sturmmöven, verschiedenen 
Secschwalben , Wasser - Strandläufern, Säbelschnablern, Auster- 
fischern gepaarte Paare erhalten können. Daran läge mir 
ausserordentlich viel. Dann wollten wir endlich die Pelidna 
alpina et Schinzii, die verwandten Seeschwalben und dgl. in 
Ordnung bringen. Auch haben Sie dann ja die Güte, auf die 
Feldlerchen auf dem Buge alle Aufmerksamkeit zu richten. 
Noch ist es mir niclit möglich gewesen. Ihre Zeichnung der 
Gans mit meinen Exemplaren gehörig zu vergleichen und davon 
ein ganz bestimmtes ürtheil zu gewinnen; im nächsten Briefe 
sollen Sie darüber Auskunft erhalten. 

Sehen Sie ja zu, dass Sie in diesem Jahre von den unten 
weinrothen Knäckenten etwas wieder erlangen; die Sache ist 
sehr interessant. Dieser Winter hat mir gar nichts von Be- 
deutung gebracht; er ist zu gelinde. Aus Ihrer Gegend könnte 
ich Manches, z. B. auch einen Seeadler, im reinen Jugendkleide 
brauchen. Wenn Sie die Gewogenheit haben wollen, mir etwas 
zu senden, bitte ich es durch Fuhre unter meiner Adresse ent- 
weder an Heinrich Ploss Sohn in Leipzig oder H. Reinhard, 
Kaufmann in Neustadt an der Orla, zu senden. 



*) Ich führe die Preise an, als bezeichnend für die Werthschätzung- 
der Objecte zu damaliger Zeit, Es handelte sich um den Verkauf einer 
savibern Sammlung von Strand- und einigen Wasservögeln eines ver- 
storbenen Professors in Greifswald. v. H. 



— 45 — 

Ich bin überzeugt, jeder Kaufmann in Stralsund wird die 
Spedition übernehmen. ^) 

Nun, lieber, junger Freund, leben Sie recht wohl, verzeihen 
Sie, dass ich Sie mit der Besorgung des einliegenden Briefes 
belästige und behalten Sie lieb Ihren 

Brehm. 
P. S. 

Eben fällt mir noch ein, dass der Herr von Feldvary in 
Ungarn unweit Pesth gestorben ist und eine schöne Vögelsamm- 
lung verlassen hat, die verkauft werden soll; wenn Sie Lust 
haben, sie an sich zu bringen, lassen Sie mich es wissen; ich 
glaube, sie wird billig verkauft werden. Haben Sie die Güte, 
mir dieses Frülijahr einige Wasser-, Brach- und Baumpieper zu 
besorgen; ich stehe mit hiesigen zu Diensten 

Ihr 

B. 



Renthendorf, am 5. Januar 1835. 

Verehrter Freund ! 

Ihr geehrtes Schreiben vom J8. October des vorigen Jahres 
ist mir zu seiner Zeit richtig zugekommen und hat mich, wie 
alle Ihre lieben Briefe, recht interessirt. Was ich in der Isis 
von Ihren Beobachtungen gesagt habe, ist wahr, und darum ist 
von Ihnen durchaus nicht zu viel gesagt. Es ist mir sehr 
wichtig, dass Ihr Schneekauz einen dunkelhornfarbigen und 
keinen schwarzen Schnabel hat (denn die Schnabelfarbe ist ein 
Hauptunterscheidungszeichen der beiden Subspecies dieser Vögel), 
so hatte ich also recht vermuthet, und es ist sehr möglich, dass 
Ihre Subspecies das freie Feld, die des Freiherrn von Seyffertitz 
die Wälder mehr liebt, da die letzteve /on einer Kiefer herab- 



*) Schon aus diesen genauen Angaben, sowie aus den späteren 
Klagen über durchnässt empfangene Sendungen, die nicht allein woclien- 
lang auf der Reise' zubrachten, sondern auch erheblich theuer waren, 
dabei fast gar keine Garantie für gute Lieferung boten, erhellt recht 
deutlich — was in der Vorrede hervorgehoben — der grosse Werth un- 
seres heutigen Postwesens. v. H. 



— 46 - 

geschossen wurde. Etwas Aehnliches findet statt bei dem ächten 
Syrnium aluco und macrocephalon ; denn erstere nistet stets in 
hohlen Bäumen, die letztere nach den Beobachtungen meines 
I'reundes Zander in Lübs auf Kirchbödeii. 

Solche Unterschiede sind sehr zu berücksichtigen. Haben Sie 
die Güte, auf die letztere P^ule aufmerksam zu sein. Da sie in 
Mecklenburg nistet, dürfte sie wohl auch bei Binen vorkommen. 

Ich bin im verflossenen Jahre mit Erlangung gepaarter 
Paare recht glücklich gewesen, denn ich habe manche bekommen, 
deren Erlangung mir hier unmöglich schien, z. B. Botaurus 
•arundinaceus nebst den dazu gehörigen Jungen. Von den Kreuz- 
schnäbeln bekam ich in diesem Jahre eine neue Subspecies; sie 
gehört zu den Fichtenkreuzschnäbeln, ist aber so gross wie ein 
kleiner Kieferkreuzschnabel und zeichnet sich durch seinen langen 
Sclmabel so aus, dass ich sie wohl Crucirostra macrorhynchos 
nennen werde. 

Ich besitze ein gepaartes Paar ausgestopft, und ein gepaartes 
lebendig. Auch habe ich bei der diesjährigen Beccassinenjagd 
«ine Subspecies von Heersumpf-Schnepfen aufgefunden, w^elche 
grösser als die gewöhnliche, langschnäblig ist, so starke Flügel- 
federn hat, dass sie beim Auffliegen fast wie Telmat. media 
schnurrt, aber nicht schreit. 

Ich nenne sie, da sie nach Seyffertitz gern in Weidenge- 
büsch einfällt, Telmatias salicaria. Seien Sie auf diese und alle 
Sumpfschnepfen aufmerksam ; hier giebt es noch zu thun. Unter 
denen, die wir im August erlegten, ja selbst unter denen, die 
wir antrafen, war keine Telmat. stagnatilis, denn nicht eine ein- 
zige flog mit dem Zickzack auf. 

Einige Sumpfschnepfen aus Ihrer Gegend wären mir zur 
Vergleichung angenehm. Haben Sie »die T. salicaria nicht, so 
steht Ihnen eine von mir zu Diensten ; Sie sollen der Erste sein, 
^velcher Sie erhält. — 

Sehr dankbar bin ich Ihnen für die Hoff"nungen, welche Sie 
mir für dieses Jahr machen. Sehen Sie zu, dass Sie nach Rügen 
kommen und bringen Sie mir ja gepaarte Paare der dort brü- 
tenden Vögel mit; diese werden dann zeigen, dass meine Unter- 
scheidungen der verwandten Strandläufer, Seeschwalben, Möwen 
und dgl. richtig ist. 

Vergessen Sie ja auch nicht die Feldlerchen auf dem Bug. 
Diese sind gewiss merkwürdig. Auf die kleine Sendung, welche 



— 47 — 

mir Ihre Freundschaft zugedaclit hat, freue ich mich sehr; sehr 
neugierig bin ich auf die Lerche, sie ist wahrscheinlich mehr 
wie Varietät ; das wird sich bald ausweisen. Ich bitte mir auch 
von Ihnen ein paar recht kleine Zwergfalken aus, welche bei 
Ihnen nicht so selten sein können als hier, besonders wären mir ein 
altes und ein junges S derselben sehr angenehm ; trügt mich nicht 
Alles : so muss es auch hierunter eine ganz kleine Gattung geben. 

Um diesen Brief nicht ganz leer abgehen zu lassen, sende 
ich Ihnen zwölf Stück gelbe Bachstelzen, und wenn die Schachtel 
sie fassen wird, auch zwei Heidelerchen. Anstatt der nicht ganz 
guten Stücke der Bachstelzen sollen Sie noch in diesem Jahre 
ganz schöne erhalten; ich mag nur meine Reihen nicht zer- 
reissen. Ich vermuthe, dass Sie unsere Heidelerche nicht haben. 

Mein Freund Fehrmann schickte mir vor Kurzem ein ge- 
paartes Paar von der Hasenhaide, welche merklich kleiner als 
die hiesigen sind; unter allen hier erbeuteten befindet sich nur 
ein einziger diesjähriger Herbstvogel, der den Berlinern gleicht. 
So ähnlich ist es bei den Grauammern, Hauben-, Feldlerchen und 
dgl., darum sind mir von allen diesen Vögeln gepaarte Paare 
von Ihnen angenehm. Sie können darauf rechnen, dass ich Alles 
thun werde, was ich kann. Sehen Sie ja zu, dass Sie mir 1 
oder 2 Kraniche verschaffen, wenn sie auch (das Stück) 2 bis 
o Rthlr. kosten; ich will gern das baare Geld vergüten. Da 
diese Sendung so klein ist, so lasse ich sie geradezu an Sie 
abgehen. Es freut mich sehr, Ihnen sagen zu können, dass ich 
Ihre neue S(Amepfe von Freund Seyffertitz schon seit 2V4 Jahr 
besitze; die ich sah, haben 14 Steuerfedern und einen hohen 
Scheitel, dass ich Sie Telmatias alticeps genannt habe ; vielleicht 
ist aber die Ihrige doch eine andere;*) darum bitte ich um ein 
Stück, Avenn Sie künftig eins übrig haben; jedenfalls werde ich 
bei der Bekanntmachung dieser Sumpfschnepfe, wenn nämlich 
die Ihrige wirklich die unsrige ist, sagen, dass Sie dieselbe 
ganz unabhängig von uns entdeckt hatten. Jedenfalls bitte ich 
mir jetzt den Schwanz, Kopf und die Füsse der zerschossenen aus. 

Von Strand- und V^asservögeln sind mir allerdings Möwen 



*) Diese der Scolopax major zunächst stehende Schnepfe habe ich 
in einem Zwischenraum von 3 — 4 Tagen im Herbste JS34 an derselben 
Stelle geschossen. Dieselbe ist in der Isis von mir unter Scolopax autum- 
nalis beschrieben, jedoch später nie wieder aufgefunden. Die von Brehm 
erwähnte Form halte ich nicht identisch. v. H. 



- 48 — 

und Seeschwalben, Säg-er, Anas tadorua, Kampf- und kleine 
Strandläufer und dergleichen immer noch sehr angenehm. 

Ich kann, was mir überflüssig sein sollte, zum Vertauschen 
brauchen. Sehr lieb ist mir ein Podiceps subcristatus et rubri- 
collis, der gewiss bei Ihnen lebt. Ich werde dann Alles auf- 
bieten, um Ihnen die Sendung zu vergüten. Haben Sie nur die 
Gewogenheit, ein recht leichtes Kistchen zu nehmen. 

Sie erlauben mir zu bemerken, dass der z^veibindige Kreuz- 
schnabel der kleinste europäische ist*J und so deutlich weisse 
Binden wie ein Finke hat. Es giebt viele, die eine Binde 
zeigen, aber ächte zweibindige sind äusserst selten, dieses Jahr 
nicht hier, — 

Sieben Stunden von hier wurde eine alte Eidergans S er- 
legt, allein ein anderer Sammler hat sie erhalten. Andere 
eigentliche Seltenheiten kamen nicht vor; wir werden bei der 
ungewöhnlich milden Witterung in diesem Monat brütende Kreuz- 
schnäbel haben; vor 6 Tagen traf ich ein Paar Grünspechte 
und gelbe Bachstelzen, I\I. sulphurea, an, welche sich ganz wie 
bei der Paarung betrugen ; dies bedeutet einen gelinden Winter. 

Theilen Sie mir nur ja vorläufig von Ihren Beobachtungen 
mit, wir lassen dieselben in die Isis einrücken, bis ich vielleicht 
noch ein Werk schreibe. 

Nun nur noch ein Paar Worte. Allerdings stehe ich mit einem 
recht braven Ungar in Verbindung ; er schickt aber selten etwas ; 
seit 1 ^/o Jahr wusste ich nichts von ihm ; zu Michaelis erhielt 
ich 4 Stück, nämlich Petrocossyphus saxatilis alt ^ und jung J 
und ein prachtvolles Paar Picus roseiventris (Picus leuconotusj. 
Wenn der liebe Freund nicht mehr schickt, kann ich Ihnen 
nichts versprechen. Glauben Sie mir, ich sähe Sie und die 
Freunde an der Ostsee und diese selbst sehr gern, aUein für 
jetzt habe ich leider wenig Hoffnung dazu; darum müssen wir 
uns schon mit der Aussicht auf die Zukunft trösten und wollen 
einander auch ungesehen recht lieb behalten und das grosse 
Werk, die Vervollkommnung der Naturwissenschaften, nach 
Kräften fördern. Ich wünsche Ihnen für dieses Jahr alles Gute 
und bitte um die Fortdauer Ihrer Freundschaft. Wie geht es 



*) Meine Mittlieilung bezog sich auf drei Stück zusammen erlegter 
grosser Kreuzschnäbel, mit breiten rothen Flügelbinden, die Brehm auch 
später beschrieben hat. v. H. 



- 49 - 

dem Herrn von Hagenow? Grüssen Sie ihn von mir; mit 
wahrer Hochachtung und herzlicher Liebe 

Ihr . 

B r e h m. 
Motacilla rivalis steht, wie Sie sehen werden, gerade mitten 
inne zwischen Mot. montium et sulphurea. 



Renthendorf, am 23. Februar 183G. 

Theuerster Freund ! . 

Unsere Briefe werden einander begegnet sein, denn ich hoffe, 
dass Sie meinen Brief so richtig erhalten haben, wie ich den 
Ihrigen vom 20. October des vorigen Jahres und einen vom vorigen 
Frühjahre nebst einer mir interessanten Sendung. 

Alles ist richtig angekommen und ich bitte, was mir Ihre 
Güte zugedacht hat, ebenfalls über Leipzig zu senden. Sie er- 
halten beigehend eine kleine Sendung, welche, wie ich hoffe, 
Ihnen Freude machen wird. Der Grauspecht muss freilich noch 
einmal ausgestopft werden, denn er ist nicht von mir bearbeitet. 
Dann aber soll er, wie ich glaube, recht gut werden. Künftig 
sollen Sie mehr davon erhalten. Von den Eisvögeln fehlt meine 
Alcedo ispida, die ganz grosse, und Alcedo advena, welche Sie 
vielleicht haben; wenigstens erhielt ich die letztere von Greifs- 
wald. Die erstere bekommen Sie jedenfalls noch von mir. 
Die Blaukehlchen sollen, wie ich denke, Ihren Beifall haben. Nach 
den Leinfinken werden Sie die Ihrigen leicht bestimmen können. 
Die Motacilla cervicalis, ausgezeichnet durch den in den Nacken 
sich verlaufenden schwarzen Fleck, welchen jedoch nur das S 
hat, erschien voriges Frühjahr in unsern Thälern. Von einer 
Gesellschaft von 15 — 20 Stück gelang es uns, 10 Stück zu er- 
legen. Da fand ich denn, dass ich unter meinen Bachstelzen 
schon eine hatte, welche Sie bekommen. Ich hoffe dieses Frühjahr 
wieder etwas zu erlegen, wovon Sie dann mehr bekommen sollen. 
Sie ist viel scheuer als M. alba und steht gern auf unter V^asser 
gesetzten Wiesen. 

Die ganz alten Vögel — es gelang uns, nur ein Paar der- 
selben zu erlegen — haben das Schwarz auf dem Oberrücken 
und eine breite weisse Flügelbinde. Schreiben Sie mir doch, 
welche von diesen Bachstelzen bei Ihnen leben. 

V. Homeyer, Oruitholog. Briefe. 4 



— 50 - 

Nun zur Beantwortung Ihres lieben Briefes. Es freut mich 
ungemein, dass Sie nebst Ihrem Freunde, dem Herrn Baron von 
Loebenstein, dessen Verbindung mir willkommen sein wird, auf 
Rügen gewesen, herrliche Beobachtungen gemacht, gesammelt 
und auch meiner nicht vergessen liaben. Ich freue mich un- 
gemein darauf, von den Ergebnissen der Reise etwas zu hören 
und zu sehen. Haben Sie ja die Gewogenheit, mir von See- 
vögeln zu senden, was Sie entbehren können. Welche Freude 
mir gepaarte Paare machen, brauche ich Ihnen nicht erst zu 
sagen. Können Sie mir etwas von Anser cinereus und Carbo 
cormoranus schicken, so würde mir das höchst angenehm sein. 
Höchst begierig bin ich auf Ihre Beobachtungen, und ich bitte 
Sie recht angelegentlich, mir mit nächstem Briefe etwas davon 
mitzutheilen. Schreiben Sie ja alles recht sorgfältig auf, denn 
Ihre Ermunterungen haben eine solche Wirkung bei mir gehabt, 
dass ich entschlossen bin, eine grosse Naturgeschichte der 
deutschen Vögel im Vereine mit meinen Freunden herauszu- 
geben; dabei rechne ich ganz besonders auf Ihre mir schon 
freundlich zugesagte Mitwirkung, und ich werde mir eine grosse 
Freude daraus machen, die Namen der lieben Mitarbeiter auf 
den Titel vor dem meinigen zu setzen. Sobald erst einige 
andere Arbeiten vollendet und dann die Verhandlungen mit 
einem Verleger abgemacht sein werden, soll das Werk mit 
Gottes Hülfe beginnen. Alles, was Sie über den Zug beobachten, 
theilen Sie mir ja mit, es soll entweder in unserm Werke, oder 
in der Isis erscheinen. Ich bin neugierig, Ihre Feldlerche vom 
Buge auf Rügen zu sehen. Sie können immer mir von den 
bei Ihnen brütenden noch ein Paar schiessen, denn sie weichen 
von den unsrigen sehr ab. üeber unser Werk bemerke ich 
Ihnen vorläufig Folgendes: Es würde aus mehreren Bänden be- 
stehen, aber nur für jeden Band ein Titelkupfer und eine Platte 
Steindruck mit Abbildungen von Köpfen oder Schädeln enthalten. 

Der V ö g e 1 z u g war hier unbedeutend, bei Wien 
ausserordentlich starlr; die Ursache dieser Er- 
scheinung liegt in dem im Osten selir strengen, 
übrigens gelinden Winter, der mir nur zu genauer 
Beobachtung der Feldhühner Gelegenheit gegeben hat. Was 
brütet davon bei Ihnen? Ich werde Ihnen mit nächster Sendung 
die verschiedenen Subspecies derselben, so auch Fulica atra, 
senden. Sie haben Fulica aterrima. Sonderbar; Falco nisus, 



— 51 — 

Mergus serrator, Stagnicola cliloropus, Fulica atra u. dgl. aus 
Japan kaum von den unsrigen zu unterscheiden. Am 8. Februar 
schoss ich den ersten Staar, am 10. wurden die ersten Feld- 
lerchen bemerkt. 

Nun, verehrter Freund, leben Sie wohl, schreiben Sie mir 
bald und behalten Sie lieb 

Ihren 

B r e h m. 



Renthendorf, am 17. Dezember 1836. 

Hochverehrter Freund ! 

Sie haben mir durch Ihre schöne Sendung, welche vor vier 
Tagen in meine Hände kam, eine grosse Freude gemacht, nur 
schade, dass der Fuhrmann, wahrscheinlich der erste, die Kiste 
so nass hatte werden lassen, dass, obgleich sie äusserlich gut 
aussah, inwendig alles ganz feucht war. Die Schnäbel aller 
Vögel waren mit Schimmel bedeckt, ebenso die Füsse, und die 
Federn gingen besonders an den Bälgen und später ausgestopften 
heraus, was mir sehr leid gethan hat. Ich bitte deswegen den 
Fuhrmann zur Rede zu stellen, damit nicht wieder etwas Aehn- 
liches vorfallen kann; eigentlich sollte der Fuhrmann Schaden- 
ersatz leisten. Zum Glück hatten die grossen Vögel wenig ge- 
litten, und so habe ich doch die Freude, diese wohlbehalten 
zu sehen. 

In wissenschaftlicher Beziehung waren mir diese Sachen auch 
sehr interessant. 

Der Schreiädler gehört zu einer Gattung, welche von meiner 
Aquila Pomarina, über welche Boje eine herrliche Abhandlung 
in der Isis gegeben hat, ebenfalls verschieden ist. Sie können 
daraus abnehmen, wie lieb mir dieser Vogel war. 

Ueberhaupt bitte ich Sie recht dringend, was Sie von Schrei- 
adlern, die sie erhalten, entbehren können, mir ja zukommen zu 
lassen ; ich möchte gar gern diese bedenklichen Vögel mit Ihrer 
Hülfe in Ordnung bringen. Auch von den Kranichen war mir 
das übersandte S sehr willkommen; auch der kleine Steiss- 
fuss war mir interessant , denn er kommt s o hier nicht vor ; 
unsere sind nämlich viel kleiner, ich habe ihn Podiceps major 
genannt. Sehr lieb waren mir auch die schönen Scharben; um 
ein S alt bitte ich gelegentlicli. 

4* 



— 52 — 

Der Larus war der echte Larus marinus; die kleinen 
Schlammläufer waren mir auch sehr lieb; schade, dass sie sehr 
gelitten haben. Der Schilfsänger mit halbem Oberschnabel ist 
meine Calamoherpe tritici. Circus cyanens S lag nicht bei, auch 
habe ich vergeblich nach der Feldlerche vom Bug gesucht. 

Beide erbitte ich mir künftig, wie mehrere Podiceps minor 
von der grossen Gattung. 

Nun von dem, was ich Ihnen senden kann. Das Verzeich- 
niss der zum Theil auch durch Ihre Güte erhaltenen Vögel Ihres 
Vaterlandes liegt bei. Die merkwürdige Feldlerche, welche durch 
ihren kurzen Schwanz den Heidelerchen nahe kommt, habe ich 
Alauda galeridoides genannt ; vielleicht erhalten Sie künftig noch 
etwas davon, auch für mich. Es freut mich sehr, dass Sie wieder 
auf Kügen gewesen sind und schöne Ausbeute an Vögeln und 
Beobachtungen gemacht haben. Kommen Sie, was ich sehr 
wünsche, künftiges Frühjahr zur Brutzeit nach Rügen , dann bitte 
ich um gepaarte Paare der dort brütenden Vögel, welche Ihr 
Eifer für mich erlangen kann. 

Sie erhalten von mir, was ich eben senden kann: 1. Gecinus 
canus Sj 2. Pyrgita petronia S, 3. Emberiza cia S, -4. Calamo 
herpe arbustorum, 5. arundinacea, 6. alnorum, 7. canneti, 8. pis- 
cinarum, 9. hydrophiles, 10. subphragmitis, 11. Motac. cervicalis 
(?, 12. ?, 13. S' (14. April.) Ich weiss nicht, ob Sie diese durch 
das viele Schwarz im Nacken ausgezeichnete Bachstelze von mir 
erhalten haben oder nicht; im ersteren Falle wird Ihnen beson- 
ders auch das schöne S, welches die weissen, dieser Gattung 
eigenthümlichen Flügelbinden recht deutlich zeigt, nicht unwill- 
kommen sein. 14. Motacilla pratorum, neu (Nackenbachstelze 
mit kurzem Schnabel), 15. und 16. Muscicapa albicoUis, leider 
Herbstvögel. Künftiges Frühjahr will ich sehen, dass ich Sommer- 
vögel erhalte. Biarmicus Russicus (künftig soUen Sie bessere 
erhalten), 18. Cyanecula orientalis, leider nm' $ pr. auct., 19. 
und 20. Saxicola rubicola, 21. Ruticilla tythys, 22. Anthus mon- 
tanellus von den höchsten Bergen des Thüringer Waldes. Die 
übrigen Schilfsänger und die Pieper sollen Sie, sobald ich die 
erstem noch erhalten kann, bekommen. Haben Sie ja die Güte, 
einige Cannabina montium für mich zu erlegen ; hier kommen 
sie gar nicht vor. Auch bitte ich Sie, wenn die Sporner er- 
scheinen, diese Vögel ja recht in Aufsicht zu nehmen und mir 
wo möglich Männchen mit dunklem Kopfe, die Emberiza montana 



— 53 — 

et musteliua zu verschaffen. Es ist merkwürdig, dass unter 
Xucifraga, der auch hier vorkam, die Kurzschnäbel so sehr selten 
waren; ich erhielt einen einzigen, und mein Freund Zander in 
Lübs hat gar keinen bekommen. Künftig hoffe ich Ihnen von 
den Alpen die ganz grosse zu verschaffen; auch von der ganz 
kleinen Nucifraga minor, von Gourcj^ entdeckt, bekam ich ein 
Paar, aber alles junge Vögel. Sie verzeihen die schlechte Schrei- 
berei; ich kann diesen Brief nicht noch einmal schreiben, weil 
der Brief noch zu Weihnachten in Ihre Hände soll. Schreiben 
Sie mir bald, ob Ihnen die Sendung einige Freude gemacht hat. 
Zum bevorstehenden Jahreswechsel wünsche ich Ihnen herzlich 
Glück und mir Ihre fortdauernde Gewogenheit. Schreiben Sie 
mir, wie es dem Herrn von Hagenow, den ich herzlich zu grüssen 
bitte, geht. 

Hochachtungsvoll 

Ihr 

B r e h m. 



Kenthendorf, am 18. Mai 1838. 

Verehrter Freund! 

Sie werden glauben, ich sei gestorben oder verdorben oder 
habe Sie, den lieben Freund, gänzlich vergessen; alles dies ist 
Gott sei Dank nicht der Fall. Ich hätte Ihnen weit früher ge- 
schrieben, allein ich wollte Ihnen zugleich etwas mitsenden, und 
da fehlt es mir immer. 

Jetzt erhalten Sie eine kleine Sendung, welche, wie ich 
hoffe, Ihnen Freude machen soU. Besonders interessant soU, wie 
ich mir schmeichle, Ihnen Merula alpestris und Picoides trydac- 
tylus sein ; ich spreche nachher weiter darüber. Zuerst sage ich 
Ihnen für das gütigst übersandte Buch den herzlichsten Dank. 
Ich habe manches daraus gelernt und mich sehr darüber gefreut. 
Ich war, als es ankam, nicht wohl und habe es in einem Zuge 
durchgelesen. Nur vermisse ich in etwas die Consequenz. Sie 
haben gewiss Recht, wenn Sie die Pelidna Schinzii als von 
Pel. alpina getrennt aufstellen ; allein ich kann Ihnen versichern, 
dass sie ebenso wenig eine eigene Art ist, im alten Sinne, als 
viele andere von mir aufgestellte Vögel; es ist eine reine Gat- 
tung, Subspecies, welche, wie die andern, sich paarweise zusammen- 



- 54 — 

hält ; denn man findet Stücke, bei denen man ungewiss 
bleibt, zu welcher Subspecies man sie rechnen soll, 
wenn man nur diese beiden annimmt. Naumann ist bei dieser 
Gattung so wenig folgerichtig, als bei seiner Sylvia cariceti 
Das thut aber dem Ganzen keinen Abbruch. Mich wundert es, 
Ihre PjTrhula minor nicht bemerkt gefunden zu haben; denn 
diese ist gewiss so verschieden*) von Pyrrhula major als PeL 
Schinzii von alpina; das gütigst übersandte ? von PjiThula ge- 
hört aber der P. minor nicht an, sondern der P. peregrina ; ein 
echtes $ dieser Gattung würde mir willkommen sein. Haben Sie 
schon ein Exemplar zur Anzeige für die Isis an Oken geschickt? 
Ich möchte Ihnen das rathen. — 

Allein nicht bloss Ihr Werkchen hat mir grosse Freude ge- 
macht — denn dass Hornschuh und Schilling in 10 Jahren nur 
einen Bogen zu Stande gebracht haben, ist wirklich eine Schande — , 
sondern auch die gütigst übersandten Vögel, besonders das ge- 
paarte Paar Pel. Schinzii und mehreres Andere. Die von Ihnen 
übersandte Pica ist mir hier nur ein einziges Mal vorgekommen; 
ich bitte um mehrere Stück. Ihre Alauda Bugiensis habe ich 
hier auf dem Frühlingszuge angetroffen , im Singen beobachtet 
und sogar ein gepaartes Paar auf einen Schuss erlegt. Ein an- 
deres Paar wurde am 9. April 1837 an einer Quelle gefangen. Der 
Gesang ist ausgezeichnet schön. Ich traf sie auf unsern Bergen, 
auf etwas feuchten, mit Gras sparsam bewachsenen Brachäckern 
noch zu Ende des März in kleinen Flügen. Auch Ihre mir früher 
gütigst überlassene Feldlerche mit kurzem Schwänze und breiten 
Schwungfedern, von denen die dritte von hinten weit vorreicht, 
traf ich hier und erlegte noch im April ein gepaartes Paar auf 
einen Schuss. Sie singt ebenfalls sehr schön und liebt die 
Stoppeläcker. Sie ist eine der ersten Lerchen. Ich nenne sie, 
weil sie eine gewisse Aehnlichkeit mit der Heidelerche und 
Haubenlerche hat, AI. galeridaria. Dann giebt es bei Ihnen noch 
eine Lerche mit sehr dünnem Schnabel — Sie schickten mir 
früher ein S — , welche hier sehr selten ist; ich erhielt nur 
drei Stück ; sehen Sie doch zu, dass Sie mir ein gepaartes Paar 
davon verschaffen können. Sie wissen überhaupt, wie lieb mir 
gepaarte Paare sind. 

Sie versprachen mir früher gütigst ein Paar Schreiadler, 



^) Hier hatte Brehm unzweifelhaft Recht. v. H. 



— 013 — 

welche nicht sonderlich ausgestopft seien; können Sie mir diese 
übersenden, so wäre mir das sehr lieb, denn die Subspecies dieses 
Vogels sind nicht im Reinen. Ueberhaupt sind mir Ihre See- 
Yögel stets lieb. Ich stehe mit hiesigen Vögeleiern zu Diensten. 
Verzeihen Sie mir meine Bitte; Sie wissen ja, dass der Lieb- 
liaber gern empfängt. Gern hätte ich Ihnen Schilfsänger ge- 
schickt, allein ich habe noch zu wenig; hoffentlich bei nächster 
Sendung. Der strenge Winter hat mir Einiges gebracht; z. B. 
ein gepaartes Paar Anthus aquaticus, Anser platyurus, Bubo, 
Clangula giaucion und dgl. Dieses Frühjahr war der Zug er- 
bärmlich. — Aus Kärnthen erhielt ich schöne Sachen, z. B. 
Scops carniolica, Tichodroma phoenicoptera, Picoides tridactylus 
und dgl. 

Wie ist es bei Ihnen gewesen? Wie stehen Sie mit Schilling? 
Im nächsten Briefe will ich Ihnen erzählen, wie er mich ver- 
nachlässigt. Nun , th eurer Freund , leben Sie recht wohl und 
schreiben Sie bald Ihrem 

B r e h m. 
P. S. 

Schicken Sie mir noch ein Exemplar Ihres Werkchens, ich 
will Oken es zuschicken und selbst meine Beurtheilung machen. 

Der Hauptunterschied von Morula alpestris sind die weissen 
Spiegel auf dem Unterkörper , d. h. die weissen Flecken auf der 
Mitte der Federn. 

Können Sie keine gepaarten Paare von Sterna erhalten? 



R e n t h e n d r f , den 20. December 1 842. 

Mein theurer Freund! 
Ihr lieber Brief vom 24. October d. Js. mit der schönen 
ihn begleitenden Kiste hat mich hoch erfreut, aber auch beschämt, 
weil Sie mir in demselben wegen meines langen Schweigens weit 
weniger Vorwürfe machen, als ich verdiene. Glauben Sie ja 
nicht, dass der Umstand, dass Sie in Bestimmung der Arten 
andere Ansichten haben als ich, mich im geringsten verdriessen 
könnte. Ich weiss gewiss, wir Beide meinen es redlich 
mit der Wissenschaft, und dass Sie Manches anders ansehen 
als ich, finde ich ganz natürlich. Also werde ich nie unwillig 
sein, wenn Sie geradezu das Gegentheil von dem behaupten, was 
ich bekannt gemacht habe. Ich werde deswegen weiter unten 



— 5G - 

Ihre Nachträge zu Ihrer Uebersicht der Vögel Pommerns mit 
einigen Bemerkungen begleiten. 

Zuerst bin ich Ihnen schuldig, die Gründe meines langen 
Schweigens Ihnen vorzutragen. Ich wollte Ihnen gern Einiges 
von Vögeln übersenden , und da hatte ich immer nichts , was 
ich hätte schicken können, denn die hiesige Gegend ist nicht 
so ergiebig wie die Ihrige, und meine Verhältnisse erlauben mir 
nicht, so erfolgreiche Ausflüge zu machen, wie dies Ihnen mög- 
lich ist. So verschob ich die Beantwortung zweier Ihrer lieben 
Briefe von einer Zeit zur andern. Dies geschah aber auch mit 
aus dem Grunde, weil mir das Schreiben sehr beschwerlich 
wurde. Ich habe 6 Jahre lang mehr oder weniger, vom October 
des vorigen Jahres ab bis zur Mitte September dieses Jahres, 
so an den Augen gelitten, dass ich vor dem rechten eine Binde 
nur bei Amtsverrichtungen abgelegt habe. 

Wie einem da zu Muthe ist, wissen Sie nicht aus Er- 
fahrung, und ich bitte Gott, dass Sie' es nie empfinden mögen. 
Ich hoffe, das Gesagte wird mich bei Ihnen entschuldigen. 

Wenn Sie aber glauben, dass ich Sie je aus meinem Herzen, 
ja nur aus meinen Gedanken verloren, würden Sie sich sehr 
irren. Ich hoffte Sie in Mainz zu sehen, und bei meiner An- 
kunft fragte ich sogleich nach Ihnen , erfuhr aber zu meiner 
Betrübniss, dass Sie nicht dort waren, obgleich Sie hatten 
kommen woUen. wären Sie doch dagewesen! Es würde 
Ihnen gewiss gefallen haben; es war ein grossartiges Leben. 
Meine Subspecies von Pj^rrhula, Cynchramus und Calamoherpe 
fanden allgemeine Anerkennung, namentlich bei Lichtenstein, 
Fischer von Moskau, Schlegel, Bruch und Andern. Wie würde 
ich mich gefreut haben, den Mann, welchen meine Seele schon 
lange liebt, von Augesicht zu Angesicht zu sehen. Noch besser 
aber, als in Mainz, hat es mir in Strassburg gefallen. Ich ver- 
sichere Ihnen, dass die Abneigung, welche ich gegen die Fran- 
zosen hegte und mit welcher ich nach Strassburg kam , dort 
gänzlich verschwunden ist. Man mag von den Franzosen 
noch so ungünstig urtheilen, das muss man ihnen lassen, dass 
sie die Fremden zu behandeln und ihre Gäste zu ehren wissen. 
Man hat mir in Strassburg eine Freundlichkeit, Zuvorkommen- 
heit und Auszeichnung bewiesen, welche ich nicht verdiene; ich 
werde die schönen dort verlebten Tage nie vergessen. Von 
Vögeln habe ich einiges recht Hübsche mitgebracht. Ich nenne 



— Di — 

Ihnen nur Turdiis pallidus, Naumanni, migratorius , Curruca 
leucopogon, Alauda bifasciata, Cursorius isabellinus, Numenius 
teniiirostris etc.; doch ich komme nun auf Ihre schönen Gaben, 
und zuerst auf Ihren lieben Brief. AVegen meines Schweigens 
habe ich mich entschuldigt und wegen unserer verschiedenen 
Ansichten von Art mit Ihnen verständigt. 

Es freut mich sehr, dass Sie der genauen Sonderung der 
Arten und dem Studium des Zuges Ihre Aufmerksamkeit 
Torzüglich widmen. Ich freue mich sehr über Ihre neue Drossel 
und wünsche Ihnen zu dieser Entdeckung von Herzen Glück. 
Beim ersten Blick auf Ihren lieben Brief hielt ich sie für Turdus 
Sibiriens,*) allein dies ist nicht der Fall, der Vogel ist neu. 

Es hat mich sehr gefreut, in Frankfurt zu sehen, wo mein 
Turdus Seyffertitzii lebt, nämlich in Asien. In dem dortigen 
Museum steht ein dem meinigen sehr ähnlicher Vogel aus 
Caschemire, nur ist er etwas kleiner. 

Ich komme nun auf Ihre schöne Sendung, für welche ich 
Ihnen den wärmsten Dank sage. Besonders interessant waren 
mir die beiden Glareola und die kleine Bonasia. Haben Sie ja 
die Güte mir zu schreiben, woher Sie diese beiden Glareola er- 
halten haben. Ich werde sie nächstens genau vergleichen und 
Ihnen dann das Ergebniss schreiben. 

Das Haselhuhn hat mich ebenfalls gar sehr interessirt. 
Es ist merklich kleiner als aUe, die ich bisher erhielt, und 
ich habe einige bekommen, nämlich eins von Ihnen, eins vom 
Hundsrück, von woher ich mehrere sah , zwei von den Um- 
gebungen des Königsteins, zwei aus Kärnthen, zwei aas Triest 
und eins aus dem Voigtlande. Ist es Ihnen irgend möglich, dann 
bitte ich noch ud] ein so kleines Exemplar, denn ich sage Ihnen 
offen, dass mir ein bedeutender Grössenunterschied von grosser 
Wichtigkeit ist. 

Wie lieb Sie mich haben , sehe ich daraus , dass Sie mir 
eine Alauda brachydactyla aus Grichenland und eine Emberiza 
rufibarba aus Afrika gesandt haben. Empfangen Sie für Alles 
meinen herzlichen Dank. 

Ich sende Ihnen, was ich schicken kann; doch hoffe ich, 
dass Ihnen Einiges darunter nicht unlieb sein wird. Sie finden 



*) Es war ein altes iDrachtvoUes Männchen von Tardus Sibiriens, 
welches ich für verschieden hielt und unter T. leucocyanus in der Isis 
veröffentlichte. v. H. 



— 5<S — 

unter diesen Vögeln eine ganz gewöhnliche Taube und werden 
sich vielleicht wundern, dass ich sie Ihnen schicke. 

Darum einige Worte zur Erklärung. 

Wie Sie im zweiten Bande meiner Beiträge lesen werden^ 
erschienen im Spätherbste 1819 wohl tausend Paar blaue Tauben 
im Werragrund bei Kreuzburg nicht weit von Eisenach, wovon 
Hunderte geschossen wurden, da sie den Tag über in den Dörfern, 
des Nachts in den Wäldern waren. Ich hielt diese Schaar für 
wilde Tauben, konnte aber keine erhalten. 

Endlich verschaffte mir ein Kammerherr von Hardenberg ein 
Stück aus Dreissigacker, wo fünf ganz gleich gezeichnete standen. 

Diese sieht gerade aus wie die Ihnen gesendete. 

Jetzt sah ich in Frankfurt eine ganz ähnliche aus Eg3^pten 
und erfuhr von dem Begleiter Kuppeis, Herrn Erkel, dass er im 
Februar hinter- Kairo mehrere geschossen habe. Eine tauschte 
ich noch ein und verglich sie mit der von Dreissigacker. Sie 
ähnelt ihr völlig, bildet aber, da sie viel kleiner ist, eine 
eigene Subspecies. 

Es leidet nach dem Gesagten gar keinen Zweifel , dass 
diese sogenannten hammerschlägigen Tauben eine besondere 
Art bilden; ich werde nächstens in der Isis eine Abhandlung 
darüber geben. Dann hoffe ich, dass die Haussperlinge Sie 
interessiren werden. Die P3Tgita longirostris lebt nebst der 
PjTgita intercedens in Ungarn. Die letztere steht zwischen der 
gewöhnlichen und der P3rgita cisalpina geradezu in der Mitte. 
Ich würde mich bemühen, Ihnen alle die Subspecies der Pyrgita 
domestica, welche nächstens in der Isis erscheinen werden, 
künftiges Jahr zu senden. Auch hoffe ich, dass Ihnen die Blau- 
kehlchen angenehm sein werden. Die Cyanecula major ist be- 
stimmt als Subspecies von der Cyanecula parva verschieden. 
Die letztere ist auch bei Ihnen, denn Sie haben mir früher ein 
S geschickt. Die Cyanecula orientalis ist sehr selten in unserm 
Vaterlande. 

Auch der Anthus acurostris war früher selten und ist eine 
bestimmte Subspecies. Ich habe einmal vier und ein anderes 
Mal sechs Stück aus einem Fluge erlegt.*) 



*) Wie wichtig- diese genauen TInterscheiduiigen Brehms für den 
Vogelzug sind, liegt klar auf der Hand. Wer solche Unterschiede nicht 
beachten will oder kann, der ist auch nicht iähig, über die Zugrichtung 
(^die sogenannten Zugstrassen) zu urtheilen. v. H. 



— 59 — 

So grosse Goldammern , wie ich Ihnen sende , haben Sie 
schwerlich in Ihrer Gegend; alle, die ich aus dem Norden er- 
hielt, sind merklich kleiner. 

Schreiben Sie mir ja, was Sie von Vögeln und Eiern aus 
unserer Gegend brauchen können. Sie sollen Alles erhalten^ 
was ich auftreiben kann.. 

Von Ihnen wären mir Scharben, Schreiadler, gepaarte Möwen, 
Seeschwalben, Strandvögel aller Art nebst ihren Eiern, besonders 
die Eier von i\.quila naevia und andere seltene, lieb. Ich freue 
mich ganz ausserordentlich, dass Sie künftiges Frühjahr nach 
den dänischen Inseln reisen wollen, und erbitte mir schon im 
voraus Sterna Caspia, cantiaca, Anthus littoralis und was Sie 
von Möwen und Seeschwalben Gepaartes nebst Eiern ablassen 
können. Verlangen Sie nur von mir; was ich liefern kann, 
werde ich mit Freuden senden. 

Brauchen Sie Budytes (Motacilla) melanocephalus et cinereo 
capillus, so sollen Sie diese erhalten, ich erwarte deswegen ge- 
naue Nachricht. 

Nun noch einige Bemerkungen zu Ihren Nachträgen: 

1. Certhia brachydactyla ist keine Abart, sondern eine reine 
Art, so gut wie der Sprosser. Sie lebt nur in Laubhölzern und 
Gärten — in die Nadelwälder kommt sie nur selten — und 
nistet grossentheils in den Wänden der Gebäude. Ihr Lockton 
charakterisirt sie vollständig. Im Norden verschwindet sie.*) 

Auch Muscicapa muscipeta ist nicht das Junge von luctuosa; 
es giebt allerdings nur halbvermauserte Frühlingsvögel, allein 
an manchen Orten lebt bloss die letztere. 

Dass es vom Schreiadler wenigstens mehrere Subspecies 
giebt, haben mich die nunmehr gesehenen von Neuem überzeugt. 
Die grossen Vögel sind wenig kleiner als die von Aquila im- 



*) Bis auf den heutigen Tag habe ich Brehms Beobachtungen we- 
senthch bestätigt gefunden. Aus Scandinavien und dem Nordosten 
Europas habe ich Certhia brachydactyla nie gesehen ; auch in hiesiger 
Gegend (Stolp) ist mir dieselbe in einem Zeitraum von 40 Jahren nicht 
vorgekommen, während sie in Vorpommern und Mitteldeutschland durch- 
aus nicht selten ist. In Südfrankreich und Italien ist sie der gewöhn- 
liche Baumläufer der Ebene, während Certhia familiaris (unter verschie- 
denen Namen) nur im Gebirge vorkommt. 

Der Lockton beider Arten ist verschieden und dem geübten Beob- 
achter leicht kenntlich. v. H. 



— 60 — 

perialis. Doch bitte ich um ausführliche Nachricht und wo 
möglich um gepaarte Paare, welche meine Ansicht bestätigen 
oder widerlegen. 

Mehrere, oder nur ein Paar von Pelidna platyrhyncha, 
wären mir sehr erwünscht. 

Von Pelidna Temminckii giebt es standhaft kleine Vögel, 
welche wenigstens eine eigene Subspecies bilden; alle sind mir 
erwünscht. 

In Hinsicht der Limosa rufa et Meyeri bin ich anderer 
Meinung ; es sind aber nicht zwei Species, sondern nur Subspecies. 
Alte Vögel, besonders Weibchen, sind mir angenehm. 

Dass es von Larus marinus grosse Männchen giebt, welche 
ich Lar. maximus nenne, kann ich versichern. Dasselbe ist bei 
Larus argentalus und fuscus der Fall. Die kleinen dieser Arten 
bilden eben solche Subspecies wie Sterna argentata von Sterna 
hirundo. Ebenso urtheile ich von den verschiedenen Abweichungen 
von Anser segetum. 

Ein Paar von Anser cinereus wäre mir auch willkommen. 
Es dürfte aber wohl Zeit sein, zu schliessen; sonst könnten Sie 
des Lesens überdrüssig werden. 

Sie haben lange nichts von mir zu lesen bekommen, nun 
wird Ihre Geduld sehr in Anspruch genommen; das müssen Sie 
sich schon gefallen lassen. 

Auch muss ich um Verzeihung bitten, wenn dieser Brief 
voll Fehler ist, denn ich kann ihn nicht noch einmal durch- 
lesen, sonst kommt die Sendung nicht fort. 

Nun leben Sie wohl, treten Sie das neue Jahr gesund an 
und erhalten Sie in demselben Ihre Liebe und Freundschaft 

Ihrem 

B r e h m. 

Von Ihrer üebersicht habe ich eine Beurtheilung für die 
Neue Jenaische Litt.-Zeit. geschrieben. Die meisten Bälge habe 
ich gefertigt. Die mit festem Körper können Sie aufstellen, 
wenn Sie die Füsse erweichen. Die schlechtereUj nicht von mir 
gefertigt, bitte ich zu entschuldigen. 



61 



Een thenclorf, 10. November 1843. 

Verehrter Freund ! 

Endlicli ist es mir möglich, Ihnen eine Sendung von Vögeln 
zugehen zu lassen, in der angenehmen Hoffnung, dass Ihnen 
manches von denselben angenehm sein werde. Um den Pfau 
in einen kleinern Kaum zu bringen, habe ich ihm den Kopf 
zurückgebogen. Sie werden ihn leicht wieder in Ordnung bringen. 

So hoffe, es soll Ihnen Motacilla cervicalis, welche zwischen 
Mot. alba et Jarrellii gerade in der Mitte steht, der Budytes 
melanocephalus $ auct., die beiden Anthus, wie auch die Pyrgita 
intercedens , welche ebenfalls zwischen Pyrgita domestica et cis- 
alpina die Mitte hält, und manches Andere nicht unangenehm sein. 

Wenn ich Ihnen weniger Seltenheiten schicke als ich. 
wünsche und als ich von Ihnen erhalte: so schreiben Sie dies 
nicht einem Mangel an Freundschaft, sondern an ¥ögeln zu 
und entschuldigen Sie mich nach Ihren mich sehr beglückenden 
freundschaftlichen Gesinnungen. 

Ich lege Ihnen das 1. Heft eines Werkes bei, welches auf 
Ansuchen des Verlegers begonnen wurde und mich schon lange 
gereut hat; doch ist das 2. Heft unter der Presse! Die wenigen 
ebenfalls beiliegenden Bemerkungen über die Versammlungen in 
Mainz und Strassburg dürften vielleicht auch jetzt noch einiges 
Interesse für Sie haben. 

Sie waren so gütig, mir einen bei Ihnen erlegten Erythropus 
vespertinus, wie auch Hydrochelidon leucoptera et leucopareja in 
allen Kleidern anzubieten und ich nehme diese Sachen und 
Alles, was Sie mir zu senden die Güte haben wollen, mit 
grösster Dankbarkeit auf, wie ich überhaupt stets Ihr Schuldner 
bin. Was werden Sie für schöne Sachen von den dänischen 
Inseln mitgebracht haben; ich kann es kaum erwarten, einen 
genauen Bericht von Ihrer Reise zu erhalten. Dass Sie nach 
Ihrer grossen Güte mir einige erbeutete Doubletten von dieser 
Reise zukommen lassen werden, hat mir Ihre Freundschaft schon 
zugesagt, und ich kann es kaum erwarten, diese Sachen zu sehen. 

Die Beschreibung der neuen Drossel habe ich mit Ver- 
gnügen gelesen, und ich bin ganz von der Echtheit der Art 
überzeugt; es ist ein höchst interessanter Vogel. Ich weiss 
nicht, ob ich Ihnen gemeldet habe, dass ich meinen Turdus 



— (J2 - 

Seiffertitzii in Frankfurt gesehen habe. Das dort befindliche 
Stück ist etwas kleiner, aber [ganz so wie das meinige und 
stammt aus Asien und zwar, wenn ich mich recht erinnere — 
ich kann jetzt nicht nachsehen — aus Caschmire. Wie mancher 
asiatische Vogel wird noch europäisch werden! 
Haben Sie Bonapartes Catalogo metodico degli uccelli Europaei 
gelesen? Er hatte die Güte ihn mir zuzusenden. Dieses 
Werkchen enthielt viel Neues, allein er vereinigt Vieles, was 
nach meiner Meinung ohne Frage selbst als Species getrennt 
werden muss. 

Wenn Sie etwas von männlichen schwarz- und braunköpfigen 
Spornern erhalten, bitte ich darum. Sie wissen, dass mir alle 
gepaarte Sachen besonders angenehm sind. 

Sie haben mir neue Hoffnung gemacht, hierher zu kommen. 
Wenn Sie es nicht bald thun, komme ich zu Ihnen. Nun, ver- 
ehrter Freund, leben Sie wohl und behalten Sie lieb 

Ihren 

mit alter und stets neuer Liebe ergebenen 

B r e h m. 



Kenthendorf, am 2. Februar 184G. 

Verehrter Freund! 

Wohl sind die schönen Tage von Cöthen vergangen; aber 
die Männer, welche sie zusammenführten, stehen lebendig vor 
meiner Seele und werden nie aus meinem Andenken schwinden. 
Dass Sie und Naumann unter diesen die erste Stelle einnahmen, 
brauche ich Ihnen nicht zu sagen; ich glaube es durch mein 
Betragen gezeigt zu haben. Wozu soU ich also zu Ihnen von 
meinen Gefühlen gegen Sie sprechen? Genug, wir kannten ein- 
ander schon lange, und unsere Zusammenkunft konnte das uns 
vereinigende Band nur fester zusammenziehen. 

Schon vor 14 Tagen würde ich Ihnen die gewünschte Sen- 
dung gemacht haben; allein es war mir ganz unmöglich. Auch 
heute schreibe ich Ihnen neben dem Bette eines kranken Kindes, 
und deswegen müssen Sie verzeihen, wenn dieser Brief etwas 
verworren ist. Ich schicke Ihnen, was ich nur immer kann. 
Von Eiern kann ich Ihnen jetzt gar nichts senden, weil meine 



- 63 - 

Sammlimg ganz zugesetzt ist. Ich packe nämlich eine ganze 
Kammer voll ein und diese stehen vor der Eiercommode, so dass 
ich sie nicht öffnen kann. Sobald dies aber möglich ist, sollen 
Sie manche der gewünschten Eier erhalten. 

Unser liebes Kind ist leider kränker geworden und deswegen 
bin ich unfähig, zusammenhängend zu schreiben. 

Ich melde Ihnen deswegen nur, was ich sende: 

I. Von Drosseln*) zur Ansicht: 1. Turdus varius. 2. atri- 
gularis. 3. Naumanni. 4. pallidus. 5. Seyffertitzii, wenn dieser 
nicht der Turdus pallidus des Pallas ist, was ich wegen Mangel 
der Fauna Rossica nicht entscheiden kann. 6. Turdus migratorius 
aus Nord- und aus Südamerika. 7., 8., 9. Ringamseln, deren 
grosse Verschiedenheit Sie auf den ersten Blick erkennen werden, 
10., 11., 12. Schwarzamseln, durch Grösse und Schädelbildung 
verschieden. 13., 14. Turdus obscurus, wenn keine eigene Art, 
doch eine sehr schöne Subspecies. 

II. Für Sie zum Behalten: 9 Stück Corvus, unter denen 
Corvus assimilis, dem amerikanischen ähnlich und hiemalis be- 
sonders merkwürdig sind. 10. und 11. Gecinus canus. 12. Pyr- 
gita petronia. 13. und 14. Budytes cinereo capillus. 15. und 16. 
Budytes melanocephalus. 17. und 18. Crucirostra media, ein ge- 
paartes Paar. 19. Crucirostra montana. 20. Crucirostra intercedens, 
selten und zwar sehr selten. 21. und 22. Crucirostra pinetorum. 
23. und 24. Saxicola rubicola. Der letztere und die grossen 
Kreuzschnäbel sind seit vielen Jahren verschwunden. 

Nehmen Sie mit dieser Sendung einstweilen vorlieb und 
erfreuen Sie mich bald mit einigen Zeilen. 

Alles was Sie mir schicken, wird mir lieb sein, auch ein 
Balg von Cygnus musicus. Gott sei mit Ihnen, erhalten Sie 
Ihre Freundschaft 

Ihrem 

Brehm. 



*) Brehm hatte die CTÜte, mir seine sämmtlichen Drosseln, behufs 
einer für die Rhea bestimmten monographischen Arbeit, zuzusenden. 

V. H. 



- 64 - 

Renthendorf bei Triptis, am lo. August 1846. 
Verehrter theurer Freund! 

Einen alten Dank habe ich Ihnen abzustatten für die schöne 
Sendung, welche Sie' mir bei der Rücksendung der Drosseln 
gemacht haben. Diese Vögel haben mich sehr erfreut. Beson- 
ders interessant aber ist mir eine Alca torda aus Danzig, welche 
im Jahre 1840, also in jenem kalten Winter, daselbst erlegt ist. 
Ich bitte Sie recht dringend, wenn Sie mehr Exemplare aus 
jener Gegend und von jenem Winter haben oder von einem 
kalten Winter noch erhalten — sie zeichnen sich durch einen 
auffallend kurzen Schnabel aus — mich mit denselben zu er- 
freuen. Ich werde schon Gelegenheit finden, Ihnen künftig etwas 
dagegen zu schicken, was mir jetzt zu meinem grossen Bedauern 
nicht möglich ist. Ich erwarte aber ein Paar interessante Sen- 
dungen und hoffe auch, da wir ein gutes Samenjahr in unsern 
Wäldern haben — die Fichten hängen voll Zapfen — dass viel- 
leicht weissbindige Kreuzschnäbel erscheinen werden. 

Einer meiner Söhne hat bei einem Vogelhändler aus dem 
Erzgebirge in diesem Sommer lebende, frisch gefangene gesehen. 
Da der Mann aber 2 Rthlr. für das Stück verlangte und das, 
wie er sagte, weil der Markt zu Ende gehe, hat er sie nicht 
gekauft. Es bleiben immer sehr seltene Vögel. 

Vor einigen Tagen habe ich das Haselhuhn, welches Sie 
mir vorigen Herbst mitzubringen die Güte hatten, mit dem früher 
von Ihnen erhaltenen und meinen anderen aus sehr verschiedenen 
Gegenden verglichen und dabei gefunden, dass die beiden von 
Ihnen völlig übereinstimmen, aber von den andern allen durch 
geringen Umfang und kleinen Schnabel auffallend abweichen. 
Erhalten Sie einst aus Ihrer Gegend noch ein Weibchen, dann 
bitte ich darum. Da ich einen Theil meiner Sammlung ein- 
packen muss wegen Mangel an Raum im Hause, habe ich in 
diesen Tagen den Carus marinus L. wieder gemustert und finde, 
dass meine früher gegebenen Unterscheidungen vollkommen 
begründet sind. Larus maximus ist östlich an der Ostseeküste 
von Deutschland fast allein auf dem Zuge vorkommend. L. 
Mülleri ist die gewöhnliche Möwe in Holland. C. Fabricii ist 
rein grönländisch, äusserst selten in Europa, und C. marinus, 
viel kleiner und schmächtiger als die 3 andern, erhielt ich aus 
Schweden und Helsingoer, eine einzige von Rügen. Wegen der 
Drosseln habe ich die Ehre Ihnen zu bemerken, dass der über- 



— 65 — 

sandte Turclus atrigularis ganz entschieden ein halbjähriger und 
der Turdus Naumanni ein wenigstens l^/', jähriger Vogel ist. Ich 
werde Ihnen das beweisen ; denn Sie machen mir ja die erfreu- 
liche Hoffnung, uns mit ihrem angenehmen Besuche zu erfreuen. 

Diese Nachricht war mir die erfreulichste in Ihrem Briefe 
und da bitte ich Sie recht sehr, vor der Versammlung nach 
Dresden hierher zu kommen. Nach derselben wünschte ich 
unsern geineinschaftlichen Freund, den Hrn. Baron v. Loebenstein 
zu besuchen. Sehen Sie ja zu, dass Sie die Reise hierher mög- 
lich machen. Sie werden schon mit unserer geringen häuslichen 
Einrichtung vorlieb nehmen, worum ich im Voraus bitte. Haben 
Sie nur die Gewogenheit, mir hre lieb e Ankunft vorher zu 
melden, damit ich gewiss da bin. — Ich freue mich sehr* auf 
unsere Zusammenkunft in Dresden. Gott wird geben, dass wir 
wirklich hinkommen. Es^ waren schöne Tage in Cöthen. Die in 
Dresden werden hoffentlich noch schöner werden. A^or Kurzem 
erhielt ich 2 Blaukehlchen aus Helgoland, ein Paar; sie haben die 
grösste Aehnlichkeit mit den sibirischen, meiner Cyauecula orientalis. 

Auch erhielt ich 2 Scharben aus Horsens, welclie auffallend 
klein sind. Es wäre mir angenehm, wenn Sie mir künftig ein 
Männchen Ihrer Kormoranscharbe senden könnten. Voriges Früh- 
jahr schickte mir der Hei-zog Paul von Württemberg einen 
Budytes calcaratus aus Egypten mit grünlichem Ober- 
• k ö r per; irre ich mich nicht, so habe ich das Weibchen davon 
voriges Frühjahr geschossen. Von demselben erhielt ich eine 
besondere Schleiereule, seine Strix margarittata ; auch von dieser 
habe ich S und $ aus der hiesigen Gegend bekommen. In 
Dresden erscheint jetzt eine allgemeine deutsche naturhistorische 
Zeitung, welche manches Interessante enthält; ich weiss nicht, 
ob Sie schon ein Blatt derselben gesehen haben. Der Vogelzug 
war voriges Frühjahr erbärmlich, auch der Sommer hat hier 
wenig Interessantes gebracht; er war bis vor 4 Tagen uner- 
träglich heiss. Nun aber wird es Zeit zu schliessen. Leben Sie 
also mit Frau Gemahlin und Kindern recht wohl, behalten Sie 
mich lieb und seien Sie der vollkommensten Hochachtung und 
Liebe versichert 

I^^i'^^ Brehm. 

Soeben habe ich einen Zaunkönig bestimmt; er ist aus 
Südfrankreich und soll, weil sein ganzer Körper gesperbert ist, 
Troglodytes nisorius heissen. 

V. Homeyer, Ornilholog. Briefe. - 



66 



Kentliendorf, am 25. September 1847. 

Hochverehrter Freund ! 

Noch sind mir die schönen Tage vom vorigen Jahre im 
lebhaften Andenken, und wenn ich gewiss wüsste, dass Sie in 
Halle wären, würde ich meine Abwesenheit noch mehr bedauern, 
als es der Fall ist. 

Um Ihnen einen Beweis meiner Hochachtung zu geben, 
nenne ich einen Kegenpfeifer nach Ihrem Namen. Wir haben 
also nun eine Aegialitis Home3^eri*), die mir Niemand tadeln 
soll. Ich besitze sie alt und im ersten Herbstkleide. Um sie 
nun gehörig feststellen zu können, bitte ich Sie bei unserer alten 
Freundschaft , mir die grossen alten Vögel von Aegialitis 
(Charadrius) minor und die Herbstvögel und Jungen von Aegial. 
hiaticula, welche Sie entbehren können, zukommen zu lassen. 
Dann soUen Sie bald in der Isis und naturhistorischen Zeitung 
von Ihrem Vogel hören. Es freut mich ungemein, der Welt 
beweisen zu können, wie hoch ich Sie und Ihre erfolgreichen 
Bemühungen um die Ornithologie schätze. 

Sie erhalten beigehend Einiges, was Ihnen Freude machen 
wird. Ich war diesen Herbst mit den Schafstelzen glücklicher 
als je und erlegte in 12 Tagen 42 Stück. Solche Herbstvögel, 
wie der beiliegende alte Budytes atricapillus, sah ich nie; ich* 
hoffe, er und der alte Frühlingsvogel sollen Ihnen grosse Freude 
machen. Auf einem besondern Zettel ist verzeichnet, was Sie 
von mir erhalten. Ein Sohn von mir, welcher mit dem Baron 
von Müller nach Egypten gegangen ist, wäre in Kairo am 
Sonnenstiche und klimatischen Fieber beinahe gestorben. Gott 
wolle Beide glücklich zurückführen. 

Wenn Sie einmal ein oder ein Paar Somateria dispar übrig 
haben, bitte ich darum; ich erwarte eine Sendung aus Amerika 
und hoffe in dieser und durch Crucirostra bifasciata, die ich 
nächstens erhalten werde, zu entschädigen. 

Es wird Sie interessiren , wenn ich Ihnen sage, dass ich 
eine neue Sylvia, eigentlich Curruca, unserm Müllerchen ähnlich, 

*) Es ist dies allerdings ein interessanter Voo^el, der jedoch wahr- 
scheinlich ein Bastard zwischen Aegialitis hiaticula und cantianus ist; 
wohl nicht von hiaticula und minor, indem letztere auf Rügen an den 
lirutplätzen von hiaticula nicht vorkommt. v. H. 



— 67 — 

aber halb so gross, eine neue Herodias Lindermayeri und mehreres 
Andere aus Griechenland erhalten habe. Auch bekam ich von 
dorther einen alten Vogel von meinem Xumenius medius, welcher 
diese xlrt bestätigt. 

Doch nun, verehrter Freund, leben Sie recht wohl; trifft 
Sie dieser Brief in Halle, dann grüssen Sie alle Brüder, be- 
sonders Freund Xaumann , auf jeden Fall aber empfehlen Sie 
mich Ihrer liebenswürdigen Frau Gemahlin und behalten Sie lieb 

Ihren 

B r e h m. 



Renthendorf, am 22. April 1848. 

Verehrter Freund! 

Endlich ist es mir möglich, für die schöne Sendung vom 
Januar dieses Jahres den herzlichsten Dank zu sagen, sie hat 
mir grosse Freude gemacht. Besonders lieb sind mir die 
Enten gewesen, für sie sage ich Ihnen noch meinen besonderen 
Dank, ebenso für Ihr Vertrauen, dass Sie Ihr volles Herz gegen 
mich ausschütten. Ich glaube es Ihnen recht gut, dass Sie Ihre 
liebe Tochter nicht vergessen können; ich fühle das mit Ihnen, 
weil ich heute noch, nach 22 Jahren, meine am 24. April 1826 
verstorbene erste Gattin und sieben liebe Kinder nicht vergessen 
kann. Sie sehen hieraus , dass ich Ihren Schmerz in tiefster 
Seele mitfühle, weil ich ihn selbst erlitten. 

So fest auch mein Glaube steht, dass wir die Unsrigen in 
einer^ andern Welt wiedersehen werden , so wehe thut doch die 
lange Trennung von ihnen. Danken Sie Gott, dass er Ihnen 
Kraft zur Thätigkeit erhalten hat, sie ist ein herrliches Gegen- 
mittel gegen die Schärfe des Schmerzes und wird auch nebst 
einem frommen Blick nach oben ihre wohlthätige Kraft bei Ihnen 
immer mehr bewähren. Möge dies auch bei Ihrer hochver- 
ehrten Frau Gemahlin, der wir uns herzlich empfehlen, der Fall 
sein ! Uebrigens sind auch wir nicht frei von Sorge und Kummer. 
Sie wissen, dass mein Sohn Alfred mit dem Herrn Baron von 
MüUer nach Egypten gereist ist. Nach den letzten Nachrichten 
gingen die Reisenden zu Ende des Septembers des vorigen Jahres 
mit einer Glaubens-Expedition, die wahrscheinlich aus lauter 
Jesuiten besteht, und Casolani , den Bischof von Cairo , an der 



— 68 — 

Spitze hat, nach Nnbien und Abyssinien, nachdem mir mein 
Sohn geschrieben, dass wir unter vier Monaten keine Nachricht 
erhalten würden. Zu Anfang des Februar, als meine Frau noch 
nicht völlig genesen Avar von einer schweren Krankheit, bekam 
ich von Athen die Meldung, dass der Baron von Müller ent- 
schlossen sei, von Abyssinien aus nach der Goldküste zu reisen. 

Wir, meine Frau und ich, waren wie vernichtet. Vier 
Nächte floh mich der Schlaf, und es gehörte mein ganzer Glaube 
dazu, um mich in Gottes Wege zu finden und zu erkennen, 
dass, wenn Gott die Eeise, die vielleicht Allen das Leben ge- 
kostet haben würde, nicht haben will, er tausend Mittel hat, 
sie zu vereiteln, ja selbst die Macht besitzt, die Reisenden unter 
augenblicklichen Todesgefahren zu erhalten. Sie können sich 
aber unsere quälende Sorge und Unruhe denken. Am 14. März 
schrieb mir der österreichische Consul in Alexandrien, der Herr 
von Laurin, um mich zu beruhigen und ohne von mir dazu auf- 
gefordert zu sein, was ich sehr dankbar erkenne, dass der dänische 
Consul Dumreicher dem Herrn Baron einen Eilboten von Alexan- 
drien nachgesandt habe , um ihn zurückzurufen , damit er die 
reiche Erbschaft seines kürzlich verstorbenen Grossvaters an- 
treten möchte. Diese Nachricht hat uns wirklich beruhigt; ich 
wünsche nur, dass die Reisenden noch am Leben und nicht zu 
tief im Innern dieses schrecklichen Welttheiles sein mögen, um 
von dem Boten erreicht und zurückbegleitet werden zu können. 
Sie sehen hieraus, was wir gelitten haben und noch leiden, 
lieber die Nachricht, dass Sie zu Pfingsten nach Leipzig und 
von da zu uns kommen wollen, habe ich mich sehr gefreut, 
allein meine Hoffnung, dass es jetzt noch geschehen wird, ist 
sehr schwach, denn was ist seitdem geschehen. 

Schreiben Sie mir ja vor Pfingsten noch , ob Sie kommen 
können oder nicht, damit ich meine Reise nach Leipzig darnach 
einrichten kann, denn so ruhig es bis jetzt, Gott sei Dank, hier 
geblieben ist, so wenig kann man für dauernde Ruhe einstehen. 

Waidenburg ist von hier nur 14 Stunden. Wie steht es 
bei Ihnen? Ich habe mich immer in den Zeitungen nach Ihrer 
Gegend umgesehen, doch zu meiner Freude von dorther noch 
nichts Betrübendes erfahren. Möge der Herr Sie ferner schützen 
und Sie und uns Alle vor einem russischen Kriege bewahren; 
denn ich muss Ihnen offen gestehen, ich fürchte, dass unsere 
Helden grossentheils mit dem Maule tapferer sein dürften als 



— 69 - 

mit dem Schwerte ; doch gemig von Politik ; wir bleiben , so 
lange wir nicht vertrieben werden — von meinen Leuten und 
der ganzen hiesigen Gegend, in der ich allgemeine Liebe geniesse, 
fürchte ich gar nichts — bei unserer Wissenschaft. 

Ich sende Ihnen zwar nur neun Stück, aber ich hoffe, Sie 
sollen Freude daran haben. Sie erhalten erstens Budytes mela- 
nocephalus aus Griechenland. Dieser Vogel unterscheidet sich 
von allen deutschen durch das dunkle, weit herabgehende Schwarz 
des Kopfes und die herrlichen Flügelbinden ; alle, welche ich sah, 
stimmen vollkommen mit einander überein. Zweitens Motacilla 
cervicalis S, ein Vogel, welcher die Art durch das weit herab- 
gehende Schwarz auf dem Rücken und die schönen Flügelbinden 
recht gut charakterisirt. Drittens und viertens Linaria pallida, 
bekommt nie eine echt rothe Brust und erschien im vorigen 
Herbste seit 40 Jahren zum ersten Mal*) in Deutschland. Fünftens 
und sechstens Linaria leucothorax, wird auch nie roth und steht 
sehr nahe der Linaria (Fringilla) borealis, welche wir in Cöthen 
sahen. Ich hätte nicht geglaubt, dass wir sie so bald in Deutsch- 
land haben würden; sie war aber unter den Ungeheuern, hier 
gesehenen Schaaren von Leinzeisigen — ich habe von den 
letzteren KiO Stück präparirt**), von denen viele wenig taugen, 
aber zur Vergleichung wichtig sind — immer selten. Die Haupt- 
resultate meiner grossen Mühe erhalten Sie; ich werde, wenn 
ich noch nach Leipzig kommen kann, eine Suite der Leinzeisige 
mitbringen, welche, wenn sie auch von Manchen, wie die meiner 
Rohrammern, wenig beachtet werden — odi profanum vulgus — 
doch Ihnen und Andern Freude machen würde. Endlich erhalten 
Sie einen Zaunkönig, welcher zwischen dem gewöhnlichen und 
dem Troglodytes Naumanni mitten inne, doch dem letztem näher 
als dem erstem steht. Auch den ächten Trogl. Naumanni habe 
ich hier erhalten und hoffe ihn auch Ihnen verschaffen zu können. 
Machen Ihnen diese Vögel nur einige >Freude , so werde ich 
mich trösten, dass ich Ihnen jetzt nicht mehr senden kann. - 
Die Beilage bitte ich zu besorgen. Der vorige Winter (schon 
der Herbst war in ornithologischer Hinsicht sehr merkwürdig) 



*) Dies ist offenbar der in Lappland und Nordasien lebende kleine 
weissliche Leinzeisig. Siehe den Bericht über meine Sammlung- in Ca- 
banis Journal. v. H. 

**) Der Leser empfängt hier ein Bild von der seltenen Arbeitskraft 
und Ausdauer des g-rossen Mannes. v. H. 



- 70 — 

brachte uns die Leinzeisige und Seidenschwänze in nie gesehener 
Menge*) Von letzteren habe ich 50 Stück ausgestopft. Sehr 
merkwürdig ist es. dass dieses Erscheinen der nordischen Vögel 
mit den häufigen Nordlichtern zusammen trifft ; ich bringe diese 
mit unsern nordischen Vögeln gewiss mit mehr Wahrscheinlich- 
keit als mit den jetzigen Ereignissen, wie Viele tliun, in Ver- 
bindung. Auffallend war es, dass trotz dem tiefgehenden Froste 
(wir hatten ein Mal ^T'^ Kälte) keine seltenen Enten auf unsern 
offenen Gewässern sichtbar wurden. Wie war es bei Ihnen? 
Die Kiefern kreuzschnäbel, welche seit zehn Jahren hier fehlten, 
kommen auch einmal wieder vor. Sie bitte ich dringend, 
wenn Sie einmal wieder Anas dispar und Col. arcticus erhalten, 
beide Arten für mich zurückzulegen, bis ich Ihnen dafür etwas 
Entsprechendes senden kann. Ich erwarte schöne Sachen aus 
Nordamerika und hoffe auch aus Afrika Manches zu bekommen, 
wenn Gott die Eeisenden glücklich zurückführt. 

Nun noch über Ihre Aegialitis (Charadrius) Homeyeri. Unter 
den von Ihrer Güte erhaltenen Vögeln befindet sie sich nicht, 
denn sie hat ganz die Grösse der Hiaticula und ist ganz ent- 
schieden eine richtige Art, was Sie sogleich sehen werden, wenn 
ich sie Ihnen und den andern Ornithologen vorlegen werde. 
Sehen Sie ja zu, dass Sie mir davon noch etwas verschaffen, 
und bringen Sie es mit, damit ich mit dieser Art, die mir schon 
wegen des Namens höchst werth ist, glänzend auftreten kann. 
Wenn Sie nicht kommen, lege ich die Art nicht vor; komme 
wahrscheinlich gar nicht nach Leipzig, denn Ihre Gegenwart 
giebt für mich den Ausschlag. Nun, mein theurer lieber Freund, 
leben Sie wohl, Gott nehme Sie, Ihre Lieben und Ihr Eigen- 
thum in seinen mächtigen Schutz und erhalte mir Ihre Liebe 
in solcher Kraft, in welcher diese gegen Sie hegt 

Ihr 

Brehm. 



*) Dieselbe Erscheinung beobachtete ich in Pommern. Noch fast den 
ganzen April, ja einzeln bis in den Mai, zeigten sich auf den Feldern 
Tausende von Leinzeisigen, die noch in so später Jahreszeit wochenlang 
verweilten. Auch ein Trupp Seidenschwänze wurde noch im Mai. als 
die Bäume schon junges Laub hatten, gesehen. v. H. 



ßenthendorf, den 20. Dezember 1848. 

Verehrter theurer Freund! 

Es ist mir unmöglich, dieses angst- und schreckenvolle Jahr 
ganz zu Ende gehen zu lassen, ohne Ihnen zu schreiben und 
ohne Ihnen meine herzliche Theilnahme an Ihrem neuen Verluste, 
welcher die alte Wunde Ihres gefühlvollen Herzens wieder auf- 
reissen musste, und meine fortdauernde Liebe zu versichern. 

Meine grosse Besorgniss in Bezug auf die afrikanischen 
Reisenden hat die Gnade Gottes grösstentheils von meinem 
Herzen genommen. 

Sie sind unter grossen Gefahren und unter kaum zu ertra- 
genden Entbehrungen vieler Art bis zum 13'^ n. Br. vorgedrungen 
und haben schöne Beobachtungen und Sammlungen gemacht. 
Von Vultur haben Sie 3 bis 4 Arten, unter ihnen V. auricularis 
S et ?, von Aquila die seltene Aq. pennata et minuta erlegt 
und Sumpf- und AVasservögel zu Hunderttausenden am oberen 
Nil stehen sehen. Allein aus diesen Schaaren ist es selbst mit 
der Büchse schwer, Vögel zu schiessen, weil sie äusserst scheu 
sind. 

Mein Sohn versichert, eine neue Blaurake und einen neuen 
Sperling entdeckt zu haben. In Kordofan Avaren sie 3 Monate, 
aber die Hälfte der Zeit krank. Von Charthum, am Zusammen- 
flusse des weissen und blauen Nil, sind sie in 6 1 Tagen ununter- 
brochen den Nil herab nach Cairo, selbst über die Wasserfälle, 
auf vollem, mehrere Stunden breitem Strome herabgefahren. Sie 
betrachten Cairo als halbe Heimath, denn sie waren 2000 Stunden 
von der Heimath entfernt. Dort kamen sie am 27. October an. 
Mein Sohn wird wohl dort bleiben, um eine tüchtige Sammlung 
zu machen. 

Er wird dort ein Schiff und die nöthigen Diener haben. 
Gott nehme ihn in seinen allmächtigen Schutz. In Cairo hatten 
die Reisenden noch von lebenden Thieren 9 Affen, 2 Hj^änen, 
1 wilde Katze, 2 Strausse, i Marabu, 3 Krokodille etc. 

Doch genug davon. Jetzt kommt eine grosse Bitte. Bal- 
damus Naumannia wird ein kurzes Leben haben, denn dieses 
Kind trägt den Keim seines Todes schon in sich. Ihrer Ermun- 
terung gemäss habe ich einen kleinen Aufsatz für dies erste Heft 
ausgearbeitet und werde ihn bald senden, allein diese Zeitschrift 



- 72 — 

stirbt in Kürze. Auch die Isis geht mit diesem Jahre zu Ende. 
Da habe ich einen neuen Plan, weil wir docli eine zoologische 
Zeitschrift haben müssen — eine bloss ornithologische kann sich 
nicht halten — eine solche herauszugeben, wenn ich gehörige 
Mitarbeiter und einen Verleger finde. 

Diese Zeitschrift müsste lauter Originalaufsätze enthalten, 
alle Richtungen vertreten und das Neueste mittheilen. Um die 
Mitarbeiter zu ehren und dem Unternehmen Zutrauen zu er- 
wecken, würden die Xamen derselben auf dem Titel abgedruckt. 
Da bitte ich denn vor Allem um Ihre gütige Theilnahme und 
erwarte Ihre freundliche Zustimmung in Ihrem nächsten lieben 
Briefe. 

Im ersten Hefte würde ich in einer Abhandlung über die 
europäischen Uferpfeifer Aegialitis Boje (Charadrius L.) die 
Aegialitis Homeyeri beschreiben. Ihr Vogel ist — ich weiss es, 
obgleich der Zettel jetzt fehlt — ein Männchen im Hochzeits- 
kleide und auf Rügen, wenn ich mich nicht irre, im Mai erlegt. 
Er ist fast grösser als hiaticula, hat ganz dessen Flügelzeichnung, 
aber den Schnabel, nur länger und auch nach Verhältniss stärker 
als minor. Sehen Sie ja zu, dass Sie mir davon noch etwas 
verschaffen, denn ich wünschte die Beschreibung sogleich mög- 
lichst vollständig zu geben. Wollen Sie den Vogel nun noch 
einmal sehen, dann sende ich ihn das nächste Mal. 

Der diesjährige Herbst Avar so arm an Seltenheiten hier, 
dass ich sehr wünsche, es möchte bei Ihnen anders sein, und 
ich bitte mir darüber in Ihrem nächsten lieben Briefe Auskunft 
aus. Doch gab es auch diesen Herbst wieder viele Schafstelzen 
und unter diesen eine, welche ich Budytes pallidus nenne. — 
Ich werde Ihnen wenigstens ein Exemplar beilegen. 

Für Ihre neue Sendung, von deren baldigem Abgange mir 
Ihr lieber Brief Nachricht giebt, danke ich im Voraus. Nur 
wird meine grosse Freude über dieselbe durch die betrübende 
AVahi'heit niedergehalten, dass ich jetzt nicht im Stande bin, 
sie zu vergelten. Meine längst gehoffte Sendung aus Amerika ist 
auch noch nicht angekommen. 

Erscheint sie aber, dann sollen Sie nicht vergessen werden. 
Es freut mich, Ihnen noch 2 Steinsperlinge senden zu können. 
Diese Thiere sind auch aus der hiesigen Gegend verschwunden, 
wie die kleinen Steinschmätzer; doch hoffe ich Ihnen auch von 
diesen noch ein Paar aus meiner Sammlung auswählen zu können. 



— 73 - 

Sehr leid thiit es mir, class ich Ihnen kein Ei von Cruci- 
rostra pytiopsittacus beilegen kann, denn ich besitze nur ein 
einziges; aber von P^rgita petronia sollen Sie eins erhalten. 

Wir hatten in der ersten Hälfte des December eine so 
milde Witterung, dass am 8. noch eine Motacilla alba bei Jena 
war und die Sommer- und Dungkäfer sich ganz munter zeigten. 
Ein am J7. Dezember erlegter Laninus excubitor hatte Dung- 
käfer und Larven im Magen. 

Nunmehr ist endlich das kleine Kistchen gepackt. Nehmen 
Sie es nicht ungütig, dass ich Ihnen nicht mehr sende. Von 
Eiern erhalten Sie nur von Pyrgita petronia et Curvirostra 
pinetorum. Sie sehen an dem alten Datum der Steinsperlinge 
und Steinschmätzer, dass diese Thiere nicht mehr in hiesigen 
Landen weilen. 

Nun, theurer Freund, leben Sie recht wohl und erhalten 
Sie mir im neuen Jahre Ihre Liebe; die meinige bleibt unver- 
ändert dieselbe und wird es bleiben bis an meinen Tod; denn 
ich bin stets 

Ihr treuer 

B r e h m. 



Vermuthlich April 1848—50. 

Hochverehrter Freund! 

Wenn ich Ihnen für Ihre schöne Sendung erst heute meinen 
herzlichen Dank sage, so glauben Sie ja nicht, dass dies aus 
Mangel an Freude über dieselbe oder aus Undankbarkeit ge- 
schehe. Ich bin in der Fastenzeit so sehr beschäftigt gewesen, 
dass ich nicht im Stande war, nur die tief vergrabene Aegialitis 
Homeyeri aufzufinden, noch weniger etwas für Sie auszu- 
suchen. Seien Sie überzeugt, dass ich mich über Ihre schöne 
Sendung sehr gefreut habe. Besonders lieb war mir auch der 
Circaetor brachydactylus und der Colymbus. Der letztere leider 
ohne ZetteL Ich halte ihn für ein S- Haben Sie die Güte, mir 
zu schreiben, ob Sie etwa das Geschlecht und den Ort, wie die 
Zeit von ihm noch wissen. Ihre Witterungsnachrichten waren 
mir sehr interessant. Sie hatten 20^, wir nur einmal 17^ und 
Petersburg 30^ Kälte. Das Thauwetter trat bei Ihnen ein am 
15., bei uns am 14. Januar. So braucht denn der Thauwind, 



— <4 — 

um 90 Meilen zurückzulegen, 24 Stunden, also ungefähr soviel 
Zeit als ein Dampfzug. A\^enu Sie aber glauben, dass, weil bei 
Ihnen im Herbste keine nordischen Vögel erschienen seien, 
meine Witterungstheorie einen starken Stoss erhalte, so irren 
Sie sich, denn gerade dieser gelinde Winter, in welchem die 
ersten Staare und Lerchen am 21. Februar erschienen, bestätigt 
diese Theorie auf das Vollständigste. Der Frühlingszug ist 
höchst unordentlich und unbedeutend. Die erste Cecropis rustica 
am 2. dieses, und heute hier noch keine herumfliegend zu sehen. 
Am 5. dieses 1 Blaukehlchen und nur hin und wieder eins. So 
in allem üebrigen. 

Ich komme nun zu meiner Sendung. 

Die Aegialitis Homeyeri hat den Schnabel, aber vergrössert, 
von minor, die Grösse und die Flügelzeichnung — das Weiss 
an den Schwungfedern erster Ordnung von hiaticula — , die Kopf- 
zeichnung von cantiaca. Es ist keine Sub-, sondern eine reine 
Species.*) Sehen Sie ja zu, dass Sie noch etwas erlegen, da- 
mit wir sie noch genauer beschreiben können. Es ist mir, da 
er Ihren mir so theuren Namen trägt, ein sehr lieber Vogel. 
Die Rothschwänze sind schöne alte Vögel und die Staare sprechen 
den Charakter der Subspecies recht aus. Die M. sulphurea ist 
ein ganz vollständig vermauserter Vogel und deswegen von be- 
sonderer Schönheit. Auch die M. cervicalis ist als einjähriger 
Vogel recht gut. Besonders interessant wird Ihnen Budytes 
pallidus alt sein. Dieser Vogel ist im Jugendkleide fast ganz 
weiss am Unterkörper, wie Sie ihn schon von mir haben, und 
auch im Hochzeitkleide blass. Ich habe in diesem nur ein ge- 
paartes Paar. Auch von den alten Herbstvögeln erhalten Sie 
aUein etwas. 

Merkwürdig, dass diese Art nur im vorigen Herbste er- 
schien und zwar eine ganze Gesellschaft, "die wir fast aufrieben. 

Das Hauptkennzeichen der alten Vögel ist ausser dem 
blassen Unterkörper die sehr unscheinbare Flügelzeichnung und 



*) Es ist dies allerdings ein eigenthümlicher Vogel . der sich von 
allen Verwandten deutlich unterscheidet und den ich für einen Bastard 
halten möchte, so wenig ich auch geneigt bin, sofort einen Bastard zu 
sehen, wo eine verschiedene Form auftritt, neben der allgemein gekannten. 
Ich habe später auf Hiddensee noch ein zweites Exemplar erhalten, 
welches in seinem ganzen Benehmen den Brutvogel anzeigte und befindet 
sich dasselbe noch in meiner Sammlung:. v. H. 



— iO — 

die dunkle Kopffarbe ; über den Augen eine kleine lichte Binde, 
oder keine. Vielleiclit gelingt es mir im Mai, Frühlingsvögel 
zu erhalten. 

Mein Sohn in Afrika macht auf Kosten des Herrn Baron 
von Müller eine neue Expedition in das Innere von Afrika, wo- 
her er auch mir Manches mitbringen wird. Dann hoffe ich Ihnen 
auch etwas abgeben zu können. Auch von Amerika erwarte 
ich eine Sendung und hoffe mich dankbar beweisen zu können. 
Wann kommen Sie einmal wieder in unsere Nähe? 

Von Baldamus' Zeitschrift habe ich nichts wieder gelesen. 
Wenn nur die Zeiten erst besser werden, dann wollen wir schon 
wirken. Gott erhalte mir nur meinen Afrikaner. 

Empfehlen Sie mich Ihrer verehrten Frau Gemahlin und 
behalten Sie lieb 

Ihren 

Brehm. 

Der Brief muss fort; ich kann ihn nicht noch einmal 
durchlesen. 



^ Renthendorf, am 1(3. August 1850 

Theurer. lieber Freund! 

Nur mit wenigen Worten sage ich Ihnen, dass wir wegen 
des Regens erst gestern hierher zurückgekehrt sind, noch be- 
ständig von Ihnen und Ihrer Gemüthlichkeit sprechen und dem 
lieben Freunde mit allen den Seinen alles Gute wünschen. Die 
Professoren Artus und Falke haben sehr bedauert, Sie nicht 
kennen gelernt zu haben. Wenn Sie unsere Partie auf den 
Fuchsthurm gewusst hätten, wären sie mitgegangen. Gott gebe 
dass sie recht glücklich nach Hause kommen und dass der Stern 
Ihres Lebens, Ihre liebenswürdige Frau Gemahlin, Ihnen nun 
recht hell leuchtend zur Seite stehe. Wir werden Ihre liebe 
Gegenwart nie vergessen und danken Ihnen noch recht herzlich 
für Ihren angenehmen Besuch. Unter herzlichen Grüssen von 
nns Allen an Sie und Ihre verehrte Frau Gemahlin 

Ihr 

Brehm. 



Ren then clor f, am 9. November 1850. 

Tliem-er, lieber Freund! 

EDcllieh finde ich Ihr Kästchen ganz zufällig, und um es 
Ihnen so zu schicken, wie Sie es gepackt haben, setze ich es in 
ein anderes und lege die für Sie bestimmten Vögel bei. Sie 
erhalten ausser denen, die Sie hier erlegt haben, sieben Roth- 
schwänze, vier gelbe Bachstelzen und fünf Meisen, zusammen 
einundzwanzig Stück. Von Bachstelzen würde ich wohl Ihnen 
schönere haben senden können, wenn ich nicht seit dem 19. Sep- 
tember — das war der entsetzliche Tag, welcher uns von Oskars 
Tode in Kenntniss setzte, wie ich Ihnen geschrieben habe — 
alles Jagen unterlassen hätte. Meine und meiner Frau Trauer 
lässt sich bloss von solchen Herzen beurtheilen und mitfühlen, 
welche, wie die Ihrigen, d. h. des Ihren und des Ihrer verehrten 
Frau Gemahlin, sie empfunden haben. Alle Freude ist aus 
unserm Leben genommen, und selbst die Wissenschaft, in welcher 
ich dem Vollendeten überall begegne — viele Stücke meiner 
Sammlung sind von ihm — vermag kaum, mich zu beschäftigen ; 
mit der Freude an ihr ist es aus. Dennoch will ich mir Gewalt 
anthun und Einiges schreiben. — Eine Subspecies, vielleicht 
Species, giebt es von dem schwarzen Rothschwanze im Walde 
und zwar im Xadelwalde, welcher kleiner als die andern ist 
und auch eine andere Zeichnung hat. Ich hoffe, wenn mir der 
Herr Leben und Gesundheit und wieder Kraft giebt, künftiges 
Jahr die Sache aufs Reine zu bringen. Dann bemerke ich über 
die Meisen: Parus perniciosus ist ganz anders als Ihr Parus 
major und der schwedische ; er hat einen viel breitern schwarzen 
Streifen am Vorderkörper und einen anders gefärbten ünter- 
rücken. Von Ihrem Parus major bitte ich mir noch ein Paar 
aus. Parus subpalustris ist etwas kleiner und kurzschnäbliger, 
als der eigentliche schwedische Parus palustris, der bei Ihnen 
vorkommen wird, hier aber sehr selten ist. Parus subpalustris 
ist häufig, wenigstens im Herbst und Winter, doch brütet er 
auch hier. Parus musicus hat einen fahlschwarzen Kopf, roth- 
grau angeflogene Seiten und einen weissen Schein auf dem Flügel, 
welcher von den weisslichen Federrändern herrührt. Er lebt und 
brütet im Nadelwalde; ich besitze ein gepaartes Paar und drei 
Geschwister, alle gleich gefärbt. Ich vermuthe, dass es der in 



/ 



Schweden bei Stockholm gewöhnliche Parus borealis ist; doch 
kann ich das nicht sagen, bevor ich einen aus Schweden erhalten 
haben werde. Mein Parns salicarius, wovon ich künftig bessere 
senden werde, ist grauerund weniger dunkelschwarz auf dem Kopfe. 

Ferner habe ich gefunden , dass es bei Astur palumbarius 
eine Art giebt, deren Weibchen wenig grösser als das Männchen 
ist, aber sein Schwanz ist bedeutend länger. Er kommt bei 
Ihnen vor, doch sind die Männchen sehr selten; ich habe zwei 
Stück von Ihnen, das eine ist von Ihrer lieben Hand mit $ be- 
zeichnet; hier habe ich ihn noch nicht gefunden. Sehr Recht 
hatten Sie, den einen alten braunen Adler aus Egypten 
nicht zu meiner Aquila fusca zu rechnen, der erstere ist ein 
ganz anderer Yogel, o h n e G e 1 b a u f d e m B ü r z e 1 ; ich nenne 
ihn Aquila unicolor. Noch muss ich Ihnen melden, dass mein 
Budytes atricapillus als S im Herbst zuweilen weisse Augen- 
streifen hat. Der sehr dunkle Kopf bleibt aber immer und ist 
ein sicheres Kennzeichen. Endlich füge ich noch hinzu, dass 
unser Parus cristatus viel mehr rothgrau angeflogene Seiten hat, 
als der schwedische. Mewes von Stockholm hat mir geschrieben, 
dass Podiceps arcticus der Sommervogel von Podiceps cornutus 
sei, und er hat Recht. Allein in der Grösse und Schnabelgestalt 
sind diese letztern so verschieden, dass man füglich zwei Arten 
annehmen kann. Hier haben Sie meine ganzen Bemerkungen, 
wenig mit Liebe und in tiefer Trauer. 

Ach! wie glücklich waren wir, als Sie hier waren! Welche 
Trauer ist jetzt bei uns eingezogen! AVie öde erscheint mir 
jetzt Alles. Unser Befinden ist körperlich so gut als es bei so 
grossem Seelenschmerze sein kann. Auch unsere Kinder sind, 
hoffentlich auch der gebeugte Alfred, wohl. Ihren lieben Brief 
an ihn habe ich abgesandt; aber den Zettel mit Ihrem mir so 
theuren Namen und Titel habe ich in meiner Trauer verlegt 
und bitte mir diese Angabe noch einmal aus. Nächstens sollen 
Sie eine Abschrift von Alfreds Briefe, der den traurigen Tod 
Oskars enthält, bekommen. 

Meine Frau empfiehlt sich Ihnen und mit mir Ihrer ver- 
ehrten Frau Gemahlin, die grössern Kinder würden es auch thun, 
wenn sie hier wären, und bitten Gott, dass er Sie alle in seinen 
mächtigen Schutz nehme mit 

Ihrem treuen 

Brehm. 



78 



K e n t h e n d r f , am 11. Deceniber 1850. 

Theuerster Freund ! 

Schon war der beiliegende Brief zum Absenden bereit, als 
Ihre Kiste, welche Ihr Conservator Herr Meyer am 3. dieses 
abgeschickt hatte, ankam. Sie hat mir grosse Freude gemacht 
und verpflichtet mich von Neuem zum herzlichen Danke gegen 
Sie. Sie enthielt einiges mir sehr Willkommene , worauf icli 
gar nicht gerechnet hatte, z. B. Thalassidroma , Föroensis, 
Procellaria hiemalis, Carbo graculus, cormoranus, wahrscheinlich 
aus Griechenland, während Einiges fehlte, was mir Ihre Güte 
zugedacht hatte, als Aquila naevia, Surnia nisoria aus Grönland, 
die röthlichen Weihen etc. und alle Eier, Sobald Ihre Freund- 
schaft mir künftig wieder etwas zusenden wird, bitte ich um 
diese mir sehr wichtigen Vögel, 

Es ist ewig schade, dass die griechischen Sachen so vielen 
Schaden gelitten haben. Ich behalte mir vor, über die gütigst 
gesandten Vögel, wenn ich sie sorgfältig verglichen haben werde, 
mein Urtheil abzugeben; soviel scheint mir aber gewiss, dass 
die Muscicapa, da sie frisch vermausert und doch nicht schwarz- 
rückig ist, von M. atricapilla verschieden ist. Darüber künftig 
mehr, da Sie anderer Meinung sind , denn mit Ihnen zu streiten 
ist meine Freude ; auch bei Col. arcticus, wovon ich mir künftig 
etwas von Ihrer Güte erbitte, kann ich mich nicht überzeugen, 
dass die kleinen, trotz der Eingeweidewürmer, mit den grossen 
eine Art sind. Ich schosr. eine Turteltaube mit zwei grossen 
Bandwürmern; sie war aber so gross als die andern. Doch 
genug des Streites. 

Wir können Sie noch immer nicht vergessen, und bedauern, 
dass Sie damals gerade die schlechte Bauerei trafen; doch war 
es besser, als wenn Sie nach dem 19. September zu uns ge- 
kommen wären. 

Wenn es Ihnen hier nicht ganz missfallen hat, so wieder- 
holen Sie Ihren angenehmen Besuch recht bald; ich hoffe Ihnen 
immer noch etwas zeigen zu können. W^ir haben jetzt herr- 
liches Wetter, schöne helle Tage und kalte Nächte ; doch nichts 
Seltenes. 

Nun, Theuerster, wünsche ich Ihnen, Ihrer liebenswürdigen 
Frau Gemahlin und Ihren lieben Kindern, wie auch Ihren lieben 



- 79 — 

Verwandten ein viel fröhlicheres Christfest, als wir feiern 
können ein recht glückliches neues Jahr und in diesem Ihre 
alte Freundschaft 

Ihrem 

B r e h m. 



Renthendorf, am 23. Februar 1851. 

Theurer Freund! 

Ihren lieben Brief und die schöne ihn begleitende Sendung 
habe ich richtig erhalten und würde Ihnen schon vor einigen 
Tagen meinen Dank dafür ausgesprochen haben, wenn ich nicht 
jeden Tag auf einen Brief von meinem Alfred gehofft hätte. 

Dieser ist endlich gestern angekommen. 

Ich komme nun auf Ihren lieben Brief zurück. Wie Sie 
von einer Schuld sprechen können , die Sie abzutragen hätten, 
begreife ich wirklich nicht; wir sind Ihnen für die schönen 
Tage, welche Sie uns bereitet haben, noch heute dankbar und 
werden sie nie vergessen. Die gütigst übersandten Vögel sind 
mir sehr interessant, vor allem aber die ächte Strix hudsonia, 
L. Darüber einmal mündlich mehr. Der Xumenius arquatus 
aus Algerien nähert sich meinem Xumenis medius aus Griechen- 
land, ist es aber nicht. Die Calandra ebendaher ist eine sehr 
gute Subspecies der südeuropäischen. Von den Rohrweihen ist der 
eine mein Circus fuscus. Der rostfarbige Kornweih ist mir sehr 
interessant; haben Sie die Güte, mir einen gewöhnlich gezeich- 
neten jungen Vogel, aber ein $, mit nächster Sendung zuzuschicken. 
Von hier werde ich Ihnen wenigstens MotaciUa sulphurea, Ruticilla 
tithys und die beiden Sumpfmeisen (Species, nicht Subspecies) 
senden. Der Silberreiher ist meine Herodias Lindermayeri ; der 
Cuculus rufus ist wahrscheinlich ein ? des unsrigen, doch habe 
ich ihn nicht so ganz genau untersucht. Einige Eier, z. B. 
Emberiza melanocephala, kann ich noch nicht gehörig heraus- 
linden. Können Sie mir nicht sagen wie die Eule*) heisst, 
welche der Däne aus Afrika hatte und für europäisch hält ? Ich 
habe ihren Namen vergessen. Für die Eier sage ich Ihnen noch 
meinen ganz besondern Dank; es sind schöne Sachen unter ihnen. 



^) Strix capensis. v. H. 



- 80 - 

Sie wünschen zu wissen, was ich alles brauchen kann. Das ist 
sehr viel. So fehlt mir Aquila brachydactyla S , chrysaetos 
auct. S, Circus palliclus alt (^ et $, alle nordamerikanischen, 
nach Europa sich verirrenden Vögel, Somateria dispar, auch 
einen schönen Cygnus musicus von der grossen und kleinen Art 
könnte ich noch brauchen, den bei Ihnen vorkommenden Anthus 
rupestris, Colymbus arcticus et glacialis, Larus minutus, die 
Lestris etc. Woher ist denn die Muscicapa albicollis und parva, 
welche Sie die Güte hatten mir zu senden? Beide sind mir 
sehr lieb. 

Ich erwarte einen strengen Winter und möchte deswegen 
wohl bei Ihnen an der Küste sein ; da müssen sehr schöne Sachen 
vorkommen. Wie herrlich sind jetzt Ihre Vögel präparirt. Ich 
habe nie etwas so Schönes gesehen, als die Sterna von Ihnen. 
Im Anfange des August erschienen hier (eine grosse Seltenheit) 
T a u s e n d e von Ciconia alba, welche wenig scheu waren, 
und leider haufenweise, soll heissen häufig, geschossen wurden. 
Ich erhielt und präparirte sechs Stück, lauter junge Vögel; 
vielleicht enthielt der ganze Schwärm nur solche. 
Schreiben Sie mir doch, wie es mit dem Vogelzuge bei Ihnen 
steht; daraus kann man sich schon eher etwas nehmen. Anser 
segetum wurde schon vorgestern und auch heute gesehen, sonst 
vier Wochen später; auch ein Anthus aquaticus ist schon be- 
merkt worden. Zeichen eines baldigen Winters. 

Nun, verehrter Freund, leben Sie recht wohl, haben Sie 
nochmals Dank für Ihre viele Güte. Meine Frau und Kinder 
danken herzlich für Ihr gütiges Andenken und empfehlen sich 
Ihnen und mit mir Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin ange- 
legentlichst und ich bin mit alter Liebe 

Ihr 

Brehm. 



Renthendorf bei Triptis, am 10. December 1852. 

Theurer Freund! 
Was werden Sie von mir gedacht haben, dass ich Ihnen 
so lange nicht geschrieben und für die schöne Sendung noch 
nicht gedankt habe? Allein ich würde sogleich bei Ihnen ent- 
schuldigt sein, wenn ich Ihnen sage, ich wusste Ihren jetzigen 



— 81 - 

Wohnort nicht, also auch nicht, wohin ich den Brief senden sollte. 
Ich Itatte deswegen an unsern gemeinschaftlichen Freund, den 
Herrn Baron von Loebenstein geschrieben und erhielt von ihm die 
gewünschte Nachricht zugleich mit Ihrem lieben Briefe. Es ist uns 
AUen sehr erfreulich zu erfahren, dass Sie mit Ihrem Gutskaufe 
zufrieden sind, und mir besonders ist es sehr lieb, dass Sie eine 
Besitzung erlangt haben, auf der es viele Vögel giebt, denn ohne 
diese können wir ja doch nicht leben. Schreiben Sie mir nur, ob 
Sie etwas aus der hiesigen Gegend brauchen könnem Ein schönes 
gepaartes Paar Mot. sulphurea habe ich für Sie geschossen; 
ebenso auch Herbstvögel. Auch verschiedene Arten Sumpfmeisen 
sollen Sie erhalten. Wir senden Ihnen beigehend ein Verzeich- 
niss der afrikanischen Vögel, welche mein Sohn mitgebracht 
hat; wählen Sie nur recht viele aus. Schreiben Sie nur recht 
bald. Seien Sie überzeugt, wenn ich reisen könnte — meine 
Zeit und Geldverhältnisse lassen es nicht zu — würde ich ge- 
wiss zu Ihnen kommen. Dass ich mich aber recht sehr nach 
Ihnen sehne , kann ich Ihnen versichern ; ebenso , dass mein 
Alfred sehnlich wünscht, Ihre Bekanntschaft zu machen. Eein- 
hold hat trotz aller Bemühungen keine Eier des Steinsperlings 
bei Jena erhalten können, ja er versichert mir, nie einen solchen 
Vogel bei den Burgen gesehen zu haben. Sie können überzeugt 
sein, dass ich den interessanten Uferpfeifer zu meinem Aegial 
Homeyeri — an eine Bastardzeugung glaube ich nicht — ge- 
wiss selbst holen würde, wenn mich die oben angeführten Gründe 
nicht davon abhielten: allein sehen muss ich ihn doch und des- 
wegen bitte ich Sie dringend, mir ihn einmal zur Ansicht zu 
senden. Es war sehr, sehr schade, dass Sie nicht in Altenburg 
w^aren. Die Versammlung dort war die zahlreichste und inter- 
essanteste. 

Haben Sie die Güte, das vorstehende Verzeichniss nebst 
dem beiliegenden Brief unserm theuern Freunde Boeck mit- 
zutheilen. 

Wie steht es denn mit Ihrer Naturgeschichte der euro- 
päischen Vögel für Susemihl ? Ich fürchte, was ich auch sogleich 
gegen Sie geäussert habe, dass er es Ihnen machen wird, wie 
er es Brüchen, Schlegeln, mir and Andern gemacht hat. Ich 
muss Ihnen offen sagen, seine Abbildungen gefallen mir doch 
weit weniger, als die unsers Naumann, Derselbe ist in dieser 
Beziehung wohl der vorzüglichste Künstler, welcher lebt. — Sie 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 6 



— 82 -- 

arbeiten ohne Zweifel an Cabanis' Zeitschrift mit; wir haben 
uns auch bei ihr betheiligt, allein ich fürchte, sie wird nicht 
lange bestehen. 

Doch nun, theurer lieber Freund, leben Sie recht wohl und 
glücklich in Ihren neuen Verhältnissen und schreiben Sie mir 
bald wieder. Meine Frau und meine Kinder, besonders die 
grossen Söhne , empfehlen sich Ihnen angelegentlich und mit 
mir Ihrer verehrten Frau Gemahlin. Behalten Sie lieb 

Ihren 

B r e h m. 



Renthendorf, am 10. December 1853. 

Verehrter Freund! 

Seit sehr langer Zeit habe ich nichts von Ihnen gehört 
und gelesen ; da Sie nun wissen, wie lieb wir Sie haben, werden 
Sie es sehr begreiflich finden, wenn ich Sie dringend bitte, uns 
recht bald von Ihrem und der theuern Ihrigen Befinden Nachricht 
zu geben. Diese erwarten sehnlich nicht nur ich, sondern auch 
meine Frau, meine Söhne und meine Tochter. So vielen Bitten 
werden Sie nun nicht widerstehen können, sondern uns Alle 
gewiss bald durch eine erfreuliche Antwort wegen Ihres und der 
lieben Ihrigen Befinden beruhigen. 

Wir sind, Gott sei Dank, ziemlich gesund gewesen, und ich 
habe in den ornithologischen Schätzen, welche mein Sohn mit- 
gebracht hat, sehr gewirthschaftet. Wenn wir die Zusammen- 
kunft des künftigen Jahres in Gotha erleben, hoffe ich manches 
Interessante vorzeigen zu können. Da dürfen Sie aber auf keinen 
Fall fehlen. 

Dass ich Sie nicht in Halberstadt sehen konnte, hat mir 
sehr leid gethan, ergeht mir aber oft so, dass ich meine liebsten 
Wünsche unerfüllt sehen muss. 

Der diesjährige Herbst hat mir wenig gebracht ; einen Vogel 
erhielt ich jedoch am 15. October, welcher mir grosse Freude ge- 
macht hat. Es ist nämlich Curruca ruficapilla (Silvia ruficapilla 
Landbeck). 

Da ich nun den Vogel kenne, habe ich auch ein junges 
und ein altes Männchen unter meinem grossen Vogelvorrathe 
aufgefunden. So Gott will, werde ich diese Gesellschaft mit 



— 83 - 

nach Gotha bringen. Ich freue mich schon jetzt auf die Zu- 
sammenkunft in der Stadt meiner Jugendbildung so sehr, dass 
ich fürchte, es kommt irgend eine betrübende Abhaltung. 

Wie geht es Ihnen in Ihrem jetzigen Wohnorte? Sind Sie 
mit der Veränderung zufrieden und wie steht es mit der orni- 
thologischen Ausbeute ? Schreiben Sie mir ja darüber, denn Sie 
wissen, wie sehr uns aUes interessirt, was Sie angeht. 

Die Bewohner der hiesigen Gegend sind durch den zeitig 
eingetretenen Winter, der schon recht kalte Tage gehabt hat 
— gestern früh hatten wir io*^ — durch die geringe Kartoffel- 
ernte und das theure Brod in grosse Xoth versetzt und wir 
AUe leiden darunter sehr. Wie steht es bei Ihnen? Wie war 
der Herbstzug? Am 5. November war noch eine Rauch- 
schwalbe in Kahla, vor zwölf Tagen noch drei Staare eine 
Stunde von hier. 

Doch nun, verehrter Freund, muss ich zum Schlüsse eilen. 

Wir AUe empfehlen uns Ihnen und Ihrer verehrten Frau 
Gemahlin, wünschen Ihnen vergnügte Feiertage, einen fröhlichen 
Eintritt in das neue Jahr, auch viel Glück in demselben; ich 
aber werde, so lange ich lebe, sein mit alter Liebe und Ver- 
ehrung Ihr 

Brehm. 



Renthendorf bei Triptis, am 3. Mai 1853. 

Verehrter Freund! 

Es ist mir wahrhaft lieb, dass unser Briefwechsel wieder 
lebhafter geworden ist; denn Sie wissen, dass wir, d. h. alle 
Glieder unseres Hauses, Sie wahrhaft lieb haben und deswegen 
sehr ungern öftere Nachricht von Ihrem Befinden vermissen. 
Darum schreiben Sie oft , Sie werden uns AUen dadurch eine 
grosse Freude bereiten. 

Wir hoffen, dass Sie bereits die Kiste mit den gewünschten 
Vögeln erhalten und mit den Exemplaren vollkommen zufrieden 
sein werden. Mein Sohn hat Ihnen die schönsten, welche er 
noch hatte, ausgewählt, und wird Ihnen auch noch eine schöne 
alte Aquila pennata, wenn Sie diese wünschen, ablassen können. 

Wenn Sie mehr von meines Sohnes Vögeln wünschen, 

6* 



— 84 - 

dürfen Sie nur befehlen. Es hat mich sehr gefreut, dass Sie 
Schlegeln etwas rectificirt haben; ich werde es auch thun und 
ihm die geleugnete Frühlingsmauser an vielen aus Afrika mit- 
gebrachten Vögeln, z. B. Budytes, Cyanecula, Totanus etc., deut- 
lich nachweisen. Bei den Seeschwalben aber scheint er Kecht 
zu haben.*) Bei Euplectes ignicolor kann ich die Mauser aus 
dem unscheinbaren in das Prachtkleid auch nachweisen. Schlegel 
ist ein tüchtiger Mann, allein hätte er so viele Vögel geschossen 
und im frischen Zustande untersucht, wie wir, er würde nicht 
solchen Unsinn behauptet haben. 

So geht es aber stets, wenn Jemand für eine Idee ein- 
genommen ist. 

Wenn Sie etwas von hiesigen Vögeln wollen, schreiben Sie 
mir nur; es wird mir zur grössten Freude gereichen, sie Ihnen 
zu senden. 

Sie verzeihen, wenn ich Sie um gütige Zurücksendung von 
Bonapartes Conspectus bitte, wir brauchen ihn nothwendig zur 
Bearbeitung der afrikanischen Vögel. 

Eben erhalte ich das zweite Heft des ornithologischen Jour- 
nals, in welchem sich manches Interessante findet. 

Wir haben hier in dem abscheulichen Nachwinter wenig 
Interessantes gehabt; die Feldlerchen lagen zu Schocken auf den 
Aeckern und kamen so häufig in die Höfe, dass ein Bauer 
17 Stück auf einmal unter einem Siebe fing. Viele Bewohner 
der hiesigen Gegend haben welche durchwintert und sie da^n 
freigelassen ; es sind aber sehr viele umgekommen. Von Heide- 
lerchen war eine hier, welche nicht hier nistet. In Süddeutsch- 
land sollen viele seltene Wasservögel erlegt worden sein. Bei 
Naumann verhungerten die Kraniche, hier liess sich keiner sehen. 
Schreiben Sie mir nur recht viel von Ihrer Gegend, vor allem 
aber von Ihrem Ergehen und dem Befinden der Ihrigen. Hoffent- 
lich kommen Sie nach Halberstadt, wo möglich bin ich auch dort. 
Sie dürfen diesmal nicht fehlen, wie in Altenburg. 

Meine Söhne wollen in Jena alles aufbieten, um Stein- 
sperlingseier zu erhalten; Aielleicht "gelingt es ihnen. 

Meine Frau und meine Söhne, welche Sie hochverehren, 



*) Die von Schrader jun. in Syrien und Aegypten im Winter ge- 
sammelten Vösrel zeisren die Mauser sehr deuthch. -v. H. 



— 85 — 

empfehlen sich Ihnen und mit mir Ihrer hochverehrten Frau 
Gemahlin angelegentlichst, und ich bin mit alter Liebe 

Ihr 

B r e h m. 



Renthendorf, am 2. März 1853. 

Mein theurer Freund! . 

Unter den gepaarten Paaren, welche mein Sohn mitge- 
bracht hat, waren die vorzüglichsten zwei Paare Aquila pennata 
- — eins davon ist nach Berlin gekommen — ein Paar Falco 
tanypterus, ein Paar Falco concolor und ein Paar Grus pavonina. 
Diese habe ich mir gefälligst behalten. Dass unter den mitge- 
kommenen Vögeln manches Neue ist, versteht sich wohl von 
selbst; nächstens und in dem ornithologischen Journal mehr 
darüber. 

Diesen Winter erhielt ich wieder einen Steinsperling 
von der Wölmse, nicht weit von der Lobedaburg, wo wir waren ; 
vielleicht gelingt es, künftiges Frühjahr Eier zu erhalten. 

Wir hatten bis zum 9. Februar gar keinen Schnee ; dann 
aber fing er an und jetzt liegt er, wo er nicht zusammengeweht 
ist, 14 Zoll hoch. Die Vögel leiden sehr. Eine ganz kleine 
Rabenkrähe, welche nur in ganz kalten Wintern erscheint, habe 
ich wieder erhalten, auch schoss mein Alfred eine Telmatias 
septentrionalis ; morgen wollen wir wo möglich einen Anthus 
aquaticus von den Erdmannsdorfer Wiesen, welche Sie kennen, 
holen; dort war auch die Beccassine. Die Amseln sind sehr 
abgemagert, vorzüglich die Weibchen. In der gelinden Witte- 
rung war eine Seh aar Staare eine Stunde von hier und im 
Saalthale, ich sah einen am 11. Februar auf dem hiesigen 
Kirchthurme. Heute fing Certhia brachydactyla eine Fliege, 
welche sie aus einer Ritze des Eckbalkens der hiesigen Pfarr- 
wohnung gezogen hatte. Mein Reinhold schoss im Saalthale 
drei Enten. Von auswärts erhielt ich Aquila leucocephala alt, 
Pelecanus crispus, Vanellus gregarius, Anas albeola etc. Ich 
wünschte sehr, Sie wären einmal hier, da wollten wir recht 
mustern. Noch muss ich Ihnen sagen, dass wir einen ganz 
neuen Adler (der Aquila Bonelli ähnlich) besitzen, einen nied- 
lichen neuen Budytes (Budytes pygmaeus) und vieles Andere. 



— 86 — 

Doch, theurer Freund, das Papier und wahrscheinlich Ihre 
Geduld gehen zu Ende; darum nur noch herzliche Grüsse an 
Sie und Ihre verehrte Frau Gemahlin von uns Allen, besonders 
auch von meiner Frau und von Alfreden, und die Versicherung 
unwandelbarer Liebe von 

Ihrem 

Brehm. 



Renthendorf, am 29. Mai 1854. 

Hochverehrter Freund ! 

Es war sehr zu bedauern, dass Sie nicht in Gotha waren. 

Die Versammlung war ziemlich zahlreich und leidlich hübsch, 
ohne Zank und Streit. Ihren Brief habe ich natürlich vorge- 
lesen und Ihre Vorschläge haben auch Beachtung gefunden. 
Den ersten Tag war Reichenbach, den zweiten ich, den dritten 
Hartlaub Vorsitzender. Das Directorium soll etwas mehr Ge- 
walt bekommen und besteht jetzt aus Naumann, mir und Hart- 
laub. Denken Sie sich , die vor langer Zeit unterzeichneten 
Diplome liegen noch bei Lichtenstein, welcher nicht da war. 
Die SchlegePsche Theorie habe ich so ziemlich zu Grabe ge- 
tragen, üebrigens werde ich mich hüten, künftig wieder viele 
Vögel mitzunehmen. 

Die nächste Versammlung ist Dienstags nach dem Trini- 
tatisfeste in Braunschweig. Ich werde schwerlich dort sein. 

Der Herzog von Koburg-Gotha erschien Dienstags in der 
Versammlung und gab uns Mittwochs in Reinhardsbrunn einen 
Thee; war übrigens wie die Herzogin sehr liebenswürdig. Er 
ist ein grosser Kenner der Ornithologie und kündigte sich mir 
selbst als einen Ornithologen an. Kjärbölling erklärte den Podi- 
ceps arcticus für das Weibchen von Podiceps cornutus und zeigte 
mehrere Exemplare vor; allein ob ich gleich damals nicht 
widersprach, weil ich meine Vögel nicht da hatte, bin ich doch 
fest überzeugt, dass er ganz unrecht hat. Aber Corvus leuco- 
phaeus, den ich zum ersten Male bei ihm sah, ist entschieden 
eine besondere Art ; er hat einen längern Schwanz und w e i t - 
strahlige wollige Federn; der vorgezeigte war ein ein- 
jähriger Vogel. Er hatte auch eine Menge Edelfalken mit. 



— 87 — 

Unter herzlichen Empfehlungen von uns Allen an Sie und 
die verehrten Ihrigen mit alter Liebe und Verehrung 

Ihr 

Brehm. 



E e n t h e n d r f , am 10. Februar 1 858. 

Theurer, verehrter Freund! 

Zuerst meinen herzlichen Dank für Ihre lieben, die herz- 
lichste Theilnahme aussprechenden Briefe. 

Ja Sie und Ihre hochverehrte Frau Gemahlin, Sie beide haben 
ein Recht zu solchen Trauernden, wie wir sind, zu sprechen. Sie 
haben auch die Theure verloren, deren Abwesenheit Sie stets 
schmerzlich empfinden werden. Sie wissen, wie dem blutenden 
Herzen zu Muthe ist, Sie können unsern unendlichen Schmerz 
mitfühlen. Dass Sie mit uns trauern würden, davon, theurer 
Freund, waren wir, meine Frau und ich, schon lange überzeugt. 
Künftig werden wir uns, wie bisher seit der Krankheit und dem 
Tode unserer lieben Tochter, von aller Gesellschaft zurükziehen 
und nur unserm Berufe und dem Andenken unserer lieben 
Tochter, ich aber auch noch der Wissenschaft leben. — 

Auch für Ihre letzte Sendung meinen herzlichen Dank. 
Dass Tichodroma durch Verfärbung die dunkle Kehle bekommt, 
glaube ich nicht, doch würde es zu weit führen, Ihnen jetzt die 
Gründe für meine Meinung aus einander zu setzen. 

Ihrem Wunsche gemäss sende ich Ihnen folgende Vögel, 
nämlich : 



1. Mot. sulphurea S vere. ] 

9 9 gepaart. 



2. 

3. „ „ S auct. 

4. „ „ ? 

5. „ „ S in der Mauser. 

6., 7., 8., 9. als 4 Budjies aus Afrika. 

10. Mot. Budytes Rayi $; wenigstens halte ich sie dafür. 

11. Budytes von hier in der Mauser. 

12. Mot. alba in der Mauser. 

13. Passer domest. in der Mauser. 

14. Gurr, atricapilla in der Mauser. 



- 88 
15. Cyanecula orientalis 



4o .„^ -^ o r in der Mauser. 

10. „ suecica S' J 

17. etc. 11 Stück Buticilla tithys etc. 

Von den letzteren bitte ich besonders den einjährigen 
schwarzen Vogel hoch zu halten, das scheint mir eine ganz 
besondere Art zu sein. Sie ist kleiner als die andere und ihre 
Männchen werden schon im ersten Herbste schwarz. 

Sie sollen künftig ein solches von mir erhalten. 

Es freut mich sehr, Ihnen etwas schicken zu können, was 
Sie interessiren dürfte. Ich habe meiner Frau die Afrikaner 
in der Mauser gezeigt. Sie wunderte sich sehr, dass ich Ihnen 
solches Zeug schicken wollte ; aber noch mehr, als ich behauptete, 
gerade diese würden Ihnen die wichtigsten sein, weil sie Schlegeln 
in Bezug auf die geleugnete Wintermauser vollständig wider- 
legen. Schreiben Sie mir, ob ich in dieser Hinsicht recht ge- 
urtheilt habe. 

Unter den Vögeln der vorigen Sendung war mir Athene 
passerina besonders merkwürdig. Sie ist merklich grösser als 
die andern. Haben Sie von dergleichen Leuten noch etwas, 
dann bitte ich mir es aus. 

Eben erhielt ich einen Brief von meinem Sohn aus Murcia. 

Er schreibt mir, dass Motacilla sulphurea et alba auf den 
Dächern herumlaufen, Rubecuk vulgaris, Saxicola rubicola vor- 
handen, ja sogar eine Jjnx torquilla von ihm gesehen worden 
ist. Schreiben Sie mir doch, ob Sie Eier wünschen, mein Rein- 
hold wird viele sammeln. Auch hofft er mir im Junius eine 
Sendung von werthvoUen Vögeln zu schicken ; von den Doubletten 
derselben haben Sie ein Verzeichniss erhalten. 

Die Jagd ist in Spanien wenig ergiebig und das Leben 
furchtbar theuer. Mit der wissenschaftlichen Ausbeute sind wir 
zufrieden, nicht mit der quantitativen. 

Nun, theurer Freund, bitte ich herzlich und dringend, dass 
Sie in diesem Jahre zu uns kommen. Wir waren so glücklich, 
als Sie hier waren, und werden uns mitten in der Trauer freuen,, 
wenn Sie wieder kommen. Sie kommen also gewiss. Sie sollen 
viel sehen; nun Sie wissen ja gar nicht, wie lange Sie mich 
noch haben. 

Die ganze alte Garde der Ornithologen, mich, den Unglück- 
lichsten unter ihnen, ausgenommen, hat die Sichel des Todes 
gemäht ; denn es sind seit sieben Monaten gestorben : Bonaparte, 



— 89 — 

Naumann, Lichtenstein, Heckel, Seyffertitz, Bruch ('21. December) 
und Temminck vor einigen Tagen. Darum kommen Sie; Ihre 
Anwesenheit wird meiner Frau und mir sehr wohl thun und 
wir wollen Sie mit unsern trüben Gedanken nicht belästigen. 
Ich rechne gewiss auf Ihre Ankunft. 

Meine Frau empfiehlt sich Ihnen und mit mir Ihrer hoch- 
verehrten Frau Gemahlin gehorsamst, bittet mit mir um die 
Fortdauer Ihrer Freundschaft und wünscht, dass Gott Sie noch 
recht lange erhalten möge 

Ihrem 

B r e h m. 

Antworten Sie mir ja bald. 



Renthendorf bei Triptis, 22. Juli 1858. 

Verehrter Freund I 

Sie haben mir auf meinen letzten Brief noch nicht geant- 
wortet und deswegen bin ich ängstlich Ihretwegen; denn ein 
Mann, welcher so viel verloren hat wie ich, fürchtet das 
Schlimmste, wenn die ersehnte Nachricht von einem lieben 
Freunde ausbleibt; darum bitte ich dringend um die Güte, mir 
umgehend zu schreiben, ob Sie vorigen Winter einen 
Brief von mir und eine Vogelkiste erhalten haben oder nicht? 

Im letzteren Falle müsste ich auf der Post Nachfrage 
halten lassen. 

Bei der Versammlung in Harzburg fehlten wir Beide ; doch 
hatte ich, um den Herren eine Unterhaltung zu verschaffen, ein 
Kistchen mit 80 Vögeln hingeschickt, w^elche, wie ich erfahren, 
zur Erheiterung gedient. Was übrigens noch vorgekommen, 
kann ich nicht sagen. Nur so viel weiss ich, dass Gloger an 
Dr. Altum und Baldamus einen Brief voll von Grobheiten in 
Bezug auf mich geschrieben hat. Wie ich zu dieser Ehre komme ^ 
weiss ich nicht; so viel aber kann ich Ihnen sagen, dass ich 
nicht darauf antworten werde, wenn er auch etwas gegen mich 
drucken lässt. Unter andern hat er gemeint, ich solle mir nicht 
einfallen lassen, etwas über die Schonung der Vögel bekannt, 
zu machen, weil ich den Vogelfang geschrieben habe. Trotzdem 
habe ich einen Aufsatz über die Schonung der Singvögel ausge- 



— 90 — 

arbeitet, welchen ich nächstens an Meidinger in Frankfurt 
schicken werde. Uebrigens kann ich Ihnen sagen, dass es bei 
uns traurig aussieht. Der Tod unserer guten Thekla wird nicht 
verschmerzt; dazu kommen Sorgen und Verdriesslichkeiten aller 
Art, dass einem wirklich das Leben verleidet wird. Zu meinem 
Leidwesen schiesse ich nicht mehr. 

Einen Jagdschein kann ich als Geistlicher nicht lösen und 
ob ich gleich die hiesige Jagd mitgepachtet habe, thue ich seit 
dem Anfang von Theklas Krankheit, vom S. März des vorigen 
Jahres, keinen Schuss, wozu mir auch der Muth fehlt, weil ich 
mich auch der Grobheit eines Gensdarmen nicht aussetzen mag. 

Ach, theurer Freund, sonst und jetzt, welch ein Unterschied ! 

Wie glücklich waren wir bei Ihrem Hiersein! Das waren 
herrliche, mir und meiner Frau unvergessliche Tage. 

Sie haben mir schon mehrmals versprochen, mich, Ihren 
alten Freund, der nicht mehr sehr lange auf dieser Erde wan- 
deln wird, noch einmal zu besuchen. Führen Sie doch das ja 
aus, und wo möglich noch diesen Sommer. Ihre Anwesenheit 
würde uns sehr erfreuen. 

Ich schreibe diesen Brief auch mit der Absicht, Sie darum 
Techt dringend zu bitten. Meine Söhne haben mir schon früher 
aufgetragen, sie Ihnen zu empfehlen. 

Alfred ist Lehrer am Gymnasium in Leipzig geworden, 
schriftstellert dabei und hält mit Beifall Vorlesungen. Rein- 
hold ist noch Arzt in Spanien. Alfred hat ein Lüstchen, 
an einer Expedition zur Entdeckung der Nilquellen Antheil zu 
nehmen ; ich danke aber für den Spass ; so lange ich lebe, geht 
er mit meiner Bewilligung nicht nach Afrika. Mündlich mehr 
darüber, denn ich erwarte gewiss, dass Sie kommen und freue 
mich sehr darauf. Dann will ich Ihnen auch recht viel Neues 
erzählen oder richtiger zeigen. Bleiben Sie nur mit den ver- 
ehrten Ihrigen recht gesund. Meine Frau empfiehlt sich Ihnen 
und mit mir Ihrer verehrten Frau Gemahlin, und ich bin mit 
alter Liebe und Treue 

Dir 

Br ehm. 



- 91 — 

Dresden, den 1. December 1845. 

Mein werthester Freund! 
Es ist ein Hauptverdienst der Wissenschaft, dass sie ein 
vereinigendes Band durch alle Stände schlingt und die verschie- 
denartigsten Interessen vereinigt. Seit dem ersten Tage, wo ich 
das Vergnügen hatte, Ihre Bekanntschaft zu machen, fühlte ich 
mich zu Ihnen hingezogen, da die Art und Weise, die Natur 
aufzufassen, bei uns eine so übereinstimmende ist. Besonnene, 
unermüdlicheBeobachtung und unbefangene, aber 
umfassende Verwendung des Erlangten zu klarer 
U eher sieht des Materiales, ist sicher der richtige 
Weg, zur Höhe menschlichen Standpunktes in der 
Natur, im Ganzen wie im Besondern, zu gelangen*), 
und ich denke, er ist der unsere. Haben Sie also zuerst herz- 
lichen Dank für Ihre Zuschrift, welche mir die Ueberzeugung 
giebt, dass es auch Ihr Wunsch ist, vereint im Studium der 
edlen Ornithologie vorzudringen und einander möglichst dabei zu 
unterstützen. Dass Sie ein eifriger Mitarbeiter an der Rhea 
sein wollen, muss mir sehr erwünscht sein ; ich arbeite eifrig an 
Vollendung des ersten Heftes und nur erst, wenn die beiden 
ersten Hefte heraus sein werden, wird sich über sichere Ein- 
richtung derselben etwas festsetzen lassen, da der Verleger erst 
Gewissheit haben muss. dass die Sache Theilnahme findet. Gern 



*) "Wie oft habe ich an diesen Ausspruch Thienemanns mich er- 
innert, der mich gelehrt, durch Zweifel zurAVahrheit zu gelangen. 
Immer bin ich bestrebt gewesen, die eigenen Beobachtungen zu prüfen 
und immer wieder zu prüfen, bis ich dieselben als richtig angenommen, 
und fremde Beobachtungen durfte ich nie auf gutem Grlauben allein an- 
nehmen. AVenn es nun in der heutigen Zeit zu liegen scheint — in der 
Zeit des Dampfes — , dass viele Menschen, auch solche, die sich zu den 
Naturforschern zählen, eine einzige flüchtige Beobachtung für genügend 
erachten, darauf hin einen Lehrsatz zu begründen , so widersprach dies 
stets meinen innersten Grundsätzen so sehr, dass ich mich verj^flichtet 
fühlte, solchem Treiben, auch wenn es unter der Maske grosser Grelehr- 
samkeit auftrat, mit Entschiedenheit entgegen zu treten. Manche Gregner- 
schaft habe ich mir dadurch zugezogen, aber aus manchem anfänglichen 
Gegner ist ein warmer Freund geworden, und die Zahl derjenigen, welche 
mir dauernde Gegner sind, ist verschwindend klein. Mag verletzte Eitel- 
keit, mag die Schärfe meiner Kritik der Grund sein. In meiner Natur 
liegt es nicht, weder kalt noch warm zu sein. v. H. 



..... 92 — 

würde ich an einem Eandbnch der Vögel Europas mitarbeiten, 
wenn ich des Gegenstandes vollkommen Herr wäre; aber gerade 
die bisher noch ungelösten Räthsel sind mir selbst nicht klar, 
und wer sie lösen will, muss eine Reihe von Jahren in Russlands ver- 
schiedenen Theilen verweilen, um die Nachrichten von Pallas zu 
vervollständigen, welche meist nicht ganz genügen. Dies ist be- 
sonders auch mit dem Genus Turdus der Fall, bei dem hielän- 
dische Forschungen und Vergleichungen stets lückenhaft bleiben 
müssen. Es ist wahr, alle unsere Bücher über deutsche und 
europäische Vögel genügen nicht, allein ich glaube auch, dass 
durch eine gut geleitete Zeitschrift für die Ornithologie erst nach 
10— 15 Jahren es möglich sein wird, etwas Vollendetes darinnen 
zu liefern. Das Schlegel' sehe Handbuch geht stark und der 
Herausgeber giebt Alles, was mit einem grossen Museum, wie 
das Leydener, und den bisherigen literarischen Hülfsmitteln ge- 
than werden kann, allein ihm fehlt die ganze Naturbeobachtung, 
und die ist doch auch etwas ! Für die mir gütigst zugesendeten 
Eier danke ich Ihnen sehr. Das Ei von Aquila naevia ist eine 
seltene Varietät. Herr Schilling in Greifswald besitzt ein ähn- 
liches, welches er seinem Aq. altipes (pommerana) zuschreibt. 
Scolopax gallinula*) ist für den Vogel gross, schliesst sich aber 
doch ziemlich an Sc. frenata und gallinago an. Das Exemplar 
meiner Sammlung erhielt ich vom verstorbenen Grafen zu 
Münster, welcher mir versicherte, d e n V o g e 1 beim 
Neste geschossen zu haben. Es weicht von dem Ihrigen 
sehr ab und muss einem andern Vogel angehören. Im nächsten 
Frühjahre werden Sie hoffentlich mehrere erlangen, um die mög- 
lichen Abweichungen kennen zulernen. Das Nest und Ei Nr. 8 
ist auch mir räthselhaft. Fringilla erythrina ist es sicher nicht; 
das Nest stimmt wohl mit dem von Fr. montium, doch steht 
dies stets am Boden, und auch das Ei weicht wenigstens von 
den Exemplaren, welche ich gesehen (wohl an 20 Stück) sehr ab. 
Es ist also doch wohl am Ende nur Fringilla coelebs?**) 



*) Dies Ei war von mir selbst «ifoiiommen und der ausserordentlich 
zahme Vogel mehrmals auf dem Neste beobachtet. v. H. 

**) Das Nest stand im Buchenhochwald in einer ganz jungen, etwa 
fünf Fuss hohen einzelnen Kiefer, etwa drei Fuss vom Boden. Der Vogel 
flog in grosser Ferne al) und zeigte sich trotz langen Harrens nicht 
wieder. Es war ohne .AIoos gebaut , die vier Eier der Fringilla coelebs 
ähnlich. v. H. 



— 93 - 

Phalaropus rufus und Sjlvia fliiviatilis werde ich Ihnen mit 
erster Gelegenheit zusenden, und bitte mir gefälligst aufzugeben, 
was Ihnen sonst von hier an Vögeln und Eiern erwünscht ist. 

Für bevorstehenden Winter wünsche ich Ihnen reiche Aus- 
beute, besonders au Colymbus-Arten, um mit dem Federwechsel 
derselben ins Reine zu kommen. Mit der Versicherung meiner 
vollkommenen Hochachtung bin ich 

Ihr ergebenster 

L. Thienemann. 



Dresden, den J4. August 1846. 

Mein werthester Freund! 
Soeben erhalte ich durch Herrn Götz Ihren lieben Brief 
vom 25. Januar ! ! ! welcher sich unglücklicherweise so unter 
das Werg versteckt hatte, dass er ihn erst jetzt zufällig bei 
einer Verpackung auffand. So sind wir gegenseitig an einander 
etwas irre geworden, was hoffentlich in Zukunft nicht wieder 
der FaU sein wird. Zuerst will ich nun den späten, aber doch 
sehr willkommenen Ankömmling der Reihe nach beantworten. 
Ihre Beiträge zu Schlegels Krit. Uebersicht habe ich noch nicht 
gelesen, wohin haben Sie dieselben gegeben? Haben Sie die 
Revision des Genus Turdus zum Drucke fertig und ist sie nicht 
zu umfangreich, so kann sie noch dem ersten Hefte der Rhea 
beigegeben werden, welches leider noch nicht ganz gedruckt 
ist. Ich habe darin eine Abhandlung über die Jagdfalken ge- 
geben, w^elche mir mehr Mühe machte als ich zuerst glaubte. 
Ich musste eine Reise nach Mainz und Frankfurt machen, ich 
musste die Zusendung von lebenden Exemplaren des Falco 
cyanopus (lanarius) Fall abwarten, was mich Alles so lange hin- 
hielt. Die Rhea soUte den Anzeiger unserer diesjährigen Ver- 
sammlung machen, v>as nun zu spät wird, weshalb ich in die 
gelesensten Zeitungen dieselbe habe einrücken lassen, damit 
unsere diesjährige Zusammenkunft durch vielseitige Theilnahme 
recht interessant werde. Beharren Sie auf Ihrem Vorsatze, 
eine Xaturgeschichte der europäischen Vögel zu geben, so werde 
ich natürlich nicht länger etwas dagegen haben. Mir scheint es 
freilich gerathener, nur das ausführlich zu geben, was auf ge- 
wisse Weise erschöpfend genannt werden kann. Bei den meisten 



— 94 — 

Arten werden Sie doch nur das geben können, was man bereits 
weiss, höchstens mit Beigabe einer kleinen Nüancirung, deren 
in der Natur unendlich viele möglich sind. Bei den wenigsten 
Arten werden wirkliche Berichtigungen möglich sein. Das Werk 
muss voluminös werden, wenn es der Wissenschaft genügen 
soll, es muss schöne Abbildungen enthalten, wenn es verständ- 
lich werden soll und dann wird es theuer und kauft es niemand. 
Ich glaube nicht, dass Schlegel mit Susemihl zu Stande kommt ; 
es ist dies Werk weit vollständiger, viele Abbildungen auch 
besser als bei den Vorgängern, lässt aber doch noch viel zu 
wünschen, weil es jetzt noch nicht möglich ist, etwas Vollstän- 
diges zu geben. Nun Sie kommen ja doch bald nach Dresden, 
und dann wollen wir über den Gegenstand weiter sprechen. 
Eaben Sie denn über die Kohrsänger viel gesammelt? Was 
halten Sie von S. palustris, ist sie als Species verschieden von 
arundinacea ? Ich linde in Nest und Eiern so viele Uebergänge, 
dass ich ganz irre geworden bin. .Und S. pinetorum Brehm steht 
wieder zwischen beiden ! Sie trennen Syl. aquatica und cariceti*) 
noch; ich glaube doch, dass Schlegel hierbei Recht hati Für 
die Auskunft, die Sie mir über Aq. naevia und Scolopax gallinula 
geben, danke ich recht sehr; über letztere, sowie über Totanus 
ochropus haben Sie wohl die Güte, mir eine kleine Notiz hin- 
sichtlich des Eortpflanzungsgeschäfts aufzusetzen. 

Eine Zusendung mache ich Ihnen nun nicht ; Sie mögen 
sich hier selbst auswählen, was Ihnen besonders erwünscht ist, 
und Sie bringen w^ohl auch gefälligst mit, was Sie von Nestern 
und Eiern für mich eingesammelt haben. Mit meinem Eierwerke 
geht es auch langsam ; theils fördern die Künstler nicht, theils 
verfahre ich so kritisch, dass ich an einem anscheinend kleinen 
Gegenstande oft wochenlang arbeite, ehe ich zum Abschlüsse 
schreite. Dafür glaube ich aber auch auf die Dauer zu arbeiten, 
was auch nöthig ist, da ich schwerlich auf einen Nachfolger 
rechnen kann, der den Gegenstand wieder nach dem ganzen 
Umfange aufnehmen wird und ihn mit gleicher Befähigung zu 
handhaben versteht. Meine Sammlung zählt nun weit über 900 
bestimmte Species Eier und über 1000 Stück Nester; es fehlt 



*) Hier war Thienemann im Irrthum. Schon damals konnte ich 
Naumann überzeugen, dass beide vermeintlichen Formen nur verschiedene 
Zustände, nach Alter und Jahreszeit, seien. v. H. 



— 95 — 

ihr sonacli au Vollständigkeit noch viel, aber sie enthält doch 
Repräsentanten der wichtigsten Geschlechter und, was das Wich- 
tigste ist, die meisten Arten in grosser Reihenfolge, ohne 
welche bei keinem Naturkörper der Standpunkt 
mit Sicherheit anzugeben ist. Ich lege Ihnen die Zeit 
unserer Versammlung gedruckt bei, damit Sie dieselbe Ihrem 
Kalender anheften mögen, um zu rechter Zeit auf dem Platze 
zu sein. Sie werden gewiss dafür Sorge tragen, dass Sie uns 
nebst einigen schönen Abhandlungen auch wieder viel Sehens- 
werthes mitbringen ! 

Mit der Versicherung meiner vollsten Hochachtung und 
inniger Ergebenheit 

ganz der Ihre 

L. Thienemann. 



Dresden, den 22. Februar 1847. 

Mein theuerster Freund! 
Es war mir sehr erfreulich, wieder eine beruhigende Zu- 
schrift von Ihnen zu erhalten, auf die ich so lange vergebens 
gehoftt hatte. Um desto angenehmer war es mir, von Ihnen zu er- 
fahren, dass sich die Liebe zu der schönen Naturwissenschaft bei 
Ihnen noch mehr befestigt hat; sie ist es in der That einzig, die uns 
innere Ruhe gewährt, ohne welche Zufriedenheit mit den irdischen 
Verhältnissen nicht zu Stande kommt. Ich bin nun schon in die 
höhern Jahre vorgerückt und habe die FJrfahrungen eines Lebens 
vor mir, dessen Existenz sich nur weniger Lichtblicke einer 
freundlichem Sonne zu erfreuen hatte. Auf beiden Schultern 
schwer belastet, konnte ich, im Drange nach Erkenntniss und 
Wissen, nur mit grosser Beschwerde und langsam vorrücken, 
allein immer belebte die Liebe zu der Natur die gesunkenen 
Kräfte, und ich hatte die Freude, auf dem lichten Gipfel der 
Wissenschaft das Leben in seinem verzweigten Gewirre zu über- 
schauen ! Dadurch gewann ich die innere Ruhe , die es mir 
möglich macht, mit Gelassenheit die nach aussen anscheinend 
verfehlte Lebensrichtung zu ertragen und bei meiner so sehr 
zerstörten Gesundheit doch noch Einiges zur Förderung der 
Wissenschaft zu leisten. Dort ward mir auch das räthselhafte 
Wesen des Instincts deutlich, was man nur dann verstehen kann» 



— 96 — 

wenn man eingesehen hat, dass es nur ein zusammenhängendes 
und untheilbares geistiges Princip geben kann, von dem alles 
gesondert Geistige nur gewissermassen abgeschnürt ist. Dies 
unbewusste Durchdringen der Abschnürungsstelle nennen wir mit 
jenem Xamen. Wären wir so nahe Xachbarn, dass wir jede 
Woche ein paar Mal zusammenkommen könnten, so würde es 
mir ein grosser Genuss sein , Ihnen hier und da den Schleier 
der Wahrheit lüften zu helfen ; aber dies geht leider nur münd- 
lich, da der Buchstabe tödtet. — Aller Anschein eines gelinden 
Winters, aus der Vogelwelt entnommen, hat sich auch hier be- 
stätigt. Nur erst im Februar erschienen Schneeammern, als 
Zeichen, dass im höhern Norden wenigstens sehr starker Schnee- 
fall*) gewesen sein muss. Die Lerchen singen nun schon seit 
acht Tagen, wo sich die Elbe ihres Eises entledigt, und Staare 
sind in Schaaren zurückgekehrt, doch haben wir heut Morgen 
noch 6^^ Frost und in den Bergen liegt frischer, glänzender 
Schnee. Es sind diesen Winter in der Umgegend ziemlich viele 
xidler, fulvus und albicilla, erlegt worden ; von ersterer Art über- 
traf ein Weibchen das andere fast um das Doppelte im Gewicht 
und hatte auch viel grössere Dimensionen, obgleich es wohl nur 
ein Jahr älter war. Ich bin gespannt, ob sich bei Vergieichung 
vieler Exemplare Falco chrysaetus und clanga halten werden, 
deren Unterschiede im Ganzen doch etwas sehr subtil sind. Die 
Engländer behaupten, dass ihr Steinadler im Alter das Weiss im 
Schwänze ganz verliere, und dann fiele das Hauptunterscheidungs- 
zeicheu weg. Beobachtungen in der Gefangenschaft 
sind nicht sicher! Ist Ihr gedrucktes Verzeichniss neu? 
Dann würde es mich wundern, dass Sie so viele in dem meinigen 
enthaltene Berichtigungen nicht benutzt haben, die sich besonders 
auf Priorität der Namen beziehen, worüber man jetzt doch so 
ziemlich überall einverstanden ist**). Ueber Annahme des einen 
oder andern Genus rede ich mit Niemandem, darüber wird nie 
ein Einverständniss zu Stande kommen. Dass aber meine folge- 
rechte und wissenschaftliche Anordnung des Systems die alte, 
ganz unlogische allmählich verdrängen werde , bin ich über- 



*J Es ist mir öfters vorgekommen, dass hoch nordische AVanderer zu- 
erst im Februar — dann aber schon auf dem Rückzuofe — bemerkt sind, 
und so möchte ich auch klauben, dass die Schneeammern auf dem Wege 
in ihre Heimat gewesen sind. v. H. 

**) Schon damals folgte ich nicht allen Prioritäten. v. H. 



— 97 - 

2eugt. Dass ich Sie am meisten um den Besitz von Colymbus 
arcticus beneide, haben Sie schon selbst geglaubt, doch ist sein 
Nisten unter Ihrer Belegenheit nicht undenkbar. Schon im süd- 
lichsten Norwegen fand ich ihn als Nistvogel und sah sein dort 
gesammeltes Ei, welches im ersten Eierwerke abgebildet ist. 
Ist es möglich, dass Sie ein zweites Exemplar für mich erlangen 
liönnen, so würde mir damit ein grosser Gefallen geschehen. 
Uebrigens sehe ich aus Ihrem Eierverzeichnisse, dass Sie bisher 
noch keine grosse Sorgfalt auf Erlangung von Nestern und Eiern 
verwendet haben. Ich würde im Stande sein, viele Ihrer Lücken 
auszufüllen, wenn Ihnen ein besonderer Dienst damit geschähe; 
iv^oUen Sie aber lieber Vögel haben, so werde ich auch die zu 
verschaffen suchen. Ich war diesen Winter so glücklich, aus 
der astrachanischen Steppe eine grosse Eiersendung zu erhalten, 
wo neben vielen auch bei uns häufigen Arten auch Muscicapa 
parva, Sturnus unicolor^) et roseus, Sylvia lanceolata, Saxicola 
leucomela, Alauda tatarica, Emberiza caesia**), Columba livia 
Otis tetrax, Numenius tenuirortris, Glariola melanoptera (Pallasii 
ist neuer und deshalb zu verwerfen !). Larus ichtyaetus et minutus, 
Cygnus olor wild, Anas mersa et rufina sich befand : ein Zuwachs 
meiner Sammlung, der sehr willkommen war! Das neue Früh- 
jahr bringt nun wieder neue Hoffnungen, und so lege ich denn 
auch für Sie ein Desideraten-Verzeichniss von Nestern und Eiern 
bei; ob es Ihnen gelingen wird, das Eine oder Andere selbiger 
aufzufinden ? Charadrius squatarola nistet zuverlässig auf Oeland, 
wahrscheinlich auch Larus minutus. Sollte denn x'^.nas clangula***j 
nicht bei Ihnen brüten? Naumann behauptet doch, dass sie 
früher sogar schon in seiner Umgegend genistet habe. Nach 
Corvus curyocatactes werde ich, so Gott will, dies Frühjahr 
selbst nach den Sudeten reisen, vielleicht, dass es mir gelingt, 
zu dem schönen Neste die so sehr vermissten Eier zu finden. 
Die europäischen Arten versammeln sich ja allmählich immer 
vollständiger, vielleicht dass ich auch von diesem Vogel noch 
mit leiblichen Augen die Eier schauen kann. Von ausländischen 
Arten habe ich wieder viele erhalten. 

Ich arbeite nun an der Herausgabe von Rhea, zweites 
Heft. Noch ist Alles willkommen , was Sie mir binnen heute 



*) Hat sich nicht bestätigt. v. H. 

**) Ist Emberiza hortulana. v. H. 

***) Ist später von Wiese aufgefunden. v. H. 

Homeyer, Ornitholog. Briefe. 7 



— 98 — 

und vier Wochen zuschicken wollen. Auf die Drosseln aber ist 
besonders gerechnet. 

Mit der Versicherung treuester Ergebenheit 

Ihr 

L. Thienemann, 



Dresden, den 10. August 1847. 

Mein theuerster Freund! 

Von einer kleinen Excursion nach dem Rheine zurückgekehrt, 
erhielt ich erst heute Ihre so augenehme Zuschrift und sage 
Ihnen für dieselbe wie für gütigst beigefügte Eier meinen besten 
Dank. Was Sie wegen Ausbleibens bei nächster Zusammen- 
kunft schreiben, habe ich sogleich durchstrichen; Sie müssen 
auf jeden Fall kommen, damit unser gewiss recht wohlthätiges- 
ünteruehmen nicht ins Stocken gerathe! Was hilft das Aus- 
posaunen der Zusammenkunft in allen möglichen Blättern, wenn 
Männer wie vSie nicht Theil nehmen wollen? Nur durch inni- 
ges Zusammenhalten und ruhiges Verfolgen des eingeschlageneu 
Weges werden wir allmählich Einheit in das Betreiben unserer 
Wissenschaft bringen und sie so ihrer Vollendung entgegen führen ! 

Das Ei von Col. arcticus ist mir sehr wichtig, es gilt zwar 
von ihm der Ausspruch über die Helena: gelegentlich nimmt 
jeder sich das Beste, wir halten uns an diese schönen Reste*). 
Vielleicht finden Sie im nächsten Jahre Gelegenheit, noch ein 
vollständiges Exemplar für mich zu acquiriren. Die Eier von. 
Totanus ochropus sind etwas kleiner als meine englischen Exem- 
plare, ich setze aber keinen Zweifel in ihre Echtheit, da Sie 
dieselben selbst ausgenommen haben. In dem Wachholderbusche 
muss doch eine Masse Genist**) gelegen haben, welches den Vogel 
bewogen hat, so hoch über dem Boden zu bauen. Falco gentilis 
ist eine schöne Abänderung ; schade, dass das Ei so sehr gelitten 
hat. Falco naevius giebt sich Mühe, dem Bussard zu gleichen ; 
das kleine Exemplar ist docli eine merkwürdig kleine Abänderung ! 



*) Thienemanns Ausspruch war wohl begründet. Indessen lag es 
nicht in meiner Macht, augenblicklich Besseres zu geben — was später 
geschah — und die Reste gaben immerhin ein Bild des Eies , was für 
Thienemann von Werth war. v. H. 

**) Ein altes Schwanzdrosselnest in der Spitze des Busches. v. H. 



- 99 - 

Wegen Larus minutus möchte ich Sie wohl etwas ausschmälen ! 
Sie waren am Brüteplatze, erlegten die alten Vögel, erhielten 
die Eier derselben und wollen von mir ein sichres Exemplar zur 
Bestimmung derselben erhalten*)! Ich hatte mein Vertraue^ 
allein auf Sie gesetzt, um über diese Art in Gewissheit zu 
kommen imd sichere Exemplare zu erhalten, und Sie haben die 
Gelegenheit nicht besser wahrgenommen. Zur Strafe werden Sie 
nächstes Jahr noch einmal den Nistplatz besuchen müssen. In 
Taurien haben Sie bessere Verbindung als ich ; wenigstens glaube 
ich, dass Sie bei der unangenehmen Actienangelegenheit noch 
stärker betheiligt sind als ich; allein es scheint nicht, als ob 
wir irgend etwas von dort erhalten würden. Meine vorjährige 
Eiersendung erhielt ich aus der astrachanischen Steppe, ich 
werde dorthin Aufträge nach Bälgen seltenerer xlrten geben, 
kann aber keine feste Hoffnung darauf machen. 

Ihre Eiersammlung ist ja vortrefflich gediehen, und ich 
werde Mühe haben, Ihnen etwas Fehlendes auszusuchen. Folgende 
Arten will ich Ihnen nach Halle mitbringen: 1. Strix funerea, 
2. Lanius personatus, 3. Turdus migratorius, 4. Sylvia fluviatilis, 
5. S. olivetorum, 6. Loxia curvirostra, 7. Mergus cucullatus, 
8. Anas Barrowii, 9. An. marila ; da ich nicht von der Hoffnung 
abstehe, den 27. September, als am Vorabend der Versammlung, 
Sie daselbst zu begrüssen. Also auf vergnügtes Wiedersehen! 

Mit voller Ergebenheit ganz Ihr 

L. Thienemann. 

Die beiden ersten Hefte des Eierwerkes werde ich ebenfalls 
mitbringen. 



*) Die Beobachtung des Vogels auf dem Neste ist bei den See- 
schwalben, Lachmöven etc. leider nicht möglich. Als ich 1845 auf dem 
Draussensee war, lebte ein einziges Paar von Larus minutus unter meh- 
reren hundert Paaren von Sterna hirundo und Tausenden von Larus 
ridibundus. 

Die Zwergmöve hielt sich unter den Seeschwalben und natürlich 
konnte der Platz des Nestes nur ungefähr ermittelt werden. Ich erlangte 
beide Alten und sah mich nun nach den Eiern um, ermittelte auch ein 
Nest, welches ich dafür hielt, aber die Eier waren manchen der Sterna 
hirundo sehr ähnlich und ich beschloss, die Eier bis zum folgenden Morgen 
liegen zu lassen, um dann zu untersuchen, ob dieselben kalt wären, was 
ein ferneres Zeugniss abgab für Larus minutus, denn nur diese war ge- 
schossen, keine Seeschwalbe. 

Am folgenden Morgen wurden die Eier kalt befunden, während 
alle Eier in den Nestern der Umgebung warm waren. v. H. 



— 100 — 

Dresden, den 26. Februar 1849. 

Mein werthester Freund! 

Nur um nicht mit leeren Händen bei Ihnen zu erscheinen, habe 
ich so lange angestanden, Ihnen zu schreiben, und das zweite 
Heft der Forti)flanzungsgeschichte sollte schon zu Michaelis fertig 
sein, doch habe ich es erst in diesen Tagen erhalten. Bei den 
ungünstigen Zeitverhältnissen habe ich mit der Heraus- 
gabe des zweiten Heftes gezögert, doch ist nunmehr der Druck 
desselben bald beendet, und Sie erhalten daher Ihre Drosseln erst 
gedruckt wieder. Ihren Zweck, eine vorläufige Uebersicht des 
Genus zu geben, erfüllt die Abhandlung vollkommen. Das dritte 
Heft der Ehea wird vielleicht auch noch in diesem Jahre fertig. 
Haben Sie irgend etwas mitzutlieilen, so erbitte ich mir dasselbe 
zu diesem Behufe. Wie steht es denn mit der Ornithologen- 
Versammlung ? Sie haben sich wohl davon losgesagt ! Dass Sie 
einen Ausflug beabsichtigen, ist sehr schön, ich möchte am 
liebsten ganz und recht weit fort, um unseren 
widerwärtigen Zuständen zu entgehen, allein man 
hängt in ehernen Ketten! Wird es bei Ihnen damit Ernst, so ist 
Finnland der einzige Punkt, den Sie mit Vortheil wählen können, 
Sie müssten denn Ihre Keise bis zum nördlichen Ural ausdehnen, 
um die Brüfceplätze von Ampelis garrulus zu erreichen. Charadrius 
squatarola et morinellus, Limosa rufa, Totanus fuscus et giottis, 
Tringa subarquata, minuta, Temminkii, Mergus merganser et 
albellus, Anas Stelleri und andere seltene Gegenstände würden 
dabei zu erbeuten sein. 

Bei mir ist viel Neues eingegangen, und die Lücken in den 
Europäern füllen sich allmählich immer mehr aus. Von Drosseln 
erhielt ich nebst dem Eie auch den noch fast ganz unbekannten 
Turdus labradorus Gm., ein Vogel, welcher sich zu Turdus 
Sibiriens ganz verhält, wie Corvus corone zu cornix. Es muss 
diese Drossel in Nordamerika sehr selten sein, da sie nicht 
einmal Audubon erwähnt. Ich habe Männchen und Weibchen ! 
Die Tafeln für das Eierwerk sind nun bis 55 fertig und mit 
den Geiern die Landvögel abgeschlossen ; noch bin ich der frohen 
Hoffnung, das schwierige Unternehmen dem bestimmten Ziele 
zuführen zu können. In meiner Familie habe ich zwar keine 
so herben Verluste zu beklagen als Sie, allein wir sind fast 



— 101 — 

stets alle mehr oder weniger leidend, was auch die festeste Ge- 
sinnung wenigstens zu Zeiten mürbe macht. Die helleren, 
wärmeren Tage bringen wieder einige Lebenslust, und der 
muntere Staaren- und Lerchengesang ermangelt nicht, auch das 
Gemüth zu ermuntern — halt aus bis zur Ablösung in 
Erfüllung deines Auftrages! 

Leben Sie recht wohl und erfreuen Sie mich bald wieder 
mit einer angenehmen Zuschrift. 

Ihr 
L. Thienemann. 



Mein theuerster Freund! 

Es war mir sehr erfreulich , in dieser trüben Zeit Ihren 
lieben Brief zu erhalten, der, voU von wissenschaftlichem Inter- 
esse, mich lebhaft angezogen hat, und den ich der Reihenfolge 
nach beantworten will. Wegen Sylvia palustris, pinetorum und 
arundinacea will ich mit Ihnen nicht disputiren; früher hielt 
ich sie für verschiedene Arten, da mein Gesichtskreis noch be- 
schränkter war; jetzt, da ich diese Vögel in ihrer weitesten 
Verbreitung und unter den verschiedensten Verhältnissen kennen 
gelernt habe, ist in mir die üeberzeugung fest geworden, dass 
es doch nur eine und dieselbe Art sei. Von Sylvia suecica 
habe ich nie gefüllte Eier vor mir gehabt, und so ist die Grund- 
farbe auf der Abbildung allerdings etwas blass gerathen, stimmt 
jedoch ganz mit lappländischen Exemplaren. Die Drosseleier 
habe ich meist frisch gehabt und auch hierbei den ausserordent- 
lichen Farbenunterschied bemerkt. Doch kommen auch da schon 
ganz anders gefärbte vor. Dass Sie Anthus campestris als Brut- 
vogel haben , ist mir sehr angenehm und ich erbitte mir wo 
möglich einige Nester mit Eiern. Das eine mir gefälligst über- 
sandte blassere kann ich jedoch nicht von sichern Exemplaren 
der Alauda arborea unterscheiden. Haben Sie das dazu gehörige 
Xest noch, so wird dies am besten Ausweis geben. Dass Sie 
das Nestchen von Muscicapa parva gefunden, freut mich sehr; 
ich habe davon auch zwei erhalten, die ausserordentlich schön 
sind. Die südlichen Exemplare der Eier sind ebenso viel leb- 
hafter gefärbt als die Kehle der Männchen. Abbildung b, c 
der Tafel 29 sind richtig, a unsicher. Das Ei von Coracias 
garrula ist sehr gross. Von Parus palustris kann ich ein sicheres 



- 102 - 

Nest mit Eiern gebrauchen. Wegen des Nestes von Parus 
cristatus wäre es sehr wichtig zu wissen, ob der Anfang dazu 
nicht von Fringilla coelebs gemacht sei? Ich besitze auch ein 
freigebautes Nest dieser Art, welches aber im Aeussern auch 
ziemlich kunstlos und locker ist. 

Wenn Sie mir gefälligst eine Zusendung von Nestern und 
Eiern Ihrer Sammlung machen wollen, so erbitte ich mir besonders 
sichere und auffallende Abänderungen. Was Sie nicht abzugeben 
haben, sende ich Ihnen nach Benutzung zurück. Zugleich erbitte 
ich mir dann ein Verzeichniss Ihrer Desideraten, um Ihnen eine 
Gegensendung machen zu können. Die Ehea II. ist endlich 
fertig und ich sende Ihnen vier Exemplare davon. 

Wie steht es denn mit einer diesjährigen Versammlung? 
Würden Sie theilnehmen und Herr Prediger Bock? Nur wenn 
etwas zahlreichere Theilnehmer zu kommen versprechen, gehe ich 
darauf ein, da es mir stets einen ansehnlichen Aufwand von 
Zeit und Geld kostet, und ich beides stark zu berücksichtigen 
nöthig habe. Manch angenehmer Ornithologen-Besuch hat mich 
in diesem Sommer erfreut, als Conservator Mewes aus Stock- 
holm, Apotheker Bädecker aus Witten, Dr. Lindermayer aus 
Athen und Baron von Müller, der Afrikaner. Herr Mewes hat 
Muscicapa albicollis noch auf Gottland nistend gefunden. Haben 
Sie von dieser Art ein sicheres Nest und Eier, so würde ich 
darum bitten. Mit den Eiern von Corvus corj^ocatactes hat es 
in diesem Jahre wieder nicht glücken wollen. Ich war selbst 
im Riesengebirge und fand den Vogel auf, allein die Witterung 
war zu ungünstig, so dass ich mir ein heftiges Fieber zuzog 
und unverrichteter Sache zurückkehren musste. Noch Ende April 
war im ganzen Gebirge vollkommene Schlittenbahn und der 
Schnee wird auf dem Kamme wohl jetzt noch nicht verschwunden 
sein, da wir in unserm warmen Elbthale noch Anfang Juli 
Nachtfröste hatten. Doch glaube ich auf einen guten Nach- 
sommer rechnen zu dürfen, da Hirundo rustica erst kürzlich 
noch zu einer zweiten Brut geschritten ist. Cypselus murarius 
hingegen hat uns schon verlassen und Oriolus galbula stimmt 
auch schon sein Abschiedslied an. — Hinsichtlich der Fort- 
pflanzungsgeschichte fange ich nun an zu hoffen, dass ich die 
Vollendung erleben werde, da ich 60 Tafeln fertig habe und 
auf diesen den schwierigsten Theil des Ganzen. Die nächsten 
beiden Tafeln werden die Genera Tringa und Totanus enthalten. 



— 103 — 

wo freilich manclie fühlbare Lücken bleiben müssen, da ich zu 
gebrechlich zu weiteren Reisen bin, und sich ausserdem Nie- 
mand finden will, der die beschwerliche Tour in das Paradies 
dieser Vögel unternähme. Möglich, dass Herr von Middendorff 
in Petersburg manches hierher Gehörige mitgebracht hat, allein 
ich habe von ihm auf mehrfache Anfrage keine Antwort erhalten. 
Es ist mir wenigstens angenehm . dass ich das Ei des sehr 
grossen Totanus semipalmatus besitze, welches in der Grösse 
dem von Numenius phaeopus gleichkommt, während die Eier 
von Totanus fuscus und glottis nicht viel grösser sind als von 
Tot. calidris. 

Recht sehr hoffe ich auf baldige erfreuliche Antwort von 
Ihnen und bleibe mit der Versicherung aufrichtigster Ergebenheit 
ganz der Ihre 

L. Thienemann. 

Dresden, den 1. August 1849. 



Dr. Radde an E. F. t. Homeyer. 

Tiflis, P^*?^ 1880. 
9. November 

Theuerster Freund und Gönner! 

Vielen Dank sage ich Ihnen für den so wohlwollenden Brief 
und das Interesse an meinem ganzen Sein. Ich habe in der 
That, wenn ich zurückdenke an die Sonnabend - Nachmittage in 
des seligen Böck's Ausstopfzimmer, wo ich Sie auch einmal kennen 
lernte, schöne Erfolge aufzuweisen und komme auch noch immer 
weiter, wenn der liebe Herrgott mir Gesundheit schenkt. 

Erst seit December arbeite ich wieder an der Ornis und gehe 
dann successive an die üeberarbeitung der Systematik, indem 
ich jedwede Species dann zum Abschluss bringe. Ganz ein- 
gehend will ich nochmals den von Bogdanow neu gemachten 
Buteo Menetriesi prüfen. Meiner Meinung nach ist, wenn tachardus 
überhaupt artüch haltbar ist, unser Vogel, von dem ich leider 
nur ein Dutzend beschafft habe (er ist nicht gar häufig) und 
darunter auch seit Jahren lebendige in den Volieren, eine fuch- 
sige Varietät. Ich besitze von diesem Bussard Üebergänge von 
dunkel Sepien- bis hell Fuchskastanienbraun, aber auch ein 
Kleid, wie es Naumann für B. vulgaris abbildet, nämlich ver- 



— 104 - 

schössen fahl sepienfarbig und hellgelb dazwischen und in der 
Bänderung. Der Vogel ist aber stets kleiner als B. vulgaris. 
Lebensweise und Stimme vollkommen mit dem Mäusebussard 
übereinstimmend. 

Ich werde Sie immer während der Arbeit au fait halten 
und sehr oft Ihren Rath einholen. Sie werden gewiss die 
Schwierigkeit, hier in Tiflis erschöpfend sj'stematisch zu arbeiten, 
anerkennen. Dass ich meine Sylvien und Phyllopneusten Ihrer 
Revision unterziehen werde, falls Sie es gestatten, versteht sich 
von selbst. 

Bleiben Sie vor allen Dingen nur brav auf den Beinen. 
Meine Reise im Frühjahr 1882 mit beiden Manuscripten (Ornis 
und Talysch) ist wohl jedenfalls gesichert und ich komme dann 
mit aUem Fraglichen zu Ihnen. 

Die specieUen Fragen über den Zug in extenso Ihnen zu 
beantworten, ist mir jetzt ganz unmöglich. Ich beschränke mich 
daher auf folgende von mir für den Kaukasus wohl sicher er- 
mittelte Facta. 

1. In seiner über 100 Meilen langen Ausdehnung von 
N. -W. nach S.-O. und als fortlaufendes Kamm- und Ketten- 
gebii-ge mit Pässen von 10,000 Fuss und Gipfelhöhe von 16,000 
bis 17,000 Fuss bildet der Grosse Kaukasus dem ziehenden Vogel 
in den meisten Fällen ein schwer zu forcirendes Hinderniss. 

2. Die frequentirtesten breiten Wege für die Haupt- 
richtung N.-S. und umgekehrt liegen an der Ost- und Westseite 
des Isthmus. Zumal ist es die Wolga-Caspi-Strasse mit ihren 
riesigen Winter Stationen in den Tieflanden von Talysch, 
Gilan und Massenderan, welche ausserordentlich stark frequentirt 
wird. 

3. Die Plastik Vorderasiens, durch die Hochplateaux im 
Centr altheile, d. h. durch Hoch-Armenien und Hoch-Iran genug- 
sam charakterisirt , erschwert dem Zugvogel die AVeiterreise 
von N. nach S. sehr bedeutend. Er zieht es vor, entweder 
im Westen der syrischen Küste zu folgen oder im Osten in 
den erwähnten Tieflanden zu wintern und meidet die 6—7000 
Fuss über dem Meere gelegenen wasser- und nahrungsarmen 
Hochländer Vorderasiens. 

4. Ich kann mehrfache Beweise für fluviale Wanderungen 
auf den vier Flusssystemen des Kaukasus, ebensowohl füi* den 
Winter wie für die FrühHngszugzeit , nachweisen. Diese vier 



— 105 — 

Flusss3^steme stehen aber bekanntlich (Kura, Eiva, Terek und 
Kuban) fast senkrecht auf die Richtung N.-S., also im diame- 
tralen Gegensatze zu den grossen russischen Stromsystemen. 

Im strengen Winter zieht z. B. Larus ichthyaetus vom 
Caspi die Kura aufwärts bis Tiflis. Der mächtige Vogel erhebt 
sich dabei von — SO Fuss Meereshöhe (Spiegel des Caspi liegt 
80 Fuss unter dem Ocean) bis zu 1350 Fuss über dem Meere. 
Aber er gelangt bei dem Höhersteigen im Kura-Thale an die 
nie zufrierenden Stromschnellen und speciell bei Tiflis an die 
Schleusen, wo er Nahrung findet. Das Museum besitzt vier 
schöne Exemplare, welche bei diesen Schleusen geschossen wurden. 
Cormorane, Mergus albellus und merganser, sowie Larus canus er- 
scheinen ebenfalls, von Ost nach West etappenweise wandernd, 
in strengen Wintern am mittleren Kuralaufe und legen deshalb 
mehrmals 70 deutsche Meilen zurück. 

Andererseits zieht weder im Herbste noch im Frühlinge eine 
Wachtel direct über den Grossen Kaukasus. Dam.it verhält es 
sich nun so : Wohl brütet die Wachtel bis 7300 Fuss Meeres- 
höhe und im Dagestan auch nahezu bis 8000 Fuss, in den Saaten 
der Bergvölker, allein sie fehlt an solchen Localitäten noch 
gänzlich, wenn sie unten, z. B. in den Steppen von Wladikawskas, 
schon brütet. Es ist durch directe Beobachtung der Jäger Wla- 
dikawskas ermittelt, dass die im August fortziehenden Wachteln 
des ungeheuren Steppengebietes sich am Nordfusse des Gebirges 
förmlich massenhaft anstauen und dann dem Fusse des Gebirges 
entlang gegen S.-O. fortwand ern , entweder bis zum Ufer des 
Caspi und dann nach Süden oder doch bis zu den sich ver- 
flachenden Vorbergen des Dagestan, welche die schweren fetten 
Vögel im Staude sind zu forciren. Andererseits ist es erwiesen, 
dass eine ungeheure Menge Wachteln als Küstenwanderer 
selbst die stark bewaldeten Gebiete der Ostküste des Schwarzen 
Meeres wenigstens jahrweise besuchen. Selbst das feuchte Ab- 
chasien meiden sie nicht. Diese und auch die auf der Strasse 
nach Derbent-Baku-Lenkoran herumziehenden bleiben aber nicht. 
Das liegt daran, dass ihnen sowohl die Niederungen des Caspi 
wie auch diejenigen Mingreliens zu nass und zu bewaldet 
sind. Eine Wachtel ist bei Lenkoran im Winter eine grosse 
Seltenheit, obgleich das Klima sehr gut ist. Ob nun die 
Wachteln am Schwarzen Meer der anatolischen Küste entlang 
westwärts wandern und etwa erst westlich von Trapezunt das 



— 106 — 

dort schon Dicht mehr sehr hohe Randgebirge forciren, bleibt 
fürs Erste eine offene Frage. Ich glaube es, denn das weit- 
gespannte Quellennetz des Tschorok mit seinen Coniferen- 
AVäldern (Abies Xordmanniana und orientalis) wird keiner Wachtel 
conveniren, und da selbige nur langsam, im Herbste per Steppe, 
fliegen kann, so dürfte sie riskiren, in dieser weit ausgedehnten 
Waldzone Hungers zu sterben , bevor sie auf das Hochland 
kommt und im September dort kaltes AVetter und nur wenig 
Nahrung findet. 

Ebenso verhält es sich wohl mit den Wachteln am Caspi. 
Von diesen bin ich überzeugt, dass sie im Herbste ebenso wie 
im Frühlinge vornehmlich die dem Meere ganz nahe gelegene 
Zone der Zwergdünen zur Ruhe benutzt. Da ist es trocken, 
sonnig, und die Gramineen liefern wohl convenirende Samen- 
nahrung, die nahestehenden Dornengebüsche am Rande der 
Jongeln auch guten Schutz gegen Sperber und kleine Falken. 
Diesen Dünen folgen die Vögel der Küste entlang, um an die 
flache Ostseite des Meeres zu gelangen. Im nassen Tieflande 
kann die Wachtel nicht bleiben. Auf den Dünen auch nicht, 
denn die sind im Winter, namentlich Januar bis Anfang April, 
jenen kalten, heftigen Nordoststürmen ausgesetzt, denen selbst 
der Mensch unter Umständen, ungeachtet der 39 Grad n. Br., zum 
Opfer fallen kann. Durch die Wälder Massenderans zu ziehen, 
um dann auf unfruchtbare, im Winter sehr kalte, kahle Hoch- 
länder zu gelangen, wird dem Vogel auch nicht conveniren; 
ergo hat die Küstenwanderung nach Osten sehr vieles für sich. 
Die Wachteln aber, welche sich am Westufer der Krim, nament- 
lich im alten Chersones, sowie bei Sevastopol im August oft in 
ganz unglaublicher Menge ansammeln, wählen, so scheint es, die 
Reise übers Meer. Nordmann hat, wenn ich nicht irre, 
sie auf dem Pontus ziehend beobachtet. Die Distanz bis zur 
asiatischen Küste ist dort, z. B. gegen Sinope hin, die geringste, 
und andere schlechte Flieger, z. B. die Trappen,' wählen sie 
nothgedrungen ebenfalls zur Zugrichtung. 

Dass selbst ausgezeichnete Flieger die Küstenwanderung der 
Passage über das Meer vorziehen, dafür bot mir Pterocles alchata 
im letzten Frühjahr den schlagendsten Beweis. Während zwei- 
mal 24 Stunden drängten sich die Züge in grösseren und kleineren 
Banden dem schmalen Dünenstreifen am Meere entlang auf- 
wärts. Die Vögel kamen aus dem östlichen flachen Turkomanen- 



— 107 — 

lande und begaben sich in die Mugansteppe. Sie ruheten nur 
sehr kurze Zeit und vermieden auf das Entschiedenste die nassen 
Tiefländer. 

Ich werde über alle diese Verhältnisse sehr ausführlich in 
meiner Ornis sprechen. 

5. Auch von H. rustica weise ich fluviales Einwandern mit, 
so denke ich , befriedigender Gewissheit nach. Lange schon 
fliegen die Schwalben, nämlich unten am Caspi, bevor sie z. B. 
in Tiflis erscheinen, und hier wiederum sind sie viel früher als 
in Borshom, welches schon 2600 Fuss über dem Meere liegt. 
Endlich beobachtete ich sie am letzgenannten Orte im Kurathale, 
während sie oben im Gebirge in circa 5000 Fuss Meereshöhe 
bei dem Dorfe Bukuriani noch fehlten, obgleich dieser Ort süd- 
licher liegt als Borshom. Würde dieser Vogel direct S. -N. 
ziehen, so müsste er zuerst nach Bukuriani kommen und später 
erst nach Borshom. Wie gesagt, es giebt in dieser Hinsicht 
noch sehr viel zu raisonniren, und das Ende vom Liede wird 
doch sein, dass es das liebe tägliche Brod ist, welches dem 
Vogel seine Wanderstrassen anweist, und dass er sehr wohl 
alle Vortheile sucht und zu finden weiss, um 
möglichst bequem zu existiren. 

6. Ich habe die Erfahrung auch schon in Sibirien gemacht, 
dass bei dem allerschlechtesten Wetter die meisten Vögel an- 
kommen, freilich oft in einem deplorablen Zustande, so müde 
und so matt, dass man sie ergreifen kann. Häufig kommt 
es aber auch vor, dass Vögel bei schlechtem 
Wetter zurückziehen. Kraniche und Wildgänse kehren 
gar nicht selten, wenn sie die Schneeregion des Grossen Kaukasus 
erblicken, um. Alle Vögel, zumal aber die Anatiden, wissen 
schon lange vorher, dass es schlechtes Wetter geben wird. Die 
diversen * Entenarten sind dann ungemein beweglich, fliegen hin 
und her, kommen gar nicht recht zur Ruhe und suchen, so 
sv^eint es, entlegene geschützte Localitäten. 

7. Bei vielen Arten ziehen die Geschlechter getrennt. Ich 
habe das früher namentlich bei Emberiza nachgewiesen, aber auch 
Stelzer thun es. Sehr auffällig war es mir bei Charadrius 
caspius und Geoffroyi. 

8. Auch das Wandern solcher Arten, die anhaltend fliegen 
und weite Strecken ohne Ruhe zurücklegen, mit steinge- 



— 108 - 

füllten! Magen, wie ich es in der Mongolei beobachtete, 
kann ich bestätigen. 

Für diesmal, geehrter Freund, genug. 

Nun noch eine Sie erfreuende Nachricht. Sie erhalten per 
Post sehr bald Samen von zwei neuen sehr schönen Baumarten, 
nämlich von : Acer insigne Buhse und von Parcossia persica C. 
A. Meyer. Beide führe ich durch den K. Botanischen Garten 
in Petersburg ein. Meine Sendung an Sie geht direct und lege 
ich ihr ein Quantum guten Samen von Abies Nordmanniana und 
wohl einiges Andere bei. 

Sonst geht Alles gut. Ich will eben frühstücken und auf 
Ihre Gesundheit trinken. — Das thue ich sehr gern. 

Ich bin und bleibe 

Ihr treu ergebener 

Dr. G. Kadde. 



E. F. Y. Homeyer an Dr. Radde. 

Stolp i/P., 31. December 1880. 

Mein werther, lieber Freund ! 

Es ist spät am Abend, und ich sitze in meinem Studir- 
zimmer und denke nach über längst vergangene Zeiten und ge- 
denke der vielen lieben Freunde, die nicht mehr sind, die von 
uns geschieden mit einem grossen Theile ihrer Erfahrungen. 
Ich blättere unter den mich umgebenden Schriften, und da nehme 
ich auch den ersten Correcturbogen meiner ..Ornithologischen 
Briefe" zur Hand, welcher einen Theil Ihres Sendschreibens 
enthält, und da eile ich an den Schreibtisch, um noch im alten 
Jahre Ihnen zu danken für all' die Liebe und Güte,' die Sie 
mir zu Theil werden lassen, mit Aufopferung Ihrer, Ihnen so 
vielseitig beanspruchten Zeit. ■> 

Aufmerksam habe ich Ihren Brief über den Zug noch ein- 
mal durchgelesen und viel üebereinstimmendes gefunden, nur 
möchte ich glauben, dass das frühere Erscheinen einer Vogelart 
in einer nördlichem Gegend — etwa in einer Flussniederung — 
als in der unmittelbar daneben südlich gelegenen Localität 
weiter nichts beweisen kann, als dass beide Orte klimatisch ver- 
schieden und der nördliche durch mildere Witterung bevorzugt 



— 109 — 

sei. Ich kann dergleichen Erscheinungen aus langer Beobachtung 
selbst für hiesige Gegend nachweisen. Namentlich ist es auch 
Hirundo rustica, die man zuerst und zuletzt in den Fluss- 
niederuugen findet, und doch zieht sie stets quer über unsere 
norc-deutschen Ströme und Flüsse und folgt nicht deren 
Laufe. Damit stimmen auch Beobachtungen überein, die ich 
oft und bei verschiedenen Vögeln, namentlich auch bei den 
Schwalben, machte, wo ich Durchzügler weit früher als die hier 
nistenden Exemplare sah. Hierin liegt auch ein wesentlicher Grund 
zur Abschwächung des Werthes der sonst so wesentlichen Idee 
Middendorff's in seinen Isepiptesen. Ich glaube, dass die bis- 
herigen Annahmen zum wesentlichen Theil irrthümlich sind, weil 
von fast allen Schriftstellern die Raststationen nicht ge- 
nügend gewürdigt, erkannt und berücksichtigt sind. Die blosse An- 
wesenheit eines Vogels an einem gewissen Punkte kann über 
die Zugrichtung wohl nur wenig beweisen, zumal dieselbe je 
nach der Oertlichkeit variabel ist. Ich glaube , dass Sie den 
Kern der Frage getroffen haben, indem Sie sagen: „dass der 
Vogel sehr wohl alle Vortheile sucht und zu finden weiss, um 
möglichst gut zu reisen." 

So weit ich mich habe unterrichten können, ist für den nörd- 
lichen Theil der alten Continente die Hauptzugrichtung von N.-O. 
nach S.-W. mit mehr oder minder Abweichung zu W. oder S. 
Ihre Beobachtungen in Sibirien stimmen damit auch gut überein. 

Nun möchte ich auch glauben, dass die grossen Schaaren 
von Rothhalsgänsen, welche Sie am Caspi-See fanden, nicht die 
Wolga abwärts von Nord nach Süd, sondern aus N.-O. durch 
die Steppe gekommen waren. 

Was mich in dieser Ansicht noch bestärkt, ist die grosse 
Seltenheit dieses schönen Vogels an der Wolga und die von 
Ihnen berichtete Thatsache seines Lebens in der Steppe. Jeden- 
falls ist es von grossem Interesse, endlich zu wissen, wo diese 
schönen Gänse überwintern, denn die einzelnen, welche man in 
anderen Gegenden beobachtete, konnten doch nur die Flanken- 
deckung bilden. 

Von hohem Interesse sind gewiss die Wachtelzüge. Bevor 
wir jedoch darin ganz klar sehen, sind noch viele locale Be- 
obachtungen nöthig, die freilich mit etwas mehr umsieht ge- 
führt werden müssen, als dies von vielen Seiten bisher geschehen. 
So schlechte Flieger die Wachteln auch sein mögen, so ziehen 



— 110 — 

sie doch, ohne dass eine geographische Nothwendigkeit vorläge, 
längs des xldriatischen Meeres bis zur Ermüdung. Es spricht 
dies für meine Ansicht, dass der Vogel eine bestimmte 
Zugrichtung so lange festhält, als seine aufs 
Aeusserste angespannten Kräfte "oder überwind- 
bare Hindernisse dies gestatten. Ich werde bemüht 
sein, in meinen „Wanderungen" dies klar darzulegen. 

Da möchte ich aber noch bemerken, dass der auch von mir 
früher acceptirte Ausdruck „Wanderstrassen" sehr cum grano 
salis zu nehmen sein möchte, denn was diese Bezeichnung sagt, 
ist es in den meisten Fällen nicht. Gerade die doctorische 
Sicherheit mancher Schriftsteller hat mir Zweifel gebracht und 
die Verfolgung dieser Zweifel die Ueberzeugung gegeben, dass, 
da dergleichen Strassen nur sehr local in kurzen Entfernungen be- 
stehen, meistens nur von einer allgemeinen Zugrichtung ge- 
sprochen werden sollte. Dass auch bei den Charadrien Männchen 
und Weibchen allein ziehen, war mir neu. Bei Tringa habe 
ich dies seit 40 Jahren beobachtet, jedoch nur bei den alten 
Vögeln, während die jungen sich gern paarweise halten, so 
namentlich Tringa islandica. 

Nun, mein alter, lieber Freund, nur noch die herzlichsten 
Wünsche für Sie und Ihr Haus. Möge Ihre frische Kraft recht 
lauge der Wissenschaft nützen. 

Von Herzen Ihr 

E. F. V. Home Ter. 



Laiidbeck an E. F. v. Homeyer. 

Mein theuerster Freund! 

Mit wahrem Vergnügen habe ich in Ihrem letzten geschätzten 
Schreiben die Zusicherung gelesen, dass Sie an unserem Werke 
thätigen Antheil nehmen werden. Der Grund, dass Sie im 
Zeichnen noch nicht die nöthige Uebung besitzen, verhindert 
Sie durchaus nicht, recht viel 'für unser Werk zu thun, da die 
Bearbeitung des Textes vollauf Beschäftigung giebt. Da ich 
und gewiss auch Freund Schertel wohl die meiste Zeit mit dem 
Abbilden der Vögel zubringen werden, so ist es uns sehr er- 
wünscht, wenn Sie ausführliche Texte liefern werden, wozu wir 
Ihnen entweder Notizen, d. h. Beschreibungen von Stücken, 



- 111 — 

welche Sie nicht in Ihrer Sammlung besitzen, sowie unsere Er- 
falirungen, welche in keinem gedruckten Buche zu finden sind, 
mittheilen werden, oder umgekehrt, Sie senden uns die ausge- 
arbeiteten Beschreibungen und wir ergänzen dieselben und be- 
fördern sie zum Drucke. Auf diese xlrt wird die Sache ganz 
coUegialisch behandelt, und müssen wir uns über jede Beschrei- 
bung vereinigt haben, ehe sie gedruckt wird. Besonders lieb 
wird es mir sein, wenn Sie auf die Sammlung der Synonyme 
vielen Fleiss verwenden, um den Kritikern nicht in die Scheere 
zu fallen, obgleich ich für mich nicht halb so viel Werth darauf lege^ 
wie der Vogel von Diesem oder Jenem geheissen werde; denn 
die Hauptsache bleibt immer diese, dass wir jede Vogelart nach 
allen Rücksichten so genau abbilden und beschreiben, dass sie 
künftig mit keiner andern verwechselt werden kann. Unser 
Werk soll für künftig die übrigen grossentheils entbehrlich 
machen und sich dadurch dem Schmetterlingswerk von Hübner 
und dem Säugethierwerk von Schreber anschliessen. Bei der 
Einrichtung, welche das Werk erhalten soll, können wir dem- 
selben nach und nach die möglichste Vollständigkeit geben. 
Meine Ansichten über die innere Einrichtung des Ganzen sind 
übrigens in dem beiliegenden Prospectus enthalten, worauf ich 
mit der Bitte verweisen muss, dieselben genau zu prüfen und 
mir Gegengründe gefi. mitzutheilen, so dass wir ganz in Ueber- 
einstimmung kommen. Zum ersten Hefte habe ich Haematopus 
ostralegus m. adult. in Lebensgrösse gemalt und diese Tafel 
wird gegenwärtig in Stein gravirt. Wollen Sie hierzu den Text 
entwerfen und mir gefl. zusenden, so wird es mir sehr ange- 
nehm sein, und Sie werden das Verdienst haben, schon im ersten 
Hefte thätig gewesen zu sein. Eine zweite Platte wird Sylvia 
montana darstellen, wozu ich die Beschreibung schon ange- 
gefertigt habe ; die dritte Tafel wird entweder Podiceps cristatus 
oder Larus ridibundus, über welche beide ich viele Beobachtun- 
gen gesammelt habe, enthalten, wovon die Beschreibungen gleich- 
falls fertig sind, aber doch vielleicht durch Ihre Erfahrungen 
erweitert werden dürften. Die vierte Tafel könnte entweder 
Coracias garrulus, von dem ich aber nichts Xeues sagen kann 
und nur alte Männchen besitze, oder PorphjTio hyacinthinus als 
schöne Vögel behandeln. Von Corac. garr. werden Sie wohl 
Weibchen, Junge und Herbstvögel besitzen und auch über 
Lebensart, Fortpflanzung etc. die besten Aufschlüsse geben können. 



— 112 - 

Von Haemat. ost. sollte vielleiclit auch das Dunen- und 
Nestkleid abgebildet werden ; weniger nötbig dürfte die Abbildung 
des Weibchens und der Herbstvögel sein, da sie von ausgefärbten 
weniger abweichen. Wollen Sie mir nun hierüber Ihre An- 
sichten gefälligst mittheilen? 

Sie befürchteten nach Ihrem werthen Schreiben, ich würde 
in Beziehung auf Artenzersplitterung nicht Ihrer Meinung sein; 
ich versichere Sie aber, dass ich mit grösstem Vergnügen Ihre 
diesfallsige Ansicht vernommen habe, da ich nach Ihren frühern 
Arbeiten in der Isis fast befürchten musste, dass Sie mehr mit 
Brehm übereinstimmen würden. Ich bin mit Gloger bei Be- 
handlung der Arten einverstanden, und werde mir Mühe geben, 
dieses vollständig zu beweisen. Dass Sie mehrere von mir auf- 
gestellte Arten nicht anerkannt haben und mir dieses sagen, 
beweist mir, dass Sie der Wissenscliaft nichts vergeben werden 
und macht mir Ihre Theilnahme doppelt werth, sowie ich Ihre 
Aufrichtigkeit als Freund zu würdigen weiss. Um übrigens 
jeden etwaigen Verdacht von Eitelkeit, neue Namen zu schaffen 
oder meinen Namen zu verewigen, von mir zu entfernen, will 
ich Ihnen über die Motive zur Aufstellung dieser bewussten 
Arten Kechenschaft geben. Ueber einige Brehmsche Subspecies 
(diese Benennung taugt, nebenbei gesagt, wenig, da blosse Ab- 
änderungen nicht durch eigene Namen bezeichnet werden sollten, 
weil sie sonst den Begriff von Arten erzeugen und die Synonyme 
unendlich verwirren), als Certhia brachydactj^la, Sylvia Wolfii, 
striata etc. bemerke ich, dass ich mich durch fortgesetzte Be- 
obachtungen überzeugt habe, dass dieselben theils Alters-, theils 
climatische Varietäten seien, und sich gewiss nicht als selb- 
ständige Arten charakterisiren lassen. Von meinen neuen Arten 
aber bemerke ich Folgendes : ü p u p a m a c r o c h y n c h o s ist 
ohne Zweifel nur der sehr alte epops , bei welchem sich, wie bei 
vielen langschnäbeligen Vögeln, der Schnabel im hohen Alter, 
zuweilen auch individuell ausartend, ungewöhnlich verlängert, 
während auch der ganze Vogel grösser ist. Diese Verschieden- 
heit mag jedoch auch climatisch sein, was ich bis jetzt nicht 
entscheiden kann. Cannabina palustris*): dieser Vogel 
ist höchst wahrscheinlich eine eigene Art und gehört nicht, wie 



*) In dem Handexemplar von Landbeek, seiner Vögel Württem- 
bergs, befindet sich unter diesem Namen ein Bild des Weibchens von 
Fringilla erythrina-. v. H. 



- 113 — 

Sie vermuthet haben, zu Cannabina montiimi (flavirostris) ; er 
scheint aber im Ganzen selten zu sein und einen beschränkten 
Bezirk zu bewohnen. Mein Vater, der ein guter Ornithologe 
war, beobachtete diesen Vogel viele Jahre lang und schoss auch 
ein Weibchen desselben, dessen Beschreibung hier folgt: „Der 
ganze Vogel gleicht in der Farbe dem Hänfling, ist aber ein 
wenig kleiner. — Die Farbe über Kopf, Hals, Rücken und 
Flügel ist schwärzlich und rosig weiss gefleckt; Kehle und 
Brust weiss und schwarz gestreift, wie bei einer Lerche, über 
die Augen läuft ein weisser Strich bis gegen den Nacken. Die 
18 Schwungfedern in jedem Flügel sind bräunlich, wie bei der 
Lerche, und die zwölf Ruderfedern sehen schwarz aus, bis auf die 
zwei mittelsten, welche mit einer rostigbraunen Farbe eingefasst 
sind. Die zwei äussersten Ruderfedern auf jeder Seite sind 
weiss gestreift, wie beim Finken, der Bauch ist ganz weiss, die 
Füsse ebenfalls weisslich, die Zehen etwas dunkler, und der 
Schnabel, der die Form eines Hänflingsschnabels hat, ist schwarz. 
Die Achseln der Flügel sind rostigbraun, mit schwärzlichen 
Punkten, welche rostbraune Farbe auch die äussere Fahne der 
Deckfedern und einiger Schwungfedern hat. Im klagen hatte er 
reinen Sand und eine Art kleinen, länglich runden Samen. Die 
Länge des ganzen Vogels von der Schnabel- bis Schwanzspitze 
beträgt ö Zoll und 6 Linien, des Schnabels o Linien, der aus- 
gebreiteten Flügel 8 Zoll G Linien, des Schwanzes 2 Zoll 5 Linien, 
von der Fusssohle bis auf den Rücken ungefähr 2 Zoll. Der 
Vogel war wahrscheinlich ein Weibchen." 

Ich habe einem Bekannten in Altensteig den Auftrag er- 
theilt, diesen Vogel genau zu beobachten und mir wo möglich 
einige Exemplare zu verschaffen. 

Was halten Sie nun von diesem Vogel? — Ich habe mir 
alle Mühe gegeben und viele Vergleichungen angestellt, um 
herauszubringen, ob er nicht zu einer bekannten Art gehöre; 
allein ich überzeugte mich, dass es weder ein Blut- noch 
ein Berghänfling, weder ein Leimzeisig noch ein Karmingirlitz 
sein könne, da die Spiegel im Schwänze und die braunen 
Kanten an den Schwungfedern — die Hänflinge haben bekannt- 
lich weisse — mit keinem dieser Vögel übereinstimmen. Wollen 
Sie mir Ihre Meinung darüber sagen? 

Galerida anthirostris weicht durch" Schnabel und 
Gesang sehr von Gal. arborea ab und hält sich nur auf hohen 

V. Homeyer, Oruitholog. Briefe. 8 



— 114 — 

Bergen auf; allein aus letzterem Grunde mag es klimatische 
Varietät sein und wäre somit eine Brehm'sche Subspeeies ; doch 
dürfte der Vogel einer Abbildung und Beschreibung werth sein, 
da er sich vielleicht bei fortgesetzten Beobachtungen als selb- 
ständige Art erweist. 

Curruca rubricapilla. Mein Vater hatte die volle 
Ueberzeugung, dass dieser Vogel eine eigene, jedoch sehr seltene 
Art bilde. Mit dem Weibchen oder Jungen von C. atricapilla 
hat er denselben zuverlässig nicht verwechselt, weil er von 
letzterer immer einige lebendig im Käfig hielt. — Ausser 
dem in meinem Verzeichnisse bemerkten jungen Männchen kam 
mir keines mehr in die Hände. Es sind hier also noch weitere 
Untersuchungen nöthig. 

Peristera lugubris und m a x i m a sind zuverlässig 
zwei neue, noch unbeschriebene Arten, welche im Elsass nicht 
so selten sind und sogar daselbst brüten. Mein Vater sagt 
darüber: ,,xA.nno 1807 erschienen im September und Oktober auf 
dem Gemarer Ackerfeld (im Elsass) eine Stunde von hier fOstheim, 
meinem Geburtsorte) Turteltauben von besonderer Art. 
Sie sind über den ganzen Leib schön schwarz und haben 
einen weiss grauen Bing um den Hals. Sie sind etwas 
kleiner als die gemeinen wilden Turteltauben. Ihr Nest sollen 
sie wie andere Turteltauben machen und sich auf den Ehein- 
inseln fortpflanzen. Es ward eine davon geschossen, die ein 
delicates Fleisch hatte. Nähere und öftere Untersuchungen hier- 
über belehrten mich, dass sie hier keine grosse Seltenheit sind, 
sich nicht nur auf den Rheininseln, sondern auch im hiesigen 
und Colmarer Walde fortpflanzen und ein künstlicheres Nest 
machen und die Jungen besser gegen die Kälte verwahren als 
die gemeinen Turteltauben. Die Unterlage besteht aus Reisern ; 
auf diese aber machen sie noch eine Lage von Moos und Pferde- 
haaren. Uebrigens setzen sie das Nest auf die äussern Zweige 
eines Astes und ziemlich hoch wie jene. Sie haben etwas 
längere Schnäbel als die gemeinen und legen jedesmal auch nur 
zwei Eier. Die Jungen lassen sich wie die andern aufziehen 
und im Zimmer unterhalten. 

,,Die andere Art ist um die Hälfte grösser, d. h. höher auf 
den Beinen und stärker im Leibe als die gemeine Turteltaube, 
von Farbe blaugrau und auf den Flügeln etwas schwarz- 
geschuppt. Sie hat auf beiden Seiten einen nach Turteltauben- 



— 115 — 

Art geformten schwarzen, nach unten zu weiss eingefassten Fleck. 
Sie ist bei Sundhausen im Elsass nicht selten und erscheint 
gewöhnlich im August und September auf den Stoppeläckern." 
Mein Vater hat über die zahmen und wilden Tauben zwei gründ- 
liche Werke geschrieben, welche in Strassburg Anno 1802 und 
1808 erschienen sind, er war der passionirteste Liebhaber der 
Tauben, hielt viele Hunderte Feld-, Hof- und wilde Tauben 
im Zimmer und Schlag und kannte somit gewiss alle bekannten 
Arten, weswegen obige zwei Arten ohne Bedenken als neue 
Arten aufgestellt werden können. Ich werde aber, um wo mög- 
lich einige Exemplare davon zu erhalten, vielleicht im nächsten 
Jahre, wenn ich noch hier bin, eine Keise nach Frankreich 
machen, wo ich sodann auch die übrigen Theile der Vogesen 
durchforschen werde, in denen noch manches Seltene gefunden wer- 
den dürfte. 

Wenn ich nicht irre, hat Naumann auf seiner Reise nach 
Ungarn in Erfahrung gebracht, dass in der Türkei eine schwarze 
Lachtaube gefunden werde. Vielleicht gehört meine lugubris zu 
derselben Art, sowie die Peristera maxima, Brehm's dubia, sein 
dürfte. Sie werden sich aus vorstehenden Bemerkungen über- 
zeugt haben, dass ich aufrichtig bin, und ich erkläre, dass ich 
die von mir aufgestellten Arten mit Freuden zurücknehmen 
werde, wenn ich mich durch eigene oder fremde Forschungen 
überzeugt haben werde, dass sie unhaltbar seien.*) 

Sie ersuchten mich, über Ihr Werkchen, wofür Herr von 
Schertel Ihnen herzlich danken lässt (was er gern selbst gethan 
hätte, wenn es ihm bei seinen vielen Geschäften möglich gewesen 
wäre), meine aufrichtige Meinung zu sagen , und ich bemerke 
daher Folgendes: Die ganze Einrichtung ist zweckmässig und 
besser als bei dem meinigen, besonders deswegen, weil Sie eine 
Beschreibung von Pommern vorausgeschickt haben, was bei mir 
nicht nöthig war, da ich es nur für Württemberg bestimmt 
hatte. Etwas mehr Ausführlichkeit in Angabe der einzelnen 
Wohnörter der Vögel und der speciellen Fälle von Erlegung 
seltener Vögel hätte ich in Ihrem Werkchen gerne gesehen, 



*) Ich glaube, dass dieser Brief allein schon genügte, um Landbecks 
ganzen edlen Sinn aller Welt klar vor Augen zu legen. Frei von Eitel- 
keit und kleinlicher Rechthaberei geht sein Streben nur danach, die 
Wahrheit zu ergründen und seine Liebe zu der Naturwissenschaft lässt 
ihn rüstig kämpfen gegen die Hindernisse des Lebens. v. H. 

8* 



— 116 — 

wenn es auch dadurch vielleicht um einen Bogen stärker geworden 
wäre. Die Behandlung der Arten aber stimmt ganz mit meinen 
Ansichten überein, was in Beziehung auf das versuchte System 
weniger der Fall ist, da die Verwandtschafts-Verhältnisse nicht 
überall gleichmässig berücksichtigt sind, wodurch zuweilen In- 
consequenzen entstehen. 

Allein dieses ist ja eben das Ziel, welches noch kein Syste- 
matiker erreicht hat, weil die einzelnen Geschöpfe noch nicht 
hinlänglich erforscht sind. Es ist überhaupt auch leichter tadeln 
als selbst besser machen, daher bescheide ich mich, kein ürtheil 
über Ihren Versuch fällen zu wollen und erlaube mir nur einige 
Bemerkungen. Sie fangen entgegen der bisherigen Praxis die erste 
Ordnung mit den spechtartigen Vögeln an, was insofern gleich- 
gültig ist, als man doch keine Kette oder Reihe durchführen 
kann, da eine solche in der Natur gar nicht vorhanden ist, so 
sehr man sich bemüht hat, diese aufzufinden; es musste also 
mit irgend einer Ordnung angefangen werden, wenn man nicht 
vorziehen wollte, gar keine Ordnungen, welche schon bei man- 
chen unnatürliche Zusammenstellungen veranlassen, sondern nur 
Gattungen einander anzureihen, wodurch mehrere Gezwungen- 
heiten vermieden werden können. Eine so kleine Anzahl von Arten, 
wie die Vögel einer einzelnen Provinz oder auch eines grössern 
Landes, gestatten überhaupt kein ordentliches System und 
erfordern auch weniger ein solches, da nur eine grosse Masse 
von Naturkörpern complicirte Aneinanderreihungen und Zusam- 
menstellungen als Nothbrücken verlangen. 

Mit Ihrer ersten Ordnung bin ich einverstanden, obgleich 
auch der Kleiber darin hätte untergebracht werden können; 
denn ich glaube, dass er nach Schnabel und Lebensart den 
Spechten mehr als den Meisen ähnelt, und wenn Sie bloss auf 
die Farbe der Eier Rücksicht genommen haben , so gut neben 
dem Baumläufer stehen konnte als bei diesen. Eine gleiche 
Unbequemlichkeit verursachen die Goldhähnchen, welche wohl 
manches Meisenartige zeigen, aber in Färbung und Gestalt, sowie 
im Nestbau sehr an die Laubvögel erinnern. Zur dritten Ord- 
nung bilden sie keinen Uebergang und diese steht also getrennt. 

Diese Ordnung gefällt mir um deswillen nicht, weil gar zu 
verschiedenartige Geschöpfe darin vereinigt sind, wie die Fliegen- 
fänger, Pirol, Seidenschwanz, Eisvogel, Rake, Kuckuck. Die 
Fliegenfänger gehören nach der Gestalt, den Füssen und zum Theil 
auch nach den Flugwerkzeugen, in die Nähe der Schwalben ; nach 



— 117 — 

Lockton, Gesang, Lebensart, Betragen, Nestbau, Eiern und 
Jugendkleidern zu den Rothschwänzen und Steinschmäzern. 
Sie sind eigentlich auch nichts Anderes als auf die Bäume 
und auf fliegende Insecten angewiesene Steinschmäzer *), welche 
letztere, da sie ihre Nahrung niedrig suchen müssen, gute Geh- 
und gute Flugwerkzeuge erhalten haben, während sie in den 
meisten Stücken übereinstimmen. Die Rothschwänze aber stehen 
gerade in der Mitte, was sich in ihrer Gestalt und Lebensart zeigt. 
Die Pirole und Blauraken, ebenso die Eisvögel und Bienen- 
fresser, sollten eigene Ordnungen bilden, sowie auch der Seiden- 
schwanz sehr viel Abweichendes zeigt und sogar an die Samen- 
fresser erinnert. Der Kuckuck könnte auf die Spechte folgen, 
in die er durch ausländische Arten fast ganz übergeht. Die 
vierte Ordnung ist natürlich. Die fünfte Ordnung enthält einige 
Willkürlichkeiten insofern, als Otus, Strix, Glaucidium, Surnia 
wohl nicht mehr von einander abweichen als die Bunt- und 
Grünspechte. Uebrigens sind alle folgenden Ordnungen auf 
ähnliche Art in besonders benannte Sippen zerschlagen, was 
bei einer grossen Anzahl von nahe verwandten Arten nothwendig 
ist, hier jedoch nicht. (Die Einrichtung Gloger's, welcher zwar 
alle Sippen und Familien in besonders charakterisirten Abtheilun- 
gen aufführt, aber doch die grossen Gattungsnamen beibehält, 
wodurch das Werk sehr an Uebersichtlichkeit gewinnt, gefällt 
mir sehr wohl und dürfte bei unserm grossen Werke anwend- 
bar sein.) Die Ordnungen sechs, sieben und acht folgen natürlich 
auf einander, aber der Wasserschwätzer ist auch ein Vogel, welcher 
nirgends hineinpassen will. Er hat mit dem Staar und Zaun- 
könig sowohl, als mit den dichtbefiederten Rohrhühnern Aehn- 
lichkeit und ist eben so gut ein singender Sumpfvogel, als ein 
mit Sumpfvogelgefieder bedeckter Singvogel, doch ist er nach 
dem Gerippe und Nistart mehr letzterer. Nach Troglodytes 
könnte auch Accentor folgen, aber dieser steht den Lerchen 
und Ammern wieder eben so nahe als jenem. Die Grasmücken, 
Laub Vögel und Schilfsänger, aber der Accentor will nicht recht 
zwischen letztere und die Bachstelzen passen. Die Pieper und 
Lerchen folgen wieder natürlich und verbinden sich mit den 
Ammern der neunten Ordnung sowie mit den Finken gut. Die 
Tauben lassen Sie wohl nur als Körnerfresser auf die Kernbeisser 
folgen. Die zehnte Ordnung steht aber ziemlich isolirt, da sie 



*) Diese Ansicht hat viel Richtiges. v. H. 



— 118 — 

auch mit der elften keinen rechten Zusammenhang hat. Die 
zwei folgenden Ordnungen reihen sich gut an, und bin ich auch 
mit den folgenden Ordnungen ziemlich einverstanden. 

Nun wäre noch Ihre neue Schnepfe zu berücksichtigen; da 
ich aber noch kein Exemplar derselben gesehen habe, um Ver- 
gleichungen anstellen zu können, so kann ich mir kein Urtheil 
darüber erlauben, sondern bloss bemerken, dass die Anzahl der 
Steuerfedern nicht allein entscheiden kann , und dass von Scol. 
media und gallinago auch Bastarde möglich wären, wie von 
Tetrao urogallus et tetrix, tetrix et saliceti, Hirundo rustica et 
urbica etc; doch will ich dadurch nicht behaupten, dass Letz- 
teres bei Ihrem Vogel der Fall sei, sondern Sie nur zur genauen 
Prüfung bewegen. Hätten Sie mir nur ein Exemplar davon 
gesendet, damit ich für Ihr Werkchen eine Abbildung davon 
hätte fertigen können, welche sich als Titelblatt gut ausgenommen 
haben müsste. 

Zum Schlüsse meiner Kecension wünsche ich Ihnen Glück 
zu Ihrem im Ganzen sehr gelungenen Werke, welches mir viel- 
fache Unterhaltung gewährte und gewiss von allen Ornithologen 
mit Interesse gelesen werden wird. — Ardea garzetta, Alca 
aUe und Larus minutus sind auch württembergische Vögel, was 
ich in Beziehung auf Ihre Vergleichung S. 80 bemerke. Ich 
bin jetzt entschlossen, meine geplante Reise nach Ungarn im 
nächsten Frühjahr auszuführen und wo möglich bis an das 
Schwarze Meer auszudehnen, wenn nämlich die Pest aufgehört 
hat. Von dieser Reise verspreche ich mir sehr bedeutende Aus- 
beute, sowohl an Beobachtungen, als an Bälgen und Eiern. Das 
Gelingen derselben hätte Ungeheuern Einfluss auf unser Werk, da 
meine Beobachtungen fast lauter unbekannte Vögel betreffen würden. 

Zum Schlüsse bitte ich, alles Vorstehende als aufrichtige 
Freundesworte*) zu nehmen, wie sie gemeint sind, wobei ich mit 
der Versicherung meiner unwandelbaren Freundschaft schliesse, als 
Ihr Landbeck. 

Mos singen, den 7. November 1837. 

*) Das ist denn auch geschehen. Landbeck hatte mit mir den 
schönen Grundsatz „durch Zweifel zur Wahrheit", und nie ist unsere 
Freundschaft, auch nicht vorübergehend, getrübt worden. Wenn mir mein 
Streben nach Wahrheit mitunter die Feindschaft schwacher oder eiteler 
Seelen zugezogen hat, so lässt mich das unbeirrt weiter gehen. Ich 
trachte nach der Liebe der Naturforscher und fürchte nicht den Hass der 
Naturpfuscher und ihre Anmassung. v. H. 



— 119 - 

Mein tlieuerster Freund! 
Es ist Schade, dass wir über die Naturgeschiclite des Austern- 
iischers noch nicht im Reinen sind, da es ein hübscher und in 
mehrfacher Hinsicht interessanter Vogel ist, welcher sich im 
ersten Hefte gut ausgenommen hätte. Es wird uns aber mit 
vielen andern Vögeln nicht besser ergehen. So z. B. bin ich auch 
noch nicht im Klaren, ob die gemeine Larus ridibundus im 
zweiten oder dritten Jahre ausgefärbt ist. Auf den Brutplätzen 
fand ich im Frühjahr niemals einen Vogel mit schwarzer Schwanz- 
binde, wohl aber auf dem Herbstzuge. Diese waren aber den 
alten bis auf diese Binde und die orangengelben Füsse und 
Schnäbel gleich. Die unausgefärbten Vögel müssen sich nun 
irgendwo anders, etwa auf dem Bodensee, wo sie nach Walch- 
ner nicht brüten sollen, abgesondert herumtreiben.*) Auf einigen 
oberschwäbischen Seen ist sie zu vielen Tausenden, so dass 
auf einem einzigen Brutplatz 2000 Eier gesammelt wurden, 
ohne dadurch die Anzahl der Vögel zu vermindern. — Vom 
ersten Hefte habe ich jetzt die Beschreibungen von Emberiza cia 
und S3"lvia montana im Manuscripte fertig. Die Platten zu 
denselben sind endlich beim Lithographen in Arbeit, aber leider 
noch nicht fertig; ich werde darum dieser Tage selbst nach 
Stuttgart gehen, um die Sache zu betreiben, damit endlich ein- 
mal das erste Heft zu Tage kömmt. Wenn Sie Coracias garrulus 
lithographiren lassen, so gäbe dieses die dritte Platte (wäre 
doch hübscher und empfehlender als Podiceps cristatus oder 
Larus ridibundus), wozu Sie nun auch den Text bearbeiten 
könnten, imd wenn ich das Weibchen und den jungen Vogel, 
welche ich von Fehrmann besitze, noch abbildete, so wäre das 
Heft vollständig. Statt der letztern könnten wir aber auch 
Tichodroma muraria nehmen, welche wir ebenfalls vollständig 
besitzen. Auf Avelche Art glauben Sie denn, dass der Text ge- 
druckt werden solle, in Folio oder in Oktav? Beides hat seine 
Vorzüge und Nachtheile. Für diejenigen, welche den Text allein 
wünschen, wäre ein so grosses Format unbequem, während hin- 
gegen den Besitzern der Abbildungen letzteres angenehmer sein 
dürfte. Und sollen dazu lateinische oder deutsche Lettern ver- 



*) Dass jung'e, noch nicht brutfähig'e Vögel einen andern Aufent- 
haltsort haben als die alten, war uns schon damals sehr wahrscheinlich. 

Y. H. 



- 120 — 

wendet werden? Ich glaube eher erstere, da es eigentlich kein 
deutsches, sondern ein europäisches Werk sein soll und in die 
Hände von Nationen kommt, welche sich der lateinischen Lettern 
bedienen und diese lieber sehen, als deutsche, auch wenn sie 
letztere Sprache gut verstehen. Für spätere Hefte habe ich in 
meiner und v. Schertel's Sammlungen Material in Menge, ebenso 
besitze ich auch viele Originalbeobachtungen zum Texte. Der Kampf- 
hahn, welchen wir wohl Machetes nennen dürften, da er bedeu- 
tend von Totanus und Tringa abweicht, wäre sehr passend für 
das zweite Heft, wenn mir mehrere Abänderungen zu Gebot 
ständen. Er wird wohl das ganze Heft bilden, da vier Tafeln 
nicht zu viel sind, indem er in natürlicher Grösse abgebildet 
werden muss. 

Wegen der D a r m s t ä d t e r Ornithologie haben wir, glaube 
ich, nicht viel zu befürchten. Herr von Schertel hat das erste 
Heft kommen lassen und sich durch eigene Ansicht überzeugt, 
dass die Abbildungen schlecht und der Text ganz unbedeutend 
seien. Es ist keine zweite Ausgabe, sondern nur eine Fort- 
setzung der ersten, so dass das erste Heft das zweiundzwanzigste 
des älteren Werkes bildet, welches nie viel Furore gemacht hat. 
Der Herausgeber ist ohne Zweifel mein Freund Kaup, welcher 
mir 1834 sagte, dass er von der Fortsetzung abstehen werde, 
wenn ich das schon früher angekündigte Werk erscheinen lasse, 
und dass er mir sogar seine zu diesem Zwecke gesammelten 
Materialien mittheilen wolle, wenn ich es wünsche. Weil nun 
aber seit drei Jahren nichts von unserm Werke erschienen ist, 
so glaubte er ohne Zweifel, ich habe darauf resignirt. — Was 
Ihren Vorschlag betrifft, unser Werk in Kupfer stechen zu lassen, 
muss ich bemerken, dass wir in Württemberg keinen ausge- 
zeichneten Kupferstecher besitzen, wohl aber Steinstecher, welche 
solide Arbeit liefern. Wenn Ihnen der Atlas zur Naturgeschichte 
der drei Reiche von den Heidelberger Professoren bekannt ist, 
so können Sie sich überzeugen, wie unser Lithograph Gnauk 
die Sache behandelt. Er ist aber leider so sehr mit Aufträgen 
überhäuft, dass er bis jetzt noch nicht viel für uns arbeiten 
konnte. — Der Preis für das Heft ä 4 Fl. ist nicht hoch, denn 
unsere Platten enthalten gewöhnlich mehrere Vögel und eine 
Landschaft, oder das Nest und stets die Eier, was bei den 
Darmstädtern nicht der Fall ist ; denn dort sitzt der Vogel ganz 
einfach auf einem höchst einfachen Aste, oder auf einem braunen 



— 121 — 

oder grünen Fleck, üeber meine Platten vom Zipammer und 
Berglaubvogel werden Sie sich freuen, indem auf denselben so viel 
zusammengedrängt ist, dass man leicht zwei Platten damit 
hä'te füllen können. Bei Emberiza cia z. B. auf einem Haufen 
abgefallener, abgestorbener Baumblätter das Nest in natürlicher 
Grösse, darin ein Ei, auf dem hintern Kande das eben ausge- 
flogene Junge, hinter und neben dem Neste ein wilder Rosen- 
strauch, worauf das alte Männchen sitzt. Auf dem Laub vor 
dem Neste steht das alte Weibchen, im Begriff gegen das Nest 
zu hüpfen. Auf der linken Seite, oben auf einem abgeschnittenen 
Zweige des Rosenstrauches, sitzt das alte Männchen im Herbst- 
kleide, mit der Brust nach vorn gekehrt, wodurch die schwarzen 
Fleckchen der Brust sich deutlich zeigen. 

In der künftigen Woche werde ich ohne Zweifel bestimmt 
erfahren , wann der Lithograph fertig wird. Den Prospectus, 
glaube ich, dürften Sie nun wohl verbreiten; denn wir müssen 
ja doch zum Voraus wissen, wieviel Exemplare gedruckt werden 
müssen. Auch wir, Schertel und ich, werden nun Alles auf- 
bieten, die Zahl der Subscribenten zu vermehren. Durch eine 
bedeutende Buchhandlung, welche weitgehende Verbindungen 
hätte, ginge dieses natürlich leichter, und meine frühere Verlags- 
handlung (Cotta in Stuttgart) hätte, glaube ich, auch Lust , das 
ganze Werk in Verlag zu nehmen ; allein die Bedingungen kenne 
ich noch nicht, und wenn diese nicht sehr günstig sind, fahren 
wir besser beim Selbstverlag, so zeitraubend und mühsam der- 
selbe immerhin sein mag. — Ob ich meine projectirte Reise 
nach Ungarn ausführen werde, weiss ich noch nicht gewiss, da 
dieselbe von verschiedenen Umständen abhängig ist; ich werde 
darüber erst in der künftigen Woche Gewissheit erlangen, auf 
jeden Fall aber mein Möglichstes thun, meinen Plan zur Aus- 
führung zu bringen. An das Caspische Meer werde ich aber 
diesmal auf keinen Fall gelangen ; denn dazu wäre die Zeit von 
5 — 6 Monaten zu kurz, und überdies würde die Pest im Orient 
viele Schwierigkeiten entgegensetzen. Es ist vor der Hand hin- 
reichend, Ungarn zu durchforschen, da dieses Land unendlich viel 
Neues dem Oruithologen darbietet, und Naumann selbst rieth 
mir, vorläufig nicht weiter als bis Semlin zu gehen, um von da 
aus Syrmien und das Banat zu durchforschen. — So angenehm 
es mir wäre , Sie persönlich kennen zu lernen und zu diesem 
Zwecke in Sachsen mit Ihnen zusammenzutreffen, so unmöglich 



122 

ist es mir gegenwärtig, zumal wenn ich nach Ungarn reise, 
weil ich noch so viele Vorbereitungen zur Reise selbst, sowie 
zu unserm Werke zu treffen habe , dass mir vor der Abreise, 
welche in den ersten 8 Tagen des April erfolgen müsste, kein 
Tag mehr frei bleibt. Ich schlage Ihnen aber vor. im nächsten 
September zur Versammlung der Naturforscher nach Freiburg 
im Breisgau zu kommen, wo ich mich alsdann ebenfalls einfinden 
werde. Von Holland *) aus sind Sie in drei Tagen mit Dampf- 
schiff an Ort und Stelle. Den Rückweg machen Sie mit mir 
durch Württemberg und lernen auch den Herrn von Schertel 
persönlich kennen. Sollten Sie Ihren Plan einer Reise nach 
Norden ausführen, so kann Ihnen Schertel die besten Nach- 
weisungen und Empfehlungen geben, da er in Dänemark, Helgo- 
land, Norwegen, Lappland, Schweden u. s. w. zwei Jahre gereist 
ist und Vögel gesammelt hat. Er brachte sechsunddreissig Stück 
Corvus infaustus und ebenso viel Strix nisoria mit, hat aber von 
seinen 1200 Bälgen schon, bevor ich ihn kannte, dreiviertel ver- 
schenkt, so dass er die meisten nur noch paarweise besitzt. — 
Dass Ihr Werkchen über die Vögel Pommerns in Gloger 
einen so guten Beurtheiler (was er sonst nicht zu sein pflegt) 
fand, freut mich sehr, noch mehr aber die weitere Folge des- 
selben : Ihre ausgedehnte Bekanntschaft und zugesicherte Pro- 
tection. Ich habe, seitdem ich Ihnen meine Ansicht über Ihr 
System mitgetheilt habe, selbst auch versucht, die Vögel auf 
eine zweckmässigere und naturgemässe , namentlich auch mehr 
übersichtliche Art an einander zu reihen und mich dabei überzeugt, 
dass Ihr System wirklich als ein Fortschritt in der Systematik 
betrachtet werden kann ; nur streitet der Anfang mit den Spech- 
ten gegen alle hergebrachte Ordnung und wird deshalb Wider- 
spruch finden. Bei meinem Versuche bemühte ich mich, grössere 
Ordnungen zu bilden, weil er zur Basis eines Werkes über 
die Vögel des Elsass, über die ich sehr viele und interessante 
Beobachtungen besitze, dienen solle, welches dadurch etwas prak- 
tischer werden dürfte, als wenn die Ordnungen zu sehr zer- 
splittert würden. Die Ordnungen sind etwa folgende: I. Flei- 
scher, Laniares, IL Spaltschnäbler, Fissirostres, III. Sitzfüssler, 



*) Dieser Reiseplan giebt immerhin ein Bild der damaligen Ver- 
kehrsmittel. Also zvmächst eine Seereise nach Holland und dann eine 
Flussreise den Rhein aufwärts. Es ist so ziemlich derselbe Weg, wie 
ihn Palmen seinen Wandervögeln supponirt, v. H. 



- 123 — 

Bracliypodes, IV. Kletterer, Scansores, V. Schreier, Clamatores 
(Raben), VI. Insectenfresser, Insectivorae, VII. Pelzvögel, Enu- 
cleatores, VIII. Schnäbler. Columbantes , IX. Scharrfüssler , Rii- 
spantes, X. Läufer, Cursores, XL Wader, Vadantes, XII. Stelz- 
füssler, Grallatores, XIII. Schmalbäuclier, Compressigastri, XIV. 
Schwärmer, Volitatores, XV. Ruderer, Remigantes. Als Beispiel 
meiner Eintheilung der VI. Ordnung, Insectivorae: I. Turdus, 
IL Lanius, III. Bombycilla, IV. Muscicapa, V. Saxicola, VI. Sylvia, 
a) Röthlinge, b) Erdsänger, c) Meistersänger (Nachtigall), d) 
Grasmücken, e) Rohrsänger, f) Laubsänger, VII. Regulus, VIII. 
Parus, IX. Accentor, X. Troglod^^tes , XL Cinclus, XII. Mota- 
cilla, XIII. Anthus, XIV. Alauda. 

Auf den Singmuskelapparat lege ich kein so grosses Gewicht 
wie Gloger, weil solche Vögel theilweise zu Ordnungen gehören, 
welche nicht zu den Singvögeln zu rechnen sind*), z. B. Falco 
musicus. Die ganze Summe aller Aehn lichkeiten 
zusammengenommen kann allein den Grad der 
Verwandtschaft bestimmen. In der Schweiz sind jetzt 
311 Arten als einheimisch bekannt, im Elsass kenne ich 293, 
welche ich aufzählen werde. Diese Aufzählung habe ich haupt- 
sächlich dazu bestimmt, im Elsass und Frankreich als Vorläufer 
•unseres grossen Werkes zu dienen, und es wäre vielleicht zweck- 
mässig, auch eine französische Ausgabe zu veranstalten. — 

Heute erhielt ich ein Schreiben aus der Schweiz, wonach 
im November 1837 in St. Gallen ein Mau er spe cht in einer 
Kammer lebendig gefangen wurde, welcher einen Kreuz- 
schnabel hatte und also seine Nahrung allein mit der Zunge 
suchen musste. Er konnte jedoch nicht länger als anderthalb 
Tage am Leben erhalten werden. Dieser Winter, so strenge 
er auch bei uns war, brachte wenig nordische Vögel hierher. 
An der Donau erschienen zehn bis vierzehn Singschwäne, wovon 
einige Stücke erlegt wurden ; ich erhielt jedoch keinen derselben ; 
hier zeigten sich mehrere .Tage dreissig Saatgänse; es warden 
davon zwei erlegt, wovon ich eine besitze. Die eine hatte sieb- 
zehn, die andere achtzehn Steuerfedern. Die Schädel und 
Schnäbel waren etwas verschieden. Das Kennzeichen der Schwanz- 
federn ist sehr trüglich, denn häufig sind bei vielfedrigen 
Schwänzen zu wenig oder zu viel Federn entwickelt; so schoss 

*) Andere, in der Natur nahe verwandte Arten, wie Schwalben 
und Segler, werden von einander getrennt. ' v. H. 



— 124 — 

ich ein Rebhuhn mit neunzehn Ruderfedern, obgleich es sich 
sonst nicht von andern unterschied. Am 20. Februar bei ziem- 
lich tiefem Schnee sind die Feldlerchen in Menge bei uns 
eingetroffen und auch hier geblieben. Seit vier Tagen ist der 
Schnee grösstentheils verschAvunden, und nun werden wir bald 
die Zugvögel ankommen sehen. Dieses Frühjahr und im Sommer 
wollen wir uns bemühen, eine Menge junger Vögel, Eier und 
Nester zu sammeln, um nicht in den Fall zu kommen, die Ab- 
bildung gewisser Arten, welche wir genau kennen, wegen Mangels 
an Exemplaren im Anstände lassen zu müssen. 

Das, was Sie etwa für mich sammeln, bitte ich bei der 
Hand zu behalten, bis ich darum bitte, weil eine Sendung wäh- 
rend meiner Abwesenheit zu Grunde gehen könnte, die Kisten 
aber fast immer vierzehn Tage bis drei Wochen auf dem Wege 
sind. Sollte ich in Bälde Vögel für Sie bekommen, so erhalten 
Sie dieselben sogleich, und dann auch diejenigen Nachrichten 
mit Bestimmtheit, welche ich Ihnen in Vorstehendem nur zweifel- 
haft mittheilen konnte. 

Nun leben Sie wohl und seien Sie herzlich gegrüsst von 
Ihrem wahren Freunde 

Landbeck. 

Mos singen, den 27. Februar 1838. 



Mein theuerster Freund! 

Jetzt erst ist es mir möglich, Ihnen anzuzeigen, dass ich 
meine Reise nach Ungarn in der ersten Hälfte des April an- 
treten werde. Die Vorbereitungen zu diesem Ausfluge haben 
mich so sehr in Anspruch genommen, dass ich fast nichts 
Anderes mehr unternehmen konnte. 

Nunmehr kann ich Ihnen auch wegen unseres Werkes etwas 
Bestimmtes sagen, indem ich die Fertigung der zwei ersten 
Platten in Stuttgart selbst betrieben -habe. Diese zwei Platten 
enthalten Emberiza cia und Sylvia montana und werden in 
Kupfer gestochen, weil unser Lithograph krank ist. Sie werden 
bis Ende des März fertig und abgedruckt, so dass ich noch 
Exemplare mit mir nehmen kann. Die dritte Tafel zeichnet 
Herr von Schertel. Sie wird Tichodroma phoenicoptera enthalten, 
wozu ich den Text noch vor meiner Abreise fertigen werde, 
ohne jedoch den Stich abwarten zu können. Die vierte haben 



— 125 — 

Sie in Händen, nämlich Coracias garrulus, wozu nun Sie den 
Text fertigen und den Stich besorgen lassen werden. Während 
meiner Abwesenheit werden Sie mit Herrn von Schertel corre- 
spondiren und das Weitere einleiten, so dass mir derselbe die 
zwei weiteren Platten vielleicht in ein paar Monaten nach Semlin 
nachsenden kann. Sobald ich vorräthige Exemplare habe, werde 
ich Ihnen die entbehrlichen zusenden, und zugleich werden Sie 
eine kleine Sendung von Alpenvögeln von mir erhalten, da 
kürzlich eine Lieferung aus Kärnthen angelangt ist. Die nächste 
Lieferung, die icli aus Kärnthen bekomme, wird sehr reichlich 
ausfallen, was auch Ihnen wieder zu Gute kommen wird. 

Bei uns zeigten sich diesen Winter viele Schwäne, 
wovon auch mehrere Stücke erlegt wurden, mir ist jedoch keiner 
zu Theil geworden; der Vogelzug aber ist sehr unregelmässig, 
und ausser Sylvia rubecula und rufa, Motacilla alba und boarula, 
dem Storch, Schnepfen und Lerchen sind noch keine Frühlings- 
vögel angekommen. 

Nun leben Sie wohl und seien Sie herzlich gegrüsst von 

Ihrem 

Mos sin gen, den 26. März 1838. Landbeck. 



Lieber Freund! 

Es ist nun bald ein Jahr vorüber, seitdem wir nichts mehr 
von einander gehört und gesehen haben, denn vom 10. April 1838 
war ich unter Begleitung meines jüngsten Bruders bis Mitte 
Januar 1839 von hier abwesend, zum Theil in Oesterreich, 
meistens aber in Ungarn und der Militärgrenze. Aus Mangel 
an Zeit vermag ich jetzt nicht, eine ausführliche Schilderung, 
meiner Reise mitzutheilen und muss mich begnügen, eine kleine 
Skizze zu geben: 

Im April 1838 fuhr ich auf verschiedenen Schiffen von 
Ulm aus die Donau hinab bis Wien, hielt mich etwa zehn Tage 
daselbst auf und gelangte sodann mit Dampfschiff in einem 
Tage nach Pest, wo ich mich abermals zehn Tage aufhalten 
musste, weil Petenyi die Reise theilweise mit mir machen wollte. 
Der erste ornithologische Ausflug war auf [ein Gut des Baron 
Bodmannicki, zwei Stunden von Pest, wo ich Sylvia palustris 
und turdina erlegte, auch Falco rufipes erhielt, sodann mit diesem 



- 126 — 

auf ein grosses, i 8 Meilen entferntes Gut Apaj ging, wo Sterna 
nigra leucopareja, leucoptera zu Hunderten brüteten, Himantopus, 
Becurvirostra, Characlrius albifrons, Totanus stagnatilis, calidris, 
Glareola torquata u. s. w. auch nicht selten waren, und gingen 
von da, nach sechswöchentlichem Aufenthalt, auf eine Keiher- 
insel, Adon}', wo Ardea cinerea, nycticorax und garzetta zu 
Tausenden und Garbo cormoranus ebenfalls in Menge sich auf- 
hielten. Von Adony fuhren wir mit Dampfschiff in zwei Tagen 
nach Semlin an die türkische Grenze, machten einen Abstecher 
in's Banat, besuchten die von Naumann geschilderte Eeiher- 
und Kriegsinsel und wendeten uns sodann rechts nach den 
s3Tmischen Sümpfen, wo wir Ardea cinerea, purpurea, egretta, 
garzetta , ralloides , Ibis falcinellus , Platalea leucorodia , Garbo 
pygmaeus, Sterna leucopareja in Menge fanden, auch Merops 
apiaster öfters antrafen. Nach dreimonatlichen Anstrengungen 
wollten wir in das Banat hinüber, um Pelecanus crispus, 
onocrotalus et minor zu sammeln, da erkrankte ich schnell an 
einem schleichenden Nervenfieber, welches mich drei Monate 
an das Krankenlager fesselte und mich dem Tode so nahe 
brachte, dass mein Arzt an meiner Genesung sehr zweifelte. 
Dieser unvermuthete Unfall hatte natürlich meinem Sammeln und 
Beobachten ein Ende gemacht, und so musste ich die Vogel- 
Erntemonate September und October unbenutzt verstreichen 
lassen und nur herzlich froh sein , mit dem Leben davon zu 
kommen. Jetzt habe ich mich jedoch wieder gänzlich erholt und 
habe, seitdem ich hier bin, schon Jagdpartien prästirt. Den No- 
vember und December brachte ich theils in Pest, theils in Wien mit 
Benutzung der Sammlungen zu und habe namentlich in letzterer 
höchst interessante Bemerkungen gemacht, auch eine Menge von 
seltenen Eiern abgebildet. Die Wiener Sammlung ist reicher 
als die vielberühmte Berliner, aber nicht gehörig aufgestellt, 
weil es dazu an Raum gebricht; auch ist keiner der Gebrüder 
Natterer, welche der Sammlung vorstehen, selbst Schriftsteller, 
weshalb*) ein fremder Gelehrter leicht Zutritt und freie Be- 
nutzung erhält. In Wien wäre für uns auf ein halbes Jahr voUe 
Beschäftigung, und ich möchte Ihnen rathen, wenn anders Ihre 



*) Dieselbe Liebenswürdigkeit waltet auch heute noch bei der 
Wiener Sammlung, wenn auch die Vorstände Schriftsteller sind. 

V. H. 



— 127 — 

Yerhältnisse es gestatten, diese Gelegenheit in Bälde zu benutzen. 
Die Sammlung besitzt ausser einer ausserordentlichen Menge 
von Vögeln auch eine vollständige Bibliothek der vorzüglichsten 
ornithologischen Schriften, z. B. Wilson und Bonaparte's Vögel 
Nordamerikas, das non plus ultra aller derartigen Kupferwerke. 
Auf meiner Reise habe ich viel Unglück gehabt, und es kostete 
mich dieselbe ein bedeutendes Lehrgeld, welches mich fast ab- 
geschreckt hätte, an eine neue Reise zu denken, wenn nicht 
unser Zweck solche Reisen unumgänglich nöthig machte. Aber 
wie wollen wir in unserm Werke Neues mittheilen über Vögel 
weit entfernter Gegenden, wenn wir nicht selbst den Wander- 
stab ergreifen? Wenn es meine Finanzen gestattet hätten, wäre 
ich diesen Winter in Wien geblieben, im Frühjahr wieder nach 
Ungarn in das Banat gereist und hätte alsdann vollends alle 
interessanten Vögel dieses Landes beobachtet und gesammelt, 
worauf ich durch Dalmatien und Griechenland nach Hause ge- 
reist wäre. So aber musste ich mich begnügen, einige Leute 
in Ungarn für mein Interesse zu gewinnen, Verträge mit ihnen 
über Nachlieferung des mir noch Fehlenden abzuschliessen und 
jetzt zu erwarten, ob dieselben Wort halten werden, woran ich 
übrigens nicht zweifle. Von den ungarischen Vögeln hätte ich 
Ihnen gern Einiges übersendet, aber ich habe sie noch nicht bei 
der Hand. Ich werde aber in Bälde eine Lieferung folgen lassen 
und derselben Ihre Beschreibungen von Coracias und Haematopus 
beilegen. Haematopus ostralegus hat alt im Winterkleide keinen 
weissen Halsring, was in Griechenland, wo er überwintert, leicht 
zu beobachten ist, Haematopus ludovicianus ist verschieden von 
ihm und kommt in Nordamerika vor, ist wohl der von Wilson 
abgebildete. 

In eines der nächsten Hefte könnte ich Ardea nycticorax, 
garzetta, cinerea, purpurea, Garbo cormoranus, Glareola torquata, 
Hypsibates himantopus, Gracula rosea, Merops apiaster, welche 
ich in Ungarn beobachtete, bringen. Aquila fusca Brehm ist 
der Falco Mogilnick*) Gm., eine eigene Art, welche in Ungarn 



*) Der auch in neuester Zeit vielfach gebrauchte GnieKn'sche Name 
„mogilnick" ist, wie dies bei Gmehn gebräuchhch , ganz beliebig anzu- 
wenden. Dies ist auch reichlich geschehen, denn nicht allein die ganze 
G-ruppe der Schreiadler, auch Aquila imperialis ist von verschiedenen 
Seiten hierher gezogen, ohne dass irgendwo die geringste Sicherheit dieser 
Deutungen gegeben werden konnte. Schon oft habe ich darauf aufmerk- 



— 128 — 

und der Türkei brütet. Gloger ist in seinem Werke in mancher 
Hinsicht im Irrthume, und Naumann hat über Ungarn und dessen 
gefiederte Bewohner sich ausserordentlich geirrt, weil er Vieles 
wiedergegeben, was ihm aufgebunden wurde. 

In acht bis vierzehn Tagen denke ich Ihnen eine Lieferung 
machen zu können, indessen seien Sie herzlich gegrüsst von 
Ihrem wahren Freunde 



Landbeck. 



Mössingen, den 22. Januar 1(S39. 



Mein lieber Freund! 

Und nun zur kurzen Beantwortung Ihrer beiden Schreiben. 
Sie wünschen von Aquila naevia ein Exemplar aus Ungarn zur 
Vergleichung. Dieser Vogel ist in Ungarn, zumal aber in 
Syrraien, gemein und hält sich an den Sümpfen längs der Save. 
in deren Eichenwäldern er brütet, zahlreich auf. Er lebt in 
Gesellschaft der Aquila albicilla und nährt sich vorzüglich von 
Aas und todten Fischen, ist aber scheu und deshalb nicht leicht 
zu erlegen, d. h. mit der Flinte, und eine Kugelbüchse hatten 
wir leider nicht mitgenommen, weil Baron Schertel sagte, dass 
er auf seiner nordischen Reise keinen Gebrauch von der Kugel- 
büchse machen konnte. Dieser Umstand war die Ursache, dass 
wir nur drei Exemplare, zwei alte Weibchen und ein junges 
Männchen, erlegen konnten, wovon ich Ihnen wahrscheinlich eins 
geben kann. Aquila fusca*) sah' ich nicht im Freien, aber im 
Pester und Wiener Museum drei junge Exemplare. Petenyi 
aber versicherte mich , die Alten in Ungarn brütend gefunden 
zu haben. Natterer in Wien sagte mir, dass dieser (Falco 
Mogilnickj, welchen Gloger ohne Weiteres zur A. naevia zog, 



sam gemacht, und diese meine Ansicht wird auch von verschiedenen 
Schriftstellern getheilt, dass es ganz unthunlich ist, da einen alten Xamen 
hervorzusuchen, wo man nicht mit voller Sicherheit die Identität nach- 
weisen kann. Nur durch Vermeidung von dergleichen Uebelständen kann 
der ganze Zweck der Namengebung — der einzig in der sichern Bezeich- 
nung des Gregenstandes besteht — aufrecht erhalten werden. 

Die sogenannte Gerechtigkeit gegen ältere Autoren , welche so 
häufig der Deckmantel eigener Eitelkeit ist, kann nur da ausgeübt wer- 
den, wo sie auf sicherm Grunde ruht. v. H. 

*) Aquila clanga. v. H. 



— 129 — 

bei Constantinopel ziemlich häufig sei, woher auch das Exemplar 
des Wiener Museums komme. Er scheint mir dem Falco 
malaccensis am nächsten zu stehen, sowie Falco Bonelli dem 
F. obsoletus ausserodentlich ähnlich ist. Ueber das Benehmen 
und die Stimme der Aquila naevia habe ich mehrere Notizen 
gesammelt, da ich auch einen Jungen längere Zeit lebendig be- 
sass. In Beziehung auf ornithologische Geographie 
war meine Reise von grossem Werthe, und es werden dadurch 
manche Angaben Gloger's berichtigt werden müssen, sowie über- 
haupt manche von diesem sehr belesenen Ornithologen zuver- 
sichtlich ausgesprochene Behauptung sich als unhaltbar zeigt. 
Aber wesentlich unrichtig ist, was Brehm über die ungarischen 
Vögel sagt. Von Petenyi in Pest haben wir seiner Zeit ge- 
diegene Monographien der ungarischen Vögel zu erwarten, doch 
habe ich auch mehrere Arten ziemlich vollständig beobachtet, 
namentlich: Merops apiaster, Parus pendulinus, Mot. flava. Anthus 
campestris, Charadrius albifrons, Hypsibates himantopus, Totanus 
stagnatilis, calidris, Platalea leucoradia, Ardea cinerea, purpurea, 
egretta, garzetta, ralloides, nycticorax, Gallinula porzana, Ibis 
falcinellus, Glareola torquata (ich werde diese künftig Nadrochelidon 
europaea nennen, weil der ältere Xame gänzlich unpassend ist, 
dieser aber sowohl seinen alleinigen Aufenthalt, als auch nächste 
Verwandtschaft bezeichnet), Sterna nigra, leucoptera, leucopareja, 
hirundo, Anas clypeata, acuta, querquedula, crecca, leucop- 
thalmos, Carbo cormoranus et pygmaeus, Podiceps auritus; von 
vielen andern aber interessante Notizen gesammelt. So z. B. 
besuchte ich die alten Brutplätze von Gracula rosea, wo 1837 
mehrere Tausende genistet hatten, fand viele gut erhaltene Nester, 
sah auch Eier und erfuhr über ihr Brutgeschäft das Wichtigste. 
— Von unserm Werke kann ich noch nicht viel Erfreuliches 
sagen. Die letzte Platte ist noch nicht fertig, weil ich mit 
Geschäften aller Art so überhäuft bin, dass ich noch nicht die 
nöthige Zeit dazu finden konnte. Was halten Sie davon, wenn 
wir vorläufig nur ganz ausführliche Monographien ohne Kupfer 
herausgeben würden, bis unsere Arbeiten einmal mehr bekannt 
wären; denn der hohe Preis steht vor der Hand auch der Ver- 
breitung des Textes im Wege. Nebenbei würde ich auch die 
Platten fertigen, welche dann später leicht nachgeliefert werden 
könnten. Es wäre ewig schade, wenn wir mit diesem gross- 
artigen Werke nicht reüssiren würden. Es gäbe noch einen 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 9 



— J30 — 

Weg, sicher zum Ziele zu kommen, wenn nämlich eine Re- 
gierung, etwa Preussen oder Russland, sich der Sache annehme 
und einen Theil der Kosten bestritte, wie dieses vom König der 
Franzosen öfters geschieht und was auch bei dem schönen Reise- 
w.erk von Freycinet der Fall war. Bedenken Sie diese Sachen. 
Vielleicht stehen Sie in Verbindungen, welche Sie ein gutes 
Resultat hoffen lassen. Allein Probearbeiten, und zwar nur 
sehr gelungene, müssten dabei producirt werden. . 

Die Mitwirkung Gloger's ist von Interesse für unser Unter- 
nehmen, zumal wir öfters in den Fall kommen werden, seine 
Angaben, sowie Naumann's, berichtigen zu müssen. 

Baron von Schertel ist auf einige Zeit verreist ; er übergiebt 
auf seinem Gut in Bayern einem Pächter ein neu angekauftes 
Bad in einer Gegend, wo Sterna anglica nicht selten brütet, 
nämlich am Lech. 

Nun leben Sie wohl und seien Sie herzlich gegrüsst von 
Ihrem aufrichtigen Freunde 

Landbeck. 

Mössingen, den 20. Mai 1889. 



Mein theurer Freund! 

Ihr Wunsch, die europäische Türkei zu bereisen, um die 
Vogelwelt darin näher kennen zu lernen, war auch der meinige, 
allein ich überzeugte mich in Ungarn, dass sie an Arten nicht 
viel mehr enthalte als Ungarn, dagegen aber weit mehr Individuen, 
welche noch wenig beunruhigt wurden, daher auch nicht sehr 
scheu und deswegen leichter zu beobachten sind. Ungeheuer 
soll die Anzahl aller Arten von Wasservögeln von Galatz bis 
zum Schwarzen Meere sein, wie mich Augenzeugen versicherten. 
Pelekane, Scharben, verschiedene Reiherarten, Ibisse und andere 
zeigen sich zu Tausenden in den Sümpfen längs der Donau, in 
der Moldau und Wallachei. Aber weit interessanter ist die 
ornithologische Bevölkerung Dalmatiens und ganz besonders 
Griechenlands. Denn dort sind fast alle südeuropäischen Land-, 
Gebirgs- und Wasservögel vereinigt und in grosser Anzahl vor- 
handen, zumal auch viele climatische Varietäten anzutreffen sind, 
welche aus Afrika herübergewandert sein mögen. Durch die 
genauere Kenntniss Griechenlands wird die europäische Fauna 
mehr als zwölf neue Species erhalten. 

Ich habe einio-e Freunde, welche in Griechenland lanciere 



— 131 - 

Zeit gesammelt haben und hoffe einen Theil der Ausbeute zu 
acquiriren, wovon auch Sie einen Theil erhalten. — Die Vögel, 
welche Sie als gemein schildern und die ich als ungarische auf- 
gezählt habe, sind weder in Ungarn noch in Württemberg selten. 
Sie waren mir deswegen interessant, weil ich von den meisten 
das Brutgeschäft zu beobachten Gelegenheit fand, was hier nicht 
möglich ist, da die Wasservögel grösstentheils nur am Federsee 
oder Bodensee brüten, wo ich mich derselben wegen nicht so 
lange aufhalten kann. 

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir 
dennoch reüssiren werden. Freund Schertel war kürzlich in 
Stuttgart und unterhandelte mit Cotta wegen der Verlagsüber- 
nahme. Cotta behauptete, dass nichts dabei zu gewinnen sei, 
doch w^oUe er nicht absagen; wir sollten nur einmal ein Heft 
fertig machen, dann wolle er versuchen, was sich in der Sache 
thun lasse. Es ist daher unumgänglich nöthig, das erste Heft zu 
vollenden. Sie erhalten nun zu diesem Zwecke folgende Materialien: 

1. Die vierte Originalzeichnung, das Weibchen im Herbste 
und das junge Männchen im Jugendkleide von Coracias garrulus. 
Das Weibchen habe ich nach einem in Ungarn erlegten, beinahe 
vollständig vermauserten Weibchen abgebildet, den Jungen eben- 
falls nach einem ungarischen Exemplar. Beim Weibchen hat 
der Oberhals zu wenig Licht erhalten, woran die Beschaffenheit 
der angewandten schwer zu behandelnden Farben Schuld war. 
Dieses muss durch den Stecher vermieden werden. Sie erhalten 
diese Tafel zur Ansicht und Beurtheilung und, im Falle Sie 
einen Künstler finden, welcher mehr Gewandtheit im Stiche der 
Vögel, sei es in Kupfer, Stahl oder Stein, als unser Kupfer- 
stecher besitzt, zur Ausführung. — Ich lege zwei Pirole bei, 
welche mir als Probe der Abbildungen zu der von Susemihl und 
Brehm herauszugebenden „Deutschen Ornithologie" , wozu ich 
anfangs den Text liefern sollte, zugesendet wurden und glaube, 
dass unsere Abbildungen, auf diese Art ausgeführt, Beifall 
finden würden. 

2. Die erste Tafel zum zweiten Hefte, Haematopus ostralegus 
enthaltend. 

o. Den Text zu Coracias garrulus mit meinen über diesen 
Vogel gemachten Notizen. 

4. Den Text zu Emberiza cia mit Nachtrag. 

5. Einen Nachtrag zur Beschreibung von Sylvia montana, 



— 132 — 

wonach wir mit diesem Vogel jetzt ganz im Eeinen wären. 
Dazu auch Beobachtungen von Savi über diesen Vogel, welche 
zur Ergänzung zu gebrauchen sind. 

6. Text von Haematopus ostralegus mit meinen Notizen. 

7. Meine Beobachtungen über Turdus pilaris. 

8. Nachträge zur württembergischen Fauna. 

Haben Sie nun die Güte, die Beschreibungen der erwähnten 
Vögel unter Benutzung meiner mitgetheilten Beobachtungen aus- 
fühi'lich und gründlich auszuarbeiten und, wenn es Ihnen möglich 
ist, auch das erste Heft in Octav, etwa im Format wie Nau- 
mann oder Gloger, drucken zu lassen. Ob Sie in das erste 
Heft nur drei Beschreibungen , nämlich die , von welchen die 
Abbildungen auch fertig sind, aufnehmen wollen, oder noch eine 
vierte, etwa von Turdus pilaris oder Haematopus ostralegus bei- 
zufügen für gut finden, überlasse ich Ihnen ganz. Ich habe seit- 
dem wieder mehrere neue Subscribenten erhalten. Sollten Sie 
keine Gelegenheit haben, die Abbildung stechen und den Text 
drucken zu lassen, so schicken Sie mir oder Schertel, nachdem 
Sie den Text in s Reine gearbeitet haben, denselben zu, damit 
wir das Weitere besorgen lassen, was mir im gegenwärtigen 
Augenblick wegen anderweitiger Geschäfte nicht möglich war. 
Zugleich erbitte ich mir alsdann auch die Notizen über die Gold- 
amsel, Abbildungen und die Beobachtungen von Savi zurück. 

Und nun noch etwas von der Sendung. Diese wäre reich- 
licher ausgefallen, wenn ich nicht Schertel einen grossen Theil 
davon hätte abtreten müssen, weil er mein Reiseunternehmen 
wesentlich unterstützt hat. Da ich aber noch im Herbst be- 
deutende Lieferungen aus Ungarn erwarte, so werde ich Sie bei 
einer zweiten Sendung besser bedenken. Doch wird Ihnen, wie 
ich hoffe, auch das Wenige, was Sie hiebei erhalten, Freude 
machen, da es seltene Vögel sind, die Ihnen in solchen*) Exemplaren 
ohne Zweifel noch fehlen. 

In der Hoffnung, dass Sie Alles gut erhalten und mit reicher 
Beute von Rügen zurückkehren werden, schliesst unter herzlichen 
Grüssen mit wahrer Freundschaft 

Ihr aufrichtiger 
Mössingen, den 9. Juli 1889. Landbeck. 

*) Sowohl von Landbeck als auch von Loebenstein erhielt ich eine 
Reihe ausgezeichnet schöner Bälge, namentlich von den prächtigen un- 
ofarischen Reihern. v. H. 



— 133 — 



Mein theurer Freund! 



Dass ich Ihr Schreiben vom 20. August erst jetzt beant- 
worte, hat verschiedene Ursachen, deren wesentlichste eine drei- 
wöchentliche Reise im württembergischen Oberlande am Feder- 
see und den oberschwäbischen Rieden und See'n, wo ich den 
Strich der Sumpfvögel beobachten wollte, war, und in neuester 
Zeit eine Localveränderung , indem ich in Folge wiederholter 
dringender Aufforderungen einiger Jugendfreunde die Verwaltung 
einer wissenschaftlichen Bildungsanstalt auf Salon bei Ludwigs- 
burg übernahm, welche mich sehr in Anspruch nimmt. Sie wird 
mich jedoch nicht hindern, meine ornithologischen Arbeiten, ob- 
gleich etwas langsamer, fortzusetzen, sobald wir einmal darüber 
im Reinen sind, ob wir unsere Monographien fortsetzen oder uns 
dem Susemihl'schen Unternehmen anschliessen werden. Ich werde 
dieser Tage Kaup und Susemihl Mittheilungen machen, um wo 
möglich eine Vereinigung zu Stande zu bringen. Schertel, den 
ich auf meiner Hinreise besuchte, meint, wir soUen nicht von 
unserm grossen Formate der Abbildungen abgehen und den Suse- 
mihl nur als unsern Kupferstecher zu gewinnen suchen. Ich bin 
auch überzeugt, dass unser Werk, von Susemihl gestochen, grossen 
Beifall finden müsste. Kaup könnte als Mitarbeiter angenommen 
werden, wenn er sich dazu verstehen wollte. Die Zeichnungen 
dürfen in keinem Falle der Willkür Susemihl's überlassen werden. 
Schertel und ich meinen, unser erstes Heft sollte jedenfalls ge- 
druckt und ein Versuch damit gemacht werden, wodurch Suse- 
mihl eher zur IN'achgiebigkeit gezwungen würde. Kann er nicht 
über Lexikon-Octav drucken, etwa wie Naumanns Werk, so müssen 
wir den Druck hier besorgen lassen, was auch mit dem Stiche 
der vierten Platte geschehen wird. Haben Sie in diesem Falle 
die Güte, mir Alles wieder zu übersenden, damit wir doch end- 
lich ein Heft fertig bekommen, um nicht am Ende verspottet zu 
werden. 

Können Sie mir zugleich eine Sendung von Vögeln machen, 
so wird es mich freuen, sowie Sie sich versichert halten können, 
von mir stets bedacht zu werden, wo ich Gelegenheit zu, für 
Sie passende Acquisitionen finde. So stehe ich gegenwärtig 
wegen griechischer Vögel in Unterhandlung, von welchen Ihnen 
noch manche mangeln werden. 



— 134 - 

lu der Hoffnung baldiger guter Nachrichten schliesst mit 
herzlichen Grüssen 

Ihr treuer Freund 

L a n d b e c k. 
Salon bei Ludwigsburg in Württemberg, 
den 29. September 1839. 



Mein theuerster Freund! 

Ohne eine Antwort auf mein letztes Schreiben, womit Sie 
eine Sendung von Vögeln erhalten haben werden, abwarten zu 
können, habe ich Veranlassung, Ihnen Einiges mitzutheilen, was 
wohl von hohem Interesse für unser literarisches Unternehmen 
werden könnte. 

Wie Sie schon wissen, hat sich Dr. Kaup in Darmstadt mit 
Susemihl, dem berühmten Kupferstecher, zur Herausgabe einer 
europäischen Fauna verbunden, und beide laden uns durch bei- 
liegende Briefe zur Theilnahme an der Bearbeitung ein, weil 
Kaup nicht so viele eigene Erfahrungen machen konnte, um einen 
gediegenen Text zu den Abbildungen liefern zu können. Die 
Abbildungen sind herrlich gestochen und ziemlich gut illuminirt, 
aber incorrect, namentlich in Hinsicht auf Perspective, gezeichnet, 
was sich jedoch verbessern liesse, wenn ihm die Conturen ge- 
zeichnet würden. — Ich habe Kaup heute geschrieben, dass ich 
für mich ohne vorherige Besprechung mit meinen Mitarbeitern 
keine Zusage geben könne und nach diesem Plane nie theil- 
nehmen werde. Sollte jedoch Susemihl sich dazu verstehen, un- 
sere Monographien zu verlegen, so könne auch Kaup daran theil- 
nehmen, eine definitive Antwort aber habe ich bis auf weitere 
Nachricht von Ihnen ausgesetzt. 

Was sagen nun Sie dazu? Und wie steht es mit unserm 
ersten Hefte ? Wenn wir nur Monographien seltener europäischer 
Vögel liefern, dürften wir ohne Zweifel ziemlich viel Abnehmer 
finden, allein jetzt istpericulum inmora. Susemihl wird uns die Sub- 
scribenten entziehen, wenn wir noch lange warten; unsere beiden 
Werke werden überhaupt schwerlich neben einander bestehen 
können. Es wäre ewig schade, wenn unser schönes Unternehmen 
schon im Keim ersticken sollte. Thun Sie doch, was Sie können, 
um vom Kaiser von Russland oder Ihrem König Unterstützung 
zu erlangen. Alles dieses hängt aber von der gelungenen Voll- 



— 135 - 

endung des ersten Heftes ab. Die ZeichnuDgen und Briefe er- 
bitte ich mir mit der nächsten Vogellieferung zurück. 

Der Strandläuferzug hat heuer früh begonnen, brachte aber- 
nur junge Vögel hierher, nämlich: Totanus ochropus, glareola, 
hypoleucos, Vanellus cristatus, welche ich alle im Jugendkleide 
erhielt. Ich werde wahrscheinlich in einigen Tagen die ober- 
schwäbischen See'n und Moore, vielleicht auch den Bodensee be- 
suchen, um zu sehen, was der Zug Neues in diese Gegenden bringt. 
Leben Sie wohl, herzlich grüsst Sie 

Ihr wahrer Freund 

Landbeck. 
Mössingen, den 7. August 1839. 



Mein theuerster Freund! 

Gerne hätte ich Ihnen den Empfang Ihrer letzten Sendung 
früher angezeigt und Ihnen meinen Dank dafür zu erkennen ge- 
geben, wenn ich nicht Hoffnung gehabt hätte, Ihnen das erste 
Heft übersenden zu können. Diese Hoffnung wurde nun aber 
vereitelt, weil der Kupferstecher mit der Platte vor drei Wochen 
noch nicht fertig wird; so lange mochte ich aber die Antwort 
auf Ihren Brief nicht anstehen lassen. 

Ihre Bemerkung über die Halsfarbe des Haematopus ostra- 
legus ist richtig; ich habe dieselbe jedoch absichtlich so ge- 
halten, damit der Kupferstecher um so genauer die Structur des 
Gefieders nachzuahmen vermag. Der Illuminist darf alsdann 
diese Stelle nur dunkler decken, so wird gewiss die erwünschte 
Wirkung hervorgebracht. 

Ich habe jetzt einen Austernfischer im Winterkleide aus 
Griechenland unter der Hand gehabt und über den Halsring Fol- 
gendes beobachtet: Die Wurzeln der Federn an dieser Stelle 
sind weiss, was sich jedoch nur bei gelüfteten Federn zeigt, 
die äussere sichtbare Hälfte ist schwarz wie die übrigen Federn, 
mehrere derselben haben aber wieder einen weissen Saum, wo- 
durch an dieser Stelle ein weisser Anflug, aber kein deutlicher 
Fleck entsteht. 

Coracias garrulus ist nach meinem Exemplar aus Ungarn 
gerade so grünlich, wie ich es abgebildet habe. Ueber diesen 
Vogel habe ich noch eine interessante Xachricht bekommen: 
dass er nämlich vor etlichen und zwanzig Jahren in der Gegend 



- 136 — 

von Heidenliaim in Württemberg so häufig gebrütet habe, dass 
man in die Menagerie nach Stuttgart alljährlich 30 — 40 Junge 
liefern konnte. In neuerer Zeit bemerkt man ihn jedoch nur 
einzeln zur Brütezeit in jener Gegend. Carbo cormoranus habe 
ich ziemlich genau beobachtet, allein ich glaube nicht, dass wir 
seine Geschichte erschöpfen, weil wir über dessen Verbreitung 
nichts Bestimmtes sagen können, indem er fast immer mit andern 
verwechselt wurde. So glaubt Natterer, der Carb. corm. aus 
Norwegen und Island sei eine vom deutschen und ungarischen 
ganz verschiedene, weit grössere Art, und so besitzt das Wiener 
Museum noch mehrere äusserst seltene Arten, mit welchen unser 
Vogel verwechselt wurde. Wenn wir auch diesen Vogel nach 
Lebensart, Fortpflanzung u. s. w. beobachtet haben und ihn in 
dieser Hinsicht ausführlich beschreiben können, so wird doch die 
Synonymie unrichtig ausfallen. Sonderbar ist schon der Um- 
stand, dass die nordischen Scharben auf Felsen brüten und sich 
nur am Meere auflialten, während die unserigen Flussinseln und 
die höchsten Bäume bewohnen, auch andere Arten von Fischen 
fressen. Wenn Sie übrigens glauben mit dieser Art fertig zu 
werden, so will ich Ihnen meine Notizen übersenden. Für eines 
der nächsten Hefte gedenke ich auch Merops apiaster, Glareola 
torquata, Ardea garzetta, nycticorax zu bearbeiten. Das, was 
ich von Ihren Vögeln weiss, werde ich Ihnen bei der üebersen- 
dung des ersten Heftes mittheileu. Susemihl hat sich nicht in 
unsere Vorschläge gefügt, sondern fährt fort, sein angefangenes 
Werk, wozu Dr. Gergens in Mainz den Text nach Temmink 
liefert, den Notar Bruch corrigirt, herauszugeben, und ich be- 
sitze jetzt zwei Hefte desselben. 

Zu den von Ihnen beabsichtigten Ausarbeitungen würde ich 
nöthig haben: Haematopus ostralegus im Dunenkleide und ein 
altes Weibchen im Winter, Grus cinerea, Ei und Dunen- oder 
wenigstens Jugendkleid, Kecurvirostra avocetta juv. und pull, 
sammt Ei, Strepsilas collaris, Ei und Dunenkleid, zu Machetes 
pugnax Dunenkleid und Ei. 

In vier bis sechs Wochen tverde ich Ihnen ohne Zweifel 
eine Anzahl Exemplare vom ersten Hefte senden und alsdann 
auch eine Partie Vögel beilegen können. 

Indessen grüsst Sie herzlich 

Ihr aufrichtiger Freund 
Salon, den 2. Februar 1840. Landbeck. 



- 137 — 

Mein tlieiirer Freund! 

In den letzten Tagen des September und den ersten des 
gegenwärtigen Monats machte ich einen Besuch am Federsee, 
dem zweitgrössten württembergischen See, '^/^ Stunden lang und 
•^^ Stunden breit, mit sehr ausgedehnten Rieden und Torfmooren, 
wohin ich jährlich zweimal komme, um Vögel zu jagen und zu 
beobachten, indem mancher Sumpf- und Wasservogel daselbst 
brütet oder sich im Durchzuge zeigt. Ich fand gerade Sylvia 
aquatica im Zuge. Es mochten etwa dreissig bis vierzig Stück 
sich in den unzugänglichen Eiedwiesen herumtreiben, denn ich 
konnte vom Schilf aus sieben Stück erlegen, von denen ich ver- 
mittelst des Hundes drei Stück erhielt, welche ein herrliches 
vollkommenes Herbstkleid trugen. Künftiges Frühjahr werde 
ich die Gegend wieder besuchen und hoffe alsdann eine grössere 
Anzahl zu erlegen, weil den Winter über das meiste Eohr, 
Binsen u. dgl. abgeschnitten werden. Zugleich schoss ich auf 
einen Schuss ein Paar junge Kampfstrandläufer, welche vorher 
mehrmals gefehlt wurden, aber dreimal die gleiche Stelle wieder 
besuchten; fünf Sterna nigra, sämmtlich im vollständigen 
Herbstkleide. Aus Pommern wird sie ohne Zweifel früher 
verschwinden, vielleicht halb vermausert.*) An einem Flusse 
tauchend fand ich viele Hundert von Podiceps minor, welche 
im warmen Quellwasser überwintern und der Forellenbrut Ab- 
bruch thun. 

Nun leben Sie wohl und seien Sie herzlich gegrüsst von 
Ihrem aufrichtigen Freunde 

L. Landbeck. 

Salon, den 20. October 1840. 



Mein theurer Freund! 

Endlich ist es mir möglich, Ihre beiden schätzbaren Briefe 
zu beantworten. Ich bin seit ein paar Monaten unwohl und hatte 
nebenbei mit meinem Amte viel Arbeit, so dass ich der Orni- 
thologie wenig Zeit schenken konnte; da ich jedoch jetzt einen 
Gehülfen halte, so wird mir künftig mehr Zeit hierzu verbleiben. 



*) So ist es, denn rein vermauserte schwarze Seeschwalben habe 
ich hier nicht gefunden. v. H. 



— 138 — 

Wenn Sie mir je ein Ei von Ilois falcinellus, Ardea ralloides 
und Carbo pygmaeus entweder abtreten, oder, wenn Sie keine 
Doubletten davon besitzen, zum Abbilden und Beschreiben über- 
senden möchten, wäre es mir sehr angenehm. Ich werde Ihnen 
später andere Seltenheiten dagegen zukommen lassen, zumal 
Glareola torquata. Diesmal erhalten Sie ebenfalls zwei seltene 
ungarische Eier, St. leucoptera et leucopareja. 

Wegen unseres Werkes habe ich mich schon viel geärgert, 
indem der Kupferstecher in der Ausführung meiner Zeichnungen 
sich willkürliche Abweichungen erlaubt, so dass ich mich ge- 
nöthigt sah, demselben die Platten zur Verbesserung zurück- 
zugeben. Sie erhalten hier die zwei letzten Platten, um zu 
sehen, wie sie jetzt ausgeführt sind. Emberiza cia Hess ich so ab- 
ändern. Die zweite (Coracias garrulus) ist gegenwärtig noch in 
der Arbeit; vorliegender Abdruck weicht bedeutend von meiner 
Zeichnung ab. Den Text von allen drei Arten des ersten Heftes 
erhalten Sie zur Durchsicht mit der Bitte, mir denselben mit 
Ihrer nächsten Lieferung wieder zurückzusenden, wobei ich auch 
um gefällige Zurückgabe der früher übersendeten Notizen über 
Turdus pilaris und Coracias garrulus bitte, weil es Originalnotizen 
aus meinem, aus lauter solchen einzelnen Bogen bestehenden 
ornithologischen Journale sind. 

Wie Sie das vorige Mal schrieben, sind Sie gesonnen, ein 
Werk über die Vögel Pommerns oder Deutschlands auszuarbeiten. 
Wenn ich Ihnen dabei Vorschub leisten kann, geschieht es mit 
Vergnügen. Ich habe auch im Sinne, eine Fauna Württembergs 
auszuarbeiten, indem ich Material genug dazu besitze; ob ich 
aber mich noch im Laufe des Winters damit befassen kann, ist 
zweifelhaft. Für die Isis habe ich einige Aufsätze an Oken ge- 
sandt, nämlich eine Beschreibung einer ungarischen Reiher-Insel; 
Beobachtungen über die Verbreitung der Felsenschwalbe und des 
italienischen Sperlings und eine Uebersicht der Säugethiere und 
Vögel Siebenbürgens, ungefähr nach Art meiner württembergischen 
Vögel, aber mit Angabe der ungarischen, wallachischen und pol- 
nischen Benennungen. Ich werde noch einige derartige iVrbeiteu 
liefern, um das naturforschende Publikum auf unser grosses Werk 
aufmerksam zu machen. 

Wir haben gegenwärtig S—V2 Grad Kälte, aber es zeigt 
sich kein nordischer Vogel, ausser einigen Bergfinken. — Mit 
essigsaurer Thonerde habe ich kürzlich Versuche zur Erhaltung 



— 139 - 

von geschossenen Vögeln im Fleische gemacht und habe sehr 
günstige Resultate erhalten, indem ein mit einer Auflösung 
dieser Thonerde in Hals und Luftröhre eingespritzter Blauspecht 
nach sechs Wochen noch gut abgezogen werden konnte. Dieses 
ist für ornithologische Reisen im heissen Sommer sehr wichtig. 
Hätte ich das Mittel in Ungarn schon gekannt, so wäre mir 
mancher seltene Vogel nicht zu Grunde gegangen. Sammeln 
Sie auch Insecten und Conchjiien? Wenn Sie Conchylien der 
Ostsee gelegentlich senden könnten, wäre es mir angenehm, in- 
dem unsere Anstalt eine Conchylien-Sammlung begonnen hat. 

Mit dem Wunsche, dass Sie Alles gut erhalten möchten 
und dass das kommende Jahr Ihnen reiche wissenschaftliche 
Beute bringen möge, schliesst mit unwandelbarer aufrichtiger 
Freundschaft und herzlichen Grüssen 

Ihr 

Landbeck. 

Salon, den" 12. Januar 1842. 



Mein theuerster Freund! 
Bevor ich Ihr letztes Schreiben erhielt, hat sich Buchhändler 
Hoftmann in Stuttgart — der bedeutendste Verleger naturhisto- 
rischer Schriften — geneigt erklärt, ein grösseres Werk über 
Vöo'el von mir in Verlag- zu nehmen. Dasselbe dürfte einen 
Text erhalten, welcher 60—70 Bogen im Format, des Naumann- 
schen Werkes gleich käme und durch etwa 48 — 50 Tafeln Ab- 
bildungen in Quartformat erläutert würde. Auf diesen Tafeln 
würden fast alle Männchen der europäischen Vögel, jedenfalls 
alle Sippen Platz finden. Es fragt sich jetzt, was wir thun 
wollen. — Haben Sie einen Verleger zu dem von Ihnen projec- 
tirten Werke oder nicht? Den Hoffmann' sehen Verlag würde 
ich aber jedem andern vorziehen, weil derselbe hauptsächlich mit 
naturhistorischen Schriften sich befasst, die ausgedehntesten Ver- 
bindungen hierfür besitzt und zur Ausführung der Abbildungen 
ganz gut eingerichtet ist. Man könnte die Abbildungen farbig 
drucken , womit Hoffmann auf meine Veranlassung gelungene 
Versuche gemacht hat. Theilen Sie mir nun Ihre Ansichten 
genau mit, damit wir mit dem Plane bald ins Reine kommen 
und diesen Winter die Sache vorbereiten können. Unsere Arbeit 
wird sich wohl so vertheilen, dass Sie hauptsächlich die Beschrei- 



— 140 — 

bungen bearbeiten — am besten auf halbgebrochenes Papier, 
damit ich meine Erfahrungen beifügen kann — und ich die Ab- 
bildungen fertige. So werden wir doch endlich noch unser Ziel 
erreichen, dem wir schon so viele Jahre nachstreben! Mit der 
Ausführung des Textes wie in der Beilage bin ich einverstan- 
den; doch wird natürlich Neues ausführlicher behandelt. 

Die nächste Zusammenkunft der Naturforscher ist in Bremen. 
Noch habe ich Ihnen mitzutheilen, dass ich im nächsten Früh- 
jahr nach Baj^ern übersiedeln werde, wo ich ein Landgut mit 
bedeutender Jagd gepachtet habe. Da ich selbst eine Wasser- 
jagd bekomme und dann nur drei Stunden bis an die Donau habe, 
so hoffe ich für meine Sammlung gute Beute zu bekommen. 

Graf von der Mühle besuchte ich in München; er zeigte 
mir einen Brief von Ihnen, bezeugte aber wenig Lust zu einem 
Tauschhandel, da er das hohe Porto scheut, üebrigens be- 
sitzt er wenig schön erhaltene Bälge, da er gar keinen Werth 
darauf legt und seine bloss aus Bälgen bestehende Sammlung nur 
als Mittel betrachtet. Er bearbeitet gegenwärtig ein ausführ- 
liches Werk über die Vögel Griechenlands mit Abbildungen. 
Seine neuen Wasservögel sind nicht neu, auch manches Andere 
nicht; ich habe seine Sammlung genau untersucht, er hat mir 
auch das Meiste zugestanden. Naumann hat ihn gebeten, ihm 
seine neuen Entdeckungen für die Nachträge abzutreten, damit 
sie nicht so arm ausfielen; hat auch das Meiste erhalten! — 

Nun leben Sie wohl und seien Sie herzlich gegrüsst von. 
Ihrem wahren Freunde 

L a n d b e c k. 

Salon, den 7. September 1844. 



Mein theurer Freund! 

An unserm Federsee erschienen dieses Frühjahr ungefähr 
vierhundert Charadrius auratus und vierunddreissig Grus cinerea, 
an dem Brinzsee vier Anser aegyptiacus, welche geschossen und 
verspeist wurden. 

Was halten Sie von der neuen Apuila pomarina, welche die 
grossen pommerschen Wälder bewohnen und in Schleswig und 
Holstein brüten soll? Haben Sie dieselbe schon beobachtet? Ich 



— 14L — 

befürchte fast, dass eine Verwechselimg*) mit dem Männcbeu des 
Schreiadlers vorwalten dürfte. 

Nun leben Sie wohl und seien Sie herzlich gegrüsst von 
Ihrem aufrichtigen Freunde 

L a n d b e c k. 
Salon, den 14. April 1842. 



Salon, den 16. August 1842. 

Mein theaerster Freund! 

Ich hätte Ihren letzten lieben Brief längst erwidert, wenn 
ich nicht gewünscht hätte, Ihnen zugleich ein Exemplar meiner 
sirmischen Vögelfauna zu übersenden. Mein Buchhändler hat mir 
aber abgerathen, dieselbe besonders herauszugeben, und so wird 
sie nun wahrscheinlich in der Isis ersclieinen, da sie bereits an 
Oken eingeschickt ist. Ausser den für die Isis gelieferten Auf- 
sätzen habe ich nicht viel ausgearbeitet, dagegen ziemlich viel 
Materialien gesammelt und beobachtet. Zur Erlegung von Vögeln 
habe ich hier wenig Gelegenheit, da in der Hofjagd nur unter 
Aufsicht des Jagdpersonals geschossen werden darf, was natür- 
lich äusserst hinderlich ist; doch erhalte ich von verschiedenen 
Seiten her seltenere Sachen. Genau bestimmte Eier und Nester 
der Vögel aus hiesiger Gegend habe ich heuer ziemlich viele 
gesammelt, darunter auch ein Nest von Regulus igni capillus, 
welche Art heuer ungemein häufig in einem an unser Gut an- 
stossenden Wäldchen sich aufhielt. Auch habe ich eine neue 
Quelle entdeckt, woher ich mancherlei frisch erlegte Strand- 
läufer erhalten kann. Es befindet sich nämlich eine Stunde von 
hier ein königlicher Park mit einem See, welcher allen durch- 
ziehenden Strandläufern einige Zeit zum Aufent- 
halte dient, überhaupt sind die ornithologischen Ver- 
hältnisse hiesiger Gegend eigenthümlich, indem 
Vögel, welche man nur im Norden zu suchen pflegt, zuweilen 



*) In vielen Fällen wird es sich auch wohl so verhalten. Mir ist 
es wenigstens nicht möglich gewesen, eine constante Grrössenvarietät auf- 
zufinden. Nur einmal erhielt ich durch Lindermayer ein auffallend kleines 
Stück aus Griechenland, welches ich an C. L. Brehm gab, der es auch 
beschrieben hat. Dieses Exemplar hatte jedoch unverkennbar in der Ge- 
fangenschaft gelebt. V. H. 



— U'2 — 

hier erscheinen, wie Haematopus ostralegus, Mergulus alle 
Mormon fratercula u. s. w. 

Haben Sie in Bezug auf die Naturforscher -Versammlung 
noch keinen bestimmten Entschluss gefasst? Sehr hübsch wäre 
es, wenn Sie nach Württemberg kämen, um unser Ländchen mit 
seinen Bergen, Thälern, See'n, Strömen und seinen ornithologi- 
schen Eigenthümlichkeiten zu sehen und mit Ihrer Heimath zu 
vergleichen. Ob ich, namentlich wenn Sie nicht kommen, nach 
Mainz gehen werde, ist sehr zweifelhaft, indem mehrere Um- 
stände im Wege sind und auch bei diesen Versammlungen für die 
Wissenschaft wenig, für den Magen aber viel geleistet wird, 
also hauptsächlich nur die etwa anzuknüpfenden Bekanntschaften 
wichtig sind. Es ist mir auffallend, dass in dem äusserst warmen 
und trockenen Sommer keine südlichen Vögel bei uns 
erscheinen, was unter ähnlichen atmosphärischen 
Verhältnissen fast immer der Fall war, z. B. 1811 
Flamingo und Ibisse. Wir haben schon längere Zeit 24 — 25^ 
Wärme (Reaum.j, welche bei Nacht nur um 4—5" fällt. Dass 
Sie für Ornithologie thätig waren, habe ich, ausser in Ihrem 
Briefe, aus der Isis und einer Buchhändler-Anzeige vernommen, 
worin ein erster Nachtrag zu den pommerschen Vögeln aufge- 
führt ist, den ich vielleicht mit Ihrer nächsten Sendung erhalten 
werde. 

In Stuttgart wird gegenwärtig eine grossartige artistische 
Anstalt errichtet, was für unser grosses Werk von Wichtigkeit 
werden wird, indem daselbst alle Arten von Stich, Druck und 
Illumination ausgeführt werden sollen. 

Nun, lieber Freund, leben Sie wohl und erfreuen Sie bald 
durch gute Nachrichten 

Ihren aufrichtig ergebenen 

L a n d b e c k. 



Mein theuerster Freund! 

Obgleich ich eine grosse Jagd, welche nicht weit von der 
Donau entfernt liegt, besitze, so hat meine Sammlung dennoch 
bis jetzt wenig Zuwachs von daher erhalten; doch erhielt ich Nu- 
menius arquatus alt und Eier, Totanus calidris alt, Dunenkleid 
und Eier, ebenso Podiceps cristatus; sonst brütet noch Totanus 



— 143 — 

ochropus, Scolopax gallinago und galliniüa*), mehrere Enten und 
Wasserhühner. Dagegen bringt der Zug und Strich manchen 
seltenen Gast in meine Sammlung. Diese kann ich hier voll- 
ständiger aufstellen als in Ludwigsburg, indem ich im Kaume 
weniger beschränkt bin. — 

Wie Sie wissen werden, ist am 18. September die Zusammen- 
kunft der deutschen Naturforscher in Nürnberg. Es wäre dieses 
eine herrliche Gelegenheit, uns endlich einmal auch persönlich 
kennen zu lernen. Deswegen schlage ich Ihnen vor, diese Ver- 
anlassung nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen, da wir so 
Vieles noch mündlich zu besprechen hätten. Vielleicht wäre es 
Ihnen alsdann noch möglich, mich nach Klingenbad zu begleiten 
und meine Sammlung zu mustern. In Nürnberg würden wir 
ohne Zweifel auch noch andere Ornithologen finden, welche un- 
serem literarischen Vorhaben nützlich werden könnten. Geben 
Sie mir gefälligst baldige Nachricht, ob ich auf das hohe Ver- 
gnügen rechnen darf, Sie in Nürnberg zu sehen, indem ich 
ausser diesem schw^erlich dahin reisen werde. 

Meine Desideraten werde ich Ihnen hier oder in Nürnberg 
aufgeben, falls Sie aber nicht kommen könnten, schriftlich mit- 
theilen, was mir im Augenblick nicht möglich ist, weil meine 
Sammlung noch nicht geordnet ist. 

In der Hoffnung baldiger Erwiderung grüsst Sie herzlich 
Ihr wahrer Freund 

L. Landbeck. 

Klingenbad, Landgericht Burgau in Bayern, 
den 5. August 1845. 

Viele Grüsse von Schertel. 



Klingenbad, den 18. Mai 1846. 

Mein theuerster Freund! 
Dieser gelinde Winter hat auch mir wenig Neues gebracht, 
obgleich zahlreiche Entenschaaren auf meiner Jagd hausten. 
Glücklicher w^ar ich dieses Frühjahr mit den Schilfsängern. Auf 
einem abgelegenen Winkel meiner Jagd, den ich sonst noch nie- 
mals besucht hatte, erlegte ich am 8. Mai von Sylvia arundi- 



■) Hier waltet wohl ein Irrthum ob. v. H. 



— 144 — 

nacea zwei, S. pliragmitis drei, S. locustella ein Exemplar und 
zwar lauter Weibchen, sah auch noch S. aquatica oder ca- 
riceti, die im Herbst hier nicht selten ist. Auf den Herbst 
hoffe ich beim Rückzug noch reichere Ausbeute an Schilfsängern 
zu machen, indem diesesF ruh jähr der Zug der Männ- 
chen bereits vorüber war, als ich das erwähnte günstige 
Plätzchen, das auf eine halbe Stunde Länge ein mit Weiden 
bepflanztes Flussufer ist, entdeckte. Berglaubvögel habe ich im 
vorigen Jahre hier mehrere bemerkt, auch einen erlegt. 

Die Naturgeschichte der von Ihnen bezeichneten Vögel 
werde ich bearbeiten, sobald es meine vielen Geschäfte erlauben, 
was besonders den Winter hindurch der Fall ist. 

Und nun leben Sie wohl und seien Sie herzlich gegrüsst von 
Ihrem aufrichtigen Freund 

Landbeck. 



Klingenbad, den 27. Dezember 1851. 

Mein theuerster Freund! 

Das Jahr 1848 hat bei mir, obgleich ich jeder politischen 
Bewegung durchaus fremd geblieben bin, eine Verstimmung er- 
zeugt, welche der Wissenschaft nicht günstig war und wozu dann 
meine isolirte Lage kam, welche mir niclit gestattete, die Fort- 
schritte derselben durch Benutzung der neueru Literatur zu ver- 
folgen und mit denselben auf dem Laufenden zu bleiben, so dass 
ich in dieser Zeit für Ornithologie wenig thun konnte. Auch 
die Isis, das Organ, dessen ich mich zur Bekanntmachung meiner 
Erfahrungen bediente, hat inzwischen aufgehört, und so war dies 
ein weiterer Grund zu meiner ornithologischen Unthätigkeit. 
Zwar habe ich meine Sammlung nicht vernachlässigt, sondern 
günstige Gelegenheiten stets zur Vermehrung derselben benutzt, 
aber nicht mehr mit dem früheren Eifer. Wie ich aus der Rhea 
und Xaumannia sah, haben Sie dagegen bedeutende Fortschritte 
gemacht und insbesondere über die Drosseln herrliche mono- 
graphische Arbeiten geliefert, welche Naumann in seinen neuesten 
Beiträgen benutzen konnte und auch benutzt hat. — Ich erinnere 
mich nicht mehr, ob ich Ihnen die Entdeckung eines neuen 
Sängers unter meinen griechischen Bälgen mitgetheilt habe. Ich 
habe diesen Vogel als Sylvia cinerea erhalten, was er jedoch 



— 14Ö - 

nicht ist und ihm den Namen Sj^lvia guttata*) beigelegt. 
Er ist in den Jahresheften des württembergischen naturhistorischen 
Vereins von mir abgebildet und beschrieben. Da ich nur das 
Männchen besitze und beschreiben konnte, erhielt ich nach Jahr 
und Tag vom Leibarzt des Königs von Griechenland, Dr. Linder- 
mayer in Athen, die Nachricht, dass er sich von der Kichtigkeit 
meiner Beschreibung überzeugt und auch das Weibchen entdeckt 
habe, das er mir bei Gelegenheit übersenden werde, was jedoch 
bis jetzt noch nicht geschehen ist. — 

Von der v. Müller'schen Expedition unter dem jungen Brehm 
erhielt ich einige interessante Vögel, z. B. Cursorius isabellinus, 
Charadrius spinosus, Sterna nilotica, Rhynchaea variegata, Alcedo 
rudis, Falco melanopterus, Merops viridis u. s. f. 

Wie mir Baron Müller mittheilte, hat er ein gepaartes Paar 
von meiner früher beschriebenen Sylvia rubricapilla in Abyssinien 
erlegt und Naumann zur Benutzung für seine Nachträge geliehen. 
Sie werden staunen, wenn ich Ihnen mittheile, dass ich halb und 
halb entschlossen bin, mit meiner Familie und ein paar Ornitho- 
logen nach Chili auszuwandern, um dort Landwirthschaft und 
Naturwissenschaften zu betreiben. Ein Haupthinderniss wird nur 
der Verkauf meiner Sammlung sein, die ich der Wissenschaft 
zu Liebe nicht zerstückeln mag und im Ganzen nicht werde ver- 
kaufen können. Sollte Ihnen ein Liebhaber zu derselben be- 
kannt sein, so würden Sie mir einen Freundesdienst erweisen, 
mir denselben zu nennen. 

Aus diesem Grunde theile ich Ihnen in Kürze noch Fol- 
gendes mit: Meine ornithologische Sammlung umfasst ungefähr 
420 Species, meist Europäer in fast allen Kleidern, auch Exoten 
und namentlich auch ca. 20 Species herrliche Colibris, im Ganzen 
in mehr als 2000 Exemplaren, wovon etwa 1300 meist pracht- 
voll ausgestopft und aufgestellt sind. Meine Eiersammlung be- 
steht ungefähr aus 200 Arten in 6—700 Exemplaren; seltene 
Nester sind auch ziemlich da. Sodann besitze ich eine Samm- 
lung von ca. 1200 Species meist deutschen, mexikanischen und 
nordafrikanischen Käfern, wovon über 1000 richtig bestimmt und 
sehr schön erhalten sind, in ca. 8000 Exemplaren; ferner eine 
Sammlung von Wanzen, Libellen, auch Schmetterlingen ; endlich 



*) Die citirte Abbilduno- kenne ich nicht; doch möchte ich wohl 
glauben, dass die erwähnte Sylvia mit S. Rüppellii identisch sei. 

V. H. 

V. Home j' er, Ornitholog. Briefe. 10 



- 146 — 

würde ich meine ziemlich bedeutende naturhistorische Bibliothek 
und meine auf Reisen in Ungarn und den Alpenländern, Schweiz, 
Tyrol, in Bayern, AVürttemberg und Baden gesammelten ornitho- 
logischen Notizen, welche zum Theil in der Sammlung basirt 
sind und nicht wohl davon getrennt werden können, dazu geben, 
wodurch ein Käufer, der zugleich tüchtiger Ornithologe ist, in 
den Stand gesetzt würde, darauf fortzubauen und alle meine in 
mehr als zwanzig Jahren gesammelten Beobachtungen und Er- 
fahrungen für die Wissenschaft noch nutzbringend weiter zu 
verarbeiten. Ich habe fast alle Alpen- sowie die ungarischen 
Vögel in den natürlichen Stellungen gezeichnet und von allen 
die Köpfe und Füsse mit den natürlichen Farben in Lebensgrösse 
gemalt, was mich sehr viel Zeit und Geld gekostet hat. Diese 
Zeichnungen würden ebenfalls mit der Sammlung abgegeben. 
Für das Ganze verlange ich den gewiss nicht hohen Preis 
von 4000 fl., wofür ich sogar noch einen Theil der vorhan- 
denen Bälge ausstopfen Hesse. Sollte ich diesen Verkauf nicht 
realisiren können, dann werde ich die Sammlung auch ferner 
vermehren und bin dann mit Vergnügen bereit, unsern frühern 
Tauschverkehr wieder anzuknüpfen. 

In der Hoffnung, bald mit einer I]rwiderung erfreut zu 
werden, grüsst Sie herzlich 

Ihr aufrichtiger Freund 

Landbeck. 



Klingenbad, den 27. Juni 1852. 

Mein theuerster Freund! 

Endlich nach vielfachen vergeblichen Bemühungen ist es 
mir gelungen, meine Sammlungen, freilich weit unter der ge- 
hofften Summe, zu verkaufen, und zwar an den A^erleger der 
Xaumannia, den Baron v. Müller aus Stuttgart. Nachdem ich 
von dieser Sorge befreit bin, werde ich nicht mehr lange hier 
verweilen und wahrscheinlich schon am 20. Juli von Hamburg 
abreisen. 

Eines bedaure ich noch , nämlich meine Abreise aus 
Europa, ohne Sie persönlich kennen gelernt zu haben.*) Wenn 



*) Aus vollem Herzeu theilte ich dies Bedauern, aber ein zu eben 
tlei' Zeit abgeschlossener (xutskauf band mich hier, und nicht ohne 



- 147 — 

nur nocb eine Zusammenkunft irgendwo möglich wäre, entweder 
auf meiner Reise nach Hamburg oder bei Brehm, zu dem ich in 
der nächsten Woche wahrscheinlich reisen werde! 

In der Hoffnung möglichst baldiger Nachrichten grüsst Sie 
in herzlicher Freundschaft 

Ihr treu ergebener 

L a n d b e c k. 



Prinz Maxiniillau von Wied an E. F. ron Homeyer. 

Xeu-Wied, am 18. October 1846. 

Euer Hochwohlgeboren 
haben ehemals die Güte gehabt, mit mir zu correspondiren, und 
ich erlaube mir daher heute eine ergebenste Anfrage, da ich 
Ihren Eifer und Ihre Liebe zu dem schönen Studium der Orni- 
thologie kenne. In dem ersten Hefte der Rhea las ich einen 
Aufsatz von Euer Hochwohlgeboren und ersehe daraus, dass einige 
in meiner Gegend seltene Vögel bei Ihnen zuweilen vorkommen, 
weshalb ich mir die Erlaubniss erbitte, mich mit Ihnen zu unter- 
halten. Wäre ich im Stande, Euer Hochwohlgeboren angenehme 
Aequivalente anzubieten, so würde ich Sie ergebenst ersuchen, 
mir gelegentlich einige der bei uns seltenen Vögel zukommen zu 
lassen. Die Rheingegenden bieten im Allgemeinen nicht sehr 
viele Seltenheiten dar; die Steindrossel nistet alljährlich 
bei uns, ebenso Falco apivorus und leucopsis Bechst., oder 
Aquila brachydactyla, von dem ich noch neulich ein gutes Exem- 
plar erhielt. Aus Grönland und Nordamerika erhalte ich all- 
jährlich Vögel, so z. B. kürzlich Anser hyperboreus, albifrons, 
Mergus cucullatus. Anas perspicillata, Valisneri, rubida, ameri- 
cana, histrionica, glacialis, Barowii und viele andere ; auch sind 
mir aus Texas jetzt interessante Vögel versprochen. Ich weiss 
nicht, ob Euer Hochwohlgeboren bloss europäische oder auch 
exotische Vögel sammeln, und erbitte mir deshalb über diesen 
Gegenstand eine gefällige Nachricht. Sehr interessant waren 
mir unter den von Ihnen erwähnten Vögeln besonders Anas 



Wehmuth musste ich einen Mann ohne mündUchen Scheidegruss in einen 
andern Welttheil ziehen lassen, an welchen mich so viele gemeinsame 
Bestrebungen knüpften, den ich herzlich lieb gewonnen hatte, ohne ihm 
je in sein treues Auge zu blicken. v. H. 

10* 



— J4S - 

Stellen, wovon ich sehr gerne die verschiedenen Geschlechter und 
Farbenkleider eintauschen würde; ferner Fringilla er3^thrina, 
Alauda alpestris, Larus minutus, Aquila naevia in verschiedenem 
Kleide u. s. w. Ganz besonders angenehm würde es mir sein, 
wenn Euer Hochwohlgeboren bei Anas Stelleri und Fringilla 
erythrina an mich denken wollten, und ich bitte um eine gefällige 
Nachricht, welche Naturalien Sie dagegen wünschen würden. 

Sollte ich keine würdigen ornithologischen Aequivalente be- 
sitzen, so stehe ich mit einem Exemplare meiner nordamerika- 
nischen Eeisebeschreibung zu Diensten, und es Hesse sich viel- 
leicht auf diese Art ein kleines Tauschverhältniss einleiten. — 
Auch die schöne Anas tadorna in beiden Geschlechtern kommt 
an den pommerschen Küsten gewiss vor und ein Paar schöne 
frische Exemplare derselben würden mir angenehm sein, sowie 
Coracias garrula, Picus martius und Bombycivora garrula. Sehr 
angenehm wird es mir sein zu vernehmen, ob ich Euer Hoch- 
wohlgeboren einige Ihnen angenehme Gegenstände zu verschaffen 
fähig sein werde, und in dieser Hoffnung empfiehlt sich mit der 
Versicherung der vollkommensten Hochachtung 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 



Neu-Wied, am 10. Februar 1847. 

Euer Hochwohlgeboren 
haben mir durch die interessante, glücklich bei mir eingegangene 
Sendung recht viel Freude gemacht, und ich kann nur meinen 
wärmsten Dank sagen, muss aber zugleich bedauern, dass Sie 
sich von der schönen Anas dispar getrennt haben, die in Ihrer 
Sammlung als Zierde stand. — Ich glaube, Sie sind gewiss in 
dem Falle gewesen, wie ich mit Anas perspicillata, indem ich 
täglich diesen Vogel erwarte, aber auch mein eigenes Exemplar 
abgeben könnte. Euer Hochwohlgeboren sind nun freigebiger 
gewesen, als Sie dies von mir verlangen; ich aber kann mich 
dabei nicht beruhigen, sondern kommt die genannte Ente nicht 
bald an, so erhalten Sie das in meiner Sammlung stehende voll- 
kommen schöne Exemplar. Der zweite Vogel, den ich schon 
vorräthig besitze, ist Falco leucopsis, den ich gegen Falco nae- 
vius rechne, und ich bin in der gewissen Erwartung, die ge- 



- 149 — 

wünscliten Vögel bald aus Amerika ankommen zu sehen, wo ich 
dann sogleich die Kiste werde abgehen lassen, bis dahin aber 
mir noch eine kleine Frist zu erbitten wage. — Sehr erfreulich 
waren mir die prachtvollen Exemplare von Coracias garrula und 
Bombycilla, die beide bei uns zu den wahren Seltenheiten ge- 
hören. Dagegen nistet Turdus saxatilis bei mir und ich könnte 
auch südeuropäische Vögel geben, als die dortigen Sängerarten 
u. dgl., welche Sie aber sämmtlich besitzen werden. 

Für die inländischen Vögel würde ich bei einem Tausche 
bald in den Rückstand gerathen, denn hier am Ehein haben wir 
wenig Seltenes ; doch kann ich Seevögel aus Holland erhalten. — 
Die nordamerikanischen Vögel kann ich ziemlich vollständig ver- 
schaffen, sowie auch viele andere ausländische ; allein mit den 
em'opäischen, mit iVusnahme der Grönländer, steht es nicht so 
gut. Sollten Ihnen grönländische Schneehühner, Strix nyctea 
und andere Arten angenehm sein, so kann ich ohne Zweifel bald 
damit dienen. Ich besitze von dort her mehrere Eier, z. B. 
Fringilla lapponica, Linaria und mehrere Wasser vögel : Eier, die 
ich, wenn Sie es wünschen, mitschicken könnte. 

Gegen das Weibchen der Anas dispar könnte ich die weib- 
liche perspicillata geben, auch würde Ihnen vielleicht Anas Va- 
Hsneri aus Nordamerika angenehm sein, da sie mit ferina so viel 
Aehnlichkeit hat, und die schöne Anas sponsa, wovon ich wohl 
noch eine gute Doublette besitze. — Da Sie zur Vergleichung 
vielleicht auch die europäischen Entenarten wünschen, die ich 
aus Nordamerika mitbrachte, so könnte ich von diesen vielleicht 
ebenfalls noch einige abgeben. Ihre Sammlung muss sehr voll- 
ständig und schön sein ; leider habe ich aber in der mir neulich 
zugekommenen Kiste die erwähnten Programme vergebens ge- 
sucht, welche eine Beschreibung oder Nachrichten über Euer 
Hochwohlgeboren Museum enthielten. Die Spitzmäuse der hie- 
sigen Gegend kann ich verschaffen, auch manche interessante 
Fledermaus, z. B. barbastellus, den ich hier schon öfters erhielt, 
und Rhinolophus ferrum equinum. 

Ich besitze noch einige Kisten mit brasilianischen Schmetter- 
lingen, leider nichts Bedeutendes oder Schönes, meist kleine 
Thiere, unter denen jedoch manches Seltene sein könnte. Diese 
würde ich gerne abgeben , da ich Insecten nicht sammle ; ich 
verstehe aber ihre Versendung nicht recht gut, und sie könnten 
auf diese Art leiden, da sie sehr trocken und gebrechlich sind. 



- 150 — 

Falco leucopsis nistet alljährlich bei uns. Da nur gewöhnlich 
ein Paar sich hier aufhielt, so Hess ich wo möglich nach der Brut 
immer einen oder ein Paar dieser scheuen Vögel schiessen, was 
nicht alljährlich zu gelingen pflegt. Im vergangenen Sommer 
schoss mir ein Jäger den alten Vogel mit der Büchse von einer 
hohen Eiche herab, die Jungen erhielt ich nicht; sie kommen 
im April zurück und nisten dann in einem waldigen Gebirge, 
dem sogenannten Rockenfelder- und Rheinbrohler- Walde. Ich 
hoffe, dass wir im kommenden Sommer vielleicht ein Paar Horste 
finden werden, und ich werde mir alsdann Mühe geben, die 
d i ck e n, u n g e f 1 e ck t s c h m u t z i g w e i s s e n E i e r zu erhalten. 
Ich erhielt diese Eier nur einmal. Damals hatte ein Förster, 
während das Weibchen legte, das Männchen weggeschossen. Das 
erstere blieb mir über die Zeit auf den Eiern sitzen, und da gar 
keine Jungen herauskommen wollten, so Hess ich den Horst er- 
steigen und man fand ein (oder zwei?) faule Eier.*) Auf 
jeden Fall werde ich mein Auge gehörig auf diese interessanten 
Vögel richten und hoffe wieder mehrere derselben zu erhalten. 
Von Falco apivorus besitze ich ebenfalls ein schönes, frisches, 
hier erlegtes Paar in duplo. 

Beschämt, dass ich Ihnen nicht augenblicklich eine Kiste 
zukommen lassen kann, da ich der Entfernung und des Portos 
wegen zu kleine Sendungen vermeiden will, soll es mein grösstes 
Anliegen bleiben, gleich eine Sendung abgehen zu lassen, so- 
bald die mir angekündigten amerikanischen Vögel ankommen. 

Mit der Versicherung meiner aufrichtigsten Dankbarkeit 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 

Auch von Falco Milvus Linn (Milvus regalis) besitze ich 
schöne Exemplare, frisch präparirt, d a d i e s e r V o g e 1 b e i mir 
gemein ist. Ich habe auch die Eier. ' M. P. W. 



*) Es ist dies wohl die erste sichere Beobachtung des brütenden 
Vogels und seines Eies. 

Dass der Prinz es im Zweifel lässt, ob ein Ei oder zwei im Horste 
gewesen, kommt wohl daher, dass man zu der Zeit noch nicht glaubte, 
viel weniger sicher beobachtet hatte, dass der Schlangenadler stets nur 
ein Ei lege. v. H. 



— 151 — 

Neu-Wied, am 4. April 1847. 

Euer Hochwolilgeboren 

kann ich nun endlich meine Schuld abtragen und Ihnen eine 
Kiste senden, sobald die zwischen Amsterdam und Neu-Wied 
gegenwärtig auf dem Rheindampfschiffe befindliche Kiste ange- 
kommen sein wird. Sie werden darin finden: 1. Falco leucopsis, 
2. Anas perspiciUata mas., 8. Anas boschas americana, 4. A. ame- 
ricana; leider kein sehr schönes Exemplar, doch kann ich bald 
ein besseres geben (sie gleicht der penelope), 5. Perdix franco- 
linus, 6. Turdus saxatilis, eine Stunde von Neu-Wied er- 
legt, 7. Mergus cucullatus. 8. Anas clangula americana. Die 
Eier von Falco Milvus, vielleicht auch Strix Bulbo, werde 
ich in diesem Frühjahr hoffentlich verschaffen können, und 
von leucopsis vielleicht ebenfalls. — Da mir mein Correspondent 
in Amerika keine Brillenenten in diesem Jahre mitgeschickt hat, 
so bekomme ich sie im künftigen, wenn wir dasselbe erleben, 
und alsdann kann ich Ihnen hoffentlich die weibliche perspiciUata 
geben. — Euer Hochwohlgeboren kennen wohl Professor Nilson 
in Schweden? oder Sie stehen in Correspondenz mit ihm? Ich 
wünschte wohl mit ihm in einen Briefwechsel zu kommen. Es 
fragt sich aber, ob er deutsch oder französisch schreibt. Aus 
Schweden fehlen mir noch verschiedene Naturalien. 

Eine vollständige Liste der mir fehlenden europäischen Vögel 
will ich ausziehen, sobald ich ein wenig Zeit behalte. 

Ich muss Euer Hochwohlgeboren ersuchen, mir zu sagen, 
welche nordamerikanischen Vögel Sie etwa wünschen, da ich für 
das kommende Jahr (für nächsten Winter) die Bestellung jetzt 
bald zu machen gesonnen bin. Vielleicht wären Ihnen Anas 
marila, carolinensis (die sich kaum von crecca unterscheidet), 
discors und andere Arten angenehm? 

Der gegenwärtige Winter hat uns hier gar nichts Seltenes 
für unsere Sammlungen gebracht. Ein einziger Kranich wurde 
hier geschossen, sonst nichts von Bedeutung. Jetzt haben wir 
Falco milvus schon hier, sowie die Rothschwänzchen; allein es 
hat heute Nacht wieder gefroren (—3'% so dass die armen 
Frühlingsvögel wieder in Verlegenheit gerathen, wo sie ihr Futter 
hernehmen sollen. Gestern sah ich ein Paar Weidenzeisige 
(Sylvia rufa) an den Zweigen nach Insecten ängstlich umhersuchen. 



— 152 - 

Um den 15. April schlagen hier alljährlich die 
Nachtigallen, dies ist die Regel : doch habe ich beobachtet, 
dass sie manchmal ein Paar Tage früher schon gehört wurden. 

Sollten Sie mit Herrn Professor Nilson in Correspondenz 
stehen und demselben von mir Empfehlungen ausrichten wollen, 
da ich ihm für eine Broschüre zu danken habe, die er mir 
gelegentlich schickte, so würde es mir sehr angenehm sein. 
Man müsste alsdann aber wissen, auf welchem Wege und auf 
welche Art jene Correspondenz nach Schweden sich am leichtesten 
und mit den wenigsten Kosten macht, besonders um Kisten mit 
Büchern oder Naturalien zu schicken. 

Mit der Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung 
und Dankbarkeit 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 



Neu-Wied, am 81. Januar 1848. 

Euer Hochwohlgeboren 

bedeutende und interessante Sendung habe ich zu erhalten das 
Vergnügen gehabt und sage Ihnen meinen aufrichtigsten Dank. 
Zwar besass ich die meisten dieser Vögel, doch war mir Aquila 
naevia sehr willkommen; Coracias garrula, Pica cyanea (von 
welcher ich an demselben Tage ein anderes Exemplar erhielt), 
Sterna leucopareja, Colymbus arcticus, Anas tadorna sehr ange- 
nehm, wenn mir gleich die letztere etwas von Insecten ange- 
griffen schien, da sie Federn fahren*) lies^. Um sicher zu sein, 
habe ich sie ausbacken lassen, da sie mir in diesem Uebergangs- 
kleide noch fehlte. Die grossen Vögel, die ich schon besass, 
nehmen viel Platz weg ; ich hoffe sie aber vertauschen zu können. 
Von den von Ihnen gewünschten Vögeln habe ich von den 
Grönländern sogleich für Sie zurückgelegt: 1. ein altes vollstän- 
diges Mittak-Männchen (Somateria mollissima), 2. Anas specta- 
bilis, Männchen im Uebergange, 3. dieselben weiblichen Vögel, 
Falco islandicus, ein schönes weisses Weibchen. Da die nord- 
amerikanische Kiste noch nicht angekommen ist, so kann ich 
noch nichts von dieser sagen, indem ich nicht genau unterrichtet 



*j Ein Vogel in beginnender Mauser, daher das Uebergangskleid 
und die losen Federn. v. H. 



- 103 — 

biu, was sie mir bringen wird. Sobald sie ankommt, werde ich 
die versprochenen Gegenstände zu übersenden eilen. — Merk- 
würdig ist es, was für eine Menge von Seidenschwänzen (Bomb}- 
cilla garrula) in diesem Jahre in Deutschland erlegt worden sind. 
Auch hier bei uns sind viele auf den Ebreschen-Bäumen ge- 
schossen und ausgestopft worden. 

Was die grönländischen Vögel anbetrifft, so sind die dieses 
Jahr erhaltenen ganz tadellos angekommen, wenigstens scheinen 
sie vollständig intact, obgleich alle diese Exemplare ohne Ver- 
giftung versendet werden. Die Herrnhuter wollen in ihren 
Missionen den Eingebornen keine Arsenikseife in die Hände geben 
und doch werden alle diese Vögel von den Grönländern geschossen 
und präparirt. Ich habe mich schon sebr bemüht, diese Pro- 
cedur zu verbessern, allein es ist tauben Ohren gepredigt. 

Von Anser hyperboreus, der selbst in meiner Sammlung noch 
nicht aufgestellt ist, habe ich schon mehrere Exemplare versendet, 
auch jetzt wieder welche verschrieben. Vielleicht erhalte ich 
einige. Sie sind aber theuer, und die Nachfrage bei mir ist sehr 
gross danach. Junge graue Individuen erbält man viel leichter 
als die ganz weissen alten. Sobald die amerikanischen Vögel 
ankommen, werde ich der Kiste auch einige Eier beilegen, 
wenigstens vom Schneehuhn und vielleicht noch andere; leider 
habe ich Alca torda, das des Adlers und einige andere schon 
vertauscht. Auch bei uns hat es bis jetzt noch gar wenige nor- 
dische Enten gegeben, obgleich unser Khein seit zwei bis drei 
Tagen fest zugefroren ist und beinahe die Ansicht von Süd- 
Victoria-Land bietet, da er prachtvoll mit grossen glänzenden 
Eisscb ollen wild belegt ist. Gestern am Sonntage sah man an 
Tausend Menschen hier bei der Stadt auf dem Eise. Die Kälte 
ist bis jetzt noch nicht höher als 10 bis 11^ bei uns gewesen, 
und heute ist Thauwetter, +2^-2^ Morgens 9 Uhr, so dass der 
Schnee, wenn dies Wetter fortbesteht, wohl bald wieder auf- 
brechen wird. Das Frühjahr dürfte uns vielleicht noch fremde 
Enten oder wilde Gänse, von welchen sich hier immer nur xlnser 
segetum zeigt, zuführen. Anser ruficollis habe ich noch nicht, 
auch fehlen mir Anser arvensis, intermedius, albifrons recht alt, 
minutus (wie sie Naumann abbildet) ; ferner Anas tadorna masc. 
recht alt, schön und frisches Exemplar, Anas rutila beide Ge- 
schlechter, strepera recht schönes Männchen, Anas penelope masc. 
im Sommerkleide, leucocephala beide Geschlechter, Anas glacialis 



— 154 — 

masc. im Sommerkleid e, Anas dispar fem., Colymbus arcticus fem. 
oder Jugendkleid, Uria gTylle jung und im Uebergangskleide, 
Alca impennis und besonders Aquila clanga, den ich noch gar 
nicht kenne. Wäre Ihnen dann wohl ein schöner Aquila albi- 
cilla (gnt aufgestellt) und ein Colymbus glacialis im vollkommenen 
Gefieder angenehm, so bitte ich um gefällige Nachricht, um 
diese Gegenstände der Sendung beilegen zu können. Wäre Ihnen 
dann der Auerhahn nicht angenehm ? Kommt er in Ihrer Gegend 
vor? Ich könnte Ihnen ein schönes Exemplar schicken. Sterna 
caspia, leucoptera, fuliginosa, Larus minutus, sowie mehrere 
Podiceps-Arten wären mir ebenfalls angenehm, doch diese giebt 
es jetzt nicht. Sollte denn in der Gegend von Pommern, welche 
Euer Hochwohlgeboren bewohnen, nicht der Mink (Mustela lu- 
treolaj vorkommen? Ich gab mir längst Mühe, ein solches 
ganzes Thier in Branntwein zu erhalten, um das Fell ausstopfen, 
das Scelett und die Anatomie machen zu lassen. Ich erhielt ein 
Paar Exemplare, allein immer waren sie ausgestopft und das 
eine, aus Trachenberg in Schlesien, leider so schlecht, 
dass es keinen Bestand hatte. 

Euer Hochwohlgeboren sind sehr gütig, Ihr neues inter- 
essantes Werk mir dediciren zu wollen; ich bin sehr begierig, 
dieses interessante Werk eines so ausgezeichneten Ornithologen 
kennen zu lernen. Wegen des Eies von Pj^rihula enucleator 
werde ich nach Nordamerika schreiben ; vielleicht gelingt es mir, 
von dort mehrere nordische Eier zu bekommen. Ich hoffe jetzt 
mit Herrn Professor Nilson in Schweden in Correspondenz zu 
kommen, vielleicht gelingt es mir alsdann, von dort Tetrao alpi- 
nus, subalpinus und islandorum zu erhalten , Fringilla monti- 
fringilla im Sommerkleide und mancherlei andere hochnordische 
Thiere. 

Mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung und 
aufrichtigsten Dankbarkeit 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Pi inz Wied. 



— 155 — 

Neu-Wied, am 25. März 1848. 

Euer Hochwohlgeboreu 
kann ich endlich anzeigen, dass ich die amerikanische Sendung 
täglich erwarte, welche mir jedoch manche der gehofften Vögel 
in diesem Jahre nicht bringen wird, z. B. Anser hjperboreus; 
dagegen kann ich Ihnen nachfolgende Vögel schicken: 

1. Falco islandicus fem. 

2. Somateria spectabilis. 

3. „ mollissima, altes Männchen. 

4. Anas perspicillata. 

5. „ Valisneri. 

6. „ carolinensis. (Ist unserer crecca sehr ähnlich, da- 

her interessant für Sie.) 

7. „ albeola. 

8. „ rubida. 

Da ich diese Vögel noch nicht gesehen habe, so kann ich 
über ihr Geschlecht noch nicht bestimmen; doch vermuthe ich, 
dass perspicillata ein Weibchen, Valisneri ebenfalls, sein wird, 
und dass ich Ihnen von albeola vielleicht ein Paar geben kann. 
Sobald die Sachen ankommen, sollen sie sogleich abgeschickt 
werden. Sollten Sie Anas rubida nicht wünschen, so bitte ich, 
mich davon in Kenntniss setzen zu wollen. 

Die Zeiten sind so traurig, dass in der Zukunft die Aus- 
sicht auf Anarchie sich uns eröffnet. Ob wir das Haus über dem 
Kopfe behalten, dies ist sehr zweifelhaft, daher hat man in diesem 
Augenblick weder Lust zu Acquisitionen, noch am Studium. Der 
Communismus wird uns vielleicht bald zeigen, dass man den 
Bündel schnüren und nach Amerika auswandern müsse. Wer 
jetzt noch jung und kräftig wäre und jenseits des Meeres so viel 
besässe, dass man ohne Sorgen leben könnte ! Was werden wir 
noch erleben ! ! ! Verzeihen Sie heute meine Eile und Kürze, 
allein ich habe mancherlei Abhaltungen. Sollten Sie auch die 
amerikanische Anas marila (Scaup Duck) wünschen, so kann ich 
von dieser wahrscheinlich ein Exemplar beilegen. 

Mit vollkommenster Hochachtung 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 



— im — 

Neu-Wied, am 11. April 1848. 

Euer Hochwohlgeboren 

kann ich endlich beikommend nachfolgende Vogelarten über- 
senden : 

1. Anas perspjcillata masc. Ein Weibchen habe ich nicht 

bekommen. 

2. „ mollissima masc. 

3. „ spectabilis jung. 

4. „ histrionica masc. 

5. „ Valisneri fem. 

6. „ carolinensis masc. 

7. „ albeola masc. 

8. „ ,. ,, fem. 

.9. „ clangula americana masc. 
10. „ Falco islandicus fem. 

Mein Correspondent hat mich leider mit verschiedenen Arten 
nicht versehen, welche ich gewünscht hätte, wir müssen also auf 
künftiges Jahr hoffen, wo es vielleicht oder vielmehr hoffentlich 
in der Welt besser aussehen wird als jetzt. Beinahe hat man 
keine Lust, irgend ein Geschäft, selbst eine Lieblingsbeschäftigung, 
zu treiben, — so traurig sind die Aussichten. Wer weiss, ob 
man nicht noch einmal gezwungen der neuen Welt wird zueilen 
müssen. Diese traurigen Zeiten haben aber mir doch eine ganz 
unerwartete Freude verursacht, nämlich die, Ihren Herrn Bruder, 
Major im 27. Infanterie-Regimente, hier kennen zu lernen. Wir 
sprachen viel von Ihnen ; leider habe ich aber Ihren Herrn Bruder 
nur erst einmal gesehen, und zwar als er bei uns zu Mittag 
speiste. Es sind seitdem Truppen von hier abmarschirt, und ich 
weiss nicht, ob Ihr Herr Bruder gegenwärtig noch hier ist, was 
ich aber bald erfahren werde. Leider ist das Militär, unsere 
herrliche, so brave Armee, in der ich selbst so lange gedient 
habe, jetzt in einer traurigen Stimmung. Man hat sie in Berlin 
sehr ungerecht behandelt. In Pommern haben sie immer noch 
die beste Stimmung für den König, und dieses treue tüchtige 
Volk scheint seinem König treu zu bleiben ! ! ! 

Meine Zeit ist sehr in Anspruch genommen, ich muss mich 
also heute sehr kurz fassen, würde mich aber freuen, von Ihnen 
etwas über die Stimmung in Ihrer Provinz zu vernehmen. 



— 1 Ö7 — 

In der Hoffnung, dass die Sendung glücklich ankommen 
möge und mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 

Nachschrift. 
Die Eulen aufgestellt zu übersenden, würde viele Kosten 
verursachen; Strix brach} otus americana kann ich als Balg zur 
Einsicht beilegen, bitte mir dieselbe aber wieder aus, da sie mein 
einziges Exemplar ist. Mehrere der von Ihnen gewünschten 
Arten besitze ich selbst nicht, so z. B. Falco peregrinus aus 
andern Ländern; denn ich habe nur den bei Neu- Wied nistenden 
Vogel. Aquila chrysaetos und albicilla besitze ich nur aus 
Europa. Den amerikanischen Fischaar besitze ich, jedoch schon 
aufgestellt; auch den brasilianischen. — Anser hyperboreus 
habe ich in diesem Jahre nicht erhalten. 



Neu- Wied, am 28. October 1848. 

Euer Hochwohlgeboren 

interessante Sendung ist glücklich bei mir eingetroffen, und ich 
sage Ihnen meinen aufrichtigsten Dank für Ihre Güte. Die 
Sterna caspia ist ein schön ausgestopftes Exemplar; auch der 
junge Colymbus arcticus war mir interessant, und für die schöne 
tadorna bin ich ebenfalls sehr dankbar. Ich weiss nicht, ob ich 
diese Vögel gerade in meine Schränke einreihen darf? Sollten 
sie frisch ausgestopft sein, so würde man dieses wohl unbedingt 
wagen können. Leider habe ich bis jetzt aus Nordamerika noch 
nichts Interessantes erhalten, was ich Euer Hochwohlgeboren an- 
bieten könnte, muss daher diesmal noch etwas im Kückstande 
bleiben. Dennoch hoffe ich wieder auf hübsche Enten, Gänse 
und dergl., worunter sich vielleicht einige in Ihrer Liste fehlende 
Arten befinden k,önnten. Aus Grönland habe ich dreissig 
Stück Vögel auf der Eeise; vielleicht ist auch dabei etwas für 
Sie Brauchbares. Herr Pfarrer Bock aus Danzig hat mir ge- 
schrieben, und meine Antwort ist abgegangen. Da derselbe alle 
Arten von Vögeln und selbst Naturalien aus andern Reichen an- 
nimmt, so kann es nicht schwer werden, ihm einige Gegen- 
stände zu senden. 



— 158 — 

Leider sind die Aussichten in Deutschland noch immer sehr 
trübe ! Die Stände-Versammlungen können mit der Constitution 
nicht fertig werden, und was sie machen, sind schreckliche Un- 
gerechtigkeiten gegen uns, ja weit ärgere Tyrannei als sie zuvor 
je existirt hat. In Nassau hat man uns gegen den Ausspruch 
des Parlaments 7X\ Frankfurt selbst die Jagd auf unserm eigenen 
Grund und Boden genommen, selbst da, wo wir über 300 Morgen 
an einander liegend besitzen ! Das sind Handlungen der Libera- 
lität und Freiheit! 

Dieses wird nun wohl hoffentlich nicht so bleiben, die Un- 
gerechtigkeit wäre zu himmelschreiend ! In dergleichen ange- 
nehmen und beruhigenden Einrichtungen leben wir nun täglich 
und sehen noch vielen dergleichen Verbesserungen entgegen. Wer 
doch noch einmal jung wäre, um nach einem fernen Welttheile 
reisen zu können; aber in alten Tagen dergleichen erleben zu 
müssen, das ist traurig. Da man nicht weiss, wie man miss- 
handelt werden wird, so kann man jetzt durchaus keine An- 
schaffungen machen, und sowohl meine Sammlung als meine 
Bibliothek müssen darunter leiden. Ich kann jetzt nicht recht 
viele Gegenstände bestellen, würde auch gern meine ganze Samm- 
lung abgeben, wenn sich Jemand fände, der mir ungefähr den 
Wertli ersetzen wollte. Zu einem solchen Geschäfte ist aber 
eben deshalb auch die Zeit höchst ungünstig. 

Ich habe interessante ausländische Sendungen in Aussicht. 
Eine Sammlung seltener ostindischer Gebirgsvögel aus der Gegend 
von Simla ist mir angekündigt, andere aus Brasilien, aus Grön- 
land u. s. w. ; allein ich habe jetzt keine Lust, etwas anzuwen- 
den, — weiss man doch nicht, wie es morgen steht. — Euer 
Hochwohlgeboren ersuche ich, diese Gedanken zu entschuldigen, 
sie sind aber heut zu Tage natürlich, obgleich wir hier am Rlieine 
im Allgemeinen sehr gute Denkungsart finden. Vier Fünftel 
unserer Stadt sind wohldenkend, vielleicht ein Fünftel republi- 
kanisch, den Umsturz wünschend. Von Ihrem Herrn Bruder habe 
ich jetzt keine Nachricht, indem ich nicht weiss, wo er jetzt steht. 
Ich bedaure sehr, dass er nur so kurze Zeit hier bleiben konnte. 

Mit der Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung 
und Dankbarkeit 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 



159 



Xeii-Wied, am 30. December 1848. 

Euer Hocbwohlgeboren 

muss icb am Scbliisse dieses Jabres viele Entscbuldigimgen macben, 
dass icb micb meiner Scbuld gegen Sie nocb nicbt entledigt babe. 
Allein icb weiss nicbt, ob mir aus Nordamerika eine Kiste zu- 
gescbickt werden wird. In dem Augenblicke besitze icb leider 
nur wenige von den Ibnen angenebmen Gegenständen, da mir 
aus Grönland nur Vögel zukommen, welcbe Euer Hocbwoblge- 
boren scbon besitzen. Icb erbielt z. B. Anas bistrionica, Somateria 
spectabilis, Procellaria glacialis, Fringilla canecsens, Fringilla 
(Plectropbanes) lapponica, und, was micb der Vergleicbung wegen 
sebr interessirte, Corvus corax var. littoralis Hollb. Da icb die 
beiden Exemplare eines scbönen Paares dieses Vogels nocb nicbt 
vom Ausstopfer zurück erbielt, so konnte ich die Vergleicbung 
mit dem deutschen Raben noch nicht machen, was aber unfehl- 
bar nächstens geschehen soll. Ob HollböU mit seiner Verschie- 
denheit beider Vögol richtig sab, macht mich auf diese Ver- 
gleicbung begierig. Ich erhielt auch Larus Sabin i, aber bis 
jetzt das einzige von dort mir zugekommene Exemplar, sowie 
noch eine andere Möwe, welche ich für brachytarsus Hollb. halte, 
aber auch nocb genauer vergleichen muss. Euer Hocbwohlgeboren 
haben für die Europäer ein so vollständiges Cabinet, dass es 
schwer wird, Ihnen von Nutzen zu sein, zumal da man bei allen 
Bestellungen doch nicbt alljährlich erhält, was man wünscht. Es 
würde mir angenehm sein, wenn Sie die Güte haben wollten, 
mir anzugeben, welcbe Arten der grönländischen, europäischen 
und nordamerikanischen Vögel Ibnen willkommen sind, damit icb 
wieder Bestellungen machen könne. Ein Paar Enten fehlen mir 
immer noch, besonders Anas rutila und leucocephala oder mersa 
im vollkommenen Gefieder, auch penelope in der Sommerfarbe 
könnte icb gebrauchen, sowie glacialis in derselben. Larus leu- 
copterus, argentatus und Sterna fuliginosa fehlen mir in guten 
Exemplaren. Aber ich vergesse mich, indem ich Ihnen wieder 
Vögel nenne, bevor ich meine Schuld abtragen kann. Schade, 
dass Euer Hocbwohlgeboren nicht auch ausländische Vögel 
sammeln, alsdann würde ich schon eher Ibnen etwas Fehlendes 
verschaffen können. 

Unser Rhein, der jetzt sebr klein ist, geht stark mit Eis; 



— IGO — 

es haben sich aber bis jetzt noch nicht viele seltene Vögel sehen 
lassen. Neulich sah man ein Paar Cygmis olor und der eine, 
ein junger Vogel, wurde geschossen. Man forderte zu viel, ich 
liess ihn forttragen, allein jemand anders kaufte ihn, und der 
schöne Vogel wurde gerupft. Gegen das Frühjahr dürften wohl 
eher seltene Vögel und vielleicht auch eine kleine Sendung aus 
Amerika eintreffen, alsdann kann ich vielleicht mit einigen Gegen- 
ständen dienen. Sollten Sie ein schönes Paar der Anas histrio- 
nica, Procellaria giacialis, Phalaropus hyperboreus, Somateria 
spectabilis (jung und weiblich) gebrauchen können, so bitte ich 
um gefällige Nachricht. 

Mit der vollkommensten Hochachtung und Dankbarkeit 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 



Neu-Wied, am 28. März 1849. 

Euer Hochwohlgeboren 

kann ich in diesem Augenblicke noch ein hübsches Paar der 
Anas histrionica beikommend überschicken, von Fringilla canescens 
leider aber nur ein Exemplar. Es sind mir wieder neue Vögel 
von Grönland angesagt; da sie mir aber ein zurückkehrender 
Missionar der hiesigen Brüdergemeinde mitbringen soll, so ist ihre 
Ankunft noch ungewiss. Da dieser Missionar dort abgeht, so 
will er mir einen Nachfolger besorgen, der ebenfalls wieder für 
mich sammeln wird. Es ist mir von dorther jetzt ein K) Fuss 
langer Delphinus tursio angekündigt, den ich wahrscheinlich der 
Universität zu Bonn überlassen werde, da er mir zu viel Platz 
nimmt. Solche grosse Thiere kann ich nicht mehr herbergen; 
ich will mich mehr auf die Vögel beschränken, da diese weniger 
Baum wegnehmen. Wäre ich noch jünger, ich würde reisen und 
dort für die 'Ornithologie arbeiten, das ist der wahre Lebens- 
genuss ; da erst lebt man recht eigentlich und bei jedem Schritte 
hat man etwas Neues, etwas Interessantes zu beobachten. Leider 
muss ich davon abstrahiren ; doch wer weiss, ob wir nicht noch 
einmal auswandern, wenn Kriege unser Land verheeren sollten. 
Ich hoffe, dieses wird nicht geschehen ; auch ist die Wahl unseres 
Königs zum Deutschen Kaiser doch immer ein grosser Schritt 



— J6i — 

zur Besserung. Was der König dazu sagen wird, wissen wir 
noch nicht. Heute kommt auf dem Rheine zu Dampfschiif die 
Deputation von vierundzwanzig Mitgliedern vorbei, die sich nach 
Berlin begeben, um dem Könige den Antrag zu machen. Ueber- 
all sind bunte Flaggen aufgezogen und die Kanonen in Bereit- 
schaft gesetzt. Gestern gab es überall Feuer, weil man glaubte 
sie kämen ; allein es war bis jetzt bloss blinder Lärm, der aber 
heute zur Wirklichkeit werden soll. Es steht jetzt ein Lieutenant 
von Homeyer seit einigen Tagen hier bei den Jägern, den ich 
aber noch nicht gesehen habe. Ich weiss nicht, ob derselbe ver- 
wandt mit Euer Hochwohlgeboren ist. Ihr Herr Bruder hat 
uns verlassen ; wir wissen nicht, wo er in diesem Augenblick mit 
seinem Bataillon steht. 

Das Frühjahr nahet mit grossen Schritten. Schnee fiel vor 
ein Paar Tagen in Menge, es ist aber jetzt wieder besseres 
Wetter und heute recht angenehm. Bleibt das Wetter gut, 
so wird der Auerhahn bald balzen, auch das Birkhuhn, und ich 
gehe dann auf zwölf Meilen von hier zu dieser schönen Jagd 
ins Wittgensteinische Gebirge, wo es viele Hähne giebt. Be- 
sitzen Sie diesen Vogel? Sonst könnte ich einen solchen besorgen. 
Auch der Birkhahn ist ein sehr schöner Vogel, der beim Balzen 
noch weit mehr Figur macht als der Auerhahn. Hier unmittel- 
bar am Rheine besitzen wir diese Vögel nur, wenn sie sich ver- 
streichen. Wir haben bis jetzt in diesem Frühjahre nichts Sel- 
tenes von Vögeln erhalten. Eine Otis tarda (junger Vogel vom 
vergangenen Jahre) wurde geschossen, die ich habe ausstopfen 
lassen und bis jetzt haben wir , durch kalte Witterung zurück- 
gehalten, noch immer Flüge von Turdus iliacus hier, auch Zeisige, 
die sonst früher zurückkehren. 

Mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung 
Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 



Xeu-Wied, am 18. December 1849. 

Euer Hochwohlgeboren 
Schreiben habe ich erhalten und beantworte dasselbe sogleich, 
ob ich gleich leider in diesem Monate arm an Gegenständen bin, 
die Ihnen angenehm sein könnten. Mein vortrefflicher, lange 

V. Homeyer, Oinitholog. Briefe. Jl 



— 162 - 

Jahre in Grönland gestandener Correspondent ist leider wegen 
Alter und Krankheit von dort abgezogen und ich kann nun von 
dort gar nichts mehr erwarten, bis wieder ein neuer Missionär 
dorthin geht. Dagegen werde ich jetzt einen andern in Labrador 
oder noch nördlicher zu Cumberland erhalten, von welchem ich 
interessante Dinge zu empfangen hoffe. Ebenso ist mein guter 
Correspondent zu Newyork nach Californien gereist. Er über- 
gab sein Naturaliengeschäft einem andern Mann, der um das 
Doppelte zu theuer ist. Anser hyperboreus kostet bei ihm 
10 Dollars oder 25 fl., was doch zu arg ist. Für dieses Jahr 
erhalte ich nur ein Exemplar dieses Vogels, das ich dem Museum 
zu Neuchätel für einen prachtvollen Condor schulde und daher 
theuer kaufen musste. Für künftiges Jahr hoffe ich, wenn Gott 
will, Euer Hochwohlgeboren diesen Vogel verschaffen zu können. 
Da der Stellvertreter des Naturalienhändlers zu Newyork in allen 
Stücken um das Doppelte zu theuer ist, so habe ich für diesen 
Winter auch keine Entenarten bestellt und kann deshalb in dieser 
Hinsicht Ihre Wünsche nicht befriedigen. Für jetzt kann ich 
Ihnen ausser anderen ausländischen Vögeln nur die nachfolgenden 
anbieten : 1. Aquila albicilla (hier im Winter geschossen), 2. Anas 
rubida (schönes Paar aus Nordamerika), 3. Anas histrionica masc, 

4. Uria grylle im bunten, weiss und schwarz gefleckten Gefieder, 

5. Procellaria glacialis (Grönland), (i. Mergus cucullatus, 7. Tetrao 
cupido masc, fem., 8. Tetrao canadensis m., f., 9. Tetrao umbellus, 

10. ßuteo lineatus m. (Amerika), IJ. Plectrophanes calcaratus 
m., f., 12. Fringilla canescens m., f., 13. Somateria spectabilis 
masc. Eier nachfolgender Vögel: 1. Somateria mollissima, 
2. Anas hiemalis, 3. x\nas histrionica, 4. Emberiza nivalis, 
5. Colymbus septentrionalis, 6. Larus trydactylus, 7. Alca arctica, 
8. Alcatorda, 9. Anser torquatus (Bernicla), 10. Mergus serrator, 

11. Sterna Hirundo, 12. Sterna arctica. 

Dies ist es, was ich Ihnen in diesem Augenblicke anbieten 
kann ; auch grönländische Schneehühner (Brehms Lagopus Rein- 
hardtii) im Sommer- und Winterkleide. Sehr angenehm würde 
mir sein. Alles, was Sie von Anas dispar geben können, besonders 
auch Uria Brünnichii, Falco cenchris, Ficedula olivetorum, Parus 
pendulinus, nach dessen Nest ich längst vergebens hasche, Frin- 
gilla montifringilla im Sommerkleide , Ardea garzetta , comata 
(wenn schön), Larus argentalus, Puffinus arcticus, Platipus clan- 
gulus (Sommerkleid), Anser minutus, Aquila imperialis, Bonelli, 



— 168 - 

Falco Feldeggi, Laniiis personatus , Motacilla einereocapilla, Sa- 
licaria familiaris. 

Euer Hocbwohlgeboren muss ich aber recht sehr bitten, mir 
ja nichts zu schicken, wogegen Sie nicht sogleich ein Aequivalent 
von mir erhalten können; denn ich bin nicht gern in Anderer 
Schuld, besonders da ich jetzt einen schwächeren Verkehr mit 
dem Auslande habe als sonst. Noch muss ich einen kleinen 
Nachtrag von vorräthigen Vögeln machen, wovon 
Sie vielleicht Einiges gebrauchen können: 1. Falco 
islandicus fem., 2. Somateria mollissima, sehr altes Weibchen, 
3. Somt. spectabilis fem., masc, 4. Strepsilas collaris (Grön- 
land), 5. Anser?, 6. Anas discors fem., 7. Anas sponsa masc. 

Sollten Euer Hocbwohlgeboren von meinen genannten Gegen- 
ständen etwas gebrauchen köunen, so bitte um Namhaftmachung 
und ebenso viel mir gütigst dagegen geben zu wollen, aber 
nicht mehr. 

Ich habe gegenwärtig einen neuen Correspondenten in der 
caspischen Steppe an der Wolga, im Gouvernement Astrachan. 
Zum ersten Mal schickte mir dieser jetzt Naturalien, darunter 
einen Pelikan, drei Enten, drei Raubvögel u. s. w. Noch weiss 
ich nicht, ob diese Gegenstände gut präparirt und gut erhalten 
sind. Sie werden von Petersburg nach Amsterdam geschickt und 
werden wohl das Dreifache ihres Werthes kosten. 

Herr Dr. Degland in Lille in Frankreich hat jetzt seine 
europäische Ornithologie in zwei Bänden herausgegeben. Kennen 
Sie schon dieses Werk? Ich erhielt es, kann aber die fremden 
Arten nicht gehörig beurtheilen. üebrigens glaube ich, dass 
dieses Buch recht gut ist. Auch Temminks schöne japanische 
Ornithologie wird jetzt in kurzer Zeit vollendet sein; ein sehr 
schönes Werk ! Des Muers hat sein ornithologisches Werk mit 
der zwölften Lieferung wegen Mangel an Absatz beschliessen 
müssen, was zu beklagen ist. 

Das wichtigste unter allen ornithologischen Werken, Gray 
Genera of Birds, ist nun vollendet und giebt eine genaue üeber- 
sicht aller bekannten Vögel. Wirklich eine collossale Arbeit, 
die uns noch gänzlich fehlte, und wenn sie auch nicht ohne Mängel 
ist, doch eine Grundlage zur vollkommenen Kenntniss aller in 
den Cabinetten enthaltenen Vögel giebt. 

Der Winter fing ziemlich streng an, es ist aber jetzt sehr 
warm und Stürme treten an die Stelle des Eises, so dass die 

11* 



— 1G4 — 

Dampfschifffabrt wieder eröffnet werden konnte. Dieses giebt 
Hoffnung, dass ich bald meine verschiedenen Sendungen erhalten 
werde. Dergleichen Unterhaltungen wenden wohlthätig den Blick 
von der Politik ab, die nicht erfreulich ist. Ich hoffe indessen, 
dass Preussen fest bleiben und die trüben Wolken der Uneinig- 
keit durch seine Entschlossenheit zerstreuen werde. 

In der Hoffnung, recht bald wieder etAvas von Ihnen zu ver- 
nehmen, und mit der Versicherung der vollkommensten Hoch- 
achtung 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz AVied. 



Neu-Wied, am 12. Januar 1850. 

Euer Hochwohlgeboren 
Schreiben habe ich zu erhalten das Vergnügen gehabt, auch in 
der Naumannia Ihre interessanten Nachrichten gelesen, und ich 
gratulire zu der Acquisition des seltenen Rohrsänger-Nestes. Ich 
wünschte wohl einmal eine vollständige Sammlung guter Exem- 
plare aller deutschen llohrsängerarten zu erhalten, sie müssten 
aber von Ht^rrn Professor Naumann selbst bestimmt sein. Gerne 
würde ich andere Vögel dagegen geben. Ich habe hier ehemals 
aus dieser Familie die Sylvia arundinacea gehabt; man hat aber 
die Weidenbüsche des Rheins immer jung und kurz gehalten, 
und seitdem sind diese Vögel verschwunden. Sylvia phragmitis 
erhielt ich noch im vergangenen Jahre. Ich las neulich Nau- 
manns Bemerkungen über die Adler und sah darauf die meinigen 
an. Aquila imperialis, wovon ich ein schönes Paar von den 
Ufern der Wolga erhielt, ist weit kleiner, seine Fänge weit 
schwächer als die von Aquila Chrysaetos oder fulva, denn diese 
beiden letzteren sind unbezweifelt nur eine Species. 

Meine beiden A. imperialis unterscheiden sich in der Farbe 
sehr wenig. Hinterhals und Nacken hell rostgelb. Pallas Aquila 
ossifraga ist weit stärker ; ich erhielt aber einen deutschen ossi- 
fragus, der im verwichenen Winter in den AVittgensteinschen 
Gebirge erlegt wurde, der dem ossifragus von der Wolga in der 
Farbe sehr gleicht, indem seine Federn recht rostgelb mit schwarz- 
braunen Spitzen sind ; Naumanns Tafel des jungen albicilla oder 
des ossifragus ist ganz schwarzbraun; unbegreiflich aber ist es 



— 165 — 

mir, dass dieser ausgezeicbnete Ornitliologe in seinem sonst so 
vollständigen grossen Werke gerade den ossifragus im schönsten 
Kleide nicht abgebildet bat, wo seine Federn meist schön rost- 
gelb mit schwarzbraunen Spitzen sind. Einen solchen Vogel, 
wie ich ihn nirgends abgebildet finde, erhielt ich im vergangenen 
Winter und diesem gleicht vollkommen Pallas Aquila ossifraga, 
welchen ich von der Wolga erhielt. Der grosse grönländische 
Seeadler hat wieder etwa die Farbe, wie sie Naumann von dem 
jungen albicilla abbildet, d. h. er ist nicht rostgelb, sondern 
schwarzbraun. Falco leucopsis Bechst. ist durchaus kein Adler, 
sondern ein echter Bussard, dessen Nahrung er auch hat. 
Es ist irrig, wenn man glaubt, er nähre sich bloss von Schlangen 
und Amphibien; denn man hat auch schon junge Hasen, Maul- 
würfe, Mäuse und dergl. in dem Horste gefunden. Das Auge 
ist gross, die orangengelbe Iris sehr breit und die Pupille sehr 
klein. Der alte ist ein schöner Vogel. — Das Ei glaube habe 
ich Ihnen beschrieben. Es ist dick, rundlich stumpf, 
blass bläulichweiss. Ich werde im kommenden Frühjahre 
nach Kräften auf diese Vögel Acht haben lassen, vielleicht finden 
wir wieder den Horst, der in den weitläufigen und sehr gebir- 
gigen Forsten der Kheingegend sehr schwer aufzufinden ist. 

Ich kann eine gut aufgestellte Anser hyperboreus aus meiner 
Sammlung geben und an Enten: A. strepera amer., brasiliensis 
maculirostris, erythroryncha fem., Boschas masc. aus Amerika; 
ferner Tetrao cupido masc. et fem. — Aus Grönland: Somat. 
spectabilis, Lestris parasitica, Fringilla lapponica, Anas glacialis, 
Alca torda, Alca arctica jung, Anthus rufescens, üria grylle 
alle und noch einige. Nächstens erwarte ich wieder Naturalien aus 
der astrachaner Steppe, vielleicht bringen sie etwas Interessantes. 

Mit der Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung 

Max Prinz Wied. 

Haben Sie die Güte mir zu sagen, wie viel von Naumanns 
13. Bande (Supplement) heraus ist? Es wäre gut, wenn Herr 
Naumann noch den ossifragus abbildete, wie ich ihn erwähnte 
und wovon man nirgends eine Abbildung findet. 



— 166 - 

Neu-Wied, am 26. Januar 1850. 

Euer Hochwohlgeboren 

muss ich vorab anzeigen, class ich eine, zwar nicht zahlreiche, 
aber doch interessante Sammlung aus der Nähe der Wolga und 
des caspiscben Meeres erhalten habe. Darunter befinden sich zwei 
Adler, Aquila ossifraga Pall. und ein prächtiges Paar von Aquila 
imperialis Bechst. ; auch von Anser rutila ein Paar und die männ- 
liche leucocephala oder mersa Pall. Es befindet sich in dieser 
Sammlung ein prachtvoller grosser Pelecanus crispus, der Ihnen 
vielleicht fehlen könnte. Jetzt habe ich noch eine andere Frage. 
Sollten Sie nicht im preussischen Staate eine Familie von Bonn- 
horst kennen, wovon ein Sprosse in dem unglücklichen Kriege 
von 1806 in dem pommerschen oder Blücherschen Husaren-Re- 
gimente stand? Dieser ging nach Nordamerika und wurde Friedens- 
richter zu Pittsburgh; dort lebt noch sein Sohn, der mich um 
Nachrichten von seiner Familie gebeten hat. Ich würde füi' 
eine jede Nachricht über diesen Gegenstand sehr dankbar sein, 
könnte auch die Briefe des jungen Mannes zu Pittsburgh ein- 
schicken. Ich vermuthe, dass Pommern der Sitz dieser Familie war. 
Mit der Bitte um eine gefällige Nachricht und mit dem 
Wunsche, dass meine kleine Sendung in Ihren Händen sein 
möge. Euer Hochwohlgeboren 

aufrichtigst ergebenster 

Max Prinz Wied. 



Neu-Wied, am 2.S. November 1850. 

Euer Hochwohlgeboren 
haben nun seit geraumer Zeit nichts mehr von mir gehört und 
ich war zur Zeit Ihres letzten Briefes leider in der Lage, Ihnen 
den Wunsch wegen der Adler von Sarepta nicht gewähren zu 
können, da sich diese Felle schon eingeweicht in den Händen des 
Präparators befanden. Seitdem sind diese Vögel nun bei mir 
aufgestellt, und ich hoffe, Sie werden sie einmal persönlich bei 
mir in Augenschein nehmen, wenn Sie eine Keise an die üfer 
des Rheines führen sollte. Ich habe in dem vergangenen Sommer 
mit meinen Bestellungen kein Glück gehabt. Falco leucopsis 



— 167 — 

Bechst. nistete wieder in imsern Gebirgen; man hat aber den 
Horst nicht gefunden, auch wurde leider kein solcher Vogel ge- 
schossen; da viele unserer schönen Jagden in die Hände der 
Bauern und anderer Pächter gerathen sind, so haben wir die 
Jagden zum Theil verloren, wo jene Vögel horsten, und ich konnte 
nicht nach ihnen operiren lassen. Für die Eier der Steindrossel 
ging es mir nicht besser. Eine Menge von Vogelliebhabern sind 
hinter diesen armen Thieren her, und man kann auch auf diese 
Art den Satz nur bestätigen, dass der Mensch das gefährlichste 
Eaubthier unter allen ist. Im kommenden Frühjahre geht es 
mir vielleicht besser ; doch hoffe ich Ihnen im Laufe des Winters 
vielleicht des letztern Ei noch senden zu können, wenigstens 
habe ich Hoffnung dazu. Da in der ,.Rhea" öfters nach Be- 
weisen für die Art zu nisten des Falco gaUicus oder leucopsis 
verlangt wird, so theile ich Ihnen mit, w^as ich darüber beob- 
achtet habe und was vielleicht für die ,.Rhea-' passen könnte. 

Dieser schöne Raubvogel, ein echter Bussard in seiner 
Lebensart, hält sich in den hohen steilen Gebirgen des Rhein- 
ufers alljährlich auf. indem er im April oder Mai ankommt und 
gewöhnlich auf hohen Eichen in den Hochwaldungen horstet. 
Man erkennt seine Gegenwart alsdann an der feinen pfeifenden 
Stimme, die er auch im Fluge hören lässt, wie man ihn 
auch an seinem weissen Unter leibe unterscheiden kann. Den 
Horst dieses Vogels haben wir bis jetzt erst einmal gefunden, 
wahrscheinlich weil diese Thiere oft in unzugänglichen Fels- 
gegenden, aber immer auf hohen Eichen bauen. Der Horst 
selbst war von Reisern und dürren Zweigen erbaut, oben mit 
grünem Eichenlaub ausgefüttert. Das Weibchen hatte ein Ei 
gelegt, als der Förster, leider zu früh, den männlichen Vogel 
schoss, wodurch die Brut gestört wurde. Da das Weibchen vier- 
zehn Tage auf dem einen Ei brütete, so liess ich dasselbe weg- 
nehmen und auch den Vogel schiessen, und es fand sich nun, 
dass das Ei verdorben war. Es hatte eine dicke rundliche Ge- 
stalt und war schmutzig grünlich-weiss ohne Flecken. Blind- 
schleichen, Mäuse und Ueberreste einiger anderer 
Thiere lagen auf dem Horste. Seitdem habe ich noch 
manchen dieser Vögel erhalten, allein keinen Horst mehr ent- 
<leckt. Da nun jetzt seit dem Jahre 1848 gerade jene Jagd- 
districte in die Hände der Bauern gerathen sind, wo alles Le- 
bende zerstört oder wenigstens stets beunruhigt wird, so ist mir 



— 168 — 

die Beobachtung der hier erwähnten interessanten Vogelart sehr 
erschwert worden. 

In dem neuesten Hefte der ,,Rhea*' habe ich viele Nach- 
richten über das Nest der Pendulin-Meise gefunden, ein Gegen- 
stand, der mir bis jetzt noch gänzlich fehlt. Vielleicht können 
Euer Hochwohlgeboren mir einmal ein solches verschaffen. Ich 
könnte dagegen ein Pirol- oder anderes künstliches Nest geben, 
ein amerikanisches, oder auch einen interessanten Vogel. Aus 
Californien erhielt ich einige interessante Vogelarten, unter an- 
deren auch zwei neue unbeschriebene Finken, hoffe auch bald 
noch mehr zu bekommen. Herzog Paul Wilhelm von Württem- 
berg ist auch kürzlich in Californien gewesen. 

Eine Menge von Tannenhähern hat sich in diesem Herbste 
bei uns gezeigt; sechs bis sieben Stück sind geschossen worden. 

Haben Sie die Güte, mir Ihre Liste der Desideraten für 
diesen Wintev doch wieder zu erneuern, vielleicht erhalte ich 
doch eins oder das andere. 

Mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung 
Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 



Neu-Wied, am 16. August 1851» 

Euer Hochwohlgeboren 

Wünsche werde ich zu berücksichtigen suchen, sobald sich die 
Gelegenheit darbietet. Mein Correspondent aus Newyork ist gegen- 
wärtig in Europa, wird aber bald zurückkehren, und ich werde 
alsdann für den kommenden Winter die von Ihnen gewünschten 
Enten oder Anatidae bestellen. Ein Paar starke amerikanische 
Hirschgeweihe habe ich durch meinen Correspondenten erhalten, 
die er mitbrachte. Ich bin bis jetzt mit Falco leucopsis wieder 
nicht glücklich gewesen. Obgleich diese schönen Vögel auf dem 
ßheinbrohler Walde, etwa zwei Stunden von hier, horsteten, so 
habe ich doch weder Eier noch Vögel erhalten können. Der 
Horst ist nicht gefunden Avorden, und im September ziehen diese 
Vögel schon fort. Ich erhielt kürzlich Nachricht, dass eine Sen- 
dung aus der astrachanischen Steppe am caspischen Meere für 
mich auf der Eisenbahn ist. Sie enthält ausser mehreren Säuge- 
thieren Anas rutila fem., Charadrius gregarius, Alauda tatarica, 



— 169 — 

Sturnus roseus, eine grosse Schnepfe, wahrscheinlich Limosa rufa, 
ferner Otis tetrax und Falco, wahrscheinlich rufipes. Ich erwarte 
diese Sachen alltäglich. Es befinden sich auch mehrere Xester 
der Pendulin-Meise dabei. Die verschiedenen Springhasen, Blind- 
mäuse und die Saiga- Antilope sind auch für mich bereit. 

Meine Sammlung hat in diesem Jahre sehr wenige Acqui- 
sitionen gemacht : ich hotfe aber, dass von jetzt an mehrere Sen- 
dungen eingehen werden. Eine Kiste aus Texas ist bis jetzt 
leider noch nicht angekommen, vielleicht verloren. Aus Brasilien 
habe ich auf meine Bestellungen gar keine Antwort erhalten. 

In der nächsten Woche erwarte ich den Besuch des Dr. Kaup 
aus Darmstadt, der eine Arbeit über die Tyrannen und Musci- 
capiadeen macht und meine Arten einsehen will. Ein Ei der 
Steindrossel habe ich aufgefunden, dieses werde ich wahrschein- 
lich meiner nächsten Sendung beilegen können. Eine Reise nach 
England, welche ich kürzlich machte, war höchst lohnend! Die 
Sammlungen dort sind gross artig, vorzüglich das Britische Mu- 
seum, die einzige Colibri-Sammlung des Herrn Gould und vor 
allem die zoologischen Gärten ! Gehen Sie ja dorthin. Sie 
können nichts Interessanteres sehen! 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 



Xeu-Wied, am o. August 1853. 

Euer Hochwohlgeboren 

haben mir wieder interessante Dinge gesendet, wofür ich Ihnen 
meinen ergebensten Dank sage. Besonders die Eier fehlten mir 
noch, nur habe ich einige unbestimmte dabei gefunden, über 
welche ich im Zweifel bleiben muss. Das Ei des Pelecanus 
crispus war nicht bezeichnet ; auch befand sich ein anderes, etwa 
von derselben Grösse, ebenfalls unbezeichnet, sodass ich in Un- 
gewissheit bin, welches das Ei des Pelikan und welches das von 
Anser segetum ist. Beide sind etwa gleich gross, nur ist das 
eine mehr glatt, das andere mehr rauh. Auffallend scheint es 
mir, dass dieser grosse Pelikan ein so kleines Ei legen sollte. 
Ich kann Euer Hochwohlgeboren heute leider nichts schicken, 
als ein Paar Anas rufitorques und eine weibliche Anas Yalisneri 
aus Nordamerika. Noch besitze ich einige Doubletten der Ihnen 



— 170 - 

schon mehrmals zugekommenen sareptischen Eier, als Pastor 
roseus, Merops apiaster u. s. w. Ich hoffe nächstens von dorther 
wieder neue Sachen zu erhalten; bis jetzt ist aber seit diesem 
Frühlinge nichts mehr von dort eingegangen. Ich bin von 
mehreren Correspondenten um verschiedene, mir schwierig zu er- 
haltende Eier gebeten w^orden, unter anderen um die des Pan- 
dion haliaetus, den ich ehemals bei Potsdam und Spandau so 
ausserordentlich häufig nistend fand, aber es gänzlich vernach- 
lässigte, die Eier zu nehmen. Dort waren diese Nester sehr 
zahlreich, besonders in der Spandauer Heide. In Ihrer Sendung 
hat sich keine Strix dasypus vorgefunden, welche Euer Hoch- 
wohlgeboren in Ihrem Schreiben nannten ; sie ist daher vielleicht 
vergessen worden. Meine Zeit ist jetzt knapp zugemessen, da 
ich eben aus dem Bade von Wildbad zurückkehre und sehr viele 
Arbeit fand ; Sie verzeihen daher meine Eile und schlechte Schrift. 
Ich fand auf jener ganzen Reise im Schwarzwalde nichts Orni- 
thologisch-Interessantes, wenn man die Cabinette ausnimmt, die 
ich hätte besuchen können. Um mich dafür zu entschädigen, 
will ich gegen Ende August eine Reise nach Holland machen 
und das grosse Leidener Cabinett besuchen. Das wird ein reicher 
Genuss sein ! Hoffentlich erhalte ich bald wieder Naturalien und 
kann mich alsdann aus der Schuld reissen. 

Mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung und 
Dankbarkeit 

Ihr aufrichtigst ergebenster 

Max Prinz Wied. 



Neu-Wied, am 23. März 1854. 

Euer Hochwohlgeboren 

sage ich meinen verbindlichsten Dank für die interessanten Enten, 
unter welchen sich ein Kleid der clangula befand, welches ich 
noch nicht besass. Ich erlialte hoffentlich nächstens wieder Vögel 
aus Nordamerika und alsdann kann ich Ihnen ein Verzeichniss 
derselben mit den Preisen senden, die ich dafür bezahlte. In 
einer jeden Sendung finde ich doch gewöhnlich etAvas für mich 
Neues oder Brauchbares, so dass ich die übrigen Gegenstände 
gerne abgebe. Ich bedaure sehr, dass ich die vier wilden Katzen, 
von welchen eine sehr stark war. sämmtlich nach Russland ver- 



— 171 — 

sendet habe, sonst würde ich Euer Hochwohlgeboren sogleich 
damit haben dienen können. Diese Thiere sind in unseren 
rheinischen felsenreichen Gebirgen gar nicht selten , und im 
Winter 1S52, wo ich Bestellungen auf diese Thiere gab, erhielt 
ich deren neun in vierzehn Tagen , darunter welche von 11 bis 
12 Pfund Gewicht, doch wog die stärkste, die ich bis jetzt er- 
hielt, 1(S Pfund. In Russland sind sie sozusagen ausgerottet, 
daher immerhin für die dortigen Sammlungen ein guter Tausch- 
artikel. Für dieses Jahr ist es nur zu spät, da sie jetzt den 
dicken Balg verlieren: doch im künftigen Winter, wenn Gott 
will, sollen Sie ein recht schönes Exemplar haben. Ich habe 
mich seit einiger Zeit besonders mit den Fischen und Reptilien 
beschäftigt ; unter anderen erhielt ich von dem Museum zu Leiden 
eine grosse Collection japanischer und indischer Fische, andere 
werden in einigen Monaten aus Brasilien erwartet. Bei dieser 
Gelegenheit habe ich auch viele Fischarten des Rheins ausstopfen 
lassen; aus Danzig und Hamburg hat man mir die der Ostsee 
und der Elbe zugeschickt, so dass sich meine Fischsammlung 
schnell zu heben beginnt. 

Für den Augenblick besitze ich weder Falco lanarius, noch 
Anas mersa PalL. da die Exemplare sämmtlich abgegeben wurden; 
allein ich habe wieder Bestellung auf russisch-asiatische Thiere 
gemacht, die ich unfehlbar im kommenden Sommer erhalte, wenn 
nicht Sperrung der russischen Grenzen in Folge des unruhigen 
Zustandes von Europa sein wird. Gegenwärtig erhielt ich ein 
Kistchen mit sehr interessanten kleineren Säugethieren von dort, 
wobei sich immer ein Paar Vögel, Charadrius gregarius, Salica- 
ria scita Eversm. und Emberiza aureola befanden, die ich noch 
nicht besass. Bleibt es ruhig bei uns. so hoffe ich mehrere 
dieser Thiere zu erhalten. Auf jeden Fall werde ich mich be- 
mühen, einige Aequivalente gegen die von Ihnen mir gütigst 
überscbickten Vögel zu verschaffen und ich bitte nur um etwas 
Ausstand, da ich in diesem Augenblick sehr beschäftigt und in 
der Erwartung neuer Gegenstände bin. 

Sollten Euer Hochwohlgeboren noch einige Exemplare später 
von Pyrrhula enucleator (Männchen und Weibchen) erhalten, so 
würde ich dieselben immer gerne eintauschen. 

Mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung 
Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 



172 



Neu-Wied. am :U. October 1865. 

Euer Hochwohlgeboren 

kann ich heute nur Entschuldigungen wegen des langen Aus- 
bleibens einer Antwort auf Ihr gütiges und freundliches Schreiben 
machen, und ist dasselbe hoffentlich entschuldigt, wenn ich Ihnen 
mittheile, dass einer meiner alten Freunde sehr krank war und 
dass ich selbst an Katarrh leidend war. Xach der langen Wärme 
und Trockenheit haben wir nun Regen und, was bei uns be- 
sonders in der Aequinoctialzeit eine besondere Eigenheit der 
Gegend ist, wegen des Zuges im Rheinthale, immer recht lästige 
heftige Winde, die sehr kalt und ungünstig sind. 

Ich freue mich, dass Euer Hochwohlgeboren sich noch fort- 
während mit der Ornithologie beschäftigen. Meine Beschäftigungen 
waren meist anderen Zweigen der Zoologie in der letzteren Zeit 
zugewendet und wir haben jetzt eine sehr gute Correspondenz 
mit Algier, woher wir sehr gut präparirte Thierfelle und eine 
ungeheure Menge von Vogeleiern erhalten. Ich weiss nicht, ob 
Euer Hochwohlgeboren auch Interesse an den exotischen Eiern 
nehmen und ob es Ihnen interessant sein würde, die Verzeichnisse 
mit den Preisen mitgetheilt zu erhalten. Es befinden sich dar- 
unter gewöhnliche, schöne, interessante, seltene Eier, und es ist 
hier ein grosser Oologe und Sammler. Herr Hoppe, der diese 
Gegenstände kommen lässt und in verschiedene Gegenden ver- 
sendet. Meine Vogelsaramlung ist jetzt schon ziemlich bedeutend 
und ich habe sehr seltene ausländische Vögel, die, wie ich ver- 
muthe, von Ihnen nicht gesammelt werden. Von diesen könnte 
ich mancherlei Arten abgeben. Was die europäische Ornithologie 
anbetrifft, so fehlen mir immer noch manche Arten, z. B. Aquila 
pennata, Falco Eleonorae und andere : allein ich müsste dann auch 
wissen, was man dagegen verlangt, sonst kann ich nichts accep- 
tiren. Von den in Menge in Europa erlegten Fausthühnern 
(Sj'rrhaptes) hat man auch bei unserer Stadt ein Exem- 
plar erlegt, welches sich hier ausgestopft befindet; ein 
anderes traf ich auf einer Spazierfahrt an, wo ich 
aber kein Gewehr hatte und ihm nicht nachgehen konnte. Bis 
jetzt scheint man nichts mehr von diesen Vögeln bei uns zu 
hören, die grosse Trockenheit wird sie aus dem asiatischen Russ- 
land vertrieben haben. 



Icli habe jetzt vor wenigen Tagen meinen jungen zwanzig- 
jährigen Neffen nach Italien und von da nach Aegypten abreisen 
sehen und habe alle Ursache zu hoffen, dass er auch auf 
interessante naturhistorische Gegenstände ein aufmerksames Auge 
haben werde. Er will z. B. suchen den Nil-Crocodil mitzubringen, 
sowie xlntilopen und andere interessante Thiere. Wenn er nur 
gesund bleibt ! Es war mir nicht angenehm , ihn gerade jetzt, 
zur Zeit der Cholera -Epidemie, nach Italien gehen zu sehen, 
allein er wollte es und ist nun dort. Es ist ein preussischer 
Hauptmann Mäschke mit ihm gereist, den ihm Se. Königliche 
Hoheit der Kronprinz zum Begleiter ausgesucht hat, und noch 
ein junger Architect und Kunstkenner, der ein sehr hoffnungs- 
voller Gelehrter werden wird. 

Es würde mich sehr freuen, wenn Euer Hochwohlgeboren 
die Güte haben woUten, mir zu sagen , womit ich in ornitholo- 
gischer Hinsicht Ihnen angenehm sein könnte, und welche Arten 
der CoUectionen Sie gegenwärtig noch veranstalten, ob Vogeleier. 
So würde ich vielleicht Gelegenheit haben, Ihnen nützlich zu 
sein, was mich sehr glücklich machen würde. 

Mit der Versicherung der aufrichtigsten Hochachtung 

Max Prinz Wied. 



Dr. Glosrer an E. F. v. Homeyer. 

Breslau, den 25. April 1838. 

Hoch- und Wohlgeborner Herr! 

Der Grund, warum ich nach dem Empfange Ihrer Ueber- 
sicht der Vögel Pommerns, für deren freundliche üebersendung 
ich Ihnen hiermit meinen aufrichtigsten Dank sage, Ihnen noch 
nicht geantwortet habe, ist die grosse Schonung, welche ich seit 
geraumer Zeit meinen Augen angedeihen lassen muss, und die 
theils hieraus, theils aus anderen Verhältnissen entspringende 
Nothwendigkeit, sehr ökonomisch mit meiner Zeit umzugehen. 
Dagegen habe ich, wie Sie gesehen haben, nicht ermangelt, so- 
gleich da die Hand ans Werk zu legen, wo rasches Einschreiten 
von wesentlicherem Nutzen sein konnte : nämlich in Betreff 
der kritisclien Anzeige über Ihre Schrift. Es freut mich zu 



- 174 -- 

hören, dass der Ausdruck meiner, in jener Recension ausge- 
sprochenen üeberzeugung auch übereinstimmend mit Ihren Wün- 
schen ausgefallen ist. 

Desgleichen freut mich der Eifer und die Eüstigkeit, mit 
welcher Sie an das neue und grössere ornithologische Werk gehen 
wollen. Daher will ich auch nicht unterlassen, Ihnen im Fol- 
genden einige Bemerkungen mitzutheilen, von welchen ich glaube, 
dass sie Ihnen bei Ihrem Unternehmen nützen und die gute Sache 
in einer oder der andern Beziehung fördern helfen können. 

Ich habe früher öfter den Gedanken gehegt, in dem Falle, 
dass Zeit und Umstände mir gute Gelegenheit darbieten würden, 
mein Werkchen über den Einfluss des Klimas und die in meinem 
Handbuche gegebenen Bemerkungen über klimatische Varietäten, 
durch eine Reihe von Abbildungen instructiver und die dort 
vorgetragenen Ansichten einleuchtender zu machen. Könnten Sie 
nicht Ihr Kupferwerk so einrichten, dass es im Allgemeinen 
(d. h. mit Abrechnung derjenigen Fälle, wo das Abändern nur 
unbedeutend ist) jenem Zwecke mit entspräche? Sie und Ihre 
Herren Mitarbeiter wollen ja ihrem Prospecte gemäss die klima- 
tischen Varietäten ungefähr ebenso wie ich und von demselben 
Standpunkte aus berücksichtigen und beschreiben, und Sie scheinen 
auch geneigt, wenigstens hin und wieder eine oder die andere 
abzubilden. Es würde aber gewiss eine höchst nützliche und 
ebenso interessante Tendenz sein, wenn Sie diesem Theile ihres 
Planes die oben bezeichnete allgemeinere Ausdehnung geben 
wollten. Ohnehin können ja manche dergleichen Abänderungen 
durch Klima (z. B. die Temmink'schen Sperlinge) in einem 
Werke, welches sämmtliche Vögel Europas abbilden soll, schon 
darum nicht wegbleiben, weil sie einmal, wenn auch immerhin 
mit Unrecht, für selbständige Arten gehalten worden sind. 
Die ansehnliche Grösse des von Ihnen gewählten Formats wird 
es auch, wenigstens in der Regel, möglich machen, jenem Zwecke 
zu genügen, ohne dass deshalb die Zahl der Tafeln merklich 
vermehrt zu werden braucht, da leicht mehrere einzelne Vögel 
auf einer und derselben Tafel anzubringen sein werden. Sollte 
es sich auch finden, dass in solchem Falle die Figuren etwas 
gedrängt gestellt oder verkleinert werden müssten, so halte ich 
doch auch dann immer noch den Nutzen für viel bedeutender 
und beachtungswerther als jenen etwaigen Xachtheil. Dagegen 
würde ich , um im Nothfalle die hierdurch vergrösserte Anzahl 



— 175 — 

der Platten wieder zu redueiren, doch anrathen, lieber das Ab- 
bilden von Ausartungen, unter denen ja doch selten eine so wie 
die andere ausfällt, zu unterlassen, und würde hiervon nur da 
eine Ausnahme gelten lassen, wo (wie bei Corvus leucophaeus 
Viellt.) Viellot eine dergleichen für specifisch eigenthümlich 
gehalten worden ist. 

Obwohl ich keine Sammlung besitze, sondern nur eine ge- 
ringe xAnzahl von Vögeln als Zimmerdecoration benutze, so bin 
ich doch noch im Besitze jener höchst merkwürdigen, wunderbar 
verschönerten Altersvarietät des Stieglitzes, welche Sie in 
meinem Handbuche beschrieben finden. Wenn ich mit Bestimmt- 
heit darauf rechnen darf, dass Herr Landbeck sich beeilen wird 
mit Anfertigung einer Abbildung davon (die aber doppelt, von 
der Vorder- und Kückenseite, aufzunehmen sein möchte), und 
wenn Sie mir zu diesem Behufe den Gefallen thun wollen, die 
Naturgeschichte des Stieglitzes gleich in eines ihrer ersten Hefte 
aufzunehmen, so bin ich gern bereit, Ihnen das Exemplar für 
einige Zeit zukommen zu lassen und die nothwendigsten Be- 
merkungen dazu beizufügen. Schon längst habe ich immer hier- 
über und über die sonderbaren Kebhühner in der Gegend von 
Görlitz, welche Naumann zuerst beschrieben hat und von welchen 
auch in meinem Handbuche die Rede ist, eine besondere Ab- 
handlung für die Schriften der Academie der Naturforscher aus- 
arbeiten wollen, und habe zu diesem Zwecke auch die Original- 
exemplare der Görlitzer Sammlung noch bei mir. Die Sache ist 
immer noch unterblieben, weil dann, wenn mir einige Zeit dazu 
übrig geblieben wäre, der Zeichner der Academie bereits von 
andern hiesigen Mitgliedern in Anspruch genommen war. 
Einem andern minder geschickten Künstler wollte ich aber die 
Sache nicht anvertrauen und jetzt will ich, mit dringenden ander- 
weitigen Geschäften überhäuft, unter der Bedingung, dass es bei 
Ihnen nicht lange dauert, gern auf das Selbstbekanntmachen 
verzichten. 

Unter den Bastarden, deren Abbildung schon an und für sich 
so interessant bleibt und wegen der Aufstellung des Tetrao 
medius als besondere Art natürlich geradezu nothwendig wird, 
werden Sie auch ohne mein Erinnern den Eimbeck'schen Mergus 
anatarius (Bastard von Mergus albellus mit Anas clangula) nicht 
vergessen. Aber hübsch und ebenso der Mühe werth, als mir 
angenehm würde es sein, wenn Sie auch den von mir entdeckten, 



— 176 — 

von Naumann und mir beschriebenen Bastard der Rauchschwalbe 
und Hauschwalbe, welchen ich schon damals dem Berliner Mu- 
seum ül)erlassen habe, darstellen wollten. Allerdings ist er leider 
in schlechtem Zustande, weil ich ihn (trotz meines Bestrebens, 
dies zu vermeiden) durch den Schuss bedeutend verletzt hatte. 
Doch kann es mit Zuziehung unserer beiden Beschreibungen, 
und wenn man jugendliche Exemplare von beiden elterlichen 
Arten daneben hält, eine hinreichend instructive Abbildung her- 
vorbringen. 

Was die klimatischen Varietäten betrifft, so wird es bei der 
bedeutenden Anzahl von Abstufungen in manchen Fällen nur 
möglich sein, die entgegengesetztesten Extreme darzustellen; 
indess würde es, um recht augenfällig nachzuweisen, dass wir 
mit unsern Ansichten, bei aller Disharmonie derselben mit denen 
mancher Anderen auf dem sicheren Boden der Erfahrung fussen, 
gewiss gut sein, in einigen der auffallendsten Fälle eine auser- 
lesene Suite von Extremen und Mittelstufen zu geben. Hierzu 
würden dann vorzugsweise solche Arten zu wählen sein, bei 
Avelchen die klimatischen Varietäten Veranlassung zum Aufstellen 
von Nominalspecies gegeben haben. Wird die Auswahl mit Vor- 
sicht unternommen, so muss sie gut ausfallen, da manche Samm- 
lungen (wie die Berliner und wahrscheinlich auch die Frankfurter) 
hierzu so schöne Reihen darbieten. Sollten Sie zu diesem Zwecke 
eine gegenseitige berathende Mittheilung zwischen uns hin und 
wieder für nützlich zur Sache halten, so bin ich gern dazu be- 
reit, so weit Zeit und Gelegenheit es mir erlauben werden. 

Dem Herrn Freiherrn von Schertel-Burtenbach, welchem ich 
aus Mangel an Zeit leider auch noch die Antwort auf eine mir 
recht angenehme Zuschrift schuldig bin, bitte ich bei nächster 
Gelegenheit meinen freundlichsten Gruss sammfc Bitte um gütige 
Entschuldigung auszurichten. Da ich, wie oben gesagt, selbst 
keine Sammlung habe, so kann ich von seinem und Ihrem ge- 
fälligen Anerbieten zum Tausche auf Doubletten wenigstens für 
mich und für jetzt keinen Nutzen ziehen oder gewähren; da- 
gegen bin ich gern zur Vermittelung bereit, wenn Sie oder Herr 
B. von Schertel mit einem oder dem andern meiner Bekannten, 
unter welchen Sie die wichtigsten in meiner Vorrede genannt 
finden, in Tauschverbindung oder Correspondenz treten wollen. 
Da Herr von Schertel in Skandinavien gereist ist, so versteht 
er ohne Zweifel schwedisch ; und wenn dies vielleicht nicht auch 



— 177 — 

bei Ihnen selbst der Fall ist, so kann man Ihnen bei der Wich- 
tigkeit der schwedischen Werke über Zoologie zu Ihrer Associa- 
tion mit Herrn von Schertel nur in hohem Grade Glück wünschen. 
Da Sie, wie es scheint, ein regelmässiger Leser der Berliner 
Jahi'bücher für wissenschaftliche Kritik sind, so werden Sie schon 
aus diesen die wichtigeren Werke der Schweden, die für Ihre 
Arbeit von Nutzen sein können, näher kennen gelernt haben. 
Eines aber, welches ich noch nicht aus eigener Ansicht, sondern 
nur aus Citaten bei Nilson kenne und hiernach für empfehlens- 
werth, nach den anderweitigen Beweisen von der Darstellungs- 
gabe seines Urhebers für einzig in seiner Art und bis jetzt für 
unübertroffen halten muss, sind jetzt Wrights Svenska Foglar. 
So vortrefflich auch immerhin, nach dem was Sie mir schreiben, 
die Zeichnungen von Herrn Landbeck sein mögen, so halte ich 
es doch, wenn nicht für geradezu unmöglich, doch mindestens 
für höchst unwahrscheinlich, dass die des Herrn Wrights an 
Leben und Treue jemals von irgend Jemandem übertroffen werden 
können. Sehr bequem ist es, wie für uns Alle, so besonders 
auch für die Bearbeiter eines so umfassenden Werkes wie das 
Ihrige, dass die Berliner Literarische Zeitung und Wiegmanns 
Archiv uns mit der Literatur des Auslandes in ziemlicher Be- 
kanntschaft erhalten ; nur spricht leider die erstere bloss von den 
Titeln ganzer Werke und grösserer Abhandlungen ; daher kostet 
doch das Zusammensuchen von wo möglich allen, für Aufent- 
halt, Verbreitung und Sitten der europäischen Vögel wichtigen 
Notizen in einer solchen Menge bändereicher Zeitschriften des 
Auslandes ungemein viel Zeit und unsägliche Mühe.*j Ich weiss 
am besten, was mir in dieser Beziehung mein Handbuch zu 
thun gegeben hat. 



*) AVer heute, bei den so rasch anwachsenden verschiedenen 
Schriften, ernstUch bemüht ist , dieselben mög-Uchst kennen zu lernen 
und von ihrem Inhalte Nutzen zu ziehen , der muss die Wahrheit des 
Gloger' sehen Ausspruches in erhöhtem Maasse bestätigt finden, ja auch 
dem grössten Fleisse wird noch Manches entgehen. 

Dem gegenüber macht es einen halb komischen, halb tragischen 
Eindruck, w^enn bei einigen Schriftstellern — auch in der Ornithologie — 
die vielleicht ein halbes oder ein ganzes Dutzend verschiedener AVerke 
kennen, mit ziemlichem Pathos von Literatur gesprochen wird, 
in einer Weise, als glaubten sie, die Quintessenz alles Wissenswürdigen 
in sich aufgenommen zu haben. v. H. 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 12 



— 178 — 

Mit den herzlichsten Wünschen für Sie und Ihre Arbeiten 
werde ich stets sein 

Ew. Hoch- und Wohlgeboren 

ganz ergebener 
Dr. C. L. Gloger. 



Pfarrer Blasius Hanf an Yictor Kitter von Tscliusi. 

Euer Hochwohlgeboren ! 

Es ist meine Beobachtung, dass Tetrao lagopus ein drei- 
faches Kleid habe, und zwar ein Sommer-, Herbst- und Winterkleid. 

Einige Ornithologen, welche nicht Gelegenheit hatten, das 
Schneehuhn in der freien Natur zu beobachten, nehmen nur eine 
zweifache Mauser desselben an. Selbst C. L. Brehm, dieser so 
erfahrene Ornithologe, beschreibt wohl bei dem Morast-Schnee- 
huhn Lagopus subalpinus Br. (Tetr. albus L.) ein Winter-, Früh- 
jahr- und Sommerkleid ; beim Berg-Schneehuhn Lagopus montanus 
Br. (Tetr. lagopus L.) führt er nur ein Winter- und ein Sommer- 
kleid an. (Handbuch aller Vögel Deutschlands pag. 515—517.) 

Andere Ornithologen, wie Schinz, erkennen einen Unter- 
schied zwischen Sommer- und Herbstkleid, ja berichten, dass das 
Schneehuhn beinahe in jedem Monate des Sommers eine andere 
Färbung habe (besonders die Männchen) ; aber sie schreiben die 
Verschiedenheit des Kleides dem x^bnutzen und Abbleichen der 
Federn zu. Allerdings ändert das Schneehuhn im Sommer seine 
Farbe durch Abnutzen und Abbleichen der Federn, ja es ist ge- 
wiss, dass wohl nicht leicht ein Vogel seine Federränder so schnell 
abnützet wie das Schneehuhn , da es mit allen Hühnerarten die 
Lieblingsneigung, sich im Sande zu baden, gemein hat. Der- 
selbe ist aber auf den Hochgebirgen von den heftigen Stürmen 
verweht, findet sich nur spärlich, und das Schneehuhn ist ge- 
nöthigt, solchen aus dem festen Boden auszuscharren und sich in 
diesem scharfen Materiale zu baden, wodurch die Federn sehr 
schnell abgenützt werden, daher auch an den im Winter so dicht 
befiederten Füssen im Sommer kaum mehr als die wie steife 
Haare aussehenden Federschäfte übrig bleiben. 

Dass auch das Abbleichen der Federn die Farbe des Schnee- 
huhns im Sommer ändert, wird derjenige gern zugeben, der er- 



— 179 — 

fahren hat, wie zerstörend die scharfe Alpenluft und der schnelle 
Wechsel zwischen befeuchtendem Nebel und den bleichenden 
Sonnenstrahlen auf die Farbe einwirkt. Sehen wir dieses wohl 
auch an so manchem andern Vogel e. g. das schöne Rostroth 
am Unterleibe des jungen Falco palumbarius und die schön gelben 
Federränder am ganzen Oberleib des Charadrius auratus werden 
im nächsten Sommer beinahe weiss. 

So werden auch die Federn des Schneehuhns, welche es 
Ende März und Anfang April bekommen hat, schon im Juni und 
Juli stark abgebleicht. Aber unter diesen abgebleichten und ab- 
genützten Federn des Frühlings- oder Sommerkleides findet man 
schon um die Mitte Juli ganz neue, an ihren weichen, noch nicht 
ausgewachsenen Kielen gut erkennbare Federn des Herbstkleides, 
welche auch eine vom Sommerkleide leicht zu unterscheidende 
Zeichnung und Färbung haben. Solche ganz anders gezeiclmete 
und gefärbte Federn bekommt das Schneehuhn von Mitte Juli 
angefangen bis Ende September immer neue, bis endlich das 
September- oder Herbstkleid ein vom Frühlings- oder Sommer- 
kleide ganz verschiedenes ist. 

Der Wechsel der Schwung- und Steuerfedern beginnt Mitte 
August und ist gegen Ende September vollendet. Da diese 
Federn mit Ende September sowohl bei den Jungen, wenn sie 
nicht von besonders verspäteter Brut sind, als auch bei den Alten 
ganz vollkommen sind, so ist auch die Jagd auf dieselben nicht 
mehr so lohnend, wie gegen Ende August und Anfangs September, 
wo sie den Hühnerhund noch gut annehmen. 

Sowohl von der Abnützung und Abbieichung, als auch von 
der lange dauernden Mauser kommt es, dass das Schneehuhn den 
Sommer hindurch fast in jedem Monate eine andere Färbung hat. 

Am auffallendsten ist die Verschiedenheit des Sommer- und 
Herbstkleides bei den Weibchen. Im Sommer sind sie über den 
ganzen Leib schwarz und gelb gewellt, und zwar so, dass die 
Wellen am Kopfe und Halse am schmälsten sind und je weiter 
nach rückwärts immer breiter werden. Auf der obern Seite 
des Leibes ist mehr die schwarze, auf der untern Seite mehr 
die gelbe Farbe vorherrschend. Im Herbste aber ist die Zeich- 
nung der Federn wohl noch am Kopfe und Oberhalse eine wellen- 
förmige, allein die Färbung ist bedeutend lichter als im Sommer; 
die Zeichnung ist auf dem ganzen übrigen Körper nicht mehr 
wellenförmig, sondern schwarz und weiss gesprenkelt. Auf die 

12* 



— 180 — 

grössere oder geringere Vollkommenheit dieses Herbstkleides hat 
beim Weibchen das Brutgeschäft EinÜuss, da es das Bebrüten 
der Eier und die Führung der Jungen allein zu besorgen hat. 
Wird das $ ziemlich früh e. g. Mtte Juni gestört, so macht es 
bisweilen noch eine zweite Brut. Ich traf am 14. Juli 1853 
noch eine Henne auf Eiern sitzend, während andere schon ziem- 
lich flugbare Junge führten. Wird sie später im Brüten gestört, 
dann fängt sie keine zweite Brut mehr an, und es tritt dann die 
Herbstmauser früher ein, weil sie, der Sorge für die Ernäh- 
rung der Jungen enthoben, früher die nöthige Kräftigung zur 
Erneuerung der Federn erlangt. Daher das Herbstkleid bei jenen 
Hennen, welche keine Junge haben, weit vollkommener wird 
als bei denen mit Jungen, welche dann bisweilen ein unvoll- 
kommenes Herbstkleid bekommen, da sich bei diesen neben den 
noch Yorhandenen Federn des Sommerkleides schon die rein weissen 
Federn des Winterkleides zeigen. Bei den Männchen ist aber 
das Herbstkleid stets vollkommen. Ueberhaupt ist die Herbst- 
mauser die vollkommenste, da das Schneehuhn bei derselben 
nicht nur die Conturfedern , sondern auch die Schwung- und 
Steuerfedern, ja alte Vögel sogar die Nägel der Zehen erneuern. 

Kaum aber ist dieses Herbstkleid vollendet, so verliert es 
schon wieder die seit Mitte Juli erhaltenen grauen Federn, und 
in derselben unregelmässigen Ordnung, wie es das graue Herbst- 
kleid angezogen, zieht es nun auch das Winterkleid an, so dass 
es im October mehr oder weniger scheckig erscheint, bis es 
gegen Mitte November, mit Ausnahme der schwarzen Steuer- 
federn, welche aber in ruhendem Zustande von den Deckfedern 
vollkommen bedeckt sind, ganz weiss wird und das S von dem 
$ nur an dem schwarzen Zügel zu unterscheiden ist. 

Das dreifache Kleid des Schneehuhns ist eine sehr zweck- 
mässige Eigenschaft desselben, indem es durch diese Eigenschaft 
zu jeder Jahreszeit eine seiner Umgebung entsprechende Färbung 
hat und sich so vor seinen Feinden durch die Aehnlichkeit der 
Farbe schützen kann. 

Im Winter ist es weiss wie der Schnee. Im Frühjahre, 
wenn die wärmere Temperatur die Hochgebirge nach und nach 
ihrer weissen Decke entledigt und die ersten vom Schnee freien 
Flecke der Alpen noch eine dunkle Farbe haben, hat es ein 
dunkelfarbiges Kleid, und im Herbste, wenn schon Frost die 
steilen, nördlich gelegenen Gehänge mit nicht mehr schmelzendem 



— 181 .— 

Reif überzieht, hat es eine lichtgraue Färbung. Und mag man 
es Urtheilskraft oder Instinct nennen, es wählt gerade jene Orte 
zu seinem zeitweiligen Aufenthalt, wo es durch seine Färbung 
Schutz findet.*) 

(Auch glaube ich beobachtet zu haben, dass es in den lich- 
teren Kalkgebirgen Hochschwabens besonders im Herbstkleide 
eine lichtere Färbung hat.) 

Auf der Veit- oder Senthaler-Alpe (Zierbitz-Kogel 7570 Fuss 
hoch) habe ich noch nie ein Schneehuhn im Winter in der Holz- 
region angetroffen, obschon ich dieselbe sehr oft besuchte, so dass 
ich schon die Richtigkeit der Beobachtung bezweifelte, dass das 
Schneehuhn im Winter in die Holzregion herabkomme. Nun 
fand ich es aber am 21. November Js52 auf der Grewenze, 
welche mit der Veitalpe in keinem Zusammenhange ist, in jener 
Region unter niedrigen, verkümmerten Fichten, in der Nähe der 
Alpenregion Schutz gegen ihr verrätherisches weisses Kleid 
suchend, da diese Alpe dazumal noch keinen Schnee hatte. 

Im Frühjahre hält sich das Schneehuhn in der Regel in den 
niedrigsten Regionen auf, wo dann das Weibchen seinen Brut- 
platz wählt , obschon ich auch auf den Höhen der Alpen, wenig 
unter der Wasserscheide, oft ganz frei, bisweilen auch an einer 
Wachholderstaude oder unter einer schützenden Steinplatte sein 
Nest antraf. 

Die Ursache, warum das ? nicht die schroffen, mit wildem 
Steingerölle bedeckten (sein sonstiger Lieblingsaufenthalt), sondern 
sonnige und bewachsene Plätze zu seinem Brutort wählt, ist 
wohl keine andere als die grössere Insectenmenge , und dass in 
den schroffen und zerklüfteten Regionen die noch nicht flüggen 
Jungen den Alten nicht folgen könnten. 

Wie bekannt, brütet das $ seine Jungen allein aus und 
führt und ernährt sie auch allein. 

Ueberhaupt ist Tetr. lagopus eine sehr sorgfältige Mutter, 
weit sorgsamer als Perdix saxatilis, welches seine Jungen ver- 
lässt. wenn ihnen Gefahr droht und nur ganz verstohlen von 
ferne zusieht, was mit ihnen geschieht. Das Schneehuhn hin- 
gegen setzt sich für seine Jungen der grössten Gefahr aus, ja 



*) Die Neigung , gleichfarbige Aufenthaltsorte oder dergleichen 
Gegenstände zu ihrer Deckung zu wählen, finden wir bei verschiedeneu 
Thieren, Vögeln, Fischen und Insecten. Wir werden diesen Gegenstand 
bei den „"Wanderungen der Vögel" ausführlich besprechen. v. H. 



— 182 — 

es wendet selbst List und Verstelliingskünste an Tals ob es nicht 
fliegen könnte), um durch flatterndes Fortlaufen den Feind von 
seinen Jungen, welche sich sehr gut unter Steinen verbergen, 
oder auch frei, aber zerstreut und unbeweglich hockend, liegen 
bleiben, hinweg zu locken. 

Das Dunenkleid der Jungen ist gelblich, nur hat es am Ober- 
leib eine scbwarzbräunliche Zeichnung, welche an der Stirn an- 
fängt, am Scheitel breiter wird, sich am Halse mit einem, über 
den übrigen Leib mit mehreren Streifen fortsetzt. Das erste 
Federkleid der Jungen ist dem Herbstkleide der Alten in der 
Farbe und Zeichnung sehr ähnlich; auch die Federn des keil- 
förmigen Schwanzes haben eine gleiche gesprenkelte Färbung und 
die Schwungfedern sind grau. 

Während nun die Weibchen mit der Brut und Zucht der 
Jungen beschäftigt sind, beziehen die Männchen ihren Sommer- 
aufenthalt, d. i. die schrofi'en, mit Steingerölle , bisweilen auch 
noch mit Schneeflecken bedeckten Gehänge der höchsten Berg- 
kuppen. Und man kann schon im Juli und August mit einem 
guten Hund auf diese in den höchsten Kuppen versammelten 
Männchen, welche manche unerfahrene Jäger für schon ausge- 
wachsene Kitten halten, gute Jagd machen ; denn die Weibchen, 
welche kleine Junge führen, erkennt der erfahrene Jäger leicht 
an dem flatternden Fortlaufen. 

Den Bericht über den Herbstzug,, welcher ziemlich gut ist, 
später. 

Leider wird mir die Waldschnepfe schon zu schnell. 

Mit dem Ausdrucke der vollkommensten Hochachtung zeichnet 
sich der 

Euer Hochwohlgeboren 

stets ergebene 

P. Blas ins Hanf. 
Marienhof, den 6. November 1875. 



Euer Hochwohlgeboren 

wissen, dass ich zu den Nestflüchtern unter den Ornithologen 
gehöre, daher im Frühjahre während der Zugzeit schwer zum 
Schreibtische komme. 



— 183 - 

Haslober*) habe ich Ihren Wunsch wegen des Eiersammelns 
mitgetheilt und er versprach, nach Möglichkeit demselben nach- 
zukommen. Phylopneuste Bonelli habe ich erst eine und zwar 
am 16. Mai singen gehört; sie kommen sehr spät an. Unter 
acht Kreuzschnäbeln aus zwei Nestern ist nur ein einziger sog. 
Kechtsschnabel ; also die Wendung des Oberschnabels nach rechts 
oder links nur zufällig. Nicht jeder Vogel brütet auf fremden 
Eiern; so habe ich ein Ei meiner zahmen Gimpel einem Finken 
ins Nest gelegt ; ich finde aber jetzt wohl drei junge Finken im 
Neste, aber weder Ei noch ein Junges vom Gimpel, obschon ich 
zur grösseren Täuschung ein Ei des Finken nahm und statt des- 
selben ihm das Ei der Pyrrhula ins Nest legte. 

Von Glaucidium passerinum ist Euer Hochwohlgeboren ohne- 
dies bekannt, dass das Weibchen merklich grösser ist als das 
Männchen und dass sich dieses von ersterem in der Färbung 
nur dadurch unterscheidet, dass das Grau am Oberleibe etwas 
dunkler erscheint und die über den ganzen Oberleib verbreiteten 
kleinen weissen, durch den grauen Schaft geschiedenen, rundlichen 
Flecke deutlicher hervortreten, während beim Weibchen der Ober- 
leib mehr bräunlichgrau ist und die weissen Flecke matter er- 
scheinen. Bei den Jungen ist der Oberleib ebenfalls bräunlich- 
grau und fehlen die weissen Flecke, bloss auf den Schulterdeck- 
federn sind weissliche Flecken bemerkbar ; die grossen weisslich 
durchschimmernden Flecken auf beiden Seiten des Nackens fehlen 
dem jungen Vogel ganz, bis auf eine kleine bräunlichgelbe An- 
deutung derselben. Ein Ei besitzen Euer Hochwohlgeboren ohne- 
dies. Gefunden wurden die zwei Eier in der höheren Waldregion 
in einem zwei Klafter über der Erde stehenden Loche einer ver- 
dorrten Fichte im April 1867 (nämlich zur hohen Balzzeit). 
Leider steht dieser Baum nicht mehr. 

Nyctale Tengmalmi ist sowohl alt als jung im Naumann 
abgebildet und beschrieben. Die drei Eier, wovon Sie ohnedies 
eins besitzen, wurden vom Haslober ebenfalls im April 1869 aus 
einem Baumloche genommen. 

Fundort bei dem Gelege sind Ausläufer des Zierbitzkogels. 

Fringilla linaria. Das Kleid des Leinzeisigs ist zu 
bekannt, als dass ich darüber etwas schreiben könnte. Das leb- 



*) Ein Bauer, den Pfarrer Hanf das Präpariren lehrte und der ihn. 
auf seinen Ausflügen als Jäger begleitet. v. Tschusi. 



- 184 — 

haftere Hervortreten der rothen Farbe im Frühjahre*) ist eine 
"Wirkung, zum Theil der Abnützung der lichteren Federränder, 
zum Theil wohl insofern eine Verfärbung, als die schon vorhan- 
dene Farbe durch die zur Fortpflanzungszeit gesteigerte Lebens- 
ki'aft auch den Prachtfarben eine grössere Intensivität giebt, wie 
diese Erscheinung auch bei Fringilla coelebs und Fr. cannabina 
auffallend hervortritt. 

Das Nestkleid ist das bekannte Grau mit dunkleren Längs- 
flecken, doch fehlt die rothe Farbe gänzlich, auch am Scheitel. 

Nester dieses Vogels fand ich nur zwei; das erste mit 
Jungen war in der Gabel eines Lärchenastes, ungefähr in der 
halben Höhe des schon ziemlich ausgewachsenen Baumes, ziem- 
lich weit vom Stamme entfernt. Das zweite Nest mit Eiern 
stand auf einer jungen, nicht dichten Fichte, beiläufig zwei Klafter 
hoch, ebenfalls auf einem Aste vom Stamme entfernt. Die beiden 
Nester bestehen in ihrer äussersten Lage aus ziemlich viel Fichten- 
reisig ; die nächste Lage besteht aus Baumflechten, das innerste 
Material ist aber in beiden Nestern sehr verschieden, indem das 
erste' Nest grösstentheils nur mit Weiden wolle ausgefüttert und 
geglättet ist, während das zweite mit Viehhaaren und vielen 
zierlichen Federn verfertigt ist. Die Grösse des Nestes entspricht 
der Grösse des Vogels unj erscheint nur darum von Aussen 
etwas grösser wie das Nest der Fr. spinus, weil die erste Lage 
des Nestes aus mehr Fichtenreisig besteht. Die Eier sind etwas 
kleiner wie die der Fr. spinus und Fr. serinus, auch weniger 
birnenförmig, beinahe an beiden Enden gleich stumpf, blassgrün, 
doch etwas lebhafter grün wie spinus und serinus, und haben nur 
auf der stumpferen Seite wenige röthlichbraune, zum Theil ver- 
wischte Punkte. Länge derselben 11 Linien, Breite 6 Linien. 
Das letztere Nest mit noch wenig bebrüteten Eiern nahm ich 
am 14. Mai 1863 in der sogenannten Zitschner- Waide , nicht 
weit von der Hungerlache entfernt. Ersteres Nest war gegen 
Süden und letzteres gegen Norden gelegen. 

Fringilla Linaria hat zur Brutzeit ein dem Fr. serinus 
ähnliches Benehmen ; e. g. lässt das Männchen im Affecte in der 



*) Verg^l. Kadde in seiner sibirischen Heise, Th. IL, pag. 182, wo 
derselbe es klar zu Tage legt, wie die rotlie Färbung der schönen sibi- 
rischen Finken bereits im Herbste vorhanden, aber noch umhüllt ist. 

V. H. 



— 185 — 

Luft flatternd seinen Gesang hören und kündet also dem brüten- 
den AVeibchen seine Ankunft mit Nabrung an. 

lieber den heurigen Frühlings-Vogelzug habe ich sehr wenig 
Erfreuliches mitzutheilen, da ich ausser Himantopus rufipes, wo- 
von nur zwei Exemplare am 22. April am Furteiche erschienen 
und ich so glücklich war, beide $ ? auf einen Schuss im Fluge 
zu erlegen, sonst nichts wahrgenommen wurde als ein Pandion, 
der, tödtlich verwundet, nicht gefunden wurde. Heute, den 21. Mai, 
da ich eben beim Schreibtische sitze, kommt mir die freudige 
Nachricht: Ardea garzetta sei am Teiche, aber wieder sehr viele 
Unruhe daselbst, und nun fehlte mir die nothwendige Mässigung. 
Auch angeschossen und noch nicht bekommen; tristis est anima 
mea. 

In der Hoffnung, dass Euer Hocbwohlgeboren auf gegen- 
wärtigen wissenschaftlichen Keisen glücklicher sein werden, em- 
pfehle ich mich 

hochachtungsvoll 

Euer Hocbwohlgeboren 

ganz ergebener 

P. Blasius Hanf. 
Marienhof, den 21. Mai 1872. 



Prinz Max von Wied an E. F. von Homeyer. 

Euer Hocbwohlgeboren 
gütige Mittheilungen habe ich erhalten und nehme mir die Frei- 
heit, die verschiedenen Punkte Ihres Briefes einzeln zu beant- 
worten. Das grosse Unternehmen einer europäischen Ornithologie 
ist sehr verdienstlich, da uns ein solches Werk bis jetzt gänz- 
lich fehlte, und es ist wohl die Pflicht aller Verehrer des schönen 
Studiums der Natur, dasselbe zu unterstützen. Es ist für mich 
bei dieser weit aussehenden Unternehmung nur zu bedauern, dass 
ich in einem vorgerückten Alter die Vollendung derselben wohl 
nicht mehr erleben werde. Ich würde beinahe wünschen, dass 
die deutschen Vögel, über welche wir schon so manche schöne 
Werke besitzen, von dem allgemeinen Plane ausgeschlossen 
würden, indem man alsdann die Beendigung des Werkes noch 
erleben könnte. Was die Sonderung der Sippen in der Ornitho- 



— 186 — 

logie anbetrifft, so bin ich freilich durchaus nicht mit Boje ein- 
verstanden, viel weniger noch mit Brehm, in Hinsicht der un- 
zähligen Trennungen der Species, welche die Zoologie auf schreck- 
liche Abwege zu führen drohen; allein viele Genera können 
allerdings der Natur getreu gebildet werden, wie z. B. aus Corvus 
(Linne) Corvus, Garrulus, Pica u. s. w. . in den Sippen nach 
meiner Ansicht Unterabtheilungen, ohne dass man nöthig habe, 
neue Genera zu bilden. Zu diesen Unterabtheilungen scheinen 
mir Bojes Sippen vollkommen passend. Auch mit meinen bra- 
silianischen Beiträgen bin ich in dieser Hinsicht nicht zufrieden. 
Sie wurden eilig bearbeitet und ich würde jetzt mehrere Genera 
zerspalten, wenn ich die Arbeit noch einmal zu machen hätte. 
So zerfällt das Genus Caprimulgus in mehrere (siehe De Lafres 
neeje in Guerin Magazin zoologique, 18o? deuxieme cahierju. s. w. 

Von Aquila brachj^dactyla (ich möchte diesen Vogel eher 
einen Bussard nennen) hat sich jetzt schon wieder ein Paar in 
unsern gebirgigen Waldungen eingefunden, und ich hege die Hoff- 
nung, Euer Hochwohlgeboren im Laufe dieses Jahres einen solchen 
Vogel verschaffen zu können. Sehr angenehm wird es mir sein, 
Ihnen meine kleine Sammlung zeigen zu können, unter welcher 
man sich jedoch nichts Ausgezeichnetes, noch in irgend einem 
Zweige Vollständiges vorstellen muss. Lange Abwesenheiten und 
Arbeiten mancherlei Art haben mich abgehalten, viel an der 
Vervollständigung dieser Sammlung arbeiten zu können. 

In der Hoffnung, das interessante Werk über die europäischen 
Vögel bald erscheinen zu sehen, habe ich mir die Freiheit ge- 
nommen, meinen Namen in die Liste Ihrer Subscribenten ein- 
zuschreiben, und ich vereinige mit dieser Nachricht die Versiche- 
rung der vollkommensten Hochachtung als 

Euer Hochwohlgeboren ergebenster 

Max Prinz Wied. 

Neu-Wied, am 12. März 1838. 



Offenes Sendsclireiben an Herrn Rohweder zu Husum, 

von E. F. V. H m e y e r. 

Als wir auf Sylt in unserer gemüthlichen Abendunterhaltung 
das Balzen der Beccassine besprachen und ich darüber später be- 



— 187 — 

richtete, glaubten wir nicht, dass unsere harmlose Unterhaltung 
die Eigenliebe eines darin freilich sehr empfindlichen Mannes in 
demMaasse berühren würde, wie dies geschehen sein muss, indem 
derselbe fortfährt, Reichenow's Centralblatt (sein Leiborgan) mit 
sehr erregten Artikeln zu versehen. Seit dem famosen „Schluss" 
folgt eine Zuschrift der andern, und vergebens hofft man die letzte 
oder allerletzte dieser Vorstellungen zu sehen. 

Was man bisher für wahrscheinlich halten musste, tritt in 
No. 2 des Centralblattes klar zu Tage. 

Herr X. hält sich für den Entdecker dieser Geschichte und 
legt darauf einen solchen Werth, dass er sich persönlich verletzt 
fühlt, wenn daran gezweifelt wird. . 

Erinnern Sie sich gefälligst an eine frühere Zeit, in welcher 
Herr X. einstmals das Verlangen trug, sein Wissen mit dem 
Naumann's zu messen und zu diesem Zwecke sich auch einmal 
in seinem Leben am frühen Morgen ins Freie begab; so 
trieb ihn ein ähnliches Verlangen auch einmal, eine balzende 
Beccassine zu sehen und zu hören. 

Bis dahin konnte man dieses Streben nicht der Uebereilung 
zeihen, denn der damalige Herr Vicar war bereits 31 Jahre alt. 
W^as jedoch in früherer Zeit in Jahren versäumt war, sollte jetzt 
in Minuten durch die dem Herrn Vicar eigenen Inspirationen 
ausgeglichen werden. 

Werfen wir einen Blick in die Naumannia 1854, p. 362, 
wo derselbe berichtet: 

„Merkwürdiger Weise vom launischen Zufall in dieser Hin- 
sicht nie begünstigt, hatte ich ein meckerndes Beccassinen- 
Männchen bis jetzt noch nicht selbst beobachtet." 

Sobald aber derselbe das erste balzende Beccassinen-Männchen 
gesehen, wusste er auch gleich: „Es ist weder die Stimme noch 
sind es die Flügel, welche den Ton hervorbringen, der Schwanz 
ist das Instrument! " 

Zur Bestätigung dieser grossen Entdeckung sagt derselbe 
(1. c): 

„Haben wir aber einen abnormen Flug, so fehlt die abnorme 
Stimme etc." 

Die Inspiration zu dieser Behauptung war nun wohl keine 
glückliche, denn sie widerstreitet den Eigenthümlichkeiten sehr 
vieler Vögel, wovon Herr X. sehr leicht sich überzeugen könnte. 
Freilich muss man zu dem Zwecke eigene Beobachtungen 



— 188 — 

machen und kann sich die verschiedenen Stimmen und Situationen 
nicht durch die Oberförster zusenden lassen, wie die Holzabschnitte 
bei den Spechten; aber es muss doch überraschen, dass der ge- 
lehrte Herr hier wiederum „vom launenhaften Glücke" 
so wenig begünstigt war, so wenig, dass der ..Zufall" ihm 
auch nicht einen solchen Vogel in den Weg geführt hatte. 

Wie steht es nun aber um die Priorität dieser grossen Ent- 
deckung, an die sich Herr X. anklammert, wie ein Sinkender 
an einen Strohhalm. 

Schon Naumann B. VKI, p. 327 (1836) sagt: 

„Der Ton, oder wenigstens ein ganz ähnlicher, ist übrigens 
künstlich nachzuahmen oder hervorzubringen, wenn man die 
Schwingfedern (gleichviel von welchen , nur nicht zu kleinen 
Vögeln) an die Spitze eines langen Steckens befestigt und mit 
diesem, ohngefähr wie mit einem Säbel, durch die Luft haut." 

Louis Ziegler (Die Federwildjagd, Hannover 1846) spricht 
nur von Schwanzfederspitzen (Schwingfederspitzen bei Naumann) 
und obgleich er der ganzen Schwanzmeckerei keinen Glauben 
schenkt, hat er doch die Priorität genommen. 

Ob diese Thatsachen Herrn X. unbekannt geblieben, ob die- 
selben seinen eigenen Inspirationen gegenüber für unerheblich 
erachtet werden, das lässt sich schwer sagen ; so viel aber steht 
fest, dass Herr X. für sich die Priorität dieser wichtigen Ent- 
deckung beansprucht. 

Eine ganz abnorme Erscheinung ist das Hervortreten einer 
„Naturforschung auf Ehrenwort", die sich in neuester Zeit unter 
der Aegide des Herrn X. bemerklich gemacht hat. Jedermann 
kann sich leicht davon überzeugen, z. B. in No. 2 des Central- 
blattes. Es ist wirklich kaum glaublich, zu welchen Verirrungen 
die menschliche Eitelkeit führen kann. 

Dass unter solchen Umständen eine sachliche Erörterung zur 
Unmöglichkeit wird, erscheint mir klar; indessen eine kleine 
Erinnerung von Zeit zu Zeit wird wohlthuend und abkühlend 
wirken. 

Nun seien Sie herzlich gegrüsst von Ihrem 

ganz ergebenen 

V. H m eye r. 



— 189 



Baron Loebenstein an E. F. v. Homeyer. 

Mein innigst verehrter Freund! 

leb freue mich uueudlich, dass mir gleich nach Ankunft 
Ihres geehrten Briefes so viel Müsse wird, denselben herzlich 
dankend zu erwiedern. Wenn Sie, theurer Gönner, die Passion 
kennten, womit ich sammle und mit der ich an dem gefiederten 
Luftvölkchen hänge, dann könnten Sie es ein wenig ermessen, 
was für Freude, ja was für unendliche Freude Sie mir durch 
die Sendung Vögel gemacht, die ich jetzt mit freudig starren 
Augen angaffe ! 

Recht aufrichtig muss ich bedauern, dass ich mich nur noch 
Keuling in meinem Sammeln nennen muss, denn was heisst es, 
wenn man die Schwierigkeiten ermisst, die sich dem Ornithologen 
entgegenstellen, dass ich seit 1829 sammle ! — In dieser ver- 
flossenen Zeit habe ich jedoch keine Kosten, Jagdstrapazen u. s. f. 
gescheut, um Das meinem Cabinette einzuverleiben, was mir 
möglich war, aber doch muss ich gegen so Vieles hadern, was 
sich mir unangenehm in den Weg gestellt und mich öfters von 
meiner Lieblingsbeschäftigung abgezogen. — Oefters hätte ich 
Gelegenheit haben können, meine Sammlung zu vergrössern, 
wenn mich nicht wichtige Geschäfte abgehalten hätten. Nament- 
lich hätte ich eine charmante Doubletten- Auswahl aufstellen 
können, wenn anders ich mir nicht auch darin einen Vorwurf 
machen müsste, dass ich öfters recht schöne Exemplare an Leute 
gegeben, denen es nur darum zu thun war, ein ausgestopftes 
Vögelchen zu haben, um ein staubiges Spinde damit zu zieren. 
Was ich habe, ist also, wie Sie meinen Worten entnehmen können, 
wenig; doch darf ich wohl auch behaupten, dass dies Wenige 
nicht schlecht genannt werden darf. — Ich habe fast AUes mit 
eigener Hand ausgestopft und habe keine Mühe gespart, die 
Exemplare dem Auge natürlich und nicht widerlich vorzustellen. 
Ich schmeichle mir, Ihnen künftig Sachen überreichen zu können, 
die in Ihrer Sammlung nicht ohne Nachtheil aufgestellt werden 
dürften. — Von dem Falco peregrinus werde ich Ihnen hoffent- 
lich diverse Stücke überreichen können, da dieser hier horstet. 
Vor wenig Wochen schoss ich ein männliches Exemplar, das 
sich durch seine Kleinheit besonders auszeichnete. — Anas 
leucophthalmos, die, wie ich mit Erstaunen höre, in Pommern 



— 190 — 

selten sein soll, horstet hier und ist eine der gemeinsten Enten, 
die das Jahr hindurch in grosser Menge erlegt wird. Auch Anas 
strepera horstet bei mir, und hoffentlich kann ich sie Ihnen 
auch senden. Herr Fehrmann bekam dies Jahr ein Männchen 
von mir. Sie ist übrigens schwer zu erlegen. — Anas acuta, 
die Sie unter Ihr Sammlungs-Verzeichniss gar nicht mit auf- 
geführt haben, horstet hier auch , und ich selbst zog vor einigen 
Jahren eine ganze Rotte auf. Sollten Ihnen diese fehlen, so 
kann ich hiermit auch Rath schaffen. 

Habe ich denn in Ihrem ersten lieben Brief richtig gelesen, 
dass Sylvia tythis bei Ihnen selten ist? Dies ist in hiesiger 
Gegend ein ganz gemeiner Patron. 

Den Nachtreiher finde ich in Ihrem Verzeichniss auch nicht. 
Ich besitze zwei Exemplare, die auf meinem Reviere erlegt worden 
sind, der eine ein sehr schönes, altes Männchen, sogar auf einer 
holländischen Linde, die unmittelbar an meinem Hause steht. 
Ein altes Weibchen ward vor zwei Jahren, da es beim Abhalten 
des sogenannten Bürgerschiessens in Hoyerswerda auch auf eine 
Linde aufbäumte, herunter geschossen. — Bei einem Verwandten 
von mir sah ich in diesem Herbst einen Purpur-Reiher an den 
Thorweg genagelt. Ich wünschte, ich hätte es nicht gesehen ! 
Ihr Sammlungs-Verzeichniss schicke ich Ihnen wieder zurück; 
das, was ich unterstrichen habe, befindet sich in meiner kleinen 
Sammlung, die nach Vergrösserung schmachtet. 

Sie werden sich wundern, dass namentlich die gewöhnlichsten 
Sachen ganz fehlen; es liegt dem aber die Voraussetzung zu 
Grunde, dass ich diese noch immer acquiriren kann. — 
Einige Sachen sind bei mir gewöhnlicher als bei Ihnen, wie ich 
gefunden habe. — Das Verzeichniss erbitte ich mir übrigens 
wieder zurück. — Lasse ich es heute den eben gewanderten 
Weg zurückgehen, so sehen Sie darin den Grund, dass ich zu 
bequem war, es mir anzulegen. — In meinem Verzeichniss finden 
Sie auch Strix nebulosa. Halten Sie diese Eule für eine deutsche?? 
— Sturnus unicolor, glauben Sie, dass er deutsch ist? — 
Larus MichaheUesii , auch deutsch? — Ich weiss, da ich 
mit den Möwen nicht recht bekannt bin, überhaupt nicht, zu 
welcher Subspecies (denn Species wird es nicht sein) ich sie 
rechnen soll. Ist es Ihnen bekannt? Sie ist aus dem Süden. 

Sie schlagen mir in Ihrem werthen Brief einen Ausstopfer 
vor, der wohlfeil und gut sein soll. Dies sind zwei charmante 



— 19i — 

Eigenschaften. Ich würde mich freuen, wenn reirht viel von 
ihm zu beziehen sein möchte. — Es wäre mir sehr angenehm, 
wenn Sie mir seine Adresse zukommen lassen wollten, denn, 
dass ich Sie mit meinen Bestellungen beschweren soll, kann 
ich unmöglich annehmen. — Namentlich darf ich Sie aber bitten, 
wenn der Händler schöne Möwen hat, dass Sie diese sämmt- 
lich für mich in Beschlag nehmen. Auch Seeschwalben nehme 
ich mit Freuden an, wenn ihre Stellung und das Gefieder natür- 
lich und schön gehalten ist. 

Das Strandläufergeschlecht, namentlich die, wo ich in dem 
Verzeichniss notirt, dass sie selten sind, wären für mich inter- 
essant und nehme ich gern den ganzen Vorrath, wenn ich sie 
auch schon in meiner Sammlung haben sollte. Ich darf mir 
vielleicht erlauben, Ihnen nachstehend diejenigen Vögel zu nennen, 
die ich mir, falls sie in ausgezeichneten Exemplaren vorhanden 
sein sollten, besonders wünsche. 

Sollten Sie für mich auch gleich für 100 oder 200 Thlr. 
Acquisitioneu machen, so könnte mir dies nie unangenehm, sondern 
höchst freudenreich sein, wenn nur dabei das Ausstopfen recht 
zu rühmen wäre. 

Glauben Sie demnach, mein hochverehrter Freund, dass Sie 
für mich passende Sachen finden können, so scheuen Sie die Aus- 
lagen nicht so sehr, denn freudig werde ich Ihnen Alles be- 
richtigen. 

Ich darf mich also wohl mit der Hoffnung beschäftigen, 
bald etwas recht Kares aus Ihrer Gegend zu bekommen. 

Mit den Gesinnungen der aufrichtigsten Freundschaft bin ich 

Ihr ergebener Diener 

A. B. V. Lo ebenstein. 

0.- und N.-Wartha b. Hoyerswerda, 
am 18. November 1834. 



Mein werther Freund! 

Im Herbst bekam ich in Zeit von zwei Tagen drei wilde 
Gänse, Anser segetum? Zwei erlegte ich selbst aus einem Häuf- 
lein von sechs Stück und die dritte wurde in Wartha vom 
dortigen Jäger erbeutet. — Alle drei habe ich an einem Tage 



— 192 - 

ausgestopft, da sie mir sämmtlich interessant waren! — Die 
beiden ersten sind merklich kleiner als die dritte, welche letztere 
die Grösse der gewöhnlichen Saatgans hat. — Die Schnäbel 
dieser beiden ersten sind aber, verhältnissmässig ihres Körper- 
Volumens, noch kleiner und schlanker geformt als bei der er- 
wähnten dritten. Die viel beregten ersten sind unbedingt, wo 
nicht Kinder einer Ehe, so doch einer Species. wie ihr gleicher 
Habitus und die übereinstimmenden Verhältnisse ihrer Extremi- 
täten zeigen. — Das eine Exemplar ist ein altes und das andere 
ein junges Männchen, w^as sich auch erfahrungsweise gleich auf 
dem Kleide ausprägt, denn dies hat dunklere Farben und 
einige wenige weisse Stirnfederchen, wogegen jenes ein helleres, 
namentlich am Kopf und Hals bemerkbares Grau zur Schau trägt 
und die wenigen weissen Stirnfedern abgelegt hat. — Endlich, 
was mir meine frühere Vermuthung: dass eine Mehrzahl der 
Steuerfedern durchaus nicht zur Creirung einer neuen, verschie- 
denen Subspecies bewegen soll! — so sehr ich auch Anhänger 
Brehms bin — zur Gewissheit macht, hat das ältere Exemplar 
achtzehn Steuerfedern, wogegen das jüngere nur sechszehn zeigt. 

Der Habitus und das Naturell, welches letztere nur 
durchs fleissigste Forschen recht wahrhaft ermittelt werden kann, 
berechtigt zur Annahme einer Subspecies, aber dergleichen Penibi- 
litäten wie die obigen sanctioniren diese noch nicht. — Ich bin 
begierig zu wissen, welcher Gans des Brehm die meinigen an- 
gehören. — Von der gemeinen A. segetum sind sie unwieder- 
ruflich getrennt, wozu mich noch der Umstand bringt, dass sie 
sich mit andern grössern Flügen der eben beregten, so oft sich 
dazu auch die beste Gelegenheit bot, durchaus nicht vereinigten. 
— Die dritte Gans, von der ich sprach, scheint auch noch etwas 
Anderes zu sein als die gemeine Saatgans, sie hat sechszehn Steuern ; 
bei ihr, wie bei den beiden ersten, ragen die Schwungfedern 
nur wenig über die Steuern, was bei der gemeinen Saatgans 
so auffallend ist. 

Die jetzige öde Jahreszeit bietet im Bereiche der Orni- 
thologie gar nichts Interessantes. Hin und wieder sieht man 
einmal Falco buteo, F. peregrinus, Falco palumbarius und F. 
aesalon die Fluren durchstreifen, Waldhühner besuchen die Feld- 
hölzer, Anas boschas zeigt sich an Thautagen auf warmen 
Pfützen ganz einzeln; sonst aber stört die winterliche Stille 
nichts, ausser dass die Meisen vielleicht noch in ihrem geschäf- 



- 193 - 

tigen Treiben den schlafenden Wald durchflattern. Da mag es 
an der See jetzt anders sein. Majestätisch durchzieht der stolze 
Singschwan die endlose Wasserfläche, begleitet von den uner- 
niesslichen Schaaren des Piatypus glacialis und der Anser tor- 
quatus. Einzeln gewahrt man unter ihnen nordische Taucher 
und Lummen, und das Ganze bietet ein Bild, was ich, ich leugne 
es nicht, wohl sehen möchte. — Meine Verhältnisse erlauben 
mir aber keinen solchen Abstecher, sonst w^ürde ich jedenfalls, 
trotzdem ich ungemein empfindlich gegen Kälte bin, diese Eis- 
fluren besuchen. 

Endlich wiederhole ich nochmals meine Einladung für Sie 
hierher. Versprechen Sie mir, meinem Wunsche zu willfahren 
und zwar auf recht, lange Zeit. — Sehen Sie hier die Natur 
erwachen. Helfen Sie mir jagen und Ökonomisiren. — Nament- 
lich die Oekonomie würde für Sie hier durch ihr andres Wesen 
interessant sein. Ihren lieben Eltern und theuern Geschwistern 
bringe ich im Verein mit meiner Frau die herzlichsten Empfehle. 
Sie bitte ich um die Fortdauer Ihres Wohlwollens und bleibe 
unwandelbar 

Ihr treuer Freund 

A. B. V. Lo ebenstein. 

Lohsa, am 3. Februar 1837. 



Mein alter werther Freund! 

Im Juli (ult.) war ich bei meinem Nachbar (Kammerherrn 
von Götz auf Litschen) zur Entenjagd und fand bei dieser Ge- 
legenheit ein Nest, worin drei kleine Taucher-Eier waren. Ich 
nahm sie sogleich in Empfang und bemerkte dann zu meiner 
Freude, dass unfern des Nestes ein Pod. auritus ängstlich herum- 
schwamm. — Ich darf demnach voraussetzen, dass jene Eier 
von dem fraglichen Vogel waren. — Wie aber keine Freude 
ohne Leid, so auch hierbei; das Unglück wollte es, dass der 
Kahnfahrer durch seine Ungeschicklichkeit zwei der Eier zer- 
brach. Mir ist's demnach nicht anders möglich, da ich keine 
weiter fand, als Ihnen nur das eine zu übersenden. — Ver- 
gleichen Sie doch gelegentlich dasselbe mit dem Ei des Pod. 
minor ; ich glaube, dass es von diesem kaum sein kann. Es ist 

V Homeyer, Ornitholog. Briefe. 13 



— 194 — 

wohl grösser ? — Da ich von Pool, minor kein Ei habe, so kann 
ich diesen Vergleich nicht anstellen. 

Uebrigens muss ich beschämt auch auf meine Correspondenz 
sehen, wenn ich solche als eine ornithologische betrachte, da 
ich Ihnen so wenig Interessantes liefern kann. — Meine Samm- 
lung hat sich nur höchst unbedeutend bereichert. Nur ein Exem- 
plar, wenn ich Ihnen dies am Ende nicht schon meldete, ist der 
Erwähnung werth. — Im Frühjahre (April a. c) acquirirte ich 
nämlich eine Muscicapa albicoUis. — Lebend bekam ich und 
unterhalte noch ein Paar Falco peregrinus. Dies sind ein Paar 
sehr nette kräftige Thiere, Herr und Dame. 

Sind Sie dies Jahr nicht wieder auf Rügen gewesen ? Oder 
haben Sie sonst eine interessante Excursion gemacht? — Corre- 
spondiren Sie fleissig mit Herrn Pastor Brehm? Noch immer 
habe ich dessen Bekanntschaft nicht gemacht. — Vielleicht ge- 
lingt mir's später. — Sie theilen mir vielleicht seine Adresse 
gelegentlich mit. — Was hat denn derselbe zu der Sterna 
gesagt, die wir einst unter vielen Sterna macroura auf 
Lieps, oder war es Ummanz, erlegten ? — Sie glich sehr Sterna 
hirundo. 

Wie weit sind Sie denn mit Ihrer Ornithologie von Pommern 
gediehen, die Sie herauszugeben gesonnen waren? — Ich prä- 
numerire darauf! — Gern würde ich eine solche von der Lausitz 
verfassen, wenn es nicht so mühevoll und zeitraubend wäre. — 
Die Behandlungsweise der Vögelkunde hach Brehm verehre ich 
sehr. — Sie ist zwar sehr complicirt; doch welche Wissenschaft, 
die mit Genauigkeit gelehrt wird und in deren Allerheiligstes 
man eindringt, sollte es nicht werden ? Viele schreien und eifern 
dagegen, weil sie sich zu viel Sippen und Subspecies zu merken 
haben. Allerdings ist es leichter, Linnes Ordnungen als Brehms 
Gattungen inne zu kriegen ! Des Letztern Ansichten fassen übrigens 
immer mehr Wurzeln und werden es noch mehr, wenn der grosse 
Nutzen, den man bei der Wanderung erst so recht deut- 
lich kennen lernt, mehr berücksichtigt wird! Wie schön 
wäre es, wenn seit Jahren schon dafür gethan wäre. Wir tappten 
nicht mehr in der Dunkelheit herum und meinten nicht, dass 
alle Vögel im Herbst von Osten nach Westen und im Früh- 
jahr umgekehrt zögen. — Auf den Zug unserer Lieblinge bin 
ich jetzt sehr aufmerksam, um darüber unserer Oberlausitzer Ge- 
sellschaft der Wissenschaften, deren Mitglied ich bin, künftig 



— 195 - 

einen Aufsatz liefern zu können. Betreff dieses würden Sie mir 
einen grossen Gefallen erzeigen, wenn Sie von Empfang dieses 
Briefes an einige fleissige tägliche Witterungs-Beobachtungen 
anstellten, namentlich die Windrichtung und besonders den 
Wechsel derselben anmerkten, dann wohl auch dem Papiere 
anvertrauten, wenn besonders bei starkem oder gelindem Winde 
die eine oder die andere Vogelart gezogen ist. Würden Sie 
Jemand, der für dieses Fach der Wissenschaften Sinn hat, am 
Strande der Ostsee oder in dessen Nähe auffinden können und 
bewirken, dass er ein Gleiches thut, auch es mir nachher mittheilt, 
so würden Sie Ihre Liebenswürdigkeit aufs Höchste treiben, und 
schon im Voraus wäre ich des Dankes voll. Achten Sie beson- 
ders einmal auf die Richtung des Zuges bei Wander- 
vögeln, die ihren Zug bei Tage und deutlich marquiren, wie 
Lerchen, Finken, Singdrosseln, Ziemer u. s. w. Kommen im 
Herbst häufig Coracias garrulus, Perdix coturnix. Oriolus galbula 
vor? Auch diese Fragen beantworten Sie mir vielleicht mit 
Ihrer gewohnten Güte. Herr v. Hagenow macht vielleicht einige 
Bemerkungen über den Zug der Vögel in der Gegend von Greifs- 
wald? Genannter ist wohl aber zu wenig in der freien Natur, 
als dass diese sehr genau ausfallen könnten. 

Bei Ankunft der Vögel im vergangenen Frühjahr mussten 
diese durch den strengen Nachwinter die übelsten Erfahrungen 
machen, wenigstens war das in unsern Gegenden geltend. Mancher 
Sommervogel und mit ihm manche entzückende Stimme, die das 
kommende Frühjahr verschönern und beleben sollte, wurde unter 
der kalten Schnee- und Eisdecke begraben. Tausende von Lerchen 
und den zartesten Sommervögeln, ja Nachtigallen, wurden das 
Opfer des winterlichen Frühjahrs. Störche, Totani und Regen- 
pfeifer (Ch. minor) sah man auf der Schneedecke ganz traurig 
herumlaufen, und wer weiss wie viele davon den Sommer ge- 
sehen? 

Diese auffallende Witterungsabweichung hat denn in der 
That auch einen recht fühlbaren Mangel an Vögeln aller Art 
herbeigeführt. Unsere Wälder, Auen und Gewässer sind verödeter 
als je. In Bezug der letztern ist der Mangel doppelt ; denn für 
meine Sammlung zeigte sich auf den hiesigen Teichen nur We- 
niges, was den Wunsch, es zu haben, in mir hätte rege machen 
können , und auch für die Küche wurde das Fehlen der gewöhn- 
lichsten Entenarten fühlbar. Ich bin neugierig, was das Ergebniss 

13* 



— 196 — 

auf dem Vogelheerd dies Jahr sein wird ; hätte die Federwelt im 
Verlaufe des Sommers nicht Gelegenheit gehabt, den Verlust 
durch die Brut einigermassen zu ersetzen, so möchte es schlimm 
damit stehen. Uebrigens hat das Nisten den meisten Vögeln, 
welche die flache Erde dazu benutzen, auch nicht recht glücken 
wollen, da der April und Mai uns ja häufig Regengüsse brachten, 
die die unerfreulichsten Folgen nach sich gezogen haben. So 
sind namentlich alle Rebhühner-, Auer- und Birkwild-Bruten in 
diesem Jahre auffallend spät und gering ausgefallen; Rebhühner- 
völker von zehn Stück, die jetzt schon ausgewachsen, sind Selten- 
heiten. Bei den Waldhühner-Gesperren gilt ein Gleiches. 

Von Ihnen denke ich mehr Tröstliches zu hören, da Ihre 
Gegend sich nun einmal eines grössern Vogelreichthums zu er- 
freuen hat. Diese Meinung ist am Ende doch aber nur Täuschung, 
wenigstens mag das bei den Waldvögeln gelten. Sie haben in 
Ihrer Gegend weniger Gehölz, weshalb dasjenige, was einmal 
vorhanden ist, viel mehr belebt erscheint als bei uns. 

Lebt Ihr Schreiadler noch , und haben Sie sonst noch solche 
lebende Geschöpfe? 

Den hochverehrten Ihrigen bringe ich und meine Frau die 
herzlichsten Empfehle; wir wünschen, dass Ihre Gegend ganz 
frei von der Cholera, wie Gottlob bisher die unsrige, bleiben 
möge. 

Unwandelbar bleibe ich 

Ihr aufrichtigster 

A. B. V. Lo ebenstein. 
Lohsa b. Hoyerswerda, am 6. September 1837. 



Mein lieber Freund! 

Endlich habe ich es doch so weit gebracht, dass die wenigen 
Exemplare, die ich Ihnen seit langer Zeit wieder zu retourniren 
beabsichtigte, verpackt sind und somit nun wieder gen Pommern 
fliegen können. 

Gern würde ich dieser Sendung ein Paar Podiceps auritus 
(obscurus, gewöhnlich jung genannt) beifügen, wenn anders ich 
diese hätte einsammeln können. Wenngleich dieser Vogel hier 
nicht zu den Seltenheiten gehört, so ist doch das Habhaftwerden 



— 197 — 

desselben erschwert; selten sieht man ihn auf freier Wasser- 
fläche . Abends vielleicht nur hie und da, wo er entweder einzeln 
seinen feinen, aber weit erschallenden Ruf, der, wenn ich so 
sagen darf, das Diminutivum des Locktons des Pod. cristatus 
ist, hören lässt, oder paarweise unter Spielen — theils tauchend, 
theils auf der Wasserfläche plätschernd — sein Wesen treibt. 
Das Erlegen würde jedoch recht gut gehen, wenn nur das fatale 
Ausstopfen nicht wäre. Dieser üebelstand ist auch die Ursache, 
dass nur ein Exemplar für jetzt meine Sammlung schmückt. 
Früher habe ich mehrere verschenkt, auch einen an Freund 
Fehrmann. 

Künftiges Frühjahr hoffe ich von den hiesigen Vögeln eine 
reichlichere Ausbeute machen zu können, da ich einen Ausstopfer 
engagirt habe, der sich bei mir dann länger aufhalten wird. 

Dem Schlüsse meines Briefes füge ich eine freundliche Ein- 
ladung für Sie hier bei und versichere, dass Sie mich recht 
sehr erfreuen werden, wenn Sie endlich einmal derselben folgen 
wollten. 

Ihnen und den lieben Ihrigen die herzlichsten Grüsse. 

Behalten Sie lieb 

Ihren ergebenen I^reund 

A. B. V. Lo ebenstein. 

Lohsa, am 19. October 1837. 

Was können Sie mir für Eier von Strandvögeln liefern? 
In Ihrer Ueb ersieht der Vögel Pommerns sagen Sie unten auf 
pag. 78, dass der gehörnte Steissfuss (Pod. cornutus) nach meiner 
Aussage hier häufig nistet, indem Sie wahrscheinlich den Namen 
Pod. obscurus auf diese Species bezogen haben; hier waltet je- 
doch ein Fehler ob : ich meinte unter diesem Namen Pod. auritus, 
wie Naumann dies Synonym auch für diesen Vogel gelten Hess. 
Pod. cornutus ist sehr selten. L. 



Mein lieber, guter Homeyer! 

Auf der Auerhahnjagd war ich dies Frühjahr nur einmal; 
auf derselben Stelle wie im vergangenen. Es war um den 9. Mai. 
Abends erlegte ich einen, früh ging ich jedoch leer aus. Der 
Balz hatte fast ganz geendet. Abends fielen an jenem Platze 



- 198 - 

wohl 15 — 20 ein; doch nur der eine balzte. Ich sprang an, 
doch so ungünstig, dass ich — da ich vermöge der Dunkelheit 
ihn nicht sehen konnte und ihn dem Gehöre nach noch entfernter 
vermuthete — auf freiem Platz dem Hahne vis-ä-vis gerieth. 
Er hörte auf zu balzen. 

So stand ich fast ^4 Stunde ganz regungslos in der Er- 
wartung, er würde noch einmal sich hören lassen. Endlich, es 
war schon ganz dunkel, erhob er nochmals sein Krarau, klappte, 
aber schliff nicht. Es war jedoch genug gewesen, ihn hierbei 
auf seinem Stande zu bemerken. Ich gab Feuer, doch sehr 
ungünstig; es brannte vor, was ich jedoch nicht ahnte, sondern 
in dem Glauben stand, ich wäre dem linken Abzüge zu nahe 
gekommen und dieser wäre losgegangen, während der rechte 
Lauf versagt hätte. Der Hahn, trotz des Knalles, Illumination 
und Prasseln der Schrote in seiner Nähe, blieb sitzen! Ich setzte 
ein Zündhütchen auf den vermeintlich noch geladenen rechten 
Lauf, hörte aber deutlich an dem hohlen Ton, den das erstere 
beim Lossgeheu hervorbrachte, dass dieser sich entladen. Jetzt 
sondirte ich mit dem Ladestock, während alledem der Hahn ruhig 
die Sache mit ansah, und fand, dass ich im Irrthum gestanden. 
Das linke Kohr war noch geladen. Ich machte mich daher mit 
diesem noch einmal fertig, was mir jedoch bei der Ungeheuern 
Dunkelheit, die während dieser verschiedenen Proceduren Platz 
nahm, recht schwer wurde. Es knallte, und mit starkem Ge- 
töse flatterte die Beute durch die Aeste, dem nahen Gesümpfe 
zu. Mittlerweile kam der Förster herbei, und wir begannen un- 
sere Suchjagd. Der letztere fand ihn, nachdem wir mehrfach 
einen schwarzen Moorhaufen statt des Auerhahns erfasst hatten. 
Leider wurde dem armen Kerl, dem Hahn, dabei der Spiegel 
ausgerissen. Das ist die lange Geschichte meiner diesjährigen 
Auerhahnjagd , die ich Ihnen nur um deshalb in ihrer ganzen 
Glorie erzählt hal)e, um Ihnen zu zeigen, wie auffallend dumm 
diese sonst so schüchternen und wilden Waldbewohner sein können. 
— Birkhähne habe ich auf meinem Keviere nur zwei geschossen. 
Junge Enten sind mehr da, als es seit längerer Zeit gewesen. 

Nun, mein alter guter Freund, rufe ich Ihnen herzliches 
Lebewohl zu und empfehle mich mit meinem ganzen Hause 
Ihnen und Ihren lieben, theuren Eltern und Brüdern, nachdem 
ich Ihnen die besten Grüsse von allen denen, die sich Ihrer Be- 
kanntschaft erfreuen, gebracht, aufs herzlichste. Unverändert 



— 199 — 

bitte ich um die Fortdauer Ihres Wohlwollens und Ihrer Freund- 
schaft und ersuche Sie um baldgefällige schriftliche Mittheilung. 

Ihr aufrichtig ergebener Freund 

A. B. V. Lo ebenstein. 
Lohsa, am 7. August 1839. 



Lieber Freund! 

Durch Ihren gütigen Brief vom 13. Novbr. haben Sie mir 
eine grosse Freude gemacht. Ihre Gegend war ja insbesondere 
auch von der grauenhaften Cholera heimgesucht, und oft habe ich 
der Gefahr gedacht, der Sie durch dieselbe ausgesetzt waren. 
Gottlob, dass dies Unheil so an Ihnen vorübergegangen ist. Diese 
Xoth scheint doch fürs Erste einmal wieder verschwinden zu 
wollen. Anders ist es mit unserer politischen Seuche, diese hat 
sich so fest in unsere socialen Verhältnisse eingenistet, dass für 
lange Zeit, wenn am Ende nicht gar für immer, an ein Besser- 
werden nicht zu denken ist. Modeln sich unsre Zustände nach 
denen Frankreichs, so sind wir einer ewigen Bewegung ausge- 
setzt, die keine Stabilität gestatten. Für mich ist dies ein un- 
heimlicher Gedanke ; ich suche mein höchstes Glück in der Ruhe 
und kann mich nicht mit der Theorie derer einigen, die da 
meinen: Bewegung ist Leben, Ruhe Tod. 

Verstehen die Gelehrten unter Bewegung Revolution, nun 
dann halte ich's mit den Todten! 

Unsre Ornithologie hat seit der Zeit der glorreichen Errungen- 
schaften wahrlich nicht gewonnen. Wer hat auch einer so ge- 
müthlichen Beschäftigung leben können, wo es sich um die höchsten 
Lebensfragen handelt. Das Jagdgesetz des vorigen Jahres er- 
tödtete ja auch alle Passion dafür, denn jede Gelegenheit, Etwas 
zu sammeln, war abgeschnitten, da durch die Manie der Bauern 
für die Jagdfreuden Alles, was da kreucht und fleucht, vertilgt 
ist. Sie glauben nicht, wie öde und todt es hier in der Natur 
aussieht. Hasen irren nur noch sehr einzeln neben ein Paar 
verwaisten Rehen in unsern Wäldern umher und werden wahr- 
scheinlich im Verlaufe des Winters spurlos verschwinden. Den 
armen Rebhühnern steht ein gleiches Schicksal bevor, wie end- 
lich den Enten, da hinter jedem Strauche und an jeder Lache 



— 200 — 

ein bis an die Zähne bewaffneter Mmrod lauert. Tritt nicht 
bald hier eine Aenderung ein, so ist es mit der Jagd rein aus 
und man kann getrost das Jagdgewehr an den Nagel hängen. 
Sie können sich denken, dass diese scheusslichen Verhältnisse 
für mich, der ich ein so zärtlicher Hasenvater war, trostlose 
sind und mich nicht in eine rosenfarbige Stimmung versetzen. 

Für einen Beitrag zum Denkmal J. A. Naumanns will ich 
sehr gern ein Scherflein beitragen, nur hoffe ich, dass dies nicht 
mit einem Luxus ausgestattet werden wird, der sich nicht mit 
den traurigen Verhältnissen, in die wir Landwirthe zur Zeit 
geschleudert sind, verträgt. 

Ihre Arbeit über die Drosselarten, welche Sie durch die 
Rhea veröffentlicht, habe ich mit Interesse gelesen. Es hat mich 
aber schmerzlich berührt, dass Sie meiner Turdus illuminus gar 
nicht erwähnt haben. Sie scheinen also auch zu den Ungläubigen 
zu gehören, die sie für identisch mit T. iliacus halten. Wäre 
dem nicht so, so hätten Sie ihr doch wenigstens ein Wort des 
Andenkens gönnen können. Was Sie verabsäumt, denke ich, 
wird Vater Naumann in seinen Nachträgen, treu seiner Ver- 
sprechung, erfüllen. — Ich sollte meinen, dass Species, die nur 
solche Subtilitäten unterscheiden, gerade der Aufmerksamkeit zu 
empfehlen wären. Ich schelte Sie dieser Vergessenheit wegen 
mit Fug und Recht einen undankbaren Freund. — Warten Sie 
nur, ich werde mit meiner Drossel noch glänzen. 

Sehr schön ist's, dass Sie die Falken einer Kritik unter- 
werfen wollen. Thienemanns antidiluvianische Beleuchtung in 
dieser Beziehung, die er ebenfalls in der Rhea bekannt werden 
lässt, ist nicht recht klar, und der Fehler, den er mit seinem 
F. cyanopus begeht, lockert das Vertrauen. 

Wenn Sie mir im Verlaufe des Winters wirklich einmal 
frische Sachen zukommen lassen wollen, so soll mir dies an- 
genehm sein. Ihre Aufmerksamkeit lenke ich da besonders auf 
Colyraben. Ein recht schönes Exemplar von Mergus merganser 
S wäre mir auch willkommen, nicht minder Piatypus marilus S 
und glacialis S- Darauf, dass ich einmal P. dispar durch Ihre 
Güte erhalte, darf ich aber wohl nicht rechnen? Das freund- 
liche Andenken, was Sie meinem Hause schenken, erfüllt mein 
Herz mit gerührtem Dankgefühl ; erhalten Sie mir dasselbe und 
nehmen Sie die Versicherung, dass ich hohen Werth darauf lege. 

Ferner haben wir das Unglück gehabt, dass der dritte meiner 



I 



— 201 — 

Schwäger, Muschwitz, der mit dem zweiten als Lieutenant beim 
9. Husaren-Regiment stand, in einem Gefecht gegen die Pfälzi- 
schen Insurgenten von einer tödtlichen Kugel durch die Brust 
getroffen fiel. Es war dies ein ausgezeichnet liebenswürdiger 
junger Mann und ebenso tüchtiger Officier. Unser Schmerz ist 
also ein eben so gerechter wie tiefer. Ausserdem gesellt sich 
auch noch manche andre Noth dazu, die durch die Ungunst der 
jetzigen Zeit herbeigeführt wurde. Haben Sie also mit mir^ 
Ihrem alten treuen Freunde, einiges Mitleid! 

Hinsichtlich der Ornithologie kann ich übrigens nicht unter- 
lassen, Ihnen eine Acquisition noch namhaft zu machen. Im 
Mai d. J. bekam ich nämlich einen unfein von hier erlegten 
Vultur fulvus, der sich mit mehreren anderen (10 — 12 Stück) 
hierher verflogen hatte. Ein Vultur cinereus wurde ferner bei 
Görlitz erlegt und der Sammlung der gelehrten Gesellschaft ein- 
verleibt. Am 20. Mai sah ich hoch in der Luft bei Gaistlitz, 
dort wo wir auf dem Hirschenstand waren, auch ein Paar Geier, 
konnte jedoch nur Blicke, aber keineti Schuss danach thun. 

Sonst sind meine Acquisitionen von gar keinem Werthe, 
und habe ich meinen Xeid zu bekämpfen, wenn ich daran denke^ 
was Ihnen Ihr gewohnter Glücksstern zugeführt. 

Schliesslich bitte ich wiederholt um Ihre Freundschaft und 
empfehle mich mit all den Meinigen Ihnen und Ihrem ganzen 
verehrten Hause ebenso angelegentlich als herzlich, indem ich 
Sie um ein Bald-wieder-von-sich-hören-lassen bitte. 
Unwandelbar 

Ihr treuer Freund 



Loe benstein. 



Lohsa, den 2. December 1849. 



Oberst y. Zittwitz an E. F. v. Homeyer. 

Hochwohlgeborner, hochgeehrtester Herr! 

Ein grosses Vergnügen würde es mir stets bereiten, wenn 
in irgend einer Art ich Ihnen wieder gefällig sein könnte ; aber 
meine Sammlung ist, wie meine Verbindungen, unbedeutend, und 
erlaubt mir meine Zeit auch nur eine sehr beschränkte Beschaff 
tigung mit der Ornithologie. — In Ihrem Verzeichniss steht 



- 202 - 

Cygnus immutabilis als zweifelhafte Art aufgeführt, doch wenn 
ich nach drei Exemplaren, die ich besitze (ein Vogel im Jiigend- 
kleide, ein S im zweiten weissen Kleide und ein ? von hohem 
Alter) mir ein Urtheil erlauben dürfte, so würde ich denselben 
ganz unbedingt für eine eigene Art halten, den Singschwänen 
viel näher verwandt als dem Höckerschwan, wenigstens war die 
Haltung eines vierten Exemplars, das ich einige Stunden lebend 
beobachten konnte, entschieden mehr die des C. musicus (doch 
des schwarznasigen, den ich allein lebend gesehen habe), auch 
steht er diesem kleinen Schwane in der Grösse, wenn meine 
Erinnerung mich nicht täuscht, am nächsten. Der Schnabel des 
jungen Vogels ist ganz ohne Spur von Höcker, auch beim Alten 
ist es kein eigentlicher wulstartiger Höcker, nicht so ausgesprochen 
wie ihn Yarrel abgebildet hat. Auffallend war, dass die Bildung, 
oder vielmehr Windung der Luftröhre nach dem Alter sehr ver- 
schieden war. Wenn Xo. 1 / ^'^^h^ ^ ^ M^ tlen jungen Vogel vor- 
stellt, so war es beim alten cJ, (nach meiner Ansicht mindestens das 
zweite weisse Kleid, da im frischvermauserten Vogel noch einige 
alte weisse Federn auf den Schultern waren, die aber leider 

beim Ausstopfen ausfielen) die Form Xo. 2 ^^^— ML® und beim 

sehr alten p die Form Xo. 3 ,,,:^:r^^^^ Ich besitze die 

Luftröhre Xo. 2 ganz und Xo. 3 so weit als erforderlich ist, 
die Verschiedenheit zu beweisen und habe ihr ganz genau die 
Form gelassen, welche sie frisch hatte. Beide stehen Euer Hoch- 
wohlgeboren sehr gern zu Diensten, wenn Sie wünschen, auch 
Zeichnungen der Köpfe in Lebensgrösse und die Ausmessungen, 
welche Sie zu haben wünschen. So weit es zum Ausstopfen er- 
forderlich war, habe ich selbige genommen, und auch die übrigen, 
welche sich am todten Vogel nicht durch das Stopfen' verändern 
können, würde ich gern mit allen Xotizen Ihnen zukommen lassen, 
wenn es für Sie von Interesse sein sollte und Sie mir schreiben, 
was Alles Ihnen wünschenswerth ist. Der lebend gesehene Vogel 
entging mir leider durch Gleichgültigkeit seines Besitzers, eines 
reichen Bauern, der ihn nur wenig verletzt hatte. Mehr wie die 
vier Stücke sollen es nicht gewesen sein. Besonders scheu waren 
sie nicht; zwei Stück erhielt ich am 28. October, die andern 
beiden wurden ganz in der Xähe acht Tage später erlegt resp. an- 



— 203 — 

geschossen. Es kommt überhaupt hier manch schöner Wasser- 
oder Sumpfvogel vor. So erhielt ich heute Anser albifrons, ein 
schönes Paar; A. torquatus ist fast jährlich hier, Limosa rufa 
ebenfalls, ja sogar Glareola pratincola wurde im vorigen August 
hier im Jugendkleide erlegt, war aber unbrauchbar*) als ich sie 
erhielt. Es hält nur sehr schwer, die Sachen zu bekommen, da die 
Jagden sehr parzellirt und die Besitzer eigensinnig sind. Diese 
Vögel halte ich für eine grosse Zierde meiner Sammlung (circa 
900 Stück), ausserdem Regulus modestus und Emberiza pusilla 
jung S untl $, beide oder vielmehr alle drei in Norddeutschland 
erlegt. 

Doch nur zu lange schon habe ich Ihre kostbare Zeit in 
Anspruch genommen, denn gewiss werden Sie eifrigst beschäftigt 
sein an dem Susemihl'schen Werke, welches ja durch Ihre Unter- 
stützung wieder zu neuerem Leben erwacht ist. Es ist mir jetzt 
doppelt angenehm, dass ich das Werk besitze. 

Nochmals mich bestens bedankend, gebe ich mir die Ehre mich 
zu zeichnen als 

Euer Hochwohlgeboren gehorsamst ergebenster 

von Zittwitz, 
Hauptmann und Divisions-Adjutant. 

Münster, den 15. März 1852. 



Hochgeehrtester Herr ! 

Der kalte Nachwinter hat hier nichts Besonderes gebracht, 
wenn auch manche Wintervögel, wie z. B. die Mergus-Arten, 
Anas clangula und dergleichen u n g e w ö h n 1 i c h h ä u £i g w a r e n. 

Der Herbst hingegen brachte einige nicht häufige Gäste, 
einen Larus fuscus und eine Anas tadorna jung S in vollster 
Mauser. Letztere ist hier öfter, doch war es merkwürdig, 
dass Magen und Kropf bis in den Schnabel hinein ganz vollgestopft 
von kleinen Erlkäfern waren. Früher, wo die grossen Heiden 
noch nicht getheilt waren und u. A. Mergus merganser nicht 
eben selten hier brütete, muss die Gegend sehr interessant ge- 



'-) Wenn auch für die Sammlung, nie für die Wissenschaft. 

V. H. 



— 204 - 

wesen sein, jetzt kommen allerdings noch manche Fremdlinge^ 
aber selten vor. 

Mit grösster Hochachtung und Verehrung 

Euer Hochwohlgeboren ganz ergebenster 
von Zittwitz. 
Münster, den 27. Juni 1853. 



Hochgeehrter Herr! 
Ihrem Wunsche wegen Xema Sabini und Sula alba 
werde ich so vollständig als irgend möglich nachkommen. Beide 
Vögel befinden sich in der Sammlung des Pastor Bolzmann zu 
Gimbte bei Münster, erstere als Larus minutus. Beide Vögel 
habe ich daselbst gesehen, werde in diesen Tagen an denselben 
schreiben und ersteren Vogel von ihm eintauschen, da er gut 
ist. S. alba ist schlecht. Sobald ich Xema sabini erhalten, 
werde ich Ihnen selbige zusenden, wie auch die betreffende Notiz. 
X. sabini ist übrigens auch bei Helgoland erlegt und im Be- 
sitz des Herrn Gäthke daselbst, wo ich sie gesehen. Es ist 
ebenfalls ein junger Vogel. Alt habe ich den Vogel noch gar 
nicht gesehen, mein Exemplar ist auch ein junger Vogel aus 
Grönland. Hier herum muss die Gegend reich an selteneren 
Vögeln sein, da die Oertlichkeit wie die geographische Lage 
sehr dazu geeignet ist. Meine Zeit erlaubt mir nicht, persön- 
lich besondere Excursionen zu machen; ich habe mich darauf 
beschränken müssen, Aufträge zu geben. In Münster schössen 
und fingen die Bauern viel und brachten es auf den Markt, wo 
ich Anstalten getroffen hatte, dass mir so leicht nichts entging. 
Früher, wo die Heiden dort noch nicht getheilt 
waren, muss das Land sehr reich gewesen sein. Mergus 
merganser hat häufig dort gebrütet, wie das in älte- 
ren Sammlungen nicht selten vorkommende Ei dieses Vogels 
beweist. Ebenso war es mit Totanus glareola und ochropus. 
Wenn ich mich nicht sehr irre, brütet auch jetzt noch Chara- 
drius hiaticula dort. Es ist nämlich bei der Eisenbahnstation 
Oberhausen, die mitten in der Heide ganz öde liegt, durch 
Ausgrabungen ein nicht unbedeutender Teich dicht am 
Bahnhofe entstanden, und hier habe ich 18 52 vom Mai 
bis August, wenn mich meine Dienstreisen durchführten, den 



— 205 - 

nicht scheuen Vogel jedesmal in drei bis vier Exemplaren be- 
obachten können, wie er auf einem schmalen Rande dicht am 
Wasser, der durch Abfallen des Uferrandes entstanden war, 
heruratrippelte. Charadrius minor konnte es der Stimme nach 
und weil dieser auch ganz andere Nistplätze : Sandflächen, nicht 
mit Gräsern bewachsene Stellen liebt, nicht sein. Nach Aus- 
sage der Leute auf dem Bahnhofe waren die Vögel immer 
dort. Ich habe den Vogel auch im April jeden Jahres nicht 
selten, manchmal auch noch bis Ende Mai auf dem Markte ge- 
sehen und aus den Heidegegenden an der Oldenburgschen und 
Hannoverschen Grenze erhalten, wo er auch wohl brüten mag. 
Im Herbste ist er mir dagegen nie gebracht worden. Ch. 
fluviatilis kam nur an der Ems, nicht an den moorigen Heide- 
teichen und Lachen vor, wo hiaticula sich fand. 

Der streng scheinende Winter wird uns wohl manche Gäste 
bringen. Mergus mergauser und serrator, beide im Prachtkleide, sind 
hier schon mehrmals erlegt. »Jetzt liegen noch viele Bälge und war- 
ten auf Erlösung, u. A. vier Aquila clanga, wobei zwei interessante. 
Einer, jedenfalls ein junger Vogel, ist so hell und fast so ge- 
zeichnet, wie Naumann den jungen Vogel von imperialis dar- 
gestellt hat; der andere, fast einfarbig braun, bekommt Schwung- 
und Schwanzfedern, sowie auch Deckfedern auf den Flügeln 
mit markirten Tropffleckeu. Beides sind Aprilvögel und 
Männchen. Dem ersteren fehlen alle Spuren dieser Elecken, er 
kann sie aber vielleicht gehabt haben, da das Gefieder sehr ab- 
getragen ist. Auch Falco lanarius in fünf Exemplaren, Buta- 
etos leucurus, ein ausgezeichnet schöner Pelecanus crispus cJ mit 
ganz rothem Kehlsack, Vanellus gregarius, Grus virgo, Strix 
scandiaca Lichts., liegen da, sämmtlich un vergiftet, und meine 
Zeit ist sehr in Anspruch genommen. 

Indem ich mich bestens empfehle, zeichne ich mit aus- 
gezeichneter Hochachtung als 

Ew. Hochwohlgeboren ganz ergebenster 

von Zittwitz. 
G 1 g a u , den 1 5. Januar ls54. 



— 206 — 

Baron Droste an E. F. v. Homeyer. 

Hülslioff b. Münster i. Westfalen, 8. October 1872. 

Hochgeehrter Herr! 

Durch die Langsamkeit des Cabanis'schen Geschäftsganges 
gelangte das Juliheft des Journals erst vor wenigen Tagen in 
naeine Hände. Ich war nicht wenig erfreut, darin Ihre wohlwollende 
Besprechung meiner Arbeit über die Irrgäste zu finden, welche ich 
um so weniger verdient hatte, als ich in Folge Ihrer etwas scharfen 
Worte in Ihrer Erinnerungsschrift Ihnen einen, ich glaube sehr 
heftigen Brief*) geschrieben hatte. Da ich jetzt aber gesehen, 
wie Unrecht ich Ihnen gethan habe, kann ich nicht umhin, Sie 
dieserhalb um Entschuldigung zu bitten, indem ich zu meiner 
Entschuldigung nur bemerke, dass es so gar schwer ist, ein 
strenges gedrucktes Wort nicht herber aufzufassen, als 
es gemeint war, besonders wenn man selbst durch langwierige 
Krankheit verstimmt ist, wie es bei mir der Fall war. Also 
nochmals nichts für ungut. 

Zu Ihren willkommenen Bemerkungen lege ich meine Ant- 
worten bei. 

Mit der Versicherung ausgezeichneter Hochachtung 

Ew. Hochwohlgeboren ergebenster 

F e r d. Baron D r o s t e. 
Meine Entgegnung in meinem Bericht erhalten Sie bald. 



*) Dies war nun allerdings geschehen, aber bei nochmaliger Durch- 
sicht meiner Schrift fand ich, dass ich mich daselbst schärfer ausgedrückt 
hatte, als dies in meiner Absicht gelegen, denn es lag mir nur daran, 
die wiederholentlich auftauchenden irrthümlichen Ansichten über diesen 
Gregen stand zu beseitigen und ich bedauerte, dem edlen Feuereifer eines 
Mannes in den Weg getreten zu sein, der danach trachtete, seine Kräfte 
der Ornithologie zu widmen, dem es fern lag, die Wissenschaft zur eigenen 
Selbstverherrlichung ausnutzen zu wollen. In meiner Antwort überging 
ich daher Alles, was sich auf die Schärfen in dem Schreiben des Herrn 
von Droste beziehen konnte, und ich hatte mich — wie dies Schreiben 
zeigt — in der Beurtheilung des Mannes nicht getäuscht. v. H. 



207 - 



Hüls hoff bei Münster in Westfalen. 

A q u i 1 a c 1 a n g a. Blasius war der Ansicht, Naumann habe 
sich durch starke Exemplare der Naevia irre führen lassen und 
clanga sei nicht in Deutschland vorgekommen. In einigen 
Museen fand ich junge Naevia irrthümlicherweise für clanga be- 
stimmt, indess fand ich nirgendwo eine echte clanga, die in 
Deutschland erlegt war. Naumann sagt in seiner Beschreibung 
nichts von dem Unterschiede der Nasenlochbildung, was seinem 
scharfen Auge wohl kaum entgangen sein dürfte, wenn er nicht 
auch starke naevia für clanga genommen hätte. 

Surnia nisoria. Sie bestätigen meine Ansicht. Hier 
im Westen sollten überall Sperber und Habichtseulen erlegt und 
ausgestopft sein, und fast regelmässig fand man bei einer Nach- 
forschung brachyotus. Naumann hat sicherlich eine im Ver- 
hältniss sehr grosse Zahl frisch in Händen gehabt, doch sollte 
er nicht dadurch verleitet sein, manche Jägerangabe, trotz mangeln- 
den Beweises, zu glauben, und so wie er es hier factisch thut, 
Ausnahmefälle für regulär zu halten. 

Ampelis garrulus. In Dänemark soll er oft Jahre lang 
fast ganz fehlen, jedenfalls ist dies auf der Westküste Schleswig- 
Holsteins, Oldenburgs, Ostfrieslands etc. der Fall. Sein jähr- 
liches, wenn auch insgemein sparsames Vorkommen in 
den Ostseeländern ist mir bekannt, doch hindert das nicht meine 
Annahme, dass der grössere Theil der Individuen, wenn 
auch nicht direct in der Brutheimath, doch in näherer Nähe 
zurück bleibt. 

Corythus enucleator. Bei ihm möchte ich fast glauben, 
dass in der Regel der Zug eine andere Richtung inne hält, als 
in jenen Jahren, in denen er Deutschland in grösserer Menge 
besucht, doch fehlen mir nähere Anhaltspunkte. 

Loxia taenioptera. Eine mir sehr willkommene Er- 
gänzung. Die weitern Angaben über dessen Vorkommen ent- 
behren der Klarheit und Sicherheit. 

Linota montium. War mir unbekannt. Meinen Dank. 

Fringa maritima. Nehmen Sie Faber, Holböll oder 
irgend einen neueren nordischen Ornithologen. Nach Allen über- 
wintert diese Art zu Tausenden in Südgrönland, Island, auf den 
Faröern etc. ; an aUen südlichen Küsten ist aber sein Vorkommen 



- 208 -- 

relativ selten und u n r e g e 1 m ä s s i g. Dass einzelne Exem- 
plare bis nach Griechenland und an die afrikanische Küste 
wanderten, behindert die Kegel nicht. 

Somateria dispar. Mir neu und natürlich höchst in- 
teressant. 

Totanus stagnatilis. Um so interessanter, doch ist 
Danzig der nördlichste mir bekannte Ort seines Vorkommens. 

Emberiza rustica. Meinen Dank für Ihre Mittheilung. 

Limicola pygmaea. Meine Ansicht bestätigend ; übrigens 
mir nicht unbekannt. 

Turdus minor (Wilsonii) vide Naumann in Naumannia 
1851, 4. Heft, pag. 5. 

Alauda tatarica. Mein Fragezeichen hätte 
ein wenig stärker aufgetragen sein müssen. Ich 
weiss nicht mehr, wo wurde die Möglichkeit einer Deutung der 
Angabe von Tobias auf diese Art ausgesprochen? (Dubois?) 

Tobias schreibt: „Frühjahr 1829 wurde eine ganz schwarze 
Lerche auf dem Markte zu Görlitz verkauft." 

In Betreff der Sumpf- und Wasser vögel verweise ich übrigens 
auf meine Vogelwelt Borkums. 

Sie werden dort vielfach ziemlich eingehende Notizen finden. 
Haben Sie dieses Buch nicht, so würde ich mir gern die Frei- 
heit nehmen, es Ihnen in Tausch gegen Ihre Vögel Pommerns 
anzubieten, wenn ich nicht fürchtete, Ihnen lästig zu fallen. 

V. Droste. 

Vorstehenden Bemerkungen füge ich noch einige kurze 
Daten bei. 

Aquila clanga. Die Art ist heute hinlänglich bekannt. 

Surnia nisoria. Die Zweifel von dem öfteren Vorkommen 
der Art in Deutschland haben mich veranlasst, die sicher be- 
obachteten Fälle zu sammeln und denke ich dieselben mit vielen 
andern ähnlichen Vorkommnissen gelegentlich zu veröffentlichen. 

Ampelis garrulus. i 

Corythus enucleator. ■ Wie bei Surnia nisoria. 

Loxiataenioptera. ) 

Fringa maritima. Wenn auch eine Zahl im Norden 
überwintert, so ziehen andere doch weit südlich, namentlich all- 
jährlich nicht selten nach Griechenland und an die westliche Küste 
Asiens. 



— 209 — 

AI au da tatarica. Ist nicht bei Görlitz erlegt. Die 
dort vorgekommene schwarze Lerche ist eine Ausartung von 
Alauda arvensis. 

V. Homeyer. 



Kjärbölling an E. F. t. Homeyer. 

Euer Hochwohlgeboren ! 

Als Verfasser und Herausgeber einer Naturgeschichte aller 
Yögel Dänemarks, der Herzogthümer Schleswig - Holstein und 
Lauenburg mit naturgetreuen, illuminirten Abbildungen, ein mit 
öffentlicher Unterstützung begünstigtes Unternehmen, war es mir 
nicht bloss unumgänglich noth wendig, eine Sammlung von den im 
Königreiche Dänemark und den damit verknüpften Herzogthümern 
vorkommenden Vögel anzulegen, sondern ich musste zugleich be- 
sonders unsere benachbarte deutsche Literatur über diesen Gegen- 
stand kennen und benutzen. Unter diesen Hülfsmitteln war mir 
auch Euer Hochwohlgeboren ..Systematische Uebersicht der Vögel 
Pommerns-' von besonderem Nutzen, weil mir dadurch Manches 
über das Vorkommen und den Zug mehrerer Vögel, die sich nur 
auf der Eugen gegenüber liegenden Inselgruppe (Laaland, Falster, 
Moen) nebst einigen kleinern Inselchen gezeigt haben, klar und 
einleuchtend wurde. Und so gewann ich das Buch nebst Nach- 
trägen so lieb, dass auch eine dringende Sehnsucht, mit 
dem geehrten, rühmlichst bekannten Verfasser in genauere Ver- 
bindung zu treten, mich antrieb, mit dem gegenwärtigen er- 
gebensten Zeilen einen Anfang dazu zu machen. Es fehlt mir 
aber hier ein nöthiges „Etwas", und das ist: die gehörige 
Fertigkeit, mich in der deutschen Sprache auszudrücken; denn, 
obschon eingeborener Schleswiger (Alsen), bin ich seit meinem 
fünfzehnten Jahre stets in dem dänischen Sprachelemente so 
herumgeführt, dass jetzt der Vierziger nicht mehr recht seiner 
Jugendsprache mächtig ist, und doch bin ich fast ausschliesslich nur 
auf die deutsche Literatur angewiesen. 

Euer Hochwohlgeboren wollen daher gütigst verzeihen, dass 
ich mich nur durchstottern kann, und nicht, wie in meiner Be- 
rufs- und Bildungssprache, etwas Correcteres prästire. 

Meine Vogelsammlung enthält fast sämmtliche dänische Vögel, 
nnd ich habe zugleich eine ziemlich bedeutende Eiersammlung 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 14 



— 210 — 

angelegt, worin doch noch Manches fehlt. Ich bin selbst Jäger, 
Vogelfänger, Zeichner und Beschreiber, erfreue mich aber vieler 
interessanten Verbindungen in Dänemark, Schweden und Nor- 
wegen; denn ohne Kauf, Verkauf und Tausch steht man, aller 
Mühen ungeachtet, doch arm und hülflos da, und eröffnet sich 
durch erprobte und werth befundene Connexionen eine reiche 
wonnevolle Quelle, die nur der engherzige Sonderling unbeachtet 
lässt, weil es ihm an dem kindlichen Gemüth fehlt, was eine 
Haupteigenschaft für einen Naturforscher ist. Seitdem aber 
der Kammerherr Paulsen, Dr. Paulsen in Apenrade und E. Hage 
gestorben sind, ist die Ornithologie hier zu Lande nur dürftig 
repräsentirt, denn unsere Naturforscher haben sich fast alle auf 
andere Thiere geworfen, was eine Mode zu sein scheint. Seit- 
dem Faber über die hochnordischen Vögel schrieb, ist Nichts 
geleistet, als Kammerherr Paulsen's angefangene Ornithologie, 
und ich muss insofern viele Schwierigkeiten bekämpfen und das 
ganze Land durchjagen, wodurch ich zwar auch neue Gegenstände, 
sowohl Vögel als auch kleine Säugethiere (Mäuse, Fledermäuse), 
entdeckt habe. Meine Spätjahrs-Excursion längs der Westküste 
Jütlands, wo vieles Interessante vorkommt, hat mir z. B. die 
Sterna Dougalli und eine ganz eigenthümliche Art Pieper (Anthus) 
verschafft: der letztere bedeutend kleiner und dunkler als A. 
pratensis, welchem er am nächsten steht ; es ist ein altes Weib- 
chen, das nach Naumann gar nicht auszumitteln ist. Nächstens 
kann ich vielleicht ein Exemplar davon schicken, d. h. zum 
Frühjahre. 

Sehr willkommen würde mir ein ausführliches Verzeichniss 
(ein ähnliches werde ich auf näheres Verlangen über meine 
Sammlung aufnehmen und Euer Hochwohlgeboren einhändigen) 
von Euer Hochwohlgeboren Doubletten und Desideraten sein, und 
sehnlichst ein solches erwartend, zeichne ich mich 

Euer Hochwohlgeboren 

ganz ergebenster 

N. Kjärbölling, 
Garteninspector. 

Thyrsbeck p. Veile in Jütland, 
den 20. December 1847. 



21 



Thyrsbeck p. Veile, den 5. August 1848. 

Hochedler, geehrtester Herr! 

Eine Excursion nach der Westküste von Jütland überzeugte 
micli ganz von der Artverschiedenheit von meinem kleinen dunklen 
Anthus und des Anth. pratensis Auct., welchen ich ganz westlich 
gar nicht vorfand. Ich schoss von beiden ca. sechs Exemplare, 
und es ist keine Geschlechts-, auch keine Kleidverschiedenheit; 
selbst Flug, Stimme und Betragen schienen mir wesentlich ver- 
schieden. Das zur Ansicht geschickte Exemplar können Euer 
Hochwohlgeboren sehr gern behalten und ich soll nächstens noch 
mehrere von beiden (die kleinere und gewöhnliche) senden. Von 
Sylvien entdeckte ich hier auf der Ostküste S. nisoria, palustris 
und rufa, und zwar gar nicht selten, alle brütend. Diese drei 
Arten sind früher dem eigentlichen Dänemark nicht angerechnet 
worden, weil sie vermuthlich durch Verwechselung mit cinerea, 
hyppolais und trochylus übersehen sind. Eine sehr interessante 
Varietät von Hirundo rustica traf ich an der Westküste, und 
zwar auf weniger als eine Meile sechs Individuen. Das erlegte 
Exemplar ist hübsch kastanienbraun auf allen untern Theilen des 
Körpers, auch auf den untern Schwanzdeckfedern (Hirundo rustica 
Orientalis — Schlegel, ornith. üebersicht). Anas querquedula 
nistet häufig bei Ringkjöbing Fjord an den mit Teichen durch- 
brochenen Marschwiesen, wo auch Limosa melanura und Recur- 
virostra avocetta nistet. 

Die beiden Letztern erhielt ich nicht, weil ein übles Gerücht 
mich eilig nach Hause jagte. Ich war sonst recht glücklich auf 
dieser Tour, indem ich achtundachtzig gute Vögel erlegte und 
präparirte, in weniger als acht Tagen. — Auffallend ist es, dass 
hier in Jütland dies Jahr so viele verwittwete Störche sind; es 
müssen ungewöhnlich viele auf dem Zuge verunglückt sein. 
Muscicapa atricapilla war dies Jahr ungemein zahlreich; wir 
hatten hier wenigstens zwanzig Paare in den AUeen und im 
Garten, und die vorhergehenden zwei Jahre waren da höchstens 
sechs bis acht Paare. Die von der diesjährigen Mehrzahl be- 
zogenen Nestlöcher waren früher alle von Staaren und Meisen 
bewohnt. Auch Coccothraustes vulg. nistete hier dies Jahr in 
ungewöhnlicher Menge ; ca. zwanzig Paare in einem ganz kleinen 
Buchenwäldchen auf ungefähr eine Tonne Land, mehrere einzelne 
in benachbarten Bäumen. 

14* 



212 

Von Turclus viscivorus entdeckte ich zwölf Nester im hie- 
sigen Walde. Der schwarze Storch scheint immer häufiger zu 
werden hier in Jütland. Ich weiss z. B. wenigstens zehn ver- 
schiedene Waldungen, wo er jedes Jahr nistet, und er geht ganz 
nördlich. 

Wenn Sie mich nächstens mit einem Schreiben beehren, 
wünschte ich gern ein neues Verzeichniss über Ihre Vögelsamm- 
lung, worauf bezeichnet ist, welche Art Sie immer in mehreren 
Exemplaren gebrauchen können, und ebenso welche ich dagegen 
stets wieder in mehreren Exemplaren erhalten kann. Ich habe 
jetzt eine ziemliche Menge Doubletten, welche ich gern aus- 
tauschte; es sind aber eben keine besondern Seltenheiten, aber 
gut conservirt und zur Vergleichung über climatische Abweichungen 
sehr geeignete Stücke. 

Meine neue Wohnung in Kolding habe ich der Feindselig- 
keiten wegen nicht antreten können, und vielleicht bleibe ich hier 
noch diesen nächsten Winter. Der Besitzer von Thyrsbeck, 
Baron von Brockdorff aus Klethkamp in Holstein, ist mit Fa- 
milie schon im April geflüchtet. Aus dem Schleswigschen sind 
viele Tausende Flüchtlinge in Jütland, Fünen, aufAlseu u. s. w., 
besonders Jünglinge, welche die provisorische Regierung zum 
Militärdienst einziehen wollte. Möchte diese beengte Zeit bald 
ein Ende haben! 

In der frohen Hoftnuug, recht bald von Euer Hochwohlge- 
boren zu hören, zeichne ich mich mit Hochachtung als 



Ihr ganz ergebenster 



N. Kjärbölling. 



Thyrsbeck p. Veile, den 20. April 1849. 

Euer Hochwohlgeboren! 

Es geht mit den Sendungen wie mit dem Sammeln in diesen 
politisch-stürmischen Zeiten. Ihre schon im September v. J. über 
Hamburg (Essen) gesandte Kiste mit Vögelbälgen erhielt ich im 
Februar d. J., und das erst nach vielem Correspondiren und 
sehnsuchtsvollem Warten. Doch Alles war zu meiner grössten 
Zufriedenheit im besten Stande; ))esonders angenehm war es 
mir, mehrere gut ausgestopfte und aufgestellte Vögel darunter 



— 213 - 

zu haben, was mir auch ferner immer willkommen ist. Ich habe 
nach inliegendem Verzeichniss jetzt wieder eine Sendung parat, und 
zwar in sehr guten, gar nicht auszusetzenden Bälgen, die auch 
möglichst billig zum Tausch sind. Ein kleines Verzeichniss 
über meine Eier-Doubletten möchte vielleicht bezwecken, auch 
in dieser Richtung einige Tauschausgleichungen zu maclien. So 
unsicher, ja selbst für diesen Augenblick (wo Jütland wieder 
mit einem feindlichen üeberfall bedroht, obwohl der Feind schon 
einmal hier so wie bei Alsen immer zurückgeschlagen ist), so 
unmöglich eine Sendung über Hamburg ist, muss ein Weg beider- 
seits über Wismar gewählt werden. Bevor ich aber diesen neuen 
Weg einschlagen darf, ersuche ich Euer Hochwohlgeboren ganz 
ergebenst um baldigste Nachricht, ob Etwas dafür hinderlich 
wäre. Sobald der Advokatenschwindel und damit die traurigen 
politischen — dem Volk verhassten — Zerwürfnisse sich einiger- 
massen legen, nehme ich meinen beständigen Aufenthalt in Ko- 
penhagen, von wo aus Sendungen viel billiger und präciser be- 
sorgt werden können, und habe ich unter einem vierzehntägigen 
dortigen Aufenthalt mehrere vorzügliche ornithologische Verbin- 
dungen — namentlich Sammel- Verbindungen — angeknüpft. — 
So traf ich einen Jugendfreund, der jetzt wohnhaft in Ostfin- 
marken und von da aus bedeutenden Handel treibt; er kann mir 
viele gute Sachen verschaffen, was er auch ernstlich versprach. 
Dasselbe that der Inspector Holböll aus Grönland, ein Kaufmann 
aus Island und ein gleicher von den Färör. 

Ornithologische Neuigkeiten habe ich nur wenige, aber doch 
einige sehr interessante, z. B. dass Oedicnemus crepitans auf 
Bornholm, Procellaria Leachii bei Kopenhagen und Anas Stelleri 
bei Helsingör geschossen sind; alle in diesem Frühjahre. Ein 
echter Aquila leucocephala soll den 22. März 1842 im Sunde 
geschossen sein. Mehrere ältere Notizen will ich hier vorläufig 
niederschreiben; sie sind ganz zuverlässig. 

Strix nyctea ist mehrmals hier zu Lande geschossen. 

Strix liturata ist in Seeland geschossen (Emil Hage). 

Strix funerea, passerina und Tengmalmi sind selten; bubo 
auch ; otus nistet hier in alten Krähennestern (ich habe in diesen 
Tagen einen Vogel vom Neste geschossen) ; noctua ist ungemein 
häufig an allen Kirchen in Jütland. Ein Oruithologe in Kopen- 
hagen hat mir versichert, dass Tengmalmi seine Stelle an den 
seeländischen Kirchen vertrete. 



- 214 — 

Corvus corone kommt nie nördlicher als in Xordsclileswigf 
(Sylvia Philomela auch nie in Jütland) vor. Merops apiaster 
wurden (Mai 1 846) zwei Stück von einer spazierenden Dame in 
der wüsten Gegend bei Agger am Liimfjord — dem Tage nach 
einem westlichen Orkan — mit den Händen gefangen. Dieser 
ist auch mehrere Male hier in Dänemark geschossen. 

Oriolus Galbula und Coracias garrulus selten, besonders der 
erste. 

Cypselus melba wurde den 17. Juni (!) 1804 in einer Kirche 
auf Mors im Liimfjord todt aufgefunden. 

Muscicapa parva wurde bei Kopenhagen gefangen und das 
Exemplar im Königl. Museum in Spiritus aufbewahrt. Cinclus 
aquaticus und Alcedo ispida finden sich hier bei fast allen 
Mühlenbächen und Auen, jedoch — wie immer — einzeln. Tur- 
dus atrogularis ist 1822 in Fünen geschossen; das Exemplar ist 
im Königl. Museum in Kopenhagen. Anthus rupestris ist nicht 
selten erlegt worden; campestris ist selten. Saxicola rubicola 
habe ich für unsere Fauna im Mai 1847 bei Horsens getroffen ; 
Motacilla lugubris im April 1847 ebenso beiVeile; boarula hier 
bei Thyrsbeck. Cinereocapilla kommt bei Flensburg vor; ich 
habe den Vogel einmal im Winterkleide bei Varde erlegt. Syl- 
via nisoria und palustris habe ich hier entdeckt, letztere als 
ziemlich häufig; rufa ebenso; turdoides gewiss nur im Holstei- 
nischen. Emberiza lapponica einmal in Seeland geschossen (Faber) ; 
hortulana ziemlich selten. Fringilla serinus im October J838 
vom Justitiarius Jaspersen im Schleswigsclien geschossen; tiavi- 
rostris wird in Menge bei Kopenhagen von den Vogelfängern 
gefangen. Loxia pythiopsittacus weniger häufig , ebenso ; leu- 
coptera, lebendig gefangen bei Kopenhagen im October 184o. 
Otis houbara*) bei Flensburg den 12. November 1843 geschossen. 
0. tarda mehrmals geschossen, auch hier; tetrax mehrmals da- 
selbst, auch anderswo. Charadr. morinellus hat seinen zahlreichen 
bestimmten Zug im Mai und August hier in Jütland, nur aber 
westlicher, hier nicht. Glareola torquata auf Moeu geschossen. 
Ciconia nigra nistet in vielen Waldungen Jütlands, wird aber so 
sehr von den Waldbesitzern gehegt, dass man kein Exemplar er- 
haschen darf. Himantopus rufipes auf Moen geschossen. Ardea 
nycticorax im Holsteinischen, minuta im südlichen Jütland bei 



*) 0. Macqueni. v. H. 



-- 215 - 

Yarde geschossen. Platalea leucorodia, geschossen an der West- 
küste. Ibis falciuellus ebenso; Limosa melanura nistet daselbst. 
L. rufa vielleicht auch, wenigstens sah ich voriges Jahr mehrere 
Individuen, hoch fliegend, dafür an, und ein gefangener junger 
Vogel im Dunenkleide war verschieden von L. melanura von der- 
selben Grösse. Recurvirostra avocetta nistet zahlreich im Ring- 
kjöbing Fjord auf Marsch wiesen. Meyeri (ob es eine giebt?) 
fand ich nie. Rallus aquaticus, Podiceps rubricollis und Fulica 
atra überwintern hier nicht selten. Phaloropus rufus bei Flens- 
burg, Varde und bei Helsingoer mehrmals geschossen; P. cine- 
reus auch einige Male. Sterna Dougalli habe ich erst im Sep- 
tember 1847 an der Westküste Jütlands geschossen. Ich fand 
da Anas clypeata und querquedula nistend; interessant ist es 
aber, dass der Forstcandidat Petersen auch A. ferina daselbst 
nistend gefunden habe. Sterna cantiacaund anglica nisten auch 
da. Larus leucopterus bei Helsingoer geschossen, eburneus bei 
Kopenhagen, minutus auch bei Helsingoer und im Schleswigschen; 
Lestris pomarina bei Helsingoer, die beiden Catharactes und para- 
sitica häufiger. Cygnus Bewikii wurde lebendig in Fünen ge- 
fangen und zahm gehalten auf Hesselagerhoff in der Svendburger 
Gegend von einem Proprietair Dons. (E. Hage hat den Vogel 
bestimmt.) Anas strepera nistet auf Fahnoe an der Westküste ; 
Tutila auf Bornholm geschossen (E. Hage); rufina nistet (selten) 
im Schleswigschen. Garbo graculus bei Helsingoer geschossen. 
Mormon frat., Colymbus glacialis, arcticus und Podiceps arcticus 
ebenso; Golymb. rufogul. überall im Winterkleide. 

In der fröhlichen Erwartung, baldigst Euer Hochwohlgeboren 
gefällige Antwort zu sehen, verharret 

mit besonderer Hochachtung 

Ihr ganz ergebenster 

N. Kjärbölling. 

Mein Vogelwerk ging gut vorwärts, zehn Hefte sind ge- 
stochen und gedruckt, vier illuminirt und herausgegeben; jetzt 
aber ist mein Kupferstecher als Soldat gestellt. Wir kämpfen 
Wenige gegen Viele, müssen daher Alle heraus, was für ein 
wenig bevölkertes Land traurige Folgen haben wird. K. 



— 216 — 

Thyrsbeck, den ü. August 1849. 

Verebrtester Herr ! 

Ihr sehnsuchtsvoll erwartetes, mir sehr willkommenes Schreiben 
vom (S. Juni erhielt ich leider erst am 5. August. — Schon ist 
Ordre abgegangen um schleunigste Hersendung meiner in Kopen- 
hagen wegen der Feindseligkeiten gebliebenen nordischen Vögel 
und Bier, welche ich binnen ca. zehn Tagen erwarten kann, und soll 
nachdem kein Tag verloren gehen, um Euer Hochwohlgeboren 
die gewünschten Sachen zu senden. Um sechs bis acht Wochen 
nehme ich bis weiter meinen Aufenthalt in Kopenhagen, von wo 
aus die Sendungen viel schneller, sicherer und billiger geschehen 
können. Ich freue mich sehr zu Ihrer versprochenen Sendung, 
zumal da ich dadurch fast durchgehends die erwünschten Bälge 
und Eier erhalten kann, wodurch es mir wiederum möglich wird, 
zum Spätjahre etwas kräftiger einher zu schreiten. Darum würde 
es mir auch ausserordentlich lieb sein, möglichst bald (vor Aus- 
gang des Monats) auf dem bezeichneten Wege die Sachen zu 
erhalten. Als guter Patriot will ich die Drangsale verschweigen, 
welche ich seit meinem letzten Schreiben erlitten habe ; für mich 
und alle hiesigen Bewohner waren diese gross und mannichfaltig. 
Schiessen . durfte ich seit drei Monaten nicht, auch nicht mein 
Haus verlassen, meiner Familie Sicherheit wegen; so habe ich 
mich nur mit Nestersuchen beschäftigen können. Interessant 
waren mir die Nester und Eier von Sylvia nisoria, palustris, 
phragmitis und trochilus; von diesen Arten wünsche ich also 
keine Eier. Von S. phragmitis schoss ich vorgestern zehn Stück 
in einem Bruche, wo viele Saalweiden standen. Ein Paar davon 
scheint S. cariceti Naum. zu sein ; selbst das Nest ist abweichend. 
Schade, dass nicht Eier, anstatt Junge, darin waren. Die Nester 
der Andern standen mehr in Epilobium hirsutum, Eupatorium 
cannabinum u. s. w. ; sie waren durchgängig nur von getrock- 
neten (dürren) Pflanzenstengeln gebaut. Das Nest der vermeint- 
lichen cariceti isu aber mit einer starken Moosunterlage und im 
Discus reichlich mit Rohrblüthen (Rispen) sehr nett ausgefüttert, 
auch war es hoch in einer Salix caprea angebracht. Sie fragen 
in Ihrem geehrten Schreiben, ob die Eier von Muscicapa atricap. 
selbst gesammelt sind; ich habe das Weibchen darauf gefangen 
und kann den Balg mitgeben. Als Sammler kann man leider 



— 217 — 

nicht immer menschlich sein; sind doch die Raubthiere, beson- 
ders die kleinern Raubvögel, weit furchtbarere Nestzerstörer, und 
wissenschaftliche Zwecke sollten doch wohl dem Höchsten mehr 
als materielle gelten! Anstatt S. phragmitis in zwei Bälgen, 
wünschte ich gern von S. nisoria zwei Stück Bälge, denn ich 
habe davon keine schiessen dürfen, und sie sind jetzt schon fort 
von ihrem Brutorte. 

Ein Exemplar meiner herausgekommenen Abbildungen wird 
nächstens folgen; ich danke für die gütige Aufmerksamkeit. 
Ihrer gefälligen Antwort entgegensehend, verharret 

Ihr hochachtungsvoll ergebener 

N. Kjärbölling. 



Thyrsbeck. den 29. September 1849. 

Hochverehrter Herr von Homeyer! 

Ihr mir so willkommenes Schreiben vom b. Juni d. J. hatte 
ich schon beantwortet, als ich ein ähnliches vom 18. August er- 
hielt, und ich freue mich sehr in der Hoffnung, dass meine unterm 
20. April aufgegebenen Sachen schon über Wismar nach Kopen- 
hagen gekommen sind, was mir um so angenehmer sein würde, 
da ich daselbst in vierzehn Tagen meinen Aufenthalt nehme und 
mehrere der in der von Euer Hochwohlgeboren erwarteten Sen- 
dung enthaltenen Vögel schon lange nördlicher sein sollten. So- 
bald die sehnsuchtsvoll erwarteten Bälge und Eier von Norden 
arriviren, werde ich nicht verfehlen, Sie davon zu unterrichten. 

Die Reise längs der Westküste Jütlands in der letzten Hälfte 
vom August hatte folgendes, nach dreitägiger Jagd (die grosse 
Scheuheit der ziehenden Vögel wohl zu bemerken) recht gutes 
Resultat: 

20. August: 6 Stück Sterna caspia bei Ringköping Fjord. 
(Sie brüten nicht da, bekanntlich auch nicht nördlicher in Jüt- 
land, wohl aber auf der Insel Sylt an der schleswigschen West- 
küste. Gehen denn diese Vögel mitunter so viel nördlicher, be- 
vor sie südlicher reisen? Es waren lauter alte. 

6 Stück Sterna angiica, alte. Diese nisten etwas nördlicher. 

1 Stück Tringa Temminckii an einem Teiche im Hofplatze 



— 218 — 

bei Lönborggaard (Ringköping Fjord); war da über vierzehn Tage 
ganz allein gewesen. 

3 Stück Cliaradrius, junge Vögel (daselbst ausgebrütet). 

16 Stück Tringa islandica. Junge Vögel und alte im 
Winterkleide. 

2 Stück Tringa islandica in vollkommenem Sommerkleide, 
Männchen und Weibchen beisammen, mit einem Schuss erlegt. 

2 Stück Sterna nigra in etwas angefangenem üebergangs- 
kleide. 

2 Stück Sterna minuta. 

1 Stück Sterna Dougallii jun. , ein schönes Exemplar, noch 
hübscher wie das vor zwei Jahren daselbst erlegte. Ein alter 
Vogel war dabei, ich sah die gelben Beine und den schwarzen 
Schnabel sammt den langen Schwanzfedern (welche ihm den 
Namen paradisea gegeben haben), war aber nicht so glücklich, 
die sehr hoch über ihren getödteten Jungen schwebende Mutter 
zu erlegen. 

1 Stück Sterna arctica, hier nistend und weniger selten. 
6 Stück Tringa alpina im Sommerkleide, nistet daselbst. 

2 Stück Tringa Schinzii im Sommerkleide, nistet gewiss 
auch, aber selten. 

1 Stück Anas ctypeata, nistet ziemlich häufig. 

Die Gänsejäger auf der jütischen Westküste, wo der 
Gänsezug sehr stark ist, versicherten, dass sie einige Male einen 
sehr kleinen Schwan (den sie jährlich auf dem Zuge beobachten 
und den „Pfeifschwan" nennen) von ca. 11 — 12 Pfund Gewicht 
erlegt haben. Sie versprachen mir wo möglich ein Exemplar 
davon, sowie von den fünf verschiedenen Gänsearten zu liefern. 
Diese fünf Arten bezeichnen sie so deutlich, dass folgende Arten 
nicht zu verkennen sind : Anser h}^erboreus sehr selten, segetuna 
häufig, leucopsis, torquatus, cinereus ebenso. 

Bei Ripen soll die A. ruficollis fast jährlich geschossen 
werden. A. albifrons wird gewiss unter eine der andern Arten 
geschoben. Cygnus islandicus schiesst man sehr häufig. Kann 
es wohl etwas minderes als Cygnus Bewickii sein ; selbiger Vogel 
ist in Holstein geschossen und steht in der Sammlung des Sena- 
tors Siemens in Glückstadt. 

Die Anser minutus ist lebendig (im Schleswigschen gefangen) 
zu sehen bei dem Gastwirth Raben in Schleswig; so hat mir 
der Besitzer von Thyrsbeck, welcher selbst den Vogel gesehen 



— 219 - 

und gekannt hat, versichert. Numeniiis tenuirostris kommt jähr- 
lich im September auf die kleinen Inseln unter Fünen, und ist 
mir von den Jagdbedienten des Grafen v. Ahlefeldt auf Lange- 
land hinlänglich beschrieben, und von N. phaeopus durch lichtere 
Färbung des Gefieders, den dünnern Schnabel und die schwärzern 
Flecken an den Brustseiten scharf geschieden ; auch davon (er 
kommt aber selten) ist mir ein Exemplar versprochen. 

Die herausgekommenen Hefte von meinen „Vögeln Däne- 
marks" werde ich von Kopenhagen aus die Ehre haben zu sen- 
den, und ich hoffe, jetzt mehr als jemals, dass ich mich 
Ihrer geehrten persönlichen Bekanntschaft zu erfreuen habe, in- 
dem die Seereise von Kopenhagen nach Wismar ganz unbedeu- 
tende Zeit erfordert. 

Einer gefälligen baldigen Antwort entgegensehend, ver- 
bleibe ich 

Ihr aufrichtig ergebener 

N. Kjärbölling. 



Kopenhagen, Norrebro (Nordrebrueck), 
den 14. November 1849. 

Hochverehrter Herr und Freund! 

Als ich vor vierzehn Tagen eine Sendung von Vogelbälgen 
und Eiern pr. „Obotrit" über Wismar unter Ihrer Adresse abgehen 
Hess, welche Sie hoffentlich schon erhalten haben, erhielt ich 
zugleich Ihre schöne Sendung von ähnlichen Sachen, leider aber 
ohne Brief und Auskunft mehrerer nicht bezeichneter Eier. Da 
mir mehrere durch das Holsteinische gegangene Briefe entgangen 
sind, befürchte ich sehr, dass dieses auch hier der Fall sein 
muss, und ich bitte jedenfalls recht sehr um baldigst gütige 
Mittheilung darüber; jedoch den Brief über Wismar. 

Ich freue mich recht sehr, dass ich hierher gekommen, wo 
es so vorzügliche Gelegenheit für mein Sammeln und meine 
Beobachtungen giebt. So habe ich nämlich von einem Grön- 
landsfahrer zwei Stück der schönsten Falco gyrfalco (ä 6 Thlr.) 
die ich je gehabt habe, gekauft ; ebenso sechs Stück Phalaropus 
cinereus und ein Stück Larus eburneus. Alle sehr gut. Vor 
einigen Tagen sah ich drei Stück hier geschossene Calidris 



— 220 — 

arenaria, wovon freilich zwei in Fäulniss gegangen, eins aber 
sehr schön für meine Sammlung ward. Auch Eier aus Island, 
namentlich Procellaria glacialis, Mormon frat., Numenius phaeo- 
pus , Alca torda , Larus trydactylus , Anas crecca , Uria grylle, 
Emberiza nivalis habe ich in mehreren Doubletten bekommen, 
und es wird wohl noch Mehreres bald landen, um eine neue 
Sendung für Sie zu bewerkstelligen. Meine Armuth an Vögel- 
eiern ist noch so gross, dass ich — um die an Sie geschicktea 
nordischen zu vergüten — schon von den Ibrigen die für mich 
interessantesten habe abgeben müssen. 

Der Bequemlichkeit wegen habe ich ein gedrucktes Ver- 
zeichniss der europäischen Vögel, wonach ich meine Mittheilungen 
von Desideraten und Doubletten, nördliche und südliche, machen 
kann, nöthig; von den mir vorliegenden ist mir keins so an- 
sprechend wie das Ihrige, und ich finde es lächerlich, darin Ori- 
ginalität suchen zu wollen. Verzeihen Sie daher, dass ich dem- 
selben, womit ich jetzt so vertraut geworden bin, ganz wörtlich 
folge. Ich werde Ihnen nächstens ein Exemplar mit meiner Be- 
merkung zukommen lassen. 

Beifolgend erhalten Sie die ersten sechs Hefte von meiner 
Dänischen Ornithologie. Es folgen noch in einem Zeitraum von 
zwölf bis zwanzig Monaten neun solche Hefte ä 1 Thlr. Das 
Werk hat hier in unserm kleinen Dänemark schon über drei- 
hundert Subscribenten, und die Ausführung, wozu ich Naumann 
als Vorbild (nicht aber als Vorzeichnung) benutzt habe, scheint 
Allen (für den Preis) gut zu sein. Der Text ist im Dänischen, 
als meiner ßildungssprache, abgefasst, aber nur halb fertig und 
wird wohl ca. dreissig Bogen ausmachen, zu dem separaten Preis 
von 2—3 Thlrn. Es ist mir sehr angelegen, mein Bilderwerk 
auch in den deutschen Buchhandel einzuführen, und ich bitte Sie, 
als Freund und Gönner, mir gütigst nähere Nachricht zu geben 
über die Art und Weise, wie das am besten geschieht. Ob 
nicht Fleischer in Leipzig der Geeigneste wäre? — Ob Euer 
Hochwohlgeboren es einer Anzeige in der Literatur-Zeitung werth 
finden sollten? — Eine solche Hülfe wüi'de mich nach einem 
zweijährigen, durch die Kriegsums tände furchtbar drückenden 
Stillstehen, wodurch ich mein kleines Vermögen beinahe ver- 
loren habe, sehr erheben. Haben Sie doch die gütige Gewogen- 
heit, mir Ihre aufrichtige Meinung von meiner Arbeit zu sagen. 
Eine deutsche Uebersetzung von dem Texte würde zu kostspielig 



- 221 — 

Averden; ich werde das für Sie Interessante so gut wie möglich 
auf mein schlechtes Deutsch mittheilen. 

Leben Sie herzlich wohl und erfreuen Sie mit Ihrer gütigen 
Antwort 

Ihren ganz ergebensten 

N. Kjärbölling. 

P. S. 
Beiliegende Probetafeln wollen Sie gütigst für Ihre guten 
Connexionen benutzen. Fünfzehn Hefte, ä Heft zwanzig Vogel- 
arten, wird das Ganze ausmachen. Vielleicht wäre ein deutscher 
Prospect hier von Nutzen. Das dänische Titelblatt muss auch 
deutsch sein. 



Kopenhagen, den 5. Januar 1850. 

Mein werthester Herr und Freund! 

Nächst dem herzlichsten Neujalirsgrusse beeile ich mich, 
Sie über den frohen Empfang Ihres lieben Schreibens vom 
25. September v. J., welches mir genaue Auskunft über die in 
Ihrer vorausgegangenen Sendung enthaltenen Sachen mittheilt, 
in Kenntniss zu setzen. Etwas später erhielt ich zugleich den 
vermissten Brief vom 1. August nebst Rhea II, wofür ich sehr 
dankbar bin ; besonders interessant ist mir die Abhandlung über 
das Turdus genus. 

Meine jütländischen Gäusejäger haben mir schöne Exem- 
plare in xlussicht gestellt von Anser cinereus, segetum, arvensis, 
albifrons alt und jung, beide Geschlechter; brevirostris (Brehm) 
alt und jung ebenso, aber eine viel kleinere und unbedingt eine 
reine, zwischen albifrons und Temminckii stehende Art, welche 
um \^ Elle kürzer, viel schmächtiger und von dunkler Bauch- 
farbe ist. Die Jäger haben mir schriftlich versichert, dass diese 
kleine Gans, alt und jung, ihre eigenen Züge macht und fast 
nie mit albifrons vermischt ist. Von Piatypusarten giebt es hier 
bei den Wildhändlern sehr viele, nur aber die gemeinen, wie 
niger, serinus giacialis, fuligulus (sparsam), marilus (ungemein 
viele), clangulus (weniger wie niger), mollissimus (nur zwei alte 
Männchen habe ich gesehen). Bombycilla garrula und Pyrrhula 
vulgaris nebst Turdus pilaris ist in diesen Tagen zahlreich vor- 



- 222 — 

banden. Habe icb gemeldet, dass ein Oriolus galbula medio im 
December 1842 auf Island in gefrorenem Zustande gefunden 
wurde? Es sind drei Stück wunderbübscbe, blaugrün glänzende 
Eier, von Grösse und Form wie Platypus ßarrovii (vielleicht 
etwas grösser), dies Jahr aus Grönland und dem nördlichen Is- 
land gekommen; sie sollen Piatypus spectabilis angehören. Die 
Eier von diesem Vogel sollen ja aber, allen Beschreibungen zu- 
folge, etwas kleiner wie die des PL moUissimus, aber in Farbe 
diesem ähnlich sein: wie enträthselt sich das? Die Eier von 
den nächststehenden Enten, wie Clangula u. s. w., sind grünlich. 
Ein stärker und hübscher grünes Ei kenne ich nicht ; es ist aber 
kaum kaufbar, so hoch schätzen es die Eigener. 

Ihr mit Hochachtung 

inniglich ergebener 

N. Kj ärbölling. 



Kopenhagen, den 3. Mai 1(S:M. 

Lieber Freund! 

Dringende Geschäfte haben mich von meiner Reise in 
Schleswig abgerufen. Zu diesen gehört jetzt auch, dass ich Ihre 
Vögel und Eier besorge, indem ich Ihre beiden Sendungen bei 
meiner Rückkehr vorfand. 

Die Eier von Strix capensis mit mehreren nordafrikanischen 
und südspanischen Eiern sind schon auf der Hersendung, nebst 
mehreren seltenen Vögeln. Sobald ich völlig von dem Vorkom- 
men der benannten Strix (in Spanien) überzeugt bin, werde ich 
Vogel und Eier schicken. Ich habe Ihnen wohl doch mitgetheilt, 
dass ich Tring. canescens bei Thyrsbeck erlegt habe. Motacilla 
Feldegii brütet bei Flensburg, ich habe Vogel und Eier ge- 
sehen ; Charadr. morineUus brütet einzeln auch in dieser Gegend ; 
die Eier, von einem Ornithologen gesammelt, habe ich gesehen, 
sie können auch kaum einem andern Vogel angehören. 

Für Ihre Desideraten werde ich bestens sorgen, möglichst 
Vieles herbeizuschaffen. Sie werden mich gewiss ebenso in 
gütiger Erinnerung haben. Ein herzlich Lebewohl! — Wann 
ist die Ornithologen-Versammlung in Berlin? Ich hoffe dahin 
zu kommen, habe mehrere interessante Sachen vorzulegen. Am 



_ 22^} 

13. Juli ist unsere Naturforscher - Versammlung zu Stockholm, 
auch dahin komme ich wahrscheinlich. 
,Mit der grössten Hochachtung 

Ihr freundschaftlichst ergebener 

Dr. N. Kjärbölling, 



Kopenhagen, den 27. August 1851. 

Hochverehrter Herr und Freund! 

Nachdem ich Ihre werthe persönliche Bekanntschaft in Berlin 
zu machen die Freude hatte — was uns gewiss nicht weniger 
eng und freundschaftlich hinsichtlich unserer wissenschaftlichen 
Austauschungen und Mittheilungen verbindet — habe ich auch 
die Naturforscherversammlung in Stockholm mitgemacht. Auch 
diese war reich an geistigen, hauptsächlich aber — wie über- 
haupt bei dergleichen Gelegenheiten — an himmlischen Genüssen. 
Eine grosse Anzahl Freunde und „Männer vom Fache" der Na- 
turwissenschaften waren aus allen drei Reichen hier versammelt. 
Eine wunderschöne Lage hat die Stadt mit ihrer reizenden Um- 
gebung, welche in einer so nördlichen Lage nicht zu er- 
warten wäre. Die ausserordentliche Gastfreiheit und Huldigung 
der ,. Stammverwandten" erstreckte sich bis zum Könige, der uns 
auf seine Sommerresidenz einlud und uns ohne alle Etiquette da- 
selbst aufnahm. Die ganze königliche Familie besuchte auch 
alle unsere drei Plenar- Versammlungen, wo Vorträge von all- 
gemeinem Interesse gehalten wurden. Für Logis — wir waren 
bei den angesehensten Familien eingeladen und einlogirt — 
war Nichts zu entrichten ; überhaupt wurden wir überall — selbst 
auf der Hin- und Rückreise — in ganz Schweden als Gäste be- 
trachtet und so favorisirt. 

Die dänische Regierung hatte Jedem von den vierundzwanzig 
Kopenhagener Naturforschern (worunter auch meine Wenigkeit) 
50 Thlr. Reisegeld auszahlen lassen, und dass diese Summe so 
ziemlich hinreichte, ist schon ein Beweis von der schwedischen 
Gastfreiheit gegen uns. 

Die Sendungen von Norden fangen bald wieder an; mehrere 
Partien von Eiern aus den dänischen Provinzen sind schon ein- 



224 — 

gegangen und nächsten Monat kommen die Vogelbälge und Eier 
aus Grönland. 

Um meine Disposition so viel wie möglich nach dem,Be- 
darfe und den Wünschen meiner Verbindungen einzurichten, 
ist es mir sehr wichtig, dass mir diese im Voraus mitgetheilt 
werden. Sie wissen, Lieber, was von ßeidem. Bälgen und Eiern, 
zu erwarten ist. auch was vermuthlich von Seltenheiten darunter 
sein könnte; ich bitte mir alle Ihre Bedürfnisse zu bezeichnen, 
auch von südlichen, weil ich aus Afrika wieder eine Sendung 
erwarte (Tanger). Die neue Eule (capensis) geht rasch von der 
Hand; Picus numidicus — als muthmasslicher Südspanier — 
auch ; Parus borealis habe ich ein Exemplar für Sie hingelegt, 
falls Sie es wünschen. 

Eine baldige Antwort erwartend 

Ihr freundschaftlichst ergebener 

N. Kjärbölling. 



Kopenhagen, den 26. Januar 1855. 

Lieber Freund! 

Seit meiner Sendung vom October 1853 habe ich gar nichts 
von Ihnen gehört, selbst nicht eine Preisnote über Ihre später 
erhaltene, längere Zeit als verloren angesehene Sendung. Bei 
der Ornithologen-Versammlung hatte ich mich recht auf Ihr 
Wiedersehen gefreut, aber leider — vergebens. Lassen Sie uns 
jetzt, hochgeehrter Freund, unsere frühere blühende Verbindung 
mit dem neubegonnenen Jahre erneuern. 

Ein Ans er ruficollis ist hier diesen AVinter geschossen 
worden; sonst sind es bis jetzt nur gewöhnliche Vögel, die vor- 
gekommen. Aus Färoe erhielt ich Gracula rosea, aus Is- 
land Turdus merula. welche letztere in den letzten Jahren 
dort häufiger vorkommt. 

Die aus Island erhaltenen Eier von Rallus aquaticus sind 
von den dafür aus Deutschland erhaltenen ganz verschieden. In 
ein oder zwei Exemplaren habe ich für meine Sammlung viele 
seltene Eier erhalten, z. B. Tringa platyrhyncha aus Norwegen, 
Calidris arenaria aus Island, Svlvia suecica et Oorvus infaustus 



— 225 — 

aus Lappland, Pica cyanea aus Spanien, die sehr wahrscheinlichen 
Bombycilla garrula-Eier aus Archangel u. s. w. 

Seit ich von meiner Spätjahr-Excursion nach Sylt zurück- 
kam, bin ich eifrig mit der Ordnung meiner aufgestellten Samm- 
lung beschäftigt gewesen. Auf Sylt hatte ich das Vergnügen, 
den Vogelkojenfang mit zu machen und in einem Tage erhielten 
wir 370 Stück boschas, acuta, penelope und crecca. Solche un- 
zählige Schaaren von Wadvögeln hat mein Auge nie gesehen, 
wie eben da, z. B. Tringa- Arten, Limoseu, Calidris, besonders 
aber von Enten. Lestris catharactes sah ich der Sterna caspia 
et cantiaca den Raub abjagen; eine junge Sula alba, in den 
Sanddünen lebendig gefangen, wurde mir gebracht. Sonst wun- 
derte es mich, in der letzten Hälfte des September noch so viele 
Meerschwalben da zu sehen, besonders weil das Wetter im höchsten 
Grade rauh und kalt, mit starken Regengüssen begleitet war. 

Aquila brachydactyla hatte letztes Frühjahr seinen Horst in 
einem kleinen Wäldchen ohnweit Tendern ; der Vogel wurde leider 
geschossen und seine Fänge nebst einem Ei bekam ein gewisser 
Pastor Dahl. 

Das Ei scheint noch in den meisten Sammlungen zu fehlen, 
und doch bin ich überzeugt, dasa dieser Raubvogel nur durch 
Verwechselung in vielen Gegenden übersehen wird. Früher nisteten 
auch mehrere Paare bei Schleswig, woher Mechlenburg (Apotheker 
in Flensburg) Eier erhielt, auch bei Flensburg. — Aus Schweden 
wurde mir gestern mitgetheilt, dass Anas rutila bei Stockholm 
geschossen worden ist. — Nächstens mehr. 

Leben Sie wohl und erfreuen Sie bald mit Antwort 
Ihren aufrichtig ergebenen 

Dr. N. Kjärbölling. 



Professor Ratzebiirg an E. F. y. Homeyer. 

. Hochverehrter Herr! 

Auf meine letzte Einladung konnte ich freilich nicht rechnen, 
dass ich das Vergnügen haben würde, Sie zu sehen, da die März- 
Ereignisse wohl noch mehr Wünsche und Hoffnungen zu Schanden 
gemacht haben, um so mehr freue ich mich , jetzt wenigstens 
von Ihrem Wohlergehen zu hören und neue Verbindungen mit 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 15 



- 226 - 

Ihnen eingehen zu können. Mögen die Zeitverhältnisse nicht 
von Neuem Einspruch thun! 

Vor allen Dingen muss ich Ihnen meine Freude über die 
von Ihnen versprochene Herausgabe einer Ornithologie an den 
Tag legen. So viel Ueberfluss wir an kritiklosen Compilationen 
haben, namentlich in den zahllosen sogenannten Naturgeschichten, 
so wenig haben wir solche selbständige Werke, deren Ver- 
fasser mit dem Leben der Vögel vertraut sind und mit dem Ge- 
wehre in der Hand beobachtet haben. Ich kann mir zugleich 
nichts Angenehmeres für einen Autor denken, als alle seine 
ornithologischen Erlebnisse mit der Feder in der Hand durch- 
zugehen. Ich selbst habe bei dem Umfange anderweitiger Ge- 
schäfte und dem Prävaliren der Entomologie für meine forst- 
lichen Vorträge wenig Eigenes in Ihrer schönen Wissenschaft 
sammeln können, wenigstens nicht viel, das der Publication 
würdig wäre. Allein einige Hilfe hoffe ich Ihnen doch leisten 
zu können, namentlich in der Oologie. Mein Sohn besitzt eine 
Sammlung, die man wirklich schön nennen kann. Da er indessen 
als Marineaspirant zur See gegangen ist und vor dem Sommer 
nicht zurückkehrt, so kann ich Ihnen nichts abgeben. Jedoch 
will ich es verantworten, wenn Sie dies oder jenes leihweise zu 
haben wünschen. In dem Falle würde ich Ihnen kleine Sen- 
dungen schicken, denn ich lese in diesem Winter Ornithologie 
und muss den grössten Theil der Sammlung immer zur Hand 
haben. Von Haliaetos kann ich Ihnen ein Exemplar mit schönen 
grossen Flecken mittheilen, wenn Ihnen mit einem defecten ge- 
dient ist; es Hesse sich aber leicht restauriren. Auch einen 
naevius sollen Sie zum Geschenk haben. 

Darf ich fragen, ob Sie für Ihr herauszugebendes Buch 
schon einen Verleger haben und wie stark es wird, auch ob es 
Wasser- und Landvögel enthalten wird? 

Hochachtungsvoll habe ich die Ehre zu sein 

Ihr ergebenster 

R a t z e b u r g. 

Neustadt-Eberswalde, den 27. November 1849. 



90' 



Euer Hocliwohlgeboren 

haben durch gütige Zusendung des Gypaetos , und der Sommer- 
Eiseute zu erkennen gegeben, dass Sie wieder zu Hause sind. 
Ich wundere mich nur, keine Zeile Ihrer Hand dabei gefunden 
2u haben. 

Zugleich wollte ich Ihnen einen neuen glücklichen Fund 
melden. Im October des vorigen Jahres erhielten wir eine junge 
Drossel (T. aureus)*) von der Elbe, und in diesem Jahre, viel- 
leicht in derselben Stunde, wurde hier in den Dohnen der alte 
Vogel gefangen. Er ist ganz schwarz und hat nur eine hell 
gefleckte Afterpartie und eine hellere Kehle, an welcher man die 
vollständige Identität mit dem jungen Vogel herauserkennt. Die 
Fleckenbinde über den Flügeln ist rostroth, unter dem Flügel 
findet sich aber nur schwarz und weiss. Die weissen Spitzen- 
flecken der äussersten Steuerfedern wie gewöhnlich. Erwähnten 
Sie nicht in Berlin, als ich am 1. September das Vergnügen 
hatte, Sie dort kennen zu lernen, dass dieser Vogel auch in 
Ihrer Gegend vorkomme? 

Unsere Sammlung macht sich, nachdem sie diesen Herbst 
einen so bedeutenden Zuwachs erhalten hat, ganz stattUch. 
Wenn die neuen Schränke fertig sind und AUes splendide auf- 
gestellt sein wird, wünschte ich wohl, dass Sie es einmal in 
Augenschein nähmen. 

Mit der vorzüglichsten Hochachtung habe ich die Ehre 
zu sein 

Ihr ergebenster 

E a t z e b u r g. 
Neustadt-Eberswalde, den 14. October 1851. 



Athen, den 25. März 1848. 

Euer Wohlgeboren 

verehrtes Schreiben vom Februar mit Einschluss habe ich zur 
Zeit richtig erhalten und beeile mich, Ihnen das Vergnügen aus- 



*) Es ist Turdus sibiricus, von Naumann später abgebildet, damals 
für T. aureus gehalten. Auch dieser (zweite) noch ein jüngerer Vogel. 

V. H. 
15* 



- 228 — 

zudrücken, niit welchem ich Ihrer Aufforderung zu entsprechen 
geneigt bin. Ich habe schon seit Jahren theils aus Schriften, 
theils aus brieflichen Mittheilungen die Bestrebungen wahrge- 
nommen und glänzenden Erfolge gesehen, welche Euer Hochwohl- 
geboren im Gebiete der Ornithologie errungen haben. Es kann 
daher meinen eigenen Bestrebungen nichts mehr entsprechen, 
als eine Einladung zur Förderung eines wissenschaftlichen Zweckes. 
Ich werde im Stande sein, einen sehr grossen Theil Ihrer 
Desideraten Ihnen übermachen zu können; ich Avürde mich jetzt 
schon an die Verpackung machen, wenn nicht der Frühlingszug 
begonnen und meine Thätigkeit anderwärts in Anspruch genom- 
men hätte. 

Ich bin leider mit irdischen Gütern wenig ausgestattet und 
die Sorge für eine zahlreiche heranwachsende Familie erlaubt 
mir nicht, der Wissenschaft materielle Opfer zu bringen. Ich 
bin daher in der Lage, Ihr Anerbieten von Baarbezahlung nicht 
bloss annehmen zu müssen, sondern es selbst zur Bedingung zu 
stellen. Die Preise mögen Ihnen vielleicht auf anderem Wege 
bekannt sein, und wenn auch nicht, so können Sie versichert 
sein, dass ich, der ich seit vielen Jahren diesen Umsatz grie- 
chischer Naturalien betrieben, den billigsten Forderungen ent- 
spreche. In Beziehung auf den einzuschlagenden Weg glaube 
ich den über Triest und zu Lande mittelst Eisenbahn vorziehen 
zu müssen; der Wasserweg mittelst Segelschiffe über England 
ist nach jetzigem Zeitmaasse ein Menschenleben, der mit Dampf- 
schiffen sehr kostspielig. Ich werde die Verpackung so raum- 
ersparend als möglich machen, den Inhalt der ausgestopften 
grössern Leiber entfernen, um so das mitgetragene leichter zu 
machen. 

Herr P. Brehm hat nach seiner Weise wieder einige neue 
Arten griechischer Vögel entdeckt und wird eine Beschreibung 
derselben herausgeben. Mir fehlen zu so subtilen Unterschei- 
dungen die literarischen Hülfsmittel und eine zum Vergleichen 
nothwendige Sammlung. Ich zweifle nicht, dass ausser den 
Arten, welche ich in meinem vergleichenden Cataloge der „Vögel 
Griechenlands" aufgeführt habe, noch manches Andere sich finde, 
was entweder gar nicht beschrieben, vollkommen unbekannt ist, 
oder was als einem andern Welttheile angehörig betrachtet wurde, 
wie Lanius personatus E., den ich in Athen brütend gefunden 
und also den europäischen Vögeln eingereiht habe. Unter den 



- 229 — 

Adlern ist es Aq. clanga, den ich in Griechenland fand, und noch 
zwei neuere Arten, die ich noch nicht bekannt gemacht habe. 

Sobald ich den wesentlichen Theil Ihrer Desideraten vor- 
räthig und die nöthige Müsse und Zeit habe, werde ich die Ver- 
sendung vornehmen und nach Stettin adressiren. Indess stehen 
wir auch hier, wie es nicht ausbleiben konnte, am Vorabende 
eines drohenden Tages, und unsere politischen Veränderungen 
wirken vorzugsweise störend auf die Fremden. Deswegen jedes 
Versprechen unter diesen Verhältnissen von meiner Seite mit der 
Einschränkung genommen werden muss, ,.wenn ich noch lebe 
und noch etwas besitze". — Indem ich den Ausdruck des Ver- 
gnügens wiederhole, das mir Ihre verehrte Zuschrift bereitete, 
bitte ich Sie, die Versicherung der grössten Hochachtung anzu- 
nehmen, mit welcher zeichnet 

Euer Hochwohlgeboren 

L i n d e r m a V e r. 



Barkow^ den 2:). Juli 1847. 

Verehrtester Freund ! 

Ich habe seither, wenn gerade nicht viel gesammelt, doch 
ziemlich in meiner Lieblingswissenschaft gearbeitet und das 
sechste Heft meiner Naturgeschichte der Vögel Mecklenburgs, wel- 
ches ich Ihnen hierneben zuschicke, vom Stapel laufen lassen. 
Auch habe ich eine ausführliche Beschreibung der Calamohei*pe 
pinetorum Br. ausgearbeitet, welche in unserer Vereinsschrift 
für vaterländische Naturgeschichte abgedruckt werden wird und 
die ich Ihnen vielleicht später werde mittheilen können. Nau- 
mann, der uns eine Abbildung von diesem Vogel geliefert hat, 
ist jetzt gleichfalls fest von der Selbständigkeit der Art über- 
zeugt und wird ihn in seinen Nachträgen beschreiben. Exem- 
plare von diesem Vogel habe ich leider auch in diesem Jahre 
bis jetzt noch nicht erhalten können; denn um meinen jetzigen 
Wohnort findet er sich gar nicht. Doch habe ich ihn in Lübz 
in den dortigen Stadt gärten*) gehört, und vielleicht gelingt 



*) Buschige Gärten, auch die der Städte, scheinen der LiebKngs- 
aufenthalt dieses Vogels zu sein. v. H. 



— 230 — 

es mir noch, von dorther ein oder das andere Stück zu be- 
kommen. Sobald ich nur ein Paar Exemplare erhalten habe, 
werde ich vor Allen zuerst an Sie denken. 

Eine schöne Entdeckung, die ich diesen Sommer wieder 
für Mecklenburg gemacht habe, ist die Auffindung der Anas 
rufina als Heckvogel. Diese Ente brütet hier jährlich auf den 
Krakower Seen. Ich erhielt diesen Sommer ein Weibchen der- 
selben, welches ein Ei bei sich hatte, das der Baron von 
Malt zahn besitzt und wahrscheinlich von demselben in Halle 
den versammelten Ornithologen vorgelegt werden wird. 

Nun leben Sie recht wohl und behalten Sie in freundlichem 
Andenken 

Ihren aufrichtigen Freund 

H. Zander. 



Geehrtester Freund! 

Schon hatte ich einen Brief an Sie fertig und wollte ihn 
bei nächster Gelegenheit zur Post befördern, als ich zu meiner 
grossen Freude den Ihrigen erhielt. Lange ist es her, dass wir 
keine Nachricht von einander gehabt haben. Viel haben wir 
in der Zeit erlebt, und Gott sei Dank, dass bis so weit Alles 
glücklich vorüber ist. Wenngleich ich mich der politischen 
Bewegung fern gehalten habe, so muss ich doch gestehen, dass 
ich keineswegs ganz gleichgültig dabei war, denn fast Jeder 
war wohl mehr oder weniger davon ergriffen und es wurde 
darüber so Manches vergessen und versäumt, was einem sonst 
so sehr am Herzen lag. Doch jetzt sind die Gemüther wieder 
so ziemlich beruhigt, und es scheint ja, als wenn nun Alles 
wieder in sein altes. Geleise zurückgeführt wird. 

Ich hatte immer noch die Hoffnung, diesen Herbst eine 
Versammlung der Ornithologen in Leipzig veranstaltet zu sehen 
und dann auch Sie dort zu treffen; aber diese Hoffnung ist 
leider vereitelt. Unser Freund Thienemann, welcher die Veran- 
staltung dieser Versammlung übernommen hatte, scheint sich zu 
wenig dafür zu interessiren, sonst wäre gewiss eine solche zu 
Stande gekommen! Von seiner Khea ist doch endlich wirklich 
das zweite Heft erschienen, und hat mich Ihre darin enthaltene 
vortreffliche Abhandlung über die Drosseln besonders erfreut. 



— 231 — 

Sie haben sich durch dieselbe grosses Verdienst um die Auf- 
klärung der bisher immer noch mit so vielen Irrthümern ver- 
sehenen Drosselgattung erworben. 

Was nun meine bisherige Thätigkeit in der Ornithologie 
betrifft, so ist dieselbe zwar nur gering, aber doch habe ich 
Manches beobachtet, was mir sonst noch unbekannt war. Zwei- 
mal habe ich die an unserer Seeküste belegene kleine Insel Pol 
besucht, um unsere einheimischen Sumpf- und Wasservögel dort 
zu beobachten: das erste Mal im Herbst 1848 und das zweite 
Mal anfangs Juni dieses Jahres. Ungemein interessant war dort 
im Herbst das Leben und Weben der auf der Wanderung be- 
griffenen zahllosen Sumpf- und Wasservögel; ungeheure Schwärme 
bedeckten überall die Ufer und das Meer. 

Brütend fand ich diesen Frühling dort nur Haematopus 
ostralegus, Strepsilas coUaris, Aegialitis hiaticula. Machetes 
pugnax, Totanus calidris, Tringa Schinzii, Sterna argentata, mi- 
nuta, nigra, Anas tadorna, querquedula, aber keinen Larus. 

Meine Sammlung habe ich durch mehrere Ankäufe ziemlich 
bereichert. So acquirirte ich Mehreres von den durch Baldamus 
in Ungarn gesammelten Sachen, als: Emberiza cirlus, cia, Ardea 
purpurea, garzetta, comata, minuta, Glareola pratincola, Galli- 
nula pusilla, Platalea leucorodia, Himantopus rufipes. Sterna 
leucopareja, Carbo pigmaeus. Ferner erhielt ich durch Baldamus 
Einiges von den Schraderschen Sachen, als: Alauda alpestris, 
Tetrao lagopus, Tringa cinerea im Sommerkleide, Piatypus 
Stelleri und spectabilis. Ausserdem bekam ich Einiges von 
Helgoland, als Motacilla Garrellii und M. campestris, Anthus 
Richardii, Phaloropus rufus, Tringa Temminckii und Uria 
hringvia. Auch hoffe ich von dort noch Emberiza pusilla und 
Regulus modestus zu bekommen, welche beide dort vorkommen. 
— Von Brandt in Hamburg empfing ich Falco aesalon alt, 
Turdus saxatilis S $, Saxicola stapazina, aurita, Fringilla ery- 
thrina, Pterocles alchata, Perdix saxatilis, Phalaropus cinereus, 
Thalassidroma pelagica, Sterna cantiaca, Mormon fratercula. 

Auch an Eiern habe ich manches Schöne bekommen. Ich 
lege Ihnen von meiner Sammlung ein Verzeichniss bei. Leider 
besitze ich aber von den selteneren Sachen durchgängig nur erst 
ein Exemplar. 

Sie werden aus dem AUen sehen, dass ich ziemlich ge- 
sammelt habe, wenigstens habe ich gethan, was in meinen 



— 232 — 

Kräften stand. Mehr aber hätte ich thun können in der Bear- 
beitung meiner Naturgeschichte der Vögel Mecklenburgs, von 
welchen nur erst das siebente Heft gedruckt ist, welches ich 
Ihnen hierneben zusende. 

Könnten Sie mir über die Fortpflanzung der PJmberiza 
hortulana Einiges mittheilen, so würden Sie mich sehr erfreuen. 
So häufig dieser Vogel hier auch brütet, so hat es mir immer 
noch nicht gelingen wollen, ein Xest aufzufinden. 

Kommt in Ihrer Gegend die Fringilla borealis Viell. (cane- 
scens Gould) vor? und halten Sie dieselbe von der Linaria ver- 
schieden? Brehm will sie im Rodathale geschossen haben, doch 
scheint mir die seinige von Linaria nicht verschieden. Er 
hat aus dieser mehrere Species gemacht, von denen er mir vor 
längerer Zeit mehrere zur Ansicht zuschickte. Doch kann ich 
mich noch nicht überzeugen, dass sie wirkliche Arten sind. 
Wenn man sie so einzeln ansieht, so kann man allerdings ver- 
leitet werden, sie für Arten zu halten; aber wahrscheinlich giebt 
es Uebergänge*), und wenn man diese dazwischen sähe, so möchte 
die Sache wohl ein ganz anderes Ansehen bekommen. Von der 
Calamoherpe pinetorum habe ich diesen Augenblick weder Vogel 
noch Ei, ein Nest aber lege ich Ihnen bei. Sobald ich Vogel 
und Eier wieder bekomme, werde ich Ihn^n zuerst davon zu- 
senden. Das Wenige, was ich davon hatte, habe ich damals 
bei unserer Zusammenkunft in Halle weggegeben, indem ich 
hoffte, davon wieder Vorrath zu bekommen, was mir aber bis 
jetzt noch nicht hat gelingen wollen. Thienemann will diese Art 
noch nicht recht anerkennen, ol)gleich er doch Sylvia luscinioides 
und fluviatilis trennt, die im Wesentlichen auch nicht weiter 
verschieden sind. Naumann jedoch erkennt die Art an. 

Nun, geehrtester Freund, leben Sie recht wohl und behalten 
Sie in freundlichem xlndenken 

Ihren aufrichtigen Freund 

H. Zander. 

Barkow bei Flau, den 2. November 1849. 



*) Grewiss lässt sich nach einzelnen Stücken nicht über eine Art 
aburtheilen, wenn dieselbe einer andern sehr nahe steht; indessen war 
in der Zeit, in welcher Zander schrieb, das Verlangen, überall Ueber- 
gänge zu finden, ein sehr starkes. v. H. 



— 233 — 

Barkow, den 4. Juli 1850. 

Sehr geehrter Freund! 

Ueber die schönen Eier, welche Sie mir gütigst überlassen 
haben, habe ich mich sehr gefreut; besonders angenehm aber 
war mir die Fring. canescens. Dass dies ein ganz anderer 
Vogel ist, als die Brehm'sche L. HolböUii und borealis, welche 
letztere Brehm jetzt umgetauft hat und leuconotus nennt, sieht 
man auf den ersten Blick. 

Seit Ihrer Sendung habe ich bis jetzt noch nichts wieder 
•erhalten. Baldamus versprach mir Einiges, besonders wollte er 
mir Eier und Nester verschiedener Schaf- und Bachstelzen ver- 
schaffen, aber ich habe bis jetzt noch nichts bekommen; über- 
haupt habe ich lange nichts von ihm gehört, ungeachtet ich 
mehrere Mal an ihn geschrieben, so dass ich seinetwegen schon 
besorgt bin, er möge krank oder gar nicht mehr am Leben 
sein. Brehm schickte mir kürzlich eine herrliche Reihenfolge 
von Budytes zur Ansicht, welche den Uebergang von der glän- 
zend schwarzköpfigen in die grauköpfige so klar darlegt, dass 
ich zweifelhaft geworden bin, ob es wirklich verschiedene Arten 
sind. Mit Hülfe dieser will ich mich jetzt gelegentlich an eine 
Monographie unserer europäischen Motacillen wagen ; nur möchte 
ich gern noch einige Eier und Nester der M. lugubris und Bud. 
melanocephala haben. 

Ob aus dem Naumann'schen Denkmal*) etwas wird? Ich 
habe hier leider nur ca. 16 Rthlr. für dasselbe zusammenbringen 
können. Es würde mir lieb sein, wenn wir dieses Jahr einmal 
wieder Versammlung hätten; Sie würden gewiss doch auch 
kommen. Brehm schlägt zum Versammlungsort Altenburg vor. 
Sollten wir abermals keine Versammlung haben, was sich jetzt 
ja bald entscheiden muss, so lassen Sie uns Brehm besuchen. 
Ich habe grosse Neigung dazu. 

Nun, Verehrtester Freund, leben Sie recht wohl und be- 
halten Sie im freundlichen Andenken 

Ihren aufrichtigen Freund 

H. Zander. 

*) Naumanns Denkmal ist am 6. November v. J. (1880) in Cöthen 
enthüllt. Von den drei noch lebenden Mitgliedern des ersten Comites 
war nur eins (Baldamus) zugegen. Eine Mittheilung über den Tag der 
Enthüllung ist dem Unterzeichneten zu spät geworden und war es dem- 
selben daher nicht möglich, eiji Zeichen der Theilnahme zu geben. 

V. H. 



— 234 - 

Barkow, den 28. Januar 1S51. 

Verelirtester Freund ! 

Ueber unsere Versammlung zu Leipzig habe ich Ihnen in 
meinem letzten Briefe nichts mitgetheilt, weil ich voraussetzte, 
dass Sie schon durch Baldamus über Alles unterrichtet sein 
würden. Und wie derselbe mir kürzlich schrieb, so ist dies 
auch geschehen ; nur hatte er damals, als ich seinen Brief er- 
hielt, noch keine Antwort von Ihnen. Hoffentlich werden Sie 
seinen Brief erhalten haben. Professor Lichtenstein hat die 
Wahl zum Vorstandsmitgliede unseres Ornithologen - Vereins 
bereits angenommen und freut sich sehr, dass die nächste Ver- 
sammlung in Berlin sein soll, wo er uns viel Schönes und 
Neues vorlegen will. Hoffentlich werden auch Sie uns nicht 
im Stiche lassen und sich uns anschliessen. Professor Thienemann 
scheint sich von unserem Verein losgesagt zu haben, die Ver- 
sammlungen sind ihm zuletzt zu sehr ins Triviale, wie er sich 
ausdrückt, ausgeartet. — Dass der junge Brehm"^) im Xil er- 
trunken ist, haben Sie wohl erfahren? Es ist für den Vater 
ein recht harter Schlag. 

Nun, Verehrtester Freund, wünsche ich nichts mehr, als 
dass es Ihnen mit Ihrer verehrten Familie recht wohl gehen 
und dies begonnene Jahr ein recht glückliches, ein recht frohes 
und gesegnetes für Sie werden möge. Dann aber bitte ich noch, 
mich bald mit einem recht ausführlichen Briefe zu erfreuen, 
da ich an Allem, was Sie betrifft, den herzlichsten Antheil 
nehme. 

Mit der vollkommensten Hochachtung 

Ihr Ihnen aufrichtig ergebener 

H. Zander. 



^) Oscar Brehm, ältester Sohn von C. L. Brehm. v. H. 



235 



Barkow, den 12. Januar 1853. 

Geehrtester Freund! 

Hoffentlich geht es Ihnen an Ihrem neuen Wohnort wohl, 
und wünsche ich von Herzen, dass es Ihnen nebst Ihrer verehrten 
Familie in diesem neuen Jahre immer recht wohl gehen und 
Sie der Himmel noch recht lange zum Wohle der Ihrigen und 
zum Heile unserer schönen Wissenschaft erhalten möge. Hoffent- 
^*ch werden Sie nun auch wieder mehr Müsse bekommen, Ihre 
Kräfte der Ornithologie zuzuwenden, der Sie dieselben leider zu 
lange entzogen haben. 

Die Anzeige des von Cabanis intendirten ornithologischen 
Journals ist Ihnen ohne Zweifel gleichfalls zugegangen. Es ist 
wirklich schade, dass sich die Kräfte getheilt haben ; wir hätten 
an einer ornithologischen Zeitschrift genug gehabt. Ich fürchte 
sehr für die Naumannia. Cabanis wird alles Mögliche thun, 
seine Zeitschrift regelmässig erscheinen zu lassen. 

Für meine Sammlung habe ich von Brehm manches sehr 
Schöne und Seltene erhalten. 

Aus hiesiger Gegend bekam ich einen sehr interessanten 
Beitrag, sowohl für die mecklenburgische, als überhaupt für die 
deutsche ornithologische Fauna, nämlich einen Cursorius isabellinus, 
Männchen im Jugendkleide, hier bei Flau geschossen am 10. 
October. — Ausserdem erhielt ich endlich aus hiesiger Gegend 
eine Aquila fulva, nachdem ich schon viele Jahre lang mich 
vergeblich darnach bemüht hatte. 

Könnten Sie mir etwa ein Paar von Anthus aquaticus 
überlassen, so würden Sie mich sehr erfreuen. Besitzen Sie 
Anthus cervinus aus Deutschland oder Europa? und ist dieser 
verschieden von dem afrikanischen? an der Kehle ebenso schön 
gefärbt als dieser? 

Nun, geehrtester Freund, noch die innige Bitte, mich recht 
bald mit möglichst vielen Zeilen zu erfreuen und mir ferner 
Ihre mir theure Freundschaft zu erhalten, so wie ich stets bin 

Ihr Ihnen treu ergebener 

H. Zander. 



— 236 — 

Barkow, den 29. Juni -\>ibb. 

Verehrtester Freund ! 

Zwei Jahre sind es bereits wieder geworden, seit ich nichts 
von Ihnen gehört habe, wo freilich die Schuld hauptsächlich 
an mir liegt; denn meine Schuldigkeit wär's wohl gewesen, mich 
bei Ihnen vernehmen zu lassen. 

Was übrigens unsere diesjährige Versammlung in Braun- 
schweig betrifft, so war es dort einmal wieder recht gemüthlich ; 
Blasius hatte alles Mögliche gethan, dass der eigentliche Zweck 
der Versammlung erfüllt wurde. Nur bedauerten wir sehr, dass 
Sie uns wieder fehlten. Sie scheinen uns ganz ungetreu ge- 
worden zu sein. Doch hoffentlich sind Sie nicht Ihrer Lieblings- 
wissenschaft ungetreu, sondern wirken gewiss darin ungestört 
fort, um uns bald mit Ihren reichen Forschungen zu erfreuen. 
Man hatte in Braunschweig Gelegenheit, wieder einige neue 
Bekanntschaften zu machen, denn es waren aus Schweden Mewes, 
Wallengreen und Gadamer anwesend. 

Was wir dort ausgeheckt haben, werden Sie aus den orni- 
thologischen Journalen erfahren. 

Unsere Naumannia war durch einen unbesonnenen Beschluss 
auf der Gothaer Versammlung, wo auch Cabanis' Journal, wie 
Ihnen bekannt ist, als zweites Organ der Ornithologen - Gesell- 
schaft angenommen wurde, fast dem Tode nahe, doch hat sie 
sich noch einmal wieder aufgerichtet ; auf wie lange aber, steht 
dahin; denn sie hat keinen andern Verleger, als den Redacteur, 
und ob Baldamus das lange gut machen wird, möchte die Frage 
sein, falls der Absatz nicht die Kosten deckt. 

Was halten Sie von der Certhia Costae? Erkennen Sie 
dieselbe für eine gute Art? Mir scheint dies nicht so. Ich 
glaube vielmehr, dass es nichts weiter als C. familiaris*j ist. 
Ebenso glaube ich, dass auch Sitta europaea und caesia**) nicht 
specifisch verschieden sind, denn ich habe schwedische Exemplare 



*j Certhia Costae ist allerdings im Süden die Bewohnerin der Höhen, 
C. brachydactyla der Ebenen, daher letztere die gewöhnliche. 

V. H.. 

**) Sitta europaea und caesia sind allerdings nicht artlich ausein- 
ander zu halten, da zwischen beiden eine Grenze in keiner Weise be- 
steht. V. H. 



- 237 — 

gesehen, bei denen der Unterkörper auch schon einen gelblichen 
üeberzug hatte. Ueberhaupt bin ich jetzt der Meinung, dass 
wir viele*) Arten einziehen müssen, weil sie nicht haltbar 
sind und durch Zwischenformen so sehr in einander übergehen, 
dass die Grenze fehlt und eine scharfe Diagnose sich nicht geben 
lässt. Alle solche locale Formen, die einigermaassen constant 
sind, müssen nach meiner Meinung als Unterarten**) aufgestellt 
werden. 

Für meine Sammlung habe ich innerhalb zweier Jahre 
nicht viel Neues erhalten. Nur Fringilla citrinella, Hypolais 
polyglotta, Sylvia Nattereri. Hemipodius tachydromus, Lestris 
Buft'onii und Uria Brünnichii empfing ich. Aus hiesiger Gegend 
ist mir aber gar nichts von Bedeutung zu Theil geworden. 

Nun, Verehrtester Freund, die herzlichsten Grüsse an Sie, 
nebst dem aufrichtigsten Wunsche, dass es Ihnen sammt Ihrer 
verehrten Familie recht Avohl gehen möge. Auch mein Schwa- 
ger, der augenblicklich bei mir ist, empfiehlt sich Ihnen bestens^ 

Ihr Ihnen stets treu ergebener 

H. Zander. 



Berlin, den 2<. December 1832. 

Sehr geehrter Freund ! 

Wenn man wie ich seit beinahe zwanzig Jahren die Orni- 
thologie als Lieblingsbeschäftigung in spärlich zugemessener 
Müsse studii't und dazu nothwendig einer Sammlung bedarf, 
dann werden Sie sich, verehrter Freund, schon einen Begriff 
machen können, dass mir besonders beim Sammeln manche 
Erfahrung geworden ist, welche als das Resultat der unermüdeten 
Ausdauer angesehen werden muss. Der grossen Hindernisse, 
die mir die Pflichten meines Amts und die Sorge für meine 
starke FamiHe verm-sachen, nicht zu gedenken, finden sich deren 
dennoch sehr viele. Als Haupthinderniss nenne ich den mir 



*) Dass nun aber viele Arten eingezogen werden müssen, ist doch 
fragUch; immerhin einige. v. H. 

**) Die Frage, ob es zweckmässig sein wird, Unterarten (Subspecies) 
aufzustellen, kann wohl noch zweifelhaft erscheinen und dürfte vielseitiger 
Ueberlegung und Erwägung anheim zu geben sein. v. H. 



- 238 - 

angewiesenen Wohnort Berlin. Welche Zeit bedarf ich, um 
ausserhalb der Mauern der Stadt und dann erst dahin z.u gelangen, 
wo es mir gestattet ist, einem Vogel nachzustellen. Die starke 
Bevölkerung stört den Haushalt der Vögel und vermindert sie 
merklich, daher ich sehr oft umsonst nach Hause zurückkehre. 
Ich habe deshalb meine Zuflucht zu den Forstbedienten und Jagd- 
besitzern der Umgegend nehmen müssen; aber auch die seltene 
Freigebigkeit dieser Leute kann man sich leicht erklären, w^enn 
man erwägt, dass einerseits das königliche zoologische Museum 
selbige auf mancherlei Weise in Anspruch nimmt, und an- 
dererseits diejenigen, welche im Besitz eines ausgezeichneten 
Vogels gekommen sind, es vorziehen, denselben als Zimmer- 
zierung auf Schränken ausgestopft hinzustellen und nach Jahren 
von Motten und Speckkäfern zerfressen wegzuwerfen. Ich habe 
manche Arbeit für solche Liebhaber in der Erwartung über- 
nommen, dass ihre Versprechungen wegen Ueberlassung ähn- 
licher Exemplare für meine Sammlung erfüllt werden möchten, 
aber selten ist dies geschehen. Mit dem Museum selbst stehe 
ich in nicht besonders freundlichem Verhältniss. da selbiges zur 
Aneiferung für das Studium der Ornithologie nichts thut, im 
Gegentheil jedem Freunde dieser Wissenschaft das Selbstsammeln 
verleidet und bei der tiefen Gelehrsamkeit und dem gelehrten 
Studium der Natur am Schreibtisch und in den Büchern 
selten Jemanden, am wenigsten einen Mann meines Ranges, 
beachtet. Was nun unter diesen Umständen nicht meine nächsten 
Freunde und Jagdliebhaber oder mein eigenes Jagdrevier, auch 
die hiesigen Vogelfänger (gegen Bezahlung) für mich thun, das 
muss ich durch auswärtige Bekanntschaft zu erlangen suchen, 
und fast alle meine seltenen Exemplare sind auf diesem letzteren 
Wege in meine Sammlung gekommen. Schliessen Sie nun hier- 
aus, mit welcher Freude ich mich des Zufalls erinnere, der 
mir Ihre geneigte Bekanntschaft zugeführt hat. Ihrem Wunsche 
gemäss füge ich eine kurze Uebersicht der in meiner Sammlung 
befindlichen Vogelarten bei und bitte Sie, mir in ähnlicher Art 
ein Verzeichniss Ihrer Sammlung gefälligst übersenden zu wollen. 
Ich glaube, dass Sie aus diesem Verzeichnisse schon so viel 
entnehmen w^erden, dass ein gegenseitiger Tausch stattfinden 
kann, indem ich zugleich bemerke, dass ich von jeder angeführten 
Art ein und mehrere, oft viele Exemplare besitze, die in Ihrer 
Gegend vielleicht nicht oder doch selten vorkommen. 



— 239 — 

Auch werden Sie darin wiederum viele Arten vermissen, die ich 
gar nicht besitze und bis jetzt noch nicht habe erhalten können, 
aber bei Ihnen gewiss nicht selten vorkommen, was besonders 
bei allen Wasservögeln der Fall ist. Was nun die Hakengimpel 
betrifft, so wünsche ich von Ihnen ein Männchen zu erhalten, 
welches Sie als ganz alt erkennen, und ebenso ein dergl. junges. 
Von dem alten Weibchen erhielt ich noch ein Exemplar, was 
mit Ihrer Beschreibung übereinstimmt. Dasjenige Männchen, 
von welchem ich Ihnen wegen der Andeutung des üeberganges 
vom Jugendkleide zum rothen mittheilte, ist am Halse, an der 
Oberbrust und dem Nacken viel hellrother als meine anderen 
rothen Männchen, und dasjenige Ihrer Männchen, welches auf 
der Brust und an den Kopfseiten ein durchschimmerndes Gelb 
zeigt, und welches Sie für ein altes halten, bin ich geneigt, mit 
dem meinigen ähnlich, also ebenfalls für einen Uebergangsvogel zu 
halten. Mein Vogel hat, wie aus dem vollen Gefieder zu schliessen, 
die Mauser überstanden, und ich glaube nicht, dass er diese 
gelben Federn noch eher als bis zur nächsten Mauser verloren 
haben würde. Die Mauser dieser Vögel überhaupt geht wahr- 
scheinlich nicht auf einmal vollkommen von Statten, sondern es 
bleiben immer noch Federn des frühern Kleides in dem neuen 
zurück, und wenngleich ich Ihrer Meinung insofern beitrete, 
dass der Hakengimpel nicht gleich nach der ersten Mauser das 
vollkommen rothe Kleid erhält, sondern bei der hervorstechenden 
rothen Farbe immer noch Spuren des gelben oder des Jugend- 
kleides zu sehen bleiben, so kann ich doch daraus nicht den 
Schluss ziehen, dass man weit mehr rothe Männchen, als man 
bis jetzt gesehen hat, antreffen müsse. Dass Sie weniger rothe, 
mithin ältere Männchen bemerkt haben, hat wohl einen andern 
Grund, und findet dies bei mehreren nordischen Vogelarten, die 
sich zuweilen sehen lassen, statt. Mehrere Naturforscher haben 
die Bemerkung gemacht, dass Wanderungen von Vögeln von 
der Art der Hakengimpel grösstentheils durch junge und jüngere 
Vögel vorgenommen werden, und selten ganz alte sich dazu 
entschliessen, mithin die Zahl der Männchen bei Vögeln, bei 
denen die Männchen sich vorzugsweise durch die Farbe schon 
von weitem auszeichnen, bald bemerkbar wird. Nach meiner 
eigenen Bemerkung führe ich Pyrrhula vulgaris an. Von diesem 
erscheinen in manchen Jahren auf dem Herbstzuge viele rothe 
Männchen und sehr wenig Weibchen (die Männchen erhalten 



— 240 - 

nämlich gleich nach der ersten Mauser das rothe Kleid) und 
oftmals umgekehrt, wie es in diesem Jahre der Fall ist, wo die 
Klage der hiesigen Vogelfänger allgemein ist, dass sie so wenig 
Männchen und fast lauter Weibchen fangen. Und wie selten 
sind nicht alte Männchen dieser Vogelart! Eine ähnliche Bemer- 
kuDg machte ich bei der in dem schneereichen Winter von 
1829/30 in grossen Zügen hier vorgekommenen Emberiza 
nivalis; ich erhielt sehr viele von diesen Vögeln, aber unter 
ihnen nur ein einziges altes Männchen. Alte Vögel 
verlassen ungern ihre Heimath und werden nur 
einzeln mit den Zügen ihrer Verwandten gleichsam 
mit fortgerissen. Auch Bombyciphora garrula giebt ein 
Beispiel ab. Dieser Vogel lässt sich nur selten in grosser 
Menge hier sehen, einzeln öfter, und in vielen Jahren gar nicht. 
Im Jahre 1829 im Januar und Februar waren sehr viele in 
hiesiger Gegend. Es w^urden viele gefangen und geschossen, 
ich erhielt auch mehrere; aber von den vielen, die ich sah und 
die ich erhielt, war kein einziges altes Männchen, sondern nur 
junge Männchen und Weibchen, und bin ich bis jetzt noch nicht 
im Besitze eines alten Männchens. Von den hochnordischen 
Wasservögeln erscheinen nur immer junge Vögel auf dem Fest- 
lande, und es ist eine grosse Seltenheit, wenn sich alte hierher 
und nocli tiefer nach Deutschland verirren. — Ihr lebender 
Hakengimpel wird Ihnen gewiss zu manchen Beobachtungen 
Gelegenheit geben; ich wünsche nur, dass Sie ihn recht lange 
am Leben erhalten mögen. Ich habe keinen lebendig erhalten 
können; überhaupt werden diese Vögel seit Mitte November hier 
nicht mehr gesehen oder gefangen werden. 

Mit dem Wunsche, dass der Inhalt dieses Briefes einiges 
Interesse für Sie haben möge, und mit der Bitte, eine bald- 
gefällige Nachricht von Ihnen und Ihrer Sammlung an mich 
ergehen zu lassen, unterzeichne ich mich als 

Ihr ergebener Freund 

F ehrmann. 



Aachen, den 3J. October 1844. 

Herrn E. F. v. Homeyer! 
Hinsichtlich des Totanus macularia, der hier erlegt wurde, 
kann ich Ihnen nichts Weiteres berichten, als dass ich ihn im 



— 241 — 

Januar von einem Bauer unter mehreren Beccassinen erhielt. Es 
ist ein ganz junger Vogel, die Flecken an der Brust und am 
Unterleib sind sebr klein und sehr dünn gesäet, am Halse hat 
er ganz feine Längsstreifen, die kaum bemerkbar sind. Die 
Flecken haben kaum den vierten Theil der Grösse von denen der 
beiden Exemplare, die ich Ihnen schickte. Schnabel und Füsse 
jedoch hatte er wie diese beiden. Die Beschreibung dieses Vogels 
im Temminck (vo} ez 4"'^ partie) passt genau zu meinem Exem- 
plar, nur ist darin nicht angedeutet, dass die Fleckchen am 
Unterleib im Verhältniss zu denen der Alten so sehr selten sind. 
Diesen Sommer erlegte ich hier einen gewöhnlichen Falco 
nisus J, der eine feuerrothe Iris hatte. Die Pupille war sehr 
gross. — Die Nussknacker Corv. oder Nucifraga caryocatactes 
sind hier seltene Gäste und seit sechs bis sieben Jahren ist mir 
noch keiner vorgekommen. Dieses Jahr sind sie indess, ich 
möchte sagen ganz gemein und werden sehr häufig in den Dohnen 
gefangen. Seit dem 15. September sind sie hier, und noch vor- 
gestern sah ich mehrere im Walde. — Auch die Seidenschwänze, 
Bombycilla garrula, kommen nicht alljährlich und auch dann nur 
einzeln vor, obschon sie bisweilen hier nisten*). Dieses Früh- 
jahr jedoch waren sie nur auf einige Tage in Schwärmen 
bis lUO Stück in der nächsten Umgebung der Stadt, sogar in 
den Gärten derselben zu sehen. 

Alex. Nutten. 



Stockholm, den 28. September 1852. 

Hochgeehrter Herr v. Homeyer! 
Ich besitze seit einem Jahre ein lebendiges Exemplar von 
Columba gelastes. Temm., deren eigentliche Heimath Japan**) 
sein soll. Sie wurde in Piteä, (Lappland) im October 1850 ge- 
fangen. Sie ähnelt der C. turtur, ist aber bedeutend grösser 
und hat auch eine andere Stimme etc. Ein junges Exemplar 
dieser Art fand ich im Winter 1843 zwischen Auer- und Birk- 



*) Oft bleiben Seidenschwänze ungewöhnlich lange, bevor sie ihren 
Frühjahrszug antreten^ und da wird leicht geglaubt, sie wollten bleiben, 
um zu nisten. v. H. 

**) In neuerer Zeit ist diese Taube öfter aus Sibirien und dem 
Amurlande nach Deutschland eingeliefert. v. H. 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 16 



— 242 — 

hühnern. Es war in Hargeädeleu geschossen. Sundewall hat 
darüber in Ofersigt of Kongi. Yet. Akad. Förhandl. lfS51, achter 
Jahrgang, eine kurze Notiz gegeben. 

Obwohl ich fürchten muss, dass ich mit meinen versprochenen 
Mittheilungen über einige Vögel zu spät komme, so erlaube ich 
mir doch hier noch folgen zu lassen: 

Von Falco gyrfalco enthält die hiesige Sammlung nur drei 
schwedische Exemplare, nämlich zwei alte Weibchen und einen 
jungen Vogel im ersten Herbste. — No. 1 ?, Winter 1(S49. 
Der Flügel vom Bug 15^/4 Zoll Pariser Mass; die zweite Schwung- 
feder ist die längste, 9 Linien länger als die erste; die dritte 
4 Linien länger als die achte. Die erste hat an der Innern 
Fahne einen Ausschnitt von 2 Zoll 6 Linien, an der äussern gar 
keinen ; die zweite an der Innern Fahne einen 1 Zoll 9 Linien, 
an der äussern einen 3 Zoll langen Ausschnitt ; die dritte einen 
schwachen äussern und kaum bemerkbaren Innern Ausschnitt. 
Der Schwanz ist 8 Zoll 4 Linien lang, hat 13—14 dunkle Quer- 
binden. Die Fusswurzel 2 Zoll 2 Linien hoch. Der Oberkörper 
ist bläulich-grau mit weisslichen Querflecken; der Unterkörper 
gelblich-weiss mit braunen Längs-Herz- und Querflecken. No. 2 
$ im August 1832, ist in der Mauser; hat dieselben Dimen- 
sionen und Flügelverhältnisse. Die Zeichnung ist jedoch etwas 
lichter, namentlich am Kopf und Hinterhals. 

Der junge Vogel $? Flügel vom Bug 15 Zoll 2 Linien, 
die zweite Schwanzfeder 8 Linien länger als die erste ; der Aus- 
schnitt der ersten an der Innern Fahne 2 Zoll 1 Linie; der 
Ausschnitt der zweiten inwendig 1 Zoll 6 Linien, auswendig 
3 Zoll 2 Linien; die dritte Feder 5 Linien länger als die erste, 
der Ausschnitt der Innern und äussern Fahne kaum bemerkbar. 
Die Oberseite ist grau braun, die Flügeldeckfedern mit schmutzig- 
weissen Seitenflecken an der Spitze. Die Unterseite schmutzig- 
weiss mit grossen braunen Längsflecken. Der Schwanz 9 Zoll. 

Falco Eleonorae aus Nubien. Der Flügel vom Bug 10 Zoll 
3 Linien ; die erste Schwungfeder ist die längste, 1 Linie länger 
als die zweite; die dritte ist 8 Linien und die vierte 15 Linien kürzer 
als die erste. Die erste ist 1 Zoll 4 Linien auf der Innenseite aus- 
geschnitten; die zweite auf der innern Seite unmerklich, auf der 
äussern deutlicher verengt. Die Flügelspitzen ragen 1 Zoll über 
den Schwanz hinaus. Letzterer ist 4 Zoll 11 Linien lang. 
Tarsus? Mittelzehe ohne Nagel 15 Linien. Der Oberschnabel 



— 243 — 

3V.2 Linien liocli. Hauptfarbe bläulich-bleigrau, die grossen 
Schwingen schwarzbraun; die Schwanzspitze dunkler. Fast alle 
Meinern Federn sind mit schmalen dunklern Scbaftstreifen versehen. 

Falco ardesiacus Viell. (F. concolor Temm.) aus Spanien.*) 
Flügel 8 Zoll 10 Linien; die dritte Schwungfeder ist die längste, 
«twas länger als die zweite ; die erste ist 10 Linien kürzer als 
die dritte ; die fünfte 1 Zoll kürzer als die dritte. Der Schwanz, 
5 Zoll 5 Linien lang, überragt die Flügelspitzen um 1^/^ Zoll; 
Fusswurzel 1 Zoll 7 Linien, Mittelzehe ohne Nagel 1 Zoll 2 
Linien. Die innere Fahne der ersten Schwungfeder 1 Zoll 5 
Linien ausgeschnitten, die äussere ohne Ausschnitt; die zweite 
an der äussern 2 Zoll 6 Linien, an der innern 1 Zoll 4 Linien; 
die dritte an der Aussenseite leicht ausgeschnitten. Oberschnabel 
4^2 Linien hoch; der Zahn sehr stark. Farbe wie in der Nau- 
maunia beschrieben. 

Turdus varius S von Jemtland, November 1837. — Der 
Schwanz hat vierzehn Steuerfedern. 

Der kleine Falco, dessen Namen ich nicht wusste, ist Falco 
chiquera. Wir besitzen davon zwei Formen, die eine vom Kaffern- 
lande. die andere von Kordofan. 

Schliesslich erlaube ich mir, Sie noch auf ein anderes Er- 
7.eugniss des Nordens aufmerksam zu machen, nämlich auf die 
Gedichte des jetzt berühmtesten schwedischen Dichters Job. Ludw. 
Kuneberg. Von diesem ist das erste Bändchen in deutscher 
Uebersetzung bei liudolph Hartmann in Leipzig unter dem Titel: 
Die Sagen des Fähnrich Stäl von J. L. Runeberg, aus dem 
Schwedischen von Ida Meves, geb. Lappe, erschienen. Wenn Sie 
■dieser Arbeit gelegentlich einige Aufmerksamkeit widmen wollen, 
so werden Sie meiner Frau, Tochter des Pommeraners K. Lappe, 
•und mir selbst eine grosse Freude bereiten. 

Ihrer ferneren Gewogenheit empfiehlt sich 

hochachtungsvoll 

W. Meves, 
Reichs-Museum. 



*) Es ist mir niclit bekannt, ob die Herkunft dieses Vogels sicher ist. 

V. H. 



16=* 



- 244 



Greiz, am 2. Ausfust 1848 



Hochwohlgeborner Herr ! 

Die ersclireckliclie Theuerung im vorigen Jahre hat auch mir 
viele Verlegenheiten bereitet; ich musste den Leuten borgen,, 
um nur Fenster und Thüren zu erhalten, da es auf die 
Bäcker abgesehen war und diese allein schuld sein sollten. In 
diesem Jahr ist es nicht besser. • Obgleich die Lebensmittel nur 
den vierten Theil gegen voriges Jahr kosten, können es die 
Menschen nicht verdienen. 

In unserer Stadt gehen gewöhnlich 1500 bis 2000 Wollen- 
webstühle, jetzt aber nur 50, und die Strassenarbeit fand sol- 
chen Andrang, dass aus jeder Familie nur eine Person ange- 
nommen werden konnte. 

Nun zu unserer Wissenschaft! 

So gern ich Ihnen verschafft hätte, was Sie wünschten, 
war es mir nicht früher möglich, etwas zu bekommen. Turdus 
Naumanni wurde mir im vorigen Jahre angeboten, aber der Preis, 
nicht unter 6 Thlrn., war mir doch zu hoch. Turdus saxatilis, 
cyanus und auch die Eier von diesen Vögeln werde ich vielleicht 
noch in diesem Jahre erhalten, da ich eine Bekanntschaft in der 
Schweiz gemacht habe, und ich bitte Sie, mir zu bemerken,, 
wie viel Sie davon gebrauchen können und was ich dafür geben 
kann. Diesen Winter erfuhr ich, dass sich acht Stunden von 
hier ein ühuhorst befände. Von den Jägern war es nicht mög- 
lich, Eier daraus zu erhalten, da sie gewöhnlich die Jungen aus- 
nehmen und das Stück mit einem Louisd'or verkaufen. Ich 
wendete mich dort an einen Bekannten, und dieser sandte zwei 
Männer aus, welche die Eier bei Nacht holen mussten. Es war 
Lebensgefahr dabei, da der Horst mitten in einem steilen Felsen, 
an welchem unten die Saale vorbei ging, stand. Das Hinunter- 
lassen mit einem Seile ging gut, aber bei dem Heraufziehen 
riss das Seil und der Mann stürzte, zum Glück nicht auf einen 
Felsen aufschlagend, in die Saale, doch Hess er das Tuch 
mit der PJier seh achtel nicht fallen und kam mit 
einigen Contusionen davon. Er freute sich sehr, als er mir 
die Eier überbrachte, dass er dieselben erhalten hatte. 

Von meinen Kenntnissen kann ich Ihnen nicht viel mit- 
theilen, da ich nur Handwerksmann bin und kein Gelehrter, alsa 



— 245 — 

niu' Handlanger am grossen Bau der Naturgeschichte; nur so 
viel kann ich gewiss durch meine Erfahrung sagen, dass die 
Vögel bei dem Frühjahr- und Herbstzuge alljährlich die richtige 
Strasse einhalten. Diese Strasse ist zwei Stunden von 
higr, geht von Leipzig aus den nämlichen Weg, den die säch- 
sisch-bairische Eisenbahn geht, und ist etwa eine Stunde breit. 
Von dieser Vogelstrasse habe ich schon erhalten: Aquila albi- 
cilla, brachydactyla, Falco aesalon, Strix nisoria, nyctea, pygmaea, 
Sylvia coerulecula, Oedicnemus crepitans, Ardea purpurea, Galli- 
nula pygmaea, Cygnus musicus zwei Exemplare, Anas mollissima 
S adult. Emberiza rustica wurde am 2. April 1844 bei 
Crimmitzschau geschossen und mir ausgestopft überlassen.*) Wie 
viel Seltenes wird unbeachtet diese Strasse passirt 
haben! 

Herzlichsten, innigsten Dank für Ihre gütige Nachsicht. Ich 
werde jede Gelegenheit benutzen, Ihnen wieder gefällig und dank- 
bar zu sein. 

Hochachtungsvoll Euer Hochwohlgeboren 

ganz ergebenster 

Carl Ferdinand Oberländer. 



Naumburg a. S., den 20. October 1868. 

Hochwohlgeborner, hochgeehrtester Herr ! 
Unter meinen Kuckucks-Eiern befindet sich eine höchst in- 
teressante Varietät. Das Ei ist etwas kleiner als das gewöhn- 
liche Kuckucks-Ei und auf dunkelmeergrünem Grunde dunkel- 
braun marmorirt, resp. gefleckt, ab«r ohne die den Kuckucks-Eiern 
eigenen feineren Haarzüge. Ich fand es vor einigen Jahren in 
einem Neste der Sylvia curruca. Das Kuckucks-Ei war schon 
sehr stark angebrütet, noch mehr aber waren es die Nesteier, 
so dass ich letztere, als für meine Eiersammlung unbrauchbar, 
im Neste liegen und vollends ausbrüten Hess, was nach Verlauf 
von drei Tagen geschehen war. Ueberhaupt habe ich in den 
letzten Jahren mich mit ganz besonderem Interesse und Eifer der 
Beobachtung des Kuckuckslebens hingegeben, weil in demselben 
bis jetzt noch immer viel Dunkles aufzuklären bleibt. 



*) Dies Exemplar ist später an das Zool. Museum nach Berlin ge- 
kommen. V. H. 



- 246 — 

Leider ist mir in diesem Jahre eine solche und zwar ausser- 
ordentlich günstige Beobachtungsgelegenheit durch die Engherzig- 
keit und ornithologische Unwissenheit einer meiner Schulfreunde 
entzogen worden. Derselbe besitzt nämlich in der Nähe hiesiger 
Stadt ein grösseres geschlossenes Gartengrundstück mit sehr dicht 
verwachsenen englischen Parkanlagen, worin alljährlich mehrere 
Singvögel nisten. Alljährlich umschwärmt diese Brutplätze, wie 
ich mich überzeugt und wie mir der Gärtner mitgetheilt hatte, 
ein Kuckuck, um seine Eier oder wenigstens eins davon dort 
abzulegen. 

Gern hätte ich nun vom Gartenhause aus das Treiben dieses 
Kuckucks, selbst- trotz meines hohen Alters, unter Aufopferung 
eines Theils meiner Ruhezeit beobachtet; ich hätte mich sehr 
gern davon überzeugen mögen, ob der Kuckuck immer nur eins 
seiner Eier in ein Singvogelnest in einem gewissen Terrain ab- 
legt, oder ob er in demselben Terrain mehrere dergl. Nester 
zum Eierablegen benutzt und, wenn Letzteres der Fall, ob die 
Eier sämmtlich gleiche Färbung haben, oder je nach der Fär- 
bung der Nesteier verschieden gefärbt sind. Ferner ob der 
Kuckuck nach dem Legen seiner Eier die Nester der betreffen- 
den Brutvögel von Zeit zu Zeit revidirt, wie von einigen Orni- 
thologen behauptet worden ist, oder ob dies nicht der Fall ist. 
Endlich hatte ich noch die Absicht, den Kuckuck späterhin zu 
tödten, um mich von dessen Alter zu überzeugen und danach 
Vergleiche bezüglich der Eierfärbung anstellen zu können. Ich 
huldige nämlich der Ansicht, die ich auch in Cabanis' Journal 
vertreten habe, dass der Kuckuck nicht vermögend sei, seinen 
Eiern eine willkürliche Färbung, je nach den gewählten Nest- 
eiern, zu geben ; dass sich die Färbung seiner Eier, wie z. B. bei 
Lanius rufus etc., vielmehr nach dem Alter und wohl auch nach 
der Nahrung richte. 

Trotz aller angewandten Mühe und Beredtsamkeit konnte- 
ich meinen Freund nicht von der Idee abbringen, dass durch die 
beabsichtigte Beobachtung und event. Untersuchung die Brut- 
vögel ihre Nester verlassen und künftig seinen Garten gänzlich 
meiden würden. 

In der zuversichtlichen und freudigen Hoffnung, recht bald 
wieder einmal etwas von Ihnen zu vernehmen, zeichne ich als 



Euer Hochwohlgeboren ganz ergebenster 



C. Jex. 



24< 



Robert Tobias an E. F. t. Homeyer. 

Lohsa, am 8. October 1838. 

Jetzt habe ich Gelegenheit, ein schönes Paar von Podice]}s 
auritus zu acquiriren, welches ich gestopft habe, aber nicht mein 
Eigenthum ist. Selbiges wurde auf den Eiern gefangen. 

Für meine Sammlung erhielt ich ausser ganz gewöhnlichen 
Sachen: Kegulus pyrocephalus im Jugendkleide, Sylvia aquatica, 
zwei Männchen, ein Weibchen, Sylv. locustella masc, Sylv. pa- 
lustris fem.; Sylv. arundiuacea, zwei Paare; Totanus fuscus; 
T. glareola; Podiceps rubricollis fem. nebst Eiern. Exemplare 
im Jugendkleide von Sylv. sibilatrix konnte ich nicht bekommen; 
zuweilen hinderte mich die üble Witterung, mehr noch die über- 
häuften Geschäfte. 

Das Diplom als Ehrenmitglied*) werden Herr v. Homeyer 
wohl bereits erhalten haben. Sind Nachrichten von Herrn Land- 
beck eingegangen, ob dessen Excursion erfolgreicher war als 
die Naumanns? 

Sich zu empfehlen hat die Ehre 

. dero unterthänigster 

R b e r t . T b i a s. 



Görlitz, am 7. Januar 1839. 

Euer Hochwohlgeboren 
habe ich die Ehre , anbei die gewünschten Vögel und Eier zu 
übersenden; aber das Jugendkleid von Regulus ignicapillus war 
bereits in die Sammlung des Herrn Baron von Loebenstein über- 
gegangen. 

Die naturforschende Gesellschaft erhielt diesen Herbst Alauda 
brachydactyla, Mergus merganser; auch kam eine Strix nisoria 
vor, sonst nichts von Bedeutung. Zum Stopfen erhalte ich fort- 
während Strix otus, brachyotus, aluco. 

Die Bemerkung, dass kommendes Frühjahr eine Reise nach 
Rügen unternommen werden sollte, erfreute mich sehr; ich möchte 
sehr gern dieses Paradies besuchen, aber der Herr Baron zeigte 

*1 Der Görlitzer Xaturfors eilenden Gesellschaft, 



— 248 — 

keine Lust, und aus meinen Mitteln kann ich für jetzt diese 
Keise noch nicht unternehmen. 

Am 13. September ist auch ein bis auf die Flügel völlig 
vermauserter Pirol zum Stopfen eingeliefert worden. Mit 
der mausernden Rake glaube ich dem im Frühjahr ausgesprochenen 
Wunsche zu genügen; selbige war nicht für meine Sammlung 
bestimmt, deshalb mit ausgebreiteten Flügeln; es befindet sich 
noch ein ähnliches Weibchen hier. 

Mit Hochachtung habe ich die lUire mich zu nennen 

Euer Hochwohlgeboren unterthänigster 

R. Tobias. 



Görlitz, am 13. April 1839. 

Ew. Hochwohlgeboren ! 

Ich habe bis jetzt nur wenig Excursionen gemacht, da ich 
zu sehr mit Aufträgen überhäuft war und zum Theil noch bin. 
Auf den hiesigen Revieren sieht es noch traurig aus, die Teiche 
sind theilweise noch mit Eis belegt, jede Nacht sinkt das Ther- 
mometer — 2 bis 4 Grad Reaumur und am Tage zeigt es selten 
-|- 6 Grad, dazu der beständige Ost- und Nordwind. Daher 
die wenigen Abende, an welch en Schnepfen streichen. 
Ich war viele Abende auf dem Anstände, habe jedoch erst eine 
geschossen, aber den Katarrh bekommen; doch gehe ich wieder, 
sobald der Brief geschlossen ist. 

Bei dem tiefen Schnee zeigten sich E. nivialis und Alauda 
alpestris; von ersteren erhielt ich eine, von letzteren gar nichts, 
obgleich zwei meiner befreundeten Jäger diese Vögel beobachteten 
und sie wenig scheu fanden. — Am 13. Februar zeigten sich 
Lerchen und Staare; 20. Februar Hänflinge; 9. März weisse 
Bachstelzen, Saatkrähen; 22. März Waldschnepfen; 24. März 
Kiebitze, Rohrammern, Hausrothschwänze, Finken ; 25. März Wie- 
senpieper, Rothkehlchen, Surapfschnepfen, Krickenten; 27. März 
Störche; 29. März Kraniche; 31. März Wasserhühner; 7. April 
graue Laubsänger, getüpfelte Wasserläufer. 

Alle mir aufgezeichneten Sachen werde ich möglichst be- 
rücksichtigen, da ich überhaupt in diesem Sommer sehr viel 



— 249 — 

sammeln will und aucli alle Jäger schon davon in Kenntniss 
gesetzt habe, mir noch mehr als bisher zuzusenden. 
Hochachtungsvoll empfiehlt sich 

Ew. Hochwohlgeboren unterthänigster 

Eobert Tobias. 



Görlitz, am 25. December 1839. 

Ew. Hochwohlgeboren ! 

Aus hiesiger Gegend erhielt ich nur St rix nisoria, fem. 

Unter einer Sendung südeuropäischer Vögel bemerkte ich 
Motacilla cinereocapilla, Subspecies von M. flava, mit verdun- 
keltem Oberkopf und fehlendem Augenstreif; M. flaveola, w^elche 
Gloger auch zu M. flava zieht, was mir nicht recht ein- 
leuchten will. Ferner befindet sich darunter eine Sylvia lusci- 
noides von düster graubrauner Farbe, auf dem Rücken dunkler, 
nur Kehle und Bauchmitte bedeutend lichter; etwas grösser als 
Sylv. hortensis, aber dunkler von Farbe. Zu den Rohrsängern 
gehörig, ähnelt sie S. fluviatilis, ebenso auch S. locustella; 
diesen noch besonders durch den sehr abgerundeten Schwanz, 
an welchem die erste Schwanzfeder kürzer als die längste Unter- 
deckfeder ist. 

L. ruficeps fand sich ein Paar in einem ruhigen oder wenig 
beunruhigten Obstgarten und nistete auf einem Birnbaum. Bald 
machten sich diese Vögel durch Schaden lästig, sie zogen näm- 
lich alle Majoranpflanzen aus der Erde und verwendeten selbige 
zum Xestbau. Den 25. Mai wurde das mit Xo. 1 bezeichnete 
Nest mit fünf Eiern weggenommen und das Männchen geschossen. 
Nach einigen Tagen fand sich ein anderes Männchen, 
und am 9. Juni befanden sich in dem mit No. 2 bezeichneten 
kleineren Neste vier Eier. Am Jl. Juni wurden beide Alten 
erlegt, wovon ich das Männchen erhielt und beigepackt habe. 
Die Eier beider Nester, mit a b bezeichnet, sind doch von 
einem Weibchen und in der Farbe, weniger in der Grösse der 
Flecken, verschieden*); das mit c bezeichnete gehört einem Nest 
an, wo am 20. Juni bei vier Jungen noch ein Ei lag. 



^ Das erste Gelege hat ein entschieden rothes, das zweite ein 
grünes Gepräge. Nester und Vogel befinden sich noch in meiner 
Sammlung. v, H. 



— 250 — 

Das Xest von Sylvia sibilatrix erhielt ich den 16. Juni 
mit sechs Eiern. Eins verunglückte beim xVusblasen und noch 
eins brauchte ich für meine Sammlung. Am 18. Juni fand ich 
noch ein dergi. Nest mit Jungen, welches mir nicht unerwartet 
kam, da ich am 80. Mai ein Weibchen schoss, welches schon 
gebrütet und einen nackten Bauch hatte. 

Am -30. April wurde Larus fuscus im Hochzeitskleide 
erlegt; den 9. Mai Hess ich den Horst von Falco palumbarius 
ersteigen und erhielt vier Junge im Dunenkleide und ein Ei, 
den 28. Mai fand ich Sylv. rufa mit kürzlich ausgelaufenen 
Jungen. 

Von den in Lohsa vorgekommenen Seltenheiten wird der 
Herr Baron wohl Rapport abgestattet haben. 

Alles mögliche Glück zum Neujahr wünschend empfiehlt sich 
Euer Hochwohlgeboren unterthäniger 

Robert Tobias. 

Wärme 4" -f- Reaumur und Sonnenschein, vor acht Tagen 14"-. 



Görlitz, am 28. Juli 1840. 

Ew. Hochwohlgeboren 

benachrichtige ich anbei von der Zurückkunft aus Ungarn. Baron 
V. Loebenstein blieb noch in Wien zurück. 

Die herrlichen weissen Gestalten der Silberreiher und Löfler 
gewährten mir unendliches Vergnügen, ebenso die gelben Rallen- 
reiher; davon abstechend die Zwergscharben und Ibis. 

Der 24. Mai wird mir lebenslang unvergesslich bleiben. An 
diesem Tage besuchten wir ein ungeheuer grosses und sehr 
dichtes Ried, in welchem alle erwähnten Vögel brüteten. Mit 
Lebensgefahr, bedeutende Hindernisse bekämpfend, gelangten 
wir in das von keinem Ornithologen zu dieser Zeit betretene 
Heiligthum. Hier machten wir die herrlichsten Beobachtungen 
und erhielten mehrere bis jetzt noch unbekannte Eier, z. B. 
Ibis falcinellus. Auch was Herr Landbeck nicht fand, Eier von 
Glareola torquata, fand ich in zwei Nestern. 

Die gesammelten Sachen selbst sind noch nicht angekommen, 
erst nach Ankunft derselben gehe ich nach Lohsa, um mir 



— 25L — 

meinen etwaigen Antheil zu holen. Jedenfalls wird Ihnen der 
Baron Mittheilimgen machen, desshalb enthalte ich mich der 
specielleren Xachricht. ^ 

Hochachtungsvoll empfiehlt sich 

Ew. Hochwohlgeboren unterthänigster 

Robert Tobias. 



Görlitz, am 21 . Januar 1841 . 

Hochzuverehrender Herr ! 

Nur einige Nachrichten von der Reise mit dem Herrn 
Baron v. Loebenstein nach Ungarn; muss aber vorausschicken, 
dass ich neue Entdeckungen nicht veröffentlichen darf. 

Den iS. xVpril wurde von Lohsa aufgebrochen und über 
Dresden, wo wir einige Tage verweilten, ging es nach Wien. 
Nachdem wir das dortige Museum mehrmals besucht hatten, ver- 
liessen wir diesen Ort am Ostertage und reisten mit dem Dampfschiff 
Maria Anna bis Pest. Nachdem wir hier Petenyi besucht hatten, 
bestiegen wir Franz I. und gelangten am Freitag früh nach 
Semlin. Auf dieser Fahrt sah ich viele Seeadler, braune Mi- 
lane, Rohrweihen, Strand- und Wasserläufer, unzählige See- 
schwalben, nur eine grosse Möwe, viele Enten und Kormorane 
in Menge. Erst ganz in der Nähe von Semlin gewahrte ich 
die ersten Geier. Die eingezogenen l]rkundigungen über die 
Reiherinsel ergaben, dass diese seit zwei Jahren von den Vö- 
geln völlig verlassen sei. Es wurde daher in der Nähe des 
Szurciner Ried, in Jacowa, wo früher die Gebrüder Landbeck 
wohnten. Quartier genommen. An diesem Ried erlegten wir 
Falco rufus, ater, Ardea cinerea, purpurea, ralloides, Sterna 
leucoptera, leucopareia, hirundo, minuta, einige Strand- und 
Wasserläufer und gewöhnliche Enten, fanden aber nicht ein Ei,, 
sahen auch zwei Totanus stagnatilis, ohne einen zu erlegen. An 
einer andern Seite des Dorfes brüteten in einem kleinen Wäld- 
chen Aq. fulva-^), haliaetus, Falco ater, Corvus corax und 
dicht dabei in einigen Gruben ohne senkrechte Wände Merops. 
apiaster. Von letzterem erlegte ich ein Paar, der Baron ein 



* ) Dies ist sicher Aquila imperialis, denn nur dieser und nicht A. 
fulva ist bisher als Brutvogel im südlichen Ungarn gefunden. v. H. 



— 252 - 

Stück, — Etwas entfernt davon in einem Sumpfe brüteten Ardea 
purpurea, egretta. woher uns Junge und Eier und junge egretta 
im Dunenkleide gebracht wurden. Die letzteren wurden bis 
auf eins weggeworfen. Im Ried bei Kupinowa war aber viel 
Leben, Hier sammelten wir Eier von A. garzetta, nycticorax, 
ralloides, Platalea , Ibis und Carbo pygmaeus in bedeutender 
Menge. Viele zerbrachen unterwegs, da wir nicht die geringsten 
Vorkehrungen zu deren Transport getroffen hatten. Auch wurden 
von den genannten Arten Alte erlegt. Besonders viel lieferten 
eingeborene Schützen. So auch drei schöne egretta, ein Vultur 
cinereus und ein fulvus. Geier waren häufig, durchkreuzten 
die Luft nach allen Richtungen und Hessen sich, sobald einer 
einen Frass entdeckte, nieder. Sie strömten dann von allen 
Seiten herbei, so dass ich einst bei einem todten Pferde gegen 
hundert Stück sah. Da sich diese Gesellschaft bereits gesättigt 
oder alles Fleisch aufgezehrt hatte, so entfernten sie sich, ehe 
noch ein Schuss anzubringen war. Ich glaube nicht, dass diese 
Vögel jeden Frass durch den Geruch entdecken, vielmehr durch 
ihr Gesicht, sonst müssten sie jedesmal dem Winde 
entgegenziehen. 

Excursionen in sumpfige Wälder wurden nur einmal unter- 
nommen, das Fahren ist daselbst unmöglich, das Laufen unbe- 
quem. Ueber die fortgesetzten Besuche der längst bekannten 
Sümpfe verstrich die beste Zeit zum Eiersammeln, und zu dem 
Besuche eines neuen Sumpfes, wo etwas zu hoffen war, wurde 
nicht geschritten. Syrmien wurde nun verlassen und nach dem 
Banat geeilt, vorher aber Belgrad besucht, 

Professor Natterer in Wien rieth, die Sümpfe an der Theiss zu 
besuchen und uns nach Perlas, gegenüber von Tittel, zu wenden. 
Da wir diesen Ort nicht in einem Tage erreichten, so kamen 
wir auch nie hin, sondern blieben in Oppowa. An den hier 
befindlichen Salzsümpfen waren Himantopus, Recurvirostra, Cha- 
radrius cantianus, doch keine Species, häufig. Zahlreicher waren 
Sterna nigra, seltener leucoptera, leucopareia, in grosser Menge 
Anas strepera, drei Anas leucocephala, Tringa minuta, pugnax, 
Totanus glareola, ochropus, calidris. Auf den geackerten Brach- 
feldern Glareola austriaca, 

Himantopus wurden drei Stück erlegt, von Recurvirostra 
erlegte ich zwei Stück, von Glareola eins, der Baron zwei 
Stück, aber von Anas leucocephala war nichts zu bekommen. 



-- 253 - 

Auf einer Excursion nach einer sehr dicht bewachsenen Donau- 
insel sahen wir einen Pelecanus sehr hoch durch die Luft 
streichen. Auf dieser Insel erlegten Avir mehrere Parus pendu- 
linus. Nachdem ich einmal den Lockton kannte, waren wenig- 
stens die Männchen nicht schwer aufzufinden. An einem Sumpfe 
nicht weit von der Donau standen auf dem schwarzen Schlamme 
wohl an C — 500 weisse Vögel Ardea egretta, garzetta, Platalea, 
doch von ersterem sehr wenig, etwa 15 —20. Der Baron verbarg 
sich im Riedgras und ich umging diese Thiere; glücklich flogen 
sie auf den Baron zu und er schoss drei Patalea, wovon wir 
aber nur zwei bekamen. Kaum im Banat angelangt, verliess 
mich der Baron und reiste in die Bäder bei Mebadia und hin- 
terliess mir die Bestimmung, wann ich abreisen müsse. Wäh- 
renddem wurde den Glareola , Himantopus und Recurvirostra 
tüchtig zugesetzt. Ich hatte auch die Freude, von ersteren zwei 
Nester, jedes mit drei Eiern, zu finden ; die darin befindlichen 
Jungen waren bereits zum Ausschlüpfen ausgebildet. Andere 
Vögel hatten bereits Junge. \ 

Ich ging wieder nach Jakowa zurück, um die Sachen zu 
verpacken. Nun Aväre die Jagd weit ergiebiger gewesen, wenn ich 
Zeit und Auftrag gehabt hätte, noch zu sammeln. Die Sümpfe 
fingen an theilweis zu vertrocknen, das Rohr, höher aufgeschossen, 
bot natürliche Schirme, und überdies strichen die Vögel mehr 
umher. 

Eier wurden von nachstehenden Vögeln gesammelt: 

Falco ater, Merops, Glareola, Ard. purpurea, egretta, gar- 
zetta, nycticorax, ralloides, Ibis, Platalea, Carbo pygmaeus, 
Gallinula chloropus. Da wir zu wenig umherstrichen, so fanden 
wir von den tausend und abermal tausend Seeschwalben und 
Enten keine Eier; übrigens fehlte uns auch ein Hund. Ein Nest 
von Merops grub ich in Ermangelung eines andern Instruments 
mit meinem Taschenmesser aus, was dem Baron sehr lang- 
weilig wurde ; doch ich Hess nicht nach. Wir erhielten das 
Weibchen und vier Eier, das fünfte zerbrach. 

Um die mir mangelnden Eier und vielleicht noch einige 
andere, besonders Aquila fulva, mir zu verschaffen, werde ich kom- 
menden Monat in jene Gegend schreiben; ich habe mir dort 
einen Freund zu erwerben gesucht. Ich werde jedenfalJs dann 
auch Doubletten bekommen, womit ich Freunden aushelfen kann. 



— 254 - 

Mehrere Einwobner, besonders der Herr Arendator Adam, er- 
innerten sich mit Vergnügen der Gebrüder Landbeck. 

Verwichenen Sommer, Mitte Juli, erhielt mein Bruder 
zum Stopfen Aquila pennata (minuta Br.), welchen ich jetzt 
besitze. Im März wird Naumann nach Lohsa kommen, bis 
dahin sollte ich die Sammlung in Ordnung bringen. 

Freundschaftlichst empfiehlt sicli 

Ew. Hochwohlgeboren unterthäniger 

Kobert Tobias. 



AVien, den 7. Juli 1851. 

Werthester Herr ! 

Ihr Geehrtes vom 1. Juli beantwortend, muss ich Ihnen 
bemerken, dass die Ihnen gesandte Silvie nach Kaiserling 
und Blasius nichts anderes als S^^lvia icterina*) ist. Da ich 
mehrere derselben geschossen habe, kann ich Ihnen sagen, 
dass der Gesang derselben gänzlich von Hypolais abweicht. 
Ihr Aufenthalt ist in Oliven. Ferner habe ich geschossen : Sylvia 
olivetorum, Sylvia melanocephala, orphea, und eine Sylvia der 
orphea etwas ähnlich, jedoch \.^ Zoll länger, gehört nach Kai- 
serling und Blasius, dem Bau der Flügel nach, in die Familie 
der nisoria, hortensis und cinerea. Ich kann Ihnen jedoch 
keine schicken, da ich im Ganzen nur vier Stück schoss und 
nur zwei Stück nach Wien brachte, welche bereits vergeben 
sind. 

Der Ihnen gesandte kleine Oedicnemus crepitans ist von 
Abyssinien; ich fand keinen Unterschied und sandte Ihnen den- 
selben unter den Europäern, jetzt aber können Sie auch hiesige 
haben. 

pr. M. Pregl. 



* ) Jedermann weiss ja, wie verschieden die Sylvia icterina gedeutet 
ist. Es ist dies die Form, welche später als Hypolais Prcglii bezeichnet 
wurde und die durch sehr kurze Flügel und sehr grosse erste — abortiv — 
Schwinge ausgezeichnet ist, die jedoch mit manchen siDanischen Exemplaren 
der H. polyglotta ganz übereinkommt, so dass sie artlich nicht zu 
trennen ist. v. H. 



9 



00 



Aplioristisclie briefliche Mittheiluiigeu. 

Anfang- Oetober d. J. schoss mein Jäger zu Wartha aus 
einem Trupp wilder Gänse zwei Stück. Es waren Anser arvensis. 
Dies stimmt aber nicht mit Naumann, der sie später ziehen lässt. 

Lohsa, den 18. Oetober 184ö. 

Y. Lochen st ein. 

Das letzte gelinde Wetter brachte bereits einige Züge Anser 
segetum und grosse Schaaren Enten (Anas boschas und Pia- 
typus clangulus). 

Lohsa, den Lj. Februar 1854. 

V. Lo ebenstein. 

Gestern kaufte ich bei meinem hiesigen Ausstopfer einen 
Turdus Xaumanni, der frisch auf dem Berliner Markte ange- 
kommen war. 

Berlin, den 12. April 1889. 

V. Lochen st ein. 

Vergangenen Herbst erhielt ich in Warmbrunn einen auf 
dem Kynast (Riesengebirge) gefangenen Turdus pallidus. 
Lohsa 1845. v. Lo ebenstein. 

Nucifraga caryocathactes haben wir jetzt sehr häufig hier. 
Yogelheerd und Dohnen werden fleissig von ihm besucht. 
Lohsa, den 20. September 1844. 

V. Loe benstein. 

Kürzlich war ich in Görlitz und sah die dortige Sammlung. 
Es befinden sich dort aus der Gegend : Strix uralensis jung, Otis 
tetrax fem. , Picus tridactylus , Pastor roseus , Alauda alpestris 
u. s. f. 

Lohsa, den 25. December 1847. 

V. Loebenstein. 

Ich besitze einen lebenden Kreuzschnabel, der, wenn er 
weisse Binden auf den Flügeln hätte, gewiss Crucirostra bifas- 
ciata wäre, allein diese mangeln ihm ; sonst ist sein Habitus so- 
wie seine ganze Grösse und das Betragen ganz das erwähnte. 
Schnabel, Füsse und Kopfl)ildung sind unverkennbar so wie beim 
bifasciata. 

V. Loebenstein. 



— 256 — 



Abschnitte aus Briefen. 

Trotz dieses gelinden Winters habe ich doch Bombycilla garrula 
und Fringilla linaria hier, Vögel, die uns jahrelang selbst bei 
recht strenger Kälte nicht nahe kommen. 

Lohsa, den 4. Februar ISoS. 

V. Lo eben st ein. 

P. S. 
Aus Sarepta habe ich einen mir ganz unbekannten Falken 
erhalten, den Naumann für einen Circaetos ansieht, ohne dass 
er dafür einstehen will, und ihn zu Falco hypoleucos P. zieht. Mir 
sieht der Vogel halb wie F. buteo, halb wie F. lagopus aus, 
doch hat er unbefiederte Tarsen. 

V. Lo ebenstein. 

Von Falco peregrinus habe ich dies Frühjahr zwei gewöhn- 
lich geformte Eier, aber mit weissen Flecken gezeichnet, erhalten. 
Lohsa, den 22. Mai 1852. 

V. Lo eben stein. 

Vor einigen Wochen bekam ich aus dem Horste von Falco 
palumbarius gross gefleckte Eier. 
Lohsa (ohne Datum) 1846. 

Y. Lo eben stein. 

Mehrere Gallinula pusilla schoss ich verwichenen Herbst. 

Hier waren diesen Herbst auch einmal Seidenschwänze. 
Dies waren die ersten, welche ich in grösserer Zahl im Freien ge- 
sehen, obschon ich von Jugend auf mich für Vögel sehr inter- 
essirt habe. Sie sind also für uns Seltenheiten. Dies Jahr waren 
sie aber in grösster Zahl da. Auf meinem Vogelheerde allein 
sind über zwei Hundert und hier im Garten noch eine grössere Zahl 
gefangen worden. Wildgänse habe ich verwichenen Herbst nur in 
geringer Zahl gesehen und gar keine geschossen. Dagegen waren 
Strand-, Sumpf- und Wasserläufer häufig und erlegte ich auch eine 
Tringa cinerea. Beccassinen rückten in Massen vor, wie ich sie 
früher nie gesehen, imd habe ich mich einmal ordentlich satt 
schiessen können. 

Lohsa, den 25. Januar 1848. 

V. Loebenstein. 



— 257 - 

Vergangenen Herbst erhielt ich ein interessantes Blaukehlchen. 
Der weisse Stern fehlt nämlich fast ganz und, obschon das Blau 
durch seine Intensivität auf ein hohes Alter schliessen lässt, so 
mangelt trotzdem die rostigrothe Binde um den brillanten Kehl- 
schmuck beinahe gänzlich. Nov. Spec. Brehmii! 

Der Birkhahn hat schon hin und wieder gebalzt ; es ist ihm 
aber durch die letzten rauhen Tage der Schnabel gestopft. 

Lohsa, den 20. Februar 1848. 

V. Lo ebenstein. 



Aphorismen. 

In diesem Winter 1850 Loxia leucoptera altes S in Hel- 
singoer gefangen, zwei Alauda alpestris in Jütland geschossen, 
Tetrao tetrix $ auf Möen. 

Alle diese Entdeckungen sind Früchte des Einlieferungs- 
systems, das ich ins Leben gerufen habe. 

Im December 1842 ein Oriolus galbula auf Island in ge- 
frorenem Zustande gefunden. 

Bombycilla garrula in diesen Tagen sehr häufig. 
Kopenhagen, den 5. Januar 1850. 

Hier sind gar keine E i e r s a m m 1 e r , in Schweden auch nicht. 

Als ornithologisches Räthsel kann wohl einLarus cachin- 
nans in voller Mauser aus Grönland genannt werden, wel- 
cher neulich für das hiesige königl. Museum eingeschickt ist. 

Habe ich Ihnen gemeldet, dass Pelecanus onocrotalus in 
diesem Jahre im nördlichen Schweden geschossen ist? 

Die Engländer haben jetzt angefangen, alles Seltene an 
Eiern aus Grönland und Island für jeden Preis zu nehmen, wo- 
durch mir viel entzogen wird. Falco candicans-Ei wird mit 10 
bis 12 Thalern bezahlt. 

Fringilla canescens in Grönland, wo Fr. borealis nicht vor- 
kommt. 

Im nördlichen Jütland nistet Falco albicilla sehr häufig in 
fast allen Waldungen ; ich sah in einem undurchdringlichen ür- 
wäldchen auf einer Landzunge im Liimfjord, welches fast nur 
aus 5 — 6 Ellen hohen verkrüppelten Birken bestand, sein Nest 
in einem etwa 4 Ellen hohen Baume. In Hals-Hölzung Aquila 

V, Homeyer, Ornitholog. Briefe. 17 



— 258 - 

fulva; Ciconia nigi-a ist häufig. Ich habe hier bei Kopenhagen 
die Sylvia cariceti entdeckt; Nest und Eier gefunden. 
Kopenhagen, den 10. Juli 1850. 

Kjärbölling. 

Im Herbste 1844 zeigte sich Nucifraga caryocatactes ausser- 
ordentlich zahlreich. 

Zander. 

Charadrius moriuellus alt und jung im Herbst 1831 nicht 
selten; seit der Zeit keine erhalten. 

Lübs 1889. . Zander. 

Aquila naevia und Ciconia nigra nisten »hier. 

Lübs 1839. Zander. 

Im vorigen Herbst erhielt ich aus hiesiger Gegend einen 
jungen Falco rufipes. 

Lübs 1842. Zander. 

üeber Aquila clanga kann ich Ihnen mittheilen, dass ein 
Exemplar hier bei Ludwigslust vor etwa zwei Jahren (1848) ge- 
schossen ist und sich dort ausgestopft befindet. 

Noch zwei andere seltene Vögel wurden im vorigen Jahre 
bei uns erlegt (Mecklenburg), nämlich Otis houbara (0. Mac- 
queni) und Vultur fulvus. Die erstere befindet sich in der 
Sammlung des Forstmeisters von Graevenitz zu Bützow, den an- 
dern besitzt Herr von Dewdtz auf Miltzow im Strelitzschen. 
Von den Geiern sind fünf beisammen gewesen. 

Barkow, den 21. Januar 1850. 

Zander. 

Unsere Sammlung hat sich doch allmählich bedeutend ver- 
mehrt, es sind sogar einige sehr schöne und seltene Stücke 
durch Geschenke und Ankäufe hinzugekommen, z. B. der junge, 
schöne, bunte Aquila naevia aus Pommern, Eudytes glacialis aus 
Ostpreussen, Anas spectabilis aus der Nordsee, ein halb weisser^ 
ein halb brauner Turdus pilaris aus Schlesien etc. 

K a t z e b u r g. 



— 259 



Professor Zaddacli in Königsberg i. P. an E, F. v. Homeyer. 

Hochgeehrter Herr ! 

Es wird Ihnen auch gewiss lieb sein, von der Reise des 
Herrn Grabowsky nach Borneo etwas zu hören, für die Sie ein 
so lebhaftes Interesse zeigten, als ich Ihnen auf der Natur- 
forscher-Versammlung in Danzig davon Mittheilung machte und 
Ihnen Herrn Grabowsky vorstellte. 

Grabowsky ist wohl ausgerüstet mit Allem, was zum Fangen 
und Präpariren der verschiedensten Thiere nothwendig ist, am 
6. November v. J. auf der Princess Marie, einem grossen und 
prachtvoll eingerichteten Dampfer, von Amsterdam abgesegelt 
und nach einer sehr glücklichen und angenehmen Reise am 18. 
December in Batavia angekommen. Die Zeit auf der Reise hat 
er vorzüglich dazu benutzt, um seine Kenntnisse in der malayi- 
schen Sprache, die er hier zu studiren bereits angefangen hatte, 
zu vervollkommnen, wozu er Gelegenheit hatte, da mehrere 
Mitreisende fertig malayisch sprachen. In Batavia hat er in 
dem Hause des Herrn Steinbrügge, dem er von mehreren Seiten 
empfohlen war, sowie bei allen Deutschen, die dort wohnen, eine 
sehr freundliche Aufnahme gefunden und hat auch seine Jagden 
auf Vögel, Reptilien und Insecten mit gutem Erfolge bereits 
begonnen. 

Der Gouverneur, General Landsberge in Buitenzorg, der 
sich selbst für die Naturwissenschaften interessirt und eine 
grosse Käfersammlung besitzt, hat ihm eine warme Empfehlung 
an alle Provinzial- und Ortsbehörden in ganz Niederländisch- 
indien mitgegeben, die ihm sehr gute Dienste leisten wird, so 
weit die Macht der Holländer auf den indischen Inseln reicht. 
Leider wird Grabowsky wohl bis zum 20. Januar in Batavia 
haben bleiben müssen, weil wahrscheinlich eher keine Gelegen- 
heit gewesen ist, nach seinem Bestimmungsorte Banjermassing 
auf Borneo hinüberzufahren. Jetzt ist er hoffentlich seit acht 
Tagen dort und wird sich seinen Absichten entsprechend bereits 
eingerichtet haben. Zu bedauern ist es, dass seine Geldmittel 
durch die hohen Preise für die beiden Seereisen, die viel bedeu- 
tender sind als Grabowsky sie berechnet hatte, sehr geschmälert 
sind, so dass er Mühe haben wird, ein Jahr oder wenigstens 
acht Monate in Borneo zu bleiben. Es haben auch Manche, 

17* 



- 260 - 

auf deren Beisteuer zu dem Unternehmen wir gehofft hatten, 
sich zurückgezogen. So fast alle Ornithologen ! Wenn die Ento- 
mologen nicht viel vertrauensvoller gewesen wären, so wäre die 
Reise nicht zu Stande gekommen. Und doch ist Grabowsky 
gerade der Mann, von dem man nach menschlicher Einsicht 
wegen seiner körperlichen Kraft und Geschicklichkeit erwarten 
kann, dass er sowohl die Angriffe des Klimas, als auch die 
Strapazen der Reise wohl ertragen wird, und dem es wahrhaftig 
an Energie und hohem Eifer für die Sache nicht fehlt. Nun, 
Sie haben ihn ja selbst kennen gelernt, verehrter Herr, und Sie 
fassten ja auch nach kurzer Unterredung ein solches Vertrauen 
zu ihm, dass Sie ihm sogleich eine bedeutende Summe als Vor- 
schuss auf die von ihm zu sammelnden Vögel übergaben. Ausser 
Ihnen hat aber keiner der Herren, die sonst wohl bedeutende 
Summen auf ihre Vogelsammlungen verwendeten, sich an dem 
Unternehmen betheiligt, obgleich ich beauftragt bin, den Abon- 
nenten die Naturalien, zu billigen Preisen berechnet, mit 25 pCt. 
Rabatt zu überlassen, wobei Ihnen natürlich auch das Recht 
der ersten Auswahl zustehen wird. Nun, ich hoffe zuversichtlich, 
dass Sie, hochverehrter Freund, Ihr freundliches Entgegenkommen 
nicht bereuen werden und dass Grabowsky nicht nur manche 
interessante Art von Vögeln, sondern als gelernter und geübter 
Präparator auch vortrefflich präparirte Bälge heimsenden und 
sie mit manchen guten Beobachtungen begleiten wird. Nur 
bitte ich nicht ungeduldig zu werden, wenn noch viel Zeit ver- 
geht, ehe eine grössere Sendung eintrifft. Der Weg von Borneo 
ist weit und nimmt, wie wir sehen, ein Vierteljahr in Anspruch. 
Wenn also Grabowsky nicht etwa von Java aus eine kleine 
Sendung macht, so wird es wohl Juli werden, ehe die erste 
grössere Sendung von Naturalien hier eintrifft. 

In der Hoffnung, dass Sie die Unbilden der Witterung gut 
überstehen und im Frühlinge Ihre Beobachtungen in der Natur 
und Ihre Wanderungen mit gewohnter Rüstigkeit aufnehmen 
werden, bleibe ich mit vorzügKchster Hochachtung 

Ihr ganz ergebener 

G. Z ad dach. 



— 261 — 

E. F. V. Homeyer an Herrn Professor Zaddacli 

in Königsberg i. P. 

Geehrter Herr und Freund! 

Vielen Dank für die mir gemachten Mittheilungen über 
die Reise des Herrn Grabowsky. Wie Sie wissen, hat mich 
seine Persönlichkeit so angesprochen, dass ich mit vollem Ver- 
trauen den Ergebnissen der Reise entgegensehe, wenn, wie zu 
hoffen, seine Gesundheit eine gute bleibt. Ich habe mich auch 
vielseitig bemüht, diesen oder jenen meiner Bekannten für ihn 
zu interessiren, leider mit sehr wenig Erfolg, wie Ihnen dies ja 
bekannt ist, gebe jedoch die Hoffnung nicht auf, dass einzelne 
meiner Freunde und wahre Freunde der Naturwissenschaften 
nicht mit blossen Wünschen, sondern auch mit Realitäten den 
Reisenden unterstützen werden. 

Wenn man mir bei dieser Gelegenheit gesagt hat, dass 
dergleichen Reisen für die Actionäre in der Regel sehr im- 
fruchtbar wären, so ist mir damit nichts Neues gesagt worden, 
ungünstige Erfahrungen habe ich in meinem langen Leben oft 
genug Gelegenheit gehabt zu machen; das hat mich aber nicht 
abgehalten, mich für Grabowsky warm zu interessiren und der 
Hoffnung Raum zu geben, dass sowohl die Wissenschaft, als 
auch Diejenigen , welche den Reisenden mit haaren Mitteln 
unterstützt haben, wohl dabei fahren werden. 

Dass solche Reisen nicht mit absoluter Sicherheit ein Re- 
sultat verbürgen, mag ja richtig sein, dass viel von Zufällig- 
keiten abhängt, lässt sich nicht bestreiten; aber mag es immerhin 
ein Wagniss sein, eine Summe Geldes dafür zu verwenden, der 
Sammler, welcher der Wissenschaft zu Liebe bereit ist, nicht 
allein seine pecuniären Mittel, sondern Gesundheit und Leben 
auf das Spiel zu setzen, übernimmt ein weit grösseres Risico, 
und das sollte man doch auch berücksichtigen, zumal Mancher, 
der sehr gemüthlich daheim sitzt, während der Reisende allem 
Ungemach des Klimas ausgesetzt ist, in vielen Fällen auch ein 
gut Theil der Ehre für sich einzuernten weiss. 

Auch für alle Diejenigen, welche nur Europäer sammeln, 
werden die auf Borneo erlangten Naturgegenstände dadurch von 
Werth sein, dass ^iele der in Nordasien heimischen Vögel im 
Winter Borneo besuchen und darunter verschiedene, welche kaum 
oder gar nicht von den Europäern zu unterscheiden sind. 



— 262 — 

Sehr seltene sibirische Drosseln sind z. ß. vielfach auf 
Java gefunden und ist wohl anzunehmen, dass Borneo von 
solchen Wanderern wegen seiner geographischen Lage noch 
öfter besucht wird. 

Ich werde es auch für angemessen erachten, dass nament- 
lich Novitäten zunächst in die Hände Derjenigen kommen, 
welche die Reise ermöglicht haben, und ich sage Ihnen meinen 
Dank, dass Sie dies in Ihrem geehrten Schreiben ausgesprochen 
haben. In einem Punkte nur bin ich mit Ihnen nicht einer 
Meinung: das ist die Zeit des Aufenthaltes in Borneo. Nach 
meiner üeberzeugung muss Grabowsky mindestens zwei Jahre 
dort bleiben, indem die Erfahrungen des ersten Jahres für die 
Sammelzeit des zweiten Jahres so werthvoU sein werden, dass die 
Beute dadurch einen ungleich grösseren Werth erlangen wird. 
Wir müssen daher darnach trachten, dass die Mittel beschafft 
werden, um Grabowsky's Aufenthalt so lange zu ermöglichen. 

Sehr lieb ist mir auch die in Aussicht gestellte Mit- 
wirkung bei Bestimmung der Vögel ; ich zweifle nicht, dass wir 
auch über Novitäten zu berichten haben werden und dass 
nach dem Schlüsse der Reise ein Werk über dieselben von 
wesentlichem Werthe für die Wissenschaft sein wird. Frei- 
lich ist ein Zeitraum von Jahren in meinem Alter eine lange 
Zeit, aber wir Alle können nicht wissen, was uns die Zukunft 
beschieden, und so will ich mich der Hoffnung hingeben, dass 
ich zum Schlüsse der Reise noch im Stande sein werde, zur 
Feststellung des Resultates thätig zu sein. Ich denke, dass 
inzwischen sich auch noch Mancher finden wird, der einen Bei- 
trag im Interesse der Wissenschaft giebt, und so lassen Sie 
uns hoffen, dass das Resultat ein hübscher Baustein für die 
Naturwissenschaften sein wird. 

Sehr dankbar bin ich Ihnen auch für die dauernde Yer- 
mittelung mit dem Reisenden, dem meine Wünsche auszusprechen 
ich dadurch stets Gelegenheit haben werde, was, wie ich hoffe, 
auch für Herrn Grabowsky und für den Erfolg seiner Reise von 
Werth sein wird. 

Empfangen Sie die Versicherung vorzüglichster Hochachtung 
Ihres ganz ergebenen 

E. F. V. Homeyer. 

Stolp i. P., den 9. Februar 1881. 



263 — 



Anclam, im Januar 1881. 

Mein verehrter Herr v. Homeyer! 

Sie äusserten kürzlich den Wunsch, ich möchte Ihnen über das 
Ergebniss meiner wiederholten Ausflüge nach der Insel Hiddens-oe 
und der benachbarten Rügen'schen Küste ausführlich berichten. Ich 
komme diesem Verlangen um so lieber nach, als Sie ja vor langen 
Jahren ebenfalls dort gejagt und beobachtet haben und somit 
am besten beurtheilen können, in wie weit sich die Vogelwelt 
verändert hat. Die Zahl der überhaupt vorkommenden Arten 
wird wohl annähernd dieselbe geblieben sein, dagegen die der 
Brutvögel, besonders die Menge der Individuen, eine ungeheure 
Abnahme erlitten haben. Man muss heute selbst bei gewöhn- 
lichen Arten, wie Seeschwalben und Möwen, schon eifrig suchen, 
bevor ^ man ein Nest davon findet; denn daran ist nicht zu 
denken, dass man, wie früher, von einer Stelle aus eine Anzahl 
von einigen zwanzig Nestern überblicken könne, oder die Luft 
von den ihre Brutplätze umkreisenden Vögeln verdunkelt werde, 
wie ehedem. 

Der Grund dieser Abnahme ist hier weniger in der Cultur, 
als in der Habsucht der Menschen zu suchen, welche nach 
diesen Brutcolonien geströmt sind, um die Eier zu sammeln 
und zum Mästen von Kälbern zu benutzen. Kein Wun- 
der also, wenn die Vögel diese Orte verlassen haben.*) Aber 
selbst heute erfreuen die wenigen Paare sich noch keiner Ruhe, 
denn während des Sommers ist auf dem südlichen Theile von 
Hiddens-oe ein Hirt stationirt, dessen Hauptbeschäftigung darin 
besteht, Eier zu suchen, theils zu eigener Nahrung, theils für 
den bereits erwähnten Zweck. 

Ich werde meine Aufzählung nach dem Sj^stem vornehmen 
und daher mit den Raubvögeln beginnen, die ja nur spärlich 
vertreten sind. 

Ich kann aber den Anfang machen mit einer sehr inter- 
essanten und, bei uns wenigstens, äusserst seltsamen 
Nistweise des Seeadlers, Haliaetos albicilla. 

Im April vorigen Jahres wurde mir von dem Jagdpächter 
der Insel ein junger Seeadler und ein Ei dieses Vogels mit der 

*) Es bestätigt sich hier wiederum, dass nichts die Vögel so gründ- 
lich vertreibt, als das unvernünftige Wegnehmen der Eier. v. H. 



— 264 — 

Angabe zugesandt, dass der Horst auf dem sog. Gellen an der 
Erde gestanden habe. 

Als icb mir nun im Sommer denselben ansah, da fand ich 
mich noch in meiner Vermuthung, dieser Horst würde auf den 
^0 — 12 Fuss hohen Dünen angelegt sein, getäuscht, denn denken 
Sie sich, dicht am Binnenstrande stand auf kahler Wiese, mitten 
in einem Complex von Büschen der sog. Steinbinse (Juncus 
effusus), welche kaum ^j^ Meter hoch war, der Bau. Zwar war 
derselbe nicht von der Stärke der Seeadlerhorste, wie man solche 
auf Bäumen zu sehen gewohnt ist, aber doch regelrecht gebaut, 
mit einer Unterlage von zolldicken Stöcken und von ziemlichem 
Umfange. 

Man sieht hieran wieder, dass die Vögel oft ohne zwin- 
genden Grund von ihrer gewohnten Nistweise abweichen, denn 
an passenden Bäumen wird es doch in den Waldungen Rügens 
und der festländischen Küste, besonders in der Nähe von Barth, 
nicht fehlen. Ich denke mir, dass dieses Adlerpaar mehrere 
Jahre beim Horste gestört oder letzterer zerstört ist , dass 
dasselbe den Gellen, sein bestes Jagdrevier, als einen von Men- 
schen fast nie besuchten Ort kennen gelernt hat und dort seine 
Brut an der Erde für sicherer hielt, als dies auf den Bäumen 
der Fall gewesen ist.^^J 

Der Seeadler ist einzeln fast zu jeder Jahreszeit auf Hid- 
dens-oe zu sehen, sei es auch nur hoch in den Lüften schwebend : 
im Frühjahre und Herbst häufiger, wo er dann von den höchsten 
Hügelspitzen der Nordseite Rundschau hält oder auf dem Schaar 
den Wasservögeln auflauert. Der Jäger kommt dort selten zum 
Schuss; mehr werden dagegen auf Rügen erlegt, wo man sich 
unter den zur Nachtruhe erwählten Bäumen auf den Anstand 
stellt. Einzelne hervorragende Bäume sind so bevorzugt, dass 
von einem solchen Baume zwölf Stück im Laufe eines Jahres 
heruntergeschossen sind, wie mir dies ganz bestimmt versi- 
chert ist. 

Falken, Bussarde und Weihen besuchen Hiddens-oe 
und die Küste von Rügen, nur um Beute zu machen. 

Von Buteo lagopus ;habe ich Mitte August vorigen Jahres 
ein Exemplar gesehen, das ich ganz sicher erkannt habe. 



*) Es ist sehr wohl möglich, dass der Adler aus diesem Grunde 
den sonderbaren Brutplatz gewählt, indem es an Analogien, namentlich 
beim Uhu, nicht fehlt. v. H. 



- 265 — 

C i r c u s c i n e r a c e u s und r u f u s sind arge Nestplünderer, 
nicht allein der Jungen, sondern auch der Eier. Ich habe 
wiederholt die Schaalen von Eiern der Lerche und des Piepers, 
auch bei rufus, sogar solche vom Eebhuhn, im Kröpfe gefunden. 

Eulen giebt es auf Hiddens-oe gleichfalls nicht viele. Die 
Schneeeule '^) ist früher einige Male erlegt und Strix 
Tengmalmi ist mir zweimal innerhalb neun Jahren eingesandt. 
Gewiss kommt der Rauch fusskauz häufiger vor, allein seiner 
versteckten Lebensweise wegen wird er oft übersehen. 

Notua ist in einzelnen Paaren immer, brachyotus in 
manchen Jahren Brutvogel. 

üeber ein interessantes Benehmen dieser letzten 
Art beim Xest, das ich mit keinem andern Namen als ,.Ueber- 
legung" bezeichnen kann, will ich Ihnen eine Mittheilung machen. 
Ich fand nämlich im vorigen Sommer auf einem mit Weiden- 
und Erlengebüsch bestandenen und mit hohem Eohr und Gras be- 
wachsenen Terrain der Peenewiesen ein Nest dieser Eule, ge- 
leitet durch das Männchen — vermuthlich — , welches mich 
mit dem bekannten, dem Hundegekläffe ähnlichen Angstruf 
umflog. Das Nest, von dem das Weibchen abflog , stand 
versteckt unter einem Weidenbusche und enthielt fünf bis zum 
Ausschlüpfen bebrütete Eier. Da mir die Dunenjungen hiervon 
in der Sammlung fehlten, so beschloss ich, diese später zu holen 
und machte mir ein Zeichen, indem ich ein Stück weisses Papier 
auf die Spitze des nächsten Busches befestigte. 

Als ich nach acht Tagen die Eulen holen wollte, war das 
Papier fort. Vielleicht war es vom Winde allmählich losgelöst, 
möglicherweise aber auch durch die Alten entfernt. Ich musste 
mich also aufs Neue auf die Suche nach dem Neste begeben. 
Da kommt eine der Eulen, wahrscheinlich wieder das Männchen, 
angeflogen und fährt etwa zwanzig Schritte neben mir zur Erde 
in einen Busch. Deutlich höre ich jetzt das Piepen der Jungen, 
welches sie ausstossen, wenn sie geäzt werden. Ich gehe dort- 
hin, die Eule fliegt auf der andern Seite des Busches heraus, 
aber das Nest kann ich nicht entdecken. Kaum habe ich mich 
in anderer Richtung entfernt, als die Eule abermals in den 
Busch fliegt und ich wiederum die Jungen höre. Nochmals 

*) Mein Jäger Meyer erlegte einmal eine Schneeeuje, die er aus 
der See kommen sah imd die im Magen noch Reste vom Schneehuhn 
hatte, V. H. 



— 266 - 

durchsuclie icli den Straiicli in der Meinung, dass vielleicht die Brut 
aus dem Xeste entfernt und jetzt hier untergebracht sein möchte. 
Dies währt einige Minuten, während dessen das Männchen um- 
herfliegt. Da machte es dasselbe Manöver zum dritten Male, 
aber auf der entgegengesetzten Seite von mir. Jetzt erst 
wird mir klar, dass ich getäuscht bin, eile möglichst leise nach 
dem Busch hin und sehe die Eule hinter demselben im Grase 
sitzend selbst dies dem der Jungen so gleiche Gepiepe aus- 
stossen."^) 

Nach genauer Orientirung und Suche fand ich denn das 
Xest wieder, wovon die Alte wiederum abflog und worin sich 
jetzt fünf sehr ungleich grosse Junge befanden. 

Warum machte der Vogel es nicht wie das erste Mal und 
umflog mich nur mit Geschrei ? Er hatte doch das Verständniss, 
dass er jetzt, nachdem im Neste die Veränderung vor sich 
gegangen, auch ein anderes, dem entsprechendes Mittel anwenden 
müsse, um mich irre zu leiten, und ahmte desshalb den Jun- 
gen nach. 

üeber die Sänger-, Krähen- und Spechtarten, 
welche man auf Hiddens-oe trifft, lässt sich wenig sagen. Der 
Staar ist Brutvogel in einigen Paaren. Einen curiosen Anblick 
gewährt es bei den Dörfern Vitte und Ploggshagen, Stangen 
aufgestellt zu sehen, an deren Spitze ein Staarenkasten befestigt 
ist. Dass solche aber von Staaren bewohnt waren, habe ich 
nicht bemerkt. 

Anthus camp est ris ist auf der nördlichen Hälfte keine 
Seltenheit und auch Brutvogel; wenngleich ich auch Eier noch 
nicht gefunden habe, so erlegte ich doch kaum Mgge Junge. 

Merkwürdig, dass sich die Feld- Lerchen des Gellen und 
des Bug, wovon ich Ihnen ja schon einige geschickt habe, durch 
ihr rauchgraues Colorit auszeichnen. Der alte Brehm hat sie 
in seinem „Vogelfang" Fol. 125 AI. bugiensis benannt, woraus 
zu schliessen ist, dass er seine Exemplare gleichfalls vom Bug 
erhalten hat. Sonderbarer Weise findet man diese Färbung nur 
an den beiden angeführten Orten. 

Fringilla flavirostris und liuaria sind für unsere 



*) Es ist dies eine höchst interessante Beobachtung, die vielleicht 
einzig in ihrer Art dasteht. Bei dem ruhigen besonnenen Wesen, den 
scharfen Sinnen und der so geübten Beobachtungsgabe des Berichterstatters 
ist mir die Thatsache unzweifelhaft sicher. v. H. 



- 267 — 

Insel als Zugvögel, cannabina auch als brütend zu verzeichnen. 
Linaria ist seit Jahren hier in Vorpommern recht selten ge- 
worden. Ich habe schon in mehren Wintern keinen mehr zu 
Gesicht bekommen, während in meiner Jugend, vor 25 Jahren 
diese Art jeden Winter den Hauptantheil an meiner Fangausbeute 
lieferte and sie in grosser Zahl in Gärten und an Wegen zu 
finden waren. 

Columba oenas. Die Hohltaube verweilt auf dem Zuge 
im Frühjahre und Herbste kurze Zeit auf Hiddens-oe und erhielt 
ich mehrere Male Exemplare im März zugesandt. 

Der Kiebitz ist zu den häufigsten Brutvögeln zu zählen, 
aber nicht etwa, weil er an Zahl zu-, sondern weil die meisten 
andern Brutvögel so sehr abgenommen haben. Ebenso ist es 
mit Aegialitis hiaticula. 

Aeg. albifrons, der etwa drei Wochen später als der 
vorige ankommt, ist dagegen viel seltener und hält sich mehr 
auf kiesigen und steinigen Stellen des Aussenstrandes — See- 
strand — auf. 

Aeg. minor ist mir einzeln eingesandt worden. Dass er 
auch auf Hiddens-oe brütet, glaube ich kaum. 

Oharadrius auratus kommt ebenfalls nur auf dem 
Zuge vor. Auch dieser Vogel hat hier in Vorpommern seit 
20 Jahren eine ungeheure Verminderung erfahren. Damals 
konnte man ihn im Herbste, gegen Ende der Hühnerjagd, zu 
Hunderten, ja mitunter in Schwärmen von Tausenden sehen. Von 
Jahr zu Jahr wurden es weniger, die Schwärme lichter, und 
heute kann es kommen, dass ich während des ganzen Herbstes 
und trotzdem ich fast täglich auf der Jagd bin, nicht ein Stück 
sehe. 

Ich habe schon oft über den Grund dieser auffälligen Ver- 
minderung hier bei uns nachgedacht und glaube, dass dies 
Vögel waren, welche damals in Hinterpommern und Westpreussen 
ausgebrütet wurden. Wie Sie uns aber belehrt haben (Gab. 
Journ. 1872, Fol. 338) ist diese Art daselbst jetzt als Brut- 
vogel in Folge der immer weiter schreitenden Cultur verdrängt. 

Im Frühjahre treffe ich den Goldregenpfeifer dagegen häu- 
figer als im Herbste, wo er dann mehr die Wiesen aufsucht. 
Wahrscheinlich ist auch die Kichtung des Frühlingszuges eine 
mehr nördliche. 

C h ar. m ri n e 1 1 u s , den ich früher öfter angetroffen, ge- 



— 2üö -- 

hört jetzt zu den grössten Seltenheiten von Hiddens-oe, sowie 
von ganz Vorpommern. 

Ob Squaterala helvetica auf Hiddens-oe eine grosse 
Abnahme erfahren hat, kann ich nicht sagen. Junge ziehen im 
Herbste noch in grossen Schaaren durch. Die ersten Alten 
finden sich, nachdem sie auf dem Frühjahrszuge im Mai die 
Insel auf kurze Zeit besucht haben, schon Ende Juli wieder ein, 
bilden ^im August mit neuen Zukömmliiigen kleine Flüge von 
10—15 Stück und verschwinden bis Anfang September, um den 
bald nachrückenden Jungen Platz zu machen. Wie Ihnen wohl 
bekannt, sind die Alten immer scheu und lassen sich nur selten 
berücken. Am öftesten gelaug es uns, sie Abends am Strande 
auf dem Anstände zu erlegen. 

Der Stein Wälzer, Strepsilas interpres, wird als Brut- 
vogel immer seltener. Es hält oft schwer, ein Gelege davon 
aufzutreiben. Während der Zugzeit sieht man ihn häufiger, 
namentlich die Jungen von Ende August bis October. 

Der Austernfischer, H a e m a t o p u s o s t r a 1 e g u s . ist wäh- 
rend der Zeit, dass ich die Insel besuche, im Bestände vielleicht 
gleich geblieben. 

Phalaropus cinereus gehört auch als Zugvogel zu den 
Seltenheiten. Ich habe diese Art in zwei Exemplaren, ein junges 
im Herbste und ein altes im Mai, erhalten. 

Recurvirostra avocetta. Diesem anmuthigen Vogel, 
welcher früher ziemlich viel auf der Insel gebrütet haben soU, 
lassen einige Besitzer von kleinen Inseln und Halbinseln an der 
Westseite Rügens den grössten Schutz angedeihen, sonst möchte 
er als Brutvogel auch wohl schon zu streichen sein. Von diesen 
Hauptbrutplätzen aus versucht dann das eine oder andere Paar 
sich wieder auf dem Gänsewerder"^) anzusiedeln, und es kommen 
im August und September die Familien nach Hiddens-oe her- 
über« Seine wagerechte Körperhaltung und ^genthümliche 
Form lassen das geübte Auge ihn schon in der Ferne erkennen, 
doch kommt der Jäger selten auf Schussweite an; beim Nest 
ist er hingegen leicht zu schiessen. 



*) Der Gänsewerder ist eine kleine Sandinsel an der Ostseite 
(Binnenwasser) des Südens von Hiddens-oe gelegen und durch einen 
massig breiten Meeresarm davon getrennt , der bei flachem AVasser zu 
durchwaten ist. Vor langer Zeit soll dies nicht möglich und der Wer- 
der ein belebter Brutplatz vieler Vögel gewesen sein. v. H. 



— 269 — 

Calidris arenaria und Limicola pigmaea sind 
alljährlich auf der Insel anzutreffen, doch gehört etwas Auf- 
merksamkeit dazu, die letztere Art zu entdecken. Ich habe sie 
im August*) familienweise auf den sumpfigen Teichen des 
südlichen Theiles von Hiddens-oe und Rügens , dann aber 
auch unter den Schwärmen von Tringa alpina gefunden. Sie 
hält sich mehr versteckt und ist in ihren Bewegungen minder 
lebhaft als die Tringa- Arten. Besonders reich ist meine Aus- 
beute hieran niemals ausgefallen: 2 — ö Stück bei jedem Auf- 
enthalt. 

Der Sanderling ist im September und October immer noch 
häufig zu nennen, allerdings wiederum junge Vögel. Nur einmal 
habe ich zwei Alte aus einem Flug von sechs Stück im August 
geschossen. Von den Tringa- Arten ist als brütend nur Schinzii 
zu verzeichnen. Früher mag dies auch wohl mit subarquata **) 
und alpina der Fall gewesen sein. Ich wenigstens habe alpina 
nicht mehr getroffen und bezweifle, dass dieser überhaupt zu 
den pommerschen Brutvögeln gehört. Während der Zugzeiten 
ist Tr. alpina einer der häufigsten Vögel der Insel. Frühzeitig 
im Jahre, Ende März, kommt er an, etwas später nach meinen 
Beobachtungen Schinzii. Ende April ist alpina fort, doch kehren 
schon Ende Juli bereits einzelne vom Norden zurück, und im 
August werden die Schwärme, die meistens dann noch aus alten 
Vögeln im reinen Sommerkleide bestehen, grösser und zahlreicher. 
Junge bleiben oft recht spät, sogar bis in den November zurück. 



*) Limicola pygmaea habe ich in früherer Zeit alljährlich an einer 
kleinen schlammigen Bucht der Ostseite der Insel Neubussin gefunden, 
gewöhnlich in kleinen Trupps von 6 — 12 Stück. Es ist mir nicht be- 
kannt, ob diese Bucht noch vorhanden oder versandet ist. v. H. 

**) Tringa subarquata habe ich einmal sehr spät noch auf Hiddens-oe 
in einem Paare gesehen, auch ein Nest gefunden, dessen Eier sich durch 
Grösse und Färbung von Tringa Schinzii unterschieden, wage jedoch nicht 
zu behaupten, dass derselbe dort genistet. 

Ebenso wenig habe ich jemals Tringa alpina gefunden. Alle Brut- 
vögel, die ich sah — und wie Sie Avissen, kann man sich dieselben beim 
Neste in grösster Nähe ansehen — waren unzweifelhaft Tringa Schinzii. 
Schon die Brustfärbung dieses Vogels sah ich nie so schön und rein 
schwarz, wie bei T. alpina. von welcher — oft spät im Mai — ich kleine 
Schwärme prächtiger alter Vögel habe durchziehen sehen. Schon in 
weiter Ferne w^usste ich, dass es sich hier nicht um T. Schinzii, sondern 
um T. alpina handle und fand dies nach dem Schusse auch stets bestätigt. 

V. H. 



- 27 U — 

Von Tringa subarquata habe ich die alten Vögel 
ebenso wie bei alpina in mehr oder weniger reinem Sommer- 
kleide von Anfang August bis Mitte September auf Hiddens-oe 
und der Westküste Rügens getroffen. Oft zwischen den Schwär- 
men von alpina, häufig jedoch eigene kleine Flüge bis 25 Stück 
bildend. Die Jungen sind auch bei dieser Art, deren Durchzug 
gewöhnlich mit dem September zu Ende geht, viel zahlreicher. 

Tringa cinerea ist regelmässiger Zugvogel auf Hiddens-oe; 
alte Vögel kommen in den letzten Tagen des Juli, oder zu Anfang 
August, sind aber immer sparsam; höchstens 10—12 Stück zählte 
der grösste Schwärm, den ich gesehen. Dagegen sind die Jungen 
von Mitte September bis October in manchen Jahren noch recht 
häufig und dabei leicht zu schiessen, da sie wenig scheu sind, 
sondern sich vom Schützen erst ordentlich auf einen Haufen 
treiben lassen. Gewöhnlich hält diese Art sich etwas abgeson- 
dert von den übrigen. Eine in die Augen fallende Abnahme 
habe ich nicht beobachten können. 

Tringa minuta*) und Temminkii gehören nächst 
maritima zu den Tringa-Arten, welche am wenigsten vertreten 
sind. Minuta, gewöhnlich unter den Schwärmen von alpina, 
habe ich alljährlich geschossen und geschickt bekommen. Ebenso 
wie seine Verwandten, kehren die Alten bereits Anfang August 
vom Norden zurück. Die Jungen folgen im September. 

Temminkii ist nur zweimal und zwar von mir selbst erlegt 
worden. Diese Art hält sich am liebsten an schlammigen 
Stellen der kleinen Teiche auf, ähnlich wie Limicola, während 
minuta hingegen mehr Strandvogel ist und als solcher auf den 
Schaaren verweilt. Der Frühjahrsdurchzug fällt für beide Arten 
in den Mai, und sind sie dann noch sparsamer. 

Tr. maritima habe ich nur einmal am 7. Januar 1875 
bekommen. Dies Exemplar hatte sich mehrere Tage bei den 
Steinen, welche an der nördlichsten Spitze aus der See hervor- 
ragen, aufgehalten. Sie haben es ja ausgestopft von mir be- 
kommen. 

Machetes pugnax. Auch die Zahl dieses schönen Vo- 
gels hat sich seit 20 Jahren an unserer pommerschen Küste 



*) Tringa minuta habe ich jung in manchen Jahren zahlreich ge- 
funden. Nicht selten in reinen Zügen von mehreren Hunderten. Ich 
habe am Abendanstande im September einstmals in kurzer Zeit dreissig 
und einige Stück geschossen, nur junge Vögel. v. H. 



- 271 — 

und auf den Peenewiesen ungemein vermindert. Einen bedeu- 
tenden Theil der Schuld hieran trägt die Cultur, wenigstens 
so weit es die Peenewiesen betrifft, welche früher, vor der Sepa- 
ration, zum grössten Theile aus Viehweiden bestanden. Dann 
aber ist auch das leichte Fangen dieses Vogels auf seinen 
Kampfplätzen gewiss nicht ohne Einfluss geblieben, und auf 
Hiddens-oe wird ihm heute noch eifrig mit Schlingen nach- 
gestellt. Schon Mitte Juni verschwinden die Männchen und 
selten habe ich später noch eins gefunden. Ob sie dann be- 
reits südlich gezogen sein mögen ? Oder wo halten sie sich auf? *) 

Der Koth Schenkel, Totanus calidris, ist zu des 
Jägers grösstem Aerger noch immer häufig und steter Begleiter 
auf den Ausflügen. Wie manches Mal, wenn ich kriechend einen 
guten Vogel anpürschen wollte, hat mir der Rothschenkel durch 
sein Angstgeschrei, womit er der ganzen Vogelwelt meine An- 
näherung kund gab, die Jagd verdorben, und selten war ich 
im Stande, ihn dafür zu strafen, denn er weiss sich genau ausser 
Schussweite zu halten. Eine bemerkenswerthe Abnahme, auch 
als Brutvogel, ist mir für Hiddens-oe nicht aufgefallen. 

Von Totanus-Arten sind fuscus, glottis, ochropus 
und glareola nur als Zugvögel, und zwar gar . nicht häufige, 
für unsere Insel zu verzeichnen» Viel anders ist dies auch wohl 
früher nicht gewesen!? 

Limosa rufa stellt sich heute wohl noch, so wie früher, 
in geringer Anzahl alljährlich auf Hiddens-oe ein. Ende Juli 
schon zeigen sich die ersten Alten, vom Norden zurückkehrend, 
in reinem Sommerkleide und mehren sich im August zu kleinen 
Flügen bis zu 20 Stück. Wie alle alten Vögel ist auch die 
Limose recht scheu. Junge ziehen, in manchen Jahren noch 
ziemlich viele, vom September bis October durch. 

Dass auch Piatale a leucorhodia vor drei Jahren auf 
Rügen geschossen ist, habe ich Ihnen wohl schon mündlich 
mitgetheilt. Ein Exemplar ist im Mai aus einer Anzahl von 
ungefähr zehn Stück bei Sagard *) auf Rügen geschossen worden. 



*) Auch ich habe mir diese Frage gestellt, glaube aber auch, dass 
die alten Männchen die Ostseeküstenländer sehr früh verlassen. v. H. 

**1 Sagard liegt zwischen dem grossen und kleinen Jasmunder 
Bodden und sind mir mehrere verbürgte Fälle bekannt, dass der Löffel- 
reiher — und zwar immer in derselben Localität — am grossen Jas- 
munder Bodden gesehen und erlegt ist. v. H. 



— 272 — 

welches dem Jagdpächter von Hiddens-oe zum Ausstopfen über- 
sandt wurde. Leider ist dasselbe in Folge der Hitze und der 
langsamen Beförderung für diesen Zweck bereits verdorben ge- 
wesen. Den Schnabel habe ich noch bekommen. 

Wilde Gänse, wohl alle Anser cinereus, habe ich in 
jedem Jahre zu grossen Schwärmen vereint gesehen. Als Brut- 
vogel ist diese Art auf der kleinen Insel Pulitz und einigen 
Sümpfen Eugens in mehren Paaren immer noch zu finden, 
wenn auch nicht mehr so häufig, wie dies früher wohl der Fall 
gewesen ist. 

In Gab. Journ. 1873 hat ein Herr Gustav Kessler uns be- 
lehrt, wie auf Hiddens-oe die mausernden Gänse gefangen oder 
vielmehr auf offenem Wasser mit den Händen gegriffen 
werden, und liest sich dies, besonders auf Seite 50, ja recht 
hübsch. Ich habe mir nun die grösste Mühe gegeben, an Ort 
und Stelle Näheres hierüber zu erfahren, doch wurde ich, sobald 
ich den geschilderten Sachverhalt angab, allgemein ausgelacht 
und mir dies geradezu als ..Thorheit" bezeichnet, wenigstens 
so weit es die Verhältnisse von Hiddens-oe betreffe. Den Schluss 
des Aufsatzes ist der Herr Verfasser uns ja auch schuldig ge- 
hlieben und -^ wie es mir scheint, — hat er wohl daran gethan. 

Bernicla torquata*) bevölkert im Herbste und Früh- 
jahr die Küsten oft mit ungeheuren Schwärmen, dagegen ist 
Bern, leucopsis eine Seltenheit. Im vorigen Herbst' bei 
den Stürmen ist mir das erste und einzige Exemplar eingesandt 
worden. 

Von Enten als Brutvögeln werden es auf Hiddens-oe immer 
weniger, woran zum grössten Theil das Eintrocknen der kleinen 
Teiche Schuld hat. 

Anas tadorna, acuta, boschas, clypeata und 
c r e c c a , alle früher gar nicht selten, sind jetzt nur noch in 
einzelnen Paaren brütend zu finden. 

Während der Zugzeiten habe ich dagegen mitunter sehr 
viele angetroffen: AnasPenelope, Clangulaglaucion, 
Harelda glacialis, Fuligula cristata und marila. 
Weniger Oidemia fusca, 0. nigra und Sommateria 
molissima. 



*) Gegen Ende April oder Anfangs Mai habe ich oft alle Binnen- 
wässer zwischen Hiddens-oe und Rügen mit diesen Gänsen und verschie- 
denen Entenarten bedeckt gefunden. v. H. 



- 273 - 

Eine interessante Jagd ist die der Eisenten im Früh- 
jalire während der Paarungszeit, wenn die Männchen sich mit 
den Weibchen herumjagen. Einzelne bleiben oft bis in den Mai 
zurück und sind dann bereits so weit vermausert, dass man das 
düstere Sommerkleid erkennen kann. 

Von einer Verfärbung der Federn bei den verschiedenen 
Kleidern der Enten habe ich dm-chaus nichts entdecken können 
und glaube nicht daran.? 

F u s c a habe ich fast bei jedem Aufenthalt auf Hiddens-oe 
im August Abends gegen zehn Uhr in grossen Flügen über die 
Insel ziehen sehen, resp. gehört. Sie kamen stets aus der 
Kichtung von Arcona und flogen westlich gerade in die See 
hinein; doch will ich bemerken, es sei auch möglich, dass ein 
Theil aus nigra bestand, da dies am Abend nicht genau mehr 
zu bestimmen war. Da aber beide Arten hier in Pommern nicht 
brüten, so entsteht die Frage: Wo kommen diese Enten her 
und wo gehen sie hin? 

Von Sägetaucher- Arten sind Mergus m er g ans er und 
albellus ziemlich selten und nur während der Zugzeiten, 
serrator dagegen verhältnissmässig häufig, auch als Brutvogel, 
anzutreffen. 

Merg. merganser habeich niemals in den Sommer- 
monaten gesehen, geschweige denn als Brutvogel gefunden, 
ebenso wenig der dortige Jagdpächter. 

Die grösste Einbusse hat die Zahl der nun folgenden See- 
schwalben und M ö w e n als B r u t v ö g e 1 erlitten . Es nisten 
von Seeschwalben auf Hiddens-oe jetzt nur noch: St er na hi- 
rundo, macrura und minuta in einigen Paaren, auf 
Rügen ausserdem nigra in grossen Colonien. 

Von St. anglica soll nach Aussage meines durchaus zuver- 
lässigen Gewährsmannes ein Paar im vorigen Jahre auf dem 
Gänsewerder genistet haben, dessen Eier aber dem Hirten zum 
Opfer gefallen sind. 

M a c r u r a steht auf dem Aussterbe-Etat, denn in dem 
kurzen Zeitraum von neun Jahren, in welchem ich daselbst 
beobachtet habe, hat sich diese Art bereits auf kaum ^/^ des 
früher von mir angetroffenen Bestandes, d. h. auf 8 — 12 Paare 
vermindert. Allerdings beruht diese Schätzung nur auf der Zahl 
der erlegten Exemplare, weil es fast unmöglich ist, marcura im 
Fluge und in der Entfernung sicher von hirundo zu unterscheiden. 

V. Home y er, Ornitholog. Briefe. 18 



— 274 — 

Doch wird obige Annahme wohl ziemlich der Wirklichkeit ent- 
sprechen, weil die Xester nur auf der südlichen Spitze des Gellen 
auf kiesigem Boden angelegt sind, wogegen die der hirundo über 
die ganze Insel, auf Wiesen, Weiden und Dünen zu finden sind, 
jedoch immer nur einzeln und nicht mehr in grossen Colonien 
wie früher. 

Sterna minuta hat sich während meiner Zeit auf gleicher 
Höhe ihres Bestandes erhalten. 

Sterna caspia, vor Zeiten ja auch zu den Brutvögeln 
von Hiddens-oe*) zählend, habe ich alle Mal, wenn ich im 
August dort war , in mehren Exemplaren gesehen. Es war 
stets einer der schönsten Eindrücke, welche ich von der Reise 
mitbrachte, einige fischende caspische Seeschwalben beobachtet 
zu haben. Die Eleganz der Flugbewegungen und die Kraft, 
mit der sie sich in das Meer stürzen, so dass das Wasser fuss- 
hoch aufspritzt, gewährt einen prächtigen Anblick. 

Dass sich diese Seeschwalbe durch Schiessen eines Vogels 
oder das Hochwerfen eines solchen gewöhnlich auf Schussweite 
anlocken lässt, kennen Sie ja. Dass deren Neugierde aber so 
gross ist, dass das Schwenken mit der Mütze genügte, dürfte 
Ihnen vielleicht neu sein. Und doch hat der Pächter der Jagd, 
der zugleich mein Wirth war, an einem Abend sieben Stück 
geschossen, wovon leider fünf in 's AVasser fielen und vom Strom 
fortgetrieben wurden. 

Wir hatten uns nämlich auf dem Schaar, gegenüber dem 
Posthause, eine grosse Tonne eingegraben, in welcher Einer von 
uns mitunter auf der Lauer sass, bei der wir eines Tages circa 
zwölf Stück grosse Seeschwalben fliegen sahen. 

Gegen Abend begab sich mein Wirth in diese Tonne, 
während ich mich am Lande aufstellte. Bald kamen auch die 
Seeschwalben, und nach jedem Schusse, sobald wieder geladen 
war oder die Seeschwalben sich zu entfernen drohten, hatte ich 
von meinem Posten aus den komischen Anblick, aus der Tonne 
einen Arm hervorkommen zu sehen, die Mütze in der Hand 
und diese umherschwenkend. Jedes Mal hatte dies den Erfolg, 
dass die Seeschwalben wieder zurückkehrten und sich eine nach 



*) Ich selbst habe Sterna caspia nicht mehr auf Rügen nistend ge- 
funden. Schilling sen. fand sie nach Brehm sen. auf Lips und AVörens. 

V. H. 



- 275 — 

der andern herunterschiessen liessen. Es war dies ein gar 
komisches Bild.*) 

Die einzige auf Hiddens-oe heute noch nistende Möwenart 
ist canus. Nach Aussage der Bewohner haben deren Nester 
vor Jahren stellenweise so dicht gestanden, dass die brütenden 
Vögel sich aus der Entfernung als breite weisse Streifen von 
den Dünen abgehoben haben. Mit 50 — 60 Nestern dürfte ich 
den heutigen Bestand vielleicht annähernd bezeichnet haben. 

Ridibundus brütet an geeigneten Stellen auf Rügen noch 
in Colonien zu Tausenden. 

Als Zugvögel resp. Besucher der Insel habe ich gefunden 
oder zugesandt erhalten : 

Larus marinus, Alte, Uebergangskleider und Junge. 
Die ersten beiden findet man während des ganzen Sommers in 
Schaaren bis zu mehreren Hundert Stück, wo sie Abends mit 
ihrem Geschrei oft einen Höllenlärm verursachen. 

Argentatus, viel seltener, besonders Alte. Früher soll 
dieselbe ebenfalls auf Hiddens-oe und der Halbinsel Wittow 
genistet haben. 

Hieran schliesst sich nach der Häufigkeit L. fuscus und 
zuletzt glaucus, von der ich Winters ein paar Male Junge 
und Alte erhielt. 

L. minutus, welche Sie ja mehrfach erlegt haben, konnte 
ich weder selbst entdecken noch erhalten; eben so wenig leu- 
copterus**) oder gar eburneus. 

Von den Lestris-Arten ist mir nur parasitica im Herbst 
und Sommer je einmal eingesandt worden. Ich selbst habe 
diese niemals dort gesehen. 

Colymbus septen trionalis ist während der Monate 
October bis April anzutreffen, in den beiden genannten Monaten 
oft in grosser Zahl, jedoch zum grössten Theil junge Vögel. 

C. arcticus habe ich dagegen weder gesehen noch erhalten 
und ist mithin gewiss nicht häufig. 

Cephus grylle und Alca torda kommen heute wie 



*) Auf meinen Stardjagden hatte ich zwar in der Eegel eine todte 
Möwe in der Jagdtasche, behufs Anlockung seltener Möwen und See- 
schwalben; aber diese Jagd ist mir doch neu. v. H. 

**) Von Larus leucopterus habe ich ein auf Hiddens-oe erlegtes Exem- 
plar und kenne noch einige in den Sammlungen, doch ist sie sehr selten. 

^^W. H. 
.5^ 



— 276 — 

früher nur im Winter und in nicht zu grosser Zahl an die 
pommersche Küste. Einige Exemplare sind mir alljährlich 
zugesandt worden. 

Hiermit wäre ich am Schlüsse angelangt und würde ich 
mich freuen, wenn Sie einen Vergleich nach Ihrem früheren 
Aufenthalt daselbst anstellen wollten. 

Tan er e. 



E. F. V, Homeyer an Herrn Taiicre in Anclam. 

Stolp, den 13. Februar 1881. 

Mein sehr lieber Herr Tancre ! 

Für die ausführlichen Nachrichten, welche Sie mir in Ihrem 
lieben Schreiben vom Januar dieses Jahres gegeben haben, sage 
ich Ihnen meinen allerverbindlichsten Dank. Sie können sich 
wohl denken, dass diese Mittheilungen gerade mir von besonderem 
Interesse sein mussten, der ich schon im Jahre 1831 auf Rügen 
war und von da ab es während einer Zeit von über zwanzig 
Jahren sehr oft besucht habe. Als ich zum ersten Male dahin 
ging, nahm ich Gelegenheit, mir von Herrn Dr. von Hagenow 
zu Greifswald genaue Informationen über die ornithologischen 
Verhältnisse der Insel geben zu lassen, die Niemand besser 
kannte als dieser in vieler Hinsicht ausgezeichnete Mann, der, 
so vielseitig seine Beschäftigungen auch sein mochten, in allen 
Dingen wissenschaftlich und tüchtig war, was, wie Sie wissen, 
selten ist, .denn die Mehrzahl derjenigen Menschen, welche sich 
mit sehr vielen Gegenständen beschäftigen, pflegen in keiner 
derselben etwas Ordentliches zu leisten. Schon damals sagte mir 
Herr von Hagenow, dass die ornithologischen Verhältnisse 
der Insel, während seines Denkens, sich sehr geändert hätten 
und die Vogelwelt in starker Abnahme begriffen sei. 

Aus den Schriften meines hochverehrten Freundes und 
Lehrers C. L. Brehm hatte ich ersehen, dass die caspische 
und Lach-Seeschwalbe in einzelnen Paaren auf den kleinen 
Werdern (Binnen-Inseln) gebrütet hatten, leider aber den wieder- 
holten Nachstellungen erlegen waren. Ebenso war mir bekannt, 
dass die kentische Seeschwalbe auf der Insel Stübber, süd- 
lich von '' ügen, in grosser Zahl genistet habe, wie Otto dies in 



- 277 — 

seiner Uebersetzung des Büffon'schen Werkes in einer Anmer- 
kung mittlieilt. Die Insel Stübber ist jetzt nicht mehr vorhan- 
den, sondern mir eine Saudbank, welche zeitweise unter Wasser 
steht, daher zum Brutplatze von Vögeln ungeeignet. 

Die seltenen Arten der Seeschwalbe waren daher, als regel- 
mässige Brutvögel, auch damals nicht mehr vorhanden, indessen 
war die Vogelwelt im Vergleich zu heute doch sehr reich ver- 
treten. Der Hauptgrund, weshalb wir heute eine so ausser- 
ordentliche Abnahme sehen, liegt unzweifelhaft in den Bewohnern 
der Inseln. Zu damaliger Zeit wurden die Brutplätze der Vögel 
in keiner Weise gestört, denn die Eier der Vögel wurden von 
den Bewohnern der Inseln weder gegessen noch zu andern Zwecken 
verwendet, wie dies späterhin leider allgemein geschehen ist. 

Zwar waren manche der Einwohner Jäger, wie man dies ja 
in ähnlichen Localitäten häufig findet, namentlich da, wo es 
wenig Menschen, aber viele Thiere giebt. So war z. B. auf dem 
sogenannten Posthause — der Südspitze des Buges — ein Steuer- 
aufseher und ein Matrose stationirt, in einer Entfernung von circa 
zehn Kilometern von dem zunächst zu Lande zu erreichenden 
Dorfe. Die Umgebung des Hauses war nicht allein ein bevor- 
zugter Brutplatz vieler Vögel, sondern auch vor allen Dingen 
zur Zugzeit von grossen Schaaren der Wandervögel besucht und 
es war leicht, in der Nähe, namentlich zur Zugzeit, gute Jagden 
zu machen. 

Damals war die südlich vom Bug gelegene Insel Neu- 
B US sin noch durch einen etwa 100 Meter breiten Meeresarm 
vom Buge getrennt und ein Hauptbrüteplatz der Seeschwalben, 
viel bedeutender als irgend einer der auf Hiddens-oe — na- 
mentlich im Süden der Insel — befindlichen Nistplätze. Schon 
wenn man mit dem Boote die Fahrt über den Meeresarm be- 
gann, wurde man von einer grossen Zahl von Seeschwalben um- 
schwärmt, welche dem Störenfried entgegen kamen ; betrat man 
die Insel, namentlich die Westseite derselben, so wurde man 
von wolkenartigen Schwärmen dieser prächtigen, lieblichen Vögel 
umhüllt, die so nahe kamen, dass sie den Kopf des -Wanderers 
fast berührten. — Die grosse Mehrzahl der Seeschwalben be- 
stand aus arctiscfien Seeschvyalben (Sterna arctica, argen- 
tata, macrura); bei jedem Schritte musste man vorsichtig sein, 
um nicht die Eier der Vögel zu zertreten. 

Ausser der arctischen Seeschwalbe war eine verhältnissmässig 



— 278 - 

geringe Zahl der gemeinen Seescliwalbe (Sterna hirundo) 
und eine ziemliche Menge der Zwerg-Seeschwalbe (Sterna mi- 
nuta) vorhanden. 

Gewiss ist es eine eigenthüm liehe Erscheinung, dass die Ab- 
nahme der arctischen Seeschwalbe noch eine viel bedeutendere 
gewesen ist als die der gemeinen Seeschwalbe. Die blinden 
Anhänger Darwin's mögen vielleicht auch hier einen Kampf 
um's Dasein finden, wovon freilich der unbefangene Xatur- 
beobachter nichts zu entdecken vermag. Beide Vögel lebten 
früher ohne jeglichen Zwist, wenn auch weniger durch einander, 
als neben einander. Die Verhältnisse, so weit sie die Nahrung 
dieser Vögel betreffen, haben sich nicht wesentlich geändert; die 
Nachstellungen sind für beide Arten dieselben gewesen, ihre 
Vermehrung geschieht bekanntlich in ganz gleicher Weise, und 
dennoch finden wir überall, dass die Abnahme der arctischen 
Seeschwalbe noch eine ungleich grössere ist wie die der ge- 
meinen Seeschwalbe. 

Nicht allein auf den westlich von Rügen gelegenen In- 
seln verhält sich dies so; auch der Rüden, wo die Vogelw^elt 
ja einigen Schutz geniesst, zeigt dieselbe Veränderung. Als ich 
vor einigen Jahren mit dem Forstmeister AViese dort war, fan- 
den wir nur die gemeine Seeschwalbe, die arctische war ganz 
verschwunden. Auch auf der Westküste Schleswigs und Holsteins 
finden wir ganz ähnliche Erscheinungen. Dies ist um so auf- 
fälliger, als die arctische Seeschwalbe entschieden die Nähe der 
See, die gemeine Seeschwalbe mehr die Binnengewässer liebt. 

' Da ich nun einmal bei der Besprechung der Seeschwalben 
bin, will ich auch noch eines Vorfalles gedenken, wo sich auch 
die schwarze Seeschwalbe in grosser Zahl auf Hiddens-oe zeigte. 
Als ich eines Abends nach zehn Uhr, gegen Ende August, von 
den südlichen Teichen mit meinem als tüchtiger Jäger und guter 
Vogelkenner so wohl bekannten Meyer nach Ploggshagen zurück- 
kehrte, bemerkten wir ungewöhnlich viele leichtbeschwingte 
Vögel überall aus den Dünen vor uns auffliegend. Nach unserm 
Dafürhalten mussten dies Seeschwalben sein, aber woher die 
grosse Zahl dieser Vögel, da die Brutplätze der auf Hiddens-oe 
nistenden Arten weit südlicher standen und ^ie Jahreszeit schon 
so weit vorgerückt war, dass die grosse Mehrzahl der Seeschwalben 
die Insel verlassen hatte ? Ebenso wenig vermochten wir in dem 
Halbdunkel die Art zu erkennen. 



— 279 - 

Es lag uns natürlicli daran, einen oder einige dieser Vögel 
in die Hände zu bekommen, um ein sicheres Urtheil zu haben. 
Der Abend war weder hell noch ganz dunkel; ein Flugschuss 
hatte allerdings seine Schwierigkeiten, zumal die Vögel meisten- 
theils niedrig über den Boden wegstrichen, aber es gelang uns, 
zwei dieser Seeschwalben zu erlegen und wir waren erstaunt, 
hier die schwarze Seeschwalbe (Sterna nigra) in sehr 
grosser Zahl zu finden. In der That musste die Menge der 
offenbar auf dem Zuge begriffenen Vögel eine sehr bedeutende 
sein, indem fast auf jedem Schritt einige derselben vor uns auf- 
flogen und dies während des Nachhausegehens wohl eine halbe 
Stunde andauerte. Am andern Morgen früh war auch nicht eine 
schwarze Seeschwalbe mehr auf der Insel zu erblicken. Es ist 
dies ein neuer Beweis, wie leicht T a u s e n d e und aber 
Tausende von Vögeln durchziehen, ohne dass eines 
Menschen Auge sie wahrnimmt. Schon Naumann hat 
vielfältig daraufhingewiesen, dass Abend und Morgen Haupt- 
zugzeiten der Vögel sind, und in vielen Fällen habe ich das 
bestätigt gefunden. Dabei will ich eines interessanten Vorkom- 
mens gedenken, das ich in den ersten Tagen des October auf 
der Xordspitze von Rügen bei Arcona am Meeresstrande erlebte, 
wohin ich noch bei v ö 1 1 i g e r D u n k e 1 h e i t gegangen war. Es 
war ein stiller Morgen, und wie ich ruhig am Meeresstrande 
stand, huschten in rascher Aufeinanderfolge rechts und links 
Vögel an mir vorüber, die ich anfangs nicht zu erkennen ver- 
mochte, bei zunehmendem Lichte jedoch gewahrte, dass die im 
lockern Verbände ziehende Gesellschaft einzig aus Feldlerchen 
bestand. So viel ich bemerken konnte, kamen dieselben direct 
aus dem Xorden, also von der Südspitze Schwedens. Mit der 
schwindenden Dämmerung hörte der Zug bis auf einige wenige 
Nachzügler auf, und bei vollem Tageslicht war auch von diesen 
kein einzelner zu sehen. Es war ein sehr starker Zug, und den- 
noch wäre er unbeachtet vorübergegangen, wenn ich nicht in der 
Dämmerung am Strande gewesen wäre. Man kann hieraus er- 
sehen, dass die Beobachtung auch recht grosser Züge von Vögeln, 
welche in der Dämmerung wandern, leicht unbemerkt vorüber- 
geht, um wieviel mehr müssen einzelne seltene Wanderer un- 
beachtet bleiben. Wenn auch nicht in dem Umfange wie auf 
Helgoland, so giebt es sicher verschiedene Punkte an 
unserer Küste, die Gelegenheit bieten, vorzügliche 



— 280 - 

Zugbeobachtungen zu machen. Dahin rechne ich die 
kleinen Inseln der Ostsee, welche sich zwischen 
Rügen und dem Festlande befinden und die, so viel mir 
bekannt, noch von keinem Naturforscher zu diesem Zwecke auf 
längere Zeit besucht sind. Das könnte noch ein sehr dank- 
bares Unternehmen sein. 

Bevor ich weiter auf die Einzelheiten Ihres so interessanten 
Briefes eingehe, möchte ich noch erwähnen, dass die Zugrich- 
tungen nach meinen Beobachtungen in Vorpommern durchaus 
andere sind wie in hiesiger Gegend. Vorpommern hat eine 
wesentlich nord-südliche Richtung, während die hiesige Gegend 
Ost-West, mit mehr oder weniger Abweichungen nach Nord oder 
Süd, hat. Das erklärt sich auch leicht durch die geographische 
Lage und wird bestätigt durch das Vorkommen nördlicher Vögel 
auf Rügen und den benachbarten Inseln, welche man theils gar 
nicht, theils selten an der hinterpommerschen Küste bemerkt. 
Es ist indessen wahrscheinlich, dass manche Arten bei Ihnen vor- 
kommen, welche dem Osten angehören, und dahin rechne ich 
auch die regelmässigen Züge der caspischen Seeschwalbe im 
Herbst, da dieselbe, so viel ich habe ermitteln können, an der 
ganzen Ostsee nur an einzelnen Punkten in wenigen Exemplaren 
nistet und es doch nicht füglich anzunehmen ist, dass alle diese 
Vögel über Hiddens-oe wandern sollten. Ich werde diesen Gegen- 
stand in meinem demnächst erscheinenden Werke über die Wan- 
derungen der Vögel ausführlich abhandeln und habe diese 
Andeutungen nur geben wollen, um die allgemeine Aufmerk- 
samkeit darauf zu richten. 

Ich will nun, Ihren interessanten Mittheilungen folgend, 
einige Bemerkungen daran knüpfen. Das Nisten des Seeadlers 
auf der kahlen Düne ist von sehr grossem Interesse, zumal die 
grossen Waldungen der gegenüber liegenden Festlandsküste pas- 
sende Brutplätze bieten. Indessen verlangen die meisten Vögel 
einen gewissen Raum und dulden andere Paare nicht in zu grosser 
Nähe ihrer Nistplätze. Dahin gehören auch die meisten Raub- 
vögel und unter diesen auch der Seeadler. Wahrscheinlich ist 
das Paar, welches auf dem „Gellen" horstete, in den Waldungen 
des „Darsses" von den dort nistenden Verwandten nicht geduldet 
und hat, der reichen Futterplätze wegen, den Horst so unge- 
wöhnlich gebaut. So viel mir bekannt, sind ähnliche Erschei- 
nungen bisher nur in Jütland beobachtet worden, wo einzelne 



— 281 — 

Seeadler im niedrigen Gebüsche horsten. Zu den krähenartigen 
Vögeln möchte ich noch bemerken, dass auf dem Nordende der 
Insel Hiddens-oe — auf dem sogenannten hohen Lande — ein 
kleines Kiefernwäldchen befindlich war, in welchem, obgleich zu 
der Zeit wo ich es sah (etwa vor fünfzig Jahren), nur noch vierzig 
bis fünfzig Stämme vorhanden waren, die ein Alter von etwa sechszig 
Jahren haben mochten. Alte Leute versicherten, dass, so lange 
sie denken könnten, ein Rabenpaar auf der Insel gehorstet habe, 
auch blieb dasselbe bis die Bäume niedergeschlagen wurden. Früher 
horstete auch ein Paar in dem steilen Lehmufer bei Arcona. 

Was die Feldlerche des südlichen Buges und des Gellen 
betrifft, welche der alte Brehm ,. AI au da bugiensis" benannt 
hat, so werden Sie aus meinen Ornithologischen Briefen ersehen, 
dass diese Lerche von mir und dem Baron Loebenstein aufge- 
funden und an Brehm geschickt wurde. Wir fanden dieselbe 
auf der Südspitze des Buges und gaben ihr in dem Begleit- 
schreiben den Namen Alan da bugiensis, den Brehm auch 
acceptirt hat. Es ist immerhin eine eigenthümliche und inter- 
essante Form der Lerche und ein neuer Beweis, dass der Yogel 
seine Heimath wieder aufzufinden weiss. Ueberhaupt kommen 
bei der Feldlerche, je nach den verschiedenen Gegenden, ab- 
weichende Formen vor, und es ist wichtig für die Zugbeobach- 
tungen, diese Formen im Auge zu behalten. 

Bei der Besprechung der Sängerarten der Insel haben Sie 
eines Vogels nicht gedacht, der früher in einzelnen Paaren 
regelmässig auf der Insel lebte. Es ist dies die Garten -Gras- 
mücke, Sylvia hortensis, welche in den niedrigen Dünen der 
Ostseite und ungefähr in der Mitte der Südspitze der Insel zu 
finden war. 

Ich beobachtete dieselbe in mehren Paaren stets auf der- 
selben Stelle und sprach zu Meyer die Vermuthung aus, dass 
dieser Vogel hier nisten müsse. Das schien nach seinem ganzen 
Betragen unzweifelhaft zu sein, aber nun drängte sich die Frage 
auf, wo derselbe, der sonst Bewohner des dichten Mittelwaldes 
ist, sein Nest habe, da es in der Gegend, wie Ihnen bekannt, 
keinen Baum und ausser einzelnen Wachholderbüschen keinen 
Strauch giebt. Als die Zeit herangekommen war, wo man an- 
nehmen musste, dass der Vogel Eier hätte, entschlossen wir 
uns, einige Stunden daran zu wenden, um sein Nest zu entdecken. 
Wir beobachteten längere Zeit die Vögel, bis Meyer mir ein 



— 282 — 

Zeichen gab und ich zu demselben herantrat. Er berichtete 
mir nun, dass er gesehen habe, wie eine Garten-Grasmücke 
in ein Erdloch geschlüpft und nicht wieder zum Vorschein 
gekommen sei. Wir näherten uns vorsichtig, schlössen die 
Oeffnung und verfolgten die Köhre, um den Vogel auf dem 
Neste zu ergreifen. Es zeigte sich, dass hier der Gang, welchen 
irgend eine Mauseart früher gegraben hatte, erweitert war. 
Derselbe führte in einen kleinen Sandhügel, und etwa einen 
halben Meter tief fanden wir den Vogel und das Nest 
mit vier Eiern. So leid es mir that, nahm ich Nest und 
Vogel als Beweisstück mit und habe beides auch später Nau- 
mann gezeigt und ihm den Sachverhalt mitgetheilt mit dem 
Wunsche, dass dies Ergebniss in seinen Nachträgen 
erwähnt würde. Naumann hat jedoch nicht erlebt, seine 
Nachträge so weit fortzuführen, um auch die ei- 
gentlichen Sylvien zu bearbeiten, und so ist diese 
interessante Beobachtung dort nicht erwähnt. So 
viel mir erinnerlich, habe ich indessen irgendwo schon darüber 
berichtet, möchte Sie jedoch darauf aufmerksam machen, sich 
zu überzeugen, ob heute noch Garten-Grasmücken auf der Insel 
leben. Sollte dies der Fall sein, so ist sicher anzunehmen, 
dass die Nester auch heute noch in ähnlicher Weise angebracht 
werden. 

Was die grossen Züge des Goldregenpfeifers betrifft, 
die in früherer Zeit überall in dem Norden Deutschlands vor- 
kamen, so möchte ich nicht glauben, dass die unbedeutende 
Anzahl der in Hinterpommern und Preussen früher nistenden 
Vögel darauf irgend einen Einfluss hätten haben können, indem 
hier diese Vögel doch nur in wenigen Paaren nisteten, während 
der Herbstzeit aber auf jeder Feldmark Tausende auf dem Zuge 
befindlich waren. Ich möchte hierbei wiederholen, dass ich 
nicht glaube, dass die hiesigen Brutvögel nach dem nördlichen 
Vorpommern ziehen, sondern eine etwas mehr südliche Kichtung 
einschlagen. Erklären kann ich mir diese riesige Abnahme 
nicht, indem der hohe Norden diese Vögel wohl noch in ziem- 
lich unveränderter Zahl hat, wenn nicht die Trockenlegung 
der Moore unsere Gegenden den Wanderern weniger angenehm 
gemacht hat und sie bei uns so rasch durchziehen, dass sie 
weniger bemerkt werden, was um so leichter sein kann, als sie 
wesentlich bei der Nacht wandern. 



Es ist mir von besonderem Interesse, dass Ihre Beobach- 
tungen über die Wanderungen der alten und jungen Strandläufer 
ganz mit den meinigen übereinstimmen. Ich habe stets gefunden, 
dass man von den nördlichen Wanderern Anfangs vorzüglich 
alte Männchen, etwas später alte Weibchen findet, dass dann, 
etwa Ende August und in den ersten Tagen des September, eine 
Zeit kommt, wo es kaum einen alten und selten einen jungen 
Vogel am Strande giebt und dass zur Zugzeit der Jungen, die 
etwa vom 6. September an beginnt, die alten Vögel fast ganz 
unsere Gegenden verlassen haben. 

So sehr meine Erfahrungen in allen übrigen Punkten 
mit denen Gaetke's übereinstimmen, so w^enig ist das 
hier der Fall, indem Gaetke beobachtet hat, dass die alten 
Vögel bei Helgoland zuletzt bleiben. Ich möchte mir diese 
Abweichung daraus erklären, dass — wie dies ja bei ver- 
schiedenen Vogelarten der Fall ist — alte Vögel nicht 
so weit wandern wie die Jungen und dass diese auch bis in 
eine kältere Jahreszeit an dem stets ofienen Seestrande der 
Nordsee bleiben, indem es ihnen leichter wird, ihre Nah- 
rung an Meeresküsten zu finden, welche Ebbe und Fluth 
haben, als da, wo dies nicht der Fall ist. 

Hier möchte ich jedoch noch bemerken, dass auch die 
Ostsee ein Steigen und Fallen des Wassers zeigt, welches, so 
viel ich habe beobachten können, oft unabhängig vom Winde 
ist. Ich habe auch Gelegenheit gehabt, Aufzeichnungen des 
Kegierungs-Feldmessers, der beim Dampfbagger angestellt war, 
einzusehen und mit meinen Beobachtungen zu vergleichen, wo- 
durch meine Wahrnehmungen überall bestätigt wurden. Wenn 
der Wechsel im Wasserstande bei feststehendem Winde eintritt, 
so ist er gewöhnlich ein allmählicher. Ich habe aber auch er- 
lebt, dass bei lange Zeit feststehendem, schwachem Winde ein 
plötzliches Fallen oder Steigen des Wassers eingetreten ist, 
sogar entgegen der gewöhnlichen Wirkung der Windrichtung. 
Es würde mich jedoch zu weit führen, wollte ich diesen Gegen- 
stand hier ausführlich erörtern und will ich nur die Aufmerk- 
samkeit darauf hinlenken. 

Es ist mir sehr angenehm, dass Sie die famose Gänse- 
jagdgeschichte berichtigt haben. Als ich dieselbe las, 
konnte ich mir nicht verhehlen, dass, wenn die Mittheilungen 
auf Wahrheit begründet seien, die Gänse ihre Natur gänzlich 



— 284 ~ 

vei'ändert haben müssten. Wer die Kraft und die Schwimm- 
fähigkeit dieser Vögel kennt, kann nicht begreifen, wie dieselben 
sich auf offener See sollen mit den Händen ergreifen lassen. 
Selbst auf dem Lande ist dies unmöglich, indem die Gänse viel 
rascher laufen, als ein Mensch dies im Stande ist. Zur Mauser- 
zeit besuchen ja die Gänse am späten Abend die Insel. Ich 
hatte eine Stelle ermittelt, an welcher dies gewöhnlich geschah, 
und Meyer hatte sich daselbst verborgen. Nachdem die Gänse 
ihre Nahrung zu suchen weiter ins Land gegangen waren, und 
Meyer sich zwischen ihnen und der See befand, war es ihm 
doch unmöglich, auch nur eine einzige zu ergreifen, mit Aus- 
nahme eines Falles. Die gefangene Gans besass aber nur einen 
Fuss und nur aus diesem Grunde wurde es mit grosser An- 
strengung möglich, sie zu ergreifen, indem sie mit den Flügeln 
und dem einen Fuss sich, noch sehr rasch bewegte. Obgleich 
ich nun während eines Zeitraumes von mehr als zwanzig Jahren 
oft und lange auf Rügen gewesen bin, habe auch ich von 
ähnlichen Jagden nie etwas gehört. 

Dagegen zeigte sich im August Anas fusca jeden Abend 
in ziemlich grossen Flügen von Osten kommend und gegen 
Westen ziehend , so viel ich bemerken konnte, nur alte Männchen, 
und lässt dies sich wohl am besten daraus erklären, dass die 
alten Männchen die Brüten früher verlassen als die Weibchen 
und dann auch sich in südlichere Gegenden begeben, ähnlich 
wie dies ja bei den Strandläufern der Fall ist. Diese Züge 
schienen mir jedoch wesentlich Tageswanderungen zu sein, indem 
die Enten Nachts auf flacheres Wasser gehen mochten. 

Von Möwen habe ich auf den Westinseln Rügens auch 
nur Larus canus nistend gefunden, nur ein einziges Mal 
Larus argentatus, welche auf Sylt ungleich zahlreicher 
vorkommt wie canus. Larus minutus habe ich zwar einige 
Male von Rügen erhalten, indessen ist dies ein Vogel, welcher 
die offene See nicht liebt, seine Brutplätze an Binnenseen hat 
und auf der Wanderung mehr an den Flussmündungen als an 
der Küste vorkommt. 

Schliesslich will ich noch eines Vogels gedenken, der — 
wo er vorhanden — unter allen nördlichen Strandvögeln eine 
der grössten Zierden ist und den Meeresbuchten zum wahren 
Schmucke gereicht. Es ist dies der auch von Ihnen erwähnte 
Sichler (Recurvirostra avocettaj. Bis etwa vor dreissig Jahren 



— 285 — 

bestand ein grosser Brutplatz auf der Südspitze der (Schaproder) 
Gehe. Diese kleine Insel war seit Jahrhunderten in dem Be- 
sitze der Herren von der Oehe, und zu der Zeit, als ich dieselbe 
zuletzt besuchte, etwa vor dreissig Jahren, lebte daselbst der Letzte 
seines Stammes, ein älterer unverheiratheter Herr, der sich die 
Pflege dieser prächtigen Vögel ganz besonders angelegen sein Hess. 
Es gehörte zu den sehr seltenen Ausnahmen, dass derselbe eine 
Störung irgend welcher Art gestattete, doch wurde mir auf die 
freundlichste Weise gewährt, zwei dieser Vögel für meine 
Sammlung schiessen zu dürfen. In Folge der pfleglichen Be- 
handlung waren die Sichler auch anfangs wenig scheu, und ihrer 
Gewohnheit nach kam der ganze Schwärm der bei den Nestern 
befindlichen Vögel uns entgegen. Es mochten wohl ;] — 400 
Stück sein, die sich uns auf gute Schussweite näherten, und die 
Jagd war daher rasch beendet; aber das Bild dieser prächtigen 
weiss und schwarzen Schaar steht mir so lebendig vor Augen, 
als wenn weniger Tage als Jahre darüber vergangen wären. 
Die Nester standen in geringer Entfernung, etwa 4 — 6 Fuss, 
von einander und waren alle voll mit vier Eiern belegt, denn 
niemals haben die Strand vögel eine grössere Zahl, und wo etwa 
ein fünftes Ei vorkommen sollte, so ist Ihnen ja bekannt, dass 
dies ein fremdes Ei sein muss, was nicht so ausserordentlich 
selten vorkommt, ja sogar bei verschiedenen Arten. Herr 
Schilling, der sich in meiner Begleitung befand, durfte weder 
einen Schuss abgeben, noch ein Ei dieses Vogels nehmen, und 
jedenfalls vermochten die verwandtschaftlichen Beziehungen*) 
desselben zu dem Besitzer der Insel nicht, eine Ausnahme in 
der allgemeinen Schonung der Sichler zu bewirken. Auch darin 
befinde ich mich mit Ihnen in voller üebereinstimmung, dass an 
der Westseite von Rügen der Gänsesäger nicht als Brutvogel 
vorkommt, niemals aber sein Nest so frei hinstellt wie Mergus 
serrator. Für Anfänger ist es auch nicht leicht, die Weibchen 
beider Vögel sicher zu unterscheiden. 

Wie Ihnen ja bekannt, lebt der Sichler nicht am offenen 
Meeresstrande, sondern sucht die seichten Buchten der Binnen- 
gewässer auf. Es hängt dies mit seiner Nahrung, die er stets 
oder wesentlich auf der Oberfläche des Wassers sucht, eng zu- 
sammen. Wie Sie wissen, befindet sich zwischen der Oehe und 
Ummans ein grosses Schaar**) und hier suchten die Vögel der 

*) Siehe Centralblatt. 

**) Sandbank, die zeitweise vom Wasser bedeckt, zeitweise trocken ist. 



- 28Ü — 

Brutcolonie ihre Nahrung. Zu jeder Zeit des Tages konnte man 
eine grössere Zahl derselben sehen, die eifrig mit dem Absuchen 
der Oberfläche des Wassers beschäftigt war. 

Ausser diesem Hauptbrüteplatz gab es noch einzelne kleine 
Brutplätze, z. B. auf dem Gänsewerder, den kleinen Binneninseln 
Lips und Wörens, mitunter auch wohl auf der Heuwiese. In 
ganz alter Zeit soll auf dem Gänsewerder eine grosse Zahl ge- 
brütet haben, wovon jedoch schon vor 50 Jahren nur noch Beste 
übrig waren. Es mögen auch noch auf manchen andern Punkten 
von Rügen einzelne Paare genistet haben, indessen kann ich mit 
Sicherheit darüber nicht berichten. 

Manche Zugvögel wären wohl noch aufzuzählen, indessen 
wollen wir uns das vorbehalten, wenn eine spätere Zeit es er- 
laubt. Dabei rechne ich ganz besonders auf Ihre Unterstützung 
in der Fortsetzung Ihrer trefflichen und wie mir ja bekannt so 
zuverlässigen Beobachtungen. 

Mit herzlichem Grusse 

Ihr ganz ergebener 

V. Homeyer. 



Pfarrer Bock an E. F. v. Homeyer. 

Danzig, den 19. Januar 1844. 

Wer th geschätzter Freund ! 

Für Ihre Yogelsendung sage ich Ihnen meinen besten Dank. 
Der Falco islandicus ist sehr schön, auch die kleinen Thierchen 
finden meinen vollen Beifall. Einen jungen Staar, wie der von 
Brehm gesendete, besitze ich schon. Was hat Brehm damit 
sagen wollen? 

Ihre Bemerkungen zu meinem Verzeichnisse sind mir sehr 
lieb; ich hätte es allerdings noch selbst einer Revision unter- 
worfen, aber ich gehe nun um so sicherer. Es stand Manches 
darin, was ich nicht mehr habe; es ist bereits in Ihrem Besitz: 
ich meine einige javanische Vögel. 

Was Ihre Desideraten betrifft, so habe ich bereits für Sie 
herausgestellt: Caprimulgus albicollis (^ $ (Amerika), Gallinula 
chlor opus (Amerika), Loxia leucoptera S 2 (von dem Ober- 
lehrer Lejde in Berlin, ohne Angabe des Vaterlandes, Siebold 



- 287 — 

meinte Nordamerika), Totanus macularius (Amerika), Totanus 
solitarius (Amerika, von Lejde und zwar als sehr selten be- 
zeichnet), Troglodytes furvus (Amerika). Ich werde Ihnen die- 
selben nach und nach zuschicken, je nachdem sich bei den Sen- 
dungen Platz finden wird. Lanius ruficeps aus Java besitze ich 
nicht. Es ist in meinem Verzeichnisse ein Schreibfehler, soll 
heissen Schlesien. Tringa brevirostris besitze ich nicht, sie muss 
schon von mir zu Ihnen gewandert sein. Das erste Mal be- 
kamen Sie Podiceps minor, Sterna media, Scolopax gallinago ge- 
stopft; Tringa glareola, hj^poleucus, brevirostris, Totanus java- 
nicus, Charadrius pluvialis, collaris und Lanius collurio in Bälgen. 
Das zweite Mal Podiceps minor, Totanus glottis, Tringa subar- 
quata. Tringa pusilla. Charadrius asiaticus in Bälgen. Ich be- 
sitze diese Vögel sämmtlich nicht, lasse sie aber vielleicht wieder 
aus Bonn kommen, wenn Goldfuss weiter tauschen will; dann 
kann auch Ardea affinis für Sie mitkommen. Die übrigen De- 
sideraten werde ich möglichst im Auge haben. Wie steht es 
mit den Grönländern? Einige davon haben Sie mir noch ver- 
sprochen, namentlich Anas moUissima masc. und spectabilis. Ich 
möchte sie gern im Laufe des Winters stopfen, denn im Sommer 
will ich etwas Zeit für die Schmetterlinge übrig behalten. Vor 
etwa vier Wochen habe ich eine Sendung ausländischer Insecten 
nach Dresden geschickt und erwarte dafür europäische; ich bin 
sehr gespannt darauf. 

Der Markt hat bisher wenig gebracht und der jetzige Sturm 
lässt wieder wenig erwarten, denn bei demselben kann Niemand 
auf die See fahren. Seidenschwänze sind immer da, wahrschein- 
lich sende ich Ihnen deren mehre. Alca waren einige vor- 
handen, aber schlechte. Anas fusca ist öfter dagewesen, aber 
die Händler fordern immer 12 Sgr., was ich nicht geben will; 
ich habe immer höchstens 8 Sgr. geboten. 10 Sgr. werde ich 
doch am Ende geben müssen, sonst geht der Winter zu Ende. 
Anas nigra ist einmal dagewesen: ich habe sie für mich ge- 
stopft, weil ich nur ein schlechtes Exemplar habe; jedoch habe 
ich ein strenges Verbot ergehen lassen, dieselbe an Jemand an- 
ders zu verkaufen. Auch war neulich ein altes Exemplar von 
Anser torquatus hier, aber es fehlten sämmtlich e Schwungfedern 
aus beiden Flügeln. Mergus merganser masc. bekam ich zu An- 
fang des Januar geschenkt, im schönsten Frühlingskleide. Wird 
nicht behauptet, dass er im Winter nicht hier sei? Die natur- 



— 2^;^s — 

historischen Werke des Dr. Lievin können Sie längere Zeit be- 
halten, ich habe dies gleich beim Leihen so verabredet. Vultur 
fulvus und papa habe ich bereits gestopft; die Flügel des letz- 
teren, welche fliegend standen, legten sich ganz leicht zusammen, 
nachdem er etwa acht Tage geweicht hatte. Jetzt weicht der 
Islandicus. 

Ihr treu ergebener 

Bock. 



Danzig, den 15. März 1844. 

Werthgeschätzter Freund ! 

In der Voraussetzung, dass ich morgen etwas senden kann, 
beginne ich schon heute mein Schreiben. 

Sie erhalten hiermit vorläufig zehn Exemplare meines Pro- 
gramms zur beliebigen Versendung an Ihre Correspondenten ; es 
stehen stets mehr zu Gebote. In dem einen sind Doubletten 
angestrichen, was jedoch in Hinsicht der Ausländer noch nicht 
genau ist, da ich nicht Zeit hatte, meine Bälge nachzusehen. 

Zu den beiden Männchen von Anas dispar erhielt ich am 
2. März ein altes Weibchen im Sommerkleide, w^elches von beiden 
so wie von der Naumannschen Beschreibung abweicht; wahr- 
scheinlich hat er ein junges Weibchen beschrieben und zwar das 
1839 von mir nach Berlin gesendete. Die Seite 7 beschriebene 
Ente ist wahrscheinlich ein ganz altes Weibchen von fusca, 
während die als gewöhnlich beschriebenen, mit den weissen Flecken 
am Kopfe und dem grauen Bauche, jüngere W^eibchen sind. Ich 
habe dafür ziemlich sichere Zeugnisse. An Lichtenstein habe 
ich einen genauen Bericht über dispar und fusca eingesendet und 
zwei Exemplare von fusca zur Erhärtung meiner Ansicht beige- 
legt, ein fast schwarzes und ein graues, zum schwarzen über- 
gehendes. 

Von meinem Programm habe ich an alle preussischen Uni- 
versitäten drei Stück und an Herrn Director Kaden nach Dres- 
den zehn Stück gesendet. Ich denke, unsere Gegend soll dadurch 
in ornitliologischer Hinsicht in guten Ruf kommen. Eilen Sie 
mit Ihrem Werke, damit Sie wo möglich der Erste sind, der 
Anas dispar vollständig in allen Kleidern beschreibt. Ich glaube, 
Sie thun am besten, es ohne Kupfer herauszugeben, es wird da- 



- '289 — 

durch viel billiger und findet bedeutenderen Absatz. Kupfer 
giebt es bereits genug in der Welt und jeder Gelehrte besitzt 
wenigstens schon ein Werk mit solchen. Mchtgelehrte sehen 
vornehmlich auf Wohlfeilheit. Denken Sie an Gloger und dessen 
weite Verbreitung. 

Am 9. März fand ich auf dem Markte Anas mollissima, 
ein junges A¥eibchen, bereits zum Alter übergehend. Wie geht 
es zu, dass von dieser Ente, sowie von dispar, nicht alte Vögel 
im AVinterkleide hier vorkommen ? Wahrscheinlich kommen nur 
die jüngeren vor und die, welche das Sommerkleid anlegen, 
weil die Gegend hier geschützter ist, namentlich das Putziger 
Wieck. 

Den 16. März. 

Der Markt ist heute schlecht, obgleich das Wetter gut ge- 
wesen; Eisenten noch in Masse, aber keine nigra. Alken und 
Lummen waren wohl einige da, aber ziemlich schlechte Exemplare. 

Mich bestens empfehlend 

Ihr treu ergebener 

Bock. 



Danzig, den 23. März 1844. 

Werthgeschätzter Freund ! 

Die Eisente kommt noch in Masse vor ; mit nigra und fusca 
scheint es vorbei zu sein; Alca und Uria war heute nicht vor- 
handen. Was die Anas dispar betrifft, so wäre es wohl eigent- 
lich zweckmässiger , wenn meine drei verschiedenen Exemplare 
am Fundorte zusammen blieben, bis sich vielleicht im nächsten 
AVinter mehrere finden. Jedenfalls möchte ich gern erst eine 
Antwort Lichtensteins abwarten. Wenn er, oder vielleicht Nau- 
mann, die Enten zur Ansicht eingeschickt zu haben wünschen, 
so glaube ich, dass ich dies im Interesse der Wissenschaft nicht 
versagen kann. Verschenken oder vertauschen werde ich an einen 
Fremden keine. Legen Sie ein besonders grosses Gewicht darauf, 
so sind Sie mir der nächste und Sie soUen das zuerst gefundene 
Exemplar haben. Wenn Sie es durchaus wünschen, so schicke 
ich es Ihnen sogleich und zwar in einer besonderen Kiste, damit 
es nicht leidet. Sollte sich noch ein frisches Exemplar finden, 

V. Homeyer, Oniitholog. Briefe. 19 



— 290 — 

was ich aber nicht glaube, so erhalten Sie es im Fleische. Für 
die Eiderente meinen besten Dank. 

Auf Ihre Ankunft im Sommer freue ich mich schon im 
Voraus. 

Mit besonderer Hochachtung und Liebe 

Ihr treu ergebener Freund 

Bock. 



Dan zig, den 26. April 1845. 

Werthgeschätzter Freund! 
Sie erhalten: 

2 Anas fusca m., f., 
1 „ strepera m., 

1 „ leucopthalmos, 

2 üria gr3^11e, 

1 Podiceps auritus. 
Schon am Mittwoch war ein Colymbus arcticus da, unten 
ganz weiss, oben sehr dunkel, jede Kückfeder dunkel gerändert, 
einige weisse Flecken auf den obern Federn; aber es fehlten 
in beiden Flügeln sämmtliche Schwungfedern. Er war heute 
noch da. Schade um ihn ! unsere Gänse werden wohl ein Paar 
sein; die meinige ist ein Weibchen. Ist es albifrons oder 
minutus? Die Flügelspitzen reichen nur bis zum Ende des 
Schwanzes. 

Soeben erhalte ich einen alten Falco pygargus aus der hie- 
sigen Niederung; ausserordentlich hell aschgrau. 

Ihr ergebener Freund 

Bock. 



Dan zig, den 3. Mai 1845. 

Werthgeschätzter Freund ! 
Der Taucher*) ist, wie Sie sehen, von den Verkäufern ab- 
gebalgt, mithin ohne Gift; 5 Sgr. ist er wohl werth. Die 
Ausbeute war heute sehr gering. 



*) Dieser Vogel ist in vieler Beziehung merkwürdig. Wie aus dem 
Briefe vom 26. April hervorgeht, war er schon längere Zeit eine Zierde 



— 291 — 

Für die gesendeten Bälge etc. meinen besten Dank. Lieb 
wäre es mir, wenn Sie mir den Rest sendeten, denn ich werde 
nun bald nach Dresden schicken. 

Gern hätte ich die versprochene Tringa subarquata. 
Glareola brauche ich nicht, ich habe jetzt zwei gekauft. Senden 
Sie gefälligst die Käfer mit, ich schicke sie zum Bestimmen 
nach Dresden. 

Ist die früher gesammelte Gans albifrons oder minutus? 

Ihr ergebener Freund 

Bock. 



Dan zig, den 5. Februar 1846. 

Werthgeschätzter Freund ! 
Als ich das letzte Schreiben an Sie auf die Post getragen 
hatte, fand ich auf dem Markte einen sehr interessanten Colym- 
bus arcticus. Er ist in dem üebergange zu dem Kleide be- 
griffen, welches in Cöthen so viel Aufsehen erregt hat. Die 
Section ergab ein ziemlich junges Weibchen. (Die Eier des Eier- 
stocks waren sehr klein, jedoch deutlich zu erkennen.) Es ist 
das erste Hochzeitskleid. Die Sache steht jedenfalls so: Der 
junge Vogel legt ein Hochzeitskleid mit mattschwarzer Kehle, 



des Danziger Marktes, der damals eine reiche Fundgrube für die in der 
Gregend erbeuteten Vögel war und namentlich Wasservögel in sehr grosser 
Zahl lieferte, demnächst Drosseln, Seidenschwänze und andere gefangene 
Vögel. Es gab Markttage, an denen Enten und (ränse zu Tausenden 
zum Verkaufe standen. Es liegt auf der Hand, dass diese grosse Anzahl 
von frischen Vögeln ausgezeichnete Grelegenheit zur Beobachtung des 
Federwechsels bot, nicht minder zur Erlangung seltener Arten, und dass 
daher diese AVochenmärkte von Bock regelmässig besucht wurden, iim 
eine Auswahl für seine und auch meine Sammlung zu treffen ; denn wäh- 
rend des Winters erhielt ich regelmässig Zusendungen von frischen 
Vögeln, gewöhnlich jeden Sonnabend, oft aber auch noch am Mittwoch. 
Sehr oft habe ich nun den Sonnabend-Markt auch selbst besucht, was 
für die Kenntniss der Wasservögel mir von grossem Werthe gewesen ist. 
Der oben erwähnte Colymbus arcticus war von Bock nicht ge- 
nommen, als er frisch am Markte war, wegen der angeblich fehlenden 
Schwungfedern. Wie mir Bock mittheilte, war dies ein alter Vogel, im 
Begriff das Prachtkleid anzulegen ; ich drang daher darauf, ihn zu kaufen 
und erhielt ihn als Balg. Die Schwungfedern aber sind nicht ausge- 
rissen, sondern gleichzeitig vermausert und im Hervorspriessen. 

V. H. 
19* 



— 292 - 

tropfenartigen Adern auf dem Rücken und mit weissgekanteten 
Eückenfedern an; je älter er wird, desto mehr geht die Kehle 
in das glänzende Violett über, desto mehr finden sich auf dem 
Rücken tropfenartige Flecken, die nach und nach in viereckige 
übergehen; die weissen Kanten der Rückenfedern verlieren sich 
bei den älteren Vögeln. Mein letzter Vogel hat auf dem Rücken 
mehr Tropfen und glänzendere Federn, als der Ihnen bekannte; 
ich glaube desshalb, dass er schon ein Jahr älter ist als jener. 
Wenn Sie mich zum Frühjahre besuchen, dann müssen wir die 
Sache ernstlich erörtern. Untersuchen Sie vorher Ihre Eudytes 
genau. Der letzte Vogel mausert gleichfalls die Schwanzfedern, 
vielleicht geschieht dies auch nur bei jungen A^ögeln. Ausser- 
dem habe ich am 31. Januar ein altes Männchen im Winter- 
kleide und Larus ridibundus erhalten, für hiesige Gegend eine 
Seltenheit. 

Ihr treu ergebener Freund 

Bock. 



Am 17. Januar habe ich einen interessanten Colymbus arc- 
ticus gestopft; er beginnt soeben die Mauser zum Prachtkleide. 
Der Rücken hat etwa ebenso viel neue wie alte Federn, an der 
Kehle sind sehr wenig neue dunkle Federn. Der Vogel zeugt 
gegen Naumann, welcher behauptet, dass er zu dieser Zeit die 
Schwanz- und Schwungfedern nicht wechsele. 

Mein Vogel wechselt die Schwanzfedern und die Schwungs 
federn zwar noch nicht, aber dieselben sind so abgerieben und 
verbleicht, dass er sie zu dem neuen Prachtkleide schwerlich be- 
hält. Ob die Brust- und Bauchfedern gewechselt werden, ist 
nicht zu erkennen, da sie gleiche Farbe behalten. Der Theil 
der Kehle, welcher violett-schwarz werden soll, hat ganz weiches 
Gefieder und ist von dem folgenden harten Gefieder wie abge-^ 
schnitten, so dass man das künftige dunkle Kleid schon jetzt 
deutlich bemerkt, obgleich es noch meistens weiss ist, wie das 
untere. Die schwarzen Längsstreifen zu beiden Seiten der Brust 
mausern. 

1846. Bock. 



Dan zig, den 3. September 1846. 

Werthgeschätzter Freund! 

Zu der Versammlung nach Dresden kann ich nicht kommen, 
weil gerade in der Zeit des 30. September der Schulcursus 
wechselt und neue Schüler gemeldet werden. Ich werde Ihnen 
die merkwürdige Anas glacialis senden, und zum Vergleiche ein 
Exemplar, welches den gewöhnlichen Frühlingsübergang in das 
Sommerkleid zeigt. Ausserdem werden Sie von mir vier Exem- 
plare von Colymbus arcticus erhalten nebst einer kleinen Abhand- 
lung über deren Farbenwechsel, die ich vor Allem Ihrer Beur- 
theilung unterwerfe, ehe Sie dieselbe vortragen. 

Haben Sie über denselben Gegenstand, wie, ich fast glaube, 
etwas gearbeitet, so können entweder beide Arbeiten neben ein- 
ander bestehen, oder wollen Sie noch etwas geben, so habe ich 
nichts dagegen, wenn Sie meine Arbeit bei Seite legen, sie als 
Material betrachten und das Brauchbare in Ihre Arbeit hinein- 
ziehen ; oder wenn Sie nichts arbeiten, so tragen Sie das Meinige 
vor und knüpfen Ihre Bemerkungen in tempore daran. Wahr- 
scheinlich reisen Sie nicht vor dem 20. ab; ich habe also zu 
meiner Arbeit und zur Einsendung des Versprochenen etwa bis 
zum 15. Zeit. Ich denke noch früher fertig zu sein. Von Co- 
lymbus septentrionalis werde ich Ihnen nichts senden, denn das 
Merkwürdige haben Sie bereits in Cöthen vorgezeigt. Uebrigens 
ist Ihr Exemplar im üebergange dem meinigen fast gleich. Soll 
ich Ihnen etwa die Alca torda senden, welche (am 10. Januar 
1846 gestopft) eine dunkle Kehle hat? Die alten Weibchen 
von nigra, fusca und Stelleri wollen Sie doch nicht noch einmal 
vorzeigen? Das Vorkommen von Anas spectabilis fem. im März 
1844 ist wohl nur zu erwähnen. Schreiben Sie nicht, so er- 
halten Sie nur die vorn angestrichenen sechs Stücke. 

Am 21. August erhielt ich einen jungen ausgewachsenen 
Falco brachydactylus m. lebend. Wohnten Sie näher, so hätte 
ich Ihnen denselben lebend geschickt. Am 31. d. M. Colymbus 
arcticus von dem General von Below auf Kutzau; bereits abge- 
zogen, wodurch mir die Arbeit sehr erschwert wurde. 

AI au da bifasciata ist für mich ein Unglücksvogel. Sie 
steht seit einem Jahre in meinem Verzeichnisse, ist aber noch 
nicht hier. Sie ist bei meiner Abreise nicht mit eingepackt 



— 294 — 

worden. Sie mögen sich die versprochene Fringilla erythrina 
damit auslösen. 

Enten kommen bereits ziemlich viele zu Markte, aber meistens 
schon halb gebraten. 

Ihr treuer Freund 

Bock. 



Dan zig, den 5. Mai 1847. 

Werthgeschätzter Freund ! 
Sie erhalten hiermit 

1 Mergus serrator rn., Uebergang, 

1 Anas leucopthalmos m., uebergang und 

2 Machetes m., Uebergang. 

Sehr gern hätte ich Sie durch einen alten Totanus fuscus, 
den ersten dieses Jahres, erfreut, aber er war bereits zu alt; 
die Federn Hessen schon los. Ich habe ihn gestopft. Anas 
strepera hätte ich Ihnen zuweilen schicken können, aber ein ein- 
zelner Vogel der Art ist das Porto nicht werth. Ich besitze 
jetzt davon dreizehn Stück, ein Zeichen der geringen Seltenheit. 
Am 21. April habe ich eine Eisente im fast vollendeten Sommer- 
kleide erhalten; am 23. eine, die eben den Uebergang beginnt. 
Von Colymbus arcticus habe ich nur ein Exemplar erhalten, und 
zwar den 25. April lebend im vollständigen Prachtkleide. Ihre 
Ansicht über den Kleiderwechsel dieses Vogels ist die richtige, 
der Däne Paulsen irrt. Alca torda ist dieses Jahr ganz ausge- 
blieben; von Uria grylle habe ich nur ein junges Exemplar 
erhalten. 

Mit dem Wunsche, dass alle Ihre Speicher und Kartoffel- 
keller noch gefüllt*) sein mögen, und mit der Bitte, Ihren zu- 
gesagten Besuch ja nicht zu vergessen, 

Ihr treu ergebener Freund 

Bock. 

*) Das Jahr 1847 brachte bekanntlich solche Theuerung, wie die- 
selbe seit 1817 nicht gewesen war. In beiden Fällen liegt der Grund 
in der ganz ungewöhnlichen Witterung des vorhergehenden Jahres, die 
im Jahre 1816 so nass war, wie in keinem andern Jahre dieses Jahr- 
hunderts; 1846 hingegen — wie bekannt — ungewöhnlich warm und 
trocken. v, H. 



— 295 - 

Dan zig, den 12. Mai 1847. 

Werthgeschätzter Freund ! 

Auf dem Markte habe icli heute Nichts gekauft. Es waren 
nur Anas boschas, penelope, crecca und querquedula da, ausser- 
dem eine beinahe verfaulte strepera; kein einziger Strandläufer. 
Von dort ging ich zu einem mir befreundeten Getreidemäkler, 
um Ihnen die hiesigen Getreidepreise genau angeben zu können.*) 

Der Weizen kostet per Last (= 60 Scheffel) 750—820 
Gulden (= ^3 Kthlr.), also der Scheffel 4^/6 Kthlr. und darüber, 
je nach der Beschaffenheit. 

Roggen die Last 660 — 680 Gulden, also der Scheffel 
3 Rthlr. 20 Sgr. und darüber. 

Gerste die Last 160— 170 Rthlr., also der Scheffel 2-/. Rthlr. 

Hafer die Last 85—100 Rthlr., der Scheffel l'/^— l-/^ Rthlr. 

Erbsen die Last 170—215 Rthlr., der Scheffel 2^/6— 3 '/^o 
RthL-. 

Spiritus per Ohm 45 — 50 Rthlr. 

Kartoffeln der Scheffel 1 Rthlr. 10—15 Sgr. 

Die Meinigen sind alle wohl; ich wünsche von Ihnen und 
den lieben Ihrigen ein Gleiches zu hören. Herzlich grüssend 

Ihr treu ergebener Freund 

Bock. 



Dan zig, den 7. Februar 1849. 

Werthgeschätzter Freund! 

Je eher Sie kommen, desto lieber wird es mir sein; ich 
kann dann Ihr ürtheil noch zu meinen ornithologischen Beiträgen 
benutzen, mit denen ich stark beschäftigt bin. 

Eine Doppelmauser und somit auch ein Doppelkleid der alten 
Entenweibchen kann ich bei Piatypus ferinus, marilus, glacialis 
und fuscus mit Bestimmtheit nachweisen; bei SteUeri, mollissi- 
mus und spectabüis eine andere Mauserzeit der jungen Vögel 
u. s. w. Heute habe ich ein Drosselweibchen gestopft, welches 



*) Die Preise dieses Theuerungsjahres, wenn auch noch nicht auf 
höchster Stufe, mögen immerhin von Interesse sein. v. H. 



— 296 — 

ich für Bechsteinii halte. Der Vogel sieht der Singdrossel 
am ähnlichsten, ist jedoch niehr grau, hat ein breites graues 
Band auf der Brust und steht in der Grösse zwischen musicus 
und pilaris. Die Beschreibung Naumanns, welche ich freilich 
nur flüchtig gelesen habe, da sich der Tag neigte, passt ziem- 
lich genau. Auf dem Markte erscheinen jetzt meist nur Eis- 
enten, von denen ich viele Weibchen stopfe, um wo möglich 
alle Farben und Uebergänge zu haben. Lummen. Hakengimpel, 
und Seidenschwänze fehlen ganz. 

Unsere Wahlen zur zweiten Kammer sind gut ausgefallen. 
Wir haben mit dem Landkreise zusammen drei gemässigte 
Männer gewählt, welche der Linken jedenfalls nicht angehören 
werden: den Justizrath Groddeck. früher Deputirter in Berlin 
(rechte Seite), den Justiz - Commissar Martens, Deputirter in 
Frankfurt frechte Seite) und den Hofbesitzer Störke in Praust, 
früher Theologe und Hauslehrer bei dem verstorbenen Major von 
Eexim auf Wödtke. Zur ersten Kammer werden am Montage 
Auerswald und Brünneck gewählt werden; der Dritte ist noch 
nicht designirt. Ich rechne mit Bestimmtheit auf Ruhe und 
Frieden. Die Nachbarvölker haben zu viel mit sich zu thun 
und die Deutschen werden sich nicht selber prügeln. 

Herzlich grüssend 

Ihr treuer Freund 

Bock. 



Dan zig, den 19. Mai 1849. 

Werth geschätzter Freund! 
Die Vogelsaison scheint vorüber zu sein. Heute waren sehr 
wenig gewöhnliche Enten auf dem Markte. Die gewünschten 
Gänse habe ich nicht mehr erhalten können; von der Löffelente 
hätte ich ein Männchen mehr als einmal senden können, aber 
es fehlten immer die Weibchen. Ich habe selbst keins gestopft, 
obgleich es mir wegen meiner Abhandlung sehr erwünscht ge- 
wesen wäre. Die Entenweibchen, deren ich sehr viele der ver- 
schiedensten Arten gestopft habe, mausern mit Bestimmtheit 
zweimal ; sie mausern jetzt auch die Steuerfedern, z. B. penelope, 
crecca, querquedula, fuligula, ferina, clangula u. s. w. Strepera 
mausert die Steuerfedern im Herbst und im Frühjahr, was 



— 297 — 

wohl bei mehreren der Fall sein mag ; ich habe desshalb bei den 
andern noch nicht nachgesehen. 

Von der crecca habe ich ein Weibchen, deren frische Sommer- 
federn des ganzen Rückens bis zum Schwänze einen grünen 
Schiller zeigen, so glänzend wie der Spiegel. Wäre es ganz 
ausgefiedert, so müsste es prächtig aussehen; der untere Theil 
des Spiegels, sonst schwarz, ist bei derselben weiss und schwarz 
inarmorirt, vielleicht ein sehr altes Thier. Ein Sommerweibchen 
der strepera zeigt auch grünen Schimmer auf dem Rücken. 
Meine Entensammlung steht jetzt gewiss einzig in ihrer Art da. 
Machen Sie sicli ernstlich an die Bearbeitung der Schwimmvögel, 
Sie werden dadurch am sichersten Ihrem Werke eine wünschens- 
werthe Beachtung zuwenden. Warten Sie so lange bis mein 
nächstes Programm in die Welt geht, dann kommen Ihnen An- 
dere zuvor und pflügen mit unserm Kalbe. 

Am G. Mai stopfte ich einen Colymbus arcticus, der das 
Prachtkleid fast ganz vollendet hat. iVm Halse sind keine weissen 
Federn mehr, die violetten Federn noch nicht alle vollständig 
ausgewachsen. Dieses Exemplar hat mich vollständig überzeugt, 
dass Paulsen sich auf dem Irrwege befindet. Dass die Vögel 
nicht alle zu gleicher Zeit mausern, steht fest, wie es ja auch 
bei den Enten und vielen andern Vogelarten der Fall ist. Gestern, 
also am 18. Mai, stopfte ich zwei alte Weibchen von Ardea 
nycticorax, welche mir mein junger Freund Rindfleisch aus 
Terranova*) bei Elbing zusendete. Die Thiere brüten also hier 
mit Bestimmtheit; vielleicht sind sie aus Ungarn fortgewandert, 
weil sie als legitime Oesterreicher das dortige Treiben nicht 
länger mit ansehen mögen. 

Die Meinigen sind wohl und lassen sich bestens empfehlen. 

Herzlich grüssend 

Ihr treu ergebener Freund 

Bock. 



*) Es ist das eine Gregend am Frischen Haff, welche ausserordent- 
lich geeignet für Reiher aller Art ist. Zwischen verschiedenen Fluss- 
läufen befinden sich unabsehbare Flächen, dicht mit Rohr und Schilf 
bewaclisen, wo es auch dem Kundigen ausserordentlich schwierig ist, 
brütende Reiher aufzufinden. Aus dieser Gegend hat Böek eine ganze 
Anzahl von Nacht-, Purpur- und einzelne andere Reiher erhalten. 

V. H. 



- 298 



Dan zig, den 30. Juli 1849. 

AVerthgescbätzter Freund ! 

Ihr Besuch, wenn auch erst im Herbste, wäre mir sehr an- 
genehm. Ich sammle fortwährend Enten, um wegen der Mauser 
recht ins Klare zu kommen. Wir wollen dann gemeinschaftlich 
zu Gericht sitzen. Die Oberlehrer Menge und Schmidt können 
Beisitzer sein. Vielleicht kommen wir darauf, dass das Regiment 
Piatypus zweimal und das der Anas einmal*) mausert. Cly- 
peata fem. scheint bestimmt nur einmal zu mausern, PL fe- 
rinus und marilus fem. bestimmt zweimal. 

Die Cholera lässt zwar nach, ist aber doch noch nicht ganz 
vorüber. 

Herzlich griissend 

Ihr treuer Freund 

Bock. 



E. F. V. Homeyer an H. Gätke in Helgoland. 

October J879. 

Mein werther Freund! 

Recht sehr danke ich Ihnen für die Zusendung der Zeit- 
schrift „Nature"', wo Sie sich über eine Aeusserung des Herrn 
Dr. Wiesmann ergehen. Dieser Herr ist mir auf ähnlichem Ge- 
biete schon anderweitig begegnet ; ich habe indessen auf seine 
Auseinandersetzungen bisher wenig geachtet, theils weil mir die- 
selben unerheblich erschienen, theils weil meine Zeit es nicht 
erlaubt, alle dergleichen Extemporatioiieu berichtigen zu wollen. 

Es handelt sich hier indessen um zwei Dinge, welche ein 
allgemeineres und grösseres Interesse haben. Zunächst ist es 
der Zug der jungen Vögel, worüber Sie so schöne Beobachtungen 
gemacht und veröffentlicht haben. Diese Beobachtungen werden 
von Herrn Wiesmann um deswillen angezweifelt, weil derselbe 



*) Hier war Bock allerdings im Irrthum, wohl veranlasst durch die 
ausserordentlich verschiedene Zeit, in welcher die Weibchen mausern, 
was mit der frühern oder spätem Brut zusammenhängt, auch durch Ver- 
letzungen, Krankheit u. s. w. verzögert wird. Sehr wesentlich ist auch 
das Alter des Vogels. v. H. 



— 299 — 

der Ansicht ist, dass junge fliegende Staare von den alten nicht 
mit Sicherheit zu unterscheiden wären. Zunächst sehen wir 
daraus, dass Herr Wiesmann kein praktischer Beobachter ist: 
wäre er das, so würde er wissen, dass zu der von Ihnen ange- 
führten Jahreszeit alte und junge Staare sich auch in ziemlicher 
Entfernung mit Sicherheit unterscheiden lassen und dass Ihre 
Schlüsse daher wohlbegründet waren. 

Eine fernere Behauptung des Herrn Wiesmann scheint mir 
jedoch von noch grösserer und wesentlicherer Bedeutung. Der- 
selbe äussert sich dem berühmten Professor Newton gegenüber 
ungefähr folgendermassen : ..Populäre Schriften werden in Deutsch- 
land anders betrachtet wie in England ; es ist nicht erforderlich, 
dass hier darin etwas Neues gesagt wird.-' 

Nun, neue Beobachtungen, neue Entdeckungen zuerst in 
populären Schriften zu geben, mag auch wohl in England un- 
gebräuchlich sein, indessen handelt es sich nicht darum, sondern 
um die Richtigkeit der gemachten Angaben; denn wenn auch 
das lesende Publikum ein gläubiges sein mag, so bleibt 
darum doch die Pflicht der Zuverlässigkeit der gemachten 
Angaben dieselbe und es kann nicht zugegeben werden, dass 
wir Deutsche hierin weniger gewissenhaft sein sollten als die 
Engländer; mögen immerhin Ausnahmen vorkommen, wie dies 
leider oft der Fall ist, nimmer aber darf es so weit gehen, dass 
dergleichen Grundsätze oder Unterlassungssünden zur Regel 
werden. 

Es ist leider nicht zu leugnen, dass Deutschland in neuerer 
Zeit von einer grossen Zahl Zeitschriften überschwemmt wird, 
welche nur allzu sehr auf gläubige Leser rechnen und denen 
eine wissenschaftliche Kritik sehr wenig passt; selbst manche 
Zeitschriften, von denen man bei ihrer Begründung hoffen durfte, 
dass sie der Wissenschaft Rechnung tragen würden, lassen sich 
mehr und mehr von der Zeitströmung fortreissen und gehen all- 
mählich in das entgegengesetzte Lager über; die Jagd nach 
Abonnenten hat unzweifelhaft einen grossen Antheil an solchem 
Gebahren, aber der Gewinn nach dieser Seite ist gewöhnlich mit 
einem Verlust nach der andern verbunden. Mit einem Worte^ 
die Quantität gewinnt und die Qualität verliert. 

Wie wenig Herr Dr. Wiesmann auf eigenen Füssen steht, 
ersieht man sehr leicht bei etwas eingehenderer Betrachtung 
seiner Arbeit. Alles geht auf Wallace zurück. Ebenso wie 



— 800 — 

Palmen sich genau in dessen Fusstapfen bewegt, tritt Herr Wies- 
mann in die Spuren Beider, ohne Prüfung Alles für richtig, Alles 
für wahr annehmend, was die beiden eben erwähnten Schrift- 
steller behaupten. 

A^^ie Sie wissen, bin ich augenblicklich mit einem Werke 
über den Vogelzug beschäftigt und werde mir vorbe- 
halten, dort auch über diesen Gegenstand ausführliche Ausein- 
andersetzungen zu geben. Es wird nicht schwer fallen, nachzu- 
weisen , dass eine grosse Anzahl von Vögeln, ja vielleicht die 
Mehrzahl, gesondert zieht, nicht nur Alt und Jung, sondern auch 
alte Männchen und alte Weibchen. Es fällt damit freilich ein 
bekannter Lehrsatz des Darwinismus, dass die alten 
Vögel die jungen auf ihren AVanderungen führen, 
und an diese Lehre klammern sich so viele Menschen, denen die 
genauere Kenntniss der Verhältnisse fehlt, denen es aber vor 
allen Dingen darum zu thun ist. zu zeigen, dass sie auch etwas 
von Darwin gehört und dass sie vermögen, bei ihren Vorträgen 
einige mehr oder minder unpassende Schlagwörter anzubringen. 
Die Zahl der sogenannten populären Schriftsteller ist sehr gross ; 
leider befinden sich aber darunter sehr wenige, die sich ernsten 
Studien hingegeben haben und die daher im Stande sind, dem 
Thatsächlichen Kechnung zu tragen und sich nicht verleiten 
lassen, durch ansprechende lebendige Bilder in das Reich der 
Phantasien überzugehen. Einzig in seiner Art steht hier un- 
zweifelhaft Brehm da, aber auch die Gebrüder Müller haben ihre 
hübschen Beobachtungen auf sehr ansprechende Weise veröffent- 
licht. Es erscheint mir zweifelhaft, ob ich hierher noch den 
Herrn Professor Liebe in Gera zu rechnen habe, der herrliche 
Lebensbeobachtungen gemacht und th eilweise auch veröffentlicht 
hat, der jedoch wohl mehr zu den wissenschaftlichen Forschern 
zu rechnen ist. Die Engländer, welche eine grosse Zahl so be- 
deutender Naturforscher haben, dürfen wohl überzeugt sein, dass 
ein so absprechendes ürtheil, wie das des Herrn Wiesmann über 
den wissenschaftlich so hoch stehenden Professor Newton, auch 
bei deutschen Naturforschern allgemein gemissbilligt wird und 
dass es in Deutschland ebenso wenig wie in England Sitte ist, 
seine Zuhörer und seine Leser mit Vermuthungen , Hypothesen 
und dergleichen Dingen zu unterhalten. 

Mit herzlichem Gruss ,, , , 

Ihr treu ergebener 

E. F. V. Homeyer. 



— 301 — 

Landbeck an E, F. t. Homeyer. 

Lieber Freund! 

Ganz unerwartet erhielt ich Ihr freundliches Schreiben vom 
17. V. M. sammt einer Lieferung seltener Vögel und Eier, welche 
mir sämmtlich erwünscht waren und wofür ich herzlich danke. 

Es thut mir leid, Ihren Wünschen nicht so entsprechen zu 
können, wie ich gern möchte ; denn durch meine längere Ab- 
wesenheit von hier war ich verhindert, mehrere in hiesiger 
Gegend lebende, seltene Vögel in grösserer Anzahl zu sammeln, 
und aus der Schweiz erhielt ich bis jetzt noch keine Sendung. 
Um Ihnen jedoch meinen guten Willen zu zeigen, habe ich fol- 
gende Vögel für Sie beigelegt, welche Ihnen wohl auch zum 
Theil neu sein werden, nämlich: 

Falco tinnunculoides $, adult. zu Ende Sommers. Später werde 
ich schönere Exemplare von diesen und einigen andern Vögeln 
vorliegender Sendung erhalten und Ihnen mittheilen. Ich er- 
hielt dieselben in diesem Zustande vor einigen Tagen aus Klagen- 
furt. Die meisten Vögel, welche ich dorther erhalte, sind ausser- 
dem schwer, nicht einmal im Kaufe, zu erhalten. (Picus leuco- 
notus $, vielleicht später auch S, steht zu Diensten; ich sende 
ihn heute nicht, da Sie nichts davon bemerkt haben.) 

Pyrrhocorax alpinus S ? aus Appenzell im Säntisgebirge. 

Picus tridactylus S ? aus Kärnthen. 

Picus canus S von Mössingen, später das $. 

Muscicapa albicollis zweicj; künftigen Mai schönere Exemplare. 

FringiUa serinus S ? aus Klagenfurt. 

Fringilla nivalis $ et juv. aus Appenzell, S aus Klagenfurt. 

FringiUa citrinella S aus Steinegg im Grossherzogthum 
Baden. 

Fringilla cisalpina aus Italien. Dieser Vogel ist unser Haus- 
sperling in klimatischer Abänderung. Ich fand im Ober- und 
Unter-Engadin , ^vo er mit dem gewöhnlichen vorkommt, alle 
Uebergänge, nämlich mit ganz, halb und nur theilweise rothen 
Köpfen. Die Jungen und Eier unterscheiden sich nicht von den 
gemeinen. Fringilla nivalis hat nicht, wie Herr Brehm in seinem 
Handbuch behauptet, grünlich-grau und dunkelgrün gefleckte, 
sondern einfarbig weisse Eier, wie der Hausrothschwanz, nur 
grösser. 



— aü2 — 

Calamolierpe striata S adult. aus hiesiger Gegend. 

Gallinula pusilla ? adult. aus Kärnthen. 

Strix acadica (pygmaea) S ebendaher, später das $. 

Tichodroma phoenicoptera ebendaher, zwei S im Sommer 
und Winter, Brehms beide Arten. Den Jungen hat auch noch 
Niemand beschrieben, ausser Gloger, aber unrichtig. Ich besitze 
auch das wahre Nest. 

Lanius ruficeps S ? juv. von hier. 

Eberiza cia S, zwei $ und juv. von hier. (Das ganz alte 
Weibchen ist vom Männchen fast gar nicht verschieden; das 
junge Weibchen hat noch einen Rest des Herbstkleides, beson- 
ders an der Kehle.) Der Junge ist, so viel mir bekannt, noch 
nicht beschrieben, ebenso wenig das Nest und Ei, welche Sie auch 
nächsten Sommer erhalten sollen. 

Sylvia montana S adult. et juv. (später Nest und Ei). 

Accentor alpiuus S, ? juv. Appenzell. 

Ardea purpurea S adult. aus Afrika. 

Perdix saxatilis S adult. aus Graubünden. 

Pastor roseus S aus Dalmatien. 

Bombycilla cedrorum S adult. aus Nordamerika. 

Sterna anglica aus Augsburg. 

Eier sende ich dieses Mal keine, da ich wenig Seltenes be- 
sitze und lieber eine Sendung aus Kärnthen abwarten will, wo 
ich mehrere der illpenvögel bekommen soll. 

Die Emberiza hortulana, welche Sie mir zu übersenden die 
Güte hatten, hat, gegen diese Art aus hiesiger Gegend gehalten, 
einen solchen kleinen und schlanken Schnabel, dass Herr Brehm 
jedenfalls zwei Arten unterscheiden müsste. Das Verhältniss ist 



ungefähr so: .^v® "^--^ 



Der Zweck meines Sammeins ist neben einer angebornen 
Liebe zur Ornithologie eigentlich die Herausgabe einer Natur- 
geschichte der europäischen Vögel. Ich habe mich zu diesem 
Zwecke mit einem Freunde, dem Freiherrn von Schertel, welcher 
i^o Jahr zur Beobachtung und zum Sammeln der nordischen 
Vögel Norwegen und Lappland bereist hat, verbunden und hoffe 
den Ornithologen mit einem solchen Werke eine Freude zu 
machen. Wir haben ein Format (15 Pariser Zoll hoch, 12 Zoll 
breit) gewählt, auf welchem die lebensgrosse Abbildung sehr 



— HOB — 

vieler Vögel und bis 7Air Grösse des Steinbuhns möglich ist, und 
werden sämmtliche europäische Vögel in beiden Geschlechtern 
und ihren verschiedenen Entwickelungsperioden sammt Nest und 
Eiern ganz naturgetreu abbilden und ausfilhrlich beschreiben. 
So viele Hindernisse der Ausführung eines solchen Werkes auch 
entgegentreten, so wollen wir, im Interesse dieser schönen Wissen- 
schaft, dennoch einen Versuch wagen und hoffen auch durch jeden 
wahren Ornithologen dabei unterstützt zu werden. 

Wir besitzen kein deutsches Werk, welches die sämmtlichen 
europäischen Vögel in Abbildungen oder selbst nur in vollstän- 
digen Beschreibungen enthielte, und Naumann ist der Einzige, 
welcher über Deutschlands Vögel etwas Umfassendes giebt. 
Allein es wird auch Ihnen, wie vielen andern Ornithologen, nicht 
entgangen sein, dass die Abbildungen in Naumann nach einem 
viel zu kleinen Maassstabe gefertigt sind, wodurch sehr häufig 
ündeutlichkeit entsteht, die durch schlechte Illumination ge- 
steigert wird. Dieser Vorwurf kann aber unser Werk nie treffen, 
wenn die nöthige Sorgfalt dabei angewendet wird. Die syste- 
matische Herausgabe eines solchen Werkes halte ich für ganz 
unzweckmässig, weil mau hierdurch gezwungen ist, jeden Vogel, 
an den die Reihe kommt, zu beschreiben, man mag dessen Na- 
turgeschichte genau kennen oder nicht. Aus diesem Grunde 
werden auch wir nicht systematisch verfahren, sondern immer 
diejenigen Vögel, welche wir am genauesten kennen, zuerst ab- 
bilden und beschreiben. Die Abbildungen werden daher aus 
lauter einzelnen Blättern bestehen, auf deren jedes nur eine 
Art kommt; ebenso der Text, wodurch es dann möglich wird, 
später neue Abbildungen und Beschreibungen einschalten zu 
können, ohne genöthigt zu sein, Sui)plementbände nachzuschicken, 
welche etwas sehr Unangenehmes sind. Ueberdies ist dann kein 
Sammler gezwungen, ein einseitiges System zu beobachten, da 
er die Blätter ganz nach eigenem Gefallen ordnen kann. Am 
Schlüsse sollen alsdann aber doch eine allgemeine Einleitung und 
einige gute Systeme, praktisch durchgeführt, folgen, um dem An- 
fänger einen richtigen Leitfaden an die Hand zu geben. Das 
Ganze wird nur heftweise erscheinen, mit je vier Blättern Ab- 
bildungen und so viel Text. Ich habe bereits einige Hefte im 
Manuscript fertig und ich hoffe, dass die Herausgabe diesen 
Sommer den Anfang nehmen wird. — Was halten nun Sie von 
diesem Projecte? Wäre wohl auf Subscription norddeutscher 



— .)U4 — 

Naturforscher zu zählen? Wollen Sie mir hierüber Ihre auf- 
richtige Meinung mittheilen, so werden Sie mich zu grossem 
Danke verpflichten. Durch eine Reise nach Ungarn würde ich 
wohl "viele Beiträge zu diesem Werke, sowie eine Menge von 
Tauschobjecten erhalten ; ich weiss jedoch noch nicht gewiss, 
ob ich heuer schon mein Vorhaben ausführen kann, jedenfalls 
werde ich Sie dabei berücksichtigen ; denn ich hoffe, dass unsere 
wissenschaftliche Verbindung sich nicht nur auf kurze Zeit, son- 
dern auf unser ganzes Leben erstrecken soll. 

Empfangen Sie nun zum Schlüsse die Versicherung meiner 
aufrichtigsten Freundschaft, mit der ich stets sein werde 

Ihr ergebenster 

Ludwig Landbeck. 

Mössingen, den 8. März 1837. 



Tamak, den 25. April 1854. 

Lieber Herr Me3^er!*) 

Die Ornithologie ist eine edle Wissenschaft und sollten da- 
her alle ehrwürdigen Veteranen derselben unsterblich sein, damit 
die jungen Füchse recht viel von ihnen profitiren können. Diesen 
meinen aufrichtigsten Wunsch rufe ich Ihnen aus weiter Ferne zu. 

Die Geschäfte sind in vollem Gange. Heute Nachmittag 
erlegte ich zwei Otis tetrax, Männchen und Weibchen, im Sommer- 
kleidc, vier Charadrius Morinellus mit schön braunen und schwarzen 
Leibfedern, eine Coturnix, einen Ch. pluvialis, AVinterkleid. Das 
Treffen gelingt gut ; ich donnere fast Alles herunter, was mir zum 
Schuss kommt. Die Eiersammelei ist eingeleitet. Zwanzig 
Exemplare von Falco tinnunculoides (richtige) liegen vor. Es 
wird viel zu thun geben. In den letzten acht Tagen arbeitete 
ich folgende Thiere: Falco rufipes, zwei Männchen; F. tinnun- 
culoides, drei Männchen; Ardea comata (ralloides), zwei sehr 
schöne alte Männchen ; Ardea minuta, ein altes Männchen ; Mus- 
cicapa albicollis, altes Männchen; Sylvia Fitis (nicht Tithys); 
Larus minutus, im Sommerkleide zehn Exemplare. Die alten 

*J Dies Schreiben war an meinen alten Conservator Meyer, den 
Vater meines Jägers, gerichtet. v. H. 



— 305 — 

Männchen schön rosa überlaufen an der untern Seite und die ver- 
schiedensten Mauser-üebergänge; auch ein junges Thier vom 
letzten Sommer mit bräunlichen Flügeldeckfedern und schwarzer 
Schwanzbinde. Sterna nigra, zwei Exemplare (Sterna leucoptera 
sah ich an einem Abende circa zehn Stück, konnte sie aber 
nicht erlegen); Charadrius minor, altes Männchen; Ardea pur- 
purea, ein altes Männchen; Himantopus melanopterus, zwei alte 
Männchen, ein weissköpfiges Exemplar. 

Sie sehen also, dass ich fleissig gewesen bin. Im Eiskeller 
liegen noch : Ardea nycticorax und Recurvirostra, sowie Glareola. 
Es ist hier ein ausserordentlicher Reichthum an Geflügel. Die 
Enten sind schon alle fortgezogen und Merops ist gestern mit 
Oriolus und Coracias angekommen. Die Ardea egretta und gar- 
zetta sind noch zu erwarten. Beiliegendes Yerzeichniss zeigt 
Ihnen den Bestand meiner Sammlungen; ich hoffe bis zum 1. Juni 
sechs Hundert Bälge wieder frisch zu besitzen. 

Die Alauda wurde mir in Moskau als Alauda leucoptera Fall, 
bestimmt, die Motacilla als M. flava, var. pallida. Beide Thiere 
sind schon hingeschickt und werden neben meiner Arbeit wohl 
abgebildet erscheinen. Ich besitze auch zwei Exemplare des sel- 
tenen Aquila pennata, aber noch junge, die an der untern Seite 
hellbraun sind. Die weissen Schulterfedern markiren sich sehr 
deutlich. Einen von ihnen habe ich schon nach Petersburg ge- 
schickt. Aquila imperialis haben Sie auch richtig bestimmt, er 
wurde mir von Severzoff in Moskau nach meiner Abbildung 
ebenso benannt. Circus rufus wollte ich anfangs nicht aner- 
kennen, da der Schleier sehr undeutlich war; jetzt bin ich über- 
zeugt. Er brütet auch in den Steppen und werde ich Eier von 
ihm und den andern Weihen haben. In Moskau bestimmte man 
meinen gelben Circus als cineraceus, var. pallidus. Glareola 
ist in grossen Mengen erst vorgestern angekommen ; die drei von 
mir erlegten frischen Exemplare sind an der untern Flügelseite 
einfarbig schwarz. Auch aus Petersburg machte man mich auf 
die beiden Arten aufmerksam und Herr Rauch schrieb mir, dass 
Glareola Nordmannii die mit schwarzen Flügeln sei. 

Von Professor Nordmann in Helsingfors habe ich noch keine 
Antwort; die Leute sind dort wohl alle in Angst, üeberhaupt 
macht auch mir der Krieg viele arge Streiche. 

Heute, der 26. April, ist ein fetter Tag für mich gewesen: 
ich habe zwei prächtige Grus virgo im schönsten Kleide mit 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 20 



-- 306 - 

langen Ellenbogenfedern erhalten und zehn Eier dieser Art. Selbst 
sammelte ich zehn Eier von Corvus frugilegus und einige Staaren- 
Eier. Ich arbeitete heute an sechs Vögeln, von denen vier gebalgt 
und zwei gestopft sind. Recurvirostra ist heute wieder erlegt 
und im Garten habe ich noch eine Ardea comata und zwei Ardea 
nycticorax bemerkt, die ich in diesen Tagen zu erlegen glaube. 
Morgen nehme ich ein Aq. clanga- oder imperialis-Nest aus, und 
vielleicht kann man dabei auch die Alten beschleichen. In ver- 
gangener Xacht sind Lanius angezogen; meridionalis und ru- 
ficeps habe ich noch nicht bemerkt, aber sie kommen hier beide 
wohl vor. Jetzt wären ein Paar Hände mekr sehr nöthig, und 
wenn Ihr Sohn hier bei mir wäre, dann wollten wir schon Alles 
zwingen. 

Weiter reisen werde ich schon noch.*) Wohin und wann 
kann ich nicht ahnen. Jetzt hören meine Pläne einstweilen auf, 
man muss auf besseres Wetter warten. 

Nehmen Sie diesmal mit dem Wenigen vorlieb; leben Sie 
wohl und erinnern Sie sich Ihres in der Fremde weilenden 
Freundes 

Radde. 



Conservator Meyer an E. F. y. Homeyer. 

Stralsund, den i. März 1840. 

Hochwohlgeborener Herr ! 

Ew. Hochwohlgeboren berichte gehorsamst: 
Mein Sohn hat gestern hier am Strande eine Möwe**) ge- 
schossen, die ich nicht kenne und die Sie auch wohl wahrschein- 



*) In nicht zu ferner Zeit war es Radde beschieden, fast ganz 
Nordasien zu durchforschen und wir sehen ihn wiederum in neuester Zeit 
an den Ufern des Caspi-Sees seine schönen Beobachtungen fortsetzen. 

V. H. 

**) Xach einigen Wochen erhielt ich einen solchen Vogel zuge- 
sendet. Zu meinem grossen Bedauern legte ich nicht das Gewicht dar- 
auf, welches dies so hoch interessante Exemplar wohl verdient hätte, 
indem ich voraussetzte, dass bei dem regelmässigen Zuge es leicht sein 
müsse, sich bald wieder eine Anzahl von Exemplaren zu verschaffen. 
Leider ist diese Möwe weder von mir selbst noch von meinen Sammlern 
später erbeutet oder auch nur gesehen. Dieselbe trug noch so ziemlich 



— 307 — 

lieh nicht in Ihrer Uebersicht der Vögel Pommerns aufgeführt 
haben. Dieselbe ist von der Grösse der Lachmöwe, in der Zeich- 
nung aber der Silbermöwe fast ganz gleich. Der Schwanz, der 
ganze Unterleib, Hals und die Kehle sind rein weiss, Kopf und 
Nacken weiss mit schwärzlichen Strichen und Pimkten; der 
Rücken und Flügel schön grau, die Flügelspitzen schwarz, die 
erste und zweite Schwungfeder mit einem weissen Fleck, die 
vier folgenden mit weisser Spitze; Schnabel und Füsse sind 
graulich gelb, ebenso als wenn sie erst grau angestrichen wären 
und alsdann mit Gelb überzogen; vorn hat der Schnabel einen 
schwarzen Fleck, der Augenrand ist 1 i c h t b r a u n , das Augen- 
lid etwas schwarz röthlich. Das Gewicht ist 21^2 Loth, 
die Länge 15 ^o Zoll und die Breite 3 Fuss 7 ZoH. Wir haben 
diese Möwe seit dem 27. v. M. nun hier bemerkt. Sie zieht 
in Zügen von 12—20 — 30 Stück und diese Züge bestehen bloss 
aus dieser Möwe; wir haben keine anders gefärbten darunter 
gesehen , nur einige schienen einen schwarzen Flecken an dem 
Nacken zu haben, auch waren sie alle von einerlei Grösse. 
Ihren Zug nehmen sie immer dicht am Strande und zwar von 
Stralsund nach Barhöft (S.-N.) zu. Sie fliegen beträchtlich 
hoch und halten sich gar nicht mit Nahrungsuchen auf; daher 
scheint mir diese Möwe auf dem Zuge zu sein. Noch bemerke 
ich, dass sie eine vollkommene Hinterzehe hat. 

Von den kleinen Bussards*) sind noch keine wieder ange- 

das "Winterkleid def alten Sturmmöwen (Laras canus) , doch wich die 
Zeichnung- der Flügel um etwas ab, war jedoch auffallend klein, wahr- 
scheinlich eine im hohen Norden nistende Race. Der Vogel wurde weg- 
gegeben, ohne dass ich jetzt wüsste wohin. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich alle jüngeren Sammler darauf 
aufmerksam machen, nicht — wie es so häufig geschieht — Uni cader 
Sammlung wegzugeben, in der Erwartung eines baldigen Ersatzes. Der 
jüngere Sammler will dem älteren eine Freude machen, aber der Ersatz 
bleibt oft aus. v. H. 

*) Zweimal habe ich in früherer Zeit auffallend kleine Exemplare 
vom gemeinen Bussard (Buteo vulgaris) frisch erhalten, von denen ich 
leider keine mehr besitze. Die Masse des einen dieser Vögel sind noch 
in meinen Notizen vorhanden, die Beschreibung fehlt leider ganz, so dass 
ich ausser Stande bin, nachzuweisen, ob es sich hier um Buteo deserto- 
num handelt, was allerdings möglich wäre, zumal die Jahreszeit (Ende 
September, Anfang October) mit späteren Beobachtungen übereinstimmt 
und der eine dieser Vögel sich — auf einem Busche sitzend — durch 
einen sehr jugendlichen Schützen frei angehen und auf nahe Schussweite 
erlegen liess. v. H. 

20* 



— 308 — 

kommen, ich werde aber doch zusehen, dass ich noch einen 
erhalte. 

Mich Ihrem ferneren gütigen Wohlwollen angelegentlichst 
empfehlend 

Ew. Hochwohlgeboren 

ergebenster Diener 

Meyer. 



Stralsund 1841. 

Nach der Aussage eines Jägers sind hier diesen Winter 
einmal vier und einmal zwei Schneegänse gesehen worden. Der- 
selbe erzählt, es gäbe auch unter den wilden Gänsen ganz weisse, 
denn er hätte diesen Winter einmal vier und einmal zwei ganz 
weisse Gänse unter den grauen gesehen, sie wären aber etwas 
Meiner gewesen als die grauen und wären hinter dem Zuge 
her geflogen.*) 

Ew. Hochwohlgeboren 

ergebenster Diener 

M e 3' e r. 



Oberförster Seeliiig an E. F. y. Homeyer. 

Borntuchen, den 7. März 1877. 
Mein verehrter, lieber Freund! 
Sie haben mich durch Ihren lieben Brief vom 5. voris^en 



'ö' 



Monats recht freudig überrascht, namentlich auch durch das in 
demselben ausgesprochene Interesse in Bezug auf unsere deut- 
schen Adler. 

Bis jetzt glaubte ich den Steinadler in Gegenden wie das 
Ibenhorster Kevier, wo es zwar an Bruch- und Wasserflächen 
nicht, an geschlossenen, höheren, namentlich mit ganz starken 
Bäumen durchstellten Beständen gänzlich fehlt, nicht heimisch, 
und wenn mir auch bei meiner öfteren Anwesenheit in diesem 
Keviere die Form und der ganze Habitus der Adler, die ich dort 



*) Aehnliche Beobachtungen sind mir verschiedentlich berichtet, 
doch ist es bisher nicht oreking-en, eine Schnee gans zu erbeuten. Das 
kann jedoch um so weniger Wunder nehmen, als alte Gänsearten sehr 
scheu und daher schwer zu erlegen sind. v. H. 



— 309 — 

täglich — im Winter — zu beobachten Gelegenheit hatte, auf- 
fiel und die Yermuthung in mir rege machte: dies sind keine 
See- sondern Steinadler, so traute ich mir als Laie doch kein 
massgebendes Urtheil zu, sondern glaubte den dortigen älteren 
Forstleuten, welche den Vogel für einen Seeadler hielten, um 
so mehr, als die von mir beobachteten Vögel mir doch nur in 
grösserer Entfernung und vorzugsweise in bedeutender Höhe 
sichtbar waren, wo ich die obere Körperfarbe gar nicht wahr- 
nehmen konnte. Ich sprach jedoch damals schon die Ver- 
muthung aus, dass zwei von mir dort beobachtete Vögel wohl 
Steinadler sein dürften, da mich der längere Schwanz und 
überhaupt der verhältnissmässig längere Körper der Flügel- 
spannung gegenüber dieselben für keine Seeadler halten liess. 
Meine Vermuthung hat sich nun wenigstens in so w^eit bestätigt, 
dass der Steinadler dort vorkommt ; denn es ist dem Oberförster 
Axt gelungen, eins von dem dort kreisenden Adlerpaare aus be- 
deutender Höhe mit der Büchse herabzuschiessen. Ich erhielt den 
Vogel etwa Mitte Januar er. und habe ihn durch meinen Secre- 
tair ausstopfen lassen, was sehr gut gelungen ist; es ist ein 
altes Weibchen, mit gelb gefärbter Iris ; Flügelspannung 2,3 Meter. 

Recht sehr bedaure ich, Ihnen den Vogel nicht im Fleische 
vorgelegt zu haben, da beim Ausstopfen, auch wenn es gut 
gemacht wird, doch Manches nicht wiedergegeben werden kann, 
was gerade bei Bestimmung so nahe verwandter Species unent- 
behrlich ist. 

Ich habe, was ich in dieser Hinsicht an Literatur besitze, 
sorgfältig durchgesehen, das Endresume ist jedoch allenthalben : 
„der lebende Vogel" giebt den Ausschlag. 

Bei dieser Gelegenheit habe ich denn auch wieder mit Ent- 
rüstung gelesen, wie unglaubliche Fabeln ein Autor dem andern 
in Bezug auf Kinderraub durch und Kämpfe zwischen 
Menschen und Adler beim Horste nacherzählt und begreife ich 
nicht, wie Jemand, der die Lebensweise dieser so scheuen, vor- 
sichtigen Vögel kennt, so etwas drucken lassen kann. Ich habe 
Mitte der dreissiger Jahre in der Oberförsterei Rehhoff bei 
Marien Werder Gelegenheit gehabt, die Vorsicht des Vogels zu 
bewundern. Der dortige Oberförster Pauly beabsichtigte nämlich 
ein dort horstendes Adlerpaar zu beobachten und demnächst für 
seine Sammlung zu erlegen. Wir trugen nun in die Nähe des 
Horstes, welchen die Vögel bei unserer Annäherung bei Tage 



— 310 - 

schon auf 400 Schritte verliessen, Abends im Dunkeln und nur 
in kleinen Quantitäten und in grösseren Zwischenräumen Strauch- 
werk, um daraus eine Hütte oder wenigstens einen Schirm zu 
bauen, durch welchen der Beobachter gedeckt die Vögel beob- 
achten konnte. Die Mühe war jedoch vergeblich, denn die Vögel 
verliessen den noch nicht ganz vollendeten Horst. Wie kann 
man da an Aufnahme eines Kampfes mit Menschen glauben; 
denn obgleich viele Vögel, wenn sie brüten oder Junge haben, 
auf Hunde u. s. w. anscheinend Angriffe machen, wie z. B. der 
Kiebitz u. s. w., so gehört doch eine starke Einbildungskraft 
dazu, ein ähnliches Verfahren, selbst bei Adlern, einen Kampf 
zu nennen. Für noch unglaublicher halte ich den Raub von 
Kindern durch Adler; ein gesundes einjähriges Kind wiegt 8U 
Pfund, — wie kann ein Adler wohl diese Last tragen, selbst bei 
seinem grossen Flugvermögen, ganz abgesehen davon, dass Kinder 
doch immer mehr oder weniger bekleidet sind und dann der 
scheue Vogel schon durch die Kleider, und wenn es ein blosses 
Hemdchen wäre, von jedem Angriffe sicher abgehalten würde. 

Ich bin jedoch wohl schon zu tief in's Plaudern gekommen 
und muss daher dies Thema verlassen. Um nun nochmals auf 
die Ibenhorster Adler zu kommen, bemerke ich noch, dass ich 
am letzten Sonntag abermals von dort einen Adler im Fleische 
erhielt, aber auch dieser steht bereits ausgestopft bei mir im 
Zimmer. Es ist ein altes Männchen vom Seeadler mit ganz 
gelbem Schnabel und weisslicher Iris, Flügelspannung betrug 
zwei Meter. 

Ich habe jetzt beide Vögel im Fleische genauer betrachtet 
und glaube nun wohl mit ziemlicher Sicherheit beide Species 
selbst auf grössere Entfernung unterscheiden zu können. 

X. hat mir den grössten Eifer versprochen und hofft , mir 
auch noch Steinadler in diesem Winter zu senden, da noch 
mehrere Exemplare dort gesehen worden sind und noch ganz 
kürzlich ihm ein Steinadler in schussmässiger Entfernung über 
den Kopf gestrichen ist, als er gerade sein Gewehr auf Birk- 
hühner abgeschossen hatte. 

Vielleicht bringt nun der Frühlingsstricli noch etwas Sel- 
tenes. Hakengimpel und Seidenschwänze sind dort nicht gesehen 
worden; von letzterem habe ich liier im Massowitzer Reviere 
im November beim ersten Schnee einen kleinen Flug gesehen, 
hatte jedoch kein Gewehr bei mir. 



— 311 - 

Hinsichtlich der Staarenkästen bemerke ich, class dieselben 
in der Ihnen bereits übersandten Form nicht billiger herzustellen 
sind; das von Ihnen vorgeschlagene Verfahren, die Höhlung zu 
bohren, ist nicht ausführbar, *) da selbst ein Pumpenbohrer nur 
ein drei Zoll Durchmesser enthaltendes Loch bohrt und dieser 
Raum für Staare zu klein ist. Ich habe nun Kästen ohne Schie- 
ber von Brettern fertigen lassen und deren bereits circa fünfzig 
Stück ausgehängt, welche auch bei Ankunft der Staare gleich 
besetzt wurden ; der letzte Frost und Schneefall hat die Vögel 
jedoch ganz verscheucht, so dass seitetwa lOTagenkeiu 
Staar hier gesehen wurde. 

Diese Art Kästen kosten nur fünf Silbergroschen; erfüllen 
sehr gut ihren Zweck und sind leicht anzubringen, das Deckel- 
brett halte ich jedoch für besser mit seinem Gefäll nach vorn**) 
zu angebracht, denn wenn der Vogel hierbei auch die Traufe 
vor seiner Thür hat, so schadet dies nichts, da derselbe bei 
Regenwetter doch nicht auf dem Tritthölzchen sitzt, wogegen 
beim Herrichten des Gefälles nach hinten, weil der Deckel nach 
dieser Richtung hin nicht überstehen kann, bei anhaltendem 
Regen leicht Wasser durchsickern und dann in den Nistraum 
laufen kann. 

Ich habe heute zwei Dutzend solcher Kästen bestellt und 
werde dieselben dann bei nächster Gelegenheit nach Stolp ab- 
senden. 

Von Freund Wiese habe ich lange nichts gehört; vor zwei 
Jahren sagte er mir seinen Besuch zu, hat aber auf meine 
wiederholte Einladung im vergangenen Sommer nicht geantwortet. 
Ich würde mich über seinen Besuch sehr freuen ; jedenfalls bitte 
ich Sie recht sehr, ihn hierher zu begleiten und könnten 
wir ja, wenn dies um Ostern geschieht, den Auerhahn beim 
Balzen beobachten und einige Exemplare schiessen. 



"^j Ich habe viele Staarenkästen durch meinen Stellmacher ausbohren 
lassen und zwar schliesslich mit dem Radbohrer, was bei gehöriger 
Uebung sehr gut geht, auch einen genügenden innern Raum giebt. Diese 
Herstellungsweise ist in j e d e r Beziehung die beste. Sie ist naturgemäss 
und daher dem Vogel angenehm, haltbar und am billigsten. v. H. 

**) Auch hierin weiche ich von der Ansicht meines geehrten Freundes 
ab. Der Deckel muss bei wenigem Gefälle nach hinten geneigt sein. 
Es lässt sich dann besser das Flugloch unmittelbar unter dem Deckel 
anbringen und wird dadurch wenigstens den krähenartigen Vögeln 
das Herausziehen der Jungen unmöglich gemacht. v. H. 



— 312 — 

Fischreiher sind in diesem Winter nicht hier gewesen. Im 
vorigen Winter waren vier Stück den ganzen AVinter hindurch 
hier und haben sich trotz der viel länger anhaltenden Kälte 
ganz gut gehalten. 

Vor etwa vierzehn Tagen war einer der Varziner Forst- 
beamten bei mir und erzählte mir, er habe etwa Mitte Januar er. 
auf einen kleinen Falken — kann wohl nur Falco aesalon ge- 
wesen sein — geschossen, der einen Vogel in den Fängen hatte 
und denselben, da der aus zu grosser Entfernung abgegebene 
Schuss den Falken nicht verletzte, aus Schreck habe fallen lassen ; 
derselbe sei jedoch bereits halb aufgezehrt gewesen. Es war 
ein Strandläufer.*) 

Der Forstbeamte — ein Sohn des Försters Käther — ist 
wahrheitsliebend und kennt auch unsere hiesigen Vögel; ich 
halte die Geschichte daher für wahr, habe jedoch über den 
Strandläufer viel nachgedacht, da ich einen solchen Vogel im 
Januar hier noch nicht gesehen habe.**) Der Vogel ist angeblich 
als Köder auf einem Tellereisen verwendet und mir daher nicht 
zugekommen, obgleich mir dessen üebersendung verheissen war. 

Ich hoffe noch im Laufe dieses Monats nach Stolp zu kom- 
men und können wir uns dann aussprechen. Ihr zu erwartendes 
Werk über deutsche Vögel wird manchen Irrthum aufklären, 
da ein so eifriger Beobachter und Forscher wie Sie Vieles nur 
von Stubengelehrten Niedergeschriebene ergänzen und berich- 
tigen wird. 

Mit herzlichen Grüssen stets 

Ihr treu ergebener Freund 

Seeling. 

*) Es ist dies ein neuer und interessanter Beweis, dass unendlich 
viele Vögel durchziehen, ohne von Menschen beobachtet zu werden, wohl 
aber von Raubvögeln. Mir sind dergleichen Fälle oft vorgekommen, dass 
Strand- und AVasservögel im Lande von Raubvögeln geschlagen und 
anderweitig nicht beobachtet wurden. Noch im vorigen Jahre fand ein 
Bekannter von mir den Schnabel und die Federn eines Mormon frater 
cula in seinem Walde. v. H. 

**) Tringa maritima kommt zwar einzeln zur Winterzeit an der 
drei deutsche Meilen entfernten Küste vor, ist jedoch immer sehr einzeln, 
und Tringa alpina bleibt kaum jemals an der hiesigen Küste. v. H. 



313 



Dr. A. Oirtanuer an E. F. v. Homeyer. 

St. Gallen, den 21. November 1878. 

* 

Geehrtester Herr und Freund! 

Seit länger, als man dem Resultate es ansehen könnte, mit 
dem Stoifsammeln zu einer einlässlichen Arbeit über den Gy- 
paetos der verschiedenen Gebirgsketten Europas beschäftigt, 
gelange ich auch an Sie mit der Bitte um Mittheilung von 
erstens: eigenen Beobachtungen über Verbreitung und Natur- 
geschichte des Gypaetos in den von Ihnen bereisten Ländern 
Europas, zweitens: Mittheilung von bezüglichen literarischen 
Nachweisen, drittens: Mittheilung von Adressen, namentlich im 
Osten und Südosten Europas, durch welche ich gewünschte Aus- 
kunft über Vorkommen des Vogels, namentlich in jenen unbe- 
kannten Regionen der Balkan-Halbinsel u. s. w. erhalten könnte. 
— Den Ornithologischen Kalender im Centralblatt habe ich, 
so weit derselbe bis jetzt erschienen ist, in der Weise für die 
projectirte Arbeit verwerthet, als ich an alle jene Ornithologen 
(unter Beilegung meiner Schrift über den schweizerischen Bart- 
geier) eindringlich um Mithülfe geschrieben habe, welche über 
den Gyp. geschrieben haben oder in den bezüglichen Ländern 
gereist sind. Den Hauptwerth dieses Ornithologen- Abc sehe ich 
aber in der Benutzung desselben zu solchen Arbeiten ; nur fehlen 
hie und da die Adressen. Von mancher Seite aber wieder, fast 
ausschliesslich aus dem Westen, habe ich nette Hülfe erhalten ; 
gerade über Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Schweiz, 
Griechenland bin ich schon ordentlich berichtet. — Eine grosse 
Freude werden Sie mir auch machen, wenn Sie mir den Text 
über Gyp. aus Dresser Birds of Europe, die Sie doch wohl 
besitzen, und vielleicht ferner von Brandt Gypaetos in Russland, 
einer mir sonst so unzugänglichen Special- Literatur, senden. 
Alles sollen Sie s. Z. wohlbehalten, duftend von Dank zurück- 
erhalten. 

Naumannia und Ornithologisches Journal, Zoologischer Gar- 
ten und manches Andere ist auch hier zu finden und wird genau 
durchstudirt; aber, du lieber Gott, England, Frankreich u. s. w. 
ist hier unbekannt auf den Bibliotheken. Haben Sie auch den 
Text von Riesenthal über Gyp. barbatus? Haben Sie Gypaetos- 



— 314 — 

Eier, so möchte ich Sie sehr gebeten haben, mir dieselben erstens 
zu messen, zweitens nach der Hauptsache zu beschreiben, drit- 
tens Herkunft und sonstige Notizen zu gebeu. Es giebt nämlich 
ein grosses Tableau über alle mir zugänglichen Gyp.-Eier (die 
sicher solche sind) behufs Vergleichung derselben je nach Her- 
kunft. — Seit längerer Zeit beherberge und beobachte ich bei 
mir zwei lebende Gyp., einen jungen Griechen, der wohl den 
15. Juli flügge, enthorstet und einen dito Pjrenäer, der beim 
ersten Ausfluge den 23. Juni genommen wurde. Es sind nun 
der sechste und siebente, die ich halte (zwei Schweizer, zwei 
Griechen, zwei Sardinier und ein I^Tenäer). Spanier sollen 
nächstes Jahr einrücken, hoffentlich aber auch ein Karpather 
Gyp. oder sonst aus dem Osten. 

Nächsten August ist hier in St. Gallen dreitägige Sitzung 
der schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. Ich hoife zu- 
versichtlich, dass Sie auch kommen werden. Ich versichere Sie, 
dass Sie viele und darunter bedeutende Leute finden werden. 
Ich strebe danach, dann die Arbeit über den Gyp. Europas 
bringen zu können. Den Kopf des jungen Griechen, wie er am 
3. August war, als ich ihn erhielt (noch flaumiger Hinterkopf, 
stattliche Federohren, grüner Schnabel und braune Iris), habe 
ich malen lassen und dito zwei Pyrenäer Eier, die selir dunkelbraun 
sind und deren ich vier Stück erhalten habe, nebst einem pracht- 
vollen ganz alten, frisch geschossenen und einem dito jungen 
Vogel und nun noch einem lebenden, so dass ich über diese 
Varietät, nachdem ich erst noch die im Druck befindliche Mono- 
graphie von dem ornithologischen Pyrenäen-Erforscher L. in 
Toulouse haben werde, wohl ordentlich auftreten kann. Für 
Italien ist gesorgt, für Griechenland will Krüper treulich helfen, 
für Russland wird Radde eintreten müssen. Ich habe ihm 
geschrieben; er kennt mich aber nicht, und da möchte ich Sie 
gebeten haben, wenn Sie an ihn schreiben, mich ihm bestens zu 
empfehlen; für lebende Gyp., Eier, Bälge aus dem Kaukasus, 
sowie alle mögliche Auskunft über Verbreitung und Natur- 
geschichte, Eier-Beschreibungen und Messungen von ganz Russ- 
land und dem Südosten Europas. — Bis jetzt hat er nicht ge- 
antwortet. Es wäre sehr gut, wenn Sie ihm auch schrieben, 
dass Sie mich anschreibungswürdig erachten. Für Oesterreich 
habe ich Tschusi, und Siebenbürgen Csalo Vicegespan — Nagy- 
Enyed. Am besten könnte der Kronprinz Rudolf helfen, doch 



— 315 — 

der steht mir zu hoch und ich ihm zu tief. Meine Steinbock- 
arbeit hat Höchstderselbe, so dass er wenigstens meinen Namen 
kennt. Für Empfehlung zu Auskünften aus seinem Reiche wäre 
mir kein Name besser. Sonst bekomme ich aas dem Lande der 
Serben, Bulgaren, Slavonier, Bosnier, Montenegriner, Dalmatiner, 
Militärgrenzler u. s. w. natürlich nichts. Ich habe aber ausser- 
dem, um nicht mangelhafter Energie bezichtigt werden zu können, 
in den Mittheilungen des Ornithologischen Vereins in Wien einen 
warmen Aufruf um Mithülfe nach dem Osten Europas erlassen, 
der hoffentlich bald erscheinen wird. Vielleicht nützt dies, viel- 
leicht schadet es nichts! — Bitte, helfen auch Sie. Ich weiss 
zwar wohl, dass Sie viel zu thun haben und doch kann ich Ihnen 
meine Plackerei nicht erlassen. Im Uebrigen bin ich gern zu 
Gegendiensten bereit. An Sintenis habe ich geschrieben und 
schon Antwort und Aussicht auf Hülfe erhalten. Ich hoffe, 
dass diese Zeilen Sie recht gesund antreffen und grüsst Sie 
hochachtungsvoll und freundschaftlichst 

Ihr ergebenster 

Dr. A. Girtanner. 

Vorstehenden Brief lasse ich „ohne specielle Erlaubniss des 
Verfassers- abdrucken, um die Kunde von dessen speciellen Be- 
strebungen verbreiten zu helfen und möglichst dazu beizutragen, 
dass dieselben allseitig — wie sie es in hohem Maasse verdienen — 
Unterstützung finden. 

Der Verfasser ist ja in der ornithologischen Welt rühmlich 
bekannt, aber ich kann doch nicht unterlassen, auf seine gründ- 
lichen gediegenen Forschungen besonders aufmerksam zu machen 
und die Hoffnung auszusprechen, dass gerade seine Studien über 
den Geieradler die gewünschte Unterstützung finden. 

Stolp, im März 1881. 

V. Homeyer. 



Förster Hiiitz an E. F. v. Homeyer. 

Schlosskämpen, den 27. December 1864. 

Von den hier nistenden Blaukehlchen glaube ich zwei Arten 
zu unterscheiden, eine grössere und kleinere ; auch die Eier unter- 
scheiden sich. Dies Jahr waren sie wenig vertreten und habe 



— 316 — 

ich nur zwei Nester gefunden. Budytes flavus kommt hier selten 
auf dem Zuge vor und sind nur zwei Paare in der Nähe 
als Brutvögel. Von Turdus habe ich hier keine Seltenheiten 
gefangen, nur zweimal schöne gleiche Varietäten ; darüber später 
das Genauere. 

Den Dohnensteig lasse ich im November oder December 
fallen und ziehe alle Schlingen ab, indem im Unterlassungsfalle, 
besonders wo der Strich durch Dickungen und junges Holz geht, 
sehr viele Singvögel im Frühlinge und Sommer zu Grunde gehen.*) 

Mergus merganser und Anas clangula brüten hier nicht, 
doch soll merganser und serrator zwei Meilen von hier im Forst- 
revier Zablerow brüten. Ich habe jedoch noch keine Eier von 
dort erhalten, wohl aber mehrere aus der Gegend bei Tempel- 
burg. 

Pyrrhula enucleator habe ich nur einmal im Jahre 1830 
oder 1831 und zwar in Menge gefangen und mehrere den Winter 
über lebendig erhalten. Nucifraga gab es dieses Jahr viele hier. 

Ew. Hochwohlgeboren 

ganz ergebenster 

W. Hintz I. 



Schlosskämpen, den 28. September 1865. 

Ew. Hochwohlgeboren! 

Von Aquila fulva habe ich dieses Jahr keine Eier er- 
halten; denn bei der kalten unfreundlichen Witterung im Früh- 
jahr glaubte ich, dass der Adler nicht so früh legen würde, und 
als ich den Horst am 1. Mai besteigen Hess, fand sich schon 
ein einige Tage altes Junge in demselben. 

Im Jahre 1858 entdeckte ich den Horst zuerst und waren 
den 25. April zwei über '^j^ bebrütete Eier darin, wovon ich 



*) Das Abziehen der Schlingen ist, wenn der Dohnensteig nicht 
mehr regelmässig besucht wird, allerdings nöthig, indessen ist zu be- 
dauern, dass fast allgemein der Fang nicht mehr beachtet wird, sobald 
der Hauptzug der Drosseln vorüber und dadurch seltene "Wandervögel 
viel weniger für die Sammlungen zu erlangen sind, wie dies sonst mög- 
lich wäre. Bleibt der Dohnensteig aufgestellt, so fängt man öfter im 
Februar und März Vögel, die man im Herbste nicht gesehen hatte. 

V. H. 



— 317 — 

eins an den Forstmeister Wiese abgab und das zweite, welches 
nicht mit rothen, sondern mit grossen lila Flecken versehen, 
jetzt an denselben abgegeben habe. 

1859, den 16. April, zwei Eier, circa zehn Tage, das am 
stärksten gefleckte nur sechs bis acht Tage bebrütet. 

1860 und 1861 war der Horst nicht besetzt. 

1862, am 6. April, ein frisches Ei; der Vogel sass jedoch 
schon seit drei Tagen fest auf dem Horste. 

1863 war der Horst nicht besetzt. 

1864, am 24. März, zwei vier bis fünf Tage bebrütete Eier. 

Auch in den Jahren 1860, 1861 und 1863 hat der Adler 
gebrütet, jedoch jedesmal in einem andern Horste, welcher immer 
erst später, wenn schon grosse Junge darin waren, gefunden 
wurde. Auch wurde im Winter 1863 auf 1864 ein Weibchen 
in dem nach Füchsen gelegten Tellereisen gefangen. 

Colymbus arcticus brütet an mehreren kleinern und 
grössern Seen, doch nicht alle Jahre. Früher erhielt ich ab und 
zu einzelne Eier und erst seit 1859 häufiger. 

1859, am 2. Juni, eins zur Hälfte bebrütet, und wurden noch 
drei Paare mit den Jungen gesehen. 

1860, am 6. Mai, zwei Eier, am 13. Mai vier Eier. (Aus 
zwei Nestern.) 

1861 nur ein Paar an der Mststelle; keine Eier erhalten. 

1862 zwei Eier ohne Angabe des Datums. 

1863 zehn Eier von sechs Paaren, am 1. und 14. Juni. 

1864, am 3. Juni, ein Ei. 

1865, am 25. Mai, zwei Eier, circa fünf Tage bebrütet, am 
28. Mai ein Ei, am 4. Juni ein Ei von einem Paare und ausser- 
dem noch acht Eier aus der Papenziner Gegend. 

Er nistet stets ganz nahe am Wasser und zwar da, wo der 

Rand des Sees moorig ist. Das Nest ist nur eine mit wenig 

Halmen ausgelegte Vertiefung im Moor, jedoch ist auch dieses 

Jahr ein Nest am Eande eines kleinen Sees im Sande gefunden. 

Ihr ergebenster Diener 

W. Hintz I. 



— 318 - 
Lehrer Döring an E. F. v. lloiiieyer. 

Elbing, den 13. Februar 1850. 
Hocliwohlgeboruer Herr ! 

Zuerst meinen gehorsamsten Dank für die mir übersandten 
Exemplare zur Vergrösserung meiner Sammlung. Hochdieselben 
haben mir dadurch eine grosse Freude gemacht. Gelegenheit zur 
Ergänzung und Vervollkommnung von Sammlungen, namentlich 
im ornithologischen Bereiche, hat man hier ganz besonders, 
da Höhe, Niederung, Draussen und Haff das befiederte Volk, 
jedes nach seiner Art, hegen kann. Es ist mir bis jetzt schon 
einigermassen gelungen, mich mit den Leuten, die die Jagd be- 
treiben, in Verbindung zu setzen; wenn ich es nun noch dahin 
bringen kann, jene Leute zur Behutsamkeit bei Behandlung des 
Wildes zu bestimmen, dann werde ich der Wissenschaft einen 
kleinen Dienst erwiesen haben, und es kann von hier aus Vieles 
geliefert werden. Herr Prediger Bock aus Danzig beauftragte 
mich, nachdem ich demselben ein Paar Exemplare von Pyrrhula 
enucleator und Loxia ciirvirostra eingeschickt hatte, namentlich 
von ersterer Gattung die alten Männchen, so viel es deren gäbe, 
aufzukaufen, und es gelang mir, nach und nach einige 30 Exem- 
plare aufzutreiben. Der sehr strenge Winter und tiefe Schnee 
nöthigen das arme Wild, sich an und in die menschlichen 
Wohnungen zu drängen, und die Hungersnoth ist namentlich 
bei dem Geflügel so gross, dass es sich einen Tod von Menschen- 
hand zu wünschen scheint. So fand ich eines Tages einen Zaun- 
könig hier in der Stadt auf dem sogenannten Holländer Graben 
verhungert liegen. Eulen und Habichte sind so wenig scheu, 
dass deren viele erlegt sind ; wäre hier Jemand, der gut stopfte, 
so könnte man mit Leichtigkeit eine Sammlung aufstellen. 

Hätten wenigstens die Directoren der höheren Lehranstalten 
nur einigen Sinn für naturwissenschaftliches Studium, so könnte 
und würde es damit bei uns nicht so traurig aussehen. Zum 
Frühjahre gedenke ich wieder einige Mittheilungen an die hie- 
sigen Königsberger Provinzial-Blätter gelangen zu lassen. Zwei 
Sachen habe ich unter den Händen, nämlich über die „Stand- und 
Strichvögel um Elbing" und „Bemerkungen über diesen Winter". 
Es wäre gewiss recht interessant, wenn in allen bedeutenden 
Orten ähnliche Beobachtungen gesammelt würden, die Natur- 
geschichte würde dadurch bereichert werden. 



- 319 — 

Ew. Hochwohlgeboren erhalten hierbei einige Exemplare 
zur Ansicht und sollten Hochdieselben davon etwas benutzen 
können, so würde es mir Vergnügen machen. Von den dunk- 
lern der beiliegenden Habichtarten , wenn ich nicht irre Buteo 
lagopus, habe ich noch kein Exemplar. Die Mergusart scheint 
der serrator zu sein. Anbei erlaube ich mir ein Verzeichniss 
meiner kleinen Sammlung beizulegen. 

Sollten Ew. Hochwohlgeboren mich mit einem Schreiben 
beehren wollen, so Avünschte ich dabei wohl ein Verzeichniss 
Ihrer Sammlung zu erhalten, um daraus ersehen zu können, 
was ich vielleicht noch liefern kann. 

Ew. Hochwohlgeboren 

ganz ergebenster 

H. Döring. 



Elbing, den 28. Juli 1844. 
Hochwohlgeborner Herr ! 

Ew. Hochwohlgeboren gütige Zuschrift habe ich erhalten 
und habe es mir sehr angelegen sein lassen, Hochderselben 
Wünsche, wiewohl vergeblich, zu befriedigen. Die arme Zwerg- 
möwe hat dieses Jahr die Lüsternheit der Naturforscher sehr 
zu beklagen, da ihr auf allen Wegen nachgestellt wurde. Mir 
gelang es, fünf Exemplare noch frühzeitig genug aufzutreiben, 
die ich dem königlichen Museum zu Königsberg schon im vori- 
gen Jahre versprochen hatte. Hätte ich zu jener Zeit — im 
Mai — Ihre Wünsche gekannt, so wäre es mir ein Vergnügen 
gewesen, sie zu erfüllen. Es ist im Ganzen nicht gerade leicht, 
die Larus minutus zu berücken, da sie sich nur in einzelnen Colo- 
nien, ja oft nur in einer auf dem Draussen ansiedelt ; wird sie da 
einmal gestört, so wählt sie die freie Wasserfläche auf genann- 
•tem See und lässt den Jäger nicht in ihre Nähe kommen.*) Jetzt 

*) Im Juni desselben Jahres war ich auf dem Draussen (vergl. 
Rhea H, jj. 211), fand jedoch nur noch ein Paar der Zwergmöwe, viel- 
leicht das letzte daselbst beobachtete. Im Frühjahr (Juni) 1874 besuchte 
ich den frühern Brutplatz, fand jedoch keine Zwergmöwe mehr, obgleich 
die Lachmöwen w^ohl noch in grösserer Zahl vorhanden waren als früher. 
Die Beschaffenheit des See's hatte sich nicht verändert, doch soll es 
jetzt im AVerke sein, denselben trocken zu legen, womit wiederum ein 
prächtiger Platz für "Wasser- und Sumpfvögel verloren ginge. v. H. 



- 320 — 

ist von den in diesem Jahre genau gezählten zehn Exemplaren 
keines mehr hier, da sie nach der Brut, die diesmal gestört 
wurde, immer frühzeitig diese Gegend verlassen. Was die Brüte- 
zeit anbetrifft, so ist diese schon im Mai, zu welcher Zeit 
man nur Eier erhalten kann. Uebrigens kann ich Ew. Hoch- 
wohlgeboren nur noch bemerken, dass die Eier dieses Vogels 
fast ganz gleich denen der Larus ridibundus sind und an Grösse 
zwischen denen der genannten und denen der Sterna nigra stehen, 
doch ein wenig länglicher und hellgrüner, was sich bei einer 
vorgenommenen genauen Vergleichung ergab. Sehr gern bin 
ich bereit, falls Hochdieselben Wünsche für die Zukunft hegen, 
mit Eifer meine Dienste anzubieten, zumal mir die Forschungen 
in der Naturwissenschaft die angenehmste Beschäftigung sind und 
es mir immer zur grossen Freude gereicht, Gleichgesinnten in 
der Ferne zu begegnen. In dieser Hinsicht stehe ich in einer 
angenehmen Verbindung mit Männern von Fach und suche mein 
Scherflein gern, wo ich kann, beizutragen. 

Es empfiehlt sich mit grösster Hochachtung 
Ew. Hochwohlgeboren 

ganz ergebenster 

H. Döring, 
Lehrer a. d. Vorschule d. hies. Gymnasiums. 



Bädeker an E. F. y. Hoineyer. 

Witten, den 22. Februar 1851. 

Hochwohlgeborner Herr von Homeyer! 
Sehr verehrter Freund! 

Im letzten Briefe versprach ich Berichterstattung über eine 
Ente, die ich damals hier erwartete. Seitdem ist ein herrliches 
Paar davon angekommen und mir zur Untersuchung und Be- 
stimmung von einem befreundeten jungen Ornithologen auf einige 
Zeit anvertraut worden. Die Enten sind im Frühjahre 1850 
erlegt worden; sie gehören zu keiner mir bekannten Art und 
haben Aehnlichkeit mit Anas ferina und Anas nyroca, zwischen 
denen die Species im System ihre Stelle erhalten muss. Ich 



— 321 — 

werde eine Beschreibung und vielleicht auch eine Abbildung 
derselben veröffentlichen und, wenn Sie es mir gütigst gestatten 
wollen, diese Ente „Aythya Homeyeri" nennen. Sie haben einst 
die Enten Ihre Lieblinge genannt, welche Sie vorzugsweise stu- 
dirten, deshalb soll nun die schönste Ihnen gewidmet werden. 
Ich werde gleichzeitig durch Schlegel bewirken, dass in Buona- 
parte's Conspectus die neue Art mit aufgenommen werde. 

Alles jedoch unter dem Vorbehalte der Prioritätsrechte An- 
derer, wenn etwa schon Jemand dieselbe Ente gesehen uiid be- 
nannt haben sollte. Sie sind vielleicht mit der neuesten Literatur 
unseres Fachs bekannter als ich, daher bitte ich, wenn jenes 
der Fall sein sollte, um Belehrung. 

Ohne Zweifel wird Ihnen das neueste Werk Buonaparte's 
^, Conspectus generum avium" bekannt sein, das jetzt bis zu den 
Ammern fertig ist. Aber haben Sie wohl jemals gedacht, dass 
in unserm System auch eine „Republik" auftreten könne? 
Gleichwohl ist es der Fall, denn Buonaparte hat einen neuen 
Paradiesvogel „Diphyllodes respublica" genannt und folgende 
Bemerkung dabei gemacht (dem Sinne nach): Da Andere mit 
Vorliebe die schönsten Arten mit Fürstennamen belegten, ihm 
aber von allen Autoritäten die der Fürsten am wenigsten nach 
dem Sinne sei, so wolle er den schönsten Paradiesvogel mit 
dem Namen der Republik schmücken, einer Republik, die ein 
Paradies sein könnte, wenn sie nicht durch das böse Streben 
Solcher, die sich anmassend Republikaner nennen, zur Hölle 
würde. Da es nun einmal eine Respublica paradisea nicht 
geben könne, so solle wenigstens eine — Paradisea respublica 
•existiren. 

Mit der Bitte um Ihr ferneres Wohlwollen zeichne ich 

ganz ergebenst 

B ä d e k e r. 



E. F. Y. Homeyer an Herrn Tancre in Anclam. 

Stolp, 3. März 1881. 

Sie sind so freundlich, mich dazu anzuregen, ein Verzeich- 
niss der Vögel Europa's herauszugeben. Die Nothwendigkeit 
desselben möchte ich wohl nicht in Abrede stellen, und schon 
<)fter bin ich, namentlich in der neuesten Zeit, von verschiedenen 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. ~J- 



— 322 — 

Seiten dazu ermuntert worden, indem alle dergleichen Arbeiten,, 
welche wir augenblicklich besitzen, theils veraltet, theils ausser- 
ordentlich unvollkommen sind. 

Bei näherer Betrachtung des Gegenstandes habe ich nicht- 
allein die so unendlich grossen Schwierigkeiten eines solchen 
Unternehmens voll erfasst, sondern ich habe die Ueberzeugung 
gewonnen, dass es unmöglich sein wird, allen und jeden An- 
sprüchen zu genügen, aus Gründen, die ich weiterhin entwickeln 
werde und die wesentlich in den so weit aus einander laufenden 
Ansichten beruhen. Zunächst würde es sich um die Feststellung 
der Arten und Varietäten handeln. Aber schon hier sind die 
Ansichten, wie Ihnen ja bekannt, so unendlich verschieden, dass sich 
unsere Wissenschaft, je nach den persönlichen Ueberzeugungen der 
einzelnen Schriftsteller, auf einem widersprechenden Felde bewegt. 
Es ist wohl natürlich, dass Jeder glaubt, das Richtige zu treffen, 
und so muss es mir auch gestattet sein, anzunehmen, dass meine 
Ansicht in den meisten Fällen mit der Natur in Uebereinstim- 
mung ist. So sehr ich nun geneigt bin, AUes scharf zu unter- 
scheiden und viele vermeintliche Uebergänge von einer Art 
zur andern nicht anerkenne, so halte ich es doch für unbedingt 
geboten, dass die Begrenzung jeder Art eine mögliche sei. 
Da, wo dies nun nicht der Fall, wo es auch dem schärfsten Auge 
nicht gelingen kann, eine feste Grenze zu ziehen, wo die Ueber- 
gänge so unmerklich sind und gewöhnlich mit der geographischen 
Verbreitung so eng zusammenhängen, dass es in vielen Fällen 
dem persönlichen Ermessen anheim gegeben bleibt, ob mau 
einen Vogel dieser oder einer andern Form vor sich hat, 
da finde ich mich ausser Stande, eine artliche Begrenzung ein- 
treten zu lassen, wenn ich hierin auch nicht so weit gehe wie 
manche meiner Freunde. Als Beispiel will ich die Spechtmeise 
(Sitta) nehmen, von der wir nach meiner Ueberzeugung in Europa 
nur eine Art haben ; versteht sich ausser dem Felsen-Blauspecht 
und ausser dem Krüper'schen, wenn es nachgewiesen wäre, dass 
derselbe sicher in Europa aufgefunden. Wenn man eine genü- 
gende Reihenfolge dieses Vogels vom äussersten Süden und höchsten 
Norden neben einander hat, so findet man gegen den Süden das 
entschiedene Vorherrschen der Rostfarben, gegen den 
Norden von zunehmendem Weiss auf der Unterseite. 
Die Extreme, neben einander gelegt, könnte man allerdings 
geneigt sein, für verschiedene Ai-ten zu halten, indessen die 



— 323 — 

Tollständige Reihenfolge giebt ein anderes Bild. Seit längerer 
Zeit habe ich auch mit diesem Vogel mich viel beschäftigt 
und bin zu der festen Ueberzeugung gekommen, dass eine Grenze 
zwischen den südlichen und nördlichen Extremen nicht besteht, 
dass vielmehr allmähliche thatsächliche üebergänge vorhanden 
sind, so dass es unthunlich, ja unmöglich wird, hier zwei Arten 
zu finden; ja ich gehe noch weiter: es lässt sich nicht einmal 
eine klimatische Varietät feststellen. Das ist nur e i n Beispiel, 
das mir zunächst in den Sinn kam; aber bei genauer Unter- 
suchung werden wir verschiedene, ganz ähnliche Erscheinungen 
finden . Zunächst in Betracht kommt die geographische Be- 
grenzung. Auch auf diesem Felde ist von fast allen Schrift- 
stellern ausserordentlich gesündigt, theils in den unsicheren An- 
gaben über das Vorkommen eines Vogels an einer bestimmten 
Stelle, theils weil die Angaben ohne alle und jede Rücksicht 
auf die klimatische Form gemacht sind, endlich auch, weil es 
eine Zeit gab, wo es von mancher Seite beliebt wurde, die An- 
gaben bewährter Schriftsteller (namentlich Naumanns) 
in Zweifel zu ziehen und ihre eigenen, viel weniger zuver- 
lässigen Angaben an deren Stellen zu setzen. Naumann hätte 
ja in seinem klassischen AVerke bei manchen dieser Angaben 
etwas ausführlicher sein können, ja es wäre sicher gut gewesen, 
wenn Derselbe bei seltenen Erscheinungen stets die einzelnen 
Beobachtungen angegeben hätte; indessen kann es nicht leicht 
einen Forscher gegeben haben, der so vorsichtig in seinen An- 
nahmen und Aussprüchen war wie Naumann, der nie eine vor- 
eilige Behauptung aussprach , sondern sein Urtheil stets nur 
nach langer, sorgfältiger Prüfung feststellte. 

Wenn man manche Bücher durchsieht und namentlich eins, 
welches eine ziemlich weite Verbreitung gefunden, wohl wesent- 
lich aus dem Grunde, weil in neuerer Zeit kein Werk über die 
Vögel Deutschlands erschienen ist, so muss man erstaunen über 
die Menge der unrichtigen Angaben, die leider zu einem Theil 
weiter gegangen, ja in das prächtige Werk von Dresser aufge- 
nommen sind. Es ist nun seit langer Zeit mein Bemühen ge- 
wesen, diesen Unsicherheiten dadurch zu begegnen, dass ich mir 
für meine Sammlung aus den verschiedensten Gegenden Europas 
Originalexemplare aller Vögel verschaffte, auch die mir zugäng- 
lichen Museen und Privatsammlungen, namentlich von letzteren die 
Localfaunen, mit Sorgfalt durchmustert habe, vorzügKch da, wo 

21* 



— 324 — 

zuverlässige Angaben über den Fundort vorbanden waren. Wesent- 
licb unterstützt sind diese meine Bemühungen durch die Durchsicht 
von grösseren oder kleineren Sendungen, welche aus bestimmten 
Gegenden mir direct oder durch Vermittelung gütiger Freunde in 
die Hände kamen, und da fühle ich mich besonders Ihnen zum 
Danke verpflichtet, der Sie in einem so hervorragenden Maasse 
wie annährend kein Anderer , mir hierin hülfreich gewesen sind. 
Ihr stilles, eifriges Wirken für unsere Wissenschaft ist ja in 
vielen Kreisen kaum gekannt, und vielleicht bin ich der Einzige 
unter den Naturforschern, welcher dasselbe in vollem Maasse zu 
würdigen weiss ; wesentlich aus dem Grunde, weil Sie im Gegen- 
satz zu der allgemeinen Richtung der heutigen Zeit über sich 
selbst zu bescheidene Ansichten haben. 

Der zu wählende Name eines Naturgegenstandes bietet 
nicht minder Schwierigkeiten. Es war ja ein grosser Schritt 
zum Bessern, als man sich darüber einigte, niit der zwölften 
Ausgabe des Linne die Grenze festzustellen, über welche hinaus 
kein Name berücksichtigt werden könne, und damit war ein gut 
Theil der Wege geschlossen, welche in das Reich der Vermu- 
thungen führen mussten, indem es unmöglich war, mit Sicher- 
heit festzustellen, was dieser oder jener ältere Schriftsteller hier 
oder da gemeint habe. Man konnte sich während einiger Zeit 
der Hoffnung hingeben, dass nunmehr eine feste Grenze gezogen 
sei. Leider hat sich diese Hoffnung nicht bewährt. Von man- 
chen Seiten ist man bis auf die zehnte Ausgabe von Linne zu- 
rükgegangen, wohl wesentlich aus dem Grunde, um die Arbeiten 
von Brisson benutzen zu können. Gewiss ist, dass dies Werk 
für seine Zeit von hervorragendem Werthe ist; dennoch bleibt 
es gefährlich, ja gänzlich unthunlich, von dem ersterwähnten 
Grundsatze abzuweichen, indem es sich hier wesentlich um ein 
möglichst festes System handelt, welches den zahlreichen Ent- 
deckern neuer Prioritäten einen Riegel vorschiebt. 
In den meisten Fällen werden diese, unter dem Deckmantel 
der Gerechtigkeit gegen eine frühere Priorität beliebten 
Veränderungen nur zu Liebe der eigenen schriftstelle- 
rischen Eitelkeit an das Tageslicht gebracht. Die Weltsoll 
in Erstaunen versetzt werden über die grosse Gelehrsamkeit, der 
es gelungen ist, auch das Verborgenste zu enthüllen. Wären 
nun diese Ermittelungen sicher, so könnte man sich dergleichen 
schriftstellerische Leistungen noch gefallen lassen, aber in den 



— 325 — 

meisten Fällen wird es sich nur um mehr oder minder un- 
wahrscheinliche Annahmen handeln. 

In der neuesten Zeit hat man sich wesentlich Linne selbst 
als Quelle dieser Studien genommen. Bei diesem oder jenem 
Vogel hat man behauptet, Linne könne nicht Das gemeint haben, 
was man bisher dafür gehalten, seine Meinung müsse eine andere 
gewesen sein, wesentlich aus dem Grunde, weil die Linne'sche 
Art weniger häufig in der Kähe von Upsala vorkomme wie die 
verwandte. In den weitaus meisten Fällen sind diese Annahmen 
nicht auf Beweise, sondern auf Vermuthungen gestützt ; dennoch 
finden wir dieselben fast durchweg bei den neueren Schrift- 
stellern, namentlich auch bei den sonst so tüchtigen und gründ- 
lichen Engländern. Eine Zeit lang ging man in diesen Namen- 
änderungen so weit, dass man da, wo die Linne'schen Genera 
von späteren Schriftstellern in mehre Gruppen getheilt wurden, 
stets den von Linne zuerst angeführten Vogel als den Typus 
der Gattung angesehen wissen wollte, gleichviel ob der Name 
in früherer Zeit, namentlich bei den lateinischen Schriftstellern, 
so oder anders angewendet war. 

Diese fortwährenden Aenderungen in der Benennung der 
Naturgegenstände können nur dahin führen, Verwirrungen anzu- 
richten. Statt sehr vieler Beispiele will ich hier nur auf den 
Würgfalken verweisen, der, ohne jeden stichhaltigen Grund, 
seinen Namen hat wechseln müssen. Die Folge davon ist, dass 
selbst wissenschaftliche Schriftsteller hier zu Irrthümern verleitet 
sind, in die sie nun und nimmer hätten verfallen können, wenn 
der Vogel seinen ursprünglichen Namen behalten hätte. 

Die grösste Verwirrung ist durch die von Gmelin veran- 
staltete dreizehnte xiusgabe des Linne entstanden, indem Der- 
selbe in voller Unkenntniss der von ihm aufgeführten Vögel 
theils zahlreiche Verwechselungen der Arten, theils des Alters 
und des Geschlechts sich hat zu Schulden kommen lassen, so dass 
es in sehr vielen Fällen unmöglich wird, mit Sicherheit zu be- 
stimmen, was der Verfasser gemeint hat. Dennoch ist dies er- 
bärmliche Werk von vielen Seiten als ein reiches Feld benutzt 
worden, um den eigenen Scharfsinn auf glänzende AVeise zu do- 
cumentiren. Es wäre eine Wohlthat für die Wissenschaft, wenn 
dergleichen Arbeiten als nicht vorhanden betrachtet würden. 
Einen ähnlichen Werth hat auch das dicke Buch von Vieillot. 

Ein unendlicher Fortschritt für die Wissenschaft, um der- 
selben eine gewisse Stabilität zu geben, würde darin bestehen, 



— 326 — 

wenn man übereinkäme, eine gewisse Zeit zu bestimmen, nach 
welcher ein einmal eingeführter und angenommener Artname 
nicht mehr geändert werden dürfe. Ein Zeitraum von dreissig 
Jahren (ein Menschenalter) würde eine hinlängliche Frist 
begreifen, um die wissenschaftlichen Untersuchungen zu fixiren, 
und es ermöglichen, dass die Kräfte der Naturforscher, welche 
bei diesen Untersuchungen vergeudet werden, eine Richtung ge- 
winnen könnten, wo sie der Wissenschaft von grösserem Nutzen 
wären. Der Zweck und der wesentliche Werth der bi- 
nominalen Namengebung ist doch die sichere Bezeichnung des 
Naturproductes, daher das mögliche Festhalten der einmal ein- 
geführten Namen dringend geboten. 

Die Begrenzung der Genera ist auch ein Feld, wo sich die 
verschiedensten Ansichten kreuzen. Hier kann man jedoch, theils 
durch gelegentliche Anführung der kleineren Gruppen, theils weil 
dieser Gegenstand von geringerem Werthe ist, sich leicht einigen. 
Es ist ja gewiss erklärlich, dass bei der rasch anwachsenden 
Entdeckung von Naturproducten die grossen Gruppen in kleine 
getheilt wurden, indessen ist man darin entschieden zu weit ge- 
gangen und es würde in sehr vielen Fällen zur Unmöglichkeit 
gereichen, für viele dieser Gruppen eine sichere Dia- 
gnose zu geben. Es ist dies ein Feld, wo eine Einigung zu 
keiner Zeit zu erwarten ist, und schon aus diesem Grunde werden 
die Ansprüche daran weit aus einander laufen, so dass es unmög- 
lich sein wird, den speciellen Meinungen Rechnung zu tragen. 

Trotz aller dieser Schwierigkeiten liegt mir eine solche Ar- 
beit sehr im Sinne und ich hoffe sie im Laufe des nächsten 
Winters zu vollenden. Wesentlich rechne ich dabei auf die dem- 
nächst zu erwartende Arbeit von Radde, der Gelegenheit hat, 
viele der einander so sehr nahe stehenden Arten oder Varietäten 
zu beobachten. Wenn wir auch in unsern Ansichten nicht über- 
all übereinstimmen, wenn Radde auch geneigt ist, mehr zu ver- 
einigen, als ich für richtig halte, so wird uns das nicht hindern, 
unsere Ansichten auszutauschen und dieselben in wesentliche Be- 
rücksichtigung zu ziehen, schon aus dem Grunde, weil die- 
selben beiderseits auf langen, mühsamen und eifrigen Studien 
begründet sind und nur den Zweck im Auge haben, der Wissen- 
schaft zu dienen. 

Mit den herzlichsten Grüssen und Wünschen Ihr 

E. F. V. Homeyer. 



— 327 - 

Dr. G. Radde an E. F. v. Homeyer. 

Tiflis, den 16./28. Februar 1881. 

Theuerster Freund und Gönner! 

Länger sollen Sie nun nicht mehr warten, obgleich ich 
Ihnen heute nur wenige Zeilen schreiben kann. Ich beantworte 
gewöhnlich jeden Brief umgehend, oder doch sehr bald, aber bei 
der gegenwärtigen Ueberhäufung von Museumsarbeiten und der 
grossen Hast und Energie, mit welcher ich sie betreibe, ist es 
mir absolut nicht möglich gewesen, pünktlich zu sein. Erst 
jetzt, nachdem ich seit zwei Monaten in den weiten Bäumen 
von Morgens bis Abends ordne und einrangire, wird es einiger- 
massen übersichtlich, obgleich erst Alles so zu sagen unter Dach 
und Fach gebracht wurde und nun mindestens noch zwei Monate 
nöthig sind, um je von Schrank zu Schrank wirklich die Objecte 
systematisch geordnet, signirt und sauber aufgestellt zu placiren. 
Aber das kann ich Sie versichern, mein Museum wird reich und 
schön. Die grossen Wandgemälde, von denen ich Ihnen früher 
schon schrieb, welche die Sagen des Kaukasus behandeln, werden 
in Rom gemalt, von wo ich durch einen mir persönlich gut be- 
kannten Künstler ausgezeichnete Skizzen erhielt. Im Ethnogra- 
phicum ist ziemlich Alles placirt, nur sind die grossen Völker- 
gruppen (natürliche Grösse) noch lange nicht vollendet. Im 
Ganzen werden fünfzig Figuren in Costümen hergestellt und in 
neun Gruppen gestellt, dazu Wandmalerei in charakteristischen 
Zügen etc. etc. Einstweilen ruhen also bis Mai die Vögel in 
dreissig grossen Kisten, dann aber geht es an die Ueberarbeitung 
meines Manuscriptes, und ich denke, dass ich in Zeit von zwei 
bis drei Monaten doch das Ganze fertig bringe. Dann bleibt 
mir im Herbste und Winter, wenn unser Congress glücklich vom 
Stapel gelaufen sein wird, Zeit genug zur Bearbeitung der „Schluss- 
folgerungen, des Zuges, zur physiko-geographischen Einleitung 
etc." und so Gott will, bin ich dann im Mai 1882 bei Ihnen 
und wir wollen die pommerschen Finken schlagen hören und recht 
gute Tage mit einander verleben. Vor allen Dingen nur hübsch 
gesund bleiben. 

Ganz alte Lämmergeier werden an der Brust und am Bauche 
sammt den stattlichen Hosen fast rein weiss. So einen Vogel 



— 328 — 

erhielt ich vor Kurzem, ein Weibchen, welches bei dieser Art 
kleiner als das Männchen ist. 

Mein seit zehn Jahren lebender Lämmergeier hat in der Ge^ 
fangenschaft auch ein so helles Kleid angelegt. Sehr langsam 
dunkelt aber der Kaiseradler nach. Sieben Jahre lang lebt ein 
prachtvoller Vogel bei mir, aber er ist noch keineswegs mit 
dem dunklen Kleide fertig. Ob das im Freien auch so lang« 
sam geht?*) 

Herrlich halten sich die lebendigen Bernicla ruficollis, vier 
Vögel leben seit einem Jahre bei mir; ich brachte sie aus Bekor 
mit. Wenn sie nur den heissen Sommer überkommen werden L 
Vor Kurzem erhielt ich auch Megaloperdix caucasica lebendig. 
Der Vogel ist sehr wild und wird im Sommer wohl auch zu 
Grunde gehen. Dass ich auch ein prachtvolles Exemplar von 
Megaloperdix caspica (Raddei) erhalten, theilte ich Ihnen wohl 
schon mit? 

Für diesmal genug. Ich eile, weil ich heute noch viele 
Briefe zu schreiben habe. Leben Sie recht wohl, grüssen Sie 
die Freunde in Stettin und Berlin und behalten Sie lieb 

Ihren alten Freund 

Dr. G. Eadde. 



H. Cfätke an E. F. y. Homeyer. 

Helgoland, den 14. Juni 1879.. 
Geehrter Herr! 

Ich habe während der letzten Zeit hier so ausserordentliche 
Resultate betreffs des Vogelzugs gehabt, dass ich nicht unter- 
lassen kann, Sie davon in Kenntniss zu setzen und aufzufordern^ 
ein höchst wachsames Auge (und Ohr) zu haben, da eine Masse 
fern südöstlicher Vögel sich auf einer über ihrem Normal- 
terrain hinausgehenden Extratour befinden müssen — ich meine 
von den Caspischen Strichen, Kleinasien u. s. w. Es sind dort. 



*) Nach meiner Beobachtung dauert es in der Gefangenschaft viel 
länger, ja manche Adler legen ein Kleid an, welches sie im Freien nie- 
mals tragen. v. H. 



— 329 - 

offenbar, wie im süclöstliclien Deutschland, leichte südliche und 
südöstliche Winde vorherrschend gewesen, welche jene Vögel 
nach meiner Erfahrung zu solchen Ausflügen bewegen, und es 
müssen diese Wanderer ebensowohl zu Ihnen wie hierher 
zu mir kommen. Au den wenigen Tagen, wo hier stilles, 
schönes, klares, warmes Wetter gewesen, begleitet von obigen 
Winden : S.-O. oder S.-S.-O., ist auch hier einer oder der andere 
erschienen — hören Sie und staunen Sie: 

Mai 26. AI au da pispoletta fem.: Erster hier ange- 
kommener Vogel. 

„ 26. Falco rufipes m. 

,, 30. Sylvia viridanus m. Zweiter hier vorge- 
kommener Vogel. 
Juni 3. Emberiza melanocephala , alt m. 

,. 8. Fringilla serinus, alt m. Zweiter Vogel hier. 

„ 9. S turn US roseus, alt m. 

„ 11. Emberiza melanocephala, m. im ersten 
Hochzeitkleide. Dazu die schon erhaltene Emberiza pyrrhu- 
loides. Das ist doch wahrlich etwas Beispielloses. Aber 
das Alles kommt nicht blos hierher*), das Alles macht ja 
zuvor den sämmtlichen Herren deutschen Ornithologen vom ver- 
ehrten Herrn Präsidenten herab einen Besuch, und die Zurück- 
setzung, welche den armen Vögeln im grossen Deutschland 
widerfährt, treibt sie zu mir auf das kleine Helgoland, wo, wie 
sie wissen, ihnen höchst zuvorkommende Aufmerksamkeit ge- 
zollt wird!! 

Wenn Sie von ähnlichen Erscheinungen auf dem Festlande 
hören, so theilen Sie mir, bitte, einige Nachricht darüber mit — 
in England wird man bestimmt dies oder jenes erwischen, daran 
zweifle ich nicht. In Deutschland wird eigentlich doch ver- 
zweifelt selten ein sogenannter „seltener Vogel-' erbeutet. 
Meine obige Liste bestätigt wiederum erstens : dass die im 
Frühjahr ausnahmsweise erscheinenden Vögel fast immer nur 
alte Individuen sind, und zweitens: dass alle zu dieser Jahres- 
zeit sich einstellenden Seltenheiten dem fernen Südosten ange- 



*) Verschiedentlich habe ich auch meine Uebereinstimmung mit 
Gätkes Ansicht ausgesprochen, dass nur ein unendHch kleiner Theil 
der seltenen "Wanderer bemerkt wird. In meinen demnächst erscheinen- 
den „Wanderungen der Vögel" werde ich auch Gelegenheit nehmen, mich 
hierüber ausführlich auszusprechen. v. H. 



— 330 — 

Mren. Die obige S3'lvia viridana ist offenbar aus Turkestan 
oder dessen Nähe, während das im verflossenen Herbste erhaltene 
Stück aus einem direct östlich oder vielleicht O.-N. östlich liegen- 
den Striche stammt. 

Jetzt ist zu meinem grossen Verdrusse kalter N.-N.-W.- 
und N.-Wind ; wäre das Wetter so, wie ich es oben beschrieben, 
so würde meiner festen üeberzeugung nach obige Liste noch 
um Einiges vergrössert werden. 

Ich bin voller Erwartung, Ihre näheren Keisedispositionen 
zu erfahren — und wollen Sie die grosse Freundlichkeit haben, 
von jedem Ihrer Laubvögel ein typisches Exemplar mitzubringen? 
Ich würde Ihnen solches in hohem Grade danken. 

Also — Waidmanns Heil! bei südöstlichem Winde und 
schönem warmem Wetter! 

Ihr ergebener 

H. Gätke. 



Wilhelm Meves an E. F. v. Homeyer. 

Stockholm, den 1. October 1878. 

Mein lieber hochgeschätzter Freund! 

Zuvörderst muss ich Ihnen doch sagen, dass ich mich jetzt 
in meiner freien Stellung sehr wohl fühle. Da Freund Radde 
uns hier im Juli besuchte und unsere Häuslichkeit kennen ge- 
lernt hat, so werden Sie gewiss Einiges mündlich durch ihn 
erfahren, denn ich bin überzeugt, dass er Wort gehalten, um 
die bevorstehende Versammlung der Deutschen Ornithologen mit 
seiner Gegenwart zu erfreuen. 

Bei der viel besprochenen Frage über die blaugrünen Eier 
von Cuculus canorus bemerke ich, dass ich in diesem 
Sommer durch meinen Freund Landborg (Besitzer einer präch- 
tigen Vogelsammlung) zwei gleiche Eier (21 — 22 -j- 17 mm) 
von blaugrüner Farbe mit verloschenen erdbraunen kleineu Flecken 
erhielt. Das eine lag den 2. Juni im Neste von Sjdvia phoeni- 
curus neben zwei Nesteiern, das andere den 31. Mai, also einige 
Tage früher, auf dem Rande eines Rothschwänzchennestes und in 
demselben lagen fünf Nesteier. Die Oeffnung in einer alten 



- 331 — 

Birke, in welcher das letztere lag, nahm ich selbst in Augen- 
schein und konnte begreifen, dass der Kuckuck in einer Tiefe 
von 10 bis 12 Zoll das Ei nicht regelmässig placiren konnte. 
Man konnte doch mit der Hand in die Oeffnung kommen. An 
derselben Stelle (nahe bei Norrköping) erhielt Herr Landborg 
noch ein drittes gleiches Ei und 1876 ein viertes und fünftes, 
alle aus Rothschwanznestern! 

Von Lanius excubitor besitze ich eine grössere Anzahl 
Bälge, die mich zu der Meinung gebracht haben, dass Lanius 
major nicht als Art haltbar ist. Alte Männchen mit nur einem 
weissen Spiegel kommen selten vor, häufiger Weibchen, am 
häufigsten aber solche mit allen möglichen Uebergängen des 
weissen Fleckes auf den Armschwingen. 

Ich habe über dreissig Stück zu untersuchen Gelegenheit 
gehabt. Alle hier geschossenen zeichnen sich durch grösseren 
Schnabel vor denen von Altenkirchen aus, auch die Farbe des 
Schnabels ist nicht rein schwarz, sondern schwarzbraun oder 
hornfarben. 

Bei den Alpenschneehühnern erlaube ich mir Sie darauf 
aufmerksam zu machen, dass ich bei einem Männchen und einem 
AVeibchen Lagopus alpinus meridionalis, Sundew. aus 
der Schweiz die zweite Schwingfeder kürzer gefunden habe wie 
die fünfte. Also gerade so wie bei Lagopus albus, während 
bei allen von mir untersuchten : Lagopus alpinus scandina- 
vius die zweite Schwinge länger ist als die fünfte. Leider 
fehlt es mir augenblicklich an Gelegenheit, eine grössere Anzahl 
des Schweizer Schneehuhns zu untersuchen. Bestätigt sich dies 
bei allen, so könnte man mit Recht diese beiden Schneehühner 
als besondere Arten ansehen. 

Ist es Ihnen bekannt, dass von Phala r op u s h y p e r b or e u s *) 
nur die Männchen brüten und die Jungen anführen? Ich habe 
darüber noch nichts Schriftliches finden können. Im Jahre 
'J8T6 und 1877 erhielt ich eine grössere Anzahl sowohl männ- 
licher als weiblicher Vögel, die während der Brutzeit geschossen 
waren. Von diesen hatten alte Männchen grosse Brutflecken, 
dagegen fand sich bei den Weibchen auch keine Spur davon. 



*) Von der Thatsache hatte ich allerdings Kenntniss, doch weiss 
ich augenblicklich nicht woher. Immerhin ist die bestimmte Mittheilung 
von Meves von Werth. v. H. 



— 332 - 

Als icli den Sammler Herrn Cbristiernson darüber befragte, war 
er vollkommen davon überzeugt, dass das Weibchen nie brüte 
und sich auch nicht bei den Jungen aufhielte, da er bei solchen 
immer nur alte Männchen geschossen habe. Auch Herr Holtholf 
hatte auf einer Keise nach Island Dasselbe beobachtet und er 
fand während der Brutzeit öfter kleine Gesellschaften von schwär- 
menden Weibchen weit entfernt von den Brutplätzen. Auch 
von P h a 1 a r p u s r u f u s habe ich auf dem Neste gefangene 
Männchen mit grossen Brutflecken. 

Das „schönere Geschlecht" scheint also auf seinen Putz 
zu halten und überlässt das kleiderabnutzende Brutgeschäft den 
anspruchsloser gekleideten Männchen. 

Doch ich fürchte, mein Brief wird zu lang und deshalb nur 
noch Einiges auf Ihre Frage über das Vorkommen der hiesigen 
Hühnervögel. Im Allgemeinen scheint es nicht so, dass sich 
die Anzahl der Auer-, Birk- und Haselhühner in den letzten 
dreissig Jahren bedeutend vermindert hätte. Doch fliehen sie 
immer mehr von den gelichteten Wäldern und urbar gemachten 
Gegenden. Die Schneehühner haben kaum an Zahl abgenommen, 
während die Rebhühner immer mehr den angebauten Gegenden 
folgen, sich bei günstigen Verhältnissen stark vermehren, aber 
bei ungünstigen oft auch aus einer Provinz ganz wieder ver- 
schwinden. Die Wachtel kommt nur in geringer Anzahl vor. 

1. Tetrao urogallus bewohnt vorzugsweise die grossen 
Tannenwälder Schwedens zwischen dem 51 bis 71^ n. Br., am 
häufigsten zwischen dem 60 bis 66" n. Br. 

2. Tetrao tet rix liebt mehr die Birkenwälder und mit 
Wachholder und Heidekraut bewachsene Ebenen vom südlichen 
bis nördlichen Schweden, doch nicht ganz so hoch als das 
Auerhuhn. 

3. Tetrao banasia hat eine geringere Verbreitung an 
ähnlichen Localen wie das Auerhuhn zwischen dem 58 bis 68-^ 
n. Br., am häufigsten zwischen dem 60 bis 66*^ n. Br. 

Verschiedene Unterbrechungen lassen mich mein Schreiben 
nicht vollenden, denn ich fürchte, dass es Sie sonst nicht mehr 
in Berlin trifft. Ein andermal mehr. 

Ihr alter Freund 
W. Meves. 



— 333 — 
Herr Taucre in Anclam an E. F. yoii Honieyer. 

Ueber unsern Reisenden in Algier kann ich Ihnen leider 
keine guten Nachrichten geben. Sie werden das Nähere aus 
den anliegenden Briefen ersehen und enthalte ich mich deshalb 
des weitern Eingehens auf die dortigen Zustände und spreche 
nur mein Bedauern aus, dass Ihnen unter diesen Umständen 
Ihre Wünsche für die kritischen Arten der Vögel Algiers wohl 
unerfüllt bleiben dürften. Ich bitte mir Ihre Ansicht über das, 
was demnächst zu geschehen hat und ob Sie es für möglich 
halten, unsern Reisenden ferner in Algier z.u belassen, umgehend 
zugehen zu lassen. 

Ihr ganz ergebener 

T a n c r e. 



Medeah (Algier), den 16. Februar 1881. 
Werthester Herr Tancre! 

Am 13. d. M., als ich meinen Brief auf die Post gab, kam 
ich mit einem Freunde zusammen, von welchem ich Mancherlei 
erfuhr. Schon bevor ich hierher kam, erwartete man mich und 
sobald ich das Haus verlassen, werde ich auf Tritt und Schritt 
verfolgt. Manches war mir schon selbst auffällig geworden. 
So hatten meine Correspondenten in Europa ihre Briefe stets 
erbrochen und wieder verschlossen empfangen, ebenso ich meine 
Briefe aus Europa. Ferner sagte mir mein Freund: ich möge 
für Europa nichts absenden ohne sein Wissen. Wenn ich etwas 
abzusenden habe, solle ich zuerst die Kiste in sein Haus bringen, 
wo er den Stadtcommissär rufen werde, unter dessen Augen ich 
die Kiste aus- und einpacken müsse. Nachdem dann die Kiste 
geschlossen sei, würde der Commissär sie versiegeln. Wenn 
dies nicht geschähe, komme meine Kiste in Europa durchwühlt 
und in einem Zustande an, dass nichts mehr zu gebrauchen sei. 
Wie mir dieser Freund dies Alles erzählte und auf Manches 
aufmerksam machte, erinnerte ich mich, dass ich ohngefähr vor 
anderthalb Monaten eine Käfersendung an einen Freund abge- 
sendet, welche in solch einem Zustande angekommen war, dass 
von dem Inhalt kaum etwas zu gebrauchen war. Wie es scheint, 
haben diese Menschen hier die Schachteln alle geöffnet und mit 



- 334 — 

den Händen dazwischen herumgewühlt, so dass Alles zerbrochen 
war. Ferner : als wir hierher fuhren, sollten wir unser Gepäck 
nach vier Tagen erhalten, was jedoch erst nach zehn Tagen geschah. 
Von zwei Koffern waren die Vorhängeschlösser mit Gewalt weg- 
gebrochen, so dass mir damals schon die Sache sehr auffällig 
war. Vielleicht haben meine lieben Franzosen die Vorhänge- 
schlösser weggebrochen, denn mit Schlüsseln konnten sie sie 
nicht öffnen, weil es Berliner Vexirschlösser waren. Unter den 
Vorhängeschlössern befinden sich aber noch andere Schlösser, 
welche für jeden Fall noch einmal dienen sollen. Wie die 
lieben Franzosen also sehen, dass diese Koffer nicht so leicht 
zu öffnen sind, so haben sie sie in Kühe gelassen und die zer- 
brochenen Vorhängeschlösser wieder angehängt. Wer weiss, ob 
die Sache auch nicht so war, wie ich sie meine ? Der Franzose 
sagt: Was hat dieser Deutsche hier zu thun, was will er hier? 
Wenn ich in die Stadt gehe, schaut mich Alles verwundert an. 
Die Jagd ist hier schon seit Anfang Februar geschlossen. Es 
ist dies für mein Sammeln sehr übel, und werde ich versuchen, 
durch unser Consulat mir die Erlaubniss zu erwirken. 

Sobald ich Nachricht vom Consul erhalte, schreibe ich Ihnen 
sofort. X. 



Medeah (Algier), den 1. März 1881. 

Lieber und werthester Herr Tancre! 

Ihr liebes Schreiben vom 20. v. Mts. habe ich am 26. er- 
halten und ebenfalls heute Ihre Geldsendung. 

Mein lieber Herr Tancre, zu allem dem, was Sie mir 
schreiben, haben Sie vollkommen Eecht. Wenn Sie aber hier 
wären, würden Sie doch anders urtheilen. Hätte ich gewusst, 
mit welchen Schwierigkeiten, mit welchen Widerwärtigkeiten 
ich hier zu kämpfen hätte, dann wäre ich nicht hierher ge- 
gangen. Ich verwünsche die Stunde, wo ich das Gebiet von 
Algier betreten -habe und die mir von Freunden gegebenen 
Warnungen unbeachtet Hess, aber w^as ist jetzt zu thun als das 
ungastliche Land so bald als möglich zu verlassen. 

Den 16. Februar schrieb ich an den Consul in Algier, um 
mir vom General-Gouverneur einen Erlaubnissschein für die ge- 



— 335 — 

schlossene Jagd zu verschaffen, worauf ich am 22. die Antwort 
erhielt, dass der Gouverneur mir eine solche Erlaubniss ver- 
weigert habe. Nun bleibt mir nur übrig, so bald als möglich 
nach Aegypten zurückzukehren und dort weiter zu sammeln, in 
einem Lande, wo man doch gegen solche elenden Plackereien 
geschützt ist, wie dieselben hier täglich und stündlich ausgeübt 
werden. Möge mir das Glück dort günstiger sein. 
Mit Hochachtung und Ergebenheit Ihr 

X. 



E. F. von Homeyer an Herrn Taiicre. 

Ihr Schreiben sowie die beigefügten Anlagen haben mich 
überrascht, wenn ich auch von vorn herein darauf gefasst war, 
dass die Franzosen unserm Reisenden Schwierigkeiten in den 
Weg zu legen nicht verfehlen würden. Dass aber die Animosität 
gegen alles Deutsche soweit gehen würde, dass es einem wissen- 
schaftlichen Sammler unmöglich gemacht wird, in einem von 
Frankreich beherrschten Lande seinen Studien obzuliegen, ist 
eben dcch mehr, als ich zur Ehre der Franzosen anzunehmen 
mich berechtigt hielt. 

Das ist also das Volk, welches sich berufen glaubt, an der 
Spitze der Civilisation zu marschiren; das ist das Land der 
Freiheit, das Land der Wissenschaft, welches sich selbst auf 
solche Weise illustrirt ! Wie hoch stehen dagegen die mohammeda- 
nischen Völker, wo von Seiten der Regierungen überall den 
Reisenden und namentlich solchen Reisenden, welche Pioniere 
der Wissenschaft sind, der möglichste Vorschub geleistet wird. 
Noch viel weniger ist es möglich, auch nur einen entfernten 
Vergleich zu wagen mit dem Verhalten der russischen Regierung 
und der russischen Behörden gegenüber den wissenschaftlichen 
Reisenden. Abgesehen davon, dass die russische Regierung all- 
jährlich grosse Summen daran verwendet, die Naturproducte 
ihres weiten Reiches kennen zu lernen und der Wissenschaft 
zugänglich zu machen, wird dem Reisenden überall in dem weiten 
russischen Reiche auf die freundlichste und entgegenkommenste 
Weise begegnet. Es giebt wohl in der ganzen Welt kein Land, 
welches in ähnlicher Weise gegen solche Reisende verfahren 
würde, wie die Behörden in Algier, und Frankreich stellt sich 



— 336 — 

selbst dadurch auf eine Stufe der Civilisation weit unter der 
irgend eines andern Landes. Mag auch die Spionenriecherei, 
die seit dem letzten Kriege in Frankreich auf der Tagesordnung 
steht, ihren Antheil dabei haben, so bleibt dies doch ein schwaches 
Zeugniss für den heutigen Zustand des früher so berühmten 
französischen Geistes. In der That ist es wohl jedem Ausländer 
unerfindlich, welche Art von Spionen die Franzosen in Algier 
fürchten und welche Zwecke Deutschland etwa dort verfolgen 
könnte. 

Lassen Sie unsern Eeisenden den Staub dieses ungastlichen 
Landes von den Füssen schütteln, lassen Sie ihn das Land der 
politischen und der polizeilichen Knechtschaft verlassen und zu 
freien Mohammedanern gehen. 

Mit alter Freundschaft Ihr 

E. F. von Homeyer. 



Register. 



ISchpiftstellep. 



Afrika-Reisender p. 333. 334. 

Bädecker (Witten) 320. 

Bock (Danzig)286. 288. 289. 290. 

291. 293. 294. 295. 296. 298. 
Brehm (Ch. L.) 37. 39. 42. 45. 

49. 51. 53. 55. 61. 62. 66. 67. 

71. 75. 78. 79. 83. 85. 87. 89. 
Döring (Lehrer in Elbing) 318. 

319. 
D roste (Freiherr) 206. 
F ehr mann (Berlin) 237. 
Gaethke (Helgoland) 328. 
Girtanner 313. 
Gloger 173. 

Hanf (Pfarrer Blasius) 178. 182. 
Hintz (Förster in Schlosskämpen) 

315. 316. 
Homeyer (E. F. von) 21. 30. 108. 

186. 261. 276. 298. 321. 335. 
Jex (Naumburg) 245. 
K j ä r b ö 1 1 i n g (Dänemark) 209. 211. 

212. 216. 217. 219. 221. 222. 223. 

224. 257. 
Landbeck 110. 119. 124. 125. 

128. 130.133. 134. 135. 137. 139. 

140. 141. 142. 143. 144. 146. 301. 
Lindermayer (Dr. in Athen) 

227. 



Lo ebenstein (Baron) 189. 191. 
193. 196. 197. 199. 255. 256. 

Max Prinz von Wied 147. 148. 
151. 152. 155. 156. 157. 159. 160. 
161. 164. 166. 168. 169. 170. 172. 
185. 

Meyer (Conservator) 306. 

Meves (Stockholm) 241. 330. 

Naumann (Ziebick) 32. 34. 35. 

Nutten (Aachen) 240. 

Oberländer (üreitz) 244. 

Pregl (AVien) 254. 

Radde (Tiilis) 1. 103. 304. 327. 

Ratzeburg (Neustadt-Eberswalde) 
225. 227 258. 

Seeling (Oberförster in Born- 
tuchen) 308. 

Tancre (Anclam) 263. 333. 

Thienemann (Dresden) '91. 93. 
95. 98. 100. 10 J. 

Tobias (Görlitz) 247. 248. 249. 
250. 251. 

Tschusi (Ritter von) 26. 

Zander (Pastor zu Barkow) 229. 
230. 233. 234. 235. 236. 258. 

Zaddach (Professor in Königs- 
berg) 259, 

Zittwitz (Oberst von) 201.203. 204. 



B. Nachregister. 



Accentor 19. 
Adler 77. 96. 164. 308. 
Aegialitis Homeyeri 70. 73. 74. 
Alauda 38. 41. 46. 54. 

V. Homeyer, Ornitholog. Briefe. 



Alauda bugiensis 281. 

— tatarica 209. 
Alca torda 275. 294^. 
Ampelis garrula 207. 256. 
22 



- a38 — 



Anas clangula 97. 

— clypeata 218. 
Anas dispar 213. 
Anas fusca 273. 

— Homeyeri 321. 

— leucopthalmos 189. 

— mollissima 289. 

— rufina 215. 

— rutila 225. 

— spectabilis 258. 

— strepera 215. 
Anser cinereus 272. 

— ruficollis 3. 224. 
Anthus 58. 210. 
Aquila albicilla 257. 263. 

— clanga 207. 258. 

— fulva 316. 

— naevia 39. 51. 
Ardea 214. 

— nycticorax 297. 
Auerhahn-Jagd 197. 
Bastard 175. 

Bäume im Kaukasus 6. 18. 
Beccassine 186. 
Bernicla ruficollis 3. 224. 
Blaukehlchen 257. 315. 
Bombycilla 207. 256. 
Buteo 19. 
Calamoherpe 41. 

— pinetorum 229. 

Calidris arenaria 269. 
Cannabina palustris 112. 
Carbo graculus 215. 
Carmingimpel 20. 
Certhia 59. 236. 
Cephus grylle 275. 294. 
Charadrius auratus 267. 282. 

— morinellus 214. 

Ciconia alba 80. 
Circaetos leucopsis 150. 165. 167. 

225 293 
Colymbus 215. 275. 

— arcticus 98. 291. 292. 293. 
297. 317. 

Columba gelastes 241. 
Corvus corone 5. 214. 

— leucophaeus 86. 
Crucirostra 46. 48. 64. 183. 214. 

255. 257. 
Curruca 66. 

— rubricapilla 114. 145. 
Cygnus minor 202. 215. 
Cypselus melba 214. 
Darwinismus 300. 



Dohle 5. 

Eisente, Jagd, Mauser 273. 

Emberiza cia 302. 

— hortulana 302. 

— rustica 245. 
Erythrospiza rhodopthera 11. 
Falco albicilla 257. 263. 

— ardesiacus 243. 

— Eleonorae 242. 

— gyrfalco 242. 

— palumbarius 256. 

— peregrinus 256. 

— rufipes 258. 
Fasan 7. 
Frankolin 4. 17. 

Fringilla canescens 160. 233. 

— cisalpina 301. 

— citrinella 301. 

— linaria 183. 

— serinus 214. 
Galerida anthirostris 113. 
Gallinula pusilla 256. 

Gänse 3. 12. 39. 191. 203. 218. 221. 

255. 256. 308. 
Garrulus 3. 
Gracula rosea 224. 
Glareola torquata 214. 
Glaucidium passerinum 183. 
Gypaetos barbatus 313. 327. 
Hafiz-Sänger 17. 
Himantopus rufipes 214. 
Hirundo rustica 21. 211. 
Jagdgeschichte — Gränse — 272. 

283. 
Insel Neu-ßussin 277. 

— Stübber 276. 

Kjärbölling's AVerk 215. 220. 

Kjärbölling — Naturforscher -Ver- 
sammlung 223. 

Kuckuck 245. 330. 
Lämmergeier 20. 
Landbecks Studien 131. 303. 
Lanius 26. 

— excubitor et major 27. 30. 

331. 

— ruficeps 249. 
Larus 74. 275. 306. 

— cachinnans 7. 16. 257. 

— eburneus 215. 

— fuscus 250. 

— leucopterus 215. 

— minutus 318. 319. 

— Sabini 159. 204. 
Leinzeisig 69. 232. 



339 



Lerche 11. 

Lestris 2J5. 

Liberalität — französische — 333. 
33ü. 

Limosa Meyeri 60. 

Mauerspecht 123. 

Mauser 298. 

Meise 40. 76. 79. 

Men^e — ungewöhnliche von Vö- 
geln — 211. 

Megaloperdix 19. 

Mergus merganser 204. 

Motacilla 49. 61. 65. 233. 

— lugubris 214. 
Muscicapa parva 39. 214. 
Mustela lutreola 154. 
Nucifraga 258. 
Numenius tenuirostris 219. 
Oriolus 222. 548. 
Ortolan 33. 

Ostsee — Steigen und Fallen der- 
selben, unabhängig vom Winde 

— 283. 

Otis houbara 214. 

— Macqueni 214. 258. 

— tetrax 214. 

Paradisea respublica (Buonaparte) 

321. 
Pelikan 6. 17. 
Perdix 332. 
Peristera lugubris 114. 

— maxima 114. 
Picus medius 9. 

— Poelzami 9. 

— Sancti-Johannis 9. 

— Saundersi 9. 

— syriacus 9. 

Pieper 38. 

Phalaropus 331. 

Phyllopneuste Bonelli 183. 

Platalea 215. 271. 

Piatypus — Doppelmauser — 321. 

Podiceps 51. 193. 196. 247. 

Porto — frühere Zustände — 140. 

Procellaria Leachii 213. 

Pyrrhula 40. 42. 238. 

Raddes Sammlungen 10. 14. 304. 

305. 
Rallus aquaticus 224. 
Recurvirostra avocetta 215. 268. 284. 
Reisen — G-rabowsky — 259. 

— in Ungarn 125. 129. 251. 
Rothkehlchen — Rubecula hyrcana 9 . 



Sänger (Hafiz) 17. 
Staar 6. 12. 
Saxicola rubicola 214. 
Scharbe 65. 
Schneehuhn 178. 
Schneekauz 37. 45. 
Schnepfe 10. 47. 92. 
j Scolopax gallinula 92. 
Schwan 125. 202. 215. 
Sitta 236. 
Sperlinge 174. 
Steindrossel 147. 
Steinsperling 72. 
Sterna 215. 217. 273. 277. 278. 

— cantiaca 277. 

— caspia 274. 

— Dongalli 210. 218. 

— nigra 137. 
Stieglitz — Varietät — 175. 
Strix 213. 

— brachyotus 265. 

— litturata 213. 

— nisoria 207. 247. 249. 

— nyctea 213. 

— uralensis 255. 
Sula alba 204. 

Surnia nisoria 207. 247. 249. 
Sylvia guttata 145. 

— hortensis — in der Erde 
nistend — 281. 

— ruficapilla 82. 
Systematik 116. 122. 186. 
Syrrhaptes 172. 

Taube 58. 
Telmatias 46. 
Tetrao 332. 

— medius 175. 

Totanus fuscus 247. 

— macularius 240. 

— ochropus 98. 

Tringa alpina 218. 

— maritima 270. 

— Schinzii 53. 

— Temminkii 217. 218. 
Troglodytes nisorius 65. 
Turdus atrigularis 295. 

— aureus 227. 

— illuminus 200. 

— merula 224. 

— Naumanni 255. 

— pallidus 255. 

— Sibiriens 227. 

— varius 243. 

22* 



— 340 — 



Upupa macrorhynchos 112. 
Vögel — europäische — 321. 

— — von Helgoland — 329. 
Vogelfang 225. 

Vultur cinereus 201. 

— fulvus 201. 258. 
Wachtel 105. 
Wildkatze 170. 

W^itterung 9. 11. 12. 13. 70. 73. 
84. 138. 153. 159. IGl. 195. 



! Zeitschrift 72. 104. 107. 108. 110. 
i 119. 125. 152. 203. 204. 207. 215. 
1 218. 225. 231. 
Zeitverhältnisse 68. 100. 144. 158 

160. 199. 201. 212. 244. 295. 296. 
: Zug 8. 10. 40. 51. 57. 62. 74. 80. 

83. 84. 85. 141. 142. 144. 194. 

240. 245. 248. 255. 269. 278. 

279. 300. 311. 312. 329. 
Zugzeit alter und junger Vögel 

270. 283. 



brück von C. H. Scliulze in Grät'euliaiiiicheü. 



Verlag von Ttaeobald Grieben in Berlin. 



T, Homeyer, E. F. — Die Wanderungen der Vögel. (Im Druck.) 

T. Kittlitz, F. H. — Vegetations-Ansichten von Küstenläudern und 
Inseln des Stillen Oceans. 2. Auflage. 6 Kupfertafeln gross Folio, 
nebst Text, in Mappe. 4 M. 

Recht, F., Prof. — Die Schöpfung. Erkennt nisslehre derselben nach 
Grrundsätzen der freien Forschung und die Bedeutung dieser Lehre für 
die Ausbildung des Menschen, o. Auflage. 4 M. ;jO Pf., geb. 5 M. 

Roiclienbach, A. B., Dr. — Die Pflanzen im Dienste der ^Mensch- 
heit: I. Tabak, IL Weizeu, IIL Kaffee. Mit color. Stahlstichen 
2. Auflage. 2 M. 25 Pf. 

V. Lösecke, A., und F. A. Böseiiiauii. — Deutschlands verbreitetste 
Pilze. Anleitung zur Bestimmung der wichtigsten Pilze Doutsch- 
laiuls und der angrenzenden Länder. 2 M. 

Herpell, G. — Das Präpariren und Einlegen der Hutpilze für das 
Herbarium. Mit Abbildungen. 3 M. 

Demmler, L., k. Oberförster. — Populäres Cubirungsbuch mit Preis- 
berechnungstafeln für runde und geschnittene Hölzer. 3. Auflage. 
Taschenformat, geb. 3 M. 

Demmler, L., k. Überförster. — Speculativer Holzberechner mit über- 
sichtlichen Cubictabellen für Forstleute, Baumeister etc. Taschen- 
format, geb. 3 M. 

Felliier, St., Prof, — Compendium der Naturwissenschaften an der 
Schule zu Fulda im IX, Jahrhundert. 4 M. 

Hahii, Tli. — Praktisches Handbuch der naturgemässen Heil- und 
Lebensweise. 4. Auflage, 4 M., geb. b M. 

Yogel, H. — Die Verfälschung und Verschlechterung der Lebens- 
mittel. 3. Auflage. 75 Pf. 

Franke, J. H. — Die Wissenschaft vom physischen, geistigen und 
sozialen Leben auf der Grundlage einer einheitlichen "Weltanschauuno-. 
4 M., gel). 5 M. 

Baliiiseii, j., Dr. — Der Widerspruch im Wissen und Wesen der 
Welt. Princip und Einzelbewährung der Realdialektik. I. Band. 
8 M. (II. Schlussband in Vorbereitung,) 

Bartlielemy-Saiiit-Hilaire, J., Minister, — Ueber Metaphysik. Ein- 
leitung in die Metaphysik des Aristoteles. Autorisirte Ausgabe von 
Prof. E. P. Goergens. 3 M. 

Last, E. — Mehr Licht! I. Die Hauptsätze Kant's und Schopenhauer's 
in allgemein verständlicher Darlegung. IL Die deutsche Dichtung 
in ihrem Wesen und ihrer inneren Bedeutung. 2 Bände ä 5 M., 
eleg. geb. ä 6 M. 50 Pf. 

Lelimaim, 0., Dr. — Ueber Kant's Principien der Ethik und Schop..n- 
hauer's Beurtheilung derselben. 2 M. 

Retlnviscli, E., Dr. — Der Begriff der Definition und seine Be- 
deutung für die monistische Entwicklungslehre. 1 M. 20 Pf. 

Stern, M. L., Dr. — Die Philosophie und die Anthropogenie des 
Professors Dr. Ernst Haeckel. 2 M. 

Striivc, G. — Das Seelenleben oder die Naturgeschichte des Menschen. 2]yL 

Pessimisten-Brevier. Yon einem Geweihten. „Extractum vitae." 4 M. 
50 ^Pf., eleg. geb. G M. 

Zart, G., Dr. — Bibel und Naturwissenschaft in ihrem gegenseitigen 
Verhältniss dargestellt. 2 M. 



Zu beziehen durch jede Buchhandhmg. 



Dnuk von C. II. Scliulze in GräfenliainieUei 



AMNH LIBRARY 




100112846 



J •.«■■'-. .1. -'Vi* 

mm 









:;:,:^;'g'^ 



•!..•■:' vi- 












■^ '' ', ' 

'.•yl.'!