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Full text of "Ornithologische Monatsberichte"

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FORTHE PEOPLE 

FOR EDVCATION 

FOR SCIENCE 






LIBRARY 

OF 

THEAfAERICAN MUSEUM 

OF 

NATURAL HISTORY 





Ornithologische lonatsbericMe 

mit Beitragen von 

U. B&hrmano, Frbr. H. y. Berlepscb, E. Berticb, 
F. Braan, L. Dobbrick, J. Gengier, Frbr. H. Geyr 
T. Scbweppenburg, E. Görnitz, N. Gyldenstolpe, 
W. Hagen, H. Hammling, A. Hers,E. Hesse, A. Ibartb, 
0. Eayser, F. Eoske, A. Laubmann, F. r. Lucanus, 
H. Rendahl,W. Rüdiger, R. Schlegel, 0. Schnurre, 
L. Schuster, H. Seilkopf, W. Sunkel,J. Tbienemaan, 
F. Tischler, V. Ritter t. T s c b u s i zu S ch m i d b o f f en , 
F. T. Versen, H. Weigold, 0. Graf v. Zedlitz u. 
Trützscbler 

and unter Mitwirkung von H. S c b a l o w 

herausgegeben 

▼on 

Prof. Dr. Ant. Reichenow, 

G«h. RegierongBrat, zweiter Direktor am Egl. Zoologischen Museum in Berlin, 
Oeneralsekretär der Deutschen Omithologischen Gesellschaft. 



26. Jahrgang. 



Berlin 1918. 
Verlag von R. Friedländer & Sohn. 



INHALT: 

Seite 
U. B ä h r m a n n , Die Weidenmeise als Brutvogel an der Schwarzen 

Elster bei Rubland 22 

Frhr. H, v. Berlepsch, Nisten von Gartenammer und Mistel- 
drossel in Nordfrankreich 89 

K. Bertsch, Das Birkhuhn in Oberschwaben H2 

F. Braun, Das Verhältnis des Vogels zu seiner Nahrung . . 1 

— Einflufs der Tagesdauer auf das Vogelleben 57 

L. Dobbrick, (Tannenhäher in der Tuchler Heide] .... SO 
J. 6 eng 1er, Der serbisch - mazedonische Kolkrabe (C. corax 

dardaniensis n. sp.) 110 

Frhr. H. Geyrv. Schweppenburg, Winterkälte und Vogelwelt 6 

— Früher Nestbau der Schwanzmeisen 47 

K. G ö r n i t z , Beitrag zur Äyifauna der Pripjet-Sümpfe . . . 129 

N. Gyldenstolpe, Berichtigung zur Arbeit über die Vögel Siams 31 

W. Hagen, Krabbentaucher in der Ostsee 71 

— Fringilla coelebs als Herbstsänger 89 

— Es gibt nur ein deutsches Bläfshuhn 184 

J. H a m m 1 i n g , Über Tannenhäherzug, Dohle u. a. in Posen . 47 

— Ostern 1917 in Tütz in Westpreufsen 77 

A. Hefs, Der Rosenstar in der Schweiz 27 

E. Hesse, Wieder ein trommelnder Grünspecht 113 

— Vorkommen der Schwanzmeilen bei Leipzig im Winter . . . 115 

— Frinyilla coelebs als Herbstsänger 117 

A. I b a r t b , Alle alle an der pommerscben Küste erlegt . . 29 

— Aus der Danziger Umgegend, Wintergäste und Vogelzug . . 92 
C. Kayser, Über die Formen des Baumläufers 81 

F. K 8 k e , WanderdroBsel in Pommern erlegt 15, 17 

— [Tannenhäher am Greifswalder Bodden] 30 

A. Laubmann, Zur Baumläuferfrage 136 

H. £ e n d a b 1 , Rapide Besiedlung des Trauerfliegenschnäppers 

(M. airicapilla) in Schweden 43 

W. R ü d i g e r , Nisten von Hänflingen und Grünlingen in Gebäuden 5 

— Ornithologische Beobachtungen aus den Pripjet-Sümpfen . . 139 
H. S c h a 1 w , Kurt Lampert (Nachruf) 56 

— Eugen von Homeyers „Vögel Norddeutschlands". Ein ver- 
schollenes Werk 94 

R. Schlegel, Wie vollziehen die Spechte den Begattungsakt? 42 

— Einige bemerkenswerte Winterbeobachtungen aus dem mittel- 
sächsischen Berg- und Hügellande 67 



III 

Seite 
0. Schnurre, Ein Beitrag zur Ornii des Habicbtswaldes und 

Wilhelmshöher Parks 105 

L. Schuster, Verbreitung des Girlitz in Ostfrankreich (Nachtrag) 46 

— Der Vogelzug in den Argonnen im Herbst 1916 ... 96, 119 
H. S e i 1 k p f , Beobachtungen aus der Umgebung von Frank- 
furt a. 11 

W. S u n k e 1 , Ornitbologische Beobachtungen aus Nordostfrankreich 72 

J. Tienemann, Tannenbäherzug 25 

— Ein Massensterben von Vögeln 110 

F. Tischler, [Kiebitz im Dezember in Ostpreufsen] .... 31 

— Die Geschlechtsunterecbiede beim Seidonschwanz 85 

— Eecurvirostra aveosetta im Binnenlande in Ostpreufsen . . 99 

— Aufzeichnungen 99 

^ Vom Frühjahrszuge uud Paarungsruf des dunklen Wasserläufers 117 
V. Ritter v. Tschusi zu Schmidhoffen, Bemerkungen 

zu H. Schalows Lanitis excubiior rapax li-i 

— Zu E. v. Homeyers Vögel Norddeutschlands 146 

F. V. V e r 8 e n , [Vogelzug bei Reims] 30 

H. W e i g 1 d , [Nachricht aus Kanton] 128 

0. GrafZedlitz, Beobachtungen an Rabenvögeln im westlichen 

Rufsland 83, 68 



Kiiiidscliau. 

Abhandlungen über: 

Anatomie und Falaeontologie: v. Ammon 125, Gebhardt 55, 
Greschik 49, 150, Klatt 82, Küenzi 147, Lambrecht 151, v. Lucanus 
104, Virchow 102. 

Federn, Färbung, Spielarten: Heinroth SB, Jacobi 104, 
Steiner (Diastataxie) 125, Stübler 103. 

Flug: Lilienthal 82, Stresemann (Flughöhe) 80. 

Nomenklatur: Kleinscbmidt 101, Reichenow 104. 

EinzelneArten: Csörgey (Circus macrurus) 151, v. Domanitwski 
(Sitta) 80, Heinroth (Anatidae) 100, Hellmayr (Corvus soemmeringi) 
80, V. Lucanus (Turdus viscivorus) 55, Reichenow (Sycalis) 55, 
(Sitta) 150, Strohl (Geronticus eremitu) 49, Tischler (Loxia cur- 
virostra) 54, v. Tschusi {Gypaetus harbatus) 54. 

Neue Arten: Hellmayr 102, Laubmann 102, Reichenow 52, 55. 

Deutschland: Bährmann 55, Büsing 103, Gebhardt 80, Helfer 
(Fauna an Kläranlagen) 55, Hennicke 48, Ibarth 102, Lindner 102, 
108, V. Lucanus 55, 104, Ottons 49, 51, 103, 150, Reichenow 104, 
Rendle 127, Rüdiger 128, Schalow 79, Schlegel 150, Schmidt-Bey 32, 
Thienemaim 51, Voigt (Exkursionsbuch) 124, Weckmann 148. 

Österreich-Ungarn: Nagy 151, Schenk 148, 152, Schiebel 58. 

Polen: Fax 48, Stolz 52. 

Rufs Und: Reichenow 147, Rüdiger 102, 148, Graf Zedlitz. 54. 



IV 

Mazedonien: Schlegel 126, v. Viereck 32. 

Belgien, Frankreich: Böker 103, Gerland 150. 

Nordafrika: Frhr. Geyr t. Schweppenburg 60, 126. 

E 1 e i n a s i e n : EoUibay 51. 

Afrika: Neumann 52, Schouteden 125, Wettstein 100. 

Nordpolargebiet: Schalow 53. 

Vogelzug: Daut und Hefa 48, Gralsmann 55, Mauks 151, Reichenow 

52, Bendahl 49, ROlsler 101, v. SzeOts 151, Thienemann 51, 58, 101, 

V. Tschusi 49. 
Lebensweise: Ueinrotb 100, (Reflektorische Bewegungen) 104, 

Hoffmann (Witterungseinflufs) 49, Ottens (Kuckuck) 49, Stresemann 79, 

Weckmann 148, Werth (Blumeuberacbende Vögel) 48, Zimmermann 102. 
Gesang: GeOrgej 151, Hoffmann 54, Lüttscbwager 48, Stadler und 

Schmitt 48, 53, 80, 101, Voigt 31. 
Nahrung: Hennemann 103, Israel 51, 103, Eayser 51, Uttendörfer 32. 
Nisten, Braten: Brinkmann 49, Eckstein 55, Granvik 51, Rüdiger 

128, Wolff 49. 
Nutzen, Schaden, Vogelschutz: Bräls 80, Bund für VogeU 

schütz 101, Haubenreifser 128, Hübner 108, loO, Eayser 103, 104, 

Eoepert 102, Mauks 151, Müller 150, Steinmetz 104, Tbobias 152, 

Voigt 102. 
Gefangenleben, Aufzucht: Braun 150, M. Heinrotb 54, 

0. Heinroth 104, NoU-Tobler 48. 
Todesanzeigen: 0. Finsch 55, H. Mayhoff 49, 0. le Roi 64. 



Druck Tan Otto DernblUtk in Barnburg. 



OmitMogisclie lonatsberichte 

herausgegeben von 

Prof, Dr. Ant. Reichenow. 

26. Jahrgang. Jannar 1918. No. 1. 

Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern 

und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. 

Anzeigen 20 Pfennige für die Zeüe. Zusendungen für die Schriftleitung sind an 

den Herausgeber, Prof. Dr. Reichenow in Berlin N.4. Invalidenstr. 43 erbeten, 

alle den Buchhandel betreffenden Mitteilungen an die Verlagshandlung voa 

E. Friedländer & Sohn in Berlin N.W. 6, Karlstr. 11 zu richten. 



Über das Verhältnis des Vogels zu seiner Nahrung. 
Yen Frlti Brann. 

Vor mir stehen auf einem als Käfigständer dienenden Bücher- 
regal zwei kleine Käfige. Der eine enthält einen Grauedelsänger 
{FringiUa musica Yieill.), der andere ein Weifskehlpfäffchen 
{Coccothraustes alhogularis Spiz). An beiden ist das Drahtgitter 
über und über mit Grasrispen besteckt. Der Grauedelsänger hat 
sie schon längst geleert, bei dem Pfäffchen sind sie dagegen noch 
genau in der gleichen Verfassung, wie in dem Augenblick, da ich 
sie an dem Käfig anbrachte. Nun wollen wir uns einmal die 
Futternäpfe der beiden Vögel ansehen, Sie sind mit der nämlichen 
Futtermischung gefüllt, die hauptsächlich aus Hirsearten und da- 
neben noch aus anderen kleinen Sämereien besteht. Bei dem 
Weifskehlpfäffchen sind nur Hirsekörner enthülst; der Grauedel- 
sänger hat sich zwar auch vorwiegend an diese Nahrung gehalten, 
aber daneben liegt doch auch eine ganze Menge anderer Samen- 
hülsen herum. Wollten wir nunmehr beiden Vögeln die Hirsekörner 
gänzlich entziehen und ihnen nur noch die Grasrispen und das 
Gemenge anderer Sämereien verabfolgen, so würden wir mit Er- 
staunen wahrnehmen, dafs, so gleichartig im allgemeinen die 
Futterbedürfnisse der beiden Vögel sein mögen, das Pfäffchen 
jegliche Nahrungsaufnahme verweigerte, während der Grauedel- 
sänger, unj die fehlende Hirse zu ersetzen, desto eifriger den 
anderen Stoffen zuspräche und sich damit schlecht und recht 
durchbrächte. 

Die schwere Kriegszeit, in der wir leben, steht unter dem 
Zeichen der Ersatzstoffe. Natürlich strebt auch der Tierpfleger 
danach, für solche Sämereien, die zur Neige gehen, derlei Ersatz- 
mittel zu entdecken. Jedoch auf den Nahrungsmittelchemiker 
allein kommt es dabei nicht an. Immer wieder zeigt es sich, dafs 
man die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat, denn mögen die 
Sämereien, auf die wir zurückgreifen wollen, auch annähernd 



— 2 — 

dieselben Stoffe enthalten, wie der früher verabfolgte, so nützen 
sie uns recht oft doch nicht das geringste, weil sie von den 
Pfleglingen einfach nicht angenommen werden. 

Mitunter ist in solchen verzweifelten Fällen von einem 
Schmecken und Prüfen der Vögel, von irgendwelchen Versuchen 
der Tiere, ihren Hunger nunmehr mit anderen Dingen zu stillen, 
gar keine Rede. Sie hören eben auf zu fressen, beginnen nach 
einiger Zeit die Federn zu sträuben und würden still und teil- 
nahmslos dahin sterben, wenn wir ihnen nicht wieder ihre frühere 
Nahrung verschafften. Dabei dürfen die Sämereien, um die es sich 
handelt, garnicht sehr verschieden sein. Ich hielte es für durch- 
aus glaubhaft, würde mir jemand berichten, irgend ein Pfäffchen 
sei rettungslos verloren gewesen, weil ihm anstatt der grofskörnigen 
weifsen Hirse nur kleine, rote und schwärzliche Hirse verabfolgt 
werden konnte. 

Damit die Tiere fressen, ist zweierlei erforderlich. Erstens 
mufs ein innerer Reiz sie zur Nahrungsaufnahme antreiben, ein 
Reiz, der beispielsweise bei manchen Zugvögeln während der Zeit 
des stärksten Zugtriebes ganz auffällig zurücktritt, sodafs dann 
unter Umständen auch ihre Lieblingskost von den Vögeln gar nicht 
beachtet wird. Zum anderen mufs diesem inneren Reiz auch 
ein äufserer entsprechen, der von der artgemäfsen Nahrung ver- 
ursacht wird. 

Je ungleichmäfsiger und spärlicher die Nahrung, mit der 
die Vögel ihren Hunger zu stillen pflegen, verteilt ist, um so 
stärker wird auch der Bewegungsdrang sein, welcher im Falle 
des Hungergefühls durch den inneren Keiz veranlafst wird. Das 
Weifskehlpfäffchen, das hier vor uns steht, würde durch das Hunger- 
gefühl vermutlich nur dazu bewogen werden, an das Futtergefäfs 
zu hüpfen. Wäre das geleert, so würde es noch den Käfigboden 
nach verstreuten Körnern absuchen. Hätte auch das nicht zum 
Ziele geführt, so wäre die Nahrungssuche vermutlich beendet, und 
das Verhängnis nähme seinen Lauf. Stellen wir uns dagegen eine 
Meise in der gleichen Lage vor, so könnten wir mit Sicherheit 
auf eine Zeit sehr gesteigerter Beweglichkeit rechnen, welche der 
an dem naturwidrigen Ort selbstverständlich erfolglosen Nahrungs- 
suche dienen sollte. 

Diese auffällige Verschiedenheit kann sehr leicht auf ihre 
Gründe zurückgeführt werden. Das scheinbar so stumpfe, in sein 
Schicksal ergebene Pfäffchen gehört einer Art an, welche sich im 
Freileben von einigen wenigen Sämereien ernährt, die dort stets 
in Hülle und Fülle vorhanden sind, die Meise dagegen ist Zeit 
ihres Lebens daran gewöhnt, ihre zumeist aus winzigen Bröcklein 
bestehende Nahrung mit unermüdlicher Geschäftigkeit aufzusuchen. 

Der Kreis von Gegenständen, welche die Vögel zur Nahrungs- 
aufnahme veranlassen, ist nicht nur örtlich, sondern häufig auch 
individuell recht verschieden. Von zwei einzeln gehaltenen Erlen- 
zeisigen (Chrysomitris spinus L.) nimmt im Notfalle der eine 



— 3 — 

vielleicht anstandslos eine Futtermischung an, welche der andere 
keines Blickes würdigt, obgleich er durch solchen Eigensinn elend 
zu Grunde geht. Dabei vollziehen sich diese Handlungen sehr 
oft so weit unter der Bewufstseinsschwelle, dafs wir durchaus nicht 
glauben dürfen, die Vögel seien die klügsten, welche im Notfalle 
mit der mannigfaltigsten Nahrung vorlieb nehmen. Allerdings 
pflegen sich die Arten am teilnahmslosesten zu verhalten, welche 
im Freileben ihr täglich Brot sozusagen nur vom gedeckten Tische 
fortnehmen, während jene Spezies, deren Nahrungssuche mit der 
Lösung mechanischer Aufgaben verbunden zu sein pflegt, in der 
Regel schon mehr Neigung bekunden, die Dinge auf ihre Efsbarkeit 
hin zu prüfen, wie sie auch in der Natur nicht selten auf dem 
besten Wege sind, Allesfresser zu werden. 

Um zu zeigen, von wie geringfügigen Umständen es mit- 
unter abhängt, ob ein Gegenstand als Nahrung dient oder nicht, 
möchte ich ein Beispiel aus einer anderen Tierklasse anführen. 
Unser allbekannter Wasserfrosch (Rana esculenta L.) vermag 
beinahe als Allesfresser bezeichnet zu werden, denn er ernährt 
sich von allem, was da kreucht und fleucht. Dieses Kriechen und 
Fliegen ist aber auch Bedingung. Klugheit spielt bei der Er- 
beutung seiner Nahrung eine so geringe Rolle, dafs er vielleicht 
eben nach einem zur Speise untauglichen, durch ä u f s e r e Kräfte 
bewegten Gegenstande schnappte, dann aber zur Nahrung trefflich 
geeignete Insekten unbehelligt läfst, weil sie sich grade nicht 
bewegen wollen. Ähnliches können wir auch bei den Vögeln 
erleben. Unter Umständen werden wir Zeuge, dafs sie eines 
elenden Hungertodes sterben, obgleich ihnen reichlich solche Stoffe 
geboten werden, die ihren Stoffwechsel zweifellos zu erhalten ver- 
möchten. Sie bleiben aber trotzdem unangerührt, weil von ihnen 
kein Reiz ausgeht, der die darbenden Geschöpfe zur Futterauf- 
nahme veranlassen könnte. 

Wie verschieden die Vögel in der Hinsicht geartet sind, 
kann uns ein Beispiel lehren. Vor reichlich einem Jahrzehnt, als 
ich noch in Marienburg wohnte, mufste ich mich einmal rasch zu 
einer längeren Reise entschliefsen. Unterdessen sollte das Haus- 
mädchen meine Vögel verpflegen. Es hatte sich jedoch die eilig 
gegebenen Weisungen nicht genügend eingeprägt oder liefs es 
später an der nötigen Sorgfalt fehlen. Kurz, als ich von meiner 
drei bis vier Wochen währenden Reise zurückkehrte, war in einem 
früher von vier finkenartigen Vögeln bewohnten Flugbauer nur 
noch ein Erlenzeisig übrig. Als ich sofort das Futtergefäfs musterte, 
sah ich zu meinem Schreck, dafs darin nur das Weichfutter ent- 
halten war, das meine Drosseln und Lerchen zu bekommen pflegten. 
Wie sich später herausstellte, hatten die Vögel während meiner 
Abwesenheit nur Weichfutter erhalten. Drei von ihnen hatten 
es vermutlich nicht angerührt, denn sie waren ziemlich gleichzeitig 
gestorben; nur der vierte, eben der Erlenzeisig, hatte unbedenklich 
zugelangt und war leben geblieben. Dafs die Weichfuttermischung 



— 4 — 

nicht genügt hätte, auch den übrigen während einiger Wochen 
das Leben zu fristen, halte ich für ausgeschlossen. Ich bin über- 
zeugt, dafs sie sich um das Weichfutter garnicht gekümmert 
hatten, weil es nur auf den Erlenzeisig einen äufseren Reiz aus- 
übte, der den zum Stillen des Hungers erforderlichen Bewegungen 
den rechten Weg wies. Da sich in anderen Fällen grade Erlen- 
zeisige recht heikel gegen manche Futterstoffe (z. B. Wegerichsamen 
u. a. m.) erweisen, möchte ich aber auch hier davor warnen, in 
irgend einer Weise zu verallgemeinern. E i n Versuchstier ist 
kein Versuchstier; nur die Erfahrungen langer Jahre berechtigen 
uns zu allgemeinen Schlüssen, die sich sogar dann noch oft 
genug als übereilt und versucht erweisen werden. 

Ebenso wie dieselben Dinge nicht allen Angehörigen der 
gleichen Art als Nahrung erscheinen, üben sie auch nicht zu allen 
Jahreszeiten denselben Reiz aus. Eine Drossel, die zur Herbst- 
zeit auf Beeren ganz erpicht war, betrachtet sie im Mai und Juni 
vielleicht als ganz gleichgültige Fremdkörper. 

Im Zusammenhang mit diesen Fragen überdachte ich oft 
genug auch den Umstand, dafs so viele Vögel im Winter Kost- 
gänger des Menschen werden und sich auf Strafsen und Hofplätzen 
einstellen, obgleich sie zur Sommerszeit weit draufsen in Feld und 
Hain zu treffen waren. Höchstwahrscheinlich gehören diese Dinge 
aber garnicht in das Kapitel, das wir hier erörterten. Vermutlich 
gelangen wir bei ihnen viel eher zu einer befriedigenden Erklärung, 
wenn wir diese Ortsbewegungen mit den zugähnlichen Wande- 
rungen vergleichen. Die meisten Vogelarten, die sich zur Winters- 
zeit auf dem Wirtschaftshof des Bauern oder auf der belebten 
Dorfstrafse zeigen, sind Kulturfolger, das heifst solche Arten, die 
sich in unserem Vaterlande zuerst bei menschlichen Wohnstätten 
zeigten und erst von da aus im Gelände ausbreiteten. Wenn sie 
heutzutage in der schlimmsten Jahreszeit nach den menschlichen 
Wohnstätten zusammenströmen, handeln sie demgemäfs ganz ähnlich 
wie jene Vögel, die bei Einbruch schlechten Wetters in einer 
Richtung abströmen, welche sie ebenfalls zu den Wohnsitzen 
ihrer Ahnen führen mufs. 

Es ist der Fluch solcher Betrachtungen, wie wir sie hier an- 
gestellt haben, dafs sie uns zu keinem bestimmten Ziele führen, 
und dafs wir dem Leser mit keinen Schlüssen aufwarten können, 
die den Lohn unserer Tätigkeit darstellten. Aber trotzdem dürften 
sie auch ihres Segens nicht entraten, der darin besteht, dafs ein 
neuer Gesichtspunkt zur Betrachtung der Lebewesen gewonnen 
wird, und dieser Lohn deucht uns nicht gering. 



— 5 — 

Pas Nisten toii Hänflingen und Orünlingen in Gebäuden. 

Yon Wilhelm Rüdiger. 

I. Beitrag. 

Als das Frühjahr 1917 und damit das Brutgeschäft der Vögel 
herannahte, war es natürlich mein Bestreben, nach Möglichkeit 
die Brutvögel im Pripjet- Sumpfgebiet in Rufsland festzustellen. 
Dafs hier die Ornis von der deutschen nicht sehr abweicht, will 
ich nur nebenbei bemerken. Doch der Standort mancher Nester 
einzelner Vogelarten ist recht bemerkenswert und zeigt deutlich, 
wie der Vogel sich in der Anlage seines Nestes gut anzupassen 
vermag. Heute soll hier von zwei Arten die Rede sein, von 
Acanthis cannahina, dem grauen Hänfling, und Chloris chloris 
dem Grünhänfling. 

In den zerstreut liegenden Dörfern in den Pripjet-Sümpfen 
kennt man nicht solche Gartenanlagen mit allerlei Gebüsch, wie 
wir solche in Deutschland haben; namentlich fehlen Koniferen- 
Gewächse. Fehlt nun auch Wacholder im Walde und auf Hutungen, 
wie es hierorts ist, so haben Frühbrüter, welche ihre Nester in 
Sträuchern herrichten, wenig oder gar keine Nistgelegenheiten. 
So fiel es mir auf, dafs hier im Frühjahr 1917 Hänflinge und 
Grünlinge sich fast ausschliefslich in Dörfern auf den Fanjedächern 
herumtrieben, auch dann noch, als die Begattungs- bezw. Brut- 
zeit begonnen hatte. Da in den noch unbelaubten Gebüschen, 
schlechte Obstsorten mit Stockreisern und Wurzel brutausläufern, 
Nester nicht vorhanden waren, verfiel ich auf den Gedanken, diese 
unter den Hausdächern und in den Stallungen zu suchen, zumal 
letztere eine luftige Bauart aufweisen, den Vögeln der Zugang 
an vielen Stellen offen steht. Das erste Nest, welches ich fand, 
war ein solches vom Grünhänfiing, welches in einem offenen Stall 
auf einem Balken stand, der brütende Vogel safs auf den Eiern. 
Ein Hänflingsnest befand sich ebenfalls in einem Stall, es stand 
auf einem Sparren, dort wo dieser von einer Latte überkreuzt 
wird ; ein zweites Nest dieser Art stand aufsen am Hausgiebel 
auf einem Balken ; ein anderes ebenfalls auf einem Balken im 
Innenraum eines von Soldaten bewohnten Panjehauses, und so fand 
ich an solchen Standorten noch mehrere besetzte Nester dieser 
beiden Vogelarten. Leider wurden aber auch frische Nester von 
den Dachdeckern unbeabsichtigt zerstört. Die Stallungen dienten 
häufig durchziehenden Truppen als Unterkunftsräume; schadhafte 
Stellen der Dächer wurden ausgebessert, und so konnte es nicht 
ausbleiben, dafs hierbei Nester zerstört wurden, mir wurden solche 
mit Inhalt häufig überbracht. 

Dafs aber diese Vögel nicht an dem geschilderten Frühjahrs- 
stand festhielten, bewiesen mir die zweiten Brüten. Sie waren 
in grünen, auch trockenen Büschen (Obstsorten, Hartriegel) an- 
gelegt, Avenn diese mit Unkrautarten durch- oder umwuchert 



waren. Ein fernerer beliebter Standort waren die FJechtzäune, 
welche an Feldbahnen zum Schutze gegen Schneeverwehungen 
angelegt waren. Die Zäune waren an und für sich recht sperrig 
und licht, denn solchen aus Nadelholzreisig fehlten die Nadeln, 
beim Laubholz fehlten die Blätter. Doch hier wucherte allerlei 
Unkraut und hohes Gras, daher standen die Nester so versteckt, 
dafs das Nest fast immer nur durch den abstreichenden Vogel auf- 
gefunden werden konnte. Wir sehen daher wieder, wie grofs das 
Anpassungsvermögen unsern Vögel sein kann. 

Nebenbei will ich bemerken, dafs hier auch vielfach die 
Nester der weifsen Bachstelze an Haus- uud Stallgiebeln auf 
Sparren und Balkenköpfen standen und vom Kuckuck mit Eiern 
belegt wurden. 



Winterkälte und Vogelwelt. 

Yoa H. Freiherr Geyr Ton Schweppenbarg. 

Die aufserordentlich strenge und anhaltende Kälte, welche 
in den ersten Monaten von 1917 ganz Deutschland heimsuchte, 
wirkte naturgemäfs auch auf unsere Vogelwelt in einer Weise ein, 
die man in den meist sehr milden Wintern hier im Westen des 
Keichs nicht zu beobachten gewohnt ist. Ich will mich an dieser 
Stelle nicht mit jenen seltneren Gästen des Nordens und Ostens 
befassen, welche stärkere Kältewellen uns in mehr oder weniger 
grofser Zahl und Reichhaltigkeit zu bringen pflegen, es sollen 
vielmehr die Verluste gezeigt werden, welche einige unserer ge- 
wöhnlichsten Arten infolge der andauernden niedrigen Temperatur, 
der Schneedecke und der damit verbundenen Begleiterscheinungen 
erlitten. 

Besonders hart wurden jene Vögel betroffen, die im all- 
gemeinen Zugvögel sind, die sich aber infolge der in den letzten 
Jahrzehnten so aufserordentlich milden Winter hier im Rheinland 
das Ziehen ein wenig abgewöhnt hatten. Es waren von diesen 
Arten im Laufe der Jahre die Stücke, Welche aus irgend einem 
Grunde nicht wegzogen, verhältnismäfsig zahlreich geworden. Hier- 
zu gehörten namentlich das Teichhuhn {Gall. chloropus) und das 
Rotkehlchen (Erith. ruheciilus). 

In den ersten Wochen der Kälte gelang es diesen Arten, 
sich leidlich durchzuschlagen. Als dann aber erneuter Schneefall 
eintrat und fast sämtliche Gewässer zufroren, da wurden sie matter 
und matter, fielen zum Teil dem Raubzeug zum Opfer und waren 
schliefslich ganz verschwunden. 

Hier in Müddersheim brüteten in jedem Jahre meist vier 
Paar Teichhühner in unmittelbarer Nähe des Hauses, und 15 bis 
20 Stück waren bei Beginn der Kälte vorhanden. Diese gingen 
sämtlich zu Grunde, und infolgedessen begann in diesem Früh- 
jahre auch kein Paar an den gewohnten Stellen mit dem Nestbau. 



— 7 — 

Erst spät im Mai stellte sich nach und nach e i n offenbar zuge- 
wandertes Pärchen ein und schritt später zur Brut. Aus dem 
ganzen Benehmen dieser zwei Teichhühner war zu entnehmen, 
dafs sie zum ersten Male hier auf dem Teiche brüteten, aber sie 
haben sich dann erstaunlich schnell an Menschen und Verkehr 
gewöhnt. Wegen des späten Brutbeginns brüteten sie nur einmal, 
während hier sonst eine zweite Brut die ßegel bildet. 

Baron Franz Geyr erzählte mir, dafs er an der Niers am 
Niederrhein auf einer Strecke, wo sonst gewifs hundert Paare 
Gull, chloropus brüteten und wo im Herbst mehrere hundert zu 
sehen war, dafs er dort im Frühjahr nur ein Stück bemerkte. 
Graf Hoensbroech schreibt mir ähnliches von der ßoer, und Herr 
Professor Schillings glaubt, dafs bei Weierhof wohl 80% der Rot- 
blässen zugrunde gegangen sind. 

Ich glaube übrigens die Beobachtung gemacht zu haben, 
dafs auf solchen Gewässern, z. B. Feldtümpel mit stehendem Wasser, 
welche in den meisten Wintern auch hier bei uns zeitweise zu- 
frieren und dann wenig Schutz und Nahrung bieten, der Bestand 
der Teichhühner nicht so zurückgegangen ist. Diese Vögel waren 
eben durch ungünstigere Verhältnisse schon stets zu mehr oder 
weniger weitem Wandern veranlafst worden. 

Die Rotkehlchen, welche dem Winter anheimfielen, dürften 
wohl hiesige Brutvögel gewesen sein, denn der diesjährige Bestand 
scheint mir gegen sonstige Jahre nicht unerheblich zurückzustehen. 
Dasselbe mufs ich leider beim Zaunkönige feststellen, dem sonst 
so leicht keine Kälte etwas anhaben kann. Nach dem Ende des 
starken Frostes, zu Anfang März, sah ich zunächt überhaupt 
keinen dieser sonst so häufigen Vögel. Allmählich stellten sich 
aber wieder einige ein, und wenige Pärchen haben auch gebrütet. 
Wahrscheinlich ist also ein Teil der hiesigen Zaunkönige mehr 
oder weniger weit weggezogen und kam erst einige Zeit nach 
dem Ende des Frostes wieder zurück. Da man jahraus -jahrein 
stets Zaunkönige hier sieht, weifs ich nicht, ob das in jedem 
Jahre geschieht — vermutlich aber wohl. 

Kecht gut hat die sangesfreudige Braunelle (Accentor) die 
strengen Wintertage überstanden, und im Frühjahre schienen mir 
die Brutpaare gegen sonst nicht wesentlich vermindert zu sein. 

Hier in Müddersheim sind die Stare gut zur Hälfte ver- 
schwunden, wenn ich nach der Anzahl der besetzten Bruthöhlen 
urteilen soll. Ich habe selbst im Februar einen halberfrorenen 
aus der Nisthöhle unter meinem Fenster genommen. Auch Frau 
von Mallinckrodt-Wachendorf erzählte mir, dafs bei ihr die Stare 
ungemein abgenommen haben , aber Herr Professor Schillings 
schreibt, dafs in Weierhof bei Düren, also gar nicht weit von hier, 
in diesem Jahre sehr viele Nisturnen besetzt seien. 

Wo die überwinternden Stare ihre Nahrung zusammen- 
suchten, konnte ich nicht beobachten. Es mufs in einiger Ent- 
fernung von hier gewesen sein, denn nur abends sah ich sie still 



— 8 — 

herbeikommen, um sich mit aufgeplustertem Gefieder in Specht- 
höblen und Nistkästen zur Ruhe zu begeben. 

Verhältnismäfsig wenig Not litten die Körnerfresser: Grau- 
und Goldammern, Feldsperlinge und Buchfinken. Die in den 
letzten Jahren in unserer Gegend sehr zahlreich erbauten Feld- 
scheunen bilden für diese Vögel gerade so viele Riesenfutterhäuser. 
Zudem wurde beim hart gefrorenen Boden vielfach Dünger auf die 
schneebedeckten Felder gefahren, wo Krähen und Kleinvögel ihn 
eifrig durchstöberten. Auch Feldlerchen sah ich dort in gröfserer 
Zahl. 

Vermindert scheint sich entschieden die Zahl der Distelfinken 
zu haben, aber das mag auch in anderen Ursachen begründet sein. 

Da der Schnee nicht sehr hoch lag, war es auch den Ringel- 
tauben möglich, sich durch Plündern der Raps- und Kohlfelder 
so halbwegs durchzuschlagen, nicht wenige sind allerdings doch 
zu Grunde gegangen. 

Den Raubvögeln erleichterten die ermatteten und sterbenden 
Vögel zweifellos den Kampf mit dem Winter, und so haben hier 
selbst mehrere Turmfalken i) die schlimmen Monate überstanden. 
Die Bussarde machten sich über die dem Tode verfallenen Teich- 
hühner her, und man kann ihnen das nicht als grofse Missetat 
anrechnen ; sie erleichterten nur den armen Tieren das Ende. Zeit- 
weise konnten die genannten Arten auch dem Mäusefang auf 
Kleeäckern obliegen, von denen die aus einem wolkenlosen Himmel 
niederstrahlenden Sonne den Schnee allmählich weggeleckt hatte. 

Verderblich war der Schnee und namentlich der scharfe Frost 
dem Grünspecht, dessen Standorte ich verschiedentlich nach der 
Kältezeit verwaist fand. Seine fast ausschliefsliche Nahrung bilden 
ja Ameisen, denen er im steinhart gefrorenen Boden nicht mehr 
gut beikommen konnte. Die leichter zugänglichen Nester der 
"Waldameise (Formica rufa) beherbergt der hiesige Wald nur in 
geringer Anzahl. 

Ich hatte gehofft, dafs die in den letzten Jahren allzu zahl- 
reich gewordenen Schwarzdrosseln (T. merula) von der Kälte etwas 
kräftig angefafst worden seien. Nicht wenige sind wohl auch 
umgekommen und viele den Sperbern zur Beute geworden, aber 
als das Frühjahr kam, war doch wieder ein ganz netter Bestand 
vorhanden, und im nächsten Jahre werden die Lücken wohl wieder 
ganz ausgefüllt sein, 

^) In No. 7/8 dieser Monatsberichte nennt Franz unter den im 
"Winter anzutreffenden Standvögeln des Aisnegebiets in Frankreich auch 
den Baumfalken (jP. suhbuteo). Ich halte es für ganz unwahrscheinlich, 
dafs dieser so ausgesprochene und kälteempfindliche Zugvogel dort regel- 
mafsig oder auch nur ausnahmsweise überwintert. Ich vermute, dafs 
eine — sehr wohl mögliche — Verwechselung mit dem Merlinfalken 
stattgefunden hat, der auch im ebenen Kheinland zu den nicht seltenen 
Wintergästen und Durchzüglern gehört. 



— 9 — 

Ganz aufserordentlich sind die Verluste, welche die Meisen 
durch die Kälte bezw. durch den Nahrungsmangel erlitten. Ich 
finde keine andere Ursache, welche mir ihre starke Abnahme er- 
klären könnte. 

Es kommen hier vornehmlich Blau- und Kohlmeisen in Be- 
tracht. Im vergangenen Jahre brüteten in den von mir aufgehängten 
Berlepschen Nisthöhlen mindestens zwölf Paar Blaumeisen, welche 
vermutlich nicht weniger als hundert Junge aufzogen. Aufserdem 
brüteten in Baumlöchern einige wenige Paare. In diesem Jahre 
brütete in annähernd der gleichen Anzahl von Nisthöhlen nur 
e i n Paar. Aufserdem war mir sicher nur noch ein Paar bekannt, 
welches in einem Pflaumenbaume wohnte. 

Von Parus major brüteten im vergangeneu Jahre etwa 
vierzehn Pärchen in Nisthöhlen, in diesem Jahre nur etwa 
sechs. Der stets geringe Bestand an Sumpfmeisen (P. pal. longi- 
rostris) hat schon seit einigen Jahren immer mehr abgenommen. 
Im vergangenen Jahre brütete gar kein Paar in den Nistkästen, 
in diesem Jahre eines. Bezeichnender Weise war dieses Paar jenes, 
welches während der ganzen Kältezeit mit zwei Paar Kohlmeisen 
an mein Fenster kam, um Futter zu holen. Blaumeisen kamen 
überhaupt nicht zum Futter. 

Es scheint mir nun kaum ein Zweifel daran möglich, dafs 
die in diesem Frühjahr fehlenden Meisen durch Nahrungsmangel 
infolge der Kälte eingegangen sind. An eine Seuche ist kaum 
zu denken, denn dann wären wohl auch jene sechs zum Futterplatz 
kommenden Vögel davon ergriffen worden. Merkwürdiger Weise 
habe ich in den Nisthöhlen, welche ich untersuchte, keine Beste 
toter Vögel gefunden. 

Von den den Meisen verwandten Vögeln scheint mir auch 
die Zahl der Schwanzmeisen und der Wintergoldhähnchen {Aegi- 
thalus caudaius und Hegulus reg.) vermindert zu sein, aber Sicheres 
konnte ich darüber nicht feststellen. Baumläufer (Cerihia hrachyd.) 
brüteten anscheinend in unverminderter Anzahl. Hoffentlich sind 
auch unsere rheinischen Weidenmeisen (Far. atricap. rhenanus) 
nicht allzu sehr mitgenommen worden ; ich konnte das bisher nicht 
feststellen, da sie hier bei Müddersheim nur selten auf dem Strich 
erscheinen. 

Ich stehe dem Nutzen der Vögel und einem darauf be- 
gründeten Vogelschutz ein wenig zweifelnd gegenüber und bin 
auch kein Freund der übertriebenen Winterfütterung, um mir da- 
durch etwa den Nutzen der Meisen zu sichern. Es kann aber 
wohl kein Zweifel darüber bestehen, dafs im vergangenen Winter 
hier in Müddersheim durch eine sachgemäfse Winterfütterung viele 
Meisen erhalten worden wären. 

Ich finde nun den Verlust dieser Vögel an sich zwar traurig, 
im übrigen aber nicht schlimm und betone den Wert der Winter- 
fütterung namentlich darum, weil Kleinschmidt in No. 1 des Falco 
1917 anderer Ansicht ist und Graf Berlepschs Meinung zuneigt. 



— 10 — 

welcher in der Winterfütterung lediglich eine Spielerei und ein 
Wintervergnügen vogelfreundlicher Menschen sieht. Kleinschmidt 
sagt, dafs er auf Grund gewissenhafter Untersuchungen während 
der Kälte- und Schneeperiode zu diesem Urteil gekommen sei. 
Ich bin gewifs, dafs der treffliche Beobachter stichhaltige Gründe 
für seine Anschauung hat, aber ein einigermafsen klares Bild — 
für beweisend kann ich auch das nur nach Bestätigung durch 
Untersuchungen an verschiedenen anderen Orten halten — geben 
wohl lediglich vergleichende Brutzahlen, und diese kann man leicht 
und genau bei den in Nisthöhlen brütenden Meisen gewinnen, 
wenn die Brutzahlen aus dem Jahre vorher feststehen. 

Auch ist zu bemerken, dafs ein Unterschied vorhanden ist, 
je nachdem ob die Winterbeobachtungen in einer von Menschen 
wenig besiedelten Gegend stattfinden oder in einer reichbebauten 
und bevölkerten Landschaft, wie sie die gesegneten Fluren von 
Dederstedt darstellen. Hier werden die in der Nähe des Menschen 
in Dörfern und Baumgärten umherstreifenden Meisen immerhin 
mancherlei finden, auch wenn sie nicht besonders gefüttert werden. 

Leider dürfte die schon so sehr verminderte Zahl unserer 
Eisvögel {Älcedo ispida) durch den fast alle Gewässer schliefsenden 
Frost schweren Schaden gelitten haben. Ich selbst konnte eine 
solche Abnahme nicht feststellen, da der Eisvogel hier nicht mehr 
brütet, aber von Herrn Professor Schillings höre ich, dafs in der 
wasserreichen Gegend von Gürzenich das bisher geschützte Eis- 
vogelasyl ganz verwaist sei. In früheren Jahre würden zwar die 
herrlichen Fischervögel auch nach starken Verlusten allmählich 
wieder die ihnen zusagenden Bäche und Flüfschen besiedelt haben, 
aber heutzutage kann man solche Hoffnungen nicht hegen, heute, 
wo ich von einem Forellenzüchter hörte, der vor einiger Zeit 
binnen Jahresfrist sechzig dieser herrlichen Vogelleben zerstörte — 
um einige Pfund Forellenfleisch mehr verkaufen zu können. Es 
war vor dem Kriege, als noch keine Gründe dringender Lebens- 
mittelerzeugung ein solches Tun entschuldigen konnten. 

Den Verlust eines Eisvogelpaares mufs man vom Standpunkte 
eines Vogelschutzes aus, der mehr auf die Seltenheit des zu 
schützenden Vogels sieht als auf seinen Nutzen, mehr bedauern, 
als den Verlust von einigen hundert Paar Meisen. Der Schaden, 
welchen der Winter unter diesen Vögeln angerichtet hat, ist nicht 
dauernd und nicht unheilbar, und in wenigen Jahren werden die 
Lücken wieder gefüllt sein. Bei einzelnen in den letzten Jahren 
durch ihre allzu grofse Zahl in Gärten und Obstplantagen lästig 
gewordenen Arten ist die Verminderung sogar nicht unerwünscht 
gewesen — ich denke an Amsel und Star. 

Die Todesursache der dem Winter zum Opfer gefallenen 
Vögel dürfte wohl in keinem Falle unmittelbar und lediglich die 
Kälte gewesen sein, denn in den ersten Tagen und Wochen, wo 
das Thermometer nicht weniger tief sank als später, gingen ver- 
hältnismäfsig wenig Vögel ein. Nach und nach führte jedoch der 



— 11 — 

Mangel an auskömmlicher und gewohnter Nahrung und vielleicht 
auch der Mangel an Trinkwasser Abmagerung und Kräfteverfall 
herbei, und in diesem Zustande mag die Kälte an sich dann die 
Tiere früher getötet haben, als der Hunger allein es vermocht hätte. 

Einen Wegzug der von der Januarkälte betroffenen Vögel 
habe ich nicht beobachtet, was jedoch durchaus nicht beweist, dafs 
nicht ein solcher in gewissen Grenzen stattgefunden hat. Am 
7. März jedoch sah ich Scharen eilig westwärts zurückziehender 
Lerchen (Äl. arvensis), welche nach Nachlassen der Kälte gleich 
ihrem Brutgebiete zugestrebt waren, nun aber vor neuem Schneefall 
wieder in der Richtung auf ihre Winterquartiere hin zurückwichen. 
Solche Rückzüge sind ja im Frühjahre auch bei anderen Arten 
nicht so gar selten zu beobachten. 

Am 8. März taute der Schnee bei ein wenig milderer Witterung 
zum Teil wieder weg, und gegen fünf Uhr nachmittags sah ich, 
wie ein Schwärm von etwa hundert Lerchen sich vom Felde erhob, 
in dichtem Verbände hoch in die Lüfte stieg, sich dann auf eine 
breitere Front verteilte und in ziemlich östlicher Richtung von 
dannen zog. 

Oriütliologische Beobachtungen 
aus der Umgebung von Frankfurt (Oder). 

Yoa Heinrich Sellkopf. 

Der Osten der Mark ist ornithologisch viel weniger bekannt 
als ihr Westen. Die folgenden Beobachtungen sollen daher einen 
Beitrag zur Ornis des östlichen Teils unserer Provinz darstellen; 
sie sind gröfstenteils in den Jahren 1915—17 bei meinem wieder- 
holten Aufenthalte in meiner Vaterstadt gemacht worden. — 
Frankfurt liegt an einem Durchbruchstal, das in südnördlicher 
Richtung das Warschau-Berliner mit dem Thorn-Eberswalder Ur- 
stromtal verbindet. In ihm liegt südlich der Stadt auf dem linken 
Oderufer ein prachtvoller Auenwald, der Eichwald, den ein 
schmaler Wiesenstreifen vom Höhenrande trennt. Auf dem östlichen 
Ufer steht ein jüngerer Eichwald, der Pfarrwinkel, dem bis zur 
Dammvorstadt ebenfalls Wiesen vorgelagert sind. Dann verbreitert 
sich das Tal auf etwa 6 Ya km und gibt Raum für ein ausgedehntes, 
eingedeichtes Wiesen- und Feldgelände, in dem das Rote Vorwerk 
gelegen ist. Vor dem Oderdeich befindet auf dem Ochsenwerder 
ein gröfserer Eichen- und Pappelbestand, während ihm gegenüber, 
etwa beim Halbemeilenwerder, sich unterhalb der Stadt ein Streifen 
sumpfiger Wiesen hinzieht. Das Lebuser Höhenland links der 
Oder bildet etwa 7 km südlich der Stadt einen hohen Steilabfall 
das Geschiebemergels, die Steile Wand. Nördlich davon, an der 
Buschmühle, ist der Höhenrand mit Mischwald bestanden ; die 
Hochfläche selbst trägt zwischen Frankfurt und den Dörfern 
Lossow, Tzschetzschnow, Rosengarten, Boofsen und Cliestow Felder 



— 12 — 

und Obstgärten, westlich von Rosengarten und Boofsen dagegen 
das hauptsächlich aus Kiefernwald gebildete Boofsener Gehege. 
Die Höhen rechts der Oder tragen zwischen den Dörfern Schwetig 
und Kunersdorf und weiter östlich den gröfsten Teil der Frankfurter 
Stadtforst und den Kiefernwald am Kleistturm, an den im Tal ein 
Erlen bruch grenzt. — Mein besonderes Augenmerk richtete ich 
auf die Flufsufer und Wiesenflächen an der Oder. Während die 
Vögel dieser Gelände möglichst vollständig angeführt werden, habe 
ich mich hinsichtlich der übrigen Vogelwelt auf die Aufzeichnungen 
beschränkt, die mir irgendwie bemerkenswert erschienen, zumal 
die Beobachtungen nicht ausreichen, eine auch nur annähernd 
vollständige Übersicht über die dortige Vogelwelt zu geben. Ein- 
gefügt sind einige Beobachtungen aus der Forst Siehdichum, die 
nicht mehr zur näheren Umgebung Frankfurts gehört, sondern 
etwa 25 km südlich liegt. 

Colymbus nigricans Scoip. Zwergtaucher. 
Am 20. IV. 1915 und am 6. IV. 1917 ein Zwergtaucher an 
dem stark verlandeten Buschmühlenteiche trillernd, späterhin im 
Jahre jedoch dort nicht mehr bemerkt. Am 28. V. 1916 ein Stück 
im Erlenbruch am Kleistturm rufend. 

Larus ridibundus L. Lachmöwe. 
Den ganzen Sommer hindurch an der Oder; am 10. VI. und 
24. VI. 1917 1 Paar zwischen Halbemeilen- und Ochsenwerder. 
Am 28. VIII. 1915 mehr als 100 auf den überschwemmten Eich- 
waldwiesen. 

Hydrochelidon nigra L. Trauerseeschwalbe. 
Seit mehreren Jahren an der Oder oberhalb Frankfurts beob- 
achtet. Am 27. V. und 11. VI. 1916 ein Paar Schwetig gegen- 
über auf- und abfliegend. 

I^yroca fuligula L. Reiherente. 
Am 23. X. 1915 auf den überschwemmten Wiesen vor dem 
Pfarrwinkel 4 Stück. 

Anas hoschas L. Märzente. 
Gröfsere Scharen auf den unter Wasser stehenden Eichwald- 
wiesen im Herbst 1915: 11. IX. etwa 50, 7. X. etwa 200. 

Anas querquedula L. Knäckente. 
Am 12. VIII. 1916 auf den Eich wald wiesen am Bar daune- 
graben 2 Stück auffliegend, die ich für Knäckenten ansprach. 

Anser spec. 
Während der Zugzeit wiederholt beobachtet, so am 10. III. 
1915 mehrere Flüge das Odertal entlang, ebenso am 21. IX. 1915 
und 27. IX. 1916. 



-. 13 — 

Charadrius duhius Scop. Flufsregenpfeifer. 
2 Paare auf Sandbänken an der Oder Schwetig gegenüber 
am 27. V. 1916; in schnellem Fluge jagten sie dicht über dem 
Wasserspiegel hin. Am 11. VI. 1916 dort ein eifrig futtersuchender 
Vogel, am 19. VIII. 1917 wieder 3 Stück. 

Vanellus vanellus L. Kiebitz. 
Eichwaldwiesen: 13. V. 1916 6-8 Stück, 11. VI. 1916 und 
19. V. 1917 je 2 Paare. Wiesen am Roten Vorwerk: 24. IV. 1916 
mehrere Exemplare; vor dem Pfarrwinkel: 9. VI. 1917 ebenfalls 
mehrere; am Halbemeilenwerder am 10. VI. 1917 eine gröfsere 
Anzahl. 

Tringoides hypoleucos L. Flufsuferläufer. 
An der Oder nördlich der Steilen Wand am 12. VIII. 1916 
beobachtet. 

Totanus littoreus L. GrünschenkeJ. 
Ein Grünschenkel hielt sich am 5. VIII. 1917 an der Oder 
vor dem Eichwalde auf. Mit tjü-tjü-Rufen strich er schliefslich ab. 

Numenius arquatus L. Grofser Brachvogel. 
Am 10. IV. 1916 auf den z. T. überschwemmten Eichwald- 
wiesen einige Vögel, die ich für Numenien hielt. Am 23. V. 1916 
strich dort ein Brachvogel dicht über uns der Oder zu. Der hohe 
Wasserstand, der die Wiesen bis in den Mai hinein versumpft 
erscheinen liefs, hatte ihn vielleicht zum längeren Verweilen auf 
dem Durchzuge veranlafst. Im Wiesengelände am Halbemeilen- 
werder am 10. VI. 1917 ein einzelner Vogel. 

Gallinago gallinago L. Bekassine. 
Ein Brutpaar auf den sumpfigen Wiesen am Halbemeilen- 
werder; das cT am 28. V. 1917 vormittags in anhaltenden Flugspieleu. 

Crex crex L. Wachtelkönig. 
Auf den Eichwaldwiesen am 11. VI. 1916 und 23. VI. 1917 
in mehreren Exemplaren gehört; auf den Wiesen vor der Busch-' 
mühle schnarrten am 19. V. "1917 auf einer etwa 25 ha grofsen 
Fläche mindestens 5 Stück. Auf den Wiesen beim Pfarrwinkel 
am 20. V. 1917, beim Halbemeilenwerder am 28. V. 1917 mehrere. 

Fulica atra L. Bläfshuhn. 
Auf den Teichen im Erlenbruch am Elfensteig am 28. V. 1916 
und am 20. V. 1917. 

Gallinula chloropus L. Grünfüfsiges Teichhuhn. 
Am 28. V. 1916 am Elfensteig beobachtet, 1917 jedoch dort 
nicht wiedergefunden. 



— 14 — 

Cicönia ciconia L. Weifser Storch. 
Besetzte Horste auf dem alten Schornstein des Karthausbades 
und auf einer Scheune am Nordausgange der Küstriner Strafse. 
Am 19. V. 1917 hielten sich 17 Stück auf den Eich wald wiesen 
auf, die anscheinend dem Brutgeschäft fern geblieben waren, wie 
das schon wiederholt beobachtet worden ist. 

Ardea cinerea L. Fischreiher. 
Am 10. YIII. 1915 2 Exemplare gegenüber der Steilen Wand. 
Auf den vom Hochwasser überfluteten Eich waldwiesen vom 11. IX. 
bis 7. X. 1915 13 Stück, immer an einer ganz bestimmten Stelle 
umherwatend; späterhin durch den zu hohen "Wasserstand von 
dort vertrieben. Am 29. IV. 1916 dort wieder 3 Stück; am 19. VIII. 
1917 Schwetig gegenüber ebenfalls 3. Am 28. V. 1917 am Halbe- 
weilenwerder ein Reiher. 

Circus cyaneus L. Kornweihe. 

Am 10. XIII. 1915 ein junger, unterseits ganz brauner Vogel 
an der Steilen Wand überhin. 

Accipiter nisus L. Sperber. 
Wiederholt in den Tälern und Ostgärten um Tzschetzschnow 
beobachtet: 8. X. 1915, 23. IV. 1916, 4. I. und 22. IV. 1917. 

Buteo huteo L. Mäusebussard. 
Brutvogel im Boofsener Gehege, am 12. VIII. 1915 dort 
beobachtet; am 17. VI. 1916 ein einzelner auf der östlich davon 
gelegenen Feldmark von Rosengarten. Im Eichwalde am 26. IX. 
1916 und in früheren Jahren mehrfach gesichtet, in der Kuners- 
dorfer Forst am 25. V. 1915 4 Exemplare, am 26. IX. 1916 ein Stück. 

Milvus Jcorschun Gm. Schwarzmilan. 
In der Forst Siehdichum am 24. IX. 1916 ein Schwarzmilan 
nördlich vom Scherwenzsee. 

Falco subbiUeo L. Baumfalk. 
Am 28. V. 1917 über den Wiesen und, Wiesengehölzen am 
Halbemeilenwerder jagend. 

Cherneis tinnincula L. Turmfalk. 
Brutvogel im Kiefernwalde am Kleistturm; am 20. V. 1917 
übte das Paar eifrig die bogenförmigen Flugspiele, die es mit an- 
haltenden wriii .... Reihen begleitete. Am 13. IX. 1915 ein 
Turmfalk über den Feldern vor Lossow. 

Syrnium aluco L. Waldkauz. 
Aus einem durch alten Baumbestand ausgezeichneten Park 
in der Gubener Strafse rief am 17. und am 25. X. 1915 ein Wald- 
kauz sein einsilbig gellendes kuit. 



— 15 — 

Dryocopus martius L. Schwarzspecht. 
Am 22. V. 1915 in der Grundheide zwischen Kunersdorf und 
Schwetig; am 12. YIII. 1915 im Boofsener Gehege. 

Älcedo ispida L. Eisvogel. 

In früheren Jahren von mir an Altwässern der Oder beim 
Eichwald, am Bardaunegraben, an dem von der Tzschetzschnower 
Mittelmühle kommenden Fliefs und an der Buschmühle beobachtet. 
Am 10. VIII. 1915 ein Stück an der Steilen Wand, am 19. VIII. 
1917 am Eichwalde. 

Riparia riparia L. Uferschwalbe. 

Brutkolonien an der Steilen Wand, in Sandgruben nördlich 
Tzschetzschnow, am Kleistturm und am nördlichen Ende der 
Lebuser Vorstadt. (Schlufs folgt.) 

Wanderdrossel in Pommern erlegt. 
Von F. Koske. 

Eine Wanderdrossel {Turdus migratorius L.), ein Weibchen, 
wurde am 23, November 1913 in der Nähe von Üeckermünde in 
Pommern erlegt. Ein Förster schofs den Vogel, den er einige 
Tage in den Ebereschen bemerkt hatte, und brachte ihn zu Dr. 
Krüper in Üeckermünde, der ihn an Dr. Frey in Wiesdorf (Nieder- 
rhein) gab, in dessen Sammlung er sich jetzt befindet. Herr 
Geheimrat König -Bonn hatte die Liebenswürdigkeit, mir die Ver- 
läfslichkeit der Angaben zu bestätigen. Die erste Mitteilung hier- 
über befindet sich in Wild und Hund 1914, S. 96. 

Nach R. Blasius im neuen Naumann Bd. I, S. 199, dem auch 
Hartert folgt, ist die Wanderdrossel bis jetzt dreimal in Deutschland 
gefunden : einmal auf den Wildpretmarkte in Meiningen (Sammlung 
Fürst Radziwill), einmal am 14. X. 1874 auf Helgoland, einmal 
am 31. X. 1876 bei Upjever in Oldenburg (Museum Oldenburg); 
der am 23. XL 1913 bei üeckermünde erbeutete Vogel ist nun- 
mehr der vierte dieser Art in Deutschland. 



Berichtigung. In der Abhandlung „Das Vogelleben im 
Aisnegebiet" 0. M. 1917 S. 112—119 sind folgende Druckfehler zu 
berichtigen: S. 113 1. Zeile von oben: Beistrich hinter Lullula 
arborea fällt weg, 4. Z. v. o. Beistrich hinter L. cornix fällt weg, 
mufs hinter „Wintergäste" stehen, 20. Z. v. o. ^fiohjmhus cristatus"" 
statt .^Fuligula cristatcV\ 9. Z. v. u. Beistrich hinter Arten fällt 
weg; S. 115 17. Z. v. u. „uns" statt „um"; S. 116 17. Z. v. o. 
„Durchzügler" statt „Brutvogel", 10. Z. v. u. „mir" statt „nur"; 
S. 117 8. Z. V. 0. „wie gesagt" statt „wie Gesagte", 2. Z. v. u. 
„nicht" und Beistrich am Ende d. Z. fallen fort; S. 118 7. Z. v. o. 
hinter „Unterständen" mufs Beistrich stehen, 23. Z. v. o. „masu- 
rischen" statt „masureische", 15. Z. v. u. „Leboucq" statt „Rebousch"; 
S. 119 4. Z. V. 0. „ward" statt „war", 20. Z. v. o. „Erdarbeiten" statt 
„Erdarbeiter", 29/30. Z. v. o. „seine eigne" statt „seiner eignen". 



— 16 — 

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Omithologisclie lonatsbericMe 

herausgegeben von 

Prof. Dr. Ant. Reichenow. 

26. Jahrgang. Februar 1918. No. 3. 

Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern 
und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. 
— Zusendungen jeder Art für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, 
Prof. Dr. Reichenow in Berlin N. 4. Invalidenstr. 43, den Buchhandel 
betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von E. Friedländer & Sohn 
in Berlin NW. 6, Karlstr. 11 zu richten. 



Ornithologische Beobachtungen 
aus der Umgebung von Frankfurt (Oder). 

Von Heinrich Sellkopf. 

(Schlufs von S, 15.) 

Muscicapa atricapiUa L. Trauerfliegenfänger. 
Im Eichwalde am 14. V. 1916 in den Jagen 14, 16 und 17 
mindestens 12 singende cf. In der Buschmühle am 19. V. 1917 
gesehen. Im Erlenbruch am Elfensteig, wo sie sicher sonst nur 
wenige geeignete natürliche Nisthöhlen gefunden hätten, brüteten sie 
zahlreich in Berlepschschen Nisthöhlen, ebenso am anschliefsenden 
Notdamm ; am 28. V. 1916, 6. V. und 20. V. 1917 dort beobachtet. 

Corvus frugilegus L. Saatkrähe. 
Im Frühjahr 1912 auf der grofsen Pappel im Park inmitten 
der Gubener Vorstadt eine Kolonie von 17 Nestern, die dann von 
der Feuerwehr heruntergeholt wurden. 1916 auf demselben Baum 
wieder eine Kolonie, die auf gleiche Weise zerstört wurde. — Ein 
Sammelplatz für Saat-, Nebelkrähen und Dohlen ist im Herbst der 
Wald am Kleistturm, wo sie von allen Himmelsrichtungen herbei- 
fliegend sich zu vielen Hunderten einfinden. — Selbst in dem 
strengen Winter 1917 waren ständig Saatkrähen in der Umgebung 
Frankfurts zu bemerken. 

Fringilla coelebs L. Buchfink. 
Ein überwinterndes 9 am 14. I. 1917 bei — 5® C. in der 
Gubener Strafse angetroffen. 

Äcanthis linaria L. Leinzeisig. 
Am 14. I. 1917 vor der Buschmühle ein Flug von 8 Stück, 
die trotz der Kälte sehr munter waren. Ein cf liefs sogar ein 

2 



— 18 — 

kürzeres Lied ertönen, plaudernd aneinandergereihte Locktöne, in 
die der hoid-Kuf eingeflochten wurde. Ungedeckt konnte man 
sich ihnen bis auf weniger als 2 m nähern, so dafs deutlich die 
streifige Oberseite, die rosige Brust und der dunkle Kehlfleck zu 
erkennen waren. 

Serinus canarius germanicus Laubm. Girlitz. 
Überall Brutvogel in den gröfseren Gärten, Parkanlagen und 
Kirchhöfen. 

Emberiza schoenidus L. Rohrammer. 

Brutvogel in den Weidenbüschen an der Oder ; im Vorlande 
des Eichwaldes am 26. V. 1915, am Halbemeilen werder am 
10. VI. 1917 beobachtet. 

Emheriea hortulana L. Gartenammer. 
Allverbreiteter Brutvogel in den Feldern und Obstgärten, 
namentlich dort, wo sich lange Reihen von Pflaumenbäumen 
zwischen den Feldstreifen hinziehen, so um Tzschetzschnow. 

Emheriea calandra L. Grauammer. 

Brutvogel im Feldgelände und besonders auf den Wiesen 
des Odertals; überall ertönt aus den Kopfweiden ihr einförmiges 
Lied, so am Roten Vorwerk (24. IV. 1916), am Halbemeilen werder 
(10. VL 1917). 

Emheriza citrinella L. Goldammer. 

Häufiger Brutvogel, auch auf den Werdern und dem Vor- 
lande an der Oder. 

Anthus campesiris L. Brachpieper. 
Am 24. IX. 1916 in der Forst Siehdichum ein Flug von 
6 Stück auf Sandbrachen nördlich von Kupferhammer. 

Anthus pratensis L. Wiesenpieper. 
In dem moorigen Wiesengelände am Roten Vorwerk führten 
am 24. IV. und 18. VI. 1916 Wiesenpieper cT an verschiedenen 
Stellen ihre Balzflüge aus, ebenso am Halbemeilen werder am 
28. V. und 10. VL 1917. 

Budytes flavus L, Wiesenstelze. 
Brutvogel in den Wiesen : Eichwaldwiesen (14. V. 1916), am 
Roten Vorwerk (18. VI. 1916), am Halbemeilenwerder (28. V., 
10. VL 1917). Am 5. V. 1917, als die Eichwaldwiesen noch über- 
schwemmt waren, fanden sich verschiedentlich Wiesenstelzen auf 
den Feldern der benachbarten Höhen bei Tzschetzschnow. 

Motacilla alba L. Weifse Bachstelze. 
Häufiger Brutvogel; oft sieht mau sie auf den Steinbuhnen 
an der Oder jagen. 



— 19 — 

Motacilla boarula L. Gebirgsbachstelze. 
1 Paar am 22. IV. 1917 an der Tzschetzschnower Mittelmühle 
beobachtet. Ein zweites Paar brütete 1917 in offenen Hallen des 
Ausflugsortes Buschmühle, eine bemerkenswerte Anpassung an den 
Menschen; durch das buntbewegte Treiben in dem Kaffeegarten 
liefsen sich die Gebirgsbachstelzen nicht stören. 

Sitta caesia sordida Rchw. Ostdeutscher Kleiber. 
Alle beobachteten Exemplare mit schmutzig rahmfarbiger 
Unterseite, nur die Seiten etwas dunkler und rötlich. — Am 28. 1. 
1917 ein gröfserer Flug Kleiber an der Buschmühle. Besonders 
häufig brütet unser Vogel im Eichwalde, am 8. VII. 1917 machten 
sie sich überall durch ihr lärmendes twit twit bemerkbar. 

Certhia familiaris L. Waldbaumläufer. 
Die für diese Form charakteristische längere Trillerstrophe 
brachte ein Exemplar mit deutlich gelblicher Oberseite am 6. IV. 
1917 in den Buscbmühlenbergen. 

Certhia hrachydactyla Brehm. Gartenbaumläufer. 
Brutvogel auf dem Alten Kirchhof. Am 7. VII. 1917 einen 
Baumläufer mit grauer Oberseite im Eichwalde aus nur 1 m 
Entfernung gesehen. 

Aegithalus caudatus L. Schwanzmeise. 
Bisher immer nur die weifsköpfige Form gesichtet. 

Sylvia nisoria Bebst. Sperbergrasmücke. 
19. V. 1917: Ein Paar in Gartenhecken am Talgehänge des 
Buschmühlenweges. Auch hier waren es die harten errr-ßufe, 
durch die sie die Aufmerksamkeit auf sich zog. 

Sylvia sylvia L. Dorngrasmücke. 
Häufiger Brutvogel in Hecken und Gebüschen, besonders in 
den Weidenbüschen an der Oder; so im Vorlande des Eichwaldes 
und am Halbemeilenwerder. 

Phylloscopus trochilus L. Fitislaubvogel. 
Auch der Fitis ist Brutvogel in den Weidenbüschen der Wiesen. 

Phylloscopus rufus Bebst. Weideolaubvogel. 
Allverbreiteter Brutvogel. 1911 nistete ein Paar im Garten 
meiner Eltern ; das tiefmuldige, jedoch nicht überdeckte Nest be- 
fand sich in einem mit Efeu und Wildem Wein überrankten Zaun, 
etwa Yi ^ über dem Erdboden. Die Alten waren sehr dreist, 
oft rannten sie durch eine nahe Gartenlaube, wenn wir uns darin 
befanden. — Am 24. VI. 1917 auf dem Ochsenwerder eine Familie, 
deren Junge mit chep chep . . . Rufen um Futter bettelten. 



— 20 — 

Locustella naevia Bodd. Heuschreckenschwirl. 
Auf dem Yorlande zwischen Eichwald und Oder schwirrte 
am 1. VII. 1916 ein (S von etwa 9 p (Ortszeit) ab; am 23. VI. 1917 
in derselben Gegend 3 Stück beim Anbruch der Dämmerung 
singend. Im Weidendickicht am Halbemeilenwerder liefs sich ein 
Schwirl am 10. VI. 1917 sogar mittags hören. 

Calamodus schoenohaenus L. Bruchweifskehlchen. 
Brutvogel in den Weidenbüschen dicht an der Oder, wo es 
mit Rohrammer und Blaukehlchen zusammen wohnt ; im Vorlande 
des Eichwaldes am 27. V. 1916 und am 23. VI. 1917, am Halbe- 
meilenwerder am 10. VI. 1917 beobachtet. Auch weiter hinein 
im Wiesengelände, so am Notdamm am 20. V. 1917. 

Äcrocephalus palustris Bebst. Sumpfrohrsänger. 
Am Abend des 23. VI. 1917 liefs uns ein Sumpfrohrsänger 
in einem Weidengebüsch an der Oder beim Eichwalde auf etwa 
1 m herankommen, so dafs wir dem herrlichen abwechslungsreichen 
Gesang aus nächster Nähe lauschen konnten. 

Äcrocephalus streperus Vieil. Teichrohrsänger. 
Zwei singende Exemplare am Notdamm am 9. VI. 1917 
beobachtet. 

Äcrocephalus arundinaceus L. Drosselrohrsänger. 
Am 13. V. 1916 zwei lebhaft singende cf ioi Phragmitetum 
an der Oder vor dem Eichwalde. Am 10. VI. 1917 ein Stück im 
Rohrbestande an kleinen Wasserläufen des Wiesengeländes am 
Halbemeilen werder. 

Turdus pilaris L. Wachholderdrossel. 
Am 14. IV. 1915 im Eichwald ein kleiner Flug streichend. 

Turdus musicus L. Singdrossel. 
Als Parkvogel, wie sie es beispielsweise in Berlin (Tiergarten) 
ist, in Frankfurt noch nicht beobachtet, wohl aber im Kiefernwald 
bei der Grundförsterei am 9. VI. 1917. 

Saxicola oenanihe L. Steinschmätzer. 
Auf den moorigen Wiesen am Roten Vorwerk am 24. IV. 1916 
ein Paar beobachtet. 

Pratincola ruhetra L. Braunkehlchen. 
Auf den Bäumen und Fernsprechleitungen im Wiesengelände 
zwischen Roten Vorwerk und dem Nachbardorfe Trettin sangen 
am 28. V. und 10. VI. 1917 verschiedentlich Braunkehlchen ihre 
schlichten Lieder. 



^ 21 — 

Erithacus cyaneculus Wolf. Weifssterniges Blaukehlchen. 

Bewohner der Weidendickichte am Oderufer. Bisher nur 
an den Stellen beobachtet, wo die Steinbuhnen dicht mit Weiden- 
gebüsch bewachsen sind. An den Buhnen finden sich oft neben 
Sandbänken auch mehr schlammige Uferstrecken, die dem Blau- 
kehlchen besonders zusagen mögen. Am 27. V. und 1. VIL 1916 
fanden wir an derartigen Stellen am Oderufer Schwetig gegen- 
über mehrere singende cf, jedoch begannen sie erst nach 9 p 
(Ortszeit) lebhafter zu singen; vorher liefsen sie nur Bruchstücke 
von Liedern hören. Am 23. VI. 1917 gelang es uns, dort nur 
ein einziges Blaukehlchen zu verhören. Mit dem Einbruch der 
Dämmerung sang es anhaltend aus einem Weidengebüsch. Es 
erschien auffällig, dafs sich nur ein cf hören liefs, jedoch ist 
schon wiederholt beobachtet worden, dafs Blaukehlchen in ihrem 
Bestände schwanken (Schalow, Zur Ornis der Mark Brandenburg, 
Zeitschr. f. d. gesamte Ornithologie 1885, S.35; Hesse, Blaukehlchen 
und Sprosser in der Mark Brandenburg, Journ. f. Ornith. 1914, 
S. 265). Vielleicht wurde im Frühjahr 1917 die Mehrzahl der 
Blaukehlchen zum Weiterziehen veranlafst durch den hohen 
Wasserstand, der bedeutend höher war als das Jahr zuvor und 
bis in den Mai hinein die Ufer überschwemmt hielt. 

Erithacus luscinia L. Nachtigall. 

Brutvogel in Gärten, Parkanlagen und Kirchhöfen, auch an 
gebüschreicheu Stellen der Umgebung. Im Odertal auf dem Halbe- 
meilenwerder (10. VI. 1917) und im Erlen bruch am Elfensteig. 

Den Herbstgesang von Singvögeln habe ich an folgenden 
Tagen notiert: 

Amsel. 10. X. 1914. 

Hausrotschwanz. 1915: 21. IX.; 1916: 19., 20., 21., 22., 23., 
25. 27. IX. 

Weidenlaubvogel. 1915: 25., 29. VIIL, 6., 7., 9., 10., 12., 16., 
20., 25. IX. ; 1916 : 21., 22., 24., 26. IX. 

Die Aufzeichnungen aus dem Herbst 1916 beschränken sich 
auf die Zeit vom 19.— 27. IX. In der Mehrzahl der beobachteten 
Fälle vom Herbstgesang herrschte allerdings heiteres Wetter oder 
Sonnenschein, aber bei der geringen Anzahl von Beobachtungen 
kann das ein reines Zufallsergebnis sein. 

Angefügt seien einige Aufzeichnungen über das Erwachen 
der Vogelwelt, wie ich es in Gärten der Gubener Vorstadt beob- 
achten konnte (Ortszeit, Zeiten auf 5 min. abgerundet). 

27. V. 1915: 3"a Pirol, Haussperling; 3" Amsel. 

21. V. 1917: 305a Amsel, 3io Pirol, 3^5 Buchfink, Grauer 
Fliegenschnäpper, Klappergrasmücke, 3**' Mönchsgrasmücke, 3" 
Haussperling, 3^^ Grünfink, 4°^ ersten Segler gesehen, 4^" erster 
Seglerruf. Wetter: Wolkenlos, kühl, 6° C. 



— 22 — 

29. V. 1917: S^Oa Pirol, S^^ Amsel, S^^ Mönchsgrasmücke' 
3" Hausrotschwanz, 325 Haussperling, S^o Grünfink, 335 Garten- 
laubvogel, 405 erster Segler erschienen, 4" erster Seglerruf. 
Wetter: Heiter, warm, 16^ C 

Eine ganze Anzahl sonst häufiger Mitglieder unserer Wasser- 
ornis sind mir in Frankfurts Umgebung bisher nicht zu Gesicht 
gekommen, da gröfsere Seen fehlen. Einen gewissen Ersatz für 
die Seenflächen bieten wenigstens in manchen Jahren zur Zeit 
des Zuges die Oderwiesen, wenn sie durch Frühjahrs- oder Herbst- 
hochwasser oft weithin überschwemmt sind. Aber die Durchzügler, 
die beobachtet werden konnten, Lachmöwen, März- und Keiher- 
enten, Keiher, reichen in Individuen- und Artenzahl bei weiten 
nicht heran an die Scharen, die dann die Seen und Niederungen 
der grofsen Urstromtäler beleben. Ähnliche Verhältnisse wie in 
Frankfurt herrschen nach Hammling und Schulz (J. f. 0., S. 384— 433, 
529—591) in Posens Umgebung, das ebenfalls an einem Yer- 
bindungstal zwischen zwei Urstromtälern liegt. Auch die Brut- 
vögel des Odertals bei Frankfurt stimmen gröfstenteils mit denen 
des Posener Warthetals überein. 



Die Weidenmeise als Brutvogel 

an der Schwarzen Elster bei ßuliland. 

YoD Udo Bäbrmann. 

Zu meinen Mitteilungen über die Vögel der Umgebung von 
Ruhland (vergl. J. f. 0. 1917, S. 468—506) möchte ich nachträglich 
ergänzend bemerken, dafs die von mir dort ausgesprochenen Ver- 
mutungen, die Weidenmeise würde hier brüten, sich in der Tat 
durch ein selbsterbeutetes Gelege mit zugehörigem 9 bestätigt 
haben. Vor Jahresfrist, als ich jene Notizen niederschrieb, da 
konnte ich den Brutnachweis nicht allein aus den unregelmäfsigen 
Sommerbeobachtungen herleiten. Um daher die offene Frage, ob 
die Weidenmeise hier brütet oder nicht, womöglichst endgiltig 
entscheidend zu erledigen, widmete ich in diesem Jahre (1917) den 
Vögeln schon vor Beginn der Brütezeit besondere Aufmerksamkeit. 

Ich fand sie nach Mitte April gepaart und ging im letzten 
Viertel desselben Monats einem Pärchen nach, das sich täglich in 
einem bestimmten Umkreis lockend umhertrieb. Das war nicht 
das einzige Paar, auch an anderen Stellen des Waldes i) begegneten 
mir Weidenmeisen oft, die gegenseitig einander ebenfalls lockend 
aus den noch unbelaubten Eichen in die dichteren Fichten oder 
Kiefern flüchteten. Ohne Kenntnis der Lockstimme würde man 
im Walde vergeblich nach ihnen suchen. Ist man mit dieser 

') Gemeint ist der iu der Ornith. Monatsschr. XLl, Nr. 5, S. 163 — 167 
ausführlich geschilderte Aufenthaltsort, D. Verf. 



— 23 — 

vertraut, dann entgehen sie einem nicht, freilich hält es dennoch 
schwer, den Brutplatz aufzufinden, wenn man sich allein von der 
Stimme des Vogels leiten läfst. Planloses Suchen danach wäre 
hier, ohne vom Zufall begünstigt, sicherlich vergebliche Mühe 
gewesen. Nämlich am 1. Mai überraschte ich den einen Gatten, 
der damit beschäftigt war, in einer etwa armstarken, über der Erde 
meterhoch abgebrochenen Kiefer (Pinus sylvestris) 30 cm tiefer eine 
Bruthöhle einzumeifseln. 

Da das Holz abgestorben, teils von schmarotzenden Insekten 
bis an den Kern zerfressen und infolgedessen mürbe und mulmig, 
viel weicher als die umgebende Baumrinde war, so war am nächsten 
Tage die Arbeit merklich vorgeschritten. Des Mittags betätigten 
sich cT und 9 abwechselnd daran, die angefangene Höhle inwendig 
zu erweitern. Die feinen ausgeworfenen Späne lagen auf der 
Erde. Das Flugloch hatte eine ungleichmäfsige längliche Form. 
Die Höhlung schien am 4. V. fertig vollendet; erst am 7. und 8. V. 
wurden Niststoffe an Wolle und Wildhaaren eingetragen. Davon 
blieben unwillkürlich Spuren an dem nicht sehr glatten Rand der 
Eingangsöffnung kleben, ähnlich wie man es häufig bei den Nestern 
anderer Meisenarten findet. 

Als ich tagsdarauf, den 9, Mai, den Nistplatz wieder aufsuchte, 
war ringsumher alles still, nur hin und wieder fuhr ein leichter 
Windstofs durch den Wald. Diese günstige Gelegenheit wurde 
benutzt, in der Annahme, ungesehen den Fortschritt des Nestbaues 
zu verfolgen. Dabei schaute ich durch das Flugloch in die enge 
Höhle hinein und sah darin die eine Weidenmeise fast regungslos 
sitzen, nur wurde öfters das mir zugewandte Auge bewegt, was 
ich deutlich sehen konnte, weil das Innere der Höhle von den 
Strahlen der Mittagssonne beleuchtet ward. Von der Bewegung 
meines Schattens zufällig gestreift, wurde sie doch nicht veranlafst, 
von ihrem Platze zu weichen. 

Um die nämliche Zeit suchte ich in der Nähe das d* ver- 
geblich. Durch weitere Beobachtungen bin ich später hinreichend 
davon überzeugt worden, dafs man das cf, sobald das 9 ^uf den 
Eiern sitzt, noch selten am Brutplatze gewahr wird. So wird der 
Standort des Nestes von den Vögeln selber nicht leicht an Menschen 
und an Raubtiere verraten. Unauffällig entwickelt sich das Brut- 
geschäft vor unsern Augen. 

Während des ganzen Jahres behalten cf und 9 i^^re Lock- 
stimme, erst mit dem Paarungstrieb erwacht der Gesang des cf, 
das am regelmäfsigsten und eifrigsten von Ende April bis Anfang 
Juni in den Vormittagsstunden bis gegen Mittag singt. Die ein- 
zelne Strophe, die pfeifend anhebt, endigt meist in einem kurzen 
abgehackten Roller. Doch lassen sich, wenngleich seltener, in 
der Begattungszeit noch andere Lautäufserungen vernehmen, die 
mich zwar anfangs lebhaft an die Stimmen jüngerer Kohlmeisen 
erinnerten, jedoch, wenn einmal richtig erfafst, wenn das Gedächtnis 



— 24 — 

die Ausdrücke der Stimme aufbewahrt hat, nicht mit jenen zu ver- 
wechseln sind. Es sind dies oft minutenlange wechselnde Touren, 
in denen die Töne weich, etwa ähnlich wie schti-schti-schti-schjät- 
schjät klingen, fast in gleicher Tonhöhe langsam dicht aufeinander 
folgen, wobei das cf oft lange, zumal an drückend heifsen Tagen, 
an einer Stelle rerbleibt und sitzend singt, dagegen bei kürzeren 
Touren hurtig in den Zweigen der Bäume umherhüpft. 

Wird der singende Yogel gestört, so wird der Gesang unter- 
brochen, und mit warnendem, heiserem däh däh, zwei bis fünfmal 
rasch hintereinander folgend, alle Silben gleichmäfsig stark betonend, 
mitunter, je nach den Ursachen der Störung, zuvor einmal bitt 
oder pitt rufend, fliegt er unbemerkt davon aus dem Bereich des 
Ruhestörers. Ist soeben der Platz fliegend gewechselt und nun 
die Gefahr vorüber, so wird die Lockstimme wiederholt. Übrigens 
wird fast stets der entscheidende Augenblick zum Platzwechseln 
durch die Lockstimme angezeigt, wie umgekehrt alsbald die An- 
kunft an dem Ort, wohin sich der Vogel begeben hat. — 

Ein unglückliches Ereignis, das den Brutvögeln zum Ver- 
hängnis wurde, vereitelte bald die weiteren Beobachtungen am 
Neste, denn am 16. V. war das Flugloch gewaltsam nach unten 
erweitert. Doch hatte zunächst der auf den Eiern sitzende Vogel 
das Brutgeschäft nicht aufgegeben ; er safs ganz frei, trug indessen 
die Flügelspitzen gekreuzt, hatte den Hals eingezogen, die abge- 
schliffenen Schwanzfedern des engen Raumes wegen sanft nach 
oben gerichtet und machte keine Miene zum Fortfliegen, als ich 
meine rechte Hand nach ihm ausstreckte. Ungestört verliefs ich 
den Ort. Zwei Tage später, den 18. V., war die Höhle gänzlich 
aufgebrochen und der Vogel der Eier bis auf eins, welches ich 
mitnahm, beraubt. Die wenigen Niststoffe lagen auf der Erde 
zerstreut, dazwischen zerbrochene Eierschalen. Die Weidenmeisen 
waren verschwunden. 

Wahrscheinlich war ein vierbeiniges Raubtier der Übeltäter 
gewesen, wenn es nicht die Eichelhäher, welche in der Nachbar- 
schaft brüteten, auf die Eier abgesehen hatten. 

Eine zweite Brutstätte fand ich inzwischen am 13. Mai. Sie 
lag nicht weit von der ersten entfernt, an einem Waidwege, 
wo die Höhle angelegt war in einem 16 cm starken, kaum fufshoch 
aus der Erde ragenden, dem Waldboden überlassenem Stammstück 
einer Birke (B6tula puböscens), die vor Jahren gefällt worden war. 
Der Stumpf, ebenfalls durch Insektenfrafs zerstört, war innen 
morsch, und von aufsen hatte ein Specht die Borke durchschlagen 
und ein Loch gehackt, wodurch die Weidenmeisen in den Stand 
gesetzt wurden, sich im Innern die Bruthöhle zuzubereiten, was 
sonst der widerstandsfähigen Borke wegen nicht leicht möglich 
gewesen wäre. 

Die innere Aushöhlung, deren Wände ganz glatt gearbeitet 
waren, hatte die Form einer Retorte, an welcher der Hals fehlt. 



— 25 — 

Sie mafs von Mitte Einflugsloch senkrecht bis zum Boden im 
Lichten gemessen 12 cm, und ihr gröfster Durchmesser betrug 
7 cm. In einem angemessenen Verhältnis stehen hierzu die Mafse 
der eingangs erwähnten Bruthöhle mit 15 cm Tiefe und 6,5 cm 
Durchmesser. 

Das 9 safs auch hier während der Morgenstunden sehr fest 
auf den Eiern, ohne zu entfliehen, obgleich die Höhle zwecks 
Untersuchung seitlich behutsam aufgebrochen war, ja es liefs sich 
geduldig mit der Hand lebend ergreifen. Die 7 Stück unbebrüteten 
Eier lagen unordentlich durcheinander, von Haaren und Wolle 
zum Teil verdeckt. Ebenso das Nistmaterial, das weder künstlich 
zusammen gefügt war, noch eine gut geformte Nestmulde bildete. 

Die Eier ähneln denen im neuen Naumann Band II auf 
Tafel 28 dargestellten Eiern von Farus salicarius borealis, nur 
fällt die äufsere Farbe vor dem Präparieren etwas ins Rötliche, 
was der durchschimmernde Dotter verursacht. 

Ferner teilte mir Herr Pastor Kleinschmidt, dem ich das 
Farus salicarius -Gelege nebst Brutvogel zur Ansicht sandte, 
freundlichst mit, dafs sie gröfser zu sein scheinen als die von 
Farus salicarius rhenanus. 



Vogelwarte ßossitten. 

(Tannenhäherzüge.) 

In der Dezembernummer 1917 dieser Zeitschrift habe ich 
über das Beringen von sibirischen Tannenhähern berichtet, die im 
Oktober 1917 bei ihrem Zuge über die Kurische Nehrung bei 
Ulmenhorst gefangen waren. Es konnte damals uach schon ein 
Ergebnis gemeldet werden, dafs nämlich der Häher Nr. 29288, der 
am 5. Oktober markiert war, nach 5 Tagen 70 km südwestlich 
wieder erbeutet wurde. 

Jetzt liegen noch drei weitere Fälle vor: 

Der Tannenhäher Nr. 29312, gezeichnet am 8. Oktober, fing 
sich am nächsten Tage auf der Försterei Dammwalde bei Gold- 
schmiede im Samlande in einer Dohne. 

Entfernung: 51 km nach SW. 

Meldung und Ring durch Herrn Hegemeister D r a h e i m. 

Ferner wurde von den beiden Hähern Nr. 29295 und 29300, 
beringt am 7. Oktober, der erste am 27. Oktober, also nach 20 
Tagen, etwa 19 km von Posen entfernt geschossen; der zweite 
am 21. Oktober, also nach 14 Tagen, in der Gutsforst S e 1 c h o w, 
Kreis Ost-Sternberg, Neumark ebenfalls geschossen. 
Die Entfernungen sind 385 und 480 km nach Südwesten. 

Beide Erbeutungsorte liegen nur etwa 100 km von einander 
entfernt. 



— 26 — 

Meldungen durch die Staatliche Gutsverwaltung C h 1 u d o w o 
und durch Herrn Förster Müller in Selchow. 

Schlufsfolgerungen: 

1. Im Ganzen wurden im Laufe des Oktobers 45 Tannenhäher 
beringt. Der letzte am 25. Von diesen Yersuchsobjekten 
waren bereits bis zum 27. Oktober vier Stück = 8,8 7o wieder 
erbeutet, ein hoher Prozentsatz. Es gelangen also viele von 
den sibirischen "Wanderern in Menschenhände, und viele 
gehen sicher auf andere Weise zu Grunde; ich möchte an- 
nehmen durch Nahrungsmangel. Dafs die Häher im Verlauf 
ihres Zuges scheinbar immer magerer wurden, darauf wies ich 
schon in der oben angezogenen Notiz hin. Und wenn man 
die Vögel längere Zeit hindurch zu beobachten Gelegenheit 
hat, so wird man den Eindruck nicht los, dafs es ihnen nicht 
leicht wird, ihren Lebensunterhalt zu finden. Ich habe sie 
bei ihren Zügen über die Nehrung nur immer an zwei 
Nahrungsquellen beobachten können: an Ebereschen und am 
Pferdedung. In dem einen Jahre auch an Raupen, die gerade 
massenhaft auftraten. Wenn nun diese Quellen versiegen ? 
Werden es dann alle einzelnen Vögel verstehen, sich durch- 
zuschlagen, um nach ihrer sibirischen Heimat zurückzukehren ? 
Der höchste Triumpf der Tannenhäherberingung wäre die 
Rücklieferung eines beringten Stückes aus seiner ursprünglichen 
Heimat. Ob der Fall eintreten wird?! 

2. Der Reiseweg führt von der Nehrung aus nach Südwesten 
in's Innere Deutschlands oder Österreichs, und zwar sind alle 
4 Versuchsvögel und damit wohl die über die Kurische 
Nehrung wandernden Tannenhäher überhaupt fast ein und 
dieselbe Strafse gezogen. 

3. Was die Schnelligkeit des Zuges anbelangt, so lassen die vor- 
liegenden 4 Ergebnisse kein bestimmtes Mafs festlegen. Der 
eine Vogel ist erwiesen ermafsen von einem Tage zum andern 
51 km gewandert. Bei den drei andern Fällen betragen die 
täglichen Wegstrecken, wenn man den Erlegungstag als 
Ankunftstag nimmt, 14, 20 und 35 km. Nahrungsquellen und 
individuelle Anlagen werden bei Beschleunigen oder Ver- 
langsamen des Zuges entscheidend sein. 

Der letzte (unberingte) Tannenhäher wurde der Vogelwarte 
am 8. November aus Prüm in der E i f e 1 gemeldet. Also so 
weit nach Südwesten sind die Vögel vorgedrungen. 

Sobald wieder einmal Tannenhäherzüge auftreten, soll das 
Fangen und Beringen in grofsem Mafsstabe betrieben werden, da 
der vorliegende kleine Anfang gezeigt hat, dafs der Versuch lohnt. 

J. Thlenemann. 



— 27 — 

Der Rosenstar in der Schweiz. 

Von Albert Hefs, Bern. 

Der ßosenstar, Pastor roseus (L.), ist für die Schweiz ein 
Irrgast. Seine Heimat erstreckt sich bekanntlich von den Balkan- 
ländern hinweg bis über Zentralasien. 

Über das Vorkommen dieser Vogelart in der Schweiz, wo 
sie gewöhnlich in der Gesellschaft von gewöhnlichen Staren, Sturnus 
vulgaris (L.), vereinzelt auftaucht, macht auch der „Neue Naumann" 
1) keine näheren Angaben, sondern führt nur an, dafs der Rosen- 
star nach Stölker innerhalb eines Jahrhunderts (1774—1875) 
sechzehn mal im Lande festgestellt worden sei. 

Da der schöne Zigeunervogel erst kürzlich wieder in der 
Schweiz beobachtet wurde, lohnt es sich, die bekannten Daten alle 
neu zusammenzufassen. Wie schon erwähnt, hat Stölker in 
St. Fiden dies erstmals getan. 2) Die ersten zuverlässigen An- 
gaben über unseren Vogel stammen von Meifsner und Schinz, 
welche über ihn als der Rosenfarbigen Drossel {Turdus roseus 
Linn.) berichten. 3) 

Die neue Zusammenstellung ergibt folgendes Vorkommen : 

1. Im Jahre 1774 wurde in der Schadau am Thunersee (Kt. Bern) 
ein Paar geschossen. 3) 

2. Im Mai 1807 wurde bei Winterthur (Kt. Zürich) ein Weibchen 
geschossen, das ein vollkommen legereifes Ei bei sich hatte. 3) 

3. Im Juni 1810 wurde auf einer Wiese bei Erlenbach im 
Simmental (Kt. Bern) ein Männchen geschossen, das sich unter 
einer Schar gewöhnlicher Stare befand. Das Stück gelangte 
in das Berner Museum. 3) 

4. Im Jahre 1810 erhielt Schinz ein Männchen vom Hallwyler- 
see (Kt. Aargau) her. 4) Auffallenderweise ist dieses Stück 
in der gemeinsamen Arbeit mit Meifsner 3) nicht erwähnt. 

5. Am 7. Juli 1814 beobachtete Meifsner in der Enge bei 
Bern zwei Rosenstare. 3) 

6. Im Juni 1833 hat Lusser in Seedorf (Kt. Uri, nicht Bern, 
wie einzelnenorts unrichtig angegeben wird) ein Männchen 
lebend gefangen. 5) 

7. Im Monat Juni 1838 wurde im Wäldchen von Vengeron bei 
der Stadt Genf .innerhalb weniger Tage ein Paar Rosenstare 
geschossen. Sie hielten sich unter gemeinen Staren auf. Es 
wurde vermutet, dafs sie dort gebrütet haben. Die Stücke 
kamen in die Sammlung Fatio. 6) 

8. Im Frühjahr 1860 wurde bei Rolle (Kt. Waadt) ein altes 
Männchen erbeutet. Das Stück kam in die Sammlung von 
A. Vaucher. Das Nest mit Eiern soll ebenfalls gefunden 
worden sein. 7) 

9. Mitte Juni 1870 wurde bei Egnach (Kt. Thurgau) ein Männchen 
erlegt (Sammlung Stölker). Ende des gleichen Monats wurde 
ein zweites Stück in der nämlichen Gegend erlegt. 2) 



— 28 — 

10. Am 5. Juni 1875 wurden, Vi Stunde aufserhalb der Stadt 
Luzern, aus einem Fluge von 15—20 Stück zwei Rosenstare 
herausgeschossen. Dieselben gelangten in Sammlung Stauffer 
(im sogen. Gletschergarten). 2) 

11. Anfangs Juni 1875 wurde bei Flawyl (Kt. St. Gallen) ein 
Weibchen lebend gefangen. Dasselbe gelangte in Hände 
Stoikers. 2) 

12. Am 15. Juni 1884 wurde ein altes "Weibchen in Malagnon 
bei Genf erlegt (Sammlung A. Vaucher). 7) 

13. Im April 1887 hat Blanchard in Chäteau-des-Bois (Kt. 
Genf) ein Weibchen mit Nest und Gelege von 5 Eiern er- 
beutet. 7) 

14. Am 3. Juni 1909 wurde auf dem Gutisberg bei Burgdorf (Kt. 
Bern) ein Männchen geschossen, das sich unter gewöhnlichen 
Staren befand. Das prächtige Belegstück befindet sich in der 
Sammlung von J. U. A e b i in Burgdorf. 8) 

15. Laut Mitteilung von H. Mühlemann wurde am 13. — 16. 
August 1917 unter gewöhnlichen Staren in Kappelen bei 
Aarberg (Kt. Bern) ein Rosenstar beobachtet. 9) 

Diese Angaben dürfen als sicher angenommen werden. Bei 
der unter Ziffer 13 angeführten, bestanden einige Zweifel, doch 
haben verschiedene Personen V. Fatio die Erbeutung als Tat- 
sache bestätigt. 

Trotz Ausdehnung der Zusammenstellung bis auf den heutigen 
Tag komme ich nur auf 15 Fälle. Dies rührt von der Weglassung 
einiger unbestimmten Angaben her, die S t ö 1 k e r mitgezählt hat. 
Es sind dies: 

Im „Kanton Glarus" von 0. Heer & J. Blumer-Heer, 
1846, der Sammlung „Gemälde der Schweiz" wird die Rosenamsel 
als Seltenheit für diesen Kanton bezeichnet. Irgend eine näher 
Angabe fehlt. Im „Kanton Waadt" des gleichen Werkes (Gemälde 
der Schweiz), 1847, schreibt L. V u i 1 1 e m i n , dafs der Rosenstar 
einmal (ohne irgend eine nähere Angabe) bei Genthod geschossen 
worden sei. Im Band „Kanton Luzern" von K. Pf y ff er, 1857, 
ist angeführt, dafs der Rosenstar im Kanton Luzern vorgekommen 
sei. Ich habe den Eindruck, dafs die Angaben dieser Sammlung 
etwas programmatisch gemacht wurden. Nachdem L u s s e r im 
Jahre 1833 den Rosenstar für den Kanton Uri nachweisen konnte, 
haben andere Verfasser den Yogel ebenfalls erwähnt. 

Anfangs der 60 er Jahre des vorigen Jahrhunderts sollen 
mehrere Rosenstare am Albis bei Affoltern (Zürich) gesehen und 
einer erlegt worden sein. 10) Auch diese Angabe ist derart all- 
gemein gefafst, dafs sie nicht ohne weiteres angeführt werden 
darf. Eine mündliche Mitteilung, wonach in den 70 er Jahren 
2 Rosenstare bei Bümplitz bei Bern gesehen worden seien 2), 
wurde meinerseits auch nicht verwertet, indem auch diese Angabe 
viel zu unbestimmt ist. 



— 29 - 

So komme ich auf eine geringere Zahl von Fällen. Es ist 
aber als gewifs anzunehmen, dafs ein Grofsteil der Besuche des 
Irrgastes nicht beobachtet wurde, oder allfällige Beobachtungen 
nicht zur allgemeinen Kenntnis gelangten. 

Literatur: 

1) Naumann, Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas. 
IV. Band, S. 19—26, Tafel 4. 

2) Carl Stölker, Ornithologische Beobachtungen. (III. Reihen- 
folge.) St. Gallen 1876, S. 10-22. 

3) Meifsner und Schinz, Die Vögel der Schweiz. Zürich 
1815, S. 94-95. 

4) H. R. S c h i n z , Fauna helvetica. Neue Denkschriften der 
Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft. I. 1837. 

5) K. F. L u s s e r , Der Kanton Uri (Gemälde der Schweiz). 
1834, S. 45—46. 

6) Fatio-Beaumont, Verzeichnis der Vögel, welche sich 
im Tale von Genf und an den Seiten der dasselbe ein- 
schliefsenden Berge finden. Dessau 1856. „Naumannia" 
VI. Bd., S. 169. 

7) V. F a t i , La Faune des V6rt6brös de la Suisse. Genf und 
Basel 1899, Vögel Band I, S. 714. 

8) „Der Ornithologische Beobachter" VIL Jahrg. (1909), S. 9—11. 

9) „Der Ornithologische Beobachter" XV. Jahrg. (1917), S. 30. 
10) C). M ö s c h , „Das Tierreich" in „Allgemeine Beschreibung und 

und Statistik der Schweiz" von M. Wirth, I. Band, 1869. 



Alle alle an der pommerscheii Küste erlegt. 

Von Prof. Ibartb, Danzig— Langfuhr. 

Anfang Dezember 1917 erhielt ich aus Treptow a. d. R. 
einen Krabbentaucher zugesandt, um ihn zu bestimmen und aus- 
stopfen zu lassen. Der Vogel war am 3. Dezember gegen Abend 
auf der Rega, ungefähr 6 km von der See, geschossen worden, als 
er sich eben, in schwalbenähnlicbem Fluge aus der Richtung von 
der Küste kommend, auf dem Flusse in der Nähe eines mit 
5 Arbeitern besetzten Prahmes niedergelassen hatte. An dem Tage 
wehte, wie an den vorhergehenden, ein starker Sturm aus NW., 
der sich in der Nacht zum 4. so steigerte, dafs erhebliche 
Sturmflutschaden entstanden. Jedenfalls sind diese Witterungs- 
verhältnisse der Grund, dafs der Vogel sich so weit von der See 
entfernte, und man geht auch wohl nicht fehl in der Annahme, 
dafs die Ende November und Anfang Dezember d. J. wochenlang 
anhaltenden Stürme diesen seltenen Gast aus dem hohen Norden, 
der ja in der Nordsee häufiger erscheint, so weit in die Ostsee 
verschlagen haben, wo er bis jetzt nur wenige Male festgestellt 
werden konnte (Naumann XII 151). Der mir übersandte Vogel 



— 30 — 

ist der zweite seiner Art, der mir von der baltischen Küste zu 
Gesicht gekommen ist. Den ersten erstand ich am 2. Dezember 
1914 auf dem Danziger Fischmarkte; er war von Fischern in 
unserer Bucht erbeutet worden und befindet sich noch in meinem 
Besitz (Ornith. Monatsschr. 1915, S. 252). — Das hier in Rede 
stehende Stück geht ausgestopft an den Erleger, Herrn ßeg.-Bau- 
meister Badke in Treptow a. d. R., zurück. 



Aufzeichnungen. 

In der Tuchler Heide zeigten sich dünnschnäblige Tannen- 
häber in der letzten September- und der ersten Oktoberwoche. 
Es wurden ziemlich viele im Dohnenstieg gefangen. Am 1. X. 
beobachtete mein Bruder in Swaroschin, Kr. Dirschau, ca. 15 Stück 
auf den Chausseebäumen am Dorfeingang. L. Dobbrlck. 

Am 12. Oktober 1917 sah ich 2 Tannenhäher rufend und 
wenig scheu in einem Kiefernstan genholz am Greifswalder Bodden 
bei Ladebow; ich erhielt ein am gleichen Tage im Forstrevier 
Diedrichshagen bei Greifswald in den Dohnen gefangenes Stück; 
es ist ein Dünnschnabel. Am 5. November wurde ein Stück bei 
Neuenkirchen gesehen, das wenig scheu war. Von weiteren 
Fängen in den Dohnen ist mir nichts bekannt geworden. — 
Seidenschwänze sind auch in diesem Winter in der Umgebung 
Greifs walds vorhanden. F. Koske (Greifswald). 

Nördlich von Reims, wo ich mich jetzt befinde, scheint es 
auch (wenigstens in diesem Jahre) eine Vogelzugstrafse zu geben. 
Der Zug erfolgt in ost-westlicher Richtung, die Strafse liegt un- 
mittelbar nördlich vom Brimont, dem höchsten Punkt in der Gegend. 

Am 20. September sah ich das letzte Mal Schwalben. Am 
21. September beschäftigten sich die Mannschaften einer Reserve- 
Kompanie mit dem Fangen von Fliegen, um eine flugunfähige 
Schwalbe zu füttern. Diese hatte sich am Draht einen Flügel 
beschädigt. Der Vogelzug kam allmählich in Gang. Meistens 
waren die Flüge 12 — 20 Stück stark. Die Vögel zogen infolge 
der vielen Störungen hinter der Front ziemlich hoch. "Wahr- 
scheinlich haben sich auch viele Flüge infolge Beunruhigung ge- 
teilt. Die vorderste Stellung wurde, soviel ich beobachtet habe, 
immer in der Nacht überflogen. 

Nur am 6. Oktober 7*^ V zog ein riesiger Krähenschwarm, 
wie ich noch nie gesehen habe. Den Anfang konnte ich nicht 
mehr sehen und das Ende aus Mangel an Zeit nicht abwarten. 
Um diese Zeit ist es am ruhigsten an der Front. Es fallen nur 
wenige Gewehrschüsse. Die Krähen flogen in der gewöhnlichen 
Höhe, drängten sich dort, wo Schüsse fielen, eng zusammen und 
versuchten nach einer Seite auszuweichen. Ein kurzes Stutzen 



~ 31 — 

entstand, aber der Zug ging weiter. Der Drang des Zuges über- 
wand die Scheu. Das ist doch bei den Krähen besonders auf- 
fallend. Die Flughöhe blieb auch dieselbe. 

Heute morgen gegen 4 übr zogen Gänse. Als sie in die 
Nähe des vordersten Grabens kamen , schössen die Franzosen 
Leuchtkugeln ab. Das sieht aus, wie das Hochgehen einer roten 
Eakete. Dann schwebt oben einige Zeit ein weifses weit leuchtendes 
Licht. Darauf erhoben die Gänse ein ängstliches Geschnatter und 
flogen anscheinend 1—2 Minuten im Kreise. Danach ging der 
Zug weiter. 

Kleinvögel sah ich immer nur hinter der Front von Deckung 
zu Deckung ziehend. 

Ob die Vögel wohl früher die Aisne, welche dicht nördlich 
fliefst, langzogen? Ich glaube es. An dem Flufs war seit Herbst 
1914 Stellungskampf, und jetzt tobt unmittelbar nördlich davon 
der Kampf am Chemin des Dames. An den Bergen südlich Reims 
wird auch viel geschossen. F. ?. Versen (im Felde 16. XJ, 17). 

Am 24. Dezember 1917 sah ich in Losgehnen bei Bartenstein 
einen einzelnen Kiebitz, der bei — 5^ Kälte und lebhaftem, 
eisigem Südwinde nach Süden flog. Schon seit einiger Zeit hatten 
wir in Ostpreufsen Frost bis — 10° und mäfsige Schneedecke. 
Sichere Beobachtungen aus den Wintermonaten waren für diese 
Art aus Ostpreufsen bisher nicht bekannt. F. Tischler, Heilsberg. 

Berichtigung: In meiner Arbeit über die Vögel Slams (Kungl. 
Svenska Vetenskapsakademiens Handlingar, Band 56, No. 2, 1916, 
S. 143) habe ich leider irrtümlich ein Gelege von fünf Eiern unter 
dem Name Metopidius indicus Lath. aufgeführt. Diese Eier wurden 
mir während einer Exkursion von einem Eingeborenen gegeben, 
und da ich ihn fragte, zu welchen Vogel dieselben gehörten, zeigte 
er auf ein Exemplar von Metopidius indicus^ das ich eben ge- 
schossen hatte. 

Später habe ich jedoch gefunden, dafs diese Eier Amaurornis 
phoenicura chinensis Bodd. angehören, was ich hiermit mitteilen 
möchte. N. Gyldenstolpe. 



Schriftenschau. 

um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornithologischen 
Monatsberichten" zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger 
gebeten, über neu erscheinende "Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- 
teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- 
schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbstständig erscheinenden Arbeiten 
ist Preisangabe erwünscht. Reichen ow. 

A. Voigt, Exkursionsbuch zum Studium der Vogelstimmen. 
Praktische Anleitung zum Bestimmen der Vögel nach ihrem Gesänge. 
7., vermehrte und verbesserte Auflage, geb. 3.80 M. — Das schnell 
beliebt gewordene Buch ist in weitesten Kreisen genugsam bekannt, so 



— 32 — 

dafa ein wiederholtes Eingehen auf dem Inhalt sich erübrigt. Die Zahl 
der behandelten Arten (255) ist in der neuen Auflage die gleiche 
geblieben, wie in der vorangegangenen, aber viele neue Beobachtungen 
sind hinzugekommen. Wer über Vogelstimmen sich unterrichten und die 
Vögel nach ihrer Stimme, ihrem Gesänge kennen lernen will, möge das 
Buch zum Begleiter auf seinen Ausflügen wählen; es wird ihm ein zu- 
verlässiger und bald unentbehrlicher Lehrmeister sein. R c h w. 

vonViereck, Ornithologische Beobachtungen vom Kriegsschau- 
platz in Mazedonien; Ornith. Monatsschr. 1917, 233—246. 

G. Lilienthal, Der Einflufs der Flügelform auf die Flugart 
der Vögel; Sitzungsber. d. Ges. Naturf. Freunde zu Berlin 1917, 261—280 
mit 20 Abbildungen. — Die Ausführungen des Verf. suchen den Nachweis 
zu bringen, dafs die meisterhafte Einrichtung des Vogelkörpers für den 
Flug das Vorbild für die Arbeiten der Flugtechnik sein müsse, wenn wir 
letztere zu gröfserer Vollkommenheit verhelfen wollen. Die Schwungfedern 
sind der Propeller des Vogels. Die Bewegung des Flügels ist während 
des Fluges nicht nur auf und nieder, sondern auch vorwärts gerichtet. 
Der Vogel kann auch die Federn des Ober- und Unterarmes um ihre 
Längsachse verdrehen. Um die Verdrehung der Schwungfedern zu er- 
möglichen, dürfen sich die Fahnen nicht gegenseitig berühren, sondern 
sie müssen gespreizt stehen. Auf die verschiedenen Erklärungen des 
Segelfluges, welchen er als die vollendetste Flugart bezeichnet, geht der 
Verf. eingehend ein. Er findet die Erklärung des Segelfluges in der Form 
des Flügels und behauptet, dafs diese wesentlich von der Form der Flügel 
nicht segelnder Vögel abweicht. Vorausgesetzt ist beim Segelflug ein 
Wind, der zur Überwindung der Schwerkraft und zur Erzeugung des 
Vortriebs die Kraftquelle gibt. 

B. Klatt, Transplantation der Haube beim Haubenhuhn; Sitzungs- 
berichte d. Ges. Naturf. Freunde zu Berlin 1917, 412 — 415 mit Abbildung. 

0. Uttendörfer, Unsere Beute an Raubvogeltaten im Jahre 
1916; Ornith. Monatsschr. 1917, 249—253. — Verf. weist auf Grund 
seiner langjährigen Beobachtungen darauf hin, dafs nur wenige und sehr 
häufige Vogelarten durch die Raubvögel aahlreich gefangen und dafs alle 
übrigen Arten ihnen nur in ziemlich vereinzelten Fällen zur Beute werden. 

W. Schmidt-Bey, Berglaubsänger und Zaunammer im süd- 
lichen Elsafs; Ornith. Monatsschr. 1917, 274—276. — Beobachtungen 
über das Vorkommen der genannten Arten im Elsasser Jura und über 
den Gesang derselben. S c h a 1 o w. 

Anzeigen. 
Palaearktisehe Vogelbälge für wissenschaftl. Samml. gibt 

ab Direktor H. Friedrich, Grofs-Aupa (Böhmen), Villa 
Wiesenheim. 

Druck v«a Otto Dorabltth in Beralturg. 



OmitMogisclie lonatsbericlite 

herausgegeben von 

Prof. Dr. Ant. Reichenow. 



26. Jahrgang. März/April 1918. No. 3/4. 

Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern 
and sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. 
— Zusendungen jeder Art füi- die Schriftleitung sind an den Herausgeber, 
Prof. Dr. Eeichenow in Berlin N. 4. Invalidenstr. 43, den Buchhandel 
betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von E. Friedländer & Sohn 
in Berlin NW. 6, Karlstr. 11 zu richten. 



Beobachtungen 
an RahenTÖgeln im westlichen Bufsland. 

Von 0. Graf Zedlltx. 

Die Teilnehmer an der Monatssitzung der D. Ornith. Ges. 
Anfang September v. J. durften einer freundlichen Einladung von 
Herrn und Frau Dr. Heinroth folgend das von ihnen aufgezogene 
Paar Kolkraben, in voller Freiheit vorgeführt, besichtigen, dabei 
die eleganten Flugspiele der völlig ausgewachsenen Vögel und 
ihre grofse Zahmheit bewundern. Einer der schwarzen Gesellen 
hat sich sogar auf dem aufgenommenen Gruppenbilde freundlichst 
mit verewigen lassen. Bei dieser Vorführung fand ich bei meinen 
verehrten Fachgenossen ein so lebhaftes Interesse für Wotans Vogel, 
dafs ich ihren Wünschen entgegenzukommen hoffe, wenn ich es 
unternommen habe, in den kargen Mufsestunden eines vielgeplagten 
Beamten der Kriegswirtschaft meine eigenen Beobachtungen und 
Notizen über russische Raben zusammenzustellen, um sie heute 
der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Um nicht gar zu spärliche 
Kost zu bieten, seien im Anschlufs daran auch den anderen Ver- 
tretern der Kabenfamilie, soweit ich sie dort antraf, einige Worte 
gewidmet. 

Der Kolkrabe. 

Beim russischen Kolkraben wage ich ein Urteil über seine 
Stellung in der Systematik heute noch nicht zu fällen. Eigentlich 
liegt die Vermutung nahe bei der grofsen Neigung, anderswo 
Unterarten zu bilden, dafs wir es auch hier nicht mehr mit dem 
typischen ^foraa^'- zu tun haben, einen Beweis dafür vermag ich 
aber aus dem Vergleich der Stücke in meiner Sammlung nicht zu 
erbringen, hoffe jedoch, dafs nach Schlufs des Krieges die Be- 
arbeitung gröfseren Materials Klarheit schaffen wird. 

3 



416 - 


- 70 - 


417 - 


- 72 - 


406 - 


- 68 - 


406 - 


- 70 - 



— 34 — 

Es messen meine Exemplare: 

9 Nordkap, VIII, Fl. 405 mm, Sehn. 71 mm. 

9 Tromsoe, XII, - 425 - - 72 - 

(^ Mecklenburg, V, - 420 - - 71 

cf Mecklenburg, XII, 

cf Slonim, XI, 

9 Slonim, XI, 

9 Slonim, I, 

Hartert gibt in V. d. p. F. an : Fl. 43—45 cm. Sehn. 70-84 cm. 
Meine Mafse sind also, obgleich der Flügel fest auf den Zollstock 
beim Messen aufgedrückt wird, fast durchweg kleiner, aber nicht 
nur in Rufsland, sondern auch sonst. 

Um Färbungsunterschiede festzustellen, sind die Serien zu 
klein, zumal die Vögel verschieden starke Abnutzung des Gefieders 
zeigen. 

Also wenden wir uns nun der Biologie zu und zwar zunächst 
der Verbreitung. Ich gebe hier, wie überhaupt in dieser ganzen 
Skizze, nur meine eigenen Beobachtungen wieder. Zwar sind mir 
eine Reihe sehr wichtiger und wertvoller neuester Arbeiten über 
die westrussisehe Ornis von Reichenow, Bacmeister, Gengier 
Kleinschmidt u. A. wohl bekannt, aber ich glaube, dafs es mehr 
Nutzen stiften wird, später einmal an der Hand des möglichst 
vollständigen im Osten gesammelten Materials auch die Literatur 
darüber zu sammenfassend zu behandeln. Auf dem linken Weichsel- 
ufer habe ich während eines vollen Jahres den Raben niemals 
angetroffen. Anfang August 1915 zeigten sich die ersten drei 
Exemplare unmittelbar jenseits (östlich) der Weichsel bei unsrer 
Übergangsstelle nördlich Ivangorod. Es ist dies aber kein Beweis 
dafür, dafs der Vogel dort schon horstet, denn gerade um diese 
Jahreszeit pflegen die erwachsenen Jungen unter Führung der 
Alten weite Ausflüge zu machen, also ist auch ein gelegentlicher 
Besuch der Schlachtfelder nicht ausgeschlossen. Keinesfalls ist 
der Rabe zwischen Weichsel und Bug häufig, das Gebiet, wo er 
eigentlich zu Hause ist, beginnt erst weiter östlich etwa mit dem 
Walde von Bialowies. Hier ist er ausgesprochener Charaktervogel 
und brütet verhältnismäfsig recht zahlreich. Dasselbe gilt von 
dem grofsen Waldgebiet am oberen Njemen, der Schara und dem 
grofsen Sumpfgebiet der Polesie. In letzterem scheint mir die 
Besiedelung etwas spärlicher zu sein, am stärksten hingegen bei 
Slonim an der mittleren Schara, wo die Raben nicht nur in den 
grofsen Kiefern forsten auf dem leichten Höhenboden, sondern auch 
in ganz kleinen Feldhölzern gern horsten. An einem November- 
abend 1915 stellte ich mich an einem „Wechsel" auf, den die Raben 
gern innehielten, wenn sie von der Stadt zu ihren Schlafbäumen 
strichen, und zählte innerhalb von 10 Minuten 23 verschiedene 
Exemplare. Es waren dies aber keineswegs alle Raben, die sich 
dort herumtrieben, viele suchten auch in anderer Richtung ihre 



— 35 ^ 

Schlafplätze auf. Es handelte sich hier auch nicht um eine zufällige 
besonders starke Ansammlung, denn Frafs gab es damals genug 
in der ganzen Gegend, und meine Beobachtungen zur Brutzeit 
bestätigen nur die Winter-Erfahrungen. 

Es könnten nun leicht Zweifel an meinen Feststellungen ge- 
äufsert werden in dem Sinne, ich hätte Raben mit Saatkrähen 
verwechselt. Demgegenüber mufs ich betonen, dafs für einen 
Kenner beider Arten die Unterscheidung sehr leicht und sicher ist. 
Ich hatte schon früher viel Gelegenheit, Kolkraben in Skandinavien 
und Mecklenburg zu studieren, in Rufsland waren sie vom Oktober 
1915 an meine täglichen Gefährten, da erkenne ich sie wirklich 
ganz genau. Charakteristisch ist schon der sehr starke Schnabel, 
welcher im Verhältnis zum Kopf im Profil viel massiver wirkt als 
bei irgendeiner Krähe. Ferner ist ein weithin sichtbares Kenn- 
zeichen der lange keilförmige Schwanz, während er bei den Krähen 
abgerundet ist. Die allgemeinen Gröfsenunterschiede will ich da- 
neben gar nicht einmal so sehr betonen, denn die Perspektive 
wechselt subjektiv je nach der Beleuchtung, man kann sich da in 
den Entfernungen erheblich vertaxieren und dementsprechend auch 
in der Bewertung der Gröfse des lebenden Yogels. Fast noch 
sicherere Kennzeichen als Schnabel und Schwanz sind aber Stimme 
und Flug. Der sehr weit vernehmbare einsilbige Kehllaut unter- 
liegt zwar einiger Modulation, ist aber stets ganz charakteristisch 
und mit keiner andern Stimme zu verwechseln, manchmal erinnert 
er etwas an das entfernte Bellen eines kleineren Hundes. Im 
Fluge rechne ich den Raben zu den allerersten Künstlern unsrer 
Vogelwelt. Er scheint sich aber auch vollbewufst zu sein, wie 
vortrefflich er alle Luftströmungen meistert, denn zu jeder Jahres- 
zeit, nicht etwa nur in der Balz, gefällt er sich in den Flugspielen, 
welche die Gewandtheit des Seglers mit dem stolzen Gleitflug des 
Adlers vereinigen. Wenn der eisige Ost über die winterlichen 
Fluren fegt, den Kolkraben ficht es nicht an, er läfst sieh auf 
seinen Wogen emportragen, ihm folgen 3, 4 Genossen, ein halbes 
Dutzend, in Spiralen winden sie sich höher und höher, senken sich 
in jäher Kurve, in schnellen Wendungen und spielendem Jagen 
überschlagen sie sich fast und sausen dicht am Boden hin, um 
gleich wieder auf den bewegungslos ausgespannten mächtigen Flügeln 
sich emportragen zu lassen. So geht es Tag für Tag, bis gegen 
Wintersende die Paare sich sondern und dann bei jedem einzelnen 
die Separat- Vorstellungen beginnen, bei denen das Tempo rascher 
ist und beide Teile fleifsig ihre Stimme ertönen lassen. 

Wir sind hiermit bei Besprechung der charakteristischen 
Kennzeichen schon zur Behandlung der Lebensführung gelangt. 
Bei den sehr grofsen Gegensätzen, welche in Rufsland Sommer 
und Winter bieten, ist es selbstverständlich, dafs auch die Tier- 
welt sich diesem Wechsel anpafst. Wenn im Spätherbst scharfer 
Frost und Schnee eintreten, dann verläfst der Rabe den Wald und 
sucht die Ortschaften auf. Zuerst unternimmt er nur Ausflüge 

3* 



— se- 
in die belebteren Gegenden, bald aber siedelt er ganz dorthin über, 
geht über Tag in oder bei den Städten und grofsen Dörfern der 
Nahrungssuche nach und wählt sich für die Nacht einen nicht 
zu entfernten Schlafbaum am Waldrande. Niemals sah ich ihn 
innerhalb eines Ortes nächtigen, wie es die Krähen mit Vorliebe 
tun. Am Tage werden besondere Lieblingsplätze immer wieder 
aufgesucht, wie Schlachthäuser, Kehrichtplätze, Düngerstellen, 
Abdeckereien. Eine Sandgrube, in welcher abgehäutete Pferde- 
kadaver lagen und bisweilen frisch ersetzt wurden, bildete den 
beliebtesten Anziehungspunkt, hingegen wurden nicht abgehäutete 
Pferde, Ochsen, Kälber und Schafe, wie sie im Herbst 1915 massen- 
haft herumlagen, so gut wie gar nicht beachtet. Der Überflufs 
machte wohl wählerisch ! Trafen auch an bevorzugten Stellen oft 
10 — 12 Raben zusammen, so bildeten diese doch keinen Schwärm 
wie Krähen, sondern lösten sich sofort wieder in kleine Gruppen 
von 2 — 4 Stiick auf, die dann ihrerseits fest zusammenhielten. 
Nach meiner Überzeugung bildet die Familie hier die Basis, indem 
teils die Alten noch mit ihren Jungen bis tief in den Winter 
zusammen bleiben, teils die Jungen allein auf Abenteuer ausgehen, 
aber unter einander engste Fühlung halten. Nach meinen sorg- 
fältigen Beobachtungen bin ich zu der festen Überzeugung ge- 
kommen, dafs die Raben normalerweise in Dauerehe leben, dasselbe 
Paar, das im Sommer und Herbst einen Walddistrikt bewohnte, 
kommt im Februar oder März nach seinem Ausflug in die Stadt 
wieder dorthin zurück, wo es zu Hause ist. Dabei gibt es keine 
Paarungskämpfe und Rivalitäten, die alten Herrschaften gehören 
ganz selbstverständlich zusammen, und eines schönen Tages sind 
sie eben wieder da, „Er" blockt wieder auf der hohen Kiefer und 
ruft sein „kroh kroh" über die Wipfel, „Sie" untersucht den 
alten Horst und macht Inventur über die erforderlichen Aus- 
besserungen. Anders beim jungen Volk aus dem letzten Jahre, 
da gibt es viel Scharmutzieren und etwas Raufen, ein Jagen und 
Haschen in der Luft, dafs man weithin das Sausen der starken 
Schwingen hört, und es dauert oft lange, bis die Paare sich zu- 
sammenfinden. Daraus entstehen dann sehr späte Brüten, welche 
durchaus keine Ausnahme bilden. Meine Ansicht, dafs alte Vögel 
in Einehe dauernd leben, vermag ich natürlich nicht mathematisch 
genau zu beweisen, aber ich kann nur darauf verweisen, dafs ich 
ohne jede Voreingenommenheit meine Beobachtungen angestellt 
habe und in Einzelfällen bei Brutpaaren aus der nächsten Um- 
gebung meines Standquartiers fest von deren Richtigkeit über- 
zeugt bin. Da übrigens viele grofsen Raubvögel und wohl auch 
die Störche und Kraniche in Dauerehe leben, halte ich das Gleiche 
bei 80 hochentwickelten Tieren wie den Kolkraben für gar nicht 
auffallend. 

Die Legezeit beginnt nicht so früh wie bei norddeutschen 
Raben, da der März in West-Rufsland ja noch vollkommen in den 
Winter fällt. Alte Vögel legen frühestens Ende März, jüngere 



— 37 — 

viel später. Übrigens lasse ich es dahingestellt, ob die vorjährigen 
Raben schon durchweg zur Brut schreiten, eher möchte ich es 
bezweifeln. Der früheste Termin, an dem ich junge Raben aufser- 
halb des Nestes antraf, war um den 20. Mai 1916. Ich hatte 
Anfang April d. J. in einer kleinen Feldremise einen belegten 
Horst gefunden, der höchstens 5 m hoch stand, und gleich den 
Plan gefafst, die Jungen auszunehmen. Den ersten Teil der Auf- 
zucht wollte ich den Eltern überlassen und hoffte, Ende Mai noch 
reichlich früh genug zu kommen. Von Mitte April bis Mitte Mai 
hatte ich ein Kommando an einer andern Stelle der Front und 
war höchlich erstaunt, nach meiner Rückkehr die jungen Raben, 
die ich mir nun holen wollte, schon fast üügge auf den Zweigen 
herumklettern zu sehen, sodafs ein Einfangen ausgeschlossen war. 
Die meisten verlassen das Nest erst viel später, in der Regel im 
Juni, oft erst im Juli. Die ganze Familie bleibt den Sommer über 
im engsten Verbände und hält sich fast ausschliefslich im Hoch- 
walde auf. Die Alten sorgen dafür, dafs ihre Nachkommenschaft 
sich dauernd im Fliegen übt, es scheint geradezu, als wenn sie 
ihr Unterricht erteilten. Immer wieder steigen die einzelnen Vögel 
nacheinander in die Luft, beschreiben Kurven und stürzen sich 
wieder hinab in die Baumwipfel, es sieht genau so aus, als wenn 
Krähen auf eine Eule oder einen Raubvogel stofsen, doch habe 
ich niemals etwas derart entdecken können und bin überzeugt, 
dafs es sich um reine Flugübungen handelt, zumal man auch 
kein „hassendes" Geschrei dabei hört, wohl aber lockenden Zuruf. 
Auch sonst betreuen die Alten ihre Spröfslinge noch lange auf 
Schritt und Tritt, besonders leiten sie sie an zur Aufsuchung von 
Frafs. Dafs der Rabe alles, was für seinen Geschmack pafst, mit 
fabelhafter Sinnenschärfe schnell und sicher findet, habe ich oft 
konstatieren können und stelle seine Leistungen auf diesem Gebiet 
auf die gleich hohe Stufe wie diejenigen der afrikanischen grofsen 
Geierarten. Ich schofs z. B. im Spätherbst 1916, als alte und junge 
Raben schon vielfach ihre eigenen Wege gingen, spät Abends einen 
Rehbock auf einer Blöfse, den ich im ziemlich dichten Bestände 
hart daneben aufbrach und dann nach Hause transportierte. Es 
war inzwischen vollkommen dunkel geworden. Als ich am nächsten 
Morgen gleich nach Hellwerden wieder hinauskam, hörte ich schon 
von weiten meine beiden „angestammten" alten Raben locken und 
fand sie mit ihren Jungen schon eifrig beim Frühstück. Also 
innerhalb der ersten Morgenstunden hatten sie den recht versteckt 
liegenden Aufbruch nicht nur entdeckt, sondern auch ihre Spröfs- 
linge noch dazu eingeladen, obgleich sie sonst stets schon wieder 
allein herumflogen. Natürlich unterscheidet der schlaue Rabe ganz 
genau, ob ein solcher Aufbruch von Wild unverfänglich ist oder 
nicht. Im Laufe des Winters habe ich viel mit Abfällen von Reh 
oder Damwild auch Fuchseisen beködert, niemals hat ein Rabe von 
diesen Veranstaltungen auch nur die geringste Notiz genommen, 
nur der Eichelhäher hackte mit Vorliebe daran herum, bis er das 



— 38 — 

Eisen zum Einschnappen brachte. Ebenso unterscheidet unser 
grofser, schwarzer Freund sehr gut gefährliche und ungefährliche 
Menschen. Im allgemeinen ist er von Natur nicht scheu, da ihm 
wohl bisher nie ein Mensch in diesen Gegenden nachgestellt hat. 
Verlegte sich aber irgend ein eifriger Jäger auf die ßabenjagd, 
so sprach sich das in den beteiligten Kreisen offenbar sehr schnell 
herum, und alles wich ihm bei Zeiten aus. Vor Wagen und 
Reitern zeigen die Raben nur sehr wenig Scheu. Zu meiner Freude 
gelang es mir durch intensive Schonung im Winter 1916/17, die 
Raben aus meiner Nachbarschaft von meiner üngefährlichkeit zu 
überzeugen, sodafs sie mich, auch wenn ich mit dem Gewehr ging, 
fast stets auf 30 — 40 Schritt heranliefsen. Mit einem Paar, das 
sich im Schlofspark meines Quartiers oder in dessen nächster 
Umgebung aufhielt, hatte ich geradezu Freundschaft geschlossen. 
Um Weihnachten folgten auch „meine" Raben dem Zuge nach der 
Stadt, aber schon Ende Februar begrüfsten sie mich eines schönen 
Tages wieder mit lauter Stimme, um von da an ihr angestammtes 
Revier nicht mehr zu verlassen. Hin und wieder schienen sie 
sich am Horst etwas zu schafien zu machen, aber meist trieben 
sie sich auf Nahrungssuche herum, denn es war bei einem Meter 
Schneelage bitter kalt. Sofort hatten sie es heraus, dafs ich an 
einer offenen Stelle des sonst zugefrorenen Flusses fast jeden Nach- 
mittag in einer Ansitzhütte auf einfallende Enten fahndete. Manchmal 
war das Resultat recht gut, und da die Hütte gut verblendet war, 
fielen auch nach den Schüssen die Enten gern bald wieder ein. 
Ich hatte mir deshalb angewöhnt, die geschossenen Vögel ruhig 
mit der Strömung an den Eisrand treiben zu lassen und sie dann 
am Schlufs mit dem Hund zusammenzusuchen. Dafür zeigten 
aber die Raben gar kein Verständnis. Mit der gröCsten Frechheit 
safsen sie auf den Uferbäumen dicht neben mir, und wenn ich 
eine geschossene Ente auf dem Eise oder im Wasser liegen liefs, 
dann gingen sie ihr vor meinen Augen ganz einfach zu Leibe. 
Ich mufste also von nun an meine Beute immer sofort bergen, 
aber es kam noch wiederholt vor, dafs Enten, welche krank ein 
Stück weggestrichen waren, mir von den Raben stibitzt wurden, 
ehe ich selbst sie hatte holen können. Ebenso kriegten diese 
Malefizkerle es fertig, Enten hervorzuholen und zu verspeisen, welche 
vom Strome unter überhängendes Eis so abgetrieben waren, dafs 
ich selbst weder mit einer Stange noch durch den Hund sie heraus- 
lotsen konnte. Freiliegende Enten schleppten sie bis in die nächste 
Deckung, solche, die an den Uferböschungen oder im Holz schon 
etwas verdeckt lagen, verspeisten sie an Ort und Stelle. Es hätte 
nicht viel gefehlt, dafs durch dieses Gebaren unsre Freundschaft 
einen Rifs bekommen hätte, aber ich mufste doch immer wieder 
über die frechen Kerle lachen, wenn sie sich zu dem von meiner 
Seite gar nicht beabsichtigten Kompagniegeschäft einfanden. Dafs 
der Knall des Schusses sie nicht stört, sondern anlockt, ist nach 
dem Gesagten selbstverständlich. Auch draufsen im Feld und Wald 



— 39 — 

habe ich oft beobachtet, dafs auf einen Schufs sofort Raben erschienen, 
die man vorher nicht gesehen hatte. Ein befreundeter Kamerad 
von mir schofs im Herbst 1915 auf freiem Felde ein Rebhuhn und 
mit dem linken Rohr einen gleichzeitig herausrutschenden Hasen, 
der etwas weit hinten getroffen war und klagte. Sofort war ein 
Rabe da und stiefs auf den Hasen, bezw. den Hund, welcher ihn 
apportieren wollte. Das war denn doch etwas zu viel der Frechheit 
und kostete ihm das Leben. 

Trotz der eben erzählten Beispiele möchte ich aber hervor- 
heben, dafs ich unter den Verhältnissen, wie sie in West-Rufsland 
liegen, den Raben nicht für erheblich jagdschädlich halte. Tom 
zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst lebt er ja fast ganz im 
Walde, wo er keinen grofsen Schaden anrichten kann. Waldhase, 
Birk- und Haselwild sowie Schnepfen hausen dann in den undurch- 
dringlichen Brüchern mit mannshohem Unterwuchse, wo selbst das 
Auge des Raben die Jungen nicht entdecken kann. Im Winter 
ernährt er sich meist von Aas, Abfällen und geht auch ganz nach 
Art der Krähen bisweilen hinter dem Pfluge her, um Engerlinge 
und allerhand Larven sowie vielleicht eine Maus aufzulesen. 
Krankes und kümmerndes Wild wird er natürlich gern nehmen, 
wo er es findet, aber ich habe niemals beobachtet, dafs er gesunden 
Hasen oder Hühnern nachstellte. Beide sind auch in Rufsland viel 
zu schlau und vorsichtig, um sich so leicht fangen zu lassen, sie 
leben im Winter über Tag eigentlich nur in unmittelbarer Nähe 
guter Deckung. Wenn ich eine Jagd in Rufsland besäfse, würde 
ich also den Raben unbedingt schonen und hoffe, dafs er nach dem 
Kriege dort ebenso unbehelligt weiterleben wird wie vordem! 

(SohluTs folgt.) 



Über Nistweise der Gartenammer {Emherixa cirlus) 
und Misteldrossel (Turdus viscivorus) in Nordfrankreich. 

Von Htm Freiherr von Berlepich. 

Über Beobachtungen der Ammern, speziell der Zaunammer 
(E. cirlus) in den besetzten Gebieten Frankreichs ist schon mehr- 
fach berichtet worden, sowohl im „Journal f. 0.", in den „Ornith. 
Monatsberichten", wie auch in „Ornith. Monatsschrift". Ich habe 
hier im Felde wohl nur einige Aufsätze davon gelesen, darunter 
aber die in den Ornith. Monatsberichten von Walther Bacmeister 
und Ludwig Schuster, und in der Ornith. Monatsschrift von Dr. 
Hans Böker. Erstere beiden decken sich in allen Punkten völlig 
mit meinen Beobachtungen, letzterer nicht bez. des Gesanges. 
„Ein melodisches Klingeln, das ich zuerst Grünfinken zuzuschreiben 
geneigt war, doch war die Perltour zusammenhängender und wohl- 
tönender" pafst durchaus nicht auf die Zaunammer. Wenn das 
Nest nicht in einem Obstbaum 1 Meter über dem Boden gestanden 
hätte, würde ich nach vorstehender Gesangawiedergabe auf den 



— 40 — 

Ottolan {Emleriza hortulana) schliefsen. Jedenfalls für den Gesang 
der Gartenammer trifft die Schilderung durchaus nicht zu. Schuster 
sagt: „Der Gesang ist höchst eintönig, leiernd, etwa wie „zirrrt, 
zirrrt, zirrrt, zirrrt" klingend", und Bacraeister „der Gesang ist eine 
einfache, etwa 1 Vi Sekunde währende Strophe und klingt nach 
meinem Ohr ohne Hebung und Senkung wie „zirrirrirr". Ja, so 
habe auch ich empfunden. Ein selten eintöniges, unmelodisches 
Geräusch. Man darf wohl sagen : So hübsch der Vogel, so häfslich 
sein Gesang. 

Wenn ich nun trotz dieser guten Schilderungen nochmals 
auf diese Ammer komme, so geschieht es, die in den beiden Auf- 
sätzen bestehende Lücke auszufüllen, auch noch einiges über ihre 
Nistweise zu sagen. Meine Beobachtungen sind vom Frühjahr 
1916 aus dem Oisegebiet, der leider einzigen Zeit und Gelegenheit 
zu eingehenderer ornithologischer Betätigung während der nun 
3 V, Kriegsjahren. Ich fand 5 Nester, sowohl noch im Bau, als 
auch mit Eiern und Jungen, alle in Gärten und Parkanlagen. 

1. Am 25. Mai. Das Nest stand auf der Erde zwischen jungem 
Haselausschlag. 

2. Am 2. Juni. In einem Buchsbaumbusch, V2 Meter über Boden. 

3. Am 3. Juni. In einer dichten Lonizere, 1 Meter über Boden. 

4. Am 20. Juni. Wiederum im gleichen Buchsbaum vom 2. Juni, 
und zweifelsohne von demselben Brutpaar. Erste Brut war 
durch Elstern zerstört worden. 

5. Am 3. August. In der Gabel eines verschnittenen Obstbaumes, 
1,70 m über Boden. Wohl eine verspätete zweite Brut. 

Daraus erhellt, dafs der Standort der Nester sehr wechselnd 
ist Die Nester selbst waren aber alle ganz gleich, ähnlich dem 
Neste der Goldammer, jedoch ordentlicher, und dadurch äufserlich 
bedeutend kleiner. Sie sind aus Würzelchen und dürren runden 
Grasstengeln — nie sah ich flache Grashalme, wie bei der Gold- 
ammer — gebaut, und innen mit feinen dürren Pflanzenrispen 
und -Fasern und einigen weichen Federn ausgekleidet. Alle Bau- 
stoffe, auch die Federn, sind von gleicher braungrauer Farbe. An 
keinem Nest waren Moos oder Haare verwandt, wiewohl sich 
ersteres überall reichlich vorfand, cT und 9 wechseln sich im 
Brüten ab. Die Eier ähneln denen der Goldammer, sind aber 
merklich kleiner und feiner geädert, die Punkte dagegen verhältnis- 
mäfsig gröfser und dunkler, an den Rändern verlaufend. Die 
Nestjungen sind einfarbig graubraun, ohne jeden Anflug von gelb 
oder grün, und zeigen auch nach dem Flüggewerden noch diese 
dem 9 ähnliche Farbe. Die Mauser fiel bei meinen am 2. und 
3. Juni dem Nest entnommenen Jungen in die zweite Hälfte des 
August. Im Freien dementsprechend, je nach dem Alter der Vögel. 
So sah und schofs ich schon Anfangs August vermauserte Stücke, 
fand Mitte September aber auch noch unvermauserte. Die Ätzung 
der Jungen besteht hauptsächlich in Insekten, welche den Alten 



— 41 — 

beim Anflug zum Nest vielfach beiderseits des Schnabels heraus- 
standen. Die jung aufgezogenen Yögel (ein cT und ein 9) wurden 
sehr zahm, zeigten bei Eintritt der Zugzeit aber grofse Unruhe. 
Bei Wiederbeginn unserer Zugzeit sandte ich sie durch einen 
Urlauber nach Berlin an Herrn Dr. Heinroth. 

Die Misteldrossel (Turdus viscivorus) habe ich hier in den 
besetzten Gebieten Nordfrankreichs allenthaben gefunden. Sie ist, 
nach dem Gesang zu schliefsen, entschieden hier häufiger als die 
Singdrossel. Ihren kurzen fröhlichen Gesang, mich zugleich an 
den der Schwarzdrossel und den Kuf des Pirols erinnernd, hört 
man im Frühjahr überall. Sie bewohnt Wälder, Parkanlagen, wie 
auch kleine Obstgärten. Hier fand ich auch die Nester, doch erst 
sehr spät im Jahre, das erste am 25. Mai. Jedenfalls eine Folge 
der voriges Jahr lang anhaltenden Kälte. Sie standen 

1. auf einem Apfelbaum in einem kleinen Garten, 3 m über Boden, 

2. auf einem Apfelbaum in einer Parkanlage, 4 m über Boden, 

3. in der Gabel einer Traueresche eines Parkes, 2 1/2 ^ über 
Boden, 

4. auf einer starken Kiefer im Walde, 5 m über Boden, 

5. in einer Spalierbirne eines Gemüsegartens, 1 Vi ^ über Boden, 

6. auf einem starken Querast einer Ulme in grofser Parkanlage, 
1 V2 ^ über Boden. 

Hiervon waren 3 Nester ganz frisch mit Eiern und Jungen, 
3 schon verlassen und verregnet. Alle Nester waren anscheinend 
gleicher Bauart, doch konnte ich diese ganz klar nur an 2 
erkennen, indem auch von den 3 frischen Nestern eines vor der 
näheren Untersuchung durch irgend ein Raubzeug stark beschädigt 
war. Die 2 Nester bestanden äufserlich aus Wurzeln, feinen 
Pflanzenstengeln und Moos, und machten so den Eindruck eines 
grofsen Singdrosselnestes. Sie waren auch ganz nach Art dieses 
Nestes, innen mit Lehm und Holzmull glatt ausgeschmiert, und 
erst in diesem 1 1 V2 m Durchmesser habenden glatten Napfe befand 
sich die aus ganz feinen runden Grasrispen bestehende Aus- 
polsterung. Diese wäre aber in keiner Weise mit 
dem übrigen Neste verbunden, sondern bildete 
ein Vs cm starkes, gut verwirktes Nest für sich 
allein, welches sich unbeschadet aus dem Nestnapfe heraus- 
heben und wieder hineintun liefs. Diese Nester waren also genau 
die gröfsere Ausgabe des Singdrosselnestes und dieses Einsatzes. 
Weder an 2 einst in Deutschland, und 1 im Frühjahr 1915 in 
Rufsland gefundenen Nestern ist mir dergleichen aufgefallen, noch 
entsinne ich mich, in der Literatur — mir hier natürlich nicht 
zur Hand — von solcher Bauweise gelesen zu haben. Leider 
konnte ich dieses Jahr meine Beobachtungen nicht fortsetzen. 
Vielleicht findet sich aber im kommenden Frühjahr für mich und 
andere noch Gelegenheit obiges weiter nachzuprüfen. 



— 42 — 

Wie Toüzlehen die Spechte den Begattungsakt? 
Von Rieh. Schlegel. 

Über das Liebeswerben unserer Spechte durch eigenartige 
Balzbewegungen, Trommeln, abweichende Lautäufserungen sowie 
über Eifersuchtsszenen sind wir in recht eingehender Weise unter- 
richtet, hinsichtlich der Beantwortung oben gestellter Frage aber 
finden wir in der ornithologischen Literatur nur aufserordentlich 
selten eine Angabe verzeichnet. Nach dem Neuen Naumann be- 
richtet H. Hocke vom Schwarzspecht, dafs der Begattungsakt im 
verborgenen Kämmerlein vollzogen werde. Hocke scheint noch 
geneigt zu sein, dem bewufsten Handeln der Spechte Überlegung 
und Empfinden, in dem Falle vielleicht gar Schamgefühl beizumessen, 
was indes aufs bestimmteste zurückzuweisen wäre. Aber auch 
auf Grund räumlicher und technischer Bedenken erscheint mir 
diese Angabe wenig einleuchtend. Es ist ohne weiteres klar, dafs 
ein Begattungsakt der Spechte schon aus dem Grunde in einer 
Kletterstellung nicht ausgeführt werden kann — nach Hockes 
Angaben aber müfste er schon in dieser Stellung vollzogen werden — 
da ein intensives Festklammern des Männchens am weiblichen 
Körper vorausgesetzt werden müfste, was wohl völlig ausgeschlossen 
erscheint. Zudem ist ja ferner eine Beobachtung über Yorgänge 
in einem allseitig abgeschlossenen Hohlraum ein Ding der Un- 
möglichkeit. Da es Hocke, der ja gerade über das Fortpflanzungs- 
geschäft des Schwarzspechtes infolge seiner sammlerischen Tätigkeit 
recht gut unterrichtet war, vielleicht nie geglückt ist, den Be- 
gattungsakt zu beobachten, fühlte er sich zur erwähnten Annahme 
gedrängt und berechtigt. Obwohl auch mir in einer ziemlich 
langen Reise von Beobachtungsjahren nur 2 Fälle unterliefen, dafs 
ich Zeuge des Begattungsaktes der Spechte war, halte ich sie der 
Beobachtungseltenheit wegen doch für wert, der Vergessenheit 
entrückt zu werden. 

Ich hatte am 28. III. 1907, am sonnigen Nachmittage, im 
Königlichen Forstreviere der Harth bei Leipzig eine ziemliche An- 
zahl von Arctia anlica Raupen erbeutet, als meine Aufmerksamkeit 
auf einen Schwarzspecht gelenkt wurde, der am Rande des 
nahen Stangenholzes an einem Fichtenstamm emporrutschte. Ich 
näherte mich dem Vogel vorsichtig und konnte in der Nähe bald 
eines 2. Exemplares ansichtig werden. Beide Tiere waren ihrer 
sonstigen Gewohnheit gemäfs gar nicht besonders vorsichtig und 
liefsen sich auf ziemlich nahe Entfernung anpirschen. Nach ge- 
nügender Beobachtung ging ich an meinen Ausgangspunkt zurück, 
um auf einem dürren, gut durchwärmten "Waldgrasrasen die Reize 
des Alleinseins und den Frieden ungestörter Waldeinsamkeit auf 
mich einwirken zu lassen. Etwa 5 Minuten lang mochte ich mich 
so meinen stillen Betrachtungen hingegeben haben, als ein Exemplar 
der beobachteten Spechte wieder erschien und sich ca. 50 Schritte 
von mir entfernt auf einem etwa 5 cm dicken Ast einer mittelstarken 



~ 43 — 

Eiche der lichten Schonung niederliefs und zwar in Sitzstellung 
quer zum Aste, nicht in Kletterstellung. Mir fiel die Eigenart 
solches Verhaltens auf; ich nahm mein Glas zur Hand und wartete 
in gespannter Aufmerksamkeit der Dinge, die sich weiter abspielen 
sollten. Schneller, als ich gedacht, kam das Männchen herbei, 
vollzog bei unverändert gebliebener Stellung des Weibchens die 
Begattung, wobei das Weibchen die Flügel lässig herabhängen liefs. 
Hierauf flog zuerst das Männchen, dann das Weibchen dem Stangen- 
holze wieder zu. 

Ein 2. Beobachtungsfall betrifft den grofsen Buntspecht. 
Am 13. V. 1913 ging in im hintern Rosentale am Ufer der Luppe 
entlang und bemerkte am Stamme einer Büster in ca. 5 m Höhe 
über mir ein Männchen des grofsen Buntspechtes unbeweglich 
auf einer Stelle verharren. Ohne von mir irgend welche Notiz zu 
nehmen, flog der Vogel bald auf den belaubten dünneren Zweig 
einer Nachbarrüster, wohin sofort ein Weibchen nachgeflogen kam, 
das ich vorher nicht bemerkt hatte. Fast gleichzeitig erfolgte nun 
ein Flug beider auf einen stärkeren, wagerechten Ast einer da- 
nebenstehenden Rüster, auf den sich das Weibchen in der Längs- 
richtung des Astes drückte, worauf das Männchen die Begattung 
vollzog. Nachdem dies geschehen, flog das Männchen ab, führte 
am Nachbarstamm bei stark gesträubtem Kopfgefieder einige Klopf- 
bewegungen aus, die mir weniger einen bestimmten Zweck zu 
verraten schienen. Ein Beobachter, der den Vogel seelisch über 
den Wert einer Reflexmaschine zu erheben vermag, würde diese 
Tätigkeit vielleicht als Verlegenheitstaktik gedeutet haben. „Ganz 
aus der Nähe beobachtet und jede Bewegung deutlich gesehen", 
80 schliefst meine diesbezügliche Beobachtung. 



Rapide Besiedlung des Trauerfliegensclinäppers 
{Musoicapa atricaj^Ula) in Scliweden. 

YoQ Hiilmar Rendahl. 

Beim Ordnen der zu dem Naturhistorischen Reichsmuseum 
in Stockholm eingesandten üaten über den Vogelzug in Schweden 
(vgl. Orn. Monatsschr. 1916, p. 344) fiel es mir auf, dafs der Trauer- 
fliegenschnäpper (Muscicapa airicapilla) einen betreffs der Zeit- 
dauer recht eigenartigen Besiedlungstypus darbietet, im Vergleich 
mit anderen von mir untersuchten Arten. Obschon meine Unter- 
suchungen über die Besiedlung dieser Letzteren noch nicht 
publikationsfertig vorliegen, scheint mir das Verhältnis mit dem 
Trauerfliegenschnäpper interessant genug, um eine vorläufige Er- 
wähnung zu verdienen. 

Zuerst sei daran erinnert, dafs der Trauerfliegenschnäpper in 
Schweden ein häufiger Brutvogel ist, der sein Verbreitungsgebiet 
sogar nördlich über den Polarkreis hinaus erstreckt. In unseren 



- 44 — 

faunistischen Handbüchern wird von ihm angegeben, dafs er Ende 
April oder Anfang Mai nach unserem Lande von seinem Winter- 
quartier zurückkommt. 

Über die Ankunft dieses Vogels habe ich 78 Daten, nebst 
ein paar Angaben über das Eintreffen des Weibchens, zur Ver- 
fügung gehabt. Sie stammen vorzugsweise aus den Jahren 1901 — 
1917, die meisten sind aus 1912—16. Wie vorher gesagt, wurden 
sie gröfstenteils dem Beobachtungsmateriale des Nat.-Hist. Reichs- 
museums entnommen. Aufserdem habe ich einige Notizen aus 
der Zeitschrift „Fauna och Flora" benutzt, weiter stellte mir Herr 
Regimentspfarrer Dr. phil. E. M o s c h i n in Multrä seine viel- 
jährigen Beobachtungen zu freier Verfügung, wofür ich ihm hier 
meinen besten Dank ausspreche! 

Aus den Jahren 1912 — 16 liegen 57 Daten vor. Falls wir 
diese in üblicher Weise nach Pentaden verteilen, erhalten wir das 
folgende Schema: 
April Mai 

19—23 24—28 29—3 4—8 9—13 14—18 19—23 

1 5 10 27 9 4 1 

Hier ist zu bemerken, dafs die gewöhnliche Einteilung der 

Pentaden [Mai 1 — 5, 6 — 10, u. s. w.] nicht befolgt werden konnte, 

da solchenfalls die Kulmination an der Grenze zweier Pentaden 

hätte zu liegen kommen. 

Der mittlere Ankunftstag wurde aus den Beobachtungen (53) 
der Jahren 1913 — 16 festgestellt, wie folgt: 
1013. Mittlerer Tag 8,4 Mäi. Zeit zwischen erste und letzte Beobachtung 20 Tage. 

1914. - - 3,4 20 - 

1015. - - 5,8 13 - 

1916. - - 4,5 11 - 

1913-16. - - 5,4 27 - 

Die Variation von dem mittleren Tage jedes Jahres im Ver- 
gleich mit dem vierjährigen Mittel beträgt im Mittel 1,6 — absolut 
5,2 Tage. 

Worin liegt nun das für die Ankunft der Trauerfliegen- 
schnäppers Charakteristische? Um diese Sache zu beleuchten, will 
ich zum Vergleich einige ähnliche Berechnungen betreffs eines 
anderen ungefähr gleichzeitig erscheinenden Vogels anführen. 

Der mittlere Ankunftstag des Gartenrotschwanzes (Fhoeni- 
curus phoenicurus) in Schweden ist laut meinen Berechnungen 
aus zehn Jahren der 10. Mai. Die jährliche Schwankung beträgt 
im Mittel 2,3 und absolut 9 Tage. 

In dieser Hinsicht sind also keine besonderen Verschieden- 
heiten zu entdecken, wir können vielmehr sagen, dafs die Ver- 
schiebung des jährlichen Ankunftverlaufes, insofern es nur auf 
Verschiedenheit in den Witterungs Verhältnissen oder anderen Um- 
ständen, die hier nicht näher erörtert werden brauchen, beruht, 
sich in den beiden Arten ungefähr gleich verhält. 



— 15 — 

Anders aber gestaltet sich die Sache falls wir die Intensität 
der Kulmination berücksichtigen. 

Beim Gartenrotschwanz fallen innerhalb der Kulminations- 
pentade 24,4 Prozent aller Daten, innerhalb der Kulminationspentade 
nebst den beiden nächstliegenden 63,9 Prozent sämtlicher Daten. 

Beim Trauerfliegenschnäpper liegen die Verhältnisse derart, 
dafs in der Kulminationspentade 47,3 Prozent aller Daten fallen 
und In den drei vorhergenannten Pentaden 80,7 Prozent. 

Das früheste notierte Ankunftsdatum des Gartenrotschwanzes 
war in den zehn Jahren 1903—12 der 25. März, das späteste der 
28. Mai. 

In diesen Ziffern finden wir das Charakteristische für die 
Besiedlungsart des Trauer fliegen Schnäppers. Sie ist im Vergleich 
mit derjenigen des ungefähr gleichzeitig erscheinenden Gartenrot- 
schwanzes als eine ungemein rapide zu bezeichnen, und die In- 
tensität der Kulmination übertrifft sogar alle von mir bei anderen 
schwedischen Zugvögeln gefundenen Werte. Zum Vergleich will 
ich in diesem Zusammenhang nur einige Beispiele der Frühlings- 
ankömmlinge anführen. Die Zahlen in Klammer geben den 
mittleren Ankunftstag an. 

Cuculus canorus (13. V.) resp. 34,9 und 72,2 7o- C'**«^ c*"«^ 
(20. V.) 29 und 61,5 V,,. Cypselus apus (23. V.) 32,7—73,8. 

Wenn wir bedenken, dafs, wie früher von Ungarn bekannt 
war und wie ich es jüngst (Fauna och Flora 1917, pag. 97) betreffs 
Schweden dargetan habe, die Intensität der Ankunft in der Kulmi- 
nationspentade immer bei den spätest ankommenden Arten die 
gröfsten Werte erreicht, ist diese intensive Rapidität bei der Be- 
siedlung des Trauerfliegenschnäppers, die nicht nur diejenige des 
gleichzeitig ankommenden Gartenrotschwanzes, sondern sogar der 
später eintreffenden Arten bedeutend übertrifft, sehr bemerkenswert. 

Wo ist der Grund dieser Erscheinung zu suchen ? Auf diese 
Frage zur Zeit eine Antwort zu geben, scheint mir unmöglich zu 
sein, da sie von manchen Faktoren abhängig sein kann. Dafs die 
Rapidität der spätankommenden Arten überhaupt wohl erster Hand 
von den im späteren Frühling mehr ausgeglichenen Witterungs- 
schwankungen abhängig ist, ist ja sehr plausibel ; die verschiedene 
Besiedlungsschnelligkeit dieser Arten aber kann auf einer Menge 
für diese eigentümlicher Verhältnisse beruhen, die erst ein genaueres 
Studium zu entdecken vermag. 

Zuletzt noch ein paar weitere Ziffern. Vierundsiebzig Ankunfts- 
daten aus verschiedenen Jahren zeigten im Vergleich mit dem 
Mittel 5. V. nur eine mittlere Variation von 5 und eine absolute 
von 27 Tagen. 

Von der Insel G o 1 1 1 a n d liegt eine einzige Beobachtung 
vor, Bjärges 1913: cf 27. IV., 9 28. IV. Also ein recht früh- 
zeitiges Erscheinen. 



— 46 — 

Aus den beiden längsten örtlichen Serien erhielt ich: 

M ultra (Angermanland): mittlerer Tag 12. Y. Schwankung: 

Mittel 3,8, absolut 16 Tage (12 Jahre). 
Kärrboda (Gemeinde Bergshammar, Södermanland) : mittlerer 

Tag 7. V. Schwankung: Mittel 6,6, absolut 21 Tage (7 Jahre). 

Dafs die Männchen etwas früher als die Weibchen erscheinen, 
ist eine bekannte Tatsache. Einige der Beobachter haben dies 
Verhältnis berücksichtigt, und daraus ergibt sich, dafs in sieben 
notierten Fällen die Weibchen in Mittel 5 (Extreme 9—1) Tage 
später als die Männchen eintrafen. 



Nachtrag : 

über die Verbreitung des Girlitzes In Ostfranlireicli. 

Von Ladwlg Sehaster. 

Zu meinen Ausführungen über dieses Thema in No. 12 der 
Ornithol. Monatsber. 1917, S. 173 f. trage ich noch folgendes nach: 
Ich habe inzwischen den Girlitz im Herbst 1917 noch im Maastal 
bei dem Ort Harraumont (ca. 20 km nördlich Verdun) beobachtet, 
und zwar am 20. X. 1917 2 Stücke, die ich mit einem Schufs er- 
legte, am 21. X. daselbst noch 1 Stück und ebenso am 14. XI. 
wiederum 1 Stück (wohl das schon am 21. X. beobachtete), das 
ich ebenfalls erlegte. Herr Geheimrat Reichenow, dem ich die 
erlegten Stücke sandte, hält die Vögel auf Grund vorläufiger 
Untersuchung für durchaus übereinstimmend mit der typischen 
Form, nicht mit der Form germanicus. Da ich im Sommer 1915 
gerade in der Gegend Harraumont- Vilosnes beobachtete und niemals 
den Girlitz feststellen konnte, so halte ich die im Herbst 1917 
erlegten Exemplare für Durchzügler. 

Weiterhin stellt mir Herr Werner Sunkel seine Beobachtungen 
über den Girlitz in Ostfrankreich freundlichst zur Verfügung. 
Herr Sunkel beobachtete am 22. V. 1917 einen Girlitz in Pont 
Favergez und am 8. VI. ein singendes cT auf der Reinhöhe bei 
Moronvilliers. Beide Beobachtungsorte liegen ungefähr eine Stunde 
entfernt von meinem Beobachtungsort am Plateau von Moronvilliers 
in der Westchampagne (siehe Ornithol. Monatsb. 1917, S. 174). 
Da Böker den Girlitz auch in Beine bei Reims beobachtet hat, so 
darf man unseren Vogel wohl als sicheren, wenn auch spärlichen 
Brutvogel der Westchampagne ansehen. 



— 47 — 

Aufzeichnungen. 

1. Zum Tannenhäherzug: Am 7. X. 1917 traf ich in Tütz in 
Westpreufsen am Rande des städtischen Kiefernwaldes ein einzelnes 
dünnschnäbliges Stück, das sich auf dem am Walde entlang führenden 
Wege zu schaffen machte. Der Vogel liefs mich bis auf 4 — 5 Schritte 
heran, flog dann auf den alten Zacken einer Kiefer und liefs sich 
von hier, kaum 1 Va ni über mir sitzend, durch mein wiederholtes 
Anschlagen an den Stamm nicht verscheuchen, sondern sah nur 
manchmal verwundert oder neugierig auf den Störenfried herab. 

2. Die Posener Brutdohlen und auch die hier den Winter 
hindurch verweilenden Schwärme gehören zweifellos zur west- 
europäischen Form {Lycos monedula spermologus Vieill.). Ein 
weifser Halsfleck ist bei ihnen entweder überhaupt nicht sichtbar, 
oder nur leise angedeutet. Nun sah ich aber am 5. XI. 1917 um 
7j 12 a. auf unserm Schulhofe unter zahlreichen Nebelkrähen und 
einigen Dohlen der hier vertretenen Form mehrere Stücke mit 
einem recht sehr in die Augen fallenden weifsen Fleck am Flügelbug. 
Es dürfte nicht daran zu zweifeln sein, dafs diese Vögel, zur 
östlichen Form Lycos monedula coUaris Drum, gehörig, als Winter- 
gäste aus dem Osten hier auf dem Durchzuge verweilten. In der 
Folgezeit habe ich diese östliche Form weder auf dem Schulhofe 
noch unter den Schwärmen in der Nähe der Stadt sich herum- 
treibender Dohlen wahrgenommen. 

3. Während ich bisher die Holztaube in unserm Eichwalde 
nicht bemerkt hatte, hörte ich am 30. VI. 1917 (und auch schon 
vorher!) daselbst Paarungsrufe dieser Art. 

4. Am 4. VII. 1917 sang im Eichwalde um 6 Uhr p. ein 
Weidenlaubvogel immer wieder zidit zidlt zill zill zidit ziil u. s. w., 
manchmal das zidit viermal wiederholend. 

5. Am 29. VII. 1917 hörte ich in der Nähe der Ziegelei un- 
fern der dem Kriege zum Opfer gefallenen Wolfsmühle mehrmals 
die Strophe des Ortolans. Seine Artgenossen waren schon lange 
verstummt. Wenn auch unter den andern Ammerarten einzelne 
cT sich gar nicht selten noch im August hören lassen, so war mir 
doch beim Ortolan eine so späte gesangliche Betätigung bisher 
nicht vorgekommen. Prof. J. HammllDg, Posen. 

Früher Nestbau. Heute am 25. Januar beobachtete 
ich hier bei Müddersheim (Rheinland) ein Paar Schwanzmeisen — 
es baut nur ein Vogel — beim Nestbau. Die ungemein milde 
Witterung der letzten Tage ist die Ursache dieser aufserordentlich 
frühzeitigen Auslösung des Fortpflanzungstriebes. Das Nest, oder 
vielmehr der erst sehr spärliche Anfang eines solchen befindet sich 
in den kleinen herabhängenden Zweigen eines der Hauptäste einer 
älteren Fichte. Übrigens fand ich in dem gleichen Baume schon 
seit vielen Jahren sehr oft fast an der gleichen Stelle ein Schwanz- 
meisennest. H. Frhr. Gejr T. Sohweppeabars. 



— 48 — 

Schriftenschau. 

Um eine möglichst schnelle Berichterstathing in den „Ornithologischen 
Monatsberichten" zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger 
gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- 
teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- 
schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbstständig erscheinenden Arbeiten 
ist Preisangabe erwünscht. Reichen ow. 

H. Noll-Tobler, Beobachtungen an unseren einheimischen 
Rallen: Jahrb. St. Gallischen Naturwissenscb. Ges. 54. Bd., 1917, S. 
209 — 245. — Sehr eingehende und lehrreiche Beobachtungen über die 
Lebensweise der Rallen in Freiheit und Gefangenschaft, besonders über 
Nistweise, Aufzucht und Pflege, die viele neue Tatsachen enthalten. Eine 
gröfsere Anzahl von Autotypien nach Photographien erläutert anschaulich 
Neststand und Beschaffenheit des Nestes der verschiedenen Arten. 

C. Hennicke, Schwindende Vogelarten in Deutschland : N"atar- 
denkmäler Bd. 2, Heft 14/15, 1917. — Bespricht gruppenweise diejenigen 
einbeimischen Vogelarten, die durch die Kultur oder durch unmittelbare 
Nachstellung in ihrem Bestände bedroht oder schon zum Teil ausgerottet 
sind, wobei Schilderungen der Lebensweise eingefiocbten sind. 

H. Lüttschwager, Einiges vom Buchfinken : D. Ges. f. Kunst 
und Wissensch. in Posen, Zeitschrift der Naturw. Abteilung, 24. Jahrg., 
2. Heft, 1917. — Beobachtung über den Gesang. 

E. W e r t h , Kurzer Überblick über die Gesamtfrage der Ornitho- 
philie: Botan. Jahrbücher 58. Bd., Heft 3— 5, Beiblatt No. 116, Leipzig 
1915. — Behandelt die Blüten der Pflanzen, bei denen Vögel als Blüten- 
bestäuber in Betracht kommen, gibt zunächst Beispiele ornitbophiler 
Blumenformen, sodann eine Liste von 159 ornithopbilen Pflanzenarten, 
worauf die Ausrüstung und das Benehmen der blumenbesuchenden VOgel 
besprochen wird. Phylogenetische Hinweise beschliefsen die Arbeit. 

H. Stadler, Die Rufe und Gesänge des Berglaubsängers {Phyl- 
loscopus bonelli): Tierwelt, Jahrg. 1917. — Rufe und Gesänge in Silben 
ausgedrückt und in Noten übertragen. 

F. P a X , Der Kulturzustand Polens in seiner Bedeutung für die 
Tierwelt: Die Naturwissenschaften 1917, Heft 37. — Die starke Ent- 
waldung des Landes bat hauptsächlich zu Veränderungen in der Tierwelt 
beigetragen, nächstdem ist die Trockenlegung von Sümpfen und Mooren 
von Einflufs gewesen. Verf. bespricht die Veränderungen an zahlreichen 
Beispielen auch aus der Vogelwelt. 

G. D a u t u. A. H e f s , Bericht über die Tätigkeit der schweizerischen 
Zentralstation für Eingversuche in Bern in den Jahren 1914 — 1916: 
Der Ornithol. Beobachter Mai 1917. — 813 Vögel in 40 Arten sind 
beringt worden. Der Bericht bespricht eine Anzahl der erzielten Ergebnisse. 

H. V i r c h w , Über die Halswirbelsäule von Plotus anhinga : 
Sitzb. Ges. naturf. Freunde Berlin 1917, No. 7. — Eingehende Beschrei- 
bung der eigentümlich geformten Halswirbel des Schlangenhaisvogels und 
der Halsmuskulatur. 



— 4Ö — 

J. Strohl, Conrad Gefsner's „Waldrapp": Vierteljahrsschrift der 
Naturforsch. Gesellsch. Zürich 62. Jahrg., 1917, S. 501—538. — Neue 
Nachweise aus dem alten Schrifttum über früheres Vorkommen des 
Geronticus eremita in der Schweiz, die einen ungemein wertvollen Bei- 
trag zu der noch immer nicht völlig gelösten Frage liefern. Das Ergebnis 
des Verfassers gipfelt in dem Satz: „Auf das frühere Vorkommen eines 
Ibis in den Alpen darf wohl nach dem Vorausgegangenen mit gröfster 
Wahrscheinlichkeit geschlossen und angenommen werden, dafs die alten 
Beschreibungen des „Waldrapp" zum guten Teil damit in Beziehung 
stehen. Daran schliefst Verf. eine Reihe von Richtlinien, nach denen 
weitere Aufklärung zu suchen sein wird. 

E. Greschik, Geschmacksknospen auf der Zunge des Amazonen- 
papageis: Anatom, Anzeiger 50. Bd., 1917, No. 11, S. 257—270. — 
Verf. fand die Geschmacksknospen im hinteren Teil des Zungenrückens, 
dort, wo die beiden Zungenflügel sich abzuzweigen beginnen, und gibt 
durch Abbildungen erläuterte genaue Beschreibung. Die topographische 
Lage der Knospen erinnert an das Verhalten in den Wallpapillen der 
Säugetiere ; sie zeigen eine höhere Stufe der Entwicklung und sind als 
Trägerinnen eines höheren Geschmacksinnes zu bezeichnen. 

H. Rendahl, Flyttfägelsobservationer vid svenska fyrar: Fauna 
och Flora 1917, S. 97 — 115. — Beobachtungen über den Vogelzug an 
den schwedischen Leuchttürmen betreffend Sturnus vulgaris, Alauda 
arvensis und Phoenicurus phoenicurus. R c h w. 

B. Hoffmann, Der harte Winter 1916/17 und unsere Vogel- 
welt; Ornith. Monatsschr. 1917, 254 — 257. — Beobachtungen aus der 
Umgebung von Dresden. Verf. glaubt seine Wahrnehmungen nach zwei 
Richtungen zusammenfassen zu können: einmal haben die grofse Kälte 
und die überreichen Schneemassen auf die Individuenzahl der hier ge- 
bliebenen Arten herabmindernd eingewirkt; und zweitens bat die lange 
Dauer des Winters den Zeitpunkt der Rückkehr unserer Wandervögel 
mehr oder weniger hinausgeschoben. 

Victor Ritter von Tschusi zu S c h m i d h o f f e n, 
Anknnfts- und Abzugsdaten bei Hallein (1916); Ornith. Monatsschr. 1917, 
257—268. 

M. Brinkmann, Das zweimalige Brüten der Waldschnepfe ; 
Ornith. Monatsschr. 1917, 263—265, Taf. 8. 

G. Wolff, Am Nest; Ornith. Monatsschr. 1917, 265-268, 
Taf. 9 und 10. — Biologische Beobachtungen am Neste von Fhylloscopus 
collyhita und Muscicapa grisola. 

H. W. 1 1 e n s , Allerlei vom Kuckuck; Ornith. Monatsschr. 1917, 
269—273. 

B. Hoffmann, [Nachruf für Hugo MayhoffJ ; Ornith. Monats- 
schr. 1917, 276. 

H. W. 1 1 e n s , [Über Häufigerwenden der Wachtel bei Hannover]; 
Ornith. Monatsschr. 1917, 276—278. 



— 50 — 

Hans Freiherr Geyr von Schweppenburg, Ins Land 
der Tuareg; Journ. f. Ornith. 1917, 241—312, Tafel 1 (Karte). — 
Verf. schickt der Bearbeitung der von ihm gesammelten Vögel eine 
„Allgemeine ßeisebeschreibung" voraus, die a. a. 0. veröffentlicht wird. 
Diese Keisebeschreibung gibt nicht nur in dürren Worten das Itinerar 
des Beisenden, sondern sie bringt auch eine Fülle allgemeiner Beobach- 
tungen, die auf der Route von Alger bis nach Temassinin und von dort 
bis zum Wendekreis, in das Ahaggar Hochland, gewonnen und später in 
der Heimat durch eingehendste und sorgfältigste Studien der reichen vor- 
handenen deutschen und französischen Literatur vertieft wurden. Der 
Beisende kontrollierte seine eigenen Wahrnehmungen mit denen seiner 
Vorgänger, mit den VeröfTentlichungen des grofsen französischen Forschers 
Duveyrier, mit denen von Foureau, Joly und Chudeau. So wächst seine 
Darstellung weit über den Babmen einer engen, einleitenden Beiseschil- 
deruDg hinaus und gewinnt dadurch an Wert und allgemeiner Bedeutung. 
Da die Beise Baron Gejr's in die innere Sahara hauptsächlich zum Zweck 
ornithologiscber Forschungen, über die später berichtet werden wird, 
unternommen wurde, so erübrigt es sich, darauf hinzuweisen, dafs auch 
die vorliegende Einführung bereits eine Menge allgemeiner und wichtiger 
ornithologiscber Hinweise enthält. 

Im November 1913 verliefs Baron Geyr in Begleitung von Paul 
Spatz Deutschland. Die Beise galt der ornitbologiscben Erforschung des 
bisher in dieser Hinsicht unbekannten Berglandes der Tuareg. In dem 
Oasenstädtchen von Biskra wurden die wichtigsten Vorbereitungen für die 
Expedition getroffen. Über Tuggurt, Ouargla erreichten die Beisenden 
am 20. Januar 1914 Temassinin, von welchem Orte die Beise alsdann 
südwärts bis Ideles, wo man am 24. März 1914 eintraf, fortgesetzt wurde. 
Zweifellos, bemerkt Baron Geyr, liegt das von ihm bereiste Tuaregberg- 
land seiner ganzen Ausdehnung nach in jenen mittleren Teilen der Sahara, 
welche den regenärmsten Gebieten der Erde zuzurechnen sind. Fast 
gänzlich regenlose Perioden von sechs bis zehn, ja von zwölf Jahren 
scheinen stellenweise nicht selten zu sein. Am 25. Februar 1914 wurde 
die Quelle Tahart erreicht und von dort die Beise in etwas östlicher 
Abschwenkung bis Ahaggar-n-nderen fortgesetzt. Dann verlief die Beute 
in südlicher Bichtung bis Ideles, unter 23<> 49 n. Br. u. 3<* 32 östl. L. 
und in einer Höhe von 1410 m gelegen; der südlichste Punkt, den die 
Beisenden erreichten. Am 31. März wurde die Bückreise angetreten. Der 
Weg wurde östlich von dem auf der Hinreise gewanderten eingeschlagen. 
Etwas südlich von Ahaggar-n-nderen wurde die alte Beute gekreuzt und 
dann stark westlich abbiegend der Weg nach Tahart eingeschlagen. Von 
dort ging es bis Tounourt, wo in früheren Jahren noch Straufse, die jetzt 
im Gebiet der Tuaregberge gänzlich ausgerottet sind, gelebt haben dürften. 
Ostwärts führte der Weg bis Tanout Meliert und von dort in direkt 
nördlicher Bichtung nach Temassinin, wo die Beisenden bis Mitte Mai 
verweilten. Am 13. Juni trafen sie wieder in Tuggurt ein. — 

Ein Hinweis auf die vielen, in den Anmerkungen aufgeführten 
Literaturnachweise, die verschiedensten Materien betrefifend, zeugt von 
der wissenschaftlichen Sorgfalt, welche Baron Geyr der vorliegenden 



— 51 — 

Reisebescbreibung gewidmet hat. Mögen andere Forscher diesem Beispiel 
folgen. Die zahlreich eingestreuten ornitbologischen Mitteilungen erwecken 
das lebhafteste Interesse für die zu erwartende Bearbeitung der eigent- 
lichen ornitbologischen Ergebnisse der Reise. 

K 1 1 i b a y , P., Bemerkungen über einige turkestanische Vögel ; 
Journ. f. Ornith. 1916, 582—604, 1917, 444—458. — Verf. gibt eine 
Reihe von Mitteilungen über eine Anzahl von Vögeln aus einer gröfseren 
Sammlung, welche teils in der näheren Umgebung von Taschkent, teils 
in einem der westlichsten Ausläufer des Tian-schan zusammen gebracht 
worden war. An Hand der zum Teil sehr reichen Reihen einzelner Arten 
und Formen werden kritische Mitteilungen über die Verbreitung, Ober die 
Nomenklatur wie über die Beziehungen zu verwandten Arten, vornehmlich 
auch im Hinblick auf die Veröffentlichungen von Schalow und Laubmann, 
gegeben. Die Arbeit bebandelt im ganzen 68 Arten und Formen, darunter 
einige, wie Carduelis caniceps paropanisi, Acanfhis cannabina 
fringillirostris, Emheriea luteola und stewarti, Farus bokharensis 
bohharensis, Lantus cristatus isabellinus und Cinclus cindus leuco- 
gaster recht eingehend. 

H. 6 r a n V i k , Die Variationsfäbigkeit beim Nestbau der Dohle 
(Colaeus monedula), Ornith. Monatsschrift 1917, 281—287, Taf. 11 
und Teztbild. — Behandelt das Brüten in Kolonien, beschreibt einen 
Nistplatz unter der Erde unter den Wurzeln einer Ulme, ferner ein Erdnest 
in einem Strauch und schliefslich eigene Freibauten der Dohle, 

K a y 8 e r , [Über Beerennahrung der Vögel] ; Ornith. Monatsscbr. 
1917, 287—289. 

H. W. 1 1 e n 8 , [Über das Vorkommen von Milvus regalis bei 
Hannover sonst und jetzt]; Ornith. Monatsscbr. 1917, 288 — 289. 

W. Israel, [Die Zaunkönige im Garten] ; Ornith. Monatsscbr. 

1917, 291. — Schildert den Fang der in klebrigen Gespinsten lebenden 
Raupen von Hyponomeuta evonymellus. 

J. Thienemann, XVI. Jahresbericht (1916) der Vogelwarte 
Rossitten der Deutschen Ornitbologischen Gesellschaft; Journ. f. Ornith. 
1917, 818—367. — Mehr und mehr entwickeln sich die von Thienemann 
seit 16 Jahren herausgegebenen Berichte der Rossittener Vogelwarte zu 
einem wichtigen Repertorium aller den Zug, die Wanderungen und den 
Flug der Vögel behandelnden Fragen. Eine zusammenfassende Darstellung 
der in dieser Richtung im Laufe der Jahre gewonnenen Ergebnisse wird 
für die Beurteilung der aufserordentlichen Bedeutung der Beringung ein 
sicheres und unanfechtbares Urteil bringen. Der vorliegende Bericht für 
das Jahr 1916 gibt nach kurzer Darstellung der Verwaltung der Vogel- 
warte zunächst Mitteilungen über den Vogelberingungsversuch für den 
genannten Zeitraum. Insgesamt wurden für 1916 4980 Ringe ausgegeben. 
127 Vögel von 42 Arten wurden zurückgeliefert. Die einzelnen Individuen 
der zurückgelangten Vögel finden eine eingebende Darstellung. Ein Storch, 
der in die weitere Umgebung seines heimatlichen Nestes zurückgekehrt 
ist, bat den Ring 8 Jahro getragen. Thienemann knüpft an die Erlegung 



— 52 — 

dieses Vogels eine Bemerkung, die Ref. hierher setzen möchte. Er sagt: 
„Ich kann mir nicht helfen, wenn ich ein solches Stückchen unscheinbares 
Metall wieder in die Hände bekomme, das, von meinem Schreibtische 
ausgegangen, jahrelang von einem Vogel mit herumgetragen ist, das 
achtmal die Sonne Afrikas geschaut hat, das in Nilwasser getaucht, in 
der Kalihariwüste getrocknet ist, — dann fühle ich jedesmal wieder etwas 
von der Poesie, die dem Beringungsversuche anhaftet und die das Interesse 
für dieses Experiment in weiten Schichten der Bevölkerung auch nach 
dem Kriege nicht wird einschlafen lassen." 

Lachmöwen haben die Ringe u. a. 4 7,, 4 und 2 Vi Jahre getragen, 
Silbermöwen 7 und 6 Jahre, Sterna macrura 4 Jahre. Viele der er- 
legten Individuen lassen auf ein Zurückkehren an die alte Brutstelle 
schliefsen. Wertvolle biologische Beobachtungen finden sich bei vielen 
Arten. Einige interessante Mitteilungen über eine kurze Studienreise 
Thienemanns nach Kurland schliefsen den diesjährigen Bericht. 

J. W. Stolz, Ornithologische Ausbeute aus Polen im Sommer 
1916; Journ. f. Ornith. 1917, 368—889. — Stolz, ein viel versprechender 
junger Ornithologe, ist am 26. September einer schweren Verwundung, 
die er in den Kämpfen im Osten davon getragen, erlegen. Die vorliegende 
Arbeit, eine der letzten seiner Veröffentlichungen, berichtet über seine 
Tätigkeit als Assistent von Prof. Pax in der Landeskundl. Kommission 
beim Generalgouvernement Warschau. Sie bringt Mitteilungen und Beob- 
achtungen über 85 Arten und Formen, welche die Untersuchungen von 
Domaniewski, Reichenow und Graf Zedlitz bestätigen und nicht unwesentlich 
ergänzen. Die von Stolz gesammelten 70 Arten gelangten in den Besitz 
des Kgl. Zoologischen Museums in Breslau. JJrinator arcticus scheint 
im Gebiet zu brüten. Der von Stolz Ende Mai gesammelte Bussard wird 
als Buteo buteo angesprochen. Lantus excubitor bezw. rapax wurde 
nicht beobachtet. Eingehendere Notizen über Sitta-Formen. Alle 
polnischen '£hylloscopus collyhita scheinen zur Form abietina Nilss. 
zu gehören. Die Arbeit berührt viele Fragen östlichen Vorkommens, gibt 
Verbreitungs-Notizen und vereinzelte biologische Beobachtungen. 

A. Reichenow, [Afrika und unsere Zugvögel] ; Journ. f. Ornith. 
1917, 889—390. 

A. Reichenow, [Neue Arten] ; Journ. f. Ornith. 1917, 391—892. — 
Es werden beschrieben: Turdus pondoensis (Pondoland), Dryonastes 
tsinlingensis (Tsinlin- Gebirge, Ost-China), Bradypterus usamharae 
(Usambara), Calamocichla palustris (Massailand), Cinnicerthia para- 
mosa (Anden von Ekuador), Turdinus tanganjicae (Tanganjika), 
Floceus quilimanensis (Süd-Mossambik), Ploceus epipoUus (Kilwa, D. 
Ostafrika) und Fl. pondoensis (Pondoland). 

0. Neumann, Über die Avifauna des unteren Senegal-Gebietes; 
Festschr. f. Ant. Reichenow, J. f. 0. 1918, II, 189—214. — Der Verf. hatte 
die Absicht, selbst ornithologische Forschungen im Senegal-Gebiet vorzu- 
nehmen, die durch den Krieg nicht zur Ausführung gelangen konnten. 
Die Vorarbeiten für die geplante Reise wie die Bearbeitung der von 
Riggenbach für das Museum in Tring im Senegal gesammelten Vögel gaben 



-^ 53 — 

Keumann die Anregung zu der oben genannten Veröffentlichung. Verf. 
weist darauf bin, wie ungemein gering unsere Kenntnis der dortigen 
Yogelwelt seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts geblieben ist, aus 
der wir die ersten Mitteilungen über das Senegalgebiet durch Adanson 
erhielten. Nach einer kurzen Skizze der ornitbologischen Erforschung des 
Landes bespricht Neumann unsere Kenntnis der Senegal-Ornis und deren 
Charakter im Hinblick auf Formen-Zusammensetzung und Beziehungen zu 
anderen äthiopischen Gebieten. Eine kritische Liste bringt eine Übersicht 
der mit Sicherheit nachgewiesenen Arten und Formen, 293 an der Zahl, 
mit Angabe der betreffenden Sammler. Dieser Liste, die uns zum ersten 
Mal in der Literatur ein ungemein sorgfältiges Verzeichnis der Senegal- 
vOgel gibt, schliefst der Verf. eine Übersicht derjenigen 87 Arten und 
Formen an, deren Vorkommen am unteren Senegal er als fraglich betrachten 
mochte. Es folgen dann noch in der Arbeit Listen derjenigen VOgel, welche 
irrtQmlicb für den Senegal verzeichnet worden sind, ferner von un- 
bestimmbaren, angeblich vom Senegal stammenden Arten und schlielslich 
derjenigen Spezies, welche Verreaux angeblich von Galam am oberen 
Senegal erhielt. 

H. S c b a 1 w , Einige Bemerkungen zur Vogelfauna von Nowaja 
Semlja; Festschr. f. Ant. Reichenow, J. f. 0. 1917, II, 215—222. — 
Nach zoogeographischen Bemerkungen über die vorgenannte arktische Insel 
und unter Hinweis auf die neueren Arbeiten von Scbaanning und Molt- 
Bchanow gibt der Verf. eine revidierte Liste seiner 1904 veröffentlichten 
Übersicht der Vögel Nowaja Semlja's. 

G. S c h i e b e 1 , Schneeammern {Passerina nivalis) und Zwerg- 
trappe (Otis tetrax) im Krain 1914/1916; Festschr. f. Ant. Reichenow, 
J. f. 0. 1917, II, 121—225. 

H. Stadler und C. Schmitt, Fragen und Aufgaben der Vogel- 
sprachkunde; Festschr. f. Ant. Reichenow, J. f. 0. 1917, II, 236—286. — 
Die beiden Verf. beabsichtigen in einer Reihe von Einzeldarstellungen 
allgemeine Fragen der Stimmenkunde der VOgel zu behandeln. In der 
vorliegenden Arbeit werden die Lieder der Vogelweibchen und das Rätsel 
des Spottens untersucht. In einer anschlielsenden Veröffentlichung ge- 
denken die beiden Verf. die ebenso wichtige wie schwierige Frage zu ent- 
scheiden zu versuchen, ob die Nachahmungen der VOgel als ein Ausdruck 
ihres Fühlens, ihrer Vorstellung und ihres WoUens anzusehen sind. 

J. Thienemann, Treffen die Zugvogel Vorbereitungen zu ihren 
Reisen?; Festschr. f. Ant. Reichenow, J. f. 0. 1917, II, 237—260. — 
Die Aufgabe, welche sich Thienemann für die vorstehende Veröffentlichung 
gestellt hat, ist die Frage zu beantworten, ob die VOgel mit vollem Magen 
oder Kröpfe, um die nOtige Kraft für die zu leistende Arbeit zu gewinnen, 
ziehen oder mit leerem Magen, um sich nicht zu belasten. Eine grofse 
Anzahl verschiedener Arten hat er darauf bin untersucht. Er gelangt 
zu dem Ergebnis, dafs bei den Zugvögeln das Bestreben vorherrscht, 
Kropf und Magen nicht zu überladen, und dafs der Zugtrieb im allgemeinen 
den Hungertrieb beherrscht. „Dem ziehenden Vogel ist das Vorwärtskommen 



— 54 — 

die Hauptsache. Alles andere, Nabningsaufnahme, Körperpflege tritt in 
den Hintergrund." 

F. Tischler, Die Kleider des Fichtenkreuzschnabels (Loxia 
curvirostra); Festschr. f. Ant. Keichenow, J. f. 0. 1917, II, 261—268. 

VictorRitter vonTschusi zuSchmidhoffen, Über 
das einstige Vorkommen des Bartgeiers {Gypaetus barbatus L.) im 
österreichischen Alpengebiete; Festschr. f. Ant. Reichenow, J. f. 0. 1917, 
II, 269 — 277. — Mitteilungen aus Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, 
Kärnten, Krain, Tirol und Vorarlberg. Das letzte Beobachtungsjahr war 
1906 (Kärnten), die letzten Horste wurden für das Jahr 1883 (Kärnten 
und Vorarlberg) nachgewiesen. 6 Exemplare befinden sich in lokalen 
Sammlungen. 

0. Graf von Zedlitz und Trützschler, Liste der im 
Gebiet der Schara beobachteten Vögel; Festschr. f. Ant. Reichenow, J. 
f. 0. 1917, II, 278—308, mit einer Kartenskizze. — Ein wertvoller' 
Beitrag zu unserer Kenntnis der Vögel West -Rufslands. Der Verf. gibt 
seine Beobachtungen über 156 Arten und Formen. Dieselben beziehen 
sich Yornehmlich auf Zug und Erscheinen der einzelnen Arten und auf 
biologische Mitteilungen. Vielfach sind kritische Bemerkungen zu den 
Arbeiten von Reichenow, Gengier u. a. angefügt. Nach des Verf. Ansicht 
treffen in dem von ihm in der vorliegenden Arbeit behandelten Gebiet 
zwei Faunen, die baltische und die pantische zusammen, v. Lucanus und 
Graf Zedlitz trennen die dortige Brutform der Misteldrossel von dem 
deutschen Vogel als Turdus viscivorus jubüaeus ab. Der erste der 
beiden genannten Autoren gibt eine Übersicht der verwandten subspezifiscben 
Formen. 

Magdalene Heinroth, [Erfahrungen über Biologie und 
Technik bei Aufzucht junger Vögel] ; Journ. f. Ornith. 1917, 392 — 395. — 
Mitteilungen auf Grund langjähriger Beobachtungen mit einer Fülle aus- 
gezeichneter Ergebnisse, die vielfach neue Gesichtspunkte in das schwierige 
Problem der Aufzucht nach den individuellen Instinkten der einzelnen 
Arten hineintragen. 

H. Frhr. Geyr von Schweppenburg, Otto le Roi zur 
Erinnerung; Journ. f. Ornith. 1917, 435 — 443 mit Bildnis. — Nachruf 
mit einem Verzeichnis der Schriften des zu früh der Wissenschaft ent- 
rissenen Forschers. 

B. Hoffmann, Der Gesang und Anders von unserem Mauer- 
segler (Cypselus apus L.); Journ. f. Ornith. 1917, 459—464. — 
Nach kurzem Hinweis auf die tonlichen Verbältnisse der Mauerseglerrufe 
wie auf deren lautliche Bestandteile untersucht der Verf. eingehend die 
einzelnen Rufe selbst, sowohl die einfachen wie die zweitönigen, die er 
durch Notenwiedergabe kennzeichnet. Er kommt zu dem Resultat, dafs 
die stimmlichen Tonerzeugnisse unseres Mauerseglers weit mannigfaltiger 
sind als man im allgemeinen anzunehmen geneigt ist. Eine Anzahl bio- 
logischer Beobachtungen schliefsen die Arbeit. 

H.Stadler, Übende Buchfinken ; Journ. f. Ornith. 1917,465—467. 



— 55 — 

H. Bährmann, Über die VOgel der Umgebung von Rubland ; 
Journ. f. Ornith. 1917, 468 — 506. — Nach einer kurzen Charakteristik 
des Gebietes der Umgebung von Ruhland — an der südlichsten Grenze 
der Mark Brandenburg in der Provinz Sachsen gelegen — gibt der Verf. 
eine Aufzählung der im Jahre 1886 von Perrin und später von ihm selbst 
beobachteten 126 Arten mit Hinweisen auf Verbreitung und Vorkommen. 
Bei vielen Arten biologische Mitteilungen. Crex crex, Caprimulgus, 
Coccothraustes, Emheriea hortulana u. a. gewöhnliche Arten sind vom 
Verf. nicht gefunden worden. Bei vielen Arten fehlt die Angabe der 
lokalen Formen. Das Vorkommen von Phylloscopus borealis Blas, als 
Brutvogel des Gebietes dürfte ein Irrtum sein. Die Form Ph. borealis 
borealis (Blas.) bewohnt Finnmark, Nordrufsland, Sibirien, Korea und 
Kamtschatka und ist nur sehr vereinzelt als seltener DurchzOgler für 
Deutschland nachgewiesen worden. 

J. V. Lucanus, Über die geographischen Formen von Turdus 
viscivorus L.; Journ. f. Ornith. 1917, 506—512. — Der Verf. unter- 
scheidet die mitteleuropäische Form T. viscivorus viscivorus L., ferner 
die südlichen Formen: T. v. deichleri Erl. und T. v. reiseri Schiebel; 
und schliefslich die östlichen Formen: T. v. bonapartei Gab. und T. v. 
pseudohodgsoni Kleinschm., T. v. sarudnyi Loud. und T. v. jubilaeus 
Lucanus et Zedl. 

H. Helfer, [Über die Fauna der Kläranlagen und ihre Bedeu- 
tung, mit besonderer Berücksichtigung der Vogelwelt]; Journ. f. Ornith. 
1917, 513. 

A. Reichenow, [Über die Nomenklatur einiger /S^/caZ^s-Arten] ; 
Journ. f. Ornith. 1917, 513— 5U. 

A. Reichenow, [Neue Arten aus dem Sepikgebiet in Neu- 
guinea]; Journ. f. Ornith. 1917, 514. — Neu: Geryyone stictilaema 
und Chuetura bürgersi. 

0. Heinroth, [Ein Ausflug in den Spandauer Forst] ; Journ. 
f. Ornith. 1917, 515-516. 

0. Heinroth, [Beziehung von Alter, Geschlecht und Jahreszeit 
zum Federwechsel]; Journ. f. Ornith. 1917, 232—233. 

E. Gebhardt, [Über einen Albino von Micropus apus apus]; 
Journ. f. Ornith. 1917, 233 — 234. 

Eckstein, [Über Nisthöhlen von Dendrocopus medius] ; Journ. 
f. Ornith. 1917, 234. 

F. V. Lucanus, [Über eine Liste deutscher Vögel von W. Schuster 
mit Angaben über den Scbuti der einzelnen Arten]; Journ. f. Ornith. 
1917, 234-235. 

H. Schalow, [Otto Finsch f] ; Journ. f. Ornith. 1917, 236. 

G r a f s m a n n , [Ober Bussardzüge, beobachtet bei Meaux] ; Journ. 
f. Ornith. 1917, 236. Schalow. 



— 56 — 

Nachrichten. 

Am 21. Jaouar starb in Stuttgart nach Ifingerem Krankenlager 
Oberstudienrat Prof. Dr. 
Kurt Lampert 

Direktor des dortigen KOnigl. Naturalien-Eabinets. 
Er erreichte nur ein Alter von 59 Jahren. 

Lampert, der als Sohn des als Schriftsteller und langjähriges liberales 
Mitglied der Bayerischen Abgeordneten - Kammer bekannten Pfarrers 
Friedr. Lampert am 30. März 1859 zu Ippesheim in Franken geboren 
wurde, studierte in Manchen und Erlangen Naturwissenschaften. Im Jahre 
1883 promovierte er auf Grund einer Arbeit: Zur Genese der Chorda 
dorsalis beim Axolotl und war dann längere Zeit Assistent bei seinem 
Lehrer Selenka in Erlangen. Von diesem wurde er an Krauls in Stuttgart 
empfohlen, der dann Lamperts Berufung an das Kgl. Naturalien-Kabinet 
trotz mannigfachen Widerstandes durchzusetzen wuIste. Nach dem Tode 
von Kraufs wurde er zum Direktor der Stuttgarter Sammlungen ernannt. 
Bis zu seinem frühen Tode hat Lampert hier eine reiche Tätigkeit entfaltet. 

Diese kam in erster Reihe und in umfassendem Mafse dem ihm 
unterstellten Museum, dann aber auch den vielen wissenschaftlichen 
Bildungsanstalten und Vereinen, die in Stuttgart ihren Sitz haben, zu gut. 
Nie versagte hier seine reiche Betätigung. Schliefslich mufs Lamperts 
ausgedehnter schriftstellerischer Tätigkeit gedacht werden, in welcher er 
sich neben rein wissenschaftlicher Arbeit die Popularisierung der Natur- 
wissenschaften in grofsem Umfange angelegen sein liefs. 

Die gewinnende, liebenswardige, sonnige Persönlichkeit Lamperts 
wird Jedem unvergessen bleiben, der das Gltlck hatte, mit ihm in Be- 
rührung zu kommen. 

Der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft hat der Verstorbene 
während 20 Jahre angehört. VTenngleich seine rege und erfolgreiche wissen- 
schaftliche Tätigkeit anderen Gebieten der Zoologie zugewandt war, so hat 
er doch durch sein stets bereitwilliges Entgegenkommen und seine Unter- 
stützung ornithologischer Studien in der ihm unterstellten Sammlung auch 
an der Förderung der Ornithologie in anerkennenswerter Weise mitgewirkt. 

Um für meine paläarktischen Sammlungen weiteren Kaum zu 
gewinnen, will ich eine kleine Sammlung nearktischer Bälge 
verkaufen oder gegen paläarktische Bälge vertauschen. Die Nord- 
amerikaner, rund 400 Stück und überwiegend Kleinvögel, sind her- 
vorragend zubereitet und mit vollständigen Begleitzetteln versehen. 

Neisse. Justizrat Eollibay. 

Die allgemeinen, durch den Krieg bedingten 
wirtschaftlichen Verhältnisse machen es notwendig, 
die nächsten Nummern der ,, Monatsberichte" in zwei- 
monatlichen Doppelnummern erscheinen zu lassen. 

Druck TOD Oiio DoroblUth ia Bcraburg. 



OmitMogische Monatsbericlite 

herausgegeben von 

Prof. Dr. Ant. Reichenow. 



26. Jahrgang. Mai/Juni 1918. No. 6/6. 

Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern 
und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark . 
— Zusendungen jeder Art für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, 
Prof. Dr. Reichenow in Berlin N. 4. Invalidenstr. 43, den Buchhandel 
betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn 
in Berlin NW. 6, Karlstr. 11 zu richten. 



Über den Elnflufs der Tagesdauer auf das Vogelleben. 
Von Frlti BraoD. 

Wieviel Vogelfutter habe ich nicht in Friedenszeiten ver- 
geudet! Nicht aus bösem Willen, sondern nur deshalb, weil ich 
mich daran gewöhnt hatte, bei der täglichen Fütterung alle Reste 
kurzer Hand fortzuwerfen. Ich bin überzeugt, dafs die noch 
brauchbaren Stoffe, die ich dergestalt im Laufe eines Menschen- 
alters verschwendete, mir und meinen Gefiederten über den Krieg 
hinweghelfen könnten, und wenn er noch drei Jahre währen sollte. 
Jetzt, da bei Mensch und Tier Schmalhans Küchenmeister ist, 
suche ich mich möglichst genau darüber zu unterrichten, wieviel 
Futter jeder meiner Pfleglinge unbedingt nötig hat. Dabei ist 
mir immer wieder aufgefallen, dafs meine Hausgenossen durchaus 
nicht Tag für Tag gleich viel Futter bedürfen, nicht einmal jetzt 
in den melancholischen Novemberwochen. Wenn uns dieser trübe 
Monat ausnahmsweise einen klaren, sonnigen Tag beschert, so merke 
ich das sofort an der gesegneten Efslust meiner Vögel. Betrete 
ich an solchen Tagen nach dem Mittagessen die Vogelstube, so 
kommen die biederen Erlenzeisige {Chrysomüris spinus L.) sicher 
gleich futterheischend ans Gitter geflogen, obgleich ich ihnen morgens 
die Futtermenge verabfolgte, mit der sie sich an trüben Tagen 
wohl oder übel bescheiden müssen. Im Gegensatz dazu habe ich 
mich nach besonders nebligen, düsteren Tagen schon mitunter 
darüber gewundert, dafs manche kerngesunde Vögel ihr Futter 
kaum berührt haben, sodafs ich mich bei diesem oder jenem Käfig 
stutzend fragte, ob ich ihn mir nicht zum zweiten Male herunter- 
langte, ob ich seine Reinigung nicht bereits vollzogen hätte. 

Es versteht sich von selbst, dafs solche Verhältnisse auch 
das Leben der freilebenden Vögel wesentlich beeinflussen müssen, 
und dafs die Fragen : wie lange wacht der Vogel am Tage ? wieviel 
bewegt er sich in dieser Zeit? wieviel Nahrung braucht er täglich, 

4 



— 58 — 

um die durch seine Bewegungen verausgabte Kraft wieder zu er- 
setzen? für solche Erscheinungen wie die Brut, die spielerische 
Sangesübung, den Strich und den Zug unter Umständen von 
ausschlaggebender Bedeutung sein können. Trotzdem hat sich 
noch niemand ernstlich damit beschäftigt. Daher ist es denn auch 
nicht verwunderlich, dafs wir auf alle diese Fragen keine kurze, 
bündige Antwort wissen. Dennoch dürften es uns die Biologen 
danken, dafs wir energisch darauf hinweisen, sind wir doch über- 
zeugt, dafs es sich verlohnt, über die eben aufgezählten Fragen 
nachzudenken. 

Die Tatsache, dafs sich manche Vogelarten im Winter nach 
den Gehöften und Dörfern ziehen, hat wohl auch darin seinen 
Grund, dafs diese Geschöpfe zur Zeit der kurzen Tage ihren Be- 
wegungsaufwand möglichst herabsetzen möchten, weil sich dann 
ihr Körperhaushalt wesentlich günstiger stellt. Wenn man die 
Goldammern (Emheriza citrivella L), Haus- und Feldsperlinge 
{Fasser domesticus L. und Fasser montanus L.) beobachtet, die 
im Winter vor den Speichern der Proviantämter und auf den 
Höfen der Güter herumlungern, wird man bald erkennen, dafs sie 
dort trotz mancher Zänkereien im allgemeinen ein überaus geruh- 
sames Leben führen. Manche gefiederten Wintergäste suchen die 
Nähe des Menschen wohl nicht so sehr aus dem Grunde, weil es 
ihnen schlechthin um mehr Nahrung zu tun ist, als vielmehr 
deshalb, weil sie grade in dieser Zeit ihr tägliches Brot mit einem 
möglichst geringen Kraftaufwand erwerben möchten, weil das, wie 
eben gesagt, ihrem ganzen Körperhaushalt zugute kommt. „Ifs 
wenig und bewege dich noch weniger" mufs während dieser Wochen 
wohl oder übel die Losung mancher Vogelarten werden. Nach 
Winter schläfern suchen wir unter unseren Gefiederten selbst- 
verständlich vergebens, aber deshalb, weil der Unterschied im 
Dasein eines Goldammers zur Sommers- und Winterszeit nur 
gradweise und nicht wesentlich ist, vermag er doch recht grofs 
zu sein. Daneben dürfen wir allerdings nicht vergessen, dafs der 
gröfsere Teil der gefiederten Wintergäste des Menschen (als Aus- 
nahme nennen wir die Amsel [Tnrdus merula L.], die Kohlmeise 
[Farus maior L], den Kleiber [Sitta caesia WolfJ) aus solchen 
Arten besteht, die erst im Gefolge des Menschen in unserer Heimat 
eingezogen sind und anfangs nur in unmittelbarer Nähe seiner 
Wohnstätten gebrütet haben mögen, da die deutschen Feldfluren 
damals sicherlich nicht Hunderte von km^ bedeckten. Wenn 
manche Finken- und Ammernarten im Frühling negativ, im Herbst 
positiv anthropotropisch sind (warum sollten wir die Sache nicht 
einmal recht gelehrt ausdrücken? — ), so handelt es sich dabei bis 
zu einem gewissen Grade auch, so klein der in Frage kommende 
Raum sein mag, um zugähnliche Bewegungen, um ein Hin und 
Her zwischen älteren und neueren Siedelungsgebieten. 

Zur Zeit der Wintersonnenwende sind bei uns in Nordost- 
deutschlaad Tage nicht selten, an denen es erst um 8 V» Uhr 



— 59 — 

morgens so hell geworden ist, dafs Goldammern, Grünfinken 
{Chloris chloris L.) und ähnliche mehr mit der Nahrungssuche 
beginnen können, und wo es bereits um 3 Uhr nachmittags wieder 
so dämmerig wird, dafs sie sich zu ihren Schlafplätzen begeben. 
Von 24 Stunden bleiben da also ganze 6 7« zur Nahrungssuche, 
übrig. Man sollte nun glauben, dafs die Tiere dann jede freie 
Minute nach Kräften dazu ausnützten und diese Tätigkeit nur selten 
aussetzten. In Wirklichkeit ist aber eher das Gegenteil der Fall; 
sie scheinen das Gleichgewicht zwischen Lebenstätigkeit und 
Nahrungsaufnahme viel mehr dadurch zu erreichen, dafs sie sich 
so wenig wie nur möglich bewegen. Selbstverständlich mufs ihnen 
unter solchen Umständen daran liegen, dafs der Bewegungsaufwand, 
den sie zur Nahrungssuche machen, nicht vergeudet wird, und das 
läfst sich an der Dorfstrafse und auf dem Gutshof viel leichter 
erreichen als in der winterlichen Natur. Dafs sie mit dem vor- 
rückenden Jahr wieder mehr und mehr in die offene Feldflur 
zurückkehren, mag nicht immer so sehr daran liegen, dafs dann 
fern von den menschlichen Wohnstätten schon viel mehr Futter 
vorhanden ist, als vielmehr an dem Umstände, dafs ihnen bei der 
raschen Zunahme der Tageslänge schon viel mehr Zeit zur Ver- 
fügung steht. Wenn manche Vögel in Gebieten mit mildem See- 
klima, wo 6-8 Breitengrade hinsichtlich des klimatischen Unter- 
schiedes nicht allzuviel ausmachen, doch zur Winterszeit südwärts 
streichen, so dürfte das nicht einzig und allein auf ererbte Ge- 
wohnheiten zurückzuführen sein, sondern eben so sehr darin seinen 
Grund haben, dafs sie in Gebieten mit etwas gröfserer Tageslänge 
mehr Zeit zur Nahrungssuche finden. 

Es wäre sicherlich der Mühe wert, das winterliche Vogel- 
leben solcher Gebiete, in denen ein sehr mildes Seeklima aus- 
nahmsweise weit nach Norden vordringt (z. B. Norwegen, Alaska) 
unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten, denn es ist klar, dafs 
alle die Sperlingsvögel, die nicht als Dämmerungstiere bezeichnet 
werden dürfen, in solchen Breiten nur dann leben können, wenn 
die Tageslänge noch einen bestimmten Wert behält. Vermutlich 
ist der aber viel geringer, als wir im ersten Augenblick glauben 
möchten. Rein theoretisch dürfte eine reichliche Mahlzeit ge- 
nügen, um einem Ammer, einem Finken das Leben für 24 Stunden 
zu fristen, doch wird auch bei ziemlichem Nahrungsvorrat die Zeit, 
welche dazu erforderlich ist, das unbedingt nötige Futter aufzulesen, 
sehr verschieden sein, zumal da sie auch von den Witterungs- 
verhältnissen abhängig ist. Ich kann mir wenigstens nicht vor- 
stellen, wie sich die Vögel in einem Gebiete durchbringen sollten, 
wo ihnen an den kürzesten Tagen nicht rund drei Stunden zur 
Nahrungsaufnahme zur Verfügung stehen. 

Sicherlich ist es kein Zufall, dafs grade die verschiedenen 
Kostgänger der Fichte besonders weit nach Norden vordringen, 
sind sie doch hinsichtlich der Nahrung ganz besonders gut gestellt, 
so dafs sie auch in sehr kurzer Zeit, ohne ihre gewohnten 



— 60 — 

Bewegungen irgendwie ändern zu müssen, die erforderliche Futter- 
menge sammeln können. Ist diese Gunst der Lage doch so grofs, 
dafs die Kreuzschnäbel (Curvirostridae) mitten im Winter sogar 
zur Brut schreiten dürfen. Daher fällt es auch den Hauben- und 
Tannenmeisen {Farns cristatus und Farus ater L.) garnicht ein, 
zur Winterszeit die ihnen so wohlgesinnten Fichten zu verlassen 
und in Scharen an Futterplätze überzusiedeln, die ihnea von 
Menschenhand bereitet wurden. Unter solchen Umständen mufs 
es uns wundernehmen, dafs von diesen Geschöpfen die skandinavischen 
Nadelwälder zwischen dem 64 und IQ^ n. B. nicht recht ausgenutzt 
werden, obgleich das Klima des Saiten Fjords und seiner Nachbarn 
echt westeuropäisch milde ist und nicht einmal die Kältegrade 
aufweist, mit denen ich in meinem waldgrünen Dt. Eylau rechnen 
mufs. Unserer Ansicht nach spielt hier die geringe Tageslänge 
eine entscheidende Rolle. Noch kurz bevor ich das niederschrieb, 
stellte ich mir nach dem neuen Naumann die nördlichen Ver- 
breitungsgrenzen der hier in Frage kommenden Arten zusammen, 
um dann aufmerksam die klimatische Karte zu studieren. Dabei 
stellte sich heraus, dafs das Klima allein eine genügende Begründung 
der tatsächlichen Zustände nicht zu liefern vermag, und dafs dem- 
nach die geringe Tagesdauer für diese Verhältnisse von ausschlag- 
gebender Bedeutung sein dürfte. Selbstverständlich bringt unsere 
logische Erörterung so wenig eine Klarstellung dieser Dinge, dafs 
ihr eigentlicher Wert höchstens darin bestehen könnte, den einen 
oder anderen Fachgenossen zur genaueren, methodischen Erörterung 
der Frage anzuregen, wie sich der Verlauf der nördlichen Grenzen 
der Verbreitungsgebiete solcher Arten erklären läfst. Um diese 
Frage zu behandeln, dürfte sich kaum eine bessere örtlichkeit 
finden lassen als der Norden unseres Erdteils, denn einmal sind 
wir hier mit den obwaltenden Verhältnissen noch am ehesten vertraut, 
und zum anderen geht in Nordeuropa von W. nach 0. das See- 
klima so schnell in das Landklima über (die — 4*' Isotherme des 
Januars verläuft an der norwegischen Küste unter dem 71*^, in 
dem Litorale des Schwarzen Meeres unter dem 48° n. B.), dafs der 
Vergleich der Wahrnehmungen in dem östlichen und westlichen 
Teile des Gebietes zu mancher erhellenden Erkenntnis führen 
müfste. 

Ebenso wenig hat man sich ja bisher ernstlich mit der Frage 
beschäftigt, welche Durchschnittstemperatur Singvögel von Finken- 
gröfse unbedingt nötigt, einen bestimmten Landstrich zur Winters- 
zeit zu verlassen. Ich bin überzeugt, dafs in den kalten Gebieten 
Sibiriens, die vom Pol schon sehr weit entfernt sind (östlich von 
Baikalsee reicht die — 30° Isotherme des Januars bis zum 55° und 
die — 20° Isotherme desselben Monats bis zum 48° n. B.) sehr 
viele Vögel nicht aus Nahrungsmangel, sondern der Kälte wegen 
auf das Überwintern verzichten müssen. 

Es war ja schon fast zum Glaubenssatz geworden, dafs die 
Kälte beim Überwintern der Vögel so gut wie gar keine Rolle 



-- 61 — 

spiele, sondern dafs nur die Frage, ob die erforderliche Nahrung 
vorhanden sei, über ihr Bleiben oder ihren Fortzug entscheide. 
Was die Gebiete mit See- und Übergangskiima angeht, wird diese 
Darstellung imallgemeinen auch wohl zutreffen. Seitdem ich 
aber im letzten Winter wohlgenährte, offensichtlich erfrorene Buch- 
finkenmännchen in der Hand gehalten habe, möchte ich hinsichtlich 
dieser Sache das allgemeine Urteil doch nicht unbedingt unter- 
schreiben. Äufserdem gilt das, was für das verhältnismäfsig milde 
Übergangsklima Nordostdeutschlands zutrifft, nicht für das aus- 
gesprochene Landklima küstenfernster Gebiete. Der Februar 1917, 
der bei uns seit Menschengedenken der kälteste Wintermonat war, 
brachte es kaum auf eine Durchschnittstemperatur von — 6,5<*. 
Selbst wir Ostmärker, die dabei tüchtig gefroren haben, können 
uns keine auch nur einigermafsen klare Yorstellung von dem 
Witterungscharakter eines sibirischen Januars machen, der unter 
gleichen Breiten mit — 2(3" bis — 28<> aufzuwarten pflegt. Demnach 
würde man bei den genaueren Untersuchungen wohl zu dem 
Ergebnis kommen, dafs der Verlauf der Nordgrenzen artlicher 
Verbreitungsgebiete bei Seeklima durch die Tagesdauer, bei Land- 
klima dagegen durch die Lufttemperatur in erster Linie bestimmt 
werden dürfte. Jedenfalls wäre es sehr wünschenswert, diesen 
Dingen im einzelnen nachzugehen, damit wir etwa sagen können, 
die in Frage kommenden Fartis&rten verhalten sich in dieser 
Hinsicht unter dem 20° ö. L. (dem Längengrade der norwegischen 
Westküste) so, während wir unter dem '60^ (dem Längengrade 
eines charakteristischen Übergangsgebietes) und dem 105° ö. L. 
(dem Längengrad von Irkutsk, wo sich noch am ehesten Wahr- 
nehmungen in extremem Landklima gewinnen liefsen) wieder mit 
den und den Verhältnissen rechnen müssen. 

Seiner Zeit wollten die Gebrüder Müller den Grund dafür, 
dafs manche Zugvögel uns verlassen, in der gröfseren Luftfeuchtig- 
keit und der trüberen Witterung der Herbstmonate suchen und 
nicht im Nahrungsmangel. Sie waren dabei sicherlich im Irrtum, 
denn manche Vogelarten vertauschen ihr nördlicheres Brutrevier 
mit solchen Gebieten der Mittelmeerländer, deren Pflanzendecke 
zur Winterszeit beinahe einem vollgesogenen Schwämme gleicht, 
sodafs sie in der Hinsicht aus dem Regen in die Traufe kämen. 
Aber man darf nicht vergessen, dafs wir nur allzusehr geneigt 
sind, bei solchen Dingen nur örtlich geltende Wahrnehmungen zu 
verallgemeinern, und die Gründe, welche einen Girlitz {Serinus 
hortidanus Koch) dazu veranlassen, zur Herbstzeit aus Holstein 
nach der beigisch-französischen Grenze zu wandern, werden ver- 
mutlich recht verschieden von den Ursachen sein, die eine am 
Baikalsee brütende Ammerart nötigen, sich zur Winterszeit auf 
den Reisfeldern Südchinas herumzutreiben. Erst, wenn man 
solchen Erwägungen im einzelnen nachtgeht, wird es einem so 
recht klar, welch ungeheuren Kreis von Einzelerscheinungen und 
recht selbständigen Erscheinungsgruppen das Vogelzugsphänomen 



— 62 — 

in sich schliefst. Daher darf es uns auch nicht wundern, dafs 
unser faustischer Drang, auf die Frage nach dem Grunde des 
Vogelzuges eine befriedigende Antwort zu erbalten, sich noch 
recht lange wird bescheiden müssen. 

Von vornherein sollte man glauben, dafs grade eine besonders 
grofse Zahl von Nacht- und Dämmerungsvögeln den Winter bei 
uns zubringen müfste, weil die anscheinend am besten geeignet 
sind, in den dunkelsten Wochen eine verhältnismäfsig lange Zeit 
zur Nahrungssuche zu benutzen. Merkwürdigerweise ist jedoch 
das Gegenteil der Fall, und solche Arten, die im Sommer auf 
ungestörte Nachtruhe wenig Wert zu legen scheinen, gehen grade 
im Winter schon mit den Hühnern zu Bett. Auch das mag daran 
liegen, dafs sich im Winter ein besonders grofser Bewegungs- 
aufwand wohl oder übel nicht bestreiten läfst. 

Allerdings dürfen wir uns schon von vornherein nicht allzu- 
viel Hoffnung machen, unsere Dämmerungsvögel am späten Winter- 
abend auf der Nahrungssuche zu finden, denn deren abendliches 
Herumgeistern ist auch im Sommer wohl niemals darauf zurück- 
zuführen. Das gilt sowohl von den Dämmerungsvögeln, welche 
auch im Winter bei uns zurückbleiben, als auch von jenen, die 
im Herbst wärmere Winterquartiere aufsuchen. Zu ihnen gehören 
vor allem unsere Ammernarten, so wenig sich diese zur Winters- 
zeit als Dämmerungsvögel betätigen mögen. Die grofsen, licht- 
sammelnden Augen der Erdsänger (Erithacidae) sollen diese Vögel 
wohl dazu befähigen, ihre Nahrung an den auch tagsüber däm- 
merigen Standorten aufzufinden, nachts habe ich kaum jemals 
einen Sprosser (Erithacus phUomela Bebst.) oder ein Rotkehlchen 
(ErÜhacus rubeculus h.) auf der Nahrungssuche betroffen. Dafs 
diese Arten auch nachts oft munter sind, ist wohl während der 
Brütezeit in erster Linie auf den Brunsttrieb zurückzuführen, und 
späterhin müssen wir nicht den Hunger, sondern den Zugtrieb 
dafür verantwortlich machen. 

Im Geschlechtsleben müssen wohl auch die Gründe für das 
Nachtwachen der Ammerartigen gesucht werden. Diese Eigen- 
schaft grade der Ammern ist sonst nur wenig bekannt, und doch 
ist sie auffällig genug. Weil ich grade die Emberizidae mit Vor- 
liebe in meinen Flugkäfigen hielt, wurde mir ihre nächtliche 
Sangeslust zuzeiten beinahe lästig. Freilich dürften sie im Käfig 
zur Nachtzeit noch viel fleifsiger singen als im Freileben, viel- 
leicht deshalb, weil ihr Geschlechtsleben dort nicht den natur- 
gemäfsen Verlauf nimmt. Nächtliche Lieder begegneten mir bei 
Emheriea melanocephala Scopoli und E. luteola Sparmann, obgleich 
das südliche Vögel sind, die unsere hellen Sommernächte nicht 
kennen, noch entschiedener als bei Emheriea citrinella L., E. hor- 
tulana L., E schoeniclus L. und E. calandra L., von denen mir 
im Freien hauptsächlich der Rohr- und Grauammer als Nacht- 
sänger auffielen. Bezüglich E. cirlus L. und E. cia L. vermag 
ich in dieser Hinsicht keine genaueren Angaben zu machen, weil 



— 63 — 

ich diese Arten nur im Orient in gröfserer Kopfzahl gehalten habe 
und damals auf solche Dinge zu wenig achtete. Dagegen ist 
Fasserina nivalis L. wieder ein ausgesprochener Nachtschwärmer. 

Dafs grade der Schneeammer sich nächtlicherweile zu schaffen 
macht, kann uns eigentlich nicht wundern, da er im Norden zu 
Hause ist, wo der Sommer endlos lange Tage heraufführt. Wer 
viele nordische Vögel gehalten hat, wird sicher bemerkt haben, 
dafs sie zur Nachtzeit viel reger sind als unsere Landsleute. Ich 
habe selbst Bergfinken (Fringilla montifringilla L.) besessen, 
welche nachts stundenlang auf ihrer Stange hin- und hertrippelten, 
obgleich sie sich draufsen zu Hunderten von ihren Schlafbäumen 
mit dem Blaserohr herabschiefsen lassen, und bin es von den 
Leinfinken {Acanthis Unaria L.) seit jeher gewohnt, dafs sie nachts- 
über munter sind und mit dem Schnabel an den Käfigwänden 
herumstochern, wodurch sie oft eine ganz merkwürdige, rhythmische 
Musik zustande bringen. Aber auch bei den nordischen Vögeln 
dient die geschilderte Eigenschaft sicherlich nicht zum Nahrungs- 
erwerb. Vielleicht liefse sich denken, dafs sie ihnen im Schneelicht 
ein ganz kümmerliche Orientierung an den zur Winterszeit oft 
wechselnden Schlafplätzen ermöglichen soll. Am besten bescheiden 
wir uns mit einem non liquet. 

Doch ich möchte heute mein Garn nicht weiter ausspinnen. 
Hoffentlich gelingt es mir, den Leser davon zu überzeugen, dafs 
die wechselnde Tageslänge unserer Breiten auf das Leben der 
Vögel die mannigfachsten Einflüsse ausüben mufs und dafs auch 
das Zugphänomen in vielen Gegenden davon mehr beeinflufst sein 
dürfte, als wir bisher vermeint haben. Mit diesem Ergebnis mufs 
ich zufrieden sein. Solche Erkenntnis recht zu nutzen, kann erst 
Sache der Zukunft sein. 



Beobachtungen 

an Rabenvögeln im westlichen Rufsland. 

Von 0. Qraf ZtdUti. 

(SchluTs von 33-39.) 

Die Graukrähe. 
Die im Gebiet der Schara brütende Grau- oder Nebelkrähe 
ist anscheinend systematisch von der typischen C. cornix cornix L. 
nicht zu unterscheiden. Das Flügelmafs mit 320—330 mm stimmt 
fast überein mit dem schlesischer Vögel, dessen Durchschnitt 
KoUibay mit Hlü mm angibt. Im Herbst und Winter kommen 
nicht selten auffallend helle Stücke vor, doch dürften das Gäste 
aus bisher unerforschten Regionen im Nordosten sein. Umgekehrt, 
aber seltener, sieht man auch recht dunkle Vögel, ich habe aber 
den Verdacht, dafs bei diesen das Gefieder durch den Winter- 
aufenthalt in der Stadt verschmutzt ist, denn man sieht sie meist 



_ 64 ~ 

im Februar und März. Im übrigen verweise ich auf meine gleich- 
lautenden Ausführungen J. f. 0. 1917, I. Bd., p. 105 und II. Bd. 
(Festschrift), p. 295. Die Tönung des Grau ist je nach Abnützung 
des Gefieders und auch individuell überall einigen Schwankungen 
unterworfen, bei uns ebenso wie in Rufsland. 

Den Winter verbringt die Nebelkrähe in und bei gröfseren 
Ortschaften, schläft auch häufig auf hohen Bäumen mitten in den 
Dörfern. Diese Wintervögel sind nach meinen Beobachtungen 
durchweg Gäste, welche im Laufe des Oktober, vereinzelt auch 
noch später, eintreffen und im März wieder fortziehen. In der 
zweiten Hälfte des März treffen die Brutkrähen wieder ein und 
zwar kommen diese direkt in den Wald, halten sich je nach der 
Witterung noch einige Tage in Gesellschaften, die sich jedoch bei 
den ersten Anzeichen des Frühlings sofort in einzelne Paare auf- 
lösen. Am 21. März 1917 kamen die ersten Rückwanderer an, 
wenige Tage darauf setzte auch Thauwetter ein. Im Jahre 1916 
war ich vom 18. bis Ende März abwesend und kann deshalb kein 
genaues Datum angeben. Das erste volle Gelege wurde durch 
Herrn A. Marx am 19. April 1916 festgestellt, die ersten flüggen 
Jungen sah ich am 1. Juni, doch sind kaum flugbare Jungkrähen 
bis in den Juli hinein nicht selten. Um mich über die Mauser- 
verhältnisse zu informieren, schofs ich während des Sommers hin 
und wieder Krähen, an denen ich folgendes feststellte: Am 9. Juli 
Beginn der Mauser im Grofsgefieder (Schwingen); am 26. Juli 
Mauser des Grofsgefieders fast beendet, nur 2 Schwanzfedern sind 
noch etwas kürzer, Mauser des Kleingetieders hat eben begonnen ; 
am 6. August ist das Grofsgefieder ganz fertig, das Kleingefieder 
etwa zur Hälfte neu, am weitesten vorgeschritten auf Kropf und 
Brust. Mitte August waren die meisten Vögel schon fertig mit 
dem neuen Gefieder, nur wenige sahen noch ruppig aus. Sobald 
die Jungen ihr fertiges Kleid tragen, gehen sie ihre eigenen Wege. 
Die Sympathien, welche der Naturfreund und selbst der echte 
Jäger den Kolkraben entgegenbringen kann, wären bei der Nebel- 
krähe durchaus nicht am Platze. Auch in Rufsland zeigt sie 
sich als arger Nesträuber, die grofsen sumpfigen Wiesenflächen 
werden, sobald das Wasser dort etwas zurücktritt, Tag für Tag 
abgesucht; das Benehmen von Kiebitz, Wasserläufern und anderen 
Bodenbrütern zeigt dann deutlich, dafs es sich um ihren Erbfeind 
handelt. Trotz des erheblichen Schadens in Feld und Wiese wird 
anscheinend von den einheimischen Jägern die Krähe gar nicht 
verfolgt, denn sie ist durchaus nicht scheu, so lange ihr nicht 
von unserer Seite intensiv nachgestellt wird. 

Die Saatkrähe. 

Systematische Unterschiede gegenüber der typischen yfrugi- 

legus^^ sind anscheinend nicht vorhanden. Biologisch war mir 

auffallend, dafs die Nistkolonien stets in unmittelbarer Nähe der 

Ortschaften bezw. mitten in denselben angelegt werden. Ich 



- 65 — 

erwähnte diese Beobachtung schon aus der Gegend von Kielce im 
südwestlichen Polen, aber dasselbe trifft auch für Weifs-Rufsland 
zu. Die Kolonien sind hier im allgemeinen nicht so zahlreich 
wie in Polen, bevorzugt werden Parks im Anschlufs an Gutshöfe, 
und darin immer wieder Pappeln, jedenfalls aber Laub-, nicht 
Nadelholz. Die Jungen schmecken ebenso gut wie bei uns. Im 
Herbst tun sich die Saatkrähen zu Flügen von 50 bis zu mehreren 
hundert zusammen, oft gemischt mit Dohlen, seltener mit Nebel- 
krähen, manchmal sogar mit einigen Raben, und streichen dann 
weit im Lande umher. Mal sieht man Wochen lang keine einzige, 
dann sind sie plötzlich zu vielen hunderten da ; ein eigentlicher 
Zug findet jedoch nicht statt. 

D i e D h 1 e. 

Die Dohle des Schara-Gebietes gehört zur östlichen Form 
Lycos monedula collaris Drumm., wie ich wiederholt schon mit 
aller Bestimmtheit behauptet habe, vgl. J. f. 0. 1917, I. Bd., 
p. 105 und II. Bd. (Festschrift), p. 295. Als Kennzeichen betrachte 
ich ausschliefslich den halbmondförmigen weifsen oder weifslichen 
Fleck an den Halsseiten, von einem H a 1 s r i n g ist gar 
nicht die Rede. Eine gröfsere Serie aus den verschiedensten 
Jahreszeiten zeigt, ganz unabhängig von der starken Veränderung 
der Gesamtfärbung durch Abnützung des Gefieders, stets den 
weifsen Seitenfleck am Halse, wenn auch nicht immer in ganz 
gleicher Ausdehnung. Ich befinde mich hier in voller Überein- 
stimmung mit Kleinschmidt, der auf der Jahresversammlung 1916 
in Cöthen eine Serie Dohlen aus dem Kreise Smorgon vorlegte, 
welche durchweg den weifsen Fleck, aber ebenfalls etwas variabel, 
zeigten. Ich besitze Stücke aus Mazedonien, der terra typica, 
welche gut mit den westrussischen Vögeln harmonieren, hingegen 
ist anscheinend im Kaukasus und östlich des Ural der Halsfleck 
stets merklich gröfser, sodafs es sich dort wohl um eine noch 
nicht beschriebene extrem östliche Form handeln dürfte. Wie ich 
schon früher erwähnte, zeigt dagegen keine der im westlichen 
Polen von mir zur Brutzeit gesammelten Dohlen eine Spur von 
Halsfleck. Es ist bekannt und wiederholt darauf hingewiesen 
worden, dafs auch in Deutschland Stücke mit weifsem Fleck vor- 
kommen. Dabei handelt es sich zunächst um Durchzügler und 
Wintergäste, die aus ihren Brutrevieren ira Nordosten kommen. 
Das ist z. B. in Rossitten festgestellt worden und durchaus natürlich. 
Wenn nun von diesen Fremdlingen mal einer oder der andere in 
einer deutschen Kolonie hängen bleibt, so ist das auch noch kein 
grofses Wunder und ändert nicht das Geringste an der Tatsache, 
dafs die westliche Form spernioloyus keinen Halsfleck hat, die 
östliche collaris dagegen immer. Dabei trifft man wohl in 
Deutschland gelegentlich Vertreter des Ostens, hingegen nicht 
mehr jenseits des Bug Vertreter des Westens, weil eben erstere 
ziehen, letztere aber nicht. 



— 66 — 

Die Nester stehen nicht nur auf Kirchtürmen, sondern sehr 
häufig auch in Beständen alter Eichen, deren dürre Wipfel und 
morsche Stämme gute Nisthöhlen bieten. Gelege dürften vor April 
kaum anzutreffen sein, die ersten ausgeflogenen Jungen sah ich 
am 14. Juni 1916. Die Kolonien werden auch nach der Brutzeit 
weiter bewohnt bis in den Herbst hinein. Der Termin des Ab- 
zuges im Herbst ist schwer festzustellen, da immer wieder Zuzug 
von Nordosten eintrifft. Scharen von Wintergästen sind in jedem 
Monat von November bis März gelegentlich zu sehen, treiben sich 
aber sehr unstät herum und nächtigen nicht in den Brutkolonien. 
Am 20. III. 1917 begann bei schönem Wetter und gelindem Frost 
der Frühjahrszug. Grofse Scharen strichen in erheblicher Höhe 
und schnurgerader Richtung SW. — NO. 

Der Tannenhäher. 

Die gesammelten Nucifraga caryocatactes caryocatacies L. 
sind durchweg dickschnäblig und von schwedischen Vögeln meiner 
Sammlung nicht zu unterscheiden. Als Brutvogel ist diese Art 
bisher nicht sicher festgestellt, der Tannenhäher wurde nur vom 
Oktober an im Herbst und Winter beobachtet, er war anscheinend 
nirgends häufig. 

Der Eichelhäher. 

Anfänglich glaubte ich an eine unterscheid bare Subspezies, 
doch bin ich jetzt in diesem Punkte sehr skeptisch geworden, 
denn unter einer recht grofsen Serie, die ich gebalgt habe, finde 
ich alle möglichen Variationen in der Färbung von Stirn und 
Haube, bald im Grundton hell, bald dunkel, bald stark, bald schwach 
gefleckt. Auch mit etwaigen Wintergästen läfst sich die Ver- 
schiedenheit nicht erklären, denn der Häher ist zu allen Jahres- 
zeiten gleich häufig und scheint nicht zu ziehen. Im Winter lebt 
er ganz nach Krähenart gern auf grofsen Strafsen und in den 
Ortschaften, wo er unglaublich vertraut ist. Das erste Gelege 
wurde am 13. April 1916 gefunden. 

Zum Schlufs noch eine allgemeine Bemerkung: 
Bei allen Rabenvögeln fand ich nur wenig Anlage zum Fett- 
ansatz, höchstens im Spätsommer und Herbst war solcher in ganz 
bescheidenem Mafse vorhanden, also zu einer Zeit wo z. B. Raub- 
und Wasservögel vor Fett fast barsten. Sonst waren alle Raben- 
vögel stets mager und zwar je kleiner, desto magerer, also Raben 
am feistesten, Häher am magersten. Dabei machen sie aber keinen 
eigentlich „verhungerten" Eindruck, müssen wohl auch nicht ernste 
Not leiden, sonst könnten sie ja wegstreichen. Da sie aber sonst 
munter und beweglich sind, ihr Gefieder in Ordnung halten und 
bei schönem Wetter auch ihre Stimme fleifsig ertönen lassen, so 
scheint es sich mehr um eine physiologische Eigentümlichkeit zu 
handeln, es haftet der ganzen Familie wenig Neigung zur 



— 67 — 

FettbilduDg an im Gegensatz zu anderen, welche sie in hohem Mafse 
auch im Winter besitzen, z. B. Seidenschwänzen. 

Hiermit hat diese kleine und ganz anspruchslose biologische 
Studie ihren Abschlufs erreicht. Ich schliefse mit dem Wunsche, 
dafs sich recht bald Gelegenheit bieten möge, die Ausbeute unsrer 
vielen vortrefflichen „Feldornithologen" einmal zusammenzufassen, 
zu ordnen und im Zusammenhange zu bearbeiten, dabei werden 
sicher sehr bemerkenswerte und interessante neue Gesichtspunkte 
zu Tage kommen. 

Einige bemerlienswerte Winterbeobachtungen 
aus dem mittelsächsischen Berg- und Htigellande. 

Von Rieb. Schlegel. 

Wie ich bereits in meiner letzten Arbeit über dieses Gebiet 
bemerkte, lag mir aufserordentlich viel daran, weitere Vorkommnisse 
der Weidenmeise {Farus atricapillus salicarius Brehm) im 
Reviere Hainholz bei Hohenstein-Ernstthal nachweisen zu können, 
zumal wir über das Vorkommen dieser Graumeise innerhalb des 
Königreichs Sachsen nur ungemein dürftig unterrichtet sind. In der 
gesamten Literatur über dieses Gebiet findet die Weidenmeise 
nirgends Erwähnung, und auch Heyder kann sich nur auf 2 Stücke 
im Dresdner Museum beziehen, die dieser Art zugehören. Die 
14tägigen Weihnachtsferien sowie die nachher einsetzende strenge 
und anhaltende Kälte mit ihren längeren Urlaubsbewilligungen 
boten mir hierzu erwünschte Gelegenheit, obwohl die recht stür- 
mischen Tage nach Weihnachten die Beobachtungen ungemein 
erschwerten, oftmals ganz unmöglich machten, da alles Leben im 
Holz, auch an geschützten Stellen, im eisigen Lufthauche wie ver- 
nichtet erschien. Das konnte mich aber von täglichen Reviergängen 
nicht abhalten, zumal die Tätigkeit eines Schwarzspechtes Anlafs 
zu mancherlei interessanten Beobachtungen bot. In den lichteren 
Dichtungen trieben sich regelmäfsig gröfsere Gesellschaften von 
Wintergoldhähnchen umher, unter die sich immer Hauben- und 
Tannenmeisen in gröfserer oder geringerer Zahl zu mischen pflegen. 
Wohl hörte ich mehrmals den vermeintlichen Lockton der gesuchten 
Meise, doch er klang mir zu gedämpft und gequetscht, und ich 
blieb im Zweifel, ob man die vernommenen Anwesenheitsäufserungen 
vorsichtigerweise besser der Tannenmeise zuschreiben müsse. Trotz 
aller Mühe glückte es höchst selten, des Vogels selbst ansichtig 
zu werden, und auch dann wurde eine sichere Bestimmung im 
Halbdunkel des Bestandes und im Gewirr des Gezweigs und der 
Nadeln zur Unmöglichkeit. Unverrichteter Sache und mit er- 
starrten Gliedern mufste ich immer den Heimweg antreten. An- 
fangs April nun liefs ich in den Laubholzbeständen des Reviers 
eine Anzahl Nistkästchen für Meisen aufhängen und nahm hin 
und wieder Gelegenheit zu prüfen, ob sie seitens des verschiedenen 



— 68 — 

und zahlreichen Meisenvolkes die gebührende Würdigung finden 
möchten. Während ich dem vielseitigen Stimmenkonzert der ewig 
beweglichen Tierchen lausche und mich am Paarungsgewispele 
und Balzreigen eines Tannenmeisenmännchens ergötze, höre ich 
in meiner Nähe laut und deutlich den Lockruf eines Mattkopfes. 
Ja, das war die Gesuchte, und nicht allein, in Begleitung eines 
2. Stückes, des Weibchens. Beide hangelten im Gezweig ziemlich 
hoher Birken an der Grenze ausgedehnter Fichtenbestände flüchtig 
vorwärts. Nach ca. Vj stündiger Beobachtung konnte ich aber 
irgend welches Interesse für die ausgehängten Höhlen nicht wahr- 
nehmen, und lange blieb ich unschlüssig, was ich am vorteil- 
haftesten beginne. Vielleicht war doch Aussicht vorhanden, dafs 
das Pärchen einen Nistkasten besetzte, in welchem Falle vielleicht 
ein authentisches Gelege, das in unseren Sammlungen zu Kostbar- 
keiten und zu den gröfsten Seltenheiten zu rechnen sein dürfte, 
in meiner Sammlung ein Ehrenplätzchen gefunden hätte. Anderer- 
seits rief ich mir ins Gedächtnis zurück, wieviel Mühe und ver- 
gebliche Wege ich schon auf das Wiederauffinden des Vogels 
verwendet hatte und wie mein einziges sächsisches Belegstück 
aus Unvorsichtigkeit „zur Seite des wärmenden Ofens" am Nacken- 
und ßückengefieder etwas zu Schaden gekommen war. So ent- 
schlofs ich mich denn nach längerem Zögern, das Pärchen zu 
„sammeln" und als Beleg der Wissenschaft zuzuführen in der 
Erwartung, bei sonnigem Frühlings wetter bald weiteres Material 
auffinden und beobachten zu können. Das nahe Ende der Ferien- 
tage und die ewig nicht weichen wollenden Unbilden der Witterung 
zeitigten leider kein weiteres Resultat, obwohl ich der festen 
Überzeugung bin, dafs das Auftreten der Weidenmeise im Revier 
gar kein allzuseltenes sein wird. Ein systematisches und fleifsiges 
Absuchen der Bestände zu geeigneter Jahreszeit und bei günstigen 
Witterungsverhältnissen werden sicher noch befriedigendere Resul- 
tate zeitigen, wie ich später festzustellen hoffe. 

Am 4. und 5. I. 1917 stiefs ich im genannten Reviere auch 
auf gröfsere Flüge unserer Schwanzmeise {Aegithalos caudaius 
europaeus [Herm.]). Ich habe dem Tierchen immer gern und unter 
näher angeführten Gründen meine Aufmerksamkeit gugewendet 
und für die Leipziger Gegend als Regel gefunden, dafs beide 
Färbungserscheinungen dieser Form während der Brutzeit vor- 
kommen, die gestreiftköpfige weniger häufig, und sich unterein- 
ander paaren. Im Winter kommen nach meinen Beobachtungen 
und vielfachen Aufzeichnungen lediglich nurweifsköpfige Individuen 
in Frage. Damit befinde ich mich zu meiner Überraschung mit 
Dr. Hesse etwas in Widerspruch. Unser verdienstvoller Faunist 
führt irrtümlicherweise diese Färbungserscheinungen einer Form 
als selbständige Arten (Formen) auf unter Aecj. caudaius L. und 
roseus Blyth. und nennt erstere Jahresvogel und selteneren Brut- 
vogel, letzteren sehr seltenen Jahresvogel. Beide treten nach 
ihm im Gebiete von Mitte Oktober bis März April häufig auf. 



— 69 — 

Meine Beobachtungen scheinen auch für das Altenburger Gebiet 
zuzutreffen; denn bei einer gemeinsamen Exkursion mit Herrn 
Forstregistrator Hildebrandt stellten wir unter einem gröfseren 
Fluge am 6. III. 1916 nur weifsköpfige Individuen fest. 2 Beleg- 
exemplare, die mir Herr H. in freundlicher Weise abtrat, liegen 
vor. Die Wintervorkommnisse im mittelsächsischen Berglande 
beziehen sich nach meinen langjährigen Beobachtungen einzig und 
allein auf die gestreiftköpfige Färbung. Auch Stücke, die ich bei 
einem Hermsdorfer und Hohensteiner Ausstopfer sah, gehören 
hierher. Nur diese Färbung kommt im Winter auch weiter nach 
Süden, also gebirgswärts vor, wie ich vielfach beobachtete. Dafs 
sie aber, wie Heyder registriert, nach A. Markert einmal in einem 
Paare bei Crottendorf im hohen Erzgebirge gebrütet haben soll, 
halte ich nach eigenen Erfahrungen und denen sicherer Gewährs- 
männer für völlig ausgeschlossen. Unsere Schwanzmeise meidet 
ausgedehnte reine Nadelholzbestände, obwohl sie in Laub- und 
Mischwaldungen — die Höhenlage kommt dabei nicht in Frage — 
gern ihr Nest in kleinen, jüngeren Fichtedickungen anbringt. Bei 
avifaunistischen Arbeiten hat man meines Erachtens, von wenigen 
Ausnahmen abgesehen, immer zu wenig Wert darauf gelegt, die 
beiden Färbungen auseinanderzuhalten. So ist unsere Kenntnis 
darüber, wie weit nach Osten die nur gestreiftköpfige als Brut- 
vogel vorkommt, oder wo beide Färbungen sich berühren und 
gemischt auftreten; oder endlich wo Aey. caudatus caudatus (L.) 
einsetzt, noch immer recht unsicher, und eine bestimmte Grenze 
nicht scharf oder gar nicht gezogen. Bei einer gewissen Sicherheit 
in dieser Hinsicht liefsen sich dann gewifs auch sichere Schlüsse 
ziehen, wo unsere winterlichen, scheinbar weit umherschweifenden 
Schwanzmeisenvagabunden beheimatet sind. Da wir in den 
südlichen , bergigen Distrikten Sachsens ausschliefslich auf gestreift- 
köpfige Individuen stofsen, ist mit grofser Sicherheit anzunehmen, 
dafs wir dort westlichen Zuzug haben, während wir in der 
Leipziger Pflege auf östlichen Zuzug zu rechnen haben. Nur ein 
Sammeln von Belegstücken kann ferner Klarheit darüber bringen, 
ob in den weifsköpfigen Wanderern Aeg. caud. europaeus oder 
Aeg. caud. caudatus vorliegen. Wo im Winter beide Färbungen 
auftreten, dürfte dann ein Schlufs auf vielleicht mitteldeutsche 
Vögel — eine andere Präzisierung ist vorderhand nicht möglich — 
am Platze sein. Da mir jede diesbezügliche sichere Beobachtung 
von Wert erscheint, erwähne ich, dafs ich in der Bernburger 
Gegend im Winter wiederholt nur gestreiftköpfige Exemplare sah. 
Die Beobachtungen reichen aber für diese Gegend für ein sicheres 
Urteil nicht aus. Ein Exemplar meiner Sammlung aus dem Ost- 
harze vom 1. X. gehört der gestreiftköpfigen Form an. Die Misch- 
und Birken bestände des Rachelgebietes im Böhraerwalde beherbergen, 
wie ich an anderer Stelle bereits erwähnte, zur Brutzeit beide 
Färbungen. Möchten meine kurzen Andeutungen faunistisch 
arbeitenden Ornithologen Veranlassung geben, den Schwanzmeisen 



~ 70 - 

hinsichtlich ihrer Kopfzeichnuog mehr Beachtung zu schenken als 
dies bisher der Fall gewesen ist. 

Auch unsere Blaumeise (Fnrus caeruleus caeruleus L.) schien 
infolge der anhaltend strengen Kälte im Winter 1916/17 in recht 
grofsen Flügen auf dem Striche resp. Zuge gewesen zu sein. Herr 
Gutsverwalter Metzler beobachtete am 16. III., nachmittags, einen 
ungemein starken Zug dieser Meise. Alle Bäume in der Nähe 
des Gutsgehöftes, der Strafsen und der Nachbargehöfte erschienen 
wie mit Meisen beschneit. Auf einem Bäumchen waren oftmals 
bis 30 Stück Vögel zu zählen. Ich selbst beobachtete am 8. IV., 
während man von dort sefshaften Exemplaren bereits den Paarungsruf 
vernahm, noch recht starke, mit Kohlmeisen untermischte Zug- 
kolonnen in den Laubholzbeständen des Reviers Hainholz. Leider 
unterliefs ich damals, einige Exemplare abzuschiefsen ; vielleicht 
wäre eine schwache Möglichkeit vorhanden gewesen, auf Grund 
auch nur kleiner Kennzeichen auf die Beheimatung der Wanderer 
schliefseu zu können. 

Zum Schlüsse nur noch einige kurze Bemerkungen über 
weiteres dortiges Vogelvolk. Während der kalten Tage trieb sich 
am Hof- und Strafsendung allerlei gefiedert Proletariat umher, 
aufgepludert und frierend : Haubenlerchen, rauchgeschwärzt 
wie Leipziger Stadtspatzen, A m m e r n in Menge, alle stumpffarbig 
und unschön im Kleide, echte dortige Landbewohner von Geburt. 
In einiger Entfernung von Gebäuden trieben sich auf den Strafsen 
umher : Elstern in kleiner Anzahl, Dohlen, Häher, Raben-, 
Nebel- und Saatkrähen. Die Nebelkrähe trat vereinzelter auf; 
auch ein Bastard war bei einem Ausstopfer eingeliefert worden. 
Die Umgebung stand weit und breit ornithologisch im Zeichen der 
Saatkrähe. Während man am frühen Morgen die gewohnten 
Scharen von den Übernachtungsplätzen nach den Strafsen und 
Feldern zu streichen und sich verteilen sah, traten von Mitte März 
an regelmäfsige Wanderzüge in Erscheinung und zwar während 
aller Tagesstunden und in riesigen Mengen, die sich vom 20. ab 
am meisten verdichteten, Zugrichtung immer nach West, Südwest 
einhaltend. Vom 20. III. ab mischten sich unter die Krähenschwärme, 
dieselbe Zugrichtung einhaltend, auch gröfsere Flüge von Kiebitzen, 
die Herr Metzler bis auf 80— 100 Stück schätzte. Turmfälkchen 
hockten auf den höheren Bäumen der Gehöfte und kannten keine 
Fleischnot. Mehrmals tagsüber kamen sie bis in die Gehöfte herein 
und nahmen sich vor den Augen des Beobachters ihre Rationen 
in Gestalt von Sperlingen, unbegrenzt und markenfrei. Am 21. II. 
schlug nach Beobachtung des Herrn Metzler ein Fälkchen von 
ö Staren, die von einer Linde abstrichen, ein Exemplar im Fluge. 
Vom 26. II. an bewegten sich tagsüber grofse Lerchen flüge in 
der Richtung nach Nordost. Am 27. III. und folgende Tage fanden 
grofse Rückzüge in entgegengesetzter Richtung statt. Am 12. IIL 
kamen weifse Bachstelze und Gebirgsstelze ins Gebiet 
zurück. Grofse Finkenzüge wurden am 15. IIL notiert; 



— 71 — 

überwintert hatten sie in ganz leidlicher Zahl. Vom 16. III. an waren 
an dem Bewässerungsgraben der Voigtschen Gutswiese regelmäfsig 
Wiesenpieper zu beobachten , die mitunter in gröfseren 
Schwärmen von 60—70 Stück einfielen. Am Gutsteiche wurde 
am Tage darauf ein schön verfärbtes Männchen des Rohramme rs 
von Herrn Metzler beobachtet. Das erste Hausrotschwänzchen traf 
am 21. III. ein. Anfangs März wurde vom Jagdpächter eine Krick- 
ente erlegt. Sie hatte ein Jahr vorher auf einem kleinen Weiher 
in Hermsdorf glücklich ihre Jungen hochgebracht. Am 31, III. 
sangen Heidelerche und Misteldrossel, während die 
Wachholderdrosseln erst am 6. IV. am Brutplatze ein- 
trafen. Am 7. IV. wurde von Herrn Metzler und mir 1 Korn- 
weihe, auf den Äckern umherstreichend, festgestellt. Am 10. IV. 
und die folgenden Tage waren Berg- mit Buchfinken gemischt, 
auf dem Durchzuge anzutreffen. Am 7. IV. sangen erstmalig 
Weidenlaubvogel und am folgenden Tage B r a u n e 1 1 e. 
Am 12. und 1 3. IV. trafen auch Waldrotschwänzchen und 
Steinschmätzer ein. Hiermit schliefsen Metzlers und meine Auf- 
zeichnungen. 



Krabbentaucher in der Ostsee, 
Von Werner H&Ken. 

Im Februarheft des laufenden Jahrganges dieser Zeitschrift 
erwähnt Prof. Ibarth zwei Fälle des Auftretens dieses spärlichen 
Gastes aus dem hohen Norden in der Ostsee, wobei er auf die 
Seltenheit des Vorkommens in diesem Gebiet mit Recht hinweist. 

Ich kann zwei neue Fälle mitteilen, die sich auf den west- 
lichen Teil der Ostsee beziehen, wo der Krabbentaucher auch nur 
ganz ausnahmsweise auftritt. Wüstnei und Clodius führen ihn 
von Mecklenburg nur auf Grund einer Angabe von Grävenitz auf. 
Jedoch erscheint diese Angabe sehr fraglich. Rohweder erwähnt 
von Schleswig-Holstein ganz oberflächlich, dafs er in der Ostsee 
im Gegensatz zur Nordsee „viel seltener" sei. 

In der zweiten Hälfte Dezember 1917 erhielt der hiesige 
Präparator Röhr ein Exemplar aus Travemünde, das er dem 
lübeckischen Museum übergeben hat. Es ist das dritte lübeckische 
Stück. Das erste ist vor 1880 erbeutet und wird von Homeyer 
in seiner „Reise nach den Nordseeinseln . . . ." als im hiesigen 
Museum aus Travemünde stehend aufgeführt. Das zweite erwähnte 
ich in meinem Werk über „die Vögel des Freistaates und Fürst. 
Lübecks". Es ist am 21. November 1912 auf der Lübecker Bucht 
erbeutet. 

Herr Sanitätsrat Dr. Schulz-Flensburg, der sich früher auf 
ornithologischem Gebiet schriftstellerisch betätigt hat, dem ich sehr 
wertvolle Beiträge zu einer geplanten „Vogelwelt der Nordmark" 
verdanke, schrieb mir u. a., dafs am 9. Dezember 1916 ein Stück 



_ 72 ~ 

auf der Flensburger Förde erbeutet sei. Das scheint der erste 
positive Fall für die schleswig-holsteinische Ostküste zu sein. In 
der Literatur fand ich bisher nur allgemeine Angaben. 



Ornlthologische Beobachtungen aus Nordfrankreich. 

Von Werner Sankel. 

Vom Herbst 1916 bis zum Winter 1917/18 war ich als 
Frontsoldat in Nordostfrankreich. Das Vorkommen einiger dort 
beobachteten Vogelarten soll im Folgenden auf Grund eigener 
Beobachtungen und der Veröffentlichungen über dasselbe Gebiet 
von Gengier, Schuster, Heyder, Böker und Franz besprochen werden. 
Mein Beobachtungsgebiet war erstens die Ostchampagne mit Vou- 
ziers, Monthois, Ripont, zweitens die französischen Ardennen (Le 
Chesne, Carignan) und die Nordargonnen (Quatre Champs), drittens 
die Westchampagne („Hochberg", Pont Faverger), viertens das 
Maasgebiet nördlich Verdun (Cousenvoye). In dem ersten und 
zweiten Gebiet beobachtete auch Gengier („Journ. f. Orn." 1916, 
„Kriegsbeobacht. aus Belgien u. Frankreich"), in den drei ersten 
Böker („Orn. Monatsschr." 1917, „Orn. Beob. in Frankr. u. Belgien"). 
Schuster beobachtete in allen genannten Gebieten (u. a. „Orn. 
Monatsber." 1917, „Einige ornith. Beobacht. aus der Champagne"). 
Heyder berichtet aus der Gegend von Verdun („Orn. Monatsber." 
1917, „Einige Gelegenheitsbeob. an der Vogelw. der weit. Umgegend 
von Verdun"). Franz' Beobachtungsgebiet ist das mittlere Aisnetal 
(Alsfeld bis Berryau Bac) und schliefst sich westlich an die West- 
champagne an („Orn. Monatsber." 1917, „Das Vogelleben im Aisne- 
gebiet"). Aus den noch weiter westlich gelegenen Teilen des 
besetzten Frankreich (Cambrai, Valenciennes), meinem jetzigen 
Beobachtungsgebiet, berichtet Gengier in einer weiteren Arbeit 
(„Orn. Monatsber." 1917, „Weitere Kriegsbeobachtungen aus Belgien 
und Frankreich"). 

1. Corvus frugilegus L. — Saatkrähe. — Schuster gibt eine 
Zusammenstellung der Beobachtungen der Saatkrähen in NO.- 
Frankreich. Bei Cardignan, wo Gengier sie auch sah, fand ich 
1917 eine starke Kolonie in einem parkartigen Garten dicht bei 
der Stadt. Ich beobachtete sie dort am 5. V. und zusammen mit 
Dohlen im August. In hohen Buchen, Akazien und Ahornbäumen 
zahlreiche Nester. Auch bei Foix Terron beobachtete ich im April 
1917 Saatkrähen. — Im Winter in grofsen Scharen in Nordfrank- 
reich, oft zusammen mit Dohlen. Hauptzugzeit: X., XI. und IL, 
III. Der Herbstzug macht sich besonders bemerkbar, Richtung 
in der Champagne SW. Sie ziehen bei ruhigem Wetter hoch, bei 
starkem Wind und trübem Wetter ganz niedrig über die Erde hin, 
jeder Bodenwelle folgend, in kleineren Trupps oder einzeln hinter- 
einander (im „Gänsemarsch"). Derartige niedrig ziehende Ketten 



— 73 — 

sah ich im Herbst 1917 oft das Aisne-Tal in der Gegend von 
Vouziers kreuzen. 

2. Corvus cornix L. — Nebelkrähe. — Gengier erwähnt in 
seinem ersten Beobachtungsbericht für das Gebiet nur eine Beob- 
achtung der Nebelkrähe. — Ich sah 1916 am 23. XL und 7. XII. 
mehrere bei Monthois, am 9. XII. ca. 15 Stücke auf dem Bahnhof 
von Amagne und bei Attigny, am 15. XII. ca. 15 Stücke bei 
Savigny. — 1917 am 25. X. bei Terron sur Aisne sowie im XII. 
wieder bei Amagne, Monthois, Sechault einzelne und im Januar 
1918 einzelne bei Monthois. — Gröfsere Trupps sah ich dagegen 
im I. und II. 1918 bei Solesmes unweit Le Cateau. In dieser 
Gegend sah Gengier noch am 2. IV. 1916 zwei Nebelkrähen. 

3. Fringilla montifrinqilla L. — Bergfink. — Nur Hey der 
und Böker erwähnen je 1 Beobachtung dieser Art. Franz sagt: 
„Arten, die von Deutschland aus als nordische bezeichnet werden, 

bemerkte ich garnicht wie den Bergfinken " — Nach meinen 

Beobachtungen ist montifringilla ein zahlreicher Durchzügler, der 
auch in der Champagne zusammen mit anderen Körnerfressern 
überwintert, wie ich bereits („Orn. Monatsber." 1917, Heft 12) mit- 
teilte. Viele ziehen aber noch über die Champagne hinaus nach 
SW., was ich im Oktober -November 1916 und 17 beobachtete. — 
1916: Erste Beobachtung 10. X. bei Savigny, danach den ganzen 
Winter über bei Ripont, wo sie in der baumlosen Grassteppe 
leben, letzte am 2. IV. 1917 bei Somme— Py. ~ 1917: Erste am 
14. X. (l cT gesammelt), danach besonders Anfang XL lebhafter 
Zug in den Ardennen und im XII. kleine Trupps bei Monthois, 
wo ich sie auch im L 1918 in der Steppe beobachtete. 

4. Chloris chloris L. — Grünfink. — In seinem ersten Bericht, 
der besonders Ardennen und Champagne betrifft, sagt Gengier, 
dafs er im "Winter keine Grünfinken beobachtete. In seinem zweiten, 
der mehr die Gegend von Valenciennes, Cambrai behandelt, nennt 
er ihn einen „nicht seltenen Brutvogel". — Böker: „zahlreich in 

Nordfrankreich In der Gegend von Vouziers .... sah ich 

1916 nicht einmal einen Grünfink''. — 

Ich sah ihn in der Champagne zusammen mit anderen Finken- 
arten bei Ripont vom 5.— 11. I. 1917 täglich, daselbst am 15. IL 
und 15. XIL 1917 ; einzelne bei Monthois 14. V., 26., 31. XII. 1917; 
bei Savigny s. A.. am 19. XII. 1916. - Häufiger als in der 
Champagne ist er in den Ardennen und dem nördlichen Argonnen- 
wald: 1917. Sedan 27. VL, Guignicourt (südlich Mezieres) 11. VIII. 
singend, 12. VIII. flügge Junge fütternd ; Carignan 14., 16. VIII., 
Bailay und Gds. Armoises im XL In der eigentlichen Champagne 
brütet er wohl nur ganz vereinzelt, die dort überwinternden 
Grünlinge sind wohl z. T. aus den Ardennen zugezogen. Die 
weiten Ünkrautfelder der Champagnesteppe bieten ihnen auch im 
Winter reichliche Nahrung. — Vor Verdun sah ich 1. X. 1917 
1 Stück bei Haumont. 



— 74 — 

5. Ghrysomiiris spinus L. — Erlenzeisig. — Für die Champagne 
und die französischen Ardennen finde ich keine Beobachtungen 
bei genannten Autoren. Gengier erwähnt die Art einmal für 
Rouvroy in Belgien und Heyder für das östliche Maasufer. 

Ich sah 1917 bei Somme— Py am 2. IV. einen Schwärm von 
ca. 30 Stücken in einer Baumhecke an einem Wiesenbach ; in der 
Nähe waren weitausgedehnte niedrige Kiefernwälder. — Bei Liry 
in einer heckenreichen Mulde, 6. und 8. IV. mehrere singend. — 
Bei Terron 27. X. ein Trupp, bei Gds. Armoises 7. XI. ein Stück. 

6. Sitta caesia Wolf. — Kleiber. — Relativ häufig traf ich 
den Kleiber im VlIL, IX. 1917 auf dem östlichen Maasufer im 
„Bois de Cousenvoye", wo sie zutraulich oft an und in unsere 
Baraken kamen und sich im Walde durch das Aufschlagen der 
dort häufigen Haselnüsse bemerkbar machten. Sie fielen mir durch 
ihre lebhaft gefärbte Unterseite auf. Bei Gds. Armoises (Dep. des 
Ardennes) traf ich sie, wie Gengier „in den Wäldern auf den Kuppen 
der niedrigen Ardennenberge", wo ich in der Zeit vom 7. — 16. XI. 
iyl7 auch mehrere sammelte. — In Carignan sah ich ein aus- 
gestopftes Stück. — In der Ostchampagne beobachtete ich nur 
23. Juli 1917 bei Manre 1 Stück in einer baumreichen Mulde. — 
Nach Franz fehlt er im Aisne-Gebiet, nach Franz' Ansicht, weil 
es für ihn „dort vielleicht schon zu warm wird". Ich glaube, dafs 
daran eher das Fehlen geeigneter Nistreviere mit älteren Laubholz- 
beständen schuld ist. 

7. Lantus coUurio L. — Neuntöter. — Für die Champagne 
nur von Böker erwähnt (31. V. 1916, Savigny). — 1917 beobachtete 
ich ihn bei Marvaux am 8. YIL, bei St. Morel 25. VII. und eine 
Familie mit flüggen Jungen, von der ich cf ad. und 1 iuv. sammelte, 
bei Ripont vom 15. —20. VII. — Bei Velosnes unweit Montmödy 
am 19. VIII. 

8. Anihus campestris L. — Brachpieper. — Der Brachpieper, 
den Gengier, Heyder, Böker und Franz nicht erwähnen, kommt in 
der Ostchampagne bei Ripont vor, wo ich ihn bei unserer Infanterie- 
stellung im Juli und August 1917 beobachten konnte. 

9. Motacilla boarula L. — Bergstelze. — Heyder traf sie im 
V., VI. am westlichen Maasufer selten, im Winter auf dem östlichen 
häufig. Auch nach Gengier ist sie „im Herbst und Winter nicht 
selten". Böker erwähnt sie merkwürdigerweise nicht. Franz führt 
sie unter den Brutvögeln seines Gebietes auf. 

Nach meinen Beobachtungen ist die Gebirgsstelze spärlicher 
Brutvogel und als solcher wohl Standvogel in der Ostchampagne 
bei Ripont im Dormoise-Tal, wo ich einzelne während des ganzen 
Jahres und flügge Junge fütternde Bergstelzen im VII. 1917 
beobachtete. In der Ostchampapne und den französischen Ardennen 
trifft man im Winter überall einzelne, die wohl z. T. zugezogen 
sind, so bei Monthois, Savigny, Vouziers, Terron, Quatre Champs 
(20. X. 1917 4 Stücke), Chatillon sur Bar, Gds. Armoises, Fossö. — 



— 75 — 

In der Westchampagne 22. V. 1917 mehrere bei Pont Faverger. — 
BeiGuignicourt (südlich Mezieres) 11, VIII., Carignan 16,, 17. VIII. — 
Flügge Junge fütternd bei Velosnes an der Chiers am 17. VIII. 
1917. — Im Maasgebiet: Vittarville 21. VIII., Consenvoye 3. IX., 
Sivry s. M. 23, IX, Clery 7, X. 1917. — Auch bei Solesmes waren 
einzelne im I., IL 1918. 

10. Riparia riparia L. — Uferschwalbe. — Böker fand bei 
Brieres an der Aisne 10. V. 1916 kleine Kolonie. — Ich sah Ufer- 
schwalben Mitte VII. 1917 bei Ripont, ohne ihre Kolonie zu finden. 
15. und 16. VIII. 1917 bei Carignan am Ufer der Chiers flügge 
Junge fütternd. Bei Sedan vermifste ich sie Ende Juni 1917. 
Auch Heyder erwähnt sie nicht für das Maasgebiet nördlich Verdun. 

11. Dendrocopos minor L. — Kleinspecht. — Für Corbon 
(Ostchampagne) erwähnt Böker 1 9 '^om 31. III. 1916, für die 
belgischen Ardennen Gengier 2 Beobachtungen. Auf Grund 2 cfcT 
1 9? <ii6 Bacmeister an der Westfront (wohl in den Ardennen) 
gesammelt hat, stellte Kleinschmidt die neue Form Picus minor 
bacmeisteri auf („Falco", 1916). — 1916 sah ich diese Art am 
19. XII. bei Savigny, 1917 am 22. X. bei Terron und 11. XL bei 
Gds. Armoises. 

12. Asio flammeus Pont. (=z A. accipitrinus). — Sumpfrohr- 
eule. — In der Champagne wohl nur Wintervogel. Franz führt 
sie unter den Brutvögeln des Aisne- Gebiets auf. Kleinschmidt 
sagt über Sumpfrohreulen von der Westfront: „z. T. sehr dunkel. 
Vielleicht nur Nordländer (?)." — Ich beobachtete die Art nur 
8. XII. 1917 bei Terron s, A., wo ein Stück mehrfach von einer 
sumpfigen Wiese durch eine Schützenlinie exerzierender Soldaten 
aufgescheucht wurde. Sie flog immer nur ein kleines Stück fort 
und fufste dann wieder auf einen niedrigen Pfahl oder Stein. 

13. Syrnium aluco L. — Waldkauz. — In den Wäldern der 
Nordargonnen und französischen Ardennen ist er sicher Brutvogel. 
Im Herbst 1917 beobachtete ich ihn im Bois de Belval bei Fo8s6, 
bei Terron s. A. und Gds. Armoises, wo er noch im November 
abends und morgens lebhaft nahe bei meinem Quartier im Walde 
rief. — Böker fand ihn Februar 1916 bei Monthois, Heyder am 
westlichen Maasufer bei Montfaucon am 9. V, 1916. 

14. Archihuteo lagopus (Brunn). -— Rauhfufsbussard. — In 
den genannten Arbeiten ist er nicht erwähnt. Bei Voncq an der 
Aisne sah ich am 31. X. 1917 ein Stück, das niedrig über das Feld 
flog und wirbelnd dicht über dem Boden hin und her schwankte. 

15. Anas boschas L. — Stockente. — Franz sagt in seiner 
Arbeit über das Aisne-Gebiet, dafs „nur sehr vereinzelte Stockenten" 
im Gebiet brüten. „Nur die Zugzeit bringt einen etwas gröfseren 
Reichtum an Stockenten und anderen Schwimmvögeln." Weiter 
unten heilst es dann in derselben Arbeit aber: „Da man nun zur 
Zugzeit Baumfalken und Stockenten nicht zahlreicher als im übrigen 
Jahre sieht, mufs ich annehmen, dafs, während die hier heimischen 



— 76 — 

an Ort und Stelle ausdauern, ihre Artgenossen aus kühleren Gegenden 
das Gebiet teilweise überfliegen." Danach müfsten zur Zugzeit oder 
doch wenigstens während des Winters auch „nur sehr vereinzelte 
Stockenten" im Gebiet anzutreffen sein. Das trifft aber, wenigstens 
für das obere Aisne-Tal, nicht zu, sondern in Wirklichkeit wimmelt 
es im Winter an der Aisne und ihren Nebenflüfschen von Enten, 
wie ich 1917 besonders im Januar, Februar an der Bar (rechter 
Nebeoflufs) und im Dezember bei Vouziers, Terron, Voncq im 
Aisne-Tal beobachten konnte. Bei der Aisne-Brücke bei Voncq, 
wo die Aisne mehrere Arme bildet, gab es Tausende von Stockenten, 
die hier überwintern und nicht das Aisne-Gebiet „überfliegen", 
wofür ja auch keinerlei Grund vorliegen würde; denn die Aisne 
friert auch bei stärkerem Frost kaum zu und bietet mit den meist 
überschwemmten Wiesen und den mit Gehölzen und dichtem 
Buschwerk bewachsenen üferbuchten ein gutes Überwinterungs- 
gebiet. Anscheinend überwiegen an Zahl die Erpel. — Im Sommer 
sieht man an der Aisne selten mal eine Ente. — Bei Monthois 
26. III. 1917 auf flacher Lache auf Wiese 8 Stück. 

16. Grus grus L. — Kranich. ~ Der Herbstdurchzug in der 
Champagne erfolgt nach Böker's und meinen Beobachtungen in 
der zweiten Hälfte des Oktober. Für den Frühjahrszug gibt Böker 
für die Ostchampagne Beobachtungen vom 12. III. und 2. IV. 1916, 
Heyder für das östliche Maasgebiet 11., 12., 17. — Der Zug ist 
wie bei Staren und Saatkrähen nicht an engbegrenzte Zugstralsen, 
etwa das Maas- oder Aisne-Tal, gebunden, sondern erfolgt auf 
breiter Front. Im Herbst 1917 machte ich folgende Beobachtungen : 
17. X., Foss6, 10 Stück nach WSW., schwenken auf Schufs von 
mir kurz und fliegen dann in der alten Richtung weiter, ziehen 
ziemlich tief, piepsen hell und rufen viel „gru". 
20. X., Belleville sur Bar, 80 Stück nach W., ziemlich niedrig, 
schwenken auch auf Schufs von mir kurz, um dann nach 
kurzem Kreisen wieder ihre Flugrichtung aufzunehmen. 
20. X., Quatre Champs, 1 Uhr mittags, 2 grofse Flüge, ca. 500 zu- 
sammen, nach SW. — 2^5 Uhr nachmittag 2 grofse Flüge, 
ca. 800 — 1000 zusammen, fliegen in 2 grofsen Winkeln neben- 
einander, zu denen sie immer wieder auffliegen, wenn sie mal 
durcheinander gekommen sind; schweben beim Auffliegen, 
schlagen sonst mit den Flügeln, rufen dauernd. Gleichzeitig 
hört man bereits einen hinteren Schwärm der 2 20 Uhr kommt, 
ca. 150 Stücke; piepsen und rufen lebhaft und fliegen sehr 
schnell. Hinter ihnen her fliegt ein Flieger, vor dem sie in 
grofser Angst zu flüchten suchen. — Bei Terron s. A. am 
selben Tag S»» Uhr 400 Stück nach SW. — Ein Kamerad 
erzählte mir, dafs ein Kranich von einem Maschinengewehr 
aus einem die Front überfliegenden Schwärm herausgeschossen 
wurde. Die Leute haben ihn dann verzehrt. 



^ 77 — 

Ostern 1917 in Ttttz In Westpreufsen. 
Von Prof. J. Hammling;. 

AnfaDg April 1917 lagen die Seen bei Tiitz noch unter einer 
starken Eisdecke. Üer Tützsee bot nur an der waldfreien Nord- 
seite in einem schmalen Wasserstreifen längs des Ufers und an 
einer etwas ausgedehnteren eisfreien Stelle vor der Einmündung 
des Hühnchengrabens dem Wassergeflügel die Möglichkeit zur 
Nahrungssuche. Dadurch wurde allerdings die Beobachtung der 
Vögel aufserordentlich erleichtert, da sie sich notgedrungen an 
wenigen offenen Stellen zusammendrängten. 

Am 5, IV. traf ich an der Nordseite des Tützsees neben 
zahlreichen, meist paarweise auf der Eiskante stehenden Stockenten 
einen kleinen Schwärm von 8 Zwergsägern (4 cT, 4 9)) offenbar 
gepaarte Paare, die bei meiner Annäherung schleunigst das Weite 
suchten. Unfern des Hühnchengrabens sah ich ein weiteres Paar 
dieser Art. In der Nähe der Säger trieben sich mehrere Paare 
Schellenten (im ganzen mindestens 5 Paare) umher, die meist 
paarweise abflogen. Nur ein einzelnes 9 verweilte etwas länger, 
ehe es den andern folgte. Von diesen Vögeln hörte ich mehrmals 
einsilbige wie kar klingende Laute, dreimal und auch öfter wiederholt, 
welche Lautreihe mit einem volltönenden Kärah schlofs. Im Ab- 
fliegen liefsen sie ein leises Kor kor hören. Auf der Wasserfläche 
vor der Einmündung des Hühnchengrabens sah ich zwei weitere 
Paare Schellenten, aufserdem ein einzelnes cf. Dieses machte sich 
in der Nähe der andern beiden Paare durch allerlei Balzgebärden 
bemerkbar und veranlafste dadurch eins der angepaarten cf sich 
ähnlich zu betätigen. Es schwamm auf kleinem Baume unruhig 
hin und her, wobei der Kopf und Oberkörper bald nach links bald 
nach rechts gewendet wurde. Dann wurde der Kopf auf den 
Rücken gelegt und hier und auf den Schwanzdecken wurden 
scheuernde Bewegungen ausgeführt. Plötzlich wurde mit einem 
Ruck Kopf und Hals emporgerissen und, während beide Körperteile 
eine nach oben gerichtete, gerade Linie bildeten, die Silben quek 
quehk laut und vernehmlich herausgestofsen (vgl. 0. Mb. 1916, 
No. 2, S. 26, wo diese Laute, in der Form quek quähk, als Warn- 
rufe gedeutet werden mufsten, während sie hier offenbar Balzrufe 
darstellten). Bei diesem Balzspiele wurde mehrfach durch heftigen 
Stofs mit dem linken Ruder Wasser 1 m und weiter rückwärts 
geschleudert, so dafs es sichtbar emporspritzte. Nunmehr tauchte 
das angepaarte cT, offenbar, um den Nebenbuhler unter Wasser 
anzugreifen, worauf auch sogleich das unbeweibte Stück unter 
Wasser ging, in einer Entfernung von einigen m wieder emporkam 
und sich schwimmend entfernte, um bei einem andern Pärchen 
sein Glück mit besserem Erfolge zu versuchen. 

Abends gegen 7 Uhr traf ich etwas weiter unmittelbar am 
Ufer wieder 5 Schellenten, 2 9 und 3 cT- Auch hier war das 
Paarungsgeschäft noch im Gange. Die 3 cT schwammen in einem 



— 78 — 

kleinen Kreise unruhig hin und her und suchten sich gegenseitig 
abzudrängen. Dabei liefsen die Vögel immer wieder die schon 

oben angegebenen Laute kar hören, welche Lautreihe 

manchmal, nicht immer, durch das volltönende Kärah unterbrochen 
wurde. Auch hier liefsen die Vögel im Abfliegen ein leiseres 
Kor kor hören. Im ganzen waren auf dem Tützsee mindestens 
10—12 Paare Schellenten vorhanden. 

Am 7. IV. sah ich auf der Propsteikuhmösse unter Stockenten 
und Bläfshühnern 2 oder 3 Paare Enten, die durch ihre geringe 
Gröfse auffielen. Sie standen auf dem Eisrande, zogen sich aber 
eiligst ins schützende Röhricht zurück. Mehrfach drangen Rufe 
wie krlik (in recht hoher Tonlage) an mein Ohr, und so durfte 
ich sie denn wohl mit Recht als Krickenten ansprechen. Auf dem 
Tützsee waren wieder mehrere Paare Schellenten sichtbar. Zu 
einem Paare dieser Art hatte sich ein Zwergsägerpaar gesellt. 
An einer andern Stelle traf ich in der Nähe eines Schellenten- 
pärchens einen Gänsesäger (anscheinend cT mit rostbraunem Kopf) 
in Gesellschaft von 2 9- Diese 3 Vögel flogen dann auch zu- 
sammen ab. 

Im Kiefernwalde an der Nordseite des Tützsees sang eine 
Misteldrossel, auf den Wiesen am See trieben sich Wachholder- 
drosseln umher. 

Am 8. IV. bedeckte morgens die Erde eine leichte Schnee- 
decke, die aber im Laufe des Vormittags verschwand ; es war sonnig 
bei scharfem NW. Auf dem Tützsee traf ich ein Zwergsäger-d' 
und anscheinend 2 9 derselben Art in der Nähe mehrerer Schell- 
enten. Auch ein Haubentaucher war auf dem schmalen Wasser- 
streifen sichtbar. Dieser Vogel fühlte sich aber offensichtlich recht 
unbehaglich, da ihm die Möglichkeit wegzutauchen fehlte. Unfern 
des Hühnchengrabens sah ich wieder die 2 Gänsesäger-9, das cT 
war jedoch nicht sichtbar, ferner mehrere Schellenten, meist 
paarweise, 

Nachmittags um V2 ^ traf ich auf dem Schlofssee (Tafelsee) 
an einer verhältnismäfsig ausgedehnten eisfreien Stelle, in die der 
Abflufsgraben des Lüptow einmündet, zahlreiche Reiher- und Tafel- 
enten neben mehreren Bläfshühnern. Beide Entenarten waren 
untereinandergemischt, cf und 9- Ich zählte etwa 20 d* der 
Reiherente und 10—15 cf der Tafelente. Etwas abseits schwammen 
eine männliche und eine weibliche Schellente, offenbar ein gepaartes 
Paar, umher. Auf dem Eise unmittelbar an dem offenen Wasser 
safsen, 10 — 15 Schritt von einander entfernt, 2 Zwergsägerpaare. 
Das eine Paar, dem mein Erscheinen etwas verdächtig vorkommen 
mochte, flog in der Richtung auf den Lüptow ab, kehrte aber nach 
kurzer Zeit wieder zurück. An der stark versumpften, mit altem 
Riedgras, Rohr und Kolbenschilf bedeckten Einmündungsstelle 
des Abflufsgrabens des Lüptow machten sich um 5 7i P- mehrere, 
ich schätzte 3 — 4, Wasserrallen durch gegenseitiges Anrufen be- 
merkbar. Es erklangen einsilbige Rufe wie kip , kyp , 



— 79 — 

die öfter am Ende in einen gedehnten herabgezogenen Ton aus- 
liefen. Manchmal wurden die Kip-Rufe gegen das Ende der Ton- 
reihe hin schneller. Auch die für diese Art so charakteristischen 
Krruih-Rufe wurden vernommen oder Rufe von ähnlicher Form, 
die in quiekendem Tone vorgetragen wurden. Die Rallen mochten 
wohl unlängst erst eingetroffen sein. Als ich nach einer kleinen 
halben Stunde wieder diese Stelle berührte, liefs sich kein Vogel hören. 
Am 9. IV. sah ich an der Ostseite des Tützsees und zwar 
an der Einflufsstelle des Mühlgrabens 2 Paare Reiherenten und 

1 unbeweibtes cT, das von einem angepaarten befehdet wurde. 
An der Südseite des Tützsees traf ich ein Paar Schellenten, dann 

2 weitere Paare dieser Art; auch an der Westseite dieses Sees 
waren einige Paare sichtbar, ebenso an der Einmündung des 
Hühnchengrabens, wo auch die vorher erwähnten Rufe quek qu6hk 
wiederum mehrfach zu hören waren. 

Daselbst verweilten auch zahlreiche Reiher- und Tafelenten. 
Die letzteren liefsen eifrig djüb-Rufe hören. Ebendort standen auf 
dem Rande des Eises mehrere Zwergsäger-cf und 9i 6 bis 8 cT 
deutlich sichtbar. Es dürften wohl die an den vorhergehenden 
Tagen beobachteten Vögel gewesen sein. Auch ein Fischreiher 
ging am Tützsee seinen Geschäften nach. In den Kiefern am 
Westende des Sees sang eine Misteldrossel. 



Schriftenschau. 

Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornithologischen 
Monatsberichten" zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger 
gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- 
teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- 
schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbstständig erscheinenden Arbeiten 
ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. 

H. S c b al w , [Über die Vogelfauna des Bodenseobeckens] ; Journ. 
f. Oruith. 1917, 237—240. 

E. Stresemaun, Über gemischte Vogelschwärme; Verhandl. d. 
Ornith. Ges. in Bayern, Bd. 13, 1917, 127 — 151. — Eine interessante 
biologische Studie. Der Verf. behandelt die einfachen und, daran an- 
scbliefsend, die zusammengesetzten Miscbscbwärme streifender Vögel, gebt 
dann auf die Zusammensetzung der Vogelgesellschaften in Wäldern n&ber 
ein, wobei die einzelnen Familien, soweit sie vornehmlich für die Fragen 
in Betracht zu ziehen sind, besprochen werden. Besondere biologische 
Wahrnehmungen, Erscheinungen des Geselligkeit- und Bruttriebes, auch 
in Hinblick auf die Verhältnisse der Tropenwälder, werden erörtert und 
schliefslich wird die Antwort auf die Frage zu geben versucht, was die 
Vögel zur Bildung solcher Gesellschaften veranlafst. Für die einfachen 
Mischschwärme glaubt der Verf die gegenseitige Unterstützung beim 
Aufsuchen der Nahrung, bei den zusammengesetzten den suggectiven Ein- 
flufs der Menge auf kleinere Vogelarten als Erklärung ansehen zu dürfen. 



— 80 - 

H. Stadler und G. Schmitt, Die Rufe der Mauersegler ; 
Verhandl. d. Ornith. Ges. in Bayern, Bd. 13, 1917, 152-— 157. 

E. Gebhard, Ficbtelgebirgsbeobacbtungen 1914; Verhandl. d. 
Ornith. Ges. in Bayern, Bd. 13, 1917, 158—170. — Verf. gibt die 
Beobachtungen wieder, welche er auf einer kurzen, nur fänft&gigen Ex- 
kursion sammeln konnte. Die Arbeit behandelt 61 Arten. Die ror- 
stehende kleine Mitteilung ist nicht, wie der Verf. (in litt.) annimmt, „die 
erste und einzige Arbeit über die Avifauna des Ficbtelgebirges". Ref. 
vermag im Augenblick nicht zu kontrolieren, ob die zahlreichen Ver- 
öffentlichungen, die wir von Wolf uud Frauenholz (1799), Jaeckel (1848), 
Krefs (1854), Oppel (1806), Jaeckel (18G9) über die Gebiete Frankens 
und der angrenzenden Gebirgsteile besitzen, auch Mitteilungen über das 
Fichtelgebirge enthalten. Jedenfalls finden sich ornithologiscbe Nachrichten 
über das genannte Gebiet bei Fachelbel (Beschreibung des Fichtelgebirges, 
1714) und bei J. Th. B. Helfrecht (Das Fichtelgebirge nach vielen Reisen 
auf demselben beschrieben, Hof 1799, Vögel 125—129), beide von 
historischem Wert. Schliefslich sei auf die Arbeit von Rob. Schmidtill 
(Gef. Welt 1915, 390—392, 898-399 und 406—408) hingewiesen, 
die mehr denn 100 Arten aufführt. 

E. Stresemann, Die Verwendbarkeit des Entfernungsmessers 
zur Ermittelung der Flughöhe; Verb. d. Ornith. Ges. Bayern, Bd. 13, 
1917, 171—178. 

J. v. Domaniewski, Sitta europaea homeyeri Hart, und 
verwandte Formen; Verb. Ornith. Ges. Bayern, Bd. 13, 1917, 17-4-180. — 
Verf. unterscheidet die vier folgenden Formen: Sitta europaea caesia 
Wolf, S. e. homeyeri Hart., S. e. stolcmani Doman. und S. e. europaea 
Liun. Vergl. auch: Reichenow, Journ. f. Orn. 1918, S. 111. 

C. E. H e 1 1 m a y r , Zur Nomenklatur zweier europäischer Krähen ; 
Verhandl. Ornith. Ges. Bayern, Bd. 13, 1917, 181—187. — Weist gegen 
Kleinschmidt nach, dafs der Rabenkrähe der Linn^'sche Name Corvus 
corone verbleiben mufs, und dafs dem Namen von Fischer Corvus 
soemmerinyii (1811) vor dem Drummond'schen C. collaris (1846) die 
Priorität gebühre. 

M. Braefs, Warum schützen wir die Vögel?; Mitt. des Landes- 
ver. sächsischer Heimatschutz, Bd. 6, 1917, 61—68. S c h a 1 o w. 



Nachrichten. 

Prof. Herman SohalOW hat seine ornithologiscbe Hand- 
schriftensammlung der Königl. Bibliothek in Berlin als Geschenk 
überwiesen. Dieselbe enthält rund 550 Namen mit mehr denn 
10000 Einzelnummern. Die deutschen Ornithologen des vergangenen 
Jahrhunderts dürften vollzählig in derselben vertreten sein. Aufser- 
dera besitzt die Sammlung eine grofse Zahl Handschriften nicht 
deutscher Ornithologen. 

Druck TOB Otto DornblUlk in Btrnburg. 




Omithologische lonatsberichte 

herausgegeben von 

Prof. Dr. Ant. Reichenow. 



36. Jahrgang. Juli/August 1918. No. 7/8. 

Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern 
und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. 
— Zusendungen jeder Art für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, 
Prof. Dr. Reichenow in Berlin N. 4. Invalidenstr. 43, den Buchhandel 
betreffende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn 
in Berlin NW. 6, Karlstr. 11 zu richten. 



Über die Formen des Baumlttufers 
Certhia familiaris L. 

Yon C. Kayser. 

Die Abweichungen des Baumläufers in Färbung, Mafsen 
u. 8. w. erregen nach wie vor das rege Interesse der Ornithologen. 
Seit Jahren habe ich bei meinen Beobachtungen im Freien diesem 
Gegenstande eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet und will 
im Nachstehenden über das Ergebnis meiner Studien berichten. 

Was zunächst die morphologischen Abweichungen 
anbetrifft, so habe ich mir vor einiger Zeit die Serien von Certhia 
familiaris L. und Certhia familiaris hrachydactyla Brehm im 
Berliner Universitätsmuseum durchgesehen und eine Anzahl der 
Exemplare beider Formen auch gemessen. Es stellte sich hierbei 
heraus, dafs weder die Schnabellänge, noch die Länge der Hinter- 
kralle ein konstantes Unterscheidungsmerkmal bilden, sondern die 
Mafse der einen Form in die der andern hinübergreifen. So mifst 
der Schnabel (rostrum a fronte) bei einem Exemplar von C. familiaris 
(Rossitten, 9. I. 1903) 15,5 mm, bei einem andern derselben Form 
(Gevezin, 16. IL 1906) : 16 mm, wogegen sich bei C f. hrachydactyla 
ein Exemplar mit nur 15 mm Schnabellänge (Hallein, 14. XL 
1899 9), ferner ein solches mit 15,5 desgl. (Strausberg, Januar 1906) 
und mehrere mit 16 desgl. finden u. s. w. Das Geschlecht war 
nicht immer ersichtlich, aber auch ein cT von hrachydactyla 
(Hallein, 15. 1. 1899) hat nur 16 mm Schnabellänge. Das Gleiche 
gilt von der Länge der Hinterkralle: Bei familiaris zeigt das 
obenerwähnte Exemplar — Rossitten, 9. L 1903 — nur 8 mm 
Krallenlänge, ein anderes (Müncheber, 27. VL 1909) 8,5 desgl. 
Demgegenüber zeigen von den von mir gemessenen hrachydactyla 
Stücken 5 eine Krallenlänge von 8 mm. Überall laufen also die 
Grenzen in einander 1 



— 82 — 

Was die Färbung des Oberkörpers anbetrifft, so unter- 
scheiden sich die Bälge von familiaris nicht sehr erheblich von 
denen der hrachydactyla, meist sind sie nur etwas mehr gelb 
bezw. lohfarben angeflogen, besonders in der Gegend des Bürzels. 
Qröfser ist der Färbungsunterschied auf der Unterseite : familiaris 
zeigt da durchschnittlich ein leuchtendes Weifs gegenüber dem 
Grau von hrachydactyla. 

Diese Färbungsunterschiede kommen aber bei lebenden Vögeln 
im Freien wenig zur Geltung. Der Unterschied in der Färbung 
des Rückens wird — selbst beim Gebrauch eines guten Fernglases — 
nur unter ausnahmsweise günstigen Umständen (grofse Nähe, sehr 
helles Tageslicht u. s. w.) zu bemerken sein. Die weifse Unter- 
seite kann nur in Gegenden zur Geltung kommen, die von 
Industrieanlagen völlig frei sind. Selbst in Hirschberg in Schlesien, 
also in einer Gegend, welche nicht als Industriegegend anzusehen 
ist, fand ich z. B. das Gefieder der Blaumeise fast bis zur Un- 
kenntlichkeit rufsgeschwärzt. Um wieviel mehr mufs dies bei 
einem Vogel der Fall sein, der, wie der Baumläufer den ganzen 
Tag an der rufsgeschwärzten Baumrinde, herum klettert. 

Angaben über die Beobachtung dieser oder jener Baumläufer- 
form, welche sich nicht auch auf erlegte Belegexemplare stützen, 
werden daher immer mit Vorsicht aufzunehmen sein. 

Auffallender Weise habe ich hier bei Lissa i. P. und in 
Schlesien in vereinzelten Fällen auch Baumläufer von auffallend 
heller Gesamtfärbung und ausgesprochen gelber Rückenfarbe ge- 
sehen. Ob diese Exemplare nur eine individuelle Variation dieser 
zu Variationen so sehr neigenden Vogelart darstellen, bleibt noch 
zweifelhaft. Diese hellrückigen Stücke, welche ich in meinem 
Tagebuch von Ende September und vom Januar notiert habe, sind 
allerdings auch im Freien von hrachydactyla leicht zu unterscheiden. 

Man hat behauptet, dafs die beiden Formen sich auch durch 
die Wahl ihres Aufenthalts unterschieden, indem familiaris 
den Kiefernwald bewohne, hrachydactyla dagegen die Laubhölzer, 
Gärten, Alleen etc. Ich habe dies nicht bestätigt gefunden. Die 
Kiefer ist offenbar der dem Baumläufer am wenigsten sympathische 
Baum, Wenn ich ihn überhaupt im Kiefernwald traf, was selten 
der Fall war, so war dies immer an Stellen, wo Laubholz ein- 
gesprengt war. In dem nahe an Lissa i. P. gelegenen, etwa 
7000 Morgen grofsen und fast ausschliefslich mit Kiefern bestan- 
denen Forstrevier Reisen traf ich den Baumläufer noch nie an, 
obwohl er in dessen unmittelbarer Nähe in Alleen, gröfseren 
Gärten etc. häufig auftritt. Häutig fand ich ihn auch in Misch- 
wäldern, sowohl solchen die mit Kiefer, wie namentlich solchen 
die mit Fichten — neben Laubholz — bestanden waren. 

Bekanntlich nistet der Baumläufer, wie viele andere Höhlen- 
brüter, manchmal an Gebäuden, die im Walde stehen. Es ist dies 
jedenfalls eine Folge ihrer Wohnungsnot. Dafs die In dieser 



— 83 — 

Welse nistenden Baumläufer alle zur Form hrachydactyla gehören, 
möchte ich nicht annehmen. 

Es ist ferner die Stimme als unterscheidendes Merkmal 
beider Formen erachtet worden. Aber auch hierin habe ich einen 
Unterschied nicht zu finden vermocht. 

Abgesehen von einem leisen „zi" ist die bei Weitem am 
häufigsten zu hörende Lockstimme aller Baumläufer ein einsilbiger 
Ruf wie ssrii, dem bekannten Lockton der Amsel täuschend ähnlich, 
aber etwas höher und zarter. Dieser Ruf enthält ein deutliches R 
und ist ziemlich weit vernehmbar. Ich habe ihn von allen Baum- 
läufern und in allen Gegenden gehört, in denen ich Beobachtungen 
anstellte. 

Aufserdem bringen manche Baumläufer noch einen zweiten, 
von dem eben beschriebenen grundverschiedenen Lockton, der wie 
tut oder ti klingt. Es ist ein reiner, gedehnter Pfiff ohne jedes R. 
Manchmal wird dieser Pfiff mehrmals — vielleicht 3 oder 4 mal — 
wiederholt. Man könnte im Zweifel sein, ob hierin schon eine 
Gesangsstrophe zu erblicken sei, ich möchte dies aber nicht an- 
nehmen, sondern nur einen wiederholten Lockruf darin erblicken, 
zumal der Ruf nicht weiter verändert bezw. moduliert wird. Ich 
habe diesen Lockruf verhältnismäfsig selten und nur von einzelnen 
Individuen gehört. Er klingt bei den einzelnen Exemplaren nicht 
immer ganz gleich. 

Dieser zuletzt beschriebene Lockton (ti) ist es offenbar, den 
C. L. Brehm mit dit dit (nach J. H. Blasius in der Naumannia 
1856, S. 447) und Hartert mit twih und tit (a. a. 0. S. 324) 
wiedergeben und den beide Forscher als ein Kennzeichen der 
hrachydactyla beschreiben. Ein solches UnterscheidungsmerkmÄl 
ist dieser Lockton meines Erachtens nicht, denn einmal habe ich 
mich zweifelsfrei davon überzeugt, dafs ein und derselbe Vogel 
sowohl den schnarrenden Lockton ssrii, wie auch die Töne ti ti ti 
hören liefs, und ferner habe ich den letzterwähnten Lockton (tut) 
am 30. IX. 1910 in Schlesien von einem auffallend hell- bezw. 
gelbrückigen Vogel gehört, der unzweifelhaft zu familiaris gehörte. 

Was den Gesang anbetrifft, so habe ich in den verschie- 
densten Gegenden und Beständen immer nur eine im Wesent- 
lichen sich gleichbleibende Gesangsstrophe, nicht zwei konstante, 
unter sich verschiedene Lieder, von denen das eine der familiaris^ 
das andere der hrachydactyla angehören könnte, vernommen. Die 
Klangfarbe entspricht dem Lockton ssrii und zeigt ein deutliches R. 
Die ganze Strophe lautet etwa wie tidirididiridit", bald kürzer, 
bald länger und mit manchen Variationen, auch in der Tonstärke, 
wie man dies ja auch bei andern Singvögeln findet. Am Schlüsse 
des Gesanges hörte ich öfters einen blaumeisenartigeu Triller, 
ohne dafs die Exemplare, welche diesen brächten, in Klangfarbe 
oder Melodie ihres Gesanges sonst merkliche Abweichung gezeigt 
hätten. Letzteres war auch nicht bei Baumläufern der Fall, die 
den Lockton tut hören liefsen. Eine Ähnlichkeit des Gesanges 



— 84 — 

mit Finkenschlag oder Laubsängerstrophen habe ich nie heraus- 
zuhören vermocht. Die Länge des Gesanges ist, offenbar je nach 
der Stimmung des Vogels, sehr verschieden, manchmal hörte ich 
auch im Mai und Juni nur 3 — 4 Töne. Von jenen obenerwähnten 
hellfarbigen Exemplaren hörte ich keinen Gesang, da ich sie 
aufserhalb der eigentlichen Gesangszeit beobachtete. 

W. Hagen behauptet in seiner Arbeit über die ^^Certhia- 
Arten" (2. Band des Journals f. 0. 1917, S. 75), dafs mir nur der 
Gesang der brachydäctyla bekannt sei. Ich halte diese Annahme 
aus mehreren Gründen für unzutreffend. Einmal erscheint es als 
ausgeschlossen, dafs alle die vielen Baumläufer, welche Ich in 
Ober- und Niederschlesien, wie hier in der Provinz Posen nahe 
der echlesischen Grenze durch mindestens 20 Jahre gehört habe, 
ausschliefslich zu der Form brachydäctyla gehört hätten. Sodann 
sind mir aber auch manchmal Baumläufer begegnet, welche ich 
nach ihrer ßückenfarbe glaubte zu familiaris stellen zu sollen, und 
auch von diesen hörte ich den gewöhnlichen, oben beschriebenen 
Gesang. 

Übrigens geben gerade diejenigen Beobachter, welche den 
beiden Formen einen verschiedenen Gesang zuschreiben, von den 
beiden Gesängen die verschiedensten, oft einander geradezu wider- 
sprechenden Beschreibungen. Gerade die erwähnte Arbeit von 
W. Hagen zeigt, welcher Wirrwarr in diesen Beschreibungen herrscht. 

Im Gegensatz hierzu möchte ich auf eine bemerkenswerte 
Übereinstimmung hinweisen. Heinrich Schacht sagt in seiner 
„Vogelwelt des Teutoburgcr Waldes" (S. 60), der Gesang des 
Baumläufers lasse sich durch die rasch ausgesprochenen Silben: 
Tidel - lididel - lidi einigermafsen übersetzen. Mit Bezug hierauf 
schreibt der bekannte livländer Ornithologe Oskar von Loewis 
(„Unsere baltischen Singvögel, S. 190), nachdem er die Friderich'sche 
Darstellung des Baumläufergesanges als unzutreffend besprochen 
hat, das Folgende: „Ich wiederholte mir die etwas zungen- 
brecherische (Friderich'sche) „Bibibi - Zusammenstellung unzählige 
Male, ohne irgendwie an die Liebesäufserungen des Baumläufers 
erinnert zu werden, während Heinrich Schacht's : Tidel-lidedel-lidi 
mich sofort in den frühlingsduftigen Wald versetzte, mir im Geiste 
den niedlichen und auch hübschen Klettergesellen vor die Augen 
zauberte und in den Ohren den mir von Kindheit an genau be- 
kannten Sangesversuch erklingen liels. Diese Schacht'sche VTort- 
bildung behufs Gesangeswiedergabe hat mir geradezu imponiert; 
sie ist einfach klassisch !" — Berücksichtigt man nun, dafs die beiden 
Genannten ausgezeichnete Beobachter waren, dafs ihre beiden 
Länder — Lippe und Livland — so sehr weit auseinander liegen, 
dafs Lippe zum Verbreitungsgebiet der Certhia hr. brachydäctyla 
und familiaris macrodactyla, Livland dagegen zu dem der nord- 
östlichen C. familiaris familiaris gehört, — so spricht das Zeugnis 
dieser beiden Beobachter nicht für eine Verschiedenheit der 
einzelnen Formen im Gesänge. Übrigens würde ich bei der 



— 85 — 

Schacht'schen Darstellung betonen müssen, dafs ich stets ein 
deutliches R im Baumläufergesang höre, nicht ein L. 

Was ferner den angeblichen Unterschied in der Fleckung der 
Eier beider Formen betrifft, so sagt Rey hierüber („Die Eier 
der Vögel Mitteleuropas, S. 236): „Manche Oologen gaben vor, 
die Subspezies des Baumläufers an den Eiern unterscheiden zu 
können, ich mufs dies nach meinen Erfahrungen für Phantasie 
erklären." 

Aus dem Gesagten geht meines Erachtens hervor, dafs die 
Formen des Baumläufers nur den Wert von Subspezies, nicht aber 
die Bedeutung von Arten haben. Dieser Ansicht werden sich 
jedenfalls diejenigen Oruithologen anschliefsen, welche an einem 
festen, scharfumrissenen Artbegriff festhalten, wie es Naumann, 
J. H. Blasius, Altum und A. taten. Ich finde z. B. keine Folge- 
richtigkeit, darin, wenn man Girlitz und Kanarienvogel, zwei nach 
Gröfse, Schnabelform, Gesang und A. grundverschiedene Vogelarten, 
lediglich als geographische Formen einer Art ansieht und andrerseits 
den Baumläufer in zwei Arten spaltet. 

Übrigens ist der Streit hierüber ja schon ein alter und schon 
ehemals von C. L. Brehm einerseits und von Naumann und 
J. H. Blasius andrerseits mit grofser Gründlichkeit geführt worden. 
Namentlich die sehr klaren und eingehenden Feststellungen von 
J. H. Blasius, welche er in den Nachträgen zum Naumann und 
namentlich in der Naumannia 1856, S. 440 ff. gab, finden meines 
Erachtens in der neueren Literatur zu wenig Beachtung. 



Die Gesell lechtsuiiterschiede beim Seidenscliwanz 

{Bombycilla garrula)» 

Von F. TisohUr. 

Im neuen Naumann Bd. IV, Taf. 22, Fig. 2 ist als altes 
9 von Bombycüla garrula ein Stück abgebildet, dem an den 
Handschwingen die weifsen Spitzensäume fehlen, das also nur die 
gelbe und weifse Zeichnung an den Aufsenfahnen besitzt. Es 
sieht dem jungen cT Fig. 3 sehr ähnlich. In der Tat ist es wohl 
auch ein jüngerer, wahrscheinlich höchstens zweijähriger Vogel; 
denn die alten 99 gleichen in der Flügelzeichnung fast ganz 
den cTcT. Ich besitze 7 99? die an den Handschwingen ähnliche 
weifse Spitzensäume aufweisen wie 5 alte cTcf meiner Sammlung. 
Allerdings sind bei den cTcf diese Säume durchweg breiter und 
ausgedehnter, ziehen sich also weiter an der Innenfahne der Hand- 
schwingen herunter als bei den 99» *uch ist das Gelb an den 
Aufsenfahnen etwas breiter und lebhafter. Bei einzelnen 99 sind 
die Spitzen säume nur angedeutet, so bei einem 9 vom 19. November 
1913 aus Heilsberg, bei dem sich die Armschwingen teilweise noch 
in der Mauser befinden und nicht ausgewachsen sind. Es ist das 
einzige Exemplar meiner Sammlung, bei dem sich noch Spuren 



— 86 - 

von Mauser zeigen; alle anderen in der Zeit von Ende Oktober 
bis Anfang April gesammelten Stücke weisen nichts davon auf. 
Ich halte es für einen zweijährigen Vogel, der zum zweiten Male 
mausert. Ob alle 99 bereits bei der zweiten Mauser das ganz 
ausgefärbte Alterskleid anlegen, erscheint mir hiernach fraglich. 
Vielleicht legen einzelne es später an; wenigstens besitze ich 
mehrere 99 ohne Spitzensäume, bei denen die Aufsenfahnen der 
Handschwingen gelbe Zeichnung aufweisen, wie die jungen cfcf 
sie haben, während sie bei den meisten weifs ist. Möglicherweise 
sind ersteres zweijährige Vögel. Es steht ferner wohl auch noch 
nicht fest, ob die cfci' durchweg schon bei der zweiten Mauser 
das vollständig ausgefärbte Alterskleid anlegen. Beobachtungen 
hierüber an gefangenen Seidenschwänzen wären sehr erwünscht. 

Naumann (1. c.) sagt, die alten 99 hätten nur eine ein- 
fache Zeichnung an den Handschwingen, also keine Spitzensäume, 
und auch G 1 o g e r (Vollst. Handb. der Naturg. der Vögel Europas, 
S. 389) betont, die 99 hätten nur an der Aufsenfahne, nicht quer 
über die Spitze gelbweifse Kanten. Hartert (V. d. p. F, Bd. I, 
S. 957) schränkt dies schon etwas ein, indem er angibt, bei den 
99 fehlten die weifsen Spitzensäume meist, wenn auch nicht immer. 
Aus meinem Material scheint hervorzugehen, dafs ausgefärbte 99 
sie stets erhalten. 

Junge Vögel nach der ersten Mauser haben immer nur die 
helle Zeichnung an den Aussenfahnen der Handschwingen und 
keine Spitzensäume. Bei den cf cf ist sie meist gelb, bei den 99 
gewöhnlich weifs. Das von Kleinschmidt in seinen „Sing- 
vögeln der Heimat", Taf. 31 abgebildete Exemplar ist anscheinend 
ein junges cf. 

Bildet hiernach die Zeichnung der Handschwingen keinen 
ganz sicheren Geschlechtsunterschied, so tun dies auch nicht die 
roten Schaftfortsätze an den Armschwingen, Von 42 Seiden- 
schwänzen meiner Sammlung haben 5 alte cTcf 3 V "^^ 2 V ö» 
7 alte 99 3 X 7, 3 X 6, 1 X 5, 18 junge d'cf 2 X 7, 5 X 6, 
^^h^ X 4, 2 X 3, 12 junge 99 2 X 6, 2 X 5, 2 X 4, 5 X 3, 
1 X" Fortsätze, i) Also auch hier kein durchgreifender Unterschied ! 
Man kann nur soviel sagen, dafs jüngere Vögel und namentlich 
junge 99 oft weniger und meist schmälere Fortsätze haben als 
ältere Stücke. Bisweilen finden sich nur kaum erkennbare Spuren, 
keine deutlich ausgebildeten Fortsätze, so bei dem zuletzt erwähnten 
jungen 9 vom 20. Januar 1918 aus Losgehnen. Es kommen aber 
auch junge Vögel vor, die ebenso viele und grofse Fortsätze haben 
wie die Alten. Unrichtig ist die Angabe Naumanns (1. c), 
die in fast alle späteren Werke übergegangen ist, dafs 99 ^iö 
über 5 Fortsätze haben. Dies ist offenbar individuell ganz ver- 
schieden. Mehr als 7 Fortsätze scheinen nicht mehr regelmäfsig 

*) Ist die Zahl der Fortsätze an den beiden Schwingen verschieden, 
was bisweilen vorkommt, so ist stets die grOfsere Zahl genommen. 



— 87 — 

vorzukommen. E. v. Homeyer (neuer Naumann Bd. IV, S. 182) 
sagt darüber: „8 ist schon recht selten, 7 gar nicht selten und 
6 haben manche jungen Vögel im ersten Herbst, wenn auch 
einzelnen dieselben ganz fehlen." Er erlangte nur einen einzigen 
Vogel, der an allen 9 Schwungfedern zweiter Ordnung die roten 
Schaftfortsätze hatte. Zutreffender als Naumann sagtGloger 
(1. c), dafs alte cTcf 6—7, sehr alte 9 Fortsätze hätten, dafs da- 
gegen bei den 99 sich nur 5—6, höchstens 7 und nur im höchsten 
Alter 8 Fortsätze zeigten. Das ist für alte Vögel nach meinem 
Material im allgemeinen richtig. Es haben nämlich, wie erwähnt, 
von meinen Vögeln die alten cTcT 6—7, die alten 99 5—7 Fort- 
sätze. Ob das Vorkommen von 8 bezw. 9 Fortsätzen ein Zeichen 
besonders hohen Alters ist, wie G 1 o g e r meint, erscheint mir 
dagegen noch fraglich. 

Nach H a r t e r t (1. c.) zeigen sich die Fortsätze stets nur 
an den Armschwingen, die weifse Spitzen haben. Jedoch erwähnt 
Hesse (J. f. 0. 1915, S. 375) schon ein cT mit 8 Fortsätzen, das 
an der ersten der inneren Armschwingen ohne weifsen Fleck einen 
Schaftfortsatz hat. Von meinen Vögeln weisen 1 cf ad., 4 cfcf 
iuv. und 1 9 luv. einen Portsatz an der ersten ganz grauen Arm- 
schwinge auf. Bei ihnen haben also einzelne, meist die äufsersten, 
der mit weifser Spitze versehenen keinen Fortsatz. Kaum sicht- 
bare Spuren von roten Fortsätzen an der ersten ganz grauen 
Armschwinge finden sich ferner bei einem cf ad. und 4 cfä* iuv. 

Ob die gelegentlich an der Spitzen der Steuerfedern vor- 
kommenden roten Schaftfortsätze ein Zeichen hohen Alters sind, 
ist noch fraglich. Wie auch H a r t e r t (1. c.) betont, kommen 
derartige Fortsätze nur sehr selten vor, und ich halte es daher 
nicht für richtig, wenn sowohl im neuen B r e h m wie im neuen 
F r i d e r i c h Seidenschwänze abgebildet sind, die an der Schwanz- 
spitze grofse rote Fortsätze haben, die zudem noch ebenso grofs 
'sind, wie die der Armschwingen. Ich besitze lediglich ein altes cf 
vom 3. April 1895 aus Tapiau, bei dem an den Spitzen der Steuer- 
federn sich kleine rote Fortsätze finden, die aber wesentlich kleiner 
und schmäler sind als die an den Flügeln. Bei allen andern 
41 Stücken fehlen derartige Fortsätze am Schwanz. Es scheint 
sich also in der Tat nur um eine seltene Abnormität zu handeln. 
Naumann (1. c.) sagt hierüber : „Auch an den Spitzen der 
Schwanzfedern befinden sich bei sehr alten cfcf kleine scharlach- 
rote Fortsätze, von welchen die längsten an den Mittelfedern 
2—3 mm lang sind." Für die Fortsätze an den Flügeln nimmt 
er dagegen eine Länge bis zu 8 mm an. Q 1 o g e r (1. c.) läfst 
die Fortsätze auch an den Schwanzfedern sehr alter 99 vorkommen 
und E. V. Homeyer (I.e. S. 183) sogar bei jungen Vögeln, 
Er sagt darüber: „Kleine rote Schaftfortsätze an den Schwanz- 
federn kommen sehr einzeln nicht allein bei alten, sondern auch 
bei jungen Vögeln vor, aber dergleichen von ähnliches Form wie 
an den Flügeln sind Seltenheiten." 



— 88 — 

Was die Flügellänge angeht, so ist diese bei den 99 durch- 
aus nicht immer geringer wie bei den cfcf . Meine Stücke messen : 
23 d'cf 114-120 mm (2 X H^, 4 X HS, 7 X 116, 3 X H?, 

1 X 118, 3 X 119, 3 X 120), 19 99 110-119 mm (1 X HO, 

2 X 111, 2 X 112, 2 X 113, 1 X 114, 1 X 115, 8 X US, 1 X 117, 
1 X 119)- Kl ein Schmidt (1. c. S. 31) gibt die Flügellänge 
auf 109—120, Harter t (1. c.) auf 110—120 mm an Ihre An- 
gaben stimmen als gut mit meinen Messungen überein. Harterts 
Bemerkung, dafs die 99 weist einen einige mm kürzeren Flügel 
hätten als die cfcf, trifft im allgemeinen zu. Die Mafse gehen 
aber fast vollständig ineinander über. Die gröfsten Mafse für cfcf 
werden von den 99 jedoch nur selten erreicht, während viele 99 
unter den niedrigsten Mafsen der cTcf zurückbleiben. 

Das einzige ziemlich sichere Unterscheidungsmerkmal ist m. 
E. die Färbung der Kehle. Bei den cTcf ist das Schwarz dunkler, 
weit ausgedehnter und ganz scharf von der übrigen Unterseite 
getrennt. Bei den 99 ist der Kehlfleck dagegen kleiner, matter 
und nicht so scharf abgeschnitten, sondern er wird nach unten 
zu grauer und verläuft mehr allmählich in die graue Färbung der 
Unterseite. Auf dies Merkmal, das H a r t e r t nicht erwähnt, ist 
bereits von Naumann aufmerksam gemacht, und auch Hesse 
(J. f. 0. 1915, S. 375) sagt von 2 Sachalinvögeln: „Kinn und 
Kehle sind bei dem vorliegenden cT viel intensiver schwarz als 
beim 9- D^s schwarze Feld ist auch viel breiter und nach dem 
Kropf zu viel schärfer abgesetzt, die kleine weifse Zone an der 
Unterschnabelwurzel stärker zurückgedrängt." Zu beachten ist 
aber, dafs durch ungeschickte Fräparation die Form des Kehlflecks 
bisweilen verändert wird, so dafs man zweifelhaft sein kann. Im 
allgemeinen hat mich aber dies Merkmal beim frisch erlegten 
Vogel nie im Stich gelassen. Auf die verschiedene Ausdehnung 
der kleinen weifsen Zone an der Unterschnabelwurzel möchte ich 
dagegen weniger Gewicht legen, da sie individuell variiert und 
dies Merkmal aufserdem noch mehr der Veränderung durch die 
Art der Präparation unterliegt als der Kehlfleck. 

Aus meinen Untersuchungen ergibt sich hiernach kurz 
folgendes : 

1. Alte cTcT und 99 sehen sich sehr ähnlich. Die 99 unter- 
scheiden sich hauptsächlich durch den kleinen, matten, nicht 
scharf abgesetzten Kehlfleck und die schmäleren, kürzeren 
Spitzensäume der Haudschwingen. 

2. Junge Vögel haben niemals weifse Spitzensäume, sondern 
stets nur die helle Zeichnung an den Aufsenfahnen der Hand- 
schwingen. Diese ist bei den 99 meist weifs, bei den cTcf 
mehr gelb. Aufserdem unterscheiden sich die Geschlechter 
durch den Kehlfleck wie die Alten. Ob bereits bei der zweiten 
Mauser das Alterskleid angelegt wird, bleibt noch zu unter- 
suchen. 



-- 89 — 

3. Die Zahl der roten Schaftfortsätze an den Armschwingen ist 
individuell sehr verschieden. Die Normalzahl ist für alte 
cfcT 6 — 7, für alte 99 5—7. Über 7 scheinen nicht mehr 
regelmäfsig, sondern nur noch ausnahmsweise vorzukommen. 
Junge Vögel haben oft — nicht immer — weniger als die 
Alten. 

4. An den Steuerfedern zeigen sich rote Schaftfortsätze nicht als 
Alterskennzeichen, sondern lediglich als seltene individuelle 
Eigentümlichkeit bei alten wie jungen Vögeln. 

5. Die Flügellänge ist bei 99 oft — nicht immer — geringer 
als bei den cTd*. 



Fringüla coelehs L. als Herbststtnger. 

Von Werner Hagen. 

Es ist bekannt, dafs eine Reihe von Vögeln im Herbste 
wieder zu singen beginnen, wenn auch gröfstenteils mit weniger 
Feuer als im Frühling. Prof. Dr. Voigt zählt in seinem „Ex- 
kursionsbuch" einige Arten auf, desgleichen Dr. Hesse in Journ. 
f. Orn. 1910, S. 518, 1911, S. 381—382. Fringüla coelehs ist nicht 
darunter. Da auch ich ihn bisher nicht als Herbstsänger kannte, 
fiel es mir als etwas Besonderes auf, als im Herbst des sehr 
heifsen Jahres 1911 bei Lübeck diese Art in vielen Exemplaren 
zu schlagen begann. Am 30. August vernahm ich den ersten, 
am Morgen des 2. September konnte ich schon mehrere in den 
Anlagen und Wäldern nördlich von Lübeck hören. Es wurde 
anhaltend „gedichtet", ähnlich wie im Frühling, d. h. kein Vogel 
sang sein Lied als Schlag, sondern es war ein leises Gestümper. 
Nach etwa 1 Woche sangen alle den richtigen Schlag, Heften 
jedoch die Schlufsstrophe fort. Erst Mitte September hörte ich 
auch diese. Der Gesang nahm nun an Feuer zu. Die besonders 
beobachteten Vögel waren Alte. Vor meinem Hause liefs einer 
an derselben Stelle täglich seinen Gesang hören, wo im Sommer 
das cf eines Brutpaares seinen Stand hatte. Und wie im Sommer 
antwortete er sich mit meinem Käfigvogel, der gleichfalls zu 
singen begonnen hatte. 

Es mufste sich um eine abnorme Gesangsperiode der hiesigen 
Brutvögel handeln. Ich stöberte in meinen Tagebüchern nach und 
fand noch 2 Angaben: 29. August 1902: Sehr heifses Wetter. 
Morgens machte 1 Buchfink einmal Singversuche. 1. September 1906 : 
Zufolge der Wärme der letzten Wochen sangen . . . , , auch einen 
Buchfink hörte ich dichten. 

Nun suchte ich die Literatur durch. Das Resultat ist jedoch 
ein bescheidenes. 

Hennemann, Gef. Welt 1902, S. 42: „Am Morgen des 13. 
(Oktober 1901) schlug ein Buchfink in einem Nachbargarten — gewifs 
eine Seltenheit in dieser späten Zeit" 



- 90 — 

Hammling und Schulz, J. f. 0. 1910, S. 533: „Auch im 
August hörten wir noch ab und zu einen Buchfinkenschlag, doch 
stets stümperhaft, so dafs er wohl einem jungen Vogel aus der 
ersten Brut zuzuschreiben war, so am 9. August 1905 und am 
27. August 1909." 

Das waren die einzigen positiven Angaben aus Deutschland, 
die ich damals fand. 

Nun berichtet allerdings auch Gröbbels noch über den Herbst- 
gesang des Finken, jedoch erscheinen mir seine Mitteilungen sehr 
fragwürdig. Was soll man z. B. von folgenden Sätzen halten: 
„Sorge um Weibchen und Eier lassen den Vogel verstummen."(!) — 
„Alle Zugvögel denken jetzt an den Abschied. Die Drossel be- 
sieht noch einmal die Stelle, wo ihr kunstloses Heim gestanden 
hat, sie beschaut die Trümmer u. s. w. (!!!) Was soll man von einem 
Autor denken, der in derselben Arbeit behauptet, dafs „Amsel und 
Buchfink im Winter singen", und 4 Seiten weiter den Beweis er- 
bringt, weshalb „es leicht erklärlich, dafs diese beiden Arten im 
Winter nicht singen". Daher erscheinen mir folgende Angaben 
wertlos: Zool. Beob. 1908, S. 246: „Junge wie alte Buchfinken 
probieren (!) ihren Schlag [im HerbstJ. J. f. 0. 1911, S. 252: 
„Wir dürfen nun weiter annehmen, dafs der junge Fink auf den 
in seiner Kindheit erhaltenen ersten Gesangseindrücken weiter 
aufbaut, studiert er doch schon im Herbst desselben Jahres, d. h, 
er übt sich spielerisch im Schlagen." 

Schon das Betonen des jungen Finken macht mir die Angabe 
fragwürdig. Ich habe nur alte Vögel singen sehen. Schwerlich 
würden auch Junge den Gesang so schnell fertig gebracht haben. 
Selbst im Frühling dauert es länger. Auch Braun schreibt, 
34. Ber. d. Zool. Nat. V. zu Westpr. 1913, S. 235: „Der junge 
Buchfink z. B. beginnt erst in dem auf seiner Geburt folgenden 
Frühling zu singen." Wenn Herr Gröbbels den Gesang des Buch- 
finken im Herbst wirklich aufgezeichnet hat, dann möchte ich ihm 
dieselbe Bitte vorlegen, die mir Prof. Voigt schrieb: „Wenn Sie 
das öfters hörten, so wäre eine eingehende Veröffentlichung mit 
genauer Angabe des Vorkommens, der Zeiten und der Wiederholung 
des Schlages erwünscht." 

Ich wandte mich damals auch an befreundete Ornithologen 
um Angabe ihrer Beobachtungen. 

Prof. Dr. Voigt (brieflich): „Den Edelfink habe ich bei 
Leipzig einmal im September schlagen hören, aber als Unikum." 

Dr. le Roi (briefl.): „Coelebs hörte ich heute (12. August 1912) 
bei Seis (Tirol) stümperhaft schlagen." „Im Herbst 1908 machte 
ich mir Notizen über Herbstgesang und finde coelebs dreimal erwähnt, 
am 28. September, 3. Oktober und 8. Oktober, immer für die Gärten 
Bonns. Schlag nicht so „flott", wie im Frühjahr, sondern zer- 
stückelter, zuweilen aber durchhaltend. Das ist alles. Ich glaube, 
coelebs auch in andern Jahren im Herbst singen gehört zu haben, 



— 91 — 

notierte aber nichts und kann darum nichts Sicheres aufser 
Obigem angeben." 

Dr. Hesse (briefl.): „Ich kann dies also wiederholen, dafs ich 
bisher noch niemals einen Buchfinken im Herbst habe schlagen 
hören, und wieviel bin ich draufsen gewesen! Ich hatte gerade 
von diesem Vogel erwartet, einmal Herbstgesang zu vernehmen, 
aber stets mit negativem Erfolg ; unter den vielen Herbstsängern, 
die mir bisher vorgekommen sind, war gerade eben e r nicht 
vertreten." 

Sechs Jahre sind seitdem verflossen. In jedem Herbst achtete 
ich darauf, ob eine ähnliche Erscheinung stattfände, aber vergeblich. 
Nur als ganz vereinzelte Ausnahme konnte ich hier und da an 
schönen, sonnigen Sommer- und Herbsttagen Buchfinkgestümper 
hören. Auch in der Literatur fand ich seither nie die Erwähnung 
einer derartig auffälligen Tatsache. 

Fringilla coelebs ist in Deutschland also nur sehr ausnahms- 
weise und gelegentlich Herbstsänger. Jene Gesangsperiode im 
Herbst 1911 bei Lübeck ist demnach etwas ganz Abnormes. 

Die äufsere Veranlassung dieser Gesangsperiode war leicht 
zu erkennen. 1911 war bekanntlich ein aufsergewöhnlich heifses 
Jahr (1911 „Glutjahr", 1912 „Flutjahr", 1913 „Blutjahr"). Im 
Binnen lande waren oft strenge Gewitter. Hier an der Küste aber 
wehte ständig Seewind, der die Hitze milderte und aufsteigende 
Gewitterwolken zum Versinken brachte. Daher herrschte hier 
monatelang eine vollständig gleiche warme Witterung. Diese mufs 
auf den Federwechsel einen günstigen Einflufs gehabt haben. Da 
die günstige Witterung nun aber noch ununterbrochen anhielt, 
liefs sie, wohl verbunden mit guten Nahrungsverhältnissen, über- 
schüssige Energie aufspeichern, die zum Gesänge Veranlassung gab. 
Auch mein Käfigvogel sang. Sein Schnabel färbte sich blau wie 
im Frühling! 

Nun las ich damals in einer englischen Hetzschrift, dafs der 
Herbst in England sich durch gleichmäfsig heifses Wetter aus- 
zeichnet. Es herrscht dort also regelmäfsig das Wetter, dafs hier 
1911 ausnahmsweise herrschte. Daher sah ich auch englische 
Literatur durch. 

Aplin, The autumn song of Birds; The Zoologist 1894, 
S. 412: „Jeden Herbst höre ich den Buchfinken versuchen zu 
singen. Der Gesang ist immer sehr kurz, unvollkommen und 
gebrochen. Ich habe ihn im August (einmal am 16.), September, 
Oktober, November und bei einer Gelegenheit am 4. und 5. Dezember 
gehört. Der Buchfink eröffnet seinen regelmäfsigen Gesang manch- 
mal in den letzten Tagen des Januar, öfter im Februar. Wir 
sollten erwarten, dafs er im Herbst wieder singt, weil er tatsäch- 
lich viöl nach Johanni gehört wird. 

Gebr. Alexander, The songperiods of birds ; Brit. Birds 
I, 1 908, S. 370 (aus Kent, Sussex, Survey) : „Gelegentlich singt er 
in der 2. Hälfte August und der 1. Hälfte September, häufig in 



— 92 — 

der 2. Hälfte des September, gelegentlich im Oktober, sehr gelegent- 
lich im Januar und Anfang Februar, regelrecht von Mitte Februar 
bis 1. Woche im Juli." 

Der Buchfink ist demnach in England regelmäfsiger Herbst- 
sänger, in Deutschland nur ausnahmsweiser. Der äufsere Grund 
kann nur im Klima, also in den Wärme- und Belichtungsverhält- 
nissen liegen. 

Welches ist aber der innere Grund des Herbstgesanges ? Die 
Frage läfst sich exakt schwer lösen. Die eine gewaltige Hilfsquelle 
der Wissenschaft, das Experiment, läfst uns im Stich. Wir sind 
also nur auf Spekulation und Beobachtung angewiesen. Erstere 
hat eine Fülle von Hypothesen aufgeworfen, die aber wenig be- 
friedigen. Ich bin der Ansicht, dafs der Herbstgesang eine neue 
Brutperiode einleitet, die aber nicht eintritt, weil -— verschiedene 
Gründe dagegenstehen. Darüber hoffe ich auf Grund von Beob- 
achtungsmaterial mich demnächst an anderem Orte ausführlich 
äufsern zu können. 

Aus der Danziger Umgegend, Wintergftste und Vogelzug. 

Von A. Ibartb. 

Am 22. Dezember bemerkte ich die ersten Seidenschwänze 
im Weichbilde der Stadt. Sie blieben in kleiner Anzahl bis Mitte 
Januar, um dann zu verschwinden, obwohl ihnen der Tisch mit 
den hier massenhaft vorkommenden Misteln noch reichlich gedeckt 
war. Scheinbar sagten ihnen diese nicht so zu wie die Eber- 
eschenbeeren, von denen es bei ihrer Ankunft nur noch wenige 
gab. Neuer Zuzug, offenbar von solchen, die sich schon wieder 
auf der Rückreise in die Heimat befanden, stellte sich am 16. März 
ein. Von diesem Tage an zeigten sich andauernd gröfsere Flüge, 
zuweilen bis 100 Stück, die nun, nachdem die wenigen Beeren 
des Schneeballs verzehrt waren, unter den Misteln gehörig auf- 
räumten. Die letzten sah ich am 3. April, einem schönen, sommerlich 
warmen Frühlingstage. 

Zu meiner Mitteilung über den sibirischen Tannenheher (0. 
M.-B. 1917, S. 177) habe ich noch nachzutragen, dafs ich am 
9. Oktober vorigen Jahres von dem staatlichen Vogelschutzgebiet 
bei östlich Neufähr aus in beträchtlicher Höhe ungefähr 100 schwarze 
Vögel in geschlossenem Fluge schnell von NO. nach SW. ziehen 
sah, die ich durch das Glas als Tannenheher ansprach. Da ich 
sie in solcher Anzahl und im freien Fluge noch nicht gesehen 
hatte, war ich meiner Sache nicht sicher genug, um sie in meiner 
Mitteilung zu erwähnen. Dafs ich mit meiner Vermutung recht 
gehabt, bewies mir der Bericht von Thienemann in den 0. M.-B. 
1917, S. 175, der sagt, dafs, sobald Zugwetter ist, auch diese Art 
wandert und oft Trupps von 20—100 Stück in Höhen bis zu 
100 m dem S. zufliegen. Es war ein klarer, mäfsig warmer Tag, 
an dem ein frischer Südost wehte. 



— 93 — 

Diese Beobachtung bestätigt mir eine schon lange gehegte 
Vermutung, dafs nämlich ein Teil der Vögel, die im Frühjahr und 
Herbst die Kurische Nehrung entlang fliegen, auf der Hin- und 
Rückreise seinen Flug über die Frische Nehrung und die Danziger 
Gegend nimmt. Hierbei wird von einer Anzahl das Gelände des 
Vogelschutzgebietes bei Neufähr als Rastplatz benutzt. So war 
ich am 26. März 1916, bei unbewölktem Himmel und mäfsigem 
Ostwinde auf dem erwähnten Gelände Zeuge eines lebhaften 
Vogelzugs, der sich in der Richtung nach NO. bewegte. Stunden- 
lang kamen Flüge von Saatkrähen in Stärke von 20—40 Stück 
und kleiner, untermischt mit Nebolkrähen, vorüber; dazwischen 
in gröfserer Höhe kleine Trupps von Dohlen, ferner Kiebitze, 
Ringeltauben, viele Feldlerchen, Wiesenpieper und zahlreiche Stare. 
Dasselbe Schauspiel konnte ich an Herbsttagen in umgekehrter 
Richtung beobachten. In diesem Jahre bot der 10. März, an dem 
wir uns eines herrlichen Vorfrühlingstages mit hellem Sonnen- 
schein bei schwachem Ostwinde erfreuten, ein besonders fesselndes 
Bild. Aufser den genannten Arten kamen in zahlreichen Ge- 
schwadern Saatgänse {Anser fabalis) durch, die im vergangenen 
Herbst in grofser Zahl auf dem Schutzgebiete rasteten, ferner 
Mäusebussarde, die teils ebenfalls dort verweilten, teils in schnell 
förderndem Fluge nach NO. strebten. Mag nun auch, wie die 
Beobachtungen des kürzlich verstorbenen Danziger Ornithologen 
Zimmermann ergeben haben, ein Teil der nach dem Norden oder 
Süden wandernden Vögel den Weg über die Halbinsel Heia 
nehmen, ein nicht unbeträchtlicher folgt jedenfalls der Frischen 
Nehrung und dem Südufer der Danziger Bucht, von wo dann 
wahrscheinlich über Land die Pommersche Küste erreicht wird. 

In diesem Jahre sind auf dem eben begonnenen Frühjahrs- 
zuge zahlreiche Vögel an unserer Küste umgekommen. In den 
ersten Tagen des April fand ich am Strande der Danziger Bucht 
an den verschiedensten Stellen auf grofse Strecken unmittelbar an 
der Spülung Hunderte von toten Vögeln. Obwohl die Zersetzung 
bei den meisten schon sehr fortgeschritten war, konnte ich doch 
feststellen, dafs es sich in der Hauptsache um Stare, Buchfinken, 
Bergfinken, Feldlerchen und Weindrosseln handelte; von gröfseren 
fand ich nur eine Saatkrähe. Wie soll man sich dieses Massen- 
sterben erklären? Strandwanderern ist ja bekannt, dafs die See 
oft in Menge tote Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten an 
den Strand spült, die vom Winde auf das Meer hinausgetrieben, 
im Fluge ermatteten und im Wasser den Tod fanden. Vielleicht 
sind ähnliche Ursachen an dem traurigen Geschick der gefiederten 
Wanderer schuld. Mir scheint es nicht ausgeschlossen, dafs sie 
bei dem ungewöhnlich dichten Nebel, der in letzter Zeit häufig 
über Land und Meer lagerte, die Richtung verloren und weit auf 
die See hinaus gerieten, wo ihnen schliefslich im Kampfe mit 
stürmischem Wetter die Kräfte versagten. 



— 94 — 

Engen Ton Homeyers „Vögel Norddentschlands*^ 

Ein verschollenes Werk. 
Von Herman Sch&low., 

Im Jahre 1837 hatte Eugen von Homeyer seine „Systematische 
Übersicht der Vögel Pommerns" in Anklam erscheinen lassen. Im 
Laufe der Jahre reifte bei ihm der Plan, dieses Werk in einer 
vermehrten und verbesserten zweiten Auflage herauszugeben. 
Beim Sammeln und Sichten des reichen Materials kam er jedoch 
zu dem Entschlufs, die Veröffentlichung zu einer Vogelfauna Nord- 
deutschlands auszugestalten. Als ich gelegentlich der Jahres- 
versammlung der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft im Jahre 
1875 mit Homeyer im Hotel Bellevue in Dresden wohnte und oft 
mit ihm beisammen war, nahm er häufig Veranlassung von dem 
Fortschritt des Manuskriptes seiner Arbeit zu sprechen. Ich ent- 
sinne mich, dafs auch im Jahre 1880 von dem Werke wiederholt 
die Kede war, als wir, der alte Wiepken, Direktor des Oldenburger 
Museums, und ich, ihn besuchten. Später trennten sich Homeyers 
und meine Wege. Nur gelegentlich hörte ich, dafs das Werk ab- 
geschlossen sei und demnächst erscheinen werde. Nach dem Tode 
Homeyers bin ich dann aus ornithologisch-bibliophilen Neigungen 
dem Verbleib des Buches nachgegangen, ohne jedoch etwas darüber 
in Erfahrung bringen zu können. Es blieb für andere und für 
mich vollständig verschollen. 

Nunmehr hat sich F. Koske in Greifs wald, der frühere Heraus- 
geber der Ornithologischen Jahresberichte über Pommern und ver- 
diente Bibliograph der pommerschen ornithologischen Literatur, der 
Mühe unterzogen, weitere Nachforschungen nach dem Werke an- 
zustellen. Er schreibt mir darüber, nachdem wir brieflich über 
den Gegenstand uns unterhalten hatten: 

„Als Eugen von Homeyer am 31. Mai 1889 starb hinterliefs 
er ein Werk „Die Vögel Norddeutschlands", das fast vollständig 
fertig gedruckt gewesen zu sein scheint." 

„In einem Nachruf in der Deutschen Jägerzeitung (13. Band) 
sagt Hartert : Sein Werk, die Vögel Norddeutschlands, scheint bis 
auf den letzten Druckbogen vollendet worden zu sein. Und Rudolf 
Blasius nennt es: „Gleichsam sein ornithologisches Testament." 

„Dafs das Werk in der Tat fast vollendet gewesen ist, zeigen 
die Auszüge daraus, die Rudolf Blasius bei Bearbeitung des Neuen 
J^aumann gibt. Er erwähnt des Werkes, vielfach mit Angabe der 
Seitenzahlen, bei Turdus atrigularis (S. 172), T. ftiscescens, T. 
pallasii, Lanius minor ^ Hitnantopus hitnantopus, Tringa schineii 
(S. 314), Calidris arenaria (S. 318), Anas querquedula (S. 348), 
Anas marila (S. 354), A. hisirionica (S. 354), A. glacialis (S. 357), 
A. fusca (S. 358), A. stelleri (S. 361) u. s. w." 

„Mit Sicherheit geht aus Vorstehendem hervor, dafs der 
gröfste Teil des Werkes gedruckt vorlag." 



— 95 — 

„Der Nachlafs v. Homeyers ist bekanntlich s. Z. nach Braun- 
schweig gekommen. Die wertvollsten Bücher der Bibliothek ge- 
langten in den Besitz der Gebr. Blasius. Den Rest erwarb später 
Herr Major Schneider in Braunschweig. Weder in dem Besitz 
des Letztgenannten noch in dem von Rudolf Blasius, — nach 
einer Mitteilung der Witwe desselben, — fand sich das gesuchte 
Homeyer'sche Werk. Damit sind meine Nachforschungen auf den 
toten Punkt angelangt." 

Den vorstehenden Mitteilungen Koskes ist nur Weniges hin- 
zuzufügen. Dafs das fragliche Werk vollständig oder doch nahezu 
vollständig bei Homeyers Tode gedruckt vorlag, geht auch aus 
einem Briefe hervor, welchen der Genannte am 22. April 1889, 
also 5 Wochen vor seinem Tode, an Dr. Eugöne Rey in Leipzig 
richtete: „ — — sobald ich meine Standvögel Deutschlands voll- 
endet habe. Im Druck bin ich bis Bogen 19, der mit den Schnepfen 
schliefst und im Manuskript bei den Tauchenten. Immerhin werden 
noch 5—6 Bogen gedruckt werden." Das stimmt mit den von 
Rudolf Blasius zitierten Seitenzahlen, die ungefähr 24 Bogen 
ausmachen. 

Ich möchte noch darauf hinweisen, dafs die Bibliothek von 
Rudolf Blasius durch Max Weg in Leipzig erworben wurde. Der 
betreffende Katalog (Bibliotheca ornithologica, Nachtrag 1, Antiqu. 
Katalog No. 111, Leipzig 1908) enthält unter dem Rubrum Eugen 
von Homeyer (p. 12) nichts über „die Vögel Norddeutschlands". 
In dem Besitz Rudolf Blasius' dürfte das gesuchte Werk also bei 
dessen Tode nicht mehr gewesen sein. Auch in der hinterlassenen 
Bibliothek von Geh. Rat Wilhelm Blasius, die gleichfalls von Weg 
gekauft wurde, fand sich das Homeyer'sche Werk nicht. 

Schliefslich noch eine Bemerkung. An Stelle eigener Arbeiten 
liebte es Rudolf Blasius das billige Feld der Herausgabe nach- 
gelassener Manuskripte anderer Ornithologen mit Vorliebe zu 
beackern. So von Heinrich Gätke, Johannes Jäckel, Joachim 
Rohweder u. a. Dafs er nun bei dieser, für ihn ungemein günstig 
liegenden Gelegenheit es unterliefs, seinen Namen auf das Titel- 
blatt des vollständig fertig vorliegenden Homeyer'schen Werkes zu 
setzen und das Buch herauszugeben ist mir, nach anderen Vor- 
gängen, völlig unverständlich. Hatte sich Blasius doch bereits 
wenige Monate nach dem Tode Paul Leverkühns sofort zur Her- 
ausgabe des von diesem hinterlassenen Manuskriptes über die 
Familie Naumann erboten, ein Anerbieten, welches von berufener 
Seite dankend abgelehnt wurde. 

Die obigen Mitteilungen Koskes regen vielleicht zu weiteren 
Nachforschungen nach dem Verbleib des verschollenen Eugen von 
Homeyer'schen Werkes an. Dafs dasselbe wertvolle Mittellungen 
über Vorkommen und Verbreitung der Vögel Norddeutschlands 
enthält, darf mit Bestimmtheit angenommen werden. 

Nachschrift: Nach Drucklegung der vorstehenden Zeilen geht 
mir von meinem verehrten Freunde Herrn Jacob Moyat in Mainz, 



— 96 — 

dem ausgezeichneten Kenner älterer deutscher ornithologischer 
Literatur, die "freundliche Mitteilung zu, dafs auch er sich seit langer 
Zeit vergebens bemüht habe, den Verbleib des Homeyer'schen 
Werkes festzustellen. Auch seine Nachfragen bei den verschiedenen 
Verlegern früherer Veröffentlichungen Homeyers blieben ohne 
jeden Erfolg. 

Es mufs beinahe angenommen werden, dafs das Werk maku- 
liert worden sei. , 

Der Vogelzug in den Argonnen im Herbst 1916. 

Von Kais. Oberförster Ludwig SebttSter. 

Der Vogelzug hat sich im Herbst 1916 in den Argonnen 
recht lebhaft gestaltet; da ich ihn ziemlich gut beobachten konnte 
und er einige Merkwürdigkeiten aufweist, so sei er nachfolgend 
kurz geschildert. 

Im zweiten Drittel des September kehrte ich au einer mehr- 
wöchigen Kommandierung zu meiner nordwestlich an der bekannten 
Höhe 304 (Verdun) stehenden Batterie zurück. Ich notierte in 
diesen Tagen folgende Beobachtungen : 20. IX. : Starke Rauch- 
schwaibenansammlung über den überschwemmten Wiesen der Aire 
(Nebenflufs der Aisne). 4 — 5 Hausrotschwäuzchen auf Miststätten 
bei Dorf Chatel (das Hausrotschwänzchen ist in der Argonnen- 
gegend im Sommer nur spärlicher Brutvogel). Viele Bussarde 
und öfters braunkehlige Wiesen seh mätzer im Felde. 21. IX.: Ein 
Steinschmätzer (Durchzugs- nicht Brutvogel!), ein Weidenlaub- 
vogel, 2 Raubwürger bei Dorf Very. Bussard mehrfach. 22. IX. : 
Rotkehlchen zahlreich am Waldrand bei der Batteriestellung. 
23. IX.: Ca. 20 Ringeltauben, anscheinend westwärts ziehend. 
Zwei braunkehlige Wiesenschmätzer und zwei Steinschmätzer auf 
den Feldern in der Nähe der Batterie. Trauerfliegenfänger 
(Durchzugs-, nicht Brutvogel), Mönchgrasmücke, unter Meisen ein 
Wintergoldhähnchen (kein Brutvogel in hiesiger Gegend). Rauch- 
schwalbe zieht vor- und nachmittags in lockeren Verbänden. 
Braunkehliger Wiesenschmätzer gehäuft im Felde. 

Mittags verlasse ich meine Batteriestellung und siedle nach 
den Argonnen über, um dort die Führung einer neuen Batterie 
zu übernehmen. Auf dem Marsch dorthin beobachtete ich einen 
lebhaften Bussardzug, den ich im Journal f. Ornith. 1917, S. 113 
wie folgt beschrieben habe: „Ich habe am 23. IX. einen Flug 
Bussarde auf dem Zug beobachtet, und da wir in der letzten 
Sitzung gerade über diese Frage uns unterhielten, so hat mich der 
Vorbeizug der Bussarde besonders interessiert. Es war nach- 
mittags um 6^/4 Uhr (Sommerszeit), als ich auf dem Wege von 
von Dorf Very nach Charpentry ein halb Dutzend Bussarde in 
südwestlicher Richtung über mich wegziehen sah; die Vögel 
kreisten zeitweise kurz vorübergehend, meist bewegten sie sich 
aber mit heftigen Flügelschlägen in Südwestrichtung. Ehe dieser 



— 97 — 

Trupp noch meinen Augen entschwunden war, tauchten im Osten 
in gröfseren Abständen jeweils 1 oder 2 Bussarde auf, die 
hastigen Fluges dem Spitzentrupp folgten; so kamen im Lauf von 
etwa 10 Minuten im ganzen (inkl. des Spitzentrupps) 24 Bussarde 
vorbei ; als ungefähr die Hälfte vorbeipassiert war, war die Spitze 
meinem Blick entschwunden; unter der ganzen Schar bestand trotz 
der Auflösung in einzelne Exemplare und Paare ein unverkennbarer 
Zusammenhang, denn alle tauchten an derselben Stelle im Osten 
auf und hielten die gleiche Zugrichtung inne. Während der mehr 
geschlossene Vortrupp zeitweilig die Vorwärtsbewegung durch 
Kreisen unterbrach, folgten die Einzelexemplare durchweg in 
hastigem Flug; nur No. 15 fing an zu kreisen, ihm schlofs sich 
der nächstfolgende an, No. 17 und 18 nahmen jedoch diese beiden 
Säumigen wieder mit." 

In der Septembersitzung der Ornithol. Gesellschaft wies 
gelegentlich eines Meinungsaustausches über den Zug des Bussards 
Herr von Lucanus daraufhin, dafs auf Kossitten der Zug dieses 
Raubvogels nicht in der von den Lehrbüchern beschriebenen Art 
und Weise des langsamen, gesellschaftlichen, kreisenden Fortrückens 
vor sich gehe, sondern dafs sich hierselbst der Bussardzug in einen 
Zug von Einzel exemplaren auflöse, die niedrig und mit raschen 
Flügelschlägen über die Nehrung hinstrichen und zwischen denen 
nur insofern eine Verbindung besteht, als sie alle an demselben 
Punkt auftauchen, sich oft in Sehweite folgen und an demselben 
Punkt des Horizontes verschwinden. Demgegenüber ist die Er- 
scheinung, dafs der Bussard im Inland in mehr geschlosseneu 
Gesellschaften, in hoher Luft und in langsamem nach Westen 
führendem Kreisflug zieht, umso bemerkenswerter. Denn dafs es 
sich bei dieser Form der Vorwärtsbewegung ebenfalls um eine 
ausgesprochene Zugserscheinung handelt, ist wohl unzweifelhaft. 
Naumann sagt hierüber : „Seine eigentliche Zugzeit ist der September 
und Oktober, wo man ihn in Gesellschaften von 50, 80, 100 und 
mehreren Stücken meistens grade gegen den Niedergang der Sonne 
ziehen sieht. Ein solcher Zug geht ohne Ordnung, langsam, 
weitläufig und zerstreut hintereinander her, sodafs oft die ersten 
des Zuges von den letzten eine halbe Stunde weit entfernt sind. 
Sie fliegen dann gewöhnlich hoch, drehen sich bei schönem Wetter 
in einem grofsen Kreise herum und rücken so ganz langsam weiter 
vorwärts." Und Brehm: „Gelegentlich des Zuges bildet er Ge- 
sellschaften von 20 bis mehr als 100 Stück, die zwar miteinander 
in gleicher Richtung dahinfliegen, aber durchaus keine Schwärme 
bilden, sondern sich über Flächen von mehreren Geviertkilometern 
verteilen, langsam und meist in ziemlicher Höhe dahinfliegen, auch 
stets noch Zeit finden, halbe Stunden lang sich in weiten Kreisen 
emporzuschrauben" (Tierleben, 4. Aufl.). Und um noch Gloger 
(Vollständiges Handbuch der Naturgeschichte der Vögel Europas) 
zu zitieren : „Blofs auf dem Zug und zur Paarungszeit steigen sie 
in grofsen Schraubenlinien mit anscheinend still gehaltenen Fittichen 



— 98 — 

zu einer ungewöhnlichen Hohe, wo sie kaum noch als ein bewegter 
Punkt erscheinen, hinauf, um sich dann in einer so erhobenen 
Luftregion wieder gemächlich in sehr anmutigen, weiten Kreisen 
fortzudrehen." Heutzutage sieht man ja derartig grofse Züge, wie 
Naumann und Brehm sie noch beobachten konnten, wohl kaum 
noch; ich selbst finde in meinen ornitholog. Notizbüchern nur 
eine vom 16, X. 1896 eingetragene Beobachtung über 15 in hoher 
Luft und in typischer Weise nach Westen kreisende Bussarde; 
aber kleinere Trupps von 3—6—10 Stück beobachtet man doch 
wohl noch alljährlich zur Herbstzeit im Kreisflug nach Westen 
ziehend. Der nun hier in Ostfrankreich beobachtete und oben be- 
schriebene Zug stellt gewissermafsen eine Mittelstufe zwischen 
dem hastigen, niedrigen Einzelfiug und dem langsamen hohen 
Kreisflug dar: 

Meine neue Batterie- bezw. Beobachtungsstelle lag ca. 2 Y» km 
westlich des Städtchens Varennes am Ostrand des Argonnenwaldes ; 
und zwar an dem nach Norden weisenden Hang einer der vielen 
Steilschluchten, die west-ost verlaufend den Argonnenwald bis zum 
Nord-Süd verlaufenden Kernrücken, auf dem eine heute noch 
sichtbare Römerstrafse sich hinzieht, durchqueren und teilen. Hier 
von meiner Warte aus bot sich ein ganz prachtvoller und um- 
fassender Nah- und Fernblick nach Osten. Dicbt über meinen 
Füfsen, auf knapp 1000 m Entfernung, endigt der Wald und die 
freien Felder fangen an; dort liegt das zerstörte Varennes, das 
Tal der Aire schlingt sich im weiten Bogen durch die Landschaft. 
Darüber hinaus bis in weite Ferne Felder, kleine Waldparzellen, 
grofse Wälder, zerstörte Dörfer; den Horizont schliefsen in Süd- 
osten die Bergzüge der Höhe 304, im Osten der markant in die 
Landschaft ragende Bergkegel von Montfaucon (ca. 14 km Luftlinie) 
von meinem Standpunkt entfernt, im Nordosten die das Westufer 
der Maas begleitenden Bergzüge. — Mein ßuhequartier lag weiter 
rückwärts im Tal der Aire in einer französischen Ferme. 

Ich fahre fort in meinen Aufzeichnungen. 
24. IX. Rauchschwalbenzug. 25. IX. desgl. 26. IX. sehr warm, 
Wind ziemlich aus Süd. Rauchschwalben ziehen nachmittags. 
29. IX. 3—4 Hausrotschwänzchen bei Dorf Apremont. 

3. X. Auf der Fille morte (dem Brennpunkt der Argonnenkämpfe) 
und an dem hier entspringenden Wässerchen ca. 5—10 graue 
Bachstelzen und Gebirgsbachstelzen. Auf den Schützengräben 
huscht ein Hausrotschwänzchen umher (nur zur Zugzeit dürften 
sich diese Vogelarten hier im Gebiet der Minen- und Hand- 
granatenkämpfe finden). 

4. X. Weiblicher Gartenrotschwanz treibt sich in der Batterie- 
stellung umher. 

7. X. Nachmittags ziehen ca. 20 Heidelerchen über die Batterie- 
stellung. (ScWuTa folgt.) 



— 99 — 

Hecurvirostra avosetta Im Binnenlande von Ostprenfsen. 

Von F. Tliohler. 

Am 28, April 1918 beobachtete ich einen Säbelschnabler am 
Kinkeimer See bei Bartenstein. Schon in der Morgendämmerung 
wurde ich durch eine mir unbekannte Vogelstimme aufmerksam 
gemacht und sah bald den Vogel an mir vorbeistreichen. Der 
etwas limosenartige Flug, die lang ausgestreckten Ständer und das 
viele Weifs in den Flügeln sowie auch sonst im Gefieder fielen 
mir sofort auf. Als ich dann später im Boot dem See umfuhr 
und um eine Biegung kam, bemerkte ich ihn auf etwa 80—100 
Schritte vor mir an einer schlammigen Stelle des Ufers. Durch 
das Glas konnte ich die Schnabelform und jede Einzelheit des 
Gefieders genau erkennen. Näher heranzukommen war mangels 
jeder Deckung unmöglich. Ich sah und hörte ihn dann noch 
verschiedentlich und konnte seine Flugbilder und seine Stimme 
eingehend studieren. Er war jedoch recht scheu und entfernte 
sich schliefslich nach Westen zu. Im Fliegen liefs er häufig sein 
„pütt pütt", im Sitzen auch einmal ein etwas goldregenpfeifer- 
ähnliches „qui" hören. Von andern Strandvögeln bemerkte ich 
gleichzeitig am See nur noch einen Flug von etwa 15 Kampfläufern 
(cfcT und 99)i sowie 3 Totamts iotanus, 2 T. erythropus {fuscus 
auct.) und 1 T. nebularius. 

Der Säbelschnabler ist für Ostpreufsen entschieden als selten 
zu bezeichnen. Im Königsberger Museum befand sich früher nach 
H a r t e r t ein altes Stück aus „Preufsen" ohne Datum, das jetzt 
nicht mehr vorhanden ist. H a r t e r t selbst sah einen Säbel- 
schnabler im September 1881 am Kurischen Haff. Im Berliner 
Zoologischen Institut steht nach einer brieflichen Mitteilung von 
Hesse ein Exemplar mit der Fundortsangabe „Ostpreufsen". Im 
Katalog ist für dieses Stück unter No. 2974 angegeben „Liunaea 
1893". Da das frühere Königsberger Stück ja auch in Westpreufseu 
erlegt sein kann, würde meine Beobachtung der dritte oder vierte 
Fall des Vorkommens sein, der für Ostpreufsen festgestellt wäre. 
Erwähnt sei jedoch, dafs ich bereits am 3. Oktober 1915 am Kink- 
eimer See einen sehr scheuen Schnepfenvogel mit viel Weifs, 
namentlich auch im Flügel, beobachtete, der mich etwas an eine 
grofse Limose erinnerte, den ich aber nicht unterbringen konnte. 
Nach meinen damaligen Aufzeichnungen, insbesondere über die 
Stimme, bin ich jetzt geneigt, auch ihn für einen Säbelschnabler 
zu halten. 



Aufzeichnungen. 

Der Winter 1917/18 brachte verhäitnismäfsig wenig nordische 
Gäste nach Ostpreufsen. Nur Leinfinken zeigten sich im 
November und Dezember massenhaft bei Bartenstein, Heilsberg, 
Zinten und wohl auch sonst in der Provinz. Unter ihnen befanden 



100 — 



sich recht viele Stücke yon holboelli; manche Flüge bestanden fast 
ganz aus dieser Form. Seidenschwänze wurden im Dezember 
und Januar verschiedentlich bei Bartensteio, Königsberg, Zinten 
und an anderen Orten beobachtet; im ganzen war ihre Zahl aber 
nur ziemlich spärlich. F. TlsehUr, Heilsberg. 



Schriflenschau. 

Um eine möglichst schnelle Berichterstattxing in den „Ornithologischen 
Monatsberichten" zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger 
gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig ]ißt- 
teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- 
schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbstständig erscheinenden Arbeiten 
ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. 

0. V. Wettßtein, Wissenschaftliche Ergebnisse der von F. Werner 
unternommenen zool. Eip. nach dem Anglo-Ägyptischen Sudan (Kordofan) 
1914. II. Bearbeitung der Vögel und Säugetiere; Denkscbr. d. Kais. Ak. 
d. Wissensch. Wien. Math. Naturw. Klasse 94. Bd. 1917, 553—693. — 
Nach einleitenden Bemerkungen über seine Tätigkeit während der Reise 
gibt Verf. zunächst einen geschichtlichen Abrifs der naturwissenschaftlichen 
Erforschung Kordofans und kennzeichnet drei zoologische Gebiete, die zu 
unterscheiden sind. Darauf wird der Verlauf der Expedition in Bezug 
auf die dabei beobachteten Vogel- und Säugetierwelt geschildert. Der 
sodann folgende spezielle Teil bespricht eingehend die gesammelten und 
beobachteten Arten. An VOgeln wurden 215 Arten nachgewiesen, dar- 
unter 7 vom Verfasser neu beschriebene Arten. Bisher lagen über Kor- 
dofan nur sehr spärliche Nachrichten vor und diese waren noch ungenau, 
da sie meistens nur mit der allgemeinen Bezeichnung „Kordofan" verbunden 
waren ohne genauere Fundortsangabe, was bei dem Umfange des Landes 
den heutigen Anforderungen nicht mehr gentigt. Die vorliegende , sehr 
sorgfältig gearbeitete Abhandlung gibt somit zum ersten Mal einen Über- 
blick über das zoologische Gepräge Kordofans, soweit Vögel und Säuge- 
tiere in Betracht kommen, und bildet, obwohl die bebandelte Artenzabl 
nur klein ist, eine sichere Grundlage, auf der weiter gearbeitet werden 
kann. Aufser landschaftlichen Textbildern sind 4 Tafeln beigegeben, von 
denen eine Landschaftsbilder, eine farbige Vögel und zwei Schädel und 
Schädelteile von Säugetieren darstellen. Aufserdem schmückt eine vor- 
zügliche Karte von Kordofan die wertvolle Arbeit. Die abgebildeten Vögel 
sind die neu entdeckten Arten Barhatula chrysocoma pallida und 
Cisticola deserticola und slatini. 

0. Heinroth, Allerlei Wildenten. Mit 1 1 Bildern nach Aqua- 
rellen von K. L. Hartig ; Velbagen u. Klasings Monatshefte 32. Jahrg., 
1917/18, 8. Bd. — Zu den vom Künstler teils in ganzer Figur, teils in 
Köpfen und Flügeln dargestellten, in Farbendruck recht kenntlich wieder- 
gegebenen Abbildungen einer gröfseren Anzahl verschiedener Entenarten 
bildet der Text die Erklärung. Darin werden in gedrängtester Form und 
in sehr geschickter Weise die Systematik der Gruppe im allgemeinen and 



— 101 — 

die wiebtigeren ErscheinuogeD io der Lebensweise besprocben und die 
einzelnen Arten mit Angabe ihres Vorkommens näher gekennzeichnet. 

J. Thienemann, Der Vogelberingungsversuch wahrend des 
Krieges; Ostpreufsen, Zeitschr. für d. Kriegsbeschädigtenfürsorge, 3. Jahrg.; 
Nr. 7. — Der Versuch ist auch während des Krieges in umfangreicher 
Weise fortgesetzt worden. Ein paar hundert Meter vor der Russenfront 
haben unsere Feldgrauen Störche gezeichnet. Beim Vormarsch in Galizien 
fand ein deutscher Soldat in einem Forstbause bei Tarnopol an der 
Wand ein Storchbein mit einem ßossittener Ring bangend. Der Storch 
war 1907 in KOslin in Pommern gezeichnet und auf seiner Rückkehr im 
März 1912 in Galizien geschossen. 

Bund für Vogelschutz. Jahresbericht 1917. — Das Banngebiet am 
Federsee konnte durch Kauf vergröfsert werden. Ein prachtvolles Schutz- 
gebiet ist durch Pacht auf der Schwäbischen Alb gesichert, und auf der 
Insel Aaroe ist eine neue Freistätte geschaffen. Zwei Tafeln geben Land- 
schaftsbilder der Schwäbischen Alb und des Federsees. 

E. R f s 1 e r , Hrvatska Ornitoloska Centrala. 16. Bericht. Agram 
1918. — Trotz der ungünstigen Verhältnisse hat die Anstalt ihre Tätig- 
keit, wenngleich im beschränkten Umfange, aufrecht erhalten können. Der 
Bericht bespricht in gewohnter Weise die Jahresergebnisse. 

0. Kleinschmidt, Ornis Germanica ; Beilage zu Falco 1908. — 
Namenliste der deutschen Vögel und in Deutschland erlegter fremder 
Vögel. Die Namen weichen von der allgemein üblichen Nomenklatur ab 
und entsprechen den eigenartigen, mehrfach dargelegten Anschauungen 
des Verfassers. 

0. Kleinschmidt, Zu Herrn Laubmanni Einwänden gegen die 
Ornis Germanica. Normals Corvus coronc, Beilage zu Falco 1918, 
6 — 6. — Verf. widerlegt die Einwände seiner Widersacher, Hellmayr und 
Dr. Laubmann, gegen seine Anschauungen. Rcbw. 



C. Schmitt und H. Stadler, „Fragen und Aufgaben der 
Vogelsprachkunde"; Jonrn. f. Ornith. 1918. — Die Verfasser schildern 
den Gesang der Nachtigall und die Rufe des Kuckucks und der Tannen- 
meise nach musikalischen Gesichtspunkten. Der Gesang der Nachtigall 
besteht nur aus wenigen Tönen, ihre Strophen sind sehr einfach. Der 
Wert ihres Gesanges liegt lediglich in der „Seele", die die Sängerin in 
den Vortrag ihres Liedes hineinlegt. Beim Ruf des Kuckucks machen sich 
häufig Schwankungen in den Intervallen und in der Tonhöhe bemerkbar. 

Der Tannenmeisenstrophe fehlt der Rhythmus, wodurch ihr Gesang 
etwa« „Schwankendes" und „Taumelndes" erhält. 

Durch die Darstellung des Vogelliedes in Noten, die die Verfassser 
in ihren Arbeiten stets aowenden, werden Tonhöhe, Spannung, Takt und 
Rhythmus des Gesanges in sehr anschaulicher Weise wiedergegeben, die 
freilich ein gewisses musikalisches Verständnis voraussetzt. Der Wert 
der von Schmitt und Stadler gegebenen Beschreibungen der Vogelstimmen 



— 102 — 

liegt bauptsäcblich darin, dafs das Vogellied vom musikalisch-wissen- 
scbaftlicbeo Standpunkt aas seiner Bedeutung und Leistung nacb be- 
urteilt wird, wodurch die Biologie der Vögel eine wertroUe Bereicberung 
erfäbrt. F. von Lucanus. 

C. E. H e 1 1 m a 7 r , Miscellanea ornitbologica II; Verbandl. Ornith. 
Ges. Bayern, 13 Bd., 1917, 188—200. — Enthält: Zwei neue neotro- 
piscbe Tracheophonen {Hypolophus bernardi cajamarcae, N. Peru, 
und Sittasomus griseicapülus reisen, N.-O. Brasilien); über eioige 
Coerebiden-Tjpen und Synonymisches und Nomenkfatorisches. 

A. Laubmann, Eine neue Rabenkr&he aus Japan ; Verbandl. 
Ornith. Ges. Bayern, Bd. 18, 1917, 201—202. — Corvm corone 
interposiius n. subsp. (Insel Hondo, Japan). 

H. V i r c h w , Über die Halswirbelsäule von Flotus anhinga ; 
Sitzb. Ges. Naturf. Freunde zu Berlin, 1917, 454—468 mit 9 Figuren. — 
Im Anscblufs an seine früheren Arbeiten über die BewegungsmOglicbkeit 
der Wirbelsäule bei Ardea, Spheniscus, Phoenicopterus und Struthio 
behandelt Virchow unter Berücksichtigung der Dönitz'schen Untersuchungen 
aus dem Jahre 1873 den Gegenstand bei Flotus. Er weist auf einige 
Irrtümer Gadows in Bronns Klassen und Ordnungen des Tierreiches hin 
und behandelt dann eingehend die Muskeln und Knochen der Halswirbel- 
säule des Scblangenhalsvogels. Verf. betont ausdrücklich, dafs er nicht 
eine erschöpfende Erklärung der Bewegungen des lebenden Tieres gegeben 
habe, was ja durch das anatomische Präparat allein überhaupt nicht ge- 
schehen kann. 

Bud. Zimmermann, Streifzüge durch die Vogelwelt der Heimat ; 
Mitt. des Landesyer. sächs. Heimatschutz, Bd. 6, 1917, 68—78. — Mit 
ausgezeichneten photographiscben Aufnahmen. 

A. Voigt, Die Gefahr der Ausrottung ansehnlicher Vögel ; Mitt. 
des Landesver. sächs. Heimatsch., Bd. 6, 1917, 78—86. 

A. Koepert, Federwild und Vogelschutz in Altsacbsen ; Mitt. 
des Landesver. sächs. Heimatsch., Bd. 6, 1917, 86 — 90. — Interessante 
Hinweise auf den Vogelbestand um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts 
in einzelnen Teilen Sachsens. 

W. Büdiger, Ornithologiscbe Beobachtungen in den Gouvernements 
Kowno und Kurland; Archiv für Naturgesch. 82. Jahrg , 1916 (1917), 
12—27. — Schilderung des Gebiete« und Notizen über 57 Arten. 
Beobachtungszeit von 10.— 12. Juni. 

F. L i n d n e r , Zur Herbstzeit — vom 5. September bis 5. Oktober 
1916 — auf Hiddensoee; Ornith. Monatsschr. 1917, 153—167. 

I b a r t h , Über die Verbreitung von Motacilla boarula L. be- 
sonders in Westpreufsen; Ornith. Monatsschr. 1917, 167—170. — 
Eine Reihe von Mitteilungen über das Vorkommen der Gebirgsbacbstelze 
in Westpreufsen. Aus denselben darf mit Sicherheit geschlossen werden, 
dafs die Ait in früherer Zeit von den Faunisten des genannten Gebietes 



— 103 — 

nicht flberseben worden ist, sondern dafs sieb das Verbreitungsgebiet 
derselben, wie auch im übrigen Norddeutschland, langsam aber stetig 
erst erweitert hat. 

H. B ö k e r , Ornithologiscbe Beobachtungen in Frankreich und 
Belgien 1914 — 1916; Ornith. Monatsschr. 1917, 211—229. — Er- 
gänzende Mitteilungen zu den Veröffentlichungen Genglers über dieselben 
Gebiete Frankreichs und ferner solche aus Belgien. Gute biologische 
Beobachtungen und Zugnotizen, wie Angaben über lokales Vorkommen. 

W. Hennemann, [Schneebeeren als Vogelnahrung]; Ornith. 
Monatsschr. 1917, 181—182. 

H. Stab 1er, [Der Spiegelfleck am Meisenauge]; Ornith. Monatsschr. 
1:917, 178 — 179. — Verf. weist nach seinen Beobachtungen darauf hin, 
dafs der weifsgefiederte Fleck am Auge vieler Meisen beim Suchen der 
Tiere in den Rissen, Spalten und Höhlungen der Bäume nach Nahrung 
zur Erhellung der abzusuchenden Lokalität als Spiegel diene. Es wäre 
zu untersuchen, ob durch dunkle Färbung am Auge vieler Vögel, die ihre 
Nahrung in greller Sonne suchen, eine Art Dämpfung erzielt wird. 

W. Israel, [Vögel, die ihre Beute zerschellen lassen] ; Ornith. 
Monatsschr. 1917, 229—281. — Im Anschlufs an die Veröffentlichung 
von Erohn (siebe 0. M. 1917, 136) weist der Verf. darauf hin, dafs die 
Krähen sehr dickschalige Muscheln — er nennt z. B. ünio consentaneus — 
durch starke Schnabelbiebe zertrümmern, also nicht nötig haben, sie erst 
aus gewisser Höhe zur Zertrümmerung herabzuwerfen. Interessant war für 
Israel bei seinen Beobachtungen, die er an der Morawa in Serbien an- 
stellte, dafs die Krähen den Sitz dos vorderen Schliefttmuskels zu kennen 
scheinen. Die meisten Muscheln waren au dieser Steile, an der sich die 
dünnste Schalenschicht befindet, eingehackt. Verf. läfst es dahingestellt, 
ob die Krähen mit Überlegung bandeln, wenn sie diese Stelle zuerst in 
ADgri£f nehmen. 

0. B ü s i n g , Ornithologiscbe Mitteilungen aus dem Kreise Hersfeld 
a.d. Fulda; Ornith. Mooatsschr. 1917, 297-811. — Mitteilungen über 
A2 Arten aus einem Gebiet der Provinz Hessen-Nassau, aus welchem 
erst wenige neuere Beobachtungen vorliegen. 

C. L i n d n e r , Einige Beobachtungen im Uustrutgebiet im April 
und Mai 1917; Ornith. Monatsschr. 1917, 811 — 814. 

H. W. Otteos, [Mitteilungen aus Hannover]; Ornith. Monats- 
schr. 1917, 818-319. 

E. Hühner, Jahresbericht 1917 der Vogelwarte Hiddensoe— Süd ; 
Ornith. Monatsschr. 1918, 3—9. 

Kajser, Ist die Wioterfütterung der Vögel notwendig?; Ornith. 
Monatsschr. 1918, 9 — 12. — Wendet sich gegen die bekannten zuerst 
im Wilzenhauser Kreisblatt veröffentlichten, später im „Falco" wieder ab- 
gedruckten Ausführungen des Grafen Berlepsch und tritt hinsichtlich der 
Winterfütterung der Vögel vollinhaltlich den bewährten Grundsätzen des 
Freiberrn Hans v. Berlepsch bei. 



— 104 — 

E a y s e r , Ist die VernicbtuDg des Apfelblfitenstecbers {AnthonO' 
mus pomorum) durch Vögel als Qutzbringend zu betracbten?; Ornitb. 
Monatsscbr. 1918, 12—14. — Auf Grund der Beobacbtungen von 
Pomologen, die auch entomologiscb gut orientiert sind, wendet sieb Kayser 
gegen die Ausfübrungen Karl Ecksteins (Ber. d. Int. Ornitb. Eongr. 1910), 
dals der obengenannte Rafsler für die Entwicklung guter FrUcbte nützlich 
sei und die ihn vertilgenden Vögel als schädlich anzusehen seien. 

0. Heinroth, [Über reflektorische Bewegungsweisen (Eratzeoi 
Schütteln, Baden, u. s. w.) im Liebte der Stammesverwandtschaft] ; Joarn. 
f. Ornitb. 1918, 111 — 114. 

F. von Lucanus, [Über eine abweichend, gelblich gefärbte 
Weindrossel des Breslauer Üniversitäts-Museums] ; Journ. f. Ornitb. 1918, 
114-115. 

F. von Lucanus, [Über vor kurzem stattgehabtes Horsten von 
Haliaetus albiciUa in der Mark]; Journ. f. Ornitb. 1918, 115. 

A. Beichenow, [Ärdea purpurea bei Eremmen erlegt] ; Joaro. 
f. Ornitb. 1918, 115. 

A. Beichenow, [Über Fontoppidans Vogelnamen im Danske 
Atlas 1763J; Journ. f. Ornith. 1918, 116. 

H. Steinmetz, [Über die Vogelscbutzstätte auf Langeoog] ; 
Journ. f. Ornith. 1918, 116—117. 

0. Heinroth, [Beobacbtungen an jung aufgezogenen Eolkraben]; 
Journ. f. Ornith. 1918, 117—118. 

A. J a c b i , Die Schutzfärbung der Schneehühner ; Die Natur- 
wissenschaften, 6 Jahrg., April 1918, 189 — 192. — Verf. bebandelt den 
Saisondimorpbismus oder, wie er es nennen mOcbte, den Horodichroismus 
der Lagopus-Arien, auf die Erklärung dieser auffallenden Erscheinung 
näher eingebend. Meist und von jeher hat man dieselbe für eine Schutz- 
einrichtung genannter Hühner gegen die Angriffe ihrer Feinde, vornehmlich 
beim Brutgeschäft betrachtet. Weiter aber bat man auch einen rein 
physiologischen Vorgang für diese Erscheinung in Anspruch nehmen 
wollen. Er stützt sich „auf die Eigenschaft des Weifs, von allen Farben 
der Wärme die geringste Ausstrahlung zu gestatten, sodafs die boden- 
ständigen Säuger und Vögel des hohen Nordens in ihrer weifsen Tracht 
den besten Wärmescbutz hätten." Jacobi gebt auf den Wechsel des 
Federkleides bei den Schneehühnern näher ein und weist darauf bin, dafs 
nach den meisten Beobacbtungen, die wir hierüber besitzen, die Weibchen 
das Sommerkleid früher anlegen als die Männchen und das Brutgeschäft 
im dunklen Eleid beginnen, während die Männchen noch das weifse 
Winterkleid tragen. Verf. siebt in dieser Tatsache eine starke Stütze 
für die Annahme einer Schutzfärbung. Eine Beihe von Beobachtungen 
amerikanischer Forscher, auf welche eingehend hingewiesen wird, unter- 
stützen nach Jacobi's Ausfübrungen die Wahrscheinlichkeit für die 
Bichtigkeit der Annahme der Schutzfärbungstbeorie bei den Arten der 
Gattung Lagopus. S c b a l o w. 

Druck TOB Otto Bonbllllli in Bornburf. 



Omithologisclie lonatsberichte 

herausgegeben von 

Prof. Dr. Ant. Reichenow. 



26. Jahrgang. September/Oktober 1918. No. 9/10. 

Die Omithologisohen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nummern 
und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark. 
— Zusendungen jeder Art für die Schriftleitung sind an den Herausgeber, 
Prof. Dr. Heichenow in Berlin N. 4. Invalidenstr. 43, den Buchhandel 
betreffende Mitteilungen an die Yerlagshandlung von R. Friedländer&Sohn 
in Berlin NW. 6, Karlstr. 11 zu richten. 



Ein Beitrag 
zur Omis des Habichtswaldes und Wilhelmshtfher Parlcs. 

Von Ott« lihinrre. 

Angeregt durch einen Aufsatz von W. Hagen (J. f. 0. 1916, 
S. 120 „Ein Beitrag zur Avifauna von Hessen-Nassau"), dessen Be- 
obachtungen, soweit sie Cassel betreffen, ich in mancher Beziehung 
zu ergänzen und vervollständigen imstande bin, möchte ich im 
folgenden auf die ornithologischen Verhältnisse von Wilhelmshöhe, 
das seit Jahren mein Beobachtungsgebiet ist, etwas näher eingehen. 
In erster Linie soll hier der Wilhelmshöher Park in Betracht 
kommen. Wenn ich auch den östlichen Habichtswald, der den 
Park im Westen begrenzt, stellenweise mit einschliefse, so geschieht 
dies, weil der Wilhelmshöher Park nur einen besonders schönen, 
z. T. noch recht wilden und urwüchsigen Teil des ersteren bildet. 
Beide gehen ganz unmerklich ineinander über, eine scharfe Grenze 
zwischen Wald und Park besteht nicht. Im Osten begrenzt den 
Park das Villenviertel Wilhelmshöhe, das für viele Arten {Turdus 
musicus, Fyrrhula p. europaea u. a.) ein Einfallstor in die Stadt- 
gärten von Cassel ist. Im Norden umgeben den Park einige 
Wiesen und ein grofser Obstgarten. — Was die floristischen Ver- 
hältnisse der Landschaft anbelangt, so ist ihr besonders eigen- 
tümlich der Reichtum an Nadelhölzern. Uralte und sehr starke 
Exemplare von Abies pectinata und Thuja-Arten geben dem Park 
ihr charakteristisches Gepräge und sind auch in ornithologischer 
Hinsicht von besonderem Interesse. Das dichte Unterholz, das 
früher einen grofsen Teil des Parks bedeckte, wird leider mehr 
und mehr abgeholzt. Charakteristisch sind ferner für den Park 
und bedeutungsvoll für seine Vogelfauna die vielen Bäche und 
Wasserfälle und zwei kleine Waldseen (der sogen. Lac und der 
Schlofsteich), die trotz des Fehlens gröfserer Gewässer mancherlei 
Wassergeflügel bergen. 



— 106 — 

Im folgenden seien die Arten, von denen sich Bemerkenswertes 
sagen läfst, systematisch aufgeführt. Ich bemerke jedoch, dafs diese 
Notizen keine Lokal-Ornis darstellen sollen. Um eine solche für 
die hiesige Gegend aufzustellen, fehlt es mir noch an Material aus 
den letzten Jahren, die ich wegen des Krieges nicht in Cassel 
verleben konnte. 

Anas boschas L. Diese Art brütet an drei Stellen im Park, 
und zwar am Lac (Ufer der ßoseninsel), am Schlofsteich und im 
Steingeröll eines dicht zugewachsenen Wasserfalls, wo eine nennens- 
werte Wasserfläche ihr überhaupt nicht zu Gebote steht. Schon 
öfter habe ich an dieser Stelle die Ente mit ihren Jungen den 
steilen Wasserfall auf den bemoosten Steinen hochklimmen sehen. 
Auch auf einem hochgelegenen Waldsee des Habichtswaldes, dem 
Asch, ist sie Brutvogel. Übrigens haben die im Park brütenden 
Enten nichts von ihrer Scheu abgelegt. Die Nester sind äufserst 
schwer zu finden. 

Crex crex L. Ein Pärchen dieses bei Cassel sehr seltenen 
Vogels brütete im Sommer 1912 in den Wiesen nordöstlich des 
Parks und brachte nach mancherlei Störungen auch glücklich die 
Jungen hoch. Da er spät und fast nur in Wiesen brütet, so fällt 
das Gelege fast regelmäfsig der Sense zum Opfer. Auch 1918 
beobachtet. 

Gallinula chloropus L. War bis zum Jahre 1916 recht häufig 
im Park. Mehrere Paare brüteten am Lac und Schlofsteich. Ein 
Nest befand sich in den unteren Zweigen einer weit ins Wasser 
hineinhängenden Erle. Weitere Nester standen unter dem dichten 
Gebüsch, das die ßoseninsel von der Wasserseite her umsäumt. 
Leider wurde die Erle gefällt und das Buschwerk ausgerodet. 
Neuerdings ist das Teichhuhn ganz verschwunden. Biologisch 
interessant ist die Tatsache, dafs die Teichhübner von Wilhelms- 
höhe oft „aufbäumen". Tagsüber sonnen sie sich gern in dem 
unteren Gezweige der Erlen ; die Nacht aber pflegen sie in den 
dichten und hohen Lebensbäumen der Roseninsel zu verbringen. 
Besonders häufig konnte ich diese Beobachtung in den Wintern 
1910/11 und 1911/12 machen. Bis 1916 pflegten die Brutpaare 
regelmäfsig zu überwintern. Seit dem kalten Winter 1916 jedoch 
verlassen sie im November die Gegend, während die Teichhühner 
der im Fuldatal gelegenen Karlsaue auch jetzt noch regelmäfsig 
überwintern. 

Columha palumbus L., Columba oenas L., Turtur turtur L. 
Über unsre 3 Taubenarten läfst sich für Wilhelmshöhe eine erfreu- 
liche Tatsache berichten. Bis zum Jahre 1914 kam nach meinen 
Beobachtungen nur die Ringeltaube vor. Sie ist recht häufig, 
sowohl im Wilhelmshöher Park, wo sie gemeinsam mit dem Turm- 
falken auf den starken Edeltannen nistet, als auch im Habichtswald. 
Nach längerer Abwesenheit (von Kriegsausbruch bis 1917) fand 
ich bei meiner Rückkehr auch die beiden andern Taubenarten in 



— 107 — 

Wilhelmshöhe vor, an Stellen, wo sie früher bestimmt nicht vor- 
kamen. Die Hohltaube ist sogar Brutvogel innerhalb des Parks. 
In einigen alten hohlen Buchen unterhalb der Löwenburg konnte 
man ihren Balzruf vernehmen, dort brütete auch ein Pärchen (1917). 
Die Turteltaube stellte ich um dieselbe Zeit (Mai 1917) für den 
Habich tswald fest, und zwar in einer Fichtendickung zwischen 
Brasseisberg und Baunsberg, etwas oberhalb des sogen. Steinernen 
Schweinchen. Nicht weit davon in einem Bestände alter Eichen 
hat sich neuerdings ebenfalls die Hohltaube angesiedelt. Leider 
ist mit der Zunahme letzterer nicht Hand in Hand gegangen die 
so vielerorts beobachtete Zunahme von Dryocopus martius, der 
leider völlig im Habichtswalde fehlt. 

Astur palumbarius L. Der Hühnerhabicht mufs für Wilhelms- 
höhe als Seltenheit bezeichnet werden. Auf dem Zuge zeigt er sich 
hin und wieder. Brutvogel ist er meines Wissens im Habichts- 
wald, der nach ihm benannt ist, nicht mehr. Im Frühjahr 1911 
hielt sich mehrere Wochen lang ein Exemplar im Park auf und 
richtete eine wahre Verheerung unter den Teichhühnern an. 

Buteo buteo L. Der Bussard ist im eigentlichen Habichts- 
wald der häufigste Kaubvogel, während im Park ihn der Turmfalk 
an Zahl übertrifft. 

Falco subhuteo L. Der Baumfalk wurde wiederholt im 
Wilhelmshöher Park erlegt, so zuletzt im Juni 1917 durch den 
Obergärtner Vogt. Danach ist anzunehmen, dafs er auch in der 
Gegend horstet. Allerdings ist es mir noch nicht gelungen, einen 
Horst auszumachen. 

Cerehneis tinnunculus L. Wie bereits erwähnt wurde, ist 
der Turmfalk im Park bei weitem der häufigste Kaubvogel, der 
regelmäfsig in den alten Edeltannen am Lac und Schlofsteich 
horstet. Er gehört mit zum Charakterbild von Wilhelmshöhe. 
Seine schönen Flugspiele in der Abendsonne über den Seen sind 
von dem Landschaftsbilde garnicht zu trennen. 

Asio otus L. Die Waldohreule bat im vergangenen Jahre 
(1917) im nördlichen Teile des Parks in einer Gruppe halbwüchsiger 
Arven und Fichten, unmittelbar an einem vielbegangenen Wege 
gebrütet und 3 Junge hochgebracht. Der Horst befand ''sich in 
etwa 5—6 Meter Höhe auf einer Fichte. Im Park ist dieses 
meines Wissens der einzige Fall ihres Vorkommens. Im Habichts- 
wald ist sie in einsamen Fichten beständen nicht selten. 

Syrnium aluco L. Die häufigste Eule in Park und Wald. 
In hellen Vollmondnächten im November 1917 balzte sie so lebhaft 
wie sonst im März und April. 

Athene nodua Scop. Kommt nur im Gemäuer der Löwen- 
burg und im Neuen Obstgarten, am nördlichen Kande des Parks 
vor. An letzterem Orte ist sie sicherer Brutvogel ; im eigentlichen 
Walde fehlt sie naturgemäfs. 



— 108 — 

lynx torquilla L. Der Wendehals ist in den letzten Jahren 
leider selten geworden. Ob er noch Brutvogel innerhalb des Parks 
ist, habe ich in neuerer Zeit nicht mit Sicherheit feststellen können. 
Früher, etwa bis zum Jahre 1913, war dies bestimmt der Fall. 

Dryocopus martius L. Wie schon bemerkt, fehlt diese Art 
fast völlig in hiesiger Gegend. In einem Zeitraum von 8 Jahren 
habe ich ihn gerade zweimal zur Strichzeit im Habichtswalde 
festgestellt. Brutvogel war er dort anscheinend auch in früheren 
Jahren nie, denn Sezekorn bezeichnet ihn in seinem mit grofser 
Sorgfalt ausgearbeiteten „Verzeichnis der in der Provinz Nieder- 
hessen vorkommenden Vögel" (14. Bericht d. Vereins f. Naturkunde 
z. Cassel) als sehr selten und nur an wenigen Orten (Söhrer Wald) 
vorkommend. 

Dendrocopus major L. Der häufigste Specht bei Cassel. 

Dendrocopus medius L. Leider ist diese Art recht selten 
geworden, gehört aber noch zu den Brutvögeln des Parks. In 
den Jahren 1911 und 1912 nistete ein Pärchen in einer Birke 
am Lac. Jetzt trifft man ihn auch zur Strichzeit nur selten. 
Ebenso selten ist sein kleinerer Vetter Dendrocopus minor L. 

Ficus viridis L. Als ein echter Parkvogel ist er in Wil- 
helmshöhe nirgends selten und zählt unter die Brutvögel des 
Parks. 

Ficus canus viridicanus Meyer u. Wolf. Auch diese Art ist 
Brutvogel im Park, und zwar im nordöstlichen Teile nach dem 
Neuen Obstgarten zu. 

Alcedo ispida L. Der Eisvogel hält sich mit Ausnahme der 
Brutmonate und der kältesten Zeit fast das ganze Jahr über an 
den kleinen Teichen und Seen auf. Auch den hochgelegenen 
Asch-See im Habichtswald besucht er biswellen. Er fliegt dabei 
oft grofse Strecken quer durch den Wald, ohne sich an die Bach- 
läufe zu halten. 

Lantus excuhiior L. und Lanius collurio L. Für sämtliche 
Würgerarten ist in hiesiger Gegend eine erhebliche Abnahme zu 
verzeichnen. In den 80 er Jahren und früher waren nach Walter 
und Ochs (8. und 9. Jahresbericht des Ausschusses für Beob- 
achtungsstationen der Vögel Deutschlands) excuhitor, minor, Senator 
und collurio Brutvögel bei Cassel. Heute brütet in der näheren 
Umgebung der Stadt nur noch der Neuntöter. Auch bei ihm ist 
gerade in den letzten Jahren eine rapide Abnahme zu konstatieren, 
verursacht durch die systematische Ausrodung der Hecken. Bis 
zum Jahre 1911 nistete er im nordöstlichen Teile des Wilhelmshöher 
Parks. Seit aber dort fast sämtliche Hecken und alles niedere 
Strauchwerk abgeholzt wurden, ist er verschwunden und zählt heute 
nicht mehr unter die Brutvögel des Parks. Der grofse Würger 
zeigt sich regelmäfsig auf dem Strich. 



— 109 — 

Corvus corone L. Einer der häufigsten Brutvögel sowohl 
im Park wie im Habichtswald. Jedes Frühjahr gibt es erbitterte 
Kämpfe mit dem Turmfalken um die Horste in den Edeltannen 
des rarks. 

Corvus cornix L. Diese Art zeigt sich im Puldatal bei Cassel 
und Niederzwehren fast jeden Winter, verfliegt sich aber nie nach 
Wilhelmshöhe. 

Nucifraga caryocatactes macrorhynchos Brehm. Während 
der grofsen Tannenhäher- Invasion im Herbst 1911 zeigte er sich 
auch wiederholt im Habichtswald und Wilhelmshöher Park. Ein 
einzelnes Exemplar beobachtete ich ferner am 14. 'Oktober 1913 
ebenfalls im Park. 

Oriolus oriolus L. Der Pirol kommt nur an einer Stelle 
des Parks vor, in der Nähe des Linderbergs im nordöstlichen Teile. 
Sein Nest habe ich noch nicht ausfindig machen können. Da ein 
Pärchen des Vogels aber den ganzen Sommer sich dort herumtrieb, 
ist anzunehmen, dafs es in diesem Teile des Parks brütet. Im 
Habichtswald tritt er nur vereinzelt auf, so an den Schiefsständen 
im Dönche Wäldchen und in einem Eichenhain am Fufse der 
Baunsberge. 

Fyrrhula pyrrhula europaea Vieill. Dem Vogelkundigen, der 
zum erstenmal nach Wilhelmshöhe kommt, fällt in der Ornis der 
Gegend meist als erste Eigentümlichkeit das häufige Auftreten des 
Dompfaffen in die Augen. Diese Art ist für Wilhelmshöhe geradezu 
als Charaktervogel zu bezeichnen. Auch im ganzen Habichtswald 
ist er verbreitet, wenn auch weniger zahlreich. Interessant ist 
die Tatsache, dafs er bisweilen in den Villengärten östlich des 
Parks nistet. So fand ich im Mai 1911 ein Nest in der Krone 
eines etwa mannshohen Prunus biloba im Garten des Wieder- 
hold'schen Sanatoriums unmittelbar an der Strafse. Das Nest war 
äufserst unvorsichtig angebracht; jedem Spaziergänger mufste es 
in die Augen fallen. Den merkwürdigsten Fall jedoch beobachtete 
ich in demselben Jahre in der Nähe des Wilhelmshöher Bahnhofs, 
etwa 20 Minuten vom Park entfernt. Dort baute ein Pärchen in 
ein Spalier von Quinaria quinquefolia an einem unbenutzten Balkon 
des damaligen Hotel Weifsenstein In der Höhe des ersten Stockwerks. 
Dieses Nest, wie auch das vorige wurden jedoch noch während 
des Bauens verlassen. 

Locustella naevia Bodd. Einen Fall seines Vorkommens als 
Brutvogel konnte ich in Wilhelmshöhe feststellen. Im Mai und 
Juni 1914 hielt sich ein Pärchen auf einem Wiesenstück, das von 
einem mit Weidenbüschen und Brennesseln umsäumten Bach 
durchflössen wird, auf, im nordöstlichen Teile des Parks an der 
Tulpenbaum -Allee und hat dort gebrütet. Auch 1918 dort fest- 
gestellt. 



— 110 — 

Cinclus aquaticus Bebst. Der Wasserschmätzer ist wohl die 
bemerkenswerteste Erscbeinung, die die Vogelwelt des Parks 
bietet. In allerneuster Zeit ist der ursprüngliche Bestand — etwa 
4—5 Pärchen bis 1914 — leider erheblich zurückgegangen. Im 
Jahre 1917 konnte ich mit Sicherheit nur noch 1 Pärchen fest- 
stellen, 1918 ganz verschwunden. Dafs der Vogel auch schon in 
früheren Jahren die zahlreichen Wasseranlagen von Wilhelmshöhe 
bevfohnte, geht aus Sezekorns Verzeichnis (1864) hervor. Auch 
Walter im 8. Jahresbericht (1883) und Kleinschmidt (1903) er- 
wähnen ihn. 

Der serbisch-mazedonische Kollcrahe. 

Von Dr. J. fiengler. 

Nur ganz kurz, denn zu längeren Arbeiten läfst mir der 
Dienst keine Zeit, möchte ich auf meine Beobachtungen und 
Untersuchungen des serbisch-mazedonischen Kolkraben hinweisen. 
Später ist es mir vielleicht vergönnt, meine Balkannotizen aus- 
zuarbeiten. 

Dieser Kolkrabe ist ähnlich dem Corvus corax laurencei^ 
doch ist der Kopf nicht so braun, die Halsfedern sind breiter, die 
Gefiederbasis ist bräunlich-weifsgrau. Die genaue Beschreibung 
lautet: Schwarz mit braunem Schimmer, der am stärksten braun 
auf Flügeln und Schwanz ist, Kopf und Hals wie Bauch dunkler 
braun schimmernd, Oberkopf mehr stumpfschwarz, der Rücken und 
die Unterschwanzdecken mit bläulichem Schimmer. Die Oberseite 
der braunen Schwanzfedern hat einen leichten bronzegrünen 
Schimmer, die Schnabelborsten sind schwarz. 

Er steht zwischen dem Schweizer und dem griechischen Kolk- 
raben und stellt eine gut unterscheidbare geographische Form dar. 

Als Verbreitung kann ich nur angeben die Gegenden von 
Nisch an südlich, denn aus Nordserbien konnte ich Kolkraben nicht 
untersuchen. Ich schlage für diese Form den Namen 

Corvus corax dardaniensis 
vor. 

Typus: cT ad. 13. V. 1917. üesküb, Mazedonien. 



Vogelwarte Rossitten. 

(Ein Massensterben von Vögeln.) 

Feststellungen über das Eingehen von Vögeln infolge von 
besonderen Witterungserscheinungen oder sonstigen Naturereig- 
nissen sind immer von Interesse, da man verhältnismäfsig selten 
in die Lage kommt solche Fälle zu beobachten. Im Frühjahr 
1918 sind grofse Mengen von Vögeln in der Ostsee um's Leben 
gekommen. 



— 111 — . 

Zunächst soll das Tatsachenmaterial aufgeführt werden, das 
ich über dieses Vogel - Massensterben zusammenbringen konnte. 
Am 28. März 1918 wurden am Seestrande bei Cranz, und zwar 
an dem Teile, der nach Norden zu, also nach der Nehrung zu 
liegt, auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern 21 verendete 
Krähen (Nebelkrähen [Corvus cornix] und Saatkrähen 
[Corvus frugilegus]) gefunden; ferner Gerippe mit anhängenden 
Flügeln und teilweise auch Schwänzen von Feldlerchen, 
Buchfinken, Grünfinken, Kiebitzen, Drosseln 
und Dohlen. Ich untersuchte zwei alte Saatkrähen und eine 
Nebelkrähe genauer. Das Fleisch war noch ziemlich frisch, so dafs 
ich es noch meinen Uhus füttern konnte; gar nicht abgemagert, 
die Eingeweide fehlten, sie waren vom Wasser aus der Bauchhöhle 
herausgewaschen, Mägen leer, keine Verletzung zu sehen, Gefieder 
mit Sand durchsetzt. Es machte den Eindruck, als ob die Vögel 
in die See gefallen und nach langem Umhertreiben wieder aus- 
gespült wären. Am 2. April suchte ich den von Cranz aus nach 
Westen zu gelegenen Teil des Seestrandes ab und fand auf einer 
Strecke von etwa Y2 Kilometer 5 Krähen der oben genannten 
Arten, 10 Feldlerchen, 1 Heidelerche, 1 Star, 1 Dohle, 
3 Buchfinken, im Ganzen also 21 Vögel. Manche Stücke waren 
schon im Sande eingeweht, und so mochten viele Kadaver nicht 
mehr zu finden sein. 

Nunmehr erliefs ich einen öffentlichen Aufruf mit der Bitte 
auf diese interessante Erscheinung näher zu achten und über 
etwaige Funde und Erfahrungen Nachricht an die Vogelwarte 
Rossitteu gelangen zu lassen. Ich sprach dabei die Vermutung aus, 
dafs die Vögel bei ihrem Zuge über See in den aufsergewöhnlich 
starken Nebel geraten seien, der an den Tagen vom 16. bis 20. März 
herrschte. 

Daraufhin meldete Herr Dr. L e n t z aus Königsberg i. Pr., 
dafs er am 24. März 1918 an der Samlandküste bei Rauschen 
dieselbe Beobachtung gemacht hätte, wie sie oben geschildert 
wurde. Verendete Saat- und Nebelkrähen, ferner ein Tordalk seien 
gefunden worden. 

Dasselbe berichteten mehrere Königsberger Soldaten, die am 
24. und 31. März am Seestrande zwischen Neukuhren — Rauschen — 
Waruicken spazieren gegangen waren. Es werden Kadaver von 
Nebelkrähen, Saatkrähen und Dohlen erwähnt, sowie Teile von 
andern Vögeln. 

Bisher handelte es sich um Beobachtungen von der Ost- 
preufsischen Küste. Nunmehr liefen auch aus Westpreufsen Nach- 
richten ein. 

Herr Prof. I b a r t h meldete, dafs dieselben Erscheinungen 
auch an der Danziger Bucht zu beobachten wären. Hunderte von 
toten Vögeln seien aufgefunden worden. Weiter schreibt die 
Lehrerin Fräulein Ludwig aus Danzig-Langfuhr wörtlich : ,,Am 
Sonntag, den 7. April fand ich am Strande zwischen Danzig — 



— 112 — 

Brösen und Glattkau Hunderte kleiner Vogelleichen. Streckenweis 
lagen sie kaum schrittweit auseinander . . ." 

Auch von der Pommerschen Küste lief eine Meldung ein, 
und zwar von Herrn Lehrer R o s e n o w aus Rügenwalde. 
Der Herr schreibt unterm 10. April 1918: „. . . Schon in den 
ersten Apriltagen fielen mir die vielen Vogelfedern und Flügel 
hier am Strande von Rügenwaldermünde auf. Heute suchte ich 
eine Strecke von etwa 2 km ab. Ich fand Überreste von 1 Nebel- 
krähe, 1 Dohle und 1 Kiebitz, dazu an 18 Stellen zahlreiche 
Federn von Nebelkrähen, die alle den Eindruck machten, als ob 
sie längere Zeit in der Ostsee gelegen hätten und dann an's Land 
gespült worden wären. Vorher hatte ich auch zahlreiche kleinere 
Federn gefunden z. B. vom Buchfink; heute waren diese nicht 
mehr festzustellen," 

Wir fragen nun nach den Gründen für dieses Vogel-Massen- 
sterben. Da liefsen mir Fischer durch Fräulein Waiden burg 
aus Rauschen ihre persönlichen Erlebnisse auf See berichten und 
brachten die gewünschte Lösung der Frage. Die Dame war am 
2. April selbst bei mir, übergab mir erstens Flügel und Schwänze 
von Feldlerchen, Heidelerchen, Buchfinken, 
Wachholderdrosseln und Goldammern, die sie am 
Strande bei Rauschen zusammengelesen hatte und erzählt folgendes : 
An den Nebeltagen zwischen dem 16. bis 20. März 1918 hätten 
sich plötzlich draufsen auf See Scharen von Vögeln auf die Boote 
niedergelassen und hätten versucht, sich das Eis von den Federn 
abzuputzen. — Die Feuchtigkeit ist also an den Federn gefroren, 
hat Flugenfähigkeit veranlafst, und die gerade über See ziehenden 
Vögel sind in's Wasser gefallen und ertrunken. Sicher haben sich 
die Vorgänge so abgespielt, aber schwieriger ist nun die Frage 
zu beantworten, wie das Zusammenfrieren des Gefieders zu Stande 
gekommen ist. 

Die Wetterlage für März 1918 war nach den Aufzeichnungen 
der mit der Vogelwarte verbundenen meteorologischen Station 
folgende: Der Monat begann mit leichtem Froste und meist öst- 
lichen Winden. Die Bewölkung wechselte. Vom 5. an helles 
sonniges Wetter, meist herrliche, sonnige Frühlingstage, wie man 
sie in Ostpreufsen um diese Jahreszelt nicht gewöhnt ist. Der 
Vogelzug kam daher ziemlich zeltig und flott In Gang. Die ersten 
Feldlerchen wurden am 2ö. Februar beobachtet, am 27. die ersten 
Stare, am 28. die ersten Kiebitze, ebenso die ersten Krähenzüge 
nach Norden. Fast täglich fand Vogelzug statt, zuweilen recht 
lebhafter. 

Da setzte am 16. März dichter Nebel ein, der bis zum 20. 
anhielt; dabei ganz still, schwache östliche Winde, und die Tem- 
peratur immer unter 0^ Am 19. März Minimum — 8®. 

Trotz dieses Nebels sah ich Krähen ziehen, was mich in 
Erstaunen setzte, da solches Gebaren ganz gegen die Gewohnheit 
der Zugvögel verstöfst. 



— 113 — 

Hat nun das ZusammentreflFen von Nebel und Frost allein 
ein Vogel-Massensterben veranlafst, das doch verhältnismäfsig recht 
selten zu beobachten ist? Wohl kaum. Dazu treten diese beiden 
Witterungserscheinungen zu häufig in Vereinigung auf. Um ganz 
sicher zu gehen, wandte ich mich an das Königliche Meteorologische 
Insitut in Berlin, das meine Annahme bestätigte. 

So bleibt meines Erachtens nur der Ausweg übrig, noch eine 
dritte meteorologische Erscheinung mit heranzuziehen: Den Eis- 
regen, der entsteht, wenn die Regentropfen unter den Gefrierpunkt 
abgekühlt werden und dann beim Aufschlagen auf feste Gegen- 
stände zu Eis erstarren. Solcher Eisregen wird an jenen Tagen 
Tielleicht strichweise über der Ostsee gefallen sein. 

Den Funden nach zu urteilen müssen Unmassen von Vögeln 
zu Grunde gegangen sein. Folgende Arten sind als verunglückt 
festgestellt : Vor allem Nebel- und Saatkrähen, sowie 
Feldlerchen und Buchfinken; ferner in geringerem 
Mafse Dohlen, Kiebitze, Grünfinken, Drosseln, 
Heidelerchen, Stare und Goldammern. Im Ganzen 
11 Vogelarten. Die Seestrandstrecke Cranz bis Rügenwalde, wo 
Vogelleichen gefunden wurden, beträgt rund 400 km. 

Wir in Deutschland werden den Abgang an Brutvögeln nicht 
merken, vielleicht aber die nordischen Brutgebiete, denen die ver- 
unglückten Wanderer zustrebten. 

Übrigens findet man auch jetzt im Sommer noch Vogelüber- 
reste am Seestrande der Kurischen Nehrung. Am 6. Juni 1918 
wurden auf einer Strecke von etwa 5 km in der Nähe von Rossitten 
folgende Arten gesammelt: 4 Nebelkrähen, 3 Saatkrähen, 6 Feld- 
lerchen, 7 Heidelerchen, 4 Stare, 2 Goldammern, 2 Kiebitze, 1 Hohl- 
taube, im Ganzen also 29 Vögel. Die Wildtaube kommt zu den 
oben genannten 11 Vogelarten als zwölfte noch hinzu. 

J. TkUiemaDB. 



Wieder ein trommelnder Grünspecht. 
Von Dr. Irich Heile. 

Auf einer kleinen Exkursion in den südlich an Leipzig 
grenzenden Forst (Connewitzer Ratsholz), der sich wie alle im 
Leipziger Gebiet gelegenen Auewälder auch durch eine sehr statt- 
liche Zahl alter mehrhundertjähriger Eichen auszeichnet, hörte ich 
am 5. IV. 1918 gegen Abend Spechttrommeln, das mir sofort 
durch die längeren und dumpf- hohlen Wirbel auffiel, was um so 
mehr hervortrat, als gerade in der Nähe einige Buntspechte in 
typisch kurzer, hell -scharftöniger Weise knarrten. Ich vermutete, 
wieder einmal einen trommelnden Grünspecht vor mir zu haben, 
was sich auch sogleich bestätigte. Der Vogel safs In der Krone 
einer jener alten Eichen, am Grunde eines etwa mannsstarken 
grofsen Hauptastes. Er trommelte aufserordentlich lebhaft, und 



— 114 — 

zwar folgten die einzelnen Wirbel wechselnder Weise in Zwischen- 
räumen von ca. 5 bis 20 Sekunden, auf die Minute kam somit 
ungefähr 4 bis 8 maliges Trommeln; dazwischen wurde ab und zu 
natürlich auch wieder der lachende Balzruf eingeschaltet, immer- 
hin geschah dies ziemlich selten, da das unablässige Trommeln 
weitere stimmliche Leistungen zurückzudrängen schien. Ich 
beobachtete den Vogel über eine Viertelstunde lang, etwa von 
5— Yi 6 h, dann trat in seiner Instrumentalmusik eine Pause ein, 
und nur um V2 ^ ^ folgten noch einmal 3 Wirbel ; im ganzen 
hatte der Specht während obiger Zeit über 70 mal getrommelt, er 
mochte aber seine Kunst wohl bereits eine ganze Weile vorher 
geübt haben, da ich ja sein fortgesetztes Trommeln anfänglich 
schon aus ziemlicher Entfernung einige Zeit vernahm. Am 12. IV. 
konnte ich die Stätte wieder aufsuchen, und es währte gar nicht 
lange, so begann der Specht abermals zu balzen: er tat dies an 
genau der gleichen Stelle desselben Baumes. Sein Trommeln war 
diesmal etwas weniger lebhaft, dafür wurde aber öfter der Balzruf 
eingeschaltet. Ich beobachtete ihn wieder zu der gleichen Zeit, 
etwa von 7* — V* ® ^ abends; er setzte sein Balzen aber auch 
noch fort, als ich das Gelände verlassen mufste, und noch öfters 
klangen mir beim Weitergehen seine dumpfen Wirbel aus der 
Ferne nach; im ganzen liefs er an diesem Abend sein Trommeln 
mehr als 30 mal vernehmen. 

Fünfmal habe ich bisher Grünspechte trommeln sehen und 
hören: 13. III. 1907 und 8. IV. 1908 im Rosenthal bei Leipzig 
(vgl. Journ. f. Orn. 1909, p. 349/350), 9. IV. 1911 in der Dubrow 
bei Königs- Wusterhausen, Mark, (vgl. Journ. f. Orn. 1912, p. 310), 
und jetzt also am 5. und 12. IV. 1918 im Connewitzer Holz bei 
Leipzig. Der Vorgang vollzog sich immer in fast genau gleicher 
Weise, nur übertraf der zuletzt beobachtete Vogel bezüglich der 
Zahl der aufeinander folgenden Wirbel seine Vorgänger bei weitem, 
ein derartig rasch sich wiederholendes fortdauerndes Trommeln 
vollführte keiner der früheren. Übereinstimmend in allen Fällen 
war die Wahl des Platzes: Stets eine ganz alte Eiche, und an 
ihr jedesmal der basale Teil eines der stärksten Hauptäste. 
Bemerkenswert wäre noch die fast auf die Tage gleiche Jahreszeit, 
8., 9., 5. und 12. IV., in den letzten 4 Fällen; indessen dürfte 
wohl besonders der zuletzt verhörte, so überaus lebhaft trommelnde 
Vogel seine Kunst nun nicht gerade nur am 5. und 12. IV., wo 
der Beobachter zufällig anwesend war, sondern vermutlich auch 
noch an andern Tagen ausgeübt und den hierzu auserkorenen 
gleichen Platz noch öfters als jene beiden Male aufgesucht haben. 

Es erscheinen somit immer nur ganz bestimmte vereinzelte 
Individuen der Grünspecht- cf für die Kunst des Trommeins ver- 
anlagt und befähigt zu sein ; denn wie ungezählte Exemplare hat 
man nun schon beobachtet, die zur Paarungszeit immer und immer 
wieder nur die bekannten Balzrufe, niemals aber das Trommeln 
hervorbrachten. Was also bei unseren übrigen Spechten, auch 



— 115 — 

dem nah verwandten Grauspecht noch, als Regel zur Balz gehört, 
tritt uns beim Grünspecht als Ausnahmeerscheinung entgegen. 



Das Vorkommen der Schwanzuielsen bei Leipzig 
im Winter. 

BerichtigUQg. 

Von Dr. Erioh Hesie. 

P, 68 Orn. Monatsber. 1918 schreibt R Schlegel über das 
Vorkommen der Schwanzmeisen bei Leipzig im Winter: „Im 
Winter kommen nach meinen Beobachtungen und vielfachen Auf- 
zeichnungen lediglich nur weifsköpfige Individuen in Frage. Damit 
befinde ich mich zu meiner Überraschung mit Dr. Hesse etwas in 
Widerspruch .... führt irrtümlicherweise diese Färbungserschei- 
nungen einer Form als selbständige Arten (Formen) auf unter 

Aeg. caudatus L. und roseus Blyth Beide treten nach 

ihm im Gebiete von Mitte Oktober bis März April häufig auf." 
Hierzu ist folgendes zu bemerken. Hätte ß. S c h 1 e g e 1 die ein- 
leitenden Bemerkungen zu meiner hier in Betracht kommenden 
Arbeit, Journ. f. Orn. 1908, gelesen, so würde er ersehen haben 
(1. c. p. 262), dafs ich mich damals in Systematik und Nomenklatur 
nach Reichenow, Kennzeich, d. Vög. Deutschi. (1902) gerichtet 
habe; hier wird aber p. 113 und 116 die westliche Form der 
Schwanzmeise unter „Rosenmeise, Aeyithalus roseus (Blyth)" (jetzt 
also = europaeus Herm.) als ausschliefslich streifköpfig 
angegeben, gegenüber dem östlichen rein weifsköpfigen „.4c5i. cau- 
datus (L.)"; da nun für unser in der Mitte gelegenes Gebiet beide 
Färbungen namhaft zu machen waren, mufsten bei Annahme eben 
der Reichenow sehen Systematik und Nomenklatur natürlich 
auch beide Namen nebeneinander und gesondert für beide Fär- 
bungen angewendet und aufgeführt werden. Ein „Irrtum" meiner- 
seits kommt mithin gar nicht in Frage. ^) Weiterhin ist es im 
übrigen, wie jeder weifs, der sich eingehender mit Systematik und 
Nomenklatur beschäftigt hat, vielfach lediglich Ansichtssache, was 
man im einzelnen als Art oder Subspezies auffafst, und die 
Meinungen der verschiedenen Autoren gehen darin oft weit aus- 
einander; auch von diesem Gesichtspunkt aus ist in solchem Fall, 
also bei abweichender systematisch-nomenklatorischer Anschauung, 
der Ausdruck „Irrtum" zum mindesten unangebracht. Auch ich 
fasse die westliche streifköpfige Form nur als geographischen 
Vertreter, als Subspezies der östlichen rein weifsköpfigen typischen 



*) „Irrtümlich" dagegen ist es z. B., wenn R. Schlegel Journ. f. Orn. 
1918, p. 187 unter Nr. 57 den Waldwasserläufer „Totanus ochropus'\ 
auf der übernächsten Seite unter Nr. 73 ihn aber ,,Tringa ocrophus 
ocrophus L." nennt! 



— 116 — 

Form auf, die sich beide in den Grenzgebieten vermischen und 
bezüglich des Kopfstreifens dann z.T. alle möglichen Zwischenphasen 
erzeugen. Gerade diese gemischten Schwärme von Schwanzmeisen, 
bestehend also aus den beiden Extremen und allerlei Zwischen- 
formen*, habe ich ehedem hier bei Leipzig alljährlich ausgezeichnet 
beobachten können, worauf ich auch schon einmal in Orn. Monats- 
ber. 1905, p. 127/128 hingewiesen habe; dazu will ich an dieser 
Stelle nur das von Kleinschmidt neuerdings in seinen 
„Singvögeln der Heimat" (1913) am Schlüsse des Kapitels über 
die Schwanzmeise (p. 79) Gesagte anfügen: „Realgattung Parus 
Acredula. In Deutschland lebt im Osten die in beiden Geschlechtern 
rein weifsköpfige Form caudatus (L), im Westen die mehr oder 
minder dunkel am Kopf gestreifte Form europaea (Hermann), da- 
zwischen aller erdenkliche Mischmasch beider Formen, den man 
unbenannt lassen oder als longicaüdus (Brm.) bestimmen kann. 
Vio der deutschen Schwanzmeisen lassen sich nur als Realgattung, 
nicht der Form nach genau bestimmen." Dafs nun diese streif- 
köpJBge Form — und demzufolge natürlich auch die mannigfachen 
Zwischenstadien — im W i n t e r bei Leipzig nicht vorkomme, 
wie R. Schlegel angibt, entspricht nicht den Tatsachen, ist daher 
nun wirklich durchaus „irrtümlich". Ich habe die Vögel damals 
zu dieser Jahreszeit stets angetroffen, in manchen Wintern sogar 
mit ganz besonderer Regelmäfsigkeit ; so habe ich z. B. für die 
Winter 1904/05 und 1905/06 in meinen Aufzeichnungen fast auf 
jeder Exkursion, speziell ins Gundorfer Gebiet (hierhin wöchentlich 
mindestens eine ganztägige Exkursion), die gemischten Schwärme, 
und zwar gerade auch für die eigentlichen Wintermonate Dezember 
und Januar, notiert; ähnlich verhielt es sich in den beiden folgen- 
den Wintern. Die Vögel mochten wohl in andern Wintern zu 
gewissen Perioden etwas spärlicher sein, konnten aber dennoch 
auf der einen oder andern Exkursion immer einmal, wenn auch 
manchmal erst nach stundenlangem Suchen, angetroffen werden, 
man mufste nur ihre Lieblingsreviere, die sie zu durchstreifen 
pflegten, genau kennen. In solchen Jahren, wo also das Vorkommen 
ein weniger häufiges und regelmäfsiges ist, kann es dann leicht 
geschehen, dafs jemand, der nur gelegentlich einmal in die freie 
Natur hinauskommt, die Vögel überhaupt nicht ausfindig machen 
kann. Aber auch in jüngster Zeit habe ich diese Vorkommen 
wieder bestätigt gefunden; so schofs ich z. B. am 24. XL 1916 
abermals im Gundorfer Gebiet aus einem solchen gemischten 
Schwärm 3 Stück heraus : ein fast rein weifsköpfiges , ein 
typisch streifköpfiges und eine Mittelform; alle drei sind gestopft 
und werden in der künftigen neuen Schausammlung des Zoolo- 
gischen Museums unsrer Universität Aufstellung finden; auch 
auf den wenigen Exkursionen, die ich in den folgenden Monaten 
(Dezember bis März) zu Sammelzwecken für das Museum noch 
unternahm, sind mir stets beide Färbungsformen und ev. Zwischen- 
stadien begegnet. — Das Gleiche habe ich, wie schon an andern 



— 117 — 

Stellen erwähnt und wie hier nochmals zur Ergänzung mit angefügt 
sei, im Winter auch in der Mark Brandenburg feststellen können. 

Fast ein Jahrzehnt habe ich ehedem als Privatgelehrter das 
ganze Jahr über, Tag für Tag und bei jedem Wetter, teils ganz-, teils 
halbtägige Exkursionen ins Leipziger Gebiet unternommen. Auf 
diese Weise lernt man ein solches Gebiet floristisch und faunistisch 
allerdings gründlich kennen, was nicht zuletzt auch für die Orni- 
thologie gilt; aber selbst dann bleibt bei aller Gründlichkeit noch 
80 mancherlei ungeklärt und unerforscht! Um so mehr mufs man 
sich hüten, auf Grund einiger nur weniger Exkursionen, die man 
vielleicht in den einzelnen Jahren zu unternehmen in der Lage 
war, voreilig Schlüsse zu ziehen, die, wie die Behauptung R. 
Schlegels zeigt, mit den Tatsachen in Widerspruch stehen. Dann 
wird man .auch nicht auf „Überraschungen" stofsen, wenn man 
die Befunde derer vergleicht, deren Beobachtungsergebnisse sich 
auf vieljahreJange, lückenlose — soweit letzteres überhaupt mög- 
lich — Beobachtungsreihen gründen. — 

Auf einige weitere Bemerkungen und Berichtigungen zu 
mehreren in letzter Zeit erschienenen Veröffentlichungen R. 
Schlegels werde ich gelegentlich einer späteren Zusammen- 
stellung zurückkommen. 

„Fringilla coelebs L. als Herbstsllnger." 

Von Or. Irlsh Heile. 

Hagen führt p. 91 der vor. Doppelnr. der Orn. Monatsber. 
einige briefliche Mitteilungen von mir an, die sich auf negative 
Befunde bezüglich des Herbstgesanges von Fringüla coelebs L. 
beziehen und schon eine Reihe von Jahren zurückliegen. Ich habe 
dann später 1913 an mehreren schönen Herbsttagen im Berliner 
Tiergarten vereinzelte „Herbstschläger" festgestellt und dies in 
Orn. Monatsber. 1914, p. 156 vermerkt, was Hagen nicht mit- 
anführi Es sind dies die einzigen von mir bisher beobachteten 
Fälle von Herbstgesang des Buchfinken. 

Bei Zitaten aus brieflichen Mitteilungen ist es in solchem 
Fall stets zweckmäfsig, genau das Datum, gerade auch das Jahr 
des Geschriebenen anzugeben; werden dann die damaligen Beob- 
achtungen, oder um was es sich nun jeweilig handeln mag, durch 
spätere Befunde überholt, wie in obigem Fall geschehen, so tritt 
die Zeitfolge der sich ergänzenden Tatsachen sofort klar hervor. 



Vom FrtibjHhrsznge und Paarnngsrnf 

des dunklen Wasserlftufers. 

Von F. Tliekler. 

Vielfach, so namentlich von Naumann, wird angegeben, 
dafs der dunkle Wasserläufer {Totanus erythropus [Pall.] =^ 



— 118 — 

maculatus [Tunst.] = fuscus auct.) im Frühjahr nur ausnahmsweise 
und selten in Deutschland sich zeige. Für Ostpreufsen trifft dies 
durchaus nicht zu. Hier zieht er im Frühjahr regelmäfsig und 
in manchen Jahren geradezu häufig durch. Der Zug beginnt 
Ende April oder Anfang Mai. Die ersten beobachtete ich am 
Kinkeimer See bei Bartenstein am 30. April 1906, 7. Mai 1907, 

9. Mai 1909, 8. Mai 1910, 7. Mai 1911, 6. Mai 1912, 12. Mai 1913, 

10. Mai 1914, 2. Mai 1915, 28. April 1918. Ende Mai ist der 
Durchzug gewöhnlich beendet. Es zeigen sich aber im Juni fast 
in jedem Jahr zeitweise einzelne ^ ungepaarte Stücke; bisweilen 
erscheinen sogar ganze Flüge, so am 25. Juni 1911 eine Gesell- 
schaft von 9 Exemplaren. 

Während ich von allen andern bei uns durchziehenden 
Wasserläufern, nämlich von T. nebularius, iotanus, glareola und 
ochropus, — von ihnen brütet bei Bartenstein aufser gelegentlich 
einzelnen Paaren des Rotschenkels kein einziger — den Paarungs- 
ruf alljährlich, so auch wieder 1918, vielfach hörte, war mir dies 
beim dunklen Wasserläufer bisher noch nie gelungen. Auch 
Naumann betont , dafs man den Balzgesang dieser Art in 
Deutschland nie vernehme, wie ich denn auch sonst nirgends 
etwas darüber erwähnt finde. Am 9. Mai 1918 nun traf ich T. 
erythroptis am Kinkeimer See recht häufig an. Die Vögel hielten 
sich meist paarweise zusammen und liefsen sehr oft den eigen- 
artigen Paarungsruf hören, der von ihren gewöhnlichen Rufen, 
dem klangvollen „to-it" und dem warnenden „tack tack" so sehr 
abweicht. Sie riefen besonders viel im Sitzen, was mit den Beob- 
achtungen von Bengt Berg (0. M.-B. 1908, S. 156) überein- 
stimmt. Am 12. und 13, Mai waren die meisten schon abgezogen; 
ich bemerkte nur noch 6 — 8 Nachzügler. Am 19. Mai zeigte sich 
kein einziger mehr; doch sah ich am 23. Mai einen einzelnen am 
Wangstsee (Kreis Rössel). Den Paarungsruf hörte ich nur noch 
am 13. Mai je einmal von einem sitzenden und einem fliegenden 
Vogel. 

Der sehr charakteristische, laute Paarungsruf, der mit dem 
keiner anderen Art zu verwechseln ist, läfst sich mit „kürrü kürrü" 
wiedergeben. Die Betonung ist verschieden. Im Sitzen wird 
meist die letzte Silbe betont; der Ruf klingt dann etwas gellend 
„kürrü kürrü". Von dem fliegenden Vogel am 13. Mai vernahm 
ich dagegen ein weicheres „kürrü". Gelegentlich hört man noch 
einen kurzen Vorlaut, so dafs der Ruf dreisilbig wird. Die Schil- 
derung von Berg (1. c), der die Paarungsstimme als wirbelndes 
Pfeifen „cürriii cii-cürrüi" bezeichnet, ist also recht treffend. 

Ein von mir am 9. Mai geschossener Vogel war schon vor- 
wiegend schwarz mit vereinzelten alten Federn an Rücken, Kopf 
und Unterseite; am meisten Weifs zeigte der Bauch. Die Farbe 
der Beine konnte nur als schwarz mit leichtem bräunlichem 
Schimmer an den Gelenken bezeichnet werden. Von einem roten 
Schimmer war an ihnen in frischem Zustande nichts zu bemerken. 



— 119 - 

Wenn die Beine im neuen Naumann dunkel rotbraun gemalt sind, 
was auch der Beschreibung im Text entspricht, so pafst das für 
mein Exemplar gar nicht. Es scheint allerdings, als wenn sie, je 
mehr die Brutzeit vorrückt, röter werden ; wenigstens waren sie 
bei einem alten 9 vom 25. Juli 1916 aus ßossitten, das ich durch 
Thienemann noch im Fleisch erhielt, in frischem Zustande 
dunkelrotbraun. Ein auffälliges Verblassen der Beinfarbe nach 
dem Tode waj bei dem Stück vom 9. Mai 1918, im Gegensatz zu 
der im neuen Naumann mitgeteilten Beobachtung Helms, 
nicht festzustellen. 



Der Vogelzug In den Argonnen im Herbst 1916. 

Von Kais. Oberförster Lidwlg Sohtster. 

(Schlafs von S. 98.) 

8. X. Viele Buchfinken im Wald, wohl von den Bucheckern an- 
gelockt. Zwei Eauchschwalben niedrig über den Wald ziehend. 

10. X. Sehr starker Zugtag. Wetter warm, ausgesprochener Süd- 
westwind. Morgens früh Hausrotschwanz am Batteriestand. 
Gegen 10 Uhr vorm. 16 Kraniche laut rufend, sehr niedrig; 
gegen 12 Uhr 5 Kraniche, höher fliegend, wenig rufend. Den 
ganzen Vormittag über bis in die Nachmittagsstunden hinein 
ständig Flüge von Buchfinken durchziehend in Stärke von 3 — 
20 Stück; zeitweise Notierungen über die Stärke des Zuges: 
12*0 2 Trupps von 10 und 5 Stück, 12*^ 9 Stück, lÖ*^ 11 Stück, 
12" 10 Stück und 7 Stück, 12« 7 Stück, 12" 3 Stück, l^o 
mehrere, 1" 5 Stück, 1" 6 Stück, 1" 6 Stück, 1«2 3 Stück, 1»^ 
6 Stück, 1" 3 Stück, 1" 12 Stück, 205 4 Stück, 2«8 4 Stück, 
23» 5 Stück. Ziehen alle sehr niedrig, viele Männchen darunter. 
Ebenso war in derselben Zeit ein kräftiger Feldlerchenzug, 
wenn auch nicht ganz so stark wie der Buchfinkenzug. Mittags 
streicht ein Sperber in Zugrichtung über die Argonnen, desgl. 
um 1** ein Wanderfalke, der niedrig und sehr rasch fliegt. 
Ein Roter Milan zieht ebenfalls über das Gebirge weg. Zwei 
Ringeltaubenzüge von 6 und 9 Stück. 4 Stare streichen über 
die Argonnen, auch wohl ziehend. Um 1'^ ziehen 4 Rauch- 
schwalben in Richtung Südwestsüd. 

11. X. Starker Südwestwind, stofsend. Vormittags klar, gegen 
IOYj Uhr umwölkt sich der Himmel stark, um die Mittagszeit 
zeitweise Sonnenblicke bei starkem Wind, nachmittags stärker 
bewölkt und leichter Regen. — Starker Zug der Feldlerche 
in Richtung Westsüdwest, vormittags bis zu den Mittagsstunden. 
Zug bedeutend tiefer als gestern infolge des Windes, daher der 
Flug selber mehr stofsweise mit vielen Schwenkungen. Die 
Stärke des Zuges mögen nachfolgende Angaben veranschau- 
lichen: 9" ca. 30 Stück, 9" ca. 40 Stück, 9" 12 Stück, 9» ca. 
40 Stück, 9«* ca. 35 Stück, 9*« 7 Stück, 9*« 5 Stück, 9^0 44 Stück, 



— 120 — 

9" 18 Stück, 9" 32 Stück, 9" 5 Stück, 9»» 3 Stück, 9^8 43 Stück, 
100« 22 Stück, 101» 11 stück, lO^i 1 Stück, lO^e 12 Stück, 10" 
4 Stück. Ebenfalls in den Morgen- und Vormittagsstunden 
starker Buchfinkenzug. Auch hier mögen die Angaben 
für eine Stunde die Zugstärke veranschaulichen: 9" 4 Stück, 
980 ca. 20 Stück, 9" 8 Stück, 95» 13 Stück, lO^e 2 und 4 Stück, 
1016 5 Stück, 10" 12 und 7 Stück, 10" 15 Stück, lO«^ 6 Stück 
(von diesen lassen sich 2, als sie niedrig über die Baumkronen 
hinstreichend den Steilhang meiner Beobachtungsstelle erreicht 
haben und auf dessen oberem Rand in den stark wehenden 
Südwest geraten, in den Baumkronen nieder, der Wind ist ihnen 
anscheinend zu stark), 10'^ 19 Stück (sehr niedrig fliegend, 
fast durch die Baumkronen hindurch), 10'^ 14 Stück (ebenfalls 
fast durch die Baumkronen fliegend und dann dem Steilhang 
entlang sehr steil aufwärts steigend auf den Bergrücken), 10** 
11 Stück, 108« 9 Stück, 10»6 23 Stück, 108» 8 Stück. — 
Vormittags 9^* zieht ein Raubwürger über die Argonnen. Elf 
Rauchschwalben ziehen um 10^* vorm, in fast genau südlicher 
Richtung; um 11^3 streicht eine weifse Bachstelze über die 
Argonnen. Um lO^« geht 1 Star in Zugrichtung über das 
Gebirge. 

13, X, Bedeckter Himmel, Südwestwind, schwach. Vormittags 
ziehen einige Buchfinken und Lerchen. Viele Buchfinken 
futtersuchend im Wald. 3—4 Tannenmeisen (fehlt im Sommer) 
streichen rasch vorbei. 1"^ nachm. 9 Lerchen kaum über 
Baumhöhe gehend. Mittags wird der Wind lebhafter ; 2 Rot- 
kehlchen singen. 

14. X. Westwind. Mittags 1" 17 Buchfinken, 2«^ 2 Lerchen 
ziehend, sonst ziemlich still. 

[Vom 15. — 22. X. fällt meine Beobachtungstätigkeit aus, 
da ich In diesen Tagen wegen des Heldentodes einer meiner 
Brüder auf dem rumänischen Schlachtfeld kurz zu Hause 
in Deutschland verweilte. In Gonsenheim beobachtete ich am 
19. X. und 20. X., mit Einsetzen von Ostluft und Aufklaren 
sehr starken Zug von Saat- und Nebelkrähen, Lerchen, Drosseln, 
etc. Auf der Rückfahrt ins Feld sah ich im Maastal bei Stenay 
zwei grofse Scharen Kiebitze ; der Kiebitz ist hier nur Durch- 
zugsvogel und hält sich im Frühjahr und Herbst in teilweise 
ungeheuren Scharen rastend auf den Wiesen der Flufs- 
niederungen auf.] 

23. X, Ostluft. Frost. Nachmittags zieht ein kleiner Trupp 
Saatkrähen. 

25. X. Lerchen ziehen schwach, mehrere Saatkrähenschwärme. 

28. X. Nafskaltes Wetter, Westwind. Morgens 1 Rauchschwalbe 
bei Ferme la Forge. Viele Distelfinken im Land in Scharen 
bis zu 30 und 40 Stück, bei Ferme la Forge, Montblainville, 
Apremont, Cornay etc. Hausrotschwanz in Fl^ville. Abends 
3 Rauchschwalben bei Varennes. 



— 121 — 

30. X. Trupp Bergfinken von ca. 20 Stück im Wald in der Nähe 
der Batterie. Auf Höhe 285 überfliegt ein Trupp Saatkrähen 
die Schützengräben; sie kommen, da gerade geschossen wird 
und sie niedrig fliegen, sehr in Unruhe. 

31. X. Sehr starker "Westwind. Auffällig warm, abends flaut der 
Wind ab. Trotz des starken Gegenwindes ziehen über die 
Batteriestellung mehrere Buchfinken- und Lerchentrupps, 
2 Starentrupps, 2 Saatkrähenschwärme. Im Walde viele über- 
winternde Buchfinken. 

1. XI. Sehr starker Zug. Wetter heiter, leichte Luft aus SW. 
bezw. SSW., einige Wölkchen und Wetterbäume, Sehr warm, 
mittags lö*" C im Schatten. Gegen 10 Uhr setzt starker 
Buchfinken zug ein. Für einzelne Beobachtungsstunden 
ergaben sich folgende Notierungen : 10" 17 Stück, 10*^ einige, 
10" 17 Stück, 10« 12 Stück, lO^o einige, 10" einige, lO^s 
ca. 20 Stück, 10" ca. 30 Stück, 11<"> ca. 20 Stück, 11" 4 Stück 
und 4 Stück, IP« 11 Stück, 11«* 1 Stück und 3 Stück, IP' 
4 Stück, 1110 2 Stück, IV^ ca. 10 Stück, IP^ ca. 10 Stück, 
11«* 7 Stück, 11" 11 Stück, 1129 2 Stück, 11" einige, 11" 
8 Stück, 11** 6 Stück, 11*^ ca. 20 Stück und ca. 20 Stück, 
11*6 4 Stück, 11*' 8 Stück, 1150 ca. 30 Stück, 11" 6 Stück, 
11«» 8 Stück; Nachmittags: 126ß 21 Stück, 12" 5 Stück, 1«! 
ca. 20 Stück, 1«» ca. 10 Stück, l«» ca. 15 Stück, 1°* 17 Stück, 
106 ca. 15 Stück, lo» 29 Stück, 1" 4 Stück, l^« 7 Stück, P» 
1 Stück, 1»! 2 Stück, 1«* ca. 10 Stück, 1»! 3 Stück, V^ 20 Stück, 
1»8 10 Stück und 7 Stück, 1*« 3 Stück, !*• 7 Stück und 5 Stück, 
1*1 3 Stück. Gegen 3 Uhr mittags ziehen noch einzelne vorbei, 
doch ist der Zug fast zu Ende, um 4*^ sah ich die letzten 
beiden Stücke vorbeiziehen. — Feldlerche. In denselben Zeiten 
wie bei Buchfink starker Zug. Ziehen sehr hoch, sodafs sie 
z. T. hinter den tiefsten Wölkchen verschwinden. Notierungen 
der Kontrollstunden : 10*^ 12 Stück, 10*» 12 Stück, 10** 3 Stück, 
10" 26 Stück, 10" 4 Stück, 10" 14 Stück, lioi 14 Stück 
und 3 Stück, II02 15 Stück, lios 13 gtück, IP* 3 Stück und 
ca. 10 Stück und ca. 30 Stück, lio^ 47 Stück, 1107 ca. 50 Stück, 
ipe 2 Stück, 1110 7 stück, 11" 7 und 31 Stück, 11" ca. 60 Stück 
und ca. 30 Stück und ca. 100 Stück, 11" 8 Stück und 31 Stück, 
11" ca. 35 Stück und ca. 80 Stück, IP' ca. 40 Stück, 11" 
ca. 30 Stück, ll^o ca. 20 Stück und ca. 40 Stück, 11" 7 Stück, 
11" CR. 40 Stück, 112* 24 Stück und 15 Stück und ca. 50 Stück, 
11" ca. 80 Stück und ca. 20 Stück, IP^ 18 Stück, IP' einige, 
1128 ca. 25 Stück und ca. 30 Stück, IP^ ca. 40 Stück, 11 3« 
ca. 30 Stück, IPi einige, 11" ca. 15 Stück, 11" ca. 80 Stück, 
11" ca. 50 Stück und ca. 15 Stück, Ipe 13 Stück, IP' ca. 
70 Stück, 11" ca. 20 Stück, 11»» ca. 15 Stück, 11*2 ca. 30 Stück, 
11*« ca. 10 Stück, 11** einige und ca. 10 Stück, 11*« ca. 10 Stück 
und ca. 50 Stück, 11*« ca. 10 Stück, 11*' ca. 30 Stück, 11" 
ca. 50 Stück, 11" ca. 60 Stück und ca. 20 Stück, 11" ca. 



— 122 — 

30 Stück, 11«'^ ca. 40 Stück. Nachmittags: V^ einige, !•'' einige, 
10« ca. 40 Stück, l^^ ca. 40 Stück, l^i 8 Stück, l^* 10 Stück, 
1« ca. 25 Stück, l^^ 10 Stück, 1" 18 Stück, l«« 7 Stück, 
12^ ca. 20 Stück, V^ einige und 12 Stück, 1" 31 Stück, 1" 
ca. 35 Stück, V^ ca. 100 Stück, V^ ca. 10 Stück, 1« 8 Stück 
und ca. 20 Stück, l*« ca. 40 Stück, 1*^ 13 Stück, Iso einige, 
15» ca. 50 Stück, 1^* ca. 100 Stück, 1»« 8 Stück. Gegen 
3 Uhr ist auch hier der Zug ziemlich zu Ende, um 4^^ die 
letzten 30 Stück gesehen. — Saatkrähe: Morgens 2 Scharen; 
gegen 10 Uhr Zug lebhafter. 10" 21 Stück, lO^o Schar, 10« 
59 Stück, 1100 3 Stück, 11" 6 Stück, 11" ca. 80 Stück, 11" 
ca. 25 Stück, 11*' ca. 30 Stück, 11" ca. 30 Stück. Nachmittags : 
12^8 32 Stück, 1«<» 2 Stück, 1«* ca. 30 Stück, Ps 22 Stück. 
Zugrichtung Ost -West, bezw. Ostnordost — Südwestsüd. — 
Ringeltaube: 10^2 21 Stück, 10" 4 Stück, 11»^ 3 Stück, 11" 
7 Stück, 11" 34 Stück, l«» 12 Stück. — Star: ipe 19 Stück, 
11" 8 Stück, 105 8 Stück, 4*^ 30 Stück. — Heidelerche: Im 
Lauf des Tages mehrere Flüge von 5 — 30 Stück, fliegen 
bedeutend niedriger als die Feldlerchen. — Rauchschwalbe: ll^o 
ziehen 2 Stück über die Argonnen. — Um 10*^ zieht ein Sperber 
über das Gebirge, desgl. um 1*^ ein Habicht (?) in hoher Luft 
kreisend desgleichen. — Um 1"* überfliegen 4 Kraniche die 
Argonnen; um 4°^ streicht eine Waldschnepfe in Zugrichtung 
über die Batteriestellung. 

XI. Der merkwürdigste Zugtag. Morgens Gewitter, sehr starker 
Regen. Südwestwind. Gegen 10 Uhr bedeckter Himmel, tief- 
hängende Wolken, strichweise Regen. Trotzdem starker 
Vogelzug. Von 10"— 11^° ziehen Buchfinken und Lerchen. 
Zug hoch, fast in den Wolken und sehr eilig ; er geht 
zeitweilig direkt durch den Regen hindurch. 
Um 11*0 starker Regen, der Zug setzt, soweit zu beobachten, 
momentan aus, um 11*" läfst der Regen nach, um 11" (immer 
noch während des Regens) starker Trupp von Lerchen und 
Buchfinken, um 11" (Regen) ca. 50 Stück Lerchen, um 11" 
(Regen) ca. 10 Buchfinken und 52 Lerchen ; um 11 5* (Regen) 
ca. 20 Buchfinken, 11 ^s (Regen) 2 Lerchen; der Regen setzt 
um diese Zeit wieder stärker ein, der Zug stockt; um 12 2* 
hat der Regen aufgehört, um 12" fängts an aufzuklären; 
der Zug hört aber ziemlich auf, einzelne Buchfinken- und 
Lerchentrupps streichen noch vorbei, ebenso nachmittags. Auch 
die Saatkrähe zog am Morgen trotz Regens; von 10*'' — 11** 
andauernd Scharen, sehr hoch und sehr eilig; um 11'* bei 
stärker einsetzendem Regen hört der Zug auf, um 11** setzt er 
wieder ein, um 11*^ (Regen) ca. 300 Stück. Auch hier hört 
mittags mit dem Aufklären gegen 12*o der Zug so gut wie auf. 
— Ringeltaube: um 11^* 8 Stück trotz Regen ziehend. 2 Staren- 
trupps von 19 und 25 Stück ziehen im Regen über die Argonnen, 
Eine Rauchschwalbe zieht vormittags, ebenfalls im Regen. 



— 123 — 

3. XI. Sehr schöner Tag mit lebhaftem Südostsüdwind. Warm. 
Es ziehen Saatkrähen sehr viel, ebenso Lerchen- und Buch- 
finkentrupps. Rotkehlchen singt, 

4. XI. SchönerTag. Südwestwind. Saatkrähen ziehen, ebenso Lerchen 
und Buchfinken, aber nicht allzuviele. Zwei Rotkehlchen singen. 

5. XI. Klares Wetter, lebhafter Südwest, sehr warm, 12<' C im 
Schatten. Morgens zieht ein Trupp Lerchen, sonst aber an- 
scheinend gar kein Zug. Bei der Batteriestelluug ein Trupp 
Buch- und Bergfinken; daselbst 1 Pärchen Tannen meisen ^) 
und 1 Wintergoldhähnchen. 

7. XI. Rotkehlchen singt. 

9. XI. Vormittags Regen, Mittags aufklärend. Wind springt nach 
Nordost um, abends klar. Mittags ziehen ca. 35 Drosseln (wohl 
Wachholderdrosseln) über den Argonnenwald. Um 2*" ziehen 
23 Kraniche in Südwestsüdrichtung über unsere Berge; um 2*^ 
33 Lerchen ziehend. 
10. XI. Ostluft, klares Wetter. 62 Saatkrähen mittags in hoher 

Luft ziehend. Weindrosseln in den Hecken an der Aire. 
12. XI. Morgens ziehen ca. 10 Saatkrähen. Zuerst klares Wetter, 
hernach Nebelwolken, Westwind. 
Dies sind die Beobachtungen, die ich im Herbst 1916 in den 
Argonnen über den Vogelzug machte; ich bin mir wohl bewufst, 
dafs sie nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamtzug darstellen, 
der unsere Gegend passiert; aber man hat schliefslich im Krieg 
nur nebenbei Zeit, sich um die Ornithologie zu kümmern; welche 
Qualen und Sehnsucht man aber z. B. an einem schönen Herbst- 
tag aussteht, wenn man an seinen Dienst gebunden und in seinen 
Unterstand gebannt ist und draufsen die Vogelwelt vorbeistreichen 
sieht und hört, das kann nur der recht ermessen, der sich die 
gleiche Entsagung auferlegen mufste. 

Wenn ich den Herbstzug in seiner Gesamtheit überblicke, 
80 habe ich den Eindruck, als ob das fast ständig schlechte Wetter 
insbesondere widrig wehende Winde in der ersten Hälfte des 
Oktobers die Vogelwelt verhältnismäfsig lange zurückgehalten und 
dafs dann der übermächtige gewordene Zugtrieb die Vögel in der 
zweiten Hälfte des Oktobers und im Anfang November trotz teil- 
weise sehr ungünstigem Wetter zum Zug unter jeder Bedingung 
getrieben habe. Fast an allen Hauptzugtagen, so besonders am 
10. und IL Oktober, am 1. und 2. November herrschte Gegenwind, 
teilweise sogar sehr starker, nicht nur auf der Erde, sondern wie 

^) leb habe TanDenmeisen den ganzen Winter über in einzelnen 
Pärchen im Argonnenwald, einem reinen Laubholzgebiet, beobachtet. 
Da ganz Ostfrankreich so gut wie keinen Nadelwald hat, so müssen die 
Vögelchen ziemlich weit hergewandert sein. Im vorigen Winter beob- 
achtete ich im hiesigen Gebiet ein P&rcben Haubenmeisen. Ich halte 
Tannen- und Haubenmeise doch für ausgesprochenere Zugvogel, als man 
das gemeinhin tut. 



— 124 — 

man an Wolken, Flugzeugen etc. beobachten konnte, auch in 
höheren Schichten; trotzdem war der Zug sehr stark, selbst die 
Regengüsse am 2. XI. hielten den Zug nicht auf; dieser Zugtag 
erscheint mir umso merkwürdiger, als der folgende Tage guten 
Zugwind brachte, die Yögel also, die zweifelsohne den Witterungs- 
umschlag empfinden mufsten, bis zum Eintritt des guten Zug- 
wetters hätten warten können. Jedenfalls hat mir der Herbstzug 
1916 eklatant bewiesen, dafs auch ungünstiges und sehr 
ungünstiges Wetter, den Zug vielleicht zuerst 
hinausschieben, dann aber nicht mehr hintan- 
halten kann. 

Noch einige Worte über die „Zugstrafsen"; ich bin von jeher 
ein Gegner dieser Anschauung gewesen und habe dies verschiedentlich 
ausgesprochen. Der Vogel wandert in breiter Front; es dürfte 
in Deutschland keinen Ort geben, an dem nicht jedes Kind den 
wandernden Keilhacken der Kraniche kennt, an dem man nicht 
Saatkrähen, Raubvögel, Tauben und das ganze Heer der Singvögel 
wandernd vorbeireisen sieht. Wenn man in Flufstälern und 
Niederungen eine Anhäufung von Vögeln zur Zugzeit beobachtet, 
so beweist das nichts mehr und nichts weniger, als dafs die Vogel- 
welt diese örtlichkeiten zur Rast bevorzugt, noch lange aber nicht, 
dafs die hier angetroffenen Vogelscharen auch dem Flufstal auf 
ihrem Zug gefolgt sind und folgen ; indem man das letztere ohne 
Weiteres annahm und behauptete, kam man zu den durch und 
durch falschen, unausrottbaren Schlagwörtern, wie: „Der Rhein 
als Zugstrafse etc." Mittelhohe Gebirgszüge bieten kein Hemmnis 
für den Zug. Das hat mir in diesem und dem vorjährigen Herbst- 
zug erneut der Flug über die Argonnen gezeigt. Kein Vogel, 
weder grofs noch klein, läfst sich durch den Nord — Süd ziehenden 
Argonnenwald in seinem Zug beirren; er geht quer darüber hin- 
weg; und dabei stände ihnen ein vortrefflicher Pafs, nämlich das 
ca. 1 km breite Tal der Aire, die die Argonnenhöhen ungefähr 
in ihrer Mitte in genau Ost — Westrichtung durchbricht und den 
Weg zur Champagne eröffnet, zur Verfügung; nichts davon, der 
Zug geht quer über die Höhen ! Niedrigfliegende Grofsvögel, wie 
Saatkrähen, Kraniche und Milan, die ich von meinem Beobachtungs- 
posten von weither anfliegen sah, verhielten vor dem Überfliegen 
der Argonnen, schraubten sich höher und zogen dann darüber hinweg. 

Schriftenschau. 

um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornithologiaohen 
Monatsberichten" zu erzielen, werden die Herren Verfasser und Verleger 
gebeten, über neu erscheinende Werke dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- 
teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- 
schriften Sondorabzüge zu schicken. Bei selbstständig erscheinenden Arbeiten 
ist Preisangabe erwünscht. Reichenow. 

' A. Voigt, Doaticbes Vogelleben. Zugleich als Exkursionibuch 
fOr Vog«lfreuDde. Zweite Auflage. (Teuboer, Leipzig). — Oeb. M. 1.20 



— 125 — 

(80% Teuerunggzuschlag). — Dem Naturfreund, der die heimatlichen 
Fluren und Wftlder durchstreift, vor allem dem Anfänger, soll das vor- 
liegende Bändchen ein Führer durch unsere einheimische Vogelwelt sein. 
Es lehrt die VOgel an ihren natürlichen Standorten und ihre Lebens- 
gewohnheiten kennen, namentlich den so mannigfaltigen Gesang, der durch 
Lautumschreibung, Noten und besondern Zeichen gekennzeichnet wird. 
Von den einzelnen Kapiteln seien hervorgehoben: Vogelleben im Laufe 
des Jahres, Ankunft der Zugvögel. Vogelleben der Städte und Dörfer. 
Vogelleben im Park, in Laub- und Mischwäldern. In Nadelwäldern. In 
Moor und Heide. Vögel der Felder. Vogelwelt der Wiesengelände. 
Wasser- und Sumpfvögel. — Das BOchelchen wird als Exkursionsbuch 
jedem Vogelfreund ein unentbehrlicher Begleiter sein. 

H. Steiner, Das Problem der Diastataxie des Vogelflügels ; 
Jenaiiche Zeitschr. f. Naturwissenschaft, 55. Bd. Jena 1917, 2'il— 496, 
T. 9 — 11. — Verf. behandelt in gründlichsterweise die viel besprochene 
eigentümliche Diastataxie des Vogelflügels im allgemeinen und bei den 
einzelnen Vogelgruppen mit Erläuterung durch zahlreiche Tei^ilder und 
Tabellen, wobei auch Archaeopterjx und die Ichthjornithes in die Bespre- 
chung eingezogen werden. Auf Qrund einer eingebenden embrjologischen 
Untersuchung gelangt Verf. zur entgegengesetzten Anschauung der Ansicht 
Pycrafts, der annahm, dafs die erste Anlage der Federn eutaxisch 
sei und erst später durch eine Verschiebung diastataxiscb werde. Er 
weist hingegen die Ableitung der Eutaxie aus der Diastataxie nach. Tafel 
9 und 10 geben Bilder des Flügels von Archaeopterjx, Taf. 11 einen 
Rekonstruktionsvers ucb der „Pro-Avis". 

L. y. A m m n , Tertiäre Vogelreste von Regensburg und die jung- 
miocAne Vogelwelt; Abb. naturw, Ver. Regensburg, 12. Heft, 1918. — 
Veranlassung zur vorliegenden Arbeit haben fossile Vogelreste geliefert, 
die in die Sammlung des naturwissenschaftlichen Vereins in Regensburg 
gelangten und aus der Tongrube zwischen Dechbetten und Prüfening 
itammten. Verf. bespricht zunächst fossile Federn und versteinerte Eier 
im allgemeinen, bebandelt sodann die aus Bayern bis jetzt bekannten 
fossilen Vogelreste und gibt daran anschliefsend einen Überblick über die 
wichtigeren europäischen Funde. Im zweiten Teil sind die Regeosburger 
Funde eingehend beschrieben : Fhalacrocorax praecarbo, Ärdea brun- 
huberi, Boiaurites avitus, Anas cf. robusta, Gallus longaevus, 
l'hasianus augustus. Nach einer Betrachtung der bis jetzt ermittelten 
Vogelreste aus obermiocänen Schichten einiger bekannteren örtlichkeiten, 
namentlich der Steinheim-Rieser Vogelfauna, eine Zusammenstellung alles 
bii jetzt bekannten Arten der europäischen zur jüngeren MiozAnzeit vor- 
handenen Vogelwelt. 

H. Schouteden, Contribution ä la faune ornithologique de la 
T^gion des Lacs de l'Afrique Centrale; Revue zool. Africaine, Vol. 5, 
fasc. 8, 1918, 209—297. — Führt nach den im Kongo -Museum in 
Tervueren befindlichen Sammlungen 554 Arten für das Seengebiet auf, 
darunter zwei neue: Cryptospiza pilettei und Geocichla gurneyi 
piletiei, ferner ein vermutlich neues Frankolin, ähnlich F. squamatus. 



— 126 — 

In der Einleitung sind die Namen der Sammler unter Beifügung der 
Saromelorte zusammengestellt, die das Kongomuseum bereichert haben. 

R c h w. 

H. S c h a 1 w , [Notiz über Corvus soemmeringi Fischer] ; Joarn. 
f. Ornith. 1918, 118. 

H. Frhr. Geyr ron Schweppenburg, In's Land der 
Tuareg; Journ. f. Ornith. 1918, 121 — 176. — Auf den einleitenden Teil 
der vorstehenden Arbeit ist bereits früher (S, 50) hingewiesen worden. 
In dem zweiten Abschnitt werden die beobachteten Yogelarten abgehandelt. 
Erwähnt werden nur diejenigen Arten und Formen, die von dem Beisenden 
im eigentlichen Wüstengebiet, d. h. also südlich von der Oase Biskra, 
gefunden worden sind, wobei darauf hingewiesen wird, dafs der Verf. 
Toruebmlich sabarische BrutvOgel sammelte, den Zugvögeln erst in zweiter 
Reihe sein Interesse zuwandte. 122 Arten und Formen werden besprochen. 
Genaue Fundortangaben, Mitteilungen über Zugbeobachtungen und viele, 
zum Teil recht eingebende biologische Ergebnisse werden gegeben. 
Unter den letzteren bieten die Angaben über die ErnahruugsmOglichkeiten 
einzelner Arten in den meist vegetations- und wasserlosen Wüstengebieten 
sehr viel des Interessanten. Relativ geringe Beobachtungen konnten ron 
Baron Geyr über die Fortpflanzung der gefundenen saharischen Vögel 
mitgeteilt werden. Verf. führt dies auf den verhältnismäfsig späten Beginn 
des Brutgeschäftes zurück, das zum Teil noch gar nicht begonnen, als 
der Reisende die betreffenden Gebiete bereits wieder verlassen hatte. 
Nach seiner Vermutung setzt übrigens in den besonders ungünstigen 
Teilen des Tuaregberglandei ein Teil der VOgel jahrweise mit dem Brüten 
aus. Von besonderem Interesse sind die biologischen Beobachtungen 
welche von den vom Verf. neu beschriebenen Formen Fterocles Uchten- 
steini iargius, Columba livia targia, Turiur iurtur hoggara und 
Cotyle rupestris spatei mitgeteilt werden. Nach Baron Gejr's Ansicht 
entfallen auf die Brutvögel des Gebietes rund 86 7o paläarktiscbe and 
64 °/o äthiopisch-paläotropische Formen. Über das Vorkommen von 
Struthio camelus, der sich heute nicht mehr in den Tuaregbergen findet, 
werden erkundete Mitteilungen und Angaben aus der Literatur wieder- 
gegeben. Im Jahre 1855 wurden noch in der nördlichen algerischen 
Wüste in acht Jagdtagen 72 Straufse, darunter 80 männliche Vögel, erlegt. 

Dem Zweifel Baron Geyrs, dafs die von Rothschild und Hartert in 
der Wüste bei Touggourt, auf der Oberfläche des Sandes gesammelten 
Eischalenreste, welche von Andrews auf eine neue, von ihm JEsammor- 
nis rothschildi benannte Straufsen - Art bezogen wurden , die von 
Rothschild den Straufsformen des Eozäns zugerechnet wird, wirklich dieser 
untersten Formation des Tertiärsystems angehören sollten, möchte Ref. 
voll und ganz beipflichten. Auch er glaubt nicht, dafs Eischalen von 
Heterornithes der Eozän-, Miozän- oder Pliozänperiode heute noch im 
oberen Sande der Wüste gefunden werden. 

Rieh. Schlegel, Beiträge zur Ornis Mazedoniens; Jouro. f. 
Ornith. 1918, 176—190. — In der Ornith. Monatschrift des Jahres 1917 



— 127 — 

wurden Toa Major von Viereck Beobachtungen aus Mazedonien mitgeteilt, 
welche leider nicht auf die verschiedenen Formen der gefundenen Arten 
eingeben. Auch in der vorliegenden Arbeit sind diese Formen, die fQr 
die Beurteilung der faunistiscben Verhältnisse Mazedoniens von grofser 
Wichtigkeit sind, nur teilweise berücksichtigt worden. Die in der Ver- 
öffentlichung niedergelegten Beobachtungen über 85 Arten und Formen, 
nur zum kleinen Teil gesammelt, stammen haupts&chlich aus der Um- 
gebung von Üsküb. Ausgezeichnet ist die Schilderung des Geländes, 
welche die kleine Arbeit einleitet. Bei den Angaben über Buteo buteo 
Mimmermannae dürfte auf die Mitteilungen Domaniewski's (Ornith. Monats- 
ber. 1917) hinzuweisen sein. 

M. R e n d 1 e , Die Vögel in der Umgegend des Walddorfes Affaltern 
(Schwaben); Die Gefiederte Welt 1917, 816—317, 325—327, 331—333, 
889—341, 847—349, 35i— 367, 363—365, 370—371, 379—381. — 

Die vorstehende Arbeit Rendle's bildet einen wertvollen Beitrag zur Kennt- 
nis der Vogelfauna Bayerns. Das Walddorf Affaltern, das Beobachtungs- 
gebiet des Verfassers, liegt im Bezirk Schwaben, nordwestlich von Augsburg, 
im sogenannten Holzwinkel. Die Umgebung des Ortei setzt sich aus 
Ackerland, Wiesen und ausgedehnten Waldbeständen zusammen. Diese 
Bodenkonfiguration bedingt das Bild der dortigen Vogelfauna. 114 Arten 
und Formen, von denen 65 brütende sind, wurden von dem Verfasser 
festgestellt; eine geringe Zahl, die durch das Fehlen ausgiebiger Gewässer 
erklärt wird. Rendle kam es in der vorliegenden Arbeit darauf an, den 
Bestand der von ihm in den Jahren von 1902 — 1917 beobachteten Vögel 
festzulegen. Zum Teil hat er bereits in den, in den Verhandlungen 
der Bayerischen Ornithologischen Gesellschaft veröffentlichten Materialien 
zur bayerischen Ornithologie nach seinen Tagebüchern hierüber berichtet. 
Wie bei allen Arbeiten Rendle's finden auch in der vorliegenden zwei 
Momente eingehendste Berücksichtigung : Die Wiedergabe sorgfältiger 
biologischer Beobachtungen und die kritische Verwertung der vorhandenen 
Literatur. Auf Einzelheiten einzugehen vorbietet der Raum. Auf Weniges 
nur sei hingewiesen. Girlitz und Brachpieper scheinen im Gebiet zu fehlen. 
Galerida ist als Brutvogel noch nicht gefunden worden. Die Formen- 
zugehörigkeit der im Winter erscheinenden grofsen Raubwürger bleibt 
offen. Lantus collurio nimmt, wie auch in Norddeutschland, in seinem 
Bestände rapid ab. Die Bauten der Freinester von Fasser domesticus 
bezeichnet Rendle für sein Beobachtungsgebiet als Seltenheit. Der Be- 
deutung der Zerstörung der Obstbaumblütenkuospen durch den Gimpel 
und der dadurch bedingten Förderung der Fruchtbildung wurde erst vor 
kurzem von Kayser (siehe oben S. 104) wiedersprochen. Sehr beherzigens- 
wert ist der Hinweis Rendle's, dafs das wilde Schiefsertum, welches jeden 
im Gelände auffälligen Vogel erbarmungslos herunterknallt, die Lösung 
der interessanten Frage hinsichtlich der eventuellen Rückwanderung des 
sibirischen Tannenbähers unmöglich macht. 

Da bis heute nur sehr wenige Veröffentlichungen über Schwaben 
vorliegen, so ist die obige zuverlässige Arbeit Rendle's um so höher 
einzuschätzen. 



— 128 — 

W. Rüdiger, Nisten des grolsen Sägers in kfinstlicher Nist- 
höhle in meiDem Garten; Blätter für Naturschutz u. Heimatpflege, 1918, 
No. 5, 5 — 6. — Verf. fand in seinem Garten in Eisenhammer in der 
Neumark in einem Nistkasten 3 Eier des grofsen Sägers und 28 Eier 
der Schellente, von denen er annimmt, dafs sie von 5 versohiedenen 
Weibchen herrühren. 

W. Rüdiger, Die Vogelwelt von Jüterbog und Umgebung; Mitt 
über die Vogelwelt, XVII, 1917, 219—224, 265—268. — Für das 
Gebiet der Mark Brandenburg ist der Ereis Jüterbog-Luckenwalde, dessen 
südlicher Teil der Provinz Sachsen angrenzt, und der sich nördlich den 
Ausläufern des aus diluvialen Schichten gebildeten Flemming angliedert, 
ein ausgesprochenes Flachsandgebiet ohne nennenswerte Wasserläufe, von 
ornithologischem Interesse. Nur wenige lose, unzusammenhängende Notizen 
von Constantin, Hiltmann, v. Kleist, F. Müller, v. Schulenburg, Steinhardt, 
StOckenius u. a. lagen für dieses Gebiet aus den Jahren 1873 — 1911 vor. 
In der vorliegenden Arbeit falst Rüdiger die Beobachtungen zusammen, 
welche von ihm im Laufe eines Jahres gesammelt wurden. Er berichtet 
kurz über 88 Arten ohne Spezialisierung der Formen; 64 derselben führt 
er als sichere BrntvOgel auf. Verf. ist in seinen Angaben hierüber nicht 
konsequent. Er nennt z. B. Arten, die er nicht selbst nistend gefunden, 
als BrutvOgel und bezeichnet andere wieder, unter gleichen Verhältnissen 
beobachtet, nicht als solche. Von grofsem Interesse ist der Nachweis der 
Erlegung eines cT von Tetrao honasia bei Jüterbog im Jahre 1911 
oder 1912. Das zweite aus der Mark bekannte Stück. Am 1. November 
1915 beobachtete der Verf. ein Exemplar der Schneeeule. Der Girlitz 
wurde zweimal im April und Mai gefunden. 

W. Haubenreifser, Verein Jordsand zur Begründung von 
Vogelfreistätten an den deutschen Küsten; Ornitb. Monatsschr. 1918, 
146 — 154. — Bericht für das Jahr 1917. Die Zwergseeschwalbe fand 
sich auf Norderoog in geringer Individuenmenge. Die Brandente ist auf 
der Insel Brutvogel geworden. Die Kolonie der Sturmmöwen erreicht auf 
dem Langenwerder ihren Höcbstbestand mit 500, die der Lachmöwe mit 
200 Gelegen. Flufs- und Küstenmeerschwalbe hatten 50, die Zwergsee-' 
schwalbe 45 Gelege. S c h a 1 o w. 

Nachrichten. 

Durch freundliche Vermittelung des Herrn Mortenseu in 
Viborg sind der Schriftleitung Nachrichten von Dr. W e i g o 1 d vom 
8. Mai d. J. zugegangen. Danach ist Dr. W e i g o 1 d an der Deutsch- 
Chinesischen Schule in Kanton tätig und nebenher mit der Ausarbeitung 
seines Tagebuchs über die Setschuan-Reise und mit einer Arbeit über 
die HöhenverbreituDg der Arten in Setscbuan beschäftigt. Persönlich 
geht es ihm gut, da Chinesen und Japaner, entgegengesetzt den kulturell 
entarteten Engländern und Franzosen, sieb ihm gegenüber anständig be- 
nehmen. Hoffentlich gelingt es, seine grofsen Sammlungen zu erhalten. 

Driisk T*n Otia Dorabltih 1b Beraburg. 



2^ 

Ornithologisclie lonatsberichte 

herausgegeben von 

Prof. Dr. Ant. Reichenow. 



26. Jahrgang. NoYember/Dezember 1918. No. 11/13. 

Die Ornithologischen Monatsberichte erscheinen in monatlichen Nammern 
und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Preis des Jahrganges 6 Mark . 
— Zusendungen jeder Art für die Schriftleitung sind an den Herausgebsr, 
Prof. Dr. Reichenow in Berlin N. 4. Invalidenstr. 43, den Buchhandel 
betrefiFende Mitteilungen an die Verlagshandlung von R. Friedländer & Sohn 
in Berlin NW. 6, Karlstr. 11 zu richten. 



Beitrag zur ATlfanna der Pripjet'Sttmpfe. 
Von Karl ilrilti. 

Durch die Liebenswürdigkeit der Herren Dr. D e n n 1 e r und 
Rüdiger gelangte ich in den Besitz einer schönen Reihe von 
„Kriegsvögeln" der Ostfront. Herr Dr. D e n n 1 e r sammelte in 
der Gegend von M o t o 1 , Herr Rüdiger bei Dolsk, also 
beide in der Nähe von Pinsk, im Gebiete der Pripjet-Sümpfe. 

Da ich nunmehr aus dem Osten kein Material mehr zu er- 
warten habe und kürzlich Gelegenheit hatte, meine Kriegsvögel 
bei Herrn Pastor Kleinschmidt eingehend zu vergleichen, 
möchte ich im Folgenden eine Übersicht über die mir vorliegenden 
Arten geben. 

Die Vögel wurden mir im Fleisch zugesandt und kamen fast 
ausnahmslos in brauchbarem Zustande an, obgleich die Sendungen 
manchmal 3 Wochen unterwegs waren. Während der Winter- 
monate hielten sich die Vögel ohne jede Konservierung frisch; in 
der übrigen Zeit wurden sie entweder mit Arseniklösung injiziert, 
oder ausgenommen und mit Alaun behandelt. Die Arsenik-Kon- 
servierung wirkte nicht in allen Fällen sicher, während die Stücke 
bei Anwendung von Alaun stets tatellos frisch, aber etwas aus- 
getrocknet ankamen. Letzterem Übel liefs sich jedoch durch ein- 
tägiges Einlegen in feuchte Watte abhelfen. Neuerdings soll eine 
Behandlung mit schwacher Formalinlösung ganz vorzüglichen 
Erfolg gehabt haben. 

In der folgenden Zusammenstellung habe ich von allen mir 
vorliegenden Exemplaren die Flügelmafse angegeben, die vielleicht 
für manchen, der in derselben Gegend gesammelt hat, von Interesse 
sein werden. Bei einigen Arten füge ich zum Vergleich auch die 
Mafse von Vögeln hinzu, die mir von der Westfront zugegangen sind. 

7 



130 



Fasser domesticus. Mafse: cfcf 8,15; 5 mal 8,1; 8,0; 7,9. 
99 2 mal 7,8; 2 mal 7,9. 

1 (f hat sehr viel Rotbraun im ßchwarzen Kehlfleck, drei 
weitere zeigen Spuren davon. Herr Hauptmann Bacmeister 
sagte mir, dafs er in Polen solche Stücke auffallend häufig beob- 
achtet hat. Bei einem Bchleslschen cf meiner Sammlung finde 
ich dasselbe. Doch scheint dieselbe Aberration auch in anderen 
Gegenden häufig zu sein (vergl. Th. Studer u. G. Burg, Verz. d. 
1. d. Schweiz beobachteten Vögel, Bern 1916). 

Fasser montanus. 1 cf mit 7,2; 1 juv. mit nur 6,6 cm 
Flügell&nge. 

Acanthis cannahina. 2 Frtihjahrsvögel aus den Fripjet- 
Sümpfen: cf 8,2; 9 7,7 (Flügel beschädigt). Die graue Kopf- 
färbung des cf ist scheinbar etwas heller als bei mitteldeutschen 
Yögeln derselben Jahresieit. Flandrische Vögel vom Februar 
messen qT 8,0; 99 2 mal 7,9; 7,7. 

Fyrrhula pyrrhula. 1 cf gehört natürlich der grofsen Form 
an (Fl. : 9,6). 

Acanthis carduelis. 3 Stücke aus dem Osten messen 7,9; 
8,2 ; 8,3. 1 Stück aus der Champagne mifst 7,6. östliche und 
westliche Stücke sind nicht zu unterscheiden. Ein Pripjet-Vogel 
zeigt einige graue Federchen im weifsen Nackenfleck. 



Emheriza citrinella. In nebenstehender 
Tabelle bezeichnet die linke Spalte die ge- 
messenen Flügellängen, rechts davon ist die 
Anzahl der gemessenen cf cf durch Punkte dar- 
gestellt, und zwar in der mittelsten Spalte 
russische Stücke, in der rechten mitteldeutsche 
Brutvögel. Man ersieht daraus, dafs die Bussen 
obwohl an sich nicht gröfser, doch zu gröfserer 
Flügellänge neigen, während bei der Mehrzahl 
der Deutschen die Mafszahlen tiefer liegen. 
2 russische 99 messen 8,55 und 8,6. 

Die Goldammern der Pripjet-Sümpfe unterscheiden sich von 
der Form citrinella auffallend durch die weit schwächere Ausbildung 
des dunklen Brustbandes ; sie gleichen darin vielmehr der deutschen 
Form sylvestris. Von dieser Form unterscheiden sich die Russen 
wieder durch deutlich grauere Färbung der Oberseite, sobald man 
nur ähnliche Exemplare miteinander vergleicht (also z. B. die 
hellsten deutschen mit dem hellsten russischen Stücken, braun- 
brüstige deutsche mit ebensolchen russischen u. s. w.). Jedenfalls 
sind die oberseits dunkelsten russischen Stücke noch bedeutend 
heller als die dunkelsten deutschen, während die hellsten deutschen 





Rauen 


Deatsch« 




cfcf 


cfcf 


9,5 


• 


, 


9,4 


, ^ 


• • • 


9,3 


• • 




9,2 






9,1 


• 




9,0 




• 


8,9 




• • 


8,8 


• 


• • 


8,7 






e;« 






8,5 




• 



— 131 — 

dunkler als die hellaten russischen sind. Französische Goldammern 
sind wiederum oberseits dunkler rotbraun als deutsche und 
russische. Nach den von mir verglichenen Stücken scheint also 
der Goldammer des Pripjetgebiets zwischen sylvestris und erythro- 
genys zu stehen. Im Allgemeinen neigen Goldammern mit rot- 
brauner Färbung der Brustseiten gleichzeitig zu intensiver Gelb- 
Färbung der Unterseite. 

Emheriea calandra. 2 cfcf mit 10,4 und 10,2; 2 99 mit 
je 10,2 cm Flügellänge. 

Auch die Grauammern der Pripjet- Sümpfe variieren in der 
Bückenfärbung zwischen einem hellen und dunkeln Extrem. Im 
frischen Gefieder sind die russischen Vögel oberseits auffallend 
heller als deutsche Stücke, erstere zu ockergelber, letztere zu mehr 
brauner Rückenfärbung neigend (Emb. calandra germanica [Brm.] 
vergl. Kleinschmidt, Falco, Ornis Germanica). Im abgetragenen 
Gefieder werden auch deutsche Vögel grauer; die Unterschiede 
sind dann weniger deutlich. 1 cf aus Flandern (FL: 10,5) ist 
oberseits ganz dunkel. 

Galerida cristaia. 4 Exemplare messen: cfcf 10,6; 10,8; 
10,9; 9 10,3. 

Motacilla alba. Ein 9 °iit 8,7 Flügellänge ist von deutschen 
Vögeln nicht unterscheidbar. 

Motacilla flava. Ein Pripjet -Vogel unterscheidet sich In 
der Färbung nicht von flava^ ist also nicht (hunbergi! Allerdings 
überschreitet er mit 8,6 Flügellänge das Maximum von flava. 

Eirundo rustica. Flügel: 12,0 und 12,5. 

Riparia riparia forma nova? Ein Vogel im Jugendkleid 
vom 12. IX. 1917 (Fl.: 10,1) hat nicht wie deutsche Jungvögel 
braune, sondern weifse Federsäume. Einige frisch vermauserte 
Schwanzdeckfedern zeigen ebenfalls ganz schwache weifse Säumung. 

Muscicapa parva. Herr Rüdiger sandte mir am 18. VIII. 
1917 ein 9» ^»^ leider unterwegs verloren ging. 

Lanius excübitor. Ein cT vom 6. XII, 1917 mit kleinem 
Flügelspiegel, aber 11,7 cm Flügellänge. (Typische excübitor 
messen gewöhnlich nur bis 11,6.) 

Lanius collurio. 2 junge cfcf messen 9,4 und 9,5. 

Saxicola oenanthe. 1 cT, pullus, vom 22. VI. 1917 hat bereits 
9,5 Flügellänge, ist also wohl sicher oenanthe. 

Pratincola rubetra forma nova? Leider liegt mir nur ein 
Stück im Frühjahrskleide vor (9 vom 13. V. 1917) dieses unter- 
scheidet sich von deutschen Brutvögeln auf den ersten Blick durch 
auffallend lichtere Färbung und spärlichere Fleckung der Ober- 
seite. Der Vogel Ist noch bedeutend heller als die Exemplare von 



— 132 — 

Fr. spatei der Coli. t. Erlanger, die mir Herr Hilgert zum Ver- 
gleich sandte. Es dürfte sich also um einen Übergang zu einer der 
östlichen Formen noscae oder margaretae handeln. Pripjet- Vögel 
im Herbstkleid sind von deutschen Stücken in der Färbung nicht 
zu unterscheiden. 

Auch in der Gröfse stimmen deutsche und russische Braun- 
kehlchen nicht ganz überein. Meine russischen Stücke messen: 
cfd* 7,8; 8,0; 99 7,5; 7,7. Deutsche Vögel, sowohl aus Mittel- 
deutschland wie vom Rhein, und Vögel von der Westfront erreichen 
dagegen ein Maximum von nur 7,8 cm. Pr. spatzi ist wieder 
gröfser: cTcT 7,6-8,1; 99 7,3—7,7. Schwedische Stücke scheinen 
sowohl in der Gröfse wie auch in der Färbung deutschen Stücken 
zu gleichen. 

Phylloscopus abietinus. Herr Denn 1er sandte mir ein cT 
vom 31. III. 1917 und bezeichnete mir dieses Datum als Ankunfts- 
datum der Art im Pripjet-Gebiet. Der Vogel kennzeichnet sich 
durch lichte Rückenfärbung und lange Flügel (6,4) deutlich als 
abietinus {collyhita mifst 5,5—6,0). 

Fhyllosopus trochilus. Ein juv. vom 8. IX. 1917 mit lichter 
Oberseite und schwefelgelber Unterseite mifst nur 6,25. 

Regulus regulus. Q vom 25. II. 1917 (PL: 5,3) ist von 
deutschen Vögeln nicht zu unterscheiden. 

Farus major. In der Färbung kann ich keine sicheren 
Unterschiede zwischen östlichen und westlichen Vögeln finden. 
Wenn einzelne westliche Stücke oberseits trüber erscheinen, so 
mag das an der Beschmutzung des Gefieders durch Staub und 
Rauch liegen. 

Mafse der Russen: d'cf 3 mal 7,9; 7,7; 7,6; 7,6. 99 7,6; 
7,5; 7,4; 7,3. Deutsche Stücke messen gewöhnlich nur bis 7,8. 
Doch sagte mir Herr Fastor El ein seh mi dt, dafs er unter einem 
sehr grofsen Material von Kohlmeisen bei einem rheinischen Stück 
7,9 gemessen hat. Ein cf der Coli. Cleinschmidt aus Sarpa mifst 
sogar 8,0! 

Wir kommen also zu folgenden Resultat: 
Rhein: Sehr selten bis 7,9. 
Pripjet: Häufig bis 7,9. 
Sarpa: Bis 8,0. 

Altai: „Scheinen zu gröfserer Flügellänge zu neigen" 
(Hartert, V. P. F. p. 342). 

Also ein ganz allmähliches Ansteigen der Fitigellänge von 
Westen nach Osten. 

Parus caeruleus. 2 cTcf messen 6,9 und 7,0. 

Farus halticus. 3 Stücke messen 6,4; 6,45; 6,5. 

Farus horealis. 1 9 vom 26. II. mifst nur 6,2 cm. Zum 
Vergleiche füge ich die Fltigelmafse meiner thüringer salicarius 



— 133 — 

bei: cTcf 6,2; 6,0. 9 6,0. Ein cf der Form rhenanus, das mir 
Herr Sunkel aus der Champagne sandte, mifst 6,0. 

Parus cristatus. Flügel: 6,2; 6,3; 6,3; 6,5. Sämtliche Stücke 
sind graurückig, also typische cristatus. 

Sitta sztolcniani. Fünf Exemplare vom März 1917 messen : 
cfcT 9,1; 8,9; 8,8. 99 8,7; 8,6. Sie variieren in der Färbung 
der Unterseite vom reinweifsen europaea-Ty"^ bis zum ockergelblich 
angeflogenen /iowcycn-Typ und bestätigen somit genau die Unter- 
suchungen Kleinschmidts (Falco 1917, pg. 21—22). Herr Geheimrat 
Reichenow, dem ich die Kleiber zusandte, bezeichnete ein Stück 
mit 8. europaea, eines als var. homeyeri, die übrigen 3 als var. 
sgtolcmani. Da aber alle fünf Vögel an demselben Orte und zur 
selben Jahreszeit gesammelt wurden, handelt es sich eben nur 
um eine Variationsreihe von Sitta sgtolcmani.^) 

Certhia familiaris. Ein oberseits sehr lichtes cT hat 6,7 cm 
Flügellänge. 

Siurnus vulgaris. Ein cf vom 10. V. 1917 mifst 13,5. 

Dryohates major. Drei typische breitschnäbelige major 
messen cT 14,0; 99 14,1; 14,1. 

Ficus caniis. Ein cf mit 14,4 cm Flügellänge hat kürzeren, 
schmaleren Schnabel als deutsche Brutvögel {F. viridicanus). Die 
gleichen Unterschiede zeigen ein Exemplar aus Livland und von 
der Wolga der Coli. Kleinschmidt. 

Upupa epops. Ein Stück vom 7. IX, 1917 mifst 15,0 cm. 

Accipiter nisus. cf vom 16. XII. 1917 mit 20,4 Flügellänge. 

Herr Dr. Denn 1er schreibt am Schlüsse seiner Arbelt: 
„Einige Feststellungen über die Avifauna der Pripjet - Sümpfe." 
(Falco 1917, p. 2—4): „Interessant ist die Feststellung, dafs alle 
Arten, die geographisch variieren, die nördlichen Formen zeigen." ') 
Nach meinen Untersuchungen mufs ich diesen Satz etwas ein- 
schränken. Allerdings zeigen die meisten von unsern deutschen 
Brutvögeln abweichenden Formen nordöstlichen Typus; aber wir 
finden im Pripjet-Gebiet auch Übergänge zu rein östlichen Formen: 
beim Braunkehlchen zu Fr. noscae oder margareiae, beim Gold- 
ammer zu erythrogenys , bei der Kohlmeise zu einer vielleicht 
gröfseren Form im Altai. Ich möchte auch auf die Angabe des 



^) Aufserdem sind tjpiiche S. sordida aus dem Qebiet bekannt I 
Vergl. Orn. Mntsb. 1917, S. 56 und „Bialowies in Dentscher Verwaltung" 
8. Heft, 1918, S. 188 — 189. Rchw. 

') Vergl. dagegen: Reicbenow, Die Vogelfauna des ürwaldei von 
Bialowies. (Bialowies in Deutseber Verwaltung Heft 8, 1918, S. 175.) 

Bcbw. 



— 134 — 

Grafen Zedlitz verweisen, wonach im Gebiet der Schara die östliche 
Form der Dohle, Coloeus soemeringii (= coUaris), brütet (vergl. 
Orn. Monatsber. 1918, p. 65). 



Es gibt nur ein deutsches Bläfshuhn. 
Von Werner Hagen, Lübeok. 

Im Jahrgang 1914, S. 288—292, der Orn. Monatsschr. wurde 
der Versuch gemacht, unsere Bläfshühner in „zwei deutsche Fulica- 
Arten" zu trennen. Ich wies darauf in den Orn. Monatsber. 1917, 
S. 65 — 72 und 85 — 92, auf Grund meiner genauen Untersuchungen 
und auf Grund der wissenschaftlichen Literatur nach, dafs nicht 
nur der neue Name stenoleuca zu unrecht aufgestellt ist, sondern 
dafs die angeführten Unterschiede nicht konstant, nur individuelh 
sind. Gleich mir war Dr. Laubmann zu demselben Resultat ge- 
kommen, wie ich nachträglich erfuhr. Er schreibt (Verb. Orn. Ges. 
Bayern 1916, S. 260): „An eine zweite etwas kleinere Art, die 
neben unserm Bläfshuhn vorkommen soll, und die von Peckelhoff 
unter dem eigenen Namen Fulica stenoleuca abgetrennt worden ist, 
kann ich nicht glauben. Vermutlich handelt es sich eben hier 
um individuell verschiedene oder jüngere Exemplare von Fulica 
atra atra L." Dafs auch andere Ornithologen meiner Kritik 
Anerkennung zollten, bewies man mir brieflich; u. a. hatte Herr 
Dr. Gengier die Liebenswürdigkeit, mir eine Abbildung eines in 
seiner Sammlung befindlichen Bläfshuhns mit ganz enorm ent- 
wickelter Blässe als Beweis der Variabilität dieser Stirnplatte zu 
übersenden. 

Ohne Gegenbeweise zu geben, wird nun vom selben Autor 
S. 81 der Orn. Monatsschr. 1918 wiederum behauptet: „Es gibt 
2 deutsche JFMZica- Arten", ein Gebahren, das wissenschaftlich un- 
gebräuchlich ist. Ich kann es mir ersparen, nochmals auf alles 
einzugehen, und möchte nur kurz die 2. Arbeit kritisch beleuchten. 

Diese „Beobachtungen zur Brutzeit" enttäuschen völlig, da 
sie nichts Neues bieten, sondern nur Wiederholungen der früheren 
Angaben in breiterer Form sind. Vor allen Dingen war man doch 
begierig zu erfahren, ob sich diese angeblichen Arten schon im 
Dunenkleid unterscheiden lassen, welche Behauptung von einem 
Jäger aufgenommen war. Doch enthält die 2. Arbeit darüber nichts. 

Das Verhalten der Bläfshühner am Brutplatz, wie es in der 
vorliegenden Arbeit geschildert wird, gleicht dem Benehmen der 
meisten Vögel zur Brutzeit und ist seit langem bekannt. Wer 
biologische Kenntnisse besitzt, weifs, dafs zur Brutzeit unter den 
Artgenossen um die Weibchen und um einen abgegrenzten Brut- 
platz mehr oder minder heftige Kämpfe stattfinden. Ein Beweis 
zur Aufstellung zweier verschiedener Arten ist das beschriebene 
Verhalten nicht! 



— 135 — 

Zum Schlufs einige "Widersprüche, in die sich der Autor 
verwickelt: „1914" spricht er von „100 Breitblässenpaaren" — 
„1918" nur von „100 Exemplaren"! Er schraubt seine Angaben 
also um die Hälfte zurück und kommt damit der Wahrheit näher. 
„1914" „stellt er fest, dafs die Schmalblässe viel seltener als das 
gem. Bläfshuhn ist, 12—15 Paare auf 100 Paare." — „1918" beob- 
achtet er sie „überall"! „1914" schreibt er: „Wenn von den 
Bläfshühnern sich auf gröfserer Blanke, gröfserer Wasserfläche 
viele Familien zusammenfinden, so sind das stets die gemeinen 
Blässen, die Schmalblässen halten sich gesondert." — „1918" er- 
wähnt er „Schmalblässen, die sich schon über das seeartige Gebiet 
zwischen Ziegelei und Spieringshorst ausgebreitet hatten", deren 
Nester nachher „auf der freien Blanke des seeartigen Gebietes" 
standen! „1914" heifst es, dafs die Schmalblässe, „wie so viele 
andere Wasservögel, von den zänkischen gem. Blässen fortgetrieben 
werden". — „1918" vollführen umgekehrt die Schmalblässen „über- 
all heftige Kämpfe mit den eingesessenen Tieren" (Breitblässen)! 
„1914" ist das Nest der Schmalblässe „niedriger, schlampiger 
gebaut." — „1918" aber ist es „ein grofser, grüner, wüster Haufen". 
„Auf dem erhöhten dicken Ende . . ."! „1914" sind die Eier 
„kleiner als die der andern Art". — „1918" zeigen sie keine 
augenfällige Abweichung gegen die der gem. Blässe". „Ebenso 
wenig ist der Gröfsenunterschied auffallend!" 

Auf die Unstimmigkeiten hinsichtlich der Zugangaben wies 
ich schon in meinem oben genannten Artikel hin. Dieselben 
finden sich in der zweiten Arbeit wieder. „1914" kommen die 
Schmalblässen „einen Monat später". — „1918" werden sie schon 
vom 21. März an aufgeführt! und in der letzten Arbeit heifst es: 
„Von Mitte August bis Ende September erfolgt die Abwanderung 
aer Schmalblässen." Acht Reihen tiefer aber „bilden im Winter die 
Schmalblässen den weitaus überwiegenden Teil" auf den lübek- 
kischen Gewässern ! Als merkwürdig mutet es auch an, dafs die 
angeblich früh abziehenden und spät kommenden, demnach am 
weitesten südwärts verstreichenden und den Gefahren am meisten 
ausgesetzten Schmalblässen 1917 sich „in der sonst gewohnten 
Zahl" einstellten, die spät abziehenden und früh kommenden, also 
nicht so weit ziehenden Breitblässen aber von den vogelmord- 
lustigen Italienern dezimiert worden sind! 

Diese Widersprüche charakterisieren am besten den Wert der 
vorliegenden Arbelt, der durch die Angabe, dafs die „100 Exem- 
plare" der Wakenitz, also der Vögel, die sich nur durch ganz 
geringfügige Abweichung in der Stirnplattengröfse unterscheiden 
sollen, in dem im Frühling völlig kahlen Gelände durch „geduldigen 
Ansitz" „zu genauer Beobachtung" gebracht wurden, nicht gerade 
erhöht wird. 



— 136 — 

Znr Banmlänferfrage. 
Von Dr. A. Laabmasi, München. 

Es ist gerade in der letzten Zeit so viel über die Möglichkeit 
oder Unmöglichkeit einer genauen Unterscheidung von Certhia 
familiaris macrodactyla Brehm ^) und Certhia hrachydactyla 
hrachydadyla Brehm ') geschrieben worden, dafs es als voll be- 
rechtigt erscheinen mag, geradezu von einer „Baumläuferfrage" zu 
sprechen, die heute die Gemüter der Ornithologen in besonderem 
Mafse zu bewegen scheint. Und in der Tat gehören ja auch gerade 
die Eonvergenzerscheinungen, wie wir sie in den beiden Baum- 
läuferarten, oder auch Im Falle von Sumpf- und Weidenmeise, vor 
uns haben ^), mit zu dem Interessantesteo, was unsere einbeimische 
Avifauna aufzuweisen hat. 

Es soll an dieser Stelle gar nicht weiter auf die tatsächlichen 
Unterscheidungsmerkmale, die zwischen dem Waldbaumläufer und 
seinem Vetter, dem Gartenbaumläufer hinsichtlich ihrer morpho- 
logischen und biologischen Eigentümlichkeiten bestehen, eingegangen 
werden. Gerade über diese Fragen ist ja in der letzten Zeit sehr 
Vieles und zum Teil auch sehr Gutes und Zutreffendes geschrieben 
worden. So sei hier nur kurz auf die ganz vortrefflichen Aus- 
führungen hingewiesen, die wir C. E. Hellmayr bei Gelegenheit 
eines Referates über die in der Festschrift zu Reichenow's 70. 
Geburtstage erschienene Abhandlung W. Hagen's*), „Zur Biologie 
und Faunistik unserer Cer^Äia- Arten" verdanken. ^) Die trefflichen, 
auf systematischer Grundlage aufgebauten Auseinandersetzungen 
Hellmayr's scheinen mir vollauf zu genügen, um die tatsächlich 
zu Recht bestehende a r 1 1 i c h e Trennung der einheimischen 
Baumläufer einwandfrei zu beweisen. 

Wenn daher C. Kayser in der Juli — August-Nummer der 
Ornith. Monatsberichte 1918 in einer Arbeit „Über die Formen 
des Baumläufers, Certhia familiaris L." •) auf Grund seiner Beob- 
achtungen zu dem Ergebnis einer Nichtanerkennung der a r t - 
liehen Trennung beider Baumläufer gelangt, so mag dies Er- 
gebnis an dieser Stelle mit einem Hinweis auf die obengenannten 
Auseinandersetzungen Hellmayr's, die sich ja auch mit den 



*) Certhia macrodactyla Brehm, Handbuch Naturg. Vögel 
Deutichlandi p. 208 (1881. — „Bewohnt die Nadelwälder, im Sommer 
selten im mittleren Deutschland, häufiger im Herbst und Winter"). 

') Certhia hrachydactyla Brehm, Beitr. zur Vögelkunde I, p. 570 
(1820. — Rodatal, Thüringen). 

') Vergl. auch Fitislaubvogel und Weidenlaubvogel oder Winter- 
goldhähnchen und Sommergoldhähnchen. 

*) W. Hagen, Journ. f. Ornith. 1917, Band 2, Festschrift für 
Reichenow, p. 78—80. 

•) Verh. Ornith. Ges. Bayern, 18, 8, 1918, p. XX— XXII. 

') C. Ka;ser, Ornith. Monatsberichte 1918, p. 81—85. 



— 137 — 

AnichauuDgen fast allermodernenOrnithologen decken, kurz abgetan 
werden. Der Zweck der vorliegenden Bemerkungen liegt vielmehr 
im wesentlichen darin, zu Kayser's nomenklatorisch-systematischen 
Ausführungen in kritischer Weise Stellung zu nehmen. *) Auf 
Grund seiner Beobachtungen gelangt C. Kayser am Schlufse seiner 
Darlegungen zu folgender Zusammenfassung: (1. c. p. 85) „Aus 
dem Gesagten geht meines Erachtens hervor, dafs die Formen 
des Baumläufers nur den Wert von Subspezies, nicht aber 
die Bedeutung von Arten haben. Dieser Ansicht werden sich 
jedenfalls diejenigen Ornithologen anschliefsen, welche an einem 
festen, scharfumrissen en Artbegriff festhalten, wie es Naumann, 
J. H. Blasius, Altum und a. taten. Ich finde z. B. keine Folge- 
richtigkeit darin, wenn man Girlitz und Kanarienvogel, zwei nach 
Gröfse, Schnabelform, Gesang und A. grundverschiedene Vogel- 
arten, lediglich als geographische Formen einer Art ansieht und 
andrerseits den Baumläufer in zwei Arten spaltet." Wenn der 
Autor hier den beiden Formen des Baumläufers, also dem Wald- 
baumläufer und dem Gartenbaumläufer, „nur den Wert von Sub- 
spezies, nicht aber die Bedeutung von Arten" zubilligen will, so 
tritt er mit dieser seiner Anschauung in völligen Gegensatz zu 
der Auffassung, die heute in der modernen Ornithologie über den 
Begriff der Subspezies herrscht. Ich könnte hier einfach auf 
meine Auseinandersetzungen hinweisen, die ich über den gleichen 
Gegenstand gelegentlich der kritischen Beleuchtung einer Arbeit 
von W. Hagen') in den Ornith. Monatsberichten des vergangenen 
Jahres veröffentlicht habe. ^) Ich halte es jedoch für notwendig, 
immer aufs neue gegen die veralteten Anschauungen Stellung zu 
nehmen, und aus diesem Grunde glaube ich mich selbst gegen- 
über dem Vorwurf der Wiederholung dazu berechtigt, hier noch- 
mals auf den Begriff der Subspezies etwas näher einzugehen. 
,^t Subspezies bezeichnen wir die geographisch getrennten 
Formen eines und desselben Typus, die zusammengenommen eine 
Spezies ausmachen. Es ist also nicht etwa ein geringes Mafs von 
Unterschieden, das uns bestimmen darf, eine Form als Subspezies 
aufzufassen, sondern Unterschiede verbunden mit 
ceographischer Trennung, natürlich bei allgemeiner 
Übereinstimmung in den Grundzügen", sagt Hartert*) in der Ein- 
leitung zu seinem prächtigen, grundlegenden Werke über die 
palaearktische Avifauna und in diesen zwei Sätzen ist das, was 

1) Dals Kajser auf d«r ersten Seite seiner Abhandlung immer von 
Certhiafamiliarismacrodactyla und Certhia familiaris brachydactyla 
Brebm spricht, darf wohl (•digiich als Druckversehen angesehen werden. 

«) W. Hagen, Gibt es zwei deutiche Biaf«hOhner ; Ornith. Monats- 
berichte 1917, p. 65 — 72. 

•) A. Laubmann, Bemerkungen zu Fulica stenoleuca Peckelhoff; 
Orn. Monatsberichte 1917, p. 130—133. 

*) E. Hart«rt, Die Vögel der palaearktischen Fauna I, 1908, p. VI. 



-. 138 — 

mit dem Begriff „Subspezies" zum Ausdruck gebracht werden soll, 
klar und deutlich dargelegt. Das geographische Moment, 
das sich in den Brutgebieten gegenseitige Ausschliefsen, ist 
es also vor allem, was in den Vorgergrund gerückt werden mufs, 
wenn es sich darum handelt, zu entscheiden, ob zwei Formen 
der Wert von Subspezies oder von Arten zu erteilt werden soll. 

In unserem speziellen Falle ist es daher nicht möglich, die 
beiden Baumläufer als Subspezies einer einzigen Art aufzufassen, 
da sie sich ja, wie Kayser auch selbst dargelegt hat, in ihrem 
Brutgebieten keineswegs ausschliefsen. Somit bleibt nur^ noch 
die andere Möglichkeit bestehen, den beiden Formen artlichen 
Wert zuzuerkennen, d. h. sie eben als Angehörige zweier ver- 
schiedener Formenkreise zu betrachten ; denn als solche können 
sie sehr wohl in demselben Brutgebiet neben einander vorkommen, 
wie dies ja auch an dem Beispiel von Sumpf- und Weidenmeise 
in eingehender Weise erläutert werden kann. *) 

Übrigens teilen auch Eeichenow und Hörn 2) in der „Neuen 
Namenliste der Vögel Deutschlands" diese Ansicht von der Art- 
lichkeit der beiden Baumläufer und Kleinschmidt s), wohl einer 
der besten Kenner unserer Baumläuferarten, war es ja, der zuerst 
auf die Notwendigkeit einer Trennung unserer Baumläufer in 
zwei Formenkreise hingewiesen hat.*) 

Was endlich noch die von Kayser als Kronzeugen für seine 
Auffassung angeführten Auseinandersetzungen von J. H. Blasius 
in den Nachträgen zu Naumann ^) sowohl als auch in der Nau- 
mannia**) betrifft, so können diese aus dem gleichen Grunde nicht 
als vollwertig und einwandfrei betrachtet werden, aus welchem 
auch die Ergebnisse so mancher Forscher der Gegenwart als nicht 
stichhaltig verworfen werden müssen. Auch J. H. Blasius .hat 
bei seinen vergleichenden Untersuchungen in nicht genügender 



^) Kayser schreibt p. 85: „leb finde z. B. keine Folgerichtigkeit 
darin, wenn man Girlitz und Kanarienvogel, zwei nach Gröfse, Schnabel- 
form, Gesang und A. grundverschiedene Vogelarten, lediglich als geogra- 
phische Formen einer Art ansieht und anders ich den Baumläufer in 
zwei Arten spaltet." Eben diese Vereinigung von Girlitz und Kanarien- 
vogel in einem und demselben Formenkreis, d. h. also ihre Auffassung 
als Subspezies der gleichen Art Serinus canaria findet in den eben 
auseinandergesetzten geographischen Prinzip des Subspeziesbegriffes ihre 
vollgültige Begründung. 

») Journ. f. Ornith. 64, 1916, p. 362—363. 

') Falco, Beilage 1917, Ornis germanica, p. 5; Falco, Beilage 1918, 
Ornis germanica, p. 5. 

*) Hellmayr und Laubmann, Nomenklator der Vögel Bayerns, 1916, 
p. 6—7. 

») Nachträge zum Naumann, Band 13, 1860, p. 202—205. 

«) Naumannia 6, 1856, p. 440—459. 



— 139 — 

Weis© auf die Auseinanderhaltung der beiden Geschlechter bei 
beiden Formen geachtet und mufste so notwendigerweise zu 
Schlüssen kommen, die den tatsächlich in der Natur bestehenden 
Verhältnissen völlig gegensätzlich gegenüberstehen. 

Leider lassen die gegenwärtigen, traurigen Zeitläufte es un- 
möglich erscheinen, die geographische Verbreitung und Variation 
beider Arten in wissenschaftlich einwandfreier Weise darzulegen. 
Ein eingehendes Studium dieser so interessanten Frage mufs daher 
einer späteren glücklicheren Zeit vorbehalten bleiben, wenn es 
wieder möglich sein wird, aus dem ganzen Verbreitungsgebiet der 
Gruppe einwandfreies Material zu vergleichen. 



Ornithologlsche Beobachtungen aus den Pripjet-Sttmpfen. 
YoD Wilhelm Rüdiger. 

IL Beitrag. 

In No. 1, Seite 5 lfd. Jahrg. dieser Zeitschrift habe ich über 
abweichende Nistorte von Hänflingen und Grünhänfliugen berichtet, 
heute nun will ich über solche des grauen Fliegenfängers, Musci- 
capa grisola, und der Amsel, Tttrdus merida, schreiben. 

Mit sehr wenigen Ausnahmen war ich es gewohnt, in Deutsch- 
land die Nester dieses Fliegenfängers in Dörfern, einzelnen Gehöften, 
je sogar häufig auf Gebälk einsam, mitten im Walde gelegenen 
Forsthäusern zu finden. Auffallend war es daher für mich, dafs 
ich dieses Vögelchen in Dörfern des Pripjet-Gebietes fast garnicht 
oder nur selten antraf, hingegen aber mitten im Sumpf, auf Sand- 
dünen, welche mit Kiefern und allerlei Laubholz bestockt waren, 
hier hörte ich auch den Gesang. Anfänglich wollte ich es garnicht 
glauben, dalis ich es mit grisola zu tun hatte, die Vögel trieben 
sich in den Wipfeln umher, bis ich die Sänger deutlich sah. 
Diese verblieben dort auch in der Paarungszeit, und als der Zeit- 
punkt herangekommen war, wo es belegte Nester geben mufste, 
war ich unschlüssig, an welchem Plätzchen ich diese suchen mufste. 
Eines Sonntags, auf der Suche nach den Nestern der Misteldrossel, 
wurde ich unterrichtet. Gerade auf diesen Sanddünen, zeigen 
die dortigen Kiefern recht eigenartige, aber auch in Deutschland 
nicht unbekannte Wuchsformen. Der eigentliche Höhentrieb ist 
schon auf 3 — 6 m Höhe abgestorben, verharzt und starrt als 
Bajonettspitze zum Himmel; unterhalb dieses trockenen Teiles 
formte ein Neben zweig sich als Höhentrieb um, wuchs anfänglich 
seitlich, später aufrecht, und diese Neubildung zeigte einen mehr 
stumpfen als rechten Winkel. Da nunmehr die Saftzirkulation in 
der Hauptsache durch diesen, zum Höhentrieb umgebildeten 
Seitenast geschah, so wiesen diese recht stattliche Stärken auf, 
geeignet zum Neststand von Freibrütern. So geschah es, dafs 



— 140 — 

Ich hier allerorten neben frischen Drosselnestern auch vorjährige 
fand, bei denen Ausbesserungen stattgefunden hatten. 

Ein mir besonders gut zugängliches Nest, es stand nur 
2,5 m hoch, wurde daher untersucht und siehe da, im alten Nest 
der Singdrossel war ein zweites, kleineres frisches Nest, aber noch 
ohne Inhalt, enthalten. Wohl dachte ich sofort an das Nest des 
grauen Fliegenfängers, da die zum Bau gebrauchten, untrüglichen 
Baustoffe dafür sprachen. Drei Tage später hatte ich volle Gewifa- 
heit, denn nun enthielt dieses zwei Eier dieser Art. Nunmehr 
war es für mich nicht mehr schwierig, solche von Muscicapa 
iiriBola in vorjährigen ausgebauten und belegten Schnarr- und Sing- 
drosselnestern, der Bauart nach zu urteilen, aufzufinden. Ergänzend 
mufs ich hinzufügen, dafs es sich hier nicht um kleine Revierteile 
handelte, die Feststellungen und Funde geschahen auf räumlich 
grofsen Gebieten, nördlich des Prlpjetflufses In der Gegend der 
Dörfer Dolsk, Szalapan, Lublazs, Odrischin u. a. Orten, 

Unwillkürlich mufste Ich mich bei dieser eigenartigen Bau- 
weise fragen, geschah dies schon in früheren Zeiten oder aber 
haben die Tiere in den letzten Jahren damit begonnen? 

Ich möchte diese Fragen bejahen, aber auch ebensogut ver- 
neinen ; das richtige Urteil hierher zu fällen Ist sicherlich schwer 
und selbst nach dem Kriege kaum möglich. Das Pripjet-Gebiet 
ist vor dem Kriege ornithologisch nicht durchforscht worden, auch 
in späteren Zeiten wird es so bleiben; Ornithologen werden es 
nicht der Mühe wert halten, diese, mir so lieb gewordenen Gegenden 
aufzusuchen. 

Wer russische Verhältnisse und gerade diese Gebiete kennt, 
weifs, dafs der Panje im Walde gern einsam oder zu einigen 
Gehöften vereint wohnt. Hier fühlt er sich In seinem Element 
und daher wohl; neben der Landwirtschaft betreibt er sehr gern 
Fischerei, befafst sich mit allerlei Korbflechterei und auch nicht 
UDgern mit verbotener Jagd. Solche Niederlassungen, Kaluppen 
(Ausdruck des Panje's) sind teils von den flüchtenden Bewohnern, 
selbst zerstört worden, oder aber sie sind teilweise von unseren 
Soldaten aus militärischen Gründen niedergebrannt, um einmal 
dem Gesindel keinen Unterschlupf zu gewähren. 

Möglich ist es und nicht von der Hand zu weisen, dafs 
dieses Vögelchen dieselben Lebensgewohnheiten betr. Bauart des 
Neststandes hatte, wie wir es in Deutschland kennen; solche aus 
Holz gebauten Kaluppen bieten reichliche Nistgelegenheiten. Mit 
dem Verschwinden dieser Baulichkeiten, wurden die seit jeher 
angenommenen Nistgelegenheiten vernichtet, zum teil verringert; 
die Vögel aber wollten die einmal inne gehabten Brutreviere nicht 
aufgehen, sie suchten nach neuen und fanden daher in vorjährigen 
Drosselnestern einen für ihre Zwecke dienenden Ersatz. 

Ob aber die von mir angedeuteten Annahmen auf Richtigkeit 
Anspruch machen können, das zu beurteilen, überlasse ich dem 
geehrten Leserkreis. — 



— 141 ~ 

Auch der Nestetand der Schwarzdrossel, Turdus merula L., 
war hierorts häufig recht eigenartig und den örtlichen Verhältnissen 
gut angepafst. 

Hier im Beobachtungsgebiet fehlten Rottannen und Wacholder 
gänzlich; der Vogel trat noch vollkommen auf als "Waldbewohner. 
Die Nester waren daher teils in dichten Weiden huschen gebaut, 
im Geäst von vom Sturm geworfenen Bäume, oder hineingebaut in 
solchen Stämmen, welche im Sommer gefällt und aus irgend einem 
Grunde liegen geblieben waren. Rufsland ist ja das Land der 
Wälder, und da hier ein Holzmangel nicht bestand, so wurden 
Tielfach nur die guten Stammteile genutzt; Zopfteile mit starken 
Ästen, gute Nistorte für Sing- und Schwarzdrosseln, verblieben 
im Walde. Ein anderer äufserst beliebter Nistort waren die 
Stammflächen abgetriebener Erlen. Diese Holzart, des hohen 
Wasserstandes wegen hier mit einer besonders guten Stockaus- 
Bchlagkraft bedacht, bildeten mit ihren Ausschlägen gute Nistorte; 
das Amselnest stand auf der Haufläche des Stammes, als natürlicher 
Schutz umgeben von wachsenden Reisern. 

Aus mir unbekannten Gründen waren häufig solche Erlen- 
stöcke ohne Ausschläge geblieben, also vertrocknet; Schwarzdrosseln 
waren auch hier immer anzutrefifen, obwohl es an guten Nist- 
gelegenheiten fehlte, häufig sogar nur sehr lichtes Weidengestrüpp 
wuchs. Daher suchte ich an solchen Orten anfänglich nicht nach 
Nestern dieser Art, denn ich war im Glauben, dafs die hier 
weilenden Vögel zu solchen Stücken zählten, welche aus irgend 
einer Veranlassung weitere Flüge machten oder aber ungepaart 
geblieben waren, bis auch hier der Zufall zu Hilfe kam. 

Auf der Suche nach recht dunklen Kreuzottern und Ringel- 
nattern, welche gern an sonnigen Orten auf solchen Erlenstöcken, 
auch gern daneben lagen, entflog wieder solch einem, ohne Aus- 
schläge gebliebenen Erlenstock eine Amsel, und siehe da, das mit 
Eiern belegte Nest war gefunden. Die fehlende Lebensenergie 
dieser Stöcke hatte diese im Laufe der Jahre ausgehöhlt, das 
Holzinnere war verfault und vermodert, und nur die Rindenwand 
war stehen geblieben, also einen kleinen Schornstein darstellend, 
grofs genug für die Anlage eines Drosseln estes. Diese natürlichen 
Höhlungen waren von der Amsel als Nistplatz angenommen und 
so ausgebaut, dafs der obere Rand des Nestes genau mit der 
oberen Kante der Rindenstücke abschnitt. Solche eingebauten 
Nester habe ich recht häufig gefunden, zumal die Amsel in meinem 
Beobachtungsgebiet, und dieses war von beträchtlicher Gröfse, als 
Brutvogel ungemein zahlreich auftrat. Dagegen sah ich in den 
Wintermonaten kaum einen Vogel. 

Erwähnen möchte ich noch, dafs Amsel und Sprosser nach- 
barlich ohne Streit beieinander nisteten, belegte Nester dieser 
Vögel ich recht häufig nebeneinander stehend fand. 



— 142 — 

Bas Birkhuhn in Oberschwaben. 
Von Karl Bertach in Kavensbarg. 

Zu denjenigen Vögeln, welche die höchsten Anforderungen 
an ihren Aufenthaltsort stellen, gehört das Birkhuhn, Tetrao tetrix. 
Sein Gebiet ist deshalb von einer Gesetzmäfsigkeit, welche die 
eingehendere Darstellung herausfordert. Diese wollen wir für 
Oberschwaben versuchen. 

Wenn man alle Standquartiere des Vogels und alle ört- 
lichkeiten, an denen er bis jetzt geschossen worden ist, auf einer 
Karte einzeichnet, hebt sich ein bogenförmiger Streifen ab, der 
Oberschwaben von Südosten gegen Westen durchschneidet. Um 
den Verlauf dieses Bogens besser zu tibersehen, zeichnen wir auch 
die äufsere und die innere Jung-Endmoräne ein. Dabei ergibt 
sich ein Bild, das mit dem Verbreitungsgebiet der Bergkiefer, 
Pinus montanus, vollständig zusammenfällt. Die Übereinstimmung 
erstreckt sich nicht blofs auf das Gesamtgebiet, sondern auch auf 
die einzelnen örtlichkeiten. Überall dort, wo das Birkhuhn als 
Standwild auftritt, finden sich ausgedehnte Bestände der Bergkiefer. 
Die Birke selbst spielt bei uns eine geringe Rolle. Unsere Moore 
enthalten nur kleine, zwerghafte Stücke, die ihre Fruchtbarkeit 
fast gänzlich eingebüfst haben. Hochwüchsige, baumartige Formen 
entstammen fast durchweg künstlichen Anpflanzungen. 




/ t ooe 000. 



— 143 — 

Im eingezeichneten Gebiet findet eich die Bergkiefer an 
64 Standorten. Ihre innere Grenzlinie fällt genau mit der inneren 
Jung-Endmoräne zusammen. Der Baum folgt ihr, und zwar immer 
in gröfseren, ganz reinen Beständen, in ihre tiefsten Buchten. 
Die äufsere Grenze bildet im östlichen und westlichen Drittel die 
äufsere Jung-Endmoräne. Nur im mittleren Drittel überschreitet 
er das Jung-Endmoränengebiet um 9 km, doch so, dafs ihr ganzer 
Grenzsaum genau parallel zur äufseren Jung-Endmoräne verläuft. 
Der Einflufs des Würm-Gletschers auf das Gebiet der Bergkiefer 
ist also unverkennbar. Sie hat den Gletscherrand während der 
Höhezeit der Wurm - Vergletscherung besetzt. Mit der Achen- 
Bchwankung aber war ihre Wanderung bei uns abgeschlossen. 
Nach derselben hat sie ihr Gebiet nicht mehr erweitert. Die 
Westgrenze reicht bis zur Bucht im Gletschereis an der badischen 
Landesgrenze. Wo der Moränenstreifen an die Voralpen sich an- 
lehnt, tritt die Bergkiefer in den gröfsten und zahlreichsten Be- 
ständen auf. Je weiter sie sich von den Voralpen entfernt, desto 
gröfser werden die Lücken in ihrem Gebiet. Es ist dies eine 
Erscheinung, welche bei einer gröfseren Anzahl von Pflanzen auf- 
tritt. Am auffallendsten ausgeprägt ist sie bei der kleinen Hoch- 
moorsegge, Carex pauciflora, die sich in Oberschwaben nur in 
Gesellschaft der Bergkiefer findet und die deshalb ebenfalls zu 
einer Lebensgenossin des Birkhuhns geworden *st. In der west- 
lichen Hälfte des Moränenbogens wird die Pflanze, welche in der 
südöstlichen Hälfte in vielen Tausenden von Einzelpflanzen an 
zahlreichen Stellen auftritt, sehr selten. Das Verhältnis von 
Westhälfte zur Südosthälfte stellt sich auf 1 : 10, wenn man die 
Zahl der Standorte in Betracht zieht. Wenn man aber die Zahl 
der Einzelpflanzen vergleicht, so würde selbst das Verhältnis 1 : 1000 
hinter der Wirklichkeit zurückbleiben. 

In den ausgedehnten Bergkieferwaldungen, in denen dieses 
Nadelgehölz von niederen, kniehohen Zwergformen bis zu hoch- 
stämmigen Bäumen von 10 m Höhe vorkommt, je nachdem die 
Moortiefe die Ernährung der Pflanze hemmt, findet das Birkhuhn 
nicht blofs den erwünschten freien Platz zu seinen Tänzen während 
der Balzzeit, sondern auch den ganzen Sommer hindurch die 
nötige Beerennahrung durch das reichliche Vorkommen von Heidel-, 
Preisel-, Blau- und Moosbeeren, Vaccinium myrtillus, vitis idaea, 
uliginosum und oxycoccus. 

Bis jetzt ist das Birkhuhn von folgenden Standquartieren 

femeldet: 1. Moosburger Ried, 2. Oggelshauser Ried, 3. Allgemeines 
Lied, 4. Staatsried Sattenbeuren, 6. Steinhauser Ried, 6. ümmen- 
dorfer Ried, 7. Pfrunger Ried, 8. Wurzacher Ried, 9. Steinacher 
Ried, 10. Reichermoos, 11. Oberreuter Moos, 12. Gründienried, 13. 
Rötseemoos, 14. Burgermoos, 15. Riebgartenmoos, 16. Arrisried- 
moos, 17. Taufachmoos, 18. Eisenharzer Moos — 19. Füramoos, 
20. Booser Ried — 21. Dornachried, 22. Wegenried, 23. Wolperts- 
wender Ried. 



— 144 — 

Einzelne Vögel, die wahrscheinlich auf dem Strich von einem 
Moor zum andern beg'riffen waren, wurden geschossen : 24. Wald 
bei Hopfenbach, 25. Wäldchen am Schwaigfurtweiher, 26. Wald 
zwischen Otterswang und Aulendorf, 27. Spieglerhölzchen beim 
Aulendorfer Tiergarten, 28. Fleischwangen, 29. Kifslegg, 30. Bürsten- 
moos. 

Im Booser Ried Ist der Bergkiefernbestand vollständig ver- 
nichtet, im Füramooser Ried ist nur noch eine 3—4 Meter breite 
Randzeile von ganz geringer Länge übrig geblieben. Deshalb ist 
das Birkhuhn an beiden Stellen verschwunden. Im Dornachried 
aber wurde es im Jahr 1898 durch Fabrikant Roland Müller in 
Mochenwangen eingebürgert. Der Vogel hat sich hier rasch ver- 
mehrt und auch über das Wegenried und Wolpertswender Ried 
verbreitet. 

Das Birkhuhn ist also in Oberschwaben ganz auf das Gebiet 
des Gletscherrandea von der Höhezeit der Wurm- Vergletscherung 
big zur Achenschwankung beschränkt. Wichtig ist dabei, dafs 
dieses auffallende Gebiet durchaus nicht dem Birkhuhn eigentümlich 
ist, sondern dafs es dasselbe mit der Kreuzotter und 30 der 
merkwürdigsten Pflanzen der oberschwäbischen Flora teilt, mit 
denen es also eine der eigenartigsten und ältesten Lebensgemein- 
schaften geschlossen hat. Schon während der Würm-Vergletscherung 
mufs also der Vogel sein heutiges Gebiet besetzt haben. So 
stellt also auch die Vogelwelt ein Glazialrelikt im schwäbischen 
Alpenvorland, und es ist ganz überraschend, wie ein so flug- und 
wanderfähiges Tier nirgends mehr dieses Eisrandgebiet über- 
schritten hat, sondern ganz auf den schmalen, bogenförmigen 
Streifen von nur 10—18 km Breite beschränkt geblieben ist 

Quellennachweis : 

4, 7, 20, 28 L a n d b e c k , Systematisches Verzeichnis der Vögel 
Württembergs. Württembergische naturwissenschaftliche Jabres- 
hefte 1846. 

3, 4, 5, 6, 8, 9, 12, 17, 18, 19, 24, 25, 26, 27 Fl n ckh , Über 
das Vorkommen von Tetrao tetrix in Württemberg. Jahres- 
hefte 1881. 

12, 13, 16, 17, 18, 29, 30 Di tt u s , Vorkommen von Tetrao tetrix 
im Algäu. Jahreshefte 1886. 

8, 9, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18 Dittus, Über das Vor- 
kommen von Birkwild {Tetrao tetrix) im südlichen Oberschwaben. 
Jahreshefte des Vereins für vaterl. Naturkunde in Württemberg. 
1915. 

1 Lampert, Vom Federseegebiet und Moosburger Ried. Blätter 
des schwäbischen Albvereins. 1912. 

1, 2, 3, 4, 5 Oberreallehrer Erle wein (mündlich). 

21, 22, 23 Fabrikant Müller (brieflich). 

10 Oberförster Walz (mündlich). 



— 145 — 

Bemerknngen 
zu H. Schalows Lantus eoccuhitor rapax Br. 

Yoa Tlotor Ritter ?. Tsehail la Scbnldhoffen. 

Hr. H. Schalow hat die Wertung des einspiegeligen Würgers 
(J. f. 0. 66, 1918, No. 3, p. 331 — 335) einer eingehenden Unter- 
suchung unterzogen und bemerkt : „Ich habe nie ein Exemplar mit 
rein weifser Brust- und Bauchfärbung (p. 331) gesehen." Weiter 
erwähnt derselbeTerfasser (p. 3'^i2), dafs seiner Überzeugung nach 
Exemplare mit rein weifser Brust, welche als L. e. rapax angesprochen 
worden sind, nicht letztgenannter Form angehören, sondern nur 
als aberrante Stücke unseres gemeinen grauen Würgers mit oft 
nur wenig wahrnehmbarer Fleckung auf den Armschwingen be- 
trachtet werden müssen. 

Was erstere Bemerkung anbelangt, so mufs ich auf meine 
Ausführungen (J. f. 0. 65, 1917, Nr. 1, p. 98) hinweisen und selbe 
in ihrer Gänze aufrecht erhalten. Man wird mir wohl zumuten 
dürfen, dafs das, was ich dort geschrieben, den Tatsachen ent- 
spricht, zumal es von jedem Zweifler nachgeprüft werden kann. 
Wohl kaum ein Museum dürfte so viele palaearktische Würger 
besitzen, als teils als selbst gesammelt, teils aus grofsen direkten 
Sendungen stammend, im Laufe der Jahre durch meine Hände 
gegangen sind. 

Übrigens erwähnt Geheimrat Reichenow als Anhang zu meiner 
vorerwähnten Notiz „dafs im Berliner Museum sich ebenfalls alte 
Vögel des einspiegeligen Raubwürgers mit rein weifser Unterseite 
befinden", die doch Hrn. Schalow bekannt sein müssen. 

Dafs der Einspiegelwürger mit dem excuhitor nicht zusammen- 
geworfen werden darf, steht für mich fest, und es erhält meine 
Annahme eine nicht wegzuleugnende Stütze durch den Umstand, 
dafs er bei uns überhaupt nur während des Zuges und da mit unserem 
excuhitor^ der ja auch zieht und nur in der Art örtlich als Stand- 
vogel auftritt, vorkommt. Gewellte Exemplare des Einspiegel- 
würgers finden sich begreiflicher Weise weit häufiger als solche, 
welche die für diese Form früher als charakteristisch angenommene 
Wellung bereits abgelegt haben und das Alterskleid, wie ein solches 
auch Excuhitor trägt, aufweisen. 

Wer selbst und viel gesammelt, weifs es gar wohl, wie schwer 
es bei den meisten Arten hält, ein ausgebildetes Alterskleid zu 
erlangen; das gilt selbst für gewöhnliche Arten. 

Die Flügel-Mafse von mir hier erlegten L. e. rapax betragen : 
%- 9M- ms- ■ • m""°l die Flügellänge bei den 

a. 10. xil: 1I90 : : ; lu : <^=? t.T"'ii8'"mm"''"'"" 

<f. 23. X. 1891 ... 116 - I 112-118 mm. 



— 146 — 

9. 15. III. 1881 ... 108 mm ) 

9. 1. XI. 1881 ... 113 - I bei den 99 zwischen 
9. 1. XI. 1881 ... 115 - f 108-115 mm. 

9. 12. III. 1888 ... 114 - 

Die Mafse von 24 hier auf dem Durchzuge erlegten L. e. 
excuhitor bewegen sich und zwar bei 

9 cfcf zwischen 110 — 117 mm 
15 99 - 108—114 - 

Die Flügelmafse beider Formen weisen keine merklichen 
Differenzen auf. Ich möchte hier aber nochmals hervorheben, dafs 
die hier gegebenen Mafse von excuhitor von Fremdlingen herrühren, 
deren Heimat im Osten zu vermuten sein dürfte. Es würde sich 
daher empfehlen, eine gröfsere Zahl deutscher Brutvögel auf ihre 
Flügellänge hin zu prüfen; vielleicht würden sich da gröfsere 
Unterschiede ergeben. 

Zu „Eugen Yon Homeyers'^ Yögel Norddeutschlands. 
Von TlcUr Bitter TOB Tschasl von Schmldhoffen. 

Zu den interessanten Nachforschungen H. Schalows ^) über 
dieses verschollene Werk Eug. v. Homeyers möchte ich einige Be- 
merkungen anfügen. Ich stand mit dem Verstorbenen, in welchem 
ich meinen Lehrmeister verehrte, in jahrelangem wissenschaftlichen 
und freundschaftlichen Verkehr und war immer von seinen unter 
den Feder befindlichen Arbeiten unterrichtet. Homeyer, noch im 
Bann der alten Schule stehend, aber mit einem scharfen Auge 
für vorbände Unterschiede begabt, konnte es bei seiner für damalige 
Zeit sehr beträchtlichen palaearktischen Vogelsammlung nicht ent- 
gehen, dafs ein grofser Teil der Vogelwelt geographisch variiert; 
nur zur Benennung konnte er sich nicht leicht entschliefsen und 
war ein Feind der von Amerika herübergekommenen ternären 
Bezeichnungen. Mit Homeyer sank der letzte Vertreter der alten 
Schule in's Grab, dem aber die Anerkennung nicht versagt werden 
kann und darf, dafs er die neue Richtung einleitete. 

Nach dieser kurzen Abschweifung kehre ich zum Thema 
zurück. In unserer sehr ausgedehnten Korrespondenz, die bis 
zu seinem Lebensende währte und die ich sorgfältig nachsah, 
geschieht des herauszugebenden Werkes verschiedentlich kurze 
Erwähnung, doch mufs ich nach unserem regen Briefwechsel an- 
nehmen, dafs das V^erk weder im Manuskript, noch weniger im 
Druck fertig gestellt wurde, sonst hätte mir v. Homeyer gewifs 
davon Mitteilung gemacht. Ich begründe diese Annahme darauf, 
dafs mir mein Freund alle eine Veröffentlichungen zusandte, auch 
die ersten gedruckten 7 losen Bogen seiner Vögel Norddeutschlands, 
deren Absendung er mir in einem undatierten Brief, der in der Zeit 

1) Vergl diese Zeitschrift Nr. 7/8, 1918. 



— 147 — 

zwischen dem 16. Juni und 17. Juli 1888 fällt, anzeigte. Wäre mehr 
gedruckt worden, so hätte es Homeyer gewifs nicht unterlassen, 
mir die weiteren Bogen zuzusenden, was jedoch nicht geschah. 
Erwiesen ist durch die in meinem Besitz befindlichen 7 Bogen, 
dafs diese gedruckt waren. Was mit der Auflage geschah, ent- 
zieht sich der Beurteilung. 

Die mir vorliegenden Bogen enthalten Seite 1 — 69 die Tag- 
und Nachtraubvögel, Seite 70—76 die Spaltschnäbler, Seite 77—83 
die Sitzfüfsier, Seite 84—96 die krähenartigen Vögel, Seite 87—111 
die Klettervögel. 

R. Blasius, der den ornithologischen Nachlafs v. Homeyers 
antrat, wäre wohl die einzige Person gewesen, die über das Schick- 
sal des V. Homeyer'schen Werkes Aufschlufs zu geben vermocht 
hätte. Eine Durchsicht seiner Briefe an mich lieferte kein Ergebnis. 
Wohl glaube ich mich zu erinnern, dafs R. Blasius mir — dann 
wohl mündlich — die Mitteilung gemacht habe, dafs das v. 
Homeyer'sche Buch nicht mehr fortgesetzt würde und die Daten 
in dem Neuen Naumann Aufnahme finden sollten. Nachdem Eug. 
V. Homeyer am 21. V. 1889 verschied, glaube ich überhaupt nicht, 
dafs das Werk zum Abschlüsse gelangte. Mein Exemplar dürfte 
allem Anschein nach das einzige sein, welches sich erhalten hat. 

Schriftenschau. 

Um eine möglichst schnelle Berichterstattung in den „Ornithologischen 
Monatsberichten" zu erzielen, werden die Herren Verfasser und "Verleger 
gebeten, über neu erscheinende Werii:e dem Unterzeichneten frühzeitig Mit- 
teilung zu machen, insbesondere von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeit- 
schriften Sonderabzüge zu schicken. Bei selbstständig erscheinenden Arbeiten 
ist Preisangabe erwünscht. Keichenow. 

W. E ü e D z i , Versuch einer sjstematischen Morphologie des Gehirns 
der Vögel. Inaugural - Dissertation. Genf 1918. — Der vorliegende 
Versuch, die Form des Gehirns fflr das System der YOgel nutzbar zn 
machen bat einen Vorläufer in einer Arbeit von B r a n d i s gehabt, 
wenngleich dort nur das Kleinhirn in Betracht gezogen wurde (Das Klein- 
hirn der Vogel in seiner Beziehung zur Systematik; Journ. f. Orn. 1896, 
274). Auffallender Weise ist diese Arbeit vom Verfasser der jetzt vor- 
liegenden Abhandlung nicht benutzt worden. Dafs die verschiedensten 
Teile des VogelkOrpers der Prüfung auf ihren taxonomischen Wert unter- 
zogen werden, ist sehr wichtig und dankenswert, man gewinnt aber aus 
der vorliegenden wie aus der älteren Arbeit den Eindruck, dafs die Bildung 
des Gehirns nur wenig zur Aufklärung der natürlichen Verwandtschaft 
der Vogelgruppen geeignet ist. 

Ant. Reicbenow, Die Vogelfauna des Urwaldes von Bialowies ; 
Bialowies in deutscher Verwaltung. Drittes Heft. Berlin 1918, S. 172— 
191. — Nach kurzen Anweisungen, die als Eiehtscbnur fUr die orni- 
thologiscbe Erforschung des Urwaldes zu dienen bestimmt sind, und einer 
Scbilderang des Geländes sowie einer allgemeinen Betrachtung des Vogellebens 



— 148 ~ 

wird die Bedeutung des Gebiets in zoogeographischer Hinsieht kurz ge- 
kennzeichnet. Es zeigt sich als Überganggebiet zwischen der skandinarischen 
und der ostdeutschen Fauna, in das aber auch südeuropäische Formen 
eindringen. Eigentflmlicberweise bewohnen ron den rerscbiedenen Yogel- 
gruppen bald die Vertreter der deutschen, bald die der nordischen oder 
auch der südlichen Yogelwelt als Standvögel den Urwald. 

Es folgt sodann die Besprechung der bisher nachgewiesenen Arten, 
deren Zahl sich auf 148 belauft. Bchw. 



F. Weckmann, Beobachtungen am Storcbnest, sowie Einzelheiten, 
aus dem Leben des weifsen Storches {Ciconia alba); seine Abnahme in 
Mecklenburg; Omith. Monatsschr. 1918, 14—25. — Mit 4 photograpbischen 
Tafeln. 

W. B a d i g e r , Massenhafter Zug von Micropus apus (L.) in 
den Prijet-SOmpfen ; Ornith. Monatsschr. 1918, 25 — 27. — Beobachtungen 
von Mitte Mai bis Ende Juli 1917. 

Jacob Schenk, Fauna Regni Hungariae. Animalium Hungariae 
hucusque cognitorum enumeratio systematica. Ares. In Memoriam Regni 
Hungariae mille abhinc annis coostituti edidit Regia Societas scientiarum 
Naturalium Hungarica. Budapest 1917, 114 p. et Charta. — Im Jahre 
1899 erschien das dreibändige, von Otto Herman eingeleitete, von Stefan 
Chernel ron Chernelhaza bearbeitete Werk tlber die Vögel Ungarns, 
welches auf Veranlassung des Egl. Ungar. Ackerbau-Ministeriums heraus- 
gegeben wurde. Das Werk enthält eine greise Reihe, zum Teil aasge- 
zeichneter Tafeln von der Hand Stefan von N^csey's, der im Jahre 1902 
durch Selbstmord in München endete. Leider erschien die umfangreiche 
Arbeit nur in ungarischer Sprache. In demselben Jahre begann auch 
Julius von Madaräsz die Herausgabe eines Werkes über die VOgel Ungarns, 
dessen letzte Lieferungen im Jahre 1903 erschienen. Auch dieses Buch 
wurde in ungarischer Sprache geschrieben, demselben aber ein Auszug 
in deutscher Sprache beigegeben. Vierzehn Jahre nach dem Erscheinen 
dieses Werkes gibt die EOnigl. Ungar, naturforschende Gesellschaft ein« 
Fauna Ungarns heraus, deren ornitbologischer Teil der Bearbeitung Jacob 
Schenks anvertraut wurde. Er ist damit in die besten Hflnde gelegt 
worden. Die Veröffentlichung geschah in nebeneinanderlaufender Parallel- 
darstellung in ungarischer und lateinischer Sprache. Eine historische 
Übersicht der Entwicklung der Ornithologie in Ungarn leitet das Werk 
ein, wobei auf 1846 Nummern des bibliographischen Abschnitts hinge- 
wiesen wird. Bevor Schenk auf die einzelnen für Ungarn nachgewiesenen 
Arten und Formen n&ber eingeht und deren Verbreitung im Lande knapp 
charakterisiert, weist er kurz auf die im Gebiete gehaltenen domestizierten 
Arten, auf die mehr oder weniger von Erfolg begleiteten Akklimatisations- 
versuche — auch mit Rhynchotus rufescens wurden solche verschiedentlich 
gemacht — hin und gibt dann eine Liste von 78 aus der Gefangenschaft 
entflohenen, in Ungarn erbeuteten Arten. Zwei VOgel betrachtet Schenk 
als in historischer Zeit in Ungarn ausgestorben ; Chenalopex aegyptiacus 



— 149 — 

und Gerönticus eremita', dagegen haben sieb nach des Verfassers Aosicbt 
aus prabistoriscbeo Epocben bis zum beutigen Tage 21 Arten in Ungarn 
erbalten. Die Zahl der für das beregte Gebiet bis zum Jahre 1913 
nachgewiesenen fossilen Arten belauft sich auf 54. Die Anzahl der das 
Land heute bewohnenden bezw. für dasselbe nachgewiesenen Arten und 
Formen beträgt 381, von denen 247 als brütende anzusehen sind. Wenn 
wir die Anzahl der in der norddeutschen Tiefebene nachgewiesenen Arten 
mit rund 300 beziffern — eine Zahl die eher zu hoch als zu niedrig 
gegriffen ist — so erhellt schon die oben für Ungarn gegebene Zahl den 
Reichtum der ornithologischen Fauna des Landes. Noch mehr tritt dieser 
Reichtum in die Erscheinung, wenn wir die im Lande brütenden Arten, 
die ja allein den faunistiscben Charakter eines Gebietes bestimmen, in 
Betracht ziehen. Während wir z. B. in Norddeutschland rund 60 7o der 
nachgewiesenen Arten als Brüter bezeichnen kOnnen, steigt diese Zahl 
in Ungarn bei nahe 400 Arten schon auf 687o> ▼on «^^nen 20% nicht 
im mittleren Europa vorkommende Arten und Formen sind. Die kurzen 
Angaben bei den einzelnen Spezies tehandeln das Vorkommen im Lande 
und die Verbreitung im Gebiet unter Hinweis auf die in der beigegebenen 
Karte umgrenzten zoogeographischen Regionen. Die Gesamtheit der auf- 
geführten Arten ergibt, dafs die ornitbologische Fauna Ungarns beinahe 
zur Hälfte aus mitteleuropäischen Spezies besteht während sich die andere 
Hälfte zum grOfseren Teil aus Arten des Mittelmeergebietes, zum kleineren 
aus arktischen, Ostlichen und westlichen Formen zusammensetzt. Die 
Fauna ist eine ausgesprochen kontinentale mit geringer Beifügung mari- 
timer Elemente. 

Und nun noch ein Wort Ober die Kart«, welche der Arbeit bei- 
gegeben ist. Auf derselben sind die Regionen eingezeichnet, welche 
Schenk für die Verbreitung der Vögel in Ungarn annimmt. Wie weit sich 
eine Aufteilung in Verbreitungszonen für ein so kleines Gebiet, wie es 
das magyarische Land, zoogeographisch gesprochen, ist, als mOglicb 
erweist, soll hier nicht erörtert werden. Schenk nimmt für Ungarn acht 
Gebiete an. Dem zentralen Teil gliedert sich im Westen der pannonische, 
im Osten der transsjlvanische an. Im Norden wird er durch das westlich- 
beiw. östliche 8ept«ntrionale Gebiet begrenzt. Den Süden bilden die 
kroatische und banatische Region; der ersteren schliefst sich im Süd- 
westen die adriatische an. Von Interesse sind die Abgrenzungen ein- 
zelner Regionen, wie sie Schenk vornimmt. Ganz im Süden bildet die 
Save gegen Serbien die politiicbe Abtrennung. In zoogeographischer 
Richtung nimmt der Verfasser die Donau als scharfe Scheidelinie zwischen 
dem zentralen Gebiet und dem westlicb-septentrionalen einerseits und dem 
pannonischen andererseits au. Der Theifs durchfliefst das banatische und 
zentrale Gebiet ohne eine Greuzscheide der ornithologischen Verbreitung 
zu sein. Dagegen bildet der Maros in seinem unteren Laufe eine solche 
zwischen der zentralen und banatischen Region, wie der Theils in seinem 
oberen Lauf zwischen der östlich-septentrionalen und der transsjlvanischen. 
Ferner bildet die Drau die scharfe Grenze zwischen der pannonischen und 
kroatischen Region. Schenk folgt hier völlig den Ansichten, welche 
Matschie hinsichtlich der Verbreitung der ethiopischen Säugetiere durch 



— 150 — 

Annahme von Flufsgrenzen innerhalb kleinerer Erdräume wiederholt ver- 
treten hat, ohne jedoch dabei allseitige Billigung seiner Fachgenossen zu 
finden. 

R. G e r 1 a n d , [Von Zwergtrappe und Triel] ; Ornith. Monats- 
schr. 1918, 45 — 46. — Feldbeobachtungen aus der Champagne und dem 
Aisne-Qebiet. Beide Arten sind in den genannten Qegenden nicht selten. 

H. W. Ott ens, [Charadrius morinellus, <J, am 8. IX. 1917 
bei Hannover erlegt]; Ornith. Monatsscbr. 1918, 47. 

H fl b n e r , Schutzgebiet „Richtenberger See" des Bundes far 
Vogelschutz, Sitz Stuttgart; Ornith. Monatsscbr. 1918, 49 — 55. — Ein 
neues Binnensee - Schutzgebiet südwestlich von Stralsund, fUr welche« als 
BrutvOgel vornehmlich Höckerschwan, Graugans, Rohrdommel, Tafel- und 
Spiefsente und schwarze Seeschwalbe, Arten die für Fommern nicht mehr 
als häufige zu bezeichnen sind, in Frage kommen. 

W. Müller, Brutergebnis der Vogelkolonie „Nordernej" 1914, 
1915, 1916 und 1917; Ornith. Monatsscbr. 1918, 66—66. 

R. Schlegel, Aufzeichnungen über das Vorkommen der Sjlvien 
im Leipziger Flachlandgebiete; Journ. f. Ornith. 1918, 48—51. — 
Bebandelt Verbreitung, lokales Vorkommen und Nistgeschäft von Sylvia 
atricapilla atricapüla^ Sylvia borin borin, S. nisoria nisoria, S. 
communis communis und S. curruca curruca. 

F. Braun, Biologische Folgen der EriegsnOte in der Vogelstube; 
Journ. f. Ornith. 1918, 51—61. — Verf. erörtert eine Reihe von Fragen, 
die sich für den Vogelpfleger und -Beobachter durch den Einflufs des 
Krieges ergeben haben: Beschränkung der Futtermenge und die damit 
in Zusammenhang stehende Notwendigkeit der Haltung vieler Arten und 
Individuen in gemeinsamen Käfigen; Einflufs dieser Mafsregel auf das 
individuelle Gebaren der verschiedenen Pfleglinge besonders während der 
Brunstperiode; veränderte Nahrungsgabe und deren Aufnahme bei einzelnen 
Arten, Körner- wie Weichfressern, und ähnliches. 

A. Reichenow, [Über Sitia-Vonaeü] ; Journ. f. Ornith. 1918, 
111. — Wendet sich gegen die Ausführungen Domaniewskii in den 
Münchener Verhandlungen über Sitta homeyeri und die verwandten 
Formen und vertritt weiter die Ansicht, dafs die genannte Spechtmeise 
aus einer Bastardierung zwischen S. europaea und sordida hervor- 
gegangen sei. 

E. Grescbik, Der Verdauungskanal der Rotbugamazone (Ändro- 
glossa aestiva Latb.). Ein Beitrag zur Phylogenie der ösopbagnaldrüsen 
der Vögel; Aquila 1917, 152—174. — Die vorstehende Arbeit schliefst 
sich den vielen Untersuchungen, welche wir über das Verdauungssystem 
der Papageien besitzen, an. Die meisten derselben beschäftigen sich mit 
der makroskopischen Anatomie, während die vorstehende Veröffentlichung 
Greschiks sich der mikroskopischen Untersuchung der histologischen Ver- 
hältnisse einer Amazonenart widmet. Wohl zum ersten Mal wird der 
Versuch gemacht, den ganzen Verdauungskanal mikroskopisch klar zu 



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legen. Nach eiDgehender Behandlung der Mund-SchlundkopfhOhle geht der 
Verf. an! die Bildung des Vorderdarmes wie des Mittel- und Enddarms 
ein, um mit allgemeinen Betrachtungen über die Phjiogenie der öso- 
phagnaldrQsen der VOgel und der übrigen Wirbeltiere seine Untersuchungen 
abzuschliefsen. 

E. N a g y , Kranich-Studien und Beobachtungen aus dem Eomitate 
Csanid; Aquila 1917, 182—190. — Seit ungefähr 25 Jahren brütet 
der Kranich nicht mehr in Ungarn, sondern kommt nur noch als Durch- 
zflgler vor. Er gehOrt hier bereits zu den Denkmälern der Vergangenheit. 
Ein im ungarischen Text eingefügte Karte zeigt, dafs die ziehenden Kraniche 
fast ausschliefslich die Ostliche Hälfte Ungarns berühren. 

Eoloman Lambrecht, Die Ausbildung und Geschichte der 
europäischen Vogelwelt; Aquila 1917, 209 — 221; Liste im ungarischen 
Teit 203 — 208. — Der Verf., der sich durch eine grofse Reihe von 
Aibeiten über fossile VOgel und durch eine im Jahre 1916 veröffentlichte 
ausgezeichnete Bibliographie der Paläo -Ornithologie den Fachgenossen 
bekannt gemacht hat, gibt in der vorliegenden Mitteilung eine Übersicht 
des Werdeganges der VOgel im Laufe der einzelnen geologischen Perioden. 
Mit den VOgeln der mesozoischen Epoche beginnend, geht er zu denen 
der cänozoiscben, welche die Arten der geologischen Neuzeit im Eozän, 
Oligozän, Miozän und Pliozän umfafst, unter Aufzählung der Formen über. 
Von den pleistozäuen VOgeln Europas, deren Beziehungen zu denen des 
Pliozän noch nicht geklärt sind, gibt Lambrecht eine Liste, welche 245 Arten 
unter Hinweis auf die jeweiligen Fundorte umfafst. Diese Liste bietet 
viel des Interessanten und ist eingehendsten Studiums wert. Es ist hier 
in dem Hinweis auf die ungarische Arbeit nicht der Platz, eingehender 
auf dieselbe zurückzukommen. Erwähnt darf vielleicht werden, dafs der 
grOfste Teil der Fundorte pleislozäner Vögel in einer Gesamtzahl von 564 
auf das Appeninengebiet (28%) entfällt, dem sich dann Ungarn (21o/o) 
anschliefst. Au dritter Stelle steht Österreich (17 o/o) und an vierter 
Frankreich (12«/o); England (7%) und Deutschland (90/o) ungefähr auf 
gleicher Stufe, ebenso Belgien und die Pjrenäengebiete (4%); beide mit 
nur je 21 Fundstellen. I^ur wenige Arten sind an allen, oder beinahe 
in allen Gebieten gefunden worden. Dabin gebOreu fast ausschliefslich 
Hühner wie Perdix cinerea, Tetrao urogallus und tetrix, Lagopus 
albus und mutus, ferner Columba livia, eine Anser sp. und schliefslich 
Corvus corax. 

T. CsOrgey, Der Paaruugsgesang des rotrückigen Würgers; 
Aquila 1918, 228 224. 

T. CsOrgey, Das FlOgolzeichen von Circus macrurus (Gm.); 
Aquila 1917, 226. — Behandelt die schwarze Zeichnung der Flügelspitzen 
der Steppenweile im Vergleich zu denjenigen von Circus cyaneus. 

K. Mauks, Vogelschutz und Vogelberingung in Algyögy 1917; 
Aquila 1917, 280-282. 

B. von SzeOts, Meine Vogelmarkierungeergebnisso im Jalire 
1917; Aquila 1917, 285—287. U. äcb. 



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E. D. van Oort, Oraithologia Naerlandica. De Vogtls Tan 
N«derland. ('s Gravenhage, M. Nijhoff.) — Eine NtuerscheiDung, die des 
allgemeinen Beifalls sieber ist, liegt unter obigem Titel in zwei Lieferangen 
Tor: ein mit Abbildungen ausgestattetes umfassendes Werk über die YOgel 
der Niederlande. Das Werk erscheint in Grofs-Quart-Format, das noch 
etwas grOfser als das des bekannten Dresserschen Werkes ist, und wird in 
Lieferungen, jede 10 Tafeln mit zugebOrendem Text enthaltend, ausgegeben. 
Jedes Jahr werden 4 bis 5 Lieferungen erscheinen, so dafs das ganze, 
etwa 400 Tafeln mit Text umfassende Werk in 8 bis 10 Jahren roliendet 
sein wird. Jede Lieferung kostet 12.50 Gulden, ein in Anbetracht des 
Gebotenen und der gegenwärtig flberall herrschenden Teuerung mftfsiger 
Preis. Der Text enthält unter dem wissenschaftlichen und holländischen 
Vogelnamen zunächst neben dem ältesten Literaturnachweis einige Synonjme 
und Zitate des niederländischen ornithologischen Schrifttums und den Tolks- 
tQmlichen englischen, deutschen und französischen Namen des betreffenden 
Vogels, darauf die ausführliche Beschreibung, wobei die Mafse in Milli- 
metern angegeben sind, eine Übersicht der Verbreitung und kurz gefafste 
Darstellung der Lebensweise mit Beschreibung von Nest und Eiern. Wie 
es der Name des Herausgebers im Voraus verbürgt, entspricht der Text 
allen wissenschaftlichen Anforderungen der Gegenwart. Mit ihm wetteifert 
die künstlerische Vollkommenheit wie der Farbendruck der Tafeln. In 
dem Künstler, Herrn M. A. £oekkoek, durch seinen Namen bereits 
zum Vogelmaler vorher bestimmt, ist eine aulserordentlich tüchtige Kraft 
gewonnen. Die Figuren schliefsen sich in ihrer naturgetreuen Darstellung 
den besten Keulemannschen Bildern, wie sie das Dressersche Werk ent- 
hält, voll an und berücksichtigen mit feinem ornithologischen Verständnis 
jede Eigenschaft der dargestellten Art. Der Druck gibt die natürlichen 
Farben in allen Schattierungen aufs vollkommenste wieder. Jede Vogel- 
art ist im männlichen und weiblichen oder auch Jugendkleide in einer 
ihrem Aufenthalt entsprechenden Umgebung dargestellt, der Hintergrund 
aber so leicht und zart gehalten, dafs er die Vogelfiguren nicht beein- 
trächtigt. Seit Schlegels 1858 erschienenen „Vogels van Nederland" ist 
das vorliegende das erste neu erscheinende Werk über die VOgel Hollands. 
Möge seinem Erscheinen ein ungestörter Fortgang und berechtigte Ver- 
breitung bescbieden sein. R c h w. 

Ürnithologische Monatsberichte 1893-1903 

zu kaufen gesucht. Dr. Eckardt, Essen, Hansahaus 88/90. 

Durch die gegenwärtigen wirtschaftlichen 
VerhftltniBse sieht sich der Herausgeber genötigt, 
mit dem Jahre 1919 den jährlichen Bezugspreis 
der Ornithologischeii Monatsberichte auf 8 Mark zu erhOhen. 

Die Mitglieder der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 
erhalten die Monatsberichte durch die Gesellschaft für 6 Mark. 

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