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Full text of "Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover"

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KLISCHEES UND DRUCK VON G E B H Ü D 1-: II .1 Ä N E C K E , H A N N O V E R 



DIE KUNSTDENKMALE 
DER PROVINZ HANNOVER 

HERAUSGEGEBEN IM AUFTRAG DES OBERPRÄSIDENTEN 
(VERWALTUNG DES PROVINZIALVERBANDES) 

VON 

HERMANN DECKERT 
PROVINZ lALKONSERVATOR 



II. REG.-BEZIRK HILDESHEIM 

10. KREIS ALFELD II 
BAND 26 DES DENKMALWERKS 



1939 

SELBSTVERLAG DER PROVINZIALVERWALTUNG 
THEODOR SCHULZES BUCHHANDLUNG, HANNOVER 



DIE KUNSTDENKMALE 
DES KREISES ALFELD 



IL DER EHEMALIGE KREIS GRONAU 



BEARBEITET VON HEINER JÜRGENS 

HANS LÜTGENS • ARNOLD NÖLDEKE 

JOACHIM FREIHERR v. WELCK 



1939 

SELBSTVERLAG DER PROVINZI ALVERWALTUNG 
THEODOR SCHULZES BUCHHANDLUNG, HANNOVER 



INHALT 

Zum Geleit 

Vorwort Seite 

Einleitung I 

Die Denkmale nach Orten i 

Liste der Goldschmiedezeichen 217 

Liste der Zinnzeichen 220 

Verzeichnis der Künstler und Handwerker .... 223 

Verzeichnis der Personennamen 225 

Quellen und Literatur 233 

Abbildungsnachweis 238 

Zusätze und Berichtigungen 238 

Tafeln 



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ZUM GELEIT 

Bevor die ehemaligen Kreise Gronau und Alfeld zum Großkreis Alfeld 
vereinigt wurden, war bereits der Band des Denkmalwerkes erschienen, der 
die Kunstdenkmale des Kreises Alfeld in seinem damaligen Umfang veröffent- 
licht. Der vorliegende Band „Kreis Alfeld 11" behandelt dementsprechend 
nur die Denkmale der Kunst und Kultur, die im Gebiet des ehemaligen Kreises 
Gronau erhalten sind. Er wird denen, die den ersten Band schon besitzen, eine 
besonders erwünschte Ergänzung sein, wie andererseits diejenigen, denen dieser 
Band Freude macht, nachdrücklich auf den früher erschienenen Band hin- 
gewiesen seien. 

Der Kreis Alfeld erstreckt sich dort, wo zu beiden Seiten der Leine die Aus- 
läufer des Mittelgebirges gegen die norddeutsche Tiefebene vortreten. Dieses 
Land hat in geschichtlicher Zeit sein Antlitz verhältnismäßig wenig verändert. 
Schon in vorgeschichtlicher Zeit war es dicht besiedelt, und vom blühenden 
Leben im frühen Mittelalter kündet die Zahl der ottonischen Königshöfe. 
Auch heute liegen die freundlichen Ortschaften dicht an dicht in den weiten 
Tälern und an den sanften Hängen. Zahlreich sind auch die erhaltenen tüch- 
tigen und ehrwürdigen Kunstwerke. Aber wie die liebliche Landschaft nicht 
einzelne berühmte Glanzpunkte bietet, so erhebt sich auch aus der großen Zahl 
der Kunstdenkmale kaum etwas zu bedeutender Größe. Es ist im besten 
Sinne ein Land des guten Durchschnittes. Um so mehr wird dem, der diesen 
Band durchblättert, freudig bewußt, wie reich und schön unsere niedersäch- 
sische Heimat ist. 

Ein besonderer Reiz und Wert des Kreises Alfeld liegt darin, daß nur 
wenig gewaltsame Eingriffe das Bild seiner Kultur von Grund auf verändert 
haben, wie es zum Beispiel durch Industrialisierung und plötzliches unge- 
regeltes Wachstum einzelner Orte in den benachbarten Kreisen Hildesheim- 
Land und Peine geschehen ist, denen zwei der letzterschienenen Bände des 
Denkmalwerkes gewidmet sind. 

Es ist eine stolze Aufgabe, die Denkmale deutscher Kultur und heimischen 
Handwerks, die Zeugnisse der Schöpferkraft unserer Ahnen, zu erhalten und 
zu pflegen. In unserer großen Zeit, da unter der Führung Adolf Hitlers jahr- 
tausendealte Probleme unserer Geschichte im deutschen Sinne gelöst werden, 
sollte tätige Achtung vor den geschichtlichen Kulturdenkmalen jedem zur 
Selbstverständlichkeit werden. 



Der vorliegende Band ist ein wissenschaftlich zuverlässiges Werkzeug zur 
Erfüllung dieser Aufgabe. Darüber hinaus verfolgt er in der lückenlosen Er- 
fassung alles Erhaltenen rein wissenschaftliche Ziele. Seine lebendige Aufgabe 
ist aber, den Sinn für die Werte unserer schönen Heimat zu kräftigen und dazu 
anzuspornen, auch in der künstlerischen und handwerklichen Durchbildung 
aller Bauten und jedes Gerätes tüchtig und ehrlich zu sein aus dem Geiste 
unserer Zeit, wie es unsere Ahnen waren aus dem Geist ihrer Zeit. 

Die Drucklegung dieses Bandes förderte wiederum der Präsident der 
Staatlichen Kulturfondsverwaltung in großzügiger Weise. Auch der Kreis gab 
dankenswerterweise eine Druckbeihilfe. 

Dr. Geßner, 
Landeshauptmann. 



VORWORT 

Der ehemalige Kreis Gronau wurde im Sommer 1935 zum Zweck der 
Bestandsaufnahme der Kunstdenkmale gemeinsam von Landesbaurat Dr. phil. 
Arnold Nöldeke, Dr. phil. Joachim Freiherrn von Welck und Dipl.-Ing. 
Heiner Jürgens bereist. Wegen seiner Beauftragung mit der Leitung der 
deutschen Ausgrabungen in Warka (Mesopotamien) konnte Dr. Nöldeke sich 
nur an der Bestandsaufnahme in der einen Kreishälfte beteiligen. Das Manuskript 
arbeitete Dr. Frhr. v. Welck in den Wintermonaten 1935 und 1936 aus, die 
Zeichnungen wurden zu derselben Zeit von Dipl.-Ing. Jürgens aufgetragen. 
Die geschichtlichen Abschnitte und die allgemeine Einleitung verfaßte Dr. phil. 
Hans Lütgens; Dr. Frhr. v. Welck schrieb den kunstgeschichtlichen Teil der 
Einleitung. 

Die Bearbeiter fanden auch bei diesem Band Hilfe und Unterstützung bei 
vielen, vor allem denen, in deren Obhut die Kunst- und Kulturdenkmale 
heute sind. Ihnen sei herzlich gedankt in der Erwartung, daß sie an dem vor- 
liegenden Band mit Freude sehen mögen, wie ihre Hilfe genützt hat. Beson- 
derer Dank gebührt Herrn Kreispfleger Barner in Alfeld für verschiedene 
wichtige Hinweise, vor allem hinsichtlich der Turmreliefs in Rheden und 
des Gutshauses von Heinsen, auch für Überlassung von Fotografien und 
Klischees, Herrn Architekt Freiherrn v. Wangenheim in Wunstorf für Pläne 
und Mitteilungen über den Wiederaufbau des Gutshauses von Heinsen nach 
dem Brand von 1924, Herrn Regierungsrat v. Reden in Hannover (Staatliche 
Kulturfondsverwaltung) für geschichtliche Notizen und die Bestimmung von 
Wappen. Auch der Beauftragte des Oberpräsidenten für die Landesmünz- 
forschung Herr Ortwin Meyer hat bei der Wappenbestimmung dankens- 
werterweise geholfen. Dank sei ferner gesagt den Pr. Staatshochbauämtern in 
Hildesheim und Hannover für die Überlassung der Baubestandsbücher der 
Domänen Haus Escherde und Poppenburg sowie besonders der immer hilfs- 
bereiten Staatlichen Kulturfondsverwaltung für Überlassung älterer Pläne des 
ehemaligen Dominikanerklosters in Gronau und der Baubestandsbücher eines 
Teils der Domäne Poppenburg. 

Die treue Hilfsbereitschaft des Staatsarchivs Hannover und die kamerad- 
schaftliche Unterstützung des Landesmuseums sind wir gewohnt. Um so 
weniger wollen wir hierfür den herzlichen Dank vergessen. Wir hoffen, daß 
das schnelle Erscheinen der Bände des Denkmalwerkes, das an alle Mitarbeiter 
außerordentliche Anforderungen stellt, als eine Art tätiger Dankbarkeit ange- 
sehen werden möge. 

Deckert. 



E INLEITUN G 



Der Kreis Gronau besteht heute nicht mehr als selbständige Verwaltungs- 
einheit; er wurde 1932 mit dem südlich angrenzenden Kreis Alfeld, der in 
einem früheren Bande des vorliegenden Werkes behandelt ist, zu dem jetzigen 
Großkreis Alfeld zusammengeschlossen. In den unverändert gebliebenen 
Grenzen berührt er im Nordosten und Norden die Kreise Marienburg, Hildes- 
heim Land und Springe, im Westen Hameln Land. 



LANDSCHAFT. 

Der ehemalige Kreis umfaßt den nördlichsten Teil des Leineberglandes 
an dessen Übergang zu der norddeutschen Tiefebene. Das Leinetal selbst 
bildet die Nord-Süd-Achse des Gebietes; östlich und westlich gehören dazu die 
mählich ansteigenden Täler der Despe und Saale, die bei Gronau und Elze 
in die Leine einmünden, außerdem die Nordhälfte eines Paralleltales zur 
Leine, aus dem die Akebeke, ein Seitenbach der Saale, kommt. Der durch das 
Zusammentreffen der drei bzw. vier Täler gebildete weite Talraum wird im 
Nordwesten vom Oster wald, im Südwesten vom Tüster Berg und Külf, im 
Südosten von den Sieben Bergen, im Nordosten vom Hildesheimer Wald ein- 
gefaßt. Sämtliche Bergzüge liegen allerdings nur mit den gegen das Gebiets- 
zentrum blickenden Hängen innerhalb des alten Kreises; der Marienberg bei 
Nordstemmen, der gleichsam den Riegel vor der breiten Leinetalöffnung 
zwischen Osterwald und Hildesheimer Wald im Norden bildet, gehört schon 
ganz zu dem Nachbarkreis Springe. 



WIRTSCHAFT UND VERKEHRSVERHÄLTNISSE. 

Die Grundlage für die Wirtschaft des Gebietes ist der Ackerbau. Vor allem 
das Leinetal hat außerordentlich fruchtbaren Boden, auf dem vorwiegend 
Weizen und Zuckerrüben gebaut werden. Daneben sind verschiedene indu- 
strielle Erwerbsquellen wichtig: In unmittelbarem Zusammenhang mit der 
Landwirtschaft stehen die großen Getreidemühlen an der Leine bei Banteln 
und Brüggen und mehrere Zuckerfabriken; der Holzreichtum der Bergwälder 
hat zur Anlage von Sägereien, Papiermühlen, Möbel- und Wagenfabriken 
geführt; bei Marienhagen wird Kalkstein gebrochen, der in der Kalkbrennerei 
bei Banteln weiterverwertet wird; in Elze und Gronau sind Metallwaren- 
industrie, eine Baumwollspinnerei und eine chemische Fabrik zu Hause. Die 
früheren v. Brabeckschen Steinkohlenbergwerke in der Elzcr und Mehler 
Gemeindeforst, die vordem ebenfalls v. Brabccksche Saline bei Heyersum 
und die Kaligrube Frisch Glück bei Eime sind dagegen heute außer Betrieb. 

Die alten Straßen folgen großenteils den Wasserläufen. Im Leinetal führen 
Wege auf beiden Seiten des Flusses, und zwar links die „Einbecker Straße" 



II EINLEITUNG 

über Banteln — Elze nach Hannover, rechts eine bei Brüggen davon abzwei- 
gende Straße an Gronau vorbei über Bethein, Nordstemmen nach Sarstedt 
(und weiter ebenfalls nach Hannover). Eine dritte Nord-Süd-Straße von Alfeld 
nach Hildesheim schneidet den Kreis bei Sibbesse. — In der West-Ost-Richtung 
geht die schon 1221 bezeugte, 1316 als „Koninges strate" bezeichnete Heer- 
straße von Hameln über Coppenbrügge, Elze, Poppenburg nach Hildesheim; 
bis zum Flußübergang bei Poppenburg stand sie unter der Hoheit des Amtes 
Lauenstein. Eine andere Strecke verlief südlich in großem Bogen um den 
Solling herum von Höxter über Holzminden, Eschershausen, Marienhagen 
nach Eime und von hier entweder über Elze, Poppenburg oder über Gronau, 
Bethein, Heyersum nach Hildesheim. Den Leineübergang bei Gronau (zwischen 
den Wüstungen Ledi und Empna) nennt eine urkundliche Überlieferung 1062 
„pontem Laide". Von Gronau aus führte schließlich eine Straße im Tal der 
Despe nach Wolfenbüttel — Braunschweig oder Goslar. Die Eisenbahn 
Hannover — Alfeld (Strecke Hamburg — Frankfurt a. M.) wurde 1853 dem 
Verkehr übergeben, ebenso die Bahn Nordstemmen — Hildesheim. Die Ver- 
bindung Elze — Hameln wurde 1875, die Nebenlinie Elze — Gronau — Bodenburg 
1900/01 angelegt. 



GESCHICHTE. 

Zur Zeit der frühmittelalterlichen Einteilung in Gaue werden urkundlich 
genannt die Orte Bethein, Barfelde, Wallenstedt im Gau Valothungon, 
Banteln, Ledi (wüst, nordwestlich vor Gronau), Mehle im Gau Godingon, 
Elze, Esbeck, Petze im Gau Flenithi, Brüggen und Rheden im Gau Aringon. 
Für den Auegau, der zwischen Mehle und Hemmendorf gelegen haben soll, 
ist kein Ort gesichert. In kirchlicher Beziehung rechnet der Kreis zum Gebiet 
der Diözese Hildesheim. Nordstemmen, Burgstemmen und Heyersum 
gehörten zu dem Archidiakonat Sarstedt (Kreis Hildesheim Land), Elze, 
Esbeck, Feldbergen (wüst, bei Banteln) zu Elze, Sibbesse zu Alfeld, Petze 
zu Detfurth (Kreis Marienburg), Eitzum zu Adenstedt (Kreis Alfeld), 
Marienhagen (= Dorhagen) zuWallensen (Kreis Hameln), Rheden, Barfelde, 
Nienstedt, Eberholzen, Gronau, Brüggen, Bethein zu Rheden. — Die einzige 
mittelalterliche Ordensniederlassung ist das Benediktinerinnenkloster Haus 
Escherde (jetzt Domäne) gewesen. 1203 war es von dem Ritter Luppoid aus 
dem begüterten und mächtigen Geschlecht der von Escherde in seinem Dorfe 
Groß Escherde (Landkreis Hildesheim) gegründet, aber noch vor 1236 an den 
Ort Bovingehusen verlegt worden, auf welchen dann auch der Name Escherde 
übertragen wurde. 

Am Beginn der Geschichte des Kreisgebietes steht der Name Elze. Wenn 
auch die in der sog. Fundatio ecclesiae Hildensemensis vom Ende des 1 1 . Jahr- 
hunderts behauptete Gründung des Bistumes in Elze durch Karl den Großen 
ins Reich der Legende zu verweisen ist, darf man den Ort, der Sitz eines 
Archidiakonats wurde (s. o.), doch als einen frühen Ausgangspunkt kirchlicher 
Kultur ansehen, der sich infolge seiner günstigen Verkehrslage später zum 
Flecken und zur Stadt entwickelte. Auch Brüggen erscheint mit einem den 
Leineübergang beherrschenden königlichen Hof früh in der Geschichte. Es 
wurde mit Banteln und Ledi von Kaiser Otto III. dem Stift Essen geschenkt. 
1207 befand es sich im Besitz des Stiftes Gandersheim, das es wahrscheinlich 
um die Mitte des 11. Jahrhunderts erlangt hatte. Seit dem 15. Jahrhundert 
saßen hier die Herren von Steinberg. Das königliche Landgut Poppenburg 



EINLEITUNG III 

an einem anderen alten Leineübergang schenkte Kaiser Heinrich III. 1049 dem 
Bischof von Hildesheim. Im 13. Jahrhundert wurde es Mittelpunkt eines Burg- 
bezirkes, aus dem später ein Amt gebildet wurde. Ihm gehörten die Ortschaften 
Burgstemmen, Nordstemmen, Heyersum, Mahlerten, Mehle und bis ins 
17. Jahrhundert auch Benstorfan, das 1635 dem Amt Lauenstein angeghedert 
wurde und mit diesem zum Kreise Hameln gekommen ist. Der zweite Amts- 
sitz war Gronau, das statt des zerstörten Empna von Bischof Siegfried II. 
(1279 — 1310) an geschütztererstelle an der Leine gegründet worden war. Ur- 
sprünglich unterstand dem Amt nur das Dorf Eberholzen ; der spätere A^mts- 
bezirk wurde erst 1690 durch den Anschluß der „niederen Börde" des Amtes 
Winzenburg mit den Dörfern Barfelde, Bethein, Brüggen, Dötzum, Eitzum, 
Heinum, Hönze, Möllensen, Nienstedt, Rheden, Wallenstedt geschaffen; 
1859 wurden noch die ebenfalls dem Amte Winzenburg angehörigen Orte 
Sibbesse und Petze hinzugelegt. Als 1885 der Kreis Gronau gebildet 
wurde, kam zu dem Gebiet der beiden alten Hildesheimer Ämter auch ein 
Teil der Niederbörde des calenbergischen Amtes Lauenstein mit Banteln, 
Deilmissen, Deinsen, Dunsen, Eime, Esbeck, Heinsen, Sehlde, außerdem von 
der Oberbörde Marienhagen (das Amt Lauenstein gehörte zur Herrschaft 
Homburg, die unter Hildesheimer Lehnshoheit stand, aber nach dem Aus- 
sterben der Herren von Homburg 1409 von den Herzögen von Braunschweig 
in Besitz genommen war). 

Die vielen Fehden, die im 13. und besonders im 14. und 15. Jahrhundert 
zwischen den Bischöfen und den benachbarten Weifenherzögen, sei es mit, 
sei es gegen Ritter oder Städte, ausgefochten wurden, haben den Stiftslanden 
großen Schaden und manche Verwüstung eingebracht. Die schlimmsten 
Verheerungen verursachte die 15 19 beginnende Stiftsfehde, in der auch die 
Stadt Gronau zerstört wurde. Nach dem für den Bischof von Hildesheim 
ungünstigen Ausgang der Kämpfe fiel auf Grund des Quedlinburger Rezesses 
von 1523 das Amt Poppenburg an Herzog Erich von Calenberg- Göttingen, die 
Ämter Winzenburg und Gronau an Herzog Heinrich den Jüngeren von Braun- 
schweig- Wolfenbüttel. Hier wurde die Reformation 1542 unter dem Regimente 
des schmalkaldischen Bundes eingeführt; dort ließ die Herzogin Elisabeth im 
Namen ihres Sohnes zu dem gleichen Zweck 1543 die Kirchen durch Corvinus 
(der schon ein Jahr zuvor eine Kirchenordnung verfaßt hatte) visitieren. Als 
1643 das Stift Hildesheim restituiert wurde, gelang nur an wenigen Stellen 
die Gründung katholischer Gemeinden. In Gronau wurde 1680 ein Domini- 
kanerkloster angelegt. 



KUNSTGESCHICHTE *). 

Die dichte Besiedelung, die für das Kreisgebiet schon in urgeschichüicher 
Zeit nachweisbar ist und die im frühen Mittelalter durch die verhältnismäßig 
zahlreichen Ortsnennungen seit dem 10. Jahrhundert und durch die auffallende 
Häufung alten Königsgutes (Brüggen, Banteln, Poppenburg, Elze), endlich 
durch die Überlieferung von Karls des Großen Bistumsgründung in Elze 



*) Für die besonders gut durchforschte Urgeschichte des Kreises Gronau, deren 
Funde in zahlreichen, teilweise sehr schönen Stücken von der älteren Steinzeil 
(Aurignacien) über die jüngere Steinzeit (Band- und Megalithkeramiker) bis zur 
Bronze- und Eisenzeit reichen, war ein Artikel ihres derzeit besten Kenners, Herrn 
Kreispflegers Barner in Alfeld, vorgesehen, der jedoch schließlich mit Rücksicht auf 
seine schon erschienenen Arbeiten und ein geplantes vollständiges urgeschichtliches 



IV EINLEITUNG 

— trotz deren sachlicher Unrichtigkeit — bezeugt wird, läßt darauf schließen, 
daß hier verhältnismäßig früh das kirchliche und profane Bauschaffen eine 
gewisse Höhe erreicht haben wird. Die erhaltenen Denkmäler setzen freilich 
kaum eher, als sonst in der Hildesheimer Gegend, ein, doch zeigen die aus dem 
12. und 13. Jahrhundert stammenden ältesten Bauten bzw. Baureste und kirch- 
lichen Ausstattungsstücke, daß der Kreis damals kein künstlerisches Neuland 
mehr gewesen ist. In der Folgezeit ergeben sich verschiedentlich Schwan- 
kungen in der künstlerischen Produktivität, die, da sie in den benachbarten 
Kreisen ähnlich auftreten, nicht dem Zufall der Erhaltung, sondern in der 
Hauptsache der Gunst oder Ungunst der wechselnden politischen und kirch- 
lichen Zustände zugeschrieben werden müssen. So ist das 14. Jahrhundert 
auffallend arm an Denkmälern; in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts mehren 
sie sich und erreichen um 1500 einen neuen Höhepunkt. Das spätere 16. und 
das 17. Jahrhundert haben wiederum fast nichts hinterlassen; erst gegen Ende 
des 17. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert setzt derjenige künstlerische 
Aufschwung ein, dem die Hauptmasse des heute noch vorhandenen Kunst- 
gutes zu verdanken ist. Das für den Kreis maßgebende Kunstzentrum ist 
naturgemäß in erster Linie die Bistumshauptstadt Hildesheim gewesen, daneben 
scheinen sich aber gerade in ältester Zeit auch Beziehungen zu Braunschweig 
anzudeuten. Die beiden innerhalb des Kreises liegenden Städtchen haben 
künstlerisch niemals eine selbständige Rolle gespielt. 

Unter den romanischen Bauten steht allen übrigen voran die ehemalige 
Archidiakonatskirche in Rheden (Taf. 47a, 48, 49a. c— h; Abb. 47—49). Der 
Grundriß zeigt ein zweiachsiges Schiff mit eingezogenem Chor und halbrunder, 
161 1 polygonal veränderter Apsis, im Westen einen mit dem Schiff bündigen 
Turm. Der Aufbau ist in schöner, sorgfältiger Quadertechnik ausgeführt, der 
Chor hat ein Portal mit figuriertem Tympanon, dessen Rückseite eine augen- 
scheinlich schon während des Baues verworfene Kreuzigungsdarstellung er- 
kennen läßt. Merkwürdig und im ganzen nicht recht deutbar ist eine Reihe 
primitiver Reliefs, die an verschiedenen Stellen des Turmes (hauptsächlich auf 
der Westseite) an einzelne Quader oder an die Sattelsteine der Schalloch- 
säulchen angearbeitet sind. Einige bringen christliche Motive (Christuskopf, 
Sündenfall), bei anderen ist der Bezug auf christliche Themen möglich, aber 
nicht zwingend (Schlange, Löwe), der Rest, ein kuckucksähnlicher Vogel und 
mehrere Masken, darunter eine doppelgesichtige, stammen wohl sicher aus 
anderen Stoffkreisen. Ein bestimmtes System in der Verteilung der Reliefs 
scheint nicht zu bestehen. Neben Rheden sind die romanischen Kirchen in 
Burgstemmen und Mahlerten erhalten (Taf. 12 a, 6; 13; 36 b, c), die, abgesehen 
von den quadratischen Türmen, eine ähnliche Grundrißlösung zeigen. Die 
Quadertechnik des Aufbaues ist allerdings weit weniger sorgfältig; auch die 
schönen Sockelprofilierungen von Rheden fehlen. Das Innere ist in beiden 
Fällen mit gratigen Bruchsteingewölben überdeckt, während Rheden eine 
flache Balkendecke hat. Das Gewölbe in Burgstemmen zeigt eine Besonderheit 
insofern, als der Gurtbogen zwischen den Schiffsjochen fehlt (eine barocke 



Inventar der Gegend seine Beteiligung aufgegeben hat. Es muß daher auf die Be- 
handlung des Themas vor allem in dem Buch „Unsere Heimat" (1931) verwiesen 
werden. — Die Abbildungen auf den Tafeln i und 2 a zeigen die beiden innerhalb 
des Kreisgebietes noch erhaltenen bedeutendsten urgeschichtlichen Anlagen, das 
bronzezeitliche Hügelgräberfeld im Osterholz bei Burgstemmen und die Flucht- 
und Schutzburg an der Beusterquelle, oberhalb von Haus Escherde, die mit zwei 
weiteren, im Kreise Springe belegenen Burgen, der Schulenburg bei Nordstemmen 
und der Barenburg bei Kloster Wülfinghausen, zusammengehört. 



EINLEITUNG V 

Erneuerung ist nicht nachzuweisen, aber selbst wenn man sie annimmt, muß sie 
doch dem ursprünghchen Zustand entsprechen). In großen Verhältnissen 
bringt das gleiche System der Braunschweiger Dom und man darf wohl an- 
nehmen, daß er, wenn auch nicht unmittelbar so doch mittelbar, das Vorbild 
für Burgstemmen gewesen ist. Das Zwischenglied in der Ableitungsreihe mag 
ein Bau ähnlich der Klosterkirche in Heiningen im Kreise Goslar gebildet haben, 
mit welcher Burgstemmen z. B. auch die Art verbindet, wie die Gewölbegrate 
teilweise nicht auf Wandvorlagen aufsetzen, sondern durch Konsolen abge- 
fangen werden (die Profilierungen sind allerdings verschieden). Bemerkens- 
wert sind Mahlerten und Burgstemmen schließlich noch durch die Reste von 
Wandmalereien, die sich in ihnen erhalten haben (Taf. 13 c, d; 37a). Der 
umfangreichere Zyklus in Mahlerten umfaßt eine Darstellung Christi als 
des Weltenrichters zwischen Maria, Johannes dem Täufer und den Evange- 
listensymbolen in der Apsiswölbung und eine Apostelreihe an der Süd- 
wand des Chores, der ursprünglich eine entsprechende Reihe an der Nordwand 
gegenüberstand. Leider sind die Malereien in neuerer Zeit weitgehend über- 
arbeitet worden. Immerhin aber ist der Charakter der Figuren und der ^tark 
gebrochenen, unruhigen Faltengebung noch verhältnismäßig gut erkennbar 
und zeigt, daß es sich um eine bedeutsame Arbeit aus dem 2. Viertel des 13. Jahr- 
hunderts handelt. Auf die Buchmalerei als Vorbild deuten vor allem die feinen 
ModellierungsschraflFuren in den Gewändern, die der Goldhöhung byzanti- 
nischer bzw. byzantinisierender Miniaturen entsprechen. Die Arkaden- 
rahmen der Apostelreihe und die Architekturkulissen zu beiden Seilen ent- 
halten dagegen keine byzantinischen Elemente. Die Malerei in Burgstemmen 
beschränkt sich auf Reste in der Apsiswölbung, die das gleiche Thema wie in 
Mahlerten, jedoch in anderer Anordnung vorweisen. Im wesenthchen sind sie 
frei von Retouchen. Die byzantinische Grundlage für die Figuren ist auch 
hier unverkennbar; die Haltung Mariae entspricht sogar dem byzantinischen 
Schema mehr als die ungewöhnliche Geste in Mahlerten. Der Faltenwurf 
scheint dagegen etwas ruhiger und gerundeter gewesen zu sein, so daß man die 
Malerei innerhalb der i. Hälfte des 13. Jahrhunderts wohl etwas früher 
ansetzen darf. — Unter den sonstigen Resten romanischer Bauten ist noch die 
Feldberger Kapelle bei Banteln zu nennen, die durch ihre Lage am Rande des 
steilen Leineufers unter einer mächtigen Linde von besonderem Stimmungs- 
gehalt ist (Taf. 20a). Sie besteht aus dem Chorteil einer größeren Kirche, die 
zu dem untergegangenen Ort Feldbergen gehört hat. Die Bauzeit ist wahr- 
scheinlich die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das früheste Zeugnis kirchlicher 
Baukunst im Kreise sind jedoch die in dem spätromanischen Turm der Kirche 
in Nordstemmen wiederverwandten Schallochsäulen, die nach den feinen 
Kämpferprofilen noch in das 11. Jahrhundert gehören dürften (Taf 36a, 35 c; 
Abb. 43a). Der größte gotische Bau des Gebietes ist die Stadtkirche in 
Gronau, zu der nach einer Inschrift am Schiff 1457 der erste Stein gelegt 
worden ist (Taf. 23 a, 32a). Sie ist eine dreischiffige Halle ohne Querhaus mit 
eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor und Turm im Westen. Nachdem 
sie im 18. Jahrhundert weitgehend hatte erneuert werden müssen, ist sie 1859 
durch C. W. Hase regotisiert worden, wodurch vor allem der Innenraum einen 
vollkommen neugotischen Charakter bekommen hat. Besser läßt den alten 
Zustand der Außenbau erkennen. Allerdings sind die Schilfs wände ehemals 
niedriger gewesen als heute, die gemeinsame Überdachung aller drei Schilfe 
entspricht jedoch dem ursprünglichen Plan. Das Baumaterial ist wie bei allen 
spät- und nachmittelalterlichen Kirchen Bruchstein (das Rohquaderwerk der 
Langhauswände stammt von Hase). Backstein scheint in der Hildesheimer 



VI EINLEITUNG 

Gegend nur gegen Ende des 15. Jahrhunderts und dann ausschheßhch für 
Gewölbe verwandt worden zu sein, wofür die kleine Kirche in Heyersum als 
Beispiel dienen kann. Die Türme sind, soweit sie einen breitrechteckigen 
Grundriß haben, im 14. Jahrhundert noch gelegentlich wie in Rheden mit 
Giebeln über den Schmalseiten und mit Quersatteldächern versehen (Sehlde, 
Deinsen, Esbeck (Taf. 41a, 22d, 20b). Eine Merkwürdigkeit findet sich an 
dem Turm in Eberholzen (Taf 22 c), in dessen Wände im Inneren menschliche 
Schädel sichtbar eingemauert sind. 

Am Anfang der barocken Bautätigkeit im Kreise steht die Neuanlage 
des verfallenen Klosters Haus Escherde (Taf. 42 — 44). Der Vertrag über den 
Bau der Kirche von 1681 ist erhalten, und aus ihm ergibt sich, daß der Architekt 
Giuseppe Crotogino gewesen ist, der zu jener Gruppe italienischer Künstler 
gehört, die um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert für den weifischen Hof 
in Hannover arbeiteten und von dort aus gelegentlich auch im Bistum Hildes- 
heim tätig waren. Nach dem engen Zusammenhang zwischen der Kirche und 
den inneren Klostergebäuden ist wohl überdies anzunehmen, daß auch für 
diese letzteren Pläne von Crotogino zugrunde gelegen haben, wenngleich ihre 
Ausführung sich noch jahrzehntelang bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts 
hingezogen hat. Seit der Aufhebung des Klosters und seiner Umwandlung in 
eine Domäne dient die Kirche als Lagerhaus für Dünger und Getreide, zu 
welchem Zweck ein Zwischenboden eingezogen und das „Erdgeschoß" in 
mehrere Kammern unterteilt worden ist. Im ursprünglichen Zustand muß 
der bei mäßiger Breite hohe Raum mit dem von breiten Stichkappen durch- 
schnittenen und durch Gurte gegliederten Tonnengewölbe über dem kräftigen 
Kranzgebälk und den kolossalen Blendarkaden der Wände einen bedeutenden 
Eindruck gemacht haben. Besser erhalten ist das Äußere mit der ungewöhn- 
lichen Stellung des Turmes vor dem Ostende des Chores. Schiff und Chor 
scheinen im Turm ihr Ziel und die Krönung des starken Höhendranges zu 
finden, der alle Bauteile beherrscht. In manchen Punkten ist der Bau Croto- 
ginos nicht unähnlich demjenigen seines Landsmannes Francesco Mitta in 
Grauhof bei Goslar. Im Außenbau gleichen sich vor allem die Proportionen des 
Chores, die Pilasterghederung und die mehrgeschossige Anordnung der Fenster. 
Es kann jedoch nicht zweifelhaft sein, daß in Haus Escheide eine straffere und 
klarere Gliederung des Baugefüges erreicht ist. Der Vergleich des Inneren 
möchte freilich eine umgekehrte Bewertung ergeben, denn gegenüber der 
Weite des Schiffes in Grauhof mag Haus Escherde etwas schmal erschienen 
sein. — Die übrigen im Kreise vorhandenen barocken Kirchenneubauten sind 
ganz einfacher, anspruchsloser Art. Schiff und Chor gehen ohne Absatz in- 
einander über, der Ostschluß ist gerade, drei- oder fünfseitig gebrochen, der 
Westseite liegt ein Turm vor. Das Innere ist mit einer gewölbten odei flachen, 
gelegentlich durch Gemälde verzierten Schaldecke versehen; an der West- 
wand liegt die Orgelempore, von der aus längs der Nord- und Südwand des 
Schiffes Flügel gegen den Altar hin vorgezogen sind. Eine besondere Anord- 
nung zeigt nur Eime (und ähnlich Esbeck), wo die Emporen mit zweigeschossiger 
Stützenstellung rings an den Wänden entlanglaufen und dadurch den Raum 
dreischiffig gliedern (Taf. 17 c, Abb. 15, 20). 

Innerhalb der kirchlichen Ausstattung bilden die mittelalterlichen 
Stücke eine zwar kleine, aber qualitativ beachtliche Gruppe. An die erste 
Stelle gehört ein lebensgroßer Kruzifixus aus der Feldberger Kapelle, der 
sich jetzt im Provinzialmuseum in Hannover befindet (Taf. 21a). Nach den 
nur wenig und linear gegliederten Körperformen, der weichen Bildung der 



EINLEITUNG VII 

Über die Schultern fallenden Haarsträhnen, dem feinfälteligen Lendentuch und 
der im Vergleich zu der hochromanischen Starrheit gelösteren Haltung wird er 
noch in die i. Hälfte des 12. Jahrhunderts zu datieren sein. Bald nach der Mitte 
des Jahrhunderts ist der Weihwasserkessel entstanden, der, in der Nähe des 
untergegangenen Ortes Empna gefunden, heute im Kestnermuseum in Hannover 
ausgestellt ist (Taf i8a). Charakteristisch ist die rahmenlose Anordnung der 
Reliefs auf den Gefäßwandungen. Man darf wohl annehmen, daß es sich 
um eine Hildesheimer Arbeit handelt. Dasselbe läßt sich mit größerer Gewiß- 
heit von einem Kelch mit zugehöriger Patene in der Stadtkirche in Gronau 
sagen, der nun freilich schon in späteste romanische Zeit gehört (Taf. 26a, 27). 
Das verhältnismäßig schlanke Aufsteigen des Kelchfußes, die Kleinheit des 
Nodus und einzelne daran befindliche Ornamentformen (die Eichenblätter, 
eine Lilie auf einem Rotulus) lassen schon den Einfluß der Gotik spüren. 
Um so auffälliger wirkt die Altertümlichkeit der am Kelchfuß angebrachten 
Reliefmedaillons, die aus Matrizen des 2. Viertels des 13. Jahrhunderts ge- 
schlagen worden sind. Bei der Patene mit der schönen Madonnengravierung 
im Spiegel ist es dann trotz der zum Kelch passenden Maße kaum mehr 
möglich, eine gleichzeitige Entstehung anzunehmen, da ihr Stil eine Datierung 
nach etwa 1220 nicht zu erlauben scheint. Aus einem anderen Grunde sind die 
Gravierungen am Kelch selbst interessant. Bei den Darstellungen zwischen 
den Medaillons am Kelchfuß ist nämlich eine während der Arbeit vorge- 
nommene Programmänderung nachweisbar: Die für den einen Zwickel ur- 
sprünglich vorgesehene Halbfigur Christi als Weltenrichter ist aus nicht 
ersichtlichen Gründen nicht zu Ende geführt, sondern mit einem Blattranken- 
ornament überzeichnet worden. Ob die beiden Engel links und rechts aus 
Figuren Mariae und Johannes des Täufers entstanden sind, ist nicht sicher, aber 
möglich. — Aus dem 14. Jahrhundert ist das einzige Stück von Bedeutung, 
eine 1352 datierte Glocke in Sibbesse (Taf. 50a, b). Eine zweite Glocke in 
Esbeck zeigt in Fadentechnik das Wappen der Familie v. Gadenstedt (Taf. 20c). 
Am Anfang des 15. Jahrhunderts steht der Flügelaltar der Stadtkirche in 
Gronau (Taf. 24a, b; 34 d; 28 c), der allerdings nicht für den heutigen Platz 
geschaffen, sondern erst im 18. Jahrhundert aus der Godehardikirche in Hildes- 
heim hierher verkauft worden ist. Trotz mancherlei Erneuerungen ist er auch 
heute noch ein schönes repräsentatives Werk mit der ruhigen, gleichmäßigen 
Reihung der Apostel und Heiligen zu Seiten der (leider ergänzten) Marien- 
krönung in der Mitte. Stilistisch gehört er zusammen mit einem aus der 
Minoritenkirche in Hannover stammenden Altar im Provinzialmuscum. Beide 
müssen kurz vor dem in der Lüneburger goldenen Tafel zuerst in Nieder- 
sachsen belegbaren Eindringen burgundischen Einflusses entstanden sein. 
Die Gemälde auf den Rückseiten der Flügel gehören in die Schule von Meister 
Conrad von Soest. Etwa hundert Jahre nach dem Gronauer Altar ist der- 
jenige in der Kirche in Eime entstanden (Taf. 19). Bemerkenswert ist die das 
Hauptthema bildende Darstellung des schmerzhaften Rosenkranzes. Die 
Szenen sind um die Mittelfigur Mariae herum angeordnet und füllen fast den 
ganzen Schrein. Die restlichen schmalen Seitenstreifen und die Flügel sind 
wieder mit Einzelheiligen, jedoch in der um 1500 üblichen zweigeschossigen 
Anordnung besetzt. Auf den Flügelrückseiten sind bzw. waren Szenen aus 
dem Marienleben und Heiligenlegenden gemalt. Qualitativ schlechter ist em 
dritter etwa gleichzeitiger Altar aus Nordstemmen im Provinzialmuseum, der 
in der Mitte eine figurenreiche Kreuzigung enthält, im übrigen aber der Dispo- 
sition des Eimer Altars folgt, die er auch auf die gemalten Rückseiten der 
Flügel übernimmt (Taf 38, 39b). An Einzelplastik hat sich aus dem Anfang 



VIII EINLEITUNG 

des 15. Jahrhunderts ein Fragment einer Anbetung der heiligen drei Könige in 
der evangehschen Kirche in Mehle erhalten (Taf. 28 dj. Die nach dem Ban- 
telner Kruzifix bedeutsamste mittelalterliche Figur ist eine lebensgroße, um 
1470 datierbare Madonna im Strahlenkranz auf der Mondsichel, die im 19. Jahr- 
hundert aus dem Kloster Haus Escherde nach Mehle gekommen war und jetzt 
als Hochaltarfigur der neuen katholischen Kapelle in Elze dient fTaf. 35b). 
Vortrefflich ist die Verbindung der feinen, mädchenhaften Anmut im Aus- 
druck des Gesichtes mit der vollkommenen Sicherheit der Haltung sowohl in 
geistigem wie auch in rein körperlichem Sinne. Und ebenso vereint sich auch 
bei dem Kinde die Weichheit und Zartheit der kindlichen Körperform mit 
einem freien, selbst-sicheren Sitzen auf dem Arm der Mutter. Ein Hauptreiz 
der Figur ist freilich neuerdings zerstört worden, die alte Fassung, die unter 
späteren Übermalungen verhältnismäßig gut zum Vorschein gekommen 
war. Anläßlich der Aufstellung in Elze ist sie restlos v/ieder zugedeckt worden; 
bei der gleichen Gelegenheit hat man auch die hübsche barocke Blattkrone 
durch eine unleidliche pseudogotische Krone ersetzt ! Etwas später als die Elzer 
Madonna ist ein Vesperbild in der katholischen Pfarrkirche in Gronau, das unter 
der modernen Übermalung ebenfalls eine ungewöhnlich gute Arbeit verrät 
(Taf. 29c). Den Abschluß bildet eine prachtvolle dreifigurige Kreuzigungs- 
gruppe in der Gronauer Stadtkirche (Taf. 35 a). Einfach und zurückhaltend 
sind die Gebärden, die Gewänder dagegen füllt innerhalb des streng ge- 
schlossenen Figurenumrisses ein vielformiges nervöses Leben, das seltsam 
mit der Ruhe ihrer Träger kontrastiert. Der Kruzifixus zeigt eine gewisse Ver- 
wandtschaft mit demjenigen auf der herkömmlich den Brüdern Elfen zuge- 
schriebenen Kreuzigungstafel in der Michaeliskirche in Hildesheim. Kunst- 
gewerbliche Arbeiten vom Anfange und aus der Mitte des 16. Jahrhunderts 
sind eine bronzene Taufschale in Petze mit einer Madonna im Strahlenkranz 
(Taf. 30b) und ein gesticktes Antependium aus Nordstemmen im Provinzial- 
museum Hannover (Taf. 39a). 

Aus dem späteren 16. und aus dem 17. Jahrhundert hat sich eine größere 
Anzahl von Taufsteinen erhalten, von denen die besten diejenigen in MöUensen 
und Sehlde sind (Taf. 47 c, 50 c). Eine ungewöhnliche Art des Dekors zeigt die 
Ausstattung der Kapelle in Heinum um 1600, von der heute leider nur noch die 
Kanzel den alten Zustand bewahrt hat (Taf. 33 d, 34c). Die Wandungs- 
füllungen und die vertieften Füllstreifen der Eckpilaster des Kanzelkorbes 
sind mit einer Holzschnitt-Tapete aus dem 2. Drittel des 16. Jahrhunderts 
ausgeklebt. Auch die Empore und die Altarschranken waren ursprünglich 
gleichartig verziert, doch ist das Papier hier nachträglich abgerissen und über- 
malt worden. Die Grabsteine des Adels und der Pastoren geben den gewöhn- 
lichen Typus mit der Figur des Verstorbenen, stehend oder vor dem Kruzifix 
knieend, darum eine Umschrift; künstlerisch sind sie wenig bedeutend. Das 
gemalte Epitaph des Hinrich v. Rheden und seiner Gemahlin Anna von Oberg 
t 1572 bzw. 1568, in der Kiiche in Rheden (Taf. 46b), stammt von dem gleichen 
Künstler, der in Oberg, Kreis Peine, kurz vorher das Epitaph des Heinrich 
V. Oberg und seiner Gemahlin Veronica v. Enzenberg geschaffen hat. In 
das Gebiet der Volkskunst gehören einige Totentafeln aus der i. Hälfte des 
19. Jahrhunderts in Heinum und Barfelde (Taf. 23 c, d). Ein früheres, besonders 
schönes Werk volkskunstmäßiger Art ist der große, 1695 datierte, hölzerne Kron- 
leuchter in Eberholzen (Taf. I7d). In der allgemeinen Anlage folgt er dem 
Typus der Metallkronen der Zeit, die Einzelformen sind jedoch unter Ver- 
wendung von Volkskunstornamenten frei aus dem besonderen Material heraus 
entwickelt worden. Die einzige stilistisch vergleichbare Arbeit ist ein großer 



EINLEITUNG IX 

hölzerner Standleuchter ( ?), der in sehr beschädigtem Zustand auf dem Dach- 
boden der Georgskapelle in Gronau liegt und vielleicht einen Hinweis darauf 
geben kann, daß die Werkstatt, aus der beide Gegenstände hervorgegangen 
sind, in Gronau gewesen ist. Eine besonders ausdrucksvolle, zeithch nicht ganz 
leicht einzuordnende Arbeit mag noch an dieser Stelle erwähnt werden: Der 
kleine Kruzifixus im katholischen Pfarrhaus in Gronau (Taf. 29 b). Dem ganzen 
Körpergefühl nach ist er vermutlich in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts zu 
setzen, wenn auch die Behandlung einzelner Teile, vor allem des Lenden- 
tuches, einer weit älteren Stilform, von etwa 1540, anzugehören scheint. 

Der Aufschwung des künstlerischen Schaffens gegen Ende des 17. und im 
18. Jahrhundert hat außer der Masse der kleineren Ausstattungsdinge vor 
allem eine Anzahl Altäre hinterlassen. Diejenigen der protestantischen Kirchen 
sind vorwiegend Kanzelaltäre, diejenigen der katholischen Kirchen Bild- 
altäre. Die Elemente des Aufbaues (ein- oder mehrgeschossig) sind gleich- 
wohl in beiden Fällen dieselben: kräftige, den Mittelteil flankierende Säulen, 
darüber verkröpfte Gebälkstücke und Giebelansätze, an den Seitenteilen durch- 
brochene Ornamentanschwünge, davor freiplastische Figuren. Über den 
Durchschnitt hinaus ragen die beiden Altäre in Bethein und Sibbesse (Taf. 4 c ; 
51a, b), von denen der erste für den Bildschnitzer E. D. Bartels in Hildesheim 
urkundlich gesichert ist, der zweite ihm auf Grund der stilistischen Überein- 
stimmungen zugeschrieben werden darf. Durch die Vollständigkeit der 
barocken Ausstattung, die außer den Altären die Orgel, die Kanzel und das 
Gestühl sowie zahlreiche Gemälde und plastische Werke umfaßt, übertriflft 
alle anderen Kirchen die katholische Pfarrkirche in Gronau, die im Jahre i"'i5 
gebaut und in den folgenden Jahren eingerichtet wurde (Taf. 28a, 29a). Einen 
ähnlichen Vorzug bietet für die zweite Hälfte des Jahrhunderts die Kirche in 
Banteln (Taf. 5 b), im Anfang des 19. Jahrhunderts die Schloßkapelle in Brüggen 
(Taf. 7 a). Der sonst leicht so nüchterne Spätklassizismus ist hier in einer ganz 
ausgezeichneten vornehmen und klaren Form vertreten. 

Die Profanarchitektur weist in der Poppenburg ein aus dem Mittel- 
alter stammendes Beispiel auf (Taf. 45 a, b). Den heutigen EindrucK bestimmt 
allerdings die Wiederherstellung des 16. Jahrhunderts nach den Zerstörungen 
in der Stiflsfehde. Der Hauptreiz der Burg besteht in der malerischen Gruppie- 
rung der Bauteile und in ihrer Lage auf der Höhe des steilen Geestabfalles zur 
Leine. Architektonisch einheitlicher sind zwei barocke Anlagen. Vor allem das 
1693 von Friedrich v. Steinberg gebaute Schloß in Brüggen (Taf 6; 7c, d; 
8, 9). Der Architekt ist der Wolfenbütteische Hofbaumeister Korb, den der 
Bauherr als Hofmarschall in Wolfenbüttel durch die für Herzog Anton Ulrich 
ausgeführten Arbeiten kennengelernt haben muß. Der stattliche, breitgelagertc 
Bau ist auf der Hauptfront gegen den Garten mit zwei Eckrisaliten, auf der 
schlichteren Hofseite mit einem Mittelrisalit besetzt. Die Wandflächen sind 
durch vorgeblendete und off"ene Arkaden im Erdgeschoß, durch Kolos^al- 
pilaster und entsprechende, breite Mauerlisenen in den oberen Geschossen 
gegliedert. Sowohl der Aufbau im ganzen (Stockwerkeinteilung) wie die 
dekorativen Einzelheiten sind stark italianisierender Art; nur die Girlanden 
unter den Mezzaninfenstern der Hofseite scheinen auch holländische Ein- 
flüsse zu verraten. Das Innere zeigt teilweise noch recht gut die ursprüngliche 
Raumdisposition ohne Korridore (im Erdgeschoß nachträglich eingeschoben) 
und mit einem Treppenhaus des älteren barocken Typs, bei dem die Treppen- 
läufc in einzelnen Schächten aufwärtsführen (Abb. 7). Der große Gartensaal 
im Hauptgeschoß und einige kleinere Zimmer haben die Stuckdekoration be- 



X EINLEITUNG 

wahrt, für welche der Itahener G. Perinetti verantwortlich ist. Mit dem Schloß 
zusammen gehört übrigens auch die ganze Hofanlage, unter deren Gebäuden 
vor allem das turmartige Torhaus zu nennen ist (Taf. yb). Bescheidener, 
in seiner Art aber gleichwohl eine nach Plan und Ausführung vortreffliche An- 
lage ist das Gut Heinsen am Thüster Berg (Taf. 33a, c). Leider ist das um 
1735 durch den Kammerherrn Christoph Friedrich v. Hardenberg errichtete 
Herrenhaus in neuerer Zeit vollständig ausgebrannt, so daß nur noch die 
Außenmauern alt sind. Neben den beiden Gütern ist als adliges Stadthaus vor 
allem der Engel brechtens che Hof in Gronau von 1590 mit schönen, 
reichen Fachwerkschnitzereien erwähnenswert (Taf. 32c). — Die beweglichen 
Ausstattungsstücke der Profanbauten sind im Laufe der Zeit fast überall ver- 
lorengegangen. Nur in Brüggen ist noch ein Teil der Einrichtung des 18. und 
19. Jahrhunderts vorhanden, darunter eine Anzahl guter Porträts der v. Stein- 
bergschen Familie, des weifischen Herrscherhauses und damit verwandter 
fürstlicher Persönlichkeiten (Taf. 10 a — c). Aus dem alten Herrenhaus in 
Banteln sind schließlich die jetzt Frau Mackiewicz in Banteln gehörigen 
Bilder und Gegenstände aus dem Besitz des während der Freiheitskriege 
auf russischer Seite befehligenden Generals Grafen v. Bennigsen interessant 
(Taf. 3). 

Die Bürgerhäuser sind in den beiden Städten des Kreises mit wenigen 
Ausnahmen (Taf. 32 d) ganz schlicht und unauffällig. Gleichwohl ergibt sich 
vor allem in Elze ein sehr reizvolles Straßenbild, da hier der größte Teil der 
Häuser nach einem Brand im Jahre 1824 in einheitlich klassizistischem Ge- 
schmack aufgebaut worden ist (Taf. 15b). — Die Bauernhäuser zeigen den 
Vierständertypus mit zweigeschossigem Wohnteil, daneben finden sich seit der 
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durchgehend zweigeschossige Anlagen, aus 
denen die Diele herausgenommen und in einen besonderen Wirtschaftsbau verlegt 
worden ist (Eime Nr. 20 und Nr. 6). Vor dem 18. Jahrhundert sind unberührt 
erhaltene Beispiele, abgesehen von dem Kleinhaus Nr. 34 in Banteln, nicht vor- 
handen*). Die alten Leinemühlen und die m^eisten der kleineren Wasser- 
mühlen sind entweder gänzlich erneuert oder doch weitgehend verändert. 
Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet nur die ehemals zu dem Kloster Haus 
Escherde gehörige „Rote Mühle" bei Eddinghausen (Taf. 43 b, Abb. 30a, b), 
deren Zustand noch fast vollständig demjenigen zur Zeit der Erbauung 1724 
entspricht. 



*) Über zwei durch Grabungen von Herrn Kreispfleger Barner festgestellte 
Bauernhofanlagen aus cheruskischer und spätkarolingischer Zeit bei den Wüstungen 
Ledi und Assum vgl. W. Barner, Urgeschichte des Leineberglandes, Hildesh. und Leipz. 
1935 S. 57 und „Die Kunde" 1935 Heft 78. 



Karte des ehemaligen Kreises Gronau 




Maßstab 1 : 300 000 



Platteneigentum u. Druck: 
L. Ravenstein A.-6., Ffm. 



BANTELN 

Dorf. 3 km südwestlich von Gronau auf dem westlichen Geestrande der Leine. 
1278 Einwohner. Haufensiedlung. Kaiser Otto III. schenkte unter dem Zubehör des 
Königsguts Brüggen 997 auch Bantanon an das Kloster Essen (i). 1149 heißt der 
Ort urkundlich Banthenheim (2), 1178 Bantenem (3), 1205 Banthenem (4). 1304 ver- 
kaufte das Kloster Lamspringe, das seit 1149 dort begütert war (2), Grundstücke 
und Zehnten an das Kloster Escherde (5). 1386 beurkundet die Äbtissin Lutgard 
von Gandersheim als Lehnsherrin den Ankauf eines Hofes ghelegeyi to Banthenum 
teghen deme Kerkhove in deme norden durch den Pfarrer der Kirche in Feldberg (6); 
vgl. Feldbergen. Ein Pfarrer von Banteln — nicht mehr von Feldbergen — wird 
zuerst im 16. Jh. genannt (8). Mit dem Patronatsrecht belehnte die Äbtissin von 
Gandersheim seit 1675/76 die Lehnsträger des Gutes, die Herren v. Bennigsen. 

Quellen: Mon. Germ. Hist., Dipl. reg. et imper. Germ. II, Otto III, Nr. 242 
S. 660 Z. 12 (i) — Sudendorf U. B. IX 227, i S. 304 — U. B. Hochstift Hildesheim I 
253 S. 235 Z. 20 (2), 387 S. 372 Z. 26 (3), 601 S. 575 Z. 17 (4); III 1474 S. 705 (5); 
IV 638 S. 350i V 175 S. 98, 1220 S. 796; VI 737 S. 512 f. (6), 1097 S. 738 — U. B. 
Stadt Hildesheim II in6 S. 619 (7) — Kayser, Reformator. Kirchenvisitationen 
S. 336 Anm. 667 (8) — Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83 Hann. II 317, 327 
(9) — Provinzialbibliothek Hannover: Des Kleinen Stifts Hildesheim Städte etc., 
Handschrift XXI 1222 (10) — Registratur des Gemeindevorstandes: Verkoppelungs- 
karte 1818; Pfarrarchiv j Gräflich v. Bennigsensches Familienarchiv zu Banteln j 
Akten im Besitz des Eigentümers von Rittergut Banteln II (vgl. Peters, Archiv- 
inventare S. i — 11). — Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 15, 16 Anm. 5, 20 
— Bertram I S. 219 — Harenberg, Hist. eccl. Gandersh. 1734 — Hennecke, in ,, Un- 
sere Heimat" S. 385, 402, 410, 420 f., 436 ff. — Jahresberichte 1910 11; 1914 15 
bis 1918/19^ 1923 — 26; 1929 — Lüntzel, Alt. Diözese S. 134, 143 — Lüntzel, Ge- 
schichte I S. 79 — Mithoff I S. 9; III S. 252 — Rudorff, in Zs. d. hist. Ver. f. 
Niedersachsen 1858 S. 350 — 52 — Sonne V S. 37 — G. Stölting und B. Freiherr 
V. Münchhausen, Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und 
Grubenhagen, 1912, S. 163 — Vogell, Zs. 1862 S. 375. 



EVANG. PFARRKIRCHE, 

ehemals dem hl. Georg geweiht (Hennecke), 

Einschiffige barocke Bruchsteinkirche mit Westturm, 1785 — 88, nach 
Plänen von Baurevisor Brückmann (frdl. Mitteilung von Herrn Bauassessor 
H. Mewes, Hannover). Lage im Ostteil des Dorfes vor dem Gutsbezirk auf 
einem wenig erhöhten Brink. Von der mittelalterlichen Kirche ist eine 
Grundrißskizze aus dem Jahre 1784 in den Bauakten im Staatsarchiv 
Hannover vorhanden (9). 

ÄUSSERES (Taf. 5a). 

Bruchsteinmauerwerk mit Kalkputz; die vortretenden Eckquader an Turm, 
Schiff und Sakristei, das geschrägte Sockelgesims, die Tür- und Fenster- 
gewände sind Sandwerkstein. Der Turmkörper ist ohne Absatz bis zum 
Kranzgesims hochgeführt. Im Glockengeschoß flachbogige Schallöffnungen; 
in den unteren Geschossen kreisrunde und flachbogige Fenster, letztere auf 
der Südseite schmal und hoch, den Schiffsfenstern entsprechend, auf den 
beiden anderen Seiten kleiner (queroblong). Auf der Nordseite eine flachbogige 



2 . BANTELN 

Tür. — Das Schiff hat einen rechteckigen Chorschluß, an den die Sakristei 
achsengerecht anschheßt. Auf den Langseiten sieben flachbogige Fenster; 
in der Mitte der Nordseite eine gleichartige Tür, verbunden mit einem quer- 
oblongen Oberfenster, das etwas über die Scheitelhöhen der übrigen Fenster 
hochgeschoben ist. Auf den geschweiften Verbindungsplatten die Wappen 
des Grafen Levin August v. Bennigsen (s. Ausstattung Nr. 6) und seiner 
Gemahlinnen in erster und dritter Ehe Friederike v. Steinberg und Amalie 
V. Schwicheldt; beiderseits davon die Bauinschrift in erhabener Kapitale: 
Angefangen lySj und vollendet 1788 aus dem Kirchenvermögen mit Hülfe der 
Gemeine; darüber an der Sohlbank des Oberfensters der Spruch Pred. 4, 7. 
— Rechteckige, eingezogene Sakristei von gleicher Simshöhe und mit glei- 
chem Wandaufriß wie das Schiff. Auf der Nordseite eine Tür, auf der Ost- 
seite zwei Fenster, auf der Südseite der zugesetzte Eingang zu dem ehemaligen 
V. Bennigsenschen Erbbegräbnis (anscheinend um 1830-40 erneuert). — Das 
Schiff hat ein iVlansard d a c h , die Sakristei ein flach abgewalmtes Dach. Die 
ursprüngliche Deckung mit Sandsteinplatten ist 1925 durch Pfannen ersetzt 
worden. Turmhelm mit starker Einziehung in eine achteckige Spitze über- 
geleitet. Wetterfahne ijSj. 




^»^ 



Abb. 1. Banleln. Grundrilj der Kirche. 



INNERES (Taf. 5 b). 

Restaurierung durch Architekt Wendebourg, Hannover, 1910 11. Das 
Schiff ist durch ein am Dachstuhl aufgehängtes hölzernes Spiegelgewölbe ge- 
schlossen. Decke und Wände sind geputzt und geweißt mit gemalten, blauen 
Absetzungen (Ornamentfriesen und -gurten; 1910 11). Im Spiegel rechteckige 
Felder mit stuckierten Rahmenleisten. Fußboden in den Gängen und im 
Chorteil mit Sandsteinplattenbelag; unter dem Gestühl Dielung. 



AUSSTATTUNG. Die Hauptstücke sind gleichzeitig mit dem Kirchenbau. Farb- 
gebung 1910/11 vornehmlich weiß, blau, gold, hellblau und graurötlich marmoriert. 

I. Kanzelaltar (Taf. 5b). H. ca. 7,77 m; B. 4,27 m; T. 0,92 m. Tanne 
und Linde. Eingeschossiger, durch Säulen gegliederter Aufbau; beiderseits 
anschließend Scherwände mit rundbogigen Durchgängen. — Mensa aus 
Backstein, mit hölzerner Deckplatte. 



BANTELN 3 

2. Gestühl. Tanne. — Umwandete Chorsitze, auf der Nord- und 
Südseite an die Altarscherwände anschließend. Tanne. Wandungen mit 
rundbogigen Fensteröffnungen. 

3. Empore, an der West-, Nord- und Südwand des Schiffes. H. 2,78 m. 
Tanne. Eichene Ständer. 

4. Orgel, auf der Westempore. Prospekt-H. ca. 4,20 m; B. 3,85 m. Tanne 
und Linde. Siebenachsiger, dreifach abgestufter Aufbau mit polygonalem 
Mittelturm und dreieckigen Seitentürmen. Schleier, Anschwünge, Aufsätze 
aus Akanthuswerk (Aussägearbeit). Über den Seitentürmen tubablasende 
Putten (je ein Arm ergänzt?). — Mechanisches Werk, erneuert. 

5. Chorschranken. Tanne. In der Mitte ein halbrunder Ausbau mit 
Lesepult. Die Pfosten an den seitlichen Durchgängen sind erneuert (1910). 

Zwei Gemälde; an der Ostwand links und rechts vom Altar. Öl auf 
Leinwand. 

6. Levin August Gottlieb Graf v. Bennigsen, 1745 — 1826, kaiser- 
lich russischer General en chef (Taf. 3 c). H. 2,31 m; B. 1,48 m. Der General 
steht vor einem Landschaftsgrund, die linke Hand ruht am Säbelgriff, 
die rechte hält eine als plan de la bataille de Preusch Eylau donnee le 
26 Sc 27 Janvier 1807 bezeichnete Geländekarte. Auf dem nebenstehenden 
Tisch liegen Hut, Handschuhe und die Schlachtenpläne von Tarentino, Leip- 
zig, Pultuzk, Heilsberg. Die Uniform ist schwarzblau mit rotem, goldgestick- 
tem Kragen, goldenen Epauletten, weißen Hosen. Eine Verfärbung über dem 
Kopf rührt wahrscheinlich davon her, daß der General den Hut zunächst auf- 
gesetzt tragen sollte. Landschaftsgrund fahlgrün und braunrötlich: Weite 
Ebene mit Andeutung eines Gefechtes; weiter im Vordergrunde rechts eine 
Gruppe abgesessener Kosaken. Rötlicher Wolkenhimmel. Links unten si- 
gniert: C. Suhr pinx. Hamburg 181 j Januar. 

7. Christus und Nikodemus. H. 2,05 m; B. 1,43 m. Um 1870. 
Zwei Grabsteine an der Westwand, von den Aufgängen zur Empore 

teilweise überschnitten. Sandstein. 

8. Ba[rbara] van Boventen, f 1572, Fridages na Martini is der 14 Dag 
Novemhris. H. ca. 2,50 m (sichtbar 1,78 m); B. 1,07 m; RT. 0,025 m. Recht- 
eckig mit Segmentbogen-Aufsatz. In der Mitte innerhalb einer rundbogigen 
Blendarkade die Verstorbene mit dem Jungfernkranz im Haar vor einem 
Kruzifix knieend. Gestockter Grund. Arkadenpilaster mit gitterartigem Band- 
ornament und Akanthuskapitälen; im Bogenscheitel ein Puttenkopf. Oberhalb 
davon in erhabener Kapitale die Stelle Matth. 9, 24 (plattdeutsch). Längs 
der Seitenränder je vier Ahnenwappen; sichtbar auf der Vaterseite: v. Bo- 
venten, V. Oldershausen, v. Oberg, Knigge; auf der Mutterseite: v. Stein- 
berg, V. Hanstein, außerdem nicht mehr sichtbar v. Veitheim, v. Boden- 
hausen. Geschrägtes Decksims mit flachen Eckverkröpfungen, verziert durch 
Wellenband- und Akanthusornament. Im Giebelfeld in erhabener Kapitale 
die Namensinschrift. Hinter dem Handläufer des Emporenaufganges ist das 
vorstehende Deck- und Giebelgesims abgeschlagen. 

9. Hieronymus Brant v. Arnstedt [f 1636, 22. X.]. H. (sichtbar) 
1,20 m; B. 0,915 m; RT. ca. 0,015 "i- ^"^ Mittelfeld hält ein Engel ein 
Schrifttuch, darauf in erhabener Kapitale die Namensinschrift (großenteils 
unleserlich) : . . Domherr und ... des hoJien ■ ■ ■ tat aujf ■ ■ ■ äff und ... röhr. 
Beiderseits je sieben Ahnenwappen: auf der Vaterseite sichtbar d. v. Kloden, 
d. V. Kockt; auf der Mutterseite d. v. Fremken, d. v. Rehden (Radwappen), 



4 - BANTELN 

d. V. M(ünch) hausen, [d. v. Haste]«6ecÄ. Oberhalb davon ein querrechteckiges 
Feld mit einbeschriebenem Dreiecksgiebel. In den Zwickeln Puttenköpfe^ 
im Giebelfeld die elterlichen Wappen d. v. Arnstet, die v. Haken. Felder- 
trennung durch schmale, scharrierte Bandgesimse. 

10. Zwei Kronleuchter. Messing. Ende 19. Jh. 

11. Zwanzig Wandarme, an den Emporenstützen, den Chorpriechen, 
an der Altarwand, unter der Orgel. Messing. S-förmig herabgebogene Arm- 
form, teils mit Astansätzen, teils mit Mittelknoten. 18. Jh. 

Altargerät. 

12. Kelch (Taf. iid). H. 15,7 cm; 13,1 cm, Silber vergoldet. Runder 
Fuß mit angelöteter Zarge. Modus mit Rotuln., darauf in erhabenen spät- 
gotischen Minuskeln ihecvs; auf den lanzettförmigen Feldern der Ober- 
und Unterseite flache getriebene Kreuzblumen. Runde Schaftstücke mit 
geometrischen gravierten Ringstreifen. Um 1500. — Patene. 14,2 cm. 
Im Spiegel eine Vierpaßmulde. 

13. Kelch (Taf. II c). H. 20,4 cm; c 14 cm. Silber vergoldet. Sechspaß- 
fuß. Birnförmiger Nodus. Auf der Kuppawandung in Kapitale Spruch auf 
die Erlösung durch Christi Blut. Anfang 18. Jh. — Patene. 13,2 cm. 

14. Kelch. H. 22 cm; 14,7 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß. Ei- 
förmiger Nodus. Auf der Kuppawandung ein graviertes Kruzifix, aus dessen 
Wundmalen das Blut in zwei Kelche tropft. Dazu in Kapitale Spruch nach 
Matth. 26, 16. Desgleichen Spruch am Fuß. Anfang 18. Jh. — Patene. 
13,5 cm. Am Rand (eingerissen) in Kapitale: Esset meine Lieben. 

15. Weinkanne (Taf. 11 d). H. 21,5 cm; 16,2 cm. Silber. Profile, 
Ränder und Oberseite des Henkels vergoldet (stark abgerieben). Zylindrisch 
mit Deckel. Am Henkelrücken und an der Schnauze Perlornament. Auf 
dem Deckel in Cursive: Magdalena Agnehsa v. Bennigsen gebohren v. Steinberg 
Anno lyoß. Am Henkelansatz gravierte Platte mit dem Steinbergschen Wappen- 
tier. Wolfenbütteische Beschau, Jahresbuchstabe C, Meister I M V (Liste I, 23). 

16. Oblatendose (Taf. 11 d). H. ca. 5,5 cm; 12,7:10,2 cm. Silber. 
Grundriß in Form eines sehr verschliffenen, ovalgezogenen Sechspasses. 
Wandungen und Deckel mit getriebenen Tulpen und Irisblüten. Schaum- 
burgische Beschau; Meister DK (Liste I, 22). Um 1700. 

17. Zwei Altarleuchter. H. 25 cm. Messingblech. Runder Fuß mit 
hohem Randwulst und gedrehtem Schaft. Ohne Teller. Um 1700. 

18. Vier Altarleuchter. H. 33,7 cm; 17,2 cm. Kupfer versilbert. 
Runder Fuß, nach oben verjüngter Schaft. Zugehörig zwei dreikerzige Auf- 
steckarme. 2. Viertel 19. Jh. 

19. Zwei Altarleuchter. H. 47 cm; B. 20,5 cm. Linde (?), vergoldet. 
Dreieckige Fußplatte, Palmstiel. Um 1840. 

20. Zwei Altarvasen. H. 35 cm. Porzellan, weiß mit gold. Antiki- 
sierende einhenkelige Form; in der inneren Henkelschlaufe ein Greifenkopf. 
2. Viertel 19. Jh. 

21. Truhe, im Aufgangsraum zur Kanzel. H. 0,63 m; B. 1,08 m; 
T. 0,60 m. Eiche und Tanne. Graubraun gestrichen. Um 1700. 

22. Drei Glocken. Radler, Hildesheim. 1924. — Eine nicht mehr vor- 
handene ältere Glocke war nach Mithoff von Henni Lampen in Hildesheim 
1653 gegossen. 



BANTELN 



PFARRHAUS. 

Zweistöckiger Fach werkbau nördlich neben der Kirche (Taf. 5 a). Vor- 
gekragtes Obergeschoß. Geputzte und geweißte Gefache. Pfannengedecktes 
Satteldach. Senkrecht verbretterte Giebelfelder. Mitte 18. Jh. 



DER EHEMALS GRÄFLICH v. BENNIGSENSCHE BESITZ. 

Eine in der Provinzialbibliothek Hannover befindliche, aus der 2. Hälfte des 17. Jhs^ 
stammende Handschrift „Des Kleinen Stifts Hildesheim Städte etc." führt an zwei 
verschiedenen Stellen das Gut in Banteln auf, und zwar i. in der Liste der „Stiffts- 
erbbürge'' : „Bantelen denen von Witzen [verschrieben für Doetzen] itzo denen 
von Bennigsen", 2. als zum Amte Lauenstein gehörig „Bantelen ein Borg Gesess den 
von Doetzen mit dem Dorflf gibt Landschatz nach dem Hause Gronau" (10). Der 
bei der ersten Erwähnung angedeutete Besitzwechsel v. Dötzum — v. Bennigsen 
erfolgte in der 2. Hälfte des 16. Jhs.: Urkundlich schenkt Johann v. Dötzum unter 
Vorbehalt lebenslänglichen Nießbrauchs unter dem 8. H. 1579 den Brüdern Erich, 
Johann und Jakob v. Bennigsen alle seine Erb- und Pachtgüter, darunter auch 
diejenigen vor Eime, Gronau und Banteln, worüber er keinen Lehnsherren hat 
(vgl. Peters S. 2). Im folgenden Jahre vermachten er und seine Frau Gusta v. Boventen 
an Johann v. Bennigsens Ehefrau Maria v. Gittelde (deren Mutter Anna v. Boventen 
eine Schwester der Gusta v. Dötzum war) u. a. die Erbmühle in Banteln (vgl. Peters 
ebendort). Dieses Dötzumsche Erbe, zu dem außer dem Bantelner Besitz im wesent- 
lichen noch zwei freie Sattelhöfe in Gronau und das alte Stammgut Dötzum gehörten, 
ist dann bis zum Tode des letzten in Banteln lebenden Grafen v. Bennigsen 1893 
in der Hand der Familie geblieben. Damals ging das Majorat, Rittergut Banteln, an 
russische Verwandte über, die es bald darauf verkauften. Nach mehrfachem Besitzer- 
wechsel ist es jetzt Eigentum von Herrn A. Block, Banteln. Der ehemals freie Besitz: 
das Gut Dötzum, die Ländereien vor Gronau, die Mühle in Banteln erbten in weib- 
licher Erbfolge weiter auf die heutige Besitzerin Frau H. Mackiewicz. 

DAS GUT. 
ANLAGE. 

Das Herrenhaus, das Kutscherhaus und die Gärtnerei liegen unmittelbar 
östlich der Kirche am Südende des Gutsbezirkes. Der Wirtschaftshof ist ca. 
500 m nördlich davon entfernt. Zwischen Herrenhaus und Wirtschaftshof 
erstreckt sich längs des Geestrandes des Leinetals der in seiner jetzigen Ge- 
stalt von dem General Levin August Grafen v. Bennigsen zu Anfang des 
19. Jhs. angelegte Park mit prachtvollen und seltenen Bäumen. Über den 
damaligen Zustand von Park und Herrenhaus s. Zusätze und Taf. 2 b. 

GEBÄUDE IM PARK. 

Herrenhaus. Das heutige Herrenhaus ist 1902 03 nach Plänen von 
Architekt Schädler, Hannover, als zweistöckiger, massiver Putzbau errichtet 
worden. — [Das frühere Herrenhaus, an der gleichen Stelle wie das heutige, 
bestand aus zwei aneinandergebauten Teilen: dem Haupthaus um i84o(?) 
und einem Erweiterungsbau von 1869 70 (s. Zusätze). Das alte Haus paßte 
stilistisch etwa zu den Wirtschaftsgebäuden (s. u.); es war zweistöckig und 
mit einem Krüppelwalmdach überdeckt. Die Wandflächen waren verputzt 
und geweißt. Der Erweiterungsbau war neugotisch in unverputztem Back- 
stein angelegt.] 

Kutscherwohnung; südlich vom Herrenhaus. Zweistöckig. Der teil- 
weise (nach Süden) fast ebenerdige Keller und das Untergeschoß sind massiv 
in Bruchstein aufgeführt, geputzt und geweißt; das Obergeschoß besteht aus 
Fach werk mit geputzten und ge weißten Gefachen. Walmdach mit Pfannen- 



6 . BANTELN 

deckung. In den massiven Teilen Zargenfenster; Türgewände Sandstein. 
Im Ostteil der Nordseite vier Strebepfeiler, Rohquader, nachträglich an- 
gelegt. Keller gegen Westen mit Tonne, sonst flach gedeckt. Unterbau i 7. Jh., 
Fachwerkgeschoß anscheinend etwas jünger, 18. Jh. Die Jahreszahlen 
MDCCCXVII und 1818 an der alten Südtür (von der aus eine Treppe in das 
Obergeschoß führt) und an der hochgelegenen Nordtür (zum Untergeschoß) 
können sich nur auf einen Umbau beziehen. 

Gärtnerwohnung. An der Umfassungsmauer nahe der Kirche. Ein- 
stöckig mit Satteldach. Fachwerk, Anfang 19. Jh. Auf der Nord- und West- 
seite sind ältere ca. 0,95 m starke massive Bruchsteinwände in den Bau ein- 
bezogen. — In der Orangerie (20. Jh.) wird ein brauner Steinguttopf auf- 
bewahrt, der zum Überwintern von Petersilie diente und dient (H. 0,59 m). 
Die Wandungen sind zum Einpflanzen der Petersilie durchlöchert. An der 
Gefäßschulter eingeschnitten: Graf von Bensen — i8ig G. B. Oben bestoßen. 
Duinger Arbeit (?). 

Borkenhaus, am Abhang zur Leineniederung. Anlage in Form von 
zwei durch eine Galerie miteinander verbundenen Türmchen; Fachwerk mit 
Borkenverkleidung. Wetterfahne i8g8. In den spitzbogigen Fenstern des 
einen Turmes befand sich eine Sammlung gemalter Glasscheiben des 

17. Jhs.: vor allem bürgerliche Wappen und Hausmarken, daneben ver- 
einzelt Vögel und figürliche Darstellungen. Aus Erhaltungsgründen sind sie 
jetzt zum größeren Teü ins Herrenhaus übernommen, 

WIRTSCHAFTSGEBÄUDE. 

Akten über Neubau und Reparaturen der Ökonomiegebäude 1815 — 50 im Guts- 
archiv (nicht eingesehen); siehe Peters S. 9. 

Die Wirtschaftsgebäude umschließen einen regelmäßigen rechteckigen 
Hof von ungewöhnlicher Weiträumigkeit. Auf der Ostschmalseite liegt das 
Verwalterhaus, nördlich davon ein Wohn- und Werkstattgebäude, südlich 
der Pferdestall; auf den Langseiten befindet sich je ein Kuhstall und eine Scheune, 
dem Verwalterhaus gegenüber auf der Westseite der Schafstall. Die Bauten sind 
bis auf den Kuhstall der Südseite nach einheitlichem Plan gleichzeitig angelegt. 
Bauart massiv aus unverputzten Kalksteinrohquadern. Tür- und Fenster- 
gewände und vortretende Eckquader aus Sandstein. Pfannengedeckte Krüppel- 
walmdächer. An der Straßenseite des Schafstalles eine Sandsteinplatte mit 
dem V. Bennigsenschen Wappen. Um 1840. Der Kuhstall der Südseite ist 
massiv aus Lehmziegeln ( ?) errichtet und verputzt; ohne Eckquader. Walmdach. 

18. Jh. Das Werkstattgebäude ist auf der Süd- und Westseite nachträghch 
in Fachwerk bzw. massiv in Backstein erneuert; Walmdach (ursprünglich?). 
Kleine Füllbauten in Fachwerk 2, Hälfte 19. Jh. Neuerdings sind die Gebäude 
innen modernisiert worden; der ganze Hof ist gepflastert. 

RESTE DEKORATIVER ARCHITEKTURTEILE IM PARK. 

Vier Wappenplatten, im „Rosengrund". H. ca. 0,70 m; B. ca. 0,56 m; 
RT. 0,015 ni- Sandstein. Wappen auf gestocktem Grund innerhalb von 
Blendarkaden; darunter in vertiefter Kapitale die Initialen des Johann v. Ben- 
nigsen (f 1618), seiner Frau Marie v. Gittelde (00 1579, f 1654), seiner Mutter 
Margarete v. Weltze (f 1620) und der Mutter seiner Frau, Anna v. Boventen. 
Ende 16. Jh. 

Vier Platten verschiedener Art, in der Grotte westlich vor dem 
Herrenhaus. Sandstein, a) H. 0,70 m; B. 0,60 m; RT. 0,02 m. Dudelsack- 



BANTELN 7 

blasender Affe auf grob geflächtem Grund; erhabener Randstreifen (oben 
abgearbeitet). Ende i6. Jh. b) H. o,8i m; B. 0,90 m. Inschrift in ausge- 
sparter Kapitale: Ohrister Levin Friedrich von Bennigsen und Henriette Marie 
von Bennigsen geb(o)rne von Rauchhaupt aus dem Hause Trehnitz Anno 
MDCCMDCCLV (!). Rechtsseitig beschnitten, c) Muschelornament und 
Akanthusranken. Rechtsseitig beschnitten. Zugehörig zu b. d) v. Bennigsen- 
sches Wappen 1860. 

Ein Teil der Steine stammt von einem Erker des ehemals v. Bennigsenschen 
Schäferhofes in Gronau (s. dort S. 119). 

TEILE DES EHEMALIGEN INVENTARS DES HERRENHAUSES, 
im Besitz von Frau H. Mackiewicz, Banteln. 

Gemälde. Öl auf Leinwand, ausgenommen Nr. 2. 

1. Levin Friedrich v. Bennigsen (?), f 1762. H. 0,77 m; B. 0,62 m. 
Halbfigur im Küraß. Mitte 18. Jh. 

2. Ältere Dame. H. 0,52 m; B. 0,405 m. Pastell. Brustbild. Um 1790. 

3. Levin August Gottlieb Graf v. Bennigsen, kaiserlich russischer 
General en chef; Sohn des zu Nr. i Genannten (Taf. 3 a). H. 1,01 m; B. 
0,72 m. Dreiviertelfigur. Der Dargestellte sitzt fast frontal; die weiß behand- 
schuhten Hände ruhen auf dem Griff des zwischen die Knie gestellten Säbels. 
Er trägt einen blauen Uniformrock mit roten goldgestickten Ärmelaufschlägen 
und ebensolchem Kragen. Der Grund ist einheitlich olivfarben. Der untere 
Bildstreifen ist angestückt (die Naht verläuft unmittelbar unterhalb der Hände) ; 
gleichzeitig sind oben und an beiden Seiten die um den Spannrahmen ge- 
schlagenen Leinwandränder mit zum Bilde hinzugezogen worden. Die an- 
gestückte Leinwand ist feiner als die ursprüngliche; die Malweise erscheint 
jedoch sehr ähnlich. Links auf der Stuhllehne bezeichnet Geo . . Dawe A. R. 
pinx. & (?) .... (?). Das Gemälde (einschließlich der Vergrößerung) ist 
eine Replik des von Alexander L für die „Kriegsgalerie 1812" im Winter- 
palais in St. Petersburg bestellten Bildnisses (1821 von E. Heitman lithogra- 
phiert); anscheinend war zunächst nur eine Teilreplik geplant, die jedoch bald 
(noch von Dawe selbst?) zu einer Wiederholung des Originals im ganzen er- 
weitert wurde, wahrscheinhch vor 181 8, in welchem Jahre der General Rußland 
verließ und nach Banteln zog. 

4. Marie Leonarde Gräfin v. B. geb. v. Buttowt-Andrzeykowicz 
(1788 — 1855); Gemahlin des Vorhergehenden in vierter Ehe (Taf. 3b). H. 
0,975 nij B- 0,805 m. Dreiviertelfigur. Die Dargestellte sitzt auf einer nied- 
rigen Mauerbrüstung und hält einen großen, die Brust und eine Schulter 
frei lassenden Umhang um sich geschlungen. Das Kleid ist weiß; der Um- 
hang rot, gelb, weiß gestreift mit blauen Blumenranken. Im Hintergrund 
eine waldige Flußlandschaft in gedämpften graugrünlichen Farben. Grauer 
Wolkenhimmel. Rechts unten signiert: 1809 Joa. (?) Oleszkiewicz pin. 

5. Herrenbildnis, H. 0,765 m; B. 0,62 m. Brustbild in dunkel- 
blauer Uniform, i. Viertel 19. Jh. 

6. Kaiserin Katharina von Rußland. H. 0,77 m; B. 0,62 m. Halbfigur 
mit Hermelinmantel, Krone, Lorbeerkranz. Vor der Brust hängt die diamanten- 
besetzte Kette des St. Andreasordens. Kopie, 3. Viertel 19. Jh. 



« BANTELN 

7. Gassenjungenszene. H. 1,32 m; B. 0,98 m. Bräunliche und oliv- 
graue Töne. Stark nachgedunkelt. Spanisch (?) 18. Jh. 

8. Vase (Taf. 3d). H. 0,414 m; D-Fuß 0,163 m; / oberer Rand 0,305 m. 
Porzellan. Kelchförmiger Gefäßkörper mit wulstig übergreifendem ge- 
bauchten Boden, an dem zwei senkrechte Henkel mit Satyrmasken an den 
Ansatzstellen angreifen. Scharf eingezogener, nach unten sich verbreiternder 
Schaft. Quadratische Fußplatte. Auf der weißgrundigen Gefäßwandung 
vorn ein Medaillon mit dem Brustbild der Königin Luise nach dem höchst- 
wahrscheinlich 1802 entstandenen Gemälde von Joh. Heinr. Schröder im Ber- 
liner Schloß (weißes Kleid, dunkelblauer Umhang, blaugrauer Grund), hinten 
in goldener Kapitale der Name Louise^ darüber und darunter Palmetten. Um 
das Bildnismedaillon, an der Fußplatte, am oberen Gefäßrand goldene Pal- 
mettenfriese auf rosa Grund. Die Oberseite der Fußplatte ist hellblau; Schaft 
und Gefäßboden sind dunkelrot marmoriert, die Henkel, die Oberseite des 
Gefäßrandes und andere Einzelheiten vergoldet. Im Boden der Berliner 
Manufakturstempel. Überlieferungsgemäß Geschenk der Königin an General 
L. A. Graf v. Bennigsen im Jahre 1806. 

9. Verschiedene Gegenstände aus dem Besitz des Generals 
Grafen v. Bennigsen; u. a. sieben Schnupftabaksdosen, der Katharinen- 
orden mit Steinen, Uniformstücke. 

10. Ring (Taf. iif). 0,028 m. Gold. Vierkantiger Reif mit schwarz 
eingelegtem feinen Rollwerkornament. Rechteckiges Siegelfeld mit geschrägten 
Ecken. Siegelstein aus Bergkristall mit dem v. Bennigsenschen Wappen und 
der Umschrift: Her Jokan Levin v. Bennisen. Im Goldgrund unter dem Berg- 
kristall datiert 1608. Gefunden bei Straßenarbeiten in Halberstadt und von 
der Stadt dem letzten Grafen v. B. auf Banteln zum Geschenk gemacht. Der 
Ring stammt danach von Johann Levin v. B., Domherrn zu Halberstadt 
(t 1643). 

MÜHLE. 

Im Jahre 1399 urkundlich erwähnt (7). Eigentümer: Frau H. Mackiewicz, Herr 
Direktor H. Saucke. 

Der jetzige massiv in Backstein aufgeführte Bau stammt von 1873. ^^^ 
vordem an der gleichen Stelle stehende Mühle war nach einer Photographie 
(Taf. 5d) ein schlichtes bruchsteinernes Gebäude mit Fachwerkgiebeln und 
pfannengedecktem Satteldach. Sie soll 1806 gebaut gewesen sein, war aber 
im Kern sicher älter, 16. /17. Jh. Sie hatte fünf Mahlgänge mit unter- 
schlächtigen Rädern, die durch einen hölzernen, strohgedeckten Umbau ge- 
schützt waren. Auch eine Ölschlägerei war eingebaut (frdl. Mitteilung von 
Herrn Direktor Saucke). 



DORFHÄUSER. 

Nr. 33. Zweistöckiges Fachwerkhaus mit einem im rechten Winkel an- 
gesetzten Stallgebäude. Geputzte und geweißte Gefache. Pfannengedecktes 
Satteldach. Obergeschoß und Giebel sind auf der Stirnseite des Wohnteils 
vorgekragt; unter der Giebelschwelle Volutenkonsolen; Füllhölzer mit Tau- 
und Schiffs kielornament. Anfang 17. Jh. Tür und Erdgeschoßfenster 
sind erneuert (18. und 19. Jh.). Die übrigen Seiten sowohl des Wohn- wie des 
Stallteiles (letzterer mit durchgehenden, weitgestellten Ständern) sind stark 
verändert. 



BANTELN 9 

Nr. 34. Anderthalb Geschosse. Fachwerk mit durchgehenden Ständern. 
Geputzte und geweißte Gefache. Satteldach. Eine Dieleneinfahrt fehlt. 
Neben der Haustür ein Riegel mit Inschriftrest in ausgesparter Kapitale: 
. . . [An Gott] es Sen (= Segen?) ist alles gelegen . . . . ■ Bok ■ Ilsebei ■ Borken • / 
.... alezeit • Anno 16^4. Fachwerkanbauten mit Pultdächern 19. Jh. 

Nr. 32a. Zwei Geschosse. Fachwerk mit geputzten und geweißten Ge- 
fachen. Am rückwärtigen Ende ist eine Quertenne nachträglich angefügt. 
Pfannengedecktes Satteldach. 2. Hälfte 18. Jh. 

Nr. 13. Typ Nr. 32a ohne Diele. Erdgeschoß teilweise massiv erneuert. 
Gleichzeitig. 

Nr. 12. Derselbe Typ. Obergeschoß und Giebel nach der Straße zu 
vorgekragt. Zwei Wohnungen mit zwei Haustüren. Rechts längsseits unter 
Schleppdach nachträglich angefügte Diele. Gleichzeitig. 

Nr. 69c. Derselbe Typ. Krüppelwalmdach. Giebelfelder senkrecht 
verbrettert. Ende 18. Jh. 

„SCHWEDENSTEIN', 

am Leineufer ca. 500 m südlich der Mühle in einer Wiese. H. ca. 0,72 m; 

B. 0,39 m. Kalkstein. Giebelförmig abgeschrägte Stele. Inschrift in vertiefter 

. Kapitale: Anno 1642 Arent Knoke. Darunter der obere Teil eines 

■^f^ Kreuzes. Der Stein ist danach etwa ein halbes Meter eingesunken. In 

i^ der Spitze eine Hausmarke. — Der wilde Rosenbusch, unter dem 

'^ '^'^ der Stein steht, ist anscheinend gleichzeitig mit ihm gepflanzt. Ehemals 

hatte er ca. 8 m im Durchmesser; vor etwa 20 Jahren wurde er abgehauen, 

hat aber aus der Wurzel frisch getrieben. 



BARFELDE 

Dorf. 3I4 km östlich von Gronau. 615 Einwohner. Straßensiedlung. Urkundlich 
1013 (bzw. 1022) Berevilti (2), Berevilte, Berevelte (i); im 13. Jh. zumeist Bervelte 
(z. B. 3, 4, 6). 1022 bestätigte Kaiser Heinrich II. dem Michaeliskloster in Hildes- 
heim u. a. den Besitz der Kirche in B., die also im ersten Viertel des 11. Jahrhunderts 
schon bestanden hat. Das Patronatsrecht übten die Mönche bis zur Aufhebung 
des Klosters aus. 1258 wird ein Pfarrer Eckehardus de Bervelte genannt (5). 

Quellen: U. B. Hocbstift Hildesheim I 68 S. 69 Z. 5 (i), 69 S. 72 Z. 14 (2); 
II 102 S. 45 (3), 336 S. 154 (4), 658 S. 330, 964 S. 482, II IG S. 551, 1116 S. 555 (5), 
1130 S. 560 (6)i IV Register S. 854; V S. 892^ VI S. 1031 — U. B. Marienrode 12 
S. 26 (4), 23 S. 37, 25 S. 42 (6) — Verzeichnis der Einkünfte in Kayser, Reform. 
Kirchenvisitationen S. 220 — Registratur des Gemeindevorstandes; Archiv der ev. 
Pfarre. Vgl. Peters, Archivinventare S. 11. — Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat 
S. 34, 73 Anm. 20 — Beiträge 2 S. 179 — Bertram I S. 161, 281; II S. 398; III 
S. 95 — Hennecke in „Unsere Heimat" S. 377, 392, 402, 418, 420, 439 — Hütte- 
bräuker. Das Erbe H. d. L. S. 64 — Jahresbericht 1913 14 — Lauenstein S. 289 f. 
— Lüntzel, Alt. Diözese S. 142, 288, 434 Anm. 24 — Mitholf III S. 19 — Mithoff 
Zs. 1864 S. 304 — Sonne V S. 40 — Starcke S. 74. 

EVANG. PFARRKIRCHE. 

Einschiffige barocke Bruchsteinkirche von 1738 mit Westturm von 1880. — 
Lage auf einem geschlossenen Platz zwischen der Pfarre an der Hauptstraße 



10 



BARFELDE 




Abi). 2. l{aii(lde. (jnindriß der Kirche. 



und der Schule an der nördlichen Parallelstraße des Dorfes. Im Südwesten 
vor der Kirche das Kriegerdenkmal 1914-18. 

ÄUSSERES (Taf. 5c). 

Schiff mit dreiseitigem Ostschluß. Das Mauerwerk ist in Kalk verputzt. 
Tür- und Fenstergewände sowie das geschrägte Sockelgesims sind aus Sand- 
werkstein. Hauptgesims in Holzschalung. Flachbogige Fenster mit vorsprin- 
gender Verdachung: auf den Langseiten fünf, auf den Chorseiten je eins. 
In der ersten und fünften Achse der Südseite flachbogige Türen, bekrönt 
von gebrochenen Volutengiebeln. Am Türsturz und in der Frieszone Inschriften 
in ausgesparter Kapitale; an der östlichen Tür: Die Mauer um das Schör (! ) 
bis auf den Kleinen Stein an iener Seite ingleichen die obere Thur mit Steinhauer 
Arbeit hat zur Ehre Gottes auf bauen lassen M. Johann Philipp Müller Anno 
MDCC XXXVIII — I. Chron. 30, 17; an der westlichen Tür: 2. Chron. 6, 20 
und Joach. Diederich Dusterdieck Pastor Altaristen Joh. Schwetie . . . .e Joh. Ph. 
Müller Anno IJ38 — Jehova-Name hebräisch und Spruch. Beiderseits der 
Türen ist das Sockelgesims heruntergekröpft. Sonnenuhr über dem Mittel- 
fenster der Südseite mit der Inschrift: Bissen Stein habe ich der Kirchen zur 
Ehre Gottes machen lasen Henig Müller 1738. — Der Turm hat massives, 
zementverputztes Mauerwerk. Er ist an Stelle eines bei Mithoflf näher be- 
schriebenen, mit einem Quersatteldach gedeckten romanischen Turmes (an- 
scheinend aus der 2. Hälfte des 12. Jhs.) errichtet. Ob im Mauerkern noch 
Teile der alten Anlage erhalten sind, ist nicht zu unterscheiden; alle äußerlich 
sichtbaren Teile stammen von 1880 (Baudatum am unteren Westfenster). 
— Pfannengedecktes Satteldach, auf der Ostseite abgewalmt. Kehlbalken- 
konstruktion mit mittlerer Hängesäule; Binderanlage. Turmhelm mit 
Schieferdeckung, in achteckiger Spitze ausgezogen. Wetteifahne 1880. 



INNERES (Taf. 4d). 

Der Schiffsraum wird durch eine segmentbogenförmige hölzerne Tonne 
geschlossen. Sie ist graublau gestrichen; längs der Hauptachse sind drei 
Deckengemälde von quadratischer bzw. rechteckiger Form mit leicht ausge- 
wölbten Seiten angeordnet: In der Mitte die Blendung Sauls (□ ca. 4,50 m), über 
dem Chor die Himmelfahrt (ca. 4,50 : 2,50 m), über der Orgel ein Engelkonzert 
(ca. 4,50:2,50 m). Um 1738; alle drei Gemälde stark übermalt; Hauptfarben 
graublau, gelbbraun und rot. — Wände geputzt und gelblich getönt (erneuert). 



BARFELDE 11 

Fußboden mit Sandsteinplattenbelag. Vor dem Altar ein läuferartiger Streifen 
aus modernen Kunstfliesen. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung 20. Jh. vorwiegend rot und grau, dazu weiß, gold, 
schwarz. An der Sakristei außerdem Rankenmalereien, grünbraun und weiß. 

1. Kanzelaltar. H. 8,70 m; B. ca. 4,17 m; T. ca. 0,64 m. Linde und 
Tanne; Profile Eiche. Zweigeschossiger Aufbau. Im Hauptgeschoß der fünf- 
seitig vortretende Kanzelkorb. Beiderseits Säulen mit verkröpftem Gebälk, 
in das der Schalldeckel einbezogen ist. Im Obergeschoß zwischen Säulen 
ein Gemälde der Grablegung (H. ca. 1,45 m; B. ca. 0,82 m; Öl auf Leinwand; 
schmutzigdunkle Farben). In der Predella entsprechend das Abendmahl. 
Anschwünge aus Akanthus- und Bandelwerk. Akanthusranken und -schnüre 
am Kanzelkorb und in der Sockelzone. Gesamtanlage 2. Hälfte 18. Jh. 
Das ornamentale Schnitzwerk ist anscheinend von einem älteren Altar über- 
nommen: Die Anschwünge sind im Verhältnis zur Geschoßhöhe (Haupt- 
geschoß) zu kurz und deshalb nachträghch oben angestückt; um 1720. Die 
Säulen, die Bekrönungslünette, die AkanthusfüUsel zwischen Hauptgebälk 
und Obergeschoßanschwüngen sind gegen Mitte des 19. Jhs. erneuert. — 
Mensa. H. 1,33 m; B. 2,04 m; T. 1,41 m. Gemauert und verputzt. Sand- 
steinerne Deckplatte mit steil gekehltem Profil. Gotisch; im 18. Jh. über- 
arbeitet. — Beiderseits des Altares Scherwände mit darüberliegender 
Empore. Emporenbrüstung mit verkröpften Füllungen, i. Hälfte 18. Jh. 
Auf der Rückseite der Brüstung ist unter der modernen Übermalung die alte 
gemalte Jahreszahl 1786 sichtbar, die wohl auf eine Renovierung zu beziehen 
ist. Die Türen rechts und links der Mensa gehören mit der unteren Empore 
im Schiff zusammen (5 a). Ende 18. Jh. 

2. Taufe; vor dem Altar. H. 1,04 m; 0,585 m. Sandstein. Achteckiger 
Schaft auf viereckigem Sockel mit abgeschrägten Ecken. Achteckiger ge- 
bauchter Kessel mit breitem Abschlußgesims. An den Wandungen Putten- 
köpfe, am Gesimsfries in ausgesparter Kapitale Es. 12, 3 (lateinisch), Anno 1663. 

3. Gestühl. Tanne. Mitte 19. Jh. 

4. Umwandete Sakristei und Pastorenprieche, auf der Nord- und 
Südseite an die Altarscherwände anschließend. Tanne und Eiche. Auf den 
Wandungen unten Füllungen mit erhabenem Spiegel, darüber rechteckige 
Fenster. 2. Viertel 19. Jh., nach älterem Vorbild? — Chorgestühl. Tanne. 
Mitte 19. Jh. 

5. Emporen, im Schiff (Taf. 4d). Eiche und Tanne, a) Die untere 
Empore an der West-, Nord- und Südwand. H. ca. 3 m. Brüstung mit 
querachteckigen Füllungen. Viereckige Stützen mit starker Schwellung auf 
hohen Sockeln. Ende 18. Jh. Aufgang mit gelb gestrichenen Docken, An- 
fang 18. Jh. b) Die Orgelempore vor der Westwand. H. ca. 5,44 m. Flach- 
bogig eingeschwungene Brüstung mit ähnlichen Docken wie am Aufgang 
zur unteren Empore. Treppe zur Orgelempore mit Brettdocken. Ende 
18. Jh. Brüstungsdocken, Anfang 18. Jh. 

6. Orgel, auf der Orgelempore (Taf. 4d). Prospekt. H. 3,41 m; B. ca. 
3,90 m. Tanne und Linde. Fünf Achsen mit polygonalem Mittelturm und 
dreieckigen Seitentürmen. Schleier, Anschwünge und Aufsätze aus Akanthus- 
werk. Um 1738. Pneumatisches Werk 1904. 

7. Altarschranken. Tanne und Eiche. Rahmen 19. Jh. Docken An- 
fang 18. Jh. 



12 BARFELDE 

8. Kruzifix, Sakristei. Korpus-H. 0,47 m; B. 0,365 m. Linde. Alte 
Bemalung weiß mit Blutstellen. Dornenkrone mattgrün (beschädigt), Lenden- 
tuch teilvergoldet. Anfang 18. Jh. Kreuz-H. 0,70 m. Tanne, schwarz ge- 
strichen 19. Jh.; Titulus 18. Jh. 

9. Fünf Totentafeln; auf dem Boden. Oblonge Tafeln aus verschie- 
denem Holz mit geschweiftem, ausgesägtem Umriß. Bei a) als Bekrönung 
ein plastischer Engelkopf, bei b — e jeweils eine Plattform für den Totenkranz 
oberhalb der Inschrift. Die Inschrift mit Namen, Lebensdaten und verein- 
zelt einem Spruch ist in Rot auf bunt gesprenkeltem Grund (a) und in Weiß 
auf schwarzem bzw. tiefblauem Grund gemalt (b, d, e) oder aber auf weißes 
Papier geschrieben (c). a) H. 1,29 m; B. 0,64 m. Engel Maria Willmiena 
Pinkerneils, * 1825, f 1829. b) H. 0,46 m; B. 0,23 m. Herm. Heinr. 
Chr. Bartels, * 1779, f ■ •• (?)• c) H. 1,10 m; B. 0,55 m. Louise Carol. 
Brunotte, * 1830, f 1840. Inschriftpapier zerrissen, d) H. 0,96 m; B. 0,44 m. 
Math. Colle, t> 1859. e) H. 1,04 m; B. 0,51 m; Ernst, Hermine und Carl 
Brinkmann, f 1868/72/74, 

10. Kronleuchter. H. ca. 0,68 m; 3 ca. 0,65 m. Messing. Zwölf 
S-förmig herabgebogene Arme von ovalem Querschnitt mit eiförmigen Knoten 
in zwei Kränzen. Zwischenglieder im unteren Kranz: Waagerechte geperlte 
Voluten mit eiförmigen Aufsätzen. Zwischenring mit Ziervoluten. Krönender 
Doppeladler. Kugel; daran in Kapitale Stiftungsinschrift des Daniel Brandes 
und der Henni Remmers 1661. Haltering und Lichttüllen modern. 

Altargerät. 

11. Kelch. H. 15 cm; 9,3 cm. Zinn. Runder Fuß, eiförmiger Nodus. 
Anfang 19. Jh. — Patene. 10,5 cm. Stempel (verwischt): Engel im 
Oval mit den Buchstaben I F und C F (Liste II, 22). 

12. Oblatendose. H. 13,5 cm; .: locm. Zinn. P ■ F ■ H ■ E- 1740. Engel- 
stempel: E. Block Tinn, Jobst Ludw. Flegel 1725; teilweise verwischt (Liste 
II, 17). 

13. Taufschale. H. 2,7 cm; 30,6 cm. Zinn. Auf dem Rand: Johann 
Gottlieh Ludewig Schwätze IJ64 — Mark. 16, 16. Hildesheimer Beschau 49, 
doppelt; Meister B N H (Liste II, 12). 

14. Taufwasser-Wärmflasche. H. 24 cm; 10 cm. Zinn. Zy- 
lindrisch mit Schraubverschluß. Anfang 19. Jh. (?). 

15. Zwei Altarleuchter. H. 24,4 cm; 17,9 cm. Zinn. Runder Fuß, 
Knotenschaft. Auf der Tropfenplatte zwischen Fuß und Schaft in Kapitale : 
a) Behrent Almsthed, h)Henny Möller ijoo. Hildesheimer Beschau 49, doppelt; 
Meister A F (Liste II, 6). 

16. Zwei Vasen (Taf. 11 b). H. 29,7 cm; B. 19 cm. Porzellan. Eiförmiger 
Vasenkörper mit abgesetztem, breitem Halsglied und hochgewölbtem runden 
Fuß. Doppelhenkelig. Weiß mit blauer Bandelwerkmalerei. Wrisberg- 
holzener Manufaktur. Um 1750. Fußrand etwas bestoßen. 

17. Zwei Vasen (Taf. 11 a). H. 16 cm; B. 11 cm. Ähnlicher Typ wie 
Nr. 16, jedoch mit verschliffeneren Übergängen zwischen Fuß, Gefäßkörper 
und Hals. Blumenmalerei. 2. Hälfte 18. Jh. 

18. Altarbibelpult. H. 18,5 cm; B. 37,5 cm; T. 29,5 cm. Eiche (und 
Tanne?), braun gefleckelt mit stumpfroten Profilen. Auf die Schräge auf- 
geklebt Inschriftzettel vom Jahre 1856. 



BARFELDE 13 

19. Opferstock, hinter dem Altar. Eiche, weiß gestrichen. Eisenbe- 
schlagener Kasten auf viereckigem Ständer. Am Ständer in ausgesparter 
Kapitale: Julius Blome 1649 (?, 2?) und ein Spruch; der Kasten ist wahr- 
scheinlich jünger, 18. Jh. 

20. Truhe; Pfarrhaus. H. 0,545 ni; B- IjO^ m; T. 0,64 m. Eiche; dunkel 
gebeizt. Ende 17. Jh. 

21. Glocke. 00,95 m. Am Hals zwischen Ringstegen und Kreuzblumen- 
friesen in gotischer Minuskel : f Jhesus • Maria ■ Joannes • Gherhardus • de • 
Wou • nie • fecit ■ anno • domini ■ MCCCC ■ ende • XXIII • laus • deo • 

22. Zwei Glocken von Radler, Hildesheim. 1922 und 1923. 

HAUS NR. 15 (Taf. 4b). 

Zweistöckiger Fachwerkbau mit vorgekragtem Obergeschoß. Geputzte 
und geweißte Gefache. Satteldach; nach Süden weit überstehend und durch 
geschweifte Kopfbänder abgestützt. Das rückwärtige, Wohnzimmer ent- 
haltende Drittel des Hauses springt nach Süden um ein Fach vor, auf der 
Nordseite ist es um zwei Fächer zurückgezogen. Im Winkel zum vorderen 
Hausteil ist hier unter einem Schleppdach ein zweistöckiger Anbau angefügt; 
vielleicht gleichzeitig. Das Erdgeschoß des Anbaues ist massiv erneuert; 
es enthielt ehemals einen Stall, jetzt ist darin eine Schmiede. Klein viehstallung 
unter Pultdach an der Westseite. Eine Diele fehlt; auch der vordere Hausteil 
dient Wohnzwecken. AngebHch von 1830; die gequaderten Eckständer an 
der Straßenfront und an der südöstlichen Ecke des rückwärtigen Teiles deuten 
jedoch auf den Anfang des 18. Jhs. 1830 Renovierung? Neu gestrichen. 

WASSERMÜHLE; 

an der Dorfstraße, gegenüber dem Pfarrhof. Überlieferungsgemäß ehemals dem 
Kloster Marienrode, Kreis Marienburg, gehörig. Zweistöckiger Fachwerkbau 
Mitte 19. Jh. Zwei oberschlächtige Räder für Mahl- und Sägebetrieb. 



BETHELN 

Dorf. 3U km nördlich von Gronau. 664 Einwohner. Straßensiedlung. Ur- 
kundliche Na'mensformen 1022, 1151 Betenum (2, 5), 1125, 1131, 1221 Betenheim, 
Bethenem (3, 4, i). 1131 wird die Kirche von Bischof Berthold dem Stift Backenrode 
geschenkt (4); 1293 erkennt Bischof Siegfried das Kloster Marienrode als Besitzer 
an (9). Von letzterem wird sie 1296 auf Bitten des Bischofs an das Kloster Escherde 
abgetreten und ihm einverleibt (11). 1236 ist ein Tancradus sacerdos de Bethenem 
erwähnt (6), zwischen 1258 und 1295 mehrfach der Pleban Bodo (z. B. 7, 8, 10); 
sein Siegel ist an einer Urkunde von 1285 erhalten (12). 

Quellen: Sudendorf U. B. I 577, i S. 296 Z. 18 f. (i) — U. B. Hochstift Hildes- 
heim I 68 S. 69 Z. 5 (2), 183 S. 164 Z. 2 (3), 195 S. 178 Z. 21 (4), 275 S. 258 Z. 16 
(5). 763 S. 715 Z. 10 f. (i); II 102 S. 45, 469 S. 226 (6), 1062 S. 528, 1116 S. 555 
(7); III u. a. 713 S. 370 (8j, 970 S. 485 (9), 1076 S. 531 (ig), ferner 1087—90, I093> 
1094, 1096 — U. B. Marienrode i Z. 36 S. 3 (3), 3 Z. 47 S. 8 (4), n Z. 47 S. 25, 
97 Z. 28 S. 109 (11) — Verzeichnis der EinKünfte in Kayser, Reformat. Kirchenvisi- 
tationen S. 221 f. — Archiv des Gemeindevorstandes und der evangelischen Pfarre; 
vgl. Peters, Archivinventare S. 12 f. — Staatsarchiv Hannover: Originalurkunde, 
Moritzstift Hildesheim Nr. 48 (12) — Hann. Des. 83 Hann. VII (243) 597. — 



14 



BETHELN 



Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 39, 42, 53 — Bertram I S. 244, 303 — 
Hennecke in „Unsere Heimat" S. 377, 381, 384, 395, 411, 420, 437 ff. — Jahres- 
berichte 1913/14; 1923 — 26; 1928; 1929 — Lauenstein S. 291 — Lüntzel, Alt. 
Diözese S. 241, 290 — Lüntzel, Geschichte I S. 79 — Mithoff HI S. 20 — Mithoff 
Zs. 1864 S. 304 — Sonne V S. 53 — Starckc S. 74 f. 



EVANG. PFARRKIRCHE; 

nach Hennecke ehemals vielleicht dem hl. Andreas geweiht. 

Einschiffige Bruchsteinkirche, nach einem durch Blitzschlag verursachten 
Brand der älteren Kirche inschriftlich 1733 erbaut. Der Turm ist 1792 vor 
die Westfront vorgesetzt worden. — Lage auf dem eingeebneten Friedhof 
inmitten des Dorfes. 




Abb. 3. Bctheln. Grundriß der Kirche, 



ÄUSSERES (Taf. 4a). 

Schiff zu vier Achsen mit fünfseitigem Ostschluß. Die Wandflächen 
zeigen Reste steinsichtigen Kalkputzes. Geschrägtes Sockelgesims und vor- 
tretende Eckverzahnung in Kalkwerkstein; Kranzgesims in Holzschalung. 
Rundbogige Fenster; Gewände unten Sandstein, im oberen Viertel Kalkstein. 
In der ersten und vierten Achse der südlichen Langseite rechteckige Türen 
mit horizontalen Verdachungen; Gewände Sandstein, Verdachungen Kalk- 
stein. Am Gebälkfries in ausgesparter Kapitale: a) i. Mos. 28, 17. 19, b) 
Offenb. Joh. 4, 11 — In Jahr Christi 1733 ist dieses Gotteshaus unter göttlichen 
Segen erhauet Pastor p(ro) t( empöre) Christoph Joachim Schmoen Altaristen 
Bened : Lanckop und Hans Rössing. Türflügel mit erhabenen geschweiften 
Füllungen; diejenigen des östlichen Einganges tragen die Namen J. M. Schae- 
fers H. Rössing. — Sakristeianbau an der Ostwand des Chores. Ende 
19. Jh. 

Der Turm wird durch einen Rücksprung mit geschrägtem Profil in Höhe 
der Traufkante des Schiffes gegliedert. Putzreste, hölzernes Kranzgesims. Vor- 
tretende Eckverzahnung und geschrägter Sockel wie am Schiff, jedoch sind 
die Werksteinteile durchgehend aus Sandstein. Rundbogige Schallöffnungen 
und Fenster (Südseite). Flachbogige Westtür, darüber auf einer Sandstein- 
platte in erhabener Kapitale: Diesen Thurm liesen hauen die Gemeinde von Be- 
telen und Edinghausen im Jahre 1792^ der Bauaufsehe wahr Johann Heinrich 
Ohlmer der Mauer und Steinmeister Heinrich Oetscher (?) aus Hildesheim. 



BETHELN 15 

Pfannengedecktes Satteldach, nach Osten abgewalmt. Kehlbalken- 
konstruktion mit liegendem Stuhl und Hängesäulen. Binderanordnung. 
Turmhelm mit achteckiger, ehemals offener Laterne über steilem Anschwung 
und abschließender Haube. Schieferdeckung. 

INNERES. 

Schiffsraum mit hölzerner Muldendecke. Bemalung weiß mit violetten, 
blauen und gelbbraunen Ornamentstreifen (1925). Wände geputzt und ocker- 
farbig getönt (1925). Zementfußboden (1885). 

AUSSTATTUNG. Farbgebung 1925. 

1. Kanzelaltar (Taf. 4c). H. ca. 8,40 m; B. 1,09 m. Linde und Tanne. 
Bemalung weiß und gold auf blaugrauem Grund. Zweigeschossiger Aufbau 
mit gedrehten, girlandenumwundenen Säulen, verkröpften Gebälkstücken und 
darüber im Hauptgeschoß volutenförmigen Giebelansätzen. Dreiseitig vor- 
tretender Kanzelkorb; an den Wandungen und zu beiden Seiten an der Altar- 
rückwand die Figuren Christi und der vier Evangelisten; längs der Ecken 
Blattschnüre. Links und rechts der Kanzeltür stehende Engel (die nach der 
Mitte zu ehemals erhobenen Arme fehlen); auf dem Schalldeckel, der in das 
durchgeführte obere Gebälksims einbezogen ist, ein sitzender Engel mit Kelch. 
Vor den schmalen Seitenteilen des Hauptgeschosses die Figuren Moses' und 
Johannes des Täufers, auf dem Gebälk über ihnen Petrus und Paulus. In der 
Mitte des Obergeschosses ein Gemälde des Gekreuzigten (Öl auf Leinwand ?) ; 
zu beiden Seiten die plastischen Figuren Mariae und Johannis. Über dem 
Bild ein flachbogiger Abschlußbügel mit Puttenkopf im Bogenfeld. Bekrö- 
nungsfiguren : der triumphierende Christus und zwei anbetende Engel. In 
der Predella eine Nische mit plastischer Abendmahlsgruppe. Akanthus- 
anschwünge. Nach Eintragung im Kirchenrechnungsbuch 1734 aufgestellt; 
als Meister wird ein Bildhauer „Barthens" genannt, womit zweifellos Ernst 
Dietrich Bartels in Hildesheim gemeint ist. — Veränderungen: Das Kreu- 
zigungsbild ist wahrscheinlich um 1800 übermalt und durch seitliche Vorhang- 
bretter gerahmt worden. Kleinere Beschädigungen finden sich an den ge- 
schnitzten Teilen. — Mensa. H. 1,55 m; B. 1,95 m; T. 1,33 m. Gemauert 
und verputzt. Kalksteindeckplatte mit steil geschrägtem Profil und einer 
Reliquiengrube. Weihekreuze sind nicht mehr vorhanden. Spätgotisch, 
barock überarbeitet. — Scher wände zu beiden Seiten des Altares. Ende 
19. Jh. Sie ersetzen die ursprünglichen, mit dem Altar gleichzeitigen Scher- 
wände, von denen nur die Akanthusschnüre und Akanthuskartuschen neben 
und über den beiden Türen übernommen worden sind (Grundriß der alten 
Anlage mit umbauten Sitzen längs der Chorschrägen im Pfarrarchiv, auf- 
genommen 1885). 

2. Gestühl. Tanne, grün gestrichen, i. Hälfte 19. Jh. 

3. Emporen. Tanne, grau und gelb gestrichen. Gotisierend. 1885. 
Die untere Empore ist an der West-, Nord- und Südwand des Schiffes ent- 
langgeführt, die obere Empore liegt vor der Westwand. 

4. Orgel, auf der unteren Empore. Prospekt bündig mit der Emporen- 
brüstung. 1885. 

5. Büste einer weiblichen Heiligen; im Pfarrhaus. H. 0,37 m. Eiche, 
abgelaugt. Hinten und an der linken Seite glatt abgeschnitten. Nase und 
Schädelplatte teilweise abgeschlagen. Anfang 18. Jh. Aus dem benachbarten 
ehemaligen Kloster Haus Escherde. 



16 BETHELN 

6. Grabplatte des Christoph Joachim Schmöe, * 1692 zu Salza, 
t 1767, 22. VIII., 49 Jahr „Priester" in Bethein. Außen an der Südwand 
des Schiffes. H. 1,84 m; B. 0,96 m. Sandstein. Unter einer Krone ein blatt- 
umkränzter, hochovaler Inschriftschild. 

7. Kronleuchter. H. 0,75 m; . 0,72 m. Messing. Zwölf S-förmig 
herabgebogene, sechseckige Arme mit Astansätzen in zwei Kränzen. Muschel- 
teller. Krönender Doppeladler. Kugel, darauf die Stiftungsinschrift des 
Jacob Möller. Anfang 18. Jh. 

8. Kronleuchter. H. 0,74 m; 0,72 m. Messing. Entsprechend Nr. 7. 
Birnförmiges Gewicht, darauf in Kapitale M. A. Schmöen H. G. Schmöen 1737. 

Altargerät. 

9. Kelch. H. 22,2 cm; . 15,4 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß, birn- 
förmiger Nodus. Im Boden in Cursive: Comp(aratus) anno 1724 C. I. Schmöen 
Pastfor) Bethel ( ensis ) Altar (istis) B: Dieckmann et F: B: Lanckop: Hildes- 
heimer Beschau' 1705; Meister J B W (Liste I, 12). — Patene. ?? 14,3 cm. 

IG. Kelch. H. 18 cm; . 12,4 cm. Silber; Kupparand und Innenseite 
vergoldet. Sechspaßfuß; Wulstnodus gerieft und teilweise kreuzschraffiert. 
Auf den Schaftstücken Rechtecke mit Sternmustern (graviert). Hildesheimer 
Beschau 1705; Meister FUM (Liste I, 15). Anfang 18. Jh. — Patene. 
12,4 cm. Für Nr. 10 angefertigt. Stempel W; Feingehaltszeichen 12. 
Anfang 19. Jh. (?). 

11. Taufschale. H. 4,2 cm; . 21,1cm. Zinn. B. Fr. Diekmann. Hildes- 
heimer Beschau 49 (?), doppelt; Meisterstempel unleserlich. 17. Jh. 

12. Taufkanne. H. 24 cm; 9,5 cm. Zinn. Zylindrisch. Deckelheber 
mit Muschelmuster; oben auf dem Deckel zwischen Lorbeerzweigen B. 1820. 
Stempel sehr verwischt: fliegender Engel mit Inschrifttuch — Englichs Block 
Tinn; Umschrift J Flegel (?) (Liste II, 23). 

13. Altarleuchter. H. 43 cm; 19,5 cm. Zinn. Runder Fuß; keulen- 
förmiger Stiel. Inschriftlich von H. Brinkmann und Frau geb. Sandvoos, 
Bethein, zum Tode ihrer Tochter Johanne, f 1858, und von Chr. Sievers, 
Eddinghausen 1859. 

14. Altarbibelpult. H. 38,5 cm; B. 49,5 cm; T. 37 cm. Tanne und 
Eiche; graublau gestrichen. Um 1700. 

15. Glocke. 0,82 m. Am Hals zwischen Akanthusfriesen in Kapitale: 
H(err) Joh. Henn. Schmidt Pastfor) Behrend Dieckman Benedix Landkoph 
Altaristen Bethelem Anno 1717], auf der einen Flankenseite zwischen Ring- 
stegen: gos mich Echardt Christoph Becker in Hildesh.; auf der anderen Flanken- 
seite Spruch und Kruzifix. Darunter ein Fries mit Weintraubenendigungen. 
Am Wolm ein Kreuzblumenfries. 

[16. Glocke. 1,28 m. Inschriftlich von Chr. Aug. Becker in Hildes- 
heim 1776. Im Kriege abgeliefert.] 

17. Zwei Glocken. Radler, Hildesheim. 1930. 

BAUERNHÄUSER. 

Nr. 28. Vierständerhaus mit verbreitertem zweistöckigen Wohnteil. Ge- 
putzte und geweißte Gefache. Krüppelwalmdach. Unter dem Dachüber- 
stand am Dielenteil einfache Kopfbänder. Inschriftlich nach Brand 17 14 
wiederaufgebaut 1 7 1 9. 



BETHELN 17 

Nr. 3. Typus von Nr. 28, jedoch durchgehend zweigeschossig. Ge- 
schweifte Kopfbänder unter dem Dachüberstand. 2. Viertel 18. Jh. Der 
Dielenteil ist nachträglich ausgebaut worden. Das Erdgeschoß des Wohn- 
teils ist massiv erneuert und verputzt mit eingeritzter Scheinquaderung (gegen 
Mitte 19. Jh.). 



BRUGGEN 

Dorf. 5 km südlich von Gronau an der Bahnlinie Hannover — Göttingen. 925 Ein- 
wohner. Haufensiedlung am rechten Leineufer an einem der alten Übergänge über 
den Fluß. Nach Osten zu steigt das Gelände gegen „die Sieben Berge" an; am 
oberen Dorfrand liegt die Kirche, am unteren, unmittelbar an der Leine, das Gut. 
Ältere urkundliche Namensformen sind 936 Brugheim (2)5 955 Brugniem (3), 965 
Bruggeheim (4), 997 Bruggihem (5), 1207 Brughen (i), 1220 Brucchem (8), 1284 Brücken 
(9)5 1370 und 1431 Bruggem (7, 10), 1568 noch einmal wieder Brugheim (12). Brüggen 
ist einer der ersten Orte, die in der Geschichte des Gebietes genannt werden. Otto L 
hat auf dem Königshof B. verschiedentlich Urkunden ausgestellt, 936 für St. Moritz 
in Magdeburg (actum Brugheim curte regia), 955 für die Edelfrau Helmburg, 965 
wieder für St. Moritz (2, 3, 4). 997 hat Otto HI. das Landgut B. mit all seinem 
Zubehör dem Kloster Essen geschenkt (5). Das Stift Gandersheim, unter dessen 
Besitzungen B. in einer Urkunde des Papstes Innozenz IH. von 1207 genannt wird 
(i), begründet die Erwerbung mit einer Fälschung auf den Namen Heinrichs HL 
und das Jahr 1043 (6). — Das Geschlecht, das sich nach dem Orte nennt (wohl 
Gandersheimer Ministerialen), erscheint urkundlich ab 1226 und ist nach 1492 aus- 
gestorben. 1360 hatte die Äbtissin von Gandersheim die Edelherren v. Hojnburg, 
die jenseits der Leine ihre Hauptbesitzungen hatten, mit der Vogtei über die Dörfer 
Brüggen und Banteln belehnt (Schnath). Diese wiederum vergaben sie in Afterlehen; 
dre letzte Homburger 1409 an die Herren v. Steinberg mit der Bestimmung, sie von 
dem damaligen Inhaber Ernst v. Dötzum oder von dessen Erben einzulösen. Die 
V. Dötzum, V. Bock und andere Familien waren im 14. Jh. im Besitz von Ganders- 
heimer Lehnsgütern in B. gewesen. Im Verlauf des 15. Jhs. gelang es jedoch den 
y. Steinberg, Stück für Stück dieser Lehen zu erwerben. Um 1500 werden sie auch 
in den Besitz des Rittersitzes gelangt sein, auf dem möglicherweise die v. Brüggen 
bis zu ihrem Aussterben gesessen haben. — B. gehörte ursprünglich zur Pfarrei 
Rheden. Eine Urkunde Bischof Siegfrieds I. von Hildesheim von 1220 behandelt 
die Pfarrechte der Rhedener Kirche in B. (8). Die darin erwähnte Kapelle in B. 
ist wahrscheinlich die Schloßkapelle. Im Dorf war nach der örtlichen Überlieferung 
eine hölzerne Wallfahrtskapelle S. Mariae ad Septem montes, die 1485 mit einer 
Vikarie ausgestattet wurde. 1512 wurde B. eine selbständige Pfarre (11); das Patro- 
natsrecht über die Pfarrkirche erhielten die v. Steinberg. 

Quellen: Harenberg, J. Chr., Historia dipl. Gandersheimensis, Hannover 1734, 
u. a. S. 739, Privileg Papst Innozenz III (i) — Mon. Germ. Hist., Dipl. r. et i. 
Germaniae I, Otto I Nr. 6 S. 95 Z. 10 (2), Nr. 174 S. 256 Z. 35 (3), Nr. 312 S. 427 
Z. 4 (4); II, Otto III Nr. 242 S. 659 f. (5)i V, Heinrich III 540 Z. 30 (6) — Suden- 
dorf U. B. III 113 S. 72 Z. 18; IV 69 S. 58 Z. 24 (7) — U. B. Hochstift Hildesheim 
I 745 S.699 Z. 27f. (8); II 640 S. 322, 658 S.330; III 81 S.40, 689 S.357 (9); 
V 1352 S. 884, 1356 S. 886 ('7). Das VI, Nachtrag 62 S. 1019 genannte ,,castrum 
Brughen" ist sehr wahrscheinlich Neubrück (Kreis Braunschweig), wo ab 1340 die 
von Marenholtz bezeugt sind — U. B. Stadt Hildesheim VI S. 481 (10) — Urkunde 
im Pfarrarchiv zu Rheden von 15 12 (Peters, Archivinventare S. 76 Nr. 5) ist abge- 
druckt unter Nr. 3 im Urkundenanhang bei Greiffenhagen S. 174 ff. (11) — Visi- 
tationsakten von 1544 und 1568 in: Kayser, Ref. Kirchenvisitationen S. 227 Anm. 464 
(12) — Archiv der Evangelischen Pfaixe in Brüggen (vgl. Peters, Archivinventare 
S. 46) — Archiv der Evangelischen Pfarre in Rheden (vgl. Peters S. 76) — Gräflich 
von Steinbergsches Archiv Brüggen (vgl. Peters S. 13 — 46) — Archiv der Super- 
intendentur Alfeld (bis 1771) (vgl. Hoogeweg, Archivinventare S. 30) — Staats- 
archiv Hannover: Hann. Des. 83 Hannover II, 914: Brüggen, Reparatur der Kirche 
1841. — Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 16, 20, 92 — Alvensleben, U.V., 
Die braunschweigischen Schlösser der Barockzeit und ihr Baumeister Hermann 



18 



BRÜGGEN 



Korb, 1937 — Behrens, Hist. Beschr. des .... Hauses der Herren von Steinberg 
S. 16, 23, 30, 39 f. — Beiträge S. 2, 184 — Bertram I S. 224, 445; II S. 306 — Greiffen- 
hagen, Die Geschichte des Schlosses und Dorfes Brüggen an der Leine, 1927 — 
Hartmann in ,, Unsere Heimat" 261 f., 266 f., 274, 278, 282, 286, 300, 370 — 
Hennecke in „Unsere Heimat" S. 377, 383, 385, 387 ff., 393 f., 402, 419, 439, 441 
— Jahresbericht 1910 ii; 1911/13 — Koch, Historische Notizen über Brüggen an 
der Leine bei Alfeld, in: Hann. Magazin Jahrgang 1812, Stück 11, S. 162 — Lauen- 
stein S. 287 — Lüntzel, Alt. Diözese S. 143, 289 f., 434 — Lüntzel I S. 73, 319^ 
II S. 150 — Mithoff III S. 25 — Mithoff Zs. 1864 S. 306 — Sonne V S. 80 f. — 
Starcke S. 71 — Steindorff, Jahrbücher des deutschen Reiches unter Heinrich III. 
Bd. 2 S. 381 f. 



EVANG. PFARRKIRCHE. 

Einschiffige barocke Bruchsteinkirche am Ostrand des Dorfes auf dem 
gegen die Straße durch eine Bruchsteinmauer abgegrenzten ehemahgen Fried- 
hof (jetzt teilweise Schulhof). Laut Inschriften und Jahreszahlen am Bau 
ist der Chor 1688 begonnen, das Schiff 171 1 vollendet, der Turm 1748 — 51 
angefügt. — Nach K. Greiffenhagen war das vordem bestehende Gotteshaus 
eine kleine im Jahre 1505 gebaute Kapelle, die „um 1600" nach Westen durch 
einen Anbau vergrößert worden war. Greiffenhagen nimmt an, daß diese 
Kapelle „sich im großen und ganzen mit dem heutigen östlichen Teil der 
Kirche decken wird" und 1688 nur „wiederhergestellt" worden ist. Die 
Richtigkeit der Vermutung läßt sich am Bau selbst im heutigen Zustande 
nicht nachprüfen. Nach dem Wortlaut der Inschrift am Turm (s. u.) müßte 
die „Wiederherstellung" einem Neu- Auf bau nahe gekommen sein; nur die 
im Verhältnis zum Schiff ungewöhnliche Länge des heutigen Chores könnte 
darauf hindeuten, daß die Fundamente noch von der spätgotischen Kapelle 
stammen. 



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Al)b. 4. Brüggen. Grundriß der Dorfkirclie. 



ÄUSSERES (Taf. 12c). 

Bruchsteinmauerwerk mit Kalkverputz. Sockel, Gurtsims, Eckvorlagen, 
fast alle Tür- und Fenstergewände aus Kalkwerkstein. — Der Turm ist über 
quadratischem Grundriß aufgeführt. Das Erdgeschoß ist durch ein Gurt- 
gesims gegen die oberen Geschosse abgesetzt. Unterhalb des Gesimses quer- 
gefugte Eckvorlagen, darüber vortretende, verzahnte Eckquader. Sockel mit 
geschrägtem Profil. Kranzgesims in Holzschalung. Gekuppelte rundbogige 
Schallöffnungen mit breiten, bandartigen Gewänden. In den unteren Ge- 
schossen entsprechend eingefaßte Lichtschlitze, außerdem rechteckige und 
queroblonge Fenster mit profiherten Rahmen. Auf der Westseite eine flach- 
bogige Tür und oberhalb des Gurtsimses zuseiten eines Querovalfensters 



BRÜGGEN 19 

zwei Inschrifttafeln, von denen die erste sich auf den Bau von Chor und Schiff 
bezieht und beim Bau des Turmes von der Westfront des Schiffes an ihre 
jetzige Stelle versetzt worden ist (s. Greiffenhagen), die zweite auf den Turm- 
bau selbst Bezug nimmt. Text in ausgesparter bzw. vertiefter Kapitale: Ad 
glor(iam) dei olptimi) m(aximi) et popidi salut(em) sub fel(ice) magistr ( atu ) 
gen(erosi) dfomijni Friderici de Steinberg d(ucum) B(runsvigensium) Lfune- 
burgensium) clonsiliaris ) i(ntimi) s(ummi) alulici) m(arescalci) h. p. s. e. p. a. 
aedes haec slancta) ad XXX ped(es) V ort. MDCLXXXVIII inchoata absol- 
vitur MDCCXI. b) Die Brüggensche Gemeine hat diesen Bau und Steine zur Ehre 
Gottes gezieret und auf geführet unter der Regierung sfeijner Hochwollgebohren 
Gnaden des Herrn Landdrosten Friderich von Steinberg, Altristen Hans Hinrich 
Platen und Hans Hinrich Schwetgen Anno 1748. 

Das verhältnismäßig kurze Schiff hat auf den Langseiten je zwei hohe 
rechteckige Fenster, in die im 19. Jh. eine rundbogige eiserne Sprossenteilung 
eingesetzt ist. Die Fenster der Westseite beiderseits des Turmes sind anschei- 
nend nachträglich eingebrochen (18. 19. Jh.; Sandsteingewände). Bündige 
Eckverzahnung. Hölzernes Kranzgesims. — Der eingezogene, rechteckig 
geschlossene Chor hat ebenfalls zwei Achsen. Der Aufbau der Wände ent- 
spricht dem Schiff, nur setzen die Fenster höher an als dort. In der Mitte 
der Südseite befindet sich eine zugesetzte Tür; eine zweite, gleichfalls zuge- 
setzte Tür unter dem westlichen Fenster der Nordseite zeigt im Sturz die 
Jahreszahl 1688. Auf der Ostseite der jetzt benutzte, später gebrochene Ein- 
gang für den Geistlichen. Zwischen den Fenstern der Nordseite ein zugesetztes 
Fenster. Tür- und Fenstergewände Kalk- und Sandstein. 

Pfannengedecktes Satteldach, nach Osten abgewalmt. Kehlbalken- 
konstruktion mit Seitenpfetten und Hängewerk. Binderanlage. Ins Achteck 
übergeführter Pyramiden heim mit Auslegestuhl für die Schlagglocke. Schie- 
ferdeckung. Wetterfahne 775/. 

INNERES. 

Zwei Geschoß hohe Turmhalle mit Tonnengewölbe; Schiff und Chor 
mit flacher Schaldecke über schmalem Stucksims (1874). Decke und Wände 
sind geputzt und geweißt; die Fensternischen im Schiff sind rechteckig, 
im Chor flachbogig mit geschrägten Leibungen. Der Fußboden ist im Schiff 
zementiert, unter dem Gestühl liegen Bohlen (1887), im Chor gemusterte 
Fliesen (1899). 

AUSSTATTUNG. Farbgebung 19. Jh. 

1. Kanzelaltar. Rechteckige Altarwand. Holz; Farben grau und weiß; 
Gliederung durch aufgemalte Säulen. 1874 (Greiffenhagen). Vierseitig vor- 
springender Kanzelkorb. H. Brüstung 1,13 m. Holz, teilweise furniert (Nuß- 
baum und Esche?). Vor den Ecken feine, gedrehte Ziersäulchen; zu beiden 
Seiten zwei stärkere Säulen der gleichen Art. Auf den polierten Wandungs- 
flächen eingelegte Spitzovale in Rechteckfeldern; am Sockel- und Gesims- 
fries Querovale, am Schalldeckel ein Sternmuster. Alle übrigen Teile sind 
braun gestrichen, i. Hälfte i 8. Jh. (?); 1846 durch den Tischler Rockenbauch 
wohl nur ausgebessert, nicht — wie Greiffenhagen angibt — neu angefertigt. 

2. Taufe. H. 0,87 m; r -Sockel 0,59 m; D-Kessel 0,495 m. Esche (?) 
poliert mit schwarz lackierten Profilen. Viereckiger kelchförmig geschweifter 
Kessel auf kurzem, konkavem Schaft. Quadratischer Sockel. Um 1830. 



20 BRÜGGEN 

3. Bruchstück einer romanischen Taufe, siehe Friedhof. 

4. Gestühl und Chorsitze. Tanne, braun gebeizt. 1887. 

5. Empore, an der West-, Nord- und Südwand des Schiffes. H. ca. 2,54 m. 
Passend zu Nr. 4. Der Westteil ist nachträglich etwas verändert. 

6. Orgel, auf der Westempore. Prospekt. H. 2,96 m; B. 5,21 m. Tanne 
und Linde, hellbraun gebeizt. Neun Achsen. In der Mitte und an den Ecken 
polygonale Türme mit gemeinsamem Deckgesims. Zwischen ihnen jeweils 
drei niedrigere Achsen mit ebenfalls gemeinsamen Gesimsen und dreieckigen 
Mitteltürmchen. Schleier und Anschwünge aus Akanthusbandelwerk, vermutlich 
1746 (s.u.); Wände und Gesimse anscheinend 1904 (oder 1886 88?) er- 
neuert. — Pneumatisches Werk von Furtwängler, Hannover; 1904. Das 
ehemalige Werk war 1746 von Orgelbauer Müller in Hildesheim für 900 Taler 
gebaut worden (Greiffenhagen). 

7. Grabstein des Justus Anthon Remmer, * 1713, f 1715? außen 
an der Nordwand des Chores. H. 1,16 m; B. 0,70 m. Kalkstein. 

8. Grabplatte des Pastoren Gottfr. Heinr. Conr. Bansen, * 170. 
im April, f 1770, i. X. Im Fußboden der Turmhalle. H. 1,98 m; B. 0,97 m. 
Sandstein. Namensinschrift und Sprüche: Hebr. 13. 7; Daniel 12,2.3. Stark 
abgetreten. Soweit lesbar abgedruckt bei Greiffenhagen. 

9. Kronleuchter. H. ca. 0,87 m; 0,845 "i- Messing. Zwölf S-förmig 
herabgebogene, sechskantige Arme mit Astansätzen und aufgeschraubten Pal- 
metten in zwei Kränzen. Muschelteller. Zwischen den Armen Zierschwünge. 
Krönender Doppeladler. Kugel, i. Hälfte 18. Jh. 

Altargerät. 

10. Kelch. H. 16,9 cm; 3 14,2 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß mit 
aufgenietetem Kruzifix. An der Fußzarge geschlagener Vierpaßfries. Wulst- 
nodus mit Rotuln, darauf in gotischer Minuskel vor nielliertem Grund : Jhesvs 
(das h und ein s sind ausgebrochen). Auf der Ober- und Unterseite des Nodus 
Spitzbogenfelder mit graviertem Maßwerk. Schaftstücke mit gravierten Qua- 
dratfeldern. Unter dem Fuß eingeritzt: XXV Lot M 2 q(uent)? Stempel: 
Die mit einem Hausmarken-Kreuz verbundenen Initialen H K (oder H R) 
und die Jahreszahl (?) [i5]47 im Oval, doppelt (Liste I, 25). 2. Hälfte 16. Jh. 
Fußrand angelötet und teilweise abgeplatzt. — Patene. . 14,1 cm. 

11. Kelch. H. ca. 21,8 cm; 14,7 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß; 
sechseckiger, urnenförmiger Nodus. Im Boden: Justus Pape, Ilse Nieman. 
Meisterstempel I B, doppelt (Liste I, 26). Anfang 18. Jh. Vergoldung ab- 
genutzt. — Patene. c 14,7 cm. 

12. Kelch (Taf. i8b). H. 22,3 cm; .: 13,5 cm. Silber. Runder Fuß 
mit kannelierter Lehne. Nodus mit getriebenem Weinrankenfries. Glocken- 
kuppa, innen vergoldet; um ihre Mitte ebenfalls ein Weinlaubfries. Han- 
noversche Beschau; Jahresbuchstabe H; Meister Schütz (Liste I, 3). 1828. 

12a). Abendmahlskanne (Taf. i8b); zugehörig; gleiche Stempel. H. 
35 cm; e ca. 14 cm. Antikisierende Form mit Deckel. — Kelch und Kanne 
sind ein Geschenk des derzeitigen Kirchenpatrons Karl v. Steinberg (vgl. 
Greiffenhagen). 

13. Oblatendose (Taf. 31b). H. 11,8 cm; B. 11,5 cm. Silber teilvergoldet. 
Kleeblattförmiger Gefäßkörper mit senkrechten Wandungen. Füße in Form 
von Knorpelvoluten mit Puttenköpfchen am Ansatz. Auf den Wandungen 
und an der Deckelwölbung gravierte Blumen (Tulpen). Inschriften in Kapi- 
tale: auf der einen Wandung die Widmung zum kirchlichen Gebrauch, auf 



BRÜGGEN 21 

dem Deckel Joh. 6, 50. 52. 56; unter dem Boden Namen und Wappen der 
Stifterin: Hedewig Frau von Steinberg gehohrne von Widense Anno 16J4. Hildes- 
heimer Beschau 1649; Meister P F (Liste I, 5). 

14. Altarkruzifix. Gesamt-H. 86,8 cm. Korpus-H. 27,5 cm; B. 21,5 cm. 
Zinn vergoldet. Kreuz und Sockel Holz (Obstbaumholz?), teils braun poliert, 
teils schwarz lackiert. Um 1830. 

15. Zwei Altarleuchter. H. 34,5 cm; 18,2 cm. Messing. Runder 
Fuß auf drei Löwentatzen. Schaft mit mittlerem Schaftring, Tiefer Teller. 
I. Hälfte 17. Jh. 

16. Altarbibelpult. H. 15,5 cm; B. 38 cm; T. 28,8 cm. Rötlich ge- 
flammtes Wurzelholz. Auf dem tannenen Boden schwarz aufgemalt: Sfancto?) 
dfeo? ) gfratias?) G(eorg) L(udolph) O(tto) K(noch) P(asto^) B(rüggensis) 1735. 

17. Bibel. In -4^. Hannover 1842- 

18. Glocke. Radler, Hildesheim. 1887. Zusammen mit einer im Kriege 
abgelieferten Glocke gegossen aus den beiden alten Glocken im Turm (von 
denen die eine 161 5 datiert war) und einer zersprungenen Glocke im Schloß 
(datiert 1592; vgl. Greiflfenhagen), 

19. Glocke. Radler, Hildesheim. 1927. 

20. Schlagglocke. 

21. Uhr. 1868. Das ältere schmiedeeiserne Uhrwerk vom Ende des 
18. Jhs. ist noch auf dem Kirchenboden vorhanden. 

KIRCHHOF. 

Zwei Grabsteine. Kalkstein; Stelenform mit geschweiftem oberen 
Abschluß. Eingesunken. 

1. Ilsa Chr. Doroth. Kaeths, f 1825. H. 0,87 m; B. 0,72 m. 

2. J. H. Oppermann, f 1851. H. 0,82 m; B. 0,50 m. 

3. Bruchstück einer romanischen Taufe, verwandt als Sockel für 
ein eisernes Grabkreuz des Pastoren L. Samuel (1769 — 1843). H. 0,40 m; 
D 0,61 m. Rötlicher Sandstein. Erhalten ist der quadratische, einfach abge- 
treppte Sockel mit einer darauf aufliegenden, durch glatte Ecksporen gefaßten, 
runden Wulstplatte und der untere Teil des runden, konkav geschwungenen 
Schaftes. An dieses Schaftstück sind vier Beinpaare angearbeitet, von welchen 
drei tierischer Art (dreizehige Klauen) sind, während am vierten ein mensch- 
licher Fuß zu erkennen ist. Wahrscheinlich waren demnach um den Schaft 
herum als Kesselträger die Symbole der Evangelisten dargestellt. 12. Jh.? 

PFARRGEBÄUDE. 

Zweistöckiges Fachwerkwohnhaus mit Krüppelwalmdach 1846. — 
Fachwerkscheune 1784, mit zweistöckigem Stallungsanbau 1821 
(Greiflfenhagen). 

GUT. 

Über die ältere Geschichte des Gutes vgl. die Vorbemerkung zum Ort. Seit 
dem 15. Jh. war es im Besitz der Herren v. Steinberg, deren letzter männlicher Sproß, 
Ernst V. Steinberg, 1888 in den Grafenstand erhoben, 191 1 starb. Nach ihm ging 
es in weiblicher Erbfolge an die Freiherren v. Gramm über. Jetziger Besitzer 
Frhr. A. v. Gramm. 



22 



BRÜGGEN 




Abb. 5. Brüggen. Schloß. Gartenplan von L. Staywasser, 1793. 



ANLAGE. 

Der Gutsbezirk liegt nahe der Leine am Westrande des Dorfes, aller 
Wahrscheinlichkeit nach etwa an der gleichen Stelle wie schon der Königshof 
des IG. Jahrhunderts, aus dem das Gut hervorgegangen ist. Nachdem die 
Herren v. Steinberg den Besitz angetreten hatten, errichteten die Brüder 
Burchard und Konrad 15 15 an Stelle der bestehenden mittelalterlichen Burg 
ein neues Herrenhaus, von dem sich jedoch nichts mehr erhalten hat und 
über dessen Aussehen auch sonst nichts bekannt ist. Der heutige Gutshof 
ist im wesentlichen zwischen 1686 und 1716 unter dem braunschweig-lüne- 
burgischen Oberhofmarschall Friedrich v. Steinberg angelegt. Als Archi- 
tekt ist auf Grund der baulichen Formgebung der wolfenbüttelsche Hof bau- 



BRÜGGEN 23 

meister Hermann Korb zu erweisen. Von ihm stammen jedenfalls das Schloß, 
die Kapelle und das Torhaus und danach gewiß auch der Gesamtplan der 
Anlage. — Die Gebäude sind in einem weiträumigen, ungefähr westöstlich 
orientierten Rechteck angeordnet. Das Schloß (datiert 1693) nimmt die west- 
liche Schmalseite sem; ihm gegenüber liegt in der Mitte der Ostseite der 
Torbau (171 6?), an den sich beiderseits niedrige Stallungen anschließen. 
Die Südost- und Nordostecke ist mit zwei großen, zu den Langseiten ge- 
hörenden Gebäuden, der ehemaligen Brauerei und Brennerei und einer Scheune, 
besetzt. Auf der Nordseite folgt gegen das Schloß hin die alte Meierei (1686); 
im Süden befindet sich zunächst dem Schloß die 1706 eingeweihte Schloß- 
kapelle. Der einzige nachträglich hinzugefügte Bau ist das ehemalige Kava- 
lierhaus, jetzt Gutsbüro, das um 1800 in der Mitte der Südseite zwischen 
die Kapelle und die (verkürzte) Brauerei eingeschoben worden ist. — Die 
Gebäude sind, abgesehen von dem Kavalierhaus, massiv in Bruchstein auf- 
geführt. Nach Westen zu grenzt an das Schloß ein bis zur Leine hinabreichender 
Park an. 



DAS SCHLOSS. 
ÄUSSERES (Taf. 6). 

Das Schloß ist ein mächtiger rechteckiger Baublock mit Erdgeschoß, 
Hauptgeschoß und Mezzanin. Die Wandflächen sind verputzt mit sicht- 
baren Hausteingliederungen (teils Sand-, teils Kalkstein). Die Hof- und die 
Gartenfassade haben jeweils elf, die Schmalseiten fünf Achsen. Die Fenster- 
öffnungen sind rechteckig, im Mezzanin quadratisch. Zwischen Erd- und 
Hauptgeschoß ist ein Zwischengesims gezogen, das auf den Breitseiten ent- 
sprechend dem Kranzgesims ein Karnies- und Kastenprofil zeigt, auf den 
Schmalseiten schlicht bandförmig gebildet ist. In der Mitte der Hof- 
fassade springt ein dreiachsiger, giebelbekrönter Risalit vor. Die Wandfläche 
ist im Erdgeschoß durch Blendarkaden, im Hauptgeschoß und Mezzanin 
durch jonische Kolossalpilaster (Mittelrisalit) bzw. durch breite, lisenenartige 
Vorlagen (Abseiten) gegliedert. An den Vorlagekanten und den Kausecken 
bündige Quaderverzahnung; am Risalit vortretende Eckquaderstreifen. Bün- 
dige Fenstergewände, ausgenommen die Frontfenster in den Obergeschossen 
des Risalits, die profilierte Gewände und im Hauptgeschoß horizontale bzw. 
segmentförmige Verdachungen haben. Unter den Mezzaninfenstern Quer- 
felder mit plastischen Blumengirlanden. Mittelportal zwischen flankierenden 
Pflastern mit horizontaler Abdeckung; darüber ein von Putten gehaltener 
Inschriftschild in Blüten- Akanthusumrahmung: Posteritati Fridericus a Stein- 
berg Fridi erici ) f (ilius ) d ( ominoriim ) d(ucum) Br ( unsvicetisium ) et Luneb(urgen- 
sium) a cons(iliis) int(imis) et summ(us) aul(icus) guelph(icus) mareschal ( cus ) 
iit et eccl(esiae) cath(edralis) Halherst(adensis) capituUaris ) praevia divini 
numinis invocatione huins aedificii quod funditu exstrui fecit primu(m) 
lapidetm) angidare ( m ) posuit MDCXCIII VI Mai praesentibus fratre unico 
Georgia a Steinberg in Bodenb(urg) aliisque amicis cognatis et vicinis coronam 
operi imposuit. — Im Giebelfeld des Risalits ein Rundfenster mit lappigem 
Rahmenwerk, beiderseits zwei liegende Steinböcke als Wappentiere der v. Stein- 
berg, darüber Putten, die eine Grape, das Wappenemblcm der Gemahlin 
des Erbauers, Gertrud Luise v. Grapendorf, hochhalten. Oberhalb davon 
die Jahreszahl i6g6; in der Giebelspitze in zwei Zeilen die Buchstaben JO — 
J F W (Initialen der Bauführer?, vgl. das Werkzeichen an der mittleren Erd- 
geschoßarkade der Gartenfassade). — Die Garten fassade zeigt einen drei- 



24 



. BRÜGGEN 



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BRÜGGEN 



25 





26 BRÜGGEN 

achsigen Mittelrisalit und zweiachsige Eckrisalite, jeweils mit dreieckiger 
Giebelbekrönung. Die Wandgliederung übernehmen im Erdgeschoß Arkaden, 
die in den Eckrisaliten entsprechend der Hoffassade vorgeblendet, in den 
Mittelachsen vor der um Gangbreite zurückgezogenen Wand geöffnet sind; 
in den Obergeschossen Kolossalpilaster, die auf den Eckrisaliten paarweise 
angeordnet sind. Vortretende profilierte Tür- und Fenstergewände (außer 
an den Fenstern der Erdgeschoßwand hinter den offenen Arkaden). Rund- 
bogige Mittcltür zwischen zwei gleichartigen Fenstern. Im Hauptgeschoß 
des Mittelrisalits ein auf Akanthuskonsolen ruhender Balkon (Eisengeländer 
2. Hälfte 19. Jh.). Längs der Gewände der Balkontür skulpierte Blumenge- 
hänge; unter den Fenstern zu beiden Seiten vorgeblendete Baluster. Die 
Hauptgeschoßfenster haben durchgehend Dreiecks- oder Segmentbogen- 
verdachungen, im Mittelrisalit in gebrochener Form. Im Mezzanin des Mittel- 
risalits querovale Oberlichter für den Festsaal im Inneren; im Giebelfeld 
ein Rundfenster zwischen Putten. In den Giebelfeldern der Eckrisalite Wappen- 
kartuschen: V. Steinberg und v. Grapendorf. Am Scheitelstein der mittleren 
Erdgeschoßarkade ein Werkzeichen. Doppelarmige Gartentreppe mit 
Mittelpodest, von dem aus vier weitere Stufen durch die Mittelarkade 
hindurch zum Erdgeschoß hinaufführen. Eisengeländer; innerhalb der 
Arkaden eine Terrasse. Die Treppe ist ans cheinend erneuert, die Arkaden 
der links anschließenden Zwischenachsen sind nachträglich zugesetzt (2. Hälfte 
19. Jh.). — Die Schmalseiten haben in den Eckachsen risalitartig durch 
alle Geschosse durchgehende Erkervorbauten mit dreieckigen Giebelbekrö- 
nungen. Bündige Fenstergewände; Eckverzahnung. — Flaches Walmdach 
mit erneuerter Schieferdeckung. Vier kreuzförmige Schornsteine, von welchen 
die breiteren, äußeren die Wappenembleme des Bauherrn und seiner Ge- 
mahlin, Muscheln und Blütengehänge zeigen. 

Modell des Schloßbaues, im Schloß (Taf. yd). L. (Sockel oberhalb 
der Fundamente) 0,71 m; B. 0,31 m; H. (Dachgesims) 0,21 m. Holz, gelb- 
bräunlich gestrichen; die Pilaster, Lisenen und Gesimse etwas heller hervor- 
gehoben; das Dach bleifarbig. Im Inneren ist die Zimmereinteilung angegeben; 
die einzelnen Geschosse sind zum Herausnehmen eingerichtet. — Die Schmal- 
seitenerker sind auf der einen Seite bis auf geringe Reste abgebrochen, auf der 
anderen Seite zum Teil nachgearbeitet; Ausbesserungen auch an den Ge- 
simsen (19. Jh.). Alle Teile verzogen. — Gegenüber dem ausgeführten Bau 
bestehen nur geringe Abweichungen; sie betreffen vor allem die Verdachungen 
und Brüstungsvorlagen der Hauptgeschoßfenster, die Oberfenster des Fest- 
saals, die Einfassung des Hauptportals, die Verbindung der Pilaster mit dem 
Kranzgesims und die Gartentreppe, die hinter der Arkadenreihe angelegt 
ist. Rein dekorative Teile und Schornsteine sind nicht angegeben. 

Zwei Stiche der Hof- und Gartenfassade, in der Schloßbibliothek 
(Taf. 7c). Plattengröße H. 0,185 nij B- 0,30 m. Das Blatt der Gartenfassade 
ist bezeichnet : Toh : Querfurt delineavit j Jac. Wilh. Heckenauer sculpsit. Aus 
einer Stichserie der Werke Hermann Korbs (siehe v. Alvensleben). i. Hälfte 
18. Jh. — Die Darstellung richtet sich nach dem bestehenden Bau (bzw. 
nach dem endgültigen Plan), mit dem sie in allen Abweichungen gegenüber 
dem Modell zusammengeht. Die Gartenfassade zeigt die ursprüngliche An- 
lage der Gartentreppe mit steinerner Balustrade, deren Pfosten mit Kugeln 
und Putten besetzt sind und unter der sich die Kellertür befindet; ebenso 
hat der Balkon im Hauptgeschoß eine steinerne Balustrade. Die Terrasse 
innerhalb der Arkaden ist noch nicht vorhanden. 



BRÜGGEN 27 

INNERES EINSCHLIESSLICH DER FESTEN AUSSTATTUNG. 

Die Eingangshalle mitsamt der Treppenanlage ist quer durch die Baumitte 
hindurchgelegt: Der Hofrisalit enthält im Erdgeschoß einen durch Gurt- 
bögen gegliederten Vorraum, von dem aus seitlich tonnengewölbte Treppen 
zum Keller hinabgehen, in der Mitte ein dem zugehörigen Vorraumteil ent- 
sprechend kreuzgewölbter Gang in sechs Stufen zur Eingangshalle empor- 
führt. Diese ist ein breitrechteckiger Raum, dessen Decke durch vier kreuz- 
förmige Pfeiler getragen wird (das Westpaar wesentlich kräftiger als das Ost- 
paar). Die drei Joche vor den Treppenaufgängen haben Kreuzgewölbe (Taf. 9 a) ; 
der verbleibende hintere Raumteil ist flachgedeckt; auf beiden Seiten sind nach- 
träglich Zimmer abgeschert worden. Die Treppe Taf. (8d) setzt in zwei Armen 
an, die in tonnengewölbten Schächten zu Podesten im Risalit emporführen. 
Zwischen diesen letzteren liegt ein um vier Stufen erhöhter Mittelpodest mit 
Kreuzgewölbe. Der gemeinsame, um 180^ gedrehte Endlauf der Treppe 
trifft im Hauptgeschoß auf einen schmalen, quer vor dem Festsaal liegenden 
Vorplatz, der ebenso wie der anstoßende Treppenraum selbst flachgedeckt 
und durch jonische Pflaster geschmückt ist. Die Treppe zum Mezzanin gleicht 
derjenigen zum Hauptgeschoß. Eingangshalle und Treppenräume sind weiß 
und gelblich getönt. Die Gewölbegurte sind segment- oder korbbogenförmig; 
die Gewölbegrate sind mit stuckierten Blattwülsten besetzt. — Auf beiden 
Seiten der Eingangshalle liegen bzw. lagen vier annähernd gleich große Zimmer 
und je zwei Kabinette in den Eckrisaliten der Gartenfassade. Nachträglich 
ist das Gartenzimmer rechts der Eingangshalle durch den vorliegenden Ar- 
kadenraum vergrößert; die Hofzimmer smd unterteilt und verkürzt worden, 
um einen mittleren Längskorridor zu gewinnen. Im Hauptgeschoß ist die 
entsprechende Zimmerverteilung unverändert erhalten. Über dem hinteren 
Teil der Eingangshalle liegt der anderthalb Geschoß hohe Festsaal (Taf. 9 b). 

Zu der mit dem Bau gleichzeitigen festen Ausstattung gehören vor allen 
Dingen die in einzelnen Räumen erhaltenen reichen Stukkaturen an den 
Decken und Kaminschächten von G. Perinetti (siehe v. Alvensleben). Die 
Dekorationselemente sind Akanthuswerk, Muscheln, Blumen; im Festsaal 
auch Architekturglieder. Die in die Stuckdekoration eingefügten Gemälde 
sind zu Anfang des 20. Jhs. bis auf wenige Ausnahmen erneuert worden 
(Theodor Baierl, München). Die zahlreichen Kamine zeigen verhältnismäßig 
schlichte, geradlinig rechteckige Einfassungen. Die teilweise polierten (Nuß- 
baum?), teilweise weiß gestrichenen Doppeltüren haben durchgehend die- 
selben erhabenen verkröpften Füllungsspiegel. — Im einzelnen ist zu nennen: 
Der Festsaal (Taf. 9b). Decke und Wände sind weiß getüncht, die Wand- 
flächen durch gekuppelte korinthische Pflaster (Holz) mit verkröpftem Gebälk 
jeweils dreiachsig gegliedert. In der Mitte der Seitenwände hohe, bis an die 
Pilaster kapitale reichende, horizontal abgedeckte Wand vorlagen. Sie ent- 
halten im unteren Teil Karnine, über denen breitrechteckige Blumen-Früchte- 
Stilleben eingelassen sind (Öl auf Leinwand. Italien?, um 1700); im oberen 
Teil ist über einem kräftigen Zwischensims auf geschweiftem Postament 
jeweils ein von Putten gestütztes Rundbild unter einer Blattgirlande ange- 
ordnet. In den schmaleren Seitenachsen liegen Türen, darüber hochrecht- 
eckige Bildfelder mit stuckierten Akanthus-Muschelwerkrahmen. Die Deko- 
ration der Außenwand und der Rückwand unterscheidet sich von derjenigen 
der Seitenwände, abgesehen von den Kaminvorlagen, im wesentlichen durch 
die runden Oberlichtfenster bzw. Bfldfelder, die in die Zone des Deckengebälks 
einschneiden. Darunter befinden sich unmittelbar über den Türen, Fenstern 



28 BRÜGGEN 

und den entsprechenden Spiegelfeldern (erneuert) kleinere Rundbilder. Die 
einzelnen Bilder stellen dar verschiedene Tugenden, Ansichten von Schlössern 
der Familie, Allianccwappen (modern). Flache Decke mit Mittelbild (Fresko) 
in gestreckt-achteckigem, vcrkröpftem Rahmen: Apoll über dem Ring der 
Jahreszeiten (symbolisiert durch je zwei Figuren mit begleitenden Putten), 
darum der Tierkreis. Helle, kühle Farben. In den Ecken Ovalfelder mit 
modernen Gemälden der Tageszeiten. Stuckdekoration wie an den Wänden. 
— Das innere Kabinett im Hauptgeschoß des Risalits der Nordwestecke. 
Am Kaminschacht (Taf. 8 a) innerhalb reicher Akanthusstukkatur das Rund- 
bild einer fürstlichen Dame (Öl auf Leinwand). Deckenstuck mit erneuertem 
Mittel bild (Taf. 8b). — Das an das Kabinett anstoßende Nordzimmer 
(Taf. 8 c). Über dem Kamin ein querrechteckiges Bildfeld in architektonischem 
Rahmen. Oberhalb davon ein Rundbild mit ursprünglichem Blumenstück. 
An der Decke Feldereinteilung durch Stuckleisten. 

BEWEGLICHE' AUSSTATTUNG. 

Gemälde. Berücksichtigt sind nur diejenigen Stücke, die künstlerisch 
oder familiengeschichtlich von Interesse sind; wo das Material nicht angegeben 
ist, handelt es sich um Ölmalerei auf Leinwand. Die Identifizierung der 
Porträts folgt zumeist jüngeren Aufschriften auf der Rückseite der Bilder. 

1. Burchard v. Steinberg, Oberberghauptmann, f 1628. H. 0,79 m; 
B. 0,625 ni- Ganze Figur in schwarzem Schoßrock, roter goldgestickter Weste 
und schwarzem Schurz, mit Zieraxt und Grubenlampe, i. Viertel 17. Jh. 

2. Anna v. Steinberg-Almstedt, das sog. „goldene Kind" (Taf. lOc). 
H. 0,61 m; B. 0,495 m. Halbfigur im Innenoval in phantastischem Jagdkostüm 
mit Pfeil und Bogen. Auf der Rückseite signiert: A. Scheidtz fe. 1691. 

3. Georg V. Steinberg-Bodenburg, f 1703. H. 0,745 m; B. 0,615 ni- 
Oval. Brustbild im Küraß. Ende 17. Jh. 

4. Drei Schwestern v. Wendt (die eine, Marie Luise, nachmals Ge- 
mahlin Ernsts v. Steinberg-Bodenburg; f 1753). H. 0,89 m; B. 1,07 m. Halb- 
figuren. Ende 17. Jh. 

5. Henriette Caroline Freiin v. Low von und zu Steinfurth, 
zweite GemaWin Augusts v. Steinberg, f 1824. H. 0,34 m; B. o 258 m. Oval. 
Brustbild. Kurz vor 1800. 

6. Sophia v. Steinberg, 1782 — 88, Tochter Augusts v. Steinberg aus 
erster Ehe. H. 0,645 "i; B, 0,49 m. Kniefigur, an einem Tisch sitzend. Um 
1792. 

7. August V. Steinberg - Bodenburg 1789 — 1853. H. 0,315 m; 
B. 0,26 m. Pastell Oval. Brustbild. In der Art des J. H. Schröder, wohl 
kurz vor 1810. 

8. George v. Steinberg-Bodenburg. 1792 — 1810. Gegenstück zu 
Nr. 7. 

9. Charlotte Adolphine v. Hedemann, Gemahhn Ernsts III. v. Stein- 
berg, 1813 — 86. H. 0,785 m; B. 0,62 m. Kniefigur, sitzend. Um 1835. 
Überlieferungsgemäß gemalt von Henriette v. Steinberg-Bodenburg. 

10. Curt und Ernst v. Steinberg als Knaben. H. 1,27 m; B. 0,95 m. 
Der ältere Knabe am Waldsaum stehend, in der linken Hand einen Reifen; 
links der jüngere Knabe sitzend und zu dem älteren aufblickend, in der rechten 
eine Peitsche. Im Hintergrund Schloß Brüggen. Signiert und datiert A. L. 
Blanc Januar 18^2. 



BRÜGGEN 29 

11. Ernst Graf V. Steinberg, f 1911. Kniebild. Ende 19. Jh. 

12. Johanna v. Hesberg, seine Gemahlin, f 1933. Gegenstück zu 
Nr. II. 

13. Burchard Frhr. v. Gramm, f 1936. H. 1,035 m; B. 0,785 m. 
Kniebild, sitzend. Schwarze und graue Farben; signiert und datiert 
L. V. König 1923. 

14. Herrenbildnis. H. 0,567 m; B. 0,425 m. Öl auf Kupfer (?). Oval. 
Brustbild in mittleren Jahren mit schlichtem braunen Haar, im Harnisch. 
Mitte 17. Jh. 

15. Damenbildnis. Gegenstück zu Nr. 14. Schwarzes Kleid mit weißem 
durchsichtigen Schultertuch; schwarze Schneppenhaube. 

16. Bildnis eines Herrn v. Steinberg (Taf. loa). H. 1,35 m; B. 
0,94 m. Kniefigur in weißer Weste und blauem goldtressenbesetzten Leibrock. 
Stehend. Grauer Grund mit Säule und Landschaftsausblick. Blaßroter Vor- 
hang rechts oben. Signiert Peint par Godefr. Boy p(eintre) d(u) r(oy) IJSS- 
Angeblich Friedrich HL v. Steinberg. Da dieser jedoch schon 1750 gestorben 
ist, dürfte der Dargestellte eher mit dem ehemaligen hannoverschen Staats- 
minister und Großvogt von Celle, Ernst H. v. Steinberg (f 1759), zu iden- 
tifizieren sein. 

17. König Friedrich L von Preußen. H. 0,835 nij ß- O5655 m. Oval. 
Brustbild. 

18. Königin Sophie Charlotte vonPreußen(?). H. 0,72 m; B. 0,545 m. 
Oval. Halbfigur. 

19. König Georg IL von England. H. 0,79 m; B. 0,548 m. Halbfigur. 

20. Bischof Clemens August von Hildesheim. H. 1,33 m; B. 1,075 ni- 
Kniefigur, stehend. Blauroter Umhang mit Schulterkragen aus Hermelin. 
Als Hintergrund stumpfroter Vorhang und Säule. 

21. Der Herzog von Cambridge. H. 0,65 m; B. 0,54 m. Brustbild in 
mittleren Jahren. Rote Uniform. Dunkelgrauer Grund. Gemalt von Martin 
Gensler (signiert Af G in verschlungenen Kapitalen) um 181 5. 

22. König Ernst August von Hannover. H. 0,61 m; B. 0,545 m. 
Brustbild in Gardehusarenuniform. Um 1840. 

23. Fürstliche Dame (Taf. lob). H. 1,24 m; B. 1,05 m. Kniefigur, 
stehend, an einem Felsblock zur Rechten gelehnt. Gewand aus Goldbrokat 
mit silbernem und grünem Muster. Roter, hermelingefütterter Umhang. 
Den Grund bildet eine Felswand, vor der links ein skulpierter Faunskopf auf 
hohem Postament, grau in grau, sichtbar wird. Am rechten Rand hellblauer 
Wolkenausblick, retuschiert, i. Viertel 18. Jh. 

24. Frau V. Hedemann, geb. v. Ahlefeld. H. 0,25 m; B. 0,174 ^i- 
Hinterglasmalerei (?). Brustbild in Innenoval. Um 1800. 

25. Frau V. Hedemann, geb. v. Mutius. H. 0,305 m; B. 0,24 m. 
Pastell. Oval. Brustbild. In der Art des J. H. Schröder um 1800. 

26. Frau V. d. Decken, geb v. Hedemann, Oberhofmeisterin der 
Königin Marie von Hannover. H. 0,18 m; B. 0,135 m. Öl auf Kupfer. Brust- 
bild. Um 1850. 

27 — 33. Die sieben freien Künste. H. 0,55 m; B. 0,455 i^- Weib- 
liche Halbfiguren. Anfang 17. Jh. Deutsch, anscheinend nach niederlän- 
dischen Vorbildern. Kleinere Übermalungen. 



30 BRÜGGEN 

34. Gott er fcs tmahl. H. 0,556 m; B. 0,754 m. Öl auf Eiche. Am Meeres- 
strand rechts die schräg in die Tiefe gestellte Göttertafel; im Hintergrund 
rechts eine bewaldete Felsenlandschaft, links eine Meeresbucht mit den heran- 
nahenden Seegöttern. Deutsch, Anfang 18. Jh. 

35. Madonna mit Kind. H. 0,486 m; B. 0,375 m. Oval. Halbfigur 
im Profil. Nach Aufschrift auf der Rückseite von [Frans oder Johann] Rie- 
penhauscn, Rom 1808. 

36. Flußmündung (Taf. lod). H. 0,235 ^':> B- 043 ^- Öl auf Holz 
(Linde?). Helle graue Farbtöne; der Vordergrund ist beschattet. An dem 
Kahn vorn links die ligierte Signatur VC oder VG. Niederländisch oder 
deutsch, 18. Jh., in der Art niederländischer Gemälde des 17. Jhs. 

37. Bauernhäuser am Flußufer (Taf. loe). Gegenstück zu Nr. 36. 
An dem Fischerboot rechts die Signatur. 

38. Flußlandschaft. H. 0,125 rn? ß- O5I55 "i- Öl auf Kupfer. In der 
Bildmitte eine hohe schmalbogige Brücke mit Kreuz und Hütte. Durchblick 
in den weiß-bläulich aufgehellten Hintergrund. Vor der Brücke am Flußufer 
links zwei Fischerkähne, rechts zwei Wassermühlen. Braun-grünliche Farben; 
Himmel grau bis weiß-blau. Miniaturhafte Ausführung. Art des Herman 
Saftleben. 2. Hälfte 17. Jh. 

39. Verkündigungsengel. H. 0,625 m? ß- O5457 ^- Bruststück (Aus- 
schnitt). Der Engel ist im Profil nach links gesehen; mit der Rechten zeigt 
er auf die Lilie, die er in der Linken (nicht sichtbar) trägt. Gewand hellviolett 
und rot. Auf der Rückseite die fast unleserliche alte Beschriftung: Luigi Garzi? 
Um I 700. 

40. Knabe mit Taube im Arm. H. 0,64 m; B. 0,48 m. Halbfigur. 
Sehr nachgedunkelt. Italienisch. 18. Jh. 

Möbel. 

Die Haupträume enthalten eine größere Anzahl Möbel des 17. und 18. Jhs. 
aus Esche und Nußbaum, teilweise mit eingelegten beinernen Figürchen, 
geometrischen Einlegemustern oder Messingbeschlägen. 17., 18. Jh. Ein- 
zelne Stücke sind aus anderen v. Steinbergschen Gütern übernommen. 



SCHLOSSKIRCHE. 

Im Mittelalter dem hl. Zyriakus geweiht (wahrscheinlich geht das Pa- 
trozinium auf die Kapelle des Königshofes zur Zeit Ottos I. zurück). 
Rechteckiger Saalbau 1704 — 06. 

ÄUSSERES. 

Verputztes Bruchsteinmauerwerk. Tür- und Fenstergewände, Sockel und 
Kranzgesims aus Kalk- und Sandwerkstein. Langseiten zu fünf, Schmalseiten 
zu zwei Achsen. Der Sockelstreifen ist auf der äußeren Langseite durch 
Tieferlegung des anschheßenden Gartenteils zu einem Sockelgeschoß ausgebildet, 
in dem die Grüfte liegen. Rundbogige Hauptfenster. In der Mitte der Hof- 
seite ein rundbogiges Portal mit architektonischer Umrahmung (gekuppelte 
Pilaster mit gebrochenem Segmentgiebel), darüber ein querovales Oberlicht 
(Taf. 12 d). Auf der gegenüberliegenden Seite in entsprechender Anordnung 
ein annähernd quadratisches unteres und ein querovales oberes Fenster. Tür 
und Fenster der Gruft sind rechteckig. — Pfannengedecktes Walmdach. 



BRUGGEN 



Ol 



Abb. 8. Grundriß der Schloß- 
kirche. 




H»3 



INNERES (Taf. 7a). 

1827 — 31 vollkommen neu eingerichtet (Greiffenhagen). Geputzt und 
geweißt. Hölzernes Spiegelgewölbe. Im Spiegel drei Blattrosetten innerhalb 
von Kreisfeldern, durch eine gemeinsame, rechteckige Rahmenleiste zusam- 
mengeschlossen. Fußbodenbelag aus roten Sandsteinplatten; im Chorteil 
schwarz-weiße Fliesen. — Die Gruft ist etwa halb so breit wie das Kirchen- 
schiff; sie besteht aus zwei Kammern, dazwischen liegt ein Mittelgang, in 
den eine mit Steinplatten verschließbare Öffnung im Kirchenboden hinab- 
führt. Beide Kammern haben gratige Kreuzgewölbe (Gewölbeanschnitte 
korbbogenförmig). Gewölbe und Wände sind geputzt und geweißt. Gleich- 
zeitig mit dem Oberbau. 

AUSSTATTUNG. 1827 — 31. Farbgebung unlängst erneuert, weiß, teilweise mit 
hellem Ocker und Gold, einheitlich für Nr. i — 5, 7, 11. 

1. Kanzelaltar. H. ca. 6,06 m; B. 8,36 m. Tanne. Die Altarwand 
wird durch vier jonische und korinthische Halbsäulen gegliedert. Das breite 
horizontale Deckgebälk ist über dem inneren Säulenpaar vorgekragt und über- 
höht. Am Fries Palmettenornament. Fünfseitig vortretender Kanzelkorb. 
Rundbogige Seitendurchgänge; darüber ein Zwischengesims und hochovale 
Inschriftfelder mit Seligpreisungen. — Mensa. Aus Kalksteinquadern auf- 
gemauert, wohl 1704-06; gleichzeitig mit der Altarwand in Holz verschalt. 
— Altarschranken mit Eckpfeilern, deren Vasenbekrönungen als Opfer- 
stock und Taufbecken dienen. Zinneinsatz in der Taufvase (Engelstempel, 
engl. Block-Zinn, Joh. Conr. Flegel 180..; Liste II, 14). 

2. Umwandete Chorsitze, an die Altarwand anstoßend. H. 2^50 m. 
Tanne. In den Wandungen rundbogige Fensteröffnungen. 

3. Gestühl. Tanne. 

4. Empore, vor der südlichen Schmalseite. H. ca. 3 m. Tanne. Über 
der Brüstung Rundarkaden wie bei den Chorsitzen. In der Mitte bündig 
mit der Brüstung der Orgelprospekt. Nach der Hofseite zu abgetrennt die 
Herrschaftsprieche mit flacher Bretterdecke. 

5. Orgel. Prospekt. H. ca. 4,67 m; B. ca. 4,11 m. Tanne. Fünf Achsen 
mit flach-dreieckigem Giebelabschluß. Das mittlere Pfeifenfeld schneidet 



:}2 BRÜGGEN 

rundbogig in das Giebelfeld ein. Vor dem stark erhöhten Unterbau ist 1922 
ein Gemälde zum Andenken an die Gefallenen des Weltkrieges angebracht 
worden: Christus als Retter in der Schlacht. Öl auf Leinwand. Signiert 
Th. Baierl, München. — Elektrisches Werk von Furtwängler und Hammer, 
Hannover; 1922. Das alte Werk war 1829 von dem Orgelbauer Bethmann 
in Linden angefertigt. 

6. Gefallenentafeln 1870/71 und 1914-18. 

7. Kronleuchter. ca. 2,05 m. Holz. Zweigeschossige Ampelform 
mit sechzehn und acht Armen. Der Ampelboden ist strahlenförmig gerippt 
und mit Muschelornamenten versehen; im Zentrum eine Rosette mit Zapfen, 
auf dem Rand Palmettenaufsätze. Als Träger des oberen Lichterkranzes 
dient ein schlichter Holzreif. Die hakenförmig aufwärts gebogenen Arme 
(Eisen) haben Blatthüllen und Rosettenteller (Holz). 

8. Altarkruzifix. H. 1,185 m. Gußeisen. 

9. Zwei Altarleuchter. H. 0,75 m; B. 0,248 m. Linde (?), vergoldet. 
Akanthusdreifuß; Doppelbalusterschaft mit Spiralriefung. 

IG. Bibel. In -4". 18 19. 

11. Wappenstein, hinter dem Altar. H. 0,665 "ij ß- O585 m. Rötlicher 
Sandstein. In einem von Pilastern gerahmten Feld die Wappen v. Steinberg 
und V. Oldershausen auf gestocktem Grund. Am Sockelfries bezeichnet: 
Cordt V. Steinberge, Magdalena v. Oldershusen 1S76. Anscheinend von einem 
älteren Bau des Gutshofes. 

12. Liedertafeln. Holz. H. 1,40 m. 

13. Glocken, siehe Torturm. 

14. Elf Särge, in der Gruft. Geradlinige Formen. Die sieben älteren Särge 
Eiche mit Zinnbeschlägen; auf dem Deckel zumeist ein Kruzifix, an den 
Schmalseiten Wappen und Inschriftplatten, ebenfalls Zinn. 1743 — 1933. 

TORBAU (Taf. 7 b). 

Zweistöckiger Baukörper auf breitrechteckigem Grundriß, verputzt, mit 
Hausteingliederungen (Kalkstein). Der Putz ist teilweise erneuert. In der 
Mitte eine gratig überwölbte Durchfahrt. Tore mit Korbbogenschluß inner- 
halb gequaderter Wandvorlagen. Im Scheitel des einen Torbogens das Datum 
171(6?). Neue Schiebetür auf der Straßenseite. Rechteckige Fenster. Vor- 
tretende Eckquader. Flach ansteigendes Walmdach, zu einem achteckigen 
Fachwerkturm überleitend. Dach und Turm sind mit Schiefer gedeckt und 
verkleidet (Deckung teilweise erneuert, unten in englischem, oben in deut- 
schem Muster). Die Schallöffnungen sind rundbogig, auf den Diagonalseiten 
nachträglich (aber doch wohl schon im 18. Jh.) zugeschalt. Haube mit offener 
Laterne. In der Windfeder das Steinbergsche Wappentier. — Im Inneren 
ehemafs Gefängnis- und Gerichtsräume, jetzt Hofbeamtenwohnung. — Zwei 
Glocken: i. in der Laterne. 0,55 m. Am Hals zwischen Weinblatt- und 
Rankenfries mit weiblichen Halbfiguren in Kapitale : Mette von Wrisberg Jacob 
von Steinbergen nachgelassen Wittib Anno 1599; darunter das Steinbergsche 
Wappen. 2. im unteren Turmgeschoß. 0,94 m. Am Hals ein spiegelbildlich 
gedoppelter Fries aus verschlungenen Rankenbändern. An der Flanke in Kapitale 
auf der einen Seite: A & S^. Gloria in excelsis deo. Frideric(us) a Steinberg 
haerfes) in Burcheim patron(us) eccles(iae) ibid(em) me transfundi fecit a(nno) 
Ch(risti) 1674 pond(o) IX c(entum) VIII Hb (ras); auf der anderen Seite: 



BRÜGGEN 



33 





Abb. 9. Brüggen, Schloß. Auf- u. Grundriß des Torbaues. 

M.Henri Mavors P(astor); darunter: Heise Meyer gos mich. [Eine weitere 
zersprungene Glocke von 1592 ist 1887 beim Guß einer neuen Glocke für 
die Pfarrkirche eingeschmolzen worden; siehe S. 21.] 



WIRTSCHAFTSGEBÄUDE. 

Die an den Torbau beiderseits anschließenden Ställe. Die Umfassungs- 
wände sind nach der Straße zu steinsichtig, auf der Hofseite neu verputzt; 
anscheinend nachträglich um etwa i m erhöht (Ende 19. Jh.?). Tür- und 
Fenstergewände Sandstein. Pfannengedecktes Satteldach, teilweise erneuert. 

Die große Scheune an der Nordostecke des Hofes. Verputzte Wand- 
flächen (der Putz ist teilweise erneuert). Kräftiges hölzernes Dachgesims. 



34 BRÜGGEN 

Kalksteingewände an Tor, Tür und Fenstern. Die Straßeneinfahrt ist im 
19. Jh. erneuert. Pfannengedecktes Krüppelwalmdach. 

Die ehemalige Brauerei, jetzt Meierei und Stallung; an der 
Südostecke des Hofes. Der Aufbau entspricht der großen Scheune. Zwei 
Stockwerke. Im Zusammenhang mit der Anlage des alten Kavalierhauses 
ist der Bau verkürzt und durch eine Fachwerkwand geschlossen worden. 

Die ehemalige Meierei, jetzt Pferdestall und Wagenremise; 
auf der Nordseite des Hofes. Verputzt. Unregelmäßige Achseneinteilung. 
Türen und Fenster mit Sandsteingewänden; auf der Außenseite teilweise 
querovale Oberlichter mit Zargenrahmen (18. /19. Jh.). Auf der Hofseite zwei 
rundbogige Wagentore, das eine datiert 1686, das andere modern. Über der 
mittleren Hoftür ein Alliancewappen v. Steinberg — v. Münchhausen. Pfannen- 
gedecktes Krüppelwalmdach. 

Das ehemalige Kavalierhaus, jetzt Verwaltungsgebäude; auf 
der Südseite dts Hofes. Zweigeschossiger Fachwerkbau. Langseiten mit 
weiß geschlämmten Gefachen und flachen Dreiecksgiebeln über den Mittel- 
achsen. Pfannengedecktes Krüppelwalmdach. Anfang 19. Jh. (auf dem Garten- 
plan von 1793, s. u., noch nicht angegeben). 



PARK. 

Der Park bedeckt ein unregelmäßig viereckiges Areal, dessen Seiten im 
Osten von dem Schloß und einer nordwärts in gleicher Flucht verlaufenden 
Straße, im Norden von einem Feldweg, im Westen und Süden von der Leine 
und dem angrenzenden Mühlengrundstück gebildet werden. Im Süden ist 
außerdem ein schmaler Gartenstreifen vor die Kapelle und die beiden folgenden 
Hofgebäude vorgelegt. Die freie Gestaltung des Parks im englischen Geschmack 
stammt vom Ende des 18. Jhs.; der Nordostteil ist dem Wirtschaftsgarten 
vorbehalten. — Eine Reihe von Gartenplänen in der Schloßbibliothek läßt 
die allmähliche Entwicklung aus einer Anlage französischen Stils zu der heu- 
tigen Form erkennen: 

1. Plan „zu einer Anleitung der vorhabenden Veränderungen" 176^. 
H. 0,413 m; B. 0,43 m. Die Parkfläche enthält zwei parallele Hauptachsen 
mit je zwei Rondellen. Die südliche Achse, die senkrecht vor der Schloßmitte 
ansetzt, ist über die Leine verlängert geplant; zugeordnet sind ihr vier Neben- 
achsen. Die nördliche Achse führt auf die Westecke an der Leine zu, wo ein 
Hügel mit Obelisk angegeben ist (an der gleichen Stelle befindet sich jetzt 
ein kleiner klassizistischer Pavillon). Querverbindungen sind sowohl parallel 
zum Schloß wie zur Leine gezogen. Der um die südliche Achse gruppierte 
Hauptteil des Parkes bildet ein queroblonges Rechteck mit stumpfer Dreiecks- 
spitze gegen Westen; er enthält Rasenflächen und an den Seiten Gemüsebeete. 
Um die zweite Achse ist im vorderen Teil wie noch heute der Küchen- und 
Obstgarten angeordnet; der hintere Teil zeigt wiederum Rasenflächen mit 
freieren Baumpflanzungen und einem Entenfang. 

2. H. 0,341 m; B. 0,27 m. Signiert J. F. Barnstorff 177 S- Allgemein ge- 
haltene Skizze. Der hintere Teil der nördlichen Hauptachse ist aufgegeben; 
ein stumpfwinklig gebogener Querweg führt auf die Grenze im Norden zu. 

3. H. 0,416 m; B. 0,535 ni- ^777- Der ganze hintere Teil des Gartens ist 
in englischer Manier verändert und mit Bäumen bepflanzt. Die der südlichen 
Hauptachse anliegenden Stücke der alten Dreiecksspitze (s. Nr. i) sind ur- 



BRÜGGEN 35 

sprünglich noch als Rasenflächen gezeichnet, durch Deckblätter jedoch mit 
zu dem englischen Teil hinzugezogen. 

4. H. 0,901 m; B. 0,64 m (Abb. 5 S. 22). Signiert Ludewig Staywasser, 
1793. Der ganze Park ist nach englischer Art umgestaltet (auch der eng- 
lische Teil von Blatt 3 ist nochmals verändert). Vom Schloß bis zur Leine 
erstreckt sich eine große, unregelmäßig geformte, von Baumkulissen eingefaßte 
Rasenfläche. 

5. H. 0,279 m; B. 0,199 ni. Von der gleichen Hand wie Nr. 4. Noch 
weitergehende Durcharbeitung im englischen Stil. Anscheinend nicht aus- 
geführt, da der auf dem Plan nicht mehr eingetragene Entenfang (s. Nr. i) 
ausgetrocknet noch heute vorhanden ist. 

GUTSMÜHLE, 
südlich an den Gutspark angrenzend. 

Nach Greiffenhagen wahrscheinlich eine der Mühlen, die in den Urkunden von 
997 und 1207 als zum Haupthof Brüggen gehörig aufgeführt sind. 1380 dem Syverd 
Bock zu L-hen gegeben. 

Das jetzige Mühlengebäude ist ein massiver Backsteinbau von 1869. 

POSTHOF, 

südwestlich außerhalb des Dorfes an der Göttinger Landstraße jenseits der 
Leine. 

Nach Greiffenhagen 1741 von Staatsminister Ernst v. Steinberg als Relais der 
churfürstlich hannoverschen Post mit Gebäuden zum Einstellen der Beiwagen und 
Postpferde eingerichtet, 1742 mit einem „Post-, Gast- und Logierhaus" versehen. 
1755 erklärte Georg H. urkundlich, daß die Post von dem Posthofe nie verlegt werden 
sollte. Jetzt Vorwerk des Gutes. 

Der Hof liegt an einer leichten Krümmung der Straße, die von Nordwesten 
her geradlinig und fast achsengerecht auf ihn zukommt und dann an seiner 
Westseite vorbeiführt. Er hat eine langrechteckige Form. Die Südostschmal- 
seite nimmt das ehemalige Logierhaus ein, auf den Langseiten befinden sich 
ein Stall, eine Remise und eine Scheune. Die Nordwestschmalseite ist durch 
eine Bruchsteinmauer mit unsymmetrischer Einfahrt geschlossen. 

DAS EHEMALIGE LOGIERHAUS von 1742 (Taf. 17 d). 

Zweistöckiger verputzter Bruchsteinbau mit pfannengedecktem Krüppel- 
walmdach. Der Putz (Kalk) ist stellenweise schadhaft. Werksteingheder (Fenster- 
und Türgewände usw.) in Kalkstein. Hohe Kellerzone mit abschließendem 
Bandsims. An den Ecken vortretende Quaderverzahnung. Breitseiten zu 
sieben, Schmalseiten zu zwei Achsen. Rechteckige Fenster. Flachbogige Tür 
über einer zweiarmigen Freitreppe. — Im Inneren (stark verbaut) ein mitt- 
lerer Eingangsraum, an den sich nach rückwärts die unsymmetrisch verschobene 
Treppe mit drei um eine offene Spindel gelegten Läufen anschließt. Beider- 
seits Zimmer. 

HOFGEBÄUDE, 1741. 

Langgestreckte einstöckige Bruchsteinbauten, verputzt, mit Tür- und 
Fenstergewänden in Kalkwerkstein. Längs der Straße der ehemalige 
Pferdestall (jetzt Schweinestall) mit Satteldach. Das gegenüberliegende, 



36 BRÜGGEN 

etwas längere Gebäude enthält im südlichen Drittel eine Wohnung, im übrigen 
Remisen mit zwei Einfahrten. Auf der gleichen Seite folgt gegen Nordwesten 
hin eine Scheune. Remisengebäude und Scheune haben beide Walmdächer; 
im 19. Jh. sind sie durch einen Fachwerkzwischenbau miteinander verbunden 
worden. Das eine der ursprünglich rundbogigen Scheunentore ist jetzt recht- 
eckig verbreitert. 



BURGSTEMMEN 

Dorf. 12 km westlich von Hildesheim am östlichen Leineufer. 757 Einwohner. 
Haufensiedlung. Der Ort wird zuerst 996 als Stemne (i), 1022 als Stemnon (2, 3) 
erwähnt; seit dem 13. Jh. findet sich zur Unterscheidung von dem nördlich ge- 
legenen Nordstemmen die mit „Burg" (wegen der Nähe der Poppenburg) zusammen- 
gesetzte Namensform: 1290 Borchstemne (4), 1301 und 1309 Borchstempne (5, 7); 
im 12. Jh. kommt auch einmal Suthstemne vor (9). Ein Gotteshaus muß schon zu 
Ende des 10. Jhs. vorhanden gewesen sein, denn Bischof Bernward bestimmt in 
seinem Testament, das ins Jahr 996 gelegt wird, die Kirche in (Burg-) Stemmen für 
die Kreuzkapelle des (späteren) Michaelisklosters in Hildesheim (i). Das Michaelis- 
kloster ist dann bis zu seiner Auflösung im Besitz des Patronatsrechtes geblieben, 
wenn es auch 1302 Ordenberg Bock mit dem Recht der Ernennung und Präsen- 
tation belehnt und sich nur die Einweisung des neuen Pfarrers vorbehalten hatte (6). 
Die Namen einiger Pfarrer aus dem Mittelalter sind urkundlich überliefert. Von 
einem Pfarrer Herman ist auch das Siegel erhalten, mit dem er 1350 sein Testament 
besiegelt hat (8). 

Quellen: U. B. Hochstift Hildesheim I 38 S. 27 Z. 32 (i), 68 S. 69 Z. 11 (2), 
69 S. 72 Z. 14 f. (3); ni 854 S. 442 (4), 1320 S. 636 (5), 1381 S. 661 (6), 1680 S. 792 
{-]); V u. a. 358 S. 196 f. (8); VI 901 S. 609, Nr. 6 S. 990 (9), Nr. 40 S. 1069 — 
Staatsarchiv Hannover: Originalurkunde Kl.-Wülfinghausen Nr. 137 (8) — Hann. 
Des. 83 Hannover H 944, Burgstemmen: Repar. der Kirche 1766 — 1830 — Pfarr- 
archiv (vgl. Peters) — Registratur des Gemeindevorstandes, Verkoppelungsrezeß von 
1850 mit Karte (vgl. Peters). — Literatur: Ahlhaus, Geistliches Patronat S. 34, 
73 Anm. 20, 93, 110 — Beiträge 2 S. 184 f. — Bertram I S. 161, 301, 302 — Busse, 
Memorabilia S. 42 — 47 — Hennecke, in ,, Unsere Heimat" S. 375, 379, 381 f., 389, 
402, 419, 421, 437 f., 440 — Hennecke, in Zs. d. Ges. f. niedersächsische Kirchen- 
geschichte 1929 S. 174 — Lauenstein S. 294 — Lüntzel, Alt. Diözese S. 224 f., 414, 
429 — Lüntzel, Geschichte I S. 179 — Mithoff HI S. 26 — Mithoff, Zs. 1864 S. 307 
— Sonne V S. 87 f. — Starcke S. 78 f. — G. W. Bock v. Wülfingen, Geschichte 
der B. v. W. 

EVANG. PFARRKIRCHE, 

angeblich dem hl. Michael geweiht (Busse). 

Einschiffige romanische Bruchsteinkirche, um 1200. Im 17. und 18. Jh. 
gründlich instand gesetzt und in einzelnen Teilen verändert: Nach Busse, 
dessen Angaben allerdings übertrieben zu sein scheinen, ist 1766/67 der Bau 
„funditus refectum ac ampliatum necnon interjecto aliquot tempore novis 
fenestris ornatum" d. h, abgesehen von der Vergrößerung der Fenster sind 
vor allem die Umfassungsmauern von Schiff und Chor erhöht und die Dächer 
erneuert worden. Die Gewölbe sind dagegen wohl unberührt erhalten ge- 
bheben (anders Dehio/Gall, Handbuch Bd. i S. 151), jedenfalls entsprechen 
sie nach Form und Technik dem ursprünglich vorauszusetzenden Zustand. 
Eine Erweiterung ist entgegen dem Busseschen Wortlaut nicht erfolgt. Über 
den Turm bringt Busse bei Behandlung der Amtszeit des Pastoren Cygnaeus 
(1625 — 48, vgl. Ausstattung Nr. 6) die Angabe: „Turrim aedificandam aut 
reficiendam curavit". In Wirklichkeit kann es sich aber nur um Ausbesse- 



BURGSTEMMEN 



37 



rungen des mittelalterlichen Mauerwerks gehandelt haben. Inschriftliche 
Daten für Reparaturen sind weiterhin am Turm selbst 1602 (?) und 1830. 
Der Turmhelm ist zufolge emer Nachricht im Turmknopf 1599 aufgesetzt 
und 1676 ausgebessert worden (s. Hennecke in „Unsere Heimat" S. 438); 
nach Blitzschlag 1862 erneuert. — Die Kirche liegt im nördlichen Teil des 
Dorfes auf dem gegen die Straße erhöhten und durch eine Bruchsteinmauer 
abgestützten Friedhof. Nach Westen zu steigt das Terrain infolge nachträg- 
licher Aufschüttungen (?) allmählich an, so daß Schiff, Chor und Apsis der 
Kirche fortschreitend tiefer im Boden eingesunken erscheinen. 




Abb. 10. Burgstemmen. Grundriß und Schnitt der Kirche. 




ÄUSSERES (Taf. 12b). 

Der Bau setzt sich zusammen aus einem zweijochigen Schiff, einem 
etwas niedrigeren, eingezogenen Chor und einer entsprechend abgesetzten 
halbrunden Apsis; der Westfront liegt ein etwas schmalerer Turm vor. Das 
Mauerwerk besteht aus Kalkbruchstein, und zwar vorwiegend aus flachen 
Steinen, dazwischen quadermäßigen Blöcken. An den Ecken bündige Quader- 
verzahnung. Ausbesserungen besonders an Schiff und Chor. Schadhafter 
Kalkputz mit Zementdecke (19. Jh.). Tür- und Fenstergewände sind soweit 
mittelalterlich, aus Kalkstein, soweit barock aus Sandstein. 

Der Turm ist gliederungslos aufgeführt. Auf der Westseite ist ein un- 
regelmäßiger Fundamentabsatz sichtbar. Die Eckquader sind im unteren 
Turmdrittel erneuert (Sandstein, bcrock?). Das ursprüngliche gekehlte Kranz- 
gesims ist großenteils durch Steine mit Karniesprofilierung ersetzt. Rundbogige, 
gekuppelte Schallöffnungen, teilweise verändert und durch Brüstungen ver- 
kleinert; diejenige der Nordseite zeigt ein basis- und kapitälloses Teilungs- 
säulchen (mittelalterlich ?) mit trapezförmigem Sattelstein, bei der entsprechen- 
den Öffnung der Westseite ist die eine Hälfte zugesetzt und durch die Turm- 



38 BURGSTEMMEN 

uhr verdeckt (flach gekehlter Sattelstein). Auf der Süd- und Ostseite waren 
ursprünglich die Teilungssäulchen mit Bogenplatten innerhalb eines Um- 
fassungsbogens eingesetzt; das jetzt noch vorhandene Teilungsglied der Ost- 
öffnung ist dagegen nachträglich eingefügt (romanisches Säulenbruchstück). 
In den unteren Turmgeschossen Lichtschlitze. Westtür mit querrechteckigem 
Oberlicht. Das rechte Türgewände wird durch Sandsteinquader in der Art 
der Eckblöcke gebildet, das linke Gewände besteht aus einem jüngeren Stein- 
pfosten; am Sturz: Renov. i8jo. Über dem Oberlicht eine in die Wand ein- 
gelassene Platte mit der Jahreszahl 1602 (oder 1692?). Die bei Mithoff 
angegebenen Daten beruhen sicher auf falschen Nachrichten. Das Schiff ist 
gegen den Turm mit einer eigenen schwachen Westwand gegengesetzt. Die 
Eckquader sind im Südwesten ganz, im Nordwesten und Nordosten teilweise 
erneuert (oder überarbeitet); die Südostecke ist stark abgewittert. Die Über- 
höhung der Langseiten ist besonders deutlich auf der Südseite, wo die romanischen 
Mauern nach oben stärker ausgewichen sind als im Norden. Die Giebel- 
bzw. Firsthöhe ' ist unverändert. Die Fenster sind flachbogig geschlossen, 
anscheinend gleichzeitig mit der Erhöhung der Umfassungswände, da das 
über ihnen liegende Stück romanischer Mauer ausgebrochen und mit dem 
aufgesetzten Mauerstreifen zusammenhängend ergänzt worden ist. Rechts 
unterhalb des Westfensters der Nordseite Reste eines spitzbogigen Portals 
(14. Jh. ? Scheitel-H. jetzt 1,20 m). Unter dem Westfenster der Südseite 
Gewändeteile eines älteren, tiefer liegenden Fensters mit abgefasten Innen- 
kanten (16. Jh.?). Der Chor ist einjochig. Die Überhöhung der Mauern ist 
unter dem Verputz nicht erkennbar, doch läßt sie sich aus der Form des Ost- 
giebels, der ursprünglich steiler gewesen sein muß, erschließen. Eckverzah- 
nungen wie an der Nordseite des Schiffes. Auf der Südseite ein flachbogiges 
Barockfenster, auf der Nordseite ein bedeutend höher liegendes romanisches 
Rundbogenfenster. — Die halbrunde Apsis hat gegen Osten ein kleines Rund- 
bogenfenster (H. des unteren Scheibenrandes über dem Erdboden 1,20 m, 
über dem inneren Apsisfußboden 2,23 m). 

Satteldächer mit Kehlbalkenkonstruktion über Schiff und Chor. Über 
der Apsis ein halbes Zeltdach. Pfannendeckung. Der Turmhelm ist nach 
einer scharfen Einziehung in eine spitze achteckige Pyramide übergeführt. 
Schieferdeckung. 

INNERES (Taf. 12a, 13a, b). 

Turmhalle mit gratigem Kreuzgewölbe in Bruchstein, auf Kuf gemauert. 
Die Gewölbeanschnitte sind rundbogig, die Grate verlaufen in den Ecken. 
Gegen das Schiff hin öffnet sich der Raum in einem großen Rundbogen ohne 
Kämpfer (H. 3,20 m; restauriert). — Das Schiff zeigt ebenfalls gratige Kreuz- 
gewölbe. In den Westecken und in der Mitte der Langseiten setzen sie auf 
gestelzten Pilastern mit geschrägten Basen und flachgekehlten Kämpfern auf 
(teilweise sind die Kämpfer durch die späteren Emporeneinbauten verdeckt); 
in den Ostecken sind unter den Gratansätzen viereckige Konsolen mit gerun- 
deten Unterkanten und wiederum flachgekehlten Kämpfern angebracht. Ein 
Gurtbogen zwischen den beiden Jochen ist nicht vorhanden; das Gewölbe 
ist daher im Grunde als eine Tonne mit einander berührenden Stichkappen 
anzusehen. Runder Triumphbogen mit Sockel und Kämpfer wie an den Ge- 
wölbepilastern des Schiffes. — Der Chor ist um zwei Stufen erhöht. Das 
auf Eckpilastern ansetzende Gewölbe entspricht dem Westjoch des Schiffes, 
der Gewölbescheitel liegt um ca. 0,90 m tiefer. Apsis mit halbrunder Kalotte. 



BURGSTEMMEN 39 

Gewölbe und Wände sind geputzt und geweißt, Triumphbogen und Wand- 
pfeiler bräunlich gestrichen mit ausgezogenen Fugen. Längs der Grate und 
Gewölbeanschnitte schmale Zierstreifen, in den Gewölbescheiteln Palmetten- 
ornamente und Rosetten; modern, wohl auf barocker Grundlage. Terrazzo- 
fußboden. 

Reste hochromanischer Wandmalereien in der Apsis Wölbung (Taf. 13 c, d): 
Eine Deesis mit den Evangelistensymbolen. Am besten erhalten ist, abgesehen 
von den Beinen, Füßen und dem linken Arm die Gestalt Christi. Er sitzt auf 
einem Thron mit halbrunder ( ?) Lehne innerhalb einer spitzovalen Mandorla. 
Links neben ihm erscheint der Oberkörper der stehenden Maria, der Matrhäus- 
engel (Halbfigur anscheinend mit Buch) und Reste des Markuslöwen; rechts 
eine Hand und Gewandteile des Täufers (Stier und Adler sind nicht mehr 
vorhanden). Außer dem grünlichen Mandorlagrund und gelben Farbresten 
in den Haaren Christi ist nur noch die rote Umrißzeichnung sichtbar. Erste 
Hälfte 13. Jh. (vgl. die vielleicht etwas jüngeren Malereien in Mahlerten). 
Unterhalb der Deesis ein Radkreuz; zugehörig? Nach Kratzspuren zu ur- 
teilen ist die Malerei übertüncht gewesen und erst in neuerer Zeit aufgedeckt 
worden, jedoch ist sie frei von jeder Retusche. An den Fehlstellen ist die 
Wand mit Zementputz ausgebessert. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung 19. Jh. hauptsächlich weiß und gelbHch, gold, 
rot marmoriert. 

1. Kanzelaltar. H. ca. 5,46 m; B. 2,97 m. Tanne und Linde. Drei- 
seitiger Kanzelkorb mit Eckpilastern zwischen gedrehten, bluten- und trauben- 
umwundenen Säulen auf ungewöhnlich hohen Sockeln. Schmale, durch 
Engelkopfkonsolen abgestützte Seitenteile mit Akanthusanschwüngen. Ver- 
kröpftes Deckgebälk; dreieckige Giebelansätze. Bekrönung durch ein Strahlen- 
oval mit dem Jahve-Namen. Auf der flachbogigen Kanzeltür ein Gemälde 
des Kruzifixus (H. 1,35 m; B. 0,745 nij Öl auf Leinwand). Unterhalb des 
Kanzelkorbes eine Abendmahlsdarstellung (Öl auf Leinwand). Kanzel und 
Altar gehören nicht zusammen. Der Altar stammt aus der Mitte des 18. Jhs., 
die Kanzel ist vermutlich etwas älter. Bei der Zusammensetzung (19. Jh.) 
wurde das ehemalige Altarbild auf der Kanzeltür befestigt, gleichzeitig wurde 
der ganze Aufbau überhöht (daher die Streckung der Säulensockel). Neuer- 
dings ist in den Apsidenbogen eine rote Tuchwand eingespannt. — Mensa. 
H. 1,17 m; B. 1,49 m; T. 1,36 m. Unterbau aus Sandsteinquadern. Deck- 
platte mit flach gekehltem Profil. Reliquiengrube mit zerschlagener Verschluß- 
platte aus rotem Marmor. In den hinteren Ecken Dübellöcher für einen Altar- 
aufsatz. Weihekreuze sind nicht vorhanden. Gleichzeitig mit dem Bau. 

2. Rest einer Taufe (Kessel); im Pfarrgarten. H. ca. 0,52 m; o ca. 
0,69 m. Sandstein. Zwölfeckig. Erhabener Randstreifen über gekehltem 
Profil. Anfang 16. Jh. 

3. Gestühl. Tanne, bräunlich gebeizt. Um 1900. 

4. Empore, an der West-, Nord- und Südwand des Schiffes. H. ca. 2,90 m. 
Eiche und Tanne. Nord- und Südflügel, die ehemals bis zum Chorbogen reich- 
ten, sind um 1920 bis vor die Fenster des Ostjochs verkürzt worden. Brüstung 
mit hochrechteckigen Füllungen, durch flache Pilaster gegliedert. Die Mitte 
des Westteils ist nach vorn leicht ausgewölbt. 18. Jh. 

5. Orgel, auf der Westempore. Prospekt. H. 3,42 m; B. 2,82 m. Tanne 
und Linde. Fünf Achsen mit überhöhtem, polygonalem Mittelturm und drei- 



40 BURGSTEMMEN 

eckigen Ecktürmen. Akanthusschleier. Schaupfeifen stumm, neu silber- 
bronziert. Die Mittclpfeife des Hauptturmes zeigt eine bärtige Satyrmaske 
am Maul, Spitze und oberer Pfeifenkörper sind vielfältig gemustert, i. Viertel 
i8. Jh. — Mechanisches Werk, modern. 

Epitaph-Platten zweier Pastoren, in der Nordwand des Chores. 
Sandstein, bemalt (Ölfarbe). Frontalfiguren der Verstorbenen innerhalb ge- 
schweift geschlossener Nischenfelder. Die Amtstracht ist bei Nr. 6 ein fuß- 
freier Talar, bei Nr. 7 ein langschößiger Rock mit Kniehosen und ein offener, 
bis zur Erde reichender Umhang. In den oberen Ecken zu selten des Kopfes 
Wappen. Unter den Figurennischen Inschriftfelder. Namensumschriften 
in ausgesparter Kapitale, Gold auf Weiß. 

6. Jacob Schwan, f 1648 Sontags für Martini im. 80. Lebensjahr nach 
23Jähriger Amtszeit (Taf. 13b). H. ca. 2,53 m; B. 1,05 m; RT. 0,05 m. Wappen: 
a) Schwan, weiß auf Gold; b) drei Rosen, rot auf Silber. Die Umschrift um- 
zieht nur die Figurennische. Auf dem Feld darunter eine von gemalten Vo- 
luten gerahmte schwarze Inschrifttafel mit dem ebenfalls aufgemalten Leich- 
text 2. Kor. 4, 5. 

7. Tobias Keilius, * 1617, 11. IV., f 1681, 17. IV. nach 32iähriger 
Amtszeit (Taf. 13b). H. 2,50 m; B. 1,09 m; RT. 0,075 ni- Wappen: a) die 
Initialen des Verstorbenen und ein einen Keil haltender Arm; b) die Initialen 

A. D. F., darunter eine sichelförmig gebogene gestielte Rose, Gold auf Silber. 
Die Umschrift läßt den unteren Plattenrand frei. Querovales Inschriftfeld 
mit Leichtext 2. Tim. 4, 18. 

Epitaph-Gemälde zweier Pastoren, an der Südwand des Chores. 
H. 1,98 m; B. 1,02 m. Öl auf Leinwand. Standfiguren in schwarzer Amts- 
tracht mit Allongeperücken vor dunklem Grund. Stark übermalt. 

8. Christian Henricus Werkmeister, f 1697, 2. VI. im 42. Lebens- 
jahr nach löjähriger Amtszeit. Der Dargestellte ist nach rechts zu einem 
Kruzifix mit der Beischrift Amor meus crucifixus gewandt. Links neben dem 
Kopf das Wappen: Zwei Herzen, das eine von einem Pfeil durchbohrt, das 
andere mit drei daraus hervorwachsenden Sternblumen. Darunter die Na- 
mensinschrift. 

9. Johannes Christophorus Prossel, * 1667, 3. IX. in St. Andreas- 
berg, f 1732, I.V. im 35. Jahr seiner Amtszeit. Der Dargestellte steht vor 
einem mit mehreren Büchern belegten grünen Postament, dessen Vorderseite 
auf schwarzem Kreisfeld in goldener Kursive die Namensinschrift und den 
Bibeltext 2. Tim. 4, 5 enthält. Signiert Senior pinxit 1732. 

Grabplatten der beiden vorgenannten Pastoren, außen an der 
Südseite des Turmes. Sandstein. Namensinschriften in ausgesparter Kapitale. 

10. Christian Heinr. Werckmeister (s. Nr. 8), * 1655, 11. VIII. in 
Vollmerdingen, f 1697, 2. VI., 00 mit Elis. Maria Lomeiers. H. 2,38 m; B. 
1,06 m; RT. 0,015 m. Leichtext i. Kor. 2, 2. Zwischen Leichtext und Na- 
mensinschrift das Wappen. 

11. Johann Christoph Prossel (s. Nr. 9), f 1732, i.V. H. 1,87 m; 

B. 0,87 m. Leichtext Hebr. 13, 7. 

12. Gedenktafel 1914/18, im Chor. Tanne. 

13. Zwei Gedenktafeln zur 400- Jahrfeier von Luthers Geburtstag 
und zur 300-Jahrfeier der Augsburger Konfession. In der Turmhalle. Öl 
auf Leinwand. 



BURGSTEMMEN 41 

14. Kronleuchter. H. 0,70 m; B. 0,68 m. Messing. Zwölf S-förmig 
herabgebogene Arme mit Fischmaulknoten in zwei Kränzen. Krönender 
Doppeladler; Kugel. 18. Jh. 

Altargerät. 

15. Kelch (Taf. 18 c). H. 19,5 cm; 14 cm. Silber vergoldet. Runder 
Fuß mit ornamentierter Zarge. Auf der Lehne aufgenietet a) eine dreifigurige 
Kreuzigungsgruppe auf doppelarmiger Volutenkonsole, b) ein Kruzifixus 
(ebenso wie bei a ohne Kreuz). Nodus mit Rotuln, denen Sternblüten frei 
vorgelötet sind. An der Ober- und Unterseite lanzettförmige Felder mit gra- 
viertem Maßwerk. Sechseckige Schaftstücke, darauf in spätgotischen Minus- 
keln oben Jhesvs, unten Marien. Unter dem Fuß: Henni Lindeman, Clamer 
Karnup 1690. i. Viertel 16. Jh. Aus dem Jahr der Stiftung stammt an- 
scheinend nur der einzelne Kruzifixus (b). — Patene, zugehörig? 14,6 cm. 
Silber. Die Vergoldung der Oberseite ist fast vollständig abgenutzt. 

16. Oblatendose. H. 7,3 cm; ca. 9,4 cm. Silber vergoldet. Zylin- 
drisch. Borgstemme 1736. Hildesheimer Beschau 1705; Meister HIB 
(Liste I, 14). 

17. Taufschale. H. 8 cm; o 23,4 cm. Zinn. Ohne Rand. An der Wan- 
dung: Hans Ziesenis Dorothea Plötzen 1704. Hildesheimer Beschau 1649 (?), 
doppelt; Meister C H (Liste H, 8). 

18. Zwei Altarleuchter. H. 27 cm; 16,5 cm. Messing. Runder, 
steilwandiger Fuß, Schaft mit Schaftring, tiefer Teller mit Zinnenrand. 
I5-/I6. Jh. 

19. Zwei Altarleuchter. H. 36 cm; 17 cm. Messing. Runder, 
gewölbter Fuß; Doppelbalusterschaft. Am Fuß in Kapitale: a) Anna Catarina 
Böttighers Ao 1662, b) Sigismundt Keiner Bauwmeister undt Muller zu Papen- 
burgk. 

Drei Abendmahlstücher. 

20. L. 75,8 cm; B. 45 cm. Hellgrüner Seidendamast mit symmetrischer 
Musterung aus distel- und pfingstrosenartigen Blumen. Goldspitze; grün- 
rote Eckquasten. Mitte 18. Jh. 

21. L. 52,5 cm; B. 46 cm. Roter Seidendamast. Musterung: chrysan- 
themenartige Blüten auf oblong gefeldertem Grund. Goldspitze. 18. Jh. 

22. L. 55 cm; B. 45 cm. Entsprechend Nr. 21. Eckquasten aus Gold- 
fäden. 

23. Opferstock. H. 0,69 m; B. 0,29 m; T. 0,23 m. Eiche. Auf der 
Kastentür in vertiefter Fraktur: Gebett so wird euch gegeben; am Stiel IS9S- 
Zinnaufsatz modern ergänzt. 

24. Glocke. 0,82 m. Am Hals zwischen Ringstegen und hängen- 
dem Kreuzblumenfries in spätgotischer Minuskel: Anno domini M'- CCCC° 
LXXXXVIII an daghe Dionisi do got Busse Jacop unde min name het Maria. 
Worttrennung durch Kreise und Kreuze. 

25. Zwei Glocken, Radler, Hildesheim, 1932. 



BOCKHOF, am Südrand des Dorfes. 

Der Hof war sicherlich schon im Mittelalter im Besitz der Böcke v. Wülfingerij 
da aus der Übertragung des Patronats über die Kirche an Ordenberg Bock 1302 
hervorgeht, daß die Familie damals hier begütert war. Witwensitz der Linie Elze. 



42 



BURGSTEMMEN 



Besitzer Major a. D. Bock v. Wülfingen, Hannover, Landrat i. R. Bock v. Wül- 
fingen, cbend., Oberingenieur Bock v. Wülfingen, Bremen. 

Herrenhaus. Zweistöckiger Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach, ge- 
baut 1838. Die Südseite ist massiv erneuert, das Innere teilweise verändert. 



KREUZSTEIN (Prozessionsstein), 

bei dem Gasthause „zum Bahnhof Poppenburg", siehe Hoffmann. 



DEILMISSEN 

Dorf. 7 km' südwestlich von Gronau. 244 Einwohner. Haufensiedlung. Die 
ältesten urkundlichen Namensformen sind (falls sich die Urkundenstellen wirklich 
auf D. beziehen) um 1219 Thetdelvessen (4), im 14. Jh. Dedelmissen (i, 2, 3). 

Quellen: Orig. Guelf IV S. 504 Note Nr. 39 (i) — Sudendorf U. B. I 184 
S. 107 Z. 20, S. 112 Z. 27 (2); VI 168 S. 181 Z. 25 (3) — U. B. Hochstift Hildesheim I 
733 S. 690 Z. 15 (4) — Pfarrarchiv Esbeck: Kapellenrechnungen von Deilmissen. 
Corpus bonorum bei der Kapelle zu Deilmissen 1779 (vgl. Peters) — Registratur des 
Gemeindevorstandes Deilmissen (vgl. Peters). — Literatur: Hennecke in „Unsere 
Heimat" S. 381, 385, 390, 436, 441 — Mithoflf I S. 24 — Rudorff, in Zs. des hist. 
Ver. f. Niedersachsen 1858 S. 314 f. — Sonne V S. 212 unter Esbeck — Vogell, 
Zs. 1862 S. 377. 



EVANG. KAPELLE, 

ehemals der hl. Maria Magdalena geweiht. Zugehörig zum Pfarrbezirk Esbeck; 
das früher bei dem benachbarten Gute Heinsen liegende Patronatsrecht ist 
erloschen. 

Gotische Bruchsteinkapelle, 14. /15. Jh., inmitten des Dorfes, umgeben 
von Schulhof und Lehrergarten. Veränderung von Tür und Fenstern und 
Anbau eines Leichhauses (jetzt Keller für den Lehrer) im 18. Jh. 




Abb. 11. Deilmissen. Grundriß der Kapelle. 



Äußeres (Taf. 22b). Der Bau ist gegen Osten in drei Seiten unregelmäßig 
geschlossen. Die Wandflächen sind in Kalk verputzt. Die Tür an der West- 
ecke der Nordseite und die Fenster sind schlicht rechteckig mit Sandstein- 
gewänden (die Sohlbänke sind im 19. Jh. teilweise ausgewechselt). In der 
Ostwand ist von innen unter dem Putz andeutungsweise ein zugesetztes Spitz- 
bogenfenster zu erkennen. Westgiebelwand in Fachwerk, mit Pfannen ver- 
kleidet. — Satteldach mit Pfannendeckung, über den Chorseiten abgewalmt. 



DEILMISSEN 43 

Dachreiter über dem Westgiebel, i8. Jh., 1853 überhöht und mit einem 
niedrigen, schiefergedeckten Pyramidenhelm versehen. Wetterfahne 18^3. — 
Das auf der Südseite angebaute ehemalige Leichhaus ist zum Teil keller- 
artig in den Boden eingesenkt und daher erheblich niedriger als die Kapelle. 
Bruchstein mit Kalkspritzputz (Ende 19. Jh.). Eingang von Osten. 

Inneres. Flache Schaldecke, rosa getönt. Wände geputzt und geweißt. 
Fußboden gedielt. 

AUSSTATTUNG. 

1. Altarmensa. H. 1,10 m; B. 1,665 "ij T. 1,05 m. Bruchstein, geputzt 
und geweißt, mit 0,24 m überstehender Deckplatte aus Sandstein. Geschrägtes 
Plattenprofil. Weihekreuze. Reliquiengrube in der Vorderwand des Unter- 
baues. 15. Jh. 

2. Taufe. H. 0,905 m; 0,51 m. Sandstein geweißt. Über quadra- 
tischem Sockel ein achteckiger Schaft mit Wulstring. Achteckiger, gekehlt 
ausladender Kessel mit senkrechten Wandungen, i. Hälfte 16. Jh. Eine 
Ecke des Kessels stark bestoßen. 

3. Gestühl. Tanne, gelblich gestrichen. Durchbrochene Rückenlehnen. 
1853 (Angabe des Herrn Lehrers). 

4. Empore, vor der Westwand; zusammengehörig mit Nr. 3. H. 2,11 m. 

1853. 

5. Altarleuchter. H. 19,5 cm; 11,2 cm. Zinn. Runder Fuß, Säulen- 
schaft. Engelstempel mit Meisterbuchstaben I G (Liste H, 19). Anfang 
19. Jh. 

6. Glocke. 0,55 m. Am Hals zwischen stehendem und hängendem 
Kreuzblumenfries und Schnurstegen in spätgotischer Minuskel: Anno d(omi)ni 
M CCCCC XIII O rex glorie xpe (Christe) vefnji cu(m) pace. Wort- und 
Zahlentrennung durch Brakteaten. 

7. Uhr. Schmiedeeisen. Anfang 19. Jh. 



DEINSEN 

Dorf. 5U km südwestlich von Gronau. 409 Einwohner. Haufensiedlung. Ur- 
kundlich 1382 Dedessen (i). Nach Baring hat der Ort ehemals Deynhiisen geheißen, 
zu seiner Zeit wurde er „gemeiniglich Deynsen, bisweilen auch Dedensen und Deensen 
geschrieben". 

Quellen: Sudendorf I 184 — U. B. Hochstift Hildesheim VI 546 S. 398 (i) 

— Pfarrarchiv Deinsen (vgl. Peters) — Registratur des Gemeindevorstandes Deinsen 
(vgl. Peters) — Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83a Hann. I, Ha Deinsen, 
Orgelbau 1844 — 49. — Literatur: Baring I S. 248 — 250 — Hennecke, in „Unsere 
Heimat" S. 379 f., 392, 402, 420, 436 f., 439. Abbildung des Taufsteins Taf. 50 

— Jahresbericht 1911 — 13 — Mithoff I S. 24 — Rudorff, in Zs. 1858 S. 315 — 317 — 
Sonne V S. 142. 



EVANG. PFARRKIRCHE. 

Nach den Reliefs auf einer nicht mehr erhaltenen Glocke (Nr. 15) ver- 
mutlich ehemals Maria und dem hl. Nikolaus geweiht. 



44 



DEINSEN 



Klassizistische Saalkirche, gebaut 1843 nach Plänen von Konsistorial- 
baumeister L. Hellner. Westturm in den unteren Teilen vermutlich roma- 
nisch, 12. Jh., in den oberen Geschossen gotisch, 14. Jh. 




Abb. 12. Dcinsen. Grund- 
riß der Kirche. 



ÄUSSERES (Taf. 22d). 

Ungegliederter querrechteckiger Turmkörper mit Treppengiebeln über 
den Schmalseiten. Das Mauerwerk besteht aus grobem Kalkbruchstein; 
die Werksteinglieder aus feinkörnigem Kalkstein. Die Wandflächen sind be- 
sonders im oberen Teil der Westseite stark ausgebeult. Die Ecken sind unten 
mit großen, verhältnismäßig regelmäßigen Blöcken, weiter oben mit kleineren 
Steinen besetzt. Die Ausfugung ist teilweise in Zement erneuert. Im Glocken- 
geschoß spitzbogige Schallöffnungen, und zwar auf der Westseite zwei ge- 
kuppelte, auf den Giebelseiten je ein einzelnes. Die Trennungspfeilerchen 
der Westöffnungen sind ausgebrochen (eins liegt noch im Inneren) ; die Bogen- 
steine der südlichen Westöffnung sind in Zement ergänzt (1934). Im Erd- 
geschoß drei rundbogige Eingänge, von denen diejenigen der Nord- und 
Westseite zugesetzt sind. Die Vermauerung des Westeingangs muß vor oder 
zusammen mit dem Einbau der Gewölbe im Inneren, d. h. bis spätestens 
Mitte 16. Jh. erfolgt sein; die Tür selbst dürfte aus dem 14. 15. Jh. stam- 
men. Alter und mit der Turmanlage möglicherweise gleichzeitig scheint der 
nördliche Eingang zu sein; die heute benutzte Südtür mit Gewändeabtreppung 
und verhältnismäßig regelmäßigen, mittelgroßen Gewändesteinen ist vermut- 
lich zusammen mit den Gewölben der Turmhalle in der i. Hälfte des 16. Jhs. 
gebrochen worden. Schräg über der Nordtür neben älteren Gewänderesten 
ein Fenster des 17./18. Jhs. (Sandsteingewände); ein gleichartiges Fenster im 
mittleren Turmgeschoß nach Westen. — Breitgelagertes Schiff mit geradem 
Ostschluß. Mauerwerk aus Kalksteinquadern. Die Langseiten haben sechs 
Achsen, von denen diejenigen an den Ecken jeweils zweigeschossig (mit Tür 
und Fenster bzw. zwei Fenstern übereinander) gegliedert sind. Die erste Achse 
ist risalitmäßig leicht vorgezogen. In den mittleren Achsen außergewöhnhch 
hohe, schmale Fenster. Auf der Ostseite ist der Mittelteil etwas zurückgesetzt 
und durch ein Gesimsband unterteilt. Im Untergeschoß eine Tür mit Datum 
/5^5, im Obergeschoß drei Fenster. Alle Fenster und Türen sind rundbogig. 
— Walmdach in Pfettenkonstruktion. Turm mit querliegendem Satteldach. 
Pfannendeckung. 



DEINSEN 45 

INNERES. 

Die Turmhalle ist mit zwei gratigen, gurtlos aneinander anschließenden 
Kreuzgewölben überdeckt (i. Hälfte i6. Jh.). Die Wandanschnitte haben 
eine verschliffen spitzbogige Form außer an der Westseite, wo sie den ehe- 
maligen Durchgängen zum Schiff entsprechend rundbogig sind. Als Ge- 
wölbeträger dienen in den Ecken eingestellte Pfeiler mit geschrägten Kämpfern, 
in der Mitte der Westwand ein gleichartiger Pilaster, an der Ostwand eine 
schräge, kämpferartige Konsole. Die Kämpfer der östlichen Eckpfeiler schlie- 
ßen an diejenigen der alten Durchgänge zum Schiff an. Gewölbe und Wände 
sind geputzt und geweißt; sehr schadhaft. Reste von Wandmalereien finden 
sich vor allem auf der südhchen Schildwand: Anbetung der hl, drei Könige; 
links Maria mit Kind und dem knieenden ältesten König, in der Mitte auf 
einem Fliesenboden der mittlere König mit einem ziborienähnlichen Gefäß 
in den Händen, rechts der jüngste König in engem Koller, Knierock, weiten 
Ärmeln, hohen Stiefeln. Mitte i6. Jh. — Das Schiff ist mit einer flachen 
Schaldecke geschlossen. Decke und Wände sind geputzt und vor dem Kriege 
neu gestrichen (grau, weißviolett, stumpfrot). Zementfußboden. Im Chorteil 
die zweigeschossige Altarwand. Das untere Geschoß bildet zusammen mit 
zwei beiderseits anschließenden, weiter vortretenden Nebenräumen (Sakristei 
und Treppenraum) eine quer durch den Chor gelegte, von Fenstern und Türen 
durchbrochene Scherwand, über der eine Empore liegt. Das obere, bis zur 
Decke reichende Geschoß ist über dem zurückliegenden Mittelteil hochgeführt 
und durch kanneherte Pilaster in drei Achsen mit hohen Rundbogenöflfnungen 
gegliedert. Vor der Mittelöffnung der fünfseitig vorspringende Kanzelkorb. 
Aufbau im unteren Geschoß in verputztem Fachwerk, Bemalung grau mit 
roter Scheinquaderung; darüber in Holz; Bemalung vornehmlich grau, grau- 
grün, gelb. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung 20. Jh. 

1. Altar, siehe Baubeschreibung. 

2. Taufe, vor dem Altar. H. 1,115 m; 0,49 m. Sandstein, grau und 
braun gestrichen. Sechseckige Pfeilerform; Sockel und Kessel mit senk- 
rechten Wandungen, einander entsprechend, der Schaft in fein profilierten 
Übergängen etwas eingezogen. Auf den Sockel- und Schaftseiten gegen- 
einander versetzt abwechselnd Masken, Diamantquader und Puttenköpfe. 

n. An den Kessel wandungen in erhabener Kapitale Mark. 16, 16 
/^U fßV und die Stifternamen: Petrus Coecius, Henni Tuen, Hans 
■^^yy \? Husing, Hinrich Issen. Auf dem Kesselrand: A(nn)o 1636 
und die Meistersignatur. 

3. Gestühl. Tanne, grün gestrichen. 1843. 

4. Emporen, a) auf der West-, Süd- und Nordseite des Schiffes. H. 
ca. 3,20 m. Tanne. Bemalung grau, graugrün, gelb. 1843. b) auf der Ost- 
seite, siehe Baubeschreibung. 

5. Orgel, auf der Westempore. Prospekt. H. 4,50 m; B. 3,11 m. Tanne. 
Drei Achsen mit gemeinsamem flachen Dreieckgiebel. Bemalung graugrün, 
schwarz, rot. Um 1843. — Mechanisches Werk. 

6. Kriegerehrungstafeln 1866, 1870/71 1914-18. 

7. Standkruzifix, auf dem Altar. Korpus-H. 0,45 m. Linde, neu 
bemalt. Um 1600. Kreuz erneuert. 




46 DEINSEN 

Altargerät. 

8. Kelch. H. 15,3 cm; ;^ 13,4 cm. Silber. Sechspaßfuß mit aufgenie- 
tetem Kruzifix. Nodus mit Rotuln, vor die Sternblüten durchbrochen vor- 
gelötet sind; auf Ober- und Unterseite Spitzbogenfelder. Anfang 16. Jh. 
— Patene. '/> 13,8 cm. Im Spiegel eine Vierpaßmulde. 

9. Kelch. H. 1 8,9 cm; 12 cm. Zinn. Runder Tellerfuß in achteckigem 
Rahmen. Schaft mit zwei keulenförmigen Knäufen. Anfang 18. Jh. 

10. Patene. 11 cm. Silber. Am Rand in Kapitale: Justd (!) Wilhelm 
Engelman. Hildesheimer Beschau 1649; Meister CK (Liste I, 7). 2. Hälfte 
17. Jh. 

11. Abendmahlskanne. H. 19,6 cm; ca. 10 cm. Zinn. Zylindrisch. 
Auf dem Klappdeckel Stifterinschrift des Martin Schwarten 1655. Durch- 
brochener Deckelheber. Im Boden ein Medaillon einer dreifigurigen Kreuzi- 
gung (0 3,3 cm), Nachguß nach einer Scheibe des 14. Jhs. Hildesheimer 
Beschau 49, doppelt; Meister C D (Liste II, 5). 

12. Taufschale. 28,4 cm. Zinn. Hannoversche Beschau, doppelt; 
Meister NR, 1771, in geschweiftem Schild (Liste II, 4). Ende 18. Jh. 

13. Zwei Altarleuchter. H. 23,4 cm; 14,8 cm. Messing. Runder, 
profihert gewölbter Fuß; Schaft mit Schaftring; tiefer, konkav abgetreppter 
Teller, i. Hälfte 17. Jh. 

14. Zwei Blätter eines Missale, im Pfarrhaus. H. 36,5 cm; B. 27,3 cm. 
Pergament. Namen und Initialen in Blau und Rot. 14. Jh. 

Glocken. 

[15. Nach einer von Mithoff erwähnten Angabe bei Baring war ehemals 
eine 1521 datierte Glocke vorhanden mit der Inschrift Sanctissima mater ora 
pro nobis deum und Reliefs der hl. Jungfrau mit dem Kinde und des hl. Ni- 
kolaus.] 

16. 1,00 m. Am Hals zwischen Schnurstegen in Kapitale: Bei Zeitten 
des Herrn Petrus Coetius Pastor, Hinrich Kaspaull, Hans Photten Altarleutte 
wahren gos mich M. Henny Lampen Anno 1649. — Psalm 44,2. 

17. Glocke. Radler, Hildesheim. 1934. 

18. Stundenglocke, auf dem Dachfirst des Turmes. 



DÖTZUM 

Dorf und Gut. 2 km südöstlich von Gronau. 115 Einwohner. Urkundliche 
Namensformen 1295, 1333 Dotessem (1, 3), 1321 Dotzem {z). Die Familie, die sich 
nach dem Ort nannte und hier ihren Sitz hatte, starb 1582 mit Johann v. Dötzum 
aus (vgl. seinen Grabstein an der Feldberger Kapelle, S. 86). Das Gut ging darauf 
an die v. Bennigsen in Banteln und im weiteren Erbgang an die jetzige Besitzerin 
Frau H. Mackiewicz, Banteln, über. — Quellen: U. B. Hochstift Hildesheim 
II 964 S.482; III 1046 S. 519 (i); IV 638 S. 350 (2), 1336 S.727 (3)i außerdem 
die Register von II— VI. — Literatur: Lauenstein S. 289 — Sonne V S. 150 — 
Starcke S. 73. 

Längsrechteckiger Gutshof mit Gebäuden in unverputztem Backstein. 
3. und letztes Viertel 19. Jh. 



47 



DUNSEN 



Dorf. 5 km südwestlich von Gronau. 163 Einwohner. Straßensiedlung. Nach 
Rudorff wäre mit der Ortschaft Tunhofen in einer Urkunde von 1356 Dunsen ge- 
meint (2). 1409 Dunsen (i). 

Quellen; Archiv für Geschichte und Verfassung d. F.Lüneburg IX S. 216 — 
U. B. Stadt Hildesheim V S. 369 (i) — U. B. Wülfinghausen 145 S. 100 — Baring II 
S. i89f. (2) — Verkoppelungsrezeß mit Karte von 1862, in der Registratur des 
Gemeindevorstandes in Dunsen (vgl. Peters, Archivinventare S. 48). — Pfarrarchiv 
Esbeck: Kapellenrechnungen von Dunsen. Corpus bonorum bei der Kapelle zu 
Dunsen (vgl. Peters S. 54) — Gutsarchiv Heinsen (1924 verbrannt) III, 6 Acta, 
betr. Wiederaufbau der Kapelle zu Dunsen nebst innerer Einrichtung derselben. 
Verpflichtung des Pastors zu Esbeck, alle Quartale dort Gottesdienst zu halten 1738 
(vgl. Peters S. 65) — Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83, Hannover II 1339, 
Kapellenbau u. Repar. 1737 — 1825 (3) . — Literatur: Baring I S. 250 — 253 — 
Hennecke in „Unsere Heimat" S. 386, 390, 436, 439, 441 — Hüttebräuker, Das 
Erbe H. d. L. S. 70 — Mithoff I S. 25 — Rudorff, in Zs. 1858 S. 314 — Sonne V 
S. 212 — Vogell, Zs. 1862 S. 377. 

EVANG. KAPELLE, 

der hl. Katharina geweiht. Zum Pfarrbezirk Esbeck gehörig. Das 1727 an 
den Besitzer des benachbarten Rittergutes Heinsen verhehene Patronatsrecht 
ist erloschen. 

Rechteckige Bruchsteinkapelle, wahrscheinlich des 16. Jhs. 1623 aus- 
gebrannt (Angabe des Lehrers), 1737 wieder instand gesetzt, mit neuem Dach 
versehen und innen mit Brettern ausgeschlagen (3). — Lage, auf einem Hügel 
südlich der Straße nach Deilmissen. 



Abb. 13. Dunsen. Grundriß der Kapelle. 



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1 



Äußeres (Taf. 22a). Wandflächen mit modernen Rauhverputz. Recht- 
eckige Fenster auf den Langseiten und auf der Ostseite; eine entsprechende 
Tür im Westteil der Nordseite; Sandsteingewände (1737). Vor dem Auftrag 
des heutigen Putzes soll auf der Südseite noch ein zugesetztes älteres Fenster 
andeutungsweise zu erkennen gewesen sein (Angabe des Lehrers). — Pfannen- 
gedecktes Satteldach, nach Osten mit Krüppel walm. Quadratischer Dach- 
reiter hinter der westlichen Firstspitze mit Pyramidenhelm; Ende 18. Jh. in 
den Akten erwähnt, im heutigen Zustand aus der i. Hälfte des 19. Jhs. (18 19 
war eine Verlegung nach der Dachmitte geplant). 

Inneres. Flache Balkendecke, geputzt und gotisierend bemalt (nach 
1900). Wände geputzt und geweißt. Flachbogige Fensternischen mit stark 
geschrägten Sohlen. Zementfußboden. 

AUSSTATTUNG. 

I. Altarmensa. H. 0,985 m; B. 1,19 m; T. 0,725 m. Bruchstein, geputzt 
und geweißt. Deckplatte Sandstein mit geschrägtem Profil, wohl überarbeitet. 
16. Jh. (?) 



48 DUNSEN 

2. Taufe (Taf. 14c). H. 1,10 m; 0,72 m. Sandstein. Moderner grauer 
Ölfarbenanstrich. Über einer runden Wulstplatte ein konisch nach oben sich 
verjügender Schaft, unten kanneliert, oben mit Beschlagwerk auf gestocktem 
Grund. Flacher, ausladender Kessel; an den Wandungen geflügelte und 
ungeflügelte Puttenköpfe, dazu wiederum Beschlagwerk. Am Schaft die 
Datierung 7605. Gesimse und Puttenköpfe teilweise bestoßen. 

3. Gestühl. Tanne, hellbraun gestrichen, i. Hälfte 19. Jh. 

4. Empore vor der Westwand. H. 2,93 m. Tanne, braun gestrichen. 
19- Jh. 

5. Grabstein des Kindes D. M. Hunsrugen, f 1821. Außen an der 
Südwand. H. 0,77 m; B. 0,47 m. Sandstein. Inschrift in ausgesparter Kapitale. 

6. Glocke. 0,465 m. F. Dreyer in Linden vor Hannover. 18 j^ 



EBERHOLZEN 

Dorf. SYz km südöstlich von Gronau am Nordabhang der ,, Sieben Berge". 
572 Einwohner. Haufensiedlung. Urkundlich 1240 Eilbereholthusen (2); bei späteren 
Schreibweisen kehrt der zweite Bestandteil des Namens unverändert wieder, der 
erste zeigt folgende Umformungen: 1282, 1304, 1323 Elbere bzw. Eiber (3, 4, 5); 
13335 13535 1431 Ebere bzw. Eber (6, 7, 9); 1354 Ebor (5); 1389 Ever (i). 1282 
werden ein Pfarrer und die Kirche zuerst erwähnt (3). Patronatsberechtigt war das 
Kreuzstift in Hildesheim. 

Quellen: Sudendorf U. B. V 189 S. 219; X 14, 3 S. 71 (i) — U. B. Hochstift 
Hildesheim II 556 S. 272 (2); III 609 S. 317 (3), 625 S. 328, 720 S. 374, 1452 S. 695 (4); 
VI u. a. 753 S. 411 (.5), 1336 S. 727 (6); V 498 S. 275 (7)5 579 S. 350 (8); VI 456 
S. 321, 892 S. 605 f. (i) — U. B. Stadt Hildesheim VI S. 488 (9) — Visitationsakten 
in Kayser, Reformat. Kirchenvisitationen S. 447 — Gemeindevorstandsregistratur E. 
(vgl. Peters) — Pfarrarchiv E. In dem 1616 angelegten Lagerbuch der Kirche zwei 
Pergamentblätter aus einem mittelalterlichen Meßbuch mit Eintragungen über 
die Kirche (vgl. Peters, Archivinventare S. 48 f.) — Staatsarchiv Hannover: Hann. 
Des. 83, Hann. II 1382: Eberholzen, Kirchenbauten 1729 — 1844. — Literatur: 
Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 29 — Crusius, Beschreibung des Pfarrdorfes Eber- 
holzen ... in Mitteilungen geschichtl. u. gemeinnützigen Inhalts. Hildesheim 1833, 
II S. 137 — 149; 327 — 358 — Hennecke in „Unsere Heimat" S. 377 f., 384, 393 f., 
420 f. — Jahresbericht 1929 — Lauenstein S. 289 — Lüntzel, Alt. Diözese S. 288, 
434 — Mithoff III S. 32 — Mithoff, Zs. 1864 S. 309 — Sonne V S. 169 — Starcke 
S.73. 

EVANG. PFARRKIRCHE, 

nach Mithoff wahrscheinlich dem hl. Bartholomäus geweiht. 

Einschiffige Bruchsteinkirche auf dem erhöht liegenden, mit Bäumen be- 
standenen ehemaligen Friedhof in der Südhälfte des Dorfes. Der Westturm 
ist romanisch, nach dem unregelmäßigen Mauerwerk zu schließen vielleicht 
aus dem 12. Jh.; das Schiff stammt vermutlich aus gotischer Zeit; der Chorteil 
scheint nachträglich angefügt oder zumindest erneuert worden zu sein (mög- 
licherweise ist jedoch auch er noch mittelalterlich, vgl. Ausstattung Nr. i, 
Mensa). 1601 ist nach den Kirchenrechnungen „ein Teil der Mauer neu ge- 
baut" (vgl. Crusius); auf welchen Teil der Kirche sich diese Angabe bezieht 
(oder ob damit etwa die bruchsteinerne Stützmauer des Friedhofes gegen 
die Straße gemeint ist?) bleibt ungewiß. Die heutigen Fenster sind barock 
(18. Jh.), ebenso der Vorbau vor dem Nordeingang. 



EBERHOLZEN 



41) 



Abb. 14. Eberholzen. Grundriß 
der Kirche. 




ÄUSSERES (Taf. 22c). 

Das Baumaterial ist Bruchstein. Der Turm zeigt an der Nord- und Südseite 
Reste alten Kalkputzes, im übrigen sind die Wandflächen steinsichtig. Das 
Schilf einschließhch des Chorteiles und des Nordvorbaues ist in Zement 
verputzt (2. Hälfte 19. Jh.). — Der Turmkörper ist über quadratischem 
Grundriß ohne Absatz hochgeführt; die Wandstärke ist ähnlich wie in Sibbesse 
im Verhältnis zur Größe des Turmes verhältnismäßig gering. Im Glocken- 
geschoß nach Osten, Süden, Westen je eine rundbogige Schallöffnung, nach 
Norden ein spitzbogiges Schallochpaar. Die Öffnungen sind im Umriß mög- 
licherweise ursprünglich (bzw. im 14., 15. Jh. verändert), doch sind sie nach- 
träglich mit Backsteinen ausgekleidet worden, und zwar alle Gewände sowie 
die Bogen der Nord- und Ostseite mit Backsteinen in Klosterformat (Ende 
18. oder Anfang 19. Jh. ?), die Bogen auf der West- und Südseite mit kleinfor- 
matigen Steinen (2. Hälfte 19. Jh.). In den unteren Geschossen Lichtschlitze. 
Im Erdgeschoß auf der Westseite eine rundbogige Nische mit aus dem Sturz 
gehauenem Bogen (Gewände Kalkstein, Sturz Sandstein, barock überarbeitet). 
— Das vierachsige Schiff mit geradem Ostschluß setzt auf der Südseite bündig 
an den Turm an, auf der Nordseite tritt es etwas aus dessen Flucht vor. Gegen 
die Nordwand sind zwei bis zur Trauf kante reichende, jetzt überputzte go- 
tische (?) Strebepfeiler mit je einem geschrägten Rücksprung gegengesetzt. 
Auf eine Baunaht deutet eine leichte Verstärkung des Mauerfußes im Inneren 
am Ansatz des Chorteiles sowohl auf der Süd- wie auf der Nordseite. Recht- 
eckige Zargenfenster teils mit Innen-, teils mit Außenanschlag. Die beiden 
westlichen Fenster der Nordseite sind ebenso wie das westlichste der Süd- 
seite mit Rücksicht auf die Emporen kleiner als die übrigen; schräg unter dem 
Emporenfenster der Südseite ein flachbogiges, neueres Fenster. Die Holz- 
rahmen um die Nordfenster sind ebenfalls nachträglich angebracht (19. Jh.). 
In der ersten Achse der Nordseite befindet sich der rechteckige Eingang (mit 
Holzgewänden) innerhalb eines teilweise vor den Turm vorgezogenen Fach- 
werkanbaues. Auf der Nord- und Westseite des Anbaues Türen mit kleinen 
quadratischen Oberfenstern. Hoher Bruchsteinsockel. Von einem älteren 
und vermutlich etwas größeren Anbau an der gleichen Stelle sind noch Funda- 
mentreste im Boden vor der heutigen Westwand zu sehen. Da die unteren 
Lichtschlitze in der Nordwand des Turmes vermutlich im Hinblick auf diesen 
ehemaligen Anbau aus der Mitte gegen die Nordwestecke hin verschoben 
sind, müßte er mit dem Turm gleichzeitig angelegt gewesen sein. — Pfannen- 
gedecktes Satteldach, auf den Nordanbau herabgeschleppt und hier in dem 
vor dem Turm liegenden Teil als Pultdach weitergeführt. Kehlbalkendach- 
stuhl. Turmhelm in achteckiger Spitze ausgezogen; nach Norden ein Aus- 
legestuhl für die Schlagglocke. Schieferdeckung. 



50 EBERHOLZEN 

INNERES (Taf. 17 c). 

Das Schiff hat eine hölzerne Tonnendecke mit nachträghch untergelegten 
Kreuzrippen und Gurtbögen auf korinthischen Kapitalen oberhalb des Decken- 
gesimses. Im östlichen Bogenfeld ein Wandgemälde des jüngsten Gerichts; 
auf der Nord- und Südseite des Gewölbes innerhalb querovaler Medaillons 
sechs Deckengemälde: Jesaias, dessen Lippen der Engel mit glühender Kohle 
reinigt, die Verklärung Christi, die Engel bei Abraham, Verkündigung und 
Geburt Ghristi, Jakobs Traum. Hauptfarben graublau, rot, ocker. Der Decken- 
grund ist bläulichweiß, Rippen und Gurte sind gelblich mit rosa abgesetzt. 
Mitte 18. Jh. Das Medaillon mit Jakobs Traum wird teilweise von einem 
Lichtschacht durchschnitten, der gleichzeitig mit. der Aufstellung der Orgel 
in die Decke eingesetzt worden ist (1794). Wände geputzt und geweißt. Der 
Fußboden ist im Schiff und Chorteil mit Sollinger Platten belegt (1717; s. 
Crusius). — Das Erdgeschoß des Turmes, das mit dem Schiff durch eine 
rechteckige Tür (19. Jh.) verbunden ist, hat eine flache Balkendecke. In den 
Wänden sind in Höhe von ca. 1,20 m über dem Fußboden menschliche Schädel 
eingemauert (auf der Nordseite drei, auf der Südseite zwei), und zwar ist das 
Hinterhaupt in die Wand eingelassen, während der Gesichtsteil, der jetzt 
durchweg abgeschlagen ist, daraus hervorstand. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung von 1894, olivgrau, weiß und etwas rot, gleich- 
mäßig für Nr. 2 — 7, 12, 36, 37. 

1. Kanzelaltar (Taf. 17c). H. 7,22 m; B. 3,63 m; T. 0,64 m. Tanne, 
Linde, Eiche (? Profile). Eingeschossiger Aufbau. In der Mitte zwischen 
gedrehten, blumenumwundenen Säulen der dreiseitig vorspringende Kanzel- 
korb. Auf den Wandungen Akanthuswerk in Form von Doppelpalmetten. 
Verkröpftes Gebälk mit einbezogenem Schalldeckel. Auf den Verkröpfungen 
links Petrus, rechts Paulus, dazwischen etwas kleiner, sitzend, eine Fides mit 
Kelch. Hinter den Figuren drei durch eine halbhohe Brettwand mit einander 
verbundene Pilastersockel, von denen der mittlere den auferstandenen Christus 
die beiden seitlichen brennende Urnen tragen. Sinngemäß gehören zu Christus 
die beiden anbetenden Engel auf den Gebälkenden. Auf der Kanzeltür ist 
eine plastische Kreuzigungsgruppe befestigt. Zu Seiten der Hauptsäulen links 
Moses, rechts Johannes der Täufer. Unterhalb des Kanzelkorbes eine recht- 
eckige Nische mit plastischer Abendmahlsgruppe. Akanthusanschwünge. 
Nach Crusius 1731. Teilweise fehlen die Attribute der Figuren. — Mensa. 
H. 1,47 m; B. 1,32 m; T. 1,00 m. Gemauert und verputzt. Sandsteinerne 
Deckplatte mit verschlossener Reliquiengrube. Gotisch; barock überarbeitet (?). 
Auf der Vorderseite ist ein 0,22 m tiefer Tannenkasten vorgesetzt. 

2. Antependium, Öl auf Leinwand, Mitte 19. Jh. Flacher Wulst- 
rahmen mit Akanthusblattschnitzerei, Linde, gleichzeitig mit dem Altaraufbau, 
modern gestrichen. — Altarschranken mit durchbrochenen Akanthus- 
füllungen, ebenfalls gleichzeitig. 

3. Taufe (Taf. 17c); im Mittelgang vor dem Chor. H. 1,13 m; 0,79 m. 
Sandstein. Quadratischer, nach oben sich verjüngender Schaft, daran Löwen- 
köpfe (RT. 0,03 m). Gebauchter achteckiger Kessel mit Abschlußgesims 
aus Konsölchenreihe, Fries und Blattkarnies. Auf dem 
Fries in erhabener Kapitale: Gerlac(us) de Kersehruch \^ 
Elisabet de La(n)desherg coniuges bap-tistenu(m) hoc dede- 
runt anno 1611. M. Johannes Leinemanus pastor. Auf den 
Wandungsseiten Engelsköpfe und die Stifterwappen. Am oberen Rand des 
Schaftgesimses die Meistersignatur. — Deckel. H. 0,67 m. Linde. Über 




EBERHOLZEN 51 

flachem Karniesanschwung eine Gruppe der Taufe Christi (Christus als 
Halbfigur). Gleichzeitig mit Nr. i, um 171 7. 

4. Gestühl. Tanne, Geschweifte Wangenköpfe. Vor dem Chorteil 
auf beiden Seiten je ein geschlossener Sitz. 18. Jh. 

5. Umwandete Sakristei, in der Ecke zv/ischen Ostempore (Nr. 6b) 
und Südwand. H. ca. 1,83 m. Holz. Wandung mit rechteckigen Füllungen 
und Docken im Oberteil. 2. Hälfte 17. Jh. 

6. Emporen, a) längs der Ostwand beiderseits des Altares. H. ca. 2,34 m. 
Tanne und Eiche. Brüstungsdocken mit doppelter Anschwellung. Nach 
Crusius 171 7; unterhalb der Empore je zwei Durchgänge; auf den Rahmen- 
hölzern Akanthusrosetten und Blattschnürej zusammengehörig mit den Orna- 
menten am Altar, b) längs West- und Nordwand bis zum Choransatz. H. 
ca. 2,50 m. Entsprechend a. Unter der Ostecke des Nordteils eine toskanische 
Säule, Eiche; sonst Eisenträger. 1722/23: in diesen Jahren wurden nach 
Crusius „die Mannspriechen nebst der dahin führenden Treppe und Thüre 
angebaut". Die Akanthusrosetten am Kämpfer der Tragsäule gleichzeitig 
mit dem Altar?; die Eisenstützen 19. Jh. — Rest einer abgesägten Eichen- 
stütze in der vierten Bank der nördlichen Gestühlsreihe, mit Fischgräten- 
musterung; 17. Jh. c) längs der Westwand über a. H. ca. 4,87 m, Tanne. 
Brettbrüstung. Der mittlere Teil zugleich Unterbau des Orgelprospektes 
(s. Nr. 7). Nach Crusius 1794. 

7. Orgel, auf der oberen Westempore. Prospekt, eingebaut in die Emporen- 
brüstung. H. ca. 3,00 m; B. ca. 4,18 m. Tanne. Fünf Achsen ; nach der Mitte 
zu der SchiflFstonne folgend aufgetreppt. Die drei inneren Achsen sind risalit- 
mäßig leicht vorgezogen. Die Mitte des Unterbaues ist flachbogig vorgewölbt 
und mit Pfeifen besetzt, das Hauptfeld darüber ist blind mit aufgemalten 
Pfeifen. 1794. Mechanisches Werk. Gleichzeitig mit dem Prospekt von 
Orgelbauer Maaßberg in Hildesheim (Crusius). Verwahrlost. 

Zwei Apostel figuren, auf Konsolen an der Südwand. Linde. Die 
Konsolen zeigen einen mit Blumen, Blattkranz oder Palmwedeln umrahmten 
Inschriftschild. Sehr wurmstichig. Um 1731. Aus der gleichen Werkstatt 
wie die Altarfiguren. 

8. Der Evangelist Johannes. H. 1,13 m. Jugendlich unbärtig. Die 
rechte Hand ist nach vorn gestreckt; ein Attribut fehlt. Das Inschriftschild 
der Konsole ist überklebt. 

9. Bartholomäus. H. 1,15 m. In der rechten Hand das Messer, über 
dem linken Arm die Haut. Namensinschrift auf der Konsole übermalt. 

IG. Bildnis des Pastoren Henr. Steph. Kuhlemanns (f 1744, s. 
Nr. 17); an der Südwand. H. 1,89 m; B. 1,045 ni- Öl auf Leinwand. Der 
Dargestellte steht in schwarzem Talar an einem grauweiß verhangenen Tisch. 
Bräunlicher Grund. Um 1740. Identifizierung nach Crusius. 

11. Drei Gedenktafeln für die Krieger und für die Gefallenen von 
1870/71 und für die Gefallenen von 1914/18. Holz. 

Fünf Grabplatten, im Fußboden. Sandstein. Inschriften in ausge- 
sparter Kapitale; bei Nr. 14 wechselnd mit Antiqua. Teilweise abgetreten. 

12. Johannes Leineman, gewesener 44jahriger [Pastor zu Eberjholtensen, 
* 1581, t i6[53], 15. (?) I. im 72. Lebensjahr. Rechts neben dem Altar. H. 
2,05 m; B. 0,905 m. Namensumschrift; Inschrift mit Spruch Dan. 12, 3. 



52 EBERHOLZEN 

13. Henricus Fischer, gewesener 4<)i ähriger Prediger alhier, * Alfeld 
1627, t 1702, 9. III. Links neben dem Altar. H. 1,99 m; B. 0,905 m. Namens- 
inschrift und Leichtext 2. Tim. 4, 7. 8. 

14. Maria Sophia Kuhlmanes, des Past(oren) Tochter zu Eberholtensen 
(Nr. 15), *t 1708. Rechts vor dem Chor. H. 1,21 m; B. 0,75 m. Namens- 
inschrift auf zwei querovalen Feldern übereinander. 

15. Heinrich Stephan Kulemanns, * Bodenburg 1671, 7. XL, f 1744, 
18. L im 49. Amtsjahr; ijoz zum Prediger hierher beruffen. Vor dem Altar. 
H. 2,01 m; B. 0,94 m. Namensinschrift und Leichtext Ps. 37, 37 in oblongem 
Feld. 

16. Anna Gerdrut Bergmanns, Ehefrau des H. St. Kulemanns (Nr. 15), 
* Hildesheim 1680, 30. IX., f 1755? M- XII. Vor dem Altar. H. 1,82 m; 
B. 0,94 m. Namensinschrift auf gestrecktem Hochovalschild. 

Kronleuchter. 

17. H. ca. 0,79 m; ca. 0,92 m. Im Schiff. Messing. Acht tief herab- 
gebogene S-förmige Arme. An einem Zierring darüber drei Meerweibchen- 
platten. Krönender Doppeladler. Kugel; darauf in Kapitale: Anno 1649 hat 
Heinrich Schwarten diesen Knopf an diese Krön machen lassen, i. Hälfte 17. Jh. 
Ein Arm und der Zapfen der Kugel fehlen. 

18. H. ca. 1,31 m; B. ca. 0,86 m. Ebendort (Taf. 17c). Linde. Ursprüng- 
liche Bemalung (Öl?) in Gelb, Blau und Rot. Aufbau in vier Geschossen 
zu je acht S-förmig gebogenen Armen. Die Arme tragen in den beiden unteren 
Geschossen Kerzen, in den oberen Zierblüten; an Holzringen sind unten 
Pinienzapfen, oben große Eicheln angehängt. Spindel mit Knäufen; die beiden 
größeren, unteren sind von durchbrochenen Bügelfriesen umgeben, die klei- 
neren oberen sind teils ganz schlicht, teils haben sie ebenso wie die Knäufe 
unter den Blüten der oberen Arme schmale Bügelfriese um die Mitte. Ab- 
schluß durch eine geschlossene Kelchblüte. Kugel am unteren Ende; darum 
in ausgesparter Kapitale: Hans Knaster Ano 169$. Darunter Zierteller und 
Pinienzapfen. 

19. H. ca. 0,88 m; ca. 0,80 m. Im Turm. Glas. Acht S-förmig herab- 
gebogene Arme, die aus einer mit Gold hinterlegten Schale hervorwachsen. 
Kantige Spindel; tellerförmiger Baldachin. Prismenanhänger. Nach Crusius 
1832. Sehr beschädigt. Außer Gebrauch. 

Drei Blaker, an der Nordempore. Messingblech mit geschlagenen 
Ornamenten. 

20. Zweiteilig. Hochtrechteckiger Hauptteil. H. 0,34 m; B. 0,293 ^i- 
In der Mitte ein ovales gewölbtes Schildfeld, auf dem Rahmen Blüten, Rund- 
und Ovalbuckel. — Runder Oberteil, c 0,218 m. Verziert mit Blüten, Herz 
und „Sonnenscheibe". Anfang 18. Jh. 

21. Ein Paar. H. 0,425 m; B. 0,298 m. Hochoval. Rahmen mit Zacken- 
ornament und Ovalbuckeln. Auf dem Innenschild in punktierter Cursive 
a) A. C. C. 1725, b) J. G. H. 1725. 

Altargerät. 

22. Kelch. H. 24 cm; c' 17,3 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß, darauf 
vor einem gravierten Vierpaßkreis ein aufgenieteter Kruzifixus. Sechseckiger, 
pilzförmiger Nodus. Hildesheimer Beschau 1705; Meister TP W (Liste I, 10.) 
— Patene. 17,3 cm. 1747. Gleiche Stempel wie am Kelch. 



EBERHOLZEN 53 

23. Kranke nkelch. H. 13,6 cm; 6,4 cm. Silber vergoldet. Runder 
Fuß. Schaft mit achteckigem Nodus. Glockenkuppa. Am Fuß in punktierter 
Cursive: Witwe Wiede u. Wedeman u. Frau 1842. Feingehaltsstempel 12; 
Meister S. — Patene. z 8,3 cm. Die gleichen Stempel wie am Kelch. 

24. Taufschale (Taf. iie). H. 9,5 cm; 22 cm. Zinn. Drei Kugel- 
füße. Henkel in Form einer Ohrmuschelvolute. An der Wandung in Kapitale: 
M. Steffen Seilmeyer. Margrete Lewe Schreders 1693. Hüdesheimer Beschau 49, 
doppelt; Meister A F (Liste II, 6). 

25. Altarkruzifix. H. 43,8 cm. Gußeisen. Um 1840. 
Altarleuchter. 

26. Ein Paar. H. 33,7 cm; 15,1 cm; Teller 14,1 cm. Messing. Runder, 
sockelartiger Fuß; Schaft mit Mittelring. Tiefer Teller, i. Hälfte 17. Jh. 

27. Ein Paar. Runder, profiliert gewölbter Fuß. Doppelbalusterschaft. 
a) H. 21,5 cm; 13 cm. Hans Knackstert Anno 1674. b) H. 23 cm; 13 cm. 
Andreas Binnis G. Maria Seiemeyer 1704. 

28. H. 20,9 cm; 13,5 cm. Runder gewölbter Fuß, darüber ein Trommel- 
glied mit Tropfenfängerplatte. Profilierter Schaft. Ilsehey Zigemeyer. 17./ 
18. Jh. 

29. Ein Paar. H. 19,1 cm; B. 13,4 cm. Zinn. Quadratischer Fuß; Pfeiler- 
schaft über Tropfenfängerplatte, a) Anna Margreta Hassen 1700; b) Margreta 
Froens 1700. 

30. H. 13,3 cm; 12,8 cm. Tellerfuß mit achteckigem Rahmen. Birn- 
förmiges Schaftglied. Anfang 18. Jh. 

31. Inschrifttafel, an der Ostwand. Gegenstück zu der Gefallenen- 
tafel von 1870 71. H. 0,85 m; B. 0,60 m. Hochovale Holzplatte, darauf in 
Antiqua: Der Kirchenbogen ist gebaut 1729, der Altar 1731, die Orgel 1794, das 
Innere der Kirche neu vermalt 1861 und 1894. ^i^ ^'^^i ersten Daten sind der 
Beschreibung des Pfarrdorfes und der Kirche von Pastor Crusius entnommen, 
dessen Angaben auf die Kirchenakten zurückgehen. 

32. Opferkasten, hinter dem Altar. H. 0,255 "ij ß- ^5345 nij T. 0,29 m. 
Eiche, eisenbeschlagen. Um 1700. 

33. Fahne, auf der Altarempore. H. 0,92 m; B. 1,17 m. Weißes Leinen, 
bemalt in Blau, Rot, Grün. Zwischen Blumen die Initialen König Georgs IV., 
darunter: Eberholtzen den 24. July 18 14. Blattbordüre. 

34. Fahne, ebendort. n 0,84 m. Ähnlich wie Nr. 33. In einem Blatt- 
kranz die Buchstaben EHZ (Eberholzen) mit Krone; darüber ein Stern in 
den englischen Farben, darunter die Jahreszahl 1814. Eckblüten, Blattbordüre. 
Sehr zerfressen. 

35. Banner, ebendort. Seide, Leinenfutter. Zur Erinnerung an die 
Schlacht von Waterloo. 1865. Sehr zerrissen. 

36. Zwei Blätter aus einem Meßbuch, im Pfarrhaus. Pergament. 
Auf dem einen Blatt Erwähnung der Stifter des Manuskriptes und Aufzählung 
der Kirchengüter und Einkünfte zugleich mit der nachträglichen Jahres- 
zahl 1232 (in arabischen Ziffern). 2. Hälfte 14. Jh. Abgedruckt bei Crusius, 
S. 355. Photographie der Rückseite dieses Blattes in „Unsere Heimat" Taf. 45; 
Beschreibung ebendort S. 394. 

37. Drei Glocken. Radler, Hildesheim. 1882, 1929, 1929. Die eine 
der ehemals vorhandenen Glocken war 1574 angeschafft (1719 durch Eckard 
Christoph Becker in Hildesheim umgegossen) und laut einer Nachricht von 



54 EBERHOLZEN 

Pastor Heinr. St. Kulcmanns (f 1744) das erstemal 1532 zu Mecheln in Bra- 
bant gegossen, vgl. Crusius. 

38. Schlagglocke, außen am Turmhelm. ca. 0,55 m. Am Hals zwei 
Schnurringe; an der Flanke ein Kreuz. Anscheinend identisch mit der Glocke, 
die 1574 für 23 Thlr. gekauft worden ist, im gleichen Jahr wie die alte, nicht 
mehr vorhandene Turmuhr, die 54 Thlr. gekostet hat; vgl. Crusius. 

FRIEDHOF. 

1. Sarkophag (Taf. 21b), ehemals unmittelbar nördlich neben dem Turm, 
jetzt um einige Meter verschoben. Kopfende H. 0,75 m, B. 0,73 m; Fuß- 
ende H. 0,71 m, B. 0,61 m; L. 2,45 m. Sandstein. Deckel mit abgedachten 
Längsseiten; auf dem Rücken ehemals drei, jetzt zwei Eisenringe. Mittel- 
alterlich. Der Sage nach Sarg eines Ritters von Eberhardt, der im Bann 
verstorben und deshalb außerhalb der Kirche begraben worden sei. (Die 
Burg der Famihe soll auf dem Truenberge an dem dort als Burgstätte bezeich- 
neten Platz gestanden haben.) Der Deckel ist zerbrochen und mit Zement 
ausgeflickt. 

2. Zwei Grabmäler. Sandstein, a) Andreas Christoph Klages, 
Müller, * 1760, 00 1788, t 1833, und seine Ehefrau Sophie Louise See- 
dorf, * 1768, t 1829. H. ca. 2,55 m; Basis D ca. 1,40 m. b) J. H. Bode, 
Adoptivsohn der Vorgenannten, * Eimsen 1796, c» 1822 mit Caroline Wede- 
meier, t 1825. H. ca. 2,30 m; Basis n 1,26 m. — Hochrechteckige Blöcke 
mit Urnenbekrönungen auf quadratischen Basisplatten. Auf den Seiten in 
erhabener Kapitale Lebensdaten und Sprüche sowie bei a die Angabe, daß 
der Stein 1829 errichtet worden ist. 

PFARRHAUS. 

Zweistöckiger Fachwerkbau mit pfannengedecktem Krüppelwalmdach. 
Gefache vorwiegend geputzt und geweißt. Treppengeländer im Inneren mit 
geschweiften Brettdocken. Nach Crusius 1753. 



EDDINGHAUSEN 

Dorf. 3 km nordöstlich von Gronau. 124 Einwohner. Haufensiedlung. Im 
Mittelalter gehörte Eddinghausen zu dem Kloster Haus Escherde und wurde von 
dort aus pastoriert. Jetzt ist es nach Bethein eingepfarrt. 1643 war es im Frieden 
zu Quedlinburg zwischen den Braunschweiger Herzögen und dem Bischof von 
Hildesheim unter den an das Stift zurückfallenden Ortschaften versehentlich nicht 
genannt worden, blieb daher im Gegensatz zum Amt Gronau calenbergisch und 
bestand als Exklave innerhalb des Bistums Hildesheim bis zu dessen Aufhebung 1813. 

Quellen: U. B. Hochstift Hildesheim II S. 469 — Staatsarchiv Hannover: 
Calenb. Des. 10, 5d i Nr. lyn — Cal. Br. Arch. Des. 88c; Amt Gronau A litt. A 
Nr. 21 — Hannover Des. 74 Amt Gronau I; II A i; Nr. 2. — Literatur: Hart- 
mann S. 338 — Hennecke in „Unsere Heimat" S. 397. 

[EHEMALIGE KAPELLE 

Nach örtlicher Tradition soll ehemals eine Kapelle an Stelle des Torhauses 
von Hof Nr. 3 (s. u.) gelegen haben.] 



EDDINGHAUSEN 55 

GUT. 

Der Gutshof ist aus mehreren Bauernhöfen zusammengewachsen. Er- 
wähnenswert ist ein jetzt für Erntearbeiterinnen bestimmtes Wohnhaus. 
Zweistöckiger Fachwerkbau mit pfannengedecktem Satteldach und (neu) 
verputzten Gefachen. Die Westseite ist mit Kunstschiefer verkleidet. Die 
Giebel sind verbrettert oder verpfannt. Acht Fenster Breitseite, vier Fenster 
Schmalseite. 2. Hälfte 18. Jh. Eisenofen 1774. 



HOF NR. 3. 

Torhaus. Zweistöckig mit mittlerer Durchfahrt. In der Nordhälfte ist 
das Erdgeschoß aus Kalksteinquadern gemauert, die übrigen Wände bestehen 
aus Fachwerk. Pfannengedecktes Satteldach. Joh. Aug. Schneehagerij Anna 
Maria Ohner 1794. 



EIME 

Flecken. ^Yz km südlich von Elze. 1199 Einwohner. Eime liegt an dem alten 
Verkehrsweg von Holzminden über Gronau oder Elze — Poppenburg nach Hildes- 
heim und diese günstige Lage hat dazu geführt, daß sich hier im Laufe des Mittel- 
alters auch die Einwohner mehrerer umliegender, dadurch wüst werdender Ort- 
schaften angesiedelt haben. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung stammt 
erst aus dem Jahre 1304 (i), da verschiedene Urkunden des 12. und 13. Jhs., in denen 
ein Dorf Einem, Egem, Eigem, Eiem auftritt, nicht mit Gewißheit auf Eime be- 
zogen werden können. 1304 ist die Namensform Eyem (i), 1383 Eighem (2). In 
beiden Urkunden ist die Rede vom Zehnten in Eime, den das Andreasstift in Hildes- 
heim besal3. Als Flecken ist Eime zuerst 1550 durch ein Siegel bezeugt (vgl. Rudorff 
S. 310) ein weiteres Siegel, von 1611, ist in „Unsere Heimat" abgebildet. Beide 
enthalten das Bild des hl. Jakobus major, dem die Kirche geweiht war. Ursprünglich 
war Eime nach Elze eingepfarrt, wurde aber 1543 zugleich mit Sehlde abgetrennt 
und selbständig gemacht. 1661 verlieh Herzog Georg Wilhelm dem Ort die Brau- 
gerechtigkeit, 1669 gestattete Herzog Johann Friedrich auf Bitten sämtlicher Ein- 
wohner, daß außer dem bis dahin allein abgehaltenen Michaelisjahrmarkt zwei 
weitere Jahrmärkte abgehalten wurden. 

Quellen: Sudendorf U. B. vgl. Registe/ S. 316 — U. B. Hochstift Hildesheim 
I— VI vgl. die Register III 1469 S. 703 (i) VI 572 S. 413 (2) — U. B. Stadt Hildes- 
heim I, III — VI vgl. die Register — Visitationsakten in: Kayser, Reformator. Kirchen- 
visitationen 341, 359 f. — Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83 Hannover I, Alte 
Kirchenrechnungen: Eime — Hann. Des. 83 Hannover II 1500, Eime, Kirchenbauten 
1716/1843 — Cal. Br. Arch. Des. i f., E Nr. 9 (Siegel von Eime, 1611) — Magi- 
stratsregistratur Eime: u.a. 3 Flurkarten. Pfarrarchiv Eime: Baubeschreibung der 
Kirche 1725 — 34, aufgezeichnet von Pastor Hogreve (vgl. Peters). — Literatur: 
Baring I S. 253 — 254 — Bertram I S. 217 — Dörries, Entstehung u. Formenbildung 
S. 89 — Hartmann, in „Unsere Heimat" S. 269, 272, 278, 283, 309, 320, 337, 345 46 

— Hennecke, in „Unsere Heimat" S. 379, 383, 402, 404, 410, 436 f- — Hoflfmann, 
Kreuzsteine — Jahresberichte 1914/15 — 1918 19; 1928 — Mithoflf I S. 27 f. — 
Rudorff, in Zs. d. Hist. Ver. f. Niedersachsen 1858 S. 309—313 — Sonne V S. 174 

— Vogell Zs. 1862 S. 377. 



ORTSANLAGE. 

Der Ort wird der Länge nach in Südwest- nordöstlicher Richtung von zwei 
Parallelstraßen durchzogen; im Nordteil liegt am Eingang einer platzartig 
sich verbreiternden Querstraße die Kirche, auf dem Platz selbst der Rathaus- 



56 



EIME 



krug. Ein weiter nördlich verlaufender westöstlicher Weg ist anscheinend 
erst in verhältnismäßig junger Zeit in die Siedlung einbezogen. Die alte An- 
lage war mit Wall und Graben befestigt, von denen zu Mithoffs Zeit noch 
Spuren vorhanden waren; jetzt ist nichts mehr davon zu erkennen. 




H"3 




Abb. 15. Eime. Schnitt und Grundriß der Kirche. 

EVANG. PFARRKIRCHE, 

dem hl. Jakobus major geweiht. 

Emporenkirche von 1732/38 nach Plänen von Hof baus ehr eiber Jungen 
(frdl. Mitteilung von Herrn Bauassessor H. Mewes, Hannover). Romanischer, 
1889 erhöhter Westturm. 



ÄUSSERES CTaf. 17a). 

Das Baumaterial ist Bruchstein. Die Nord- und Westseite des Turmes 
ist steinsichtig; die Ausfugung ist in zementhaltigem Kalk erneuert (19. Jh.); 
die Ostseite ist mit geteertem Kalk verputzt (1889). Die Schiflfswände zeigen 
den ursprünglichen, freilich schadhaften und teilweise modern ausgebesserten 
Kalkputz. — Der Turmkörper steigt über quadratischem Grundriß gliede- 



EIME 57 

rungslos auf. Sockel mit steilem, flach gekehltem Profil (Kalkstein). An den 
Ecken unregelmäßige Quaderverzahnung. Der 1889 aufgesetzte Teil umfaßt 
das heutige Glockengeschoß. Unterhalb davon sind auf der Südseite noch 
zwei zugesetzte, ursprüngliche rundbogige Schallöcher erkennbar; auf der 
Westseite ist in gleicher Höhe eine Fensterrose neu gebrochen. Rundbogiger 
Eingang im Süden mit einfach abgetreppten Leibungen (Kalkstein). Das 
rechteckige Schiff ist gegenüber dem Turm bedeutend verbreitert und nach 
Osten hin gerade geschlossen. An den Ecken flächige Quaderverzahnung. 
Hölzernes Dachgesims. Auf den Langseiten fünf, auf der Ostseite drei hohe, 
rechteckige Fenster mit sandsteinernen Gewänden und Holzversprossung 
innerhalb flachbogiger Fensternischen mit geschrägten Leibungen. Unter 
den verkürzten Fenstern in der Mitte der Süd- und Nord wand jeweils eine 
rechteckige Tür (Sandsteingewände), die am Sturz das Christusmonogramm 
und Baudatum 1732^ sowie in ausgesparter Kapitale die Sprüche Ps. 100, 4 
und I. Sam. 36 zeigt. Die Zargentür unterhalb des Mittelfensters der Ost- 
seite ist anscheinend nachträglich gebrochen. 

Pfannengedecktes Satteldach mit Walm nach Osten, darin eine Dach- 
gaube. Kehlbalkenkonstruktion mit doppeltem, stehendem Stuhl. Hoher, 
ins Achteck übergeführter Turmhelm (1889). 

INNERES (Taf. lyd). 

Turmhalle mit gratigem Kreuzgewölbe in Bruchsteinwerk. Die Grate 
verlaufen in den Ecken, nach der Mitte zu sind sie anscheinend nur angeputzt. 
Leicht gespitzte Gewölbeanschnitte. Nachträglicher Treppeneinbau (barock?). 
Rundbogiger Durchgang zu dem um zwei Stufen erhöhten Schiff. Der Kir- 
chenraum ist durch eine ringsum laufende hölzerne Emporenanlage mit 
doppelgeschossig angeordneten Stützen auf den Längsseiten und der Ost- 
seite in drei Schiffe aufgeteilt, von denen das mittlere mit einer Tonne in 
verputzter Holzschalung, die seitlichen mit ebenfalls verputzten Flachdecken 
geschlossen sind. Die Emporenstützen bilden vermittels konkav geschnittener 
Kopfstreben unterhalb der Emporenbrüstung und der Deckenunterzüge eine 
Art Arkaden (auf den Längsseiten freilich sehr breitgezogen). Ausmalung 
1934: Decke und Wände gelblich getönt; Emporenanlage dunkelgrün, mit 
Rot abgesetzt. Fußboden mit Sandsteinplattenbelag. 

AUSSTATTUNG. Moderne Farbgebung in dunklerem und hellerem Grün, 
gleichmäßig für Nr. 2 — 8, 22, 24, 25. 

I. Flügelaltar (Taf. 19). Schrein H. 1,768 m; B. 1,97 m; Flügel B. 
0,985 m. Rahmen Eiche; figürliches und dekoratives Schnitzwerk Linde. 
Der Schrein hat fünf Achsen, von denen die drei mittleren doppelt so 
breit wie die äußeren und drei- statt zweigeschossig aufgeteilt sind. In der 
zweigeschossigen Mittelnische die Figur Mariae, als schmerzhafter Mutter 
Gottes (H. 0,92 m): Maria steht mit gefalteten Händen; in Höhe des Schleier- 
werks sind durch die seitlichen Scheidwände dolchartige Schwerter hindurch- 
gesteckt, die gegen ihre Brust zielen. Am Mantelsaum in Kapitale und Mi- 
nuskel gepunzte Einzelbuchstaben und Anfänge von Fürbittformeln lateinisch 
und deutsch. Am Sockel in Minuskel: S(an)c(t)a Maria ora. Um die Mittel- 
nische herum sind in einzelnen Reliefs die Szenen des schmerzhaften Rosen- 
kranzes angeordnet, beginnend rechts unten mit der Darbringung; links folgen 
die Flucht nach Ägypten, der zwölfjährige Jesus im Tempel, die Kreuztragung; 
über Maria ehemals die Kreuzigung; wieder rechts die Beweinung und die 



58 EIME 

Grablegung (das Kreuzigungsrelief, das wegen des in das Feld einschneidenden 
barocken Kanzclkorbcs entfernt ist, hängt jetzt an der nördlichen SchifFswand). 
In den Außenachsen links Jakobus major und Bartholomäus, rechts Petrus 
und Paulus. — Die Flügel enthalten wie die Außenachsen des Schreins ein- 
zelne Heilige in zweigeschossiger Reihung, durch Scheidstege paarweise zu- 
sammengeordnet. Im linken Flügel stehen oben die Hl. Bernward, Anna 
selbdritt, Johannes der Täufer, Katharina; unten Georg, Elisabeth, Nikolaus, 
Dorothea; im rechten Flügel oben Barbara, Martin, Maria, Magdalena, Lau- 
rentius; unten Luzia, Andreas, Margareta, Jakobus minor. Die Namen sind 
auf den Sockelstreifen unterhalb der Figuren in gotischer Minuskel aufgemalt. 
Schleier aus symmetrischen Distelblattranken. Farben: Gewänder rot und 
blau, teilweise mit Brokatmustern; Mäntel Gold, auf den Säumen gelegentlich 
der Name oder einzelne Buchstaben; Rüstung Silber. Gepunzter Goldgrund 
in Form von rot und schwarz befransten Vorhängen. Vergoldete Schleier. 
Gold und Silber sind großen Teils alt; die übrige Bemalung ist weitgehend 
erneuert. Fehlende Teile: Die Predella, das halbe Kreuzigungsfeld, einzelne 
Attribute. Ergänzungen: Verschiedene Fingerglieder und Attribute, der Fuß 
Christi in der Beweinung, das Kreuz in der Kreuzigung. — Die Rückseiten 
der Flügel zeigen je zwei Bilder übereinander. Tempera auf Kreidegrund. 
Links oben die Verkündigung, unten die Enthauptung des Jakobus major. 
Der Heilige kniet in offener Landschaft mit auf dem Rücken zusammen- 
gebundenen Händen. Am Boden der Hut mit Pilgermuschel und zwei ge- 
kreuzten Schwertern. Hinter dem Heiligen der das Schwert schwingende 
Henker in Landsknechtstracht, rechts Assistenzfiguren, teilweise zu Pferde. 
Auf dem rechten Flügel oben die Geburt Christi, unten geringe Reste eines 
Heiligenmartyriums mit rechts einer Gruppe aufblickender Leute (an der 
Kappe des vordersten zwei gekreuzte Schwerter wie an dem Hut des hl. Ja- 
kobus). Farben vornehmlich rot; grün, weißgelb, blau. Die Bilder sind neu 
gefirnißt, Fehlstellen sind grau getönt. Übermalungen in den Gewändern 
der Geburtsszene und an einem Sprung zwischen den Beinen des Henkers 
im Jakobusmartyrium. Um 1520; anscheinend Hildesheimer Werkstatt. — 
Da Jakobus Kirchenpatron ist, ist der Altar vermutlich von Anfang an für 
die Kirche bestimmt gewesen. Die Flügel waren um 1820 auf Antrag des 
damaligen Pastoren abgenommen und an den Schiffs wänden aufgehängt worden; 
erst neuerdings sind sie wieder mit dem Schrein vereinigt. — Mensa. 
H. 1,18 m; B. 2,44 m; T. 1,58 m. Gemauert und verputzt. Sandsteinerne 
Deckplatte mit geschrägtem Profil, aus drei einzelnen Platten zusammengesetzt: 
a) die ursprünghche Mensaplatte; 1,58:0,885 m. Drei Weihekreuze. 15./ 
16. Jh. b) Grabplatte. 1,58:0,785 m. Erhabenes Kreuz in der Mitte. Um- 
schrift, nur teilweise erhalten, mit Datum 1594. Rechtsseitig beschnitten. 
c) Grabplatte . . . .man Her Daniel Ludewri . . . . eheliche Husfraw, f 1598 (vgl. 
Nr. 2). 1,58:0,755 m. Namensumschrift und Spruchinschrift in ausgesparter 
Kapitale und erhabener Fraktur, beides nur teilweise lesbar. 

2. Taufe, im Chor. H. 0,90 m; 0,79 m. Sandstein. Achteckiger Schaft 
mit Eckvorlagen, die jeweils mit einem Diamantquader, einer Rosette oder 
einer Blumenvase in flachem Relief besetzt sind (der Schaft steht jetzt auf 
dem Kopf, das Sockelgesims ist das ursprüngliche Halsgesims gegen den 
Kessel; der eigentliche Sockel und das unterste Schaftstück fehlen). Acht- 
eckiger Kessel mit mehrfach abgetrepptem Boden und breitem, vielteiligem 
Abschlußgesims. Vor den Ecken nach oben verjüngte Pilaster, unter und 
über welchen die Boden- und Gesimsprofile verkröpft sind. Inschriften auf 
vier Wandungsseiten in erhabener und vertiefter Kapitale: A(nn)o 1605 Er 



EIME 59 

Daniel Ludewich Clages Wittemier 12 Flo: d(e)d(it) — Chrisopher (! ) Punth 
6 Flo: d(e)d(it) — Cordt Barchman 6 Flo — B. Hinrick Boden 10 Flo, Hans 
Smeth, Hans Frohosen — Lorens Knust. Auf den übrigen Seiten Puttenköpfe 
in ganz flachen Arkaden. 

3. Kanzel, über dem Altar in die Emporenwandung eingebaut. H. 
Brüstung 1,26 m. Eiche. Fünfseitiger Korb mit stark profiliertem Hängeboden. 
Schalldeckel mit Schnörkelhaube, von einer Kugel bekrönt; über den Seiten 
Muschelaufsätze mit Girlanden. Anfang 18. Jh. Geschenk des Kammer- 
herrn V. Hardenberg auf Heinsen aus seiner Patronatskirche in Esbeck bald 
nach dem Neubau von 1732 (Akten im Staatsarchiv Hannover), 

4. Gestühl, Tanne. 1732 (?). Die vordersten Bänke der Mittelreihe 
19. Jh. 

5. Chorschranken, Tanne. Durchbrochene Brettbrüstung. Um 1800. 

6. Drei geschlossene Priechen, am Westende der Gestühlsreihen. 
Tanne. Wandungen mit rechteckigen Fenstern, flach gewölbte Schaldecken. 
Auf der Vorderseite über dem Abschlußgesims Akanthusaufsätze mit Muscheln 
und einem bekrönten Medaillon des Gotteslammes (beschädigt). 1732 (?). 

7. Emporen, s. Baubeschreibung. 

8. Orgel, auf der Westempore. Prospekt. H. 5,54 m; B. 4,93 m. Tanne, 
Linde, Eiche (Profile). Sieben Achsen, nach der Mitte zu aufgetreppt. Die 
fünf inneren Achsen sind zweigeschossig unterteilt mit polygonalem Mittel- 
turm und dreieckigen Seitentürmen. Akanthusschleier. In den Außenachsen 
polygonal vorspringende Ecktürme mit Vorhangbrettern. Nach Eintragung 
im ältesten Kirchenbuch (ab 1656) hat man 17 14 das Orgelwerk zu bauen 
anfangen lassen durch Joh. Georg Müller, Bürger und Orgelbauer in Hildes- 
heim; (acht Stimmen einschließlich Gehäuse und Blasebälge 180 M.). 
Veränderungen an den Ecktürmen um 1800. — Pneumatisches Werk von 
Faber & Greve, Salzhemmendorf, 1904. 

9. Ölbergrelief, an der Südwand. H. 0,76 m; B. 0,475 ni. Linde, 
braun gestrichen. Durchbrochen geschnitzt; geschrägtes inneres Rahmen- 
profil. Schlichter, nachträglich umgelegter Außenrahmen. 18. Jh. 

10. Erbärmdechristus, an der Nordwand. H. 0,915 m; B. 0,655 rn- 
Öl auf Tanne. Kniefigur nach rechts sitzend. Am unteren Rand Dornenzweige 
mit Spruchband: Spinas inter amabilis. Inkarnat gelbgrau, Grund graugrün. 
2. Hälfte 17. Jh. Holzwurm, Blasenbildung. 

11. Kreuzigung, an der Südwand. H. 1,415 m; B. 0,79 m. Öl auf 
Leinwand. Tief hängender Korpus. Am Kreuzesfuß vom Rücken gesehen 
Maria Magdalena. Gewandung blau, weiß, rotbraun. Himmel dunkelbraunrot. 
Gemalte Rahmenarkade (gleichzeitig?). 2. Hälfte 17. Jh. 

12. Kronleuchter. H. ca. 0,86 m; ca. 0,88 m. Messing. Zwölf S- 
förmig herabgebogene, sechskantige Arme mit rankenbesetzten Mittelknoten 
in zwei Kränzen. Zwischen den unteren Armen waagerecht abstehende Zier- 
schwünge mit eiförmigen, gespitzten Aufsätzen. An einem Zwischenring ge- 
perlte Voluten. Krönender Doppeladler. Um die Mitte der Kugel ein gerauhter 
Bandstreifen mit erhabener Kapitalmschrift : Anno 16 jo Jacob Glenezvinckel 
Jürgen Winter und der Spruch i. Kor. 10, 31. 

13. Kronleuchter. H. 0,70 m; ca. 0,66 m. Messing. Acht S-förmig 
herabgebogene, sechskantige Arme mit Astansätzen, und mittleren Astschleifen, 
die melonenförmige Aufsätze mit hoher Spitze tragen. Teller mit durch- 



60 EIME 

brochcncm Fußring. In einem oberen Kranz acht geperlte Lilienvoluten. Be- 
krönender Zeus auf dem Adler. Kugel mit breitem. Mittelband. 2. Hälfte i 7. Jh. 

14. Kronleuchter. H. ca. 0,58 m; ca. 0,74 m. Messing. Sechs S- 
förmig herabgebogene, flachovale Arme mit Fischmaulknoten. In einem oberen 
Ring Meerwcibplättchen. Spindel mit Querwülsten. Doppeladler; breit- 
gequetschte Kugel. 18. Jh. 

Altargerät. 

15. Kelch. H. 20,5 m; 14 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß mit 
aufgenieteter dreifiguriger Kreuzigungsgruppe (Maria und Johannes unter 
dem Kreuze sitzend). Nodus mit stark vorgezogenen Rotuln, darauf graviert 
in Kapitale: Jhesus. Zungenförmige Zwischenfelder auf Ober- und Unter- 
seite. Nodusgrund und Schaftstücke punktiert. Anfang 16. Jh. Lötstelle 
am Kuppaansatz. — Patene. 13,7 cm. Beschädigt; teilweise repariert. 

i6. Kelch. H. 18 cm; 12 cm. Silber vergoldet. Runder Fuß mit 
umgebogenem Rand. Nodus mit runden Rotuln, darauf graviert der Kopf 
Johannis des Täufers (?), ein Lamm und in erhabenen gotischen Minuskeln 
paarweise die Namensbuchstaben: S(an)c(tus) Johans. Auf Ober- und 
Unterseite lanzettförmige Blattfelder. Gehämmerte Kuppa. Anfang 16. Jh. 
Nach Henneke („Unsere Heimat") aus Sehlde. — Patene. 14,4 cm. Am 
Rand im Kreis eine segnende Hand vor gleicharmigem Lilienkreuz. 

17. Oblatendose. H. 4,3 cm; 8,1 cm. Silber. Zylindrisch. Anno ij2$ 
Heinrich Ludolf Hetling. don(avit) ad eccles(iam) Eimens(em). Hildesheimer 
Beschau 1705; Meister CIK (Liste I, 18). 

18. Kelchlöffel. L. 11,4 cm. Silber. Hildesheimer Beschau 1705; 
Meister HIB (Liste I, 14). 

19. Zwei Altarleuchter. H. 30 cm; 17 cm. Messing. Runder, 
profiliert gewölbter Fuß auf drei Löwentatzen. Runder Schaft mit Schaft- 
ring. Teller mit gekehlten Profilen. Anfang 17. Jh. 

20. Altarbibelpult. H. 23 cm; B. 51,6 cm; T. 25 cm. Tanne, i. Hälfte 
18. Jh. 

21. Zwei Leuchter-Untersetzer. 28 cm. Eiche. Achteckig. 
I.Hälfte 18. Jh. 

22. Zwei Untersetzer. 40,3 cm. Obstbaumholz, poliert und schwarz 
eingelegt. Tamburinform. i. Viertel 19. Jh. 

23. Klingelbeutel. Reif mit Schelle. Messing. 18. Jh. Beutel erneuert. 

Glocken. 

[24. Nach Mithoff am Hals in gotischer Minuskel: O rex glorie veni cum 
pace Hans Meiger an(n)o do(mi)ni M CCCC XXXVI . Unter rex glorie in 
kleinerer Schrift: et Maria Magdalena, nebst einer kleinen Figur. Weiterer 
figürlicher Schmuck: Brustbild des hl. Antonius des Einsiedlers, Christus 
am Kreuz zwischen Petrus und Paulus [sie], darunter ein Brustbild mit einem 
Adler auf der Brust, Lilienszepter und Kreuz in den Händen — genau so 
wie auf der nicht datierten Glocke zu Landringhausen — , eine Gestalt mit 
Schwert, ein Bischof, Maria mit dem Kinde. — Nicht mehr vorhanden.] 

[28. Nach dem Glockenverzeichnis von 1917: 0,81 m. Am Hals zwischen 
Blattfriesen in Kapitale: Da pacem domine in diehus nostris quia non est aliud 
pro nohis nisi tu deus noster. M. Henni Lampen goß mich Hildesheim anno 16 jj. 
— Eingeschmolzen.] 



EIME 61 

29. 1,17 m. F. Dreyer in Linden vor Hannover 1847. Am Hals die 
Namen des Amtmanns zu Lauenstein, des Pastoren, des Bürgermeisters, 
Kämmerers und der Repräsentanten. 

30. Zwei Glocken. Radler, Hildesheim. 1920. 

31. Zwei Schlagglocken, außen am Turmhelm, a) ca. 0,50 m. 1801. 
An der Flanke die Namen des Bürgermeisters usw. — b) Radler. 1888. 

KIRCHHOF. 

Der Kirchhof hat auf drei Seiten eine bruchsteinerne Umfassungsmauer, 
die nach der Straße zu eine hohe, horizontal abgedeckte Toranlage mit rund- 
bogiger Wagendurchfahrt und Fußgängerpforte aufweist. Schräg oberhalb 
der Durchfahrt eine Platte mit der Jahreszahl: A(nn)o 168..; rechts ein 
Pranger-Halsring. 

Sandstein. Die vier ältesten Grabsteine sind in die nördliche Umfassungs- 
mauer eingelassen. Stark verwittert; die Inschriften sind fast vollkommen 
unleserlich. Die jüngeren Steine stehen noch auf den Gräbern. 

1. Pastorengrabstein. H. (jetzt) ca. 1,43 m; B. ca. 0,84 m; RT. ca. 
0,02 m. Ganz- oder Dreiviertelfigur des Verstorbenen in Vorderansicht, 
vollbärtig, mit Kappe und Talar. Umschrift beginnend mit der Jahreszahl 
1588. Eingesunken. 

2. Pastorengrabstein. H. (jetzt) 1,54 m; B. 0,94 m; RT. ca. 0,04 m. 
Ganzfigur des Verstorbenen in Vorderansicht, mit Spitzbart und Zuckerhut- 
förmiger Mütze vor flachem Bogenfeld. Zweizeilige Umschrift. 2. Hälfte 
16. Jh. Eingesunken. 

3. Pastorengrabstein. H. 1,61 m; B. 0,94 m; RT. 0,04 m. Kniefigur 
des Verstorbenen, vollbärtig, mit Talar und Kappe. Auf einer Tafel unter 
der Figur ein Vers des 116. Psalms. Beiderseits des Kopfes Wappen. Um- 
schrift, beginnend mit der Jahreszahl 1597. 

4. H. 1,37 m; B, 0,84 m; RT. 0,01 m. In mittlerem Kreisfeld ein Alhance- 
wappen. Umschrift. 17. Jh. 

5. Maria Loisa Christina Brünig, 1821 — 1824. H. 0,80 m; B. 0,485 m. 
Stele mit geschweiftem Abschluß. 

6. Heinrich Christian Aug. Conr. Brünig, 1826— 1829. H. 1,14 m; 
B. 0,68 m. Stele mit mehrfach gewelltem oberen Rand, 

7. Sophie Christiane Florentine Pape geb. Meier, Bür ger meist erinn, 
1786 — 1842. H. 2,05 m; B. 0,89 m. Stele mit Dreiecksabschluß. Leichtext 
Oflfenb. 14, 13. 

RATHAUS. 

Zweistöckiger Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach. Über dem Ratskeller- 
Schild oberhalb der Tür eine Eichentafel mit der Bauinschrift: Posteritati er- 
hauet im Jahre 1822 unter Aufsicht der zeitigen Rathsglieder Bürgermeister Holle, 
Rathsherr Pape, Deputirte Brünig und Wintl. Auf der Rückseite jüngere An- 
bauten. 

WOHNHÄUSER. 

Die Häuser haben nach dem Maß, in dem der Wirtschaftsteil von dem 
Wohnteil getrennt oder mit ihm unter einem Dach vereinigt ist, bald mehr 



62 EI ME 

bürgerlichen, bald mehr bäuerlichen Charakter. Auch bei noch verhältnis- 
mäßig rein bäuerlichen Typen (Nr. 20, Nr. 6) fehlt allerdings die Längsdiele; 
dagegen tritt, falls keine besonderen Scheunen vorhanden sind, seit dem 
19. Jh. mehrfach die Querdiele auf. Allgemein sind die Häuser zweigeschossig 
(und zwar zumeist mit besonderer Obergeschoßschwelle). Im 18. Jh. ist vor- 
wiegend die (Wohn)-Giebelseite, im 19. Jh. häufiger die Breitseite zur Straße 
gekehrt. Die Gefache sind geputzt und geweißt; die Dächer mit Pfannen 
gedeckt. 

Nr. 20. Giebelhaus mit Satteldach. (Taf. i6a) Vorn der Wohnteil mit vor- 
gekragtem Obergeschoß und Giebel. Eingang von der Breitseite aus; im In- 
neren ein Querflur. Nach rückwärts Ställe und Speicher, ohne Diele. 2. Hälfte 
18. Jh. 

Nr. 6. Giebelhaus mit Satteldach ohne Vorkragung im Obergeschoß und 
Giebel. Eingang in der Giebelseite; im Inneren ein Längsflur. Im rückwär- 
tigen Teil ehemals der Pferdestall (jetzt ausgebaut). Ende 18. Jh. Das Erd- 
geschoß ist teilweise massiv unterfangen. Viehstall, Speicher und Scheune 
sind vom Wohnhaus getrennt um einen rechteckigen Hof herumgebaut (der 
an das Wohnhaus anschließende Viehstall massiv in Bruchstein), 19. Jh. 

Nr. 35. Aufbau an der Straße entsprechend Nr. 6. Rückwärts unter glei- 
chem Dach ehemals eine Quertenne. Um 1800. Das Erdgeschoß teilweise 
massiv erneuert, der Giebel mit Blechplatten behangen. Die Quertenne ist 
1929 abgebrannt. 

Nr. 31. Giebelhaus mit Satteldach. Obergeschoß und Giebel sind leicht 
vorgekragt, die Füllhölzer zeigen Wulst- und Kehlprofile. Das Haus ist ver- 
hältnismäßig kurz, im Inneren mit einem Längsflur; die Stallungen und Wirt- 
schaftsräume sind sämtlich ausgeschieden. Auf der Rückseite schließt ein 
schmaler, zweistöckiger Stallflügel an das Vorderhaus an; das Obergeschoß 
(Speicher) ist gegen den Hof hin weit übergebaut und durch geschweifte Kopf- 
bänder abgestützt. Wohnhaus Mitte 18. Jh. Das Erdgeschoß ist teilweise 
massiv erneuert, der Giebel nachträglich mit Pfannen behangen. Stallflügel 
in seiner jetzigen Form um 1800 (?). 

Nr. 4. Traufseitenhaus mit Krüppel walmdach. Flachbogige Fenster. Um 
1800. Erdgeschoß teilweise massiv erneuert. Rückwärtiger Wohnflügel; im 
Erdgeschoß massiv Bruchstein, anscheinend in zwei Bauabschnitten gebaut, 
18. Jh. 



WASSERMÜHLE, 

am Westrand des Dorfes. Zweistöckiges Gebäude 18./ 19. Jh, Im Erdgeschoß 
massiv (erneuert); im Obergeschoß Fachwerk. Der Teil, in dem die Mahl- 
stube liegt, ist nachträglich um zwei Geschosse erhöht. Oberschlächtiges Rad. 
Wassermauer aus Sandsteinrohquadern mit Inschriftplatte: ij68 ist diese 
Mauer samt den Schling Werk neu gebauet von Joh. Heinr. Brahme zeitiger 
Mühlenmeister zu Banteln und Eime und Ilse Catrine Friderike geho. Munter. 

KREUZSTEIN, 

am Wege nach Gronau (vgl. Hoff"mann). H. 0,65 m; B. 0,60 m. Spätmittel- 
aiterlich. 



63 



EITZUM 



Dorf. 5 km östlich von Gronau. 424 Einwohner. Haufensiedlung. Urkundlich 
1022 (bzw. 1013) Eizetn (i), 1201 Ekem (.2), zwischen 1216 und 1221 Echem (3), 
1240, 1286 Echzem (4, 5), 1289 Eythzem (6), 1323, 1330, 1354 Etzem (7, 8, 9), 1382, 
1388 Eytzem (10, 11). Das Kloster Marienrode war hier begütert, ebenso der Hildes- 
heimer Domdechant, der auch das Patronatsrecht hatte. 

Quellen: Sudendorf U. B. I 275 S. 152 Z. 32- IX 227, i S. 304 Z. 16 — U. B. 
Hochstift Hildesheim I 69 S. 71 Z. 12 (i), 564 S. 542 Z. 29 f. (2), 694 S. 662 Z. 21 (3); 
II 102 S. 45, 541 S. 263 (4), 1149; III u. a. 625 S. 328, 755 S. 392 (5), 805 S. 412 f., 
8348.429(6), 9028.461,9248.470, 1299 8. 623, 1592 8. 755iIV753 8. 411 (7)i V376 
8. 208 (8), 579 8. 350 (9); VI 543 8. 388 (ig), 861 8. 585 f. (11) — U. B. Marienrode 
15 8. 29 (4), 31 8. 47, 61 8. 74, 71 8. 82, 76 8. 87 — U. B. 8tadt Hildesheim I u. II 
vgl. die Register — Verzeichnis der Einkünfte in Kayser, Reform. Kirchenvisi- 
tationen 8.221 — Gemeindevorstandsregistratur Eitzum (vgl. Peters) — Pfarrarchiv 
Nienstedt: Kirchenrechnungen von Eitzum 1607 — 1758; 181 5 ff. (vgl. Peters) — 
Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83 Hannover II, 1519 Reparatur des Kirchturms 
in Eitzum. — Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat 8. 113 — Bertram I 8.219, 
301 — Hennecke in „Unsere Heimat" 8. 384, 387, 391, 401, 418, 420, 439 f. — 
Jahresbericht 1913/14 — Lauenstein 8. 288 — Mithoff III 8. 33 — Mithoff Zs. 1864 
8. 309 f. — Sonne V 8. 183 — Starcke 8. 71 f. 

EVANG. KIRCHE, 

dem hl. Martin geweiht. FiHal von Nienstedt. 

Einschiffige spätgotische Bruchsteinkirche mit gleichzeitigem (?) West- 
turm. Gründliche Instandsetzungen und Erneuerungen 1686 (vgl. Ausstattung 
Nr. 15) und 1739 (vgl. Inschrift am Turm). Auf letztere gehen die Turmtür 
und die Schiffsfenster in ihrer heutigen Form zurück. Weitere Reparaturen ( ?) 
nach Hennecke 1777/78. Glockengeschoß des Turmes Ende 18. Jh. (nach 
Hennecke fanden Arbeiten am Turm 1781 — 1814 statt). Verputz und Turm- 
helm 19. Jh. — Lage, am Ostrand des Dorfes auf einem gegen die Straße 
hin offenen Platz. 




Abb. 16. Eitzum. Grundriß der Kirchie. 



ÄUSSERES. 

Mauerwerk mit Zement verputz. Fenster und Türgewände Sandstein. 
Der Turm ist bis in Höhe des Glockengeschosses ungegliedert. Am Sturz 
der rechteckigen Südtür eine Kapitalinschrift: Tempore excellentissimi patroni 
l(iberi) b(aronis) de Loe emendationem huius ternpli curavit pastor Crol et alta- 
rist (ae) Crone et Nonnenkamp M D CC XXXIX. Das Glockengeschoß ist in 
Fachwerk aufgesetzt und mit Schiefer verschalt. Flachbogige Schallöffnungen. 
Das Schiff ist zweiachsig und hat einen geraden Ostschluß. Auf den Lang- 
seiten flachbogige Fenster; auf der Ostseite ein kleineres spitzbogiges Fenster 
mit verputztem Gewände. — Pfannengedecktes Satteldach in Kehlbalken- 
konstruktion. Ins Achteck übergeführter spitzer Turmhelm. Schieferdeckung. 
Nach Westen ein Auslegestuhl für die Schlagglocke. 



64 EITZUM 

INNERES (Taf. 32b). 

Turmvorhallc mit Balkendecke. SchifFwärts eine rechteckige Tür mit Sand- 
stcingcwändcn. — Im Schiff eine hölzerne Flachtonne, blau gestrichen. Wände 
geputzt und geweißt. Geschrägte Fensterleibungen. Zementfußboden; unter 
dem Gestühl Holzbelag. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung vermutlich von 1862 (vgl. Ausstattung Nr. 15), 
hauptsächlich weiß und gold auf blaugrauem Grund, weiß und blau. 

1. Altar (Taf. 32b). H. ca. 4,45 m; B. ca. 2,34 m. Tanne und Linde. 
Architektonischer Aufbau. Hauptgeschoß mit gedrehten Säulen, verkröpftem 
Gebälk und dreieckigen Giebelansätzen; in der Mitte ein rundbogiges Ge- 
mälde der Kreuzigung; Öl auf Leinwand. Niedriges Obergeschoß mit Ge- 
mälde der Auferstehung. Akanthusaufsatz und -anschwünge mit Putten- 
köpfen. Umi'^oo. — Mensa. H. 1,145 m; B. 1,67 m; T. 1,07 m. Gemauerter 
Unterbau, rauh verputzt und geweißt (19. Jh.). Sandsteinerne Deckplatte mit 
gekehltem Profil, ohne Weihekreuze oder Reliquiengrube. 16. Jh. ? 

2. Taufe (Taf. 32b); am Ende des Mittelganges. H. 1,06 m. 0,63 m. 
Sandstein. Quadratischer Fuß, mit steilem Anschwung in einen achteckigen 
Schaft übergeleitet. Schaftring mit Grätenmuster. Achteckiger gebauchter 
Kessel. Am Fries des Abschlußgesimses und darunter in erhabener und aus- 
gesparter Kapitale: Anno 161 1 Henricus Wobekindus Pastor Christojfer 
Leushner Voget — Andreas German Lampe Doven Kirchvetere. Am 
Fuß das Meisterzeichen. — Gewölbter Holzdeckel, mit kannen- 
artigen Akanthusrippen, Balusterkrone und Granatapfel. Um 1690. 

3. Kanzel, an der Nord chorwand. H. über dem Boden 1,43 m. Tanne (?), 
gelbbräunlich gemasert. Fünf Wandungsseiten mit Eckvorlagen. Auf der 
Verschalung des Kanzelständers in weißer Ölfarbe: 1^84 (19. Jh.), wohl auf 
Grund der gleichen Jahreszahl, die nach MithofF unter der Verschalung stehen 
soll (?). 

4. Gestühl. Tanne. 18. Jh. 

5. Empore, auf der Westseite. H. 2,28 m. Tanne. Stabvergitterte Quer- 
felder unter dem Decksims der Brüstung. Um 1600 (?). 

6. Altarschranken. Linde, dunkelgrün gestrichen. Balustriert. 2. Hälfte 
17. Jh. Rahmen gleichzeitig? Aufsatzkugeln modern. 

7. Gefallenentafel. 1870/71. 

8. Vier Totenkästen, auf dem Kirchenboden. Holz, schwarz gestrichen 
und vergoldet. In verglasten Kästen die Totenkrone, darunter Inschrifttafeln 
mit den Namen, auf Papier geschrieben. Zwischen 1852 und 1872. 

9. Kronleuchter. H. 0,70 m; B. 0,67 m. Messing. Sechs S-förmig 
herabgebogene Sechskantarme mit Astansätzen und Astschlaufen, die pal- 
mettenartige Aufsätze tragen. Zwischenschwünge mit ebensolchen Aufsätzen. 
In einem oberen Kranz sechs geperlte Ziervoluten. Spindel mit Knäufen. 
Krönender Zeus auf Adler. Kugel; darauf in erhabener Kapitale: Hennig 
Glües 17 S2. 

Altargerät. 

10. Kelch. H. 21,1 cm; Fuß 14 cm; Kuppa ca. 15,2 cm. Zinn. 
Runder Fuß; ovaler Nodus; Glockenkuppa. Engelstempel mit Initialen 
IHK (Liste II, 26). i. Hälfte 19. Jh. Zinnpest. 



EITZUM 65 

11. Taufschale. H. ca. 6,8 cm; 23,8 cm. Zinn. CM / 

Lückmann . . . 1828. Engelstempel, Engl. Block Zinn, Joh. Conr. Flegel 180. 
(Liste IIj 14). Jetzt als Opferschale benutzt. 

12. Altarleuchter. H. 24 cm; 13,5 cm. Messing. Runder, gewölbter 
Fuß, reich profiliert; dreiteilig gegliederter Schaft. Henie Tenneken W. — Henie 
Hennecken ND. 17. / 18. Jh. 

13. Drei Leuchter. Zinn. Fuß quadratisch mit geschrägten Ecken (a) 
oder rund (b, c); zylindrischer Schaft, a) H. 21,5 cm. Anfang 18. Jh.; b) 
H. 21 cm. Ohne Teller. Ende 18. Jh.; c) H. 20,7 cm. Ohne Teller. An- 
fang 19. Jh. 

14. Altarbibelpult. H. 28,4 cm; B. 37 cm; T. 33,5 cm. Tanne. Da- 
tiert in weißer Farbe (erneuert): Anno IJ28. 

15. Inschrifttafel, an der Ostwand. H. 0,97 m; B. 0,685 ni- Eiche. 
Auf der Vorderseite in vertiefter Kapitale (weiß auf grauem Grund): Anno 
1686 ist diese Kirche von neven prepariret in Dag und Fag növe Balken undt 
Bodem Summa gans wider zurechte gemacget hadt gekostet hundert undt etzlige 
Gulden, her Gerhart Hirtihren Pastor Johan Frideriß Papen M. Hans Dufnkrop 
beyde Kircvaer. Darunter aufgemalt: Herrn. Kleine als täglicher Besucher 1862. 
Auf der Rückseite in schwarzer Fraktur auf grauem Grund: Im Jahre 1862 
ist diese Kirche von August Suhren aus Wrisbergholzen für 126 Rthr gestrichen 
unter Aufsicht des zeitigen Kirchen Vorstandes E. Kiener Pastor, F. Jagau, H. 
Krohne, H. Breneke und Ch. Holz, als Lehrer Wilh. Hentze. Der Fußboden ist 
gelegt von H. Krull für 20 Rthr. 

16. Glasgemälde, im Ostfenster. H. ca. 0,14 m; B. ca. 0,10 m. Oval. 
Kruzifix mit darunter knieenden Figuren. Nach Mithoff datiert 1646 (die 
Jahreszahl ist jetzt durch einen gekitteten Sprung verdeckt). 

17. Glocke. 0,73 m. An der Flanke in Kapitale: Heil uns Napoleon der 
Tirann ist 181$ besiegt. Dank dem Herrn das Jahr der Theurung 1816 ist über- 
standen, Preis und Ehre dem Almächtigen der die evangelische Kirche bis zum 
dritten Jubelfeste 181 j gnädig erhielt. — Glocke der St. Martini Kirche zu Eitzum 
gegossen in Jubel Jahr 181 j von C. A. Becker und H. L. Damm zu Hildesheim. 
C. A. D. Fulda, seit 180$ Pastor zu Nienstedt und Eitzum H. Frohes Chr. Bren- 
neke Altaristen H. Kleine Orts-Vorsteher zu Eitzum. 

18. Zwei Glocken, Radler, Hildesheim. Neu. 

19. Schlagglocke. 0,66 m. C.A.Becker, Hildesheim. 1784. 



ELZE 

Stadt. Station der Bahnlinien Haiinover — Göttingen und Hildesheim — Hameln; 
Ausgangspunkt der Kleinbahn nach Gronau — Bodenburg. 3026 Einwohner. Ur- 
kundlich 1068 Alicga (2), 1151 Alitse (3), 1161 und 1190 Aiilica (4, 6), 1175 Eletse (5). 
Der Name Aulica soll nach der um iioo entstandenen sog. „Fundatio ecclesiae Hil- 
densemensis" von dem am Orte befindlichen Königshof — regis aula — herrühren. 
— 1190 wird Elze als Dorf (villa qiiae dicitiir Aulica) bezeichnet (6); ebenso auch 
noch 1344 und 1389 (13, i). Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts wird aber auch 
ein Rat zu Elze genannt, der bereits 1360 eine Urkunde ausstellt (16). 1464 ist eine 



66 ELZE 

Wiederherstellung der „Stadt" (?) nach einem Brand überliefert (14); 1431, 1543 
und noch 1585 ist dagegen urkundlich von dem Flecken, „Bleke", Elze die Rede 
(22, 15). Das 1585 gebrauchte Siegel mit den Aposteln Petrus und Paulus (Abb. 
in „Unsere Heimat" T. 37) läßt von der Umschrift: Sigilum civium . . . . erkennen; 
1686 lautet die Siegelumschrift: Sigillum civitatis Elizensis. — Der Kreis der wüsten 
Dörfer um Elze gibt einen Hinweis auf das allmähliche Anwachsen der Bevölkerung 
durch Zuzug von außerhalb (vgl. Hartmann S. 278). 1461 bestätigt Bischof Ernst 
dem Rat das alte Recht, die niedere Gerichtsbarkeit innerhalb des Ringzaunes selbst 
ausüben zu dürfen (22). Dieser Ringzaun bildete die einzige, größeren Angriffen 
gegenüber unzureichende Befestigung. Als Herzog Friedrich 1473 mit Hamelner 
Truppen vor Elze rückte, waren die Bürger daher gezwungen, fußfällig um Gnade 
zu flehen (19). 1585 wollten sie den Zaun durch eine Mauer ersetzen, doch reichten 
die Mittel nur zur Errichtung steinerner Tore an den Straßeneingängen, im Süden 
(Löwentor) und im Norden (Schmiedetor) (22). In der Stiftsfehde wurde Elze 1521 
von Herzog Erich L erobert. 1625 überfielen dänische Soldaten und Bauern aus 
Gronau und Umgegend den Tillyschen Hauptmann de Gleen (nachmals Feldmar- 
schall) in Elze im Quartier und nahmen ihn nach kurzer, vom Rathaus und Kirch- 
turm aus geleisteter Gegenwehr gefangen (23). — Die in der „Fundatio" (s. o.) 
berichtete Gründung eines Bistums in Elze durch Karl den Großen und die spätere 
Übertragung desselben nach Hildesheim ist auf Grund der neueren Forschung als 
Legende anzusehen. 'Selbst eine entsprechende Absicht Karls muß fraglich bleiben; 
das Bistum in Hildesheim ist 845 durch Ludwig den Frommen gestiftet worden. 
Gleichwohl bleibt die Möglichkeit bestehen, daß in Elze eine Missionskapelle unter 
Umständen noch durch Karl den Großen selbst gegründet worden ist (17). Die 
,, Fundatio" gibt an, Elze sei die Mutterkirche gewisser Kirchen jenseits, aller dies- 
seits der Leine, ja sogar der späteren Archidiakonatkirchen Eldagsen, Oldendorf 
und Wallensen (18). Das würde auf ein sehr hohes Alter hinweisen, ist aber freilich 
sonst nicht bezeugt. Immerhin lassen auch die urkundlichen Nachrichten Elze als 
eine der Urpfarreien des Bistums erscheinen: 1068 ist von „publicis aecclesiarum 
parochiis Alicga, Redun, Fredenon, Wallenhuson" die Rede (2) und man darf an- 
nehmen, daß die Gotteshäuser dieser Parochien damals schon länger bestanden haben. 
Später war Elze auch Stätte des geistlichen Gerichtes. Nach dem Archidiakonats- 
verzeichnis von 1481 gehörten zum Banne Elze die Kirchen Elze und Esbeck (mit 
den Kapellen in Dunsen und Deilmissen), Wülfingen im Kreise Springe und Feld- 
bergen (später auch das damit vereinigte Banteln). Vom Pfarrbezirk wurde 13 16 
Wittenburg, Kreis Springe (12), 1543 Eime und Sehlde, nach 1588 Boitzum und 
Sorsum, Kreis Springe, abgetrennt. — Die ersten urkundlich überlieferten Pfarrer 
sind 1210 Hermannus, sacerdos Aulicensis (7), 1239 Dietrich (8), 1260 Johannes 
(10), 1277 Henricus plebanus de Aulika (11) usw. Die Pfarrer seit der Einführung 
der Reformation hat Busse zusammengestellt. Als Archidiakon wird 1239 flf. Diet- 
rich von Adensen genannt (8, 9). Der Archidiakon war Patron der Kirche, die Ka- 
landsbrüder in Elze hatten ein Patronatsrecht über den von ihnen 1344 gegründeten 
Hl.-Geist-Altar (13). Identisch mit diesem Altar ist wahrscheinlich das „Heilige 
Geist Lehen", das 1543 bei der Einführung der Reformation vom Rate verliehen 
und der Stadtschreiberei beigelegt wurde. Außerdem gab es noch zwei andere 
vom Rate zu Lehen gehende Pfründen an der Pfarrkirche, „Aller Heiligen" und 
„Unser lieben Frauen", die beide zur Bezahlung des Schulmeisters verwandt 
wurden (20). 1588 hat der Stadtschreiber noch ein anderes, vom Bischof 1508 kon- 
firmiertes Lehen, das 1563, von Herzog Erich dem Rate verschrieben und an die Orgel 
gewendet wurde (21). — Über das adelige Gut und die Mühlen siehe S. 73 und 76. 
— 1692, 1706, 1708, 1734, 1742/43, 1824 sind Feuersbrünste bezeugt, 1743 brannten 
80 Wohnhäuser, 38 Scheunen, 68 Stallgebäude, der adelige Hof, das Brauhaus, 
die Oberpfarre und zum Teil die Kirche nieder. — Einen vormals in der Nähe 
von Elze befindhchen ,, Königsstuhl, ein < quadrat Grasplatz von vier Vorwendten 
(wo mit dem Pfluge gewandt wird) eingeschlossen >, der als Gerichtsstätte diente", 
erwähnt Mithoff". 

Quellen: Sudendorf U. B. Register S. 317, IX 276 Anm. 3 S. 390 f. (i) — 
U. B. Hochstift Hildesheim I iii S. 108 Z. 18, 20—22 (2), 275 S. 258 Z. 27 (3), 
323 S. 310 Z. IG (4), 370 S. 355 Z. 14 (5), 475 S. 451 Z. 35 (6), 640 S. 614 Z. 3 (7), 
642 S.616 Z. 2f.; II 293 S. 134, 549 S. 268 (8), 651 S. 328 (9), 753 S. 381, 1148 
S. 569 (10); III 470 S. 219 (II), 623 S. 324, 326, 673 S. 349, 1406 S. 671; IV 338 
S. 180 (12); V 135 S. 76 (13), 489 S. 272; VI 171 A S. 93 — U. B. Stadt Hildesheim 
III 550 S.229, 854 A S.376; VII 93 S.49, 524 S.325f. (14); VIII 870 A S.709 
(15) — U. B. Wülfinghausen Nr. 7 S. 6 f. (8), Nr. 119 S. 82 (16) — Fundatio Ecclesiae 



ELZE 



67 



Hildensemensis, ed. A. Hofmeister in Mon. Germ. S. S. XXX, 2, 1926 S. 939 ff.; 
im besonderen S. 941 (17) und 942 (i8)j ältere Ausgabe in Bertram, Hildesheims 
Domgruft und die „Fundatio" 1897 — Henning Brandis Diarium, herausg. v. Haensel- 
mann, u. a. S. 19 Z. 2 (19) — Visitationsakten, in Kayser, Reformator. Kirchen- 
visitationen 340 — 342 (20); und Generalkirchenvisitation von 1588 von demselben 
herausgeg. in Zs. d. Ge. für niedersächsische Kirchengeschichte 8, 1904 S. 228 
(21) — Archiv des Magistrats Elze; Archivalien im Staatsarchiv Hannover; Archiv 
der Superintendentur, siehe Peters, Archivinventare S. 50 — Staatsarchiv Hannover: 
Cal. Br. Arch. Des. ig; 2d Nr. i (22); Cal. Br. Arch. Des. 19, A; Nr. 255 (23); 
Hann. Des. 83a Hannover I, Ha Elze, Amt Gronau i und 2; Hann. Des. 83 Han- 
nover II, 1600, Elze Reparatur der Kirche 1817 — 33 (24) — Landeskirchenamt, 
Hannover, Archivalien. — Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 67, loi Anm. 20 

— Baring I S. 254 — 295 — Beiträge I S. i, 430 — Bertram I S. 23, 28, 122, 229, 
3193 337. 345. 452; 11 S. 7, 27, 32, 33, 239; III S. 31, 33, 202 — Busse, Memorabilia 
S. 17 — 41 — Busse, Zur Geschichte der Stadt Elze in Hann. Magazin Jahrg. 1818 
S. 530 — Dörries, Entstehung und Formenbildung S. 90 f. — Einrichtung der feier- 
lichen Einweihung der neuerbauten Kirche in der Stadt Elze, welche am 29. Jun. 
1749 .... wird vorgenommen werden. Hildesheim (1749) — Die Feuersbrünste 
von Elze .... vom Jahre 1553 bis zu dem Jahre 1824 . . . von J. W. P., Hannover 
1825 — Gebauer, Geschichte der Stadt Hildesheim I S. 12 f. — Gebauer, in „Vater- 
ländische Geschichten" II S. 301 f. — Hartmann in „Unsere Heimat" S. 260 flf., 
267, 269, 275 ff. 282, 284, 291 f., 295, 300 f., 309, 315 f-. 327 f-. 333 f-. 338, 353 ff- 

— Havemann I 358, 11 61, 315, 636, 670 — Hennecke in „Unsere Heimat" S. 373, 
383, 389 f., 403, 413, 415, 421, 437 ff. — Hennecke in Zs. d. Ges. f. niedersächsische 
Kirchengeschichte 1929 S. 172, 180 Anm. 8, 186 Anm. 6 — Jahresbericht 1914/15 bis 
191 8/19 — Kayser, Einige Daten zur Geschichte der Stadt Elze in „Festbuch zum 
14. Gauturnfest des Leine-Weser-Gaues zu Elze" 1902 (Rob. Gernhard) S. 23 f. — Kle- 
witz, Veröff. d. Hist. Komm. 2, 13 S. 7 — Lauenstein S. 292 — Lüntzel, Alt. Diö- 
zese S. I38f., 234 — Lüntzel I S.411 — 426 — Machens, Archidiakonate Hild. 
S. 141 — Mithoff III S. 33, 92 — Mithoff Zs. 1864 S. 310 — Müller, E. im Archiv 
f. Urkundenforschung II S. 501 f. — Sonne V S. 189— 191 — Starcke S. 75 . — 
Vaterländisches Archiv 1823, 2 S. 238 — Georg Wulbrand Bock v. Wülfingen, Ge- 
schichte der B. v. W. 









Abb. 17. Elze. Stadtplan nach Katasterplänen im Rathaus in Elze. M. 1:6400. 



68 ELZE 

STADTANLAGE (Taf. 14a, 15). 

Elze liegt an dem südlichen Ausläufer eines dem Leinetal folgenden Höhen- 
zuges an der Saale, in der Nähe von deren Mündung in die Leine. Zwei alte 
Handelswegc kreuzen sich hier: in der Nordsüdrichtung derjenige von Han- 
nover nach Göttingen, in der Ostwestrichtung derjenige von Hildesheim nach 
Hameln. Für die Zeit um iioo berichtet die sog. „Fundatio", die Schiffe 
Frieslands aus der Weser durch die Aller, dann die Leine aufwärtsfahrend 
brächten dem Orte Wohlstand und auch der offene und viel benutzte Wege- 
zug (publicus etiam usitantissimusque viarum transitus) könnte ihm hohe 
Bedeutung verleihen (17). — Für die Form der Stadtanlage ist freilich nur 
die Hannover — Göttinger Straße von Bedeutung gewesen; ihr entlang erstreckt 
sich die Siedelung, und zwar unterhalb des Kreuzungspunktes mit dem Hildes- 
heimer Wege, der ehemals vor dem nördlichen Stadttor vorbeiführte (Busse) 
und auch heute noch nur den Nordrand der Stadt streift. Die schmälste Stelle 
der alten Anlage ist nach der in Barings „Descriptio Salae" reproduzierten 
Zeichnung des Elzer Bürgers Joh. Fried. Haarstick vom Jahre 1736 (Taf. 14a). 
die Mitte, wo Kirche und Rathaus liegen; das Süd- und Nordende ist jeweils 
haufenförmig erweitert. Der mittelalterliche Ringzaun und die steinernen 
Tore von 1585 an den Straßeneingängen (siehe geschichtliche Einleitung) 
scheinen 1736 nicht mehr bestanden zu haben; heute sind auch die letzten 
Spuren davon verschwunden. Das heutige Gesicht der Stadt wird weitgehend 
durch den Wiederaufbau nach dem letzten großen Stadtbrand von 1824 be- 
stimmt. Vor allem ist damals der nördlich der Kirche gelegene, vordem ziem- 
lich unregelmäßig zusammengewachsene Stadtteil ganz neu in regelmäßige 
rechteckige Baublocks aufgeteilt worden. Aber auch die der Kirche unmittel- 
bar benachbarten Hauptgebäude, Rathaus, Apotheke, Posthof stammen aus 
der gleichen Bauperiode. Eine kleine Anzahl berocker Bauten findet sich 
noch im südhchen Teil der Stadt. Das 19. Jh. hat hauptsächlich nach Osten 
gegen die Saale und den jenseits davon errichteten neuen Bahnhof hin weiter- 
gebaut. 



EVANG. PFARRKIRCHE, 

nach der „Fundatio" und einer Urkunde von 1239 (8) ursprünglich dem hl. 
Petrus geweiht, dem im späteren Mittelalter der hl. Paulus zur Seite tritt 
(s. Hennecke in „Unsere Heimat"). Sitz eines Superintendenten. Der zweite 
Geistliche (Diakon) ist zugleich Pfarrer der Kirche in Mehle. 

Einschiffige barocke Bruchsteinkirche, 1744 — 49. Die Innenausstattung, 
das Dach, Teile des obersten Turmgeschosses und der Turmhelm sind nach 
dem Stadtbrand von 1824 nach Plänen von Landbaumeister Wellenkamp, 
Hildesheim erneuert, 1826/27. 

[Die vor 1744 bestehende Kirche hatte nach der maßstäblich freilich 
recht willkürlichen Haarstickschen Zeichnung von 1736 (Taf. 14 a) ein Schiff 
mit unsymmetrisch eingezogenem, mehrseitig geschlossenem Chor (gotisch 
mit barocken Fenstern?) und einen mächtigen Turm vor der Westfront. 
Zwischen Schiff und Chor ist auf der Südseite ein Querbau angegeben, der 
wohl auf der Südseite des Chores angesetzt hat. Er ist mit einem Satteldach 
gedeckt und zeigt im Gegensatz zum Chor rundbogige Fenster: an der Trauf- 
seite zwei kleinere in zwei Geschossen übereinander, auf der Giebelseite ein 
größeres über einer rundbogigen Tür. Allem Anschein nach ist dieser Bauteil 



ELZE 



69 



frühmittelalterlich gewesen. Die Erläuterung zu der Zeichnung nennt ihn 
,^die alte von Carolo M. erbauete Capelle". Falls es sich wirklich um eine ehe- 
mals selbständige Kapelle gehandelt hat, wäre sie allerdings nicht geostet 
gewesen. — Aus einem der jüngeren Bauteile stammt vielleicht ein Gewölbe- 
schlußstein mit birnförmigen Rippenansätzen und glatter, runder Scheitel- 
scheibe, der sich jetzt im Hofe des Hauses Hauptstraße Nr. i6 befindet 
(0 0,23 m).] — In den Neubau von 1744/49 ist von der alten Anlage nichts 
übergegangen. Die im Fundament eingeschlossene Urkunde lautet nach 
einer Abschrift in der Registratur der i. Pfarre (frdl. Mitteilung von Herrn 
Studienrat Linde, Elze): D(eo) o(ptimo) m(aximo) j Aeternaeque memoriae 
sacrum / legite haec nunquam legenda / posteri j Magna magm Caroli pietas / 
primam Aulicii aedificavit aediculam / quae postea crescente civitate j sensim quoque 
amplitudine crevit I ac turri splendida et 226 pedes alta super- / biit atque ita 
er ehr OS inter flammarum furores i per novem secula stetit illaesa 1 Ast divo et miro 
fato illa aedes tandem I succuhuit, dum die 6. Martii Anno 1743 / rapide flammarum 
turhine / ducenta simul civium domicilia rapienti I in cineres penitus est redacta / 
collapsa turri, campanisque 5 canoris dijfluentibus , ex quibus cineribus infaustis 
fausto I dei nutu haec nova sacro dei cultui / sacra surrexit aedes I cuius fundamentum 
hie die 28. Aug. ! Anno 1744 positum / Quam sacram huic lapidi innixam ! molem 
summa summi nominis / cura sartam tectanque (! ) cousque conservet / cum demum 
vasti trepidant fundamenta mundi / ParCIte perpetVos LapIDI MaLa fata per 
annos / qVI neXVs Voto prospera fata VoVet. Das Chronogramm in dem 
Schlußdistichon ergibt nochmals die Jahreszahl 1744. — 

Lage. Die Kirche liegt etwas von der Straße zurückgezogen auf einem 
von Gebäuden und Gärten umgebenen Platz, dessen Zugang durch zwei sym- 
metrisch aufgeführte Bauten, das Rathaus (ehemals Schule) und die Apotheke 
flankiert wird. Zwischen beiden Gebäuden ist vor der Westfront der Kirche 
eine halbkreisförmige, von Bäumen umstandene Anlage mit dem Gefallenen- 
denkmal von 1870/71 geschaffen. Hinter dem Chor der Kirche fällt das Ge- 
lände steil gegen die Saale hin ab. 




Abb. 18. Elze. Grundriß der Kirche. 



lü 



70 ELZE 

ÄUSSERES. 

Verputztes Bruchsteinmauerwerk mit sichtbaren Werksteingliedern (vor- 
wiegend Sandstein, daneben Kalkstein). Dreigeschossiger Turm mit schmalen 
Eckvorlagen und Gurtgesimsen zwischen den Geschossen. Die 1826 erneu- 
erten Teile des Glockengeschosses (die Westwand und die halbe Nord- und 
Südwand) sind in Sandsteinquaderwerk ausgeführt; der Putz der unteren Ge- 
schosse und der angrenzenden westlichen Seitenteile des Schiffes ist dem- 
entsprechend mit einer Scheinquaderung versehen (in Zement erneuert). 
Sockel und Kranzgesims mit gekehltem Profil. Rundbogige Schallöffnungen 
mit toskanischen Teilungssäulchen (1826). Im Mittelgeschoß hochovale Fen- 
ster, auf der Süd- und Nordseite wohl nachträglich (1826?) zugesetzt. Im 
Erdgeschoß ein fiachbogiges Portal innerhalb einer geschweift abgedeckten Wand- 
vorlage, die oberhalb der Türöffnung ein queroblonges, akanthusgerahmtes 
Relieffeld mit den sitzenden Gestalten der Kirchenpatrone Petrus und Paulus 
und einem Puttenkopf zeigt; beiderseits die Datierung 77^5. Türflügel 1826/27. 
Hochovales Fenster über der Portalvorlage wie im Mittelgeschoß. — Fünf- 
achsiges Schiff mit dreiseitigem Chorschluß und Eckvorlagen gleich denen 
am Turm. Der Verputz ist im unteren Teil der Wände in Zement erneuert. 
Auf den Langseiten und Chorschrägen hohe, rundbogige Fenster; ein kleineres, 
nachträglich ( ?) angebrachtes Fenster auf der Ostquerseite. In der Mitte der 
Nord- und Südseite Portale wie am Turm mit Chronostichen auf die Jahres- 
zahl 1745: a) ZeVCh Vorher Die SChVh hier aVs Wann Dein FVss geht In 
Dies HaVs; b) Hier sChenCke Gott ein Hertz VoLL Wahrer BrVnst VnD ReV, 
sonst Ist Das KIrChengehn nIChts aLs nVr HeVCheLey. — Satteldach, 
nach Osten abgewalmt. Kehlbalkenkonstruktion mit verdoppelten Sparren 
und Kehlbalken. Pfannendeckung. Turmhelm. Geschweifter, ins Achteck 
übergeführter Haubenansatz mit offener, achteckiger Laterne, darüber eine 
kuppelige Haube mit geschlossener, kleinerer Laterne, die ihrerseits eine ent- 
sprechende Haube mit der lang ausgezogenen Spitze trägt. Schieferdeckung. 
In dem unteren geschweiften Haubenansatz Uhrgauben. Wetterfahne 182"/. 
Modell des Helmes, siehe Ausstattung Nr. 14. 

INNERES. Ausmalung Ende 19. Jh. und später. 

Turmvorhalle mit flacher Bretterdecke etwa in Dreiviertelhöhe des 
Ovalfensters oberhalb der Tür. Doppelarmige Treppe zu den Emporen 
und den oberen Turmgeschossen. Flachbogige Tür zum Schiff (1745). 

Schiff mit muldenförmiger Schaldecke über hölzernem Kranzgesims. 
Decke und Wände geputzt. Ausmalung in bläulichen und bräunlichen Farb- 
tönen. Bodenbelag Sandsteinplatten. 

AUSSTATTUNG. Die Hauptstücke stammen von 1825/26. Farbgebung, Ende 
19. Jh., vorwiegend dunkelbraun (Nr. i — 5). 

I. Kanzelaltar. H. ca. 8,90 m; B. ca. 7,50 m. Tanne. Anlage in Form 
eines dreiachsigen Portikus mit flachem Dreiecksgiebel und korinthischen 
Säulen vor geschlossener Rückwand. Das Gebälk wird in der Mittelachse 
von einer Blendnische durchschnitten. Rechteckiger Kanzelkorb. In den 
Seitenachsen rundbogige Durchgänge; darüber gleichartige Flachnischen, 
vor welchen auf Konsolen die Figuren der Apostel Matthias und Johannes 
aufgestellt sind (Gips, bemalt). Einzelne Architekturteile sind vergoldet, die 
Säulen schwarzgrün marmoriert. Der Gesamtentwurf stammt von dem Bau- 
eleven Stremme in Hannover (s. Akten des Landeskirchenamts). — Mensa, 



ELZE 71 

zugehörig. — Mit den beiden Aposteln am Altar gehören zusammen die Hl. 
Thomas und Jakobus maior in den Ecken der Chorschrägen. Alle vier Figuren 
stammen aus der Ägidienkirche in Hannover, wo sie innerhalb der nach Laves- 
schen Plänen 1825 — 27 errichteten Altarwand standen; Abb. Inventar Stadt 
Hannover Bd. I S. 117 (Zustand von 1885). 1886 bei dem Abbruch der Altar- 
wand entfernt, kamen sie in der Folge nach Elze. 

2. Gestühl. Tanne. Wangen, H. 1,25 m, Eiche (?), rundbogig mit ge- 
schnittenem Fächerornament. — Chorbänke; bogenförmig längs der Chor- 
wände, Brüstung mit aufgelegtem Stabwerk. 

3. Emporen. Tanne. Stützsäulen, Eiche (?). Brüstung wie bei den 
Chorbänken a) die untere Empore an der West-, Nord- und Südseite des 
Schiffes. H. 3,95 m. b) die obere Empore, vor der Westwand. H. über der 
unteren 2,92 m. 

4. Orgel, auf der oberen Empore. Prospekt. H. 5,35 m; B. 6,06 m. 
Eiche (und Tanne). Drei Achsen mit flachem Dreiecksgiebel; das Mittelfeld 
schneidet segmentförmig in das Giebelfeld hinein. Mechanisches Werk von 
Euler, Gottsbüren; angeschafft zwischen 1826 und 1830 (fr dl. Mittig. 
von Herrn Studienrat Linde). 

5. Zwei Kriegergedenktafeln 1914/18, an der Westwand. Tanne. 

Altargerät. 

6. Kelch. H. 18 cm; 14,4 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß mit 
gekehltem Ansatz und ornamentierter Abtreppung. Auf einem der Pässe ein 
graviertes Kreuz; das ehemals aufgenietete Korpus fehlt. Wulstnodus mit 
erhabenen rundbogigen Maßwerkfeldern und Rotuln, die vor nielliertem Grund 
in Kapitalen die Namensbuchstaben Jhesus enthalten. Auf den Schaftstücken 
gotisierende Gravierungen. Tragteller der Kuppa mit verschlungenem Rund- 
bogenornament. Unter dem Fuß in Kapitale: Henric(us) Bri(n)ckman (k als r 
verschrieben). Anfang 17. Jh. — Patene. 13,8 cm. 

7. Kelch. H. 24,9 cm; 17,2 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß mit 
Abtreppung. Wulstnodus mit Tropfenbuckeln und Rotuln, darauf in Kapi- 
tale: Jhesus. Unter dem Fuß ebenso: Poculum ecclesiae Eltzensis ex aliis trihus 
ccnflatum. Anno 16^0. Hildesheimer Beschau 49; Meister H E L? (Liste I, 4). 
— Patene. 17,2 cm. Vergoldung teilweise abgesprungen. 

8. Abendmahlskanne. H. 22,4 cm; 13,5 cm. Silber; teilvergoldet. 
Zylindrisch. Deckelheber in Muschelform. Auf der Wandung innerhalb 
eines Blattkranzes in Kapitale: Joh. Sigm. Contzen pater patriae consul in sacros 
dd. (dominorum) Petri et Pauli usus donavit i692,fiilius Friederic (us) Ulric(us) 
Contzen ictus patriaeque consul reparandum curavit 17 41. Unter dem Boden 
punktiert: 88ig jo lt. Hildesheimer Beschau 1705; Meister CK (Liste I, 19). 

9. Oblatendose. H. 10,5 cm; ■ 13,5 cm. Silber. Polygonal gebrochene 
Wandungen mit wulstförmigem Fußring. Am Deckel fehlt der bekrönende 
Knopf. Dorothea Kemmena Anno iji8. Hildesheimer Beschau 1705; Meister 
C K (Liste I, 19). 

IG. Altarkruzifix. H. 44 cm. Gußeisen. Um 1830. 

11. Zwei Altarleuchter. H. 62 cm; B. 19,5 cm. Messing. Quadra- 
tischer Sockel; Säulenschaft, i. Drittel 19. Jh. 

12. Das neue Testament, in -4^. Hannover, Verlag des Moringischen 
Waisenhauses 1748. 

13. Bibel, in -4". Karlsruhe und Leipzig 1836. Inschriftlich gestiftet 
von Justus Heinrich Nolte zu Ingolstadt in Bayern 1838. 



72 ELZE 

14. Modell zum Glockengeschoß des Turmes und zum Helm, 
auf dem Dachboden. H. ca. 1,90 m. Tanne. Summarische Ausführung. 
Um 1826. Stark beschädigt; z.B. fehlen alle geschweiften Hölzer. 

15. Glocke. .' 1,18 m. Am Hals vier querovale Zierfelder mit Blüten- 
ornamcntcn und Köpfchen mit Schmetterlingsflügeln, dazwischen antikische 
Zweigespanne. Unterhalb davon zwischen Ringstegen und Tuchgehängen 
in Kapitale: Gegossen von Siegmund Andreas Lange in Hildesheim Anno iSzy. 
Auf der Flanke: Ehre sey Gott in der Hoeh" sein Fried' erfülle die Herzen, ihm 
gefair ein Geschlecht ein Geschlecht, das in Lieb' ihn verehrt. Diese Glocke nach 
dem grossen Brande d. 18. Nov. 1824 aus loehlichen Schuhamts zu Elze Begraebniss- 
Casse gesch(enkt) bleibe der spaetesten Nachwelt ein Denkmaal des christlichen 
Sinnes der schwergeprüften Vaeter und mahne sie Gott zu Ehren und Liebe zu 
seyn. Frans Sievers, Heinrich Hilmer, Conrad Jansen, Gilde-Vorsteher^ Dietrich 
Rave, Ludwig Daevese Vorsteher der Begraebniss Gasse; 182J. 

16. Zwei Schlagglocken und zwei Läuteglocken. Radler, Hildes- 
heim 1882 und 1927. 



KATH. KAPELLE, 

erbaut 1936 nach Plänen von Architekt W. Fricke, Hannover. Filial der 
Pfarrkirche in Mehle. Im Inneren eine spätgotische, vordem in dem kath. 
Pfarrhaus in Mehle befindliche, aus Haus Escherde stammende Madonnen- 
figur; s. Mehle, kath. Kirche Nr. 8; S. 167. 



FRIEDHOF. 

Am Südwestrand der Stadt; angelegt 1825. Die sieben ältesten, teilweise 
von dern ehemaligen Friedhof an der Kirche hierher übertragenen Grabdenk- 
mäler sind längs der nördlichen Umfassungsmauer aufgestellt. Sandstein, 
an einzelnen Teilen bestoßen. Namensinschriften und Sprüche in vertiefter 
und erhabener Kapitale. 

1. Theodor Zadera, Oberstleutnant, f 1813. H. 1,17 m; D Sockel 
0,58 m. Hochrechteckiger, flach abgedachter Block auf breiterem Sockel. 
An zwei Seiten die Namensinschrift a) Le colonel M.A. Zadera d la memoire 
de son frere Theod. Zadera lieut(enant) col(onel) au service francais mort le 
I4.juillet 181 3; b) Dasselbe in polnischer Sprache. 

2. Christian Moriz Basse, * 1821, f 1828. H. 1,62 m; B. 0,51 m; 
T. 0,49 m. Hochrechteckiger Stein mit abgetrepptem oberen Abschluß. Die 
Bekrönungsvase oder -kugel fehlt. 

3. Wilhelm König, Amts-Assessor, * 1795, f 1831. H. 2,65 m; D Sockel 
0,70 m. Kannelierte Säule auf quadratischem Sockel. Vasenbekrönung. 
Namensinschrift auf einem um die Säule gelegten breiten Band. 

4. August Friedrich Brandes, Bürger und Essigfabrikant in Carls- 
hafen, * Schulenburg 1767, f 1833. H. 2,36 m; n Sockel 0,98 m. Kugel- 
bekronte Pyramide auf quadratischem Sockel. 

5. Christine Elis. Meyer geb. Basse, * 1813, f 1839 und deren Töch- 
terchen Johanne Auguste, * und f 1839. H. 2,40 m; B. 0,74 m; T. 0,72 m. 
Hochjechteckiger Stein mit Vasenbekrönung. 



ELZE 



73 



6. Johan Heinr. Kesemeier, * 1823, f 1844. H. 1,68 m; B. 0,78 m. 
Stele auf hohem Sockel, der eine Nische mit Öllämpchen enthält. Flachgiebe- 
liges Abschlußsims. 

7. Dorothea Margr. Heinrici geb. Rückmann, * 1806, f 1845. 
H. 1,77 m; B. 0,65 m. Stele. Abschlußsims mit Eckakroterien und Dreiecks- 
giebel vor breiter Aufsatzplatte. 



GUT. 

Das möglicherweise aus dem frühmittelalterlichen Königshof (s. Einleitung) 
hervorgegangene Gut ist seit dem 13. Jh. im Besitz der Familie Bock v. Wülfingen 
nachzuweisen. Nach Urkunden von 151 8, 1532, 1542 war es eine von einer turm- 
besetzten Mauer umschlossene Wasserburg, in der außer dem eigentlichen Wohn- 
haus ein Pförtnerhaus, die alte Kemnade, eine neue große Dönße, die neue Kemnade, 
die Kirche, eine neue Scheune, ein Vorwerk, Schäferhaus, Schankkammer, Siedehaus, 
Backhaus, ein Reisigenstall, Ackerstall und eine kleine Scheune erwähnt werden; 
vgl. G. W. Bock V. Wülfingen a. a. O. Teilbrände 1532, 1557, 1692. 1743 voll- 
kommen eingeäschert. Die Gutsländereien sind heute verpachtet. Besitzer : Major a. D. 
Bock V. Wülfingen, Landrat i. R. Bock v. Wülfingen, der Familienverband, Freifrau 
V. Wachtmeister, Hannover, Frans Lappe, Ascona. 

LAGE. 

Der Gutsbezirk mit großem Park, Obst- und Gemüsegarten erstreckt 
sich hinter dem Chor der Kirche bis hinab zur Saale. Das Gutshaus und ein 
Arbeiterhaus liegen an der südlich daran entlangführenden Straße. Innerhalb 
des Parkes befindet sich außerdem eine Scheune und eine ehemalige Ölmühle 
(18. Jh.). Ein vollständiger Wirtschaftshof existiert nicht mehr. In die nörd- 
liche Gartenmauer ist eine Sandsteinplatte eingelassen mit der Inschrift: 
Hinrich Bock 1^60 und darunter dem späteren Zusatz A.v.B. iS^J' 



Abb. 19. Elze. Grundriß des Guts- 
hauses. 




WOHNHAUS (Taf. i6c). 

Zweistöckiger Fachwerkbau mit pfannengedecktem Krüppelwalmdach. 
Ausfachung soweit sichtbar in Bruchstein; der Gefachputz ist auf der West-, 
Süd- und Ostseite in Zement erneuert. Massiver verputzter Bruchsteinsockel; 
an den Ecken Sandsteinquader; Kellertür und -fenster mit Sandsteingewänden. 



74 ELZE 

Die drei Mittelachsen der dreizehnachsigen Fassade sind leicht vorgezogen 
und durch flachbogige Fenster ausgezeichnet. Die gleichartige Mitteltür liegt 
über einer doppclarmigcn Freitreppe aus Sandstein (Eisengeländer 19. Jh.). 
Oberhalb der Tür eine Steinplatte mit Wappen der Bock v. Wülfingen. Am 
Sturz der Kellcrtür unter der Freitreppe: B(ock) 1748. Im Dach ein drei- 
achsiger Mittclerker mit halbrundem Giebel. Erker- und Giebelfenster mit 
ursprünglicher Versprossung. Kleinere Anbauten im Norden und Westen. 
Das Innere, mit einem Querkorridor, ist teilweise verbaut, vor allem im Ober- 
geschoß, in dem sich ein Festsaal über der Eingangsseite befand. 

RATHAUS; 

ehemals Schule (Taf. 15b). Zusammen mit der Apotheke (s. u.) flankiert 
das Rathaus den Zugang zum Kirchplatz und zwar liegt es etwa an der Stelle, 
an der sich nach der Haarstickschen Zeichnung (Taf. 14 a) auch schon 1736 
das Rathaus befand. Fachwerkbau mit massiver, elfachsiger Front, die ge- 
putzt und mit einer Querfugung versehen ist. Haupteingang über einer 
zweiarmigen Sandsteintreppe innerhalb einer rechteckigen Nische zwischen 
eingestellten Säulen. Über den Säulen ein breiter, glatter Architrav und in 
Höhe des Obergeschosses ein halbkreisförmiges dreigeteiltes Fenster (die 
Seitenteile jetzt zugesetzt). Auf dem Nischenarchitrav in erhabener Kapitale: 
Optime Maxime da prohos mores docili iuventae MDCCCXXVII. Fenster auf 
gemeinsamen Sohlbänken (darunter jetzt Blumenkästen). Walmdach. Dach- 
erker, Anbauten auf der Rückseite und Ausbau im Inneren modern. In der 
Sockelzone zwei sandsteinerne Inschriftplatten, die sich ehemals an der Saale- 
brücke südlich vor der Stadt befanden (frdl. Mittig. von Herrn Studienrat 
Linde), a) H. 0,42 m; B. 0,92 m. Links Petrus und Paulus, frontal stehend 
auf Akanthusranken, rechts in ausgesparter Kapitale: Bfürgermeister?) Henne- 
berg, Cam(erari)i S.Contz A. Ebling Anno 1719; b) H. 0,82 m; B. 1,15 m; 
RT. 0,015 m. Links unter Flachbogen mit Rankenwerk frontal stehend Petrus 
und Paulus auf einem Sockel mit ihren Initialen. Rechts in hochrechteckigem 
Feld in ausgesparter Kapitale: B(ürger) M(eister) Ernst Herman Haarsticki 
Cam(erarii) Johan Jacob Sander, Staadz Friterich Henneberg, R(ats) H(erren) 
B. N. Meesen, J. D. Issen, J. H. W. A (nnjo 17 31. 



BÜRGERHÄUSER. 
Bauten des 18. Jhs. 

Im südlichen Teil der Hauptstraße steht eine Gruppe von Häusern, 
die anscheinend etwa gleichzeitig nach dem Stadtbrand von 1734 gebaut wor- 
den sind (Taf, 15 d). Es sind zweistöckige Fachwerkbauten mit geputzten 
Gefachen und steilen Satteldächern. Die Giebelseiten zeigen zur Straße. 
Im Inneren führt jeweils ein Längsgang durch die Hausmitte, Auf der Rück- 
seite schließt an das Wohnhaus ein niedrigerer, schmaler Stallflügel an, weiter- 
hin gebenenfalls eine Scheune. 

Nr. 39. Obergeschoß und Giebel sind leicht vorgekragt. Tür mit Ober- 
licht (Taf. i4d). Auf dem Oberlichtrahmen, zum Teil durch den nachträg- 
lich eingefügten Windlichtkasten verdeckt, der Spruch: Alle die mich kennen 
den gebe (?) [Gott was] sie mir (?) gönen (?), Ano 17 ß. L. S. —B. W. Sand- 
steintreppe mit Beischlägen; an ihren Stirnseiten stelenartige Pfosten mit 
Akanthusornament, Besitzerinitialen (S., W.) und Jahreszahl wie oben. Laden- 



ELZE 75 

einbau; Rückseite teilweise massiv erneuert. Dach im vorderen Teil mit 
Sandsteinplatten, im rückwärtigen nachträglich mit Pfannen gedeckt. Am 
Sturz des Kellereingangs im Hause: Anno ij66. 

Nr. 35. Fassade glatt überputzt. An der linken Seite vor einem Anklapp 
ein Fachwerkausbau mit Satteldach, wohl Ende 18. Jh. Pfannendeckung. 

An Häusern, die mit der Breitseite an der Straße liegen, ist zu nennen: 

Hauptstraße Nr. 45, am ehemaligen Südausgang der Stadt, im Gegen- 
satz zu der Gruppe der Giebelhäuser allseitig freistehend. Fachwerk. Drei 
Geschosse mit steilem pfannengedeckten Walmdach. Straßenseite (nach 
Westen) mit ursprünglicher Schieferverschalung. Fenster des obersten Ge- 
schosses niedriger und auf der Rückseite flachbogig. Im zweiten Geschoß 
ein Fenster mit alter Versprossung : Die Fensterhälften oberhalb und unter- 
halb des Kreuzes sind jeweils seitlich vor einander verschiebbar, i. Hälfte 
18. Jh. 

Bauten des 19. Jhs. 

Die weitaus meisten Häuser sind mit der Traufseite gegen die Straße 
gekehrt; nur im Zentrum der Stadt, vor allem auf der Westseite der Haupt- 
straße nahe der Kirche, wo die Baugrundstücke tief aber sehr schmal waren, 
sind auch während des 19. Jhs. noch Giebelhäuser neu gebaut bzw. bei Um- 
bauten erhalten worden. Sie sind in Fachwerk, vereinzelt allerdings auch teil- 
weise und selbst ganz massiv ausgeführt. Die Dächer (Krüppel- oder Ganz- 
walmdächer) sind fast ausnahmslos mit Pfannen gedeckt. 

Apotheke (Taf. i6d), Gegenstück zum Rathaus. Massiv, grau verputzt; 
vortretend verzahnte Eckquader; hohe Sockelzone aus Quadern. Zwischen 
den Wohngeschossen bandförmiges Zwischengesims. Neun Achsen Front. 
Fenster im Obergeschoß rundbogig, im Hochparterre rechteckig mit gemein- 
samen Sohlbänken. Haupteingang über zweiarmiger Sandsteintreppe, hori- 
zontal verdacht. Rückwärtige Tür mit Oberlicht, im Fenstersturz eingehauen: 
C Iffland C. Haase 182^. Späterer rückwärtiger Anbau unter Schleppdach. 

Der ehemalige Posthof, gegenüber der Kirche. Fach werk. Straßen- 
seite und südliche Schmalseite glatt verputzt; Rückseite verschiefert. Bruch- 
steinsockel. Vierzehn Achsen Front mit hölzernem Gurtsims zwischen beiden 
Geschossen und Brettumrahmung der Fenster. Mitteltür über einer Sandstein- 
treppe mit Terrasse (darauf Balkonaufbauten der 2. Hälfte des 19. Jhs.). In 
der Mitte der Rückseite ursprünglich ein um zwei Achsen vortretender Flügel, 
im Anschluß an welchen nachträglich die ganze Nordhälfte des Baues ent- 
sprechend verbreitert worden ist (Ende 19. Jh. ?). 1826 (Jahreszahl an der 
Wetterfahne). 

Hauptstraße Nr. 13. Massiver Putzbau. Sieben Achsen. Im Erd- 
geschoß rundbogige Fenster auf gemeinsamen Sohlbänken. Rundbogige Tür 
mit Quaderrahmen. Gurtsims zwischen den Geschossen. Nach dem Hof zu 
ein gleichhoher und anscheinend auch gleichzeitiger Flügelbau. Walmdach 
über dem Vorderhaus mit Sandsteindeckung, über dem Flügel mit neuer 
Pfannendeckung. Nachträglicher Ladeneinbau. Anscheinend von demselben 
Baumeister wie Rathaus und Apotheke. 

Nr. 7. Fachwerk; Vorderseite geschlemmt. Sieben Achsen. Hölzernes 
Hauptsims mit Tropfenplatten. Erdgeschoß durch Ladeneinbauten ganz ver- 
ändert; auf der Rückseite massiv in Backstein unterfangen. Um 1830. 



76 ELZE 

Nr. 68. Fachwerk mit massiver, geputzter Straßenseite. Neun Achsen. 
Erdgeschoß längsgefugt. Obergeschoßfenster mit Bandrahmen, die bis zu 
dem Gurtsims zwischen den Geschossen herabgezogen sind; in der Mitte der 
Brüstungsfeldcr unterhalb der Fenster Blattrosetten. Über der Tür ein von 
Konsolen getragener Balkon. Vortretende, verzahnte Eckquader, nachträg- 
licher Ladeneinbau. Um 1830. 

Nr. 71. Fachwerk; Gefachputz erneuert. Sieben Achsen mit flachem 
Dreiecksgiebel über den mittleren drei Achsen. Um 1830/40. 

Nr. 80 (am Adolf-Hitler-Platz). Massiv Bruchstein. Der ursprüngliche 
Kalkverputz ist abgefallen und nur an dem Bruchstein-Sockel und -gurtgesims 
sowie an dem in Backstein gearbeiteten Kranzgesims erneuert. Eckquader, 
Fenster- und Türgewände aus Sandstein. Acht Achsen Front, fünf Achsen 
Rückseite. Walmdach. Mittelgang durch die Haustiefe, darin eine frei im 
Raum ansetzende Treppe, die in zwei Absätzen einen Podest an der Rückwand 
erreicht, von dem aus ganz kurze, um 90 ^ gedrehte Arme zum Obergeschoß 
emporführen. Die sehr verbaute, anscheinend gleichzeitige Scheune ist 
datiert 182^. 

Adolf-Hitler-Platz. Dreieckiger Platz am Kreuzungspunkt der Han- 
noverschen und der Hildesheimischen Straße (s. o.). Das Haus Hauptstraße 
Nr. 80 liegt an der einen Schrägseite; ihm gegenüber als Gegenstück: 

Hotel Deutsches Haus. Fachwerk, glatt verputzt. Krüppelwalmdach. 
Links ein moderner Anbau. Anscheinend 1825. 

Nr. I an der Außenseite des Platzes, als Blickpunkt quer vor der Achse 
der Hauptstraße liegend. Massiv, geputzt. Fünf Achsen. Zwischengesims 
über quergefugtem Erdgeschoß. Walmdach. Um 1825. 
Das einzige bemerkenswerte Giebelhaus ist 

Hauptstraße Nr. 14. Fachwerk mit massiver Schauseite; geputzt und 
gelblich gestrichen. Fünf Achsen breit, zwei Stock hoch. Antikisierender 
Giebel. Gurtsims über dem quergefugten Erdgeschoß. Rundbogige Fenster, 
im Erdgeschoß auf gemeinsamen Sohlbänken (die beiden Fenster links sind 
nachträglich vergrößert). In der Mittelachse eine bis in das Giebelfeld hinauf- 
geführte, risalitartige Mauervorlage. Über der Haustür ein von Konsolen 
getragener Balkon. Um 1825, wohl von dem gleichen Baumeister wie Rat- 
haus und Apotheke. 

MÜHLEN. 

Untermühle, auf der Krepaue. 

1431 gab Bischof Magnus von Hildesheim die Erlaubnis zur Anlage einer Mühle 
an dieser Stelle (22). 

Zweistöckiger Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach. Um 1825. Mahl- 
betrieb ehemals mit zwei unterschlächtigen Rädern, die schon bald nach der 
Mitte des vorigen Jahrhunderts durch eine Turbine ersetzt worden sind. 
Sandsteinerne Inschriftplatte in der Wassermauer, darauf links die Figuren 
Petri und Pauli, rechts: B(ürgermeister) Hans Dieckmann^ Hermann Knoken 
Cam(erarius) Erich Boden Cam(erarius) Anno 1666. 

Obermühle, am Südrande der Stadt. 

Die Erlaubnis zur Anlage soll Herzog Ernst II. 1557 gegeben haben (Kayser), 

Fachwerkbau, größtenteils massiv erneuert; 19./20. Jh. Anlage beiderseits 

der Saale ehemals für Mahl- und Sägewerk. Seit 191 3 Turbinenbetrieb. 



ELZE 77 

Sandsteinerne Inschrifttafeln in den Wassermauern mit Daten und ausführ- 
licheren Bauangaben iS57i I59ii i7--i 1712^ 1787. 



KREUZSTEIN, 

am Adolf-Hitler-Platz. H. 0,95 m; B. 0,81 m; RT. 0,015 ^- Sandstein. Kreis- 
runder Scheibenkopf mit erhabenem Kreuz auf kurzem, wohl stark eingesun- 
kenem Schaft. Spätmittelalterlich. 

MEILENSTEIN (Taf. 14 b). 

an der Landstraße Hannover — Kassel, nördlich vor Elze. 18. Jh. 



EMPNE 

Wüstung südlich vor Gronau. 1173 ist ein Thidericus comes de Emne (2), 1196 
sind die Ritter Fridericus, Constantinus, Heinricus de Emne (3) urkundlich bezeugt. 
In der Hildesheimer Chronik wird E. civitas genannt (8), 1226/27 gehörte es den 
Grafen von Wohldenberg-Werder und von Everstein (4). Bischof Konrad IL be- 
lagerte und eroberte E. (8), wird es aber nach der Zerstörung auch wieder aufgebaut 
haben. 1246 muß eine bischöfhche Vilhkation hier vorhanden gewesen sein, da 
ein villicus episcopi Konrad genannt wird (5). 1279 wurde E. zum zweitenmal von 
Herzog Albert im Kampf gegen seinen Bruder Bischof Otto zerstört (9). 1286/87 
wird es castrum genannt (i). Bischof Siegfried stellte den zerstörten Ort wieder 
her, jedoch an einem geschützteren Platz, den er Gronau nannte (10). Das Gottes- 
haus von E., an dem 1266 ein Pfarrer Arnold, Kaplan des Bischofs, tätig war (6), 
blieb bestehen und wurde weiter benutzt. 1348 muß der Pfarrer von Gronau täglich 
eine Frühmesse und wöchentlich eine Seelenmesse in Ölen Empne halten (7). 1543 
wird von den Kirchenvisitatoren dem Rate von Gronau anheimgestellt, die „alte 
Kirche zu alten Emmen im Felde gelegen", „weil sie zu nichts nutz ist", abzubrechen 
und die Ziegel zur Gronauer Kirche, die Steine aber zur Besserung der Steinwege 
zu verwenden. 1544 wurde die Kirche abgetragen und der in Feldland verwandelte 
Kirchhof der Küsterei beigelegt. 

Quellen: Sudendorf U. B. I 106, S. 67 (i) — U. B. Hochstift Hildesheim I 
365 S. 348 Z. 28 (2), 522 S. 501 Z. 15 f. (3); II 208 S. 88 (4), 753 S. 381 (5); III 
122 S. 62 (6), 777 S. 401 (i); V 291 S. 157 Z. I (1) — Chron. Hild. in Mon. Germ. 
Hist. SS. VII 8(51 Z. 5 (8), 864 Z. 37 f.; 865 Z. 23 f. (9), Z. 27 f. (10) — Visitations- 
akten in Kayser, Reform. Kirchenvisitationen S. 339. — Literatur: Hennecke in 
„Unsere Heimat" S. 377, 382, 410, 419 — Klewitz S. 33, 62 — Lüntzel, Alt. Diö- 
zese S. 133, 288 — Mithofif III S. 79 — Mithoflf Zs. 1864 S. 317 — Peters in Zs. 
des hist. Ver. f. Ndrs. 1905 S. 225 ff., 232 — Röbbelen in Vaterl. Archiv 1832, i 
S. 3j S. 10 f., 74 Anm. 58, 75 Anm. 59. 



„Spuren von Fundamenten der Kirche, Totengebeine und ein Stein 
mit eigentümlich geformtem Kreuze" kamen bei der Verlegung der Landstraße 
nach Rheden kurz vor 1864 zutage (Mithoff Zs. 1864). 

WEIHWASSERKESSEL (Taf. 18 a). 

Gefunden gegen 1870 an der Stelle des alten Emne (in der Nähe der vor 
dem Steintor gelegenen Zuckerfabrik; vgl. Siegemann und Schramme). Eigen- 
tum des Provinzialmuseums Hannover, Inv. Nr. 1203; ausgestellt im Kestner- 
museum. H. 18,5 cm; B. 22,2 cm; oben ursprünglich etwa 16 cm; unten 



78 EMPNE 

12 cm. Bronze. Das Gefäß hat die Form eines Eimers auf drei Würfelfüßen 
(einer ist abgebrochen). Nach oben zu ist es oval verdrückt. Am oberen Rand 
zwei Henkelösen, in die ursprünglich ein Klappbügel eingesetzt war. Auf 
der Wandung drei Figuren bzw. figürliche Szenen, RT. ca. 0,9 cm, an den 
am weitesten vorstehenden Teilen (Gesichtern) stark abgegriffen: a) Lang- 
bärtige Figur mit Heiligenschein; in der linken Hand hält sie ein Spruchband, 
in der rechten einen kurzen Stab, mit dem sie einen Astgabelförmigen Vor- 
sprung berührt; von der Berührungsstelle aus führen gravierte WasserHnien 
zu Boden. Wahrscheinlich ist demnach Moses in der Wüste dargestellt, b) 
Männliche Figur mit Heiligenschein, bärtig (?); in der linken Hand wiederum 
ein Spruchband, in der rechten wahrscheinlich ein kugeliger Gegenstand, 
c) ein unbärtiger Heiliger, der einer links neben ihm knienden kleinen Frauen- 
figur eine Krone aufs Haupt drückt. In der linken Hand hält er ein Buch. 
Da im Nimbus anscheinend ein Kreuz eingezeichnet ist, ist mit Vorbehalt 
die männliche 'Figur als Christus, die Szene als Marienkrönung zu deuten. 
Am unteren und oberen Wandungsrand abgesetzte Rahmenstreifen mit gra- 
viertem Zick-Zack- und Ringmuster. Bald nach Mitte 12. Jh. 



ESBECK 

Dorf. 6^2 km südwestlich von Elze. 567 Einwohner. Haufensiedlung. Da es 
außer dem Esbeck des ehemaligen Kreises Gronau noch zwei weitere Orte des 
gleichen Namens im Kreise Alfeld und im Amt Schöningen (Braunschweig) gibt, 
ist die Zuweisung der Urkundenstellen in den einzelnen Fällen schwierig. Wahr- 
scheinlich bezieht sich eine Urkunde von 1359 auf das Gronauische Esbeck, das 
darin Esbecke heißt (i). Vielleicht ist es auch mit dem Asbeke (5) einer Urkunde von 
1207 und dem Esbeke (2) einer Urkunde von 1374 gemeint, in denen beiden von 
einem Pfarrer hierselbst die Rede ist. Das Patronat über die Kirche und die dazu 
gehörenden Kapellen in Deilmissen und Dunsen lag in den Händen der Landes- 
herrschaft, von der es durch Tausch 1726 an die Besitzer des Gutes Heinsen 
(v. Hardenberg) kam. 

Quellen: Orig. Guelficae JV S. 504f. Note 39 (i) — Sudendorf U. B. V 28 
S. 34 Z. 37 (2) — U. B. Hochstift Hildesheim II 665 S. 334 (3); VI 137 S. 76 (2), 
546 S. 398 (4), Nr. 8 S. 998 (5) — Pfarrarchiv Esbeck; Registratur des Gemeinde- 
vorstandes Esbeck (vgl. Peters) — Repertorium des 1924 verbrannten Gutsarchivs 
Heinsen (vgl. Peters) — Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83 Hannover II 1660. 
Hann. Des. 83a, Hann. I, IIa Esbeck, Amt Lauenstein, Kirchenbau 1732 — . Lite- 
ratur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 89 — Baring I S. 237 — Hennecke in „Unsere 
Heimat" S. 377, 379, 385, 390, 401 f., 436 f., 439 f. — Jahresbericht 1923 — 26 S. 31 
— Lüntzel, Ältere Diözese S. 430 — Mithoff I S. 30 — Rudorff in Zs. 1858 S. 307 
bis 309 — Sonne V S. 212 — Vogell Zs. 1862 S. 377. 



EVANG. PFARRKIRCHE, 

dem hl. Gallus geweiht. Eingepfarrt sind die Kapellen in Dunsen und Deil- 
missen. 

Barocke Emporenkirche von 1729/30 (Vogell, Mithoff). Ältere Baureste 
sind möglicherweise in der Gruftanlage unter dem Chor erhalten. Westturm 
2. Hälfte 13. Jh. — Lage, inmitten des Dorfes auf dem erhöhten, gegen die 
Straße durch eine Bruchsteinstützmauer abgegrenzten Friedhof. 



ESBECK 



79 



Abb. 20. Esbeck. 
Grundriß der Kirche. 




ÄUSSERES (Taf. 20b). 

Der Turm ist in Bruchstein über einem breitrechteckigen Grundriß hoch- 
geführt; die Schmalseiten nach Süden und Norden sind in Dreiecksgiebeln 
geschlossen. Der Verputz ist 1934 erneuert. Im Glockengeschoß nach Süden, 
Westen, Norden je eine gekuppelte rundbogige Schallöffnung. Teilungs- 
säulchen (auf der Nordseite ausgebrochen) mit beschildeten Würfelkapitälen ; 
die Basen sind entweder gleichartig würfelförmig oder sie zeigen eine 
schräg abgeplattete, sporenbesetzte Wulstplatte mit einem Fußring für den 
Schaft. Nach Osten führen in den Dachstuhl des heutigen Schiffes zwei ein- 
zelne Rundbogenöffnungen. Hölzernes Dachgesims. Im Erdgeschoß nach 
Süden ein Fenster, nach Norden eine rechteckige Tür, barock. Darüber 
Lichtluken. Auf der Westseite in ca. 3,10 m Höhe ein im Putz ausgesparter 
Stein mit der Jahreszahl 1697 (wohl auf eine Instandsetzung des Turmes zu 
beziehen); die ehemals vorhandene Mitteltür läßt sich noch vom Inneren 
aus feststellen. — Langgestrecktes Schiff mit fünfseitig geschlossenem Chor, 
darunter eine Gruft. Das Mauerwerk besteht wie am Turm aus Bruchstein, 
die Wandflächen sind mit Kalk verputzt einschließlich des Sockelabsatzes 
und der vortretenden Quaderverzahnung an den Ecken (Mitte 19. Jh.). Kranz- 
gesims in Holzschalung. Fenster- und Türgewände Sandstein. Die Fenster 
liegen innerhalb hoher, flachbogiger Nischen, und zwar werden im Schiff 
jeweils zwei übereinander durch eine Nische zusammengeschlossen, v/ährend 
im Chor die einzelnen Fenster die Nischen annähernd ausfüllen. In der öst- 
lichsten Schiffsachse ist die Nische auf die Größe des oberen (Emporen)fensters 
der drei westlichen Achsen beschränkt, darunter liegt jeweils eine rechteckige 
Tür. Die bandartigen Rahmenprofile und die vortretenden Sohlbänke der 
Nischen sind in Backstein gemauert und überputzt (2. Viertel 19. Jh.). Auf 
der ersten nördlichen Chorschräge ist in die Fensternische nachträglich eine 
Tür über einer Sandsteintreppe eingebrochen worden. Die Tür zur ehemaligen 
Gruft auf der Südseite ist modern, das fiachbogige Nordfenster ursprünglich. 
— Satteldach, über dem Chorschluß abgewalmt. Schleppluken. Schmiede- 
eiserne Windfeder über dem Chorfirst, ehemals wohl auf den Turmreiter ge- 
hörig. Kehlbalkenkonstruktion mit doppeltem, stehenden Stuhl. Über dem 
Turm ein querliegendes Satteldach. Pfannendeckung. Sechseckiger Turm- 
reiter mit spitzer Helmpyramide; in Schiefer gedeckt und verkleidet. 



INNERES. 

Das Innere der Kirche hat eine flache, geputzte Bretterdecke. Der Ge- 
meinderaum ist durch eine an der West-, Nord- und Südwand entlang- 
geführte hölzerne Empore mit doppelgeschossig angelegten Stützen im Norden 



80 ESBECK 

und Süden in drei Schiffe unterteilt (Emporen-H. 3,21 m). Die Deckenstützen 
sind durch verschalte und verputzte Flachbogen zu breitgespannten Arkaden- 
reihen verbunden worden. Die Ostecken der beiden Emporenflügel sind 
mit besonders starken achteckigen Eichenpfeilern besetzt, die vom Boden 
— sie stehen schon innerhalb des erhöhten Chorteils — bis zur Decke glatt 
durchgeführt sind. Die Schiffsdecke ist gegen die Chordecke durch einen 
verschalten Deckenbalken abgesetzt. Eine breite, siebenstufige Treppe führt 
vom Mittelschiff zum Chor hinauf (der Mittelteil der Stufen ist anscheinend 
erneuert). Rechts neben der Treppe befindet sich der ehemalige Zugang zur 
Gruft. Fußbodenbelag im Schiff Sandsteinplatten, im Chor Fliesen. Aus- 
malung um 1900: Die Decke ist gelblich getönt, die Wände sind v^^eißgelb 
gesprenkelt. Emporen grau und braun. — Die Turmvorhalie ist mit einer 
bruchsteinernen Spitztonne überwölbt. Gegen das Schiff hin öffnet sie sich 
in einem breiten, nur wenig gespitzten Bogen. Gewölbe und Wände sind 
verputzt (der *Wandputz ist stellenweise in Zement erneuert). Am Gewölbe 
sind unter einer braunen Farbschicht des 19. Jh. (?) in letzter Zeit gut er- 
haltene Reste gotischer Malerei zutage gekommen: Vier Scheibenkreuze, 
die symmetrisch um eine Mittelrose angeordnet sind. Schwarze und rote 
Umrißzeichnung auf weißem Grund. 

Die ehemalige Gruft. Rechteckiger Raum unter dem Vorchor, neu 
verputzt und geweißt. Segmentförmiges Tonnengewölbe, im südlichen Teil 
mit unregelmäßig eingeschnittenen Stichkappen, im nördlichen Teil mit 
durchzogenen Kreuzgraten. Kämpferlose Wandvorlagen unter den Stichkappen- 
und Gratansätzen. Neuerdings ist die eine Hälfte der Gruft als Heizungsraum 
eingerichtet, die andere Hälfte für die noch vorhandenen Sargreste abgeschert 
worden (vgl. Ausstattung Nr. 25). 

AUSSTATTUNG. Farbgebung Ende 19. Jh., vorwiegend dunkelbraun (Nr. i, 
4j 6j 7; Nr. I mit Gold abgesetzt). 

1. Kanzelaltar. H. (ursprünglich) 5,24 m; B. 3,16 m. Eiche, Linde, 
Tanne. Altarwand und Kanzel gehören nicht zusammen. Die Altarwand 
hat eine Portikusform mit toskanischen Halbsäulen und breitem, deckenden 
Dreiecksgiebel. Auf beiden Seiten schließen Scherwände mit flachbogigen 
Durchgängen an. i. Hälfte 19. Jh. Der Kanzelkorb in der Mitte springt 
fünfseitig vor. Längs der Ecken geschnitzte Fruchtschnüre, vor den Wan- 
dungen ehemals wahrscheinlich Figuren (vgl. Nr. 2b). Vielteilig profiliertes, 
nachträglich verbreitertes Hauptgesims. Schmale Akanthusanschwünge (ver- 
mutlich von einer anderen Stelle des mit der Kanzel zusammengehörigen 
früheren Altares übernommen). Um 1729/30. Der obere Teil der Altar- 
wand ist neuerdings (1926) mit einer ornamental beschnitzten Brettkulisse 
umgeben worden, die bis zur Decke reicht und den aus der ehemaligen Gruft 
hochgeführten Heizungsschornstein verdecken soll. — Mensa. H. 1,27 m; 
B. 1,75 m; T. 1,07 m. Gemauert und verputzt. Sandsteinerne Deckplatte, 
aus zwei Teilstücken zusammengesetzt. Das größere Teilstück (B. 1,40 m) 
mit ganz flach gekehltem Profil und einer Reliquiengrube; die Weihekreuze 
sind vielleicht bei einer nachträghchen Überarbeitung verschwunden. Go- 
tisch. Anstückung wohl 1729 30. 

2. Figürliche und dekorative Reste des ehemaligen Altares 
undder Kanzel, auf dem Kirchenboden. Linde, sehr zerstört und wurm- 
stichig. Die Farbe ist bis auf Teile der alten Grundierung abgeblättert. Wohl 
1729/30. a) Johannes der Evangelist und Johannes der Täufer (?). Höhe 



ESBECK 81 

0,86 m. Wahrscheinlich von den Seitenteilen des Altaraufbaues. Abgebrochen 
sind vor allem die Arme, b) Maria mit Kind, H. 0,59 m, und zwei weibHche 
Heilige oder Tugenden, H. 0,54/0,55 m. Ursprünglich wohl auf Konsolen 
vor den Kanzelwandungen. Teilweise fehlen die Arme, c) Engelkonsole. 
H. 0,23 m; B. 0,55 m. Bandelwerkrahmung. Das Gesicht ist abgeschlagen. 
— Dem Stil nach sind a und b Arbeiten des E. D. Bartels in Hildesheim. 
Altar und Kanzel werden als Kanzelaltar zusammengehört haben. 

3. Taufe, in der Mitte des Chores. H. 0,925 m; c ca. 0,73 m. Sand- 
stein, mit grauer Ölfarbe gestrichen. Runder Fuß. Zylindrischer Schaft 
mit akanthusbesetzten Volutenvorlagen, dazwischen in vier hochrechteckigen 
Feldern in erhabener Kapitale der Spruch Mark. 10, 14, das spiegelbildlich 
gedoppelte, bekrönte Monogramm des Stifters CvJ zwischen zwei Sternen 
(C V J möghcherweise irrtümlich statt C v H = Christian v. Hardenberg ?) und 
das Datum Anno 17 31. Am oberen und unteren Schaftrand Akanthuspal- 
metten. Flaches Becken. Der Schaft ist in der Mitte gebrochen. — Becken- 
einsatz Zinn. Engelstempel, doppelt: Fein engl. Zinn 1844, J. H. Schrader, 
Zinngießer (Liste H, 27). 

4. Gestühl. Tanne. Um 1730. 

5. Emporen, s. Baubeschreibung. 

6. Gutsprieche, an der Nordwand des Chores. H. 2,48 m. Tanne. 
Getragen von dem östlichen Emporenpfeiler und einer achteckigen Holz- 
stütze. Umwandung mit rechteckigen, auf den Seiten neu verglasten Fenstern. 
Vorn in einem unsymmetrisch angebrachten Segmentbogengiebel zwischen 
geschnitztem Lorbeer- und Palmzweigornament eine Kartusche mit der Helm- 
zier des V. Hammersteinschen Wappens. Auf der mittelsten Wandungsfüllung 
das gemalte Alliancewappen von Ludwig Freiherrn v. Hammerstein und 
Friederike geb. Freiin v. d. Bussche. i. Hälfte 19. Jh. Da sich auf der 
Vorderseite eine Tür befindet, muß die Prieche ehemals zu ebener Erde 
gestanden haben. Jetzige Aufstellung wohl erst Ende 19. Jh. 

7. Orgel, auf der Westempore. Prospekt. H. 3,52 m; B. 5,30 m. Eiche, 
Tanne, Linde. Neun Achsen mit polygonalen Haupttürmen in der Mitte 
und an den Ecken. Schleier, Anschwünge und Aufsätze in Akanthuswerk. 
2. Drittel 18. Jh. Die Aufsätze, verschiedene Schleier und Teile des Unter- 
baues sind erneuert. Pneumatisches Werk von Furtwängler, Elze, 1863. 

Grabsteine. Sandstein. 

8. Pastor Michaelis Julius Brauns, * Osterode 1715, 29. IV., f 177O5 
5. IV. Am Treppenaufgang der Chortür. H. 1,74 m; B. 0,91 m. Rechteckige 
Platte, darauf die Namensinschrift in vertiefter Kapitale. Am unteren Rand 
ein Kelch über Rankenwerk. 

9. Pastor Johann Martin Roese, * Nordhausen 1735, 23. XII., f I795j 
25. IX. Außen an der Nordwand der Kirche. H. ursprünglich 1,89 m; 
B. 0,81 m. Rechteckige Platte, nachträglich auf einen Sockel gesetzt und mit 
geputztem, halbrundem Aufsatz versehen. Namensinschrift in vertiefter Ka- 
pitale zwischen einem Puttenkopf und Rankenornament. Spruch Matth. 25, 21. 
Erhabener, scharrierter Rand. 

10. Maria Volger, Tochter des Folgenden, * 1794, 27. III., f 1798, 
19. XII. Auf dem Treppenpodest vor der Chortüre. H. jetzt 1,60 m; B. jetzt 
0,51 m. Pyramidal verjüngte Stele, unten abgehauen. Namensinschrift in 
erhabener Kapitale auf einem Hochovalschild. Teilweise abgetreten. 

11 



82 ESBECK 

II. Pastor Carl August Volgcr, * 1766, 14. VI., f 1800, 16. II. Außen 
an der Nordwand. H. 1,86 m; B. 0,60 m. Entsprechend Nr. 10. 

12 Christ. Hanse (?); an der Nordseite der Kirche freistehend. 

H. 1,39 m; B. 0,78 m; T. 0,70 m. Hochrechteckiges Postament mit starkem, 
oberen Abschlußgesims und dreieckiger Giebelbedachung. Inschrift auf zwei 
Seiten, fast ganz abgewittert. Auf den beiden anderen Seiten in flachstem 
Relief eine Urne und ein gestürzter Baum in Landschaft mit dem Golgatha- 
hügel. In den Giebelfeldern Fackeln und ein kreuztragender, fliegender Engel. 
Um 1820. 

13. Kronleuchter. H. ca. 0,99 m; o ca. 1,05 m. Messing. Acht 
S-förmig herabgebogene sechskantige Arme mit Rankenansätzen und Mittel- 
knotcn. In einem oberen Kranz Ziervoluten. Krönender Doppeladler; Kugel 
mit quergerieftem Zapfen. Stifterinschrift des Herman Gese von Hemmen- 
dorf 1660. 

14. Kronleuchter. H. ca. 0,68 m; ca. 0,68 m. Sechzehn S-förmig 
herabgebogene, sechskantige Arme mit Astansätzen in zwei Kränzen. Muschel- 
teller. Krönender Doppeladler; birnförmiges Gewicht; Stifterinschrift des 
Hans Batemer von Deilmissen 1733. 

Altargerät. 

15. Kelch. H. 27 cm; 17,5 cm. Silber vergoldet. Fuß in verschliff"ener 
Sechspaßform; sechseckiger Birnnodus; sechseckige, gekehlte Schaftstücke, 
oben mit Schaftring. Glockenkuppa. Hannoversche Beschau, sehr undeutlich. 
Meister JS (Liste I. 2). Um 1720. — Patene. 17,5 cm. 

16. Abendmahlskanne. H. 30 cm; B. 18 cm. Silber, innen vergoldet. 
Gebauchter Gefäßkörper auf verschliff"en sechspaßförmigem Fuß. Klapp- 
deckel mit Knopf. Auf der Seite Widmungsinschrift der Marie Charlotte 
von Donop, Gemahlin des Kammerherrn Christoph Friedrich v. Harden- 
berg, 26. Mai 1743. Unter der Tülle das Donopsche Wappen mit den Ini- 
tialen der Stifterin. Hannoversche Beschau; Meister J S (Liste I, 2). 

17. Hostiendose. H. 4,5 cm; 9 cm. Silber. Zylindrisch; Deckel- 
knopfoder -kreuz fehlt. Hannoversche Beschau; Meister Carl Junge (Liste I, i) 
I.Hälfte 18. Jh. 

18. Kelchlöffelchen. L. 21 cm. Rundes, durchlöchertes Blatt. Silber; 
vergoldet. Stiel Buchsbaum. 18. Jh. 

19. Zwei Altarleuchter. H. 30,2/31 cm; 19,2/17,8 cm. 
Messing. Runder Fuß mit Hausmarke. Zylindrischer Schaft mit 
zwei Knäufen. 1 6. / 1 7. J h. 

Glocken. 

20. Im Turmreiter. H. mit Krone 0,75 m; H. ohne Krone 0,57 m; 
0,555 ni. Zuckerhut-Form. Abtreppung am Wolm; gerundete Kronen- 
bügel (drei fehlen). Um 1200. 

21. H. ca. 0,46 m; 0,425 m (Taf. 20c). Bronze; Oberfläche mit grün- 
licher Patina. Am Hals zwischen zwei Schnurstegen a) ein Rundmedaillon 
mit dem Markuslöwen (0 0,04 m). Zwischen den Vorderpranken das Buch; 
die Flügel sind beim Guß kaum herausgekommen, b) ein spitzgiebeliges 
Tabernakel mit einem vor einem Zinnenturm stehenden Bischof (H. 0,05 m; 
B. 0,03 m). Der Bischof hält vor sich anscheinend einen Kelch, über dem eine 
segnende Halbfigur ( ? mit Mitra ?) erscheint, c) Hohlpfennig und vier Faden- 
kreuze. Auf der Flanke in Fadentechnik das Wappen der v. Gadenstedt mit 




ESBECK 83 

krönendem Topfhelm (H. 0,12 m; B. 0,09 m). Mitte 14. Jh. Nicht mehr 
im Gebrauch. 

22. 1,12 m (Taf. 2od). Am Hals zwischen Ringstegen und Kreuz- 
blumenfriesen in gotischer Minuskel: Vivos voco, defunctos plango, demones 
fugOyfulgurafrango, vocor Maria, Braut Helmes fec fit) anno do(mi)ni M CCCCC 
XXVII. Wort und Zahlentrennung- durch Hohlpfennige und größere Münzen 
sowie durch ein Kreuz. In dem unteren (hängenden) Kreuzblumenfries stecken 
in Abständen größere Eichelzweige, Auf der Flanke eine dreifigurige Kreu- 
zigung, rund in quadratischem Feld, mit den Evangelistensymbolen in den 
Zwickeln (Taf. 21c; _ 0,087 m; RT. 0,002 m). Darunter das Gießer- 
zeichen. Auf der gegenüberliegenden Seite, umgeben von Hohlpfennigen, 
die apokalyptische Maria, darunter symmetrische Dornblattranken mit 

einem eulenartigem Vogel über einem Simsstück (Taf. 21c; Gesamt-H. 0,14 m; 
RT. 0,005 ni)- Ringstege an Wolm und Anschlag. 

23. 1,13 m. Magister Justus Backhaus.^ Harman Nagel, Bartold Hennies, 
Altaristen. M feister) Thomas Rideweg gas mich in Hannover ijo6. 

24. Radler, Hildesheim. 1920. 

25. Reste von Särgen, in der Gruft, a) einige Deckbretter von Sarg- 
deckeln, Eiche, mit Zinnbeschlägen und vollplastischen Kruzifixen, teilweise 
stark zerstört, b) zwei zinnerne Wappenscheiben und Inschrifttafeln : Christoph 
Friederich Hardenberg kgl. hritt f annischer ) und churfürstlfich) br faunschweig ) - 
Ifüneburgischer) betraueter Cämmerer, Herr auf Geismar und Heinsen, * 1696, 
12. I., t 1752, 2. IV., 00 1738, 26. V. mit Marie Charlotte v. Donop nuhmero 
hinterlassenen Frau Wittwen, und Maria Charlotte von Düring gebohrne von 
Donop aus dem Hause Borckhausen, Erbfrau auf Heinsen. 



FELDBERGEN 

Zwischen Gronau und Banteln lag im frühen Mittelalter ein Dorf, von dem jetzt 
nur noch ein Teil des Gotteshauses steht und als Friedhofskapelle von Banteln be- 
nutzt wird. Urkundlich schreibt sich der Ort, der manchmal von dem gleichnamigen 
Dorf bei Hoheneggelsen im Kreise Marienburg schwer zu unterscheiden ist, 947 
Feldbiki (i), 956 Veltbecchi (2), 1317 Vehberch (3), 1319 Veltberghe (4), 1386 Velt- 
borch (5). Ein 1400 gegründetes Altarbenefizium (8) wird vermutlich die Kornmende 
am Altar der Hl. Sergius und Bacchus in der Kirche zu Feldbergen sein, die 1464 
dem Gandersheimer Stiftskapitel einverleibt wurde (9). Das Patronatsrecht stand 
der Äbtissin von Gandersheim zu, die während des 15. Jhs. die Herren von Dötzum 
damit belehnte. Das alte Kirchenbuch von Banteln enthält die Nachricht, daß in 
der Kirche die Tempelherren ihren Gottesdienst gehabt hätten. Der Ort F. ist 
wohl schon im Verlaufe des 14. Jhs. wüst geworden, aber noch im 15. Jh. findet 
man Pfarrer der Kirche von F. erwähnt (6, 7), auch wenn sie seit 1386 ihre Wohnung 
in Banteln gehabt haben werden (5). 

Quellen: Mon. Germ. Hist. Diplomata Otto I. Nr. 89 S. 172 Z. 4 (i), Nr. 180 
S. 263 Z. 41 (2) — U. B. Hochstift Hildesheim IV 225 S.iiSf., 408 S. 213 (3), 
461 S. 245 (4); VI 737 S. 512 (5) — U. B. Wülfinghausen 175 S. 120 (6), 184 Anm. i 
S. 124 (7) — Archiv der ev. Pfarre Banteln vgl. Peters — Landeshauptarchiv Wolfen- 
büttel: Originalurkunden Stift Gandersheim 258 (8), 471, 493, 507 (9), 508, 509, 
528. — Literatur: Ahlhaus, Geist!. Patronat S. 16, 17 Anm. 23, 20, 91 — Bertram I 
S. 428 — Harenberg, Hist. eccl. Gandersh. S. 907 f., 930 — Hennecke in „Unsere 
Heimat" S. 379, 390 f., 400, 410, 421, 439 — Jahresbericht 1914/15 — 1918 19 7- 
Lüntzel, Alt. Diözese S. 235, 430 — Machens, Archidiakonate Hild. S. 247 — Mit- 
hoff I S. 32 — Vogell Zs. 1862 S. 375 unter Banteln. 



84 



FELDBERGEN 



FRIEDHOFSKAPELLE, 

zugehörig zu Bantcln. 

Die hart am Geestrande des Leinetales im Schatten einer mächtigen Linde 
gelegene Kapelle besteht aus dem Chor und der Apsis einer romanischen 
Bruchsteinkirche der 2. Hälfte des 12. Jhs. und aus einem barocken Anbau 
von 1674 auf der Südseite des Chores. Das abgebrochene romanische Schiff 
wird zwei Joche umfaßt haben. Wahrscheinlich war es etwas breiter als das 
Chorjoch; jedenfalls legt der Strebepfeiler an der Nordwestecke durch die 
besondere Art seiner Verbindung mit der Wand die Vermutung nahe, daß er 
ein Rest der überstehenden nordöstlichen Schiffsecke ist. Über das Vorhan- 
densein eines Turmes läßt sich nichts ermitteln. 





Abi). 21. Feldberger Kapelle. Längsschnitt und Grundriß. 



ÄUSSERES (Taf. 20a). 

Mauerwerk in Kalkbruchstein mit Resten alten Kalkputzes. Die Apsis 
zeigt quadermäßige Steine in regelmäßiger Lagerung. Der Grundriß hat eine 
hufeisenförmige Gestalt. Von den beiden noch erkennbaren zugesetzten 
Rundbogenfenstern ist das eine etwas aus der Mitte nach Norden verschoben, das 
andere nach Südosten gerichtet; die Gewändesteine sind nicht hervorgehoben. 
In der Mittelachse ist nachträglich ein bis zum Dachansatz reichender Strebe- 
pfeiler angelegt, der sich jetzt gesenkt hat, so daß er von der Mauer in breiter 
Fuge abklafft (barock?). Der breitrechteckige Chor teil ist um etwa ein 
Drittel höher als die Apsis. Die Westwand zeigt ebenso wie der barocke, 
damit zusammengehörige Südanbau kleinteiliges, unregelmäßig geschichtetes 
Mauerwerk; ob auf der Nordseite Mauerung und Steinmaterial demjenigen 
der Apsis entspricht, ist infolge des hier noch zusammenhängend erhaltenen 
Putzes nicht zu erkennen (möglicherweise ist also Chor und Apsis nicht ein- 
heitlich gebaut). An den Ostecken flächig eingebundene Eckquader. Auf der 
Nord- und Westseite je ein barockes rundbogiges Fenster (1674; Sandstein- 
gewände); rechts neben demjenigen der Nord wand eine ältere Gewändefuge, 
wohl von einem ursprünglichen Fenster. Schräg darunter eine zugesetzte, 
rechteckige Tür mit Gewändepfosten und Sturz aus Kalkstein, romanisch (?). 
Da die lichte Höhe der Tür nur 1,42 m beträgt, muß der Boden sowohl außer- 
halb wie innerhalb der Kirche ehemals um mindestens 40 cm tiefer gelegen 
haben. Die Nordwestecke ist mit einem Strebepfeiler aus quadermäßigen 
Kalksteinen besetzt (nur der überstehende Traufstein in Brusthöhe ist Sand- 
stein); anscheinend ist der Pfeiler im Verband mit der Mauer; die Oberseite 
ist steil abgeschrägt, biegt kurz vor dem Anfall an die Wand in etwa halber 



FELDBERGEN 85 

Chorhöhe fast senkrecht nach oben um und verläuft allmählich in der Wand. 
In der Mitte der Westseite der zugesetzte ehemalige Chorbogen mit Gewänden 
und Bogensteinen aus Kalksteinrohquadern (lichte H. 3,45 m), in der stark 
verbeulten Giebelwand eine ebenfalls zugesetzte, anscheinend rundbogige 
Öffnung. An beiden Giebelwänden des Chores ist ebenso wie an dem Süd- 
giebel des barocken Anbaues der Hahnenbalken des Dachstuhls in die Giebel- 
spitze sichtbar eingemauert; sie dürften also 1674 wenigstens teilweise erneuert 
worden sein. Die Südwand wird von dem rechtwinklig anschließenden Anbau 
fast vollständig verdeckt. An dem noch freiliegenden Teil östlich des Anbau- 
daches findet sich in etwa 1,50 m Abstand von der Ecke ein senkrechter Mauer- 
vorsprung (T. ca. 0,20 m) unbestimmter Bedeutung. Der Anbau selbst, 
rechteckig und etwa halb so hoch wie der Chor, hat in der Südstirnwand eine 
rechteckige Tür mit darüber aufsitzendem, rundbogigem Fenster (Sand- und 
Kalksteingewände); am Türsturz in erhabenen Ziffern das Baudatum 16J4. 
Eine rechteckige Luke über dem Fenster führt in den Dachraum. — Chorteil 
und Anbau haben Satteldächer; das Apsidendach ist über dem Rund un- 
regelmäßig abgewalmt (1674). Kehlbalkendachstuhl; Pfannendeckung. 

INNERES. 

Die Apside ist mit einer breitgedrückten tonnenartig gestreckten Kalotte 
in Bruchstein überwölbt; ein Kämpfer zwischen Wand und Wölbung fehlt, 
ebenso ein Gurtbogen oder Vorlagen am Apsidenansatz. Das ursprüngliche 
Südostfenster wird in Form einer Nische sichtbar, das Ostfenster ist glatt 
überputzt. Der Chorteil hat ein nachträglich eingezogenes, spitzbogiges Kreuz- 
rippengewölbe (Bruchstein), ohne Stich und Busung (14./ 15. Jh.); die Rippen, 
mit gekehltem Profil, setzen auf niedrigen Eckvorlagen auf, der runde Schluß- 
stein ist mit einer heraldischen Rose verziert. Das Westfenster liegt innerhalb 
einer Nische, deren flachbogiger Abschluß durch den ehemaligen Chorbogen 
gebildet wird. Der Anbau ist mit einer Tonne eingedeckt (Bruchstein); die 
Wand zwischen ihm und dem Chor ist in einem leicht gespitzten Bogen 
durchbrochen. Alle Raumteile sind geputzt und geweißt; der Fußboden ist 
mit Sandsteinplatten belegt. 

AUSSTATTUNG. 

1. Altar. H. 3,82 m; B. ursprünglich ca. 2,12 m. Eiche. Bemalung weiß, 
schwarz, gold. Anderthalb Geschosse mit jeweils einem rechteckigen Bild- 
feld zwischen flankierenden Säulen. Im Hauptgeschoß die Erweckung des 
Jünglings von Naim. Öl auf Leinwand, vornehmlich dunkle Farben, blau 
und rot. Im Obergeschoß die Auferstehung; ebenfalls Öl auf Leinwand; 
graubräunliche Farben. Die Säulen sind mit breiten, schwärzlichen Sand- 
streifen spiralig umwunden. Auf der Predella in Fraktur der Spruch Rom. 8, 1 1. 
Anschwungbretter mit knorpeligem Akanthuswerk; Aufsatzbrett mit Knorpel- 
werk. Auf der Rücktafel (Tanne) des Hauptbildes in schwarzer Fraktur: 
Mr. Jobst Bock, Mr. Herman Landsberg sei., Mr. Lüder Ulrichs, Mr. Hinrich 
Harenbergk 1684. Stark beschädigt. — Mensa. H. 1,04 m; B. 1,85 m; 
T. ca. 1,20 m. Unterbau mit Sandsteinplatten verkleidet und geweißt; auf der 
Vorderseite in ausgesparter Kapitale: Ano 1649. Deckplatte, aus mehreren 
Stücken zusammengesetzt, mit Karniesprofil. 

2. Kruzifix (Taf. 21a). Als Leihgabe seit 1918 im Provinzialmuseum 
Hannover, Inv. Nr. 2260. Korpus-H. 1,90 m; B. 1,49 m. Linde. Die Rück- 
seite ist ausgehölt und abgeflacht, die Arme sind angestückt, i. Hälfte 12. Jh. 

12 



86 FELDBERGEN 

Es fehlt der größte Teil der rechten, die Fingerspitzen der linken Hand, die 
Nase, die Haarsträhne über der linken Schulter. Verschiedene Längssprünge. 
Keine Spuren von Bemalung; die vom Wurm zerfressenen Stellen sind ge- 
festigt. Das Kreuz ist modern. 

3. Altar behäng. H. 1,02 m; B. 2,08 m. Rote Seide mit reliefmäßig 
hervortretendem Granatapfelmuster in Spitzovalen. Kreuz und Randstreifen 
in Silberborte aufgenäht. Blaues Leinenfutter. Mitte 18. Jh. Verschmutzt 
und teilweise zerrissen. — Lesepultdecke, zugehörig. 

Grabsteine, außen an der Westwand. Sandstein. 

4. Johann v. Dötzum., f 1582 Fridag den S.Juni. H. ursprünghch 
ca. 2,28 m; B. 1,09 m; RT. ca. 0,03 m. In einer kleeblattförmigen Arkade 
knieen zu Füßen des Kruzifixes der Verstorbene in voller Rüstung und seine 
Frau; zwischen ihnen liegt ein Wickelkind. In den Arkadenzwickeln und 
unterhalb der Figuren jeweils vier Ahnen wappen; dem Verstorbenen zugeordnet 
v. Dötzum, V. Rommel, v. Saldern, v. Klencke; seiner Frau zugeordnet v. Bo- 
venten, v. Steinberg, v. Oldershausen, v. Hanstein (vgl. Mithoff V S. 252). 
Am unteren Rand ein Schriftfeld mit Namensinschrift (erhabene Kapitale) 
und Spruch Joh. 3, 16 (plattdeutsch; erhabene Fraktur). Horizontales Ab- 
schlußgesims mit niedrigen Kugelaufsätzen über den Ecken. Dazwischen 
(teilweise von dem Gesims überschnitten) Rollwerkornament mit einem auf 
das Gesims sich aufstützenden Engel in der Mitte. Verwitterung besonders 
in den Gesichtern; ca. 12 cm eingesunken. 

5. Sidonia v. Bennigsen [f Ende 16. Jh.]. H. 1,40 m; B. 0,71 m; 
RT. 0,02 m. Flachbogige Stele, darauf innerhalb einer gleichartigen Blend- 
arkade die Figur der Verstorbenen, frontal stehend in betender Haltung. 
Über ihrem Kopf der Spruch Rom. 14, 7. 8 (nur bruchstückhaft erkennbar). 
Namensumschrift in ausgesparter Kapitale, stark zerstört. In den Ecken die 
Ahnenwappen v. Bennigsen, v. Gittelde, v. Weltze, v. Boventen. Verwittert. 



GRONAU 

Ehemalige Kreisstadt. Station der Nebenbahn Elze — Bodenburg. 2967 Ein- 
wohner. Über den Ursprung Gronaus berichtet die Hildesheimer Chronik: Bischof 
Siegfried (1279 — 1310) stellte die zerstörten Befestigungen Emna wieder her, jedoch 
verlegte er Emna an einen geschützteren Platz und nannte es nun mit verändertem 
Namen ,^Gronowe'-' d. h. grüne Aue (12; siehe auch die Angaben unter Empne). 
Urkundlich ist 1298 die Rede von dem Zehnten in Empne que nunc Gronowe dicitur 
(4), 1299 heißt der Ort kurzweg Gronawe (5), 1300 werden erwähnt milites, famuli, 
cives in oppido Gronowe commorantes (6). Außer den Einwohnern der ehemaligen 
„civitas" Emna siedelten sich auch diejenigen der Dörfer Ledi (s. u.) und Bekum 
(vgl. U. B. Hochstift Hildesheim IV, V, VI) in der neuen Stadt an. Schon im Winter 
13 16/17 brannte sie jedoch fast vollständig nieder. Zum Wiederaufbau stiftete der 
benachbarte Adel den Verkaufserlös seines bei der Stadt gelegenen Waldes, des 
sog. Rock (vgl. Siegemann und Schramme). 1319 ist ein bischöfliches Allod in Gro- 
nowe bezeugt (7), 1347 die bischöfliche Burg und die Stadt, auch zum erstenmal 
der Rat (11). 1361 ist von dem Steintor die Rede (8), 1381 und 1389 von der Burg, 
die an Ordenberg Bock und andere verpfändet war (i, 2). 1382, 1389, 1398 ist 
wiederum der Rat erwähnt (3, 2, 9), r409 der Bürgermeister (10). 1472/73 in der 
sog. Bischofsfehde zwischen dem Hildesheimer Domherrn Henning von Haus und 
dem Landgrafen Hermann von Hessen um den Hildesheimer Bischofsstuhl stand 
Gronau auf der Seite des Landgrafen. Zweimal wurde es von den Gegnern ver- 
gebhch belagert. Im Jahre 151 8 wurde es durch einen gedungenen Knecht des 




GRONAU 87 

Burchard v. Saldem in Brand gesteckt und fast vollständig eingeäschert (13). In 
der darauf folgenden Stiftsfehde wehrten sich im Mai 1522 die Bürger tapfer gegen 
die weifischen Herzöge, die Gronau belagerten. Als sie aber am 2. Juni heimlich 
aus der Stadt fliehen wollten, wurden sie von den Belagerern entdeckt und zum großen 
Teil niedergemacht; die Stadt wurde eingenommen und in Brand gesteckt. 1577 
brannte am 19. April die eine, am 8. Juni die andere Hälfte der Stadt ab. Während 
des Dreißigjährigen Krieges wurde sie 1625 von den Truppen Tillys, 1632 von den- 
jenigen Pappenheims geplündert. 1681, 1703, 1758, 1791, 1795 wiederum Feuers- 
brünste; besonders verheerend war diejenige des Jahres 1758, die 106 Wohngebäude 
und 72 Scheunen in Asche legte. Damals wurden strenge baupolizeiliche Vorschriften 
zur Brandverhütung erlassen, in denen u. a. auch die Beseitigung von Strohdächern 
angeordnet wurde. Über die auch im 19. Jahrhundert zahlreichen Brände vgl. 
Siegemann und Schramme S. 126 f. Politisch gehörte Gronau nach der Stiftsfehde 
zum Fürstentum Calenberg, 1634 kam es wieder zum Stift Hildesheim, mit dem 
zusammen es nach kurzer preußischer und westfälischer Herrschaft (1803 — 07 — 13) 
1815 an Hannover überging. Das Stadtwappen zeigte nach dem ältesten bekannten 
Siegelbild aus der i. Hälfte des 14. Jhs. — erhalten in den Siegeln einer zweifach 
ausgefertigten Urkunde von 1434 — die stehenden Figuren der Mutter Gottes mit 
dem Kind und eines anscheinend jugendlichen Heiligen mit Buch (Taf. 23f, nach 
„Unsere Heimat"; Urkunde Nr. 244 im Stadtarchiv Hildesheim); ohne beigeord- 
neten Heiligen erscheint Maria im Strahlenkranz sitzend auf dem Siegel einer 1451 
datierten Urkunde („Unsere Heimat" S. 285). Aus dem 16. und 17. Jh. gibt es 
Beispiele, in denen Maria mit dem Kind in ganzer bzw. halber Figur 
neben oder über einem gespaltenen Wappenschild mit Schrägrechtsbalken 
sichtbar ist („Unsere Heimat" S.285; Siegemann und Schramme S. 147); 
für sich allein kommt der beschriebene Wappenschild auf einer Steinplatte 
von 1624 an der Lehder Kapelle vor (vgl. Ledi, Ausstattung der Kapelle 
Nr. 13). — Aus dieser letzten Form hat sich das heutige Wappen mit schräg- 
rechter Leiter entwickelt (Abb. bei Siegemann und Schramme Taf. 4; eines der 
ersten Beispiele dafür in der 1705 datierten Wetterfahne des Rathauses). 

Quellen: Sudendorf U. B. Register S. 327; u.a. V 189 S. 219 Z. 44 (i); VI 
252 S. 277 Z. 42 (2); X 14, I S. 70 (3), 14, 3 S. 71 f., 14, 6 S. 74, 14, 7 S. 74 — U. B. 
Hochstift Hildesheim III— VI vgl. die Register; III 1184 S. 578 (4), 1238 S. 595 
(5), 1264 S. 609 (6); IV 475 S. 260 (7); V 920 S. 572 Z. I (8) — U. B. Stadt Hildes- 
heim I— VIII vgl. die Register; II 1029 S. 578 (9); IV 225 S. 151; V S. 379 (10) 
— Urkunde, abgedruckt von Röbbelen, im Neuen vaterl. Archiv 1832 S. 26 — 28 
Anm., Regest in Zs. des Histor. Ver. f. Niedersachsen 1899 S. 176 (11) — Chron. 
Hild. in Mon. Germ. SS. VII 865 Z. 27 ff. (12) — Chronik des Johan Oldecop, 
herausg. von Karl Euling, u. a. S. 56 Z. 22 — 25 (13) — Henning Brandis Diarium, 
ed. Hänselmann — Joachim Brandis d. J. Diarium, ed. Buhlers S. 154 — Peters, 
Archivinventare S. 54 flf. — Stadtarchiv I, Depositum im Staatsarchiv Hannover, 
A Urkunden. Regesten: vgl. Doebner, in Zs. des Hist. Vereins f. Niedersachsen 
1899 S. 176 — 189, und Peters. B. Akten. Stadtarchiv II, Magistrat in Gronau, 
Rathausboden. — Literatur: Baring I S. 258 — Beiträge I S. 430 — Bertram III 
Register S. 450 — Bünting, Braunschweigische und Lüneburgische Chronica 1584 
und 1596 II S. 104b, 105a — Dörries, Entstehung und Formenbildung S. 102 — 
Etwas über das Städtchen Gronau im Hann. Magazin 1826 Stück 62 S. 495 f. — 
Hartmann in „Unsere Heimat" S. 253 — 370 — Klewitz, Studien zur territorialen 
Entwicklung des Bistums Hildesheim S. 33, 62 — Lüntzel, Alt. Diözese S. 131, 
133 — Lüntzel, Geschichte I S. 79, 88; H S. 85, 272, 293, 316, 350 — Machens, 
Archidiakonate Hildesheims S. 62 — Mithoff III S. 79 ff. — Röbbelen, Geschichte 
der Stadt Gronau, im Neuen vaterl. Archiv 1832, i S. i — 162 — Th. Siegemann 
und W. Schramme, Geschichte der Stadt Gronau, 1931 — Sonne V S. 303 ff. 



GESAMT ANLAGE UND BEFESTIGUNG (Taf. 23a). 

Gronau liegt, wie der Name besagt, auf einer „grünen Aue" inmitten des 
Leinetales. Etwa einen Kilometer flußaufwärts gabelt sich die Leine in einen 
West- und einen Ostarm; der erstere fließt westlich an der Stadt vorbei, der 
letztere umschließt sie in zwei Ästen, die sich unmittelbar unterhalb von ihr 
wieder miteinander und mit dem Westarm vereinigen. Der Stadtgrundriß 



88 



GRONAU 



hat eine gestreckte Keilform mit der Spitze nach Westen, dem breiten Ende 
im Osten. Der Länge nach gliedern ihn vier Straßenzüge, die untereinander 
durch zwei Querstraßen in der Mitte und am Ostrande sowie durch verschie- 
dene Gäßchcn verbunden sind. An den beiden Enden der Hauptstraße im 
Westen und Osten lagen das Leintor und das Steintor. Von beiden ist nichts 
mehr erhalten. Dagegen sind noch an verschiedenen Stellen Reste der alten 
bruchstcincrncn Stadtmauer zu sehen (auf dem Stadtplan schwarz mar- 
kiert). Am höchsten sind sie auf der Ost- und Nordseite, wo sie teilweise 
in die daran anstoßenden Bauten eingebunden sind; H. in den Häusern nörd- 
lich des Steintores bis ca. 4,25 m; freistehend im Garten des zweiten Pfarr- 
hauses bis zu 3 m; B. ca. 1,10 m. Im Süden haben sie zumeist nur noch 
Brusthöhe, abgesehen von den Teilen am Leintor und an der Südostecke der 
Stadt, wo sie wiederum als Hauswände dienen. Mit dem südöstlichen Mauer- 
rest steht überdies ein quadratischer, wahrscheinlich erst aus nachmittel- 
alterlicher Zeit' stammender Mauerturm aus Bruchsteinmauerwerk mit Kalk- 
verputz und pfannengedecktem (erneuerten) Pyramidenhelm in Verbindung. 
Er enthält drei Geschosse mit dem ursprünglichen Zugang und zwei kleinen 
Fenstern im ersten Obergeschoß und einer Schießscharte im obersten Geschoß. 
Die heutige Erdgeschoßtür ist nachträglich gebrochen. Außer den Stadt- 
mauerresten läßt auch der fast um die ganze Stadt führende Wallweg den 
Verlauf der mittelalterlichen Befestigungsanlage erkennen. Im Südostzipfel der 
Stadt befand sich die bischöfliche Burg, auf die heute nur noch der Name der 
Burgstraße hinweist; hinter der Stadtmauer liegen eine Reihe alter Burg- 
mannenhöfe und ein ehemaliger Zehnthof des Michaelisklosters in 
Hildesheim, in der Stadtmitte Kirche und Rathaus. Das Dominikaner- 
kloster am Ostrand ist erst eine barocke Gründung. 




Abb. 22. Gronau. Stadtplan nach Katasterplänen im Rathaus in Gronau. M. 1:6400. 



GRONAU 89 

EVANG. PFARRKIRCHE, 

dem hl. Matthäus geweiht. Langhaus, Chor und Sakristei gehören der Kirchen- 
gemeinde, der Turm der politischen Gemeinde. 

Eine Kirche ist urkundlich zum erstenmal 1309 bezeugt (i); als Geistliche werden 
im Verlauf des 14. Jhs. genannt Pfarrer Heinrich 1318 — 20, Pfarrer Berthold 1366, 
Pfarrer Arnold 1380 und 1387 (nach Pastor D. Dr. Hennecke in Bethein, siehe Siege- 
mann und Schramme S. 56). Im 16. Jh. bestanden folgende Benefizien bzw. Altäre: 
Mariae veteris und Mariae novae, Petri und Pauli, Andreae, s. crucis, Philipp! und 
Jacobi, Magdalenae, quinque vulnerum, eine Frühmesse, ein Benefiz im Gerbhause 
(Sakristei). 

Quellen: U. B. Hochstift III 1720 S. 809 (i); IV 421 S. 221, 523 S. 284, 908 
S. 495, 981 S. 532, 1132 S. 610, 1192 S.643; V 291 S. 157 Z. I — J. Legatius, 
Chronicon coenobü s. Godehardi in Hildesheim ab a. 1132 ad sua usque tempora 
(c. 1500) in Leibniz, Script, rer. Brunsvic. II S. 420 — Visitationsakten von 1543 
in Kayser, Reformator. Kirchenvisitationen S. 336 ff., 446 f. — Urkunde von 1721 
über die Erneuerung des Kirchturmhelmes nach dem Brand von 1703, gefunden 
1804 im Turmknopf, abgedruckt bei Siegemann und Schramme S. 29 (2) — Archiv 
des Rittergutes Banteln in Peters, Archivinventare S. 11, Kirche u. Schule: 2. Die 
von Benningsensche Prieche in der Kirche zu Gronau, 17. Jahrhdt. u. 170910; 
5. Das Patronatsrecht zu Gronau bei Besetzung der Diakonatpfarre daselbst 1774 
bis 1857 — Archiv der Evangelischen Pfarre in Gronau, in Peters, Archivinventare 
S. 59 — Stadtarchiv Gronau I, Depositum im Staatsarchiv Hannover (vgl. auch 
Repertorium der deponierten Urkunden in Zs. des Hist. Ver. 1899 S. 176 — 189) 
Akten: Rechnungen der Matthaeikirche in Gronau. Peters, Archivinventare S. 56 

— Stadtarchiv Gronau II, Rathausboden in Gronau, Akten, Kirchensachen; Peters, 
Archivinventare S. 56 — Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83 Hann. II 2008. 
Gronau, Repar. der Kirche 1834 — 41 — Bibliothek des Histor. Vereins f. Nieder- 
sachsen im Staatsarchiv Hannover, Hs. Mithoffs Material. — Literatur: Ahlhaus, 
Geistl. Patronat S. 75 — Baring S. 504 — Bertram I S. 416 — Bünting II S. 105a 

— V. Einem, Die Plastik der Lüneburger goldenen Tafel 1929 S. 27, 31 — Habicht, 
Mittelalterliche Plastik in Hildesheim S. 132/33 (Taf. XXVI) — Habicht, Mittelalter- 
liche Malerei in Hildesheim S. 174 f., 186 (Taf. XXVIII, XXIX) — Habicht, Der 
niedersächsische Kunstkreis (Abb. S. 187) — Henkel, Kurze Geschichte 168 f. — 
Hennecke in ,, Unsere Heimat" S. 382, 383, 393, 401, 403, 404, 415, 420. Taf. 44 
Nr. 2 (Abb. des Altars) — Herzig, Ein Altar aus St. Godehard in Hildesheim in der 
lutherischen Kirche zu Gronau, in Zeitschrift des Vereins für Heimatkunde im Bistum 
Hildesheim Jahrgang 1933 S. 19 — 23 — Jahresbericht 1910/11; 1914/15 — 1918 19; 
1927 — Lauenstein S. 285 — Lüntzel, Alt. Diözese S. 288, 434 — Mithoff III 
S.8of. — Mithoff Zs. 1864 S. 316 — Mithoff, Kirchen u. Kapellen S. 7, 19 — 
Mithoffs Materialien, Bibl. des hist. Ver. — Sonne V S. 304 — Starcke S. 68 f. 

Dreischiffige gotische Hallenkirche mit Westturm und eingezogenem Chor 
inmitten der Stadt auf dem eingeebneten, mit Bäumen bestandenen Kirch- 
platz zwischen der Hauptstraße und der General-Göring-Straße. — Der 
heutige Bau ist an Stelle einer älteren Kirche (wahrscheinlich der Gründungs- 
kirche) laut Inschrift in der Südseite des Langhauses im Jahre 1457 begonnen 
worden. Ursprünglich war er eine pseudobasilikale Anlage. Zwischen dem 
Langhaus und dem Chor mit der Sakristei hat anscheinend eine kurze Bau- 
unterbrechung stattgefunden, da das Sockelgesims in beiden Teilen ver- 
schieden hoch liegt. Der sockellose Turm dürfte zumindest im Ivern etwas 
älter sein. Wie sich aus den Spuren der alten Dachschräge der Seitenschiffe 
ergibt, lag über den drei Schiffen des Langhauses ehemals ein gemeinsames 
Dach, an welches das Chordach wohl ohne Absatz anschloß. — 1522 
brannte die Turmspitze ab und wurde 1542 in geringerer Höhe wiederher- 
gestellt. Nach einem Brand im Jahre 1703 mußte sie abermals erneuert werden 
(1721; 2). Bei der Wiederherstellung des durch den Brand ebenfalls beschä- 
digten Langhauses wurden die Außenwände in Fachwerk erhöht und die 
drei Schiffe mit Flachtonnen iji Ijblzschalung geschlossen. 1856 — 59 ist die 



90 GRONAU 

ganze Kirche durch den Architekten Tochtermann nach Plänen von Ober- 
hofbaudirektor Laves in einer den alten Baubestand stark angreifenden Weise 
neugotisch verändert worden. Insbesondere wurde damals das Langhaus fast 
vollständig erneuert. Die Mauern der Langseiten wurden von Grund aus 
neu aufgeführt und im Inneren nach Beseitigung der alten Schiffspfeiler mit 
ihren gespitzten Scheidbögen und einem etwa i6 Fuß hohen Obergaden die 
heutige Hallcnanlage geschaffen. Im Chor und an der Sakristei wurden alle 
Werksteinteile ausgewechselt oder wenigstens überarbeitet. Nur Sockel und 
Kranzgesims sind sowohl am Schiff wie am Chor und an der Sakristei zum 
größeren Teil alt. Am besten in seinem ursprünglichen Zustand ist der Turm- 
körper erhalten geblieben; der Helm ist neu. 

ÄUSSERES (Taf. 32a). 

Das Baumaterial ist Bruchstein, ausgenommen die Giebelwände des Schiffes, 
die in Fachwerk' ausgeführt sind. Die Ecken sind mit flächigen Quadern be- 
setzt. Nord- und Südseite des Langhauses zeigen quadermäßig zugehauene 
Steine in regelmäßiger Lagerung mit ausgezwickten Fugen; die übrigen 
Bauteile sind verputzt (Spritzputz 1932; an der Nordostseite des Schiffes 
und den angrenzenden Chorseiten schadhafter überschlemmter Kalkputz 
18. 19. Jh.). Gesimse, Tür- und Fenstergewände sowie das Fenstermaßwerk 
sind aus Sandwerkstein. — Nord- und Südseite des Langhauses sind mit je 
vier Strebepfeilern besetzt, um die sich der geschrägte Mauersockel und ein 
Kaffsims unter den Fenstern herumkröpfen und die unterhalb des Kranz- 
gesimses in einer Schräge abgedeckt werden, aus der die Ansätze für geplante 
Fialenbekrönungen hervorragen (19. Jh.). Sockel und Kaffsims brechen an den 
Ecken der Langseiten ab. Auf der Südwestschmalseite befindet sich ca. 1,25 m 
über dem Boden ein flach geschrägter ( ?) überputzter Absatz, der vor der Ecke 
tief herabgekröpft und unregelmäßig abgebrochen ist. Sandsteinernes Kranz- 
gesims mit leichter Kehlung; darüber ein barockes Holzsims mit Karnies, 
wahrscheinlich bald nach 1703. Die Fachwerk- Giebel wände sind gleichzeitig. 
Dreigeteilte Fenster mit Maßwerkfüllungen und geschrägten Leibungen; in 
der Westachse nach Norden und Süden spitzbogige Türen; eine alte vermauerte 
Spitzbogenöffnung (lichte H. 1,47 m; Scheitel-H. über dem Boden 1,72 m) 
in der Mitte der Nordostwand des Schiffes. Auf dieser Seite ist unter dem 
Putz auch noch die alte Dachschräge des nördlichen Seitenschiffes erkennbar: 
sie setzt in Traufhöhe des Chores an und verläuft etwa parallel zu dem heu- 
tigen Dach. Die Sandsteinplatte mit der Bauinschrift, fünfzeilig in vertiefter 
gotischer Minuskel, ist in der Mittelachse der südlichen Langseite unterhalb 
des Kaffsimses eingemauert (Taf. 23 e); infolge starker Verwitterung ist sie 
nur mehr teilweise lesbar : . . . o . as o (kiel?)ma(n) o . . . . jann(o)? o d(omi)nio 
MoCCCCoLVII o J(oanne)s (?) © / va(n) o Ame(n)sen © unfn) o Hinrik o / 
Cok o leiden o defn) o ersten o ste(n) o / got o vorlone o ein(?)ijchlike(n). — 
Der Chor, bestehend aus einem quadratischen Vorchor und dem dreiseitig 
geschlossenen Chorhaupt, setzt in Breite des Mittelschiffs an die Ostwand des 
Langhauses an, dem er im Aufbau entspricht. Strebepfeiler sind gegen die 
Ecken des Chorhauptes und seinen Ansatzpunkt auf der Nordseite gegenge- 
setzt. — Die Sakristei füllt die Ecke zwischen Chor und südlichem Seiten- 
schiff. Das Sockelgesims ist im Verband mit demjenigen des Chores, liegt 
dagegen um Profilstärke höher als am Schiff. Ein Kaflfsims fehlt. An der Südost- 
ecke ein diagonaler Strebepfeiler. Zwei Fenster nach Süden; eine Tür nach 
Osten (19. Jh.); darüber im Giebelfeld ein spitzbogiges Fenster mit alten, 
gotischen Gewänden. — Der Turm ist in vier gegeneinander etwas zurück- 



GRONAU 



Öl 





92 GRONAU 

gesetzten Geschossen über quadratischem Grundriß aufgebaut; die Absätze 
sind durch geschrägte Kaffsimse betont. Das unterste Gesims, in halber 
Schiffshöhe, ist allerdings nur auf der Westseite vorhanden und auf der Nord- 
seite ist selbst der Absatz unter dem Putz nur andeutungsweise sichtbar. Das 
mittlere Kaffsims ist auf der Ostseite unter dem Langhausdach herumgezogen 
(teilweise abgeschlagen); darüber ist vom Schiffsboden aus ein Rest des ur- 
sprünglichen Dachanschnitts sichtbar (steiler als jetzt bei etwa gleicher First- 
höhe). Gekehltes Kranzgesims. Im Glockengeschoß nach allen Seiten je 
zwei spitzbogige Schallöffnungen mit einfachem Maßwerk, ehemals durch 
Mittelpfeilerchen zweigeteilt; an den Gewänden mehrfach die 
beiden nebenstehenden Steinmetzzeichen; als Brustwehren sind 
teilweise barocke Grabplatten verwandt (2. Hälfte 17. Jh.; nicht 
mehr zu identifizieren). In den unteren Geschossen rechteckige 
Lichtschlitze. Aus dem Sturz des westlichen Lichtschlitzes im Erdgeschoß 
ist eine Maske mit Halsansatz vor einem Kreuz herausgearbeitet (H. ca. 0,38 m; 
RT. ca. 0,08 m); daneben eine von Hase neu gebrochene Tür. 

Pfannengedecktes gemeinsames Satteldach über Mittelschiff und Seiten- 
schiffen. Dreifache Kehlbalkenkonstruktion mit doppelt stehendem Stuhl 
und Hängesäule im Binder (bald nach 1703). Über dem Chor ein etwas stei- 
leres, im ganzen jedoch niedrigeres Satteldach mit Abwalmungen nach Osten. 
Kehlbalkenkonstruktion mit abgestrebtem Hängewerk (bald nach 1703). Das 
Sakristeidach ist von dem des Chores herabgeschleppt. Alle Dächer (besonders 
dasjenige des Chores) springen weit über die steinernen Kranzgesimse vor. 
Der mit Kupferplatten neu gedeckte Turmhelm ist vermittels einer schmalen 
Übergangs schräge in eine geschlossene sechzehneckige Laterne übergeleitet; 
darüber eine niedrige Spitze mit wulstförmig geschwelltem Ansatz. Mehrere 
Gauben; an der Laterne nach Westen ein Auslegestuhl für die Schlagglocken. 

INNERES. 

Das von Tochtermann vollkommen neu gestaltete Innere des Langhauses 
hat drei Schiffe zu je drei Jochen mit spitzbogigen, gratigen Kreuzgewölben, 
die im Mittelschiff höher über fast quadratischem Grundriß, in den etwa halb 
so breiten Seitenschiffen niedriger über oblongem Grundriß gespannt sind 
(darüber sind vom Dachboden aus die Anschnitte der früheren barocken 
Flachtonnen sichtbar). Gurt- und Scheidbögen sind in Stein, die Gewölbe selbst 
in Holzschalung ausgeführt. An den Wänden setzen sie auf Konsolen an, 
zwischen den Schiffen dienen als Stützen monolithe Säulen. Eine Wendel- 
treppe zum Dachraum liegt in der Ostwand des südlichen Seitenschiffs (19. Jh.). 
Mit dem Turm war das Langhaus ehemals durch zwei spitzbogige Durchgänge 
verbunden, die jetzt bis auf eine rechteckige Tür zugesetzt sind. — Der um 
zwei Stufen erhöhte Chor hat Kreuzrippengewölbe mit Scheitelringen, in 
entsprechender Ausführung wie im Langhaus. Von den ursprünglichen stei- 
nernen Gewölben ist noch der Ansatz einer Kappe an der Südwand des Vor- 
chores unmittelbar über dem heutigen Gewölbeanschnitt zu sehen. Auf der 
gleichen Seite befindet sich unsymmetrisch innerhalb des Joches in ca. 3,65 m 
über dem Chorboden eine spitzbogige Nische, die sich ehemals in das Ober- 
geschoß der Sakristei hinein öffnete und jetzt eine Kreuzigungsgruppe (Aus- 
stattung Nr. 3) enthält. — Gewölbe und Wände sind im Langhaus und Chor 
geputzt und vorwiegend in einem warmen Ocker getönt mit Teppichmusterung 
in der Sockelzone und neugotischen Ornamenten zur Hervorhebung der archi- 
tektonischen Gliederungen. Fußboden mit Sandsteinplattenbelag. — Die 



GRONAU 93 

Sakristei ist mit einem ursprünglichen, auf dem Boden ansetzenden ge- 
mauerten Kreuzgewölbe überdeckt. Rippen mit gekehltem Profil; auf dem 
Schlußstein ein anscheinend von Hase überarbeiteter Christuskopf. Flach- 
bogige Durchgangstür zum Chor (Gewände geflächt, i6. Jh.?). Gewölbe und 
Wände geputzt und geweißt. Dielung. 

Die Turm halle ist von vier quadratischen Kreuzgewölben mit kreis- 
förmigen Schlußsteinen überspannt, deren Rippen und Gurte an den Außen- 
seiten ohne Konsolen aus der Wand heraus aufsteigen und in der Raummitte 
gegen einen sehr starken, kämpferlosen Mittelpfeiler anlaufen (die inneren 
Schenkel sind erheblich kürzer als die äußeren). Gekehlte Profile. Die Kappen 
sind in Bruchstein teils auf Kuf teils in Schwalbenschwanz gemauert. Das 
südwestliche Gewölbe ist bei der Anlage einer Holztreppe zu den oberen Ge- 
schossen durchbrochen worden (19. Jh.). Rippen, Gurte und Schlußsteine 
sind ebenso wie der Mittelpfeiler stark bestoßen, stellenweise auch ganz ab- 
geschlagen. 

AUSSTATTUNG. 

Ein beträchtlicher Teil der Ausstattung, darunter die Taufe im Vorchor, 
die Kanzel, das Gestühl, die Empore, die Orgel, stammt aus der Zeit der neu- 
gotischen Restaurierung der Kirche durch Tochtermann 1856/59. Ältere 
Teile sind: 

I, Flügelaltar (Taf. 24 a, b; 28c; 34d). H. des Schreins 2,12 m; 
B. 3,505 m; H. der Flügel 2,11 m; B. 1,75/1,76 m. Eiche. Schrein und Innen- 
seiten der Flügel sind in eingeschossiger Reihung mit plastischen Figuren be- 
setzt : in der Mitte die Gruppe der Marienkrönung (modern), daran anschließend 
nach links die Apostel Johannes, Jakobus major, Andreas, Jakobus minor, 
Thaddens, Symon, Matthias und der hl. Godehard; nach rechts die Apostel 
Petrus, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Paulus, dazu die Hl. 
Jodokus („dux nobilis") und Bernward. H. durchschnittlich 0,80 81 m. Die 
Rückseiten der Figuren sind außer bei der Mittelgruppe ausgehöhlt. Die Na- 
men sind in gotischer Minuskel auf die Plinthen aufgemalt. Die Figuren stehen 
über einer durchlaufenden Sockelzone; zwischen ihnen durchbrochene Scheid- 
stege in Form von Fialen mit Strebebögen; über ihnen hohe, dreiseitige Bal- 
dachine, die in zwei miteinander abwechselnden (nicht symmetrisch ange- 
ordneten) Varianten jeweils zweigeschossig mit Maßwerkfenstern, Wimpergen 
und Eckfialen aufgebaut sind. Über der Mittelgruppe ein entsprechender 
Doppelbaldachin. Die Sockelzone hat eine von den Figuren unabhängige 
und in sich ebenfalls unsymmetrische Gliederung mit abwechselnd durch- 
brochenen Maßwerkfeldern (beginnende Verwendung des Fischblasenmotivs 
neben mehr architektonischen Motiven) und durchbrochen geschnitzten 
Rundmedaillons, die innerhalb von Vierpaßrahmen die Büsten von neun Pro- 
pheten und von David enthalten; nach der Beschriftung auf den Spruch- 
bändern, die außer den Namen die Anfangsworte der gewählten prophetischen 
Stelle angibt, sind es von links nach rechts: Jeremias: patre(m) amabitis quo 
terra (m) (im Anschluß an 3, 19?); Malachias: ah ortu enim solis usque ad occa- 
sum (i, 11); Isaias: ecce virgo concipiet et pariet (7, 14); Daniel: post septuaginta 
(im Anschluß an 9, 24 oder 26?); Micheas: p(rae)perabunt (!) gentes multe 
et dicent (4,2); Arnos: gut edificat in celo asce(n)sione(m) suam (9,6); Osee: 
O mors ero mors tua wor(sus . . . ; 13,14); Jonas: sublevahis de corruptio(n)e 
vita(m) (2, 7); Ezechiel: porta hec clausa erit (44, 2); David: dofmi )n(u)s dixit 
ad me (Ps. 2, 7). — Bis auf das Inkarnat sind die Figuren ebenso wie das deko- 



94 GRONAU 

rative Schnitzwerk und die Rahmenwände vergoldet. — Auf den Außen- 
seiten der Flügel Gemälde in Tempera. Auf dem rechten Flügel 
die Kreuzigung: Christus zwischen den Schachern; zur Linken im Vorder- 
grund die Gruppe der vier Marien mit Johannes (sitzend), zur Rechten der 
Hauptmann mit Spruchband : Ecce filius deus ( !) erat iste, sowie eine Gruppe 
von Juden (stehend in modischer Gewandung, teilweise mit dem Hauptmann 
disputierend); hinter den Hauptgruppen links Longinus mit dem Knecht, 
rechts der Schwammträger. Schwarzer gestirnter Grund. Auf dem linken 
Flügel Christus als Weltenrichter: Christus, von dessen Mund Lihe und 
Schwert ausgehen, sitzt auf dem Regenbogen in der Mandorla, in welche vier 
Eckmedaillons mit den Evangelistensymbolen hineinverschränkt sind. Neben 
Christus zwei Posaunenengel des jüngsten Gerichts; am unteren Bildrand 
Gräber mit den kleinen Figuren von Auferstehenden in grasigem Erdboden, 
auf dem an den Seiten in Höhe von Christus selbst Maria und Johannes der 
Täufer knieen. ' Gestirnter Grund wie auf der Kreuzigung. Farben hellgrün 
und moosgrün (Longinusknecht, der vorderste Jude, der Futterstoff an den 
Gewändern der Deesisgruppe usw.), stumpfrot und weißrot (Deesisgruppe, 
zwei der trauernden Frauen, Schwammträger), dunkelblaugrün (Longinus, 
eine trauernde Frau) gelb bzw. gold. — Nach Angabe des um 1865 in Gronau 
amtierenden Pastoren Isenberg ist der Altar 1706 durch Kauf oder Schenkung 
aus Hildesheim in die Kirche gelangt (vgl. das Mithoffsche Material im Staats- 
archiv, Hann.); dort hatte er als Kreuz- oder Laienaltar in der Godehardikirche 
gestanden (Klosterchronik von St. Godehard). — Gegen 141 5. Die Plastik 
gehört zusammen mit dem etwas altertümlicheren Minoritenaltar aus Hannover 
(im Provinzialmuseum, Hannover) in die Nachfolge von Meister Bertram in 
Hamburg (C. Habicht und H. v. Einem); die Malereien stammen aus dem 
Schulkreis des Conrad v. Soest; die Kreuzigung steht derjenigen auf Conrads 
Niederwildunger Altar typenmäßig noch recht nahe. Bei einer durch den 
Bildhauer Hurtzig in Hannover und den Schreinermeister August Arntio 
(Arntie?) in Gronau geschickt ausgeführten Restaurierung im Jahre 1859 
sind ergänzt worden die beiden Figuren der Marienkrönung, die losen Attri- 
bute der Heiligen, Teile des dekorativen Schnitzwerks, und zwar, soweit es 
sich an den unbemalten Rückseiten kontrollieren läßt, das untere Baldachin- 
geschoß über Philippus mit der rückseitigen Aufschrift: gebesren (? gebessert?) 
180J neu von August Arntio gemacht zu . . . 18^9, dasjenige über Simon, eben- 
falls mit Namen und Datum, das obere Baldachingeschoß bzw. Stücke daraus 
(vor allem die Grundbrettchen) über Jodokus und Thaddeus (jeweils mit 
Signatur), über Petrus, Johannes, Matthias, Bartholomäus, Thomas, einige 
weitere kleine Baldachinteile über Maria, Matthäus, Paulus, Jakobus minor 
und Andreas; schließHch der Ahornblattkamm und vielleicht die Predella. 
Gleichzeitig ist die Fassung erneuert. — Die Gemälde sind 1932 vollständig 
von einem Malermeister A. Zelle übermalt worden (anscheinend mit Ölfarbe; 
auf dem Weltgerichtsbild rechts unten die Aufschrift: Erneuert 1932 A. Zelle)! 
Leidlich erhalten scheinen nur die Evangelistensymbole Adler, Stier, Löwe, 
der Kruzifixuskopf, die Schacher. — Mensa, Sandstein, neugotisch, 1856/59. 

2. Taufe ( ?), in der Sakristei. H. 1,20 m; D 0,44 m. Holz, weiß gestrichen. 
Hochrechteckiger Kasten mit erhabenen, teilweise kannelierten Wandungs- 
feldern; oben eine in die Deckplatte lose eingesetzte kugelförmige Deckelschale. 
I. Viertel 19. Jh. 

3. Kreuzigungsgruppe (Taf. 35a), in einer Nische der südlichen 
Chorwand. Figuren Linde. H. Ejruzifixus 1,07 m; Maria 1,15 m; Johannes 



GRONAU 95 

iji4 m. Christus mit symmetrisch abflattemdem Lendentuch. Auf der Mantel- 
borte von Johannes gepunzte Inschriftsilben in Kapitale : Sanc • Han • san • es ■ 
und einzelne Zierbuchstaben. Hildesheimer Werkstatt; um 1520. Ergänzt 
sind die Plinthen und der Titulus (Eiche), das Kreuz (Tanne), der linke Len- 
dentuchzipfel und die vorderste Zehe Christi (Linde), 1856 59. Gleichzeitig 
erneuerte Fassung. 

4. Gemälde des Kruzifixus, in der Sakristei. H. 1,61 m; B. 0,82, m. 
Öl auf Leinwand. Dunkle Farben. Signiert am unteren Rand: H.Hanel (?) 
Ao ijij J AR (?). Ein Spannrahmen fehlt. 

5. Grabstein des Diakons Johannes Povenzius, außen an der 
Ostwand des Chores. H. 1,93 m; B. 0,90 m. Sandstein. Innerhalb eines 
vertieften Feldes Ganzfigur des Verstorbenen in Amtstracht mit langem Um- 
hang und steifer Halskrause; RT. 0,035 m. Beiderseits des Kopfes knorpelige 
Zwickelfüllungen, links mit dem Wappen des Todes (Totenkopf, Knochen, 
Sanduhr), rechts mit dem Wappen des ewigen Lebens (das Lamm Gottes). 
Auf dem Rand Umschrift in ausgesparter Kapitale : Joannes Povenzius Morav fusj 
[ojb persecutionem patriam relinquens domum tandem huius eccle(siae) electus 
diaconus in Christo placide obdormivit quinto Aprilis anno iS^j. Im oberen 
Rand ein ausgesprungenes und wieder eingeflicktes Stück; Gesicht und Hände 
zum Teil abgetreten. 

Kronleuchter; Messing. 

6. Im nördlichen Seitenschiff. H. ca. 0,72 m; ca. 0,74 m. Sechs S-förmig 
gebogene flachovale Arme; zwischen ihnen und in einem oberen Kranz Lihen- 
blütenvoluten und geperlte Zierschwünge. Spindel mit Knäufen. Bekrö- 
nender Zeus auf dem Adler mit Szepter und Blitzbündel; abgeplattete Kugel. 
2. Hälfte 17, Jh. Ein Zierschwung schadhaft. 

7. Im Chor, H. ca. 0,78 m; ca. 0,90 m. Sechzehn Arme von flach- 
ovalem Querschnitt in zwei Kränzen. An einem Zwischenring geperlte Zier- 
schwünge. Krönender Doppeladler; abgeplattete Kugel, daran das eine Wort: 
Kirchen. Um 1700. 

8. Im Mittelschiff. H. ca. 0,97 m; ca. 0,85 m. Zwölf Arme von sechs- 
eckigem Querschnitt mit Palmettenaufsätzen in zwei Kränzen. Muschelteller, 
Zwischen den Armen und an einem Mittelring Ziervoluten mit aufrecht und 
abwärts gestellten Lilienblüten. Spindel mit Knäufen. Doppeladler; Kugel 
mit Zapfen. An der Kugel zwei aufgenietete ovale Inschriftschilder (in Kapi- 
tale) : Dise Krone hat die Gemeine in Gronau in dise Kirche verehret, die Schworen 
der Gemeinde M. Hans Ehrckiten Kort Opperman und Ehrnst Fischer und Hans 
Papen Anno ijio. 

9. Im südlichen Seitenschiff. H. ca. 0,66 m; ca, 0,77 m. Sechs in ge- 
brochenem S-Sschwung herabgebogene Arme von sechseckigem Querschnitt 
mit Zweigstücken und Palmettenaufsätzen, die in Sternblüten endigen. In 
einem oberen Ring Ziervoluten mit Lilienblüten. Spindel mit Knäufen; 
Doppeladler; Kugel, darauf in Kapi:ale: Dis ist die Knokenhauer Krone lyoio (!). 

IG. Im Mittelschiff. H. ca. 0,68 m; 0,72 m. Acht Arme von sechs- 
eckigem Querschnitt mit Astansätzen in zwei Kränzen. Zwischen den Armen 
S-förmig herabgebogene Zierschwünge mit spitz ausgezogenen Aufsatzgliedern. 
Spindel mit Knäufen; Doppeladler; breitgequetschte Kugel, daran in Kapi- 
tale: Schuamts Krone dessen Vorsteher 1746 Herman Helms und Johan Brandes. 



96 GRONAU 

11. Zwei Wandleuchter, beiderseits des Chorbogens. Messing. Je 
ein Kerzenarm entsprechend den Armen des Kronleuchters Nr. 8. Um 1700. 
— Ein Wandarm, unbenutzt im Altarschrank. Etwa gleichzeitig. Repa- 
riert. 

Altargerät. 

12. Kelch (Taf. 26a, 27a). H. 14,8 cm; Fuß 13,1 cm; Kuppa 12,5 cm. 
Silber vergoldet. Runder Fuß mit umgebogener Zarge. Auf der Lehne auf- 
gelegt vier gestanzte Rundmedaillons mit geperltem Rand, enthaltend zwei 
Marien- und zwei Christusszenen (0 durchschnittlich 5,2 cm; RT. 0,3 cm): 
a) Verkündigung. Der Engel mit dem Lilienszepter tritt von links an die 
frontal thronende Maria heran, die in der rechten Hand die Spindel, in der 
linken den Rocken hält. Über ihr die Taube, b) Thronende, bekrönte Maria 
mit zwei assistierenden Engeln, die den Thronsitz fassen. Das Jesuskind hält 
in der linken Hand einen Apfel, mit der rechten greift es an Mariens Kinn, 
c) Dreifigurige Kreuzigung. Christus, mit getrennt angenagelten Füßen auf 
dem Suppedaneum, blickt auf Maria, die gegen ihn die Hände erhebt. Über 
dem Kreuzbalken zwei klagende Engelhalbfiguren, d) Auferstehung. Christus 
in frontaler Haltung, in der linken Hand die Siegesfahne, mit der rechten 
segnend. Unterhalb des Sarkophags drei schlafende Kriegsknechte. — In 
den Zwickeln zwischen den Medaillons und dem Fußrand Gravierungen: 
Zwischen Auferstehung und Verkündigung sowie zwischen der thronenden 
Maria und der Kreuzigung jeweils eine Engelhalbfigur mit vorgestreckter 
Hand vor schraffiertem Grund. Am unteren Rand ein unregelmäßiges 
Rankenband. Das Zwickelfeld, gegen welches sich beide Engel hinwenden 
(zwischen Kreuzigung und Auferstehung), sollte ursprünglich eine Halbfigur 
Christi als Weltenrichter enthalten; noch während der Arbeit ist jedoch diese 
Darstellung durch eine dekorative Blattstaude entsprechend derjenigen auf 
dem gegenüberliegenden Zwickelfeld ersetzt und überdeckt worden. Zu er- 
kennen sind nur noch Teile des Kreuznimbus und des Kopfumrisses sowie 
der von Christi Mund ausgehenden Schwerter (?). Geschraffter Grund. 
(Der Unterkörper des rechten Engels zeigt eine Art der Gewandangabe, die 
an den härenen Mantel Johannis des Täufers denken läßt, so daß die Frage 
entsteht, ob zunächst eine Deesis geplant gewesen war.) Wulstförmiger Nodus 
mit acht Rotuln, darauf Blattwerk und zwei Lilien in nielliertem Grund; 
an Ober- und Unterseite erhabene, lanzettförmige Felder mit vertieft mo- 
dellierten Eichenblättern. Achteckige Schaftstücke mit Blattquadraten in 
nielhertem Grund. Gebauchte Kuppa. Als Ganzes ist der Kelch in das 
letzte Viertel des 13. Jhs. zu setzen; stilistisch altertümlicher sind nur 
die Schmuckmedaillons, die aus Matrizen des 2. Viertels des 13. Jhs. geschlagen 
worden sind. Vermutlich Hildesheimer Arbeit. Vgl. Erich Meyer: Spät- 
romanische Abendmahlskelche in Norddeutschland, Jahrbuch der preuß. 
Kunstsammlungen 1932 mit Abbildungen (M. datiert anscheinend gegen Ende 
des 13. Jhs.). — Die Zarge ist an einer Stelle eingerissen. 

Patene (Taf. 27b). ca. 15 cm. Silber vergoldet. Im Spiegel eine flache 
Mulde in Form eines Vierpasses mit unregelmäßig aus den Winkeln hervor- 
stechenden Ecken. Darin graviert eine thronende Madonna mit dem frontal 
vor ihr auf dem Schoß sitzenden, segnenden Kind. Maria mit byzantisierendem 
Kopftuch und Krone. In den Zwickeln gravierte, schwarz eingelegte Blatt- 
ranken. Der Größe nach passend zu dem Kelch, dem Stil nach jedoch 
nicht später als 1220. Randstreifen teilweise neu angelötet. 



GRONAU 97 

13. Kelch (Taf. 25f). H. 14,6/15,1 cm; 11,6/12,1 cm. Silber ver- 
goldet. Runder Fuß mit umgebogener Zarge und angelötetem Randstreifen. 
Nodus mit sechs gerundeten Rotuln, darauf vierblättrige Blüten auf vertieftem 
Grund. Zwischen den Rotuln erhabene scharfgratige Faltungen. Zylindrische 
Schaftstücke, unten mit über Eck gestellten Quadraten, Blütenquadraten, 
Rosetten, oben mit einer Dornblattranke (graviert). Leicht gebauchte Kuppa. 
I. Hälfte 14. Jh. 

14. Patene. 15,2 cm. Silber. Auf der Unterseite in Kapitale: Dorotea 
Catarina Kronen. 18. Jh. 

15. Abendmahlskanne. H. 23,8 cm; 13 cm. Silber; Ränder und 
Profile vergoldet. Zylindrische Form. Unter der Schnauze zwei Wappen, 
links eine Hand mit einer dreiblütigen Glockenblume, rechts ein Busch, ein- 
geschnürt durch zwei übereinander angeordnete Stakets. Darunter in Ka- 
pitale: Ulrich Wilhelm Kleien ijoj. Maria Catharina Hürlebusch. Auf dem 
Deckel ein liegendes plastisches Lamm. Deckelheber in Form eines Akanthus- 
blattes. Hildesheimer Beschau 1705, Meister I P W (Liste I, 10). 

16. Oblatendose. H. 6 cm; c 7,4 cm. Silber. Zylindrisch. lusti: 
Cata: Clodiiis geh: Richlers Anfnjo 1739 zur Ehre Gottes. Hildesheimer Be- 
schau 1705, Meister CHS (Liste I, 17). 

17. Kelchlöffelchen. L. 15,3 cm. Silber vergoldet. Stempel G, dop- 
pelt; Feingehaltszeichen 12. Anfang 19. Jh. 

18. Taufkanne. H. 23,4 cm; ca. 11,6 cm. Zinn. Zylindrische Form. 
Flacher Deckel mit knopfförmigem Heber. Hildesheimer Beschau 49, dop- 
pelt; Meisterzeichen nicht erkennbar, siehe Nr. 19. 2. Hälfte 17. Jh. 

19. Taufkanne, für warmes Wasser (?). H. 15,4 cm; 9,4 cm. Gegen- 
stück zu Nr. 18. Hildesheimer Beschau 49, doppelt; Meister P B. 

20. Altarkruzifix. Gesamt-H. 50,2 cm; Korpus-H, 25,2 cm. Holz. 
Sockel und Kreuz schwarz gestrichen. 18. Jh. 

21. Altarkruzifix. Gesamt-H. 85 cm; Korpus-H. 25,7 cm. Dreieckiger, 
geschweifter Sockel; auf der vorderen Wandung in Cursive: Aus dem Ver- 
mächtniss der weiland = wohledlen zehr waasen Jungfr. Luden Margarethen 
Elvers Anno 1772. Um die Inschrift ein Akanthuskranz. Kreuz mit Kleeblatt- 
endigungen. Kruzifixus mit Strahlennimbus. Stempel sehr schwach und ver- 
drückt: Stehender Engel im Oval mit den Initialen I H W und der Jahres- 
zahl 1770. 

22. Altarkruzifix. Gesamt-H. 48 cm. Gußeisen. Am Sockel Relief 
Mariens, der knieenden Maria Magdalena und des Johannes. Um 1830. 
Christi rechter Arm fehlt. 

Altarleuchter. 

23. Ein Paar. H. 65,5 cm; B. ca. 20,5 cm. Zinn. Dreieckiger geschweifter 
Sockel auf breitgequetschten Kugelfüßchen. Balusterförmiger Schaft. Auf 
der vorderen Sockel wandung in Kapitale: M. H. Ölkers, Diacon(us) z(u) 
Gron(au) C. E. Lampadien Anno 1696. Hildesheimer Beschau 49, doppelt; 
Meister A F (Liste II, 6). 

24. Ein Paar. H. 80,2 cm; B. ca. 25,5 cm. Zinn. Typus von Nr. 23. 
Auf den Eckabfasungen des Sockels die Stifterinitialen H • R • H • A ■ O. 
Rosenstempel mit Krone und den Initialen AF (Liste II, 15). Um 1700. 

25. Ein Paar. H. 16 cm; o 14,3 cm. Zinn. Runder, achteckig gerahmter 
Tellerfuß. Schaft mit kelchförmigem Knauf. Lichttülle, daran die Initialen 

13 



98 GRONAU 

TLS und die Jahreszahl 1732. Stempel: Engel mit Schwert und Waage, 
umgeben von zwei Spruchbändern: Engel Zin, A F, 1687 (Liste II, 16). 

26. Ein Paar. H. 44,7 cm; B. 21,8 cm. Zinn. Typus von Nr. 23. Der 
dreieckige Sockel ruht auf Füßen in Form von kugelhaltenden Vogelklauen; 
auf die Sockelschweifung sind kleine Janusköpfchen aufgesetzt. An der einen 
Wandung die Initialen TLS mit der Jahreszahl 1732. Engelstempel: E. 
Block Tinn, Jobst Ludwig Flegel, 1725 (Liste II, 17). 

27. Zwei Opferteller. 31,5 cm. Zinn. Auf den Rändern innerhalb 
von Lorbeerkränzen in Kapitale: Herman Berckhahn Maria Schwär zkopff 
Anno 1698. Zugehörig zwei Teller in der Lehder Friedhofskapelle. 

28. Altarbehang, Sakristei. Der Vorderteil H. 0,87 m; B. 1,32 m. 
Hellgrüne Seide. Musterung: Päonienartige Blütenbüschel in versetzter 
Reihung. In der Mitte aus Silberborte (in Schwarz umgeschlagen) aufgenäht 
ein Kreuz und die Stifterinschrift ELM 1777. Ungefärbtes Leinenfutter. 

29. Stuhl, Sakristei. H. 1,30 m. Buche (?), dunkelrorbraun gestrichen. 
Lehne und Sitz mit Korbgeflecht. Anfang 18. Jh. 

30. Drei Glocken, a) Bronze. Radler, Hildesheim. 1886. b) Ulrich 
und Weule, Apolda-Bockenem. 1921. 

31. Zwei Schlagglocken. Stahl. 1917. 

32. Bibel; in -4 ^, Schleswig i 8 1 9. Schenkungseintragung: August Philipp 
Ludwig Sauerwein 182 j. 

33. Kirchenordnung des Herzogs Heinrich Julius; in -4^. Ausgabe 
I. Hälfte 18. Jh. (?). In der Schluß Vignette das bayrische Wappen. Die 
Titelseite fehlt. Schwarzer Ledereinband. — Dasselbe in einer Ausgabe von 
1853- 

34. Zwei Gesangbücher „für die evangelischen Gemeinden im Fürsten- 
thum Hildesheim"; in-8^. Hildesheim 18 19. Schwarzer Ledereinband. 
Ein Exemplar nicht vollständig. 



PFARRHAUS FÜR DEN HAUPTGEISTLICHEN, 

am Ostrande der Stadt. Zweistöckiger Fachwerkbau mit pfannengedecktem 
Satteldach. Die Ostbreitseite ist über der alten Stadtmauer errichtet. Gefache 
geputzt und geweißt. Die Eingänge in der Mitte der Breitseiten sind durch 
einen Mittelflur im Inneren verbunden. Ende 18. Jh. 



DAS EHEMALIGE DOMINIKANERKLOSTER, 

jetzt katholische Pfarrkirche, Pfarramt, Schule und von- Savigny- Stift. 

1680 wurde auf Anordnung des Fürstbischofs Maximilian Heinrich in Gronau 
auf dem Grund zweier Bürgerstellen des Klosters Haus Escherde und eines Herrn 
V. Rheden ein Dominikanerkloster gegründet und mit den Rechten des ehemaligen 
Hildesheimer Konvents ad S. Paulum begabt. In der Blütezeit beherbergte es zwölf 
Mönche und drei bis vier L^ienbrüder. Die preußische Regierung ließ es 1802 fort- 
bestehen mit der Einschränkung, daß von nun an keine Novizen mehr aufgenom- 
men werden durften j während der französischen Herrschaft sollte es aufgehoben 
werden, doch kam der Plan nicht zur Ausführung. Zur Zeit der Vereinigung des 
Hildesheimer Landes mit Hannover war das Kloster schon fast ausgestorben. Die 
Mönche wurden mit der Wahrnehmung des katholischen Pfarrdienstes beauftragt, 
die Kirche zur katholischen Pfarrkirche gemacht und die Klostergebäude teils als 
katholische Pfarre und Schule, teils als Landratsamt und Gefängnis des Amtes Gronau- 



GRONAU 



99 



Poppenburg benutzt. Der Teil der Anlage, der diesem letzten Zweck diente, ist 
nach der Zusammenlegung der Kreise Gronau und Alfeld (1932) von der katho- 
lischen Gemeinde für das von-Savigny-Stift (Altersheim, geleitet von barmherzigen 
Schwestern der Kongegration des hl. Vinzenz v. Paul) erworben worden. 

Quellen: Gronau, Stadtarchiv I, Depositum im Staatsarchiv Hannover. B. 
Akten. Kirchen und Schulsachen. Dominikanerkloster Nr. 66 — 77; 1614 — 1918/21 
(vgl. Peters, Archivinventare S. 56) — Katholisches Pfarrarchiv (früher Domini- 
kanerkloster) (vgl. Peters S.spf.) — Staatsarchiv Hannover, Kartensammlung 
Katalog B. P. Nr. 5. Gronau, Situationsplan vom Amthofe und dem ehemaligen 
Dominikanerkloster, aufgenommen durch Landbaumeister Wellenkamp (vielleicht 
um 1840) — Klosterkammer Hannover, Kartensammlung und Baubestandsbücher. — 
Literatur: Beiträge 2 S.3i4f. — Bertram I S. 230, 333; H S. 15 — Henkel, 
Kurze Geschichte 167, 168 f. — Hennecke in „Unsere Heimat" S. 425, 426 — 
Sonne V S. 304 — Vogell, Zs. 1864 S. 346. 



Abb. 24. Gronau. Situationsplan des ehe- 
maligen Dominikanerklosters nach einer 
Aufnahme von 1885 in der Klosterkamnier, 
Hannover, M. 1:1500. 




BÜRGST RASS E 



Das ehemalige Kloster liegt an der Burgstraße am Ostrand der alten Stadt- 
befestigung. Die Kirche und das daran anstoßende zweiflügelige Konvent- 
gebäude umgeben auf drei Seiten einen rechteckigen, nach Süden geöffneten 
Hof. Die Kirche ist bzw. war 171 5, der nördliche Konventflügel 1724 datiert, 
der östliche Konventflügel stammt im Kern vielleicht noch aus der Zeit vor 
dem Stadtbrand von 1703. Restaurierung und Verlängerung des Ostflügels 
1934. Hinter dem Nordflügel befindet sich ein Wirtschaftshof mit einem in 
der Flucht des Ostflügels ansetzenden Stallgebäude aus dem i. Viertel des 
18. Jhs.; die Ostwand ist hier wie dort über der mittelalterlichen Stadtmauer 
aufgeführt, die teilweise darin übernommen worden ist. Ehemals reichte der 
Stall bis zur Hauptstraße und bog hier im rechten Winkel kurz nach Westen 
um. Das Stück an der Straße enthielt das Brauhaus und eine Durchfahrt 
zum Hof; jetzt steht an dieser Stelle das neue Küsterhaus (Abb. 25). Der 
Wirtschaftshof ist durch die Nachbargrundstücke in dem Winkel zwischen 
Haupt- und Burgstraße stark beengt. Die noch heute benutzten Zufahrten 
zu ihm und zu dem südlichen Klosterhof liegen an der Burgstraße beiderseits 
der Kirche. Außerdem führt von hier eine Mauerpforte unmittelbar am Chor 
der Kirche vorbei über einen besonderen kleinen Vorplatz in den nördlichen 



100 GRONAU 

Konventflügel. Die Pforte ist von Pfeilern flankiert, welche die Sandstein- 
statuen S. Dominicus fundator und S. Thomas de Aquino tragen, datiert IJ41 
(die Mauer selbst ist an dieser Stelle im 19. Jh. erneuert). Im Süden und Osten 
der Anlage schließt ein großer, von einer Bruchsteinmauer umgebener Garten 
an, der an den Burggarten grenzt und bis zu dem östlichen Leinenebenarm 
herabführt. — Kirche und Klostergebäude sind in Bruchstein massiv errichtet. 
Der Verputz ist außer an der Nordseite des Nordflügels erneuert (nach 1900 
und 1934). Tür und Fenstergewände sind aus Sandstein. 



KIRCHE, 
dem hl. Joseph geweiht. 

ÄUSSERES. 

Langgestreckter Bau mit flachbogigem Chorschluß. Sockelabsatz im Westen, 
Süden, Osten. Hölzernes Kranzgesims. Auf den Langseiten je vier, am Chor- 
schluß zwei rundbogige Fenster. Die Eingangsseite (Süden) ist fensterlos; 
in der Mitte unten der rechteckige Haupteingang, im Giebel eine Luke und 
eine flachbogige Nische mit einer Sandsteinfigur des hl. Dominikus. — Sattel- 
dach mit Gauben, über dem Chorende abgewalmt. Über dem Ostfirst ein 
achteckiger Dachreiter mit offener Laterne und spitz ausgezogener Haube. 
Schieferdeckung. 

INNERES (Taf. 29a). 

Der Kirchenraum ist mit einem Spiegelgewölbe in verputzter Holzschalung 
geschlossen; die Vouten sind oberhalb der Fenster von rundbogigen Stich- 
kappen durchbrochen, die von stuckierten Profilen umzogen werden. Das 
Kranzgebälk ist so breit gebildet, daß die Fenster durch die unteren Profile 
hindurch in die Frieszone einschneiden. Zwischen den Fenstern ist es über 
Volutenkonsolen mit Kämpfern vorgekröpft. Von diesen Verkröpfungen aus 
ist am Choranfang ein Gurtbogen über die Decke gezogen, der den nach 
Mithoff" ehemals als Chronogramm geschriebenen Spruch: Deus certus aspector 
meus =1715 trägt. Am Spiegel der Decke befindet sich in Schiff und Chor 
ein Bildfeld mit stuckiertem Rahmen. Die Deckenmalereien sind modern 
(Bohland, Hildesheim). Wände geputzt und geweißt. Fußbodenbelag aus 
Sandsteinplatten. 

KONVENT GEBÄUDE . 

Nord- und Ostflügel des Konvents bilden einen äußerlich einheitlichen 
zweigeschossigen Winkelbau mit pfannengedecktem Walmdach. Der Nord- 
flügel setzt an der östlichen Chorlängsseite an, und zwar so, daß er um etwa 
ein Drittel seiner Breite über die Chorrundung hinaus nach Norden vorsteht 
und beide Teile nur in einem verhältnismäßig schmalen Wandstück unmittel- 
bar miteinander verbunden sind (an dieser Stelle liegt im Erdgeschoß eine 
Tür, im Obergeschoß ein kleines Fenster gegen den Kirchenraum). Das auf 
einer Konsolenreihe vorgekragte hölzerne Kranzgesims liegt etwas tiefer als 
an der Kirche. Türen und Fenster sind rechteckig. Der Nordflügel hat 
fünf Achsen nach Norden und sieben Achsen nach Süden. Die mittleren 
Südfenster sind etwas größer als die übrigen; zwischen der zweiten und 
dritten westhchen Achse dieser Seite ist nachträglich ein Fenster zwischen- 
geschoben. Der Haupteingang liegt auf der Westschmalseite, ein Neben- 



GRONAU 



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102 GRONAU 

eingang auf der Nordseite, im Süden ist das westlichste Fenster nachträglich 
als Tür eingerichtet worden (mit steinerner Freitreppe). Unter dem Kranz- 
gesims ist an der Südwand in Eisenbändern das Baudatum iy24 angebracht 
(die 7 fehlt). Der Ostflügel hatte ursprünglich acht Achsen nach Osten, fünf 
Achsen nach Westen; an der inneren Ecke ist im Obergeschoß ein weiteres 
Fenster nachträglich eingebrochen. Nach 1885 ist der Flügel in geringerer 
Breite nach Süden um zwei Achsen verlängert worden; außerdem ist 1934 
die ebenerdige Westhälfte entsprechend der Osthälfte unterkellert, so daß 
nunmehr das Erdgeschoß als ganzes höher liegt als im Nordflügel. Mitteltür 
nach Westen mit erneuertem Aufgang; eine zweite Tür im Anbau. Im 
Inneren liegen die einzelnen Räume an einem Gang, der im Nordflügel an 
der Nordseite, im Ostflügel an der Westseite entlanglauft (durch Zwischen- 
wände nachträglich großenteils zu Stuben ausgebaut). Die Westwand des 
Ostflügels ist gegen den Nordflügel hin als Zwischenwand in unverminderter 
Stärke durchgeführt. Möglicherweise ist diese Tatsache dadurch zu erklären, 
daß im Ostflügel bei dem Neubau von 1724 noch erhebliche Reste von einem 
der 1703 abgebrannten Klosterbauten wieder benutzt worden sind. 

STALLFLÜGEL. 

Der Stallflügel ist heute nur noch zur Hälfte vorhanden. Zweistöckig, 
jedoch niedriger als die Klosterflügel. Erdgeschoß in unverputztem Bruch- 
stein; Obergeschoß in Fachwerk. Neuere Anbauten. 

AUSSTATTUNG DER KIRCHE. 

Farbgebung nach 1900 von Boland, Hildesheim. 

I. Hochaltar (Taf. 29a). H. 9,70 m; B. ca. 6,30 m; T. ca. 1,65 m. 
Linde und Eiche. Bemalung graugrün und weiß. Aufbau in zwei Geschossen 
über der Mensa mit frei vor die Rückwand vorgestellten, gedrehten, blumen- 
umwundenen Säulen und verkröpftem Gebälk. Das Hauptgeschoß ist drei- 
achsig; in der Mitte ein hochrechteckiges Gemälde: Vermählung Mariae; 
H. ca. 2,67 m; B. ca. 1,75 m; Öl auf Leinwand. Schmutzige rötliche und 
graubraune Farben; die Gewänder der Hauptfiguren weiß, blau, ocker. Über 
dem Bild ist das Hauptgesims flachbogig hochgekröpft; davor ein von Tiara, 
Mitra mit Bischofsstab und (zu ergänzen) Fürstenhut bekröntes Wappen 
(durch eine Spitze bis zu einem, vom oberen Schildrand herabhängenden 
flachen Segmentbogen gespalten; aus der Spitze wachsen in das vordere und 
hintere Seitenfeld ein Palmwedel und ein Lorbeerzweig, darunter ein liegendes 
Tier; im Segmentbogen ein sechsstrahliger Stern). Das Wappen wird an 
Tuchgehängen von zwei Engeln gehalten, die auf den segmentförmigen Giebel- 
bruchstücken oberhalb der beiden inneren Hauptgeschoßsäulen liegen und 
außerdem Blumensträuße, ein Brot und eine Weinkanne in den Händen haben. 
Auf einem Schriftband darunter Ps. 95, 6. — In den schräg nach vorn gedrehten 
Seitenteilen halbrunde Nischen, vor denen auf trapezförmig vorspringenden, 
als Reliquienkästen benutzten Sockeln Freifiguren stehen, links der hl. Do- 
minikus (H. ca. 1,96 m; der zu den Attributen gehörige fackeltragende Hund 
jetzt auf dem Kirchenboden), rechts der hl. Thomas v. Aquin. Anschwünge 
aus durchbrochenem Akanthuswerk. — Iin Obergeschoß ein hochrechteckiges 
Mittelbild mit dem Tod des hl. Joseph; Öl auf Leinwand. Joseph liegt halb 
aufgerichtet in der Mitte; beiderseits Christus und Maria, darüber die Hl.- 
Geist-Taube und Gottvater. Farben wie im Hauptbild. Volutenanschwünge. 



GRONAU 103 

Auf dem Deckgebälk oberhalb der Säulen brennende Vasen (eine ist abge- 
nommen). Flachbogiger Giebel mit dem Jehovazeichen im Strahlenkranz. 
Über den Seitenteilen des Hauptgeschosses geschweifte Giebelansätze mit 
Akanthuskämmen. Oberhalb der äußeren Ecksäulen links der hl. Petrus 
Martyr, rechts der hl. Luis Beitran. — Beiderseits des Altares halbhohe, 
schräg nach rückwärts geführte Scherwände wiederum mit geschweiften, durch 
Akanthus verzierten Giebelansätzen und rechteckigen, von Pilastern flankierten 
Türen; darüber auf Konsolen links der selige Papst Benedikt XL, rechts der 
hl. Erzbischof Antonius. — Trommeltabernakel, von gedrehten Säulchen 
umstellt; darüber eine Kuppel mit Rippen aus Akanthus voluten und ein be- 
krönendes Kreuz. Über den vordersten Säulchen zwei Putten. Nachträglich 
eingebauter feuersicherer Schrein. — Auf allen Teilen der Altarwand reicher 
Schmuck an aufgelegtem Akanthus- und Bandelwerk; in den Zwickelfeldern 
der spitzovalen verkröpften Füllungen der Seitentüren die Datierung: Anno 
IJ22. Bauchige Mensa mit Monogramm Christi. Wurmstichig. 

2. Nebenaltar (Taf. 29a), am Choreingang auf der Ostseite. H. ca. 
5,17 m; B. ca. 2,83 m; T. ca. 0,54 m. Linde und Eiche. Bemalung graugrün 
und weiß. Eingeschossiger Aufbau in den Formen des Hochaltares. Zu Seiten 
eines Bildfeldes je zwei gedrehte Säulen und ein kapitälloser Pfeiler ; darüber 
ein verkröpftes Gebälk, das um den segmentbogigen Abschluß des Altarbildes 
verbreitert herumgeführt ist. Flachbogige Giebelansätze. Auf dem Bild der 
hl. Johann Nepomuk, stehend; in Wolken über ihm Putten mit der wunder- 
bar erhaltenen Zunge. Über dem Bild das von Putten gehaltene Wappen der 
Familie v. Niehausen (?) Als Bekrönung über Mitte und Giebelansätzen die 
hl. drei Könige. Vor den Pilastern zu selten des Mittelbildes die Hl. Barbara 
(H. 1,01 m) und Anna (? H. 1,03 m). Tabernakel mit gedrehten Ecksäulen. 
Gebauchte Mensa. Um 1722. 

3. Nebenaltar (Taf. 29a), am Choreingang auf der Westseite. H. 5,18 m; 
B. ca. 2,85 m; T. 0,54 m. Aufbau und Bemalung wie bei Nr. 2. Mittelbild 
mit Madonna auf der Weltkugel. Bekrönungsfiguren : der triumphierende 
Christus, Joseph und Johannes der Täufer. Seitenfiguren: die Hl. Dominikus 
und Therese. Offene Tabernakelnische. Um 1722. 

4. Taufe, an der Ostlängswand. H. 0,97 m (ohne Deckel); c 0,48 m. 
Kessel aus Sandstein, fest in der Wand verankert; achteckig mit gewölbtem 
Boden und senkrechten Wandungen; darauf abwechselnd Puttenköpfe und 
Rosetten; in den Bodenfeldern Blattornamente. Achteckiger Balusterschaft 
mit mehrfach abgesetztem Fuß; gewölbter Deckel mit krönendem Kruzifix; 
Holz. Dunkelbrauner Ölfarbenanstrich (erneuert), i. Viertel 18. Jh. 

5. Kanzel (Taf. 29a), an der Ostlängswand. Tanne mit Nußbaum fur- 
niert; Schnitzwerk Linde, braun gestrichen. Sechseckiger Korb mit vier 
Wandungsseiten (H. 1,29 m). An den Ecken gedrehte Säulchen auf Engelkopf- 
konsolen; die Kapitale sind durch Blütengirlanden untereinander verbunden. 
Breites, weit überstehendes Abschlußgesims, Blattwulst am Wandungsfuß; 
Hängeboden. Auf den Wandunger eingelegte geometrische Figuren und das 
bezeichnete Stifterwappen: J. W. v. Dumpstorf D(rost) z(u) G(ronau) IJ16. 
An der Chorseite ein gerader, durch eine Tür abgeschlossener Aufgang. 
Wandung mit Einlegearbeit, durch geschnitzte Blumenschnüre gegliedert 
und mit einem durchbrochenen Akanthuskamm bekrönt. Auf dem Schall- 
deckel die Evangelistensymbole (der Johannesadler scheint eine große Krone 
zu greifen und emporzutragen; nach einem zweiten, auf dem Boden befind- 



] 04 GRONAU 

liehen Exemplar erneuert?). — Auf der Rückwand zwischen Korb und Schall- 
deckel eingepaßt ein Bild des guten Hirten (Öl auf Leinwand) mit Text 
Joh. lo, 14, Stifterwappen und -namen: J. W. von Dumpstorp und dem Datum 
1720. 

6. Gestühl. Eiche gebeizt, a) Vierundzwanzig Bänke im Schiff. 
Wangen-H. 0,99 m; B. 0,58 m; RT. 0,005 i^i. Schmales Oberteil, symmetrisch 
geschweift und durch Akanthuswerk gerahmt mit schräg aufliegendem Voluten- 
abschluß. In der Mitte ein von Akanthus und Palmetten umgebenes Rund- 
medaillon. Der untere Teil in voller Bankbreite mit einem aus S-förmigen 
Akanthusvoluten gebildeten Umriß, Draperiemotiven, Medaillons usw.; in 
den Einzelseiten jeweils verschieden. Um 1720. b) Zehn Bänke im Schiff 
und auf der Empore. Wangen-H. 1,19 m; RT. ca. 0,01 m. Der schmale obere 
Teil begrenzt durch symmetrische Band- und Akanthusvoluten, darüber zwei 
Adlerköpfe mit Tuchgehängen im Schnabel, oberer Abschluß in Form einer 
Fürstenkrone. ' In der Mitte Blattbüschel und Blütengirlande. Der breite 
Teil unterhalb des in Sitzhöhe befindlichen Blattgesimses ist unsymmetrisch 
geschweift mit Akanthusranken und Löwenpranke; in der Mitte ein Rund- 
medaillon in Lorbeerkranz. In der vordersten Wandung querrechteckige 
Bändel Werkfüllungen ; dazwischen aufgelegte Blumenschnüre. Um 1730. 
Aus dem ehemaligen Benediktinerinnenkloster Haus Escherde nordöstlich 
von Gronau; zusammengehörig mit zehn Bänken, die sich jetzt in der Ka- 
pelle in Klein-Giesen (und Groß -Forste), Landkreis Hildesheim, befinden. 
c) Stuhl, an der Südschmalseite. B. 3,03 m. Die Vorderwandung (H. 1,08 m) 
ist durch Pilaster mit aufgelegten Blumen- Frucht- Schnüren vierachsig ge- 
gliedert. In den hochrechteckigen Füllungen Bandelwerk und Medaillons 
mit den Signen von Jesus, Maria, Joseph und Benedikt. Die in Kopfhöhe 
durch ein schmales Gesims unterteilte Rückwand (H. 2,50 m) ist fünfachsig, 
im unteren Geschoß mit queroblongen verkröpften Feldern, im oberen Ge- 
schoß mit hochrechteckigen gezackten Füllungen und Pilastern, deren Schäfte 
Bandelwerkschnitzerei zeigen. Um 1730. Aus Haus Escherde, d) Chor- 
gestühl, in den Ecken zwischen den Seitenaltären und den Chorwänden. 
H. Brüstung 0,90 m; H. Rückwand 2,75 m. Bemalung weiß und olivgrau. 
Zweireihig. Armlehnen und Klappsitze entsprechend dem mittelalterlichen 
Typus. Die Scheidwände der hinteren Reihe sind mit Akanthus besetzt, 
unten zu einer Vogelklaue, oben zu einem Vogelkopf mit Flügeln ausgebildet. 
Wangenbretter mit Bandelwerk, darin das Jesus- bzw. Mariensignum und 
die Jahreszahl iy28. Die vordere Bankreihe mit mehrfach verkröpften qua- 
dratischen Wandungsfüllungen. Die Rückwand über der hinteren Reihe ist 
entsprechend Nr. 6 c durch Pilaster gegliedert. In den hochrechteckigen, mit 
eingezogenen Rundbogen geschlossenen Füllungen Gemälde von Domini- 
kanerheiligen und -seligen (Öl auf Leinwand; grauer Grund; am unteren 
Rand das Stifterwappen: Schrägrechts balken, Silber auf Rot). Nach den 
Beischriften sind es an dem östlichen Gestühl, angefangen von Norden: 5". 
Raymundus, S. Hyacinthus, S. Ludovicus Bertrandus, S. Antonius archiepiscopusj 
S.Pius quintus p(ontifex) m(axtmus), S.Thomas Aguinas, S. Petrus Martyr, 
St. Dominicus. An dem westlichen Gestühl, entsprechend: B. Nicolaus Hollan- 
dinus, B. Alanus de Rupe, B. Ceslaus, B. Augustinus Luzerinus, B. Benedictus 11 
p(ontifex) m(aximus), B.Albertus m(agnus) episcopus, B. Joan(n)es Germanus 
Gorcomiensis, S. Vincentius Ferrerius. — In der Sockelzone der Rückwand 
durchbrochen geschnitzte, aufgelegte Akanthusstreifen; vor den Pilastersockeln 
Akanthusvoluten mit Putcenköpfen (Linde). Der ganze obere Teil der Rück- 
wand erscheint altertümlicher als das Gestühl darunter, um 1700. 



GRONAU 105 

7. Empore, vor der Südschmalseite. H. 4,32 m, Tanne, braun ge- 
strichen. Auf zwei durch einen Korbbogen miteinander verbundenen Holz- 
pfeilern. Brüstung und Treppenwandung mit balusterförmigen bzw. un- 
symmetrisch geschweiften Brettdocken. 2. Viertel 18. Jh. 

8. Orgel (Taf 28a), auf der Empore. Prospekt. H. 5,84 m; B. ca. 4,50 m; 
T. ca. 3,60 m. Tanne, Eiche und Linde (Schnitzwerk), weiß und grünUchgrau 
gestrichen. Hauptwerk fünfachsig, nach der Mitte zu treppenförmig an- 
steigend. Der Mittelturm und die Ecktürme polygonal, die zweigeschossigen 
Zwischenachsen dreieckig vorspringend. Akanthusschleier und -anschwünge; 
vor den Trennungsstegen zwischen den Achsen Blütenschnüre. Rückpositiv 
innerhalb der Emporenbrüstung, dreiachsig mit überhöhter, leicht vorge- 
wölbter Mitte und dreieckig vortretenden Seiten, Akanthusschleiern und 
Anschwüngen in Form geflügelter Puttenköpfe. Über der Mitte ein putten- 
gehaltenes Wappen der Familie v. d. Malsburg; unter dem Mittelteil das 
gleiche Wappen wie am Altar. SeitHcher Spieltisch. Um 1720. — Gleich- 
zeitiges mechanisches Werk mit zwei Manualen und achtzehn klingenden 
Registern; Manual I: Prinzipal 8', Bordun 8', Oktav 8', Rohrflöte 4', Har- 
monieflöte 8', Oktav 2', Mixtur 4fach, Gamba 8', Quintaton 8'; Manual H: 
Prinzipal 4', Liebhch gedackt 8', Salizional 8', Aeohne 8', Gedackt 4', Geigen- 
prinzipal 8'; Pedal: Bordun 8', Prinzipal-Baß 8', Subbaß 16'; Kaikant, Pedal- 
koppel, Manualkoppel. In der 2. Hälfte des 19. Jhs. ist das Werk anscheinend 
stark restauriert worden. — In der Südostecke der Empore die Bälgekammer, 
die durch halbhohe, mit Leinwand bespannte Wände umschlossen wird. 
Darauf unter der heutigen, teilweise wieder abgeblätterten Kalktünche zwei 
Passionsszenen (H. 2,29 m; B. 3,37 m; Ölmalerei). 

9. Chorschranken mit Balustern. Holz, graugrün und braun gestrichen. 
Anfang 18. Jh. 

10. Beichtstühle, an der östlichen und westlichen Längs wand. H. 
2,54 m; B. 2,40 m; T. 0,90 m. Holz, dunkelbraun gebeizt. Kastenförmiger 
Aufbau mit horizontalem Decksims und mehrfach abgestufter Attika. Zu- 
gänge von der Seite. 2. Viertel 19. Jh. 

11. Windfangvorbau vor der Südtür. H. 2,50 m; B. 2,98 m; T. 0,65 m. 
Eiche gebeizt. Gegen den Hauptaltar hin durch korinthische Pilaster in drei 
Achsen gegliedert; in der mittleren Achse eine rundbogige Tür. i. Hälfte 
18. Jh. 

Plastik. 

12. Kreuzigungsgruppe, in der Sakristei, bestehend aus dem Kreuz, 
H. 2,22 m, Tanne, mit aufgemaltem Korpus (Ölfarbe), Maria, H. 1,13 m (ein- 
schließlich des Sockels) und Johannes, H. 1,14 m. Beide Figuren Eiche; 
der Kruzifixus ist in den Kreuzumriß vollständig eingepaßt. Das Kreuz ist 
schwarz gestrichen; auf der Rückseite anscheinend Befestigungsspuren eines 
ehemaligen plastischen Korpus (Dübellöcher). Maria und Johannes sind neu 
in Weiß und Gold bemalt. 3. Viertel 18. Jh. 

13. Kruzifix, im Chor. Gesr,mt-H. 2,56 m; Korpus-H, 1,12 m; B. 
0,52 m. Eiche, weiß bemalt. Kreuz und Sockel Tanne; unter der heutigen 
braunen Farbschicht Spuren der ehemaligen Bemalung in Grau und Gold. 
Ende 18. Jh. 

14. Kruzifix, leihweise in der neuen katholischen Kirche in Burgdorf, 
nördlich von Hannover. Korpus-H. ca. 1,50 m. Linde. Anfang 19. Jh. 
Naturalistisch geflochtene Dornenkrone; Kreuz und Bemalung neu. 



106 GRONAU 

15. Pieta (Taf. 29c), an der Westchorwand auf hohem, rechteckigem 
Sockel unter einem geschnitzten Baldachin. Figuren-H. 0,66 m. Eiche; voll- 
rund; Rückseite unbearbeitet. Um 1490. Bemalung 1935 erneuert. Bal- 
dachinaufbau. Holz, Bemalung grau, weiß, gold. 18. Jh. 

16. Pieta, in einer Wandnische im Chor. H. 0,49 m. Linde; Bemalung 
weiß, erneuert. Maria kniet, der Leichnam liegt über ihrem aufgestellten 
rechten Knie. Mitte 18. Jh. Hände Christi und linker Fuß stark beschädigt, 
rechter Fuß abgebrochen. Wurmfraß. 

17. Maria mit Kind auf der Mondsichel, auf Konsole vor der west- 
lichen Emporenstütze. H. 1,22 m. Linde. Bemalung weiß mit Gold. Mitte 
18. Jh. Leichte Beschädigungen. 

18. Hl. Johannes Nepomuk, Gegenstück zu Nr. 17. H. 1,14 m. Leicht 
beschädigt. 

19. Hl. Dominikanermönch; auf dem Boden. H. 1,14 m. Linde; 
Bemalung schadhaft. Jugendlich; in der linken Hand Buch und Palme, in der 
rechten einen Kreuzstab. Anfang 18. Jh. Leicht beschädigt. 

20. Zwei Engel, ebendort. H. 0,73 0,74 m. Linde. Stark beschädigt. 
I.Hälfte 18. Jh. Ehemals zum Hochaltar gehörig? 

Gemälde, an den Wänden der Kirche (ausgenommen Nr. 23). Öl auf 
Leinwand. 

21. Sechs Szenen aus der Heilsgeschichte, a — e H. 2,37 m; B. 
1,92 m; f H. 2,60 m; B. 1,71 m. Kräftige Farben, rot, blau, grün; verschmutzt. 

a) Verkündigung. Stifteraufschrift in Form eines Chronostichons für das 
Jahr 1719: VIrglnl ab angeLo saLVtatae ponebat laCobVs DIerMan 12 May. 

b) Christi Geburt mit Hirten und Hirtinnen. Chronostichon 1719: lesV 
InCarnato posVIt laCobVs DIerMan. c) Hl. Familie auf der Wander- 
schaft. Stifter: Wilhelmus Adolphus Schaefer Anna Sophia Eleonora Mantel 
Anno IJ18 23. Juni, d) Gethsemane. Stifterinitialen: F.N.H. o(rdinis) 
p(raedicatorum) ij20. e) Kreuztragung, mit Joseph von Arimathea und 
Veronika. Stifterinitialen: F.L.M. o(rdinis) pfraedicatorum) ij20. Hori- 
zontalriß durch die Gestalt Christi, f) Kreuzigung. H. 2,60 m; B. 1,71 m. 
Vor der Szene die beiden Stifter in Allongeperücken und Küraß, der linke 
betend, der rechte auf den Gekreuzigten weisend. Zwischen ihnen das kom- 
binierte Wappen: v. Dumpstorff — v. Schungel (?) mit der zweifach die Jah- 
reszahl 1730 enthaltenden Unterschrift: lesV sVo CrVCIfIXo et MatrI Del- 
parae posVIt FranCIsCVs AntonIVs a DVMpstorf Satrapa GronaVIensIs natus 13 
Sbris i6jj denatus 77 CD (s. Nr. 36). 

22. Der gute Hirte; s. Nr. 5. 

23. Schmerzensmann, an der Altarrückwand. H. 0,80 m; B. 0,61 m. 
Mitte 19. Jh. (?). 

24. Christi Leichnam, von Engeln beweint. H. 0,99 m; B. 1,67 m. 
Die Engel sind als Halbfiguren sichtbar. Anfang 18. Jh. 

25. Beweinung. H. 0,887 "^j ß- I3635 m. Komposition von Nr. 24, 
bereichert durch Maria und die Halbfiguren von Joseph und Magdalena. 
Anfang 18. Jh. Links ein Loch in der Leinwand. 

26. Pieta. H. 0,78 m; B. 0,907 m. Christus an der Erde liegend, der 
Oberkörper gegen das Knie der sitzenden Maria gelehnt. 18. Jh. 

27. Pieta. H. 0,98 m; B. 0,76 m. Christus auf Mariens Schoß. 18. Jh. (?). 
Sehr verschmutzt. 



GRONAU 107 

28. Petrus. H. 0,82 m; B, 0,61 m. Halbfigur. Mitte 18. Jh. 

29. Magdalena. Gegenstück zu Nr. 28. Stifterinitialen: F. Hy. W. 
(rdinis ) p (raedicatorum ) . 

30. Hl. Johannes Nepomuk. H. ca. 2,85 m; B. ca. 1,68 m. Ganze 
Figur. I. Hälfte 18. Jh. 

31. Hl. Antonius v. Padua. H. 1,37 m; B. 1,67 m. Erscheinung des 
Jesusknaben. 18. Jh. 

32. Hl. Hyazinthus. H. 1,42 m; B. 1,07 m. In einem Zimmer auf 
Wolken stehend mit Monstranz und Marienstatuette. An den roten Vor- 
hängen in den oberen Ecken Putten mit Kerze und Glöckchen. Ausblick auf 
eine brennende Kirche, i. Hälfte 18. Jh. 

33. Papst Pius V. H. 1,44 m; B. 0,94 m. Der Papst kniet an einem Altar; 
links Ausblick auf das Meer. Namensaufschrift in einer von Putten gehaltenen 
Kartusche am unteren Rand; oben das Wappen, i. Hälfte 18. Jh. 

34. Tod einer hl. Äbtissin. H. 1,84 m; B. 2,86 m. Die Heilige sinkt 
auf ein schräg in die Tiefe gestelltes grün bezogenes Lager. Sieben assistie- 
rende Schwestern. Über der Sterbenden Engelchen mit Rosenkranz; links 
oben Halbfigur des kreuztragenden Christus, auf den die Seele in Gestalt 
einer Taube zufliegt (Beischriften: Coronaberis und veni columba med), i 8. Jh. 
Schlecht erhalten. Anscheinend aus Haus Escherde. 

Grabsteine. 

35. Johann Wilhelm v. Dumpstorf, * 1647, I3- V., f 1726, 25 Jahre 
Amtmann in Gronau. In der östlichen Chorwand zu Seiten des Hochaltars; 
ehemals vor den Stufen des Altares. H. 1,89 m; B. 0,84 m. Sandstein. In 
der Mitte in gestreckt-achteckigem, vertieftem Feld das Wappen; in den 
Ecken entsprechend, nur kleiner die bezeichneten Wappen v. Dumpstorf, 
V. Groll, V. Carthusen, v. Roer. Lateinische Umschrift in ausgesparter Kapitale. 

36. Franz Anton Frhr. v. Dumpstorff, churkölnischer Kämmerer 
und Amtmann in Gronau, f 17433 5- H. im 66. Lebensjahr. In der westlichen 
Chorwand innerhalb eines Sakristeischrankes, ehemals vor den Stufen des 
Hochaltares. H. 1,85 m; B. 0,90 m. Sandstein. In der oberen Hälfte inner- 
halb eines vertieften, querachteckigen Feldes das Wappen; darunter in hoch- 
rechteckigem Feld mit abgeschrägten Ecken die lateinische Inschrift in aus- 
gesparter Kapitale. 

37. Georg Theodor v. Türck, f 1761, In der westlichen Schiffswand 
zu Seiten des Nebenaltares. H. 1,53 m; B. 0,90 m. Rechteckige Glanzstuck- 
platte mit Holzrahmen. Das durch weiße Streifen eingefaßte Schriftfeld ent- 
hält oben ein weißgrundiges Quadrat mit dem Wappen, daneben zwei Kreuze, 
darunter in Kapitale Sinnspruch und Name: .... fui Ambtmannus satrapiae 
Gronaviensis annis XLI; dictus Georgius Teodorus de Türck parentibus d(omino) 
Joanne Bernardo de Türck patricio Hannoverano ; matre d(omi)na Maria de 
Freybergen Beroliniensi, natus 1701 denatus XII Oct. ij6i. Rfequiescat) i(n) 
p(ace); Todessymbole. 

38. Johanna Maria Antonetta Klöpper, geb. Affelen, Witwe des 
fürstlich hildesheimischen Amtsschreibers zu Ruthe, Conrad Joseph Klöpper, 
* Hildesheim 1715, 15. HI., t Gronau 1793, 4. IX. In der östhchen Schiffs- 
wand zu Seiten des Nebenaltares. H. 1,55 m; B. 0,88 m. Sandstein. Inschrift 
in erhabener Kapitale innerhalb eines mäanderumzogenen Feldes. Schrift 
und Mäander vergoldet, Grund geschwär/iL 



108 GRONAU 

39. Kronleuchter, unter der Empore. H. ca. 0,97 m; ca. 0,90 m. 
Messing. Zwölf S-förmig herabgebogene, sechseckige Arme mit Aststücken 
in zwei Kränzen. Über den mittleren Astsrücken Aufsätze in Form von Knäufen 
mit Flammenspitzen. Zwischenvoluten mit Lilienblüten. Spindel mit Knäufen; 
Doppeladler; gestreckte Kugel, i. Hälfte 18. Jh. 

40. Vier Blaker, in der Sakristei, unbenutzt. Messing. Hochovaler 
Schild. H. 0,34 m; B. 0,24 m. Anfang I9-Jh- 

41. Zwei Wandarme, an der Empore. T. 0,29 m. Schmiedeeisen. 
I.Hälfte 18. Jh. 

42. Zwei Wandarme, auf dem Boden. Entsprechend Nr. 41. 

Altargerät. 

43. Monstranz (Taf. 31c). H. 64 cm; B. 33,5 cm. Silber, Vergoldung 
erneuert. Querovaler Fuß mit getriebenen Fruchtbüscheln, Akanthusvoluten 
und Akanthusrösetten (letztere teilweise in vier- und fünfpaßförmigen Me- 
daillons). Leicht geschweifter Rand. Balusterschaft mit Hüllblättern am 
Ansatz. Kugelnodus mit drei fliegenden, Bänder haltenden Putten zwischen 
Akanthusvoluten. Eiförmiger Strahlenkörper, davor eine symmetrisch ge- 
schweifte, getriebene Platte mit Volutenrahmen und krönendem Baldachin. 
Gerauhter Grund; unterhalb der Schaukapsel ein taschenförmiges Feld mit 
einer Emmausdarstellung, oberhalb davon ein von Engeln gehaltenes Kreuz. 
In den konkaven Einschwingungen des Umrisses anbetende Engel, darüber 
Blumenvasen. Glatte Rückplatte. Am Fuß das v. Bennigsensche Wappen; 
im Boden in Kapitale: Jodocus Christophorus a Bennigsen ex Gronau, ecclesiae 
Cathedralis Hildesiensis canonicus, Anno 1734. Hildesheimer Beschau (ver- 
drückt); Meister CHS (Liste I, 17). 

44. Kelch (Taf. 25 d). H. 20,8 cm; 14,6 cm. Silber, Vergoldung er- 
neuert. Sechspaßfuß; birnförmiger Nodus. Beide Teile sind ebenso wie 
die untere Hälfte der Kuppa mit silbernem Akanthuswerk belegt. Unter dem 
Fuß in Cursive: Post incendium 1703 dedit Vic(ariae) Gron(aviensi) P.F. 
a Götten p(ro) t( empöre) vic(arius) 1710 imo ^bris. Hildesheimer Beschau 
1705, Meister PIS (Liste I, 11). — Patene. 15,8 cm. 

45. Kelch. H. 22 cm; 16 cm. Silber, Vergoldung erneuert. Sechspaß- 
fuß, sechseckiger Birnnodus. Unter dem Fuß eine nur mehr bruchstückhaft 

lesbare Cursiv- Inschrift: . . . Cathe ecclesiae Hildes: 1722; dazu 

ein bekröntes Wappen mit aufrecht stehendem sechsblättrigen Zweig. Stempel 
verdrückt: Hildesheimer (?) Beschau (17)0(5); Meister (PI)S? (Liste I, 11). 
Die Kuppa ist anscheinend erneuert (19./20. Jh.). — Patene. 13,9 cm. 

46. Kelch. H. 19,3 cm; 14,3 cm. Silber, Vergoldung erneuert. Runder 
Fuß mit einem durch geschweifte Riefungen gegUederten Ansatzwulst. Birn- 
förmiger Nodus. Hildesheimer Beschau 1705, Meister I M H (Liste I, 20). 
Mitte 18. Jh. —Patene. 15,2 cm. 

47. Ziborium (Taf. 30a). H. 25,3 cm; 15 cm. Silber, Vergoldung 
erneuert. Sechspaßfuß. Gedrungener birnförmiger Nodus. Breit ausladender, 
steilwandiger Gefäßkörper in durchbrochenem Akanthuskorb. Deckel mit 
krönendem Knauf und Kreuz; am Ansatzwulst ein aufgelegter Akanthuspal- 
mettenfries. Die Akanthusdekoration ist nicht vergoldet. Beschauzeichen 
verdrückt: Ein nach links springendes Tier mit auf den Rücken gelegtem 
Schwanz; Meisterzeichen: Der atzende, flügelschlagende Pelikan mit den 
Initialen ... K (Liste I, 24). Um 17 10. 



GRONAU 109 

48. Hostienbüchse. H. 7,9 cm; 8,4 cm. Zinn. i. Hälfte 19. Jh. 

49. Wein- und Wasserkännchen, H. ca. 8,4 cm, mit zugehörigem 
ovalen Tablett, L. 25 cm; B. 16,5 cm. Zinn. Zwei Engelstempel mit den 
Initialen A R, dazwischen der Meistername A. Rüdiger (Liste H, 24). i. Hälfte 
19. Jh. 

50. Drei Tabletts, a, b) Zinn. Mitte 18. und Anfang 19. Jh. c) 
Silber. Stempel: Meyer, Feingehaltszeichen 12 (Liste I, 28). Mitte 19. Jh. 

51. Gefäß für die hl. Öle. H. 3,9 cm; B. 6,2 cm. Silber. Kleeblattform 
mit senkrechten Wandungen. Auf dem Deckel die Bezeichnung der ver- 
schiedenen Öle. Hildesheimer Beschau 1705, Meister JPW (Liste I, 10). 
Mitte 18. Jh. 

52. Gefäß für diehl. Öle. H. 7,8 cm; 14,2:9,3 cm. Messing, i. Hälfte 
19. Jh. 

53. Rauchfaß (Taf. 3id). H. 21 cm; 13,3 cm. Silber. Steilwandig 
gebauchte Form. Becken auf rundem Fuß, im unteren Teil durch Vertikal- 
riefen geghedert; am oberen Rand ein gravierter Akanthuspalmettenfries. 
Deckel mit durchbrochenen Akanthusranken und Puttenköpfen, bekrönt von 
einer durchbrochenen zylindrischen Laterne. Stempel an der Halteplatte 
der Ketten (sehr undeutlich): Hildesheimer Beschau, Zeitzeichen A, Meister 
E(bel)s. Anfang 18. Jh. 

54. Rauchfaß. H. 28,4 cm; 12 cm. Messing. Schrägwandiges pro- 
filiertes Becken. Spitzer durchbrochener Deckel mit krönendem Doppelkreuz, 
anscheinend älter als das Becken. 18. und 19. Jh. 

55. Weihrauchschiffchen. H. ca. 6 cm; L. 10,3 cm. Silber. Hildes- 
heimer Beschau (halb abgeschnitten vom Rand); Zeitzeichen A; Meister 
Ebels, — Löffele he n mit gleichem Meisterstempel und der Feingehalts- 
marke 12. Anfang 18. Jh. 

56. Altarkruzifix. Gesamt-H. 50,5 cm; Korpus-H. 11,3 cm. Holz 
und Elfenbein. Gebauchter Sockel mit verglaster Reliquiengrube und mehr- 
fach abgestuftem Aufsatzbrett. Kreuz mit Kleeblattendigungen. Bemalung 
grün und gold. Finger und rechter Oberarm des Korpus beschädigt. Mitte 
18. Jh. Typus der Kruzifixe in Groß-Förste und Ahrbergen, Landkreis Hildes- 
heim. 

57. Altarkruzifix, Sakristei. Gesamt-H. 60,9 cm. Korpus-H. 17 cm. 
Linde. 2. Hälfte 18. Jh. Bemalung erneuert. Am Kreuzesfuß ehemals 
ein Totenkopf (?); der Titulus fehlt. 

58. Kruzifix, auf der Kanzelbrüstung. Gesamt-H. 80 cm; Korpus-H. 
ca. 30 cm. Holz; neu bemalt. Typus von Nr. 57. 18. Jh. 

59. Drei Paar Altarleuchter. H. 85,5/84/77,5 cm; B. 26/25 '23,5 cm. 
Holz, neu versilbert. Dreifuß aus Akanthusvoluten auf Kugeln. Balusterschaft 
mit Mittelring; kelchförmiges Kopfglied; beide Teile mit Akanthusblättern 
verkleidet. Anfang 18. Jh. 

60. Drei Paar Altarleuchter. H. 31,7 cm; B. 16,5 cm. Messing. 
Dreifuß aus kugelhaltenden Tierklauen; auf den Seitenmitten geflügelte Putten- 
köpfe und Blattornamente, gegossen und nachziseliert. Balusterschaft mit 
Zwischenringen. An dem tiefen Teller in Kapitale: aj Anton Wilhelm Bruns 
1689; b) Mattias Rammaker 1689; c) Cordt Hube 1689, 

61. Zwei Paar Altarleuchter. H. 62,558,3 cm; B. 18,1 17,3 cm. 
Zinn. Quadratische Fußplatte mit rundem, gewölbten Aufsatz; zylindrischer 
Schaft. Um 1800. 



110 GRONAU 

62. Ewige Lampe, auf dem Boden. H. 25 cm; ca. 21 cm. Messing. 
Mitte 19. Jh. Unvollständig. 

63. Weihwasserkesselj in der Sakristei. H. 23,8 cm; z 30,5 cm (oberer 
Rand). Messing. Gebauchte Form. Antonienus Rademacher in Gronau, Anno 
1787. 

64. Weihwasserkessel, im Schiff. H. 17.,! cm; z ca. 23,5 cm. Messing. 
Niedrige Eimerform. i. Hälfte 19. Jh. 

Meßgewänder. 

65. Eine vollständige Kapelle. Kasel-H. 1,06 m. Rosa Seidenbrokat. 
Muster, weiß und silbern: In wechselnder dicht gedrängter Reihung groß- 
blättrige Pflanzenbüschel vor lyraförmigen Spitzenstreifen und hochsten- 
gelige Blattgewächse mit Fächerblüten. Lachsrotes Leinenfutter. Mitte 
I 8. Jh. Brustsejte der Kasel abgenutzt. Am Pluviale Stoß und Kappa erneuert 
(weiße Seide mit Goldranken); ebenso das Futter. 

66. Eine vollständige Kapelle. Kasel-H. 1,08 m. Grüner Seiden- 
brokat; Muster: Blattgirlanden mit Fruchttrauben vor zickzackförmigen 
Querstreifen aus gedrehten Spitzen; dazwischen Fächerblüten. Farben gold 
und weiß, lachsrosa, gelbgrün, hellblau. Mitte 18. Jh. 

67. Kasel. H. i m. Dunkel-olivbrauner Rips. Über erhabener, rauten- 
förmiger Grundmusterung gitterartige Blattrankeri mit Chrysanthemen in 
leuchtend bunten Farben. Kreuz und Bruststreifen einfarbig dunkelgrün. 
Futter erneuert. Anfang 19. Jh. Zubehör vorhanden. 

68. Kasel. H. 1,16 m. Weiße Seide mit applizierten Goldranken und 
Jesussignum. A. E. Dreyer. Mitte 19. Jh. 

69. Kasel. H. 1,05 m. Rote Seide mit applizierten Goidranken und 
Pfingstmedaillon. Gleichzeitig. 

70. Pluviale. H. 1,47 m; B. 3,08 m. Dunkelgrüner Seidenbrokat. Muster: 
kleinblütige Blumenranken in zwei miteinander verwachsenen Wechselreihen; 
Farben weiß und rosa. Kappa und Stoß aus weißem Seidenbrokat mit großen 
nelkenartigen Blumen. Ende 18. Jh. Rot- weiße Fransen erneuert. 

71. Banner. H. ca. 73 cm; B. ca. 68 cm. Weiße Seide auf weißem Leinen- 
grund. Gestickte Zeichnung: In der Mitte das Jesussignum in einem Kranz 
von Rosenranken. Einzelblumen in den Ecken und am Rande. Farben gelb, 
hellgrün, braunrot, hellblau. Unter dem Kranz das v. Bennigsensche Wappen 
mit der Jahreszahl 1734. Silberne aufgenähte Zwischenrosetten; längs des 
Randes Rankenfries, goldene Spitzenborte, Fransen (erneuert). Teilweise 
zerschlissen. An Stelle des ursprünglichen grünen Seidenfutters roter Seiden- 
samt mit aufgenähten Ornamenten (i. Hälfte 19. Jh.). 

72. Andachtskästchen und -tafeln, in einer Nische der östlichen 
Chorlängswand und in der Sakristei. Pappe; vorn verglast. Den Mittelpunkt 
bilden zumeist kleine aquarellierte Heiligenbildchen und Reliquiensäckchen. 
Das hauptsächliche Dekorationsmotiv sind ausgeschnittene und auf den weißen 
oder blauen Papiergrund aufgeklebte Stoffblumen oder gesponnene Blumen. 
Papp-, Holz- oder Glasrahmen. 18. Jh. Wohl sicher aus dem benachbarten 
ehemaligen Benediktinerinnenkloster Haus Escherde, a, b) H. 0,29 m; B. 
0,25 m (Taf. 28b). Rundbogig. In der Mitte die Hl. Scholastika (?) und 
Eleonora. c, d) H. 0,337 m; B. 0,27 m. Rechteckig. In der Mitte die hl. 
Familie und die hl. Scholastika. e, f) H. 0,32 m; B. 0,37 m. Rechteckig. In 
der Mitte eine Wachsoblate mit Umschrift: 5. Scholastica vir(go) Bened(ictus) 



GRONAU 111 

XIII Pon(tifex), M(aximus) und ein Agnus-Dei- Wachsrelief, g) 0,12 m. 
Rund. In der Mitte langbärtiger Heiliger vor dem Christuskind, h) H. 0,33 m; 
B. 0,24 m. Rechteckig. In der Mitte ,^ein wahr hoff ter Particul des h. Creutzes 
Christi". Darunter vor einem Bogenfeld mit großem gemalten Herzen Nonnen 
mit Herzen in den Händen an einem Springbrunnen; beiderseits zwei Hirsche 
(Ps. 42j 2), der hl. Franz und die Ölbergszene (die Figuren sind aus Papier 
ausgeschnitten und bemalt, Springbrunnen und Hirsche sind aus Glas). 

73. Zwei Reliquienglaskästen mit Arm- und Schädelrehquien. In 
einer Wandnische im Chor. H. 0,68 m. 18. Jh. 

74. DreiAntependienzu Allerseelen für den Hochaltar und die Neben- 
altäre. H. 1,18/0,98 m; B. 3,30 1,78 m. Öl auf Leinwand; schwarze Holz- 
rahmen. Vor einem als Altarbehang charakterisierten schwarzen Grund ein 
rundes Mittelbild zwischen Totenköpfen und Knochen. Im Rund auf den 
Nebenantependien a) der Tod auf dem Friedhof, darüber der Spruch estote 
parati (Luk. 12, 40); b) eine Seele im Fegfeuer mit Miserere-Spruchband; 
oben in einer Glorie Kelch und Hostie von Engeln auf Wolken verehrt. Auf 
dem Hauptantependium der über Gräber schreitende, segnende Heiland; 
Spruch: Ego sum resurrectio et vita (Joh. 11,25). — Zugehörig zwei obehsk- 
artige Bretter zum Aufstellen auf dem Altar. H. 1,16 m; B. unten ca. 0,31 m. 
Bemalung schwarz mit weißen Totenköpfen. 18. Jh. 

75. Vortragekruzifix (?). Kreuz-H. 1,31 m; Tanne, schwarz gestrichen; 
Korpus-H. 0,46 m; Linde; Bemalung erneuert. Anfang 18. Jh. Ohne 
Tragstange. 

76. Vortragekruzifix. Holz. Korpus-H. 0,37 m; Linde; Bemalung 
erneuert. Ende 17. Jh. Leichte Beschädigungen. 

77. Vortragekruzifix. Korpus-H. 0,17 m. 18. Jh. Bemalung, Kreuz 
und Tragstange 19. Jh. 

78. Zwei Paar Prozessionsfahnenstangen. 18./19. Jh. 

79. Prozessionsfigur: Maria mit dem Jesusknaben. H. 1,09 m. 
I.Hälfte 18. Jh. Bemalung und Gewandstoffe erneuert (i9- Jh.) mit alten 
Silber- und Goldborten. Silberne Kronen mit Hildesheimer Beschau 1705 
und Meisterstempel CHS (Liste I, 17). Außer Gebrauch. — Unter dem 
Schmuck a) silberne Medaille des Bischofs Wilhelm Anton von Paderborn 
mit Landes- und Famihenwappen und Bild des hl. Liborius 1767. b) Goldene 
Medaille mit Christuskopf (Legende Joh. 14, 6) und Erbärmdechristus 
(Legende Es. 53, 5); um 1600 (Taf. 26b). 

80. Schrank, in der Sakristei. Holz, graugrün gestrichen, i. Hälfte 
19. Jh. 

81. Glocke. 0,57 m. Am Hals in Kapitale Gießerinschrift des Echardt 
Christoph Becker in Hildesheim und ein Chronostichon für das Jahr 1720: 
Bonitas DIVIna et Christiana Me CVrarVnt. MI sanCte losephe qVI fVIstI 
CVrator esto Defensor ff: (fratrum) praedicatorum Gronaviae. Auf der Flanke 
Kruzifix und hl. Joseph. 

82. Zwei Glocken, H. Humpert, Brilon. 1926. 

83. Uhr. In den Hauptteilen Schmiedeeisen. Mitte I9-Jh. (?). 

AUSSTATTUNG DER PFARRWOHNUNG. 

Gemälde, teilweise im Flur aufgehängt, teilweise abgestellt; letztere zu- 
meist recht verschmutzt. Öl auf Leinwand. Leichte Beschädigungen. 



112 GRONAU 

Einzelne Heilige, abgesehen von Nr. 6 — 9 auf einer Kartusche oder 
einem Spruchband bezeichnet. Nr. i — 6 in ganzer Figur stehend; Nr. 7 — 9 
halbfigurig. Am unteren Bildrand mehrfach die Stifterinschrift bzw. die 
Stifterinitialen (o. p. — ordinis praedicatorum;. Nr. i — 4 gehören zusammen: 
H. 1,67/1,70 m; B. 1,10/1,13 m. 

1. Hl. Petrus Martyr. F. M. Sarges 0. p. 1737. 

2. Hl. Papst Pius V. F.B.O. o.p. 1737. Die Namensaufschrift bildet 
ein entsprechende Chronogramm. 

3. Sei. Heinrich Seuse. F.N.H. o.p. p.p. 1737. 

4. Sei. Simon von Rimini (f 1319). F. M. S(arges) o.p. 1737. 

5. Hl. Ludwig Bertrandi (1526—81). H. 1,68 m; B. 1,15 m. F.B.B. 
1748. 

6. Hl. Johann Nepomuk. H. 1,03 m; B. 0,77 m. i. Hälfte 18. Jh. 
Auf der Rückseite ältere Eigentümer vermerke. 

7. Hl. Thomas von Aquin. H. 0,637 m; B. 0,53 m. Sitzend, i. Hälfte 
18. Jh. 

8. Hl. Dominikus. H. 0,79 m; B. 0,615 ^i- i. Hälfte 18. Jh. 

9. Greis mit entblößtem Oberkörper. H. 0,72 m; B. 0,57 m. Vollbärtig; 
mit der Linken in ein Buch greifend, die Rechte lehrend erhoben. Um die 
linke Schulter hängt ein Schwert? 

Darstellungen szenischen Charakters. 

10. Dominikanische Legende. H. 1,43 m; B. 1,085 "i- Maria steht 
als Himmelskönigin in Wolken zwischen der hl. Katharina und der hl. Maria 
Magdalena. Sie hält vor sich eine entfaltete Papierrolle mit dem Bild eines 
Dominikanerheiligen. Davor kniet auf einer Altarstufe ein anderer Domini- 
kanerheiliger. Am Boden Notenbuch und Meßnerglöckchen. In den oberen 
Ecken Vorhänge von Putten zurückgeschlagen, i, Hälfte 18. Jh. 

11. Hl. Albericus Ildus Cistercii ahhas . . . H. 1,81 m; B. 1,265 ^i- I^^r 
Heilige erhält stehend von der in Wolken erscheinenden Mutter Gottes die 
Kutte. Nebenszenen rechts der Heilige im Gebet vor Maria, links der Heilige 
sich geißelnd. Text am unteren Rand. Ohne Rahmen, i. Hälfte 18. Jh. 

12. Hl. Antonius Eremita. H. 1,70 m; B. 1,13 m. Der Heilige kniet 
in Landschaft vor einem Kruzifix. Neben ihm liegt das Schwein. Text am 
unteren Rand. Ohne Rahmen, i. Hälfte 18. Jh. 

13. Der Engel mahnt den hl. Joseph zur Flucht nach Ägypten. 
H. 1,65 m; B. 1,088 m. Rechts Joseph auf einem in die Tiefe gestellten Bett, 
von dem Engel geweckt; im Hintergrund Maria, die vor dem Jesuskind kniet. 
Aus dem Munde des Engels kommen die Worte Matth. 2, 20. B. I. H. 0. p. 
dedit a(nn)o 1735. Schrift unten rechts wie oben, wohl nachträglich. 

14. Hagar in der Wüste. H. 1,33 m; B. 1,723 m. Tallandschaft mit 
Baumkulisse links, Ausblick auf eine bergige Ferne rechts. Im Vordergrund 
sitzt Hagar mit einem umgekehrten Wasserkrug neben sich, links vor ihr steht 
der Engel, der auf einen kleinen Bach zeigt. Im Mittelgrund liegt das Kind 
Ismael. Um 1700. 

Bildnisse, außer von Heiligen. Halbfigurig. 

15. Bischof Clemens August von Hildesheim. H. 0,804 m; B. 
0,612 m. Um 1730. 



GRONAU 113 

i6. Ein Herr v. Dumpstorff (s. Kirchenausstattung Nr. 5, 21 f). H. 
0,966 m; B. 0,802 m. In Küraß und Allongeperücke. Oben links das Wappen. 
I. Viertel 18. Jh. 

17. Bonifacius B q nl\ t r, praepositus Escherdensis. H. 0,71 m; B. 0,60 m. 
Namensunterschrift mit Lebensdaten (* 1734, f 1802). 

18. Vier unbekannte Geistliche (ein Bischof). Mitte 18. Jh. 

19. Ziborium; Eigentum der Savignystiftung. H. 29,1 cm; o Fuß 10,7 cm. 
Silber vergoldet. Sechspaßfuß, in konkavem Anschwung in den Schaft über- 
geführt. Dünne Nodusplatte. Auf dem Schaft sechseckiges Behältnis in Kasten- 
form. Spitzer, konkav eingezogener Klappdeckel mit bekrönendem Kreuz. 
15. Jh. Moderner Einsatz im Gefäßkörper. Vergoldung barock erneuert? 

20. Kruzifix (Taf. 29b). Korpus-H. ca. 31,2 cm; B. ca. 27,6 cm. Buchs- 
baumholz. Braun übermalt. Muskulöser Körper mit verhältnismäßig schwachen 
Armen. Kopf gesenkt mit halb geöffnetem Mund. Das Lendentuch ist zwischen 
den Beinen durchgezogen; schmale, leicht gewellte Faltengrate; rechts ein 
abflatternder Gewandzipfel. Sehr fein geschnittene Detailformen. Einzelne 
Finger und Zehen sind abgebrochen. Kreuz-H. ohne den modernen Eichen- 
holzsockel 77 cm. Holz. Bemalung schwarz erneuert. Langer Querbalken, 
kurzes Oberteil. Am Schnittpunkt beider Balken auf der Rückseite die in Weiß 
aufgemalte Jahreszahl 15 12 (die 5 verletzt), die stilistisch aber nicht möglich 
ist. Das Corpus ist wahrscheinUch eine archaisierende Arbeit der 2. Hälfte 
des 17. Jhs., das Kreuz gleichzeitig. 

21. Schrank. H. ca. 2,33 m; B. ca. 2,04 m. Tanne und Eiche; braun 
gestrichen (erneuert). Doppeltürig; auf der Vorderseite drei korinthische 
Pilaster. Um 1700. 

22. Schrank. H. ca. 2,265 m; B. 1,61 m. Entsprechende Art wie N. 21, 
aber eintürig. 

Bücher. 

23. Missale Romanum; in-fol. Antwerpen 1738. Handschriftliche 
Eintragungen 18. Jh. Schwarzer Ledereinband. Anfang 19. Jh. 

24. Missale Romanum; in-fol. „ex ducah Campidonensi typographeo" 
1767. Handschriftlicher Eigentumsvermerk der Gronauer Kirche. 

25. Missale Romanum; in-fol. ebendorther 1834. 

26. Agenda ecclesiae Hildesemensis; in-4^. Hildesheim 1742. 
Nach handschrifthchem Eintrag angeschafft 1755. 

27. Rituale Spirense. Bruchsal. Mitte 18. Jh. 



HOSPITAL UND KAPELLE S. GEORG. 

Das Hospital und die dazugehörige Kapelle soll nach der örtlichen, von Mithoflf 
wiedergegebenen Überlieferung auf eine Stifung von 1439 zurückgehen. Da noch 
im vorigen Jahrhundert von den fünf Stellen zur Versorgung arrner, alter Frauen 
drei die Stadt, eine die Familie v. Bennigsen zu Banteln, eine die Familie v. Stein- 
berg zu Brüggen vergab, ist es wahrscheinlich, daß diese an der Stiftung beteiligt 
sind (falls nicht verschiedene Stiftungen später vereinigt wurden). Bei der Ein- 
führung der Reformation wurde dem Stadischreiber, der damals zum Kaplan ge- 
macht wurde, die Pfründe der Georgskapelle gelassen. 

Quellen: Visitationsakten in Kayser, Reformator. Kirchenvisitationen S. 337, 
auch Anm. 673 — Gronau, Stadtarchiv II, Magistrat der Stadt Gronau, Rathaus- 
boden: Armenwesen; das Armenhaus S.Georg vor Gronau 1738 — 56 (vgl. Peters, 



114 GRONAU 

Archivinvcntare S. 57). — Literatur: Hennecke, in „Unsere Heimat" S. 385 — 
Mithoff ni S. 82 — Mithoff Zs. 1864 S. 317 — Schlegel, Kirchen- u. Reformations- 
gesch. II S. 157. 

KAPELLE. 

Massive gotische Kapelle, 15. Jh., nordöstlich vor der Stadt, umgeben 
von einem grasbewachsenen Garten, der von dem Hospital durch einen Graben 
getrennt ist. 

ÄUSSERES. 

Rechteckiger Bruchsteinbau mit neu in Zement verputzten Mauerflächen. 
Gewände von Tür und Fenstern vorwiegend Sandstein. In der Mitte der 
Westwand ein hohes, spitzbogiges Fenster mit (nachträglich?) eingearbeitetem 
Anschlag für einen Fensterladen. Eine zugehörige, spirzbogige Tür mit fast 
bis zum Boden abgeschrägten Gewändekanten im Westteil der Nordwand. 
Im Ostteil von Süd- und Nord wand je ein kleines, hochliegendes Fenster 
mit überputzten Gewändepfosten und dick überschlemmtem, rundbogig aus- 
geschnittenem Sturz. Auf letzterem Schriftreste in vertiefter, gotischer Mi- 
nuskel; lesbar ist auf der Nordseite der Anfang einer Jahreszahl M CCCC . . .; 
die zweite von Mithoff angegebene Lesung „iustativs" auf der Südseite ist 
freilich kaum richtig, dagegen scheint seine Vermutung, beide Stürze seien 
Teile einer Grabplatte, durch den rechteckigen Umbruch der Inschrift am 
Nordsturz bestätigt zu werden. Beide Fenster sind anscheinend barock er- 
neuert. — Pfannengedecktes Satteldach; über dem Westgiebel ein offener 
Glockenstuhl mit einem blechgedeckten Pyramidenhelm auf zwei Pfosten 
(19. Jh.). Kehlbalkenkonstruktion mit stehendem Stuhl. 

INNERES. 

Die Wände und die flache Holzdecke sind verputzt und neu bemalt (gelb- 
lich; Sockelzone gemustert). Auf der Nordseite in ca. 1,80 m Höhe ein Mauer- 
rücksprung. Zementfußboden. 

AUSSTATTUNG. 

1. Altarmensa. H. 1,08 m; B. 1,40 m; T. 0,89 m. Unterbau gemauert 
und neu verputzt. Sandsteindeckplatte ohne Profil. Vier Weihekreuze. Mit- 
telalterlich. 

2. Gestühl. Tanne, gebeizt, 19. Jh. 

Plastische Bildwerke, auf Konsolen an den Wänden aufgestellt. Linde. 
Bemalung zum Teil erneuert (Nr. 3 — 5). 

3. Maria mit Kind. H. 0,53 m. Maria stehend, das langgekleidete, 
segnende (?) Kind auf dem linken Arm. Um den Kopf ein Kopftuch, 
darüber eine Krone. Vorn abgekantete Plinthe. Anfang 14. Jh. Wurmstichig. 
Kopf, linker Arm und Finger der rechten Hand des Kindes fehlen, ebenso 
die rechte (angesetzte) Hand Mariae. Lanzettförmige Kronenzacken, an- 
scheinend ergänzt. Möglicherweise ist die ganze Figur nachträglich überschnitzt. 

4. Hl. Anna selbdritt. H. 0,59 m. Standfigur; auf dem linken Arm 
die ein Buch haltende kleine Maria, auf dem rechten Arm der Jesusknabe. 
Brüchige Faltengebung. Um 1480. Wurmstichig. Die Arme des Knaben 
sind abgebrochen, das Kopftuch der hl. Anna ist teilweise überschnitzt (?), 
die Nase und der Sockel sind ergänzt. 



GRONAU 115 

5. Gruppe von Begleitfiguren aus einer Kreuzigung. H. 0,59 m. 
Auf steil ansteigender Bodenplatte zwei langbärtige, nach oben blickende 
Männer (Juden); davor eine trauernde Frau, halbrechts gewandt. Auf der 
linken Seite ist die Gruppe senkrecht abgeschnitten; wahrscheinlich bildete sie 
innerhalb eines Altarschreines die Eckgruppe am linken Rand. Um 1500. 
Wurmstichig. Sockel und Gesichter teilweise bestoßen. 

6. Figuren von einem barocken Altar. Bemalung weiß mit Gold. 
2. Viertel 18. Jh. Werkstatt des E. D. Bartels in Hildesheim, a) Prophet (?). 
H. 1,42 m. Langbärtige Figur in schreitender Haltung mit halblangem Ge- 
wand und umgeschlungenem Mantel. In der rechten Hand ehemals wohl ein 
aufgeschlagenes Buch; die angesetzte linke Hand ist erhoben. Durch ein auf 
dem Kopfe liegendes Kapital als Karyatide gekennzeichnet. Finger und rechte 
Fußspitze fehlen, b) Johannes der Evangelist. H. 0,64 m. Lang gewandet 
mit umgeschlungenem, flatterndem Mantel. Zu Füßen der Adler. Die linke 
Hand fehlt, c) Engel. H. 0,47 m. Flügellos, in anbetender Haltung stehend. 
d) Drei Putten. H. 0,62 m; 0,64 m; 0,41 m. 

7. Altarkruzifix. Gesamt-H. 0,91 m; Korpus-H. 0,49 m. Linde, Be- 
malung erneuert. Auf der Rückseite des Querbalkens in Kapitale Stiftungs- 
inschrift des M. Ludolf Görgens 1671. Links fehlt ein Stück des Lenden- 
tuchs. Sockel, 19. Jh. 

8. Altarkruzifix. Korpus-H. 0,715 m; B. 0,535 m. Linde, Bemalung 
erneuert. Anfang 18. Jh. Kreuz und Sockel 19. Jh. 

9. Altarkruzifix. Gesamt-H. 0,28 m; Korpus-H. 0,104 ni; ß- 0,056 m. 
Elfenbein. Der abflatternde Lendentuchzipfel links fehlt. Kreuz und Sockel, 
Linde, schwarz gestrichen. Mitte 18. Jh. Typus der Altarkruzifixe in Groß- 
Förste und Ahrbergen, Landkreis Hildesheim. 

IG. Standleuchter, auf dem Kapellenboden. H. 1,01 m. Linde und 
Eiche (?) mit Resten von weißer Bemalung und Vergoldung. Korinthische 
Säule, im unteren Teil mit Weintrauben umhängt. Darüber eine quadratische 
Kämpferplatte und eine runde Tropfenfängerkrone mit einem aus Holzbügeln 
gebildeten Fries. Ende 17. Jh. Stark beschädigt. 

II. Glocken, o 0,43 m. Bronze. Am Hals Blattfries und Inschrift 
(nur teilweise sichtbar), an der Flanke ein Kruzifix. Gegossen von C. Becker 
in Hildesheim. 17./18. Jh. 

„HOSPITAL." 

Zweistöckiger Fachwerkbau mit pfannengedecktem Walmdach. 18. Jh. 



LEHDER KAPELLE, 

auf dem linken Leineufer nordwestlich vor Gronau. 

Ehemals Kirche des untergegangenen Ortes Ledi, jetzt Friedhofskapelle 
für Gronau. Siehe Ledi. 

DER EHEMALIGE AMTSHOF. 

An der Südostecke der Stadt, auf dem Platze der alten Bischofsburg. Zwei- 
stöckiger Fachwerkbau mit geputzten und geweißten Gefachen auf massivem 
Bruchsteinsockel. Auf der Hauptbreitseite gegen Süden ist das ganze Erd- 
geschoß massiv; die Westschmalsdte ist mit Schiefer behangen (alt). Pfannen- 



116 



GRONAU 



gedecktes Krüppclwalmdach.* Anfang 19. Jh. Die massiven Fundamente 
mögen teilweise aus älterer Zeit stammen als der Oberbau. Auf der Ostseite 
eine moderne Veranda. Nach Norden ist ein gleichhoher, moderner Flügel 
angebaut. 



DIE ADELSHÖFE UND DER „PATERHOF". 

Seit Alters waren in Gronau drei Adelsfamilien ansässig: Die Böcke v. Wül- 
fingen, die längere Zeit auch Pfandinhaber der bischöflichen Burg waren, die Böcke 
V. Northülz und die Herren v. Dötzum. Nach dem Aussterben der beiden letzten 
Familien ging deren Besitz an die v. Engeibrechten bzw. v. Bennigsen über (1632 
und 1580). 1694 werden fünf Adelshöfe erwähnt; als deren Inhaber erscheinen: 
,,i. H. von Bock von Bockerode; 2. H. von Bock von Eltze; 3. H. Curd Plato von Ben- 
nigsen; 4. H. Hofrath Engelbrecht, ist ein adeliches Guth, so von den von Böcken 
von Nordtholten herrühret; 5. Weyl. Rittmeister von Bennigsen" („Copia Amts- 
Gronauischer Citation an die Guts und Zehentherren, Gronau d. 16 ^ Marty Anno 
1694"; abgedruckt in der Leine- und Deister-Zeitung 1934, 22. IL). 

Am Nordrande der Stadt liegen an der nach ihnen benannten Junkernstraße 
von Westen nach Osten: 




Abb. 26. 

Gronau. Grundriß dos Ensclbreclüenschen Hofes 



DER ENGELBRECHTENSCHE HOF (Taf. 32c). 

Jetziger Besitzer Oberregierungsrat Fr. v. Engeibrechten, Kassel. 

Zweistöckiger Bau mit pfannengedecktem Satteldach. An der Fassade 
zwei symmetrische Erkervorbauten. In die Rückseite (Westseite) ist die alte 
Stadtmauer einbezogen, die an der Nordwestecke unregelmäßig abbricht, 
auf der Südseite als Rückwand von Hofgebäuden noch ein Stück weiter erhalten 
ist. Das hohe Erdgeschoß ist massiv in Bruchsteinmauerwerk aufgeführt; 
die Wandflächen sind verputzt (Rapputz 19. Jh.); die vorderen Ecken zeigen 
flächige Quaderverzahnung. Tür- und Fenstergewände sowie das Unterge- 
schoß der Erkervorbauten sind aus Sandwerkstein. In der Mitte zwischen 
den Erkern befindet sich die flachbogige Haustür mit faszienartig abgetrepptem 
Rahmenprofil. Darüber ein kurzes horizontales Gesims und eine ädikula- 
förmige Platte mit Wappen und Namen des Bartelt Bock v. N ortholt und der 
Anna v. Sversen (= Süerssen) dazu dem Baudatum 1590. Türflügel 18. Jh. 
Beiderseits der Mittelachse über Tür höhe zwei Fenster (das linke zugesetzt). Die 
Erkervorbauten zeigen über einem massiven Quaderunterbau eine aus Stein- 
platten zusammengesetzte Fensterbrüstungszone, die an der Vorderseite 
durch Vorlagen in zwei Felder geteilt und mit weitmaschigem Beschlagwerk 



GRONAU 117 

auf gestocktem Grund dekoriert ist. Oberhalb der Brustwehr waren die 
Wände zwischen schmalen Pfeilern mit horizontalem Gebälk ursprünglich 
vollständig in Fenster aufgelöst, jetzt sind die Seitenfenster teilweise zugesetzt. 
Auf den Schmalseiten des Hauses eine bzw. zwei Fensteröffnungen, auf der 
Rückseite vier größere und eine kleine (zugesetzt); das zum Flur im Inneren 
gehörige (gewändelose) Fenster hatte ehemals die Größe einer Tür, die möglicher- 
weise zu einem Abortanbau führte. Darunter zu ebener Erde eine Tür des 
i8. Jhs. Das Obergeschoß ist in Eichenfachwerk mit verputzten und geweißten 
Gefachen aufgesetzt. Die Breitseiten haben sechzehn, die Schmalseiten sieben 
Fächer. Setzschwelle, Füllhölzer, Riegel und Rahmenhölzer zeigen reiches 
Tau-, Zopf-, Ketten- und Fischgrätenornament. Die unterste Gefachreihe 
ist auf der Vorderseite mit Eichenbrettern ausgesetzt. Darauf große, über die 
Ständer hinweggreifende Ornamentfächer und zwischen diesen wiederum 
Taubänder, Rosetten usw. Einige Füllplatten sind anscheinend ausgewechselt 
und von anderer Stelle übernommen. In der Mitte nebeneinander zwei Fen- 
ster; an dem besonders kräftigen Sturzriegel links ein spätgotischer Vorhang- 
bogen; das Gefach unter diesem Fenster ist in Backstein erneuert und ge- 
schlemmt (19. Jh.); der Sohlbankriegel fehlt. Am rechten Erkervorbau zwei 
Fenster (erneuerte Sturzriegel); die Schwelle für den bekrönenden Giebel 
kragt auf Knaggen vor, der Giebel selbst ist erneuert (19. Jh.), ebenso das ganze 
Obergeschoß des linken Erkers (unverputzte Backsteingefache). Ob ehemals 
mehr Fenster als heute vorhanden waren, ist nicht sicher zu erkennen. Die 
Nordschmalseite entspricht der vorderen Breitseite, nur fehlen die Brettfül- 
lungen der unteren Gefachreihe. Die Ständer haben statt dessen breite, 
segmentförmige Fußstreben, auf denen wiederum Ornamentfächer einge- 
schnitten sind. Im sechsten Gefach ehemals wahrscheinlich ein Abortausbau; 
die beiden Fenster sind erneuert. Der Giebel kragt auf Konsolen vor; die 
Ständer sind gegenüber dem Obergeschoß um eine halbe Gefachbreite ver- 
setzt, mit Ornamentfächern am Fuß. Unter der Giebelspitze eine Konsole. 
Gefache mit neuem Rapputz. Die Südschmalseite ist bis auf die Füllhölzer 
unter der Schwelle ganz schlicht, wohl im 18. Jh. erneuert. An Stelle des 
ursprünglich ebenso wie auf der Nordseite vorhandenen Giebels (?) ist ein 
Steilwalm getreten. Die Westbreitseite ist im 19. Jh. erneuert (weiß geschlemmte 
Backsteingefache); nur die Füllhölzer unter der Dachtraufe sind alt. 

Im Inneren wird die Mitte des unteren Geschosses in (heute noch) 
etwa drei Viertel Haustiefe von einer hohen, ebenerdig liegenden Halle 
eingenommen. Beiderseits des Einganges führen Treppen zu einer Galerie 
in Höhe der Wohnräume; rechts läuft sie über einer massiven Bruchstein- 
mauer entlang, links ist sie frei aus Holz konstruiert, ebenso auf der Rückseite, 
wo sie von einer nachträglich eingezogenen Fachwerkwand (18. Jh.) unter- 
fangen wird. Auf der Galerie ist auf dieser Seite ein schmaler Raum abgeteilt. 
An der Decke zwei kräftige, durch Kopfbänder gegen die Wände abgestrebte 
Unterzüge. Auf den Kopfbändern Tau- und Riefenwülste sowie Radorna- 
mente (Taf. 236). Beiderseits der Diele liegen über flachgewölbten und nur etwa 
0,50 m in die Erde versenkten Kellern die Wohnzimmer, u. z. jeweils ein 
kleineres nach vorn, ein größeres nach hinten (jetzt durch Bretterwände unter- 
teilt). Von der Mitte der Galerierückseite führt eine Treppe frei durch den 
Raum zum Obergeschoß, das in ähnlicher Weise wie das untere Geschoß 
aufgeteilt ist. Treppe und Galerie stammen in ihrer heutigen Form etwa 
aus dem 18. 19. Jh. Die Diele (und ebenso der Obergeschoßflur) reichte ur- 
sprünglich wohl durch die ganze Haustiefe. 



118 GRONAU 

Nebengebäude. Langgestreckter, zweistöckiger Fach werkbau mit 
pfannengedecktem Satteldach, zur Hälfte Wohnhaus, zur Hälfte Stall und 
Speicher. An einem Türsturz eingeschnitten: W. L. Anno 176$. 



DER EHEMALIGE BENNIGSENSCHE HOF. 

Jetziger Besitzer W. Koopmann. Das Haupthaus an der Stadtmauer wurde 
1703 eingeäschert und nicht wieder aufgebaut. Das unmittelbar an der Junkern- 
straße liegende Nebengebäude wurde in einen Schafstall umgewandelt und später 
(um 1900) als Wohnhaus ausgebaut (vgl. Siegemann und Schramme). 

Langgestreckter Bau mit massiv bruchsteinernen Erdgeschoßmauern 
(16./ 17. Jh.?) und nachträglich aufgesetztem Fachwerkobergeschoß. Verputz, 
Tür- und Fenstergewände und die Dacherker sind neu. 



BOCKHOF L 

Besitzer Major a. D. Bock v. Wülfingen, Hannover, zusammen mit Landrat i. R. 
Bock V. Wülfingen und Freifrau v. Wachtmeister, ebendort. 

Langgestreckter, zweistöckiger Bau über hohem, fast zu ebener Erde lie- 
gendem Kellergeschoß. Die Nordseite ist über der Stadtmauer aufgebaut. Bruch- 
steinmauerwerk mit erneuertem Rauhverputz (älterer Putz nur an der Westseite). 
Türen und Fenster mit Sandsteingewänden. Elfachsige Fassade; in der 
sechsten Achse über einer doppelarmigen Freitreppe die Haustür mit der Bau- 
inschrift auf dem friesartig verbreiterten, durch ein horizontales Gesims ab- 
gedeckten Sturz : Da mich das Feuer fürhin so in der Stadt aufkommen bis auf 
den Grundt verzehrt und gäntzlich weggenommen j zusambt der Stadt und Kirch 
hat wie ich steh für dier i zu Gottes Gnaden Hut mich wider bauet hier H{er)r 
Levin Adam Bock von Wulffungen fürstl(ich) Br{aunschweig) Luneb(urgischer) 
Oberhofmeister auch Fürstl{ich) Stifft{s) Hildesh{eimischer) / Schatzraht und 
Elisabet Sophia von Campen / Anno ijo6. Zwischen den beiden links anschlie- 
ßenden Fenstern eine ädikulaförmige Platte mit Wappen und Namen des 
Wulbrant Georg Bock v. Wulffing und der Anna von Bennigsen, datiert 161 y, 
wahrscheinlich von dem 1703 abgebrannten Haus übernommen. Zwischen den 
Fenstern rechts der Tür eine rechteckige Platte mit dem v. Bockschen Wappen, 
I. Hälfte 19. Jh. Auf der Rückseite in der westlichsten Achse kleinere Fenster 
und unter demjenigen des Erdgeschosses zwei Konsolen, anscheinend für 
einen Abortanbau (?). Die Kellerfenster sind unregelmäßig verteilt. Die 
Schmalseiten sind fensterlos (ursprünglich?); die Westwand ist bis über die 
Trauf kante hochgezogen, ohne Abschlußgesims. Flaches Walmdach mit 
Pfannendeckung. — Im Inneren ein querrechteckiger Flur. Die Treppe 
führt links an der Rückwand entlang in zwei Läufen zum Obergeschoß; vier- 
eckige Eichendocken. Türen mit verkröpften Füllungen. Die Zimmerein- 
teilung ist verändert, besonders im Obergeschoß, in dem ehemals ein Festsaal 
das Haus quer durchteilte. Der Keller ist in der Mitte und an den beiden 
Schmalseiten flach gedeckt, dazwischen liegen zwei flachgewölbte Keller- 
räume, die von dem älteren Bau von 161 3 übernommen sein werden. 

Fachwerk-Scheune, zweigeschossig, mit Stallungen an der Breitseite 
gegen den Hof. Am Torholm F. (?) W. B(ock) v. W (Ulf fingen) 1764. Kleiner 
gleichzeitiger Wohnvorbau (Torhaus). In der Hofmauer eine Wappenplatte 
des Wulbrand Bock v. Wülfingen; 17. Jh. 




GRONAU 119 

BOCKHOF II. 

Jetzt Eigentum der Stadt Gronau. 

Zweistöckiger Bruchsteinbau vom Ende des i8. Jhs., mit erneuertem 
Verputz und vortretender Eckquaderung. Die Rückseite liegt in der Flucht 
der Stadtmauer. Niedrige Kellerzone mit abschließendem Karniessims (Kalk- 
und Sandstein). Gleichartiges Zwischengesims zwischen den Wohngeschossen, 
an der Hauptfassade Sandstein, auf den anderen Seiten geputzt. Tür und 
Fenster mit verkröpften Sandsteingewänden. Elf Achsen Front. Mitteltür nach 
Süden über einer Freitreppe mit weit vorgezogenem oberen Podest. Darüber 
ein Balkon, um 1900 erneuert (?). Rückseite mit altem Balkon im unteren 
Geschoß (Balkontür halb zugesetzt). Das Innere ist weitgehend verändert. 
Von dem Mittelflur aus führt links eine Treppe mit durchbrochenem Brett- 
geländer zum Obergeschoß. Im Keller ein Mittelgang quer durch das Haus, 
daran links und rechts je zwei längs gelagerte Kellerräume mit flacher Tonnen- 
j. Wölbung. Unterhalb der vorderen Freitreppe eine flachbogige Tür; 
-Ip^ darauf am Sturz in ausgesparter Kapitale: Anno domini 1585 niit Zier- 
ranke und nebenstehendem Steinmetzzeichen, anscheinend von einem 
älteren Bau an der gleichen Stelle. 

Am Südrande der Stadt liegen: 

DER EHEMALIGE BENNIGSENSCHE SCHÄFERHOF, 

bis ins 19. Jh. im Besitz der Familie v. Bennigsen. Jetzige Besitzer: H. Schneehagen 
und H. Heidemeyer. 

Zweistöckiger Bau mit pfannengedecktem Krüppelwalmdach, im Kern 
16. Jh. (1557), jedoch weitgehend erneuert. Süd-, West- und Nordwand haben 
massives Bruchsteinmauerwerk mit modernem Rapputz. Die Südseite liegt in 
der Flucht der alten Stadtmauer; die östHche Schmalseite ist nachträglich 
mit einer Fachwerkwand geschlossen, Anfang 19. Jh. (ursprünglich war das 
Haus nach dieser Seite hin länger). Im Erdgeschoß der Nordseite ist von 
innen ein zugesetztes zweiteiliges Fenster und eine ebenfalls zugesetzte Spitz- 
bogentür sichtbar (16. Jh.). Unter der Westhälfte des Baues alte Quertonnen- 
keller. Auf den vermutlich von anderer Stelle übernommenen Sturzsteinen 
zweier Türen am unteren und oberen Ende der Kellertreppe die Wappen 
und Initialen des B(artold) v. D(ötzum) und seiner Gemahlin A(pollonia) 
V. W(intzingerode) sowie der beiderseitigen Mütter [Fredeke ; zerstört] 
V. R(ommel) und A(nna) v. O ( Idershausen ) ; beide Wappenpaare sind 1^57 
datiert. Die Fenster, die Dachgiebel, der Giebel der westlichen Schmalseite 
sowie die Zimmeranlage stammen von einem Umbau 1877. An der Nordseite 
befand sich ehemals ein Vorbau (Erker) mit verschiedenen Reliefschmuck- 
platten, die beim Abbruch des Vorbaues auf das Gräflich Bennigsensche Gut 
Banteln südlich von Gronau gekommen sind und dort noch heute im Park 
aufbewahrt werden (siehe Banteln S. 7). 



DER PATERHOF. 

Nach Röbbelen hatte Heinrich II. den Zehnten der Feldmark Ledi der hildes- 
heimischen Kirche geschenkt. 1468 gelangte die Nutzung und bald auch das Eigentum 
tauschweise in den Besitz des Michaelisklosters. Ein Pater wohnte seitdem als Ad- 
ministrator des Zehnten in der Stadt. Der dem Kloster gehörige Hof lag an der danach 
benannten Mönnekenstraße (Mönchstraße) gegenüber dem Engelbrechtenschen Hof. 



120 GRONAU 

Nach dem Stadtbrand von 1703 kaufte das Kloster das ehemals den Böcken v. Wül- 
fingen gehörige sog. „rote Haus" an der Stelle der heutigen Anlage (vgl. Siegemann 
und Schramme). Seit 1827 ist das Grundstück Privateigentum. Jetziger Besitzer: 
P. Fronzek. 

Zweigeschossiges massives Bruchsteingebäude außerhalb der Stadtmauer, 
die an dieser Stelle zur Zeit des Baues oder schon vorher niedergelegt sein 
muß. Wandflächen neu verputzt; Sockelabsatz, vortretende Eckquader- 
streifen, Tür- und Fenstergewände Sandstein. Breitseiten zu fünf, Schmal- 
seiten zu vier Achsen. Über dem flachbogigen Haupteingang in der Mitte der 
östlichen Breitseite eine breitrechteckige Sandsteinplatte mit Wappen des 
Bauherren und Bauinschrift in Rocaillerahmen : R(everen)dissimus et il- 
l(ustrissi)mus d(ominus) Ludovjcus ep(isco)pus Anemurensis suffraganeus 
Hildes (iensis) abbas ad s. s. (sanctissimum) Mich(aelem) novas has novi loci 
aedes a fundamentis exstruifecit anno MDCCLX. Türflügel mit Rocaillefüllungen, 
an der Schlagleiste datiert 1787; darüber ein Oberlicht. Pfannengedecktes 
Mansarddach mit Fachwerkerker über der Ostfront. — Im Inneren ein 
Flur, dessen Rückwand in zwei flachbogigen Arkaden gegen die Hintertür 
und gegen die Treppe hin geöffnet ist. Auf jede Seite zwei Zimmer; im Ober- 
geschoß außerdem nach vorn ein Mittelzimmer. 

Massive Bruchsteinscheune (Zehntscheune). Jetzt Werkstatt und 
Schuppen, teilweise verändert. 

ÖFFENTLICHE GEBÄUDE. 

DAS ALTE RATHAUS, JETZT RATSKELLER. 

Das erste Rathaus soll nach Bünting (Braunschw^eig-Lüneburgische Chronik) 
1435 erbaut sein, und zwar mit der Front zum Markt und einem in den späteren 
Ratskellergarten reichenden Flügel (vgl. Röbbelen, Mithoff). 

Das ausgedehnte, zweigeschossige Gebäude, das sich heute in ganzer Länge 
von der Hauptstraße zur General-Göring-Straße zwischen Markt und Kirch- 
platz schiebt, ist aus mehreren Teilen verschiedenen Alters zusammen- 
gewachsen. Das Kernstück ist ein Bau des 15. oder 16. Jhs. (1569?), der nach 
dem Stadtbrand von 1703 im Jahre 1705 wiederhergestellt und vor allem durch 
einen Flügel längs der Hauptstraße vergrößert worden ist. Spätere Erweite- 
rungen und Umbauten haben vorwiegend die rückwärtigen Flügel betroffen. 

Innerhalb des Bauganzen bildet der Kernbau die rechte Hälfte des Vorder- 
hauses mit drei Achsen auf der Südseite gegen die Hauptstraße, vier Achsen 
auf der Ostseite und einer gleichlangen Westwand, die jetzt Zwischenwand 
gegen den Anbau von 1705 ist. Die Mauern sind massiv (Bruchstein) und 
wesentlich stärker als in den jüngeren Bauteilen: im Osten 0,94 — 1,02 m; im 
Westen ca. 1,16 m; im Süden an der Haustür 0,90 m; die nur halb so starke 
Mauer in den beiden anschließenden Fensterachsen ist zweifellos nachträglich 
erneuert. Im Flur des Obergeschosses ist ein Stück eines in der Westwand 
liegenden Balkens fieigelegt mit der Inschrift: Ana d(omi)ni 1^69 ffecit?) 
B: Diderick Grove Z. Ob der Balken sich noch an der ursprünglichen Stelle 
befindet, und ob das Datum auf den alten Bau im ganzen bezogen werden darf, 
bleibt allerdings zweifelhaft. Fenster, Türen, Raumeinteilung stammen von 
1705 bzw. aus dem 19. Jh.; sicher auf die barocke Wiederherstellung ist die 
Inschriftplatte unter den Südfenstern zurückzuführen: B(ürgermeister) 
Hans Schrader Cäm(merer) Johann Konrad Rivers, Johann Friedrich Tidow, 
R(ats) H(erren) Hans Jürgen Helms, Henning Bartels. Der 1705 angefügte 



GRONAU 121 

Westflügel — die linke Hälfte des Vorderhauses — ist bündig niit der Süd- 
front des ursprünglichen Baues; im Erdgeschoß massiv, im Obergeschoß teil- 
weise Fachwerk (auf der Nordseite in Backstein erneuert). Auf dem First- 
ende des Walmdaches eine Wetterfahne mit Stadtwappen und Jahreszahl 7705. 
Die Wandflächen sind ebenso wie in dem älteren Bauteil neu verputzt (teil- 
weise mit eingeritzter Scheinquaderung) oder verbrettert. Vielleicht schon 
1705, wahrscheinlich aber erst im späteren 18 Jh. ist der Kernbau auf der Rück- 
seite in Fachwerk verlängert worden. Ein weiterer, in gleicher Richtung an- 
schließender Bauteil unter niedrigerem Dach ist zu Anfang des 19. Jhs. er- 
richtet, ebenfalls in Fachwerk. An- und Umbauten auf der Ostseite und im 
Keller (der ehemals von der Hauptstraße aus zugänglich war) Ende 19. Jh. 
Letzte Verbreiterung der rückwärtigen Hausteile 1935. 



DIE SPARKASSE 

am Markt. Ursprünglich Schule, dann Rathaus. Zweistöckiger Fachwerkbau 
mit Krüppelwalmdach (1831 ). An der Breitseite zum Markt zwei symmetrische 
Eingänge. Nachträglicher Anbau an der südlichen Schmalseite. 



BÜRGERHÄUSER. 

Der allgemeine Haustyp ist das mit der Traufseite zur Straße gewandte 
Haus, zweistöckig, in Fachwerk mit geputzten und geweißten Gefachen. Die 
Treppenstufen zur Haustür sind oft mit Steinwangen versehen, teilweise in 
Form von Steinbänken. Infolge der zahlreichen Brände sind nur wenige ältere 
Bauten erhalten: 

Gasthof zur Krone (Taf. 34 b). Ecke Hauptstraße— Burgstraße. 
2. Hälfte 17. Jh. Ausnahmsweise ist die Giebelseite der Hauptstraße zuge- 
kehrt. Obergeschoß und Giebel sind leicht vorgekragt; an den Füllhölzern 
zwischen den Balkenköpfen Kehlungen und Tauornament. Hoher massiver 
Rausockel; doppelarmige, steinerne Freitreppe zu der unsymmetrisch in der 
Giebelwand liegenden Haustür. Die westliche Breitseite ist nachträglich ver- 
schiefert. Krüppelwalmdach. Gleichzeitiger Anbau mit Durchfahrt zum Hof 
an der Ostseite. 

Hauptstraße Nr. 199. Das westliche Drittel des Hauses ist um ein Fach 
verbreitert. Im östlichen Teil eine Wageneinfahrt; am Holm: Johann Heinrich 
Dörry, Dorothea Rhiider 170$. Veränderungen durch Ladeneinbau. Satteldach 
mit breiter Schleppluke. 

Hauptstraße Nr. 56. Fünfzehn Fächer Front; im Obergeschoß elf 
Fenster, die mittleren zu dritt, die seitlichen paarweise zusammengeordnet. 
Die Haustür in der Mitte des Erdgeschosses lag, wie eine alte Photographie im 
Besitz von Herrn Photograph Breiner, Gronau, zeigt (Taf. 32 d), ursprünglich 
innerhalb einer rundbogigen Nische; die Freitreppe davor wurde von Sand- 
steinpfeilern flankiert (jetzt im Garten). Über der Tür war eine Tafel mit 
Wappen und Namen des Erbauerehepaares eingelassen: Paul Winckeler Amts- 
schreiber zu Gronau und der niedern Börde, Anna Catharina Sievers, Anno 1707 
d. 79. August. In den Wappenschilden ein Pentagramm bzw. eine vierblättrige 
Sternblume. Die Platte ist bei den modernen Veränderungen des Mittelteiles 
(Ladeneinbau) in den massiv erneuerten Wandteil an der Ecke rechts über 



1 22 GRONAU 

die rundbogige Wagendurchfahrt versetzt worden. Walmdach. Im Inneren 
Treppe mit Eichendocken. 

Apotheke am Markt. Der Bau zeigt längs der Hauptstraße drei Geschosse, 
auf der Rückseite ist das Satteldach bis zum zweiten Geschoß herabgezogen. 
Obergeschoß und Giebelgeschosse sind leicht vorgekragt und verbrettert. 
Die Fenster des Erd- und ersten Obergeschosses sind erneuert, ebenso das 
Innere. Anfang 1 8. Jh. 



HAUS ESCHERDE 

Ehemaliges Benediktinerinnenkloster; jetzt Domäne. 4'j km nordöstlich von 
Gronau. 139 Einwohner. Das Kloster ist eine Gründung des hildesheimischen 
Ministerialen Luppold von Escherde, der es ursprünglich in seinem Dorfe (Groß-; 
Escherde im Landkreis Hildesheim angelegt hatte und es 1203 durch Bischof 
Hartbert von Hildesheim bestätigen ließ (i). Noch vor 1236 wurde es jedoch unter 
dem zweiten Probst Heinrich nach dem ruhiger gelegenen Bovingehusen am West- 
abhang der Hildesheimer Berge verlegt, wo es schon 12 12 den Zehnten erworben 
hatte (3,2). Der neue Ansiedlungsplatz erhielt nunmehr ebenfalls den Namen Escherde. 
Siegelabdrücke etwa aus dem 2. Viertel des 13. Jahrhunderts zeigen Maria, Johannes 
den Täufer und Johannes den Evangelisten (9), die auch in Urkunden als Schutz- 
heilige des Klosters genannt werden (4). — Aus den urkundlichen Nachrichten über 
Erwerbungen und Geschäfte des Klosters geht hervor, daß es nur in der näheren 
Umgebung eine gewisse Rolle gespielt hat. Für die Baugeschichte ergibt sich fast 
nichts: Um 1264 werden der Bau einer Mühle in Bovingehusen und eines Hauses 
im Kloster berichtet (6), gleichzeitig wird der Hochaltar der Klosterkirche erwähnt (5), 
1305 ist ein Siechenhaus (8), 1434 der Wiederaufbau nach einem Brand bezeugt 
(ig). Inkorporiert waren dem Kloster die Pfarrkirchen in Groß-Escherde (i, 11) 
und in Bethein (7). Über die geschichtliche Entwicklung im einzelnen unterrichten 
die Darstellungen bei Lüntzel und Hennecke. — Nach Zeiten des Verfalls, vor allem 
gegen Ende des 14. Jhs., wurde Haus Escherde 1441 durch den päpstlichen Visitator 
Johannes Busch, Probst des Sültestifts in Hildesheim, reformiert und eine strengere 
Klosterzucht wiederhergestellt. 1543 fand mit der Kirchenvisitation die Einführung 
der Reformation statt (12), nachdem das Kloster durch den unglücklichen Ausgang 
der Stiftsfehde an Herzog Erich von Calenberg gefallen war. 161 8 wurde das Kloster- 
gut vom Herzog verpachtet. Durch den Vertrag von Quedlinburg kann es wieder 
zum Stift Hildesheim und warde daraufhin 1629 restituiert. Von 1653 — 63 lag die 
Verwaltung in den Händen des Weihbischofs Adam Adami, dessen Bemühungen 
die Minderung der Schulden gelang, so daß es gegen Ende des 17. Jhs. möglich 
wurde, mit dem Neubau der sämtlichen Klostergebäude zu beginnen. 1810 wurde 
das Kloster aufgelöst und ging, abgesehen von der Kirche, 181 1 aus dem Besitz der 
Westfälischen Domänenverwaltung in das Eigentum des ehemaligen Hildesheimer 
Domherren Staatsrates Grafen v. Merveldt in Kassel über, der es vor 1838 wiederum 
an die Domänenkammer in Hannover verkaufte. Seit der Zeit ist das Gut verpachtet. 
Die Kirche, deren Inventar in die Kirchen der Umgegend zerstreut wurde, wird 
als Scheune und Lagerraum benutzt. 

Quellen: Sudendorf U. B. Register S. 318 — U. B. Hochstift Hildesheim I 
239 S. 222 Z. 36, 581 S. 556 Z. 20 flf. (i), 655 S. 626 Z. 29 ff. (2), 698 S. 665 Z. 29, 
730 S. 687 f., S. 688 Z. 6 ff.; II 102 S. 45, 467 S. 224, 468 S. 225, 469 S. 225 f. (3), 
708 S. 358, S. 359, 881 S. 444, 947 S. 474 f., 977 S. 489, 1026 S. 516; III 38 S. 16, 
39 S. 17 (4), 64 S. 26 (5), 81 S. 39, 41 (6), 1087, 1088, 1089, 1090, 1093, 1094, 1096 
S. 540 f. (7), 1556 S. 740 (8); vgl. im übrigen die Register III S. 843; IV 872; V 904; 
VI 1048 f.; II Tafel IX Nr. 37 Abb. des Siegels, Beschreibung S. 693 (9). — U. B. 
Stadt Hildesheim I, II, V, VI, VII vgl. die Register VI S. 549 (10) — Archidiakonats- 
verzeichnis, abgedruckt: Lüntzel, Alt. Diözese S. 429 (11) — Visitationsakten von 
1543 in Kayser, Reformator. Kirchenvisitationen S. 383 ff. (12), von 1588 in Zs. 
d. Ges. f. niedersächsische Kirchengeschichte 8 (1904), S. 224 f., 226 (13) — Archiv 
der katholischen Pfarre zu Gronau (vgl. Peters, Archivinventare S. 59 f.) : Kirchen- 



HAUS ESCHERDE 



123 




Abb. 27. Haus Kschcrde. Situalioiisiilan nach einer Aufiialinie des lloclibaiianüs l liKleslieim. 
:M. 1:250(1. 



124 HAUS ESCHERDE 

bücher von Haus Escherdc 1665 — 1803 — Ebendort: Acta betr. die vormalige ka- 
tholische Kirche (nachher Kapelle) zu Haus Escherde und deren Kirchenutensilien 
ig^j — 1848 (14) — Staatsarchiv Hannover: Originalurkunden des Klosters — 
Ebendort: Hild. Des. HI, 14 B XHI B 1—5 Akten zum Bau der Kirche 1685 — 93 
und 18. Jh., Bau eines Pferdestalles 1840 (15); Hild. HI, 14 B IX A 17 Kirche und 
Inventar 1831 — 38 (16). — Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 39 — Bren- 
neke. Vor- und nachreformatorische Klosterherrschaft ... I S. 139 f., II S. 71 f., 
82 f. — Bertram, Register: III S. 447; I S. 218, 224, 244 — Hartmann in ,, Unsere 
Heimat" S. 254, 278, 279, 290, 293, 305, 338, 360, 368 — Hennecke in „Unsere 
Heimat" S. 383, 396—399, 406, 411, 412, 414, 418, 422—425, 429, 442. — Hen- 
neckc in Zs. d. Ges. f. niedersächsische Kirchengeschichte 1929 — Hoogeweg, Ver- 
zeichnis der Stifter und Klöster Niedersachsens S. 34 — Jahresbericht 191 1 — 13 — 
Lauenstein S. 264 — 266 — Lüntzel, Alt. Diözese S. 219, 225, 290, 429 — Lüntzel I 
S. 516, 537; II S.451, 669—672 — Mithoff III S. 5, 20, 88 — Mithoff Zs. 1864 
S. 304 — Sonne V S. 310 f. 



GESAMTANLAGE. 

Die Klostergebäude liegen auf einer Geländeterrasse am Westabfall der 
Hildesheimer Berge gegen das Leinetal. Die Hauptachse der Anlage verläuft 
parallel zum Bergzug von dem Nordtor über das Probsteigebäude (wo sie eine 
geringe Richtungsänderung erleidet) zum Südtor. Im einzelnen lassen sich 
drei Bestandteile unterscheiden: die beiden Wirtschaftshöfe im Norden und 
Süden und die Kirche mit dem Convent und der Probstei in der Mitte. Der 
jetzige Zustand ist aus dem Lageplan (Abb. 27) ersichtlich, den ursprünglichen 
Zustand zeigt im wesentlichen richtig eine perspektivische kolorierte Zeich- 
nung aus dem 2. 3. Jahrzehnt des 18. Jhs. (Pause Abb. 28). Der südliche 
Wirts chaftshof liegt längs der Hauptachse und umfaßt die ältesten Gebäude 
der heutigen Anlage. Die Südseite wird begrenzt von dem Torgebäude (171 1) 
und dem Schweinestall, an den nach Westen zu der große Schafstall (1680 81) 
anschließt. Längs der Ostseite folgen von Süden nach Norden ein Stall- 
gebäude (Anfang 18. Jh.), ein Pferdestall, der um 1840 an Stelle eines Teiles der 
älteren Stallung und eines kleinen Zwischenbaues errichtet worden ist, und der 
Kornspeicher (etwa 1735). Die Westseite wird, abgesehen von einem an den 
Schafstall anstoßenden Schweinestall, vormals Back- und Waschhaus (1771), 
durch Mauern abgeschlossen. Der dahinter an dem „Jungfern-Teich" lie- 
gende ehemalige Bleichplatz ist jetzt Schweineauslauf; das auf dem perspek- 
tivischen Plan an seiner Nordseite angegebene Brauhaus ist anscheinend nur 
projektiert gewesen, aber nicht ausgeführt worden (vgl. Wirtschaftsgebäude 
Nr. 8); der „Holtz Hoff" ist verschwunden. — Kirche, Convent- und 
Probsteigebäude (42 c). Die Kirche bildet das Kernstück der Anlage (1685 
geplant, 1693 vollendet). Auf ihrer Südseite schließen die in längeren Ab- 
ständen zwischen etwa 1730 und 1751 erbauten, ehemals einen quadratischen 
Hof umgebenden Klosterflügel an (der Süd- und Westflügel sind nach 
einem Brand von 1873 größtenteils abgebrochen). In der Verlängerung des 
Südflügels nach Osten liegt, unmittelbar damit verbunden, das Probstei- 
gebäude (1735), das den südhchen Wirtschaftshof gegen Norden abgrenzt. 
Nordwärts vor der Kirche befand sich ursprünglich der von einer 
Mauer umzogene Friedhof, der die ganze Baugruppe von dem nördlichen 
Wirtschaftshof deutlicher als heute abschied. — DernördlicheWirtschafts- 
hof (Taf. 426) ist anscheinend nach einheitlichem Plan und in einem Zuge in 
den Jahren 1720 ff. angelegt worden. Er bildet ein scTimales, annährend senk- 
recht zur Hauptachse orientiertes Rechteck. Auf den beiden Längsseiten liegen 
sich eine große Scheune (1720) und der Kuhstall (1722) gegenüber, die westHche 



HAUS ESCHERDE 



125 




12C HAUS ESCHERDE 

Schmalseite und die Nordwestecke sind nach Angabe des perspektivischen 
Planes von weiteren Gebäuden („Gänse- und Hühnerhaus") besetzt, wobei 
freilich fraglich bleibt, ob diese jemals ausgeführt worden sind oder nur 
geplant waren. Jetzt befinden sich hier ein offener Wagenstand und ein Ge- 
räteschuppen. Auf der Nordseite schließt an die Scheune der Ackerpferde- 
stall mit der Kutscherwohnung an. Jenseits des Zufahrtsweges folgt die Stell- 
macherei und Schmiede. An der Ostseite ist längs der Hauptachse eine Bruch- 
steinmauer mit Eisenstakett gezogen; das Wegstück von der Kutscherwohnung 
und Schmiede bis zu dem nördlich vorgelagerten Torhaus (i. Hälfte i8. Jh.) 
verläuft beiderseits zwischen halbhohen Mauern. Die Anlage wird vervoll- 
ständigt und abgerundet durch Zier- und Nutzgärten auf der West-, Nord- und 
Ostseite (hier nachträglich in einen Park umgewandelt). Das Ganze um- 
schließt eine Bruchsteinmauer, die an der Nordostecke 1703, an der Nordwest- 
ecke 7725 datiert ist. Außerhalb derselben sind an älteren, noch jetzt oder 
ehemals zum Kloster gehörigen Gebäuden zu nennen der Krug (1716) sowie 
drei Mühlen (17. und 18. Jh.), von denen allerdings nur die unterste, un- 
mittelbar oberhalb des Dorfes Eddinghausen, noch in Betrieb ist. 

Alle Gebäude bis zur Mitte des 19. Jhs. sind in Bruchstein errichtet und 
zumeist noch alt verputzt. Teilweise sind die Wandflächen frisch geweißt und 
ist der Putz in Zement ausgebessert worden. Für die Werksteinglieder ist fast 
durchweg Sandstein verwandt, nur bei einigen Wirtschaftsgebäuden (Nr. i, 
2, 3, 12) Kalkstein. Dachdeckung an der Kirche und an dem Taubenschlag 
im Hof Schiefer (deutsches Muster), im übrigen Pfannen. 



DIE EHEMALIGE KIRCHE. 

Nach dem am 25. Mai 1685 in Haus Escherde unterzeichneten „Contractus 
der Newen Kirche zu Escherde mit Mr. Josephs Cortochino Italo" übertrugen diesem 
Probst und Convent des Klosters den Bau, für dessen „gantzes Mawerwerck : soll 
halten in der Länge hundert sechsig in der Breite acht undt dreysig in der Höhe aber 
sechs undt fünfftzig Füsze :/ wie mit mehreren der Abrisz ausweiszet, ihm geben 
undt zahlen wollen undt sollen vier tausendt thaler" (15). Auf dem gleichen Blatt quit- 
tiert Crotogino (wie er selbst sich schreibt) den Empfang der ersten Rate von 1000 
Thalern am 2. November desselben Jahres. Vom 28. Mai 1688 ist ein Kontrakt mit 
dem anscheinend als Bauführer angenommenen Baumeister Ludwig Schedler er- 
halten „wegen Verfertigung und Gebäuw der Kirchen daselbst, das Kirchendach des 
Jungfern und des groszen Torm belangt" (250 Thlr.); außerdem existieren noch 
Material vertrage von 1685 und 1689/90 sowie ein Vertrag über die Ausführung des 
Hauptportales mit Meister Michel Eppinger 1692 (15). Die Weihe fand erst am 
23. September 1742 statt (Hennecke). 

ÄUSSERES (Taf. 42a, 44a; Abb. 28). 

Die Kirche ist ein mächtiger, langgestreckter Bau mit sechsachsigem Schiff, 
leicht eingezogenem, zweiachsigem Chor und einem ungewöhnHcherweise 
vor den rechteckigen Chorschluß vorgelegten, nochmals eingezogenen Ost- 
turm. Im Baugrund ist eine ca. 4 m hohe, in das abfallende Gelände einge- 
schnittene Terrasse enthalten, so daß die Südseite um ein volles Geschoß 
höher ist als die Nordseite: das Dach des Kreuzganges, der vor der Südseite 
des Schiffes entlangläuft, liegt in Höhe des Erdbodens der Nordseite. Die 
Langseiten sind durch Quaderlisenen gegliedert, die die Ecken ummanteln 
und über denen das steinerne Kranzgesims verkröpft ist. Im übrigen sind die 
Wandflächen schmucklos. Die Fenster sind oberhalb der Erdgeschoßzone in 
zwei Reihen angeordnet, u. z. sind die oberen Fenster halbkreisförmig, die 



HAUS ESCHERDE 127 

Hauptfenster hoch-rundbogig. Allerdings waren die letzteren im Schiff 
ursprünglich wohl allein auf der Nordseite vorhanden, während im Süden 
mit Rücksicht auf das ehemalige Obergeschoß des Kreuzganges nur die ent- 
sprechenden Fensterblenden im Inneren angelegt waren. Erst nach Abbruch des 
Kreuzgangobergeschosses dürften die Fenster in der ersten, zweiten und vierten 
Achse durchgebrochen worden sein (i. Hälfte 19. Jh.?). Für diese Annahme 
spricht u. a. die Tatsache, daß in der dritten Achse keine spätere Ausmauerung 
einer ursprünglichen Fensteröffnung erkennbar ist (die Ansatzspur des alten 
Kreuzgangdaches führt über die betreffende Mauerstelle glatt hinweg) und 
daß die jetzt vorhandenen, nachträglich teilweise wieder zugesetzten und ver- 
änderten Fenster keine Gewändesteine haben. Die meisten der Hauptfenster 
des Chores und der Nordseite des Schiffes sind im 19. 20. Jh. teils halb, teils 
ganz geschlossen worden; die drei östlichen Schiffsfenster werden zudem von 
einem modernen Wagenschutzdach überschnitten. Nur das erste südliche 
Chorfenster ist wohl schon im 18. Jh. in Bruchstein bündig wieder vermauert 
worden; darunter befindet sich ein kleines, altes Querfenster. In den beiden 
westlichsten Achsen der Nordseite ist zwischen die Lisenen ein niedriger 
Sockelabsatz eingeschoben, auf dem zwei halbkreisförmige Fenster für den 
unterhalb der Nonnenempore gelegenen Raumteil aufsitzen. Im Sockel selbst 
liegen zwei Luken, die zu tonnenüberwölbten Kellern hinabführen. Der 
Westgiebel zeigt ein zweigliedriges Rechteckfenster und ein zugesetztes Rund- 
fenster. Hauptportal in der vierten Achse der Nordseite mit kräftiger, verkröpfter 
Rahmung vor pilasterartigen Wandvorlagen, darüber ein ebenfalls verkröpfter 
Segmentbogengiebel (Taf. 47b). In dem mit der Frieszone zusammen- 
gezogenen Giebelfeld auf einer flachbogigen Platte mit Volutenanschwüngen 
eine volutenumrahmte Kartusche mit dem Klosterwappen (zwei aufrecht- 
stehende Schlüssel) und in den Ecken die Jahreszahl 169^. Eine zweite recht- 
eckige Tür in der östlichsten Schiffsachse ist nachträglich gebrochen. Im 
Keller der westwärts anschließenden „Gärtnerwohnung" findet sich eine 
rundbogige Tür (zugesetzt) und ein Fenster zu den Tonnenkellern des Schiffes 
(s. o.), wonach die Westseite wenigstens zeitweilig freigelegen haben muß. — 
Der Turm ist über quadratischem Grundriß auf einem schräg ansteigenden 
Quadersockel aufgeführt. Sieben Geschosse: das oberste, durch ein Zwischen- 
sims abgesonderte Geschoß hat rundbogige Fenster und ein Kranzgesims wie 
Schiff und Chor. In den unteren Geschossen rechteckige Fenster. Tür nach 
Süden. Eine zweite, jetzt zugesetzte Tür ist im ersten Obergeschoß über der 
unteren Tür erkennbar. Auf der Nordseite ist neben dem Fenster des dritten 
Geschosses ein sandsteinernes, mittelalterliches Kreuz vermauert, möglicher- 
weise das Giebelkreuz der ehemaligen Kirche. Schiff und Chor haben ein 
gemeinsames, gaubenbesetztes Satteldach. Im Schiff Kehlbalkenkonstruk- 
tion mit liegendem Stuhl; Binder mit mittlerer, doppelter Hängesäule und seit- 
lichen Verstrebungen. Im Chor doppelte Kehlbalkenkonstruktion mit Kreuz- 
streben in den Bindern (teilweise erneuert und gesichert). Gauben mit Zier- 
spitzen. Hinter dem Westgiebel mit sandsteinerner Firstkugel ist ein acht- 
eckiger Dachreiter, der sog. Jungfernturm, aufgesetzt. Ursprünglich all- 
seitig offen, mit pilzförmiger Haube und darauf einer achteckigen Spitz- 
pyramide. Wetterfahne O. M. 1882. Der Turmhelm ist in karniesförmigem 
Anschwung ins Achteck übergeführt; darüber eine offene Laterne mit Kuppel- 
haube. Ursprünglich war noch eine zweite kleinere Laterne, ebenfalls von einer 
Haube überdeckt, vorhanden (vgl. den perspektivischen Gesamtplan, S. 125 
und zwei Werkstattzeichnungen mit Aufrissen der Kirche im Staatsarchiv 
Hannover (15)). Die alte Schieferdeckung ist ausbesserungsbedürftig. 



128 



HAUS ESCHERDE 




HAUS ESCHERDE 



129 




c 




y 5 




II 



130 HAUS ESCHERDE 

INNERES (Taf. 44b). 

Die ursprüngliche Raumwirkung ist durch die seit der Profanierung er- 
folgten Einbauten zerstört. Vor allem ist das Schiff vor etwa 15 Jahren durch 
einen Plankcnbodcn in Hohe der Nonnenempore unterteilt worden. Das 
obere Geschoß dient als Kornboden, im unteren, durch mehrere, teilweise 
ältere Querwände durchschnittenen Geschoß und im Chor lagern Kunst- 
dünger und Futtermittel. — Die Schilfs- und Chorwände sind durch hohe, 
rundbogigc Blendarkaden mit vorgelegten Pilastern gegliedert. Die Gebälk- 
stücke der Pilastcr sind mit dem obersten Gesimsteil in das umlaufende 
Deckengebälk einbezogen. Darüber setzt eine Bruchsteintonne auf, die durch 
flache Gurtbogen in einzelne Joche aufgeteilt ist. Zwischen den Gurtbogen 
steil ansteigende Stichkappen, die im Schiff bis in halbe Gewölbeböhe reichen; 
unabhängig davon sind Kreuzgrate unterstuckiert worden. In den engeren, 
niedrigeren Gewölben des Chores scheinen sich die Stichkappen im Gewölbe- 
scheitel zu berühren, so daß hier wirklich Kreuzgewölbe entstehen. Innerhalb 
der Stichbögen liegen die halbkreisförmigen Fenster. In den Giebelfeldern der 
Ost- und Westwand halbrunde Nischen und eine Kreisblende. Die drei 
Westjoche des Schiffes enthalten die ehemalige Nonnenempore auf sechs Sand- 
steinpfeilern mit gratigen Kreuzgewölben (Bruchstein?). Die Pfeiler sind unter- 
einander und mit den zugehörigen Wandpilastern durch segmentförmige 
Gurtbogen verbunden. In der Nord- und Südwand entsprechende Blend- 
bögen. Die drei westlichsten Gewölbe haben hängende, mit Eichblättern 
ornamentierte Scheitelzapfen. Gegen Osten hin öffnete sich die Empore in 
drei Korbbogenarkaden. An ihrer Stirnseite vorgelegte Pilaster; über den 
Scheiteln das Marien-, Jesus- und Josef- Signum. Die alte Emporenbrüstung 
fehlt. Auf der Südseite sind unter den Blendbögen nachträglich kleine, jetzt 
zugesetzte Lichtöffnungen gebrochen, die in den Dachstuhl (ehemals in das Ober- 
geschoß) des Kreuzganges führen; zwei ursprüngliche Querfensterchen be- 
finden sich in etwa gleicher Höhe in der vierten und sechsten Schiffsachse 
von Westen (ebenfalls zugesetzt). In der Westwand im Erdgeschoß und auf 
der Empore jeweils eine rechteckige Tür zu den Klausurgebäuden („Gärtner- 
wohnung"); eine zugesetzte Tür zum Äbtissinnenflügel in der ersten Chorachse. 
— Decke und Wände sind geputzt und geweißt. Schwache Reste von Be- 
malung in Braun und Blau. Am besten ist links im Chorbogen eine mit beiden 
Armen etwas auf dem Kopf tragende, langgewandete Figur zu erkennen. Auf 
den Gurtbögen ehemals wohl längliche Kassettenfelder und Eierstabfriese. 
Ähnliche Feldereinteilung mit Rosetten in den Fensterleibungen. Der Fuß- 
boden ist teils mit Sandsteinplatten (Grabplatten) belegt; teils ist es ein Lehm- 
estrich. — Das unterste Turmgeschoß ist mit einer gemauerten Tonne über- 
deckt, durch die hindurch eine Treppe nach oben führt (Anfang 19. Jh.). 
Ursprünglich war der Zugang zu den oberen Stockwerken nur durch eine über 
der Tonnen Wölbung liegende Tür vom Chor her und durch eine jetzt zuge- 
setzte, mit Leitern erreichbare Tür von Süden her möglich. 

AUSSTATTUNG. 

Die ehemalige Ausstattung ist in den 30ger Jahren des 19. Jhs. veräußert 
worden. In einem bei den Akten des Staatsarchivs Hannover befindlichen 
Inventarverzeichnis (16) heißt es 1831: „Es kann daher der Gottesdienst 
daselbst zu jeder Zeit eingestellt und der Verkauf der zu dem Kircheninventario 
gehörigen Stücke verfügt werden.". 1838 untersucht auf persönliche Anregung 
von König Ernst August Landbaumeister Wellenkamp die Möglichkeit, die 
Kirche der Benutzung zu ökonomischen Zwecken zu entziehen (16). 



HAUS ESCHERDE 131 

Nach vorläufiger Übersicht ergibt sich folgende Liste von ehemals in der 
Klosterkirche vorhandenen Gegenständen: Hochalter, angeblich aus Marmor 
und Alabaster. 1832 verkauft an die katholische Pfarrkirche in Harsum, Land- 
kreis Hildesheim; zerstört beim Brand der Kirche 1883. — Seitenaltar, 
um 1710. Karholische Pfarrkirche in Mehle. — Kanzel, um 1710. Eben- 
dort. — Gestühl: a) bei der Auflösung des Inventars in die evangelische 
Pfarrkirche nach Bethein gebracht, 1886 weiterveräußert; b) katholische Pfarr- 
kirche in Gronau (Nr. 6b, c). — Teile von Chorschranken (?), Anfang 
18. Jh. Kath. Pfarrkirche in Mehle. — Madonnen figur, um 1460. Eben- 
dort. — Madonnenrelief, Anfang 18. Jh. Ebendort. — Kopf einer weib- 
lichen Heiligen, Anfang 18. Jh. Evang. Pfarrhaus in Bethein. — Mehrere 
Gemälde des 17. und 18. Jhs. in den kath. Pfarrkirchen in Mehle und Gronau. 
— Kanzelkruzifix, i. Hälfte 18. Jh. Kath. Pfarrkirche in Mehle. — Reli- 
quienkästen, 18. Jh., in den kath. Pfarrkirchen in Gronau und Himmels- 
thür, Landkreis Hildesheim. — Zwei Glocken, 1662 und 1694. Bei der Auf- 
lösung des Inventars in die evang. Pfarrkirche nach Bolzum, Landkreis Hildes- 
heim, verkauft; später eingeschmolzen. — Verschiedene Meß- und 
Chorbücher des 17. und 18. Jhs. in den kath. Pfarrkirchen in Himmelsthür 
und Algermissen, Landkreis Hildesheim. — Vermutlich aus Haus Escherde 
stammen außerdem einzelne von den Holzplastiken in der kath. Pfarrkirche 
in Gronau und das barocke Gestühl in der Dorfkirche in Klein-Giesen, 
Landkreis Hildesheim. 

In Haus Escherde verblieben sind mehrere sandsteinerne Grabplatten 
im Fußboden der Kirche mit vertieften lateinischen Kapitalinschriften: 

1. Anseimus Schulte, f 1738, 12. VIII., in annum 8vnm praepos (itus ) 
post restit(utionem) decimiis aet(atis) 43. H. 1,93 m; B. 0,93 m. 

2. Joannes Breithaupt, f 1755, 26. IX., monasterii ad S. Godehardum 
professus huius monasterii 5 annis praepositus post restitutionem XII aetatis 48. 
H. 1,91 m; B. 0,93 m. 

3. Cherubim Hanebrinck, f 1761, 18. VII., H. 0,965 m; B. 1,01 m. 
Nur der obere Plattenteil ist erhalten. 

4. Bonifa cius Bentier, f 1802, i. X., ad S. Mich(aelem) Archfange- 
lum) Hildesii professus praepos (itus ) 24 fere annis post restitut(ionem) XV. 
H. 2,01 m; B. 0,915 m. 

5. Maria Gertrudis Betelman, f 1764, 27. VI.; reverendissima et 
amplissima domina . . . anno aetat(atis) 80 prof(essus) 60 regiminis 21 post 
restitutionem quarta. H. 1,67 m; B. 0,985 m. 

6. Zwei skulpierte S t ein pfos t en ; vermauert an dem Geräteschuppen 
hinter der großen Scheune des nördlichen Wirtschaftshofes. H. ca. i m. 
Volutenförmiger Schaft mit quadratischem Fuß und fünfseitiger Deckplatte. 
An der Vorderseite eine Maske mit Fruchtgehängen. Gegen 1700. Leicht 
bestoßen. Zusammengehörig mit den Pfosten an den Chorschranken in der 
kath. Pfarrkirche in Mehle (?). 

7. Turmuhr. Schmiedeeisen. Anfang 19. Jh. 



DIE EHEMALIGEN KONVENTGEBÄUDE UND DIE PROBSTEI (Taf. 
42c, 44a; Abb. 28, 31). 

Die Gebäude sind schlicht und schmucklos aufgeführt mit rechteckigen 
Fensteröffnungen und Satteldächern. Infolge des Geländeahfalles nach Süd- 



1132 HAUS ESCHERDE 

Westen (vgl. Kirche S. 126) sind innerhalb der Konventgebäude trotz gleicher 
Traufenhöhe teils drei, teils nur zwei Vollgeschosse ausgebaut. Die Bau- 
arbeiten scheinen mit dem Nordflügel des Kreuzganges und der Äbtissinnen Woh- 
nung auf der Ostseite des Klosterhofes begonnen zu haben und bald danach 
dürfte die 1735 datierte Probstei damit verbunden worden sein. 1739 und 1746 
sind der Westfiügel und die der Westseite der Kirche vorliegende jetzige Gärtner- 
wohnung gefolgt, 1751 ist der Hof durch den Südflügel geschlossen worden. 
Der nördliche Kreuzgangflügel (Taf. 43d). Ehemals zwei-, jetzt ein- 
geschossig mit einem gegen die Südwand des Kirchenschiffes gelehnten 
Pultdach. Die rechteckigen Fenster liegen sowohl auf der Außen- wie auf 
der Innenseite innerhalb großer flachbogiger Blendnischen; die rechteckige 
Tür unterhalb der zweiten westlichen Schiffsachse ist anscheinend nachträglich 
gebrochen (bzw. verändert). Korbbogige Kreuzgewölbe auf Konsolen ohne 
Gurtbögen. Unter die Grate sind Rippen unterstuckiert. Gegenüber der Tür 
ein Durchgängen die tonnengewölbten Keller unterhalb des Kirchenschiffes; 
daneben ist eine Scherwand quer durch den Kreuzgang gezogen (beides 
2. Hälfte 19. Jh.). Auf der West- und Ostseite setzt sich der Gang innerhalb 
der Konventflügel fort. Der Ostteil ist jetzt durch eine Wand abgetrennt, 
das (allein noch erhaltene) Eckgewölbe des Westteiles ist dagegen vom Nord- 
flügel aus noch zugänglich, auf dem Grundriß (S. 133) freilich nicht zu sehen, 
da die „ Gärtner wohnung" mit dem Rest des westlichen Konventflügels ein 
Stockwerk höher geschnitten ist. Daß über dem Erdgeschoß des Kreuzganges 
ehemals ein Obergeschoß vorhanden gewesen sein muß, wird durch die Spuren 
des Dachanfalles auf der Schiffswand in Höhe des unteren Drittels der Haupt- 
fenster bezeugt. Außerdem ist auf der Westseite der Äbtissinnenwohnung die 
untere Ecke des der Kirche nächstliegenden Fensters des obersten Stockwerkes 
von der einstigen Dachschräge abgeschnitten, und auch die kleinen, niedrig 
liegenden Fenster in der Südwand der Kirche sind nur im Zusammenhang mit 
einem Kreuzgangobergeschoß recht zu verstehen. — Die Äbtissinnen- 
wohnung setzt an die beiden östlichen Achsen des Kirchenschiffes an und hat 
auf der Ostseite sieben, auf der Westseite sechs Fensterachsen. Die Westseite 
ist dreigeschossig, die Ostseite, vor der ein teilweise künstlich aufgehöhter Vor- 
garten liegt, zweigeschossig über einer niedrigen Kellerzone. In der Mittel- 
achse dieser Seite ist nachträglich eine Tür mit steinerner Freitreppe und ge- 
schlossener Veranda angelegt (i. und 2. Hälfte 19. Jh.). Im Inneren zeigen die 
Wohngeschosse zwei Reihen Zimmer, die im Hauptgeschoß durch einen Mittel- 
saal unterbrochen werden. Im einzelnen ist alles verändert. Unterhalb der 
Wohngeschosse liegt auf der Ostseite ein tonnengewölbter Längskeller, auf der 
Westseite in gleicher Höhe der Kreuzgang (jetzt in Zimmer unterteilt). In den 
an die Kirche anstoßenden Nordzimmern sind die Wandvorlagen der Schiffs- 
wand ebenso wie in Höhe des ehemaligen Obergeschosses des nördlichen 
Kreuzgangflügels durchgeführt. Die Anlage beider Teile setzt also zweifellos 
einen gewissen zeitlichen Abstand von dem Bau der Kirche voraus. — Im 
Süden ist der Äbtissinnnen wohnung der Rest des südlichen Konvent- 
flügels vorgelegt, der durch eine in Rohquadern aufgeführte Giebel wand 
abgeschlossen wird. Die Obergeschosse liegen wesentlich tiefer als in der 
Äbtissinnenwohnung, ebenso der Dachfirst; das Verbindungsstück zum Dach 
des Äbtissinnenflügels ist nachträglich zwischengeflickt. In der Giebelwand 
drei Inschrifttafeln: a) 7676 in Volutenrahmung; b) das Schlüsselwappen des 
Klosters mit Kleeblatt, den Initialen MM AG und der Jahreszahl 17 p ; c) 1877. 
Tafel b stammt wohl sicher aus dem abgerissenen Teil des Flügels, Tafel a 
entweder von einem älteren Teil innerhalb desselben oder (wahrscheinlicher) 



HAUS ESCHERDE 



133 




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134 HAUS ESCHERDE 

von einem anderen, nicht unmittelbar zugehörigen Gebäude; Tafel c gilt der 
Errichtung der jetzigen Giebclwand. Wie die niedrige Lage des ersten Ober- 
geschoßbodcns beweist, ist der Kreuzgang zweifellos entgegen dem ursprüng- 
lichen Plan im Südflügel nicht weitergeführt gewesen. An der Südostecke ist 
dort, wo er umbiegen müßte, eine Nebentreppe angelegt (19. Jh.). Die Wohn- 
zimmer in den Obergeschossen zeigen noch die alten, sehr schlichten Formen. 
Im ersten Obergeschoß ist ein Teil zu dem Zwischenbau zwischen Südflügel 
und Probstci hinzugezogen worden. Auffällig ist, daß, obgleich der Südflügel 
zweifellos jünger als die Äbtissinnenwohnung ist, zwischen beiden Teilen 
keine Brandmauer gezogen ist. Möglicherweise war die Äbtissinnenwohnung 
vor Anbau des Südflügels zunächst provisorisch weitergeführt, um die Ver- 
bindung mit dem (geplanten) Probsteibau zu gewinnen. 

Die „Gärtnerwohnung" ist vor die Westseite der Kirche in einer Länge 
von drei und einer Breite von vier Achsen vorgebaut. Nach Norden zeigt sie 
zwei Geschosse mit hohem Kellergeschoß, nach Westen ist sie in der Außen- 
ansicht voll dreigeschossig. Mitteltür auf der Nordseite mit Holzgewänden 
(19. Jh.) über Steintreppe (Zementwangen); ursprünglich war nur die kleine 
Kellertür rechts davon vorhanden. Über dem Mittelfenster des ersten Ober- 
geschosses eine Wappentafel mit den Klosterschlüsseln unter einer Krone, 
den Initialen MMDG und der Jahreszahl 1746. Das Innere ist im 19. Jh. ganz 
verändert. Auf der Südseite setzt in geringerer Breite der Rest des west- 
lichen Konventflügels an (zwei Achsen). Die südliche Giebelwand ist 
wie die Westwand des südlichen Kreuzflügels in Rohquaderwerk aufgeführt. 
Darin eingemauert eine Platte mit den Klosterschlüsseln, einem Kleeblatt, den 
Initialen CD und der Jahreszahl 1739; anscheinend aus dem abgebrochenen 
Teil des Flügels. Die Höhen der Geschoßböden entsprechen denen der 
Gärtnerwohnung und der Äbtissinnenwohnung, doch sind die Fenster des 
ersten Obergeschosses niedriger als dort. Die Ostwand gegen den nördüchen 
Kreuzgang hin ist stark ausgebessert. Der Kreuzgang selbst war im West- 
flügel weitergeführt (s. S. 132). 

Die Probstei besteht aus zwei Teilen: dem in sich symmetrischen Haupt- 
bau und einem westwärts in gleicher Breite daran anschließenden Verbin- 
dungsbau gegen die Klosterflügel hin. Der Hauptbau ist dreigeschossig mit 
einem gegen Osten abgewalmten Dach, neun Achsen breit, drei Achsen tief. 
An den Ecken Sandsteinvorlagen, auf der Ostschmalseite ein erkerartiger 
Mittelrisalit mit einer dem Hauptdach entsprechenden Walmabdeckung. Dach- 
sims in Holzschalung. In der Mittelachse eine Wagendurchfahrt mit Korb- 
bogen. Darüber auf der Nordseite eine stark verwitterte Sandsteinplatte mit 
dem nicht mehr erkennbaren Klosterwappen (?) und der Jahreszahl //jj in 
den Ecken. In der zweitwestlichen Achse der Nordseite die Haupttür zur 
Diele mit verkröpfter Rahmung und querrechteckigem Oberlicht. Weitere 
Türen in der zweitöstlichen Achse nach Süden und Norden sowie in dem 
Risalit der Schmalseite. Im Dach auf der Nordseite ein Erker mit Ladetür; 
neben dem Schmalseitenrisalit eine moderne Veranda. — Der Verbindungsbau 
hat das gleiche Dachgesims und an der freiliegenden Südwestecke eine ent- 
sprechende Eckvorlage wie der Hauptbau, mit dem er zusammengehört. 
Dagegen sind die Geschoßböden und die Traufkante (bei gleichbleibender 
Firstlinie) in dieselbe Höhe wie in der Äbtissinnenwohnung gesenkt worden. 
Die Nordseite ist infolge des erhöhten Vorgartens vor der Äbtissinnenwohnung 
zweigeschossig mit einer an Stelle der beiden mittleren Hauptgeschoßfenster 
nachträglich gebrochenen Tür (19. Jh.), nach Süden dreigeschossig mit Tür 



HAUS ESCHERDE 135 

in der zweitwestlichen Achse. Moderner Klosettanbau in der Ecke gegen den 
südlichen Konventflügel. Die Westgiebelwand ist über einem schmalen Dach- 
streifen zurückgesetzt und mit Schiefer verkleidet. Da der Zwischenbau auf 
den Äbtissinnenflügel Bezug nimmt, wird dieser zur Zeit des Probsteibaues 
schon bestanden haben; eine gleichzeitige Ausführung wird vor allem durch 
die Verschiedenheit des Materials der Hausteinglieder (im Äbtissinnenflügel 
wie in allen Konventfiügeln grauer Sandstein, in der Probstei gelber Sand- 
stein) ausgeschlossen. — Inneres. Im Erdgeschoß ist der Teil östlich der 
Durchfahrt ganz für sich abgeschlossen mit einem tonnengewölbten Wein- 
keller nach Süden, einer Wohnung nach Norden. Im Risalit eine Wendel- 
treppe (um 1800). Westlich der Durchfahrt liegen im Hauptbau die Diele mit 
der Treppe (gebauchte runde und viereckige Eichendocken), im übrigen 
zumeist Wirtschaftsräume. Im Zwischenbau nach Norden gewölbte Keller. 
Im Hauptgeschoß und zweiten Obergeschoß ist im Hauptbau ein mittlerer 
Längsgang angeordnet, an dem die einzelnen Zimmer liegen. Die alten Türen, 
z. T. mit bleiverglasten Oberlichtern, sind mehrfach erhalten. Das Ostende 
des Ganges ist in beiden Geschossen nachträglich verbaut. Im Zwischenbau 
wird der größere Teil des Hauptgeschosses von einem Saal eingenommen, 
der auch noch ein Stück in den südlichen Konventflügel hineinreicht. Er hat 
eine flache Balkendecke, die innerhalb des Zwischenbaues durch vier, gegen 
den südlichen Konvenflügel hin durch drei weitere verschalte Holzpfeiler ge- 
tragen wird. Von ihm aus führt einerseits eine Tür zur Äbtissinnenwohnung, 
andererseits über eine um mehrere Stufen versenkte Plattform der Zugang 
zu den Räumen des südlichen Konventflügels. Jetzige Ausgestaltung des Saales 
Anfang 19. Jh. Im zweiten Obergeschoß ist über dem Saal der Längsgang 
des Hauptbaues mit verschobener Achse weiter bis zur westlichen Giebelwand 
des südlichen Konventflügels durchgeführt. 

AUSSTATTUNG. 

Den Rest der alten Ausstattung bilden dreizehn Brustbilder von Pröbsten 
des Klosters und von zwei unbekannten Herren in der Probstei und im Äb- 
tissinnenflügel, eine perspektivische Ansicht des Klosters in der Schule und 
einige Gemälde, die im 19. Jh. in das katholische Pfarrhaus nach Gronau 
gelangt sind (s. dort S. 113). — Die Bildnisse, Öl auf Leinewand, haben ein- 
farbig dunklen Grund, diejenigen der Pröbste zeigen zumeist eine gemalte 
ovale Innenrahmung, dazu Namensbeischriften in einer Kartusche oder am 
unteren Rand und in den Zwickeln der Ovale. 

1. Joannes Haxthausen ex Corvey p(raepositus) c(lectus) XXIII. 
H. 0,765 m; B. 0,60 m. Schrift aufgefrischt ( ?). Auf der Rückseite des Rahmens 
in Tinte: Fürs Patret (! ) des H. P. . . zu S. Michael. Haxthausen kam 1663 
nach Haus Escherde (Hennecke). 

2. Placidus Meibaum, praepositus Escher densis profess(us) ad S. Micha- 
elem ohiit 169J 2$ Apilis (! ). H. 0,76 m; B. 0,615 n^- 

3. Bernardus Hembker praepositus Escherdensis profess(us) ad S. 
Michaelem 169 j. H. 0,76 m; B. 0,605 ^n. 

4. Wolfgang Wilkingckhof impf erialis ) mon(aste)rii Werthinensis capi- 
tularis electus praepositum Escherdensem anno i6g8 25. Jan. depictus anno Christi 
1699 20. July anno aetatis ultra medietatem expleto. H. 0,755 n^> ß- 0,605 n^- 
Neu gefirnißt. 



136 HAUS ESCHERDE 

5. Bencdictusl praepositus Escherdensis XXIX{\s. Nr. 6) adS.Godeh(ardum) 
Hildesij ' professus ', natus 16$$, religionem ingressus i6jj, electus ijoi. depictus 
17 17, Obiit 17 17 24 Xbris. H. 0,76 m; B. 0,655 m. Neu gefirnißt. 

6. Ludgerus Loycr professus in Liesborn praepositus XXIX (! s. Nr. 5) 
obiit 1730 8. Oct. aetat(is) 63. H. 0,765 m; B. 0,69 m. Farbschicht stellen- 
weise abgeblättert. Neu gefirnißt. 

7. Ansclmus Schulte prof(essus) regal(is) mon(asterii) ad S. Petrum 
Erfur(dii) pracpos(itus) Escherd(ensis) electus a(nn)o 1730 die 30 gbr. pict(us) 
17 31 die 2. Xbr. aetat(is) 36 compl(etae). H. 0,765 m; B. 0,61 m. 

8. Jacobus Blume praepositus Escherdensis XXXI ad S. Codellarum (!) . . . 
H. 0,78 m; B. 0,65 m. 

9. Joannes Breithaupt a^.S". Godehard(um) Hildesii profes(sus) electus 
a(nn)o 17 $2 16. Xbris obiit 17 SS 26. 7 bris aetatis 48 praepositurae 3tio. H. 0,82 m; 
B. 0,64 m. Neu gefirnißt. 

10. Cherubim Hannebrinck ad S. Michaelem arch(angelum) Hildesii 
professus electus 17 $S 4. Novfemjbris obiit 1761 18 Julii aetatis 6^ praepositurae 
6 '2. Auf der Rückseite: Nicolaus Rademacher gemacht anno 1756- H. 0,69 m; 
B. 0^76 m. 

11. Unbekannter Probst. H. 0,53 m; B. 0,385 m. 2. Hälfte 17. Jh. 

12. Unbekanntes Herrenbildnis. H. 0,74 m; B. 0,61 m. Schwarze 
Allongeperücke. Scharlachroter Umhang. Um 1700. 

13. Unbekanntes Herrenbildnis. H. 0,735 "^j ß- o?59 n^- Jugend- 
lich; in Allongeperücke und Rüstung. Auf einem Tisch linker Hand eine Art 
Mitra mit abgerundeten Spitzen und krönendem Kreuz. Anfang 18. Jh. 

14. Perspektivischer Plan des Klosters (Abb. 28). H. 0,604 m; 
B. 0,862 m. Federzeichnung auf Papier, mit Leinewand hinterklebt. Die 
landschaftlichen Teile sind grün und braun aquarelliert. Ansicht von Norden 
her. In der rechten oberen Ecke das Klosterwappen, von Engeln getragen, von 
der Madonna mit Kind bekrönt. Links unten nochmals das Wappen und eine 
querrechteckige Tafel mit teilweise unleserlicher Beschriftung; oben: Reveren- 

dissimae dominae . . . monasterij huius Escherdens dignissimae . . . . , darunter : 

Explicatio literarum : A Die Kirche, B . . . .elt und Convent, C Probstey, D Brau- 
haus, E Bfack und] Waschhaus, F der Schaff-Stall, G Schweine Stall, H ■ . . 
Pferdeställe, Ste . .inen (?), I die Meyerey . ., K Gänse und Hühfnerhajus, 
L die Scheuren, M ordinäre Pferde Ställe, N die Schmiede, O das Pforthehauß . , 
P der Krug vor dem Closter. Die Buchstaben sind den einzelnen Gebäuden 
nicht beigeschrieben, doch läßt die Reihenfolge eine Identifizierung zu. Ein 
Anhaltspunkt für die Datierung ergibt sich besonders daraus, daß der Korn- 
speicher neben der Probstei anscheinend erst nachträglich in den Plan ein- 
getragen ist: Die Zeichnung ist im Gegensatz zu der übrigen Darstellung 
völlig unperspektivisch verschoben, der Bau selbst ist in der „Explicatio" 
nicht aufgeführt, falls sich nicht der unleserliche Zusatz unterhalb von H auf 
ihn bezieht. Da nun der Speicher sicher gleichzeitig mit der 1735 datierten 
Probstei ist (vgl. Wirtschaftsgebäude Nr. 6), muß der Plan vorher, etwa 
zwischen 1710 und 1735 entstanden sein (gegen eine noch frühere An- 
setzung sprechen die Rahmenornamente der Explicatio-Tafel). Er gibt also 
nicht die vollendete Klosteranlage, sondern das erst teilweise verwirklichte 
Projekt. Im wesentlichen ist man diesem bis zum Schluß gefolgt; über einzelne 
Abweichungen vgl. S. 126, 137. Die Erhaltung des Planes ist schlecht; 
verschiedentlich sind Stücke des brüchig gewordenen Papieres abgesprungen 
und ist auch das Leinewandfutter durchstoßen (geflickt). 



HAUS ESCHERDE 137 

WIRTSCHAFTSGEBÄUDE. 

SÜDLICHER WIRTSCHAFTSHOF (Abb. 27, 28). 

1. Schaf st all. An den Giebelseiten rundbogige Tore, darüber Tafeln 
mit den Baudaten: Anno 1680 und 1681. Die großen rechteckigen Fenster im 
Oberteil der nördlichen Längswand und zwei kleinere Fensteröffnungen in der 
Südwand sind ursprünglich, alle übrigen Türen und Fenster nachträglich ge- 
brochen. Auf der Südseite im Dach zwei Ladeerker mit geschweiften Wind- 
latten. 

2. Schweinestall, anscheinend im Verband mit dem Schafstall. Fenster 
und Türen (eine davon nachträglich) gegen den Hof hin. 

3. Torgebäude. Im Scheitel der rundbogigen Toröffnung der Außen- 
seite datiert anno ijii. Obergeschoß der Innenseite Fachwerk (abweichend 
von dem perspektivischen Plan). 

4. Stall, anschließend an das Torgebäude. Ehemals länger; die Nord- 
schmalseite durch eine Fachwerkwand nachträglich abgeschlossen. Oberteil 
der westlichen Langseite ebenfalls Fachwerk. i. Hälfte 18. Jh. 

5. Pferdestall. Einstöckig mit querliegendem zweistöckigen Wohnteil. 
Mauerwerk Rohquader. Wohl 1840 (16). 

6. Kornspeicher. Zweistöckig mit Walmdach. Unten hochrechteckige, 
oben querrechteckige Fenster. Eckvorlagen, Tür- und Fenstergewände aus 
dem gleichen Stein und in der gleichen Art wie an der Probstei. Dacherker 
und Schleppluken erneuert. Um 1735. 

7. Schweinestall, nördlich an den Schafstall angrenzend. In dem 
perspektivischen Plan als Back- und Waschhaus bezeichnet. Einstöckig mit 
vortretenden Eckquadern. Walmdach. Inschriftplatte über der Osttür: 
Aedificatum sub r(e)v(erendissi)ma domina M. Francisca Anno 177 1. 

8. Keller, vor dem ehemaligen südlichen Konventflügel. Auf drei Seiten 
freiliegend. Tonnengewölbt. 17./18. Jh. Der Keller befindet sich an der 
Stelle, an der auf dem perspektivischen Plan das große Brauhaus erscheint, 
doch kann der früher vorhandene (?) Oberbau mit diesem nicht indentisch 
gewesen sein (lichte Maße des Kellers 14,10 m; 7,50 m). Das Brauhaus ist 
anscheinend überhaupt nie ausgeführt worden. 

NÖRDLICHER WIRTSCHAFTSHOF (Taf. 42a; Abb. 27, 28). 

9. Viehstall. Zweigeschossig mit Satteldach. An der östlichen Giebel- 
seite in Tiefe von vier Achsen Wohnteil und Meierei. Auf der Giebelwand 
in Eisenankern 1722. Etwa im zweiten Drittel seiner Länge ist der Bau von 
einer über das Dach emporstehenden Brandmauer durchschnitten; gleichwohl 
wird der kürzere Westteil nur unwesentlich später zu datieren sein als der 
Ostteil (eine Mauerfuge ist nicht erkennbar). Die Kantensteine an den 
Schrägen des Westgiebels (abweichend von dem perspektivischen Plan) sind 
erneuert ; Fenster und Türen beider Langseiten, vor allem der Nordseite, sind 
weitgehend versetzt, vermehrt und mit neuen Gewänden versehen. 

10. Große Scheune. Unverputzt. Satteldach. Rundbogige Einfahrten. 
An der östlichen Giebelwand in Eisenankern 1720. 

11. Geräteschuppen, westwärts anschließend an die große Scheune. 
Von dem ursprünglichen Bau der i. Hälfte des 18. Jhs., der kleiner als auf dem 
perspektivischen Plan gewesen ist, steht die Nordwand. Süd- und Westwand 



1:58 



HAUS ESCHERDE 



sind in Backstein erneuert; darin vermauert zwei skulpierte Sandsteinpfosten 
aus der Kirche, s. Ausstattung Nr. 6. 

12. Ackerpferdestall, ostwärts an die große Scheune anschließend. 
Am Ostendc eine zweigeschossige Kutscherwohnung. Der Stall selbst war 
ursprünglich eingeschossig, das Bodengeschoß ist nachträglich aufgesetzt. 
Fenster teilweise erneuert. Im Inneren gratige Kreuzgewölbe (Bruchstein) 
auf Mittelpfeilern und Wandvorlagen (Taf. 43c). 2. Viertel 18. Jh. 

13. Schmiede. Zwei Geschosse mit steilem Walmdach. Ältester Teil die 
heutige Nordhälfte. Rhombischer Grundriß. Tür und Fenster auf der Vorder- 
seite mit Sandsteingewänden, sonst Zargenfenster. 2. Viertel 18. Jh. Er- 
weiterung nach Süden in Fachwerk um 1800. Die Westseite dieses Teiles 
in Backstein massiv erneuert (weiß geschlemmt). 




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Abb. 32. Haus Escherde. Schnitt undGrund- 
riß des Taubenturms, nach einer Auf- 
nahme des Hochbauamts Hildesheim. 
M. 1:250. 



14. Taubenhaus. Achteckig. Am Türsturz datiert Anno 1718. Darüber 
das Klosterwappen mit den Initialen OD. Geschweifte Haube. Schiefer- 
deckung größtenteils erneuert. Innen ein senkrecht um seine Achse drehbarer 
Lattenkamm. 

15. Tor ha US. Zweistöckig. Satteldach mit Steil walm nach Westen; im 
Osten eine nachträgliche Giebelwand. Durchfahrt im 19. Jh. erweitert. Fenster 
erneuert. 2. Viertel 18. Jh. 

AUSSERHALB DER KLOSTERMAUERN LIEGENDE GEBÄUDE, die zum 
Kloster gehören oder gehört haben. 

16. Die ehemalige Obermühle (Knochenmühle, Taf. 43a). Hinter 
dem Staudamm des „Jungffern-Teiches". Zweigeschossiger Fachwerkbau 
mit massiver Ostgiebelwand (Bruchstein). Das Obergeschoß ist nach Süden 
vorgekragt. Unter den Dachbalken Sförmige Volutenkonsolen. Auf der Nord- 
seite ehemals ein oberschlächtiges Rad. 2. Hälfte 17. Jh. Die Westseite ist 
mit Pfannen behangen, das Erdgeschoß teilweise in Backstein unterfangen. 
Als Wohnhaus ausgebaut. 



HAUS ESCHERDE 139 

17. Die ehemalige Mittelmühle (Jungmühle), an einem zweiten 
Stauteich unterhalb des ersten. Eingeschossig. Das Nordende ist über den 
Abfluß des Teiches übergebaut und enthielt in dem zufolge des abfallenden 
Baugrundes teilweise freiliegenden Kellergeschoß ehemals ein oberschlächtiges 
Rad und dahinter das Malgeschirr. Ostbreitseite und Kellergeschoß sind 
massiv in Bruchstein aufgeführt, die übrigen Wände sind bzw. waren Fach- 
werk (Satteldach). Neben dem Osteingang eine Platte mit der Jahreszahl 7676. 
An der Südwestecke ein Fachwerkanbau. Das Fachwerk der Süd- und West- 
seite ist erneuert, auf der Westgiebelseite ist es durch eine miassive Backstein- 
wand ersetzt. Als Wohnung ausgebaut. 

18. Die Untermühle (Rote Mühle; Taf. 43b; Abb. 30a,, b auf S. 129); 
nördlich vor Eddinghausen an einem dritten Stauteich. Seit 1935 Privatbesitz. 
Zweistöckiger massiver Bruchsteinbau mit pfannengedecktem Walmdach. Tür- 
und Fenstergewände Sandstein. Wandflächen alt verputzt. Die Nordostbreit- 
seite lehnt sich gegen den Staudamm des Teiches an und hegt infolgedessen 
nur im Obergeschoß frei. Das oberschlächtige Rad befindet sich ebenso wie 
ehemals in der „Jungmühle" im Inneren hinter der Ostschmalseite innerhalb 
eines Raumschachtes, der sich nach Süden für das abfließende Wasser in einem 
hohen Rundbogen öffnet (das Freiwasser wird außerhalb des Hauses vorbei- 
geführt; jetzt verdeckt). Neben dem Rad im Erdgeschoß das Malgeschirr und 
Ställe. Im Obergeschoß nach Nordwesten Wohnräume, zugänglich durch 
eine hölzerne Außentreppe in der Mitte der Nordwestschmalseite; daran 
anschließend die Malstube mit einer Tür gegen den Staudamm, und etwas 
erhöht über der Radkammer ein Getreidespeicher. Am Sturz der Nordtür 
die Jahreszahl 1724. Nach Süden ein nachträglich gebrochenes Fenster. 

19. Der ehemalige Klosterkrug, jetzt staatliche Försterei; an der 
Straße nördlich vor der Klostermauer. Zweistöckiger Bruchsteinbau mit 
pfannengedecktem Krüppelwalmdach. Ostgiebelfeld Fachwerk. Tür- und 
Fenstergewände Sandstein. Wandflächen alt verputzt. Am Sturz der Haustür 
in der Mitte der Ostschmalseite datiert iyi6. Auf der Westschmalseite schließt 
in gleicher Tiefe ein einstöckiger ebenfalls massiver Stallteil an mit steilem 
Walmdach und großem Ladeerker gegen die Straße. Gleichzeitig. Verputz er- 
neuert. Wageneinfahrt und Stalltür modern. 

20. Wohnhaus, an einem Teich oberhalb des Klosterbezirkes. Ein- 
stöckiger Fach werkbau mit geputzten und ge weißten Gefachen. Am Tür- 
sturz: M. F. V. H. A(hbatissa) B(onifacius) B( entler) P(raepositus) 1791. 

21. Arbeiterhaus, am Wege nach Eddinghausen. Gleichartig. Am 
Türsturz: M. W. B. D(omina) B(onifacius) B( entler) P(raepositus) 1796. 

PARK UND WIRTSCHAFTSGARTEN. 

Nach dem perspektivischen Plan des Klosters lag hinter dem Westkreuz- 
flügel der sog. Jungfern- Garten, ein Baumgarten mit einer Allee längs des 
Jungfern-Teiches ; nördlich des großen Wirtschaftshofes ist ein weiterer Baum- 
garten, in dem sichtbaren Teil östlich der Klostergebäude ein Küchengarten 
angegeben. — Heute ist der Jungfern- Garten teilweise Ziergarten — die 
Buchenallee ist erhalten — , teilweise ebenso wie der alte Baumgarten im Norden 
Gemüsegarten. Der ganze östliche Teil ist ein frei angelegter Park aus der Zeit 
des Grafen von Merveldt (1811 — c. 1838). Von diesem stammt auch eine Reihe 
sandsteinerner Gartenfiguren (H. 1,65 — 1,80 m): a) die Jahreszeiten, dar- 
gestellt durch Flora, Demeter, Bacchus (als Hermaphrodit) und durch einen 



140 HAUS ESCHERDE 

langbärtigen Alten mit brennendem Kohlenbecken (auf einer von einem Bach 
umflossenen künstlichen Insel, nördlich vor dem Klosterbczirk) ; b) andere 
Göttergestalten : Apollo, Athena, Aphrodite Kallipygos, Leto (auf einer Insel 
im Jungfern-Teich). 



HEINSEN 

Gut. 8 km südwestlich von Gronau. Heinsen war ursprünglich ein Dorf, das 
1382 urkundlich als Heynhusen vorkommt (i) und zu Anfang des 17. Jhs. aus fünf 
Kothöfen bestand. 1593 wurde hier der nachmalige braunschweig-lüneburgische 
Kanzler Jacob Lampe (Lampadius) als Sohn eines Kötners geboren. Er erwarb in 
späteren Jahren die Ländereien des durch den dreißigjährigen Krieg vermutlich 
gröl3tenteils verödeten Dorfes und vereinigte sie zu einem Gut, das von dem Landes- 
herren Herzog 'Friedrich Ulrich von Braunschweig zur Belohnung seiner Verdienste 
von Abgaben befreit wurde. 171 1 kam es in die Hand des Kanzlers Christian Ulrich 
von Hardenberg (1693 — 1732), unter dem es durch königliche und kaiserliche Ur- 
kunden 1726 und 1729 adelige Gerechtsame erhielt. Nachdem der Sohn Christian 
Ulrichs, Christoph Friederich v. Hardenberg, 1752 kinderlos gestorben war, ging 
es durch die Wiederverheiratung von dessen Frau Marie Charlotte, geb. v. Donop, 
in V. Düringschen Besitz über. 1796 kaufte es die verwitwete Legationsrätin Amalie 
Gertrud v. Hammerstein auf Apelern. In der Familie v. Hammerstein blieb es bis 
1926, wo es der jetzige Besitzer Herr C. Barkhausen erwarb. 

Quellen: U. B. Hochstift Hildesheim VI 546 S. 397 (i) — Gutsarchiv Heinsen, 
1924 verbrannt. Repertorium, 190203 von Ludwig Freiherrn v. Hammerstein- 
Gesmold aufgestellt, abgedruckt in Peters, Archivinventare S. 62 — 70 — Staats- 
archiv Hannover: Hann. Des. 74. Amt Gronau IV Nr. 27. — Literatur: Baring I 
S. 231 — 237 — W. K. K. V. Hammerstein und E. F. V. v. Hammerstein: Geschichte 
der Freiherrlich v. Hammersteinschen Familie S. 450 f., 483 f. — Hennecke, in 
,, Unsere Heimat" S. 438, 439 — Rudorflf, Zs. 1858 S. 302 — 304 — Sonne V S. 401 
— Joh. Wolf, Geschichte des Geschlechts v. Hardenberg S. 188. 




Abb. .33. I Icinscii. Siluationspian des Gutshofes nacli der Kataster- 
kalte von 1872. M. 1:6400. 

ANLAGE. 

Der auf der Nordostseite am Fuße des Thüster Berges gelegene Gutshof 
bildet ein langgestrecktes regelmäßiges Rechteck. Die obere, westliche Schmal- 
seite nimmt das Herrenhaus ein, das durch einen halbrunden Vorgarten von 
dem übrigen Hofraum abgesondert ist. Auf den Längsseiten ziehen sich die 
reihenmäßig zusammengeschlossenen Wirtschaftsgebäude hin, die an ihrem 
Westende nach dem Herrenhaus zu jeweils eine Hofbeamtenwohnung enthalten. 
Die Ostseite ist links und rechts der achsengerecht angelegten, durch Sand- 
steinpfeiler flankierten Hofeinfahrt mit zwei ehemals als Gegenstücke auf- 
geführten Gebäuden (einem Wohnhaus und einem Stall) besetzt. Parallel 
dazu sind außerhalb des geschlossenen Hofes ein Torwächterhaus und die 
ehemalige Gutsmühle angeordnet. Letztere wurde durch zwei hinter den Hof- 
gebäuden der Südseite angelegte Stauteiche versorgt. Der obere Teich gehört 
mit zu dem Ziergarten, der im Süden und Westen das Herrenhaus umgibt 
und nach Norden in einen Küchen- und Obstgarten übergeht. Hinter den 
Wirtschaftsgebäuden der Nordseite schließen Koppeln an. Zwei Katen liegen 
längs der Zufahrtsstraße. 



HEINSEN 1-tl 

In den wesentlichen Zügen geht die Anlage anscheinend auf Christoph 
Friedrich von Hardenberg zurück; sie fällt etwa in die Zeit 1735 — 45. Die 
Hofgebäude sind allerdings im Laufe des 19. Jhs. teilweise erneuert worden; 
das Herrenhaus mußte nach einem Brande 1924 ganz neu ausgebaut werden 
(Architekt J. Frhr. v. Wangenheim, Wunstorf). 

HERRENHAUS UND GARTEN. 

Das Herrenhaus ist ein einstöckiger rechteckiger Bau mit hohem, pfannen- 
gedecktem Mansarddach (Taf. 33a, c). Das Baumaterial ist Bruchstein. Die 
Wandflächen sind mit Kalk neu verputzt, Sockelzone und Obergeschoß des 
Risalits zum Hof (s. u.) sind mit Sandwerkstein verkleidet, der auch für die 
dekorativen Gliederungen, für Gesimse, Tür- und Fenstergewände verwandt 
ist. An den Ecken vortretende verzahnte Quader. Die Hoffront hat elf Achsen, 
von denen die drei mittleren innerhalb des erwähnten Risalits zusammengefaßt 
sind. Er ist zweigeschossig überhöht; im Erdgeschoß wird er durch vorge- 
blendete gequaderte Korbbögen, im Obergeschoß über dem in Traufhöhe ge- 
zogenen Zwischengesims durch gekuppelte Pilaster (mit Volutenkonsolen an 
Stelle von Kapitalen) gegliedert. Über dem mittleren der drei flachbogigen 
Fenster liegt ein Dreiecksgiebel, der eine bekrönte Kartusche mit den ver- 
schlungenen Initialen C rAm/o/)/?.^ j z^ ron ) Hfardenbergj enthält. Die Fenster 
— im Erdgeschoß durchgehend rechteckig — haben eine im ursprünglichen 
Sinn erneuerte enge Sprossenteilung. Vor der Haustür, in der Mitte der 
Fassade, liegt eine doppelarmige, nach den Seiten und nach vorn breit 
und frei ausschwingende Sandsteintreppe mit einem Eingang zum Keller 
unter dem Mittelpodest. Querrechteckige Kellerfenster. Die Gartenfront, zu 
neun Achsen, hat ebenso wie die Hofseite einen dreiachsigen Mittelrisalit, 
der aber nur anderthalb Geschosse hoch ist und durch einen breiten Dreiecks- 
giebel geschlossen wird. Die Fenster des oberen Halbgeschosses und die 
Kellerfenster sind flachbogig. Schlichte Freitreppe vor der Mitteltür mit er- 
neuertem Eisengeländer. — Die Schmalseiten sind sechsachsig mit teilweise 
zugesetzten Fenstern. Auf der Nordseite befindet sich eine Nebentür mit 
neuer Treppe. — Das Dach ist der einzige für die äußere Erscheinung des 
Baues wesentliche Teil, der nach dem Brand von 1924 gegenüber dem alten 
Zustand verändert worden ist. Es war ursprünglich höher, der Mansarden- 
knick lag in einer Linie mit dem Deckgesims des Hofrisalits bzw. mit der 
Giebelspitze des Gartenrisalits, und an Stelle der heutigen Mansard- 
fensterreihen waren einzelne gegiebelte Gauben angebracht (Taf. 33 c). — 
Im Inneren mußte 1925 die Raumanordnung so gut wie ganz neu geschaffen 
werden, da einzig die Innenwände des Gartensaales noch stehengeblieben 
waren. Vor dem Brande lag die Treppe im Nordwestteil des Hauses; der 
anderthalbstöckige Saal zeigte reiche Stuckdekoration mit eingelassenen 
Bildern; die Mitte der Rückwand wurde von einem Kamin eingenommen. 
In den anderen Zimmern waren Öfen aufgestellt, hinter denen die Wände 
mit Delfter Kacheln verkleidet waren (mehrere Kacheln sind noch erhalten). 
Ein Keller befand sich ursprünglich nur unter der Westhälfte des Hauses. 
Als man bei dem Neuausbau auch die östliche Hälfte unterkellerte (deren 
Sockelzone ehemals nur blinde Fenster gehabt hatte), stieß man im Fundament 
auf eine flachbogige Nische mit dem Gerippe eines als Bauopfer eingemauerten 
Hundes (die Angaben über den Zustand und die Veränderungen des Hauses 
nach dem Brand von 1924 stützen sich auf frdl. Mitteilungen des Architekten 
des Umbaues, Freiherrn von Wangenheim, Wunstorf, und des Herrn Lehrers 



142 HEINSEN 

Barner, Kreispflegers in Alfeld, ehemals in Deilmissen; von letzterem stammt 
auch die Angabe über das Bauopfer). 

Der halbkreisförmige Vorgarten gegen den Hof hin hat eine Einfriedigung 
aus zwölf hohen Sandsteinpfeilern mit zwischengesetztem Eisenstakett. Ur- 
sprünglich war hier eine Wasserkunst angelegt, u. zwar wurde das Wasser an den 
vier Pfeilern beiderseits der die Durchfahrt flankierenden Mittelpfeiler in ein- 
gelegten Röhren emporgeleitet, aus welchen es nach Baring „auf 20 und mehr 
Fuß herausspielet und fällt wieder zurück in große kupferne Muscheln, so 
auf den Säulen stehen". Eine dieser Muscheln ist (abgenommen) noch vor- 
handen. Das Wasser wurde vom Thüster Berg (Kahnstein) in einer 4000 Fuß 
langen Rohrleitung herbeigeführt und in die Küche, das Brauhaus, die Ställe 
und auf die Mühle geleitet. Als Zeitpunkt der Anlage gibt Baring das Jahr 1738 an. 

Im Garten hinter dem Hause befindet sich ein Gedenkstein für 
Friederich Engelbert August v. Düring, f 1793. H. ca. 2,27 m. Sand- 
stein. Hochrechteckiger Block mit Spruch und Namen, darauf ein Urnen- 
aufsatz mit einem L. v. Dfüring) bezeichneten Medaillon. — Am oberen 
Mühlenteich ein Zierpostament. H. ca. 1,57m. Ton, geweißt. Nach oben 
sich verjüngender Sockel von quadratischem Grundriß. Auf den Wandungen 
eingetiefte Palmettenornamente und ein Reigen fast vollplastisch ausge- 
arbeiteter Mänadenfigürchen. An den Ecken des Decksimses Widderköpfe, 
als Aufsatz eine Urne mit reicher Blatt- und Mäanderdekoration. Um 
1820. — Die den Garten und die nördlichen Koppeln umschließende 
Bruchsteinmauer, deren Steine aus den Ruinen der nahegelegenen Burg 
Ahrenfeld, Kreis Hameln, stammen sollen^ zeigt an den Sandsteinpfeilern 
einer im Osten gelegenen Durchfahrt zweimal das v. Hardenbergsche und das 
V. Donopsche Wappen und wird demnach ebenso wie die Hofgebäude (s. u.) 
um 1741 errichtet sein. Das Tor deutet darauf, daß ursprünglich eine Zufahrt 
zum Herrenhaus auch hinter den nördlichen Hofgebäuden entlanggeführt 
haben muß. 

DIE HOFGEBÄUDE. 

Von den Gebäuden auf den Langseiten des Hofes sind nur die Wohnteile 
gegen das Herrenhaus hin im alten Zustand erhalten: einstöckig in Fachwerk 
mit geputzten und ge weißten Gefachen, die Eckpfosten „gequadert"; darüber 
ein abgewalmtes Satteldach. Auf der Südseite ist auf den First ein Dachreiter 
mit der Hofglocke aufgesetzt. Die ehemalige Wetterfahne mit den Initialen: 
C(hnstoph) F(riedrich) v. H(ardenberg) M(arie) C(harlotte) v. H(ardenberg) 
g(ebohrne) v. D(onop) IJ41 C. F. T. — J. C. E. wird jetzt im Herrenhause 
aufbewahrt; auf dem Dachreiter ist sie durch eine neue Wetterfahne mit den 
Initialen: C. F. v. H. 1741 — C. B(arkhausen) 1929 ersetzt. Die an die Wohn- 
teile anschließenden Ställe, Wagenschuppen usw. sind auf den alten Grund- 
mauern teils massiv in Backstein (geputzt und geweißt), teils in Fachwerk 
entsprechend den alten Teilen im 19. und 20. Jh. neu aufgeführt worden. 
Von den übrigen im wesentlichen gleichartigen Gebäuden ist die Mühle still- 
gelegt und zu einer Wohnung ausgebaut. Teilweise erneuert ist der Stall 
rechts der Einfahrt, von Grund auf neugebaut das dem Stall gegenüberliegende 
Haus links der Einfahrt (zweistöckiger Ziegelrohbau, Ende 19. Jh.) und die 
eine Kate. Der runde, massiv in Bruchstein errichtete, geputzte und geweißte 
Tauben türm auf dem Hofe trägt am Türsturz und in der Wetterfahne über 
dem mit Schiefer gedeckten Zeltdach die Initialen: L(udwig) v. Hfamnier- 
stein) 1840. 



143 

HEINUM 

Dorf. 4 km südöstlich von Gronau. 142 Einwohner. Straßensiedlung. Ur- 
kundlich seit 1255 Heynem (z. B. i, 2, 4), gelegentlich auch Heyniim (3). 

Quellen: U. B. Hochstift Hildesheim II 964 S. 482 (i); III 1638 S. 773 (2); 
IV 638 S. 351, 753 S.411, 1155 S. 622, 1336 S.727i V 374 S. 207, 779 S. 488 (3) 

— U. B. Stadt Hildesheim IV 698 S. 591 (4) — Visitationsakten in Kayser, Refor- 
mator. Kirchenvisit. S. 226 — Urkunden im Archiv der Familie v. Rheden (vgl. 
Peters, Archivinventare S. 77 Nr. 3 S. 78) — Registratur des Gemeindevorstandes 
in H.: Verkoppelungskarte u.a. (vgl. Peters a.a.O. S. 70) — Pfarrarchiv Rheden, 
Kirchenrechnungen der Kapelle zu Heinum 1772 — 1801; 1805 ff. (vgl. Peters a. a. O. 
S. 75) — Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83 Hannover II 2389. — Literatur: 
Hennecke, in ,, Unsere Heimat" S. 401, 419, 439 — Lauenstein S. 289 unter Rheden 

— Mithoff III S. 91 — Mithoff, Zs. 1864 S. 319 — Sonne V S. 727 unter Rheden 

— Starcke S. 73 unter Rheden. 

EVANG. KAPELLE, 

ehemals vielleicht den Hl. Cosmas und Damian geweiht. 

Filial von Rheden. Das Patronatsrecht hat die Familie v. Rheden in Rheden. 
Gotische Kapelle; der Westteil um 1300, der Ostteil inschriftlich von 1400 ( ?). 




.";=i^^^i£ .\bb. 34. Heinum. Grundriß der Kapelle. 



ÄUSSERES (Taf. 34a). 

Langgestreckter, rechteckiger Bau mit geradem Ostschluß. Mauerwerk in 
Kalkbruchstein mit steinsichtigem Kalkputz (schadhaft). Fenstergewände, 
soweit vorhanden, Sandstein; Türgewände Kalkstein. Der Westteil reicht bis 
etwa zur Mitte zwischen der zweiten und dritten Achse. In der zweiten Achse 
der Südseite liegt ein ursprüngliches, verschliflfen spitzbogiges Fenster, die 
Leibungen sind geschrägt und verputzt, anscheinend ohne besondere Gewände- 
steine. Rechteckige Tür an der Südwestecke (2. Drittel 19. Jh.); flachbogige 
Nordfenster (ebenfalls 19. Jh.). Die Westwand ist bis auf einen Schlitz in Höhe 
des Giebelansatzes fensterlos. Der Ostteil hat hohe, schmale Spitzbogen- 
fenster. Die Gewände sind wohl zum Teil nachträglich überarbeitet. Un- 
terhalb des Ostfensters eine spitzbogige Nische. H. 0,49 m (ursprünglich 
ca. 0,67 m); B. 0,50 m. Auf dem Bogenstein, der gleichzeitig die Sohlbank des 
Fensters bildet, in vertiefter gotischer Minuskel : A (nno ) diomini ) MCCCCi ? ) in 
vigilfi)a Cosme etDamiani; darunter zu seiten der Nische links Jhs (Jesus), rechts 
ein Monogramm Mariae (s. Mithotf). Der Nischenboden ist in Zement er- 
höht. Unregelmäßige Eckquader aus Sandstein. Rechteckige 
Luke im Ostgiebel. An dem Ost- und Nordfenster findet 
/^ XV II sich das erste der nebenstehenden Steinmetzzeichen, an dem 
«^ ^ =^ ^ östlichen Fenster der Südseite die beiden anderen. — Die 
Baunaht zwischen West- und Ostteil ist unter dem späteren Verputz bis 
auf eine leichte Einknickung auf der Nordseite nicht mehr zu erkennen. 




144 HEINUM 

Fraglich bleibt, ob der Westgiebel bei Gelegenheit der Erweiterung von 1400 
überspitzt worden ist. 

Satteldach, an beiden Giebeln mit Windlatten. Pfannendeckung. Kehl- 
balkcnkonstruktion mit Hängcsäule. 18. Jh. Dachreiter über dem West- 
giebel, mit Pfannen verkleidet; der Pyramidenhelm mit Schiefer gedeckt. 

INNERES (Taf. 33 d). 

Renoviert 1908. Flache Balkendecke, mit Zement verputzt. Wände des- 
gleichen. Rundbogige Piscinanische in der Südwand des Chorteiles. Be- 
malung: Decke grau und rot mit Rankenornamenten, Wände weiß mit bräun- 
licher Sockelzone; in der Osthälfte fünf Weihekreuze, nach alten Resten 1908 
neu gemalt. Zementfußboden. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung 1908. 

1. Altar. H. 3,75 m; B. 2,12 m. Tanne und Linde. Bemalung: mehr- 
farbig marmoriert, weiß und grau. Beiderseits eines flachbogigen Bildfeldes 
gedrungene korinthische Säulen mit horizontalem verkröpften Gebälk. Knorpel- 
anschwünge. Im Bildfeld Christus mit dem Kreuz, grau auf erbsgelbem 
Grund (Öl auf Holz). In der Predellenzone unter einem Puttenkopf ein quer- 
ovales Inschriftfeld: Renovat(um) 1J26 — i()o8. Krönender Kruzifix. Um 
1660. Die Christusdarstellung (an Stelle eines älteren Gemäldes), der Putten- 
kopf darüber, das Inschriftfeld der Predella (?) von 1726; die Kugelaufsätze, 
einzelne Stücke des Gesimses und Schnitz werkes von 1908. Die älteren ge- 
schnitzten Teile sind teilweise beschädigt und überarbeitet; das Bild ist stark 
übermalt. Ursprünghch war wohl ein Aufsatzhalbgeschoß vorhanden. — 
Mensa. H. ca. 1,31 m; B. 1,525 m; T. 1,09 m. Gemauert und verputzt. 
Sandsteindeckplatte mit geschrägtem Profil und drei Weihekreuzen; an- 
scheinend gleichzeitig mit dem Ostteil der Kapelle. 

2. Kanzel, an der Nordwand (Taf. 33d; 34c). H. 1,07 m; H. Brüstung 
1,13 m. Tanne, braun gebeizt. Der Korb ruht auf einer Stützsäule mit starker 
Schwellung und Spiralriefung. Er zeigt drei freiliegende Wandungsseiten 
mit hoher Sockelzone, Eckvorlagen und breitem verkröpften Decksims. In den 
rundbogigen Wandungsfüllungen, den Sockelfeldern und Füllstreifen der Eck- 
vorlagen sind Holzschnitte aufgeklebt, die aus größeren Blättern willkürlich, 
ausgeschnitten sind. Die Zeichnung besteht, soweit sie sich ergänzen läßt, 
a) aus einem Gitter breiter, gemaserter Bänder mit großen heraldischen Rosen, 
und fünfzackigen Sternen auf bzw. in den Schnittpunkten und mit Putten- 
köpfen und Fruchtbündeln in den rhombischen Gitterfeldern; über den 
Puttenköpfen die Initialen: // 5; b) aus einem Kassettenmuster ineinander 
verschlungener Quadrate und Kreise; rot gedruckt; c) aus einer perspekti- 
vischen Architekturkulisse; d) aus verschiedenerlei Rankenwerk. Der Schmuck 
durch die Holzschnitte ist anscheinend ursprünglich; um 1600. Auf der 
Westseite ein vorgenageltes Ovalschildchen mit der Aufschrift Heilig (dreimal)j 
18. Jh. Deckbrett der Brüstung erneuert. Aufgang 19. Jh. 

3. Gestühl, Tanne gebeizt. Geschweifte Wangenbretter auf gemein- 
samen Schwellen. 18. Jh. (?). 

4. Empore, auf der West- und Südseite bis zu dem östlichen Fenster vor- 
gezogen. H. 1,95 m. Tanne gebeizt. Brüstung mit hochrechteckigen Feldern; 
Boden- und Decksims mit Zahnschnitt. Um 1600; gleichzeitig mit der 
Kanzel. Möglicherweise ehemals auch mit Holzschnitt-Tapeten beklebt 
(s. Nr. 5). Unter dem Westteil moderner Holzverschlag. 



HEINUM 145 

5. Chorschranken. H. 1,05 m. Tanne, braun gebeizt. Gitterwerk aus 
kantigen Holzstäben. Die Füllstreifen der Rahmenhölzer waren ehemals wie 
an der Kanzel mit Holzschnitten ausgeklebt; Reste davon sind unter der 
braunen Beize noch erkennbar. Gleichzeitig mit Kanzel und Empore. 
Die Deckleisten sowie das obere Rahmenbrett in dem Teil rechts vom Mittel- 
gang sind erneuert. 

Plastik. Linde, wurmstichig. 

6. Hl. Anna selbdritt, in der Piscinanische. H. 0,58 m. Reste barocker 
Fassung, blau und rot. 3. Viertel 15. Jh. Die oberen Teile barock über- 
schnitzt (?). Abgebrochen sind die Beine des Christkindes und ein Stück des 
Sockels. 

7. Hl. Bischof, ebendort, zugehörig. H. 0,59 m. Jugendlicher Typus. 
Die barocke Fassung, rot, blau, weiß, etwas besser erhalten als bei Nr. 6. 
Unterarme und Nase fehlen. Der untere Sockelteil ergänzt. 

8. Zwei Engel, auf Konsolen an der Nordwand. H. 0,36 m. Neu bemalt. 
Flügellos, mit Stirnreif und kuttenartigem Gewand, i. Viertel 15. Jh. 
Unterarme abgebrochen. An den Figuren eiserne Lichterringe befestigt. 

Sechs Totentafeln und ein Totenkasten. Auf dem Kapellen- 
boden. Holz. Die Tafeln zeigen die Namensinschrift und evtl. Sprüche, 
zumeist nahe dem oberen Rand haben sie eine kleine Plattform für die Toten- 
krone. 

9. Justiena Frid. Conr. Winden, 1828/29 (Taf. 23d). H. 1,34 m; 
B. 0,65 m. Rechteckig, unten und auf den Seiten eine geschweift ausgesägte 
Blattrankenkante; über dem halbkreisförmig eingeschwungenen oberen Rand 
ein geschnitzter Engelskopf zwischen zwei sternhaltenden Engelchen. Die 
Plattform für die Totenkrone auf einer Eisenstange darüber. Rot, gelb, grün 
gesprenkelt und bemalt. 

10. Johanne Just. Bode, 1827 — 1835. H. 0,67 m; B. 0,315 m. Recht- 
eckig; oben eine ausgesägte Urne zwischen seitlichen Spitzen. Bemalung blau. 

11. Johanne Mar. Kath. Henr. Busse, 1827 — 31. H. 0,95 m; B. 
0,52 m Rechteckig mit geschwungenem oberen Rand, in einer Kugel endigend. 
Blau bemalt; Inschrift auf Papier unter Glas. Aufgelegte Verzierungen aus 
gestanztem Blech (Rosetten, eine Floragruppe, Putten). 

12. Johanne Mar. Elis. Busse, 1834 — 37; entsprechend Nr. 11. 

13. Dorothea Aug. Busse, 1836 — 39; desgleichen. 

14. Heinrich Carl Aug. Wiegering, 1843 — 46 (Taf. 23c). H. 0,845 m; 
B. 0,535 ni- Urnenförmig, blau gestrichen. Inschrift auf Papier unter Glas. 

15. Johanne Louise Dor. Sievert, 1856 — 66, und Johanne Carol. 
Henr. Sievert, 1858 — 66. H. 0,605 m; B. 0,515 m. Apfelholz. Kasten mit 
verglasten Rundbogenöflfnungen. Inschrift auf Papier auf der Rückwand; 
davor auf Kissen die Totenkronen. 

Altargerät. 

16. Kelch. H. 21 cm; 11 cm. Zinn. Runder, mehrfach profilierter 
Fuß, M. C. R. 1798; urnenförmiger Nodus. 

17. Zwei Altarleuchter. H. 32 cm; 21 cm. Messing. Runder 
Fuß auf drei Klauen; Schaft mit Mittelring; tiefer Teller. 16. Jh. 

18. Altarbibelpult. H. 25 cm, B. 41 cm; T. 33 cm. Eiche, blau und rot 
bemalt. 18. Jh. 

19 



146 HEINUM 

19. Glocke. C' 0,585 m. Bronze. Am Hals zwischen Ringstegen mit 
palmettcnartigcm Blattfries: Tue Sivers und Bartold Norden p(ro) t( empöre) 
Alter leut zu Meinen, M(eister) Hinrich Ouenstedt in Hildesheimb goes mich 16 S9- 
Auf der l'lankc unter einem Relief des sitzenden Johannes des Evangehsten 
ein stark verschriebenes Chronostichon : Anno (! s. o.) PaX JesV FaC In orbe 
reDVX VIgeat petite oMnes Warnerus Oporinus p(astor) ecclirhed (= ecclesiae 
Rhedensis). Sehr schlechter Guß. 

20. Bibel, in-4", Stuttgart 1823. 

FRIEDHOF. 

21. Grabstein einer unbekannten Frau. H. 1,21 m; B. 0,61 m. 
Kalkstein. Stelenform. Geschweifter Abschluß mit Fruchtbüschel und 
Knorpclwerk. In der Mitte eine liegende Frauengestalt, hinter welcher ein 
Engel steht. 'Darunter eine querovale Kartusche mit unleserlicher Inschrift. 
Mitte 17. Jh. Eingesunken. 

22. Grabplatte des Johan Kristian Vilibs (?), * 1770, 9. XL, 
f 1834, II. XI. H. 1,64 m; B. 0,83 m. Kalkstein. Unter Krone ein hoch- 
ovales Inschriftschild in Girlandenrahmen. 



HEYERSUM 

Dorf. 10 km westlich von Hildesheim. 278 Einwohner. Haufensiedlung. Ur- 
kundliche Namensformen 1022 bzw. 1013 Hoiereshem (i), 1151 Hoiersem (2), 1183 
Hogersem (4). Wegen einer nahegelegenen ehemaligen Saline nennt Busse (s. u.) 
das Dorf „Salisheiersum". Im Jahre 1151 hat schon eine Kirche in H. bestanden, 
deren Besitz dem Moritzstift zu Hildesheim bestätigt wird (3). 

Quellen: U. B. Hochstift Hildesheim I 69 S. 71 Z. 24 (i), 275 S. 258 Z. 12 (2), 
S. 259 Z. 3 (3), 424 S.412 Z. 35, S.413 Z. 15 (4); III 80 S.37, 81 S.41, 42, 43, 
484 S. 229, 921 S. 470, 1409 S. 673; IV 70 S. 39, 240 S. 125, 264 S. 142 f., 666 
S. 369 f., 921 S. 502; V 755 S. 468, 1097 S. 707, 1189 S. 773, 1316 S. 860; VI 546 
S. 399, 775 S. 536, 1338 S. 867 — U. B. Stadt Hildesheim u. a. I 627 S. 346, 659 
S. 365, 738 S. 407; III Nachtrag 46 S. 656; VIII 113 S. 125 — Pfarrarchiv: Kirchen- 
rechnungen ab 1642 (vgl.PeterSj Archivinventare S. 71) — Registratur des Ge- 
meindevorstandes (vgl. Peters S. 70 f.) — Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83 
Hannover II, 2460 (5). — Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 23, 137 — Bert- 
ram I S. 161, 192 — Busse, Memorabilia S. 55 — 59 — Hennecke, in ,, Unsere Heimat" 
S. 377, 389, 401 f., 418 f. — Jahresbericht 1914/15 — 1918/19 — Lauenstein S. 294 

— Lüntzel, Alt. Diözese S. 220 — Lüntzel, I S. 86, II S. 174 — Mithoff III S. 92 

— Mithoff, Zs. 1864 S. 320 — Sonne V S. 408 — Starcke S. 79. 



EVANG. PFARRKIRCHE. 

Nach Busse dem Hl. Moritz geweiht; kombiniert mit der Kirche zu Mahlerten. 

Einschiffige gotische Bruchsteinkirche mit eingezogenem Chor und klassi- 
zistischem Westturm. Schiff und Chor sind anscheinend nicht gleichzeitig; 
die Mauer ist an den Verbindungsstellen ungewöhnlich schwach, zudem 
scheint auf der Nordseite unter dem Verputz am Choransatz eine Mauerfuge 
sichtbar zu werden. Allerdings dürfte der zeitliche Abstand zwischen beiden 
Teilen nicht sehr groß sein. Der Chor ist nach dem einzig ursprünglichen 
Spitzbogenfenster in der Ostwand wohl kaum nach 1400 entstanden; das 
Schiflf gehört nach dem stellenweise sichtbaren, unregelmäßigen Mauerwerk 



HEYERSUM 



147 



frühestens in die i. Hälfte des 14. Jhs., kann aber auch jünger als der Chor 
sein und erst aus der i. Hälfte des 15. Jhs. stammen. Die Gewölbe im 
Inneren sind zusammen mit einer Aufhöhung der Schiffs- und Chormauern 
und der Anlage der Strebepfeiler auf der Nordseite zu Ende des 15. Jhs. 
eingezogen worden (trotz geringer Verschiedenheiten in Chor und Schiff gleich- 
zeitig). — 1828 mußte die Kirche wegen Baufälhgkeit geschlossen werden. 
Der Plan des damaligen Konsistorialrevisors Hellner, einen Neubau zu er- 
richten (5)5 kam jedoch nicht zur Ausführung. 1836 wurde dem bislang turm- 
losen Schiff der Turm vorgesetzt und die nördlich anschließende Schiffs- 
wand neu aufgeführt; Schiff und Chor erhielten ein neues Dach und neue 
Fenster. Im Inneren stammt die heutige Ausstattung aus dieser Zeit. Lage, 
in der Mitte des Dorfes, auf dem erhöhten, gegen die Straße durch eine Bruch- 
steinstützmauer abgegrenzten ehemaligen Friedhof. 




Abb. 35. Heyersum. Schnitt 
und Grundriß der Kirche. 




ÄUSSERES (Taf. 40a). 

Das Mauerwerk der gotischen Teile ist in Kalk verputzt (schad- 
haft); ein Wandstreifen in ca. 1,50 m Breite unterhalb der Trauf kante läßt 
andeutungsweise größere Steine erkennen als sie der Mauerfuß zeigt (wo der 
Putz zum Teil abgefallen ist). Die Ecksteine sind im Schiff vorwiegend Sand- 
stein, im Chor vorwiegend Kalkstein. Die nördlich an den Turm anstoßende 
Westwand des Schiffes hat unverputztes Mauerwerk wie der Turm, dem 
auch der Sockelabsatz entspricht. Der Schiffskörper umfaßt zwei Joche; 
die Fenster, rechteckig mit verputzten Backsteingewänden und sandsteinernen 
Sohlbänken, liegen sehr niedrig innerhalb der Wandflächen. Sockelreste mit 
geschrägtem Profil (Sandstein) auf der südlich an den Turm anstoßenden 
Westwand, ca. 30 cm über dem Turmsockel (um die Südwestecke profillos 
herumgeführt) und an der südlichen Ostwand, wiederum ca. 35 cm höher. 
Beide Sockelstücke gehören anscheinend zusammen mit den aus Quadern 
aufgemauerten Strebepfeilern in der Mitte und an der Ostecke der Nordseite, 



148 HEYERSUM 

die ebenfalls geschrägte Sockel, dazu schräge Rücksprünge und Abdeckungen 
haben. — Der rechteckige, einjochige Chor ist schmaler als das Schiff, aber 
gleichhoch. Fenster auf der Nord- und Südseite wie dort. Ostfenster mit ver- 
schliffcnem Spitzbogen und flach gekehlten Sandsteingewänden. 

Der Turm ist in unverputztem, lagerhaft versetztem Bruchsteinwerk auf- 
geführt und ausgezwickt. Tür- und Fenstergewände Sandstein. Sockel- 
absatz; Kranzgesims in Holzschalung. Flachbogige Schallöffnungen, Licht- 
luken. Am Sturz der Westtür: Anno i8j6. 

Flaches, pfannengedecktes Satteldach, im Chor niedriger als im Schiff, 
nach Osten abgewalmt. Kehlbalkenkonstruktion mit doppelt stehendem Stuhl. 
Turmhelm in stumpfer Pyramidenform; Uhrgaube nach Osten, Auslegestuhl 
für die Schlagglocke nach Norden. Wetterfahne i8j6. 

INNERES (Taf. 36d). 

Schiff und Chor haben Kreuzrippengewölbe mit starkem Stich und 
starker Busung (Taf. 40 c). Der Gurt zwischen den beiden Schiffs Jochen ist 
rundbogig; der Chorbogen ist gespitzt und etwas verdrückt mit gekehlten 
Kämpferstücken. Alle Profilsteine sind aus Sandstein; die Kappen sind in 
Backstein auf Schwalbenschwanz gemauert. Die gekehlten Rippen setzen 
auf Konsolen auf, die im Schiff rechteckig und ebenfalls gekehlt sind (erhalten 
nur in der Südostecke und unter dem Gurtbogen), im Chor drei bzw. fünf- 
seitig vortreten und ein Wulstprofil haben. In der Nordwestecke ist der Rippe 
eine Wandvorlage untergeschoben (1836). Kreisförmige Scheitelsteine, im 
Chor mit vertieftem Spiegel. Am besten erhalten sind die Gewölbe im Chor 
und östlichen Schiffsjoch; im westlichen Schiffsjoch sind die Kappen stärker 
geflickt, die an den Turm anstoßende Kappe ist 1836 neu gemauert worden. 
Gewölbe und Wände sind geputzt. Ausmalung im Schiff gelblich, im Chor 
blau und graubräunlich (20. und Ende 19. Jh.). — Bodenbelag im Schiff Sand- 
steinplatten, im Chor Fliesen. — Die Turm vor halle ist flach gedeckt, geputzt 
und geweißt, mit dem Schiff durch einen Rundbogen verbunden, der im 
späteren 19. Jh. durch Fach werkwände z. T. zugesetzt worden ist. — Im 
Fußboden mehrere Grabplatten des 18. Jhs,, zumeist stark abgetreten, nur 
auf einer Platte ist der Name Heinr. Arendt Schlote noch lesbar. 

AUSSTATTUNG. Gleichzeitig mit der Wiederherstellung der Kirche 1836. 
Farbgebung gegen 1900 vornehmlich braun und grau. 

1. Kanzelaltar. H. ca. 5,20 m; B. 2,40 m. Tanne. Portikusaufbau mit 
einem von Kanzeltür und Schalldeckel durchbrochenen Gebälk; fünfseitiger 
Kanzelkorb. Beiderseits des Altares Bogendurchgänge mit Knorpelwerk- 
aufsätzen vielleicht von dem vorhergehenden Altar (Eiche, Mitte 17. Jh.?). — 
Mensa. H. 1,05 m; B. 1,50 m; T. 1,00 m. Gemauert; die Wandungen je- 
weils mit einer Sandsteinplatte verkleidet. Deckplatte, ebenfalls Sandstein, 
mit gekehltem Profil, Weihekreuzen und Reliquiengrube; gotisch. 

2. Gestühl. Tanne, 

3. Empore, an der West-, Nord- und Südwand des Schiffes. H. 2,65 m. 

4. Orgel, auf der Westempore. Ende 19. Jh. 

5. Gefallenentafel, 1914 — 18. 

6. Kronleuchter. H. 0,45 m; ö ca. 0,42 m. Messing. Sechs Sförmig 
herabgebogene Arme von sechseckigem Querschnitt mit einfach beblätterten 
Mittelknoten. In einem Kranz darüber Sförmige Ziervoluten. Krönender 
Doppeladler; Kugel. 18. Jh. 



HEYERSUM 149 

Altargerät. 

7. Kelch (Taf. 25b). H. 22^5 cm; g' 14,5 cm. Silber vergoldet. Sechs- 
paß-Fuß mit senkrechtem Rand (darauf ein gepunzter Stabfries) und steil 
ansteigender Lehne. Wulstnodus mit Rotuln, auf die Puttenköpfchen aufgesetzt 
sind; die lanzettförmigen Felder auf der Ober- und Unterseite und die 
Schaftstücke sind mit gotisierendem Maßwerk und mit Rosetten graviert. 
Hildesheimer Beschau, undeutlich, i. Hälfte 17. Jh. — Patene mit dem 
gleichen Beschauzeichen. 

8. Kelch. H. 12 cm. Zinn. i. Hälfte 19. Jh. 

9. Kelch. H. 9 cm. Desgleichen. 

10. Oblatendose. H. 0,9 cm; 4 cm. Zugehörig zu Nr. 10. 

11. Taufschale. 29 cm. Messing. 18. Jh. 

12. Altarkruzifix. H. 46 cm. Gußeisen. 2. Drittel 19. Jh. 

13. Zwei Altarleuchter (Taf 30c). H. 40,5 cm; 17,3 cm. Messing. 
Runder, gewölbter Fuß; vielteihg profilierter Schaft. Am Fuß des einen 
Leuchters in Fraktur: 1^86 B. Storck(?): VK. 

14. Abendmahls-Tuch. L. 78 cm; B. 50 cm. Roter Samt. In der 
Mitte in Gold gestickt ein Herz und die Jahreszahl ij68. Goldspitzenborte. 

15. Braunschweigische Kirchenordnung. In-4^. 1569. Auf dem 
ersten Blatt ältere Eigentums vermerke (nur mehr teilweise lesbar). Schwarzer 
Ledereinband, darauf in Gold gepreßt: H. M. 1693. 

16. Glocke, o 1,01 m. Am Hals zwischen Schnurstegen in gotischer 
Minuskel: Ave Maria gracia plena. Auf der Flanke fünf Reliefs (im Guß ver- 
drückt) : a) Heilige mit Kopftuch und vor der Brust gefalteten Händen ( ?) in 
spitzgiebeligem Tabernakel, H. 0,065 m; b) Maria mit Kind, stehend, ebenfalls 
in einem Tabernakel, H. 0,05 m; c) Vesperbild, H. 0,057 m; d) Segnender 
Bischof mit niedriger Mitra, stehend, H. 0,075 "ij ^) Kruzifix: Christus, be- 
kleidet, bekrönt, mit offenen Augen und getrennt angenagelten Füßen auf 
einem Suppedaneum, H. 0,093 ni- Kronenbügel mit Schrägriefung. 2. Hälfte 
15. Jh. Die Reliefs wiederholen zum Teil frühgotische und romanische 
Typen. 

17. Glocke. 1,09 m. Am Hals ein breiter Rankenfries mit Satyrköpfen, 
hörnerblasenden Putten und Medaillons antikischer Profilköpfe (Taf. 34 f); 
darunter in Kapitale: Mit Gottes Hülf goes mich M feister) Hinrich Ouenstaedt 
in Hildesheim for de in Heyrsm 164$. Inschrift und Rankenfriesband zwischen 
schmaleren Lilienfriesen. Am Anschlag zwischen Ringstegen: In MDCXLV 
Jahr als Heinrichs Vorngal Pastor war zugleich auch war Edituus aus Eltz Lau- 
rent z Huntius auch dem Altar furstundn trevw Karsten Schon Hinrich Salgenev 
dise Glocke gegossen ist ir Schutzer sei der Herre Christ. Auf der Halsschräge 
zwei Kapital- G. 

18. Schlagglocke. 0,40 m. 19. Jh. 



KIRCHHOF. 

Grabmal des Johann Dan. Ihssen, * 1749, t 1833, und seiner 
Frau Louise Charlotte, geb. Siedenberg, * 1763, f 1829, südlich der 
Kirche. H. 1,85 m. Sandstein. Über quadratischem Sockel ein nach oben 
verjüngter Steinblock mit breiten Eckvorlagen und entsprechend breitem, 
gekehltem Decksims. Namens- und Spruchinschriften in erhabener Kapitale. 



150 HEYERSUM 

EHEMALIGE SALINE, 

südlich vor dem Dorfe, am Fuß des Hildesheimer Bergzuges. 

Die Saline war ehemals Eigentum der Freiherren v. Brabeck auf Söder, Kreis 
Marienburg. Nach deren Aussterben im Mannesstamme in der i. Hälfte des 19. Jhs. 
kam sie durch Vererbung in der weiblichen Linie zunächst an die Grafen v. Stol- 
berg, dann an die Grafen v. Schwicheldt und wurde schließlich 1862 verkauft. Der 
vorletzte Besitzer war der Maler L. Wichtendahl, Hannover, dessen Schwiegertochter, 
Frau Schulz, das Grundstück jetzt gehört. — Der Salzgewinnung, die bis in die 
2. Hälfte des 19. Jhs. betrieben wurde, diente eine salzhaltige Quelle, die einen kleinen 
Teich östlich oberhalb des Wohnhauses bildet und vermittels eines an dessen Abfluß 
angelegten Schöpfrades zu einem Sudhaus, einem noch heute stehenden Fachwerk- 
bau dicht an der Straße (2. Hälfte 18. Jh.), geleitet wurde. 

Das von einem parkartigen Garten umgebene, 1731 erbaute Wohnhaus 
(Taf. 33 b) ist ein zweistöckiger Fachwerkbau mit geputzten und geweißten 
Gefachen und' pfannengedecktem Walmdach; fünf Achsen breit, zwei Achsen 
tief; auf der Westseite verbrettert. Auf der Südseite ist ein im Dach (Satteldach) 
niedrigerer Flügel nachträglich angesetzt (Anfang 19. Jh.). Am Sturz der 
Mitteltür der Südseite in ausgesparter Kapitale der als Chronostichon ge- 
schriebene Bibeltext 2. Cor. 5. Cp. i. V.: wier wissen aber so Vnser IrDIssChes 
HaVs zVbroChen einen BaV haben IM Gott erhaVet ( = 173 1). An der Westecke 
der Nordseite ist eine gußeiserne Tafel in die Wand eingelassen (H. 1,46 m; 
B. 0,89 m), die die apokalyptische Maria, darunter ein Spruchband mit dem 
Gebetsanfang sub tuum praesidium und dem Alliancewappen : v. Brabeck — 
V. Kerckerinck zeigt und die wahrscheinlich in der jetzt aufgegebenen, ehemals 
V. Brabeckschen Eisenhütte Kunigunde bei Dornten, Kreis Goslar, hergestellt 
ist (die gleiche Tafel befindet sich an dem alten Verwaltungsgebäude der Hütte, 
vgl. das Inventar des Kreises Goslar und an der katholischen Kirche in Mehle, 
s. S. 166. — Im Inneren führt ein Flur mit rötlich gesprenkelten und roten 
Estrichplatten (ü 27 cm) quer durch das Haus. Die Einrichtung stammt 
von dem Vorbesitzer, Herrn Wichtendahl. Darunter befindet sich ein hoher 
Kachelofen, weiß mit blauen Blumenmustern, auf einem lyij datierten eisernen 
Unterbau mit Niedersachsenroß und Initialen König Georgs I aus Schloß 
Herrenhausen. 

In der Mitte des kleinen Wirtschaftshofes ist aus älteren und neueren 
Bauteilen ein „Brunnenhäuschen" errichtet (Wichtendahl); es enthält u. a. 
einen Grabstein des Johan Ernst Schlütter, Sohn des Johan Schlütter 
und der Anne Borman, * 1655, f 1656. H. 1,56 m; B. 0,43 m. Sandstein. 
Auf der Vorderseite eine ganzfigurige Darstellung des Kindes. Darüber ein 
Knorpelwerkaufsatz. Auf der Rückseite oben zwei gekreuzte Pistolen, darunter 
der Spruch Sap. 4,13. Anscheinend 1733 für einen Jürgen Döhren wieder 
benutzt (Name und Datum zu selten des Kopfes des Dargestellten). Aus 
Hannover. — Im Park verschiedene große italienische Tonvasen und zwei 
sandsteinerne Puttengruppen (18. Jh.), aufgestellt von L. Wichtendahl. 

DREI KREUZSTEINE (Taf. 40b). 

An der Landstraße nach Hildesheim, halbwegs zwischen Heyersum und 
Kl. Escherde, Landkreis Hildesheim. Sandstein, a) H. 0,70 m; c 0,60 m. 
Kreuz mit hohem, nach oben verjüngtem Schaft und segmentbogigen Füllungen 
zwischen den Armen; b) und c) H. 1,17 m bzw. 1,40 m; B. 0,58 m bzw. 0,70 m. 
Flachbogige Stelen mit eingeritzten Kreuzen; bei c) findet sich die Zeichnung 
auf beiden Seiten, auf der Vorderseite außerdem ein Spaten neben dem 
Kreuz. Der obere Rand ist beschädigt. 



HEYERSUM 



151 



CONRADIS-TURM. 

Auf dem Rücken des Hildesheimer Bergzuges, oberhalb der Straße Heyer- 
sum — Bethein. H. ca. 6,io m; D unterstes Geschoß 1,77 m. Massiver Bau- 
körper aus Bruchstein mit schadhaftem, teilweise erneuertem Verputz. Vier 
durch vortretende Bandgesimse gegeneinander abgesetzte Geschosse über 
flachem Sockel. Schmiedeeiserne Spitze mit abgebrochener Windfeder. 
18. Jh. 



HÖNTZE 

Dorf. 7 km südwestlich von Hildesheim. 152 Einwohner. Haufensiedlung. 
Möglicherweise sind auf H. folgende urkundliche Ortsnamen zu beziehen: 1170 
Hönde (i), 1294 Hiitcinghese (2), 1305 Honesse (3), 1317 Honse (4), 1369 Hotcingessen 
(5). Ursprünglich gehörte H. kirchlich zu Eberholzen, wurde aber im 16. Jh. zu 
Nienstedt gelegt (7). 

Quellen: Or. Guelf. III S. 510 Nr. 62 (i) — U. B. Hochstift Hildesheim III 
1014 S. 504 (2), 1222 S. 591, 1556 S. 740 (3), 1667 S.787, 1704 S. 803; IV 372 
S. 194 f. (4), 384 S. 200; V 1276 S. 837 (5) — U. B. Stadt Hildesheim I 682 S. 376 
(4) — Pfarrarchiv Nienstedt: Kirchenrechnungen von Hönze 1606 ff. (vgl. Peters 
S. 73) — Registratur des Gemeindevorstandes Hönze (vgl. Peters S. 71) — Staats- 
archiv Hannover: Hannover Des. 83 Hannover II 2662 (6); Hannover Des. 83 
Hannover IV B II Nr. 6a 2 vol. IV S. 85 v. (7). — Literatur: Bertram II S. 307 
— Hennecke, in „Unsere Heimat" S. 383, 393, 410, 439 — Hüttebräuker, Das Erbe 
Heinrichs des Löwen S. 78 — Kayser, Reformatorische Kirchenvisitationen S. 447 
Anm. 925, als „Hohnsen" erwähnt — Lauenstein S. 288 — Lüntzel, Alt. Diözese 
S. 149 — Mithoff III S. 185 — Mithoff, Zs. 1864 S. 322 — Sonne V S. 619 unter 
Nienstedt — Starcke S. 71 f. unter Nienstedt. 



EVANG. KAPELLE, Filial von Nienstedt. 

Rechteckige Bruchsteinkapelle inmitten des Dorfes; wahrscheinlich 
15. /16. Jh. (vgl. Ausstattung Nr. i). Von einer inschriftlich für 1753 bezeugten 
Restaurierung stammen anscheinend die Fenster und die Westtür in ihrer 
heutigen Form. 1830 wurde die ausgewichene und geborstene Ostwand durch 
Strebepfeiler gestützt, gleichzeitig wohl auch das Giebelfeld erneuert; 1848 
das Dach instand gesetzt (6). 




Abb. 36. Ilöntzc. Grundriß der Kapelle. 



ÄUSSERES. 

Rechteckiger Baukörper mit schlichtem Sockelabsatz, in Zement neu ver- 
putzt. Die Langseiten haben drei Achsen mit Zargenfenstern (auf der Nord- 
seite ist eine Achse blind, wahrscheinlich ist das Fenster nachträglich zugesetzt 
worden). Ein entsprechendes Fenster im Fachwerkgiebcl der Ostseite. Westtür 
mit Kalksteingewänden; auf dem Sturz in ausgesparter Kapitale: 775^ hat 



152 HÖNTZE 

diese Capelle der Pastor Groll und die Altarleute Brunotte und Duvenkrop repa- 
rieren lassen. An den Ostecken bruchsteinerne Strebepfeiler. 

Pfannengedecktes Satteldach mit quadratischem Dachreiter über dem 
Westgiebel. Helm mit kräftiger Einziehung ins Achteck übergeleitet. Wetter- 
fahne 172J. 

INNERES. 

Renoviert Ende 19. Jh. Muldenförmige Schaldecke, blau gestrichen. 
Wände geputzt und geweißt, an der Ostseite über dem Kranzgesims ver- 
brettert, gelb und rot gemalt. Flachbogige Fensternischen. Lehmfußboden, 
im Mittelgang und Chorteil mit Sandsteinplatten belegt. 

AUSSTATTUNG. 

1. Altar (Taf. 47d). H. 2,13 m; B. 2,50 m. Tanne und Linde; Profile 
Eiche. Bemalung weiß, in Braunrot abgesetzt. Aufbau mit korinthischen 
Säulen und verkröpftem Gebälk. In der Mitte ein hochrechteckiges Bildfeld 
mit Darstellung des Abendmahls (Öl auf Leinwand), zu beiden Seiten kleinere, 
architektonisch gerahmte Flügelteile mit schmalrechteckigen Füllungen, auf 
denen Blumenvasen gemalt sind. Knorpelwerkanschwünge; Gesimskamm 
mit Obeliskaufsätzen und Ranken, erneuert. Um 1650. Ursprünglich war 
über dem Hauptgeschoß ein entsprechend gebildetes oberes Halbgeschoß 
vorhanden, dessen Reste jetzt auf der Ostempore liegen (H. 0,88 m). — Mensa. 
H. 1,06 m; B. 1,31 m; T. 1,03 m. Gemauert und geputzt. Sandsteindeckplatte 
mit geschrägtem Profil; 15./16. Jh. Fest aufgelegte moderne Holzplatten. 

2. Kanzelkorb, in die Ostempore eingebaut. H. Brüstung 1,09 m. 
Eiche und Tanne, neu bemalt. Vierseitig vorspringend. Auf den Wandungen 
Blendarkaden innerhalb rechteckiger Schuppenrahmen; vor den Ecken nach 
unten sich verjüngende Pilaster (nur zwei erhalten); darüber ein verkröpftes 
Gesims mit Zahnschnitt. Anfang 17. Jh. Ursprünglich an anderer Stelle 
freistehend angebracht. Brettarkade über dem Kanzelzugang. 19. Jh. 

3. Gestühl, Tanne, gelb gemasert. 2. Hälfte 18. Jh. — Umwandete 
Sakristei, zugehörig. 

4. Emporen, Holz, gelb gemasert, a) an der Westseite. H. 2,33 m. 
Brüstung mit rechteckigen Füllungen, i. Hälfte 19 Jh. b) An der Ostseite. 
H. 2,22 m. Brüstung mit ausgesägten Dockenbrettern. Mitte 18. Jh. 

5. Chor schranken, entsprechend der Brüstung der Ostempore. 

6. Kriegergedenktafeln 1870/71 und 1914/18. 

7. Fünf Totentafeln und Totenkästen mit Totenkronen, Toten- 
kränzen und Inschriften, auf Papier geschrieben oder gedruckt. Auf der Ost- 
empore abgestellt. 2. Hälfte 19. Jh. 

8. Taufschale, o 27,5 cm. Zinn. Auf dem Boden eingekratzt (durch 

Lötstelle teilweise überdeckt): F. C. Kreick m 1741. Hildesheimer 

Beschau 49, doppelt; Meisterzeichen ein Herz, aus dem drei Blumen wachsen, 
und die Initialen: L. F. (Liste II, 10). 

9. Zwei Altarleuchter. H. 27 cm; 13,2 cm. Messing. Runder Fuß. 
Schaft mit Knäufen. 18. Jh. 

10. Leuchter. H. ca. 20 cm. Zinn. Runder Fuß in achteckigem Rahmen; 
Schaft mit urnenförmigem Glied. Auf dem Fuß eingekratzt: Ilsa Springmans 
1746, unter dem Fuß: A. Knaekster d(edi)t inHönze. Hildesheimer Beschau 49; 



HÖNTZE 153 

Meisterzeichen: eine von einer Schlange umwundene Säule, auf der ein 
Vogel sitzt, darüber das Auge Gottes, beiderseits C (?) A F 1742 (Liste II, 11). 

11. Altartuch. Weißes Leinen mit Rautenmusterung und Klöppel- 
spitze. I. Hälfte 19. Jh. 

12. Altarbibelpult. Tanne, schwarz und weiß gestrichen, 1770. 

13. Glocke. 0,76 m. Stark zinnhaltige Bronze. Am Hals Eichenblatt- 
kranz. S. Lange, Hildesheim, 1844. 

14. Uhr. Schmiedeeisen. Anfang 19. Jh. Die Gewichte hängen durch 
die Muldendecke hindurch in den Kapellenraum hinein. 

HOF NR. 12. 

Zweistöckiger Fachwerkbau mit pfannengedecktem Satteldach. Ober- 
geschoß etwas überstehend mit geputzten und gelb getönten Gefachen. Erd- 
geschoß erneuert, teilweise mit unverputzten Backsteingefachen, teilweise 
massiv in Backstein. Ehemals waren die Ställe anscheinend mit im Haus, 
jetzt sind überall Stuben eingebaut. Schiefermuster an den First- und Giebel- 
spitzen sowie um die Fenster der teilweise mit Pfannen verkleideten westlichen 
Schmalseite. Inschriftlich IJ2$. 



LEDI 

Die ehemalige, jetzt wüste Ortschaft Ledi lag auf dem linken Leineufer, nord- 
westlich vor Gronau. 997 wird die villa Ledi urkundlich als Zubehör des Königs- 
hofes Brüggen bezeichnet (i). König Heinrich II. schenkte 1013 der Hildesheimer 
Domkirche ein dortselbst belegenes Landgut (predium . . in villa quae vocatur Ledi 
in pago Gudinge; 2)j die Vogtei darüber gab 1198 Bischof Konrad weiter an das 
Hildesheimer Domkapitel (5). 1062 wird das Dorf Laide und die Brücke Laide ge- 
nannt (3), ebenso 1065 die Brücke Leide (4); 1241 lautet eine Ortsangabe zwischen 
Empna und Ledke auf dem Leineufer bei der Brücke" (6). — Erhalten ist das Gottes- 
haus des Ortes, das jetzt als Friedhofskapelle für Gronau dient. Das dazugehörige 
Land, das von den Herren v. Bock und v. Dötzum zu Lehen ging, wurde 1543 
der Küsterei beigelegt. 

Quellen: Mon. Germ. Hist., Dipl. reg. et imp. Germaniae II, Otto III., Nr. 242 
S. 660 Z. 12 (i)i III, Heinrich IL, Nr. 263 S. 310 f. (2) — U. B. Hochstift Hildes- 
heim I 57 S. 51 Z. 15 f. (2), 103 S. loi Z. 31, Z. 39 (3), 108 S. 107 Z. 2 (4), 534 
S. 511 Z. i8 f. (5), 583 S. 560 Z. 18 f.; II 629 S. 316 (6); III— VI vgl. die Register 
— Visitationsakten in Kayser, Reformatorische Kirchenvisitationen S. 339- — 
Literatur: Hennecke in „Unsere Heimat" S. 401, 410, 419 — Lüntzel, Alt. Di- 
özese S. 131 — Lüntzel, Gesch. I S. 88 — Mithoff III S. 79, 82 — Mithoflf Zs. 1864, 
S. 317 — Röbbelen in Vaterl. Archiv 1832 S. 2 Anm. 5 — Sonne V S. 305 — Starcke 
S.69. 

FRIEDHOFSKAPELLE, zu Gronau gehörig. 

Romanische Bruchsteinkapelle, nach Mithoflf 1624 bei einer „sog. Restau- 
ration" mit neuen Fenstern und Türen versehen (vgl. auch Ausstattung Nr. 12); 
1877 in gotisierendem Geschmack vollkommen umgestaltet. 

ÄUSSERES. 

Langrechteckiges, zweijochiges Schiff mit etwas niedrigerem und schmale- 
rem gerade geschlossenen Chor (Mithoflfs Angabe, der Chor sei polygonal 



154 



LEDI 



geschlossen, beruht auf einem Irrtum). An den Ecken flächige Quader. Die 
Wandflächen sind in Kalk verputzt (Rauhputz; im Chor stellenweise stein- 
sichtig). Über der Ostseite des Chores ein Fachwerkgiebel mit geputzten 
und geweißten Gefachen und einer Tür zum Bodenraum. Hölzernes Dach- 
gesims (i8. Jh.). Auf den Langseiten des Schiff'es je zwei, auf den drei Chor- 
seiten je ein neugotisches Fenster mit Sandsteingewänden, 1877. Entsprechende 
Westtür innerhalb eines massiven, verputzten Windfangvorbaues, ebenfalls 
1877. Eine zugesetzte, anscheinend rundbogige Tür in der ersten Achse der 
Nordseite. An den Westecken bündig mit der Westseite zwei spätgotische 
Strebepfeiler mit geschrägtem Sockelgesims, Zwischengesims und schräger 
Deckplatte (Sandstein). — Pfannengedecktes Satteldach; nach Westen 
abgewalmt. Über dem westlichen Firstende ein off"ener Dachreiter mit welscher 
Haube; Schieferdeckung in deutschem Muster, 17. 18. Jh. (1624?). 




Abb. .37. Lehder Kapelle; Grundriß. 



INNERES (Taf. 33c). 

Schiff und Chor haben rundbogige Kreuzrippengewölbe, die bei der 
Restaurierung 1877 anscheinend neu eingezogen sind. Vordem waren nach 
Mithoff Klostergewölbe (?) vorhanden, von welchen einzig noch der rund- 
bogige, kämpferlose Gurtbogen im Schiff stammen könnte. Ob der Triumph- 
bogen seine heutige spitzbogige Form erst 1877 bekommen hat oder 
vielleicht schon in gotischer Zeit (in diesem Falle müßte freilich bei Mithoff, 
der ihn rundbogig nennt, ein weiteres Versehen wie bei der Angabe des 
Chorschlusses vorliegen), ist im heutigen Zustand nicht zu entscheiden. Decke 
und Wände sind geputzt und hchtblau bzw. hell graugelb getönt (1933). Flach- 
bogige Fensternischen. Fußbodenbelag im Chor und im Mittelgang des 
Schiffes mit Sandsteinplatten; unter dem Gestühl Zementestrich. 

AUSSTATTUNG. 

1. Altar, Gestühl und Kanzelschranke stammen von 1877, 
Grabsteine, außen an der Ost- und Nordwand der Kapelle. Sandstein. 

2. Heinrich Crusius, Rektor der Schule in Gronau und designierter 
Pastor in Gödringen, Landkreis Hildesheim, * Hannover 1619, 15. VHL, 
t 1648, 23. V. H. 1,89 m; B. 0,80 m. Im oberen Teil vor zwei flachen, rund- 
bogigen Blendarkaden rechts ein Kruzifix, hnks der Verstorbene in betender 
Haltung knieend (RT. 0,055 ^)- Längs der Seitenränder Knorpel werk. Im 
unteren Teil in schräg liegender, ausgesparter 
Kapitale lateinische Inschrift mit Lebensdaten 
und Spruch. Steinmetzzeichen oberhalb der ,.^^..^ w/ v/ 

Inschrift. Die Bekrönung des Steines (Giebel ?) '^ 1 A^ \/V "vT* 

ist abgebrochen. 




LEDI 155 

3. Unbekannt. H. ca. 1,75 m; B. 0,83 m. RT. ca. 0,04 m. Frontalfigur 
des Verstorbenen in modischer Tracht (Schoßrock, Kniehosen, halblanger 
Umhang); neben seinem rechten Bein der Hut. Mitte 18. Jh. Der ehe- 
malige geschweifte Abschluß ist abgebrochen. 

4. Johann Friedrich Forcken, Bürgermeister, Apotheker, Bürger und 
Brauer in Gronau, * Hallerspringe 1688, 12. I., f 1768, 16. III. H. 1,91 m; 
B. 0,96 m. Im oberen Teil des Steines ein Alliancewappen : links eine aufwärts 
gerichtete Forke, rechts drei sechszackige Sterne. Darunter ein großes, hoch- 
ovales Inschriftschild, an das ein kleineres queroblonges angehängt ist; beide 
in gleichartigen Rocaillerahmen. Im Hauptfeld die Lebensdaten, im Neben- 
feld der Leichtext: i. Kön. 19, 4 (ausgesparte Kapitale). 

5. Dorothea Margaretha Dettmern, Ehefrau des Vorhergehenden, 
* Gronau 1704, 12. III., 00 1719,! 1774? 20. IX. H. 1,93 m; B. 0,89 m. Derselbe 
Typ wie Nr. 5, jedoch mit nur einem Wappen: abwärts gerichtete Forke, 
umgeben von drei vierblättrigen Blüten (trotz des Unterschiedes Blüte-Stern, 
wahrscheinlich als Kombination der beiden Wappenbilder bei Nr. 4 zu deuten). 
Inschriften in erhabener Kapitale. Leichtext : Jes. 57, 2. 

6. Johann Rudolph Otto, * Münchehofe 1725, 8. V., f 1783, 8. VI. Pastor 
Primarius in Gronau 1759, 9. V. nachdem er vorher in das ijte Jahr Adjunctus 
gewesen. H. 1,91 m; B. 0,94 m. Derselbe Typ wie Nr. 6. Im Wappen eine nach 
rechts laufende Otter (?). Leichtext: Weish. 4,7. 

7. Louise Forcken geb. Homeyer, * 1795? 24. VII. H. 1,07 m; 
D Sockel 0,62 m. Hochrechteckiger Block, schariert. Auf der Vorderseite 
ein erhabenes, glattes Feld mit der Namensinschrift in erhabener Kapitale. 
Die bekrönende Vase ist abgebrochen. 

8. Unbekannt. H. ca. 1,86 m; B. 0,63 m. Auf breitem Sockel eine hoch- 
rechteckige Bildplatte mit der Frontalfigur eines Knaben in Kittel und halb- 
langen Hosen auf vertieftem, gerauhtem Grund (RT. ca. 0,055 rn)- Darüber 
eine überstehende, teilweise abgebrochene Deckplatte. Um 1860. 

9. Zwei Altarleuchter. H. 23,3 cm; c 15 cm. Messing. Runder, 
steil ansteigender Fuß mit überstehender Tropfenfänger platte. Schaft mit 
Knäufen und Kelchglied. 17./18. Jh. 

10. Zwei Teller. 31,5 cm. Zinn. Zusammengehörig mit denen in 
der Stadtkirche. Am Rand in zwei Lorbeerkränzen: Herman Berckhahn Maria 
Schwartzkopff Anno 1698. Braunschweiger Beschau, Meisterzeichen mit 
springendem Reh (?) den Initialen P R und dem Datum 1685 (Liste II, i). 

11. Zwei Nummerntafeln. H. 0,81 m. Tanne, neu schwarz ge- 
strichen. 2. Hälfte 18. Jh. Eine Tafel nachträglich vergrößert. 

12. Wappentafel, außen an der Nordwand des Chores. H. i m; B. 
0,71 m. Sandstein. Rechteckige Platte mit vier Wappen, im oberen Teil zwei 
übereinander, im unteren Teil zwei nebeneinander. Beischriften in aus- 
gesparter Kapitale: Der Stadt Gronau Wapen bei Regierung B. Hansen Poehnans 
1624: gespaltener Schild mit Schrägrechtsbalken (s. Stadt Gronau, geschicht- 
liche Notizen S. 87); M. Viti Johannis des domahlichen Superintendenten Wapen: 
Kreuz, umgeben von vier fünfzackigen Sternen; der domahlichen Kircvater^ 
Wapen.. Levin Straubens: zwei von einem Sförmig gebogenen Stiel mit taschen- 
artigen Enden abzweigende gegenständige Kleeblätter; Jobsten Detmers: Drei 
sechszackige Sterne. Möglicherweise steht die Platte in Zusammenhang mit 
der von Mithoff erwähnten Restaurierung der Kapelle 1624. 




156 LEDI 

13. Hausmarkentafcl, ebendort. H. 0,32 m; B. 0,27 m. ^ 
Sandstein. In wappenförmig vertieftem Felde die mit den Initialen 
verbundene, unterschriftlich bezeichnete Hausmarke des Cordt 
Ooemborn und der Otilia Olven 16 $4. 

KIRCHHOF. 

Grabsteine, Sandstein. 

14. Philipp Heinrich Forcke, Doctor medicinae, * 1771, f 1836. 
H. ca. 2,30 m; B. 0,755 ^- Roter Sandstein. Stele mit Decksims und teilweise 
abgebrochenem Aufsatz. In der Mitte unter einem Gottesauge im Strahlen- 
kranz ein hochovales, von Palmwedeln gerahmtes Feld mit der Namensinschrift 
in vertiefter Kapitale. Stark verwittert. 

15. Johan August Plathner, * 1750, f 1841. H. ca. 2 m; B. 0,68 m. 
Typus von Nr. 14. 

16. Friedrich Wilhelm Plathner,* 1783,11847. H. 2,60 m. Zylindrisch 
mit Aufsatzurne. Am Schaft Namensinschrift. Kreuz und Anker. 



MAHLERTEN 

Dorf. 10 V2 km westlich von Hildesheim, an dem alten Landweg nach Hameln — 
Paderborn. 384 Einwohner. Haufensiedlung. Der Ortsname ist seit dem Mittel- 
alter unverändert; in der sog. „Fundatio ecclesiae Hildensemensis" vom Ende des 
II. Jahrhunderts Malerthen (12); in Urkunden 1214 Malerten (2), 1224 Malerthe (4). 
Von dem Geschlecht, das sich nach dem Orte nennt, erscheint urkundlich zuerst 
in den 30er Jahren des 12. Jahrhunderts Heynricus de Malerde. 1214 wird der Kirch- 
hof erwähnt (2). Die Klöster Marienrode (4), Haus Escherde (8), St. Godehard 
(6, 7) und St. Michael (9) in Hildesheim und die Kirche in Bethein (5) waren in 
Mahlerten begütert. Die Bischöfe besaßen hier eine Villicatio, die Bischof Hartbert 
(1199 — 1215) einlöste (10) und deren Vogtei Bischof Konrad H. (1221 — 1246) von 
dem Grafen Bernhard v. Spiegelberg zurückerwarb (11). Bischöfliches Meierding 
bis 1807. Am 9. Vni. i486 verbrannten die Hildesheimer den Ort in der Fehde 
gegen Bischof Barthold (13). 

Quellen: Sudendorf U. B. Register S. 353; I Nr. 471, 2 S. 250 Z. 10 — U. B. 
Hochstift Hildesheim I 201 S. 185 Z. 17 (i), 320 S. 306 Z. 17, 370 S. 355 Z. 32, 
631 S. 603 Z. 9 (2), Z. 33 f. (3); II 102 S. 45 (4); III 688 S. 356, 854 S. 442, 1087 
S. 356 Z. I (5); IV 240 S. 125 (6), 286 S. 156 (7); V 562 S. 332; VI 44 S. 23, 45 
S. 24, 399 S. 272 (8), 632 S. 445 f., 694 S. 487, 849 S. 577, 856 S. 579, 892 S. 606, 
899 S. 608, 900 A S. 609, 907 S. 614, 1256 S. 819 (9) — U. B. Marienrode Nr. 11 
Z. 43 f. S. 25 (4) — U. B. Stadt Hildesheim I— III, V— VII vgl. die Register; I 659 
S. 365 (6), 668 S. 370 (7) — Chron. Hild. ed. Pertz in Mon. Germ. S. S. VII 859 
Z. 21 f. (10), 860 Z. 30 f. (11) — „Fundatio ..." in Mon. Germ. S. S. XXX, II, I 
942 Z. 29 ff. (12) — Henning Brandis Diarium, ed. Hänselmann S. 80 Z. 24 (13) 
— Staatsarchiv Hannover: Hann. Des. 83 Hann. II 3500: Mahlerten, Repar. des 
Kirchengebäudes 1824 — 28 (14). — Literatur: Bertram I S. 216, 229, 301 — 
Busse, Memorabilia S. 55 — 59 — Hartmann in ,, Unsere Heimat" S. 278, 301, 315, 
359 — Hennecke in „Unsere Heimat" S. 379 f., 384, 400 f., 419, 438. Abb.: Taf. 43 
Nr. I — Jahresbericht 1914/15 — 1918/19 — Lauenstein S. 294 unter Heyersum — 
Mithoff III S. 199 — Mithoff, Zs. 1864 S. 327 — Peters, Archivinventare S. 717 
unter Heyersum — Schönermark, G. und Stüber, W., Hochbaulexikon Abb. 20 
S. 286 — Sonne V S. 558 — Starcke S. 79. 

EVANG. DORFKIRCHE, 

dem hl. Bartholomaeus geweiht (MithofF; vgl. Ausstattung Nr. 13). Vereinigt 
mit der Pfarre in Heyersum. 



MAHLERTEN 



157 



Einschiffige romanische Bruchsteinkirche, 2. Viertel 13. Jh. Die heutigen 
Fenster in Schiff und Chor und die Turmtür stammen von einer Instand- 
setzung der Kirche 1824 — 28 (14). Die Sakristei ist Ende 19. Jh. angebaut 
worden. — Lage, auf dem nach Westen zu ansteigenden, von Häusern und 
Gärten umgebenen, eingeebneten Friedhof inmitten des Dorfes. 




Abb. 38. Mahlerten. Schnitt 
und Grundriß der Kirclie. 




ÄUSSERES (Taf. 36b). 

Der Bau besteht aus einem zweijochigen Schiff, einem niedrigeren, ein- 
gezogenen Chor mit entsprechend abgesetzter halbrunder Apside und einem 
eingezogenen Westturm. Mauerwerk in quaderhaften, regelmäßig gelagerten 
Bruchsteinen aus feinem, teilweise rötlich verfärbtem Kalkstein. Schadhafter, 
barocker Kalkputz, teilweise erneuert (vor allem am Turm). Die romanischen 
Tür- und Fenstergewände sind aus Kalkstein, die Teilungsglieder der Schall- 
öffnungen und die klassizistischen Tür- und Fenstergewände aus Sandstein 
gearbeitet. — Der Turm ist über einem annähernd quadratischen Grundriß 
in schlanken Verhältnissen gliederungslos aufgeführt. Im Glockengeschoß 
auf jeder Seite zwei gekuppelte rundbogige Schallöffnungen mit Teilungs- 
säulchen (Würfelkapitäle, darüber trapezförmige Sattelsteine mit Wülsten 
an den Stirnkanten). Das nördliche Öffnungspaar der Westseite hegt als einziges 
innerhalb einer rundbogigen Nische; das Bogenfeld über dem kapitällosen 
Teilungssäulchen (an Stelle des Sattelsteines) ist in spitzbogigen Dreipässen 
ausgeschnitten; Anlage 14 Jh.; das Säulchen und der untere Teil der Bogen- 
platte sind wahrscheinlich später erneuert. Alle Öffnungen sind durch Zement- 
bänke verkleinert, die die Säulenbasen verdecken. Auf der Westseite eine 
rechteckige Tür mit Oberfenster. — Das Schiff zeigt nach Norden und Süden 
je zwei rechteckige Fenster; unterhalb derjenigen des Westjoches Gewände- 
reste der ursprünglichen Portale. In der Mitte der Nordseite ein breiter, 
schräg angelegter Strebepfeiler mit geschrägtem Sockelabsatz, 16. Jh. (?). 



158 MAHLERTEN 

Im Chor ein ehemals den SchifFsfenstern entsprechendes Fenster nach Süden, 
neuerdings rundbogig überhöht. Auf der Nordseite ist gleichzeitig mit dem 
Sakristeianbau ein Kreisfenster gebrochen worden. In der Apsis drei roma- 
nische Rundbogenfenster; das mittlere ist zugesetzt. Der alte geschrägte 
Sockel liegt unter der heutigen Erdoberfläche (Chor und Schiff scheinen dagegen 
keinen Sockel gehabt zu haben). — Sakristeianbau an der Nordseite des 
Chores in unverputztem, grobem Kalkbruchstein. 

Satteldächer über Schiff und Chor in Kreuzstrebe- bzw. Kehlbalken- 
konstruktion. Das Apsidendach schließt als dreiseitige halbe Pyramide an die 
Chorgiebelwand an. Pfannendeckung. Der Turmhelm ist mit starker Ein- 
ziehung in eine achteckige Spitze übergeführt. Uhrgauben nach Westen und 
Osten. Auslegestuhl für die Schlagglocke. Schieferdeckung. 

INNERES (Taf. 36 c). 

Das Schiff ist in zwei queroblongen, der Chor in einem quadratischen Joch 
durch gratige, in Bruchstein auf Kuf gemauerte Kreuzgewölbe (Taf. 40 d) 
geschlossen. Starker Stich, keine Busung. Gewölbe- und Wandbögen aus 
Sandsteinquadern, durchgehend spitzbogig und von schlichtem, rechteckigem 
Querschnitt. Der Gurtbogen im Schiff ist durch das Ausweichen der Schiffs- 
mauern stark verdrückt. Schildbögen sind nur im Schiff vorhanden (nicht sehr 
regelmäßig gemauert). Die Gewölbegrate setzen im Schiff auf Wandvorlagen, 
der Gurtbogen und die Schildbögen auf Konsolen auf, die an die Vorlagen 
angearbeitet sind. Im Chor sind auch die Gewölbegrate nur von Konsolen 
unterfangen. Geschrägte Kämpfer und Konsolenprofile, entsprechende Sockel 
an den Wandvorlagen, am Chor- und Apsisbogen und an der östlichen Schiffs- 
wand (an den westlichen Eckvorlagen im Schiff sind sie zum Teil abgearbeitet, 
am Chorbogen vielleicht schon ursprünglich nur auf der Westseite angebracht). 
Fußboden mit Sandsteinplattenbelag, unter der nördlichen Gestühlsreihe 
zementiert. — Die Turmvorhalle ist wie das Schiff und der Chor mit einem 
gratigen Kreuzgewölbe geschlossen. Die Grate verlaufen in den Ecken. Kein 
Stich. In der Südwestecke führte ehemals eine zur Hälfte in die Südwand 
eingelassene Wendeltreppe in die oberen Geschosse. Reste sind noch über dem 
im 19. Jh. neu eingezogenen Zwischenboden unterhalb des alten Gewölbes 
sichtbar. Der heutige Aufgang zum Glockengeschoß ist durch das Gewölbe 
hindurchgebrochen. Gegen das Schiff hin öffnete sich der Raum in einer dem 
Chorbogen entsprechenden großen Spitzbogenöffnung (H. 4,85 m), die nach- 
träglich mit einer Fachwerkwand teilweise zugesetzt worden ist (19. Jh.). — 
Gewölbe und Wände aller Teile der Kirche sind verputzt, im Turm geweißt, 
im Chor, im Schiff und in der Apsis zum Teil auf Grundlage älterer Malerei- 
reste 1921 neu bemalt: Die Gewölbe hellblau mit goldenen Sternen, die Wand 
und Gewölbebögen einschließHch der Gewölbeansätze wechselnd grau und 
schwarz oder schwarz auf grauem Grund gequadert. Die Wände sind gelbhch 
getönt; in der Sockelzone im Schiff Vorhangmotive, im Chor Quadermuster. — 
Im Chor und in der Apsis finden sich figürliche romanische Wand- 
malereien (Taf. 37a), 1921 aufgedeckt und vollständig übermalt von 
L. Wichtendahl, Hannover. In der Apsiswölbung eine Deesis vereinigt mit der 
Darstellung Christi als Weltenrichter. Christus in der Mandorla sitzt auf einem 
Thron mit halbrunder, in Lilienblüten endigender Rückenlehne. Darunter 
sind die Evangehstensymbole angeordnet; zu äußerst auf den Seiten stehen 
Maria und Johannes der Täufer. Gewänder grauviolett, Boden blaugrün, 
Grund gelb, in der Mandorla graugrün. Thron hellbraun. Rahmenborte gelb. 



MAHLERTEN 159 

weißbraun, dunkelgrau. Auf der südlichen Chorwand oberhalb der Sockelzone 
ein rundbogiger Arkadenfries mit sechs Apostelfiguren, die Spruchbänder und 
Bücher in den Händen halten (die beiden innersten Arkaden sind infolge der 
Erweiterung des Fensters 1824 zum Teil durchschnitten). Farben rot, bläulich, 
grauviolett auf gelbem Grund. Von dem Fries auf der gegenüberliegenden 
Chor wand ist wegen der zu schlechten Erhaltung nur ein Stück Architektur- 
kulisse neben dem Chorbogen aufgedeckt worden. Dem auch unter der heutigen 
Übermalung erkennbaren Stil nach sind die Malereien etwa gleichzeitig wie 
der Bau selbst, also in das 2. Viertel des 13. Jhs. zu datieren. Die besondere 
Form der Apsisdarstellung tritt ähnlich wohl etwas früher in dem benach- 
barten Burgstemmen auf. 

AUSSTATTUNG. 

1. Altarmensa. H. 1,06 m; B. 1,38 m; T. 1,26 m. Die Wandungen sind 
jeweils mit einer großen Sandsteinplatte verkleidet (Hintermauerung in 
Bruchstein). Auf der Rückseite eine Öffnung ins Innere. Geschrägter Sockel- 
absatz (Kalkstein). Deckplatte mit Hohlkehlenprofil, in der Mitte eine Reli- 
quiengrube; Weihekreuze fehlen. Gleichzeitig mit dem Bau. — Niedriger 
Altaraufsatz; 1921. 

2. Der ehemalige Altaraufsatz; 1921 entfernt; jetzt in der Uhren- 
kammer im Turm. Holz, braun bemalt (19. Jh.). Aufbau mit zwei korinthischen 
Säulen zu Seiten eines hochrechteckigen (leeren) Bildfeldes und darüber einem 
verkröpften Gebälk. Dekoration durch Blütenschnüre, Bandelwerk- und 
Akanthusschnitzereien. Akanthusvolutenaufsatz. Um 1730. Typus des 
Altares in Burgstemmen (in dessen ursprüngHchem Zustand). Der Altar ist 
auseinandergenommen; mehrere Stücke fehlen. 

3. Kanzel, am Chorbogen. Sechsseitiger Korb. Eiche und Tanne; 
braun gestrichen. Wandungen mit breiter Sockelzone. Rundbogige Haupt- 
füllungen, querrechteckige Sockelfüllungen. Abschlußsims mit breitem Zahn- 
schnitt. Anfang 17. Jh. Achteckiger Steinsockel, 18. /19. Jh. (?). Aufgang 
Ende 18. Jh. 

4. Gestühl. Tanne, braun gestrichen. Mitte 19. Jh. 

5. Empore, vor der Westwand. H. 2,54 m. Tanne. Die Anlage umfaßt 
einen zurückliegenden Mittelteil und zwei bis zu dem Gurtbogen vorge- 
wölbte Seitenteile. Brüstung mit Rechteckfeldern, olivgrün mit Blauschwarz 
abgesetzt. Eichenstützen, rot marmoriert. Mitte 19. Jh. Die Seitenteile 
waren ursprüngUch wie in Heyersum bis zum Chor vorgezogen; 1921 ver- 
kürzt. 

6. Orgel auf der Empore, romanisierend. 2. Hälfte 19. Jh. 

7. Grabplatte des Johann Ludolph Pfeffer, * Schulenburg 1708, 
1 1709, im Fußboden der Turmhalle. H. 1,30 m; B. 0,69 m, Sandstein. Namens- 
inschrift in ausgesparter Kapitale. 

8. Kriegergedenktafel 1870 71, am nördhchen Triumphbogenpfeiler. 
Gußeisen. — Gefallenentafel 1914/18, an der nördlichen Chorwand. 
Eiche, 

Altargerät. 

9. Kelch (Taf. 25c). H. 19 cm; o 11,5 cm. Silber. Runder Fuß mit 
Einkerbungen im Rand; an dem wulstigen Ansatzprofil getriebenes lappiges 
Blattornament. Wulstnodus mit Mittelgrat und entsprechender Ornamen- 



160 MAHLERTEN 

tation. Am Fuß in Kapitale: Gosman Schäffer Agnes Wedemeyern Anno 1652 
und Bibelspruch. — Patene. 13 cm. 

10. Taufschale. H. 6,5 cm; c. 25,5 cm. Zinn. Engelstempel (En)glichs 
(Bl)ock Zinn; A. Rüdiger (Liste II, 25). i. Hälfte 19. Jh. 

11. Zwei Altarleuchter (Taf. 25h). H. 29,5 cm; 15,7 cm. Messing. 
Runder, gekehlt profilierter Fuß, zylindrischer Schaft mit Ringen, tiefer, 
runder Teller mit Zinnenrand. Am Fuß in Kapitale: a) Hinrich Krete; b) Hin- 
rich Lampe. 2. Hälfte 16. Jh. 

12. Abendmahlstuch. L. 73 cm; B. 50,5 cm. Dunkelroter Samt mit 
Goldspitzeneinfassung und Aufschrift in aufgenähter Goldborte: J. E. J. T. L.P. 
Anno ijSs- 

13. Glocke. 1,02 m. Am Hals unter einem Kreuzblumenfries in 
Kapitale die Gießerinschrift des Jobst Heinrich Lampen in Hildesheim, 1699, 
dazu die Namen des Pastoren Henricus Müller und der „Provisores" der 
Kirche, Curdt Issen und Andreas Burossen; darunter: Curdt Issen hat zu 
dieser Kloken verehret 22 Gulden., und: Psalm GL. Auf der Flanke eine drei- 
figurige Kreuzigungsgruppe (H. 0,22 m; RT. 0,01 m) und die Figur des hl. 
Bartholomaeus (H. 0,145 m; RT. 0,01 m); beide Rehefs umgeben von Münzen. 

14. Glocke. Radler, Hildesheim. 1925. 

15. Schlagglocke, außen am Turmhelm. 



MARIENHAGEN 

Dorf. 8 km südwestlich von Gronau. Straßensiedlung reinsten Typs längs des 
Weges von Eime nach Weentzen (Kreis Hameln) in dem schmalen Sattel zwischen 
dem Thüster und dem Duinger Berg. 688 Einwohner. In dem bei Lüntzel abge- 
druckten Archidiakonatsverzeichnis wird der Ort Dorhagen genannt. Dieser Name 
kommt am Ende des 14. Jahrhunderts in Hildesheim als Familienname vor (vgl. 
U. B. Ho. Hi. VI). In Marienhagen wird der Ort nach der Mutter Gottes umbenannt 
sein, der auch die Dorfkirche geweiht war. 

Quellen: Archidiakonatsverzeichnis in Lüntzel, Alt. Diözese S. 434 — Ge- 
meindevorstandsregistratur Marienhagen (vgl. Peters) — Pfarrarchiv Deinsen mit 
Marienhagen (vgl. Peters) — Staatsarchiv Hannover, Hann. Des. 83 Hann. II 3596: 
Marienhagen, Kirchenbauten 1786 — 1828. — Literatur: Andreae im Hann. Ma- 
gazin 1774 S. 706 f. — Baring I S. 243 — 246 — Hennecke in „Unsere Heimat" 
S. 380, 383, 392, 402, 420, 436, 439 — Mithoff I S. 136 — Rudorff S. 317 f. — 
Sonne V S. 561. 



EVANG. DORFKIRCHE, 

der Mutter Gottes geweiht; kombiniert mit der Pfarrkirche in Deinsen. 

Einschiffige Bruchsteinkirche, gebaut 1796 — 98 an Stelle einer älteren, 
1774 von Andreae als „sehr verfallen" bezeichneten Kirche. Der Westturm 
ist in den unteren Geschossen mittelalterlich, 14. Jh. (?); Glockengeschoß und 
Helm sind in der 2. Hälfte des 19. Jhs. erneuert. — Lage, in der Mitte des 
Dorfes auf dem erhöhten und durch eine Bruchsteinstützmauer gegen die 
Straßen abgegrenzten, eingeebneten Friedhof. 



MARIENHAGEN 



161 



Abb. 39. :\Iaiicnhagen. Grundriß 
der Kirche. 




ÄUSSERES. 

Mauerwerk in unregelmäßig gefügtem Kalkbruchstein; am Turm größere 
Flickstellen. Entstellende reliefmäßig aufgetragene Zementausfugung, Ende 
19. Jh. — Der Turm ist bis in Höhe des Glockengeschosses ungegliedert. 
Lichtschlitze mit Kalksteingewänden. Westtür und Nordfenster im Erd- 
geschoß romanisierend, Ende 19. Jh. Das Glockengeschoß ist in Fachwerk 
aufgesetzt und mit Schiefer verkleidet. Paarweis angelegte Schallöffnungen. 
Das Schiff hat eine schhchte, rechteckige Form mit geradem Ostschluß und 
vortretender Quaderverzahnung an den Ecken. Nord- und Südseite zeigen 
je drei, die Ostseite ein rechteckiges Fenster. Diejenigen in der Mitte der 
Langseiten sind verkürzt und mit gleichartigen Eingängen darunter verbunden. 
Die Gewände sind ebenso wie die Eckquader aus Rotsandstein. Der Südeingang 
ist nachträglich zugesetzt. 

Pfannengedecktes Satteldach, nach Osten abgewalmt. Kehlbalken- 
konstruktion mit einfachem Hängewerk. Pyramidaler Turmhelm mit starker 
Einziehung über dem ersten Drittel. Am Ansatz des oberen Teiles ist die 
Deckung aufgebrochen, so daß eine Art Laterne entsteht. Schieferdeckung. 

INNERES. 

Turmhalle, geputzt und geweißt, mit rundbogigem, gratigem Kreuz- 
gewölbe (Bruchstein) über kämpferlosen Eckvorlagen. Starker Stich. Da die 
Kappen in die Schildwände eingeschnitten sind, ist das Gewölbe wohl gleich- 
zeitig mit dem Turmkörper. Im Schiff eine hölzerne Voutendecke, braun 
gebeizt (2. Hälfte 19. Jh.). Die Wände sind geputzt und grau getönt. Boden- 
belag Fliesen, unter dem Gestühl ein Holzpodium. 



AUSSTATTUNG. 

Die Hauptgegenstände sind bei einer Restaurierung um 1900 erneuert 
worden; die Orgel stammt von 1857. An älteren Stücken sind bzw. waren 
vorhanden : 

I. Taufe, im Chor. H. 1,05 m; 0,47 m. Sandstein, neu bemalt. Sechs- 
eckige, durch Gesimse gegliederte Pfeilerform. An den Kesselwandungen in 
ausgesparter Kapitale: a) Spruch Joh. 3, 6; b) Anno 16^6 den 22 Aprilis als ehr 
Justus Filter hie Pastor haben Hinrich Wolters Cort Meneken Cort Tonnies und 
Hinrich Schlie die haben diesen Taufstein der Kirgchen verehret. Am Schaft 
abwechselnd Masken und Diamantquader in versetzter Reihung. — Einsatz. 
0,263 ni. Zinn. Hildesheimer Beschau 49, doppelt; Meisterzeichen: Lamm 
Gottes, darüber . . .R, darunter 1839 (Liste H, 13). 



162 MARIENHAGEN 

2. Kelch. H. 16,5 cm; 13,5 cm. Silber vergoldet. Runder Fuß mit 
gekehltem Ansatz. Auf der Oberseite ein flach getriebener rundbogiger Fünf- 
paß. Wulstnodus mit erhabenen, lanzettförmigen Feldern und weit vorge- 
zogenen Rotuln. Auf Feldern und Rotuln gravierte Blattfüllungen. Starke 
sechseckige Schaftstücke mit gravierten Rautenfeldern oder Blüten. Ende 
16. Jh. 

3. Zwei Altarleuchter. H. 28,5 cm; 17 cm. Messing. Runder Fuß 
auf drei Tatzen. Runder Schaft mit Mittelring. 16. 17. Jh. 

Glocken. Nr. 4 und 5 sind durch neue Glocken von Radler, Hildesheim, 
ersetzt, 1898 und 1898 1934. 

[4. Nach Mithoff mit Inschrift: Anfnjo Do(mi)ni MCCCCXXXIII ave 
gracia ple(n)a, rex glorie veni cu(m) pace. Schmuck durch einige flache 
unbedeutende Bildwerke.] 

[5. Nach Bericht des Kirchenvorstandes von 1897 mit Inschrift: Ave 
Maria gracia plena dominus tecum A(nn)o i$Si. Schmuck durch Bischofsbild. 
Identisch mit der nach Mithoff undatierten mittleren Glocke.] 

6. Schlagglocke, in der Laterne des Turmhelmes. 0,58 m. Ohne 

Inschrift, mit Kreuzblumenfries und Perlschnur am Hals. An Stelle der Krone 
ein Zapfen. 19. Jh. (jedenfalls wohl nicht identisch mit der bei Mithoff und 
in dem Kirchenvorstandsbericht erwähnten Schlagglocke, die schon 1778 zu 
der alten Schlaguhr gehört haben soll). 



MEHLE 

Dorf. 6 '2 km nordwestlich von Elze. 852 Einwohner. Straßensiedlung. Älteste 
urkundliche Namensformen 1013 bzw. 1022 Midilithe im Gau Guddingun (i), 
vom 12. Jahrhundert ab Midele(n) (2, 3, 4) oder Medele(n) (5, 6,7). Das Michaelis- 
kloster in Hildesheim und das Kloster Wülfinghausen waren hier begütert. Die 
Pfarrei Mehle innerhalb des Kirchenbezirks Elze wird 1239 zuerst erwähnt (8). 

Quellen: Falcke, Trad. Corb. 505 — Mon. Germ. Hist. Diplomata Heinrich IL, 
Nr. 260 S. 306 Z. 28 (i) — Sudendorf X 116 S. 277 Z. 28, 131 S. 329 Z. 3 — U. B. 
Hochstift Hildesheim I 69 S. 71 Z. 27 (i), 200 S. 183 Z. 35 (2), 201 S. 186 Z. 3 (3), 
222 S. 202 Z. 8 (4), 492 S. 468 Z. 23 (5), 549 S. 525 Z. 20 (6), 590 S. 564 Z. 26 (7), 
660 S. 631 Z. 15; n 549 S. 268 (8), 603 S. 301, 937 S. 470, 964 S. 482, Nr. 13 S. 580; 
IV Register S. 913; V Register S. 934; VI Register S. 1095 — U. B. Stadt Hildes- 
heim I, V, VI vgl. die Register — U. B. Wülfinghausen 6 S. 6, 7 S. 6 f., (8), 57 S. 47, 78 
S. 59 f., 81 S. 61 f., 82 S. 62, 158 S. HO, 163 S. 114, 169 S. 117, 170 S. 117, 181 
S. 123 — Registraturen des Magistrats und der Superintendentur Elze, des Ge- 
meindevorstandes und der evangelischen Pfarre Mehle (vgl. Peters). — Literatur: 
Busse, Memorabilia S. 18 — Henkel, Kurze Geschichte S. 172 — Hennecke in 
,, Unsere Heimat" S. 377, 380, 385, 401, 419, 439, 440 — Lauenstein S. 292 — 
Lüntzel, Gesch. I S. 89 — MithoflF III S. 202 — MithoflF, Zs. 1864 S. 328 — Sonne V 
S. 568 — Starcke S. 76. 

EVANG. PFARRKIRCHE, 

dem hl. Urban geweiht. Die Pfarre ist verbunden mit der Diakonatstelle in 
Elze. 

Einschiffige Bruchsteinkirche auf dem erhöhten, gegen die Straßen durch 
eine Stützmauer abgegrenzten Friedhof inmitten des Dorfes. Das Schiff 
stammt von 1773; der Westturm ist im unteren Teil romanisch, im oberen 
Teil wahrscheinlich 1569 unter Verwendung des alten Baumaterials erneuert. 
Veränderungen an den Schallöffnungen und am Helm Anfang 19. Jh. 



MEHLE 



163 



Abb. 40. :Mehle. Griindiiß 
der evangelischen Kirche. 




>1^-' 




seitigem 



ÄUSSERES (Taf. 41b). 

Der Turm ist in steinsichtigem Bruchsteinmauerwerk aufgeführt; die 
Wandflächen sind durch eine moderne, rehefmäßig aufgetragene Zement- 
ausfugung entstellt. Werksteinteile aus Sandstein. Geschrägter Sockelabsatz; 
dreieckig vorspringendes, spätgotisches Zwischengesims ohne Wasserkehle 
etwas unterhalb der Turmmitte; schwach gekehltes Kranzgesims. Die Ecken 
sind mit bündigen, verzahnten Rohquadern besetzt (gestockt). Flachbogige 
Tür auf der Westseite; am Sturz in ausgesparter Kapitale: A (nno) 1^69 do werert 
Olderlude Bertelt Hescel un Jacop Frese; dahinter ein Steinmetzzeichen. Im 
Glockengeschoß derselben Seite eine rundbogige romanische Schall- 
öffnung, wahrscheinlich von dem ursprünglichen Glockengeschoß 
übernommen (Sohlbank erneuert); nach Norden eine rechteckige, 
nachmittelalterliche Öffnung (1569?), nach Süden innerhalb einer 
Rundbogennische ein rundbogiges Biforium mit toskanischem 
Zwischensäulchen, Anfang 19. Jh. — Fünfachsiges Schiff mit drei- 
Ostschluß. Bruchsteinmauerwerk mit altem Kalkputz und sicht- 
baren Werksteingliedern (Sandstein). An den Ecken vortretende Quader- 
verzahnung. Rechteckiger Sockelabsatz. Kranzgesims in Holzschalung. 
Flachbogige Tür- und Fensteröffnungen. Die Eingänge in der Mitte der Lang- 
seiten (mit den ursprünglichen Türflügeln) haben rechteckige, profilierte 
Gewänderahmen mit geschweiften Aufsatzplatten, deren flachbogige Deck- 
gesimse an den Sohlbänken der niedrigen Fenster darüber angearbeitet sind. 
Die Platten waren zweifellos für Inschriften bestimmt, die aber nicht aus- 
geführt worden sind. Auf der Ostseite ein tief liegendes kleines Fenster, an- 
scheinend zunächst als Tür geplant. — Im Glockengeschoß des Turmes liegt 
ein sandsteinernes, gotisches Giebelkreuz von gedrungener Form mit abge- 
schrägten vorderen Kanten, wahrscheinlich von dem vor 1773 bestehenden 
Kirchenschiff. — Satteldach mit Deckung aus Sandsteinplatten; über dem 
Chor steil, gegen den Turm hin flach abgewalmt. Auf der Südseite eine Uhr- 
gaube. Über dem Ostfirst eine Wetterfahne 1773. Kehlbalkenkonstruktion 
mit verdoppelten Hölzern und abgestrebter Hängesäule. Turmhelm, in 
achteckiger Spitze ausgezogen, mit Schiefer gedeckt. Auf der Westseite Aus- 
legestuhl für die Schlagglocke. 



INNERES. 

Die Turmvorhalle ist mit einer bruchsteinernen Quertonne überwölbt 
(1569?). Die Tonne setzt sehr hoch, oberhalb des Scheitels eines in der Ost- 



104 MEHLE 

wand befindlichen rundbogigen. romanischen Blendbogens an, der ehemals 
zu einem offenen Durchgang zum Schiff gehörte. Auf eine ältere Flachdecke 
deuten die als Balkenauflager angebrachten Konsolen in der Nord- und Süd- 
wand. Schadhafter Verputz, blau und braun getönt. — Das Schiff hat eine 
verputzte und geweißte hölzerne Voutendecke. Die ebenfalls verputzten Wand- 
flächen sind mit einem bräunlichen Tapetenmuster bemalt. Sandsteinerne 
Fußbodenplatten in den Schiffsgängen und im Chorteil; unter dem Gestühl 
Dielung. 

AUSSTATTUNG. Die Hauptgegenstände sind braun gestrichen; Mitte 19. Jh. 

I. Kanzelaltar. H. ca. 7,50 m; B. 6,12 m. Holz. Dreigeschossiger 
architektonischer Aufbau. Im Untergeschoß beiderseits der Mensa Pilaster- 
vorlagen und flachbogige Durchgänge; im Hauptgeschoß ein rechteckig vor- 
tretender Kanzelkorb mit vorgekröpften Eckschrägen, flankiert von korinthi- 
schen Säulen; über den unteren Durchgängen breite, geschweifte Brettan- 
schwünge mit Rankenmalereien. Verkröpftes Deckgebälk, davor der Schall- 
deckel. Das oberste Geschoß wiederholt in kleinerem Maßstab den Aufbau 
des Hauptgeschosses. Gesamtanlage 1773 (?). Kanzelkorb und Schall- 
deckel gehören jedoch nicht ursprünglich in den Altarzusammenhang; an- 
scheinend sind sie älter, i. Hälfte 1 8. Jh. Das Mittelfeld im obersten Geschoß 
mit aufgelegtem Kreuz, die Vasen- und Puttenbekrönungen der Gebälk- 
verkröpfungen und die Säulen sind erneuert; Mitte und 2. Hälfte 19. Jh. 

2. Taufe, im Chor. H. 0,96 m. Sandstein (?), grünlich gestrichen. 
Modern, nach Vorbild vom Anfang des 19. Jhs. 

3. Gestühl. Tanne. 1773. — Beiderseits an den Altar anschließend 
umbaute Sitze mit flachbogigen Wandungsfenstern. — Nach MithoflF lautete 
eine aus der früheren Kirche stammende Inschrift über dem Beichtstuhle: 
Anno i6jO sind in diesem Gotteshause, nachdem dasselbe durch das Kaiserliche 
Lager vor Gronau 1641 verwüstet, wiederum die Priechen und Wände auferbaut 
worden. Pastores und Altarleute waren Ehr Johannes Drösemeyer, Ehr Heinrich 
Cüling, Tile Meyer und Tile Dreyer. 

4. Empore, an der West-, Nord- und Südseite des Schiffes; auf der West- 
seite trapezförmig vorspringend. H. 3,14 m. Tanne. 2. Viertel 19. Jh. 

5. Orgel, auf der Westempore. Prospekt. H. 3,75 m; B. 2,76 m. Eiche. 
Fünfachsiger, nach der Mitte zu ansteigender Aufbau mit halbrundem Mittel- 
turm und vortretenden Eckfeldern. 2. Viertel 19. Jh. mit späteren Ergän- 
zungen. — Mechanisches Werk, gleichzeitig, sehr vernachlässigt. 

6. Fragment eines Reliefs der Anbetung der hl. drei Könige 
(? Taf. 28d); in der Sakristei. H. 0,58 m; B. 0,35 m. Eiche. Erhalten ist der 
Oberkörper Mariae, die halb aufgerichtet auf einem Lager zu ruhen scheint 
und auf deren Schoß das Jesuskind steht (Kopf und Arme des Kindes fehlen). 
Links unterhalb von Maria sitzt die wesentlich kleinere Figur des hl. Joseph 
(die rechte Hand ist abgebrochen). Sprünge im Holz sind mit Leinwand über- 
klebt. Reste von Vergoldung finden sich an den Haaren, am Kleid und am 
Mantelfutter Mariae, blaue und rote Farbspuren am Mantel Mariae und am 
Gewand des hl. Joseph. Kreidegrundierung. Die Figuren lösen sich mit dem 
Oberkörper frei vom Hintergrund ab. Anfang 15. Jh. 

7. Kronleuchter. H. ca. 0,74 m; .: ca. 0,70 m. Messing. Zwölf S-förmig 
herabgebogene Arme in zwei Kränzen. Die unteren Arme haben sechseckigen 
Querschnitt und mittlere Blatthülsenknoten, die oberen sind bis auf zwei 



MEHLE 16.5 

ergänzt, flachoval mit Fischmaulknoten und behelmten Maskenplättchen in 
der inneren Schlaufe. Als Zierglieder im unteren Kranz und an einem mitt- 
leren Ring gravierte Meerweib- und Delphinplättchen. Gequetschte Kugel, 
krönender Doppeladler. Tüllen und Teller teilweise ergänzt. i8. und 19. Jh. 

8. Kronleuchter. H. ca. 0,86 m; c ca. 0,80 m. Typus von Nr. 7. Zwölf 
flachovale Arme mit Fischmaul- und Blatthülsenknoten. Geperlte Zwischen- 
schwünge. Vollrunde Kugel. Tüllen teilweise ergänzt. Anfang 19. Jh. 

Altargerät. 

9. Kelch. H. 20 cm; : 12,5 cm. Silber, teilvergoldet. Runder Fuß mit 
Stifterinschrift des Johann Burchard Jansen und der Margaretha Elisabeth 
Oppermanns, 1740. Birnförmiger Nodus. Hildesheimer Beschau; Meister 
CK (Liste I, 19). — Patene. 13,5 cm. 

IG. Kelch. H. 14,2 cm; .? 8,5 cm. Zinn. Runder, glockenförmig an- 
steigender Fuß, Ringnodus, steilwandige Kuppa mit Mittelgrat. Engels- 
stempel im Oval mit den Initialen LI (? Liste II, 18), darunter: C. Edemung (?). 
Anfang 19. Jh. 

11. Kelch. H. 17,5 cm. Zinn. Mitte 19. Jh. 

12. Zwei Oblatendosen, a) H. 14,1 cm; 8,7 cm. Zinnblech. Mitte 
19. Jh. b) H. 10 cm; .: 8,5 cm. Silber. 18^2. 

13. Zwei Altarkreuze. Gußeisen. 1842 und Mitte 19. Jh. 

14. Zwei Altarleuchter (Taf. 25e). H. 34,3 cm; .: 17,9 cm. Messing. 
Vielfältig profilierter Schaft auf rundem Fuß. a) Moritz Vornholt Anno 16^6; 
b) Elisahet Brüggemans Anno 16^6. 

15. Zwei Altarleuchter. H. 31,8 cm; c 18,1 cm. Entsprechend Nr. 14. 
a) Hans Timmerman Margareta Bottichers; b) Joannes Collman Jlsahe Stein. 
2. Drittel 17. Jh. 

16. Zwei Altarleuchter (Taf. 31a). H. 26,2 cm; .: 16,5 cm. Porzellan. 
Runder Fuß mit leicht geschweiftem Umriß. Der Schaft ist dicht oberhalb der 
Fußlehne pilzartig übergekragt und mit Bandvoluten belegt, die sich auf dem 
Fuß in Form von breitlappigen Blättern ausbreiten und an der Lichttülle 
oberhalb eines scharf eingezogenen Halsgliedes in Hüllblättern endigen. 
Dazwischen und darauf teils modellierte Blütenschnüre, teils bunt gemalte 
Blumen(sträuße). Schwertermarke der Meißener Manufaktur. Mitte 18 Jh. 

17. Zwei Altarleuchter. H. 17 cm. Zinn. Runder Fuß; Säulenschaft. 
Mitte 19. Jh. 

18. Bibel, in-4^. Hannover 1838. 

19. Opfer stock, in der Sakristei. H. 0,73 m. Eiche, mit Eisenbändern 
beschlagen. 18. Jh. 

20. Glocke. .: 1,07 m. Am Hals zwischen zwei Palmettenfriesen in 
Kapitale: Hferrj Johann Tonnies Pastor. Bartold Dedeken. Härmen Heissel 
Altarleute Baurnieister und die Gemeinde zu Mehle haben diese Glocken giessen 
lassen beim Jobst Heinrich Lampen in Hildesheim. Auf der Flanke: Anno 1689; 
darunter ein Kruzifix vor zwei Spruchbändern. Auf der gegenüberliegenden 
Seite fünf Münzen. Am Wolm: Borchardt Danhusen Amtsvoget zu Poppenborch. 
Magdalena Wäfers. Ludolff Jacob Wahrendorff. Anna Maria Sicks. Anton 
Mügge aedituus. 

21. Glocke. Radler, Hildesheim. 1927. 

22. Schlagglocke, außen am Turmhelm. 18. Jh. (?). 

23. Uhr, auf dem Dachboden. Schmiedeeisen. Mitte 19. Jh. 

24. Sonnenuhr, an der Südseite des Schiff"es. Sandstein. 1773. 



16ß MEHLE 

KATH. PFARRKIRCHE. 

Quellen: Pfarrarchiv Mehle. — Literatur: Bertram III S. 87, 93, 99, 153, 
264, 368 — Henkel, Kurze Geschichte S. 172 — Hennecke in „Unsere Heimat" 
S. 425 — MithoflF III S. 202 — Vogel], Zs. 1864 S. 348. 

Kirche, Pfarrwohnung und Schule bilden einen winkelförmig angelegten 
Baukomplex westlich außerhalb des Dorfes an der Straße nach Wülfinghausen, 
Kreis Springe. Die Kirche (ehemals Kapelle) ist zusammen mit der Wohnung 
des Geistlichen 1741 von dem Eigentümer des in der Nähe von Mehle ge- 
legenen Steinkohlenbergwerkes, dem Freiherren Jobst Edmund v. Brabeck auf 
Söder, Kreis Marienburg, gegründet. Nach einem Brande im Jahre 1839 
wurde sie 1846 durch den Schwiegersohn des letzten Herrn v. Brabeck, Grafen 
V. Stolberg auf Söder, wieder aufgebaut; 1874 wurde die Anlage nach Westen 
erweitert, 1893 der Schulflügel im rechten Winkel angesetzt, 1897 das Kirchen- 
schiff auf der 'Eingangsseite (Osten) verlängert. 

ÄUSSERES. 

Alle Bauteile sind massiv in Backstein errichtet, verputzt und mit pfannen- 
gedeckten Walm- oder Satteldächern versehen. Kirche und Pfarrwohnung 
sind, längsseits nebeneinander liegend, zu einem einheitlichen rechteckigen 
Baukörper zusammengeschlossen, vor dessen Ostseite der Verlängerungsbau 
des Schiffes von 1897 um zwei Achsen vortritt. Die Trennungswand zwischen 
den beiden Teilen besteht nach Angabe des Herrn Pastors aus Bruch- 
steinmauerwerk; sie allein rührt noch von dem Gründungsbau von 1741 
her. Die Pfarrwohnung ist zweigeschossig mit Bandgesims zwischen den 
Geschossen. Entsprechend ist der Schulflügel aufgebaut. Der nach Westen 
orientierte Kirchenraum umfaßt sechs Achsen; über dem Eingang auf der 
Südseite des vorgeschuhten Ostteiles ist eine gußeiserne Platte eingelassen 
mit der apokalyptischen Maria, dem Gebetsanfang sub tuum praesidium und dem 
1741 datierten Alliancewappen v. Brabeck — v. Kerckerinck (wahrscheinlich 
aus der ehemals v. Brabeckschen Eisenhütte Kunigunde bei Dornten, Kreis 
Goslar; vgl. die gleiche Platte dort und in der alten Saline in Heyersum, S. 150). 

INNERES DER KIRCHE (Taf. 37c). 

Langgestreckter Raum mit flacher Schaldecke; geputzt und geweißt (1934). 
Fußbodenbelag im ursprünglichen Teil Backsteinfliesen, in den angebauten 
Teilen Tonfliesen. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung 1934 (Bohland, Hildesheim). Ein Teil der Aus- 
stattungsstücke stammt aus dem ehemaligen Kloster Haus Escherde (Nr. i, 3, 6, 
9, 10, II, 13—15)- 

I. Hochaltar (Taf. 37c). H. ca. 5,90 m; B. ca. 3,17 m. Eiche und Linde. 
Bemalung schwarz, weiß, gold mit gelbrötlich marmorierten, stellenweise in den 
ursprünglichen Farben erhaltenen Füllungsfeldern. Eingeschossiger architek- 
tonischer Aufbau. In der Mitte ein hochrechteckiges Gemälde des Kruzifixus 
(Ol auf Leinwand, Farben nachgedunkelt). Beiderseits je zwei gedrehte, mit 
Weinlaub und Rosen umwundene Säulen, das innere Paar frei vor die Rück- 
wand vorgestellt, mit verkröpftem Gebälk und geschweiften Giebelansätzen, 
das äußere Paar seitlich zurückstehend auf Engelskopfkonsolen. Auf Gebälk 
und Giebelstücken lagern vier Passionsengel, dazwischen steht über einer 
Akanthuskartusche mit dem gemalten Wappen des Klosters Haus Escherde 
(modern) eine Figur des hl. Joseph. Unter der Kartusche schwebt eine 



MEHLE 167 

Hl. -Geist-Taube. Um i 7 1 o. Die krönende Josephsfigur mitsamt der Wappen- 
kartusche und die Engelskonsolen unter den Außensäulen sind mit der Gesamt- 
anlage gleichzeitig, jedoch nicht zugehörig. Nach den bei der jüngsten Restau- 
rierung gemachten Beobachtungen war ehemals ein Aufsatzgeschoß vor- 
handen; die Gebälkengel waren in mehr liegender Stellung angebracht. Eine 
leichte Verdrehung der linken Außensäule einschließlich des Gebälkstückes 
läßt darauf schließen, daß der Altar in Haus Escherde als Nebenaltar ursprüng- 
lich schräg in einer Ecke gestanden hat. Der ganze Aufbau ist bei der letzten 
Restaurierung durch einen Sockel um ca. 0,50 m gehoben worden. — Taber- 
nakel, Ende 19. Jh. Das ehemalige Trommeltabernakel auf der Orgel- 
empore. H. 0,89 m. Eiche. Bemalung, weiß und gold, die Ausstellungsnischen 
rot und gold. Beiderseits flankierende Säulchen, darüber ein flachbogiges 
Gebälk, Anfang 19. Jh. — Mensa, Tanne. 19. Jh. 

2. Kanzel (Taf. 37c), an der Südwand. H. Brüstung 1,20 m. Eiche. 
Bemalung wie am Altar. Korb mit drei Wandungsseiten. Vor den Ecken 
Vorlagen mit Blütenschnüren; auf den Wandungen erhabene Rechteckfüllungen. 
Tiefer geschweifter Boden auf zwölfeckiger Holzstütze (erneuert). Um 1710. 
Aufgang modern. 

3. Gestühl, modern. 

4. Betbank. Wangen. H. 0,98 m ohne Fußleiste; Eiche; symmetrisch 
geschweift mit Akanthus Verzierung und krönender Sonnenblume. Anfang 
18. Jh. In neuerer Zeit aus dem Eichsfeld erworben. Bankbretter neu. 

5. Chorschranken; aus zwei nicht zusammengehörigen Teilen, der 
Brüstung und den Eckpfosten, zusammengesetzt. Bemalung schwarz, weiß, 
gold. Anfang 18. Jh. a) Brüstung. Linde. Innerhalb eines mit Blatt- 
schnüren besetzten Rahmens zwei querrechteckige, durchbrochen geschnitzte 
Akanthusfelder. b) Eckpfosten. H. 0,95 m. Sandstein. Die Vorderseite ist 
volutenförmig geschweift und mit Akanthus belegt; am oberen Ende eine 
Maske, darüber eine quadratische Deckplatte. Da die Innenseiten profillos 
abgeflacht sind, dürften beide Pfeiler ehemals einen steinernen Aufbau flankiert 
haben. 

6. Empore, an der Ostwand. H. 2,68 m. 1846. 

7. Orgel, auf der Empore. 19. 20. Jh. 

8. Madonnen figur (Taf. 35b), in der Pfarrwohnung. H. 1,86 m ohne 
Krone. Linde. Maria steht auf der Mondsichel. Auf dem linken Arm trägt 
sie das segnende Jesuskind, in der rechten Hand hielt sie ehemals ein Lilien- 
zepter; ursprünglich war sie von einem Strahlenkranz umgeben. Die Rückseite 
ist ausgehöhlt und mit einem schmiedeeisernen Aufhängebügel versehen. Die 
alte, unter einer barocken Übermalung kürzlich wieder aufgedeckte Fassung 
ist verhältnismäßig gut erhalten: das Gewand ist rot, der Mantel vergoldet 
und blau gefüttert, der Mond versilbert; das Inkarnat ist gelbhch, die Augen 
sind blau, die Haare braun. Eine mit einem Holzpropfen verschlossene Grube 
in der Mondsichel zu Füßen der Figur enthielt vier Reliquienbeutelchen, 
darunter das eine mit der Aufschrift Sti. Johannis evfangelistae ), Sri. Pauli. 
Um 1470. Die Krone ist eine barocke Zutat über dem ursprünglichen ge- 
drehten Haarreif (oberhalb dessen die Schädelkalotte abgesägt ist); barock 
ergänzt ist anscheinend der Knauf des Zepters. Der Strahlenkranz ist aus- 
gebrochen; außerdem fehlen der obere Zepterteil, drei Finger der linken Hand 
Mariae, der linke Arm und die beiden Segensfinger der rechten Hand des 
Kindes, seine rechte große Zehe, Stücke aus dem Mondgesicht und die Sichel- 



168 MEHLE 

spitzen (der Mond war in barocker Zeit in einen rechteckigen Sockel für die 
Figur eingepaßt worden). Die fehlenden Stücke sind neuerdings in Linde 
nachgearbeitet worden. 

Zusatz 1938. Die Figur befindet sich jetzt in der neuen kathohschen 
Kapelle in Elze und ist vollständig neu gefaßt. 

9. Madonnenrelief H. 0,64 m; B. 0,36 m. R. T. 0,12 m. Eiche. Hoch- 
ovales Medaillon mit Brustbild der betenden Mutter Gottes, darunter Akan- 
thuswerk mit Muschel und Spruchband. Anfang 18. Jh. Bemalung in 
Weiß, Gold und Rosa, 19. Jh. 1935 aus der evang. Pfarrkirche in Bethein 
erworben. 

IG. Kruzifix, auf der Kanzel. H. 2,44 m; Korpus H. 0,20 m; B. 0,135 m. 
Buchsbaum und Elfenbein. Auf der Vorderseite des geschweiften Sockels ist 
eine querovale bemalte Elfenbeinplatte eingesetzt: Maria, die sich zu dem 
toten Heiland neigt; Brustausschnitt. Mitte 18. Jh. Hildesheimer Werk- 
statt (vgl. die Kruzifixe in Ahrbergen und Groß-Förste. Kreis Hildesheim 
Land, und in der Kath. Kirche zu Gronau). 

Drei Gemälde, 
an der Südwand, Öl auf Leinwand, restauriert 1934. 

11. Christus und die Ehebrecherin. H. 1,37 m; B. ca. 1,70 m. 
Vorn in der Mitte Christus, der seine Worte auf den Fliesenboden schreibt, 
rechts die von einem Gewappneten herbeigeführte Ehebrecherin. Zuschauende 
Pharisäer. Im Hintergrund eine perspektivisch verkürzte Säulenarchitektur. 
Schwere dunkle Farben, Rot, Ocker, Grün, Graublau; die Gewänder Christi 
und der Ehebrecherin sind grau (violett) und rot. 2. Hälfte 17. Jh. Die 
Gesichter sind teilweise übermalt. Fehlstellen sind ausgefleckt. 

12. Hl. Agatha. H. 1,66 m; B. 1,09 m. Die Heilige steht in rotem Ge- 
wand und blauem Mantel neben einem grünverhangenen Tisch. In der linken 
Hand trägt sie eine Schüssel mit den abgeschnittenen Brüsten, in der rechten 
die Siegespalme. Unterschrift: 5. Agatha (virgo) et m(artyr) potens contra 
incendia. Hellere Farben als Nr. 11. i. Hälfte 18. Jh. 

13. Hl. Walburg. In Maßen und Darstellung Gegenstück zu Nr. 12. 
Die Heilige in schwarzem Ordenskleid mit Äbtissinnenstab. Auf dem Tisch, 
von dem eine Krone herabfällt, ein Kreuz mit Lilien und ein Kästchen mit 
zwei Ölfläschchen In der Rückwand Fenster und flachbogige Nische, in der 
Engel um den Körper der Heiligen beschäftigt sind. Rechts oben Licht- 
erscheinung. Unterschrift: S. Walburgis u(irgo) abhatissa o(rdinis) s(ancti) 
B(enedicti) in curandis infirmis admirabilis. 

14. Kreuz Wegstationen. Steindrucke; Bomhot del. Cbzw. correxit), 
Coqueret sculp. Um 1860. 

15. Zwei Altarleuchter. H. 63 cm; B. 23 cm. Holz; versilbert und mit 
Lachsrot abgesetzt. Volutendreifuß, Doppelbalusterschaft mit Spiralriefung. 
I. Hälfte 18. Jh. 

16. Zwei Altarleuchter. H. 30 cm; o 17 cm. Messingblech. Runder 
Fuß, darauf in Punktierschrift: L. B. Schaft mit Mittelring. Um 1800. 

17. Zwei Glocken, a) Otto, Hemelingen; b) ohne Gießerinschrift 
(Otto?). Modern. 

HOF NR 13. 

Zweistöckiger Fachwerkbau mit geputzten und geweißten Gefachen. Der 
Wohnteil ist in Zimmertiefe um ein Fach verbreitert; an der Obergeschoß- 



MEHLE 



169 



schwelle deutsche und lateinische Sprüche und das Datum ijoi. Der Stall- 
teil ist anscheinend jünger, 2. Hälfte 18. Jh. Das Erdgeschoß ist teilweise 
massiv unterfangen, die ehemalige, eingeschossige Diele ausgebaut. 





Abb. 41. Mehle. Querschnitt und Grundriß des ehemaligen Zollhäuschens. 

ZOLLHÄUSCHEN (Taf. 37 b). 

Am Ostrand des Dorfes. Einstöckiger Fachwerkbau mit geputzten und 
geweißten Gefachen. Der linke Teil der achtfachigen Front ist um zwei Halb- 
fächer vorgezogen. Walmdach. 18. Jh. 



MÖLLENSEN 

Dorf. 8 km südwestlich von Hildesheim. 104 Einwohner. Urkundlich im 
13. Jahrhundert Molinhus, Möllern (i, 2), 1304 Molhusen, Molehusen (3). Die Ka- 
pelle wird 1304 als Filial von Eberholzen erwähnt; im 16. Jahrhundert wurde sie 
von dort abgetrennt (4) und von Sibbesse aus betreut (vgl. Ausstattung Nr. 2 und 
Nr. 9). Im 18. Jh. scheint vorübergehend auch ein Zusammenhang mit Nienstedt 
bestanden zu haben; jedenfalls hat der in der Bauinschrift 1744 genannte Pastor 
Groll in Nienstedt amtiert (frdl. Auskunft von Herrn Pastor Nolte in Eberholzen). 
Die endgültige Vereinigung mit der Pfarrei Sibbesse fand nach Peters 1806 07 statt. 
Das Patronatsrecht hatten ehemals die Herren v. Steinberg. 

Quellen: U. B. Hochstift Hildesheim H 240 S. 104 (1), 1^1 S. 105 (2); HI 
1452 S. 695 (3); IV 790 S. 340 — Archiv der Superintendentur Wrisbergholzen : 
Akten betr. Möllensen (vgl. Hoogeweg, Archivinventare S. 49) — Gräfl. v. Stein- 
bergsches Archiv in Brüggen, Urkunde Nr. 49 (vgl. Peters) — Pfarrarchiv Sibbesse 
(vgl. Peters) — Registratur des Gemeindevorstandes zu Möllensen (vgl. Peters) 
Staatsarchiv Hannover: Hannover Des. 83 Hannover IV B II, Nr. 6 a 2 vol. IV, 
S. 85 V. (4). — Literatur: Bertram II S. 307 — Hennecke in „Unsere Heimat" 
S. 386, 391, 393, 410, 418 f., 439 — Hüttebräuker, Das Erbe H. d. L. S. 85 — Jahres- 
bericht 1914/15 — 1918/19 — Kayser, Reformator. Kirchenvisit. S. 219 Anm. 435, 
447 Anm. 925 — Machens, Archidiakonate Hild. S. 248 — MithoflF III S. 202 — 
Mithoff, Zs. 1864 S. 328 — Sonne V S. 579 — Starcke S. 56 f. 



EVANG. KAPELLE. 

Als Schutzpatronin wird urkundlich 1304 Maria genannt, später ist es die 
hl. Lucia (vgl. die Kelchinschrift, Ausstattung Nr. 8 und Mithoff). Zum 
Pfarrbezirk Sibbesse gehörig. 



170 



MÖLLENSEN 



Bruchsieinkapcllc, am Nordrand des Dorfes auf dem von einer alten Bruch- 
steinmaucr umgebenen Kirchplatz. Der Westteil des Baues ist mittelalterlich, 
der Ostteil 1744 angebaut. 




Al)l). 12. Mnllcnsfii. (Inindriß der Kapcllf. 



ÄUSSERES. 

Rechteckiger Baukörper. Das Mauerwerk ist im alten und neuen Teil 
einheitlich verputzt (Kalkrauhputz) und geweißt. Die Fachwerkgiebel sind mit 
Pfannen behängt. Der westliche Teil zeigt nach Westen und Norden je eine 
rechteckige, niedrig in der Wand sitzende Luke; der bündig anschließende und 
teilweise sicher auf alten Fundamenten aufgeführte Ostteil hat auf jeder Lang- 
seite zwei flachbogige Zargenfenster, im östlichen Giebelfeld ein rechteckiges 
Doppelfenster. Zu dem jüngeren Bauteil gehört auch die auf der Südseite in 
die mittelalterliche Wand eingesetzte rechteckige Tür mit altem eichenen Tür- 
flügel, Sandsteingewänden und geschweifter Aufsatzplatte, die in ausgesparter 
Kapitale die Bauinschrift enthält: Auf Befehl der hohen Herrn Patronen haben 
diese Kirche verbesern lasen der Pastor Groll und die A Itaristen Reisse und 
Haman MDCCXLIV. 

Pfannengedecktes Satteldach. Über dem Westgiebel etwas zurückgesetzt 
ein sechseckiger Dachreiter mit offener Laterne (rundbogige Öffnungen). 
Pyramidaler Helm mit leichter Einschnürung; Verkleidung und Deckung in 
Schiefer. Wetterfahne 192-/. 

INNERES (Taf. 47c). 

An der Westseite ist durch eine Fachwerkwand des 19. Jhs. ein schmaler 
Raumteil abgetrennt, der die Treppe zum Boden und zur Empore enthält. 
Der verbleibende Raum ist mit einer muldenförmigen, lichtblau gemalten 
Schaldecke geschlossen. Die Wände sind geputzt und warmgrau gestrichen. 
Fußboden mit rotem Sandsteinplattenbelag. 



AUSSTATTUNG. 

Nach Mithoff ist das Innere der Kapelle 1781 restauriert worden. Farb- 
gebung 2. Hälfte 19. Jh. 

I. Kanzelaltar (Taf. 47c). H. ca. 6,43 m; B. ca. 3,08 m. Tanne und 
Eiche (Profile). Bemalung weiß, olivgrün, hellrot; bläulich und braunrot 
marmoriert. Architektonischer Aufbau in anderthalb Geschossen. Im Haupt- 
geschoß dreiseitig vorspringender Kanzelkorb mit Eckpilastern (die Kapitale 
sind verkehrt eingesetzt). Beiderseits große Geschoßpilaster, deren Rücklagen 
unterhalb des Sockelgesimses in freihängende Voluten auslaufen. Verkröpftes 
Gebälk mit Schalldeckel. Schmale Seitenteile mit Volutenrahmen und ge- 
schweiften Giebelansätzen. Im Obergeschoß zwischen flankierenden Säulen 




MÖLLENSEN 171 

ein hochrechteckiges Gemälde des Abendmahls (Öl auf Leinwand). Trapez- 
förmiges Deckgebälk; Brettanschwünge mit aufgelegtem Ranken werk. 1781? 
Einzelheiten nachträglich verändert. — Mensa. H. 1,00 m; B. 1,10 m; 
T. 0,99 m. In Bruchstein gemauert. Die Vorderseite, die hnke Schmalseite 
und ein Teil der Rückseite sind jeweils mit einer großen Sandsteinplatte ver- 
kleidet. Deckplatte mit geschrägtem Profil, Reliquiengrube und roh einge- 
schlagenen Weihekreuzen (anscheinend nur an den vorderen Ecken). Spät- 
mittelalterlich. Die Steinplatten sind vermutlich im 17. Jh. überarbeitet 
worden; die vordere Wandung zeigt ein vertieftes Binnenfeld mit achtblättriger 
Mittelrosette. Bei der Anlage der Altarwand wurde die Mensa durch aufgelegte 
Balken und Holzplatten um 0,25 m erhöht und entsprechend verbreitert. 

2. Taufe (Taf. 47 c); im Mittelgang vor dem Chorteil. H. 1,1 1 m; 
e 0,61 m. Sandstein. Zylindrischer Schaft mit kräftig profiliertem Abschluß- 
sims und gedrehtem Ansatz wulst, wahrscheinlich über einer jetzt im Boden 
steckenden Basisplatte. An der Schafttrommel drei geflügelte Puttenköpfe 
(R. T. ca. 0,035 ni)- Achteckiger, leicht gebauchter Kessel mit Masken und 
Rosetten an den Wandungen. Am Fries des Deckgesimses in ausgesparter 
Fraktur: Her Johan Anthonius Pastor z(u) Sfibbessej, Heinrich Kaien, Andreas 
Ressem Olderlude, unter den Masken in erhabener Fraktur der Name Henni 
Luken (wohl ebenfalls zu den „Olderluden" gehörig), zweimal die Jahres- 
zahl i6oy und das Steinmetzzeichen (vgl. die Taufe in 

icO Adensen, Kreis Springe). — Deckel. H. 0,43 m. Eiche; 

[D) Bemalung weiß und gold. Geschweifte Haubenform; 
im unteren Teil ein Kranz frei aufgelegter, gesägter 
Akanthusblätter ; über einem Zwischengesims Voluten- bzw. Kielbogenauf- 
sätze; krönende Kelchblüte. Ende 17. Jh. 

3. Gestühl. Tanne; hellbraun gestrichen. Mitte 19. Jh. —Chorsitze 
und Chorschranken mit Brettbrüstungen; unter dem Decksims querrecht- 
eckige, stabvergitterte Füllungen. 18. Jh., weitgehend erneuert. — Um- 
wandete Sakristei, an der nördlichen Chorwand. Zugehörig zu den Chor- 
sitzen, ebenfalls stark erneuert. 

4. Emporen. Holz; braun gemasert bzw. grau gestrichen, a) Empore 
auf der Westseite. H. ca. 2,32 m. Leicht eingeschwungene Brüstung; vier- 
eckige Stützen mit starker Schwellung (Eiche). 1781? b) Scheinempore 
auf der Ostseite hinter dem Altar. Ein Emporenboden fehlt. Zu selten der 
Altarwand ehemals je zwei Durchgänge mit breiten Brettrahmen (nur rechts 
vom Altar erhalten), i. Hälfte 19. Jh. 

5. Orgel, auf der Westempore. Prospekt H. 2,77 m; B. 2,49 m. Tanne 
und Eiche (Profile); hellbraun gemasert. Der Prospekt sitzt auf der Emporen- 
brüstung auf. Drei Achsen mit überhöhtem Mittelfeld. — Mechanisches 
W^erk. Um 1830. 

6. Gefallenen taf el, 1 914 18, außen an der Südwand. Kalkstein. 

Altargerät. 

7. Kelch (Taf. 25a). H. 16,1 cm; o 12,7 cm. Silber. Die Kuppa ist 
innen und am Rand vergoldet. Sechspaßfuß mit gekehltem Ansatz und senk- 
rechter Abtreppung; an letzterer ein Perlschnurornament. Auf dem einen 
Paß aufgenietet eine dreifigurige Kreuzigungsgruppe über geperlter Ranken- 
konsole. Auf den übrigen Pässen ein durchlaufendes graviertes Spruchband 
mit spätgotischer Minuskelinschrift: Dusce Kelch hört siinte Lucyen to Meisen 
un(t) wart ghemaket na goddes bort M" V^XVHI iar. Wulstknauf mit Rotuln, 



172 MÖLLENSEN 

darauf in blauer Emaillefüllung die Buchstaben Jhesus; auf der Ober- und 
Unterseite rhombische Zwischenfeldchen mit Maßwerkgravierung. — Patene. 
14,4 cm. 

8. Oblatcndose. H. 6 cm; 8,8 cm. Silber. Zylindrisch. Am Deckel 
graviertes Bandelwerk und Stifterinschrift: J. P. Hefenhausen Past{or) in 
Sibb(esse) Petz(e) et Möll(ensen) anno 172 j. Hildesheimer Beschau 1705; 
Meister FUM (Liste I, 15). 

9. Zwei Altarleuchter. H. 27 cm; 16,5 cm. Messing. Vielteilig 
profilierter Schaft; am runden Fuß in Kapitale die Stifterinschriften des An- 
dreas Kerckman und des Hans Remmers 1654. 

10. Altarleuchter. H. 27 cm; r 16,5 cm. Messing. Doppelbaluster- 
schaft. Stifterinschrift des Henni Krefets N. W. 17. 18. Jh. 

11. Leuchter. H. 14 cm. Zinn. Stempel: Stadttor, doppelt; springendes 
Pferd (Liste II, 3). Sehr zerstört. Anfang 18. Jh. 

12. Leuchter. H. 20 cm. Messing. Profilierter Schaft. Herman Klinbüls 
Wit(wer). 18. Jh. 

13. Zwei Altarleuchter. H. 44 cm. Zinn. Geschweifter dreieckiger 
Sockel auf Kugelfüßen. Profilierter Schaft. Am Sockel: a) J. J. Römmers 
Altharist 1776; b) J. M. Meyer Altharist 1776. 

14. Altarbibelpult. Gesamt-H. ca. 80 cm; B. 25 cm. Linde (?), Be- 
malung weiß, grün, gold. Über der Rückseite ein querovales Inschriftschild 
(Friede sei mit Euch), von Voluten begleitet und durch zwei auf Konsolen 
knieende Engel gehalten; darüber Christus mit der Siegesfahne, wiederum 
zwischen anbetenden Engeln. Längs der oberen Pultkanten niedrige Voluten- 
kämme. Auf der Vorderseite aufgelegter Blattwulst. Mitte 18 Jh. 

15. Bibel, in-4*^, Hannover 1845. 

16. Truhe, im Hause eines der Kirchenvorsteher. Eiche, Anfang 
18. Jh. 

17. Glocke. 0,81 m. J. H. Bartels, Hildesheim. 1860. 

18. Uhr. Schmiedeeisen. Anscheinend identisch mit der Uhr, die nach 
dem Sibbesser Kirchenbuch 1769 in MöUensen angeschafft wurde. 



NIENSTEDT 

Dorf. 6 km südwestlich von Hildesheim. Lockere Haufensiedlung an einem 
Geländeabhang über der Despe. 104 Einwohner. 1174 als Nienstide, 1210 als Nigen- 
stede in Urkunden erwähnt, die von einem bischöflichen Hof bzw. einem Haus des 
Bischofs im Orte sprechen (i, 2). 1210 — 12 ist ein Priester Heinrich (3, 4), 1241 ein 
Pfarrer Heinrich bezeugt (5). 

Quellen: Sudendorf U. B. H 343 S. 184 — U. B. Hochstift Hildesheim I 367 
S. 350 Z. 39 (i), 474 S. 451 Z. 4, 497 S. 473 Z. 2, 641 S. 614 Z. 33 f. (2), Z. 36 (3), 
654 S. 625 Z. 25 f. (4); n— VI vgl. die Register; H 637 S. 321 (5) — U. B. Stadt 
Hildesheim I und II vgl. die Register — Verzeichnis der Einkünfte in Kayser, Re- 
form. Kirchenvisitationen S. 221 — Ephoralregistratur der Superintendentur Elze 
(vgl. Peters) — Pfarrarchiv Nienstedt (vgl. Peters) — Registratur des Gemeinde- 
vorstandes Nienstedt (vgl. Peters) — Schulchronik in Nienstedt — Staatsarchiv 
Hannover: Hannover Des. 83a Hannover I, IIa, Nienstedt, Amt Gronau, 2. 1784/85 
Kirchenbauj Hann. Des. 83 Hann. II, 4014, Rep. des Kirchendaches 1837; Mit- 
hoflfs Materialien. — Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 75, 113 Anm. 71 — 



NIENSTEDT 173 

Hartmann in „Unsere Heimat" S. 356 — Hennecke in „Unsere Heimat" S. 377, 
384, 392 f., 395, 404, 418, 439 — Jahresbericht 191 1 13 — Lauenstein S. 287 — 
Lüntzel, Alt. Diözese S. 228 — Mithoff HI S. 206 — Mithoff, Zs. 1864 S. 330 — 
Sonne V S. 619 — Starcke S. 71 f. 



EVANG. PFARRKIRCHE, 

im Mittelalter dem hl. Andreas geweiht. Eingepfarrt sind Eitzum und Höntze. 

Neugotische Backsteinkirche auf dem Friedhof am oberen Rande des 
Geländeabfalles zum Despe-Bach, gebaut 1894 nach Plänen des Baumeisters 
Schrader in Banteln. Der Westturm stammt von 1830 (Mithoff; nach der 
Schulchronik von 1839). Das Erdgeschoß ist massiv in Rohquaderwerk auf- 
geführt (Kalkstein; Eckquader Sandstein), die oberen Geschosse sind in Fach- 
werk aufgesetzt und mit Schiefer verkleidet. Erhöhung und Erneuerung des 
Helmes 1894. 

[Die ehemalige Kirche war nach Mithoflf massiv in Bruchstein auf- 
geführt. Das Schiff wurde durch vier nachträglich auf den Längsseiten ange- 
legte Strebepfeiler gestützt (1787, s. Hennecke). Im Inneren hatte es ein 
Brettergewölbe. Der rechteckige Chor, 1860 als Vorhalle benutzt, war an- 
scheinend älter als das Schiff, „um 1600". Mehrere rundbogige Fenster waren 
durch rechteckige ersetzt. Über dem Westeingang befand sich eine Reno- 
vierungsinschrift von 1733. L. ohne den 1760 abgebrochenen ursprünglichen 
Turm (Hennecke) 86\ 4 F.; B. 2i\,2 F.] 

AUSSTATTUNG. 

Die Hauptstücke sind mit dem Neubau gleichzeitig. Aus der alten Kirche 
übernommen sind: 

1. Predella des Altares (Taf. 24c). H. 0.565 m; B. 0,65 m; T. 0,385 m. 
Eiche. Auf der Vorderseite in Temperamalerei eine Darstellung der hl. Sippe. 
Auf einer steinernen Bank sitzen in der Mitte Maria mit dem Jesusknaben und 
die hl. Anna (durch Beischriften gekennzeichnet), beiderseits davon die vier 
übrigen Marien. Hinter der Bank stehen die Männer. In der Ferne eine 
hügelige Landschaft mit blauem Himmel. Farben: Rot und Grün in mehr- 
facher Abstufung, Weiß, Weißblau, Weißviolett, Gelb. Um 1500. Aus- 
besserungen, inschriftlich 191 1 durch R. Ebeling, Hannover, besonders rechts 
am oberen Rand, am Kopf des zweiten Kindes rechts unten und an verschie- 
denen Stellen in den Gewändern. — [Vermutlich zusammen mit der Predella 
gehörte der von Mithoff erwähnte „Rest eines geschnitzten, vergoldeten und 
bemalten Altarschreines, enthaltend die Kreuzigung Christi und der Schacher 
in figurenreicher Komposition, worin auch zwei Kriegsknechte, anscheinend 
um den von einem dritten Krieger gehaltenen Rock Christi sich balgend".] 

2. Kronleuchter. H. ca. 0,64 m; B. ca. 0,74 m. Messing. Sechs Sförmig 
herabgebogene Arme mit Fischmaulknoten. Doppeladler. Kugel; daran in 
Kapitale: Ernst Brunotten, Anna Cncllen Anno 1660 d. 4. Septembris. Die Arme 
sind anscheinend im 19. Jh. erneuert. 

3. Kelch. H. 20 cm; c 13,4 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß, birn- 
förmiger Nodus. Im Boden Weihinschrift von 1695 mit Namen: Gerhardt 
Hittrigbrenner Pastor zu Nienstedt, M. Hans Duvenkroptf und Brandt Grote- 
jan. Hildesheimer Beschau 1649 (?), Meister JOC (Liste I, 6). — Patene. 
c 13,5 cm. 



174 NIENSTEDT 

4. Kelch. H. 12,6 cm; 8,2 cm. Zinn. Runder Fuß mit Spiralriefungen; 
Scheibcnnodus; geschwellte Schaftstücke. 2. Hälfte 18. Jh. — Patene. 

9,4 cm. 

5. Oblatendose. H. 5,4 cm; 8,3 cm. Silber. Zylindrisch; mit Mono- 
gramm CMBG (?). Hildesheimer Beschau 1705, Meister CK (Liste I, 16). 
I. Viertel 18. Jh. Deckelknopf fehlt. 

6. Zwei Altarleuchter. H. 25 cm; ■ 15 cm. Messing. Gewölbter, 
runder Fuß mit Bohrlöchern zum Anschrauben. Konischer, nach oben ver- 
jüngter Schaft mit Mittelring, i. Hälfte 17. Jh. 

7. Glocken. Radler, Hildesheim. 1876, i933- 



NORDSTEMMEN 

Dorf. 12 km westlich von Hildesheim, Knotenpunkt der Bahnstrecken Han- 
nover — Göttingen und Hildesheim — Hameln. 1828 Einwohner. Ursprünglich hieß 
der Ort Stemmen, wird aber zur Unterscheidung von dem südlich davon liegenden 
Burgstemmen schon 1241 als Nortstemne (i), 1288 als Nortstempne (2) bezeichnet. 
Das Michaeliskloster in Hildesheim war hier begütert (3, 5). 1241 kam das Kloster 
Wülfinghausen in den Besitz des Patronatsrechtes über die im Orte vorhandene 
Kapelle, die damals zuerst erwähnt wird (2). Von diesem erwarb das Patronat 1324 
auf dem Tauschwege Bischof Otto von Hildesheim (4). Pfarrer Hermann in Burg- 
stemmen stiftete 1350 in seinem Testament fünf Mark zu einem ,,ewighen Nacht- 
lechte suntte Lucien in ore Kerken to Nortstempne" (6;. 

Quellen: Sudendorf U. B. I 428 S. 233 Z. 41 — U. B. Hochstift Hildesheim H, 
Register S. 668; Nr. 651 S. 328 (i); HI 815 S. 421 (2); IV 638 S. 350 (3), 772 S. 421 
(4), 1155 S. 621 (5); V 358 S. 197 f. (6); VI Nr. 6 S. 990 — U. B. Wülfinghausen 10 
S. 9 (i), 24 S. 21 f., 63 S. 50 f. (4) — Ephoralregistratur der Superintendentur Elze 
(vgl. Peters) — Pfarrarchiv Nordstemmen (vgl. Peters) — Registratur des Gemeinde- 
vorstandes (vgl. Peters). — Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 50, 77 — Bert- 
ram I S. 242, 325 — Busse, Memorabilia S. 48 — 54 — Hennecke in ,, Unsere Heimat'" 
S. 377, 379, 386, 389, 401 f., 418 f., 439 — Jahresberichte 1913/14; 1914/15— 1918/19; 
1923/26 — Lauenstein S. 293 f. — Lüntzel, Alt. Diözese S. 224, 244 — Lüntzel I 
S.93; II S.666f. — Mithoff III S. 206 — Mithoflf, Zs. 1864 S. 330 — Sonne V 
S. 630 — Sostmann, Wülfinghausen in Zs. des hist. Ver. f. Nds. 1873 S. 207 — 
Starcke S. 76 ff. — Stoffregen, Chronik von Wülfinghausen u. Wittenburg, Leipzig 
1895 S. 9. 

ORTSANLAGE. 

Die Siedlung erstreckt sich längs der rechtsseitig der Leine verlaufenden 
Straße Hannover — Alfeld. Am Südende, wo von der Hauptstraße Wege in 
der Richtung Poppenburg — Elze und Mahlerten — Hildesheim abzweigen, ist 
sie haufenförmig verbreitert; vor diesem Teil des Ortes liegt die Kirche. 1426 
erlaubt der Drost Ordenberg Bock den Einwohnern, den Kirchhof und das 
Dorf mit Wall und Graben zu befestigen. Spuren dieser Befestigung lassen sich 
nur noch in der gegenüber dem umliegenden Land erhöhten Lage des Kirch- 
hofes vermuten. 

EVANG. PFARRKIRCHE, 

ehemals der hl. Lucia geweiht. 

Einschiffige neugotische Kirche, 1861/62 von Konsistorialbaumeister Hellner 
an den vom alten Bau übernommenen romanischen Westturm angesetzt. 



NORDSTEMMEN 



175 




A» 1. 43. Nordstemmen. Kirche. 

a. Teilungssäulchen des süd- 
lichen Schalloches; M. 1: 10. 

b. Grundriß des Turmes. 




TURM (Taf. 36a). 

Der Turm ist in unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk (Kalkstein) gliede- 
rungslos hochgeführt. Die Werksteinglieder sind Sandstein. Die Nordseite 
ist steinsichtig verputzt (2. Hälfte 19. Jh.), die Süd- und Westseite sind aus- 
gezwickt (um 1900). An den Ecken bündige Quaderverzahnung. Geschrägter 
Sockelabsatz, leicht gekehltes Kranzgesims. Im Glockengeschoß zweiteilige, 
durch Brüstungen nachträglich verkleinerte, flachbogige Schallöffnungen (im 
Norden ohne besondere Gewändesteine). Die sehr kräftigen Teilungssäulchen 
(Taf. 35 c) haben verdickte Halsglieder und stark ausladende Kämpfer platten, 
auf der Süd- und Südwestseite mit feinen Kehl- und Wulstprofilen, auf der 
Nordseite schlicht trapezförmig. Eine Basis in Form eines abgeplatteten Kegels 
mit bandartig umlaufendem, erhabenem Mittelstreifen ist nur noch auf der 
Südseite erhalten. Die Säule des Ostschalloches, das in den Dachstuhl des 
heutigen Schiffes führt, ist ausgebrochen. Augenscheinlich sind die Säulen 
nicht für die Schallöcher gearbeitet, sondern von einem anderen, 
älteren Bau übernommen worden. Auf der Ostseite sind nachträglich zu 
Seiten des Dachanschnittes zwei rechteckige Luken eingebrochen worden. 
In den unteren Geschossen Lichtschlitze. In ca. 4 m Höhe treten an den 
westlichen Ecken der Nord- und Südseite zwei fast vollplastische Masken aus 
der Wand hervor (Taf. 49b; H. 0,17 bzw. 0,22 m; R. T. 0,14 bzw. 0,18 m; 
Sandstein, stark verwittert; die Maske der Westseite ist aus einem der Eck- 
quader herausgearbeitet). Die Gesichter sind sehr flach. Die Augen blicklos, 
die Haare bilden eine geschlossene Kappe. Auf der Nordseite eine neugotische 
Tür (1861). — Auf Grund des Mauerwerkes und der Masken ist der Turm 
etwa um 1200 zu datieren und muß demnach zu jenem Gotteshaus gehören, 
das 1241 merkwürdigerweise als Kapelle bezeichnet wird (siehe hierüber 
Hennecke in „Unsere Heimat" S. 378). Die Teilungssäulchen der Schall- 
öifnungen gehören anscheinend in das 11. Jh. (abgesehen vielleicht von dem 
Nordkämpfer). 

Der Turm heim ist nach starker Einziehung in eine spitze, achteckige 
Pyramide übergeführt. Nach Osten ein Auslegestuhl für die Schlagglocken. 
Schieferdeckung (deutsches Muster). An einem der Unterzüge die Datierung 
180^ ist . . . Turmspitze wiederum neu get. 

Die Turmhalle im Inneren hat ein gratiges Kreuzgewölbe, das unmittelbar 
auf dem mit Sandsteinplatten belegten, ursprünglich wahrscheinlich tieferen 



176 NORDSTEMMEN 

Fußboden ansetzt. Anscheinend ist es in Bruchstein gemauert, ohne Stich 
und ohne Busung; die Gewölbeanschnitte sind rundbogig. Wände und Ge- 
wölbe sind neu geputzt und geweißt. — Moderner Heizungsanbau auf der 
Südseite des Turmes. 

SCHIFF UND CHOR. 

Mauerwerk aus Kalksteinrohquadern. Das Schiff ist fünfachsig, im 
Inneren mit vorgetäuschtem offenen Dachstuhl italienischer Art. Der ein- 
gezogene, dreiseitig geschlossene Chor hat backsteinerne Rippengewölbe. 
Sakristeianbauten zwischen Schiff und Chor (nach fast genau übereinstimmen- 
dem Plan hat Hellner 1864 die Backsteinkirche in Groß-Lobke, Landkreis 
Hildesheim, gebaut). 

[Die ehemalige Kirche. Nach Mithoff, Zs. 1864, 60 Fuß lang und 
29 Fuß breit mit schlichten Bruchsteinmauern. Der Eingang im Süden war 
zugesetzt, derjenige im Norden noch 1650 im Spitzbogen angelegt. Die ur- 
sprünglich spitzbogigen Fenster waren entweder vermauert oder durch recht- 
eckige Fenster ersetzt. Auf der Ostseite ein griechisches (Giebel)kreuz. Sa- 
kristeianbau mit Spitzbogengewölbe. — Das Innere des Schiffes hatte nach 
einem jetzt in der Kirche aufbewahrten Bilde von etwa 1840 (Ausstattung 
Nr. 2) drei Joche mit gratigen Kreuzgewölben und spitzbogigen Gurtbögen. 
14- 15- Jh.?] 

AUSSTATTUNG. 

Die Hauptstücke sind gleichzeitig mit dem Neubau der Kirche. Über die 
Ausstattung der alten Kirche gibt ein kurz vor ihrem Abbruch von dem der- 
zeitigen Pastoren angefertigtes Inventar im Pfarrarchiv Auskunft. Die wert- 
vollsten Gegenstände befinden sich jetzt im Landesmuseum Hannover, ein Teil 
ist in die heutige Kirche übernommen worden, der Rest zugrunde gegangen. 

I. Flügelaltar (Taf. 38, 39b). Landesmuseum Hannover, Weifen- 
museum Inv. Nr. XXIII, 18; erworben zwischen 1861 und 1863. Schrein 
H. 1,33 m; B. 1,32 m; Flügel H. 1,33 m; B. 0,66 m; Predella H. 0,49 m. Schrein 
und Flügelkästen Eiche, Schnitzwerk Linde. In der Mitte des Schreins ein 
Relief der Kreuzigung; beiderseits je zwei Heiligenfiguren übereinander, 
u. z. links eine königliche Heilige mit offenem Buch und ein hl. Papst mit ge- 
schlossenem Buch, rechts ein hl. Bischof und die hl. Anna selbdritt. Auf den 
Flügeln entsprechend in zwei Geschossen die zwölf Apostel. Die Figuren sind 
hinten abgeflacht und an der Rückwand befestigt; H. 0,38 — 0,40 m. Er- 
gänzungen : Der Bischof, die Schächerkreuze, die drei Christi Blut auffangenden 
Engel am Kreuz, Teile des Maßwerkes, einzelne Hände, Attribute usw.; der 
Kopf des Andreas (linker Flügel, links unten) ist überarbeitet. Der Grund 
ist auf den Flügeln in Form von goldenen, an Ringen aufgezogenen Vor- 
hängen mit rotem Brokatmuster (im unteren Teil) und weißroten Fransen 
bemalt. Hinter dem Kreuzigungsrelief eine Landschaft mit Staffage. Die 
Mäntel der geschnitzten Figuren sind vornehmlich golden mit breiten, ehemals 
silbernen Borten; außerdem sind in den Gewändern verwandt Silber, Blaugrün, 
Rot, Gelb, Weiß, Brokatmuster auf gekämmtem Kreidegrund über Silber 
oder Gold. Bemalung und Vergoldung des Rahmens und Maßwerkes sind er- 
neuert. — Auf den Außenseiten der Flügel in Tempera auf Kreidegrund je 
vier Heilige in zweigeschossiger Anordnung; auf dem linken Flügel Cyriacus 
und Martin, Sebastian und Katharina; auf dem rechten Flügel Bern ward und 
Elisabeth als Äbtissin, Nicolaus und Magdalena. Die Heiligen stehen vor hohen 



NORDSTEMMEN 177 

Brüstungen und Himmelsgrund. Auf der Predella, ebenfalls in Tempera 
auf Kreidegrund gemalt, die Halbfigur des Schmerzensmannes und der Kirchen- 
väter mit Spruchbändern. Anfang i6. Jh. Vgl. über den Altar den unge- 
druckten Plastik-Katalog und den Gemälde- Katalog (Bd. I Nr. 194 S. 151 f. 
mit Abbildung) des Museums; über die Plastik außerdem Busch, Meister 
Wolter und sein Kreis, Straßburg 1931, S. 122 ff. 

2. Gemälde des Inneren der alten Kirche, an der Nordwand. 
H. 0,565 m; B. 0,475 ^n- Öl auf Leinwand. Blick nach Osten gegen den Altar 
und die auf der Ostempore stehende Orgel. Im Mittelgang eine Taufszene. 
Graue und bräunliche Farben. Links unten signiert: A. C. Schmidt, Hannover. 
Nach Inschrift auf der Rückseite von dessen Erben in die Kirche gestiftet. 
Risse in der Leinwand, teilweise ausgebessert. Der Grund ist stark durch- 
geschlagen. Um 1840. 

3. Grabplatte des Pastors Justus Janus f 1642, 15. V., im 37. 
Lebensjahr; eingelassen in die Ostwand des Chores. H. 1,82 m; B. 0,82 m; 
R. T. 0,05 m. Sandstein. Der Verstorbene steht frontal innerhalb eines ver- 
tieften Feldes. In den Eckzwickeln beiderseits des Kopfes Wappen: links ein 
Januskopf, rechts der Pelikan. Auf dem Rahmen in ausgesparter Kapitale die 
Namensumschrift, an der Leibungsschräge des Innenfeldes in ausgesparter 
Fraktur ein Gesangbuchvers. 

4. Kronleuchter. H. ca. 0,90 m; ; ca. 0,90 m. Messing. Vierund- 
zwanzig Sförmig herabgebogene sechskantige Arme mit Astansätzen in drei 
Kränzen. Am obersten Spindelknauf Ziervoluten. Kugel. Mitte 19. Jh.? 

Altargerät. 

5. Kelch. H. 20 cm; : 14 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß mit auf- 
genietetem Kruzifix; birnförmiger Nodus. M. J. G. W. Starken Pastor, Nord- 
stemmen 171 5. Hildesheimer Beschau 1705, Meister JMK (Jobst Martin Köster). 
— Patene. 14,5 cm. 

6. Kelch. H. 17,5 cm; 11 cm. Silber vergoldet. Hoher Sechspaßfuß; 
keulenförmiger Nodus, mit vier achteckigen Steinen (wahrscheinlich bunt 
hinterlegten Glasstückchen) besetzt. Veräret unter den Harren Past(or) J. H. 
Mekler von Kord Köhler Altar ist en 1748. 

7. Abendmahlskanne. H. 22 cm; 13 cm. Silber; das Innere, die 
Profile und Ränder sind vergoldet. Zylindrische Form. Unter der Schnauze 
graviert das Bock v. Wülfingensche Wappen mit der Unterschrift F. B. v. W. 
178^. Deckel erneuert (19. Jh.). 

8. Altarkruzifix. H. 82,5 cm. Gußeisen. Mitte (?) 19. Jh. 

9. Antependium (Taf. 39a). Landesmuseum Hannover, Weifenmuseum 
Inv. Nr. XXII, 7. H. 1,26 m; B. 1,68 m. Seidenstickerei und Applikation auf 
schwarzem Wollfries. Zwölf quadratische Felder, jeweils mit einem Rollwerk- 
Wappenschild besetzt und mit spätgotischem Rankenwerk dicht gefüllt. Felder- 
trennung und Umrißzeichnung durch applizierte Lederstreifen. Ranken- 
stickerei grün, gelblich, ocker, blau, violett, rot; die Rankenblüten sind mit 
Leder hinterlegt. Die Wappen zeigen zwei Bilder a) geteilter Schild, unten 
braungelb, oben mit halber Lilie in Weiß auf Blau; b) ein Hörn, braun mit 
gelben Ringen, darüber ein aus Wolken hervorkommender weißer Arm; rot- 
gelber Grund. Mitte 16. Jh. Am Rand eine nachträglich hinzugefügte 
Seidenrüsche. 

10. Zwei Altartücher. L. 79 cm; B. 52 cm. Seidendamast mit breiten 
hellgelben und braunrosa Längsstreifen. Muster in Silber, Blau, Rot, Gelb: 



178 NORÜSTEMMEN 

im ersten Streifen spiralförmige Raupenbänder mit Frucht- und Blüten- 
zwcigcn, im zweiten Frucht-Blütensträuße. 

11. Klingelbeutel. H. 1,69m. Tülle und Glöckchen Silber, Beutel roter 
Samt mit gelbem Lederfutter. 18. Jh. 

12. Drei Glocken, Radler, Hildesheim. 1925. 

13. Schlagglocke, im Auslegestuhl des Turmhelms. 0,625 m. Am 
Hals zwischen Kreuzblumenfriesen und Rundstegen in gotischer Minuskel: 
Anno dfomi) ni MCCCCCXVI dar in ghoedt Harme Koster my vocor maria. Vor 
„vocor" in Größe eines Oberlängenbuchstabens ein Relief der hl. Anna selb- 
dritt. Zu ihren Füßen ein Wappenschild, anscheinend geviertelt mit gerauhtem 
ersten und vierten Feld (Hildesheim?). Auf der Flanke a) Maria im 



Strahlenkranz auf der Mondsichel (H. 0,08 m; RT. 0,05 m); /ll^'^ 
Gießerzeichen Kosters. .1/ 



b) hl. Lucia (Taf. 36e; H. 0,13 m; R. T. 0,02 m). Unter a) das /', 



14. Schlagglocke, ebendort. 2) 0,355 ni. Am Hals unter Kreuzblumen- 
fries zwischen Ringstegen in gotischer Minuskel: Anno d(omi)ni MCCCCCXVI 
Jhs (Jesus) Maria. Zusammengehörig mit Nr. 13. 

[15. Nicht erhaltene Ausstattungsstücke der alten Kirche. 
a) Die Emporen an der West-, Nord- und Ostseite, erbaut 1588, 1696 und 
1699; an der Brüstung der „alten Prieche" befanden sich Gemälde mit Szenen 
aus der Geschichte Christi und der hl. Lucia sowie Posaunenengel; b) die 
Orgel von 1699; c) der Taufengel; d) die Kanzel, Anfang 17. Jh.?; e) die 
Lucia-Glocke mit Relief der Madonna und der Inschrift: Busse Jacobs god my 
inn güldenen Jahre ijoo. St. Liicie is my Name, ik beschrie de doen und esche de 
lebenden; f) zwei 1705 und 1772 — 1882 umgegossene Glocken von 1530 und 
1541.] 

KIRCHHOF. 

Grabsteine, Sandstein. 

1. Margareta Ursula Starken, Tochter des Pastors Thomas Starken; 
* 1680, 29. IV., t 1699, 13. IV. H. 2,20 m; B. 0,83 m; R. T. 0,04 m (Taf. 35 d); 
Stele mit geschweiftem, durch Akanthusvoluten gerahmtem Abschluß, bekrönt 
von einer Muschel; darunter ein Puttenkopf. Auf der Vorderseite innerhalb 
eines vertieften Feldes die Verstorbene in reicher Tracht (sorgfältige Wieder- 
gabe der gestickten Gewandsäume und der Stoffmuster!) mit Fächer, Buch 
und turbanartigem, mehrstufigem Kopfschmuck. In den Eckzwickeln beider- 
seits des Kopfes Wappen: links das Kreuzeslamm, rechts drei Kleeblätter 
zwischen aufrecht gekreuzten Sensenblättern. Auf der Rückseite in ausge- 
sparter Kapitale Name, Leichtext (Ps. 37) und Gedicht auf die Tote. 

2. Henny Bartels,* 1654, f 1701, 2. XL, und seine Ehefrau Maria Elis. 
Brunotten, * 1646 auf Lichtmesn. H. 2,05 m; B. 0,70 m; RT. 0,045 m. 
Typus von Nr. i. Auf der Vorderseite stehen unter einem Kruzifix in betender 
Haltung die Eltern mit zwei größeren Kindern; zwischen ihnen ein Wickelkind; 
im unteren Teil des Steines ein gewölbtes hochovales Feld unter einem ge- 
flügelten Engelskopf zwischen Akanthus und Fruchtbüscheln. Namens- 
inschrift in erhabener Kapitale; das Todesdatum der Frau ist nicht ausgefüllt. 
Auf der Rückseite der Leichtext aus Hiob 19. 

3. Grabstein eines Unbekannten. H. 2,20 m; B. 0,88 m. Typus 
von Nr. 2 mit krönendem Puttenkopf. Im oberen Teil des Steines eine acht- 
köpfige Familie unter dem Kruzifix. Die ursprünghche Inschrift ist abge- 



NORDSTEMMEN 179 

arbeitet und durch eine neue (für H. F. Möllers, f 1869) ersetzt, i. Hälfte 
18. Jh. 

4. Johann Fried. Bock v. Wülfingen, vormals Hauptmann im 
6. Brauns chw.-Lüneb. Dragoner-Regiment, * Walsrode 1764, 14. VHL, f 1833, 
12. XL, und seine Ehefrau Johanna Caroline Löhmann, * Katlenburg 
1778, 26. VI., t 1824, 17. V. H. 2,20 m; B. 0,89 m; T. 0,88 m. Kannelierter 
Säulenstumpf auf hochrechteckigem Sockel; daran die Namen und das er- 
haben gearbeitete Wappen. Basisplatte aus Kalkstein. 



BÜRGERHÄUSER. 

Die älteren Häuser bis etwa in die 2. Hälfte des 18. Jhs. liegen mit der 
Giebelseite, die jüngeren Bauten mit der Traufseite an der Straße. 

Nr. 55. Vierständerhaus mit durchgehender Diele, die im vorderen Haus- 
teil zweigeschossig, im hinteren Hausteil mit einem Obergeschoßzimmer 
überbaut ist. Auf der vorderen Giebelseite ist das Obergeschoß beiderseits 
der Einfahrt leicht vorgekragt. Auf der Rückseite eine bündige Obergeschoß- 
schwelle (erneuert 2. Hälfte 18. Jh.?). Auf den Langseiten durchgehende 
Ständer, teilweise verändert. Holminschrift unleserlich bis auf die Erbauer- 
namen : Herman Reisen und Margareta Kis. Vor dem Obergeschoßzimmer der 
Diele eine offene Galerie; unterhalb davon eine moderne Scherwand. Küche 
in der Mitte der rechten Langseite. Neuerdings ist die Einfahrt bis auf eine 
Tür zugesetzt und der vordere Giebel mit einem Krüppelwalm versehen 
worden. Anfang 18. Jh. 

Nr, 48. Derselbe Haustyp. Auf der vorderen Giebelseite durchgehende 
Ständer; links ein nachträglicher Anklapp. Henni Lötzen, Marie Reniken (?) 
Ano 1707 (?). Innen teilweise verändert. 

Nr. 35a. Zweigeschossiger Wohnteil an der Straße; dahinter eine gleich- 
hohe Querdiele mit durchgehenden Ständern. M. Curdt Lippeis, Maria 
Chris tina Stahs 1730. 

Alte Schule (Küsterwohnung). Vierständerbau. Geputzte und geweißte 
Gefache. Die Diele reicht ins Obergeschoß hinauf, ist jedoch nicht voll zwei- 
geschossig. 1799. Erdgeschoß teilweise massiv erneuert. 



PETZE 

Dorf. 10 U km südlich von Hildesheim. 305 Einwohner. Straßensicdlung. 
Erste urkundliche Erwähnung im i. Viertel des 11. Jhs. als Pezmisun (i). Im Jahre 
1425 belehnte Bischof Magnus von Hildesheim die Brüder Ernst Wrisberg und 
Henrik Burmestere u. a. mit dem Dorfe Petze und dem Kirchlehn daselbst (2). 
Nach MithofF fand sich bei P. ein Burgsitz der v. Wölde, gelegen „an der Wiesen 
auflf dem Kreyenberge, woselbst noch die Grafften zu sehen". Im Jahre 1404 ver- 
kaufte Bischof Johann zu Hildesheim an Gerhard und Hermann v. Wrisberg neun 
Hufen, elf Kothöfe und den Zehnten zu P., „wie solches Gut nach Absterben Ger- 
hards von Wölde, des Letzten dieses Geschlechts, an besagten Bischoff erledigt 
war" (Behrends). 

Quellen: Mon. Germ. Hist. Dipl. Heinrich II., Nr. 260 S. 306 Z. 21 (i) — 
U. B. Hochstift Hildesheim I 69 S. 71 Z. 18 (i) — Verzeichnis der Einkünfte der 
Kirche, in Kayser, Reformat. Kirchenvisitationen S.227; ferner unter Sibbesse 
S. 219 Anm. 435 — Archiv der Supcrintendentur Alfeld; Spezialakten Petze bis 
1741 (vgl. Hoogcweg S. 31) — Archiv der Supcrintendentur Wrisbergholzen; Akten 



180 



PETZE 



betr. Petze (Hoogeweg S. 50) — Gräflich v. Görtz-Wrisbergsches Archiv zu Wrisberg- 
holzen; Urkunde Nr. 10 (Hoogeweg S. 53) (2); Akten IV O Kirchen- und Schul- 
sachen, u.a.: Vereinigung der Pfarren in Petze und Almstedt und Besetzung der 
kombinierten Pfarrstelle 1747 (Hoogeweg S. 64) — Registraturen des Gemeinde- 
vorstands und der ev. Pfarre zu Petze (Peters, Archivinventare S. 74) — Staats- 
archiv Hannover: Hann. Des. 83 Hannover I, Petze. — Literatur: Ahlhaus, Geistl. 
Patronat S. 92 — Behrens, Stammbaum des Hauses der Herren v. Steinberg S. 115 
— Hennecke in „Unsere Heimat" S. 379, 387, 391, 419. 420, 439 — Jahresbericht 
des Provinzialkonservators 1914/15 — 1918/19 S. 18 — Lauenstein S. 276 — Lüntzel, 
Alt. Diözese S. 148 — Lüntzel, Gesch. I S. 91 — Mithoff HI S. 214 — Mithoff, 
Zs. 1864 S. 333 — Sonne V S. 709 — Starcke S. 57. 



EVANG. DORFKIRCHE, 

seit 1747 kombiniert mit der Pfarrei Almstedt, Kreis Alfeld. Das Patronats- 
recht haben die 'Grafen v. Schlitz v, Görtz gen. v. Wrisberg in Wrisbergholzen, 
Kreis Alfeld. 

Einschiffige Bruchsteinkirche auf dem eingeebneten Friedhof im nordwest- 
lichen Teil des Dorfes. Der Westturm ist bis in etwa zwei Drittel der Ge- 
samthöhe romanisch, um 1200; im 15. Jh. (?) ist er um zwei Geschosse erhöht 
worden. Das Schiff stammt anscheinend von einem 1784 85 erwähnten 
Umbau; im Westteil sind wohl ältere Baumaterialien wieder verwendet 
worden. 




Abb. 44. Petze. Grundriß der Kirche. 



ÄUSSERES (Taf. 45c). 

Die Südseite des Schiffes zeigt älteren, steinsichtigen Verputz (18. /19. Jh.), 
die anderen Seiten und der Turm sind mit neuerem Spritzputz überzogen. 
Die Gewände von Tür, Fenstern und Schallöchern, das Turmsims und der 
größere Teil der Eckquadern am Chor sind aus Sandstein; die Ecksteine am 
Turm und an den westlichen Schiffsecken aus Kalkstein. — Der quadratische 
Turmkörper ist ohne Absatz bis zu dem gekehlten Kranzgesims hoch- 
geführt. Die quadermäßigen Ecksteine sind bis in etwa halbe Höhe des Schiffs- 
daches größer und besser versetzt als im oberen Turmteil, wo sie flacher und 
loser gefugt sind, so daß der Mörtel hier stärker ausgewittert ist. Die Höhe des 
unteren Teiles ist die ursprüngliche Turmhöhe. Nach Süden und Westen 
sind noch die Schallöcher des ehemaligen Glockengeschosses zu sehen (im 
Westen allerdings fast ganz zugesetzt und mit nichtzugehörigen Einzelteilen 
ausgestattet): sie sind bzw. waren rundbogig und paarweise gekuppelt. Die 
Teilungssäulchen hatten Würfelkapitäle und flachgeschrägte Wulstbasen. 
Die Schallöcher des oberen Turmteiles sind ebenfalls gekuppelt, aber breiter 
und spitzbogig; die Teilungssäulchen (auf der Nordseite ausgebrochen) haben 



PETZE « ISl 

an Stelle der Kapitale quadratische mit Wulst und Kehle profilierte Kämpfer- 
blöcke (teilweise beschädigt) und geschrägte Sockel ohne Basen; 15. Jh.? Die 
Bogensteine sind auf der Südseite überarbeitet oder ausgewechselt (17. 18. Jh.). 
In den übrigen Turmgeschossen Lichtschlitze. — Das Schiff ist etwas breiter 
als der Turm; die beiderseits überstehenden Wandteile setzen ohne Verband an 
ihn an. Die Westecken sind in ganzer Höhe mit verhältnismäßig gleichförmigen 
Eckquadern besetzt (anscheinend wieder verwendetes mittelalterliches 
Material; im ganzen wohl. kaum mittelalterlich). Der Chor ist dreiseitig ge- 
schlossen. Die Chorecken zeigen eine Verzahnung aus abwechselnd roten und 
weißen Steinschichten, Langquadern und mitunter auch Bruchsteinlagen (an 
den beiden Nordecken nur bis in % Schiffshöhe hochgeführt). Auf den Lang- 
seiten je vier flachbogige Fenster; ein etwas kleineres Fenster der gleichen Art 
auf der Chorquerseite; eine flachbogige Tür in der ersten Achse der Südseite. 

Pfannengedecktes, nach Osten abgewalmtes Satteldach. Doppeltes Kehl- 
balkendach mit mittlerer Hängesäule. Der Turmhelm setzt als vierseitige 
Pyramide an und geht in eine achteckige Spitze über (19. Jh.). Schieferdeckung; 
Wetterfahne mit den Initialen C. v. W. im Blatt und darüber dem Gräflich 
V. Wrisbergschen Wappenfasan. 

INNERES. 

Schiff mit hölzerner Voutendecke. Decke und Wände sind geputzt und 
bläulichweiß bzw. olivfarbig getönt (Ende 19. Jh.). Der Boden ist mit modernen 
gelbschwarzen Fliesen belegt, unter der südlichen Gestühlsreihe gedielt. 
Eine rundbogige Tür führt in das Erdgeschoß des Turmes, das mit einem gratig 
ansetzenden, nach dem Scheitel zu rund gemauerten Bruchsteingewölbe über- 
deckt ist. Die Grate verlaufen in den Ecken. In dem von der Westempore aus 
zugänglichen oberen Geschoß befindet sich in der Südwand nahe der inneren 
Ecke eine Nische mit Resten eines romanischen Teilungssäulchens und einer 
nichtzugehörigen, gotischen Säulenbasis. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung 2. Hälfte 19. Jh. 

1. Kanzelaltar. H. ca. 5,55 m; B. 2,45 m. Eiche. Bemalung vorwiegend 
erbsgelb, mattgrün, bräunlich marmoriert. Zweigeschossiger Aufbau. Im 
Obergeschoß der fünfseitige Kanzelkorb mit verschalten, vortretenden Eck- 
pfosten, in die Füllstreifen mit ausgesägten Blattornamenten eingelassen sind. 
Beiderseits zwei mit kannelierten Stegen besetzte Dreiviertel- Säulen über 
Pilastern im unteren Geschoß. Decksims mit einbezogenem Schalldeckel, 
darüber eine durchbrochene Volutenhaube mit krönendem Dreieinigkeitszeichen 
im Strahlenkranz. Oberhalb der Säulen jeweils ein Lamm Gottes und der 
Wappenfasan der Grafen v. Wrisberg (Aussägearbeit). An den Seiten ist das 
Deckgesims rahmenartig heruntergezogen und mit einem Rankenfries besetzt. 
Rechts und links schließt in Höhe des Kanzelkorbes eine Empore an. Die 
Scherwände darunter sind ebenso wie die Kanzeltür nachträglich eingefügt 
(Tannenholz). Wahrscheinlich 1784 85. — Mensa. H. 1,18 m; B. 1,48 m; 
T. ca. 1,24 m. Unterbau aus Tanne. Deckplatte aus Rotsandstein mit Reli- 
quiengrube und Resten von Weihekreuzen. Mittelalterlich, barock über- 
arbeitet. 

2. Torso eines ehemaligen Taufengels ; in der Turmhalle. Linde. 
18. Jh. 

3. Gestühl. Tanne, erbsgelb gestrichen. 18. Jh. und Ende 19. Jh. 



182 PETZE 

4. Emporen. Eiche und Tanne, a) Die Westempore. Leicht ein- 
geschwungene Brüstung, achteckige Stützen. Anlage wahrscheinhch 178485; 
Brüstung erneuert, b) Die Ostempore s. Nr. i. 

5. Orgel, auf der Westempore. 2. Hälfte 19. Jh. 

6. Zwei Gedenktafeln, a) Wilhelm Mevius, Pastor zu Almstedt, 
Petze und Möllensen (1730 — 1806). H. 0,39 m; B. 0,86 m. Tanne, grau 
gestrichen. Queroblonge, nach der Mitte zu ansteigende Tafel mit Silhouette 
des Verstorbenen in einem verglasten Ovalmedaillon, b) Joh. Mar. Hedw. 
Kahrmann (1784 — 1807). H. 043 m; B. 0,28 m. Linde, schwarz gestrichen. 
Oval ehemals mit Plattform für die Totenkrone. 

7. Kronleuchter. H. ca. 0,48 m; ca. 0,56 m. Messing. Sechs Sförmig 
herabgebogene, sechskantige Arme mit Astansätzen. Muschelteller. In einem 
oberen Kranz Lilienblütenarme. Doppeladler; Kugel. 17. 18. Jh. Tüllen 
anscheinend Anfang 19. Jh. erneuert, 

Altargerät. 

8. Kelch. H. 21 cm; : 15 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß, darauf 
in Kapitale: Christopher v. Wrisberg, Justus Henckel, David Marhauer, Jürgen 
Sipper ling, Hans Lippeis. Wulstnodus mit Rotuln. Hildes heimer Beschau 1649, 
Meister AS (Liste I, 9). 2. Hälfte 17. Jh. Am Schaftansatz starke Risse. — 
Patene. 16,5 cm. Gleiche Stempel. 

9. Taufschale (Taf. 30b). H. 5,6 cm; 33,9 cm. Messing. Im Spiegel 
Maria im Strahlenkranz auf der Mondsichel; geschlagene Arbeit. Rings um 
den Rahmensteg eine gepunzte Blattschnur. Auf dem Schalenrand zwei ge- 
punzte Ornamentstreifen: Blütenrosetten und Blattschnur. Anfang 16. Jh. 

10. Altarkruzifix. H. 20,8 cm. Gußeisen. Mitte 19. Jh. 

11. Zwei Altarleuchter. H. 30 cm; O 18 cm. Messing. Runder, 
gewölbter Fuß auf drei Löwentatzen; zylindrischer Schaft mit Mittelring; 
tiefer Teller. 17. Jh. 

12. Altarleuchter. H. 13,1 cm; 11,5 cm. Zinn. Runder Fuß, birnen- 
förmiges Schaftglied. An der Lichttülle : J. C. K. 1732. Hildesheimer Beschau 
49, doppelt; Meisterstempel: blühendes Herz mit den Initialen L F (Liste 
II, 10). 

13. Zwei Altarvasen. H. 24 cm; B. ca. 22 cm. Holz; Bemalung weiß 
mit roten Zackenmustern, Blumenzweigen und goldenem Mittelstreifen. 
Eiförmiger Gefäßkörper mit Doppelhenkeln (an der einen Vase abgebrochen). 
Anfang 19. Jh. 

14. Glocke. 0,95 m. Am Hals unter einem Kreuzblumenfries zwischen 
Ringstegen in schrägliegender Kapitale: Verbum domini manet in aeternum 
1599, d. Wrisberg, d. Bocke v. Northolt, d. Steinberg, d. Monchhusen. Auf der 
Flaiike darunter die entsprechenden Wappen. Über den Ringstegen am Wolm: 
Chris. Hornbach me fecit, Ernst Werdeken Vogt, Hinrich Loeman Hans Greven 
Olderlut. 

[15. Glocke von Joh. Christ. Ziegener, Hannover, 1768; erwähnt von 
Mithoff; nicht mehr erhalten.] 

16. Glocke. Radler. Hildesheim. 1926. 

17. Turmuhr. Schmiedeeisen. Um 1800. Außer Betrieb. 



POPPENBURG 



183 



Abb. 45. Poppenburg. Situationsplan 
nach einer Aufnahme des Hochbauamts 
Hildesheim. M. 1:4500. 




POPPENBURG 



Burg. 13 km westlich von Hildesheim an der Bahnstrecke Nordstemmen — Elze, 
Die Burg beherrschte den im Mittelalter wichtigen JLeineübergang der Straße Pa- 
derborn — Hameln — Hildesheim. Ursprünglich lag hier ein Königsgut, das Hein- 
rich ni. im Jahre 1049 auf Bitten Bischofs Azelins dem Bistum Hildesheim schenkte. 
Die Stelle der Schenkungsurkunde lautet: Das Landgut (praedium), das wir bei 
„Bobbenburg" hatten im Gau „Valen" und in der Grafschaft des Grafen Bruno 
gelegen, haben wir dem Altar der hl. Maria in dem Gotteshause des genannten Ortes 
zu eigen übertragen (i). Dem Namen nach muß also schon damals eine Burg vor- 
handen gewesen sein. Urkundlich erscheint sie zuerst 1227 (7). Nach ihr nennt 
sich ein Geschlecht, das 1141 mit Beringerus und Fridericus de Poppenburg in die 
Erscheinung tritt (5). Beide hatten nach einer Urkunde von 1142 die Grafenwürde 
(6). Sie werden die Burg vom Bischof zu Lehen getragen haben. Bischof Konrad H., 
der erfolgreiche Begründer der Landeshoheit des Bistums, erwarb sie teilweise 
zurück : nach der Angabe der Hildesheimer Chronik kaufte er gegen das Ende seiner 
Tage zum Schutze der auf der Straße Vorüberziehenden und um neue Zölle zu ver- 
hüten, einen Teil der Burg für 220 Pfund und den kleineren Turm für 10 Pfund 
und erbaute dort einen beständigen Wohnsitz mit dazugehörigen Wirtschaftsge- 
bäuden für etwa 100 Pfund (16). 1241 urkundet der Bischof ,, in der Kapelle Poppen- 
borch vor dem Hochaltare im Chore" (9). Im gleichen Jahre werden ,,omnes milites 
de Poppenburg" (8) genannt, 1246 Bodo von Uten, der Vogt des Bischofs in Poppen- 
burg (ig), 1259 Heinricus, Priester von Poppenburg (11). Bis 1272 stellen sowohl 
die Hildesheimer Bischöfe Konrad, Johann und Otto (häufig, vgl. U. B. Ho. Hi. H 
und IH) als auch der letzte Graf von Poppenburg, Widukind, dort Urkunden aus 
(ebendort H 293, 808; HI 319). Nach dem Tode des Grafen fiel sein Anteil an das 
Bistum zurück. — Bischof Otto ließ in Poppenburg das ,,coenaculum" und den 
kleinen Turm mit Steinen decken (17). Bischof Siegfried H. verpfändete die Burg 
an den Grafen Gerhard von Schaumburg, mußte sie aber auf den 1287 ergangenen 
Befehl des Erzbischofs von Mainz einlösen (2, 16). 1290 — 1299 hat er sie mit Zu- 
stimmung des Domkapitels nochmals verpfändet (12, 14). 1291 verpflichtet er sich 
gegenüber der Hildesheimer Bürgerschaft und anderen, die Brücke über die Leine 
bei Poppenburg durch seine Leute diesseits und jenseits des Flusses wieder aufbauen 
zu lassen. Dasselbe Versprechen gibt er auch für spätere Fälle (13). Gleichwohl 
ist in der 2. Hälfte des 14. Jhs. nur eine Fähre bezeugt; 1353 wird sie zusammen 
mit der Hälfte der Flöße, 1381 und 1389 nochmals allein verpfändet (15, 3, 4). — 
Im 14. und 15. Jahrhundert wird Poppenburg noch mehrmals versetzt. Eine Nach- 
richt des 16. Jahrhunderts will wissen, daß sie einst in den Händen der Tempel- 
herren gewesen sei. — Bischof Gerhard (1365 — 1398) ließ den Pallas (domum la- 
pideam seu palacium) bauen (18). — Eine von Mithoff mitgeteilte Überlieferung» 



184 POPPENBURG 

die auf Letzners „Dasselischc und Einbeckische Chronica" von 1596 zurückgeht, 
besagt, daß die iiheren Gebäude zu Anfang des 16. Jahrhunderts von Herzog Phihpp 
von Braunschweig und würzburgischen Kriegsvölkern auf einem Zuge gegen den 
damaUgen Besitzer v. Mandelsloh bis auf den Grund niedergebrannt worden seien 
(die V. Mandelsloh saßen 1545 auf der Burg). Nach Greiffenhagen (in „Hannover- 
land" 1915) fand außerdem eine Zerstörung Poppenburgs am 6. 7. Juli 1553 durch 
den Kurfürsten Moritz von Sachsen statt. Dieser letzteren Angabe scheint aber 
doch die Tatsache zu widersprechen, daß das Amt Poppenburg an Herzog Philipp 
Magnus von Braunschweig und Lüneburg, einen Parteigänger des Kurfürsten, 
1600 Taler Brandschatz entrichten mußte. — Während der Stiftsfehde hatte Hans 
v. Reden als Pfandinhaber auf der Poppenburg gesessen, war aber durch Heinrich 
den Jüngeren daraus verdrängt worden, später kam der Besitz an Herzog Erich I., 
schließlich 1629 an Hildesheim zurück. 1642 wurde eine Amtspfarrei eingerichtet, und 
zum Gottesdienst zunächst außer dem ,, Oratorium" auf der Burg die Kirche in 
Nordstemmen, die abwechselnd den Protestanten und Katholiken zur Verfügung 
stand, benutzt. 1654 woirde nach Angabe des Kirchenbuchs eine neue Kapelle 
gebaut, aber schon 1686 durch Fürstbischof Maximilian Heinrich ein abermals 
größerer gottesäienstlicher Raum eingerichtet; 1785/86 ließ Fürstbischof Friedrich 
Wilhelm das Brauhaus zu einer Kirche umbauen, die noch jetzt in Gebrauch ist. 
— Aus dem Amtshof wurde später eine Domäne, aus dem Amtshause das Pächter- 
wohnhaus. 1824 wurde das Amt Poppenburg mit dem Amte Gronau vereinigt. 

Quellen: Mon. Germ. Hist., Dipl. Heinrich HI., 236 S. 313 Z. 38 f. (i) — 
Sudendorf U. B. Register S. 364; I 106 S. 67 (2); V 189 S. 219 (3); VI 18 S. 16 
Z. 20, 175 S. 190; Vni 119 S. 109; IX 276, I — 7, 276, 3 S. 390 (4) — U. B. Hoch- 
stift Hildesheim I 83 S. 83 Z. 33—37 (0, 225 S. 204 Z. 17 (5), 227 S. 206 Z. 6 (6), 
231 S. 213 Z. 3, 390 S. 379 Z. 36; II 25 S. 15, 237 S. 102 (7), 629 S. 315 (8), 634 
S.3i8f. (9), 753 S.381 (10), 763 S.386, 1108 S.550 (II); III 777 S. 401 (2), 854 
S.442 (12), 915 S. 467 (13), 1208 S. 587 (14); IV 163 S. 77, 1155 S. 620; V 498 
S. 275 (15), 1021 S. 652, 1253 S. 817; VI, Register S. 1103, 456 S. 321 (3), 811 
S. 599, 907 S. 613 (4), 1384 S. 898 — Chron. Hild. in Mon. Germ. Hist. S. S. VII 
861 Z. 10 f. (16), 864 Z. 6 f. (17), 867 Z. 6 f., 871 Z.40 (18) — Kathol. Pfarrarchiv 
vgl. Peters Archivinventare S. 75. — Literatur: Bertram III, Register S. 458 — 
Dörries, Entstehung und Formenbildung der nds. Stadt S. 90 f. — Greiffenhagen 
in ,, Hannoverland" 9. Jahrgang 1915 S. 146, 163, 174 — Henkel, Kurze Gesch. 
S. 173 f. — Hennecke in ,, Unsere Heimat" S. 377, 400, 426, 440. Abb. des Altars 
Taf. 52 — Jahresbericht 1910/11; 1913/14; 1927; 1928 — Klewitz, Studien zur 
territorialen Entwicklung S. 54ff. — Letzner: Dasselische und Einbeckische Chro- 
nica 1596 — Lüntzel, Alt. Diözese S. 104 — Lüntzel, Gesch. II S. 87, 266, 281, 
350, 366 — Meese, in Zs. des Histor. Ver. f. Ndrs. 1870 S. 185 — 202 — Mithoff III 
S. 214 f. — Peters in Zs. des Hist. Ver. f. Ndrs. 1905 S. 230 ff. — Schnath, Ge- 
nealogie der älteren Poppenburger, in ,,Die Herrschaften Everstein, Homburg und 
Spiegelberg", Stammtafel III — Sonne V S. 712 f. — Vogell, Zs. 1864 S. 349. 



GESAMTANLAGE. 

Die Burg liegt auf dem Geestrande der Leineniederung hoch über dem 
Flusse. Der im wesentlichen aus dem späten Mittelalter und aus der Renaissance 
stammende Hauptbau ist im Winkel angelegt; den kürzeren Schenkel im Süd- 
osten bildet der Pallas, dessen untere Geschosse jetzt als katholische Kirche 
dienen, der längere Schenkel im Südwesten enthält die Wohnung des Domänen- 
pächters. Die Nordostseite des von beiden Bauteilen begrenzten Hofes ist 
parallel zum Wohnflügel mit kleinen, neuen Gebäuden (Schuppen usw.) be- 
setzt, an die sich im Südosten die Pfarrwohnung (19. Jh.) anschließt. Die 
Nordwest-Schmalseite des Hofes wird schräg durch eine etwa westöstlich ver- 
laufende hohe, mittelalterliche Bruchsteinmauer geschlossen. — Die alten 
barocken Wirtschaftsgebäude liegen nordwestlich unterhalb der Burg längs 
der Leine, ein kleiner zugehöriger Hof des 18. Jhs., ehemals wohl Zollhaus 
und Gastwirtschaft, im Süden nahe der Leinebrücke. 



186 POPPENBURG 

PALLAS-KIRCHENFLÜGEL (Taf. 45a, b). 

Der Pallas ist ein mächtiger, blockhaft geschlossener, dreistöckiger Bruch- 
steinbau, der im Kern sicher noch mit dem „Palatium" identisch ist, das ur- 
kundlich Bischof Gerhard (1365 — 98) auf der Burg errichtet hat (s. geschicht- 
liche Notizen). Nur das oberste, ehemals wohl als Festsaal benutzte Geschoß 
dürfte in späterer Zeit einmal durchgreifend erneuert und erhöht worden sein 
(Wechsel im Material der Eckquader); die Einzelformen sprechen für das 
16. Jh. Ebenfalls aus dem 16. Jh. wird der Treppenturm auf der Hofseite stammen, 
wenn er auch etwas älter als das Festgeschoß sein dürfte, mit dem er nicht 
im Verband steht (da er erst in dieser Höhe eine Tür gegen den Pallas hat, 
setzt er ein vor dem jetzigen bestehendes Festgeschoß schon im Mittelalter 
voraus; vielleicht war er ursprünglich in Fachwerk überhöht?). 1785 sind die 
beiden unteren Geschosse als Kirche eingerichtet; die zugehörigen Fenster 
und Türen sind damals erneuert bzw. neu gebrochen. Dachreiter 1852 (?). 
Das Mauerwerk besteht aus unregelmäßigen, aber, abgesehen von verschiedenen 
Flickstellen, lagerhaft versetzten Steinen. Die Ecken sind mit verzahnten 
Quadern besetzt (bis einschließlich des mittleren Geschosses Kalkstein, im 
obersten Geschoß Sandstein). Der Verputz ist 1934 abgenommen worden; 
die Wandflächen sind in Zement neu ausgefugt. Die äußere Breitseite 
ist dreiachsig. Die rechteckigen Fenster des obersten Geschosses (17. Jh.) 
sind nachträglich zu drei Vierteln zugesetzt. Schräg über bzw. neben ihnen 
finden sich Reste vermauerter älterer Rechteckfenster, die ehemals anscheinend 
durch Mittelpfosten geteilt waren (16. Jh.; geschrägte Gewändekanten). Die 
Südwest-Schmalseite gegen die Leine ist jetzt ohne Öffnungen. In halber Höhe 
ein zugesetztes Fenster von 1785, im obersten Geschoß ein solches des 16. Jhs. 
(wie oben). Im übrigen sind verschiedene kleine Entlastungsbögen sichtbar, 
die teilweise zu Fenstern gehört haben mögen. Die Wand ist in der oberen 
Hälfte stellenweise ausgebeult und ausgebessert; der Giebel ist in Fachwerk 
aufgesetzt und mit Pfannen behangen. Das Erdgeschoß der Nordost-Schmal- 
seite enthält eine flachbogige Tür mit sparsamer Akanthusdekoration an den 
Gewänden, datiert 178^. Im obersten Geschoß Gewände eines Fensters des 
16. Jhs.; zwei Fenster der gleichen Art in dem zurückgesetzten Giebelfeld; 
einzelne vermauerte Öffnungen im Mittelgeschoß. Die Giebelspitze besteht 
aus Fachwerk und ist wie der Südwestgiebel verkleidet. Auf der Hof breitseite 
entsprechen die Fenster im Erd- und Mittelgeschoß denjenigen der äußeren 
Breitseite. In der Westachse eine flachbogige Tür von ijSy, daneben Reste 
kleiner, älterer Fenstergewände. Das oberste Geschoß zeigt von Westen nach 
Osten: ein Fenster des 17. Jhs. (zu drei Vierteln zugesetzt), eine Ladetür 
(ursprünglich Fenster des 16. Jhs.), ein zugesetztes rundbogiges Fenster, 
16. Jh. (?), eine zugesetzte, gleichzeitige Tür. In der Ecke zum Wohnflügel 
ist der Treppenturm hochgeführt, der innen rund, außen vierseitig gebrochen 
ist, jetzt allerdings nur mehr mit drei Seiten freiliegt. Er reicht bis etwa in 
halbe Höhe des obersten Geschosses und ist zusammen mit einem nachträglich 
daran angeschlossenen Erkervorbau des Wohnflügels (s. u.) durch ein vom 
Pallas herabgeschlepptes Dach überdeckt. Er steht weder mit der Pallaswand 
im Verband, noch auch — soweit man das heute erkennen kann — mit dem 
Wohnflügel. Ein queroblonges, der Treppensteigung folgendes Rhomben- 
fenster gegen Norden ist nachträglich rechteckig verändert, die rechteckige 
Tür wohl ebenfalls erneuert (? 17. Jh.). Von der Treppe aus führen Türen 
zum obersten Geschoß des Pallas und zum Obergeschoß und Boden des Erker- 
vorbaues des Wohnflügels (die letzteren sind zugesetzt). Türgewände 16. /i 7. Jh. 
— Satteldach mit Pfanuendeckung. — Über der Hofseite ein Fachwerk- 



POPPENBURG 187 

erker des 17. Jhs. mit zementverputzten Gefachen; ebendort eine Uhrgaube, 
i8y6. Hinter dem Südwestgiebel ein sechseckiger Dachreiter, mit Schiefer 
neu verschalt und gedeckt. Wetterfahne 18^2. — Inneres (Taf. 37d): 
Die beiden unteren Geschosse sind zu einem Raum für die katholische Pfarr- 
kirche vereinigt. Das ehemalige Obergeschoß ist in der Wandstärke etwas 
zurückgesetzt. Voutendecke über schmalem Gesims. Decke und Wände 
sind geputzt und geweißt, die Fensterleibungen geschrägt und flachbogig 
geschlossen. An der Nordwestchorwand eine zugesetzte alte Verbindungstür 
zum Obergeschoß des Wohnflügels, zugesetzte Fenster( ?)öffnungen hinter 
der Orgel und im Obergeschoß hinter dem Altar. Fußbodenbelag aus Sand- 
steinplatten. — Das oberste Geschoß hat eine Balkendecke; die Wände sind 
unverputzt. Flachbogige bis zum Boden reichende Fensterleibungen. An 
der Südwestschmalseite neben dem von außen sichtbaren zugesetzten Fenster 
eine zugesetzte rechteckige Tür (?, für einen Abortanbau?). In der Westecke 
ein schräg in der Wand verlaufender flachbogiger Gang, der ursprünglich in 
den Wohnflügel geführt haben wird; er ist zum größten Teil mit Steinen 
ausgefüllt, der Ausgang ist vom Dachboden des Wohnhausflügels aus nicht 
mehr festzustellen. In der Südecke Reste eines Kamins, dessen Schornstein 
anscheinend auch in die alten Untergeschosse hinabführte. Neben dem 
ehemaligen Fenster der Nordostgiebelseite eine große Nische (für einen Wand- 
schrank?). 

W^OHNFLÜGEL (Taf. 45 a). 

Der Wohnflügel ist im Gegensatz zum Pallas nur zwei Geschosse hoch 
und hat eine lange schmale Grundform. Der Hauptteil bis zu dem Vorbau 
mit Dachreiter an der Nordwestecke scheint den Fensterformen nach ein- 
heitlich aus dem Ende des 16. Jhs. zu stammen, doch enthält zumindest 
die Leineseite noch einen mittelalterlichen Kern, da die (mittelalterliche) 
Hofmauer im Norden daran angeschlossen haben muß. Verschiedenheiten 
im Dachstuhl und am Dachgesims lassen außerdem die Möglichkeit off'en, 
daß der Nordteil (dem im obersten Geschoß der Leinefront sechs Achsen ent- 
sprechen) Ende 17. Jhs. teilweise neu aufgeführt ist. Auch die andersartige 
Kelleranlage des Nordteiles dürfte das bestätigen, wenngleich die Zäsur hier 
gegenüber dem Oberbau etwas weiter nach Norden verschoben erscheint. 
Vielleicht ist eine im Garten gefundene Inschrifttafel von 1679 auf den Neu- 
bzw. Umbau zu beziehen (s. u.). Anbauten auf der Hofseite Ende 17. Jh., 
Anfang 18. und 19. Jh. Der Abschluß des Wohnflügels ist mit veränderter 
Achsenrichtung 1903 angefügt und 1934 durch eine verdeckte Veranda ver- 
größert. 

Die Hauptwände des Baues sind massiv in Bruchstein aufgeführt. Tür- 
und Fenstergewände sind aus Sandstein, die Mauerflächen in Kalk verputzt 
(auf der Hofseite 2. Hälfte 19. Jh., auf der Leineseite wohl etwas älter). — 
Leineseite. Über einer infolge des Geländeabfalles frei sichtbaren Keller- 
zone mit fünf Lichtöflfnungen liegt das untere Wohngeschoß mit unregel- 
mäßig verteilten Fenstern in verschiedener Höhe und von verschiedener Größe. 
Bis auf zwei Fenster im Südteil (wovon das eine neu gebrochen ist) sind sie 
zweiteihg mit steinernen Mittelpfosten, 16. (und 17.) Jh. Sohlbänke, soweit 
vorhanden, 19. Jh. Schräg über dem anscheinend im 18. Jh. erneuerten 
Fenster der vierten Achse von Süden eine Steinplatte mit dem Wappen der 
Familie v. Reden. Obergeschoß mit zehn zweiteiligen und drei einfachen 
(halb so breiten) Fenstern. Die Gewändekanten sind wie teilweise auch 



188 POPPENBURG 

im unteren Geschoß doppelt gekehlt, Einzelheiten sind im i8. und 19. Jh. 
ergänzt. In der zweiten Achse von Süden ein dreiseitig vorspringender 
Erker aus Sandwerkstein mit pfannengedecktem Walmdach und großen er- 
neuerten Fenstern. Die Brüstungszone zeigt breitrechteckige Felder mit 
erhabenem Spiegel und ein starkes Fußgesims mit Wulst und Kehlung. 
Geschweifter, mehrfach abgesetzter Tragboden. Zwischen der achten und 
neunten Fensterachse von Süden ein größerer Abstand, der jedoch nicht 
genau mit der vermuteten Baufuge zwischen dem südlichen und nördlichen 
Bauteil zusammenfällt. An den seitlichen Gewändepfosten des zweiten, dritten 
und sechsten nördlichen Fensters Steinmetzzeichen in Form einer I und II; 
Sohlbänke 19. Jh. Der Steinfarbe nach passen die acht nördlichen Fenster 
zusammen. Hölzernes Dachgesims, vielteilig profiliert, im Südteil in ein- 
facher Schräge erneuert (19. Jh.). — Hofseite. Die Fensterformen ent- 
sprechen denen der Leineseite. In der Südostecke lehnt sich an den Treppen- 
turm des Pallas ein gleichhoher Erkervorbau an mit einem in sorgfältiger 
Quadertechnik erneuerten Erdgeschoß (Mitte 19. Jh.) und zwei Fachwerk- 
obergeschossen, Ende 17. Jh. (1679?). Der Südteil des Kernbaues ist mit 
sechs Achsen sichtbar. Im Obergeschoß teils einfache, teils zweiteilige Fenster; 
am Dachgesims vortretende Balkenköpfe und Füllhölzer mit stark geschwun- 
genem Karniesprofil. Das Untergeschoß ist im 19. Jh. durch eine geschlossene 
Fachwerkveranda erweitert worden. Der Nordteil des Wohnflügels liegt in 
vier Achsen frei; die Fenster entsprechen denen des Südteiles (nach deren 
Vorbild gearbeitet?); eine Tür befindet sich in der zweitäußersten Achse. 
Hölzernes Kranzgesims mit Karnies und Kastenglied. An der Stelle, wo der 
Nord- und Südteil des Flügels aneinanderstoßen, ist ein flacher, zweistöckiger 
Anbau vorgelegt, der eine Treppe zum Obergeschoß enthält. Eichenfachwerk 
mit verputzten Gefachen; an den Eckständern eine Scheinquaderung. Kranz- 
gesims ähnlich wie am Nordteil des Flügels; flaches pfannengedecktes Pult- 
dach mit seitlichen Abwalmungen unmittelbar unterhalb des Hauptdaches. 
An der Stirnseite drei obere und zwei untere Fenster sowie drei Kellertüren 
(die mittlere zugesetzt). Anfang 18. Jh. — Der Wohnflügel hat ein durch- 
gehendes Satteldach mit Pfannendeckung. Im Südteil doppelte Kehlbalken- 
konstruktion mit Streben und Hängesäulen; im Nordteil Kehlbalkenkonstruk- 
tion mit liegendem Stuhl. In der Mitte der Hofseite ein Fachwerkerker Ende 
17. Jh. — Der moderne Teil ist massiv in Backstein aufgeführt und ver- 
putzt. Dem Gelände folgend schließt er an die älteren Teile in einem stumpfen 
Winkel an. Die äußere Ecke gegen die Leine hin ist durch einen trapezförmigen 
Risalit besetzt. 

Das Innere ist fast vollkommen erneuert. Das Obergeschoß des Süd- 
teiles enthält einen mittleren Längsgang; im Erdgeschoß liegen an der ent- 
sprechenden Stelle in ganzer Breite Wirtschaftsräume, deren Wand gegen 
den Verandavorbau an der Hofseite zum großen Teil ausgebrochen ist. Im 
Nordteil führt in beiden Geschossen ein Gang an der Hofseite entlang. Türen 
teilweise Ende 18. Jh.; wohl noch später eine vermauerte Stützsäule der Decke 
im Untergeschoß. Treppe im Anbau mit Eichendocken. Der Keller des 
Südteiles hat drei Quertonnen (Bruchstein), der des Nordteiles gratige Kreuz- 
gewölbe ohne Gurte auf zwei kurzen Mittelpfeilern (17. Jh.: geschrägte 
Basen, Kämpfer mit Karniesprofil; die Schaftecken sind abgefast, die ange- 
putzten Grate verlaufen in der Wand). Im modernen Teil eine 1903 im Burg- 
garten aufgefundene Sandsteintafel mit dem Wappen von Bischof Maximilian 
Heinrich zwischen Fides (mit Kelch, Kreuz und einer Sonne vor der Brust) 
und Fortitudo (mit Speer und Medusenschild); über dem Wappenschild die 



POPPENBURG 189 

Initialen M(aximilian) H(einrich) C(urfürst) z(u) C(öln) B(ischof) z(u) 
H(ildesheim), darunter das Datum /ö/p. 

HOFMAUER. 

H. ca. 7,50 m; B. ca. 2,40 m. Bruchstein. Im oberen Teil an der Außen- 
seite breitrechteckige Öffnungen (Schießscharten), von innen nicht mehr er- 
kennbar. Nahe dem Wohnflügel eine zugesetzte gotische Spitzbogenpforte. 
Links daneben eine barocke, rundbogige Hofeinfahrt; im Scheitel das pfalz- 
bayrische Wappen mit dem Hildesheimer Adler im Herzschild, wahrschein- 
lich von Bischof Maximilian Heinrich Ende 17. Jh. Weiter nach Osten noch- 
mals Reste einer Fußgängerpforte. An der Nordecke biegt die Mauer nach 
Südosten um und bricht kurz dahinter ab; ein im Winkel daran ansetzendes 
jüngeres Mauerstück ist gleichhoch, aber schwächer als der alte Teil, Bruch- 
stein, in der unteren Hälfte mit Rohquadern verkleidet (19. Jh.). 

AUSSTATTUNG DER KATH. PFARRKIRCHE IM PALLAS. 

1. Hochaltar (Taf. 37d). H. ca. 7,20 m; B. (von Figur zu Figur) 
ca. 6,00 m. Eiche und Linde (?). Bemalung 193435 schwarz, gold, hellblau, 
stumpfrot. Eingeschossiger, architektonischer Aufbau. Beiderseits eines recht- 
eckigen Bildfeldes je zwei gedrehte und mit einem Blattwulst umwundene 
Säulen, das äußere Paar vor Pilasterrücklagen weit vorgezogen. Horizontales 
verkröpftes Deckgebälk mit gebrochenem Segmentgiebel. Auf den Giebel- 
ansätzen Blumengirlanden und brennende Vasen. Dazwischen in der Mitte 
eine Figur des hl. Joseph auf der Weltkugel mit dem Jesuskind im Arm, um- 
geben von Wolken und Engelchen mit Tischler Werkzeugen (einzelnes fehlt). 
Am Hauptgebälk das Wappen von Bischof Friedrich von Westphalen (Schild- 
decke stark beschädigt). Zu beiden Seiten des Hauptgeschosses auf Akanthus- 
konsolen die Hl. Ignatius (ehemals mit Kreuz?) und Franz Xaver (Finger 
beschädigt). Am Unterbau und an den Säulensockeln Blumengehänge, 
Muscheln und Puttenköpfe; geflammte Rahmenleisten an dem Predellenfeld. 
Um 1690. Das bischöfliche Wappen muß bei Gelegenheit der Einrichtung 
der Kirche 1785 86 an Stelle eines älteren auf den Schild aufgemalt worden 
sein. Das ursprüngliche Altarbild mit einer Verkündigung Mariae hängt an 
der Nordwand des Chores. Öl auf Leinwand. Kopie nach einem italienischen 
Original des 17. Jhs. Das heute im Altar befindliche Gemälde der Beweinung. 
Christi (ebenfalls Öl auf Leinwand) ist nach Angabe des Kirchenbuches 1869 
von einem Maler Peters in Hildesheim gemalt worden. — Tabernakel mit 
geschweifter Haube, die mit Puttenköpfchen besetzt und von dem aufer- 
stehenden Christus bekrönt ist (178586? Unterbau 1913 erneuert). 
Mensa. Holz. An der Stirnseite ein Rahmen für Antependien (s. Nr. 39). 
18. Jh. 

2. Kanzel (Taf. 37d), an der Südwand. H. 1,89 m. Eiche, braun ge- 
beizt. Ovale Grundform mit gerader Wand- und Aufgangseite. Die Wandung 
ist kanneliert mit vier ebenfalls kannelierten Pilastern besetzt, die von dem 
geschweiften Korbboden aus heraufgezogen sind. Kannelierte Stützsäule; am 
Übergang zum Korbboden eine Ovalplatte (aufgeschraubt) mit Lorbeerkranz 
und Stifterinschrift: C(lemens) E(dmund) F(loren) p(ro) t( empöre) 
oecon ( omicus ) adm(inistrator) donavit anno IJ90. Die Namensinitialen sind 
nach Angabe des Kirchenbuches identifiziert. Aufgang mit ausgesägter Brett- 
wandung. Schalldeckel mit verkröpftem Gesims, bekrönt von den Gesetzes- 
tafeln in Wolken und Strahlenkranz. 



190 POPPENBURG 

3. Gestühl. Tanne, braun gestrichen. 18. Jh. 

4. Empore vor der Ostwand. H. 4,67 m. Holz, braun gestrichen. Wan- 
dung mit Brettdocken. Zwei Stützsäulen. Bei der letzten Restaurierung 1936 
wurde die ursprüngliche Bemalung freigelegt: weißgrauer Grundton, auf den 
Docken bläuliche Blattmalereien, an der Sockelzone Girlanden. Um 1786. 

5. Orgel, auf der Empore. Fünf Achsen mit überhöhter Mitte. Bemalung 
weiß und gold. 1881 gebaut, wohl mit Anlehnung an die Form des ehe- 
maligen barocken Prospektes, von dem noch die beiden Engel über den Eck- 
türmen stammen (i. Hälfte 18. Jh.?). Mechanisches Werk von Furtwängler, 
Elze. 

6. Zwei Beichtstühle in den Westecken des hohen Chores. H. 1,95 m; 
B. 2,53 m. Tanne, neu weißgrau gestrichen. Dreiteilig mit geschweiften 
Zwischenwänden und Seiten wangen. Flach überdeckt. Vasenaufsatz. Ende 
18. Jh. 

7. Chorschranke. Holz, braun gestrichen. Diagonale Kreuzverstabung. 
Anfang 19. Jh. 

8. Gemalter Altaraufsatz (?): Christus, von Maria betrauert unter 
dem Kreuz. Auf der Empore (außer Benutzung). H. 3,30 m; B. 2,15 m. 
Öl auf Leinwand. Graubraune Farbstimmung. Gemalte Rahmenleiste; an 
den leicht eingeschwungenen Seitenrändern und an dem bogenförmigen oberen 
Abschluß ausgesägte Brettstreifen mit Blumenmalerei und bekrönender 
Muschel. 

Gemälde in der Kirche. Öl auf Leinwand. 

9. Anbetung der hl. drei Könige; an der Ostwand. H. 1,24 m; 
B. 1,33 m. Hauptfiguren in Anlehnung an Rubens' Gemälde in Paris, Louvre. 
Dunkle, schwere Farben, Am unteren Rand Stifterinschrift: D. Melchior 
Levinus Bösen dedit anno i6j2 mit Wappen. Alter Rahmen. 

10. Hl. Ignatius v. Loyola, auf der Empore. H. 1,86 m; B. 1,13 m. 
Stehend mit goldgestickter, weißer Casel. Stifterinschrift: Helmuth Joachim 
a Lehsten Wardow Dolitz Boddin B (?) 1673 (?), darüber das Wappen. 

11. Hl. Franz Xaver, ebendort. Gegenstück. Stifterinschrift: Christ. 
Henr. Thomas ex Binderlage synt (?) 16 j6 mit Wappen. 

12. Immakulata, an der Südwand. H. 1,395 m; B. 0,965 m. Grau- 
weißliche Farben. Wolkengrund. Alter Rahmen. Um 1700. 

13. Verkündigung, an der Nordwand. Siehe Nr. i. 

Gemälde im Pfarrhaus. Abgestellt und zumeist stark verstaubt; 
kleinere Beschädigungen. Öl auf Leinwand, abgesehen von Nr. 14. 

14. Beschneidung Christi (Taf. 46c). H. 1,63 m; B. 1,20 m. Tempera 
auf Eiche, mit Kreidegrundierung. Volkreiche Szene im Inneren des Tempels, 
der als Phantasiekirche in gotischen und Renaissanceformen dargestellt ist. 
An den Seiten Emporen, im Hintergrund Durchblick in das Allerheiligste 
— den Chor — mit der Bundeslade. Kühle, ins Graue spielende Farben, 
blau, grün, violett, rot. Über der Beschneidungsgruppe ein grün und violetter 
Baldachin. Farbe teilweise abgeplatzt. Um 1600. 

15. Erbärmdechristus. H. 1,48 m; B. 1,30 m. 2. Hälfte 17. Jh. 

16. Verkündigung. H. 1,24 m; B. 0,82 m. 2. Hälfte 17. Jh. 

17. Hl. Hieronymus büßend, in Landschaft. H. 0,86 m; B. 1,01 m. 
Aus Wolken bläst eine Posaune zu dem Heiligen herab. Ende 17. Jh. (?). 



POPPENBURG 191 

i8. Hl. Johannes Nepomuk. H. 0,795 m; B. 0,635 "i. Vor dunkler 
Wand stehend; unter ihm krümmt sich der Teufel, über ihm ein Engel mit 
Lorbeerkranz, i. Hälfte 18. Jh. 

Plastik. Holz. Leichte Beschädigungen; Nr. 19 und 20 wurmstichig. 
Gegen Mitte 18. Jh. 

19. Hl. Agathe, auf der Orgelempore abgestellt. H. 1,13 m. Grauweiß 
bemalt. 

20. Hl. Antonius v. Padua mit dem Jesuskind; ebendort. H. 0,77 m. 
Grauweiß bemalt. 

21. Kruzifix. Korpus H. 0,365 m. Neu weiß bemalt; Kreuz, Tanne, 
schwarz gestrichen. 

22. Gefallenenehrung (1914 18) am Sockel einer Herz-Jesu-Statue. 
Altargerät. 

23. Kelch (Taf. 25g). H. 16,5 cm; 13,6 cm. Silber; Vergoldung er- 
neuert. Sechspaßfuß mit senkrechter Zarge, auf der ein Zickzack-Muster 
graviert ist. Aufgenieteter Kruzifixus vor graviertem Kreuz. Wulstnodus mit 
Rotuln, darauf durchbrochen aufgelötete Kreuzblüten. Lanzettförmige 
Zwischenfelder mit graviertem spätgotischen Maßwerk (Fischblasen). Die 
Schaftstücke sind ähnlich graviert. Unter dem Fuß in Kapitale: Hu(n)c 
calice(m) a partu virginis almifico 1540 frfatrjis Joan(n)is patrimonia (! 1 
Kelpa deder(u)nt (die Familie Kelpe ist nach den Kirchenbüchern im 17. und 
18. Jh. in P. bezeugt. Frdl. Mitt. des Herrn Pastors). — Patene. 13,5 cm; 
ebenfalls neu vergoldet. 

24. Kelch. H. 19,7 cm; 14,5 cm. Kuppa, Silber, die unteren Teile 
Kupfer; im ganzen vergoldet. Sechspaßfuß mit Spitzen in den Ecken. Zwölf- 
eckiger Wulstnodus mit rotuliartigen Abflachungen. Schaftstücke in Form 
gekehlter Ringe. 2. Hälfte 17. Jh. (?). — Patene. 14,5 cm. Silber ver- 
goldet. 

25. Kelch. H, 19,5 cm; 12,5 cm. Zinn. Runder Fuß, Ringnodus. 
Engelsstempel E. Block Tinn, Jobst Lu(dw.) Flegel (undeutlich), 1725 (Liste 
n, 17). Um 1800. 

26. Monstranz. H. 53 cm; B. 30 cm. Silber, teilvergoldet. Querovaler 
Fuß mit verschiffener Sechspaßgliederung, darauf getriebenes Bandelwerk. 
Birnförmiger Nodus mit Akanthusblattkragen. Am Schaft darunter ein er- 
haben geriefter Halbwulst, darüber ein entsprechend ornamentiertes volles 
Wulstglied. Letzteres trägt einen in Silberblech gepreßten Kranz, der aus 
Akanthusvoluten, Engelhalbfiguren mit einem Ähren- und einem W^ein- 
traubenbüschel, kleineren Engeln mit Palmwedeln und Engelsköpfen zusammen- 
gesetzt ist und in einer Bügelkrone endigt. Innerhalb des Kranzes die hoch- 
ovale Ausstellungskapsel mit Strahlenrahmen. Auf der Rückseite ist die 
Zeichnung des Kranzes gestichelt. Hildesheimer Beschau 1705; Meister 
PIS (Liste I, 11). Um 1730. 

Leuchter. 

27. Zwei Paar. Messing. Runder, flacher Fuß; Doppelbalusterschaft über 
einem Wulstring, a) H. 44 cm; 19 cm. Am Fuß: Dfowinus) Melchior 
Levinus Bösen a(nn)o 16 j 4; b) H. 41 cm; 18 cm. Am Fuß: Burchardus 
Danhausen. Maria Magdalena Wevers . d(e)d(erunt) a(nn)o 1674. 

28. Ein Paar. H. 27,5 cm; 15,5 cm. Messing. Ähnlich Nr. 27, jedoch 
mit hochgewölbtem, mehrfach profiüertem Fuß. Daran a) Johann Senthien 



192 POPPENBURG 

Heithausanus anno i6j4; b) Johan Willerding. Elisabeth Nagel coniuges anno 

29. Osterleuchter. H. 69,5 cm; :' 30 cm. Messing. Ahnlich Nr. 28. 
Am Fuß: Melchior Levin Bösen, Anna Margaretha Weher 1687. 

30. Ein Paar. H. 15,5 cm; y 12 cm. Zinn. Runder Fuß; Schaft mit 
kantigem Birncnghed; Tülle. Hildesheimer Beschau (16) 49, doppelt; Meister- 
stempel CF mit zwei Tauben auf einem durchbohrten Herzen unter einer 
Krone (Liste II, 7). Um 1700. 

31. H. 18 cm; 12,5 cm. Zinn. Runder, leicht geschweifter Fuß, Keulen- 
schaft, Tülle. Verzierung durch wellenförmig hochgeführte Gratpaare. 
Engelsstempel 1771? (verdrückt). Um 1775. Lötstelle am Schaft. 

32. Ein Paar. H. 15,5 cm; 12 cm. Zinn. Runder Fuß; mehreckiger 
Säulenschaft. Stempel: Engel in Säulenarkade; A. Besogm (?) 1799; London 
(Liste II, 20).' Anfang 19. Jh. Beschädigt. 

33. Ein Paar. H. 18,5 cm; 11 cm. Zinn. Entsprechend Nr. 32 mit 
zylindrischem Schaft. Stempel von Elze, mit den Figuren Petri und Pauli 
und den Initialen AB (Liste II, 2). Anfang 19. Jh. 

Liturgische Gewänder. 

34. Casel (Taf. 46a). H. ca. i m. Weißer Brokat; Muster vornehmlich 
weiß, Silber, hellgrün: Spitzovalfelder in versetzter Reihung mit großen, stili- 
sierten Blattbüscheln auf glattem und weißpunktiertem Grund. Silberborte. Am 
unteren Rande aufgenäht ein weißes Seidenrechteck mit bekröntem Alliance- 
wappen von Fürstenberg — von Hochsteden. Mitte 18. Jh. 

35. Casel. H. 1,09 m. Violetter Brokat mit Gittermuster aus weißen 
Spitzenstreifen; in den Gitterfeldern gestickte bunte Blumensträuße. Silber- 
borte. Um 1800. Zubehör vorhanden. 

36. Casel. H. 1,05 m. Violetter Seidenrips. i. Hälfte. 19 Jh. 

37. Casel. H. 0,985 m. Moosgrüner Seidenrips. i. Hälfte. 19. Jh. 

38. Pluviale (Taf. 46d), jetzt in Privatbesitz. H. 1,35 m. Weißer Brokat. 
Muster: vorwiegend gelb, rot, blau, grün. Zwischen Raupenbändern große 
Diestelblütenbüschel mit Weintrauben. Die Kappa ist zum Ausbessern schad- 
hafter Stellen verwandt worden. 3. Viertel 18. Jh 

39. Zwei Antependien für den Hochaltar, auf der Orgelempore. H. 
I m; B. 2,10 m. Öl auf Leinwand, a) In einem mittleren Ovalmedaillon die 
hl. Familie auf der Wanderschaft. Beiderseits Gittermuster weiß auf grauem 
Grund mit goldenen Ranken und Blättern in den Gitterfeldern, b) In einem 
entsprechenden Mittelmedaillon drei Halbfiguren im Fegfeuer, über ihnen 
Kelch und Hostie. Beiderseits Stabmuster, weiß auf schwarzem Grund. Um 
1800. 

40. Weihwasserschale, an der Osttür. H. 21 cm. Zinn. Anfang 
19- Jh. 

41. Weihwasserkessel, neben der Nordtür. H. 25,5 cm; 18 cm. 
Messing, i. Hälfte 19. Jh. 

42. Prozessions figur: Hl. Anna mit dem Marienkind (außer Gebrauch). 
H. 1,165 ni- Gesichter und Hände, 18. Jh., beschädigt. Kleidung 19. Jh. mit 
Silberspitzenborte. Szepter und Krone Silber. Hildesheimer Beschau (un- 
deuthch); Meister EHM. (Liste I, 13). — Zu dem ehemaligen Schmuck der 
Figur gehören zwei silberne Gedenkmünzen (Taf. 26c, d): a) auf der Vorder- 
seite Maria im Strahlenkranz auf der Mondsichel, Umschrift: Gloria tibi 



POPPENBURG 193 

domine qui nat(us) es de virgine; auf der Rückseite das Amts- und das Familien- 
wappen des Auftraggebers mit Jahreszahl 1606 ; Umschrift : Johannes Conradus 
d(ei) g(ratia) episcopus Eystetensis. b) Auf der Vorderseite der Hl. Antonius 
V. Padua mit dem Jesusknaben. Bekrönt von der Mutter Gottes, auf der Rück- 
seite das Amtswappen und (als Herzschild) das Familienwappen des Auftrag- 
gebers mit der Jahreszahl 168$; Umschrift: Herman Werner dfei) g(ratia) 
ep(iscopu)s Paderh ( orniensis ) s(ancti) r(omani) i(mperii) princeps icomfes) 
Pyrm(ontii) praepos(itus) Hildes (iensis) et l(iber) b(aro) Wolff Metternich. 

43. Vortragekreuz. Kruzifixus. H. 0,185 rn- Eiche. Mitte 18. Jh. 
Kreuz erneuert. 

44. Vier Fahnenstangen mit Kreuzendigungen. 18. /i 9. Jh. 

45. Hocker. H. 0,495 m. Holz, grau gestrichen, roter Lederbezug. 
Ende 18. Jh. 

46. Zwei Glocken, a) 0,65 m. Königlich Grossbritannisch Hannoversche 
Domainen Cammer. Gegossen von S. A. Lampe, Hildesheim, 1825; b) Radler, 
Hildesheim, 1928. 



WIRTSCHAFTSGEBÄUDE. 

Schaf meist er ei; nördlich vor dem Burghof. Ehemals Wohnung für den 
Geistlichen der Schloßkapelle. Zweigeschossig; Fachwerk mit frisch ge- 
putzten und geweißten Gefachen. Acht Fächer lang, fünf Fächer breit. Die 
nördlichen drei Fächer sind um ein Fach verbreitert, mit besonderer Ober- 
geschoßschwelle; im übrigen gehen die Ständer bis zum Dach durch. Krüppel- 
walmdach mit erneuerter Pfannendeckung. Der Überstand über dem schmale- 
ren Südteil ist durch Kopfbänder abgestützt, i. Hälfte 18. Jh. 

Die große Steinscheune, an der südHchen Schmalseite des Wirt- 
schaftshofes. Nach Angabe des Kirchenbuches 1656 abgebrannt. Massiv 
Bruchstein. Hohes Satteldach, an der nordöstlichen Längsseite tiefer herab- 
geschleppt. An der Westschmalseite Wappen der Familie v. Quernheim mit 
den Initialen H. v. Q. und der Jahreszahl iS7i> darüber: renov(iert) 1818. 
Nach Bericht des Provinzialkonservators von 1904 war bis damals „auf - :5 der 
Länge dem alten Gebäude eine Tenne vorgebaut, welches voraussichtlich 
181 8 geschehen sein dürfte, als man das Gebäude zu einer Scheune eingerichtet 
hat. Dasselbe wird früher zu den Gebäuden der Unterburg gehört haben." 
Eine an der Leineseite vor der Scheune gezogene heute noch bestehende Bruch- 
steinmauer (H. 1,80 m; L. ca. 34 m; B. ca. 1,40 m) ist die Längswand der 
„vorgebauten Tenne" gewesen, die danach allerdings kaum im ganzen von 
1818 gestammt hat. Dagegen spricht auch eine wahrscheinhch aus dem Ab- 
bruch stammende Wappentafel mit stark bestoßenem Rand, die jetzt in die 
Nordseite der Scheune eingelassen ist; sie trägt die Inschrift: [He]idenrich van 
Ascheberch Inhaber des Hauses Poppenbo: 1^66. 

Die ehemalige Brennerei, jetzt Arbeiterwohnung und Speicher. Auf 
der Nordseite des Hofes an der Straße. Bruchstein mit Quaderverzahnung an 
den Ecken. Sechs Achsen lang, drei Achsen breit. Giebelfelder in Fachwerk 
mit verputzten Bruchsteingefachen. Krüppelwalmdach. Wappen des Bischofs 
Friedrich von Westphalen 1774. 

Zwei Scheunen, nördlich des geschlossenen Wirtschaftshofes, parallel 
nebeneinanderliegend. Fachwerk mit Bruchsteinausfachung, geputzt und 
geweißt. Um 1800. Die eine Scheune ist nachträglich verlängert. 

25 



194 POPPENBURG 

Kleiner Schuppen, nördlich des Wirtschaftshofes. Sehr unregelmäßiges 
barockes Bruchsteinmauerwerk. Der Bau enthält wohl Reste einer älteren 
Umfassungsmauer, von der weiter südlich noch ein ca. lo m langes, 1,50 m 
hohes, nordwest-südöstlich verlaufendes Stück erhalten ist, und die an dieser 
Stelle möglicherweise auf eine zweite, rechtwinklig dazu geführte Mauer auf- 
getroffen ist. 

Ehemaliges Wirts- und Zollhaus (?), jetzt Arbeiter wohnung; an der 
Leinebrücke. Zweistöckiger Fachwerkbau mit pfannengedecktem Walmdach. 
Das Obergeschoß ist etwas vorgekragt. Fünfzehn Fächer Front. Haustür 
innerhalb einer mehrfachigen Nische. 1 8. Jh. Zugehörige Wirtschaftsgebäude 
19- Jh. 

HAUS NR. 32. 

Zweistöckiger Fachwerkbau mit pfannengedecktem Walmdach. Recht- 
eckige und flachbogige Fenster. Über der Haustür: Johan Adolf es Ferdinand 
Grumberg, Maria Elisabeth Dübel 12. Maius 1742. — In der Umfassungsmauer 
des schräg gegenüberliegenden Grundstückes der Rest des Grabsteines des 
Stadtvogtes zu Elze [B. Danhausen] und seiner Frau Maria Magdalena Wevers, 
1691, mit Wappen und Hausmarke. 

ZWEI KREUZSTEINE (Taf. i6b) 

an der Landstraße von Elze nach Poppenburg (vgl. HofFmann); spät- 
mittelalterlich. 



RHEDEN 

Dorf. 3 km südlich von Gronau, am Fuße der Sieben Berge gelegen. 585 Ein- 
wohner. Haufensiedlung. Urkundlich ist R. zuerst erwähnt 1013 bzw. 1022 als 
Rethum im Gau Aringon (2; auch i); 1086 heißt es Redun (3), 1147 Reihen (4). Im 
Jahre 1068 wird es unter den ,, öffentlichen Kirchenparochien" aufgeführt, hat also 
um diese Zeit schon ein Gotteshaus gehabt. 1220 ist in einer Urkunde die Rede 
von einem Pfarrer, der Mutterkirche und dem Archidiakon in R. (5). Das Patro- 
natsrecht war nach dem von Lüntzel abgedruckten Archidiakonatsverzeichnis in 
den Händen eines Archidiakons, vermutlich desjenigen von Rheden. Wallenstedt, 
Heinum, Dötzum sind nach R. eingepfarrt. Brüggen, das ursprünglich auch dazu 
gehörte, wurde 1505 selbständig. 

Quellen: Sudendorf U. B. I 577, i — U. B. Hochstift Hildesheim I 68 S. 69 
Z. 4 (i), 69 S. 71 Z. 22 f. (2), III S. 108 Z. 19 (3), 243 S. 229 Z. 27 (4), 745 S. 699 
Z. 25, Z. 26 f., Z. 29 (5), 763 S. 715 Z. 10; II Register S. 661, 469 S. 226, 951 S. 476 f.; 
III Register S. 902, 122 S. 62, 970 S. 485, 1093 S. 538, 1452 S. 695; IV Register 
S. 922; V S. 940; VI S. 1106, 861 S. 586 f. — U. B. Stadt Hildesheim I 236 S. 118 
— Leiden und Schicksale S. v. Rhedens, im ,,Vaterl. Archiv d. hist. Ver. f. Ndrs. 
1841 — Verzeichnis der Einkünfte von 1542 in Kayser, Reformator. Kirchenvisi- 
tationen 226 — Registratur des Gemeindevorstandes; Archiv der evang. Pfarre; 
Gutsarchiv (vgl. Peters, Archivinventare S. 75 — 78) — Staatsarchiv Hannover: 
Originalurkunde mit Siegel des Pfarrers Ludolf von 1388, Domstift Hildesheim 
Nr. 1081 — Hannover Des. 83 Hann. II 4485: Rheden, Repar. der Kirche 1826. — 
Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 67 — Bertram I S. 28, 122, 224, 244, 250, 
261, 306 f. — Hennecke in ,, Unsere Heimat" S. 375, 379 f., 392, 403, 413, 418, 
420 f., 440 — Hennecke in Zs. d. Ges. f. nieders. Kirchengeschichte 1929, 188 — 
Jahresberichte 1914 15 — 1918/19 — Lauenstein S. 288 f. — Lüntzel, Alt. Diözese 
S. 132, 143, 287, 434 — Meier, Die roman. Portale S. 62 — Mithoff III S. 216 — 
Mithoff, Zs. 1864 S. 333 f. — Sonne V S. 727 — Starcke S. 27 f. 



RHEDEN 



195 





Abb. 47. Rheden. Längsschnitt und Grundriß der Kirche. 



EVANG. PFARRKIRCHE. 

Ehemals vermutlich den Hl. Cosmas und Damian geweiht (vgl. Hennecke). 
Patronatsberechtigt ist die ortsansässige Familie v. Rheden. 

Einschiffige romanische Hausteinkirche. An den gegen Ende des 12. Jhs. 
errichteten Westturm ist Schiflf und Chor anscheinend nur wenig später, im 
I. Drittel des 13. Jhs. angefügt worden. Die ursprüngHche halbrunde Apsis 
ist 1610 durch einen dreiseitigen Chorschluß ersetzt. Im 14. 15. Jh. sind die 
Turmgiebel erneuert, im 18./19. Jh. die Fenster teilweise neu gebrochen oder 
verändert. — Lage. Die Kirche liegt auf einem nach Osten zu stark ansteigen- 
den Gelände, am Ostrand des Dorfes, unmittelbar unterhalb des v. Rhedenschen 
Gutes. Auf dem gegen die Straße durch eine Bruchsteinmauer abgestützten, 
eingeebneten Friedhof zwei Denkmäler für die Gefallenen von 1870 71 und 
1914 — 18. 

ÄUSSERES (Taf. 48a). 

Die romanischen Mauern zeigen sorgfältig gefügtes Quaderwerk (vor- 
wiegend Kalkstein) ; das Format der Quader wechselt, am Turm sind gegenüber 
dem Schiflf etwas häufiger ausgesprochen flache Steine verwandt; die Eck- 
blöcke sind besonders gleichmäßig und gut verpaßt. Das Mauerwerk des 



196 



RHEDEN 



barocken Chorschlusses ist demjenigen der ursprünglichen Teile angeglichen 
— die Quader der abgebrochenen Apsis sind augenscheinlich zum Teil wieder 
verwandt worden — , jedoch ist es weniger sorgsam ausgeführt. Die romanischen 
Gesimse, die Gewände der Chortür, die Schallochsäulchen sind in Sandstein 
gearbeitet. Der Turm ist unverputzt, abgesehen von den in unregelmäßigem 
Bruchsteinwerk gotisch veränderten Giebeln. Bis in halbe Höhe ist er von 
dichtem Efeu eingesponnen, der auch die Südseite von Schiff und Chor bis 
fast an die Scheitel der Fenster überzieht. Oberhalb der Fenster sind die 
Wandflächen dort verputzt (19. Jh.); entsprechend deckt auch auf der Nord- 
seite der Verputz vor allem die obere Hälfte der Mauern. 





Abb. 48. Rheden. Nördliches 
Schalloch an der Ostseite des 
Turmes. M. 1:40. 



Der breitrechteckige Turmkörper setzt über einem Sockel mit einfachem 
Absatz und Schrägprofil auf und wird in etwa halber Schiffshöhe durch einen 
flachen Rücksprung gegliedert. Die Schmalseiten endigen in Giebeln, die 
ursprünglich verhältnismäßig stumpf, im 14. 15. Jh. spitz überhöht worden 
sind. Sie werden von Kreuzsteinen mit Nasenansätzen bekrönt; die schräg 
profilierten Ansatzsteine sind romanisch. Das Glockengeschoß zeigt auf den 
Breitseiten je zwei, auf den Schmalseiten je eine gekuppelte, rundbogige Schall- 
öffnung mit wechselweise roten und weißen Bogensteinen. Die Teilungs- 
säulchen haben attische Basen mit ungewöhnlich starken unteren Wulst- 
profilen und flacher Kehlung sowie trapezförmige Würfelkapitäle mit ge- 
drehten Eckstäben und teils eingeritzten, teils flach reliefierten Kreuzen, 
Blattranken und Spiralornamenten (Lebensbäumen). Über den Säulchen 
flach gekehlte Sattelsteine mit Wulstprofilen an den Stirnkanten. In den 
Kehlungen an zwei verschiedenen Stellen männliche Rehefmasken. In den 
übrigen Geschossen Lichtschlitze. Ein rechteckiges Fenster im Emporen- 
geschoß nach Süden und je ein rundbogiges Fenster im Erdgeschoß der Süd- 
und Nordseite sind nachträglich gebrochen bzw. erweitert (19. Jh.). In der 
Mitte der Westseite eine rechteckige Tür mit mächtigem Sturz; darüber eine 
Blendlünette (s. die Abbildung bei Mithoff; am Bau selbst sind Sturz und 
Lünette unter der Bewachsung kaum zu erkennen; die Gewände sind neu ver- 
putzt). Im oberen Teil der Wände finden sich vor allem auf der Westseite 
mehrere unregelmäßig über die Fläche verteilte Reliefs, die stilistisch den 
Köpfen an den Sattelsteinen der Schallöffnungen entsprechen (Abb. 49; 
Taf. 49 a, c — h); es sind nach frdl. Mitteilung von Herrn Kreispfleger Barner, 



RHEDEN 



197 



Alfeld, der auch die betreffenden Photographien und Zeichnungen zur Ver- 
fügung gestellt hat, im Westen von oben angefangen eine Hand, ein männlicher 
Kopf, eine Schlange, zwei zusammengewachsene, fast vollrund ausgearbeitete 
Köpfe, ein weiterer unbärtiger Männerkopf, ein Löwe in flachstem Relief mit 
vertieften Umrißlinien, ein Frauenkopf zusammen mit einer Teufelsschlange 
und einem bärtigen Männerkopf (zweifellos also eine Darstellung des Sünden- 
falles) ; auf der Ostseite auf einem Quader der Nordostecke in mittlerer Dach- 
höhe ein Christuskopf mit Kreuznimbus, in den die griechischen Buchstaben 
A und Q eingeschrieben sind; auf der Südseite neben dem Schalloch ein 
kuckucksartiger Vogel. Die Deutung des ganzen Darstellungszyklus steht 
bislang offen. 






r 



Abb. 49. Rheden. a. Relief an 
der Südseite des Turmes; nacli 
einer Zeiclinung von Kreispflegei' 
Barner, Alfeld, b. Die Westseite 
des Turmes (obere Hälfte) mit 
den darauf verteilten Reliefs. 
M. 1:150. Umzeichnun« nach 
einer Photographie von Kreis- 
pfleger Barner. 




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Das dreiachsige Schiff schHeßt bündig an den Turm an, ohne daß es mit 
ihm im Verband steht. Das breite, aus einer Schräge, einer Stufe und einem 
Wulst zusammengesetzte Sockelgesims liegt etwa o,8o m über demjenigen des 
Turmes. Ein profiliertes Dachgesims fehlt; zwischen den vorspringenden 
Balkenköpfen sind Füllbretter eingesetzt. Die ursprünglichen, hochliegenden 
Rundbogen-Fenster sind nur noch in den ersten beiden Achsen der Nord- 
wand erhalten (etwas vergrößert?), das dritte Nordfenster ist bei der Anlage 
eines barocken Priechenaufganges zugesetzt worden. Die rundbogigen Fenster 
der Südseite sind nachträglich anscheinend etwas tiefer gerückt und sowohl 
nach unten erheblich verlängert als auch etwas verbreitert worden (i. Hälfte 
19. Jh.). In der ersten und dritten Achse der Nordseite sind am Mauerfuß 
zwei zugesetzte Rundbogen sichtbar (Scheitel des westlichen Bogens etwa in 
Brusthöhe); der Mauersockel ist an diesen Stellen ausgebrochen. Nach Mit- 
hoff gehören beide Bogen einem nachträglich vorgerichteten Grabgewölbe 
an, das freilich weit in den Kirchenraum hineingeragt haben muß (für 
einen außen angelegten Gruftanbau sind keine Anzeichen vorhanden). Die 



20 



198 RHEDEN 

Anlage stammte wahrscheinlich aus dem i6. Jh.; der östliche Bogen ist später 
durch den barocken Priechenaufgang von 1681 wieder halb verdeckt worden. 
Der Aufgang ist in Quadern aufgemauert. Geländer aus schmiedeeisernen 
Stangen; über der rechteckigen Priechentür das v. Rhedensche Wappen inner- 
halb einer ovalen Blatt- Quastenschnur mit flankierenden Putten und krönen- 
dem Puttenkopf; auf einem Spruchband darunter in ausgesparter Kapitale: 
Hartzvig Jobst v. Rehden 1681. — Der dreiachsige Chor ist etwas niedriger 
und schmaler als das Schiff. Der Schiffssockel ist weitergeführt; auf der Süd- 
seite verschwindet er in dem ansteigenden Boden. Die Ansatzstücke des ur- 
sprünglichen, steinernen Dachgesimses am Giebel zeigen eine ganz flache 
Kehlung mit einem Wulst unter der oberen Kante; im übrigen sind die Dach- 
balkenköpfe sichtbar; Füllbretter fehlen. Im Westteil der Nordseite liegt ein 
rundbogiges Portal mit skulpiertem Tympanon (Taf. 47a). Die Gewände 
aus genau aufeinander gepaßten Quadern haben einen einfachen Rücksprung; 
in die äußeren Ecken sind Viertelsäulchen eingelegt mit attischen Basen (flache, 
breite Kehlung; bestoßen) und palmettenverzierten Kapitalen. Tympanon mit 
doppeltem Rahmenwulst; im Binnenfeld in sehr kräftigem Relief das Lamm 
Gottes, auf einer zweihügeligen Bodenwelle stehend, rechts davon ein senk- 
rechter Arm mit segnender (?) Hand (Johannes der Täufer?, Gottvater?), 
links ein palmettenartiger Baum. Die beiden in der vorderen Reliefebene be- 
findlichen Beine des Lammes sind abgebrochen. Über die Darstellung auf der 
Rückseite des Tympanons vgl. die Beschreibung des Kircheninneren. Der 
eichene Türflügel ist mit breitköpfigen Nägeln beschlagen; Türgriff mit kreis- 
förmiger, gezackter Kragenplatte (17. J. ?). Nahe der Nordostecke ein rund- 
bogiges Fenster, niedriger und etwas tiefer liegend als die nördlichen Schiffs- 
fenster (ob ursprünglich auch über dem Portal und in der Mitte der Nordwand 
Fenster vorhanden waren, ist unter dem Verputz nicht zu erkennen). Auf der 
Südseite drei entsprechende Fenster, im unteren Wandteil zwei breitrecht- 
eckige Fenster des 18. Jhs. — Der Chors chluß ist dreiseitig gebrochen und 
springt gegen den rechteckigen Chorteil leicht ein. Er schließt an die Mauer- 
ansätze der ursprünglichen, halbrunden Apsis an, von der ein Fundamentrest 
auf der Nordseite noch sichtbar ist. Hohe, zweiteilige Spitzbogenfenster mit 
schmalem Mittelpfosten sowohl auf den Schrägseiten wie auf der Ostquer- 
seite (hier zugesetzt). Über dem Nordwestfenster eingehauen: A(nn)o MDCX 
WOP ( — Warnerus Oporinus? vgl. Ausstattung Nr. 8). — Pfannengedecktes 
Satteldach, im Chor mit niedrigerem First und Abwalmungen gegen Osten; 
im Schiff über dem Priecheneingang als Regenschutz tiefer herabgezogen. 
Kehlbalkenkonstruktion mit mittlerer Unterstützung (1826 erneuert). Über 
dem Turm ein querliegendes Satteldach mit Sandsteindeckung. 

INNERES (Taf. 48b). 

Die einzelnen Raumteile, Turmvorhalle, Schiff, Vorchor und Chorhaupt 
sind durch große, fast bis zur Decke reichende Rundbogen miteinander ver- 
bunden und sämtlich mit flachen Balkendecken versehen. Die Turmhalle ist 
jetzt außerdem noch durch die Ausstattung (Empore, Gestühl) eng mit dem 
Schiff zusammengeschlossen; durch die barocke Empore wird sie zweigeschossig 
unterteilt. Der Chor ist gegenüber dem Schiff um drei Stufen erhöht; die 
Decke liegt etwas niedriger und ist im Vorchor durch einen Längsunterzug 
verstärkt. Am Chorbogen ist der an den beiden entsprechenden anderen Bogen 
nicht mehr vorhandene Kämpfer erhalten in Form einer breiten Platte mit 
abgefaster unterer Kante. Die Rückseite des Tympanons des Chorportals 
zeigt unter der Kalkschlemme Reste eines abgearbeiteten Reliefs: eine 



RHEDEN 199 

langgekleidete Gestalt (Christus) in kreuzförmiger Haltung (von dem Kreuz 
selbst sind keine Spuren mehr (?) zu erkennen). Anscheinend handelt 
es sich um eine schon bei dem Bau der Kirche verworfene Dar- 
stellung. Die Plattenfläche ist nicht gerahmt. Unmittelbar hinter dem Chor- 
hauptbogen finden sich noch die Ansatzstücke eines zu der romanischen Apsis 
gehörigen Kämpfers unterhalb der ehemaligen Kalotte mit flacher Kehlung 
und gedrehtem Wulst. Über dem Ostfenster ein queroblonges Feld, umgeben 
von einer mit Modeln in Stuck gepreßten Ornamentrahmung und mit der In- 
schrift: MHR Anno 1611; oben am Fensterpfosten die eingehauene Jahres- 
zahl 1610, an den beiden seitlich anschließenden Fenstern entsprechend 1898 
(Datum einer Renovierung). Decke und Wände der ganzen Kirche sind ver- 
putzt und geweißt. An den Deckenbalken des Chores Ornamentfriese (Wellen- 
bänder, Rosetten, Muschelformen; Taf. 34 e) in der gleichen Technik wie das 
Inschriftfeld der Ostquerseite von 161 1. In den Deckenfeldern dazwischen, 
längs der Chorhauptfenster und vor allem an Chor- und Apsisbogen gleich- 
zeitige, freilich stark retouchierte dekorative Malereien: Rollwerkmotive und 
Blattstreifen; an der Stirnwand des Chorbogens außerdem eine Inschrift- 
kartusche (Jes. 6,3) mit beiderseits Putten; in den Bogenleibungen runde und 
übereck gestellte quadratische Medaillons. Die übrige Ausmalung ist modern 
(1898?); Akanthuswerk in den Fensterleibungen und der Sockelzone des 
Chorhauptes; geometrische Ornamentstreifen an den Deckenbalken des 
Schiffes; graue Sockelzone. Bodenbelag Sandsteinplatten, im Chor Bohlen. 
Wappenfenster, Stiftungen der Patronatsfamilie im 19. und 20. Jh. Die Grüfte 
unter der Kirche sind unzugänglich. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung Ende 19. Jh. 

I. Altar. H. 5,76 m; B. 3,88 m. Tanne und Linde. Bemalung schwarz, 
weiß, gold, dazu braun und blau an den Statuen. Eingeschossiger architek- 
tonischer Aufbau. Zu Seiten eines rundbogigen Mittelbildes über Akanthus- 
konsolen zwei gedrehte, mit Weinlaub umwundene Säulen, darüber ein ver- 
kröpfter Segmentgiebel, bekrönt von einer Figur Christi mit zwei ehemals wohl 
Palmwedel haltenden Begleitengeln. Im Bildfeld eine mehrfigurige Kreuzigung 
einschheßhch der Schacher, der Magdalena und des Longinus mit dem Knecht 
zu Pferde; Öl auf Leinwand; stark nachgedunkelte Farben, in den Gewändern 
vor allem blau, rot, ocker, braun und weiß. Vor den Seitenteilen links Moses, 
rechts Johannes der Täufer (die Figuren haben keine Phnthen und treten mit 
dem einen Fuß über den Sockel heraus ins Leere; der Fuß von Moses ist 
nachträghch abgestützt). Auf den Gebälkendigungen flammende Kugelauf- 
sätze. Anschwünge aus großlappigem Akanthus mit eingefügten Putten und 
Blütengirlanden. In der Predella queroblonges Bild des Abendmahls, Öl auf 
Leinwand, ebenfalls stark nachgedunkelt. Innerhalb des Giebelfeldes das 
Wappen des Stifters Erasmus v. Weltze mit einem von fliegenden Engeln ge- 
haltenen Namensband. Beiderseits des Altares Türen mit durchbrochen ge- 
schnitzten AkanthusfüUungen in der oberen Hälfte. Über den Türstürzen 
bekrönte Akanthuskartuschen mit dem Spruch Ps. 26, 6. 7. 8. (Kronen ergänzt). 
Anfang 18. Jh. — Mensa. H. 1,22 m; B. 1,54 m; T. bis zur Rückwand 
1,05 m. Aus Sandsteinquadern aufgemauert. Die Deckplatte ist aus zwei 
Stücken zusammengesetzt, der vordere Teil (T. 0,665 m) ist die mittelalter- 
liche, bei der Wiederverwendung innerhalb der barocken Anlage überarbeitete 
und mit einem neuen Wulstprofil versehene Mensaplatte (die Reliquiengrube 
und ein Weihekreuz sind noch erhalten). — Altarschranken, zugehörig zum 
Altar. An den Pfosten geschnitzte Akanthus-, Blüten- und Weintrauben- 



200 RHEDEN 

dekoration; auf den Wandungen die Texte i. Corinth. ii, 28, Math. 7, 6, 
Chrysostom. Homil. 85 in Matth., Joh. 6, 54 (weiß auf schwarzem Grund^ 
erneuert). 

2. Taufe. H. 1,02 m; . 0,39 m. Bräunliches pohertes Holz (Eschen- 
furnier?). Sechseckiger, von drei Beinen getragener Schaft, darüber ein eben- 
falls sechseckiger, gebauchter Kessel mit entsprechendem Deckel. Längs der 
Kanten und Ränder schwarz lackierte Leisten. Anfang 19. Jh. Nur der 
Deckel ist noch der ursprüngliche; alle anderen Teile sind nach dem alten 
Vorbild erneuert. 

3. Kanzel (Taf. 48b), an der Südseite des Chorbogens. H. über dem 
Schiffsboden 4,93 m. Tanne, Eiche (Profile) und Linde (Schnitzwerk). Be- 
malung rot und blau, weiß, gold. Der Korb schließt an die Südempore 
des Chores an und wird von einer korinthisierenden Säule getragen. Auf 
den fünf Wandungsseiten (H. 1,08 m) vor seichten, segmentbogigen Nischen die 
Figuren Christi und der Evangelisten; an den Ecken Akanthus-Fruchtschnüre. 
Weit vorkragendes Gesims. Schalldeckel mit gekehltem Gebälkfries, darin 
eingelegt die Jahreszahl /702; über dem Gebälkrand ein Kreuz und Akanthus- 
aufsätze. Der Deckelboden ist blau gestirnt mit dem Spruch 2. Petr. i, 19. 
Kreuz und Trägersäule sind erneuert (2. Hälfte 19. Jh.). — Auf der Brüstung 
ist ein Kruzifix befestigt (H. 0,805 m; Holz), neben ihm schwebt ein durch 
einen Eisenanker in der Chorbogenwand gehaltener Engel (Holz), der in der 
linken einen Kerzenarm (Messing, mit geschnittener Akanthusverzierung) 
trägt, mit der rechten an das Kruzifix faßt. Zugehörig zur Kanzel. 

4. Gestühl. Tanne. Bemalung blaugrau und rot (a), olivfarben mit blau- 
grauen und schwarzen Ornamenten (b — d). a) Offenes Gestühl im Schiff, 
18. Jh. b) Geschlossener Sitz unterhalb der nördlichen Chorempore. Auf der 
Wandung hochrechteckige Hauptfüllungen und querrechteckige Sockel- 
füllungen. 2. Hälfte 17. Jh. Die ersten drei Achsen mit vertieften Zier- 
feldern auf den Rahmenhölzern (ähnlich Nr. 5 d) sind anscheinend etwas älter 
als die letzten zwei Achsen und die Seitenwand mit der Tür. c) Geschlossener 
Sitz unterhalb der südlichen Chorempore. Tförmige Wandungsfüllungen; in 
dem als Sakristeiraum dienenden östlichen Teil sind die Wandungen bis zur 
Empore hochgeführt mit Dockenfüllungen im Oberteil. Anfang bzw. Mitte 
18. Jh. d) Geschlossene Sitze beiderseits vom Altar. Um 1800. 

5. Emporen und Patronatsprieche (Taf. 48b). Die Emporen liegen 
im Schiff in zwei Geschossen vor dem Turmbogen (der untere Emporenboden 
ist durch die ganze Turmhalle hindurchgezogen) und vor dem angrenzenden 
größeren Teil der Nordwand; daran schließt sich nach Osten bis zum Chor- 
bogen in Höhe der unteren Empore die verdachte Patronatsprieche und an 
diese, ein wenig erhöht, die nördliche Chorempore zwischen dem Chor- und 
dem ehemaligen Apsisbogen an; auf der Südseite entspricht der nördlichen 
Chorempore die Orgelempore. Eiche und Tanne; Bemalung entsprechend 
derjenigen der geschlossenen Sitze, a) Die untere Schiffs empöre der 
Westseite. Die Brüstung wird durch hermenförmige Pilaster mit Schuppen- 
musterung oder ausgeschnittenem und aufgeleimtem ( ?) Rankenornament ge- 
ghedert; zwischen ihnen befinden sich quadratische Füllungen; unter dem 
Fußgesims eine geschweifte Zierkante. Anfang 17. Jh. b) Die untere 
Schiffs empöre der Nordseite. Sie entspricht im wesentlichen der- 
jenigen der Westseite, Die Einzelformen sind jedoch etwas verändert; vor 
allem sind die Füllungen hochrechteckig, und dadurch ist das obere Abschluß- 
gesims höher hinaufgeschoben. Anfang 17. Jh. c) Die obere Schiffs- 



RHEDEN 201 

empöre. Gliederung der Brüstung durch Pilaster ähnlich wie bei a, mit je 
zwei hochrechteckigen Zwischenfüllungen. 2. Hälfte 19. Jh. d) DiePatro- 
natsprieche. Brüstung mit hochrechteckigen Haupt- und querrechteckigen 
Sockelfüllungen; auf den Rahmenhölzern vertiefte Zierfelder. Untere Zier- 
kante ähnlich wie bei a. Eichene Stützsäulen mit geschweiften Kopfstreben 
über den Kapitalen. Am Kopfstück und auf den Streben flach geschnitzte 
Rankenornamente und das v. Rhedensche Wappenrad (eine Strebe ist nach- 
träglich hinzugefügt, 19. Jh.). 1684 (Datum über der Außentür zur Prieche). 
Die Verdachung ist möghcherweise erst nachträglich (im 18. Jh.) hinzugefügt 
worden. e)Die nördliche Chorempore. Brüstungsgliederung wie bei der 
unteren Westempore im Schilf, jedoch mit einem durch Triglyphenstücke und 
querrechteckige Friesfelder verbreiterten Abschlußgebälk. An dem von zwei 
viereckigen Stützen getragenen Unterzug mit neu aufgemaltem Spruch Matth. ii, 
28 Konsolen und tauartig gedrehte Füllhölzer zu der vorgekragten Emporen- 
schwelle. Die sechs westlichen Achsen weichen von den fünf östlichen in 
Einzelheiten etwas ab. Anfang 17. Jh. f) Die südliche Chorempore. 
Brüstung mit hochrechteckigen Feldern. Der Unterzug mit den neu aufge- 
malten Sprüchen Matth. 5, 13 und Marc. 10, 14 ruht auf einem viereckigen 
Ständer sowie auf zwei Säulen mit geschweiften Kopfstreben und Sattel- 
hölzern. Anfang 18. Jh. 

1935 ist der Westteil der oberen Schiffsempore im Zusammenhang mit der 
Verlegung der Orgel auf die untere Westempore abgebrochen worden. 

6. Orgel, auf der südlichen Chorempore. Prospekt. H. ca. 3,65 m; 
B. 3,40 m. Eiche und Linde. Sieben Achsen mit polygonal vorspringendem, 
überhöhtem Mittelturm und ebenfalls polygonalen Seitentürmen. Die Zwischen- 
achsen steigen nach der Mitte zu leicht an. Akanthusschleier. Zu Seiten der 
Türme Blattschnüre; darunter freihängende Akanthuszapfen. Die mittelste 
Schaupfeife ist vielfältig gemustert, mit vergoldeter Maske am Anschnitt. 
Anfang 18. Jh. Die beiden Eckachsen sind nachträglich angesetzt; 
2. Hälfte 19. Jh. (Tannenholz; Schleier und Blattschnüre sind ausgesägt. 
Die Schaupfeifen versilbertes Holz.) — Mechanisches Werk von Furtwängler, 
Elze; gleichzeitig mit der Prospekterweiterung. 

1935 wurde die Orgel auf die Westempore versetzt und das Werk durch 
Faber & Greve, Salzhemmendorf, vergrößert. 

7. Epitaph des Hinrich v. Rheden Dtderichs seliger Son -f 1572 mantages 
nach reminissere und seiner Gemahlin Anna v. Oberg f 1568, 16. VHI.; an 
der Südwand des Schiffes (Taf. 46 b). H. mit Rahmen 1,93 m; ohne Rahmen 
1,48 m; B. ohne Rahmen 1,07 m. Tempera auf Eichenholz. Rundbogige Bild- 
tafel. Vor einem Kruzifix knieen vorn links der Verstorbene in schwarzem, 
pelzbesetztem Mantel und seine beiden Söhne, rechts seine Gemahlin in 
schwarzweißem Kleid, schwarzem Mantel und weißer Haube, neben ihr eine 
Tochter, ebenfalls schwarz und weiß gekleidet mit Netzhaube. Zwischen 
beiden Gruppen am Kreuzesfuß das v. Rhedensche und das v. Obergsche 
Wappen. Im Mittelgrund beiderseits des Kreuzes eine rotmarmorierte Balu- 
strade, darüber zwei Rollwerktafeln mit den Sprüchen Rom. 14, 7, 8 und Job. 
19, 25. In der Hintergrundslandschaft einzelne verstreute Szenen: Adam und 
Eva unter dem Baum der Erkenntnis, Moses auf dem Berge Sinai, das goldene 
Kalb, die eherne Schlange, Job, Johannes der Täufer mit Spruchband (Joh. 
I, 29), Christus als Überwinder von Tod und Teufel, das himmlische Jeru- 
salem und dahinter, auf einem Berg knieend, Johannes der Evangelist ( ?), auf 
welchen eine von Gottvater ausgesandte Hl. Geist-Taube zuschwebt. Land- 




202 RHEDEN 

Schaft grün mit blauen Bergen und gelblichem, in Blau übergehendem Himmel. 
In der besonders gerahmten Sockelzone unterhalb der Hauptfiguren die Namens- 
inschriften. Hinter derjenigen der Anna v. Oberg findet sich das 
nebenstehende Zeichen, das wahrscheinlich durch nachträgliche Über- 
malung aus dem Künstlerzeichen H mit links angestelltem Hammer 
verdorben ist (siehe das von der gleichen Hand stammende Epitaph 
in Oberg, Kreis Peine; Inventar Kreis Peine S. ii8). — Der Rahmen ist 
schwarz gestrichen. Ausbesserung längs einer Brettfuge rechts. 

Grabsteine. Sandstein. 

8. Warnerus Oporinus, Pastor in Rheden, f 1643. Eingelassen in die 
Südwand des Chorhauptes. H. ca. 1,63 m; B. 0,98 m; RT. ca. 0,03 m. Der 
Verstorbene kniet in Amtstracht vor einem Kruzifix. Umschrift auf dem er- 
höhten Rahmenstreifen in ausgesparter Kapitale (am unteren Rand durch die 
Gestühlslehne 'verdeckt): Warnerus Oporinus p(astor) eccl(esiae) Rhedenae 
quum vivus hoc monumentum poni cur(avit) . . . (in) Christo obdormivit a(nn)o 
Chri(sti) 164 j aet(atis) 72. In den oberen Ecken ovale Wappenfelder; links 
geteilt, oben ein unbärtiger Männerkopf mit flatterndem Stirnband, unten 
achtfach schräg rechts geteilt; rechts ein bekröntes P. 

9. Annav. Buchwaldt Erich von Reden s(elig) nachgelassen Witwe, f 16. .. 
Außen rechts neben der Chortür, etwas eingesunken. H. ca. 2,32 m; B. 0,99 m; 
RT. ca. 0,02 m. In der Mitte die Verstorbene in Witwenhaube und langherab- 
fallendem Gewand mit gefalteten Händen nach halblinks gewandt. In den 
Ecken die Wappen v. Bochwolt, v. Bulow, v. Hagenaw, v. Barkentin. Umschrift 
in ausgesparter Kapitale, teilweise unleserlich (abgetreten und verwittert). 
Das Todesdatum ist anscheinend nicht ausgefüllt. Anfang 17. Jh. 

10. Anna Margaretha von Weltze sehligen Herrn Julius Curt von 
Rehden Witwe, f 1686 im Alter von 82 Jahren 8 Monaten. Außen links neben 
der Chortür, etwas eingesunken. H. ca. 2,25 m; B. 1,16 m. RT. ca. 0,02 m. 
In der Mitte innerhalb eines queroblongen Feldes die Wappen der Familien 
V. Weltze und v. Gittelde. Darüber und darunter in ausgesparter Kapitale 
Namensinschrift und Leichtext Ps. 90, 10. 

11. Kronleuchter. H. ca. 0,60 m; o ca. 0,60 m. Messing. Zwölf 
Sförmig herabgebogene sechskantige Arme mit Astansätzen und mittleren 
Rankenschleifen in zwei Kränzen. Krönender Doppeladler, breitgequetschte 
Kugel, daran in Kapitale: Christian Brunotten von Wallensteden, Anno 168 1. 
Mehrere Teile, so die Ziervoluten zwischen den Lichterarmen und an einem 
Zwischenring und ein Lichterarm fehlen. 

12. Kronleuchter. H. ca. 0,55 m; ca. 0,55 m. Messing. Entsprechend 
Nr. II. Arme mit Muscheltellern; im oberen Kranz geperlte Zwischenvoluten. 
Hochgequetschte Kugel; daran in Kapitale: Herman Goldstein und Margaretha 
Bartels 171$. Eine Zwischenvolute und ein Arm fehlen. 

13. Kronleuchter. H. ca. 0,69 m; ca. 0,93 m. Messing. Typus von 
Nr. II. Flachovale Arme mit Fischmaulknoten; im unteren Kranz in der 
inneren Schlaufe Maskenscheiben. Auf der breitgequetschten Kugel in Kapi- 
tale: Hinreh Wekind, Margreta Schomakaers von Walenstede. 18. Jh. 

14. Wand arme. Schmiedeeisen, a, b) An der Patronatsprieche, in Angeln 
drehbar eingesteckt. Waagerecht Sförmig geschwungene gerundete Arme. 
In der Mitte des einen Armes ein Vogel, der bis auf einen angesetzten Fuß 
anscheinend ausgeschmiedet ist; T. 0,38 m. Der andere Arm ist aus zwei in 



RHEDEN 203 

Vögelköpfen ausgeschmiedeten Teilstücken zusammengesetzt; T. ca. 0,30 m. 
Wohl gleichzeitig mit der Prieche; um 1684. c) In der Turmhalle. 
Senkrechter Stiel mit angeschmiedetem Blattkelch unter dem Lichtdorn und 
drei entsprechenden Blütenzweigen; H. 0,40 m. Etwa gleichzeitig, d) In 
der Sakristei. Flachaufwärts gebogener Arm mit vorgenietetem Zierranken- 
werk. Ende 1 7. Jh. Der Arm steckt in einer an der Emporensäule befestigten 
hölzernen Hand. 

Altargerät. 

15. Kelch. H. 23,7 cm; er 16 cm. Silber vergoldet. Sechspaßfuß; urnen- 
förmiger Nodus über getriebenem Lorbeerblattring. Am Fuß ein aufge- 
nietetes Ovalmedaillon mit dem gravierten v. Rhedenschen Wappen, be- 
zeichnet: L(udwig) E(rnst) v. Rheden 1790. Feingehaltsstempel 12; Meister 
lAW (Liste I, 27). 

16. Patene. c? 14,3 cm. Silber vergoldet. Auf dem Boden graviert das 
V. Rhedensche Wappen mit der Umschrift: y(ohanne) Mfarie) v. R(heden) 
g(eh.) S(chwedge) A(nno) I7$2. In der Mitte der Oberseite nochmals das 
Wappen, vielleicht gleichzeitig mit einem um den Spiegel nachträglich auf- 
genieteten 2,7 cm hohen Gitterchen; um 1800. 

17. Oblatendose. H. 13,1 cm; c 9,5 cm. Silber. An der Wandung das 
V. Rhedensche Wappen mit den Initialen C(hristian) G(ünther) E(rnst) 
V. R(heden) 1752. Hildesheimer Beschau 1705, Meister IFM (Liste I, 21). 
Deckelkreuz, Messing, erneuert. 

18. Taufschale. Messing. 18. 19. Jh. 

19. Standkruzifix in der Sakristei (Taf. 30 d). Gesamt-H. 48,6 cm; 
H. Kreuz 24,1 cm; B. Kreuz 20 cm. Bronze. Das Kreuz ist eingelassen in 
einen balusterförmigen Schaft mit halbkugelig gewölbtem Fuß, der mit drei 
Löchern zum Anschrauben versehen ist. An einem scheibenförmigen Glied 
am oberen Schaftende ein Dorn für eine weitere Befestigung. Korpus mit stark 
vorgeneigtem Kopf; gegossen; Haare, Gesicht, Lendentuch sind nachziseliert. 
Kreuz und Korpus 2. Hälfte 15. Jh. Der Schaft ist nachträghch dazu 
gearbeitet. 17. Jh. (?) Vielleicht als Kanzelkruzifix gedacht. Der rechte 
Arm des Kruzifixus ist gebrochen und schlecht gelötet. 

20. Altarkruzifix (Taf. 51c). H. 42,5 cm; B. 33,2 cm. Korpus, Zinn 
versilbert. Um 1750. Verschiedentlich Brüche und Lötstellen. Sockel 
(Holz, schwarz lackiert). Mitte 19. Jh. Kreuz und Titulus neu. 

21. Zwei Altarleuchter. H. 25 cm; ö Fuß 14,1 cm. Messing. Viel- 
fältig profilierter, runder Fuß; nach oben sich verjüngender Schaft mit mitt- 
lerem Ring; tiefer Teller mit gezinntem Rand. Ende 16. Jh. 

22. Zwei Altarleuchter (Taf. 3oe). H. 48 cm; 0,25 cm. Messing. 
Runder, reich profilierter Fuß auf gestielten Plättchenunterlagen. Gleichartiger 
Balusters chaft. Auf dem Teller lose aufgesetzte, röhrenförmige Lichtman- 
schetten aus Messingblech (H. 12 cm) mit gezacktem Rand und gepunzten 
Ornamenten. Auf der Wandung die Initialen AEF mit dem Datum 1746. 

23. Altarbibelpult. H. 19,7 cm; B. 47 cm; T. 30,7 cm. Linde, weiß- 
rötlich marmoriert. Verzierungen in vergoldeter Flachschnitzerei. Blattschnüre 
und Akanthusranken. An der Rückwand zwischen Palmwedcln ein rundes 
Medaillon mit den verschlungenen Initialen G. C. v. J. (gold auf schwarzem 
Grund), beiderseits die Jahreszahl 1696. Aufsatzleiste der Rückwand mit 
erneuerten Farben, ergänzt (?). 



204 RHEDEN 

24. Opfers tock, hinter dem Altar. H. 1,03 m (ohne Einwurftrichter); 
B. 0,35 m; T. 0,30 m. Sandstein, grau gestrichen. Kurzschäftiger Pfeiler mit 
blockförmigcm Kopfstück; besonders gearbeiteter Sockel. Inschriften am Kopf- 
stück und auf den seitlichen Schaftwandungen in vertiefter Fraktur: Gebet:, 
so wirdt Euch gegeben, Luc. 11 V. 41, Luc. 6 V. 38, Matth. ^ V. y — i. Cor. 16 
V. 2, Prov. 3 V. 27, Heb. 13 V. 16; Sir. 14 V. 16, Psal. 41 V. i, Prov. 28 V. 27. 
Außerdem an der vorderen Schaftseite in Flachrelief eine offene Hand mit Bei- 
schrift in vertiefter Kapitale: Des Armen Handt ist Gottes Kasten, Prov. 19 V. 17. 
Die Schrift ist in Gold und Weiß hervorgehoben. Kupferner Einwurftrichter. 
Um 1700. 

25. Glocke. . 1,37 m. Am Hals ein Akanthuspalmettenfries. Die Flanke 
ist mit dünnen, paarweise angeordneten Ringstegen umzogen, zwischen denen 
mehrzcilige Kapital-Inschriften laufen: Auf der einen Seite der Glocken- 
spruch mit der Angabe . . . Durch Unglück bin ich nun zum andernmahl zer- 
sprungen, da erst 256 letzt 31 Jahr geklungen — /. A(nn)o 1678; 2. A(nn)o 

1709 Auf der anderen Seite unter dem v. Rhedenschen Wappen: Julius 

Casper, Ludwig Levin, Anthon Gottfried und Wilhelm Hardwig Gebrüdere von 
Rheden Erbherrn zu Rheden und Meinem; Jodocus Casparus Gieslerus Pastor 
Anno minist erii XXXVIII, Jacob Sievers und Hans Mollenhauer Altaristen. 
Am Wolm Ringstege; am Anschlag: Für die Gemeine zu Rheden, Wallenstedt, 
Heinem und Dötzem hat mich gegossen Christian Ludewig Meyer zu Braunschweig 
Anno 1709. 

26. Zwei Glocken, Ulrich, Apolda, 1929. 



GUT. 

Wie aus den Urkunden des v. Rhedenschen Archivs hervorgeht, war die Familie 
schon im 15. Jh. in R. begütert: 1435 trägt Ludelve v. Rheden von der Äbtissin von 
Gandersheim u. a. zwei Meierhöfe und acht Hufen Landes bei R. zu Lehen und 1464 
belehnt Graf Otto von Holstein und Schaumburg den Knappen Dyderich von Reden, 
des Henning Sohn, mit dem Haus Rheden, wo dieser und seine Vettern wohnen 
(vgl. Peters). Jetziger Besitzer: Landesbauernführer H. v. Rheden. 

Modernes Herrenhaus oberhalb der Kirche. An seiner Stelle befand 
sich ehemals ein zweistöckiger massiver Putzbau mit Walmdach in der Art des 
noch heute stehenden Verwalterhauses auf dem Wirtschaftshof. Über der 
Tür war nach Mithoff das Wappen des Ernst Ludwig v. Rheden mit der Jahres- 
zahl 1741 angebracht. — Der rechteckige Wir tschaftshof liegt nördlich vom 
Herrenhaus; Gebäude 18. Jh. — Im Park ein Gedenkstein mit Inschrift: 
A(ntonius) v. R(heden) 1^64 (s. MithoflF). — Die Besichtigung der Gutsanlage 
v/urde von dem Besitzer nicht gestattet. 



BAUERNHÄUSER. 

[Das Schwarzesche Haus. Zweistöckiger Fachwerkbau mit durch- 
gehenden Ständern und pfannengedecktem Satteldach. An der rückwärtigen 
Giebelseite nachträglich unter einem Walm zwei Gefache angebaut mit einer 
Tenne. Im Hause selbst ursprünglich außer Wohn- und Wirtschaftsräumen 
nur der Pferdestall. Eine Tür lag in der Mitte der vorderen Giebelseite. In- 
schriften: a) Härmen Graun Maria Bartems Anno Dominof!) 164g; b) Hans 
Brunotten. Kürzlich abgerissen. Die Inschriftbalken sind erhalten,] 



205 



SEHLDE 



Dorf. 5^2 ki^ nordwestlich von Gronau. 349 Einwohner. Haufensiedlung. 
Urkundlich heißt es 1272 Sevelt (2), 1356 Sevelde (5), 1359 und 1360 Seide (i, 3), 
1^10 Zelde (4). Ein anderer Ort gleichen Namens liegt im Kreise Marienburg. Sehlde 
und Eime wurden 1543 von dem Pfarrbezirk Elze abgetrennt. 

Quellen: Orig. Guelf. IV S. 504 Not. Nr. 39 (i) — Sudendorf U. B. I 73 S. 47 
Z. II (2) — U. B. Wülfinghausen 121 S. 83 f. (3), 162 S. 113 (4) — Urkunde, ab- 
gedruckt in Baring II S. 189 f. Cs) — Visitationsakten („Abscheidt dem Recht zu 
Else gegeben") in Kayser, Reform. Kirchenvisitationen S. 341, 359 f. — Registra- 
turen des Gemeindevorstandes und der ev. Kirche in Sehlde, auch der Pfarre in 
Eime (vgl. Peters, Archivinventare S. 78 f.; 49) — Staatsarchiv Hannover: Hann. 
Des. 83 Hann. II, 4970 Sehlde (Calenb.) Kirchenbauten 1741 — 1771. — Literatur: 
Baring I S. 242 f. — Hennecke in ,, Unsere Heimat" S. 383, 401, 402, 410, 420, 
436, 439 — Jahresberichte des Provinzialkonservators 1911 — 13; 1914 15 — 1918 19; 
1929 — Mithoff I S. 169 — Rudorflf, Zs. 1858 S. 305—307 — Sonne V S. 760 — 
Vogell, Zs. 1862 S. 383. 

EVANG. DORFKIRCHE. 

eingepfarrt nach Eime. Nach Hennecke („Unsere Heimat^') wahrscheinhch 
Johannes dem Täufer (siehe u. a. den Kelch in Eime Nr. 16) oder aber 
Maria geweiht. 

Einschiffige gotische Bruchsteinkirche. Der Westturm ist der älteste Teil 
des Baues, 13. /14. Jh.; das Schilf ist jünger, jedoch ebenfalls noch gotisch. 
Den heutigen Charakter bestimmt allerdings weitgehend ein Umbau von 
1770 (Mithoff und Vogell sprechen fälschlich von einem Neubau), auf den die 
Anlage der barocken Fenster und Türen, die Holzwölbung im Inneren und das 
heutige Dach zurückgehen. — Lage inmitten des Dorfes auf dem erhöhten, 
gegen die Straßen im Norden und Osten und gegen den Platz im Süden durch 
eine Bruchstein(stütz)mauer abgegrenzten Friedhof. 




Abb. 50. Sehlde. Grundriß der 
Kirche. 



ÄUSSERES (Taf. 41a). 

Das Mauerwerk ist verputzt, und zwar auf der Südseite des Schiffes mit Kalk- 
putz, Anfang 19. Jh. (stellenweise erneuert), auf der Nord- und Ostseite sowie 
am Turm mit Kalkspritzputz Ende 19. Jh. Gesimse, Tür- und Fenstergewände 
sind Sand Werkstein. — Der breitrechteckige Turm hat über den Schmalseiten 
Spitzgiebel mit gekehlten Ansatzprofilen. Im Glockengeschoß spitzbogige 
Schallöflfnungen (Gewände überputzt); in den unteren Geschossen Licht- 
schlitze, nach Norden eine rechteckige, nachträglich gebrochene Tür. — Das 
Schiff ist gegen Osten dreiseitig geschlossen. Die Ecken sind mit Sand- und 
Kalksteinquadern besetzt, zum Teil überputzt. Sockelgesims und Kranz- 
gesims mit gotischer Hohlkehle. Flachbogige, hoch in der Wand sitzende 



206 SEHLDE 

Fenster; darunter in der westlichsten Achse der Nord- und Südseite jeweils 
eine ebenfalls flachbogige Tür. — Eine rechteckige Tür auf der Ostseite. — Das 
Dach setzt oberhalb des steinernen Kranzgesimses mit einer Brettschräge an; 
über den Ostseiten ist es abgewalmt. Pfannendeckung. Das gleichfalls pfannen- 
gedeckte Quersatteldach des Turmes trägt einen achteckigen Dachreiter mit 
offener Laterne und spitz ausgezogenem Helm (mit Schiefer verkleidet und ge- 
deckt). 

INNERES. 

Im Schiff über einem breiten Kranzgesims eine annähernd halbkreisförmige 
Tonne in Holzschalung. Decke und Wände sind geputzt und geweißt (letzte Aus- 
malung 1934 35 durch Kirchenmaler Gotta, Hannover). Der Fußboden ist mit 
Rotsandsteinplatten belegt. Mit der flach gedeckten Turmvorhalle ist das 
Schiff durch eine rechteckige Tür (in ihrer jetzigen Form anscheinend von 
1770) verbunden. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung 1934 35- 

I. Kanzelaltar. H. 6,84 m; B. 3,07 m. Tanne und Linde. Bemalung 
weiß und gold. Kanzel und Altar gehören ursprünglich nicht zusammen, 
sondern sind erst nachträglich, anscheinend um 1820, zu einem architektonischen 
Ganzen zusammengeschlossen worden, a) Der ehemalige Altar bildet 
den obersten Teil der Gesamtanlage. Das alte Bildfeld, jetzt Kanzeltür, wird 
flankiert von gedrehten, blattumwundenen Säulen; rechts und links daneben 
sind die Figuren von Moses und Johannes dem Täufer angeordnet. Bekrönungs- 
figur der auferstehende Christus zwischen anbetenden Engeln. Akanthus- 
anschwünge und -füllungen. In der unteren Hälfte der Altarwand gehören zu 
dem alten Bestand Teile der Pilastersockel und zwei Akanthuskonsolen. Laut 
Eintragung im Kirchenbuch von 1710 („Anno 1710 ist ein neus Altar auff- 
geführett woran das alte Holz geblieben. . ."). b) Der Kanzelkorb. Fünf- 
seitig mit geschweiftem Hängeboden. Die drei vorderen Wandungsfelder 
zeigen Bilder der Evangelisten: 5. Johannes, S. Lucas, S. Marcus in dunklen 
schmutzigen Farben (Öl auf Holz). Darunter befindet sich eine ältere Bemalung, 
die jeweils zwei stark bewegte, spruchbandartige Gebilde, einen Blattkranz und 
darüber die folgenden Namen erkennen läßt: Ilsa P . . . .ner ( ? ) s(ein) e(heliche) 
H ( ausfrau ) ; Hans Schmedt A (nn)o 1606; Anna Schmedes säliger s(ein) e(heliche) 
H(ausfrau). Auch diese Malerei scheint jedoch nicht ursprünglich zu sein, da 
sie eine im Holzgrund erkennbare Arkadengliederung überschneidet, die ver- 
mutlich Einlegearbeit voraussetzt und in die 2. Hälfte des 16. Jhs. gehören 
mag. Zugehörig zu dem Kanzelkorb in seiner heutigen Gestalt ist der Schall- 
deckel (ohne die Volutenkrone), i. Viertel 18. Jh. (oder gleichzeitig mit c 
barockisierend erneuert?), c) Die übrigen Teile der Altar wand: Unterbau 
für a und seitlich anschließende Scherwände; um 1820. d) Das Abend- 
mahlsbild über der Mensa. H. 0,77 m; B. 0,755 n^- Tempera auf Holz. 
Helle Farben: gelb, rot, blau, teilweise changierend. Ende 16. Jh. Das Bild 
ist erst bei der letzten Restaurierung an die jetzige Stelle gekommen; vordem 
lagen die drei Bretter, aus denen es zusammengesetzt ist, einzeln hinter dem 
Altar. Risse und Fehlstellen sind gelegentlich der Zusammensetzung aus- 
gebessert, am unteren Rand und in den oberen Ecken sind größere Stücke 
übermalt. Auf der Rückseite soll die Jahreszahl 1710 stehen (auf eine Wieder- 
verwendung im damaligen Altar zu beziehen?). — Mensa. H. 1,24 m; B. 
1,49 m; T. 1,16 m. Gemauert; ungewöhnlich starke Deckplatte mit geschrägtem 
Profil. Gotisch. 



SEHLDE 207 

2. Taufe (Taf. 50 f), im Chor vor der mittleren Gestühlsreihe. H. 0,885 ni; 
0,585 m. Sandstein, bemalt (weiß, grauschwarz, gold). Sechseckiger Schaft. 
Sechseckiger gebauchter Kessel mit steilen Wandungen und ausladendem 
Decksims. Auf den Schaftseiten Masken (RT. ca. 0,065 rn)5 ^^ Kessel eine 
1620 datierte Stiftungsinschrift von Johan Stats Dr Rasshe Obrister Leutenamt 
(ausgesparte Kapitale), beiderseits acht Wappen mit den Familieninitialen, 
links: d. Rfasche), d. Pfost), d. W. (ein hinter einem Baum hervorspringender 
Wolf), d. H. (kegelförmiger Hut mit Krempe und gekreuzten Kinnbändern), 
rechts: d. v. I(lten), d. M ( andelsloh ) , d. v. M. (fälschlich für K = v. Kanne), 
d. R(auschenplatt) ; auf der der Stiftungsinschrift gegenüberhegenden Wandung 
ein Puttenkopf zwischen Tuchgehängen unter einer Muschel. Stellenweise be- 
stoßen. — Der von Mithoff erwähnte Rest eines (anderen) Taufsteines vor dem 
Küsterhause ist nicht mehr vorhanden. 

3. Gestühl. Tanne, grün gestrichen. 18. Jh. 

4. Empore, an der Süd-, West- und Nordseite des Schiffes. H. ca. 2,98 m. 
Tanne, grün und weiß gestrichen. Anfang 19. Jh. 

5. Orgel auf der Westempore. Prospekt. H. 4,04 m; B. 3,57 m. Tanne, 
grau gestrichen. Fünfachsiger, nach der Mitte zu aufsteigender Aufbau. 
Um 1830. Mechanisches Werk von Faber & Greve, Salzhemmendorf 

6. Kronleuchter. H. 0,83 m; G 0,93 m. Messing. Zwölf Sförmig herab- 
gebogene sechskantige Arme mit Rankenschleifen über den Mittelknoten in 
zwei Kränzen. Zwischenkranz mit geperlten Voluten (teilweise beschädigt). 
Doppeladler; Kugel, darauf in Kapitale: Zu dieser Kronen hatt Hans Palandt 
12 Reichstaler in di Ehre Gottes gegeben alse ehrn Christoff er Blaneken u (nd) 
Barteidt Negenborn Berendt Brauns Alttarleute waren 1648. 

Altargerät; siehe auch den nach Hennecke („Unsere Heimat") aus 
Sehlde stammenden Kelch Nr. 16 in Eime. 

7. Kelch. H. 22,1 cm; O 16,4 cm. Silber teilvergoldet. Sechspaßfuß mit 
aufgenietetem Kruzifix; birnförmiger Nodus. Hildesheimer Beschau 1649; 
Meister CK. (Liste I, 8). 2. Hälfte 17. Jh. — Patene. .: 15,2 cm. 

8. Kelchlöffelchen. L. 12 cm. Silber. Hildesheimer Beschau 1705; 
Meister HIB (Liste I, 14). 18. Jh. 

9. Taufschale, e 31,5 cm. Zinn. Unter dem Boden eingekratzte Initialen 
HKAK. Stempel doppelt: Engel mit Schlüssel und Palmwedel inerhalb einer 
halbrunden Säulenarkade; A Besogm (?) 1799 London (Liste II, 20). An- 
fang 19. Jh. 

10. Zwei Altarleuchter. H. 29,9 m; 17,4 cm. Messing. Runder ge- 
wölbter Fuß, Stiel mit Knäufen. Daniel Ehrenst Lüdeke Catharina Elisabet 
Reutters An(n)o 1678. 

11. Altarbibelpult. H. 17,3 cm; B. 43 cm; T. 30,5 cm. Holz, mit Eiche 
furniert; Einlegearbeit in Mahagoni, Nußbaum usw. Auf der Platte Mittelrosette 
zwischen Eckstrahlenbündeln; auf der Rückwand Fächer- und Sternornamente. 
18. 19. Jh. 

12. Altardecke. L. 1,58 m; B. 0,91 m. Gelbliche Seide mit Blumen- 
musterung; darauf ein in Silberborte aufgenähtes Kreuz zwischen zwei eben- 
solchen Streifen. 18. Jh. 

13. Opferstock, rechts neben der Mensa. H. 0,86 m. Eiche (?), grün 
gestrichen. 18. Jh. 

14. Grundriß und Seitenansicht der Kirche, lavierte Federzeich- 
nung; im Schulhaus. H. 0,251 m; B. 0,257 m. Signiert Fr. Com. Poppe fecit, 
Sehlde den loten März 183J. 



208 SEHLDE 

Glocken. 

[15. Nach Mithoff mit gotischer MinuskeHnschrift: O sancte Maria ei(n) 
Ju(m)frowe dar un(d) schone bidde vor uns Jhesu(m) Christu(m) dine(n) 
Benediden Sone an(n)o dfomijni MCCCCXCIX Hermen Koster. Hinter dem 
Namen des Gießers ein aus H und C gebildetes Monogramm. Vor der Inschrift 
ein kleines Relief der hl. Jungfrau in der Glorie, auf der Mondsichel stehend und 
das Christuskind tragend. Nicht erhalten.] 

16. ('■:> 1,06 m. Am Hals zwischen Blattfriesen in Kapitale: Im Jahre 1649 
den 4 August i haben die Gemeinde zu Sehle diesse Glocke wiederumme giessen 
lassen bei Zeiten Ehr. Christophorus Blaneke Pastor wahr. Hirzu was gegeb. 
aedituus Zacharias Lauwen undt Barthold Negenborn undt Berendt Brauns Altar- 
leuite waren Aschanus Kuntze u(nd) Hans Mummen. Darunter Spruch und Text 
Es. 2,3. Auf der Flanke a) ein Kruzifix zwischen schwebenden Engeln, darunter 
Maria und Johapnes ( ?). b) Halbfigur Christi mit Stola und Weltkugel innerhalb 
einer reich ornamentierten Bogenstellung; Unterschrift: Ego sum via veritas 
et vita. Am Wolm Ps 150, i und 2, und: gos mich AI. Henni Lampen in Hildes- 
heimb. 

17. Zwei Glocken. Radler, Hildesheim. 1933. 

18. Schlagglocke, außen am Turmhelm. 0,47 m. Am Hals: Anno 
i6j$ gos mich M. Henni Lampen in Hildesheim alse Berendt Bruns undt Hans 
Heisen der Gemeinde in Sehlem Altahr Leute wahren. 



DER ALTE EDELHOF (Rittergut H). 

Nach Sonne war der Hof zu seiner Zeit im Besitz der Familie v. Grapendorf. 
Jetziger Besitzer: K. Lauenstein. 

ANLAGE. 

Der Edelhof liegt inmitten des Dorfes auf einem gegen die Straßen im 
Norden und Osten, vor allem aber im Süden erhöhten Terrain. Auf der West- 
seite grenzt das Grundstück Nr. 6 an, mit dem er jetzt zu einer Einheit ver- 
bunden ist. Ehemals bildete er ein selbständiges, geschlossenes Ganzes. Die 
letzten beiden Wirtschaftsgebäude, ein Kuhstall und eine Scheune sind erst 
in der 2. Hälfte des 19. Jhs. abgerissen worden. Sie begrenzten beiderseits 
einen Hofplatz, auf den von Norden her das noch heute vorhandene Steintor in 
der Umfassungsmauer führte, und vor dessen Südseite (an der Südstraße) das 
ebenfalls erhaltene Herrenhaus lag. 

HERRENHAUS (Taf. 41c). 

Fachwerkbau von anderthalb Geschossen mit durchgehenden, weitgestellten 
Ständern, geputzten und geweißten Gefachen und hohem, mit Sandstein- 
platten belegtem Walmdach. Der Unterbau gegen die Südstraße ist in Sand- 
steinquadern ausgeführt. Über der unsymmetrisch nach links verschobenen 
Tür der Nordseite eine Sandsteinplatte mit kombiniertem Wappen: rechts 
ein dreibeiniger Grapen (v. Grapendorf); links drei Fascienbündel. — Im 
Inneren gelangt man durch einen Flur, an dem links und rechts je ein Zimmer 
liegt, auf eine die Mitte der östlichen Haushälfte einnehmende Diele und von 
ihr über einen (nachträglich angelegten?) gangartigen Vorraum in die Straßen- 
zimmer nach Süden und in das Mittelzimmer nach Westen. Der Westteil des 
Hauses ist unterkellert (Tonnengewölbe). Am Sturz des Kellereinganges auf 
dem Flur das Datum: Anno 1664. Die Zimmer darüber liegen etwas höher als 



SEHLDE 209 

die übrigen Räume. Ebenso wie Flur und Diele nehmen sie die volle Haushöhe 
ein. Ein (sehr niedriges) Obergeschoß findet sich nur über dem Vorderzimmer 
links vom Flur (zugänglich von der Bodentreppe auf der Diele) und über den 
entsprechenden Straßenzimmern (zugänglich durch eine Treppe innerhalb 
dieser Räume). — Im Keller hat nach frdl. Angabe von Herrn Lauenstein ehe- 
mals ein 1559 datierter Stein gelegen. — Im 19. Jh. ist die Süd- und Westwand 
des Hauses in unverputztem Backstein massiv erneuert worden, ebenso sind 
die Fenster, Türen und Treppen im Inneren fast ausnahmslos verändert, die 
Ostseite ist durch Anbauten verdeckt. 

Das in Bruchstein aufgemauerte Hoftor (Taf. 41 d) in der nördlichen 
Umfassungsmauer enthält eine rundbogige Wagendurchfahrt und eine eben- 
falls rundbogige Fußgängerpforte, beide mit Sandsteingewänden. Es ist 
horizontal abgeschlossen (Deckplatten erneuert); oberhalb der Fußgänger- 
pforte ist eine Sandsteinplatte mit dem gleichen Wappen wie am Herrenhaus 
eingelassen; Aufschrift: Domine conserva nos in pace 166 j. Am Mauerwerk 
Spuren alten Kalkputzes. 

DORFHÄUSER. 

Nr. 9. Vierständerhaus, zweistöckig mit geputzten und geweißten Ge- 
fachen. Pfannengedecktes Satteldach. Wohnteil in Zimmertiefe etwas ver- 
breitert; Tür zur Straße innerhalb einer Windschutznische. Johan Matteis 
Wintlen, Ane Kottrine Crimen 1729. Erdgeschoß teilweise massiv unterfangen; 
Diele ausgebaut. 

Nr. 10. Entsprechend Nr. 9. Der Wohnteil ist jedoch nicht verbreitert, 
dagegen etwas überhöht. Segensspruch und Namen am Sturz der Haustür: 
Heinerich Grim, Lise Marie Backsman 1735. Erdgeschoß teilweise erneuert. 

Nr. 4 (jetzt zum Rittergut I gehörig). Zweistöckiger Fachwerkbau. Die 
Wohngiebelseite liegt an der Straße. Obergeschoß und Giebel leicht vorge- 
kragt. Mitteltür innerhalb einer Windschutznische (das durchbrochene Zier- 
feld mit den Buchstaben CS im Oberteil der Nischenöffnung und deren 
Rahmung ist anscheinend nicht ursprünglich zugehörig, Anfang 19. Jh.). Die 
Diele ist im Zusammenhang mit dem nachträglichen Anbau eines schmalen 
Stallflügels (um 1800) unsymmetrisch verschoben und in den Anbau hinein ver- 
längert worden. 2. Hälfte 18. Jh. Erdgeschoß teilweise massiv unterfangen. 

Nr. II. Zweistöckiges Fachwerkwohnhaus mit teilweise unverputzten 
Gefachen. Krüppelwalmdach. 1801. An der einen Schmalseite ein etwa 
gleichzeitiger, stark erneuerter Stallanbau. Auf der gegenüberliegenden Hof- 
seite eine Fachwerkscheune, 1804^ an deren Längsseite nachträglich eine Stall- 
reihe massiv in Bruchstein unter einem Schleppdach vorgezogen ist (i. Hälfte 
19. Jh.). Johan Jiistus Bruns, Dortie Lowise Rittern. 



SIBBESSE 

Dorf. II km südwestlich von Hildesheim, an der Kleinbahn Elze — Bodenburg. 
689 Einwohner. Haufensiedlung. Nach Lüntzel ist S. wahrscheinlich der im Chro- 
nikon Hildesiense genannte Ort Sighebrettehusen bzw. Sighcbrcctcshnscn, in welchem 
da's Hildesheimer Domkapitel durch Bischof Gerdag (990 — 992) Güter erhielt (7). 
Urkundlich lautet der Name weiterhin um 1235 — 61 und 1300 Sibbichtissen (2, 5), 

27 



210 



SIBBESSE 



1277 — 84 Sibichtessen (3), 1282 Zibbctessen bzw. Zibbelhessen (4;, 1381 Sibbessen (6). 
Von der Familie, die sich nach dem Ort nennt, erscheint zuerst am Ausgang des 
12. Jhs. Johannes de Sibechteseim, Johannes filiiis Conradi de eadem villa d). Das 
Patronatsrecht besaß der Bischof, später (nach Fr. Lücke) das Hl. Geist-Hospital 
in Alfeld (1522 eingegangen) und nach ihm die Gemeinde. 

Quellen: U.B. Hochstift Hildesheim I 480 S. 456 Z. 28 f. (i); U 441 S. 207 
C2); ni 484 S. 229 (3j, 623 S. 325 (4), 1262 S. 608 (5) — U. B. Stadt Hildesheim H 
792 S. 466, 1208 S. 633; V S. 587 (6)i VI S. 685; VII 399 S. 248 — Chron. Hild. 
in Mon. Germ. S.S. VII 852 Z. 23 f. (7) — Verzeichnis der Einkünfte in Kayser, 
Reform. Kirchenvisitationen S. 219 — Archive der Superintendenturen zu Alfeld 
und Wrisbergholzen (vgl. Hoogeweg, Archivinventare S. 31 und 50 f.) — Pfarr- 
archiv Sibbesse (vgl. Peters, Archivinventare S. 79) — Staatsarchiv Hannover: 
Hann. Des. 83 Hannover II 4990 — . Literatur: Ahlhaus, Geistl. Patronat S. 75 
— Hcnneckc in ,, Unsere Heimat" S. 384, 391, 402, 419^ 420, 439, 440 — Lauen- 
stein S. 276 — Lücke, Das Dorf Sibbesse 1920 — Lüntzel, Alt. Diözese S. 242, 
431 — Lüntzel, Geschichte I S. 93 — Mithoff III S. 227 f. — xMithoff, Zs. 1864 
S. 337 — Sonne V S. 761 — Starcke S. 56. 

EVANG. PFARRKIRCHE, 

dem hl. Nikolaus geweiht. Eingepfarrt ist Möllensen. 

Einschiffige barocke Bruchsteinkirche, erbaut 1734 — 37. Der Westturm 
ist in seinem unteren massiven Teil romanisch, möglicherweise noch 
12. Jh.; die oberen Fachwerkgeschosse sind vermutlich gleichzeitig mit 
dem Schiffsneubau aufgesetzt worden. Turmhelm 1783? (Datum in der 
Wetterfahne). Nach der von dem damaligen Pastor in den Turmknopf ein- 
gelegten Akte, die Angaben über die für Kirche und Gemeinde wichtigen 
Ereignisse von 1643 ab enthält, war vor 1734 das Schiff an die Westseite des 
Turmes angebaut und ist damals wegen der Feuchtigkeit des Baugrundes auf 
die Ostseite verlegt worden (s. Fr. Lücke). Die Richtigkeit dieser Nachricht 
wird durch den Baubefund am Turm bestätigt. — Die Kirche liegt in der Ost- 
hälfte des Dorfes auf dem gegen die Straße durch eine halbhohe Bruchstein- 
mauer abgegrenzten, 191 2 eingeebneten Friedhof. 




Abb. 51. Sibbesse. Grundriß der Kirche. 



ÄUSSERES. 



Der Turm ist über quadratischem Grundriß aufgeführt. Der massive 
Teil reicht bis in Traufenhöhe des Schiffes. Das Mauerwerk zeigt schadhaften 
barocken Kalkverputz (an der Westtür in Zement erneuert). Die Ecken sind 
mit bündigen Kalksteinquadern besetzt. Auf der Südseite liegt dicht unter der 



SIBBESSE ■ 211 

oberen Mauerkante eine rundbogige Öffnung, die zu dem ehemaligen romani- 
schen Glockengeschoß gehört hat (ursprünglich wohl mit Teilungssäulchen) ; 
zwei weitere entsprechende Öffnungen auf der Westseite sind zugesetzt, aber 
unter dem Verputz noch deutlich erkennbar; auf der Nordseite ist ein Treppen- 
türmchen vorgebaut (Backstein, verputzt; 1893). Unterhalb der westUchen 
Schallöffnungen Spuren des Dachanschnittes und der ehemaligen Tür zum 
Dachboden des vorbarocken, westwärts anschließenden Schiffes. Der West- 
eingang, in der heutigen Form zwischen zwei beiderseits aufgerichteten großen 
Grabplatten mit verbindender Überdachung vom Ende des 19. Jhs., liegt 
innerhalb des alten zugesetzten Rundbogendurchganges vom Turm zu dem 
ehemaligen Schiff (außen nur mehr andeutungsweise sichtbar). Das Süd- 
fenster im Erdgeschoß ist neu (19. Jh.). Gegen die beiden Westecken sind 
starke Schrägstreben in Bruchstein gegengesetzt, mit Zement verputzt und mit 
Schiefer abgedacht; der in Fachwerk aufgesetzte Turmteil ist mit Schiefer 
in deutschem Muster verkleidet (vielleicht gleichzeitig mit einer Restaurierung 
im Inneren von 1830). Im heutigen Glockengeschoß und in dem Geschoß 
darunter flachbogige Schallöcher bzw. Fensteröffnungen nach Süden und 
Norden; nach Osten über dem First des Schiffsdaches eine rechteckige Luke. 

Das Schiff setzt beiderseits überstehend an die Ostseite des Turmes an 
und ist im Osten fünfseitig geschlossen. Bruchsteinmauerwerk mit schad- 
haftem alten Kalkverputz (wie am Turm). Der geschrägte Sockel ist zu Seiten 
der Türen jeweils herabgekröpft. An den Ecken flächige Kalk- und Sand- 
steinquader. Fenster- und Türgewände sowie das Sockelgesims sind Sand- 
werkstein, das Dachgesims ist in Holz verschalt. Die Langseiten haben fünf, 
die westlichen Chorschrägen und die Chorquerseite je ein Fenster, flachbogig 
mit vortretendem Scheitelstein. Die ebenfalls flachbogigen Türen liegen in 
der zweiten Schiffsachse und auf der Chorquerseite; diejenige nach Süden ist 
durch besonders kräftige Rahmung mit hoher Segmentgiebelverdachung aus- 
gezeichnet. Im Fries unterhalb der Verdachung die Bauinschrift i. Mos. 28,17, 
Johann Heinrich Schulzen Pastor^ Hinrich Timpen Stephan Artmeier. Altar- 
männer. Anno IJS7 (vgl- auch Ausstattung Nr. 8). Die Nordtür ist nachträglich 
zugesetzt und durch den Ofenschornstein verbaut worden. — Pfannengedecktes 
Satteldach mit Abwalmungen über den Ostseiten. Spitzer, ins Achteck 
übergeführter Turmhelm mit Schieferdeckung in deutschem Muster. Uhr- 
gauben nach allen Seiten, Auslegestuhl für die Schlagglocke nach Westen. 
In der Wetterfahne J. I. G. E(ngelbrecht) Past(or) 1783. 

INNERES (Taf. 51a). 

Umfassende Restaurierung 1893. Das Schiff hat eine hölzerne Vouten- 
decke mit barocken, allerdings stark überarbeiteten Malereien. In der Längs- 
achse sind drei größere Gemälde in geschweiften gemalten Rahmen ange- 
ordnet, und zwar in der Mitte die Himmelfahrt, über dem Altar Engel in Wolken 
mit Gloria-Spruchband, über der Orgel musizierende Engel, ebenfalls in Wolken. 
An das letztere Gemälde schließt eine Rocaillekartusche mit der Inschrift ly^S, 
erneuert 1893, an. In den Vouten sind acht Rocaillekartuschen verteilt, die je- 
weils einen Putto mit einem Passionswerkzeug enthalten. Auf der Ostseite 
über bzw. hinter der den Altar krönenden Christusfigur in Wolken ein Strahlen- 
kranz mit dem Jhavenamen. Der Grundton der Decke ist weiß. Die Haupt- 
farben der Gemälde sind heute schmutzig gelbbraun, blau, ocker, rot; die 
Passionsengel und die Rahmungen sind olivgrau auf grünem Grund. Die 
ursprünghche Farbstimmung ist, nach alten Photographien zu schließen, wesent- 



212 SIBBESSE 

lieh heller gewesen. Die Wände sind geputzt und geweißt; der Fußboden ist 
im Schiff mit Sandstcinplatten, im Chorteil mit Kunstfliesen belegt. — Die 
Turmhalle hat ein in den Ostecken gratig ansetzendes Bruchstein( ?)gewölbe 
mit spitzbogigen Gewölbeanschnitten, das von zwei nachträglich (1830?) quer 
durch den Raum gezogenen Rundbögen unterfangen wird. Der Ostteil ist um 
drei Stufen erhöht. Ein runder Blendbogen in der Westwand bezeichnet den 
ehemaligen Durchgang zu dem vorbarocken Schiff im Westen. Zum heutigen 
Schiff führt eine rechteckige Tür. Decke und Wände sind geputzt und geweißt. 

AUSSTATTUNG. Farbgebung von 1893. 

I. Kanzelaltar (Taf. 51a). H. ca. 7,90 m; B. ca. 4,27 m. Eiche und Linde 
(Rückseite neu verschalt). Farben olivgrau, weiß, gold. Architektonischer Auf- 
bau in drei Geschossen. Im Hauptgeschoß der dreiseitige Kanzelkorb zwischen 
gedrehten, blumenumwundenen Säulen, die von Kariatydenengeln zu Seiten 
der Mensa getragen werden (Taf. 51b). Kleinere Engelfiguren stehen auf 
Konsolen neben der Kanzeltür. Über den Säulen verkröpfte Gebälkstücke; 
dazwischen der Schalldeckel. Im Obergeschoß zwischen rahmenden Pilastern 
ein Kreuzigungsbild (Öl auf Leinwand) in matten, grau gebrochenen Farben. 
Über dem flachbogigen oberen Rahmenbügel die bekrönende Figur Christi 
zwischen anbetenden Engeln auf den Gebälkstücken der Pilaster. Im Haupt- 
und Obergeschoß Akanthusanschwünge. In der Predellenzone innerhalb einer 
querrechteckigen Nische eine plastische Abendmahlsgruppe. Auf beiden 
Seiten schließen an die eigentliche Altarwand Türen an, die zusammen mit der 
Predellenzone das Untergeschoß des ganzen Aufbaues bilden. Die Türfüllungen 
zeigen oben durchbrochen geschnitzte lyraförmige Voluten und Akanthuswerk, 
unten herzförmige Akanthuskartuschen. Die Türstürze, denen gebrochene 
Akanthus Voluten vorgelegt sind, tragen Vasenaufsätze; auf den äußeren Tür- 
pfosten stehen die Figuren der Evangelisten Matthäus und Johannes. Der 
Zwischenraum zwischen den Türen und der Wand ist offen. Alle Teile des Altares 
sind reich dekoriert mit aufgelegten, geschnitzten Blattschnüren, Puttenköpfchen, 
Muscheln, kurzen Akanthus- und Fruchtgehängen, frei angesetzten Akanthus- 
voluten. — Der alte Zustand ist aus einer vor der letzten Restaurierung 1893 
angefertigten Photographie ersichtlich: Danach waren ehemals die Wandungen 
des Kanzelkorbes mit drei Figuren besetzt (Christus, Petrus, Paulus ?) ; auf und 
neben dem Schalldeckel waren drei Putten angebracht, deren mittlerer die 
Gesetzestafeln hielt; über dem Säulengebälk standen die beiden Evangelisten 
Marcus und Lucas, von denen heute nur noch die Symboltiere erhalten sind; 
Matthäus und Johannes befanden sich an Stelle der Vasen über den Türen, 
und vor den offenen Zwischenräumen zwischen Türen und Wand waren ge- 
schlossene, flachbogig überdachte Priechen angebracht. — Abgebrochen und 
verloren bzw. ergänzt sind an Einzelheiten die linke Hand und mehrere Finger 
der rechten Hand des Johannes, die Arme sowie Teile des Gewandes Christi 
und kleine Stücke der Akanthusanschwünge. Nicht zugehörig, obschon etwa 
gleichzeitig mit dem Altar ist das Kreuzigungsbild, an dessen Stelle die alte 
Photographie ein einfaches schwarzes Tuch zeigt. Säulen, Pilaster, Ornamente 
und Figuren hoben sich ehemals hell (weiß mit gold) von einem dunkel mar- 
morierten Grund ab. Um 1737. Dem Stil nach eine Arbeit des Ernst Dietrich 
Bartels in Hüdesheim. — Mensa. H. ca. 1,15 m; B. 2,10 m; T. 0,99 m. 
Gemauert und neu verputzt. Die Deckplatte (Sandstein) ist aus zwei Teilen 
zusammengesetzt, von denen der eine, mit einer Reliquiengrube, die mittel- 
alterhche Mensaplatte ist (L. ca. 0,99 m; B. 1,65 m; zersprungen, überarbeitet, 
auf der Vorderseite mit geschrägtem Profil). 



SIBBESSE 213 

2. Taufe (Taf. 50g), im Mittelgang. H. 0,98 m; Z' 0,835 ^i- Sandstein. 
Schaft und Kessel gehören nicht zusammen, a) Schaft, zylindrisch mit vier 
angearbeiteten Puttenköpfen (RT. ca. 0,09 m). Spuren von Verwitterung 
besonders in den Gesichtern. Nasen und Gesimsprofile sind teilweise bestoßen. 
2. Hälfte 16. Jh. b) Kessel. Rund mit senkrechten Wandungen und ge- 
wölbtem Boden. Auf den Wandungen vier querrechteckige Roll wer kkar tuschen 
mit einer Taufe Christi (RT. ca. 0,015 m) und den Bibeltextstellen Marc. 
10, 14, Gal. 3, 27, Matth. 1,19 (ausgesparte Fraktur). Zwischen den Rollwerk- 
feldern stehen die Figuren der Justitia, zweier Putten mit Ähren (?) und der 
Fides. Das abschließende Gesims ist unter dem Rand einer neuen eisernen 
Deckplatte wahrscheinlich abgeschlagen; auf einem Fries darunter (z. T. auch 
auf dem Gesimsfries selbst) in ausgesparter Fraktur: Anno i6oj haben Jacob 
undt Mattheuß Stenen Gebruedere undt Förster düßen Tauff stein renovirenn undt 
vorfertigen lasen.... Johan Anthonius pastor. Keine Verwitterungsspuren; 
der Sandstein hat feineres Korn und gelblichere Tönung als am Schaft. Von 
Mithoff nicht erwähnt; wieder aufgestellt 1893. 

3. Taufengel, in der Turmvorhalle. L. ca. 1,37 m. Linde, bemalt. 
Das Gewand gleicht dem der Kariatydenengel zu selten der Mensa. Gleich- 
zeitig und aus der gleichen Werkstatt wie der Altar. Um 1737. Außer Ge- 
brauch. Kleinere Beschädigungen, teilweise ergänzt. Ehemals hing der Engel 
im Schiff vor der Westempore. 

4. Gestühl und umwandete Sakristei. 2. Hälfte 19. Jh. 

5. Empore, an der Westwand mit vorgezogenen Seitenteilen. H. ca. 3,06 m. 
Tanne; nur die Brüstungsdocken sind aus härterem Holz. Bemalung braun 
und gelb. Gesamtanlage von 1893; in Einzelheiten mit Anlehnung an die 
Formen der ehemaligen barocken Emporen, von denen die Docken über- 
nommen worden sind. — [Nach einer alten Photographie waren die Barock- 
emporen in zwei Geschossen angeordnet, schmaler als die heutige Empore und 
mit leicht eingeschwungenem Brüstungsverlauf. Ende 18. Jh.] 

6. Orgel, auf der Empore. Prospekt, Tanne, braun gestrichen. Sieben 
Achsen mit überhöhtem Mittelturm und dreieckigen Nebentürmen. Ver- 
goldete Akanthusschleier aus härterem Holz. Aufbau von 1893; die Schleier 
sind von der alten Barockorgel übernommen worden. Mechanisches Werk 
von Furtwängler & Hammer ; gleichzeitig. — [Die alte Orgel lag auf der oberen 
alten Westempore (s. Nr. 5), sie hatte die gleiche Gliederung, war aber nied- 
riger als die heutige Orgel. Nach einer Rechnung im Pfarrarchiv war sie 1794 
von einem Meister Busse gebaut.] 

Zwei Grabplatten, außen an der Turmwand zu selten der Westtür 
unter gemeinsamem Schutzdach. Sandstein. 

7. Paul Hermann Travenus, Pastor in Sibbesse, Petze, MöUensen; 
* 1621, eingeführt 1651, 23. X., f 1698. H. 1,94 m; B. 0,98 m. Innerhalb eines 
Hochovalfeldes in erhabener Kapitale die lateinische Namensinschrift mit 
dem Spruch: Quid modo sim spectas, fuerim quid scisque super stes, si sapis egelidae 
quisque ffiemento necis, at Christus mea spes flenti peccata remitte(n)s, e gremio 
terrae nie dabit ipse novum. Über der Inschrift in vertieftem Oval Wappen mit 
blühendem Herzen. 

8. Johann Heinrich Schulze, Pastor, * Einbeck 1702, nach Sibbesse 
berufen 1733, f 1738. H. 1,95 m; B. 1,03 m. Namensinschrift innerhalb eines 
hochovalen Blattkranzes in ausgesparter Kapitale mit der beigefügten Bemer- 
kung des Verstorbenen, er habe den neuen Kirchbau nicht nur eyferich angefangen 
sondern auch ruhml(ich) vollendet. Leichtext Luc. 7, 4,5. 

28 



214 SIBBESSE 

9. Gefallenentafeln 1914 — 18 außen beiderseits der Südtür. Stein. 

10. Kronleuchter. H. ca. 0,97 m; ca. 1,00 m. Messing. Sechzehn 
Sförmig herabgebogene flachovale Arme mit Fischmaulknoten in zwei Kränzen. 
Zwischenkranz mit acht gravierten Meerweibchenscheiben. Doppeladler, 
Kugel. 18. Jh. Ein Arm fehlt; kleinere Beschädigungen. 

Altargerät. 

11. Kelch. H. 11,9 cm; .; Fuß 6,2 cm; ;; Kuppa 7,1 cm. Zinn. Runder 
Fuß, einförmiger Nodus. Engelsstempel mit den Initialen IC. (Liste II, 
21). Anfang 19. Jh. 

12. Patene, 14,4 cm. Silber vergoldet. Im Spiegel eine Vierpaßmulde. 
i6.Jh. (?) 

13. Taufkanne. H. 19,9 cm. Zinn. Zylindrisch. Innen im Boden. 
a) Rosenstempel, am Reif der Krone: I. H. F. 1710; b) Engelsstempel; der 
Engel frontal stehend mit Tafel: E. Block Tinn, innerhalb zweier Umschrift- 
bänder mit dem sehr verwischten Gießernamen: . . . HFUHS, 1713. i. Hälfte 
18. Jh. 

14. Zwei Altarleuchter (Taf. 31c). H. 25 cm; 17,3 cm. Messing. 
Runder Fuß auf drei stilisierten Tiertatzen. Zylindrischer Schaft mit Schaft- 
ring. Anfang 17. Jh. 

15. Altarleuchter (Taf. 31 e). H. 33,5 cm; 16,3 cm. Messing. Runder 
scheibenförmiger Fuß; kräftig profilierter Schaft mit Balusterglied; darüber 
zwei flache Arme mit Kleeblattansätzen und mittlerer Zierspitze in Form 
einer stilisierten Eichel. Am Fuß in Kapitale: Christqffel Meier 166^. 

16. Altarleuchter. H. 26,9 cm; 18,1 cm. Zinn. Runder Fuß, Knoten- 
schaft über runder Tropfenfängerplatte. Ilsebe Ossenkohs Hennig Abtmeyer 
Ehefrau d(e)d(it). Hildesheimer Beschau 49, doppelt, Meister HD (Liste 11,9). 
Lim 1700. 

17. Altarleuchter. H. 21,3 cm; 13 cm. Messing. Runder Fuß, 
zylindrischer Schaft. Um 1800. 

18. Altarbibelpult. H. 36 cm; B. 48,9 cm; T. 36,5 cm. Tanne, Eiche 
und Linde; bemalt. Auf den Wandungen aufgelegte Akanthus Schnitzereien. 
Um 1710. 

19. Bibel; in -4^. Halle 1773. Zerlesen; Vorsatzblätter herausgerissen. 
Schwarzer Ledereinband. 

[20. Zwei Fahnen von 18 14, ähnlich denen in Eberholzen; auf der alten 
Altarphotographie, s. Nr. i, zu sehen. Jetzt nicht mehr vorhanden.] 

Glocken. 

21. 0,97 m; H. ca. 1,07 m (Taf. 50a). Am Hals zwischen und unterhalb 
von zwei gedrehten Schnurstegen die Inschrift in frühgotischer Majuskel 
(Kapital- und Unzialbuchstaben, außerdem ein Minuskel-h): Anno domini 
MCCCLIII in die Viti l Maria bin ich ghenant. Worttrennung durch Kreis- 
punkte und Kreissterne; vor den Zeilenanfängen Kreuze. Auf der Flanke vier 
Reliefs (Taf. 50b — e; H. 0,052 — 0,054 m; RT. ca. 0,001 m): a) segnender, 
frontal stehender Bischof; b) ein die Messe zelebrierender Bischof innerhalb 
eines spitzgiebeligen Tabernakels ; c) ein Kruzifix; d) ein Bischofskopf. Zwischen 
a — b und zwischen c — d Hohlpfennige. Am Wolm Ringstege. Vierkantige 
Bügel. 



SIBBESSE 215 

22. iji6 m. Am Hals Akanthuspalmetten und -rankenfries. Auf der 
Flanke zwischen feinen Ringstegen achtzeilige Kapitalinschrift. Danach ist 
die Glocke umgegossen zu Braunschweig im Jahre 1781 von Joh. Conrad 
Grete da Pastor hier war Herr Joh. Calr. (!) Heim. Müller und deszeitigen 
Pastoris Herr Joh. Georg Engelbrecht. Altaristen H. P. Diekmann, A. H. Bartens, 
J. H. Clages; Sprüche; Ps. 150, 16. 

23. Schlagglocke am Turmhelm. 

24. Turmuhr 1926; im Glockengeschoß das ehemalige Werk, 
Schmiedeeisen. Um 1800. 

BOCKWINDMÜHLE, 

südlich vor dem Dorfe am Wege nach Wrisbergholzen, Kreis Alfeld. 18. Jh. 
Seit etwa 10 Jahren außer Betrieb. Einzige Windmühle im Kreise Gronau. 



WALLENSTEDT 

Dorf. 2U km südöstlich von Gronau. 305 Einwohner. Haufensiedlung. Der 
Name ist im i. Viertel des 1 1 . Jahrhunderts Wallenstide (i), 1194 Wallenstede (2), 
1206 Wallensthede (3). Die Klöster St. Michael in Hildesheim, Haus Escherde und 
Amelungsborn waren hier begütert. 1543 bei der Einführung der Reformation wird 
Wallenstede als filia in Rheden genannt. 

Quellen: U.E. Hochstift Hildesheim I 69 S. 71 Z. 21 (i), 508 S. 482 Z. 30 
r2\ 613 S. 584 Z. 9 f. (3); II — V siehe die Register — Güterverzeichnis von St. 
Michael in Hildesheim von 1641, abgedruckt von Kratz im Hildesheimer Mittwochen- 
blatt 1834 S. 166 — Visitationsakten in Kayser, Reform. Kirchenvisit. S. 226 — 
Registratur des Gemeindevorstandes Wallenstedt und das Archiv der evang. Pfarre 
in Rheden (vgl. Peters, Archivinventare S. 75; 80) — Staatsarchiv Hannover: Hann. 
Des. 83 Hann. II 5779, Abbruch der Kapelle 1849. — Literatur : Bertram I S. 219 
— Hennecke in „Unsere Heimat" S. 380, 439 — Lauenstein S. 289 — Mithoff III 
S. 235 — Mithoflf, Zs. 1864 S. 340 — Sonne V S. 828 — Starcke S. 73 unter Rheden. 



[EHEMALIGE KAPELLE. 

Nach Mithoff hatte sie „eine oblonge Grundform, Umfassungen aus Bruch- 
steinen mit rechteckigen Fenstern, deren Gewände mit einem an den Ecken 
sich kreuzenden Rundstab versehen sind, und eine rechteckige Tür mit der 
Jahreszahl 1597 im Sturz". Ein Dach war zu seiner Zeit nicht mehr vorhanden. 
Abgebrochen vermutlich 1870 — 80 (nicht schon 1849, siehe Quellen).] 

Die Glocke, die Mithoff „in einem Gerüst an der Ostwand" der Kapelle 
erwähnt, ist erhalten und hängt jetzt im Dachreiter des Schulhauses. 0,41 m. 
Am Hals zwei Schnurringe. 14. Jh. 



DORFHÄUSER. 

Nr. 19. Anderthalbgeschossiger Fachwerkbau mit durchgehenden Stän- 
dern und steilem, pfannengedecktem Satteldach. An der hinteren Giebelseite 
ist eine Querdiele unter einem niedrigeren Dach angebaut. Der Straßengiebel 
kragt über Sförmigen Konsolen vor. Auf der nördlichen Breitseite ist der 
Sturz der ehemaligen rundbogigen Tür erhalten mit Tauornament und Perl- 



216 WALLENSTEDT 

band am Bogenrand und drei Sonnenrädern darüber. Im Inneren (weitgehend 
erneuert) ist der Dcckenunterzug im Flur mit Kopfstreben versehen, die 
den Giebelkonsolen entsprechen. Die Zimmer an der südösthchen Straßen- 
ecke liegen erhöht über einem Keller; infolgedessen fehlt hier das obere Halb- 
geschoß. I. Hälfte 17. Jh. Die Querdiele ist vermutlich im späteren 17. Jh. 
hinzugefügt worden. (Die Knaggen unter den Dachbalkenköpfen, von denen 
jetzt nur noch eine über dem Tennentor erhalten ist, sind bzw. waren wohl 
von anderer Stelle des alten Baues übernommen.) Fenster, Tür, Gefachputz 
sind erneuert. 

Nr. II. Zweigeschossiger Fachwerkbau mit durchgehenden Ständern. 
Geputzte und geweißte Gefache. Satteldach. Im rückwärtigen Teil Ställe 
und Wirtschaftsräume; ohne Diele, i. Hälfte 18. Jh. (?) 

Gärtnerei. Zweigeschossiger Fachwerkbau mit geschlämmten Gefachen. 
Vorgekragtes Obergeschoß; Satteldach. Mittelgang quer durch das Haus mit 
neuer Treppe. Die alte verschalte Treppe ist von einem der Vorderzimmer 
aus zugänglich. Datierung an der Treppentür 1756. 



WASSERMÜHLE, 

südlich außerhalb des Dorfes. Nach Angabe des Müllers ehemals zum Kloster 
Escherde gehörig. Dann im Besitz der Herren v. Rheden auf Rheden. — 
Fachwerkgebäude 19. und 20. Jh. Oberschlächtiges Rad. z> 6,30 m. 

KREUZSTEIN, 

am Westausgang des Dorfes. H. 1,14 m; B. 0,62 m. Kalkstein. Nach oben 
verjüngter Schaft mit krönender Kreisscheibe, darauf beiderseits ein erhabenes 
und etwas überstehendes Kreuz. Gotisch. Stark verwittert. 



I. LISTE DER GOLDSCHMIEDEZEICHEN 

Alphabetisch geordnet nach den Beschauorten, innerhalb der gleichen Beschauorte 

in zeitlicher Reihenfolge 





Beschau 


Meister- 
zeichen 


Jahres- 

Buchst. 

oder 

Feingehalt 


Her- 
stellungs- 
ort 


Meister 


Zeit 


Ort und Nr, 


I 


ö 


<D 


— 


Hanno- 
ver 


Carl Junge 
R3 2497 


i.H. 
18. Jh. 


Esbeck 17 


2 




® 


— 


33 


Nachfolger 

V. Joachim 

Sander? 

R32516 


um 1720, 
1743 


Esbeck 15, 16 


3 


M4!IIVdr4 


H 


33 


Schütz 


1828 


Brüggen 12 


4 


HEL 


Hildes- 
heitn 


— 


1650 


Elze 7 


5 


■ir« 

^17 


w 


— 


33 


— 


1674 


Brüggen 13 


6 


33 


© 


— 


33 


— 


1695 


Nienstedt 3 


7 


33 


35 


— 


33 


— 


2. H. 
17. Jh. 


Deinsen 10 


8 


33 


3J) 


— 


33 


siehe auch 
Nr. 16 


2. H. 

17. Jh. 


Sehlde 7 


9 


33 





— 


33 


— 


2. H. 
17- Jh. 


Petze 8 


IG 




s 


— 


33 


— 


1707 

M.i7.Jh. 

1747 


Gronau, 
ev. K. 15 

Gronau, 
kath. K. 51 

Eberholzen 22 



21H 



GOLDSCHMIEDEZEICHEN 



u 


Beschau 


Meister- 
zeichen 


Jahrcs- 

Buchst. 

oder 

Feingehalt 


Her- 
Stellungs- 
ort 


Meister 


Zeit 


Ort und Nr. 


II 




@ 


— 


Hildes- 
heim 


P.I. Syring 
R3 2567 


1710 
A. 18. Jh. 


Gronau, 

kath.K.44,45 
Poppenburg 26 


12 


3) 


m 


— 


33 




1724 


Bethein 9 


13 


» (?) 


•S" 


— 


33 


— 


A. i8.Jh. 


Poppenburg 42 


14 


3, 


15 


— 


33 


— 


A. i8.Jh. 

A. i8.Jh. 

1736 


Eime 18 
Sehlde 8 
Burgstemmen 
16 


15 


33 


@ 


— 


33 


— 


A. 18. Jh. 
1725 


Bethein 10 
Möllensen 8 


16 


33 


ab 


— 


33 


siehe auch 

Nr. 8 


A. i8.Jh. 


Nienstedt 5 


17 


33 


@ 


" 


33 


— 


A. 18. Jh. 
1734 
1739 


Gronau, 

kath. K. 79 
Gronau, " 

kath. K. 43 
Gronau, 

ev. K. 16 


18 


- 


^ 


— 


33 


— 


1725 


Eime 17 


19 


33 


33 


— 


3J 


— 


1740 
1741 


Mehle 9 
Elze 8, 9 


20 


53 


«» 


— 


33 


— 


M.iS.Jh. 


Gronau, 
kath. K. 46 


21 


33 


iS 


— 


33 


— 


1752 


Rheden 17 



GOLDSCHMIEDEZEICHEN 



219 



z 

2 


Beschau 


Meister- 
zeichen 


Jahres- 

Buchst. 

oder 


Her- 
stellungs- 


Meister 


Zeit 


Ort und Nr. 


J 






Feingehalt 


ort 








22 


om 


w 




Gfscht. 




um 1700 


Banteln 16 




^rSi 




Schaum- 










^yr 






burg 








23 


«3 


@ 


t 


Wolfen- 
büttel 


— 


1703 


Hanteln 15 


24 


f 


@ 


— 


? 


— 


um 1720 


Gronau, 
kath. K. 47 


25 


— 


# 


— 


— 


— 


2. H. 
16. Jh. 


Brüggen 10 


26 


— 


03 


— 


— 


— 


A. i8Jh. 


Brüggen 11 


27 


- 1 


@ 


1 


— 


Meyer 


1790 
M.ip.Jh. 


Rheden 15 


28 


HEYER 


Gronau, 
















Katn. K. 5*^ 



IL LISTE DER ZINNZEICHEN 

Alphabetisch geordnet nach den Beschauorten. 



Beschau 



Meister- 
zeichen 



Her- 
stellungsort 



Meister 



Zeit 



Ort und Nr. 



S 




Springendes 
Pferd 





(z im. 



© 



Braun- 
schweig 



Elze 



Hamburg 



Hannover 



Hildesheim 




@ 





PR 



AB 



NR 



CD 



AF 



CF 



CH 



HD 



LF 



CAF 



1698 
A. 19. Jh. 

A. 18. Jh. 
E. 18. Jh. 

1655 

1693 
1696 

1700 

um 1700 

1704 

um 1700 

1732 
1741 

1746 



Lehder Kapelle 10 



Poppenburg 33 



Möllensen 11 



Deinsen 12 



Deinsen ll 



Eberholzen 24 
Gronau, 

Stadt-K. 23 
Barfelde 15 

Poppenburg 30 



Burgstemmen 17 

Sibbesse 16 

Petze 12. 
Hönze 8 

Hönze IG 



ZINNZEICHEN 



221 



Beschau 



Meister- 
zeichen 



Her- 
stellungsort 



Meister 



Zeit 



Ort und Nr. 



12 



13 



14 




Hildesheim 



U74HHM-AJI'a 



15 



16 





17 




19 




20 




BNH 



1764 



M. 19. Jh. 



I.C.Flegel 



1828 



AF 



AF 



um 1700 



1732 



I.L.Flegel 



LI (?) 



IG (?) 



1732 

1740 
um 1800 



A. 19. Jh. 



A. 19. Jh. 



A. Besogm 

(?) 



A. 19. Jh. 



Barfelde 13 



Marienhagen i 



Eitzum II 
Brüggen, 

Schloßkirche i 



Gronau, 
Stadt-K. 24 



Gronau, 
Stadt-K. 25 



Gronau, 

Stadt-K. 26 
Barfelde 12 
Poppenburg 25 



Mehle 10 



Deilmissen 5 



Poppenburg 32 
Sehlde 9 



222 



ZINNZEICHEN 



3^- 



Beschau 



Mcistcr- 
zcichcn 



Hcr- 
stellungsort 



Meister 



Zeit 



Ort und Nr. 



23 



24 



25 



26 



27 









ARÜDIGER 




PfUiUMJ.I 




IC 



IF CF 



A. Rüdiger 



A. Rüdiger 



A. 19. Jh. 



A. 19. Jh. 



i;H.i9.Jh. 



i.H.i9.Jh, 



Sibbesse 11 



Barfclde 11 



Bethein 12 



Gronau, 

kath. Kirche 49 



Mahlerten 10 



IHK 



I.H. 
Schrader 



I.H. 19. Jh. 



M. 19. Jh. 



Eitzum 10 



Esbcck 3 



VERZEICHNIS DER KÜNSTLER UND HANDWERKER 

(außer den in den Listen I und II genannten Goldschmieden und Zinngießern.) 



Arntie (Arntio), August, 
meister in Gronau 94 
H. A., Steinmetz 45 



Schreiner- 



Baierl, Theodor, Maler 27, 32 

Barnstorflf, J. F., Gärtner 34 

Bartels (Barthens), Ernst Dietrich, Bild- 
schnitzer in Hildesheim IX, 15, 
81, 115, 212 

Bartels, J. H., Glockengießer in Hildes- 
heim 172 

Becker, C., Glockengießer in Hildes- 
heim 115 

Becker, C A., Glockengießer in Hildes- 
heim 16, 65 

Becker, Echardt (Eckard) Christoph, 
Glockengießer in Hildesheim 16, 

53> III 
Bethmann, Orgelbauer in Lmden 32 
Blanc, A. L., Maler in Hannover 28 
Bohland, Maler in Hildesheim 100, 166 
Bomhot 168 

Boy, Gottfried, Maler in Hannover 29 
Brückmann, Baurevisor in Hannover i 
Busse, Orgelbauer 213 
M. B., Steinmetz 50 171 
P. B., Zinngießer 97 



Conrad von Soest, Maler 94 
Coqueret, Verleger 168 
Crotogino, Giuseppe, italienischer Bau- 
meister in Hannover VI, 126 



Damm, H. L., Glockengießer in Hildes- 
heim 65 
Dawe, George, englischer Maler 7 
Dreyer, F., Glockengießer in Linden 
48, 61 



Ebeling, Maler in Hannover 173 
Ebels, Goldschmied in Hildesheim 109 
Edemung, Zinngießer 165 
Elven, Bildschnitzer in Hildesheim 

VIII 
Eppinger, Michel, Steinmetz 136 
Euler, Orgelbauer in Gottsbüren 71 



Faber und Greve, Orgelbauer in Salz- 

hemmendorf 59, 201, 207 
Fricke, W., Architekt in Hannover 72 
Furtwängler und Hammer, Orgelbauer 
in Elze, später in Hannover 20, 
32, 81, 190, 201, 213 



Garzij Luigi, Maler in Rom 30 
Gotta, Maler in Hannover 206 
Grete, Joh. Conrad, Glockengießer in 

Braunschweig 215 
Greve, siehe Faber 
Grove, Diderick, Zimmermeister (?) 

120 



Hammer, siehe Furtwängler 

Hanel, H., Maler 95 

Heckenauer, Jac. Wilh., Kupferstecher 
26 

Heitmann, E., Kupferstecher und Li- 
thograph 7 

Hellner, L., Konsistorialbaumeister in 
Hannover 44, 147, 174, 176 

Helmes, Brant, Glockengießer in Hil- 
desheim 83 

Hornbach, Chris., Glockengießer in 
Hannover 182 

Heß, Maler, Taf. 2 b 

Humpert, H., Glockengießer in Brilon 
III 

Hurtzig, Bildhauer in Hannover 94 



Jacob(s), Busse, Glockengießer 41, 178 
Jungen, Hof bauschreiber in Hannover 56 



v. König, Freiherr Leo, Maler 29 
Korb, Hermann, Hofbaumeister in 

Wolfcnbüttel IX, 2, 3, 26 
Koster, Härmen, Glockengießer in Hil- 
desheim 178, 208 



Lampen, Henni, Glockengießer in Hil- 
desheim 4, 46, 60 

Lampen, Jobst Heinrich, Glockengießer 
in Hildesheim 160, 165 



224 



VERZEICHNIS DER KÜNSTLER UND HANDWERKER 



Lampe, S. A., Glockengießer in Hildes- 
heim 193 

Lange, Siegmund Andreas, Glocken- 
gießer in Hildesheim 72, 153 

Laves, Oberhofbaudirektor in Han- 
nover 71, 90 

Maßberg, Orgelbauer in Hildesheim 51 

Meiger, Hans, Glockengießer in Han- 
nover 60 

Meyer, Christian Ludevi'ig, Glocken- 
gießer in .Braunschweig 204 

Meyer, Heise, Glockengießer in Wolfen- 
büttel 33 

Mitta, Francesco, italienischer Bau- 
meister VI 

Müller, Joh. Geqrg, Orgelbauer in Hil- 
desheim 59 

Müller, Orgelbauer in Hildesheim 20 



Oetscher, Heinrich, Maurermeister und 
Steinmetz 14 

Ohlmer, Johann Heinrich, Bauauf- 
seher 14 

Oleszkiewicz, Jözef, polnischer Maler 7 

Otto, Glockengießer in Hemelingen 168 



Perinetti, G., italienischer Stukkator 

X, 27 
Poppe, Fr. Conr. 207 



Quenstaedt, Heinrich, Glockengießer 

in Hildesheim 146, 149 
Querfurt, Tob., Maler und Radierer 26 



Rademacher, Nicolaus, Maler 136 
Radler, Glockengießer in Hildesheim 
4, 13, 16, 21, 41, 46, 53, 61, 65, 
72, 98, 160, 162, 165, 178, 182, 
193, 208 



Rideweg, Thomas, Glockengießer in 
Hannover 83 

Riepenhausen, Frans, Maler und Kup- 
ferstecher 30 

Riepenhausen, Johann, Maler und Kup- 
pferstecher 30 

Rockenbauch, Tischler 19 



Saftleben, Herman, Maler 30 
Schädler, Architekt in Hannover 5 
Schedler, Ludwig, Baumeister 126 
Scheits (Scheidtz), A., Maler 28 
Schrader, Baumeister in Banteln 173 
Schmidt, A. C, Maler in Hannover 177 
Schröder, Joh. Heinr., Maler 8, 28, 29 
Senior, Maler 40 

Staywasser, Ludwig, Gärtner 22, 35 
Stremme, Baueleve in Hannover 70 
Suhr, C, Maler in Hamburg 3 
Suhren, August, Malermeister 65 



Tochtermann, Architekt 90, 92, 93 



Ulrich und Weule, Glockengießerei, 
Apolda und Bockenem 98, 204 



V. Wangenheim, Frhr. J., Architekt 141 
Wellenkamp, Landbaumeister in Han- 
nover 68, 130 
Wendebourg, Architekt in Hannover 2 
Wichtendahl, L., Maler in Hannover 

150, 156 
de Wou, Gherhard, Glockengießer 13 
L. W., Bildhauer 154 



Zelle, A., Malermeister 94 
Ziegener, Joh. Christ., Glockengießer 
in Hannover 182 



VERZEICHNIS DER PERSONENNAMEN 



Abtmeyer, Hennig 214 
Abtmeyer, Ilsebe, geb. Ossenkobs 214 
Adami, Adam 122 

Affelen, Johanna Maria Antonetta 107 
V. Ahlefeld 29 
Almsthed, Behrent 12 
van Amensen, Johannes 90 
Anthonius, Johan 171, 213 
Arnold, Pfarrer in Empne 77 
Arnold, Pfarrer in Gronau 89 
V. Arnstedt, s. Brant v. Arnstedt 
Artmeier, Stephan 211 
V. Ascheberg (Ascheberch), Heidenrich 
193 



Backhaus, Justus 83 

Backsman, Lise Marie 209 

Bansen, Gottfr. Heinr. Conr. 20 

Barchmann, Cordt 59 

Barkhausen, C. 140, 142 

Bartels, Henning 120 

Bartels, Henny 178 

Bartels, Herm. Heinr. Chr. 12 

Bartels, Margaretha 202 

Bartels, Maria Elis., geb. Brunotten 178 

Bartems, Maria 204 

Bartens, A. H. 215 

Basse, Christian Moriz 72 

Basse, Christine Elis. 72 

Batemer, Hans 82 

Benedict, Probst im Kloster Haus 

Escherde 136 
V. Bennigsen i, 2, 5, 6, 7, 8, 46, 86, 

108, HO, 113, 116, 118, 119 
V. Bennigsen, Graf Alexander Lewin 

5, 8 
V. Bennigsen, Anna 118 
V. Bennigsen, Gräfin Amalie, 

geb. V. Schwicheldt 2 
V. Bennigsen, Curd Plato 116 
V. Bennigsen, Erich 5 
V. Bennigsen, Gräfin Friederike, geb. 

V. Steinberg 2 
V. Bennigsen, Henriette Marie, geb. 

V. Rauchhaupt 2 
V. Bennigsen, Jacob 5 
V. Bennigsen, Jodocus Christophorus 

108 
V. Bennigsen, Johann 5, 6 
V. Bennigsen, Johann Levin 8 
V. Bennigsen, Graf Levin August Gott- 
lieb X, 2, 3, 6, 7, 8, 238 
V. Bennigsen, Levin Friedrich 7 



V. Bennigsen, Magdalena Agnehsa, geb. 

v. Steinberg 4 
V. Bennigsen, Margareta,geb.v. Weltzeö 
V. Bennigsen, Maria, geb.v. Gittelde 5, 6 
V. Bennigsen, Gräfin, Marie Leonarde 

geb. V. Buttowt-Andrzeykowicz 7, 

238 
V. Bennigsen, Sidonia 86 
Bentier, Bonifacius 113, 131, 139 
Berckhahn, Herman 98, 155 
Berckhahn, Maria, geb. Schwartzkopflf 

98, 155 
Bergmanns, Anna Gerdrut 52 
Berthold, Pfarrer in Gronau 89 
Betelmann, Maria Gertrudis 131 
Binnis, Andreas 53 
Binnis, G. Maria, geb. Selemeyer 53 
Blaneke(n), Christoffer 207, 208 
Block, A. 5 
Blome, Julius 13 
Blume, Jacobus 136 
Bock, Jobst 85 

Bock V. Nordholz (Northolt) 116, 182 
Bock V. N., Anna, geb. v. Süerssen 116 
Bock V. N., Bartelt 116 
Bock V. Wülfingen 17, 41, 73, 74, 116, 

118, 120, 153, 177 
Bock V. W., Anna, geb.v. Bennigsen 118 
Bock V. W., Burghard 42, 73, 118 
Bock V. W., Carlo 42 
Bock V. W., Elisabet Sophia, geb. 

V. Campe 118 
Bock V. W., F. B. 177 
Bock V. W., F. (?) W. iiS 
Bock, Hinrich 73 
Bock V. W., Johann Fried. 179 
Bock V. W., Johanna Caroline, geb. 

Löhmann 179 
Bock V. W., Levin Adam 118 
Bock, Ordenberg 36, 41 
Bock, Ordenberg 86 
Bock, Ordenberg 174 
Bock V. W., Richard 42, 73, 118 
Bock, Syverd 35 

Bock V. W., Wulbrant Georg 118 
Bode, Caroline, geb. Wedemeier 54 
Bode, J. H. 54 
Bode, Johanne Just. 145 
Boden, B. Hinrick 59 
Boden, Erich 76 
V. Bodenhausen, Frhrn. 3 
Bodo, Pleban in Bethein 13 
Bösen, Anna Margaretha, geb. Weber 192 
Bösen, Melchior Levin 190, 191, 192 



226 



VERZEICHNIS DER PERSONENNAMEN 



Böttighers, Anna Catarina 41 

Bok, Ilsebei, geb. Borken 9 

Borken, Ilsebei 9 

Borman, Anne 150 

Bottichers, Margareta 165 

V. Boventen (Bovenden) 3, 86 

V. Boventen, Anna 5, 6 

V. Boventen, Barbara 3 

V. Boventen, Gusta 5 

V. Brabeck, Frhrn. I, 150, 166 

V. Brabeck, Frhr. Jobst Edmund 166 

Brahme, Ilse Catrine Friderike, geb. 
Munter 62 

Brahme, Joh. Heinr. 62 

Brandes, August Friedrich 72 

Brandes, Daniel 12 

Brandes, Johan 95 

Brant v. Arnstedt (Arnstet) 4 

Brant v. Arnstedt, Hieronymus 3 

Brauns (s. auch Bruns), Berendt 207, 208 

Brauns, Michael Julius 8i 

Braunschweig, Herzöge III 
Albert 77 

Friedrich Ulrich 140 
Friedrich 66 

Breithaupt, Joannes 131, 136 

Breneke, H. 65 

Brenneke, Chr. 65 

Brinckmann, Henricus 71 

Brinkmann, Carl 12 

Brinkmann, Ernst 12 

Brinkmann, Hermine 12 

Brinkmann, H. 16 

Brinkmann, Johanne 16 

Brinkmann, geb. Sandvoos 16 

Brüggemans, Elisabet 165 

Brünig, Heinrich Christian Aug. Con- 
rad 61 

Brünig, Maria Loisa Christina 61 

Brünig, Deputierter in Eime 61 

Bruno, Graf im Gau Valen 183 

Brünette, Louise Carol. 12 

Brunotte, Altarmann in Höntze 152 

Brunotten, Anna, geb. Cnollen 173 

Brunotten, Christian 202 

Brunotten, Ernst 173 

Brunotten, Hans 204 

Brunotten, Maria Elis. 178 

Bruns, Anton Wilhelm 109 

Bruns, Berendt 208 

Bruns, Dortie Lowise, geb. Rittern 209 

Bruns, Johan Justus 209 

V. Buchwaldt (Bochv^^olt) 202 

V. Buchwaldt, Anna 202 

V. Bülow (Bülaw) 202 

Busse, Dorothea Aug 145 

Busse, Johanne Maria Elis. 145 

Busse, Johanne Maria Kath. Henr. 145 

Burossen, Andreas 160 

Burmestere, Henrik 179 

Busch, Johannes 122 

V. d. Bussche gen. Münch, Freiin 
Friederike 81 

V. Buttowt-Andrzeykowicz, Marie Leo- 
narde 7 



Calenberg-Göttingen, 

Herzogin Elisabeth III 

Herzog Erich I. III, 66,84,122 

Herzog Erich II. 66 
Cambridge, Herzog Adolph Friedrich 29 
V. Campe(n), Elisabet Sophia 118 
Celle, Herzog Georg Wilhelm 55 
Clages, Daniel Ludew(r)ich 58, 59 
Clages, J. H. 215 

Clodius, Justi. Cata., geb. Richlers 97 
Cnollen, Anna 173 
Coecius (Coetius), Petrus 45, 46 
Cok, Hinrik 90 
CoUe, Math. 12 

Collmann, Ilsabe, geb. Stein 165 
CoUman, Johannes 165 
Conradis 151 
Contz, S. 74 

Contzen, Friedericus Ulricus 71 
Contzen, Joh. Sigm. 71 
V. Gramm, Frhrn. 21 
V. Gramm, Frhr. A. 21 
V. Gramm, Frhr. Burchard 29 
Greven, Hans 182 
Grone, Altarist in Eitzum 63 
Crusius, Heinrich 154 
Güling, Heinrich 164 
Cygnaeus, s. Schwan 



Daevese, Ludwig 72 

Danh(a)usen, Borchardt 165, 191, 194 

Danh(a)usen, Maria Magdalena, geb. 

Wäfers 165, 191, 194 
V. d. Decken, geb. v. Hedemann 29 
Dedeken, Bartold 165 
Detmer, Jobst 155 

Dettmern, Dorothea Margaretha 155 
Dieckmann, B(ehrend) 16 
Dieckmann, Hans 76 
Diekmann, B. Fr. 16 
Diekmann, H. P. 215 
Dierman, Jacobus 106 
Dietrich von Adensen, Archidiakon in 

Elze 66 
Dietrich, Pfarrer in Elze 66 
Döhren, Jürgen 150 
Dörry, Dorothea, geb. Rhüder 121 
Dörry, Johann Heinrich 121 
V. Dötzum (Doetzen) 5, 17, 83, 86, 

116, 153 
V. Dötzum, ApoUonia, geb. v. Wintzin- 

gerode 119 
V. Dötzum, Bartold 119 
V. Dötzum, Ernst 17 
V. Dötzum, Fredeke,geb.v.Rommel 119 
V. Dötzum, Gusta, geb. v. Boventen 5 
V. Dötzum, Johann 5, 46, 86 
V. Donop 142 

V. Donop, Marie Charlotte 82, 83, 140 
Doven, Lampe ( ?) 64 
Dreyer, A. E. iio 
Dreyer, Tile 164 
Drösemeyer, Johannes 164 



VERZEICHNIS DER PERSONENNAMEN 



227 



Dübel, Maria Elisabeth 194 

V. Düring 140 

V. Düring, Friedrich Engelbert, August 

142 
V. Düring, L. 142 
V. Düring, Maria Charlotte, geb. 

V. Donop 83, 140 
Dufnkrop, Hans 65 
V. Dumpstorflf (Dumpstorf), Frhrn. 106, 

107, 113 
V. Dumpstorff, Frhr., Frans Anton 106, 

107 
V. Dumpstorflf, Frhr., Johann Wilhelm 

103, 107 
Dusterdieck, Joach. Diederich 10 
Duvenkrop, Altarmann in Höntze 152 
Duvenkropff, Hans 173 



V. Eberhardt 54 

Ebling, A. 74 

Eckehardus, Pfarrer in Barfelde 9 

Ehrckiten, Hans 95 

Eichstätt, Bischof Johann Conrad 193 

Elvers, Johann Konrad 120 

Elvers, Lucie Margarethe 97 

V. Emne, Thidericus, Graf 77 

V. Emne, Fridericus 77 

V. Emne, Constantinus 77 

V. Emne, Heinricus 77 

Engelbrecht, Joh. Georg 211, 215 

V. Engeibrechten 116 

V. Engeibrechten, Fr. 116 

Engelmann, Justd. Wilhelm 46 

England, Könige von 

Georg I. 150 

Georg n. 29, 35 

Georg IV. 53 
V. Enzenberg, Veronica VIII 
V. Escherde, Luppold II, 122 
V. Everstein, Grafen 77 



Filter, Justus 161 

Fischer, Ehrnst 95 

Fischer, Henricus 52 

Floren, Clemens Edmund 189 

Forcke, Philipp Heinrich 156 

Forcken, Dorothea Margaretha, geb. 

Dettmern 155 
Forcken, Joh. Friedr. 155 
Forcken, Louise, geb. Homeyer 155 
Francisca, Äbtissin von Haus Escherde 

137 
V. Frencke (Fremken) 3 
Frese, Jacob 163 

V. Freyberg (Freybergen), Maria 107 
Frobosen, Hans 59 
Froens, Margreta 53 
Frohes, H. 65 
Fronzek, P. 120 
V. Fürstenberg, Frhrn. 192 
Fulda, C. A. D. 65 



German, Andreas 64 

Gese, Herman 82 

Giesler, Jodocus Caspar 204 

V. Gittelde 86, 202 

V. Gittelde, Anna, geb. v. Boventen 5, 6 

V. Gittelde, Maria 5, 6 

de Gleen, Feldmarschall 66 

Glenewinckel, Jakob 59 

Glües, Hennig 64 

Görgens, Ludolf 115 

V. Görtz = Grafen v. Schlitz v. Görtz 

gen. V. Wrisberg, siehe v. Wrisberg 
a. Götten, P. F. 108 
Goldstein, Herman 202 
Goldstein, Margaretha, geb. Bartels 202 
V. Grapendorf 208 

V. Grapendorf, Gertrud Luise 23, 26 
Graun, Härmen 204 
Graun, Maria, geb. Bartems 204 
Grim, Heinerich 209 
Grim, Lise Marie, geb. Backsman 209 
Crimen, Ane Kottrine 209 
Groll, Pastor 63, 152, 169, 170 
V. Groll 107 
Grotejan, Brandt 173 
Grumberg, Johan Adolfes Ferdinand 1 94 
Grumberg, Maria Elisabeth, geb. Dübel 

194 



Haarstick, Ernst Herman 74 

Haarstick, Joh. Fried. 68, 74 

Haase, C. 75 

V. Hagenow (Hagenaw) 202 

V. Hake (Haken) 4 

Haman, Altarist in Möllensen 170 

V. Hammerstein, Frhrn. 140 

V. Hammerstein, Freifrau Friederike, 
geb. Freiin v. d. Bussche 81 

V. Hammerstein, Freifrau Amalie Ger- 
trud 140 

V. Hammerstein, Frhr. Ludwig 81, 142 

Hannebrinck, Cherubim 131, 136 

Hannover, Herzog Johann Friedrich 55 

Hannover, König Ernst August 29, 130 

Hannover, Königin Marie 29 

Hanse, ...Christian 82 

V. Hanstein 3, 86 

V. Hardenberg, Christian Ulrich 81, 140 

V. Hardenberg, Christoph Friedrich X, 
59, 82, 83, 140, 141, 142 

V. Hardenberg, Marie Charlotte, geb. 
V. Donop 82, 83, 140, 142 

Harcnbergk, Hinrich 85 

Hassen, Anna Margreta 53 

V. Hastenbeck 4 

V. Haus, Henning 86 

Haxthausen, Joannes 135 

V. Hedemann, geb. v. Ahlefeld 29 

V. Hedemnann, geb. v. Mutius 29 

v. Hedemann, Charlotte Adolphine 28 

Hefenhausen, J. P. 172 

Heidemeyer, H. 119 

Heinrich IL, Kaiser 9, 119, 153 



228 



VERZEICHNIS DER PERSONENNAMEN 



Heinrich lil., Kaiser HI, 17, 183 
Heinrich, Priester in Nienstedt 172 
Heinrich, Pfarrer in Nienstedt 172 
Heinrich, Pfarrer in Elze 66 
Heinrich, Probst des Klosters Escherde 

122 
Heinrich, Priester von Poppenburg 183 
Heinrich, Pfarrer in Gronau 89 
Heinrici, Dorothea Margr., geb. Rück- 
mann 73 
Heisen, Hans 208 
Heisoiel, Härmen 165 
Helmburg, Edelfrau 17 
Helms, Hans Jürgen 120 
Helms, Herman 93 
Hembker, Bernardus 135 
Henckel, Justus 182 
Henneberg, Staats Friterich 74 
Hennecken, Henie 65 
Hennies, Bartold 83 
Hentze, Wilh. 65 

Herman, Pfarrer in Burgstemmen 36, 174 
Hermann, Priester in Elze 66 
V. Hesberg, Johanna 29 
Hescel, Bertelt 163 
Hetling, Heinrich Ludolf 60 
Hildesheim, Bischöfe 

Azelin 183 

Barthold II. 156 

Bernward 36 

Berthold I. 13 

Clemens August, Herzog von Bayern 
29, 112 

Ernst I. 66 

Friedrich Wilhelm, Freiherr von 
Westphalen 184, 189, 193 

Gerdag 209 

Gerhard 183, 186 

Hartbert 122, 156 

Hermann 86 

Johann I. 183 

Johann III. 179 

Konrad I. 153 

Konrad II. 77, 156, 183 

Magnus 76, 179 

Maximilian Heinrich, Herzog von 
Bayern 98, 184, 188 

Otto I. 77, 174 

Siegfried I. 17 

Siegfried II. III, 13, 77, 86, 183 
Hilmer, Heinrich 72 
Hirtibren (Hittrigbrenner), Gerhart 65, 

173 
v. Hochsteden 192 
Holle, Bürgermeister in Eime 61 
v. Holstein und Schaumburg, Graf 

Otto 204 
Holz, Ch. 65 

v. Homburg, Edelherren III, 17 
Homeyer, Louise 155 
Hube, Cordt 109 
Hürlebusch, Maria Catharina 97 
Hunsrugen, D. M. 48 
Huntius, Laurentz 149 
Husing, Hans 45 



Iflfland, C. 75 

Ihssen, Johann Dan. 149 

Ihssen, Louise Charlotte, geb. Sieden- 

berg 149 
V. Uten 207 
V. Uten, Bodo 183 
Innocenz III, Papst 17 
Isenberg, Pastor in Gronau 94 
Issen, Curdt 160 
Issen, Hinrich 45 
Issen, J. D. 74 



Jagau, F. 65 

Jansen, Conrad 72 

Jansen, Johann Burchard 165 

Jansen, Margaretha Elisabeth, geb. 

Oppermann 165 
Janus, Justus 177 
Johannes, Vitus 155 
Johannes, Pfarrer in Elze 66 



Kaeths, Ilsa Chr. Doroth. 21 

Kahrmann, Joh. Mar. Hedw. 182 

Kaien, Heinrich 171 

V. Kanne 207 

Karl der Große, Kaiser II, 66, 69 

Karnup, Clamer 41 

V. Karthausen (Carthusen) 107 

Kaspaull, Hinrich 46 

Keilius, Tobias 40 

Keiner, Sigismundt 41 

Kelpe (Kelpa), Johann 191 

Kemmena, Dorothea 71 

V. Kerckerinck 150, 166 

Kerckmann, Andreas 172 

V. Kerssenbrock (Kersebruch), Elisabet, 
geb. V. Landsberg 50 

V. Kerssenbrock (Kersebruch), Gerlach 
50 

Kesemeier, Johan Heinr. 73 

Kielmann (?) 90 

Kis, Margareta 179 

Klages, Andreas Christoph 54 

Klages, Sophie Louise, geb. Seedorf 54 

Kleien, Maria Catharina, geb. Hürle- 
busch 97 

Kleien, Ulrich Wilhelm 97 

Kleine, Hermann 65 

V. Klencke 86 

Kiener, E. 65 

Klinbüls, Herman 172 

V. Kloeden (Kloden) 3 

Klöpper, Johanna Maria Antonetta, 
geb. Aflfelen 107 

Klöpper, Conrad Joseph 107 

Knust, Lorens 59 

Knackstert, Hans 53 

Knackster, A. 152 

Knaster, Hans 52 

Knigge, Frhrn. 3 

Knoch, Georg Ludolph Otto 21 

Knoke, Arent 9 



VERZEICHNIS DER PERSONENNAMEN 



229 



Knoken, Hermann 76 

V. Köckte (v. Kockt) 3 

Köhler, Cord 177 

König, Wilhelm 72 

Koopmann, W. n8 

Krefets, Henni 172 

Krete, Hinrich 160 

Krohne, H. 65 

Kronen, Dorotea Katarina 97 

Kulemanns, Anna Gerdrut, geb. Berg- 
manns 52 

Kulemanns, Henr. Steph. 51, 52, 54 

Kulemanns (Kuhlmannes) , Maria 
Sophia 52 

Kuntze, Aschanus 208 



Lampadien, C. E. 97 

Lampe, Hinrich 160 

Lampe (Lampadius), Jacob 139 

Lanckop, (F.) Benedix 14, 16 

V. Landsberg (Landesberg), Elisabet 50 

Landsberg, Hermann 85 

Lappe, Franz 73 

Lauenstein, K. 208, 209 

Lauwen, Zacharias 208 

V. Lehsten, Helmuth Joachim 190 

Leineman(us), Johannes 50, 51 

Leushner, Christoffer 64 

Lindemann, Henni 41 

Lippeis, Curdt 179 

Lippeis, Hans 182 

Lippeis, Maria Christina, geb. Stahs 179 

V. Loe, Domdechant, Frhr. 63 

Löhmann, Johanna Caroline 179 

Loeman, Hinrich 182 

Lötzen, Henni 179 

Lötzen, Marie, geb. Reniken (?) 179 

V. Low V. und z. Steinfurth, Freiin 
Henriette Caroline 28 

Lomeiers, Elis. Maria 40 

Loyer, Ludgerus 136 

Ludwig der Fromme, Kaiser 66 

Ludwig, Bischof von Anemura, Suff- 
ragenbischof von Hildesheim, Abt 
von St. Godehard 120 

Lückmann 65 

Lüdeke, Catharina Elisabet, geb. 
Reutters 207 

Lüdeke, Daniel Ernst 207 

Luken, Henni 171 

Lüneburg, __Herzog Ernst IL 76 

Lutgard, Äbtissin von Gandersheim i 



Mackiewicz, H. X, 5, 7, 8, 46 

V. Mahlerten (de Malerde), Heynricus 

156 
V. d. Malsburg 105 
V. Mandelsloh 184, 207 
Mantel, Anna Sophia Eleonora 106 
V. Marenholtz 17 
Marhaner, David 182 
Mavors, Henri 33 



Meesen, B. N. 74 

Meibaum, Placidus 135 

Meier, Christoffel 214 

Meier, Sophie Christiane Florentine 61 

Mekler, J. H. 177 

Meneken, Cort 161 

V. Merveldt, Graf 122, 139 

Mevius, Wilhelm 182 

Meyer, Christine Elisabeth, geb. Basse 

72 
Meyer, J. M. 172 
Meyer, Tile 164 
Möller, Henny 12 
Möller, Jacob 16 
Möllers, H. F. 179 
Mollenhauer, Hans 204 
Mügge, Anton 165 
Müller, Henig 10 
Müller, Henricus 160 
Müller, Joh. Calr. (!) Heinr. 215 
Müller, Johann Philipp 10 
v. Münchhausen (Monchhusen), Frhrn. 

3, 343 182 
Munter, Ilse Catrine Friderike 62 
Mummen, Hans 208 
V. Mutius 29 



Nagel, Elisabeth 191 

Nagel, Harman 83 

Negenborn, Barteidt 207, 208 

V. Niehausen 103 

Nieman, Ilse 20 

Nolte, Justus Heinrich 71 

Nonnenkamp, Altarist in Eitzum 63 

Norden, Bartold 146 



V. Oberg 3, 201, 202 

V. Oberg, Anna VIII, 201 

V. Oberg, Heinrich VIII 

V. Oberg, Veronica, geb. v. Enzen- 

berg VIII 
Ölkers, M. H. 97 
Ohner, Anna Maria 55 
V. Oldershausen (Oldershusen) 3, 32, 86 
V. Oldershausen, Anna 119 
V. Oldershausen, Magdalena 32 
Olven, Otilia 156 
Oporinus, Werner 146, 198, 202 
Oppermann, J. H. 21 
Oppermann, Kort 95 
Oppermanns, Margaretha Elisabeth 165 
Ossenkobs, Ilsebe 214 
Otto I., Kaiser 17 
Otto III., Kaiser II, i, 17 
Otto, Johann Rudolph 155 



Paderborn, Bischöfe 

Herman Werner v. Wolff-Mettcr- 
nich 193 

Wilhelm Anton, Frhr. v. d. Asse- 
burg III 



2:30 



VERZEICHNIS DER PERSONENNAMEN 



Palandt, Hans 207 

Papc, Ilse, geb. Nicman 20 

Papc, Justus 20 

Papc, Sophie Christiane Florcntine, 
geb. Meier 61 

Pape, Ratsherr in Eime 61 

Papen, Hans 95 

Papen, Johan Frideriss 65 

V. Pappenheim, Graf Gottfried Hein- 
rich 87 

V. Parkentin (Barkentin) 202 

Pfeifer, Johann Ludolph 159 

Photten, Hans 46 

Pinkerneils, Engel Maria Willmiena 12 

Platen, Hans Hinrich 19 

Plathner, Friedrich Wilhelm 156 

Plathner, Johan August 156 

Plötzen, Dorothea 41 

Poelmans, Hansen 155 

V. Poppenburg, Graf Beringerus 183 

V. Poppenburg, Graf Fridericus 183 

V. Poppenburg, Graf Widukind 183 

V. Post 207 

Povenzius, Johannes 95 

Preußen, König Friedrich I., 29 

Preußen, Königin Luise 8 

Preußen, Königin Sophie Charlotte 29 

Prossel, Johann Christophorus 40 

Punth, Chrisopher 59 



V. Quernheim 193 
Qoemborn, Cordt 156 
Qoemborn, Otilia, geb. Olven 156 



Rademacher, Antonienus iio 

Rammaker, Mattias 109 

Rasche (Rasshe), Johan Stats 207 

V. Rauchhaupt, Henriette Marie 7 

Rave, Dietrich 72 

V. Reden 187 

V. Reden, Hans 187 

Reisen, Herman 179 

Reisen, Margareta, geb. Kis 179 

Reiße, Altarist in MöUensen 170 

Remmer, Justus Anthon 20 

Remmers (s. auch Römmers), Hans 172 

Remmers, Henni 12 

Reniken (?), Marie 179 

Ressem, Andreas 171 

Reuthers, Catharina Elisabet 207 

V. Rheden (Reden, Rehden) 3, 98, 143, 

195, 201, 203, 204, 216 
V. Rheden, Anna geb. v. Buchwaldt 202 
V. Rheden, Anna, geb. v. Oberg VIII, 

201, 202 
V. Rheden, Anna Margaretha, geb. 

V. Weltze 202 
V. Rheden, Antonius 204 
V. Rheden, Anton Gottfried 204 
V. Rheden, Christian Günther Ernst 203 
V. Rheden, Diderich 201 
V. Rheden, Dyderich 204 
V. Rheden, Erich 202 



V. Rheden, Ernst Ludwig 204 

V. Rheden, H. 204 

V. Rheden, Hartwig Jobst 198 

V. Rheden, Henning 204 

V. Rheden, Hinrich VIII, 201 

V. Rheden, Johanne Marie, geb. 

Schwedge 203 
V. Rheden, Julius Caspar 204 
V. Rheden, Julius Curt 202 
V. Rheden, Ludelve 204 
V. Rheden, Ludwig Ernst 203 
V. Rheden, Ludwig Levin 204 
V. Rheden, Wilhelm Hardwig 204 
Rittern, Dortie Lowise 209 
Römmers (s. auch Remmers), J. J. 172 
V. Roer 107 

Roese, Johann Martin 81 
Rössing, Hans 14 
V. Rommel 86 
V. Rommel, Fredeke 119 
Rückmann, Dorothea Margr. 73 
Rüder, Dorothea 121 
Rußland, Kaiser Alexander I. 7 
Rußland, Kaiserin Katharina II. 7 



Sachsen, Kurfürst Moritz 184 

V. Saldern 86 

V. Saldern, Buchard 87 

Salgenev, Hinrich 149 

Samuel, L. 21 

Sander, Johan Jakob 74 

Sandvoos 16 

Sarges, F. M. 112 

Saucke, H. 8 

Sauerwein, August Philipp Ludwig 98 

Schaefer, Anna Sophia Eleonora, geb. 
Mantel 106 

Schaefer, Wilhelm Adolph 106 

Schaefers, J. M. 14 

Schaeffer, Agnes, geb. Wedemeyern 160 

Schaeffer, Gosman 160 

V. Schaumburg, Graf Gerhard 183 

V. Schaumburg, Graf Otto von Hol- 
stein und 204 

Schlie, Hinrich 161 

V. Schlitz V. Görtz gen. v. Wrisberg, 
Grafen, s. v. Wrisberg 

Schlote, Heinr. Arendt 148 

Schlütter, Anne, geb. Borman 150 

Schlütter, Johan 150 

Schlütter, Johan Ernst 150 

Schmedes, Anna 206 

Schmedt, Hans 206 

Schmidt, Joh. Henn. 16 

Schmöe(n), Christoph Joachim 14, 16 

Schmöen, H. G. 16 

Schmöen, M. A. 16 

Schneehagen, Anna Maria, geb. Ohner 55 

Schneehagen, H. 119 

Schneehagen, Johann Aug. 55 

Schomakaers, Margreta 202 

Schon, Karsten 149 

Schrader, Hans 120 

Schreders, Margrete Lewe 53 



VERZEICHNIS DER PERSONENNAMEN 



231 



Schulte, Anselm 131, 136 

Schulz 150 

Schulze(n), Johann Heinrich 211, 213 

V. Schungel 106 

Schwätge, Johann Gottlieb Ludewig 12 

Schwan (Cygnaeus), Jakob 36, 40 

Schwarten, Heinrich 52 

Schwarten, Martin 46 

Schwartzkopff, Maria 98, 155 

Schwedge, Johanne Marie 203 

Schwetgen, Hans Hinrich 19 

Schwetie, Joh. 10 

V. Schwicheldt, Grafen 150 

V. Schwicheldt, Amalie 2 

V. Sibbesse (Sibechteseim), Conrad 210 

V. Sibbesse (Sibechteseim), Johannes 210 

Seedorf, Sophie Louise 54 

Seiemeyer, G. Maria 53 

Sellmeyer, Margrete Lewe, geb. Schre- 

ders 53 
Sellmeyer, Steffen 53 
Senthien, Johann 191 
Siecks, Anna Maria 165 
Siedenberg, Louise Charlotte 149 
Sievers, Anna Catharina 121 
Sievers, Chr. 16 
Sievers, Frans 72 
Sievers, Jakob 204 
Sievert, Johanne Carol. Henr. 145 
Sievert, Johanne Louise Dor. 145 
Sivers, Tile 146 
Smeth, Hans 59 

V. Spiegelberg, Graf Bernhard 156 
Springmanns, Ilsa 152 
Stahs, Maria Christina 179 
Starken, Margareta Ursula 178 
Starken, M. J. G. W. 177 
Starken, Thomas 178 
Stein, Ilsabe 165 
V. Steinberg (Steinberge, Steinbergen) 

II, X, 3, 4, 17, 21, 22, 23, 26, 29, 

30, 32, 34, 86, 113, 169, 182 
V. Steinberg, Anna 28 
V. Steinberg, August 28 
V. Steinberg, Buchard (a) 22 
V. Steinberg, Buchard (b) 28 
V. Steinberg, Charlotte Adolphinc, geb. 

V. Hedemann 28 
V. Steinberg, Karl 20 
V. Steinberg, Konrad 22 
V. Steinberg, Cordt (a) 32 
V. Steinberg, Curt (b) 28 
V. Steinberg, Ernst II. 28 
V. Steinberg, Ernst III. 28 
V. Steinberg, Graf Ernst 21, 28, 29 
V. Steinberg, Friedrich II. IX, 19, 22, 

23. 32 
V. Steinberg, Friedrich III. 19, 29 
V. Steinberg, Friederike 2 
V. Steinberg, Georg (a) 23, 28 
V. Steinberg, George (b) 28 
V. Steinberg, Gertrud Luise, geb. 

V. Grapendorf 23 
V. Steinberg, Hedwig, geb. v. Widen- 

see 21 



V. Steinberg, Henriette 28 

v. Steinberg, Henriette Caroline, geb. 

Freiin v. Low v. und z. Stein- 

furth 28 
v. Steinberg, Jacob 32 
v. Steinberg, Gräfin Johanna, geb. 

V. Hesberg 29 
V. Steinberg, Magdalena, geb. v. Olders- 

hausen 32 
v. Steinberg, Magdalena Agnehsa 4 
V. Steinberg, Marie Luise, geb. 

V. Wendt 28 
V. Steinberg, Mette, geb. v. Wrisberg 32 
V. Steinberg, Sophia 28 
Stenen, Jacob 213 
Stenen, Mattheuß 213 
V. Stolberg, Grafen 150, 166 
Storck, B. 149 
Straubens, Levin 155 
V. Süerssen (Sversen), Anna 116 



Tancradus, Priester in Bethein 13 

Tenneken, Henie 65 

Thomas, Christ. Henr. (ex Binder- 
lage) 190 

Tidow, Joh. Friedrich 120 

Tilen, Henni 45 

V. Tilly, Graf Tzerclaes 87 

Timmerman, Hans 165 

Timerman Margareta, geb. Bottichers 
165 

Timpen, Heinrich 211 

Tonnies, Cort 161 

Tonnies, Johann 165 

Travenus, Paul Hermann 213 

V. Türck, Johann Bernhard 107 

V. Türck, Georg Theodor 107 

V. Türckj Maria, geb. v. Freyberg 107 



Ulrichs, Lüder 85 



V. Veitheim 3 

Villibs, Johan Kristian 146 
Volger, Carl August 82 
Volger, Maria 81 
Vorngal, Heinrich 149 
Vornholt, Moritz 165 



V. Wachtmeister, Freifrau 73 

Wäfers (Wevers), Maria Magdalena 165, 

191, 194 
Wahrendorff, Anna Maria, geb. Sicks 

165 
Wahrendorff, Ludolff Jacob 165 
Weber, s. Wäfers 
Weber, Anna Margaretha 192 
Wckind, Hinrich 202 
Wekind, Margrcta, geb. Schomakaers 

202 
Wedeman 53 



232 



VERZEICHNIS DER PERSONENNAMEN 



Wcdcmcicr, C^arolinc 54 

Wcdcmcycrn, Agnes 160 

V. Wcltzc 86, 202 

V. Wcltzc, Anna Margarctha 202 

V. Wcltzc, Erasmus 199 

V. Wcltzc, Margarete 6 

V. Wcndl, Marie Luise 28 

Wcrckmeistcr, Christian Henricus 40 

Werckmeister, Elis. Maria, geb. Lo- 
meiers 40 

Werdeken, Ernst 182 

Wcvers, s. Wäfers 

Wichtendahl, L. 150, 156 

V. Widensee (Widense), Hedewig 21 

Wiedc, Witwe 53 

Wiegering, Heinrich Carl Aug. 145 

Wilkingckhof, Wolfgang 135 

Willcrding, Elisabeth, geb. Nagel 191 

Willerding, Johan 191 

Winckeler, Anna Catharina, geb. Sie- 
vers 121 

Winckeler, Paul 121 

Winden, Justiena Frid. Conr. 145 

Winter, Jürgen 59 

Wintl, Deputierter in Eime 61 

Wintlen, Ane Kottrine, geb. Crimen 209 

Wintlen, Johan Matteis 209 



V. Wintzingerodc, Anna, geb. v. Olders- 

hausen 119 
V. Wintzingerodc, Apollonia 119 
Wobekindus, Henricus 64 
V. Wölde, Gerhard 179 
V. Wohldenberg- Werder, Grafen 77 
Wolfenbüttel, Herzöge 

Anton Ulrich IX 

Heinrich d. J. III, 184 

Heinrich Julius 98 

Philipp Magnus 184 
Wolters, Hinrich 161 
V. Wrisberg 182 
V. Wrisberg, Christopher 182 
V. Wrisberg, Ernst 179 
V. Wrisberg, Gerhard 179 
V. Wrisberg, Hermann 179 
V. Wrisberg, Mette 32 
V. Wrisberg, Grafen v. Schlitz v. Görtz 
gen. 180, 181 



Zadera, M. A. 72 

Zadera, Theodor 72 

Ziesenis, Dorothea, geb. Plötzen 41 

Ziesenis, Hans 41 

Zigemeyer, Ilsebey 53 



QUELLEN UND LITERATUR 



I. BENUTZTE ARCHIVE UND BIBLIOTHEKEN MIT HANDSCHRIFT- 
LICHEN QUELLEN. 

Staatsarchiv Hannover. 

Landeshauptarchiv Wolfenbüttel. 

Bibliothek des Hist. Vereins für Niedersachsen auf dem Staatsarchiv in Hannover: 
Mithoffs Materialien, Kirchen und Kapellen in den Fürstentümern Calen- 
berg und Hildesheim, mss. 177 Bd. 2 und 317. 

Vormals Königl. und Provinzialbibliothek in Hannover: Des Kleinen Stifts Hildes- 
heim Städte usw., ms. XXI 1222. 

Amt des Provinzialkonservators, Hannover. Akten des Provinzialkonservators. 

Pfarrarchive. 



II. GEDRUCKTE QUELLEN. 

Monumenta Germaniae historica; Diplomata regum et imperatorum Germaniae. 
Bd. I, II, III, V (Otto L, Otto III., Heinrich IL, Heinrich III.). Hannover 
1879 — 93, 1900, 1903 und Berlin 1926, 193 1. 

Inventare der nichtstaatlichen Archive in den Kreisen Alfeld und Gronau, siehe 
das Literaturverzeichnis unter Hoogeweg und Peters. 

Calenberger Urkundenbuch, herausgegeben von W. v. Hodenberg. Hannover 1858. 
Abt. 4: = Heft 4 des U. B. des hist. Ver. f. Niedersachsen, Hannover 1859. 
Die Urkunden des Klosters Marienrode bis zum Jahre 1400 — Abt. 8: Archiv 
des Klosters Wülfinghausen. 

Doebner, R. Urkunden-Repertorium der Stadt Gronau. Ztschr. des hist. Ver. f. 
Niedersachsen 1899. 

Lüneburger Lehnsbuch. Archiv f. Gesch. und Verfassung des Fürstentums Lüne- 
burg Bd. 9. 1863. 

Origines Guelficae. 5 Bde. Hannover 1750 — 80. 

H. Sudendorf. Urkundenbuch der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. 11 Bde. 
Hann. bzw. Göttingen 1859 — 83. 

Urkundenbuch des Klosters Marienrode siehe: Calenberger U. B. 

Urkundenbuch des Klosters Wülfinghausen siehe: Calenberger U. B. 

Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe 1895 ff. Bd. i, 
Leipzig 1895, bearbeitet von K. Janicke (Publikationen aus den preußischen 
Staatsarchiven Bd. 65). Bd. 2, Hannover 1901; Bd. 3, 1903; Bd. 4, 1905; 
Bd. 5, 1907; Bd. 6, 191 1; bearbeitet von H. Hoogeweg (Quellen und Dar- 
stellungen zur Geschichte Niedersachsens. Bd. 6, 11, 22, 24, 28). 

Urkundenbuch der Stadt Hildesheim, 8 Bde., herausgegeben von R. Doebner. Hildes- 
heim 1881 — 1901, 

Einzelne auf Banteln, Brüggen und Gronau bezügliche Urkunden sind in den Büchern 
von Harenberg, Greiffenhagen, Röbbelen und Siegemann abgedruckt, siehe das 
Literaturverzeichnis . 

Visitationsakten, siehe im Literaturverzeichnis Kayser, Die reformatorischen Kirchen- 
visitationen ... und: Die General-Kirchenvisitation von 1588. 

Bünting, H. Braunschweigische und Lüneburgische Chronica. 4 Teile. Magde- 
burg 158485. 2. Aufl. 1586; 3. Aufl. 1620. 



234 QUELLEN UND LITERATUR 

Chronicon Hildesheimense, herausgegeben von G. H. Pertz. Mon. Germ. hist. 
SS. Vn. 1846. 

Chronik des Johan Oldecop, herausgegeben von K. Euling. Tübingen 1891. 

Diarium des Henning Brandis, herausgegeben von L. Hänselmann. Hildesheim 1896. 

Joachim Brandis des Jüngeren Diarium, herausgegeben von M. Buhlers. Hildesh. 1902. 

Falcke, Joh. Friedr. Codex traditionum Corbeiensium. Leipzig und Wolfenbüttel 
1752. 

Fundatio ecclesie Hildensemensis, ed. A. Hofmeister. Mon. Germ. SS. XXX, 2. 1926. 

Legatius, Joh., Chronicon coenobii s. Godehardi in Hildesheim ab a. 11 32 ad sua 
usque tempora (c. 1500), siehe Scriptores rerum Brunsvicensium Bd. II 

Letzner, Joh. Dasselische und Einbeckische Chronica, das ist historische Beschrei- 
bung der uralten Grafen und Herren zu Dassel . . . Erfurt 1596. 

v. Rheden, Tönnies. Leiden und Schicksale Sebandes v. Rheden, f 15995 nieder- 
geschrieben von seinem Sohne, mitgeteilt von Frau Äbtissin v. Rheden zu 
Isenhagen. Vaterländisches Archiv des hist. Ver. f. Niedersachsen 1841. 

Scriptores rerurti Brunsvicensium, herausgegeben von G. W. Leibniz. 3 Bde. 
1707 — II. 

Kratz. Das Güterverzeicbnis von St. Michael in Hildesheim von 1641. Hildesheimer 
Mittwochenblatt 1834. 

Leine- und Deisterzeitung 1934, 22. II. Verzeichnis der Adelshöfe in der Stadt 
Gronau von 1694. 



III. LITERATURVERZEICHNIS. 

Ahlhaus, J. Geistl. Patronat und Inkorporation in der Diözese Hildesheim im 

Mittelalter. Freiburg i. Br. 1928. 
V. Alvensleben, U. Die braunschweigischen Schlösser der Barockzeit und ihr 

Baumeister Hermann Korb (= Kunstwissenschaftliche Studien 21). Berlin 

1937- 
Andreae, Reisen ins Lauensteinische 1769/70. Hannov. Magazin 1774. 

Baring, D. E. Descriptio Salae principatus Calenbergici locorumque adiacentium 
oder Beschreibung der Saala im Amt Lauenstein des Braunschweig-Lüne- 
burgischen Fürstenthums Calenberg ... im gleichen der an dieser Saale 
gelegenen und grenzenden Graf- und Herrschaften. 2 Teile. Lemgo 1744. 

Barner, W. Die Urgeschichte unserer Heimat; siehe Unsere Heimat. 

Barner, W. Urgeschichte des Leineberglandes. Hildesheim und Leipzig 1935. 

Barner, W. Ein spätkarolingisches Bauerngehöft auf der Wüstung Assum, Feld- 
mark Eime. Die Kunde 1935. 

Behrens, C. B. Historische Beschreibung des Hauses der Herren von Steinberg. 
Hannover und Wolfenbüttel 1697. 

Beiträge zur hildesheimischen Geschichte. 3 Bde. Hildesheim 1829/30. 

Bertram, A. Geschichte des Bistums Hildesheim. 3 Bde. Hildesheim 1899, 1916, 1925. 

Bleibaum, Fr. Bildschnitzerfamilien des hannoverschen und hildesheimischen 
Barock. Studien zur deutschen Kunstgeschichte, Heft 227. Straßburg 1924. 

Bock V. Wülfingen, G. W. Geschichte der Bock v. Wülfingen. Hannover 1896- 

Brennecke, Geschichte des hannoverschen Klosterfonds, Teil i die Vorgeschichte: 
Vor- und nachreformatorische Klosterherrschaft und die Geschichte der 
Kirchenreformation im Fürstentum Calenberg-Göttingen; Halbbd. i. Die 
vorreformatorische Klosterherrschaft und die Reformationsgeschichte bis 
zum Erlaß der Kirchenordnung, Hannover 1928; Halbbd. 2, Die Reforma- 
tionsgeschichte von der Visitation ab und das Klosterregiment Erichs des 
Jüngeren, Hannover 1929. Veröffentlichungen der hist. Kommission 12. 

Busse, C. F. A. W. (Past. prim. Elzensis). Memorabilia Ecclesiarum Evangelicarum 
earumque imprimis cleri in Praefectura Poppenburgensi inde a reformationis 
ecclesiast. temporibus ad nostram usque aetatem collecta. Hannoverae 
operibus Schluetereanis 1822. 



QUELLEN UND LITERATUR '235 

Busse, Geschichte der Reformation, der protestantischen Kirche und des evan- 
gelischen Consistorii in dem vormaligen Bistum Hildesheim. Hannov. Magazin 
(1821), Stück 6 — II. 

Busse, Zur Geschichte der Stadt Elze im Fürstenthum Hildesheim. Hannov. 
Magazin 181 8. 

Crusius, G. F. E. Beschreibung des Pfarrdorfes Eberholzen nebst geschichtlichen 
Nachweisungen und einer Sammlung vorhandener Sagen; siehe Koken und 
Lüntzel, Bd. 2, 1833. 

Curs, O. Deutschlands Gaue im 10. Jahrhundert. Nach den Königsurkunden. 
Göttingen 1908. 

Dörries, H. Entstehung und Formenbildung der niedersächsischen Stadt. For- 
schungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. Bd. 27, Heft 2. Stutt- 
gart 1929. 

v. Einem, H. Die Plastik der Lüneburger goldenen Tafel. Hildesheim 1929. Aus 
dem Jahrbuch des Prov.-Mus. zu Hann. N. F. Bd. 4 (Kunsthist. Studien des 
Prov.-Mus. Hann., Sonderdruck i). 

Einrichtung der feierlichen Einweihung der neuerbauten Kirche in der Stadt Elze, 
welche am 29. Juni 1749 als am Tage Petri und Pauli in dem Vertrauen auf 
die göttliche Gnade wird vorgenommen werden. Hildesheim (1749). 

Erdmann, G. Reformation und Gegenreformation im Fürstentum Hildesheim. 
Veröffentlichungen zur Niedersächsischen Geschichte. Heft i. 1899. 

Die Feuersbrünste von Elze, eine gründliche Zusammenstellung der vielfachen 
Verheerungen, die das Städtchen Elze vom Jahre 1553 bis zu dem Jahre 1824 
durch Gluth erlitten hat. J.W. P., Hannover 1825. 

Gebauer, J. Geschichte der Stadt Hildesheim. 2 Bde. Hildesheim 1922 — 24. 

Gebauer, J. Das Hildesheimer Land. Görges-Spehr-Fuhse, Vaterländische Ge- 
schichten und Denkwürdigkeiten, 3. Aufl. Bd. 2, S. 299 — 345. Braunschweig 
1927. 

Greiffenhagen, K. Die Geschichte des Schlosses und Dorfes Brüggen a. d. Leine. 
Osterode 1927. 

Greiffenhagen, C. Die Geschichte der Burg Poppenburg bei Nordstemmen 
a. d. Leine. Hannoverland IX, 191 5. 

Gronau, Hann., kath. Pfarrkirche, Klosterkirche der Dominikaner (1680—1812). 
Photographien- Mappe. Verlag: Bildstelle Dr.-Ing. H. H. Wiedemann, 
Hildesheim. 1938. 

Habicht, V. C. Die mittelalterliche Plastik Hildesheims; Beiträge zur nieder- 
sächsischen Kunstgeschichte. Bd. II. Studien zur deutschen Kunstgeschichte, 
Heft 195. Straßburg 1917. 

Habicht, V. C. Die mittelalterliche Malerei Niedersachsens I; Beiträge zur nieder- 
sächsischen Kunstgeschichte. Bd. IV. Studien zur deutschen Kunstgeschichte, 
Heft 211. Straßburg 1919. 

Habicht, V. C. Der niedersächsische Kunstkreis. Hannover 1930. 

V. Hammerstein, W. C. C. und E. F. V., Frhrn. Geschichte der Freiherrlich von 
Hammersteinschen Familie. Hannover 1856. 

Hannoversches Magazin 1826. Etwas über das Städtchen Gronau (nach Büntings 
und Rethmeiers Braunschw.-Lüneb. Chronik). 

Harenberg, J. Chr. Historia ecclesiae Gandershemensis cathedralis ac collegiatae 
diplomatica. Hannover 1734. 

Hartmann, W. Unsere Heimat im Wandel der Zeiten, siehe Unsere Heimat. 

Havemann, W. Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg. 3 Bde. 
Göttingen 1853 — 57. 

Henkel, K. Handbuch der Diözese Hildesheim. Hildesheim 1917. 

Henkel, K. Kurze Geschichte der Diözese Hildesheim und ihrer Einrichtungen. 
Hildesheim 1917. 

Hennecke, E. Das Archidiakonatsregister der mittelalterlichen Diözese Hildes- 
heim, aus den Quellen ergänzt, mit einer Beigabe über Patrozinien. Zeitschrift 
der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte 1929. 

Hennecke, E. Die Kirchen unserer Heimat, siehe Unsere Heimat. 



236 QUELLEN UND LITERATUR 

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zu Gronau. Ztschr. des Ver. f. Heimatkunde im Bistum Hildesheim. 1933. 

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sachsen. Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens. Bd. 42. 
Hildesheim I935- 

Hoogeweg, H. Verzeichnis der Stifter und Klöster Niedersachsens vor der Refor- 
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Hoogeweg, H. Inventare der nichtstaatlichen Archive im Kreise Alfeld. For- 
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1909. 

Hüttebräuker, Lotte. Das Erbe Heinrichs des Löwen. Veröffentlichungen der 
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Jager, Wilhelm. Straßen und Straßenwesen im Fürstbistum Hildesheim. Disser- 
tation der wirtschafts- und sozialwissensch. Fak. d. Univ. Frankfurt a. M. 
(gedruckt in Bielefeld) 1932. 

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keit der Denkmalpflege usw. 1910/11; 1911/13; 1914/15 — 1918/19; 1919 20 
bis 1922 23. Die Denkmalpflege in der Provinz Hannover 1923 — 26; 1927; 
1928; 1929; 1930—34; 1935, 1936. 

Jürgens, Heiner. Die städtebauliche Entwicklung der Stadt Pattensen a. d. Leine. 
Ein Beitrag zur Baugeschichte der niedersächsischen Kleinstadt auf Hildes- 
heimischem und Calenbergischem Gebiet. Dissertation Technische Hoch- 
schule Hannover 1938. (Manuskript.) 

Katalog des Provinzial-Museums Hannover, Museum für Kunst- und Landesge- 
schichte, I. Gemälde 1930; II. Plastik (Manuskript). 

Kayser, Karl. Die reformatorischen Kirchenvisitationen in den weifischen Landen 
1542 — 44. Göttingen 1897. 

Kayser, K. Die General-Kirchenvisitation von 1588. Ztschr. der Ges. f. nieder- 
sächsische Kirchengeschichte 8, 1904. 

Kayser. Einige Daten zur Geschichte der Stadt Elze. Festbuch zum 14. Gau- 
turnfest des Leine- Weser-Gaues zu Elze, herausgegeben von Rob. Gernhard. 
1902. 

Klewitz, H. W. Studien zur territorialen Entwicklung des Bistums Hildesheim. 
Veröffentlichungen der Histor. Komm. II, 13. Göttingen 1932. 

Koch, G. F. Einige historische Notizen über Brüggen im Ocker-Departement. 
Hannov. Magazin 1812. 

Koken und Lüntzel. Mittheilungen geschichtlichen und gemeinnützigen Inhalts, 
eine Zeitschrift für das Fürstenthum Hildesheim und die Stadt Goslar, herausg. 
von Koken und Lüntzel. 2 Bde. Hildesheim 1832/33. 

Lauenstein, J. B. Historia diplomatica episcopatus Hildesiensis. Das ist Diplo- 
matische Historie des Bisstums Hildesheim... Hildesheim 1740 (zitiert als 
„Lauenstein"). 

Lax, August. Barockdekoration in Stadt und Stift Hildesheim. Hildesheim und 
Leipzig 1930 (Hildesheimer Kunstbücher, Heft 2). 

Lücke, Fr. Das Dorf Sibbesse, seine Realgemeinden und seine geschichtliche 
Entwicklung. Gronau 1920. 

Lüntzel, H. A. Die ältere Diözese Hildesheim. Hildesheim 1837. 

Lüntzel, H. A. Geschichte der Diözese und Stadt Hildesheim, 2 Teile. Hildesheim 

1858 (zitiert als „Lüntzel I und II"). 
Lüntzel siehe auch Koken und Lüntzel. 

Machens, J. Die Archidiakonate des Bistums Hildesheim im Mittelalter. Ein 
Beitrag zur Rechts- und Kulturgeschichte der mittelalterlichen Diözesen. 
Hildesheim 1920. 

Meese, Das Geleitsrecht wie auch die Hoch- und Botmäßigkeit auf der alten Heer- 
straße von Mehle nach Poppenburg und die Tempelherren zu Poppenburg. 
Ztschr. des bist. Ver. f. Niedersachsen 1870. 

Meier, B. Die romanischen Portale zwischen Weser und Elbe. Ztschr. f. Gesch. 
der Architektur. Beiheft 6. Heidelberg 191 1. 



QUELLEN UND LITERATUR 237 

Merian, siehe unter Zeiler. 

Meyer, E. Spätromanische Abendmahlskelche in Norddeutschland. Jahrbuch 
der preußischen Kunstsammlungen 1932. 

Mithoff, H. Wilh. H. Lutherische Kirchen und Kapellen im Fürstentume Hildes- 
heim. Ztschr. des hist. Ver. f. Niedersachsen 1864. 

Mithoff, H. Wilh. H. Kirchen und Kapellen im Königreiche Hannover. Heft i: 
Gotteshäuser im Fürstentum Hildesheim, 1865. 

Mit hoff, H. Wilh. H. Kunstdenkmale und Altertümer im Hannoverschen. Bd. I 
Fürstentum Calenberg. Hannover 1871 (zitiert als Mithoff I). — Bd. HI 
Fürstentum Hildesheim. Hannover 1875 (zitiert als Mithoff HI). 

Müller, E. Das Königsurkunden-Verzeichnis des Bistums Hildesheim und das 
Gründungsjahr des Klosters Steterburg. Archiv f. Urkundenforschung H, 
1909. 

Oppermann, A., und Schuchhardt, C. Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen 
in Niedersachsen. Hannover 1887 — 1916. 

Peters, A. Die Entstehung der Amtsverfassung im Hochstift Hildesheim. Ztschr. 
des hist. Ver. f. Niedersachsen 1905. 

Peters, A. Inventare der nichtstaatlichen Archive im Kreise Gronau. Forschungen 
zur Geschichte Niedersachsens Bd. 2. Hannover und Leipzig 1909. 

Röbbelen, A. H. Geschichte der Stadt Gronau. Neues Vaterländisches Archiv 

1832. 
Rudorff, Das Amt Lauenstein. Ztschr. des hist Ver. f. Niedersachsen 1858. 

Schlegel, J. K. F. Kirchen- und Reformationsgeschichte von Norddeutschland 
und den hannoverschen Staaten. 3 Bde. Hannover 1828 und 1832. 

Schnath, G. Die Herrschaften Everstein, Homburg und Spiegelberg. Göttingen 
1922 (Veröffentlichungen der hist. Kommission f. Hannover 2). 

Schönermark, G., und Stüber, W. Hochbau-Lexikon. Berlin, o. J. 

Schuchhardt, C. Die frühgeschichtlichen Befestigungen in Niedersachsen. Salz- 
uflen 1924. 

Siegemann, Th., und Schramme, W. Geschichte der Stadt Gronau. Gronau 
1931. 

Sonne, H. D. A. Beschreibung des Königreichs Hannover. 5 Bücher. München 
1829—34. 

Sostmann, B. Das Kloster Wülfinghausen. Ztschr. des hist. Ver. f. Niedersachsen 
1873- 

Starcke, Lev. Christ. Evangelischer Kirchenstaat des Hoch-Stiffts und Bissthums 
Hildesheim, worin sowohl die Fundationes als auch alle Pfarr-Patronen 
specificirt zu finden. Hannover und Braunschweig 1730. 

Steindorff, E. Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich HL 2 Bde. 
Leipzig 1874. 

Stölting, B., und Frhr. v. Münchhausen. Die Rittergüter der Fürstentümer 
Calenberg, Göttingen und Grubenhagen. Hannover 1912. 

Stoffregen, H. Chronik von Wülfinghausen und Wittenburg. Leipzig 1895. 

Unsere Heimat, Das Land zwischen Hildesheimcr \X'ald und Ith: herausgegeben 

von W. Barner. Hildesheim 1931. 
Vogell. Katholische Kirchen und Kapellen im hildesheimischen Sprengel. Ztschr. 

des hist. Ver. f. Niedersachsen, 1864. 
Wachsmuth, W. Geschichte von Hochstift und Stadt Hildesheim. Hildesheim 1863. 
Wolf, J. Geschichte des Geschlechts von Hardenberg. Göttingen 1823. 

Zeil er, M. Topographia Saxoniae interioris. Das ist Beschreibung der vornehmsten 
Stätte und Platz in dem hochl. Nider Sachß. Crayß. Frankfurt 1653. 

Zeppenfeldt. Historische Nachrichten von dem Dominikanerkloster in Gronau; 
siehe Beiträge zur Hildesheimischen Geschichte. Bd. H. 

In Vorbereitung befindet sich ein Buch über ,,Das Dominikanerkloster und die 
katholische Pfarrei Gronau", das von dem kath. Pfarramt in Gronau (Pastor Saenger) 
herausgegeben wird und 1940 in Hildesheim erscheinen soll. 



ABBILDUNGSNACHWEIS 

Der größte Teil der abgebildeten Photographien ist während der Bereisung des 
Kreises im Jahre 1935 angefertigt worden. Im übrigen haben Photographien zur 
Verfügung gestellt: 

Die Kunstabteilung des Landesmuseums Hannover mit Genehmigung Seiner 
Königl. Hoheit des Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg Taf. 39 a, b. 

Die Urgeschichtsabteilung des Landesmuseums Hannover Taf. i a, b, 2 a. 

Herr C Barkhausen auf Heinsen Taf. 33 a. 

Herr Kreispfleger Barner in Alfeld Taf. 4 c, 20 c, 24 c, 44 a, 47 a, 49 a, c — h. 

Herr Photograph Breiner in Gronau Taf. 5 a, 26a, 32c, d. 

Herr Photograph Meyer in Elze Taf. 35b. 

Herr Regferungsrat v. Reden in Hannover Taf. 2 b. 

Herr Direktor Saucke in Banteln Taf. 5d. 

Herr Kreispfleger Barner überwies außerdem in dankenswerter Weise einige 
Druckstöcke aus dem von ihm herausgegebenen, 1931 bei A. Lax in 
Hildesheim erschienenen Buch „Unsere Heimat", und zwar zu den 
Tafeln: i8a (Phot. Landesmuseum Hannover); 21a (Phot. Pietzsch, 
Landesmuseum Hannover); 23f; 26a (Phot. Breiner, Gronau); 38,39b 
(Phot. Landesmuseum Hannover, mit Genehmigung Seiner Königl. 
Hoheit des Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg); 39a (Phot. 
Landesmuseum Hannover). 



ZUSÄTZE UND BERICHTIGUNGEN 

Seite 5 Zeile 9 und 15 von unten. Das 1816 datierte Aquarell mit der Ansicht des 
Gutes vom Leinetal aus (Taf. 2 b) zeigt ein schlichtes zweistöckiges Herren- 
haus aus der Jahrhundertwende, an dessen Südschmalseite ein niedrigerer 
Anbau mit Altan anschließt. Das aus Photographien des späteren 19. Jahr- 
hunderts bekannte Haupthaus stimmte in den Abmessungen damit weit- 
gehend überein, gleichwohl lassen vor allem Verschiedenheiten im Dach 
(Mansarddach-Satteldach) und in der Fensterform (rechteckig — ganz leicht 
flachbogig) vermuten, daß es sich um einen Neubau gehandelt hat. Der 
Erweiterungsbau von 1869/70 nahm anscheinend die Stelle des Anbaues 
mit Altan ein. Unter den auf dem Aquarell im Vordergrund sichtbaren 
Figuren ist links der alte General Graf v. Bennigsen mit seiner Frau zu er- 
kennen. 

Seite 80 Nr. i : Mithoff erwähnt noch eine „sehr schöne und gut erhaltene Altar- 
bekleidung von golddurchwirktem Seidenstoff, mit Blumen in lebhaften 
Farben", die, 800 Thlr. werth, ,,von einer Frau v. Hardenberg geschenkt 
und aus deren Hochzeitskleide gemacht sein" soll. 

Seite 173 Zeile 10 von unten: Nach Mithoffs Materialien in der Bibl. des hist. Ver. 
ms. 317 soll das Altarbild dagegen den Einzug Christi in Jerusalem dargestellt 
haben (?). 

Seite HO Zeile 24: statt Mitte 19. Jh. — 1884. 



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nie \iijloschiclilliclic Hin;4;iiihinf ;in ilci' Hcuslcrciucllc, ohciliiill) noii II;iiis l'M'hctdc. :i. ("iiumli'il.l ; nach 
Sc'luichliardl, Alias vor^escIüclillicluT lU'lt'slinun^^oii Nit-iliMsai'liscns. b. l'.iii Teil (U'n Walles. 





IliigclLfräbcr der Bronzezeit im Osterliolz bei Burgstenimen. h. Banteln. Das eliemals gräflicli 
Bennigsensclie Gut; Ansictit von Osten nach einem Aquarell um 1S20 (bez. Hess pinxit 1810). 



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Kantoln. ;i, 1), d. IClicmalitic AiisstaUiin^ssliK-Ui- des CiuInIuuim's, im Ucsil/. vcm 1 i:iii 11. M:nkic\vii/.. Han- 
teln: (icniälde des niss. C.cnorals Levin Ausist Graf v. 15i'nni{j;scn von (l. Hawc mh- 1,s1S(".M. und srincr 
(icmaliiin Marie Leonarde v. Butlowl-Andr/eykowicz von .1. (Ileszkiewie/., ISd'.l. \as<'niit Hildnis <ler Köniiiin 
Luise nacli einem deniälde von .1. 1 1. Seluöder, an^j,el)lieh ISOd. e. Kirche. ( •«■inaldc des (■eiierals Lcviii 
Au"iist Graf v. IJennij^sen von C. Suiir, l.Slö. 




a, c. Befheln. Äußeres der Kircne von Südwesten; Altar von E.D.Bartels, Ilildesheim, 1734. b, d. Bar- 
fclde. Haus Nr. 15, Anfang IX. .Jli.; Inneres der Kirche gegen Westen. 






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I5riiiiu;('n. Schlnl.l von \i\\Y.\. ;i. Ansiclit vom l';iik; 1). Ansicht vom Hof. 












Brnsgen. Schloß, a, h. Knmin und Decke in dem nordwestlichen Risalit-Ivahinett des Ilauptgeschosses. 
c. Wohnzimmer nacli Norden im Ilauptgeschoß. d. Treppe. 



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Brüggcn. üeiuälde iiii Sohloli. a. Kinst 11. von Steinberg ( ?) von Gottfr. Boy, 1758; b. Fürstliche Dame, 
Anfang 18. .Jh.; c. Anna von Steinberg von A. Scheits; d. e. Flnßmündnng nnd Bauernhäuser am Fluß- 
ufer, nietlerländiscli odei- deutsch, IS. .111., signiert VC oder VG. 



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ab IWIVl.k.. Vase., im I>h,rrlu,us. Min.. ,„,d 2. Wmw IS 




ll>_ f. <l.l. üanIHn. K.lcl,. Anli.n- IS. .11,. 



Oblatemlos,., „m 17....; KHch, „n, ,5,,,.; .M.en.ln.^i.lsU.nn. Von T.n- H h, i""',";- 'V'"- '"""" ''• •'"• 
.m Besitz von l-Vau II. Mackiewic/., Hn„.H„, o. |-.„Mh..l •, T , '""7 '''■\''""-" '- -• Hcnni.s.n. ir„..v 



12 





a, b. Biir^stcmmon. Kirclio. Inneres und Außenaiisiehl \<)n SuclusLea. c, d. Ui ii^^ien. Dullkirche \i>n 
Norden und Portal der Schloßkapelle. 



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IJiir^^sIcinmen. Kirc-Iie. a. Inneres tiOi^cn Weslen; I). Clior mit ]'",|)il:iplii(n dci- rusloicn J:u-i>l) Seliwan, 
t l<i4S, und Tobias Keilius, f KJNl; e, <l. liesle dei- Apsisnialercleii inil Di'esis und !■> aiijielislensyniliolen, 
1. Hallte 13. Jli. 







&e ieqenen^tadt 

tvrz\ . 

me Jj-iii-TKricn iJtrOst\)nte erj:cnnnt^. 



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:i, I), (1. Elze. Stadtansiclit von 1/30; Meilenstein zwisclien Wülfingen (Kreis Springe) und Elze, IS. Jh.; 
'liir des Hauses HaujitstraHe 8<) von 17S8. c. Diinsen. Taufstein in der Kapelle von 1605. 



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a. Kmpno. Weihwasserkessel, nach Mitte l-J Jh • i^i t ■ tr 

und Weinkanne von 1828. c. BurgstemmenT KeicCi: V^eSriT Jh/'"*"""""'"""- '^- ^''^-g«"- ^^'^'<=h 



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Kirne. Kirclu'. Fliij;ohill;ir iiiu ir)2tt. :\. (■•csimihmsiilil, l>. .Mill(iri^;ur ilfs Siliifiiis, 
Flüftcls. 



r.iu-U-i'ilf lU's rcililc'ii 



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a. Feldbertiicr Kapelle, b, c, d. Esbeck. Kirche. Ansicht des Turmes von Südwesten; Glocke, ISIitte des 
14. Jhs.; Glocke von Brant Helmes, Hildesheim, 1527. 



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Norden. 



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a. Gronau. AnsidiL iUt Stadl \<)ii X<ii-(h'u mit IviiclUiirin, I^nm'lbrocliU'nscluMii Hol' ri'chl>, Hockliof 1 links. 

b. Gronau. Entiielbrechlcnschcr Hof. ICopfslicbc am DccIcenuntcrzutJ der Diele, e, il. Heinuni. Kapelle. 
Totentafeln des H. C. .\. Wiegerin^i, t l^^HJ. und der .1. l'. C. Winden, t 1J<2!"- e. f. Gronau. Hauinsehrifl 
von 1457 an der Stadtkirche; Stadtwappen, 11. .Jh. 



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;i, b, c. Gronau. Kath. Kirche. üif;i'l um 1720; Andachtskästchen des 18. Jhs. Stadtkirchc. Rückseite des 
linken Altarfliigels, gegen 1420. d. Mehle. Evang. Kirche. Fragment einer Anbetung der hl. drei Könige, 
Anfang l.'j. Jh. 



29 




Gronau. Katli. Kirche, a. Inneres SfrC*"" Norden; 1). Kiuzit'ix in der l>fari\voluuinL; 
c. Vesperbild um 1 190. 



li. llalfle 17. ,Jli. (•.'); 



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a. Gronau. Kath. Kirche. Ziborium, um 1710. b. Petze. Taufschüssel, Anfang 16. Jh. c. Heyersum. 
Altarleuchter, 1586. d, e. Rheden. Kruzifix, 2. Hälfte 15. Jh. und 17. Jh.; Altarleuchter 1746 ( ?). 



31 




a. Mehk'. Kvaiifi. Kiiclu'. AltailoiuhttM-. Mitti- IS. Jli. l). Hrii.?tion. Oblatcn.loso, lf.7 1. c. «i. Gronau. 
Kath. Kirche. Monstranz, 1734; UauchfaU. Anfang 18. Jh. e. Sibbess.-. Altarlei.chter. ltu;5 und An- 
fang 17. Jh. 



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a c Heiiuim Kapelle von Siulwosten ; Detail der Kanzel i.ml 600 (s. Taf. 33 d). b,d. Gronau. Gasthof 
zur Krone •> Hälfte 17. Jh.; zwei Apostelfij;uren aus dem Altar der Stadtkirche (s. Taf. 2ta. b). e. Rheden. 
Kirche. Ornamentstreifen an einem Deckenbalken des Chores, 1610. f. Heyersum. Kirche. Ornamentfnes 
an einer Glocke von Hinrich Quenstaedt in Hildesheim, 1645. 



35 




a. Gronau. Stadtkiirlic Ktcii/.i-iin-s-nippr um i:)2(i. 1). Mclile. Kalli. I^iivlic. Maria auf der Mondsichel; 
um 1470 (jetzt in der kalh. Ivain-lle in i:ize). c. d. e. Xordstenuncn. IVilunt^ssäulclien des 11. Jlis. am 
Südsclialloch des Kirciitiirmes; C.rahsU.in <ier Mar-. V. Starken, f lüitit. auf dem l-'riedliof ; Helicf an der einen 
Gloclve des Härmen Kostei- \()n 1515, 



36 




a. Xordstemmcn. T..n„ der Kirche ^ o„ Sud^ve^ten. b, c ^ 
Inneres gegen Westen, d. Heyersum. Inneres der Kirche 



Mahlerten. Kirche. .\iißenansicht von Südosten; 
gegen Osten. 



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Haus Escherdc. n. Li. . lu mali^r Kirche und die Konventgebäude von Südwesten; b. Inneres der Kirche 
acen Osten (mit nachträglich cint^ezo^enem Geschoßboden). 



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a, b. Popi)eiil)iun. 
Südwesten. 



Ansiclit von SiulwfsUn; (Ut Hnr^liof von N'or(lo>lcn. c. IVt/.c. Turin (ior Kiivln- von 



46 





a, c. J'oppenbur-. Ivath. Kirche. Kasel, Mitte 18. Jh.; Gemälde der Besclineidung Cliristi, um 1600. 

b. Hhcdcn. Kirclie. Epitaph des Hinrich v. Rheden, t 1572, und seiner Gemahlin Anna v. Oberg, f 1568. 
d. l'luvialo aus der Kath. Kirche auf der Poppenburg, 3. Viertel IS. Jh., jetzt im Privatbesitz. 



47 




a. Rhcdfii. Kirche. X<>i<lpint;il des Chores. h. Haus |->ehenle. NoidpoiUil der eheiii;di-en Kirche, 
c. Möllenson. Inneres der Kapelle, d. Ilönze. Inneres der Kapelle. 



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a, b. d. Sibbessc. Kirche. Glocke von 1352; Gesamtansicht und Reliefs auf der Flanke. Taufstein von 
1607. c. Sehlde. Kirche. Taufstein von 1G20. 



51 




a, b. Sibbcssc. Kirche. Inneres ^ej^en Osten; Einzel 
Kirche. Altarkruzifix, um 1750. 



Iicil (hs Alt;wes, um 1720. c. lUieden. 



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Heft 10 



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